<?xml version="1.0" encoding="utf-8"?><FictionBook xmlns="http://www.gribuser.ru/xml/fictionbook/2.0" xmlns:l="http://www.w3.org/1999/xlink"><description><title-info><genre>sf_fantasy</genre><author><first-name>Robert</first-name><last-name>Jordan</last-name></author><book-title>Die Krone der Schwerter</book-title><date>1998</date><coverpage><image l:href="#cover"/></coverpage><lang>de</lang><src-lang>en</src-lang><translator><first-name>Karin</first-name><last-name>K�nig</last-name></translator><sequence name="Das Rad der Zeit" number="7"/></title-info><src-title-info><genre>sf_fantasy</genre><author><first-name>Robert</first-name><last-name>Jordan</last-name></author><book-title>A Crown of Swords</book-title><date>1996</date><lang>en</lang></src-title-info><document-info><author><nickname>N/A</nickname></author><program-used>None, fb2cut 2.5.4, fb2cut 2.6.2</program-used><date value="2012-07-02">2012</date><src-ocr>Tinstar, Zerwas</src-ocr><id>{EFD78FF4-BE56-4CA6-BFA2-F280EF8FD529}</id><version>1.0</version></document-info></description><body><epigraph><p>F�r Harriet,</p><p>der das Verdienst erneut geb�hrt</p></epigraph><section><image l:href="#1"/><empty-line/></section><section><cite><poem><stanza><v>Uns kann weder Gesundheit innewohnen,</v><v>noch kann etwas Gutes in uns gedeihen,</v><v>da das Land eins ist mit dem Wiedergeborenen</v><v>Drachen und er eins ist mit dem Land.</v><v>Mit einer Seele aus Feuer und einem</v><v>Herzen aus Stein siegt er stolz und</v><v>zwingt die Stolzen nachzugeben.</v><v>Er fordert die Berge auf, sich niederzuknien,</v><v>und die Meere, sich zu teilen, und den Himmel</v><v>selbst, sich zu verneigen. Betet, da� sich das</v><v>Herz des Steins an die Tr�nen und</v><v>die Seele aus Feuer an die Liebe erinnern.</v></stanza></poem><text-author>- Aus einer stark umstrittenen</text-author><text-author>�bersetzung der <emphasis>Die Prophezeiungen des Drachen</emphasis></text-author><text-author>des Dichters Kyera Termendal von Shiota,</text-author><text-author>die vermutlich zwischen FJ 700 und FJ 800</text-author><text-author>ver�ffentlicht wurde.</text-author></cite></section><section><title><p>Prolog</p><p>Blitze</p></title><p>Von dem hohen Bogenfenster fast achtzig Spann �ber dem Boden aus, nicht weit von der obersten Spitze der Wei�en Burg entfernt, konnte Elaida viele Meilen �ber Tar Valon bis zu den wogenden Ebenen und den W�ldern hinaussehen, die an den breiten, von Nordwesten heranwogenden Flu� Erinin angrenzten, bevor er sich um die wei�en Mauern der gro�en Inselstadt herum teilte. Unten �berlagerten die langen Morgenschatten die Stadt, aber von diesem erh�hten Standpunkt aus schien alles hell und klar. Nicht einmal die sagenhaften T�rme von Cairhien konnten wirklich mit der Wei�en Burg mithalten. Und sicherlich auch keiner der niedrigeren T�rme Tar Valons, auch wenn die Menschen nah und fern von ihnen und ihren gew�lbten Himmelsbr�cken sprachen.</p><p>In dieser H�he linderte eine best�ndige Brise die unnat�rliche Hitze, die die Welt gefangenhielt. Da das Lichterfest vor�ber war, h�tte Schnee den Boden bedecken sollen, aber das Wetter entsprach eher dem H�hepunkt eines Hochsommers. Ein weiteres Omen daf�r, da� die Letzte Schlacht bevorstand und der Dunkle K�nig die Welt ber�hrte - wenn noch weitere Zeichen n�tig gewesen w�ren. Elaida lie� sich nat�rlich auch beim Abstieg nicht von der Hitze ber�hren. Die Brise war nicht der Grund daf�r, da� sie ihre Unterkunft, trotz der Unbequemlichkeit so vieler Stufen, hier oben in diese schlichten R�ume verlegt hatte.</p><p>Man konnte die einfachen rostroten Bodenfliesen und die wei�en, mit nur wenigen Wandteppichen geschm�ckten Marmorw�nde nicht mit der Erhabenheit des Arbeitszimmers der Amyrlin und den dazugeh�rigen R�umen weiter unten vergleichen. Sie benutzte jene R�ume noch gelegentlich - manche hielten sie f�r die Macht des Amyrlin-Sitzes f�r unerl��lich -, aber sie lebte und arbeitete wegen der Aussicht h�ufiger hier. Aber nicht auf die Stadt oder den Flu� oder die W�lder, sondern auf das, was am Fu� der Burg begann.</p><p>Gewaltige Fundamentierungen waren ausgef�hrt worden. Hohe Holzkr�ne und Bl�cke geschnittenen Marmors und Granits erstreckten sich jetzt �ber den ehemaligen �bungshof der Beh�ter. Steinmetze und Arbeiter schw�rmten wie Ameisen �ber den Platz, und endlose Str�me von Wagen krochen durch die Tore in den Burghof und brachten weitere Steine heran. Auf einer Seite stand ein h�lzernes �Arbeitsmodell�, wie die Steinmetze es nannten, das ausreichend gro� war, da� M�nner geb�ckt hineingehen und sich sehr genau ansehen konnten, wo jeder einzelne Stein plaziert werden sollte. Es war so gro� wie einige Herrenh�user. Die meisten der Arbeiter konnten jedoch nicht lesen - weder Worte noch Bauzeichnungen.</p><p>Wenn ein K�nig oder eine K�nigin einen Palast besa� - warum sollte der Amyrlin-Sitz dann auf R�ume verwiesen werden, die kaum besser waren als jene gew�hnlicher Schwestern? Ihr Palast w�rde der Wei�en Burg in seiner Pracht gleichkommen und eine zehn Spann h�here Spitze als die Burg selbst aufweisen. Alles Blut war aus dem Gesicht des Steinmetzmeisters gewichen, als er das geh�rt hatte. Die Burg war von Ogiern unter Mithilfe von Schwestern, die die Macht gebrauchen konnten, erbaut worden. Ein Blick auf Elaidas Gesicht veranla�te Meister Lerman jedoch, sich nur zu verbeugen und stotternd hervorzubringen, da� nat�rlich alles ihren W�nschen gem�� ausgef�hrt w�rde. Als habe das jemals in Frage gestanden.</p><p>Sie verzog verbittert den Mund. Sie hatte wieder Ogier-Steinmetze einsetzen wollen, aber die Ogier beschr�nkten sich aus irgendeinem Grund auf ihre Steddings. Ihre Aufforderung an den n�chstgelegenen Stedding in den Schwarzen H�geln war abschl�gig beschieden worden. H�flich, aber dennoch abschl�gig und ohne Erkl�rung, auch nicht f�r den Amyrlin-Sitz. Ogier blieben lieber f�r sich. Oder vielleicht zogen sie sich auch nur aus einer unruhigen Welt zur�ck. Ogier hielten sich von menschlichem Hader fern.</p><p>Elaida verbannte die Ogier energisch aus ihrem Geist. Sie war stolz auf ihre F�higkeit, M�gliches von Unm�glichem unterscheiden zu k�nnen. Ogier waren eine Nebens�chlichkeit Sie hatten bis auf die St�dte, die sie vor so langer Zeit gebaut hatten und die sie jetzt nur besuchten, um Instandsetzungen durchzuf�hren, keinen Anteil an der Welt.</p><p>Sie betrachtete die Menschen dort unten, die wie K�fer �ber das Gel�nde krochen, mit leichtem Stirnrunzeln. Der Bau schritt zollweise voran. Ogier standen nicht zur Verf�gung, aber vielleicht konnte die Eine Macht wieder benutzt werden. Nur wenige Schwestern besa�en die wahre Kraft, Erde zu verweben, aber es war nicht so viel Kraft erforderlich, um Steine zu verst�rken oder Stein mit Stein zu verbinden. Ja... Der Palast war vor ihrem geistigen Auge bereits vollendet, Kolonnadeng�nge und gro�e Kuppeln schimmerten wei� und golden, und diese eine Spitze, die bis in den Himmel reichte... Sie hob den Blick zum wolkenlosen Himmel, zu der Stelle, wo die Spitze aufragen w�rde, und sie seufzte tief. Ja. Die entsprechenden Befehle w�rden heute ausgegeben werden.</p><p>Die hohe Kastenuhr im Raum hinter ihr schlug, und auch in der Stadt l�uteten Gongs und Glocken die Stunde, was hier - so hoch oben - nur schwach zu h�ren war. Elaida trat l�chelnd vom Fenster fort, gl�ttete ihr cremefarbenes Seidenkleid mit den roten Schlitzen und richtete die breite, gestreifte Stola des Amyrlin-Sitzes um ihre Schultern.</p><p>An der mit reichen Goldverzierungen versehenen Uhr bewegten sich mit dem Gel�ut kleine Gold-, Silber und Emaillefiguren. Geh�rnte, r�sselbewehrte Trollocs flohen auf einer Ebene vor einer mit einem Umhang bekleideten Aes Sedai. Auf einer anderen Ebene versuchte ein Mann, der einen falschen Drachen darstellte, silberne Lichtblitze abzuwehren, die von einer zweiten Schwester geschleudert wurden. �ber dem Zifferblatt, das sich �ber Elaidas Kopf befand, knieten ein gekr�nter K�nig und eine K�nigin vor der Amyrlin mit ihrer Emaillestola, und die Flamme von Tar Valon, aus einem gro�en Mondstein gehauen, ruhte auf einem goldenen Bogen �ber ihrem Kopf.</p><p>Elaida war nicht oft fr�hlich, aber beim Anblick der Uhr konnte sie ein leises, erfreutes Lachen nicht unterdr�cken. Cemaile Sorenthaine, von den Grauen erhoben, hatte sie in Auftrag gegeben, nachdem sie von einer Wiederkehr zu der Zeit vor den Trolloc-Kriegen getr�umt hatte, als kein Regent einen Thron ohne Billigung der Burg innehaben konnte. Aus Cemailes gro�artigen Pl�nen wurde jedoch nichts, und die Uhr stand drei Jahrhunderte lang in einem staubigen Lagerraum - eine Verlegenheit, die niemand herzuzeigen wagte. Bis Elaida kam. Das Rad der Zeit drehte sich. Was einmal war, konnte wieder sein. W�rde wieder sein.</p><p>Die Kastenuhr beherrschte den Eingang zu ihrem Wohnzimmer und den dahinterliegenden Schlaf- und Ankleider�umen. Edle Wandteppiche, gold- und silberdurchwirkte, farbenpr�chtige Arbeiten aus Tear und Kandor und Arad Doman, hingen jeweils genau gegen�ber ihrem Pendant. Elaida war schon immer f�r Ordnung gewesen. Der rotgr�ngold gemusterte Teppich, der den gr��ten Teil der Fliesen bedeckte, kam aus Tarabon. In jeder Ecke des Raumes stand eine mit schlichten senkrechten Ornamenten verzierte Marmors�ule mit einer wei�en Vase aus zerbrechlichem MeervolkPorzellan mit zwei Dutzend sorgf�ltig arrangierten roten Rosen darauf. Die Eine Macht war erforderlich, um jetzt Rosen erbl�hen zu lassen, besonders bei der D�rre und Hitze - ihrer Meinung nach eine sinnlose Gewohnheit. Vergoldete Schnitzereien in starrem cairhienischen Stil verzierten sowohl den einzigen Stuhl - niemand sa� in ihrer Gegenwart - als auch den Schreibtisch. Ein einfacher Raum mit einer kaum zwei Spann hohen Decke, und doch w�rde er gen�gen, bis ihr Palast fertiggestellt war. Mit dieser Aussicht w�rde er gen�gen.</p><p>Die hohe R�ckenlehne mit der aus ausgesuchten Mondsteinen gestalteten Flamme von Tar Valon ragte �ber ihrem dunkelhaarigen Kopf auf, als sie sich hinsetzte. Nichts verunstaltete die polierte Tischplatte au�er drei zuf�llig angeordneten Schachteln, eine altaranische Lackarbeit. Sie �ffnete die Schachtel mit dem Bild goldener Jagdfalken zwischen wei�en Wolken und nahm einen schmalen Streifen d�nnen Papiers auf einem Stapel Berichten und Briefen heraus.</p><p>Zum vielleicht hundertsten Mal las sie die Nachricht, die vor zw�lf Tagen durch eine Brieftaube aus Cairhien �berbracht worden war. Nur wenige in der Burg wu�ten davon. Niemand au�er ihr kannte den Inhalt der Nachricht oder h�tte auch nur eine Ahnung, was sie bedeutete, wenn sie sie gekannt h�tten. Der Gedanke lie� sie beinahe erneut lachen.</p><p><emphasis>Der Ring wurde dem Bullen durch die Nase gezogen.</emphasis></p><p><emphasis>Ich erwarte eine erfreuliche Reise zum Markt.</emphasis></p><p>Es stand keine Unterschrift darunter, aber das war auch nicht n�tig. Nur Galina Casban konnte diese herrliche Nachricht geschickt haben. Galina, der Elaida zutraute, was sie sonst nur sich selbst zugetraut h�tte. Nicht da� sie irgend jemandem vollkommen vertraut h�tte, aber der Anf�hrerin der Roten Ajah vertraute sie doch mehr als sonst jemandem. Sie war immerhin selbst von den Roten erhoben worden und betrachtete sich in vielen Belangen noch immer als Rote.</p><p><emphasis>Der Ring wurde dem Bullen durch die Nase gezogen.</emphasis></p><p>Rand al'Thor - der Wiedergeborene Drache, der Mann, der kurz davor gestanden zu haben schien, die Welt zu vereinnahmen, der Mann, der bereits entschieden zuviel davon vereinnahmt hatte - war abgeschirmt und stand unter Galinas Kontrolle. Und niemand, der ihm vielleicht geholfen h�tte, wu�te davon. Best�nde auch nur die M�glichkeit, w�re der Wortlaut der Nachricht ein anderer gewesen. Aus verschiedenen fr�heren Nachrichten konnte man schlie�en, da� er das Schnelle Reisen wiederentdeckt hatte, ein Talent, das den Aes Sedai seit der Zerst�rung der Welt verlorengegangen war, und doch hatte ihn das nicht gerettet. Es hatte Galina sogar in die H�nde gespielt. Rand hatte offenbar die Angewohnheit, ohne Ank�ndigung zu kommen und zu gehen. Wer w�rde vermuten, da� er dieses Mal nicht gegangen war, sondern gefangengenommen wurde?</p><p>Innerhalb einer Woche - h�chstenfalls zwei - w�re al'Thor in der Burg, streng �berwacht, bis zur Letzten Schlacht sicher in Gewahrsam, und seine Verw�stung der Welt war aufgehalten. Es w�re Wahnsinn, einen Mann, der die Macht lenken konnte, frei herumlaufen zu lassen, aber vor allem gebe das Licht, da� es, trotz der D�rre, noch Jahre dauern m�ge, bis der Mann dem Dunklen K�nig in der Letzten Schlacht gegen�bertreten w�rde, wie es die Prophezeiung voraussagte. Es w�rde Jahre dauern, die Welt wieder in Ordnung zu bringen, wobei man damit beginnen m��te, r�ckg�ngig zu machen, was al'Thor getan hatte.</p><p>Nat�rlich war der von ihm verursachte Schaden nichts im Vergleich zu dem Schaden, den er als freier Mann noch h�tte verursachen k�nnen. Ganz zu schweigen von der M�glichkeit, da� er h�tte get�tet werden k�nnen, bevor er gebraucht wurde. Nun, dieser st�rmische junge Mann w�rde so sicher wie ein Kind in den Armen seiner Mutter geborgen sein, bis es an der Zeit war, ihn zum Shayol Ghul zu bringen. Danach, wenn er �berlebte...</p><p>Elaida sch�rzte die Lippen. Die Prophezeiungen des Drachen schienen zu besagen, da� er nicht �berleben w�rde, was unleugbar das Beste w�re.</p><p>�Mutter?� Elaida zuckte bei Alviarins Anrede fast zusammen. Wie konnte sie eintreten, ohne anzuklopfen! �Ich habe Nachricht von den Ajahs, Mutter.� Die schlanke und k�hl wirkende Alviarin trug, passend zu ihrem Kleid, die schmale, wei�e Stola der Beh�terin der Chronik, die zeigte, da� sie von den Wei�en erhoben worden war, aber aus ihrem Munde wurde das Wort �Mutter� weniger zu einem Ehrentitel als zur Anrede einer Gleichstehenden.</p><p>Alviarins Anwesenheit gen�gte, um Elaidas gute Stimmung zu beeintr�chtigen. Der Umstand, da� die Beh�terin der Chronik aus den Reihen der Wei�en und nicht der Roten kam, war stets eine unangenehme Erinnerung an Elaidas Schw�che zu der Zeit, als sie gerade erhoben worden war. Sicherlich war diese Schw�che teilweise �berwunden, aber nicht vollst�ndig. Noch nicht. Sie war es leid, bedauern zu m�ssen, da� sie nur so wenige pers�nliche Augen-und-Ohren au�erhalb Andors hatte und ihre und Alviarins Vorg�ngerinnen entkommen waren - da� man ihnen zur Flucht verhelfen hatte; sie mu�ten Hilfe gehabt haben! -, bevor man den Zugang zu den Informationen der Amyrlins erfahren konnte.</p><p>Sie ben�tigte diesen Zugang, der ihr rechtm��ig zustand, �beraus dringend. Aufgrund fester Tradition lie�en die Ajahs der Beh�terin der Chronik jedes Quentchen Information ihrer eigenen Augen-und-Ohren zukommen, an dem sie die Amyrlin teilhaben lassen wollten, aber Elaida war davon �berzeugt, da� die Frau sogar von diesem Wenigen noch etwas zur�ckhielt. Und doch konnte sie die Ajahs nicht um direkte Informationen bitten. Es war schon schlimm genug, schwach zu sein, auch ohne die Welt noch um etwas bitten zu m�ssen, und die Burg ohnehin, die gerade den wichtigsten Teil der Welt darstellte.</p><p>Elaida behielt einen ebenso k�hlen Gesichtsausdruck wie Alviarin bei und gew�hrte ihr nur ein Nicken als Antwort, w�hrend sie vorgab, Papiere aus der Lackschachtel durchzusehen. Sie wandte sie langsam eines nach dem anderen um und legte sie ebenso langsam wieder in die Schachtel zur�ck, ohne wirklich ein Wort aufzunehmen. Es war bitter, Alviarin warten zu lassen, weil es kleinlich war, aber sie konnte jemandem, der ihre Dienerin h�tte sein sollen, nur mit Kleinlichkeit beikommen.</p><p>Eine Amyrlin konnte jede gew�nschte Verf�gung erlassen, da ihr Wort Gesetz und daher unumschr�nkt war. Praktisch bedeuteten viele jener Verf�gungen ohne Unterst�tzung des Saals der Burg jedoch verschwendete Tinte und Papier. Keine Schwester w�rde einer Amyrlin den Gehorsam verweigern, zumindest nicht direkt, aber die Ausf�hrung vieler Verf�gungen bedingten hundert andere anzuordnende Dinge. In den besten Zeiten konnte dies langsam geschehen und gelegentlich so langsam, da� es niemals geschah.</p><p>Alviarin stand k�hl und regungslos da. Elaida schlo� die altaranische Schachtel, behielt aber den Streifen Papier in der Hand, der ihren sicheren Sieg bedeutete. Sie betastete den Streifen unbewu�t wie einen Talisman.</p><p>�Haben Teslyne oder Joline sich endlich herabgelassen, �ber mehr als nur ihre sichere Ankunft zu berichten?�</p><p>Diese Frage sollte Alviarin daran erinnern, da� niemand sich als gesch�tzt betrachten durfte. Niemanden k�mmerte es, was in Ebou Dar geschah - Elaida am wenigsten von allen. Die Hauptstadt Altaras k�nnte im Meer versinken - au�er den H�ndlern w�rden es nicht einmal die �brigen Einwohner bemerken. Aber Teslyn war fast f�nfzehn Jahre lang die Vorsitzende des Saals gewesen, bevor Elaida ihr befohlen hatte, auf ihr Amt zu verzichten. Wenn Elaida eine Sitzende - eine Rote Sitzende - fortschicken konnte, die ihren Aufstieg von einer Gesandten zur Inhaberin eines mit Fliegenschmutz befleckten Throns unterst�tzt hatte, w�hrend niemand sicher wu�te warum, aber hundert Ger�chte umgingen, konnte sie jedermann beherrschen. Aber mit Joline verhielt es sich anders. Sie hatte den Vorsitz der Gr�nen Ajah nur wenige Wochen innegehabt. Niemand zweifelte daran, da� die Gr�nen sie nur auserw�hlt hatten, um zu verdeutlichen, da� sie sich von der neuen Amyrlin nicht einsch�chtern lassen w�rden, die ihr eine schreckliche Bu�e auferlegt hatte. Nat�rlich durfte sie diese Unversch�mtheit nicht durchgehen lassen und hatte es auch nicht getan. Auch das wu�te jedermann.</p><p>Es sollte Alviarin daran erinnern, da� sie verwundbar war, aber die schlanke Frau l�chelte nur ihr k�hles L�cheln. Solange der Saal seine gegenw�rtige Zusammensetzung beibehielt, war sie gesch�tzt. Sie bl�tterte die Papiere in ihrer Hand durch und zog dann eines hervor. �Kein Wort von Teslyn oder Joline, Mutter, nein, obwohl Ihr mit den Nachrichten, die Ihr bis jetzt von den Thronen erhalten habt...� Das L�cheln vertiefte sich beinahe zu einer Belustigung. �Sie m�chten alle versuchen festzustellen, ob Ihr so stark wie ... wie Eure Vorg�ngerin seid.� Selbst Alviarin besa� genug Verstand, den Namen <emphasis>Sanche</emphasis> in Elaidas Gegenwart nicht zu nennen. Es entsprach jedoch der Wahrheit: Alle K�nige und K�niginnen und sogar einfache Adlige schienen die Grenzen ihrer Macht auszuloten. Sie mu�te Exempel statuieren.</p><p>Alviarin fuhr mit auf das Schreiben gerichtetem Blick fort: �Aber wir haben Nachricht aus Ebou Dar, von den Grauen.� Hatte sie das betont, um den Dorn noch tiefer einzutreiben? �Anscheinend befinden sich Elayne Trakand und Nynaeve al'Meara dort. Sie geben sich K�nigin Tylin gegen�ber mit dem Segen der aufr�hrerischen ... Abordnung ... als Vollschwestern aus. Au�erdem sind dort noch zwei andere, deren Identit�t noch nicht bekannt ist und die vielleicht das gleiche tun. Die Listen derer, die sich bei den Aufr�hrern aufhalten, sind unvollst�ndig. Vielleicht begleiten sie sie auch nur. Die Grauen sind sich nicht sicher.�</p><p>�Warum, unter dem Licht, sollten sie sich in Ebou Dar aufhalten?� fragte Elaida herablassend. Dar�ber h�tte Teslyn bestimmt berichtet. �Die Grauen geben jetzt wohl schon Ger�chte weiter. Tarnas Nachricht besagte, da� sie bei den Aufr�hrern in Salidar seien.� Tarna Feir hatte auch berichtet, Siuan Sanche dort gesehen zu haben. Und Logain Ablar, der jene boshaften L�gen verbreitete, die zu best�tigen - und noch viel weniger zu bestreiten - keine der Roten Schwestern sich herablassen konnte. Die Sanche-Frau hatte mit diesen Unannehmlichkeiten zu tun, oder die Sonne w�rde morgen im Westen aufgehen. Warum hatte sie nicht einfach davonkriechen und sterben k�nnen, h�bsch au�er Sicht, wie andere ged�mpfte Frauen?</p><p>Es kostete sie M�he, nicht tief durchzuatmen. Logain konnte in aller Stille geh�ngt werden, sobald die Aufr�hrer unterworfen waren. Die meisten Menschen hielten ihn ohnehin schon lange f�r tot. Die �ble Nachrede der Roten Ajah, da� er ein falscher Drache sei, w�rde mit ihm sterben. Und wenn die Aufr�hrer unter Kontrolle waren, konnte die Sanche-Frau dazu gebracht werden, der Amyrlin den Zugang zu den Augen-und-Ohren zu nennen. Und die Namen der Verr�ter, die ihr zur Flucht verhelfen hatten. Es war t�richt zu hoffen, da� Alviarins Name darunter w�re. �Ich kann mir kaum vorstellen, da� das al'Meara-M�dchen nach Ebou Dar l�uft und eine Aes Sedai zu sein behauptet. Und bei Elayne kann ich es mir noch weniger vorstellen.�</p><p>�Ihr habt befohlen, da� Elayne gefunden werden soll, Mutter. Ihr sagtet, es sei genauso wichtig, wie al'Thor unter Kontrolle zu bringen. Als sie sich in Salidar unter dreihundert Aufr�hrern befand, konnte nichts getan werden, aber sie wird im Tarasin-Palast nicht so gut gesch�tzt sein.�</p><p>�Ich habe keine Zeit f�r Geschw�tz und Ger�chte.� Elaida stie� jedes einzelne Wort ver�chtlich aus. Wu�te Alviarin mehr, als sie wissen sollte, da sie al'Thor und die Tatsache erw�hnte, da� er unter Kontrolle gebracht werden sollte? �Ich schlage vor, da� Ihr Tarnas Bericht erneut lest und Euch dann fragt, ob selbst Aufr�hrer zulassen w�rden, da� eine Aufgenommene die Stola zu besitzen behauptet.�</p><p>Alviarin wartete mit sichtlicher Geduld, da� sie zum Ende k�me, �berpr�fte dann erneut ihr B�ndel Papiere und zog vier weitere Bl�tter daraus hervor. �Der Vertreter der Grauen hat Skizzen gesandt�, sagte sie sanft, w�hrend sie die Seiten darbot. �Er ist kein K�nstler, aber Elayne und Nynaeve sind wiederzuerkennen.� Kurz darauf, als Elaida die Zeichnungen nicht entgegennahm, steckte sie die Bl�tter unter den Stapel Papiere.</p><p>Elaida sp�rte sich vor Zorn und Verlegenheit err�ten. Alviarin hatte sie bewu�t soweit gebracht, indem sie die Skizzen nicht sofort gezeigt hatte. Sie sagte nichts dazu - alles andere w�re noch besch�mender gewesen -, aber ihre Stimme wurde kalt. �Sie sollen gefangengenommen und zu mir gebracht werden.�</p><p>Der Mangel an Neugier auf Alviarins Gesicht lie� Elaida sich erneut fragen, wieviel die Frau von dem wu�te, was sie nicht wissen sollte. Das al'Meara-M�dchen k�nnte sich sehr wohl als Handhabe gegen al'Thor erweisen, da beide aus demselben Dorf stammten. Alle Schwestern wu�ten das, genauso wie sie wu�ten, da� Elayne die Tochter-Erbin Andors und ihre Mutter tot war. Die vagen Ger�chte, die Morgase mit den Wei�m�nteln in Verbindung brachten, waren vollkommener Unsinn, da sie die Kinder des Lichts niemals um Hilfe gebeten h�tte. Sie war tot, ohne da� auch nur ein Leichnam zur�ckgeblieben war, und Elayne w�rde K�nigin sein - wenn man sie von den Aufr�hrern losrei�en konnte, bevor die andoranischen H�user statt dessen Dyelin auf den L�wenthron brachten. Es war keineswegs allgemein bekannt, was Elayne gr��ere Wichtigkeit als anderen Adligen mit einem starken Anspruch auf den Thron verlieh. Nat�rlich zus�tzlich zu der Tatsache, da� sie eines Tages eine Aes Sedai w�re.</p><p>Elaida besa� manchmal die Gabe des Vorhersagens, ein Talent, das viele vor ihr verloren glaubten, und sie hatte vor langer Zeit vorhergesagt, da� das K�nigliche Haus von Andor die L�sung zum Sieg in der Letzten Schlacht in H�nden hielt. F�nfundzwanzig Jahre und mehr waren vergangen, und sobald deutlich wurde, da� Morgase Trakand den Thron in der Erbfolge einnehmen w�rde, hatte Elaida sich an die Fersen des M�dchens geheftet, das sie damals noch war. Elaida wu�te nicht, wie entscheidend Elayne in dieser Sache war, aber das Vorhersagen entsprach niemals der Unwahrheit. Manchmal ha�te sie dieses Talent beinahe. Sie ha�te Dinge, die sie nicht kontrollieren konnte.</p><p>�Ich will sie alle vier, Alviarin.� Die anderen beiden waren gewi� unwichtig, aber sie w�rde kein Risiko eingehen. ��berbringt Teslyn auf der Stelle meinen Befehl. Sagt ihr - und Joline -, da� sie sich w�nschen werden, niemals geboren worden zu sein, wenn sie von jetzt an nicht regelm��ig Bericht erstatten. Und gebt auch die Nachricht von der Macura-Frau an sie weiter.� Sie verzog bei diesen letzten Worten den Mund.</p><p>Der Name lie� auch Alviarin sich unbehaglich regen, was nicht verwunderlich war. Ronde Macuras b�ser kleiner Aufgu� k�nnte jeder Schwester Unbehagen bereiten. Gabelwurz war nicht t�dlich - zumindest wachte man wieder auf, wenn man nur eine Dosis zum Einschlafen genommen hatte -, aber wenn man eine Dosis einsetzte, die die F�higkeit einer Frau, die Macht zu lenken, schw�chte, schien dies unmittelbar gegen Aes Sedai gerichtet. Bedauerlich, da� die Nachricht nicht eingetroffen war, bevor Galina fortging. Wenn Gabelwurz bei M�nnern genauso gut wirkte wie anscheinend bei Frauen, h�tte es ihre Aufgabe erheblich erleichtert.</p><p>Alviarins Unbehagen hielt nur einen kurzen Moment an, dann gewann sie ihre Selbstbeherrschung zur�ck und wurde erneut so unnachgiebig wie eine Eismauer. �Wie Ihr w�nscht, Mutter. Sicherlich werden sie sofort gehorchen, wie es gewi� auch sein sollte.�</p><p>J�her Zorn ergriff Elaida wie Feuer eine trockene Weide. Das Schicksal der Welt lag in ihren H�nden, aber st�ndig gerieten ihr unwichtige Stolpersteine in den Weg. Schlimm genug, da� sie sich um Aufr�hrer und widerspenstige Herrscher k�mmern mu�te, aber zudem br�teten und murrten zu viele Sitzende hinter ihrem R�cken, was den anderen Frauen eine gute Grundlage bot. Sie hatte nur sechs Sitzende fest unter Kontrolle, und sie vermutete, da� mindestens ebenso viele Alviarin genau zuh�rten, bevor sie abstimmten. Sicherlich wurde vom Saal nichts Wesentliches genehmigt, wenn Alviarin nicht zustimmte. Es ging nicht um offen gezeigte Zustimmung, die best�tigt h�tte, da� Alviarin mehr Einflu� oder Macht besa�, als sie eine Beh�terin der Chronik besitzen sollte, aber wenn Alviarin gegen etwas war... Zumindest waren sie nicht soweit gegangen, etwas zur�ckzuweisen, was Elaida ihnen sandte. Sie verz�gerten Dinge einfach nur und lie�en ihre W�nsche zu oft verk�mmern. Sie mu�te eigentlich noch dankbar sein. Einige Amyrlins waren zu kaum mehr als Marionetten geworden, wenn der Saal erst Geschmack daran gefunden hatte zu verwerfen, was jene vorantrieben.</p><p>Sie rang die H�nde, und der Papierstreifen knisterte leise.</p><p><emphasis>Der Ring wurde dem Bullen durch die Nase gezogen.</emphasis></p><p>Alviarin wirkte so gefa�t wie eine Marmorstatue, aber es k�mmerte Elaida nicht mehr. Der Schafhirte war auf dem Weg zu ihr. Die Aufr�hrer w�rden zerschlagen, der Saal eingesch�chtert, Alviarin auf die Knie gezwungen und jeder einzelne widerspenstige Regent zur R�son gebracht werden - von Tenobia von Saldaea, die sich vor ihrer Abordnung verbarg, bis zu Mattin Stepaneos von Illian, der sich erneut nicht festlegen wollte, sondern mit ihr und den Wei�m�nteln und, soweit sie wu�te, auch mit al'Thor �bereinzustimmen versuchte. Elayne w�rde auf den Thron in Caemlyn gebracht werden, ohne da� ihr dabei ihr Bruder in den Weg geriet, und sie w�re sich vollkommen bewu�t, wer sie dorthin gebracht hatte. Ein wenig erneut in der Burg verbrachte Zeit w�rde sie zu Wachs in Elaidas H�nden werden lassen.</p><p>�Ich will, da� jene M�nner vernichtet werden, Alviarin.� Es war nicht n�tig zu sagen, wen sie meinte.</p><p>Die halbe Burg sprach von nichts anderem als von jenen M�nnern in der Schwarzen Burg, und die andere H�lfte fl�sterte heimlich �ber sie.</p><p>�Es gibt beunruhigende Berichte, Mutter.� Alviarin sah ihre Papiere noch einmal durch, aber Elaida glaubte, da� es nur ihre Unruhe verbergen sollte. Sie zog keine weiteren Bl�tter hervor, und wenn die Frau auch nichts lange beunruhigte - dieser unselige Misthaufen au�erhalb Caemlyns mu�te es tun.</p><p>�Noch mehr Ger�chte? Glaubt ihr die Geschichten �ber angeblich Tausende, die als Antwort auf jenen garstigen Straferla� in Caemlyn zusammenstr�men?� Es war nicht al'Thors geringste Tat, aber kaum ein Grund zur Besorgnis. Nur ein Haufen Schmutz, der beseitigt werden mu�te, bevor Elayne in Caemlyn gekr�nt wurde.</p><p>�Nat�rlich nicht, Mutter, aber...�</p><p>�Toveine soll anf�hren. F�r diese Aufgabe sind die Roten zust�ndig.� Toveine Gazal war f�nfzehn Jahre von der Burg fortgewesen, bis Elaida sie zur�ckberief. Die beiden anderen Roten Sitzenden, die verzichtet und sich gleichzeitig �freiwillig� zur�ckgezogen hatten, waren nerv�se Frauen, aber anders als Lirene und Tsutama war Toveine in ihrem einsamen Exil nur h�rter geworden. �Sie soll f�nfzig Schwestern zur Verf�gung gestellt bekommen.� Elaida hegte keinen Zweifel, da� sich h�chstens zwei oder drei M�nner in dieser Schwarzen Burg befanden, die tats�chlich die Macht lenken konnten. F�nfzig Schwestern sollten sie leicht �berw�ltigen. Und doch k�nnten noch andere dort sein, mit denen sie sich besch�ftigen m��ten. Nachl�ufer, Zivilisten, die der Truppe nachzogen, Toren voller sinnloser Hoffnungen und unvern�nftigem Ehrgeiz. �Und sie soll hundert -nein, zweihundert - Angeh�rige der Wache mitnehmen.�</p><p>�Seid Ihr sicher, da� das klug ist? Die Ger�chte �ber Tausende sind verr�ckt, aber ein Vertreter der Gr�nen in Caemlyn behauptet, da� sich in dieser Schwarzen Burg �ber vierhundert Mann aufhalten. Ein schlauer Bursche. Anscheinend hat er die Proviantwagen gez�hlt, welche die Stadt verlassen. Und Ihr seid Euch doch der Ger�chte bewu�t, da� Mazrim Taim bei ihnen sein soll.�</p><p>Elaida behielt nur m�hsam einen gelassenen Gesichtsausdruck bei. Sie hatte verboten, da� Taims Name erw�hnt w�rde, und es war bitter, da� sie es nicht wagte - nicht wagte! -, Alviarin eine Strafe aufzuerlegen. Die Frau sah ihr unverwandt in die Augen. Das Fehlen eines auch nur oberfl�chlichen �Mutter� war bezeichnend. Und die Frechheit, sie zu fragen, ob ihr Handeln klug sei! Sie war der Amyrlin-Sitz! Nicht die Erste unter Gleichgestellten - der Amyrlin-Sitz!</p><p>Sie �ffnete die gr��te der Lackschachteln, und geschnitzte Elfenbeinminiaturen auf grauem Samt wurden sichtbar. H�ufig tr�stete es sie schon, wenn sie ihre Sammlung nur ber�hrte, aber vor allem lie� es, genau wie das Stricken, das sie geno�, denjenigen, wer auch immer sie aufsuchte, seinen Platz erkennen, wenn sie den Miniaturen anscheinend mehr Aufmerksamkeit schenkte als den Worten des Betreffenden. Sie betastete zuerst eine auserlesene Katze, schlank und geschmeidig, dann eine sorgf�ltig gekleidete Frau mit einem eigent�mlichen kleinen Tier, ein Phantasieprodukt des Schnitzers, fast wie ein in Haar geh�llter Mann, der auf ihrer Schulter kauerte, aber letztendlich erw�hlte Elaida einen Fisch, der so fein gearbeitet war, da� er trotz des vom Alter gelb gewordenen Elfenbeins fast echt erschien.</p><p>�Vierhundert Mann aus dem P�bel, Alviarin.� Sie f�hlte sich bereits ruhiger, da Alviarins Mund zu einer schmalen Linie geworden war. Nur ein wenig, aber sie geno� jeden Ri� in der Fassade der Frau. �Wenn es so viele sind. Und nur ein Narr k�nnte glauben, da� mehr als einer oder zwei von ihnen die Macht lenken k�nnen. H�chstens! Wir haben in zehn Jahren nur sechs M�nner mit dieser F�higkeit gefunden. Und nur vierundzwanzig w�hrend der letzten zwanzig Jahre. Ihr wi�t, wie das Land ges�ubert wurde. Und was Taim betrifft...� Der Name brannte auf ihrer Zunge. Der einzige falsche Drache, der jemals entkommen konnte und ged�mpft wurde, sobald er in den H�nden der Aes Sedai war Das wollte sie nicht in der Chronik �ber ihre Regierungszeit lesen, und sicher nicht, bevor sie nicht beschlossen hatte, wie dar�ber berichtet werden sollte. Gegenw�rtig sagte die Chronik noch nichts �ber die Zeit nach seiner Gefangennahme aus.</p><p>Sie strich mit dem Daumen �ber die Fischschuppen. �Er ist tot, Alviarin, sonst h�tten wir schon l�ngst etwas von ihm geh�rt, und er dient nicht al'Thor. K�nnt Ihr Euch vorstellen, da� er zun�chst behauptete, der Wiedergeborene Drache zu sein, um diesem dann zu <emphasis>dienen?</emphasis> K�nnt Ihr Euch vorstellen, da� er in Caemlyn w�re, ohne da� Davram Bashere zumindest versuchen w�rde, ihn zu t�ten?� Sie bewegte den Daumen schneller �ber den Elfenbeinfisch, als sie sich in Erinnerung rief, da� der Marschall-General von Saldaea in Caemlyn Befehle von al'Thor entgegennahm. Worauf wollte Tenobia hinaus? Elaida behielt dies alles jedoch f�r sich und hielt ihr Gesicht ausdruckslos.</p><p>�Es ist gef�hrlich, die Zahl vierundzwanzig laut zu nennen�, sagte Alviarin unheilvoll ruhig, �genauso gef�hrlich wie die Zahl zweitausend. Die Chronik berichtet nur von sechzehn. Wir d�rfen diese Jahre nicht Wiederaufleben lassen oder Schwestern, die nur wissen, was ihnen gesagt wurde, die Wahrheit herausfinden lassen. Selbst diejenigen, die Ihr zur�ckgerufen habt, bewahren Schweigen.�</p><p>Elaidas Gesicht nahm einen gedankenverlorenen Ausdruck an. Soweit ihr bekannt war, hatte Alviarin die Wahrheit �ber jene Jahre erst erfahren, nachdem sie zur Beh�terin der Chronik erhoben worden war, aber ihr Wissen war pers�nlicherer Natur. Nicht da� Alviarin sich dessen bewu�t sein k�nnte - jedenfalls nicht mit Gewi�heit. �Tochter, was auch immer sich daraus ergibt - ich habe keine Furcht. Wer wird mir eine Strafe auferlegen und wof�r?� Damit war die Wahrheit h�bsch verh�llt, aber das beeindruckte die andere Frau offenbar �berhaupt nicht.</p><p>�Die Chronik berichtet �ber einige Amyrlins, die aus einem �blicherweise unklaren Grund eine �ffentliche Strafe auf sich nahmen, aber mir schien es stets, als h�tte eine Amyrlin es vielleicht so aufschreiben lassen, wenn sie keine andere Wahl hatte als...�</p><p>Elaida schlug mit der Hand auf den Tisch. �Genug, Tochter! Ich bin das Burggesetz! Was verborgen wurde, wird verborgen bleiben, aus dem gleichen Grund, aus dem es zwanzig Jahre lang verborgen blieb - zum Nutzen der Wei�en Burg.� Erst dann sp�rte sie den Schmerz in ihrer Handfl�che. Sie hob die Hand und offenbarte den entzweigebrochenen Fisch aus Elfenbein. Wie alt war er gewesen? F�nfhundert Jahre? Tausend Jahre? Es kostete sie erhebliche M�he, nicht vor Zorn zu beben. Ihre Stimme war sicherlich davon beeintr�chtigt. �Toveine soll f�nfzig Schwestern und zweihundert Angeh�rige der Burgwache nach Caemlyn zu dieser Schwarzen Burg f�hren, wo sie jeden Mann d�mpfen sollen, der die Macht lenken kann. H�ngt jeden zusammen mit so vielen anderen, wie sie lebend gefangennehmen k�nnen.� Alviarin blinzelte angesichts dieser Verletzung des Burggesetzes nicht einmal. Elaida hatte die Wahrheit ausgesprochen, wie sie sie sah. Die Amyrlin war das Burggesetz. �Und h�ngt auch die Toten. Sie sollen eine Warnung f�r jedermann sein, der auch nur daran denkt, die Wahre Quelle zu ber�hren. Toveine soll zu mir kommen. Ich will ihren Plan h�ren.�</p><p>�Alles wird Euren Befehlen gem�� ausgef�hrt werden, Mutter.� Die Antwort der Frau erfolgte genauso k�hl und beherrscht, wie ihr Gesicht es war. �Aber wenn ich einen Vorschlag machen d�rfte - vielleicht m�chtet Ihr noch einmal dar�ber nachdenken, so viele Schwestern von der Burg fortzuschicken. Anscheinend fanden die Aufr�hrer Euer Angebot unzul�nglich. Sie befinden sich nicht mehr in Salidar, sondern sie sind auf dem Marsch. Die Berichte kommen zwar aus Altara, aber sie d�rften inzwischen bereits in Murandy sein. Und sie haben sich selbst eine Amyrlin erw�hlt.� Sie �berflog das erste Blatt ihres Stapels Papier, als suche sie nach dem Namen. �Es ist anscheinend Egwene al'Vere.�</p><p>Da� Alviarin dies - die wichtigste Nachricht - bis jetzt aufgespart hatte, h�tte Elaida vor Zorn zerspringen lassen m�ssen. Statt dessen warf sie den Kopf zur�ck und lachte. Die �berraschung auf Alviarins Gesicht lie� sie noch lauter lachen, bis sie sich die Augen wischen mu�te.</p><p>�Ihr erkennt es nicht�, sagte sie, als sie zwischen Wogen der Heiterkeit wieder sprechen konnte. �Ihr seid zum Gl�ck die Beh�terin der Chronik, Alviarin, und keine Sitzende. Im Saal w�rden die anderen Euch, blind wie Ihr seid, innerhalb eines Monats beiseite schieben und Euch nur noch heranholen, wenn sie Eure Stimme brauchten.�</p><p>�Ich erkenne genug, Mutter.� Alviarins eiseskalte Stimme enthielt keinerlei Empfindung. �Ich sehe dreihundert und vielleicht mehr aufr�hrerische Aes Sedai, die mit einem von Gareth Bryne - der als gro�er Feldherr anerkannt ist - angef�hrten Heer auf Tar Valon zumarschieren. Auch wenn man die eher l�cherlichen Berichte mit Vorsicht betrachtet, k�nnte dieses Heer �ber zwanzigtausend Mann umfassen, und da Bryne es anf�hrt, werden in jedem Dorf und jeder Stadt, durch die sie ziehen, weitere hinzukommen. Ich will damit nat�rlich nicht sagen, da� ihre Hoffnung, die Stadt einzunehmen, berechtigt w�re, aber diese Angelegenheit ist wohl kaum ein Grund zur Heiterkeit. Chubain sollte befohlen werden, weitere Erhebungen f�r die Burgwache durchzuf�hren.�</p><p>Elaida senkte den Blick ungehalten auf den zerbrochenen Fisch, und dann stand sie auf und schritt, Alviarin den R�cken zugewandt, zum n�chstgelegenen Fenster. Der im Bau befindliche Palast vertrieb den bitteren Geschmack - das und der Streifen Papier, den sie noch immer umklammert hielt.</p><p>Sie l�chelte auf ihren zuk�nftigen Palast hinab. �Dreihundert Aufr�hrer, ja, aber ihr solltet Tarnas Bericht abermals lesen. Mindestens einhundert Aufr�hrer sind bereits kurz davor, sich loszul�sen.� Sie vertraute Tarna in gewissem Umfang. Sie war eine Rote, die keine unsinnigen Gedanken hegte, und sie sagte, die Aufr�hrer seien bereit, den Schatten anzugreifen. Stille, verzweifelte Schafe, die nach einem Hirten suchen, sagte sie. Sie war nat�rlich eine Wilde, aber dennoch vern�nftig. Tarna sollte bald zur�ckkehren und einen vollst�ndigeren Bericht abgeben k�nnen. Nicht da� er n�tig w�re. Elaidas Pl�ne zeigten unter den Aufr�hrern bereits ihre Wirkung. Aber das war ihr Geheimnis.</p><p>�Tarna war sich stets sicher, Menschen zu etwas bringen zu k�nnen, das sie nicht tun wollten.� War dies mit besonderer Betonung ge�u�ert worden, mit einem bedeutungsvollen Unterton? Elaida beschlo�, es zu ignorieren. Noch durfte sie zu vieles an Alviarin nicht beachten, aber der Tag w�rde kommen. Bald.</p><p>�Aber vom Heer sagt sie, Tochter, es seien h�chstens zwei- oder dreitausend Mann. Wenn es mehr w�ren, h�tten sie sich ihr gezeigt, um uns einzusch�chtern.� Elaida glaubte, da� Augen-und-Ohren stets �bertrieben, um ihre Neuigkeiten wertvoller erscheinen zu lassen. Nur Schwestern konnte man wahrhaft vertrauen. Roten Schwestern jedenfalls. Einigen von ihnen. �Aber es w�rde mich auch nicht k�mmern, wenn sie zwanzig-oder f�nfzig- oder hunderttausend Mann stark w�ren. K�nnt Ihr Euch auch nur ann�hernd vors teilen, warum?� Als sie sich umwandte, war Alviarins Gesicht ausdruckslos und gefa�t, eine Maske �ber verst�ndnislosem Unwissen. �Ihr scheint mit allen Gesichtspunkten des Burggesetzes vertraut zu sein. Welche Strafe droht Aufr�hrern?�</p><p>�Anf�hrer�, antwortete Alviarin z�gerlich, �werden ged�mpft.� Sie runzelte leicht die Stirn, und ihre R�cke schwangen kaum sichtbar, als sie sich nerv�s regte. Sogar Aufgenommene wu�ten das, und sie konnte sich nicht vorstellen, warum Elaida danach fragte. Gut. �Und vielen anderen droht dieselbe Strafe.�</p><p>�Vielleicht.� Die meisten Anf�hrer k�nnten der Strafe vielleicht entgehen, wenn sie sich angemessen ergaben. Die gesetzliche Mindeststrafe war, vor den versammelten Schwestern in der Gro�en Halle gez�chtigt zu werden, gefolgt von mindestens einem Jahr und einem Tag �ffentlicher Bu�e. Aber nichts besagte, da� die Strafe sofort abgeb��t werden mu�te. Ein Monat hier, ein Monat da - und sie w�rden ihre Verbrechen in zehn Jahren immer noch wiedergutmachen, eine st�ndige Erinnerung daran, was geschah, wenn man sich ihr widersetzte. Einige w�rden nat�rlich ged�mpft werden - Sheriam und einige der bekannteren sogenannten Sitzenden -, aber nur, um die anderen einzusch�chtern, ohne da� die Burg geschw�cht w�rde. Die Wei�e Burg mu�te vollst�ndig bleiben, und sie mu�te stark bleiben. Stark, und fest in ihrem Griff.</p><p>�Nur eines der von ihnen begangenen Verbrechen fordert das D�mpfen.� Alviarin �ffnete den Mund. Es hatte immer schon Auflehnungen gegeben, so geheim, da� nur wenige unter den Schwestern davon wu�ten. Die Chronik schwieg dar�ber. Die Listen der Ged�mpften und Hingerichteten waren in Berichten zu finden, die nur der Amyrlin, der Beh�terin der Chronik und den Sitzenden zug�nglich waren, abgesehen von den wenigen Bibliothekaren, die sie h�teten. Elaida gab Alviarin keine Gelegenheit zu sprechen. �Jede Frau, die unrechtm��ig Anspruch auf den Titel der Amyrlin erhebt, mu� ged�mpft werden. Wenn sie auch nur die geringste Aussicht auf Erfolg h�tten, w�ren Sheriam oder Lelaine oder Carlinya oder eine der anderen ihre Amyrlin.� Tarna berichtete, da� Romanda Cassin ihre Zur�ckgezogenheit aufgegeben hatte. Romanda h�tte die Stola sicherlich mit beiden H�nden ergriffen, wenn sie auch nur die geringste Gelegenheit gesehen h�tte. �Statt dessen haben sie eine Aufgenommene auserw�hlt!�</p><p>Elaida sch�ttelte merkw�rdig belustigt den Kopf. Sie konnte jedes Wort des Gesetzestextes zitieren, der den Vorgang zur Wahl einer Amyrlin beschrieb - sie hatte ihn immerhin auch zu ihrem eigenen Nutzen gebraucht -, und nicht ein einziges Mal forderte dieser Text, da� die Frau eine vollwertige Schwester sein mu�te. Aber offensichtlich mu�te sie es dennoch sein, so da� jene, die das Gesetz formuliert hatten, es nicht festschrieben, und die Aufr�hrer hatten diese L�cke genutzt. �Sie wissen, da� ihre Sache hoffnungslos ist, Alviarin. Sie wollen sich br�sten und sich aufspielen, indem sie versuchen, einen Schutz vor ihnen drohender Strafe zu finden, und bringen das M�dchen als Opfer ein.� Was bedauerlich war. Das al'Vere-M�dchen war eine weitere m�gliche Handhabe gegen al'Thor, und wenn sie die Eine Macht vollkommen beherrschte, mu�te sie eine der St�rksten der letzten tausend Jahre sein. Wahrhaft bedauerlich.</p><p>�Gareth Bryne und sein Heer empfinde ich kaum als Prahlerei. Ihr Heer wird f�nf oder sechs Monate brauchen, bis es Tar Valon erreicht. In dieser Zeit k�nnte Chubain die Anzahl der Wachen erh�hen...�</p><p>�Ihr Heer�, h�hnte Elaida. Alviarin war eine N�rrin! Auch wenn sie sich �u�erlich gelassen gab, war sie im Grunde ein Angsthase. Als n�chstes w�rde sie den Unsinn der Sanche-Frau �ber die freigelassenen Verlorenen hervorbringen. Sie kannte das Geheimnis nat�rlich nicht, aber genauso gut... �Bauern f�hren Spie�e, Schlachter f�hren Bogen und Schneider reiten! Und bei jedem vom Weg abweichenden Schritt denken sie an die Leuchtenden Mauern, die Artur Falkenfl�gel im Zaum hielten.� Nein, kein Hase, ein Wiesel. Und doch w�re sie fr�her oder sp�ter Wieselfellbesatz an Elaidas Umhang. Das Licht vollbringe es bald. �Und bei jedem vom Weg abweichenden Schritt werden sie einen - wenn nicht zehn - Mann verlieren. Ich w�re nicht �berrascht, wenn unsere Aufr�hrerinnen lediglich mit ihren Beh�tern erschienen.� Zu viele Menschen wu�ten von der Spaltung der Burg. Aber wenn der Aufstand gebrochen war, konnte alles als List dargestellt werden, vielleicht als Teil der Ergreifung al'Thors. Es w�re eine jahrelange Bem�hung, aber Erinnerungen verbla�ten mit den Generationen. Jede letzte Aufr�hrerin w�rde auf Knien daf�r bezahlen.</p><p>Elaida ballte die F�uste, als packe sie bereits alle Aufr�hrerinnen an der Kehle. Oder Alviarin. �Ich werde sie zerbrechen, Tochter. Sie werden wie eine verfaulte Melone zerspringen.� Ihr Geheimnis stellte das sicher, gleichg�ltig, an wie viele Bauern und Schneider sich Bryne klammerte, aber sollte die Frau doch glauben, was sie wollte. Pl�tzlich griff ihr Talent des Vorhersagens, zeigte ihr mit absoluter Sicherheit Dinge, die sie nicht deutlicher h�tte erkennen k�nnen, wenn sie offen vor ihr ausgelegt worden w�ren. �Die Wei�e Burg wird wieder vollst�ndig sein - bis auf wenige �brigbleibende, die versto�en und verachtet werden -, vollst�ndig und st�rker denn je. Rand al'Thor wird dem Amyrlin-Sitz gegen�ber treten und ihren Zorn erkennen. Die Schwarze Burg wird von Blut und Feuer zerrissen werden, und Schwestern werden dort einhergehen. Das prophezeie ich.�</p><p>Wie �blich zitterte sie nach dem Vorhersagen und rang nach Atem. Sie zwang sich, still und aufrecht zu stehen und langsam zu atmen. Sie lie� niemals Schw�che erkennen. Aber Alviarin... Ihre Augen waren weit aufgerissen und ihre Lippen geteilt, als habe sie die Worte vergessen, die sie hatte aussprechen wollen. Ein Blatt entglitt dem Stapel Papieren in ihren H�nden und fiel beinahe herab, bevor sie es auffing. Das brachte sie zu sich. Sie setzte blitzartig wieder ihre Maske der Gelassenheit auf, ein vollkommenes Bild der Aes Sedai-Ruhe, aber sie war eindeutig bis ins Mark ersch�ttert. Oh, sehr gut. Sollte sie an Elaidas sicherem Sieg zu kauen haben. Sollte sie kauen und sich die Z�hne daran ausbei�en.</p><p>Elaida atmete tief durch, setzte sich dann wieder hinter ihren Schreibtisch und legte den zerbrochenen Fisch zur Seite, wo sie ihn nicht ansehen mu�te. Es war an der Zeit ihren Vorteil zu nutzen. �Wir haben heute zu arbeiten, Tochter. Die erste Nachricht mu� Lady Caraline Damodred �berbracht werden...�</p><p>Elaida legte ihre Pl�ne dar und erweiterte Alviarins Wissen, weil eine Amyrlin letztendlich durch ihre Beh�terin der Chronik wirken mu�te, wie sehr sie die Frau auch ha�te. Es war eine Genugtuung, Alviarins Augen zu beobachten, ihre Verwunderung dar�ber zu erkennen, was sie wohl sonst noch alles nicht wu�te. Aber w�hrend Elaida ihre Befehle erteilte und die Welt zwischen dem Aryth Meer und dem R�ckgrat der Welt aufteilte und zuwies, tanzte vor ihrem geistigen Auge das Bild des jungen al'Thor, der wie ein eingesperrter B�r auf dem Weg zu ihr war, um zu lernen, wie er f�r eine Mahlzeit tanzen sollte.</p><p>Die Chronik konnte die Jahre der Letzten Schlacht kaum festhalten, ohne den Wiedergeborenen Drachen zu erw�hnen, aber sie wu�te, da� ein Name gr��er geschrieben w�rde als alle anderen. Elaida do Avriny a'Roihan, j�ngste Tochter eines kleineren Hauses im Norden Murandys, die als der gr��te und m�chtigste Amyrlin-Sitz aller Zeiten in die Geschichte eingehen w�rde. Als die Frau, die die Menschheit rettete.</p><p>Die Aiel, die in einer tiefen Senke der niedrigen, mit braunem Gras bewachsenen H�gel standen, wirkten wie geschnitzte Figuren, da sie den durch einen heftigen Wind herangetragenen Staub nicht beachteten. Es st�rte sie nicht, da� zu dieser Jahreszeit hoher Schnee den Boden h�tte bedecken sollen. Niemand von ihnen hatte jemals Schnee gesehen, und diese Bruthitze, obwohl die Sonne ihren Zenit noch nicht erreicht hatte, war weniger stark als dort, wo sie herkamen. Ihre Aufmerksamkeit blieb auf die s�dliche Anh�he gerichtet. Sie warteten auf das Zeichen, welches das Eintreffen des Schicksals der Shaido-Aiel ank�ndigen w�rde.</p><p>Sevanna wirkte �u�erlich wie die anderen, obwohl sie durch einen Kreis von T�chtern des Speers um sie herum hervorgehoben wurde, die ruhig auf den Fersen hockten, die dunklen Schleier bereits �ber die Gesichter gezogen, so da� nur die Augen freiblieben. Sie wartete ebenfalls und ungeduldiger, als sie schien, aber doch nicht so ungeduldig, da� alles andere ausgeschlossen gewesen w�re. Das war ein Grund, warum sie befahl und die anderen folgten. Der zweite Grund war, da� sie erkannte, was sein konnte, wenn man sich nicht von veralteten Br�uchen und starrer Tradition die H�nde binden lie�.</p><p>Zu ihrer Linken befanden sich zw�lf M�nner und eine Frau, die jeder einen runden Schild und drei oder vier Kurzspeere trugen und mit dem graubraunen <emphasis>Cadin'sor</emphasis> bekleidet waren, der sich der Landschaft hier genauso gut anpa�te wie im Dreifaltigen Land. Efalin, deren kurze, bereits ergrauende Haare unter der um ihren Kopf gewickelten Shoufa verborgen waren, schaute hin und wieder in Sevannas Richtung. Wenn man von einer Tochter des Speers behaupten konnte, da� sie beunruhigt war, dann galt dies f�r Efalin. Einige Shaido-T�chter des Speers waren nach S�den gezogen, um sich den um Rand al'Thor herumscharwenzelnden Toren anzuschlie�en, und Sevanna bezweifelte nicht, da� andere dar�ber sprachen. Efalin mu�te sich fragen, ob es gen�gte, wenn sie als Ausgleich eine Eskorte von T�chtern des Speers f�r Sevanna bereitstellte, als w�re sie selbst einst eine Far Dareis Mai gewesen. Zumindest zweifelte Efalin nicht daran, wo die wahre Macht lag.</p><p>Wie Efalin f�hrten auch die M�nner Shaido-Kriegergemeinschaften, und sie be�ugten einander hin und wieder, w�hrend sie die Anh�he beobachteten -besonders der wuchtige Maeric, der ein Seia Doon war, und der narbengesichtige Bendhuin von Far Aldazar Din. Nach den heutigen Ereignissen w�rde die Shaido nichts mehr davon abhalten, einen Mann nach Rhuidean zu schicken, der zum Clanh�uptling erkl�rt w�rde, wenn er �berlebte. Bis das geschah, sprach Sevanna als Clanh�uptling, da sie die Witwe des letzten H�uptlings war. Der letzten beiden H�uptlinge. Sollten doch diejenigen, die murrten, sie bringe Pech, daran ersticken.</p><p>Goldene und elfenbeinerne Armreife klangen leise, als Sevanna die dunkle Stola um ihre Arme und ihre Halsketten richtete. Auch letztere waren �berwiegend aus Gold und Elfenbein, nur eine Kette bestand aus einer Ansammlung von Perlen und Rubinen, die einer adligen Feuchtl�nderin geh�rt hatten - der Frau, die jetzt Wei� trug und die anderen <emphasis>Gai'shain</emphasis> zur�ck in die �Bruderm�rders Dolch� genannten Berge brachte. Einer der Rubine von der Gr��e eines kleinen H�hnereis schmiegte sich zwischen ihre Br�ste. Die Feuchtlande hielten reiche Beute bereit. Ein gro�er Smaragd an ihrem Ring fing das Sonnenlicht in gr�nem Feuer ein. Fingerringe waren einer der Br�uche der Feuchtl�nder, die es wert waren, sie sich zu eigen zu machen, ungeachtet der h�ufig auf sie abzielenden Blicke. Sie bes��e noch mehr Ringe, wenn sie diesem in seiner Pracht entspr�chen.</p><p>Die meisten M�nner glaubten, da� Maeric oder Bendhuin als erster die Erlaubnis der Weisen Frauen erhielte, sich nach Rhuidean durchzuschlagen. Von dieser Gruppe vermutete nur Efalin, da� niemand die Erlaubnis bek�me. Aber sie war klug genug, ihre Vermutung vorsichtshalber nur Sevanna und niemandem sonst gegen�ber auszusprechen. Sie konnten sich nicht vorstellen, das Alte abzulegen, und tats�chlich war sich Sevanna bewu�t, auch wenn sie das Neue ungeduldig annehmen wollte, da� sie die Weisen Frauen langsam darauf hinf�hren mu�te. Vieles Hergebrachte hatte sich bereits ge�ndert, seit die Shaido die Drachenmauer in die Feuchtlande �berquert hatten - die im Vergleich zum Dreifaltigen Land noch immer fruchtbar waren -, und dennoch w�rde sich noch mehr �ndern. W�re Rand al'Thor erst in ihrer Hand, und h�tte sie den Car'a'carn erst geheiratet, den H�uptling aller Aielh�uptlinge - dieser Unsinn vom Wiedergeborenen Drachen war Feuchtl�nder-Geschw�tz -, w�rden Clanh�uptlinge und auch Septimenh�uptlinge und vielleicht sogar die Oberh�upter der Kriegergemeinschaften auf andere Art benannt. Rand al'Thor w�rde sie benennen - nat�rlich nach ihren Anweisungen. Und das w�re erst der Anfang. Beispielsweise w�rde sich auch die Vorstellung der Feuchtl�nder �ndern, den Rang an die Kinder und Enkel weiterzugeben.</p><p>Der Wind frischte einen Moment auf und wehte s�dw�rts. Er w�rde die Ger�usche der Feuchtl�nderpferde und der Wagen �bert�nen.</p><p>Sie richtete erneut ihre Stola und versagte es sich, das Gesicht zu verziehen. Sie durfte um keinen Preis beunruhigt wirken. Ein Blick nach rechts vertrieb die Sorge sofort wieder. �ber zweihundert Weise Frauen der Shaido hatten sich dort versammelt, und normalerweise beobachteten zumindest einige sie wie Geier, auch wenn aller Augen auf die Anh�he gerichtet waren. Nicht nur eine der Frauen richtete unbehaglich ihre Stola oder gl�ttete bauschige R�cke. Sevanna sch�rzte die Lippen. Schwei� perlte auf einigen jener Gesichter. Schwei�! Wo war ihre Ehre geblieben, da� sie bei jedem Blick nerv�s wurden?</p><p>Alle erstarrten ein wenig, als ein junger <emphasis>Sovin Nai</emphasis> auf der Anh�he erschien und im Hinabsteigen seinen Schleier senkte. Er kam direkt zu Sevanna, wie es angemessen war, aber zu ihrer Ver�rgerung sprach er ausreichend laut, da� alle ihn h�ren konnten. �Einer ihrer dreisten Kundschafter ist entkommen. Er war verletzt, ist aber dennoch <emphasis>zu</emphasis> Pferde gefl�chtet.�</p><p>Die Anf�hrer der Gemeinschaften st�rmten voran, noch bevor er zu Ende gesprochen hatte. Das durfte sie nicht durchgehen lassen. Sie w�rden im eigentlichen Kampf die F�hrung �bernehmen - Sevanna hatte niemals in ihrem Leben mehr getan, als einen Speer nur in der Hand zu halten -, aber sie w�rde sie keinen Moment vergessen lassen, wer sie war. �Erhebt jeden einzelnen Speer gegen sie�, befahl sie laut, �bevor sie sich vorbereiten k�nnen.� Sofort scharten sie sich wie ein Mann um sie.</p><p>�Jeden Speer?� fragte Bendhuin ungl�ubig. �Ihr meint, au�er den Vorposten...�</p><p>Maeric unterbrach ihn mit finsterem Gesicht. �Wenn wir keine Reserve zur�ckbehalten, k�nnen wir...�</p><p>Sevanna schnitt ihnen beiden das Wort ab. �Jeden Speer! Wir haben es mit Aes Sedai zu tun. Wir m�ssen sie augenblicklich �berw�ltigen!� Efalin und die meisten der anderen nahmen einen unbewegten Gesichtsausdruck an, aber Bendhuin und Maeric runzelten nachdenklich die Stirn. Narren. Sie hatten ein Dutzend Aes Sedai vor sich, und doch wollten sie, trotz der mehr als vierzigtausend <emphasis>Algai'd'siswai,</emphasis> auf denen sie bestanden hatten, ihren Kundschafter-Vorposten und ihre Reservespeere bewahren, als m��ten sie noch weiteren Aiel oder einem Feuchtl�nder-Heer gegen�bertreten. �Ich spreche als Clanh�uptling der Shaido.� Sie m��te das eigentlich nicht erw�hnen, aber andererseits konnte eine Erinnerung daran nicht schaden. �Sie sind nur eine Handvoll.� Sie w�hlte jetzt jedes Wort mit Verachtung. �Sie k�nnen �berw�ltigt werden, wenn die Speere schnell genug sind. Ihr wart bei Sonnenaufgang noch bereit, Desaine zu r�chen. Rieche ich jetzt Angst? Angst vor ein paar Feuchtl�ndern? Haben die Shaido ihre Ehre verloren?�</p><p>Diese Worte lie�en ihre Gesichter, wie beabsichtigt, versteinern. Sogar Efalins Augen wirkten wie polierte graue Edelsteine, als sie sich verschleierte. Sie gab in der Zeichensprache Anweisungen, und als die Anf�hrer der Gemeinschaften die Anh�he hinaufst�rmten, folgten ihnen die T�chter des Speers um Sevanna. Das hatte sie nicht beabsichtigt, aber zumindest bewegten sich die Speertr�ger. Sie konnte sogar vom tiefsten Punkt der Senke aus erkennen, da� scheinbar kahler Boden Cadin'sorbekleidete Gestalten ausspie, die mit langen Schritten, die sogar Pferde �berrunden konnten, s�dw�rts eilten. Es galt, keine Zeit zu verschwenden. Mit dem Gedanken, sp�ter mit Efalin zu sprechen, wandte Sevanna sich den Weisen Frauen zu.</p><p>Aus denen erw�hlt, die die Eine Macht lenken konnten, kamen sechs oder sieben Weise Frauen der Shaido auf jede Aes Sedai um al'Thor, und doch sah Sevanna Zweifel, den sie hinter versteinerten Gesichtern zu verbergen suchten, aber er war dennoch da, an unruhigen Blicken und die Lippen benetzenden Zungen erkennbar. Heutzutage wurden viele Traditionen abgelegt, Traditionen, die so alt und stark waren wie das Gesetz. Weise Frauen nahmen nicht an Schlachten teil. Weise Frauen hielten sich weit von Aes Sedai fern. Sie kannten die uralten Geschichten, da� die Aiel ins Dreifaltige Land geschickt wurden, um die Pl�ne der Aes Sedai zu durchkreuzen, und da� sie vernichtet w�rden, wenn sie ihnen jemals wieder einen Plan verdarben. Sie hatten geh�rt, da� Rand al'Thor vor allen behauptet haben sollte, die Aiel h�tten als Teil ihres Dienstes an den Aes Sedai geschworen, keine Gewalt anzuwenden.</p><p>Sevanna war einst sicher gewesen, da� jene Geschichten L�ge waren, aber in letzter Zeit glaubte sie, da� die Weisen Frauen sie als wahr erachteten. Nat�rlich hatte keine von ihnen ihr das gesagt. Es war nicht wichtig. Sie selbst hatte niemals die beiden Reisen nach Rhuidean unternommen, die erforderlich waren, um eine Weise Frau zu werden, aber die anderen hatten sie dennoch, wenn auch zum Teil widerwillig, akzeptiert. Jetzt hatten sie keine andere Wahl, als sie weiterhin zu akzeptieren. Nutzlose Traditionen w�rden neugestaltet werden.</p><p>�Aes Sedai�, sagte sie leise. Sie beugten sich mit ged�mpft klingenden Armreifen und Halsketten zu ihr, um ihr Fl�stern verstehen zu k�nnen. �Rand al'Thor, der Car'a'carn, ist in ihrer Gewalt. Wir m�ssen ihn befreien.� Einige runzelten die Stirn. Die meisten glaubten, sie wollte den Car'a'carn lebend gefangennehmen, um den Tod Couladins, ihres zweiten Ehemannes, zu r�chen. Sie verstanden das, aber deshalb waren sie nicht hergekommen. �Aes Sedai�, zischte sie ver�rgert. �Wir haben unser Versprechen gehalten, aber sie haben ihres gebrochen. Wir haben nichts verletzt, sie aber alles. Ihr wi�t, wie Desaine ermordet wurde.� Nat�rlich wu�ten sie es. Die sie beobachtenden Blicke gewannen j�h an Sch�rfe. Eine Weise Frau zu t�ten, kam dem T�ten einer schwangeren Frau, eines Kindes oder eines Schmieds gleich. Einige blickten sehr streng drein - Theravas, Rhiales und andere. �Wenn wir diese Frauen ungeschoren davonkommen lassen, dann sind wir weniger als Tiere, dann haben wir keine Ehre. Ich aber halte an meiner Ehre fest.�</p><p>Mit diesen Worten raffte sie w�rdevoll ihre Rocke und erklomm mit hocherhobenem Kopf und ohne zur�ckzuschauen die Anh�he. Sie war sich sicher, da� die anderen ihr folgen w�rden. Therava und Norlea und Dailin w�rden daf�r sorgen, und auch Rhiale und Tion und Meira und die anderen, die sie vor einigen Tagen begleitet hatten, um zuzusehen wie Rand al'Thor von den Aes Sedai geschlagen und wieder in seine Holzkiste gesteckt wurde. Ihre Mahnung hatte noch mehr den dreizehn als den anderen gegolten, und sie wagten es nicht, sie zu entt�uschen. Desaines Tod schwei�te sie zusammen.</p><p>Weise Frauen mit gerafften R�cken konnten nicht mit den <emphasis>Algai'd'siswai</emphasis> in ihren <emphasis>Cadin'sors</emphasis> mithalten, wie sehr sie es auch versuchten. Sie liefen f�nf Meilen �ber jene wogenden H�gel <emphasis>-</emphasis> kein langer Weg -, erreichten einen H�gelkamm und sahen, da� der Tanz der Speere bereits begonnen hatte. In gewisser Weise.</p><p>Tausende von verschleierten <emphasis>Algai'd'siswai</emphasis> in Grau- und Braunt�nen dr�ngten sich um einen Kreis von Feuchtl�nder-Wagen. Dieser Wagenkreis umschlo� eine der kleinen Baumgruppen, die in dieser Gegend hin und wieder zu finden waren. Sevanna atmete ver�rgert ein. Die Aes Sedai hatten sogar Zeit gehabt, alle ihre Pferde heranzubringen. Die Speertr�ger umzingelten die Wagen, bedr�ngten sie, lie�en Pfeile auf sie herabregnen, aber die vorne befindlichen Soldaten schienen gegen eine unsichtbare Mauer zu sto�en. Zun�chst gelangten die am h�chsten fliegenden Pfeile �ber diese Mauer, aber dann trafen auch sie irgendwo ungesehen auf und prallten zur�ck. Leises Murmeln erhob sich unter den Weisen Frauen. �Erkennt Ihr, was die Aes Sedai tun?� fragte Sevanna, als k�nne sie die Gewebe der Einen Macht ebenfalls sehen. Sie schnaubte ver�chtlich. Die Aes Sedai mit ihren ruhmreichen Drei Eiden waren Narren. Wenn sie schlie�lich beschl�ssen, die Macht als Waffe zu benutzen, anstatt sie nur dazu zu verwenden, Barrieren aufzubauen, w�re es zu sp�t. Vorausgesetzt, die Weisen Frauen standen nicht zu lange da und schauten nur zu. Irgendwo in jenen Wagen befand sich Rand al'Thor, vielleicht noch immer geduckt in einer Kiste, darauf wartend, da� sie ihn befreite. Wenn die Aes Sedai ihn festzuhalten vermochten, dann konnte auch sie es, mit Hilfe der Weisen Frauen. Und mit Hilfe eines Versprechens. �Therava, f�hrt Eure H�lfte jetzt westw�rts. Haltet Euch zum Angriff bereit, wenn ich es tue. F�r Desaine und das <emphasis>Toh,</emphasis> das die Aes Sedai uns schulden. Wir werden sie ihrem <emphasis>Toh</emphasis> begegnen lassen, wie niemand jemals zuvor seinem <emphasis>Toh</emphasis> begegnet ist.�</p><p>Es war t�richt und anma�end davon zu sprechen, da� jemand eine Verpflichtung erf�llen sollte, die er nicht anerkannt hatte, aber Sevanna h�rte in dem zornigen Murmeln anderer Frauen weitere heftig ge�u�erte Versprechen, die Aes Sedai ihrem <emphasis>Toh</emphasis> begegnen zu lassen. Nur jene, die Desaine auf Sevannas Befehl hin get�tet hatten, blieben stumm. Therava pre�te kurz die schmalen Lippen zusammen, aber schlie�lich sagte sie: �Es wird Euren Befehlen gem�� geschehen, Sevanna.�</p><p>An einer leicht zug�nglichen Anh�he f�hrte Sevanna ihre H�lfte der Weisen Frauen zur �stlichen Seite des Kampfplatzes. Sie hatte auf dem H�gel bleiben wollen, von wo aus sie einen guten �berblick gehabt h�tte -auf diese Weise f�hrte ein Clanh�uptling oder ein Schlachtf�hrer den Tanz der Speere -, aber in diesem einen Punkt fand sie bei Therava und den anderen, die das Geheimnis um Desaines Tod teilten, keine Unterst�tzung. Die Weisen Frauen bildeten einen scharfen Kontrast zu den <emphasis>Algai'd'siswai,</emphasis> als sie diese in ihren wei�en Algodeblusen und den dunklen Tuchr�cken und Stolas, mit den glitzernden Armreifen und Halsketten und ihrem von dunklen Kopft�chern zur�ckgebundenen, h�ftlangen Haar aufmarschieren lie�. Trotz ihrer Entscheidung, da� sie, wenn sie an einem Tanz der Speere teilnehmen sollten, mitten hineingehen und nicht auf einem abseits stehenden H�gel warten w�rden, glaubte Sevanna nicht, da� sie bereits erkannten, da� der wahre Kampf heute ihre Aufgabe war. Nach dem heutigen Tag w�rde nichts bleiben, wie es war, und Rand al'Thor festzusetzen, war der geringste Teil ihrer Aufgabe.</p><p>Unter den <emphasis>Algai'd'siswai</emphasis> konnte man nur von der H�he aus M�nner von T�chtern des Speers unterscheiden. Schleier und Shoufas verbargen K�pfe und Gesichter, und <emphasis>Cadin'sors</emphasis> waren, abgesehen von den Unterschieden im Schnitt, die Clan, Septime und Gemeinschaft kennzeichneten, <emphasis>Cadin'sors.</emphasis> Jene am �u�eren Rand der Einkreisung schienen verwirrt und murrten, w�hrend sie darauf warteten, da� etwas gesch�he. Sie waren mit der Bereitschaft hierhergekommen, mit Aes Sedai-Blitzen zu tanzen, und jetzt bewegten sie sich ungeduldig im Kreis, zu weit hinten, um die Hornbogen einzusetzen, die noch immer in Lederfutteralen auf ihren R�cken hingen. Sie w�rden nicht mehr allzu lange warten m�ssen, wenn es nach Sevanna ging.</p><p>Die H�nde auf den H�ften, wandte sie sich an die anderen Weisen Frauen. �Diejenigen, die s�dlich von mir stehen, werden unterbinden, was die Aes Sedai gerade tun. Diejenigen, die n�rdlich von mir stehen, werden angreifen. Vorw�rts mit den Speeren!� Mit diesem Befehl wandte sie sich um und wollte die Vernichtung der Aes Sedai beobachten, die geglaubt hatten, sie m��ten nur Stahl gegen�bertreten.</p><p>Aber nichts geschah. Vor ihr brodelte erfolglos die Masse der <emphasis>Algai'd'siswai,</emphasis> und das lauteste Ger�usch war das gelegentliche Trommeln der Speere auf Schilde. Sevanna nahm all ihren Zorn zusammen, spulte ihn wie einen Faden von einer Spindel ab. Sie war so sicher gewesen, da� sie, nachdem ihnen Desaines hingeschlachteter Leichnam gezeigt worden war, bereit w�ren, aber wenn es ihnen noch immer unvorstellbar war, Aes Sedai anzugreifen, w�rde sie sie in den Kampf jagen, wenn es sein mu�te, um sie alle so sehr zu besch�men, bis sie verlangten, das <emphasis>Gai'shain</emphasis><strong>-Wei�</strong> anlegen zu d�rfen.</p><p>Pl�tzlich scho� eine Kugel reiner Flammen von der Gr��e des Kopfes eines Mannes im Bogen zischend auf die Wagen zu, dann eine weitere, Dutzende. Der Knoten in ihrer Magengrube l�ste sich. Weitere Feuerkugeln kamen von Westen, wo sich Therava und die anderen befanden. Rauch begann von den brennenden Wagen aufzusteigen, zun�chst graue Rauchf�den, dann dichte schwarze Wolken. Das Murmeln der <emphasis>Algai'd'siswai</emphasis> �nderte seine Tonlage, und obwohl sich die Frauen unmittelbar vor ihr kaum bewegt hatten, erkannten sie pl�tzlich, vorw�rtsgehen zu m�ssen. Rufe hallten von den Wagen her - M�nner, die vor Zorn schrien und vor Schmerz br�llten. Welche Barrieren auch immer die Aes Sedai errichtet hatten, sie waren niedergerissen. Es hatte begonnen, und nur ein Ende war m�glich. Rand al'Thor w�rde ihr geh�ren. Er w�rde ihr die Aiel liefern, damit sie die Feuchtlande einnehmen konnte, und w�rde ihr, bevor er starb, die T�chter und S�hne geben, welche die Aiel nach ihr f�hren w�rden. Vielleicht w�rde es ihr sogar gefallen. Er sah in der Tat recht gut aus und war stark und jung.</p><p>Sie hatte nicht erwartet, da� die Aes Sedai leicht zu besiegen w�ren, und so war es auch, Feuerkugeln fielen zwischen Speere, verwandelten in den <emphasis>Cadin'sor</emphasis> gekleidete Gestalten in Fackeln, Blitze zuckten aus einem klaren Himmel und schleuderten Menschen und Erde in die Luft. Die Weisen Frauen lernten jedoch durch das, was sie sahen, oder vielleicht hatten sie es bereits gewu�t und vorher nur gez�gert. Die meisten lenkten die Macht so selten, besonders dort, wo es au�er den Weisen Frauen niemand sehen konnte, da� nur eine andere Weise Frau erkannte, ob jemand von ihnen die Macht lenken konnte. Was auch immer der Grund daf�r war - die Blitze fielen erst zwischen die Shaido-Speere, als weitere die Wagen anzugreifen begannen.</p><p>Nicht alle erreichten ihr Ziel. Feuerkugeln zischten durch die Luft, einige so gro� wie Pferde, Silberblitze fuhren wie Himmelsspeere in den Boden und schossen manchmal seitw�rts, als w�ren sie auf einen unsichtbaren Schild getroffen, explodierten mitten im Flug oder verschwanden einfach v�llig. Donnern und Krachen erf�llte die Luft und k�mpfte gegen Rufe und Schreie an. Sevanna betrachtete verz�ckt den Himmel. Es erinnerte an die Schaustellungen der Feuerwerker, �ber die sie gelesen hatte.</p><p>Pl�tzlich wurde die Welt in ihren Augen wei�. Sie schien zu schweben. Als sie wieder sehen konnte, lag sie ein Dutzend Schritte von ihrem vorherigen Standplatz entfernt flach auf dem Boden, alle Muskeln schmerzten, sie rang nach Atem und war von Schmutz bespritzt. Das Haar stand ihr zu Berge. Andere Weise Frauen lagen ebenfalls am Boden, rund um ein gezacktes Loch im Boden von einem Spann Durchmesser. D�nne Rauchf�den stiegen von den Gew�ndern einiger der Frauen auf. Nicht alle lagen am Boden - die Himmelsschlacht aus Feuer und Blitzen wurde fortgef�hrt -, aber zu viele. Sie mu�te sie wieder in den Kampf schicken.</p><p>Sie zwang sich zu atmen und rappelte sich hoch, ohne sich die M�he zu machen, sich abzuklopfen. �Schwingt die Speere!� rief sie. Sie ergriff Estalaines kantige Schultern und wollte die Frau hochziehen, erkannte dann aber an ihren starren blauen Augen, da� sie tot war, und lie� sie zur�cksinken. Statt dessen zog sie eine benommene Dorailla hoch, entri� einer gefallenen Donnerg�ngerin den Speer und schwang ihn hoch in die Luft. �Vorw�rts mit den Speeren!� Einige der Weisen Frauen schienen dies w�rtlich zu nehmen und tauchten in die Menge der <emphasis>Algai'd'siswai</emphasis> ein. Andere behielten einen k�hleren Kopf und halfen jenen, die aufstehen konnten. Der Feuer- und Blitzsturm ging weiter, w�hrend Sevanna entlang der Reihen der Weisen Frauen w�tete, ihren Speer schwenkte und schrie: �Schwingt die Speere! Vorw�rts mit den Speeren!�</p><p>Sie versp�rte den Drang zu lachen. Sie lachte. Schmutzbespritzt und mitten im Kampfgeschehen, war sie noch niemals zuvor in ihrem Leben so erheitert gewesen. Sie w�nschte fast, sie h�tte sich entschieden, eine Tochter des Speers zu werden. Fast. Eine <emphasis>Far</emphasis></p><p><emphasis>Dareis Mai</emphasis> konnte genausowenig ein Clanh�uptling werden, wie ein Mann eine Weise Frau werden konnte. Der Weg einer Tochter des Speers zur Macht bedingte, da� sie den Speer aufgab und eine Weise Frau wurde. Als Frau eines Clanh�uptlings hatte sie die Macht aber schon in einem Alter gef�hrt, in dem einer Tochter des Speers kaum zugetraut wurde, einen Speer zu tragen, oder einem Lehrling zur Weisen Frau zugetraut wurde, Wasser zu holen. Und jetzt hatte sie alles - als Weise Frau und Clanh�uptling -, obwohl noch einiges zu tun war, um diesen letzteren Titel wahrhaftig f�hren zu k�nnen. Titel waren unwichtig, solange sie die Macht hatte, aber warum sollte sie nicht beides bekommen?</p><p>Ein pl�tzlicher Schrei lie� sie sich umwenden, und sie betrachtete fassungslos den zottigen grauen Wolf, der Dosera die Kehle herausri�. Ohne nachzudenken, stie� sie ihm den Speer in die Seite. Noch w�hrend er sich umdrehte, um nach dem Speerschaft zu schnappen, sprang ein weiterer, ihr bis zur H�fte reichender Wolf an ihr vorbei und warf sich auf den R�cken eines der <emphasis>Algai'd'siswai,</emphasis> dann ein weiterer Wolf und immer mehr, die an in den <emphasis>Cadin'sor</emphasis> gekleideten Gestalten zerrten, wo auch immer sie hinschaute.</p><p>Eine abergl�ubische Furcht durchfuhr sie, w�hrend sie ihren Speer wieder herauszog. Die Aes Sedai hatten die W�lfe herbeigerufen, um f�r sie zu k�mpfen. Sie konnte den Blick nicht von dem von ihr get�teten Wolf abwenden. Die Aes Sedai hatten... Nein. Nein! Das durfte nichts �ndern. Sie w�rde es nicht zulassen.</p><p>Schlie�lich gelang es ihr, den Blick loszurei�en, aber bevor sie die Weisen Frauen erneut anfeuern konnte, lie� etwas anderes sie verstummen. Ein Gewirr von Feuchtl�nder-Reitern mit roten Helmen und Brustharnischen schlugen mit Schwertern heftig um sich und stie�en mitten zwischen den <emphasis>Algai'd'siswai</emphasis> mit langen Speeren zu. Wo waren sie hergekommen?</p><p>Sie hatte nicht erkannt, da� sie laut gesprochen hatte, bis Rhiale ihr antwortete. �Ich habe versucht, es Euch zu sagen, Sevanna, aber Ihr wolltet nicht zuh�ren.� Die rothaarige Frau be�ugte angewidert ihren blutbeschmierten Speer. Weise Frauen sollten eigentlich keine Speere tragen. Sie legte die Waffe prahlerisch in die Armbeuge, so wie sie es H�uptlinge hatte tun sehen, w�hrend Rhiale fortfuhr. �Feuchtl�nder haben von S�den angegriffen. Feuchtl�nder und <emphasis>Siswai'aman.�</emphasis> Sie sprach das Wort mit aller f�r jene angemessenen Verachtung aus, die sich Speere des Drachen nannten. �Und auch T�chter des Speers. Und ... und da sind Weise Frauen.�</p><p>�Die k�mpfen?� fragte Sevanna ungl�ubig, bevor sie erkannte, wie es klang. Wenn sie einen veralteten Brauch ablegen konnte, dann waren sicherlich auch diese sonnenblinden Narren im S�den, die sich noch immer Aiel nannten, dazu in der Lage. Sie hatte es jedoch nicht erwartet. Zweifellos hatte Sorilea sie hierhergebracht. Diese alte Frau erinnerte Sevanna an einen Bergrutsch, der alles vor sich herschob. �Wir m�ssen sie sofort angreifen. Sie werden Rand al'Thor nicht bekommen. Oder unsere Rache f�r Desaine vereiteln�, f�gte sie hinzu, als sich Rhiales Augen weiteten.</p><p>�Sie sind Weise Frauen�, wandte die andere Frau tonlos ein, und Sevanna verstand verbittert. Es war schlimm genug, sich am Tanz der Speere beteiligen zu m�ssen, aber da� Weise Frauen ihresgleichen angreifen sollten, war mehr, als sogar Rhiale zulassen w�rde. Sie hatte zugestimmt, da� Desaine sterben mu�te -wie sonst konnten die Weisen Frauen, ganz zu schweigen von den <emphasis>Algai'd'siswai,</emphasis> dazu gebracht werden, die Aes Sedai anzugreifen, was sie tun mu�ten, um Rand al'Thor und mit ihm alle Aiel in die H�nde zu bekommen -, und doch war es heimlich getan worden, von gleichgesinnten Frauen umgeben. Dies w�rde aber vor aller Augen geschehen m�ssen. Narren und Feiglinge, sie alle!</p><p>�Dann bek�mpft die Feinde, die zu bek�mpfen Ihr Euch durchringen k�nnt, Rhiale.� Sie brachte jedes einzelne Wort so ver�chtlich wie m�glich hervor, aber Rhiale nickte nur, richtete mit einem weiteren Blick auf den Speer in Sevannas Armbeuge ihre Stola und kehrte zu ihrem Platz in der Reihe zur�ck.</p><p>Vielleicht bestand die M�glichkeit, die anderen Weisen Frauen zum ersten Zug zu bewegen. Es w�re besser, �berraschend anzugreifen, aber andererseits war alles besser, als sich Rand al'Thor von ihnen unmittelbar aus den H�nden rei�en zu lassen. Was sie einer Frau, welche die Macht lenken konnte und Befehle ohne Z�gern ausf�hren w�rde, nicht zugestand. Was w�rde sie nicht darum geben, sich jetzt auf einem H�gelkamm zu befinden, von wo aus sie sehen k�nnte, wie der Kampf stand.</p><p>Sie hielt ihren Speer bereit, beobachtete aufmerksam die W�lfe - diejenigen, die sie sehen konnte, t�teten entweder M�nner und Frauen im <emphasis>Cadin'sor</emphasis> oder waren selbst bereits tot - und rief wieder ermutigende Worte. S�dw�rts fielen mehr Feuer und Blitze zwischen die Shaido als zuvor, aber es machte keinen f�r sie erkennbaren Unterschied. Der Kampf mit seinen Flammen- und Erd- und Menschenexplosionen wurde unvermindert fortgef�hrt.</p><p>�Sto�t mit den Speeren zu!� rief sie und schwenkte auch ihren Speer. �Sto�t mit den Speeren zu!� Sie konnte unter den aufgew�hlten <emphasis>Algai'd'siswai</emphasis> keine der Narren ausmachen, die ein St�ck roten Stoff um ihre Stirn gebunden und sich <emphasis>Siswai'aman</emphasis> genannt hatten. Vielleicht waren sie zu wenige, um den Verlauf der Ereignisse zu ver�ndern. Die Feuchtl�nder schienen in der Tat nicht allzu zahlreich zu sein. Noch w�hrend sie zusah, wurden einige von Menschen und Pferden und zustechenden Speeren �berrannt. �Sto�t mit den Speeren zu! Sto�t mit den Speeren zu!� Jubel erf�llte ihre Stimme. Auch wenn die Aes Sedai zehntausend W�lfe herbeiriefen und wenn Sorilea tausend Weise Frauen und einhunderttausend Speere herangebracht hatte, w�rden die Shaido dennoch siegreich aus diesem Kampf hervorgehen. Die Shaido, und sie selbst. Der Name Sevanna von den Jumai Shaido w�rde f�r immer im Ged�chtnis bleiben.</p><p>Pl�tzlich erklang mitten im Kampfl�rm hohles Donnern.</p><p>Es schien aus der Richtung der Wagen der Aes Sedai zu kommen, aber Sevanna konnte nicht erkennen, ob sie oder die Weisen Frauen es verursacht hatten. Sie ha�te Dinge, die sie nicht verstand, und doch w�rde sie Rhiale oder die anderen nicht danach fragen und ihr Unwissen zur Schau stellen. Und auch nicht zeigen, da� ihr die F�higkeit fehlte, die alle anderen au�er ihr hier besa�en. Unter ihnen z�hlte es nicht, aber sie ha�te es auch, wenn andere Macht hatten, die sie nicht besa�.</p><p>Aus den Augenwinkeln nahm sie ein Lichtflackern unter den <emphasis>Algai'd'siswai</emphasis> wahr, das Gef�hl, da� sich etwas drehte, aber als sie sich umwandte, um hinzusehen, war da nichts. Dasselbe geschah erneut, ein Lichtblitz am Rande ihres Sichtfeldes, und erneut war nichts zu sehen, als sie sich umwandte. Sie verstand zu viele Dinge nicht.</p><p>Sie be�ugte die Linie der Weisen Frauen der Shaido, w�hrend sie ihnen ermutigende Worte zurief. Einige schienen durchn��t. Sie hatten ihre Kopft�cher verloren, und ihr langes Haar hing frei herab. R�cke und Blusen waren schmutzbespritzt oder sogar versengt. Mindestens ein Dutzend lagen ausgestreckt nebeneinander und st�hnten, und sieben weitere waren still, die Stolen �ber die Gesichter gezogen. Sevanna interessierten nur jene, die noch standen. Rhiale und Alarys mit ihrem wirren und so seltenen schwarzen Haar. Someryn, die es sich angew�hnt hatte, ihre Bluse aufgeschn�rt zu tragen, um einen noch gro�z�gigeren Einblick zu gew�hren als Sevanna selbst. Und Meira, mit ihrem l�nglichen, noch grimmiger als sonst wirkenden Gesicht. Die kr�ftige Tion, die magere Belinde und Modarra, die so gro� wie die meisten M�nner war.</p><p>Eine von ihnen h�tte es ihr sagen sollen, wenn sie etwas Neues unternahmen. Das Geheimnis um Desaine band sie aneinander. Die Enth�llung dessen w�rde selbst f�r eine Weise Frau ein Leben voller Qual - und was noch schlimmer war, voller Scham - bedeuten, wenn sie dann versuchen m��te, ihrem <emphasis>Toh</emphasis> zu begegnen, sofern sie nicht einfach nackt in die Wildnis gejagt wurde, um entweder zu leben oder zu sterben, und wahrscheinlich von jedermann, der sie fand, wie ein Tier get�tet wurde. Sevanna zweifelte dennoch nicht daran, da� es ihnen genauso viel Vergn�gen wie allen anderen bereitete, die Dinge vor ihr geheimzuhalten, die Weise Frauen w�hrend ihrer Ausbildung und bei den Reisen nach Rhuidean lernten. Dagegen mu�te etwas getan werden, aber erst sp�ter. Sie w�rde keine Schw�che zeigen, indem sie fragte, was sie jetzt taten.</p><p>Sie wandte sich wieder dem Kampf zu und stellte fest, da� sich das Gleichgewicht verlagert hatte -anscheinend zu ihren Gunsten. Im S�den sanken die Feuerkugeln und Lichtblitze unver�ndert schwer herab, aber nicht mehr vor ihr und anscheinend auch nicht mehr im Westen und Norden. Was auf die Wagen niedergehen sollte, traf nur selten, und doch lie�en die Bem�hungen der Aes Sedai entschieden nach. Sie waren in die Defensive gedr�ngt worden. Sie siegte tats�chlich!</p><p>Noch w�hrend dieser Gedanke sie hei� durchstr�mte, wurden die Aes Sedai still. Nur im S�den fielen noch Feuer und Blitze zwischen die <emphasis>Algai'd'siswai.</emphasis> Sevanna �ffnete den Mund zu einem Siegesruf, als sie eine weitere Erkenntnis verstummen lie�. Feuer und Blitze brachen �ber die Wagen herein, brachen herein und krachten gegen irgendein unsichtbares Hindernis. Der Rauch der brennenden Wagen begann im Aufw�rtsstreben die Umrisse einer Kuppel abzuzeichnen und entwich schlie�lich aus einer �ffnung oben in der unsichtbaren Umh�llung.</p><p>Sevanna wirbelte zu der Reihe der Weisen Frauen herum, und ihr Gesichtsausdruck bewirkte, da� mehrere der Frauen vor ihr und vielleicht auch vor dem Speer in ihrer Hand zur�ckwichen. Sie wu�te, da� sie bereit wirkte, ihn zu benutzen. Und sie war tats�chlich dazu bereit. �Warum habt Ihr das zugelassen?� w�tete sie. �Warum? Ihr solltet verhindern, was immer sie vorhatten, und sie nicht weitere Mauern errichten lassen.�</p><p>Tion wirkte, als wollte sie ihren Magen entleeren, aber sie stemmte die F�uste in ihre breiten H�ften und sah Sevanna direkt an. �Das waren nicht die Aes Sedai.�</p><p>�Nicht die Aes Sedai?� spie Sevanna aus. �Wer dann? Die anderen Weisen Frauen? Ich sagte <emphasis>Euch,</emphasis> da� wir sie angreifen sollten!�</p><p>�Es waren keine Frauen�, erkl�rte Rhiale mit schwankender Stimme. �Es waren keine...� Sie schluckte mit bleichem Gesicht.</p><p>Sevanna wandte sich langsam zu der Kuppel um und dachte erst dann wieder daran, da� sie atmen mu�te. Etwas war durch die �ffnung, durch die der Rauch entwich, aufgestiegen. Eines der Feuchtl�nderBanner. Der Rauch konnte es nicht vollst�ndig verbergen. Karmesinrot, mit einer halb wei�en und halb schwarzen Scheibe, die Farben durch eine gewundene Linie voneinander getrennt, genau wie bei den Stoffstreifen, die die <emphasis>Siswai'aman</emphasis> trugen. Rand al'Thors Banner. War er wom�glich stark genug, um freigekommen zu sein, alle Aes Sedai �berw�ltigt und dieses Banner gehi�t zu haben? So mu�te es sein.</p><p>Der Sturm brandete noch immer gegen die Kuppel an, aber Sevanna h�rte hinter sich ein Murmeln. Die anderen Frauen dachten an R�ckzug. Sie nicht. Sie hatte schon immer gewu�t, da� man Macht am leichtesten erlangen konnte, indem man Menschen besiegte, die diese Macht bereits besa�en. Und sie war schon als Kind sicher gewesen, da� sie mit den Waffen geboren wurde, dies zu tun. Suladric, Clanh�uptling der Shaido, fiel ihr mit sechzehn zum Opfer, und als er starb, erw�hlte sie jene, die ihm h�chstwahrscheinlich folgen w�rden. Muradin und Couladin glaubten jeder, er allein habe ihre Aufmerksamkeit erweckt, und als Muradin, wie so viele M�nner, nicht aus Rhuidean zur�ckkehrte, konnte sie Couladin mit einem L�cheln davon �berzeugen, da� er sie �berw�ltigt hatte. Aber die Macht eines Clanh�uptlings verbla�te neben derjenigen des Car'a'carn, und selbst sie war nichts angesichts dessen, was sie jetzt vor sich sah. Sie zitterte, als h�tte sie gerade in einem Schwitzzelt den unvorstellbar wundervollsten Mann gesehen. Wenn Rand al'Thor ihr geh�rte, w�rde sie die ganze Welt erobern.</p><p>�Bedr�ngt sie st�rker�, befahl sie. �St�rker! Wir werden diese Aes Sedai f�r Desaine dem�tigen!� Und sie bek�me Rand al'Thor.</p><p>Pl�tzlich erklang ein Br�llen von der Kampffront. M�nner riefen und schrien. Sevanna fluchte, weil sie nicht sehen konnte, was geschah. Sie rief den Weisen Frauen erneut zu, unvermindert voranzudr�ngen, aber wenn �berhaupt eine Reaktion erkennbar war, schien es eher, als w�rde der Flammen- und Blitzregen gegen die Kuppel nachlassen. Und dann konnte sie etwas sehen.</p><p>In der N�he der Wagen explodierten in den <emphasis>Cadin 'sor</emphasis> gekleidete Gestalten und Erde mit donnerndem Krachen in der Luft, nicht nur an einer Stelle, sondern in einer langen Reihe. Der Boden explodierte immer wieder, jedes Mal ein wenig weiter von den eingekreisten Wagen entfernt. Es war keine Linie, sondern ein fester Ring explodierender Erde und M�nner und T�chter des Speers, der zweifellos ganz um die Wagen herumf�hrte. Immer und immer wieder, sich st�ndig erweiternd, und pl�tzlich dr�ngten <emphasis>Algai'd'siswai</emphasis> an ihr vorbei, k�mpften sich durch die Reihe der Weisen Frauen und liefen davon.</p><p>Sevanna schlug mit ihrem Speer auf sie ein, drosch auf K�pfe und Schultern und k�mmerte sich nicht darum, wenn sie die Speerspitze befleckter zur�ckzog, als sie schon zuvor gewesen war. �Bleibt und k�mpft! Bleibt, f�r die Ehre der Shaido!� Sie liefen an ihr vorbei, ohne sie zu beachten. �Habt Ihr denn keine Ehre? Bleibt und k�mpft!� Sie stach einer fliehenden Tochter des Speers in den R�cken, aber die anderen trampelten einfach �ber die gefallene Frau hinweg. Sevanna erkannte j�h, da� einige der Weisen Frauen fort waren, und sah, da� andere Verletzte aufhoben. Rhiale wandte sich zur Flucht, aber Sevanna ergriff den Arm der gr��eren Frau und bedrohte sie mit dem Speer. Es k�mmerte sie nicht, da� Rhiale die Macht lenken konnte. �Wir m�ssen bleiben! Wir k�nnen ihn noch immer bekommen!�</p><p>Das Gesicht der anderen Frau war eine angstvolle Maske. �Wenn wir bleiben, sterben wir! Oder wir enden angekettet vor Rand al'Thors Zelt! Bleibt und sterbt, wenn Ihr wollt, Sevanna. Ich bin kein Steinsoldat!� Damit ri� sie ihren Arm los und eilte ostw�rts.</p><p>Sevanna blieb noch einen Moment stehen, von M�nnern und T�chtern des Speers hierhin und dorthin geschoben, die sich voller Entsetzen vorbeidr�ngten. Dann warf sie den Speer fort und tastete nach ihrer G�rteltasche, in der ein kleiner W�rfel mit komplizierten Schnitzereien lag. Gut, da� sie gez�gert hatte, ihn fortzuwerfen - sie besa� noch eine Sehne f�r ihren Bogen. Sie raffte ihre R�cke und schlo� sich der hastigen Flucht an, aber w�hrend alle anderen vor Entsetzen flohen, lief sie mit einem Kopf voller Pl�ne davon. Sie w�rde Rand al'Thor auf Knien vor sich sehen, und die Aes Sedai ebenfalls.</p><p>Schlie�lich verlie� Alviarin Elaidas R�ume, �u�erlich so k�hl und gelassen wie immer, aber innerlich f�hlte sie sich ausgelaugt. Es gelang ihr, steten Schrittes die lange, gewundene Treppe hinabzugehen, die g�nzlich aus Marmor bestand. Livrierte Diener verbeugten sich oder vollf�hrten den Hofknicks, w�hrend sie zu ihren Aufgaben eilten, denn sie sahen in ihrer Aes-Sedai-Ruhe nur die Beh�terin der Chronik. W�hrend sie weiter hinabging, begegnete sie zunehmend mehr Schwestern, von denen einige die Stolen in den Farben ihrer Ajahs trugen, als wollten sie durch F�rmlichkeit unterstreichen, da� sie tats�chlich vollwertige Schwestern waren. Sie be�ugten sie recht unbehaglich, w�hrend sie vor�berging. Die einzige, die sie nicht beachtete, war Danelle, eine vertr�umte Braune Schwester. Sie hatte geholfen, Siuan Sanche zu st�rzen und Elaida zu erheben, aber als gedankenverlorene Einzelg�ngerin, die nicht einmal in ihrer eigenen Ajah Freunde besa�, schien sie nicht zu bemerken, da� sie anschlie�end beiseite geschoben worden war. Andere waren sich dessen nur zu bewu�t. Berisha, eine hagere, hart�ugige Graue, und Kera mit dem hellen Haar und den dunklen Augen, die bei Tairenern selten waren, und all der �berheblichkeit, die bei Gr�nen wiederum so h�ufig war, vollf�hrten zumindest Hofknickse. Norine h�tte es ihr beinahe gleichgetan. Mit ihren gro�en Augen manchmal fast so vertr�umt wie Danelle und genauso einsam, �rgerte sie sich �ber Alviarin. Wenn die Beh�terin der Chronik schon aus den Reihen der Wei�en erhoben wurde, h�tte es ihrer Meinung nach Norine Dovarna sein sollen.</p><p>Gegen�ber der Beh�terin der Chronik war H�flichkeit nicht erforderlich, nicht von einer Schwester, aber sie hofften zweifellos, da� sie vielleicht bei Elaida F�rsprache einlegte, wenn es notwendig w�rde. Die anderen fragten sich einfach nur, welche Befehle sie erhalten hatte, ob heute eine andere Schwester wegen irgendeiner - in den Augen der Amyrlin begangenen - Verfehlung ausgesondert w�rde. Nicht einmal Rote n�herten sich den neuen R�umen der Amyrlin weiter als bis auf f�nf Stockwerke, es sei denn, sie wurden zu ihr gerufen. Mehr als eine Schwester verbarg sich regelrecht, wenn Elaida herabkam. Die Luft schien wahrhaft erhitzt und von einer Furcht durchsetzt, die nichts mit Aufr�hrern oder Machthabern zu tun hatte.</p><p>Mehrere Schwestern wollten etwas sagen, aber Alviarin rauschte vor�ber, wenig h�flich und kaum die Sorge bemerkend, die in ihre Augen trat, wenn sie nicht innehalten wollte. Elaida besch�ftigte sie genausosehr wie die anderen. Elaida war eine vielschichtige Frau. Auf den ersten Blick sah man nur eine wundersch�ne, w�rdevoll zur�ckhaltende Frau, aber auf den zweiten Blick erkannte man einen Menschen aus Stahl, gef�hrlich wie eine gezogene Klinge. Sie �berw�ltigte, wo andere �berzeugten, und erzwang, wo andere es mit Diplomatie oder durch das Spiel der H�user versuchten. Jedermann, der sie kannte, wu�te um ihre Intelligenz, aber man bemerkte erst nach einiger Zeit, da� sie trotz ihres Verstandes nur sah, was sie sehen wollte, und wahrzumachen versuchte, was sie wahrhaben wollte. Es gab an ihr zwei unzweifelhaft be�ngstigende Dinge, von denen der Umstand, da� sie so oft Erfolg hatte, das geringere war. Weitaus be�ngstigender war ihr Talent des Weissagens.</p><p>Man konnte es leicht vergessen, da es unberechenbar war und nur selten auftrat. Niemand wu�te, wann es soweit sein w�rde, nicht einmal Elaida selbst, und niemand wu�te, was sie enth�llen w�rde. Jetzt konnte Alviarin die vage Gegenwart der Amyrlin ihr fast folgen und sie beobachten sp�ren.</p><p>Es k�nnte noch notwendig werden, sie zu t�ten. Wenn es dazu k�me, w�re Elaida nicht die erste, die sie heimlich get�tet h�tte. Dennoch z�gerte sie, diesen Schritt ohne Befehl oder zumindest eine Erlaubnis zu tun.</p><p>Sie betrat sp�rbar erleichtert ihre privaten R�ume, als k�nnte Elaidas Schatten diese Schwelle nicht �berschreiten. Ein t�richter Gedanke. Wenn Elaida die Wahrheit vermutete, w�rden sie nicht einmal eintausend Meilen von Alviarins Kehle fernhalten. Elaida w�rde von ihr erwarten, da� sie hart arbeitete und die Befehle unter der Signatur und dem Siegel der Amyrlin pers�nlich niederschrieb -, aber welche dieser Befehle tats�chlich ausgef�hrt w�rden, mu�te noch entschieden werden. Nat�rlich nicht von Elaida. Und auch nicht von Alviarin.</p><p>Ihre R�ume waren kleiner als Elaidas, obwohl die Decken h�her waren und ein Balkon in hundert Fu� H�he Ausblick �ber den gro�en Platz vor der Burg bot. Manchmal betrat sie diesen Balkon, um Tar Valon vor ihr ausgebreitet zu sehen, die gr��te Stadt der Welt, erf�llt von zahllosen Tausenden, die weniger z�hlten als Spielsteine auf einem Spielbrett. Ihre R�ume waren mit Domani-M�beln ausgestattet, hell gestreiftes Holz mit Muschelschalen- und Bernstein-Einlegearbeiten, helle Teppiche mit Blumen- und Schneckenmustern und grasendem Wild. Die Einrichtung hatte der letzten Bewohnerin dieser R�ume geh�rt, und wenn sie sie noch aus einem anderen Grund behalten hatte als dem, da� sie keine Zeit mit der Auswahl neuer M�bel verschwenden wollte, dann um sich an den Preis f�r Versagen zu erinnern. Leane Sharif hatte oberfl�chlich geplant und war gescheitert, und jetzt war sie f�r immer von der Einen Macht abgeschnitten, ein hilfloser Fl�chtling, der auf Wohlt�tigkeit angewiesen war, zu einem Leben im Elend verdammt, bis sie es entweder selbst beendete oder einfach das Gesicht zur Wand drehte und starb. Alviarin hatte von einigen wenigen ged�mpften Frauen geh�rt, die �berlebt hatten, aber sie w�rde diese Geschichten anzweifeln, bis sie einer der Frauen begegnete. Nicht da� es sie auch nur im geringsten danach verlangte.</p><p>Durch die Fenster konnte sie die Helligkeit des fr�hen Nachmittags erkennen, aber noch bevor sie halbwegs in ihr Wohnzimmer gelangt war, verbla�te das Licht pl�tzlich zu tr�ber Abendd�mmerung. Die Dunkelheit �berraschte sie nicht. Sie wandte sich um und lie� sich sofort auf die Knie nieder. �Gro�e Herrin, ich lebe, um zu dienen.� Eine gro�e Frau aus dunklen Schatten und silbernem Licht stand vor ihr. Mesaana.</p><p>�Sage mir, was geschehen ist, Kind.� Die Stimme klang wie Kristallglocken.</p><p>Alviarin wiederholte kniend jedes Wort Elaidas, obwohl sie sich fragte, wieso das n�tig war. Zu Anfang hatte sie unbedeutende Teile ausgelassen, und Mesaana hatte es jedes Mal erkannt und jedes Wort, jede Geste und jeden Gesichtsausdruck gefordert. Sie belauschte jene Treffen offensichtlich. Alviarin hatte versucht, eine Logik darin zu erkennen, aber es war ihr nicht gelungen. Andere Dinge waren jedoch durchaus logisch.</p><p>Sie hatte andere der Auserw�hlten getroffen, die Narren <emphasis>die Verlorenen</emphasis> nannten. Lanfear und Graendal waren in die Burg gekommen, die in ihrer Kraft und ihrem Wissen gebieterisch wirkten und ohne Worte verdeutlicht hatten, da� Alviarin weit unter ihnen stand, eine K�chenmagd, die Boteng�nge erledigte und sich vor Freude wand, wenn ein freundliches Wort an sie gerichtet wurde. Be'lal hatte Alviarin in der Nacht im Schlaf fortgezerrt - sie wu�te noch immer nicht wohin. Sie war wieder in ihrem eigenen Bett erwacht, und das hatte sie noch mehr erschreckt, als sich in Gegenwart eines Mannes zu befinden, der die Macht lenken konnte. F�r ihn war sie nicht einmal ein Wurm, nicht einmal ein Lebewesen, nur ein Spielstein, der sich auf seinen Befehl hin bewegte. Ishamael hatte sie zuerst, Jahre vor den anderen, aus der verborgenen Masse der Schwarzen Ajah auserw�hlt, um sie an deren Spitze zu setzen.</p><p>Sie hatte vor jeder Schwarzen Ajah niedergekniet und beteuert, da� sie lebe, um zu dienen, und es auch so meine, und ihren Befehlen gehorchen w�rde, wie auch immer diese Befehle lauteten. Immerhin waren sie nur eine Stufe niedriger gestellt als der Gro�e Herr der Dunkelheit selbst, und wenn sie eine Belohnung f�r ihre Dienste erwartete - die Unsterblichkeit, die sie anscheinend bereits besa�en -, tat sie gut daran zu gehorchen. Sie hatte vor jeder Schwarzen Ajah niedergekniet, und nur Mesaana war mit einem nicht menschlichen Gesicht erschienen. Dieser Umhang aus Schatten und Licht mu�te mit der Einen Macht gewoben sein, aber Alviarin konnte kein Gewebe erkennen. Sie hatte die Kraft Lanfears und Graendals gesp�rt, hatte vom ersten Moment an gewu�t, wieviel st�rker sie die Macht beherrschten als sie selbst, aber bei Mesaana sp�rte sie ... nichts. Als k�nnte die Frau die Macht �berhaupt nicht lenken.</p><p>Die Logik war eindeutig - und verbl�ffend. Mesaana verbarg sich, weil sie erkannt werden k�nnte. Sie mu�te in der Burg selbst wohnen. Diese Folgerung schien angesichts des Offensichtlichen unm�glich, aber eine andere Erkl�rung w�re nicht schl�ssig. Wenn dem so war, mu�te sie eine der Schwestern sein. Sie war sicherlich keine Dienerin, nicht Arbeit und Schwei� verpflichtet. Aber wer dann? Zu viele Frauen waren vor Elaidas Ruf von der Burg fortgewesen, zu viele hatten keine engen oder gar keine Freunde, Mesaana mu�te eine jener Frauen sein. Alviarin wollte es unbedingt wissen. Selbst wenn sie es nicht nutzen konnte, war Wissen dennoch Macht.</p><p>�Also hat unsere Elaida eine Weissagung gemacht�, sagte Mesaana in singendem Tonfall, und Alviarin erkannte erschreckt, da� sie am Ende ihres Berichts angelangt war. Ihre Knie schmerzten, aber sie wu�te es besser, als da� sie ohne Erlaubnis aufgestanden w�re. Ein Schattenfinger tippte nachdenklich an silberne Lippen. Hatte sie schon irgendeine der Schwestern diese Geste vollf�hren sehen? �Es scheint mir seltsam, da� sie gleichzeitig so klar und doch so unstet sein sollte. Das Vorhersagen war stets ein seltenes Talent, und die meisten, die es besa�en, formulierten ihre Weissagungen auf eine Art, die nur Dichter verstehen konnten - �blicherweise bis es zu sp�t war, als da� es noch wichtig gewesen w�re. Erst dann wurde stets alles verst�ndlich.� Alviarin schwieg weiterhin. Keine der Auserw�hlten unterhielt sich - sie befahlen oder forderten nur. �Bemerkenswerte Prophezeiungen. Die Aufr�hrer zu zerbrechen - wie verfaulte Melonen -, geh�rte das dazu?� �Ich bin nicht sicher, Gro�e Herrin�, sagte Alviarin z�gernd - war es Teil davon gewesen? -, aber Mesaana zuckte nur die Achseln.</p><p>�Entweder ja oder nein, und beides kann genutzt werden.�</p><p>�Sie ist gef�hrlich, Gro�e Herrin. Ihr Talent k�nnte offenbaren, was nicht offenbart werden sollte.�</p><p>Kristallenes Lachen antwortete ihr. �Wie zum Beispiel? Dich? Deine Schwestern von den Schwarzen Ajah? Oder willst du mich vielleicht sch�tzen? Du bist manchmal ein gutes M�dchen.� Die silberhelle Stimme klang belustigt. Alviarin sp�rte, wie sie err�tete, und hoffte, da� Mesaana es als Scham, nicht als Ver�rgerung auslegte. �Willst du damit anregen, da� wir uns unserer Elaida entledigen sollten? Noch nicht, denke ich. Sie kann noch von Nutzen sein. Zumindest bis der junge al'Thor uns erreicht, und sehr wahrscheinlich auch noch danach. Schreibe ihre Befehle auf und sorge f�r deren Ausf�hrung. Es ist sicherlich am�sant, sie beim Spielen ihrer kleinen Spiele zu beobachten. Ihr Kinder pa�t manchmal richtig zur Ajah. Wird es ihr gelingen, den K�nig von Illian und die K�nigin von Saldaea zu entf�hren? Ihr Aes Sedai pflegtet das zu tun, nicht wahr, aber nicht mehr seit - wann? - zweitausend Jahren? Wen wird sie auf den Thron in Cairhien bringen? Wird das Angebot, K�nig in Tear zu werden, die Abneigung des hohen Herrn Dariin gegen die Aes Sedai bezwingen? Wird unsere Elaida vorher an ihrer eigenen Entt�uschung ersticken? Schade, da� sie sich dem Gedanken an ein gr��eres Heer widersetzt. Ich h�tte gedacht, da� sie sich bei ihrem Ehrgeiz begeistert darauf st�rzen w�rde.�</p><p>Die Unterredung ging dem Ende entgegen. Diese Gespr�che dauerten niemals l�nger als Alviarin brauchte, um Bericht zu erstatten und ihre Befehle entgegenzunehmen, aber sie mu�te noch eine Frage stellen. �Die Schwarze Burg, Gro�e Herrin...� Alviarin benetzte ihre Lippen. Sie hatte viel gelernt, seit ihr Ishamael erschienen war, wovon nicht das Unwichtigste war, da� die Auserw�hlten weder allm�chtig noch allwissend waren. Sie war aufgestiegen, weil Ishamael ihre Vorg�ngerin aus Zorn �ber seine Entdeckung, was Jarna Malari begonnen hatte, get�tet hatte. Aber es hatte erst zwei Jahre sp�ter geendet, nach dem Tod einer weiteren Amyrlin. Alviarin hatte sich oft gefragt, ob Elaida mit deren - Sierin Vayus - Tod zu tun gehabt hatte. F�r die Schwarze Ajah galt das sicherlich nicht. Jarna hatte Tamra Ospenya, die Amyrlin vor Sierin, wie eine Traube auspressen lassen - wodurch sie nur wenig Saft erhalten hatte, wie sich herausstellte - und dann den Eindruck entstehen lassen, sie sei im Schlaf gestorben, aber Alviarin und die anderen zw�lf Schwestern des Gro�en Konzils hatten viele Qualen auf sich nehmen m�ssen, bevor sie Ishamael davon �berzeugen konnten, da� sie nicht daf�r verantwortlich waren. Die Auserw�hlten waren nicht allm�chtig und wu�ten nicht alles, und doch wu�ten sie manchmal etwas, was andere nicht einmal ahnten. Es konnte jedoch gef�hrlich sein, Fragen zu stellen. �Warum� war die gef�hrlichste Frage. Die Auserw�hlten mochten niemals nach dem Warum gefragt werden. �Ist es ausreichend, f�nfzig Schwestern auszuschicken, Gro�e Herrin?�</p><p>Augen, die wie Zwillingsvollmonde leuchteten, betrachteten sie ruhig, und ein Fr�steln lief Alviarins R�ckgrat hinauf. Jarnas Schicksal kam ihr blitzartig in den Sinn. Allgemein als Graue bekannt, hatte Jarna niemals ein Interesse an dem <emphasis>Ter'angreal</emphasis> gezeigt, f�r das niemand einen Verwendungszweck wu�te - bis zu dem Tag, an dem sie in einem seit Jahrhunderten unerprobten <emphasis>Ter'angreal</emphasis> gefangen wurde. Wie er gebraucht wurde, blieb noch immer ein Geheimnis. Zehn Tage lang konnte niemand sie erreichen, sondern nur ihren erstickten Schreien lauschen. Die meisten Bewohner der Burg hielten Jarna f�r ein Musterbeispiel an Tugend. Als das, was h�tte entdeckt werden k�nnen, begraben wurde, nahmen alle Schwestern in Tar Valon und jedermann, der die Stadt rechtzeitig erreichen konnte, an der Beerdigung teil.</p><p>�Du bist neugierig, Kind�, sagte Mesaana schlie�lich. �Das kann, wenn es in die richtige Bahn gelenkt wird, ein Vorteil sein. Wird es allerdings in die falsche Bahn gelenkt...� Die Drohung hing wie ein schimmernder Dolch in der Luft.</p><p>�Ich werde meine Neugier in die von Euch befohlene Bahn lenken, Gro�e Herrin�, fl�sterte Alviarin rauh. Ihr Mund war staubtrocken. �Nur wie Ihr befehlt.� Aber sie w�rde dennoch daf�r sorgen, da� keine Schwarzen Schwestern mit Toveine gingen. Mesaana regte sich, ragte �ber ihr auf, so da� sie den Hals recken mu�te, um zu diesem aus Licht und Schatten bestehenden Gesicht hinaufzusehen, und pl�tzlich fragte sie sich, ob die Auserw�hlten ihre Gedanken kannten.</p><p>�Wenn du mir dienen willst, Kind, dann mu�t du <emphasis>mir</emphasis> dienen und gehorchen. Nicht Semirhage oder Demandred. Nicht Graendal oder sonst jemandem. Nur mir. Und dem Gro�en Herrn nat�rlich, aber au�er ihm vor allen anderen mir.�</p><p>�Ich lebe, um Euch zu dienen, Gro�e Herrin.� Die Worte wurden kr�chzend hervorgebracht, aber es gelang ihr dennoch, die angef�gten Worte zu betonen.</p><p>Einen langen Moment sahen die silberhellen Augen unverwandt zu ihr herab. Dann sagte Mesaana: �Gut. Dann werde ich dich lehren. Aber rufe dir in Erinnerung, da� ein Sch�ler kein Lehrer ist. Ich bestimme, wer welche Dinge lernt, und ich entscheide, wann dieses Wissen genutzt werden kann. Sollte ich feststellen, da� du auch nur das Geringste weitergegeben oder auch nur eine Kleinigkeit ohne meine Anweisung benutzt hast, werde ich dich vernichten.�</p><p>Die glockenreine Stimme klang nicht ver�rgert, sondern nur sachlich. �Ich lebe, um Euch zu dienen, Gro�e Herrin. Ich lebe, um Euch zu gehorchen, Gro�e Herrin.� Sie hatte soeben etwas �ber die Auserw�hlten gelernt, was sie kaum glauben konnte. Wissen war Macht.</p><p>�Du hast ein wenig Kraft, Kind. Nicht viel, aber genug.�</p><p>Ein Gewebe erschien scheinbar aus dem Nichts.</p><p>�Dies�, sang Mesaana, �nennt man ein Wegetor.�</p><p>Pedron Niall brummte, als Morgase mit triumphierendem L�cheln einen wei�en Stein auf dem Spielbrett setzte. Schlechtere Spieler h�tten vielleicht noch zwei Dutzend mehr Steine gesetzt, aber er konnte den unausweichlichen Verlauf jetzt genauso erkennen wie sie. Zu Beginn hatte die blonde Frau, die ihm an dem kleinen Tisch gegen�bersa�, gespielt, als wollte sie verlieren, um es f�r ihn interessanter zu machen, aber es hatte nicht lange gedauert, bis sie erkannte, da� dies zu ihrer Niederlage gef�hrt h�tte. Ganz zu schweigen davon, da� er klug genug war, die List zu erkennen und sie nicht duldete. Jetzt setzte sie all ihr K�nnen ein und es gelang ihr, fast die H�lfte ihrer Spiele zu gewinnen. Seit etlichen Jahren hatte ihn niemand mehr so h�ufig besiegt.</p><p>�Dies ist Euer Spiel�, sagte er zu ihr, und die K�nigin von Andor nickte. Nun, sie w�rde wieder K�nigin sein, daf�r w�rde er sorgen. In der gr�nen Seide mit dem hohen Spitzenkragen wirkte sie trotz des Schwei�films auf ihren glatten Wangen jeder Zoll wie eine K�nigin. Sie schien jedoch kaum alt genug, eine Tochter in Elaynes Alter und noch viel weniger einen Sohn in Gawyns Alter zu haben.</p><p>�Ihr habt nicht erkannt, da� ich die Falle bemerkt habe, die Ihr von Eurem einunddrei�igsten Stein an gelegt habt, Lord Niall, und Ihr habt mein T�uschungsman�ver vom einunddrei�igsten Stein an als meinen wahren Angriff gedeutet.� Ihre blauen Augen funkelten aufgeregt. Morgase gewann gerne. Sie liebte es, auf Sieg zu spielen.</p><p>Nat�rlich diente dies alles dazu, ihn zu beruhigen -das Spiel mit den Steinen, die H�flichkeit. Morgase wu�te, da� sie in der Festung des Lichts eine Gefangene war, wenn auch eine sehr verw�hnte Gefangene. Und eine geheime Gefangene. Er hatte es zugelassen, da� Geschichten �ber ihre Anwesenheit verbreitet wurden, hatte aber keine Erkl�rung abgegeben. Andors Geschichte des Widerstands gegen die Kinder des Lichts war zu beeindruckend. Er w�rde nichts erkl�ren, bis die Legionen mit ihr als Galionsfigur in Andor einmarschierten. Das wu�te Morgase sicherlich auch. Und wahrscheinlich wu�te sie ebenfalls, da� er ihre Versuche, ihn zu d�mpfen, bemerkt hatte. Der Vertrag, den sie unterzeichnet hatte, verlieh den Kindern in Andor Rechte, die sie niemals irgendwo sonst als hier in Amadicia besessen hatten, und er erwartete, da� sie bereits plante, wie sie seinen Zugriff auf ihr Land lockern und sobald es ihr m�glich war ganz r�ckg�ngig machen k�nnte. Sie hatte den Vertrag nur unterzeichnet, weil er sie in die Ecke gedr�ngt hatte, und doch hatte sie aus dieser Position heraus weiterhin genauso geschickt gek�mpft, wie sie ihre Steine auf dem Spielbrett setzte. Sie war trotz ihrer Sch�nheit sehr z�h. Nein, sie war einfach z�h und sonst nichts. Sie lie� sich von der reinen Freude an ihrem Spiel einfangen, aber er konnte dies nicht als Fehler werten, da es ihm so viele erfreuliche Momente verschaffte.</p><p>W�re er zwanzig Jahre j�nger gewesen, w�re er vielleicht mehr auf ihr wahres Spiel eingegangen. Lange Jahre als Witwer lagen hinter ihm, und der kommandierende Lordhauptmann der Kinder des Lichts hatte wenig Zeit f�r T�ndeleien mit Frauen, wenig Zeit f�r anderes, als der kommandierende Lordhauptmann zu sein. W�re er zwanzig - nun, f�nfundzwanzig - Jahre j�nger und sie nicht von den Tar-Valon-Hexen ausgebildet... Das konnte man in ihrer Gegenwart leicht vergessen. Die Wei�e Burg war ein Sumpf der Sch�ndlichkeit und des Schattens, und sie war bis ins Innerste davon ber�hrt Rhadam Asunawa, der Hochinquisitor, h�tte sie f�r ihre Monate in der Burg verurteilt und ohne Verz�gerung geh�ngt, wenn Niall es zugelassen h�tte. Er seufzte bedauernd.</p><p>Morgase behielt ihr siegreiches L�cheln bei, und ihre gro�en Augen beobachteten sein Gesicht mit unleugbarer Intelligenz. Er f�llte ihre Becher aus einem in einer Schale mit k�hlem Wasser stehenden Silberkrug mit Wein.</p><p>�Mylord Niall...� Das Z�gern war genau richtig bemessen, die schlanke Hand �ber den Tisch halbwegs zu ihm ausgestreckt, der zus�tzliche Respekt der Anrede. Einst hatte sie ihn einfach Niall genannt, ver�chtlicher, als sie einen betrunkenen Stallburschen angesprochen h�tte. Das Z�gern w�re genau richtig bemessen gewesen, wenn er sie nicht h�tte einsch�tzen k�nnen. �Mylord Niall, Ihr k�nntet doch sicherlich Galad nach Amador befehligen, so da� ich ihn sehen k�nnte. Nur f�r einen Tag.�</p><p>�Ich bedaure�, antwortete er glatt, �da� Galads Pflichten ihn im Norden festhalten. Ihr solltet stolz sein. Er ist einer der besten jungen Offiziere bei den Kindern.� Ihr Stiefsohn wurde bei Bedarf sozusagen als Hebel angesetzt, jemand, der jetzt n�tzlicher war, wenn man ihn fernhielt. Der junge Mann war in der Tat ein guter Offizier, vielleicht der beste, der sich den Kindern zu Nialls Zeiten jemals angeschlossen hatte, und es war nicht n�tig, seinen Eid auf die Probe zu stellen, indem man ihn wissen lie�, da� seine Mutter hier und nur aus H�flichkeit ein �Gast� sei.</p><p>Ihre Entt�uschung zeigte sich durch ein leichtes Zusammenpressen der Lippen, das rasch wieder verging. Dies war nicht das erste Mal, da� sie diese Bitte ge�u�ert hatte, und es w�rde auch nicht das letzte Mal sein. Morgase Trakand ergab sich nicht einfach, nur weil feststand, da� sie besiegt war. �Wie Ihr meint, Mylord Niall�, sagte sie so sanftm�tig, da� er sich fast an seinem Wein verschluckte. Unterw�rfigkeit war eine neue Taktik, eine Taktik, die sie sich m�hsam erarbeitet haben mu�te. �Es ist nur einer Mutter...�</p><p>�Mein Lordhauptmann!� unterbrach sie eine tiefe, vollt�nende Stimme vom Eingang her. �Ich f�rchte, ich habe wichtige Nachrichten, die nicht warten k�nnen, Mylord.� Abdel Omerna ragte in dem wei�goldenen Waffenrock eines Lordhauptmanns der Kinder des Lichts hoch auf, das k�hne Gesicht an den Schl�fen von fl�gelf�rmigem Wei� gerahmt, die dunklen Augen tiefliegend und nachdenklich. Er wirkte von Kopf bis Fu� furchtlos und herrisch. Und wie ein Narr, aber das war nicht auf den ersten Blick zu erkennen.</p><p>Morgase zog sich beim Anblick Omernas mit einer �u�erst fl�chtigen Bewegung in sich selbst zur�ck, die die meisten nicht einmal bemerkt h�tten. Sie glaubte genau wie alle anderen, da� er ein Meisterspion f�r die Kinder war, ein Mann, den man fast genauso sehr, wenn nicht sogar mehr f�rchten mu�te wie Asunawa. Sogar Omerna selbst wu�te nicht, da� er nur ein K�der war, der die Aufmerksamkeit von dem wahren Meisterspion ablenken sollte, ein Mann, der nur Niall selbst bekannt war - Sebban Balwer, Nialls trockener kleiner Stockfisch von Schreiber. Aber ob K�der oder nicht -gelegentlich ging etwas N�tzliches durch Omernas H�nde; und nur sehr gelegentlich etwas Schreckliches. Niall hatte keine Zweifel daran, was der Mann brachte. Nichts anderes au�er ein vor den Toren aufgetauchter Rand al'Thor h�tte ihn auf diese Art hereinplatzen lassen. Das Licht gebe, da� es nur der Wahnsinn eines Teppichh�ndlers war.</p><p>�Ich f�rchte, unser Spiel ist f�r heute morgen beendet�, belehrte Niall Morgase und stand auf. Er verbeugte sich leicht vor ihr, als sie sich ebenfalls erhob, und sie erwiderte diese Huldigung, indem sie den Kopf neigte.</p><p>�Vielleicht bis heute abend?� Ihre Stimme hatte noch immer diesen fast f�gsamen Unterton. �Das hei�t, wenn Ihr mit mir speisen wollt?�</p><p>Niall nahm die Einladung selbstredend an. Er wu�te nicht, worauf sie mit dieser neuen Taktik hinauswollte -sicher nicht auf das, was ein Dummkopf vermuten w�rde -, aber es w�re am�sant, es herauszufinden. Diese Frau steckte voller �berraschungen. Zu schade, da� sie von den Hexen verdorben war.</p><p>Omerna trat bis zu der in den Boden eingelassenen gro�en goldenen, lodernden Sonne vor, die im Laufe der Jahrhunderte von F��en und Knien abgenutzt worden war. Abgesehen davon war dieser Raum sehr einfach gehalten, und die eroberten Banner, welche die W�nde hoch oben unter der Decke s�umten, waren vom Alter zerfetzt und zerschlissen. Omerna beobachtete, wie Morgase um ihn herumging, ohne ihn wirklich zu beachten, und als sich die T�r hinter ihr schlo�, sagte er: �Ich habe Elayne oder Gawyn noch nicht gefunden, Mylord.�</p><p>�Sind das Eure wichtigen Nachrichten?� fragte Niall ver�rgert. Balwer berichtete, da� Morgases Tochter in Ebou Dar sei und noch immer mit den Hexen zusammensteckte. Sie betreffende Befehle waren bereits an Jaichim Carridin gesandt worden. Ihr Sohn plagte sich in Tar Valon, wo sogar Balwer nur wenige Augen-und-Ohren hatte, anscheinend noch immer mit den Hexen herum. Niall nahm einen gro�en Schluck k�hlen Wein. Seine Knochen f�hlten sich in letzter Zeit alt und br�chig an, und doch lie� die vom Schatten erzeugte Hitze seine Haut ausreichend schwitzen und trocknete seinen Mund aus.</p><p>Omerna zuckte zusammen. �Oh... Nein, Mylord.� Er suchte in einer Tasche seiner wei�en Weste herum und zog dann eine kleine Knochenh�lse mit drei roten L�ngsstreifen hervor. �Ihr wolltet dies gebracht bekommen, sobald die Taube in...� Er brach ab, als Niall ihm die H�lse aus der Hand ri�.</p><p>Darauf hatte er gewartet. Das war der Grund, warum noch keine Legion mit der - wenn auch nicht als F�hrerin - voranreitenden Morgase auf dem Weg nach Andor war. Wenn nicht alles Varadins Wahnsinn entsprungen war, den Fieberphantasien eines Mannes, der seine Ausgeglichenheit verloren hatte, w�hrend Tarabon in Anarchie versank. Andor w�rde warten m�ssen. Andor, und vielleicht noch mehr.</p><p>�Ich ... ich habe die Best�tigung erhalten, da� die Wei�e Burg wahrhaftig gespalten ist�, fuhr Omerna fort. �Die... die Schwarze Ajah hat Tar Valon eingenommen.� Kein Wunder, da� er beunruhigt klang, wenn er ketzerische Reden f�hrte. Es gab keine Schwarze Ajah. Alle diese Hexen waren Schattenfreunde.</p><p>Niall beachtete ihn nicht und brach mit dem Fingernagel das Wachssiegel der H�lse. Er hatte Balwer dazu benutzt, diese Ger�chte in Umlauf zu bringen, und jetzt kehrten sie zu ihm zur�ck. Omerna glaubte jedes Ger�cht, das er h�rte, und er h�rte sie alle.</p><p>�Und es gibt Berichte, da� die Hexen sich mit dem falschen Drachen al'Thor beraten, Mylord.�</p><p>Nat�rlich berieten sich die Hexen mit ihm! Er war ihre Sch�pfung, ihre Marionette. Niall ignorierte das Geschw�tz des Narren und trat wieder an den Spieltisch, w�hrend er eine schmale Papierrolle aus der H�lse zog. Er lie� niemals jemanden mehr �ber diese Nachrichten wissen, als da� sie existierten, und selbst das wu�ten nur wenige. Seine H�nde zitterten, als er das d�nne Papier entrollte. Seine H�nde hatten nicht mehr gezittert, seit er sich vor �ber siebzig Jahren als Junge seinem ersten Kampf gegen�bergesehen hatte. Jene H�nde schienen jetzt kaum noch mehr als Knochen und Sehnen, aber sie besa�en noch immer genug Kraft f�r das, was er tun mu�te.</p><p>Die Botschaft kam nicht von Varadin, sondern von Faisar, der zu einem anderen Zweck nach Tarabon gesandt worden war. Nialls Magen rebellierte beim Lesen. Die Nachricht war in deutliche Worte gehalten, nicht in Varadins Geheimschrift. Varadins Berichte waren stets Werke eines Mannes am Rande des Wahnsinns - wenn nicht bereits dar�ber hinaus -, aber Faisar best�tigte die schlimmsten dieser Berichte und mehr. Viel mehr. Al'Thor war eine tollw�tige Bestie, ein Zerst�rer, der aufgehalten werden mu�te, aber jetzt hatte noch ein zweites wahnsinniges Wesen sein Haupt erhoben, eines, das vielleicht noch gef�hrlicher als die Tar-Valon-Hexen mit ihrem zahmen falschen Drachen war. Aber wie, unter dem Licht, konnte er beide bek�mpfen?</p><p>�Es ... es scheint, als h�tte K�nigin Tenobia Saldaea verlassen, Mylord. Und die ... die Drachenverschworenen ziehen brandschatzend und mordend durch Altara und Murandy. Ich habe geh�rt, das Horn von Valere sei in Kandor gefunden worden.�</p><p>Noch immer recht aufgew�hlt, schaute Niall auf und sah Omerna neben sich, der sich die Lippen leckte und sich mit dem Handr�cken den Schwei� von der Stirn wischte. Er hoffte zweifellos, einen Blick auf die Botschaft erh�schen zu k�nnen. Nun, es w�rde nur zu bald jedermann davon erfahren.</p><p>�Anscheinend war eine Eurer wilden Phantasien letztendlich doch nicht so wild�, sagte Niall, und das war der Moment, in dem er den Dolch zwischen seinen Rippen sp�rte.</p><p>Das Entsetzen lie� ihn ausreichend lange erstarren, da� Omerna den Dolch wieder herausziehen und erneut zusto�en konnte. Es waren schon andere kommandierende Lordhauptm�nner vor ihm auf diese Art gestorben, und doch hatte er niemals geglaubt, da� Omerna sein M�rder sein k�nnte. Er versuchte, mit ihm zu k�mpfen, aber er hatte keine Kraft mehr in den Armen. Er klammerte sich an Omerna, der ihn st�tzte - Auge in Auge.</p><p>Omernas Gesicht war ger�tet. Tr�nen standen in seinen Augen. �Es mu�te getan werden. Es mu�te sein. Ihr habt die Hexen ungehindert in Salidar belassen und...� Er stie� Niall von sich, als erkenne er pl�tzlich, da� er die Arme um den Mann gelegt hatte, den er gerade ermordete.</p><p>Jetzt wich auch alle Kraft aus Nialls Beinen. Er fiel schwer gegen den Spieltisch und warf ihn um. Schwarze und wei�e Steine wurden �ber den glatten Holzboden um ihn herum verstreut. Der Silberkrug prallte auf dem Boden auf und verspritzte Wein. Die K�lte in Nialls Knochen sickerte jetzt auch in seinen �brigen K�rper.</p><p>Er war sich nicht sicher, ob sich die Zeit f�r ihn verz�gert hatte oder alles wahrhaftig so schnell geschah. Stiefel stapften �ber den Boden; ersch�pft hob er den Kopf und sah Omerna mit gro�en Augen vor Eamon Valda zur�ckweichen. Valda war in jeder Beziehung ebenso sehr das Bild eines Lordhauptmanns wie Omerna in seinem wei�-goldenen Waffenrock und der wei�en Weste, aber Valda war nicht so gro�, nicht so eindeutig herrisch. Das Gesicht des dunklen Mannes wirkte jedoch stets hart, und jetzt hielt er zudem ein Schwert in H�nden - die mit einem Reiher versehene Klinge, die er so hoch sch�tzte.</p><p>�Verrat!� br�llte Valda und stie� Omerna das Schwert in die Brust.</p><p>Niall h�tte gelacht, wenn er dazu in der Lage gewesen w�re. Er atmete schwer und konnte das Blut in seiner Kehle gurgeln h�ren. Er hatte Valda noch nie gemocht - tats�chlich verachtete er den Mann - aber irgend jemand mu�te es erfahren. Er lie� seinen Blick wandern und sah den Streifen Papier aus Tanchico nicht weit von seiner Hand entfernt liegen. Dort k�nnte er �bersehen werden, aber nicht, wenn dieser Leichnam es festhielt. Und die Nachricht mu�te gelesen werden. Seine Hand schien sehr langsam �ber den Boden zu kriechen, streifte das Papier, stie� es fort, w�hrend er es doch verzweifelt ergreifen wollte. Seine Sicht verschwamm. Er versuchte mit aller Kraft zu sehen. Er mu�te... Der Nebel wurde dichter. Ein Teil von ihm wollte den Gedanken absch�tteln. Da war kein Nebel. Aber der Nebel wurde dichter, und dort drau�en lauerte ein unsichtbarer, verborgener Feind, der so gef�hrlich wie al'Thor oder noch gef�hrlicher war. Die Nachricht. Was? Welche Nachricht? Es war Zeit, aufzusitzen und das Schwert zu ziehen, Zeit f�r einen letzten Angriff. Beim Licht, Sieg oder Sterben -er kam! Er bem�hte sich, einen Laut auszusto�en.</p><p>Valda wischte seine Klinge an Omernas Waffenrock ab und erkannte dann pl�tzlich, da� der alte Wolf noch immer atmete, ein kratzendes, gurgelndes Ger�usch. Er beugte sich grinsend herab, um dem ein Ende zu bereiten - aber eine hagere, langfingrige Hand ergriff seinen Arm.</p><p>�Wollt Ihr jetzt kommandierender Lordhauptmann werden, mein Sohn?� Asunawas ausgemergeltes Gesicht geh�rte einem M�rtyrer, und doch brannten seine dunklen Augen mit einer Inbrunst, die selbst diejenigen entmutigen mu�te, die nicht wu�ten, wer er war. �Ihr k�nntet es sehr wohl werden, wenn ich best�tige, da� Ihr Pedron Nialls M�rder get�tet habt. Aber nicht, wenn ich hinzuf�gen mu�, da� Ihr auch Nialls Kehle <emphasis>zerfetzt</emphasis> habt�</p><p>Valda entbl��te die Z�hne zu etwas einem L�cheln �hnlichen und richtete sich dann auf. Asunawa liebte die Wahrheit. Er liebte sie sehr. Er konnte sie zwar drehen und wenden, aber soweit Valda wu�te, log er niemals wirklich. Ein Blick in Nialls glasige Augen und auf die sich unter ihm ausbreitende Blutlache stellte Valda zufrieden. Der alte Mann starb.</p><p>�K�nnte, Asunawa?�</p><p>Der Blick des Hochinquisitors loderte heftiger, als Asunawa zur�cktrat und seinen schneewei�en Umhang von Nialls Blut entfernte. �Ich sagte <emphasis>k�nnte,</emphasis> mein Sohn. Ihr habt seltsam gez�gert, Euch einverstanden zu erkl�ren, da� Morgase der Hand des Lichts �bergeben werden mu�. Wenn ihr dieses Einverst�ndnis nicht gebt..,�</p><p>�Morgase wird noch gebraucht.� Valda mochte die Zweifler nicht, die Hand des Lichts, wie sie sich nannten. Wer konnte Menschen m�gen, die niemals einem Feind gegen�bertraten, der nicht entwaffnet und in Ketten war? Sie hielten sich von den Kindern fern, abgesondert. Auf Asunawas Umhang war nur der scharlachrote Hirtenstab der Zweifler zu sehen und nicht die flammende Sonne der Kinder, die seinen eigenen Waffenrock zierte. Schlimmer noch war der Umstand, da� sie glaubten, ihre Arbeit mit Folterwerkzeugen und hei�en Eisen sei die einzige wahre Arbeit der Kinder. �Morgase verschafft uns Andor, also k�nnt Ihr sie erst haben, wenn Andor in unserer Hand ist. Und wir k�nnen Andor erst �bernehmen, wenn der P�bel des Propheten vernichtet ist.� Nialls Brust bewegte sich jetzt kaum noch. �Es sei denn, Ihr wollt Amadicia gegen Andor eintauschen, anstatt beide zu besitzen? Ich will al'Thor h�ngen und die Wei�e Burg zu Staub zermahlen sehen, Asunawa. Ich habe Euren Plan nicht unterst�tzt, nur um jetzt zuzusehen, wie Ihr mittendrin alles verwerft.�</p><p>Asunawa war nicht �berrascht. Er war kein Feigling. Nicht hier in der Festung, wo sich Hunderte von Zweiflern aufhielten und die meisten der Kinder darauf achteten, sich ihnen gegen�ber nicht falsch zu verhalten. Er ignorierte das Schwert in Valdas H�nden, und das Gesicht des M�rtyrers nahm einen traurigen Ausdruck an. Sein Schwei� schien wie Tr�nen des Bedauerns. �In dem Fall, da Lordhauptmann Canvele glaubt, dem Gesetz m�sse Gen�ge getan werden, f�rchte ich...�</p><p>�Ich denke, Canvele stimmt mit mir �berein, Asunawa.� Das galt seit der D�mmerung, seit er erkannt hatte, da� Valda eine halbe Legion in die Festung gebracht hatte. Canvele war kein Narr. �Die Frage ist nicht, ob ich kommandierender Lordhauptmann sein werde, wenn die Sonne heute untergeht, sondern wer die Hand des Lichts bei der Suche nach der Wahrheit anf�hren wird.�</p><p>Asunawa war kein Feigling und noch weniger t�richt als Canvele. Er zuckte nicht zusammen und fragte Valda auch nicht, wie er dies bewerkstelligen wollte. �Ich verstehe�, sagte er nach einem Moment, und dann sanfter: �Beabsichtigt Ihr, das Gesetz vollst�ndig zu verh�hnen, mein Sohn?�</p><p>Valda mu�te fast lachen. �Ihr k�nnt Morgase pr�fen, aber sie steht nicht zur Debatte. Ihr k�nnt es tun, wenn ich mit ihr fertig bin.� Was noch etwas dauern k�nnte. Es w�rde nicht �ber Nacht zu bewerkstelligen sein, einen Ersatz f�r den L�wenthron zu finden, der ihre Beziehung zu den Kindern verstand, wie K�nig Ailron es hier tat.</p><p>Vielleicht verstand Asunawa und vielleicht auch nicht. Er �ffnete den Mund, als vom Eingang her ein Keuchen erklang. Nails Schreiber mit dem verkniffenen Gesicht, den gesch�rzten Lippen und den wulstigen, schmalen Augen stand dort und versuchte krampfhaft, nicht zu den auf dem Boden ausgestreckten K�rpern zu blicken.</p><p>�Ein trauriger Tag, Meister Balwer�, sagte Asunawa, die Stimme betr�bt und schwerm�tig. �Der Verr�ter Omerna hat unseren kommandierenden Lordhauptmann Pedron Niall get�tet - das Licht erleuchte seine Seele.� Kein Vorsto� auf die Wahrheit. Nialls Brust bewegte sich nicht mehr, und ihn zu t�ten, war Verrat gewesen. �Lordhauptmann Valda kam zu sp�t, um ihn zu retten, aber er t�tete Omerna als gerechte Strafe f�r sein Vergehen.� Balwer zuckte zusammen und begann unruhig seine H�nde zu kneten.</p><p>Der einem Vogel �hnliche Bursche verursachte Valda Unbehagen. �Da Ihr schon hier seid, Balwer, k�nnt Ihr Euch auch n�tzlich machen.� Er mochte nutzlose Menschen nicht, und der Schreiber war die Reinform der Nutzlosigkeit. ��berbringt diese Nachricht jedem Lordhauptmann in der Festung. Sagt ihnen, da� der kommandierende Lordhauptmann ermordet wurde und da� ich ein Treffen des Konzils der Gesalbten einberufe.� Seine erste Handlung nach seiner Ernennung zum kommandierenden Lordhauptmann w�rde sein, den vertrockneten kleinen Mann aus der Festung hinauszubef�rdern und einen Schreiber zu erw�hlen, der nicht st�ndig zusammenzuckte. �Gleichg�ltig, ob Omerna von den Hexen oder vom Propheten gekauft wurde - ich will Pedron Niall ger�cht sehen.�</p><p>�Wie Ihr befehlt, Mylord.� Balwers Stimme klang trocken und klein. �Es soll so geschehen, wie Ihr sagt.� Anscheinend war er jetzt in der Lage, Nialls K�rper anzusehen. Er betrachtete kaum etwas anderes, w�hrend er sich schnell und unter Verbeugungen zur�ckzog.</p><p>�Also scheint es, da� Ihr letztendlich doch unser n�chster kommandierender Lordhauptmann sein werdet�, sagte Asunawa, sobald Balwer gegangen war.</p><p>�So scheint es�, antwortete Valda trocken. Ein winziger Streifen Papier lag neben Nialls ausgestreckter Hand, die Art Papier, die man benutzt, wenn man Nachrichten mit Brieftauben versendet. Valda beugte sich herab, hob ihn auf und stie� dann angewidert den Atem aus. Das Papier hatte in einer Weinlache gelegen. Was auch immer darauf gestanden hatte, war verloren, die Tinte verwischt.</p><p>�Und die Hand wird Morgase bekommen, wenn sie ihren Zweck f�r Euch erf�llt hat.� Dies war keineswegs als Frage gemeint �Ich werde sie Euch pers�nlich �bergeben.� Vielleicht k�nnte eine Kleinigkeit arrangiert werden, um Asunawas Appetit eine Weile zu stillen. Dadurch k�nnte sichergestellt werden, da� auch Morgase verbesserungsf�hig blieb. Valda lie� das Papier auf Nialls Leichnam fallen. Der alte Wolf hatte seine Schlauheit und seine Kraft im Alter verloren, und jetzt w�re es an Eamon Valda, die Hexen und ihren falschen Drachen zur R�son zu bringen.</p><p>B�uchlings auf einem H�gel liegend, �berblickte Gawyn das Ungl�ck unter der Nachmittagssonne. Die Quellen von Dumai lagen jetzt viele Meilen s�dlich von ihm, jenseits gewellter Ebenen und niedriger Erhebungen, aber er konnte den Rauch von den brennenden Wagen noch immer sehen. Er wu�te nicht, was dort noch alles geschehen war, nachdem er durch einen Ausbruch so viele J�nglinge wie m�glich davongef�hrt hatte. Al'Thor hatte die Angelegenheit scheinbar gut unter Kontrolle gehabt, al'Thor und jene schwarz gewandeten M�nner, die anscheinend die Macht lenken konnten und Aes Sedai und Aiel gleicherma�en erledigten. Die Erkenntnis, da� Schwestern flohen, hatte ihm gezeigt, da� es Zeit war zu verschwinden. Er w�nschte, er h�tte al'Thor t�ten k�nnen. F�r seine Mutter, die durch den Einflu� dieses Mannes umgekommen war - Egwene leugnete es, aber sie hatte keine Beweise - und f�r seine Schwester. Selbst wenn Min die Wahrheit gesagt hatte - er h�tte sie �berreden sollen, das Lager mit ihm zu verlassen, ungeachtet dessen, was sie wollte; es hatte heute zu vieles gegeben, was er h�tte anders machen sollen -, wenn Min also recht hatte und Elayne al'Thor liebte, dann war dieses schreckliche Schicksal Grund genug, ihn zu t�ten. Vielleicht hatten die Aiel es f�r ihn erledigt. Aber das bezweifelte er.</p><p>Mit verbittertem Lachen hob er sein Fernrohr an. Eines der goldenen B�nder trug eine Inschrift. �Von Morgase, der K�nigin von Andor, f�r ihren geliebten Sohn Gawyn. M�ge er f�r seine Schwester und Andor ein lebendiges Schwert sein.� Jetzt waren dies bittere Worte.</p><p>Jenseits verbrannten Grases und kleiner, verstreut liegender Ansammlungen von B�umen war nicht viel zu sehen. Der Wind blies noch immer heftig und w�hlte Staubwolken auf. Gelegentlich bewies eine blitzartige Bewegung in einer Senke zwischen den gedrungenen H�gelk�mmen, da� Menschen unterwegs waren. Es stand au�er Frage, da� es sich um Aiel handelte. Sie verschmolzen zu geschickt mit der Landschaft, als da� es gr�n gewandete J�nglinge sein konnten. Das Licht gebe, da� mehr als jene entkommen waren, die er hatte hinausbringen k�nnen.</p><p>Er war ein Narr. Er h�tte al'Thor t�ten sollen. Er mu�te ihn t�ten. Aber er konnte es nicht. Nicht weil der Mann der Wiedergeborene Drache war, sondern weil er Egwene versprochen hatte, keine Hand gegen al'Thor zu erheben. Sie war als niedrig gestellte Aufgenommene aus Cairhien entschwunden und hatte Gawyn nur einen Brief hinterlassen, den er immer wieder las, bis das Papier an den Faltstellen fast ri�. Und er w�re nicht �berrascht zu erfahren, da� sie al'Thor auf irgendeine Weise zu Hilfe geeilt war. Aber er durfte sein Wort nicht brechen - am wenigsten der Frau gegen�ber, die er liebte. Er w�rde sein Wort ihr gegen�ber niemals brechen. Was auch immer ihn das kosten mochte. Er hoffte, da� sie den Kompromi� billigen w�rde, den er im Einklang mit seinem Ehrgef�hl gew�hlt hatte. Er hatte keine Hand erhoben, um Schaden zuzuf�gen, aber auch nicht, um Hilfe anzubieten. Das Licht gebe, da� sie das niemals von ihm verlangte. Es hie�, da� Liebe den Verstand eines Mannes verwirrte. Er war der Beweis daf�r.</p><p>Hastig pre�te er das Fernrohr ans Auge, als eine Frau auf einem schwarzen Pferd auf freies Feld galoppierte. Er konnte ihr Gesicht nicht erkennen, aber keine Dienerin w�rde richtige Reitkleidung tragen. Also war es mindestens einer Aes Sedai gelungen zu entkommen. Wenn die Schwestern der Falle lebend entkommen waren, dann waren vielleicht auch noch weitere J�nglinge entkommen. Mit etwas Gl�ck k�nnte er sie finden, bevor sie von den Aiel nach und nach niedergemetzelt w�rden. Zuerst mu�te er sich jedoch um diese Schwester k�mmern. Er w�re in vielerlei Beziehung lieber ohne sie weitergezogen, aber wenn er sie allein lie� und sie vielleicht ein unbemerkter Pfeil erwischte, wollte er nicht daf�r verantwortlich sein. W�hrend er jedoch Anstalten machte, sich zu erheben und ihr zuzuwinken, stolperte das Pferd, fiel hin und warf sie ab.</p><p>Er fluchte abermals, als ihm das Fernrohr einen aus der Flanke des Schwarzen herausragenden Pfeil offenbarte. Er suchte hastig die H�gel ab und versagte sich einen dritten Fluch. Vielleicht zwei Dutzend verschleierte Aiel standen auf einem H�gelkamm und blickten auf Pferd und Reiterin herab, weniger als hundert Schritte von der Aes Sedai entfernt. Gawyn schaute rasch zur�ck. Die Schwester erhob sich schwankend. Wenn sie ihren Verstand zusammennahm und die Macht gebrauchte, sollten wenige Aiel sie in keiner Weise verletzen k�nnen, besonders wenn sie sich gegen weitere Pfeile hinter dem gest�rzten Pferd verschanzte. Dennoch h�tte er sich besser gef�hlt, wenn er sie erreicht h�tte. Er rollte sich von dem H�gelkamm fort damit die Aiel ihn nicht sahen, und glitt die R�ckseite des H�gels hinab, bis er sich aufrichten konnte.</p><p>Er hatte f�nfhunderteinundachtzig J�nglinge nach S�den gef�hrt, fast alle, die in ihrer Ausbildung ausreichend weit fortgeschritten waren, um Tar Valon zu verlassen, aber weniger als zweihundert J�nglinge warteten in der Senke auf ihren Pferden. Bevor das Ungl�ck die Quellen von Dumai traf, war er �berzeugt gewesen, da� ein Komplott im Gange gewesen war, ihn und die J�nglinge nicht zur Wei�en Burg zur�ckkehren zu lassen. Nun, er wu�te es nicht genau, und er wu�te auch nicht, ob der Plan von Elaida oder Galina erdacht worden war, aber er hatte ausreichend gut funktioniert, wenn auch nicht ganz so, wie man es sich gedacht hatte. Es war kaum verwunderlich, da� er lieber ohne Aes Sedai weiterzog, wenn er die Wahl h�tte.</p><p>Er blieb neben einem gro�en grauen Wallach mit einem jungen Reiter stehen. Die J�nglinge brauchten sich nur alle drei Tage zu rasieren, und einige wenige gaben auch das nur vor, aber Jisao trug die Silberburg am Kragen, die ihn bereits als erfahrenen K�mpfer auswies, als Siuan Sanche abgesetzt wurde; seither hatte er auch einige durch seine Kleidung verdeckte Narben davongetragen. Er geh�rte zu jenen, die sich kaum jemals rasieren mu�ten. Seine dunklen Augen schienen jedoch zu einem drei�ig Jahre �lteren Mann zu geh�ren. Gawyn fragte sich, wie seine eigenen Augen wirkten.</p><p>�Jisao, wir m�ssen eine Schwester aus...�</p><p>Die ungef�hr hundert Aiel, die �ber die niedrige Erhebung im Westen herantrabten, schraken �berrascht zur�ck, als sie die J�nglinge in der Senke sahen, aber weder die �berraschung noch die �berlegene Anzahl der J�nglinge hielt sie zur�ck. Sie verschleierten sich blitzartig, galoppierten den Hang hinab und schossen jeweils zu zweit mit zusto�enden Speeren heran. Die Aiel wu�ten gewi�, wie man Reiter bek�mpfte, aber auch die J�nglinge hatten k�rzlich harte Lektionen im Kampf gegen Aiel erhalten, und wer langsam lernte, lebte in ihren Reihen nicht lange. Einige trugen schmale Lanzen mit eineinhalb Fu� Stahl. Sie konnten ihre Schwerter genauso gut f�hren wie alle anderen. Sie k�mpften zu zweit und zu dritt, wobei sie einander den R�cken deckten und ihre Pferde in Bewegung hielten, damit die Aiel die Tiere nicht verst�mmeln konnten. Nur die schnellsten Aiel gelangten in jene Kreise wirbelnden Stahls. Die kampferprobten Pferde waren selbst Waffen, die mit ihren Hufen Sch�del zerschmetterten und M�nner mit ihrem Gebi� packten und wie Hunde sch�ttelten, wobei die Kiefer die Gesichter der Menschen halbwegs fortrissen. Die Pferde schrien im Kampf, und die M�nner brummten vor Anstrengung und br�llten in der Erregung, die M�nner im Kampf ergriff, die Erregung, die ihnen zeigte, da� sie lebten und weiterleben w�rden, um einen weiteren Sonnenaufgang zu erleben, und wenn sie bis zur Taille in Blut waten m��ten. Sie schrien, wenn sie t�teten, und sie schrien, wenn sie starben. Es schien kaum ein Unterschied.</p><p>Gawyn hatte jedoch keine Zeit zuzuh�ren oder zuzusehen. Als einziger J�ngling zu Fu� erweckte er Aufmerksamkeit. Drei mit dem <emphasis>Cadin'sor</emphasis> bekleidete Gestalten sprangen zwischen den Pferden hindurch und eilten mit bereitgehaltenen Speeren auf ihn zu. Vielleicht dachten sie, sie h�tten leichtes Spiel mit ihm, da sie zu dritt nur einem K�mpfer gegen�bertraten. Er belehrte sie eines Besseren. Sein Schwert glitt m�helos aus der Scheide. Dreimal sp�rte er den Sto� der ins Fleisch eindringenden Klinge in seinem Handgelenk, und blitzschnell lagen drei verschleierte Aiel am Boden. Zwei bewegten sich noch schwach, aber sie waren bereits genauso kampfunf�hig wie der dritte. Als n�chstes stand ihm eine andere Herausforderung bevor.</p><p>Ein hagerer Bursche, der Gawyn um eine Handbreit �berragte, bewegte sich wie eine Schlange voran, der Speer flimmernd, w�hrend sein Schild vorscho� und sich neigte, um Gawyns Schwertstreiche mit einer Macht abzulenken, die dieser bis in die Schultern sp�ren konnte, wobei der Aielmann Hiebe gegen seine Rippen in Kauf nahm, w�hrend Gawyn eine klaffende Wunde am Oberschenkel davontrug, die nur durch eine schnelle Drehung kein Durchsto� geworden war.</p><p>Sie umkreisten einander, blind f�r alles, was um sie herum geschah. Blut sickerte hei� Gawyns Bein hinab. Der Aielmann f�hrte einen Scheinangriff aus, hoffte, ihn aus dem Gleichgewicht zu bringen, und f�hrte einen neuerlichen Scheinangriff aus. Gawyn �nderte st�ndig seine Stellung, das Schwert hoch erhoben oder tief gehalten, in der Hoffnung, da� der Mann einen seiner Halbst��e ein wenig zu weit ausdehnen w�rde.</p><p>Letztendlich entschied der Zufall die Angelegenheit. Der Aielmann stolperte pl�tzlich, und Gawyn traf ihn ins Herz, bevor er auch nur das Pferd sah, das den Mann von hinten angesto�en hatte.</p><p>Fr�her h�tte er Bedauern empfunden. Er war in dem Glauben aufgewachsen, da� ein Kampf zweier M�nner ehrenvoll und sauber durchgef�hrt werden sollte. Aber die K�mpfe und Scharm�tzel, die er seit �ber einem halben Jahr erlebte, hatten ihn eines Besseren belehrt. Er stellte dem Aielmann einen Fu� auf die Brust und zog seine Klinge frei. Nicht gekonnt, aber schnell, denn im Kampf war Langsamkeit oft t�dlich.</p><p>Aber als er sein Schwert freigezogen hatte, bestand kein Grund mehr f�r Schnelligkeit. M�nner lagen am Boden, J�nglinge und Aielm�nner, einige st�hnend, einige still, und die restlichen Aiel fl�chteten gen Osten, von zwei Dutzend J�nglingen verfolgt - einschlie�lich einiger, die es besser wissen sollten. �Halt!� schrie Gawyn. Wenn die Dummk�pfe es zulie�en, getrennt zu werden, w�rden die Aiel ihnen den Garaus machen. �Keine Verfolgung! Halt, sagte ich! Halt, verdammt!� Die J�nglinge verhielten widerwillig ihre Pferde.</p><p>Jisao wendete seinen Wallach. �Sie wollten auf dem Weg zu ihrem Ziel uns �ber den Haufen reiten, Mylord.� Sein Schwert war bis auf halbe L�nge blutverschmiert.</p><p>Gawyn bekam die Z�gel seines kastanienbraunen Hengstes zu fassen und schwang sich in den Sattel, ohne sich die Zeit zu nehmen, seine Klinge zu s�ubern oder in die Scheide zur�ckzustecken. Es war auch keine Zeit nachzusehen, wer tot war oder wer vielleicht noch lebte. �Verge�t sie. Diese Schwester wartet auf uns. Hai, la�t Eure M�nner nach den Verwundeten sehen. Und behaltet die Aiel im Auge; da� sie sterben, bedeutet nicht, da� sie aufgeben. Alle anderen folgen mir.� Hai salutierte mit dem Schwert, aber Gawyn war bereits losgeritten.</p><p>Das Scharm�tzel hatte nicht allzu lange gedauert, aber doch zu lange. Als Gawyn den H�gelkamm erreichte, war nur noch das tote Pferd zu sehen, dessen Satteltaschen umgest�lpt waren. Er warf einen pr�fenden Blick durch sein Fernrohr, konnte aber weder die Schwester noch die Aiel noch sonst ein Lebewesen entdecken. Nur der vom Wind aufgew�hlte Staub und ein Gewand auf dem Boden neben dem Pferd, das sich im Wind bewegte, regten sich. Die Frau mu�te sehr schnell davongelaufen sein.</p><p>�Sie kann nicht weit gekommen sein, selbst wenn sie gerannt ist�, sagte Jisao. �Wir k�nnen sie finden, wenn wir uns verteilen.�</p><p>�Wir werden sie suchen, nachdem wir uns um die Verwundeten gek�mmert haben�, erwiderte Gawyn bestimmt. Solange Aiel in der N�he waren, w�rde er seine M�nner nicht aufteilen. In wenigen Stunden w�rde die Sonne untergehen, und er wollte vorher ein festes Lager auf �bersichtlichem Gel�nde errichtet haben. Nat�rlich w�re es hilfreich, wenn er bis dahin eine oder zwei Schwestern f�nde. Jemand m��te Elaida diese Katastrophe erkl�ren, und es w�re ihm lieber, wenn sich eine Aes Sedai und nicht er selbst Elaidas Zorn stellen m��te.</p><p>Er wandte seinen Kastanienbraunen seufzend um und ritt den H�gel wieder hinab, um nachzusehen, welche Opfer der Kampf dieses Mal gefordert hatte. Das war seine erste richtige Lektion als Soldat gewesen: Man m��te den Preis stets bezahlen. Er hatte das Gef�hl, als w�ren bald neuerliche Rechnungen f�llig.</p><p>Die Welt w�rde die Quellen von Dumai w�hrend der kommenden Ereignisse vergessen.</p></section><section><title><p>1</p><p>Hoch Chasaline</p></title><p>Das Rad der Zeit dreht sich, Zeitalter kommen und vergehen und lassen Erinnerungen zur�ck, die zu Legenden werden. Legenden verblassen zu Mythen, und sogar der Mythos ist lange vergessen, wenn das Zeitalter wiederkehrt, aus dem er hervorgegangen ist. In einem Zeitalter, das von einigen das Dritte Zeitalter genannt wurde, einem Zeitalter, das noch kommen sollte, einem lange vergangenen Zeitalter, erhob sich in dem gro�en, Braem Wald genannten Wald ein Wind. Der Wind war nicht der Anfang. Es gibt bei der Drehung des Rads der Zeit kein Anfang oder Ende. Aber es war <emphasis>ein</emphasis> Anfang.</p><p>W�hrend die sengende Sonne an einem wolkenlosen Himmel h�herstieg, blies der Wind im Norden und Osten durch ausged�rrte B�ume mit braunen Bl�ttern und kahlen Zweigen und durch verstreut liegende D�rfer, in denen die Luft von der Hitze flimmerte. Der Wind brachte keine Erleichterung, kein Anzeichen von Regen und noch viel weniger von Schnee. Er blies im Norden und Osten, um einen sehr alten Bogen aus kunstvoll bearbeitetem Stein, der, wie einige behaupteten, einst ein Wegetor zu einer gro�en Stadt gewesen war, und an anderen Monumenten einer lange vergessenen Schlacht entlang. Nur verwitterte, unleserliche �berreste einer Inschrift waren auf den wuchtigen Steinen verblieben, die stumm an den verlorenen Ruhm des sagenumwobenen Coremanda erinnerten. Nur wenige Wagen rollten in Sichtn�he des Bogens vor�ber, die Stra�e von Tar Valon entlang, und Menschen zu Fu� schirmten ihre Augen gegen den von Hufen und Wagenr�dern aufgewirbelten und vom Wind vorangetriebenen Staub ab. Die meisten wu�ten nicht, wohin sie gingen, nur da� die Welt Purzelb�ume zu schlagen schien und alle Ordnung endete, wo sie nicht bereits vergangen war. Angst trieb einige weiter, w�hrend andere von etwas angezogen wurden, was sie noch nicht deutlich erkennen und nicht verstehen konnten, und auch von ihnen hatten die meisten Angst.</p><p>Der Wind zog weiter, �ber den graugr�nen Flu� Erinin, verfolgte Schiffe, die nordw�rts und s�dw�rts noch immer Handel trieben, weil selbst in dieser Zeit Handel getrieben werden mu�te, obwohl niemand genau zu sagen vermochte, wo man dies sicher tun konnte. �stlich des Flusses begannen die W�lder lichter zu werden und gingen schlie�lich in wogende, mit braunem, zundertrockenem Gras bedeckte und sp�rlich mit kleinen Ansammlungen von B�umen gesprenkelte H�gel �ber. Auf einem dieser H�gel stand ein Kreis von Wagen, von denen viele versengt oder von den Eisenr�dern aufw�rts vollkommen verbrannt waren. An einem behelfsm��igen Flaggenmast, der aus einem jungen, durch die D�rre abgestorbenen Baum geschnitten und an ein kahles Wagenrad gebunden worden war, damit er h�her aufragte, wehte ein karmesinrotes Banner mit einer schwarzwei�en Scheibe in der Mitte. Das Banner des Lichts, nannten es einige, oder auch al'Thors Banner. Andere wu�ten es unheilvoller zu benennen und erzitterten, wenn sie den Namen fl�sternd aussprachen. Der Wind zerrte heftig an dem Banner und verwehte schnell, als w�re er froh davonzukommen.</p><p>Perrin Aybara sa� auf dem Boden, den breiten R�cken an ein Wagenrad gelehnt, und w�nschte, der Wind w�rde bleiben. Er hatte einen Moment K�hle gebracht und den Geruch des Todes aus seiner Nase vertrieben, ein Geruch, der ihn daran erinnerte, wo er sein sollte - der letzte Ort, an dem er sein wollte. Hier war es viel besser, innerhalb des Wagenkreises, den R�cken nach Norden gewandt, so da� er in gewisser Weise vergessen konnte. Die unbesch�digten Wagen waren gestern nachmittag auf den H�gelkamm hinaufgezogen worden, als die M�nner wieder genug Kraft gesammelt hatten, um mehr zu tun, als nur dem Licht zu danken, da� sie noch atmeten. Jetzt stieg die Sonne erneut auf und damit auch die Hitze.</p><p>Perrin kratzte sich ver�rgert den kurzgeschorenen Bart. Je mehr er schwitzte, desto mehr juckte es ihn. Schwei� lief alle Gesichter in seiner N�he au�er denen der Aiel herab, und Wasser gab es erst eine Meile n�rdlich von ihnen. Aber auch das Entsetzen und der Gestank lagen fast eine Meile n�rdlich. Die meisten hielten es f�r einen fairen Handel. Er h�tte seine Pflicht erf�llen sollen, und doch beeintr�chtigte ihn das vage Schuldgef�hl nicht. Heute war Hoch Chasaline, und zu Hause in den Zwei Fl�ssen w�rde den ganzen Tag gefeiert und die ganze Nacht getanzt werden. Es war der Tag der Besinnung, an dem man sich all der guten Dinge im Leben erinnern sollte, und jedermann, der eine Klage �u�erte, mu�te damit rechnen, einen Eimer Wasser �ber den Kopf gesch�ttet zu bekommen, um das Pech fortzusp�len. Das w�nschte man sich nicht, wenn es so kalt war, wie es sein sollte. Jetzt w�re ein Eimer Wasser allerdings eine Wohltat. Es fiel ihm f�r einen Mann, der gl�cklich sein konnte, noch am Leben zu sein, ungew�hnlich schwer, gute Gedanken heraufzubeschw�ren. Er hatte gestern einiges �ber sich gelernt. Oder vielleicht eher heute morgen, nachdem alles vorbeigewesen war.</p><p>Er konnte noch immer einige der W�lfe sp�ren, eine Handvoll jener, die �berlebt hatten und sich jetzt auf dem Weg an einen anderen Ort befanden, weit fort von hier, weit von den Menschen fort. Die W�lfe waren im Lager noch immer ein Gespr�chsthema, Gegenstand unbehaglicher Vermutungen dar�ber, woher sie gekommen waren und warum. Einige glaubten, Rand h�tte sie gerufen. Die meisten dachten, da� es die Aes Sedai gewesen w�ren. Die Aes Sedai �u�erten nicht, was <emphasis>sie</emphasis> dachten. <emphasis>Von</emphasis> den W�lfen kam kein Tadel - was geschehen war, war geschehen -, aber er konnte es ihnen in ihrem Schicksalsglauben nicht gleichtun. Sie waren gekommen, weil er sie gerufen hatte. Seine Schultern, die ausreichend breit waren, ihn kleiner erscheinen zu lassen, als er war, sanken unter der Last der Verantwortung herab. Er h�rte hier und da W�lfe in die Ferne, ver�chtlich mit jenen sprechen, die gekommen waren: Das kam davon, wenn man sich mit den Zweibeinern einlie�. Nichts anderes war zu erwarten gewesen.</p><p>Es kostete ihn M�he, seine Gedanken f�r sich zu behalten. Er wollte den sich ver�chtlich �u�ernden W�lfen mit einem Wolfsgeheul zustimmen. Er wollte zu Hause sein, in den Zwei Fl�ssen. Die Aussicht, da� er die Heimat jemals Wiedersehen w�rde, war gering. Er wollte bei seiner Frau sein, gleichg�ltig wo, und er wollte, da� alles wieder so sein sollte, wie es gewesen war. Auch diese Chance schien kaum besser, wenn nicht noch schlechter. Noch mehr als die Sehnsucht nach seinem Zuhause und sogar mehr als der Gedanke an die W�lfe nagte die Sorge um Faile an ihm. Sie hatte tats�chlich den Eindruck erweckt, froh zu sein, da� er Cairhien verlie�. Was sollte er wegen ihr unternehmen? Er konnte nicht ausdr�cken, wie sehr er seine Frau liebte und sie brauchte, aber sie war grundlos eifers�chtig und verletzt und ver�rgert, obwohl er nichts getan hatte. Er mu�te etwas unternehmen, aber was? Er fand keine Antwort. Er konnte nur gr�ndlich dar�ber nachdenken, warum Faile zornig war.</p><p>�Die Aiel sollten T�cher �ber sie decken�, murrte Aram und blickte stirnrunzelnd zu Boden. Er kauerte in Perrins N�he und hielt geduldig die Z�gel eines schlanken, grauen Wallachs fest. Aram entfernte sich selten weit von Perrin. Das auf seinem R�cken befestige Schwert verursachte auf seinem gr�ngestreiften Umhang mi�t�nende Ger�usche. Ein zusammengerolltes, um seine Stirn gebundenes Tuch hielt den Schwei� von seinen Augen fern. Perrin hatte fr�her gedacht, da� Aram f�r einen Mann fast zu gut aussah. Jedoch hatte sich inzwischen freudlose Dunkelheit in ihm breitgemacht, und er runzelte jetzt sehr h�ufig die Stirn. �Es ist nicht anst�ndig, Lord Perrin.�</p><p>Perrin schob die Gedanken an Faile widerwillig beiseite. Er w�rde beizeiten eine L�sung finden. Er mu�te eine L�sung finden. Irgendwie. �Es ist ihre Art, Aram.�</p><p>Aram verzog das Gesicht, als wolle er ausspucken. �Nun, es ist keine anst�ndige Art. Es hilft ihnen vermutlich die Kontrolle zu bewahren, aber es ist nicht anst�ndig.�</p><p>Nat�rlich waren hier �berall Aiel. Gro�e, zur�ckhaltende Menschen in Grau und Braun und Gr�n gekleidet, die nur durch den scharlachroten Tuchstreifen mit der schwarzwei�en Scheibe um ihre Stirn ein wenig Farbe zeigten. Sie nannten sich <emphasis>Siswai'aman.</emphasis> Dieses Wort erweckte manchmal eine Erinnerung in Perrin, als sollte er es kennen. Wenn man einen der Aielm�nner fragte, tat er so, als rede man Unsinn. Aber andererseits ignorierten sie die Stoffstreifen ebenfalls. Keine Tochter des Speers trug ein scharlachrotes Stirnband. Alle T�chter des Speers, ob wei�haarig oder kaum alt genug, die Mutter zu verlassen, gingen umher und warfen den <emphasis>Siswai'aman</emphasis> herausfordernde Blicke zu, die irgendwie selbstzufrieden wirkten, w�hrend die M�nner diese Blicke ausdruckslos erwiderten und einen ann�hernd hungrigen Geruch ausstr�mten - so wie sie alle rochen, eine Sache der Eifersucht, wenn Perrin sich auch nicht ann�hernd vorstellen konnte weshalb. Was auch immer es war -es war nicht neu, und es schien nicht sehr wahrscheinlich, da� es zu Handgreiflichkeiten f�hren w�rde. Einige der Weisen Frauen befanden sich ebenfalls bei den Wagen, in bauschigen R�cken und wei�en Blusen und trotz der Hitze mit ihren dunklen Stolen und glitzernden Armb�ndern und Halsketten aus Gold und Elfenbein, die ihre einfache Kleidung aufwogen. Einige schienen die T�chter des Speers und die <emphasis>Siswai'aman</emphasis> und andere Erz�rnte belustigend zu finden. Aber sie alle - Weise Frauen, T�chter des Speers und <emphasis>Siswai'aman</emphasis> -ignorierten die Shaido auf eine Weise, wie Perrin einen Stuhl oder einen Teppich ignoriert h�tte.</p><p>Die Aiel hatten gestern ungef�hr zweihundert Shaido gefangengenommen, M�nner und T�chter des Speers - was nicht viele waren, wenn man die Gesamtzahl bedachte -, die jetzt mehr oder weniger frei umhergingen. Perrin h�tte sich erheblich besser gef�hlt, wenn sie bewacht worden und bekleidet gewesen w�ren. Statt dessen holten sie Wasser und machten Besorgungen - nackt wie am Tage ihrer Geburt. Anderen Aiel gegen�ber gaben sie sich �u�erst sanftm�tig. Jedermann sonst, der sie bemerkte, wurde mit einem stolzen und trotzigen Blick bedacht. Perrin versuchte nicht als einziger, sie <emphasis>nicht</emphasis> zu bemerken, und Aram murrte nicht als einziger. Ein Gro�teil der Leute von den zwei Fl�ssen im Lager tat entweder das eine oder das andere. Einen Gro�teil der Cairhiener traf fast der Schlag, wann immer sie eine der Shaido erblickten. Die Mayener sch�ttelten nur die K�pfe, als sei das alles ein Spa�, und machten den Frauen sch�ne Augen. Sie waren genauso schamlos wie die Aiel.</p><p>�Gaul hat es mir erkl�rt, Aram. Du wei�t doch, was ein <emphasis>Gai'shain</emphasis> ist. Und du wei�t vom <emphasis>Ji'e'toh</emphasis> und dem Dienst f�r ein Jahr und einen Tag und alledem.� Der andere Mann nickte, was gut war, Perrin wu�te selbst nicht viel dar�ber. Gauls Erkl�rungen �ber die Art der Aiel verwirrten ihn h�ufig nur noch mehr, w�hrend Gaul stets alles f�r offensichtlich hielt. �Nun, <emphasis>Gai'shain</emphasis> d�rfen nichts tragen, was vielleicht einer der <emphasis>Algai'd'siswai</emphasis> tragen k�nnte. <emphasis>Algai'd'siswai</emphasis> bedeutet Speerk�mpfer�, f�gte er auf Arams verst�ndnislosen Gesichtsausdruck hinzu. Pl�tzlich bemerkte er, da� er eine der Shaido offen ansah, die in seine Richtung lief, eine gro�e junge Frau mit blondem Haar und trotz langen d�nnen Narben auf der Wange und weiteren Narben h�bsch. Sehr h�bsch und sehr nackt. Er r�usperte sich heftig und wandte den Blick gewaltsam ab. Er sp�rte, wie sein Gesicht gl�hte. �Wie dem auch sei, darum sind sie, wie sie sind. <emphasis>Gai'shain</emphasis> tragen wei�e Gew�nder, aber hier haben sie keine. Es ist einfach ihre Art.� <emphasis>Verdammt seien Gaul und seine Erkl�rungen,</emphasis> dachte er. <emphasis>Sie k�nnten sich wenigstens</emphasis></p><p><emphasis>mit etwas bedecken!</emphasis></p><p>�Perrin Goldaugen�, sagte eine Frauenstimme, �Carahuin schickt mich, um zu fragen, ob Ihr Wasser w�nscht.� Arams Gesicht wurde purpurrot, und er wandte ihr in seiner kauernden Haltung ruckartig den R�cken zu.</p><p>�Nein, danke.� Perrin brauchte nicht aufzuschauen, um zu wissen, da� es die blonde Shaido-Frau war. Aiel hatten einen eigenartigen Sinn f�r Humor, und T�chter des Speers - Carahuin war eine Tochter des Speers - besa�en den eigenartigsten von allen.</p><p>Sie hatten schnell gemerkt, wie die Feuchtl�nder auf die Shaido reagierten - sie h�tten blind sein m�ssen, um es nicht zu merken -, und pl�tzlich wurden st�ndig <emphasis>Gai'shain</emphasis> zu Feuchtl�ndern geschickt, und die Aiel am�sierten sich �ber ihr Err�ten und Stammeln. Perrin war sich sicher, da� Carahuin und ihre Freunde sie jetzt beobachteten. Dies war mindestens das zehnte Mal, da� eine der <emphasis>Gai'shain</emphasis><strong>-Frauen</strong> geschickt worden war, ihn zu fragen, ob er Wasser wolle oder einen Schleifstein �brig habe oder �hnlich t�richte Dinge.</p><p>Pl�tzlich kam ihm ein Gedanke. Die Mayener st�rten sich an solchen Dingen selten. Eine Handvoll Cairhiener genossen einfach das Hinsehen, wenn auch nicht so offen wie die Mayener, sowie einige der �lteren M�nner von den Zwei Fl�ssen, die es h�tten besser wissen m�ssen. Tatsache war, da� keiner von ihnen eine zweite vergebliche Nachricht erhalten hatte, von der er w��te. Diejenigen, die am heftigsten reagieren wiederum... Die Cairhiener, die am lautesten von Unanst�ndigkeit gesprochen hatten, und zwei oder drei der j�ngeren M�nner von den Zwei Fl�ssen, die so stark stotterten und err�teten, da� sie im Boden zu versinken schienen, waren bel�stigt worden, bis sie ganz von den Wagen flohen...</p><p>Perrin blickte der <emphasis>Gai'shain</emphasis> m�hsam ins Gesicht. In die Augen. <emphasis>Konzentriere dich auf ihre Augen,</emphasis> dachte er panisch. Sie waren gr�n und gro� und �berhaupt nicht sanftm�tig. Sie roch nach reinem Zorn. �Richtet Carahuin meinen Dank aus, und sagt ihr au�erdem, da� Ihr mir meinen Ersatzsattel ein�len k�nnt, wenn sie nichts dagegen hat. Und ich habe kein sauberes Hemd mehr. Vielleicht h�tte sie nichts dagegen, wenn Ihr ein wenig W�sche f�r mich wascht?�</p><p>�Sie wird nichts dagegen haben�, sagte die Frau mit angespannter Stimme, wandte sich dann um und schritt davon.</p><p>Perrin rieb sich heftig die Augen, aber das Bild blieb in seinem Kopf bestehen. Licht, Aram hatte recht! Aber mit etwas Gl�ck hatte er weitere Besuche vielleicht gerade unterbunden. Er w�rde Aram und die M�nner von den Zwei Fl�ssen darauf hinweisen m�ssen. Und vielleicht w�rden auch die Cairhiener zuh�ren.</p><p>�Was machen wir mit ihnen, Lord Perrin?� Aram blieb noch immer abgewandt und sprach nicht mehr �ber die <emphasis>Gai'shain.</emphasis></p><p>�Das mu� Rand entscheiden�, erwiderte Perrin z�gernd, und seine Zufriedenheit schwand wieder. Es war vielleicht seltsam, Menschen, die nackt umhergingen, als geringf�giges Problem anzusehen, aber dies war entschieden ein gr��eres Problem. Und eines, das er genauso bewu�t gemieden hatte wie das, was ihm im Norden bevorstand.</p><p>Auf der anderen Seite des Wagenkreises sa�en fast zwei Dutzend Frauen auf dem Boden. Sie trugen alle gute Reisekleidung, viele in Seide, die meisten mit leichten Leinenstaubm�nteln, aber keine Schwei�perle war auf den Gesichtern zu erkennen. Drei Frauen schienen ausreichend jung, da� er sie um einen Tanz h�tte bitten k�nnen, bevor er Faile geheiratet hatte.</p><p><emphasis>Und wenn sie au�erdem keine Aes Sedai w�ren,</emphasis> dachte er. Er hatte einst mit einer Aes Sedai getanzt und dann vor Schreck fast seine Zunge verschluckt, als er erkannte, wen er herumschwang, obwohl sie eine Freundin gewesen war, wenn man diese Bezeichnung auf eine Aes Sedai anwenden konnte. <emphasis>Wie mu� eine Aes Sedai in meinen Augen sein, damit ich ihr ein Alter zumessen kann?</emphasis> Die anderen wirkten nat�rlich alterslos, waren vielleicht in den Zwanzigern, vielleicht in den Vierzigern, was sich von einem Blick zum n�chsten zu ver�ndern schien und stets eine unsichere Sch�tzung war. Das vermittelten die Gesichter, auch wenn das Haar mehrerer Frauen bereits von Grau durchzogen war. Man konnte nichts Genaues �ber Aes Sedai sagen, in keiner Beziehung.</p><p>�Zumindest bedeuten sie jetzt keine Gefahr mehr�, sagte Aram, w�hrend er den Kopf ruckartig zu dreien der Schwestern wandte, die ein St�ck von den anderen entfernt sa�en.</p><p>Eine weinte, den Kopf auf den Knien. Die anderen beiden blickten verh�rmt ins Leere, wobei eine der beiden mechanisch an ihrem Rock zupfte. So ging es schon seit gestern, aber wenigstens schrie keine der Frauen mehr. Wenn Perrin richtig vermutete, waren sie irgendwie ged�mpft worden, als Rand freikam. Sie w�rden die Eine Macht niemals wieder lenken. F�r Aes Sedai war es wahrscheinlich besser, tot zu sein.</p><p>Er h�tte erwartet, da� die anderen Aes Sedai sie tr�sten, sich irgendwie um sie k�mmern w�rden, aber die meisten ignorierten die drei vollkommen, wenn sie auch ein wenig zu bem�ht �berall und nirgends hinschauten. Au�erdem ignorierten auch die ged�mpften Aes Sedai die anderen. Zumindest zu Anfang hatten sich ihnen einige Aes Sedai gen�hert, jede einzeln, �u�erlich ruhig, aber deutlich nach Abneigung und Widerwillen riechend, jedoch bewirkten ihre Bem�hungen weder Ansprache noch Blicke. Heute morgen hatte sich ihnen keine weitere Aes Sedai mehr gen�hert.</p><p>Perrin sch�ttelte den Kopf. Die Aes Sedai schienen vieles zu ignorieren, was sie nicht zugeben wollten. Zum Beispiel die schwarz gewandeten M�nner, die �ber ihnen standen. Jede Schwester wurde von jeweils einem <emphasis>Asha'man</emphasis> bewacht, auch die drei, die ged�mpft worden waren, und sie schienen niemals auch nur zu blinzeln. Sie schauten an den <emphasis>Asha'man</emphasis> vorbei oder durch sie hindurch. Sie h�tten genausogut nicht existieren k�nnen.</p><p>Es war eine gute List. Er selbst konnte die <emphasis>Asha'man</emphasis> nicht einfach �bersehen, und er stand nicht unter ihrer Bewachung. Unter ihnen befanden sich sowohl Jungen mit Flaum auf den Wangen als auch grauhaarige, bereits kahl werdende M�nner, und es lag nicht an ihren bedrohlich wirkenden schwarzen Umh�ngen mit den hohen Kragen oder dem Schwert, das jeder von ihnen an der H�fte trug, da� sie gef�hrlich wirkten. Alle <emphasis>Asha'man</emphasis> konnten die Macht lenken, und irgendwie hinderten sie die Aes Sedai daran, dies ebenfalls zu tun. M�nner, die die Eine Macht lenken konnten - ein Alptraum. Rand hatte das Talent nat�rlich auch, aber er war Rand, und au�erdem der Wiedergeborene Drache.</p><p>Diese Burschen lie�en Perrin die Haare zu Berge stehen.</p><p>Die �berlebenden Beh�ter der gefangenen Aes Sedai sa�en unter eigener Bewachung ein St�ck entfernt. Es waren ungef�hr drei�ig der Waffentr�ger Lord Dobraines mit glockenf�rmigen cairhienischen Helmen und genauso viele Mayener mit roten Brustharnischen, ein jeder �u�erst aufmerksam. Das war unter den gegebenen Umst�nden eine vorteilhafte Einstellung. Es waren mehr Beh�ter als Aes Sedai da. Einige der Gefangenen geh�rten anscheinend zur Gr�nen Ajah. Aber es waren auch mehr W�chter als Beh�ter da, weitaus mehr, und vielleicht dennoch zu wenige.</p><p>�Das Licht gebe, da� wir nicht noch mehr solchen Kummer miterleben m�ssen�, murmelte Perrin. Die Beh�ter hatten w�hrend der Nacht zweimal versucht auszubrechen. Tats�chlich waren diese Ausbr�che eher von den <emphasis>Asha'man</emphasis> als von den Cairhienern oder den Mayenern vereitelt worden, und sie waren nicht sanft vorgegangen. Keiner der Beh�ter war get�tet worden, aber mindestens ein Dutzend erlitten Br�che, die keine der Schwestern bis jetzt hatte Heilen d�rfen.</p><p>�Wenn der Lord Drache keine Entscheidung treffen kann�, sagte Aram leise, �sollte sie vielleicht von jemand anderem getroffen werden. Um ihn zu sch�tzen.�</p><p>Perrin sah ihn von der Seite an. �Welche Entscheidung? Die Schwestern haben ihnen gesagt, da� sie keinen weiteren Versuch unternehmen sollen, und sie werden ihren Aes Sedai gehorchen.� Ob mit oder ohne gebrochene Knochen, unbewaffnet und mit auf dem R�cken zusammengebundenen H�nden, die Beh�ter wirkten noch immer wie ein Rudel W�lfe, das auf den Angriffsbefehl des Rudelf�hrers wartete. Keiner von ihnen w�rde zur Ruhe kommen, bis seine Aes Sedai frei war, und vielleicht sogar bis alle Schwestern frei waren. Aes Sedai und Beh�ter waren wie ein Stapel gut gealtertes Eichenholz: bereit, entflammt zu werden. Aber selbst die Beh�ter und die Aes Sedai hatten sich nicht als den <emphasis>Asha'man</emphasis> ebenb�rtig erwiesen.</p><p>�Ich meine nicht die Beh�ter.� Aram z�gerte, schlurfte dann n�her an Perrin heran und senkte seine Stimme zu einem heiseren Fl�stern. �Die Aes Sedai haben den Lord Drache entf�hrt. Er kann ihnen nicht trauen, nie mehr, aber er wird auch nicht tun, was er tun mu�. Wenn sie st�rben, bevor er davon w��te...�</p><p>�Was sagt Ihr da?� Perrin verschluckte sich fast, w�hrend er sich kerzengerade aufsetzte. Er fragte sich nicht zum ersten Mal, ob in Aram noch etwas von dem ehemaligen Kesselflicker zur�ckgeblieben war.</p><p>�Sie sind hilflos, Aram! Wehrlose Frauen!�</p><p>�Sie sind Aes Sedai.� Die dunklen Augen hielten Perrins Blick stand. �Man kann ihnen nicht trauen, und man kann sie nicht laufen lassen. Aber wie lange kann man Aes Sedai gegen ihren Willen festhalten? Sie gehen ihrer Art schon weitaus l�nger nach als die <emphasis>Asha'man.</emphasis> Sie m�ssen mehr wissen. Sie sind eine Gefahr f�r den Lord Drache, und f�r Euch, Lord Perrin. Ich habe bemerkt, wie sie Euch ansehen.�</p><p>Jenseits des Wagenkreises sprachen die Schwestern so leise miteinander, da� selbst Perrin es nicht verstehen konnte. Hin und wieder schaute eine der Frauen zu ihm und Aram. Oder nur zu ihm. Er hatte einige Namen aufgeschnappt. Nesune Bihara. Erian Boroleos und Katerine Alruddin. Coiren Saeldain, Sarene Nemdahl und Elza Penfell. Jaine Pavlara, Beldeine Nyram, Marith Riven. Jene letzteren waren die jungen Schwestern, aber ob jung oder alterslos -sie beobachteten ihn mit solch ernsten Gesichtern, da� es schien, als h�tten sie und nicht die <emphasis>Asha'man</emphasis> die Oberhand. Es war nicht leicht, Aes Sedai zu besiegen. Und es war v�llig unm�glich, sie dazu zu bringen, eine Niederlage zuzugeben.</p><p>Perrin zwang sich, die H�nde ruhig auf die Knie zu legen und den Anschein einer Ruhe zu erwecken, die er nicht im mindesten empfand. Sie wu�ten, da� er ein <emphasis>Ta'veren</emphasis> war, einer jener wenigen, um die sich das Muster einige Zeit herum gestaltete. Noch schlimmer war, da� sie wu�ten, da� er auf gewisse Weise, die niemand verstand - am wenigsten er selbst oder Rand oder Mat - an Rand gebunden war. Mat war auch darin verstrickt, ein weiterer <emphasis>Ta'veren,</emphasis> wenn sie auch beide nicht so stark waren wie Rand. Wenn jene Frauen auch nur die geringste Chance bek�men, w�rden sie ihn - und Mat - so schnell in die Wei�e Burg schaffen, wie sie Rand dorthin schaffen wollten, gebunden wie Ziegen, bis der L�we k�me. Und sie <emphasis>hatten</emphasis> Rand entf�hrt und mi�handelt. Aram hatte in einem recht: Man konnte ihnen nicht trauen. Aber er w�rde Arams Vorschlag nicht unterst�tzen. Der Gedanke lie� ihn sich unbehaglich f�hlen.</p><p>�Ich will nichts mehr davon h�ren�, grollte er. Der einstige Kesselflicker �ffnete den Mund, aber Perrin schnitt ihm das Wort ab. �Kein Wort mehr, Aram, h�rt Ihr mich? Kein einziges Wort!�</p><p>�Wie Mylord Perrin befiehlt�, murmelte Aram und neigte den Kopf.</p><p>Perrin w�nschte, er k�nnte das Gesicht des Mannes sehen. Er roch nicht zornig, sondern nur verstimmt. Das war das Schlimmste daran. Aram hatte auch nicht zornig gerochen, als er den Mord vorschlug.</p><p>Zwei M�nner von den Zwei Fl�ssen stiegen auf die R�der des n�chststehenden Wagens und sp�hten �ber den Wagenboden den H�gel in Richtung Norden hinab. Sie trugen beide einen prall gef�llten K�cher an der rechten H�fte und einen wuchtigen Dolch mit langer Klinge - fast ein Kurzschwert - an der linken. Gut dreihundert Mann aus der Heimat waren Perrin hierher gefolgt. Er verfluchte den ersten, der ihn Lord Perrin genannt hatte, und verfluchte den Tag, an dem er den Versuch aufgegeben hatte, dies zu unterbinden. Er hatte selbst bei dem in einem Lager dieser Gr��e �blichen Gemurmel und L�rm keine Schwierigkeiten, die beiden zu h�ren.</p><p>Tod al'Caar, ein Jahr j�nger als Perrin, seufzte tief, als sehe er das, was unter ihnen lag, zum ersten Mal. Perrin konnte den Kiefer des schlaksigen Mannes fast arbeiten sp�ren. Tods Mutter hatte ihn nur bereitwillig gehen lassen, weil es eine Ehre f�r ihren Sohn war, Perrin Goldaugen folgen zu d�rfen. �Ein ruhmreicher Sieg�, sagte Tod schlie�lich. �Den haben wir errungen. Stimmt's nicht, Jondyn?�</p><p>Der grauhaarige Jondyn Barran, der knorrig wie eine Eichenwurzel wirkte, war einer der wenigen �lteren M�nner unter den dreihundert K�mpfern. Er war ein besserer Bogensch�tze als jeder andere Mann in den Zwei Fl�ssen au�er Meister al'Thor und ein besserer J�ger als �berhaupt jeder andere. Jondyn hatte, seit er alt genug gewesen war, den Bauernhof seines Vaters zu verlassen, keinen Tag mehr gearbeitet, als er mu�te. Er interessierte sich nur f�r die W�lder und die Jagd - und daf�r, an Festtagen zuviel zu trinken. Jetzt spie er ger�uschvoll aus. �Wenn du das sagst, Junge. Irgendwie haben ihn diese verdammten <emphasis>Asha'man</emphasis> errungen. Und ich sage, es ist gut so. Aber zu schade, da� sie den Sieg nicht woanders feiern.�</p><p>�Sie sind nicht so schlimm�, widersprach Tod. �Ich h�tte nichts dagegen, selbst einer zu sein.� Das klang eher nach Angabe als nach der Wahrheit. Es roch auch eher so. Perrin war sich, ohne hinzusehen, sicher, da� sich Tod die Lippen leckte. Tods Mutter hatte die Geschichte der M�nner, die die Macht lenken konnten, wahrscheinlich noch vor gar nicht allzu langer Zeit dazu benutzt, ihn zu �ngstigen. �Ich meine, Rand -das hei�t, der Wiedergeborene Drache... Klingt es nicht immer noch seltsam, da� Rand al'Thor der Wiedergeborene Drache ist?� Tod lachte, ein kurzer, unbehaglicher Laut. �Nun, er kann die Macht lenken, und es scheint nicht so ... er tut nicht ... ich meine...� Er schluckte h�rbar. �Au�erdem, was h�tten wir ohne sie gegen alle diese Aes Sedai ausrichten k�nnen?� Letzteres war nur noch ein Fl�stern, und er roch jetzt �ngstlich. �Jondyn, was werden wir tun? Ich meine, mit den gefangenen Aes Sedai?�</p><p>Der alte Mann spie erneut und noch ger�uschvoller als zuvor aus. Er machte sich nicht die M�he, seine Stimme ebenfalls zu senken. Jondyn sagte stets, was er dachte, gleichg�ltig wer es h�ren konnte - ein weiterer Grund f�r seinen schlechten Ruf. �Es w�re besser f�r uns gewesen, wenn sie gestern alle gestorben w�ren, Junge. Wir werden daf�r bezahlen, bevor es vorbei ist. Merk dir meine Worte, wir werden teuer bezahlen.�</p><p>Perrin schlo� den Rest aus, was bei seinem H�rverm�gen keine leichte Aufgabe war. Zuerst Aram und jetzt Jondyn und Tod, wenn auch nicht ganz so direkt. <emphasis>Verdammter Jondyn!</emphasis> Nein, wenn er diese Gedanken aussprach, dachten andere wohl genauso. Kein Mann von den Zwei Fl�ssen w�rde einer Frau bereitwillig Schaden zuf�gen, aber wer wollte die gefangenen Aes-Sedai noch tot sehen? Und wer k�nnte versucht sein, den Wunsch zu erf�llen?</p><p>Er suchte unbehaglich den Wagenkreis ab. Es war kein erfreulicher Gedanke, die gefangenen Aes Sedai vielleicht besch�tzen zu m�ssen, aber er w�rde sich nicht davor dr�cken. Er mochte keine Aes Sedai besonders und am wenigsten diese hier, aber er war mit der unausgesprochenen Sicherheit aufgewachsen, da� ein Mann zum Schutz einer Frau soviel riskieren sollte, wie sie zulie�. Und dabei war es unwichtig, ob er sie mochte oder auch nur kannte. Es stimmte, da� eine Aes Sedai einen Mann auf vielerlei Art lenken konnte, aber wenn sie erst von der Macht abgeschnitten war, wurde sie wie jedermann sonst. Das war der Konflikt, der in ihm aufstieg, wann immer er sie ansah. Zwei Dutzend Aes Sedai. Zwei Dutzend Frauen, die vielleicht nicht wu�ten, <emphasis>wie</emphasis> sie sich ohne die Macht verteidigen sollten.</p><p>Er beobachtete die <emphasis>Asha'man-</emphasis>W�chter eine Weile, deren jeder grimmig wie der Tod dreinschaute - bis auf die drei, die die ged�mpften Frauen beaufsichtigten, die zwar versuchten, genauso d�ster wie die anderen zu wirken, bei denen aber unterschwellig noch etwas anderes zu sp�ren war. Vielleicht Befriedigung. Wenn er ihnen nur nahe genug w�re, um ihren Geruch aufzunehmen. Jede Aes Sedai bedeutete f�r die <emphasis>Asha'man</emphasis> eine Bedrohung. Aber vielleicht traf auch das Gegenteil zu. Vielleicht w�rden sie sie nur d�mpfen. Von dem wenigen, was er aufgeschnappt hatte, wu�te Perrin, da� eine Aes Sedai zu d�mpfen einer �ber Jahre hinweg andauernden T�tung gleichkam.</p><p>Er beschlo� widerwillig, da� er, wie auch immer der Fall gelagert war, die <emphasis>Asha'man</emphasis> Rand �berlassen mu�te. Sie sprachen nur miteinander und mit den Gefangenen, und Perrin bezweifelte, da� sie jemand anderem als Rand zuh�ren w�rden. Die Frage war, was Rand sagen w�rde. Und was konnte Perrin tun, wenn er das Falsche sagte?</p><p>Er verdr�ngte dieses Problem und kratzte sich mit einem Finger den Bart. Die Cairhiener waren in der N�he der Aes Sedai zu �ngstlich, um auch nur zu erw�gen, ihnen Schaden zuzuf�gen, und die Mayener waren zu respektvoll, aber er w�rde sie dennoch im Auge behalten. Wer h�tte gedacht, da� Jondyn so weit gehen w�rde, wie er es getan hatte? Er besa� bei den Cairhienern und Mayenern einen gewissen Einflu�, obwohl das sicherlich aufh�ren w�rde, wenn sie einmal nachdachten. Immerhin war er nur ein Hufschmied. Blieben noch die Aiel. Perrin seufzte. Er war sich nicht sicher, wieviel Einflu� selbst Rand wirklich auf die Aiel hatte.</p><p>Es war schwer, bei so vielen Menschen einzelne Ger�che zu erkennen, aber er hatte sich daran gew�hnt, weitaus mehr durch Ger�che zu bestimmen als durch das, was ihm seine Augen vermittelten. Die <emphasis>Siswai'aman,</emphasis> die nahe genug herankamen, rochen ruhig, aber wachsam, ein milder, starker Geruch. Sie schienen die Aes Sedai kaum zu beachten. Die T�chter des Speers rochen vor unterdr�cktem Zorn, was sich noch verst�rkte, wenn sie die Gefangenen betrachteten. Und die Weisen Frauen...</p><p>Jede Weise Frau, die aus Cairhien hierhergekommen war, konnte die Macht lenken, auch wenn keine von ihnen ein altersloses Gesicht besa�. Er vermutete, da� sie die Eine Macht nur selten benutzten. Ruhig und glattwangig wie Edarra oder mit lederartigem Gesicht wie die wei�haarige Sorilea, trugen sie eine Selbstbeherrschung zur Schau, die m�helos mit derjenige der Aes Sedai mithalten konnte. �berwiegend anmutige Frauen, die meisten gro�, wie fast alle Aiel es waren, schienen sie die Schwestern vollst�ndig zu ignorieren.</p><p>Sorileas Blick schweifte �ber die Gefangenen, ohne innezuhalten, und dann unterhielt sie sich sofort weiter mit Edarra und einer anderen Weisen Frau, einer hageren Blonden, deren Namen Perrin nicht kannte. Wenn er nur verstehen k�nnte, was sie sagten. Sie gingen vorbei, wobei sich keine Falte auf den drei gelassenen Gesichtern ver�nderte, aber ihre Ger�che sagten etwas anderes aus. Als Sorileas Blick �ber die Aes Sedai glitt, roch sie kalt und zur�ckhaltend, grimmig und ver�chtlich, und als sie mit den beiden anderen sprach, glich sich deren Geruch dem ihren an.</p><p>�Ein verdammtes Durcheinander�, grollte Perrin.</p><p>��rger?� fragte Aram, w�hrend er sich aufrichtete, die rechte Hand bereit, nach dem Wolfskopf-Knauf des �ber seiner Schulter aufragenden Schwerthefts zu greifen. Er hatte dieses Schwert in kurzer Zeit sehr gut beherrschen gelernt und war niemals abgeneigt, es zu benutzen.</p><p>�Kein �rger, Aram.� Es war keine regelrechte L�ge. Aus seinem dumpfen Br�ten aufger�ttelt betrachtete Perrin die anderen zum ersten Mal wirklich. Alle gleichzeitig. Was er sah, gefiel ihm nicht, und die Aes Sedai waren nur ein Teil davon.</p><p>Cairhiener und Mayener beobachteten die Aiel mi�trauischr was dem umgekehrten Mi�trauen der Aiel, besonders den Cairhienern gegen�ber, nur entsprach. Das war nicht wirklich �berraschend. Die Aiel hatten immerhin einen gewissen Ruf, nicht allzu freundlich zu Menschen zu sein, die auf dieser Seite des R�ckgrats der Welt geboren waren, und am wenigsten zu Cairhienern. Die schlichte Wahrheit war, da� Aiel und Cairhiener einander fast so sehr ha�ten, wie man nur hassen konnte. Keine Seite hatte ihre Feindschaft wirklich �berwunden - man konnte bestenfalls behaupten, da� sie an der langen Leine gehalten wurde -, und doch war Perrin bisher �berzeugt gewesen, da� sie sie unter Kontrolle halten w�rden. Zumindest Rand zuliebe. Jedoch herrschte im Lager eine Stimmung, die alle angespannt sein lie�. Rand war jetzt frei, und zeitweilige B�ndnisse waren letztendlich genau das: zeitweilig. Die Aiel hoben ihre Speere an, wenn sie die Cairhiener ansahen, und die Cairhiener tasteten grimmig nach ihren Schwertern. Wie auch die Mayener. Sie hatten keinen Streit mit den Aiel, hatten sie bis auf den Aielkrieg, in dem jedermann gek�mpft hatte, niemals befehdet, aber wenn es jetzt zu einem Kampf k�me, bestand kein Zweifel, auf welche Seite sie sich schlagen w�rden. Was wahrscheinlich auch f�r die Leute von den Zwei Fl�ssen galt.</p><p>Die d�stere Stimmung lastete schwer auf den <emphasis>Asha'man</emphasis> und den Weisen Frauen. Die schwarz gewandeten M�nner beachteten die T�chter des Speers und die <emphasis>Siswai'aman</emphasis> nicht h�ufiger als die Cairhiener oder die Mayener oder die Leute von den Zwei Fl�ssen, aber sie betrachteten die Weisen Frauen mit fast genauso d�steren Gesichtern, wie sie die Aes Sedai ansahen. Sie machten h�chstwahrscheinlich nur wenig Unterschied zwischen einer Frau, die die Macht lenken konnte, und einer anderen. Jedermann konnte ein Feind und gef�hrlich sein. Dreizehn zusammen waren eine t�dliche Gefahr, und es befanden sich mehr als neunzig Weise Frauen im Lager oder in dessen N�he, gegen�ber nicht einmal halb so vielen <emphasis>Asha'man,</emphasis> die aber dennoch Schaden anrichten konnten - und doch schienen sie Rand zu folgen. Sie schienen Rand zu folgen - und doch waren sie Frauen, die die Macht lenken konnten.</p><p>Die Weisen Frauen betrachteten die <emphasis>Asha'man</emphasis> nur unwesentlich weniger k�hl, als sie die Aes Sedai betrachteten. Die <emphasis>Asha'man</emphasis> waren M�nner, die die Macht lenken konnten, aber sie folgten Rand. Sie folgten Rand, aber ... Rand war ein besonderer Fall. Gaul zufolge wurde seine F�higkeit, die Macht zu lenken, in den Prophezeiungen �ber ihren <emphasis>Car'a'carn</emphasis> nicht erw�hnt, aber die Aiel bestritten diesen unbequemen Umstand anscheinend. Die <emphasis>Asha'man</emphasis> wurden in jenen Prophezeiungen jedoch �berhaupt nicht erw�hnt. Es mu�te so sein, als entdeckte man, da� man den Stolz wilder L�wen auf seiner Seite hatte. Wie lange w�rden sie loyal bleiben? Vielleicht w�re es besser, sie jetzt zu unterwerfen.</p><p>Perrin lie� den Kopf an das Wagenrad zur�cksinken, die Augen geschlossen, und seine Brust hob sich in stillem, freudlosen Lachen. Denke an Hoch Chasaline an die guten Dinge. <emphasis>Verdammt,</emphasis> dachte er, <emphasis>ich h�tte mit Rand gehen sollen.</emphasis> Nein, es war gut, ausreichend fr�h Bescheid zu wissen. Aber was, im Licht, sollte er tun? Wenn die Aiel und die Cairhiener und Mayener aufeinander losgingen, oder noch schlimmer, die <emphasis>Asha'man</emphasis> und die Weisen Frauen... Ein Korb voller Schlangen, und die einzige M�glichkeit herauszufinden, welche Vipern waren, bestand darin, die Hand hineinzustrecken. <emphasis>Licht, ich w�nschte, ich w�re zu Hause, bei Faile, und k�nnte am Schmiedefeuer arbeiten, wo mich niemand mit dem verdammten Titel Lord anredet.</emphasis></p><p>�Ihr Pferd, Lord Perrin. Ihr sagtet nicht, ob ihr Traber oder Steher gesattelt haben wolltet, also habe ich...� Kenly Maerin wich vor Perrins gold�ugigem Blick zur�ck und prallte gegen den kastanienbraunen Hengst, den er herangef�hrt hatte.</p><p>Perrin machte eine beschwichtigende Geste. Es war nicht Kenlys Fehler. Was nicht geheilt werden konnte, mu�te ertragen werden. �Ruhig, Junge. Du hast es richtig gemacht. Traber ist vollkommen in Ordnung. Du hast eine gute Wahl getroffen.� Er ha�te es, so mit Kenly sprechen zu m�ssen. Kenly war klein und untersetzt und kaum alt genug, zu heiraten und sein Zuhause zu verlassen - und sicherlich nicht alt genug f�r den Stoppelbart, den er, Perrin nachfolgend, zu kultivieren versuchte -, aber er hatte in Emondsfeld bereits Trollocs bek�mpft und sich auch gestern gut geschlagen. Und jetzt grinste er breit �ber das von Lord Perrin Goldaugen erhaltene Lob.</p><p>Perrin stand auf, nahm seine Streitaxt unter dem Wagen hervor, wo er sie abgelegt hatte - au�er Sicht und eine kleine Weile aus dem Sinn - und steckte das Heft durch die Schlaufe an seinem G�rtel. Eine schwere, halbmondf�rmige Klinge, die von einem dicken, gebogenen Dorn ausbalanciert wurde. Eine Waffe, die nur zum Zweck des T�tens geschaffen worden war. Das Heft der Streitaxt f�hlte sich zu vertraut an, um tr�stlich zu sein. Erinnerte er sich �berhaupt noch daran, wie sich ein guter Schmiedehammer anf�hlte? Und es gab auch noch andere Dinge au�er �Lord Perrin�, die zu �ndern es vielleicht zu sp�t w�re. Ein Freund hatte ihm einmal geraten, die Streitaxt so lange zu behalten, bis er sie gern benutzte. Der Gedanke lie� ihn trotz der Hitze erschaudern.</p><p>Er schwang sich in Trabers Sattel und wandte sich nach S�den, zum Wagenkreis. Mindestens eineinhalb Mal so gro� wie der gr��te Aiel, stieg Loial gerade vorsichtig �ber gekreuzte Wagendeichseln. Da er so gro� war, wirkte er, als k�nnte er die schweren Holzdeichseln mit einem unbedachten Schritt zerbrechen. Der Ogier hielt, wie �blich, ein Buch in der Hand, ein dicker Finger zwischen den Seiten, und die ger�umigen Taschen seines langen Umhangs waren von weiteren B�chern ausgebeult. Er hatte den Morgen in einer kleinen Ansammlung von B�umen verbracht, die er als friedlich und schattig bezeichnete, aber wie schattig auch immer es unter den B�umen sein mochte - die Hitze machte auch ihm zu schaffen. Er wirkte m�de, sein Umhang war ge�ffnet, das Hemd aufgeschn�rt und seine Stiefel bis unter die Knie herabgerollt. Oder vielleicht war es auch mehr als nur die Hitze. Loial blieb mitten im Wagenkreis stehen und betrachtete die Aes Sedai und die <emphasis>Asha'man;</emphasis> seine Pinselohren zitterten unbehaglich. Augen so gro� wie Teetassen schwenkten zu den Weisen Frauen, und seine Ohren vibrierten erneut. Ogier konnten gut Stimmungen ersp�ren.</p><p>Als Loial Perrin erblickte, durchschritt er das Lager. Perrin war auch auf dem Pferder�cken noch zwei oder drei Handbreit kleiner als der stehende Loial. �Perrin�, fl�sterte Loial, �das hier ist alles falsch. Es ist nicht richtig, und es ist au�erdem gef�hrlich�. Es war zumindest f�r einen Ogier ein Fl�stern, obwohl es wie das Summen einer Hummel von der Gr��e einer Bulldogge klang. Einige der Aes Sedai wandten die K�pfe.</p><p>�K�nntest du ein wenig lauter sprechen?� fragte Perrin sehr leise. �Ich glaube, jemand in Andor hat es noch nicht geh�rt. Im Westen von Andor.�</p><p>Loial wirkte best�rzt und verzog das Gesicht, wobei die langen Augenbrauen seine Wangen streiften. �Du wei�t, da� ich nicht fl�stern kann.� Dieses Mal konnte ihn wahrscheinlich niemand mehr deutlich verstehen, der mehr als drei Schritte entfernt war. �Was werden wir tun, Perrin? Es ist falsch, Aes Sedai gegen ihren Willen festzuhalten, falsch und auch verbohrt. Ich habe das schon fr�her gesagt, und ich werde es wieder sagen. Und das ist nicht das Schlimmste. Ich sp�re hier... Ein Funke, und dieser Ort wird wie eine Wagenladung Feuerwerk in die Luft fliegen. Wei� Rand davon?�</p><p>�Ich wei� es nicht�, lautete Perrins Antwort auf beide Fragen, und der Ogier nickte kurz darauf widerwillig.</p><p>�Jemand mu� es wissen, Perrin. Jemand mu� etwas tun.� Loial blickte nach Norden, �ber die Wagen hinter Perrin hinweg, und Perrin wu�te, da� er die Entscheidung nicht l�nger aufschieben konnte.</p><p>Er wandte Traber widerwillig um. Er h�tte sich lieber weiterhin um Aes Sedai und <emphasis>Asha'man</emphasis> und Weise Frauen gek�mmert, aber was getan werden mu�te, mu�te getan werden. Denk an Hoch Chasaline an das Gute.</p></section><section><title><p>2</p><p>Der Schlachthof</p></title><p>Perrin vermied es, zu der Stelle unten am Hang hinzusehen, zu der er reiten w�rde - zu der er heute morgen mit Rand h�tte reiten sollen. Statt dessen hielt er vor den Wagen inne und lie� seinen Blick �berall sonst hin schweifen, obwohl ihm alles, was er sah, �belkeit verursachte. Ihm war, als w�rde sein Magen mit einem Hammer bearbeitet.</p><p>Hammerschlag. Neunzehn frische Gr�ber auf einem niedrigen H�gel im Osten, neunzehn M�nner von den Zwei Fl�ssen, die die Heimat niemals Wiedersehen w�rden. Nur selten mu�te ein Hufschmied Menschen wegen seiner Entscheidung sterben sehen. Zumindest hatten die M�nner seinen Befehlen gehorcht, sonst w�ren es noch mehr Gr�ber gewesen. Hammerschlag. Rechtecke frisch aufgeworfener Erde auch auf dem gegen�berliegenden H�gel - ann�hernd hundert Mayener und noch mehr Cairhiener, die zu den Quellen Dumais gekommen waren, um zu sterben. Ungeachtet der Umst�nde, waren sie Perrin Aybara gefolgt.</p><p>Hammerschlag. Die Vorderseite des H�gels schien nur aus Gr�bern zu bestehen, vielleicht tausend oder mehr. Eintausend Aiel, die aufrecht stehend verbrannt waren. Eintausend. Einige waren T�chter des Speers gewesen. Beim Gedanken an die M�nner verkrampfte sich sein Magen. Der Gedanke an die Frauen erweckte in ihm das Gef�hl, sich hinsetzen und weinen zu wollen. Er versuchte sich einzureden, da� sie es alle erw�hlt hatten, hier zu <emphasis>sein,</emphasis> da� sie hatten hier sein <emphasis>m�ssen.</emphasis> Beides stimmte, aber er hatte die Befehle gegeben, und dadurch trug er die Verantwortung f�r jene Gr�ber. Nicht Rand, nicht die Aes Sedai - er.</p><p>Die �berlebenden Aiel hatten ihre Todesges�nge erst vor kurzem beendet, spukhafte Ges�nge, auszugsweise gesungen, die im Geist verweilten.</p><p>Das Leben ist ein Traum, der keine Schatten kennt.</p><p>Das Leben ist ein Traum aus Schmerz und Weh.</p><p>Ein Traum, aus dem zu erwachen wir beten.</p><p>Ein Traum, aus dem wir erwachen und fortgehen.</p><p>Wer w�rde schlafen, wenn die neue D�mmerung wartet?</p><p>Wer w�rde schlafen, wenn die linden Winde wehen?</p><p>Ein Traum mu� enden, wenn der neue Tag erwacht.</p><p>Dieser Traum, aus dem wir aufwachen und fortgehen.</p><p>Sie schienen in jenen Ges�ngen Trost zu finden. Perrin w�nschte, er k�nnte das auch, aber die Aiel k�mmerte es, soweit er erkennen konnte, wirklich nicht, ob sie lebten oder starben, und das war verr�ckt. Jeder vern�nftige Mensch wollte leben. Jeder vern�nftige Mensch w�rde so weit und so schnell wie m�glich vor einer Schlacht davonlaufen.</p><p>Traber warf den Kopf hoch, die N�stern weiteten sich aufgrund der von unten heranwehenden Ger�che, und Perrin t�tschelte dem Hengst den Hals. Aram grinste, w�hrend er betrachtete, was Perrin zu vermeiden versuchte. Loials Gesicht war ausdruckslos, als w�re es aus Holz geschnitzt. Er bewegte leicht die Lippen, und Perrin glaubte zu h�ren: �Licht, la� mich so etwas nie wieder sehen.� Er atmete tief ein und zwang sich dann, ebenfalls hinzusehen - zu den Quellen von Dumai.</p><p>Es war in gewisser Weise nicht so schlimm wie der Anblick der Gr�ber - er hatte einige jener Menschen seit seiner Kinderzeit gekannt -, aber das alles traf ihn dennoch mit einer Wucht, als h�tte der Geruch in seiner Nase Gestalt angenommen und ihn �berw�ltigt. Die Erinnerungen, die er vergessen wollte, dr�ngten wieder herauf. Die Quellen von Dumai waren ein Ort des T�tens geworden, ein Ort des Sterbens, aber jetzt war es noch schlimmer. Weniger als eine Meile entfernt standen die verkohlten �berreste der Wagen um ein Unterholz verteilt, das die niedrigen Mauerkr�nungen der Brunnen fast verbarg. Und rings herum...</p><p>Ein brodelndes Meer von Schwarz: Geier, Raben und Kr�hen zu Zehntausenden, die in Wogen aufwirbelten und sich wieder niederlie�en. Die <emphasis>Asha'man</emphasis> hatten grausame Methoden. Sie vernichteten Menschen und Natur mit gleicher Unparteilichkeit. <emphasis>Zu</emphasis> viele Shaido waren gestorben, als da� man sie alle am ersten Tag h�tte begraben k�nnen, aber es hatte sich niemand die M�he gemacht, �berhaupt welche zu begraben, so da� die Geier und Raben und Kr�hen sie jetzt verschlangen. Auch die toten W�lfe lagen dort unten. Perrin hatte sie begraben wollen, aber das widersprach der Art der W�lfe. Drei tote Aes Sedai waren gefunden worden, deren F�higkeit, die Macht zu lenken, sie im Wahnsinn des Kampfes nicht vor Speeren und Pfeilen hatte retten k�nnen, und auch ein halbes Dutzend tote Beh�ter. Sie waren auf der Lichtung in der N�he der Brunnen verbrannt.</p><p>Die V�gel waren nicht allein mit den Toten. Beileibe nicht. Schwarz gefederte Wogen stiegen um Lord Dobraine Taborwin und �ber zweihundert seiner berittenen cairhienischen Waffentr�ger sowie Lord Havien Nurelle mit den au�er den W�chtern der Beh�ter verbliebenen Mayenern auf. Der <emphasis>Con</emphasis> mit zwei wei�en Diamanten auf Blau kennzeichnete alle cairhienischen Offiziere au�er Dobraine selbst. Die roten R�stungen und mit roten Wimpeln versehenen Lanzen hatten sich inmitten des Gemetzels tapfer gehalten, aber Dobraine war nicht der einzige, der sich jetzt ein Tuch vor die Nase hielt. Hier und da lehnte sich ein Mann aus dem Sattel und versuchte, einen Magen zu entleeren, der schon vorher entleert worden war. Mazrim Taim, der fast so gro� war wie Rand, war in seinem schwarzen Umhang mit den blaugoldenen, sich die �rmel hinaufziehenden Drachen zu Fu�, wie auch ungef�hr einhundert <emphasis>Asha'man.</emphasis> Einige von ihnen entleerten ebenfalls ihre M�gen. Da waren Dutzende T�chter des Speers, mehr</p><p><emphasis>Siswai'aman</emphasis> als Cairhiener und Mayener und <emphasis>Asha'man</emphasis> zusammen und noch dazu mehrere Dutzend Weise Frauen. Alle vermutlich f�r den Fall, da� die Shaido zur�ckkehrten, oder vielleicht auch f�r den Fall, da� einige der Toten sich nur verstellten, obwohl Perrin glaubte, da� jedermann, der hier eine Leiche zu sein vorgab, bald verr�ckt werden m��te. Alle scharten sich um Rand.</p><p>Perrin h�tte dort unten bei den Leuten von den Zwei Fl�ssen sein sollen. Rand hatte um sie gebeten, hatte davon gesprochen, M�nnern aus der Heimat trauen zu k�nnen, aber Perrin hatte nichts versprochen. <emphasis>Er wird sich mit mir begn�gen m�ssen, wenn auch versp�tet,</emphasis> dachte er. Bald, wenn es ihm gelang, sich in den Schlachthof dort unten zu begeben, obwohl Schlachtermesser keine Menschen niederm�hten und genauer waren als Streit�xte und Geier.</p><p>Die schwarz gewandeten <emphasis>Asha'man</emphasis> verschwanden im Meer der V�gel, Tod von Tod verschlungen, und aufsteigende Raben und Kr�hen verbargen weitere. Nur Rand hob sich in dem zerrissenen wei�en Hemd ab, das er getragen hatte, als die Rettung nahte. Wenn er zu jener Zeit vielleicht auch kaum Rettung gebraucht h�tte. Beim Anblick Mins, in einem hellroten Umhang und gut sitzender Hose, verzog Perrin das Gesicht. Dies war kein Ort f�r sie oder sonst jemanden, aber sie blieb Rand seit seiner Rettung sogar noch n�her, als Taim es tat. Rand h�tte es irgendwie geschafft, sowohl sich selbst als auch sie einige Zeit vor Perrins Durchbruch oder dem der <emphasis>Asha'man</emphasis> zu befreien, und Perrin vermutete, da� Min Rands Gegenwart als die einzige wahre Sicherheit ansah.</p><p>W�hrend Rand �ber den verkohlten Boden schritt, t�tschelte er bisweilen Mins Arm oder beugte den Kopf, als spreche er mit ihr, aber ihr galt nicht seine eigentliche Aufmerksamkeit. Dunkle Vogelwolken bauschten sich um sie herum. Die kleineren V�gel schossen davon, um woanders zu fressen, w�hrend die Geier nur widerwillig wichen, die kahlen H�lse reckten und trotzig kreischten. Rand blieb hin und wieder stehen und beugte sich �ber einen Leichnam. Manchmal scho� Feuer aus seinen H�nden und wehrte einen Geier ab, der nicht weichen wollte. Jedesmal stritten entweder Nandera, welche die T�chter des Speers anf�hrte, oder Sulin, ihre Stellvertreterin, mit ihm. Manchmal �bernahmen dies auch Weise Frauen, wie aus der Art zu ersehen war, wie sie am Umhang eines Leichnams zogen, als wollten sie etwas verdeutlichen. Rand nickte und ging weiter, jedoch nicht ohne zur�ckzublicken und auch erst dann, wenn ein anderer Leichnam seine Aufmerksamkeit erregte.</p><p>�Was tut er?� fragte eine �berhebliche Stimme an Perrins Knie. Er erkannte die Frau am Geruch, noch bevor er hinabblickte. Kiruna Nachiman, die Schwester K�nig Paitars von Arafel und eine m�chtige, unabh�ngige Adlige, wirkte in ihrem gr�nen, seidenen Reitgewand und dem d�nnen Leinenstaubmantel statuenhaft und vornehm, und da� sie eine Aes Sedai geworden war, hatte ihre Haltung nicht ver�ndert. Von dem Anblick gefangen, der sich ihm bot, hatte er sie nicht kommen h�ren. �Warum ist er dort unten in diesem Chaos? Das sollte nicht sein.�</p><p>Nicht alle Aes Sedai im Lager waren Gefangene, obwohl sich jene, die es nicht waren, seit gestern abseits hielten, nur untereinander sprachen, wie Perrin vermutete, und herauszufinden versuchten, was in den letzten Stunden geschehen war. Vielleicht versuchten sie auch einen Ausweg zu finden. Jetzt hatten sie ihre Kr�fte versammelt. Bera Harkin, eine weitere Gr�ne, stand neben Kiruna. Bera Harkin wirkte trotz ihres alterslosen Gesichts und ihrer edlen Tuchkleidung wie eine Bauersfrau, die aber auf ihre Art genauso stolz wirkte wie Kiruna. Diese Bauersfrau konnte einem K�nig befehlen, seine Stiefel zu s�ubern, bevor er ihr Haus betrat, und auch darauf bestehen. Sie und Kiruna f�hrten die Schwestern gemeinsam an, die mit Perrin zu den Brunnen von Dumai gekommen waren, oder vielleicht wechselten sie sich auch in der F�hrung ab. Es war nicht ganz eindeutig, was bei Aes Sedai nicht ungew�hnlich war.</p><p>Die anderen sieben Frauen standen nicht weit entfernt in einer Gruppe zusammen. Stolze L�winnen, die durch ihre gesch�ftig wirkende Haltung nicht verzagt aussahen. Ihre Beh�ter standen hinter ihnen aufgereiht, aber w�hrend die Schwestern �u�erlich vollkommen heiter wirkten, machten die Beh�ter keinen Hehl aus ihren d�steren Empfindungen. Es waren grundverschiedene M�nner, einige in jenen die Farbe ver�ndernden Umh�ngen, die sie teilweise unsichtbar erscheinen lie�en.</p><p>Perrin kannte zwei der Frauen gut: Verin Mathwin und Alanna Mosvani. Verin war klein und gedrungen und manchmal verwirrend m�tterlich, wenn sie einen nicht gerade betrachtete wie ein Vogel einen Wurm. Sie geh�rte der Braunen Ajah an. Alanna, schlank und auf d�stere Art h�bsch, wenn auch in letzter Zeit aus irgendeinem Grund ein wenig abgezehrt um die Augen, war eine Gr�ne. Insgesamt waren f�nf der neun Frauen Gr�ne. Verin hatte ihm vor einiger Zeit geraten, Alanna nicht allzu weit zu trauen, und er nahm ihre Worte �beraus ernst. Er traute auch keiner der anderen, einschlie�lich Verin. Rand tat dies ebenfalls nicht, trotz des Umstands, da� sie gestern auf seiner Seite gek�mpft hatten, und trotz allem, was am Ende geschehen war. Auch Perrin war sich noch immer nicht sicher, das Geschehene glauben zu k�nnen, obwohl er deren Zeuge gewesen war.</p><p>Ein gutes Dutzend <emphasis>Asha'man</emphasis> lungerten an einem Wagen ungef�hr zwanzig Schritte von den Schwestern entfernt herum. Heute morgen befehligte sie ein eingebildeter Bursche namens Charl Gedwyn, ein Mann mit hartem Gesicht. Sie alle trugen eine Anstecknadel in Form eines silbernen Schwertes an einer Seite ihrer hohen Kragen, und au�er Gedwyn trugen noch vier oder f�nf andere M�nner einen Drachen in goldrotem Emaille an der anderen Seite. Perrin vermutete, da� dies irgendwie mit ihrem Rang zu tun hatte. Er hatte beide Anstecknadeln auch an einigen anderen <emphasis>Asha'man</emphasis> bemerkt. Sie waren nicht im eigentlichen Sinne W�chter, aber sie hielten sich stets dort auf, wo immer Kiruna und die �brigen sich aufhielten. Sie standen einfach ruhig da und hielten ein wachsames Auge auf alles. Nicht da� die Aes Sedai Notiz davon nahmen - nicht so, da� man es sehen konnte, aber die Schwestern rochen dennoch wachsam und verwirrt und zornig. Ein Teil dieser Empfindungen mu�te den <emphasis>Asha'man</emphasis> zuzuschreiben sein.</p><p>�Nun?� Kirunas dunkle Augen blitzten ungeduldig auf. Perrin bezweifelte, da� viele Menschen sie warten lie�en.</p><p>�Ich wei� es nicht�, log er und t�tschelte erneut Trabers Hals. �Rand sagt mir nicht alles.�</p><p>Er begriff zwar ein wenig von alledem - zumindest glaubte er es -, aber er hatte nicht die Absicht, es jemandem zu erz�hlen. Das war Rands Aufgabe, wenn er es wollte. Perrin war davon �berzeugt da� Rand ausschlie�lich die Leichname von T�chtern des Speers betrachtete, zweifellos Shaido-Tochter des Speers, aber er fragte sich, welchen Unterschied das f�r Rand machte. Gestern abend hatte Perrin sich von den Wagen entfernt, um allein zu sein, und als er das Lachen der �berlebenden M�nner hinter sich gelassen hatte, fand er Rand. Der Wiedergeborene Drache, der die Welt erzittern lie�, sa� in der Dunkelheit allein auf dem Boden, die Arme um sich geschlungen, und wiegte sich vor und zur�ck.</p><p><emphasis>F�r Perrins Sehverm�gen war Mondlicht fast genauso gut wie Sonnenlicht, aber in dem Moment w�nschte er sich finstere Dunkelheit herbei. Rands Gesicht war schmerzverzerrt, das Gesicht eines Mannes, der schreien oder vielleicht weinen wollte, diesen Drang aber mit jeder Faser seines Seins bek�mpfte. Welche List auch immer die Aes Sedai kannten, um von der Hitze nicht ber�hrt zu werden - Rand und die</emphasis> Asha'man <emphasis>kannten sie ebenfalls, aber Rand benutzte sie jetzt nicht. Die Hitze der Nacht hatte einem �beraus warmen Sommertag zur Ehre gereicht, und Schwei� lief genauso Rands wie Perrins Wangen hinab.</emphasis></p><p><emphasis>Rand sah sich nicht um, obwohl Perrins Stiefel in dem verdorrten Gras laut raschelten, aber er sprach heiser, wobei er sich noch immer wiegte. �Einhunderteinundf�nfzig, Perrin. Einhunderteinundf�nfzig T�chter des Speers sind heute gestorben. F�r mich. Ich habe es ihnen versprochen, verstehst du. Streite nicht mit mir! Schweig! Geh weg!� Rand erschauderte trotz des Schwei�es. �Nicht du, Perrin, nicht du. Ich mu� mein Versprechen halten, verstehst du. Ich mu� es tun, gleichg�ltig wie sehr es schmerzt. Aber ich mu� auch mein Versprechen mir gegen�ber halten. Gleichg�ltig wie sehr es schmerzt.�</emphasis></p><p><emphasis>Perrin wollte, nicht �ber das Schicksal der Menschen nachdenken, die die Macht lenken konnten. Die Gl�cklichen unter ihnen starben, bevor sie wahnsinnig wurden. Die Ungl�cklichen starben danach. Aber ob Rand zu den Gl�cklichen oder den Ungl�cklichen geh�rte - alles lastete auf ihm. Alles. �Rand, ich wei� nicht, was ich sagen soll, aber...�</emphasis></p><p><emphasis>Rand schien ihn nicht zu h�ren. Er wiegte sich vor und zur�ck, immer wieder. �Isan von der Jarra-Septime der Chareen Aiel. Sie ist heute f�r mich gestorben. Chuonde von den Miagoma vom R�ckgrat der Welt. Sie ist heute f�r mich gestorben. Agirin von den Daryne...�</emphasis></p><p>Er h�tte nichts anderes zu tun vermocht, als sich hinzukauern und zuzuh�ren, wie Rand mit einer vor Schmerz fast brechenden Stimme alle einhunderteinundf�nfzig Namen hersagte, und zu hoffen, da� er nicht wahnsinnig wurde.</p><p>Aber ob Rand noch geistig unversehrt war oder nicht - Perrin zweifelte nicht daran, da� jede Tochter des Speers, die gekommen war, um f�r ihn zu k�mpfen und irgendwo dort unten gestorben war, zusammen mit den anderen anst�ndig auf dem H�gel begraben w�rde.</p><p>Einhundertzweiundf�nfzig Namen waren aufgelistet. Aber das ging Kiruna nichts an. Und auch Perrin nicht. Rand mu�te sich seine geistige Gesundheit einfach so weit wie m�glich bewahren. Licht, gebe, da� es so sei!</p><p><emphasis>Und das Licht verbrenne mich daf�r, da� ich diesen Gedanken so unger�hrt hegen kann,</emphasis> dachte Perrin.</p><p>Er sah aus den Augenwinkeln, wie Kiruna die vollen Lippen einen Moment zusammenpre�te. Sie mochte den Umstand, nicht alles zu wissen, genauso wenig wie warten zu m�ssen. Sie w�re auf eindrucksvolle Art sch�n gewesen, wenn ihr Gesichtsausdruck nicht besagt h�tte, da� sie es gewohnt war zu bekommen, was sie wollte. Sie war nicht unversch�mt, sondern sich nur vollkommen sicher, da� richtig und angemessen war, was immer sie wollte, und da� es so sein mu�te. �Wenn sich so viele Kr�hen und Raben an einer Stelle aufhalten, gibt es sicherlich Hunderte, wenn nicht Tausende darunter, die bereit sind, einem Myrddraal �ber ihre Beobachtungen zu berichten.� Sie machte sich nicht die M�he, ihre Ver�rgerung zu verbergen. Sie klang, als h�tte Perrin jeden einzelnen Vogel selbst hierhergebracht. �In den Grenzlanden t�ten wir sie, wen wir sie sehen. Ihr habt M�nner, und sie haben Bogen.�</p><p>Es war richtig - ein Rabe oder eine Kr�he konnte durchaus ein Spion des Schattens sein, aber dennoch wallte Abscheu in ihm auf. Abscheu und Ersch�pfung. �Wozu?� Bei so vielen V�geln konnten die Leute von den Zwei Fl�ssen und die Aiel jeden verf�gbaren Pfeil abschie�en, und es w�rden immer noch Spione berichten k�nnen. Es war meist nicht festzustellen, ob der Vogel, den man get�tet hatte, der Spion war, oder derjenige, der davonflog. �Ist nicht genug get�tet worden? Und es wird nur zu bald weiteres Blutvergie�en geben. Licht, Frau, selbst die <emphasis>Asha'man</emphasis> sind �bers�ttigt!�</p><p>Viele der zuschauenden Schwestern w�lbten die Augenbrauen. Niemand sprach so von den Aes Sedai, kein K�nig und keine K�nigin. Bera sah ihn mit einem Blick an, der besagte, da� sie ihn aus dem Sattel zu schleudern und ihm Ohrfeigen zu verpassen erwog. Kiruna betrachtete noch immer das Schlachtfeld unter ihnen und gl�ttete mit entschlossenem Gesichtsausdruck ihre R�cke. Loials Ohren zitterten. Er besa� einen tiefen, fast �ngstlichen Respekt vor den Aes Sedai. Obwohl er fast zweimal so gro� war wie die Schwestern, benahm er sich mitunter, als k�nnte eine von ihnen ihn zertreten, ohne es zu bemerken, wenn er ihr in die Quere k�me.</p><p>Perrin lie� Kiruna keine Gelegenheit mehr zu sprechen. Reiche einer Aes Sedai den kleinen Finger, und sie wird deinen ganzen Arm ergreifen, es sei denn, sie hat beschlossen, noch mehr zu nehmen. �Ihr habt Euch von mir ferngehalten, aber ich habe Euch einiges zu sagen. Ihr habt gestern Befehle mi�achtet. Wenn Ihr den Plan ge�ndert habt�, fuhr er schnell fort, als sie den Mund �ffnete, �dann sagt es offen, wenn Ihr glaubt, da� es das besser macht.� Sie und die anderen acht Frauen waren angewiesen worden, bei den Weisen Frauen zu bleiben, im Hintergrund der Kampfhandlungen, bewacht von M�nnern von den Zwei Fl�ssen und Mayenern. Statt dessen waren sie mitten hineingetaucht, hatten sich dort aufgehalten, wo M�nner einander mit Schwertern und Speeren zu Hackfleisch zerst�ckelten. �Ihr habt Havien Nurelle mit Euch genommen, und die H�lfte der Mayener sind deshalb gestorben. Ihr werdet nicht l�nger nach Eurem eigenen Willen handeln, ohne die geringsten R�cksichten zu nehmen. Ich werde keine M�nner mehr sterben sehen, weil Ihr pl�tzlich einen besseren Weg zu erkennen glaubt. Habt Ihr mich verstanden?�</p><p>�Seid Ihr fertig, Bauernjunge?� Kirunas Stimme klang gef�hrlich ruhig. Das ihm zugewandte Gesicht h�tte aus Eis gehauen sein k�nnen, und sie roch beleidigt. Obwohl sie auf dem Boden stand, gelang es ihr, den Eindruck zu erwecken, als blicke sie auf Perrin herab. Es war kein Trick der Aes Sedai. Er hatte diesen Blick auch schon bei Faile gesehen. Er vermutete, da� die meisten Frauen ihn beherrschten. �Ich werde Euch etwas sagen, was auch ein Mensch mit nur geringer Intelligenz eigentlich von selbst erkennen m��te. Bei den drei Eiden - keine Schwester darf die Eine Macht als Waffe benutzen, au�er gegen Schattengez�cht oder um ihr Leben oder das ihrer Beh�ter oder das einer anderen Schwester zu verteidigen. Wir h�tten bleiben k�nnen, wo Ihr uns haben wolltet, und bis <emphasis>Tarmon Gai'don</emphasis> weiterhin nur beobachten k�nnen, ohne jemals etwas Wirksames zu tun, solange wir nicht selbst in Gefahr waren. Ich mag es nicht, meine Handlungsweise erkl�ren zu m�ssen, Bauernjunge. Zwingt mich nie wieder dazu. Habt <emphasis>Ihr</emphasis> verstanden?�</p><p>Loials Ohren erschlafften, und sein starr geradeaus gerichteter Blick verdeutlichte, da� er sich irgendwo anders als hier zu sein w�nschte, vielleicht sogar bei seiner Mutter, die ihn verheiraten wollte. Arams Mund stand offen, obwohl er stets vorzugeben versuchte, da� ihn Aes Sedai nicht beeindruckten. Jondyn und Tod stiegen ein wenig zu nachl�ssig von ihrem Wagenrad herab. Jondyn schlenderte davon, aber Tod lief, wobei er �ber die Schulter zur�ckblickte.</p><p>Kirunas Erkl�rung klang vern�nftig. Es war wahrscheinlich die Wahrheit. Nein, bei einem weiteren der Drei Eide - es <emphasis>war</emphasis> die Wahrheit. Aber es gab Hintert�ren. So als w�rde man nicht die ganze Wahrheit sagen oder um die Wahrheit herumreden. Die Schwestern h�tten sich genausogut in Gefahr bringen k�nnen, um die Eine Macht als Waffe zu benutzen, aber Perrin hegte den Verdacht, da� sie geglaubt hatten, sie k�nnten Rand vor allen anderen erreichen. Was dann geschehen w�re, konnte man nur vermuten, aber seiner Ansicht nach war in ihren Pl�nen nichts von alledem vorgesehen gewesen, was tats�chlich geschehen war.</p><p>�Er kommt�, sagte Loial pl�tzlich. �Seht nur! Rand kommt.� Und dann f�gte er im Fl�sterton hinzu: �Sei vorsichtig, Perrin.� Es war f�r einen Ogier wahrhaftig ein Fl�stern. Aram und Kiruna hatten es wahrscheinlich auch geh�rt und vielleicht noch Bare, aber sicherlich niemand sonst. �Sie haben dir nichts geschworen!� Seine Stimme nahm wieder die �bliche dr�hnende Lautst�rke an. �Glaubt Ihr, er w�rde vielleicht mit mir dar�ber sprechen, was im Lager vor sich gegangen ist? F�r mein Buch?� Er schrieb ein Buch �ber den Wiedergeborenen Drachen oder machte sich zumindest Notizen daf�r. �Ich habe wirklich nicht viel gesehen, als der ... der Kampf begann.� Er hatte neben Perrin mitten im Kampfget�mmel gestanden und eine Streitaxt mit einem Heft geschwungen, das fast so lang wie er gro� war. Es war schwierig, auf anderes zu achten, wenn man um sein Leben k�mpfte. Aber wenn man Loial zuh�rte, konnte man glauben, er w�rde sich stets von Gefahren fernhalten. �Glaubt Ihr, er w�rde es vielleicht tun, Kiruna Sedai?�</p><p>Kiruna und Bera wechselten Blicke und schwebten dann wortlos �ber den Boden zu den anderen. Loial sah ihnen nach und seufzte dann, was wie ein durch H�hlen fegender Wind klang.</p><p>�Du solltest wirklich aufpassen, Perrin�, fl�sterte er. �Du sprichst immer so voreilig.� Jetzt klang er wie eine Hummel von der Gr��e einer Katze anstatt einer Bulldogge. Perrin glaubte, da� er vielleicht noch zu fl�stern lernen w�rde, wenn sie genug Zeit in der N�he von Aes Sedai verbr�chten. Jetzt bedeutete er dem Ogier aber, still zu sein, damit er lauschen konnte. Die Schwestern begannen sich sofort zu unterhalten, aber kein Laut erreichte Perrins Ohren. Sie hatten eindeutig mit der Einen Macht eine Barriere errichtet.</p><p>Und eindeutig auch den <emphasis>Asha'man</emphasis> gegen�ber. Sie waren pl�tzlich aufgesprungen und vollkommen auf die Schwestern konzentriert. Nichts besagte, da� sie <emphasis>Saidin,</emphasis> die m�nnliche H�lfte der Wahren Quelle, ergriffen hatten, aber Perrin h�tte Traber darauf verwettet. Und Gedwyns zornigh�hnischem Grinsen nach zu urteilen, war er ebenfalls zum Einsatz bereit.</p><p>Welches Hindernis auch immer die Aes Sedai errichtet hatten - inzwischen hatten sie es wieder beseitigt. Sie falteten die H�nde und blickten schweigend den H�gel hinab. Die <emphasis>Asha'man</emphasis> wechselten Blicke, und Gedwyn konnte sie mit einer Handbewegung anscheinend beruhigen. Er wirkte entt�uscht. Perrin wandte sich ver�rgert um und blickte �ber die Wagen hinweg.</p><p>Rand schritt mit Min am Arm den H�gel hinauf, t�tschelte ihre Hand und sprach mit ihr. Einmal warf er den Kopf zur�ck und lachte, und sie tat es ihm gleich, w�hrend sie ihre dunklen Locken zur�ckstrich, die ihr bis auf die Schultern reichten. Man h�tte Rand f�r einen Landmann halten k�nnen, der mit seinem M�dchen spazierenging. Nur hatte er sein Schwert umgebunden und lie� manchmal eine Hand das lange Heft entlanggleiten. Taim befand sich unmittelbar rechts neben ihm, und die Weisen Frauen folgten fast genauso dichtauf. Wie auch die T�chter des Speers und die <emphasis>Siswai'aman,</emphasis> Cairhiener und Mayener, die die Prozession vervollst�ndigten.</p><p>Welche Erleichterung, da� er zumindest nicht auf dieses Schlachtfeld hinabzureiten hatte. Aber er mu�te Rand wegen all der verwirrenden Feindseligkeiten warnen, die er heute morgen bemerkt hatte. Was w�rde er tun, wenn Rand nicht zuh�rte? Rand hatte sich ver�ndert, seit er die Zwei Fl�sse verlassen hatte, und besonders, seit er von Coiren und den anderen entf�hrt worden war. Nein. Er war gewi� bei gesundem Verstand.</p><p>Als Rand und Min den Wagenkreis betraten, blieb der gr��te Teil der Prozession drau�en. Taim mit seiner dunklen Haut und der leicht hakenf�rmigen Nase, den die meisten Frauen, wie Perrin vermutete, wohl als gutaussehend beurteilten, besch�tzte Rand nat�rlich. Als Taim hereintrat, schaute er zu Gedwyn, der fast unmerklich den Kopf sch�ttelte. Ein Grinsen �berzog Taims Gesicht, das aber genauso schnell wieder verschwand, wie es gekommen war.</p><p>Nandera und Sulin folgten Rand ebenfalls dichtauf, und Perrin wunderte sich, da� sie nicht noch zwanzig weitere T�chter des Speers mitgebracht hatten. Sie schienen Rand kaum auch nur baden zu lassen, ohne da� T�chter des Speers die Wanne bewachten, soweit Perrin es erkennen konnte. Er verstand nicht, warum Rand es duldete. Sie alle hatten ihre <emphasis>Shoufa</emphasis> um die Schultern drapiert, so da� kurzgeschnittenes Haar mit einem Pferdeschwanz am Hinterkopf zu sehen war. Nandera war eine kr�ftige Frau mit eher grauem als blondem Haar, aber ihre harten Gesichtsz�ge wirkten dennoch h�bsch, wenn nicht sogar sch�n. Sulin -drahtig, vernarbt lederartig und wei�haarig - lie� Nandera beinahe anmutig und fast sanft wirken. Sie beobachteten die <emphasis>Asha'man</emphasis> ebenfalls, ohne indes den Anschein zu erwecken, und betrachteten dann beide Gruppen Aes Sedai genauso wohl�berlegt. Nandera benutzte die Zeichensprache der T�chter des Speers. Perrin w�nschte sich nicht zum ersten Mal, er k�nnte sie verstehen, aber eine Tochter des Speers w�rde eher den Speer aufgeben, um einen Schw�chling zu heiraten, als da� sie einen Mann ihre Zeichensprache lehrte. Eine Tochter des Speers, die Perrin noch nicht bemerkt hatte und die an einem Wagen wenige Schritte von Gedwyn entfernt auf den Fersen hockte, antwortete gleicherma�en, wie auch eine weitere, die bis zu diesem Moment in der N�he der Gefangenen mit einer Speerschwester Fadenfingerspiele gespielt hatte.</p><p>Amys brachte die Weisen Frauen herein und f�hrte sie beiseite, um sich mit Sorilea und einigen anderen zu beraten, die in den Wagen geblieben waren. Trotz ihres f�r ihr h�ftlanges wei�es Haar zu jungen Gesichts, war Amys eine beeindruckende Frau, nach Sorilea die Zweite der Weisen Frauen. Sie benutzte die Eine Macht nicht, um ungeh�rt zu bleiben, aber sieben oder acht T�chter des Speers bildeten sofort einen Kreis um sie und begannen leise vor sich hin <emphasis>zu</emphasis> singen. Einige sa�en, andere standen, einige hockten auf den Fersen, jede f�r sich und alle wie zuf�llig. Wenn man t�richt genug war, es zu glauben.</p><p>Perrin hatte den Eindruck, da� er sehr h�ufig seufzte, seit er mit Aes Sedai und Weisen Frauen und auch T�chtern des Speers zu tun hatte. Frauen schienen ihn in letzter Zeit nur noch aufzuregen.</p><p>Dobraine und Havien, die ihre Pferde f�hrten und ohne ihre Soldaten kamen, bildeten die Nachhut. Havien hatte endlich einen Kampf gesehen. Perrin fragte sich, ob er jetzt noch genauso erpicht auf den n�chsten war. Er war ungef�hr im gleichen Alter wie Perrin, wirkte aber heute nicht mehr so jung wie zuvor. Dobraine, der den vorderen Teil seines langen, �berwiegend grauen Haars in der Art der cairhienischen Soldaten geschnitten hatte, war nicht mehr jung, und der gestrige Kampf war bestimmt nicht sein erster gewesen, aber die Wahrheit war, da� auch er jetzt noch �lter und besorgter aussah. Ihre Blicke suchten Perrin.</p><p>Zu einem anderen Zeitpunkt h�tte er abgewartet, um zu erfahren, wor�ber sie sprechen wollten, aber jetzt glitt er aus dem Sattel, �bergab Aram die Z�gel und trat zu Rand. Andere waren vor ihm. Nur Sulin und Nandera schwiegen.</p><p>Kiruna und Bera waren in dem Moment zur�ckgewichen, als Rand den Wagenkreis betrat, und als Perrin sich n�herte, sagte Kiruna gerade bedeutungsschwer zu Rand: �Ihr habt gestern das Heilen verweigert, aber jedermann kann erkennen, da� Ihr noch immer Schmerzen habt, auch wenn Alanna nicht bereit war, aus ihrer...� Sie brach ab, als Bera ihren Arm ber�hrte, fuhr aber dann fast ohne Pause fort. �Vielleicht seid Ihr jetzt bereit, geheilt zu werden?� Es klang wie: �Vielleicht seid Ihr inzwischen wieder zur Vernunft gekommen?�</p><p>�Die Angelegenheit der Aes Sedai mu� unverz�glich gekl�rt werden, <emphasis>Car'a'carn�,</emphasis> sagte Amys unmittelbar nach Kiruna f�rmlich.</p><p>�Sie sollten unserer Obhut �berlassen werden, Rand al'Thor�, f�gte Sorilea in dem Augenblick hinzu, als auch Taim zu sprechen begann.</p><p>�Die Angelegenheit der Aes Sedai braucht nicht gekl�rt werden, mein Lord Drache. Meine <emphasis>Asha'man</emphasis> wissen, wie man mit ihnen umgehen mu�. Sie k�nnten ohne weiteres in der Schwarzen Burg festgehalten werden.� Dunkle, leicht schr�gstehende Augen zuckten zu Kiruna und Bera, und Perrin erkannte best�rzt, da� Taim <emphasis>alle</emphasis> Aes Sedai meinte und nicht nur jene, die Gefangene waren. Amys und Sorilea sahen Taim stirnrunzelnd an, aber die Blicke, die sie den beiden Aes Sedai zuwarfen, bedeuteten das gleiche.</p><p>Kiruna l�chelte Taim und den Weisen Frauen <emphasis>zu,</emphasis> ein d�nnes L�cheln, das zu ihren Lippen pa�te. Es wurde vielleicht ein wenig h�rter, als sie den Mann in dem schwarzen Umhang ansah, aber sie schien seine Absicht noch nicht erkannt zu haben. Es gen�gte, da� er war, wer er war. Und was er war. �Unter den gegebenen Umst�nden�, sagte sie k�hl, �werden mir Coiren Sedai und die anderen sicherlich ihr Ehrenwort geben. Ihr braucht Euch keine Sorgen mehr zu machen...�</p><p>Die anderen sprachen alle auf einmal.</p><p>�Diese Frauen haben keine Ehre�, sagte Amys ver�chtlich, und dieses Mal wurde deutlich, da� sie alle meinte. �Wie k�nnte ihr Ehrenwort etwas bedeuten? Sie... �</p><p>�Sie sind <emphasis>Da'tsang�,</emphasis> sagte Sorilea mit grimmiger Stimme, und Bera sah sie stirnrunzelnd an. Perrin hielt es f�r ein Wort aus der Alten Sprache - er hatte erneut das Gef�hl, als sollte er sich beinahe daran erinnern k�nnen -, aber er wu�te nicht, warum es die Aes Sedai zu fragenden Blicken veranla�te. Oder warum Sulin den Weisen Frauen pl�tzlich zustimmend zunickte, die wie eine ins Tal rollende Felslawine fortfuhren. �Sie verdienen nichts Besseres als jeder andere... �</p><p>�Mein Lord Drache�, sagte Taim, als deute er auf das Offensichtliche hin, �Ihr wollt die Aes Sedai, sie alle, doch sicherlich in der Obhut jener wissen, denen Ihr vertraut, jener, die mit ihnen umgehen k�nnen, und wer k�nnte besser...�</p><p>�Das gen�gt!� schrie Rand.</p><p>Alle verfielen augenblicklich in Schweigen, verhielten sich aber sehr unterschiedlich. Taims Gesicht wurde ausdruckslos, obwohl er zornig roch. Amys und Sorilea wechselten Blicke und richteten im Gleichklang ihre Stolen. Sie rochen ebenfalls gleich und zeigten den gleichen entschlossenen Gesichtsausdruck. Sie wollten, was sie wollten, und beabsichtigten es zu bekommen, ob mit oder ohne den <emphasis>Car'a'carn.</emphasis> Auch Kiruna und Bera wechselten so vielsagende Blicke, da� Perrin w�nschte, er k�nnte sie auf die gleiche Weise deuten, wie seine Nase Ger�che zu deuten vermochte. Er sah zwei gelassene Aes Sedai, die sich selbst und alles, was sie wollten, unter Kontrolle hatten. Aber seine Nase roch zwei Frauen, die beunruhigt und �beraus �ngstlich waren. Bei Taim war er sich sicher. Sie schienen noch immer zu glauben, sie k�nnten Rand und die Weisen Frauen auf die eine oder andere Weise lenken, aber Taim und die <emphasis>Asha'man</emphasis> erf�llten sie mit der Angst des Lichts.</p><p>Min zog an Rands Hemds�rmel - sie hatte alle Anwesenden blitzartig �berpr�ft und roch genauso besorgt wie die Schwestern. Rand t�tschelte ihre Hand, w�hrend er alle anderen, einschlie�lich Perrin, genau beobachtete. Jedermann im Lager schaute zu, von den Leuten von den Zwei Fl�ssen bis zu den gefangenen Aes Sedai, wenn auch nur wenige Aiel nahe genug standen, um etwas h�ren zu k�nnen. Die Leute beobachteten Rand vielleicht, aber sie achteten nach M�glichkeit auch darauf, ihm aus dem Weg zu gehen.</p><p>�Die Weisen Frauen werden sich um die Gefangenen k�mmern�, sagte Rand schlie�lich, und Sorilea roch pl�tzlich so zufrieden, da� Perrin sich heftig die Nase rieb. Taim sch�ttelte ver�rgert den Kopf, aber Rand r�gte ihn, noch bevor er etwas sagen konnte. Er hatte einen Daumen hinter den Verschlu� seines Schwertg�rtels gehakt - in Form eines vergoldeten Drachen -, und seine Kn�chel traten unter dem festen Griff wei� hervor. Seine andere Hand lag auf dem Schwertheft. �Die <emphasis>Asha'man</emphasis> sollen ausbilden - und rekrutieren -, nicht wachen. Vor allem bei Aes Sedai nicht.� Perrins Nackenhaare richteten sich auf, als er den Duft erkannte, der von Rand heranschwebte, als er Taim ansah: Ha�, durchdrungen von Angst. Licht, er mu�te geistig gesund sein.</p><p>Taim nickte widerwillig. �Wie Ihr befehlt, mein Lord Drache.� Min betrachtete den schwarz gewandeten Mann unbehaglich und trat noch n�her an Rand heran.</p><p>Kiruna roch erleichtert, aber mit einem letzten Blick auf Bera verlegte sie sich auf eigensinnige Bestimmtheit. �Diese Aiel-Frauen sind recht ehrenwert - einige h�tten ihre Sache vielleicht gut gemacht, wenn sie zur Burg gelangt w�ren -, aber Ihr k�nnt ihnen die Aes Sedai nicht einfach �bergeben. Das ist undenkbar! Bera Sedai und ich werden...�</p><p>Rand erhob eine Hand und erstickte ihre Worte. Vielleicht war es auch sein Blick oder der Anblick eines durch seinen zerrissenen �rmel deutlich sichtbaren rotgoldenen Drachen, die sich um seine Unterarme wanden. Der Drache gl�nzte im Sonnenlicht. �Habt Ihr mir Treue geschworen?� Kirunas Augen traten hervor, als h�tte sie etwas in die Magengrube getroffen.</p><p>Kurz darauf nickte sie, wenn auch sehr widerwillig. Sie wirkte jetzt genauso ungl�ubig wie am Tag zuvor, als sie sich am Ende der Schlacht dort unten am Brunnen niedergekniet und unter dem Licht und bei ihrer Hoffnung auf Seelenheil und Wiedergeburt geschworen hatte, dem Wiedergeborenen Drachen zu gehorchen und ihm zu dienen, bis die Letzte Schlacht begonnen und vergangen war. Perrin verstand ihre Best�rzung. Wenn sie es, selbst ohne die Drei Eide, geleugnet h�tte, h�tte er seinen eigenen Erinnerungen nicht mehr getraut. Neun Aes Sedai auf Knien, die Gesichter voller Entsetzen �ber die Worte, die aus ihrem Mund str�mten, und die ungl�ubig rochen. Jetzt war Beras Mund zusammengepre�t, als h�tte sie in eine schlechte Pflaume gebissen.</p><p>Ein Aielmann schlo� sich der kleinen Gruppe an, ein Mann, der ungef�hr genauso gro� war wie Rand, mit wettergegerbtem Gesicht und Spuren von Grau in seinem dunkelroten Haar; er nickte Perrin zu und ber�hrte leicht Amys' Hand. Vielleicht dr�ckte sie seine Hand als Erwiderung kurz, denn Rhuarc war ihr Ehemann, aber mehr Zuneigung zeigten Aiel vor anderen nicht. Er war auch der Clanh�uptling der Tardaad Aiel - er und Gaul waren die einzigen beiden M�nner, die das Siswai'aman-Stirnband nicht trugen -, und er und eintausend Speertr�ger hatten seit gestern abend verst�rkt gekundschaftet.</p><p>Sogar ein blinder Mann in einem anderen Land h�tte die Stimmung um Rand ersp�ren k�nnen, und Rhuarc war kein Narr. �Komme ich gelegen, Rand al'Thor?� Als Rand ihm zu sprechen bedeutete, fuhr er fort. �Die Shaido fliehen so schnell wie m�glich nach Osten. Ich habe im Norden berittene M�nner mit gr�nen Umh�ngen gesehen, aber sie gingen uns aus dem Weg, und Ihr sagtet, wir sollten sie ziehen lassen, es sei denn, sie bereiteten uns �rger. Ich glaube, sie haben Aes Sedai verfolgt, die entkommen konnten. Es waren mehrere Frauen bei ihnen.� Kalte blaue Augen betrachteten die beiden Aes Sedai vollkommen ausdruckslos und hart. Fr�her hatte sich Rhuarc in Gegenwart von Aes Sedai ungezwungen bewegt -jeder Aiel hatte das getan -, aber das war sp�testens seit gestern vorbei.</p><p>�Das sind gute Neuigkeiten. Ich w�rde fast alles darum geben, Galina zu ergreifen, aber es sind dennoch gute Nachrichten.� Rand ber�hrte erneut sein Schwertheft und lockerte die Klinge in ihrer dunklen Scheide, ohne sich dieser Bewegung bewu�t zu sein. Galina, eine Rote, hatte die Schwestern angef�hrt, die ihn gefangengehalten hatten, und auch wenn er sich heute nicht mehr �ber sie aufregte, war er gestern doch zornig gewesen, als sie entkommen war. Selbst jetzt wirkte seine Ruhe frostig. Es war die Art Ruhe, die schwelenden Zorn verbarg, und sein Geruch verursachte Perrin eine G�nsehaut. �Sie werden bezahlen. Jeder einzelne von ihnen.� Es wurde nicht deutlich, <emphasis>ob</emphasis> Rand die Shaido oder die entkommenen Aes Sedai oder beide meinte.</p><p>Bera wandte unbehaglich den <emphasis>Kopf,</emphasis> und er richtete seine Aufmerksamkeit wieder auf sie und Kiruna. �Ihr habt mir Treue geschworen, und darauf vertraue ich.� Er hob die Hand, Daumen und Zeigefinger fast zusammen, um zu verdeutlichen, wie weit er ihnen traute. �Aes Sedai wissen immer alles besser als andere, oder zumindest glauben sie es. Also vertraue ich darauf, da� Ihr tut, was ich sage, aber Ihr werdet ohne meine Erlaubnis nicht einmal ein Bad nehmen. Oder ohne die Erlaubnis einer Weisen Frau.�</p><p>Jetzt wirkte Bera, als w�re sie geschlagen worden. Ihre hellbraunen Augen glitten erstaunlich w�rdevoll zu Amys und Sorilea, und Kiruna zitterte vor Anstrengung, es ihr nicht gleichzutun. Die beiden Weisen Frauen richteten nur ihre Stolen, aber ihre Ger�che waren erneut gleich. Zufriedenheit str�mte wellenf�rmig von ihnen aus, eine �u�erst grimmige Zufriedenheit. Perrin war froh dar�ber, da� die Aes Sedai nicht seinen Geruchssinn besa�en, sonst w�ren sie auf der Stelle zum Kampf bereit gewesen. Oder vielleicht auch davonzulaufen und ihre W�rde aufzugeben. Das h�tte er getan.</p><p>Rhuarc stand da und betrachtete m��ig die Spitze eines seiner Kurzspeere. Dies war eine Angelegenheit der Weisen Frauen, und er sagte stets, es k�mmere ihn nicht, was die Weisen Frauen taten, solange sie ihre Finger aus den Angelegenheiten der Clanh�uptlinge heraushielten. Aber Taim... Er gab vor, sich nicht zu sorgen, kreuzte die Arme und sah sich mit gelangweiltem Gesichtsausdruck im Lager um, und doch roch er seltsam, schwierig. Perrin h�tte behauptet, der Mann sei belustigt und entschieden besserer Stimmung als zuvor.</p><p>�Der Eid, den wir geleistet haben�, sagte Bera schlie�lich mit in die H�ften gestemmten F�usten, �bindet jedermann au�er einen Schattenfreund.� Nein, ihnen gefiel nicht, was sie geschworen hatten. �Wagt Ihr es, uns zu beschuldigen...?�</p><p>�Wenn ich das glaubte�, fuhr Rand sie an, �w�rt Ihr bereits mit Taim auf dem Weg zur Schwarzen Burg. Ihr habt geschworen zu gehorchen. Nun, dann gehorcht!�</p><p>Bera z�gerte einen langen Moment, wirkte aber wieder so hoheitsvoll, wie eine Aes Sedai nur sein konnte. Eine Aes Sedai konnte eine K�nigin auf ihrem Thron wie eine Schlampe aussehen lassen. Sie vollf�hrte andeutungsweise einen Hofknicks und neigte steif den Kopf.</p><p>Kiruna wiederum bem�hte sich sichtlich, sich zusammenzurei�en, die Ruhe, die sie annahm, so hart und spr�de wie ihre Stimme. �M�ssen wir also diese <emphasis>w�rdigen</emphasis> Aiel um <emphasis>Erlaubnis</emphasis> bitten, Euch fragen zu d�rfen, ob Ihr jetzt bereit seid, geheilt zu werden? Ich wei�, da� Galina Euch schlecht behandelt hat. Ich wei�, da� Ihr von Kopf bis Fu� mit Wunden �bers�t seid. Nehmt das Heilen an. Bitte.� Sogar dieses �Bitte� klang wie ein Befehl.</p><p>Min regte sich neben Rand. �Du solltest genauso dankbar daf�r sein, wie ich es war, Schafhirte. Du hast nicht gern Schmerzen. Jemand <emphasis>mu�</emphasis> es tun, sonst...� Sie grinste schelmisch, fast wie die Min, an die Perrin sich von der Zeit her erinnerte, bevor sie entf�hrt wurde. �...sonst wirst du nicht auf einem Sattel sitzen k�nnen.�</p><p>�Junge M�nner und Narren�, sagte Nandera pl�tzlich zu niemandem im besonderen, �ertragen manchmal Schmerzen, die sie nicht ertragen m��ten, um ihren Stolz zu zeigen. Und ihre Torheit.�</p><p>�Der <emphasis>Car'a'carn�,</emphasis> f�gte Sulin trocken und ebenfalls an die Luft gewandt hinzu, �ist kein Narr. Das glaube ich jedenfalls.�</p><p>Rand erwiderte Mins L�cheln herzlich und sah dann Nandera und Sulin an, aber als er seinen Blick wieder zu Kiruna hob, wirkten seine Augen erneut steinhart. �Nun gut.� Als sie vortrat, f�gte er hinzu: �Aber nicht Ihr sollt es tun.� Ihr Gesicht wurde so starr, da� es zu zerspringen drohte. Taim verzog den Mund zu einem L�cheln und trat auf Rand zu, aber Rand streckte hinter ihm pl�tzlich eine Hand aus. �Ihr sollt es tun. Kommt her, Alanna.�</p><p>Perrin zuckte zusammen. Rand hatte direkt auf Alanna gedeutet, ohne auch nur hinzusehen. Dadurch begann es in Perrins Nacken zu kribbeln, wenn er auch nicht wu�te warum. Dieses Gef�hl schien auch Taim ergriffen zu haben. Das Gesicht des Mannes wurde eine h�fliche Maske, aber sein Blick flackerte zwischen Rand und Alanna hin und her, und die einzige Bezeichnung, die Perrin f�r den sich in seine Nase windenden Geruch einfiel, war �verwirrt�.</p><p>Auch Alanna zuckte zusammen. Aus welchem Grund auch immer, sie war schon gereizt, seit sie sich Perrin auf dem Weg hierher angeschlossen hatte. Ihre Heiterkeit war bestenfalls eine d�nne Maske. Jetzt gl�ttete sie ihre R�cke, warf einen trotzigen Blick zu Kiruna und Bera und stellte sich schlie�lich vor Rand. Die anderen beiden Schwestern beobachteten sie wie Lehrer, die sichergehen wollten, da� ein Sch�ler seine Sache gut machte, aber nicht davon �berzeugt waren. All das ergab keinen Sinn. Vielleicht war eine von ihnen die Anf�hrerin, aber Alanna <emphasis>war</emphasis> immerhin genauso eine Aes Sedai wie sie. Das erh�rtete Perrins Verdacht noch. Sich mit Aes Sedai einzulassen, �hnelte zu sehr dem Waten in den Str�men des Wasserwaldes nahe dem Mire: Wie friedlich die Oberfl�che auch schien - die unterschwelligen Str�mungen konnten einen von den F�ssen rei�en. Hier schienen jeden Moment neue Unterstr�mungen aufzutauchen, und nicht nur von Seiten der Schwestern.</p><p>Ungeh�rigerweise umfa�te Rand Alannas Kinn und wandte ihr Gesicht zu sich. Bera sog zischend den Atem ein, und Perrin mu�te ihr zum ersten Mal recht geben. Rand w�re nicht einmal bei einem Tanzfest zu Hause einem M�dchen gegen�ber so forsch gewesen, und Alanna war kein M�dchen auf einem Tanzfest. Genauso �berraschend war, da� sie err�tete und unsicher roch. Aes Sedai err�teten nach Perrins Erfahrung nicht, und sie waren <emphasis>niemals</emphasis> unsicher.</p><p>�Heilt mich�, sagte Rand, und es klang wie ein Befehl, nicht wie eine Bitte. Alanna err�tete noch st�rker und roch jetzt auch ein wenig ver�rgert. Ihre H�nde zitterten, als sie sie hob, um seinen Kopf zu umfassen.</p><p>Perrin rieb sich unbewu�t die Handfl�che, diejenige, die ein Shaidospeer gestern aufgerissen hatte. Kiruna hatte mehrere seiner Wunden Geheilt, und er war auch schon fr�her Geheilt worden. Es f�hlte sich an, als w�rde man mit dem Kopf zuerst in einen gefrorenen Teich getaucht. Man keuchte und zitterte und bekam schwache Knie. Und man wurde f�r gew�hnlich hungrig. Rand zeigte jedoch nur durch ein leichtes Zittern an, da� etwas mit ihm geschah.</p><p>�Wie ertragt Ihr den Schmerz?� fl�sterte Alanna ihm zu.</p><p>�Also ist es vorbei�, erwiderte er und nahm ihre H�nde fort. Rand wandte sich ohne ein Wort des Dankes von ihr ab. Dann schien er noch etwas sagen zu wollen, hielt inne, wandte sich halbwegs um und schaute zu den Brunnen von Dumai zur�ck.</p><p>�Sie sind alle gefunden worden, Rand al'Thor�, sagte Amys sanft.</p><p>Er nickte und nickte dann noch einmal heftiger. �Es ist an der Zeit zu gehen. Sorilea, wollt Ihr die Weisen Frauen benennen, die die Gefangenen von den <emphasis>Asha'man</emphasis> �bernehmen? Und auch Begleiter f�r Kiruna und ... meine anderen Gefolgsfrauen.� Er grinste fl�chtig. �Ich will nicht, da� sie durch Unwissen auf Abwege geraten.�</p><p>�Alles wird Euren W�nschen gem�� geschehen, <emphasis>Car'a'carn.�</emphasis> Die Weise Frau mit dem lederartigen Gesicht richtete entschlossen ihre Stola und wandte sich dann an die drei Schwestern. �Schlie�t Euch zun�chst Euren Freunden an.� Wie nicht anders zu erwarten, runzelte Bera die Stirn und Kiruna wurde der fleischgewordene Frost. Alanna schaute ergeben, fast schwerm�tig zu Boden. Sorilea tat nichts von alledem. Sie klatschte laut in die H�nde und vollf�hrte rasche, scheuchende Bewegungen. �Nun? Geht!</p><p>Geht!�</p><p>Die Aes Sedai lie�en sich widerwillig davontreiben, vermittelten aber den Eindruck, als gingen sie nur hin, wo sie hingehen wollten. Amys schlo� sich Sorilea an und fl�sterte etwas, was Perrin nicht verstehen konnte. Die drei Aes Sedai hatten es aber offensichtlich verstanden. Sie blieben j�h stehen, und drei <emphasis>sehr</emphasis> best�rzte Gesichter blickten zu den Weisen Frauen zur�ck. Sorilea klatschte nur erneut in die H�nde, noch lauter als zuvor, und scheuchte sie noch rascher voran.</p><p>Perrin kratzte sich den Bart, w�hrend er Rhuarcs Blick begegnete. Der Clanh�uptling l�chelte versonnen und zuckte die Achseln. Es war eine Angelegenheit der Weisen Frauen. Das war f�r ihn in Ordnung. Aiel waren genauso schicksalsergeben wie W�lfe. Perrin schaute zu Gedwyn. Der Bursche beobachtete, wie Sorilea den Aes Sedai eine Lektion erteilte. Nein, er beobachtete die Schwestern wie ein Fuchs, der H�hner in einem H�hnerhof beobachtete, die sich gerade au�erhalb seiner Reichweite befanden. <emphasis>Die Weisen Frauen m�ssen besser sein als die</emphasis> Asha'man, dachte Perrin. <emphasis>Sie m�ssen besser sein.</emphasis></p><p>Wenn Rand das stumme Spiel bemerkt hatte, zeigte er es zumindest nicht. �Taim, Ihr bringt die <emphasis>Asha'man</emphasis> zur Schwarzen Burg zur�ck, sobald die Weisen Frauen die Gefangenen �bernommen haben. Denkt daran, auf jeden Mann zu achten, der zu schnell lernt. Und erinnert Euch an meine Worte �ber das Anwerben.�</p><p>�Das k�nnte ich wohl kaum vergessen, mein Lord Drache�, erwiderte der schwarz gewandete Mann trocken. �Ich werde mich pers�nlich um diese Reise k�mmern. Aber wenn ich das Thema noch einmal anschneiden d�rfte... Ihr braucht eine angemessene Ehrengarde.�</p><p>�Das haben wir bereits besprochen�, sagte Rand kurz angebunden. �Ich wei� bessere Verwendungsm�glichkeiten f�r die <emphasis>Asha'man.</emphasis> Wenn ich eine Ehrengarde brauche, werden die M�nner gen�gen, die ich bereits bei mir habe. Perrin, w�rdest du...?�</p><p>�Mein Lord Drache�, unterbrach Taim ihn, �Ihr braucht mehr als nur einige <emphasis>Asha'man</emphasis> in Eurer N�he.�</p><p>Rand wandte sich Taim zu. Sein Gesichtsausdruck gab ebenso wenig preis wie die Mienen der Aes Sedai, aber sein Geruch erweckte in Perrin den Wunsch, die Ohren verschlie�en zu k�nnen. Rasiermesserscharfe Wut verwandelte sich pl�tzlich in schwache und versuchsweise Neugier und nebelhafte Vorsicht. Dann vereinnahmte heftiger, m�rderischer Zorn jede Empfindung. Rand sch�ttelte nur ganz leicht den Kopf und roch jetzt kalt entschlossen. Niemandes Geruch �nderte sich so schnell. Niemandes.</p><p>Taim konnte sich nat�rlich nur auf seine Augen verlassen, und sie hatten ihm lediglich gezeigt, da� Rand ganz leicht den Kopf gesch�ttelt hatte. �Denkt nach. Ihr habt vier Geweihte und vier Soldaten erw�hlt. Ihr h�ttet <emphasis>Asha'man</emphasis> erw�hlen sollen.� Perrin verstand das nicht. Er hatte geglaubt, sie seien <emphasis>alle Asha'man.</emphasis></p><p>�Ihr meint, ich k�nnte sie nicht genauso gut lehren wie Ihr?� Rands Stimme klang sanft, das Fl�stern einer in ihre Scheide gleitenden Klinge.</p><p>�Ich glaube, da� der Lord Drache zu besch�ftigt ist zu lehren�, erwiderte Taim glatt, aber der zornige Geruch schwebte erneut von ihm heran. �Und zu wichtig. Nehmt die am besten ausgebildeten M�nner. Ich kann die Fortgeschrittensten erw�hlen...�</p><p>�Einen�, unterbrach Rand ihn. �Und ich werde ihn selbst erw�hlen.� Taim l�chelte und spreizte ergeben die H�nde, aber der Geruch der Entt�uschung �berw�ltigte fast den Zorn. Rand deutete erneut auf jemanden, ohne hinzusehen. �Er.� Dieses Mal schien er �berrascht, als er feststellte, da� er direkt auf einen Mann mittleren Alters gedeutet hatte, der auf einem umgedrehten Fa� auf der anderen Seite des Wagenkreises sa� und der Versammlung um Rand keinerlei Beachtung schenkte. Statt dessen hatte der Mann die Ellbogen auf die Knie und das Kinn in die Hand gest�tzt und betrachtete stirnrunzelnd die gefangenen Aes Sedai. Schwert und Drache schimmerten am hohen Kragen seines schwarzen Umhangs. �Wie hei�t er, Taim?�</p><p>�Dashiva�, sagte Taim z�gernd, w�hrend er Rand forschend betrachtete. Er roch noch �berraschter als Rand und auch ver�rgert. �Corlan Dashiva. Von einem Bauernhof in den Schwarzen Bergen.�</p><p>�Er wird gen�gen�, sagte Rand, aber er klang sich dessen selbst nicht sicher.</p><p>�Dashiva gewinnt schnell an Kraft, aber er schwebt oft mit dem Kopf in den Wolken. Und selbst wenn es nicht so ist, befindet er sich nicht immer vollkommen hier. Vielleicht ist er nur ein Tagtr�umer, aber vielleicht ber�hrt auch der Makel <emphasis>Saidins</emphasis> bereits seinen Geist. Ihr solltet lieber Torval oder Rochaid erw�hlen oder...�</p><p>Taims Widerstand schien Rands Unsicherheit fortzuwischen. �Ich sagte, Dashiva wird gen�gen. Teilt ihm mit, da� er mit mir kommen soll, und dann �bergebt die Gefangenen den Weisen Frauen und geht. Ich beabsichtige nicht, den ganzen Tag hier zu stehen und zu streiten. Perrin, bereite alle auf den Aufbruch vor. Und sag mir Bescheid, wenn sie fertig sind.� Damit schritt er ohne ein weiteres Wort davon, w�hrend sich Min an seinen Arm klammerte und Nandera und Sulin ihm wie Schatten folgten. Taims dunkle Augen glitzerten. Dann stolzierte auch er davon und rief nach Gedwyn und Rochaid, Torval und Kisman. Die schwarz gewandeten M�nner liefen herbei.</p><p>Perrin verzog das Gesicht. Obwohl er Rand so vieles zu sagen h�tte, hatte er den Mund nicht einmal aufgemacht. Vielleicht sollten es ihm besser die Aes Sedai und die Weisen Frauen sagen. Und Taim.</p><p>Es gab f�r ihn nicht viel zu tun. Er sollte die Aufsicht �bernehmen, da er die Retter hierhergef�hrt hatte, aber Rhuarc wu�te besser, was getan werden mu�te, als er es jemals wissen w�rde, und ein Wort zu Dobraine und Havien gen�gte f�r die Cairhiener und Mayener. Ihnen brannte noch immer etwas auf der Seele, obwohl sie sich zur�ckhielten, bis sie allein waren und Perrin fragte, was los sei.</p><p>Da brach es aus Havien heraus. �Lord Perrin, es ist der Lord Drache. Dieses Abschreiten der Leichname...�</p><p>�Es schien ein wenig ... �bertrieben�, unterbrach Dobraine ihn ruhig. �Wir sorgen uns um ihn, wie Ihr sicherlich verstehen werdet. Zu vieles h�ngt von ihm ab.� Er sah vielleicht aus wie ein Soldat, und er war ein Soldat, aber er war auch ein cairhienischer Herr, jedoch im Spiel der H�user mit all seinen diplomatischen Reden genauso unge�bt wie jeder andere Cairhiener. �Er hat sich seine geistige Gesundheit noch immer bewahrt�, sagte Perrin geradeheraus. Dobraine nickte nur, als habe er das erwartet, und zuckte die Achseln, als habe er es niemals in Frage stellen wollen, aber Havien wurde tiefrot. Perrin beobachtete, wie sie zu ihren M�nnern zur�ckkehrten, und sch�ttelte den Kopf. Er hoffte, da� er nicht gelogen hatte.</p><p>Er versammelte die M�nner von den Zwei Fl�ssen, befahl ihnen, ihre Pferde zu satteln, und ignorierte die fast �berschwenglichen Verbeugungen. Sogar Faile sagte manchmal, da� die Leute von den Zwei Fl�ssen das Verbeugen �bertrieben. Sie glaubte, sie versuchten noch herauszufinden, wie man sich einem Herrn gegen�ber benimmt. Er erwog, ihnen zuzurufen: �Ich bin kein Herr.� Aber er hatte es schon fr�her versucht, und es hatte nichts bewirkt.</p><p>W�hrend alle anderen zu ihren Pferden eilten, blieben Dannil Lewin und Ban al'Seen zur�ck. Sie waren Cousins, beide hager und einander sehr �hnlich, aber Dannil trug seinen Schnurrbart auf Taraboner Art wie H�rner nach unten gebogen, w�hrend Ban nach Arad-Doman-Art schmale Striche dunklen Haars unter seiner wie eine Breithacke geformten Nase trug.</p><p>Fl�chtlinge hatten viel Neues in die Zwei Fl�sse gebracht.</p><p>�Diese <emphasis>Asha'man</emphasis> kommen mit uns?� fragte Dannil. Als Perrin den Kopf sch�ttelte, atmete er so erleichtert aus, da� sich sein dichter Schnurrbart bewegte.</p><p>�Und was ist mit den Aes Sedai?� fragte Ban besorgt. �Sie werden jetzt freikommen, nicht wahr? Ich meine, Rand ist befreit. Der Lord Drache, meine ich. Sie k�nnen nicht gefangen bleiben, nicht Aes Sedai.�</p><p>�Sorgt ihr beide einfach daf�r, da� jedermann zum Aufbruch bereit ist�, sagte Perrin. ��berla�t Rand die Sorge um die Aes Sedai.� Die beiden zuckten sogar gleichzeitig zusammen. Zwei Finger wurden gehoben, um besorgt die Schnurrb�rte zu kratzen, w�hrend Perrin ruckartig die Hand vom Kinn nahm. Es wirkte, als habe er Fl�he.</p><p>Das Lager brach im Handumdrehen in Gesch�ftigkeit aus. Alle hatten bald aufzubrechen erwartet, und doch hatte auch jedermann noch Dinge zu erledigen. Die Diener der gefangenen Aes Sedai und die Wagenf�hrer luden hastig letzte Gegenst�nde in die Wagen und spannten die Pferde ein. �berall schienen Cairhiener und Mayener zu sein und S�ttel und Zaumzeuge zu �berpr�fen. Unbekleidete <emphasis>Gai'shain</emphasis> liefen in alle Richtungen, obwohl die Aiel nicht viel zu tun zu haben schienen, um aufbruchbereit zu sein.</p><p>Lichtblitze au�erhalb der Wagen verk�ndeten den Aufbruch Taims und der <emphasis>Asha'man.</emphasis> Danach f�hlte Perrin sich besser. Von den neun verbliebenen</p><p><emphasis>Asha'man</emphasis> war noch einer au�er Dashiva in mittlerem Alter, ein untersetzter Bursche mit dem Gesicht eines Bauern. Ein anderer, der hinkte und dessen Gesicht von wei�en Haaren umrahmt war, h�tte leicht ein Gro�vater sein k�nnen. Die anderen waren j�nger, einige kaum mehr als Jungen, und doch beobachteten sie das ganze Durcheinander mit der Selbstbeherrschung von M�nnern, die dies schon ein Dutzend Male mitgemacht hatten. Sie hielten sich jedoch abseits, bis auf Dashiva, der nur wenige Schritte von Perrin entfernt stand und ins Leere blickte. Perrin erinnerte sich an Taims Warnung in bezug auf den Burschen und hoffte, da� er wirklich nur tagtr�umte.</p><p>Perrin fand Rand auf einer Holzdeichsel sitzend, die Ellbogen auf die Knie gest�tzt. Sulin und Nandera hockten auf beiden Seiten Rands und vermieden angestrengt den Blick auf das Schwert an seiner H�fte. Sie hielten ihre Speere und Schilde hier inmitten der Menschen, die Rand treu ergeben waren, nur lose umfa�t und behielten alles im Auge, was sich in seiner N�he bewegte. Min sa� mit untergeschlagenen Beinen auf dem Boden zu seinen F��en und blickte l�chelnd zu ihm auf.</p><p>�Ich hoffe, du wei�t, was du tust, Rand�, sagte Perrin und verlagerte das Heft seiner Streitaxt, damit er sich hinhocken konnte. Niemand au�er Min und Rand und den beiden T�chtern des Speers war nahe genug, um ihn h�ren zu k�nnen. Wenn Sulin oder Nandera zu den Weisen Frauen laufen wollten, dann sollte es so sein. Er berichtete ohne weitere Vorrede �ber das, was er heute morgen beobachtet hatte. Was er au�erdem gerochen hatte, erw�hnte er jedoch nicht. Rand geh�rte nicht zu den wenigen, die von ihm und den W�lfen wu�ten. Er gab vor, alles nur gesehen und geh�rt zu haben. Die <emphasis>Asha'man</emphasis> und die Weisen Frauen. Die <emphasis>Asha'man</emphasis> und die Aes Sedai. Die Weisen Frauen und die Aes Sedai. Der ganze durcheinandergeratene Zunder, der jeden Moment in Flammen aufgehen konnte. Und er lie� auch die Leute von den Zwei Fl�ssen nicht aus. �Sie machen sich Sorgen, Rand, und wenn sie schwitzen, kannst du sicher sein, da� irgendein Cairhiener daran denkt, etwas zu unternehmen. Oder ein Tairener. Vielleicht wollen sie den Gefangenen nur zur Flucht verhelfen, vielleicht aber auch etwas Schlimmeres. Licht, ich k�nnte mir bei Dannil und Ban und f�nfzig weiteren vorstellen, wie sie ihnen zur Flucht verhelfen, wenn sie w��ten, wie sie es anstellen sollten.�</p><p>�Du glaubst also, etwas anderes w�re soviel schlimmer?� bemerkte Rand ruhig, und Perrins Haut kribbelte.</p><p>Er erwiderte Rands Blick offen. �Tausendmal schlimmer�, antwortete er mit ebenso ruhiger Stimme. �Ich will nicht an einem Mord teilhaben. Wenn du das willst, werde ich mich dir in den Weg stellen.� Es entstand ein ausgedehntes Schweigen, bei dem unbewegte blaugraue Augen unbewegten goldenen Augen begegneten.</p><p>W�hrend sie sich gegenseitig stirnrunzelnd betrachteten, stie� Min einen ver�rgerten Laut aus. �Ihr zwei Wollk�pfe! Rand, du wei�t, da� du niemals einen solchen Befehl erteilen oder zulassen w�rdest, da� jemand anderer ihn erteilt. Perrin, du wei�t, da� er das nicht tun w�rde. Und jetzt h�rt auf, euch wie zwei feindliche H�hne im H�hnerhof zu benehmen.�</p><p>Sulin kicherte, aber Perrin h�tte Min gern gefragt, wie sicher sie sich dessen sei. Er konnte ihr diese Frage jedoch nicht stellen. Rand fuhr sich mit den Fingern durchs Haar und sch�ttelte dann den Kopf wie jemand, der sich gegen Worte eines Unsichtbaren wehrte. Gegen eine Stimme, wie Wahnsinnige sie h�rten.</p><p>�Es ist schlie�lich niemals leicht�, sagte Rand nach einer Weile und wirkte traurig. �Die bittere Wahrheit ist, da� ich nicht wei�, was schlimmer w�re. Ich habe keine guten Wahlm�glichkeiten. Daf�r haben sie selbst gesorgt.� Sein Gesicht wirkte verzagt, aber er roch zornig. �Lebendig oder tot - sie sind ein M�hlstein an meinem Hals und k�nnten ihn mir so oder so brechen.�</p><p>Perrin folgte seinem Blick zu den gefangenen Aes Sedai. Sie standen jetzt alle zusammen, obwohl es ihnen dennoch gelang, ein wenig Abstand zwischen die drei Ged�mpften und die �brigen zu bringen. Die Weisen Frauen um sie herum gaben nur mit Gesten und angespannten Gesichtern knappe Befehle. Vielleicht waren die Weisen Frauen auch besser, als Rand glaubte. Wenn er nur Gewi�heit h�tte.</p><p>�Hast du etwas gesehen, Min?� fragte Rand.</p><p>Perrin zuckte zusammen und warf einen warnenden Blick zu Sulin und Nandera, aber Min lachte weich. Sie lehnte an Rands Knie und schien wirklich zum ersten Mal, seit sie sie bei den Brunnen gefunden hatten, wieder so wie die Min, die Perrin kannte. �Perrin, sie wissen �ber mich Bescheid. Die Weisen Frauen, die T�chter des Speers, vielleicht alle. Und es k�mmert sie nicht.� Sie besa� ein Talent, das sie genauso verborgen hielt wie er die W�lfe. Sie sah mitunter Menschen umgebende Bilder und Auren und erkannte manchmal, was sie bedeuteten. �Du kannst nicht wissen, wie das ist, Perrin. Ich war zw�lf, als es angefangen hat, und ich wu�te es damals nicht zu verbergen. Jedermann glaubte, ich w�rde einfach Dinge erfinden. Bis ich erz�hlte, da� ein Mann aus der n�chsten Stra�e eine Frau heiraten w�rde, mit der ich ihn sah, der aber bereits verheiratet war. Als er dann mit ihr davonlief, f�hrte seine Frau eine Menschenmenge zum Haus meiner Tanten und behauptete, ich sei daf�r verantwortlich, da ich bei ihrem Mann die Eine Macht benutzt oder den beiden eine Art Trank verabreicht h�tte.� Min sch�ttelte den Kopf. �Sie war nicht allzu scharfsichtig. Sie mu�te einfach jemanden beschuldigen. Es hie� auch, ich sei eine Schattenfreundin. Kurz vor dieser Geschichte waren einige Wei�m�ntel in der Stadt gewesen und hatten versucht, die Menschen aufzuwiegeln. Tante Rana �berzeugte mich davon zu erz�hlen, ich h�tte die beiden einfach belauscht, Tante Miren versprach mich zu versohlen, wenn ich Geschichten verbreitete, und Tante Jan sagte, sie w�rde mir Medizin verabreichen. Sie haben es nat�rlich nicht getan - sie kannten die Wahrheit -, aber w�ren sie nicht so unbefangen umgegangen, zumal ich noch ein Kind war, h�tte ich verletzt oder sogar get�tet werden k�nnen. Die meisten Menschen m�gen Leute nicht, die Dinge �ber ihre Zukunft wissen. Die meisten Menschen wollen nichts davon h�ren, es sei denn nat�rlich, es w�re etwas Gutes. Das galt selbst f�r meine Tanten. Aber f�r die Aiel bin ich aus H�flichkeitsgr�nden eine Art Weise Frau.�</p><p>�Einige Menschen verm�gen Dinge, die andere nicht k�nnen�, sagte Nandera, als gen�ge das als Erkl�rung.</p><p>Min lachte erneut, streckte die Hand aus und ber�hrte das Knie der Tochter des Speers. �Danke.� Sie schaute zu Rand auf. Jetzt, wo sie wieder lachte, besa� sie eine besondere Ausstrahlung. Das hielt sogar noch an, nachdem sie wieder ernst geworden war. Ernst und nicht sehr froh. �Um auf deine Frage zur�ckzukommen - ich habe nichts N�tzliches gesehen. Bei Taim sehe ich in der Vergangenheit und in der Zukunft Blut, aber das d�rfte dich nicht �berraschen. Er ist ein gef�hrlicher Mann. Sie scheinen wie die Aes Sedai Bilder auf sich zu vereinen.� Ein Seitenblick durch gesenkte Wimpern zu Dashiva und den anderen <emphasis>Asha'man</emphasis> verdeutlichte, wen sie meinte. Um die meisten Menschen waren nur wenige Bilder zu sehen, aber Min sagte, bei Aes Sedai und Beh�tern sei dies anders. �Das Problem ist, da� die Bilder, die ich sehen kann, verschwommen sind. Ich glaube, das kommt dadurch, da� sie die Macht halten. Das ist bei Aes Sedai anscheinend h�ufig der Grund, und es wird noch schwieriger, wenn sie die Macht gerade lenken. Um Kiruna und die anderen kann ich viele Dinge sehen, aber sie bleiben stets so dicht zusammen, da� alles, nun ... die meiste Zeit durcheinanderger�t. Und bei den Gefangenen ist es noch unklarer.�</p><p>�Mach dir keine Gedanken um die Gefangenen�, riet Rand ihr. �Sie werden Gefangene bleiben.�</p><p>�Aber Rand, ich habe weiterhin das Gef�hl, da� da noch etwas Wichtiges ist - wenn ich es nur herausl�sen k�nnte. Du mu�t es erfahren.�</p><p>�Wenn man nicht alles wei�, mu� man mit dem weitermachen, was man wei߫, zitierte Rand. �Anscheinend wei� ich niemals alles, und die meiste Zeit kaum genug. Aber ich habe keine andere Wahl, als weiterzumachen, nicht wahr?� Es war eigentlich keine Frage, sondern eine Feststellung.</p><p>Loial schlenderte heran, trotz seiner offensichtlichen M�digkeit fast vor Tatendrang berstend. �Rand, sie sagen, sie seien aufbruchbereit, aber du hast versprochen, mir alles zu erz�hlen, solange es dir noch frisch in Erinnerung ist.� Seine Ohren zuckten pl�tzlich verlegen, und die dr�hnende Stimme wurde traurig. �Es tut mir leid. Ich wei�, da� es nichts Erfreuliches ist. Aber ich mu� es wissen. F�r das Buch. F�r die Generationen.�</p><p>Rand stand lachend auf und zog am ge�ffneten Umhang des Ogiers. �F�r die Generationen? Reden Dichter alle so? Mach dir keine Sorgen, Loial. Es wird mir noch immer frisch in Erinnerung sein, wenn ich es dir erz�hle. Ich werde es nicht vergessen.� Ein grimmiger, ver�rgerter Geruch schwebte trotz des L�chelns blitzartig von ihm heran und verging wieder. �Aber erst, wenn wir wieder in Cairhien sind, alle ein Bad genommen und in einem Bett geschlafen haben.� Rand bedeutete Dashiva, n�her zu treten.</p><p>Der Mann war nicht hager, bewegte sich aber dennoch auf z�gerliche, kriecherische Art, die H�nde an der Taille gefaltet, wodurch er diesen Eindruck erweckte. �Mein Lord Drache?� sagte er mit geneigtem Kopf.</p><p>�K�nnt Ihr ein Wegetor er�ffnen, Dashiva?�</p><p>�Nat�rlich.� Dashiva rieb sich die H�nde und benetzte mit der Zungenspitze die Lippen, und Perrin fragte sich, ob der Mann immer so unruhig war oder nur dann, wenn er mit dem Wiedergeborenen Drachen sprach. �Genauer gesagt, lehrt der M'hael das Schnelle Reisen, sobald sich ein Sch�ler als ausreichend stark daf�r erweist.�</p><p>�Der M'hael?� fragte Rand blinzelnd.</p><p>�Der Titel Lord Mazrim Taims, Mylord Drache. Er bedeutet in der Alten Sprache �Anf�hrer�.� Das L�cheln des Burschen wirkte gleichzeitig beunruhigt und herablassend. �Ich habe auf dem Bauernhof viel gelesen. Jedes Buch, das die Hausierer mitbrachten.�</p><p>�Der M'hael�, murrte Rand mi�billigend. �Nun, sei es, wie es sei. Gestaltet mir ein Wegetor nach Cairhien, Dashiva. Es ist an der Zeit nachzusehen, was in der Welt geschehen ist, w�hrend ich fort war, und was ich dagegen tun mu�.� Dann lachte er kl�glich, und dieser Klang verursachte Perrin eine G�nsehaut.</p></section><section><title><p>3</p><p>Der H�gel der goldenen D�mmerung</p></title><p>Auf einem weiten, niedrigen H�gelkamm einige Meilen nord�stlich der Stadt Cairhien, ein gutes St�ck von jeglicher Stra�e oder menschlichen Ansiedlung entfernt, erschien ein schmaler, vertikaler Lichtblitz, gr��er als ein Mann zu Pferde. Der Boden fiel in alle Richtungen wellenf�rmig sanft ab. Nur gelegentliches Unterholz versperrte den Blick bis zum umgebenden Wald auf mehr als eine Meile. Braunes Gras wurde niedergedr�ckt, als das Licht zu kreisen schien und sich dann zu einer viereckigen �ffnung mitten in der Luft erweiterte. Einige abgestorbene St�mme wurden der L�nge nach gespalten und feiner zerschnitten, als eine Rasierklinge es h�tte bewirken k�nnen - durch eine �ffnung in der Luft.</p><p>In dem Moment, in dem das Wegetor vollkommen er�ffnet war, entstr�mten ihm verschleierte Aiel, M�nner und T�chter des Speers, verteilten sich in alle Richtungen und kreisten den H�gel ein. In dem Strom fast verborgen, nahmen vier wachsame <emphasis>Asha'man</emphasis> ihre Position um das Tor ein und betrachteten pr�fend die Umgebung. Nichts regte sich au�er dem Wind, dem Staub, dem hohen Gras und in der Ferne den Zweigen der B�ume, und doch pr�fte jeder <emphasis>Asha'man</emphasis> die Umgebung mit der Inbrunst eines verhungerten Falken auf der Suche nach einem Kaninchen. Ein Kaninchen, das nach einem Falken Ausschau hielt, w�re vielleicht ebenso angespannt gewesen, h�tte aber niemals einen solch bedrohlichen Eindruck erweckt.</p><p>Der Menschenstrom brach niemals ab. In einem Moment war es ein Strom von Aiel, im n�chsten ein Strom berittener cairhienischer Waffentr�ger, die zu zweit hervorgaloppierten, das karmesinrote Banner �ber ihren K�pfen erhoben, sobald sie das Wegetor passiert hatten. Dobraine zog seine M�nner sofort beiseite und f�hrte sie ein St�ck den H�gel abw�rts, in Helmen und Panzerhandschuhen genau nach R�ngen geordnet, die Speere im genau gleichen Winkel erhoben. Als erfahrene K�mpfer waren sie bereit, auf seinen Befehl hin in allen Richtungen zuzuschlagen.</p><p>Unmittelbar nach dem letzten Cairhiener ritt Perrin seinen Hengst Traber durch das Wegetor, wobei der Kastanienbraune mit einem Schritt von dem H�gel bei den Brunnen von Dumai auf den H�gel in Cairhien gelangte. Der obere Rand des Tors ragte noch ein gutes St�ck �ber seinem Kopf empor, aber er hatte gesehen, was ein Wegetor anrichten konnte, und wollte nicht ausprobieren, ob es jetzt sicherer war. Loial und Aram folgten dichtauf - der Ogier zu Fu�, die Streitaxt mit dem langen Schaft �ber seiner Schulter, die Knie gebeugt - und dann die M�nner von den Zwei Fl�ssen, die sich noch ein St�ck jenseits des Wegetors in ihren S�tteln zusammenkauerten. Rad al'Dai trug das Rote Wolfskopfbanner, Perrins Banner -weil jedermann behauptete, es sei seines -, und Teil Lewin den Roten Adler.</p><p>Perrin bem�hte sich, nicht hinzusehen, besonders nicht zu dem Roten Adler. Die Bannertr�ger bestanden auf beiden. Er war ein Herr, also brauchte er Banner, die auch niemals lange eingerollt wurden. Der Rote Wolfskopf ernannte ihn zu etwas, was er nicht war und nicht sein wollte, w�hrend der Rote Adler... �ber zweitausend Jahre nachdem Manetheren in den Trolloc-Kriegen gefallen war, fast eintausend Jahre nachdem Andor einen Teil dessen eingenommen hatte, was einst Manetheren gewesen war, bedeutete dieses Banner f�r einen Andoraner noch immer einen Akt der Auflehnung. In den K�pfen einiger M�nner hatten sich die Legenden noch immer gehalten. Es waren gewi� einige Generationen vergangen, seit das Volk von den Zwei Fl�ssen auch nur ann�hernd begriffen hatte, da� sie Andoraner waren, aber die Ansicht der K�niginnen �nderte sich nicht so rasch.</p><p>Er war der neuen K�nigin von Andor vor scheinbar langer Zeit im Stein von Tear begegnet. Damals war sie noch keine K�nigin gewesen - und war es auch jetzt noch nicht wirklich, bis sie in Caemlyn gekr�nt w�rde -, aber Elayne schien eine angenehme junge Frau zu sein, und auch h�bsch, obwohl er von hellhaarigen Frauen nicht viel hielt. Nat�rlich war sie als Tochter-Erbin ein wenig von sich eingenommen -und offensichtlich auch von Rand, wenn man sie zusammen beobachtete. Rand wollte ihr nicht nur den L�wenthron von Andor �bergeben, sondern auch den Sonnenthron von Cairhien. Sie w�rde die gehi�te Flagge gewi� nur zu gern passieren lassen. Perrin beobachtete, wie die M�nner von den Zwei Fl�ssen hinter den Bannern ausschw�rmten, und sch�ttelte den Kopf. Dar�ber sollte er sich auf jeden Fall erst sp�ter Gedanken machen.</p><p>Die Leute von den Zwei Fl�ssen besa�en nicht die Genauigkeit der Waffentr�ger. Die meisten waren Jungen wie Tod, Bauerns�hne und Schafhirten, und doch wu�ten sie, was zu tun war. Jeder f�nfte Mann nahm die Z�gel vier weiterer Pferde, w�hrend die anderen Reiter eilig abstiegen, die Langbogen bereits gespannt und griffbereit. Jene, die zu Fu� waren, bildeten m�hsam grobe Linien, sahen sich neugierig um, �berpr�ften ihre K�cher mit ge�bten Handgriffen und f�hrten ihre gro�en Bogen geschickt, selbst wenn die Sehnen fast so lang wie die Bogensch�tzen waren. Mit diesen Bogen konnte jeder einzelne von ihnen weiter schie�en, als es jemand au�erhalb der Zwei Fl�sse glauben w�rde - und treffen, worauf er zielte.</p><p>Perrin hoffte, da� das heute nicht n�tig sein w�rde. Manchmal tr�umte er von einer Welt, in der es niemals n�tig war. Und Rand...</p><p><emphasis>�Glaubst du, meine Feinde haben geschlafen, w�hrend</emphasis></p><p><emphasis>ich ... fort war?� hatte Rand pl�tzlich gefragt, als sie</emphasis></p><p><emphasis>darauf warteten, da� Dashiva das Wegetor er�ffnen w�rde. Er trug einen aus den Wagen hervorgeholten Umhang aus gut geschnittenem gr�nen Tuch, aber er entsprach kaum dem, was er normalerweise trug. Da er keinem Beh�ter den Umhang von den Schultern oder einem Aielmann den</emphasis> Cadin'sor <emphasis>nehmen wollte, war dies das einzige Kleidungsst�ck im Lager, das ihm pa�te.</emphasis></p><p><emphasis>Die Wagen bildeten eine Reihe, die Pferde waren eingespannt, die Segeltuchabdeckungen abgenommen. Kiruna und die �brigen der verschworenen Schwestern sa�en gedr�ngt im ersten Wagen und schauten mi�mutig drein. Sie hatten ihre Proteste eingestellt, sobald sie merkten, da� sie nichts n�tzten, aber Perrin konnte noch immer ver�rgertes Murren h�ren. Zumindest fuhren sie mit. Ihre Beh�ter umstanden den Wagen, schweigend und starr, w�hrend die gefangenen Aes Sedai steif und m�rrisch zusammenstanden, von allen Weisen Frauen au�er Sorilea und Amys umgeben, die bei Rand waren. Die Beh�ter der Gefangenen standen in hundert Schritten Entfernung ebenfalls zusammengedr�ngt, blickten finster drein und warteten, trotz ihrer Verletzungen und der</emphasis> Siswai'aman-Wachen, <emphasis>unger�hrt und todbringend ab. Au�er Kirunas gro�em Schwarzen, dessen Z�gel Rand hielt, und einer mausfarbenen Stute mit schmalen Fesseln f�r Min waren die Pferde der Aes Sedai und der Beh�ter, die nicht f�r</emphasis> Asha'man <emphasis>bestimmt waren -oder benutzt wurden, um Gespanne zu vervollst�ndigen, was einen schlimmeren Aufruhr verursacht hatte, als ihre Besitzer zum Laufen zu zwingen! - alle an langen F�hrleinen an den hinteren Wagenklappen befestigt.</emphasis></p><p><emphasis>�Glaubt Ihr es, Flinn? Grady?�</emphasis></p><p><emphasis>Einer der</emphasis> Asha'man, <emphasis>die darauf warteten, zuerst durch das Wegetor zu gehen, der untersetzte Bursche mit dem Gesicht eines Bauern, sah zuerst Rand und dann den lederartigen, hinkenden alten Mann fragend an. Beide trugen eine Silberschwert-Anstecknadel am Kragen, aber nicht den Drachen. �Nur ein Narr glaubt, da� seine Feinde stillstehen, wenn er nicht hinsieht, mein Lord Drache�, sagte der alte Mann schroff. Er klang wie ein Soldat.</emphasis></p><p><emphasis>�Was ist mit Euch, Dashiva?�</emphasis></p><p><emphasis>Dashiva zuckte zusammen, �berrascht, da� er angesprochen wurde. �Ich ... bin auf einem Bauernhof auf gewachsen.� Er zog seinen Schwertg�rtel stramm, was nicht n�tig gewesen w�re. Sie �bten mit den Schwertern vermutlich genauso h�ufig wie mit der Macht, aber Dashiva schien das eine nicht vom anderen unterscheiden zu k�nnen. �Ich wei� nicht viel dar�ber, Feinde zu haben.� Er wirkte trotz seiner Unbeholfenheit unversch�mt. Aber andererseits schienen sie alle an Anma�ung gew�hnt zu sein.</emphasis></p><p><emphasis>�Wenn Ihr in meiner N�he bleibt�, sagte Rand sanft, �werdet Ihr es erfahren.� Sein L�cheln lie� Perrin erschaudern. Rand belehrte sie, da� �berall Feinde waren. Erinnert euch stets daran. �berall waren Feinde, und man wu�te niemals, wer es war.</emphasis></p><p>Der Auszug wurde unvermindert fortgef�hrt. Wagen rumpelten von den Brunnen von Dumai nach Cairhien, die Schwestern im ersten Wagen wie Statuen aus <emphasis>Eis,</emphasis> die umhergesch�ttelt wurden. Ihre Beh�ter liefen nebenher, die H�nde an den Schwertheften und die Blicke niemals ruhend. Sie glaubten offensichtlich, die Aes Sedai ben�tigten genauso sehr Schutz vor jenen, die sich bereits auf dem H�gel befanden, wie vor jenen, die vielleicht noch kommen w�rden. Die Weisen Frauen marschierten, ihre Pflicht erf�llend, durch das Tor. Einige benutzten St�cke, um die Aes Sedai voranzutreiben. Die Shaido-Gai'shain kamen und trotteten unter dem wachsamen Blick einer einzigen Tochter des Speers in Viererreihen heran. Sie deutete auf eine abseits gelegene Stelle, bevor sie sich hastig den anderen <emphasis>Far Dareis Mai</emphasis> anschlo�, und dort knieten sich die <emphasis>Gai'shain</emphasis> in Reihen hin, nackt wie Holzh�her und stolz wie Adler. Die verbliebenen Beh�ter folgten unter ihrer Bewachung, wobei sie konzentrierten Zorn ausstrahlten, den Perrin �ber alle anderen Ger�che hinweg ausmachen konnte. Zuletzt kamen Rhuarc mit den restlichen <emphasis>Siswai'aman</emphasis> und T�chtern des Speers, sowie vier weitere <emphasis>Asha'man,</emphasis> deren jeder ein zweites Pferd f�r einen der ersten vier mitf�hrte, und Nurelle und seine Befl�gelte Wache mit ihren mit roten Wimpeln versehenen Lanzen.</p><p>Die Mayener prahlten, weil sie die Nachhut bildeten, lachten und riefen den Cairhienern angeberisch zu, was sie getan h�tten, wenn die Shaido zur�ckgekehrt w�ren. Zu allerletzt kamen Rand auf Kirunas Wallach und Min auf ihrer Stute. Sorilea und Amys schritten auf einer Seite des gro�en schwarzen Pferdes aus, Nandera und ein halbes Dutzend T�chter des Speers auf der anderen. Dashiva f�hrte eine sanft wirkende, kastanienbraune Stute dicht hinter ihnen her. Das Wegetor verbla�te. Dashiva schaute blinzelnd zu der Stelle, an der es sich befunden hatte, l�chelte fl�chtig und stieg dann unbeholfen in den Sattel der Stute. Er sprach anscheinend mit sich selbst, wohl weil sich sein Schwert in seinen Beinen verfing und er fast herabfiel. Er war sicherlich noch nicht wahnsinnig.</p><p>Der H�gel war von einem Heer bedeckt und alle M�nner auf einen Angriff eingestellt, der offensichtlich nicht erfolgen w�rde. Es war nur ein kleines Heer von wenigen Tausend, obwohl es angemessen erschienen w�re, bevor die Aiel �ber die Drachenmauer kamen. Rand f�hrte sein Pferd langsam auf Perrin zu und musterte dabei die Landschaft. Die beiden Weisen Frauen folgten dichtauf, unterhielten sich leise und beobachteten ihn. Nandera und die T�chter des Speers folgten wiederum ihnen und beobachteten alles andere. W�re Rand ein Wolf gewesen, h�tte Perrin behauptet er pr�fe die Luft. Das zwei Fu� lange Drachenszepter lag �ber Rands Sattelbaum, mit einer gr�nwei�en Quaste geschm�ckt und mit Drachen beschnitzt. Hin und wieder wog er es leicht in der Hand, als wollte er sich seiner versichern.</p><p>W�hrend Rand sein Pferd verhielt, betrachtete er Perrin genauso aufmerksam, wie er das umliegende Land betrachtet hatte. �Ich vertraue dir�, sagte er schlie�lich mit einem Nicken. Min regte sich in ihrem Sattel, und er f�gte hinzu: �Und dir nat�rlich, Min. Und auch dir, Loial.� Der Ogier regte sich unbehaglich und mit einem z�gernden Blick zu Perrin. Rand sah sich auf dem H�gel um und betrachtete die Aiel und die <emphasis>Asha'man</emphasis> und alle anderen. �Ich kann nur so wenigen trauen�, fl�sterte er m�de. Er roch �beraus verwirrt, ver�rgert und ver�ngstigt, aber auch entschlossen und verzweifelt. Und nach alles durchdringender Ersch�pfung.</p><p><emphasis>Sei geistig gesund,</emphasis> wollte Perrin ihm sagen. <emphasis>Bewahre dir die geistige Gesundheit.</emphasis> Aber heftige Schuldgef�hle lie�en ihn schweigen. Weil es der Wiedergeborene Drache war, zu dem er dies sagen wollte, und nicht sein Freund aus Kindertagen. Er wollte, da� sein Freund geistig gesund blieb. Der Wiedergeborene Drache <emphasis>mu�te</emphasis> sich seine geistige Gesundheit bewahren.</p><p>�Mein Lord Drache�, rief einer der <emphasis>Asha'man</emphasis> pl�tzlich. Er wirkte noch wie ein Junge, mit gro�en dunklen Augen, und er trug kein Schwert und keinen Drachen am Kragen, aber Stolz lag in seinem Verhalten. Narishma, hatte Perrin ihn nennen h�ren. �Im S�dwesten.�</p><p>Eine Gestalt war aufgetaucht, lief in einer Meile oder mehr Entfernung aus dem Wald heran, eine Frau mit bis zu den Oberschenkeln gerafften R�cken. Perrin sah sie eindeutig als Aiel an. Eine Weise Frau, dachte er, obwohl es wirklich nicht zu erkennen war. Er war sich dessen einfach sicher. Ihr Anblick brachte erneut seine ganze Gereiztheit zutage. Jemand, der sich hier drau�en aufhielt, wo sie gerade aus dem Wegetor hervorgekommen waren, konnte nichts Gutes bedeuten. Die Shaido hatten in Cairhien erneut Schwierigkeiten bereitet, als er Rand gefolgt war, aber f�r die Aiel war eine Weise Frau eine Weise Frau, aus welchem Clan auch immer sie stammte. Sie machten Besuche wie Nachbarn, die zum Tee kamen, w�hrend ihre Clans einander t�teten. Vielleicht hatte der gestrige Tag das ge�ndert, aber vielleicht auch nicht. Er lie� ersch�pft den Atem ausstr�men. Sie konnte bestenfalls nichts Gutes bedeuten.</p><p>Fast jedermann auf dem H�gel schien das gleiche zu empfinden. �berall war Bewegung, Speere wurden aufgehoben, Pfeile eingelegt. Cairhiener und Mayener regten sich in ihren S�tteln, und Aram zog sein Schwert, die Augen erwartungsvoll gl�nzend. Loial lehnte auf seiner langen Streitaxt und betastete bedauernd die Klinge. Die Streitaxt war genauso scharf wie eine gro�e Holzaxt, aber sie war mit Bl�ttern und Schn�rkeln und Goldeinlegearbeiten verziert. Die Einlegearbeiten waren vom k�rzlichen Gebrauch ein wenig abgesch�rft. Er w�rde sie wieder benutzen, wenn es sein m��te, aber aus �berwiegend den gleichen Gr�nden genauso widerwillig, wie Perrin seine benutzte.</p><p>Rand verharrte mit unlesbarem Gesicht auf seinem Pferd. Min dr�ngte ihr Pferd so nahe an seines heran, da� sie seine Schulter streicheln konnte.</p><p>Die Weisen Frauen lie�en ebenfalls keine Besorgnis erkennen, aber sie blieben auch nicht ruhig. Sorilea deutete in eine Richtung, und ein Dutzend der die Aes Sedai bewachenden Frauen schlossen sich ihr und Amys augenblicklich an, um ein gutes St�ck von Rand entfernt und sogar au�erhalb Perrins H�rweite zu gelangen. Nur wenige der Frauen hatten Grau im Haar, und Sorilea wies als einzige Falten im Gesicht auf. Tats�chlich lebten nicht viele Aiel lange genug, um graue Haare zu bekommen. Perrin hatte Sorilea und Amys sich schon zuvor mit denselben Frauen beraten sehen, obwohl �beraten� eigentlich nicht die richtige Bezeichnung war. Sorilea sprach, und Amys brachte gelegentlich ein Wort ein, w�hrend die anderen nur zuh�rten. Edarra erhob Protest, aber Sorilea erstickte ihn und deutete dann auf zwei der Frauen: Sotarin und Cosain. Diese rafften sofort ihre R�cke und eilten dem Neuank�mmling entgegen.</p><p>Perrin t�tschelte Trabers Hals. Kein Blutvergie�en mehr. Noch nicht.</p><p>Die drei Weisen Frauen trafen fast eine halbe Meile vom H�gel entfernt zusammen und blieben stehen. Sie sprachen nur einen Moment miteinander und kamen dann alle drei in schnellem Lauf wieder auf den H�gel zu. Sie gingen direkt zu Sorilea. Der Neuank�mmling, eine ziemlich junge Frau mit langer Nase und einer Masse unglaublich roter Haare, sprach hastig. Sorileas Gesicht versteinerte bei jedem Wort mehr. Schlie�lich kam die rothaarige Frau zum Ende -oder wurde eher von Sorilea mit wenigen Worten unterbrochen -, und die Frauen wandten sich Rand zu. Aber keine von ihnen trat auch nur einen Schritt auf ihn zu. Sie warteten, die H�nde an der Taille gefaltet und die Stolen �ber den Arm gelegt - vollkommen unergr�ndlich.</p><p>�Der <emphasis>Car'a'carn�,</emphasis> murmelte Rand leise und unbewegt. Er glitt aus dem Sattel und half auch Min beim Absteigen.</p><p>Perrin stieg ebenfalls ab und f�hrte Traber hinter ihnen her zu den Weisen Frauen. Loial folgt ihnen zu Fu�, und Aram ritt hinterher und stieg nicht eher ab, bis Perrin es ihm bedeutete. Aiel ritten nicht, es sei denn, es w�re absolut unumg�nglich, und sie hielten es f�r unh�flich, wenn jemand sie vom Pferder�cken aus ansprach. Rhuarc gesellte sich ebenfalls zu ihnen, wie auch Gaul, der aus irgendeinem Grund die Stirn runzelte. Auch Nandera und Sulin und die T�chter des Speers schlossen sich ihnen an.</p><p>Der rothaarige Neuank�mmling begann zu sprechen, sobald sich Rand n�herte. �Bair und Megana haben �berall dort Wachen aufgestellt, wo Ihr auf Eurem Weg zur Stadt der Baumm�rder m�glicherweise entlangkommt, <emphasis>Car'a'carn,</emphasis> aber in Wahrheit hat niemand geglaubt, da� dies...�</p><p>�Feraighin�, sagte Sorilea so scharf, da� den anderen das Blut in den Adern gefror. Die Z�hne der rothaarigen Frau schlugen aufeinander, als sie j�h den Mund schlo�. Sie sah Rand mit strahlend blauen Augen starr an und mied Sorileas Blick.</p><p>Schlie�lich atmete Sorilea tief ein und wandte ihre Aufmerksamkeit Rand zu. �Es gibt Anla� zur Sorge bei den Zelten�, sagte sie mit tonloser Stimme. �Unter den Baumm�rdern kamen Ger�chte auf, da� Ihr mit den Aes Sedai zur Wei�en Burg gezogen w�rt, um Euch dem Amyrlin-Sitz zu unterwerfen. Niemand, der die Wahrheit kannte, wagte, das Wort zu erheben, sonst w�re das Ergebnis noch schlimmer gewesen.�</p><p>�Und was ist das Ergebnis?� fragte Rand ruhig. Er wirkte angespannt, und Min streichelte erneut seine Schulter.</p><p>�Viele glauben, Ihr h�ttet die Aiel im Stich gelassen�, antwortete Amys ihm fast ebenso ruhig. �Die �de ist zur�ckgekehrt. Jeden Tag werfen Tausend oder mehr ihre Speere hin und laufen davon, unf�hig, sich unserer Zukunft oder unserer Vergangenheit zu stellen. Manche gehen vielleicht zu den Shaido.� Ihre Stimme klang einen Moment angewidert. �Man hat fl�stern h�ren, der wahre <emphasis>Car'a'carn</emphasis> w�rde sich den Aes Sedai nicht �bergeben. Indirian sagt, es k�nnte nicht freiwillig geschehen sein, wenn Ihr zur Wei�en Burg gezogen wart. Er ist bereit, die Codarra nach Norden zu bringen, nach Tar Valon, und mit jeglichen Aes Sedai zu k�mpfen, die er dort vorfindet. Oder mit jeglichem Feuchtl�nder. Er sagt, man h�tte Euch verraten. Timolan murrt, da� Ihr uns verraten h�ttet, wenn die Geschichten stimmten, und da� er die Miagoma ins Dreifaltige Land zur�ckbringen wird, nachdem er Euch tot gesehen hat. Mandelain und Janwin beratschlagen noch, aber sie h�ren sowohl auf Indirian als auch auf Timolan.� Rhuarc verzog das Gesicht und sog zischend die Luft ein. Das bedeutete bei einem Aiel genau soviel, als w�rde er sich verzweifelt die Haare raufen.</p><p>�Das sind keine guten Nachrichten�, bemerkte Perrin, �aber bei Euch klingen sie wie ein Todesurteil. Wenn Rand sich erst zeigt, sind die Ger�chte widerlegt.�</p><p>Rand fuhr sich mit einer Hand durchs Haar. �Wenn es so w�re, w�rde Sorilea nicht so besorgt wirken.� Dies traf auch auf Nandera und Sulin zu. �Was habt Ihr mir noch nicht gesagt, Sorilea?�</p><p>Die Frau mit dem lederartigen Gesicht g�nnte ihm ein kleines, anerkennendes L�cheln. �Ihr seht hinter die Worte. Gut,� Ihre Stimme blieb jedoch tonlos. �Wenn Ihr mit den Aes Sedai zur�ckkehrt, werden einige glauben, es bedeutete, da� Ihr Euch gebeugt h�ttet. Was immer Ihr sagt oder tut - sie werden glauben, Ihr w�rdet einen Aes-Sedai-Halfter tragen, das noch bevor bekannt wird, da� Ihr ein Gefangener wart. Geheimnisse finden Wege, die nicht einmal ein Floh finden w�rde, und ein Geheimnis, das so viele kennen, bekommt Fl�gel.�</p><p>Perrin schaute zu Dobraine und Nurelle, die mit ihren Leuten Wache hielten, und schluckte mit ungutem Gef�hl. Wie viele jener, die Rand folgten, taten dies, weil die Aiel massiert hinter ihm standen? Gewi� nicht alle, aber f�r jeden Mann, der die Wahl getroffen hatte, weil Rand der Wiedergeborene Drache war, waren f�nf oder sogar zehn andere gekommen, weil das Licht die st�rksten R�nge am kr�ftigsten beschien. Wenn die Aiel sich losl�sten oder sich aufspalteten...</p><p>Er wollte diese M�glichkeit nicht erw�gen. Bei der Verteidigung der Zwei Fl�sse waren seine F�higkeiten soweit wie irgend m�glich ausgeweitet worden. Ob er ein <emphasis>Ta'veren</emphasis> war oder nicht - er machte sich keinerlei Illusionen dar�ber, da� er zu jenen M�nnern geh�ren w�rde, die in der Geschichte Beachtung f�nden. Das blieb Rand vorbehalten. Seine Grenze waren die Belange einer Dorfgemeinschaft. Und doch konnte er nicht anders. Sein Geist war in Aufruhr. Was war zu tun, wenn es zum Schlimmsten k�me? Er stellte insgeheim Listen auf: Wer w�rde sich loyal verhalten, und wer w�rde zu fliehen versuchen? Die erste Liste war ausreichend kurz und die zweite ausreichend lang, um seine Kehle auszutrocknen. Zu viele Menschen spekulierten noch immer auf Vorteile, als h�tten sie niemals von den Prophezeiungen des Drachen oder von der Letzten Schlacht geh�rt. Er hegte den Verdacht, da� einige dies auch noch nach dem Beginn <emphasis>Tarmon Gai'dons</emphasis> tun w�rden. Das schlimmste daran war, da� die meisten keine Schattenfreunde w�ren, sondern nur Menschen, die sich zuerst um ihre eigenen Angelegenheiten k�mmerten. Loials Ohren hingen schlaff herab. Er erkannte es auch.</p><p>Sorilea hatte ihren Bericht kaum beendet, als sie mit einem Blick, der Eisen h�tte durchbohren k�nnen, seitw�rts schaute. �Ihr solltet doch im Wagen bleiben.� Bera und Kiruna blieben j�h stehen, und Alanna lief fast in die beiden hinein. �Ihr solltet die Eine Macht nicht ohne Erlaubnis ber�hren, aber ihr habt uns hier belauscht. Ihr werdet lernen, da� ich meine, was ich sage.�</p><p>Die drei blieben trotz Sorileas nichts Gutes verhei�endem Blick stehen, Bera und Kiruna frostig und w�rdevoll, Alanna unterschwellig herausfordernd. Loial blickte mit seinen gro�en Augen erst zu ihnen und dann zu den Weisen Frauen. Wenn seine Ohren vorher schon kraftlos gewesen waren, welkten sie jetzt vollkommen, und die langen Augenbrauen sanken bis auf seine Wangen herab. W�hrend Perrin unbehaglich seine Listen �berdachte, fragte er sich abwesend, wie weit die Aes Sedai noch vordringen wollten. Mit der Macht zu lauschen! Sie k�nnten bei den Weisen Frauen eine h�rtere Reaktion als Sorileas R�ge bewirken. Und auch bei Rand.</p><p>Dieses Mal war dem jedoch nicht so. Rand schien sie gar nicht wahrzunehmen. Er blickte regelrecht durch Sorilea hindurch. Vielleicht lauschte er auch wieder auf etwas, was niemand sonst h�ren konnte. �Was ist mit den Feuchtl�ndern?� fragte er schlie�lich. �Colavaere ist doch zur K�nigin gekr�nt worden?� Es war im Grunde keine Frage.</p><p>Sorilea nickte und tippte mit dem Daumen ans Heft ihres G�rtelmessers, aber sie wandte ihre Aufmerksamkeit niemals von den Aes Sedai ab. Es k�mmerte die Aiel wenig, wer unter den Feuchtl�ndern - und besonders unter den baummordenden Cairhienern -zum K�nig oder zur K�nigin gew�hlt wurde.</p><p>Ein Eiszapfen stach in Perrins Brust. Es war kein Geheimnis, da� diese Colavaere vom Hause Saighan den Sonnenthron einnehmen wollte. Sie hatte von dem Tag an darauf spekuliert, an dem Galldrian Riatin ermordet wurde, bevor Rand sich auch nur zum Wiedergeborenen Drachen erkl�rt hatte, und spekulierte auch noch darauf, nachdem allgemein bekannt wurde, da� Rand Elayne den Thron �bergeben wollte.</p><p>Allerdings wu�ten nur wenige, da� sie eine kaltbl�tige M�rderin war. Zudem war Faile in der Stadt. Aber sie war zumindest nicht allein. Bain und Chiad w�rden bei ihr sein. Sie waren T�chter des Speers und ihre Freundinnen, vielleicht beinahe das, was die Aiel N�chst-Schwestern nannten. Sie w�rden nicht zulassen, da� sie Schaden nahm. Aber der Eiszapfen wollte nicht weichen. Colavaere ha�te Rand und damit auch jedermann, der Rand nahestand. So wie vielleicht die Frau eines Mannes, der Rands Freund war. Nein. Bain und Chiad w�rden sie besch�tzen.</p><p>�Es ist eine verfahrene Situation.� Kiruna r�ckte bemerkenswerterweise n�her an Rand heran und ignorierte Sorilea. Die Weise Frau hatte trotz ihrer Hagerkeit sehr eindrucksvolle Augen. �Was auch immer Ihr tut, kann ernstliche Auswirkungen haben. Ich... �</p><p>�Was hat Colavaere �ber mich gesagt?� fragte Rand Sorilea in nur allzu beil�ufigem Tonfall. �Hat sie Berelain ein Leid zugef�gt?� Rand hatte Berelain, der Ersten von Mayene, die Befehlsgewalt �ber Cairhien �bertragen. Warum erkundigte er sich nicht nach Faile?</p><p>�Berelain sur Paendrag geht es gut�, murmelte Sorilea, ohne ihre Beobachtung der Aes Sedai zu unterbrechen. Kiruna blieb �u�erlich ruhig, obwohl man ihr das Wort abgeschnitten hatte und sie mi�achtet wurde, aber ihr auf Rand gerichteter Blick h�tte ein Schmiedefeuer erkalten lassen k�nnen.</p><p>Sorilea deutete auf Feraighin.</p><p>Die rothaarige Frau zuckte zusammen und r�usperte sich. Sie hatte eindeutig nicht erwartet, das Wort erteilt zu bekommen, gewann aber ihre w�rdevolle Haltung wieder zur�ck wie ein hastig umgeworfenes Kleidungsst�ck. �Colavaere Saighan sagte, Ihr w�rt nach Caemlyn gezogen, <emphasis>Car'a'carn,</emphasis> oder vielleicht nach Tear, aber da� sich, wo auch immer Ihr hingegangen w�rt, alle in Erinnerung rufen m��ten, da� Ihr der Wiedergeborene Drache seid und da� man Euch gehorchen m��te.� Feraighin r�mpfte die Nase. In den Prophezeiungen der Aiel wurde nicht der Wiedergeborene Drache erw�hnt, sondern nur der <emphasis>Car'a'carn.</emphasis> �Sie sagt, Ihr werdet zur�ckkehren und sie auf dem Thron best�tigen. Sie spricht oft zu den H�uptlingen und ermutigt sie, die Speerkampfer gen S�den zu entsenden. Um Euch zu gehorchen, wie sie sagt. Sie sieht die Weisen Frauen nicht, und h�rt nur den Wind, wenn wir sprechen.� Niemand sagte den Clanh�uptlingen, was sie tun sollten, und die Weisen Frauen zu erz�rnen, war erst recht ein schlechter Anfang, um die Clanh�uptlinge von etwas zu �berzeugen.</p><p>F�r Perrin machte es jedoch Sinn, f�r den Teil seines Seins, der noch an etwas anderes als an Faile denken konnte. Colavaere hatte wahrscheinlich niemals genug auf die �Wilden� geachtet, um zu erkennen, da� die Weisen Frauen mehr taten, als Kr�uter zu verabreichen, aber sie w�rde jeden einzelnen Aiel aus Cairhien vertrieben wissen wollen. Die Frage war, ob ihr unter den gegebenen Umst�nden irgendeiner der H�uptlinge zugeh�rt hatte? Aber Rand stellte nicht die offensichtliche Frage.</p><p>�Was ist in der Stadt sonst noch geschehen? Erz�hlt mir alles, was Ihr geh�rt habt, Feraighin. Auch das, was vielleicht nur einem Feuchtl�nder wichtig erscheint.�</p><p>Sie warf ver�chtlich ihre rote M�hne zur�ck. �Feuchtl�nder sind wie blutsaugende M�cken, <emphasis>Car'a'carn:</emphasis> Wer kann wissen, was ihnen wichtig erscheint? Ich habe geh�rt, da� in der Stadt manchmal seltsame Dinge geschehen, genau wie bei den Zelten. Menschen sehen manchmal Dinge, die nicht m�glich sind - nur f�r kurze Zeit ist, was nicht sein kann. M�nner, Frauen, Kinder sterben.� Perrins Haut kribbelte. Er wu�te, da� sie das meinte, was Rand die �Blasen des B�sen� nannte, die aus dem Gef�ngnis des Dunklen K�nigs aufstiegen wie Gase aus einem stinkenden Sumpf, und die Muster entlangschwebten, bis sie zerplatzten. Perrin war einst in einer solchen Blase gefangen gewesen. Er wollte niemals wieder eine sehen... �Wenn Ihr wissen wollt, was die Feuchtl�nder tun - wer hat schon Zeit, M�cken zu beachten?� fuhr sie fort. �Es sei denn, sie stechen. Das erinnert mich an etwas. Ich verstehe es nicht, aber Ihr vielleicht. Diese M�cken werden fr�her oder sp�ter stechen.�</p><p>�Welche M�cken? Und welche Feuchtl�nder? Wovon redet Ihr?�</p><p>Feraighin beherrschte diesen gleichm�tigen Blick nicht so gut wie Sorilea, obwohl keine Weise Frau, die Perrin jemals erlebt hatte, an anderen Ungeduld sch�tzte. Sie reckte das Kinn und richtete ihre Stola, bevor sie antwortete. �Vor drei Tagen n�herten sich die Baumm�rder Caraline Damodred und Toram Riarin der Stadt. Sie verk�ndeten, da� Colavaere Saighan eine Thronr�uberin sei, aber sie sitzen in ihrem Lager s�dlich der Stadt und tun nichts anderes als hin und wieder einige Leute in die Stadt hineinzuschicken. Fern des Lagers laufen hundert von ihnen vor einem <emphasis>Algai'd'siswai</emphasis> oder sogar einem <emphasis>Gai'shain</emphasis> davon. Ein Mann namens Darlin Sisnera und weitere Tairener haben gestern mit dem Schiff unterhalb der Stadt angelegt und sich ihnen angeschlossen. Sie haben sich seitdem die ganze Zeit g�tlich getan und getrunken, als feierten sie etwas. Baumm�rder-Soldaten versammeln sich auf Colavaere Saighans Befehl in der Stadt, aber sie beobachten unsere Zelte aufmerksamer als andere Feuchtl�nder oder die Stadt selbst. Sie beobachten, unternehmen aber nichts. Vielleicht kennt Ihr den Grund f�r all das, <emphasis>Car'a'carn.�</emphasis></p><p>Lady Caraline und Lord Toram f�hrten die Cairhiener an, die sich anzuerkennen weigerten, da� Rand und die Aiel Cairhien eingenommen hatten. In Tear f�hrte der Hohe Herr Darlin entsprechende Gruppen an. Aber keiner der beiden Aufst�nde zeitigte Erfolg. Caraline und Toram hatten monatelang in den Ausl�ufern des R�ckgrats der Welt festgesessen, hatten gedroht und herausgefordert, und das gleiche galt f�r Darlin unten in Haddon Mirk. Aber jetzt anscheinend nicht mehr. Perrin merkte, wie er mit dem Daumen leicht die Klinge seiner Streitaxt entlangfuhr. Die Aiel drohten zu entkommen, und Rands Feinde versammelten sich. Jetzt fehlten nur noch die Verlorenen - und Sevanna mit ihren Shaido.</p><p>Das w�re die Kr�nung. Und doch war nichts davon wichtig. Faile mu�te in Sicherheit sein. Es mu�te einfach so sein.</p><p>�Besser, sie beobachten, als da� sie k�mpfen�, murmelte Rand nachdenklich, w�hrend er anscheinend wieder etwas Unsichtbarem lauschte.</p><p>Perrin stimmte Rand aufrichtig zu - fast alles war besser, als zu k�mpfen -, aber Aiel sahen das anders, wenn es um Feinde ging. Sie blickten von Rhuarc zu Sorilea, von Feraighin zu Nandera und Sulin, als h�tte Rand gesagt, es sei besser, Sand anstatt Wasser zu trinken.</p><p>Feraighin stellte sich f�rmlich auf die Zehenspitzen. Sie war f�r eine Aiel nicht besonders gro�, reichte Rand nicht einmal bis zur Schulter, schien seine Gr��e aber erreichen zu wollen. �Das Lager der Feuchtl�nder besteht nur aus etwas mehr als zehntausend Mann�, sagte sie mi�billigend, �und in der Stadt sind noch weniger. Wir k�nnen sie leicht �berw�ltigen. Sogar Indirian beherzigt Euren Befehl, niemals Feuchtl�nder aus Gr�nden der Selbstverteidigung zu t�ten, aber sie werden Schwierigkeiten bereiten, wenn sie sich selbst �berlassen bleiben. Es n�tzt nichts, da� Aes Sedai in der Stadt sind. Wer wei�, was sie...�</p><p>�Aes Sedai?� Rand stie� diese Worte mit kalter Stimme aus, w�hrend die Kn�chel seiner um das Drachenszepter geschlossenen Hand wei� hervortraten.</p><p>�Wie viele?� Perrin bekam bei seinem Geruch eine G�nsehaut. Er konnte pl�tzlich <emphasis>sp�ren,</emphasis> da� die gefangenen Aes Sedai und Bera und Kiruna und die anderen sie beobachteten.</p><p>Sorilea verlor alles Interesse an Kiruna. Sie stemmte die H�nde in die H�ften und pre�te den Mund zusammen. �Warum habt Ihr mir das nicht gesagt?�</p><p>�Ihr habt mir keine Gelegenheit dazu gegeben, Sorilea�, wandte Feraighin ein wenig atemlos und mit eingezogenen Schultern ein. Sie richtete ihre blauen Augen auf Rand, und ihre Stimme wurde wieder fester. �Es sind vielleicht zehn oder mehr, <emphasis>Car'a'carn.</emphasis> Wir gehen ihnen nat�rlich aus dem Weg, besonders seit...� Dann wandte sie sich wieder Sorilea zu, und die Atemlosigkeit kehrte zur�ck. �Ihr wolltet nichts �ber die Feuchtl�nder h�ren, Sorilea. Nur �ber unsere eigenen Zelte. Das habt Ihr gesagt.� Wieder wandte sie sich Rand zu, und wieder straffte sie sich. �Die meisten von ihnen bleiben unter Arilyn Dhulaines Dach, <emphasis>Car'a'carn,</emphasis> und verlassen das Haus nur selten.� Und wieder mit eingezogenen Schultern an Sorilea gewandt: �Sorilea, Ihr wi�t, da� ich Euch alles erz�hlt h�tte. Aber Ihr habt mich unterbrochen.� Als sie erkannte, wie viele Menschen zusahen und wie viele zu l�cheln begannen, zumal unter den Weisen Frauen, wurde Feraighins Blick zornig, und ihre Wangen r�teten sich. Sie wandte den Kopf zwischen Rand und Sorilea hin und her, und ihr Mund bewegte sich, ohne da� ein Laut hervordrang. Einige der Weisen Frauen begannen hinter vorgehaltener Hand zu lachen. Edarra machte sich nicht einmal diese M�he, w�hrend Rhuarc den Kopf zur�ckwarf und br�llend loslachte.</p><p>Perrin war bestimmt nicht nach Lachen zumute. Ein Aiel konnte noch etwas lustig daran finden, wenn ihn ein Schwert durchbohrte. Licht! Er kam schnurstracks auf das Wichtigste zu sprechen. �Feraighin? Meine Frau Faile - geht es ihr gut?�</p><p>Die Augen spiegelten ihre Best�rzung wider, dann ri� sie sich sichtlich zusammen. �Ich glaube, Faile Aybara geht es gut, <emphasis>Sei'cair�,</emphasis> sagte sie k�hl und gefa�t. Oder doch beinahe. Sie versuchte, Sorilea aus den Augenwinkeln verstohlen zu beobachten, die nicht einmal ann�hernd belustigt schien. Sie brachte Feraighin zu einigen Einsichten, wohingegen ihre Zurechtweisung Kirunas harmlos erschien.</p><p>Amys legte Sorilea eine Hand auf den Arm. �Sie ist nicht im Unrecht�, murmelte die j�ngere Frau so leise, da� niemand au�er der lederartigen Weisen Frau und Perrin es h�ren konnte. Sorilea z�gerte und nickte dann. Sie kehrten wieder zu ihrer �blichen Streitsucht zur�ck. Perrin hatte dies bisher nur Amys bewirken sehen. Sie war die einzige, die Sorilea niemals niedermachte, wenn sie ihr in die Quere kam. Nun, sie machte auch Rhuarc nicht nieder, aber bei ihm war der Grund eher der, da� ein Felsblock ein Gewitter nicht beachtete. Amys aber konnte dem Regen Einhalt gebieten.</p><p>Perrin wollte mehr von Feraighin h�ren - sie glaubte, da� es Faile gutging? -, aber bevor er etwas sagen konnte, platzte Kiruna mit ihrem �blichen Zartgef�hl dazwischen.</p><p>�Nun h�rt mir genau zu�, forderte sie Rand auf und gestikulierte heftig unter seiner Nase. �Ich habe die Situation als schwierig bezeichnet. Aber das ist sie nicht. Die Situation ist unvorstellbar kompliziert und so zerbrechlich, da� ein Atemzug sie verderben k�nnte. Bera und ich werden Euch in die Stadt begleiten. Ja, ja, Alanna. Ihr auch.� Sie winkte die schlanke Aes Sedai ungeduldig fort. Perrin dachte, sie versuche, Gr��e vorzut�uschen. Sie schien auf Rand herabzusehen, aber obwohl sie wirklich recht gro� war, �berragte er sie noch mit Kopf und Schultern. �Ihr m��t Euch von uns f�hren lassen. Eine falsche Bewegung, ein falsches Wort - und Ihr bewirkt in Cairhien vielleicht dasselbe Ungl�ck, wie Ihr es in Tarabon und Arad Doman bewirkt habt. Und noch schlimmer - Ihr k�nntet Angelegenheiten auf unvorhersehbare Weise schaden, �ber die Ihr fast nichts wi�t.�</p><p>Perrin zuckte zusammen. Sie h�tte diese ganze Rede nicht besser planen k�nnen, um Rand zu erz�rnen. Aber Rand h�rte ihr einfach zu, bis sie fertig war, und wandte sich dann an Sorilea. �Bringt die Aes Sedai zu den Zelten. Versichert Euch, da� jedermann erf�hrt, da� sie Aes Sedai sind. Macht deutlich, da� sie auf Befehl springen. Da auch Ihr springt wenn der <emphasis>Car'a'carn</emphasis> es befiehlt, sollte das jedermann �berzeugen, da� ich keine Leine der Aes Sedai trage.�</p><p>Kiruna err�tete zutiefst. Sie roch so stark nach Zorn und Emp�rung, da� Perrins Nase schmerzte. Bera versuchte erfolglos, sie zu beruhigen, w�hrend sie Rand Blicke zuwarf, die besagten, da� sie ihn f�r einen ungehobelten jungen Flegel hielt, und Alanna bi� sich auf die Lippen, um nicht l�cheln zu m�ssen. Den Ger�chen nach zu urteilen, die von Sorilea und den anderen heranwehten, hatte Alanna eigentlich keinen Grund, erfreut zu sein.</p><p>Sorilea g�nnte Rand ein fl�chtiges L�cheln. �Vielleicht, <emphasis>Car'a'carn�,</emphasis> sagte sie trocken. Perrin bezweifelte, da� sie f�r irgend jemanden springen w�rde. �Vielleicht wird es das.� Sie klang nicht allzu �berzeugt.</p><p>Rand sch�ttelte erneut den Kopf und schritt, gefolgt von den T�chtern des Speers, mit Min davon, w�hrend er Befehle ausgab, wer mit ihm und wer mit den Weisen Frauen gehen sollte. Rhuarc erteilte den <emphasis>Siswai'aman</emphasis> Befehle. Alanna folgte Rand mit den Augen. Perrin w�nschte, er w��te, was dort vor sich ging. Auch Sorilea und die anderen beobachteten Rand, und sie rochen nicht gerade sanftm�tig.</p><p>Perrin bemerkte, da� Feraighin allein dastand. Das war die Gelegenheit. Aber als er zu ihr zu gelangen versuchte, umstellten Sorilea und Amys und die restlichen Mitglieder des �Konzils� sie und dr�ngten ihn gekonnt ab. Sie entfernten sich ein St�ck, bevor sie Feraighin mit Fragen zu �bersch�tten begannen und Kiruna und den anderen beiden Schwestern scharfe Blicke zuwarfen, die keinen Zweifel daran lie�en, da� sie kein weiteres Belauschen dulden w�rden. Kiruna schien dar�ber nachzudenken und blickte so finster drein, da� man sich wundern mu�te, da� ihr nicht die Haare zu Berge standen.</p><p>Bera sprach in bestimmtem Tonfall mit ihr, und Perrin h�rte, ohne sich darum zu bem�hen, �vern�nftig� und �Geduld�, �vorsichtig� und �t�richt� heraus. Welche Bezeichnung wem zugedacht war, wurde nicht erkennbar.</p><p>�Es wird K�mpfe geben, wenn wir die Stadt erreichen.� Aram klang begierig.</p><p>�Aber nein�, erwiderte Loial beherzt. Seine Ohren zuckten, und er betrachtete unbehaglich seine Streitaxt. �Es wird keine K�mpfe geben, nicht wahr, Perrin?�</p><p>Perrin sch�ttelte den Kopf. Er wu�te es nicht. Wenn die anderen Weisen Frauen Feraighin doch nur einen Moment allein lassen w�rden. Was hatten sie so Wichtiges zu besprechen?</p><p>�Frauen�, murrte Gaul, �sie verhalten sich seltsamer als betrunkene Feuchtl�nder.�</p><p>�Was?� fragte Perrin abwesend. Was w�rde geschehen, wenn er den Kreis der Weisen Frauen einfach durchbr�che? Als h�tte Edarra seine Gedanken gelesen, sah sie ihn stirnrunzelnd an, und einige der anderen ebenso. Manchmal schien es, als k�nnten Frauen die Gedanken von M�nnern lesen. Nun...</p><p>�Ich sagte, Frauen sind seltsam, Perrin Aybara. Chiad hat mir gesagt, sie w�rde mir keinen Brautkranz zu F��en legen. Sie hat es mir tats�chlich <emphasis>gesagt.�</emphasis> Der Aielmann klang entr�stet. �Sie hat gesagt, sie w�rde mich zum Liebhaber nehmen - sie und Bain - aber nicht mehr.� Zu einem anderen Zeitpunkt w�re Perrin best�rzt gewesen, obwohl er schon fr�her davon geh�rt hatte. Aiel waren unglaublich ... freiz�gig in solchen Dingen. �Als w�re ich als Ehemann nicht gut genug.� Gaul schnaubte ver�rgert. �Ich mag Bain nicht, aber ich w�rde sie heiraten, um Chiad gl�cklich zu machen. Aber wenn Chiad keinen Brautkranz winden will, sollte sie aufh�ren, mich verf�hren zu wollen. Wenn ich ihr Interesse nicht ausreichend wecken kann, da� sie mich heiraten will, dann sollte sie mich gehen lassen.�</p><p>Perrin betrachtete ihn stirnrunzelnd. Der gr�n�ugige Aielmann war gr��er als Rand und fast einen Kopf gr��er als er selbst. �Wovon sprecht Ihr?�</p><p>�Von Chiad nat�rlich. Habt Ihr nicht zugeh�rt? Sie geht mir aus dem Weg, aber jedes Mal, wenn ich ihr begegne, h�lt sie lange genug inne, um sicherzugehen, da� ich sie gesehen habe. Ich wei� nicht, wie das bei Euch Feuchtl�ndern ist, aber bei uns ist das die �bliche Taktik der Frauen. Sie lassen sich sehen, wenn man sie am wenigsten erwartet, und sind dann wieder fort. Ich wu�te bis heute morgen nicht einmal, da� sie bei den T�chtern des Speers ist.�</p><p>�Ihr meint, sie ist hier?� fl�sterte Perrin. Der Eiszapfen stach erneut zu - jetzt wie eine Klinge - und h�hlte ihn aus. �Und Bain? Ist sie auch hier?�</p><p>Gaul zuckte die Achseln. �Sie sind selten weit voneinander entfernt. Aber ich m�chte Chiads Aufmerksamkeit wecken, nicht Bains.�</p><p>�Verdammt!� rief Perrin. Die Weisen Frauen wandten sich zu ihm um. Tats�chlich wandten sich �berall auf dem H�gel Menschen zu ihm um. Kiruna und Bera sahen ihn mit entschieden zu nachdenklichem Gesichtsausdruck an. Es gelang ihm nur m�hsam, seine Stimme zu d�mpfen. �Sie sollten sie besch�tzen! Sie befindet sich in der Stadt, im K�niglichen Palast, mit Colavaere - mit Colavaere! -, und sie sollten sie besch�tzen.�</p><p>Gaul kratzte sich am Kopf und schaute zu Loial. �Ist das Feuchtl�nder-Humor? Faile Aybara ist erwachsen.�</p><p>�Ich wei�, da� sie kein Kind mehr ist!� Perrin atmete tief durch. Es war schwer, einen ruhigen Tonfall beizubehalten, wenn es doch in ihm brodelte. �Loial, w�rdest du diesem ... w�rdest du Gaul erkl�ren, da� unsere Frauen nicht mit Speeren herumlaufen und da� Colavaere Faile nicht zum Kampf herausfordern, sondern einfach jemandem befehlen w�rde, ihr die Kehle durchzuschneiden oder sie von einer Mauer zu sto�en...� Die Vorstellungen �berw�ltigten ihn. Er w�rde sich gleich �bergeben m�ssen.</p><p>Loial t�tschelte ihm unbeholfen die Schulter. �Perrin, ich wei�, da� du dir Sorgen machst. Ich wei�, wie ich mich f�hlen w�rde, wenn ich glauben m��te, da� Erith etwas gesch�he.� Die Pinsel an seinen Ohren bebten. Er hatte gut reden: Er w�rde so schnell wie m�glich davonlaufen, um seiner Mutter und der jungen Ogierfrau aus dem Weg zu gehen, die sie f�r ihn ausgesucht hatte. �Ja, nun. Faile wartet auf dich, sicher und gesund. Ich wei� es, Perrin, und du wei�t, da� sie auf sich selbst aufpassen kann. Nun, sie k�nnte auf sich und dich und mich und auch noch Gaul gleichzeitig aufpassen.� Sein dr�hnendes Lachen klang gezwungen und wich schnell wieder gemessenem Ernst. �Perrin ... Perrin, du wei�t, da� du nicht immer da sein kannst, um Faile zu besch�tzen, wie sehr du das auch m�chtest. Du bist ein <emphasis>Ta'veren.</emphasis> Das Muster hat dich zu einem bestimmten Zweck hervorgebracht, und es wird dich auch zu diesem Zweck einsetzen.�</p><p>�Verdammt sei das Muster�, grollte Perrin. �Alles soll verdammt sein, wenn sie nur in Sicherheit ist.� Loials Ohren wurden vor Best�rzung starr, und sogar Gaul wirkte �berrascht.</p><p><emphasis>Wozu macht mich das?</emphasis> dachte Perrin. Er hatte jene Menschen, die sich nur um ihre eigenen Belange k�mmerten und die Letzte Schlacht und den sich �ber die Welt ausbreitenden Schatten des Dunklen K�nigs ignorierten, stets ver�chtlich beurteilt. Wie unterschied er sich jetzt noch von ihnen?</p><p>Rand verhielt den Schwarzen neben ihm. �Kommst du, Perrin?�</p><p>�Ich komme�, antwortete Perrin freudlos. Er konnte seine eigenen Fragen nicht beantworten, aber eines wu�te er: Seine Welt <emphasis>war</emphasis> Faile.</p></section><section><title><p>4</p><p>Nach Cairhien</p></title><p>Perrin w�re schneller geritten, als Rand es tat, obwohl er wu�te, da� die Pferde das nicht lange durchgehalten h�tten. Sie ritten die H�lfte der Zeit im Trab und f�hrten ihre Tiere die �brige Zeit. Rand schien niemand anderen wahrzunehmen, au�er da� er stets eine Hand f�r Min hatte, wenn sie stolperte. F�r die anderen war er in einer fernen Welt verloren und blinzelte �berrascht, wenn er Perrin oder Loial bemerkte. Dobraines und Haviens M�nner blickten starr geradeaus und hingen ihren eigenen Gedanken dar�ber nach, was ihnen bevorstehen w�rde. Die Leute von den Zwei Fl�ssen waren von Perrins d�sterer Stimmung durchdrungen. Sie mochten Faile - einige verehrten sie sogar -, und wenn sie irgendwie Schaden erlitten hatte... Sogar Arams Begierlichkeit verbla�te, als er erkannte, da� Faile in Gefahr sein k�nnte. Jedermann konzentrierte sich auf die vor ihnen liegenden Meilen, auf die voraus liegende Stadt. Nat�rlich jedermann au�er den <emphasis>Asha'man.</emphasis> Sie ritten dicht hinter Rand - wie ein Schw�rm Raben - und beobachteten das Land, durch das sie ritten, da sie noch immer auf einen Hinterhalt gefa�t waren. Dashiva war wie ein Sack im Sattel zusammengesunken und murrte d�ster vor sich hin, als er laufen sollte. Seinem Blick nach h�tte man glauben k�nnen, er hoffe auf einen Hinterhalt.</p><p>Aber ein Angriff war kaum zu bef�rchten. Sulin und ein Dutzend <emphasis>Far Dareis Mai</emphasis> befanden sich in Perrins Sichtweite der Kolonne voraus, ebenso viele waren noch weiter vorausgeeilt, um den Weg zu �berpr�fen, und auch die Flanken wurden gedeckt. Einige M�nner hatten ihre Kurzspeere in die Gurte gesteckt, die die Bogenk�cher auf ihren R�cken hielten, so da� die Speerspitzen �ber ihren K�pfen wippten. Statt dessen hatten sie die kurzen Hornbogen hervorgenommen und Pfeile eingelegt. Sie hielten ebenfalls aufmerksam nach allem Ausschau, was den <emphasis>Car'a'carn</emphasis> bedrohen k�nnte, und achteten auch auf Rand selbst, als argw�hnten sie, er k�nne erneut verschwinden. Wenn eine Falle wartete, irgendeine Gefahr bevorstand, w�rden sie diese entdecken.</p><p>Chiad war eine der T�chter des Speers bei Sulin, eine gro�e Frau mit dunkelrotem Haar und grauen Augen. Perrin starrte ihren R�cken an, wollte sie zwingen, zur�ckzubleiben und mit ihm zu reden. Sie gew�hrte ihm hin und wieder einen Blick, aber ansonsten mied sie ihn, als h�tte er drei Krankheiten gleichzeitig. Bain befand sich nicht bei der Kolonne. Die meisten der T�chter des Speers folgten mit Rhuarc und den <emphasis>Algai'd'siswai</emphasis> auf dem gleichen Weg, aber sie kamen wegen der Wagen und der Gefangenen langsamer voran.</p><p>Failes schwarze Stute trottete hinter Traber her, ihre Z�gel an seinen Sattel gebunden. Die Leute von den Zwei Fl�ssen hatten Schwalbe aus Caemlyn mitgebracht, als sie sich Rand vor den Brunnen von Dumai anschlossen. Jedes Mal, wenn er die Stute betrachtete, die hinter ihm herstolzierte, stieg das Gesicht seiner Frau vor seinem geistigen Auge auf, ihre k�hne Nase, die vollen Lippen und die blitzenden dunklen Augen, die schr�g �ber hohen Wangenknochen angeordnet waren. Sie liebte das Tier, vielleicht ebenso sehr wie ihn. Sie war eine Frau, die genauso stolz wie sch�n und genauso leidenschaftlich wie stolz war. Davram Basheres Tochter w�rde nichts verbergen oder auch nur verheimlichen, nicht so wie Colavaere.</p><p>Sie machten vier Mal Rast, damit sich die Pferde ausruhen konnten, und er knirschte wegen dieser Verz�gerung mit den Z�hnen. Da es seine zweite Natur war, sich gut um die Pferde zu k�mmern, �berpr�fte er Traber geistesabwesend und gab dem Hengst mechanisch ein wenig Wasser. Schwalbe versorgte er sorgf�ltiger. Wenn Schwalbe Cairhien sicher erreichte... Ein Gedanke hatte sich in seinem Kopf festgesetzt. Wenn er ihre Stute nach Cairhien brachte, w�rde es Faile gutgehen. Es war ein l�cherlicher Gedanke, der Phantasie eines Jungen entsprungen, aber er wollte nicht vergehen.</p><p>Bei jeder Rast versuchte Min, ihn zu beruhigen. Sie sagte mit neckischem Grinsen, er s�he aus wie der Tod an einem Wintermorgen, der nur darauf wartete, da� jemand sein Grab zuschaufelte. Sie sagte ihm, da� Faile ihm die T�r vor der Nase zuschlagen w�rde, wenn er seiner Frau mit diesem Gesicht gegen�bertr�te. Aber sie mu�te auch zugeben, da� keine ihrer Visionen versprach, da� Faile unbeschadet sei.</p><p>�Licht, Perrin�, sagte sie schlie�lich ver�rgert, w�hrend sie ihre grauen Reithandschuhe zurechtzog, �wenn jemand dieser Frau zu schaden versucht, wird sie ihn noch warten lassen, bis sie Zeit f�r ihn hat.� Er h�tte sie beinahe angefahren, obwohl sie sich eigentlich mochten.</p><p>Loial erinnerte Perrin daran, da� sich die J�ger des Horns um sich selbst k�mmern konnten und da� Faile sogar die Trollocs �berlebt hatte. �Es geht ihr gut, Perrin�, dr�hnte er zuversichtlich, w�hrend er mit seiner langen Streitaxt �ber den Schultern neben Traber herlief. �Ich wei� es.� Aber das hatte er schon zwanzig Mal gesagt, und es klang jedes Mal etwas weniger aufrichtig.</p><p>Der letzte Ermutigungsversuch des Ogiers ging weiter, als er es beabsichtigt hatte. �Faile kann auf sich selbst aufpassen, Perrin. Sie ist nicht wie Erith. Ich kann es kaum erwarten, da� Erith mich zu ihrem Ehemann macht, damit ich mich um sie k�mmern kann. Ich glaube, ich w�rde sterben, wenn sie ihre Meinung �nderte.� Danach blieb ihm der Mund offenstehen, und seine gro�en Augen traten hervor. Er stolperte mit aufgeregt zuckenden Ohren �ber seine eigenen Stiefel und fiel beinahe hin. �Das wollte ich gar nicht sagen�, bemerkte er rauh, w�hrend er weiter neben Perrins Pferd herschritt. Seine Ohren bebten noch immer. �Ich bin nicht sicher, da� ich ... ich bin zu jung, um...�</p><p>Er schluckte heftig und sah Perrin und auch den voranreitenden Rand anklagend an. �Es ist einfach gef�hrlich, wenn man in Gegenwart zweier <emphasis>Ta'veren</emphasis> den Mund �ffnet. Alles k�nnte hervordringen!� Aber nichts, was er nicht ohnehin gesagt h�tte, wie er nur zu gut wu�te, und was auch jederzeit h�tte geschehen k�nnen, wenn keine <emphasis>Ta'veren</emphasis> dabeigewesen w�ren. Loial wu�te auch das, und dieser Umstand schien ihn zu erschrecken. Es verging geraume Zeit, bevor die Ohren des Ogiers zu beben aufh�rten.</p><p>Zwar dachte Perrin ausschlie�lich an Faile, aber er war nicht v�llig blind. Als sie Richtung S�dwesten ritten, drang das erste, was er unbewu�t bemerkte, nur allm�hlich auf ihn ein. Es war nicht hei� gewesen, als er vor weniger als zwei Wochen von Cairhien nach Norden geeilt war, aber jetzt schien es, als h�tte der Dunkle K�nig einen festeren Zugriff auf das Land erlangt und schinde es noch h�rter als zuvor. Spr�des Gras knisterte unter den Pferdehufen, verk�mmerte braune Kriechgew�chse �berzogen die Felsen an den H�ngen wie Spinnweben, und kahle Zweige - nicht nur unbelaubt, sondern verdorrt - knackten, wenn der trockene Wind in B�en heranwehte. Immergr�ne F�hren und Lederblattb�ume waren zur H�lfte braun und gelb verf�rbt.</p><p>Nach wenigen Meilen tauchten Bauernh�fe auf, einfache, quadratisch angelegte Geb�ude aus dunklem Stein, die ersten auf abgelegenen Lichtungen im Wald, dann mehrere, als der Wald sich lichtete und kaum noch diesen Namen verdiente. Eine Wagenstra�e hatte sich hierher verirrt, verlief �ber die Schultern und K�mme der H�gel und pa�te sich eher den von Steinmauern eingefa�ten Feldern als dem Gel�nde an. Die meisten dieser zun�chst zu sehenden Bauernh�fe wirkten verlassen, hier ein umgest�rzt vor einem Wohngeb�ude liegender Stuhl mit leiterf�rmiger R�ckenlehne, dort eine Stoffpuppe an der Stra�e. Magere Rinder und tr�ge Schafe sprenkelten Weiden, auf denen sich h�ufig Raben �ber Kadavern zankten. Auf kaum einer Weide waren weniger als ein oder zwei Kadaver zu sehen. Wasserl�ufe liefen nur noch als Rinnsale durch vertrockneten Schlamm. Ackerboden, der jetzt von Schnee h�tte bedeckt sein sollen, war fast �berall zu Staub zerfallen.</p><p>Eine hoch aufragende Staubs�ule kennzeichnete den Weg der Kolonne, bis der schmale Erdweg auf die breite, gepflasterte Stra�e vom Jangai-Pa� f�hrte. Hier waren Menschen unterwegs, wenn auch nur wenige und diese oft teilnahmslos und mit matten Augen. Obwohl die Sonne inzwischen halbwegs untergegangen war, war die Luft noch immer hei� wie in einem Backofen. Gelegentlich verlie�en Ochsenkarren oder Pferdewagen eilig die Stra�e, wichen in schmale Pfade oder sogar auf Felder aus und machten Platz. Die Wagenlenker und die Handvoll Bauersleute auf den Feldern beobachteten mit ausdruckslosen Gesichtern, wie die drei Banner vor�berzogen.</p><p>Nahezu eintausend bewaffnete M�nner waren Grund genug zu starren. Eintausend bewaffnete M�nner, die zu einem bestimmten Zweck irgendwohin unterwegs waren. Grund genug zu starren und dankbar zu sein, wenn sie au�er Sicht gelangten.</p><p>Kurz vor dem Horizont f�hrte die Stra�e auf eine Anh�he, von der aus man Cairhien zwei bis drei Meilen voraus liegen sah. Rand verhielt sein Pferd, und die T�chter des Speers, die jetzt alle zusammen waren, kauerten sich an Ort und Stelle nieder.</p><p>Nichts bewegte sich auf den fast baumlosen H�geln um die Stadt, die eine gewaltige, im Westen zum Alguenya hin abfallende, eckige Mauern und kantige T�rme aufweisende und starr wirkende Masse grauen Steins war. Schiffe aller Gr��en hatten im Flu� Anker geworfen, und einige hatten an den Docks am entgegengesetzten Ufer festgemacht, wo sich die Getreidespeicher befanden. Einige Schiffe fuhren mit gesetzten Segeln dahin. Sie vermittelten den Eindruck von Frieden und Wohlstand. Da keine Wolke am Himmel stand, war die Luft klar, und Perrin konnte die gro�en, auf den T�rmen der Stadt wehenden Banner deutlich erkennen, als der Wind sie entfaltete: das scharlachrote Banner des Lichts und das wei�e Drachenbanner sowie die goldene, aufgehende Sonne von Cairhien mit ihren wellenf�rmigen Strahlen auf blauem Grund. Und ein viertes Banner, das ebenso ins Auge sprang wie die anderen. Es zeigte einen Silberdiamant auf einem gelb und rot karierten Feld.</p><p>Dobraine senkte das kleine Fernglas und verstaute es stirnrunzelnd in einer an seinem Sattel befestigten Lederh�lle. �Ich hatte gehofft, die Wilden h�tten sich geirrt, aber wenn das Haus Saighan die aufgehende Sonne hi�t, hat Colavaere den Thron inne. Sie wird jeden Tag in der Stadt Geschenke verteilt haben: Geld, Nahrung, Putz. Das ist bei den Kr�nungsfeierlichkeiten Tradition. Ein Regent ist niemals beliebter als in der Woche nach seiner Thronbesteigung.� Er sah Rand von der Seite an. Die bem�hte Offenheit lie� sein Gesicht hohl wirken. �Die B�rgerlichen k�nnten sich erheben, wenn ihnen Eure Handlungsweise nicht gef�llt. Die Stra�en k�nnten von Blut erf�llt werden.�</p><p>Haviens grauer Wallach reagierte auf die Ungeduld seines Reiters mit Unruhe. Der Mann schaute st�ndig zwischen Rand und der Stadt hin und her. Es war nicht seine Stadt. Er hatte schon fr�her deutlich gemacht, da� es ihn wenig k�mmerte, was in deren Stra�en vor sich ging, solange <emphasis>sein</emphasis> Regent in Sicherheit war.</p><p>Rand betrachtete die Stadt lange Zeit versonnen. Zumindest schien es so. Aber was auch immer er sah -sein Gesicht blieb ausdruckslos. Min musterte ihn besorgt und vielleicht auch ein wenig mitleidig. �Ich werde versuchen, daf�r zu sorgen, da� das nicht geschieht�, sagte er schlie�lich. �Flinn, bleibt mit den Soldaten hier. Min...�</p><p>Sie unterbrach ihn heftig. �Nein! Ich gehe dahin, wo du hingehst, Rand al'Thor. Du brauchst mich, und das wei�t du.� Letzteres klang mehr nach einer Bitte als nach einem Anspruch, aber wenn eine Frau auf ihre Art die F�uste in die H�ften stemmte und angespannt dreinsah, bat sie nicht.</p><p>�Ich gehe auch mit�, f�gte Loial hinzu, der auf seiner langstieligen Streitaxt lehnte. �Du unternimmst immer etwas, wenn ich gerade woanders bin.� Seine Stimme nahm einen klagenden Unterton an. �Das geht nicht, Rand. Es wird f�r das Buch nicht gen�gen. Wie kann ich �ber Dinge schreiben, die ich nicht miterlebt habe?�</p><p>Rand sah noch immer Min an, hatte die Hand halbwegs zu ihr ausgestreckt, lie� sie dann aber wieder sinken. Sie hielt seinem Blick gleichm�tig stand.</p><p>�Das ist ... verr�ckt.� Dashiva hielt die Z�gel starr in der Hand und f�hrte die gedrungene Stute n�her an Rands Schwarzen heran. Sein Gesicht zeigte einen widerwilligen Ausdruck. Vielleicht bereitete es sogar <emphasis>Asha'man</emphasis> Unbehagen, Rand nahe zu sein. �Es braucht nur irgendwo ein Mann mit einem ... einem Bogen oder Dolch zu lauern, den Ihr nicht rechtzeitig seht. Schickt einen der <emphasis>Asha'man,</emphasis> das zu tun, was getan werden mu�, oder auch mehr, wenn Ihr es f�r notwendig haltet. Es k�nnte ein Wegetor zum Palast er�ffnet werden, bevor irgend jemand erkennt, was geschehen ist.�</p><p>�Und wir m��ten bis nach Einbruch der Dunkelheit hier warten�, unterbrach Rand ihn und wendete seinen Hengst, um Dashiva anzusehen, �bis sie diesen Ort ausreichend gut kennen, um eines zu er�ffnen. Auf diese Weise gibt es bestimmt Blutvergie�en. Man hat uns von den Mauern aus bereits gesehen, es sei denn, sie sind blind. Sie werden fr�her oder sp�ter jemanden schicken, um herauszufinden, wer und wie viele wir sind.� Die restliche Kolonne hielt sich hinter dem H�gel verborgen, und auch die Banner waren dort zur�ckgeblieben, aber Reiter auf einem H�gelkamm in Begleitung von T�chtern des Speers w�rden schon gen�gend Neugier erwecken. �Ich werde dies auf meine Art handhaben.� Seine Stimme wurde vor Ver�rgerung lauter, und er roch nach kaltem Zorn. �Niemand wird sterben, wenn es zu verhindern ist, Dashiva. Ich habe gen�gend Tote gesehen. Versteht Ihr mich? Niemand wird sterben!�</p><p>�Wie mein Lord Drache befiehlt.� Der Bursche neigte den Kopf, aber er klang ungehalten, und er roch...</p><p>Perrin rieb sich die Nase. Der Geruch ... unberechenbar, ein wilder Wechsel von Angst und Ha� und Zorn und einem Dutzend weiterer Empfindungen, fast zu schnell aufeinanderfolgend, um sie zu bestimmen. Perrin bezweifelte nicht mehr, da� der Mann wahnsinnig war, welch unschuldiges Gesicht er auch zeigte. Es k�mmerte ihn aber nicht mehr wirklich. So nahe...</p><p>Er grub Traber die Fersen in die Flanken, hielt auf die Stadt und Faile zu, ohne auf die anderen zu warten, und bemerkte kaum, da� Aram dicht hinter ihm war. Er mu�te Aram nicht sehen, um zu wissen, da� er es war. Er konnte nur noch an Faile denken. Wenn er Schwalbe sicher in die Stadt brachte... Er zwang sich, Traber nur in schnellem Schritt laufen zu lassen. Ein galoppierender Reiter zog Blicke und Fragen auf sich, was Verz�gerungen bedeutet h�tte.</p><p>In diesem Tempo holten diejenigen, die mit in die Stadt kamen, Aram und ihn nur allzu schnell ein. Min hatte anscheinend ihren Weg gefunden und Loial ebenso. Die T�chter des Speers verteilten sich voraus, und einige warfen Perrin mitf�hlende Blicke zu, w�hrend sie vor�berritten. Chiad blickte nur zu Boden.</p><p>�Dieser Plan gef�llt mir noch immer nicht�, murrte Havien neben Rand. �Verzeiht, mein Lord Drache, aber so ist es.�</p><p>Dobraine auf Rands anderer Seite brummte. �Das haben wir bereits besprochen, Mayener. Wenn wir Euren Vorstellungen gefolgt waren, h�tte man die Tore vor uns geschlossen, bevor wir auch nur eine Meile zur�ckgelegt h�tten.� Havien grollte leise, worauf sein Pferd unruhig wurde. Er hatte erreichen wollen, da� jeder einzelne Mann Rand in die Stadt folgte.</p><p>Perrin schaute �ber die Schulter und an Aram vorbei. Damer Flinn, an seinem Umhang zu erkennen, und einige wenige M�nner von den Zwei Fl�ssen waren auf dem H�gelkamm zu sehen, wo sie mit ihren Pferden standen. Perrin seufzte. Er h�tte nichts dagegen gehabt, einige von ihnen mitzunehmen. Aber Rand hatte wahrscheinlich recht, und Dobraine hatte ihn auch unterst�tzt.</p><p>Einige wenige M�nner konnten in die Stadt gelangen, was einem kleinen Heer nicht gelingen w�rde. Wenn die Tore geschlossen waren, w�rden die Aiel die Stadt st�rmen m�ssen, und dann begann das T�ten erneut. Rand hatte das Drachenszepter in einer der Satteltaschen des Pferdes verstaut, so da� nur der geschnitzte Knauf hervorsah, und sein Umhang sah nicht aus wie ein Kleidungsst�ck des Wiedergeborenen Drachen. Was die <emphasis>Asha'man</emphasis> betraf, so wu�te keiner der Stadtbewohner, was ein schwarzer Umhang bedeutete. Einige wenige M�nner waren auch leichter zu t�ten als ein kleines Heer, auch wenn die meisten von ihnen die Macht lenken konnten. Perrin hatte gesehen, wie ein Shaido-Speer einen <emphasis>Asha'man</emphasis> durchbohrt hatte, und der Mann war nicht schwerer gestorben als jeder andere auch.</p><p>Dashiva brummte leise etwas. Perrin h�rte �Held� und �Narr� in gleicherma�en ver�chtlichem Tonfall. W�re Faile nicht gewesen, h�tte er vielleicht zugestimmt. Rand sp�hte in Richtung des sich zwei oder drei Meilen �stlich der Stadt �ber die H�gel erstreckenden Aiel-Lagers, und Perrin hielt den Atem an, aber was Rand auch immer dachte - er ritt zumindest weiter. Nichts war wichtiger als Faile. Nichts, ob Rand der gleichen Meinung war oder nicht.</p><p>Ungef�hr eine halbe Meile vor den Toren ritten sie in ein anderes Lager ein, eines, das Perrin stirnrunzelnd betrachtete. Es war gro� genug, da� es eine Stadt h�tte sein k�nnen, ein dichtes Band von bauf�lligen Reisigh�tten und aus Fetzen gefertigten, wackeligen Zelten, auf verbranntem Boden und an hohe graue Mauern gedr�ngt, so weit man sehen konnte. Dieser Bereich war einst das Vortor genannt worden - ein �berv�lkerter Bezirk mit gewundenen Stra�en und Gassen -, bevor die Shaido ihn niederbrannten. Einige Menschen beobachteten schweigend, wie die seltsame Gesellschaft vor�berzog, der Ogier und die Aiel-T�chter des Speers, aber die meisten k�mmerten sich hastig und mit verdrossenem Gesicht um ihre Angelegenheiten und achteten darauf, nichts wahrzunehmen, was sich nicht unmittelbar vor ihnen ereignete. Die bunten Farben und der h�ufig abgelegte Putz, die die Vorortbewohner trugen, vermischten sich mit der f�r die Cairhiener gebr�uchlicheren d�steren Kleidung und den einfachen dunklen Kleidern der D�rfler und Bauern. Die Vorortbewohner waren in der Stadt gewesen, als Perrin sie verlassen hatte, zusammen mit Tausenden von Fl�chtlingen aus dem tieferen Landesinneren. Viele jener Gesichter wiesen jetzt Quetschungen, Schnitte und Risse auf, die h�ufig unverbunden waren. Colavaere mu�te sie vertrieben haben. Sie h�tten den Schutz der Mauern nicht freiwillig verlassen. Vorortbewohner und Fl�chtlinge f�rchteten die R�ckkehr der Shaido gleicherma�en.</p><p>Die Stra�e verlief mitten durch das Lager bis zu den Jangai-Toren, drei hohe, eckige, von T�rmen flankierte B�gen. M�nner mit Helmen schlenderten oben auf den Festungsmauern umher und sp�hten durch L�cken in den Steinzacken herab. Einige blickten zu den M�nnern auf dem H�gelkamm, und hier und da hielt ein Offizier mit einem <emphasis>Con</emphasis> ein Fernglas an die Augen. Rands kleine Gruppe zog fragende Blicke auf sich. M�nner zu Pferde und Aiel-T�chter des Speers - keine gew�hnlichen Gef�hrten. Armbruste tauchten auf der gezacken Mauer auf, aber niemand erhob die Waffe. Die eisenbeschlagenen Tore standen offen. Perrin hielt den Atem an. Er w�re am liebsten im Galopp zum Sonnenpalast und zu Faile geeilt.</p><p>Unmittelbar innerhalb der Tore stand ein aus Stein erbautes viereckiges Wachhaus, wo sich Stadtfremde anmelden sollten. Ein cairhienischer Offizier mit kantigem Gesicht beobachtete mit ver�rgertem Stirnrunzeln, wie sie vor�berritten, und be�ugte die T�chter des Speers unbehaglich. Er stand einfach nur da und schaute.</p><p>�Wie ich Euch gesagt habe�, bemerkte Dobraine, als sie das Wachhaus hinter sich gelassen hatten. �Colavaere hat f�r die Kr�nungsfeierlichkeiten freien Zugang zur Stadt gew�hrt. Das ist Tradition.� Es klang jedoch erleichtert. Min seufzte h�rbar, und Loial lie� einen Atemzug ausstr�men, den man noch zwei Stra�en weiter h�tte h�ren k�nnen. Perrins Brust war noch zu angespannt, als da� er h�tte seufzen k�nnen. Schwalbe war in Cairhien. Wenn er sie jetzt nur noch zum K�niglichen Palast bringen k�nnte.</p><p>Cairhien hielt aus der N�he, was es aus der Ferne versprochen hatte. Der h�chste H�gel lag innerhalb der Mauern, aber die H�gel waren terrassenf�rmig angeordnet, wodurch sie gar nicht mehr wie H�gel wirkten. Breite, bev�lkerte Stra�en trafen in rechten Winkeln aufeinander. In dieser Stadt bildeten sogar die Gassen Gitter. Die Stra�en hoben und senkten sich zum Teil mit den H�geln, schnitten aber auch h�ufig einfach durch sie hindurch. Alle Geb�ude von den L�den bis zu den Pal�sten waren starre Quadrate und strenge Rechtecke, auch die gro�en, durch Strebepfeiler gest�tzten T�rme auf den H�gelk�mmen, deren jeder von einem Ger�st umgeben war: die einst legend�ren T�rme von Cairhien, die noch immer im Wiederaufbau begriffen waren, nachdem sie im Aiel-Krieg verbrannt waren. Die Stadt schien h�rter als Stein, ein erdr�ckender Ort, und Schatten erstreckten sich �ber alles, was diese Wirkung noch erh�hte. Loials Pinselohren zuckten fast unaufh�rlich. Er runzelte besorgt die Stirn, und seine herabh�ngenden Augenbrauen streiften seine Wangen.</p><p>Es waren nur wenige Anzeichen der Kr�nungsfeierlichkeiten oder f�r Hoch Chasaline zu erkennen. Perrin wu�te nicht, was das Fest mit sich bringen w�rde, aber in den Zwei Fl�ssen war der Tag der Besinnung eine Zeit der Freude und des Vergessens der �de des Winters. Hier aber herrschte, trotz der vielen Menschen, fast Stille. Anderenorts h�tte Perrin vielleicht geglaubt, die unnat�rliche Hitze bedr�cke die Menschen, aber Cairhien war bis auf das Lager der Vorortbewohner ein n�chterner, strenger Ort. Zumindest oberfl�chlich. Er wollte lieber nicht dar�ber nachdenken, was darunter lag. Die Stra�enh�ndler und Wagenh�ker, an die er sich erinnerte, waren aus den Stra�en verschwunden, wie auch die Musikanten und Akrobaten und Puppenspieler. Sie hielten sich jetzt gewi� im Lager des P�bels au�erhalb der Mauern auf. Einige wenige geschlossene, dunkle Wagen f�delten sich durch die stille Menschenmenge, einige mit etwas gr��eren Hausbannern als der <emphasis>Con,</emphasis> der starr �ber allem stand. Sie bewegten sich genauso langsam voran wie die Ochsenkarren mit den nebenher laufenden, den Stachelstock schwenkenden F�hrern, und ihre Achsen quietschten in der Stille. Fremde fielen auf, gleichg�ltig wie dunkel ihre Hautfarbe war, weil nur wenige Menschen au�er den Fremden ritten. Die fast unvermeidlich kleineren Einheimischen wirkten in ihrer dunklen Kleidung wie bla�gesichtige Kr�hen. Nat�rlich fielen auch Aiel auf. Ob sie allein oder zu zehnt waren - sie durchschritten stets Freir�ume in der Menge. Blicke wurden ruckartig abgewendet, und L�cken er�ffneten sich um sie herum, wohin auch immer sie gingen.</p><p>Aielgesichter wandten sich der Gruppe zu, w�hrend sie sich langsam ihren Weg durch die Menge bahnte. Auch wenn nicht alle Rand in seinem gr�nen Umhang erkannten, wu�ten sie doch, wer ein gro�er, von T�chtern des Speers begleiteter Feuchtl�nder sein mu�te. Die Gesichter verursachten Perrin eine G�nsehaut. Jetzt war er dankbar daf�r, da� Rand alle Aes Sedai zur�ckgelassen hatte. Abseits der Aiel bewegte sich der Wiedergeborene Drache durch einen Strom der Gleichg�ltigkeit, der sich f�r die T�chter des Speers teilte und sich hinter den <emphasis>Asha'man</emphasis> wieder schlo�.</p><p>Der K�nigliche Palast von Cairhien, der Sonnenpalast, der Palast der prachtvoll aufgehenden Sonne - die Cairhiener waren gut darin, Namen zu ersinnen, deren jeder noch ausgefallener war als der vorige - stand auf dem h�chsten H�gel der Stadt, eine dunkle Masse kantiger Bl�cke mit alles �berragenden Stufent�rmen. Die Stra�e wurde zu einer langen, breiten, zum Palast hinauff�hrenden Rampe, und Perrin atmete tief durch, als sie den Aufstieg begannen. Faile war dort oben. Sie mu�te dort sein. Und sie mu�te in Sicherheit sein. Was auch immer sonst sie vorfinden w�rden - sie mu�te in Sicherheit sein. Er ber�hrte den Knoten, mit dem Schwalbes Z�gel an seinem Sattelknauf befestigt waren, und strich �ber die Streitaxt an seiner Taille. Die beschlagenen Pferdehufe hallten auf den Pflastersteinen laut wider, w�hrend die T�chter des Speers �berhaupt kein Ger�usch verursachten.</p><p>Die W�chter an den gro�en ge�ffneten Bronzetoren beobachteten ihre langsame Ann�herung und wechselten Blicke. Sie wirkten f�r cairhienische Soldaten farbenfreudig, zehn M�nner mit der goldenen aufgehenden Sonne auf den Brustharnischen und den unter die Spitzen ihrer Hellebarden gebundenen T�chern in den Farben des Hauses Saighan. Perrin h�tte ihre Gedanken aufschreiben k�nnen. Dreizehn Reiter, die es nicht eilig hatten und von denen nur zwei Harnische trugen, einer im Rot der Mayener. M�gliche Probleme w�rden durch Caraline Damodred und Toram Riatin entstehen. Au�erdem war da eine Frau, und ein Ogier. Sie wollten sicherlich keine Schwierigkeiten machen. Dennoch liefen ungef�hr drei Dutzend T�chter des Speers den Pferden voran, die nicht so aussahen, als k�men sie zum Tee. Die Situation hing einen Moment in der Schwebe. Dann verschleierte sich eine Tochter des Speers. Die W�chter zuckten zusammen, als w�ren sie gestochen worden, und einer neigte seine Hellebarde und kam eilig auf die Tore zu. Er tat zwei Schritte und blieb dann starr wie eine Statue stehen. Alle W�chter blieben starr stehen. Nur ihre K�pfe bewegten sich noch.</p><p>�Gut�, murmelte Rand. �Jetzt bindet die Str�me ab und la�t sie f�r sp�ter zur�ck.�</p><p>Perrin zuckte unbehaglich die Achseln. Die <emphasis>Asha'man</emphasis> hatten sich hinter ihnen verteilt und fast die gesamte Breite der Rampe eingenommen. Sie benutzten offensichtlich die Macht. Sehr wahrscheinlich k�nnten diese acht den ganzen Palast auseinandernehmen -was Rand vielleicht auch allein gel�nge. Aber wenn jene T�rme Armbrustpfeile zu speien begannen, w�rden auch sie zusammen mit allen anderen sterben, auf dieser freiliegenden Rampe gefangen, die auf einmal nicht mehr so breit wirkte.</p><p>Niemand beschleunigte seinen Schritt. Aller auf die hohen, schmalen Fenster des Palastes und auf die hoch �ber ihnen gelegenen S�uleng�nge gerichteten Augen konnten nichts Ungew�hnliches entdecken. Sulin verst�ndigte sich schnell in der Zeichensprache der T�chter des Speers, und die Tochter des Speers, die sich verschleiert hatte, senkte das schwarze Tuch mit ger�tetem Gesicht eilig wieder. Es war ein langsamer Zug, der die Steinrampe hinaufschlich. Einige der W�chter sch�ttelten mit rollenden Augen die behelmten K�pfe. Ein W�chter schien ohnm�chtig geworden zu sein, da er mit dem Kinn auf der Brust aufrecht zusammengesunken war. Ihre M�nder waren ge�ffnet, aber kein Laut drang hervor. Perrin wollte lieber nicht dar�ber nachdenken, was sie geknebelt hatte. Sie zogen langsam durch die ge�ffneten Bronzetore und in den Haupthof.</p><p>Hier waren keine Soldaten zu sehen. Die Steinbalkone rund um den Hof waren unbesetzt. Livrierte Diener eilten mit gesenkten Blicken herbei, um die Z�gel der Pferde zu �bernehmen und die Steigb�gel zu halten. Rote, gelbe und silberne Streifen verliefen die �rmel ansonsten dunkler Gew�nder hinab, und jeder Diener trug eine kleine aufgehende Sonne auf der linken Brustseite. Das war eine gr��ere Farbenpracht, als Perrin bisher bei cairhienischen Dienern gesehen hatte. Sie konnten die W�chter drau�en nicht sehen, h�tten aber auch kaum anders gehandelt, wenn sie diese h�tten sehen k�nnen. In Cairhien spielten Diener ihre eigene Version von <emphasis>Daes Dae'mar,</emphasis> dem Spiel der H�user, und gaben vor, die Taten der �ber ihnen Stehenden nicht zu bemerken. Wenn man zu offensichtlich bemerkte, was unter den Bessergestellten vor sich ging - oder dabei ertappt wurde -, mochte man miteinbezogen werden. In Cairhien und vielleicht auch in den meisten anderen L�ndern konnten gew�hnliche Menschen dort, wo die M�chtigen entlangschritten, unbemerkt zertreten werden.</p><p>Eine stattliche Frau f�hrte Traber und Schwalbe davon, ohne Perrin auch nur einmal richtig anzusehen. Schwalbe war im Sonnenpalast - und es bedeutete keinen Unterschied. Er wu�te noch immer nicht, ob Faile lebte oder tot war. Die t�richte Phantasie eines dummen Jungen.</p><p>Er verlagerte die Streitaxt an seiner Taille, folgte Rand die breite graue Treppe am Ende des Hofes hinauf und nickte Aram <emphasis>zu,</emphasis> als dieser erneut �ber die Schulter griff, um sein Schwert zurechtzur�cken. Livrierte M�nner �ffneten schwungvoll die gro�en T�ren oben an der Treppe, die ebenso aus Bronze bestanden wie die �u�eren Tore und gro�z�gig mit der aufgehenden Sonne von Cairhien gekennzeichnet waren.</p><p>Fr�her h�tte die Eingangshalle Perrin mit ihrer Pracht beeindruckt. Dicke kantige Pfeiler aus dunklem Marmor hielten eine eckig gew�lbte, zehn Fu� �ber abwechselnd dunkelblauen und tiefgoldenen Bodenfliesen aufragende Decke. Vergoldete aufgehende Sonnen waren um die Gesimse angeordnet, und in die W�nde gemei�elte Friese zeigten cairhienische Triumphe. Die Halle war leer, bis auf eine Handvoll junger M�nner, die unter einem der Friese zusammenstanden und in Schweigen versanken, als Perrin und die anderen eintraten.</p><p>Dann erkannte Perrin, da� nicht alle M�nner waren. Zwar trugen sie alle Schwerter, aber vier der sieben waren Frauen, in Umh�ngen und engen Hosen, die Mins sehr �hnlich waren, und ihr Haar war genauso kurz geschnitten wie das der M�nner, was nicht besonders kurz bedeutete. M�nner und Frauen hatten es gleicherma�en zu einer Art Pferdeschwanz zusammengenommen, der bis auf die Schultern reichte und mit einem dunklen Band gebunden war. Eine der Frauen trug ein etwas helleres Gr�n als bei Cairhienern �blich, und eine andere ein strahlendes Blau. Die �brigen waren in dunkle Farben mit wenigen hellen Streifen �ber der Brust gekleidet. Sie betrachteten Rands Gruppe - und besonders ihn, wie Perrin erkannte; seine gelben Augen �berraschten die Menschen, obwohl er es kaum noch bemerkte, es sei denn, jemand zuckte zur�ck oder machte Aufhebens davon -, musterten sie schweigend, bis auch der letzte <emphasis>Asha'man</emphasis> die Halle betreten hatte und die T�ren zufielen. Einen Moment �berlagerte das Dr�hnen der sich schlie�enden T�ren das kurzzeitige heftige Fl�stern. Dann stolzierten sie n�her heran, wobei die Frauen noch anma�ender einherschritten als die M�nner, was schon eine Leistung war. Sogar ihr Niederknien wirkte anma�end.</p><p>Die gr�n gekleidete Frau schaute zu der Frau in Blau, die den Kopf senkte und sagte: �Mein Lord Drache, ich bin Camaille Nolaisen. Selande Darengil f�hrt unsere Gruppe an...� Sie blinzelte, als die Frau in Blau ihr einen scharfen Blick zuwarf. Trotz des Blicks roch Selande zutiefst ver�ngstigt, wenn Perrin richtig herausgesp�rt hatte, zu wem der Geruch geh�rte. Camaille r�usperte sich und fuhr fort: �Wir dachten nicht... Wir hatten nicht erwartet, da� Ihr ... so bald zur�ckkehrt.�</p><p>�Ja�, sagte Rand leise. �Ich bezweifle, da� irgend jemand erwartet hat, <emphasis>da�</emphasis> ich ... so bald zur�ckkehre. Niemand von Euch hat Grund, mich zu f�rchten. �berhaupt niemand. Wenn Ihr etwas glauben wollt, dann das.� Bei diesen Worten sah er �berraschenderweise direkt Selande an. Ihr Kopf ruckte hoch und sie betrachtete ihn, w�hrend der Angstgeruch verging. Nicht vollst�ndig, aber weitgehend. �Wo ist Colavaere?� fragte Rand.</p><p>Camaille �ffnete den Mund, aber Selande antwortete.</p><p>�In der Gro�en Halle der Sonne.� Ihre Stimme wurde beim Sprechen bestimmter und der Angstgeruch schw�cher. Seltsamerweise war kurzzeitig leichte Eifersucht im Spiel, nur einen Augenblick, als sie Min ansah. Manchmal war Perrins Geruchssinn eher verwirrend als erleuchtend. �Dort findet die dritte Sonnenuntergangsversammlung statt�, fuhr sie fort. �Wir sind nicht wichtig genug, um daran teilnehmen zu d�rfen. Au�erdem glaube ich, da� wir Colavaere Unbehagen bereiten.�</p><p>�Die dritte Versammlung�, murmelte Dobraine. �Es ist bereits der neunte Sonnenuntergang nach ihrer Kr�nung. Sie hat keine Zeit verschwendet. Zumindest werden sie alle zusammen sein. Niemand irgendeines Ranges oder mit irgendwelchen Anspr�chen wird die Versammlung vers�umen, gleichg�ltig ob Cairhiener oder Tairener.�</p><p>Selande richtete sich auf, und es gelang ihr, den Eindruck zu erwecken, als w�rde sie Rand offen ansehen. �Wir sind bereit, die Klingen f�r Euch tanzen zu lassen, mein Lord Drache.� Sulin zuckte zusammen und sch�ttelte den Kopf, und eine andere Tochter des Speers st�hnte h�rbar. Mehrere wirkten und rochen bereit, auf der Stelle Gewalt anzuwenden. Die Aiel konnten sich nicht entscheiden, was mit diesen jungen Feuchtl�ndern zu tun sei. Aus der Sicht der Aiel bestand die Schwierigkeit darin, da� sie in gewisser Weise Aiel zu sein und dem <emphasis>Ji'e'toh zu</emphasis> folgen versuchten - allerdings auf ihre Art. Diese Sieben waren nicht alle. Es gab mindestens Hunderte dieser Schwachsinnigen, die �berall in der Stadt anzutreffen waren, in Gemeinschaften organisiert, und eine Nachahmung der Aiel darstellten. Die H�lfte der Aiel, die Perrin sie hatte erw�hnen h�ren, wollten helfen, und die andere H�lfte wollten sie erw�rgen.</p><p>Perrin k�mmerte es nicht, ob sie das <emphasis>Ji'e'toh</emphasis> entehrten. �Wo ist meine Frau?� verlangte er zu wissen. �Wo ist Faile?� Die jungen Narren wechselten vorsichtige Blicke. Vorsichtige!</p><p>�Sie ist ebenfalls in der Gro�en Halle der Sonne�, sagte Selande z�gernd. �Sie ist eine von K�nigin ... von Colavaeres Zofen.�</p><p>�H�r auf zu starren�, fl�sterte Min. �Sie mu� einen guten Grund daf�r haben. Du wei�t, da� es so sein mu�.�</p><p>Perrin zuckte in seinem Umhang die Achseln und versuchte sich zusammenzurei�en. Eine von Colavaeres <emphasis>Zofen?</emphasis> Welchen Grund auch immer sie daf�r hatte -es mu�te wirklich ein guter Grund sein. Soviel wu�te er mit Bestimmtheit. Aber was mochte der Grund daf�r sein?</p><p>Selande und die anderen wechselten erneut vorsichtige Blicke. Einer der M�nner, ein junger Bursche mit spitzer Nase, fl�sterte heftig: �Wir haben geschworen, es niemandem zu sagen! Niemandem! Beim Wassereid!�</p><p>Bevor Perrin Aufkl�rung verlangen konnte, sprach Rand. �Selande, f�hrt uns zur Gro�en Halle. Es werden keine Klingen gezogen werden. Ich bin hier, damit alle, die es verdienen, Gerechtigkeit erfahren.�</p><p>Etwas in seiner Stimme lie� Perrins Nackenhaare sich aufrichten. Eine unendliche H�rte hatte darin mitgeklungen. Faile <emphasis>hatte</emphasis> einen guten Grund. Sie mu�te ihn haben.</p></section><section><title><p>5</p><p>Eine zerbrochene Krone</p></title><p>So breit und hoch die G�nge auch waren, sie schienen trotz hoher vergoldeter Kandelaber, die entz�ndet worden waren, wo immer das Tageslicht nicht hingelangte, doch eng und d�ster. Wenige Wandteppiche hingen weit auseinander an den W�nden, Jagd- oder Kampfszenen, auf denen Menschen und Tiere pr�ziser angeordnet waren, als die Natur es jemals h�tte bewerkstelligen k�nnen. In vereinzelten Nischen standen Schalen und Vasen und hin und wieder eine kleine Statue aus Gold, Silber oder Alabaster.</p><p>Die Stille der Stadt war hier noch verst�rkt sp�rbar. Ihre Stiefelschritte hallten auf den Bodenfliesen wider, ein hohler, vorahnungsvoller Marschtakt, und Perrin glaubte nicht, da� es nur f�r ihn so klang. Loials Ohren bebten bei jedem Schritt, und er sp�hte Querg�nge hinab, als frage er sich, was wohl hervorspringen k�nnte. Min hielt sich starr aufrecht, schritt lebhaft aus und verzog kl�glich das Gesicht, wann immer sie Rand ansah. Sie schien bem�ht, nicht n�her an ihn heranzutreten, und deshalb unzufrieden mit sich selbst zu sein. Die jungen Cairhiener stolzierten wie Pfauen einher, aber diese �berheblichkeit verging, als das Trommeln ihrer Fersen widerhallte. Sogar die T�chter des Speers sp�rten es. Sulin war die einzige, deren Hand nicht ab und an zu dem �ber ihrer Brust herabh�ngenden Schleier zuckte.</p><p>Nat�rlich waren �berall Diener zu sehen, blasse, schmalgesichtige M�nner und Frauen in dunklen Gew�ndern mit der aufgehenden Sonne �ber der linken Brust und den Streifen in Colavaeres Farben auf den �rmeln. Einige gafften, als sie Rand im Vor�bergehen wiedererkannten. Eine Handvoll sank mit gebeugtem Kopf auf die Knie. Aber die meisten gingen nach einer tiefen Verbeugung oder einem Hofknicks weiterhin ihren Aufgaben nach. Es war genauso wie im Hof. Zeige den H�herstehenden den angemessenen Respekt wer auch immer sie sind. Gehorche ihnen und achte ansonsten nicht auf ihre Handlungen, dann wirst du vielleicht nicht darin verstrickt werden. Es war eine Denkungsart, die Perrin mit den Z�hnen knirschen lie�.</p><p>Zwei Burschen in Colavaeres Livree, die vor den gold�berzogenen T�ren zur Gro�en Halle der Sonne standen, runzelten beim Anblick der T�chter des Speers - und vielleicht auch der jungen Cairhiener -die Stirn. �ltere Leute sahen die J�nglinge, die sich genauso verhielten wie die Aiel, gew�hnlich fragend an. Viele Eltern hatten versucht, dem ein Ende zu setzen, hatten den S�hnen und T�chtern befohlen, damit aufzuh�ren, hatten die Waffentr�ger und Diener angewiesen, gleichgesinnte S�hne und T�chter wie gew�hnliche Vagabunden oder Raufbolde davonzujagen.</p><p>Perrin w�re nicht �berrascht gewesen, wenn diese T�rw�chter ihre gold�berzogenen St�be erhoben h�tten, um Selande und ihre Freunde, ob sie nun Adlige waren oder nicht, und vielleicht sogar die T�chter des Speers daran zu hindern, durch den ge�ffneten Eingang zu treten. Nur wenige Cairhiener wagten es noch immer, die Aiel als Wilde zu bezeichnen, zumindest dort, wo sie geh�rt werden konnten, aber die meisten dachten es. Die beiden Wachen rissen sich zusammen, atmeten tief durch - und sahen Rand dann �ber die K�pfe der T�chter des Speers hinweg, woraufhin ihnen fast die Augen herausfielen. Sie betrachteten einander von der Seite und sanken dann auf die Knie. Der eine sah starr zu Boden, w�hrend der andere fest die Augen schlo�, und Perrin h�rte ihn leise beten.</p><p>�Also werde ich geliebt�, sagte Rand leise. Er h�rte sich kaum selbst. Min ber�hrte mit schmerzerf�lltem Gesicht seinen Arm. Rand t�tschelte ihre Hand, ohne sie anzusehen, und aus irgendeinem Grund schien das ihren Schmerz noch zu vergr��ern.</p><p>Die Gro�e Halle der Sonne war gewaltig, mit einer in Facetten gew�lbten Decke, die an ihrem h�chsten Punkt f�nfzig Fu� hoch war, und gro�artigen goldenen Lampen, die an dicken, gold�berzogenen Ketten herabhingen. Die Halle war riesig und voller Menschen, die sich zwischen den wuchtigen, kantigen S�ulen aus blauschwarz durchzogenem Marmor zusammenscharten, die zu beiden Seiten des Mittelgangs zweireihig aufragten. Die im Hintergrund Stehenden bemerkten die Neuank�mmlinge zuerst. In langen und kurzen Umh�ngen, einige in bunten Farben oder mit Stickereien, einige in von der Reise zerschlissener Kleidung, sahen sie sie neugierig an. Und angespannt. Die wenigen Frauen im Hintergrund der Halle trugen Reitgew�nder. Ihre Gesichter waren genauso hart wie die der M�nner und die Blicke genauso direkt.</p><p>J�ger des Horns, dachte Perrin. Dobraine hatte gesagt, da� jeder Adlige dort sein w�rde, der dort sein konnte, und die meisten J�ger waren adlig geboren oder behaupteten es zumindest. Ob sie Rand erkannten oder nicht - sie sp�rten etwas. H�nde tasteten nach Schwertern und Dolchen, die heute abend nicht an ihrem Platz waren. Die meisten J�ger suchten durch das Horn von Valere Abenteuer und einen Platz in der Geschichte. Selbst wenn sie den Wiedergeborenen Drachen noch nie gesehen hatten, erkannten sie eine Gefahr, wenn sie sie sahen.</p><p>Die anderen in der Gro�en Halle waren weniger auf Gefahren eingestellt. Genauer gesagt, waren sie eher auf Machenschaften und Intrigen eingestellt als auf offenen Kampf. Perrin hatte dicht hinter Rand ein Drittel des Weges den Mittelgang entlang zur�ckgelegt, als ein Keuchen den Raum durchlief wie ein Windsto�. Hier befanden sich blasse cairhienische Lords mit farbenfrohen Schlitzen �ber der Brust ihrer dunklen Seidenumh�nge, von denen einige ihre K�pfe vorn rasiert und gepudert hatten; cairhienische adlige Damen mit Streifen auf ihren dunklen, hochgeschlossenen Gew�ndern und Spitzen �ber den H�nden, das Haar kompliziert aufget�rmt, was h�ufig gut einen Fu� zus�tzlicher Gr��e bedeutete; tairenische Hohe Herren mit ge�lten und gestutzten Barten in Samth�ten und Umh�ngen in Rot, Blau und allen anderen Farben und mit bauschigen, satingestreiften �rmeln; tairenische adlige Damen in noch farbenpr�chtigeren Gew�ndern, mit breiten Spitzenhalskrausen und engen, mit Perlen und Mondsteinen, Feuertropfen und Rubinen besetzten Hauben. Sie kannten Perrin, und sie kannten Dobraine und sogar Havien und Min, aber am wichtigsten war, da� sie Rand kannten.</p><p>Erkenntnisvolle Unruhe herrschte. Augen weiteten sich, Kinne sanken herab, und die Menschen wurden so starr, da� Perrin fast glaubte, die <emphasis>Asha'man</emphasis> h�tten sie wie die W�chter au�erhalb des Palasts gebunden. Der Raum war ein Meer s��er D�fte und darunterliegender Unterstr�mungen salzigen Schwei�es - all das von einer Art zitterndem Geruch der Angst durchdrungen.</p><p>Perrin wandte seine ganze Aufmerksamkeit jedoch dem entgegengesetzten Ende der Halle zu, dem tiefblauen Marmorpodest, auf dem der Sonnenthron stand, goldschimmernd wie seine Namensvetterin, die aufgehende Sonne, die mit ihren gewundenen Strahlen gro� von der R�ckenlehne herableuchtete. Colavaere erhob sich langsam und sp�hte �ber Rands Kopf hinweg den Gang hinab. Ihr fast schwarzes Gewand trug keinen einzigen Adelsstreifen, aber die sich �ber ihrem Kopf erhebende Lockenmasse mu�te um die Krone herum aufgesteckt worden sein, die sie trug: die aufgehende Sonne aus goldenen und gelblichen Edelsteinen. Sieben junge Frauen in Gew�ndern mit dunklen Leibchen, eng unter dem Kinn anliegender Spitze und in Colavaeres senkrecht gelb und rot und silbern gestreiften R�cken flankierten den Thron. Anscheinend war die cairhienische Mode f�r die K�nigin und ihre Bediensteten ge�ndert worden.</p><p>Eine leichte Bewegung hinter dem Thron machte auf eine achte Frau aufmerksam, die verborgen stand, aber Perrin k�mmerte weder Colavaere noch sonst jemand au�er der Frau unmittelbar zu ihrer Rechten. Faile. Ihre leicht schr�gstehenden Augen hefteten sich auf ihn - dunkle, fl�ssige Monde - und doch �nderte sich ihr k�hler, sittsamer Gesichtsausdruck keinen Deut. Wenn �berhaupt eine Ver�nderung eintrat, dann wurde ihr Gesicht nur noch angespannter. Er bem�hte sich, ihren Geruch aufzunehmen, aber die D�fte und die Angst waren zu stark. Sie hatte einen Grund daf�r, dort auf dem Podest zu stehen, einen guten Grund. So war es.</p><p>Rand ber�hrte Sulin am �rmel. �Wartet hier�, sagte er. Sie blickte ihn stirnrunzelnd an, die Narbe auf ihrem lederartigen Gesicht genauso wei� hervorstechend wie ihr Haar, und nickte dann widerwillig. Sie vollf�hrte mit der freien Hand eine Geste, und ein weiteres Keuchen durchlief den Raum, als sich die T�chter des Speers verschleierten. Es war beinahe l�cherlich. Die acht M�nner in den schwarzen Umh�ngen, die alles gleichzeitig im Auge zu behalten versuchten, k�nnten sie wahrscheinlich alle t�ten, bevor die erste Tochter des Speers ihre Waffe gef�hrt h�tte, aber niemand wu�te, wer oder was sie waren.</p><p>Niemand sah sie ein zweites Mal an, diese Handvoll M�nner mit ihren in den Scheiden steckenden Schwertern. Sie beobachteten nur die T�chter des Speers. Und Rand. Hatten sie nicht bemerkt, da� keiner jener M�nner auch nur einen Tropfen mehr Schwei� vergo� als Rand? Perrin hatte das Gef�hl, in seinem Schwei� gebadet zu sein.</p><p>Rand trat mit Min an seine Seite, an den T�chtern des Speers vorbei und blieb dann stehen, bis zuerst Perrin und dann auch Dobraine und Havien sich ihm angeschlossen hatten. Und nat�rlich Aram, der wie Perrins Schatten war. Rand betrachtete sie, aber vor allem Perrin, nacheinander genau und nickte dann. Der grauhaarige Cairhiener und der junge Mayener zeigten einen einer Totenmaske �hnlichen Gesichtsausdruck. Perrin wu�te nicht, wie sein Ausdruck wirkte, aber er hatte die Kiefer fest zusammengepre�t. Niemand w�rde Faile Schaden zuf�gen, gleichg�ltig was sie getan hatte und gleichg�ltig warum. Und ungeachtet dessen, was er tun mu�te, um es zu verhindern.</p><p>Ihre Stiefel dr�hnten in der Stille laut, als sie �ber das gewaltige goldene Mosaik der aufgehenden Sonne auf dem blau gefliesten Boden schritten und sich dem Thron n�herten. Colavaere verschr�nkte die H�nde in ihren R�cken und benetzte ihre Lippen, w�hrend ihr Blick hastig zwischen Rand und den T�ren hinter ihm hin und her schwankte.</p><p>�Sucht ihr die Aes Sedai?� Rands Stimme hallte wider. Er l�chelte unfreundlich. �Ich habe sie ins Aiel-Lager geschickt. Wenn die Aiel sie keine Manieren lehren k�nnen, dann kann es niemand.� Entsetztes Murmeln setzte ein. Perrin roch jetzt die Angst st�rker als die D�fte.</p><p>Colavaere zuckte zusammen. �Warum sollte ich...?� Sie atmete tief durch und nahm ihre W�rde zusammen. Colavaere war eine �beraus h�bsche Frau mittleren Alters, mit einer Spur Grau im Haar. Jetzt legte sie eine k�nigliche Haltung an den Tag, die nichts mit der Krone zu tun hatte. Sie war zum Befehlen geboren, zum Regieren, wie sie glaubte. Und ihre Augen, die absch�tzig blickten, zeugten von einer scharfen Intelligenz. �Mein Lord Drache�, sagte sie und vollf�hrte einen tiefen, sich fast selbst verspottenden Hofknicks, �ich hei�e Euch hier willkommen. Cairhien hei�t Euch hier willkommen.� Sie wiederholte sich scheinbar selbst.</p><p>Rand erklomm gem�chlich die Stufen des Podests. Min wollte ihm schon folgen, kreuzte aber dann nur die Arme und blieb stehen. Perrin folgte ihm, um Faile n�her zu sein, aber nur ein St�ck. Ihr Blick hatte ihn innehalten lassen. Es war ein ebenso absch�tzender Blick gewesen wie derjenige Colavaeres. Und ihm genauso wie Rand zugedacht. Perrin w�nschte, er k�nnte ihren Geruch aufnehmen. Nicht um das Warum oder Wie zu erkennen, sondern nur, um sie zu riechen. Aber die D�fte und die Angst waren immer noch zu stark. Warum sagte sie nichts? Warum kam sie nicht zu ihm? Oder l�chelte wenigstens? Er brauchte nur ein L�cheln.</p><p>Colavaere erstarrte unmerklich. Ihr Kopf reichte Rand gerade bis zur Brust, obwohl ihr aufget�rmtes Haar fast seine H�he erreichte. Sein Blick schweifte von ihr �ber die Frauen, die zu beiden Seiten des Throns aufgereiht standen. Vielleicht hielt er bei Faile inne, aber Perrin war sich dessen nicht sicher.</p><p>Rand legte seine Hand auf eine wuchtige Lehne des Sonnenthrons. �Ihr wi�t, da� ich diesen Thron Elayne Trakand �bergeben will.� Seine Stimme klang unbewegt.</p><p>�Mein Lord Drache�, wiederholte Colavaere glatt, �Cairhien war zu lange ohne Regent - ohne einen cairhienischen Regent. Ihr sagtet, Ihr selbst h�ttet kein Interesse am Sonnenthron. Elayne Trakand h�tte einen gewissen Anspruch darauf gehabt�, eine kleine, schnelle Geste tat diesen Anspruch ab, �wenn sie noch lebte. Ger�chte besagen, sie sei tot, genau wie ihre Mutter.� Es war gef�hrlich, das auszusprechen, denn viele dieser Ger�chte besagten au�erdem, Rand habe Mutter und Tochter get�tet. Colavaere war kein Feigling.</p><p>�Elayne lebt.� Die Worte kamen noch immer gleichm�tig hervor, aber Rands Augen gl�hten. Perrin konnte seinen Geruch genauso wenig ausmachen wie Failes, aber er brauchte seine Nase nicht, um unmittelbar vor sich verhaltenen Zorn zu erkennen. �Sie wird die Kronen Andors und Cairhiens tragen.�</p><p>�Mein Lord Drache, Geschehenes kann nicht ungeschehen gemacht werden. Wenn Euch etwas gekr�nkt hat...�</p><p>Colavaere hatte, trotz all ihrer W�rde und ihres Mutes, sichtlich M�he, nicht zusammenzuzucken, als Rand die Hand ausstreckte und die Sonnenkrone ergriff. Ein lautes Krachen brechenden Metalls erklang, und die Krone bog sich. Colavaeres aufget�rmte Locken gerieten kaum in Unordnung, als sie sich daraus l�ste. Einige gelbe Edelsteine sprangen aus ihrer Fassung und fielen zu Boden. Rand hielt den gestreckten Metallreif in der Hand, und er bog sich langsam wieder zur�ck, bis sich die Enden erneut ber�hrten, und... Vielleicht konnten die <emphasis>Asha'man</emphasis> sehen, was geschah, und vielleicht konnten sie es auch verstehen, aber f�r Perrin schien die Krone einen Moment zerbrochen und war im n�chsten Augenblick wieder heil. Keiner der Adligen gab einen Laut von sich, und nicht einmal Stiefelscharren war zu h�ren. Perrin dachte, sie f�rchteten sich, sich zu regen. Er roch jetzt vor allem h�chstes Entsetzen.</p><p>�Was auch immer geschehen kann�, sagte Rand leise, �kann auch wieder ungeschehen gemacht werden.�</p><p>Alle Farbe wich aus Colavaeres Gesicht. Die wenigen Str�hnen, die der aufget�rmten Haarpracht entschl�pft waren, lie�en sie wie eine Wilde wirken, aber eine in Schach gehaltene Wilde. Sie schluckte und �ffnete dann zwei Mal den Mund, bevor Worte hervordrangen. �Mein Lord Drache...� Es war ein heiseres Fl�stern, aber ihre Stimme wurde kr�ftiger, als sie fortfuhr, wenn auch von Verzweiflung gepr�gt. Sie schien zu vergessen, da� noch anderen Menschen da waren. �Ich habe die von Euch aufgestellten Gesetze und Richtlinien eingehalten. Sogar jene, die den alten Gesetzen Cairhiens und allen Gebr�uchen entgegenstehen.� Sie meinte wahrscheinlich jene Gesetze, die dazu gef�hrt hatten, da� ein Adliger ungestraft einen Bauern oder Arbeiter t�ten durfte. �Mein Lord Drache, Ihr k�nnt den Sonnenthron vergeben. Ich ... wei� das. Ich ... ich habe falsch gehandelt, ihn ohne Eure Erlaubnis einzunehmen. Aber ich habe von Geburt und Abstammung her das Recht darauf. Wenn ich ihn aus Eurer Hand bekommen mu�, dann gebt ihn mir, mit Eurer Hand. Ich habe das Recht darauf!� Rand sah sie nur an. Er schwieg. Er schien zuzuh�ren, aber nicht ihr.</p><p>Perrin r�usperte sich. Warum zog Rand es in die L�nge? Es war vollbracht, oder doch ann�hernd. Sollte alles andere, was noch getan werden mu�te, getan werden. Dann konnte er Faile irgendwo hinbringen, um mit ihr zu reden. �Hattet Ihr das Recht, Lord Maringil und Hochlord Meilan umzubringen?� fragte Perrin. Er hegte keinerlei Zweifel daran, da� sie es getan hatte. Sie waren ihre gr��ten Rivalen bei der Erlangung des Throns gewesen. Oder zumindest hatte sie - und die beiden anderen - dies geglaubt. Warum stand Rand nur da? Er wu�te das alles auch. �Wo ist Berelain?�</p><p>Er wollte den Namen wieder zur�cknehmen, noch bevor er ihn vollst�ndig ausgesprochen hatte. Faile sah ihn nur an, das Gesicht eine k�hle Maske, aber ihr Blick h�tte Wasser entflammen k�nnen. �Eine eifers�chtige Ehefrau ist wie ein Hornissennest in der Matratze�, hie� es. Gleichg�ltig wie sehr man sich wand - man wurde gestochen.</p><p>�Ihr wagt es, mich eines solch abscheulichen Verbrechens zu bezichtigen?� verlangte Colavaere zu wissen. �Daf�r gibt es keinen Beweis. Es kann keinen Beweis geben! Weil ich unschuldig bin.� Sie schien sich j�h bewu�t zu werden, wo sie sich befand, wie auch der zwischen den S�ulen dicht zusammengedr�ngt stehenden Adligen, die sie anstarrten und ihr zuh�rten. Was auch immer man sonst von ihr behaupten konnte - sie hatte Mut. Sie richtete sich kerzengerade auf und bem�hte sich, Rand in die Augen zu sehen, ohne den Kopf zu weit zur�ckzuneigen. �Mein Lord Drache, vor neun Tagen wurde ich bei Sonnenaufgang gem�� den Gesetzen und Br�uchen Cairhiens zur K�nigin von Cairhien gekr�nt. Ich werde meinen Treueschwur Euch gegen�ber einhalten, aber ich <emphasis>bin</emphasis> die K�nigin von Cairhien.� Rand sah sie nur schweigend an - und beunruhigt, wie Perrin behauptet h�tte. �Mein Lord Drache, ich bin die K�nigin, es sei denn, Ihr wolltet alle Eure Gesetze verwerfen.� Rand schwieg noch immer und sah sie unbewegt an.</p><p><emphasis>Warum setzt er dem kein Ende?</emphasis> fragte Perrin sich.</p><p>�Diese Anschuldigungen gegen mich sind unwahr. Sie sind absurd!� Nur dieser ruhige Blick als Antwort. Colavaere wandte unbehaglich den Kopf. �Annoura, beratet mich. Kommt, Annoura! Steht mir bei!�</p><p>Perrin dachte, sie spr�che zu einer der Frauen bei Faile, aber die Frau, die hinter dem Thron hervortrat, trug nicht die gestreiften R�cke einer Bediensteten. Sie hatte ein breites Gesicht mit einem gro�en Mund und einer Hakennase und betrachtete Rand unter Dutzenden langer, d�nner, dunkler Z�pfe hervor. Es war ein altersloses Gesicht. Zu Perrins �berraschung stie� Havien einen Laut aus und grinste, w�hrend sich Perrins Nackenhaare aufstellten.</p><p>�Ich kann das nicht tun, Colavaere�, sagte die Aes Sedai mit tarabonischem Akzent, w�hrend sie ihre mit grauen Fransen besetzte Stola zurechtzog. �Ich f�rchte, ich habe es zugelassen, da� Ihr meine Beziehung zu Euch mi�verstehen konntet.� Sie atmete tief durch und f�gte hinzu: �Dies ... dies ist nicht n�tig, Meister al'Thor.� Ihre Stimme schwankte einen Moment. �Oder mein Lord Drache, wenn Euch das lieber ist. Ich versichere Euch, ich hege Euch gegen�ber keine b�sen Absichten. Wenn dem so w�re, h�tte ich gehandelt, bevor Ihr wu�tet, da� ich hier war.�</p><p>�Dann h�ttet Ihr sehr wohl sterben k�nnen.� Rands Stimme klang eisig und stahlhart, obwohl sein Gesicht die Worte sanft erscheinen lie�. �Ich bin nicht derjenige, der Euch abschirmen l��t, Aes Sedai. Wer seid Ihr? Warum seid Ihr hier? Antwortet mir! Ich habe nicht viel Geduld mit ... Menschen Eurer Art. Oder wollt Ihr ins Aiel-Lager hinausbef�rdert werden? Ich wette, da� die Weisen Frauen Euch dazu bringen k�nnten, freim�tig zu sprechen.�</p><p>Annoura war nicht schwer von Begriff. Ihr Blick scho� zu Aram und dann zu dem Gang, in dem die <emphasis>Asha'man</emphasis> standen. Und sie begriff. Er mu�te auf sie anspielen, auf jene M�nner in ihren schwarzen Umh�ngen, die grimmigen Gesichter trocken, obwohl alle anderen au�er ihrem und Rands Gesicht vor Schwei� schimmerten. Der junge Jahar beobachtete sie, wie ein Falke ein Kaninchen beobachtet. Loial stand unpassenderweise mitten unter ihnen, die Streitaxt an seine Schulter gelehnt. Eine gro�e Hand hielt m�hsam ein Tintenfa� und ein ge�ffnetes Buch, das er unbeholfen an die Brust pre�te, w�hrend er mit der anderen Hand so schnell schrieb, wie er die Feder, die dicker war als Perrins Daumen, eintauchen konnte. Er machte sich Notizen. Hier!</p><p>Die Adligen h�rten Rand genauso gut wie Annoura. Sie hatten die verschleierten T�chter des Speers unbehaglich betrachtet, aber jetzt wichen sie vor den <emphasis>Asha'man</emphasis> zur�ck, dr�ngten sich zusammen wie Fische in einem Fa�. Hier und da brach jemand ohnm�chtig zusammen, wurde aber von der Menge gehalten.</p><p>Annoura richtete bebend ihre Stola und erlangte die ber�hmte Aes-Sedai-Haltung zur�ck. �Ich bin Annoura Larisen, mein Lord Drache. Von der Grauen Ajah.� Nichts an ihr lie� darauf schlie�en, da� sie ged�mpft war und sich in Gegenwart von Menschen befand, die die Macht lenken konnten. Ihre Antwort wirkte eher gn�dig. �Ich bin die Beraterin Berelains, der Ersten von Mayene.� Darum grinste Havien also wie ein Verr�ckter. Er hatte die Frau erkannt. Perrin empfand absolut nicht das Bed�rfnis zu grinsen. �Es ist aufgrund der Haltung Tears sowohl gegen�ber Mayene als auch gegen�ber den Aes Sedai geheimgehalten worden, wie Ihr gewi� versteht�, fuhr sie fort, �aber ich denke, da� die Zeit f�r Geheimnisse jetzt vor�ber ist.� Annoura wandte sich Colavaere zu und pre�te die Lippen zusammen. �Ich habe Euch glauben lassen, was Ihr glauben wolltet, aber Aes Sedai werden nicht nur zu Beratern, weil jemand ihnen sagt, sie seien es. Ganz besonders, wenn sie bereits jemand anderen beraten.�</p><p>�Wenn Berelain Eure Geschichte best�tigt�, sagte Rand, �werde ich Euch in ihre Obhut entlassen.� Er betrachtete die Krone und schien zum ersten Mal zu erkennen, da� er das Spr�hfeuer aus Gold und Edelsteinen noch immer in H�nden hielt. Er legte sie sehr sacht auf dem seidenbezogenen Sitz des Sonnenthrons ab. �Ich halte nicht unbedingt alle Aes Sedai f�r meine Feinde, aber es wird keine Intrigen gegen mich geben, und ich bin nicht Euer Handlanger - nicht mehr. Ihr habt die Wahl, Annoura, aber wenn Ihr Euch falsch entscheidet, werdet Ihr zu den Weisen Frauen gehen. Wenn Ihr lange genug lebt. Ich werde die <emphasis>Asha'man</emphasis> nicht festbinden, und ein Fehler k�nnte Euch das Leben kosten.�</p><p>�Die <emphasis>Asha'man...�,</emphasis> sagte Annoura bed�chtig. �Ich glaube, ich verstehe.� Sie benetzte sich mit der Zunge die Lippen.</p><p>�Mein Lord Drache, Colavaere wollte ihren Treueschwur brechen.� Perrin hatte sich so sehr gew�nscht, da� Faile sprechen w�rde, da� er zusammenzuckte, als sie es tats�chlich tat, w�hrend sie aus der Reihe der Bediensteten heraustrat. Sie w�hlte ihre Worte sorgf�ltig, als sie sich der M�chtegern-K�nigin gegen�berstellte wie ein angriffsbereiter Adler. Licht, sie war wundersch�n! �Colavaere hat geschworen, Euch in allem zu gehorchen und Eure Gesetze einzuhalten, aber sie hat gleichzeitig geplant, die Aiel aus Cairhien zu entfernen, sie nach S�den zu schicken und alles wieder so einzurichten, wie es war, bevor Ihr kamt. Sie sagte auch, da� Ihr es, wenn Ihr jemals zur�ckk�mt, nicht wagen w�rdet, etwas zu ver�ndern, was sie gestaltet hat. Die Frau, der sie diese Dinge erz�hlte, Maire, war eine ihrer Bediensteten. Maire verschwand bald, nachdem sie es mir erz�hlt hatte. Ich habe keinen Beweis daf�r, aber ich glaube, da� sie tot ist. Ich glaube, da� Colavaere bedauerte, zu fr�h zu viele ihrer Gedanken preisgegeben zu haben.�</p><p>Dobraine schritt die Stufen des Podests hinauf, den Helm unter dem Arm. Sein Gesicht h�tte aus Stahl sein k�nnen. �Colavaere Saighan�, verk�ndete er mit formeller Stimme, die in jeden Winkel der Gro�en Halle drang, �ich, Dobraine, Hochsitz des Hauses Taborwin, klage Euch bei meiner unsterblichen Seele, unter dem Licht, des Verrats an, der mit dem Tode bestraft wird.�</p><p>Rand legte den Kopf zur�ck und schlo� die Augen. Er bewegte leicht den Mund, aber Perrin wu�te, da� nur er und Rand h�ren konnten, was hervordrang. �Nein. Ich kann nicht. Ich werde es nicht tun.� Jetzt verstand Perrin die Verz�gerung. Rand suchte einen Ausweg. Perrin w�nschte, er k�nnte einen erkennen.</p><p>Colavaere hatte es sicher nicht geh�rt, aber auch sie w�nschte sich einen Ausweg. Sie sah sich wild um, zum Sonnenthron, zu ihren Bediensteten, zum versammelten Adel, als w�rden sie vielleicht vortreten, um sie zu verteidigen. Ihre F��e h�tten jedoch ebensogut in Zement verankert sein k�nnen. Ein Meer sorgf�ltig ausdruckslos gehaltener, schwei�bedeckter Gesichter zeigte sich ihr, und Augen, die ihren Blick mieden. Einige wandten ihre Blicke versteckt den <emphasis>Asha'man</emphasis> zu. Der bereits erhebliche Zwischenraum zwischen den Adligen und den <emphasis>Asha'man</emphasis> weitete sich noch mehr.</p><p>�L�gen!� zischte sie, die H�nde in ihren R�cken verschr�nkt. �Alles L�gen! Kriecherische kleine...!� Sie trat einen Schritt auf Faile zu. Rand hielt seine Arme zwischen sie, obwohl Colavaere es nicht zu bemerken schien, und Faile sah ihn an, als w�nschte sie, er h�tte es nicht getan. Wer sie angriff, konnte sich auf eine �berraschung gefa�t machen.</p><p>�Faile l�gt nicht!� grollte Perrin. Nun, nicht bei solchen Dingen.</p><p>Colavaere sammelte sich erneut. Obwohl sie nicht gro� war, nutzte sie doch jeden Zoll ihrer Gr��e. Perrin mu�te sie fast bewundern - wenn sie nicht Meilan und Maringil und diese Maire und nur das Licht wu�te, wie viele noch, get�tet h�tte. �Ich fordere Gerechtigkeit, mein Lord Drache.� Ihre Stimme klang ruhig und fest. K�niglich. �Es gibt keinen Beweis f�r diesen ... diesen Schmutz. Was ist schon die Behauptung wert, da� jemand, der sich nicht mehr in Cairhien befindet, sagt, ich h�tte Worte ge�u�ert, die ich niemals ausgesprochen habe? Ich fordere die Gerechtigkeit des Lord Drache. Euren eigenen Gesetzen gem��, mu� es Beweise geben.�</p><p>�Woher wi�t Ihr, da� sie sich nicht mehr in Cairhien befindet?� verlangte Dobraine zu wissen. �Wo ist sie?�</p><p>�Ich nehme an, sie ist fortgegangen�, antwortete Colavaere zu Rand gewandt. �Maire ist aus meinen Diensten ausgetreten, und ich habe sie durch Reale ersetzt.� Sie deutete auf die dritte Bedienstete zur Linken. �Ich wei� nicht, wo sie ist. Bringt sie her, wenn sie sich in der Stadt befindet, und bringt sie dazu, diese l�cherlichen Anschuldigungen vor mir zu wiederholen. Ich werde sie der L�ge bezichtigen.� Faile wirkte, als wollte sie sie ermorden. Perrin hoffte, sie w�rde nicht einen jener Dolche ziehen, die sie versteckt mit sich f�hrte. Sie hatte die Angewohnheit, das zu tun, wenn sie w�tend genug war.</p><p>Annoura r�usperte sich. Sie hatte Rand zu Perrins Beunruhigung viel zu gr�ndlich betrachtet. �Darf ich sprechen, Meister ... ehm ... mein Lord Drache?� Auf sein Nicken hin fuhr sie fort, w�hrend sie ihre Stola richtete. �Ich wei� nichts �ber die junge Maire, au�er da� sie an einem Morgen noch hier war, vor Einbruch der Nacht nirgends mehr zu finden war und niemand wu�te, wo sie hingegangen war. Aber bei Lord Maringil und Hochlord Meilan liegt die Sache anders. Die Erste von Mayene brachte zwei ausgezeichnete Diebef�nger mit, M�nner, die Erfahrung im Aufkl�ren von Verbrechen haben. Sie haben zwei der M�nner zu mir gebracht, die Hochlord Meilan auf der Stra�e aufgelauert hatten, obwohl beide darauf beharrten, da� sie nur seine Arme festgehalten h�tten, w�hrend andere ihn niederstachen. Sie brachten mir auch die Dienerin, die Gift in den gew�rzten Wein getan hat, den Lord Maringil vor dem Schlafengehen zu trinken pflegte. Sie beteuerte ebenfalls ihre Unschuld. Sie sagte, ihre kr�nkliche Mutter und sie selbst w�ren gestorben, wenn sie es nicht getan h�tte. Ich glaube ihr. Der Trost, den sie in diesem Eingest�ndnis fand, schien mir nicht gespielt. Aber sowohl die M�nner als auch die Frau stimmten in Folgendem �berein: Die Befehle f�r ihre Handlungen kamen aus dem Munde der Lady Colavaere selbst.�</p><p>Mit jedem Wort wich der Trotz aus Colavaere. Sie stand still, was sehr verwunderlich schien. Sie erweckte den Eindruck, versteinert zu sein. �Sie haben es versprochen�, murmelte sie zu Rand gewandt. �Sie haben versprochen, Ihr w�rdet niemals zur�ckkehren.� Zu sp�t schlug sie sich die H�nde vor den Mund. Ihre Augen traten hervor. Perrin w�nschte, er k�nnte die aus ihrer Kehle dringenden Laute nicht h�ren. Niemand sollte solche Laute aussto�en.</p><p>�Verrat und Mord...� Dobraine schien zufrieden. Die wimmernden Schreie ber�hrten ihn nicht. �Die Strafe ist die gleiche, mein Lord Drache. Nach Eurem Gesetz ist es der Tod durch Erh�ngen.� Rand sah aus irgendeinem Grund Min an. Sie erwiderte seinen Blick mit tiefer Traurigkeit. Nicht wegen Colavaere, sondern wegen Rand. Perrin fragte sich, ob eine Vision damit zu tun hatte.</p><p>�Ich ... ich verlange den Scharfrichter�, gelang es Colavaere mit erstickter Stimme hervorzubringen. Ihre Gesichtsz�ge erschlafften. Sie war schlagartig alt geworden, und ihre Augen spiegelten ihr starres Entsetzen wider. Aber obwohl ihr nichts geblieben war, k�mpfte sie weiter. �Es ist ... es ist mein Recht. Ich will nicht ... wie eine B�rgerliche geh�ngt werden!�</p><p>Rand schien mit sich zu k�mpfen und sch�ttelte dann auf diese beunruhigende Art den Kopf. Als er schlie�lich sprach, klangen seine Worte winterkalt und ambo�hart. �Colavaere Saighan, ich entziehe Euch Eure Titel.� Die Worte trafen wie N�gel. �Ich entziehe Euch Eure L�ndereien und G�ter und Besitzt�mer - alles au�er der Kleidung, die Ihr tragt Besitzt - besa�t Ihr einen Bauernhof? Einen kleinen Bauernhof?�</p><p>Jeder Satz lie� die Frau st�rker wanken. Sie schwankte wie betrunken und formte mit den Lippen unh�rbar das Wort �Bauernhof�, als h�tte sie es niemals zuvor geh�rt. Annoura, Faile und alle anderen starrten Rand erstaunt an. Perrin nicht minder. Ein <emphasis>Bauernhof?</emphasis> War es schon zuvor still in der Gro�en Halle gewesen, so schien jetzt nicht einmal mehr jemand zu atmen.</p><p>�Dobraine, besa� sie einen Bauernhof?�</p><p>�Sie besitzt ... besa� ... viele Bauernh�fe, mein Lord Drache�, antwortete der Cairhiener z�gernd. Er verstand eindeutig nicht mehr als Perrin. �Die meisten sind gro�. Aber die L�ndereien in der N�he der Drachenmauer von ungef�hr zweitausend Hektar waren stets in kleine Parzellen aufgeteilt. Alle P�chter haben sie w�hrend des Aiel-Krieges verlassen.�</p><p>Rand nickte. �Es ist Zeit, das zu �ndern. Zu viel Land hat zu lange brachgelegen. Ich m�chte, da� die Leute wieder dorthin zur�ckkehren, um das Land erneut zu bestellen. Dobraine, Ihr werdet herausfinden, welcher der Bauernh�fe, die Colavaere in der N�he der Drachenmauer besa�, der kleinste ist. Colavaere, ich schicke Euch auf diesen Bauernhof ins Exil. Dobraine wird daf�r sorgen, da� ihr das bekommt, was f�r den Unterhalt eines Geh�fts n�tig ist, einschlie�lich jemandem, der Euch beibringt, wie man den Boden bestellt, und W�chtern, die darauf achten werden, da� Ihr Euch niemals weiter von dem Hof entfernt, als Ihr an einem Tag gelangen k�nnt, solange Ihr lebt. K�mmert Euch darum, Dobraine. Ich m�chte, da� sie in einer Woche unterwegs ist.� Ein verwirrter Dobraine z�gerte, bevor er nickte. Perrin h�rte die Versammlung hinter sich murmeln. So etwas hatte man noch nie erlebt! Niemand verstand, warum sie nicht sterben sollte. Und warum das andere sein mu�te! Adlige waren schon fr�her in die Verbannung geschickt worden, auch auf Lebenszeit, aber niemals auf einen <emphasis>Bauernhof.</emphasis></p><p>Colavaere reagierte prompt: Sie verdrehte die Augen, brach zusammen und taumelte r�ckw�rts gegen die Stufen.</p><p>Perrin sprang vor, um sie aufzufangen, aber jemand anderer kam ihm zuvor. Bevor er noch einen Schritt getan hatte, wurde ihr Fall aufgehalten. Sie sank mitten in der Luft zusammen und lag dann schr�g und mit herabh�ngendem Kopf �ber dem Podest. Ihre bewu�tlose Gestalt erhob sich langsam, drehte sich um und lie� sich sanft vor dem Sonnenthron nieder. Rand. Perrin zweifelte nicht daran, da� die <emphasis>Asha'man</emphasis> sie h�tten fallen lassen.</p><p>Annoura schnalzte mit der Zunge. Sie schien nicht �berrascht oder beunruhigt aber sie rieb nerv�s die Daumen an den Zeigefingern. �Sie h�tte den Scharfrichter vermutlich vorgezogen. Ich werde mich um sie k�mmern, wenn Ihr Euren Mann, den ... <emphasis>Asha'man...�</emphasis></p><p>�Sie geht Euch nichts an�, sagte Rand rauh. �Sie lebt, und ... das ist alles.� Er atmete tief und abgehackt ein. Min war da, bevor er wieder ausgeatmet hatte. Sie stand nur neben ihm, aber augenscheinlich wollte sie mehr tun. Sein Gesichtsausdruck festigte sich allm�hlich wieder. �Annoura, Ihr werdet mich zu Berelain bringen. La�t sie los, Jahar. Sie wird keine Schwierigkeiten machen. Nicht allein gegen uns neun. Ich m�chte herausfinden, was geschehen ist, w�hrend ich fort war, Annoura. Und was Berelain sich dabei gedacht hat, Euch hinter meinem R�cken hierher zu bringen. Nein, sagt nichts. Ich will es von ihr h�ren. Perrin, ich wei�, da� du ein wenig Zeit mit Faile verbringen willst. Ich...�</p><p>Rands Blick schweifte langsam durch die Halle, �ber all die Adligen, die schweigend warteten. Niemand wagte unter seinem Blick einen Muskel zu regen. Der Geruch der Angst �berwog alle anderen D�fte bei weitem. Au�er den J�gern hatte jeder der Anwesenden ihm gegen�ber den gleichen Eid geleistet wie Colavaere. Vielleicht war es schon Verrat, einfach nur an dieser Versammlung teilzunehmen. Perrin wu�te es nicht.</p><p>�Die Audienz ist beendet�, sagte Rand. �Ich werde die Gesichter aller vergessen, die jetzt gehen.�</p><p>Die vorne Stehenden, die H�chstrangigen, die M�chtigsten, begannen sich allzu hastig zu den T�ren voranzuarbeiten, wobei sie die T�chter des Speers und die <emphasis>Asha'man</emphasis> mieden, die im Gang standen, w�hrend die Restlichen darauf warteten, an die Reihe zu kommen.</p><p>Jedoch mu�ten alle �berdacht haben, was Rand gesagt hatte. Was genau hatte er mit �jetzt� gemeint? Zielbewu�te Schritte wurden beschleunigt, R�cke wurden gerafft. J�ger, die der T�r am n�chsten standen, schl�pften hinaus, zun�chst nur einer auf einmal, dann in Scharen, und die niedrigeren Adligen unter den Cairhienern und Tairenern, die dies sahen, eilten den h�hergestellten Adligen voraus. Innerhalb weniger Momente befand sich eine mahlende Masse an der T�r, M�nner und Frauen, die dr�ngten und die Ellenbogen benutzten, um hinauszugelangen. Niemand schaute zu der Frau zur�ck, die ausgestreckt vor dem Thron lag, den sie nur so kurze Zeit innegehabt hatte.</p></section><section><title><p>6</p><p>Alte Angst und neue Angst</p></title><p>Rand gelangte ohne Schwierigkeiten durch die wogende Menge. Vielleicht war es die Anwesenheit der T�chter des Speers und der <emphasis>Asha'man</emphasis>, oder vielleicht handhabten Rand oder einer der schwarzen M�nner die Macht -auf jeden Fall teilte sich die Menge f�r ihn und Min, f�r eine sehr unterw�rfige Annoura, die mit ihm zu sprechen versuchte, und f�r Loial, der trotz aller Widrigkeiten noch immer versuchte, in sein Buch zu schreiben <emphasis>und</emphasis> seine Streitaxt zu tragen. Perrin und Faile sahen einander an, und Faile verpa�te die Gelegenheit, sich den anderen anzuschlie�en bevor sich die Menge wieder zusammenschlo�.</p><p>Sie sagte eine Weile lang nichts und er auch nicht, nicht was er sagen wollte, nicht in Arams Gegenwart, der sie ehrf�rchtig ansah. Und nicht in Dobraines Gegenwart, der die seiner Obhut unterstellte bewu�tlose Frau stirnrunzelnd betrachtete. Niemand sonst war auf dem Podest verblieben. Havien war mit Rand gegangen, um Berelain zu finden, und sobald Rand ging, waren die anderen Bediensteten auf die T�ren zugeeilt, ohne Perrin oder Faile noch einen zweiten Blick zu g�nnen - oder Colavaere, sie war nicht einmal eines ersten Blicks gew�rdigt worden. Sie rafften einfach ihre gestreiften R�cke und liefen davon. St�hnen und Fluchen stieg aus der Menge auf, und nicht nur von M�nnern. Obwohl Rand bereits gegangen war, w�nschten sich diese Menschen augenblicklich fort. Vielleicht dachten sie, Perrin w�rde bleiben, um Bericht zu erstatten, obwohl sie, wenn sie zur�ckgeblickt h�tten, gemerkt h�tten, da� sein Blick nicht auf ihnen ruhte.</p><p>Perrin trat zu Faile, nahm ihre Hand und atmete tief ihren Duft ein. Jetzt, wo er ihr so nahe war, z�hlten die noch in der Luft schwebenden anderen D�fte nicht mehr. Alles andere konnte warten. Sie brachte von irgendwoher einen roten Spitzenf�cher hervor, und bevor sie ihn ausbreitete, um sich K�hle zuzuf�cheln, ber�hrte sie damit zuerst ihre Wange und dann seine. In ihrer Heimat Saldaea gab es eine eigenst�ndige F�chersprache. Sie hatte ihn ein wenig dieser Sprache gelehrt. Aber er w�nschte, er w��te, was das Ber�hren der Wange bedeutete. Es mu�te etwas Gutes sein. Andererseits brachte ihr Geruch eine scharfe Note mit sich, die er nur zu gut kannte.</p><p>�Er h�tte sie aufs Schafott schicken sollen�, murrte Dobraine, und Perrin zuckte unbehaglich die Achseln. Aus dem Tonfall des Mannes war nicht zu erkennen, ob er meinte, da� es das Gesetz verlangte, oder da� es barmherziger gewesen w�re. Dobraine verstand nicht. Rand h�tte sich eher Fl�gel wachsen lassen.</p><p>Faile bewegte ihren F�cher jetzt langsamer, bis er fast zur Ruhe kam, und sah Dobraine �ber die karmesinrote Spitze hinweg von der Seite an. �Ihr Tod w�re vielleicht f�r jedermann das beste gewesen. Er ist die vorgeschriebene Strafe. Was werdet Ihr tun, Lord Dobraine?� Auch wenn sie ihn nur von der Seite ansah, wirkte ihr Blick doch sehr direkt und bedeutungsvoll.</p><p>Perrin runzelte die Stirn. Kein Wort f�r ihn, aber Fragen an Dobraine? Faile roch wieder unterschwellig nach Eifersucht, was ihm einen Seufzer entlockte.</p><p>Der Cairhiener erwiderte ihren Blick gleichm�tig, w�hrend er seine Handschuhe hinter seinen Schwertg�rtel steckte. �Ich tue, was mir befohlen wurde. Ich halte mich an meine Eide, Lady Faile.�</p><p>Der F�cher wurde schneller als ein Gedanke ge�ffnet und wieder geschlossen. �Er hat tats�chlich Aes Sedai zu den Aiel geschickt? Als Gefangene?� Ihre Stimme klang ungl�ubig.</p><p>�Einige, Lady Faile.� Dobraine z�gerte. �Andere schworen ihm auf den Knien Treue. Ich habe es mit eigenen Augen gesehen. Sie gingen ebenfalls zu den Aiel, aber ich denke nicht da� man sie als Gefangene bezeichnen kann.�</p><p>�Ich habe es auch gesehen, Mylady�, schaltete sich Aram von seinem Platz auf den Stufen aus ein, und ein breites L�cheln teilte sein Gesicht, als sie ihn ansah.</p><p>Rote Spitze vollf�hrte einen heftigen Ruck. Sie schien den F�cher fast unbewu�t zu f�hren. �Ihr habt es beide gesehen.� Die Erleichterung in ihrer Stimme - und in ihrem Geruch - war so deutlich, da� Perrin sie anstarrte.</p><p>�Was hast du geglaubt, Faile? Warum sollte Rand l�gen, besonders wenn es innerhalb eines Tages ohnehin jedermann w��te?�</p><p>Anstatt zu antworten, betrachtete sie stirnrunzelnd Colavaere. �Ist sie noch immer bewu�tlos? Obwohl es vermutlich nicht wichtig ist. Sie wei� mehr, als ich jemals aussprechen w�rde. Alles, was wir so bestrebt geheimhielten. Auch das hat sie Maire gegen�ber erw�hnt. Sie wei� zuviel.�</p><p>Dobraine hob mit dem Daumen nicht allzu sanft eines von Colavaeres Augenlidern an. �Als w�re sie von einer Keule getroffen worden. Schade, da� sie sich auf den Stufen nicht das Genick gebrochen hat. Aber sie wird ins Exil gehen und lernen, als B�uerin zu leben.� F�r kurze Zeit schwebte ein schroffer, ver�rgerter Geruch von Faile heran.</p><p>Pl�tzlich verstand Perrin, was seine Frau so umst�ndlich vorgeschlagen hatte, und was Dobraine ebenso umst�ndlich abgelehnt hatte. Jedes einzelne Haar an seinem K�rper richtete sich auf. Er hatte von Anfang an gewu�t, da� er eine sehr gef�hrliche Frau geheiratet hatte. Aber er hatte nicht gewu�t, wie gef�hrlich sie tats�chlich war. Aram sp�hte zu Colavaere, die Lippen in d�steren Gedanken gesch�rzt. Der Mann w�rde alles f�r Faile tun.</p><p>�Ich glaube nicht, da� es Rand gefiele, wenn sie irgend etwas davon abhielte, den Hof zu erreichen�, sagte Perrin fest, den Blick abwechselnd auf Aram und Faile gerichtet. <emphasis>�Mir</emphasis> w�rde es auch nicht gefallen.� Er war recht stolz auf sich. Er konnte genauso gut um eine Sache herumreden wie die beiden anderen.</p><p>Aram beugte kurz den Kopf - er verstand -, aber Faile versuchte, �ber ihren sanft bewegten F�cher hinweg unschuldig zu wirken, als verst�nde sie nicht, wovon er sprach. Pl�tzlich erkannte er, da� nicht aller Geruch nach Angst von den sich noch immer an den T�ren dr�ngenden Menschen kam. Er wehte auch schwach und zitternd von ihr heran. Beherrschte Angst, und doch war sie vorhanden.</p><p>�Was ist los, Faile? Licht, du hast gedacht, Coiren und ihre Leute h�tten gesiegt anstatt...� Ihr Gesichtsausdruck ver�nderte sich nicht, aber der angsterf�llte Geruch wurde st�rker. �Hast du deshalb zun�chst nichts gesagt?� fragte er sanft. �Hattest du Angst, wir w�ren als Marionetten zur�ckgekommen, die sie bewegen?�</p><p>Sie betrachtete die schnell abnehmende Menschenmenge am anderen Ende der Halle. Niemand war ihnen allzu nahe, und alle verursachten geh�rigen L�rm, aber sie senkte ihre Stimme dennoch. �Aes Sedai k�nnen so etwas tun, wie ich geh�rt habe. Mein Ehemann, niemand wei� es besser als ich, da� es sogar Aes Sedai schwerfallen w�rde, dich als Marionette tanzen zu lassen, viel schwerer als bei einem Mann, der nur der Wiedergeborene Drache ist, aber als du hier hereinkamst, hatte ich mehr Angst als zu irgendeinem anderen Zeitpunkt, seit du fortgegangen warst.� Die ersten Worte waren von Belustigung durchdrungen, wie winzige Bl�schen in seiner Nase sp�rbar, und von einer warmen Freude und Liebe, ihr Geruch klar und rein und stark, aber all das schwand bei ihren letzten Worten, und es blieb nur dieser schwache zitternde Angstgeruch.</p><p>�Licht, Faile, es ist wahr. Jedes Wort, was Rand gesagt hat. Du hast Dobraine geh�rt, und Aram.� Sie l�chelte und nickte und bewegte ihren F�cher. Aber er konnte die bebende Angst noch immer riechen. <emphasis>Blut und Asche, was kann ich tun, um sie zu �berzeugen?</emphasis> �W�rde es helfen, wenn er Verin den <emphasis>Sa'sara</emphasis> tanzen lie�e? Sie wird es tun, wenn er es ihr befiehlt.� Er meinte es als Scherz. Er wu�te vom <emphasis>Sa'sara</emphasis> nur, da� er als anst��ig galt - und da� Faile einst eingestanden hatte, ihn zu beherrschen, obwohl sie diesem Thema in letzer Zeit auswich und ihr Eingest�ndnis fast leugnen wollte. Er meinte es als Scherz, aber sie schlo� ihren F�cher und klopfte damit leicht aufs Handgelenk. Er kannte diese Geste. <emphasis>Ich erw�ge deinen Vorschlag ernsthaft.</emphasis></p><p>�Ich wei� nicht, was helfen w�rde, Perrin.� Sie zitterte leicht. �Gibt es irgend etwas, was eine Aes Sedai nicht tun oder womit sie sich nicht abfinden w�rde, wenn die Wei�e Burg es ihr befiehlt? Ich habe die Geschichte studiert und gelernt, zwischen den Zeilen zu lesen. Mashera Donavelle gebar einem Mann sieben Kinder, den sie verabscheute, was auch immer gesagt wird, und Isebaille Tobanyi lieferte die geliebten Br�der an ihre Feinde aus, und den Thron von Arad Doman mit ihnen, und Jestian Redhill...� Sie erzitterte erneut und dieses Mal st�rker.</p><p>�Alles ist gut�, murmelte er, w�hrend er sie in die Arme nahm. Er hatte selbst mehrere Geschichtsb�cher studiert, aber diese Namen waren ihm niemals begegnet. Die Tochter eines Lords erhielt eine andere Ausbildung als die Kinder eines Schmieds. �Es ist wirklich wahr� Dobraine wandte den Blick ab und Aram ebenfalls, wenn auch mit breitem Grinsen.</p><p>Zun�chst widersetzte sie sich, aber nicht sehr. Er konnte niemals sicher sein, wann sie einer �ffentlichen Umarmung aus dem Weg gehen und wann sie sie willkommen hei�en w�rde, nur da� sie es, wenn sie es nicht wollte, sehr deutlich machte - mit oder ohne Worte. Dieses Mal schmiegte sie ihr Gesicht an seine Brust, umarmte ihn ebenfalls und dr�ckte ihn fest.</p><p>�Wenn irgendeine Aes Sedai dir jemals Schaden zuf�gt�, fl�sterte sie, �werde ich sie t�ten.� Er glaubte ihr. �Du geh�rst mir, Perrin t'Bashere Aybara.� Er glaubte ihr auch das. Als ihre Umarmung heftiger wurde, verst�rkte sich auch der scharfe Geruch ihrer Eifersucht. Er mu�te fast lachen. Es schien, als sei ihr das Recht vorbehalten, ihm ein Messer in den Leib zu rammen. Er h�tte auch wirklich gelacht, wenn nicht ein kleiner Rest Furcht geblieben w�re. Er konnte sich zwar nicht selbst riechen, aber er wu�te, was da war. Angst. Alte Angst und neue Angst, wegen des n�chsten Mals.</p><p>Die letzten Adligen erk�mpften sich ihren Weg aus der Gro�en Halle, ohne da� jemand niedergetrampelt wurde. Perrin schickte Aram davon, um Dannil aufzutragen, die Leute von den Zwei Fl�ssen in die Stadt zu bringen - und fragte sich, wie er sie versorgen sollte -, bot Faile den Arm und f�hrte sie hinaus, w�hrend er Dobraine und Colavaere zur�cklie�, die endlich zu sich kam. Er wollte nicht in der N�he sein, wenn sie erwachte, und Faile, deren Hand auf seinem Handgelenk lag, anscheinend ebensowenig. Sie gingen hastig, bestrebt, ihre R�ume zu erreichen, wenn auch nicht unbedingt aus denselben Gr�nden.</p><p>Die Adligen hatten anscheinend das Weite gesucht, nachdem sie die Gro�e Halle verlassen hatten. Die G�nge waren bis auf die Diener, welche die Augen gesenkt hielten und leise davoneilten, leer, aber noch bevor sie sehr weit gekommen waren, h�rte Perrin das Ger�usch von Schritten und erkannte, da� ihnen jemand folgte. Es schien unwahrscheinlich, da� Colavaere noch offene Unterst�tzung fand, aber wenn dem so war, k�nnten sie daran denken, Rand durch seinen Freund zu treffen, der mit seiner Frau allein war.</p><p>Aber als Perrin mit der Hand an der Streitaxt herumfuhr, schaute er nur, anstatt die Waffe zu ziehen. Hinter ihnen waren Selande und ihre Freunde aus der Eingangshalle, unter denen acht oder neun unbekannte Gesichter zu sehen waren. Sie erschraken, als er herumfuhr, und wechselten verlegene Blicke. Einige waren Tairener, einschlie�lich einer Frau, die gr��er war als alle anderen. Sie trug den Umhang und die enge Hose eines Mannes, genau wie Selande und die �brigen Frauen, und ein Schwert an der H�fte. Er hatte noch nicht davon geh�rt, da� sich dieser Unsinn bis zu den Tairenern ausgeweitet hatte. �Warum folgt Ihr uns?� fragte er. �Wenn Ihr versucht, mich in irgendwelche Eurer unsinnigen H�ndel zu verstricken, schw�re ich, da� ich Euch alle von hier bis Bei Tine treten werde!� Er war mit diesen Toren - oder zumindest �hnlichen Toren - schon fr�her aneinandergeraten. Sie dachten nur an ihre Ehre und daran, Duelle auszufechten und sich gegenseitig zum <emphasis>Gai'shain</emphasis> zu nehmen. Letzteres machte die Aiel wirklich zornig.</p><p>�H�rt auf meinen Ehemann und gehorcht�, warf Faile barsch ein. �Mit ihm ist nicht zu spa�en.� Die verlegenen Blicke vergingen, und sie wichen unter Verbeugungen und stark err�tend um eine Biegung zur�ck.</p><p>�Verdammte junge Possenrei�er�, murrte Perrin, w�hrend er Faile wieder den Arm bot.</p><p>�Mein Mann ist weise an Jahren�, murmelte sie. Ihr Tonfall klang zutiefst ernst, aber ihr Geruch besagte wieder etwas anderes.</p><p>Perrin unterdr�ckte ein Schnauben. Tats�chlich waren einige dieser Toren vielleicht eines oder zwei Jahre �lter als er, aber manchmal waren sie alle wie Kinder. Jetzt, wo Faile guter Stimmung war, schien ein genauso guter Zeitpunkt wie irgendwann sonst zu sein, mit dem zu beginnen, wor�ber sie sprechen mu�ten. Wor�ber er sprechen mu�te. �Faile, wie kam es, da� du zu einer von Colavaeres Bediensteten wurdest?�</p><p>�Die Diener, Perrin.� Sie sprach leise. Niemand, der auch nur zwei Schritte entfernt gewesen w�re, h�tte etwas h�ren k�nnen. Sie wu�te alles �ber Perrins H�rverm�gen und die W�lfe. Das konnte ein Mann vor seiner Ehefrau nicht verbergen. Sie ber�hrte mit dem F�cher ihr Ohr und mahnte ihn auf diese Weise, vorsichtig zu sein. �Zu viele Leute vergessen es, wenn Diener in der N�he sind, aber Diener lauschen auch. In Cairhien lauschen sie viel zu h�ufig.�</p><p>Keiner der livrierten Diener, die er sehen konnte, lauschte in irgendeiner Weise. Die wenigen, die nicht in Seiteng�ngen verschwanden, wenn sie ihn und Faile sahen, gingen eilig an ihnen vorbei, die Blicke gesenkt und in sich gekehrt. Aber jegliche Neuigkeiten verbreiteten sich in Cairhien wie ein Lauffeuer. Es wurde inzwischen gewi� bereits auf der Stra�e von den Geschehnissen in der Gro�en Halle erz�hlt und wahrscheinlich auch schon au�erhalb der Stadt. Zweifellos befanden sich in Cairhien Augen-und-Ohren der Aes Sedai und der Wei�m�ntel und wahrscheinlich auch anderer L�nder.</p><p>Sie fuhr trotz ihrer Mahnung, vorsichtig zu sein, ged�mpft fort. �Colavaere konnte mich nicht schnell genug aufnehmen, nachdem sie erfahren hatte, wer ich bin. Der Name meines Vaters beeindruckte sie genauso sehr wie der meiner Cousine.� Sie nickte leicht, als h�tte sie seine Frage damit beantwortet.</p><p>Und es gen�gte auch fast als Antwort. Ihr Vater war Davram, Hochsitz des Hauses Bashere, Lord von Bashere, Tyr und Sidona, W�chter der Grenze zur Gro�en F�ule, Verteidiger des Herzlandes und MarschallGeneral der K�nigin Tenobia von Saldaea. Und Failes Cousine war Tenobia selbst - mehr als ausreichende Gr�nde f�r Colavaere, Faile eiligst zu einer ihrer Bediensteten zu machen. Aber er hatte inzwischen Zeit gehabt, die Dinge zu �berdenken, und war stolz darauf, sich allm�hlich an ihre Art zu gew�hnen. Das Eheleben lehrte einen Mann einiges �ber Frauen, oder zumindest �ber eine Frau. Die Antwort, die sie nicht gegeben hatte, best�tigte etwas. Faile erkannte Gefahren nicht -nicht wenn diese sie selbst betrafen.</p><p>Nat�rlich konnte er hier auf dem Gang nicht dar�ber sprechen. Auch wenn er sehr leise fl�sterte - sie besa� nicht sein H�rverm�gen und w�rde zweifellos erneut darauf beharren, da� jeder Diener im Umkreis von f�nfzig Schritten lauschte. Er fa�te sich in Geduld und ging mit ihr weiter, bis sie die R�ume erreichten, die vor bald einem Zeitalter, wie ihm schien, f�r sie reserviert worden waren. Die Lampen waren entz�ndet und lie�en die dunkel gl�nzenden W�nde schimmern, deren hohe Holzpaneele mit konzentrischen Rechtecken verziert waren. Die Feuerstelle im eckigen Steinkamin war saubergefegt und mit einigen wenigen erb�rmlichen Zweigen von Lederblattb�umen best�ckt worden. Sie waren noch fast gr�n.</p><p>Faile ging direkt zu einem kleinen Tisch, auf dem auf einem Tablett zwei goldene Becher mit einer k�hlen, au�en an den Bechern Wasserperlen bildenden Fl�ssigkeit standen. �Man hat uns Blaubeertee und gew�rzten Weinpunsch hingestellt. Ich glaube, der Wein ist aus Tharon. Sie k�hlen den gew�rzten Wein in Zisternen unter dem Palast. Was m�chtest du lieber?�</p><p>Perrin �ffnete seinen G�rtel und warf ihn und die Streitaxt auf einen Sessel. Er hatte sich auf dem Weg hierher sehr sorgf�ltig �berlegt, was er sagen wollte. Sie konnte sehr empfindlich sein. �Faile, ich habe dich st�rker vermi�t, als ich es sagen kann, und ich habe mir Sorgen um dich gemacht...�</p><p>�Du hast dir Sorgen gemacht!� fauchte sie und fuhr zu ihm herum. Sie stand aufrecht da, der Blick wild wie der ihres Namensvetters, des Falken, und vollf�hrte mit dem F�cher eine heftige Bewegung zu seiner Mitte hin. Diese war kein Teil der F�chersprache. Sie vollf�hrte diese Geste auch manchmal mit einem Dolch. �Obwohl fast die ersten Worte aus deinem Mund der Frage nach dieser ... dieser <emphasis>Frau</emphasis> galten!�</p><p>Sein Kinn sank herab. Wie hatte er den Geruch vergessen k�nnen, der ihm in die Nase gestiegen war? Er war versucht, die Hand zur Nase zu f�hren, um nachzupr�fen, ob sie blutete.</p><p>�Faile, ich wollte ihre Diebef�nger. Be...� Nein, er war nicht dumm genug, diesen Namen zu wiederholen. �Bevor ich ging, sagte sie mir, sie h�tte Beweise f�r das Gift. Du hast es geh�rt! Ich will nur den Beweis, Faile.�</p><p>Es n�tzte nichts. Der scharfe Geruch wurde keine Spur milder, und dazu kam noch der schwache, s�uerliche Geruch von Verletztheit. Was, unter dem Licht, hatte er gesagt, was sie verletzen konnte?</p><p><emphasis>�Ihren</emphasis> Beweis! <emphasis>Ich</emphasis> habe umsonst Hinweise gesammelt, aber <emphasis>ihr</emphasis> Beweis brachte Colavaeres Kopf aufs Schafott. Oder h�tte es tun sollen.� Das war seine Gelegenheit, aber sie w�rde ihn kein Wort einwenden lassen. Sie griff ihn weiterhin an. Er konnte nur zur�ckweichen. �Wei�t du, welche Geschichte diese Frau in Umlauf gebracht hat?� stie� Faile fast zischend hervor. Eine schwarze Viper h�tte nicht so viel Gift verspr�hen k�nnen. �Wei�t du es? Sie sagte, du seist nicht hier, weil du dich auf einem Gut nicht weit von der Stadt bef�ndest. Wo sie dich <emphasis>besuchen</emphasis> k�nnte! Ich habe die von mir vorbereitete Geschichte erz�hlt -, da� du auf der Jagd seist, und das Licht wei�, da� du gen�gend viele Tage mit der Jagd verbracht hast! -, aber jedermann glaubte, ich w�rde bei euch gute Miene zum b�sen Spiel machen! Colavaere hat es genossen. Ich kann mir durchaus vorstellen, da� sie die Mayener Dirne nur als Bedienstete genommen hat um uns beide zusammenzupferchen. �Faile, Berelain, kommt und schn�rt mir mein Gewand. Faile, Berelain, kommt und haltet der Friseuse den Spiegel. Faile, Berelain, kommt und wascht mir den R�cken.� So hatte sie ihren Spa� daran, darauf zu warten, da� wir einander die Augen auskratzen w�rden! Das habe ich in Kauf genommen! F�r dich, du...!�</p><p>Er prallte mit dem R�cken gegen die Wand. Etwas in ihm zerbrach. Er hatte eine Heidenangst um sie gehabt, war zu Tode erschreckt und bereit gewesen, sich Rand oder dem Dunklen K�nig selbst zu stellen. Und er hatte nichts getan, hatte Berelain niemals ermutigt, hatte alles in seiner Macht Stehende unternommen, um die Frau zu vertreiben. Und das war sein Dank.</p><p>Er nahm sie sanft bei den Schultern und hob sie hoch, bis diese gro�en, schr�gstehenden Augen auf gleicher H�he mit seinen waren. �H�r mir zu�, sagte er ruhig. Er versuchte, seine Stimme ruhig zu halten, obwohl sie seiner Kehle eher als Grollen entwich.</p><p>�Wie kannst du es wagen, so mit mir zu sprechen? Wie kannst du es <emphasis>wagen?</emphasis> Ich habe mich fast zu Tode ge�ngstigt, aus Furcht, da� du verletzt worden sein k�nntest. Ich liebe dich, und niemand anderen als dich. Ich will keine andere Frau als dich. H�rst du mich? H�rst du?� Er dr�ckte sie fest an seine Brust, hielt sie, wollte sie niemals wieder loslassen. Lieht, er hatte solche Angst gehabt. Er zitterte wegen dem, was h�tte sein k�nnen, sogar jetzt noch. �Wenn dir etwas zugesto�en w�re, w�re ich gestorben, Faile. Ich h�tte mich auf dein Grab gelegt und w�re gestorben! Glaubst du, ich w��te nicht, wie Colavaere herausgefunden hat, wer du bist? Du hast sichergestellt, da� sie es herausfinden mu�te.� Sie hatte ihm einmal gesagt das Spionieren sei die Aufgabe der Ehefrau. �Licht, Frau, du h�ttest das gleiche Ende finden k�nnen wie Maire. Colavaere wei�, da� du meine Frau bist. <emphasis>Meine</emphasis> Frau. Perrin Aybara, Rand al'Thors Freund. Ist es dir niemals in den Sinn gekommen, da� sie mi�trauisch werden k�nnte? Sie h�tte... Licht, Faile, sie h�tte...�</p><p>Pl�tzlich erkannte er, was er tat. Sie stie� an seiner Brust Laute aus, aber keine Worte, die er h�tte erkennen k�nnen. Er wunderte sich, da� er ihre Rippen nicht brechen h�rte. Er schalt sich selbst einen Dummkopf und lie� sie sofort los, aber bevor er sich entschuldigen konnte, verschr�nkte sie ihre Finger in seinem Bart.</p><p>�Also liebst du mich?� sagte sie sanft. Sehr sanft. Sehr liebevoll. Sie l�chelte auch. �Eine Frau h�rt es gern, wenn dies auf die richtige Art gesagt wird.� Sie hatte den F�cher fallen lassen und zog die Fingern�gel ihrer freien Hand �ber seine Wange, beinahe fest genug, da� es h�tte bluten k�nnen, aber ihr kehliges Lachen verhie� Leidenschaft, und das Leuchten in ihren Augen zeugte so wenig von Ver�rgerung wie nur m�glich. �Gut da� du nicht gesagt hast, du w�rdest niemals andere Frauen ansehen, sonst h�tte ich geglaubt, da� du blind geworden w�rst.�</p><p>Ihm fehlten die Worte. Rand verstand die Frauen, Mat verstand die Frauen, aber Perrin war sich dar�ber im klaren, da� er sie niemals verstehen w�rde. Faile war stets genauso sehr Eisvogel wie Falke und ver�nderte sich schneller als ein Gedanke, aber dies... Der scharfe Geruch war vollkommen verschwunden, und an seine Stelle war ein anderer ihrer Ger�che getreten, den er gut kannte. Ein Geruch, der sie <emphasis>war,</emphasis> rein und kr�ftig und sauber. Wenn man dies und ihren Blick bedachte, sollte sie jeden Moment etwas �ber Bauernm�dchen bei der Ernte sagen. Saldeanische Bauernm�dchen waren offenbar allbekannt.</p><p>�Wenn du dich auf mein Grab legst�, fuhr sie fort, �wenn du das tust, wird meine Seele deine heimsuchen, das verspreche ich dir. Du wirst eine angemessene Zeit um mich trauern, und dann wirst du dir eine andere Frau suchen. Hoffentlich eine Frau, die ich billige.� Sie streichelte mit sanftem Lachen seinen Bart. �Du kannst wirklich nicht f�r dich selbst sorgen, wei�t du. Also versprich es mir.�</p><p>Das sollte er besser nicht riskieren. Wenn er sagte, da� er es nicht versprechen wollte, w�rde diese w�rdevolle Stimmung vielleicht von einem Feuersturm vereinnahmt.</p><p>Wenn er sagte, da� er es versprechen wollte... Ihrem Geruch nach zu urteilen, war jedes Wort die pure Wahrheit des Lichts, aber er w�rde es erst glauben, wenn Pferde auf B�umen schliefen. Er r�usperte sich. �Ich mu� baden. Ich habe wer wei� wie lange keine Seife mehr gesehen. Ich mu� wie ein Viehstall riechen.�</p><p>Sie lehnte sich an seine Brust und atmete tief ein. �Du riechst wundervoll. Wie du.� Ihre H�nde streichelten seine Schultern. �Ich f�hle mich, als...�</p><p>�Perrin, Berelain ist nicht ... tut mir leid. Verzeiht� Rand stand verlegen und gar nicht wie der Wiedergeborene Drache da. Drau�en im Gang waren T�chter des Speers. Min streckte den Kopf um den T�rrahmen, schaute kurz herein, grinste Perrin an und wich wieder zur�ck.</p><p>Faile trat so ruhig und w�rdevoll von Perrin zur�ck, da� niemand jemals vermutet h�tte, was sie kurz zuvor gesagt hatte. Oder was sie hatte sagen wollen. Ihre Wangen waren jedoch leicht ger�tet und hei�. �Es ist zu freundlich von Euch, mein Lord Drache�, sagte sie k�hl, �da� Ihr so unerwartet hereinschaut. Entschuldigt, da� wir Euer Klopfen nicht geh�rt haben.� Vielleicht war sie sowohl vor Zorn als auch vor Verlegenheit err�tet.</p><p>Jetzt war es an Rand zu err�ten, und er strich sich mit der Hand durchs Haar. �Berelain ist nicht im Palast. Sie hat die Nacht ausgerechnet auf diesem MeervolkSchiff verbracht, das im Flu� vor Anker liegt. Annoura hat es mir erst erz�hlt, als ich fast bei Berelains R�umen angekommen war.�</p><p>Perrin bem�hte sich sehr, nicht zusammenzuzucken. Warum mu�te Rand den Namen der Frau st�ndig wiederholen? �Du wolltest mit mir �ber etwas anderes sprechen, Rand?� Er hoffte, da� er seine Worte nicht zu sehr betont hatte, da� Rand seine Absicht aber doch begreifen w�rde. Er sah Faile nicht an, aber er pr�fte schnell die Luft. Keine Eifersucht, noch nicht. Aber reichlich Zorn.</p><p>Rand sah ihn einen Moment an, blickte durch ihn hindurch. Lauschte auf etwas anderes. Perrin verschr�nkte die Arme, um nicht zu zittern.</p><p>�Ich mu� es wissen�, sagte Rand schlie�lich. �Willst du das Heer gegen Illian noch immer nicht befehligen? Ich mu� es jetzt wissen.�</p><p>�Ich bin kein Feldherr�, sagte Perrin rauh. Es w�rde in Illian K�mpfe geben. Bilder blitzten in seinem Kopf auf. M�nner �berall um ihn herum, und die Streitaxt wirbelte in seiner Hand umher und bahnte ihm den Weg, Immer mehr M�nner, wie viele er auch niederstreckte, in endlosen Reihen. Und in seinem Herzen wuchs ein Same. Dem konnte er sich nicht mehr stellen. Er w�rde es nicht tun. �Au�erdem sollte ich in deiner N�he bleiben.� Min hatte das nach einer ihrer Visionen gesagt. Perrin mu�te zwei Mal in seiner N�he sein, sonst w�rde Rand eine Katastrophe erleiden. Das erste Mal war vielleicht bei den Brunnen von Dumai gewesen, aber das zweite Mal stand noch aus.</p><p>�Wir m�ssen alle Risiken auf uns nehmen.� Rands Stimme klang sehr ruhig. Und sehr hart. Min sp�hte erneut um den T�rrahmen herum und wollte wohl zu ihm kommen, aber dann sah sie Faile an und blieb drau�en.</p><p>�Rand, die Aes Sedai...� Ein kluger Mann w�rde diese L�ge wahrscheinlich unterlassen. Aber er hatte niemals behauptet, besonders klug zu sein. �Die Weisen Frauen sind fast bereit, ihnen die Haut abzuziehen. Du darfst nicht zulassen, da� ihnen Schaden zugef�gt wird, Rand.� Sulin wandte sich im Gang um und sah ihn durch den T�rrahmen an.</p><p>Der Mann, den er zu kennen glaubte, lachte schnaufend. �Wir m�ssen alle Risiken auf uns nehmen�, wiederholte er.</p><p>�Ich werde nicht zulassen, da� ihnen Schaden zugef�gt wird, Rand.�</p><p>Kalte blaue Augen erwiderten seinen Blick. <emphasis>�Du</emphasis> wirst es nicht zulassen?�</p><p>�Ich werde es nicht zulassen�, belehrte Perrin ihn gleichm�tig. Er wich unter Rands Blick keinen Schritt zur�ck. �Sie sind Gefangene und keine Bedrohung. Sie sind Frauen.�</p><p>�Sie sind Aes Sedai.� Rands Stimme �hnelte der Stimme Arams damals an den Brunnen von Dumai so sehr, da� es Perrin fast den Atem nahm.</p><p>�Rand... �</p><p>�Ich tue, was ich tun mu�, Perrin.� Er war jetzt wieder der alte Rand, dem nicht gefiel, was vor sich ging. Er wirkte einen Moment todm�de. Nur einen Moment. Dann war er wieder der neue Rand - stahlhart.</p><p>�Ich werde keiner Aes Sedai Schaden zuf�gen, die es nicht verdient hat, Perrin. Mehr kann ich dir nicht versprechen. Wenn du das Heer nicht befehligen willst, kann ich dich ebensogut anderweitig brauchen. Ich w�nschte, ich k�nnte dich l�nger als ein oder zwei Tage rasten lassen, aber das geht nicht. Wir haben keine Zeit. Keine Zeit - und wir m�ssen tun, was wir tun m�ssen. Verzeih die Unterbrechung.� Er vollf�hrte eine angedeutete Verbeugung, eine Hand auf seinem Schwertheft. �Faile.�</p><p>Perrin wollte seinen Arm ergreifen, aber er war schon aus dem Raum und die T�r wurde hinter ihm geschlossen, bevor Perrin sich auch nur regen konnte. Rand war anscheinend wirklich nicht mehr Rand. Ein oder zwei Tage? Wohin, im Licht, wollte Rand ihn schicken, wenn nicht zu dem Heer, das sich unten in den Ebenen von Maredo sammelte?</p><p>�Mein Ehemann�, hauchte Faile, �du hast den Mut von drei M�nnern. Und den Verstand eines Kindes an Marionettenf�den. Was ist nur der Grund daf�r, da� der Verstand eines Mannes abnimmt, wenn sein Mut zunimmt?�</p><p>Perrin brummte entr�stet. Er versagte es sich, �ber Frauen zu sprechen, die sich der Aufgabe widmeten, M�rder auszuspionieren, die sicherlich wu�ten, da� sie ausspioniert wurden. Frauen redeten stets dar�ber, wie logisch sie im Vergleich zu M�nnern handelten, aber er selbst hatte bisher herzlich wenig davon bemerkt.</p><p>�Nun, vielleicht will ich die Antwort gar nicht wirklich h�ren, selbst wenn du sie wei�t.� Sie streckte ihre Arme �ber den Kopf und lachte kehlig. �Au�erdem habe ich nicht die Absicht, ihn die Stimmung verderben zu lassen. Ich f�hle mich noch immer wie ein Bauernm�dchen bei... Warum lachst du? H�r auf, mich auszulachen, Perrin t'Bashere Aybara! H�r auf, sage ich, du ungehobelter Dummkopf! Wenn du nicht...�</p><p>Die einzige M�glichkeit, diese Tirade zu beenden, bestand darin, sie zu k�ssen. In ihren Armen verga� er Rand und die Aes Sedai und die K�mpfe. Wo Faile war, war sein Zuhause.</p></section><section><title><p>7</p><p>Fallgruben und Stolperdr�hte</p></title><p>Rand f�hlte das Drachenszepter in seiner Hand, sp�rte jede Linie der eingravierten Drachen an seinem mit einem Reiher versehenen Griff so deutlich, als lie�e er die Finger dar�bergleiten, und doch schien es die Hand eines anderen zu sein. Wenn eine Klinge sie abschnitte, w�rde er Schmerz versp�ren - und weitermachen. Es w�re der Schmerz eines anderen.</p><p>Er schwebte im Nichts, umgeben von uns�glicher Leere, und <emphasis>Saidin</emphasis> erf�llte ihn, versuchte ihn unter Stahl vernichtender K�lte und Hitze, die Gestein entbrennen w�rde, zu Staub zu zermahlen, trug den Makel des Dunklen K�nigs mit sich, zwang F�ulnis in seine Knochen. Und in seine Seele, wie er manchmal f�rchtete. Aber er f�hlte sich nicht mehr so elend, wie es einst gewesen war. Das f�rchtete er noch mehr. Rand m�stete sich an diesem rei�enden Strom aus Feuer, Eis und Schmutz - am Leben. Das war das beste Wort. <emphasis>Saidin</emphasis> versuchte, ihn zu vernichten. <emphasis>Saidin</emphasis> erf�llte ihn bis zum �berflie�en mit Lebenskraft. Es drohte ihn zu verbrennen und lockte ihn zugleich. Der Kampf ums �berleben, der Kampf darum, nicht vereinnahmt zu werden, verst�rkte die Freude am reinen Leben. Selbst mit der so s��en F�ulnis. Wie w�re es in reinem Zustand? Das war unvorstellbar. Er wollte mehr heranziehen, alles heranziehen, was vorhanden war.</p><p>Darin lag die t�dliche Verf�hrung. Ein Fehler - und die F�higkeit, die Macht zu lenken, w�rde f�r immer in ihm verdorren. Ein Fehler - und sein Verstand w�re verloren, wenn er, und vielleicht auch alles andere um ihn herum, nicht einfach auf der Stelle vernichtet w�rde. Es war kein Wahnsinn, sich auf den Kampf ums Dasein zu konzentrieren. Es war, als w�rde man mit verbundenen Augen �ber eine Grube voller zugespitzter Pf�hle springen, sich in einem solch reinen Gef�hl f�rs Leben sonnend, da� der Gedanke daran, es aufzugeben, die Vorstellung einer f�r immer in Grauschattierungen versinkenden Welt war. Es war kein Wahnsinn.</p><p>Seine Gedanken drehten sich durch den Tanz mit <emphasis>Saidin,</emphasis> glitten durch das Nichts. Da war Annoura, die ihn mit diesem Aes-Sedai-Blick beobachtete. Und worauf wollte Berelain hinaus? Sie hatte niemals einen Aes-Sedai-Berater erw�hnt. Und auch nicht jene andere Aes Sedai in Cairhien. Wo waren sie hergekommen und warum? Da waren die Aufr�hrer au�erhalb der Stadt. Was hatte sie ermutigt, sich zu regen? Was hatten sie jetzt vor? Wie konnte er sie aufhalten oder benutzen? Er wurde gut darin, Menschen zu benutzen. Manchmal machte er sich selbst krank. Da waren Sevanna und die Shaido. Rhuarc hatte bereits Kundschafter auf den Weg nach Bruderm�rders Dolch geschickt, aber sie w�rden bestenfalls herausfinden, wo und wann. Die Weisen Frauen, die herausfinden konnten warum, w�rden es nicht tun. Es gab in Verbindung mit Sevanna eine Menge offene Fragen. Elayne und Aviendha. Nein, an sie wollte er nicht denken. Keine Gedanken an sie. Keine. Perrin und Faile. Eine leidenschaftliche Frau, dem Namen und dem Wesen nach ein Falke. Hatte sie sich Colavaere wirklich nur angeschlossen, um den Beweis zu erbringen? Sie w�rde Perrin besch�tzen wollen, wenn der Wiedergeborene Drache fiel. Und sie w�rde ihn vor dem Wiedergeborenen Drachen besch�tzen, wenn sie es f�r n�tig hielte. Ihre Treue galt Perrin, aber sie allein w�rde entscheiden, wie sie ihre Treue einhielt. Faile war keine Frau, die sanftm�tig tat, was ihr Ehemann sagte, wenn es eine solche Frau �berhaupt gab.</p><p>Goldene Augen, starre Herausforderung zum Trotz. Warum reagierte Perrin in bezug auf die Aes Sedai so heftig? Er war mit Kiruna und ihren Begleitern lange zu den Brunnen von Dumai unterwegs gewesen. Konnten Aes Sedai wirklich mit ihm tun, was jedermann bef�rchtete? Aes Sedai. Er sch�ttelte den Kopf, ohne sich dessen bewu�t zu sein. Niemals wieder. Niemals! Zu vertrauen bedeutete, verraten zu werden. Vertrauen bedeutete Schmerz.</p><p>Er bem�hte sich, diesen Gedanken zu vertreiben. Er kam Raserei ein wenig zu nahe. Niemand konnte leben, ohne irgendwem zu vertrauen. Nur nicht Aes Sedai. Mat, Perrin. Wenn er ihnen nicht vertrauen konnte... Min. Er h�tte niemals erwogen, Min nicht zu vertrauen.</p><p>Er w�nschte, sie w�re bei ihm anstatt in ihrem Bett. All jene Tage als Gefangene, Tage der Angst - mehr um ihn als um sich selbst, wenn er sie ausreichend gut kannte -, Tage der Verh�re durch Galina und Mi�handlungen, wenn ihre Antworten nicht gefielen... Er knirschte unbewu�t mit den Z�hnen. Das alles, und obendrein noch die Anstrengung, Geheilt zu werden, hatten sie letztendlich ersch�pft. Sie war an seiner Seite geblieben, bis ihre Knie nachgaben und er sie in ihren Schlafraum tragen mu�te, wobei sie auf dem ganzen Weg schl�frig protestierte, da� er sie in seiner N�he brauche. Min war nicht hier, keine tr�stliche Gegenwart, die ihn zum Lachen brachte, die ihn den Wiedergeborenen Drachen vergessen lie�. Nur der Kampf mit <emphasis>Saidin,</emphasis> und der Wirbelwind seiner Gedanken...</p><p><emphasis>Sie m�ssen beseitigt werden. Du mu�t es tun. Erinnerst du dich nicht an das letzte Mal? Das Geschehen bei den Brunnen war erb�rmlich. St�dte, die ganz vom Antlitz der Erde getilgt wurden, bedeuteten nichts. Wir haben die Welt zerst�rt! H�RST DU MICH? SIE M�SSEN GET�TET WERDEN, VON DER OBERFL�CHE VERSCHWINDEN...</emphasis></p><p>Diese in seinem Kopf schreiende Stimme geh�rte nicht ihm. Nicht Rand al'Thor, sondern Lews Therin Telamon, der seit �ber dreitausend Jahren tot war. Und er sprach in Rand al'Thors Kopf. Die Macht zog ihn h�ufig aus seinem Versteck in die Schatten von Rands Geist. Rand fragte sich bisweilen, wie das sein konnte. Er <emphasis>war</emphasis> der wiedergeborene Lews Therin, der Wiedergeborene Drache, das konnte er nicht leugnen, aber jedermann war ein Wiedergeborener, hundert Jemande, tausend und mehr. So bestimmte es das Muster. Jedermann starb und wurde wiedergeboren, immer wieder, w�hrend sich das Rad drehte, ewig, ohne Ende. Aber niemand sonst sprach mit demjenigen, der er einmal gewesen war. Niemand sonst hatte Stimmen in seinem Kopf. Au�er Wahnsinnigen.</p><p><emphasis>Was ist mit mir?</emphasis> dachte Rand. Er hatte eine Hand fest um das Drachenszepter und die andere auf sein Schwertheft gelegt. <emphasis>Was ist mit dir? Wie unterscheiden wir uns von ihnen?</emphasis></p><p>Da war nur Schweigen. Lews Therin antwortete allzu oft nicht. Vielleicht w�re es besser gewesen, wenn er niemals geantwortet h�tte.</p><p><emphasis>Bist du real?</emphasis> fragte die Stimme schlie�lich verwundert. Dieses Leugnen von Rands Dasein geschah genauso h�ufig wie das Verweigern der Antwort. <emphasis>Bin ich real? Ich habe mit jemandem gesprochen. In einer Schachtel. Einer Kiste.</emphasis> Leises, keuchendes Lachen. <emphasis>Bin ich tot, oder wahnsinnig, oder beides? Gleichg�ltig. Ich bin verdammt, und dies ist der Krater des Verderbens. Ich bin ... v-verdammt,</emphasis> jetzt wildes Lachen, <emphasis>und d-dies</emphasis> -<emphasis>ist der K-Krater des...</emphasis></p><p>Rand d�mpfte die Stimme, bis sie wie ein Insektensummen klang, etwas, was er gelernt hatte, w�hrend er eingeengt in der Kiste gesessen hatte. Allein in der Dunkelheit. Nur er, und der Schmerz, und der Durst, und die Stimme eines schon lange toten Wahnsinnigen. Die Stimme war mitunter ein Trost gewesen, sein einziger Gef�hrte. Sein Freund. Etwas blitzte in seinem Geist auf. Keine Bilder, nur das Flackern von Farbe und Bewegung. Es erinnerte ihn aus irgendeinem Grund an Mat und an Perrin. Das Aufblitzen hatte in der Kiste begonnen, das und tausend weitere Halluzinationen. In der Kiste, in die Galina und Erian und Katerine und die anderen ihn jeden Tag, nachdem er geschlagen worden war, hineingepfercht hatten. Er sch�ttelte den Kopf. Nein. Er befand sich nicht mehr in der Kiste. Seine Finger, die er um Szepter und Schwert geklammert hatte, schmerzten. Nur Erinnerungen waren geblieben, und Erinnerungen hatten keine Macht. Er war nicht...</p><p>�Wenn wir diese Reise unternehmen m�ssen, bevor Ihr etwas e�t, dann sollten wir das tun. F�r alle anderen ist die Abendmahlzeit schon l�ngst beendet.�</p><p>Rand blinzelte, und Sulin wich vor seinem Blick zur�ck. Sulin, die sich einem Leopard Auge in Auge gegen�berstellen w�rde. Er entkrampfte seine Gesichtsmuskeln, versuchte es. Es f�hlte sich wie eine Maske an, wie die Maske eines anderen Menschen.</p><p>�Geht es Euch gut?� fragte sie.</p><p>�Ich habe nachgedacht.� Er zwang seine H�nde auseinander und zuckte in seinem Umhang die Achseln. Es war ein besser passender Umhang als der, den er von den Brunnen von Dumai an getragen hatte, dunkelblau, schlicht. Er f�hlte sich auch nach einem Bad nicht sauber, nicht solange <emphasis>Saidin</emphasis> in ihm war. �Manchmal denke ich zu viel nach.�</p><p>Fast zwanzig weitere T�chter des Speers dr�ngten sich an einem Ende des fensterlosen, mit dunklen Paneelen get�felten Raums zusammen. Acht gold�berzogene Kandelaber an den W�nden, die vor Spiegeln standen, um mehr Licht zu erhalten, lieferten die Beleuchtung. Er war froh dar�ber. Er mochte dunkle Orte nicht mehr. Auch drei der <emphasis>Asha'man</emphasis> waren da. Die Aielfrauen standen auf einer Seite des Raums und die <emphasis>Asha'man</emphasis> auf der anderen. Jonan Adley, trotz seines Namens ein Altarener, stand mit gekreuzten Armen da und w�lbte tief in Gedanken die Augenbrauen. Er war vielleicht vier Jahre �lter als Rand und wollte das silberne Schwert der Geweihten erringen. Eben Hopwil hatte mehr Fleisch auf den Knochen und weniger Hautflecke im Gesicht als zu der Zeit, als Rand ihm zum ersten Mal begegnet war, obwohl seine Nase und die Ohren noch immer seine gr��ten K�rperteile zu sein schienen. Er betastete die Anstecknadel in Form eines Schwerts am Kragen, als sei er �berrascht, sie dort vorzufinden. Fedwin Morr h�tte das Schwert ebenfalls getragen, wenn er nicht in einen gr�nen, einem wohlhabenden H�ndler oder niederen Adligen angemessenen und an Manschetten und Kragen mit Silberstickerei versehenen Umhang gekleidet gewesen w�re. Er war im gleichen Alter wie Eben, aber gedrungener und fast ohne Hautflecke. Wegen ihnen hatte Lews Therin gew�tet, wegen ihnen und den �brigen <emphasis>Asha'man. Asha'man,</emphasis> Aes Sedai, jedermann, der die Macht lenken konnte, regte ihn auf.</p><p>�Ihr denkt scheinbar zuviel nach, Rand al'Thor.� Enaila ergriff mit einer Hand einen kurzen Speer und ihren Schild und mit der anderen drei weitere Speere, und sie klang, als wollte sie ihm mit dem Finger drohen. �Euer Problem ist, da� Ihr �berhaupt nicht nachdenkt.� Einige der anderen T�chter des Speers lachten leise, aber sie spa�te nicht. Fast eine Handbreit kleiner als jede andere anwesende Tochter des Speers, war ihr Haar genauso feurig wie ihr Temperament, und sie hatte eine seltsame Ansicht �ber ihre Beziehung zu ihm. Ihre flachshaarige Freundin Somara, die erheblich gr��er war, nickte zustimmend. Sie hatte dieselbe merkw�rdige Ansicht.</p><p>Er �berging die Bemerkung, konnte aber ein Seufzen nicht unterdr�cken. Somara und Enaila waren die Schlimmsten, obwohl keine der T�chter des Speers sich entscheiden konnte, ob er der <emphasis>Car'a'carn</emphasis> war, dem man gehorchen mu�te, oder das einzige Kind einer Tochter des Speers, um das sie sich wie um einen Bruder k�mmern mu�ten. Selbst Jalani, die dem Puppenalter noch nicht lange entwachsen war, schien ihn f�r einen <emphasis>j�ngeren</emphasis> Bruder zu halten, w�hrend Corana, die bereits ergraute und ein fast so lederartiges Gesicht wie Sulin besa�, ihn wie einen <emphasis>�lteren</emphasis> Bruder behandelte. Zumindest taten sie dies, wenn sie unter sich waren, wenn auch weniger h�ufig, wenn andere Aiel in der N�he waren. Wenn es darauf ankam, war er der <emphasis>Car'a'carn.</emphasis> Und das schuldete er ihnen auch. Sie waren bereit, f�r ihn zu sterben. Er schuldete ihnen, was immer sie verlangten.</p><p>�Ich habe nicht die Absicht, die ganze Nacht hier zu verbringen, w�hrend Ihr Eure Spiele treibt�, sagte er. Sulin gew�hrte ihm einen dieser Blicke - ob sie in Gew�nder oder in den <emphasis>Cadin'sor</emphasis> gekleidet waren, Frauen streuten diese Blicke aus wie Bauern ihre Saat -, aber die <emphasis>Asha'man</emphasis> sahen die T�chter des Speers nicht an, sondern schlangen nur ihre Taschen �ber ihre Schultern. Nehmt sie hart ran, hatte er Taim aufgetragen, schmiedet sie zu Waffen, und Taim hatte geliefert. Eine gute Waffe bewegte sich so, wie der Mann, der sie f�hrte, sie lenkte. Wenn er nur sicher sein k�nnte, da� sie sich in seiner Hand nicht wenden w�rde.</p><p>Er verfolgte heute abend drei Ziele, aber von einem dieser Ziele durften die T�chter des Speers nichts wissen. Niemand au�er ihm selbst durfte etwas davon wissen. Er hatte schon im voraus entschieden, welches der beiden anderen Ziele vorrangig war, aber er z�gerte dennoch. Die Reise w�rde nur zu bald bekannt werden, und doch gab es Gr�nde, sie so geheim wie m�glich zu halten.</p><p>Als sich das Wegetor mitten im Raum �ffnete, schwebte ein jedem Bauer vertrauter s��licher Geruch heran. Pferdemist. Sulin r�mpfte die Nase, w�hrend sie sich verschleierte, und f�hrte die H�lfte der T�chter des Speers im Laufschritt durch das Tor. Die <emphasis>Asha'man</emphasis> folgten ihnen nach einem Blick zu Rand, w�hrend sie so viel der Wahren Quelle heranzogen, wie sie aufzunehmen vermochten.</p><p>Rand sp�rte ihre Macht, als sie an ihm vor�bergingen. Ohnedies war es schwer festzustellen, da� ein Mann die Macht lenken konnte. Aber keiner war auch nur ann�hernd so m�chtig wie er. Zumindest noch nicht. Es war nicht vorherzusehen, wie stark ein Mann w�rde, bevor er keine Fortschritte mehr machte. Fedwin war der St�rkste der drei, aber er hatte das, was Taim eine Schranke nannte. Fedwin glaubte nicht wirklich, da� er auf gewisse Entfernung mit der Macht etwas bewirken konnte. Das Ergebnis war, da� seine F�higkeit auf f�nfzig Schritte nachzulassen begann und er auf hundert Schritte nicht einmal mehr einen Strang <emphasis>Saidins</emphasis> weben konnte. M�nner erlangten anscheinend schneller Kraft als Frauen, und das war gut so. Diese drei waren alle ausreichend stark, ein Wegetor ausreichender Gr��e zu er�ffnen, wenn auch in Jonans Fall nur knapp. Jeder der <emphasis>Asha'man</emphasis> war dazu in der Lage.</p><p><emphasis>Ich t�te sie, bevor es zu sp�t ist, bevor sie wahnsinnig werden,</emphasis> fl�sterte Lews Therin. <emphasis>Ich t�te sie und hetze Sammael und Demadred und alle Verlorenen nieder. Ich mu� sie alle t�ten, bevor es zu sp�t ist!</emphasis></p><p>Er k�mpfte einen Moment darum, Rand die Macht zu entringen, aber es mi�lang ihm. Er schien ihn in letzter Zeit h�ufiger herauszufordern oder auch zu versuchen, <emphasis>Saidin</emphasis> selbst zu ergreifen. Ersteres bedeutete eine gr��ere Gefahr als letzteres. Rand bezweifelte, da� Lews Hierin die Wahre Quelle einnehmen konnte, wenn er sie erst festhielt. Er war sich aber auch nicht sicher, da� er sie Lews Therin nehmen k�nnte, wenn dieser sie zuerst erreichte.</p><p><emphasis>Was ist mit mir?</emphasis> dachte Rand erneut. Es war fast ein Grollen. Da er ganz in Macht geh�llt war, kroch der Zorn �ber das �u�ere des Nichts. <emphasis>Ich kann die Macht auch lenken. Der Wahnsinn wartet auf mich, aber dich hat er bereits vereinnahmt! Du hast dich selbst get�tet, Bruderm�rder, nachdem du deine Frau und deine Kinder und, nur das Licht allein wei�, wie viele Menschen noch get�tet hast. Ich werde nicht t�ten, wenn ich es nicht tun mu�! H�rst du mich, Bruderm�rder?</emphasis> Nur Schweigen antwortete.</p><p>Er atmete tief, aber ungleichm��ig ein. Der Zorn flackerte auf wie entferntes Blitzen. Er hatte niemals zuvor so mit dem Mann gesprochen - es war der Mann, nicht nur eine Stimme, ein Mensch, voller Erinnerungen. Vielleicht lie� sich Lews Therin auf diese Weise endlich vertreiben. Die H�lfte der verr�ckten Phrasen des Mannes war Gejammer �ber den Tod seiner Frau. Aber wollte er Lews Therin vertreiben? Er war in der Kiste sein einziger Freund gewesen.</p><p>Er hatte Sulin versprochen, bis hundert zu z�hlen, bevor er folgen w�rde, aber er h�rte bei f�nf auf und �berbr�ckte dann mit einem Schritt die hundertf�nfzig Meilen bis Caemlin.</p><p>Die Nacht hatte sich auf den K�niglichen Palast von Andor herabgesenkt, Mondschatten verh�llten filigrane T�rme und goldene Kuppeln. Die sanft wehende Brise konnte die Hitze nicht vertreiben. Der noch immer fast volle Mond hing am Himmel und spendete Licht. Verschleierte T�chter des Speers machten sich um die hinter den St�llen des gr��ten Palasts aufgereihten Karren herum zu schaffen. Der Geruch des Stallmists, den die Karren jeden Tag abtransportierten, war schon lange in das Holz eingedrungen. Die <emphasis>Asha'man</emphasis> hielten sich die H�nde vors Gesicht, und Eben kniff tats�chlich die Nase zu.</p><p>�Der <emphasis>Car'a'carn</emphasis> z�hlt schnell�, murrte Sulin, aber sie senkte ihren Schleier. Hier w�rde es keine �berraschungen geben. Niemand w�rde sich in der N�he der Karren aufhalten, der dies nicht tun mu�te.</p><p>Rand schlo� das Wegetor, sobald die verbliebenen T�chter des Speers direkt hinter ihm hindurchgelangt waren, und als es verschwand, fl�sterte Lews Therin: <emphasis>Sie ist fort. Fast fort.</emphasis> Erleichterung schwang in seiner Stimme mit. Im Zeitalter der Legenden hatte es den Bund von Beh�tern und Aes Sedai nicht gegeben.</p><p>Alanna war nicht wirklich fort, nicht mehr als sie jemals sonst fortgewesen war, seit sie sich gegen seinen Willen mit Rand verbunden hatte, aber ihre Gegenwart war weniger sp�rbar geworden, und genau das machte es Rand wahrhaft bewu�t. Man konnte sich an alles gew�hnen, wenn man es als gegeben hinnahm. In ihrer N�he war er sich ihrer Empfindungen und ihrer seelischen Verfassung bewu�t und ebenso, wenn er nur dar�ber nachdachte, wu�te er genauso gut, wo sie war, wie er wu�te, wo seine Hand war. Nur Abstand zeitigte Wirkung, auch wenn er noch immer <emphasis>sp�ren</emphasis> konnte, da� sie irgendwo �stlich von ihm war. Er wollte sich ihrer bewu�t sein. Sollte Lews Therin in Schweigen verfallen und alle Erinnerungen an die Kiste irgendwie aus seinem Geist gel�scht werden, wollte er den Bund noch immer als Erinnerung an folgende Worte bewahren: �Vertraue niemals einer Aes Sedai.�</p><p>Er erkannte j�h, da� Jonan und Eben <emphasis>Saidin</emphasis> immer noch festhielten. �La�t es los�, befahl er scharf - es war der Befehl, den Taim benutzte -, und er sp�rte, wie die Macht von ihnen wich. <emphasis>Ich t�te sie, bevor es zu sp�t ist,</emphasis> murmelte Lews Therin. Auch Rand lie� die Quelle widerwillig los. Er ha�te es stets, dieses Leben, die verst�rkten Sinne loszulassen. Den Kampf loszulassen. Innerlich war er jedoch angespannt, sprungbereit und darauf vorbereitet, die Quelle erneut zu ergreifen. Dazu war er jetzt immer bereit. <emphasis>Ich mu� sie t�ten,</emphasis> fl�sterte Lews Therin.</p><p>Rand verdr�ngte die Stimme, schickte eine der T�chter des Speers - Nerilea, eine Frau mit kantigem Gesicht - in den Palast und ging dann an den Karren entlang, w�hrend seine Gedanken erneut und schneller als zuvor zu kreisen begannen. Er h�tte nicht hierher kommen sollen. Er h�tte Fedwin mit einem Brief schicken sollen. Die Gedanken kreisten. Elayne. Aviendha. Perrin. Faile. Berelain. Mat. Licht, er h�tte nicht kommen sollen. Elayne und Aviendha. Annoura und Berelain. Faile und Perrin und Mat. Farbblitze, schnelle Bewegung - unmittelbar jenseits des Sichtfeldes. Ein Wahnsinniger, der in der Ferne zornig murrte.</p><p>Er bemerkte allm�hlich, da� sich die T�chter des Speers �ber den Geruch unterhielten. Sie deuteten an, er k�me von den <emphasis>Asha'man.</emphasis> Sie wollten geh�rt werden, sonst h�tten sie die Zeichensprache benutzt. Der Mond spendete genug Licht. Der Mond spendete auch genug Licht, um Ebens ger�tetes Gesicht zu sehen und zu erkennen, wie fest Fedwin die Z�hne zusammenbi�. Vielleicht waren sie keine Jungen mehr, aber sie waren dennoch erst f�nfzehn oder sechzehn Jahre alt. Jonan hatte die Augenbrauen so weit gesenkt, da� sie seine Wangen zu ber�hren schienen. Zumindest hatte niemand erneut <emphasis>Saidin</emphasis> ergriffen. Noch nicht.</p><p>Er wollte zuerst zu den drei M�nnern hin�bergehen, erhob aber dann statt dessen nur seine Stimme. Sollten sie es doch alle h�ren. �Wenn ich die Torheiten der T�chter des Speers verkrafte, k�nnt ihr es auch.�</p><p>Wenn �berhaupt eine Reaktion erkennbar war, vertiefte sich Ebens Gesichtsr�te noch. Jonan brummte. Sie alle entboten Rand einen Gru�, indem sie die Faust an die Brust legten, und wandten sich dann einander zu. Jonan sagte leise etwas, w�hrend er zu den T�chtern des Speers schaute, und Fedwin und Eben lachten. Als sie zum ersten Mal T�chter des Speers gesehen hatten, waren sie im Zweifel gewesen, ob sie diese fremdartigen Wesen, �ber die sie nur gelesen hatten, anstarren oder lieber davonlaufen sollten, bevor die m�rderischen Aiel der Geschichten sie t�teten. Kaum etwas anderes konnte sie mehr erschrecken. Sie mu�ten die Angst von neuem lernen.</p><p>Die T�chter des Speers sahen Rand an und verst�ndigten sich jetzt in der Zeichensprache, wobei sie manchmal leise lachten. Sie waren sich vielleicht der <emphasis>Asha'man</emphasis> bewu�t, aber da T�chter des Speers T�chter des Speers waren - wie Aiel Aiel waren -, machte das Risiko den Spott noch reizvoller. In den Geschichten f�hrte niemand jemals ein solch verwickeltes Leben.</p><p>Sobald Nerilea mit der Nachricht zur�ckkehrte, sie habe Bashere und Bael gefunden und der Clanh�uptling f�hre die Aiel hier in Caemlyn an, nahm Rand seinen Schwertg�rtel ab, und Fedwin tat es ihm gleich. Jalani holte einen gro�en Lederbeutel f�r die Schwerter und das Drachenszepter hervor, den sie hielt, als w�ren die Schwerter Giftschlangen. Rand zog einen mit einer Kapuze versehenen Umhang �ber, den Corana ihm gereicht hatte, und hielt die Handgelenke auf dem R�cken verschr�nkt, die Sulin dann, angespannt vor sich hinmurmelnd, mit einem Strick zusammenband.</p><p>�Das ist Unsinn. Sogar Feuchtl�nder w�rden es als Unsinn bezeichnen.�</p><p>Er bem�hte sich, nicht zusammenzuzucken. Sie war kr�ftig und setzte ihre ganze Kraft auch ein. �Ihr seid zu oft vor uns davongelaufen, Rand al'Thor. Ihr pa�t nicht auf Euch auf.� Sie betrachtete ihn als etwa gleichaltrigen Bruder, der aber manchmal unverantwortlich handelte.</p><p>Fedwin blickte finster drein, w�hrend seine Handgelenke ebenfalls zusammengebunden wurden, obwohl ihn zu fesseln die Tochter des Speers kaum M�he kostete. Jonan und Eben sahen mit zutiefst gerunzelter Stirn zu. Ihnen gefiel dieser Plan ebenso wenig wie Sulin. Und sie verstanden ihn ebensowenig. Aber der Wiedergeborene Drache mu�te keine Erkl�rungen abgeben, und der <emphasis>Car'a'carn</emphasis> tat es selten. Aber alle schwiegen. Eine Waffe beschwerte sich nicht.</p><p>Als Sulin vor Rand trat, sah sie ihm ins Gesicht und hielt dann den Atem an. �Das haben sie Euch angetan�, sagte sie sanft und griff nach dem schweren Dolch an ihrem G�rtel. Vielleicht nur etwas mehr als ein Fu� langer Stahl, fast ein Kurzschwert, aber das w�rde einer Aiel gegen�ber nur ein Narr �u�ern.</p><p>�Zieht die Kapuze hoch�, befahl ihr Rand rauh. �Alles h�ngt davon ab, da� mich niemand erkennt, bevor ich Bael und Bashere erreicht habe.� Sie z�gerte und sah ihm in die Augen. �Ich sagte, zieht sie hoch�, grollte er. Sulin k�nnte die meisten M�nner mit blo�en H�nden t�ten, aber ihre Finger gingen sehr sanft zu Werke, als sie die Kapuze um sein Gesicht zurechtzog.</p><p>Dann zog Jalani ihm die Kapuze lachend bis �ber die Augen. �Jetzt k�nnt Ihr sicher sein, da� Euch niemand erkennen wird, Rand al'Thor. Ihr m��t darauf vertrauen, da� wir Eure Schritte lenken.� Mehrere T�chter des Speers lachten.</p><p>Er erstarrte und h�tte fast <emphasis>Saidin</emphasis> ergriffen. Fast. Lews Therin brummte in der Ferne. Rand zwang sich, ruhig zu atmen. Es herrschte keine v�llige Dunkelheit. Er konnte unter dem Rand seiner Kapuze Mondlicht sehen. Dennoch stolperte er, als Sulin und Enaila seine Arme nahmen und ihn vorw�rts f�hrten.</p><p>�Ich dachte, Ihr w�rt alt genug, besser laufen zu k�nnen�, murmelte Enaila mit gespielter �berraschung, Sulins Hand bewegte sich. Es dauerte einen Moment, bis er erkannte, da� sie seinen Arm streichelte.</p><p>Er konnte nur sehen, was unmittelbar vor ihm lag, die mondbeschienenen Fliesen des Hofs und dann Steinstufen und Marmorfliesen bei Lampenlicht, bisweilen mit einem langen Teppichl�ufer bedeckt. Er strengte seine Augen an, wenn Schatten sich bewegten, sp�rte nach der verr�terischen Gegenwart <emphasis>Saidins</emphasis> oder, schlimmer noch, dem Kribbeln, das verk�ndete, da� eine Frau <emphasis>Saidar</emphasis> festhielt. Blind wie er war, w�rde er einen Angriff vielleicht erst bemerken, wenn es zu sp�t w�re. Er h�rte das leise Ger�usch dahineilender F��e der wenigen Diener, die ihren n�chtlichen Aufgaben nachgingen, aber niemand sprach f�nf T�chter des Speers an, die anscheinend zwei mit Kapuzen verh�llte Gefangene begleiteten. Da Bael und Bashere im Palast lebten und Caemlyn mit ihren M�nnern �berwachten, waren in diesen G�ngen zweifellos schon seltsamere Anblicke gesichtet worden. Es war, als ginge man durch ein Labyrinth. Aber immerhin hatte Rand, seit er Emondsfeld verlassen hatte, bereits eines oder zwei Labyrinthe durchschritten, auch wenn er geglaubt hatte, einen deutlichen Weg zu verfolgen.</p><p><emphasis>W�rde ich einen deutlichen Weg erkennen, wenn ich ihn s�he?</emphasis> fragte er sich. <emphasis>Oder mi�traue ich allem schon so sehr, da� ich ihn f�r eine Falle halten w�rde?</emphasis></p><p><emphasis>Es gibt keine deutlichen Wege. Nur Fallgruben und Stolperdr�hte und Dunkelheit.</emphasis> Lews Therins Brummen klang dumpf und verzweifelt. Es klang so, wie Rand sich f�hlte.</p><p>Als Sulin sie schlie�lich in einen Raum f�hrte und die T�r schlo�, hob Rand heftig den Kopf, um die Kapuze abzuwerfen - und erstarrte. Er hatte Bael und Davram erwartet, aber nicht Davrams Frau, Deira, und auch nicht Melaine oder Dorindha.</p><p>�Ich gr��e Euch, <emphasis>Car'a'carn.�</emphasis> Bael, der gr��te Mann, den Rand je gesehen hatte, sa� in seinem <emphasis>Cadin'sor</emphasis> mit gekreuzten Beinen auf den gr�nwei�en Bodenfliesen und erweckte trotz der behaglich wirkenden Atmosph�re den Eindruck, als w�re er im Handumdrehen zum Angriff bereit. Der Clanh�uptling war nicht jung -kein Clanh�uptling war jung -, und Grau durchzog sein dunkles, leicht r�tliches Haar, aber jedermann, der glaubte, er sei mit dem Alter verweichlicht, w�rde eine b�se �berraschung erleben. �M�get Ihr stets Wasser und Schatten finden. Ich stehe hinter dem <emphasis>Car'a'carn,</emphasis> und meine Speere stehen hinter mir.�</p><p>�Wasser und Schatten sind vielleicht recht gut�, sagte Davram Bashere, w�hrend er ein Bein �ber die gold�berzogene Lehne seines Sessels legte, �aber mir pers�nlich w�re eisgek�hlter Wein lieber.� Davram war ein wenig gr��er als Enaila; er hatte seinen kurzen blauen Umhang ge�ffnet, und Schwei� gl�nzte auf seinem dunklen Gesicht. Er wirkte mit seinen wild dreinblickenden, schr�gstehenden Augen und seiner hakenf�rmigen Adlernase �ber einem dichten, von Grau durchzogenen Schnurrbart, trotz seiner augenscheinlichen Gleichg�ltigkeit, noch h�rter als Bael. �Ich gratuliere Euch zu Eurer Flucht und Eurem Sieg. Aber warum kommt Ihr wie ein Gefangener verkleidet hierher?�</p><p>�Ich m�chte eher wissen, ob er uns Aes Sedai auf den Hals hetzt�, warf Deira ein. Failes Mutter war eine gro�e Frau in einem golddurchwirkten, gr�nen Seidengewand und ebenso gro� wie jede Tochter des Speers au�er Somara, das lange schwarze Haar an den Schl�fen von Wei� durchzogen, ihre Nase nur eine Spur weniger k�hn als die ihres Ehemanns. Tats�chlich konnte er aber von ihr noch etwas lernen, und sie war ihrer Tochter in einer Beziehung sehr �hnlich: Ihre Treue galt ihrem Gemahl, nicht Rand. �Ihr habt Aes Sedai <emphasis>gefangengenommen!</emphasis> M�ssen wir jetzt erwarten, da� uns die gesamte Wei�e Burg angreift?�</p><p>�Wenn sie das tun�, sagte Melaine scharf, w�hrend sie ihre Stola richtete, �werden sie bekommen, was sie verdienen.� Blond, gr�n�ugig und wundersch�n, dem Gesicht nach zu urteilen nur wenige Jahre �lter als Rand, war sie eine Weise Frau - und mit Bael verheiratet. Was auch immer die Weisen Frauen dazu veranla�t hatte, ihre Ansicht �ber Aes Sedai zu �ndern, so hatten Melaine, Amys und Bair doch die meisten Ver�nderungen bewirkt.</p><p>�Ich m�chte wissen�, sagte die dritte Frau, �was Ihr wegen Colavaere Saighan zu unternehmen gedenkt.� Obwohl Deira und Melaine eine starke Pr�senz besa�en, �bertraf Dorindha sie beide noch, obwohl nur schwer festzustellen war weshalb. Die Dachherrin der Rauchquellenfeste war eine kr�ftige, m�tterliche Frau, eher ansehnlich als h�bsch, mit Falten um die blauen Augen und genauso viel Wei� im hellroten Haar, wie Bael Grau aufwies, und doch beherrschte sie die drei Frauen, was f�r jeden vern�nftigen Menschen erkennbar war. �Melaine sagt, Bair messe Colavaere Saighan nur wenig Bedeutung zu�, fuhr Dorindha fort, �aber Weise Frauen k�nnen genauso blind sein wie jeder andere Mensch, wenn es darum geht, einen vor sich liegenden Kampf zwar zu sehen, den Skorpion unter ihren F��en aber zu <emphasis>�bersehen.�</emphasis> Ein L�cheln f�r Melaine nahm den Worten ihre Sch�rfe. Und Melaines L�cheln sollte gewi� besagen, da� sie sich nicht angegriffen f�hlte. �Die Arbeit einer Dachherrin besteht darin, jene Skorpione zu finden, bevor jemand gestochen wird.� Sie war ebenfalls Baels Frau, eine Tatsache, die Rand noch immer aus der Fassung brachte, auch wenn sie und Melaine es sich so erw�hlt hatten. Vielleicht teilweise, <emphasis>weil</emphasis> sie es sich so erw�hlt hatten. Bei den Aiel hatte ein Mann wenig zu sagen, wenn seine Ehefrau eine Schwester-Frau erw�hlte. Auch bei ihnen war dies keine �bliche Vereinbarung.</p><p>�Colavaere widmet sich jetzt dem Ackerbau�, grollte Rand. Sie sahen ihn blinzelnd an und fragten sich, ob das ein Scherz sei. �Der Sonnenthron ist wieder frei und wartet auf Elayne.� Er hatte erwogen, einen Schutz gegen Lauscher zu weben, aber ein Schutz konnte von einem Suchenden, Mann oder Frau, entdeckt werden, und seine Anwesenheit w�rde bedeuten, da� etwas Interessantes besprochen wurde. Nun, alles, was hier gesagt w�rde, w�rde ohnehin nur allzu bald von der Drachenmauer bis zum Meer bekannt sein.</p><p>Fedwin rieb sich die Handgelenke, w�hrend Jalani ihr Messer in die Scheide zur�cksteckte. Niemand g�nnte ihnen einen zweiten Blick. Aller Augen ruhten auf Rand. Er sah Nerilea stirnrunzelnd an und wedelte mit seinen zusammengebundenen H�nden, bis Sulin die Fesseln durchschnitt. �Ich wu�te nicht, da� dies ein Familientreffen werden sollte.� Nerilea wirkte als einzige ein wenig verlegen.</p><p>�Wenn Ihr erst verheiratet seid�, murmelte Davram l�chelnd, �werdet Ihr lernen, da� Ihr sehr sorgf�ltig erw�gen m��t, was Ihr vor Euren Ehefrauen verbergt.� Deira sah ihn mit gesch�rzten Lippen an.</p><p>�Ehefrauen sind ein gro�er Trost�, sagte Bael lachend, �wenn ein Mann ihnen nicht zu viel erz�hlt.� Dorindha fuhr ihm mit den Fingern durchs Haar und packte einen Moment so fest zu, als wolle sie ihm den Kopf abrei�en. Bael brummte, aber nicht nur deshalb. Melaine wischte ihr kleines G�rtelmesser an ihrem Rock ab und steckte es in die Scheide zur�ck. Die beiden Frauen grinsten einander �ber Baels Kopf hinweg an, w�hrend er sich die Schultern rieb, wo ein kleiner Blutfleck seinen <emphasis>Cadin'sor</emphasis> beschmutzte. Deira nickte nachdenklich. Anscheinend hatte sie gerade eine Idee.</p><p>�Welche Frau k�nnte ich ausreichend hassen, um sie mit dem Wiedergeborenen Drachen zu verheiraten?� bemerkte Rand kalt. Daraufhin entstand eisiges Schweigen.</p><p>Er versuchte seinen Zorn zu z�geln. Er h�tte dies erwarten sollen. Melaine war nicht nur eine Weise Frau, sie war auch eine Traumg�ngerin, wie auch Amys und Bair. Sie konnten sich in ihren Tr�umen miteinander und mit anderen verst�ndigen. Eine n�tzliche Gabe, obwohl sie dieses Talent f�r ihn erst einmal eingesetzt hatten. Es war eine Angelegenheit der Weisen Frauen und �berhaupt nicht verwunderlich, da� Melaine mit allem, was geschah, Schritt hielt. Es war auch kein Wunder, da� sie Dorindha alles erz�hlte, ob es eine Angelegenheit der Weisen Frauen war oder nicht. Die beiden Frauen waren beste Freundinnen und gleichzeitig Schwestern. Sobald Melaine Bael �ber die Entf�hrung unterrichtet hatte, hatte er es nat�rlich Bashere erz�hlt. Von Bashere zu erwarten, dies vor seiner Frau geheimzuhalten, war genauso, als erwarte man von ihm geheimzuhalten, da� das Haus brenne. Rand z�gelte seinen Zorn allm�hlich.</p><p>�Ist Elayne schon eingetroffen?� Er versuchte, seine Stimme beil�ufig klingen zu lassen, was ihm aber mi�lang. Unwichtig. Er hatte allen bekannte Gr�nde, zornig zu sein. Andor war vielleicht nicht so voller Aufruhr wie Cairhien, aber Elayne auf den Thron zu bringen, war die beste Gelegenheit, beide L�nder zur Ruhe zu bringen. Und vielleicht die einzige M�glichkeit.</p><p>�Noch nicht.� Bashere zuckte die Achseln. �Aber aus dem Norden kam eine Nachricht �ber Aes Sedai bei einem Heer, die irgendwo in Murandy und Altara gesehen wurden. Das k�nnte der junge Mat und seine Bande der Roten Hand mit der Tochter-Erbin und den Schwestern sein, die der Burg entflohen, als Siuan Sanche abgesetzt wurde.�</p><p>Rand rieb sich die Handgelenke an den Stellen, an denen die Stricke gescheuert hatten. Sie hatten die Gefangennahme nur vorget�uscht, weil Elayne schon h�tte hier sein k�nnen. Elayne, und Aviendha. So h�tte er kommen und gehen k�nnen, ohne da� sie es erfahren h�tten, bis er wieder fort gewesen w�re. Vielleicht h�tte er einen Weg gefunden, einen Blick auf sie zu werfen. Vielleicht... Er war ein Narr - nicht nur vielleicht.</p><p>�Wollt Ihr, da� sich Euch auch diese Schwestern verschw�ren?� Deiras Stimme wirkte genauso eisig wie ihr Gesicht. Sie mochte ihn nicht. Aus ihrer Sicht hatte ihr Mann einen Weg eingeschlagen, der wahrscheinlich mit seinem Kopf auf einer Lanze �ber einem Tor von Tar Valon enden w�rde, und Rand hatte ihn auf diesen Weg gebracht. �Die Wei�e Burg wird nicht stillhalten, w�hrend Ihr Aes Sedai bezwingt.�</p><p>Rand verbeugte sich leicht vor ihr, und sie fa�te es bestimmt nicht als Spott auf. Deira ni Ghaline t'Bashere hatte ihm niemals einen Titel gew�hrt, noch jemals seinen Namen benutzt. Sie h�tte genausogut zu einem Bediensteten sprechen k�nnen - zu einem nicht sehr intelligenten oder vertrauensw�rdigen Bediensteten. �Falls sie erw�hlen, sich mir zu verschw�ren, werde ich ihren Schwur annehmen. Ich bezweifle, da� viele von ihnen tats�chlich bald nach Tar Valon zur�ckkehren wollen. Wenn sie eine andere Wahl treffen, k�nnen sie ihres Weges gehen, so lange sie sich nicht gegen mich stellen.�</p><p>�Die Wei�e Burg hat sich gegen Euch gestellt�, sagte Bael, der sich mit den F�usten auf den Knien vorbeugte. Der Blick seiner blauen Augen lie� Deiras Stimme im nachhinein herzlich wirken. �Ein Feind, der einmal kommt, wird wiederkommen. Es sei denn, er wird aufgehalten. Meine Speere werden dem <emphasis>Car'a'carn</emphasis> folgen, wohin auch immer er geht.� Melaine nickt nat�rlich dazu. Sie wollte h�chstwahrscheinlich jede einzelne Aes Sedai abgeschirmt und auf Knien unter Bewachung sehen, wenn nicht sogar an H�nden und F��en gefesselt. Aber Dorindha und Sulin nickte ebenfalls, und Bashere zog nachdenklich an seinem Schnurrbart. Rand wu�te nicht, ob er lachen oder weinen sollte.</p><p>�Meint Ihr nicht, da� ich auch ohne einen Krieg gegen die Wei�e Burg bereits genug zu bew�ltigen habe? Elaida ist mir an die Kehle gegangen und wurde abgewehrt.� Wobei die verbrannte Erde von Leichen bedeckt gewesen war. Raben und Geier hatten sich an ihnen gen�hrt. Wie viele waren get�tet worden? �Wenn sie vern�nftig genug ist, an diesem Punkt innezuhalten, werde ich es ebenfalls tun.� Solange sie ihn nicht aufforderten zu vertrauen. Die Kiste. Er sch�ttelte den Kopf und war sich Lews Therins halbwegs bewu�t, der pl�tzlich wegen der Dunkelheit und dem Durst st�hnte. Er konnte ignorieren, er mu�te ignorieren, aber er konnte nicht vergessen und nicht vertrauen.</p><p>Er �berlie� Bael und Bashere den Streit dar�ber, ob Elaida vern�nftig genug w�re innezuhalten, und trat zu einem Tisch unter einem Wandteppich mit einer Schlachtszene, bei der der Wei�e L�we Andors herausragte, der mit einer Landkarte bedeckt war. Bael und Bashere benutzten diesen Raum offensichtlich f�r ihre Planungen. Er suchte eine Weile herum und fand dann die Karte, die er brauchte, eine gro�e Rolle, die ganz Andor von den verschleierten Bergen bis zum Flu� Erinin sowie auch zum Teil die L�nder im S�den - Ghealdan, Altara und Mundy - zeigte.</p><p>�Den Frauen, die in den L�ndern der Baumm�rder gefangengehalten werden, wird nicht gestattet, Schwierigkeiten zu machen - warum sollten also andere es tun?� sagte Melaine offensichtlich als Antwort auf etwas, was er nicht geh�rt hatte. Sie klang ver�rgert.</p><p>�Wir werden tun, was wir tun m�ssen, Deira t'Bashere�, sagte Dorindha ruhig. Sie war selten aufgeregt. �Bewahrt Euren Mut, und wir werden unser Ziel erreichen.�</p><p>�Wenn Ihr von einer Klippe springt�, erwiderte Deira, �ist es zu sp�t, sich noch an etwas anderes als an Euren Mut zu klammern. Und zu hoffen, da� unten ein Heuwagen steht, in dem man landen kann.� Ihr Ehemann kicherte, als habe sie einen Scherz gemacht. Sie hatte nicht danach geklungen.</p><p>Rand breitete die Karte aus, beschwerte die Ecken mit Tintenf�ssern und Sandflaschen und ma� mit den Fingern Entfernungen ab. Mat kam nicht sehr schnell voran, wenn die Ger�chte zutrafen, da� er in Altara oder Murandy war. Er war stets stolz darauf, wie schnell die Bande vorangehen konnte. Vielleicht behinderten ihn die Aes Sedai mit ihren Dienern und Wagen. Vielleicht waren mehr Schwestern dort, als er gedacht hatte. Rand merkte, da� er seine H�nde zu F�usten ballte, und �ffnete sie m�hsam. Er brauchte Elayne. Damit sie die Throne hier und in Cairhien einnahm. Daf�r brauchte er sie. Nur daf�r. Aviendha... Sie brauchte er nicht, �berhaupt nicht, und sie hatte verdeutlicht, da� sie ihn auch nicht brauchte. Sie war fern von ihm sicher. Er konnte ihnen beiden Sicherheit geben, indem er sie stets so weit wie m�glich von sich fernhielt. Licht, wenn er sie nur sehen k�nnte. Er brauchte Mat jedoch, da Perrin eigensinnig war. Er fragte sich, wie es kam, da� Mat pl�tzlich zum Fachmann f�r alles geworden war, was mit Schlachten zu tun hatte, aber sogar Bashere respektierte seine Meinung.</p><p>Zumindest seine Meinung �ber den Krieg.</p><p>�Sie haben ihn wie einen <emphasis>Da'tsang</emphasis> behandelt�, grollte Sulin, und einige der anderen T�chter des Speers �u�erten ebenfalls leise ihren Unmut.</p><p>�Das wissen wir�, sagte Melaine grimmig. �Sie haben keine Ehre.�</p><p>�Wird er sich nach dem, was ihr beschrieben habt, wirklich zur�ckhalten?� fragte Deira ungl�ubig.</p><p>Die Landkarte erstreckte sich nicht weit genug s�dlich, da� auch Illian darauf zu sehen gewesen w�re -keine Landkarte auf dem Tisch zeigte dieses Land auch nur teilweise -, aber Rand f�hrte seine Hand m��ig bis Murandy hinab, und er konnte sich die Doirlon-H�gel, nicht weit jenseits der Grenze zu Illian, mit ihrer Reihe von H�gelfestungen vorstellen; kein einmarschierendes Heer konnte es sich leisten, sie zu mi�achten. Und ungef�hr zweihundertf�nfzig Meilen �stlich, jenseits der Ebenen von Maredo, stand ein Heer, wie es seit dem Zusammenschlu� der Nationen im Aiel-Krieg und vielleicht seit der Zeit Artur Falkenfl�gels keines mehr gegeben hatte. Tairener, Cairhiener, Aiel, alle wohlerwogen erw�hlt, in Illian einzufallen. Wenn Perrin die F�hrung nicht �bernehmen wollte, dann mu�te Mat es tun. Aber es war nicht genug Zeit. Es war niemals genug Zeit.</p><p>�Verdammt�, murrte Davram. �Das habt Ihr niemals erw�hnt, Melaine. Lady Caraline und Lord Toram haben unmittelbar au�erhalb der Stadt gelagert, und Hochlord Darlin ebenso? Sie sind sich nicht zuf�llig begegnet, nicht zu diesem Zeitpunkt. Das ist, als h�tte man ein Schlangennest auf der T�rschwelle.�</p><p>�Sollen die <emphasis>Algai'd'siswai</emphasis> tanzen�, erwiderte Bael. �Tote Schlangen bei�en nicht.�</p><p>Sammael hatte sich stets gut verteidigt. Daran erinnerte sich Lews Therin vom Schattenkrieg her. Wenn zwei M�nner in einem Sch�del hausten, sollte man vielleicht erwarten, da� Erinnerungen zwischen ihnen hin und her trieben. Hatte sich Lews Therin pl�tzlich daran erinnert, Schafe geh�tet oder Feuerholz gehackt oder H�hner gef�ttert zu haben? Rand konnte ihn schwach w�ten h�ren, da� er t�ten wollte, vernichten wollte. Gedanken an die Verlorenen trieben Lews Therin fast immer zum �u�ersten.</p><p>�Deira t'Bashere hat recht�, sagte Bael. �Wir m�ssen auf dem Weg bleiben, den wir eingeschlagen haben, bis unsere Feinde vernichtet sind - oder wir.�</p><p>�So habe ich es nicht gemeint�, sagte Deira trocken. �Aber Ihr habt recht. Wir haben jetzt keine Wahl mehr. Bis unsere Feinde vernichtet sind - oder wir.�</p><p>Tod, Vernichtung und Wahnsinn �berschwemmten Rands Geist, w�hrend er die Landkarte betrachtete. Sammael w�rde bald nach dem Angriff des Heers bei diesen Festungen sein, Sammael mit der Kraft eines Verlorenen und dem Wissen des Zeitalters der Legenden. Lord Brend nannte er sich, einer des Konzils der Neun, und Lord Brend nannten ihn auch jene, die nicht zugeben wollten, da� die Verlorenen befreit waren, aber Rand kannte ihn. Durch die Erinnerung Lews Therins kannte er Sammaels Gesicht und ihn selbst genau.</p><p>�Was hat Dyelin Taravin mit Naean Arawn und Elenia Sarand vor?� fragte Dorindha. �Ich gebe zu, da� ich nicht verstehe, warum man Menschen fortschlie�t.�</p><p>�Es ist unwichtig, was sie dort tut�, sagte Davram. �Mich beunruhigen eher ihre Treffen mit diesen Aes Sedai.�</p><p>�Dyelin Taravin ist eine N�rrin�, murrte Melaine. �Sie glaubt die Ger�chte, da� der <emphasis>Car'a'carn</emphasis> vor dem Amyrlin-Sitz niederkniet. Sie wird sich nicht einmal das Haar b�rsten, wenn es ihr die Aes Sedai nicht erlauben.�</p><p>�Ihr verkennt sie�, sagte Deira fest. �Dyelin ist stark genug, Andor zu regieren. Das hat sie in Aringill bewiesen. Nat�rlich h�rt sie den Aes Sedai zu - nur ein Narr ignoriert Aes Sedai -, aber zuh�ren hei�t nicht gehorchen.�</p><p>Die Wagen, die von den Brunnen von Dumai herangebracht worden waren, mu�ten erneut durchsucht werden. Der <emphasis>Angreal</emphasis> in Form eines fetten kleinen Mannes mu�te irgendwo sein. Keine der entkommenen Schwestern h�tte ahnen k�nnen, was er war. Es sei denn, eine von ihnen h�tte vielleicht ein Andenken an den Wiedergeborenen Drachen eingesteckt. Nein. Er mu�te irgendwo in den Wagen sein. Damit war er jedem Verlorenen mehr als ebenb�rtig. Ohne ihn... Tod, Vernichtung und Wahnsinn.</p><p>Pl�tzlich dr�ngte herauf, was er geh�rt hatte. �Was war das?� fragte er und wandte sich von dem mit Elfenbein-Intarsien versehenen Tisch um.</p><p>�berraschte Gesichter wandten sich ihm zu. Tonan richtete sich am T�rrahmen auf, an dem er l�ssig gelehnt hatte. Die T�chter des Speers, die m�helos auf ihren Fersen hockten, schienen pl�tzlich alarmiert. Sie hatten sich beil�ufig unterhalten, aber jetzt betrachteten sie ihn aufmerksam.</p><p>Melaine betastete eine ihrer Elfenbein-Halsketten, sah mit entschlossenem Blick zwischen Bael und Davram hin und her und sprach dann vor allen anderen. �In einem Gasthaus namens <emphasis>Silberschwan</emphasis> in der - wie Davram Bashere sie nennt - Neustadt befinden sich neun Aes Sedai.� Sie sprach das Wort �Gasthaus� seltsam aus, und auch das Wort �Stadt�. Sie hatte diese W�rter nur aus B�chern gekannt, bevor sie �ber die Drachenmauer gekommen war. �Er und Bael sagen, wir sollten sie in Ruhe lassen, bis sie etwas gegen uns unternehmen. Ich denke, Ihr habt es gelernt, auf Handlungen der Aes Sedai zu warten, Rand al'Thor.�</p><p>�Mein Fehler�, seufzte Bashere, �wenn ein Fehler begangen wurde. Aber ich wei� nicht, was Melaine zu tun gedenkt. Acht Schwestern machten vor fast einem Monat im <emphasis>Silberschwan</emphasis> halt, direkt nachdem Ihr abgereist wart. Hin und wieder kommen und gehen einige, aber es sind niemals mehr als zehn zugleich dort. Sie bleiben f�r sich, machen keine Schwierigkeiten und stellen keine Fragen, von denen Bael oder ich w��ten. Zweimal kamen auch einige Rote Schwestern in die Stadt. Die Schwestern im <emphasis>Silberschwan</emphasis> haben Beh�ter, aber die Roten Schwestern nicht. Ich bin �berzeugt, da� sie Rote sind. Zwei oder drei tauchen auf, fragen nach M�nnern, die zum Schwarzen Turm wollen und reisen nach einem oder zwei Tagen wieder ab. Ohne viel erfahren zu haben, w�rde ich sagen. Diese Schwarze Burg bewahrt Geheimnisse so gut wie eine Festung. Keine der Schwestern hat Schwierigkeiten gemacht, und ich w�rde sie lieber nicht bel�stigen, bis ich wei�, da� es notwendig ist.�</p><p>�Das habe ich nicht gemeint�, sagte Rand z�gernd. Er setzte sich in einen Sessel gegen�ber Bashere und umklammerte die Armlehnen, bis seine Kn�chel schmerzten. Hier versammelten sich Aes Sedai, in Cairhien versammelten sich Aes Sedai. Zufall? Lews Therin stie� in der Ferne w�tende Tiraden �ber Tod und Verrat aus. Er w�rde Taim warnen m�ssen. Nicht wegen der Aes Sedai im <emphasis>Silberschwan -</emphasis> das wu�te Taim sicher bereits, aber warum hatte er es nicht erw�hnt? -, sondern damit sie ihnen fernblieben, damit er die <emphasis>Asha'man</emphasis> von ihnen fernhielt. Wenn die Brunnen von Dumai ein Ende bedeuten sollten, durfte es hier keine neuen Anf�nge geben. Zu vieles schien au�er Kontrolle zu geraten. Je st�rker er alle zusammenzuhalten versuchte, desto schneller l�sten sie sich. Fr�her oder sp�ter w�rde alles zusammenbrechen und zerfallen. Der Gedanke lie� seine Kehle trocken werden. Thom Merrilin hatte ihn gelehrt, ein wenig zu jonglieren, aber er war niemals sehr geschickt darin gewesen. Jetzt mu�te er in der Tat sehr geschickt vorgehen. Er w�nschte, er h�tte etwas, womit er seine Kehle benetzen k�nnte.</p><p>Er hatte nicht gemerkt, da� er den letzten Gedanken laut ausgesprochen hatte, bis Jalani sich aus ihrer hockenden Stellung aufrichtete und zu einem hohen Silberkrug trat, der auf einem kleinen Tisch stand. Sie f�llte einen Silberbecher, brachte ihn Rand mit einem L�cheln und �ffnete den Mund, als sie ihm den Trank reichte. Er erwartete schon eine heftige �u�erung, als sich ihr Gesichtsausdruck �nderte. Sie sagte nur <emphasis>�Car'a'carn�</emphasis> und ging dann so w�rdevoll zu ihrem Platz bei den anderen T�chtern des Speers zur�ck, da� man den Eindruck gewann, sie imitierte Dorindha oder vielleicht auch Deira. Somara sagte etwas in der Zeichensprache, und pl�tzlich err�teten alle T�chter des Speers und bissen sich auf die Lippen, um nicht zu lachen. Alle T�chter des Speers au�er Jalani, die nur err�tet war.</p><p>Der gew�rzte Wein schmeckte nach Pflaumen. Rand konnte sich an die dicken s��en Pflaumen aus den Obstg�rten seiner Kindheit jenseits des Flusses erinnern, die er selbst gepfl�ckt hatte... Er legte den Kopf zur�ck und leerte den Becher. Es gab in den Zwei Fl�ssen zwar Pflaumenb�ume, aber keine Obstg�rten, und sicherlich nicht jenseits irgendeines Flusses. <emphasis>Behalte deine verdammten Erinnerungen f�r dich,</emphasis> knurrte er Lews Therin an. Der Mann in seinem Kopf lachte �ber etwas, kicherte still in sich hinein.</p><p>Bashere sah zuerst die T�chter des Speers und dann Bael und seine Frauen stirnrunzelnd an, die alle unbewegt wie Stein blieben, und sch�ttelte den Kopf. Er kam mit Bael gut zurecht, aber die Aiel im allgemeinen verwirrten ihn. �Da mir niemand etwas zu trinken bringt...�, sagte er, erhob sich und go� sich selbst einen Becher Wein ein. Er trank einen gro�en Schluck, der seinen dichten Schnurrbart benetzte. �Das erfrischt. Taims Art, M�nner zu erheben, scheint jeden Burschen zutage zu f�rdern, der dem Wiedergeborenen Drachen gern folgen w�rde. Er hat mir ein ansehnliches Heer geliefert, M�nner, denen fehlt, was immer es ist, was Eure <emphasis>Asha'man</emphasis> brauchen. Sie wandern alle umher und starren mit gro�en Augen L�cher in die Luft, aber keiner war jemals in der N�he der Schwarzen Burg. Ich versuche, einige der Gedanken des jungen Mat nachzuvollziehen.�</p><p>Rand winkte mit seinem geleerten Becher ab. �Erz�hlt mir von Dyelin.� Dyelin vom Hause Taravin w�re der n�chste in der Thronfolge, falls Elayne etwas zustie�e, aber er hatte ihr gesagt, da� er Elayne nach Caemlyn bringen lie�. �Wenn sie glaubt, sie k�nnte den L�wenthron einnehmen, kann ich auch f�r sie einen Bauernhof finden.�</p><p>�Den Thron einnehmen?� fragte Deira ungl�ubig, und ihr Mann lachte laut auf.</p><p>�Ich verstehe die Art der Feuchtl�nder nicht�, sagte Bael, �aber ich glaube nicht, da� sie daran gedacht hat.�</p><p>�Nicht im geringsten.� Davram nahm Rands Becher und go� ihm noch mehr Wein ein. �Einige niedriger gestellte Herren und Damen, die glaubten, sie k�nnten ihre Gunst erringen, haben sie in Aringill �ffentlich zur K�nigin erkl�rt. Lady Dyelin handelt rasch. Innerhalb von vier Tagen lie� sie die beiden Anf�hrer wegen Verrat an der Tochter-Erbin Elayne h�ngen und befahl die Auspeitschung weiterer zwanzig Leute.� Er kicherte anerkennend. Seine Frau r�mpfte die Nase. Sie h�tte wahrscheinlich den ganzen Weg von Aringill bis Caemlyn mit Galgen s�umen lassen.</p><p>�Woher kam dann das Ger�cht, da� sie Andor regiere?� fragte Rand. �Und Elenia und Naean gefangengesetzt habe?�</p><p>�Es gibt Leute, die den Thron beanspruchen wollten�, sagte Deira, deren dunkle Augen zornig funkelten.</p><p>Bashere nickte. Er war bedeutend ruhiger. �Erst vor drei Tagen. Als die Nachricht von Colavaeres Kr�nung und die Ger�chte aus Cairhien eintrafen, begann die M�glichkeit, da� Ihr nach Tar Valon gegangen w�rt, glaubhaft zu klingen. Da der Handel wieder beginnt, sind so viele Tauben zwischen Cairhien und Caemlyn in der Luft, da� man auf ihren R�cken einhergehen k�nnte.� Er brachte den Becher zu Rand und kehrte zu seinem Sessel zur�ck. �Naean hat den Thronfolger f�r den L�wenthron morgens fr�h verk�ndet, Elayne vormittags und Dyelin bei Sonnenuntergang. Pelivar und Luan lie�en die beiden einsperren. Sie erkl�rten Dyelin am n�chsten Morgen zur Herrscherin. In Elaynes Namen, bis sie zur�ckkehrt. Die meisten Mitglieder des Hauses Andor haben Dyelin ihre Unterst�tzung zugesagt. Ich glaube, einige s�hen es gern, wenn sie selbst den Thron einn�hme, aber Aringill l��t auch die M�chtigsten ihre Zunge h�ten.� Bashere schlo� ein Auge und deutete auf Rand. �Ihr wurdet gar nicht erw�hnt. Ob das gut oder schlecht ist - das zu bestimmen, ist ein kl�gerer Kopf n�tig als meiner.�</p><p>Deira l�chelte k�hl und blickte an ihrer Nase hinab. �Jene ... Speichellecker, denen Ihr erlaubtet, den Palast zu verlassen, scheinen alle aus der Stadt geflohen zu sein. Einige sogar aus Andor, wie Ger�chte besagen. Ihr solltet es wissen, denn sie standen alle entweder hinter Elayne oder hinter Naean.�</p><p>Rand stellte seinen vollen Becher auf den Boden neben seinem Sessel. Er hatte nur Lir und Arymilla und den anderen zu bleiben erlaubt, um Dyelin und jene, die sie unterst�tzten, zur Zusammenarbeit mit ihm zu dr�ngen. Sie h�tten Andor niemals einem Mann wie Lord Lir �berlassen. Aber mit ein wenig Zeit und durch Elaynes R�ckkehr k�nnte es vielleicht dennoch gelingen. Aber alles drehte sich immer schneller und entglitt seinen H�nden. Nur einige wenige Dinge konnte er noch kontrollieren.</p><p>�Fedwin dort dr�ben ist ein <emphasis>Asha'man�,</emphasis> sagte er. �Er kann mir in Cairhien Nachrichten �berbringen, wenn es n�tig ist.� Er sagte dies mit einem Blick auf Melaine, die Fedwin �beraus sanft anschaute. Deira betrachtete Fedwin ungef�hr so, wie sie eine tote Ratte betrachten w�rde, die ein �bereifriger Hund auf ihrem Teppich abgelegt hatte. Davram und Bael wirkten eher nachdenklich. Fedwin versuchte, sich unter ihrem Blick noch h�her aufzurichten. �Niemand soll wissen, wer er ist�, fuhr Rand fort. �Niemand. Darum tr�gt er kein Schwarz. Ich nehme heute abend zwei weitere <emphasis>Asha'man</emphasis> mit zu Lord Semaradrid und Hochlord Weiramon, Sie werden sie brauchen, wenn sie Sammael in den Doirlon-H�geln gegen�bertreten. Ich werde anscheinend noch eine Weile an Cairhien zu kauen haben.� Und vielleicht auch an Andor.</p><p>�Bedeutet das, da� Ihr die Speere endlich vorw�rts schickt?� fragte Bael. �Ihr gebt heute abend die entsprechenden Befehle?�</p><p>Rand nickte, und Bashere lachte dr�hnend. �Nun, das verlangt nach einem guten Wein. Oder es verlangte zumindest danach, wenn es nicht so hei� w�re, Blut zu Brei zu verdicken.� Das Lachen wurde zu einer Grimasse. �Verdammt, ich w�nschte, ich k�nnte dabeisein. Aber Caemlyn zu halten, ist f�r den Wiedergeborenen Drachen vermutlich keine leichte Aufgabe.�</p><p>�Du willst immer dort sein, wo die Schwerter gezogen werden, mein Gemahl.� Deira klang recht angetan.</p><p>�Das F�nftel�, sagte Bael. �Ihr la�t das F�nftel in Illian, wenn Sammael gefallen ist?� Ein Aielbrauch gestattete es, den f�nften Teil von allem zu nehmen, was sich an einem mit Waffengewalt eingenommenen Ort befand. Rand hatte das in Caemlyn verboten. Er w�rde Elayne nicht einmal eine so geringf�gig gepl�nderte Stadt �bergeben.</p><p>�Sie werden das F�nftel bekommen�, sagte Rand, aber er dachte dabei nicht an Sammael oder Illian. <emphasis>Bring Elayne schnell her, Mat.</emphasis> Dieser Satz kreiste in seinem Kopf und �bert�nte auch Lews Therins Gemurmel. <emphasis>Bring sie schnell her, bevor Andor und Cairhien beide vor meinen Augen aufbrechen.</emphasis></p></section><section><title><p>8</p><p>Die Galionsfigur</p></title><p>Wir m�ssen morgen hier rasten.� Egwene regte sich vorsichtig auf ihrem Faltstuhl. Er hatte die Tendenz, manchmal von selbst zusammenzuklappen. �Lord Bryne sagt das Heer habe nicht mehr genug Nahrungsmittel. Und in unserem Lager fehlt alles.�</p><p>Zwei Talgkerzenstumpen brannten auf dem Holztisch vor ihr. Auch der Tisch war ein leicht einzupackendes Faltm�bel, aber er war stabiler als der Stuhl. Die Kerzen im Zelt, die ihr zum Lernen gedient hatten, wurden durch eine von der Zeltdecke herabh�ngende �llampe erg�nzt Das tr�be gelbe Licht flackerte und lie� auf den Segeltuchw�nden des Zelts, das nicht ann�hernd so gro�artig war wie das Studierzimmer der Amyrlin in der Wei�en Burg, schwache Schatten tanzen. Tats�chlich besa� auch sie selbst nicht ann�hernd die Gr��e, die normalerweise mit dem Amyrlin-Sitz in Verbindung gebracht wurde. Sie wu�te sehr wohl, da� die Stola mit den sieben Streifen um ihre Schultern der einzige Grund war, warum ein Fremder glauben w�rde, da� sie die Amyrlin war. Wenn er es nicht f�r einen �u�erst t�richten Scherz hielt. In der Geschichte der Wei�en Burg waren seltsame Dinge geschehen -Siuan hatte ihr geheime Einzelheiten von einigen dieser Geschehnisse erz�hlt -, aber sicherlich nichts so Seltsames wie ihr Fall. �Vier oder f�nf Tage Rast w�ren besser�, sann Sheriam, die den Stapel Papiere auf ihrem Scho� betrachtete. Ein wenig rundlich, mit hohen Wangenknochen und schr�gstehenden gr�nen Augen, wirkte sie in ihrem dunkelgr�nen Reitgewand vornehm und gebieterisch, obwohl sie nur auf der Kante eines der beiden wackeligen St�hle vor dem Tisch kauerte. Wenn man ihre schmale blaue Stola einer Beh�terin der Chronik gegen die der Amyrlin ausgetauscht h�tte, so h�tte jedermann geglaubt sie tr�ge diese zu Recht. Manchmal schien sie gewi� zu glauben, die gestreifte Stola l�ge um ihre Schultern. �Oder vielleicht auch l�nger. Es k�nnte nicht schaden, unsere Vorr�te erneut zu erg�nzen.�</p><p>Siuan, die auf dem anderen wackeligen Stuhl sa�, sch�ttelte leicht den Kopf, aber Egwene brauchte diesen Hinweis nicht. �Ein Tag.� Sie war zwar erst achtzehn Jahre alt und weit von der Gr��e einer wahren Amyrlin entfernt, aber sie war keine N�rrin. Zu viele der Schwestern griffen nach jeder Ausrede f�r eine Rast - und auch zu viele der Sitzenden -, aber wenn sie zu lange rasteten, w�rden sie vielleicht nicht mehr zu einem erneuten Aufbruch zu bewegen sein. Sheriam �ffnete den Mund.</p><p>�Ein Tag, Tochter�, sagte Egwene fest. Was auch immer Sheriam dachte, Tatsache war, da� Sheriam Bayanar die Beh�terin der Chronik war und Egwene al'Vere die Amyrlin. Wenn Sheriam nur dazu gebracht werden k�nnte, das zu erkennen. Und auch der Saal der Burg, der noch schlimmer war. Auch wenn Egwene nach einem Ausbruch zumute war, hatte sie nach fast eineinhalb Monaten doch bereits eine lebenslange �bung darin, ihr Gesicht und ihre Stimme auch bei weitaus schwerwiegenderen Herausforderungen als dieser unbewegt zu halten. �Wenn wir l�nger rasten, werden wir dem Land Schaden zuf�gen. Ich will die Menschen nicht verhungern lassen. Au�erdem ist es so, da� sie uns, wenn wir ihnen - auch gegen Bezahlung - zuviel nehmen, im Gegenzug hundert Hindernisse in den Weg stellen werden.�</p><p>��berf�lle auf die Herden und Diebe bei den Vorratswagen�, murmelte Siuan. Sie betrachtete ihre grauen R�cke, sah niemanden an und schien nur laut zu denken. �M�nner, die bei Nacht auf unsere Wachen schie�en und vielleicht Feuer legen, wo immer sie hingelangen. Eine b�se Sache. Hungrige Menschen verzweifeln schnell.� Es waren die gleichen Gr�nde, die Lord Bryne vor kurzem Egwene mit fast denselben Worten genannt hatte.</p><p>Die rothaarige Frau warf Siuan einen ver�rgerten Blick zu. Viele Schwestern hatten Probleme mit Siuan. Ihr Gesicht war wahrscheinlich das bekannteste im Lager, jung genug, um zu einer Aufgenommenen oder auch einer Novizin zu geh�ren. Dies war eine Nebenwirkung des Ged�mpftwerdens, obwohl nicht viele es bisher erlebt hatten. Siuan konnte kaum einen Schritt tun, ohne da� Schwestern sie anstarrten - den einstigen Amyrlin-Sitz, abgesetzt und von <emphasis>Saidar</emphasis> abgeschnitten, dann Geheilt und wieder mit zumindest einigen F�higkeiten ausgestattet, obwohl jedermann wu�te, da� das eigentlich unm�glich war. Viele hie�en sie als Schwester wieder herzlich willkommen, um ihrer selbst willen und wegen des Wunders, das die Hoffnung gegen etwas aufrechterhielt, was jede Aes Sedai mehr als den Tod f�rchtete. Aber ebenso viele oder noch mehr duldeten sie nur widerwillig oder behandelten sie herablassend oder beides, weil sie Siuan f�r ihre gegenw�rtige Situation verantwortlich machten.</p><p>Sheriam geh�rte zu denen, die der Ansicht waren, Siuan sollte die neue Amyrlin im Protokoll und �hnlichem unterweisen - wovon jedermann glaubte, da� sie es ha�te - und ihren Mund halten, bis sie zum Sprechen aufgefordert w�rde. Sie war weniger, als sie einst gewesen war, keine Amyrlin mehr und nicht mehr so m�chtig. Es war keine Grausamkeit, wie Aes Sedai sie verstanden. Die Vergangenheit war vergangen. Was jetzt war, bestand und mu�te akzeptiert werden. Alles andere brachte nur gr��ere Qualen mit sich. Im gro�en und ganzen sahen die Aes Sedai die Ver�nderung allm�hlich ein, und danach war es f�r die meisten, als ob alles schon immer so gewesen w�re.</p><p>�Ein Tag, Mutter, wie Ihr meint�, sagte Sheriam schlie�lich seufzend und beugte leicht den Kopf. Weniger aus Ergebenheit wie Egwene mit Sicherheit wu�te, sondern um ihren eigensinnigen Gesichtsausdruck zu verbergen. Im Moment mu�te sie es tun.</p><p>Siuan beugte ebenfalls den Kopf. Um ein L�cheln zu verbergen. Jede Schwester konnte auf jeden Posten verwiesen werden, aber die gesellschaftliche Hackordnung war recht starr, und Siuan stand erheblich niedriger als fr�her. Das war ein Grund.</p><p>Auf Siuans Scho� lagen die gleichen Papiere wie auf Sheriams Scho� und auf dem Tisch vor Egwene. Berichte �ber alles - angefangen von der Anzahl der im Lager verbliebenen Kerzen und Bohnens�cke bis zum Zustand der Pferde, und das gleiche f�r Lord Brynes Heer. Das Heerlager umgab das der Aes Sedai in einem Kreis, der vielleicht zwanzig Schritt Zwischenraum lie�, aber sie h�tten in vielerlei Beziehung genausogut eine Meile entfernt sein k�nnen. Lord Bryne hatte �berraschenderweise genauso fest darauf bestanden wie die Schwestern. Die Aes Sedai wollten keine Soldaten zwischen ihren Zelten umherwandern sehen - ein Haufen ungewaschene, ungebildete Grobiane, oft mit flinken Fingern -, und anscheinend wollten die Soldaten auch keine Aes Sedai zwischen ihren Zelten umherlaufen sehen, obwohl sie ihre Gr�nde daf�r, was vielleicht klug war, f�r sich behielten. Sie marschierten nach Tar Valon, um einen unrechtm��igen Machthaber vom Amyrlin-Sitz zu st�rzen und Egwene an deren Stelle zu setzen, aber nur wenige M�nner f�hlten sich in der N�he von Aes Sedai wirklich wohl. Und auch nur wenige Frauen.</p><p>Sheriam w�re als Beh�terin der Chronik nur zu gl�cklich gewesen, Egwene diese weniger wichtigen Angelegenheiten abzunehmen. Sie hatte das auch gesagt und erkl�rt, <emphasis>wie</emphasis> unwichtig sie seien und da� der Amyrlin-Sitz nicht mit allt�glichen Kleinigkeiten belastet werden sollte. Siuan sagte andererseits, eine gute Amyrlin w�rde sich gerade darum k�mmern und nicht versuchen, die Arbeit Dutzender von Schwestern und Bediensteten noch zu vermehren, aber doch jeden Tag etwas anderes �berpr�fen. Auf diese Weise wu�te Egwene recht genau, was vor sich ging und was getan werden mu�te, bevor jemand mit einem bereits eskalierenden Problem zu ihr kam. Siuan nannte es das Gef�hl daf�r, woher der Wind wehte. Es hatte Wochen gedauert sicherzustellen, da� diese Berichte sie erreichten, und Egwene hegte keinen Zweifel, da� sie niemals wieder - wenn �berhaupt - etwas erfahren w�rde, bevor es l�ngst erledigt w�re, wenn sie dies erst Sheriams Kontrolle �berlie�.</p><p>Schweigen breitete sich aus, w�hrend alle das n�chste Blatt auf ihrem Papierstapel lasen.</p><p>Sie waren nicht allein. Chesa, die auf einer Seite des Zelts auf Kissen sa�, sagte: �Zu wenig Licht ist schlecht f�r die Augen.� Sie hatte es eigentlich nur vor sich hin gemurmelt, w�hrend sie einen von Egwenes Seidenstr�mpfen hochhielt, die sie gerade stopfte. �Ihr w�rdet es niemals erleben, da� ich mir die Augen bei diesem schlechten Licht �ber Worten verderbe.� Recht kr�ftig, mit einem Zwinkern in den Augen und einem fr�hlichen L�cheln, versuchte Egwenes Bedienstete der Amyrlin stets Rat zukommen zu lassen, indem sie vorgab, mit sich selbst zu sprechen. Sie h�tte durchaus zwanzig Jahre anstatt erst weniger als zwei Monate in Egwenes Dienst und dreimal anstatt nur doppelt so alt wie sie sein k�nnen. Egwene vermutete, da� sie heute abend sprach, um die Stille zu erf�llen. Seit Logain entkommen war, herrschte Anspannung im Lager. Ein Mann, der die Macht lenken konnte, der abgeschirmt war und unter strenger Bewachung stand, war wie Nebel entschwunden. Jedermann fragte sich verzweifelt, wie dies hatte geschehen k�nnen, wo er sich aufhielt und was er jetzt vorhatte. Egwene w�nschte sich mehr als die meisten anderen, in Erfahrung zu bringen, wo Logain Ablar war.</p><p>Sheriam ordnete ihre Papiere energisch und sah Chesa stirnrunzelnd an. Sie verstand nicht, warum Egwene es zulie�, da� ihre Bedienstete bei diesen Treffen anwesend war, und noch weniger, da� sie Chesa frei sprechen lie�. Es fiel ihr wahrscheinlich niemals auf, da� Chesas Gegenwart und ihr unerwartetes Geplapper sie gerade ausreichend ablenkte, da� Egwene derweil einen Rat umgehen konnte, den sie nicht annehmen wollte, und Entscheidungen aufschieben konnte, die sie nicht treffen wollte, zumindest nicht auf die Art, wie Sheriam sie getroffen sehen wollte. Obwohl Chesa diese Absicht gewi� niemals verfolgt hatte. Sie l�chelte entschuldigend und wandte sich wieder ihrer Flickarbeit zu, wobei sie beil�ufig etwas murmelte.</p><p>�Wenn wir fortfahren, Mutter�, sagte Sheriam k�hl, �werden wir vielleicht vor der D�mmerung fertig.�</p><p>Egwene betrachtete die n�chste Seite und rieb sich die Schl�fen. Vielleicht hatte Chesa wegen des Lichts recht. Sie bekam wieder Kopfschmerzen. Aber vielleicht lag das auch an der vor ihr liegenden Aufstellung dessen, was noch an Geld �briggeblieben war. In den Geschichten, die sie gelesen hatte, wurde niemals erw�hnt, wieviel Geld n�tig war, um ein Heer zu unterhalten. An das Blatt waren Notizen von zwei der Sitzenden - Romanda und Lelaine - angeheftet, die vorschlugen, da� die Soldaten weniger h�ufig und insgesamt geringer bezahlt werden sollten. Es war in der Tat mehr als nur ein Vorschlag, genau wie Romanda und Lelaine im Saal mehr als nur Sitzende waren. Andere Sitzende folgten ihrer F�hrung, wenn auch nicht um jeden Preis, w�hrend die einzige Sitzende, auf die Egwene sich verlassen konnte, Delana war, und selbst auf sie konnte sie sich nicht allzu weit verlassen. Lelaine und Romanda stimmten selten bei etwas �berein, und sie h�tten kaum ein schlechteres Thema w�hlen k�nnen. Einige der Soldaten hatten Schw�re geleistet, aber die meisten waren wegen der Bezahlung und vielleicht auch wegen der Aussicht auf Beute zum Heer gekommen.</p><p>�Die Soldaten sollen weiterhin wie bisher bezahlt werden�, murrte Egwene und zerkn�llte die beiden Notizen. Sie w�rde ihr Heer genauso wenig dahinschwinden lassen, wie sie Pl�nderungen zulassen w�rde.</p><p>�Wie Ihr befehlt, Mutter.� Sheriams Augen spr�hten vor Vergn�gen Funken. Die Probleme mu�ten ihr klar sein - jedermann, der sie f�r wenig intelligent hielt, geriet in gro�e Schwierigkeiten -, aber in einer Beziehung war sie blind. Wenn Romanda oder Lelaine sagten, die Sonne gehe auf, behauptete Sheriam h�chstwahrscheinlich, sie gehe unter. Sie hatte fr�her fast genauso viel - vielleicht sogar mehr - Einflu� auf den Saal gehabt wie sie heute, bis sie dem untereinander ein Ende setzten. Aber das Gegenteil entsprach ebenso der Wahrheit. Die beiden gingen gegen alles an, was Sheriam wollte, bevor sie nachdachten. Was alles in allem recht n�tzlich war.</p><p>Egwene tippte mit den Fingern auf die Tischplatte, hielt aber dann inne. Das Geld mu�te aufgetrieben werden - irgendwo, irgendwie -, aber sie durfte Sheriam ihre Sorge nicht merken lassen.</p><p>�Diese neue Frau wird es schaffen�, murmelte Chesa �ber ihrer Stopfarbeit. �Tairener tragen ihre Nasen nat�rlich immer hoch erhoben, aber Selame wei�, was sich f�r die Bedienstete einer Lady geh�rt. Meri und ich werden sie nur zu bald eingew�hnen.� Sheriam rollte ver�rgert die Augen.</p><p>Egwene l�chelte in sich hinein. Egwene al'Vere mit drei Bediensteten, die sich um sie k�mmerten - das war genauso unglaublich wie die Stola selbst. Aber das L�cheln verweilte nur einen Herzschlag lang. Auch Bedienstete mu�ten bezahlt werden. Eine geringe Summe, wenn man sie gegen drei�igtausend Soldaten aufwog, und die Amyrlin konnte wohl kaum ihre W�sche selbst waschen oder ihre Gew�nder flicken, aber sie w�re ausgezeichnet mit Chesa allein zurechtgekommen. Das h�tte sie auch getan, wenn sie die Wahl gehabt h�tte. Aber vor knapp einer Woche hatte Romanda beschlossen, da� die Amyrlin eine weitere Bedienstete brauchte, und hatte Meri unter den Fl�chtlingen gefunden, die sich in jedem Dorf zusammendr�ngten, bis sie davongejagt wurden. Damit nicht genug, pr�sentierte Lelaine Selame aus derselben Quelle. Die beiden Frauen dr�ngten sich in Chesas kleinem Zelt zusammen, noch bevor Egwene �berhaupt von ihrer Existenz wu�te.</p><p>Die Sache war grunds�tzlich falsch: drei Bedienstete, wenn nicht einmal genug Geld vorhanden war, das Heer auch nur auf halbem Weg bis Tar Valon zu bezahlen, Diener, die ohne ihre Zustimmung f�r sie erw�hlt wurden. Au�erdem hatte sie schon eine Bedienstete, wenn sie auch nicht eine einzige Kupferm�nze erhielt. Es wurde ohnehin allgemein angenommen, Marigan sei die Dienerin der Amyrlin.</p><p>Egwene tastete unter dem Tisch nach ihrer G�rteltasche und sp�rte das darin befindliche Armband. Sie sollte es h�ufiger tragen. Es war eine Pflicht. Sie hielt die H�nde gesenkt, nahm das Armband heraus und lie� es um ihr Handgelenk gleiten, ein Silberband, das so gestaltet war, da� der Verschlu� nicht mehr <emphasis>zu</emphasis> sehen war, wenn es erst geschlossen war. Mit der Einen Macht gestaltet, schnappte das Armband unter dem Tisch zu, und sie h�tte es beinahe wieder fortgerissen.</p><p>Empfindungen �berfluteten jeden Winkel ihres Geistes, Empfindungen und Bewu�theit, im verborgenen, so als bilde sie es sich nur ein. Aber es war keine Einbildung. Es war nur allzu real. Als H�lfte eines <emphasis>A'dam</emphasis> schuf das Armband eine Verbindung zwischen ihr und der Frau, die die andere H�lfte trug, eine silberne Halskette, welche die Tr�gerin nicht selbst abnehmen konnte.</p><p>Sie bildeten einen aus zwei Mitgliedern bestehenden Kreis, ohne <emphasis>Saidar zu</emphasis> umarmen, in dem Egwene durch den Besitz des Armbands stets f�hrte. �Marigan� schlief jetzt, ihre F��e vom vielen Laufen w�hrend der letzten Tage wund, aber selbst im Schlaf war ihre Angst sehr stark sp�rbar. Nur Ha� kam der Angst in dem durch das <emphasis>A'dam</emphasis> flie�enden Strom nahe. Egwenes Widerwillen wurde durch das best�ndige Entsetzen der anderen Frau wachgerufen und weil sie einst selbst die aus der Halskette bestehende H�lfte eines <emphasis>A'dam</emphasis> getragen hatte und die Frau am anderen Ende kannte. Sie ha�te es, auch nur irgend etwas mit ihr zu teilen.</p><p>Nur drei Frauen im Lager wu�ten, da� Moghedien eine Gefangene war, inmitten der Aes Sedai verborgen. Wenn es herausk�me, w�rde Moghedien kurz nacheinander gepr�ft, ged�mpft und hingerichtet. Wenn es herausk�me, k�nnte Egwene ihr vielleicht bald folgen, und Siuan und Leane ebenso. Sie waren die anderen beiden, die davon wu�ten. Aber andererseits w�rde Egwene vielleicht auch nur die Stola wieder abgenommen.</p><p><emphasis>Weil ich eine der Verlorenen vor der Gerichtsbarkeit verberge,</emphasis> dachte sie grimmig, <emphasis>kann ich froh sein, wenn sie mich nur wieder zu den Aufgenommenen stecken.</emphasis> Sie ber�hrte unbewu�t den goldenen gro�en Schlangenring an ihrer rechten Hand.</p><p>Andererseits war eine solche Strafe unwahrscheinlich. Sie hatte gelernt, da� die Weiseste der Schwestern zum Amyrlin-Sitz gew�hlt w�rde, war jedoch eines Besseren belehrt worden. Die Wahl zur Amyrlin war genauso heftig - oder vielleicht noch heftiger - umstritten wie die Wahl des B�rgermeisters in den Zwei Fl�ssen. Niemand machte sich in Emondsfeld die M�he, gegen ihren Vater anzutreten, aber sie hatte �ber Wahlen in Nachbarorten geh�rt. Siuan war nur zur Amyrlin ernannt worden, weil die drei Amyrlins vor ihr jede nach nur wenigen Jahren auf dem Amyrlin-Sitz gestorben waren. Der Saal hatte eine junge Amyrlin gewollt. Einer Schwester gegen�ber von Alter zu sprechen, war mindestens genauso unh�flich, wie ihr ins Gesicht zu schlagen, und doch bekam Egwene allm�hlich eine Vorstellung davon, wie lange Aes Sedai lebten. Nur selten wurde eine Aes Sedai zur Sitzenden erhoben, bevor sie die Stola mindestens siebzig oder achtzig Jahre lang getragen hatte, und zur Amyrlin f�r gew�hnlich noch sp�ter. H�ufig <emphasis>viel</emphasis> sp�ter. Als sich der Saal also vor weniger als f�nfzig Jahren nicht zwischen vier zu Aes Sedai erhobenen Schwestern entscheiden konnte und Seaine Herimon der Wei�en Ajah eine Frau vorschlug, welche die Stola erst <emphasis>zehn</emphasis> Jahre getragen hatte, war das vielleicht genauso geschickt wie Siuans verwalterische F�higkeiten, die die Sitzenden dazu brachten, f�r sie einzutreten.</p><p>Und was war mit Egwene al'Vere, die nach Meinung vieler noch eine Novizin h�tte sein sollen? Sie wurde als leicht lenkbare Galionsfigur angesehen, ein <emphasis>Kind,</emphasis> das im gleichen Dorf wie Rand al'Thor aufgewachsen war. Letzteres hatte entscheidend zu ihrer Wahl beigetragen. Sie w�rden ihr die Stola nicht wieder abnehmen, aber sie w�rde zu sp�ren bekommen, da� das geringe Ma� an Autorit�t, das sie sich erk�mpft hatte, wieder verloren w�re.</p><p>�Das sieht einem Armband sehr �hnlich, das ich Elayne einmal tragen sah.� Die Papiere auf Sheriams Scho� raschelten, als sie sich vorbeugte, um besser sehen zu k�nnen. �Und Nynaeve. Sie haben es geteilt, soweit ich mich erinnere.�</p><p>Egwene zuckte zusammen. Sie war unvorsichtig gewesen. �Es ist dasselbe. Ein Abschiedsgeschenk von ihnen, als sie fortgingen.� Sie drehte das Silberarmband um ihr Handgelenk und empfand Schuld, die bei ihr allein lag. Das Armband schien unterteilt, aber so geschickt, da� man die Art und Weise nicht genau erkennen konnte. Sie hatte kaum an Nynaeve und Elayne gedacht seit sie nach Ebou Dar gereist waren. Vielleicht sollte sie die beiden zur�ckrufen. Ihre Suche machte anscheinend kaum Fortschritte, obwohl sie es leugneten. Aber dennoch - wenn sie fanden, was sie suchten...</p><p>Sheriam runzelte die Stirn. Egwene konnte nicht sagen, ob wegen des Armbands. Sie durfte jedoch nicht zulassen, da� Sheriam zuviel dar�ber nachdachte. Wenn sie jemals merkte, da� �Marigans� Halskette dazu pa�te, w�rden vielleicht schmerzlich unangenehme Fragen gestellt.</p><p>Egwene erhob sich und gl�ttete ihre R�cke, w�hrend sie um den Tisch herum trat. Siuan hatte heute mehrere Informationen erhalten. Jetzt konnte sie eine davon nutzen. Sie war nicht die einzige, die Geheimnisse hatte. Sheriam schien �berrascht, als Egwene zu dicht vor ihr stehenblieb, als da� sie noch h�tte aufstehen k�nnen.</p><p>�Tochter, ich habe erfahren, da� wenige Tage, nachdem Siuan und Leane in Salidar ankamen, zehn Schwestern abgereist sind, zwei von jeder Ajah au�er der Blauen. Wohin sind sie gegangen, und warum?�</p><p>Sheriam verengte kaum merklich die Augen, aber sie legte ihre Gelassenheit genauso wenig ab wie ihre Kleidung �Mutter, ich kann mich kaum an jede...�</p><p>�Keine Ausfl�chte, Sheriam.� Egwene trat noch ein wenig n�her, bis sich ihre Knie fast ber�hrten. �Keine L�gen. Die Wahrheit.�</p><p>Sheriam runzelte die Stirn. �Mutter, selbst wenn ich es w��te, d�rft Ihr Euch nicht mit jeder Kleinigkeit belasten... �</p><p>�Die Wahrheit, Sheriam. Die ganze Wahrheit. Mu� ich vor dem ganzen Saal fragen, warum mir meine Beh�terin der Chronik nicht die Wahrheit sagt? Ich werde sie erfahren, Tochter, auf die eine oder andere Art. Ich <emphasis>werde</emphasis> sie erfahren.�</p><p>Sheriam drehte den Kopf, als suche sie nach einem Fluchtweg. Ihr Blick fiel auf Chesa, die �ber ihre Stopfarbeit gebeugt sa�, und sie h�tte fast vor Erleichterung geseufzt. �Mutter, morgen, wenn wir allein sind, kann ich sicherlich alles zu Eurer Zufriedenheit erkl�ren. Ich mu� mich zuerst noch mit einigen Schwestern beraten.�</p><p>Auf diese Weise h�tten sie Gelegenheit zu besprechen, was sie ihr morgen erz�hlen sollte. �Chesa�, sagte Egwene, �wartet bitte drau�en.� Obwohl sie auf ihre Arbeit konzentriert und nichts um sie herum zu bemerken schien, sprang Chesa sofort auf und lief fast aus dem Zelt. Wenn sich Aes Sedai stritten, fl�chtete jeder, der bei Verstand war. �Jetzt, Tochter�, sagte Egwene. �Die Wahrheit. Alles, was Ihr wi�t. Ich werde es so vertraulich behandeln, wie Ihr Euch �u�ern werdet�, f�gte sie hinzu, als Sheriam zu Siuan schaute.</p><p>Sheriam richtete einen Moment ihre R�cke, zupfte tats�chlich daran und mied Egwenes Blick, wobei sie zweifellos noch immer nach einer Ausflucht suchte. Aber die Drei Eide hielten sie gefangen. Sie durfte kein unwahres Wort �u�ern, und wie auch immer sie �ber Egwenes Position dachte - ihr auszuweichen hie� noch lange nicht, ihr die Autorit�t offen abzusprechen. Selbst Romanda verhielt sich zumeist h�flich.</p><p>Sheriam atmete tief ein, faltete ihre H�nde im Scho� und sprach sachlich an Egwenes Brust gewandt. �Als wir erfuhren, da� die Rote Ajah daf�r verantwortlich war, da� Logain als falscher Drache in Erscheinung trat, hatten wir das Gef�hl, etwas tun zu m�ssen.� <emphasis>Wir</emphasis> bedeutete sicherlich der kleine, erlesene Kreis von Schwestern, die sie um sich versammelt hatte. Carlinya und Beonin und die anderen hatten genauso viel Einflu� wie die meisten Sitzenden, wenn auch nicht im Saal selbst. �Elaida wollte Aufforderungen an alle Schwestern senden, zur Burg zur�ckzukehren, weshalb wir zehn Schwestern ausw�hlten, die diese Aufgabe schnellstm�glich erledigen sollten. Sie sollten inzwischen l�ngst alle angekommen sein - und insgeheim daf�r Sorge zu tragen, da� jede Schwester in der Burg begreift, was die Roten mit Logain getan haben. Nicht... � Sie z�gerte zun�chst, beendete ihren Satz aber dann eilig.</p><p>�Nicht einmal der Saal wei� von ihnen.�</p><p>Egwene trat fort und rieb sich erneut die Schl�fen. Insgeheim daf�r Sorge zu tragen. In der Hoffnung, da� Elaida abgesetzt w�rde. An sich kein schlechter Plan. Er k�nnte letztendlich sogar funktionieren. Aber es k�nnte auch Jahre dauern. Andererseits galt f�r die meisten Schwestern: Je l�nger sie damit durchkamen, nichts wirklich <emphasis>tun</emphasis> zu m�ssen, desto besser. Mit der Zeit k�nnten sie die Welt davon �berzeugen, da� die Wei�e Burg niemals wirklich gespalten war. Sie war schon zuvor gespalten gewesen, und nur eine Handvoll Menschen hatte davon gewu�t. Mit der Zeit k�nnten sie vielleicht eine M�glichkeit finden, alles so einzurichten, als w�re sie wirklich nicht gespalten gewesen. �Warum haltet Ihr es vor dem Saal geheim, Sheriam? Ihr glaubt doch sicher nicht, da� sie Elaida Euren Plan verraten w�rden.� Die Schwestern sahen einander aus Angst vor Elaidas Anh�ngern stets fragend an - zumindest teilweise aus Angst davor.</p><p>�Mutter, eine Schwester, die beschl�sse, da� unser Handeln falsch w�re, w�rde sich wohl kaum zur Sitzenden w�hlen lassen. Eine solche Schwester w�re schon lange fortgegangen.� Sheriam hatte sich noch nicht entspannt, aber ihre Stimme nahm jetzt einen geduldigen, belehrenden Tonfall an, den sie bei Egwene offenbar als am wirkungsvollsten erachtete. Normalerweise war sie jedoch geschickter darin, das Thema zu wechseln. �Dieses Mi�trauen ist im Moment unsere gr��te Sorge. Niemand traut einem anderen wirklich. Wenn wir nur erkennen k�nnten, wie...�</p><p>�Die Schwarze Ajah�, unterbrach Siuan sie ruhig. �Sie l��t Euer Blut gefrieren. Wer wei� sicher, wer eine Schwarze ist, und wer wei�, wozu eine Schwarze Schwester imstande w�re?�</p><p>Sheriam warf Siuan einen weiteren b�sen Blick zu, aber kurz darauf wich die Heftigkeit von ihr. Oder besser gesagt: Eine Art Anspannung ersetzte die andere. Sie schaute zu Egwene und nickte dann widerwillig. Dem ver�rgerten Zug um ihren Mund nach zu urteilen, h�tte sie eine weitere Ausflucht gew�hlt, wenn nicht offensichtlich gewesen w�re, da� Egwene es nicht zulassen w�rde. Die meisten Schwestern im Lager glaubten es inzwischen, aber nach mehr als dreitausend Jahren des Leugnens der Existenz der Schwarzen Ajah war es ein d�sterer Glaube. Fast niemand w�rde dieses Thema ansprechen, ungeachtet dessen, was sie glaubten.</p><p>�Die Frage ist, Mutter�, fuhr Siuan fort, �was geschieht, wenn der Saal es herausfindet.� Sie schien erneut laut zu denken. �Ich glaube nicht, da� irgendeine Sitzende die Entschuldigung akzeptieren w�rde, sie sollte es nicht wissen, weil sie vielleicht auf Elaidas Seite st�nde. Und was die M�glichkeit betrifft, da� sie vielleicht eine Schwarze Ajah sein konnte... Ja, ich denke, sie werden ziemlich aufgebracht sein.�</p><p>Sheriams Gesicht wurde ein wenig blasser. Es war ein Wunder, da� sie nicht totenbleich wurde. �Aufgebracht� war nicht ann�hernd der richtige Ausdruck. Ja, Sheriam w�rde <emphasis>weitaus</emphasis> mehr als aufgebrachten Sitzenden gegen�berstehen, wenn dies herausk�me.</p><p>Jetzt mu�te sie ihren Vorteil nutzen, aber Egwene kam noch eine Frage in den Sinn. Wenn Sheriam und ihre Freunde... Was waren sie? Spione? Keine Spione. Vielleicht Spitzel, die Ratten innerhalb der Mauern nachgeschickt wurden... Wenn Sheriam Spitzel in die Wei�e Burg geschickt hatte, konnte...?</p><p>Ein pl�tzlicher Schmerz durchscho� diese von Empfindungen bedr�ngte, verborgene Stelle in ihrem Hinterkopf und lie� sie alles andere vergessen. Wenn sie diesen Schmerz unmittelbar versp�rt h�tte, w�re sie bet�ubt gewesen. So traten vor Entsetzen nur ihre Augen hervor. Ein Mann, der die Macht lenken konnte, ber�hrte gerade die Kette um Moghediens Hals. Dies war eine Verbindung, in die kein Mann hineingebracht werden konnte. Schmerz, und etwas Unh�rbares von Moghedien. Dann Hoffnung. Und dann war alles fort, die Bewu�theit, die Empfindungen. Die Halskette war abgenommen worden.</p><p>�Ich ... brauche ein wenig frische Luft�, gelang es ihr zu sagen. Sheriam wollte sich erheben und Siuan ebenfalls, aber sie bedeutete ihnen sitzenzubleiben. �Nein, ich m�chte allein sein�, sagte sie hastig. �Siuan, findet alles heraus, was Sheriam �ber die Spitzel wei�. Licht, ich meine die zehn Schwestern.� Beide starrten sie an, aber keine, dem Licht sei Dank, folgte ihr, als sie die Laterne von einem Haken ri� und hinauseilte.</p><p>Niemand durfte die Amyrlin laufen sehen, und doch kam ihre Gangart dem nahe, w�hrend sie ihre R�cke raffte, so gut es mit einer Hand ging. Mondlicht schien hell von einem wolkenlosen Himmel, so da� nur die Zelte und Wagen schattengesprenkelt waren. Die meisten Menschen im Lager schliefen, aber hier und da brannten noch niedrige Feuer. Eine Handvoll Beh�ter und einige Diener hielten sich noch im Freien auf. Zu viele Augen, die gesehen h�tten, wenn sie gerannt w�re. Das letzte, was sie wollte, war, da� ihr jemand Hilfe anb�te. Sie merkte, da� sie keuchte, aber vor Angst, nicht vor Anstrengung.</p><p>Sie streckte die Laterne und ihren Kopf in �Marigans� kleines Zelt und fand es leer vor. Die Decken, die auf dem Boden ihr Bett gebildet hatten, lagen verstreut, als w�ren sie eilig beiseite geworfen worden.</p><p><emphasis>Und was w�re gewesen, wenn Moghedien noch immer hiergewesen w�re?</emphasis> fragte sie sich. <emphasis>Mit abgenommener Halskette und demjenigen, der sie befreit hatte?</emphasis> Sie erschauderte und zog sich langsam zur�ck. Moghedien hatte guten Grund, sie nicht zu m�gen, einen sehr pers�nlichen Grund, und die einzige Schwester, die einer Verlorenen allein gegen�bertreten konnte, wenn sie �berhaupt die Macht lenken konnte, befand sich in Ebou Dar. Moghedien h�tte Egwene t�ten k�nnen, ohne da� jemand etwas bemerkt h�tte. Selbst wenn eine Schwester gesp�rt h�tte, da� sie die Macht lenkte, h�tte sie das nicht als beunruhigend empfunden. Schlimmer noch - Moghedien h�tte sie vielleicht nicht get�tet. Und niemand h�tte etwas bemerkt, bis man festgestellt h�tte, da� sie beide fort waren.</p><p>�Mutter�, ereiferte sich Chesa hinter ihr, �Ihr solltet nicht drau�en in der Nachtluft sein. Nachtluft ist schlechte Luft. Wenn Ihr Marigan sprechen wolltet, h�tte ich sie holen k�nnen.�</p><p>Egwene w�re beinahe zusammengezuckt. Sie hatte nicht bemerkt, da� Chesa ihr gefolgt war. Sie betrachtete die Menschen an den n�chstgelegenen Feuern. Sie hatten sich zur Unterhaltung dort versammelt, nicht wegen der W�rme, und sie waren dem Zelt nicht sehr nahe, aber vielleicht hatte jemand gesehen, wer �Marigans� Zelt betreten hatte. Sie hatte sicherlich nur wenige Besucher, Und es waren keine M�nner darunter. Ein Mann h�tte sehr wohl bemerkt werden k�nnen. �Ich glaube, sie ist davongelaufen, Chesa.�</p><p>�Ach, diese schlechte Frau!� rief Chesa aus. ��Ich habe immer schon gesagt, da� sie hinterh�ltig ist. Davonzuschleichen wie eine Diebin, nachdem Ihr sie aufgenommen habt. Sie w�re auf der Stra�e verhungert, wenn Ihr nicht gewesen w�rt. Es gibt keine Dankbarkeit mehr!�</p><p>Sie folgte Egwene den ganzen Weg zur�ck zu ihrem Zelt und schimpfte w�hrenddessen �ber Schlechtigkeit im allgemeinen, �Marigans� Undank im besonderen und dar�ber, wie man mit solchen Menschen umgehen sollte, wobei die vorgeschlagenen Ma�nahmen beim Auspeitschen begannen und bei der Verbannung endeten. Au�erdem riet sie Egwene, vorsichtshalber ihren Schmuck zu �berpr�fen, um sich zu �berzeugen, da� noch alles da sei.</p><p>Egwene h�rte ihr kaum zu. Ihre Gedanken rasten. Es konnte nicht Logain gewesen sein, oder? Hatte er von Moghedien gewu�t und war zur�ckgekommen, um sie zu retten? Wohl kaum. Aber was war mit jenen M�nnern, die Rand versammelte, jene <emphasis>Asha'man?</emphasis> In jedem Dorf kursierten hinter vorgehaltener Hand Ger�chte �ber <emphasis>Asha'man</emphasis> und die Schwarze Burg. Die meisten Schwestern gaben vor, da� sie die sich versammelnden M�nner, die die Macht lenken konnten, nicht beunruhigten - die schlimmsten Geschichten mu�ten �bertrieben sein, und Ger�chte �bertrieben ohnehin stets -, aber Eisesk�lte umfing sie, wann immer sie an sie dachte. Ein <emphasis>Asha'man</emphasis> h�tte... Aber warum? Wie h�tte er wissen k�nnen ... mehr als Logain?</p><p>Sie versuchte, den einzigen vern�nftigen Schlu� zu vermeiden: da� jemand weitaus Schlimmeres als Logain oder sogar ein <emphasis>Asha'man</emphasis> gekommen war. Einer der Verlorenen hatte Moghedien befreit. Rahvin war, laut Nynaeve, durch Rands Hand umgekommen, und er hatte auch Ishamael get�tet - zumindest dem Anschein nach. Und Aginor und Balthamel. Und Moiraine hatte Be'lal get�tet. So blieben unter den M�nnern nur noch Asmodean, Demandred und Sammael. Sammael befand sich in Illian. Niemand wu�te, wo sich die anderen beiden oder eine der �berlebenden Frauen aufhielten. Moraine hatte auch Lanfear get�tet oder sie hatten einander get�tet, aber alle anderen Frauen lebten noch, soweit jedermann wu�te, Vergi� die Frauen. Es mu�te ein Mann gewesen sein. Wer? Es waren schon vor langer Zeit Pl�ne f�r den Fall geschmiedet worden, da� einer der Verlorenen das Lager angriffe. Keine der hiesigen Schwestern konnte allein einem der Verlorenen trotzen, aber es war eine andere Sache, wenn sie sich zu Kreisen zusammenschlossen. Jeder Verlorene, der ihr Lager betrat, w�rde rings um sich herum Kreise entstehen sehen. Oder sie. Wenn sie erkannten, wer derjenige war. Die Verlorenen zeigten aus irgendeinem Grund keinerlei Anzeichen von Alterung. Vielleicht hing es mit der Verbindung mit dem Dunklen K�nig zusammen...</p><p>Es war verwirrend. Sie mu�te anfangen, klar zu denken. �Chesa?�</p><p>�...ausseht, als sollte Euer Kopf massiert werden, damit die Schmerzen vergehen, ist was ... ist was... Ja, Mutter?�</p><p>�Sucht Siuan und Leane. Sagt ihnen, sie sollen zu mir kommen. Aber niemand darf es erfahren.�</p><p>Chesa vollf�hrte grinsend einen Hofknicks und hastete hinaus. Sie konnte es kaum vermeiden, die Str�mungen um Egwene zu bemerken, aber sie empfand all diese Verschw�rungen und Pl�ne als Spa�. Nicht da� sie eingeweiht gewesen w�re. Egwene zweifelte nicht an ihrer Treue, aber Chesas Ansicht �ber das, was aufregend war, k�nnte sich vielleicht �ndern, wenn sie die Tiefen jener wirbelnden Str�mungen kennenlernen w�rde.</p><p>Egwene entz�ndete mit Hilfe der Macht die �llampen im Zelt, blies die Laterne aus und stellte sie vorsichtig in eine Ecke. Vielleicht mu�te sie klar denken, aber sie f�hlte sich, als stolpere sie in Dunkelheit umher.</p></section><section><title><p>9</p><p>Zwei Silberhechte</p></title><p>Egwene sa� in ihrem Sessel, einer der wenigen richtigen Sessel im Lager mit ein wenig einfacher Schnitzerei, ausreichend ger�umig und bequem, da� sie nur geringe Schuld deswegen empfand, daf�r wertvollen Wagenplatz zu opfern. Sie sa� da und versuchte, ihre Gedanken zu sammeln, als Siuan den Zelteingang beiseite schob und das Zelt geduckt betrat. Siuan war nicht gl�cklich.</p><p>�Warum, im Licht, seid Ihr davongelaufen?� Ihre Stimme hatte sich nicht ver�ndert wie ihr Gesichtsausdruck, und sie schalt �blicherweise auch mit den Besten, selbst wenn dies in respektvollem Tonfall geschah. In m�hsam respektvoll gehaltenem Tonfall. �Sheriam hat mich wie eine Fliege beiseite gefegt.� Der �berraschend zarte Mund verzog sich verbittert. �Sie war fast genauso schnell fort wie Ihr. Habt Ihr nicht bemerkt, da� sie sich Euch ausgeliefert hat? Gewi� tut sie das. Sie, und Anaiya und Morvrin und sie alle.�</p><p>Bei ihren letzten Worten betrat Leane das Zelt. Eine gro�e, gertenschlanke Frau, deren kupferfarbenes Gesicht genauso jugendlich wirkte wie das Siuans, die aber in Wahrheit ebenfalls alt genug war, Egwenes Mutter sein zu k�nnen. Leane warf einen Blick zu Siuan und hob dann die H�nde, soweit das Zeltdach es zulie�. �Mutter, dies ist ein t�richtes Risiko.� Ihre dunklen Augen verloren ihre Vertr�umtheit und blitzten auf, aber ihre Stimme klang tr�ge, selbst wenn sie ver�rgert war. Sie hatte nur einmal munter geklungen. �Wenn jemand Siuan und mich so zusammen sieht...�</p><p>�Es k�mmert mich nicht, wenn das ganze Lager erf�hrt da� Eure Zankerei Schwindel ist�, unterbrach Egwene sie scharf, w�hrend sie eine schwache Barriere gegen Lauscher um sie drei wob. Mit der Zeit k�nnte sie durchdrungen werden, aber nicht, ohne da� es bemerkt w�rde, nicht solange sie das Gewebe festhielt, anstatt es abzubinden.</p><p>Sie sorgte sich, und vielleicht h�tte sie nicht beide herbeirufen sollen, aber ihr erster halbwegs zusammenh�ngender Gedanke war gewesen, die beiden Schwestern zu rufen, denen sie vertrauen konnte. Niemand im Lager vermutete etwas. Jedermann wu�te, da� die fr�here Amyrlin und ihre ehemalige Beh�terin einander genauso sehr verabscheuten, wie Siuan es verabscheute, ihre Nachfolgerin unterweisen zu m�ssen. Sollte irgendeine Schwester die Wahrheit aufdecken, k�nnte es sehr wohl geschehen, da� sie lange Zeit Bu�e tun m��ten, und keine leichte Bu�e - Aes Sedai mochten es noch weniger als andere Menschen, zum Narren gehalten zu werden; <emphasis>sogar</emphasis> K�nige hatten daf�r bezahlen m�ssen -, aber derweil schlug sich ihre vorgebliche Feindseligkeit in einem gewissen Einflu� auf die anderen Schwestern, einschlie�lich der Sitzenden, nieder. Wenn <emphasis>sie</emphasis> beide das gleiche sagten, mu�te es stimmen. Ein weiterer sehr n�tzlicher Nebeneffekt des Ged�mpftseins, einer, von dem niemand sonst wu�te, war der, da� die Drei Eide sie nicht mehr hielten. Sie konnten jetzt ungehindert l�gen.</p><p>Arglist und T�uschung �berall. Das Lager war wie ein stinkender Sumpf, in dem im Nebel unbemerkt seltsame Gew�chse gediehen. Vielleicht war es �berall so, wo sich Aes Sedai zusammenschlossen. Nach dreitausend Jahren Intrigen, wie notwendig auch immer sie gewesen sein mochten, war es kaum verwunderlich, da� das R�nkeschmieden zur zweiten Natur der meisten Schwestern geworden und f�r die anderen kaum erw�hnenswert war. Wahrhaft schrecklich war, da� sie allm�hlich Spa� an all diesen Intrigen fanden. Nicht zu ihrem eigenen Nutzen, aber als Geduldspiel. Sie wollte lieber nicht wissen, was das �ber sie besagte. Nun, sie <emphasis>war</emphasis> eine Aes Sedai, was auch immer die anderen dachten, und sie mu�te das Schlechte daran genauso hinnehmen wie das Gute.</p><p>�Moghedien ist entkommen�, fuhr sie ohne innezuhalten fort. �Ein Mann hat ihr das <emphasis>A'dam</emphasis> abgenommen. Ein Mann, der die Macht lenken kann. Ich denke, einer von ihnen hat die Halskette entfernt. Ich habe es in ihrem Zelt nicht mehr gesehen. Vielleicht k�nnten wir es mit Hilfe des Armbands finden, aber wenn nicht, wei� ich nicht weiter.�</p><p>Das nahm ihnen alle Kraft. Leanes Beine gaben nach, und sie sank auf den Stuhl, den Chesa manchmal benutzte. Siuan lie� sich langsam auf dem Bett nieder, den R�cken sehr gerade gehalten, die H�nde regungslos auf den Knien. Egwene bemerkte unpassenderweise, da� kleine blaue Blumen in tairenischem Muster um den Saum ihres Gewandes gestickt waren. Weitere Stickereien zogen sich adrett �ber das Oberteil. Wenn man es auf eine Weise betrachtete, bedeutete es sicherlich nur eine kleine Ver�nderung, da� sie neuerdings auf ihr �u�eres achtete und ihre Kleidung nicht nur passend, sondern auch h�bsch sein sollte - sie verfiel niemals in Extreme -, aber auf andere Weise besehen, wirkte es genauso drastisch wie ihr ver�nderter Gesichtsausdruck. Und r�tselhaft. Siuan �rgerte sich �ber die Ver�nderungen und widerstand ihnen. Bis auf diese.</p><p>Leane hie� die Ver�nderungen nach wahrer Aes-Sedai-Art willkommen. Da sie wieder jung zu sein schien - Egwene hatte eine Gelbe verwundert ausrufen h�ren, da� beide absolut in geb�rf�higem Alter zu sein schienen -, h�tte sie genausogut niemals die Beh�terin der Chronik sein und niemals ein anderes Gesicht bekommen k�nnen. Die reine Vorstellung des Praktischen und Wirkungsvollen wurde zum Ideal einer tr�gen und verlockenden Domanifrau. Sogar ihr Reitgewand war im Stil ihres Geburtslandes geschnitten, obwohl der fast durchsichtig scheinende, hellgr�ne Seidenstoff f�r die Reise auf staubigen Stra�en sehr unpraktisch war. Als man ihr sagte, da� das D�mpfen alle Bindungen und Verbindungen zunichte gemacht hatte, w�hlte Leane �ber eine R�ckkehr zur Blauen Ajah die Gr�ne Ajah. Normalerweise wechselte man die Ajahs nicht, aber es war auch noch niemals zuvor jemand ged�mpft und dann wieder Geheilt worden. Siuan war sofort in die Blaue Ajah zur�ckgekehrt und hatte �ber die unsinnige Notwendigkeit gemurrt, �um die Aufnahme flehen und bitten zu m�ssen�, wie es formell hie�.</p><p>�Oh, Licht!� keuchte Leane, w�hrend sie sich erheblich weniger anmutig als �blich auf einen Stuhl sinken lie�. �Wir h�tten sie gleich am ersten Tag ihrer Verurteilung zuf�hren sollen. Nichts, was wir von ihr erfahren haben, ist es wert, sie wieder auf die Welt loszulassen. Nichts!� Ihre Worte verdeutlichten ihr Entsetzen, da sie sonst nicht das Offensichtliche feststellte. Ihr Verstand war nicht tr�ge geworden, wie auch immer ihr �u�erliches Benehmen wirkte. Domani-Frauen wirkten vielleicht nach au�en hin tr�ge und verf�hrerisch, aber sie waren noch immer �berall als die h�rtesten H�ndler bekannt.</p><p>�Blut und verdammte...! Wir h�tten sie bewachen lassen sollen�, grollte Siuan.</p><p>Egwene w�lbte die Augenbrauen. Siuan mu�te genauso ersch�ttert sein wie Leane. �Durch wen, Siuan? Durch Faolain? Durch Theodrin? Sie wissen nicht einmal, da� ihr beide zu meiner Gemeinschaft geh�rt.� Eine Gemeinschaft? F�nf Frauen. Und Faolain und Theodrin waren wohl kaum eifrige Anh�ngerinnen - besonders Faolain nicht. Nynaeve und Elayne geh�rten nat�rlich auch dazu, und sicherlich auch Birgitte, auch wenn sie keine Aes Sedai war, aber sie waren weit fort. List und Geschicklichkeit waren noch immer ihre Hauptst�rken. Und der Umstand, da� niemand sie bei ihr erwartete. �Wie h�tte ich <emphasis>irgendjemandem</emphasis> erkl�ren sollen, warum sie meine Dienerin beobachten sollten? Und au�erdem - was h�tte es gen�tzt? Es mu� einer der Verlorenen gewesen sein. Glaubt ihr wirklich, Faolain und Theodrin h�tten ihn zusammen aufhalten k�nnen? Ich wei� nicht einmal, ob <emphasis>ich</emphasis> es h�tte tun k�nnen, selbst in der Verbindung mit Romanda und Lelaine nicht.� Sie waren die beiden n�chststarken Frauen im Lager, die die Macht genauso gut beherrschten wie Siuan fr�her.</p><p>Siuan bezwang m�hsam ihre Aufregung. Sie sagte h�ufig, da� sie, wenn sie nicht l�nger die Amyrlin sein konnte, Egwene lehren w�rde, die beste Amyrlin zu sein, die es jemals gegeben h�tte, aber Siuans �bergang von einem L�wen auf einem Berg zu einer Maus am Boden war schwer. Deshalb gew�hrte Egwene ihr einige Bewegungsfreiheit.</p><p>�Ich m�chte, da� ihr beide diejenigen befragt die sich in der N�he des Zeltes aufhalten, in dem Moghedien geschlafen hat. Jemand mu� den Mann gesehen haben. Er mu� zu Fu� gekommen sein. Jeder, der auf solch kleiner Fl�che ein Wegetor er�ffnete, h�tte riskiert, Moghedien zu t�ten, wie klein er es auch gestaltet h�tte.�</p><p>Siuan �u�erte laut ihren Unmut �Warum sollten wir uns die M�he machen?� grollte sie. �Wollt Ihr hinter ihr herjagen wie irgendein t�richter Held in der t�richten Geschichte eines Narren und sie zur�ckbringen? Und vielleicht noch gleichzeitig alle Verlorenen bezwingen? Und die Letzte Schlacht gewinnen, wenn Ihr schon dabei seid? Selbst wenn wir eine ausf�hrliche Beschreibung von ihm h�tten, kann niemand einen Verlorenen vom anderen unterscheiden. Jedenfalls kann es hier niemand. Es ist der verdammt nutzloseste Haufen, den ich jemals...!�</p><p>�Siuan!� sagte Egwene barsch und setzte sich auf. Bewegungsfreiheit war eine Sache, aber es gab Grenzen. Sie duldete dies auch bei Romanda nicht.</p><p>Siuan err�tete. Sie k�mpfte um Haltung, wobei sie ihre R�cke knetete und Egwenes Blick mied. �Verzeiht, Mutter�, sagte sie schlie�lich. Es klang fast, als meine sie es ehrlich.</p><p>�Es war ein schwerer Tag f�r sie, Mutter�, wandte Leane mit schelmischem L�cheln ein. Sie war darin sehr gut, obwohl sie es f�r gew�hnlich nur einsetzte, um das Herz eines Mannes h�herschlagen zu lassen, aber nat�rlich nicht bei allen M�nnern. Sie besa� eine gute Urteilskraft und Besonnenheit. �Aber andererseits gilt das f�r fast alle Tage. Wenn sie nur lernen k�nnte, Gareth Bryne nicht immer mit etwas zu bewerfen, wenn sie zornig ist... �</p><p>�Das gen�gt!� fauchte Egwene. Leane versuchte nur, Siuan ein wenig zu entlasten, aber sie war nicht in der entsprechenden Stimmung. �Ich m�chte alles wissen, was ich �ber denjenigen erfahren kann, wer auch immer Moghedien befreit hat, und sei es nur seine Gr��e. Jede Einzelheit, die ihn zu mehr als einem Scharten in der Dunkelheit macht. Wenn das alles ist, was ich verlangen kann.� Leane sa� ganz still und betrachtete die Blumen auf dem Teppich vor ihren Zehen.</p><p>Die R�te �berzog jetzt fast Siuans ganzes Gesicht, wodurch sie, bei ihrer hellen Haut, an einen Sonnenuntergang erinnerte. �Ich ... bitte dem�tig um Verzeihung, Mutter.� Dieses Mal klang sie wirklich reuevoll. Aber es fiel ihr offenbar noch immer schwer, Egwenes Blick zu erwidern. �Es ist manchmal schwer... Nein, nein, keine Entschuldigungen. Ich bitte dem�tig um Verzeihung.�</p><p>Egwene betastete ihre Stola und verharrte schweigend, damit die Gem�ter sich beruhigen konnten, w�hrend sie Siuan unbewegt ansah. Das hatte Siuan selbst sie gelehrt, aber bald regte sie sich doch unbehaglich. Wenn man wu�te, da� man im Unrecht war, bedeutete Schweigen eine Qual, und die Qual brachte einem zu Bewu�tsein, da� man <emphasis>tats�chlich</emphasis> im Unrecht war. Schweigen war in vielen Situationen ein n�tzliches Werkzeug. �Da ich mich nicht daran erinnern kann, was ich verzeihen sollte�, sagte sie schlie�lich ruhig, �ist es anscheinend auch nicht n�tig. Aber, Siuan ... es sollte nicht wieder vorkommen.�</p><p>�Danke, Mutter.� Ein angedeutetes, verzerrtes L�cheln spielte um Siuans Mundwinkel. �Ich scheine Euch gut gelehrt zu haben, wenn ich das so sagen darf. Aber wenn ich einen Vorschlag machen d�rfte...?� Sie wartete auf Egwenes ungeduldiges Nicken. �Jemand von uns sollte Euren Befehl Faolain oder Theodrin �berbringen, um die Fragen zu stellen, und dabei nat�rlich vorgeben, ver�rgert zu sein, weil man sie zur Botin gemacht hat.�</p><p>Egwene stimmte ihr sofort zu. Sie konnte noch immer nicht klar denken, sonst w�re sie selbst darauf gekommen. Die Kopfschmerzen waren zur�ckgekehrt. Chesa behauptete, sie k�men von zu wenig Schlaf, aber es war fast unm�glich zu schlafen, wenn sich der Kopf so angespannt wie ein Trommelfell anf�hlte. Nun, zumindest konnte sie jetzt die Geheimnisse preisgeben, die Moghedien verborgen gehalten hatte: wie man mit der Macht Verkleidungen wob und wie man seine F�higkeit vor anderen Frauen verbarg, die die Macht lenken konnten. Es war zu riskant gewesen, sie preiszugeben, solange es dazu f�hren konnte, Moghedien zu enttarnen.</p><p><emphasis>Ein wenig mehr Begeisterung,</emphasis> dachte sie verbittert. Als sie das einst verlorene Geheimnis des Schnellen Reisens, was zumindest ihr eigenes war, verk�ndet hatte, war gro�e Begeisterung und �berraschung sp�rbar gewesen, und seitdem war weiteres Lob f�r jedes der Geheimnisse erhoben worden, die sie Moghedien so m�hsam entlockt hatte. Keine der begeisterten Reaktionen �nderte ihre Position jedoch nur im geringsten. Man konnte einem begabten Kind den Kopf t�tscheln, ohne zu vergessen, da� es ein Kind war.</p><p>Leane zog sich mit einem Hofknicks und der trockenen Bemerkung zur�ck, es t�te ihr nicht leid, da� auch jemand anderer einmal weniger als eine ganze Nacht Ruhe bek�me. Siuan wartete noch. Niemand durfte sie und Leane zusammen gehen sehen. Egwene betrachtete sie eine Zeitlang nur. Sie schwiegen. Siuan schien in Gedanken verloren. Schlie�lich gab sie sich einen Ruck, stand auf, richtete ihr Gewand und bereitete sich offensichtlich zum Aufbruch vor.</p><p>�Siuan�, sagte Egwene z�gernd und stellte fest, da� sie nicht wu�te, wie sie fortfahren sollte.</p><p>Siuan glaubte zu verstehen. �Ihr hattet nicht nur recht, Mutter�, sagte sie und sah Egwene direkt in die Augen, �Ihr wart auch nachsichtig. Zu nachsichtig, obwohl ich das nicht sagen sollte. Ihr seid der Amyrlin-Sitz, und <emphasis>niemand</emphasis> darf Euch gegen�ber unversch�mt oder ungeh�rig auftreten. H�ttet Ihr mir eine Strafe auferlegt, derentwegen sogar Romanda Mitleid mit mir gehabt h�tte, w�re es nicht mehr gewesen, als ich verdiene.�</p><p>�Ich werde beim n�chsten Mal daran denken�, sagte Egwene, und Siuan beugte wie in Ergebenheit den Kopf. Vielleicht war es tats�chlich Ergebenheit. Wenn die Ver�nderungen in ihrem Wesen nicht tiefer griffen, als m�glich schien, w�rde es ein n�chstes Mal geben, und noch weitere danach. �Aber ich m�chte Euch noch nach Lord Bryne befragen.� Siuans Gesicht wurde vollkommen ausdruckslos. �Seid Ihr sicher, da� Ihr es nicht gern s�ht, wenn ich ... eingriffe?�</p><p>�Warum sollte ich, Mutter? Meine einzigen Pflichten bestehen darin, Euch das Zeremoniell Eures Amtes zu lehren und Sheriam die Berichte von meinen Augen-und-Ohren auszuh�ndigen.� Sie hielt noch immer einen Teil ihres fr�heren Nachrichtennetzes aufrecht, obwohl bezweifelt werden durfte, da� irgend jemand wu�te, zu wem ihre Berichte jetzt gelangten. �Gareth Bryne nimmt kaum genug meiner Zeit in Anspruch, da� eine Einmischung erforderlich w�re.� So sprach sie fast immer von ihm, und selbst wenn sie seinen Titel benutzte, lag eine gewisse Sch�rfe darin.</p><p>�Siuan, ein abgebrannter Viehstall und ein paar K�he k�nnen nicht so viel kosten.� Sicherlich nicht, wenn man es mit dem Sold und der Verpflegung der Soldaten verglich. Aber sie hatte ihr Angebot schon fr�her unterbreitet, und die starre Antwort war die gleiche geblieben.</p><p>�Ich danke Euch, Mutter, aber nein. Ich m�chte nicht, da� er behaupten kann, ich h�tte mein Wort gebrochen, und ich habe geschworen, die Schuld <emphasis>abzuarbeiten.�</emphasis> Siuans Starrheit l�ste sich pl�tzlich in Lachen auf, was selten geschah, wenn sie �ber Lord Bryne sprach. �Wenn Ihr Euch um jemanden sorgen wollt, dann sorgt Euch um ihn, nicht um mich. Ich brauche keine Hilfe, um mit Gareth Bryne fertig zu werden.�</p><p>Das war seltsam. Siuan war jetzt vielleicht schwach im Lenken der Einen Macht, aber nicht so schwach, da� sie weiterhin seine Dienerin sein und Stunden damit verbringen mu�te, die Arme bis zu den Ellbogen in hei�es Seifenwasser zu tauchen und seine Hemden und Kniehosen zu waschen. Vielleicht hatte sie das getan, um jemanden zu haben, an dem sie ihre Launen auslassen konnte, die sie ansonsten unterdr�cken mu�te. Was auch immer der Grund war - es bewirkte nicht wenig Gerede und best�tigte vielen ihre Seltsamkeit. Sie <emphasis>war</emphasis> immerhin eine Aes Sedai, wenn auch eine niedrigstehende. Seine Art, mit ihren Launen umzugehen - insbesondere wenn sie einmal Teller und Stiefel warf - erz�rnte sie und provozierte die Androhung schrecklicher Konsequenzen. Aber da sie ihn h�tte einwickeln k�nnen, bis er nicht einmal mehr den kleinen Finger h�tte r�hren k�nnen, ber�hrte Siuan in seiner N�he niemals <emphasis>Saidar,</emphasis> nicht um schwierige Aufgaben zu erledigen und nicht einmal, wenn er sie �bers Knie legte. Diese Tatsache hielt sie vor den meisten verborgen, aber wenn sie zornig war, entschl�pfte ihr einiges. Es schien keine Erkl�rung zu <emphasis>geben.</emphasis> Siuan war nicht schwach im Geist und auch keine N�rrin, sie war weder sanftm�tig noch �ngstlich, sie war nicht...</p><p>�Ihr k�nntet genausogut schon unterwegs sein, Siuan.� Einige Geheimnisse w�rden offensichtlich auch heute abend nicht enth�llt werden. �Es ist schon sp�t, und ich wei�, da� Ihr Euch zu Bett begeben wollt.�</p><p>�Ja, Mutter. Danke�, f�gte sie hinzu, obwohl Egwene nicht wu�te, wof�r sie sich bedankte.</p><p>Nachdem Siuan gegangen war, rieb sich Egwene erneut die Schl�fen. Sie brauchte Bewegung. Das Zelt bot hierf�r jedoch keinen Raum. Es war zwar das gr��te Zelt im Lager, das nur von einer Person bewohnt wurde, aber das bedeutete immer noch weniger als zwei mal zwei Spannen. Und es war mit Bett, Sessel und Stuhl, Waschtisch und Standspiegel und nicht weniger als drei Kisten voller Kleider vollgestellt. Chesa und Sheriam und Romanda und Lelaine und ein Dutzend weitere Sitzende hatten f�r letztere gesorgt.</p><p>Sie k�mmerten sich st�ndig darum. Einige wenige weitere Seidenschals oder Str�mpfe als Geschenke, ein weiteres Gewand, das sie zum Empfang eines K�nigs tragen k�nnte - und es w�rde eine vierte Kiste n�tig. Vielleicht hofften Sheriam und die Sitzenden, da� all die edlen Gew�nder sie f�r andere Dinge blind machten, und Chesa wollte nur, da� der Amyrlin-Sitz der Stellung angemessen gekleidet war. Diener hielten anscheinend genauso starr an den richtigen Ritualen fest, wie der Saal es seit jeher tat. Bald w�rde Selame hier sein. Sie war an der Reihe, Egwene beim Auskleiden zu helfen - ein weiteres Ritual. Aber Egwene war noch nicht bereit, zu Bett zu gehen.</p><p>Sie lie� die Lampen brennen und eilte aus dem Zelt, bevor Selame eintraf. Es w�rde ihren Kopf befreien, wenn sie ein wenig spazierenging, und sie vielleicht auch ausreichend erm�den, da� sie fest schlafen konnte. Es w�re ein leichtes, sich in Schlaf zu versetzen - die Traumg�nger der Weisen Frauen hatten ihr dies fr�h beigebracht -, aber Ruhe darin zu finden, war eine andere Sache. Besonders wenn ihr Geist vor Sorgen brodelte, die mit Romanda und Lelaine und Sheriam begannen und mit Rand, Elaida, Moghedien, dem Wetter und endlosem anderen noch nicht endeten.</p><p>Sie mied Moghediens Zelt. Wenn sie selbst Fragen stellte, w�rde einer davongelaufenen Dienerin zuviel Aufmerksamkeit zuteil. Verschwiegenheit war ihre zweite Natur geworden. Das Spiel, das sie spielte, lie� nur wenige Fehler zu, und sorglos zu sein, wenn man wu�te, da� es nicht wichtig war, konnte dazu f�hren, auch sorglos zu sein, <emphasis>wenn</emphasis> es wichtig war. Schlimmer noch, man w�rde vielleicht feststellen, da� man sich in der Bewertung der Wichtigkeit geirrt hatte. <emphasis>Das Schwache mu� vorsichtig k�hn sein.</emphasis> Das war wieder ein Satz Siuans. Sie tat wirklich ihr Bestes, sie zu lehren, und sie kannte dieses besondere Spiel sehr genau.</p><p>In dem mondbeschatteten Lager hielten sich auch jetzt nicht mehr Menschen drau�en auf als zuvor. Nur wenige kauerten m�de um niedrige Feuer, ersch�pft von ihren abendlichen Aufgaben nach einem anstrengenden Reisetag. Diejenigen, die sie sahen, erhoben sich m�hsam, wenn sie vor�berging, um ihr Respekt zu zollen, murmelten: �M�ge das Licht Euch bescheinen, Mutter� oder etwas �hnliches und erbaten gelegentlich ihren Segen, den sie dann mit einem einfachen �Das Licht segne dich, mein Kind� gew�hrte. M�nner und Frauen, die alt genug waren, ihre Gro�eltern zu sein, lie�en sich nach dem erhaltenen Segen mit strahlenden Gesichtern erneut nieder, aber Egwene fragte sich, wie sie wirklich �ber sie dachten. Alle Aes Sedai pr�sentierten sich der Au�enwelt, einschlie�lich ihrer eigenen Diener, als geschlossene Front. Aber Siuan war der Meinung, wenn man glaubte, ein Diener wisse zweimal soviel wie er sollte, kenne man nur die halbe Wahrheit.</p><p>Als Egwene eine offene Fl�che �berquerte, flammte der Silberblitz eines sich gerade �ffnenden Wegetors in der Dunkelheit auf. Es war jedoch nicht wirklich Licht. Es warf keine Schatten. Sie hielt inne, um die Szenerie zu beobachten. Niemand derjenigen, die an den n�chstgelegenen Feuern kauerten, blickte auch nur auf. Sie waren hieran inzwischen gew�hnt. Ein Dutzend oder mehr Schwestern, doppelt so viele Diener und eine Anzahl Beh�ter eilten aus dem Tor hervor; sie kehrten mit Nachrichten und Weidenk�rben voller Tauben von den Taubenschl�gen im gut f�nfhundert Meilen s�dwestlich gelegenen Salidar zur�ck.</p><p>Sie zerstreuten sich bereits, bevor das Wegetor wieder geschlossen wurde, trugen ihre Lasten zu Sitzenden, zu ihren Ajahs oder in ihre Zelte. In den meisten N�chten w�re Siuan bei ihnen gewesen. Sie traute selten jemand anderem soweit, da� sie ihn bestimmte Nachrichten �berbringen lie�, auch wenn diese meist verschl�sselt waren. Manchmal schien es auf der Welt mehr Augen-und-Ohren zu geben als Aes Sedai, obwohl die meisten durch die Umst�nde ziemlich eingeschr�nkt waren. Die Mehrheit der Spione f�r die verschiedenen Ajahs schienen sich bedeckt zu halten, bis sich die �Schwierigkeiten� der Wei�en Burg legen w�rden, und viele der Augen-und-Ohren der einzelnen Schwestern hatten keine Ahnung, wo sich die Frau, der sie dienten, im Moment aufhielt.</p><p>Mehrere der Beh�ter erkannten Egwene und verbeugten sich sorgf�ltig und mit der Stola angemessenem Respekt. Schwestern sahen sie vielleicht fragend an, aber der Saal hatte sie zur Amyrlin erhoben, und <emphasis>Gaidin</emphasis> brauchten nicht mehr. Auch einige Diener verbeugten sich oder vollf�hrten Hofknickse. Aber keine der Aes Sedai, die sich von dem Wegetor entfernten, warf auch nur einen Blick in ihre Richtung. Vielleicht bemerkten sie sie nicht. Vielleicht.</p><p>Es war in gewisser Weise einem von Moghediens Talenten zu verdanken, da� �berhaupt noch jemand von einem Teil seiner Augen-und-Ohren h�rte. Die Schwestern, die die Macht besa�en, Wegetore zu er�ffnen, konnten dies, weil sie schon ausreichend lange in Salidar waren. Jenen, die ein Wegetor in sinnvoller Gr��e weben konnten, war es m�glich, fast �berallhin Schnell zu Reisen und punktgenau anzukommen. Der Versuch, <emphasis>nach</emphasis> Salidar Schnell zu Reisen, h�tte jedoch bedeutet, die H�lfte jeder Nacht damit zu verbringen, das jeweils neue Lager ausfindig zu machen. Egwene hatte von Moghedien eine M�glichkeit erfahren, von einem Ort, den man nicht gut kannte, zu einem Ort, den man gut kannte, zu reisen. Das Gleiten, das langsamer vonstatten ging als das Schnelle Reisen, war keines der verlorenen Talente - niemand hatte jemals davon geh�rt -, so da� sogar die Bezeichnung Egwene zugeschrieben wurde. Jedermann, der das Schnelle Reisen beherrschte, beherrschte auch das Gleiten, so da� jede Nacht Schwestern nach Salidar Glitten, die die Taubenschl�ge auf V�gel �berpr�ften, die an den Ort ihrer Geburt zur�ckgekehrt waren, und dann zur�ck Reisten.</p><p>Der Anblick h�tte sie erfreuen sollen - die aufr�hrerischen Aes Sedai hatten Talente errungen, die die Wei�e Burg f�r immer verloren geglaubt hatte, und hatten auch noch neue Talente erlernt, und jene F�higkeiten w�rden helfen, Elaida den Amyrlin-Sitz zu nehmen, bevor alles vor�ber war -, aber anstatt sich zu freuen, empfand Egwene nur Bitterkeit. Es hatte nicht so sehr damit zu tun, br�skiert worden zu sein. W�hrend sie weiterging, wurden die Feuer seltener und schwanden dann ganz. Alles um sie herum lag in den tiefen Schatten der Wagen, von denen die meisten �ber Eisenringe gespannte Planen aufwiesen, und die Zelte schimmerten fahl im Mondlicht. Jenseits zogen sich die Lagerfeuer des Heeres �berall die umgebenden H�gel hinauf - auf den Boden gebrachte Sterne. Die aus Caemlyn sp�rbare Stille lie� ihren Magen sich verkrampfen, was auch immer alle anderen dachten.</p><p>Am selben Tag, an dem sie Salidar verlie�en, war eine Nachricht eingetroffen, obwohl Sheriam sich erst vor einigen Tagen die M�he gemacht hatte, sie ihr zu zeigen, und auch dann nur mit wiederholten Ermahnungen, da� der Inhalt geheimbleiben m��te. Der Saal kannte ihn, aber niemand sonst sollte ihn erfahren. Noch mehr der zehntausend Geheimnisse, die das Lager �berschwemmten. Egwene war davon �berzeugt, da� sie die Nachricht niemals zu sehen bekommen h�tte, wenn sie nicht st�ndig weiter von Rand gesprochen h�tte. Sie konnte sich an jedes sorgf�ltig gew�hlte Wort erinnern, das in kleiner Schrift auf sehr d�nnem Papier festgehalten war.</p><p><emphasis>Wir sind in dem Gasthaus, von dem wir gesprochen haben, gut untergebracht, und wir haben uns mit dem</emphasis></p><p><emphasis>Tuchh�ndler getroffen. Er ist ein sehr bemerkenswerter junger Mann - genau, wie Nynaeve uns erz�hlt hat. Dennoch war er h�flich. Ich glaube, er hat ein wenig Angst vor uns, was nur n�tzlich ist. Es wird gutgehen! Ihr habt vielleicht Ger�chte �ber M�nner geh�rt, die sich hier aufhalten, einschlie�lich eines Burschen aus Saldaea. Ich f�rchte, die Ger�chte sind alle nur zu wahr, aber wir sind bisher keinem von ihnen begegnet und werden dies nach M�glichkeit auch vermeiden. Wenn man zwei Hasen verfolgt, werden beide entkommen. Verin und Alanna sind hier, mit einer Anzahl junger Frauen aus der gleichen Gegend, aus der der Tuchh�ndler kommt. Ich werde versuchen, sie zur Ausbildung zu Euch zu schicken. Alanna hat eine gewisse Zuneigung zu dem H�ndler entwickelt, was sich als n�tzlich erweisen k�nnte, obwohl es auch besorgt macht. Aber alles wird gut werden, dessen bin ich gewi�.</emphasis></p><p><emphasis>Merana Sheriam betonte die ihrer Meinung nach guten Nachrichten. Merana, eine erfahrene Unterh�ndlerin, hatte Caemlyn erreicht und wurde von Rand, dem �Tuchh�ndler� gut aufgenommen. Wundervolle Nachrichten - f�r Sheriam. Und Verin und Alanna w�rden M�dchen von den Zwei Fl�ssen als Novizinnen herbringen. Sheriam war �berzeugt, da� sie dieselbe Stra�e entlangkommen m��ten, die sie selbst bereisten. Sie schien zu glauben, Egwene m��te von der Vorstellung, Gesichter von Zuhause zu sehen, vollkommen begeistert sein. Merana w�rde alles regeln. Merana wu�te, was sie tat.</emphasis></p><p>�Das ist ein Eimer voller Pferdeschwei߫, murrte Egwene in die Nacht. Ein Bursche mit Zahnl�cken, der einen gro�en Holzeimer trug, zuckte zusammen und starrte sie so verbl�fft an, da� er sich zu verbeugen verga�.</p><p>Rand... <emphasis>h�flich?</emphasis> Sie hatte seine erste Begegnung mit Coiran Saeldain, Elaidas Abgesandter, erlebt. �Anma�end� traf es genauer. Warum sollte er sich Merana gegen�ber anders verhalten? Merana dachte, er habe Angst, obwohl das gut war. Rand hatte selbst dann selten Angst, wenn er sie haben sollte, und wenn er sie jetzt hatte, sollte Merana daran denken, da� Angst selbst den sanftm�tigsten Mann gef�hrlich machen konnte und da� Rand allein schon dadurch gef�hrlich war, da� er war, wer er war. Und was sollte es bedeuten, da� Alanna Zuneigung entwickelt hatte? Egwene traute Alanna nicht vollkommen. Die Frau tat manchmal �u�erst seltsame Dinge, vielleicht unbedacht und vielleicht aus tieferliegenden Gr�nden. Egwene w�rde ihr durchaus zutrauen, einen Weg in Rands Bett zu finden. Er w�re in den H�nden einer Frau wie ihr Wachs. Elayne w�rde Alanna den Hals brechen, wenn dem so war, aber das war noch das wenigste. Schlimmer war, da� keine der Tauben, die Merana mitgenommen hatte, in die Taubenschl�ge Salidars zur�ckkehrten.</p><p>Merana h�tte eine Nachricht schicken sollen, und sei es nur, da� sie und die restliche Abordnung nach Cairhien gegangen waren. Die Weisen Frauen best�tigten in letzter Zeit kaum mehr, als da� Rand lebte, und doch war er anscheinend dort und blieb unt�tig, soweit sie unterrichtet wurde. Was eine Warnung h�tte sein sollen. Sheriam sah es anders. Wer konnte wissen, warum irgendein Mann tat, was er tat? Wahrscheinlich meistens nicht einmal der Mann selbst, und wenn es um einen Mann ging, der die Macht lenken konnte... Das Schweigen bewies, da� alles in Ordnung war. Merana h�tte sie �ber ernsthafte Schwierigkeiten sicherlich benachrichtigt. Sie mu�te auf dem Weg nach Cairhien sein, wenn sie nicht bereits dort eingetroffen war, und es bestand keine Notwendigkeit, weitere Nachrichten zu schicken, bis sie Erfolg melden konnte. Demnach <emphasis>war</emphasis> Rands Aufenthalt in Cairhien schon ein gewisser Erfolg. Eines von Meranas Zielen, wenn nicht das wichtigste, war es gewesen, ihn aus Caemlyn fortzulocken, so da� Elayne sicher dorthin zur�ckkehren und den L�wenthron einnehmen k�nnte. So unglaublich es auch schien, behaupteten die Weisen Frauen, Coiren und ihre Abordnung h�tten die Stadt auf dem Weg zur�ck nach Tar Valon verlassen. Oder vielleicht war es auch gar nicht so unglaublich. Alles ergab irgendwie einen Sinn, wenn man Rand bedachte und weiterhin bedachte, wie Aes Sedai Dinge angingen. Aber dennoch f�hlte sich f�r Egwene alles ... falsch an.</p><p>�Ich mu� zu ihm gehen�, murmelte sie. Eine Stunde, und sie k�nnte alles kl�ren. Er war im Grunde immer noch Rand. �Nichts weiter. Ich mu� zu ihm gehen.�</p><p>�Das ist nicht m�glich, und Ihr wi�t das.�</p><p>H�tte Egwene sich nicht so gut beherrscht, w�re sie zusammengeschreckt. So pochte ihr Herz aber selbst dann noch, als sie im Mondlicht Leane erkannt hatte. �Ich dachte, Ihr w�rt...�, sagte sie, bevor sie sich zur�ckhalten konnte, und es gelang ihr nur knapp, nicht Moghediens Namen auszusprechen.</p><p>Die gr��ere Frau pa�te sich ihrem Schritt an und beobachtete aufmerksam andere Schwestern, w�hrend sie vorangingen. Leane konnte nicht Siuans Entschuldigung daf�r vorbringen, Zeit mit ihr zu verbringen. Nicht da� es schaden sollte, zusammen gesehen zu werden, aber...</p><p><emphasis>Sollte nicht� bedeutet nicht unbedingt wird nicht�,</emphasis> rief sich Egwene in Erinnerung. Sie lie� die Stola von ihren Schultern gleiten, faltete sie zusammen und hielt sie in einer Hand. Wenn man aus der Ferne fl�chtig hinsah, k�nnte Leane, trotz ihres Gewands, sehr wohl f�r eine Aufgenommene gehalten werden. Viele Aufgenommene besa�en zu wenige der mit Streifen versehenen wei�en Gew�nder, so da� sie nicht st�ndig eines tragen konnten. Auch Egwene mochte aus der Ferne f�r eine Aufgenommene gehalten werden. Das war kein allzu beruhigender Gedanke.</p><p>�Theodrin und Faolain haben in der N�he von Marigans Zelt Fragen gestellt, Mutter. Sie waren nicht sehr angetan. Ich habe vorgegeben, ver�rgert zu sein, weil ich Nachrichten �berbringen sollte. Theodrin mu�te Faolain davon abhalten, mich deswegen zu schelten.� Leane lachte leise und kehlig. Sie am�sierte sich stets �ber Situationen, in denen Siuan die Z�hne zusammenbei�en mu�te. Sie wurde von den meisten Schwestern daf�r geh�tschelt, weil sie sich so gut angepa�t hatte.</p><p>�Gut, gut�, sagte Egwene abwesend. �Merana hat sich irgendwie falsch verhalten, Leane, sonst w�re er in Cairhien, und sie w�rde nicht schweigen.� In der Ferne bellte ein Hund den Mond an und dann weitere, bis sie von Rufen, die man, vielleicht zum Gl�ck, nicht genau verstehen konnte, j�h zum Schweigen gebracht wurden. Einige Soldaten hatten Hunde bei sich. Im Lager der Aes Sedai gab es keine. Einige Katzen, aber keine Hunde.</p><p>�Merana wei� nicht, was sie tut, Mutter.� Es klang sehr nach einem Seufzen. Leane und Siuan und alle anderen au�er ihr stimmten mit Sheriam �berein. Jedermann au�er ihr tat dies. �Wenn man jemandem eine Aufgabe �bertr�gt, mu� man sie ihm auch zutrauen.�</p><p>Egwene r�mpfte die Nase und verschr�nkte die Arme. �Leane, dieser Mann k�nnte auch aus einem feuchten Tuch Funken schlagen, wenn es die Stola tr�ge. Ich kenne Merana nicht, aber ich habe noch niemals eine Aes Sedai erlebt, die als feuchtes Tuch geeignet w�re.�</p><p>�Ich bin einer oder zweien begegnet�, kicherte Leane. Dieses Mal seufzte sie eindeutig. �Aber es stimmt - Merana geh�rt nicht dazu. Glaubt er wirklich, er h�tte in der Burg Freunde? Alviarin? Das macht es Merana vermutlich schwer, mit ihm zurechtzukommen, aber ich kann mir kaum vorstellen, da� Alviarin etwas tut, was sie ihren Platz kosten k�nnte. Sie hatte stets genug Ehrgeiz f�r drei.�</p><p>�Er sagt, er besitzt einen Brief von ihr.� Sie konnte noch immer vor sich sehen, wie Rand sich h�misch dar�ber gefreut hatte, vor ihrer Abreise aus Cairhien Briefe sowohl von Elaida als auch von Alviarin erhalten zu haben. �Vielleicht glaubt sie in ihrem Ehrgeiz, <emphasis>sie</emphasis> k�nnte Elaida mit ihm an ihrer Seite ersetzen. Das hei�t, wenn sie diesen Brief wirklich geschrieben hat, wenn er wirklich existiert. Er h�lt sich f�r schlau, Leane - und vielleicht ist er es auch -, aber er glaubt, er brauche niemanden.� Rand w�rde weiterhin denken, er k�nnte alles allein regeln, bis ihn etwas vernichten w�rde. �Ich kenne ihn in- und auswendig, Leane. Der Umgang mit den Weisen Frauen scheint auf ihn abgef�rbt zu haben oder vielleicht auch umgekehrt. Was auch immer die Sitzenden denken, was auch immer jemand von Euch denkt -eine Aes-Sedai-Stola beeindruckt ihn nicht mehr als die Weisen Frauen. Fr�her oder sp�ter wird er eine Schwester so weit erz�rnen, bis sie etwas dagegen unternimmt, oder eine von ihnen wird ihn falsch angehen, ohne zu erkennen, wie stark er ist und in welcher Stimmung er sich gerade befindet. Danach gibt es vielleicht kein Zur�ck mehr. Ich bin die einzige, die ihn richtig zu nehmen wei�. Die einzige.�</p><p>�Er kann kaum so ... herausfordernd sein wie diese Aielfrauen�, murmelte Leane verbissen. Selbst ihr fiel es schwer, sich �ber ihre Erfahrungen mit den Weisen Frauen zu am�sieren. �Aber das ist kaum wichtig. �Der Amyrlin-Sitz wird im Zusammenhang mit der Wei�en Burg selbst beurteilt...��</p><p>Zwei Frauen tauchten zwischen den Zelten vor ihnen auf, die langsam vorw�rtsgingen, w�hrend sie sich unterhielten. Durch die Entfernung und die Scharten waren ihre Gesichter undeutlich, und doch waren sie durch ihre Haltung eindeutig als Aes Sedai zu erkennen, zuversichtlich, da� ihnen nichts etwas anhaben konnte, was sich vielleicht in der Dunkelheit verbarg. Keine Aufgenommene konnte diesen Grad der Zuversicht auch nur ann�hernd erreichen. Nicht einmal eine K�nigin mit einem Heer hinter sich k�nnte dies. Die Frauen kamen auf Egwene und Leane zu. Leane tauchte schnell ins tiefere Halbdunkel zwischen zwei Wagen.</p><p>Egwene runzelte entt�uscht die Stirn und h�tte sie fast wieder hervorgezogen, ging dann aber weiter. Sollte doch alles herauskommen. Sie w�rde vor den Saal treten und sagen, es sei an der Zeit zu erkennen, da� die Stola der Amyrlin mehr als nur ein h�bsches Tuch sei. Sie w�rde... Aber dann folgte sie Leane und bedeutete ihr weiterzugehen. Sie w�rde nicht im Zorn alles wegwerfen.</p><p>Nur ein Burggesetz beschr�nkte die Macht des Amyrlin-Sitzes. Es gab zwar einige verwirrende Gebr�uche und viele unbequeme Gegebenheiten, aber nur ein Gesetz, und doch h�tte es ihren Zwecken nicht st�rker im Weg stehen k�nnen. �Der Amyrlin-Sitz wird im Zusammenhang mit der Wei�en Burg selbst beurteilt, im tiefsten Kern der Wei�en Burg, und darf nicht ohne Grund gef�hrdet werden, weshalb der Amyrlin-Sitz, au�er wenn sich die Wei�e Burg laut Erkl�rung der Halle der Burg im Krieg befindet, den Konsens mit der Halle der Burg suchen soll, bevor sie wohl�berlegt eine Gefahr eingeht, und sie soll sich an diesen Konsens halten.� Welches un�berlegte Handeln einer Amyrlin dieses Gesetz bewirkt hatte, wu�te Egwene nicht, aber es bestand schon seit etwas mehr als zweitausend Jahren. F�r die meisten Aes Sedai umgab jedes so alte Gesetz eine Aura der Heiligkeit. Es war undenkbar, es zu �ndern.</p><p>Romanda hatte es zitiert ... dieses <emphasis>verdammte</emphasis> Gesetz, als h�tte sie einen Dummkopf belehren wollen. Wenn die Tochter-Erbin von Andor nicht n�her als auf hundert Meilen an den Wiedergeborenen Drachen herankommen durfte - wieviel st�rker mu�ten sie dann den Amyrlin-Sitz besch�tzen? Lelaine klang fast, als bedauere sie es, h�chstwahrscheinlich, weil sie mit Romanda �bereinstimmte. Das hatte fast beider Zungen gel�hmt. Ohne sie - ohne sie beide -l�ge der Konsens au�er Reichweite! Wenn sie also die Erlaubnis nicht bek�me ..</p><p>Leane r�usperte sich. �Ihr k�nnt kaum etwas erreichen, wenn Ihr heimlich geht, Mutter, und der Saal wird es fr�her oder sp�ter herausfinden. Ich glaube, Ihr w�rdet danach kaum noch eine Stunde Zeit f�r Euch allein haben. Nicht da� sie es wagen w�rden, Euch bewachen zu lassen, aber es gibt andere M�glichkeiten. Ich kann Beispiele aus ... gewissen Quellen nennen.� Sie zitierte die verborgenen Aufzeichnungen nur dann, wenn sie sich hinter einem Schutz befanden.</p><p>�Bin ich so durchschaubar?� fragte Egwene kurz darauf. Nur Wagen waren hier um sie herum und jenseits der Wagen die dunklen Erhebungen schlafender Wagenf�hrer und Pferdeh�ndler und aller anderen, die n�tig waren, um so viele Fahrzeuge mitzuf�hren. Es war bemerkenswert, wie viele Fahrzeuge �ber dreihundert Aes Sedai ben�tigten, wenn nur wenige sich herablie�en, auch nur eine Meile weit in einem Wagen oder auf einem Karren zu reisen. Aber da waren Zelte und die Ausr�stung und Nahrungsmittel und tausend andere Dinge, die zum Unterhalt der Schwestern und ihrer Bediensteten n�tig waren.</p><p>�Nein, Mutter�, antwortete Leane leise lachend. �Ich habe mir einfach �berlegt, was ich tun w�rde. Aber es ist allgemein bekannt, da� ich meine W�rde und meinen Verstand verloren habe. Der Amyrlin-Sitz kann mich kaum als Vorbild nehmen. Ich glaube, Ihr m��t den jungen Meister al'Thor nach seinem Gutd�nken handeln lassen, zumindest f�r eine Weile, w�hrend Ihr Euch um das unmittelbar vor Euch Liegende k�mmert.�</p><p>�Sein Gutd�nken f�hrt uns vielleicht alle zum Krater des Verderbens�, murrte Egwene, aber das war kein Argument. Es mu�te eine M�glichkeit geben, sich um das unmittelbar vor ihr Liegende zu k�mmern, und Rand dennoch davon abzuhalten, gef�hrliche Fehler zu begehen, aber sie konnte sie noch nicht erkennen. �Dies ist der schlechteste Platz f�r einen tr�stlichen Spaziergang, den ich jemals gesehen habe. Ich denke, ich k�nnte genausogut zu Bett gehen.�</p><p>Leane neigte den Kopf. �In diesem Fall, Mutter, wenn Ihr verzeiht - in Lord Brynes Lager ist ein Mann... Wer hat schlie�lich schon einmal von einem Gr�nen ohne auch nur einen einzigen Beh�ter geh�rt?� Da sie pl�tzlich schneller sprach, h�tte man glauben k�nnen, sie wollte zu einem Geliebten. Wenn Egwene bedachte, was sie �ber Gr�ne geh�rt hatte, bestand vielleicht gar kein solch gro�er Unterschied.</p><p>Bei den Zelten war inzwischen auch das letzte Feuer mit Erde erstickt worden. Niemand riskierte einen Fl�chenbrand, wenn das Land zundertrocken war. Einige wenige Rauchf�den stiegen im Mondlicht tr�ge von Stellen auf, wo nicht genug Erde aufgeh�uft worden war. In einem Zelt murmelte ein Mann im Schlaf etwas, und hier und dort drang ein Husten oder Schnarchen hervor, aber ansonsten lag das Lager still und ruhig da. Egwene war �berrascht, als jemand aus den Schatten vor ihr heraustrat, besonders da es jemand mit dem einfachen wei�en Gewand einer Novizin war.</p><p>�Mutter, ich mu� mit Euch sprechen.�</p><p>�Nicola?� Egwene hatte es sich zur Gewohnheit gemacht, sich Namen und Gesichter aller Novizinnen einzupr�gen, was keine einfache Aufgabe war, wenn man bedachte, da� Schwestern die ganze Heerstra�e entlang nach M�dchen und jungen Frauen suchten, die lernen konnten. Obwohl die aktive Suche schlecht angesehen war - der Brauch forderte, da� das M�dchen fragen mu�te oder da� man wartete, bis sie zur Burg kam -, wurden im Lager jetzt zehnmal so viele Novizinnen ausgebildet, wie die Wei�e Burg in Jahren aufgenommen hatte. Nicola war jedoch eine derjenigen, an die man sich erinnern mu�te, auch weil Egwene h�ufig genug bemerkt hatte, da� die junge Frau sie ansah. �Tiana w�re nicht erfreut, wenn sie Euch so sp�t noch wach f�nde.� Tiana Noselle war die Herrin der Novizinnen und gleicherma�en f�r eine tr�stliche Schulter, wenn eine Novizin Kummer hatte, wie f�r eine unnachgiebige Haltung bekannt wenn es um Regeln ging.</p><p>Die andere Frau regte sich, als wollte sie davoneilen, richtete sich aber dann gerade auf. Schwei� gl�nzte auf ihren Wangen. In der Dunkelheit war es k�hler, als es am Tage gewesen war, aber niemand w�rde es als k�hl bezeichnen, und der einfache Trick, Hitze oder K�lte zu ignorieren, wurde erst gelehrt, wenn man die Stola trug. �Ich wei�, da� ich zuerst Tiana Sedai h�tte bitten sollen, Euch aufsuchen zu d�rfen, Mutter, aber sie h�tte niemals zugelassen, da� sich eine Novizin dem Amyrlin-Sitz n�hert.�</p><p>�Wor�ber wollt Ihr mit mir sprechen, Kind?� fragte Egwene. Die Frau war mindestens sechs oder sieben Jahre �lter als sie, aber dies war die angemessene Anrede f�r eine Novizin.</p><p>Nicola machte sich an ihrem Rock zu schaffen und trat dann n�her. Gro�e Augen begegneten Egwenes Blick vielleicht offener, als es bei einer Novizin h�tte der Fall sein sollen. �Mutter, ich m�chte so viel wie m�glich lernen.� Sie zupfte an ihrem Gewand, aber ihre Stimme klang k�hl und beherrscht und einer Aes Sedai angemessen. �Ich m�chte nicht behaupten, sie hielten mich zur�ck, aber ich bin sicher, da� ich st�rker werden kann, als sie sagen. Ich wei� einfach, da� ich es kann. Ihr wurdet niemals zur�ckgehalten, Mutter. Niemand hat jemals so schnell soviel Kraft erlangt wie Ihr. Ich m�chte nur die gleiche Chance erhalten.�</p><p>Eine Bewegung in den Schatten hinter Nicola erwies sich als eine weitere Frau mit verschwitztem Gesicht, in einem Kurzmantel und weiter Hose und mit einem Bogen. Ihr Haar hing ihr, mit sechs B�ndern zum Zopf geflochten, bis auf die Taille herab, und sie trug Stiefel mit hohen Abs�tzen.</p><p>Nicola Baumh�gel und Areina Nermasiv bildeten ein merkw�rdiges Freundespaar. Wie viele der �lteren Novizinnen - es wurden jetzt auch Frauen gepr�ft, die fast zehn Jahre �lter waren als Egwene, obwohl viele Schwestern murrten, sie seien zehn Jahre zu alt, um die Disziplin der Novizin zu erlernen -, wie viele jener �lteren Frauen war Nicola, allen Berichten nach, begierig darauf zu lernen, und sie besa� ein Potential, das unter den lebenden Aes Sedai nur von dem Nynaeves, Elaynes und Egwenes selbst �bertroffen wurde. Tats�chlich machte Nicola offensichtlich gro�e Fortschritte, h�ufig in dem Umfang, da� ihre Lehrer sie zur�ckhalten mu�ten. Einige behaupteten, sie h�tte begonnen, Gewebe aufzunehmen, als kenne sie sie bereits. Nicht nur das, sie zeigte bereits zwei Talente, obwohl die F�higkeit, <emphasis>Ta'veren</emphasis> zu �sehen� geringer war, w�hrend das Haupttalent, das Vorhersagen, sich auf eine Art zeigte, da� niemand verstand, was sie Vorhergesagt hatte. Sie selbst erinnerte sich im nachhinein an keines ihrer Worte. Alles in allem war Nicola von den Schwestern bereits als eine Novizin hervorgehoben worden, auf die man, trotz ihres sp�ten Beginnens, achten m��te. Die umstrittene �bereinkunft, Frauen zu pr�fen, die �lter als siebzehn oder achtzehn Jahre waren, war wahrscheinlich Nicola zu verdanken.</p><p>Areina war jedoch eine J�gerin des Horns, die genauso prahlte wie ein Mann und herumsa� und von Abenteuern erz�hlte, die sie erlebt hatte und noch erleben w�rde, wenn sie nicht mit ihrem Bogen �bte. Sie hatte diese Waffe wahrscheinlich von Birgitte �bernommen, ebenso wie ihre Art, sich zu kleiden. Sie schien gewi� an kaum etwas anderem als dem Bogen Gefallen zu finden, au�er gelegentlich auf recht k�hne Art zu sch�kern, wenn auch nicht mehr in letzter Zeit. Vielleicht machten die langen Tage unterwegs sie zu m�de daf�r, wenn auch nicht f�rs Bogenschie�en. Egwene konnte nicht verstehen, warum sie noch immer mit ihnen reiste. Es war kaum wahrscheinlich, da� Areina glaubte, das Horn von Valere w�rde auf ihrer Marschroute auftauchen, und sie konnte unm�glich auch nur vermuten, da� es in der Wei�en Burg versteckt war. Sehr wenige Menschen wu�ten das. Egwene war sich nicht einmal sicher, da� Elaida es wu�te.</p><p>Areina trat wie eine N�rrin auf, aber f�r Nicola empfand Egwene eine gewisse Zuneigung. Sie verstand die Unzufriedenheit der Frau, verstand, da� sie alles sofort lernen wollte. Sie war genauso gewesen. Und vielleicht war sie noch immer so. �Nicola�, sagte sie freundlich, �wir unterliegen alle bestimmten Beschr�nkungen. Ich werde, um ein Beispiel zu nennen, niemals an Nynaeve Sedai heranreichen, was auch immer ich tue.�</p><p>�Aber wenn ich doch nur die Chance bek�me, Mutter.� Nicola rang tats�chlich flehend die H�nde und auch ihre Stimme klang flehentlich, aber sie begegnete Egwenes Blick noch immer vollkommen offen. �Die Chance, die Ihr hattet.�</p><p>�Weil ich keine Wahl hatte - weil ich es nicht besser wu�te - habe ich es erzwungen, Nicola, und das ist gef�hrlich.� Sie hatte diesen Begriff zum ersten Mal geh�rt, als Siuan sich daf�r entschuldigte, etwas bei ihr erzwungen zu haben. Dies war eine der wenigen Gelegenheiten gewesen, bei denen Siuan wirklich reum�tig gewirkt hatte. �Ihr wi�t, da� Ihr, wenn Ihr mehr von <emphasis>Saidar</emphasis> lenkt, als Ihr k�nnt, riskiert, ausgebrannt zu werden, bevor Ihr jemals Eure volle St�rke erreicht. Ihr solltet Euch besser in Geduld �ben. Die Schwestern werden Euch ohnehin erst etwas anderes sein lassen, wenn Ihr bereit dazu seid.�</p><p>�Wir sind auf demselben Flu�boot nach Salidar gekommen wie Nynaeve und Elayne�, sagte Areina pl�tzlich. Ihr Blick war mehr als direkt - er war herausfordernd. �Und Birgitte.� Sie sprach den Namen aus irgendeinem Grund verbittert aus.</p><p>Nicola machte eine abwehrende Handbewegung. �Das ist unwichtig.� Aber sie klang seltsamerweise nicht, als meinte sie das ernst.</p><p>Egwene hoffte, da� ihr Gesicht nur halb so ausdruckslos blieb wie Nicolas und versuchte, ein pl�tzliches Unbehagen zu unterdr�cken. �Marigan� war auch auf diesem Boot nach Salidar gekommen. Eine Eule schrie, und sie erschauderte. Einige Menschen glaubten, da� der Schrei einer Eule im Mondlicht schlechte Nachrichten bedeutete. Sie war nicht abergl�ubisch, aber... �Was ist unwichtig?�</p><p>Die beiden Frauen wechselten Blicke, und Areina nickte.</p><p>�Ich ging vom Flu� zum Dorf.� Nicola sah Egwene, trotz ihres vermeintlichen Z�gerns, gerade in die Augen. �Areina und ich h�rten Thom Merrilin und Juilin Sandar miteinander sprechen. Der Gaukler und der Diebef�nger. Juilin sagte, wenn Aes Sedai in dem Dorf w�ren - wir waren noch nicht sicher - und sie erf�hren, da� Nynaeve und Elayne vorgegeben hatten, Aes Sedai zu sein, w�ren wir alle gef�hrdet.�</p><p>�Der Gaukler sah uns und bedeutete Juilin zu schweigen�, warf Areina ein, w�hrend sie den K�cher an ihrer Taille betastete, �aber wir hatten es geh�rt.� Ihre Stimme war genauso hart wie ihr Blick.</p><p>�Ich wei�, da� sie jetzt beide Aes Sedai sind, Mutter, aber w�ren sie nicht noch immer in Schwierigkeiten, wenn jemand es herausf�nde? Ich meine - die Schwestern? Jeder, der vorgibt, eine Schwester zu sein, ist in Schwierigkeiten, wenn sie es herausfinden - auch noch Jahre sp�ter.� Nicolas Gesichtsausdruck �nderte sich nicht, aber ihr Blick schien Egwenes pl�tzlich festhalten zu wollen. Sie beugte sich eifrig ein wenig vor. �Jedermann. Nicht wahr?�</p><p>Durch Egwenes Schweigen ermutigt, grinste Areina.</p><p>Ein bei Nacht unangenehmes Grinsen. �Ich h�rte, Elayne und Nynaeve wurden aus der Burg geschickt, um irgendeine Aufgabe f�r Siuan Sanche zu erledigen, als sie noch Amyrlin war. Au�erdem h�rte ich, da� Ihr gleichzeitig von ihr fortgeschickt wurdet. Und in alle m�glichen Schwierigkeiten gerietet, als Ihr zur�ckkamt.� Sie war eine Meisterin der Andeutungen. �Erinnert Ihr Euch, da� sie Aes Sedai zu sein vorgaben?�</p><p>Sie standen da und sahen sie an, Areina unversch�mt auf ihrem Bogen lehnend und Nicola so erwartungsvoll, da� die Luft h�tte knistern sollen.</p><p>�Siuan Sanche ist eine Aes Sedai�, sagte Egwene kalt. �Und Nynaeve al'Meara und Elayne Trakand ebenfalls. Ihr werdet ihnen den angemessenen Respekt erweisen. F�r Euch sind sie Siuan Sedai, Nynaeve Sedai und Elayne Sedai.� Die beiden blinzelten �berrascht. Egwenes Magen rebellierte vor Zorn. Nach allem, was sie heute nacht durchgemacht hatte, wurde sie noch von diesen beiden <emphasis>erpre�t...?</emphasis> Ihr fiel kein Wort ein, das hart genug gewesen w�re, dies zu beschreiben. Elayne w�re sicherlich eines eingefallen. Elayne h�rte den Stallburschen und Wagenf�hrern und anderen zu und merkte sich Worte, die sie gar nicht h�ren sollte. Egwene entfaltete ihre Stola und legte sie sich sorgf�ltig um die Schultern.</p><p>�Ich glaube, Ihr versteht nicht, Mutter�, sagte Nicola hastig, aber nicht �ngstlich, sondern nur in dem Bem�hen, ihre Ansicht zu verdeutlichen. �Ich war nur besorgt, da� jemand herausfinden k�nnte, da� Ihr...� Egwene lie� sie nicht weitersprechen.</p><p>�Oh, ich verstehe durchaus, Kind.� Die t�richte Frau war ein Kind, wie alt sie auch sein mochte. Alle �lteren Novizinnen machten Schwierigkeiten, �blicherweise dadurch, da� sie Aufgenommenen gegen�ber, die sie lehren sollten, unversch�mt auftraten, aber selbst die D�mmsten besa�en genug Verstand, Unversch�mtheit den Schwestern gegen�ber zu vermeiden. Es verwandelte ihre Wut in gl�henden Zorn, da� diese Frau die Frechheit besa�, es bei ihr weiterhin zu versuchen. Beide waren gr��er als Egwene, wenn auch nicht wesentlich, aber sie stemmte die F�uste in die H�ften und machte sich gerade, und sie wichen zur�ck, als rage sie tats�chlich �ber ihnen auf. �Habt Ihr �berhaupt eine Vorstellung davon, wie ernst es ist, eine Schwester zu beschuldigen, besonders wenn eine Novizin dies tut? Beschuldigungen, die Ihr angeblich von zwei M�nnern geh�rt habt, die jetzt tausend Meilen weit entfernt sind. Tiana w�rde Euch bei lebendigem Leibe die Haut abziehen und Euch Euer restliches Leben lang T�pfe schrubben lassen, wenn sie es erf�hre.� Nicola versuchte weiterhin, etwas einzuwenden - es klang jetzt nach Entschuldigungen und weiteren Einw�nden, die Egwene nicht verstand, hastige Versuche, alles zu �ndern -, aber Egwene ignorierte sie und wandte sich an Areina. Die J�gerin trat einen weiteren Schritt zur�ck, benetzte ihre Lippen und wirkte bemerkenswert unsicher. �Ihr m��t nicht glauben, da� Ihr ungeschoren davonkommt. Selbst eine J�gerin k�nnte f�r ein solches Vergehen vor Tiana gezerrt werden - wenn Ihr das Gl�ck habt, nicht an einem Wagenrad ausgepeitscht zu werden, wie sie es mit Soldaten machen, die beim Stehlen erwischt werden. Wie auch immer - ihr w�rdet mit Striemen bedeckt ausgesto�en werden.�</p><p>Egwene atmete tief durch und faltete ihre H�nde �ber der Taille. Wenn sie sie zusammenpre�te, w�rden sie nicht zittern. Die beiden wirkten zwar nicht eingesch�chtert, aber doch angemessen ger�gt. Sie hoffte, da� ihre niedergeschlagenen Augen, eingesunkenen Schultern und unruhigen F��e nicht vorget�uscht waren. Rein rechtlich sollte sie die beiden sofort zu Tiana schicken. Sie hatte keine Ahnung, welche Strafe auf den Versuch stand, den Amyrlin-Sitz zu erpressen, aber es schien wahrscheinlich, da� der Ausschlu� aus dem Lager die geringste Strafe w�re. Obwohl in Nicolas Fall damit gewartet werden m��te, bis ihre Lehrer der Meinung waren, sie k�nne die Macht ausreichend gut lenken, um sich selbst oder andere nicht versehentlich zu verletzen. Nicola Baumh�gel w�rde jedoch niemals eine Aes Sedai werden, wenn diese Beschuldigung gegen sie erhoben wurde. All dieses Potential w�re vergeudet.</p><p>Es sei denn... Jede Frau, die bei der L�ge ertappt wurde, eine Aes Sedai zu sein, wurde so hart bestraft, da� sie noch Jahre sp�ter wimmerte, und eine Aufgenommene, die dabei ertappt wurde, mochte die andere sehr wohl als gl�cklich ansehen, aber Nynaeve und Elayne waren jetzt, da sie wirkliche Schwestern waren, sicher. Und sie selbst auch. Aber vielleicht war nur ein Hauch eines Ger�chts hier�ber n�tig, um jede Chance zunichte zu machen, da� der Saal sie wahrhaft als Amyrlin-Sitz anerkannte. Oder die Chance, zu Rand zu gehen und es dem Saal dann offen einzugestehen. Sie wagte es nicht, die beiden Novizinnen merken oder auch nur vermuten zu lassen, da� sie zweifelte.</p><p>�Ich werde dies vergessen�, sagte sie scharf. �Aber wenn ich noch einmal von irgend jemandem auch nur andeutungsweise etwas dar�ber h�re...� Sie atmete unstet ein - wenn sie konkret davon h�rte, w�rde sie kaum noch etwas tun k�nnen -, aber ihrer Reaktion nach h�rten sie eine Drohung heraus, die sie tief traf. �Und nun geht zu Bett, bevor ich meine Meinung wieder �ndere.�</p><p>Sie knicksten sofort und fl�sterten �Ja, Mutter� und �Nein, Mutter� und �Wie Ihr befehlt, Mutter�. Sie eilten davon, w�hrend sie �ber die Schulter zu ihr zur�ckblickten und immer schneller wurden, bis sie schlie�lich tats�chlich liefen. Egwene zwang sich dazu, ruhig weiterzugehen, aber sie w�re am liebsten auch gelaufen.</p></section><section><title><p>10</p><p>Unsichtbare Augen</p></title><p>Als Egwene zu ihrem Zelt zur�ckkam, wartete Selame bereits, eine stockd�nne Frau mit dunkler tairenischer Hautfarbe und einem fast unzug�nglichen Selbstbewu�tsein. Chesa hatte recht: Selame trug ihre Nase tats�chlich hoch erhoben, als weiche sie vor einem �blen Geruch zur�ck. Aber wenn sie sich gegen�ber anderen T�chtern des Speers auch anma�end verhielt, gab sie sich bei ihrer F�rderin in Wahrheit doch ganz anders. Als Egwene eintrat, versank Selame in einen so tiefen Hofknicks, da� ihre Stirn fast den Teppich streifte und sich ihre R�cke so weit wie m�glich ausbreiteten. Bevor Egwene noch einen zweiten Schritt ins Zelt hinein getan hatte, sprang die Frau auf und machte ein Aufhebens um sie. Selame hatte sehr wenig Verstand.</p><p>�Oh, Mutter, Ihr seid schon wieder ohne Kopfbedeckung ausgegangen.� Als h�tte sie jemals eine der mit Perlen verzierten Hauben, welche die Frau bevorzugte, oder die von Meri geliebten bestickten Samtkappen oder Chesas Federh�te getragen. �Und Ihr fr�stelt. Ihr solltet niemals ohne Schal und Sonnenschirm ausgehen, Mutter.� Wie sollte ein Sonnenschirm Fr�steln verhindern? Obwohl ihr der Schwei� ungeachtet dessen, wie schnell sie ihn mit ihrem Taschentuch abrieb, die Wangen hinablief, dachte Selame niemals daran zu fragen, <emphasis>warum</emphasis> sie zitterte, was vielleicht ebensogut war. �Zudem seid Ihr allein ausgegangen, bei Nacht. Das ist einfach nicht richtig, Mutter. Denkt an alle diese Soldaten, rauhe M�nner, die keiner Frau Respekt erweisen, selbst den Aes Sedai nicht. Mutter, Ihr d�rft einfach nicht...�</p><p>Egwene lie� die t�richten Worte genauso �ber sich ergehen wie die Hilfe der Frau beim Auskleiden, indem sie diese einfach nicht beachtete. Wenn sie ihr zu schweigen befahl, w�rde sie so viele verletzte Blicke und gekr�nkte Seufzer ernten, da� es kaum einen Unterschied machte. Bis auf ihr geistloses Geschw�tz verrichtete sie ihre Pflichten eifrig, wenn auch nicht ohne viele gro�e Gesten und unterw�rfige Hofknickse. Niemand schien so einf�ltig wie Selame zu sein, die st�ndig mit �u�erlichkeiten besch�ftigt war und sich darum sorgte, was die Leute dachten. F�r sie waren wichtige Leute die Aes Sedai und der Adel sowie deren h�her gestellte Diener. Niemand sonst z�hlte f�r sie. Wahrscheinlich war es <emphasis>wirklich</emphasis> unm�glich. Egwene w�rde weder vergessen, wer Selame zuerst entdeckt hatte, noch wer Meri entdeckt hatte. Gewi� war Chesa ein Geschenk von Sheriam, aber Chesa hatte Egwene ihre Treue schon mehr als einmal bewiesen.</p><p>Egwene h�tte sich gern selbst davon �berzeugt, da� das Zittern, das Selame f�r Fr�steln hielt, Zornesbeben war, aber sie war sich dessen bewu�t, da� sich Angst in ihrem Innern breitgemacht hatte. Sie war zu weit gekommen und hatte noch zuviel zu tun, als da� sie Nicola und Areina h�tte erlauben d�rfen, ihr Kn�ppel zwischen die Beine zu werfen.</p><p>Als sie den Kopf durch die Hals�ffnung eines frischen Hemdes steckte, nahm sie einige Worte des Geplappers der Frau wahr und sah sie an. �Sagtet Ihr <emphasis>Schafsmilch?�</emphasis></p><p>�O ja, Mutter, Eure Haut ist so wei�, und nichts wird sie besser erhalten als ein Bad in Schafsmilch.�</p><p>Vielleicht war Selame wirklich schwachsinnig. Egwene scheuchte die protestierende Frau aus dem Zelt und b�rstete ihre Haare selbst. Dann deckte sie ihr Bett auf, legte das jetzt nutzlose <emphasis>A'dam-</emphasis>Armband in die kleine, verzierte Elfenbeinschachtel, in der sie ihre wenigen Schmuckst�cke aufbewahrte, und l�schte zuletzt die Lampen. <emphasis>Alles selbst,</emphasis> dachte sie in der Dunkelheit sarkastisch. <emphasis>Selame und Meri werden einen Wutanfall kriegen.</emphasis></p><p>Bevor sie sich jedoch hinlegte, trat sie zum Zelteingang und �ffnete ihn einen kleinen Spalt. Drau�en herrschte mondbeschienene Stille und Schweigen, die nur vom Schrei eines n�chtlichen Reihers unterbrochen wurden, der pl�tzlich abbrach. �berall in der Dunkelheit waren J�ger unterwegs. Kurz darauf bewegte sich in den Schatten des gegen�berstehenden Zelts etwas. Es war anscheinend eine Frau.</p><p>Vielleicht machte der Schwachsinn Selame nicht unf�higer, als die m�rrische Verdrie�lichkeit Meri ausschlo�. Die Gestalt neben dem Zelt konnte jeder der beiden sein. Oder jemand v�llig anderer. Sogar Nicola oder Areina, so unwahrscheinlich es auch schien. Sie lie� den Zelteingang l�chelnd wieder zufallen. Wer auch immer der Beobachter war, w�rde nicht sehen, wohin sie heute nacht ging.</p><p>Die Weisen Frauen hatten sie eine einfache Art gelehrt, sich in Schlaf zu versetzen. Die Augen schlie�en, nacheinander alle K�rperteile entspannen, mit dem Herzschlag atmen und die Gedanken bis auf einen kleinen Winkel des Bewu�tseins frei schweben lassen. Der Schlaf umfing sie innerhalb weniger Momente, aber es war der Schlaf einer Traumg�ngerin.</p><p>Sie schwebte gestaltlos tief in einem Sternenozean, unendliche Lichtpunkte schimmerten in einem unendlichen Meer der Dunkelheit, unz�hlige Gl�hw�rmchen flimmerten in einer ewigen Nacht. Es waren die Tr�ume aller Schlafenden �berall auf der Welt, vielleicht aller Schlafenden in allen m�glichen Welten, und dies war der Spalt zwischen der Realit�t und <emphasis>Tel'aran'rhiod,</emphasis> der Zwischenraum, der die wache Welt von der Welt der Tr�ume trennte. Wohin auch immer sie schaute, verschwanden zehntausend Gl�hw�rmchen, wenn Menschen erwachten, und zehntausend neue ersetzten sie. Eine weite, sich st�ndig �ndernde Anordnung funkelnder Sch�nheit.</p><p>Sie verschwendete jedoch keine Zeit mit Bewunderung. Dieser Ort barg Gefahren, mitunter sogar t�dliche Gefahren. Sie wu�te, wie man sie umgehen konnte, aber eine Gefahr zielte an diesem Ort genau auf sie ab, wenn sie zu lange verweilte, und darin gefangen zu werden, w�re, gelinde gesagt, peinlich. Sie bewegte sich vorw�rts, wobei sie ein wachsames Auge auf alles hielt - nun, es w�re ein wachsames Auge gewesen, wenn sie hier Augen gehabt h�tte. Sie hatte auch kein Gef�hl f�r Bewegung. Es schien, als st�nde sie still und der Ozean wirbele um sie herum, bis ein Licht vor ihr zum Stehen kam. Jeder funkelnde Stern sah genauso aus wie alle anderen, und doch wu�te sie, da� dies Nynaeves Traum war. <emphasis>Woher</emphasis> sie es wu�te, war eine andere Sache. Nicht einmal die Weisen Frauen verstanden dieses Erkennen.</p><p>Sie hatte auch erwogen, Nicolas und Areinas Tr�ume zu suchen. Wenn sie diese erst aufgest�bert h�tte, w��te sie genau, wie sie die Angst des Lichts in ihre Knochen senken k�nnte, und es k�mmerte sie nicht im geringsten, da� dies aufs sch�rfste verurteilt wurde. Ihr praktisches Wesen hatte sie hierher getrieben, nicht die Angst vor dem Verbotenen. Sie hatte getan, was niemals zuvor getan worden war, und sie war sich sicher, da� sie es erneut tun w�rde, wenn es notwendig w�re. <emphasis>Tue, was du tun mu�t, und bezahle dann den Preis daf�r.</emphasis> Das hatte sie dieselbe Frau gelehrt, die jene verbotenen Bereiche abgegrenzt hatte. Es war die Verweigerung, die Schuld einzugestehen, die Verweigerung, den Preis zu bezahlen, wodurch Notwendigkeit h�ufig zu B�sem entartete. Aber selbst wenn die beiden schliefen, war das Auffinden der Tr�ume eines Menschen beim ersten Mal bestenfalls m�hsam und gelang nicht auf Anhieb. Tage der Bem�hungen - oder eher N�chte - konnten sehr wohl gar nichts ergeben. Das war zumindest wahrscheinlich.</p><p>Sie bewegte sich vorsichtig durch die ewige Dunkelheit, auch wenn es so schien, als st�nde sie still und als wachse das stecknadelkopfgro�e Licht zu einer schimmernden Perle, einem schillernden Apfel, einem Vollmond an, bis es ihre Sicht und die ganze Welt mit Helligkeit erf�llte. Sie ber�hrte es jedoch nicht - noch nicht. Ein haarfeiner Zwischenraum trennte sie. Dann griff sie �beraus vorsichtig �ber diesen Zwischenraum hinweg. Womit, das blieb, da ihr ein K�rper fehlte, genauso ein Geheimnis wie ihre F�higkeit, einen Traum von einem anderen zu unterscheiden. Die Weisen Frauen sagten, ihr Wille sei der Schl�ssel, aber sie verstand noch immer nicht, wie das sein konnte. Sie ber�hrte das Licht so behutsam, wie sie eine Seifenblase ber�hrt h�tte. Die leuchtende Wand schimmerte wie gesponnenes Glas und pulsierte wie ein Herz, zart und lebendig. Eine etwas festere Ber�hrung - und sie k�nnte �hineinsehen� und �sehen�, was Nynaeve tr�umte. Eine noch festere Ber�hrung -und sie k�nnte tats�chlich ins Licht hineingelangen und Teil des Traumes sein. Das war von Zuf�llen abh�ngig, besonders wenn jemand einen starken Geist besa�, aber sowohl hineinzusehen als auch hineinzugelangen, k�nnte kr�nken. Zum Beispiel, wenn die Tr�umerin zuf�llig gerade von einem Mann tr�umte, an dem sie besonderes Interesse hatte. Allein die Entschuldigungen nahmen die halbe Nacht ein, wenn dies geschah. Oder sie k�nnte Nynaeve mit einer Art Beugebewegung, wie man sie vollf�hrte, wenn man eine zerbrechliche Perle �ber eine Tischplatte rollte, heraus und in einen von ihr geschaffenen Traum rei�en, einen Teil <emphasis>Tel'aran'rhiods,</emphasis> den sie vollst�ndig unter Kontrolle hatte. Sie war sich sicher, da� es funktionieren k�nnte. Nat�rlich war es streng verboten, und sie glaubte nicht, da� es Nynaeve gefallen w�rde.</p><p>NYNAEVE, HIER IST EGWENE. DU DARFST <emphasis>UNTER</emphasis> KEINEN UMST�NDEN ZUR�CKKEHREN, BEVOR DU DIE SCHALE GEFUNDEN HAST UND BEVOR ICH EIN PROBLEM MIT AREINA UND NICOLA AUS DER WELT SCHAFFEN KANN. SIE WISSEN, DASS DU ETWAS VORGET�USCHT HAST. ICH WERDE DIR N�HERES ERKL�REN, WENN WIR UNS DAS N�CHSTE MAL IN DER KLEINEN BURG SEHEN. SEI VORSICHTIG. MOGHEDIEN IST ENTKOMMEN.</p><p>Der Traum verbla�te, die Seifenblase zerplatzte. Sie h�tte trotz der Botschaft gekichert, wenn sie eine Kehle besessen h�tte. Eine Stimme ohne K�rper in jemandes Traum konnte eine erschreckende Wirkung zeitigen - besonders wenn derjenige bef�rchtete, da� der Sprecher einen vielleicht auch beobachtete. Nynaeve w�rde es nicht vergessen, selbst wenn es zuf�llig geschah.</p><p>Der licht�bers�te Ozean wirbelte erneut um Egwene herum, bis sie sich auf einen anderen funkelnden Stecknadelkopf konzentrierte. Elayne. Die beiden Frauen schliefen in Ebou Dar h�chstwahrscheinlich nicht mehr als ein Dutzend Schritte voneinander entfernt, aber hier bedeutete Entfernung nichts. Oder vielleicht bedeutete sie etwas anderes.</p><p>Als Egwene ihre Botschaft dieses Mal �bermittelte, pulsierte der Traum und ver�nderte sich. Er schien noch immer genauso wie jeder andere, aber f�r sie war er dennoch ver�ndert. Hatten die Worte Elayne in einen anderen Traum gezogen? Sie w�rden dennoch haften bleiben, und sie w�rde sich beim Erwachen erinnern.</p><p>Da Nicola und Areina dr�ngten, war es an der Zeit, ihre Aufmerksamkeit Rand zuzuwenden. Leider w�re es genauso sinnlos, seinen Traum zu suchen wie den Traum irgendeiner Aes Sedai. Er schirmte seine Tr�ume in etwa genauso sehr ab wie sie, obwohl sich der Schild eines Mannes offensichtlich von dem einer Frau unterschied. Der Schild einer Aes Sedai war eine kristallene Schale, eine nahtlose, aus Geist gewobene Sph�re, aber so durchl�ssig sie auch wirkte, k�nnte sie sehr wohl aus Stahl bestehen. Egwene vermochte sich nicht mehr zu erinnern, wie viele fruchtlose Stunden sie mit dem Versuch vergeudet hatte, durch Rands Schild hindurchzusp�hen. Wo der abgeschirmte Traum einer Schwester heller erschien, waren seine Tr�ume tr�ber. Es war, als blicke man in schlammiges Wasser. Manchmal hatte man den Eindruck, als ob sich tief in diesen graubraunen Strudeln etwas bewegt h�tte, aber man konnte niemals ausmachen, was es war.</p><p>Die unendliche Anordnung von Lichtern wirbelte erneut umher und kam wieder zur Ruhe, und sie n�herte sich vorsichtig dem Traum einer dritten Frau. So vieles lag zwischen ihr und Amys, da� es angemessen schien, sich den Tr�umen ihrer Mutter zu n�hern, obwohl sie in Wahrheit zugeben mu�te, da� sie Amys auf viele Arten nacheifern wollte. Sie begehrte Amys' Anerkennung genauso sehr wie die des Saals. Sicherlich wurde keine Sitzende h�her gesch�tzt, als sie Amys sch�tzte. Sie versuchte, eine pl�tzliche Sch�chternheit zu verdr�ngen, und bem�hte sich umsonst, ihre �Stimme� sanfter zu gestalten. AMYS, HIER IST EGWENE. ICH MU� MIT EUCH SPRECHEN.</p><p><emphasis>Wir werden kommen,</emphasis> murmelte ihr eine Stimme zu. Amys' Stimme.</p><p>Egwene wich best�rzt zur�ck. Sie hatte das Gef�hl, ausgelacht zu werden. Vielleicht war es gut, daran erinnert zu werden, da� die Weisen Frauen als Traumg�ngerinnen weitaus mehr Erfahrung hatten. Manchmal f�rchtete sie, vielleicht verdorben worden zu sein, weil sie nicht h�rter um ihre F�higkeiten mit der Einen Macht k�mpfen mu�te. Aber wie als Ausgleich erschien alles andere manchmal auch wie das Erklimmen einer Klippe im Regen.</p><p>Pl�tzlich nahm sie am �u�ersten Rand ihres Sichtfeldes eine Bewegung wahr. Einer der Lichtpunkte glitt durch den Sternenozean, schwebte aus eigenem Entschlu� auf sie zu und wurde gr��er. Nur ein Traum konnte das bewirken, nur eine Tr�umer. Sie floh entsetzt und w�nschte, sie h�tte eine Kehle, um schreien oder fluchen oder einfach rufen zu k�nnen. Um besonders den kleinen Winkel ihres Selbst anzuschreien oder zu verfluchen, der am Fleck verharren und abwarten wollte.</p><p>Dieses Mal bewegten sich nicht einmal mehr die Sterne. Sie verschwanden einfach, und sie lehnte an einer dicken Rotsteins�ule und keuchte, als w�re sie eine Meile gerannt, w�hrend ihr Herz zu zerspringen schien. Kurz darauf sah sie an sich hinab, lachte ein wenig unsicher und versuchte ruhiger zu atmen. Sie trug ein Gewand aus schimmernder, mit Goldf�den durchwirkter Seide, das Oberteil und der Saum mit B�ndern geschm�ckt. Das Oberteil verdeckte erheblich mehr Busen, als sie im Wachzustand jemals aufzubieten h�tte, und ein breiter, fester G�rtel aus geflochtenem Gold lie� ihre Taille schmaler scheinen, als sie in Wirklichkeit war. Andererseits war sie vielleicht tats�chlich schmaler. Hier in <emphasis>Tel'aran'rhiod</emphasis> konnte man sein, wie immer und was immer man sein wollte. Auch wenn man es nur unbewu�t wollte und nicht darauf achtgab. Gawyn Trakand hatte einen verh�ngnisvollen Einflu� auf sie - einen <emphasis>sehr</emphasis> verh�ngnisvollen Einflu�.</p><p>Ein kleiner Teil ihrer selbst w�nschte noch immer, sie h�tte abgewartet und sich von seinem Traum einholen und hineinziehen lassen. Wenn eine Traumg�ngerin jemanden bis zur Raserei liebte oder ha�te, besonders wenn diese Empfindung erwidert wurde, konnte sie in den Traum jenes Menschen hineingezogen werden. Sie zog den Traum an oder er zog sie an wie ein Magnet. Sicherlich ha�te sie Gawyn nicht, aber sie konnte es sich nicht leisten, in seinem Traum gefangen zu werden - nicht heute nacht -, gefangen zu sein, bis er erwachte, und zu sein, wie er sie sah. Er hielt sie f�r erheblich h�bscher, als sie in Wahrheit war. Seltsamerweise erschien <emphasis>er</emphasis> weniger ansehnlich, als er tats�chlich war. Ein starker Geist oder Aufmerksamkeit waren nutzlos, wenn so heftige Liebe oder Ha� im Spiel waren. Wenn man erst in diesen Traum hineingelangt war, blieb man dort, bis der andere Mensch aufh�rte, von einem zu tr�umen. Als sie sich erinnerte, was er mit ihr in seinen Tr�umen getan hatte, was sie zusammen getan hatten, �berzog heftige R�te ihr Gesicht.</p><p>�Gut, da� mich jetzt keine der Sitzenden sehen kann�, murrte sie. �Obwohl sie mich immer noch f�r ein M�dchen halten.� Erwachsene Frauen waren wegen einem Mann nicht derart aufgeregt. Dessen war sie sich sicher. Keine vern�nftige Frau jedenfalls. Seine Tr�ume w�rden wahr werden, aber zu einem Zeitpunkt, den sie erw�hlte. Es k�nnte schwierig werden, die Erlaubnis ihrer Mutter zu bekommen, aber sie w�rde sie gewi� nicht verweigern, auch wenn sie Gawyn noch nie gesehen hatte. Marin al'Vere vertraute dem Urteil ihrer T�chter. Jetzt war es an der Zeit, da� ihre J�ngste ein wenig dieses Urteilsverm�gens zeigte und sich ihre Phantasien f�r einen geeigneteren Zeitpunkt aufsparte.</p><p>Sie sah sich um und w�nschte fast, sie k�nnte ihren Gedanken erlauben, sich weiterhin nur um Gawyn zu drehen. Wuchtige S�ulen ragten empor und st�tzten eine hoch aufsteigende Kuppel. Keine der goldverzierten Lampen, die von goldenen Ketten von der Decke herabhingen, brannte, und doch herrschte ein diffuses Licht, das einfach da war, ohne einer Quelle zu entspringen, weder hell noch tr�be. Das Herz des Steins in der gro�en Feste, die der Stein von Tear genannt wurde. Oder eher sein Bild in <emphasis>Tel'aran'rhiod,</emphasis> ein Bild, das auf vielerlei Arten so real wirkte wie das Original selbst. Hier hatte sie fr�her die Weisen Frauen getroffen - auf deren Wunsch hin. Ein seltsamer Wunsch f�r Aiel, wie ihr schien. Sie h�tte Rhuidean erwartet, jetzt, wo es ge�ffnet war, oder irgendeinen anderen Treffpunkt in der Aiel-W�ste, oder einfach den Ort, wo auch immer sich die Weisen Frauen gerade befanden. Jeder Ort au�er den <emphasis>Ogier-Steddings</emphasis> hatte in der Welt der Tr�ume sein Spiegelbild - in Wahrheit sogar auch die <emphasis>Steddings,</emphasis> aber man konnte sie nicht betreten, genauso wie Rhuidean einst verschlossen gewesen war. Das Aes Sedai-Lager stand nat�rlich au�er Frage. Eine Anzahl Schwestern hatte jetzt Zugriff zu einem <emphasis>Ter'angreal,</emphasis> das es ihnen erlaubte, die Welt der Tr�ume zu betreten, und da keine der Schwestern wirklich wu�te, was sie da taten, begannen sie ihre Unternehmen h�ufig, indem sie im Lager <emphasis>Tel'aran'rhiods</emphasis> erschienen, als beg�ben sie sich auf eine gew�hnliche Reise.</p><p>Wie die <emphasis>Angreale</emphasis> und die <emphasis>Sa'angreale</emphasis> waren auch die <emphasis>Ter'angreale</emphasis> dem Burggesetz zufolge Eigentum der Wei�en Burg, gleichg�ltig, wer sie im Moment zuf�llig besa�. Die Burg beharrte sehr selten darauf, zumindest wenn sie sich an einem �hnlichen Ort wie der sogenannten Gro�en Feste in eben diesem Stein von Tear befanden - sie w�rden schlie�lich zu den Aes Sedai kommen, und die Wei�e Burg hatte stets gut warten k�nnen, wenn es n�tig war -, aber jene, die tats�chlich in H�nden von Aes Sedai waren, wurden vom Saal vergeben, von einzelnen Sitzenden. Tats�chlich wurden sie verliehen - sie wurden fast niemals verschenkt. Elayne hatte gelernt, Traum-<emphasis>Ter'angreale</emphasis> zu kopieren, und sie und Nynaeve hatten zwei an sich genommen, aber die anderen befanden sich jetzt im Besitz des Saals. Was bedeutete, da� Sheriam und ihr kleiner Kreis sie benutzen konnten, wann immer sie wollten, und vermutlich auch Lelaine und Romanda, obwohl diese beiden wahrscheinlich andere sandten, anstatt <emphasis>Tel'aran'rhiod</emphasis> selbst zu betreten. Bis vor kurzem hatte jahrhundertelang keine Aes Sedai Tr�ume begangen, und sie hatten noch immer erhebliche Schwierigkeiten damit, die haupts�chlich dem Glauben entstammten, sie k�nnten es allein lernen. Dennoch war das letzte, was Egwene wollte, da� eine <emphasis>ihrer</emphasis> Anh�ngerinnen dieses Treffen heute nacht beobachtete.</p><p>Als h�tte der Gedanke an Spione sie empfindsamer gemacht, wurde sie sich pl�tzlich der Tatsache bewu�t, von unsichtbaren Augen beobachtet zu werden. Dieses Gef�hl war in <emphasis>Tel'aran'rhiod</emphasis> stets gegenw�rtig, und nicht einmal die Weisen Frauen wu�ten warum, aber obwohl stets verborgene Augen dazusein schienen, waren vielleicht auch tats�chliche Beobachter zugegen. Und dabei dachte sie nicht an Romanda und Lelaine.</p><p>Egwene lie� ihre Hand �ber die S�ule gleiten, w�hrend sie langsam ganz darum herumging und den in tiefen Schatten liegenden Rotstein-Wald betrachtete. Das sie umgebende Licht wirkte nicht real. Jedermann in den Schatten w�rde dasselbe Licht um sich herum sehen, w�hrend die Schatten sie verbargen. Menschen erschienen, M�nner und Frauen, flimmernde Bilder, die selten l�nger als wenige Herzschl�ge lang verweilten. Sie hatte kein Interesse an den Menschen, welche die Welt der Tr�ume in ihrem Schlaf ber�hrten. Jedermann k�nnte dies zuf�llig tun, aber gl�cklicherweise nur f�r Augenblicke und selten lange genug, um sich einer der Gefahren stellen zu m�ssen. Die Schwarze Ajah besa� auch Traum-<emphasis>Ter'angreale,</emphasis> die sie der Burg gestohlen hatte. Schlimmer noch -Moghedien kannte <emphasis>Tel'aran'rhiod</emphasis> genauso gut wie jede Traumg�ngerin. Vielleicht sogar noch besser. Sie konnte diesen Ort und jedermann darin sehr leicht kontrollieren.</p><p>Egwene w�nschte einen Moment, sie h�tte Moghediens Tr�ume ausspioniert, als die Frau eine Gefangene war, nur einmal, gerade so weit, um in der Lage sein zu k�nnen, sie zu erkennen. Aber selbst wenn sie ihre Tr�ume identifizieren k�nnte, w��te sie nicht, wo sie jetzt war. Au�erdem h�tte noch die M�glichkeit bestanden, gegen ihren Willen hineingezogen zu werden. Sie verachtete Moghedien gewi� genug, und die Verlorene ha�te sie h�chstwahrscheinlich grenzenlos. Was drinnen geschah, war nicht real, nicht einmal so real wie in <emphasis>Tel'aran'rhiod,</emphasis> aber man erinnerte sich daran, als w�re es so. Eine Nacht in Moghediens Gewalt w�re ein Alptraum gewesen, den sie wahrscheinlich den Rest ihres Lebens jedes Mal neu erlebt h�tte, wenn sie schlafen gegangen w�re. Und im Wachzustand vielleicht ebenso.</p><p>Eine weitere Umrandung. Was war das? Eine dunkle, k�niglich sch�ne Frau mit einer perlenbesetzten Haube und einem Gewand mit Spitzenhalskrause schritt aus den Schatten und verschwand wieder. Eine tr�umende Tairenerin, eine hohe Dame oder jemand, der eine zu sein tr�umte. Vielleicht war sie im Wachzustand eine einfache, rundliche Frau, eine B�uerin oder H�ndlerin.</p><p>Sie h�tte besser Logain anstatt Moghedien ausspionieren sollen. Sie w�rde zwar auch nicht wissen, wo <emphasis>er</emphasis> sich befand, aber sie bek�me vielleicht eine Ahnung von seinen Pl�nen. Nat�rlich w�re es nicht wesentlich erfreulicher gewesen, in seine Tr�ume hineingezogen zu werden als in Moghediens. Er ha�te alle Aes Sedai. Es war notwendig gewesen, seine Flucht einzuf�deln. Sie hoffte nur, der Preis w�rde nicht zu hoch sein. Vergi� Logain. Moghedien war die Gefahr, Moghedien, die sie vielleicht sogar hier -besonders hier - verfolgen k�nnte, Moghedien, die...</p><p>Sie bemerkte pl�tzlich, wie schwerf�llig sie sich bewegte und stie� einen ver�rgerten Laut aus, fast ein St�hnen. Das wundersch�ne Gewand war zu einer vollst�ndigen Kettenpanzer-R�stung geworden, wie sie Gareth Brynes schwere Kavallerie trug. Es f�hlte sich so an, als ruhte ein Helm ohne Visier mit einer Spitze in der Form der Flamme von Tar Valon auf ihrem Kopf. Es war sehr �rgerlich. Sie mochte diese Art Kontrollverlust nicht.</p><p>Sie verwandelte die R�stung entschlossen zu dem, was sie bei ihren fr�heren Treffen mit den Weisen Frauen getragen hatte. Es war einfach eine Willenssache. Jetzt trug sie einen dunklen Tuchrock und eine lockere wei�e <emphasis>Algodebluse</emphasis> - genau wie diejenigen, die sie getragen hatte, w�hrend sie bei ihnen gelernt hatte - mit einem tief dunkelgr�nen, fast schwarzen, mit Fransen versehenen Schal und einem gefalteten Kopftuch, das ihr schwarzes Haar zur�ckhielt. Nat�rlich ahmte sie nicht ihren Schmuck nach, die vielen Halsketten und Armb�nder, denn daf�r h�tten sie sie ausgelacht. Eine Frau erweiterte ihre Schmucksammlung �ber die Jahre und nicht im Handumdrehen in einem Traum.</p><p>�Logain ist auf dem Weg zur Schwarzen Burg�, sagte sie laut. Sie hoffte gewi�, da� dem so sei. Zumindest w�re er dann wieder etwas besser unter Kontrolle - zumindest hoffte sie auch das -, und wenn er gefangengenommen und wieder ged�mpft wurde, konnte Rand keiner Schwester vorwerfen, ihr zu folgen. �Und Moghedien kann nicht wissen, wo ich bin.� Sie versuchte, es wie eine Gewi�heit klingen zu lassen.</p><p>�Warum solltet Ihr die Schattenbeseelten f�rchten?� fragte eine Stimme hinter ihr, und Egwene schrak zusammen. Da dies <emphasis>Tel'aran'rhiod</emphasis> und sie eine Traumg�ngerin war, befand sie sich bereits mehr als ihre K�rpergr��e hoch �ber dem Boden, bevor sie wieder zu sich kam. O <emphasis>ja,</emphasis> dachte sie, w�hrend sie schwebte, <emphasis>ich bin weit �ber Anf�ngerfehler hinausgelangt.</emphasis> Wenn dies so weiterging, w�rde sie als n�chstes noch zusammenzucken, wenn Chesa ihr einen guten Morgen w�nschte.</p><p>Sie hoffte, da� sie nicht zu stark err�tete, w�hrend sie sich langsam wieder herabsinken lie�. Vielleicht konnte sie einen Rest W�rde bewahren.</p><p>Bairs betagtes Gesicht hatte m�glicherweise durch das fast bis zu ihren Ohren reichende Grinsen mehr Falten als �blich. Anders als die beiden anderen Frauen, die bei ihr waren, konnte sie die Macht lenken, aber das hatte nichts mit dem Traumgehen zu tun. Sie war genauso begabt wie alle anderen und auf manchen Gebieten noch begabter. Amys l�chelte ebenfalls, wenn auch nicht so breit, aber die blonde Melaine warf den Kopf zur�ck und br�llte vor Lachen.</p><p>�Ich habe niemals jemanden gesehen...�, brachte Melaine m�hsam hervor. �Wie ein Kaninchen.� Sie vollf�hrte einen kleinen Sprung und stieg damit einen vollen Schritt in die Luft.</p><p>�Ich habe Moghedien vor kurzem ziemlich verletzt.� Egwene war recht stolz auf ihre Haltung. Sie mochte Melaine - die Frau war jetzt weitaus weniger schwierig als zu der Zeit, bevor sie schwanger gewesen war, tats�chlich mit Zwillingen -, aber in diesem Moment h�tte Egwene sie mit Vergn�gen erw�rgt. �Einige Freunde und ich haben ihren Stolz, wenn nicht mehr, verletzt. Ich glaube, sie w�rde die M�glichkeit begr��en, es mir heimzuzahlen.� Sie wechselte erneut ihre Kleidung, zu einer Art Reitgewand in gl�nzendem Gr�n, das sie jetzt jeden Tag trug. Der Gro�e Schlangenring umgab golden ihren Finger. Sie konnte ihnen nicht alles sagen, aber diese Frauen waren auch Freundinnen und verdienten, das N�tige zu wissen.</p><p>�Verletzter Stolz bleibt l�nger in Erinnerung als Verletzungen des K�rpers.� Bairs Stimme klang d�nn und hoch, aber stark - ein eisernes Schilfrohr.</p><p>�Erz�hlt uns davon�, sagte Melaine mit eifrigem L�cheln. �Wie habt Ihr sie besch�mt?� Bairs Stimme klang genauso begeistert. In einem grausamen Land lernte man entweder, �ber Grausamkeit zu lachen, oder man verbrachte sein ganzes Leben mit Weinen. Im Dreifaltigen Land hatten die Aiel schon lange lachen gelernt. Au�erdem wurde das Besch�men eines Feindes als Kunst angesehen.</p><p>Amys betrachtete einen Moment Egwenes neue Kleidung. �Ich denke, das kann warten. Ihr sagtet, wir m��ten reden.� Sie deutete auf die Stelle, an der sich die Weisen Frauen gern unterhielten, auf der freien Fl�che unter der gewaltigen Kuppel mitten im Raum.</p><p>Warum sie diesen Platz w�hlten, war ein weiteres Geheimnis, das Egwene nicht entr�tseln konnte. Die drei Frauen lie�en sich mit gekreuzten Beinen nieder und breiteten ihre R�cke ordentlich aus, nur wenige Schritte von etwas entfernt, das wie ein Schwert aus schimmerndem Kristall aussah und mit dem Heft nach oben aus der Stelle im Boden herausragte, in die es hineingetrieben worden war. Sie achteten jedoch nicht mehr darauf - es wurde in ihren Prophezeiungen nicht erw�hnt - als auf die Menschen, die in dem gro�en Raum blitzartig auftauchten, denn sie kamen stets hierher.</p><p>Das sagenhafte <emphasis>Callandor</emphasis> w�rde, trotz seiner Erscheinungsform, tats�chlich wie ein Schwert zu handhaben sein, aber es war in Wahrheit ein m�nnliches <emphasis>Sa'angreal,</emphasis> eines der m�chtigsten, die im Zeitalter der Legenden jemals geschaffen worden waren. Egwene erschauderte leicht, als sie an m�nnliche <emphasis>Sa'angreale</emphasis> dachte. Es war anders gewesen, als nur Rand dagewesen war. Und nat�rlich die Verlorenen. Aber jetzt waren da auch diese <emphasis>Asha'man.</emphasis> Mit <emphasis>Callandor</emphasis> konnte ein Mann genug der Einen Macht in sich aufnehmen, um eine Stadt w�hrend eines Herzschlags dem Erdboden gleichzumachen und auf Meilen alles zu verw�sten. Sie machte einen gro�en Bogen darum und nahm ihre R�cke mechanisch zur Seite. Rand hatte <emphasis>Callandor</emphasis> in Erf�llung der Prophezeiungen aus dem Herzen des Steins gezogen und dann aus seinen eigenen Gr�nden wieder zur�ckgebracht. Er hatte es zur�ckgebracht und es rundum mit aus <emphasis>Saidin</emphasis> gewobenen Fallen versehen, die ebenfalls ihr Spiegelbild h�tten, eines, das vielleicht genauso entschieden ausgel�st w�rde wie das Original, wenn in der N�he falsche Gewebe ausprobiert w�rden. Einige Dinge waren in <emphasis>Tel'aran'rhiod</emphasis> nur allzu real.</p><p>Egwene versuchte, nicht an <emphasis>das Schwert, das kein Schwert ist zu</emphasis> denken und stellte sich vor die drei Weisen Frauen. Diese befestigten die Stolen um ihre Taillen und schn�rten ihre Blusen auf. So sa�en Aiel in ihren Zelten unter einer hei�en Sonne mit Freunden zusammen. Sie setzte sich nicht hin, und wenn sie das wie eine Bittstellerin oder Angeklagte erscheinen lie�, dann sollte es so sein. Im Herzen war sie es in gewisser Weise. �Ich habe Euch nicht gesagt, warum ich von Euch fortberufen wurde, und Ihr habt nicht danach gefragt.�</p><p>�Ihr werdet es uns erz�hlen, wenn Ihr dazu bereit seid�, sagte Amys selbstgef�llig. Obwohl ihr das Haar, das ebenso wei� war wie Bairs, bis auf die Taille reichte, wirkte sie als w�re sie im gleichen Alter wie Melaine - ihr Haar hatte sich zu verf�rben begonnen, als sie nur wenig �lter als Egwene gewesen war -, aber sie war die Anf�hrerin unter den dreien, nicht Bair. Egwene fragte sich zum ersten Mal, wie alt sie tats�chlich war. Aber diese Frage stellte man einer Weisen Frau genauso wenig wie einer Aes Sedai.</p><p>�Als ich Euch verlie�, war ich eine der Aufgenommenen. Ihr wi�t von der Spaltung der Burg.� Bair sch�ttelte den Kopf und verzog das Gesicht. Sie wu�te, aber sie verstand nicht. Keine von ihnen verstand. F�r Aiel war dies genauso unvorstellbar, als w�rde sich eine Clan oder Kriegergemeinschaft zu ihrem eigenen Schaden spalten. Vielleicht bedeutete es in ihren Augen auch eine Best�tigung, da� Aes Sedai nicht das waren, was sie sein sollten. Egwene fuhr fort, �berrascht, da� ihre Stimme gesammelt und fest klang. �Die Schwestern, die Elaida bek�mpfen, haben mich zu ihrer Amyrlin erhoben. Wenn Elaida gest�rzt ist, werde ich den Amyrlin-Sitz in der Wei�en Burg einnehmen.� Sie legte sich die gestreifte Stola um und wartete ab. Sie hatte sie einst belogen, unter dem <emphasis>Ji'e'toh</emphasis> ein ernstes Vergehen, und war sich nicht sicher, wie sie auf die von ihr verheimlichte Wahrheit reagieren w�rden. Wenn sie es ihr zumindest nur glaubten. Sie sahen sie lediglich an.</p><p>�Es gibt etwas, was Kinder tun�, sagte Melaine nach einiger Zeit z�gernd. Die Schwangerschaft war ihr noch nicht anzusehen, aber sie zeigte bereits dieses innere Strahlen, das sie noch sch�ner als sonst erscheinen lie�, sowie eine unersch�tterliche Ruhe. �Kinder wollen alle Speere handhaben, und sie wollen alle Clanh�uptling sein, aber schlie�lich erkennen sie, da� der Clanh�uptling die Speere nur selten selbst f�hrt. Also erfinden sie eine Figur und erheben sie auf ein Podest.� Auf einer Seite w�lbte sich der Boden pl�tzlich, bestand nicht mehr aus Fliesen, sondern war ein Grat aus von der Sonne ausged�rrtem braunen Fels. Darauf stand eine vage an einen Menschen erinnernde Gestalt aus gebogenen Zweigen und Stoffetzen. �Dies ist der Clanh�uptling, der ihnen von dem H�gel aus, von wo er die Schlacht beobachten kann, die Speere zu f�hren befiehlt. Aber die Kinder laufen, wohin sie wollen, denn ihr Clanh�uptling ist nur eine Gestalt aus St�cken und Lumpen.� Wind peitschte die Stoffstreifen und enth�llte so die Falschheit der Gestalt, und dann waren H�gelkamm und Gestalt fort.</p><p>Egwene atmete tief ein. Nat�rlich. Sie hatte ihre L�ge, dem <emphasis>Ji'e'toh</emphasis> gem��, selbstgew�hlt wiedergutgemacht, und das bedeutete, da� es so war, als w�re die L�ge niemals ausgesprochen worden. Sie h�tte es besser wissen sollen. Sie hatten ihre Situation so genau erfa�t, als bef�nden sie sich schon wochenlang im Lager der Aes Sedai. Bair schaute zu Boden, wollte nicht Zeuge ihrer Scham sein. Amys sa� mit in die Hand gest�tztem Kinn da, und ihre durchdringenden blauen Augen versuchten, bis in ihr Herz zu blicken.</p><p>�Einige sehen mich so.� Sie atmete erneut tief ein und stie� dann die Wahrheit hervor. �Alle bis auf eine Handvoll sehen mich so. Jetzt. Wenn unser Kampf beendet ist, werden sie erkennen, da� ich <emphasis>tats�chlich</emphasis> ihr H�uptling bin, und sie werden tun, was <emphasis>ich</emphasis> sage.�</p><p>�Kommt zu uns zur�ck�, sagte Bair. �Ihr habt zuviel Ehre f�r diese Frauen. Sorilea l��t bereits ein Dutzend junge M�nner f�r Euch suchen, die Ihr Euch im Schwitzzelt ansehen sollt. Sie versp�rt den starken Wunsch, Euch einen Brautkranz winden zu sehen.�</p><p>�Ich hoffe, sie wird dort sein, wenn ich heirate, Bair.� Gawyn, wie sie hoffte; sie wu�te von der Deutung ihrer Tr�ume her, da� sie sich mit ihm verbinden w�rde, aber nur die Hoffnung und die Sicherheit der Liebe besagten, da� sie heiraten w�rden. �Ich hoffe, Ihr alle werdet dasein, aber ich habe meine Wahl getroffen.�</p><p>Bair h�tte noch weiter debattiert und Melaine ebenso, aber Amys hob eine Hand, und sie schwiegen, wenn auch ungern. �Ihre Entscheidung beinhaltet viel <emphasis>Ji.</emphasis> Sie wird ihre Feinde ihrem Willen beugen, nicht vor ihnen davonlaufen. Ich w�nsche Euch, da� Ihr Euren Kampf gut f�hrt, Egwene al'Vere.� Amys war eine Tochter des Speers gewesen und dachte auch h�ufig noch so. �Setzt Euch. Setzt Euch.�</p><p>�Sie besitzt ihre eigene Ehre�, sagte Bair, w�hrend sie Amys stirnrunzelnd ansah. �Aber ich habe noch eine andere Frage.� Ihre Augen waren von einem fast w��rigen Blau, aber als sie sich Egwene zuwandte, wirkten sie genauso durchdringend wie Amys'. �Werdet Ihr diese Aes Sedai dazu bringen, vor dem <emphasis>Car'a'carn</emphasis> niederzuknien?�</p><p>Egwene war best�rzt, aber sie z�gerte nicht mit der Antwort. �Das kann ich nicht tun, Bair. Und ich w�rde es auch nicht tun, wenn ich es k�nnte. Unsere Treuezugeh�rigkeit gilt der Burg, den Aes Sedai insgesamt, noch vor den L�ndern, in denen wir geboren wurden.� Das war die Wahrheit, oder sollte es sein, obwohl sie sich fragte, wie die Behauptung in ihren Gedanken mit ihrem und der anderen Aufruhr �bereinstimmte. �Aes Sedai schw�ren nicht einmal der Amyrlin die Treue und sicherlich keinem Mann.</p><p>Das w�re, als w�rde eine von Euch vor einem Clanh�uptling niederknien.� Sie gebrauchte ein �hnliches Bild, wie Melaine es benutzt hatte, indem sie sich auf seine Wirklichkeit konzentrierte. <emphasis>Tel'aran'rhiod</emphasis> war unendlich formbar, wenn man wu�te wie. Jenseits <emphasis>Callandors</emphasis> knieten drei Weise Frauen vor einem Clanh�uptling nieder. Der Mann erinnerte sehr an Rhuarc, und die Frauen waren die drei vor ihr Sitzenden. Sie hielt dieses Bild nur einen Augenblick fest, aber Bair betrachtete es und r�mpfte die Nase. Die Vorstellung war l�cherlich.</p><p>�Vergleicht diese Frauen nicht mit uns.� Melaines gr�ne Augen blitzten fast so heftig wie fr�her, und ihre Stimme klang rasiermesserscharf.</p><p>Egwene schwieg. Die Weisen Frauen schienen die Aes Sedai zu verachten, oder vielleicht sollte man besser sagen: Sie sch�tzten sie gering. Sie glaubten, sie k�nnten die Prophezeiungen, die sie mit den Aes Sedai verbanden, tats�chlich zur�ckweisen. Bevor Egwene vom Saal gerufen worden war, um zur Amyrlin erhoben zu werden, hatten sich Sheriam und ihr Kreis regelm��ig mit diesen drei Frauen getroffen, aber das hatte ebenso aus dem Grund aufgeh�rt, da� die Weisen Frauen sich weigerten, ihre Verachtung zu verbergen, wie aus dem Grund, <emphasis>da�</emphasis> Egwene schlie�lich berufen worden war. In <emphasis>Tel'aran'rhiod</emphasis> konnte eine Auseinandersetzung mit jemandem, der den Ort besser kannte, im �u�ersten Falle t�dlich enden. Selbst zu Egwene hielten sie jetzt Abstand, und gewisse Angelegenheiten w�rden sie nicht besprechen - wie zum Beispiel, was immer sie �ber Rands Pl�ne wu�ten. Vorher hatte sie zu ihnen geh�rt, als eine Sch�lerin des Traumgehens. Jetzt war sie eine Aes Sedai, schon bevor sie erfuhren, was sie ihnen gerade erz�hlt hatte.</p><p>�Egwene al'Vere wird tun, was sie tun mu߫, sagte Amys. Melaine sah sie lange an und richtete Wichtigtuerisch ihre Stola, wobei mehrere lange Halsketten aus Elfenbein und Gold klimperten, aber sie schwieg. Amys schien noch mehr die Anf�hrerin als zuvor. Die einzige Weise Frau, bei der Egwene jemals erlebt hatte, da� sie andere Weise Frauen auch so leicht dazu bringen konnte, ihr nachzugeben, war Sorilea.</p><p>Bair hatte Tee vor sich heraufbeschworen, wie es vielleicht in den Zelten angebracht gewesen w�re, eine goldene, mit L�wen verzierte Teekanne aus einem fernen Land, ein mit schnurartigen Verzierungen versehenes Silbertablett aus einem anderen Land und kleine gr�ne Becher aus erlesenem MeervolkPorzellan. Der Tee schmeckte nat�rlich real, und man hatte tats�chlich das Gef�hl, ihn hinunterzuschlucken. Egwene erkannte den Tee, trotz eines vagen Geschmacks nach s��en Beeren oder Kr�utern, nicht - er war f�r ihr Empfinden zu bitter. Sie stellte sich ein wenig Honig darin vor und nahm einen weiteren Schluck. Zu s��. Ein Hauch weniger Honig. Jetzt schmeckte er richtig. Das war etwas, was man mit der Einen Macht nicht bewerkstelligen konnte. Egwene bezweifelte, da� irgend jemand so feine Str�nge <emphasis>Saidars</emphasis> weben konnte, da� man damit Honig aus dem Tee entfernen konnte.</p><p>Sie sa� einen Moment nur da, schaute in ihren Becher und dachte �ber Honig und Tee und feine Str�nge <emphasis>Saidars</emphasis> nach, aber nicht das lie� sie schweigen. Die Weisen Frauen wollten Rand genauso g�ngeln wie Elaida oder Romanda oder Lelaine oder sehr wahrscheinlich jede andere Aes Sedai. Sie wollten den <emphasis>Car'a'carn</emphasis> nat�rlich nur auf die f�r die Aiel beste Art anleiten, aber jene Schwestern wollten den Wiedergeborenen Drachen auf etwas hinf�hren, was ihrer Meinung nach f�r die Welt das beste war. Sie schonte sich nicht. Rand zu helfen, ihn davor zu bewahren, einen nicht wiedergutzumachenden Streit mit Aes Sedai einzugehen, bedeutete auch, ihn anzuleiten. <emphasis>Nur da� ich recht habe,</emphasis> erinnerte sie sich. <emphasis>Was auch immer ich tue, ist genauso sehr zu seinem Nutzen wie zum Nutzen aller anderen. Niemand sonst denkt jemals dar�ber nach, was f�r ihn richtig ist.</emphasis> Aber sie sollte besser daran denken, da� diese Frauen mehr als lediglich ihre Freundinnen und Anh�nger des <emphasis>Car'a'carn</emphasis> waren. Sie lernte allm�hlich, da� niemand jemals nur irgend etwas war.</p><p>�Ich glaube nicht, da� Ihr uns nur sagen wolltet, da� Ihr jetzt ein weiblicher H�uptling unter den Feuchtl�ndern seid�, sagte Amys �ber ihren Teebecher hinweg. �Was beunruhigt Euch, Egwene al'Vere?�</p><p>�Mich beunruhigt was mich stets beunruhigt.� Sie l�chelte, um die Stimmung aufzulockern. �Manchmal denke ich, da� Rand mir vorzeitig graue Haare bescheren wird.�</p><p>�Ohne die M�nner h�tte keine Frau graue Haare.� Das w�re von Melaine normalerweise als Scherz gemeint gewesen, und dann h�tte Bair ebenfalls einen Scherz �ber Melaines tiefgr�ndiges Wissen �ber M�nner gemacht, das sie in nur wenigen Monaten Ehe erlangt hatte. Aber jetzt war es nicht so. Alle drei Frauen beobachteten Egwene einfach nur und warteten ab.</p><p>Sie wollten also ernst sein. Nun, Rand war eine ernste Angelegenheit. Sie w�nschte nur, sie k�nnte sicher sein, da� sie alles genauso beurteilten wie sie. Egwene balancierte ihren Teebecher auf den Fingerspitzen und erz�hlte ihnen alles. Von Rand ohnehin und von ihren �ngsten, seit sie von dem Schweigen aus Caemlyn erfahren hatte. �Ich wei� nicht, was er getan hat - oder was Merana getan hat. Jeder sagt mir, wie erfahren sie sei, aber sie hat noch nicht mit Menschen wie ihm zu tun gehabt. Wenn es um Aes Sedai geht - w�rdet Ihr diesen Becher auf einer Wiese verstecken, w�rde es ihm dennoch gelingen, innerhalb von drei Schritten hineinzutreten. Ich wei�, da� ich es besser machen k�nnte als Merana, aber...�</p><p>�Ihr k�nntet zur�ckkehren�, schlug Bair erneut vor, doch Egwene sch�ttelte entschlossen den Kopf.</p><p>�Ich kann dort, wo ich bin, mehr tun - als Amyrlin. Aber es gibt auch f�r den Amyrlin-Sitz Regeln.� Sie verzog einen Moment den Mund. Sie gab es nicht gern <emphasis>zu,</emphasis> besonders nicht diesen Frauen gegen�ber. �Ich kann ihn ohne die Erlaubnis des Saals nicht einmal besuchen. Ich bin jetzt eine Aes Sedai, und ich mu� unseren Gesetzen gehorchen.� Es klang heftiger, als sie beabsichtigt hatte. Es war ein t�richtes Gesetz, aber sie hatte noch keine M�glichkeit gefunden, es zu umgehen. Zudem blieben ihre Gesichter so ausdruckslos, da� sie ohne Zweifel innerlich ungl�ubig kicherten. Nicht einmal ein Clanh�uptling hatte das Recht zu sagen, wann oder wohin eine Weise Frau gehen sollte.</p><p>Die drei Frauen wechselten lange Blicke. Dann stellte Amys ihren Teebecher ab. �Merana Ambrey und andere Aes Sedai folgen dem <emphasis>Car'a'carn</emphasis> zur Stadt der Baumm�rder. Ihr braucht nicht zu bef�rchten, da� er sie falsch behandelt oder umgekehrt. Wir werden feststellen, da� es keine Schwierigkeiten zwischen ihm und irgend einer Aes Sedai gibt.�</p><p>�Das klingt kaum nach Rand�, sagte Egwene zweifelnd. Also hatte Sheriam wegen Merana recht gehabt. Aber warum blieb sie noch immer stumm?</p><p>Bair lachte vergn�gt. �Die meisten Eltern haben mehr Probleme mit ihren Kindern als <emphasis>der Car'a'carn</emphasis> mit den Frauen, die mit Merana Ambrey kamen.�</p><p>�Solange er nicht das Kind ist�, sagte Egwene kichernd, erleichtert, da� jemand �ber etwas belustigt war. So wie diese Frauen Aes Sedai gegen�ber empfanden, h�tten sie sich die Haare gerauft, wenn sie geglaubt h�tten, da� irgendeine Schwester Einflu� auf Rand gew�nne. Andererseits mu�te Merana einigen Einflu� gewinnen, sonst k�nnte sie genausogut aufgeben. �Aber Merana h�tte berichten sollen. Ich verstehe nicht, warum sie es nicht getan hat. Seid Ihr sicher, da� es keine...?� Sie wu�te nicht, wie sie ihren Satz beenden sollte. Rand h�tte Merana in keiner Weise davon abhalten k�nnen, eine Taube loszuschicken.</p><p>�Vielleicht hat sie einen Boten zu Pferde gesandt.� Amys verzog leicht das Gesicht. Ihr widerstrebte das Reiten genauso sehr wie jeder anderen Aiel. Die eigenen Beine gen�gten. �Sie hat keinen der V�gel geschickt, die die Feuchtl�nder benutzen.�</p><p>�Das war t�richt von ihr�, murmelte Egwene. <emphasis>T�richt</emphasis> traf es nicht einmal ann�hernd. Meranas Tr�ume w�rden abgeschirmt sein, so da� kein Versuch m�glich war, dort mit ihr zu sprechen, selbst wenn sie gefunden werden k�nnten. Licht, es war �rgerlich! Sie beugte sich angespannt vor. �Amys, versprecht mir, da� Ihr nicht versuchen werdet, ihn davon abzuhalten, mit ihr zu sprechen, oder sie so sehr zu ver�rgern, da� sie etwas T�richtes tut.� Sie waren sehr wohl in der Lage dazu. Sie hatten das Erz�rnen von Aes Sedai zu einem Talent perfektioniert. �Sie soll ihn nur davon �berzeugen, da� wir ihm nicht schaden wollen. Ich bef�rchte, da� Elaida irgendeine h��liche �berraschung bereit hat, aber wir nicht.� Sie w�rde daf�r sorgen, falls jemand anderer Ansicht war. Irgendwie w�rde sie es tun. �Versprecht Ihr es mir?� Sie wechselten ausdruckslose Blicke. Der Gedanke, eine Schwester ungehindert in Rands N�he zu lassen, konnte ihnen nicht gefallen. Eine von ihnen w�rde es zweifellos einrichten, anwesend zu sein, wann immer Merana es war, aber sie konnte damit leben, solange sie sie nicht zu stark behinderten.</p><p>�Ich verspreche es, Egwene al'Vere�, sagte Amys schlie�lich mit vollkommen tonloser Stimme.</p><p>Sie war wahrscheinlich gekr�nkt, weil Egwene ihr Versprechen f�r n�tig gehalten hatte, aber Egwene f�hlte sich, als w�re ein Gewicht von ihr genommen worden. Zwei Gewichte. Rand und Merana w�rden einander nicht an die Kehle gehen, und Merana bek�me eine Gelegenheit, ihre Mission zu erf�llen. �Ich wu�te, da� ich von Euch die unverbl�mte Wahrheit h�ren w�rde, Amys. Ich kann Euch nicht sagen, wie froh ich bin, das zu h�ren. Wenn etwas zwischen Rand und Merana falsch liefe... Danke.�</p><p>Sie blinzelte best�rzt. Amys trug einen Moment den <emphasis>Cadin'sor.</emphasis> Sie vollf�hrte auch eine Art kleiner Geste - vielleicht die Zeichensprache der T�chter des Speers. Weder Bair noch Melaine, die ihren Tee tranken, lie�en sich anmerken, ob sie es bemerkt hatten. Amys mu�te sich woandershin gew�nscht haben, fort von dem Wirrwarr, das Rand aus dem Leben aller gemacht hatte. Es w�re f�r eine Traumg�ngerin der Weisen Frauen peinlich und besch�mend, in <emphasis>Tel'aran'rhiod</emphasis> auch nur einen Moment die Selbstbeherrschung zu verlieren. Und Aiel verletzte Scham weitaus mehr als Schmerz, aber es mu�te <emphasis>bezeugte</emphasis> Scham sein. Wenn sie nicht bemerkt wurde, oder jene, die sie erkannten, sich weigerten, sie zu best�tigen, dann konnte sie genausogut niemals aufgetreten sein. Ein seltsames Volk, aber sie wollte Amys sicherlich nicht besch�men. Sie setzte ein unbeteiligtes Gesicht auf und fuhr fort, als sei nichts geschehen.</p><p>�Ich mu� Euch um einen Gefallen bitten. Um einen wichtigen Gefallen. Sagt Rand - oder auch sonst jemandem - nichts von mir. Hier�ber, meine ich.� Sie hob ein Ende ihrer Stola an. Ihre Gesichter lie�en den ruhigsten Ausdruck einer Aes Sedai aufgebracht wirken. �Ich meine nicht, da� Ihr l�gen sollt�, f�gte sie hastig hinzu. Jemanden unter dem <emphasis>Ji'e'toh</emphasis> um eine L�ge zu bitten, war kaum besser, als selbst zu l�gen. �Bringt das Thema einfach nicht zur Sprache. Er hat bereits jemanden geschickt, um mich zu �retten�.� <emphasis>Und wird er nicht w�tend werden, wenn er herausfindet, da� ich Mat mit Nynaeve und Elayne nach Ebou Dar geschickt habe?</emphasis> dachte sie. Sie hatte es jedoch tun m�ssen. �Ich brauche keine Rettung und will sie nicht, aber er denkt, er wei� es besser als jeder andere. Ich f�rchte, er k�nnte mich selbst holen wollen.� Was �ngstigte sie mehr - da� er zornig allein im Lager erscheinen k�nnte, mit ungef�hr dreihundert Aes Sedai um sich herum? Oder da� er mit einigen der Asha'man kommen k�nnte? Es w�re in beiden F�llen eine Katastrophe.</p><p>�Das w�re ... ungl�cklich�, murmelte Melaine, obwohl sie selten untertrieb, und Bair murrte: �Der <emphasis>Car'a'carn</emphasis> ist dickk�pfig, so schlimm wie jeder andere Mann, den ich jemals kennengelernt habe. Und auch einige Frauen.�</p><p>�Wir werden Euer Vertrauen nicht entt�uschen, Egwene al'Vere�, sagte Amys ernst.</p><p>Egwene wunderte sich �ber die schnelle Zustimmung. Aber vielleicht kam sie doch nicht so �berraschend. F�r die Weisen Frauen war der <emphasis>Car'a'carn</emphasis> nur ein weiterer H�uptling, und sie waren gewi� daf�r bekannt, Dinge vor einem H�uptling geheimzuhalten, die er nicht wissen sollte.</p><p>Danach blieb nicht mehr viel zu sagen, obwohl sie noch eine Weile bei weiteren Bechern Tee verharrten. Egwene sehnte sich nach einer Lektion im Traumgehen, konnte aber nicht darum bitten, solange Amys dabei war. Dann w�rde Amys gehen, aber sie w�nschte sich ihre Gesellschaft mehr als das Lernen. Was Rand tats�chlich tat, hatten die Weisen Frauen ihr am ehesten vermittelt, als Melaine murrte, er sollte die Shaido und Sevanna sofort vernichten, woraufhin sowohl Bair als auch Amys sie derma�en stirnrunzelnd ansahen, da� sie zutiefst err�tete. Sevanna war immerhin eine Weise Frau, wie Egwene nur zu gut wu�te. Nicht einmal dem <emphasis>Car'a'carn</emphasis> w�rde es erlaubt sein, auch nur eine Weise Frau der Shaido zu st�ren. Und sie konnte ihnen keine Einzelheiten �ber ihre eigenen Umst�nde mitteilen. Es verminderte die Scham auch nicht, die sie empfinden w�rden, wenn sie dar�ber spr�che, da� sie sofort den peinlichsten Teil ihrer Lage erfa�t hatten - es war sehr schwer, nicht in das Verhalten und die Denkungsart der Aiel zur�ckzufallen, wenn sie mit ihnen zusammen war; diesbez�glich glaubte sie, es w�re vielleicht besch�mend f�r sie gewesen, wenn sie niemals einer Aiel begegnet w�re -, und ihrem einzigen in letzter Zeit ge�u�erten Rat �ber den Umgang mit Aes Sedai w�rde nicht einmal Elaida selbst zu folgen versuchen. Ein Aes Sedai-Aufruhr k�nnte, so unwahrscheinlich es auch klang, einen Erfolg zeitigen. Schlimmer noch - sie dachten bereits ausreichend schlecht �ber die Aes Sedai, ohne da� sie das Feuer noch sch�rte. Eines Tages wollte sie ein Verbindungsglied zwischen den Weisen Frauen und der Wei�en Burg schmieden, aber das w�rde erst geschehen, wenn es ihr gelang, dieses Feuer niederzuschlagen. Aiel waren manchmal sehr empfindlich. Aber sie akzeptierten ihre Meinung, ohne gekr�nkt zu sein.</p><p>�Ich denke, wenn die Schattenbeseelten uns bedrohen wollten�, sagte Melaine, �dann h�tten sie es inzwischen getan. Vielleicht erachten sie uns nicht als eine Gefahr f�r sie.�</p><p>�Wir haben diejenigen fl�chtig gesehen, die Traumg�nger sein m�ssen - sogar M�nner.� Bair sch�ttelte ungl�ubig den Kopf. Egal, was sie �ber die Verlorenen wu�te - sie hielt m�nnliche Traumg�nger f�r genauso allt�glich wie Schlangen mit Beinen. �Sie gehen uns aus dem Weg. Alle.�</p><p>�Ich denke, wir sind genauso stark wie sie�, f�gte Amys hinzu. Sie und Melaine waren in der Einen Macht nicht st�rker als Theodrin und Faolain - alles andere als schwach und tats�chlich st�rker als die meisten Aes Sedai, wenn auch nicht ann�hernd so stark wie ein Verlorener -, aber in der Welt der Tr�ume war das Wissen <emphasis>Tel'aran'rhiods</emphasis> oft genauso m�chtig wie <emphasis>Saidar</emphasis> und manchmal sogar m�chtiger.</p><p>Hier war Bair jeder anderen Schwester ebenb�rtig. �Aber wir werden aufpassen. Der Feind t�tet dich, den du untersch�tzt.�</p><p>Egwene nahm Amys' und Melaines Hand und h�tte auch Bairs ergriffen, wenn es m�glich gewesen w�re. Statt dessen schlo� sie Bair in ihr L�cheln mit ein. �Ich werde Euch niemals vermitteln k�nnen, was mir Eure Freundschaft bedeutet, was Ihr mir bedeutet.� Das war, trotz allem, die einfache Wahrheit. �Die ganze Welt scheint sich mit jedem Wimpernschlag zu ver�ndern. Ihr drei seid einer der wenigen festen Anhaltspunkte darin.�</p><p>�Die Welt ver�ndert sich tats�chlich�, sagte Amys traurig. �Sogar die Berge werden vom Wind abgetragen, und niemand kann denselben H�gel zweimal erklimmen. Ich hoffe, da� wir f�r Euch immer Freundinnen bleiben werden, Egwene al'Vere. M�gt Ihr stets Wasser und Schatten finden.� Und mit diesen Worten verschwanden sie, kehrten in ihre K�rper zur�ck.</p><p>Egwene stand einige Zeit nur da und betrachtete <emphasis>Callandor</emphasis> stirnrunzelnd, ohne es zu sehen, bis sie sich ver�rgert zur Ordnung rief. Sie hatte �ber dieses endlose Sternenfeld nachgedacht. Wenn sie hier noch lange verweilte, w�rde Gawyns Traum sie erneut finden und sie umschlingen, wie seine Arme es bald danach tun w�rden. Eine erfreuliche Art, die restliche Nacht zu verbringen. Und eine t�richte Zeitverschwendung.</p><p>Sie zwang sich entschlossen zur R�ckkehr in ihren schlafenden K�rper, aber nicht in tiefen Schlaf. Das tat sie nie mehr. Ein Winkel ihres Bewu�tseins blieb stets vollkommen wach, verzeichnete ihre Tr�ume und ordnete diejenigen ein, die die Zukunft voraussagten oder zumindest Hinweise auf ihren m�glichen Verlauf gaben. Soviel konnte sie inzwischen immerhin feststellen, obwohl der einzige Traum, den sie bisher hatte deuten k�nnen, derjenige Traum gewesen war, der besagt hatte, da� Gawyn ihr Beh�ter w�rde. Aes Sedai nannten dies Tr�umen und die Frauen, die es tun konnten, Tr�umerinnen, aber au�er ihr waren alle schon tot, und doch hatte es nicht mehr mit der Einen Macht zu tun als das Traumgehen.</p><p>Vielleicht war es unvermeidlich, da� sie zuerst von Gawyn tr�umte, weil sie an ihn gedacht hatte.</p><p>Sie stand in einem gro�en, tr�be beleuchteten Raum, in dem alles undeutlich war. Alles au�er Gawyn, der langsam auf sie zukam. Ein gro�er, gutaussehender Mann - hatte sie jemals geglaubt, sein Halbbruder Galand s�he besser aus? - mit goldenem Haar und wundervoll tiefblauen Augen. Er hatte noch einige Entfernung zur�ckzulegen, aber er konnte sie sehen. Sein Blick war auf sie gerichtet wie der Blick eines Bogensch�tzen auf sein Ziel. Ein schwach knirschendes und reibendes Ger�usch schwebte in der Luft. Sie schaute hinab und sp�rte, wie sich in ihr ein Schrei aufbaute. Gawyn schritt barfu� �ber einen geborstenen Glasboden und zerbrach mit jedem Schritt weitere Scherben. Sie konnte selbst bei dieser schwachen Beleuchtung sehen, da� seine zerschnittenen F��e eine Blutspur hinterlie�en. Sie streckte eine Hand aus, wollte ihm zurufen stehenzubleiben, versuchte, zu ihm zu laufen, aber sie befand sich im Handumdrehen woanders.</p><p>Sie schwebte, wie in ihren Tr�umen �blich, �ber eine lange gerade Stra�e, die durch eine grasbewachsene Ebene f�hrte, und blickte auf einen Mann auf einem schwarzen Hengst herab. Gawyn. Dann stand sie auf der Stra�e vor ihm, und er verhielt das Pferd. Nicht weil er sie jetzt sah, sondern weil sich die bisher gerade Stra�e nun genau an der Stelle gabelte, an der sie stand, und dann �ber hohe H�gel verlief, so da� man nicht sehen konnte, was jenseits lag. Sie wu�te es jedoch. Der eine Weg f�hrte zu seinem baldigen gewaltsamen Tod und der andere zu einem langen Leben mit einem nat�rlichen Tod. Auf dem einen Weg w�rde er sie heiraten, auf dem anderen nicht. Sie wu�te, was vor ihm lag, aber sie wu�te nicht, welcher Weg wohin f�hrte. Pl�tzlich sah er sie oder schien sie zu sehen, l�chelte und f�hrte sein Pferd dann einen der Wege entlang... Und sie befand sich in einem anderen Traum. Und wieder in einem anderen. Und wieder in einem anderen. Und wieder.</p><p>Nicht alle deuteten auf die Zukunft hin. Tr�ume, in denen sie Gawyn k��te, in denen sie mit ihren Schwestern auf eine Fr�hlingswiese lief, wie sie es als Kinder getan hatten, glitten ebenso vor�ber wie Alptr�ume, in denen Aes Sedai sie mit Ruten durch endlose G�nge jagten, in denen �berall h��liche Wesen in den Schatten lauerten, eine grinsende Nicola sie vor dem Saal blo�stellte und Thom Merrilin als Zeuge auftrat. Sie entlie� jene Tr�ume und verdr�ngte die anderen, um sie sp�ter in der Hoffnung darauf zu �berpr�fen, da� sie vielleicht verstand, was sie bedeuteten.</p><p>Sie stand vor einer gewaltigen Mauer, klammerte sich daran, versuchte, sie mit blo�en H�nden einzurei�en. Die Mauer war nicht aus Ziegeln oder anderem Stein, sondern aus zahllosen Tausenden Scheiben, deren jede zur H�lfte wei� und zur H�lfte schwarz war, das uralte Symbol der Aes Sedai, wie die sieben Siegel, die einst das Gef�ngnis des Dunklen K�nigs verschlossen hielten. Einige jener Siegel waren jetzt gebrochen, obwohl nicht einmal die Eine Macht <emphasis>Cuendillar</emphasis> brechen konnte, und die restlichen waren auf irgendeine Weise schw�cher geworden, aber die Mauer hielt stand, wie sehr sie auch dagegen anging. Sie konnte sie nicht einrei�en. Vielleicht war das Symbol von Bedeutung. Vielleicht versuchte sie, die Aes Sedai niederzuzwingen, die Wei�e Burg einzurei�en. Vielleicht...</p><p>Mat sa� auf einem von der Nacht verh�llten H�gelkamm und beobachtete das Schauspiel eines gro�en Feuerwerkers, und pl�tzlich hob er ruckartig die Hand und ergriff eines jener aufbrechenden Lichter am Himmel. Feuerpfeile schossen aus seiner geschlossenen Faust, und Egwene war von Furcht durchdrungen. Deswegen w�rden Menschen sterben. Die Welt w�rde sich ver�ndern. Aber die Welt ver�nderte sich <emphasis>tats�chlich</emphasis> bereits. Sie ver�nderte sich st�ndig.</p><p>Riemen um Taille und Schultern hielten sie auf dem Block fest, und die Axt des Henkers sank herab, aber sie wu�te, da� irgendwo jemand lief, und wenn er schnell genug lief, w�rde die Axt innehalten. Wenn nicht... Sie versp�rte in jenem Winkel ihres Bewu�tseins ein Schaudern.</p><p>Logain trat lachend �ber etwas auf dem Boden hinweg und stieg auf einen schwarzen Fels. Als Egwene hinabschaute, glaubte sie, es sei Rands K�rper gewesen, �ber den er hinweggetreten war, der mit auf der Brust gekreuzten H�nden auf einer Totenbahre lag, aber als sie sein Gesicht ber�hrte, zerfiel es.</p><p>Ein goldener Falke streckte seine Fl�gel aus und ber�hrte sie, und sie und der Falke waren irgendwie aneinander gebunden. Sie wu�te nur, da� der Falke weiblich war. Ein Mann lag sterbend in einem schmalen Bett, und es war wichtig, da� er nicht starb, aber drau�en wurde ein Scheiterhaufen zur Leichenverbrennung errichtet, und Stimmen erhoben Ges�nge von Freude und Trauer. Ein dunkelh�utiger junger Mann hielt einen Gegenstand in der Hand, der so hell leuchtete, da� sie nicht sehen konnte, was es war.</p><p>Sie kamen immer n�her, und sie �berlegte fieberhaft, versuchte verzweifelt zu verstehen. Sie kam nicht zur Ruhe, aber es mu�te getan werden. Sie w�rde tun, was n�tig war.</p></section><section><title><p>11</p><p>Ein Eid</p></title><p>�Ihr wolltet vor Sonnenaufgang geweckt werden, Mutter.�</p><p>Egwene �ffnete ruckartig die Augen - sie hatte sich selbst kurz darauf aufwecken wollen - und schrak wider Willen vor dem Gesicht �ber ihr zur�ck. Der strenge Ausdruck des von einem Schwei�film �berzogenen Gesichts war kein erfreulicher erster Anblick am Morgen. Meri verhielt sich vollkommen respektvoll, aber sie r�mpfte die Nase und hatte st�ndig die Mundwinkel nach unten gezogen. Ihre dunklen Augen blickten kritisch drein und vermittelten den Eindruck, als habe sie niemals jemanden kennengelernt der auch nur halb so gut war, wie er sein sollte oder wie er zu sein vorgab, und ihre tonlose Stimme verlieh allen Worten eine andere Bedeutung.</p><p>�Ich hoffe, Ihr hattet eine angenehme Nacht, Mutter�, sagte sie, w�hrend ihr Gesichtsausdruck besagte, sie halte Egwene f�r faul. Ihr schwarzes Haar, das in festen Rollen �ber den Ohren aufgesteckt war, schien ihr Gesicht schmerzhaft zu verziehen. Das ungemilderte, triste Dunkelgrau, das sie stets trug, wie sehr sie auch darin schwitzte, trug noch zu dem d�steren Eindruck bei.</p><p>Egwene hatte nicht mehr richtig geschlafen. Sie stand g�hnend von ihrem schmalen Bett auf, putzte sich die Z�hne mit Salz und wusch sich Gesicht und H�nde, w�hrend Meri ihr die Kleidung f�r diesen Tag zurechtlegte und sie dann dr�ngte, sich anzuziehen. �Dr�ngen� war die richtige Bezeichnung.</p><p>�Ich f�rchte, es wird ziepen, Mutter�, murmelte die freudlose Frau, w�hrend sie die B�rste durch Egwenes Haare zog, und Egwene h�tte beinahe erwidert, sie habe ihr Haar nicht absichtlich im Schlaf verwirrt.</p><p>�Ich nehme an, da� wir hier heute einen Ruhetag einlegen, Mutter.� Bleierne Tr�gheit umgab Meris Spiegelbild.</p><p>�Diese Blauschattierung wird Eure Hautfarbe gut hervorheben, Mutter�, sagte sie, w�hrend sie Egwenes Kn�pfe schlo�, wohingegen ihr Gesichtsausdruck Egwene der Eitelkeit bezichtigte.</p><p>Voller Erleichterung dar�ber, da� heute abend Chesa dasein w�rde, legte Egwene sich die Stola um und floh beinahe, bevor die Frau ihre Aufgabe beendet hatte.</p><p>�ber den H�geln im Osten war noch keine Sonne zu sehen. Das Land erhob sich ringsumher zu langgezogenen Gebirgsk�mmen und unregelm��igen H�geln, manche Hunderte Fu� hoch, was h�ufig den Eindruck erweckte, als h�tten gewaltige Finger sie zusammengepre�t. Schatten und Zwielicht �berzogen das in einem der dazwischen liegenden T�ler errichtete Lager, das aber in der niemals wirklich schwindenden Hitze schon erwacht war. Fr�hst�cksd�fte erf�llten die Luft, und Menschen liefen gesch�ftig umher, obwohl sie sich nicht so hastig fortbewegten wie vor dem n�chsten Tagesmarsch. Wei� gekleidete Novizinnen eilten fast im Laufschritt umher, denn eine kluge Novizin f�hrte ihre Aufgaben stets so schnell wie m�glich aus. Beh�ter schienen es nat�rlich niemals eilig zu haben, aber auch die Diener, die den Aes Sedai das Fr�hst�ck brachten, schlenderten heute morgen beinahe - zumindest im Vergleich zu den Novizinnen. Das ganze Lager nutzte die Rast. Ein Klappern und Fl�che, als ein Wagenheber abrutschte, verk�ndeten, da� die Wagenbauer Reparaturen durchf�hrten, und ein fernes H�mmern lie� vermuten, da� Hufschmiede Pferde neu beschlugen. Ein Dutzend Kerzenmacher hatte ihre Gu�formen bereits aufgereiht wie auch die Kessel, in denen die sorgf�ltig gehorteten Kerzenstummel geschmolzen wurden. Weitere gro�e schwarze Kessel standen auf Feuern, um Wasser f�r B�der und die W�sche zu kochen, und M�nner und Frauen h�uften in der N�he Kleidungsst�cke auf. Egwene beachtete alle diese Aktivit�ten kaum.</p><p>Sie war zu der �berzeugung gelangt, da� Meri es nicht absichtlich tat - sie konnte f�r ihr Gesicht nichts. Dennoch war es genauso schlimm, als w�re Romanda ihre Dienerin gewesen. Der Gedanke daran lie� sie laut auflachen. Ein grauhaariger Koch hielt beim Stochern der Kohlen auf einem Eisenherd inne, um sie belustigt anzul�cheln - wenigstens einen Moment.</p><p>Dann erkannte er, da� er den Amyrlin-Sitz anl�chelte, nicht nur einfach irgendeine vorbeigehende junge Frau, und das Grinsen verzerrte sich, w�hrend er sich hastig verbeugte, bevor er sich wieder seiner Arbeit zuwandte.</p><p>Wenn sie Meri fortschickte, w�rde Romanda nur eine neue Spionin besorgen. Und Meri m��te sich erneut m�hsam von Dorf zu Dorf durchschlagen. Egwene richtete ihr Gewand - sie war tats�chlich geflohen, bevor die Frau ganz fertig war - und betastete einen kleinen Leinenbeutel, dessen B�nder an ihrem G�rtel befestigt waren. Sie mu�te ihn nicht an die Nase f�hren, um Rosenbl�tter und eine Kr�utermischung mit k�hlem Duft zu riechen. Sie seufzte. Meri hatte ein Gesicht wie ein Scharfrichter, war zweifellos eine Spionin f�r Romanda und versuchte, ihre Pflichten so gut wie m�glich zu erf�llen. Warum waren diese Dinge niemals einfach?</p><p>W�hrend sie sich dem Zelt n�herte, das sie als Arbeitsraum benutzte - viele nannten es das Studierzimmer der Amyrlin, als sei es ein Raum in der Burg -, wurde der �rger um Meri von einer feierlichen Zufriedenheit ersetzt. Wann immer sie einen Tag rasteten, war Sheriam mit dicken B�ndeln Bittschriften schon vor ihr da. Eine W�scherin, die mit in den Saum ihres Gewandes eingen�htem Schmuck erwischt worden war, flehte um Gnade, oder ein Hufschmied bat um ein Arbeitszeugnis, das er erst verwenden k�nnte, wenn er fortgehen wollte, und wahrscheinlich nicht einmal dann. Eine Geschirrmacherin bat die Amyrlin, darum zu beten, da� sie eine Tochter gebar. Einer von Lord Brynes Soldaten ersuchte um den pers�nlichen Segen der Amyrlin f�r seine Heirat mit einer N�herin. Zudem gab es stets eine Menge Bittschriften von �lteren Novizinnen, die darum baten, Tiana aufsuchen zu d�rfen und zus�tzliche Aufgaben zu bekommen. Jedermann hatte das Recht, die Amyrlin um etwas zu bitten, aber jene, die der Burg dienten, taten dies selten und Novizinnen der Burg niemals. Egwene vermutete, da� Sheriam sich bem�hte, Bittsteller aufzutreiben, um sie besch�ftigt zu halten und sie von Sheriams Angelegenheiten abzulenken, w�hrend sich die Beh�terin der Chroniken um das k�mmerte, was sie f�r wichtig hielt. Egwene dachte, da� sie Sheriam die Bittschriften heute morgen vielleicht zum Fr�hst�ck verspeisen lassen sollte.</p><p>Als sie das Zelt betrat, war Sheriam jedoch nicht da. Egwene h�tte vielleicht nicht �berrascht sein sollen, wenn sie die letzte Nacht bedachte. Aber das Zelt war dennoch nicht leer.</p><p>�Das Licht erleuchte Euch, Mutter�, sagte Theodrin und vollf�hrte einen riefen Hofknicks, der die braunen Fransen ihrer Stola zum Schwingen brachte. Sie besa� die ber�hmte Domani-Anmut, obwohl ihr hochgeschlossenes Gewand wirklich recht bescheiden war. Aber Domani-Frauen waren nicht f�r Bescheidenheit bekannt. �Wir haben Eure Befehle befolgt, aber niemand hat gestern abend jemanden in der N�he von Marigans Zelt gesehen.�</p><p>�Einige der M�nner erinnern sich, Halima gesehen zu haben�, f�gte Faolain m�rrisch an, w�hrend sie sich weitaus knapper verbeugte, �aber abgesehen davon erinnern sie sich kaum daran, ob sie �berhaupt schlafen gegangen sind.� Viele Frauen waren gegen Delanas Schriftf�hrerin eingestellt, aber erst ihre n�chste Bemerkung lie� Faolains Gesicht sich verd�stern. �Wir begegneten Tiana, als wir uns umh�rten. Sie befahl uns, schleunigst zu Bett zu gehen.� Sie strich unbewu�t �ber die blauen Fransen ihrer Stola. Siuan behauptete, neu ernannte Aes Sedai tr�gen ihre Stolen h�ufiger als notwendig.</p><p>Egwene g�nnte ihnen ein, wie sie hoffte, freundliches L�cheln und nahm dann ihren Platz hinter dem kleinen Tisch ein. Sie tat dies vorsichtig, da sich der Stuhl einen Moment neigte, bis sie hinabgriff und ein Stuhlbein gerade zog. Der Rand eines gefalteten Pergaments lugte unter dem steinernen Tintenfa� hervor. Ihre H�nde zuckten in die Richtung, aber sie zwang sie zur Ruhe. Zu viele Schwestern hielten H�flichkeit f�r unn�tig. Sie w�rde nicht dazu geh�ren. Au�erdem hatten diese beiden ein Anrecht auf sie.</p><p>�Es tut mir leid, da� Ihr Probleme habt, Tochter.� Sie waren durch Egwenes nach ihrer Ernennung zum Amyrlin-Sitz verk�ndeten Erla� zu Aes Sedai erhoben worden und befanden sich in der gleichen mi�lichen Lage wie sie selbst, ohne den zus�tzlichen Schutz der Stola der Amyrlin zu haben, als wie gering sich dieser auch erwiesen hatte. Die meisten Schwestern verhielten sich, als w�ren sie noch immer nur Aufgenommene. Was innerhalb der Ajahs vor sich ging, gelangte nur selten nach drau�en, aber es hie�, da� sie wahrhaftig um Zutritt hatten bitten m�ssen und da� W�chter bestimmt worden waren, ihr Verhalten zu �berpr�fen. Niemand hatte jemals etwas Derartiges geh�rt, aber alle nahmen es als gegeben. Sie hatte ihnen keinen Gefallen erwiesen. Aber auch dies war notwendig gewesen. �Ich werde mit Tiana sprechen.� Vielleicht n�tzte es etwas. Einen Tag oder eine Stunde lang.</p><p>�Danke, Mutter�, sagte Theodrin, �aber bem�ht Euch nicht.� Sie ber�hrte ebenfalls ihre Stola und lie� die H�nde darauf ruhen. �Tiana wollte wissen, warum wir so sp�t noch auf waren�, f�gte sie kurz darauf hinzu. �Aber wir haben es ihr nicht gesagt.�</p><p>�Es brauchte nicht geheimgehalten werden, Tochter.� Aber es war bedauerlich, da� sie keinen Zeugen gefunden hatten. Moghediens Retter w�rde ein fl�chtiger Schatten bleiben - immer von der furchteinfl��endsten Art. Sie betrachtete den Rand des Pergaments, wollte es so gern lesen. Vielleicht hatte Siuan etwas herausgefunden. �Ich danke Euch beiden.� Theodrin erkannte die Entlassung und machte sich bereit zu gehen, aber Faolain blieb sitzen.</p><p>�Ich w�nschte, ich h�tte die Eidesrute bereits gehalten�, erkl�rte Faolain entt�uscht, �damit Ihr w��tet, da� ich die Wahrheit sage.�</p><p>�Jetzt ist nicht der richtige Zeitpunkt, die Amyrlin noch weiter zu st�ren�, begann Theodrin, faltete die H�nde und wandte ihre Aufmerksamkeit Egwene zu.</p><p>Ihr geduldiger Gesichtsausdruck ver�nderte sich geringf�gig. Sie war im Gebrauch der Macht eindeutig die St�rkere der beiden und f�hrte sie stets an, aber dieses Mal war sie bereit zur�ckzustehen. Warum? fragte sich Egwene.</p><p>�Nicht die Eidesrute macht eine Frau zur Aes Sedai, Tochter.� Was auch immer einige glaubten. �Sagt mir die Wahrheit, und ich werde sie glauben.�</p><p>�Ich mag Euch nicht.� Faolains dichte dunkle Lokken schwangen, als sie nachdr�cklich den Kopf sch�ttelte. �Das solltet Ihr wissen. Ihr hieltet mich wahrscheinlich f�r boshaft, als Ihr noch eine Novizin wart und zur Wei�en Burg zur�ckkamt, nachdem Ihr davongelaufen wart, aber ich glaube noch immer, da� Ihr nicht halb so streng bestraft worden seid, wie es h�tte geschehen sollen. Vielleicht wird mein Eingest�ndnis helfen, da� Ihr mir glaubt Es ist nicht so, da� wir auch jetzt keine andere Wahl h�tten. Romanda hat uns ihren Schutz angeboten, und Lelaine ebenfalls. Sie sagten, sie w�rden daf�r sorgen, da� wir gepr�ft und angemessen erhoben w�rden, sobald wir zur Burg zur�ckkehren.� Ihr Gesichtsausdruck verd�sterte sich, und Theodrin verdrehte die Augen und schaltete sich ein.</p><p>�Mutter, was Faolain auf ihre umst�ndliche Art sagen will, ist, da� wir uns Euch nicht angeschlossen haben, weil wir keine andere Wahl gehabt h�tten. Und wir haben es auch nicht aus Dankbarkeit f�r die Stola getan.� Sie sch�rzte die Lippen, als glaubte sie, da� ihre Erhebung zur Aes Sedai auf Egwenes Art nicht wirklich ein Geschenk war, das gro�e Dankbarkeit bewirken sollte.</p><p>�Warum dann?� fragte Egwene und lehnte sich zur�ck. Der Stuhl verschob sich, hielt aber stand.</p><p>Faolain ergriff das Wort, bevor Theodrin auch nur den Mund �ffnen konnte. �Weil Ihr der Amyrlin-Sitz seid.� Sie klang noch immer ver�rgert. �Wir erkennen, was vor sich geht. Einige der Schwestern glauben, Ihr w�rt Sheriams Marionette, aber die meisten denken, Romanda oder Lelaine sagten Euch, wann Ihr wohin gehen sollt. Es ist nicht richtig.� Sie runzelte die Stirn. �Ich habe die Burg verlassen, weil Elaida falsch gehandelt hat. Dann hat man Euch zur Amyrlin erhoben. Also geh�re ich zu Euch, wenn Ihr mich haben wollt und Ihr mir ohne die Eidesrute vertrauen k�nnt. Ihr m��t mir glauben.�</p><p>�Und Ihr, Theodrin?� fragte Egwene schnell und mit unbewegtem Gesicht. Es war schlimm genug zu wissen, wie die Schwestern empfanden, aber es zu h�ren, war ... schmerzlich.</p><p>�Ich geh�re auch zu Euch�, antwortete Theodrin seufzend, �wenn Ihr mich haben wollt.� Sie spreizte ver�chtlich die H�nde. �Ich wei�, wir sind nicht viele, aber es sieht so aus, als w�ren wir die einzigen, die Ihr habt. Ich mu� zugeben, da� ich z�gerlich war, Mutter. Faolain bestand darauf, da� wir dies tun. Offen gesagt...� Sie richtete unn�tigerweise erneut ihre Stola, und ihre Stimme wurde fester. �Offen gesagt, kann ich nicht erkennen, wie Ihr gegen Romanda und Lelaine obsiegen wollt. Aber wir versuchen, uns wie Aes Sedai zu verhalten, auch wenn wir es noch nicht wirklich sind. Wir werden es auch nicht sein, Mutter, was immer Ihr sagt, bis die anderen Schwestern uns als Aes Sedai anerkennen, und das wird erst geschehen, wenn wir gepr�ft wurden und die Drei Eide geleistet haben.�</p><p>Egwene zog das gefaltete Pergament unter dem Tintenfa� hervor und betastete es, w�hrend sie nachdachte. Faolain war die treibende Kraft hinter alledem? Das schien genauso unwahrscheinlich wie ein sich mit einer Schafherde anfreundender Wolf �Abneigung� war ein milder Ausdruck f�r das, was Faolain f�r sie empfunden hatte, und die Frau mu�te wissen, da� Egwene sie kaum als zuk�nftige Freundin ansah. Wenn sie die Anordnung aller Sitzenden akzeptiert hatten, w�re die Erw�hnung des Angebots vielleicht ein gutes Mittel, ihr Mi�trauen zu entkr�ften.</p><p>�Mutter�, sagte Faolain und hielt dann inne, wobei sie �ber sich selbst �berrascht schien. Es war das erste Mal, da� sie Egwene auf diese Weise angesprochen hatte. Sie atmete tief durch und fuhr fort, �Mutter, ich wei�, es mu� Euch schwergefallen sein, uns zu glauben, da wir die Eidesrute niemals in der Hand hielten, aber...�</p><p>�Ich w�nschte, Ihr w�rdet dieses Thema fallenlassen�, sagte Egwene. Es war angemessen, vorsichtig zu sein, aber sie konnte es sich aus Angst vor Komplotten nicht leisten, ein Hilfsangebot auszuschlagen. �Denkt Ihr, jedermann glaubt einer Aes Sedai nur wegen der Drei Eide? Menschen, welche die Aes Sedai kennen, wissen, da� eine Schwester die Wahrheit auf den Kopf stellen und umkehren kann, wenn sie es will. Ich selbst glaube.</p><p>da� die Drei Eide genauso viel schaden wie n�tzen, vielleicht sogar mehr. Ich werde Euch glauben, bis ich erfahre, da� Ihr mich belogen habt. Genauso wie jeder andere es mit Menschen macht.� Wenn man dar�ber nachdachte, �nderten die Eide nicht wirklich etwas daran. Man mu�te einer Schwester die meiste Zeit einfach vertrauen. Die Eide machten die Menschen nur vorsichtiger darin, weil sie sich fragten, ob und wie sie manipuliert wurden. �Noch etwas. Ihr beide seid Aes Sedai. Ich will nichts mehr �ber Pr�fungen oder das Halten der Eidesrute h�ren. Es ist schlimm genug, da� Ihr diesen Unsinn ertragen m��t, ohne es selbst noch zu wiederholen. Habe ich mich klar genug ausgedr�ckt?�</p><p>Die beiden Frauen, die auf zwei Seiten des Tisches standen, murmelten hastig, da� dem so sei, und wechselten darin lange Blicke. Dieses Mal wirkte Faolain unentschlossen. Schlie�lich trat Theodrin um den Tisch herum, kniete sich neben Egwenes Stuhl und k��te ihren Ring. �Unter dem Licht und bei meiner Hoffnung auf Erl�sung und Wiedergeburt, schw�re ich, Theodrin Dabei, Euch, Egwene al'Vere, Treue. Ich werde Euch treu dienen und bei meinem Leben gehorchen und ehren.� Sie sah Egwene fragend an.</p><p>Egwene konnte nur nicken. Dies geh�rte nicht zum Ritual der Aes Sedai. So verschworen sich Adlige ihrem Herrscher. Und selbst manche Herrscher h�rten keinen solch streng gefa�ten Eid. Aber kaum hatte sich Theodrin mit erleichtertem L�cheln erhoben, als Faolain auch schon ihren Platz einnahm.</p><p>�Unter dem Licht und bei meiner Hoffnung auf Erl�sung und Wiedergeburt schw�re ich, Faolain Orande...�</p><p>Das war mehr, als Egwene sich h�tte w�nschen k�nnen. Zumindest nicht von irgendeiner anderen h�hergestellten Schwester.</p><p>Als Faolain geendet hatte, verharrte sie, steif aufgerichtet, auf den Knien. �Mutter, ich mu� noch Bu�e tun.</p><p>F�r das, was ich zu Euch gesagt habe - da� ich Euch nicht mag. Ich werde die Bu�e selbst festlegen, wenn Ihr wollt, aber Ihr habt das Recht dazu.� Ihre Stimme klang genauso starr, wie es ihre Haltung war, aber �berhaupt nicht furchtsam. Sie wirkte bereit, einem L�wen gegen�berzutreten. Und sogar begierig darauf.</p><p>Egwene bi� sich auf die Lippen, um nicht laut herauszulachen. Es kostete sie M�he, ihr Gesicht ausdruckslos zu halten. Vielleicht hielten sie ihre erstickten Laute f�r einen Schluckauf. Wie sehr sie es auch abstritten - sie waren wirkliche Aes Sedai. Faolain hatte gerade bewiesen, wieviel sie von einer Aes Sedai hatte. Manchmal legten Schwestern ihre Bu�e selbst fest, um die richtige Ausgewogenheit zwischen Stolz und Demut zu erhalten - diese Ausgewogenheit wurde vermutlich hoch gesch�tzt und war �blicherweise der einzige Grund -, aber sicherlich strebte niemand danach. Eine von jemand anderem auferlegte Bu�e konnte recht hart sein, und von der Amyrlin wurde erwartet, da� sie darin noch h�rter vorging als die Ajahs. In jedem Fall unterwarfen sich viele Schwestern stolz dem st�rkeren Willen der Aes Sedai - eine anma�ende Vorf�hrung ihres Mangels an Anma�ung. Der Stolz der Demut, wie Siuan es nannte. Egwene erwog, der Frau zu befehlen, eine Handvoll Seife zu essen, nur um ihren Gesichtsausdruck zu sehen - Faolain hatte eine b�se Zunge -, aber statt dessen...</p><p>�Ich erlege niemandem Bu�e auf, der die Wahrheit sagt, Tochter. Oder deshalb, weil er mich nicht mag. Folgt auch in der Abneigung Eurem Herzen, solange Ihr den Eid einhaltet.� Nicht da� jemand anderer au�er einem Schattenfreund diesen besonderen Eid tats�chlich brechen w�rde. Dennoch gab es M�glichkeiten, fast alles zu umgehen. Aber schwache St�cke waren besser als gar keine St�cke, wenn man sich gegen einen B�ren wehren mu�te.</p><p>Faolains Augen weiteten sich, und Egwene seufzte, w�hrend sie der Frau bedeutete, sich zu erheben. W�ren ihre Positionen umgekehrt gewesen, dann <emphasis>h�tte</emphasis> Faolain ihr eine geh�rige Bu�e auferlegt.</p><p>�Ich �bertrage Euch zu Beginn zwei Aufgaben, T�chter�, fuhr sie fort.</p><p>Sie lauschten aufmerksam. Faolain blinzelte nicht einmal, Theodrin hatte einen Finger nachdenklich an die Lippen gelegt, und als Egwene sie dieses Mal entlie�, sagten sie im Chor: �Wie Ihr befehlt, Mutter� und vollf�hrten Hofknickse.</p><p>Aber Egwenes gute Stimmung wich. Meri trat mit dem Fr�hst�ckstablett ein, als Theodrin und Faolain gingen, und als Egwene ihr f�r eine wie Rosenbl�tter geformte Duftkugel dankte, sagte sie: �Ich hatte noch ein wenig Zeit, Mutter.� Ihrem Gesichtsausdruck nach zu urteilen h�tte dies eine Anklage sein k�nnen, da� Egwene sie zu schwer arbeiten lie� oder sie selbst nicht genug arbeitete. Keine erfreuliche Fr�hst�cksbeilage. Egwene schickte sie fort, bevor sie zu fr�hst�cken begann. Der Tee war ohnehin schwach. Tee war eines der karg bemessenen Dinge.</p><p>Die Notiz unter dem Tintenfa� stellte sich als wenig erfreulich heraus. �Nichts Interessantes im Traum�, hatte Siuan geschrieben. Also war Siuan letzte Nacht auch in <emphasis>Tel'aran'rhiod</emphasis> gewesen. Sie spionierte dort h�ufig. Es war eigentlich unwichtig, ob sie nach einem Hinweis auf Moghedien oder sonst etwas gesucht hatte, obwohl das unglaublich t�richt gewesen w�re. Nichts war nichts.</p><p>Egwene verzog das Gesicht, und nicht nur wegen des �nichts�. Wenn Siuan letzte Nacht in <emphasis>Tel'aran'rhiod</emphasis> gewesen war, bedeutete das, da� Leane heute irgendwann k�me und sich beschweren w�rde, Siuan war mit gro�er Sicherheit kein Traum-<emphasis>Ter'angreal</emphasis> mehr gestattet, seit sie versucht hatte, einigen der anderen Schwestern �ber die Welt der Tr�ume zu berichten. Es ging weniger darum, da� Siuan kaum mehr wu�te als die anderen oder auch, da� nur wenige Schwestern glaubten, sie brauchten wirklich einen Lehrer, um etwas zu lernen, sondern darum, da� Siuan wahrhaft eine scharfe und ungeduldige Zunge besa�. Gew�hnlich konnte sie sich im Zaum halten, aber zwei Wutausbr�che hatten bewirkt, da� sie froh sein konnte, nur den Zugriff auf das <emphasis>Ter'angreal</emphasis> verweigert zu bekommen. Leane gew�hrte ihr dennoch einen, wann immer sie darum bat, und Siuan benutzte h�ufig auch heimlich einen. Das war eine der wenigen �bereinstimmungen zwischen ihnen. Beide w�ren jede Nacht nach <emphasis>Tel'aran'rhiod</emphasis> gegangen, wenn es m�glich gewesen w�re.</p><p>Egwene beschwor mit der Macht einen winzigen Funken Feuer herauf, um eine Ecke des Pergaments anzuz�nden, und hielt es dann fest, bis es fast bis auf ihre Fingerspitzen herabgebrannt war. Es sollte nichts �brigbleiben, was jemand finden k�nnte, der ihre Sachen durchsuchte und Bericht erstattete, wo dies Mi�trauen erwecken k�nnte.</p><p>Sie hatte ihr Fr�hst�ck beinahe beendet und war noch immer allein, und das war ungew�hnlich. Sheriam ging ihr vielleicht aus dem Weg, aber Siuan h�tte dasein sollen. Sie steckte sich den letzten Bissen in den Mund, sp�lte ihn mit einem Schluck Tee hinunter, erhob sich dann und wollte sich auf die Suche nach Siuan begeben, als diese ins Zelt stolzierte.</p><p>�Wo wart Ihr?� fragte Egwene, w�hrend sie einen Schutz gegen Lauscher wob.</p><p>�Aeldene hat mich schon fr�h beansprucht�, grollte Siuan und lie� sich auf einen der St�hle sinken. �Sie denkt noch immer, sie k�nnte die Namen der Augen-und-Ohren der Amyrlin aus mir herauspressen. Das kann niemand! Niemand!�</p><p>Als Siuan gerade in Salidar eingetroffen war, eine ged�mpfte Frau auf der Flucht, eine abgesetzte Amyrlin, die von der Welt f�r tot gehalten wurde, h�tten die Schwestern sie durchaus fortschicken k�nnen, wenn sie nicht das Spione-Netz des Amyrlin-Sitzes sowie das der Blauen Ajah gekannt h�tte, die sie gef�hrt hatte, bevor sie zur Stola erhoben worden war. Das hatte ihr einen gewissen Einflu� verschafft, genau wie Leanes Spione in Tar Valon dieser einen gewissen Einflu� verschafft hatten. Die Ankunft Aeldene Steinbr�ckes, die ihren Platz bei den Augen-und-Ohren der Blauen eingenommen hatte, �nderte f�r Siuan einiges. Aeldene war zornig dar�ber gewesen, da� Berichte der Handvoll Spione der Blauen Ajah, die Siuan hatte gewinnen k�nnen, an Frauen au�erhalb der Ajah weitergegeben worden waren. Und da� Aeldenes eigene Position offenbart wurde -selbst innerhalb der Blauen wu�ten vermutlich nur zwei oder drei Schwestern davon -, erz�rnte sie fast bis zur Wei�glut. Sie ri� nicht nur die Leitung der Blauen Ajah wieder an sich, sondern schalt Siuan auch in einer Lautst�rke, da� man sie wohl noch eine Meile entfernt h�ren konnte, und ging ihr beinahe an die Kehle. Aeldene stammte aus einem andoranischen Bergbaudorf in den Verschleierten Bergen, und es hie�, ihre gekr�mmte Nase sei ein Ergebnis der Faustk�mpfe, die sie als M�dchen bestritten habe. Aeldenes Handlungen hatten viele nachdenklich gemacht.</p><p>Egwene setzte sich wieder auf ihren wackeligen Stuhl und schob das Fr�hst�ckstablett beiseite. �Aeldene wird es Euch nicht abnehmen, Siuan, und auch niemand sonst.� Als Aeldene die Augen-und-Ohren der Blauen wieder beanspruchte, waren andere zu dem Entschlu� gekommen, da� die Blauen nicht auch noch die Augen-und-Ohren der Amyrlin haben sollten. Aber niemand machte den Vorschlag, da� sie Egwenes Kontrolle unterliegen sollten. Der Saal sollte sie haben - das sagten Romanda und Lelaine. Nat�rlich wollten sie beide diese Aufgabe �bernehmen und diejenige sein, die diese Berichte als erste erhielt, denn es war von Vorteil, als erste Bescheid zu wissen. Aeldene fand, die Spione sollten dem Netz der Blauen einverleibt werden, da Siuan eine Blaue war. Zumindest war Sheriam damit zufrieden, alle Berichte ausgeh�ndigt zu bekommen, die Siuan erhielt. �Sie k�nnen Euch nicht zwingen, es aufzugeben.�</p><p>Egwene go� sich Tee nach und stellte die Tasse und den blau glasierten Honigtopf neben Siuan auf die Ecke des Tisches, aber diese betrachtete die Gegenst�nde nur. Der Zorn war aus ihr gewichen. Sie sank auf dem Stuhl zusammen. �Ihr denkt niemals wirklich �ber die Kraft nach�, sagte sie mehr zu sich selbst. �Ihr seid Euch bewu�t, wenn Ihr st�rker seid als eine andere, aber Ihr denkt nicht dar�ber nach. Ihr wi�t einfach, da� sie Euch nachgibt, oder da� Ihr nachgebt. Fr�her gab es niemanden, der st�rker war als ich. Niemand, seit...� Sie senkte den Blick auf ihre nerv�sen H�nde. �Manchmal, wenn Romanda oder Lelaine mich beschimpfen, trifft es mich wie ein Schlag. Sie stehen jetzt so weit �ber mir, da� ich den Mund halten sollte, bis sie mir die Erlaubnis erteilen zu sprechen. Selbst Aeldene steht �ber mir, und sie ist nur Mittelma�.� Sie zwang sich, den Kopf zu heben und fuhr verbittert fort. �Ich passe mich vermutlich der Realit�t an. Auch das liegt in uns, wird tief in uns verwurzelt, bevor wir die erste Pr�fung zur Stola ablegen. Aber es gef�llt mir nicht. Es gef�llt mir nicht!�</p><p>Egwene hob die neben dem Tintenfa� liegende Feder auf und spielte damit, w�hrend sie ihre Worte sorgf�ltig w�hlte. �Siuan, Ihr wi�t, wie ich �ber notwendige Ver�nderungen denke. Wir tun vieles, weil die Aes Sedai es stets auf diese Art getan haben. Aber die Dinge �ndern sich, gleichg�ltig, ob jemand glaubt, alles kehre zum Urzustand zur�ck. Ich bezweifle, da� schon jemals eine Amyrlin erhoben wurde, die nicht zuvor eine Aes Sedai gewesen war.� Das h�tte eine Bemerkung �ber die verborgenen Aufzeichnungen der Wei�en Burg bewirken sollen -Siuan sagte h�ufig, es g�be <emphasis>nichts,</emphasis> was in der Geschichte der Burg nicht mindestens einmal vorgekommen sei, auch wenn es zum ersten Mal zu geschehen schien -, aber Siuan sa� nur entmutigt da. �Siuan, die Aes-Sedai-Art ist nicht die einzige und auch nicht immer die beste M�glichkeit. Ich m�chte sicherstellen, da� wir den besten Weg w�hlen, und wer auch immer sich nicht �ndern kann oder will, sollte besser damit zu leben lernen.� Sie beugte sich �ber den Tisch und versuchte, Siuan Mut zu geben. �Ich habe niemals herausgefunden, wie Weise Frauen Vorrang bestimmen, aber es geschieht nicht durch die der Macht innewohnende Kraft. Es gibt Frauen, die die Macht lenken k�nnen, sich aber Frauen f�gen, die dies nicht k�nnen. Eine, Sorilea, h�tte es niemals zur Aufgenommenen gebracht, und doch folgen selbst die St�rksten ihrem Befehl.�</p><p>�Wilde�, sagte Siuan ver�chtlich, aber ohne gro�e �berzeugung.</p><p>�Und die Aes Sedai. Ich wurde nicht zur Amyrlin erhoben, weil ich die st�rkste bin. Die weisesten und geschicktesten Frauen werden als Gesandte oder Beraterinnen f�r den Saal erw�hlt, nicht die st�rksten.� Worin dieses Geschick bestand, sollte besser unerw�hnt bleiben, obwohl Siuan diese besonderen Geschicke gewi� auch besa�.</p><p>�Der Saal? Der Saal w�rde mich vielleicht Tee holen schicken.�</p><p>Egwene lehnte sich zur�ck und legte die Feder hin. Sie hatte die Frau am liebsten gesch�ttelt. Siuan hatte weitergemacht, als sie die Macht gar nicht lenken konnte, und <emphasis>jetzt</emphasis> zitterten ihr die Knie? Egwene wollte ihr gerade von Theodrin und Faolain erz�hlen - das sollte sie aufrichten -, als sie eine Frau mit olivfarbener Haut am ge�ffneten Zelteingang vorbeireiten sah, die unter dem breiten grauen Hut, den sie zum Schutz gegen die Sonne trug, gedankenverloren wirkte.</p><p>�Siuan, das ist Myrelle.� Sie lie� den Lauschschutzfahren und eilte hinaus. �Myrelle!� rief sie. Siuan brauchte einen Sieg, um das Gef�hl, unterdr�ckt worden zu sein, zu vertreiben, und dies k�nnte genau der richtige Weg sein. Myrelle geh�rte <emphasis>zu</emphasis> Sheriams Leuten und h�tete offenbar ihr eigenes Geheimnis.</p><p>Myrelle verhielt ihren Fuchswallach, blickte sich um und erschrak, als sie Egwene erkannte. Ihrem Gesichtsausdruck nach zu urteilen, hatte die Gr�ne Schwester nicht bemerkt, durch welchen Teil des Lagers sie ritt. Ein leichter Staubmantel hing �ber die Schultern ihres hellgrauen Reitgewands herab. �Mutter�, sagte sie z�gernd, �bitte vergebt mir, aber ich...�</p><p>�Ich werde Euch nicht vergeben�, unterbrach Egwene sie, und Myrelle zuckte zusammen. Aller Zweifel schwand, da� Myrelle von Sheriam �ber die Ereignisse der letzten Nacht unterrichtet worden war. �Ich m�chte mit Euch sprechen. Jetzt.�</p><p>Siuan war ebenfalls herausgekommen, aber anstatt zu beobachten, wie die Schwester unbehaglich vom Pferd stieg, blickte sie die Zeltreihen entlang zu einem untersetzten, bereits ergrauenden Mann mit einem �ber seinen lederfarbenen Umhang geschn�rten, verbeulten Brustpanzer, der einen gro�en Kastanienbraunen in ihre Richtung f�hrte. Seine Anwesenheit im Lager �berraschte. Lord Bryne verst�ndigte sich f�r gew�hnlich durch Boten mit dem Saal, und seine seltenen Besuche endeten meist schon, bevor Egwene erfuhr, da� er gekommen war, Siuan nahm einen solchen Ausdruck von Aes-Sedai-Ruhe an, da� man ihr jugendliches Gesicht fast verga�.</p><p>Bryne schaute kurz zu Siuan und machte sich dann wenig anmutig an seinem Schwert zu schaffen. Sein Gesicht war wettergegerbt, und der Mann war nicht �berm��ig gro�, wenn ihn sein Verhalten auch gr��er erscheinen lie�. Es war nichts Auffallendes an ihm. Der Schwei� auf seinem breiten Gesicht vermittelte den Eindruck von Gesch�ftigkeit. �Mutter, kann ich Euch sprechen? Allein?�</p><p>Myrelle wandte sich zum Gehen, und Egwene fauchte: �Ihr bleibt hier stehen! Genau hier!� Myrelles Kinn sank herab. Sie schien ebenso erstaunt dar�ber, da� sie gehorchte, wie �ber Egwenes bestimmten Tonfall, und dann wurde die �berraschung zu verbitterter Resignation, die sie schnell hinter einer k�hlen Fassade verbarg, die aber durch ihr nerv�ses Spiel mit den Z�geln L�gen gestraft wurde.</p><p>Bryne blinzelte nicht einmal, obwohl sich Egwene dessen gewi� war, da� er ihre Situation zumindest erahnte. Sie vermutete, da� ihn nur wenig �berraschen oder beunruhigen konnte. Allein sein Anblick hatte in Siuan den Wunsch erweckt zuzuschlagen, denn es war nur zu offensichtlich, da� sie die meisten ihrer Streitigkeiten begann. Sie hatte die F�uste bereits in die. H�ften gestemmt und ihren Blick auf ihn gerichtet, einen unheilvollen Blick, der jedermann Unbehagen h�tte bereiten sollen, auch wenn es nicht der Blick einer Aes Sedai gewesen w�re. Myrelle bot jedoch mehr als nur Hilfe f�r Siuan an. Vielleicht. �Ich hatte vor, Euch zu bitten, heute nachmittag zu kommen, Lord Bryne. Ich bitte Euch jetzt darum.� Sie mu�te ihn einiges fragen. �Wir k�nnen dann miteinander sprechen. Wenn Ihr mich entschuldigt.�</p><p>Anstatt ihre Entschuldigung anzunehmen, sagte er: �Mutter, einer meiner Sp�htrupps hat unmittelbar vor Sonnenaufgang etwas gefunden, was Ihr Euch, wie ich meine, selbst ansehen solltet. Ich kann eine Eskorte bereitstellen...�</p><p>�Das ist nicht n�tig�, unterbrach sie ihn schnell. �Myrelle, Ihr kommt mit uns. Siuan, w�rdet Ihr bitte jemanden mein Pferd bringen lassen? Unverz�glich.�</p><p>Mit Myrelle hinauszureiten w�re besser, als sich ihr hier gegen�berzustellen, wenn Siuans bruchst�ckhafte Hinweise wirklich etwas bedeuteten, und sie konnte Bryne auch bei einem Ritt befragen, aber sie hatte es mit beidem nicht eilig. Sie hatte Lelaine und Takima gerade durch die Zeltreihen auf sich zukommen sehen. Alle Frauen, die Sitzende gewesen waren, bevor Siuan abgesetzt worden war, hatten sich mit einer Ausnahme entweder Lelaine oder Romanda angeschlossen. Die meisten der neugew�hlten Sitzenden gingen ihren eigenen Weg, was nach Egwenes Ansicht etwas besser war. Nur etwas.</p><p>Selbst aus einer gewissen Entfernung war Lelaines Anspannung erkennbar. Sie schien bereit, durch alles hindurchzubrechen, was ihr in den Weg geriet. Siuan bemerkte die Anspannung ebenfalls und eilte davon, ohne auch nur f�r einen Hofknicks innezuhalten, aber f�r Egwene reichte die Zeit nicht mehr aus, ungesehen davonzukommen.</p><p>Lelaine pflanzte sich vor ihr auf, aber ihr scharfer, nachdenklicher Blick war auf <emphasis>Bryne</emphasis> gerichtet, w�hrend sie zu �berlegen schien, was er hier tat. Sie hatte jedoch Wichtigeres zu bedenken. �Ich mu� mit der Amyrlin sprechen�, sagte sie herrisch und deutete dann auf Myrelle. �Ihr werdet warten. Mit Euch spreche ich sp�ter.� Bryne verbeugte sich nicht allzu tief und f�hrte sein Pferd zu der von ihr angezeigten Stelle. M�nner, die auch nur ein wenig Verstand besa�en, lernten nur allzu schnell, da� es wenig Sinn hatte, mit Aes Sedai zu streiten, und bei Sitzenden ging diese Rechnung noch weniger auf.</p><p>Bevor Lelaine etwas erwidern konnte, beherrschte Romandas Gegenwart pl�tzlich alles so sehr, da� Egwene Varilin, die bei Romanda war, zun�chst gar nicht bemerkte, obwohl die schlanke, rothaarige Sitzende f�r die Graue Ajah mehrere Zoll gr��er war als die meisten M�nner. �berraschend war nur, da� Romanda nicht fr�her aufgetaucht war. Sie und Lelaine beobachteten einander wie Falken. Keine von beiden lie� die andere allein in Egwenes N�he. Das Schimmern <emphasis>Saidars</emphasis> umgab beide Frauen gleichzeitig, und beide woben einen Lauschschutz um sie alle. Ihre Blicke begegneten sich, forderten einander mit zutiefst unbewegten und gefa�ten Gesichtern heraus, aber keine lie� den Schutz fahren. Egwene bi� sich auf die Zunge. An einem �ffentlichen Ort oblag es der st�rksten anwesenden Schwester zu entscheiden, ob eine Unterhaltung gesch�tzt werden sollte oder nicht, und das Protokoll besagte, da� die Amyrlin diese Entscheidung traf, wann immer sie anwesend war. Sie hatte jedoch kein Verlangen nach halbherzigen Entschuldigungen, die eine Erw�hnung dieses Umstands nach sich zog. Sie w�rden ihr nat�rlich beipflichten, wenn sie darauf best�nde. Sie bi� sich erneut auf die Zunge und kochte innerlich. Wo <emphasis>war</emphasis> Siuan? Es war nicht fair, denn Pferde satteln zu lassen, dauerte seine Zeit.</p><p>Romanda senkte den Blick zuerst, obwohl sie sich damit nicht geschlagen gab. Sie wandte sich Egwene so abrupt zu, da� Lelaine jetzt an ihr vorbei blickte, was t�richt aussah. �Delana macht wieder Schwierigkeiten.� Ihre schrille Stimme klang beinahe freundlich, aber doch mit einem scharfen Unterton, der das Fehlen jeglicher respektvollen Anrede noch unterstrich. Romandas Haar war vollkommen grau, im Nacken zu einem ordentlichen Knoten zusammengenommen, aber das Alter hatte sie sicherlich nicht weicher gemacht. Takima mit ihrem langen schwarzen Haar und dem matten Elfenbeinteint war fast neun Jahre lang eine Sitzende der Braunen Ajah gewesen, im Saal genauso energisch wie im Klassenzimmer, und doch stand sie bescheiden einen Schritt hinter Romanda, die H�nde an der Taille gefaltet. Romanda f�hrte ihre Splittergruppe mit genauso fester Hand wie Sorilea die ihre. F�r sie war St�rke �beraus wichtig, und Lelaine schien ihr darin nicht viel nachzustehen.</p><p>�Sie beabsichtigt, dem Saal einen Antrag vorzulegen�, schaltete sich Lelaine verbittert ein und mied es jetzt v�llig, Romanda anzusehen. Mit ihr �bereinzustimmen gefiel ihr sicherlich genauso wenig, wie erst das zweite Wort zu haben. Als Romanda merkte, da� sie einen Vorteil errungen hatte, l�chelte sie kaum merklich.</p><p>�Wor�ber?� fragte Egwene, auf Zeitgewinn bedacht. Sie ahnte es bereits. Es fiel ihr schwer, nicht zu seufzen. Es fiel ihr sehr schwer, sich nicht die Schl�fen zu reiben.</p><p>�Nat�rlich �ber die Schwarze Ajah, Mutter�, erwiderte Varilin und hob den Kopf, als �berrasche sie die Frage. Nun, vielleicht war dem so. Delana wurde bei dem Thema w�tend. �Sie will, da� der Saal Elaida �ffentlich zur Schwarzen erkl�rt.� Sie hielt j�h inne, als Lelaine eine Hand hob. Lelaine gew�hrte ihren Gefolgsleuten mehr Spielraum als Romanda, oder vielleicht hatte sie diese einfach nicht so fest im Griff, aber es gen�gte.</p><p>�Ihr m��t mit ihr sprechen, Mutter.� Lelaine l�chelte herzlich, wenn sie den Titel benutzte. Siuan zufolge waren sie einst Freunde gewesen - Lelaine hatte sie einigerma�en wohlwollend wieder aufgenommen -, und doch hielt Egwene dieses L�cheln f�r sorgf�ltig einge�bt.</p><p>�Um ihr was zu sagen?� Es dr�ngte sie, sich die Schl�fen zu reiben. Diese beiden sorgten daf�r, da� der Saal nur erlie�, was sie wollte und sicherlich wenig, was Egwene vorschlug, mit dem Ergebnis, da� �berhaupt kaum etwas erlassen wurde, und sie wollten jetzt, da� <emphasis>sie</emphasis> sich f�r eine Sitzende einsetzte? Gewi� unterst�tzte Delana ihre Vorschl�ge - wenn sie ihr pa�ten. Delana war eine wetterwendische Person, drehte sich manchmal noch mit dem letzten Windzug, und wenn sie sich in letzter Zeit h�ufig in Egwenes Richtung drehte, dann bedeutete das nicht allzu viel. Die Schwarze Ajah schien ihr einziger Fixpunkt. Was hielt Siuan auf?</p><p>�Sagt Ihr, sie mu� damit aufh�ren, Mutter.� Lelaines L�cheln und Tonfall erweckten den Anschein, als berate sie eine Tochter. �Dieser Unsinn - schlimmer als Unsinn - bringt alle auf. Einige der Schwestern beginnen es schon zu glauben, Mutter. Es wird nicht mehr lange dauern, bis sich diese Vorstellung auch unter den Dienern und Soldaten verbreitet.� Sie warf Bryne einen �beraus zweifelnden Blick zu. Bryne versuchte anscheinend, mit Myrelle zu reden, welche die von einem Schutz umgebene Gruppe beobachtete und die Z�gel ihres Pferdes immer wieder unruhig durch die behandschuhten H�nde gleiten lie�.</p><p>�Es ist kaum t�richt, das Offensichtliche zu glauben�, blaffte Romanda. �Mutter...� Aus ihrem Munde klang dies entschieden zu sehr wie �M�dchen�. �Delana mu� aufgehalten werden, weil sie nichts Gutes, sondern erheblichen Schaden bewirkt. Vielleicht ist Elaida eine Schwarze - obwohl ich es stark bezweifle, welche Ger�chte aus zweiter Hand auch immer diese Halima mitbrachte; Elaida ist schrecklich verbohrt, aber ich kann nicht glauben, da� sie schlecht ist -, aber selbst wenn sie es ist und es herausposaunt wird, werden Au�enstehende jeder Aes Sedai mit Mi�trauen begegnen und die Schwarzen in noch entlegenere Verstecke treiben. Es gibt Methoden, sie hervorzulocken, wenn wir sie nicht wieder verjagen.�</p><p>Lelaine r�mpfte heftig die Nase. �Selbst wenn dieser Unsinn zutr�fe, w�rde sich keine Schwester mit Selbstachtung Euren <emphasis>Methoden</emphasis> unterordnen, Romanda. Euer Vorschlag wird in Frage gestellt werden.� Egwene blinzelte verwirrt. Weder Siuan noch Leane hatten ihr auch nur ansatzweise hiervon berichtet. Gl�cklicherweise achteten die Sitzenden nicht genug auf sie, um es zu bemerken. Wie �blich.</p><p>Romanda stemmte die F�uste in die H�ften und fuhr zu Lelaine herum. �Verzweifelte Zeiten erfordern verzweifelte Taten. Einige k�nnten vielleicht fragen, warum jemand seine W�rde hintanstellt um die Diener des Dunklen K�nigs zu entlarven.�</p><p>�Das klingt verd�chtig nach einer Anschuldigung�, sagte Lelaine mit verengten Augen.</p><p>Jetzt l�chelte Romanda, ein kaltes, schnippisches L�cheln. �Ich werde die erste sein, die sich meinen <emphasis>Methoden</emphasis> unterordnet, Lelaine, wenn Ihr die zweite seid.�</p><p>Lelaine grollte jetzt tats�chlich und trat einen halben Schritt auf die andere Frau zu, und Romanda neigte sich ihr mit vorgerecktem Kinn entgegen. Sie wirkten bereit, einander an den Haaren zu ziehen, sich im Staub zu w�lzen und ihre Aes-Sedai-W�rde aufzugeben. Varilin und Takima sahen einander an, als w�ren auch sie kampfbereit, ein langbeiniger Stelzvogel in erbittertem Kampf mit einem Zaunk�nig. Sie alle schienen Egwene vollkommen vergessen zu haben.</p><p>Siuan kam herbei, einen breiten Strohhut auf dem Kopf, und f�hrte eine dicke, mausgraue Stute mit zur H�lfte wei�en Hinterbeinen mit sich. Als sie die von einem Schutz umgebene Versammlung sah, blieb sie j�h stehen. Einer der Stallknechte war bei ihr, ein schlaksiger Bursche in einer langen, abgenutzten Weste und einem geflickten Hemd, der die Z�gel eines gro�en Rotgrauen f�hrte. Er konnte den Lauschschutz nicht sehen, aber <emphasis>Saidar</emphasis> verbarg nicht die Gesichter. Seine Augen weiteten sich, und er leckte sich die Lippen. Vor�bergehende machten einen weiten Bogen um das Zelt und gaben vor, nichts zu sehen - Aes Sedai, Beh�ter und Diener gleicherma�en. Nur Bryne runzelte die Stirn und betrachtete sie, als frage er sich, was seinen Ohren verborgen blieb. Myrelle band ihre Satteltaschen fest und wollte eindeutig gehen.</p><p>�Wenn Ihr beschlossen habt, was ich sagen sollte�, verk�ndete Egwene, �kann ich beschlie�en, was zu tun ist.� Sie hatten sie wirklich vergessen. Alle vier starrten sie erstaunt an, als sie zwischen Romanda und Lelaine hindurch und aus dem doppelten Lauschschutz hinaustrat. Sie sp�rte nat�rlich nichts, als sie das Gewebe streifte. Sie waren nicht daf�r geschaffen, etwas so Massives wie einen menschlichen K�rper aufzuhalten.</p><p>Als Egwene auf den Rotgrauen gestiegen war, atmete Myrelle tief ein und tat es ihr resigniert gleich. Der Schutz war verschwunden, obwohl die beiden Sitzenden noch immer von Schimmern umgeben waren und ein Bild der Entt�uschung boten, w�hrend sie dastanden und schauten. Egwene zog eilig den d�nnen Leinenstaubmantel an, der vor dem Sattel des Wallachs befestigt war, und die Reithandschuhe, die in einer kleinen Tasche in dem Mantel steckten. Ein Hut mit breiter Krempe hing am Sattelknauf, passend zu ihrem Gewand tiefblau und mit an der Vorderseite festgesteckten wei�en Federn, die nach Chesas Handschrift aussahen. Die Hitze konnte sie mi�achten, aber das grelle Licht war eine andere Sache. Sie entfernte die festgesteckten Federn, stopfte sie in die Satteltaschen, setzte sich den Hut auf den Kopf und band die B�nder unter dem Kinn fest.</p><p>�Wollen wir aufbrechen, Mutter?� fragte Bryne. Er war bereits aufgestiegen, und der Helm, der an seinem Sattel gehangen hatte, verbarg jetzt sein Gesicht. Es wirkte bei ihm recht nat�rlich - als sei er f�r die R�stung geboren.</p><p>Egwene nickte. Niemand versuchte, sie aufzuhalten. Lelaine w�rde sich nat�rlich nicht soweit erniedrigen, �ffentlich <emphasis>Halt</emphasis> zu rufen, aber Romanda... Egwene empfand Erleichterung, als sie davonritten, aber ihr Kopf schien zu platzen. Was sollte sie <emphasis>tats�chlich</emphasis> mit Delana tun? Was konnte sie tun?</p><p>Die Hauptstra�e in diesem Gebiet - ein breiter Streifen derart festgetretener Erde, da� nichts Staub aufwirbeln konnte - verlief durch das Lager des Heeres und zwischen diesem und dem Lager der Aes Sedai.</p><p>Obwohl sich im Heerlager mindestens drei�ig Mal soviele Menschen befanden wie im Lager der Aes Sedai, schienen kaum mehr Zelte als bei den Schwestern errichtet worden zu sein. Die Diener verteilten sich alle �ber die Ebenen und die H�gel hinauf. Die meisten Soldaten schliefen im Freien. Man konnte sich kaum daran erinnern, wann der letzte Regen gefallen war, und es war nicht eine Wolke zu sehen. Seltsamerweise hielten sich dort mehr Frauen auf als im Lager der Schwestern, obwohl sie, unter so vielen M�nnern, zun�chst weniger erschienen. K�che k�mmerten sich um gro�e Kessel, und W�scherinnen nahmen gro�e Berge schmutziger Kleidung in Angriff, w�hrend andere bei den Pferden oder den Wagen arbeiteten. Eine Anzahl Frauen schienen Ehefrauen zu sein. Zumindest sa�en sie �ber Strickarbeiten oder besserten Kleider oder Hemden aus oder r�hrten in kleinen Kocht�pfen. Waffenschmiede hatten sich fast �berall aufgestellt, wo Egwene hinsah. Ihre H�mmer lie�en Stahl auf den Ambossen klingen, Pfeilmacher f�gten Pfeilb�ndeln zu ihren F��en weitere Pfeile hinzu, und Hufschmiede �berpr�ften die Pferde. Wagen aller Arten und Gr��en standen �berall herum, Hunderte, vielleicht Tausende. Das Heer schien jedermann aufzulesen, der ihnen unterwegs begegnete. Die meisten der Kuriere waren bereits drau�en, um Verpflegung zu besorgen, aber einige hochr�drige Karren und schwerf�llige Wagen rollten auf der Suche nach Bauernh�fen und D�rfern auch jetzt noch aus dem Lager. Hier und da jubelten ihnen Soldaten zu, wenn sie vor�berzogen. �Lord Bryne!� und �Der Bulle! Der Bulle!� Das war sein Siegel. Nichts �ber die Aes Sedai oder den Amyrlin-Sitz.</p><p>Egwene drehte sich im Sattel, um sich zu vergewissern, da� Myrelle noch immer dichtauf folgte. Das tat sie, lie� ihr Pferd selbst�ndig folgen, mit entr�ckter, etwas �berdr�ssiger Miene. Siuan hatte eine Position in der Nachhut eingenommen. Aber vielleicht hatte sie auch einfach nur Angst, ihr Pferd vorw�rts zu dr�ngen.</p><p>Gewi� war es lammfromm, aber Siuan w�rde wahrscheinlich sogar ein Pony wie ein Schlachtro� behandeln.</p><p>Egwene war �ber ihr eigenes Pferd ein wenig ver�rgert. Sein Name war Daishar, was in der Alten Sprache Ruhm bedeutete. Sie h�tte viel lieber Bela geritten, eine zottige kleine Stute, die nicht wesentlich schlanker als Siuans Pferd war und die sie geritten hatte, als sie die Zwei Fl�sse verlassen hatte. Sie dachte manchmal, sie m��te wie eine Puppe wirken, die auf einem Wallach sa�, der f�r ein Schlachtro� gehalten werden k�nnte, aber die Amyrlin mu�te ein angemessenes Pferd reiten, keine zottigen Zugpferde. Obwohl sie selbst diese Regel geschaffen hatte, f�hlte sie sich eingeschr�nkt wie eine Novizin.</p><p>Sie wandte sich im Sattel um. �Erwartet Ihr voraus irgendwelchen Widerstand, Lord Bryne?�</p><p>Er sah sie von der Seite an. Sie hatte dieselbe Frage schon einmal gestellt, bevor sie Salidar verlassen hatten, und zwei weitere Male, w�hrend sie Altara durchquerten. Nicht h�ufig genug, um Mi�trauen zu erregen, dachte sie.</p><p>�Murandy ist wie Altara, Mutter. Nachbarn sind zu sehr damit besch�ftigt, gegeneinander zu intrigieren oder sich direkt zu bek�mpfen, um sich f�r etwas anderes als einen bevorstehenden Krieg zu verb�nden, und selbst dann wahrscheinlich nur halbherzig.� Sein Tonfall klang sehr trocken. Er war Befehlshaber der K�niglichen Garde von Andor gewesen und hatte entlang den Grenzen jahrelang Scharm�tzel gegen die Murandianer bestritten. �Ich f�rchte, in Andor wird es anders sein. Darauf freue ich mich nicht.� Er �nderte die Richtung und ritt einen leichten Hang hinauf, um drei Wagen auszuweichen, die vor ihnen �ber die Felsen rumpelten.</p><p>Egwene behielt nur m�hsam einen unbeteiligten Gesichtsausdruck bei. Andor. Zuvor hatte er es gerade abgestritten. Sie waren am Fu� der Cumbar-Berge, ein St�ck s�dlich Lugards, der Hauptstadt von Murandy. Selbst wenn sie z�gig vorankamen, lag die Grenze zu Andor noch mindestens zehn Tage voraus.</p><p>�Und wenn wir Tar Valon erreichen, Lord Bryne -wie wollt Ihr die Stadt dann einnehmen?�</p><p>�Das hat mich noch niemand gefragt, Mutter.� Zuvor hatte sie nur <emphasis>geglaubt,</emphasis> seine Stimme klinge trocken - jetzt klang sie <emphasis>wirklich</emphasis> trocken. �Wenn wir Tar Valon, wenn das Licht es will, erreichen, werde ich zwei bis drei Mal mehr M�nner zur Verf�gung haben als jetzt.� Egwene zuckte bei dem Gedanken daran zusammen, so viele Soldaten bezahlen zu m�ssen. Er schien es nicht zu bemerken. �Zun�chst werde ich die Stadt belagern. Der schwerste Teil wird sein, Schiffe zu bekommen und sie zu versenken, um den Nordhafen und den S�dhafen zu blockieren. Die H�fen sind ebensolche Schl�sselpositionen wie die Stadtbr�cken, Mutter. Tar Valon ist gr��er als Cairhien und Caemlyn zusammen. Wenn erst keine Lebensmittel mehr hineingelangen...� Er zuckte die Achseln. �Der gr��te Teil der Soldaten wartet ab, wenn sie nicht voranmarschieren.�</p><p>�Und wenn Ihr nicht so viele Soldaten zur Verf�gung habt?� Sie hatte niemals daran gedacht, da� so viele Menschen, Frauen und Kinder, hungern m��ten. Sie hatte niemals wirklich geglaubt, da� jemand anderer au�er den Aes Sedai und den Soldaten in diese Angelegenheit verwickelt werden k�nnte. Wie hatte sie so t�richt sein k�nnen? Sie hatte die Kriegsfolgen in Cairhien gesehen. Bryne schien es so leicht zu nehmen. Andererseits war er Soldat. Entbehrung und Tod m��ten f�r Soldaten allt�glich sein. �Was geschieht, wenn Ihr nur ... sagen wir ... so viele M�nner wie jetzt habt?�</p><p>�Eine Belagerung?� Anscheinend war schlie�lich etwas von ihrer Unterhaltung in Myrelles wie auch immer geartete Gedanken vorgedrungen. Sie trieb den Fuchs vorw�rts, so da� mehrere M�nner beiseite springen mu�ten, von denen einige hinfielen. Nur wenige �ffneten ver�rgert den Mund, sahen dann ihre alterslosen Z�ge und schlossen ihn finster dreinblickend wieder. Sie h�tten von ihr aus genausogut gar nicht da sein k�nnen. �Artur Falkenfl�gel hat Tar Valon zwanzig Jahre lang belagert und ist gescheitert.� Sie erkannte pl�tzlich, da� sie belauscht werden konnten, und senkte die Stimme, aber sie klang noch immer bissig. �Erwartet Ihr von uns, da� wir zwanzig Jahre lang abwarten?�</p><p>Ihr Unmut beeindruckte Bryne nicht. �W�rdet Ihr einen unmittelbaren Angriff vorziehen, Myrelle Sedai?� Er h�tte genausogut fragen k�nnen, ob sie ihren Tee s�� oder herb wollte. �Mehrere von Falkenfl�gels Heerf�hrern haben es versucht, und ihre M�nner wurden abgeschlachtet. Keinem Heer ist es jemals gelungen, die Mauern Tar Valons niederzurei�en.�</p><p>Egwene wu�te, da� dies nicht ganz der Wahrheit entsprach. In den Trolloc-Kriegen hatte ein von Schattenlords angef�hrtes Heer von Trollocs tats�chlich einen Teil der Wei�en Burg selbst gepl�ndert und niedergebrannt. Am Ende des Krieges des Zweiten Drachen hatte ein Heer, das Guaire Amalasan zu retten versuchte, bevor er ged�mpft wurde, die Burg ebenfalls erreicht. Myrelle konnte dies jedoch nicht wissen, und Bryne noch weniger. Der Zugriff zu jenen geheimen, tief in der Burgbibliothek verborgenen Geschichten wurde durch ein Gesetz geregelt, das selbst geheim war, und es galt als Verrat, die Existenz entweder der Aufzeichnungen oder des Gesetzes preiszugeben. Siuan sagte, man f�nde, wenn man zwischen den Zeilen lese, Hinweise auf Dinge, die nicht einmal dort festgehalten waren. Aes Sedai waren gut darin, die Wahrheit zu verbergen - sogar vor ihnen selbst -, wenn sie es f�r notwendig erachteten.</p><p>�Mit hunderttausend Mann, oder wie viele auch immer ich im Moment zur Verf�gung habe, werde ich der erste sein�, fuhr Bryne fort. �Sofern ich die H�fen blockieren kann. Falkenfl�gels Befehlshabern ist dies niemals gelungen. Die Aes Sedai hoben stets rechtzeitig die Eisenketten an, welche die Einfahrt der Schiffe in die Hafenm�ndung verhinderten, und versenkten sie, bevor sie auf eine Position gebracht werden konnten, in der sie jeglichen Handel verhindert h�tten. Nahrungsmittel und Vorr�te gelangten weiterhin in die Stadt. Es wird schlie�lich zu Eurem Angriff kommen, aber erst, wenn die Stadt geschw�cht ist, wenn es auf meine Art geschieht.� Seine Stimme klang noch immer ... unger�hrt. Ein Mann, der �ber einen Ausflug sprach. Er blickte zu Myrelle, und obwohl sich sein Tonfall nicht ver�nderte, war seine Anspannung hinter der Schutzmaske an seinen Augen erkennbar. �Und Ihr habt alle zugestimmt, da� es auf meine Art geschehen soll, wenn das Heer einbegriffen w�re. Ich will keine Menschenleben opfern.�</p><p>Myrelle �ffnete den Mund und schlo� ihn dann langsam wieder. Sie wollte eindeutig etwas sagen, wu�te aber nicht was. Sie hatten <emphasis>tats�chlich</emphasis> ihr Wort gegeben, sie und Sheriam und jene, die alles geregelt hatten, als er in Salidar auftauchte, so sehr es sie jetzt auch �rgerte. So sehr die Sitzenden es auch zu umgehen versucht hatten. <emphasis>Sie</emphasis> hatten ihr Wort nicht gegeben. Bryne handelte jedoch, als h�tten sie es getan, und war bisher damit durchgekommen. Bisher.</p><p>Egwene f�hlte sich schlecht. Sie <emphasis>hatte</emphasis> den Krieg gesehen. Bilder flammten in ihrem Geist auf, von k�mpfenden M�nnern, die sich mordend ihren Weg durch Tar Valon bahnten, sterbende M�nner. Ihr Blick fiel auf einen Burschen mit kantigem Kinn, der sich auf die Zunge bi�, w�hrend er eine Pfeilspitze sch�rfte. W�rde er in jenen Stra�en sterben? Und der grauhaarige, bereits kahl werdende Mann, der seine Finger so vorsichtig jeden Pfeil hinabgleiten lie�, bevor er den Pfeilschaft in den K�cher steckte? Und dieser Bursche, der in seinen hohen Reitstiefeln einherstolzierte. Er wirkte noch zu jung, sich zu rasieren. Licht, so viele waren noch Jungen. Wie viele w�rden sterben? F�r den Amyrlin-Sitz. F�r die Gerechtigkeit, f�r das Recht, f�r die Welt, aber im Herzen f�r sie. Siuan hob die Hand, vollendete die Geste aber nicht. Selbst wenn sie ausreichend nahe gewesen w�re, h�tte sie dem Amyrlin-Sitz dort, wo jedermann es sehen konnte, nicht auf die Schulter klopfen d�rfen.</p><p>Egwene richtete sich auf. �Lord Bryne�, sagte sie mit angespannter Stimme, �was wollt Ihr mir verdeutlichen?� Sie glaubte zu bemerken, da� er Myrelle einen Seitenblick zuwarf, bevor er antwortete. �Ihr solltet es besser selbst erkennen, Mutter.� Egwene dachte, ihr Kopf w�rde bersten. Wenn Siuans Hinweise �berhaupt etwas bedeuteten, w�rde sie Myrelle die Haut �ber die Ohren ziehen. Wenn dem nicht so war, w�rde sie vielleicht Siuan die Haut abziehen. Und sie k�nnte, der Ausgewogenheit halber, auch Gareth Bryne mit einbeziehen.</p></section><section><title><p>12</p><p>Ein siegreicher Vormittag</p></title><p>Die gewundenen H�gel und Bergketten, die das Lager umgaben, zeigten alle Anzeichen von Trockenheit und f�r diese Jahreszeit ungew�hnlicher Hitze - tats�chlich unertr�glicher Hitze. Selbst der schwerf�lligste K�chenjunge, der T�pfe schrubbte, bemerkte die Ber�hrung der Welt durch den Dunklen K�nig. Der eigentliche Wald lag westlich hinter ihnen, aber verkr�mmte Eichen wuchsen auch auf den felsigen H�ngen, sowie Tupelob�ume und ungewohnt geformte Kiefern und B�ume, deren Namen Egwene nicht kannte, braun und gelb und mit kahlen Zweigen. Es war keine Winterkahlheit oder Winterbraun. Sie d�rsteten nach Feuchtigkeit und K�hle. Sie w�rden absterben, wenn sich das Wetter nicht bald �nderte. Hinter den letzten Soldaten verlief ein Flu� von S�den nach Westen, der Reisendrelle, zwanzig Fu� breit und auf beiden Seiten von festgetretenem, mit Sternen durchsetzten Schlamm begrenzt. Zu anderen Zeiten h�tten in Strudeln umherwirbelnde Steine die �berquerung gef�hrlich gemacht, aber heute war das Wasser nur wenige Handbreit tief. Egwene sp�rte, da� ihre eigenen Sorgen an Bedeutung verloren. Sie sprach, trotz ihrer Kopfschmerzen, ein kleines Gebet f�r Nynaeve und Elayne. Ihre Suche war genauso wichtig wie all ihr eigenes Handeln, wenn nicht wichtiger. Die Welt w�rde �berleben, wenn sie versagte, aber die beiden mu�ten Erfolg haben.</p><p>Sie ritten in leichtem Galopp s�dw�rts und z�gelten ihre Pferde, wenn die H�nge zu steil wurden oder die Tiere durch B�ume und k�rgliches Gestr�pp klettern mu�ten, aber sie hielten sich insgesamt soweit wie m�glich ans Tiefland und kamen gut voran. Brynes Wallach, der trittsicher und kr�ftig war, schien es nichts auszumachen, wohin sich der Boden neigte oder ob er uneben war, und Daishar hielt leicht Schritt. Siuans molliges Tier hatte manchmal zu k�mpfen, obwohl sich vielleicht nur die Angst seiner Reiterin auf es �bertrug. Auch nicht die gr��tm�gliche �bung h�tte aus Siuan etwas anderes als eine schreckliche Reiterin gemacht, die fast die Arme um den Hals der Stute schlang, wenn es bergauf ging, und fast aus dem Sattel fiel, wenn es bergab ging, unbeholfen wie eine Ente auf dem Land und mit fast genauso erschreckten Augen wie ihr Pferd. Sogar Myrelle gewann ihren Humor ein St�ck weit zur�ck, als sie Siuan beobachtete. Ihr wei�f��iger Mausgrauer suchte sich seinen Weg sehr genau, und Myrelle ritt mit einer Sicherheit, da� sogar Bryne schwerf�llig wirkte.</p><p>Bevor sie noch sehr weit gekommen waren, erschienen Reiter auf einem H�gelkamm im Westen, vielleicht einhundert Mann in Kolonne, auf deren Brustharnischen, Helmen und Speerspitzen die Sonne glitzerte. Ihnen voraus wehte eine wei�e Fahne, die Egwene nicht erkennen konnte, aber sie wu�te, da� sie die Rote Hand trug. Sie hatte nicht erwartet, sie so nahe am Lager der Aes Sedai zu sehen.</p><p>�Drachenverschworene Tiere�, murrte Myrelle. Ihre behandschuhten H�nde schlossen sich fester um die Z�gel - vor Zorn, nicht vor Angst.</p><p>�Die Bande der Roten Hand schickt Patrouillen aus�, erkl�rte Bryne in aller Ruhe und f�gte dann mit einem Blick auf Egwene hinzu: �Lord Talmanes schien sich um Euch zu sorgen, Mutter, als ich zuletzt mit ihm sprach.� Er betonte dies nicht mehr als seine sonstigen Worte.</p><p>�Ihr habt mit ihm <emphasis>gesprochen?�</emphasis> Myrelles Heiterkeit schwand vollkommen. Den Zorn, den sie in Egwenes Gegenwart im Zaum gehalten hatte, konnte sie unbeschadet an ihm auslassen. �Das kommt Verrat sehr nahe, Lord Bryne. Es k�nnte sogar Verrat <emphasis>sein!�</emphasis> Siuan richtete ihre Aufmerksamkeit sowohl auf ihr Pferd als auch auf die M�nner auf dem H�gel, und sie sah Myrelle nicht an, aber sie versteifte sich. Niemand hatte die Bande zuvor mit Verrat in Verbindung gebracht.</p><p>Sie umrundeten eine Biegung im Tal unter dem H�gel. Ein Bauernhof klebte an einem Hang - oder zumindest die �berreste davon. Eine Wand des kleinen Sterngeb�udes war eingest�rzt, und einige wenige verkohlte Holzpfosten ragten wie schmutzige Finger neben dem ru�bedeckten Schornstein auf. Die Scheune, der das Dach fehlte, war ein geschw�rzter, ausgeh�hlter Steinkasten, und verstreute Asche bezeichnete, wo einst vielleicht Schuppen gestanden hatten. �hnliches hatten sie in ganz Altara gesehen, manchmal ganze verbrannte D�rfer, in denen die Toten auf den Stra�en lagen, Nahrung f�r Kr�hen und F�chse und wilde Hunde, die flohen, wenn Menschen herankamen. Geschichten �ber Chaos und Mord in Tarabon und Arad Doman waren pl�tzlich Wirklichkeit geworden. Viele Menschen nutzten jede Entschuldigung, um zu Banditen zu werden oder alte Mi�stimmigkeiten zu regeln - Egwene hoffte inbr�nstig, da� es so war -, aber der Name auf den Lippen jedes �berlebenden lautete �Drachenverschworener�, und die Schwestern machten Rand genauso daf�r verantwortlich, als h�tte er die Fackeln selbst getragen. Sie w�rden ihn dennoch weiterhin benutzen, wenn sie es noch k�nnten, ihn kontrollieren, wenn sie eine M�glichkeit h�tten. Sie war nicht die einzige Aes Sedai, die daran glaubte zu tun, was sie tun mu�te.</p><p>Myrelles Zorn beeindruckte Bryne genauso wenig, wie Regen einen Felsblock beeindruckte. Egwene sah pl�tzlich ein Bild von um seinen Kopf tobenden St�rmen und um seine Knie wirbelnden Fluten, w�hrend er unbek�mmert weiterritt. �Myrelle Sedai�, sagte er mit der Gelassenheit, die eigentlich sie h�tte zeigen sollen, �wenn zehntausend oder mehr M�nner mich verfolgen, mochte ich wissen, was sie beabsichtigen. Besonders bei diesen Zehntausend oder mehr.�</p><p>Das war ein gef�hrliches Thema. So froh Egwene auch dar�ber war, da� das Thema von Talmanes' Sorge um sie �berstanden war, h�tte sie ver�rgert dar�ber sein sollen, da� er es �berhaupt erw�hnt hatte, aber jetzt war sie so erschrocken, da� sie sich j�h im Sattel aufrichtete. �Zehntausend? Seid Ihr sicher?� Die Bande hatte kaum mehr als die H�lfte M�nner umfa�t, als Mat sie auf der Jagd nach Elayne und ihr nach Salidar gebracht hatte.</p><p>Bryne zuckte nur die Achseln. �Ich hebe unterwegs Rekruten aus und er ebenfalls. Nicht so viele, aber manche M�nner haben eine bestimmte Vorstellung vom Dienst f�r die Aes Sedai.� Die Mehrzahl der Leute h�tte sich entschieden unbehaglich gef�hlt, dies drei Schwestern gegen�ber zu erw�hnen, aber er sagte es sogar mit einem schiefen L�cheln. �Au�erdem scheint es, da� sich die Bande bei den K�mpfen in Cairhien einen gewissen Ruf erworben hat. Es hei�t, <emphasis>Shen an Calhar</emphasis> verl�re niemals, ungeachtet der Umst�nde.� Genau das trieb M�nner, hier ebenso wie in Altara, dazu, sich ihnen anzuschlie�en; der Gedanke, da� zwei Heere einen Kampf bedeuten m��ten. Der Versuch, sich herauszuhalten, k�nnte genauso verh�ngnisvoll enden, wie die falsche Seite zu erw�hlen. �Ich habe einige Fahnenfl�chtige von Talmanes' Neulingen in meinen Reihen gehabt. Einige scheinen zu glauben, das Gl�ck der Bande sei eng mit Mat Cauthon verbunden und k�nne nicht ohne ihn bestehen.�</p><p>Myrelle verzog beinahe sp�ttisch die Lippen. �Diese t�richten �ngste der Murandianer sind gewi� n�tzlich, aber ich h�tte nicht gedacht, da� Ihr ebenfalls ein Narr seid. Talmanes folgt uns, weil er bef�rchtet, wir k�nnten uns gegen seinen wertvollen Lord Drache wenden, aber wenn er wirklich anzugreifen beabsichtigte - glaubt Ihr nicht, da� er es dann bereits getan h�tte? Um diese Drachenverschworenen k�nnen wir uns k�mmern, wenn wichtigere Angelegenheiten geregelt sind. Aber mit ihm zu sprechen...!� Sie erschauderte, gewann aber ihre Gelassenheit zur�ck - zumindest nach au�en hin.</p><p>Egwene achtete nicht auf Myrelles Worte. Bryne hatte sie angesehen, als er Mat erw�hnte. Die Schwestern glaubten, die Situation bei der Bande und Mat zu kennen und dachten nicht weiter dar�ber nach, aber Bryne tat dies offensichtlich doch. Sie neigte den Kopf so weit, da� die Krempe ihres Huts ihr Gesicht verbarg, und betrachtete ihn aus den Augenwinkeln. Er war durch einen Eid daran gebunden, das Heer zu bilden und anzuf�hren, bis Elaida gest�rzt war, aber warum hatte er die Eide geleistet? Er h�tte sicherlich einen weniger gewichtigen Eid leisten k�nnen, der auch zweifellos von den Schwestern anerkannt worden w�re, die all jene Soldaten nur als Narrenmaske benutzen wollten, um Elaida zu erschrecken. Ihn auf ihrer Seite zu wissen, war tr�stlich. Selbst die anderen Aes Sedai schienen so zu empfinden. Wie ihr Vater war auch er ein Mensch, der einem in jeder Situation alle Furcht nahm. Ihn gegen sich zu haben, erkannte sie pl�tzlich, k�nnte genauso schlimm sein, wie den Saal gegen sich zu haben. Die einzige Anerkennung, die Siuan ihm jemals gezollt hatte, war ihre Bemerkung, da� er ungeheuerlich sei, obwohl sie diese Bemerkung dann sofort wieder abschw�chte. Jeder Mann, den Siuan Sandte f�r ungeheuerlich erachtete, war bemerkenswert.</p><p>Sie durchquerten einen schmalen Flu�, eher ein Fl��chen, das kaum die Pferdehufe benetzte. Eine angeschlagene Kr�he, die sich an einem in zu flachem Wasser gestrandeten Fisch n�hrte, schlug hilflos mit ihren zerfetzten Fl�geln und fra� dann weiter.</p><p>Siuan beobachtete auch Bryne - ihre Stute lief viel leichter, wenn sie nicht an den Z�geln zerrte oder die Fersen im falschen Moment in ihre Flanken schlug. Egwene hatte sie nach Lord Brynes Beweggr�nden befragt, aber Siuans eigene verworrene Verbindung zu dem Mann erlaubte kaum mehr als Bissigkeit, wenn es um ihn ging. Entweder ha�te sie Gareth Bryne abgrundtief, oder sie liebte ihn, und sich Siuan verliebt vorzustellen, war, als stelle man sich diese Kr�he schwimmend vor.</p><p>Auf dem H�gelkamm waren jetzt keine Soldaten der Bande mehr auszumachen, sondern nur noch abgestorbene Nadelb�ume. Egwene hatte nicht bemerkt, da� die M�nner verschwunden waren. Mat hatte einen Ruf als <emphasis>Soldat?</emphasis> Schwimmende Kr�hen kamen nicht nahe. Sie hatte geglaubt, er befehlige die M�nner nur Rand zuliebe, und das war ausreichend schwer zu schlucken gewesen. <emphasis>Es ist gef�hrlich zu glauben, weil man zu wissen meint,</emphasis> erinnerte sie sich, w�hrend sie Bryne betrachtete.</p><p>�...sollte ausgepeitscht werden!� Myrelles Stimme klang noch immer zornig. �Ich warne Euch. Wenn ich erfahre, da� Ihr Euch wieder mit diesem Drachenverschworenen getroffen habt...!�</p><p>Die Drohung prallte anscheinend wirkungslos an Bryne ab. Er ritt unbeeindruckt weiter, murmelte nur gelegentlich: �Ja, Myrelle Sedai� oder �Nein, Myrelle Sedai�, ohne Anzeichen von Sorge zu zeigen und ohne seine aufmerksame Beobachtung der Umgebung zu unterbrechen. <emphasis>Er</emphasis> hatte die Soldaten zweifellos davonreiten sehen. <emphasis>Wie</emphasis> auch immer er seine Geduld aufbot - und Egwene wu�te innerlich, da� Angst nichts damit zu tun hatte -, war sie nicht in der Stimmung, dem zuzuh�ren.</p><p>�Seid still, Myrelle! Niemand wird Lord Bryne etwas anhaben.� Sie rieb sich die Schl�fen und erwog, eine der Schwestern im Lager um Heilung zu bitten. Weder Siuan noch Myrelle besa�en ausreichende F�higkeiten. Nicht da� das Heilen etwas n�tzen w�rde, wenn es nur am Schlafmangel und den Sorgen lag. Nicht da� sie Ger�chte h�ren wollte, die Anstrengung sei zuviel f�r sie. Au�erdem gab es andere M�glichkeiten, mit Kopfschmerzen umzugehen, als das Heilen, wenn auch nicht hier.</p><p>Myrelle pre�te kurz die Lippen zusammen. Dann wandte sie den Kopf ruckartig und mit ger�teten Wangen ab, und Bryne schien pl�tzlich in die Betrachtung eines Falken mit roten Schwingen vertieft, der zu ihrer Linken abdrehte. Auch ein tapferer Mann konnte Taktlosigkeit erkennen. Der Falke legte die Fl�gel an und scho� mit sich aufplusternden Federn auf eine unsichtbare Beute hinter einem Hain Lederblattb�ume herab. Egwene f�hlte sich auch so - als sto�e sie in der Hoffnung, das Richtige erw�hlt zu haben, auf unsichtbare Ziele herab, und auch in der Hoffnung, da� es hier �berhaupt ein Ziel gab.</p><p>Sie atmete tief ein und w�nschte, sie w�re ruhiger. �Richtig, Lord Bryne, es ist wohl das beste, wenn Ihr Talmanes nicht wieder trefft. Ihr wi�t sicherlich inzwischen so viel �ber seine Absichten wie n�tig.� Das Licht gebe, da� Talmanes nicht bereits zu viel verraten hatte. Schade, da� sie Siuan oder Leane nicht auftragen konnte, ihn zur Vorsicht zu ermahnen, wenn er diese Warnung �berhaupt ann�hme, aber wenn man die Stimmung unter den Schwestern bedachte, k�nnte sie es genauso gut riskieren, Rand aufzusuchen.</p><p>Bryne verbeugte sich im Sattel. �Wie Ihr befehlt, Mutter.� Er klang nicht sp�ttisch - das tat er niemals. Er hatte in Gegenwart der Aes Sedai offensichtlich gelernt, seine Stimme zu z�hmen. Siuan z�gerte und sah ihn stirnrunzelnd an. Vielleicht konnte sie herausfinden, wem seine Loyalit�t galt. Trotz all ihrer Feindseligkeit verbrachte sie viel Zeit in seiner Gesellschaft, weitaus mehr, als eigentlich n�tig war.</p><p>Egwene umfa�te bewu�t Daishars Z�gel fester, um sich nicht an die Schl�fen zu greifen. �Wie weit noch, Lord Bryne?� Es war m�hsam, sich die Ungeduld nicht anmerken zu lassen.</p><p>�Es ist nicht mehr sehr weit, Mutter.� Aus einem unbestimmten Grund wandte er halbwegs den Kopf, um Myrelle anzusehen. �Es ist jetzt nicht mehr weit.�</p><p>Zunehmend sprenkelten Bauernh�fe die Landschaft, sowohl an den H�ngen als auch in den Ebenen, obwohl die Emondsfelderin in Egwene ihr sagte, da� dies keinen Sinn ergab - niedrige graue Steingeb�ude und Scheunen und nicht eingez�unte Weiden mit nur wenigen mageren K�hen und traurig wirkenden Schafen mit schwarzen Schw�nzen. Nicht alle waren verbrannt, nur hier und da. Die Brandstiftungen sollten den anderen vermutlich zeigen, was geschehen w�rde, wenn sie nicht f�r den Wiedergeborenen Drachen waren.</p><p>Auf einem der Geh�fte sah sie einige von Lord Brynes Kurieren mit einem Wagen. Da� sie zu ihm geh�rten, war genauso durch den Umstand, da� er sie beobachtete und dann nickte, wie auch durch das Fehlen einer wei�en Flagge offensichtlich. Die Bande zeigte sich stets stolz. Zus�tzlich zu den Bannern waren in letzter Zeit auch einige dazu �bergegangen, sich ein rotes Tuch um den Arm zu binden. Ein halbes Dutzend Vieh und vielleicht zwei Dutzend Schafe muhten und bl�kten unter der Bewachung von Reitern, und andere M�nner schleppten an einem mit eingesunkenen Schultern dastehenden Bauern und seiner Familie vorbei S�cke aus der Scheune zum Wagen. Eines der kleinen M�dchen, das wie die anderen eine Haube trug, pre�te ihr Gesicht an die R�cke ihrer Mutter und weinte offenbar. Einige der Jungen hatten die F�uste geballt, als wollten sie k�mpfen. Der Bauer w�rde eine Entsch�digung erhalten, aber wenn er wirklich nicht er�brigen konnte, was ihm genommen wurde, wenn er fast zwanzig M�nnern in Brustharnischen und Helmen widerstehen wollte, h�tten jene verbrannten H�fe ihn doch daran gehindert. Brynes Soldaten fanden recht h�ufig verkohlte Leichen in den Ruinen, M�nner und Frauen und Kinder, die bei dem Versuch hinauszugelangen gestorben waren. Einige der T�ren und Fenster waren von au�en verriegelt worden.</p><p>Egwene fragte sich, ob man den Bauern und Dorfbewohnern irgendwie verst�ndlich machen k�nnte, da� zwischen den Stra�enr�ubern und dem Heer ein Unterschied bestand. Sie wollte sie so gern davon �berzeugen, aber sie wu�te nicht wie, wenn sie ihre Soldaten nicht hungern lassen wollte, bis sie desertierten. Wenn die Schwestern schon keinen Unterschied zwischen den Stra�enr�ubern und der Bande erkennen konnten, schien bei der Landbev�lkerung erst recht keine Hoffnung darauf zu bestehen. Als das Geh�ft hinter ihnen verschwand, widerstand sie dem Drang, sich im Sattel umzudrehen und zur�ckzuschauen. Sich umzusehen w�rde nichts �ndern.</p><p>Lord Bryne hielt Wort. Ungef�hr drei oder vier Meilen vor dem Lager - drei oder vier Meilen Luftlinie, aber doppelt soviel �ber Land - umrundeten sie eine mit Gestr�pp und B�umen bewachsene Bergflanke, und er verhielt sein Pferd. Die Sonne war fast auf halbem Weg zu ihrem h�chsten Stand. Eine weitere Stra�e verlief unter ihnen, schmaler und weitaus gewundener als diejenige, die durch das Lager f�hrte.</p><p>�Sie glaubten, sicher an den Stra�enr�ubern vorbei zu gelangen, wenn sie bei Nacht ritten�, sagte er. �Es war anscheinend keine schlechte Idee, denn sonst m��ten sie einfach das Gl�ck des Dunklen K�nigs selbst gehabt haben. Sie kamen aus Caemlyn.�</p><p>Ein H�ndlerzug von etwa f�nfzig Wagen hinter Gespannen von ungef�hr zehn Pferden erstreckte sich die Stra�e entlang und hielt unter der Aufsicht weiterer Soldaten Brynes an. Einige der Soldaten waren zu Fu� und �berwachten die �bergabe von F�ssern und S�cken von den H�ndlerwagen an ein halbes Dutzend ihrer eigenen Leute. Eine Frau in einem einfachen dunklen Gewand winkte mit den Armen und deutete energisch auf den einen oder anderen Gegenstand, entweder protestierend oder weil sie verhandelte, aber ihre Leute standen nur bedr�ckt und schweigend zusammen. Ein kleines St�ck weiter die Stra�e hinauf zierten schreckliche Fr�chte die ausladenden Zweige einer Eiche - M�nner, die geh�ngt worden waren. Es sa�en so viele Kr�hen in dem Baum, da� er fast schwarz belaubt wirkte. Diese V�gel n�hrten sich von mehr als nur von Fisch. Selbst auf die Entfernung war der Anblick f�r Egwenes Magen belastend.</p><p>�Wolltet Ihr mir das zeigen? Die H�ndler oder die Banditen?� Sie konnte an den Geh�ngten keine Kleidung erkennen, und wenn Stra�enr�uber Menschen h�ngten, geh�rten dazu auch Frauen und Kinder. Jedermann h�tte die Leichen hierherbringen k�nnen, Brynes Soldaten, die Bande - da� die Bande alle sogenannten Drachenverschworenen aufkn�pfte, die sie erwischte, machte f�r die Schwestern kaum einen Unterschied - oder sogar ein ortsans�ssiger Lord oder eine Lady. H�tten die murandianischen Adligen zusammengewirkt, w�rden inzwischen vielleicht alle Stra�enr�uber an B�umen h�ngen, aber das war, als w�rde man Katzen zum Tanz auffordern. Warte. Er hatte Caemlyn gesagt. �Hat es etwas mit Rand zu tun? Oder mit den Asha'man?�</p><p>Dieses Mal schaute er ganz offen von ihr zu Myrelle und dann wieder zu ihr. Myrelles Hut beschattete ihr Gesicht. Sie schien in D�sternis versunken, war in ihrem Sattel zusammengesackt und �hnelte nicht im geringsten der zuversichtlichen Reiterin von vorher. Anscheinend gelangte er zu einer Entscheidung. �Ich dachte, Ihr solltet es vor allen anderen erfahren, aber vielleicht habe ich mi�verstanden... �Er sah Myrelle erneut an.</p><p>�Was erfahren, Ihr Lumpfisch mit den behaarten Ohren?� grollte Siuan und trieb ihre dicke Stute mit den Fersen n�her an ihn heran.</p><p>Egwene wollte sie beschwichtigen. �Myrelle kann alles h�ren, was Ihr mir zu sagen habt, Lord Bryne. Ich vertraue ihr vollkommen.� Die Gr�ne Schwester wandte ruckartig den Kopf. Ihrem betroffenen Blick nach zu urteilen, h�tte jedermann bezweifelt, da� sie Egwene richtig verstanden hatten, aber Bryne nickte kurz darauf.</p><p>�Ich sehe, da� sich die Dinge ... ge�ndert haben. Ja, Mutter.� Er nahm seinen Helm ab und setzte ihn auf den Knauf seines Sattels. Er schien noch immer zu z�gern und w�hlte seine Worte sorgf�ltig. �H�ndler tragen Ger�chte heran wie Hunde Fl�he. Ich will nat�rlich nicht behaupten, da� irgend etwas davon stimmt, aber...� Es war merkw�rdig, ihn so z�gerlich zu erleben. �Mutter, eine Geschichte, die sie unterwegs aufgeschnappt haben, besagt, da� Rand al'Thor zur Wei�en Burg gegangen sei und Elaida die Treue geschworen habe.�</p><p>Myrelle und Siuan waren sich einen Moment sehr �hnlich, als alle Farbe aus ihren Gesichtern wich, w�hrend sie sich die Katastrophe vorstellten. Myrelle schwankte wahrhaftig im Sattel. Egwene starrte Bryne einen Moment nur an. Dann erschreckte sie sich und die anderen, indem sie in Lachen ausbrach. Dashar t�nzelte �berrascht, und ihn auf dem felsigen Hang beruhigen zu m�ssen, beruhigte auch ihre Nerven. �Lord Bryne�, sagte sie und t�tschelte dem Wallach den Hals, �dem ist nicht so, glaubt mir. Ich wei� es zuverl�ssig, seit letzter Nacht.�</p><p>Siuan stie� sofort einen tiefen Seufzer aus, und Myrelle tat es ihr nur einen Herzschlag sp�ter gleich. Egwene hatte das Gef�hl, erneut lachen zu m�ssen -�ber ihren Gesichtsausdruck. Sie waren so unglaublich erleichtert wie Kinder, denen man gesagt hatte, da� der Schattenmann nicht unter dem Bett war.</p><p>�Das ist erfreulich zu h�ren�, sagte Bryne tonlos, �aber selbst wenn ich jeden Mann dort unten fortschicke, wird die Geschichte meinen Leuten dennoch zu Ohren kommen. Sie wird sich wie ein Lauffeuer im Heer verbreiten.� Das nahm ihr jede Heiterkeit, denn das allein konnte schon eine Katastrophe sein.</p><p>�Ich werde die Schwestern anweisen, Euren Soldaten morgen die Wahrheit zu verk�nden. Werden sechs energische Aes Sedai gen�gen? Myrelle und Sheriam, Carlinya und Beonin, Anaiya und Morvrin.� Die Schwestern w�rden den Weisen Frauen nicht gern begegnen, aber sie w�rden es ihr auch nicht verweigern k�nnen. Sie w�rden es gar nicht wollen, um die Verbreitung dieser Geschichte zu verhindern. Sie sollten es zumindest nicht wollen. Myrelle zuckte kaum wahrnehmbar zusammen und verzog dann den Mund.</p><p>Bryne st�tzte sich mit einem Ellenbogen auf seinen Helm und betrachtete Egwene und Myrelle. Siuan sah er nicht einmal fl�chtig an. Sein Kastanienbrauner stampfte mit dem Huf auf den Fels, und eine Schar M�wen �hnlicher Vogel erhoben sich mit ausgebreiteten Fl�geln aus nur wenige Schritt entfernten B�schen schwirrend in die Luft und lie�en Daishar und Myrelles Pferd scheuen. Brynes Pferd r�hrte sich nicht. Er hatte zweifellos von den Wegetoren geh�rt, obwohl er sicherlich nicht wu�te, was genau sie waren - Aes Sedai bewahrten ihre Geheimnisse gewohnheitsgem�� und hegten einige Hoffnung, dieses vor Elaida geheimhalten zu k�nnen -, und er wu�te sicherlich �berhaupt nichts �ber <emphasis>Tel'aran'rhiod -</emphasis> dieses lebenswichtige Geheimnis war leichter zu h�ten, ohne sichtbare Anzeichen -, und doch fragte er nicht wie. Vielleicht war er inzwischen an die Aes Sedai und ihre Geheimnisse gew�hnt.</p><p>�So lange sie es geradeheraus sagen�, erwiderte er schlie�lich. �Wenn sie auch nur im geringsten ausweichen...� Sein Blick sollte nicht einsch�chtern, nur verdeutlichen, und er schien durch das zufriedengestellt, was er auf ihrem Gesicht las. �Ihr kommt anscheinend gut zurecht, Mutter. Ich w�nsche Euch weiterhin steten Erfolg. Setzt f�r heute nachmittag einen Zeitpunkt fest, und ich werde kommen. Wir sollten regelm��ig miteinander sprechen. Ich werde kommen, wann immer Ihr nach mir schickt. Wir sollten genaue Pl�ne ausarbeiten, wie wir Euch auf den Amyrlin-Sitz bringen k�nnen, wenn wir Tar Valon erreichen.�</p><p>Er sprach vorsichtig - er war sich h�chstwahrscheinlich noch immer nicht vollkommen im klaren, was vor sich ging oder wie weit er Myrelle trauen konnte - und es dauerte einen Moment, bis sie erkannte, was er getan hatte. Dann hielt sie den Atem an. Vielleicht gew�hnte sie sich zu sehr an die Art der Aes Sedai, in R�tseln zu sprechen, aber ... Bryne hatte gerade gesagt, das Heer geh�re ihr. Sie war sich dessen sicher. Nicht dem Saal, und nicht Sheriam -ihr.</p><p>�Danke, Lord Bryne.� Das schien wenig genug, besonders, als sein vorsichtiges Nicken und sein stetig auf ihr ruhender Blick ihre Annahme zu best�tigen schienen. Sie hatte pl�tzlich tausend weitere Fragen, von denen sie die meisten nicht einmal stellen k�nnte, wenn sie allein w�ren. Schade, da� sie ihn nicht vollst�ndig ins Vertrauen ziehen konnte. <emphasis>Sei vorsichtig, bis du Gewi�heit hast, und dann sei noch ein wenig vorsichtiger.</emphasis> Ein altes Sprichwort, das sehr gut zu allem mit den Aes Sedai zusammenh�ngenden Handeln pa�te. Selbst die besten Menschen besprachen Dinge mit ihren Freunden, besonders, wenn es um Dinge ging, die geheim bleiben sollten. �Ihr m��t Euch bestimmt den restlichen Vormittag um tausend Kleinigkeiten k�mmern�, sagte sie und nahm die Z�gel auf. �Kehrt unbesorgt zur�ck. Wir werden noch etwas weiterreiten.�</p><p>Bryne widersprach nat�rlich. Er klang fast wie ein Beh�ter, der von der Unm�glichkeit sprach, �berallhin gleichzeitig zu schauen, und da� ein Pfeil im R�cken eine Aes Sedai genauso schnell t�ten k�nnte wie jeden anderen Menschen. Egwene beschlo�, da� der n�chste Mensch, der ihr das sagen w�rde, daf�r bezahlen m��te. Drei Aes Sedai waren dreihundert Mann gewi� ebenb�rtig. Letztendlich hatte er, trotz all seines Murrens, keine andere Wahl, als zu gehorchen. Er nahm seinen Helm und f�hrte sein Pferd den absch�ssigen Hang hinab auf den H�ndlerzug zu, anstatt den Weg zu nehmen, auf dem er gekommen war, aber das war aus ihrer Sicht sogar besser.</p><p>�Reitet voran, Siuan�, sagte sie, als er ein Dutzend Schritte hinabgelangt war.</p><p>Siuan sah hinter ihm her, als h�tte er ihr die ganze Zeit zugesetzt. Sie richtete schnaubend ihren Strohhut, ri� ihre Stute herum - nun, zog sie herum - und brachte das gedrungene Tier mit den Fersen in Gang. Egwene bedeutete Myrelle, ihr zu folgen. Die Frau hatte, genau wie Bryne, keine andere Wahl.</p><p>Zuerst sah Myrelle sie von der Seite an, denn sie erwartete eindeutig, da� sie das Thema der zur Wei�en Burg geschickten Schwestern aufbr�chte, und ersann Entschuldigungen daf�r, warum dies sogar vor dem Saal geheimgehalten werden mu�te. Je l�nger Egwene schweigend weiterritt, desto unbehaglicher regte sich Myrelle im Sattel. Sie benetzte ihre Lippen, und erste Risse zeigten sich in der Aes-Sedai-Gelassenheit. Schweigen war ein <emphasis>�beraus</emphasis> n�tzliches Instrument.</p><p>Eine Zeitlang war au�er den Pferdehufen und dem gelegentlichen Schrei eines Vogels im Geb�sch nichts zu h�ren, aber als deutlich wurde, in welche Richtung Siuan ritt - ein wenig westlich vom R�ckweg zum Lager ab -, steigerte sich Myrelles Unbehagen. Vielleicht enthielten die Hinweise, die Siuan zusammengetragen hatte, letztendlich doch ein K�rnchen Wahrheit.</p><p>Als Siuan noch einmal westw�rts schwenkte, zwischen zwei unf�rmigen H�geln hindurch, die sich einander zuneigten, verhielt Myrelle ihr Pferd. �In ... in dieser Richtung liegt ein Wasserfall�, sagte sie und deutete gen Osten. �Er ist nicht sehr hoch, war es auch vor der D�rre nicht, aber er ist auch jetzt noch recht h�bsch.� Siuan hielt ebenfalls inne und schaute l�chelnd zur�ck.</p><p>Was hatte Myrelle zu verbergen? fragte sich Egwene neugierig. Sie betrachtete die Gr�ne Schwester und bemerkte erschrocken einen Schwei�tropfen auf deren Stirn, der auch im Schatten am Rande ihres grauen Haars schimmerte. Sie wollte zweifelsfrei wissen, was eine Aes Sedai ausreichend ersch�ttern konnte, sie zum Schwitzen zu bringen.</p><p>�Ich glaube, Siuans Weg wird noch interessante Einblicke gew�hren, meint Ihr nicht?� fragte Egwene und wandte Daishar um. Myrelle schien in sich zusammenzusinken. �Kommt schon.�</p><p>�Ihr wi�t alles, nicht wahr?� murrte Myrelle unsicher, w�hrend sie zwischen den H�geln hindurchritten. Jetzt war mehr als nur ein Tropfen Schwei� auf ihrem Gesicht zu sehen. Sie war bis ins Mark ersch�ttert. �Alles. Wie konntet Ihr...?� Sie richtete sich pl�tzlich ruckartig im Sattel auf und starrte Siuans R�cken an. �Sie! Siuan war von Anfang an Eure Handlangerin!� Sie klang fast emp�rt. �Wie konnten wir so blind sein? Aber ich verstehe noch immer nicht. Wir waren so vorsichtig.�</p><p>�Wenn Ihr etwas geheimhalten wollt�, sagte Siuan ver�chtlich �ber die Schulter, �dann versucht nicht, so weit im S�den M�nzpfeffer zu kaufen.�</p><p>Was, um alles in der Welt, war M�nzpfeffer? Und wor�ber redeten sie? Myrelle erschauderte. An dem Umstand, da� Siuans Tonfall keine heftige, zurechtweisende Erwiderung bewirkt hatte, konnte man ermessen, wie aufgebracht sie war. Statt dessen benetzte sie ihre Lippen, als w�ren sie pl�tzlich noch trockener geworden.</p><p>�Mutter, Ihr m��t verstehen, warum ich es getan habe, warum wir es getan haben.� Die Furcht in ihrer Stimme w�re auch angemessen gewesen, wenn sie der H�lfte der Verlorenen h�tte gegen�bertreten m�ssen. �Nicht nur, weil Moiraine darum gebeten hat, nicht nur, weil sie meine Freundin war. Ich hasse es, sie sterben zu lassen. Ich hasse es! Der Handel, den wir eingehen, fallt uns oft schwer, aber ihnen f�llt er noch schwerer. Ihr m��t es verstehen. Ihr m��t!�</p><p>Gerade als Egwene dachte, sie w�rde alles preisgeben, verhielt Siuan ihre Stute und wandte sich zu ihnen um. Egwene h�tte sie ohrfeigen k�nnen. �Vielleicht w�re es f�r Euch einfacher, Myrelle, wenn Ihr den restlichen Weg f�hrt�, sagte sie kalt und wahrhaft angewidert. �Zusammenarbeit k�nnte Milderung bedeuten. Ein wenig.�</p><p>�Ja.� Myrelle nickte, w�hrend ihre H�nde unabl�ssig mit den Z�geln besch�ftigt waren. �Ja, nat�rlich.�</p><p>Sie wirkte den Tr�nen nahe, als sie die F�hrung �bernahm. Siuan, die ihr folgte, schien nur einen Moment erleichtert. Egwene dachte, auch sie w�rde in Tr�nen ausbrechen. Welcher Handel? Mit wem? Wen lie�en sie sterben? Und wer waren �wir�? Sheriam und die anderen? Aber Myrelle h�tte davon geh�rt, und es schien zu diesem Zeitpunkt kaum ratsam, ihr eigenes Unwissen zu offenbaren. <emphasis>Eine unwissende Frau, die den Mund h�lt, wird f�r weise erachtet werden,</emphasis> lautete ein Sprichwort. Und ein anderes lautete: <emphasis>Wenn man das erste Geheimnis bewahrt, bewahrt man auch zehn weitere.</emphasis> Sie konnte den beiden nur folgen und alles f�r sich behalten. Sie w�rde jedoch mit Siuan reden m�ssen. Die Frau sollte keine Geheimnisse vor <emphasis>ihr</emphasis> bewahren. Egwene bem�hte sich z�hneknirschend, Geduld zu beweisen und unbesorgt zu scheinen. Weise.</p><p>Fast auf dem R�ckweg zum Lager, wenige Meilen westlich, f�hrte Myrelle sie einen niedrigen, abgeflachten H�gel hinauf, der mit Kiefern und Lederblattb�umen bestanden war. Zwei gewaltige Eichen hielten alles andere Wachstum im Bereich ihrer weiten Kronen nieder. Unter dichten, ineinander verschlungenen Zweigen standen drei spitz zulaufende Zelte aus geflickter Leinwand und eine Reihe angepflockte Pferde in der N�he eines Karrens, sowie f�nf gro�e Schlachtrosse, die sorgf�ltig von den anderen entfernt angepflockt waren. Nisao Dachen wartete in einem einfach geschnittenen, bronzefarbenen Reitgewand unter dem Sonnendach eines der Zelte, als wollte sie G�ste willkommen hei�en. Neben ihr stand Sarin Hoigan in dem olivgr�nen Umhang, den so viele Gaidin trugen. Nisaos Beh�ter, ein gedrungen wirkender, kahlk�pfiger Mann mit dichtem schwarzen Bart, war gr��er als sie. Wenige Schritte entfernt beobachteten zwei von Myrelles drei Gaidin aufmerksam, wie sie in die H�hlung hinabstiegen: Croi Makin, schlank und blond, und Nuhel Dromand, dunkelhaarig und wuchtig und mit einem Bart, der seine Oberlippe frei lie�. Niemand wirkte im mindesten �berrascht. Offensichtlich hatte einer der Beh�ter Wache gehalten und vorgewarnt. Jedoch sch�tzte nichts Sichtbares die Heimlichkeit. Myrelle leckte sich nerv�s die Lippen. Wenn Nisao sie willkommen hie� - warum strichen Myrelles H�nde dann unabl�ssig �ber ihre R�cke? Sie wirkte, als w�rde sie lieber abgeschirmt Elaida gegen�bertreten.</p><p>Zwei Frauen, die um die Ecke eines der Zelte gesp�ht hatten, wichen eilig wieder zur�ck, aber Egwene hatte sie bereits erkannt. Nicola und Areina. Sie f�hlte sich pl�tzlich sehr unbehaglich. Wohin hatte Siuan sie gef�hrt?</p><p>Siuan zeigte keinerlei Nervosit�t, als sie abstieg. �Bringt ihn heraus, Myrelle. Jetzt.� Sie richtete sich an ihrer Vergeltung wieder auf. Ihr Tonfall klang �beraus schneidend. �Es ist zu sp�t, noch etwas zu verbergen.�</p><p>Myrelle brachte kaum Unmut �ber die Behandlung zustande. Sie ri� sich sichtlich zusammen, zog sich ruckartig den Hut vom Kopf, stieg schweigend ab, trat zu einem der Zelte und verschwand darin. Nisaos Blick aus bereits geweiteten und sich st�ndig noch st�rker weitenden Augen folgte ihr. Sie schien am Fleck festgewachsen.</p><p>Nur Siuan war nahe genug, um Egwene h�ren zu k�nnen. �Warum habt Ihr uns unterbrochen?� verlangte sie leise zu wissen, w�hrend sie abstieg. �Ich bin sicher, da� sie gerade gestehen wollte ... was auch immer es ist ... und ich habe noch immer keinen Anhaltspunkt. Was ist M�nzpfeffer?�</p><p>�Er ist in Shienar und Malkier sehr bekannt�, antwortete Siuan genauso leise. �Ich habe erst davon geh�rt, als ich Aeldene heute morgen verlie�. Ich mu�te Myrelle die F�hrung �berlassen. Ich wu�te nichts, jedenfalls nichts Genaues. Es h�tte wohl nicht viel gen�tzt, sie das erkennen zu lassen, oder? Ich wu�te auch nichts von Nisao. Ich dachte, sie h�tten kaum jemals miteinander gesprochen.� Sie betrachtete die Gelbe Schwester und sch�ttelte ver�rgert den Kopf. Siuan konnte nur schlecht mit der Erkenntnis umgehen, ein Versagen nicht erkannt zu haben. �Es sei denn, ich bin blind <emphasis>und</emphasis> dumm geworden, was diese beiden...� Sie verzog den Mund und suchte nach einem angemessenen Schimpfwort. Pl�tzlich ergriff sie Egwenes �rmel. �Da kommen sie. Jetzt werdet Ihr es selbst erkennen.�</p><p>Myrelle trat als erste aus dem Zelt, dann ein nur mit Stiefeln und einer Hose bekleideter Mann, der tief geduckt durch den Eingang treten mu�te, ein blankgezogenes Schwert in der Hand und mit Narben kreuz und quer �ber seiner leicht behaarten Brust. Er war weitaus gr��er als Myrelle und auch als jeder der Beh�ter. Sein langes dunkles Haar, das von einem geflochtenen Lederband um seine Stirn gehalten wurde, war jetzt von mehr Grau durchzogen als zu dem Zeitpunkt, als Egwene ihn das letzte Mal gesehen hatte, aber es war nichts Sanftes an Lan Mandragoran. Teile des Puzzles f�gten sich unvermittelt zusammen, und doch stimmte das Bild f�r sie noch immer nicht. Er war Moiraines Beh�ter gewesen, der Aes Sedai, die sie und Rand und die anderen vor scheinbar einem Zeitalter aus den zwei Fl�ssen herausgef�hrt hatte, aber Moiraine war nach der T�tung Lanfears gestorben, und Lan hatte kurz darauf in Cairhien als vermi�t gegolten. Vielleicht war Siuan alles offenbar, aber sie selbst tappte zutiefst im dunkeln.</p><p>Myrelle fl�sterte Lan etwas zu und ber�hrte seinen Arm. Er zuckte leicht zusammen, wie ein nerv�ses Pferd, aber sein hartes Gesicht war best�ndig Egwene zugewandt. Schlie�lich nickte er jedoch, wandte sich auf dem Absatz um und schritt tiefer unter die Zweige der Eichen. Er hielt das Schwert mit beiden H�nden �ber dem Kopf, die Klinge schr�g nach unten, richtete sich auf die Zehenspitzen auf und blieb regungslos stehen.</p><p>Nisao sah ihn einen Moment stirnrunzelnd an, als w�re auch ihr etwas r�tselhaft. Dann begegnete ihr Blick dem Myrelles, und sie beide schauten zu Egwene. Aber anstatt zu ihr zu kommen, traten sie zueinander und fl�sterten einander hastig etwas zu. Es war zun�chst einmal zumindest ein Austausch. Dann stand Nisao einfach ungl�ubig da und sch�ttelte abwehrend den Kopf. �Ihr habt mich mit hineingezogen�, st�hnte sie schlie�lich laut. �Ich war eine blinde N�rrin, auf Euch geh�rt zu haben.�</p><p>�Dies sollte ... interessant sein�, bemerkte Siuan, als die beiden sich dann ihr und Egwene zuwandten. Die Art, wie sie das Wort aussprach, lie� es entschieden unerfreulich klingen.</p><p>Myrelle und Nisao ber�hrten eilig ihr Haar und ihre Gew�nder, w�hrend sie die kurze Entfernung �berbr�ckten, um sicherzugehen, da� alles in Ordnung war. Vielleicht waren sie bei etwas erwischt worden -<emphasis>bei was?</emphasis></p><p>fragte sich Egwene -, aber sie wollten offensichtlich das Beste aus der Situation machen.</p><p>�Wenn Ihr eintreten wollt, Mutter�, sagte Myrelle und deutete auf das n�chststehende Zelt. Nur ein leichtes Zittern in ihrer Stimme strafte ihr unbewegtes Gesicht L�gen. Sie schwitzte nicht mehr. Sie hatte sich das Gesicht nat�rlich abgewischt, aber es war auch kein neuer Schwei� hinzugekommen.</p><p>�Danke, nein, Tochter.�</p><p>�Etwas gew�rzten Wein?� fragte Nisao l�chelnd. Die H�nde �ber der Brust verschr�nkt, wirkte sie dennoch besorgt. �Siuan, geht und sagt Nicola, sie soll den gew�rzten Wein bringen.� Siuan regte sich nicht, und Nisao blinzelte �berrascht und pre�te den Mund zusammen. Ihr L�cheln kehrte jedoch augenblicklich zur�ck, und sie hob ihre Stimme ein wenig. �Nicola? Kind, bringt den gew�rzten Wein. Aus getrockneten Brombeeren, f�rchte ich�, gestand sie Egwene ein, �aber recht st�rkend.�</p><p>�Ich will keinen gew�rzten Wein�, erwiderte Egwene kurz angebunden. Nicola tauchte hinter dem Zelt auf, machte jedoch keinerlei Anstalten, sofort gehorchen zu wollen. Statt dessen blieb sie stehen und starrte die vier Aes Sedai an, w�hrend sie auf der Unterlippe kaute. Nisao warf ihr einen Blick zu, der nur als Abneigung gedeutet werden konnte, aber sie schwieg. Ein weiteres Puzzleteil f�gte sich pl�tzlich ein, und Egwene atmete ein wenig leichter. �Was ich will, Tochter, ist eine Erkl�rung.�</p><p>Ihr gelassener Gesichtsausdruck war nur eine d�nne Fassade. Myrelle streckte bittend eine Hand aus. �Mutter, Moiraine hat mich nicht nur auserw�hlt, weil wir Freundinnen sind. Zwei meiner Beh�ter geh�rten zun�chst Schwestern, die gestorben sind - Avar und Nuhel. Keine andere Schwester hat seit Jahrhunderten mehr als einen Beh�ter gerettet.�</p><p>�Ich bekam nur durch seinen Geist hiermit zu tun�, erkl�rte Nisao hastig. �Ich habe ein gewisses Interesse an Geisteskrankheiten, und dies mu� wirklich als solche bezeichnet werden. Myrelle hat mich geradezu hineingezogen.�</p><p>Myrelle gl�ttete ihre R�cke und sah die Gelbe mit finsterem Blick <emphasis>an,</emphasis> der lediglich interessiert erwidert wurde. �Mutter, wenn die Aes Sedai eines Beh�ters stirbt, ist es, als verinnerliche er ihren Tod und w�rde von innen davon vereinnahmt. Er...�</p><p>�Das wei� ich, Myrelle�, unterbrach Egwene sie scharf. Siuan und Leane hatten ihr genug dar�ber erz�hlt, obwohl sie nicht wu�ten, da� sie die beiden nur darum gebeten hatte, weil sie wissen wollte, was bez�glich Gawyn zu erwarten war. Einen armseligen Handel, hatte Myrelle es genannt, und vielleicht war es das auch. Wenn der Beh�ter einer Schwester starb, wurde sie von Kummer vereinnahmt. Sie konnte diesen Kummer teilweise kontrollieren, ihm manchmal Einhalt gebieten, aber fr�her oder sp�ter fra� er sich doch nach au�en. Wie gut sich Siuan auch immer unter Kontrolle hatte, wenn andere dabei waren, weinte sie dennoch manche Nacht, wenn sie allein war, um ihren Alric, der am Tage ihrer Absetzung get�tet worden war. Aber was waren auch monatelange Tr�nen, verglichen mit dem Tod selbst? Viele Geschichten erz�hlten von Beh�tern, die gestorben waren, um ihre Aes Sedai zu r�chen, was in der Tat sehr h�ufig geschah. Ein Mann, der sterben wollte, ein Mann, der danach suchte, was ihn t�ten k�nnte, nahm Risiken auf sich, die nicht einmal ein Beh�ter �berleben konnte. Der schrecklichste Teil dieser Geschichte war f�r sie vielleicht, da� sie wu�ten, wie ihr Schicksal aussehen w�rde, wenn ihre Aes Sedai starb, da� sie wu�ten, was sie trieb, wenn es geschah, und keine M�glichkeit sahen, etwas daran zu �ndern. Sie konnte sich nicht vorstellen, wieviel Mut n�tig war, diesen Handel, dieses Wissen zu akzeptieren.</p><p>Sie trat beiseite, damit sie Lan deutlich sehen konnte. Er stand regungslos, schien nicht einmal zu atmen. Nicola hatte die Getr�nke offensichtlich vergessen, sa� mit gekreuzten Beinen auf dem Boden und beobachtete ihn. Areina hockte neben Nicola, die ihren Zopf �ber die Schulter gezogen hatte, auf den Fersen und beobachtete ihn noch aufmerksamer. Tats�chlich weitaus aufmerksamer, da Nicola manchmal verstohlene Blicke zu Egwene und den anderen warf. Die �brigen Beh�ter bildeten eine kleine Gruppe und gaben vor, ihn ebenfalls zu beobachten, w�hrend sie ihre Aes Sedai aufmerksam bewachten.</p><p>Eine �beraus warme Brise regte sich, lie� das tote Laub, das den Boden bedeckte, rascheln, und mit erschreckender Pl�tzlichkeit regte sich Lan, wechselte von einem Bein aufs andere, die Klinge in seinen H�nden herumwirbelnd, immer schneller, bis er von einem Bein aufs andere zu <emphasis>springen</emphasis> schien, aber das alles so pr�zise wie die Bewegungen einer Uhr. Egwene erwartete, da� er einhalten oder seine Bewegungen zumindest verlangsamen w�rde, aber er tat nichts dergleichen. Er wurde eher noch schneller. Areinas Kinn sank allm�hlich herab, ihre Augen weiteten sich staunend, und das gleiche geschah mit Nicola. Sie beugten sich vor wie Kinder, die Kandiszucker auf dem K�chentisch beim Trocknen zusahen. Sogar die anderen Beh�ter teilten ihre Aufmerksamkeit jetzt zwischen ihren Aes Sedai und ihm auf, aber im Gegensatz zu den Frauen beobachteten sie einen L�wen, der jeden Moment angreifen konnte.</p><p>�Ich sehe, da� Ihr ihn hart fordert�, sagte Egwene. Das war ein Teil des Vorgehens, einen Beh�ter zu retten. Nur wenige Schwestern waren bereit, den Versuch zu wagen, da sie die Versagensrate und den Preis kannten, den sie selbst daf�r zahlen mu�ten. Ein weiterer Teil des Vorgehens bestand darin, ihn von Risiken abzuhalten und ihn erneut zu binden. Das war der erste Schritt. Myrelle hatte sich zweifellos um dieses kleine Detail gek�mmert. Arme Nynaeve. Es konnte durchaus sein, da� sie Myrelle erw�rgte, wenn sie es erfuhr. Andererseits w�rde sie vielleicht alles unterst�tzen, was Lan am Leben hielt. Vielleicht. Was Lan betraf, so verdiente er das Schlimmste, was er bekam, wenn er sich von einer anderen Frau binden lie�, obwohl er wu�te, da� Nynaeve sich nach ihm verzehrte.</p><p>Sie dachte, ihre Stimme kl�nge fest, aber etwas von ihren Empfindungen mu�te sich hineingeschlichen haben, da Myrelle erneut zu erkl�ren versuchte.</p><p>�Mutter, es ist nicht so schlimm, eine Bindung weiterzugeben. Nun, tats�chlich bedeutet es nicht mehr, als da� eine Frau entscheidet, wer ihren Ehemann bekommen soll, wenn sie stirbt, damit er in die richtigen H�nde kommt.�</p><p>Egwene sah sie so starr an, da� Myrelle zur�cktrat und beinahe �ber ihre R�cke stolperte. Es war jedoch nur der Schreck. Jedes Mal, wenn Egwene glaubte, nun von dem merkw�rdigsten Brauch geh�rt zu haben, tauchte ein noch merkw�rdigerer auf.</p><p>�Wir sind nicht alle Ebou Dari, Myrelle�, sagte Siuan trocken, �und ein Beh�ter ist kein Ehemann. F�r die meisten von uns nicht.� Myrelle hob trotzig den Kopf. Manche Schwestern heirateten ihren Beh�ter, eine Handvoll, nur wenige heirateten �berhaupt. Niemand forschte dem allzu genau nach, aber Ger�chte besagten, sie h�tte ihre Beh�ter alle drei geheiratet, was gewi� sogar in Ebou Dar Gebr�uche und Gesetze verletzte. �Nicht so schlimm, sagt Ihr, Myrelle? Nicht so schlimm?� Siuans Gesicht und Stimme dr�ckten gleicherma�en Ver�rgerung aus. Sie klang, als h�tte sie einen �blen Geschmack im Mund.</p><p>�Es gibt kein Gesetz dagegen�, protestierte Nisao an Egwene gewandt, nicht an Siuan. �Kein Gesetz dagegen, einen Bund weiterzugeben.� Siuan wurde ein derart d�sterer Blick zugedacht, da� sie zur�cktrat und schwieg. Sie dachte jedoch ganz anders.</p><p>�Das ist doch nicht der Punkt�, bemerkte Egwene. �Selbst wenn es w�hrend - wieviel? vierhundert oder mehr Jahren? - bereits einmal geschah, selbst wenn sich die Br�uche <emphasis>tats�chlich</emphasis> ge�ndert haben, w�rt Ihr vielleicht mit einigen schiefen Blicken und einem geringf�gigen Verweis davongekommen, wenn ihr seinen Bund nur untereinander weitergegeben h�ttet. Ihr h�ttet ihn vielleicht sogar gegen seinen Willen binden k�nnen. Tats�chlich habt Ihr es, verdammt noch mal, sogar getan!�</p><p>Schlie�lich f�gte sich das Puzzle f�r Egwene vollst�ndig zusammen. Sie wu�te, da� sie denselben Abscheu empfinden sollte wie Siuan. Aes Sedai setzen das Binden eines Mannes gegen seinen Willen einer Vergewaltigung gleich. Er hatte eine genauso gro�e Chance, sich dagegen zu wehren, wie ein Bauernm�dchen sie h�tte, wenn ein Mann von der Statur Lans sie in einer Scheune in die Enge triebe -wenn drei M�nner von der Statur Lans es t�ten. Schwestern waren jedoch nicht immer so r�cksichtsvoll gewesen - tausend Jahre zuvor w�re es kaum erw�hnt worden -, und selbst heutzutage konnte man sich dar�ber streiten, ob ein Mann tats�chlich gewu�t hatte, worauf er sich einlie�. Manche Aes Sedai beherrschten Heuchelei als ebenso gro�e Kunst wie Intrigen oder das Bewahren von Geheimnissen. Der Punkt war, da� sie wu�te, da� er Nynaeve seine Liebe zu ihr nicht eingestanden hatte, sondern irgendwelchen Unsinn dar�ber erz�hlt hatte, da� er gebunden wurde, um fr�her oder sp�ter get�tet zu werden, und sie nicht als Witwe zur�cklassen wollte. M�nner redeten stets Unsinn, wenn sie vern�nftig zu sein glaubten. H�tte Nynaeve ihn ungebunden gehen lassen, wenn sie eine andere Chance gehabt h�tte, gleichg�ltig, was er gesagt hatte? H�tte sie selbst Gawyn gehen lassen? Er hatte gesagt, er w�rde annehmen, aber wenn er seine Meinung �nderte?</p><p>Nisao bewegte den Mund, fand aber nicht die richtigen Worte. Sie sah Siuan an, als w�re alles ihr Fehler, aber das war noch nichts gegen den Blick, den sie Myrelle zugedachte. �Ich h�tte <emphasis>niemals</emphasis> auf Euch h�ren sollen�, grollte sie. �Ich mu� <emphasis>verr�ckt</emphasis> gewesen sein!�</p><p>Myrelle behielt ihren unbewegten Gesichtsausdruck noch immer irgendwie bei, aber sie schwankte ein wenig, als wollten ihre Knie nachgeben. �Ich habe es nicht f�r mich getan, Mutter. Das m��t Ihr mir glauben. Ich mu�te ihn retten. Sobald er au�er Gefahr ist, werde ich ihn an Nynaeve weitergeben, so wie Moiraine es wollte, sobald sie...�</p><p>Egwene hob ruckartig eine Hand, und Myrelle brach so j�h ab, als h�tte sie ihr auf den Mund geschlagen. �Ihr wollt seinen Bund an Nynaeve weitergeben?�</p><p>Myrelle nickte unsicher und Nisao weitaus heftiger. Siuan murmelte stirnrunzelnd etwas dar�ber, da� ein Fehler dreimal schlimmer wurde, wenn man ihn wiederholte. Lan war <emphasis>noch immer</emphasis> nicht langsamer geworden. Zwei Grash�pfer schwirrten aus dem Laub hinter ihm hervor, und er wirbelte herum und zerteilte sie mit dem Schwert in der Luft, ohne innezuhalten.</p><p>�Haben Eure Bem�hungen Erfolg? Ist er in guter Verfassung? Wie lange habt Ihr ihn schon hier?�</p><p>�Erst knapp drei Wochen�, erwiderte Myrelle. �Heute ist der zwanzigste Tag. Mutter, es k�nnte Monate dauern, und es gibt keine Garantie.�</p><p>�Vielleicht ist es an der Zeit, etwas anderes zu versuchen�, sagte Egwene mehr zu sich selbst als zu jemand anderem und eher, um sich selbst zu �berzeugen als andere. Unter diesen Umst�nden war Lan wohl kaum ein leicht zu �berreichendes Geschenk f�r irgend jemanden, aber Bund hin oder her - er geh�rte st�rker zu Nynaeve, als er jemals zu Myrelle geh�ren w�rde.</p><p>Als sie zu ihm hin�berging, stiegen jedoch starke Zweifel in ihr auf. Er wirbelte in seinem Tanz zu ihr herum, das Schwert auf sie zusto�end. Irgend jemand keuchte, als die Klinge nur um Haaresbreite vor ihrem Kopf innehielt. Sie war erleichtert, da� nicht sie gekeucht hatte.</p><p>Strahlend blaue Augen in einem wie aus Stein gemei�elten, ebenm��igen Gesicht betrachteten sie unter gesenkten Brauen eingehend. Lan senkte das Schwert langsam. Schwei� bedeckte seinen K�rper, und doch atmete er nicht einmal schwer. �Also seid Ihr jetzt die Amyrlin. Myrelle hat mir erz�hlt, da� sie eine Amyrlin erhoben haben, aber nicht wen. Anscheinend haben wir beide eine Menge gemeinsam.� Sein L�cheln wirkte genauso kalt wie seine Stimme, genauso kalt wie seine Augen.</p><p>Egwene unterdr�ckte den Wunsch, ihre Stola zurechtzur�cken, und rief sich ins Bewu�tsein, da� sie die Amyrlin und eine Aes Sedai war. Sie wollte <emphasis>Saidar</emphasis> umarmen. Bis zu diesem Moment hatte sie nicht wirklich erkannt, wie gef�hrlich er war. �Nynaeve ist jetzt ebenfalls eine Aes Sedai, Lan. Sie braucht einen guten Beh�ter.� Eine der anderen Frauen stie� einen Laut aus, aber Egwene hielt ihren Blick weiterhin auf ihn gerichtet.</p><p>�Ich hoffe, sie findet einen Helden aus der Legende.� Er lachte bellend. �Sie braucht einen Helden, der ihrem Temperament standhalten kann.�</p><p>Sein eishartes Lachen �berzeugte sie. �Nynaeve befindet sich in Ebou Dar, Lan. Ihr wi�t, wie gef�hrlich es in dieser Stadt ist. Sie sucht etwas, das wir verzweifelt brauchen. Wenn die Schwarze Ajah davon erf�hrt, werden sie Nynaeve t�ten, um es zu bekommen. Wenn die Verlorenen es herausfinden...� Sein Gesicht war ihr schon zuvor bla� erschienen, aber die in seinen sich verengenden Augen erkennbare Qual angesichts der Gefahr, in der Nynaeve schwebte, bekr�ftigte ihren Plan. Nynaeve, nicht Myrelle, hatte das Recht. �Ich schicke Euch als ihren Beh�ter zu ihr.�</p><p>�Mutter�, sagte Myrelle hinter ihr dr�ngend.</p><p>Egwene hob rasch eine Ruhe gebietende Hand. �Ihr werdet f�r Nynaeves Sicherheit verantwortlich sein, Lan�</p><p>Er z�gerte nicht und schaute auch nicht zu Myrelle.</p><p>�Es wird mindestens einen Monat dauern, Ebou Dar zu erreichen. Areina, sattelt Mandarb!� Er wollte sich gerade umwenden, hielt aber dann inne und hob seine freie Hand, als wollte er ihre Stola ber�hren. �Ich entschuldige mich daf�r, da� ich Euch jemals geholfen habe, die Zwei Fl�sse zu verlassen. Euch und Nynaeve.� Er schritt davon und verschwand in dem Zelt, aus dem er zuvor gekommen war, und bevor er nur zwei Schritte getan hatte, scharten sich Myrelle und Nisao und Siuan bereits alle um Egwene zusammen.</p><p>�Mutter, Ihr versteht nicht, was Ihr da vorhabt�, sagte Myrelle atemlos. �Ihr k�nntet genausogut einem Kind eine Laterne in die Hand geben und es damit in einem Heuschober spielen lassen. Ich habe Nynaeve vorbereitet, sobald ich sp�rte, da� sein Bund auf mich �berging. Ich glaubte, ausreichend Zeit zu haben. Aber sie wurde in Windeseile zur Aes Sedai erhoben. Sie ist noch nicht bereit, mit ihm umzugehen, Mutter. Nicht mit ihm, nicht so, wie er jetzt ist.�</p><p>Egwene bewahrte m�hsam die Geduld. Sie verstanden noch immer nicht. �Myrelle, selbst wenn Nynaeve die Macht �berhaupt nicht beherrschte� - sie konnte es tats�chlich nicht, es sei denn, sie war ver�rgert -, �w�rde das keinen Unterschied machen, und das wi�t Ihr. Nicht in bezug darauf, ob sie mit ihm umgehen kann, denn eines habt Ihr nicht vermocht - ihm eine so wichtige Aufgabe zu erteilen, da� er am Leben bleiben mu�, um sie auszuf�hren.� Das war das letzte Argument Es w�rde vermutlich besser greifen als die anderen. �Nynaeves Sicherheit ist f�r ihn sehr wichtig. Er liebt sie, Myrelle, und sie liebt ihn.�</p><p>�Das erkl�rt...�, begann Myrelle leise, aber Nisao unterbrach sie unglaublich schroff.</p><p>�Oh, bestimmt nicht. Nicht er. Sie liebt ihn vielleicht, oder sie glaubt, da� sie ihn liebt, aber Frauen jagen Lan schon hinterher, seit er noch ein bartloser Junge war und fangen ihn einen Tag oder einen Monat lang ein. Er war ein recht h�bscher Junge, wie schwer das jetzt auch zu glauben sein mag. Dennoch besitzt er anscheinend noch immer eine gewisse Anziehungskraft.� Sie warf Myrelle, die leicht die Stirn runzelte und deren Wangen etwas ger�tet waren, einen Seitenblick zu. Ansonsten lie� sie sich nichts anmerken, aber das gen�gte vollkommen. �Nein, Mutter. Jede Frau, die Lan Mandragoran an sich gebunden zu haben glaubt, wird feststellen, da� sie nur Luft gefangen hat.�</p><p>Egwene seufzte wider Willen. Einige Schwestern waren der Ansicht, es geh�re noch etwas dazu, einen Beh�ter zu retten, dessen Bund durch den Tod gebrochen war: ihn in die Arme - ins Bett - einer Frau zu bringen. Dann konnte sich kein Mann mehr auf den Tod konzentrieren, glaubte man. Myrelle hatte daf�r anscheinend selbst gesorgt. Zumindest hatte sie ihn nicht tats�chlich geheiratet, nicht, wenn sie ihn weitergeben wollte. Es w�re genauso gut, wenn Nynaeve es niemals herausf�nde.</p><p>�Sei es, wie es sei�, belehrte sie Nisao abwesend.</p><p>Areina zurrte Mandarbs Sattel gekonnt und energisch fest, w�hrend der gro�e schwarze Hengst den Kopf zwar hoch erhoben hatte, es aber zulie�. Sie hatte eindeutig nicht zum ersten Mal mit diesem Tier zu tun. Nicola stand neben dem dicken Stamm einer entfernter stehenden Eiche, die Arme �ber der Brust gekreuzt, und beobachtete Egwene und die anderen. Sie wirkte bereit davonzulaufen. �Ich wei� nicht, was Areina Euch entlockt hat�, sagte Egwene ruhig, �aber die zus�tzlichen Lektionen f�r Nicola haben jetzt ein Ende.�</p><p>Myrelle und Nisao zuckten zusammen, ein Spiegelbild der �berraschung. Siuans Augen wurden so gro� wie Teetassen, aber gl�cklicherweise erholte sie sich wieder, bevor es jemand merkte. �Ihr wi�t wirklich alles�, fl�sterte Myrelle. �Areina will nur in Lans N�he sein. Sie glaubt vermutlich, da� er sie Dinge lehren wird, die sie als J�gerin gebrauchen kann. Oder da� er vielleicht mit ihr auf die Jagd gehen wird.�</p><p>�Nicola will eine zweite Caraighan werden�, murmelte Nisao sarkastisch. �Oder eine zweite Moiraine. Sie dachte wohl, sie k�nnte Myrelle dazu bringen, Lans Bund an <emphasis>sie</emphasis> weiterzugeben. Nun, zumindest k�nnen wir mit diesen beiden verfahren, wie sie es verdienen, jetzt, wo Lan entdeckt ist. Was auch immer mit mir geschieht - ich werde mich freuen, da� sie lange schreien werden.�</p><p>Siuan erkannte schlie�lich, was geschehen war, und Zorn und Verwunderung k�mpften auf ihrem Gesicht.</p><p>Sie warf Egwene verwunderte Blicke zu. Da� jemand anderes die Angelegenheit zuerst gekl�rt hatte, erz�rnte sie wahrscheinlich genauso sehr wie der Umstand, da� Nicola und Areina Aes Sedai erpre�ten. Oder vielleicht auch nicht. Nicola und Areina waren immerhin keine Aes Sedai. Das �nderte Siuans Sichtweise drastisch. Andererseits galt das gleiche f�r die Schwestern.</p><p>Als Nicola so viele unfreundliche Blicke auf sich gerichtet sah, wich sie so weit wie m�glich an die Eiche zur�ck. Die Flecken auf ihrer wei�en Weste w�rden ihr Schwierigkeiten bereiten, wenn sie ins Lager zur�ckkehrte. Areina war noch immer mit Lans Pferd besch�ftigt und sich nicht bewu�t, was da auf sie zukam.</p><p>�Das w�re gerecht�, stimmte Egwene Nisao zu, �aber nur, wenn Ihr beide ebenfalls eine gerechte Behandlung erfahrt.�</p><p>Niemand sah mehr Nicola an. Myrelles Augen weiteten sich, und Nisaos weiteten sich noch st�rker. Anscheinend wagten beide keinen Widerspruch. Siuans Gesicht �berzog grimmige Zufriedenheit wie eine zweite Haut. Sie verdienten wahrhaftig keine Gnade - nicht, da� Egwene sie ihnen zu gew�hren beabsichtigte.</p><p>�Wir werden weiter dar�ber sprechen, wenn ich zur�ckkomme�, belehrte Egwene die beiden, als Lan wieder auftauchte, das Schwert �ber einen gr�nen, ge�ffneten Umhang geschn�rt, der ein ebenfalls ge�ffnetes Hemd freigab, und mit gepackten Satteltaschen �ber der Schulter. Der die Farbe ver�ndernde Umhang eines Beh�ters hing seinen R�cken hinab und zog die Blicke auf sich, als er hinter ihm herwehte.</p><p>Egwene �berlie� die Schwestern ihrer Best�rzung und trat zu Lan. Siuan w�rde ihre Best�rzung noch sch�ren, wenn sie Anzeichen neuerlichen �bermuts zeigten. �Ich kann Euch schneller als in einem Monat nach Ebou Dar bringen�, sagte sie. Er nickte nur ungeduldig und rief Areina zu, sie solle Mandarb zu ihm f�hren. Seine Anspannung war zerm�rbend, eine im L�sen begriffene Lawine, die nur noch an einem Faden hing.</p><p>Egwene er�ffnete an der Stelle, an der er seine Schwert�bungen durchgef�hrt hatte, ein Wegetor von acht mal acht Fu� und trat durch es hindurch auf ein Flo�, das in der sich endlos erstreckenden Dunkelheit dahintrieb. Zum Gleiten ben�tigte man eine Plattform, und obwohl alles als solche dienen konnte, was man sich vorzustellen beliebte, schien jede Schwester eine bevorzugte Vorstellung von dieser Plattform zu haben. F�r sie war es dieses Holzboot mit fester Reling. Wenn sie herabfiele, k�nnte sie unter sich ein zweites Flo� bilden, obwohl es dann fraglich w�re, wo sie herausk�me, aber f�r jedermann, der die Macht nicht lenken konnte, w�rde der Sturz so ewig dauern wie die Schw�rze, die sich �berallhin erstreckte. Nur an diesem Ende des Flosses gab es etwas Licht durch das Wegetor, das einen verengten Blick auf die �ffnung gew�hrte. Dieses Licht vermochte die Dunkelheit nicht zu durchdringen, und doch war eine Art Licht vorhanden. Zumindest konnte sie recht deutlich sehen - wie in <emphasis>Tel'aran'rhiod.</emphasis> Sie fragte sich nicht z�m ersten Mal, ob dies tats�chlich ein Teil der Welt der Tr�ume war.</p><p>Lan folgte ihr, ohne dazu aufgefordert werden zu m�ssen, und f�hrte sein Pferd mit sich. Er untersuchte das Wegetor, w�hrend er hindurchschritt, und betrachtete die Dunkelheit als er mit dem Hengst mit dumpfen Stiefel- und Hufger�uschen �ber die Decksplanken auf sie zukam. Seine einzige Frage war: �Wie schnell werde ich hiermit nach Ebou Dar gelangen?�</p><p>�Gar nicht�, sagte sie und lenkte die Macht um das Wegetor zu schlie�en. �Nicht direkt in die Stadt� Nichts bewegte sich, was man h�tte erkennen k�nnen. Es war kein Wind, keine Brise, nichts zu sp�ren. Dennoch bewegten sie sich. Und zwar schnell, schneller, als sie sich jegliche Bewegung vorstellen konnten. Sie mu�ten sechshundert Meilen oder mehr zur�cklegen. �Ich kann Euch f�nf oder sechs Tage n�rdlich von Ebou Dar absetzen.� Sie hatte zugesehen, wie das Wegetor gewoben wurde, als Nynaeve und Elayne s�dw�rts reisten, und sie erinnerte sich ausreichend gut daran, um zum gleichen Ort zu gleiten.</p><p>Er ruckte und sp�hte voraus, als k�nne er ihr Ziel bereits erkennen. Er erinnerte sie an einen Pfeil, der in einen gespannten Bogen eingelegt war.</p><p>�Lan, Nynaeve wohnt im Tarasin-Palast, als Gast K�nigin Tylins. Sie k�nnte leugnen, in Gefahr zu sein.� Was sie gewi� entr�stet tun w�rde, wenn Egwene sie richtig einsch�tzte, und das zu Recht �Versucht nicht, dar�ber zu streiten. Ihr wi�t, wie eigensinnig sie ist, aber Ihr d�rft nicht darauf achten. Wenn n�tig, besch�tzt sie einfach, ohne da� sie es merkt.� Er schwieg und sah sie auch nicht an. Sie h�tte in diesem Augenblick hundert Fragen stellen m�gen. �Lan, wenn Ihr sie findet, m��t Ihr Nynaeve sagen, da� Myrelle Euren Bund an sie weitergeben wird, sobald Ihr drei Zusammensein k�nnt.� Sie hatte erwogen, diese Nachricht selbst weiterzugeben, aber es schien besser, Nynaeve nicht wissen zu lassen, da� er kam. Sie war so vernarrt in ihn wie ... wie... <emphasis>Wie ich in Gawyn,</emphasis> dachte sie reum�tig. Wenn Nynaeve w��te, da� er unterwegs war, w�rde sie kaum noch an etwas anderes denken. Sie w�rde, obwohl sie es gewi� nicht wollte, Elayne die weitere Suche allein �berlassen. Nicht, da� sie sich zur�ckziehen und tagtr�umen w�rde, aber sie w�re zu keiner gr�ndlichen Suche mehr f�hig. �H�rt Ihr mir zu, Lan?�</p><p>�Tarasin-Palast�, sagte er tonlos und ohne den Blick zu wenden. �Gast K�nigin Tylins. K�nnte leugnen, in Gefahr zu sein. Eigensinnig - als wenn ich das nicht bereits w��te.� Nun sah er sie an, und sie w�nschte fast, er h�tte es nicht getan. Sie war von <emphasis>Saidar,</emphasis> von der W�rme und der Freude, dem reinen Leben erf�llt, aber in seinen kalten blauen Augen tobte etwas Starres und Urspr�ngliches, ein Leugnen des Lebens. Sein Blick wirkte schlichtweg erschreckend. �Ich werde ihr alles sagen, was sie wissen mu�.</p><p>Wie Ihr seht, habe ich zugeh�rt.�</p><p>Sie zwang sich, seinem Blick fest zu begegnen, aber er wandte sich ihr wieder ab. Er hatte ein Mal am Nacken, einen Blutergu�. Es k�nnte - es <emphasis>k�nnte -</emphasis> ein Bi� sein. Vielleicht sollte sie ihn warnen, ihm sagen, da� er nicht zu viele ... Einzelheiten �ber sich selbst und Myrelle preiszugeben brauchte. Der Gedanke lie� sie err�ten. Sie versuchte, den Blutergu� nicht zu beachten, aber jetzt, wo sie ihn bemerkt hatte, konnte sie anscheinend nichts anderes mehr sehen. Aber Lan w�rde wohl nicht so t�richt sein. Man konnte von einem Mann kein Zartgef�hl erwarten, aber selbst M�nner waren nicht so zerstreut.</p><p>Sie trieben lautlos dahin, bewegten sich, ohne sich selbst zu bewegen. Sie hatte keine Angst, da� die Verlorenen oder sonst jemand pl�tzlich hier auftauchen k�nnten. Es war etwas Seltsames am Gleiten, wovon einiges Sicherheit und Zur�ckgezogenheit gew�hrte. Wenn zwei Schwestern nur Augenblicke nacheinander am selben Fleck Wegetore er�ffneten, um zum gleichen Ort zu gleiten, w�rden sie einander nicht sehen, wenn es nicht <emphasis>genau</emphasis> derselbe Fleck war und die Gewebe nicht <emphasis>genau</emphasis> gleich gewoben wurden und eine solche Genauigkeit war in beiden F�llen nicht so leicht zu erreichen, wie es vielleicht schien.</p><p>Nach einiger Zeit - es war schwer zu sagen, wieviel Zeit tats�chlich vergangen war, aber sie glaubte, es w�re noch keine halbe Stunde gewesen - stoppte das Flo� j�h. Nichts �nderte sich an dem Gef�hl oder an den Geweben, die sie festhielt. Sie wu�te einfach, da� sie in einem Moment noch durch die Dunkelheit eilten und im n�chsten stillstanden. Sie er�ffnete unmittelbar am Bug des Flosses ein Wegetor - sie war sich nicht sicher, wohin ein Wegetor f�hren w�rde, das sie am Heck er�ffnete, und wollte es, um ehrlich zu sein, auch nicht herausfinden; Moghedien war allein der Gedanke daran schon erschreckend erschienen - und bedeutete Lan vorauszugehen. Das Flo� existierte nur so lange, wie sie da war, anders als in <emphasis>Tel'aran'rhiod.</emphasis></p><p>Lan �ffnete die Schranke des Flosses und f�hrte Mandarb hinab, und als sie ihm folgte, sa� er bereits im Sattel. Sie lie� das Wegetor f�r ihre R�ckkehr offen. Niedrige, mit verdorrtem Gras bedeckte H�gel erstreckten sich in alle Richtungen. Kein Baum war zu sehen und nur vereinzelt vertrocknetes Unterholz. Die Hufe des Hengstes wirbelten kleine Staubwolken auf. Die Morgensonne am wolkenlosen Himmel brannte hier noch hei�er als in Murandy. Geier mit gro�er Fl�gelspannweite kreisten im S�den und Westen.</p><p>�Lan�, begann sie, um sicherzugehen, da� er verstanden hatte, was er Nynaeve sagen sollte, aber er kam ihr zuvor.</p><p>�F�nf oder sechs Tage, sagtet Ihr�, erwiderte er, w�hrend er gen S�den blickte. �Ich kann es schneller schaffen. Sie wird in Sicherheit sein, ich verspreche es.� Mandarb t�nzelte, war genauso ungeduldig wie sein Reiter, aber Lan hatte ihn gut im Griff. �Ihr seid seit Emondsfelde sehr weit gekommen.� Er blickte auf sie herab und l�chelte. Alle diesem L�cheln innewohnende W�rme wurde von seinen Augen verschluckt. �Myrelle und Nisao geh�ren jetzt Euch. La�t nicht zu, da� sie erneut mit Euch diskutieren. Ihr befehlt, Mutter. Die Wache ist noch nicht vor�ber.� Er verbeugte sich leicht, stie� dem Tier die Fersen in die Flanken und lie� es gerade ausreichend weit im Schrittempo gehen, da� sie nicht von Staub umh�llt wurde, bevor er das Pferd zum Galopp antrieb.</p><p>Sie sah ihn s�dw�rts eilen und schlo� den Mund. Nun, er hatte w�hrend seiner Schwert�bungen alles mitbekommen und richtig kombiniert. Offensichtlich mit den Dingen, die er nicht h�tte vermuten k�nnen, bevor er sie mit der Stola gesehen hatte. Nynaeve sollte besser aufpassen. Sie hielt M�nner stets f�r einf�ltiger, als sie waren. �Zumindest k�nnen sie nicht in wirkliche Schwierigkeiten geraten�, sagte sie sich laut. Lan erreichte einen H�gelkamm und verschwand auf der anderen Seite. Wenn Ebou Dar eine reale Gefahr darstellen w�rde, h�tten Elayne oder Nynaeve etwas gesagt. Sie trafen sich nicht oft - sie hatte einfach zuviel zu tun -, aber sie hatten einen Weg gefunden, im Salidar <emphasis>Tel'aran'rhiods</emphasis> Nachrichten zu hinterlassen, wann immer es n�tig war.</p><p>Der Wind wirbelte Staub auf. Sie hustete, bedeckte dann mit einer Ecke der gestreiften Stola der Amyrlin Mund und Nase und zog sich durch das Wegetor eilig auf ihr Flo� zur�ck Die R�ckreise verlief still und war langweilig, so da� sie sich Gedanken machen konnte, ob es richtig gewesen war, Lan nach Ebou Dar zu schicken, und ob es richtig war, Nynaeve im unklaren <emphasis>zu</emphasis> lassen. Es <emphasis>ist getan,</emphasis> sagte sie sich immerzu, aber es half nicht.</p><p>Als sie erneut die Stelle unter den Eichen betrat hatte sich Myrelles dritter Beh�ter, Avar Hachami, den anderen angeschlossen, ein Mann mit einer Hakennase und einem dichten, von Grau durchzogenen, wie H�rner abw�rts gebogenen Schnurrbart. Alle vier Gaidin arbeiteten hart. Die Zelte waren bereits abgebaut und fast vollst�ndig zusammengelegt Nicola und Areina liefen hin und her und luden die gesamte Lagerausr�stung auf den Karren, angefangen von Decken bis hin zu Kocht�pfen und dem schwarzen, eisernen Waschkessel. Sie hielten nicht einmal inne, richteten aber mindestens ihre halbe Aufmerksamkeit auf Siuan und die anderen beiden Schwestern, die dr�ben nahe der Baumlinie standen. Die Beh�ter gew�hrten den drei Aes Sedai weitaus mehr Aufmerksamkeit. Ihre �hren h�tten genauso gut gespitzt aufrecht stehen k�nnen. Es war auf den ersten Blick fraglich, wer wen schmoren lie�.</p><p>�...nicht so mit mir sprechen, Siuan�, sagte Myrelle gerade. Nicht nur laut genug, da� es �ber die ganze Lichtung zu h�ren war, sondern auch kalt genug, da� alle erstarrten. Die Arme fest �ber der Brust gekreuzt, richtete sie sich zu ihrer vollen Gro�e auf, gebieterisch bis zum Bersten. �H�rt Ihr mich? Das werdet Ihr nicht mehr tun!�</p><p>�Seid Ihr vollkommen verr�ckt geworden, Siuan?� Nisao hatte die H�nde in ihren R�cken verkrampft, um nicht sichtbar zu zittern, und die Heftigkeit ihrer Stimme entsprach durchaus Myrelles kaltem Tonfall.</p><p>�Wenn Ihr die einfachsten Anstandsregeln vergessen habt, wird man sie Euch wieder lehren!�</p><p>Siuan stellte sich ihnen mit in die H�ften gestemmten H�nden entgegen, drehte ruckartig den Kopf und k�mpfte sowohl darum, <emphasis>ihr</emphasis> Gesicht unter Kontrolle zu behalten, als auch die beiden weiterhin zu betrachten.</p><p>�Ich... Ich bin die einzige...� Als sie Egwene n�hertreten sah, stieg Erleichterung in ihr auf. �Mutter...�, es klang fast wie ein Keuchen, �ich habe gerade m�gliche Strafen erkl�rt.� Sie atmete tief durch und fuhr bestimmter fort. �Der Saal wird es nat�rlich erkl�ren m�ssen, wenn sie gehen, aber ich denke, man k�nnte sehr wohl damit beginnen, diese beiden dazu zu bringen, ihre Beh�ter an andere weiterzugeben, da sie so begeistert davon zu sein scheinen.�</p><p>Myrelle schlo� fest die Augen, und Nisao wandte sich zu den Beh�tern um. Ihr Gesichtsausdruck �nderte sich nicht - ruhig, wenn auch ein wenig ger�tet -, aber Sarin kam stolpernd auf die F��e und tat drei schnelle Schritte auf sie zu, bevor sie eine Hand hob, um ihn aufzuhalten. - Ein Beh�ter konnte die Gegenwart, den Schmerz und die Angst seiner Aes Sedai genauso sehr sp�ren, wie Egwene dies bei Moghedien sp�ren konnte, wenn sie das <emphasis>A'dam</emphasis> trug. Kein Wunder, da� sich alle Gaidin auf Zehenspitzen bewegten und sprungbereit wirkten. Sie wu�ten vielleicht nicht, was ihre Aes Sedai an den Rand der Verzweiflung getrieben hatte, aber sie wu�ten, da� die beiden Frauen genau dort angelangt waren.</p><p>Genau das hatte Egwene bewirken wollen. Ihr gefiel dieser Teil der Aufgabe nicht. Alles Man�vrieren war wie ein Spiel, aber dies... <emphasis>Ich tue, was getan werden mu�,</emphasis> dachte sie, unentschlossen ob dies ein Versuch war, sich den R�cken zu st�rken oder der Versuch, zu entschuldigen, was sie jetzt tun w�rde. �Siuan, bitte schickt Nicola und Areina ins Lager zur�ck.� Was sie nicht sahen, konnten sie nicht erz�hlen. �Wir k�nnen es uns nicht leisten, da� sie reden, also sorgt daf�r, da� sie wissen, was mit ihnen geschehen wird. Sagt ihnen, sie bekommen noch eine Chance, weil die Amyrlin gn�diger Laune ist, aber sie werden keine weitere bekommen.�</p><p>�Ich denke, das kann ich bewerkstelligen�, erwiderte Siuan, raffte ihre R�cke und schritt davon. Niemand konnte wie Siuan schreiten, und doch schien sie vor allem eifrig bem�ht, von Myrelle und Nisao fortzukommen.</p><p>�Mutter�, sagte Nisao und w�hlte ihre Worte sorgf�ltig, �bevor Ihr fortgingt, sagtet Ihr etwas ... deutetet Ihr an, da� es vielleicht eine M�glichkeit g�be ... da� wir vermeiden k�nnten ... eine M�glichkeit wie wir vielleicht nicht...� Sie schaute erneut zu Sarin. Myrelle hatte ein gutes Studienobjekt f�r Aes Sedai-Gelassenheit geboten, w�hrend sie Egwene forschend betrachtete, wenn ihre Finger nicht so fest verschr�nkt gewesen w�ren, da� ihre Kn�chel das d�nne Leder ihrer Handschuhe spannten. Egwene bedeutete ihnen zu warten.</p><p>Nicola und Areina wandten sich von dem Karren ab, sahen Siuan herankommen und wurden stocksteif, was kein Wunder war, wenn man bedachte, da� Siuan sich ihnen n�herte, als wollte sie die beiden <emphasis>und</emphasis> den Karren �berrennen. Areina drehte suchend den Kopf, aber bevor sie auch nur daran denken konnte, tats�chlich davonzulaufen, schossen Siuans H�nde vor und packten sie beide jeweils an einem Ohr. Was sie sagte, wurde zu leise gesprochen, um es verstehen zu k�nnen, aber Areina h�rte auf, sich zu wehren. Ihre H�nde lagen um Siuans Handgelenk, aber es schien fast, als hielte sie sich daran nur aufrecht. Ein Blick abgrundtiefen Entsetzens machte sich auf Nicolas Gesicht breit, und Egwene fragte sich, ob Siuan vielleicht zu weit ging. Aber andererseits war es unter den gegebenen Umst�nden vielleicht auch nicht so. Sie <emphasis>w�rden</emphasis> mit ihrem Verbrechen ungestraft davonkommen. Schade, da� sie keine M�glichkeit sah, ein solches Talent, Verborgenes aufzusp�ren, zu nutzen. Eine M�glichkeit, es ungef�hrdet zu nutzen.</p><p>Was auch immer Siuan gesagt hatte - als sie ihre Ohren loslie�, wandten sie sich augenblicklich Egwene zu und versanken in Hofknickse. Nicola knickste so tief, da� sie mit der Stirn fast den Boden ber�hrte, und Areina fiel beinahe vorn�ber. Siuan klatschte laut in die H�nde, und die beiden Frauen sprangen auf und bem�hten sich dann, zwei zottige Zugpferde von der Pflockleine loszubinden. Sie schwangen sich auf deren blo�e R�cken und galoppierten so schnell davon, da� man sich wunderte, da� sie keine Fl�gel besa�en.</p><p>�Sie werden nicht einmal im Schlaf reden�, bemerkte Siuan ver�rgert, als sie zur�ckkam. �Ich kann wenigstens immer noch mit Novizinnen und Schurken umgehen.� Ihr Blick blieb auf Egwenes Gesicht gerichtet und mied die beiden anderen Schwestern v�llig.</p><p>Egwene unterdr�ckte ein Seufzen und wandte sich Myrelle und Nisao zu. Sie mu�te wegen Siuan etwas unternehmen, aber eines nach dem anderen. Die Gr�ne und die Braune Schwester beobachteten sie aufmerksam. �Es ist ganz einfach�, sagte sie mit fester Stimme. �Ohne meinen Schutz werdet Ihr Eure Beh�ter sehr wahrscheinlich verlieren und fast sicher w�nschen, Ihr w�rt lebendig geh�utet worden, wenn der Saal mit Euch fertig ist. Eure Ajahs haben Euch vielleicht ebenfalls einiges zu sagen. Es kann Jahre dauern, bevor ihr die K�pfe wieder stolz erheben k�nnt, und es kann ebenfalls Jahre dauern, bis Euch keine Schwester mehr st�ndig �ber die Schulter schaut. Aber warum sollte ich Euch vor dem Lauf der Gerechtigkeit sch�tzen? Damit erlege ich mir eine Verpflichtung auf. Ihr k�nntet dasselbe erneut tun, oder Schlimmeres.� Die Weisen Frauen hatten ihren Anteil daran, obwohl es nicht im eigentlichen Sinne <emphasis>Ji'e'toh</emphasis> war. �Wenn ich diese Verantwortung �bernehmen soll, mu� auch Euch eine Verpflichtung auferlegt werden. Ich mu� Euch vollkommen vertrauen k�nnen, und ich sehe nur eine M�glichkeit, das zu erreichen.� Die Weisen Frauen, und dann Faolain und Theodrin. �Ihr m��t Treue schw�ren.� Sie hatten sie stirnrunzelnd angesehen und sich gefragt worauf sie hinauswollte, aber woran auch immer sie gedacht hatten - Egwene hatte sie �berrascht. Ihre Gesichter waren sehenswert. Nisaos Kinn sank herab, und Myrelle schaute drein, als habe man ihr mit einem Hammer vor den Kopf geschlagen. Sogar Siuan keuchte ungl�ubig.</p><p>�Unm-m�glich�, brachte Myrelle stotternd hervor. �Keine Schwester hat jemals...! Keine Amyrlin hat bisher verlangt...! Ihr k�nnt doch nicht wirklich glauben...!�</p><p>�Oh, seid still, Myrelle�, fauchte Nisao,'�Das alles ist Euer Fehler! Ich h�tte niemals auf Euch h�ren sollen...! Nun, geschehen ist geschehen, daran ist nichts mehr zu �ndern.� Sie sp�hte unter gesenkten Lidern zu Egwene und sagte leise: �Ihr seid eine gef�hrliche junge Frau, Mutter. Eine sehr gef�hrliche Frau. Ihr k�nntet die Burg noch st�rker spalten, als sie es bereits ist, bevor Ihr fertig seid. Wenn ich dessen sicher w�re und ich den Mut h�tte, meine Pflicht zu tun und mich dem zu stellen, was auch immer kommt...� Aber sie kniete sich mit einer geschmeidigen Bewegung hin und pre�te ihre Lippen auf den Gro�en Schlangenring an Egwenes Finger. �Unter dem Licht und bei meiner Hoffnung auf Wiedergeburt und Rettung...� Es war nicht der gleiche Wortlaut wie bei Faolain und Theodrin, aber die Worte waren genauso aussagekr�ftig. Noch aussagekr�ftiger. Keine Aes Sedai konnte einen Schwur bei den Drei Eiden leisten, den sie nicht ernst meinte. Au�er der Schwarzen Ajah nat�rlich. Es schien offensichtlich, da� sie eine M�glichkeit zu l�gen gefunden haben mu�ten. Ob eine dieser Frauen eine Schwarze war, w�re jedoch ein sp�ter zu behandelndes Problem. Siuan, deren Augen hervorgetreten waren und deren Mund sich unaufh�rlich bewegte, wirkte wie ein auf einer Sandbank gestrandeter Fisch.</p><p>Myrelle versuchte erneut, Einspruch zu erheben, aber Egwene streckte einfach ihre rechte Hand mit dem Ring aus, und Myrelle beugte ruckartig die Knie. Sie sprach mit verbitterter Stimme den Eid und schaute dann auf. �Ihr habt getan, was niemals zuvor getan worden ist, Mutter. Das ist stets gef�hrlich.�</p><p>�Es wird nicht das letzte Mal sein�, belehrte Egwene sie. �Tats�chlich lautet mein erster Befehl f�r Euch, niemandem zu erz�hlen, da� Siuan alles andere ist, als jedermann glaubt. Mein zweiter lautet, da� ihr jedem Befehl gehorchen werdet, den sie Euch gibt, als k�me er von mir.�</p><p>Sie wandten die K�pfe mit gelassenen Gesichtern zu Siuan. �Wie Ihr befehlt, Mutter�, murmelten sie gleichzeitig. Es war Siuan, die einer Ohnmacht nahe schien.</p><p>Sie blickte noch immer ins Leere, als sie die Stra�e erreichten und ihre Pferde ostw�rts auf das Aes-Sedai-Lager und das Heer zu wandten. Die Sonne befand sich noch auf ihrem Aufstieg zum Zenit, den sie jetzt beinahe erreicht hatte. Es war ein ebenso ereignisreicher Vormittag gewesen wie an den meisten Tagen. Und wie in den meisten Wochen. Egwene lie� Daishar im Pa�gang gehen.</p><p>�Myrelle hatte recht�, murmelte Siuan schlie�lich. Da ihre Reiterin in Gedanken woanders war, bewegte sich die Stute geschmeidig voran. Tats�chlich lie� sie Siuan wie eine erfahrene Reiterin wirken. �Treue. Niemand hat das jemals getan. Niemand. Es gibt auch in den geheimen Geschichtsb�chern nicht den kleinsten Hinweis darauf. Und da� <emphasis>sie mir</emphasis> gehorchen sollen... Ihr �ndert nicht nur wenige Dinge, sondern baut das Boot um, w�hrend Ihr durch einen Sturm segelt! <emphasis>Alles</emphasis> �ndert sich. Und Nicola! Zu meiner Zeit h�tte sich eine Novizin eher die Zunge abgebissen, als daran zu denken, eine Schwester zu erpressen!�</p><p>�Es war nicht ihr erster Versuch�, belehrte Egwene sie und erz�hlte ihr die Fakten mit so wenigen Worten wie m�glich.</p><p>Sie hatte erwartet, da� Siuan vor Zorn �ber das Paar explodieren w�rde, aber statt dessen sagte die Frau recht gefa�t: �Ich f�rchte, unsere beiden abenteuerlustigen M�dchen werden Unf�lle erleiden.�</p><p>�Nein!� Egwene verhielt ihr Pferd so pl�tzlich, da� Siuans Stute noch ein Dutzend Schritte im Pa�gang weiterlief, bevor sie das Tier unter Kontrolle bringen und umwenden konnte, wobei sie unentwegt leise Verw�nschungen murmelte. Dann sa� sie da und g�nnte Egwene einen geduldigen Blick, der Lelaine auf schlimmste Art �bertraf.</p><p>�Mutter, sie werden Euch steinigen, wenn sie jemals klug genug sind, dies zu Ende zu denken. Selbst wenn der Saal Euch nicht zu einer Strafe zwingt, k�nntet Ihr alle Eure Hoffnungen mit ihnen schwinden sehen.� Sie sch�ttelte angewidert den Kopf. �Ich wu�te, da� Ihr es tun w�rdet als ich Euch aussandte -ich wu�te, da� Ihr es tun mu�tet -, aber ich h�tte niemals gedacht, Elayne und Nynaeve w�ren ausreichend einf�ltig, jemanden mitzubringen, der <emphasis>wu�te.</emphasis> Diese beiden M�dchen verdienen alles, was sie bekommen, wenn dies herauskommt. Aber Ihr k�nnt es Euch nicht leisten, es ans Licht kommen zu lassen.�</p><p>�Nicola oder Areina wird nichts geschehen, Siuan! Wenn ich ihre T�tung f�r das billige, was sie wissen -wer wird dann der n�chste sein? Romanda und Lelaine, weil sie nicht mit mir �bereinstimmen? Wo h�rt das auf?� Sie war in gewisser Weise von sich selbst angewidert. Fr�her h�tte sie nicht verstanden, was Siuan meinte. Es war stets besser zu wissen, als unwissend zu sein, aber manchmal war Unwissen weitaus bequemer. Sie trieb Daishar voran. �Ich werde mir einen siegreichen Tag nicht durch Mordgerede verderben lassen. Myrelle war noch nicht einmal der Anfang, Siuan. Heute morgen warteten Faolain und Theodrin...� Siuan f�hrte ihre Stute n�her heran, um zuzuh�ren, w�hrend sie weiterritten.</p><p>Die Nachricht d�mpfte Siuans Sorgen �ber Nicola und Areina nicht, aber Egwenes Pl�ne bewirkten immerhin einen Hoffnungsschimmer in ihren Augen und ein anerkennendes L�cheln um ihre Lippen. Als sie das Lager der Aes Sedai erreichten, dr�ngte es sie zu ihrer n�chsten Aufgabe, die darin bestand, Sheriam und den �brigen Freundinnen Myrelles mitzuteilen, da� sie mittags im Arbeitszimmer der Amyrlin erwartet w�rden. Sie konnte sogar recht wahrheitsgem�� erw�hnen, da� von ihnen nur das gefordert w�rde, was andere Schwestern schon zuvor getan hatten.</p><p>Egwene f�hlte sich, obwohl sie von einem siegreichen Tag gesprochen hatte, nicht sehr zufrieden. Sie h�rte die Gl�ckw�nsche und Hochrufe kaum, reagierte nur mit einem Winken darauf und war sicher, mehr zu verpassen als zu bemerken. Sie konnte Mord nicht unterst�tzen, aber Nicola und Areina w�rden beobachtet werden m�ssen. <emphasis>Werde ich jemals irgendwo ankommen, wo sich keine Schwierigkeiten auft�rmen?</emphasis> fragte sie sich. Irgendwie sollte auf einen Sieg keine neuerliche Gefahr folgen.</p><p>Als sie ihr Zelt betrat, sank ihr Mut endg�ltig. Ihr Kopf pochte. Sie begann zu glauben, sie sollte dem Zelt lieber vollkommen fernbleiben.</p><p>Zwei sorgf�ltig gefaltete Bl�tter Pergament lagen ordentlich auf dem Schreibtisch, beide mit Wachs verschlossen und mit der Aufschrift: �Der Flamme versiegelt�. H�tte jemand anderer als die Amyrlin diese Siegel gebrochen, w�re das als ernstlicher Angriff auf die Person der Amyrlin aufgefa�t worden. Sie w�nschte, sie m��te sie nicht erbrechen. Sie hegte keinen Zweifel, wer die Nachrichten geschickt hatte. Leider hatte sie recht.</p><p>Romanda schlug vor - �forderte� war ein besseres Wort -, da� die Amyrlin eine Verordnung erlassen sollte, �der Halle versiegelt� und nur den Sitzenden zug�nglich. Die Schwestern sollten alle nacheinander herbeizitiert werden, und jede, die sich weigerte, sollte als vermutliches Mitglied der Schwarzen Ajah abgeschirmt und eingesperrt werden. Es blieb eher ungewi�, warum sie herbeizitiert werden sollten, aber Lelaine hatte heute morgen mehr als nur Andeutungen gemacht. Lelaines Sendschreiben war sehr von ihrem Wesen gepr�gt eine Mutter, die ihrem Kind riet, was zu seinem eigenen Nutzen und dem Nutzen aller getan werden sollte. Sie wollte eine Verordnung erlassen sehen, die nur �dem Ring versiegelt� sein sollte. Jede Schwester durfte davon wissen und w�rde tats�chlich in diesem Falle auch davon Kenntnis haben m�ssen. Die Erw�hnung der Schwarzen Ajah sollte als das Sch�ren von Uneinigkeit, unter dem Burggesetz ein ernsthaftes Vergehen mit entsprechenden Strafen, verboten werden.</p><p>Egwene sank st�hnend in ihren Faltsessel; nat�rlich rutschten die Beine weg, und sie landete fast auf dem Teppich. Sie sollte sie hinhalten und ausweichen, aber sie w�rden immer wieder mit diesem Unsinn ankommen. Fr�her oder sp�ter w�rde eine von ihnen ihren bescheidenen Vorschlag dem Saal vortragen, und das h�tte die Wirkung eines Fuchses im H�hnerstall. Waren sie blind? Das Sch�ren von <emphasis>Uneinigkeit?</emphasis> Lelaine w�rde jede Schwester nicht nur davon �berzeugen, da� es eine Schwarze Ajah gab, sondern auch davon, da� Egwene dazugeh�rte. Eine wilde Flucht von Schwestern, die nach Tar Valon und Elaida zur�ckeilten, w�rde bald folgen. Romanda wollte einfach eine Meuterei ausl�sen. In den verborgenen Chroniken wurde �ber sechs Meutereien berichtet. Ein halbes Dutzend in �ber dreitausend Jahren war vielleicht nicht sehr viel, aber jede Meuterei hatte damit geendet, da� die Amyrlin zur�ckgetreten war und der gesamte Saal mit ihr. Lelaine wu�te das, und Romanda wu�te es ebenfalls. Lelaine war fast vierzig Jahre lang eine Sitzende gewesen, mit Zugriff auf alle verborgenen Geschichts�berlieferungen. Romanda hatte, bevor sie zur�ckgetreten war, um sich aufs Land zur�ckzuziehen, wie es viele Schwestern im Alter taten, so lange einen Sitz f�r die Gelben innegehabt, da� einige behaupteten, sie h�tte genauso viel Macht gehabt wie jede Amyrlin, unter der sie diente. Es war kaum bekannt, da� jemand ein zweites Mal gebeten wurde, eine Sitzende zu werden, aber Romanda war ein Mensch, der Macht nach M�glichkeit nicht aus der Hand gab.</p><p>Nein, sie waren nicht blind. Sie hatten nur Angst. Jedermann hatte Angst, sie eingeschlossen, und selbst Aes Sedai dachten nicht immer vern�nftig, wenn sie Angst hatten. Sie faltete die Bl�tter wieder zusammen und h�tte sie am liebsten zerkn�llt und in den Staub getreten. Ihr Kopf <emphasis>w�rde</emphasis> bersten.</p><p>�Darf ich hereinkommen, Mutter?� Halima Saranov fegte ins Zelt, ohne auf eine Antwort zu warten. Die Art, in der Halima sich stets bewegte, zog jedes m�nnliche Auge von Zw�lfj�hrigen bis hin zu Greisen auf sich, und auch wenn sie sich in einen schweren Umhang einh�llte, schauten die M�nner dennoch hin.</p><p>Langes schwarzes Haar, das gl�nzte, als w�sche sie es jeden Tag mit Regenwasser, umrahmte ein Gesicht, das gleicherma�en Blicke auf sich zog. �Delana Sedai dachte, Ihr wolltet dies vielleicht sehen. Sie pr�sentiert es heute morgen dem Saal.�</p><p>Der Saal trat zusammen, ohne sie auch nur davon in Kenntnis zu setzen? Nun, sie war fort gewesen, aber die Gebr�uche, wenn nicht das Gesetz besagten, da� die Amyrlin benachrichtigt werden mu�te, bevor der Saal �berhaupt zusammentreten <emphasis>konnte.</emphasis> Es sei denn, er trat zusammen, um sie abzusetzen. In diesem Moment h�tte sie das fast als Segen empfunden. Sie betrachtete das gefaltete Blatt Papier, das Halima auf den Tisch gelegt hatte, wie eine giftige Schlange. Nicht versiegelt. Selbst die j�ngste Novizin k�nnte es lesen, soweit es Delana betraf. Es war nat�rlich die Erkl�rung, da� Elaida eine Schattenfreundin war. Sie war nicht ganz so schlimm wie Romanda oder Lelaine, aber wenn sie erf�hre, da� der Saal in Aufruhr geraten war, w�rde sie wohl nicht einmal blinzeln.</p><p>�Halima, ich k�nnte mir w�nschen, da� Ihr nach Hause gezogen w�rt, als Cabriana starb.� Oder da� Delana zumindest soviel Verstand besessen h�tte, die Nachricht f�r den Saal zu versiegeln - oder auch f�r die Flamme -, anstatt jeder Schwester zu erz�hlen, sie k�nnte ihre Gegner aufhalten.</p><p>�Das konnte ich wohl kaum tun, Mutter.� Halimas gr�ne Augen blitzten provozierend oder trotzig auf, aber sie konnte Menschen nur auf zwei verschiedene Arten ansehen: mit einem geweiteten, direkten Blick, der herausforderte, oder mit einem verhangenen Blick, der schwelte. Ihre Augen f�hrten h�ufig zu Mi�verst�ndnissen. �Nachdem Cabriana Sedai mir erz�hlt hatte, was sie von Elaida erfahren hatte? Und von ihren Pl�nen? Cabriana war meine Freundin und Eure Freundin, die Freundin aller, die gegen Elaida eingestellt sind, also hatte ich keine Wahl. Ich danke dem Licht nur daf�r, da� sie Salidar erw�hnte, so da� ich wu�te, wo ich hingehen mu�te.� Sie st�tzte die H�nde in die Taille, die genauso schmal war, wie Egwenes in <emphasis>Tel'aran'rhiod</emphasis> gewesen war, neigte den Kopf zu einer Seite und betrachtete Egwene angespannt. �Ihr habt wieder Kopfschmerzen, nicht wahr? Cabriana hatte immer solche Schmerzen, da� sich sogar ihre Zehen verkrampften. Sie mu�te in hei�em Wasser baden, bis sie es ertragen konnte, Kleidung anzulegen. Die Schmerzen dauerten manchmal Tage. Wenn ich nicht gekommen w�re, dann w�ren Eure Kopfschmerzen schlie�lich genauso schlimm geworden.� Sie trat hinter den Sessel und begann Egwenes Kopf zu massieren. Halimas Finger waren so geschickt, da� der Schmerz dahinschmolz. �Ihr k�nntet kaum eine andere Schwester so oft zu Heilen bitten, wie Ihr diese Schmerzen habt. Es ist nur Angespanntheit. Ich kann es sp�ren.�</p><p>�Vermutlich�, murmelte Egwene. Sie mochte die Frau recht gern, gleichg�ltig, was andere sagten, und nicht nur wegen ihres Talents, Kopfschmerzen zu lindern. Halima war bodenst�ndig und offen, eine Frau vom Lande, gleichg�ltig, wieviel Zeit sie damit verbracht hatte, einen fl�chtigen Anschein der Erfahrenheit einer St�dterin zu erlangen, die ihren Respekt f�r die Amyrlin mit einer Art gutnachbarlichem Verhalten abwog, die Egwene als erfrischend empfand. Sie wirkte manchmal erschreckend, aber auch belebend. Selbst Chesa machte es nicht besser, aber Chesa war stets die Dienerin, auch wenn sie sich freundschaftlich verhielt, w�hrend Halima niemals auch nur die geringste Unterw�rfigkeit zeigte. Und doch w�nschte Egwene insgeheim, sie w�re nach Hause zur�ckgekehrt, als Cabriana von jenem Pferd fiel und sich den Hals brach.</p><p>Es w�re vielleicht n�tzlich gewesen, wenn die Schwestern Cabrianas Glauben �bernommen h�tten, da� Elaida noch immer beabsichtigte, die H�lfte von ihnen zu d�mpfen und die �brigen zu zerbrechen, aber jedermann war �berzeugt, da� Halima das irgendwie falsch dargestellt hatte. Sie schossen sich auf die Schwarze Ajah ein. Frauen, die nicht daran gew�hnt waren, vor irgend etwas Angst zu haben, hatten akzeptiert, da� das, was sie stets geleugnet hatten, existierte, und das brachte sie vor Angst halbwegs um den Verstand. Wie sollte sie die Schattenfreunde ausfindig machen, ohne die anderen Schwestern wie verschreckte H�hner auseinanderzutreiben? Wie sollte sie sie �berhaupt daran hindern, fr�her oder sp�ter auseinanderzustieben? Licht, wie?</p><p>�Entspannung�, sagte Halima leise. �Euer Gesicht ist entspannt. Euer Nacken ist entspannt. Eure Schultern...� Ihre Stimme hatte etwas Hypnotisches, ein Summen, das fast jeden Teil von Egwenes K�rper zu liebkosen schien, den sie entspannen wollte.</p><p>Einige Frauen mochten sie nat�rlich allein schon wegen ihres Aussehens nicht obwohl ein besonders l�sterner Mann sie ertr�umt hatte, und viele behaupteten, sie sch�kere mit allem, was Hosen trug, was Egwene nicht gutgehei�en h�tte, aber Halima gab zu, da� sie gern M�nner anschaute. Nicht einmal ihre sch�rfsten Kritiker behaupteten, sie habe jemals mehr getan als zu sch�kern, und sie selbst reagierte auf jegliche Andeutung emp�rt. Sie war keine N�rrin -Egwene hatte das seit ihrer ersten Unterhaltung am Tag nach Logains Flucht gewu�t, als die Kopfschmerzen begonnen hatten - und absolut nicht dumm oder verantwortungslos. Egwene vermutete, da� es sich mit ihr �hnlich verhielt wie mit Meri. Halima konnte nichts f�r ihr Gesicht oder ihre Art. Ihr L�cheln schien durch die Form ihres Mundes verlockend oder neckend. Sie l�chelte M�nner, Frauen und Kinder auf die gleiche Weise an. Es war wohl kaum ihr Fehler, da� die Leute glaubten, sie sch�kere, wenn sie nur schaute. Au�erdem hatte sie ihre Kopfschmerzen niemals jemand anderem gegen�ber erw�hnt H�tte sie es getan, w�rden sie alle anwesenden Gelben Schwestern belagern. Daraus konnte man auf Freundschaft schlie�en, wenn nicht sogar auf Treue.</p><p>Egwenes Blick fiel auf die Papiere auf dem Schreibtisch, und ihre Gedanken schweiften unter Halimas massierenden Fingern ab. Fackeln, die in einen Heuhaufen gesteckt werden sollten. Es waren noch zehn Tage bis zur Grenze von Andor, es sei denn, Lord Bryne w�re bereit vorzudringen, ohne zu wissen warum und ohne da� vorher Widerstand geleistet wurde. Konnte sie diese Fackeln zehn Tage lang zur�ckhalten? S�dhafen. Nordhafen. Die Schl�sselpositionen zu Tar Valon. Wie konnte sie Nicolas und Areinas sicher sein, angesichts Siuans Andeutungen? Sie mu�te anordnen, da� jede Schwester gepr�ft wurde, bevor sie Andor erreichten. Sie besa� das Talent, mit Metallen und Erzen umzugehen, aber es war unter den Aes Sedai selten. Nicola. Areina. Die Schwarze Ajah.</p><p>�Ihr spannt Euch schon wieder an. H�rt endlich auf, Euch Gedanken �ber den Saal zu machen.� Die massierenden Finger hielten inne und begannen dann erneut. �Es w�rde heute abend besser wirken, wenn Ihr ein hei�es Bad genommen h�ttet. Ich k�nnte Euch Schultern und R�cken massieren, alles massieren. Das haben wir noch nicht ausprobiert. Ihr seid stocksteif. Ihr solltet geschmeidig genug sein, um Euch zur�ckbeugen und den Kopf zwischen die Kn�chel nehmen zu k�nnen. Geist und K�rper. Eines kann sich ohne das andere nicht lockern. Gebt Euch einfach in meine H�nde.�</p><p>Egwene schlief fast ein. Es war nicht der Schlaf einer Traumg�ngerin. Nur Schlaf. Wie lange hatte sie nicht mehr geschlafen? Das Lager w�rde in Aufruhr geraten, wenn Delanas Antrag bekannt wurde, was nur zu bald der Fall sein w�rde - noch bevor sie Romanda und Lelaine sagen mu�te, da� sie nicht die Absicht hatte, diese Verordnungen zu erlassen. Aber es gab auch heute noch etwas zu beachten - ein Grund mehr, wach zu bleiben. �Das wird sch�n werden�, murmelte sie und meinte damit mehr als nur die versprochene Massage. Sie hatte vor langer Zeit gelobt, da� sie Sheriam eines Tages gef�gig machen w�rde, und heute war dieser Tag. Sie begann letztendlich, die Amyrlin zu <emphasis>sein,</emphasis> Kontrolle auszu�ben. �Sehr sch�n.�</p></section><section><title><p>13</p><p>Die Schale der Winde</p></title><p>Aviendha h�tte sich gern auf den Boden gesetzt aber die drei anderen Frauen, die den wenigen Platz im Boot belegten, lie�en ihr nicht genug Raum, so da� sie sich damit zufriedengeben mu�te, ihre Beine auf einer der entlang den W�nden aufgestellten Holzb�nke zu kreuzen. Die T�r war geschlossen, und es gab keine Fenster, nur phantasievolle, geschnitzte Schneckenornamente, die wie Oberlichter wirkten. Sie konnte das Wasser drau�en nicht sehen, aber die Bohrungen lie�en den Salzgeruch, das Schlagen der Wellen gegen den Schiffsrumpf und Wasserspritzer von den Rudern herein. Selbst die schrillen Schreie irgendwelcher V�gel hallten �ber das weite Wasser hinweg. Sie hatte M�nner in Teichen sterben sehen, die sie h�tten �berschreiten k�nnen, aber diese Gew�sser waren unvorstellbar be�ngstigend. Dar�ber zu lesen, war nicht dasselbe, wie es zu erleben. Und der Flu� war an der Stelle, an der sie an Bord dieses Schiffes mit seinen beiden, ihnen auf seltsame Art l�sterne Blicke zuwerfenden Ruderern gegangen waren, mindestens eine halbe Meile breit. Eine halbe <emphasis>Meile</emphasis> Wasser und kein Tropfen davon zum Trinken geeignet. Wer konnte sich vorstellen, da� Wasser nutzlos war?</p><p>Die Bewegungen des Schiffes hatten sich ver�ndert, es schaukelte jetzt vor und zur�ck. Hatten sie den Flu� schon verlassen, bereits die sogenannte Bucht erreicht? Elayne hatte gesagt, diese sei noch weiter, noch breiter. Aviendha verschr�nkte die H�nde um die Knie und versuchte verzweifelt, an etwas Erfreulicheres zu denken. Wenn die anderen ihre Angst sahen, w�rde sie sich bis ans Ende ihres Lebens sch�men m�ssen. Und das schlimmste daran war, da� sie diese Fahrt vorgeschlagen hatte, nachdem sie Elayne und Nynaeve vom Meervolk hatte sprechen h�ren. Wie hatte sie wissen k�nnen, wie es sein w�rde?</p><p>Die blaue Seide ihres Gewands f�hlte sich unglaublich weich an, und daran hielt sie sich fest. Sie war kaum an R�cke gew�hnt - sie sehnte sich noch immer nach dem <emphasis>Cadin'sor,</emphasis> den zu verbrennen die Weisen Frauen sie gezwungen hatten, als sie mit der Ausbildung begann - und hier trug sie ein <emphasis>Seidengewand,</emphasis> von denen sie inzwischen vier besa�, und Seidenstr�mpfe anstatt derben Stoffs, und ein seidenes Nachthemd, das sie ihre Haut auf eine Art sp�ren lie�, wie sie sie niemals zuvor empfunden hatte. Sie konnte die Sch�nheit des Gewands nicht leugnen, gleichg�ltig, wie seltsam es ihr erschien, solche Dinge zu tragen, aber Seide war kostbar und rar. Eine Frau mochte einen Schal aus Seide besitzen, den sie an Festtagen trug und um den andere sie beneideten. Nur wenige Frauen besa�en zwei solche Schals. Aber unter diesen Feuchtl�ndern war es anders. Nicht jedermann trug Seide, aber manchmal schien es ihr, als w�rde jeder zweite es tun. Gro�e B�ndel und sogar Ballen Seide kamen mit Schiffen aus den L�ndern jenseits des Dreifaltigen Landes. Mit Schiffen! �ber das Meer! Wasser, das sich bis zum Horizont erstreckte, und Schiffsreisen, bei denen man, wenn sie es richtig verstanden hatte, tagelang �berhaupt kein Land mehr sehen konnte. Bei diesem unglaublichen Gedanken erschauderte sie beinahe.</p><p>Niemand der anderen schien sich unterhalten zu wollen. Elayne drehte abwesend den Gro�en Schlangenring an ihrem Finger und blickte ins Leere. H�ufig �berkamen sie Sorgen. Sie hatte zwei Pflichten auferlegt bekommen, und obwohl ihr die eine mehr am Herzen lag als die andere, hatte sie sich f�r diejenige entschieden, die ihr wichtiger und ehrenvoller erschien. Sie hatte das Recht und die Pflicht die Herrscherin - die K�nigin - Andors zu werden, aber sie hatte sich entschieden, weiterhin zu jagen. Das war in gewisser Weise, wie wichtig ihre Suche auch war, als h�tte sie etwas �ber den Clan oder die Gemeinschaft gestellt, aber Aviendha empfand dennoch Stolz. Elayne hegte �ber den Begriff Ehre manchmal genauso eigensinnige Ansichten wie �ber die Vorstellung einer Frau als Herrscherin oder die Tatsache, da� sie Herrscherin wurde, nur weil ihre Mutter es gewesen war, aber sie folgte diesem Kurs auf bewundernswert geradlinige Art. Birgitte, in der weiten roten Hose und dem kurzen gelben Mantel, um die Aviendha sie beneidete, sa� ebenfalls gedankenverloren da und spielte mit ihrem Zopf. Oder vielleicht teilte sie auch Elaynes Sorgen. Sie war Elaynes erste Beh�terin, was die Aes Sedai im Tarasin-Palast unendlich aufregte, obwohl es ihre Beh�ter nicht zu st�ren schien. Die Br�uche der Feuchtl�nder waren so merkw�rdig, da� sie es kaum ertrugen, dar�ber nachzudenken.</p><p>Wenn Elayne und Birgitte von jeglichem Gedanken an ein Gespr�ch abgelenkt schienen, so lehnte Nynaeve al'Meara, die direkt gegen�ber von Aviendha an der T�r sa�, es schroff ab. Nynaeve, nicht Nynaeve al'Meara. Feuchtl�nder wurden gern nur mit der H�lfte ihres Namens benannt, und Aviendha versuchte sich zu erinnern, wie sehr dies dem Gef�hl glich, mit einem Kosenamen angesprochen zu werden. Rand al'Thor war der einzige Geliebte, den sie jemals gehabt hatte, und sie dachte nicht einmal an ihn so vertraulich, aber sie mu�te ihre Art lernen, wenn sie einen Feuchtl�nder heiraten sollte.</p><p>Nynaeves tiefbraune Augen blickten durch sie hindurch. Ihre Kn�chel traten wei� hervor, w�hrend sie ihren Zopf umklammerte, der genauso dunkel wie Birgittes golden war, und ihr Gesicht, das zun�chst bla� geworden war, zeigte jetzt ein schwaches Gr�n. Manchmal stie� sie ein unterdr�cktes St�hnen aus. Sie schwitzte normalerweise nicht - sie und Elayne hatten Aviendha den Trick gelehrt. Nynaeve war ein R�tsel. Manchmal �bertrieben mutig, st�hnte sie jetzt vermutlich aus Feigheit und zeigte ihre Scham so offen, da� jedermann sie erkennen mu�te. Wie konnte <emphasis>der Antrag</emphasis> sie so beunruhigen, wenn all dies Wasser es nicht tat?</p><p>Erneut Wasser. Aviendha schlo� die Augen, um Nynaeves Gesicht nicht sehen zu m�ssen, aber dadurch wurde ihr Kopf nur von den Lauten der V�gel und dem Schwappen des Wassers erf�llt.</p><p>�Ich habe gerade nachgedacht�, sagte Elayne pl�tzlich und hielt dann inne. �Geht es Euch gut, Aviendha? Ihr...� Aviendhas Wangen r�teten sich, aber zumindest erw�hnte Elayne nicht, da� sie beim Klang ihrer Stimme wie ein Hase aufgeschreckt war. Elayne schien zu erkennen, wie nahe sie daran gewesen war, Aviendhas Unehre zu enth�llen. Sie err�tete ebenfalls, w�hrend sie fortfuhr. �Ich habe gerade �ber Nicola und Areina nachgedacht und dar�ber, was Egwene uns gestern abend erz�hlt hat. Ihr vermutet doch wohl nicht, da� sie <emphasis>ihr</emphasis> irgendwelche Schwierigkeiten bereiten k�nnten, oder? Was soll sie tun?�</p><p>�Sie loswerden�, sagte Aviendha und fuhr mit dem Daumen �ber ihren Hals. Die Erleichterung zu sprechen, Stimmen zu h�ren, war so gro�, da� sie fast gekeucht h�tte. Elayne schien entsetzt. Sie war manchmal bemerkenswert weichherzig.</p><p>�Das w�re vielleicht das beste�, sagte Birgitte. Sie hatte nur diesen Namen offenbart. Aviendha hielt sie f�r eine Frau mit Geheimnissen. �Areina h�tte in angemessener Zeit etwas aus sich machen k�nnen, aber... Seht mich nicht so an, Elayne, und h�rt auf, Euch pr�de und unwissend zu stellen.� Birgitte wechselte oft zwischen der Beh�terin, die gehorchte, und der �lteren Erstschwester, die unterwies, ob man lernen wollte oder nicht. Gerade jetzt, als sie ermahnend den Finger hob, war sie die Erstschwester. �Ihr beide w�rt nicht gewarnt worden fernzubleiben, wenn es um ein Problem ginge, das die Amyrlin l�sen k�nnte, indem sie die beiden die W�sche oder �hnliches erledigen lie�e.�</p><p>Elayne r�mpfte angesichts dessen, was sie nicht leugnen konnte, heftig die Nase und richtete ihre gr�nen Seidenr�cke. Sie trug die �rtliche Mode mit cremefarbener Spitze an den Handgelenken und um den Hals, ein Geschenk von Tylin Quintara, wie auch die eng anliegende Halskette aus geflochtenem Gold. Aviendha billigte es nicht. Die obere H�lfte des Gewands, das Mieder, lag genauso eng an wie die Halskette, und eine ovale Aussparung im Stoff gab die innere W�lbung ihrer Br�ste frei. Dort damit herumzulaufen, wo jedermann es sehen konnte, war etwas anderes, als es in den Schwitzzelten zu zeigen. Die Menschen auf den Stra�en der Stadt waren keine <emphasis>Gai'shain.</emphasis> Ihr eigenes Gewand hatte einen hohen Kragen, dessen Spitzenbesatz ihr Kinn streifte, und es gab keine Aussparungen im Stoff.</p><p>�Au�erdem�, fuhr Birgitte fort, �sollte man glauben, <emphasis>Marigan</emphasis> w�rde Euch mehr beunruhigen. Mich beunruhigt sie sehr.�</p><p>Nat�rlich registrierte Nynaeve den Namen. Sie st�hnte heftiger und setzte sich auf. �Wenn sie uns holen kommt, werden wir uns mit ihr befassen m�ssen. Wir werden ... wir werden...� Sie atmete tief ein und sah die anderen scharf an, als stritten sie mit ihr. Aber dann sagte sie mit schwacher Stimme: �Glaubt Ihr, sie wird es tun?�</p><p>�Es n�tzt nichts, sich aufzuregen�, belehrte Elayne sie weitaus ruhiger, als Aviendha h�tte bleiben k�nnen, wenn sie geglaubt h�tte, da� einer der Schattenbeseelten sie ausersehen h�tte. �Wir werden einfach tun m�ssen, was Egwene gesagt hat, und dabei m�glichst vorsichtig sein.� Nynaeve murmelte etwas Unh�rbares, was wahrscheinlich gut so war.</p><p>Erneut entstand Schweigen. Elayne blickte noch d�sterer drein als zuvor, und Birgitte st�tzte ihr Kinn auf eine Hand, w�hrend sie stirnrunzelnd ins Leere blickte. Nynaeve murrte weiterhin leise, aber sie hielt jetzt beide H�nde auf die K�rpermitte gepre�t und hielt von Zeit zu Zeit inne, um zu schlucken. Das Spritzen des Wassers schien lauter denn je, und die Schreie der V�gel ebenso.</p><p>�Ich habe auch nachgedacht, N�chstschwester.� Aviendha und Elayne waren noch nicht soweit, sich als Erst-' Schwestern anzunehmen, aber sie war sich jetzt sicher, da� sie es tun w�rden. Sie strichen einander bereits �bers Haar und teilten jede Nacht im Dunkeln ein weiteres Geheimnis, das sie noch niemals jemand anderem erz�hlt hatten. Diese Min jedoch... Das mu�te sp�ter besprochen werden, wenn sie allein waren.</p><p>�Wor�ber?� fragte Elayne abwesend.</p><p>��ber unsere Suche. Wir rechnen mit Erfolg, aber wir sind noch immer genauso weit davon entfernt wie zu Anfang. Ist es sinnvoll, verf�gbare Waffen nicht einzusetzen? Mat Cauthon ist ein <emphasis>Ta'veren,</emphasis> aber wir meiden ihn tunlichst. Warum nehmen wir ihn nicht mit uns? Mit seiner Hilfe k�nnten wir die Schale endlich finden.�</p><p>�Mat?� rief Nynaeve ungl�ubig aus. �Genausogut k�nntest du dich in Nesseln setzen! Ich w�rde den Mann nicht einmal ertragen, wenn er die Schale in seiner Manteltasche h�tte.�</p><p>�Oh, <emphasis>sei</emphasis> doch still, Nynaeve�, murmelte Elayne leidenschaftslos. Sie sch�ttelte verwundert den Kopf und bemerkte den pl�tzlich finsteren Blick der anderen Frau nicht. Die Bezeichnung �heikel� beschrieb Nynaeve nur schwach, aber sie waren alle an ihre Art gew�hnt. <emphasis>�Warum</emphasis> habe ich nicht daran gedacht? Es ist so <emphasis>offensichtlich!�</emphasis></p><p>�Vielleicht�, murmelte Birgitte trocken. �Ihr hattet eine solch schlechte Meinung von dem Schurken, da� Ihr nicht erkennen konntet, da� Mat n�tzlich sein k�nnte.� Elayne sah sie k�hl an, das Kinn emporgereckt, dann grinste sie pl�tzlich und nickte widerwillig. Sie nahm Kritik nicht leicht an.</p><p>�Nein�, sagte Nynaeve mit einer Stimme, die gleichzeitig scharf und schwach klang. Die kr�nkliche Hautfarbe ihres Gesichts hatte sich noch verst�rkt, aber sie schien nicht mehr durch das Heben und Senken des Schiffes verursacht. �Das kannst du nicht wirklich meinen! Elayne, du wei�t, wie w�tend er werden kann und wie stur er ist. Er wird darauf bestehen, seine Soldaten wie eine Festtagsparade heranzubringen. Versuche einmal, im Rahad etwas zu finden, wenn dir Soldaten �ber die Schulter sehen. Versuche es nur! Er wird nach zwei Schritten anf�hren wollen und mit diesem <emphasis>Ter'angreal</emphasis> vor uns protzen. Er ist tausendmal schlimmer als Vandene oder Adeleas oder sogar Merilille. So wie er sich verh�lt, k�nnte man durchaus denken, wir schritten in die H�hle des L�wen, nur um den L�wen zu sehen!�</p><p>Birgitte stie� einen Laut aus, der vielleicht Belustigung ausdr�cken sollte, und wurde drohend angesehen. Daraufhin nahm sie wieder einen solch unschuldigen Gesichtsausdruck an, da� Nynaeve vor Emp�rung schnaubte.</p><p>Elayne war vern�nftiger. �Er ist ein <emphasis>Ta'veren,</emphasis> Nynaeve. Er �ndert das Muster, �ndert das <emphasis>Schicksal</emphasis> einfach dadurch, da� er da ist. Ich gebe zu, da� wir Gl�ck brauchen, und ein <emphasis>Ta'veren</emphasis> bedeutet mehr als Gl�ck. Au�erdem k�nnen wir so zwei Fliegen mit einer Klappe schlagen. Wir h�tten ihn nicht die ganze Zeit unbeobachtet lassen sollen, gleichg�ltig, wie besch�ftigt wir waren. Das hat niemandem gen�tzt, und ihm am allerwenigsten. Er mu� lernen, ein angenehmer Gesellschafter zu werden. Wir werden ihn von Anfang an im Auge behalten.�</p><p>Nynaeve gl�ttete energisch ihre R�cke. Sie behauptete, nicht mehr Interesse an Kleidung zu haben als Aviendha - worin sie sich ohnehin �hnlich sahen; sie erw�hnte stets, guter, einfacher Stoff sei f�r jedermann ausreichend -, aber ihr blaues Gewand war an den R�cken und �rmeln gelb geschlitzt, und das Muster hatte sie selbst ausgesucht. Jedes Kleidungsst�ck, das sie besa�, war entweder aus Seide oder bestickt oder beides und mit der auserlesenen Sorgfalt zugeschnitten, die Aviendha zu erkennen gelernt hatte.</p><p>Endlich einmal schien Nynaeve zu begreifen, da� es nicht nach ihrem Kopf gehen w�rde. Sie bekam manchmal beachtenswerte Wutanf�lle, bevor es geschah, ohne da� sie hinterher zugeben w�rde, da� es Wutanf�lle gewesen waren. Der finstere Gesichtsausdruck wurde zu einem verdrie�lichen Schmollen. �Wer wird ihn fragen? Wer auch immer es tut - er wird sie betteln lassen. Ihr wi�t, da� er es tun wird!�</p><p>Elayne z�gerte und sagte dann entschlossen: �Birgitte wird diejenige sein. Und sie wird nicht betteln -sie wird es ihm sagen. Die meisten Menschen tun, was man sagt, wenn man in festem, zuversichtlichen Tonfall spricht.� Nynaeve wirkte skeptisch, und Birgitte richtete sich j�h auf ihrer Bank auf - es war das erste Mal, da� Aviendha sie best�rzt erlebte. Bei jedem anderen h�tte Aviendha zudem behauptet, sie wirke auch ein wenig �ngstlich. F�r eine Feuchtl�nderin w�re Birgitte eine gute <emphasis>Far Dareis Mai</emphasis> gewesen. Sie konnte bemerkenswert gut mit dem Bogen umgehen.</p><p>�Ihr seid einstimmig gew�hlt, Birgitte�, fuhr Elayne schnell fort. �Nynaeve und ich sind Aes Sedai, und Aviendha wird es vielleicht ebenfalls. Wir k�nnen es <emphasis>unm�glich</emphasis> tun. Nicht, ohne unsere W�rde zu verlieren. Nicht bei ihm. Ihr <emphasis>wi�t,</emphasis> wie er ist.� Was war aus dem ganzen Gerede �ber eine feste, zuversichtliche Stimme geworden? Nicht, da� Aviendha jemals bemerkt h�tte, da� es bei jemand anderem als Sorilea gewirkt h�tte. Es hatte bisher auch sicherlich nicht bei Mat Cauthon gewirkt, soweit sie es miterlebt hatte. �Birgitte, er <emphasis>kann</emphasis> Euch nicht wiedererkannt haben. Wenn dem so w�re, h�tte er inzwischen etwas verlauten lassen.�</p><p>Was auch immer es bedeutete - Birgitte lehnte sich an die Wand zur�ck und verschr�nkte die Finger �ber dem Bauch. �Ich h�tte wissen sollen, da� Ihr es mir heimzahlen w�rdet, seit ich gesagt habe, es w�re gut, da� Euer Hintern kein...� Sie hielt inne, und ein kleines, zufriedenes L�cheln umspielte ihre Lippen. An Elaynes Gesichtsausdruck �nderte sich nichts, aber Birgitte glaubte eindeutig, ein gewisses Ma� an Rache erreicht zu haben. Es mu�te etwas gewesen sein, was durch den Beh�ter-Bund zu sp�ren war. Was jedoch Elaynes Hintern damit zu tun hatte, konnte Aviendha sich nicht denken. Feuchtl�nder waren so ... <emphasis>seltsam ...</emphasis> manchmal. Birgitte fuhr fort, w�hrend sie noch immer l�chelte. �Was ich nicht verstehe, ist, warum er sich �rgert, sobald er Euch beide sieht. Es kann nicht daran liegen, da� Ihr ihn hier behindert habt. Egwene hatte genauso viel Anteil daran wie Ihr, aber ich habe bemerkt, da� er sie respektvoller behandelt, als die meisten Schwestern es tun. Au�erdem hatte er sich jedesmal, wenn ich ihn aus der <emphasis>Wanderin</emphasis> kommen sah, anscheinend gut am�siert.� Ihr L�cheln wurde zu einem Grinsen, das Elayne dazu veranlagte, mi�billigend die Nase zu r�mpfen.</p><p>�Das ist eines der Dinge, die wir �ndern m�ssen. Eine anst�ndige Frau kann nicht denselben Raum mit ihm teilen. Oh, nehmt dieses Grinsen von Eurem Gesicht, Birgitte. Ich schw�re Euch, Ihr seid manchmal genauso schlimm wie er.�</p><p>�Der Mann wurde einfach als Pr�fung geboren�, murrte Nynaeve ver�rgert.</p><p>Als pl�tzlich alles schwankte und dann sich rundum drehend zum Halt kam, wurde Aviendha eindringlich daran erinnert da� sie sich auf einem Schiff befanden. Die Frauen erhoben sich, gl�tteten ihre Gew�nder und nahmen die leichten Umh�nge auf, die sie mitgenommen hatten. Aviendha zog den ihren nicht an. Das Sonnenlicht war hier nicht so hell, da� sie die Kapuze zum Schutz ihrer Augen ben�tigt h�tte. Birgitte legte ihren Umhang �ber eine Schulter, stie� die T�r auf und stieg die drei Stufen hinauf, nachdem Nynaeve mit einer vor den Mund gehaltenen Hand an ihr vorbeigerauscht war.</p><p>Elayne hielt inne, um ihren Umhang zu schlie�en und die Kapuze um ihr Gesicht zurechtzuziehen, wobei die rotgoldenen Locken �berall herauslugten. �Ihr habt nicht viel gesagt, N�chstschwester.�</p><p>�Ich habe gesagt, was ich zu sagen hatte. Die Entscheidung mu�tet Ihr treffen.�</p><p>�Aber der Schl�sselgedanke kam von Euch.</p><p>Manchmal denke ich, da� wir anderen allm�hlich verdummen.� Elayne wandte sich halb zu den Stufen um und hielt dann inne. �Die Weite des Meeres beunruhigt mich manchmal. Ich glaube, ich werde nur aufs Schiff sehen und auf nichts anderes.� Aviendha nickte - ihre N�chstschwester besa� ein gutes Einf�hlungsverm�gen -, und sie stiegen die Stufen hinauf.</p><p>An Deck lehnte Nynaeve gerade Birgittes Angebot zu helfen ab und stie� sich von der Reling hoch. Die beiden Ruderer sahen belustigt zu, wie sie sich mit dem Handr�cken den Mund abwischte. Sie waren Burschen mit nacktem Oberk�rper und Messingringen in beiden Ohren und hatten die hinter ihre Sch�rpen gesteckten gebogenen Dolche sicherlich schon h�ufig benutzt. Aber ihr Hauptaugenmerk galt der Bewegung ihrer Ruder, die sie an Deck vor und zur�ck f�hrten, um das Boot neben einem Schiff stabil zu halten, das Aviendha durch seine Gr��e fast den Atem nahm und das �ber ihrem pl�tzlich sehr klein wirkenden Boot aufragte, seine drei gro�en Masten h�her als die meisten B�ume, die sie hier in den Feuchtlanden gesehen hatte. Sie hatte es auserw�hlt, weil es das gr��te von Hunderten von Meervolk-Schiffen war, die in der Bucht ankerten. Auf einem solch riesigen Schiff mu�te es gewi� m�glich sein, all das Wasser rundum zu vergessen. Au�er...</p><p>Elayne hatte ihre Schande nicht wirklich zugegeben, und wenn sie es getan h�tte, durfte eine N�chstschwester ruhig von der tiefen Dem�tigung wissen, ohne da� es wichtig w�re, aber ... Amys sagte, sie sei zu stolz. Sie zwang sich, sich umzudrehen und vom Boot fortzuschauen.</p><p>Sie hatte noch niemals in ihrem Leben soviel Wasser erlebt, nicht einmal wenn jeder Tropfen Wasser, den sie bisher gesehen hatte, zusammengesch�ttet w�rde, und es rollte graugr�n und hier und da wei� sch�umend heran. Sie wandte den Blick ruckartig ab, versuchte, es zu ignorieren. Selbst der Himmel schien hier weiter, riesig, mit einer von Osten heraufziehenden Sonne wie fl�ssiges Gold. Ein heftiger Wind blies, k�hler als an Land und niemals einhaltend. Wolken von V�geln schwirrten durch die Luft, grau und wei� und manchmal schwarz getupft, die schrille Schreie ausstie�en. Ein Vogel, der bis auf den Kopf vollkommen schwarz war, glitt an der Wasseroberfl�che entlang, wobei sein langer, gesenkter Schnabel das Wasser durchschnitt, und eine Reihe plumper brauner V�gel - Pelikane hatte Elayne sie genannt -falteten pl�tzlich nacheinander die Schwingen, tauchten spritzend ins Wasser ein und stie�en dann wieder an die Oberfl�che, wo sie dahintrieben, die unglaublich gro�en Schn�bel aufw�rts gerichtet. �berall waren Schiffe, viele fast so gro� wie dasjenige hinter ihr, die nicht alle den Atha'an Miere geh�rten, und kleinere Schiffe mit nur einem oder zwei Masten, die unter dreieckigen Segeln fuhren. Auch kleinere Schiffe, wie das Boot, auf dem sie sich befanden, ohne Masten, mit einem hohen, spitzen Bug und einem niedrigen, flachen Bootshaus im Heck, <emphasis>zogen,</emphasis> von einem oder zwei oder auch drei Paar Rudern bewegt �bers Wasser. Ein langes, schmales Boot, das wohl zwanzig Ruder pro Seite aufwies, wirkte wie ein dahingleitender Tausendf��ler. Und da war Land. Vielleicht sieben oder acht Meilen entfernt schimmerte Sonnenlicht auf den wei� get�nchten H�usern der Stadt. Sieben oder acht Meilen Wasser.</p><p>Sie schluckte und drehte sich schneller wieder um, als sie sich vom Schiff abgewandt hatte. Sie glaubte, ihre Wangen. m��ten gr�ner sein, als Nynaeves gewesen waren. Elayne beobachtete sie, versuchte, einen ruhigen Gesichtsausdruck beizubehalten, aber Feuchtl�nder zeigten ihre Empfindungen so deutlich, da� ihre Sorge doch sichtbar war. �Ich bin eine N�rrin, Elayne.� Selbst bei ihr bereitete es Aviendha Unbehagen, nur den Vornamen zu benutzen. Wenn sie Erstschwestern w�ren, wenn sie Schwester-Frauen w�ren, w�re es leichter. �Eine weise Frau h�rt auf weisen Rat.�</p><p>�Ihr seid tapferer, als ich jemals sein werde�, erwiderte Elayne vollkommen ernsthaft. Sie leugnete ebenfalls, Mut zu haben. Vielleicht war das auch ein Feuchtl�nder-Brauch? Nein, Aviendha hatte schon Feuchtl�nder �ber ihre Tapferkeit sprechen h�ren. Diese Ebou Dari schien, zum Beispiel, keine drei Worte �u�ern zu k�nnen, ohne sich zu r�hmen. Elayne atmete tief ein, um sich zu st�hlen. �Heute abend werden wir �ber Rand sprechen.�</p><p>Aviendha nickte, aber sie verstand nicht, wie Elayne auf dieses Thema kam. Wie konnten SchwesterFrauen mit einem Ehemann zurechtkommen, wenn sie nicht ausf�hrlich �ber ihn sprachen? Das sagte ihr die �ltere Frau und die Weisen Frauen ohnehin. Sie waren nat�rlich nicht immer so entgegenkommend. Als Aviendha sich Amys und Bair gegen�ber beklagte, sie m�sse krank sein, weil sie sich f�hle, als tr�ge Rand al'Thor einen Teil von ihr mit sich herum, waren sie in Gel�chterausgebrochen. <emphasis>Ihr werdet lernen,</emphasis> belehrten sie Aviendha lachend, und <emphasis>Ihr h�ttet es schon fr�her gelernt, wenn Ihr in R�cken aufgewachsen w�rt.</emphasis> Als h�tte sie jemals ein anderes Leben als das einer Tochter des Speers f�hren wollen, die mit ihren Speer-Schwestern einherging. Vielleicht empfand Elayne die gleiche Leere. Doch �ber Rand zu sprechen, verst�rkte die Leere anscheinend, noch w�hrend man sie f�llte.</p><p>Sie hatte schon einige Zeit lauter werdende Stimmen wahrgenommen, und jetzt konnte sie auch die Worte verstehen.</p><p>�...Ihr beringter Possenrei�er!� Nynaeve zeigte einem sehr dunkelh�utigen Mann die Faust, der �ber die hohe Seite des Schiffes zu ihr herabsah. Er wirkte gelassen, konnte aber andererseits das Schimmern <emphasis>Saidars</emphasis> um sie herum nicht sehen. �Wir sind nicht hier, um darum zu bitten, an Bord kommen zu d�rfen, also macht es nichts, wenn Ihr es Aes Sedai verweigert! La�t sofort eine Leiter herunter!� Die M�nner an den Rudern blieben ernst. Anscheinend hatten sie vorher die Schlangenringe am befestigten Anlegesteg �bersehen, und sie schienen nicht erfreut dar�ber, Aes Sedai an Bord zu haben.</p><p>�O je�, seufzte Elayne. �Ich mu� dies wiedergutmachen, Aviendha, sonst haben wir den Vormittag verschwendet, nur damit sie ihr Fr�hst�ck loswerden konnte.� Elayne glitt �bers <emphasis>Deck -</emphasis> Aviendha war stolz darauf, die Namen der Dinge auf Schiffen zu kennen -und sprach den Mann oben auf dem Schiff an. �Ich bin Elayne Trakand, Tochter-Erbin von Andor und Aes Sedai der Gr�nen Ajah. Meine Begleiterin sagt die Wahrheit. Wir wollen nicht darum bitten, an Bord kommen zu d�rfen, sondern wir m�ssen mit Eurer Windsucherin �ber eine dringende Angelegenheit sprechen. Sagt ihr, wir w��ten vom Gewebe der Winde. Sagt ihr, wir w��ten von den Windsuchern.�</p><p>Der Mann blickte stirnrunzelnd zu ihr herab und verschwand dann pl�tzlich ohne ein Wort.</p><p>�Die Frau wird wahrscheinlich denken, du wolltest ihre Geheimnisse ausplaudern�, murrte Nynaeve und zog energisch ihren Umhang zurecht. �Du wei�t wieviel Angst sie davor haben, da� Aes Sedai sie alle zur Burg schleppen werden, wenn bekannt wird, da� die meisten die Macht lenken k�nnen. Nur ein Dummkopf glaubt, er k�nne Leute bedrohen, Elayne, und dennoch davonkommen.�</p><p>Aviendha brach in Gel�chter aus. Nynaeves best�rztem Blick nach zu urteilen, erkannte sie nicht, da� sie einen Scherz auf eigene Kosten gemacht hatte. Elaynes Lippen zitterten jedoch, wie sehr sie sich auch dagegen wehrte. Man konnte sich des Feuchtl�nder-Humors niemals sicher sein. Sie fanden eigenartige Dinge lustig, aber die besten Scherze entgingen ihnen.</p><p>Als Elayne den Bootsmann bezahlt und die M�nner belehrt hatte, auf ihre R�ckkehr zu warten - woraufhin Nynaeve ihnen sagte, sie w�rde sie schlagen, wenn sie davonf�hren; und ihre Beschreibung, wie sie das bewerkstelligen wollte, lie� Aviendha beinahe erneut in einen Lachanfall ausbrechen -, als das alles getan war, schien die Entscheidung gefallen zu sein, da� sie an Bord kommen durften. Es wurde keine Leiter herabgelassen, sondern statt dessen eine flache Holzplanke, deren beide Seile, an denen sie herabhing, schlie�lich zu einem Seil verflochten war, das zu einer dicken, �ber die Seite eines der Masten hinausf�hrenden Stange verlief. Nynaeve nahm ihren Platz auf der Planke ein, w�hrend sie die Bootsleute eindringlich warnte, keinesfalls unter ihre R�cke zu schauen, woraufhin Elayne err�tete, ihre Rocke fest um die Beine zusammengenommen hielt und so gekr�mmt sa�, da� sie mit dem Kopf voraus hinabzufallen drohte, als sie in der Luft schwankte und auf dem Schiff au�er Sicht geriet. Einer der Burschen schaute dennoch hoch, und Birgitte schlug ihm mit der Faust auf die Nase. Sie sahen <emphasis>ihr</emphasis> sicherlich nicht beim Aufstieg zu.</p><p>Aviendhas G�rtelmesser war klein und besa� eine nicht einmal einen halben Fu� lange Klinge, aber die Ruderer runzelten dennoch besorgt die Stirn, als sie es blankzog. Sie nahm den Arm zur�ck, und die M�nner lie�en sich aufs Deck fallen, als das Messer �ber ihre K�pfe wirbelte und mit einem wuchtigen <emphasis>Plonk</emphasis> in den dicken Holzpfosten im Bug des Bootes steckenblieb. Aviendha schlang sich ihren Umhang wie eine Stola um den Arm und raffte die R�cke bis �ber die Knie, so da� sie �ber die Ruder hinwegsteigen und ihr Messer zur�ckholen konnte, um dann ihren Platz auf der baumelnden Planke einzunehmen. Sie steckte das Messer nicht wieder ein. Aus irgendeinem Grund wechselten die beiden M�nner verwirrte Blicke, aber sie hielten die Augen gesenkt, w�hrend Aviendha hinaufgehoben wurde. Vielleicht bekam sie allm�hlich ein Gef�hl f�r Feuchtl�nder-Br�uche.</p><p>Als sie auf das Deck des gro�en Schiffes gelangte, staunte Aviendha und verga� beinahe, den schmalen Sitz zu verlassen. Sie hatte �ber die Atha'an Miere gelesen, aber dar�ber zu lesen und sie zu sehen, war genau solch ein Unterschied, wie �ber Salzwasser zu lesen und es zu schmecken. Zum einen waren sie alle dunkelh�utig, viel dunkler als die Ebou Dari und sogar dunkler als die meisten Tairener, mit glattem schwarzen Haar, schwarzen Augen und t�towierten H�nden. Barf��ige M�nner mit blo�em Oberk�rper und bunten, schmalen Sch�rpen, die ausgebeulte, schmutzig aussehende Hosen aus einem dunklen Stoff hielten, und Frauen in ebenso bunten Blusen wie Sch�rpen und mit schwingenden Bewegungen pa�ten sich anmutig dem Rollen des Schiffes an. MeervolkFrauen hatten nach dem, was sie gelesen hatte, in bezug auf M�nner sehr merkw�rdige Br�uche, tanzten nur mit einem Tuch bekleidet und Schlimmeres, aber es waren die Ohrringe, die Aviendhas Blicke auf sich zogen. Die meisten Frauen besa�en drei oder vier, h�ufig mit gl�nzenden Steinen, und eine Frau wies tats�chlich einen kleinen Ring in einem Nasenfl�gel auf! Bei den M�nnern war es �hnlich, zumindest was die Ohrringe betraf, und genauso viele trugen Gold- und Silberketten um den Hals. M�nner! Einige Feuchtl�nder trugen auch Ringe in den Ohren - die meisten Ebou Dar! anscheinend ebenfalls - aber so viele! Und Halsketten! Feuchtl�nder hatten seltsame Angewohnheiten. Sie hatte gelesen, da� das Meervolk seine Schiffe niemals verlie� - niemals -, und da� es vermutlich seine Toten a�. Das hatte sie nicht wirklich glauben k�nnen, aber wenn die M�nner Halsketten trugen, wer wu�te dann, was sie sonst noch taten?</p><p>Die Frau, die ihnen entgegenkam, trug Hose, Bluse und Sch�rpe wie die anderen, aber ihre Kleidung war aus gelber, brokatdurchwirkter Seide, und die Sch�rpe, deren Enden bis zu den Knien herabhingen, war mehrfach geknotet. An einer ihrer Halsketten baumelte eine kleine goldene, kompliziert gearbeitete Dose. Ein s��licher Moschusgeruch umgab die Frau. Ihr Haar war stark von Grau durchzogen, und sie hatte ein ernstes Gesicht. Jeweils f�nf kleine, breite Goldringe schm�ckten ihre Ohren, und eine d�nne Kette verband einen davon mit einem �hnlichen Ring in ihrer Nase. Winzige Medaillons aus gl�nzendem Gold, die von dieser Kette herabbaumelten, blitzten im Sonnenlicht auf, w�hrend sie die Ank�mmlinge betrachtete.</p><p>Aviendha nahm die Hand von ihrer eigenen Nase -solch eine Kette zu tragen, die immer herabzog! - und konnte kaum ein Lachen unterdr�cken. Feuchtl�nderBr�uche waren unglaublich, und sicherlich verdiente kein Volk diese Charakterisierung eher als das Meervolk.</p><p>�Ich bin Mahn din Toral Brechende Woge�, sagte die Frau, �eine Herrin der Wogen des Clans Somarin und Segelherrin der <emphasis>Windl�ufer.�</emphasis> Eine Herrin der Wogen war eine wichtige Pers�nlichkeit, wie ein Clanh�uptling, und doch schien sie unsicher und schaute von einem zum anderen Gesicht, bis ihr Blick auf die Gro�en Schlangenringe fiel, die Elayne und Nynaeve trugen, und dann atmete sie ergeben aus. �Wenn Ihr mir folgen wollt, Aes Sedai?� sagte sie zu Nynaeve.</p><p>Das Heck des Schiffs war hochgezogen. Die Frau f�hrte sie durch eine T�r ins Innere und dann einen Gang hinab zu einem gro�en Raum - eine <emphasis>Kabine -</emphasis>mit einer niedrigen Decke. Aviendha bezweifelte, da� Rand al'Thor unter einem dieser dicken Balken h�tte aufrecht stehen k�nnen. Bis auf einige wenige Lackkisten schien alles fest eingebaut zu sein, die Schr�nke an den W�nden und sogar der gro�e Tisch, der die halbe L�nge des Raums einnahm, wie auch die ihn umgebenden Armsessel. Es war schwer, sich vorzustellen, da� ein Schiff dieser Gr��e aus Holz bestand, und selbst nach der langen Zeit, die Aviendha bereits bei den Feuchtl�ndern verbrachte, lie� sie der Anblick all dieses gl�nzenden Holzes beinahe keuchen. Es gl�nzte fast genauso sehr wie die vergoldeten Lampen, die unangez�ndet in einer Art K�fig hingen, damit sie aufrecht blieben, wenn sich das Schiff mit den Wogen bewegte. In Wahrheit schien sich das Schiff kaum jemals zu bewegen, zumindest im Vergleich mit dem Boot, auf dem sie hergekommen waren, aber leider bestand die R�ckseite der Kabine und des Schiffes aus einer Reihe Fenster, deren bemalte und vergoldete L�den ge�ffnet waren und einen herrlichen Blick auf die Bucht erm�glichten. Schlimmer noch, es war aus diesen Fenstern kein Land in Sicht. Kein Land! Aviendhas Kehle zog sich zusammen. Sie h�tte nicht zu sprechen vermocht. Sie h�tte nicht schreien k�nnen, obwohl sie es wollte. Diese Fenster und was sie zeigten - oder was sie nicht zeigten - hatten ihren Blick so schnell auf sich gezogen, da� sie einen Moment zu der Erkenntnis brauchte, da� bereits Menschen im Raum waren. Eine sch�ne Bescherung! Wenn sie es gewollt hatten, h�tten sie sie t�ten k�nnen, bevor sie es gemerkt h�tte. Nicht da� die Leute auch nur den Anschein von Feindseligkeit erweckten, aber man konnte bei Feuchtl�ndern nie vorsichtig genug sein.</p><p>Ein spindeld�rrer Mann mit tiefliegenden Augen sa� bequem auf einer Kiste. Das wenige ihm verbliebene Haar war wei�, und sein dunkles Gesicht hatte einen freundlichen Ausdruck, obwohl insgesamt ein volles Dutzend Ohrringe und eine Anzahl schwerer goldener Ketten um seinen Hals seinen Ausdruck, ihrer Meinung nach, seltsam verzerrten. Wie die M�nner oben an Deck war auch er barfu� und trug kein Hemd, aber seine Hose war aus dunkelblauer Seide und seine lange Sch�rpe strahlend rot. Ein Schwert mit Elfenbeinheft steckte in der Sch�rpe, wie Aviendha ver�chtlich registrierte, sowie zwei gebogene, zueinander passende Dolche.</p><p>Aber ihre Aufmerksamkeit galt mehr der schlanken, h�bschen Frau mit den gekreuzten Armen und einem grimmig vorahnungsvollen Stirnrunzeln. Sie trug nur vier Ohrringe in jedem Ohr und weniger Medaillons an ihrer Kette als Malin din Toral, und ihre Kleidung bestand ganz aus r�tlichgelber Seide. Sie konnte die Macht lenken. Aviendha erkannte es, da sie ihr so nahe war. Sie mu�te die Frau sein, deretwegen sie hergekommen waren, die Windsucherin. Und doch war es eine andere, die Aviendhas Blick schlie�lich gefangen hielt. Und Elaynes, Nynaeves und Birgittes Blicke ebenso.</p><p>Die Frau, die von einer entrollten Landkarte auf dem Tisch aufgeschaut hatte, mochte, ihrem wei�en Haar nach zu urteilen, genauso alt sein wie der Mann. Sie war klein, nicht gr��er als Nynaeve, und wirkte, als w�re sie einst st�mmig gewesen und beg�nne jetzt dick zu werden, aber sie reckte ihr Kinn entschlossen vor, und ihre schwarzen Augen zeugten von Intelligenz. Und von Macht. Nicht die Eine Macht, nur die Macht eines Menschen, der �geh� sagte und wu�te, da� die Menschen gehen w�rden. Ihre Hose war aus gr�ner, brokatdurchwirkter Seide, ihre Bluse blau und ihre Sch�rpe rot wie die des Mannes. Der Dolch mit der gebogenen Klinge in einer in der Sch�rpe stekkenden Scheide hatte einen runden, mit roten und gr�nen Steinen besetzten Knauf. Feuertropfen und Smaragde, dachte Aviendha. Von ihrer Nasenkette hingen doppelt so viele Medaillons herab wie von Malin din Torais, und eine weitere, d�nnere Goldkette verband die sechs Ringe in ihren beiden Ohren. Aviendha hatte M�he, nicht erneut die Hand zu ihrer eigenen Nase zu f�hren.</p><p>Die wei�haarige Frau stellte sich schweigend vor Nynaeve, betrachtete sie unh�flich von Kopf bis Fu� und runzelte besonders bei der Betrachtung ihres Gesichts und des Gro�en Schlangenrings an ihrer rechten Hand die Stirn. Sie hielt sich nicht lange mit Nynaeve auf, sondern trat mit einem Brummen zu Elayne, um sie der gleichen schnellen, angespannten Pr�fung zu unterziehen, und dann zu Birgitte. Schlie�lich sprach sie. �Ihr seid keine Aes Sedai.� Ihre Stimme klang wie herabst�rzende Felsbrocken.</p><p>�Bei den neun Winden und Sturmbringers Bart, ich bin es wahrhaftig nicht�, erwiderte Birgitte. Sie sagte manchmal Dinge, die Elayne und Nynaeve nicht recht verstanden, aber die wei�haarige Frau zuckte zusammen, als sei sie gestochen worden, und sah Birgitte einen langen Moment an, bevor sie sich stirnrunzelnd Aviendha zuwandte.</p><p>�Ihr seid auch keine Aes Sedai�, stellte sie z�hneknirschend fest.</p><p>Aviendha richtete sich zu ihrer vollen Gr��e auf. Sie f�hlte sich, als h�tte die Frau ihr Innerstes nach au�engekehrt, um sie besser betrachten zu k�nnen. �Ich bin Aviendha, von der Neun T�ler-Septime der Taardad-Aiel.�</p><p>Die Frau zuckte noch heftiger zusammen wie bei Birgitte, und ihre schwarzen Augen weiteten sich. �Ihr seid nicht so gekleidet wie ich es erwartet h�tte, M�dchen�, lautete jedoch ihre einzige Antwort, und sie schritt zum anderen Ende des Tisches zur�ck, wo sie die F�uste in die H�ften stemmte und erneut alle pr�fend musterte, wie sie vielleicht auch ein fremdartiges Tier betrachtet h�tte, das sie noch nie zuvor gesehen hatte. �Ich bin Nesta din Reas Zwei Monde�, sagte sie schlie�lich, �Herrin der Schiffe der Athan'an Miere. Woher wi�t Ihr, was Ihr wi�t?�</p><p>Nynaeve hatte sich um einen finsteren Gesichtsausdruck bem�ht, seit die Frau sie zum ersten Mal angesehen hatte, und fauchte jetzt: �Aes Sedai wissen, was sie wissen. Und wir erwarten mehr Entgegenkommen, als ich bis jetzt erfahren habe! Als ich das letzte Mal auf einem Meervolk-Schiff war, wurde ich gewi� besser behandelt. Vielleicht sollten wir uns ein anderes aussuchen, auf dem die Menschen freundlicher sind.� Nesta din Reas' Gesicht wurde finsterer, aber Elayne sprang nat�rlich in die Bresche, nahm ihren Umhang ab und legte ihn auf die Tischkante.</p><p>�Das Licht erleuchte Euch und Eure Schiffe, Herrin, und sende die Winde, die Euch alle schnell voranbringen.� Sie vollf�hrte einen nicht allzu tiefen Hofknicks. Aviendha hatte solche Dinge beurteilen gelernt wenn sie einen Hofknicks auch f�r das Unbeholfenste hielt, was eine Frau jemals tun konnte. �Vergebt uns, wenn hastige Worte gefallen sind. Wir wollten niemandem unseren Respekt verweigern, der f�r die Atha'an Miere einer K�nigin gleichkommt.� Letzteres �u�erte sie mit einem vielsagenden Blick zu Nynaeve, die jedoch nur die Achseln zuckte.</p><p>Elayne und die anderen stellten sich erneut vor und ernteten seltsame Blicke. Nicht durch den Umstand, da� Elayne Tochter-Erbin war, obwohl dies unter den Feuchtl�ndern als hoher Rang angesehen wurde. Da� sie der Gr�nen und Nynaeve der Gelben Ajah angeh�rte, lie� Nesta din Reas die Nase r�mpfen und den spindeld�rren alten Mann sie scharf ansehen. Elayne blinzelte �berrascht, aber dann fuhr sie sanftm�tig fort. �Wir sind aus zwei Gr�nden hierhergekommen. Der weniger wichtige Grund ist, Euch zu fragen, wie Ihr dem Wiedergeborenen Drachen helfen wollt, den Ihr der Jendai-Prophezeiung nach Coramoor nennt. Der wichtigere Grund ist der, die Hilfe der Windsucherin dieses Schiffes zu erbitten. Deren Namen ich�, f�gte sie bed�chtig hinzu, �leider noch nicht kenne.�</p><p>Die schlanke Frau, die die Macht lenken konnte, err�tete. �Ich bin Dorile din Eiran Langfeder, Aes Sedai. Ich k�nnte Euch vielleicht helfen, wenn das Licht es will.�</p><p>Malin din Toral blickte ebenfalls verlegen drein. �Mein Schiff hei�t Euch willkommen�, murmelte sie, �und das Licht gew�hre Euch seine Gnade, bis Ihr diese Decks wieder verla�t.�</p><p>Nesta din Reas war keineswegs verlegen. �Der Handel wird mit dem Coramoor beschlossen�, sagte sie fest und unterstrich ihre Worte noch mit einer barschen Geste. �Die Landgebundenen haben keinen anderen Anteil daran als ihre Vorhersage seiner Ankunft. Ihr, M�dchen, Nynaeve. Welches Schiff lie� Euch an Bord kommen? Wer war diese Windsucherin?�</p><p>�Ich kann mich nicht erinnern.� Nynaeves leichtfertiger Tonfall stand im Gegensatz zu ihrem gezwungenen L�cheln. Sie umklammerte ihren Zopf heftig, aber zumindest hatte sie nicht erneut <emphasis>Saidar</emphasis> umarmt. �Und ich bin Nynaeve Sedai, Nynaeve Aes Sedai, nicht M�dchen.�</p><p>Nesta din Reas legte ihre H�nde flach auf den Tisch und warf Aviendha einen Blick zu, der diese an Sorilea erinnerte. �Vielleicht seid Ihr das, aber ich werde erfahren, wer enth�llt hat, was nicht h�tte enth�llt werden d�rfen. Sie mu� noch schweigen lernen.�</p><p>�Ein gerissenes Segel ist gerissen, Nesta�, sagte der alte Mann pl�tzlich mit einer weitaus st�rkeren und tieferen Stimme, als seine knochigen Glieder vermuten lie�en. Aviendha hatte ihn f�r einen W�chter gehalten, aber er sprach wie ein Gleichgestellter. �Es ist vielleicht gut, die Aes Sedai zu fragen, was sie von uns wollen, wenn der Coramoor gekommen ist, die Meere in endlosen St�rmen w�ten und das Verh�ngnis der Prophezeiung auf den Meeren segelt. Wenn sie wirklich Aes Sedai sind?� Letzteres wurde mit einer gew�lbten Augenbraue an die Windsucherin gewandt ge�u�ert.</p><p>Sie antwortete ruhig und in respektvollem Tonfall.</p><p>�Drei k�nnen die Macht lenken, sie eingeschlossen.� Sie deutete auf Aviendha. �Ich bin noch niemals jemandem begegnet, der so stark ist wie sie. Sie m�ssen Aes Sedai sein. Wer sonst w�rde es wagen, den Ring zu tragen?�</p><p>Nesta din Reas bedeutete ihr zu schweigen und bedachte den Mann mit dem gleichen eisenharten Blick. �Aes Sedai bitten niemals um Hilfe, Baroc�, grollte sie. �Aes Sedai bitten niemals um <emphasis>irgend etwas.�</emphasis> Er erwiderte ihren Blick sanft, aber kurz darauf seufzte sie, als h�tte er sie mit seinem Blick bezwungen. Aber sie sah Elayne dennoch genauso hart an wie zuvor die beiden anderen. �Was wollt Ihr von uns� - sie z�gerte - �Tochter-Erbin von Andor?� Selbst das klang skeptisch.</p><p>Nynaeve sammelte sich, zum Angriff bereit -Aviendha hatte sich mehr als eine von den Aes Sedai im Tarasin-Palast heftig ge�u�erte Tirade anh�ren m�ssen, wie oft sie verga�en, da� sie und Elayne auch Aes Sedai waren; jemand, von dem nicht einmal Aes Sedai leugneten, er k�nnte Blutvergie�en bringen. Nynaeve �ffnete den Mund... Und Elayne brachte sie mit einer Ber�hrung am Arm und mit einem f�r Aviendha unh�rbaren Fl�stern zum Schweigen. Nynaeves Gesicht war noch immer karmesinrot, und sie wirkte, als wollte sie sich ihren Zopf samt Haarwurzeln ausrei�en, aber sie hielt dennoch den Mund.</p><p>Es konnte Elayne nat�rlich nicht gefallen, wenn nicht nur ihr Recht, Aes Sedai genannt zu werden, sondern auch ihr Recht auf den Titel der Tochter- Erbin offen in Frage gestellt wurde. Die meisten h�tten sie f�r sehr gefa�t gehalten, aber Aviendha erkannte die Zeichen. Das erhobene Kinn zeugte von Zorn. Wenn man weiterhin die stark geweiteten Augen in Betracht zog, wu�te man, da� Elayne wie eine Fackel war, die Nynaeves Glut noch �bertraf. Birgitte hatte sich ebenfalls auf die Zehenspitzen erhoben, das Gesicht starr und die Augen wie Feuer. Sie spiegelte Elaynes Empfindungen normalerweise nicht wieder, au�er wenn sie sehr heftig waren. Aviendha legte die Finger um das Heft ihres G�rtelmessers und machte sich bereit, <emphasis>Saidar</emphasis> zu umarmen. Sie w�rde zuerst die Windsucherin t�ten. Die Frau konnte die Macht gut lenken, und sie w�re gef�hrlich. Sie konnten bei so vielen Schiffen noch andere Windsucherinnen finden.</p><p>�Wir suchen ein <emphasis>Ter'angreal.�</emphasis> Abgesehen von ihrem gezwungenen Tonfall w�rde jedermann, der sie nicht kannte, glauben, Elayne sei vollkommen ruhig. Sie sah Nesta din Reas an, sprach aber an alle gewandt, vielleicht an die Windsucherin im besonderen. �Wir glauben, damit das Wetter heilen zu k�nnen. Es sollte Euch doch genauso viele Sorgen bereiten wie der Landbev�lkerung. Baroc sprach von endlosen St�rmen. Ihr m��t die Ber�hrung des Dunklen K�nigs, die Ber�hrung des Vaters der St�rme, auf See genauso erkennen wie wir an Land. Mit diesem <emphasis>Ter'angreal</emphasis> k�nnten wir das �ndern, aber wir verm�gen es nicht allein zu tun. Es wird die Zusammenarbeit vieler Frauen ben�tigt, vielleicht ein voller Kreis von dreizehn. Wir denken, da� unter diesen Frauen auch Windsucherinnen sein sollten. Niemand sonst wei� so viel �ber das Wetter, keine lebende Aes Sedai - um diese Hilfe bitten wir.�</p><p>T�dliches Schweigen folgte auf ihre Rede, bis Dorile din Eiran vorsichtig �u�erte: �Dieses <emphasis>Ter'angreal,</emphasis> Aes Sedai. Wie hei�t es? Wie sieht es aus?�</p><p>�Es besitzt keinen mir bekannten Namen�, belehrte Elayne sie. �Es ist eine dicke Kristallschale, flach, aber mit etwas �ber zwei Fu� Durchmesser und innen mit Wolken verziert. Wenn man die Macht hineinlenkt, bewegen die Wolken...�</p><p>�Die Schale der Winde�, unterbrach die Windsucherin sie aufgeregt und trat unbewu�t auf Elayne zu. �Sie haben die Schale der Winde.�</p><p>�Ihr habt sie wirklich?� Der Blick der Herrin der Wogen heftete sich begierig auf Elayne, und auch sie trat unbewu�t vor.</p><p>�Wir <emphasis>suchen</emphasis> sie�, erkl�rte Elayne. �Aber wir wissen, da� sie sich in Ebou Dar befindet. Wenn es dieselbe...�</p><p>�Sie mu� es sein�, rief Malin din Toral aus. �Eurer Beschreibung nach mu� sie es sein!�</p><p>�Die Schale der Winde�, keuchte Dorile din Eiran. �Wenn man sich vorstellt, da� sie nach zweitausend Jahren hier wiedergefunden w�rde! Es mu� der Coramoor sein. Er mu�...�</p><p>Nesta din Reas schlug laut die H�nde zusammen. �Habe ich hier die Herrin der Wogen und eine Windsucherin vor mir oder zwei Decksm�dchen bei ihrer ersten Begegnung mit einem Schiff?� Malin din Torais Wangen r�teten sich vor Ver�rgerung, und sie neigte starrsinnig den Kopf. Dorile din Eiran err�tete doppelt so stark, verbeugte sich und legte die Fingerspitzen an Stirn, Lippen und Herz.</p><p><emphasis>Die</emphasis> Herrin der Schiffe sah sie einen Moment stirnrunzelnd <emphasis>an,</emphasis> bevor sie fortfuhr, �Baroc, ruft die anderen Herrinnen der Wogen zusammen, die diesen Hafen halten, und auch die Ersten Zw�lf - mit ihren Windsucherinnen. La�t sie wissen, da� Ihr sie in ihrer eigenen Takelage aufh�ngt, wenn sie sich nicht beeilen.� Als er sich erhob, f�gte sie hinzu: �Oh, und la�t Tee herunterschicken. Die Bedingungen dieses Handels auszuarbeiten, wird uns durstig machen.�</p><p>Der alte Mann nickte. Er akzeptierte gleichm�tig, da� er vielleicht Herrinnen der Wogen in ihrer Takelage aufh�ngen als auch da� er Tee schicken sollte. Er sah Aviendha und die anderen an und schlenderte dann hinaus. Aviendha �nderte ihre Meinung, als sie seine Augen aus der N�he sah. Es w�re vielleicht ein t�dlicher Irrtum gewesen, die Windsucherin als erste zu t�ten.</p><p>Jemand mu�te entsprechende Befehle erwartet haben, weil Baroc erst wenige Augenblicke fort war, als ein schlanker, h�bscher junger Mann mit einem einzigen d�nnen Ring in jedem Ohr mit einem Holztablett eintrat, auf dem eine eckige, blau glasierte Teekanne mit goldenem Henkel und gro�e blaue, get�pferte Becher standen. Nesta din Reas winkte ihn hinaus. �Er wird auch so ausreichend viele Geschichten verbreiten, ohne zu h�ren, was er nicht h�ren sollte�, sagte sie, als er fort war - und forderte Birgitte auf, einzugie�en. Was diese zu Aviendhas und vielleicht auch zu ihrer eigenen �berraschung tat.</p><p>Die Herrin der Schiffe wies Elayne und Nynaeve zwei Sessel an einem Ende des Tisches zu, offensichtlich bem�ht, den Handel zu beginnen. Aviendha lehnte den angebotenen Platz - am anderen Ende des Tisches - ab, aber Birgitte setzte sich. Die Herrin der Wogen und die Windsucherin waren auch von dieser Besprechung ausgeschlossen, wenn man es denn eine Besprechung nennen konnte. Es wurde sehr leise gesprochen, aber Nesta din Reas betonte jedes ihrer Worte mit einem speerartig gef�hrten Finger. Elayne hielt das Kinn so hoch emporgereckt da� sie an ihrer Nase herabzuschauen schien, und obwohl es Nynaeve dieses eine Mal gelang, einen ruhigen Gesichtsausdruck zu bewahren, war sie doch sehr aufgew�hlt.</p><p>�Wenn das Licht es will, werde ich mit Euch beiden sprechen�, sagte Malin din Toral und schaute von Aviendha zu Birgitte. �Aber ich denke, ich mu� zuerst Eure Geschichte h�ren.� Birgitte wirkte allm�hlich beunruhigt, als sich die Frau ihr gegen�ber hinsetzte.</p><p>�Was bedeutet, da� ich zun�chst mit Euch sprechen werde, wenn es dem Licht gef�llt�, belehrte Dorile din Eiran Aviendha. �Ich habe �ber die Aiel gelesen. Wenn Ihr m�gt, erz�hlt mir doch, warum noch M�nner unter Euch weilen, wenn eine Aielfrau jeden Tag einen Mann t�ten mu�?�</p><p>Aviendha bem�hte sich, ihre �berraschung nicht anmerken zu lassen. Wie konnte die Frau solch einen Unsinn glauben?</p><p>�Wann habt Ihr unter uns gelebt?� fragte Malin din Toral an diesem Ende des Tisches �ber ihre Teetasse hinweg. Birgitte lehnte sich m�glichst weit von ihr fort.</p><p>Nesta din Reas' Stimme erhob sich einen Moment vom anderen Ende des Tisches. �...kamt zu mir, nicht ich zu Euch. <emphasis>Das</emphasis> ist die Grundlage f�r unseren Handel, auch wenn Ihr Aes Sedai seid.�</p><p>Baroc schl�pfte in den Raum und blieb zwischen Aviendha und Birgitte stehen. �Anscheinend ist Euer K�stenboot unmittelbar nachdem Ihr an Bord kamt zur�ckgefahren, aber seid unbesorgt. Die <emphasis>Windl�ufer</emphasis> hat eigene Boote, die Euch zur�ckbringen werden.� Er nahm einen Platz unterhalb von Elayne und Nynaeve ein und beteiligte sich sofort am Gespr�ch. Wenn sie ansahen, wer auch immer gerade sprach, konnten die anderen sie unbemerkt beobachten. Sie hatten einen n�tigen Vorteil verloren. �Nat�rlich findet der Handel zu unseren Bedingungen statt�, sagte er in einem Tonfall, als wundere er sich, wie es anders sein k�nnte, w�hrend die Herrin der Schiffe Elayne und Nynaeve so fixierte, wie man vielleicht zwei Ziegen betrachtete, die man f�r ein Fest schlachten wollte. Baroc l�chelte fast v�terlich. �Wer bittet, mu� nat�rlich den h�chsten Preis bezahlen.�</p><p>�Aber Ihr m��t doch lange genug unter uns gelebt haben, um diese alten Eide zu kennen�, beharrte Malin din Toral.</p><p>�Geht es Euch gut, Aviendha?� fragte Dorile din Eiran. �Selbst hier beeintr�chtigen die Schiffsbewegungen Landmenschen bisweilen. Nein? Und meine Fragen sind f�r Euch nicht verletzend? Dann erz�hlt es mir. Fesseln Aiel-Frauen einen Mann wirklich, bevor sie ... ich meine, wenn Ihr und er ... wenn Ihr...� Sie brach mit ger�teten Wangen und einem schwachen L�cheln ab. �K�nnen viele Aiel-Frauen die Eine Macht genauso stark lenken wie Ihr?�</p><p>Nicht das t�richte Herumdrucksen der Windsucherin oder Birgittes flehentliche Blicke zur T�r oder auch Nynaeves und Elaynes Entdeckung, da� sie hell�ugige M�dchen in den H�nden geschickter H�ndler auf einem Jahrmarkt waren, hatte Aviendha erbleichen lassen. Sie w�rden es alle ihr vorwerfen, und das zu Recht. Sie hatte gesagt, wenn sie das <emphasis>Ter'angreal</emphasis> nicht zu Egwene und den anderen Aes Sedai zur�ckbringen k�nnten - warum sollten sie sich dann nicht der Hilfe dieser Meervolk-Frauen versichern, von denen sie gesprochen hatten? Es durfte keine Zeit damit verschwendet werden, darauf zu warten, da� Egwene al'Vere sagen w�rde, sie k�nnten zur�ckkommen. Sie w�rden es ihr vorwerfen, und sie w�rde ihrem <emphasis>Toh</emphasis> begegnen, aber pl�tzlich erinnerte sie sich an das Boot, das sie an Deck gesehen hatte, kopf�ber auf einem weiteren aufgestapelt. Boote, die ungesch�tzt an Bord lagen. Sie w�rden es ihr vorwerfen, aber welche Schuld auch immer sie auf sich geladen hatte - sie w�rde die Scham, wenn sie in einem offenen Boot sieben oder acht Meilen weit hin�bergerudert w�rde, tausendfach zur�ckzahlen.</p><p>�Habt Ihr einen Eimer?� fragte sie die Windsucherin schwach.</p></section><section><title><p>14</p><p>Wei�e Federn</p></title><p><emphasis>Der Silberkreis</emphasis> hatte seinen Namen auf den ersten Blick nicht verdient, aber Ebou Dar liebte gro�artige Namen, und manchmal schien es, da� sie f�r desto angemessener gehalten wurden, je schlechter sie pa�ten. Die schmutzigste Schenke in der Stadt, die Mat je gesehen hatte und die nach sehr altem Fisch roch, trug den Namen <emphasis>Der strahlende Ruhm der K�nigin,</emphasis> w�hrend der Name <emphasis>Die Goldene Himmelskrone</emphasis> im Rahad jenseits des Flusses ein tr�bes Loch mit nur einer blauen T�r als Hervorhebung zierte, in dem schwarze Flecken von alten Dolchk�mpfen den schmutzigen Boden sprenkelten. <emphasis>Der Silberkreis</emphasis> war f�r Pferderennen bekannt.</p><p>Mat nahm seinen Hut ab, f�chelte sich mit der breiten Krempe Luft zu und ging sogar so weit, seinen schwarzen Seidenschal zu l�sen, den er trug, um die Narbe an seinem Hals zu verdecken. Die Morgenluft flimmerte bereits vor Hitze, und doch waren die beiden langen Erdb�nke, die die Rennbahn begrenzten, bereits dicht besetzt. Mehr hatte <emphasis>der Silberkreis</emphasis> nicht zu bieten. Das Murmeln von Stimmen �bert�nte beinahe die Schreie der M�wen �ber ihnen. Es kostete nichts zuzusehen, so da� Salinenarbeiter in der wei�en Weste ihrer Zunft und Bauern mit hageren Gesichtern, die aus dem drachenverschworenen Inland geflohen waren, Schulter an Schulter mit rauhen Tarabonern mit durchsichtigen Schleiern �ber dichten Schnurrb�rten, Webern mit senkrecht gestreiften Westen, Druckern mit waagerechten Streifen und F�rbern mit bis zu den Ellenbogen befleckten Armen sa�en. Das ungemilderte Schwarz der amadicianischen Landbewohner, bis zum Hals zugekn�pft, obwohl sie sich anscheinend fast zu Tode schwitzten, war neben murandianischen Dorfbewohnern mit langen, bunten, derart schmalen Sch�rzen, da� sie wohl nur zur Zierde getragen wurden, zu sehen. Sogar eine Handvoll Domani mit kupferfarbener Haut, die M�nner in kurzen M�nteln, wenn sie �berhaupt einen Mantel trugen, die Frauen in so d�nner Wolle oder Leinen, da� sich die Kleidung wie Seide anschmiegte, hatte sich eingefunden. Es waren Lehrlinge und Arbeiter von den Docks und aus den Lagerh�usern da, Gerber, die aufgrund des f�r ihre Arbeit typischen Geruchs ein wenig Freiraum in der Menge hatten, und Stra�enkinder mit schmutzigen Gesichtern, die genau beobachtet wurden, weil sie alles stehlen w�rden, worauf auch immer sie Hand legen konnten. Bei der arbeitenden Bev�lkerung gab es jedoch kaum etwas zu stehlen.</p><p>Sie alle sa�en oberhalb der dicken, um Pfosten gebundenen Hanfseile. Die Pl�tze unterhalb waren jenen vorbehalten, die Silber - und Gold - besa�en, den Menschen vornehmer Herkunft, die gut gekleidet und wohlhabend waren. Selbstgef�llige Diener g�ssen f�r ihre Herren gew�rzten Wein in Silberbecher, aufgeregte M�dchen f�cherten ihren Herrinnen K�hle zu, und es war sogar ein Luftspr�nge vollf�hrender Narr mit wei�bemaltem Gesicht und klingenden Messinggl�ckchen an seinem schwarzwei�en Hut und Mantel zu sehen. Stolze M�nner mit hohen Samth�ten schritten mit schmalen Schwertern an den H�ften einher, und ihr Haar streifte �ber ihre Schultern geschlungene Seidenm�ntel, die von Gold- oder Silberketten zwischen den schmalen, bestickten Revers gehalten wurden. Einige der Frauen trugen das Haar k�rzer als die M�nner, einige l�nger, und auf so viele Arten frisiert, wie Frauen anwesend waren. Sie trugen breite H�te mit Federn oder manchmal feinen Netzen, die ihre Gesichter verbargen, und ihre Gew�nder waren �blicherweise so geschnitten, da� entweder im Stil dieser Stadt oder einem anderen der Busen sichtbar war. Bei den Adligen, die unter bunten Sonnenschirmen sa�en, glitzerten Ringe und Ohrringe, Halsketten und Armb�nder in Gold und Elfenbein und kostbaren Edelsteinen, und sie betrachteten ihre Umgebung von oben herab. Gut gen�hrte H�ndler und Geldverleiher, die nur einen Hauch Spitze oder vielleicht eine Nadel oder einen Ring mit einem dicken, gl�nzenden Stein trugen, verbeugten sich dem�tig oder vollf�hrten Hofknickse vor den H�herstehenden, die ihnen wahrscheinlich ungeheure Summen schuldeten. Im <emphasis>Silberkreis</emphasis> wechselten Verm�gen ihre Besitzer, und das nicht nur bei Wetten. Es hie�, da� unterhalb der Seile auch Leben und Ehre aus der Hand gegeben wurden.</p><p>Mat setzte sich seinen Hut wieder auf und hob eine Hand, und einer der Buchmacher kam heran - eine adlergesichtige Frau mit einer Nase wie eine Ahle. Die Frau spreizte die H�nde, w�hrend sie sich verneigte, und sprach das rituelle �Ich werde wahrhaft niederschreiben, wie mein Lord zu wetten w�nscht�. Der Ebou-Dari-Akzent klang trotz der j�hen Endungen einiger W�rter dennoch weich. �Das Buch ist ge�ffnet.� Wie der Spruch stammte auch das auf die Vorderseite ihrer roten Weste gestickte Buch aus einer lange vergangenen Zeit, als die Wetten tats�chlich noch in ein Buch eingetragen wurden, aber Mat vermutete, da� er hier der einzige war, der das wu�te. Er erinnerte sich an viele Dinge, die er niemals gesehen hatte, aus lange zu Staub zerfallenen Zeiten.</p><p>Mit einem schnellen Blick auf die Gewinnquoten des f�nften Rennens an diesem Vormittag, die mit Kreide auf eine Schiefertafel geschrieben waren, nickte er. Wind war, trotz seiner Siege, nur als dritter Favorit genannt.</p><p>Mat wandte sich seinem Begleiter zu. �Setzt alles auf Wind, Nalesean.�</p><p>Der Tairener z�gerte und zupfte nachdenklich an den Spitzen seines ge�lten Barts. Schwei� gl�nzte auf seinem Gesicht, und doch hielt er seinen Mantel mit den dicken, blaugestreiften �rmeln bis obenhin geschlossen und trug eine blaue, eckige Samtkappe, die keinen Schutz vor der Sonne bot. �Alles, Mat?� Er sprach leise, wollte nicht, da� die Frau mith�rte. Die Gewinnchancen konnten sich jederzeit �ndern, bis man seine Wette tats�chlich plazierte. �Verdammt, aber dieser kleine Schecke sieht schnell aus, und der helle kastanienbraune Wallach mit der Silberm�hne auch.� Sie waren heute die Favoriten, neu in der Stadt, und wie alles Neue mit gro�en Erwartungen behaftet.</p><p>Mat machte sich nicht die M�he, zu den zehn Pferden zu blicken, die am n�chsten Rennen teilnahmen und am Ende der Bahn aufgereiht standen. Er hatte bereits genau hingeschaut, als er Olver auf den R�cken von Wind setzte. �Alles. Irgendein Dummkopf hat dem Schecken den Schweif eingebunden. Die Fliegen machen ihn schon jetzt halbwegs verr�ckt. Der Kastanienbraune ist pr�chtig, aber er hat einen b�sen Knick im Fesselgelenk. Vielleicht hat er Rennen auf dem Land gewonnen, aber heute wird er als letzter einlaufen.� Mit Pferden kannte Mat sich aus. Sein Vater hatte es ihm beigebracht, und Abell Cauthon besa� ein scharfes Auge f�r Pferde.</p><p>�Er wirkt auf mich mehr als pr�chtig�, grollte Nalesean, aber er stritt nicht mehr.</p><p>Die Buchmacherin blinzelte, als Nalesean seufzend eine dicke Geldb�rse nach der anderen aus seinen Manteltaschen zog. Einmal �ffnete sie den Mund, um Einspruch zu erheben, aber die Illustre und Ehrenwerte Gilde der Buchmacher behauptete schlie�lich stets, jede Wette in jeder H�he anzunehmen. Sie wetteten sogar mit Schiffsbesitzern und H�ndlern, ob ein Schiff sinken oder sich die Preise �ndern w�rden. Genauer gesagt, tat dies die Gilde selbst nicht einzelne Buchmacher. Das Gold verschwand in einer ihrer eisenbeschlagenen Kisten, deren jede von zwei Burschen mit Armen so dick wie Mats Beine getragen wurden. Ihre W�chter, mit harten Augen, Hakennasen und Lederwesten, die noch dickere Arme freigaben, hielten lange, mit Messing verst�rkte Kn�ppel in der Hand. Ein anderer ihrer M�nner reichte ihr eine wei�e Marke mit einem genau gezeichneten blauen Fisch -jeder Buchmacher hatte ein anderes Zeichen -, und sie notierte die Wette, den Namen des Pferdes oder ein Symbol, das das Rennen anzeigte, mit einem feinen Pinsel, den sie einer von einem h�bschen M�dchen gehaltenen Lackschachtel entnahm, auf der R�ckseite der Marke. Das schlanke M�dchen mit den gro�en dunklen Augen l�chelte Mat an. Die adlergesichtige Frau l�chelte nicht. Sie verneigte sich erneut, gab dem M�dchen beil�ufig einen Klaps und ging, mit dem Gildenvorsteher fl�sternd, davon, der mit einem Tuch hastig die Schiefertafel abwischte. Als er sie erneut hochhielt, war Wind mit den schlechtesten Gewinnquoten aufgef�hrt. Das M�dchen rieb sich heimlich die Wange und blickte stirnrunzelnd zu Mat zur�ck, als sei der Klaps seine Schuld gewesen.</p><p>�Ich hoffe, Ihr habt Gl�ck�, sagte Nalesean, der die Marke vorsichtig hochhielt, um die Tinte trocknen zu lassen. Buchmacher konnten sehr eigen sein, wenn sie auf eine Marke hin auszahlen sollten, auf der die Tinte verwischt war, und niemand war eigensinniger darin als ein Ebou Dari. �Ich wei�, da� Ihr nicht oft verliert, aber ich habe es schon geschehen sehen, verdammt, ich habe es schon erlebt. Ich m�chte heute abend ein M�dchen zum Tanz ausf�hren. Nur eine N�herin...� Er war ein Lord, wenn auch wirklich kein schlechter Bursche, und solche Dinge schienen ihm wichtig zu sein. �...aber sehr h�bsch. Sie mag Geschmeide. Goldgeschmeide. Sie mag auch Feuerwerk - ich habe geh�rt, da� f�r heute abend eines vorbereitet wird; das wird Euch interessieren -, aber Geschmeide l��t sie l�cheln. Sie wird mir nicht freundlich gesonnen sein, wenn ich es mir nicht leisten kann, sie zum L�cheln zu bringen, Mat.�</p><p>�Ihr werdet sie zum L�cheln bringen�, sagte Mat abwesend. Die Pferde gingen an der Startposition noch immer im Kreis. Olver sa� stolz auf Winds R�cken, den Mund zu einem sehr breiten Grinsen verzogen. Bei Ebou-Dari-Rennen waren alle Reiter Jungen. Wenige Meilen weiter landeinw�rts ritten M�dchen. Olver war heute hier der kleinste und leichteste Reiter. Nicht da� der langbeinige graue Wallach den Vorteil gebraucht h�tte. �Ihr werdet sie zum Lachen bringen, bis sie nicht mehr aufstehen kann.� Nalesean sah ihn stirnrunzelnd an, was Mat kaum bemerkte. Der Mann sollte wissen, da� Gold eine Sache war, �ber die sich Mat niemals Sorgen machte. Er gewann zwar vielleicht nicht immer, aber doch beinahe immer. Sein Gl�ck hatte ohnehin nichts damit zu tun, ob Wind siegte. Dessen war er sich sicher.</p><p>Gold k�mmerte ihn also nicht, aber Olver schon. Es gab keine Regel dagegen, da� die Jungen ihre Gerten gegeneinander anstatt bei den Pferden anwendeten. Bei jedem bisherigen Rennen hatte Wind die F�hrung �bernommen und beibehalten, aber wenn Olver verletzt w�rde, auch wenn es nur eine leichte Prellung w�re, w�rde Mat schwere Vorw�rfe gemacht bekommen - von Herrin Anan, seiner Wirtin, von Nynaeve und Elayne und von Aviendha oder Birgitte. Die ehemalige Tochter des Speers und die seltsame Frau, die Elayne als Beh�terin erw�hlt hatte, waren die letzten, von denen er erwartet h�tte, da� sie vor m�tterlichen Gef�hlen �berstr�mten, und doch hatten sie bereits hinter seinem R�cken versucht, den Jungen aus der <emphasis>Wanderin</emphasis> heraus und in den Tarasin-Palast zu bringen. Ein Ort mit so vielen Aes Sedai war der schlechteste Platz f�r Olver oder sonst jemanden, aber anstatt Birgitte und Aviendha zu sagen, da� sie kein Recht hatten, den Jungen fortzubringen, w�rde Setalle Anan ihn wahrscheinlich selbst eilig davonzerren. Olver w�rde sich wahrscheinlich in den Schlaf weinen, wenn er keine Rennen mehr reiten durfte, aber Frauen verstanden diese Dinge nie. Mat verfluchte Nalesean zum ungef�hr tausendsten Mal daf�r, da� er Olver und Wind heimlich zu diesen ersten Rennen gebracht hatte. Nat�rlich mu�ten sie etwas finden, um all die vielen Mu�esrunden auszuf�llen, aber sie h�tten etwas anderes finden k�nnen. Nach Ansicht der Frauen w�re Taschendiebstahl nicht schlimmer gewesen.</p><p>�Hier ist der Diebef�nger�, sagte Nalesean und stopfte die Marke in seinen Mantel. Er grinste recht h�hnisch. �Er hat bisher nicht viel geleistet. Wir h�tten statt dessen lieber weitere f�nfzig Soldaten mitbringen sollen.�</p><p>Juilin schritt zielbewu�t durch die Menge, ein dunkler, harter Mann mit einem Bambusstab als Gehstock, der genauso gro� war wie er selbst. Mit der flachen, konischen roten Kappe der Taraboner auf dem Kopf und einem einfachen, um die Taille gebundenen und sich dann bis auf die Stiefel bauschenden Mantel, der recht abgetragen und offensichtlich nicht der Mantel eines Reichen war, h�tte er sich eigentlich nicht unterhalb der Seile aufhalten d�rfen, aber er gab vor, die Pferde zu studieren, und lie� prahlerisch eine wertvolle M�nze auf seiner Handfl�che tanzen. Einige der W�chter der Buchmacher beobachteten ihn mi�trauisch, aber das Goldst�ck verschaffte ihm Zugang.</p><p>�Nun?� sagte Mat ver�rgert und zog seinen Hut tief in die Stirn, sobald der Diebef�nger ihn erreichte. �Nein, la�t mich raten. Sie sind dem Palast erneut entkommen. Und wieder sah sie niemand gehen. Wieder hat niemand eine verdammte Idee, wo sie sein k�nnten,�</p><p>Juilin steckte die Goldm�nze sorgf�ltig in seine Manteltasche. Er wettete nicht. Er schien jedes Kupferst�ck zu sparen, das ihm in die H�nde geriet. �Sie nahmen alle vier vom Palast aus eine geschlossene Kutsche zu einem Anlegesteg am Flu�, wo sie ein Boot mieteten. Thom hat ein weiteres gemietet und ist ihnen gefolgt, um zu sehen, wohin sie gehen. Ihrer Kleidung nach zu urteilen, vermutlich an keinen d�steren oder unerfreulichen Ort. Aber es stimmt schon - Adlige tragen sogar Seide, wenn sie im Schlamm w�hlen.� Er grinste Nalesean an, der die Arme kreuzte und vorgab, in die Betrachtung der Pferde vertieft zu sein. Das Grinsen war lediglich ein Entbl��en der Z�hne. Beide waren Tairener, aber in Tear bestand eine breite Kluft zwischen Adligen und B�rgerlichen, und keiner f�hlte sich in Gegenwart des anderen wohl.</p><p>�Frauen!� Mehrere vornehm gekleidete Frauen in ihrer N�he wandten sich um und sahen Mat unter hellen Sonnenschirmen fragend an. Er erwiderte ihre Blicke stirnrunzelnd, obwohl zwei von ihnen h�bsch waren, und sie begannen zu lachen und miteinander zu tuscheln, als h�tte er etwas Lustiges gesagt. Eine Frau tat etwas, bis man sicher war, da� sie es immer tun w�rde, und dann tat sie etwas anderes, nur um einen zu verwirren. Aber er hatte Rand versprochen, daf�r zu sorgen, da� Elayne sicher nach Caemlyn gelangte, und Nynaeve und Egwene mit ihr. Zudem hatte er Egwene versprochen, daf�r zu sorgen, da� die anderen beiden auf dieser Reise nach Ebou Dar wohlbeh�tet waren, ganz zu schweigen von Aviendha. Das war der Preis daf�r, Elayne nach Caemlyn zu bekommen. Nicht, da� sie ihm gesagt hatten, warum sie hier sein mu�ten - o nein. Nicht da� sie seit ihrer Ankunft in dieser verdammten Stadt auch nur zwanzig Worte mit ihm gewechselt h�tten!</p><p>�Ich werde f�r ihre Sicherheit sorgen�, murrte er leise. �Und wenn ich sie in F�sser stecken und auf einem Karren nach Caemlyn bef�rdern mu�.� Er war vielleicht der einzige Mann auf der Welt, der das �ber Aes Sedai sagen konnte, ohne �ber die Schulter sehen zu m�ssen, vielleicht sogar der einzige einschlie�lich Rand und jenen Burschen, die er um sich versammelte. Er ber�hrte das Fuchskopf-Medaillon unter seinem Hemd, um sich zu vergewissern, da� es da war, obwohl er es niemals abnahm, nicht einmal beim Baden. Es hatte Fehler, aber ein Mann lie� sich gern erinnern.</p><p>�Tarabon mu� jetzt furchtbar sein f�r eine Frau, die nicht daran gew�hnt ist, auf sich aufzupassen�, murmelte Juilin. Er beobachtete, wie drei verschleierte M�nner in zerrissenen M�nteln und ausgebeulten, einstmals wei�en Hosen vor zwei kn�ppelschwingenden W�chtern der Buchmacher die B�nke hinaufkletterten. Keine Regel bestimmte, da� arme Menschen sich nicht unterhalb der Seile aufhalten durften, aber die W�chter der Buchmacher bestimmten es. Die beiden h�bschen Frauen, die Mat beobachtet hatten, schienen eine private Wette darauf abzuschlie�en, ob die Taraboner den W�chtern entk�men oder nicht.</p><p>�Wir haben hier mehr als genug Frauen ohne Verstand�, belehrte Mat ihn. �Geht wieder zu diesem Anlegesteg zur�ck und wartet auf Thom. Sagt ihm, da� ich ihn so bald wie m�glich brauche. Ich will wissen, was diese t�richten Frauen vorhaben.�</p><p>Juilins Blick wirkte recht verdutzt. Genau das hatten sie immerhin seit �ber einem Monat herauszufinden versucht, seitdem sie hierhergekommen waren. Mit einem letzten Blick auf den fliehenden Mann schlenderte er den Weg zur�ck, den er gekommen war, und lie� die M�nze erneut auf seiner Handfl�che tanzen.</p><p>Mat sp�hte stirnrunzelnd �ber die Rennbahn. Die gegen�berliegende Zuschauermenge war kaum f�nfzig Fu� entfernt, und einige Gesichter fielen ihm auf - ein gebeugter, wei�haariger alter Mann mit einer Hakennase, eine Frau mit einem scharfgeschnittenen Gesicht unter einem Hut, der fast nur aus Federn zu bestehen schien, ein gro�er Bursche, der wie ein Storch in gr�ner Seide mit Goldborte wirkte und eine recht dralle junge Frau mit vollen Lippen, die oben aus ihrem Gewand herauszuquellen schien. Je l�nger die Hitze anhielt desto weniger und d�nnere Kleidung trugen die Frauen in Ebou Dar, aber dieses Mal achtete er kaum darauf. Wochen waren vergangen, seit er die Frauen auch nur angesehen hatte, die ihn jetzt besch�ftigten.</p><p>Birgitte brauchte gewi� niemanden, der ihr die Hand hielt. Sie war eine J�gerin des Horns, und jedermann, der ihr �rger bereitete, w�rde seinen Irrtum sehr schnell einsehen. Und Aviendha... Sie brauchte nur jemanden, der sie davon abhielt, alle zu erstechen, die sie schief ansahen. Soweit es ihn betraf, konnte sie erstechen, wen immer sie wollte, solange es nicht Elayne war. Auch wenn die verdammte Tochter-Erbin eingebildet einherstolzierte, sah sie sich doch mit gro�en Augen zu Rand um, und wenn Aviendha sich auch verhielt, als wollte sie jeden Mann erdolchen, der in ihre Richtung schaute, tat sie es ihr doch gleich. Rand wu�te f�r gew�hnlich, wie er mit Frauen umgehen mu�te, aber er hatte sich eine schwere B�rde aufgeladen, als er diese beiden zusammengebracht hatte. Die Katastrophe war unausweichlich, und es war Mat ein R�tsel, warum sie noch nicht eingetreten war.</p><p>Aus einem unbestimmten Grund schwenkte sein Blick zu der Frau mit den scharf geschnittenen Gesichtsz�gen zur�ck. Sie war h�bsch, wenn sie auch etwas Fuchsartiges hatte. Er sch�tzte sie ungef�hr auf Nynaeves Alter. Es war auf die Entfernung schwer festzustellen, aber er konnte Frauen genauso gut einsch�tzen wie Pferde, wenn Frauen einen nat�rlich auch schneller narren konnten als jedes Pferd. Sie war schlank. Warum mu�te er bei ihr an Stroh denken? Ihr unter dem Federhut herauslugendes Haar war dunkel. Gleichg�ltig.</p><p>Birgitte und Aviendha konnten ohne seine Anleitung zurechtkommen, und normalerweise h�tte er dasselbe von Elayne und Nynaeve behauptet wie verbohrt, eingebildet und regelrecht unversch�mt sie auch sein konnten. Da� sie die ganze Zeit davongeschlichen waren, besagte jedoch etwas anderes. Verbohrtheit war der Schl�ssel. Sie geh�rten zu der Sorte Frauen, die einen Mann davonjagten, wenn er sich einmischte, und ihn aber erneut abwiesen, wenn er da war, wenn sie ihn brauchten. Nicht da� sie zugeben w�rden, da� er gebraucht wurde, selbst dann nicht, nicht sie. Erhebe eine helfende Hand, und du mischst dich ein, tue nichts, und du bist ein unw�rdiger Schurke.</p><p>Sein Blick fiel erneut auf die Frau mit dem fuchs�hnlichen Gesicht ihm gegen�ber. Nicht Stroh, vielmehr ein Stall. Was nicht mehr Sinn machte. Er hatte sch�ne Zeiten mit manch einer jungen Frau und einigen nicht mehr ganz so jungen Frauen in St�llen verbracht, aber diese trug hochgeschlossene blaue Seide mit schneewei�er Spitze an Kragen und Manschetten. Eine Lady, und er mied adlige Damen wie die Pest. Sie spielten die Stolzen und erwarteten stets, da� ein Mann zu ihrer Verf�gung stand. Nicht Mat Cauthon. Seltsamerweise f�chelte sie sich mit einem Spr�hregen von Federn K�hle zu. Wo war ihre Zofe? Ein Messer. Warum sollte sie ihn an ein Messer denken lassen? Und ... an Feuer? Auf jeden Fall an etwas Brennendes.</p><p>Mat sch�ttelte den Kopf und versuchte, sich auf Wichtigeres zu konzentrieren. Die Erinnerungen anderer Menschen an Schlachten und H�fe und vor Jahrhunderten verschwundene L�nder f�llten L�cken in seinen Erinnerungen, Momente, in denen sein eigenes Leben pl�tzlich d�rftig wurde oder gar nicht mehr z�hlte. Er konnte sich recht deutlich daran erinnern, den Zwei Fl�ssen mit Moiraine und Lan entflohen zu sein, aber dann an fast nichts mehr, bis sie Caemlyn erreichte, und auch vorher und nachher bestanden L�cken. Wenn vollst�ndige Jahre seines eigenen Aufwachsens im Dunkellagen - warum sollte er dann erwarten k�nnen, sich an jede Frau zu erinnern, der er begegnet war? Vielleicht erinnerte sie ihn an irgendeine Frau, die schon tausend Jahre oder l�nger tot war. Das Licht wu�te, da� dies h�ufig genug geschah. Selbst Birgitte regte manchmal seine Erinnerung an. Nun, es gab hier und jetzt vier Frauen, die seinen Geist gefangenhielten. Sie waren wichtig.</p><p>Nynaeve und die anderen mieden ihn, als h�tte er Fl�he. F�nfmal war er im Palast gewesen, und das einzige Mal, da� sie ihn vorgelassen hatten, war nur geschehen, um ihm zu sagen, da� sie zu besch�ftigt seien, um sich um ihn zu k�mmern, woraufhin sie ihn davonschickten wie einen Botenjungen. Alles lief auf eines hinaus: Sie glaubten, er w�rde sich in das einmischen, was immer sie vorhatten, doch der einzige Grund, warum er das t�te, w�re, wenn sie sich in Gefahr begaben. Sie waren keine N�rrinnen, h�ufig unbedacht, aber keine vollst�ndigen N�rrinnen. Wenn sie eine Gefahr sahen, bestand eine Gefahr. An einigen Orten in dieser Stadt w�rde man sich ein Messer zwischen den Rippen einhandeln, wenn man ein Fremder war oder Geld offen zeigte, und nicht einmal das Lenken der Einen Macht k�nnte dies verhindern, wenn sie es nicht rechtzeitig bemerkten. Und hier war er, mit Nalesean und einem Dutzend guten M�nnern der Bande, ganz zu schweigen von Thom und Juilin, die R�ume in den Bedienstetenquartieren des Palasts belegten, wo sie nur die Daumen drehen konnten. Diese dickk�pfigen Frauen w�rden dennoch get�tet werden. �Nicht, wenn ich es verhindern kann�, grollte er.</p><p>�Was?� fragte Nalesean. �Seht, sie stellen sich auf, Mat. Das Licht verbrenne meine Seele, aber ich hoffe, Ihr habt recht. Dieser Schecke wirkt auf mich nicht halb verr�ckt, sondern sehr eifrig.�</p><p>Die Pferde t�nzelten, nahmen ihre Pl�tze zwischen hohen, in den Boden gesteckten Stangen ein, an deren Spitzen in einer warmen Brise Wimpel in Blau und Gr�n und jeder anderen Farbe sowie einige gestreift wehten. F�nfhundert Schritte die Bahn aus festgetretener roter Erde hinab bildeten eine identische Anzahl Stangen eine weitere Reihe. Jeder Reiter mu�te um die Stange mit dem Wimpel, der die gleiche Farbe trug wie derjenige, der am Start zu seiner Rechten flatterte, herum- und wieder zur�ckreiten. Je ein Buchmacher stand an beiden Enden der Reihe Pferde, eine rundliche Frau und ein noch rundlicherer Mann, die beide ein wei�es Tuch �ber den Kopf hielten. Die Buchmacher �bernahmen den Start und durften f�r ein Rennen, das sie starteten, keine Wetten annehmen.</p><p>�Verdammt�, murrte Nalesean.</p><p>�Licht, Mann, beruhigt Euch. Ihr werdet Eure N�herin bald unter dem Kinn kraulen.� Ein Tosen �bert�nte das letzte Wort, als die T�cher gesenkt wurden und die Pferde vorw�rts preschten. Selbst das Ger�usch ihrer Hufe ging im L�rm der Menge unter. Wind hatte bereits nach zehn Schritten die F�hrung �bernommen. Olver dr�ckte sich flach an seinen Hals, und der Kastanienbraune mit der Silberm�hne lag nur eine Kopfl�nge zur�ck. Der Schecke lief im Hauptfeld mit, wo die Reiter ihre Gerten bereits heftig benutzten.</p><p>�Ich habe Euch gesagt, da� der Kastanienbraune gef�hrlich ist�, st�hnte Nalesean. �Wir h�tten nicht alles verwetten sollen.�</p><p>Mat machte sich nicht die M�he zu antworten. Er hatte noch einen Geldbeutel in seiner Tasche und au�erdem noch lose M�nzen. Er nannte den Geldbeutel sein Saatgut. Damit, auch wenn sich nur wenige M�nzen darin befanden, und mit einem W�rfelspiel konnte er sein Verm�gen wieder aufstocken, gleichg�ltig, was heute morgen geschah. Auf halber Strecke hielt Wind noch immer die Spitze, w�hrend sich der Kastanienbraune, der ihm auf den Fersen blieb, eine volle L�nge vor dem n�chsten Pferd befand. Der Schecke lief auf f�nfter Position. Nach der Wende w�rde es gef�hrlich. Es war bekannt, da� die Jungen auf den Nachz�gler-Pferden auf diejenigen einschlugen, die die Stangen vor ihnen umrundeten.</p><p>Als Mats Blick den Pferden folgte, schwenkte er auch wieder �ber die Frau mit dem scharfgeschnittenen Gesicht ... und zuckte zur�ck. Die Rufe und Schreie der Menge verklangen. Die Frau deutete mit ihrem F�cher auf die Pferde und h�pfte aufgeregt auf und ab, aber pl�tzlich sah er sie in Hellgr�n und einem �ppig grauen Umhang, das Haar in einem gl�nzenden Spitzennetz, die R�cke elegant gerafft, w�hrend sie von einem Stall nicht weit von Caemlyn herankam.</p><p><emphasis>Rand lag noch immer st�hnend dort im Stroh, obwohl das Fieber gesunken zu sein schien. Zumindest schrie er keine Menschen mehr an, die nicht da waren. Mat betrachtete die Frau mi�trauisch, als sie sich neben Rand kniete. Vielleicht konnte sie helfen, wie sie behauptet hatte, aber Mat traute ihr nicht mehr so wie fr�her. Was tat eine edle Dame wie sie in einem Dorfstall? Er betastete das mit Rubinen besetzte Heft seines vom Umhang verborgenen Dolchs und fragte sich, warum er ihr jemals getraut hatte. Es zahlte sich niemals aus. Niemals.</emphasis></p><p><emphasis>�...schwach wie ein einen Tag altes K�tzchen�, sagte sie gerade, w�hrend sie unter ihren Umhang griff. �Ich glaube...�</emphasis></p><p><emphasis>Ein Dolch blitzte so pl�tzlich in ihrer Hand auf, mit dem sie auf Mats Kehle zielte, da� er tot gewesen w�re, wenn er nicht vorbereitet gewesen w�re. Er lie� sich flach zu Boden fallen, ergriff ihr Handgelenk und stie� es einfach von sich fort, w�hrend die gebogene Shadar-Logoth-Klinge emporscho� und an ihrem wei�en Hals zu liegen kam. Die Frau erstarrte und versuchte, auf die ihre Haut eindr�ckende, scharfe Schneide hinabzublicken. Er wollte sie verletzen. Besonders als er die Stelle sah, an der ihr Dolch in die Stallwand eingedrungen war. Um die schmale Klinge bildete sich ein verkohlter Kreis, und eind�nner grauer Rauchfaden stieg von dem Holz auf, das gleich entflammen w�rde.</emphasis></p><p>Mat rieb sich zitternd mit der Hand �ber die Augen.</p><p>Es hatte ihn schon fast das Leben gekostet, diesen Shadar-Logoth-Dolch zu tragen, da er die L�cken in seine Erinnerung gefressen hatte, aber wie konnte er eine Frau vergessen, die ihn zu t�ten versucht hatte? Eine Schattenfreundin - das hatte sie zugegeben -, die ihn mit einem Dolch zu t�ten versuchte, der einen Eimer Wasser fast zum Kochen brachte, als sie ihn hineinwarfen, nachdem sie sie eingesperrt hatten. Eine Schattenfreundin, die Rand und ihn gejagt hatte. War es ein Zufall, da� sie zum gleichen Zeitpunkt wie er in Ebou Dar war - bei denselben Rennen, am gleichen Tag? Vielleicht war <emphasis>Ta'veren</emphasis> die Antwort - er dachte daran ungef�hr genauso gern wie an das verdammte Horn von Valere -, aber Tatsache war, da� die Verlorenen seinen Namen kannten. Der Stall war nicht die letzte Gelegenheit gewesen, bei der Schattenfreunde Mat Cauthon ein Ende bereiten wollten.</p><p>Er schwankte, als Nalesean ihm pl�tzlich auf den R�cken schlug. �Seht ihn Euch an, Mat! Licht des Himmels, seht ihn Euch an!�</p><p>Die Pferde hatten die Stangen am anderen Ende der Bahn umrundet und befanden sich bereits auf dem R�ckweg. Den Kopf vorgestreckt, M�hne und Schweif hinter ihm herflatternd, raste Wind die Rennbahn hinab, w�hrend Olver sich an seinen R�cken schmiegte, als w�re er ein Teil des Sattels. Der Junge ritt, als sei er auf dem Pferder�cken geboren. Vier L�ngen hinter ihm m�hte sich der Schecke ab, dessen Reiter in dem nutzlosen Unterfangen aufzuholen die Gerte gebrauchte. In dieser Formation ritten sie �ber die Ziellinie, wobei das direkt auf Wind folgende Pferd noch immer drei L�ngen zur�cklag. Der Kastanienbraune mit der Silberm�hne lief als letzter ein. Das St�hnen und Murren der Wetter, die verloren hatten, �bert�nte die Rufe der Gewinner. Die Marken der verlorenen Wetten regneten wei� auf die Bahn, und Dutzende von Dienern von Buchmachern eilten hin, um sie vor dem n�chsten Rennen aufzusammeln.</p><p>�Wir m�ssen diese Frau finden, Mat. Ich halte es f�r durchaus m�glich, da� sie davonl�uft, ohne uns zu bezahlen, was sie uns schuldet.� Nach dem, was Mat geh�rt hatte, ging die Gilde der Buchmacher �beraus hart mit Mitgliedern um, die zum ersten Mal so etwas versuchten, und beim zweiten Mal endete es t�dlich, aber sie waren B�rgerliche, und das gen�gte Nalesean.</p><p>�Sie steht gut sichtbar direkt dort dr�ben.� Mat deutete hin, ohne die Schattenfreundin mit dem fuchsartigen Gesicht aus den Augen zu lassen. Sie betrachtete eine Marke in ihrer Hand, warf sie zu Boden und raffte sogar die R�cke, um daraufzutreten. Sie hatte offensichtlich nicht auf Wind gesetzt. Mit noch immer verzerrtem Gesicht bahnte sie sich ihren Weg durch die Menge. Mat erstarrte. Sie ging. �Holt unsere Gewinne, Nalesean, und bringt Olver dann zur Schenke. Wenn er seine Lesestunden verpa�t, werdet Ihr mit der Schwester des Dunklen K�nigs Bekanntschaft machen, bevor Herrin Anan ihn ein weiteres Rennen bestreiten l��t.�</p><p>�Wohin geht Ihr?�</p><p>�Ich habe eine Frau gesehen, die mich einmal zu t�ten versucht hat�, sagte Mat �ber die Schulter.</p><p>�Schenkt Ihr das n�chste Mal Geschmeide�, rief Nalesean ihm nach.</p><p>Es war nicht weiter schwer, der Frau zu folgen, da ihr wei� befiederter Hut wie ein Banner durch die Menge zog. Die Sitzb�nke m�ndeten auf eine gro�e, offene Fl�che, auf der unter den wachsamen Augen der Kutscher und S�nftentr�ger bunt lackierte Karossen und S�nften warteten. Mats Pferd Pips stand unter Aufsicht der Alten und Angesehenen Gilde der Stallknechte. In Ebou Dar gab es f�r die meisten Berufe eine Gilde, und wehe demjenigen, der ihr Terrain unbefugt betrat. Er hielt inne, aber die Frau ging an den Transportmitteln vorbei, die die Hochrangigen und Reichen hierhergebracht hatten. Keine Dienerin, und jetzt nicht einmal ein Sitzplatz. Niemand lief in dieser Hitze zu Fu�, der sich eine Kutsche leisten konnte. War es Mylady schlecht ergangen?</p><p><emphasis>Der Silberkreis</emphasis> lag unmittelbar s�dlich der gro�en, wei� get�nchten Stadtmauer, und sie schlenderte die ungef�hr hundert Schritte bis zum breiten, spitz zulaufenden Bogen des Moldine-Tores entlang und dann hindurch. Mat versuchte, ihr unauff�llig zu folgen. Das Tor bildete einen zehn Spann langen, d�steren Tunnel, aber ihr Hut hob sie von der �brigen Menge ab. Menschen, die zu Fu� gehen mu�ten, trugen selten Federn. Sie schien zu wissen, wohin sie auf der anderen Seite wollte. Die Federn schoben sich vor ihm durch die Menge, nicht eilig, aber stets in Bewegung.</p><p>Ebou Dar schimmerte in der Sonne wei�. Wei�e Pal�ste mit marmornen S�ulen und sonnengesch�tzten Balkonen mit schmiedeeisernen Gittern Seite an Seite mit wei� get�nchten Gesch�ften von Webern und Fischh�ndlern und mit St�llen und gro�en wei�en H�usern mit schr�ggestellten Fensterl�den, die Bogenfenster verbargen, neben wei�en Schenken mit davor h�ngenden gemalten Schildern und offenen Marktst�nden unter langgezogenen D�chern, wo Schafe und H�hner, K�lber und G�nse und Enten neben ihren bereits geschlachteten und aufgeh�ngten Artgenossen ein Scheunenhof-Get�se veranstalteten. Alles war wei�, Steine oder T�nche, au�er hier und dort sichtbaren roten oder blauen oder goldenen B�ndern auf wie R�ben geformten Kuppeln und spitz zulaufenden Erkern, um die Balkone verliefen. �berall gab es Pl�tze, immer mit einer �berlebensgro�en Statue auf einem Podest oder einem spritzenden Springbrunnen, der die Hitze nur noch unterstrich, und immer gedr�ngt voller Menschen. Fl�chtlinge erf�llten die Stadt sowie Kaufleute und H�ndler aller Art. Es gab niemals Schwierigkeiten, die einem anderen nicht Profit einbrachten. Was Saldaea einst nach Arad Doman gesandt hatte, kam jetzt den Flu� hinab nach Ebou Dar, und ebenso das, womit Amadicia in Tarabon gehandelt hatte. Jedermann hastete umher, f�r eine oder tausend M�nzen, f�r einen Bissen zu essen f�r den heutigen Tag. Der in der Luft liegende Duft bestand zu gleichen Teilen aus Parf�m, Staub und Schwei�. Und irgendwie roch alles nach Verzweiflung.</p><p>Kan�le voller Lastk�hne durchschnitten die Stadt, von Dutzenden von Br�cken �berspannt, einige so schmal, da� zwei Menschen sich aneinander vorbeiquetschen mu�ten, andere ausreichend gro�, da� sie sogar von Gesch�ften ges�umt wurden, die �ber das Wasser ragten. Auf einer dieser Br�cken erkannte Mat pl�tzlich, da� der wei� befiederte Hut stehengeblieben war. Menschen eilten um Mat herum, als er ebenfalls stehenblieb. Die Br�ckengesch�fte waren genau betrachtet nur offene Holzbuden mit schweren, aus Bohlen gezimmerten L�den, die heruntergelassen wurden, um die Gesch�fte nachts zu schlie�en. In hochgestellter Position wiesen sie Schilder der Gesch�fte auf. Dasjenige �ber dem Federhut zeigte eine goldene Waage und einen Hammer, das Zeichen der Gilde der Goldschmiede, wenn auch eindeutig nicht dasjenige eines sehr wohlhabenden Mitglieds. Durch eine kurzzeitig bestehende L�cke in der Menge sah Mat die Frau zu sich zur�ckschauen und wandte sich schnell dem kleinen Stand zu seiner Rechten zu. An der R�ckwand hingen Fingerringe, und auf Brettern waren in allen Formen geschliffene Steine ausgelegt.</p><p>�W�nscht mein Lord einen neuen Siegelring?� fragte der vogel�hnliche Bursche hinter dem Ladentisch, w�hrend er sich verbeugte und sich die H�nde rieb. Er war d�nn wie eine Bohnenstange und machte sich keine Sorgen darum, da� jemand seine Waren stehlen k�nnte, denn in einer Ecke des Stands kauerte ein ein�ugiger Bursche auf einem Stuhl, der vielleicht M�he gehabt hatte, aufrecht darin zu stehen, mit einem langen, mit N�geln beschlagenen Kn�ppel zwischen den wuchtigen Knien. �Ich kann Euch jedes Muster anfertigen, wie mein Lord sehen kann, und ich habe nat�rlich Proberinge da, um die erforderliche Gr��e festzustellen.�</p><p>�Zeigt mir diesen.� Mat deutete blindlings irgendwohin. Er brauchte einen Grund, um hier stehenzubleiben, bis die Frau weiterging. Vielleicht konnte er die Zeit nutzen, um zu entscheiden, was er tun sollte.</p><p>�Ein gutes Beispiel f�r den jetzt sehr beliebten L�ngsstil. Dieser Ring ist aus Gold, aber ich fertige auch Silberarbeiten an. Nun, ich glaube, die Gr��e ist richtig. Wenn mein Lord ihn anprobieren m�chte? Wollen mein Lord vielleicht den ausgezeichneten Schliff betrachten? Bevorzugt mein Lord Gold oder Silber?�</p><p>Mit einem Brummen, von dem er hoffte, da� es als Antwort auf irgendeine dieser Fragen gewertet w�rde, schob Mat den angebotenen Ring auf den Ringfinger seiner linken Hand und gab vor, das dunkle Oval des geschliffenen Steins zu betrachten. Aber in Wahrheit sah er nur, da� er so lang wie sein Fingergelenk war. Mit gesenktem Kopf beobachtete er aus den Augenwinkeln die Frau - so gut es durch L�cken in der Menge m�glich war. Sie hielt eine breite, flache, goldene Halskette ins Licht.</p><p>In Ebou Dar gab es eine B�rgerwehr, aber keine sehr erfolgreiche, die in den Stra�en nur selten zu sehen war. Wenn er die Frau anzeigte, w�rde sein Wort gegen ihres stehen, und selbst wenn man ihm glaubte, w�rde sie vielleicht sogar bei dieser Anschuldigung gegen ein paar M�nzen freikommen. Die B�rgerwehr war preiswerter als ein Richter, aber beide konnten gekauft werden, wenn nicht ein M�chtiger zusah, und selbst dann war es m�glich, wenn genug Gold geboten wurde.</p><p>Ein Aufruhr in der Menge gab pl�tzlich einen Wei�mantel frei, dessen konischer Helm und langes Kettenhemd wie Silber schimmerten und dessen wei�er Umhang mit der flammenden goldenen Sonne sich bauschte, als er einherschritt, zuversichtlich, da� sich ein Weg vor ihm er�ffnen w�rde. Was nat�rlich geschah. Kaum jemand war bereit, sich den Kindern des Lichts in den Weg zu stellen. Dennoch wurden die Blicke eines jeden, der die Augen von dem Mann mit dem steinernen Gesicht abwandte, durch anerkennende Blicke anderer ersetzt. Die Frau mit dem scharfgeschnittenen Gesicht sah ihn nicht nur offen an, sie l�chelte sogar. Eine gegen sie vorgebrachte Beschuldigung w�rde sie vielleicht - oder vielleicht auch nicht - ins Gef�ngnis bringen, aber das konnte dann der Funke sein, der in der ganzen Stadt Erz�hlungen �ber Schattenfreunde im Tarasin-Palast anregte. Wei�m�ntel waren gut darin, den P�bel aufzuwiegeln, und f�r sie waren Aes Sedai Schattenfreunde. Als das Kind des Lichts an der Frau vor�berging, legte sie die Kette, offensichtlich bedauernd, zur�ck und wandte sich zum Gehen.</p><p>�Gef�llt der Stil meinem Lord?�</p><p>Mat zuckte zusammen. Er hatte den mageren Mann und den Ring vergessen. �Nein, ich m�chte nicht...� Er zog stirnrunzelnd an dem Ring. Er wollte sich nicht bewegen!</p><p>�Nicht ziehen. Ihr k�nntet den Stein zerbrechen.� Jetzt, wo er kein potentieller Kunde mehr war, war Mat auch nicht l�nger ein Lord. Der Bursche r�mpfte die Nase und beobachtete ihn scharf, damit er nicht davonliefe. �Ich habe etwas Fett. Deryl, wo ist die Dose mit dem Fett?� Der W�chter blinzelte und kratzte sich den Kopf, als frage er sich, was eine Dose mit Fett sei. Der wei� befiederte Hut hatte die Br�cke bereits halbwegs �berquert.</p><p>�Ich werde ihn nehmen�, fauchte Mat. Es war keine Zeit zu feilschen. Er nahm eine Handvoll M�nzen aus seiner Umhangtasche und warf sie auf den Ladentisch - �berwiegend Gold und ein wenig Silber. �Gen�gt das?�</p><p>Die Augen des Ringmachers quollen hervor. �Es ist etwas zu viel�, erwiderte er mit zitternder Stimme. Seine Hand z�gerte �ber den M�nzen, und dann schob er Mat mit zwei Fingern einige Silberm�nzen wieder zu. �Soviel?�</p><p>�Gebt sie Deryl�, grollte Mat, als der verdammte Ring pl�tzlich doch noch von seinem Finger glitt. Der magere Mann sammelte schnell die restlichen M�nzen ein. Es war zu sp�t, um den Handel r�ckg�ngig zu machen. Mat fragte sich, wie viele Goldst�cke er zuviel bezahlt hatte. Er stopfte den Ring in seine Tasche und eilte hinter der Schattenfreundin her. Der Hut war nirgends mehr zu sehen.</p><p>Zwei Statuen zierten das Ende der Br�cke, �ber einen Spann gro�e Frauengestalten aus hellem Marmor, jede mit einer entbl��ten Brust und einer himmelw�rts erhobenen Hand. In Ebou Dar bedeutete eine entbl��te Brust Offenheit und Ehrlichkeit. Mat ignorierte die Blicke, kletterte neben eine der Frauengestalten hinauf und hielt sich, einen Arm um ihre Taille gelegt, fest. Entlang dem Kanal verlief eine Stra�e, und zwei weitere zweigten im Winkel davon ab, alle voller Leute und Karren, S�nften und Wagen und Kutschen. Jemand rief mit rauher Stimme, lebendige Frauen seien w�rmer, und ein Teil der Menge lachte. Wei�e Federn erschienen hinter einer blau lackierten Kutsche in der linken Abzweigung der Stra�e.</p><p>Mat sprang hinab und eilte die Stra�e entlang hinter der Frau her, wobei er die Fl�che jener ignorierte, die er anstie�. Bei den vielen Leuten und mit ihm st�ndig in den Weg geratenden Wagen und Kutschen konnte er den Hut von der Stra�e aus nicht deutlich im Auge behalten. Er sprang die breiten Marmorstufen eines Palasts hinauf, erblickte den Hut erneut, lief wieder hinab und dr�ngte weiter vorw�rts. Der Rand eines gro�en Springbrunnens erm�glichte ihm einen weiteren Blick, dann ein umgedrehtes Fa� an einer Wand und eine Kiste, die gerade von einem Ochsenkarren geladen worden war. Einmal klammerte er sich an die Seite eines Wagens, bis ihn die Kutscherin mit ihrer Peitsche bedrohte. Durch all sein Klettern und Schauen kam er der Schattenfreundin nicht wesentlich n�her. Aber andererseits wu�te er auch nicht, was er tun sollte, falls er sie einholte. Pl�tzlich, als er sich auf die schmale Mauerkr�nung vor einem der gro�en H�user zog, war sie nicht mehr da.</p><p>Er blickte erschreckt die Stra�e hinauf und hinab. Die wei�en Federn wogten nicht mehr durch die Menge. Er konnte leicht ein halbes Dutzend H�user wie dasjenige, an dem er kauerte, mehrere Pal�ste unterschiedlicher Gr��en, zwei Gasth�user, drei Schenken, den Laden eines Scherenschleifers mit einem Messer und einer Schere auf dem Ladenschild, einen Fischh�ndler mit f�nfzig Sorten Fisch, zwei Teppichkn�pfer mit eingerollten Teppichen auf Tischen unter den Planen, einen Schneiderladen und vier Stoffverk�ufer, zwei L�den mit Lackwaren, einen Goldschmied, einen Silberschmied, einen Mietstall und anderes �berblicken. Die Liste war zu lang. Sie h�tte in jedes dieser Geb�ude hineingehen k�nnen. Sie h�tte, von ihm unbemerkt, um eine Ecke gehen k�nnen.</p><p>Er sprang wieder hinab, richtete seinen Hut und murrte leise vor sich hin ... und sah sie pl�tzlich oben auf einer breiten, zu einem ihm fast gegen�berstehenden Palast f�hrenden Marmortreppe stehen, bereits halbwegs von hohen, kannelierten S�ulen verborgen. Es war kein gro�er Palast, er wies nur zwei schmale Erker und eine einzige birnenf�rmige, gestreifte Kuppel auf. In den Pal�sten Ebou Dars war das Erdgescho� stets Dienern und K�chen und �hnlichem vorbehalten. Die besseren R�ume waren h�her angesiedelt, um jede Brise zu nutzen. Schwarz und Gelb livrierte T�rsteher verbeugten sich tief und �ffneten die verzierten T�ren bereits weit, noch bevor die Frau sie erreicht hatte. Eine Dienerin im Innern vollf�hrte einen Hofknicks, sagte offensichtlich etwas, wandte sich dann sofort um und f�hrte sie weiter hinein. Die Frau war dort bekannt. Er h�tte alles darauf verwettet.</p><p>Nachdem sich die T�ren geschlossen hatten, stand Mat eine Weile nur da und beobachtete den Palast. Es war bei weitem nicht der wohlhabendste in der Stadt, aber nur ein Adliger w�rde es wagen, ein solches Geb�ude zu errichten. �Aber wer, im Krater des Verderbens, lebt dort?� murmelte er schlie�lich, w�hrend er seinen Hut abnahm, um sich Luft zuzuf�cheln. Nicht sie, nicht, wenn sie zu Fu� gehen mu�te. Einige in den Schenken entlang der Stra�e gestellte Fragen w�rden ihm Aufschlu� geben. Und die Nachricht, da� er Fragen stellte, w�rde gewi� auch bis zum Palast durchsickern.</p><p>Jemand sagte: �Carridin.� Es war ein d�rrer, wei�haariger Bursche, der in der N�he in den Schatten herumlungerte. Mat sah ihn fragend an, und er grinste, wodurch Zahnl�cken sichtbar wurden. Seine gebeugten Schultern und das verwitterte Gesicht pa�ten nicht zu seinem edlen grauen Umhang. Trotz etwas Spitze an seinem Hals war er <emphasis>das</emphasis> Abbild schlechter Zeiten. �Ihr habt gefragt, wer dort lebt. Der Chelsaine-Palast wurde an Jaichim Carridin verpachtet.�</p><p>Mat hielt in seiner Bewegung inne, sich Luft zuzuf�cheln. �Ihr meint den Gesandten der Wei�m�ntel?�</p><p>�Ja. Und den Inquisitor der Hand des Lichts.� Der alte Mann tippte mit einem knotigen Finger seitlich an seine Hakennase. Beide schienen mehrmals gebrochen gewesen zu sein. �Kein Mann, den man st�ren sollte, wenn man nicht unbedingt mu�, und selbst dann w�rde ich noch dreimal dar�ber nachdenken.�</p><p>Mat summte unbewu�t einige T�ne aus �Sturm von den Bergen� vor sich hin. Tats�chlich - kein Mann, den man st�ren sollte. Zweifler waren die unangenehmsten Wei�m�ntel. Ein Wei�mantel-Inquisitor, dessen Ruf eine Schattenfreundin folgte.</p><p>�Danke...� Mat zuckte zusammen. Der Bursche war fort, von der Menge verschluckt. Seltsam, aber er war ihm irgendwie vertraut erschienen. Vielleicht ein weiterer, vor langer Zeit gestorbener Bekannter aus jenen alten Erinnerungen. Vielleicht... Dann traf es ihn, als w�re das Schauspiel eines Feuerwerkers in seinem Kopf explodiert. Ein wei�haariger Mann mit Hakennase. Dieser alte Mann war im <emphasis>Silberkreis</emphasis> gewesen, hatte nicht weit von der Frau entfernt gestanden, die gerade in Carridins Palast verschwunden war. Mat drehte seinen Hut in den H�nden und blickte unbehaglich die Stirn runzelnd zum Palast. Er konnte die W�rfel in seinem Kopf pl�tzlich fallen sp�ren, und das war stets ein schlechtes Zeichen.</p></section><section><title><p>15</p><p>Insekten</p></title><p>Carridin schaute nicht sofort von dem Brief auf, den er gerade schrieb, als Lady Shiaine, wie sie sich nannte, hereingef�hrt wurde. Drei Ameisen k�mpften vergebens in der nassen Tinte, waren gefangen. Alles andere mochte sterben, aber Ameisen und Schaben und alle anderen Arten von Ungeziefer schienen zu gedeihen. Er dr�ckte den Tintenl�scher vorsichtig hinab. Er w�rde nicht wegen ein paar Ameisen von vorn beginnen. Das Vers�umnis, diesen Bericht abzuschicken, oder der Bericht �ber das Vers�umnis, w�rde ihn genauso verdammen wie diese widerlichen Insekten, aber die Angst vor noch einem anderen Vers�umnis w�tete in ihm.</p><p>Er sorgte sich nicht darum, da� Shiaine lesen k�nnte, was er geschrieben hatte. Es war in einer au�er ihm nur zwei anderen Menschen bekannten Geheimschrift verfa�t. Es waren so viele Banden �Drachenverschworener� am Werk, eine jede vom Kern ihrer vertrauensw�rdigsten M�nner gest�rkt, und so viele andere, die Banditen oder sogar wahrhaftig diesem Schmutz al'Thor verschrieben sein mochten. Letzteres w�rde Pedron Niall vielleicht nicht gefallen, aber sein Befehl hatte gelautet, Altara und Murandy in Blut und Chaos zu tauchen, aus denen nur Niall und die Kinder des Lichts sie retten k�nnten, ein Wahnsinn, der eindeutig diesem sogenannten Wiedergeborenen Drachen zur Last gelegt werden sollte, und das hatte er getan. Angst hielt beide L�nder gepackt. Erz�hlungen dar�ber, da� die Hexen durch das Land marschierten, waren ein zus�tzlicher Lohn. Hexen Tar Valons und Drachenverschworene, Aes Sedai, die junge Frauen verschleppten und falsche Drachen ernannten, D�rfer in Flammen und an Scheunentore genagelte M�nner -das war bei den auf der Stra�e gehandelten Ger�chten jetzt alles das gleiche. Niall w�re erfreut und w�rde weitere Befehle senden. Es war unvorstellbar, wie er von Carridin erwartete, Elayne Trakand aus dem Tarasin-Palast zu entf�hren.</p><p>Noch eine Ameise lief �ber den mit ElfenbeinEinlegearbeiten versehenen Tisch auf das Blatt Papier, die er mit dem Daumen zerdr�ckte. Und ein Wort bis zur Unleserlichkeit verschmierte. Der gesamte Bericht m��te neu geschrieben werden. Er sehnte sich sehr nach etwas zu trinken. Auf dem Tisch an der T�r stand eine Kristallflasche mit Weinbrand, aber er wollte nicht, da� die Frau ihn trinken sah. Er unterdr�ckte ein Seufzen, schob den Brief beiseite und zog ein Taschentuch aus seinem �rmel, um sich die Hand abzuwischen. �Also, Shiaine, k�nnt Ihr endlich �ber Fortschritte berichten? Oder seid Ihr nur wegen des Geldes gekommen?�</p><p>Sie l�chelte ihn von einem hohen, verzierten Armsessel aus tr�ge an. �Eine Suche erfordert Ausgaben�, sagte sie fast im Akzent einer andoranischen Adligen. �Besonders wenn wir erreichen wollen, da� keine Fragen gestellt werden.�</p><p>Die meisten Menschen h�tten sich beim Anblick Jaichim Carridins - durch sein st�hlernes Gesicht, die tiefliegenden Augen und den wei�en Wappenrock �ber seinem Umhang mit der auf den karmesinroten Hirtenstab der Hand eingedr�ckten Sonne der Kinder des Lichts - unbehaglich gef�hlt. Aber nicht Mili Skane. So lautete ihr richtiger Name, obwohl sie nicht wu�te, ob er ihn kannte. Als Tochter eines Sattlers aus einem Dorf in der N�he von Wei�br�cke war sie im Alter von f�nfzehn Jahren zur Wei�en Burg gegangen, noch eine Sache, die sie geheimgehalten zu haben glaubte. Es war wohl kaum der beste Anfang, ein Schattenfreund zu werden, weil die Hexen ihr gesagt hatten, sie k�nnte nicht lernen, die Macht zu lenken, aber bevor ein Jahr vor�ber war, hatte sie nicht nur in Caemlyn einen Kreis gefunden, sondern auch ihre erste T�tung vollzogen. In den seither vergangenen sieben Jahren hatte sie dieser einen neunzehn weitere T�tungen hinzugef�gt. Sie war eine der besten verf�gbaren M�rderinnen und eine J�gerin, die alle und alles finden konnte. Soviel hatte man ihm gesagt, als sie zu ihm geschickt wurde. Das hatte ein Kreis gesagt, der jetzt ihr berichtete. Tats�chlich waren mehrere seiner Mitglieder Adlige und fast alle �lter, aber nichts davon hatte unter jenen Bedeutung, die dem Gro�en Herrn dienten. Ein weiterer Kreis, der f�r Carridin arbeitete, wurde von einem knorrigen, ein�ugigen Bettler angef�hrt, der keine Z�hne und die Angewohnheit hatte, nur einmal im Jahr zu baden. W�ren die Umst�nde andere gewesen, h�tte Carridin selbst das Knie vor Old Cully gebeugt, der einzige Name, den der �belriechende Schurke zulie�. Mili Skane kroch gewi� vor Old Cully, und jeder andere Gef�hrte ihres Kreises ebenfalls, ob adlig oder nicht. Es �rgerte Carridin, da� �Lady Shiaine� blitzartig auf die Knie fiel, wenn der alte Bettler mit den str�hnigen Haaren den Raum betrat, aber vor ihm mit gekreuzten Beinen dasa�, l�chelte und ungeduldig mit dem Fu� wippte. Sie hatte Befehl erhalten, ihm bedingungslos zu gehorchen, von jemandem, vor dem sogar Old Cully kriechen w�rde, und er brauchte verzweifelt einen Erfolg. Nialls Pl�ne durften ruhig zu Staub zerfallen, aber nicht dies.</p><p>�Man kann vieles entschuldigen.� Carridin steckte die Schreibfeder in ihren Elfenbeinst�nder und schob sein Haar zur�ck. �Bei jenen, welche die ihnen gestellten Aufgaben erf�llen.� Er war ein gro�er Mann und ragte drohend auf; zugleich war er sich sehr wohl des Umstands bewu�t, da� die goldgerahmten Spiegel an den W�nden eine kraftvolle Gestalt, einen gef�hrlichen Mann zeigten. �Selbst Gew�nder und Tand und Spiele, was alles mit Geld bezahlt wurde, das f�r Informationen verwendet werden sollte.� Der wippende Fu� verharrte einen Moment und begann dann erneut, aber ihr L�cheln wirkte jetzt gezwungen, ihr Gesicht bla�. Ihr Kreis gehorchte ihr im Augenblick, aber sie w�rden sie kopf�ber h�ngen und lebendig h�uten, wenn er das Wort aussprach. �Ihr habt nicht sehr viel erreicht, nicht wahr? Tats�chlich scheint Ihr �berhaupt nichts erreicht zu haben.�</p><p>�Es gibt Probleme, wie Ihr sehr wohl wi�t�, hauchte sie. Es gelang ihr jedoch, seinen Blick offen zu erwidern.</p><p>�Ausfl�chte. Erz�hlt mir von �berwundenen Problemen, nicht von solchen, �ber die Ihr stolpert und fallt. Ihr k�nnt tief fallen, wenn Ihr hierin versagt.� Er wandte ihr den R�cken zu und schritt zum n�chstgelegenen Fenster. Er konnte ebenfalls tief fallen, und er wollte es nicht riskieren, da� sie dies in seinen Augen erkannte. Sonnenlicht fiel durch reichverzierte Steingitter. Der Raum mit der hohen Decke, dem gr�nwei� gefliesten Boden und den hellblauen W�nden blieb hinter den dicken Mauern des Palasts vergleichsweise k�hl, aber die drau�en herrschende Hitze sickerte durch die Fenster dennoch herein. Er konnte den Weinbrand auf der anderen Seite des Raumes fast sp�ren. Er konnte kaum erwarten, da� sie ging.</p><p>�Mein Lord Carridin, wie kann ich jemanden zu offene Fragen �ber Gegenst�nde der Macht stellen lassen? Das w�rde Fragen <emphasis>bewirken,</emphasis> und es sind Aes Sedai in der Stadt, wie Ihr Euch vielleicht erinnert.�</p><p>Carridin sp�hte auf die Stra�e hinab und r�mpfte bei dem heraufdringenden Geruch die Nase. Dort unten waren alle Arten von Menschen zusammengedr�ngt. Ein Arafelle mit zu zwei langen Z�pfen geflochtenem Haar und einem gebogenen Schwert auf dem R�cken warf einem einarmigen Bettler eine M�nze zu, der das Geschenk stirnrunzelnd betrachtete, bevor er es unter seine Lumpen steckte und seine kl�glichen Rufe an die Vorbeigehenden wieder aufnahm. Ein Bursche in einem zerrissenen hellroten Umhang und heller gelber Hose kam aus einem Laden gelaufen und pre�te einen Stoffballen an seine Brust, verfolgt von einer schreienden hellhaarigen Frau, die ihre R�cke bis �ber die Knie gerafft hatte und schneller lief als der st�mmige W�chter, der sich, seinen Kn�ppel schwingend, schwerf�llig hinter ihr herschleppte. Der Kutscher einer rot lackierten Kutsche mit den Goldm�nzen und der ge�ffneten Hand eines Geldverleihers auf der T�r drohte dem Wagenlenker eines Planwagens mit der Peitsche, dessen Pferdegespann dem Gespann der Kutsche ins Gehege geraten war, w�hrend beide �ber die Stra�e hinweg fluchten. Verdreckte Stra�enjungen kauerten hinter einem klapprigen Karren, w�hrend sie sich winzige, verschrumpelte Fr�chte schnappten, die vom Land hierhergebracht worden waren. Eine verschleierte Tarabonerin, das dunkle Haar zu d�nnen Z�pfen geflochten, bahnte sich ihren Weg durch die Menge und zog in ihrem staubigen roten Gewand, das sich schamlos an ihren K�rper anschmiegte, die Augen aller M�nner auf sich.</p><p>�Mein Lord, ich brauche Zeit. Ich <emphasis>brauche</emphasis> sie! Ich kann nicht das Unm�gliche tun, und gewi� nicht innerhalb weniger Tage.�</p><p>Gesindel, sie alle. Goldgr�ber und J�ger des Horns, Diebe, Fl�chtlinge und sogar Kesselflicker. Abschaum. Es w�re leicht, Aufst�nde zu sch�ren, eine S�uberung von all diesem Unrat zu bewirken. Fremde waren stets das erste Ziel, ihnen wurde regelm��ig die Schuld an dem zugeschoben, was falsch war, ebenso wie den Nachbarn, die das Pech hatten, auf der falschen Seite der Mi�gunst zu stehen, den Frauen, die mit Kr�utern und Heilmitteln hausieren gingen, und Menschen ohne Freunde, besonders, wenn sie allein lebten. Richtig und so behutsam, wie in solchen F�llen m�glich, angeleitet, k�nnte ein guter Aufstand sehr wohl den Tarasin-Palast rund um dieses nutzlose Weibsbild Tylin und auch um die Hexen herum niederbrennen. Er betrachtete den Menschenschwarm unter dem Fenster. Aufst�nde hatten die Tendenz, au�er Kontrolle zu geraten. Die B�rgerwehr w�rde sich vielleicht regen, und eine Handvoll wahrer Freunde w�rden unausweichlich hart herangenommen werden. Er durfte es nicht riskieren, da� einige jener vielleicht den Kreisen entstammten, die er gejagt hatte. Auch nur einige wenige Tage eines Aufstands w�rden ihre Arbeit unterbrechen. Daf�r war Tylin nicht wichtig genug. Sie war tats�chlich �berhaupt nicht wichtig. Nein, noch nicht. Er konnte riskieren, Niall zu entt�uschen, aber nicht seinen wahren Herrn.</p><p>�Mein Lord Carridin...� In Shiaines Stimme klang jetzt ein wenig Trotz mit. Er hatte sie zu lange schmoren lassen. �Mein Lord Carridin, einige der Mitglieder meines Kreises stellen in Frage, warum wir die Suche nach...�</p><p>Er wollte sich umwenden und sie barsch zurechtweisen - er brauchte einen Erfolg, keine Ausfl�chte, keine Fragen! -, aber ihre Stimme wurde unh�rbar, als sein Blick auf einen jungen Mann fiel, der in einem blauen Mantel mit genug rotgoldener Stickerei an �rmeln und Aufschl�gen f�r zwei Adlige schr�g gegen�ber auf der Stra�e stand. Gr��er als die meisten anderen, f�chelte er sich mit einem breitkrempigen schwarzen Hut Luft zu und richtete sein Halstuch, w�hrend er mit einem gebeugten wei�haarigen Mann sprach. Carridin erkannte den jungen Mann.</p><p>Er f�hlte sich pl�tzlich, als w�re eine Schlinge um seinen Kopf gelegt worden, die immer fester zugezogen wurde. Einen Augenblick sah er ein hinter einer roten Maske verborgenes Gesicht. Nachtdunkle Augen starrten ihn an, und dann waren da unergr�ndliche Flammenh�hlen, die ihn noch immer anstarrten. Die Welt brach in seinem Kopf in Feuer aus, in wasserfallartig herabst�rzende Bilder, die ihn so zerschlugen, da� er nicht einmal schreien konnte. Die Gestalten dreier junger M�nner schwebten in der Luft, und eine der Gestalten begann zu gl�hen, die Gestalt des Mannes auf der Stra�e, heller und immer heller, bis sie alle lebendigen Augen zu Asche versengt haben mu�te, und noch heller - bis sie brannte. Ein gedrehtes goldenes Horn scho� auf Carridin zu, und sein Schrei zerrte an seiner Seele, brach dann in einen Ring goldenen Lichts auf, verschlang ihn und durchdrang ihn mit K�lte, bis das letzte Bruchst�ck seiner selbst, das sich noch an seinen Namen erinnerte, sicher war, seine Knochen m��ten zersplittern. Ein Dolch mit Rubinspitze wirbelte direkt auf ihn zu, die gebogene Klinge traf ihn zwischen die Augen und versank in ihm, bis das goldumwickelte Heft vollkommen verschwunden war, und er erfuhr Qualen, die alle Gedanken in einer Woge von Schmerz fortsp�lten. Er h�tte zu einem Sch�pfer gebetet, den er schon lange aufgegeben hatte, wenn er sich daran erinnert h�tte, wenn er sich erinnert h�tte, da� Menschen schrien, da� er ein Mensch war. Immer weiter, immer mehr...</p><p>Er hob eine Hand an seine Stirn und fragte sich, warum sie zitterte. Sein Kopf schmerzte heftig. Da war etwas gewesen... Er sah erschreckt auf die Stra�e unter ihm. Alles hatte sich im Handumdrehen ver�ndert, die Menschen waren anders, die Wagen waren entfernt worden, bunte Kutschen und S�nften waren durch andere ersetzt worden. Und was noch schlimmer war - Cauthon war fort. Er h�tte am liebsten die ganze Flasche Weinbrand in einem Zug getrunken.</p><p>Pl�tzlich erkannte er, da� Shiaine aufgeh�rt hatte zu sprechen. Er wandte sich um, bereit, sie weiterhin in ihre Schranken zu verweisen.</p><p>Sie beugte sich vor, um aufzustehen, eine Hand auf der Sessellehne, die andere zu einer Geste erhoben. Ihr schmales Gesicht war in einem Ausdruck verdrie�licher Herausforderung erstarrt. Aber sie sah nicht Carridin an. Sie regte sich nicht. Sie blinzelte nicht. Er war sich nicht einmal sicher, ob sie atmete. Er sp�rte kaum Leben in ihr.</p><p>�Gr�belst du?� fragte Sammael. �Darf ich zumindest hoffen, da� du dar�ber nachgr�belst, was du hier f�r mich finden sollst?� Er war nur ein wenig gr��er als der Durchschnitt ein muskul�ser, kompakter Mann in einem Umhang mit einem hohen Kragen in illianischem Stil, der so sehr mit Goldstickerei verziert war, da� der gr�ne Stoff darunter nur schwer <emphasis>zu</emphasis> erkennen war, aber mehr als nur der Umstand, da� er einer der Auserw�hlten war, verlieh ihm Statur. Seine blauen Augen waren k�lter als der Odem des Winters. Eine bl�uliche Narbe zog sich von der blonden Haarlinie bis zum Rand des blonden, eckig geschnitten Bartes hinab, und diese Zierde schien zu ihm zu passen. Was auch immer ihm in den Weg geriet, wurde fortgewischt, zertreten oder ausgel�scht. Carridin wu�te, da� Sammael ihm die H�lle hei� gemacht h�tte, wenn der Mann einfach jemand gewesen w�re, den er zuf�llig getroffen h�tte.</p><p>Er trat eilig vom Fenster fort und fiel vor dem Auserw�hlten auf die Knie. Carridin verachtete die Hexen Tar Valons. Tats�chlich verachtete er jedermann, der die Eine Macht gebrauchte, sich in das einmischte, was die Welt einst zerst�rt hatte, mit dem umging, was blo�e Sterbliche nicht ber�hren sollten. Dieser Mann gebrauchte die Macht ebenfalls, aber die Auserw�hlten konnten nicht als blo�e Sterbliche bezeichnet werden. Vielleicht �berhaupt nicht als Sterbliche. Und wenn er seinen Dienst gut versah, w�re er auch nicht mehr sterblich. �Gro�er Meister, ich sah Mat Cauthon.�</p><p>�Hier?� Sammael schien seltsamerweise einen Moment �berrascht. Er murmelte leise etwas, und bei einem Wort wich alles Blut aus Carridins Gesicht.</p><p>�Gro�er Lord, Ihr wi�t, da� ich Euch niemals betr�gen w�rde...�</p><p>�Du Narr! Du hast nicht einmal den Mut dazu. Bist du sicher, da� es Cauthon war, den du gesehen hast?�</p><p>�Ja, Gro�er Meister. Auf der Stra�e. Ich kann ihn bestimmt wiederfinden.�</p><p>Sammael schaute stirnrunzelnd auf ihn hinab, strich sich �ber den Bart und blickte durch Jaichim Carridin hindurch und �ber ihn hinaus. Carridin mochte es nicht, sich bedeutungslos zu f�hlen, besonders wenn er wu�te, da� es der Wahrheit entsprach.</p><p>�Nein�, sagte Sammael schlie�lich. �Deine Suche ist die wichtigste Sache, die <emphasis>einzige</emphasis> Sache, soweit es dich betrifft. Cauthons Tod k�me mir gewi� gelegen, aber nicht, wenn er hier Aufmerksamkeit erregt. Wenn bereits Aufmerksamkeit besteht und er Interesse an deiner Suche zeigen sollte, dann stirbt er, aber ansonsten kann er warten.�</p><p>�Aber...�</p><p>�Hast du mich nicht verstanden?� Sammaels Narbe lie� sein L�cheln einseitig h�hnisch geraten. �Ich sah k�rzlich deine Schwester Vanora. Sie sah zun�chst nicht wohl aus. Sie schrie und weinte, zuckte st�ndig zusammen und zog sich an den Haaren. Frauen leiden unter den Gef�lligkeiten von Myrddraals st�rker als M�nner, aber selbst Myrddraals m�ssen irgendwo ihr Vergn�gen suchen. Sorge dich nicht, da� sie zu lange gelitten h�tte. Trollocs sind immer hungrig.� Das L�cheln schwand. Seine Stimme war steinhart. �Jene, die nicht gehorchen, k�nnen sich auch �ber einem Herdfeuer wiederfinden. Vanora schien zu l�cheln, Carridin. Glaubst du, du w�rdest l�cheln, wenn man dich auf einem Spie� dreht?�</p><p>Carridin schluckte ungewollt und unterdr�ckte den Schmerz um Vanora mit ihrem bereitwilligen Lachen und ihrem geschickten Umgang mit Pferden, die dort zu galoppieren wagte, wo andere sich zu Fu� zu gehen f�rchteten. Sie war seine Lieblingsschwester gewesen, und doch war sie <emphasis>tot,</emphasis> und er war es nicht. Wenn es �berhaupt Barmherzigkeit auf der Welt gab, hatte sie nicht erfahren, warum. �Ich lebe, um zu dienen und zu gehorchen, Gro�er Meister.� Er glaubte nicht, da� er ein Feigling war, aber niemand verweigerte einem der Auserw�hlten den Gehorsam. Nicht h�ufiger als ein Mal.</p><p>�Dann finde, was ich haben will!� br�llte Sammael. �Ich wei�, da� es irgendwo in diesem <emphasis>kjasic</emphasis> Fliegenschi� von Stadt verborgen ist! <emphasis>Ter'angreale, angreale,</emphasis> sogar <emphasis>Sa'angreale!</emphasis> Ich habe ihnen nachgesp�rt, bin ihnen gefolgt! Jetzt wirst du sie finden, Carridin. Stelle meine Geduld nicht auf die Probe.�</p><p>�Gro�er Meister...� Sein Mund war ausgetrocknet. �Gro�er Meister, hier sind Hexen... Aes Sedai... Ich wei� nicht genau, wie viele. Wenn sie auch nur ein Fl�stern h�ren...�</p><p>Sammael gebot ihm <emphasis>zu</emphasis> schweigen und tat dreimal einige schnelle Schritte hin und zur�ck, die H�nde hinter dem R�cken verschr�nkt. Er wirkte nicht besorgt, nur ... nachdenklich. Schlie�lich nickte er. �Ich werde ... jemanden ... schicken, der sich um diese <emphasis>Aes Sedai</emphasis> k�mmert.� Er lachte kurz scharf auf. �Ich w�nschte fast, ich k�nnte ihre Gesichter sehen. Sehr gut. Dir bleibt noch ein wenig Zeit. Dann bekommt vielleicht jemand anderer eine Chance.� Er hob mit einem Finger eine Str�hne von Shiaines Haar an. Sie bewegte sich noch immer nicht. Ihre Augen starrten regungslos ins Leere. �Dieses Kind w�rde die Gelegenheit gewi� nur zu gern ergreifen.�</p><p>Carridin k�mpfte gegen pl�tzliche Angst an. Die Auserw�hlten warfen genauso schnell nieder, wie sie erhoben, und auch genauso h�ufig. Versagen blieb niemals unbestraft. �Gro�er Meister, die Gunst, um die ich Euch bat... Wenn ich wissen d�rfte... Habt Ihr... Werdet Ihr...?�</p><p>�Du bist kein Gl�ckspilz, Carridin�, sagte Sammael mit neuerlichem L�cheln. �Du solltest besser hoffen, meine Befehle bald ausf�hren zu k�nnen. Anscheinend stellt zumindest jemand sicher, da� einige von <emphasis>Ishamaels</emphasis> Befehlen noch ausgef�hrt werden.� Er l�chelte, aber er schien nicht im mindesten belustigt. Oder vielleicht machte das nur die Narbe. �Du hast ihm gegen�ber versagt und deshalb deine ganze Familie verloren. Nur meine Hand sch�tzt dich jetzt noch. Ich sah vor l�nger Zeit einmal drei Myrddraals einen Mann dazu bringen, ihnen nach und nach seine Frau und seine T�chter zu �bergeben, und sie dann zu bitten, ihm das rechte Bein abzuhacken, dann das linke, dann seine Arme und ihm die Augen auszubrennen.� Der vollkommen beil�ufig gehaltene Tonfall machte den Vortrag noch schlimmer, als alles Schreien oder H�hnen es gekonnt h�tte. �Es war f�r sie ein Spiel, verstehst du? Sie wollten sehen, wie weit sie ihn bringen konnten, worum er sie schlie�lich bitten w�rde. Sie bewahrten sich seine Zunge nat�rlich bis zum Schlu� auf, aber bis dahin war nicht mehr viel von ihm �briggeblieben. Er war recht m�chtig, gutaussehend und ber�hmt gewesen. Beneidet. Aber niemand w�rde jemals beneiden, was sie schlie�lich den Trollocs vorwarfen. Du w�rdest nicht glauben, welche T�ne dieser �berrest von sich gab. Finde, was ich haben will, Carridin. Es wird dir nicht gefallen, wenn ich meine Hand zur�ckziehe.�</p><p>Pl�tzlich erschien in der Luft vor dem Auserw�hlten eine senkrechte Linie. Sie schien sich irgendwie zu drehen und erweiterte sich dabei zu einem Viereck ... eine �ffnung. Carridin starrte sie fassungslos an. Er blickte durch einen Spalt in der Luft auf etwas voller grauer S�ulen und dichtem Nebel. Sammael trat hindurch, und die �ffnung schlo� sich ruckartig, wurde zu einem gl�nzenden Lichtstab, der verschwand und nur eine purpurfarbene Nachempfindung zur�cklie�, die in CarridLns Augen gl�hte.</p><p>Er richtete sich schwankend auf. Ein Versagen wurde stets bestraft, aber niemand �berlebte es, dem Befehl eines der Auserw�hlten den Gehorsam zu verweigern.</p><p>Pl�tzlich bewegte sich Shiaine und vollendete die Bewegung, aus dem Sessel aufzustehen. Sie wollte etwas sagen, brach aber dann wieder ab und blickte zum Fenster, wo Carridin zuvor gestanden hatte. Ihr Blick suchte ihn hektisch, fand ihn, und sie zuckte zusammen. So wie ihre Augen hervortraten, h�tte er selbst einer der Auserw�hlten sein k�nnen.</p><p>Niemand �berlebte es, dem Befehl der Auserw�hlten den Gehorsam zu verweigern. Er pre�te die H�nde gegen seine Schl�fen. Sein Kopf schien platzen zu wollen. �Ein Mann ist in der Stadt, Mat Cauthon. Ihr werdet...� Sie zuckte abermals leicht zusammen, und er runzelte die Stirn. �Ihr kennt ihn?�</p><p>�Ich habe den Namen geh�rt�, sagte sie vorsichtig. Und �rgerlich, h�tte er behauptet. �Nur wenige, die mit al'Thor verbunden sind, bleiben lange unbekannt.� Als er n�her herantrat, kreuzte sie sch�tzend die Arme vor sich und blieb nur z�gerlich am Fleck stehen. �Was macht ein sch�biger Bauernjunge in Ebou Dar? Wie ist er...�</p><p>�Bel�stigt mich nicht mit t�richten Fragen, Shiaine.� Er hatte noch niemals solche Kopfschmerzen gehabt. Noch nie. Es f�hlte sich an, als w�rde ihm zwischen den Augen ein Dolch in den Sch�del getrieben. Niemand �berlebte... �Ihr werdet Euren Kreis anweisen, Cauthon sofort ausfindig zu machen. Sie alle.� Old Cully kam heute nacht durch die R�ckfront der St�lle herein. Sie brauchte nicht zu wissen, da� auch noch andere da sein w�rden. �Nichts anderes darf dazwischen kommen.�</p><p>�Aber ich dachte...�</p><p>Sie brach keuchend ab, als er ihren Nacken ergriff. Ein schmaler Doich erschien in ihrer Hand, aber er entwand ihn ihr. Sie drehte sich und versuchte, sich ihm zu entziehen, aber er zwang ihr Gesicht auf die Tischplatte, wobei sie mit der Wange noch feuchte Tinte auf dem vergessenen Brief an Pedron Niall verwischte. Der Dolch, der unmittelbar vor ihren Augen niedersauste, lie� sie erstarren. Zuf�llig hatte die Klinge, die das Papier durchbohrt hatte, auch eine Ameise an einem Bein erwischt. Sie k�mpfte genauso nutzlos, wie das Tier es getan hatte.</p><p>�Ihr seid ein Insekt, Mili.� Der Schmerz in seinem Kopf lie� seine Stimme rauh klingen. ��Es ist an der Zeit, da� Ihr das begreift. Ein Insekt ist wie das andere, und wenn eines seine Aufgabe nicht erf�llt...� Ihr Blick folgte seinem herabsinkenden Daumen, und als er die Ameise zerdr�ckte, zuckte sie zur�ck.</p><p>�Ich lebe, um zu dienen und zu gehorchen, Meister�, keuchte sie. Sie hatte das jedes Mal zu Old Cully gesagt, wenn sie ihnen zusammen begegnete, aber niemals zuvor zu ihm.</p><p>�Und so werdet Ihr gehorchen...� Niemand �berlebte Ungehorsam. Niemand.</p></section><section><title><p>16</p><p>Eine Ber�hrung an der Wange</p></title><p>Der Tarasin-Palast erstrahlte in schimmerndem Marmor und wei�em Putz mit gesch�tzten Balkonen aus wei� bemaltem Schmiedeeisen und S�uleng�ngen bis vier Stockwerke �ber dem Boden. Tauben schwirrten um spitz zulaufende Kuppeln herum, und hohe, mit Balkonen verzierte Erker, die durch rote und gr�ne Ziegel miteinander verbunden waren, gl�nzten in der Sonne. Pr�chtige Bogentore im Palast selbst f�hrten auf verschiedene H�fe, und weitere befanden sich in den hohen Mauern, die die G�rten verbargen; tiefe, schneewei�e, zehn Spann breite Stufen f�hrten auf die dem Mol-Hara-Platz gegen�berliegende Seite zu gro�en, mit geh�mmertem Gold belegten T�ren hinauf, die wie die Balkongitter mit gewundenen Mustern verziert waren.</p><p>Die ungef�hr ein Dutzend W�chter, die sich vor diesen T�ren aufgereiht hatten und in der Sonne schwitzten, trugen vergoldete Brustharnische �ber gr�nen Umh�ngen und sackartigen wei�en Hosen, die in dunkelgr�nen Stiefeln steckten. Gr�ne Schn�re sicherten dichte Geflechte wei�en Stoffs um Goldhelme, deren lange Enden ihre R�cken hinabhingen.</p><p>Selbst die Hellebarden und die Scheiden ihrer Dolche und Kurzschwerter schimmerten golden. W�chter, die imponieren, aber nicht k�mpfen sollten. Aber als Mat ihnen nahe kam, konnte er die Schwertk�mpferSchwielen an ihren H�nden erkennen. Er war zuvor stets durch einen der Stallh�fe hereingekommen, um die Palastpferde im Vorbeigehen zu �berpr�fen, aber dieses mal betrat er den Palast, wie ein Lord es tun w�rde.</p><p>�Das Licht segne Euch alle�, sagte er zum wachhabenden Offizier, einen Mann, der nicht viel �lter war als er selbst. Ebou Dari waren h�fliche Menschen. �Ich bin gekommen, um Nynaeve Sedai und Elayne Sedai eine Nachricht zu hinterlassen. Oder sie ihnen zu �berbringen, falls sie schon zur�ckgekehrt sind.�</p><p>Der Offizier sah ihn best�rzt an und blickte dann auf die Stufen. Die goldenen Schn�re wie auch das Gr�n an seinem Spitzhelm bezeichneten einen Rang, den Mat nicht kannte, und er trug ein vergoldetes Stangenbajonett anstatt einer Hellebarde, die ein scharfes Ende und einen Haken wie ein OchsenTreibstock aufwies. Seinem Gesichtsausdruck nach zu urteilen, hatte niemand den Palast jemals auf diesem Weg betreten. Er betrachtete Mats Umhang, sann sichtlich dar�ber nach und beschlo� letztendlich, ihn nicht abweisen zu k�nnen. Der Mann erwiderte seufzend Mats Segenswunsch, fragte ihn nach seinem Namen, �ffnete dann eine kleine T�r in einer der gr��eren T�ren und f�hrte ihn in eine gewaltige Eingangshalle, die von f�nf mit Steinbr�stungen versehenen Balkonen unter einer kuppelartigen, wie ein Himmel mit Wolken und einer Sonne bemalten Decke umgeben war.</p><p>Der W�chter schnippte mit den Fingern und rief so eine schlanke junge Dienerin in einem wei�en Gewand herbei, das auf der linken Seite hochgen�ht und �ber der linken Brust mit gr�nem Anker und Schwert bestickt war. Sie kam eilig �ber den rotblauen Marmorboden heran und vollf�hrte vor Mat und dem Offizier jeweils einen Hofknicks. Kurzes schwarzes Haar umrahmte ein liebliches, h�bsches Gesicht mit seidiger olivfarbener Haut, und ihre Bedienstetentracht wies den tiefen, schmalen Ausschnitt auf, der allen Frauen Ebou Dars, au�er den Adligen, eigen war. Aber dieses Mal bemerkte Mat es nicht. Als sie h�rte, was er wollte, weiteten sich ihre gro�en schwarzen Augen noch mehr. Aes Sedai waren in Ebou Dar nicht unbeliebt, aber die meisten Ebou Dari w�rden dennoch einen weiten Umweg machen, um sie zu meiden.</p><p>�Ja, Schwert-Leutnant�, sagte sie und versank erneut in einen Hofknicks. �Nat�rlich, SchwertLeutnant. Wenn Ihr mir bitte folgen wollt, mein Lord?� Mat wollte.</p><p>Au�en funkelte Ebou Dar wei�, aber innen spr�hte es vor Farben. Es schien im Palast Meilen breiter G�nge zu geben, in denen hier die hohen Decken blau und die W�nde gelb und dort die W�nde hellrot und die Decken gr�n waren, was sich nach jeder Biegung �nderte, wenn Farbzusammenstellungen geboten wurden, die jedes Auge, au�er dem eines Kesselflickers, beleidigten. Mats Stiefel klangen auf den Bodenfliesen, die in zwei oder drei oder manchmal auch vier Farben Rhomben- oder Stern- oder Dreiecksmuster bildeten, laut wider. Wo auch immer G�nge kreuzten, bestand der Boden aus einem Mosaik winziger Fliesen in komplizierten Wirbeln und Windungen und Schleifen. Einige wenige Seidengobelins zeigten Meeresszenen, und gew�lbte Nischen bargen geschliffene Kristallschalen, kleine Statuen und gelbes Meervolk-Porzellan, das �berall gutes Geld bringen w�rde. Gelegentlich eilte ein livrierter Diener schweigend vorbei, manchmal mit einem Gold- oder Silbertablett.</p><p>Normalerweise empfand Mat die Zurschaustellung von Reichtum als tr�stlich, denn wo Geld war, k�nnte auch etwas an seinen Fingern haften bleiben. Doch dieses Mal empfand er mit jedem Schritt mehr Ungeduld. Und Angst. Als er die W�rfel in seinem Kopf das letzte Mal so hart hatte fallen sp�ren, hatte er sich unmittelbar darauf mit dreihundert Mitgliedern der Bande und eintausend von Gaebrils Wei�en L�wen auf einem Bergkamm vor sich wiedergefunden, sowie weiteren Tausend Mann, die eilig den Weg hinter ihm herankamen, obwohl er nur versucht hatte, dem ganzen Durcheinander zu entkommen. Damals war er dem Schlag durch die Gunst der Erinnerungen anderer Menschen und mehr Gl�ck, als ihm zustand, ausgewichen. Die W�rfel bedeuteten fast immer Gefahr und noch etwas, was er noch nicht herausgefunden hatte.</p><p>Die Vorstellung, den Sch�del eingeschlagen zu bekommen, gen�gte nicht, aber die bevorstehende Wahrscheinlichkeit von Mat Cauthons auf irgendeine aufsehenerregende Weise eingetretenem Tod schien der �blichste Grund. Das war im Tarasin-Palast eher unwahrscheinlich, aber diese Unwahrscheinlichkeit lie� die W�rfel nicht verschwinden. Er w�rde seine Nachricht loswerden, Nynaeve und Elayne am Kragen packen, wenn er die Gelegenheit dazu bekam, ihnen die Leviten lesen und dann gehen.</p><p>Die junge Frau glitt vor ihm dahin, bis sie auf einen kleineren, gedrungenen Mann trafen, der ein wenig �lter als sie war, ein weiterer Diener in einer engen wei�en Hose, einem wei�en Hemd mit weiten �rmeln und einer langen gr�nen Weste mit dem Anker und Schwert des Hauses Mitsobar in einer wei�en Scheibe. �Meister Jen�, sagte sie und vollf�hrte erneut einen Hofknicks, �dies ist Lord Mat Cauthon, der eine Nachricht f�r die geehrte Elayne Aes Sedai und die geehrte Nynaeve Aes Sedai hinterlassen m�chte.�</p><p>�Sehr gut, Haesel. Ihr k�nnt gehen.� Er verbeugte sich vor Mat. �Wenn Ihr mir bitte folgen wollt, mein Lord?�</p><p>Jen f�hrte ihn nur bis zu einer dunklen Frau mit grimmigem Gesichtsausdruck, die ungef�hr in mittlerem Alter war, und verbeugte sich. �Herrin Carin, dies ist Lord Mat Cauthon, der eine Nachricht f�r die geehrte Elayne Aes Sedai und die geehrte Nynaeve Aes Sedai hinterlassen m�chte.�</p><p>�Sehr gut, Jen. Ihr k�nnt gehen. Wenn Ihr mir bitte folgen wollt, mein Lord?�</p><p>Carin f�hrte ihn eine gewundene Marmortreppe hinauf, deren St�tzen gelb und rot bemalt waren, zu einer mageren Frau namens Matilde, die ihn einem gedrungenen Burschen namens Bren �bergab, der ihn zu einem bereits kahl werdenden Mann namens Madie f�hrte, wobei jeder ein wenig �lter war als der vorige. An einer Stelle, an der sich f�nf G�nge wie die Speichen eines Rads trafen, lie� Madie ihn bei einer rundlichen Frau namens Laren, deren Haar an den Schl�fen bereits ergraute, und bei einer stattlichen Kutsche zur�ck. Wie Carin und Matilde trug auch sie, was die Ebou Dari einen Hochzeitsdolch nannten, der mit dem Heft nach unten von einer engen Silberhalskette zwischen den mehr als drallen Br�sten herabhing. F�nf wei�e Steine im Heft, zwei rot eingefa�t, und vier rote Steine, einer schwarz eingefa�t, besagten, da� drei ihrer neun Kinder tot und davon zwei S�hne im Duell gestorben waren, Laren beendete ihren Hofknicks vor Mat und wollte dann einen der G�nge entlangeilen, aber er ergriff schnell ihren Arm.</p><p>Sie w�lbte leicht die dunklen Augenbrauen, als sie auf seine Hand sah. Sie besa� keinen anderen Dolch als den Hochzeitsdolch, aber er lie� sie dennoch augenblicklich los. Der Brauch besagte, da� sie diesen Dolch nur gegen ihren Ehemann benutzen durfte, aber man mu�te nichts herausfordern. Er d�mpfte seine Stimme jedoch nicht. �Wie weit mu� ich noch laufen, um eine Nachricht zu hinterlassen? Bringt mich zu ihren R�umen. Zwei Aes Sedai sollten nicht so schwer zu finden sein. Dies ist nicht die verdammte Wei�e Burg.�</p><p>�Aes Sedai?� sagte eine Frau hinter ihm mit schwerem illianischem Akzent. �Wenn Ihr zwei Aes Sedai sucht, so habt Ihr zwei gefunden.� Larens Gesichtsausdruck �nderte sich nur unmerklich. Ihre beinahe schwarzen Augen blickten eilig an ihm vorbei, und er war sich sicher, da� sie angespannte Sorge zeigten.</p><p>Mat nahm seinen Hut ab und wandte sich mit unbek�mmertem L�cheln um. Da er den silbernen Fuchskopf um den Hals trug, konnten ihm Aes Sedai absolut nichts anhaben. Nun, nicht allzu viel.</p><p>Die beiden ihm gegen�berstehenden Frauen h�tten nicht unterschiedlicher sein k�nnen. Die eine war schlank, mit einem einnehmenden L�cheln, in gr�ngoldenem Gewand, das einen seiner Meinung nach h�bschen Busen erahnen lie�. W�re das alterslose Gesicht nicht gewesen, h�tte er vielleicht erwogen, eine Unterhaltung zu beginnen, denn es war ein h�bsches Gesicht mit gro�en Augen, in denen ein Mann versinken konnte. Schade. Auch die andere Frau wies diese Alterslosigkeit auf, aber es dauerte einen Moment, bis er sie erkannte. Er dachte, sie runzele die Stirn, bis er gewahr wurde, da� dies ihr normaler Gesichtsausdruck sein mu�te. Ihr dunkles, fast schwarzes Gewand bedeckte sie bis auf Handgelenke und Kinn, wof�r er dankbar war. Sie wirkte d�rr wie ein alter Brombeerstrauch. Sie sah auch aus, als w�rde sie nur Brombeeren zum Fr�hst�ck essen.</p><p>�Ich versuche, eine Nachricht f�r Nynaeve und Elayne zu hinterlassen�, belehrte er sie. �Diese Frau...� Er blinzelte und blickte s�mtliche G�nge entlang. Diener eilten vorbei, aber Laren war nirgends zu sehen. Er h�tte nicht gedacht, da� sie sich so schnell bewegen konnte. �Wie dem auch sei, ich wollte eine Nachricht hinterlassen.� Und pl�tzlich vorsichtig geworden, f�gte er hinzu: �Seid Ihr Freundinnen von ihnen?�</p><p>�Nicht wirklich�, sagte die H�bsche. �Ich bin Joline, und dies ist Teslyn. Und Ihr seid Mat Cauthon.� Mats Magen verkrampfte sich. Neun Aes Sedai im Palast - und er mu�te den beiden begegnen, die Elaida folgten. Und eine von ihnen war noch dazu eine Rote. Nicht, da� er etwas zu bef�rchten h�tte. Er lie� seine Hand wiedersinken, bevor sie den Fuchskopf unter seiner Kleidung ber�hren konnte.</p><p>Diejenige, die Brombeeren a� - Teslyn - trat n�her an ihn heran. Sie war Thom zufolge eine Sitzende, obwohl selbst Thom nicht verstand, was eine Sitzende hier wollte. �Wir w�ren ihre Freundinnen, wenn wir k�nnten. Aber sie brauchen keine Freundinnen, Meister Cauthon, genauso wenig wie Ihr.� Ihr Blick versuchte in seine Gedanken einzudringen.</p><p>Joline trat neben ihn und legte eine Hand auf sein Revers. Bei einer anderen Frau h�tte er ihr L�cheln als Einladung aufgefa�t. Sie geh�rte der Gr�nen Ajah an. �Sie befinden sich auf gef�hrlichem Boden und sehen nicht, was unter ihren F��en liegt. Ich wei�, Ihr seid ihr Freund. Ihr k�nntet es beweisen, indem Ihr ihnen sagt, sie sollen mit diesem Unsinn aufh�ren, bevor es zu sp�t ist. T�richte Kinder, die zu weit gehen, k�nnen sich eine ernstliche Strafe einhandeln.�</p><p>Mat w�re am liebsten zur�ckgewichen. Selbst Teslyn stand nahe genug, da� sie ihn fast ber�hren konnte. Statt dessen setzte er sein unversch�mtestes Grinsen auf. Das hatte ihn fr�her zu Hause stets in Schwierigkeiten gebracht, aber jetzt schien es angemessen. Die W�rfel in seinem Kopf konnten nichts mit diesen beiden zu tun haben, sonst h�tten sie aufgeh�rt, sich zu drehen. Und er hatte das Medaillon. �Ich w�rde sagen, sie sehen recht gut.� Nynaeve mu�te dringend zur Vernunft gebracht werden, und Elayne noch dringender, aber er w�rde nicht dastehen und zuh�ren, wie diese Frau Nynaeve niedermachte. Wenn das bedeutete, da� er auch Elayne verteidigen m��te, dann sollte es so sein. �Vielleicht solltet Ihr mit Eurem Unsinn aufh�ren.� Jolines L�cheln schwand, aber jetzt l�chelte Teslyn - ein rasiermesserscharfes L�cheln.</p><p>�Wir wissen �ber Euch Bescheid, Meister Cauthon.� Sie schien bereit, jemanden zu h�uten, und wer auch immer zur Verf�gung stand, w�rde gen�gen. �Es wird behauptet Ihr w�rt ein <emphasis>Ta'veren.</emphasis> Welch gef�hrliche Verbindungen Ihr pflegt. Es scheint mehr als nur ein Ger�cht zu sein.�</p><p>Jolines Miene war eisig. �Ein junger Mann in Eurer Position, der seine Zukunft sichern m�chte, k�nnte etwas weitaus Schlechteres tun, als den Schutz der Burg zu suchen. Ihr h�ttet ihn niemals verlassen sollen.�</p><p>Sein Magen verkrampfte sich noch st�rker. Was wu�ten sie noch? Sicherlich nichts �ber das Medaillon. Nynaeve und Elayne wu�ten davon, und Adeleas und Vandene, und nur das Licht wu�te, wem sie davon erz�hlt hatten, aber gewi� nicht diesen beiden. Es gab jedoch Schlimmeres als <emphasis>Ta'veren</emphasis> oder den Fuchskopf oder sogar Rand, soweit es ihn betraf. Wenn sie von dem verdammten Horn wu�ten...</p><p>Er wurde so pl�tzlich von ihnen fortgerissen, da� er stolperte, und fast h�tte er seinen Hut fallen lassen. Eine schlanke Frau mit glattem Gesicht und fast wei�em, im Nacken zusammengenommenen Haar hielt ihn an �rmel und Revers fest. Als Reflex hielt Teslyn ihn auf der anderen Seite auf die gleiche Art fest. Er erkannte die gerade eingetroffene Frau mit dem geraden R�cken in gewisser Weise an ihrem einfachen grauen Gewand. Sie war entweder Adeleas oder Vandene, zwei Schwestern - wirkliche Schwestern, nicht nur Aes Sedai -, die genausogut h�tten Zwillinge sein k�nnen. Er konnte sie niemals mit Gewi�heit auseinanderhalten. Sie und Teslyn starrten einander an, kalt und ernst, zwei Katzen, die dieselbe Maus gefangen hatten.</p><p>�Ihr braucht mir nicht die Jacke zu zerrei�en�, grollte er und versuchte sich freizuwinden. �Meine Jacke?� Er war nicht sicher, da� sie ihn geh�rt hatten. Er war selbst mit dem Fuchskopf um seinen Hals nicht bereit, so weit zu gehen, ihre Finger gewaltsam zu l�sen, es sei denn, er mu�te es tun.</p><p>Zwei andere Aes Sedai begleiteten sie, welche der Schwestern auch immer es war, obwohl die eine der beiden, eine dunkle, st�mmige Frau mit neugierigen Augen, nur durch den Gro�en Schlangenring und die Stola mit den braunen Fransen, die sie trug und die auf der R�ckseite die wei�e Flamme Tar Valons zwischen Weinranken zeigte, gekennzeichnet war. Sie schien nur wenig �lter als Nynaeve zu sein, weshalb sie Sareitha Tomares sein mu�te, die erst seit ungef�hr zwei Jahren eine Aes Sedai war.</p><p>�La�t Ihr Euch jetzt schon dazu herab, Menschen in den G�ngen zu entf�hren, Teslyn?� sagte die andere. �Ein Mann, der nicht die Macht lenken kann, d�rfte f�r Euch wohl kaum von Interesse sein.� Klein und bla�, in spitzenverziertem Grau mit blauen Schlitzen, war sie die pure, k�hle, alterslose Eleganz und l�chelte zuversichtlich. Ihr cairhienischer Akzent wies sie aus. Mat hatte wohl die Aufmerksamkeit der H�chsten auf sich gezogen. Thom war sich nicht sicher gewesen, ob Joline oder Teslyn Elaidas Abordnung anf�hrten.</p><p>Teslyn behielt ihr rasiermesserscharfes L�cheln bei. �Macht mir nichts vor, Merilille. Mat Cauthon ist von erheblichem Interesse. Er sollte nicht frei herumlaufen.� Als w�rde er nicht daneben stehen und zuh�ren!</p><p>�Streitet Euch nicht wegen mir�, sagte er. Obwohl er an seiner Jacke zog, lie�en beide nicht los. �Es gibt genug andere Gr�nde.�</p><p>F�nf Augenpaare lie�en ihn sich w�nschen, da� er den Mund gehalten h�tte. Aes Sedai hatten keinerlei Sinn f�r Humor. Er zog ein wenig fester, und Vandene - oder Adeleas - zog ausreichend fest dagegen, da� <emphasis>ihm</emphasis> die Jacke aus der Hand gerissen wurde. Es war Vandene, entschied er. Sie war eine Gr�ne, und er hatte stets erwartet, da� sie ihn auf den Kopf stellen und das Geheimnis des Medaillons aus ihm heraussch�tteln w�rde. Aber welche auch immer sie war, sie l�chelte - zum Teil wissend, zum Teil belustigt. Er konnte nichts Komisches entdecken. Die anderen sahen ihn nicht lange an. Er h�tte genausogut verschwunden sein k�nnen.</p><p>�Er mu� in Gewahrsam genommen werden�, sagte Joline entschieden. �Zu seinem eigenen Schutz und auch aus anderen Gr�nden. Drei <emphasis>Ta'veren,</emphasis> die aus einem einzigen Dorf kommen? Und einer davon der Wiedergeborene Drache? Meister Cauthon sollte sofort zur Wei�en Burg geschickt werden.� Und er hatte sie h�bsch gefunden!</p><p>Merilille sch�ttelte nur den Kopf. �Ihr �bersch�tzt Eure Situation, Joline, wenn Ihr glaubt, ich w�rde Euch den Jungen einfach mitnehmen lassen.�</p><p>�Ihr �bersch�tzt die Eure, Merilille.� Joline trat n�her, bis sie auf die andere Frau hinabsah. Sie verzog die Lippen, �berlegen und herablassend. �Oder glaubt Ihr, nur der Wunsch, Tylin nicht zu beleidigen, hielte uns davon ab, Euch alle bei Brot und Wasser zu halten, bis <emphasis>Ihr zur</emphasis> Burg zur�ckgeschickt werden k�nnt?�</p><p>Mat h�tte erwartet, da� Merilille ihr ins Gesicht lachen w�rde, aber sie drehte nur leicht den Kopf, als wollte sie tats�chlich Jolines Blick ausweichen.</p><p>�Das w�rdet Ihr nicht wagen.� Sareitha trug die Aes-Sedai-Gelassenheit wie eine Maske auf dem glatten Gesicht, w�hrend ihre H�nde die Stola richteten, aber ihre gehauchte Stimme verk�ndete schreiend, da� es tats�chlich eine Maske war.</p><p>�Das sind Kinderspiele, Joline�, bemerkte Vandene gelassen. Genau das war sie. Sie war die einzige der drei, die wirklich gelassen schien.</p><p>Hellrote Flecke erschienen auf Merililles Wangen, als h�tte die wei�haarige Frau zu ihr gesprochen, aber ihr Blick wurde fest. �Ihr k�nnt kaum von uns erwarten, da� wir dem�tig einhergehen�, belehrte sie Joline entschieden, �und wir sind f�nf. Und sieben, wenn Ihr Nynaeve und Elayne dazurechnet.� Letzteres war eindeutig eine nachtr�gliche �berlegung, wenn auch eher widerwillig.</p><p>Joline w�lbte eine Augenbraue. Teslyns knochige Finger l�sten ihren Griff nicht weiter als Vandenes, und sie beobachtete Joline und Merilille mit unlesbarem Gesichtsausdruck. Aes Sedai waren Fremdland, bei dem man niemals wu�te, was man erwarten sollte, bis es zu sp�t war. Es gab hier tieferliegende Str�mungen. Aes Sedai umgebende tiefliegende Str�mungen konnten einen Mann ergreifen und zu Tode bringen, ohne da� sie es auch nur bemerkten. Vielleicht war es an der Zeit die Finger gewaltsam zu l�sen.</p><p>Larens pl�tzliches Wiederauftauchen ersparte ihm jedoch die M�he. Die dralle Frau rang nach Atem, als w�re sie gerannt, und versank in einen deutlich tieferen Hofknicks als zuvor. �Verzeiht, wenn ich Euch st�re, Aes Sedai, aber die K�nigin ruft Lord Cauthon zu sich. Verzeiht, bitte. Es w�re ungeh�rig, wenn ich ihn nicht sofort zu ihr br�chte.�</p><p>Die Aes Sedai sahen Laren an, sie alle, bis sie nerv�s zu werden begann. Dann sahen zwei Gruppen einander an, als wollten sie pr�fen, welche Aes Sedai welche �bertrumpfen konnten. Und dann sahen sie ihn an. Er frage sich, ob irgend jemand zur�ckstecken w�rde.</p><p>�Ich kann die K�nigin nicht warten lassen�, stellte er vergn�gt fest. Ihrem Naser�mpfen nach zu urteilen h�tte man glauben k�nnen, er h�tte eine von ihnen ins Ges�� gezwickt. Sogar Laren w�lbte mi�billigend die Augenbrauen.</p><p>�La�t ihn los, Adeleas�, sagte Merilille schlie�lich.</p><p>Er runzelte die Stirn, als die wei�haarige Erau der Aufforderung nachkam. Die beiden sollten kleine Schilder mit ihren Namen oder unterschiedliche Haarb�nder oder sonst etwas tragen, wodurch man sie unterscheiden k�nnte. Sie sah ihn erneut belustigt und wissend an. Erha�te das. Es war die List einer Frau, nicht nur einer Aes Sedai und sie wu�ten �blicherweise �berhaupt nichts �ber das, was sie einen glauben lassen wollten. �Teslyn?� fragte er. Die grimmig dreinblickende Rote hielt seine Jacke noch immer mit beiden H�nden fest. Sie sp�hte zu ihm hoch und achtete auf niemand anderen. �Die K�nigin?�</p><p>Merilille �ffnete den Mund, z�gerte dann aber und sagte etwas anderes als urspr�nglich beabsichtigt. �Wie lange wollt Ihr hier noch stehen und ihn festhalten, Teslyn? Vielleicht wollt Ihr Tylin erkl�ren, warum ihr Ruf unbeachtet bleibt.�</p><p>��berlegt Euch gut, an wen Ihr Euch bindet, Meister Cauthon�, sagte Teslyn, die ihn noch immer ansah. �Die falsche Wahl kann in eine unerfreuliche Zukunft f�hren, selbst f�r einen <emphasis>Ta'veren.</emphasis> �berlegt es Euch gut.� Dann lie� sie ihn los.</p><p>Als er Laren folgte, verbarg er sein Verlangen, eilig davonzukommen, aber er w�nschte, die Frau w�rde ein wenig schneller gehen. Sie glitt wie eine K�nigin vor ihm dahin. K�niglich wie jede Aes Sedai. Als sie die erste Biegung erreichten, schaute er �ber die Schulter. Die f�nf Aes Sedai standen noch immer da und sahen ihm nach. Als sei sein Blick ein Zeichen gewesen, wechselten sie schweigend Blicke und gingen dann, jede in eine andere Richtung, davon. Adeleas kam auf ihn zu, aber ein Dutzend Schritte vor ihm l�chelte sie ihn nur erneut an und verschwand dann durch eine T�r. Tiefliegende Str�mungen. Er zog es vor zu schwimmen, auch wenn seine F��e den Boden des Teiches ber�hren konnten.</p><p>Laren wartete um die Ecke, die H�nde in die breiten H�ften gestemmt und das Gesicht viel zu glatt. Er vermutete, da� sie unter ihren R�cken ungeduldig mit dem Fu� wippte. Er g�nnte ihr sein gewinnendstes L�cheln. Kichernde M�dchen oder grauhaarige Gro�m�tter - bei diesem L�cheln wurden Frauen schwach. Es hatte ihm K�sse eingebracht und ihn schon h�ufiger aus mi�lichen Lagen gerettet, als er z�hlen konnte. Es war fast so gut wie Blumen. �Das war gut gemacht, ich danke Euch. Gewi� will die K�nigin mich nicht wirklich sehen.� Wenn dem so w�re, wollte er es aber nicht. Alles, was er �ber Adlige dachte, galt f�r das K�nigtum in dreifachem Ma�e. Nichts, was er in den alten Erinnerungen gefunden hatte, konnte daran etwas �ndern, und einige jener Burschen hatten erhebliche Zeit in der Nahe von K�nigen und K�niginnen und dergleichen verbracht. �Wenn Ihr mir jetzt einfach zeigen w�rdet, wo ich Nynaeve und Elayne finden kann...�</p><p>Seltsamerweise schien sein L�cheln �berhaupt keine Wirkung zu zeigen. �Ich w�rde nicht l�gen, Lord Cauthon. Das w�rde mich zuviel kosten. Die K�nigin wartet, mein Lord. Ihr seid ein sehr tapferer Mann�, f�gte sie hinzu, wandte sich um und sagte dann leise noch etwas; �Oder ein sehr gro�er Narr.� Er bezweifelte, da� er letzteres hatte h�ren sollen.</p><p>Er hatte die Wahl zwischen der M�glichkeit, die K�nigin aufzusuchen, oder Meilen von G�ngen zu durchwandern, bis er auf jemanden stie�e, der ihm sagen w�rde, was er wissen wollte. Er ging zur K�nigin.</p><p>Tylin Quintara, durch die Gnade des Lichts K�nigin von Altara, Herrin der Vier Winde, W�chterin des Meers der St�rme, Hochsitz des Hauses Mitsobar, erwartete ihn in einem Raum mit gelben W�nden und einer hellblauen Decke, wo sie vor einem gewaltigen wei�en Kamin mit einem maritim gestalteten Steinsturz stand. Er entschied, da� sie recht betrachtenswert war. Sie war nicht mehr jung - das gl�nzende schwarze Haar, das ihr �ber die Schultern fiel, wurde an den Schl�fen bereits grau, und um ihre Augenwinkel bildeten sich netzartige Linien -, und sie war auch nicht im eigentlichen Sinne h�bsch, obwohl die beiden d�nnen Narben an ihren Wangen mit dem Alter fast verschwunden waren. Ansehnlich traf es eher. Aber sie war ... eindrucksvoll. Gro�e dunkle Augen betrachteten ihn w�rdevoll, die Augen eines Adlers. Sie hatte nur wenig reale Macht - man konnte innerhalb von zwei bis drei Tagen aus ihrem Einflu�-bereich herausreiten und h�tte noch immer einen gro�en Teil Altaras vor sich -, aber er vermutete, da� sie sogar eine Aes Sedai zur�ckweichen lassen k�nnte. Wie Isebele von Dal Calain, welche die Amyrlin Anghara zu sich befohlen hatte. Das war eine der alten Erinnerungen. Dal Calain war in den Trolloc-Kriegen verschwunden.</p><p>�Majest�t�, sagte er, schwang seinen Hut in weitem Bogen und bauschte einen imagin�ren Umhang, �ich folge Eurem Ruf.� Ob eindrucksvoll oder nicht - es fiel ihm nicht leicht, den Blick von dem �ppigen, spitzenverzierten Oval abzuwenden, in das ihr in einer wei�en Scheide steckender Hochzeitsdolch herabhing. Es war in der Tat eine sehr h�bsch gerundete Ansicht, aber je mehr Busen eine Frau zeigte, desto weniger wollte sie ihn betrachtet wissen. Zumindest nicht offen. Eine wei�e Scheide ... aber er wu�te bereits, da� sie Witwe war. Nicht, da� es von Bedeutung gewesen w�re. Er w�rde sich mit einer K�nigin ungef�hr genauso bereitwillig einlassen wie mit der fuchsgesichtigen Schattenfreundin. Es war schwer, gar nicht hinzusehen, aber es gelang ihm. H�chstwahrscheinlich w�rde sie eher W�chter rufen als den mit Edelsteinen versehenen Dolch ziehen, der hinter einem zu der Halskette mit dem Hochzeitsdolch passenden G�rtel aus geflochtenem Gold steckte. Vielleicht rollten deshalb die W�rfel in seinem Kopf noch immer. Die M�glichkeit einer Begegnung mit dem Scharfrichter w�rde sie am ehesten in Bewegung versetzen.</p><p>Schichten von Seide kr�uselten sich wei� und gelb, als sie den Raum durchquerte und langsam zu ihm herankam. �Ihr sprecht die Alte Sprache�, stellte sie fest, als sie erneut vor ihm stehenblieb. Ihre Stimme war dunkel und melodi�s. Die K�nigin glitt ohne auf eine Antwort zu warten, zu einem Sessel und setzte sich hin, w�hrend sie ihre gr�nen R�cke richtete. Eine unbewu�te Geste. Ihr Blick blieb auf ihn geheftet. Er hatte das Gef�hl, da� ihn dieser Blick durchdrang. �Ihr wollt eine Nachricht hinterlassen. Ich habe alles Notwendige hier.� Der Spitzenbesatz an ihrem Handgelenk schwang, als sie auf einen kleinen Schreibtisch unter einem goldgerahmten Spiegel deutete. Alle M�bel waren vergoldet und mit floralen Ornamenten verziert.</p><p>Hohe dreigeteilte Bogenfenster f�hrten auf einen schmiedeeisernen Balkon und lie�en eine Meeresbrise herein, die �berraschend wohltuend wirkte, wenn auch nicht wirklich k�hl, und doch f�hlte sich Mat erhitzter als auf der Stra�e, und es hatte nichts mit ihrem Blick zu tun. <emphasis>Deyeniye, dyu ninte concion ca'lyet ye.</emphasis> Das hatte er gesagt. Die verdammte Alte Sprache str�mte wieder aus seinem Mund, ohne da� er es merkte. Er dachte, er h�tte dieses kleine Problem unter Kontrolle. Er wu�te nicht, wann diese verdammten W�rfel zum Stillstand kommen w�rden und warum. Er sollte sich besser auf sich besinnen und so weit wie m�glich den Mund halten. �Ich danke Euch, Majest�t.� Er sprach diese Worte sehr bewu�t aus.</p><p>Dicke Bl�tter hellen Papiers warteten bereits auf einem schr�gen Tisch mit bequemer Schreibh�he. Er lehnte seinen Hut gegen das Tischbein. Er konnte sie im Spiegel sehen. Sie beobachtete ihn. Warum hatte er seine Zunge nicht im Zaum gehalten? Er tauchte eine goldene Feder ein - womit sonst w�rde eine K�nigin schreiben? - und formulierte, was er zu Papier bringen wollte, zun�chst in Gedanken, bevor er sich mit einem um das Blatt gelegten Arm dar�berbeugte. Seine Hand bewegte sich unbeholfen. Er schrieb nicht gern.</p><p><emphasis>Ich bin einer Schattenfreundin bis zu einem Palast gefolgt, den Jaichim Carridin gepachtet hat. Sie hat mich einmal zu t�ten versucht, und vielleicht auch 'Rand. Sie wurde wie eine alte Freundin des Hauses begr��t.</emphasis></p><p>Er betrachtete die Zeilen einen Moment und kaute auf dem Ende der Feder, bevor er erkannte, da� er das weiche Gold einkerbte. Vielleicht w�rde Tylin es nicht bemerken. Sie mu�ten von Carridin erfahren. Was noch? Er f�gte schlie�lich einige sachlich formulierte Zeilen hinzu. Er wollte sie nicht ver�rgern.</p><p><emphasis>Seid vern�nftig. Wenn Ihr hier herumlungern m��t, la�t mich Euch wenigstens einige M�nner schicken, die verhindern k�nnen, da� man Euch die K�pfe einschl�gt. W�re es �brigens nicht an der Zeit, da� ich Euch zu Egwene zur�ckbringe? Hier gibt es nur Hitze und Fliegen, und davon k�nnen wir auch in Caemlyn genug finden.</emphasis></p><p>So. Freundlicher h�tte er es nicht ausdr�cken k�nnen.</p><p>Er l�schte die Seite sorgf�ltig mit Streusand ab und faltete sie viermal. Sand in einer kleinen goldenen Schale bedeckte ein St�ck Kohle. Er blies darauf, bis sie gl�hte, benutzte sie dann zum Entz�nden einer Kerze und nahm ein St�ck rotes Wachs auf. Als das Siegelwachs auf das Papier tropfte, fiel ihm pl�tzlich ein, da� er einen Siegelring in der Tasche trug. Nur ein Probest�ck des Ringmachers, der sein K�nnen zeigen wollte, aber besser als ein ungesiegelter Klumpen Wachs. Der Ring war ein wenig breiter als der sich bereits erh�rtende Wachsfleck, aber der gr��te Teil des Motivs war dennoch zu sehen.</p><p>Er konnte zum ersten Mal genau betrachten, was er gekauft hatte. In einer Umgrenzung gro�er Halbmonde schreckte ein Fuchs im Lauf anscheinend zwei V�gel auf. Das lie� ihn grinsen. Zu schade, da� es keine Hand f�r die Bande war, aber es pa�te ausreichend. Er mu�te gewi� schlau wie ein Fuchs sein, um mit Nynaeve und Elayne mitzuhalten, und wenn sie nicht regelrecht leichtsinnig waren, nun... Au�erdem hatte er durch das Medaillon Gefallen an F�chsen gefunden. Er kritzelte Nynaeves Namen au�en auf das Blatt, und dann, als nachtr�gliche �berlegung, auch Elaynes. Die eine oder die andere sollte die Nachricht bald lesen.</p><p>Er wandte sich mit dem versiegelten Brief in H�nden um und zuckte zusammen, als seine Kn�chel Tylins Busen streiften. Er taumelte gegen den Schreibtisch zur�ck, sah sie an und versuchte, nicht rot zu werden. Er blickte ihr ins Gesicht, nur ins Gesicht. Er hatte sie nicht herankommen h�ren. Er sollte die Ber�hrung am besten einfach ignorieren, um sie nicht auch noch in Verlegenheit zu bringen. Sie hielt ihn jetzt wahrscheinlich f�r einen ungeschickten Flegel. �Es steht etwas in diesem Briet das Ihr wissen solltet, Majest�t.� Es war zu wenig Raum zwischen ihnen, um den Brief hochzuheben. �Jaichim Carridin nimmt Schattenfreunde auf, und ich meine damit nicht, da� er sie einsperrt.�</p><p>�Seid Ihr Euch dessen gewi�? Nat�rlich seid Ihr es. Niemand w�rde diese Anschuldigung aussprechen, ohne sicher zu sein.� Sie furchte die Stirn, sch�ttelte dann aber den Kopf, und das Stirnrunzeln schwand wieder. �Sprechen wir von erfreulicheren Dingen.�</p><p>Er h�tte am liebsten aufgeschrien. Er berichtete ihr, da� der Wei�mantel-Gesandte ihres Hofes ein Schattenfreund war, und sie verzog nur das Gesicht.</p><p>�Seid Ihr Lord Cauthon?� Sie sprach den Titel ein wenig fragend aus. Ihre Augen erinnerten ihn mehr denn je an die eines Adlers. Eine K�nigin konnte niemanden m�gen, der als Lord zu ihr kam. �Nur Mat Cauthon.� Etwas sagte ihm, da� sie eine L�ge h�ren wollte. Au�erdem war es nur eine List, die Leute wissen zu lassen, da� er ein Lord war, eine List, ohne die er auch ganz gut zurechtgekommen w�re. In Ebou Dar konnte jedermann jederzeit zu einem Duell herausgefordert werden, aber nur wenige forderten Lords heraus - au�er anderen Lords. Infolgedessen hatte er im letzten Monat auf mehrere Sch�del eingeschlagen, vier M�nner verletzt und war eine halbe Meile gelaufen, um einer Frau zu entkommen. Tylins Blick machte ihn nerv�s. Die W�rfel rollten noch immer in seinem Kopf umher. Er wollte hier herausgelangen. �Wenn Ihr mir sagen w�rdet, wo ich den Brief lassen soll, Majest�t...?�</p><p>�Die Tochter-Erbin und Nynaeve Sedai erw�hnen Euch selten�, sagte sie, �aber man lernt zu h�ren, was nicht gesagt wird.� Sie hob beil�ufig die Hand und ber�hrte seine Wange. Er hob seine Hand ebenfalls unsicher. Hatte er sich dort mit Tinte beschmiert, als er an der Feder gekaut hatte? Frauen brachten alle m�glichen Dinge gern in Ordnung, einschlie�lich M�nnern. Vielleicht galt das auch f�r K�niginnen. �Was sie nicht sagen, was ich aber h�re, ist, da� Ihr ein ungez�hmter Schurke seid, ein Spieler und Frauenheld.� Ihr Blick hielt seinen fest, ihr Gesichtsausdruck �nderte sich keinen Deut, und ihre Stimme blieb fest und k�hl, aber ihre Finger strichen jetzt auch �ber seine andere Wange, w�hrend sie sprach. �Ungez�hmte M�nner sind h�ufig die interessantesten. Um mit ihnen zu reden.� Ein Finger zog die Konturen seiner Lippen nach. �Ein ungez�hmter Schurke, der mit Aes Sedai reist, ein <emphasis>Ta'veren,</emphasis> der ihnen, glaube ich, ein wenig Angst einjagt. Oder sie sich zumindest unbehaglich f�hlen l��t. Es erfordert einen Mann mit ausgepr�gtem Temperament, Aes Sedai Unbehagen zu bereiten. Wie werdet Ihr das Muster in Ebou Dar beugen, wenn Ihr nur Mat Cauthon seid?� Ihre Hand lag an seinem Hals. Er konnte den Puls an ihren Fingern pochen Sein Kinn sank herab. Der Schreibtisch in seinem R�cken ber�hrte klappernd die Wand, als er zur�ckzuweichen versuchte. Der einzige Ausweg war, sie beiseite zu schieben oder �ber ihre R�cke zu steigen. Frauen, benahmen sich nicht so! Oh, einige der alten Erinnerungen vermittelten ihm einen anderen Eindruck, aber es waren haupts�chlich Erinnerungen an Erinnerungen, da� diese Frau dies oder jene Frau jenes getan hatte. Er erinnerte sich haupts�chlich an K�mpfe, und hier gab es keinerlei Hilfe. Sie l�chelte, ein leichtes Kr�useln ihrer Lippen, das das raubtierhafte Schimmern in ihren Augen nicht schm�lerte. Sein Kopfhaar wollte sich aufrichten.</p><p>Ihr Blick glitt flackernd �ber seine Schulter zum Spiegel, und sie wandte sich abrupt um, so da� er nur noch ihren R�cken anstarren konnte, als sie von ihm fort trat. �Ich mu� es einrichten, erneut mit Euch zu sprechen, Meister Cauthon. Ich...� Sie brach offensichtlich �berrascht ab, als die T�r aufschwang, aber dann erkannte er, da� sie im Spiegel gesehen hatte, wie sie sich bewegt hatte.</p><p>Ein schlanker junger Mann trat ein, der leicht hinkte, ein dunkler Bursche mit scharfem Blick, der ohne innezuhalten an Mat vorbeieilte. Schwarzes Haar hing ihm bis auf die Schultern, und er trug eine dieser Jacken, die niemals dazu gedacht waren, sie einfach um die Schultern gelegt zu tragen, aus gr�ner Seide, mit einer Goldkette �ber der Brust und in die Aufschl�ge eingearbeiteten goldenen Leoparden. �Mutter�, sagte er, verbeugte sich vor Tylin und ber�hrte mit den Fingern seine Lippen.</p><p>�Beslan.� Sie sprach den Namen herzlich aus und k��te ihn auf beide Wangen und Lider. Der feste, sogar eisige Ton, den sie Mat gegen�ber angeschlagen hatte, h�tte genausogut niemals gewesen sein k�nnen. �Ich sehe, da� es gutgegangen ist.�</p><p>�Nicht so gut, wie es h�tte sein k�nnen.� Der Junge seufzte. Er hatte trotz seiner Augen eine weiche Art und eine sanfte Stimme. �Nevin hat beim zweiten Durchgang meinen Arm geritzt und glitt dann im dritten aus, so da� ich ihn ins Herz anstatt seines Schwertarms getroffen habe. Der Angriff war das T�ten nicht wert, und jetzt mu� ich seiner Witwe kondolieren.� Er schien das genauso sehr zu bedauern wie den Tod dieses Nevin.</p><p>Tylins strahlendes Gesicht schien einer Frau, deren Sohn ihr gerade berichtet hatte, da� er einen Menschen get�tet hatte, nicht angemessen. �Halte den Besuch kurz. Ich k�nnte schw�ren, da� Davindra eine jener Witwen sein wird, die Trost fordern, und dann wirst du sie entweder heiraten oder ihre Br�der t�ten m�ssen.� Ihrem Tonfall nach zu urteilen, war die erste M�glichkeit bei weitem die schlimmere und die zweite nur ein �rgernis. �Dies ist Meister Mat Cauthon, mein Sohn. Er ist ein <emphasis>Ta'veren.</emphasis> Ich hoffe, du wirst dich mit ihm anfreunden. Vielleicht werdet ihr beide zusammen zu den Festlichkeiten gehen.�</p><p>Mat zuckte zusammen. Das letzte, was er wollte, war, mit einem Burschen irgendwohin zu gehen, der Duelle ausfocht und dessen Mutter ihm die Wange streicheln wollte. �Ich mag B�lle nicht sehr�, sagte er eilig. Ebou Dari liebten Feste. Hier war Hoch Chasaline gerade vor�ber, und sie feierten in der n�chsten Woche noch f�nf Feste, zwei davon ganzt�gige, nicht nur Abendfestlichkeiten. �Ich tanze lieber in Tavernen. Ich f�rchte, ich bevorzuge die rauhere Art. Es w�rde Euch nicht gefallen.�</p><p>�Ich ziehe ebenfalls Tavernen der rauheren Art vor�, verk�ndete Beslan mit dieser sanften Stimme l�chelnd. �Die B�lle sind f�r �ltere und ihre Sch�nen gedacht.�</p><p>Danach ging alles rasend schnell. Bevor Mat wu�te, wie ihm geschah, hatte Tylin ihn in der Falle. Er und Beslan w�rden zusammen an Festlichkeiten teilnehmen. An allen Festlichkeiten. Beslan nannte es Jagen, und als Mat ohne nachzudenken sagte, da� er wohl die Jagd auf M�dchen meine - er h�tte dies niemals in Gegenwart der Mutter eines jungen Mannes gesagt, wenn er dar�ber nachgedacht h�tte -, lachte der Junge und sagte: �Ein M�dchen oder ein Kampf, schmollende Lippen oder eine blitzende Klinge. Jeweils <emphasis>der</emphasis> Tanz macht am meisten Spa�, den man gerade tanzt. Meint Ihr nicht auch, Mat?� Tylin l�chelte Beslan z�rtlich an.</p><p>Mat rang sich ein schwaches Lachen ab. Dieser Beslan war wahnsinnig, er - und auch seine Mutter.</p></section><section><title><p>17</p><p>Der Triumph der Logik</p></title><p>Mat war aus dem Palast geeilt, als Tylin ihn schlie�lich hatte gehen lassen, und wenn er geglaubt h�tte, da� es etwas gen�tzt h�tte, w�re er gerannt. Die Haut zwischen seinen Schulterbl�ttern kribbelte derma�en, da� er fast die in seinem Kopf tanzenden W�rfel verga�. Der schlimmste Augenblick - der allerschlimmste unter einem Dutzend schlimmer Augenblicke - war gewesen, als Beslan seine Mutter neckte und meinte, sie sollte sich selbst einen H�bschen f�r den Ball suchen, und Tylin lachend erwiderte, eine K�nigin h�tte keine Zeit f�r junge M�nner, w�hrend sie Mat die ganze Zeit mit diesen verdammten Adleraugen ansah. Jetzt wu�te er, warum Hasen so schnell laufen konnten. Er �berquerte den Mol-Hara-Platz, ohne etwas wahrzunehmen. H�tten Nynaeve und Elayne in dem Springbrunnen unter dieser Statue irgendeiner lange verstorbenen K�nigin, die mindestens zwei Spann gro� war und zum Meer deutete, mit Jaichim Carridin und Elaida Kapriolen geschlagen, w�re er vorbeigegangen, ohne ihnen einen zweiten Blick zu g�nnen.</p><p>Der Schankraum der <emphasis>Wanderin</emphasis> war d�ster, aber nach der sengenden Hitze drau�en vergleichsweise k�hl. Er nahm dankbar seinen Hut ab. Ein schwacher Dunst von Pfeifenrauch hing in der Luft, aber die arabeskenartig geschnitzten L�den �ber den breiten Bogenfenstern lie�en ausreichend Licht herein. Einige staubige Kiefernzweige waren f�r die Festlichkeiten �ber die Fenster gebunden worden. In einer Ecke spielten zwei Frauen mit Fl�ten und ein Bursche mit einer kleinen Trommel zwischen den Knien eine schrille, pulsierende Musik, die Mat sch�tzen gelernt hatte. Selbst zu dieser Tageszeit waren schon einige Gaste da, fremdl�ndische Kaufleute in angemessen einfacher Kleidung und hier und da ein Ebou Dari, die meisten in Westen verschiedener Gilden. Keine Lehrlinge oder Gesellen waren hier. So nahe am Palast war die <emphasis>Wanderin</emphasis> kein preiswerter Ort zum Essen und Trinken, und noch viel weniger zum �bernachten.</p><p>Das Klappern von W�rfeln an einem Tisch in der Ecke bildete ein Echo zu dem Empfinden in Mats Kopf, aber er wandte sich in die andere Richtung, wo drei seiner M�nner auf B�nken um einen Tisch sa�en. Corevin, ein sehr muskul�ser Cairhiener mit einer Nase, die seine Augen noch kleiner wirken lie�, als sie ohnehin schon waren, sa� bis zur Taille entbl��t da und hielt seine t�towierten Arme �ber den Kopf, w�hrend Vanin einen Verband um seine K�rpermitte anlegte. Vanin besa� die dreifache K�rperf�lle von Corevin und wurde bereits kahl. Seine Jacke erweckte den Eindruck, als habe er eine Woche lang darin geschlafen. So wirkte sie immer, auch schon eine Stunde, nachdem eine der Dienerinnen sie geb�gelt hatte. Einige der Kaufleute, aber keiner der Ebou Dari betrachteten die drei unbehaglich. M�nner und Frauen hatten schon h�ufig solche und Schlimmere erlebt.</p><p>Harnan, ein tairenischer Rottenf�hrer mit kantigem Kinn und der groben T�towierung eines Falken auf der linken Wange, schalt Corevin. �...k�mmert mich nicht, was der w�tende Fischh�ndler gesagt hat, du Kr�te, du benutzt deinen verdammten Kn�ppel und nimmst keine heftigen Herausforderungen an, nur weil...� Er brach ab, als er Mat sah, und versuchte den Eindruck zu erwecken, als h�tte er nicht gesagt, was er gesagt hatte.</p><p>W�rde Mat nachfragen, w�rde er erz�hlt bekommen, da� Corevin ausgeglitten und in seinen eigenen Dolchgefallen war - oder etwas �hnlich T�richtes, was Mat zu glauben vorgeben sollte. Also st�tzte er einfach nur die F�uste auf den Tisch, als w�re nichts Ungew�hnliches geschehen. Tats�chlich war es auch nicht so ungew�hnlich. Vanin war der einzige Mensch, der noch nicht bereits in zwei Dutzend Klemmen geraten war. Aus einem unerfindlichen Grund machten Menschen, die �rger wollten, einen ebenso gro�en Bogen um Vanin wie um Nalesean. Der einzige Unterschied bestand darin, da� es Vanin anscheinend so gefiel. �Waren Thom oder Juilin schon hier?�</p><p>Vanin �schaute nicht von seiner T�tigkeit auf. �Habe noch kein St�ck von den beiden gesehen. Aber Nalesean war kurz hier.� Kein �Mein Lord�-Unsinn von Vanin. Er machte keinen Hehl daraus, da� er Adlige nicht mochte. Mit der ungl�ckseligen Ausnahme Elaynes. �Er hat oben in Eurem Raum eine eisenbeschlagene Kiste zur�ckgelassen und ging dann wieder, wobei er etwas �ber Tand murmelte.� Er schickte sich an, durch seine Zahnl�cke zu speien, erblickte jedoch eines der Schankm�dchen und unterlie� es. Herrin Anan reagierte bei jedermann t�dlich, der auf ihre B�den spie oder Knochen darauf warf oder auch nur eine Pfeife darauf ausklopfte. �Der Junge ist drau�en im Stall�, fuhr er fort, bevor Mat fragen konnte, �mit seinem Buch und einer der T�chter der Wirtin. Ein anderes der M�dchen hat ihm den Hintern versohlt, weil er sie in ihren gekniffen hatte.� Er verknotete den Verband und sah Mat vorwurfsvoll an, als sei es irgendwie seine Schuld gewesen.</p><p>�Armes kleines W�rmchen�, murrte Corevin und drehte sich, um zu �berpr�fen, ob der Verband halten w�rde. Er hatte einen Leoparden und einen Keiler auf einen Arm tuschiert, und einen L�wen und eine Frau auf den anderen. Die Frau schien au�er ihrem Haar kaum etwas zu tragen. �Olver hat geweint. Obwohl er wieder strahlte, als Leral ihm ihre Hand �berlie�.� Die M�nner k�mmerten sich alle um den Jungen wie eine Schar Onkel, wenn auch sicherlich von einer Art, wie keine Mutter sie in der N�he ihres Sohnes wissen wollte.</p><p>�Er wird es �berleben�, sagte Mat n�chtern. Der Junge nahm diese Gewohnheiten wahrscheinlich von seinen �Onkeln� an. Als n�chstes w�rden sie ihn t�towieren. Zumindest hatte sich Olver nicht davongeschlichen, um mit den Stra�enkindern umherzuziehen. Er schien daran genauso viel Gefallen zu finden wie daran, erwachsene Frauen zu bel�stigen. �Harnan, Ihr wartet hier, und wenn Ihr Thom oder Juilin seht, dann haltet sie fest. Vanin, Ihr seht zu, was ihr in der N�he des Chelsaine-Palasts erfahren k�nnt, dr�ben bei den <emphasis>Drei Burgtoren.�</emphasis> Er z�gerte und sah sich im Raum um. Schankm�dchen betraten und verlie�en die K�che mit Essen und h�ufiger mit Getr�nken. Die meisten der G�ste schienen sich nur um ihre Silberbecher zu k�mmern, obwohl zwei Frauen in den Westen der Weberinnen leise stritten, ihren gew�rzten Wein verga�en und sich �ber den Tisch hinweg einander zuneigten. Einige der Kaufleute feilschten anscheinend, fuchtelten mit den H�nden und tauchten die Finger in ihre Becher, um Zahlen auf den Tisch zu malen. Die Musik sollte Mats Worte vor Lauschern sch�tzen, aber er senkte seine Stimme dennoch.</p><p>Die Nachricht, da� Jaichim Carridin Schattenfreunde empfing, schien in Vanin den Wunsch zu erwecken, dennoch auszuspeien, gleichg�ltig, wer es sah. Harnan murmelte etwas �ber widerw�rtige Wei�m�ntel, und Corevin schlug vor, Carridin der B�rgerwehr zu melden. Das brachte ihm derma�en emp�rte Blicke von den beiden anderen ein, da� er sein Gesicht in einem Becher Bier verbarg. Er war einer der wenigen M�nner die Mat kannte, die bei dieser Hitze Ebou- Dari-Bier trinken konnten. Beziehungsweise, es <emphasis>�berhaupt</emphasis> trinken konnten.</p><p>�Seid vorsichtig�, warnte Mat, als Vanin aufstand. Nicht da� er sich wirklich Sorgen gemacht h�tte. Vanin bewegte sich f�r einen solch dicken Mann �berraschend gewandt. Er war der beste Pferdedieb in mindestens zwei L�ndern und konnte sogar an einem Beh�ter ungesehen vorbei gelangen, aber... �Sie sind unangenehme Menschen. Wei�m�ntel und Schattenfreunde - beide.� Der Mann brummte nur und bedeutete Corevin, sein Hemd und seine Jacke anzuziehen und mitzukommen.</p><p>�Mein Lord?� sagte Harnan, als sie gingen. �Mein Lord, ich habe geh�rt, da� es im Rahad gestern Nebel gegeben haben soll.�</p><p>Mat hatte sich schon umwenden wollen, hielt aber jetzt in der Bewegung inne. Harnan wirkte besorgt, und er war selten besorgt. �Was meint Ihr mit Nebel?� In dieser Hitze w�rde dichter Nebel keinen Herzschlag lang bestehen bleiben.</p><p>Der Rottenf�hrer zuckte unbehaglich die Achseln und sp�hte in seinen Becher. �Nebel. Ich h�rte, da� ... Wesen ... darin gewesen sein sollen.� Er sah zu Mat auf. �Ich habe geh�rt, da� Menschen einfach verschwunden sind. Und einige wurden teilweise angefressen aufgefunden.�</p><p>Mat hatte M�he, nicht zu erschaudern. �Der Nebel ist wieder fort, nicht wahr? Und Ihr wart nicht darin. Sorgt Euch darum, wenn Ihr es seid. Mehr k�nnt Ihr nicht tun.� Harnan runzelte zweifelnd die Stirn, aber es war die reine Wahrheit. Diese Blasen des B�sen -so nannte Rand sie, wie auch Moiraine - brachen auf, wo und wann sie wollten, und selbst Rand schien nichts tun zu k�nnen, um sie aufzuhalten. Sich darum zu sorgen, nutzte genauso viel, wie sich dar�ber Gedanken zu machen, ob einem morgen auf der Stra�e ein Dachziegel auf den Kopf fallen w�rde. Oder noch weniger, da man dann beschlie�en konnte, im Haus zu bleiben.</p><p>Es gab jedoch etwas, wor�ber man sich sorgen sollte. Nalesean hatte ihre Gewinne oben im Raum zur�ckgelassen. Die verdammten Adligen gingen mit Gold um wie mit Wasser. Mat �berlie� Harnan seinem Getr�nk und eilte auf die gel�nderlose Treppe an der R�ckseite des Raums zu, aber bevor er sie erreichte, sprach ihn eines der Schankm�dchen an.</p><p>Caira war ein schlankes M�dchen mit vollen Lippen und verhangenen Augen. �Ein Mann kam herein und hat nach Euch gefragt, mein Lord�, sagte sie, indem sie ihre Rocke schwang und durch lange Wimpern zu ihm aufsah. Ihre Stimme klang leicht schleppend. �Er sagte, er sei ein Feuerwerker, aber er wirkte auf mich sch�big. Er bestellte Essen und ging wieder, als Herrin Anan es ihm nicht gew�hren wollte. Er wollte, da� Ihr bezahlt.�</p><p>�Das n�chste Mal gebt ihm das Essen�, befahl Mat ihr und lie� eine Silberm�nze in ihren Ausschnitt fallen. �Ich werde mit Herrin Anan sprechen.� Er suchte einen Feuerwerker - einen richtigen, nicht irgendeinen Burschen, der Feuerwerk voller S�gesp�ne verkaufte -, aber das war jetzt unwichtig. Nicht, solange das Gold unbewacht dalag. Und solange es im Rahad Nebel gab, und solange es Schattenfreunde gab und Aes Sedai, und solange die verdammte Tylin den Verstand verlor, und...</p><p>Caira kicherte und wand sich wie eine Katze, die man streichelt. �Soll ich Euch etwas gew�rzten Wein auf euer Zimmer bringen, mein Lord? Oder etwas anderes?� Sie l�chelte hoffnungsvoll und einladend.</p><p>�Vielleicht sp�ter.� Mat tippte ihr mit der Fingerspitze auf die Nase. Sie kicherte erneut. Das tat sie stets. Caira h�tte ihre R�cke so n�hen lassen, da� man die Spitzenunterr�cke bis zur Mitte des Oberschenkels h�tte sehen k�nnen, wenn Herrin Anan es zugelassen h�tte, aber die Wirtin achtete auf ihre Schankm�dchen genauso wie auf ihre T�chter. Fast. �Vielleicht sp�ter.�</p><p>Mat stieg die breite Steintreppe hinauf und verbannte Caira aus seinen Gedanken. Was sollte er wegen Olver unternehmen? Der Junge w�rde eines Tages in ernsthafte Schwierigkeiten geraten, wenn er glaubte, Frauen so behandeln zu k�nnen. Er w�rde ihn vermutlich soweit wie m�glich von Harnan und den anderen fernhalten m�ssen. Sie hatten einen schlechten Einflu� auf den Jungen. Das noch zu allem anderen! Er mu�te Nynaeve und Elayne aus Ebou Dar hinausbringen, bevor noch etwas Schlimmeres passierte.</p><p>Sein Zimmer lag auf der Vorderseite des Gasthauses. Die Fenster gingen auf den Platz hinaus. Als Mat nach dem T�rgriff fa�te, knarrte der Flurboden hinter ihm. In hundert anderen Gastst�tten h�tte er es nicht einmal bemerkt, aber die B�den in der <emphasis>Wanderin</emphasis> knarrten nicht.</p><p>Er schaute zur�ck - und fuhr gerade noch rechtzeitig genug herum, um seinen Hut fallen zu lassen und den herabsausenden Kn�ppel mit der linken Hand statt mit dem Sch�del aufzufangen. Der Schlag lie� seine Hand taub werden, aber er hielt den Kn�ppel dennoch verzweifelt fest, w�hrend sich dicke Finger um seinen Hals legten und ihn gegen die T�r seines Zimmers schlugen. Er prallte mit dem Kopf fest dagegen. Silbern ges�umte schwarze Flecken tanzten vor seinen Augen und verdunkelten ein schwitzendes Gesicht. Er konnte nur eine gro�e Nase und gelbe Z�hne erkennen, und selbst das nur unklar. Pl�tzlich erkannte er, da� er am Rande einer Ohnmacht stand. Die dicken Finger unterbrachen die Blutzufuhr zum Gehirn genauso wie die Luftzufuhr. Mat griff mit der freien Hand unter seine Jacke und betastete die Hefte seiner Dolche, als erinnerten sich seine Finger nicht mehr, wof�r sie gedacht waren. Der Kn�ppel entglitt seiner Hand. Mat konnte sehen, wie er angehoben und wieder gesenkt wurde, um seinen Sch�del zu zerschmettern. Er schlo� alles andere aus, ri� einen Dolch aus seiner Scheide und stach zu.</p><p>Sein Angreifer stie� einen hohen Schrei aus, und Mat bemerkte vage, wie der Kn�ppel von seiner Schulter abprallte und zu Boden fiel, aber der Mann lie� seine Kehle nicht los. Mat trieb ihn stolpernd r�ckw�rts und ri� miteiner Hand an den zudr�ckenden Fingern, w�hrend er mit dem Dolch abermals zustie�.</p><p>Pl�tzlich sank der Bursche zusammen und glitt von der Klinge ab. Der Dolch folgte ihm fast auf den Boden. Und Mat ebenfalls. Er rang nach Atem, nach lieblicher Luft, und klammerte sich an etwas, einen Eingang, um stehen zu bleiben. Vom Boden aus starrte ihn ein Mann mit einem unscheinbaren Gesicht aus Augen an, die niemals wieder etwas sehen w�rden, ein kr�ftiger Bursche mit einem gezwirbelten murandianischen Schnurrbart in einer Jacke, die eher zu einem kleinen H�ndler oder einem Ladenbesitzer gepa�t h�tte. Er wirkte �berhaupt nicht wie ein Dieb.</p><p>Pl�tzlich erkannte Mat, da� sie w�hrend ihres Kampfes durch eine ge�ffnete T�r gestolpert waren. Dieser Raum war kleiner als Mats, ohne Fenster, und zwei �llampen auf kleinen Tischen neben dem schmalen Bett sorgten f�r eine tr�be Beleuchtung. Ein schlaksiger, hellhaariger Mann richtete sich von einer gro�en ge�ffneten Kiste auf und betrachtete den Leichnam auf sonderbare Weise. Die Kiste nahm den gr��ten Teil des freien Raums in diesem Zimmer ein.</p><p>Mat �ffnete den Mund, um sich f�r das rauhe Eindringen zu entschuldigen, als der schlaksige Mann einen langen Dolch aus seinem G�rtel und einen Kn�ppel vom Bett ri� und �ber die Kiste hinweg auf Mat zusprang. Es war nicht der Blick gewesen, den man einem fremden Toten gew�hrt. Mat klammerte sich schwankend an den T�rrahmen und warf unbemerkt seinen Dolch, wobei das Heft kaum seine Hand verlassen hatte, als er unter seiner Jacke schon nach einem weiteren Dolch griff. Sein erster Dolch blieb genau in der Kehle des anderen Mannes stecken, und Mat sank fast erneut zu Boden, dieses Mal vor Erleichterung, als der Mann sich an die Kehle griff, Blut zwischen seinen Fingern hervorscho� und er r�ckw�rts in die ge�ffnete Kiste fiel.</p><p>�Es ist gut, wenn man Gl�ck hat�, kr�chzte Mat.</p><p>Er nahm seinen Dolch taumelnd wieder an sich und wischte ihn an der grauen Jacke des Burschen ab. Es war eine bessere Jacke als die des anderen; ebenfalls aus Tuch, aber besser geschnitten. Ein niedriger gestellter Lord h�tte sich ihrer nicht gesch�mt. Dem Kragen nach zu urteilen, war es eine andoranische Jacke. Mat sank auf das Bett und betrachtete den gespreizt in der Kiste liegenden Mann stirnrunzelnd, als ihn ein Ger�usch aufschauen lie�.</p><p>Sein Diener stand im Eingang und versuchte erfolglos, eine gro�e schwarze Eisenbratpfanne hinter dem R�cken zu verbergen. Nerim bewahrte in dem kleinen Raum neben Mats Zimmer, den er sich mit Olver teilte, eine ganze Reihe T�pfe und alles andere auf, wovon er glaubte, da� der Diener eines Lords es unterwegs gebrauchen k�nnte. Er war selbst f�r einen Cairhiener klein und �u�erst mager. �Ich f�rchte, mein Lord hat erneut Blut an der Jacke�, murmelte er in schwerm�tigem Tonfall. An dem Tag, an dem er anders klingen w�rde, ginge die Sonne im Westen auf. �Ich w�nschte, mein Lord w�re vorsichtiger mit seiner Kleidung. Es ist so schwer, Blut zu entfernen, ohne da� ein Fleck zur�ckbleibt, und die Insekten m�ssen nicht noch ermutigt werden, L�cher hineinzufressen. An diesem Ort gibt es mehr Insekten, als ich je gesehen habe, mein Lord.� Er erw�hnte die beiden toten M�nner oder das, was er mit der Bratpfanne vorgehabt hatte, mit keinem Wort.</p><p>Der L�rm hatte auch anderweitig Aufmerksamkeit erregt. Die <emphasis>Wanderin</emphasis> war kein Gasthaus, in dem Schreie unbemerkt blieben. Schritte hallten im Gang wider, und Herrin Anan schob Nerim energisch aus dem Weg und raffte ihre R�cke, um den Leichnam auf dem Boden zu umgehen. Ihr Ehemann folgte ihr in den Raum, ein grauhaariger Mann mit kantigem Gesicht, von dessen linkem Ohrl�ppchen der doppelte Ohrring der Alten und Ehrenwerten Gilde der Netze herabhing. Die beiden wei�en Steine am unteren Ring besagten, da� er noch andere Schiffe au�er demjenigen besa�, das er befehligte. Jasfer Anan war teilweise der Grund, warum sich Mat bem�hte, eine von Herrin Anans T�chtern nicht zu offen anzul�cheln. Der Mann trug einen Dolch und noch eine l�ngere, gebogene Klinge in seinem G�rtel, und seine lange blaugr�ne Weste lie� Arme und Brust frei, die von Duellnarben �bers�t waren. Er lebte jedoch, und die meisten der M�nner, die ihm diese Narben zugef�gt hatten, lebten nicht mehr.</p><p>Ein zweiter Grund f�r Mats Vorsicht war Setalle Anan selbst. Mat hatte sich noch nie zuvor wegen der Mutter von einem M�dchen abbringen lassen, selbst wenn dieser Mutter das Gasthaus geh�rte, in dem er wohnte, aber Herrin Anan hatte so eine Art... Die gro�en goldenen Kreolen in ihren Ohren schwangen, als sie die toten M�nner betrachtete, ohne mit der Wimper zu zucken. Sie war trotz einer Spur Grau im Haar h�bsch, und ihr Hochzeitsdolch schmiegte sich in Rundungen, die Mats Blick normalerweise angezogen h�tten wie Motten das Licht, aber sie so anzusehen, w�re gewesen, wie etwas anderes anzusehen ... nicht seine Mutter ... vielleicht eine Aes Sedai, obwohl er das nat�rlich schon getan hatte, nur um zu schauen ... oder K�nigin Tylin, das Licht helfe ihm. Es war nicht leicht zu bestimmen warum. Sie hatten einfach eine gewisse Art an sich. Und genauso unvorstellbar war es, etwas zu tun, das Setalle Anan beleidigen w�rde.</p><p>�Der eine der beiden hat mich im Gang angegriffen.� Mat ber�hrte mit dem Fu� leicht dessen Brust. Ein hohles Ger�usch erklang, obwohl der Tote in der Kiste lag und Arme und Beine herausschauten. �Es befindet sich au�er ihm nichts in der Kiste. Ich glaube, sie wollten sie mit dem f�llen, was immer sie h�tten stehlen k�nnen.� Das Gold vielleicht? Es war unwahrscheinlich, da� sie davon geh�rt hatten, da Mat und Nalesean es erst vor Stunden gewonnen hatten, aber er w�rde Herrin Anan dennoch nach einem sichereren Aufbewahrungsort fragen.</p><p>Sie nickte ruhig, die haselnu�braunen Augen gelassen. M�nner, die in ihrem Gasthaus niedergestochen wurden, brachten sie nicht aus der Ruhe. �Sie bestanden darauf, die Kiste selbst heraufzutragen. Sie behaupteten, es sei ihr Warenlager. Sie haben den Raum erst unmittelbar bevor Ihr hereinkamt gemietet. Nur f�r wenige Stunden, sagten sie, um sich auszuschlafen, bevor sie nach Nor Chasen weiterz�gen.� Das war ein kleines Dorf an der K�ste �stlich von hier, aber es war unwahrscheinlich, da� sie die Wahrheit gesagt hatten. Ihr Tonfall verdeutlichte es. Sie betrachtete die toten M�nner stirnrunzelnd, als w�nschte sie, die beiden durch Sch�tteln wieder zum Leben zu erwecken, damit sie Fragen beantworten k�nnten. �Aber sie wollten unbedingt diesen Raum haben. Der hellhaarige Mann hatte das Sagen. Er lehnte die ersten drei Zimmer ab, die ich ihm anbot, und nahm erst dieses an, obwohl es eigentlich f�r einen einzelnen Diener bestimmt ist. Ich dachte, er w�re geizig.�</p><p>�Selbst ein Dieb kann geizig sein�, sagte Mat abwesend. Dies h�tte gen�gt, die W�rfel in seinem Kopf erneut rollen zu lassen - in einem Kopf, der sicherlich gespalten worden w�re, wenn dieser Bursche nicht ausgerechnet auf das einzige knarrende Brett im ganzen Gasthaus getreten w�re -, aber die verdammten Dinger rollten ohnehin noch immer. Es gefiel ihm nicht.</p><p>�Also denkt Ihr, da� es ein Zufall war, mein Lord?�</p><p>�Was sonst?�</p><p>Sie wu�te keine Antwort, aber sie betrachtete die Leichname erneut mit gerunzelter Stirn. Vielleicht war sie nicht so unbeschwert, wie er geglaubt hatte.</p><p>Sie war immerhin nicht in Ebou Dar geboren.</p><p>�In letzter Zeit gibt es zu viele Grobiane in der Stadt.� Jasfer hatte eine tiefe Stimme und h�rte sich, schon wenn er normal sprach, gebieterisch an. �Vielleicht solltet Ihr erw�gen, W�chter anzuheuern.� Herrin Anan sah ihren Mann nur mit einer gew�lbten Augenbraue an, und er hob abwehrend die H�nde. �Friede, Frau. Ich habe gesprochen, ohne nachzudenken.� Es war bekannt, da� Ebou-Dari-Frauen ihren Ehem�nnern ihr Mi�fallen scharf verdeutlichten. Es war nicht auszuschlie�en, da� einige seiner Narben von ihr stammten. Der Hochzeitsdolch konnte auf vielerlei Arten benutzt werden.</p><p>Mat dankte dem Licht, da� er nicht mit einer Ebou Dari verheiratet war, und steckte seinen Dolch wieder ein. Dank dem Licht war er �berhaupt nicht verheiratet. Seine Finger streiften Papier.</p><p>Herrin Anan lie� ihren Mann nicht so leicht davonkommen. �Das tust du h�ufig, Mann�, sagte sie und betastete das Heft zwischen ihren Br�sten. �Viele Frauen w�rden das nicht durchgehen lassen. Elynde sagt mir stets, ich w�re nicht hart genug mit dir, wenn du Unsinn redest. Ich mu� meinen T�chtern ein gutes Vorbild sein.� Strenge l�ste sich in einem L�cheln, wenn auch in einem schwachen L�cheln. �Betrachte dich als gez�chtigt. Ich werde es mir auch versagen, dir zu erz�hlen, wer welches Netz auf welchem Boot ziehen sollte.�</p><p>�Du bist zu nett zu mir, Frau�, erwiderte er trocken. Es gab in Ebou Dar keine Gilde f�r Wirte, aber jedes Gasthaus in der Stadt wurde von Frauen betrieben. Die Ebou Dari glaubten, da� jedes von einem Mann geleitete Gasthaus und jedes von einer Frau gef�hrte Boot vom schlimmsten Pech heimgesucht w�rde. Es gab in der Gilde der Fischer keine Frauen.</p><p>Mat nahm das Papier hervor. Es war schneewei�, teuer und starr und klein zusammengefaltet. Die wenigen Zeilen darauf waren in kantigen Buchstaben geschrieben, wie Olver sie vielleicht benutzen w�rde. Oder ein Erwachsener, der nicht wollte, da� seine Schrift wiedererkannt w�rde.</p><p>ELAYNE UND NYNAEVE GEHEN ZU WEIT. ERINNERT SIE DARAN, DASS IHNEN VON DER BURG NOCH IMMER GEFAHR DROHT. ERMAHNT SIE, VORSICHTIG ZU SEIN, SONST WERDEN SIE NOCH VOR ELAIDA KNIEN UND UM VERZEIHUNG BITTEN M�SSEN.</p><p>Das war alles. Keine Unterschrift. <emphasis>Noch immer</emphasis> droht Gefahr? Das beinhaltete, da� die Gefahr nichts Neues war, und das pa�te irgendwie nicht dazu, da� sie von den Aufr�hrern gefangengenommen worden sein sollten. Nein, es war die falsche Frage. Wer hatte ihm diesen Zettel zugesteckt? Offensichtlich Leute, die glaubten, sie k�nnten ihm die Botschaft nicht einfach geben. Wer hatte die Gelegenheit dazu gehabt, seit er die Jacke heute morgen angezogen hatte? Da war er mit Sicherheit noch nicht da gewesen. Menschen, die ihm nahe gekommen waren. Leute... Pl�tzlich bemerkte er ungewollt, da� er ein altes Lied der Aes Sedai summte. Nur Teslyn oder Joline konnten es gewesen sein, und das war unm�glich.</p><p>�Schlechte Nachrichten, mein Lord?� fragte Herrin Anan.</p><p>Mat stopfte den Zettel in die Tasche. �Kann irgendein Mann die Frauen jemals verstehen? Ich meine nicht nur Aes Sedai, sondern alle Frauen.�</p><p>Jasfer br�llte vor Lachen, und als seine Frau ihm einen bedeutungsvollen Blick zuwarf, lachte er nur noch lauter. Der Blick, den sie dann Mat zuwarf, h�tte in seiner Gelassenheit sogar eine Aes Sedai besch�mt. �M�nner h�tten es recht leicht, mein Lord, wenn sie nur richtig sehen oder zuh�ren k�nnten. Frauen f�llt die schwierigere Aufgabe zu. Wir m�ssen versuchen, die M�nner zu verstehen.� Jasfer hielt sich am T�rrahmen fest, w�hrend ihm Tr�nen das dunkle Gesicht hinabliefen. Herrin Anan sah ihn von der Seite an, neigte den Kopf, wandte sich dann um, ganz k�hle Gelassenheit - und hieb ihm mit der Faust so fest gegen die Rippen, da� seine Knie nachgaben. Sein Gel�chter wurde zu einem Keuchen, ohne jedoch aufzuh�ren. �Es gibt in Ebou Dar ein Sprichwort, mein Lord�, sagte sie �ber die Schulter zu Mat. �Ein Mann ist ein Labyrinth von Dunkelheit umh�llter Brombeerstr�ucher, und nicht einmal er selbst kennt den Weg.�</p><p>Mat schnaubte. Sie war wirklich eine gro�e Hilfe. Nun, Teslyn oder Joline oder sonst jemand - es <emphasis>mu�te</emphasis> jemand anderer gewesen sein; wenn er nur w��te, wer - die Wei�e Burg war weit entfernt. Mat betrachtete stirnrunzelnd die beiden Leichname. Jaichim Carridin war hier am Ort. Und einhundert andere Schurken ebenfalls. Er w�rde diese zwei Frauen irgendwie sicher aus Ebou Dar herausbringen. Das Problem war nur, da� er keinen blassen Schimmer hatte, wie er das bewerkstelligen sollte. Er w�nschte, diese verdammten W�rfel w�rden anhalten und es w�re vorbei.</p><p>Die R�ume, die sich Joline mit Teslyn teilte, waren ziemlich ger�umig, einschlie�lich eines Schlafzimmers f�r jede von ihnen sowie eines f�r ihre M�gde und eines weiteren, das sehr gut f�r Blaeric und Fen geeignet gewesen w�re, wenn Teslyn es h�tte ertragen k�nnen, ihre Beh�ter bei sich zu haben. Die Frau sah jeden Mann als m�glicherweise tollw�tigen Wolf an, und sie duldete keinen Widerspruch, wenn sie etwas wirklich wollte. Sie war genauso unerbittlich wie Elaida und machte alles nieder, was ihr in den Weg geriet. Gewi� waren sie in jeder Beziehung gleichgestellt, aber nicht vielen gelang es, ohne wirklichen Vorteil die Oberhand �ber Teslyn zu bekommen. Sie sa� im Wohnzimmer am Schreibtisch, als Joline eintrat, und ihre Feder verursachte ein schreckliches Kratzen. Sie geizte stets mit der Tinte.</p><p>Joline fegte ohne ein Wort an ihr vorbei und auf den Balkon hinaus, ein langer K�fig aus wei� bemaltem Schmiedeeisen. Die Schn�rkel verzierungen waren so dicht gearbeitet, da� es den drei Stockwerke tiefer im Garten arbeitenden M�nnern schwergefallen w�re zu sehen, da� jemand auf dem Balkon war. Normalerweise gediehen Blumen dieser Gegend in der Hitze, wilde Farbtupfer, die das Innere des Palastes �berstrahlten, aber dort unten bl�hte nichts. G�rtner liefen mit Wassereimern die Kieswege entlang, aber fast jedes Blatt war gelb oder braun. Joline h�tte es nicht einmal unter Folterqualen zugegeben, aber die Hitze machte ihr angst. Der Dunkle K�nig ber�hrte die Welt, und ihre einzige Hoffnung war ein junger Mann, der �ber die Str�nge schlug.</p><p>�Brot und Wasser?� fragte Teslyn pl�tzlich. �Den Cauthon-Jungen in die Burg schicken? Wenn sich an unserem Plan etwas �ndert, werdet Ihr es bitte zun�chst mir sagen, bevor Ihr andere informiert.�</p><p>Joline sp�rte, wie sie err�tete. �Merilille mu�te ins Vertrauen gezogen werden. Sie hat gelehrt, als ich Novizin war.� Ebenso Teslyn. Sie war eine strenge Lehrerin gewesen, die ihre Klassen in eisernem Griff hatte. Schon ihre Art zu sprechen war eine Mahnung, eine deutliche Warnung, nichts gegen sie zu unternehmen, ob gleichgestellt oder nicht. Merilille stand jedoch niedriger. �Sie lie� uns gew�hnlich vor der Klasse stehen und bohrte wieder und wieder nach der von ihr geforderten Antwort, bis wir dort vor allen anderen vor Anspannung weinten. Sie heuchelte Mitleid, oder vielleicht empfand sie es auch wirklich, aber je mehr sie uns t�tschelte und sagte, wir sollten aufh�ren zu weinen, desto schlimmer wurde es.� Sie brach pl�tzlich ab. Sie hatte das gar nicht sagen wollen. Es war Teslyns Schuld, die sie immer ansah, als sollte sie wegen eines Flecks auf ihrem Kleid gescholten werden. Aber sie sollte es verstehen. Merilille hatte auch sie unterrichtet.</p><p>�Das habt Ihr die ganze Zeit in Erinnerung behalten?� Teslyns Stimme klang v�llig ungl�ubig. �Die Schwestern, die uns unterrichtet haben, taten nur ihre Pflicht.</p><p>Manchmal denke ich, da� Elaida mit ihrer Meinung �ber Euch recht hat.� Das �rgerliche Kratzen begann von neuem.</p><p>�Es ... fiel mir einfach wieder ein, als Merilille sich so verhielt, als w�re sie tats�chlich eine Gesandte.� Anstatt eine Aufr�hrerin. Joline schaute stirnrunzelnd in den Garten hinab. Sie verachtete jede einzelne jener Frauen, die die Wei�e Burg gespalten und vor der ganzen Welt damit geprahlt hatten. Sie und alle, die ihnen geholfen hatten. Aber Elaida hatte auch schreckliche Fehler gemacht. Die Schwestern, die jetzt Aufr�hrerinnen waren, h�tten mit ein wenig gutem Willen wieder vers�hnt werden k�nnen. �Was hat sie �ber mich gesagt? Teslyn?� Die Feder kratzte weiterhin �ber das Papier wie �ber eine Schiefertafel kratzende Fingern�gel. Joline ging wieder hinein. �Was hat Elaida gesagt?�</p><p>Teslyn legte ein weiteres Blatt Papier auf ihren Brief, entweder um ihn abzul�schen oder um ihn vor Jolines Blick zu verbergen, aber sie antwortete nicht sofort. Sie blickte Joline stirnrunzelnd an - oder blickte sie vielleicht nur an; das war bei ihr manchmal schwer zu sagen - und seufzte schlie�lich. �Nun gut, wenn Ihr es unbedingt wissen m��t. Sie sagte, Ihr w�rt noch ein Kind.�</p><p>�Ein <emphasis>Kind?�</emphasis> Jolines Ersch�tterung beeindruckte Teslyn nicht.</p><p>�Manche �ndern sich von dem Tage an, an dem sie das Novizinnenwei� anlegen, kaum. Einige �ndern sich �berhaupt nicht. Elaida glaubt, Ihr w�rt noch nicht erwachsen und w�rdet es auch niemals werden.�</p><p>Joline hob ver�rgert den Kopf und versagte sich eine Antwort. Und das von jemandem, deren <emphasis>Mutter</emphasis> noch ein Kind gewesen war, als sie die Stola erlangte! Elaida war als Novizin zu sehr verh�tschelt und wegen ihrer St�rke und der bemerkenswerten Schnelligkeit, mit der sie lernte, �berbewertet worden. Joline vermutete, da� dies der Grund daf�r war, da� sie �ber Elayne und Egwene und die Wilde Nynaeve so erz�rnt war. Weil sie st�rker waren als sie, weil sie erheblich weniger Zeit als Novizinnen verbracht hatten, ungeachtet dessen, da� sie zu schnell vorangedr�ngt wurden. Nun, Nynaeve war niemals eine Novizin gewesen, und das hatte man noch niemals geh�rt.</p><p>�Da Ihr das Thema zur Sprache gebracht habt�, fuhr Teslyn fort, �sollten wir vielleicht versuchen, die Situation zu nutzen.�</p><p>�Was meint Ihr?� Joline umarmte die Wahre Quelle und lenkte die Macht Luft, um einen Silberkrug von einem mit T�rkisen eingelegten Tablett zu heben und gew�rzten Wein in einen Silberbecher zu gie�en. Die Freude daran, <emphasis>Saidar zu</emphasis> umarmen, ergriff sie genauso stark wie immer und tr�stete und erheiterte sie.</p><p>�Ich denke, das ist offensichtlich. Elaidas Befehle haben nach wie vor G�ltigkeit. Elayne und Nynaeve sollen zur Wei�en Burg zur�ckgebracht werden, sobald man sie gefunden hat. Ich habe zugestimmt abzuwarten, aber vielleicht sollten wir jetzt doch nicht mehr l�nger warten. Schade, da� das al'Vere-M�dchen nicht bei ihnen ist. Aber zwei werden uns Elaidas Gunst auch wiederbringen, und wenn wir auch den Cauthon-Jungen mitnehmen k�nnten... Ich glaube, diese drei werden bewirken, da� sie uns willkommen hei�t, als k�men wir mit al'Thor selbst. Und diese Aviendha wird eine gute Novizin abgeben, ob sie nun eine Wilde ist oder nicht.�</p><p>Der Becher mit dem gew�rzten Wein schwebte in Jolines Hand, und sie lie� die Macht widerwillig fahren. Sie hatte die Inbrunst, die sie empfunden hatte, als sie zum ersten Mal die Quelle ber�hrt hatte, nie verloren. Gew�rzter Honigmelonenwein war ein schwacher Ersatz f�r <emphasis>Saidar.</emphasis> Der schlimmste Teil ihrer Bu�e, bevor sie die Burg verlassen hatte, war der Verlust des Rechts gewesen, <emphasis>Saidar</emphasis> zu ber�hren. Fast der schlimmste Teil. Sie hatte alles selbst festgelegt, aber Elaida hatte ihr verdeutlicht, da� sie die H�rte ihrer Bu�e bestimmen w�rde, wenn Joline es nicht selbst tat. Sie bezweifelte nicht, da� das Ergebnis dann weitaus schlimmer gewesen w�re. �Ihre Gunst? Teslyn, sie hat uns aus keinem anderen Grund gedem�tigt, als um den anderen zu zeigen, da� sie dazu in der Lage war. Sie hat uns in dieses fliegengeplagte Loch geschickt, so weit von allem Wichtigen entfernt wie m�glich, fast der anderen Seite des Aryth-Meers entsprechend, Gesandte einer K�nigin, die weniger Macht besitzt als ein Dutzend Adlige, von denen ihr jeder morgen den Thron entrei�en k�nnte, wenn man sie dazu bringen w�rde. Und Ihr wollt Euch Elaidas Gunst wieder erschleichen?�</p><p>�Sie ist immerhin der Amyrlin-Sitz.� Teslyn ber�hrte den Brief mit dem dar�berliegenden Blatt und bewegte die Bl�tter ein wenig hierhin und ein wenig dorthin, als r�cke sie ihre Gedanken zurecht. �Da� wir uns einige Zeit ruhig verhalten haben, hat ihr gezeigt, da� wir keine Scho�hunde sind, aber zu lange ruhig zu bleiben, k�nnte als Verrat angesehen werden.�</p><p>Joline r�mpfte die Nase. �L�cherlich! Wenn sie zur�ckgebracht werden, wird man sie nur f�r ihren Ungehorsam bestrafen und jetzt auch noch f�r die Behauptung, Vollschwestern zu sein.� Sie pre�te die Lippen zusammen. Darin waren sie beide schuldig, und jene, die es zugelassen hatten, ebenso, aber es bedeutete einen gewaltigen Unterschied, wenn eine von ihnen ihre eigene Ajah beanspruchte. Wenn die Gr�ne Ajah deshalb mit Elayne fertig w�re, w�rde eine wahrhaftig sehr gel�uterte junge Frau den Thron Andors einnehmen. Obwohl es vielleicht das beste w�re, wenn Elayne sich zuerst den L�wenthron sicherte. Ihre Ausbildung mu�te auf jeden Fall beendet werden. Joline hatte nicht die Absicht, Elayne f�r die Burg verloren zu geben, was auch immer sie getan hatte.</p><p>�Verge�t nicht, da� sie sich den Aufr�hrern angeschlossen haben.�</p><p>�Licht, Teslyn, sie wurden wahrscheinlich genauso aufgelesen wie die M�dchen, welche die Aufr�hrer aus der Burg genommen haben. Ist es wirklich von Bedeutung, ob sie morgen oder erst n�chstes Jahr damit beginnen, die St�lle auszumisten?� Das war sicherlich das Mindeste, was den Novizinnen und Aufgenommenen bei den Aufr�hrern bevorstand. �Selbst die Ajahs k�nnen warten, bis sie �ber sie verf�gen k�nnen. Es ist nicht so, als ob sie nicht sicher w�ren. Sie sind immerhin Aufgenommene, und sie scheinen gewi� zufrieden damit zu sein zu bleiben, wo wir sie erreichen k�nnen, wann immer wir wollen. Ich sage, wir sollten dort bleiben, wo Elaida uns hingeschickt hat, und weiterhin die H�nde in den Scho� legen und den Mund halten, bis sie uns h�flich bittet herauszufinden, was wir eigentlich tun.� Sie f�gte nicht hinzu, da� sie bereit war abzuwarten, bis Elaida genauso abgesetzt w�rde, wie Siuan abgesetzt worden war. Der Saal w�rde diese Einsch�chterungen und die Pfuscherei gewi� nicht ewig dulden, aber Teslyn <emphasis>war</emphasis> immerhin eine Rote und w�rde das nicht gern h�ren.</p><p>�Es ist vermutlich nicht dringend�, sagte Teslyn z�gernd, wobei das unausgesprochene �aber� laut im Raum widerhallte.</p><p>Joline zog sich mit einem weiteren Strang Luft einen Sessel mit Kugelf��en an den Tisch und richtete sich darauf ein, Teslyn davon zu �berzeugen, da� Stillhalten die beste Strategie blieb. Sie war noch immer ein Kind? Wenn es nach ihr ginge, w�rde Elaida kein Wort mehr aus Ebou Dar h�ren, bis sie darum bat.</p><p>Die Frau am Tisch richtete sich soweit auf, wie es ihre Fesseln erlaubten, die Augen hervortretend, die Kehle von einem durchdringenden Schrei zugeschn�rt, der ewig weiterhallte. Pl�tzlich wurde der Schrei zu einem lauten, erstickten Keuchen, und sie verkrampfte sich, zitterte von Kopf bis Fu� und brach dann zusammen. Weit aufgerissene Augen starrten an die mit Spinnweben verhangene Decke.</p><p>Es war unvern�nftig zu fluchen, aber Falion konnte genauso gut fluchen wie jeder Stallknecht. Sie w�nschte sich nicht zum ersten Mal, sie h�tte Temaile anstatt Ispan hier. Temailes Fragen wurden eifrig beantwortet, und niemand starb, bevor sie nicht bereit war. Nat�rlich geno� Temaile ihre Arbeit entschieden zu sehr, aber das war weniger wichtig.</p><p>Falion lenkte die Macht erneut, sammelte die Kleidung der Frau vom schmutzigen Boden auf und warf sie auf den K�rper. Der rote Lederg�rtel fiel wieder herunter, und sie ri� ihn mit der Hand hoch und warf ihn erneut auf den Stapel. Vielleicht h�tte sie andere Methoden einsetzen sollen, aber Fesseln und Kneifzangen und hei�e Eisen waren so ... unsauber. �Legt den Leichnam irgendwo in eine Gasse. Schlitzt ihr die Kehle auf, damit es aussieht, als w�re sie beraubt worden. Die M�nzen in ihrer Geldb�rse k�nnt Ihr behalten.�</p><p>Die beiden an der Steinmauer auf ihren Fersen hockenden M�nner wechselten Blicke. Arnin und Nad hatten ihrer Erscheinung nach zwar Br�der sein k�nnen, mit dem schwarzen Haar, den kleinen Augen, den Narben und mehr Muskeln, als drei M�nner gebrauchen konnten, aber sie hatten nur genug Verstand, um einfache Befehle auszuf�hren. Normalerweise. �Verzeiht, Herrin�, sagte Arnin z�gernd, �aber niemand wird glauben...�</p><p>�Tut, was ich Euch gesagt habe!� fauchte sie und lenkte die Macht, um ihn hochzuheben und gegen die Mauer zu schleudern. Arnin prallte mit dem Kopf dagegen, aber das konnte ihm sicherlich nicht schaden.</p><p>Nad eilte zum Tisch und stammelte: �Ja, Herrin. Wie Ihr befehlt, Herrin.� Als sie Arnin loslie�, stolperte er ohne weitere Einw�nde zum Tisch und half, den Leichnam wie Unrat aufzuheben und hinauszutragen. Nun, jetzt war er so gut wie Unrat. Sie bedauerte ihren Ausbruch. Es war unvern�nftig, dem Temperament die Z�gel schie�en zu lassen, obwohl es manchmal n�tzlich zu sein schien. Das �berraschte sie nach all diesen Jahren noch immer.</p><p>�Moghedien - das wird ihr nicht gefallen�, sagte Ispan, sobald die M�nner fort waren. Die blauen und gr�nen, in ihre vielen d�nnen schwarzen Z�pfe geflochtenen Perlen klapperten, als sie den Kopf sch�ttelte. Sie war die ganze Zeit �ber in den Schatten geblieben, in einer Ecke, mit einem Schild abgeschirmt, damit sie nichts h�rte.</p><p>Falion konnte sich nur m�hsam beherrschen, sie nicht anzustarren. Ispan war die letzte Begleiterin, die sie f�r sich auserw�hlt h�tte. Sie war eine Blaue, oder war es gewesen. Vielleicht war sie es auch noch immer. Falion f�hlte sich der Wei�en Ajah keinesfalls unterlegen, nur weil sie sich der Schwarzen Ajah angeschlossen hatte. Blaue waren zu leidenschaftlich, h�llten alles in Empfindungen, was �u�erst leidenschaftslos betrachtet werden sollte. Sie h�tte Rianna, eine weitere Wei�e, erw�hlt, obwohl die Frau mitunter seltsame, unvern�nftige Vorstellungen hatte. �Moghedien hat uns vergessen, Ispan. Oder habt Ihr ein pers�nliches Wort von ihr erhalten? Ich bin auf jeden Fall davon �berzeugt, da� es dieses Versteck nicht gibt.�</p><p>�Moghedien sagt, es existiert.� Ispan sprach zun�chst nur entschlossen, aber dann wurde ihre Stimme schnell hitzig. �Ein Lager von <emphasis>Angrealen, Sa'angrealen</emphasis> und <emphasis>Ter'angrealen.</emphasis> Wir werden einen Teil davon bekommen. Unsere eigenen <emphasis>Angreale,</emphasis> Falion. Vielleicht sogar <emphasis>Sa'angreale.</emphasis> Sie hat es versprochen.�</p><p>�Moghedien hat sich geirrt.� Falion sah, wie sich Ispans Augen entsetzt weiteten. Die Auserw�hlten waren ein seltsames Volk. Es hatte auch Falion best�rzt, diese Lektion lernen zu m�ssen, aber einige weigerten sich zu begreifen. Die Auserw�hlten waren weitaus st�rker, erheblich intelligenter, und es war durchaus m�glich, da� sie die Belohnung der Unsterblichkeit bereits erhalten hatten, aber allem Anschein nach bek�mpften sie einander dennoch unerbittlich.</p><p>Ispans Entsetzen verwandelte sich rasch in Ver�rgerung. �Auch andere suchen danach. W�rden sie alle nach nichts Ausschau halten? Schattenfreunde suchen danach, die von anderen Auserw�hlten darauf angesetzt worden sein m�ssen. Und wenn die Auserw�hlten danach suchen - k�nnt Ihr dann immer noch behaupten, es existiere nichts?� Sie wollte es nicht sehen. Wenn etwas nicht gefunden werden konnte, war der wahrscheinlichste Grund daf�r, da� es nicht existierte.</p><p>Falion wartete. Ispan war nicht dumm, sondern nur von Ehrfurcht ergriffen, und Falion glaubte daran, Menschen lehren zu m�ssen, selbst zu erkennen, was ihnen bereits bewu�t sein sollte. Tr�ge Geister mu�ten geschult werden.</p><p>Ispan schritt auf und ab, lie� ihre R�cke rascheln und blickte stirnrunzelnd auf Staub und alte Spinnweben. �Dieser Ort stinkt. Und er ist schmutzig!� Sie erschauderte, als eine gro�e schwarze Schabe die Wand hinauflief. Einen Moment umgab Ispan das Schimmern. Ein Strang zerquetschte die Schabe mit einem Knall. Ispan verzog das Gesicht und wischte sich die H�nde an ihren R�cken ab, als h�tte sie sie statt der Macht gebraucht. Sie hatte einen empfindlichen Magen, obwohl das gl�cklicherweise nicht galt, wenn sie von tats�chlichem Handeln Abstand nehmen konnte. �Ich werde keiner der Auserw�hlten von dem Versagen berichten, Falion. Sie w�rden uns Liandrin beneiden lassen.�</p><p>Falion unterdr�ckte ein Schaudern. Sie durchschritt den Raum und go� sich einen Becher gew�rzten Pflaumenwein ein. Die Pflaumen waren �berreif gewesen, und der gew�rzte Wein war zu s��, aber ihre H�nde blieben ruhig. Moghediens Angst war durchaus sp�rbar, aber nicht das Beugen vor der Angst. Vielleicht war die Frau tot. Gewi� h�tte sie sie inzwischen gerufen oder sie erneut im Schlaf in <emphasis>Tel'aran'rhiod</emphasis> heimgesucht, um sie zu fragen, warum sie ihre Befehle noch nicht ausgef�hrt hatten. Bis sie jedoch einen Leichnam sah, war die einzige vern�nftige Vorgehensweise, so weiterzumachen, als w�rde Moghedien jeden Moment auftauchen. �Es gibt eine M�glichkeit.�</p><p>�Wie? Indem wir jede Weise Frau in Ebou Dar foltern? Wie viele sind hier? Einhundert? Vielleicht zweihundert? Das w�rden die Schwestern im TarasinPalast gewi� merken.�</p><p>�Verge�t Eure Tr�ume, einen <emphasis>Sa'angreal</emphasis> zu besitzen, Ispan. Es gibt kein lange vergessenes Lagerhaus und kein geheimes Gew�lbe unter einem Palast.� Falion sprach k�hl und verhalten, vielleicht desto verhaltener, je aufgeregter Ispan wurde. Sie hatte es stets genossen, eine Klasse Novizinnen mit dem Klang ihrer Stimme zu hypnotisieren. �Fast alle Weisen Frauen waren Wilde, die kaum wissen k�nnen, was wir erfahren wollen. Keine Wilde wurde jemals mit einem <emphasis>Angreal,</emphasis> geschweige denn mit einem <emphasis>Sa'angreal</emphasis> gesehen, andernfalls w�ren sie sicherlich bemerkt worden. Im Gegenteil, den �berlieferungen nach befreit sich jede Wilde, die irgendeinen mit der Macht verbundenen Gegenstand entdeckt, so bald wie m�glich davon, aus Angst davor, den Zorn der Wei�en Burg auf sich zu ziehen. Andererseits scheinen Frauen, die aus der Wei�en Burg verbannt werden, diese Angst nicht zu hegen. Wie ihr sehr wohl wi�t, tr�gt eine von dreien heimlich etwas bei sich, wenn sie durchsucht werden, bevor sie gehen, einen tats�chlichen Machtgegenstand oder etwas, das sie daf�r halten. Unter den wenigen Weisen Frauen, die sich zur Zeit qualifiziert haben, war Callie die perfekte Wahl. Als sie vor Jahren verbannt wurde, versuchte sie ein kleines <emphasis>Ter'angreal</emphasis> zu stehlen. Ein nutzloses Ding, das Bilder von Blumen und das Ger�usch eines Wasserfalls vorspiegelte, aber dennoch ein mit <emphasis>Saidar</emphasis> verbundener Gegenstand. Zudem versuchte sie, die Geheimnisse der anderen Novizinnen zu entdecken, wobei sie recht h�ufig erfolgreich war. Wenn es in Ebou Dar auch nur ein einziges <emphasis>Angreal</emphasis> g�be, ganz zu schweigen von einem ger�umigen Lagerhaus - glaubt Ihr, sie h�tte dann vier Jahre hiersein k�nnen, ohne davon zu erfahren?�</p><p>�Ich <emphasis>trage</emphasis> die Stola, Falion�, s�gte Ispan mit au�erordentlicher H�rte. �Und ich <emphasis>wei�</emphasis> das alles genausogut wie Ihr. Ihr sagtet, es g�be eine andere M�glichkeit. Welche?� Sie wollte ihren Verstand einfach nicht gebrauchen.</p><p>�Was w�rde Moghedien genauso sehr erfreuen wie das Versteck?� Ispan sah sie herausfordernd an. �Nynaeve al'Meara, Ispan. Moghedien hat uns fallenlassen, um sie zu jagen, aber sie ist offensichtlich irgendwie entkommen. Wenn wir Moghedien Nynaeve und auch das Trakand-M�dchen bringen, wird sie uns hundert <emphasis>Sa'angreale</emphasis> geben.� Was deutlich zeigte, da� die Auserw�hlten wirklich unvern�nftig sein konnten. Es war sicherlich das beste, besonders vorsichtig mit jenen umzugehen, die sowohl unvern�nftig als auch m�chtiger als man selbst waren. Ispan war nicht m�chtiger.</p><p>�Wir h�tten sie t�ten sollen, wie ich es wollte, als sie zum ersten Mal auftauchte�, fauchte Ispan. Sie fuchtelte mit den H�nden und lief auf und ab, wobei der Schmutz laut unter ihren Schuhen knirschte. �Ja, ja, ich wei�. Unsere Schwestern im Palast w�ren vielleicht mi�trauisch geworden. Wir wollen nicht ihre Aufmerksamkeit erregen. Aber habt Ihr Tanchico vergessen? Und Tear? Wo diese beiden M�dchen auftauchen, folgt das Ungl�ck. Ich glaube, wenn wir sie nicht t�ten k�nnen, sollten wir so weit wie m�glich von Nynaeve al'Meara und Elayne Trakand fernbleiben. So weit wie m�glich!�</p><p>�Beruhigt Euch, Ispan. Beruhigt Euch.� Wenn Falions beschwichtigender Tonfall �berhaupt etwas bewirkte, dann regte er die andere Frau nur noch mehr auf, aber Falion war zuversichtlich. Der Verstand mu�te die Oberhand �ber das Gef�hl gewinnen.</p><p>Er sa� in der sp�rlichen K�hle einer schmalen, schattigen Gasse auf einem umgedrehten Fa� und beobachtete das Haus gegen�ber der gesch�ftigen Stra�e. Pl�tzlich bemerkte er, da� er wieder seinen Kopf ber�hrte. Er hatte keine Kopfschmerzen, aber sein Kopf f�hlte sich manchmal ... seltsam an. Meistens, wenn er dar�ber nachdachte, woran er sich nicht erinnern konnte.</p><p>Das dreist�ckige, wei�verputzte Haus geh�rte einer Goldschmiedin, die vermutlich gerade von zwei Freundinnen besucht wurde, die sie vor einigen Jahren auf einer Reise in den Norden kennengelernt hatte. Die Freundinnen waren nur bei ihrer Ankunft gesehen worden und seitdem nicht mehr. Es war leicht gewesen, das herauszufinden. Und es war nur unwesentlich schwieriger gewesen herauszufinden, da� sie Aes Sedai waren.</p><p>Ein hagerer junger Mann mit einer zerrissenen Weste ging, nichts Gutes im Schilde f�hrend, pfeifend die Stra�e hinab und hielt inne, als er ihn auf dem Fa� sitzen sah. Seine Jacke und sein Platz in den Schatten - und auch alles �brige an ihm, wie er reuig zugab -wirkte wahrscheinlich verf�hrerisch. Er griff unter seine Jacke. Seine H�nde hatten nicht mehr die Kraft oder Beweglichkeit, mit dem Schwert umgehen zu k�nnen, aber die beiden langen Dolche, die er seit �ber drei�ig Jahren bei sich trug, hatten schon mehr als einen Schwertk�mpfer �berrascht. Vielleicht zeigte sich etwas in seinen Augen, denn der hagere junge Mann �berlegte es sich anders und ging pfeifend weiter.</p><p>Das zum Stall des Goldschmieds f�hrende Tor neben dem Haus schwang auf, und zwei kr�ftige M�nner erschienen, die einen hoch mit schmutzigem Stroh und Mist gef�llten Karren schoben. Was hatten sie vor? Arnin und Nad waren kaum die Burschen, die St�lle ausmisteten.</p><p>Er beschlo�, da� er bis zur Dunkelheit hierbleiben und dann sehen w�rde, ob er Carridins h�bsche kleine M�rderin wiederfinden konnte.</p><p>Er nahm erneut die Hand vom Kopf. Fr�her oder sp�ter w�rde er sich erinnern. Er hatte nicht mehr viel Zeit, aber sie war alles, was er hatte. Soweit erinnerte er sich.</p></section><section><title><p>18</p><p>Wie der Pflug die Erde aufbricht</p></title><p>Rand ergriff <emphasis>Saidin</emphasis> ausreichend lange, um den Schutz zu l�sen, den er in einer Ecke des Vorraums gewoben hatte, hob seinen kleinen, silbern eingefa�-ten Becher an und sagte: �Noch mehr Tee.� Lews Therin murrte in seinem Hinterkopf ver�rgert.</p><p>Verzierte und vergoldete Sessel standen jeweils paarweise aufgereiht zu beiden Seiten einer aufgehenden goldenen Sonne, die, zwei Schritte breit, in den gl�nzenden Steinboden eingelassen war, und ein weiterer Sessel, der fast vollkommen aus Gold zu bestehen schien, stand auf einem kleinen Podest, das genauso sorgf�ltig gearbeitet war, aber Rand sa� mit gekreuzten Beinen auf einem f�r diese Gelegenheit ausgelegten Teppich mit einem tairenischen Wirrwarr in Gr�n und Gold und Blau. Den drei Clanh�uptlingen, die ihm gegen�bersa�en, h�tte es nicht gefallen, wenn er sie von einem Sessel aus empfangen h�tte, selbst wenn sie selbst Sessel angeboten bekommen h�tten. Sie waren ein weiteres Wirrwarr, das vorsichtig behandelt werden mu�te. Rand trug die �rmel seines Hemds hochgeschoben, so da� die rotgoldenen Drachen sichtbar wurden, die sich um beide Unterarme wanden und metallisch glitzerten. Die Clanh�uptlinge trugen die <emphasis>Cadin'sors</emphasis> der Aielm�nner, die ihre nur auf dem linken Arm befindlichen Drachen verbargen. Vielleicht war die Mahnung an das, was er war - da� auch er in Rhuidean gewesen war, obwohl die Reise f�r die meisten Menschen, die es betraten, den Tod bedeutete - unn�tig. Vielleicht.</p><p>Die drei Gesichter verrieten wenig, als sie Merana aus der Ecke herannahen sahen, wo sie abgeschirmt gewesen war. Janwins runzliges Gesicht h�tte aus altem Holz geschnitzt sein k�nnen, aber so wirkte es immer, und wenn seine blaugrauen Augen st�rmisch dreinblickten, so war dies auch immer so. Selbst sein Haar wirkte wie Sturmwolken. Er war jedoch ein ausgeglichener Mensch. Indirian und der ein�ugige Mandelain h�tten an etwas anderes denken k�nnen, nur da� ihre unbewegten Blicke Merana folgten. Lews Therin wurde pl�tzlich still, als beobachte auch er durch Rands Augen.</p><p>Meranas alterslose Z�ge offenbarten noch weniger als die Gesichter der Clanh�uptlinge. Sie gl�ttete ihre hellgrauen R�cke, kniete sich neben Rand und nahm die Teekanne hoch. Sie brauchte f�r die Kanne, die eine gro�e Kugel aus gold�berzogenem Silber war, mit Leoparden als F��e und Henkel und einem weiteren auf dem Deckel kauernden Leoparden, beide H�nde, und sie zitterte ein wenig, als sie Rands Becher vorsichtig f�llte. Wie sie es tat, schien zu besagen, da� sie es tun wollte, aus ihren eigenen Gr�nden, die niemand von ihnen auch nur andeutungsweise verstehen konnte. Wie sie es tat, kennzeichnete sie weitaus deutlicher als Aes Sedai als ihr Gesicht. War dies n�tzlich, oder schadete es eher?</p><p>�Ich lasse sie die Macht nicht ohne Erlaubnis lenken�, sagte Rand. Die Clanh�uptlinge schwiegen. Merana erhob sich und kniete sich dann neben die H�uptlinge. Mandelain bedeckte seinen Becher mit einer breiten Hand, um anzuzeigen, da� er keinen Tee mehr wollte. Die anderen beiden hielten ihr die Becher hin, w�hrend blaugraue und gr�ne Augen sie gleicherma�en beobachteten. Was sahen sie? Was konnte er noch tun? Sie stellte die schwere Teekanne auf das gro�e Tablett mit den Leopardengriffen zur�ck und blieb knien. �Kann ich meinem Lord Drache noch auf andere Weise dienlich sein?�</p><p>Ihre Stimme war die reine Selbstbeherrschung, aber nachdem er sie in ihre Ecke zur�ckverwiesen hatte, als sie sich erhoben und umgewandt hatte, umklammerten ihre schlanken H�nde einen Moment ihre R�cke. Der Grund daf�r k�nnte jedoch auch gewesen sein, da� sie sich pl�tzlich Dashiva und Narishma gegen�bersah. Die beiden Asha'man - um genau zu sein, war Narishma noch ein Soldat, der niedrigste Rang der Asha'man, der weder Schwert noch Drache am Kragen trug - standen unbewegt zwischen zwei der hohen, goldgerahmten Spiegel, welche die W�nde s�umten. Zumindest der j�ngere Mann wirkte auf den ersten Blick unbewegt. Die Daumen in den Schwertg�rtel gehakt, beachtete er Merana nicht und Rand und die Aielm�nner kaum mehr, und doch sah man auf den zweiten Blick, da� seine dunklen, zu gro�en Augen niemals ruhten, als erwarte er, da� das Unerwartete jeden Moment aus der Luft auftauchte. Und wer konnte wissen, da� es nicht gesch�he? Dashiva schien mit den Gedanken woanders zu sein. Seine Lippen bewegten sich lautlos, und er blickte blinzelnd und stirnrunzelnd ins Leere.</p><p>Lews Therin knurrte w�tend, als Rand die Ashaman ansah, aber es war Merana, die die Gedanken des toten Mannes in Rands Kopf besch�ftigte. <emphasis>Nur ein Narr glaubt, ein L�we oder eine Frau k�nnten wahrhaft gez�hmt werden.</emphasis></p><p>Rand unterdr�ckte die Stimme ver�rgert bis auf ein ged�mpftes Summen. Lews Therin konnte hindurchdringen, aber nur mit M�he. Rand ergriff <emphasis>Saidin</emphasis> und wob den Schutz erneut, der Merana von ihren Stimmen abschirmte. Die Quelle wieder loszulassen, steigerte seine Ver�rgerung, das Zischen in seinem Kopf wie auf gl�hende Kohlen tropfendes Wasser. Lews Therins wahnsinniger, ferner Zorn hallte wider.</p><p>Merana stand hinter der Absperrung, die sie weder sehen noch f�hlen konnte, den Kopf hoch erhoben und die H�nde an der Taille gefaltet, als sei eine Stola um ihre Arme geschlungen. Eine Aes Sedai durch und durch. Sie beobachtete ihn und die Clanh�uptlinge mit k�hlem Blick - gelb gesprenkeltes Hellbraun. <emphasis>Meine Schwestern erkennen �berhaupt nicht, wie sehr wir Euch brauchen,</emphasis> hatte sie ihm heute morgen in genau diesem Raum gesagt <emphasis>aber alle von uns, die geschworen haben, das zu tun, um was auch immer Ihr uns bittet, solange es die Drei Eide nicht verletzt.</emphasis> Er war gerade aufgewacht, als sie mit Sorilea im Schlepptau hereingekommen war. Beide schien es �berhaupt nicht zu st�ren, da� er noch im Nachtgewand war und erst einen Bissen von seinem Fr�hst�cksbrot genommen hatte. <emphasis>Ich habe mehr als nur ein wenig Erfahrung im Verhandeln und Vermitteln. Meine Schwestern haben in anderen Dingen Erfahrung. La�t uns Euch dienen, wie wir es gelobt haben. La�t mich Euch dienen. Wir brauchen Euch, aber Ihr braucht uns in gewisser Weise auch.</emphasis></p><p>Stets gegenw�rtig, schmiegte sich Alanna in einen Winkel seines Geistes. Sie weinte erneut. Er konnte nicht verstehen, warum sie so h�ufig weinte. Er hatte ihr verboten, ihm nahe zu kommen, wenn sie nicht gerufen wurde, oder ihren Raum ohne eine Eskorte von T�chtern des Speers zu verlassen - f�r die Schwestern, die sich ihm verschworen hatten, hatte man gestern abend R�ume gefunden, im Palast, wo er ein Auge auf sie haben konnte -, aber er hatte von dem Moment an Tr�nen gesp�rt, wo sie sich mit ihm verbunden hatte, Tr�nen und ungekannten Kummer. Manchmal war es besser und manchmal schlimmer, aber es war immer da. Alanna hatte ihm auch gesagt, er brauche die verschworenen Schwestern, hatte es ihm schlie�lich sogar ins Gesicht gebr�llt, mit ger�teten Wangen und Tr�nen in den Augen, bevor sie seiner Gegenwart sprichw�rtlich entflohen war. Und sie hatte auch vom Dienen gesprochen, obwohl er bezweifelte, da� Meranas gegenw�rtige Aufgaben dem entsprachen, was sie beide im Sinn hatten. Vielleicht w�rde eine Art Livree es deutlicher machen?</p><p>Die Clanh�uptlinge beobachteten, wie Merana sie beobachtete. Nicht einmal ein Zucken einer Wimper gab ihre Gedanken preis.</p><p>�Die Weisen Frauen haben Euch gesagt, wo die Aes Sedai stehen�, sagte Rand grob. Sorilea hatte ihm berichtet, sie w��ten es, aber es w�re auch an der mangelnden �berraschung erkennbar gewesen, als sie Merana das erste Mal herbeieilen und einen Hofknicks vollf�hren sahen. �Ihr habt gesehen, da� sie das Tablett herangebracht und Euch Tee eingegossen hat. Ihr habt sie auf meinen Befehl hin kommen und gehen sehen. Wenn Ihr wollt, werde ich sie einen Gigue tanzen lassen.� Die Aiel davon <emphasis>zu</emphasis> �berzeugen, da� er nicht am Ende einer Aes-Sedai-Peitsche stand, war der notwendigste Dienst, den ihm eine der Schwestern im Moment erweisen konnte. Er w�rde sie alle einen Gigue tanzen lassen, wenn es n�tig w�re.</p><p>Mandelain r�ckte seine graugr�ne Augenklappe zurecht, wie er es stets tat, wenn er einen Moment nachdenken wollte. Eine dicke, wulstige Narbe zog sich von der Augenklappe zur Stirn hinauf und halbwegs �ber seinen �berwiegend kahlen Kopf. Als er schlie�lich sprach, klangen seine Worte nur unwesentlich weniger grob, als Rands geklungen hatten. �Einige sagen, eine Aes Sedai w�rde alles tun, um zu bekommen, was sie will.�</p><p>Indirian senkte die dichten wei�en Augenbrauen und sp�hte an seiner langen Nase hinab in seinen Becher. Nur durchschnittlich gro� f�r einen Aielmann, war er eine halbe Handbreit kleiner als Rand, wenn auch sonst alles an ihm lang zu sein schien. Die Hitze der W�ste schien jedes �berfl�ssige Gramm Fett und noch einiges mehr fortgeschmolzen zu haben. Seine Wangenknochen stachen scharf hervor, und seine Augen waren in H�hlen eingelassene Smaragde. �Ich spreche nicht gern von Aes Sedai.� Seine tiefe, vollt�nende Stimme erschreckte stets, weil man sie dem hageren Gesicht nicht zuordnete. �Was getan ist, ist getan. Sollen die Weisen Frauen sich um sie k�mmern.�</p><p>�Wir sollten besser �ber die Shaido-Steinsoldaten sprechen�, sagte Janwin sanft. Was fast genauso sehr erschreckte, da er ein finsteres Gesicht besa�. �Innerhalb weniger Monate, h�chstens eines halben Jahres, wird jeder Shaido, der sterben kann, tot sein - oder zum <emphasis>Gai'shain</emphasis> gemacht worden sein.� Da� seine Stimme sanft klang, bedeutete nicht, da� er sanften Gem�ts war. Die beiden anderen nickten. Mandelain l�chelte eifrig.</p><p>Sie schienen noch immer nicht �berzeugt. Die Shaido waren der erkl�rte Grund f�r diese Zusammenkunft gewesen und nicht weniger wichtig, nur weil sie nicht der wichtigste Grund waren. Sie bedeuteten jedoch Unannehmlicheiten. Drei Clans, die sich Timolans Miagoma angeschlossen hatten und sich bereits in der N�he von Bruderm�rders Dolch befanden, k�nnten sehr wohl imstande sein zu tun, was Janwin gesagt hatte, aber es gab auch jene, die nicht zu <emphasis>Gai'shain</emphasis> gemacht und nicht get�tet werden konnten. Einige waren gef�hrlicher als andere. �Was ist mit den Weisen Frauen?� fragte Rand.</p><p>Ihre Gesichter wurden einen Moment unlesbar. Nicht einmal Aes Sedai beherrschten das so gut wie die Aiel. Es erschreckte sie nicht, der Einen Macht gegen�ber zu stehen, zumindest nicht dort, wo es jemand sehen konnte. Die Aiel glaubten, da� niemand dem Tod entrinnen konnte, und selbst einhundert zornige Aes Sedai konnten einen Aiel nicht dazu bringen, den einmal erhobenen Schleier wieder zu senken. Aber zu erfahren, da� die Weisen Frauen am Kampf bei den Quellen von Dumai teilgenommen hatten, hatte sie genauso betroffengemacht, als wenn die Sonne in der Nacht und der Mond am Tage an einem blutroten Himmel gestanden h�tten.</p><p>�Sarinde erz�hlte mir, da� fast alle Weisen Frauen mit den <emphasis>Algai'd'siswai</emphasis> gehen werden�, sagte Indirian schlie�lich widerwillig. Sarinde war die Weise Frau, die ihm von den Roten Quellen, der Clanfeste der Codarra, gefolgt war. Oder vielleicht war �folgen� nicht das richtige Wort. Das taten Weise Frauen selten. Auf jeden Fall w�rden die meisten Weisen Frauen der Codarra und die Shiande und die Daryne mit ihren Speeren nach Norden ziehen. �Um die Weisen Frauen der Shaido werden sich ... Weise Frauen ... k�mmern.� Er verzog angewidert den Mund.</p><p>�Alles �ndert sich.� Janwins Stimme klang noch sanfter als gew�hnlich. Er glaubte es, aber er wollte es nicht glauben. Weise Frauen, die sich an einer Schlacht beteiligten, verletzten einen Brauch, der so alt war wie die Aiel.</p><p>Mandelain stellte seinen Becher behutsam ab. �Corehuin m�chte Jair erneut sehen, bevor die Tr�ume enden, und ich ebenfalls.� Er hatte, wie Bael und Rhuarc, zwei Frauen. Die anderen H�uptlinge hatten jeder nur eine - au�er Timolan -, aber ein verwitweter H�uptling blieb selten Witwer. Die Weisen Frauen sorgten daf�r, wenn er es nicht selbst tat. �Wird irgend jemand von uns die Sonne im Dreifaltigen Land noch einmal aufgehen sehen?�</p><p>�Das hoffe ich�, sagte Rand langsam. <emphasis>Er soll die Leben der Menschen aufbrechen, wie der Pflug die Erde aufbricht, und alles, was gewesen ist, soll von der Glut seiner Augen vereinnahmt werden. Die Kriegsposaunen sollen ihm nachklingen, die Raben sollen sich an seiner Stimme n�hren, und er soll eine Krone aus Schwertern tragen.</emphasis> Die Prophezeiungen des Drachen lie�en wenig Hoffnung auf etwas anderes als den Sieg �ber den Dunklen K�nig. Die Prophezeiung von Rhuidean, die Aiel-Prophezeiung, besagte, da� er sie vernichten w�rde. Wegen ihm vereinnahmte die �de die Clans, und uralte Br�uche wurden zerst�rt. Selbst ohne die Aes Sedai war es kein Wunder, wenn die H�uptlinge dar�ber nachdachten, ob es richtig war, Rand al'Thor zu folgen, ob er Drachen auf den Armen aufwies oder nicht. �Ich hoffe es.�</p><p>�M�get Ihr stets Wasser und Schatten finden, Rand al'Thor�, sagte Indirian.</p><p>Nachdem sie gegangen waren, sa� Rand stirnrunzelnd in seinen Becher blickend da, fand aber in dem dunklen Tee keine Antworten. Schlie�lich stellte er ihn neben das Tablett und zog seine �rmel herunter. Meranas Blick ruhte angespannt auf ihm, als wollte sie ihm seine Gedanken entziehen. Sie schien ebenfalls Ungeduld auszustrahlen. Er hatte ihr gesagt, sie solle in der Ecke bleiben, solange sie keine Stimmen h�ren konnte. Merana aber sah zweifellos keinen Grund, warum sie nicht hervorkommen sollte, da die Clanh�uptlinge gegangen waren. Hervorkommen und herausfinden sollte, was gesagt worden war.</p><p>�Denkt Ihr, sie glauben, da� ich an den F�den der Aes Sedai tanze?� fragte er.</p><p>Der junge Narishma zuckte zusammen. Er war in Wahrheit kaum alter als Rand, aber er hatte den Blick eines f�nf oder sechs Jahre j�ngeren Mannes. Er sah Merana an, als w��te sie die Antwort, und bewegte unbehaglich die Schultern. �Ich ... wei� es nicht, mein Lord Drache.�</p><p>Dashiva blinzelte und h�rte auf, vor sich hin zu murmeln. Er neigte den Kopf wie ein Vogel und sah Rand von der Seite an. �Ist es wichtig, solange sie gehorchen?�</p><p>�Es ist wichtig�, sagte Rand. Dashiva zuckte die Achseln, und Narishma runzelte nachdenklich die Stirn. Sie schienen beide nicht zu verstehen, aber vielleicht k�nnte man Narishma darauf hinf�hren.</p><p>Hinter dem Podest des Throns �bers�ten Landkarten den Steinboden, zusammengerollt oder gefaltet oder ausgebreitet, wo Rand sie liegengelassen hatte. Er verschob einige mit seiner Stiefel spitze. Er mu�te sich um so vieles gleichzeitig k�mmern. Um das n�rdliche Cairhien und die Bruderm�rders Dolch genannten Berge, sowie die Region rund um die Stadt. Um Illian und die Ebenen von Maredo bis zu Far Madding. Um die Insel Tar Valon und alle umgebenden St�dte und D�rfer. Um Ghealdan und einen Teil von Amadicia. In seinem Kopf war Bewegung und Farbe. Lews Therin st�hnte und lachte in der Ferne, schwaches, wahnsinniges Gemurmel dar�ber, die Asha'man zu t�ten, die Verlorenen zu t�ten. Ihn selbst zu t�ten. Alanna h�rte auf zu weinen, schneidende Qual - unter einer d�nnen Schicht Zorn geb�ndigt. Rand fuhr sich mit den H�nden durchs Haar und dr�ckte sie dann fest gegen die Schl�fen. Wie war es gewesen, als er noch allein in seinem Sch�del war? Er konnte sich nicht mehr erinnern.</p><p>Eine der gro�en T�ren �ffnete sich, und eine der T�chter des Speers, die im Gang Wache standen, kam herein. Riallin, mit lebhaft rotblondem Haar und unentwegt grinsend, wirkte in der Tat rundlich -jedenfalls f�r eine Tochter des Speers. �Berelain sur Paendrag und Annoura Larisen m�chten den <emphasis>Car'acarn</emphasis> sehen�, verk�ndete sie. Ihre Stimme klang beim ersten Namen warm und freundlich, aber beim zweiten Namen kalt und tonlos, ohne da� ihr Grinsen schwand.</p><p>Rand seufzte und �ffnete den Mund, um sie herein zu beordern, aber Berelain wartete nicht. Sie st�rmte herein, eine etwas ruhigere Annoura dichtauf. Die Aes Sedai scheute beim Anblick Dashivas und Narishmas leicht zur�ck und musterte neugierig Merana in ihrer Ecke. Nicht so Berelain.</p><p>�Was hat das zu bedeuten, mein Lord Drache?� forderte sie zu wissen und schwang den Brief, den er ihram Morgen hatte zukommen lassen. Sie schritt heran und hielt ihm den Brief unter die Nase. �Warum soll ich nach Mayene zur�ckkehren? Ich habe hier in Eurem Namen gut regiert, und das wi�t Ihr. Ich konnte es nicht verhindern, da� Colavaere sich selbst kr�nen lie�, aber zumindest habe ich sie daran gehindert, die von Euch erlassenen Gesetze zu �ndern. Warum soll ich fortgeschickt werden? Und warum erfahre ich das brieflich? Nicht von Angesicht zu Angesicht? Man dankt mir brieflich f�r meine Dienste und entl��t mich wie einen Schreiber, der die Steuern eingetrieben hat.�</p><p>Selbst wenn sie zornig war, war die Erste von Mayene eine der allersch�nsten Frauen, die Rand je gesehen hatte. Schwarzes Haar fiel in gl�nzenden Wellen bis auf ihre Schultern und umrahmte ein Gesicht, das den Blick eines jeden Mannes auf sich zog. Ein Mann konnte in ihren dunklen Augen leicht ertrinken. Heute trug sie gl�nzende silberne Seide, d�nn und anschmiegsam und eher geeignet, einen Liebhaber privat zu unterhalten. Tats�chlich h�tte sie das Gewand nicht in der �ffentlichkeit tragen k�nnen, wenn der Ausschnitt auch nur noch einen Hauch tiefer gewesen w�re. Er war sich bei dem Anblick nicht sicher, da� sie es tun sollte. Als er den Brief schrieb, hatte er sich gesagt, er w�hle diesen Weg, weil er zuviel zu tun und keine Zeit hatte, mit ihr zu streiten. Die Wahrheit war aber, da� er sie zu gern ansah. Aus irgendeinem Grund hatte er begonnen, etwas zu empfinden, was nicht direkt falsch, aber doch fast falsch war.</p><p>Sobald sie auftauchte, begann Lews Therin leise zu summen, wie er es tat, wenn er eine Frau bewunderte. Rand merkte pl�tzlich, da� er sein Ohrl�ppchen rieb und erschrak. Er wu�te instinktiv, da� das noch etwas war, was Lews Therin ohne nachzudenken tat, wie auch das Summen. Er senkte seine Hand, die einen Moment erneut zum Ohr dr�ngte.</p><p><emphasis>Verdammt, dies ist mein K�rper!</emphasis> dachte er z�hnefletschend. <emphasis>Meiner!</emphasis> Lews Therin h�rte �berrascht und verwirrt auf zu summen. Der tote Mann floh lautlos in die tiefsten Schatten von Rands Geist zur�ck.</p><p>Rands Schweigen zeitigte eine Wirkung. Berelain senkte den Brief, und ihr Zorn wich ein wenig. Den Blick in seinen versenkt, atmete sie tief <emphasis>ein,</emphasis> und ihre Wangen r�teten sich. �Mein Lord Drache...�</p><p>�Ihr wi�t warum�, unterbrach er sie. Es war nicht leicht ihr nur in die Augen zu sehen. Seltsamerweise w�nschte er sich, Min w�re hier. Sehr seltsam. Ihre Visionen w�rden jetzt nichts n�tzen. �Als ihr heute morgen von diesem Meervolk-Schiff zur�ckkehrtet, wartete auf dem Dock ein Bursche mit einem Dolch.�</p><p>Berelain warf ver�chtlich den Kopf in den Nacken. �Er kam nicht n�her als bis auf drei Schritte an mich heran. Ich hatte ein Dutzend Befl�gelte W�chter und Lordhauptmann Gallenne bei mir.� Nurelle war mit einigen der Befl�gelten W�chter bei den Quellen von Dumai erschienen, aber Gallenne f�hrte den Oberbefehl. Sie hatte achthundert von ihnen in der Stadt, zus�tzlich zu denjenigen, die mit Nurelle zur�ckgekehrt waren. �Ihr erwartet von mir, da� ich wegen eines Taschendiebs davonlaufe?�</p><p>�Spielt nicht die N�rrin�, grollte er. �Ein Taschendieb, wenn ein Dutzend Soldaten Euch umstehen?� Sie err�tete. Gut, sie wu�te Bescheid. Er lie� ihr keine Gelegenheit zu protestieren oder Erkl�rungen abzugeben oder �hnlich T�richtes. �Dobraine sagte mir, er habe im Palast bereits fl�stern h�ren, Ihr h�ttet Colavaere verraten. Jene, die sie unterstutzt haben, k�nnten Angst haben, mich zu verh�hnen, aber sie werden daf�r bezahlen, wenn Euch jemand niedersticht.� Und Faile, laut Dobraine, ebenfalls. Darum mu�te man sich k�mmern. �Aber sie werden keine Gelegenheit dazu bekommen, weil Ihr nach Mayene zur�ckgeht. Dobraine wird Euren Platz hier einnehmen, bis Elayne den Sonnenthron beansprucht�</p><p>Zorn vereinnahmte sie. Ihre Augen wurden gef�hrlich gro�. Er war froh gewesen, als sie keine Angst mehr vor ihm gehabt hatte, aber jetzt war er sich nicht mehr so sicher. Als sie den Mund �ffnete, um ihren Zorn herauszulassen, ber�hrte Annoura sie am Arm, und sie wandte ruckartig den Kopf. Sie wechselten einen langen Blick, und Berelains Zorn wich wieder. Sie gl�ttete ihre R�cke und straffte energisch die Schultern. Rand wandte hastig den Blick ab.</p><p>Meranas Schutz war nicht mehr vollst�ndig. Er fragte sich, ob sie hindurchgetreten und wieder rasch zur�ckgewichen war - wie sonst konnte sie genau auf etwas gesto�en sein, was sie eigentlich nicht bemerken durfte? Als er den Kopf wandte, wich sie zur�ck, bis sie fast die W�nde ber�hrte, wobei sie den Blick nicht von ihm lie�, ihrem Gesicht nach zu urteilen, h�tte sie ihm zehn Jahre lang den Tee eingegossen, um h�ren zu k�nnen, was gesagt wurde.</p><p>�Mein Lord Drache�, sagte Berelain l�chelnd, �da ist noch die Angelegenheit mit den Atha'an Miere.� Ihre Stimme war wie warmer Honig. Ihre geschwungenen Lippen h�tten einem Stein Gedanken ans K�ssen entlocken k�nnen. �Die Herrin der Wogen Hanne ist nicht erfreut dar�ber, da� sie so lange auf ihrem Schiff festgehalten wird. Ich habe sie mehrere Male besucht. Ich kann die Probleme dort mildern, was Lord Dobraine meiner Meinung nach wohl kaum kann. Ich glaube, das Meervolk ist f�r Euch lebenswichtig, ob es in den Prophezeiungen des Drachen genannt wird oder nicht. Ihr seid in ihren Prophezeiungen von entscheidender Bedeutung, obwohl sie anscheinend kaum gewillt sind zu sagen, wie genau.�</p><p>Rand starrte sie an. Warum k�mpfte sie so sehr darum, eine schwierige Aufgabe zu behalten, die ihr von den Cairhienern wenig Dank eingebracht hatte, bevor einige den Wunsch versp�rten, sie t�ten zu wollen? Sie war eine Herrscherin und war es gewohnt, mit Herrschern und Gesandten umzugehen, nicht mit Stra�enr�ubern und in der Dunkelheit aufblitzenden Dolchen. Warmer Honig oder nicht - es war nicht erstrebenswert, in Rand al'Thors N�he zu bleiben. Sie hatte sich ihm ... nun, einmal angeboten ... aber Tatsache war, da� Mayene ein kleines Land war, und Berelain benutzte ihre Sch�nheit wie ein Mann ein Schwert, um ihr Land davor zu bewahren, von seinem m�chtigeren Nachbarn Tear geschluckt zu werden. So einfach war das. �Berelain, ich wei� nicht, was ich noch tun kann, um Euch Mayene zu garantieren, aber ich werde Euch schriftlich geben, was immer...� Farben wirbelten so wild in seinem Kopf umher, da� seine Zunge erstarrte. Lews Therin kicherte. <emphasis>Eine Frau, die die Gefahr kennt und keine Angst hat, ist ein Schatz, den nur ein Wahnsinniger verschm�hen w�rde.</emphasis></p><p>�Garantien.� Entt�uschung vereinnahmte den Honig, und der Zorn stieg erneut auf, dieses Mal kalter Zorn. Annoura zog an Berelains �rmel, aber sie achtete nicht auf die Aes Sedai. �W�hrend ich mit Euren Garantien in Mayene sitze, werden andere Euch dienen. Sie werden ihr Entgelt fordern, und der Dienst, den ich hier geleistet habe, wird verblichen und alt sein, w�hrend ihrer strahlend und neu ist. Wenn der Hochlord Weiramon Euch Illian gibt und im Gegenzug Mayene fordert - was werdet Ihr dann antworten? Wenn er Euch Murandy und Altara gibt und alles andere bis zum Aryth-Meer?�</p><p>�Werdet Ihr dienen, auch wenn es weiterhin bedeutet, da� Ihr gehen m��t?� fragte er ruhig. �Ihr werdet aus meinen Augen sein, aber nicht aus meinen Gedanken.� Lews Therin lachte erneut auf eine Art, die Rand beinahe err�ten lie�. Er sah gern hin, aber was Lews Therin manchmal dachte...</p><p>Berelain betrachtete ihn eigensinnig, und er konnte die Fragen fast sehen, die Annouras Frage nach sich zog, wie auch deren sorgf�ltige Auswahl.</p><p>Die T�r �ffnete sich erneut f�r Riallin. �Eine Aes Sedai ist gekommen, um den <emphasis>Car'a'carn</emphasis> zu sehen.� Es gelang ihr, dieses Mal kalt und zugleich unsicher zu klingen. �Ihr Name ist Cadsuane Melaidhrin.� Eine auffallend h�bsche Frau rauschte unmittelbar hinter Riallin herein, das eisengraue Haar zu einem Knoten auf dem Kopf aufgesteckt und mit herabh�ngenden Goldverzierungen geschm�ckt. Jetzt schien alles gleichzeitig zu geschehen.</p><p>�Ich dachte, Ihr w�rt tot�, keuchte Annoura, der fast die Augen aus dem Kopf fielen.</p><p>Merana scho� mit ausgestreckten H�nden durch ihren Schutz. �Nein, Cadsuane!� schrie sie. �Ihr d�rft ihn nicht verletzen! Ihr d�rft es nicht tun!�</p><p>Rands Haut kribbelte, als jemand im Raum <emphasis>Saidar</emphasis> umarmte, vielleicht mehr als eine Person, und w�hrend er schnell aus Berelains Reichweite trat, griff er nach der Quelle, �berflutete sich mit <emphasis>Saidin</emphasis> und sp�rte es auch die Asha'man erf�llen. Dashivas Gesicht zuckte, als er von einer Aes Sedai zur anderen sah.</p><p>Narishma ergriff, trotz der Macht, die er festhielt, mit beiden H�nden sein Schwertheft und nahm die <emphasis>Leopard im Baum</emphasis> genannte Haltung ein - kurz vorm Blankziehen. Lews Therin knurrte etwas �ber das T�ten und den Tod, <emphasis>tote sie alle, t�te sie jetzt.</emphasis> Riallin hob ihren Schleier und rief etwas, und pl�tzlich befanden sich ein Dutzend T�chter des Speers im Raum, verschleiert und mit bereitgehaltenen Speeren. Es war kaum �berraschend, da� Berelain erstaunt dastand und schaute, als w�re jedermann wahnsinnig geworden.</p><p>F�r jemanden, der das alles verursacht hatte, schien Cadsuane bemerkenswert unbeeindruckt. Sie betrachtete die T�chter des Speers und sch�ttelte den Kopf, wobei die goldenen Sterne und Monde und V�gel sanft schaukelten. �Der Versuch, im n�rdlichen Ghealdan annehmbare Rosen zu z�chten, kommt dem Tode zwar nahe, Annoura�, bemerkte sie trocken, �aber es entspricht nicht ganz dem Grab. Oh, beruhigt Euch, Merana, bevor Ehr noch jemanden erschreckt. Man sollte meinen, Ihr w�rt etwas weniger leicht erregbar geworden, seit Ihr das Novizinnen wei� abgelegt habt.�</p><p>Merana �ffnete und schlo� den Mund, wirkte vor allem verlegen, und das Kribbeln schwand j�h. Rand lie� <emphasis>Saidin</emphasis> jedoch nicht fahren - und die Asha'man ebensowenig.</p><p>�Wer seid Ihr?� fragte er. �Und zu welcher Ajah geh�rt Ihr?� Meranas Reaktion nach mu�te es die Rote Ajah sein, aber es h�tte den Mut eines Selbstm�rders erfordert, als Rote Schwester einfach allein hier hereinzuspazieren. �Was wollt Ihr?�</p><p>Cadsuanes Blick verweilte nur einen Moment auf ihm, und sie antwortete nicht. Meranas Lippen teilten sich, und die grauhaarige Frau sah sie an, eine Augenbraue gew�lbt - und da geschah es. Merana err�tete tats�chlich und senkte den Blick. Annoura starrte die Frau noch immer an wie einen Geist. Oder wie einen Riesen.</p><p>Cadsuane schritt mit schwingenden R�cken schweigend durch den Raum zu den beiden Asha'man. Rand bekam allm�hlich das Gef�hl, als bewegte sie sich immer auf diese eilige, gleitende Art, anmutig, aber ohne Zeit zu verschwenden oder sich durch etwas aufhalten zu lassen. Dashiva betrachtete sie von Kopf bis Fu� und verzog h�hnisch die Lippen. Sie schien es nicht zu bemerken, obwohl sie ihm direkt ins Gesicht sah, genauso, wie sie auch nicht zu bemerken schien, da� Narishmas H�nde um sein Schwert lagen, als sie einen Finger unter sein Kinn hielt und seinen Kopf von einer Seite zur anderen wandte, bevor er zur�ckweichen konnte.</p><p>�Welch wundersch�ne Augen�, murmelte sie. Narishma blinzelte unsicher, und Dashivas h�hnisch verzogene Lippen wurden zu einem unangenehmen Grinsen, das seinen vorherigen Ausdruck vergleichsweise unbeschwert erscheinen lie�.</p><p>�Unternehmt nichts�, fauchte Rand. Dashiva besa� die Frechheit, ihn finster anzublicken bevor er pl�tzlich eine Faust zu dem Gru� auf die Brust pre�te, den die Asha'man benutzten. �Was wollt Ihr hier, Cadsuane?� fragte Rand erneut. �Seht mich an, verdammt!�</p><p>Sie wandte zumindest den Kopf. �Ihr seid also Rand al'Thor, der Wiedergeborene Drache. Ich h�tte gedacht, da� sogar ein Kind wie Moiraine Euch einige Manieren beibringen k�nnte.�</p><p>Riallin steckte den Speer aus ihrer rechten Hand zu jenen hinter ihrem Schild und vollf�hrte schnell die Zeichensprache der T�chter des Speers. Dieses Mal lachte niemand. Dieses eine Mal war sich Rand sicher, da� sie sich nicht �ber ihn lustig machten. �Beruhigt Euch, Riallin�, sagte er und hob eine Hand. �Beruhigt Euch alle.�</p><p>Cadsuane beachtete auch das Geb�rdenspiel nicht und l�chelte Berelain zu. �Das ist also Eure Berelain, Annoura. Sie ist sch�ner, als ich geh�rt hatte.� Sie vollf�hrte mit geneigtem Kopf einen tiefen Hofknicks, der aber irgendwie keinerlei Ehrerbietung beinhaltete, keinen Hinweis darauf, da� sie niedriger gestellt war. Es war tats�chlich nur H�flichkeit, nicht mehr. �Mylady Erste von Mayene, ich mu� mit diesem jungen Mann sprechen, und ich w�rde Euren Berater gern dabeihaben. Ich habe geh�rt, da� Ihr hier viele Pflichten �bernommen habt. Ich m�chte Euch nicht davon abhalten.� Es war eine �berdeutliche Entlassung, fast als h�tte sie ihr bereits die T�r aufgehalten.</p><p>Berelain neigte anmutig den Kopf, wandte sich dann geschmeidig zu Rand um und breitete ihre R�cke in einem tiefen Hofknicks aus. �Mein Lord Drache�, sagte sie, �ich erbitte Eure freundliche Erlaubnis, mich zur�ckziehen zu d�rfen.�</p><p>Rands daraufhin erfolgende Verbeugung geriet nicht so ge�bt. �Es sei Euch gew�hrt, was Ihr w�nscht.� Er bot ihr seine Hand, um ihr hochzuhelfen. �Ich hoffe, Ihr werdet meinen Vorschlag �berdenken.�</p><p>�Mein Lord Drache, ich werde Euch dienen, wo immer und wie immer Ihr es w�nscht.� Ihre Stimme klang wieder wie reiner Honig. Wegen Cadsuane, vermutete er. Ihr Gesicht wies sicherlich nicht auf die Absicht zu sch�kern hin, sondern zeigte nur Entschlossenheit. �Denkt an Hanne�, f�gte sie im Fl�sterton hinzu.</p><p>Als sich die T�r hinter Berelain schlo�, sagte Cadsuane: �Es tut immer gut, Kinder spielen zu sehen, meint Ihr nicht auch, Merana?� Merana starrte sie an und blickte dann zwischen Rand und der grauhaarigen Schwester hin und her, Annoura wirkte, als hielte nur Willensst�rke sie noch aufrecht.</p><p>Die meisten der T�chter des Speers folgten Berelain hinaus, offensichtlich �berzeugt, da� es kein Attentat geben w�rde, aber Riallin und zwei andere blieben, noch immer verschleiert, vor der T�r stehen. Vielleicht war es Zufall, da� eine Tochter des Speers auf jeweils eine Aes Sedai kam. Dashiva glaubte anscheinend ebenfalls, da� alle Gefahr vor�ber war. Er lehnte sich an die Wand zur�ck, einen Fu� aufgest�tzt, die Lippen leicht in Bewegung, die Arme gekreuzt, und beobachtete offensichtlich die Aes Sedai.</p><p>Narishma sah fragend zu Rand, aber dieser sch�ttelte nur den Kopf. Die Frau versuchte ihn bewu�t herauszufordern. Die Frage war, warum sie einen Mann herausfordern sollte, von dem sie wu�te, da� er sie d�mpfen - oder t�ten - konnte, ohne sich anzustrengen? Lews Therin murmelte dasselbe. <emphasis>Warum? Warum?</emphasis> Rand betrat das Podest, nahm das Drachenszepter vom Thron auf und setzte sich hin, um abzuwarten, was geschehen w�rde. Die Frau w�rde keinen Erfolg haben.</p><p>�Ziemlich �berladen, findet Ihr nicht?� sagte Cadsuane zu Artnoura, w�hrend sie sich umsah. Abgesehen von all dem anderen Gold verliefen auch breite goldene B�nder �ber den Spiegeln an den W�nden entlang. �Ich wu�te noch nie, ob Cairhiener oder Tairener schlimmer �bertreiben, aber beide k�nnten Ebou Dari - oder sogar einen Kesselflicker - vor Scham err�ten lassen. Ist das ein Teetablett? Ich hatte gern welchen, wenn er frisch und hei� ist.�</p><p>Rand lenkte die Macht, nahm das Tablett auf, wobei er halbwegs erwartete, das Metall durch den Makel zerfressen zu sehen, und lie� es den drei Frauen zukommen. Merana hatte zus�tzliche Becher gebracht, und vier standen noch unbenutzt auf dem Tablett. Er f�llte sie, stellte die Teekanne wieder ab und wartete. Sie schwebte, von <emphasis>Saidin</emphasis> unterst�tzt, in der Luft.</p><p>Drei �u�erlich sehr unterschiedliche Frauen und drei entschieden unterschiedliche Reaktionen. Annoura betrachtete das Tablett ungef�hr so, wie sie eine zusammengerollte Viper betrachtet h�tte, sch�ttelte leicht den Kopf und trat dann einen kleinen Schritt zur�ck. Merana atmete tief ein und nahm mit zitternder Hand vorsichtig einen Becher hoch. Es war nicht dasselbe zu wissen, da� ein Mann die Macht lenken konnte, und gezwungen zu sein, es mit eigenen Augen zu sehen. Cadsuane jedoch nahm ihren Becher und schnupperte mit erfreutem L�cheln in den Dampf. Sie konnte an nichts erkennen, welcher der drei M�nner den Tee eingegossen hatte, aber sie sah �ber ihren Becher hinweg nur Rand an, der sich mit einem Bein �ber der Lehne auf seinem Sessel rekelte. �Guter Junge�, sagte sie. Die T�chter des Speers warfen sich �ber ihre Schleier hinweg entsetzte Blicke zu.</p><p>Rand erschauerte. Nein. Sie w�rde ihn nicht provozieren. Aus welchem Grund auch immer sie es wollte - es w�rde ihr nicht gelingen! �Ich frage noch einmal�, sagte er. Seltsam, da� seine Stimme so kalt klingen konnte. Innerlich war ihm hei�er als das hei�este Feuer <emphasis>Saidins.</emphasis></p><p>�Was wollt Ihr? Antwortet oder geht. Durch die T�r oder durch ein Fenster - Ihr habt die Wahl.�</p><p>Merana erhob erneut die Stimme, und Cadsuane brachte sie abermals zum Schweigen, dieses Mal durch eine scharfe Geste und ohne den Blick von ihm abzuwenden. �Ich wollte Euch sehen�, sagte sie ruhig. �Ich geh�re der Gr�nen Ajah an, nicht der Roten, aber ich trage die Stola schon l�nger als jede andere lebende Schwester, und ich habe mehr M�nnern gegen�bergestanden, die die Macht lenken konnten, als vier oder vielleicht zehn beliebige Rote. Nicht, da� ich sie verfolge, versteht Ihr, aber ich scheine eine Nase daf�r zu haben. Einige haben bis zum bitteren Ende gek�mpft, haben, noch nachdem sie abgeschirmt und gebunden waren, um sich getreten und geschrien. Einige haben geweint und gebettelt, haben Gold und alles andere geboten, sogar ihre Seelen, um nicht nach Tar Valon gebracht zu werden. Wieder andere weinten vor Erleichterung, dem�tig wie L�mmer, letztendlich dankbar, da� es vor�ber war. Bei der Wahrheit des Lichts, sie weinen letztendlich alle. Am Ende bleiben ihnen nur Tr�nen.�</p><p>Die in ihm befindliche Hitze wandelte sich in Zorn. Das Tablett und die wuchtige Teekanne wirbelten durch den Raum, zerschlugen donnernd einen Spiegel und prallten in einem Regen aus Glassplittern zur�ck, wobei die zerbeulte Kanne Tee versch�ttete und das Tablett �ber den Boden schepperte. Alle au�er Cadsuane sprangen auf. Rand machte einen Satz vom Podest, w�hrend er das Drachenszepter so fest umfa�-te, da� seine Kn�chel wei� hervorstanden. �Wollt Ihr mir damit Angst einjagen?� grollte er. �Erwartet Ihr von mir, zu betteln oder dankbar zu sein? Zu weinen? Aes Sedai, ich k�nnte meine Hand schlie�en und Euch zerquetschen.� Die Hand, die er hochhielt, bebte vor Zorn. �Merana wei�, warum ich es tun sollte. Und nur das Licht wei�, warum ich es nicht tue.�</p><p>Die Frau betrachtete das verbeulte Teegeschirr, als h�tte sie alle Zeit der Welt. �Jetzt wi�t Ihr es�, sagte sie schlie�lich so ruhig wie immer, �da� ich Eure Zukunft kenne - und Eure Gegenwart. Die Gnade des Lichts verbla�t f�r einen Mann, der die Macht lenken kann, zu nichts. Einige sehen das und glauben, das Licht lehne jene M�nner ab. Ich glaube das nicht. Habt Ihr bereits begonnen, Stimmen zu h�ren?�</p><p>�Was meint Ihr damit?� fragte er z�gernd. Er konnte sp�ren, da� Lews Therin zuh�rte.</p><p>Seine Haut begann erneut zu kribbeln, und er h�tte beinahe die Macht gelenkt, aber alles was geschah, war lediglich, da� die Teekanne angehoben wurde, zu Cadsuane schwebte und sich langsam in der Luft drehte, damit sie diese betrachten konnte. �Einige M�nner, die die Macht lenken k�nnen, beginnen Stimmen zu h�ren.� Sie sprach fast abwesend, w�hrend sie stirnrunzelnd die abgeflachte Silber- und Goldkugel betrachtete. �Es ist Teil des Wahnsinns. Stimmen, die sich mit ihnen unterhalten, ihnen sagen, was sie tun sollen.� Die Teekanne schwebte langsam auf den Boden zu ihren F��en. �Habt Ihr schon welche geh�rt?�</p><p>Dashiva lachte heiser und mit bebenden Schultern auf. Narishma benetzte seine Lippen. Er hatte vorher vielleicht keine Angst vor der Frau gehabt, aber jetzt beobachtete er sie wie einen Skorpion.</p><p>�Ich werde die Fragen stellen�, sagte Rand entschlossen. �Ihr scheint zu vergessen, da� ich der Wiedergeborene Drache bin.� <emphasis>Du</emphasis> bist <emphasis>real, nicht wahr?</emphasis> fragte er. Es erfolgte keine Antwort. <emphasis>Lews Therin?</emphasis> Manchmal antwortete der Mann nicht, aber Aes Sedai zogen ihn stets an. <emphasis>Lews Therin ?</emphasis> Er war nicht wahnsinnig. Die Stimme war real, keine Einbildung. Kein Wahnsinn. Das pl�tzliche Bed�rfnis zu lachen half auch nicht.</p><p>Cadsuane seufzte. �Ihr seid ein junger Mann, der wenig Ahnung davon hat, wohin sein Weg ihn f�hrt und warum, oder was vor ihm liegt. Ihr scheint �berreizt. Vielleicht k�nnen wir miteinander sprechen, wenn Ihr ruhiger seid. Habt Ihr irgendwelche Einw�nde dagegen, da� ich Merana und Annoura eine Weile mitnehme? Ich habe beide l�nger nicht gesehen.�</p><p>Rand starrte sie an. Sie rauschte hier herein, beleidigte ihn, drohte ihm, verk�ndete beil�ufig, da� sie von der Stimme in seinem Kopf wu�te, und wollte jetzt gehen und mit Merana und Annoura plaudern? <emphasis>Ist</emphasis> sie <emphasis>wahnsinnig?</emphasis> Lews Therin antwortete noch immer nicht. Der Mann war real Er war es!</p><p>�Geht�, sagte er. �Geht, und...� Er war nicht wahnsinnig. �Ihr alle, geht! Hinaus!�</p><p>Dashiva sah ihn blinzelnd an, neigte den Kopf, zuckte dann die Achseln und ging auf die T�r zu. Cadsuane l�chelte auf eine Art, da� er halbwegs erwartete, sie w�rde ihn erneut einen guten Jungen nennen, nahm aber dann nur Merana und Annoura und schob sie auf die T�chter des Speers zu, die gerade ihre Schleier senkten und besorgt die Stirn runzelten. Narishma sah ihn auch z�gernd an, bis Rand eine scharfe Geste vollf�hrte. Schlie�lich waren sie alle fort, und er war allein. Allein.</p><p>Er schleuderte das Drachenszepter von sich. Die Speerspitze blieb zitternd in der R�ckenlehne eines der Sessel stecken, und die Quasten schwangen.</p><p>�Ich bin nicht wahnsinnig�, sagte er in den leeren Raum. Lews Therin hatte ihm einiges gesagt. Er w�re Galinas Kiste ohne die Stimme des toten Mannes niemals entronnen. Aber er hatte die Macht schon benutzt, bevor er die Stimme jemals geh�rt hatte. Er hatte herausgefunden, wie man Blitze heraufbeschwor und Feuer schleuderte und ein Gebilde errichtete, das Hunderte von Trollocs get�tet hatte. Aber andererseits war das vielleicht Lews Therin gewesen, wie jene Erinnerungen daran, in einem Obstgarten auf B�ume zu klettern, in den Saal der Diener einzutreten und ein Dutzend weitere Erinnerungen, die unvermittelt auf ihn eindrangen. Und vielleicht waren diese Erinnerungen alle Einbildung, wahnsinnige Tr�ume eines irrwitzigen Geistes, genau wie die Stimme.</p><p>Er merkte, da� er auf und ab schritt, und doch konnte er nicht damit aufh�ren. Er hatte das Gef�hl, sich bewegen zu m�ssen, weil seine Muskeln sonst krampfartig rei�en w�rden. �Ich bin nicht wahnsinnig�, keuchte er. Noch nicht. �Ich bin nicht...� Das Ger�usch der sich �ffnenden T�r lie� ihn in der Hoffnung auf Min herumfahren.</p><p>Es war erneut Riallin, die eine kleine, st�mmige Frau in einem dunkelblauen Gewand, �berwiegend grauem Haar und einem derben Gesicht hereinf�hrte. Ein verh�rmtes Gesicht mit ger�teten Augen. Er wollte ihnen sagen, sie sollten gehen, ihn allein lassen. Allein. War er allein? War Lews Therin ein Traum?</p><p>Wenn sie ihn nur allein lassen w�rden... Idrien Tarsin war die Vorsitzende der Schule, die er hier in Cairhien gegr�ndet hatte, eine so praktisch veranlagte Frau, da� er sich nicht sicher war, ob sie an die Eine Macht glaubte, da sie sie weder sehen noch ber�hren konnte. Was hatte sie auf diesen Zustand zur�ckf�hren k�nnen?</p><p>Er zwang sich, sich zu ihr umzuwenden. Wahnsinnig oder nicht, allein oder nicht - niemand sonst konnte tun, was getan werden mu�te. Nicht einmal diese kleine Pflicht, die schwerer als ein Berg wog. �Was gibt es?� fragte er und hielt seine Stimme so freundlich wie m�glich.</p><p>Idrien weinte pl�tzlich, stolperte auf ihn zu und brach an seiner Brust zusammen. Als sie sich ausreichend weit gefa�t hatte, um ihre Geschichte erz�hlen zu k�nnen, war auch er den Tr�nen nahe.</p></section><section><title><p>19</p><p>Diamanten und Sterne</p></title><p>Merana folgte so dicht auf Cadsuanes Fersen, wie sie es wagte, mit hundert Fragen auf der Zunge, aber Cadsuane war nicht die Frau, die man am �rmel zupfte. Sie entschied, wen sie wann wahrnahm. Annoura schwieg ebenfalls, beide im Sog der anderen die Palastg�nge entlang und Treppen hinab eilend, die zuerst aus Marmor und dann aus einfachem schwarzen Gestein bestanden. Merana wechselte Blicke mit ihrer Grauen Schwester und versp�rte einen Moment pl�tzlicher Angst. Sie kannte die Frau nicht, nicht wirklich, aber Annoura hatte das unbeugsame Aussehen eines M�dchens auf dem Weg zur Herrin der Novizinnen, das entschlossen war, tapfer zu sein. Sie waren keine Novizinnen. Sie waren keine Kinder. Merana �ffnete den Mund - und schlo� ihn wieder, von dem grauen Haarknoten mit seinen herabh�ngenden Monden und Sternen und V�geln und Fischen eingesch�chtert. Cadsuane war ... Cadsuane.</p><p>Merana war ihr schon vorher einmal begegnet, oder hatte ihr zumindest als Novizin zugeh�rt und war von ihr belehrt worden. Schwestern aller Ajahs waren gekommen, um die Frau zu sehen, von einer unleugbaren Ehrfurcht erf�llt. Cadsuane Melaidhrin war einst der Ma�stab gewesen, nach dem jeder neue Eintrag in das Buch der Novizinnen gemessen wurde. Bis Elayne Trakand kam, war in ihrem ganzen Leben niemand zur Wei�en Burg gekommen, der diesem Ma�stab standgehalten oder ihn gar �bertroffen h�tte. In mehr als einer Beziehung war seit tausend Jahren niemand Vergleichbares mehr unter den Aes Sedai einhergegangen. Es war keine Weigerung, die Wahl zur Sitzenden anzunehmen, geh�rt worden, und doch wurde behauptet, sie h�tte sich geweigert, und das mindestens zweimal. Ger�chte kursierten, sie sei einmal zehn Jahre lang aus der Burg verschwunden, weil der Saal sie zur Amyrlin machen wollte. Nicht, da� sie jemals einen Tag l�nger in Tar Valon verbracht h�tte, als unbedingt n�tig war. Man h�rte in der Burg von Cadsuane, Geschichten, die die Schwestern mit Staunen erf�llten, Abenteuer, die diejenigen, die von der Stola tr�umten, erschauern lie�en. Sie w�rde als Legende unter den Aes Sedai enden. Wenn sie es nicht bereits war.</p><p>Merana trug die Stola bereits �ber f�nfundzwanzig Jahre, als Cadsuane ihren R�ckzug aus der Welt verk�ndete, das Haar bereits recht grau, und jedermann hielt sie schon lange f�r tot, als weitere f�nfundzwanzig Jahre sp�ter der Aiel-Krieg ausbrach. Aber bevor die K�mpfe drei Monate fortgedauert hatten, tauchte sie wieder auf, begleitet von zwei Beh�tern, alte M�nner, die aber noch immer eisenhart waren. Es hie�, Cadsuane h�tte im Laufe der Zeit mehr Beh�ter gehabt als die meisten anderen Schwestern Schuhe. Nachdem die Aiel aus Tar Valon abgezogen waren, zog auch sie sich erneut zur�ck, aber einige behaupteten nachdr�cklich, da� Cadsuane niemals sterben w�rde, solange auch nur ein Funke Abenteuer in der Welt bestehen blieb.</p><p><emphasis>Solchen Unsinn plappern Novizinnen,</emphasis> ermahnte sich Merana energisch. <emphasis>Selbst wir sterben schlie�lich.</emphasis> Und doch war Cadsuane noch immer Cadsuane. Und wenn sie nicht eine jener Schwestern war, die nach al'Thors Ergreifung in der Stadt aufgetaucht waren, w�rde die Sonne heute abend nicht untergehen. Merana hob ihre H�nde, um die Stola zu richten, und erkannte, da� diese in ihrem Zimmer an einem Haken hing. L�cherlich. Sie brauchte keine Erinnerungen daran, wer sie war. Wenn es nur jemand anderer als Cadsuane gewesen w�re...</p><p>Zwei Weise Frauen standen am Eingang eines Korridors und beobachteten ihr Vor�bergehen, kalte helle Augen in steinernen Gesichtern unter dunklen Kopft�chern. Edarra und Leyn. Beide konnten die Macht recht stark lenken. Sie h�tten hohe Positionen erreichen k�nnen, wenn sie als M�dchen zur Burg gekommen w�ren. Cadsuane ging vorbei, scheinbar ohne die Mi�billigung der Wilden zu bemerken. Annoura bemerkte sie jedoch sehr wohl, runzelte die Stirn und murrte, und die d�nnen Z�pfe schwangen, als sie den Kopf sch�ttelte. Merana hielt den Blick auf die Bodenfliesen gerichtet.</p><p>Es w�rde jetzt zweifellos ihr zufallen, Cadsuane den ... Kompromi� zu erkl�ren, der gestern abend mit den Weisen Frauen ausgehandelt worden war, bevor sie und die anderen zum Palast gebracht wurden. Annoura wu�te nichts davon - sie hatte nicht daran teilgehabt -, und Merana besa� nur wenig Hoffnung, da� Rafela oder Verin oder sonst jemand auftauchen w�rde, dem sie diese Aufgabe irgendwie zuschieben k�nnte. Es <emphasis>war</emphasis> in gewisser Weise ein Kompromi�, und vielleicht der beste, der unter diesen Umst�nden zu erreichen war, aber sie bezweifelte sehr, da� Cadsuane es genauso sehen w�rde. Sie w�nschte, sie brauchte nicht diejenige zu sein, die sie �berzeugen mu�te. Lieber diesen verfluchten M�nnern einen Monat lang Tee eingie�en. Sie w�nschte, sie h�tte nicht so offen mit dem jungen al'Thor gesprochen. Zu wissen, warum er sie gezwungen hatte, Tee zu servieren, war kein Trost daf�r, von jedem Vorteil ausgeschlossen zu sein, den sie vielleicht dadurch h�tte erringen k�nnen. Sie wollte lieber glauben, sie sei in irgendeinem aus dem Muster hervorwirbelnden <emphasis>Ta'veren</emphasis> gefangen, als damit leben zum�ssen, da� die Augen eines jungen Mannes, die wie gl�nzende, blaugraue Edelsteine waren, sie aus purer Angst hatten stammeln lassen, aber wie dem auch sei - sie hatte ihm jeglichen Vorteil auf einem Tablett serviert. Sie w�nschte...</p><p>W�nsche waren Kindern vorbehalten. Sie hatte zahllose Vertr�ge ausgehandelt, von denen viele die in sie gesetzten Erwartungen tats�chlich erf�llt hatten. Sie hatte drei Kriege beendet und ein Dutzend weitere verhindert, hatte K�nigen und K�niginnen und Generalen gegen�bergestanden und sie zur Einsicht gebracht. Dennoch ... sie merkte, da� sie innerlich das Versprechen gab, kein Wort der Klage zu �u�ern, gleichg�ltig, wie oft dieser Mann sie die Dienerin spielen lie�, wenn nur Seonid oder Masuri oder Eaeldrin oder sonst jemand um die n�chste Ecke kommen w�rde. Licht! Wenn sie nur blinzeln und feststellen k�nnte, da� alle Geschehnisse seit dem Verlassen Salidars nur ein b�ser Traum gewesen waren.</p><p>�berraschenderweise f�hrte Cadsuane sie direkt zu dem kleinen Raum, den sich Bera und Kiruna teilten, tief im Innern des Palasts, wo die Diener lebten. Ein schmales, hoch in der Wand eingelassenes, auf gleicher Ebene mit den Pflastersteinen des Hofes drau�en befindliches Fenster lie� ein wenig Licht herein, aber der Raum schien dennoch finster. Jacken und Satteltaschen und einige wenige Kleidungsst�cke hingen an in den aufgeplatzten, vergilbenden Putz eingeschlagenen Haken. Scharten verunzierten den blo�en Holzfu�boden, obwohl einige M�he darauf verwandt worden war, sie zu gl�tten. Ein kleiner, abgenutzter runder Tisch stand in einer Ecke und ein gleicherma�en abgenutzter Waschtisch in einer anderen, mit abgeschlagenem Becken und Wasserkrug. Merana betrachtete das schmale Bett. Es war nicht wesentlich schmaler als dasjenige, das sie sich, zwei T�ren weiter, mit Seonid <emphasis>und</emphasis> Masuri teilen mu�te.</p><p>Der Raum war in beiden Richtungen vielleicht einen Schritt gr��er, aber nicht f�r drei Menschen gedacht. Coiren und die anderen noch immer in den Aiel-Zelten Festgehaltenen hatten es als Gefangene wahrscheinlich weitaus bequemer.</p><p>Weder Bera noch Kiruna waren da, aber Daigian, eine schwerf�llige, blasse Frau, die eine d�nne Silberkette in ihrem langen schwarzen Haar trug, mit einem runden Mondstein, der in der Mitte ihrer Stirn baumelte. Ihr dunkles, cairhienisches Gewand wies vier schmale Farbstreifen auf dem Leibchen auf, und sie hatte zus�tzlich Schlitze in den R�cken - wei�e Schlitze f�r ihre Ajah. Als j�ngere Tochter eines der geringerwertigen H�user hatte sie Merana stets an eine Kropftaube erinnert. Als Cadsuane eintrat, richtete sich Daigian erwartungsvoll auf die Zehen auf.</p><p>Es gab nur einen Stuhl in dem Raum, eher ein Schemel ohne R�ckenlehne. Cadsuane nahm ihn und seufzte. �Tee, bitte. Noch zwei Schlucke von dem, was dieser Junge eingegossen hat, und ich k�nnte meine Zunge zum Schuhe besohlen benutzen.�</p><p>Pl�tzlich umgab das Schimmern <emphasis>Saidars</emphasis> Daigian -wenn auch nur schwach -, und eine verbeulte Teekanne stieg vom Tisch auf, Feuerstr�nge erhitzten das Wasser, w�hrend sie eine kleine, messingbeschlagene Teekiste �ffnete.</p><p>Da es keine andere Sitzgelegenheit gab, lie� sich Merana auf dem Bett nieder und richtete ihre R�cke, w�hrend sie ihre Gedanken zu ordnen versuchte. Dies k�nnten genauso wichtige Verhandlungen werden wie alle anderen, die sie jemals unternommen hatte. Kurz darauf gesellte sich Annoura zu ihr und kauerte sich auf den Rand der Matratze.</p><p>�Ich entnehme Eurer Anwesenheit, Merana�, sagte Cadsuane pl�tzlich, �da� die Geschichten, der Junge habe sich Elaida ergeben, falsch sind. Seid nicht so �berrascht, Kind. Habt Ihr geglaubt, ich w��te nichts von Euren ... Verbindungen?� Sie sprach das Wort auf eine Art aus, die es genauso unfl�tig klingen lie� wie die Fl�che jedes Soldaten. �Und Ihr, Annoura?�</p><p>�Ich bin nur als Berelains Beraterin hier, obwohl sie meinen Rat in Wahrheit nicht vorrangig beachtet.� Die Tarabonerin hielt den Kopf hoch erhoben und sprach mit zuversichtlicher Stimme. Sie rieb jedoch nerv�s ihre Daumen. Sie w�rde keine gute Figur am Verhandlungstisch machen, wenn sie so durchschaubar war. �Was das �brige betrifft�, f�gte sie vorsichtig hinzu, �so habe ich noch keine Entscheidung getroffen.�</p><p>�Ein weiser Entschlu߫, murmelte Cadsuane und sah bewu�t Merana an. �Anscheinend haben w�hrend der letzten Jahre viel zu viele Schwestern vergessen, da� sie Verstand oder Besonnenheit besitzen. Es gab eine Zeit, als Aes Sedai ihre Entscheidungen nach ruhiger �berlegung trafen, wobei das Wohl der Burg stets im Vordergrund ihres Trachtens stand. Erinnert Euch nur, was sich das Sanche-M�dchen durch ihre Einlassung mit Rand al'Thor eingehandelt hat, Annoura. Geratet zu nahe an ein Schmiedefeuer, und ihr k�nnt Euch ernstlich verbrennen.�</p><p>Merana hob das Kinn an und massierte ihren Nacken, um die Anspannung zu lindern. Als sie merkte, was sie tat, zwang sie sich aufzuh�ren. Die Frau stand nicht so weit �ber ihr. Nicht wirklich. Nur h�her als jede andere Schwester. �Wenn ich fragen d�rfte� - zu sch�chtern, aber es w�re noch schlimmer, abzubrechen und erneut zu beginnen - �welche Absichten Ihr verfolgt, Cadsuane?� Sie k�mpfte um ihre W�rde. �Ihr habt Euch offensichtlich ... abseits gehalten ... bis jetzt. Warum habt Ihr beschlossen, Euch ... al'Thor zu diesem speziellen Zeitpunkt zu ... n�hern? Ihr seid ... eher undiplomatisch ... mit ihm umgegangen.�</p><p>�Ihr h�ttet ihn genausogut ins Gesicht schlagen k�nnen�, warf Annoura ein, und Merana err�tete. Annoura h�tte es von ihnen beiden mit Cadsuane weitaus schwerer haben sollen, aber sie hatte keine Hemmungen, ihre Meinung zu sagen.</p><p>Cadsuane sch�ttelte mitleidig den Kopf. �Wenn Ihr erkennen wollt, aus welchem Holz ein Mann geschnitzt ist, greift ihn aus einer Richtung an, die er nicht erwartet. Ich glaube, dieser Junge hat ein gutes Potential, aber er wird Schwierigkeiten machen.� Sie legte ihre Fingerspitzen aneinander und schaute sinnend daran vorbei zur Wand. �Ihm wohnt ein Zorn inne, der die Welt verbrennen k�nnte, und er h�lt diesen Zorn an einem hauchd�nnen Zaum. Bringt ihn zu sehr aus dem Gleichgewicht... Puh! Al'Thor ist noch nicht so hart wie Logain Ablar oder Mazrim Taim, aber hundertmal so schwierig, f�rchte ich.�</p><p>Diese drei Namen zusammen genannt zu h�ren, lie� Merana die Zunge am Gaumen kleben.</p><p>�Ihr habt Logain und Taim beide gesehen?� fragte Annoura erstaunt. �Taim folgt al'Thor, soweit ich geh�rt habe.� Merana unterdr�ckte ein erleichtertes Seufzen. Die Geschichten �ber die Quellen von Dumai hatten sich noch nicht verbreiten k�nnen. Aber sie w�rden es.</p><p>�Ich habe auch Ohren, um Ger�chte aufzuschnappen, Annoura�, sagte Cadsuane bissig. �Obwohl ich mir manchmal aufgrund dessen, was ich �ber diese beiden h�re, w�nschte, es w�re nicht so. All meine Arbeit wird verdorben und mu� neu gemacht werden. Und die anderer ebenso, aber ich habe meinen Anteil geleistet. Und dann sind da diese Schwarzm�ntel, diese Asha'man.� Sie nahm von Daigian einen Becher entgegen, l�chelte freundlich und murmelte ihren Dank. Die pausb�ckige Wei�e schien einen Hofknicks vollf�hren zu wollen, zog sich aber dann in eine Ecke zur�ck und faltete die H�nde. Sie war l�nger eine Novizin - und eine Aufgenommene - gewesen als jede andere, an die man sich noch erinnerte, war gerade so in der Burg geduldet worden und hatte den Ring nur um Fingernagel- und die Stola nur um Wimpernbreite erlangt. Daigian war in Gegenwart anderer Schwestern stets zur�ckhaltend.</p><p>Cadsuane blies den Dampf von ihrem Teebecher und fuhr, pl�tzlich munter plaudernd, fort: �Logain war es, der mich, praktisch auf meiner T�rschwelle, von meinen Rosen fortgelockt hat. Puh! Selbst eine Balgerei auf einem Schafmarkt h�tte mich von diesen lichtverfluchten Pflanzen fortlocken k�nnen. Was n�tzt es, die Macht zu benutzen, aber tut es ohne sie, und ihr z�chtet zehntausend Dornen... Ich hatte tats�chlich erwogen, den Eid der J�gerin zu leisten, wenn der Rat der Neun es erlauben w�rde. Nun, es waren einige sch�ne Monate der Jagd nach Logain, aber als er erst gefangengenommen war, erschien mir seine Begleitung nach Tar Valon genauso wie diese Rosen. Ich bin ein wenig umhergewandert, um zu sehen, was ich finden k�nnte, vielleicht einen neuen Beh�ter, obwohl es vermutlich ein wenig sp�t daf�r ist. Dann h�rte ich von Taim, und ich eilte, so schnell ich reiten konnte, nach Saldaea. Es gibt nichts Unterhaltsameres als einen Mann, der die Macht lenken kann.� Pl�tzlich wurden ihre Stimme und ihr Blick h�rter. �Hatte von Euch jemand mit dieser ... Widerw�rtigkeit ... unmittelbar nach dem Aiel-Krieg zu tun?�</p><p>Merana zuckte gegen ihren Willen verwirrt zusammen. Die Blicke der anderen Frauen sprachen vom Block und der Axt des Henkers. �Welche Widerw�rtigkeit? Ich wei� nicht, wovon Ihr sprecht.�</p><p>Der anklagende Blick traf Annoura so hart, da� sie fast vom Bett fiel. �Der Aiel-Krieg?� keuchte sie und beruhigte sich wieder. �Ich habe die nachfolgenden Jahre mit dem Bestreben verbracht, die sogenannte Gro�e Koalition zu mehr als nur Worten zu machen.�</p><p>Merana sah Annoura neugierig an. Viele Mitglieder der Grauen Ajah waren nach dem Krieg in dem nutzlosen Versuch von Hauptstadt zu Hauptstadt geeilt, das B�ndnis zusammenzuhalten, das sich gegen die Aiel gebildet hatte, aber sie hatte nicht gewu�t, da� Annoura dazugeh�rt hatte. Dann konnte sie keine so gute Vermittlerin sein. �Ich ebenfalls�, sagte sie. W�rde ... seit sie al'Thor von Caemlyn aus gefolgt war, hatte sie nicht mehr viel davon bewahrt. Und die wenigen verbliebenen Reste waren zu kostbar, um sie <emphasis>zu</emphasis> verlieren. Sie hielt ihre Stimme ruhig und fest. �Von welcher Widerw�rtigkeit sprecht Ihr, Cadsuane?�</p><p>Die grauhaarige Frau winkte einfach nur ab, als h�tte sie das Wort niemals ausgesprochen.</p><p>Merana fragte sich einen Moment, ob Cadsuanes Geist vielleicht verwirrt war. Sie hatte niemals geh�rt, da� einer Schwester dergleichen zugesto�en w�re, aber die meisten Aes Sedai ziehen sich am Ende ihres Lebens zur�ck, weit von den Intrigen und Turbulenzen fort, die nur Schwestern jemals kennenlernen. Und ebensooft auch weit von anderen Menschen fort. Wer konnte wissen, was sie vor dem Ende befiel? Wenn man aber diesen klaren, steten Blick bedachte, der ihr zugeworfen wurde, nahm man schnell von dieser Annahme Abstand. Wie dem auch sei - eine zwanzig Jahre zur�ckliegende Widerw�rtigkeit, was auch immer es gewesen sein mochte, konnte sich gewi� nicht mit dem messen, dem sich die Welt jetzt gegen�bersah. Und Cadsuane hatte ihre urspr�nglichen Fragen noch immer nicht beantwortet. Was hatte sie vor? Und warum jetzt?</p><p>Bevor Merana erneut fragen konnte, �ffnete sich die T�r, und Bera und Kiruna wurden von Corele Hovian hereingetrieben, eine jungenhafte, schlanke Gelbe mit dichten schwarzen Augenbrauen und einer M�hne rabenschwarzen Haars, das ihr ein wildes Aussehen verlieh, gleichg�ltig, wie ordentlich sie sich kleidete - und sie kleidete sich stets wie f�r einen Volkstanz, mit viel Stickerei an �rmeln und Leibchen und an den Seiten ihrer R�cke. Es war kaum Platz, sich zu bewegen, da sich so viele Menschen auf diesem beschr�nkten Raum befanden. Corele wirkte stets belustigt, was auch immer geschehen mochte, aber jetzt l�chelte sie breit, halbwegs ungl�ubig und halbwegs offenem Gel�chter nahe. Kirunas Augen blitzten in einem Gesicht erstarrter �berheblichkeit, w�hrend Bera aufgebracht war, den Mund fest zusammenpre�te und die Stirn furchte. Bis sie Cadsuane sahen. Merana vermutete, da� es f�r sie so sein mu�te, wie es f�r sie w�re, wenn sie pl�tzlich Alind Dyfelle oder Sevlana Meseau oder auch Mabriam en Shereed von Angesicht zu Angesicht gegen�berst�nde. Ihre Augen traten hervor, und Kirunas Kinn sank herab.</p><p>�Ich dachte, Ihr w�rt tot�, keuchte Bera.</p><p>Cadsuane schnaubte ver�rgert. �Ich kann es allm�hlich nicht mehr h�ren. Der n�chste Schwachsinnige, der das sagt, wird eine Woche lang schreien.� Annoura betrachtete angestrengt ihre Schuhspitzen.</p><p>�Ihr werdet niemals vermuten, wo ich diese beiden fand�, sagte Corele in ihrem rhythmischen murandianischen Akzent. Sie tippte seitlich an ihre hocherhobene Nase, wie sie es tat, wenn sie einen Witz erz�hlen wollte oder etwas, was sie als Witz ansah. Beras Wangen r�teten sich und Kirunas Wangen noch st�rker. �Bera sa� bescheiden wie eine Maus unter den Augen eines halben Dutzends dieser Aiel-Wilden, die mir vollkommen dreist erkl�rten, sie k�nnte nicht mit mir kommen, bis Sorilea - oh, diese Frau verschafft einem wirklich Alptr�ume - ich k�nnte Bera also nicht mitnehmen, bis Sorilea mit ihrer Privatunterhaltung mit dem <emphasis>anderen</emphasis> Lehrling fertig w�re, unserem Liebling Kiruna hier.�</p><p>Kiruna und Bera err�teten noch st�rker und konnten niemanden ansehen. Sogar Daigian betrachtete sie.</p><p>Erleichterung durchstr�mte Merana in wunderbaren Wogen. Es w�rde nicht ihr zufallen zu erkl�ren, wie die Weisen Frauen die Befehle dieses elenden al'Thor ausgelegt hatten, da� die Schwestern ihnen gehorchen sollten. Sie waren keine richtigen Lehrlinge. Sie wurden nat�rlich nicht unterrichtet. Was konnte eine gro�e Anzahl Wilde Aes Sedai lehren? Die Weisen Frauen wu�ten nur gern, wo jedermann hinpa�te. Nur? Bera oder Kiruna k�nnten erz�hlen, wie al'Thor gelacht - gelacht! - und gesagt hatte, es mache f�r ihn keinen Unterschied, und er erwarte, da� sie <emphasis>gehorsame</emphasis> Sch�ler seien. Niemand beugte gern den Kopf, Kiruna am wenigsten von allen.</p><p>Cadsuane forderte jedoch keine Erkl�rungen. �La�t mich sehen, ob ich alles richtig verstanden habe. Ihr Kinder, die Ihr Euch gegen eine rechtm��ig erhobene Amyrlin auflehnt, habt Euch jetzt irgendwie mit diesem al'Thor-Jungen verb�ndet, und wenn Ihr Befehle von diesen Aiel-Frauen annehmt, nehmt Ihr seine vermutlich auch an.� Sie sch�ttelte den Kopf, blickte in ihre Teetasse und sah dann die beiden wieder an. �Nun, was bedeutet schon ein weiterer Verrat? Der Saal kann Euch als Strafe auf Knien von hier bis Tarmon Gai'don kriechen lassen, aber sie k�nnen Euch nur einmal den Kopf abrei�en. Was ist mit den anderen, drau�en im Aiel-Lager? Vermutlich alle Anh�nger Elaidas. Lassen sie sich auch ... <emphasis>ausbilden?</emphasis> Niemand von uns wurde n�her herangelassen als bis zur ersten Zeltreihe. Diese Aiel scheinen die Aes Sedai nicht zu m�gen.�</p><p>�Ich wei� es nicht, Cadsuane�, antwortete Kiruna mit solch hochrotem Gesicht, da� sie fast zu entflammen schien. �Wir wurden getrennt gehalten.� Meranas Augen weiteten sich. Sie hatte Kiruna noch niemals zuvor ehrerbietig klingen h�ren.</p><p>Bera atmete tief ein. Sie stand bereits sehr gerade, schien sich aber f�r eine unangenehme Aufgabe noch gerader zu machen. �Elaida ist nicht...�, begann sie erregt.</p><p>�Elaida ist �berehrgeizig, soweit ich es beurteilen kann�, unterbrach Cadsuane sie und beugte sich so j�h vor, da� Merana und Annoura beide auf dem Bett zur�ckwichen, obwohl Cadsuane sie nicht ansah, �und sie beschw�rt vielleicht eine Katastrophe herauf, aber sie ist noch immer der Amyrlin-Sitz, vom Saal der Burg in voller �bereinstimmung mit den Gesetzen der Burg erhoben.�</p><p>�Wenn Elaida eine rechtm��ige Amyrlin ist - warum habt Ihr dann ihrem Befehl zur R�ckkehr nicht gehorcht?� Beras mangelnde Gem�tsruhe war nur daran zu erkennen, wie ruhig ihre H�nde auf ihren R�cken ruhten. Nur die bem�hte Anstrengung, sich nicht in die R�cke zu krallen oder sie zu gl�tten, konnte sie so ruhig halten.</p><p>�Also hat eine von Euch ein wenig R�ckgrat bewiesen.� Cadsuane lachte leise, aber ihre Augen wirkten keineswegs heiter. Sie lehnte sich zur�ck und trank ihren Tee. �Jetzt setzt Euch. Ich habe sehr viele Fragen.�</p><p>Merana und Annoura erhoben sich und boten ihre Pl�tze auf dem Bett an, aber Kiruna stand nur da und betrachtete Cadsuane besorgt, und Bera schaute ihre Freundin an und sch�ttelte dann den Kopf. Corele rollte ihre blauen Augen und grinste aus irgendeinem Grund breit, aber Cadsuane k�mmerte es anscheinend nicht.</p><p>�Die H�lfte der Ger�chte, die ich geh�rt habe�, sagte sie, �betreffen den Umstand, da� die Verlorenen angeblich freigekommen sind. Es w�re kaum �berraschend, wenn man alles andere bedenkt, aber habt Ihr irgendwelche Beweise f�r oder gegen dieses Ger�cht?�</p><p>Merana war froh, sich hinsetzen zu k�nnen. Sie wu�te schon bald, wie sich W�sche f�hlte, die durch die Mangel gedreht wurde. Cadsuane �bernahm alle Fragen und sprang von Thema zu Thema, so da� man niemals wu�te, was als n�chstes kam. Corele bewahrte, au�er da� sie manchmal kicherte oder hin und wieder den Kopf sch�ttelte, ihre Ruhe, doch Daigian gelang nat�rlich nicht einmal das. Merana erwischte es am schlimmsten, sie und Kiruna und Bera, aber auch Annoura wurde gewi� nicht verschont. Jedes Mal, wenn sich Berelains Beraterin entspannte und glaubte, sie w�re befreit, setzte Cadsuane ihr erneut zu.</p><p>Die Frau wollte alles wissen, von al'Thors Autorit�t �ber die Aiel bis zu dem Grund, warum eine Meervolk-Herrin der Wogen im Flu� ankerte, von der Frage, ob Moiraine wirklich tot war bis zu dem Thema, ob der Junge tats�chlich das Schnelle Reisen wiederentdeckt hatte und ob Berelain mit ihm geschlafen hatte oder Absichten in dieser Richtung hegte. Was Cadsuane von den Antworten hielt, konnte man nicht sagen - bis auf das eine Mal, als sie erfuhr, da� Alanna sich mit al'Thor verbunden hatte und wie sie es getan hatte. Da pre�te sie den Mund zusammen und bohrte mit ihrem Blick stirnrunzelnd ein Loch in die Wand, aber w�hrend alle anderen Abscheu erwarteten, erinnerte Merana sich daran, da� Cadsuane gesagt hatte, sie h�tte selbst erwogen, sich einen weiteren Beh�ter zu nehmen.</p><p><emphasis>Zu</emphasis> h�ufig waren die Antworten unzureichend, aber <emphasis>zu</emphasis> sagen, man <emphasis>w��te</emphasis> etwas nicht, konnte Cadsuanes Wi�begier nicht stillen. Sie erfragte jedes einzelne St�ckchen und Teilchen, das man wu�te, selbst wenn man nicht wu�te, da� man es wu�te. Es gelang ihnen, einige Informationen zur�ckzuhalten, wenigstens das meiste von dem, was zur�ckgehalten werden mu�te, aber einige �berraschende Dinge kamen doch heraus, sogar von Annoura, die, wie sich herausstellte, fast von dem Tage an, als sie nach Norden geritten war, ausf�hrliche Briefe von Berelain erhalten hatte. Cadsuane forderte Antworten, gab aber selbst keine, und das machte Merana besorgt. Sie beobachtete, wie die Gesichter verbissen und abwehrend wurden und fragte sich, ob ihr Gesicht einen �hnlichen Ausdruck aufwies.</p><p>�Cadsuane.� Es war keine weitere Bem�hung n�tig. �Warum habt Ihr Euch entschlossen, Euch jetzt f�r al'Thor zu interessieren?� Ein steter Blick begegnete dem ihren einen Augenblick lang, und dann wandte Cadsuane ihre Aufmerksamkeit Bera und Kiruna zu.</p><p>�Also ist es ihnen tats�chlich gelungen, ihn aus dem Palast zu entf�hren�, sagte die grauhaarige Frau und hielt Daigian ihren leeren Becher hin, damit sie ihn erneut f�llte. Niemandem sonst war Tee angeboten worden. Cadsuanes Gesichtsausdruck und Tonfall waren so neutral, da� Merana sich am liebsten die Haare gerauft h�tte. Al'Thor w�re nicht erfreut zu erfahren, da� Kiruna die Entf�hrung offenbart hatte, wie unbeabsichtigt auch immer. Cadsuane benutzte jeden Versprecher dazu, mehr aus einem herauszupressen, als man sagen wollte. Zumindest hatte Kiruna keine Einzelheiten seiner Behandlung verraten. Er hatte deutlich gemacht, wie wenig es ihm gefallen w�rde, wenn dies gesch�he. Merana dankte dem Licht, da� die Frau kein Thema lange verfolgte.</p><p>�Seid Ihr sicher, da� es Taim war? Und Ihr seid sicher, da� diese Schwarzm�ntel nicht zu Pferde angekommen sind?� Bera antwortete widerwillig und Kiruna m�rrisch. Sie waren so sicher, wie sie sein konnten. Niemand hatte die Asha'man tats�chlich kommen oder gehen sehen, und die �ffnung, die sie alle hierherbrachte, h�tte von al'Thor gestaltet sein k�nnen. Was Cadsuane nat�rlich �berhaupt nicht zufriedenstellte.</p><p>�Denkt nach! Ihr seid keine albernen M�dchen mehr, oder solltet es zumindest nicht mehr sein. Puh! Ihr m��t etwas bemerkt haben.�</p><p>Merana f�hlte sich schlecht. Sie und die anderen hatten die halbe Nacht dar�ber gestritten, was ihr Eid bedeutete, bevor sie beschlossen, da� er genau das bedeutete, was sie gesagt hatten, ohne Hintert�rchen, durch das man entkommen konnte. Schlie�lich r�umte sogar Kiruna ein, da� sie al'Thor genauso verteidigen und unterst�tzen wie ihm gehorchen mu�ten und da� sie keinen Deut davon abr�cken durften. Was das verhei�en mochte, wenn Elaida und ihre Getreuen dazu kamen, k�mmerte wirklich niemanden. Zumindest gab niemand irgendeine diesbez�gliche Sorge zu. Die reine Tatsache dessen, was sie beschlossen hatten, war �berw�ltigend genug. Aber Merana fragte sich, ob Bera oder Kiruna schon erkannt hatten, was sie erkannt hatte. Sie k�nnten sich pl�tzlich einer Legende gegen�bersehen, ganz zu schweigen von den Schwestern au�er Corele und Daigian, die ihr zu folgen beschlossen hatten. Schlimmer noch... Cadsuanes Blick ruhte einen Moment auf ihr, verriet nichts, forderte aber alles. Schlimmer noch... Merana zweifelte nicht daran, da� Cadsuane das sehr wohl wu�te.</p><p>Min eilte die Palastg�nge entlang, ohne auf die Gr��e eines halben Dutzends von T�chtern des Speers zu achten, die sie kannte, lief ohne Antwort einfach vorbei und dachte nicht dar�ber nach, da� sie unh�flich war. Es war nicht leicht, in Absatzstiefeln zu laufen. Welch t�richte Dinge Frauen f�r M�nner taten! Nicht da� Rand sie gebeten h�tte, die Stiefel zu tragen, aber sie hatte sie zum ersten Mal mit dem Gedanken an ihn angezogen, und sie hatte ihn l�cheln sehen. Er mochte die Stiefel. Licht, was tat sie, da� sie �ber Stiefel nachdachte! Sie h�tte niemals zu Colavaeres R�umen gehen sollen. Sie zitterte, blinzelte unvergessene Tr�nen zur�ck und begann jetzt wirklich zu laufen.</p><p>Wie �blich, kauerte eine Anzahl T�chter des Speers auf den Fersen neben den hohen T�ren mit den vergoldeten aufgehenden Sonnen. Ihre <emphasis>Shoufas</emphasis> hingen um ihre Schultern und die Speere lagen �ber ihren Knien, und doch wirkten sie nicht nachl�ssig. Sie waren Leoparden, die auf Beute lauerten. Normalerweise bereiteten T�chter des Speers Min Unbehagen, auch wenn sie recht freundlich waren. Heute h�tte es sie nicht einmal gek�mmert wenn sie verschleiert gewesen waren.</p><p>�Er ist schlecht gelaunt�, warnte Riallin sie, machte aber keinerlei Anstalten, Min aufzuhalten. Min war eine der wenigen, denen es erlaubt war, Rand ohne Ank�ndigung aufzusuchen. Sie richtete ihre Jacke und versuchte, sich zu beruhigen. Sie konnte nicht genau sagen, warum sie gekommen war. Nur da� Rand ihr Sicherheit gab. Verdammt sei er! Sie hatte niemals zuvor jemanden gebraucht, um sich sicher zu f�hlen.</p><p>Unmittelbar hinter der T�r blieb sie entsetzt stehen und schob sie dann mechanisch hinter sich zu. Der Raum war ein Schlachtfeld. Ein paar gl�nzende Scherben hingen noch in einigen Spiegelrahmen, aber das meiste Glas lag zerschmettert �ber den Boden verstreut. Das Podest war umgest�rzt, der Thron, der darauf gestanden hatte, war gegen eine Wand geschleudert worden und bestand nur noch aus vergoldeten Bruchsr�cken. Einer der Kandelaber, die unter dem Gold aus schwerem Eisen bestanden, war ringf�rmig verbogen. Rand sa� in Hemds�rmeln in einem der kleineren Sessel, die Arme herabbaumelnd, den Kopf zur�ckgelehnt, und starrte zur Decke. Starrte ins Leere. Bilder tanzten um ihn herum, und farbige Auren zuckten und flammten auf. Er war darin wie Aes Sedai. Min brauchte keine Feuerwerker, wenn Rand oder eine Aes Sedai in der N�he waren. Er bewegte sich nicht, als sie weiter in den Raum hineinging. Er schien sie �berhaupt nicht zu bemerken. Spiegelglasscherben knirschten unter ihren Stiefeln. Er schien wirklich schlecht gelaunt.</p><p>Sie empfand dennoch keine Angst. Nicht vor ihm. Sie konnte sich nicht einmal ann�hernd vorstellen, da� Rand ihr schaden k�nnte. Sie empfand genug f�r ihn, da� sie die Erinnerung an Colavaeres R�ume fast aus ihrer Erinnerung l�schen konnte. Sie hatte sich schonlange damit abgefunden, hoffnungslos verliebt zu sein. Nichts sonst z�hlte, nicht, da� er ein einfacher Bauernjunge oder da� er j�nger als sie war und auch nicht, wer oder was er war oder da� er zum Wahnsinn verdammt war und sterben w�rde, wenn er nicht vorher get�tet wurde. <emphasis>Es macht mir nicht einmal etwas aus, ihn teilen zu m�ssen,</emphasis> dachte sie und erkannte, wie sehr sie gefangen war, wenn sie sich selbst bel�gen konnte. Sie mu�te sich zwingen, das zu akzeptieren. Elayne hatte Anteil an ihm, einen Anspruch auf ihn, und ebenso diese Aviendha, die sie noch kennenlernen w�rde. Man mu� mit dem leben, was man nicht verbessern kann, hatte ihre Tante Jan stets gesagt. Besonders wenn man weich geworden ist. Licht, sie war immer stolz darauf gewesen, ihren Verstand beisammen zu haben.</p><p>Sie blieb neben einem der Sessel stehen, in dessen h�lzerne R�ckenlehne das Drachenszepter so tief eingedrungen war, da� seine Spitze auf der anderen Seite fast eine Handbreit herausragte. Sie liebte einen Mann, der nichts davon wu�te und der sie fortschicken w�rde, falls er es jemals merken sollte. Ein Mann, bei dem sie sicher war, da� er sie auch liebte. Und ebenso Elayne und diese Aviendha. Aber das war nur ein fl�chtiger Gedanke. Was man nicht verbessern konnte... Er liebte sie und weigerte sich, es einzugestehen. Glaubte er, da� er die Frau, die er liebte, auch t�ten m��te, nur weil der wahnsinnige Lews Therin Telamon das getan hatte?</p><p>�Ich bin froh, da� du gekommen bist�, sagte er unvermittelt, w�hrend er noch immer zur Decke starrte. �Ich habe hier allein gesessen. Allein.� Er lachte verbittert auf. �Herid Fei ist tot.�</p><p>�Nein�, fl�sterte sie, �nicht dieser reizende kleine alte Mann.� Ihre Augen brannten.</p><p>�Er wurde zerfetzt.� Rands Stimme klang so m�de. So leer. �Idrien fiel in Ohnmacht, als sie ihn fand. Sie lag die halbe Nacht wie erstarrt da und war noch leicht verwirrt, als sie schlie�lich aufwachte. Eine der anderen Frauen in der Schule gab ihr ein Schlafmittel. Sie war deshalb verlegen. Als sie zu mir kam, fing sie erneut an zu weinen, und... Es mu� Schattengez�cht gewesen sein. Was sonst k�nnte einen Menschen in alle einzelnen Gliedma�e zerrei�en?� Ohne den Kopf zu heben, schlug er so fest mit der Faust auf die Sessellehne, da� das Holz knarrte. �Aber warum? Warum wurde er get�tet? Was h�tte er mir erz�hlen k�nnen?�</p><p>Min versuchte nachzudenken. Sie dachte wahrhaftig nach. Meister Fei war ein Philosoph gewesen. Er und Rand hatten - angefangen von der Bedeutung der Prophezeiung des Drachen bis zur Beschaffenheit der �ffnung im Gef�ngnis des Dunklen K�nigs - �ber alles diskutiert. Er lie� Min B�cher ausleihen, faszinierende B�cher, besonders wenn sie ihre Bedeutung m�hsam herausfinden mu�te. Er war ein Philosoph gewesen. Er w�rde ihr niemals wieder ein Buch ausleihen. Solch ein freundlicher alter Mann, in eine Welt der Gedanken eingeh�llt und erschreckt, wenn er etwas au�erhalb dieser Welt wahrnahm. Sie h�tete eine Notiz, die er f�r Rand geschrieben hatte. Er hatte gesagt, Min sei h�bsch, und sie verwirre ihn. Und jetzt war er tot. Licht, sie hatte schon zu viele Tode erlebt.</p><p>�Ich h�tte es dir nicht sagen sollen, nicht so.�</p><p>Sie zuckte zusammen. Sie hatte nicht geh�rt, da� Rand den Raum durchquert hatte. Seine Finger streichelten ihre Wange. Wischten Tr�nen fort. Sie weinte.</p><p>�Es tut mir leid, Min�, sagte er sanft. �Ich bin kein sehr netter Mensch mehr. Ein Mann ist f�r mich gestorben, und alles, was ich tun kann, ist, mir Gedanken dar�ber zu machen, warum er get�tet wurde.�</p><p>Sie warf die Arme um ihn und barg ihr Gesicht an seiner Brust. Sie konnte nicht aufh�ren zu weinen. Sie konnte nicht aufh�ren zu zittern. �Ich bin zu Colavaeres R�umen gegangen.� Bilder flammten in ihrem Kopf auf.</p><p>Das leere Wohnzimmer, alle Diener fort. Das Schlafzimmer. Sie wollte sich nicht erinnern, aber jetzt, wo sie damit begonnen hatte, konnte sie die hervorsprudelnden Worte nicht mehr aufhalten. �Ich dachte, da du jetzt hier im Exil bist, g�be es vielleicht einen Weg, die Vision zu verhindern, die ich von ihr hatte.� Colavaere hatte offensichtlich ihr bestes Gewand getragen, dunkle, gl�nzende Seide mit edler, vom Alter elfenbeinfarbener Sovarra-Spitze verziert.</p><p>�Ich dachte, einmal m��te es nicht so sein. Du bist ein <emphasis>Ta'veren.</emphasis> Du kannst das Muster �ndern.� Colavaere hatte eine Halskette und Armb�nder aus Smaragden und Feuertropfen angelegt und Ringe mit Perlen und Rubinen, gewi� ihre besten Juwelen, und gelbe Diamanten hatten ihr Haar geschm�ckt, eine h�bsche Nachahmung der Krone von Cairhien. Ihr Gesicht... �Sie war in ihrem Schlafzimmer. Hing von einem der Bettpfosten herab.� Hervorstehende Augen und eine heraush�ngende Zunge in einem geschw�rzten, aufgeschwemmten Gesicht. Die Zehen einen Fu� �ber dem umgest�rzten Stuhl. Min sank hilflos schluchzend gegen ihn.</p><p>Er legte sanft die Arme um sie. �Oh, Min, deine Gabe bereitet dir mehr Qualen als Vergn�gen. Ich w�rde dir den Schmerz nehmen, wenn ich k�nnte, Min. Ich w�rde es tun.�</p><p>Es drang langsam zu ihr durch, da� auch er zitterte. Licht, er versuchte eisenhart zu sein, was der Wiedergeborene Drache seiner Meinung nach sein mu�te, aber es schmerzte ihn, wenn jemand wegen ihm starb, bei Colavaere wahrscheinlich nicht weniger als bei Fei. Er blutete f�r jedermann, der verletzt wurde, und versuchte vorzugeben, da� dem nicht so war.</p><p>�K�� mich�, murmelte sie. Als er sich nicht regte, schaute sie auf. Er blinzelte sie unsicher an, die Augen jetzt blau, nicht mehr grau, ein Morgenhimmel. �Ich necke dich nicht.� Wie oft hatte sie ihn geneckt, auf seinem Scho� gesessen, ihn gek��t, ihn Schafhirte genannt, weil sie es nicht wagte, seinen Namen auszusprechen, aus Angst, er k�nnte die Z�rtlichkeit h�ren? Er lie� es sich gefallen, weil er glaubte, sie wollte ihn <emphasis>tats�chlich</emphasis> necken und w�rde aufh�ren, wenn sie glaubte, da� es nicht auf ihn wirkte. Ha! Tante Jan und Tante Rana hatte gesagt, man sollte einen Mann nicht k�ssen, wenn man ihn nicht heiraten wollte, aber Tante Miren schien ein wenig mehr von der Welt zu wissen. Sie sagte, man sollte einen Mann nicht zu beil�ufig k�ssen, weil sich M�nner so leicht verliebten. �Ich friere innerlich, Schafhirte. Colavaere, und Meister Fei... Ich mu� warme Haut sp�ren. Ich brauche ... bitte?�</p><p>Er senkte den Kopf so langsam. Zun�chst war es der Ku� eines Bruders, sanft wie Milchwasser, beruhigend, tr�stend. Dann wurde es anders. �berhaupt nicht mehr beruhigend. Er versuchte, sich ihr ruckartig zu entziehen. �Min, ich kann nicht. Ich habe kein Recht...�</p><p>Sie ergriff zwei H�ndevoll seines Haars, zog seinen Kopf wieder herab, und nach einer kleinen Weile h�rte er auf, sich zu widersetzen. Sie war sich nicht sicher, ob ihre H�nde sich zuerst an seinem Hemd oder seine sich zuerst an ihrem zu schaffen machten, aber eines wu�te sie genau: Wenn er jetzt auch nur versuchte aufzuh�ren, w�rde sie einen von Riallins Speeren holen - alle Speere - und ihn erstechen.</p><p>Auf ihrem Weg aus dem Sonnenpalast betrachtete Cadsuane die Aiel-Wilden so eingehend wie m�glich, ohne da� es auffiel. Corele und Daigian folgten ihr schweigend. Sie kannten sie inzwischen gut genug, um sie nicht mit Geplapper zu st�ren, was man nicht von allen behaupten konnte, die einige Tage in Arilyns kleinem Palast rasteten, bevor sie sie weiterschickte. Viele Wilde, von denen jede die Aes Sedai wie einen fliegenumschwirrten, mit eiternden Wunden �bers�ten Fluch ansah. Einige Menschen betrachteten Aes Sedai mit Ehrfurcht oder Bewunderung, andere mit Angst oder Ha�, aber Cadsuane hatte niemals zuvor Verachtung erlebt nicht einmal von Wei�m�nteln. Dennoch sollte jedes Volk, das so viele Wilde hervorbrachte, einen Strom von M�dchen zur Burg schicken.</p><p>Bei Gelegenheit w�rde man sich darum k�mmern m�ssen, und in den Krater des Verderbens mit den Br�uchen, wenn es n�tig war, aber nicht jetzt. Die Neugier des al'Thor-Jungen mu�te weiterhin ausreichend geweckt werden, da� er sie in seiner N�he duldete, und er mu�te ausreichend aus dem Gleichgewicht gebracht werden, da� sie ihn in die Richtung bringen konnte, die sie wollte, ohne da� er es merkte. Und alles, was dem entgegenstand, mu�te auf die eine oder andere Weise kontrolliert oder unterdr�ckt werden. Nichts durfte ihn auf die falsche Art beeinflussen oder aufregen. Nichts.</p><p>Die gl�nzend schwarze Kutsche wartete hinter einem geduldigen Gespann von sechs Grauen im Hof. Ein Diener eilte herbei, um ihr den mit zwei Silbersternen auf roten und gr�nen Streifen bemalten Schlag zu �ffnen, und verbeugte sich so tief vor ihnen dreien, da� sein kahler Kopf beinahe seine Knie ber�hrte. Er war in Hemds�rmeln und Hose. Seit Cadsuane in den Sonnenpalast gekommen war, hatte sie noch niemanden in Livree gesehen, au�er einigen Dienern in Dobraines Farben. Die Dienstboten waren zweifellos unsicher, was sie tragen sollten, und f�rchteten, einen Fehler zu begehen.</p><p>�Ich k�nnte Elaida h�uten, wenn ich sie zu fassen bek�me�, sagte sie, als die Kutsche schaukelnd anfuhr. �Dieses t�richte Kind hat meine Aufgabe fast unm�glich gemacht.�</p><p>Und dann lachte sie so j�h, da� Daigian sie anstarrte, bevor sie sich unter Kontrolle bekommen konnte. Coreles L�cheln weitete sich erwartungsvoll. Keine von beiden verstand, und sie versuchte nicht zu erkl�ren. Ihr ganzes Leben lang war der beste Weg, jemanden f�r etwas zu interessieren, gewesen, zu sagen, es sei unm�glich. Aber andererseits waren mehr als zweihundertsiebzig Jahre vergangen, seit sie zuletzt einer Aufgabe gegen�bergestanden hatte, die sie nicht erf�llen konnte. Jetzt k�nnte jeder Tag ihr letzter sein, aber der junge al'Thor w�re ein passendes Ende von allem.</p></section><section><title><p>20</p><p>Muster in Mustern</p></title><p>Sevanna betrachtete ver�chtlich ihre staubbedeckten Begleiterinnen, die mit ihr zusammen auf der kleinen Lichtung im Kreis sa�en. Die beinahe unbelaubten Zweige �ber ihnen spendeten nur wenig k�hlen Schatten. Der Ort, an dem Rand al'Thor sie ins Verderben gest�rzt hatte, lag �ber einhundert Meilen westlich von ihnen, und doch wirkten die anderen Frauen besorgt. Da keine Dampfzelte zur Verf�gung standen, hatten sie sich am Abend nicht richtig s�ubern, sondern sich nur hastig Gesicht und H�nde waschen k�nnen. Acht kleine, unterschiedliche Silberbecher und ein mit Wasser gef�llter Silberkrug, der beim R�ckzug verbeult war, standen auf dem herabgefallenen Laub neben ihr.</p><p>�Entweder verfolgt uns der <emphasis>Car'a'carn</emphasis> nicht, oder er konnte uns nicht finden. Beides befriedigt mich.�</p><p>Einige der Frauen zuckten wahrhaftig zusammen. Tions rundes Gesicht wurde bla�, und Modarra t�tschelte ihr die Schulter. Modarra w�re h�bsch gewesen, wenn sie nicht so gro� gewesen w�re, und sie versuchte stets, jedermann in ihrer Reichweite zu bemuttern. Alarys bem�hte sich zu offensichtlich, ihre bereits ordentlich um sie ausgebreiteten R�cke zu richten, um nicht sehen zu m�ssen, was sie nicht sehen wollte. Meira pre�te die schmalen Lippen zusammen, aber wer wu�te, ob dies aufgrund der deutlichen Angst der anderen oder ihrer eigenen Angst vor dem <emphasis>Car'a'carn</emphasis> geschah? Sie hatten allen Grund, sich zu f�rchten.</p><p>Zwei volle Tage waren seit der Schlacht vergangen, und nicht einmal mehr zwanzigtausend T�chter des Speers hatten sich wieder um Sevanna geschart. Therava und die meisten der Weisen Frauen, die im Westen gestanden hatten, wurden noch immer vermi�t, einschlie�lich aller �brigen mit ihr Verbundenen. Einige der Vermi�ten bem�hten sich gewi�, nach Bruderm�rders Dolch zur�ck zu gelangen, aber wie viele w�rden die Sonne nie wieder aufgehen sehen? Niemand konnte sich an ein �hnliches Gemetzel erinnern, an so viele Tote in so kurzer Zeit. Sogar die <emphasis>Algai d'siswai</emphasis> waren nicht wirklich bereit, so bald wieder in den Kampf zu ziehen. Sie hatten Angst, aber sie zeigten sie nicht, lie�en ihr Herz und ihre Seele sich nicht wie bei den Feuchtl�ndern auf ihren Gesichtern widerspiegeln, so da� alle es sehen Rhiale erkannte anscheinend zumindest das. �Wenn wir es tun m�ssen, dann sollten wir es tun�, murrte sie. Sie war eine derjenigen, die zusammengezuckt waren.</p><p>Sevanna nahm den kleinen grauen W�rfel aus ihrer Tasche und stellte ihn auf das braune Laub inmitten des Kreises. Someryn st�tzte die H�nde auf die Knie und beugte sich vor, um den W�rfel zu betrachten. Ihre Nase ber�hrte ihn fast. Alle Seiten des W�rfels waren mit komplizierten Mustern bedeckt, und wenn man ihn aus der N�he ansah, konnte man kleinere Muster innerhalb der gro�en Muster erkennen und noch kleinere wiederum innerhalb dieser, sowie darin erneut Muster erahnen. Sevanna wu�te nicht, wie die kleinsten Muster - so fein, so genau - gestaltet werden konnten. Sie hatte fr�her geglaubt, der W�rfel best�nde aus Stein, aber dessen war sie sich nicht mehr sicher. Gestern hatte sie ihn versehentlich auf Felsen fallen lassen, ohne da� auch nur eine eingravierte Linie besch�digt worden w�re. Wenn die Muster <emphasis>wirklich</emphasis> eingraviert waren. Sie wu�ten aber, da� der W�rfel ein <emphasis>Ter'angreal</emphasis> war.</p><p>�Dort, bei dem Muster, das wie ein verdrehter Halbmond aussieht, sollte der kleinste m�gliche Strang Feuer leicht zu ber�hren sein�, erkl�rte sie ihnen, �und ein weiterer dort oben, auf dieser wie ein Lichtblitz gestalteten Markierung.� Someryn richtete sich hastig auf.</p><p>�Was wird dann geschehen?� fragte Alarys, w�hrend sie ihr Haar mit den Fingern k�mmte. Sie schien dies unbewu�t zu tun, aber sie fand stets M�glichkeiten, jedermann in Erinnerung zu rufen, da� ihr Haar schwarz anstatt wie bei den meisten blond oder rot war.</p><p>Sevanna l�chelte. Sie geno� es, Dinge zu wissen, die den anderen verborgen waren. �Ich werde den W�rfel benutzen, um den Feuchtl�nder zu rufen, der ihn mir gab.�</p><p>�Das habt Ihr uns bereits gesagt�, erwiderte Rhiale ver�rgert, und Tion fragte barsch: �Wie wird er dadurch gerufen?� Sie f�rchtete vielleicht Rand al'Thor, aber nicht vieles anderes. Und gewi� nicht Sevanna. Belinde strich mit einem knochigen Finger sanft �ber den W�rfel, die sonnengebleichten Augenbrauen gesenkt.</p><p>Sevanna behielt eine nichtssagende Miene bei, �rgerte sich aber insgeheim dar�ber, da� es sie M�he kostete, nicht mit ihrer Kette zu spielen oder ihre Stola zu richten. �Ich habe Euch alles gesagt, was Ihr wissen m��t.� Ihrer Meinung nach sogar erheblich mehr als das, aber es war n�tig gewesen. Sonst w�ren sie alle mit den T�chtern des Speers und den Weisen Frauen zur�ckgekehrt. Oder sie bef�nden sich noch alle auf dem Weg nach Osten und suchten nach Zeichen anderer �berlebender oder nach Anzeichen einer Verfolgung. Wenn sie sp�t aufbrachen, k�nnten sie noch immer f�nfzig Meilen zur�cklegen, bevor sie haltmachten. �Worte k�nnen den Keiler nicht h�uten und ihn noch weniger t�ten. Wenn Ihr entschlossen seid, Euch in den Bergen zu verkriechen und Euer Leben lang davonzulaufen, dann geht. Wenn nicht, dann tut was Ihr tun m��t. Ich werde meinen Teil dazu beitragen.�</p><p>Rhiales blaue und Tions graue Augen starrten sie herausfordernd an. Sogar Modarra wirkte unentschieden, obwohl Sevanna auf sie und Someryn den gr��ten Einflu� hatte.</p><p>Sevanna wartete �u�erlich ruhig ab. Innerlich drehte sich ihr vor Zorn der Magen um. Sie w�rde sich nicht geschlagen geben, nur weil diese Frauen feige waren.</p><p>�Wenn wir es tun m�ssen�, seufzte Rhiale schlie�lich. Abgesehen von der nicht anwesenden Therava widersprach sie am h�ufigsten, aber Sevanna hatte bei ihr noch Hoffnung. Das widerspenstigste R�ckgrat erwies sich oft als das geschmeidigste, wenn es erst nachgab, was genauso f�r Frauen wie f�r M�nner galt. Rhiale und die anderen wandten ihre Blicke dem W�rfel zu, wobei einige die Stirn runzelten.</p><p>Sevanna sah nat�rlich nichts, Ihr kam der Gedanke, da� sie, wenn sie nichts unternahmen, behaupten k�nnten, der W�rfel bewirke nichts, und sie w�rde es niemals wissen.</p><p>Pl�tzlich keuchte Someryn jedoch, und Meira hauchte: �Er zieht noch mehr heran. Schaut.� Sie deutete hin. �Dort und dort erf�llen Feuer und Erde, Luft und Geist die Rinnen.�</p><p>�Nicht alle�, sagte Belinde. �Ich denke, sie k�nnten auf vielerlei Arten erf�llt werden. Und an manchen Stellen drehen sich die Str�nge um etwas nicht Vorhandenes.� Sie furchte die Stirn. �Er zieht wohl auch den m�nnlichen Teil der Macht heran.�</p><p>Mehrere der Frauen wichen ein St�ck zur�ck, richteten ihre Stolen und strichen �ber ihre R�cke, als wollten sie Staub entfernen. Sevanna h�tte beinahe alles darum gegeben, auch etwas sehen zu k�nnen. Wie konnten sie so feige sein? Wie konnten sie es zeigen?</p><p>Schlie�lich sagte Modarra: �Ich frage mich, was geschehen w�rde, wenn wir ihn an einer anderen Stelle mit Feuer ber�hrten.�</p><p>�Wenn man den W�rfel zu stark oder auf die falsche Art antreibt, k�nnte er schmelzen�, antwortete eine Stimme aus der Luft. �Er k�nnte sogar ver...�</p><p>Die Stimme brach ab, als die anderen Frauen aufsprangen und in den Wald sp�hten. Alarys und Modarra gingen sogar so weit, ihre G�rtelmesser zu ziehen, obwohl sie Stahl nicht ben�tigten, wenn sie die Eine Macht zur Verf�gung hatten. Nichts bewegte sich in den sonnengestreiften Schatten, nicht einmal ein Vogel.</p><p>Sevanna regte sich nicht. Sie hatte allenfalls ein Drittel von dem geglaubt, was der Feuchtl�nder ihr erz�hlt hatte, und dies wahrhaftig nicht, aber sie erkannte Caddars Stimme. Feuchtl�nder besa�en stets mehrere Namen, aber er hatte ihr nur diesen genannt. Sie vermutete in ihm einen Mann mit vielen Geheimnissen. �Setzt Euch wieder hin�, befahl sie. �Und la�t die Str�nge fahren. Wie kann ich ihn herbeirufen, wenn Ihr Worte f�rchtet?�</p><p>Rhiale fuhr mit offenem Mund und ungl�ubig geweiteten Augen herum. Sie fragte sich zweifellos, woher Sevanna wu�te, da� sie nicht l�nger die Macht lenkten. Die Frau konnte nicht klar denken. Sie lie�en sich z�gernd und unbehaglich wieder im Kreis nieder. Rhiale nahm eine ausdruckslosere Miene an als alle anderen.</p><p>�Also seid Ihr zur�ck�, sagte Caddars Stimme aus der Luft. �Habt Ihr al'Thor?�</p><p>Etwas an seinem Tonfall warnte sie. Er konnte es nicht wissen - aber er wu�te es. Sie verbannte alles, was sie hatte sagen wollen. �Nein, Caddar, dennoch m�ssen wir miteinander reden. Ich treffe Euch in zehn Tagen an der Stelle, wo wir uns zum erstenmal begegnet sind.� Sie konnte jenes Tal in Bruderm�rders Dolch eher erreichen, aber sie brauchte Zeit zur Vorbereitung. Wie konnte er es wissen?</p><p>�Hoffentlich habt Ihr die Wahrheit gesagt, M�dchen�, murmelte Caddar trocken. �Sonst werdet Ihr merken, da� ich nicht mit mir spa�en lasse. Bleibt, wo Ihr seid, und ich werde zu Euch kommen.�</p><p>Sevanna blickte best�rzt zum W�rfel. <emphasis>M�dchen?</emphasis> �Was habt Ihr gesagt?� forderte sie zu wissen, <emphasis>M�dchen!</emphasis> Sie traute ihren Ohren nicht. Rhiale sah sie ganz bewu�t nicht an, und Meira l�chelte, was seltsam war, weil es so selten geschah.</p><p>Caddars Seufzen erf�llte die Lichtung. �Sagt Eurer Weisen Frau, sie soll weiterhin das tun, was sie gerade tut - nichts anderes - und ich werde zu Euch kommen.� Er schien nur m�hsam die Geduld zu bewahren. Wenn sie von dem Feuchtl�nder bekommen h�tte, was sie haben wollte, w�rde sie ihn in <emphasis>Gai'shain</emphasis>-Wei� kleiden. Nein, in Schwarz!</p><p>�Was meint Ihr damit, da� Ihr kommen werdet, Caddar?� Nur Schweigen als Antwort. ��Caddar, wo seid Ihr?� Stille. �Caddar?�</p><p>Die anderen wechselten beunruhigte Blicke.</p><p>�Ist er verr�ckt?� fragte Tion. Alarys murmelte, er m�sse es wohl sein, und Belinde verlangte ver�rgert zu wissen, wie lange sie diesen Unsinn noch fortf�hren m��ten.</p><p>�Bis ich sage, da� wir aufh�ren�, antwortete Sevanna sanft und blickte zum W�rfel. Ein hoffnungsvolles Prickeln schlich sich in ihre Brust. Wenn er dies tun konnte, dann vermochte er gewi� auch zu vollbringen, was er versprochen hatte. Und vielleicht... Sie wollte nicht zuviel erhoffen. Sie schaute durch die Zweige aufw�rts, die sich �ber der Lichtung beinahe ber�hrten. Die Sonne war noch nicht zum h�chsten Punkt aufgestiegen. �Wenn er bis Mittag nicht gekommen ist, werden wir gehen.� Nat�rlich murrten sie.</p><p>�Also bleiben wir hier tatenlos sitzen?� Alarys warf mit ge�btem Kopfschwung ihr Haar �ber eine Schulter zur�ck. �F�r einen Feuchtl�nder?�</p><p>�Was immer er Euch versprochen hat, Sevanna�, sagte Rhiale stirnrunzelnd, �kann dies nicht wert sein.�</p><p>�Er ist verr�ckt�, grollte Tion.</p><p>Modarra deutete mit dem Kopf auf den W�rfel. �Was ist, wenn er uns noch h�ren kann?�</p><p>Tion r�mpfte ver�chtlich die Nase, und Someryn sagte: �Warum sollte es uns k�mmern, wenn ein Mann h�rt, was wir sagen? Aber es gef�llt mir nicht, auf ihn zu warten.�</p><p>�Was ist, wenn er wie diese Feuchtl�nder in den schwarzen Umh�ngen ist?� Belinde pre�te die Lippen zusammen, bis sie beinahe Meiras Lippen �hnelten.</p><p>�Macht Euch nicht l�cherlich�, h�hnte Alarys. �Feuchtl�nder t�ten solche M�nner, wenn sie welche sehen. Was auch immer die <emphasis>Algai d'siswai</emphasis> beanspruchen - es mu� ein Werk der Aes Sedai gewesen sein. Und Rand al'Thors.� Die Erw�hnung dieses Namens bewirkte gequ�ltes Schweigen, das aber nicht anhielt.</p><p>�Caddar mu� einen ebensolchen W�rfel besitzen�, sagte Belinde. �Und er mu� eine Frau mit der Gabe kennen, ihn einsetzen zu k�nnen.�</p><p>�Eine Aes Sedai?� Rhiale schnaubte angewidert. �Und wenn zehn Aes Sedai bei ihm sind - la�t sie kommen. Wir werden so mit ihnen umgehen, wie sie es verdienen.�</p><p>Meira lachte trocken, �ich habe das Gef�hl, da� Ihr allm�hlich glaubt, sie hatten Desaine get�tet.�</p><p>�H�tet Eure Zunge!� fauchte Rhiale.</p><p>�Ja�, murmelte Someryn besorgt. �Unbedachte Worte k�nnten an falsche Ohren gelangen.�</p><p>Tion lachte kurz und unwirsch auf. �Ihr alle zusammen besitzt weniger Mut als ein einziger Feuchtl�nder.� Wogegen Someryn nat�rlich protestierte, und Modarra ebenfalls, und Meira �u�erte Worte, die eine Herausforderung bedeutet h�tten, wenn sie keine Weisen Frauen gewesen w�ren, und Alarys sprach noch h�rter, und Belinde...</p><p>Ihr Gez�nk �rgerte Sevanna, obwohl sie daraus schlie�en konnte, da� sie sich nicht gegen sie verschw�ren w�rden. Aber sie hob nicht deshalb eine Schweigen gebietende Hand. Rhiale sah sie stirnrunzelnd an und �ffnete den Mund, und in diesem Moment h�rten sie, was sie h�rte. Etwas raschelte im Laub unter den B�umen. Kein Aiel w�rde ein solches Ger�usch verursachen, selbst wenn sich Aiel den Weisen Frauen ungebeten n�herten, und kein Tier k�me Menschen so nahe. Dieses Mal erhob Sevanna sich zusammen mit den anderen.</p><p>Zwei Gestalten tauchten auf, ein Mann und eine Frau, die beim Vorangehen gen�gend Zweige zerbrachen, um einen Toten zu erwecken. Kurz vor der Lichtung hielten sie inne, und der Mann beugte leicht den Kopf, um der Frau etwas zu sagen. Es war Caddar, der einen fast schwarzen Mantel mit Spitzenbesatz an Kragen und Manschetten trug. Zumindest hatte er kein Schwert. Sie stritten sich anscheinend. Sevanna h�tte etwas von ihrem Gespr�ch h�ren sollen, aber es herrschte vollkommene Stille. Caddar war fast eine Handbreit gr��er als Modarra - f�r einen Feuchtl�nder, und selbst f�r einen Aiel, gro� -, und die Frau reichte ihm nur bis zur Brust. Sie besa� eine ebenso dunkle Gesichtsfarbe und ebenso dunkles Haar wie er und war von ausreichender Sch�nheit, da� Sevanna die Lippen zusammenpre�te. Sie trug ein hellrotes Seidengewand, das noch mehr von ihrem Busen offenbarte als bei Someryn.</p><p>Als h�tte Sevanna sie im Geiste gerufen, r�ckte Someryn n�her an sie heran. �Die Frau besitzt die Gabe�, fl�sterte sie, ohne das Paar aus den Augen zu lassen. �Sie webt eine Barriere.� Dann sch�rzte sie die Lippen und f�gte widerwillig hinzu: �Sie ist stark.</p><p>Sehr stark.� Diese Worte bedeuteten aus ihrem Munde tats�chlich etwas Au�ergew�hnliches. Sevanna hatte noch nie verstehen k�nnen, warum St�rke im Lenken der Macht unter Weisen Frauen nicht z�hlte -w�hrend sie um ihretwillen froh dar�ber war -, aber Someryn war stolz darauf, noch niemals einer Frau begegnet zu sein, die auch nur ann�hernd so stark war wie sie. Doch ihrem Tonfall entnahm Sevanna, da� diese Frau st�rker war.</p><p>Im Moment k�mmerte es sie allerdings nicht, ob die Frau Berge versetzen oder nur eine Kerze entz�nden konnte. Sie mu�te eine Aes Sedai sein. Sie sah nicht wie eine Aes Sedai aus, aber das hatte Sevanna schon fr�her erlebt. Durch sie mu�te Caddar Zugriff auf das <emphasis>Ter'angreal</emphasis> bekommen haben. So hatte er sie finden und herkommen k�nnen. So bald; so schnell. M�glichkeiten taten sich auf, und Hoffnungen wuchsen. Aber wer von beiden f�hrte?</p><p>�H�rt auf, die Macht in den W�rfel zu lenken�, befahl sie. Vielleicht verfolgte er noch immer ihr Gespr�ch.</p><p>Rhiale warf ihr einen fast mitleidigen Blick zu. �Someryn hat bereits aufgeh�rt, Sevanna.�</p><p>Nichts konnte ihr die Stimmung verderben. Sie l�chelte und sagte: �Sehr gut. Denkt daran, was ich gesagt habe. La�t mich reden.� Die meisten der �brigen Frauen nickten. Khiale schnaubte. Sevanna behielt ihr L�cheln bei. Eine Weise Frau konnte nicht zur <emphasis>Gai'schain</emphasis> gemacht werden, aber es waren bereits so viele �berholte Br�uche abgeschafft worden, da� andere vielleicht folgen w�rden.</p><p>Caddar und die Frau kamen n�her, und Someryn fl�sterte: �Sie h�lt die Macht noch immer fest.�</p><p>�Setzt Euch neben mich�, befahl Sevanna ihr eilig.</p><p>�Ber�hrt mein Bein, wenn sie die Macht lenkt,� Es �rgerte sie ma�los, aber sie mu�te es wissen.</p><p>Sie setzte sich mit untergeschlagenen Beinen hin, und die anderen folgten ihrem Beispiel, wobei sie eine L�cke f�r Caddar und die Frau lie�en. Someryn sa� Sevanna so nahe, da� sich ihre Knie ber�hrten. Sevanna w�nschte, sie h�tte einen Stuhl.</p><p>�Ich gr��e Euch, Caddar�, sagte sie trotz seiner vorherigen Beleidigung f�rmlich. �Nehmt Platz, Ihr und Eure Frau.�</p><p>Sie wollte sehen, wie die Aes Sedai reagierte, aber sie w�lbte nur eine Augenbraue und l�chelte tr�ge. Ihre Augen waren genauso schwarz wie seine - so schwarz wie die eines Raben. Die �brigen Weisen Frauen zeigten K�hle. H�tten die Aes Sedai Rand al'Thor nicht bei den Brunnen entkommen lassen, h�tten sie gewi� alle get�tet oder gefangen genommen. Diese Aes Sedai mu�te sich dessen bewu�t sein, da Caddar eindeutig Bescheid wu�te, aber sie wirkte ganz und gar nicht �ngstlich.</p><p>�Dies ist Maisia�, sagte Caddar und lie� sich ein kleines St�ck abseits von der f�r ihn freigelassenen L�cke nieder. Er wollte aus einem unbestimmten Grund nicht gern auf Armesl�nge herankommen. Vielleicht f�rchtete er Dolche. �Ich habe Euch gesagt, Ihr solltet eine einzige Weise Frau heranziehen, Sevanna, nicht sechs. Manche Menschen sind vielleicht mi�trauisch.� Er schien aus einem unbestimmten Grund belustigt.</p><p>Die Frau, Maisia, hielt in ihrer Bewegung, ihre R�cke zu gl�tten, inne, als er ihren Namen nannte, und sah ihn �beraus zornig an. Vielleicht hatte sie ihre Identit�t verborgen halten wollen. Sie sagte jedoch nichts. Kurz darauf setzte sie sich neben ihn, und ihr L�cheln kehrte so schnell zur�ck, als w�re es niemals verschwunden. Sevanna war nicht zum ersten Mal dankbar daf�r, da� Feuchtl�ndern ihre Empfindungen ins Gesicht geschrieben standen.</p><p>�Ihr habt den Gegenstand mitgebracht, mit dem Rand al'Thor kontrolliert werden kann?� Warum sollte sie die Form wahren, wenn er so unh�flich war? Sie konnte sich nicht daran erinnern, da� er sich bei ihrer ersten Begegnung ebenso verhalten h�tte. Vielleicht ermutigte ihn die Aes Sedai dazu.</p><p>Caddar sah sie fragend an. �Nun, wenn Ihr ihn nicht habt?�</p><p>�Ich werde ihn bekommen�, sagte sie ruhig, und er l�chelte. Maisia l�chelte ebenfalls.</p><p>�Also darin.� Seine Miene dr�ckte deutlich Zweifel und Unglaube aus, w�hrend sich die Frau lustig machte. Auch f�r sie k�nnte ein schwarzes Gewand gefunden werden. �Was ich besitze, wird Rand kontrollieren, wenn er erst gefangen ist, aber es kann ihn nicht �berw�ltigen. Ich werde es nicht riskieren, da� er von mir erf�hrt, bevor Ihr ihn in sicherem Gewahrsam habt.� Er schien durch das Eingest�ndnis nicht im geringsten besch�mt.</p><p>Sevanna verdr�ngte ihre Entt�uschung. Eine Hoffnung war geschwunden, aber andere blieben. Rhiale und Tion falteten die H�nde und blickten starr geradeaus, �ber den Kreis und �ber Caddar hinaus. Er verdiente es nicht mehr, da� man ihm zuh�rte. Aber sie wu�ten nat�rlich nicht alles.</p><p>�Was ist mit den Aes Sedai? Kann dieser Gegenstand sie ebenfalls kontrollieren?� Rhiale und Tion wurden wieder aufmerksamer. Belindes Augenbrauen zuckten, und Meira sah sie tats�chlich an. Sevanna h�tte ihre mangelnde Selbstbeherrschung verfluchen m�gen.</p><p>Caddar war jedoch genauso blind wie alle Feuchtl�nder. Er warf den Kopf zur�ck und lachte. �Wollt Ihr damit behaupten, Ihr h�ttet al'Thor verfehlt, aber Aes Sedai gefangengenommen? Ihr habt nach dem Adler gegriffen und Lerchen erwischt!�</p><p>�K�nnt Ihr f�r die Aes Sedai dasselbe beschaffen?�</p><p>Sie h�tte am liebsten mit den Zahnen geknirscht. Er war fr�her gewi� weitaus freundlicher gewesen.</p><p>Er zuckte die Achseln. �Vielleicht wenn der Preis stimmt.� Es bedeutete ihm nichts, es war unwichtig. Auch Maisia zeigte keine Besorgnis. Seltsam, wenn sie eine Aes Sedai war. Aber sie mu�te es sein.</p><p>�Ihr habt eine flinke Zunge, Feuchtl�nder�, sagte Tion tonlos. �Welchen Beweis habt Ihr?� Dieses eine Mal hatte Sevanna nichts dagegen, da� sie unaufgefordert sprach.</p><p>Caddars Gesicht spannte sich derma�en an, als w�re er ein Clanh�uptling, der beleidigt worden w�re, aber kurz darauf l�chelte er wieder. �Wie Ihr w�nscht. Maisia, spielt f�r sie mit dem W�rfel.�</p><p>Someryn bewegte ihre R�cke und pre�te ihre Kn�chel gegen Sevannas Oberschenkel, w�hrend der graue W�rfel einen Schritt in die Luft stieg. Er sprang hin und her, als w�rde er von einer Hand zur anderen geworfen, neigte sich dann und drehte sich wie ein Kreisel auf einer Ecke immer schneller, bis er undeutlich wurde.</p><p>�W�rdet Ihr gern sehen, wie sie ihn auf der Nase balanciert?� fragte Caddar sp�ttisch.</p><p>Die dunkle Frau blickte starr geradeaus und l�chelte jetzt eindeutig gezwungen. �Ich glaube, ich habe gerade genug bewiesen, Caddar�, sagte sie kalt. Aber der W�rfel drehte sich weiterhin.</p><p>Sevanna wartete ab, bis sie langsam bis zwanzig gez�hlt hatte, bevor sie sagte; �Das gen�gt.�</p><p>�Ihr k�nnt jetzt aufh�ren, Maisia�, sagte Caddar. �Stellt ihn wieder hin.� Erst da sank der W�rfel langsam herab und schmiegte sich sanft an seinen urspr�nglichen Platz, Obwohl die Frau eine dunkle Hautfarbe besa�, wirkte sie jetzt bla� und beinahe zornig.</p><p>W�re sie allein gewesen, h�tte Sevanna gelacht und getanzt. Sie hatte M�he, eine ausdruckslose Miene beizubehalten. Rhiale und die anderen waren zu sehr in ihre hochm�tige Betrachtung Maisias vertieft, um es zu bemerken. Was mit der Gabe bei einer Frau gelang, w�rde auch bei einer anderen gelingen. Bei Someryn und Modarra hatte es vielleicht keinen Zweck, aber bei Rhiale, und bei Therava... Sie durfte keinen zu eifrigen Eindruck erwecken, nicht, wenn die anderen wu�ten, da� es keine gefangengenommenen Aes Sedai gab.</p><p>�Nat�rlich�, fuhr Caddar fort, �wird es eine Weile dauern, Euch das Gew�nschte zu beschaffen.� Er nahm einen verschlagenen Ausdruck an und versuchte, es zu verbergen. Ein anderer Feuchtl�nder h�tte es vielleicht nicht bemerkt. �Ich warne Euch, der Preis wird nicht gering sein.�</p><p>Sevanna beugte sich wider Willen vor. �Und das Geheimnis, wie Ihr so schnell hierher gelangt seid? Wieviel w�rde es kosten, wenn sie uns das lehrte?� Es gelang ihr, die Stimme zu beherrschen, aber sie f�rchtete, da� die Verachtung, die sie empfand, h�rbar war. Feuchtl�nder w�rden f�r Gold alles tun.</p><p>Vielleicht hatte der Mann ihre Verachtung herausgeh�rt. Seine Augen weiteten sich jedenfalls �berrascht, bevor er sich wieder beherrschte. Er betrachtete seine H�nde und verzog leicht die Mundwinkel. Warum sollte sein L�cheln erfreut scheinen? �Das tut sie nicht�, sagte er glatt. �Nicht selbst. Es ist wie mit dem W�rfel. Ich kann Euch einige beschaffen, aber deren Preis ist noch h�her. Ich bezweifle, da� das gen�gt, was Ihr von Cairhien zusammengetragen habt. Gl�cklicherweise k�nnt Ihr die ... Reisek�sten dazu benutzen, Eure Leute in reichere L�nder zu verbringen.�</p><p>Selbst Meira f�hlte sich bem��igt, ihre Miene nicht zu gierig erscheinen zu lassen. Reichere L�nder, und keine Notwendigkeit, sich einen Weg durch diese Narren zu bahnen, die Rand al'Thor folgten.</p><p>�Erz�hlt mir mehr�, sagte Sevanna k�hl. �Reichere L�nder k�nnten interessant sein.� Aber nicht interessant genug, sie den <emphasis>Car'a'carn</emphasis> vergessen zu lassen. Caddar w�rde ihr alles geben, was er versprochen hatte, bevor sie ihn zum <emphasis>Da'tsang</emphasis> erkl�rte. Gut, da� er Schwarz anscheinend mochte. Dann w�re es nicht n�tig, ihm Gold zu geben.</p><p>Der Beobachter geisterte lautlos durch den Wald. Es war wunderbar, was man durch einen solchen W�rfel erfahren konnte, besonders in einer Welt, in der es anscheinend nur zwei andere gab. Man konnte dem roten Gewand leicht folgen, und sie schauten niemals zur�ck, nicht einmal, um nachzusehen, ob jemand der sogenannten Aiel ihnen folgte. Graendal behielt die Spiegelmaske bei, die ihre wahre Gestalt verbarg, aber Sammael hatte seine abgelegt, zeigte wieder seinen goldenen Bart und ragte mit Kopf und Schultern �ber ihr auf. Er hatte die Verbindung zwischen ihnen ebenfalls aufgegeben. Der Beobachter fragte sich, ob das unter den gegebenen Umstanden klug war. Er hatte sich immer schon gefragt, wieviel von Sammaels ber�hmter Tapferkeit in Wahrheit Dummheit und Verblendung war. Aber der Mann hielt <emphasis>Saidin</emphasis> fest. Vielleicht war er sich der Gefahr doch nicht so vollkommen unbewu�t.</p><p>Der Beobachter folgte und lauschte. Sie hatten keine Ahnung. Die Wahre Macht, unmittelbar vom Gro�en Herrn herangezogen, war weder sichtbar noch konnte sie au�er von demjenigen, der sie f�hrte, entdeckt werden. Schwarze Flecken tr�bten seine Sicht. Nat�rlich hatte sie ihren Preis, der sich mit jedem Gebrauch der Macht erh�hte, aber er war stets bereit gewesen, ihn zu bezahlen, wenn es n�tig war. Von der Wahren Macht erf�llt zu sein, war fast, als knie man unter Shayol Ghul und sonne sich im Ruhm des Gro�en Herrn. Der Ruhm war den Schmerz wert.</p><p>�Nat�rlich mu�te ich dich bei mir haben�, grollte Sammael, w�hrend er �ber abgestorbene Ranken stolperte. Er hatte sich au�erhalb von St�dten niemals heimisch gef�hlt. �Du hast ihnen allein schon hundert Fragen beantwortet, indem du dort warst. Ich kann kaum glauben, da� dieses t�richte M�dchen tats�chlich von sich aus vorgeschlagen hat, was ich wollte.� Er lachte bellend. �Vielleicht bin ich selbst ein <emphasis>Ta'veren.�</emphasis></p><p>Ein Zweig, der Graendal im Weg war, schnellte zur�ck, bis er mit scharfem Krachen brach. Er schwebte einen Moment in der Luft, als beabsichtige Graendal, ihren Gef�hrten zu schlagen. �Dieses t�richte M�dchen wird dir das Herz herausschneiden und es verspeisen, wenn sie nur halbwegs die Gelegenheit dazu bekommt.� Der Zweig flog zur Seite. �Ich habe selbst einige Fragen. Ich h�tte niemals gedacht, da� du deinen Waffenstillstand mit al'Thor l�nger beibeh�ltst als notwendig, aber dies...�</p><p>Der Beobachter w�lbte die Augenbrauen. Ein Waffenstillstand? Eine Behauptung, die allem Anschein nach genauso gewagt wie falsch war.</p><p>�Ich habe seine Entf�hrung nicht angeordnet, aber Mesaana hatte damit zu tun. Vielleicht auch Demandred und Semirhage, trotz des Ausgangs, Mesaana jedoch mit Gewi�heit. Vielleicht solltest du noch einmal dar�ber nachdenken, was der Gro�e Herr damit meint, al'Thor unbeschadet zu lassen.�</p><p>Graendal dachte so angestrengt dar�ber nach, da� sie stolperte. Sammael ergriff ihren Arm und st�tzte sie, aber sobald sie ihr Gleichgewicht wiedererlangt hatte, ri� sie sich los. Interessant, selbst wenn man bedachte, was auf dieser Lichtung geschehen war. Graendals wahres Interesse galt stets dem M�chtigsten und Sch�nsten, aber sie h�tte, nur um Zeit zu gewinnen, auch mit einem Mann get�ndelt, den sie t�ten oder der sie t�ten wollte. Die einzigen M�nner, mit denen sie niemals t�ndelte, waren jene Auserw�hlten, die eine Zeitlang �ber ihr standen. Sie akzeptierte es niemals, geringer wertig zu sein.</p><p>�Warum besch�ftigen wir uns dann weiterhin mit ihnen?� Ihre Stimme klang angespannt obwohl sie ihre Empfindungen f�r gew�hnlich sehr gut beherrschte. �Al'Thor in Mesaanas H�nden ist eine Sache. Al'Thor in H�nden dieser Wilden ist etwas anderes. Nicht, da� sie bei ihm viele Chancen h�tte. Reisek�sten? Was ist das f�r ein Spiel? Haben sie Gefangene gemacht? Wenn du glaubst, ich w�rde sie Zwang lehren, dann vergi� es. Fine jener Frauen war nicht unbedeutend. Ich werde es nicht riskieren, auf St�rke und K�nnen gleichzeitig zu treffen, weder bei ihr noch bei jemandem, den sie lehrt.�</p><p>Der Beobachter blieb stehen und schaute hinter sich. Bis auf die Augen in F�cherstoff geh�llt, sorgte er sich nicht, da� er gesehen werden k�nnte. Er hatte im Laufe der Jahre auf vielen Gebieten, die Sammael verachtete, Erfahrungen gesammelt.</p><p>Das pl�tzlich er�ffnete und einen Baum in der Mitte zerteilende Wegetor erschreckte Graendal. Der gespaltene Baumstamm schwankte. Jetzt wu�te sie auch, da� Sammael die Quelle festhielt.</p><p>�Hast du geglaubt, ich hatte ihnen die Wahrheit gesagt?� fragte Sammael sp�ttisch. �Kleine Steigerungen in der allgemeinen Verwirrung sind genauso wichtig wie gro�e. Sie werden hingehen, wo ich sie hinschicke, tun, was ich will, und lernen, mit dem zufrieden zu sein, was ich ihnen gebe. Wie auch Ihr, Maisia.�</p><p>Graendal lie� ihr Trugbild fahren und stand dann genauso blond wie er und genauso hellh�utig, wie sie vorher dunkelh�utig gewesen war, da. �Wenn du mich noch einmal so nennst, werde ich dich t�ten.� Ihre Stimme war noch ausdrucksloser als ihr Gesicht. Sie meinte es ernst. Der Beobachter spannte sich an. Wenn sie es versuchte, w�rde einer von beiden sterben. Sollte er eingreifen? Schwarze Flecken tr�bten seine Sicht jetzt st�rker.</p><p>Sammael erwiderte Graendals Blick mit der gleichen H�rte. �Denk daran, wer Nae'blis sein wird, Graendal�, sagte er und trat durch das Wegetor.</p><p>Sie blieb einen Moment stehen und betrachtete die �ffnung. Ein waagerechter, silberner Schlitz erschien auf einer Seite, aber bevor sich ihr Wegetor auszurichten begann, lie� sie das Gewebe z�gernd fahren, so da� sich der Schlitz auf einen Punkt verkleinerte und dann erlosch. Die Haut des Beobachters h�rte auf zu kribbeln, als auch er <emphasis>Saidar</emphasis> fahren lie�. Graendal folgte Sammael mit starrem Gesicht, und sein Wegetor schlo� sich hinter ihr.</p><p>Der Beobachter l�chelte hinter seiner F�cherstoffMaske verzerrt. Nae'blis. Das erkl�rte, was Graendal gef�gig gemacht hatte, was sie davon abhielt, Sammael zu t�ten. Selbst sie wurde davon verblendet. Es war jedoch f�r Sammael ein noch gr��eres Wagnis, als zu behaupten, einen Waffenstillstand mit al'Thor geschlossen zu haben. Es sei denn nat�rlich, es entspr�che der Wahrheit. Der Gro�e Herr geno� <emphasis>es,</emphasis> seine Diener gegeneinander aufzubringen, um zu sehen, wer st�rker war. Nur die St�rksten durften sich in seinem Ruhm sonnen. Aber die Wahrheit von heute mu�te nicht die Wahrheit von morgen sein. Der Beobachter hatte die Wahrheit sich zwischen einem Sonnenaufgang und einem Sonnenuntergang hundert Mal ver�ndern sehen. Mehr als einmal hatte er sie selbst ver�ndert. Er erwog, zur�ckzugehen und die sieben Frauen auf der Lichtung zu t�ten. Sie w�rden rasch sterben. Er bezweifelte, da� sie wu�ten, wie sie einen wahren Kreis bilden m��ten. Die schwarzen Flecken erf�llten seine Sicht, ein waagerechter Blizzard. Nein, er w�rde den Dingen ihren Lauf lassen. Im Moment.</p><p>In seinen �hren klang es, als schreie die Welt, als er die Wahre Macht gebrauchte, um eine kleine �ffnung zu schaffen und das Muster <emphasis>zu</emphasis> verlassen. Sammael erkannte nicht, wie wahr er gesprochen hatte. Kleine Steigerungen in der allgemeinen Verwirrung waren ganz genauso wichtig wie gro�e.</p></section><section><title><p>21</p><p>Eine swovanische Nacht</p></title><p>Die Nacht senkte sich langsam �ber Ebou Dar, aber das Schimmern der wei�en Geb�ude widerstand der Dunkelheit. Kleine Gruppen von Nachtschw�rmern der swovanischen Nacht mit Zweigen Immergr�n im Haar tanzten unter einem Dreiviertelmond auf den Stra�en, wobei nur wenige eine Laterne trugen, w�hrend sie zur Musik der Fl�ten und Trommeln und H�rner umhersprangen, die aus Gasth�usern und Pal�sten drang, aber �berwiegend lagen die Stra�en verlassen da. In der Ferne bellte ein Hund, und ein anderer in der N�he antwortete w�tend, bis er pl�tzlich aufjaulte und dann schwieg.</p><p>Mat schlich auf Zehenspitzen und lauschte, w�hrend sein Blick die Mondschatten absuchte. Nur eine die Stra�e entlang huschende Katze regte sich. Das Tappen laufender blo�er F��e verklang. Der Besitzer des einen Paars sollte stolpern und der des anderen bluten. Als Mat sich b�ckte, stie� sein Fu� gegen einen auf dem Pflaster liegenden Kn�ppel, der so lang war wie sein Arm. Schwere Messingbeschl�ge gl�nzten im Mondlicht. Damit h�tte man ihm gewi� den Sch�del spalten k�nnen. Er sch�ttelte den Kopf und wischte seinen Dolch an dem zerschlissenen Umhang des Mannes zu seinen F��en ab. Ge�ffnete Augen starrten aus einem schmutzigen, faltigen Gesicht in den Nachthimmel. Ein Bettler, so wie er aussah und roch. Mat hatte noch nie davon geh�rt, da� ein Bettler jemanden angegriffen h�tte, aber vielleicht waren die Zeiten h�rter, als er gedacht hatte. Ein gro�er Jutesack lag neben der ausgestreckten Hand. Der Bursche hatte wohl gehofft, er w�rde Reicht�mer in Mats Taschen finden. Der Sack h�tte ihn vom Kopf bis zu den Knien bedecken k�nnen.</p><p>N�rdlich �ber der Stadt flammte pl�tzlich mit hohlem Donnern Licht am Himmel auf, w�hrend sich funkelnde Streifen Gr�n zu einer Kugel ausdehnten, und dann lie� ein weiterer Ausbruch rote Funken durch das Gr�n rieseln, gefolgt von blauen und gelben Funken. Die Nachtblumen der Feuerwerker, nicht so gro�artig, wie sie in einer mondlosen Nacht mit einem Wolkenhimmel gewesen w�ren, aber sie nahmen ihm dennoch den Atem. Er konnte stundenlang Feuerwerke betrachten. Nalesean hatte von einem Feuerwerker gesprochen - Licht, war das erst heute morgen gewesen? -, aber keine neuen Nachtblumen erstrahlten. Wenn Feuerwerker den Himmel erbl�hen lie�en, wie sie es nannten, pflanzten sie mehr als nur vier Blumen. Also hatte eindeutig ein Reicher f�r die swovanische Nacht eingekauft. Mat w�nschte, er w��te, bei wem. Ein Feuerwerker, der Nachtblumen verkaufte, w�rde auch noch anderes verkaufen.</p><p>Er lie� den Dolch wieder in seinen �rmel gleiten, las seinen Hut vom Pflaster auf und ging eilig davon, wobei seine Stiefel widerhallten, ein Ger�usch, das so einsam klang, wie die Stra�en verlassen waren. Durch die meisten geschlossenen Fensterl�den drang kein Lichtschimmer. Wahrscheinlich konnte man in der Stadt keinen besseren Ort f�r einen Mord finden. Die gesamte Begegnung mit den drei Bettlern hatte nur eine oder zwei Minuten gedauert und war von niemandem bemerkt worden. In dieser Stadt konnte man drei oder vier Auseinandersetzungen am Tag erleben, wenn man nicht vorsichtig war, aber die M�glichkeit, zwei R�uberbanden an einem Tag zu begegnen, schien genauso gro� wie die M�glichkeit, da� die B�rgerwehr eine Bestechung abwies. Was geschah mit seinem Gl�ck? Wenn nur diese verdammten W�rfel in seinem Kopf aufh�ren w�rden umherzurollen. Er lief nicht, aber er tr�delte auch nicht, eine Hand an einem Heft unter seinem Umhang und ein Auge aufmerksam auf Bewegungen in den Schatten gerichtet. Er sah jedoch nichts au�er einigen Nachtschw�rmern, welche die Stra�e entlang torkelten.</p><p>Im Schankraum der <emphasis>Wanderin</emphasis> waren die Tische bis auf einige wenige an den W�nden fortger�umt worden. Die Fl�tenspieler und Trommler musizierten f�r vier lachende Reihen Menschen, die ein Mittelding zwischen einer Quadrille und einer Gigue tanzten. Mat beobachtete sie und machte einen Schritt nach. Fremde H�ndler in edlem Tuch sprangen mit Einheimischen in bestickten Seiden westen oder jenen nutzlosen, �ber die Schultern geschlungenen Umh�ngen umher. Er merkte sich zwei der H�ndler aufgrund der Art vor, wie sie sich bewegten, von denen nur einer schlank war, die sich aber beide mit leichter Anmut bewegten, und mehrere einheimische Frauen, die ihre beste Kleidung trugen, deren tiefe Ausschnitte von ein wenig Spitze oder viel Stickerei ges�umt waren, die aber nicht aus Seide bestand. Nat�rlich h�tte er nichts dagegen gehabt, mit einer in Seide geh�llten Frau zu tanzen - er hatte niemals einen Tanz mit einer Frau irgendeines Alters oder Status abgelehnt -, aber die Reichen hielten sich heute nacht in den Pal�sten oder den Heimen der wohlhabenderen H�ndler und Geldverleiher auf. Die Menschen, die dort an den W�nden aufgereiht standen und f�r den n�chsten Tanz Atem sch�pften, tranken aus Bechern oder schnappten sich frische Becher von Tabletts, die von Schankm�dchen eilig durch die Menge getragen wurden. Herrin Anan w�rde heute abend wahrscheinlich genauso viel Wein verkaufen wie sonst in einer ganzen Woche. Und auch Bier. Die Einheimischen hatten offensichtlich keinen guten Geschmack.</p><p>Mat versuchte einen weiteren Tanzschritt und hielt dann Caira auf, als sie mit einem Tablett vor�bereilen wollte. Er bem�hte sich, die Musik mit seiner Stimme zu �bert�nen, um einiges zu fragen und sein Essen zu bestellen, Edelfisch, ein Gericht mit scharfem Beigeschmack, das Herrin Anans K�chin perfekt zubereitete. Ein Mann brauchte seine Kraft, um beim Tanzen mithalten zu k�nnen.</p><p>Caira warf einem Burschen in einer gelben Weste, der sich einen Becher von ihrem Tablett schnappte und die M�nzen daf�r darauf fallen lie�, ein vielsagendes L�cheln zu, hatte aber dieses Mal kein L�cheln f�r Mat �brig. Tats�chlich pre�te sie den Mund zu einer schmalen Linie zusammen, was keine geringe Leistung war. �Ich bin also Euer kleines H�schen?� Sie fuhr mit vielsagendem Naser�mpfen fort. �Der Junge ist im Bett, wo er hingeh�rt, und ich wei� nicht, wo Lord Nalesean ist, oder Harnan, oder Meister Vanin oder sonst jemand. Und die K�chin sagte, sie w�rde nur Suppe und Brot f�r jene vorbereiten, die ihre Zungen in Wein ertr�nken. Aber warum mein Lord Edelfisch will, wenn eine edle Frau in seinem Zimmer wartet, verstehe ich wirklich nicht. Wenn Ihr mich entschuldigen wollt - manche Leute m�ssen f�r ihren Unterhalt arbeiten.� Sie fegte davon, bot ihr Tablett dar und l�chelte jeden Mann in Sichtweite breit an.</p><p>Mat blickte ihr stirnrunzelnd nach. Eine edle Frau? In seinem Zimmer? Die Goldkiste war jetzt in einer kleinen H�hlung vor einem der Herde unter dem K�chenboden versteckt, aber die W�rfel in seinem Kopf spielten dennoch pl�tzlich verr�ckt.</p><p>Die fr�hlichen Kl�nge verebbten, w�hrend er langsam die Treppe hinaufstieg. Er hielt vor seiner Zimmert�r inne und lauschte den W�rfeln. Es hatte heute bisher zwei Versuche gegeben, ihn auszurauben. Zweimal w�re ihm beinahe der Sch�del gespalten worden. Er war sich sicher, da� die Schattenfreundin ihn nicht gesehen hatte, und niemand konnte sie als edel bezeichnen, aber... Er tastete nach dem Heft unter seinem Umhang und nahm die Hand dann wieder fort, als ihm eine Frau in den Sinn kam, eine gro�e Frau, zwischen deren Br�sten ein Dolchheft hervorsah. Sein Dolch. Er brauchte einfach Gl�ck. Er �ffnete seufzend die T�r.</p><p>Die J�gerin, die Elayne zu ihrer Beh�terin gemacht hatte, wandte sich um und hob seinen ungespannten Zwei-Fl�sse-Bogen an, den blonden Zopf �ber eine Schulter gelegt. Ihre blauen Augen hefteten sich bewu�t auf ihn, und ihr Gesicht nahm einen entschlossenen Ausdruck an. Sie schien bereit, ihn mit dem Bogen zu pr�geln, wenn sie nicht bekam, was sie wollte.</p><p>�Wenn es um Olver geht�, begann er, als pl�tzlich eine Erinnerung aufkam, sich ein Nebel �ber einem Tag, einer Stunde seines Lebens lichtete.</p><p><emphasis>Mit den Seanchanern im Westen und den Wei�m�nteln im Osten bestand kaum noch Hoffnung, so da� er sein gewundenes Horn anhob und hineinblies, ohne wirklich zu wissen, was ihn erwartete. Der Ton klang golden, wie das Horn es war, und so lieblich, da� er nicht wu�te, ob er lachen oder weinen sollte. Der Ton hallte wieder, und die Erde und der Himmel schienen zu singen. Wahrend dieser eine reine Ton in der Luft schwebte, stieg ein Nebel auf, scheinbar aus dem Nichts, d�nne Ranken, die sich verdichteten, h�her wogten, bis sich alles verfinsterte, als h�tten Wolken das Land bedeckt. Und auf diesen Wolken kamen sie wie einen Berghang her abgeritten, die toten Helden der Legende, die dazu verurteilt waren, durch das Horn von Valere zur�ckgerufen zu werden. Artur Falkenfl�gel selbst f�hrte sie an, gro� und mit einer Hakennase, und dahinter kamen die �brigen, kaum mehr als einhundert. So wenige, aber es waren all jene, die das Rad immer wieder hervorbringen w�rde, um das Muster zu leiten, um Legenden und Mythen zu schmieden. Mikel des Reinen Herzens und Shivan der J�ger hinter seiner schwarzen Maske. Von ihm hie� es, er verk�nde das Ende der Zeitalter, die Zerst�rung dessen, was gewesen war, und die Geburt dessen, was sein w�rde, er und seine Schwester Calian, die W�hlerin genannt, die mit einer roten Maske an seiner Seite ritt. Amaresu, mit dem gl�henden Sonnenschwert in H�nden, und Paedrig, der goldz�ngige Friedensstifter, und dort, mit dem Silberbogen in H�nden, mit dem sie niemals ein Ziel verfehlte...</emphasis></p><p>Er schob die T�r zu und war versucht, sich dagegen zu lehnen. Er f�hlte sich benommen, schwindlig. �Ihr seid es. Birgitte, zweifellos. Verdammt, es ist unm�glich. Wie? Wie?�</p><p>Die Frau aus der Legende seufzte ergeben und stellte seinen Bogen wieder in die Ecke neben seinen Speer. �Ich wurde zur Unzeit herausgerissen, Hornbl�ser, von Moghedien zum Sterben vertrieben und durch Elaynes Bund gerettet.� Sie sprach langsam und betrachtete ihn, als wollte sie sich vergewissern, da� er verstand. �Ich f�rchtete, du k�nntest dich erinnern, wer ich urspr�nglich war.�</p><p>Noch immer benommen, warf Mat sich stirnrunzelnd in den Lehnstuhl neben seinem Tisch. Wer sie urspr�nglich war, wahrhaftig. Sie stellte sich ihm mit in die H�ften gestemmten F�usten herausfordernd gegen�ber, keinen Deut anders als die Birgitte, die er aus dem Himmel hatte reiten sehen. Sogar ihre Kleidung war dieselbe, obwohl dieser kurze Umhang rot und die weite Hose gelb waren. �Elayne und Nynaeve wissen Bescheid und haben es vor mir geheimgehalten, richtig? Ich habe die Geheimnisse satt, Birgitte, und sie verwahren so viele Geheimnisse, wie ein Getreidespeicher Ratten beherbergt. Sie sind mit Herz und Seele Aes Sedai geworden. Sogar Nynaeve ist mir jetzt doppelt fremd.�</p><p>�Du hast deine eigenen Geheimnisse.� Sie kreuzte die Arme unter ihren Br�sten und setzte sich aufs Fu�ende seines Bettes. So wie sie ihn ansah, h�tte man meinen k�nnen, er sei ein R�tsel. �Du hast ihnen beispielsweise nicht erz�hlt da� du das Horn von Valere geblasen hast. Und ich denke, da� dies noch das geringste Geheimnis ist, das du vor ihnen verbirgst.�</p><p>Mat blinzelte. Er hatte angenommen, sie h�tten es ihr gesagt. Sie war immerhin Birgitte. �Welche Geheimnisse habe ich denn sonst? Diese Frauen kennen mich in- und auswendig.� Sie war Birgitte. Nat�rlich. Er beugte sich vor. �La�t sie wieder zur Vernunft kommen. Ihr seid Birgitte Silberbogen. Ihr k�nnt sie Eure Befehle befolgen lassen. Diese Stadt weist an jeder Biegung Fallgruben auf, und ich f�rchte, da� die Pf�hle jeden Tag spitzer werden.</p><p>Dr�ngt sie zur Flucht bevor es zu sp�t ist.�</p><p>Sie lachte; hielt eine Hand vor den Mund und lachte! �Ihr irrt Euch, Hornbl�ser. Ich befehle ihr nicht. Ich bin Elaynes Beh�terin. Ich gehorche.� Sie l�chelte wehm�tig. �Birgitte Silberbogen. Vertraute des Lichts - ich bin nicht sicher, ob ich diese Frau noch bin. So vieles von dem, was ich war, ist seit meiner seltsamen Wiedergeburt vergangen wie Nebel unter der Sommersonne. Ich bin jetzt keine Heldin mehr, sondern nur eine Frau, die ihren Weg gehen mu�. Und nun zu deinen Geheimnissen. Welche Sprache sprechen wir, Hornbl�ser?�</p><p>Er �ffnete den Mund ... und hielt inne, als er wirklich h�rte, was sie gerade gesagt hatte. <emphasis>Nosane iro gavane domorakoshi, Diymrid'ma'purvem!</emphasis> Sprechen wir welche Sprache, Bl�ser des Horns? Seine Nackenhaare stellten sich auf. �Das alte Blut�, sagte er vorsichtig - nicht in der Alten Sprache. �Eine Aes Sedai sagte mir einmal, das alte Blut flie�e stark in... Verdammt, wor�ber lacht Ihr jetzt?�</p><p>��ber dich, Mat�, brachte sie m�hsam hervor, w�hrend sie sich wieder zu beruhigen versuchte. Zumindest sprach sie nicht mehr in der alten Sprache. Sie wischte sich eine Tr�ne aus dem Augenwinkel. �Einige Menschen sprechen durch das Alte Blut einige Worte oder einen oder zwei S�tze der Alten Sprache. �blicherweise ohne zu verstehen, was sie sagen. Aber du... W�hrend eines Satzes bist du ein Eharoni-Hochprinz und w�hrend des n�chsten ein Herrscher Manetherens mit perfektem Akzent. Nein, sorge dich nicht. Dein Geheimnis ist bei mir sicher.� Sie z�gerte. �Ist meines auch bei dir sicher?�</p><p>Er winkte ab, noch immer zu verwirrt, um sich beleidigt zu f�hlen. �Wirke ich wie ein Schw�tzer?� murrte er. Birgitte! Leibhaftig! �Verdammt, ich k�nnte etwas zu trinken gebrauchen.� Er wu�te, noch bevor er die Worte ganz ausgesprochen hatte, da� es die falschen waren. Frauen wollten niemals...</p><p>�Das h�rt sich gut an�, sagte sie. �Ich k�nnte selbst einen Becher Wein vertragen. Blut und Asche; als ich merkte, da� du mich erkannt hattest, h�tte ich fast meine Zunge verschluckt.�</p><p>Er setzte sich j�h aufrecht und starrte sie an.</p><p>Sie begegnete seinem Blick mit heiterem Augenzwinkern und einem Grinsen. �Im Schankraum herrscht genug L�rm, da� wir reden k�nnen, ohne belauscht zu werden. Au�erdem h�tte ich nichts dagegen, mich dort hinzusetzen und mich ein wenig umzuschauen. Elayne predigt wie ein tovanischer Ratsherr, wenn ich l�nger als einen Herzschlag mit einem Mann lieb�ugele.�</p><p>Er nickte ohne nachzudenken. Die Erinnerungen anderer Menschen vermittelten ihm, da� die Tovaner ein strenges und mi�billigendes und bis zur Schmerzgrenze enthaltsames Volk waren oder zumindest vor tausend und mehr Jahren gewesen waren. Er war sich nicht sicher, ob er lachen oder st�hnen sollte. Einerseits hatte er die Gelegenheit, mit Birgitte zu sprechen - Birgitte! Er bezweifelte, da� er diesen Schock jemals �berwinden w�rde -, aber andererseits bezweifelte er auch, da� er den L�rm im Schankraum h�ren w�rde, weil die W�rfel in seinem Kopf so laut klapperten. Sie mu�te irgendwie ein Schl�ssel dazu sein. Ein Mann mit einem Rest Verstand w�rde jetzt sofort aus dem Fenster klettern. �Ein oder zwei Becher Wein h�rt sich auch f�r mich gut <emphasis>an�,</emphasis> antwortete er.</p><p>Eine steife, salzige Brise von der Bucht trug wundersamerweise einen Hauch K�hle heran, aber Nynaeve empfand die Nacht dennoch als bedr�ckend. Musik und bruchst�ckhaftes Lachen schwebten von der Stadt und auch schwach vom Festsaal im Palast heran. Sie war von Tylin selbst zum Ball eingeladen worden, und Elayne und Aviendha ebenfalls, aber sie hatten alle, unterschiedlich h�flich, abgelehnt. Aviendha hatte gesagt, es g�be nur einen Tanz, den sie mit Feuchtl�nder-M�nnern zu tanzen bereit w�re, was Tylin verunsichert hatte. Nynaeve selbst w�re gern hingegangen - nur ein Narr verpa�te eine Gelegenheit zu tanzen -, aber sie wu�te, da� sie dann genau das getan h�tte, was sie auch jetzt tat, n�mlich irgendwo sitzen, sich sorgen und versuchen, sich nicht die Fingerkn�chel zu zerbei�en.</p><p>Also befanden sie sich alle hier, mit Thom und Juilin in ihren R�umen eingepfercht, unruhig wie eingesperrte Katzen, w�hrend sich alle anderen in Ebou Dar am�sierten. Nun, sie war zumindest unruhig. Was k�nnte Birgitte aufgehalten haben? Wie lange dauerte es, einem Mann aufzutragen, sich sofort am n�chsten Morgen einzufinden? Licht, die ganze M�he war vergebens gewesen, und die Zeit zum Schlafengehen war schon l�ngst vor�ber. Wenn sie Schlaf f�nde, k�nnte sie die Erinnerungen an die schrecklichen Bootsfahrten von heute morgen verbarmen. Und am schlimmsten war, da� ihr Wettersinn sagte, da� ein Sturm aufkam, da� der Wind heulen und der Regen so dicht herabprasseln w�rde, da� niemand mehr zehn Fu� weit sehen k�nnte. Es hatte einige Zeit gedauert, bis sie verstand, wenn sie dem Wind lauschte und manchmal anscheinend L�gen h�rte. Zumindest glaubte sie zu verstehen. Eine andere Art Sturm kam auf, nicht Wind oder Regen, Sie hatte keinen Beweis, aber sie w�rde ihre Schuhsohlen verspeisen, wenn Mat Cauthon nicht irgendwie darin verwickelt war. Sie wollte einen Monat ein Jahr lang schlafen, um die Sorgen zu vergessen, bis Lan sie mit einem Ku� weckte wie der Sonnenk�nig Talia. Was nat�rlich l�cherlich war. Es war nur eine Geschichte, noch dazu eine sehr ungeh�rige, und sie w�rde ohnehin nicht der Liebling irgendeines Mannes werden, nicht einmal Lans. Sie w�rde ihn jedoch irgendwie finden und sich mit ihm verbinden. Sie w�rde... Licht! Wenn sie sich nicht von den anderen beobachtet gef�hlt h�tte, w�re sie zutiefst beunruhigt auf und ab gelaufen!</p><p>Die Zeit schritt voran. Sie las den kurzen Brief, den Mat bei Tylin hinterlegt hatte, und las ihn abermals. Aviendha sa� ruhig neben ihrem Stuhl mit der hohen Lehne auf den hellgr�nen Bodenfliesen, wie �blich im Schneidersitz, eine goldverzierte, ledergebundene Ausgabe von <emphasis>Die Reisen des Jain Fernschreiter</emphasis> auf den Knien. Sie zeigte keine Angst, aber die Frau h�tte auch mit keiner Wimper gezuckt, wenn ihr jemand eine Viper in ihr Gewand gesteckt h�tte. Als sie zum Palast zur�ckgekehrt war, hatte sie die silberne Halskette angelegt, die sie jetzt fast Tag und Nacht trug. Au�er auf der Bootsfahrt. Sie hatte gesagt, sie wollte sie nicht verlieren. Nynaeve fragte sich tr�ge, warum sie ihr Elfenbein-Armband nicht mehr trug. Sie hatte eine Unterhaltung belauscht, in der dar�ber gesprochen worden war, es nicht mehr zu tragen, bis Elayne ein �hnliches Armband bes��e, was wenig Sinn ergab. Dies war jedoch genauso unwichtig wie das Armband selbst. Der Brief auf ihrem Scho� erregte erneut ihre Aufmerksamkeit. Die Stehlampen in dem Wohnraum gaben helles Licht, doch Mats jungenhafte Handschrift war nur schwer lesbar. Aber es war der Inhalt des Briefes, bei dem sich Nynaeves Magen verkrampfte.</p><p><emphasis>Hier gibt es nur Hitze und Fliegen, und davon k�nnen wir auch viele in Caemlyn finden.</emphasis></p><p>�Bist du sicher, da� du ihm nichts erzahlt hast?� fragte sie.</p><p>Juilin hielt in seiner Handbewegung �ber dem Spielbrett inne und sah sie mit verletzter Unschuld an. �Wie oft soll ich dir das noch sagen?� Verletzte Unschuld war eine der Empfindungen, die M�nner am besten zeigen konnten, besonders wenn sie so schuldig waren wie F�chse im H�hnerstall. Bemerkenswerterweise zeigte die Schnitzerei um den Rand des Spielbretts F�chse.</p><p>Thom, der auf der anderen Seite des mit Steinintarsien versehenen Tisches des Diebef�ngers sa�, sah in seiner edel geschnittenen Jacke aus bronzefarbenem Tuch weder wie ein Gaukler aus noch wie der Mann, der einst K�nigin Morgases Geliebter gewesen war. Knorrig und wei�haarig, mit langem Schnurrbart und dichten Augenbrauen, war er von seinen klaren blauen Augen bis zu den Stiefelsohlen die entt�uschte Geduld. �Ich sehe nicht, wie wir das h�tten tun k�nnen, Nynaeve�, sagte er trocken, �wenn man bedenkt, da� du uns bis heute abend fast nichts erz�hlt hattest. Du h�ttest Juilin und mich schicken sollen.�</p><p>Nynaeve schnaubte. Als w�ren die beiden nicht wie gek�pfte H�hner herumgelaufen, seit sie angekommen waren, und h�tten sich nicht auf Mats Gehei� in ihre und Elaynes Angelegenheiten eingemischt. Die drei konnten auch keine zwei Minuten zusammen sein, ohne zu tratschen. M�nner konnten das niemals. Sie... Die Wahrheit war, wie sie widerwillig zugab, da� es ihnen niemals in den Sinn gekommen war, die Menschen zu benutzen. �Ihr h�ttet mit ihm etwas trinken gehen k�nnen�, murrte sie. �Erz�hlt mir nicht, da� Ihr es nicht tun w�rdet� So mu�te es sein - da� Mat Birgitte in dem Gasthaus schmoren lie�. Dieser Mann w�rde den ganzen Plan noch verderben.</p><p>�Und was ist, wenn sie es getan h�tten?� Elayne, die neben einem der hohen Bogenfenster lehnte und durch das wei� gestrichene eiserne Balkongitter in die Nacht schaute, kicherte. Sie tippte mit dem Fu�, obwohl es ein Wunder war, da� sie unter all den durch die Dunkelheit heranschwebenden Melodienfetzen eine einzelne erkennen konnte. �Es ist eine Nacht zum ... Trinken.�</p><p>Nynaeve sah sie stirnrunzelnd an. Elayne war schon den ganzen Abend �ber zunehmend seltsam gewesen. Wenn sie es nicht besser w��te, h�tte sie vermutet, da� sie sich heimlich hinausgeschlichen und einige Male an Wein genippt hatte. Oder eher einige Schlukke genommen hatte. Das w�re jedoch selbst dann unm�glich gewesen, wenn Elayne sie nicht im Auge behalten h�tte. Sie alle hatten recht verh�ngnisvolle Erfahrungen mit zuviel Wein gemacht, und keine von ihnen hatte jemals wieder mehr als einen Becher auf einmal getrunken.</p><p>�Mein Interesse gilt Jaichim Carridin�, sagte Aviendha, schlo� das Buch und legte es neben sich. Es k�mmerte sie nicht, wie seltsam es wirkte, da� sie in einem blauen Seidengewand auf dem Boden sa�. �Unter uns werden Schattenl�ufer get�tet, sobald man sie entdeckt, und weder Clan noch Septime, noch Gemeinschaft oder Erstschwcster gehen dagegen an. Wenn Jaichim Carridin ein Schattenl�ufer ist - warum t�tet Tylin Mitsobar ihn dann nicht? Warum tun wir es nicht?�</p><p>�Hier sind die Dinge ein wenig verworrener�, belehrte Nynaeve sie, obwohl sie sich dasselbe gefragt hatte. Nat�rlich nicht, warum Carridin nicht get�tet wurde, sondern warum er noch immer kommen und gehen konnte, wie er wollte. Sie hatte ihn genau an dem Tag, nachdem man ihr Mats Brief ausgeh�ndigt und sie Tylin gesagt hatte, was er enthielt, im Palast gesehen. Er hatte �ber eine Stunde mit Tylin gesprochen und war genauso ehrenvoll gegangen, wie er gekommen war. Sie hatte dies mit Elayne besprechen wollen, aber die Frage, was Mat wu�te und woher, war vorrangig. Dieser Mann w�rde ihnen Schwierigkeiten machen. Irgendwie. Ihre Aufgabe w�rde mi�lingen, ungeachtet dessen, was alle sagten. Ein Unwetter zog heran.</p><p>Thom r�usperte sich. �Tylin ist eine schwache K�nigin und Carridin der Gesandte einer Macht.� Er setzte einen Stein und hielt den Blick auf das Spielbrett gerichtet. Er klang, als denke er nur laut nach. �Ein Wei�mantel-Inquisitor kann dem Wesen nach kein Schattenfreund sein. Zumindest wird es in der Hochburg des Lichts so dargestellt. Wenn sie ihn gefangennimmt oder ihn auch nur anklagt, wird sie eine Wei�mantel-Legion in Ebou Dar vorfinden, bevor sie blinzeln kann. Vielleicht lassen sie ihr den Thron, aber sie w�re von diesem Moment an eine Marionette, die von der Kuppel der Wahrheit gef�hrt w�rde. Willst du dich noch immer nicht geschlagen geben, Juilin?� Der Diebef�nger sah ihn an und beugte sich dann w�tend �ber das Brett.</p><p>�Ich habe sie nicht f�r feige gehalten�, sagte Aviendha angewidert, und Thom l�chelte belustigt.</p><p>�Du hast noch niemals etwas gegen�bergestanden, das du nicht bek�mpfen konntest, Kind�, sagte er sanft, �etwas so Starkes, da� du nur die Wahl hast, zu fliehen oder lebendig verschlungen zu werden. Du solltest dein Urteil �ber Tylin aufschieben, bis du das erlebt hast.� Aviendha err�tete aus einem unbestimmten Grund. Normalerweise verbarg sie ihre Empfindungen so gut, da� ihr Gesicht wie aus Stein gemei�elt wirkte.</p><p>�Ich wei� es�, sagte Elayne pl�tzlich. �Wir werden einen Beweis finden, den sogar Pedron Niall anerkennen mu�.� Sie trat wieder in den Raum. Nein, sie schwebte. �Wir werden uns verkleiden und ihm folgen.�</p><p>Auf einmal stand nicht mehr Elayne in einem gr�nen Ebou-Dari-Gewand dort, sondern eine Domani mit einem d�nnen, eng anliegenden blauen Gewand. Nynaeve sprang ungewollt auf und pre�te die Lippen aus Ver�rgerung �ber sich selbst zusammen. Da� sie die Gewebe im Moment nicht sehen konnte, war kein Grund, sich durch das Trugbild erschrecken zu lassen. Sie warf Thom und Juilin einen raschen Blick zu. Sogar Thoms Mund stand offen. Sie umfa�te unbewu�t fest ihren Zopf. Elayne w�rde alles verraten! Was war mit ihr los?</p><p>Ein Trugbild wirkte besser, je st�rker man sich an das hielt, was - zumindest in Gestalt und Gr��e -vorher gewesen war, weshalb Teile des Ebou-Dari-Gewandes durch die Domani-Kleidung hindurch blitzten, als Elayne sich drehte, um sich in einem der beiden gro�en Spiegel des Raums zu begutachten. Sie lachte und klatschte in die H�nde. �Oh, er wird mich <emphasis>niemals</emphasis> erkennen. Und dich auch nicht, N�chstschwester.� Pl�tzlich sa� eine Tarabonin mit braunen Augen und blonden, mit roten Perlen der gleichen Schattierung wie ihr eng anliegendes Seidengewand geschm�ckten Z�pfen neben Nynaeves Stuhl. Sie sah Elayne fragend an. Nynaeve umschlo� ihren Zopf fester. �Und wir d�rfen dich nicht vergessen�, plapperte Elayne weiter. �Ich wei� <emphasis>genau</emphasis> das Richtige f�r dich.�</p><p>Dieses Mal sah Nynaeve das Schimmern um Elayne. Sie war zornig. Sie sah zwar die Str�nge, die um sie gewoben wurden, konnte aber nat�rlich nicht erkennen, welche Gestalt Elayne ihr gab. Dazu mu�te sie in einen der Spiegel sehen. Eine Meervolkfrau mit einem Dutzend mit Edelsteinen besetzten Ringen in den Ohren und doppelt so vielen von der zu ihrem Nasenring verlaufenden Kette herabh�ngenden Medaillons sah sie entsetzt an. Sie trug, abgesehen von dem Schmuck, lediglich eine weite Hose aus brokatdurchwirkter gr�ner Seide, wie es die Frauen der Athan'Miere au�er Sichtweite des Landes zu halten pflegten. Es war nur ein Trugbild. Sie war unter dem Gewebe noch immer angemessen bekleidet. Aber... Neben ihrem Spiegelbild sah sie jene von Thom und Juilin, die sich beide bem�hten, nicht zu grinsen.</p><p>Ein erstickter Schrei entrang sich ihrer Kehle. �Schlie�t die Augen!� schrie sie die M�nner an und begann umherzuspringen, die Arme zu schwenken und alles zu tun, damit ihr Gewand hindurch schiene.</p><p>�Schlie�t sie, verdammt!� Oh. Sie hatten die Augen geschlossen. Starr vor Emp�rung h�rte sie auf herumzuspringen. Jetzt bem�hten sie sich jedoch nicht mehr, nicht zu grinsen. Und Aviendha bog sich offen vor Lachen.</p><p>Nynaeve ri� an ihren R�cken - im Spiegel schien die Meervolkfrau an ihrer Hose zu zupfen - und sah Elayne starr an. �H�r auf damit, Elayne!� Die Domani erwiderte ihren Blick mit ungl�ubig ge�ffnetem Mund und geweiteten Augen. Erst jetzt erkannte Nynaeve, wie zornig sie war. Die Wahre Quelle lockte gerade au�erhalb ihrer Sichtweite. Sie umarmte <emphasis>Saidar</emphasis> und errichtete rasch einen Schild zwischen Elayne und der Quelle. Oder zumindest versuchte sie es. Jemanden abzuschirmen, der die Macht bereits festhielt, war nicht leicht, selbst wenn man der St�rkere war. Als Kind hatte sie einmal Meister Anvils Hammer so hart wie m�glich auf den Ambo� geschlagen, und die Ersch�tterung hatte sich bis in ihre Zehen fortgesetzt. Dies war ungef�hr doppelt so stark. �Liebe des Lichts, Elayne, bist du betrunken?�</p><p>Das Schimmern um die Domanifrau schwand, wie auch die Domanifrau selbst. Nynaeve erkannte, da� auch das sie umgebende Gewebe verschwunden war, aber sie schaute noch immer in den Spiegel und atmete erleichtert auf, als sie dort Nynaeve al'Meara in mit gelben Schlitzen versehenem Blau sah.</p><p>�Nein�, sagte Elayne z�gernd. Ihr Gesicht war ger�tet, aber nicht aus Verlegenheit - nicht nur. Sie reckte ihr Kinn empor, und ihre Stimme wurde eisig.</p><p><emphasis>�Ich</emphasis> bin es nicht.�</p><p>Die T�r zum Gang wurde aufgerissen, und Birgitte torkelte mit breitem L�cheln herein. Nun, vielleicht torkelte sie nicht ganz, aber sie lief entschieden unsicher. �Ich hatte nicht erwartet, da� ihr alle wegen mir aufbleibt�, sagte sie strahlend. �Nun, es wird euch interessieren zu h�ren, was ich zu berichten habe. Aber zuerst...� Sie verschwand mit zwei f�r jemanden, der einen erheblichen Alkoholspiegel aufwies, steten Schritten in ihrem Zimmer.</p><p>Thom betrachtete mit belustigtem und Juilin mit ungl�ubigem Grinsen die T�r. Tats�chlich wu�ten sie, wer sie war. Elayne schaute nur zu Boden. Aus Birgittes Schlafraum erklang ein Pl�tschern, als w�re ein Krug umgekippt worden. Nynaeve wechselte verwirrte Blicke mit Aviendha.</p><p>Birgitte kam mit tropfendem Gesicht und Haar und einem von den Schultern bis zu den Ellbogen triefenden Umhang zur�ck. �Jetzt kann ich wieder klarer denken�, verk�ndete sie und lie� sich seufzend in einem der St�hle nieder. �Dieser junge Mann hat ein hohles Bein und ein Loch in seiner Fu�sohle. Er hat sogar Beslan unter den Tisch getrunken, und ich fing an zu glauben, da� Wein f�r diesen Burschen Wasser sei.�</p><p>�Beslan?� fragte Nynaeve mit erhobener Stimme. �Tylins Sohn? Was hatte er dort zu suchen?�</p><p>�Warum hast du das zugelassen, Birgitte?� rief Elayne aus. �Mat Cauthon wird den Jungen verderben, und seine Mutter wird uns die Schuld daf�r geben.�</p><p>�Der <emphasis>Junge</emphasis> ist genauso alt wie du�, belehrte Thom sie gereizt.</p><p>Nynaeve und Elayne sahen sich fragend an. Was wollte er? Jedermann wu�te, da� ein Mann von Natur aus erst zehn Jahre sp�ter zur Vernunft kam als eine Frau.</p><p>Elaynes Verwirrung wurde von Entschlossenheit und nicht geringer Ver�rgerung ersetzt, als sie sich erneut Birgitte zuwandte. Worte mu�ten ausgesprochen werden, die beide Frauen morgen vielleicht bedauern w�rden.</p><p>�Wenn ihr jetzt gehen wollt, Thom und Juilin�, sagte Nynaeve rasch. Es war h�chst unwahrscheinlich, da� sie die Notwendigkeit selbst erkannten. �Ihr braucht Schlaf, um morgen fr�h ausgeruht zu sein.� Sie sa�en da und starrten sie an wie Toren, so da� sie mit Nachdruck sagte: �Nun?�</p><p>�Dieses Spiel war schon vor zwanzig Z�gen entschieden�, stellte Thom fest, w�hrend er das Spielbrett betrachtete. �Was h�ltst du davon, wenn wir in unser Zimmer hinuntergehen und ein neues Spiel beginnen? Du kannst zehn Z�ge w�hrend des Spiels frei w�hlen.�</p><p>�Zehn Z�ge?� keuchte Juilin und schob ger�uschvoll seinen Stuhl zur�ck. �Bietest du mir auch Fischsuppe und Milchbrot an?�</p><p>Sie diskutierten weiter, w�hrend sie hinausgingen, aber an der T�r schauten beide noch einmal m�rrisch und verstimmt zur�ck. Es war ihnen ohne weiteres zuzutrauen, die ganze Nacht wach zu bleiben, nur weil Nynaeve sie zu Bett geschickt hatte.</p><p>�Mat wird Beslan nicht verderben�, sagte Birgitte trocken, als sich die T�r hinter den M�nnern schlo�. �Wahrscheinlich k�nnten nicht einmal neun Federt�nzer mit einer Schiffsladung Branntwein ihn verderben. Sie w�rden nicht wissen, wo sie beginnen sollten.�</p><p>Nynaeve h�rte dies mit Erleichterung, obwohl ihr der Tonfall der Frau seltsam vorkam - wahrscheinlich durch die Trunkenheit -, aber Beslan war nicht das Thema. Das sagte sie dann auch, und Elayne f�gte hinzu: �Nein, er ist es nicht. Du <emphasis>hast getrunken,</emphasis> Birgitte! Und <emphasis>ich</emphasis> habe es gesp�rt. Ich f�hle mich <emphasis>noch immer</emphasis> angeheitert, wenn ich mich nicht konzentriere. So soll der Bund <emphasis>nicht</emphasis> funktionieren. Aes Sedai kr�mmen sich nicht vor Lachen, wenn Beh�ter zuviel trinken.� Nynaeve hob hilflos die H�nde.</p><p>�Sieh mich nicht so an�, sagte Birgitte. �Du wei�t mehr als ich. Aes Sedai und Beh�ter waren schon immer auch M�nner und Frauen. Vielleicht ist das der Unterschied. Vielleicht sind wir uns zu �hnlich.� Ihr L�cheln geriet ein wenig schief. Es war nicht ann�hernd genug Wasser in dem Krug gewesen. �Das k�nnte vermutlich peinlich sein.�</p><p>�K�nnten wir uns vielleicht auf die wichtigen Dinge beschr�nken?� fragte Nynaeve angespannt. �Wie beispielsweise Mat?� Elayne �ffnete den Mund, um etwas auf Birgittes Feststellung zu erwidern, aber sie schlo� ihn schnell wieder, und die roten Flecken auf ihren Wangen zeigten dieses Mal eindeutig Kummer.</p><p>�Nun�, fuhr Nynaeve fort. �Wird Mat morgen fr�h hier sein, oder ist er in einem genauso emp�renden Zustand wie du?�</p><p>�Vielleicht kommt er�, sagte Birgitte, w�hrend sie einen Becher Pfefferminztee von Aviendha entgegennahm, die sich wie immer auf den Boden setzte. Elayne sah sie einen Moment stirnrunzelnd an und setzte sich dann wahrhaftig, ebenfalls im Schneidersitz, neben sie!</p><p>�Was meinst du mit �vielleicht�?� Nynaeve lenkte die Macht, der Stuhl, auf dem sie gesessen hatte, schwebte zu ihr her�ber, und wenn er ger�uschvoll aufsetzte, dann hatte sie es so gewollt. Zuviel trinken und auf dem Boden sitzen. Was k�me als n�chstes? �Wenn er erwartet, da� wir auf H�nden und Knien zu ihm kriechen...!�</p><p>Birgitte trank dankbar einen Schluck Tee und schien seltsamerweise nicht mehr so betrunken, als sie Nynaeve erneut ansah. �Ich habe es ihm ausgeredet. Ich glaube nicht, da� er es wirklich ernst gemeint hat. Er verlangt jetzt nur eine Entschuldigung und einen Dank.�</p><p>Nynaeve fielen fast die Augen aus dem Kopf. Sie hatte es ihm <emphasis>ausgeredet?</emphasis> Eine Entschuldigung? Matrim Cauthon gegen�ber? �Niemals�, grollte sie.</p><p>�Wof�r?� wollte Elayne wissen, als w�re es von Bedeutung. Sie gab vor, Nynaeves funkelnden Blick nicht zu bemerken.</p><p>�F�r den Stein von Tear�, erkl�rte Birgitte, und Nynaeve wandte ruckartig den Kopf. Birgitte klang �berhaupt nicht mehr betrunken. �Er sagt, er und Juilin seien in den Stein gegangen, um euch beide aus einem Kerker zu befreien, aus dem ihr nicht selbst entkommen konntet.� Sie sch�ttelte nachdenklich den Kopf. �Ich wei� nicht, ob ich das f�r jemand anderen als Gaidion getan h�tte. Nicht der Stein. Er sagt, ihr h�ttet ihm kaum gedankt, sondern ihm das Gef�hl gegeben, als sollte er dankbar sein, da� ihr ihn nicht beschimpft habt.�</p><p>Das entsprach in gewisser Weise der Wahrheit, war aber v�llig entstellt. Mat hatte damals mit sp�ttischem Grinsen gesagt, er sei dort, um f�r sie die Kastanien aus dem Feuer zu holen. Selbst da hatte er geglaubt, er k�nne ihnen Befehle erteilen. �Nur eine der Schwarzen Schwestern hielt im Kerker Wache�, murrte Nynaeve, �und wir hatten uns bereits um sie gek�mmert.� Es stimmte allerdings, da� sie noch nicht herausgefunden hatten, wie sie die abgeschirmte T�r �ffnen konnten. �Be'lal war ohnehin nicht wirklich an uns interessiert - er wollte durch uns nur Rand anlocken. Moiraine hatte ihn unseres Wissens nach zu dem Zeitpunkt vielleicht schon get�tet.�</p><p>�Die Schwarze Ajah.� Birgittes Stimme klang �u�erst tonlos. �Und eine der Verlorenen. Mat hat sie niemals erw�hnt. Ihr schuldet ihm auf Knien Dank, Elayne. Ihr beide. Der Mann verdient Eure Anerkennung. Und Juilin ebenfalls.�</p><p>Nynaeve err�tete. Er hatte niemals erw�hnt...? Dieser �beraus verachtungsw�rdige Mann! �Ich werde mich nicht bei Matrim Cauthon entschuldigen, nicht einmal auf dem Totenbett.�</p><p>Aviendha beugte sich zu Elayne und ber�hrte ihr Knie. �N�chstschwester, ich dr�cke es vorsichtig aus. Wenn das alles stimmt, dann habt ihr beide Mat Cauthon gegen�ber <emphasis>Toh.</emphasis> Und ihr habt es seitdem allein schon durch euer Handeln, das ich mit angesehen habe, noch schlimmer gemacht.�</p><p><emphasis>�Toh!�</emphasis> rief Nynaeve aus. Die beiden sprachen stets �ber diesen Toh-Unsinn. �Wir sind keine Aiel, Aviendha. Und Mat Cauthon ist ein Dorn im Fu� jedes Menschen, dem er begegnet.�</p><p>Aber Elayne nickte. �Ich verstehe. Du hast recht, Aviendha. Aber was m�ssen wir <emphasis>tun?</emphasis> Du wirst mir helfen m�ssen, N�chstschwestcr. Ich will keine Aiel werden, aber ich ... ich will stolz auf mich sein k�nnen.�</p><p>�Wir werden uns <emphasis>nicht</emphasis> entschuldigen!� fauchte Nynaeve.</p><p>�Es macht mich stolz, dich zu kennen�, sagte Aviendha und ber�hrte leicht Elaynes Wange. �Eine Entschuldigung ist ein Anfang, wenn es auch nicht gen�gt, dem <emphasis>Toh</emphasis> zu begegnen.�</p><p>�H�rt ihr mir zu?� fragte Nynaeve. �Ich sagte, ich werde mich nicht entschuldigen!�</p><p>Sie sprachen einfach weiter. Nur Birgitte sah sie an und wirkte, als w�rde sie jeden Moment zu lachen beginnen. Nynaeve ri� mit beiden H�nden an ihrem Zopf. Sie hatte gewu�t, da� sie Thom und Juilin h�tten schicken sollen.</p></section><section><title><p>22</p><p>Kleine Opfer</p></title><p>Als stark gebeugte Frau mit einem Kr�ckstock betrachtete Elayne blinzelnd das Schild �ber der Bogent�r des Gasthauses und blickte dann hoffnungsvoll in die Ferne; sie w�nschte, sie w�re wieder in ihrem Bett, anstatt bei Sonnenaufgang aufgestanden zu sein. Nicht, da� sie geschlafen h�tte. Der Mol-Hara-Platz hinter ihr war bis auf wenige knarrende Ochsen- und Eselkarren auf dem Weg zum Markt und vereinzelte Frauen, die gro�e K�rbe auf dem Kopf trugen, verlassen. Ein einbeiniger Bettler sa� mit seiner Schale an einer Ecke des Gasthauses, der erste vieler, die den Platz sp�ter �bers�en w�rden. Sie hatte ihm bereits ein Silberst�ck gegeben, was schon jetzt gen�gte, ihn eine Woche zu ern�hren, aber er steckte es mit zahnlosem Grinsen unter seinen zerrissenen Umhang und wartete weiter. Der Himmel war noch immer grau, aber der Tag versprach sengend hei� zu werden. Es war heute morgen schwierig, sich ausreichend zu konzentrieren, um die Hitze nicht als unangenehm zu empfinden.</p><p>Die letzten �berreste von Birgittes durch den Kater verursachten Kopfschmerzen pochten noch in ihrem Hinterkopf. Wenn sich ihre bescheidene F�higkeit zu Heilen nur nicht als so gering erwiesen h�tte. Sie hoffte, da� Aviendha und Birgitte in ihren TrugbildVerkleidungen heute morgen etwas N�tzliches �ber Carridin erfahren konnten. Nicht, da� Carridin eine von ihnen auch nur von einem Schuster h�tte unterscheiden k�nnen, aber es war besser, vorsichtig zu sein. Sie war stolz darauf, da� Aviendha nicht verlangt hatte, hierher mitzukommen, sondern �ber den Vorschlag sogar �berrascht gewesen war. Aviendha glaubte nicht da� sie jemanden brauchte, der auf sie aufpa�te oder sicherstellte, da� sie etwas N�tzliches tat.</p><p>Sie richtete seufzend ihr Gewand, obwohl es nicht n�tig gewesen w�re. In diesem Kleid in Blau und Creme, mit etwas ebenfalls cremefarbener Vandalra-Spitze, f�hlte sie sich ein wenig ... ungesch�tzt. Nur als sie und Nynaeve mit dem Meervolk nach Tanchico reisten, hatten sie es verschm�ht, die �rtliche Mode zu tragen, aber die Ebou-Dari-Mode war auf ihre sehr eigene Art fast... Sie seufzte erneut. Sie versuchte gerade, Zeit zu schinden. Aviendha h�tte mitkommen und sie an der Hand f�hren sollen.</p><p>�Ich werde mich nicht entschuldigen�, sagte Nynaeve pl�tzlich �ber ihre Schulter. Sie umklammerte ihre grauen R�cke mit beiden H�nden und starrte zur Wanderin, als warte Moghedien selbst in dem Gasthaus. �Ich werde es nicht tun!�</p><p>�Du h�ttest doch Wei� tragen sollen�, murmelte Elayne und erntete damit einen mi�trauischen Seitenblick. Kurz darauf f�gte sie hinzu: �Du sagtest, es sei die Farbe f�r Begr�bnisse.� Nynaeve nickte zufrieden, obwohl Elayne das nicht hatte bewirken wollen. Dies <emphasis>w�rde</emphasis> mi�lingen, wenn sie keinen Frieden untereinander halten konnten. Birgitte hatte heute morgen einen Kr�uteraufgu� bereiten lassen, eine besonders bittere Mischung, weil Nynaeve behauptet hatte, sie sei nicht zornig genug, die Macht zu lenken. Weiterhin hatte sie sich h�chst dramatisch dar�ber ausgelassen, da� Begr�bnis-Wei� die einzige passende Farbe sei, hatte darauf bestanden, nicht mitzukommen, bis Elayne sie aus dem Zimmer zerrte, und hatte mindestens zwanzig Mal verk�ndet, sie w�rde sich nicht entschuldigen. Der Friede mu�te gewahrt werden, aber... �Du hast zugestimmt, Nynaeve. Nein, ich will nichts mehr davon h�ren, da� wir anderen dich tyrannisieren. Du hast zugestimmt. Also h�r auf zu schmollen.�</p><p>Nynaeves Augen weiteten sich vor Zorn. <emphasis>�Schmollen?�</emphasis> wiederholte sie leise. �Dar�ber m�ssen wir ausf�hrlich reden, Elayne. Wir brauchen uns nicht zu beeilen. Es mu� tausend Gr�nde geben, warum dies nicht gelingen will, <emphasis>Ta'veren</emphasis> oder nicht <emphasis>Ta'veren,</emphasis> und Mat Cauthon vereinigt neunhundert dieser Gr�nde in sich.�</p><p>Elayne sah sie gleichm�tig an. �Hast du heute morgen freiwillig die bittersten, wirksamsten Kr�uter gew�hlt?� Gro��ugiger Zorn verwandelte sich in gro��ugige Unschuld, aber Nynaeves Wangen r�teten sich. Elayne stie� die T�r auf, und Nynaeve folgte ihr murrend. Elayne w�re nicht �berrascht gewesen, wenn sie auch noch die Zunge herausgestreckt h�tte.</p><p>Der Duft frischgebackenen Brotes schwebte von den K�chen heran, und alle Fensterl�den waren ge�ffnet, um den Schankraum zu l�ften. Ein Schankm�dchen mit rundlichen Wangen stand auf Zehenspitzen auf einem hohen Stuhl, um verstaubte Immergr�nzweige �ber den Fenstern abzunehmen, w�hrend andere die Tische, B�nke und St�hle wieder zur�ckstellten, die f�r den Tanz fortger�umt worden waren. So fr�h war niemand sonst hier, bis auf ein mageres M�dchen mit einer wei�en Sch�rze, die halbherzig den Boden fegte. Sie w�re vielleicht h�bsch gewesen, wenn sie ihren Mund nicht st�ndig schmollend verzogen h�tte. Es herrschte �berraschend wenig Unordnung, wenn man bedachte, da� es in Wirtsh�usern w�hrend der Feierlichkeiten angeblich z�gellos und sogar unz�chtig zuging. Beinahe w�nschte sich Elayne jedoch, sie h�tte es sehen k�nnen.</p><p>�K�nntet Ihr mich zu Meister Cauthons R�umen f�hren?� fragte sie das magere M�dchen l�chelnd und hielt ihr zwei Silberm�nzen hin. Nynaeve schnaubte.</p><p>Das M�dchen betrachtete sie m�rrisch - und �berraschenderweise auch die M�nzen - und murmelte verdrie�lich etwas, was wie �letzte Nacht eine edle Frau und heute morgen adlige Damen� klang. Sie wies ihnen widerwillig den Weg. Elayne dachte einen Moment sie w�rde die M�nzen verschm�hen, aber als sie sich gerade abwenden wollte, ri� das M�dchen ihr das Silber ohne ein Wort des Dankes aus der Hand und hielt nur inne, um sie ausgerechnet in ihren Ausschnitt zu stecken, bevor sie den Besen erneut schwang. Vielleicht hatte sie dort eine Tasche eingen�ht.</p><p>�Siehst du�, grollte Nynaeve leise. �Merke dir meine Worte - er hatte ein Auge auf die junge Frau geworfen. Und bei diesem Mann soll ich mich deiner Meinung nach entschuldigen.�</p><p>Elayne schwieg und ging die gel�nderlose Treppe an der R�ckseite des Raums hinauf voraus. Wenn Nynaeve nicht aufh�rte, sich zu beklagen... Der erste Gang rechts, hatte das M�dchen gesagt, und die letzte T�r links, aber vor dieser T�r z�gerte sie und bi� sich auf die Unterlippe.</p><p>Nynaeve strahlte. �Jetzt siehst du ein, da� es eine schlechte Idee war, oder? Wir sind keine Aiel, Elayne. Ich mag das M�dchen eigentlich, auch wenn sie st�ndig ihren Dolch liebkost, aber denk nur an den vollkommenen Unsinn, den sie erz�hlt hat. Es ist unm�glich. Das wei�t du doch.�</p><p>�Wir haben nichts Unm�glichem zugestimmt, Nynaeve.� Es kostete sie M�he, ihre Stimme entschlossen klingen zu lassen. Einiges, was Aviendha anscheinend vollkommen ernst gemeint hatte... Sie hatte tats�chlich vorgeschlagen, sie sollten sich von dem Mann <emphasis>schlagen</emphasis> lassen! �Wir haben nur durchaus Vertretbarem zugestimmt.� Gerade so. Sie klopfte mit den Kn�cheln laut an die mit Paneelen versehene T�r. Ein Fisch war in das Holz geschnitzt, ein rundes Tier mit Streifen und einem Maul. Alle T�ren wiesen unterschiedliche Schnitzereien auf, aber es waren haupts�chlich Fische. Niemand antwortete.</p><p>Nynaeve stie� ger�uschvoll den Atem aus, den sie angehalten haben mu�te. �Vielleicht ist er ausgegangen. Wir sollten ein anderes Mal wiederkommen.�</p><p>�Um diese Zeit?� Sie klopfte erneut. �Du sagst doch, er l�ge meist auf dem Bett, wenn m�glich.� Im Zimmer war noch immer nichts zu h�ren.</p><p>�Elayne, wenn man auch nur ann�hernd von Birgittes Zustand ausgehen kann, hat sich Mat letzte Nacht vollkommen betrunken. Er wird es uns nicht danken, wenn wir ihn aufwecken. Warum gehen wir nicht einfach und...�</p><p>Elayne �ffnete die T�r und trat ein. Nynaeve folgte ihr mit einem Seufzen, das man bis in den Palast h�tte h�ren k�nnen.</p><p>Mat Cauthon lag auf der zerknitterten roten Decke ausgebreitet auf dem Bett ein gefaltetes Tuch �ber den Augen, das aufs Kissen tropfte. Der Raum wirkte nicht sehr ordentlich, obwohl abgestaubt worden war. Ein Stiefel stand auf dem Waschtisch - dem Waschtisch! - neben einem wei�en Becken mit klarem Wasser, der Standspiegel hing schief, als w�re Mat gegen ihn gestolpert und h�tte ihn einfach weit nach hinten geneigt stehen lassen, und seinen zerknitterten Umhang hatte er �ber eine Stuhllehne geworfen. Alles andere trug er noch, einschlie�lich diesem schwarzen Schal, den er niemals abzulegen schien, und dem anderen Stiefel. Der silberne Fuchskopf baumelte aus seinem ge�ffneten Hemdkragen heraus.</p><p>Das Medaillon lie� Elaynes Finger jucken. Wenn er wirklich seinen Rausch ausschlief, k�nnte sie es ihm vielleicht unbemerkt abnehmen. Sie beabsichtigte, auf die eine oder andere Art herauszufinden, wie dieser Gegenstand die Macht aufnahm. Der Gedanke faszinierte sie herauszufinden, wie alles funktionierte, denn dieser Fuchskopf schlo� alle Geheimnisse der Welt in sich ein.</p><p>Nynaeve zog sie am �rmel, deutete mit dem Kopf auf die T�r und formulierte lautlos �schl�ft� und noch etwas, was Elayne nicht erkennen konnte. Wahrscheinlich eine weitere Bitte zu gehen.</p><p>�La� mich in Ruhe, Nerim�, murmelte Mat pl�tzlich. �Ich habe es dir schon einmal gesagt: Ich will nur einen neuen Sch�del. Und schlie� die T�r leise, sonst nagele ich dich mit den Ohren daran.�</p><p>Nynaeve zuckte zusammen und versuchte, Elayne zur T�r zu ziehen, aber sie blieb stehen. �Hier ist nicht Nerim, Meister Cauthon.�</p><p>Er hob den Kopf vom Kissen, l�pfte mit beiden H�nden das Tuch ein St�ck hoch und blinzelte sie mit ger�teten Augen an.</p><p>Nynaeve grinste und bem�hte sich in keiner Weise, ihr Vergn�gen �ber seinen j�mmerlichen Zustand zu verbergen. Elayne konnte zun�chst nicht verstehen, warum ihr auch nach Grinsen zumute war. Ihre einzige Erfahrung mit zuviel Alkohol lie� sie heute nur Mitleid und Anteilnahme f�r jene empfinden, die diesem Laster verfallen waren. Sie sp�rte Birgittes Kopfschmerzen noch immer im Hinterkopf, und ihr fiel etwas auf. Es konnte ihr gewi� nicht gefallen, wenn Birgitte sich betrank, aus welchem Grund auch immer, aber ihr konnte auch der Gedanke nicht gefallen, da� jemand �berhaupt etwas besser konnte als ihre erste Beh�terin. Ein l�cherlicher Gedanke. Peinlich. Aber auch befriedigend.</p><p>�Was tut Ihr hier?� fragte er heiser, zuckte dann zusammen und senkte die Stimme. �Es ist mitten in der Nacht.�</p><p>�Es ist Morgen�, sagte Nynaeve scharf. �Erinnert Ihr Euch nicht daran, mit Birgitte gesprochen zu haben?�</p><p>�K�nntet Ihr etwas leiser sprechen?� fl�sterte er und schlo� die Augen. Im n�chsten Moment �ffnete er sie ruckartig wieder. �Birgitte?� Er setzte sich j�h auf und schwang die Beine aus dem Bett. Eine Zeitlang sa� er nur da, blickte zu Boden, die Ellbogen auf den Knien, w�hrend das Medaillon von dem Band um seinen Hals herabhing. Schlie�lich wandte er den Kopf und sah sie kl�glich an. Oder zumindest erweckten seine Augen diesen Eindruck. �Was hat sie Euch erz�hlt?�</p><p>�Sie hat uns Eure Forderungen mitgeteilt, Meister Cauthon�, sagte Elayne f�rmlich. So mu�te es sich anf�hlen, wenn man vor dem Henker stand. Sie konnte nur den Kopf hoch erhoben halten und eine m�glichst stolze Miene bewahren. �Ich m�chte Euch von Herzen f�r die Rettung aus dem Stein danken.� So, sie hatte begonnen, und es hatte nicht weh getan. Nicht sehr.</p><p>Nynaeve stand finster dreinblickend da und pre�te die Lippen immer fester zusammen. Die Frau w�rde ihr dies <emphasis>nicht</emphasis> allein �berlassen. Elayne umarmte die Quelle, bevor sie dar�ber nachgedacht hatte, und lenkte einen kleinen Strang Luft, der Nynaeves Ohrl�ppchen wie mit einem schnippenden Finger einen leichten Schlag versetzte. Sie hob ruckartig eine Hand zum Ohr und blickte noch finsterer drein, aber Elayne wandte sich nur k�hl wieder Meister Cauthon zu und wartete.</p><p>�Ich danke Euch ebenfalls�, murmelte Nynaeve schlie�lich m�rrisch. �Von Herzen.�</p><p>Elayne rollte wider Willen die Augen. Nun, er hatte sie gebeten, leiser zu sprechen, aber dennoch schien er sie geh�rt zu haben. Seltsamerweise zuckte er verlegen die Achseln.</p><p>�Oh, das. Das war nichts. Wahrscheinlich h�ttet Ihr Euch bald darauf auch ohne meine Hilfe befreit.� Er lie� den Kopf auf die H�nde sinken und pre�te sich erneut das feuchte Tuch auf die Augen. �K�nntet Ihr Caira beim Hinausgehen bitten, mir etwas gew�rzten Wein zu bringen? Sie ist ein schlankes M�dchen, h�bsch, mit herzlichem Blick.�</p><p>Elayne zitterte. <emphasis>Nichts?</emphasis> Der <emphasis>Mann forderte</emphasis> eine Entschuldigung, sie erniedrigte sich so weit, sie auszusprechen, und jetzt war es <emphasis>nichts?</emphasis> Er verdiente keinerlei Mitgef�hl! Sie hielt noch immer <emphasis>Saidar</emphasis> fest und erwog, ihn mit einem weitaus st�rkeren Strang als bei Nynaeve zu schlagen. Nicht da� es etwas n�tzte, solange er den Fuchskopf trug. Andererseits hing dieser lose herab, ber�hrte ihn nicht. Bot er noch Schutz, wenn dem so war?</p><p>Nynaeve beendete Elaynes �berlegungen, indem sie mit gespreizten Fingern auf Mat zusprang. Elayne gelang es, zwischen die beiden zu treten und die andere Frau an den Schultern zu packen. Einen Augenblick lang standen sie, abgesehen von ihrer K�rpergr��e, Nase an Nase. Schlie�lich entspannte sich Nynaeve mit verzogenem Gesicht, und Elayne sp�rte, da� sie die Frau loslassen konnte.</p><p>Der Mann hielt den Kopf noch immer gesenkt und hatte nichts bemerkt. Ob ihn das Medaillon sch�tzte oder nicht - sie h�tte sich seinen Bogen aus der Ecke schnappen und ihn damit schlagen m�gen, bis er schrie. Sie sp�rte R�te in ihre Wangen steigen: Sie hatte Nynaeve daran gehindert, alles zu verderben, und dachte nur daran, es selbst zu tun. Schlimmer noch - sie erkannte an dem sp�ttischen, selbstzufriedenen L�cheln Nynaeves, da� sie ihre Gedanken sehr wohl erahnte.</p><p>�Da ist noch etwas, Meister Cauthon�, verk�ndete Elayne und straffte die Schultern. Das L�cheln verschwand von Nynaeves Gesicht. �Wir m�chten uns auch daf�r entschuldigen, da� wir es so lange hinausgez�gert haben, Euch unseren wohlverdienten Dank auszusprechen. Und wir entschuldigen uns ... dem�tig...� Dar�ber geriet sie ein wenig ins Stottern. �...daf�r, wie wir Euch seither behandelt haben.� Nynaeve streckte flehentlich eine Hand aus, die Elayne mi�achtete. �Um Euch die Tiefe unseres Bedauerns zu zeigen, versprechen wir Folgendes.� Aviendha hatte gesagt, eine Entschuldigung sei erst der Anfang. �Wir werden Euch in keiner Weise mehr herabsetzen oder erniedrigen, noch Euch aus irgendeinem Grund anschreien oder ... oder versuchen, Euch Befehle zu erteilen.� Nynaeve zuckte zusammen. Elayne pre�te ebenfalls die Lippen aufeinander, h�rte aber nicht auf. �Da wir Eure ehrliche Besorgnis um unsere Sicherheit erkennen, werde wir den Palast nicht mehr verlassen, ohne Euch zu sagen, wohin wir gehen, und wir werden uns Euren Rat anh�ren.� Licht, sie wollte keine Aiel sein, sie wollte dies alles nicht tun, aber es verlangte sie nach Aviendhas Respekt. �Wenn Ihr ... wenn Ihr der Meinung seid, da� wir uns...� Nicht, da� sie die Absicht hatte, eine Schwester-Frau zu werden - allein der <emphasis>Gedanke</emphasis> war schon ungeh�rig! -, aber sie mochte sie. �...da� wir uns in unn�tige Gefahr begeben...� Es war nicht Aviendhas Fehler, da� Rand ihrer beider Herzen erobert hatte. Und Mins ebenfalls, �...werden wir Leibw�chter akzeptieren, wenn Ihr wollt...� Schicksal oder <emphasis>Ta'veren</emphasis> oder was auch immer - was war, das war. Sie liebte beide Frauen wie Schwestern. �...und sie so lange wie m�glich bei uns behalten.� <emphasis>Verdammt</emphasis> sei der Mann, da� er ihr das antat! Sie meinte nicht Mat Cauthon. �Ich schw�re dies beim L�wenthron von Andor.� Sie rang nach Atem, als w�re sie eine Meile weit gelaufen. Nynaeve wirkte wie ein in die Enge getriebener Dachs.</p><p>Mat wandte ganz: langsam den Kopf in ihre Richtung und senkte das Tuch ausreichend weit, da� ger�tete Augen zu sehen waren. �Ihr klingt, als steckte Euch Eisenwurz in der Kehle, meine Dame�, sagte er sp�ttisch. �Ihr habt �brigens meine Erlaubnis, mich Mat zu nennen.� Verachtenswerter Mann! Er w�rde H�flichkeit nicht einmal erkennen, wenn sie ihn in die Nase zwickte! Sein sp�ttischer Blick schwenkte zu Nynaeve. �Was ist mit Euch? Ich h�rte von Elayne h�ufig �wir�, aber kein Wort von Euch.�</p><p>�Ich werde Euch nicht anschreien�, schrie Nynaeve. �Und auch alles andere. Ich verspreche Euch, Euch ... Euch...!� Sie erstickte fast an ihrer Zunge, als sie erkannte, da� sie ihn mit keinem der Namen belegen durfte, die er verdiente, ohne das Versprechen bereits zu brechen. Und doch war die Wirkung ihres Ausbruchs recht zufriedenstellend.</p><p>Er erschauderte mit einem Aufschrei, lie� das Tuch fallen und umklammerte seinen Kopf mit beiden H�nden. Seine Augen traten hervor. �Verfluchte W�rfel�, wimmerte er. Elayne kam j�h in den Sinn, da� er eine hervorragende Quelle f�r eine deftige Ausdrucksweise w�re. Stallburschen schienen ihre Zungen stets in dem Moment im Zaum zu halten, wenn sie sie erblickten. Gewi� hatte sie sich vorgenommen, ihn zu zivilisieren und f�r Rand n�tzlich zu machen, aber das schlo� nicht unbedingt seine Ausdrucksweise mit ein. Tats�chlich erkannte sie, da� sie eine ganze Menge <emphasis>nicht</emphasis> zu unterlassen versprochen hatte. Das darzulegen, w�rde Nynaeve erheblich beruhigen.</p><p>Nach einem langen Moment sagte er mit tonloser Stimme: �Danke, Nynaeve.� Er hielt inne und schluckte schwer. �Ich dachte erst, Ihr beide w�rt jemand anderer in Verkleidung. Da ich anscheinend noch immer lebe, k�nnen wir uns genausogut um den Rest k�mmern. Ich glaube mich zu erinnern, da� Birgitte sagte, ich sollte etwas f�r Euch finden. Was?�</p><p>�Ihr werdet es nicht finden�, belehrte Nynaeve ihn mit fester Stimme. Nun, vielleicht eher hart als fest, aber Elayne dachte nicht daran, sie zu r�gen. Er verdiente jedes Zusammenschrecken. �Ihr werdet uns begleiten, und wir werden es gemeinsam finden.�</p><p>�Macht Ihr bereits einen R�ckzieher, Nynaeve?� Seine Verachtung zeigte sich besonders in seinen Augen. �Ihr habt gerade erst versprochen zu tun, was ich sage. Wenn Ihr einen <emphasis>Ta'veren</emphasis> an einer Koppel z�hmen wollt, dann fragt Rand oder Perrin um Rat und seht, welche Antwort Ihr bekommt.�</p><p>�Wir haben nichts dergleichen versprochen, Matrim Cauthon�, fauchte Nynaeve, w�hrend sie sich auf die Zehenspitzen stellte. �Ich habe nichts dergleichen versprochen!� Ihre Augen funkelten, als wollte sie sich erneut auf ihn st�rzen. Sogar ihr Zopf schien sich zu str�uben.</p><p>Elayne konnte sich besser beherrschen. Sie w�rden nichts erreichen, wenn sie ihn zu etwas zu zwingen versuchten. �Wir werden uns Euren Rat <emphasis>anh�ren</emphasis> und ihn annehmen, wenn er vern�nftig ist, Meister ... Mat�, schalt sie sanft. Er konnte doch nicht wirklich glauben, da� sie versprochen h�tten... Als sie ihn jedoch ansah, erkannte sie, da� er es sehr wohl glaubte. Oh, Licht! Nynaeve hatte recht. Er <emphasis>w�rde</emphasis> Schwierigkeiten verursachen.</p><p>Daran hielt sie sich fest. Sie lenkte erneut die Macht und hob seinen Umhang vom Stuhl zu einem angemessenen Platz an einem der Haken an der Wand, damit sie sich hinsetzen konnte, streckte den R�cken und richtete sorgf�hig ihre R�cke. Es w�rde schwierig werden, die Meister Cauthon - Mat - und ihr selbst gegen�ber gegebenen Versprechen zu halten, aber nichts, was er sagte oder tat, konnte sie ber�hren. Nynaeve schaute zu dem einzigen anderen Sitzplatz, einem niedrigen, mit Schnitzereien versehenen Hocker, und blieb stehen. Eine Hand zuckte zu ihrem Zopf, bevor sie die Arme verschr�nkte.</p><p>�Die Athan'Miere nennen es die Schale der Winde, Meister ... Mat. Es ist ein <emphasis>Ter'angreal...�</emphasis></p><p>Schlie�lich durchdrang Aufregung seine Benommenheit. �Das w�re etwas, wenn man sie f�nde�, murmelte er. �Im Rahad.� Er sch�ttelte den Kopf und zuckte zusammen. �Ich sage Euch eines; Keine von Euch setzt ohne jeweils vier oder f�nf meiner Rotwaffen einen Fu� auf die andere Seite des Flusses. Und auch nicht au�erhalb des Palasts. Hat Birgitte Euch von der Notiz erz�hlt, die man mir zugesteckt hat? Ich bin sicher, da� ich es ihr gegen�ber erw�hnt habe. Und da sind auch noch Carridin und seine Schattenfreunde. Ihr k�nnt mir nicht erz�hlen, da� er nichts vorh�tte.�</p><p>�Jeder Schwester, die Egwene als Amyrlin unterst�tzt, droht von der Burg Gefahr.� Leibw�chter �berall? Licht! Ein gef�hrliches Schimmern zeigte sich in Nynaeves Augen. �Wir k�nnen uns nicht verstecken, Meist ... Mat, und wir werden es auch nicht tun. Man wird sich zu gegebener Zeit um Jaichim Carridin k�mmern.� Sie hatten nicht versprochen, ihm alles zu erz�hlen, und sie durften nicht zulassen, da� er abgelenkt w�rde. �Zun�chst stehen wichtigere Dinge an.�</p><p>�Zu gegebener Zeit?� begann er ungl�ubig, aber Nynaeve unterbrach ihn.</p><p>�Je vier oder f�nf?� sagte sie ver�rgert. �Das ist l�cher...� Sie schlo� einen Moment die Augen und milderte ihre Stimme ein wenig. �Ich meine, es ist nicht vern�nftig. Elayne und ich. Birgitte und Aviendha. Ihr habt nicht so viele M�nner. Au�erdem brauchen wir wirklich nur Euch.� Letzteres klang gezwungen. Es war ein zu gro�es Eingest�ndnis.</p><p>�Birgitte und Aviendha ben�tigen keine Aufseher�, sagte er nachdenklich. �Diese Schale der Winde ist vermutlich wichtiger als Carridin, aber... Es scheint nicht richtig, Schattenfreunde frei herumlaufen zu lassen.�</p><p>Nynaeves Gesicht wurde allm�hlich purpurfarben. Elayne warf einen Blick in den Standspiegel und war erleichtert zu sehen, da� sie zumindest �u�erlich gefa�t blieb. Der Mann war verachtenswert! Aufseher? Sie war sich nicht sicher, was schlimmer w�re: da� er diese beil�ufige Beleidigung absichtlich angebracht hatte oder da� es Gedankenlosigkeit war.</p><p>Sie betrachtete sich erneut im Spiegel und senkte ihr Kinn ein wenig. Aufseher! Sie war die Gelassenheit in Person.</p><p>Er betrachtete sie mit seinen blutunterlaufenen Augen, sah aber anscheinend nichts. �Mehr hat Birgitte Euch nicht erz�hlt?� fragte er, und Nynaeve erwiderte aufgebracht: �Ich denke, das war gerade genug, selbst f�r Euch.� Er wirkte unverst�ndlicherweise �berrascht und recht erfreut.</p><p>Nynaeve zuckte zusammen und legte dann ihre Arme fester um sich. �Da Ihr nicht in der Verfassung seid, jetzt mit uns irgendwo hinzugehen - seht mich nicht so finster an, Mat Cauthon; es ist nicht abwertend gemeint, sondern einfach die Wahrheit! -, k�nnt Ihr Euch im Laufe des Morgens im Palast einfinden. Aber Ihr braucht nicht zu glauben, da� wir Euch helfen, Eure Sachen zu tragen. Ich habe nicht versprochen, als Packpferd zu dienen.�</p><p>�Die <emphasis>Wanderin</emphasis> ist durchaus gut genug�, begann er ver�rgert und hielt dann inne, w�hrend sich ein verwunderter Ausdruck auf seinem Gesicht breitmachte. Elayne h�tte es als entsetzten Ausdruck bezeichnet. Das sollte ihn lehren zu grollen, wenn sein Kopf einer Melone glich. Zumindest hatte sich ihr Kopf so angef�hlt, als sie das eine Mal zuviel getrunken hatte. Aber nat�rlich w�rde er nicht daraus lernen. M�nner hielten stets die H�nde ins Feuer und glaubten, dieses Mal werde es sie nicht verbrennen, wie Lini stets sagte.</p><p>�Ihr k�nnt kaum erwarten, da� wir die Schale beim ersten Versuch finden�, fuhr Nynaeve fort, <emphasis>�Ta'veren</emphasis> oder nicht. Jeden Tag hinauszugehen, wird weitaus einfacher sein, wenn ihr nicht den Platz �berqueren m��t.� Wenn sie nicht jeden Morgen auf ihn warten m��tcn, meinte sie damit Ihrer Meinung nach war Trunkenheit bei weitem nicht die einzige Entschuldigung, die er daf�r finden k�nnte, den ganzen Tag im Bett zu bleiben.</p><p>�Au�erdem�, f�gte Elayne hinzu, �k�nnt Ihr uns so im Auge behalten.� Nynaeve gab einen Laut von sich, der einem St�hnen nahe kam. Erkannte sie nicht, da� er gelockt werden mu�te? Es bedeutete nicht, da� sie ihm tats�chlich <emphasis>erlaubt</emphasis> h�tte, sie im Auge zu behalten.</p><p>Er schien sie oder Nynaeve jedoch nicht geh�rt zu haben. Er schaute mit gequ�ltem Blick unmittelbar durch sie hindurch. �Warum mu�ten sie, verdammt noch mal, jetzt aufh�ren?� st�hnte er so leise, da� sie ihn kaum h�rten. <emphasis>Was,</emphasis> unter dem Licht, meinte er?</p><p>�Die R�ume w�ren einem K�nig angemessen, Meister ... Mat. Tylin selbst hat sie ausgew�hlt, sie liegen unweit ihrer eigenen R�ume. Die K�nigin hat ein sehr pers�nliches Interesse daran bekundet. Mat, Ihr wollt doch nicht, da� wir Tylin beleidigen, oder?�</p><p>Ein Blick in sein Gesicht gen�gte, da� Elayne eilig die Macht lenkte, um das Fenster zu �ffnen und die Waschsch�ssel auszusch�tten. Wenn sie jemals einen Mann erlebt hatte, der im Begriff stand, seinen Magen zu entleeren, dann sah er sie genau in diesem Augenblick an.</p><p>�Ich verstehe nicht, warum Ihr solch ein Aufhebens macht.� In Wahrheit wu�te sie es vermutlich doch. Einige der Schankm�dchen hier lie�en sich wahrscheinlich von ihm begrapschen, aber sie bezweifelte, da� es im Palast auch so viele Frauen zulassen w�rden, wenn �berhaupt welche. Er w�rde seine N�chte auch nicht mehr mit Trinken und Spielen verbringen k�nnen. Tylin w�rde sicherlich kein schlechtes Beispiel f�r Beslan zulassen. �Wir m�ssen alle Opfer bringen.� Hier hielt sie m�hsam inne und sagte ihm nicht, da� sein Opfer nur klein und lediglich gerechtfertigt war, w�hrend ihres gewaltig und ungerechtfertigt war, ungeachtet dessen, was Aviendha behauptete. Nynaeve hatte nat�rlich gegen <emphasis>jegliches</emphasis> Opfer gewettert.</p><p>Er legte den Kopf erneut in die H�nde und stie� unterdr�ckte Laute aus, w�hrend seine Schultern bebten. Er lachte! Sie hob die Waschsch�ssel auf einen Strang Luft und erwog, sie auf ihn zu schleudern. Als er den Blick jedoch wieder hob, wirkte er aus einem unbestimmten Grund zornig. �Opfer?� h�hnte er. �Wenn ich Euch auffordern w�rde, dasselbe Opfer zu bringen, w�rdet Ihr um Euch schlagen und das Dach �ber meinem Kopf einst�rzen lassen!� War er etwa noch immer betrunken?</p><p>Sie beschlo�, seinen furchterregenden Blick nicht zu beachten. �Da wir gerade von Eurem Kopf sprechen - wenn ihr Heilung wollt, w�rde Nynaeve sie Euch gewi� gern gew�hren.� Wenn sie jemals ausreichend zornig war, die Macht zu lenken, dann jetzt.</p><p>Nynaeve zuckte kurz zusammen und sah sie aus den Augenwinkeln an. �Nat�rlich�, sagte sie eilig. �Wenn Ihr wollt.� Die Farbe ihrer Wangen best�tigte alle Vermutungen Elaynes �ber diesen Morgen.</p><p>Er h�hnte, freundlich wie immer. �Verge�t meine Kopfschmerzen einfach. Ich komme sehr gut ohne Aes Sedai zurecht.� Und dann, sicher um die Dinge bewu�t zu komplizieren, f�gte er mit z�gernder Stimme hinzu: �Ich danke Euch jedoch f�r das Angebot.� Es klang fast, als meinte er es ernst!</p><p>Elayne h�tte beinahe den Mund aufgesperrt. Ihre Kenntnis �ber M�nner war auf Rand und das beschr�nkt, was Lini und ihre Mutter ihr erz�hlt hatten. W�rde Rand sie genauso verwirren wie Mat Cauthon?</p><p>Sie ermahnte sich, da� sie als letztes, bevor sie gingen, ein Versprechen von ihm fordern m��te, da� er unverz�glich zum Palast aufbr�che. Nynaeve hatte ihr klargemacht, da� er sein einmal gegebenes Wort hielt, wie widerwillig auch immer, da� er aber, wenn man ihm auch nur eine L�cke lie�, hundert M�glichkeiten f�nde hindurchzuschl�pfen. <emphasis>Das</emphasis> hatte sie nur zu eifrig betont. Er gab das Versprechen mit freudloser, bedauernder Miene. Oder vielleicht lag es auch nur wieder an seinen Augen. Als sie die Waschsch�ssel zu seinen F��en absetzte, wirkte er tats�chlich dankbar. Sie w�rde kein Mitleid empfinden. Sie w�rde es nicht tun.</p><p>Als sie sich wieder im Gang befanden und die T�r zu Mats Zimmer geschlossen war, reckte Nynaeve eine Faust zur Decke. �Dieser Mann k�nnte die Geduld eines Steins strapazieren! Ich bin froh, da� er sich selbst um seinen Kopf k�mmern will! H�rst du mich?</p><p>Froh! Er wird uns Schwierigkeiten machen. Er wird es tun.�</p><p>�Ihr beide werdet ihm mehr Schwierigkeiten machen, als er es selbst jemals tun k�nnte.� Die Sprecherin schritt durch den Gang auf sie zu, eine Frau mit einer Spur Grau im Haar, einem strengen Gesicht und einer befehlsgewohnten Stimme. Sie runzelte leicht die Stirn. Trotz des Hochzeitsdolchs in ihrem Ausschnitt war sie zu hellh�utig f�r eine Ebou Dari. �Ich konnte es nicht glauben, als Caira es mir sagte. Ich bezweifle, da� ich jemals zuvor so viel Torheit in nur zwei Gew�ndern gesehen habe.�</p><p>Elayne betrachtete die Frau von oben bis unten. Sie war es nicht einmal als Novizin gewohnt gewesen, in diesem Tonfall angesprochen zu werden. �Und wer k�nntet Ihr sein, gute Frau?�</p><p>�Ich k�nnte Setalle Anan, die Besitzerin dieses Gasthauses, sein, und ich bin es auch, Kind�, antwortete die Frau trocken, und mit diesen Worten �ffnete sie schwungvoll eine T�r auf der anderen Seite des Ganges, ergriff sie beide an je einem Arm und dr�ngte sie so schnell hindurch, da� Elayne das Gef�hl hatte, ihre F��e schwebten �ber dem Boden.</p><p>�Hier liegt anscheinend ein Mi�verst�ndnis vor�, sagte sie k�hl, als die Frau sie loslie�, um die T�r zu schlie�en.</p><p>Nynaeve war nicht in der Stimmung, Spitzfindigkeiten auszutauschen. Sie hielt ihre Hand so, da� der Gro�e Schlangenring deutlich sichtbar war, und sagte erregt: �Nun, seht her...�</p><p>�Sehr h�bsch�, erwiderte die Frau und stie� sie beide so hart voran, da� sie sich nebeneinander auf dem Bett sitzend wiederfanden. Elaynes Augen weiteten sich ungl�ubig. Diese Herrin Anan stellte sich ihnen mit grimmigem Gesicht und in die H�ften gestemmten F�usten gegen�ber, das vollkommene Bild einer Mutter, die ihre T�chter ma�regeln will. �Damit zu protzen, zeigt nur, wie t�richt Ihr seid. Dieser junge Mann wird Euch auf seinen Knien schaukeln - eine auf jedem Knie w�rde mich nicht wundern, wenn Ihr es gestattet -, er wird Euch einige K�sse rauben und soviel mehr, wie Ihr bereit seid zu geben, aber er wird Euch nichts antun. Ihr k�nnt ihm jedoch etwas antun, wenn Ihr so weiter macht.�</p><p>Ihm etwas <emphasis>antun?</emphasis> Die Frau dachte, sie ... sie glaubte, er h�tte mit ihnen <emphasis>get�ndelt...</emphasis> sie dachte... Elayne wu�te nicht, ob sie lachen oder weinen sollte, aber sie erhob sich und richtete ihre R�cke. �Wie ich bereits sagte, Herrin Anan, hier liegt ein Mi�verst�ndnis vor.� Ihre Stimme wurde sanfter, als sie weitersprach, da ihre Verwirrung zu Ruhe wurde. �Ich bin Elayne Trakand, Tochter-Erbin von Andor und Aes Sedai der Gr�nen Ajah. Ich wei� nicht, was Ihr glaubt...� Sie mu�te beinahe schielen, als Herrin Anan einen Finger an ihre Nasenspitze hielt.</p><p>�Elayne, wenn das Euer Name ist, das einzige, was mich davon abh�lt, Euch hinunter in die K�che zu bef�rdern und Euch und diesem anderen t�richten M�dchen dort den Mund auszuwaschen, ist die M�glichkeit, da� Ihr vielleicht tats�chlich die Macht lenken k�nnt. Oder seid ihr so einf�ltig, diesen Ring zu tragen, wenn Ihr nicht einmal das tun k�nnt? Ich warne Euch, es bedeutet f�r die Schwestern dr�ben im Tarasin-Palast keinen Unterschied. Wi�t Ihr �berhaupt von ihnen? Wenn ja, seid Ihr offen gestanden nicht nur t�richt, sondern auch blind und dumm.�</p><p>Elaynes Geduld schwand mit jedem Wort. T�richt? Blind und dumm? Das w�rde sie sich nicht nachsagen lassen, besonders nicht, nachdem sie gezwungen gewesen war, vor Mat Cauthon zu kriechen. Auf den Knien schaukeln? Mat Cauthon? Sie bewahrte �u�erlich die Fassung, aber Nynaeve nicht.</p><p>Sie sah die Frau zornerf�llt an, und das Schimmern <emphasis>Saidars</emphasis> umgab sie, als sie aufsprang. Str�nge Luft h�llten Herrin Anan von den Schultern bis zu den Kn�cheln ein und dr�ckten ihre R�cke und Unterkleider gerade ausreichend eng an ihre Beine, da� sie h�tte st�rzen k�nnen. �Ich bin zuf�llig eine jener Schwestern im Palast. Nynaeve al'Meara von der Gelben Ajah, um genau zu sein. Wollt Ihr also, da� ich <emphasis>Euch</emphasis> in die K�che bef�rdere? Ich wei� �ber das Mundauswaschen bestens Bescheid.� Elayne trat vom ausgestreckten Arm der Besitzerin des Wirtshauses fort.</p><p>Die Frau mu�te den Druck der Str�nge sp�ren, und selbst ein Schwachsinniger h�tte gewu�t, was diese unsichtbaren Fesseln zu bedeuten hatten, und doch blinzelte sie nicht einmal! Ihre gr�n gefleckten Augen verengten sich nur. �Also kann zumindest eine von Euch die Macht lenken�, sagte sie gelassen. �Ich sollte ruhig zulassen, da� Ihr mich in die K�che bringt, Kind. Was auch immer Ihr tut - Ihr w�rdet Euch bereits zur Mittagszeit in den H�nden wahrer Aes Sedai befinden, darauf wette ich.�</p><p>�Habt Ihr mich nicht verstanden?� fauchte Nynaeve. �Ich...!�</p><p>Herrin Anan hielt nicht einmal inne. �Ihr werdet nicht nur die n�chsten Jahre mit Wehklagen verbringen, sondern werdet es auch vor all jenen tun, denen Ihr erz�hlt habt, da� Ihr Aes Sedai w�rt. Seid versichert, da� sie Euch zwingen werden zu gestehen. Sie werden Euch von innen nach au�en kehren. Ich sollte Euch weitere Fehler machen lassen oder zum Palast hin�ber laufen, sobald Ihr mich freila�t. Der einzige Grund, warum ich es nicht tue, ist, da� sie genauso an Lord Mat ein Exempel statuieren w�rden wie an Euch, wenn sie auch nur vermuten, da� er Euch geholfen hat, und wie ich bereits sagte, mag ich den jungen Mann.�</p><p>�Ich sage Euch...� Nynaeve versuchte es erneut, aber die Besitzerin des Wirtshauses lie� ihr <emphasis>noch immer</emphasis> keine Gelegenheit, zu Wort zu kommen. Wie ein Paket verschn�rt, war die Frau dennoch wie ein einen Berg hinabrollender Felsblock. Sie war wie ein ganzer Bergrutsch, der alles einebnete, was auch immer ihm in den Weg geriet.</p><p>�Es n�tzt nichts, wenn Ihr versucht, die L�gen aufrechtzuerhalten, Nynaeve. Ihr seht aus wie, oh, ungef�hr einundzwanzig, also k�nntet Ihr gut zehn Jahre �lter sein, wenn Ihr die verz�gerte Alterung bereits erreicht h�ttet. Ihr k�nntet sogar die Stola schon vier oder f�nf Jahre tragen - wenn nicht eines w�re.� Sie wandte den Kopf, den einzigen K�rperteil, den sie bewegen konnte, zu Elayne. �Ihr, Kind, seid nicht alt genug, um schon der verz�gerten Alterung zu unterliegen, und keine so junge Frau wie Ihr hat jemals die Stola getragen. In der Geschichte der Burg niemals. Wenn Ihr jemals in der Burg wart, wette ich, da� Ihr Wei� trugt und jedes Mal zusammenschrakt, wenn die Herrin der Novizinnen in Eure Richtung blickte. Ihr habt Euch den Ring von irgend einem Goldschmied anfertigen lassen - einige sind ausreichend t�richt, wie ich h�rte -, oder vielleicht hat Nynaeve ihn f�r Euch gestohlen. Wie dem auch sei, da Ihr keine Schwester sein k�nnt, kann sie ebenfalls keine Schwester sein. Keine Aes Sedai w�rde mit einer Frau reisen, die diesen Status nur vorgibt.�</p><p>Elayne runzelte die Stirn und merkte nicht, da� sie auf ihrer Unterlippe kaute. Langsam. Ganz langsam. Woher hatte eine Wirtin in Ebou Dar solche Kenntnisse? Vielleicht war Setalle Anan als M�dchen zur Burg gegangen, obwohl sie nicht lange dort geblieben w�re, da sie offensichtlich nicht die Macht lenken konnte. Elayne h�tte es erkannt, selbst wenn ihre F�higkeit genauso gering war wie die ihrer Mutter, und Morgase Trakand hatte nur eine solch geringe F�higkeit besessen, da� sie wahrscheinlich innerhalb von sechs Wochen fortgeschickt worden w�re, wenn sie nicht die Tochter-Erbin gewesen w�re.</p><p>�La� sie los, Nynaeve�, sagte Elayne l�chelnd. Sie war der Frau bereits wohler gesonnen. Es mu�te schrecklich gewesen sein, diese Reise nach Tar Valon zu unternehmen, nur um wieder fortgeschickt zu werden. Es gab keinen Grund, warum die Frau ihnen glauben <emphasis>mu�te -</emphasis> etwas daran gefiel ihr nicht, aber sie konnte es nicht benennen -, �berhaupt keinen Grund, aber wenn sie die Reise nach Tar Valon unternommen hatte, w�rde sie vielleicht tats�chlich �ber den Mol-Hara-Platz gehen. Merilille, oder jede andere Schwester, konnte ihr den Kopf zurechtr�cken.</p><p>�Sie loslassen?� keuchte Nynaeve. �Elayne!�</p><p>�La� sie los. Herrin Anan, ich erkenne, da� die einzige M�glichkeit, Euch zu �berzeugen...�</p><p>�Der Amyrlin-Sitz und drei Sitzende k�nnten mich nicht �berzeugen, Kind.� Licht, lie� sie jemals jemanden einen Satz beenden? �Nun, ich habe keine Zeit f�r weitere Spiele. Ich kann Euch beiden helfen. Ich kenne jedenfalls jene, die dazu in der Lage sind, einige Frauen, die abgeirrt sind. Ihr habt es Lord Mat zu verdanken, da� ich bereit bin, Euch zu ihnen zu bringen, aber ich mu� es wissen. Wart Ihr beide jemals in der Burg, oder seid Ihr Wilde? Und wenn Ihr dort wart - wurdet Ihr fortgeschickt, oder seid Ihr davongelaufen? Die Wahrheit. Sie behandeln jeden Fall anders.�</p><p>Elayne zuckte die Achseln. Sie hatten erledigt, weshalb sie hergekommen waren. Sie war nicht bereit, noch mehr Zeit zu verschwenden, sondern wollte mit dem weitermachen, was als n�chstes getan werden mu�te. �Wenn Ihr Euch nicht �berzeugen lassen wollt, dann war das alles. Nynaeve? Es ist Zeit zu gehen.�</p><p>Die Str�nge um die Wirtin schwanden und das Schimmern um Nynaeve ebenfalls, aber Nynaeve beobachtete die Frau weiterhin wachsam und hoffnungsvoll. Sie benetzte ihre Lippen �Ihr kennt einige Frauen, die uns helfen k�nnen?�</p><p>�Nynaeve!� rief Elayne verwundert aus. �Wir brauchen keine Hilfe. Wir <emphasis>sind Aes</emphasis> Sedai, erinnerst du dich?�</p><p>Mit einem seltsamen Blick in ihre Richtung sch�ttelte Herrin Anan ihre R�cke aus und beugte sich herab, um ihre hervorschauenden Unterkleider glatt zu streichen. Ihre wahre Aufmerksamkeit galt aber Nynaeve. Elayne hatte sich noch nie in ihrem Leben so vollkommen beiseite geschoben gef�hlt. �Ich kenne einige Frauen, die gelegentlich Wilde oder Davongelaufene oder Frauen aufnehmen, welche die Pr�fung zur Aufgenommenen oder zur Aes Sedai nicht bestanden haben. Es m�ssen insgesamt mindestens f�nfzig sein, obwohl die Anzahl schwankt. Sie k�nnen Euch helfen, ein Leben ohne das Risiko zu f�hren, da� eine wahre Schwester Euch w�nschen l��t, sie w�rde Euch die Haut abziehen und die Qual beenden. Nun, bel�gt mich nicht. Wart Ihr jemals in der Burg? Denn wenn Ihr davongelaufen seid, k�nntet Ihr genausogut beschlie�en zur�ckzukehren. Die Burg hat sogar w�hrend des Hundertj�hrigen Krieges fast alle Davongelaufenen gefunden, also solltet Ihr nicht denken, da� sie sich durch diese kleine Schererei jetzt aufhalten lassen werden. Tats�chlich w�re mein Vorschlag in diesem Fall, da� Ihr den Platz �berquert und Euch der Gnade einer Schwester unterwerft. Obwohl ich f�rchte, da� es nur geringe Gnade geben wird, aber Ihr k�nnt mir glauben, da� es mehr sein wird, als wenn sie Euch zur�ckholen. Ihr werdet danach nicht einmal mehr daran denken, das <emphasis>Gel�nde</emphasis> der Burg ohne Erlaubnis zu verlassen.�</p><p>Nynaeve atmete tief durch. �Wir wurden aus der Burg fortgeschickt, Herrin Anan. Darauf schw�re ich bei allem, was Ihr verlangt.�</p><p>Elayne sah sie ungl�ubig an. �Nynaeve, was <emphasis>sagst</emphasis> du da? Herrin Anan, wir <emphasis>sind</emphasis> Aes Sedai.�</p><p>Herrin Anan lachte. �Kind, la�t mich mit Nynaeve reden; die ist zumindest alt genug, um Vernunft zu zeigen. Erz�hlt das dem <emphasis>Zirkel,</emphasis> und sie werden es nicht freundlich aufnehmen. Es wird sie nicht k�mmern, da� Ihr die Macht lenken k�nnt. Sie k�nnen es auch, und sie werden Euch den Hintern versohlen oder Euch auf die Stra�e werfen, wenn ihr die T�rin spielt.�</p><p>�Wer ist dieser <emphasis>Zirkel?�</emphasis> fragte Elayne. �Wir <emphasis>sind</emphasis> Aes Sedai. Kommt zum Tarasin-Palast hin�ber, und Ihr werdet es sehen.�</p><p>�Ich werde sie im Zaum halten�, besa� Nynaeve die Frechheit zu sagen, w�hrend sie Elayne unentwegt stirnrunzelnd und mit einer Miene ansah, als sei sie diejenige, die verr�ckt geworden sei.</p><p>Herrin Anan nickte nur. �Gut. Jetzt nehmt diese Ringe ab und steckt sie weg. Der Zirkel erlaubt solche Art Vort�uschung nicht. Sie w�rden sie Euch gleich zu Beginn nehmen und einschmelzen lassen. Obwohl Ihr, Euren Gew�ndern nach zu urteilen, Geld habt. Wenn Ihr es gestohlen habt, la�t es Reanne nicht wissen. Eine der ersten Regeln, die Ihr lernen m��t, lautet, nicht zu stehlen, selbst wenn Ihr verhungert. Sie wollen keine Aufmerksamkeit erregen.�</p><p>Elayne ballte die H�nde zu F�usten und verbarg sie hinter dem R�cken, als sie beobachtete, wie Nynaeve sanftm�tig ihren Ring abnahm und in ihre G�rteltasche steckte. Nynaeve, die jedesmal aufheulte, wenn Merilille oder Adeleas oder eine der anderen verga�en, da� sie eine vollwertige Schwester war!</p><p>�Vertrau mir, Elayne�, sagte Nynaeve.</p><p>Was Elayne leichter gefallen w�re, wenn sie auch nur eine Ahnung gehabt h�tte, was die Frau vorhatte. Sie vertraute ihr dennoch. �berwiegend. �Ein kleines Opfer�, murmelte sie. Aes Sedai nahmen ihre Ringe ab, wenn es n�tig war, und sie hatte es auch schon getan, aber er geh�rte jetzt rechtm��ig ihr. Es schmerzte sie fast k�rperlich, den Gold ring abzunehmen.</p><p>�Sprecht mit Eurer Freundin, Kind�, wies Herrin Anan Nynaeve ungeduldig an. �Reanne Corly wird sich nicht mit Trotz und Schmollen abgeben, und wenn Ihr mich meinen Vormittag umsonst verschwenden la�t... Kommt schon, kommt. Ihr habt Gl�ck, da� ich Lord Mat mag.�</p><p>Elayne hielt ihre k�hle Gelassenheit nur noch m�hsam bei. Trotz und Schmollen? Trotz und <emphasis>Schmollen?</emphasis> Sie w�rde Nynaeve dorthin treten, wo es schmerzte, sobald sie die Gelegenheit dazu bek�me.</p></section><section><title><p>23</p><p>In Nachbarschaft einer Weberei</p></title><p>Nynaeve wollte mit Elayne sprechen, wenn die Gasthausbesitzerin nicht mehr zuh�ren w�rde, aber es ergab sich nicht sofort die Gelegenheit. Die Frau dr�ngte sie wie eine Gefangenenw�rterin aus dem Raum, ihre starre Ungeduld durch den vorsichtigen Blick, den sie auf Mats T�r warf, ungebrochen. Auf der R�ckseite des Gasthauses f�hrte eine weitere gel�nderlose Steintreppe in eine gro�e K�che voller Backd�fte, wo die rundlichste Frau, die Nynaeve je gesehen hatte, einen gro�en Holzl�ffel wie ein Zepter schwang und drei weitere Frauen anwies, knusprige braune Brotlaibe aus den �fen zu nehmen und durch Rollen hellen Teigs zu ersetzen. Ein gro�er Topf grobk�rniger, wei�er Haferbrei, der hier zum Fr�hst�ck gegessen wurde, k�chelte sanft auf einem der wei� gekachelten �fen.</p><p>�Enid�, sprach Herrin Anan die rundliche Frau an, �ich gehe eine Weile aus. Ich mu� diese beiden Kinder zu jemandem bringen, der Zeit hat, sie angemessen zu bemuttern.�</p><p>Enid wischte sich die breiten, mehlbest�ubten H�nde an einem wei�en Handtuch ab, w�hrend sie Nynaeve und Elayne mi�billigend betrachtete. Alles an ihr war rund, ihr schwei�bedecktes, olivfarbenes Gesicht, ihre dunklen Augen, einfach alles. Sie schien aus gro�en, in ein Gewand gestopften Klumpen zu bestehen. Der Hochzeitsdolch, der �ber ihre schneewei�e Sch�rze herabhing, wies ein volles Dutzend funkelnder Sterne auf. �Sind das die beiden G�ren, von denen Caira gesprochen hat, Herrin? Feine H�ppchen f�r unseren jungen Herrn, w�rde ich sagen.� Ihrem Tonfall nach zu urteilen, am�sierte es sie anscheinend.</p><p>Die Besitzerin des Gasthauses sch�ttelte ver�rgert den Kopf. �Ich habe diesem M�dchen gesagt sie soll den Mund halten. Ich will nicht, da� in der <emphasis>Wanderin</emphasis> Ger�chte umgehen. Erinnert Caira daran, Enid, und benutzt, wenn n�tig, Euren Kochl�ffel, um ihre Aufmerksamkeit zu erlangen.� Sie sah Nynaeve und Elayne so ver�chtlich an, da� es Nynaeve fast den Atem nahm. �W�rde irgend jemand, der nur halb soviel Verstand besitzt wie sie, glauben, da� sie Aes Sedai w�ren? Die beiden haben ihr ganzes Geld f�r Gew�nder ausgegeben, um den Mann zu beeindrucken, und jetzt w�rden sie am liebsten sterben, wenn sie ihn nicht anl�cheln k�nnen. Aes Sedai!� Sie lie� Enid keine Gelegenheit zu antworten, ergriff Nynaeves Ohr mit ihrer rechten und Elaynes mit der linken Hand und hatte sie mit drei raschen Schritten in den Hof hinausgef�hrt.</p><p>So lange hielt Nynaeves Schock an. Dann befreite sie sich oder versuchte es zumindest, weil die Frau im gleichen Moment loslie� und sie ein halbes Dutzend Schritte mit emp�rtem Blick vorw�rts stolperte. Sie war diesen Handel nicht eingegangen, um umhergezerrt zu werden. Elayne reckte das Kinn empor, und ihre blauen Augen wirkten so kalt, da� Nynaeve sich nicht gewundert hatte, wenn sich Frost an ihren Locken gebildet h�tte.</p><p>Die H�nde in die H�ften gestemmt, schien Herrin Anan es nicht zu bemerken. Oder vielleicht k�mmerte es sie einfach nicht. �Ich kann nur hoffen, da� Caira jetzt niemand mehr etwas glauben wird�, sagte sie ruhig. �Wenn ich sicher gewesen w�re, da� Ihr genug Verstand besa�t, den Mund zu halten, h�tte ich mehr gesagt und getan.� Sie war ruhig, aber weder freundlich noch sanft. Sie hatten ihren Vormittag gest�rt.</p><p>�Nun folgt mir, und verirrt Euch nicht. Oder wenn Ihr Euch verirrt, la�t Euch nie wieder in der N�he meines Gasthauses blicken, sonst werde ich jemanden zum Palast schicken, um Merilille <emphasis>und</emphasis> Teslyn zu benachrichtigen. Sie sind zwei der wahren Schwestern, die Euch zweifellos auseinandernehmen w�rden.�</p><p>Elayne blickte von der Besitzerin des Gasthauses zu Nynaeve. Keine Wut, kein Stirnrunzeln und dennoch ein sehr bedeutungsvoller Blick. Nynaeve fragte sich, ob sie dies durchstehen k�nnte. Der Gedanke an Mat �berzeugte sie letztendlich.</p><p>�Wir werden uns nicht verirren, Herrin Anan�, sagte sie und bem�hte sich um Demut. Sie fand, da� es ihr recht gut gelang, wenn man bedachte, wie fremd ihr Demut war. �Danke, da� Ihr uns helft.� Sie l�chelte die Wirtin an und bem�hte sich sehr, nicht auf Elayne zu achten, deren Blick noch bedeutungsvoller wurde, auch wenn es kaum zu glauben war. Auf jeden Fall mu�te sie daf�r sorgen, da� die Frau sie weiterhin f�r die St�rung wert hielt. �Wir sind Euch wirklich dankbar, Herrin Anan.�</p><p>Herrin Anan sah sie fragend an, schnaubte dann und sch�ttelte den Kopf. Nynaeve beschlo�, da� sie die Wirtin, wenn es sein mu�te, zum Palast zerren w�rde, wenn dies vorbei war, und die anderen Schwestern <emphasis>zwingen</emphasis> w�rde, sie in Herrin Anans Anwesenheit anzuerkennen.</p><p>Zu dieser fr�hen Stunde war der Hof bis auf einen einsamen Jungen von zehn oder zw�lf Jahren mit einem Eimer, der den staubigen Boden mit Wasser besprenkelte, leer. Die wei�en Stallt�ren waren weit ge�ffnet, und eine Schubkarre mit einer darauf liegenden Mistgabel stand davor. Ger�usche, als w�rde man einen gro�en Frosch zertreten, erklangen aus dem Stall. Nynaeve entschied, da� es der Gesang eines Mannes war. W�rden sie reiten m�ssen, um ihren Bestimmungsort zu erreichen? Selbst ein kurzer Ritt w�re unerfreulich. Da sie nur in der Absicht den Platz �berquert hatten, wieder zur�ck zu sein, bevor die Sonne h�her gestiegen w�re, hatten sie weder H�te noch Sonnenschirme mitgenommen.</p><p>Herrin Anan f�hrte sie jedoch durch den Hof und dann eine schmale Gasse zwischen dem Stall und einer hohen Mauer entlang, �ber deren oberen Rand von der Trockenheit staubige Baumwipfel hervorsahen. Zweifellos irgend jemandes Garten. Ein kleines Tor am Ende der Gasse f�hrte auf eine staubige und derma�en enge Gasse, da� die ersten Sonnenstrahlen sie noch nicht vollkommen erreicht hatten.</p><p>�Ihr Kinder bleibt jetzt dicht bei mir, denkt daran�, belehrte die Wirtin sie erneut, w�hrend sie die d�stere Gasse betrat. �Wenn Ihr Euch verirrt schw�re ich, da� ich selbst zum Palast gehen werde.�</p><p>Nynaeve umfa�te mit beiden H�nden ihren Zopf, w�hrend sie Herrin Anan folgte, um ihr nicht an die Kehle zu gehen. Wie sehr sie sich nach ihren ersten grauen Haaren sehnte. Zuerst die anderen Aes Sedai, dann das Meervolk - Licht, sie wollte nicht �ber sie nachdenken! - und jetzt eine Wirtin! Niemand nahm einen ernst, bevor man nicht zumindest ein wenig Grau im Haar hatte. Selbst das alterslose Gesicht einer Aes Sedai war ihrer Einsch�tzung nach nicht gleichwertig.</p><p>Elayne hob ihre R�cke aus dem Staub, obwohl ihre Schuhe immer noch kleine Staubwolken aufwirbelten, die sich auf dem Saum ihrer Gew�nder niederlie�en. �La� mich sehen�, sagte Elayne sanft, w�hrend sie starr geradeaus blickte. Sanft, aber k�hl. Tats�chlich sehr k�hl. Sie hatte eine Art, jemanden auseinanderzunehmen, ohne ihre Stimme zu erheben, die Nynaeve bewunderte. Normalerweise. Im Moment erweckte es in ihr nur das Verlangen, Elayne zu schlagen. �Wir k�nnten jetzt im Palast sein, Blaubeertee trinken und die frische Brise genie�en, w�hrend wir darauf warteten, da� Meister Cauthon seine Habe br�chte. Vielleicht w�rden Aviendha und Birgitte mit n�tzlichen Informationen zur�ckkommen. Wir k�nnten endlich genau festlegen, was wir mit dem Mann tun wollen. Folgen wir ihm einfach durch die Stra�en des Rahad und sehen, was geschieht, f�hren wir ihn in einander �hnelnde Geb�ude, oder lassen wir ihn w�hlen? Es mu� einhundert n�tzliche M�glichkeiten geben, diesen Vormittag zu verbringen, einschlie�lich der Entscheidung, ob es nach diesem Handel, den das Meervolk uns abgerungen hat, sicher ist, zu Egwene zur�ckzukehren - ob es jemals sicher ist. Wir m�ssen fr�her oder sp�ter dar�ber reden. Es n�tzt nichts, dem auszuweichen. Statt dessen befinden wir uns auf einem Spaziergang, der wer wei� wie lange dauern kann, und blinzeln den ganzen Weg in der Sonne, wenn wir so weiterlaufen, um Frauen aufzusuchen, die aus der Burg Verwiesene durchf�ttern. Ich f�r meinen Teil habe kein gro�es Verlangen, heute morgen oder an irgend einem anderen Morgen Davongelaufene einzufangen. Aber du kannst mir das alles gewi� so erkl�ren, da� ich es verstehe. Ich w�rde es so gern verstehen, Nynaeve. Mir w�re der Gedanke unangenehm, dich umsonst den ganzen Mol-Hara-Platz entlang zu treten.�</p><p>Nynaeve senkte die Augenbrauen. Sie treten? Elayne wurde wirklich immer heftiger, seit sie soviel Zeit mit Aviendha verbrachte. Jemand sollte den beiden ein wenig Verstand einbleuen. �Die Sonne steht noch nicht hoch genug, da� sie uns schon blendet�, murrte sie. Aber leider w�re es bald soweit. �Denk nach, Elayne. <emphasis>F�nfzig</emphasis> Frauen, welche die Macht lenken k�nnen und Wilden und aus der Burg Verwiesenen helfen.� Sie f�hlte sich manchmal schuldig, wenn sie den Begriff �Wilde� gebrauchte. Aus dem Munde der meisten Aes Sedai bedeutete es eine Beleidigung, aber sie beabsichtigte, sie diesen Begriff eines Tages wieder mit Stolz aussprechen zu lassen. �Und sie nannte sie den �Zirkel�. Das klingt f�r mich nicht nach einigen Freunden. Es klingt nach einer Gemeinschaft.� Die Gasse wand sich zwischen hohen Mauern und R�ckseiten von Geb�uden hindurch, wobei bei vielen die blo�en Ziegelsteine durch den Verputz sahen, und an Palastg�rten und L�den vorbei, wo manche offene Hintert�r einen Blick auf Silberschmiede, Schneider oder Holzschnitzer bei der Arbeit freigab. Herrin Anan schaute mindestens ebenso h�ufig �ber ihre Schulter, um sich zu vergewissern, da� sie ihr noch immer folgten. Nynaeve l�chelte und nickte ihr <emphasis>zu,</emphasis> was hoffentlich Eifer vermittelte.</p><p>�Nynaeve, wenn <emphasis>zwei</emphasis> Frauen, welche die Macht lenken k�nnen, eine Gemeinschaft bildeten, w�rde die Burg �ber sie herfallen wie ein R�del W�lfe. Woher sollte Herrin Anan au�erdem wissen, ob sie es k�nnen oder nicht? Frauen, die es k�nnen und keine Aes Sedai sind, zeigen sich nicht �berall, wie du wei�t. Jedenfalls nicht sehr lange. Auf jeden Fall kann ich nicht erkennen, da� es einen Unterschied machte. Egwene will vielleicht jede Frau, welche die Macht lenken kann, irgendwie zur Burg bringen, aber darum sind wir nicht hier.� Die frostige Geduld in Elaynes Stimme lie� Nynaeve ihren Zopf noch fester umfassen. Wie konnte die Frau so begriffsstutzig sein? Sie l�chelte Herrin Anan erneut zu und unterdr�ckte dann nur mit M�he einen finsteren Blick auf deren R�cken, als jene den Kopf wieder nach vorn wandte.</p><p>�F�nfzig Frauen sind nicht zwei Frauen�, fl�sterte Nynaeve heftig. Sie konnten die Macht lenken. Es mu�te so sein. Alles deutete darauf hin. �Es ist unvorstellbar, da� dieser Zirkel in einer Stadt mit einem Lagerraum voller <emphasis>Angreale</emphasis> besteht, ohne da� davon zumindest bekannt ist. Und wenn dem so ist...� Sie konnte nicht verhindern, da� ihre Stimme vor Zufriedenheit troff. �...werden wir die Schale ohne Meister Matrim Cauthon finden. Wir k�nnen diese l�cherlichen Versprechen vergessen.�</p><p>�Sie waren keine Bestechung, Nynaeve�, sagte Elayne wie abwesend. �Ich werde sie halten, und du ebenfalls, wenn du Ehrgef�hl besitzt, und das wei� ich.� Sie verbrachte absolut zuviel Zeit mit Aviendha. Nynaeve w�nschte, sie w��te, warum Elayne begonnen hatte zu glauben, da� sie alle diesem Aiel-Unsinn folgen m��ten.</p><p>Elayne bi� sich stirnrunzelnd auf die Unterlippe. Alle Frostigkeit war von ihr gewichen. Sie war anscheinend wieder ihr altes Selbst. Schlie�lich sagte sie: �Wir w�ren ohne Meister Cauthon niemals zu dem Gasthaus gegangen, weshalb wir auch niemals der bemerkenswerten Herrin Anan begegnet oder zu diesem Zirkel gef�hrt worden w�ren. Wenn uns der Zirkel also zur Schale f�hrt, m�ssen wir anerkennen, da� er der urs�chliche Grund daf�r war.�</p><p>Mat Cauthon. Sein Name <emphasis>brodelte</emphasis> in ihrem Kopf. Nynaeve stolperte �ber ihre eigenen F��e und lie� den Zopf los, um ihre R�cke zu raffen. Der Boden der Gasse war nicht so glatt wie ein gepflasterter Platz und weitaus unebener als ein Palastboden. Manchmal war eine aufgeregte Elayne besser als eine Elayne, die klar denken konnte. �Bemerkenswert�, murmelte sie. �Niemand hat uns jemals so behandelt wie Herrin Anan, Elayne, nicht einmal Menschen, die zweifelten, nicht einmal das Meervolk. Die meisten Leute w�ren vorsichtig, wenn eine Zehnj�hrige vorgibt, eine Aes Sedai zu sein.�</p><p>�Die meisten Leute wissen nicht wirklich, wie eine Aes Sedai aussieht, Nynaeve. Ich denke, sie ist einst zur Burg gegangen. Sie wei� Dinge, die sie sonst nicht wissen k�nnte.�</p><p>Nynaeve schnaubte und betrachtete finster den R�cken der vorauseilenden Frau. Setalle Anan mochte zehnmal, hundertmal zur Burg gegangen sein - sie w�rde Nynaeve al'Meara dennoch als Aes Sedai anerkennen und sich entschuldigen m�ssen. Und auch erfahren m�ssen, wie es war, am Ohr umhergezerrt zu werden! Herrin Anan schaute zur�ck, und Nynaeve g�nnte ihr ein starres L�cheln und nickte, als w�re ihr Hals ein Scharnier. �Elayne? Wenn diese Frauen wissen, wo sich die Schale befindet... Wir m�ssen Mat nicht erz�hlen, wie wir sie gefunden haben.� Es klang leicht fragend.</p><p>�Ich sehe nicht ein, warum nicht�, erwiderte Elayne und machte dann alle ihre Hoffnungen zunichte, indem sie hinzuf�gte: �Aber ich mu� vorsichtshalber Aviendha fragen.�</p><p>Wenn sie nicht gedacht h�tte, da� Herrin Anan sie auf der Stelle verlassen w�rde, h�tte sie geschrien.</p><p>Die gewundene Gasse wurde zu einer Stra�e, und es war kein sinnvolles Gespr�ch mehr m�glich. Der schmale Rand der Sonne leuchtete blendend �ber die D�cher �ber ihnen. Elayne beschattete sehr betont ihre Augen mit einer Hand. Nynaeve weigerte sich. Es war nicht so schlimm, und sie blinzelte kaum. Ein klarer blauer Himmel spottete ihrem Wettersinn, der ihr noch immer sagte, da� ein Sturm �ber der Stadt hing.</p><p>Bei Tagesanbruch waren schon einige Kutschen in den gewundenen Stra�en unterwegs, und mehrere S�nften, die von zwei oder manchmal vier barf��igen M�nnern in gr�nrot gestreiften Westen getragen wurden. Karren und Wagen rumpelten �ber die Pflastersteine, Menschen bev�lkerten allm�hlich die Stra�en, als Ladent�ren ge�ffnet und Markisen hochgezogen wurden, Lehrlinge in Westen erledigten eilig Boteng�nge, M�nner mit gro�en zusammengerollten Teppichen auf den Schultern, Akrobaten, Jongleure und Musikanten machten sich an den H�userecken bereit, und Stra�enh�ndler lie�en sich mit ihren K�sten mit Anstecknadeln, B�ndern oder sch�bigen Fr�chten nieder. Auf den Fisch- und Fleischm�rkten herrschte schon lange Betrieb. Alle Fischh�ndler waren Frauen und die meisten Metzger ebenfalls, bis auf diejenigen, die mit Rindfleisch handelten.</p><p>Herrin Anan bahnte sich an Kutschen und Wagen vorbei, die anscheinend keinen Grund sahen, ihr Tempo zu verlangsamen, festen Schrittes ihren Weg durch die Menge und an reichlich vorhandenen Hindernissen vorbei. Sie schien eine wohlbekannte Person zu sein, die von Ladenbesitzern, Handwerkern und anderen Wirten, die in den Eing�ngen standen, gegr��t wurde. Die Ladenbesitzer und Handwerker wurden mit ein paar Worten und einem freundlichen Nicken bedacht, aber bei Wirten blieb sie stets stehen, um einen Moment zu plaudern. Nach dem ersten w�nschte sich Nynaeve inbr�nstig, sie w�rde es nicht wieder tun. Nach dem zweiten betete sie darum. Nach dem dritten blickte sie starr geradeaus und versuchte vergebens, nicht mehr zuzuh�ren. Elaynes Gesicht wurde immer angespannter und k�lter. Sie reckte ihr Kinn so weit empor, da� man sich wundern mu�te, da� sie den Weg noch sehen konnte.</p><p>Nynaeve mu�te widerwillig zugeben, da� sie allen Grund dazu hatte. In Ebou Dar konnte vielleicht jemand in einem Seidengewand �ber einen Platz gehen, aber nicht weiter. Jedermann sonst trug Tuch oder Leinen, selten nur bestickt, bis auf einen gelegentlichen Bettler, der sich ein abgelegtes Seidengewand angeeignet hatte, das an jeder Ecke ausgefranst und mehr Loch als Kleidung war. Sie w�nschte nur, Herrin Anan h�tte eine andere Erkl�rung daf�r gefunden, warum sie sie beide durch die Stra�en f�hrte. Sie w�nschte, sie mu�te nicht erneut der Geschichte �ber zwei launische M�dchen lauschen, die all ihr Geld f�r vornehme Kleider ausgegeben hatten, um einen Mann zu beeindrucken. Mat kam gut bei der Geschichte weg. Verdammt sei er! Ein angenehmer junger Bursche, wenn Herrin Anan nicht verheiratet gewesen w�re, ein wunderbarer T�nzer mit nur einer Spur Verschmitztheit. Alle Frauen lachten. Sie und Elayne jedoch nicht. Nicht die geistlosen kleinen Schw�rmerinnen - dieses Wort hatte sie gebraucht -, die keine Kupferm�nze mehr besa�en, weil sie hinter einem Mann hergejagt waren, hirnlose Tolpatsche, die h�tten betteln oder stehlen m�ssen, wenn Herrin Anan nicht jemanden w��te, der ihnen vielleicht Arbeit in der K�che g�be.</p><p>�Sie braucht nicht an jeder Absteige in der Stadt stehenzubleiben�, grollte Nynaeve, w�hrend sie vom Gasthaus <emphasis>Gestrandete Gans</emphasis> fortgingen, wo sie zusammen mit einer Wirtin, die trotz des bescheidenen Namens gro�e Granate an ihren Ohren trug, drei langatmige Geschichten anh�ren mu�ten. Herrin Anan blickte jetzt kaum noch einmal zur�ck, um nachzusehen, ob sie ihr folgten. �Ihr m��t erkennen, da� wir an solchen Orten niemals unsere wahren Gesichter zeigen d�rfen!�</p><p>�Das ist vermutlich genau der Punkt�, sagte Elayne eisig. �Nynaeve, wenn du uns einem Wildschwein hinterherlaufen l��t...� Es war nicht n�tig, die Drohung zu beenden. Mit Birgittes und Aviendhas Unterst�tzung - und sie w�rden helfen - konnte Elayne ihr das Leben schwermachen, bis sie zufriedengestellt war.</p><p>�Sie werden uns geradewegs zu der Schale bringen�, beharrte sie und verscheuchte einen Bettler mit einer schrecklichen purpurfarbenen Narbe, die ein Auge unkenntlich machte. �Ich wei� es.� Elayne schnaubte ausdrucksvoll.</p><p>Nynaeve hatte irgendwann aufgeh�rt, die Br�cken zu z�hlen, die sie �berquerten, gro�e und kleine, mit darunter entlang stakenden Lastbooten. Die Sonne stieg immer h�her �ber den D�chern auf. Herrin Anan nahm nicht den direkten Weg - sie schien tats�chlich Umwege in Kauf zu nehmen, um Gasth�user aufzusuchen -, aber sie liefen in �stlicher Richtung, und Nynaeve dachte, sie m��ten dem Flu� nahe kommen, als sich die Frau mit den haselnu�braunen Augen pl�tzlich zu ihnen umwandte.</p><p>�H�tet jetzt Eure Zungen. Sprecht nur, wenn Ihr angesprochen werdet. Bringt mich in Verlegenheit, und... � Mit einem letzten Stirnrunzeln und leisem Murren, da� sie wahrscheinlich gerade einen Fehler beging, bedeutete sie ihnen mit einer Kopfbewegung, ihr zu einem genau gegen�berstehenden Haus mit einem Flachdach zu folgen.</p><p>Es war kein gro�es Haus - zwei Stockwerke ohne Balkon, mit rissigem Verputz und an mehreren Stellen durchscheinenden Ziegelsteinen -, das keinen allzu angenehmen Standort hatte, da das laute Rattern der Webrahmen auf der einen Seite und der bei�ende Gestank einer F�rberei auf der anderen st�rten. Eine Dienerin �ffnete die T�r, eine bereits ergrauende Frau mit kantigem Kinn, Schultern wie ein Hufschmied und st�hlernem Blick, der auch nicht durch den Schwei� auf ihrem Gesicht gemildert wurde. Nynaeve folgte Herrin Anan l�chelnd hinein. Irgendwo in diesem Haus lenkte eine Frau die Macht.</p><p>Die Dienerin mit dem kantigen Kinn hatte Setalle Anan offensichtlich erkannt, schien aber seltsam �berrascht. Sie vollf�hrte einen respektvollen Hofknicks, war aber dennoch eindeutig beunruhigt �ber ihren Besuch. Nynaeve und Elayne wurden jedoch ausdruckslos begr��t. Sie wurden in einen Wohnraum im ersten Stock gef�hrt, und die Dienerin belehrte sie mit fester Stimme: �R�hrt Euch nicht und fa�t nichts an, sonst werdet Ihr Euch Strafe einhandeln.� Dann verschwand sie.</p><p>Nynaeve sah Elayne an.</p><p>�Nynaeve, wenn eine Frau die Macht lenkt, bedeutet das nicht...� Das Gef�hl �nderte sich, schwoll einen Moment an, sank aber dann noch weiter ab als zuvor. �Selbst bei zwei Frauen bedeutet es nichts�, protestierte Elayne, aber sie klang zweifelnd. �Das war die unm�glichste Dienerin, die ich je erlebt habe.� Sie setzte sich auf einen roten Stuhl mit hoher R�ckenlehne, und kurz darauf setzte sich auch Nynaeve hin, aber nur auf die Stuhlkante. Aus Eifer, nicht aus Nervosit�t. �berhaupt nicht aus Nervosit�t.</p><p>Der Raum war nicht sehr beeindruckend, aber die blauwei�en Bodenfliesen gl�nzten, und die hellgr�nen W�nde waren frisch gestrichen. Nat�rlich waren nirgendwo Vergoldungen zu sehen, aber edle Schnitzereien schm�ckten die entlang den W�nden aufgestellten roten St�hle und mehrere kleine Tische in einem dunkleren Blau als die Fliesen. Die Leuchter aus Messing waren gl�nzend poliert. Sorgf�ltig angeordnete Immergr�nzweige schm�ckten den gekehrten Kamin, und auch der Kaminsims war mit Reliefs versehen und nicht nur aus einfachem Stein. Die Reliefs schienen seltsam gew�hlt - sie stellten das dar, was die Leute in Ebou Dar die Dreizehn S�nden nannten: ein Mann, dessen Augen vor Neid fast sein ganzes Gesicht einnahmen, ein Bursche, dessen Zunge ihm vor Geschw�tzigkeit beinahe bis auf die Kn�chel hing, ein die Z�hne fletschender Mann, der aus Habgier M�nzen an seine Brust pre�te, und so weiter -, aber alles in allem stellte es sie sehr zufrieden. Wer auch immer diesen Raum hatte ausstatten lassen, konnte sich auch einen frischen Au�enverputz leisten, und der einzige Grund, ihn nicht zu erneuern, w�re, nicht auffallen zu wollen.</p><p>Die Dienerin hatte die T�r offen gelassen, und pl�tzlich drangen Stimmen aus dem Gang herein.</p><p>�Ich kann es nicht glauben, da� Ihr sie hergebracht habt.� Die Stimme der Sprecherin klang vor Ungl�ubigkeit und Zorn angespannt. �Ihr wi�t, wie vorsichtig wir sind, Setalle. Ihr wi�t mehr, als Ihr wissen solltet und <emphasis>das</emphasis> wi�t Ihr mit Sicherheit.�</p><p>�Es tut mir sehr leid, Reanne�, antwortete Herrin Anan steif. �Ich habe nicht richtig dar�ber nachgedacht. Ich ... schw�re, da� ich f�r das Verhalten dieser M�dchen b�rge und mich Eurem Urteil beuge.�</p><p>�Das ist nicht n�tig!� Reannes Stimme klang jetzt vor Entsetzen h�her. �Das hei�t... Ich meine, Ihr h�ttet es nicht tun sollen, aber ... Setalle, verzeiht, da� ich meine Stimme erhoben habe. Sagt, da� Ihr mir vergebt.�</p><p>�Ihr habt keinen Grund, Euch zu entschuldigen, Reanne.� Die Gastwirtin klang wahrhaftig gleichzeitig kl�glich und widerwillig. �Es war falsch von mir, sie herzubringen.�</p><p>�Nein, nein, Setalle. Ich h�tte nicht so mit Euch sprechen d�rfen. Bitte, Ihr m��t mir vergeben. Bitte verzeiht.�</p><p>Herrin Anan und Reanne Corly betraten den Raum, und Nynaeve blinzelte �berrascht. Der Unterhaltung nach hatte sie eine Frau erwartet, die j�nger w�re als Setalle Anan, aber Reanne hatte �berwiegend graues Haar und ein Gesicht voller Falten, die vielleicht Lachfalten waren, jetzt aber eher Besorgnis ausdr�ckten. Warum sollte sich die �ltere Frau vor der j�ngeren erniedrigen, und warum sollte die j�ngere es zulassen, wie halbherzig auch immer? Hier herrschten seltsamere Br�uche, als ihr lieb war. Sie war nat�rlich beim Frauenkreis zu Hause niemals in die Verlegenheit gekommen, sich allzu dem�tig zu zeigen, aber dies...</p><p>Nat�rlich konnte Reanne die Macht lenken - das war ohnehin zu erwarten gewesen -, aber sie hatte nicht mit ihrer St�rke gerechnet. Reanne war nicht so stark wie Elayne oder auch Nicola - verdammt sei diese Elende! -, aber sie konnte leicht mit Sheriam oder vielleicht Kwamesa oder Kiruna mithalten. Nicht viele Frauen besa�en soviel St�rke, und auch wenn sie selbst ebenfalls recht stark war, war sie doch �berrascht, diese Frau hier vorzufinden. Sie mu�te eine der Wilden sein. Die Burg h�tte eine M�glichkeit gefunden, eine solche Frau zu verwahren, und wenn sie sie ihr Leben lang in einem Novizinnengewand gehalten h�tten.</p><p>Nynaeve erhob sich, als sie den Raum betraten, und gl�ttete ihre R�cke. Sicher nicht aus Nervosit�t. Gewi� nicht. Oh, wenn dies doch nur gut ausginge...</p><p>Reannes wachsame blaue Augen betrachteten Elayne und Nynaeve mit der Miene eines Menschen, der gerade zwei Schweine in seiner K�che vorgefunden hatte, frisch vom Schweinestall und vor Schlamm triefend. Sie tupfte sich mit einem kleinen Taschentuch das Gesicht ab, obwohl es im Inneren des Hauses k�hler war als drau�en. �Wir werden vermutlich etwas mit ihnen tun m�ssen�, murmelte sie, �wenn sie sind, was sie zu sein behaupten.� Ihre Stimme klang auch jetzt noch recht hoch, melodisch und jugendlich. Als sie zu Ende gesprochen hatte, zuckte sie aus einem unbestimmten Grund kurz zusammen und betrachtete die Wirtin von der Seite, wodurch eine neue Runde widerwilliger Entschuldigungen von Herrin Anan und nerv�ser Versuche Herrin Corlys, diese abzuwehren, begann. In Ebou Dar konnten, wenn die Menschen wahrhaft h�flich waren, �ber eine Stunde lang Entschuldigungen ausgetauscht werden.</p><p>Elayne hatte sich mit einem etwas starren L�cheln ebenfalls erhoben. Sie sah Nynaeve mit einer gew�lbten Augenbraue an, st�tzte ihren Ellbogen in eine Hand und legte einen Finger an ihre Wange.</p><p>Nynaeve r�usperte sich. �Herrin Corly, mein Name ist Nynaeve al'Meara, und dies ist Elayne Trakand. Wir suchen...�</p><p>�Setalle hat mir alles �ber Euch erz�hlt�, unterbrach die blau�ugige Frau sie unheilvoll. Wie viele graue Haare sie auch haben mochte - Nynaeve vermutete, da� sie dennoch steinhart war, �Nur Geduld, M�dchen, ich k�mmere mich sofort um Euch.� Sie wandte sich wieder an Setalle, w�hrend sie ihre Wangen weiterhin mit dem Taschentuch abtupfte. Kaum unterdr�ckte Sch�chternheit pr�gte ihre Stimme erneut. �Setalle, wenn Ihr mich bitte entschuldigen wollt, ich mu� diese M�dchen befragen...�</p><p>�Seht nur, wer nach all diesen Jahren zur�ckgekehrt ist�, platzte eine kleine, st�mmige Frau mittleren Alters heraus, w�hrend sie in den Raum st�rzte und ihrer Begleiterin zunickte. Trotz ihres von einem roten G�rtel gehaltenen Ebou-Dari-Gewandes und einem feucht gl�nzenden, gebr�unten Gesicht sprach sie mit rein cairhienischem Akzent. Ihre gleicherma�en verschwitzte Begleiterin in dunklem, einfach geschnittenen Tuch einer Kauffrau war einen Kopf gr��er, nicht �lter als Nynaeve, mit dunklen, schr�g stehenden Augen, einer ausgepr�gten Hakennase und einem breiten Mund. �Es ist Garenia! Sie...� Sie brach verwirrt ab, als sie erkannte, da� noch andere anwesend waren.</p><p>Reanne legte wie im Gebet - oder vielleicht, weil sie jemanden schlagen wollte - die H�nde zusammen. �Berowin�, sagte sie schneidend, �Ihr werdet eines Tages noch �ber eine Klippe hinauslaufen, bevor Ihr sie unter Euren F��en bemerkt.�</p><p>�Es tut mir leid, Eid...� Die Cairhienerin senkte err�tend den Blick. Die Saldaeanerin machte sich intensiv an einer Anstecknadel mit einem Kreis roter Steine an ihrer Brust zu schaffen.</p><p>Nynaeve sah Elayne triumphierend an. Beide Neuank�mmlinge konnten die Macht lenken, und irgendwo im Haus wurde immer noch <emphasis>Saidar</emphasis> gelenkt. Zwei weitere, und w�hrend Berowin nicht sehr stark war, stand Garenia sogar noch �ber Reanne. Sie konnte es mit Lelaine oder Romanda aufnehmen. Nat�rlich war das nicht wichtig, und doch ergab das bereits f�nf. Elayne reckte eigensinnig das Kinn, aber dann seufzte sie und nickte kurz. Manchmal war es unglaublich m�hsam, sie von etwas zu �berzeugen.</p><p>�Euer Name ist Garenia?� fragte Herrin Anan z�gernd, w�hrend sie die fragliche Frau stirnrunzelnd ansah. �Ihr seht einer Frau sehr �hnlich, die ich einst getroffen habe. Zarya Alkaese.�</p><p>Dunkle, schr�g stehende Augen blinzelten �berrascht. Die saldaeanische Kauffrau zog ein Taschentuch aus ihrem �rmel und tupfte damit ihre Wangen ab. �Das ist der Name der Schwester meiner Gro�mutter�, sagte sie kurz darauf. ��Man hat mir gesagt, ich �hnele ihr sehr. Ging es ihr gut, als Ihr sie saht? Sie hat ihre Familie vollkommen vergessen, nachdem sie fortging, um eine Aes Sedai zu werden.�</p><p>�Die Schwester Eurer Gro�mutter.� Die Wirtin lachte leise. �Nat�rlich. Es ging ihr gut, als ich sie sah, aber das war vor langer Zeit. Ich war damals noch j�nger, als Ihr es jetzt seid.�</p><p>Reanne war an ihrer Seite geblieben und schaltete sich jetzt ein. �Setalle, es tut mir sehr leid, aber ich mu� Euch bitten, uns zu entschuldigen. Ihr verzeiht, wenn ich Euch nicht hinausf�hre?�</p><p>Herrin Anan �u�erte ebenfalls Entschuldigungen, als sei es ihr Fehler, da� die andere Frau sie nicht hinuntergeleiten konnte, und ging mit einem letzten, sehr skeptischen Blick auf Nynaeve und Elayne davon.</p><p>�Setalle!� rief Garenia aus, sobald die Gastwirtin gegangen war. �Das war Setalle Anan? Wie hat sie...? Licht des Himmels! Die Burg w�rde selbst nach siebzig Jahren...�</p><p>�Garenia!� ermahnte sie Herrin Corly �u�erst streng. Ihr Blick war sogar noch strenger, und das Gesicht der Saldaeanerin r�tete sich. �Da Ihr beide hier seid, k�nnen wir die Dreierbefragung durchf�hren. Ihr M�dchen bleibt, wo Ihr seid, und verhaltet Euch still.� Letzteres war an Nynaeve und Elayne gerichtet. Die anderen Frauen zogen sich in eine Ecke zur�ck und berieten sich leise.</p><p>Elayne r�ckte n�her zu Nynaeve. �Ich mochte es schon nicht, wie eine Novizin behandelt zu werden, als ich noch eine Novizin <emphasis>war.</emphasis> Wie lange beabsichtigst du diese Farce noch zu spielen?�</p><p>Nynaeve zischte ihr zu, sie solle still sein. �Ich versuche zuzuh�ren, Elayne�, fl�sterte sie.</p><p>Es stand nat�rlich au�er Frage, die Macht zu benutzen. Die drei h�tten es sofort bemerkt. Gl�cklicherweise woben sie keine Schilde, weil sie vielleicht nicht wu�ten wie, und manchmal hoben sie ihre Stimmen gerade ausreichend an, da� man etwas verstehen konnte.</p><p>�...sagte, sie k�nnten Wilde sein�, bemerkte Reanne, und Entsetzen und Abscheu spiegelte sich auf den Gesichtern der anderen Frauen.</p><p>�Dann weisen wir ihnen die T�r�, sagte Berowin. �Die Hintert�r. Wilde!�</p><p>�Ich m�chte wissen, wer diese Setalle Anan ist�, wandte Garenia ein.</p><p>�Wenn Ihr Eure Gedanken nicht auf das Wesentliche konzentrieren k�nnt�, belehrte Reanne sie, �solltet Ihr diesen Turnus vielleicht auf der Farm verbringen. Alise kann einen Geist wundervoll konzentrieren. Nun...� Die Worte waren nur noch ein Summen.</p><p>Eine weitere Dienerin erschien, eine schlanke Frau, die bis auf ihre m�rrische Miene h�bsch war, in einem Gewand aus grobem grauen Tuch und einer langen wei�en Sch�rze. Sie stellte ein gr�n lackiertes Tablett auf einen der kleinen Tische, wischte sich mit einer Ecke ihrer Sch�rze verstohlen die Wangen ab und machte sich dann mit blau glasierten Bechern und einer dazu passenden Teekanne zu schaffen. Nynaeve w�lbte die Augenbrauen. Diese Frau konnte ebenfalls die Macht lenken, wenn auch nicht sehr stark. Warum war sie eine Dienerin?</p><p>Garenia schaute �ber ihre Schulter und zuckte zusammen. �Was hat Derys getan, um Strafe zu verdienen? Ich dachte, der Tag w�rde niemals kommen, an dem sie eine Regel verletzen, geschweige denn sie brechen w�rde.�</p><p>Berowin schnaubte laut, aber ihre Antwort war kaum h�rbar. �Sie wollte heiraten. Sie wird einen Turnus so weitermachen und am Tag nach dem Halbmondfest mit Keraille gehen. Damit wird sich Meister Denal abfinden m�ssen.�</p><p>�Vielleicht wollt Ihr beide die Felder f�r Alise hacken?� Reannes Stimme klang trocken, und die beiden Frauen verstummten.</p><p>Nynaeve empfand Frohlocken. Regeln k�mmerten sie nicht sehr, zumindest nicht die Regeln anderer -andere Menschen sahen die Situationen selten so klar wie sie und stellten daher t�richte Regeln auf. Warum sollte diese Frau, Derys, beispielsweise nicht heiraten, wenn sie wollte? Regeln und Strafen wiesen jedoch auf eine Gesellschaft hin. Sie <emphasis>hatte</emphasis> recht. Und noch etwas. Sie stie� Elayne an, bis diese den Kopf senkte.</p><p>�Berowin tr�gt einen roten G�rtel�, fl�sterte sie. Das deutete auf eine Weise Frau hin, eine von Ebou Dars ber�hmten Heilerinnen, deren Betreuung als das N�chstbeste nach der Heilung durch Aes Sedai galt, die fast alles kurierten. Dies geschah vermutlich mit Kr�utern und Wissen, aber... �Wie vielen Weisen Frauen sind wir begegnet, Elayne? Wie viele konnten die Macht lenken? Wie viele waren Ebou Dari oder auch Altarenerinnen?�</p><p>�Sieben, wenn man Berowin dazu z�hlt�, antwortete sie z�gernd, �und nur bei einer war ich sicher, da� sie von hier stammte.� Hah! Bei den �brigen hatte das eindeutig nicht gegolten. Elayne atmete tief durch, fuhr aber dennoch leise fort. <emphasis>�Keine</emphasis> besa� jedoch auch nur ann�hernd die St�rke dieser Frau.� Zumindest hatte sie nicht angedeutet, da� sie sich irgendwie geirrt h�tten. Alle diese Weisen Frauen hatten die F�higkeit besessen. �Nynaeve, willst du wirklich behaupten, da� die Weisen Frauen ... <emphasis>alle</emphasis> Weisen Frauen...? Das w�re <emphasis>mehr</emphasis> als unglaublich.�</p><p>�Elayne, diese Stadt besitzt eine Gilde der M�nner, die jede Nacht die Pl�tze kehren! Ich glaube, wir haben gerade die sagenumwobene Alte Schwesternschaft der Weisen Frauen gefunden.�</p><p>Die eigensinnige Frau sch�ttelte den Kopf. �Die Burg h�tte schon vor Jahren hundert Schwestern hergeschickt, Nynaeve. Zweihundert. Alles dergleichen w�re sofort zerschlagen worden.�</p><p>�Vielleicht wei� die Burg nichts davon�, wandte Nynaeve ein. �Vielleicht h�lt sich die Gilde ausreichend bedeckt, da� die Burg niemals glaubte, sie w�ren der Besorgnis wert. Es gibt kein Gesetz gegen das Lenken der Macht, wenn man keine Aes Sedai ist, nur gegen die Behauptung, eine Aes Sedai zu sein, und gegen den Mi�brauch der Macht. Oder dagegen, sie in Mi�kredit zu bringen.� Das bedeutete, nichts zu tun, was m�glicherweise ein schlechtes Licht auf wahre Aes Sedai werfen k�nnte, wenn jemand zuf�llig glaubte, man sei eine Aes Sedai, was ihrer Meinung nach schon recht weit ging. Das wahre Problem war jedoch, da� sie es nicht glaubte. Die Burg wu�te offenbar alles, und sie w�rden wahrscheinlich selbst einen Handarbeitskreis sprengen, wenn die ihn bildenden Frauen die. Macht lenken konnten. Und dennoch mu�te es eine Erkl�rung geben f�r...</p><p>Sie nahm nur halbwegs wahr, da� die Wahre Quelle umarmt wurde, aber pl�tzlich wurde sie sich dessen sehr bewu�t. Ihr Kinn sank herab, als ein Strang Luft ihren Zopf direkt am Sch�del packte und sie auf den Zehen durch den Raum zu laufen zwang. Elayne lief genau neben ihr, das Gesicht zornger�tet. Das schlimmste daran war, da� sie beide abgeschirmt waren.</p><p>Der kurze Lauf endete, als sie sich vor Herrin Corly und den beiden anderen, die alle drei in roten St�hlen an der Wand sa�en und vom Schimmern <emphasis>Saidars</emphasis> umgeben waren, wieder auf die Fu�sohlen niederlassen durften.</p><p>�Man hat Euch befohlen, still zu sein�, sagte Reanne fest. �Wenn wir beschlie�en, Euch <emphasis>zu</emphasis> helfen, werdet Ihr lernen m�ssen, da� wir nicht weniger strikten Gehorsam erwarten als die Wei�e Burg selbst.� Diese letzten Worte klangen ehrfurchtsvoll. �Ich sage Euch, da� Ihr freundlicher behandelt worden w�rt, wenn Ihr nicht auf diese ungeb�hrliche Art zu uns gekommen wart.� Der Strang um Nynaeves Zopf schwand. Elayne reckte ver�rgert den Kopf, als auch sie losgelassen wurde.</p><p>Entsetztes Erstaunen wurde zu regelrechtem Zorn, als Nynaeve erkannte, da� Berowin ihren Schild weiterhin festhielt. Die meisten Aes Sedai, denen sie begegnet war, standen �ber Berowin. Fast alle. Sie fa�te sich wieder und bem�hte sich, die Quelle in der Erwartung anzur�hren, da� die Gewebe zerst�rt w�rden. Sie w�rde diesen Frauen zumindest zeigen, da� sie nicht... Die Gewebe ... streckten sich aus. Die rundliche Cairhienerin l�chelte, und Nynaeves Miene verd�sterte sich. Der Schild streckte sich immer weiter aus und w�lbte sich wie eine Kugel vor. Er w�rde nicht zerst�rt werden. Das war unm�glich. Jeder konnte sie nat�rlich von der Quelle abtrennen, wenn er sie �berraschte, und jemand Schw�cheres konnte den einmal gewobenen Schild aufrechterhalten, aber nicht jemand <emphasis>so viel</emphasis> Schw�cheres! Doch ein Schild dehnte sich nicht so weit aus, ohne zu brechen. Es war unm�glich!</p><p>�Ihr k�nntet eines Eurer Blutgef��e zum Platzen bringen, wenn Ihr so weitermacht�, sagte Berowin fast umg�nglich. �Wir versuchen nicht, �ber unsere Stellung hinaus zu streben, aber die F�higkeiten werden mit der Zeit verbessert, und dies war bei mir schon immer fast ein Talent. Ich k�nnte sogar einen der Verlorenen festhalten.�</p><p>Nynaeve gab stirnrunzelnd auf. Sie konnte warten. Da sie keine andere Wahl hatte, mu�te sie warten.</p><p>Derys kam mit ihrem Tablett heran und verteilte Becher mit dunklem Tee an die drei sitzenden Frauen. Sie sah Nynaeve oder Elayne nicht einmal an, bevor sie einen perfekten Hofknicks vollf�hrte und an ihren Tisch zur�ckkehrte.</p><p>�Wir k�nnten jetzt Blaubeertee trinken, Nynaeve�, sagte Elayne und warf ihr einen derma�en finsteren Blick zu, da� sie beinahe zur�ckgewichen w�re. Vielleicht w�re es das beste, nicht zu lange zu warten.</p><p>�Seid still, M�dchen.� Herrin Corlys Tonfall war vielleicht ruhig, aber sie tupfte sich mit dem Taschentuch ver�rgert das Gesicht ab. �Unser Bericht �ber Euch besagt, da� Ihr beide vorlaut und streits�chtig seid, hinter M�nnern herjagt und l�gt. Wobei ich noch hinzuf�gen m�chte, da� Ihr nicht einmal einfachen Anweisungen folgen k�nnt, was sich alles �ndern mu�, wenn Ihr unsere Hilfe erstrebt. Euer Verhalten ist h�chst ungeb�hrlich. Seid dankbar, da� wir bereit sind, mit Euch zu sprechen.�</p><p>�Wir bitten Euch tats�chlich um Hilfe�, sagte Nynaeve. Sie w�nschte, Elayne w�rde aufh�ren, so w�tend dreinzublicken. Das war noch schlimmer als der strenge Blick Herrin Corlys. Nun, mindestens genauso schlimm. �Wir m�ssen unbedingt ein <emphasis>Ter'angreal</emphasis> finden...�</p><p>Reanne Corly erhob die Stimme, als h�tte Nynaeve schweigend dagestanden, �Normalerweise kennen wir die M�dchen, die zu uns gebracht werden, bereits vorher, aber wir m�ssen sichergehen, da� Ihr seid, was Ihr zu sein vorgebt. Wie viele T�ren zur Bibliothek der Wei�en Burg d�rfen Novizinnen benutzen und welche?� Sie nahm einen Schluck Tee und wartete.</p><p>�Zwei�, antwortete Elayne giftig. �Die Hauptt�r zum Osten hin, wenn sie von einer Schwester geschickt werden, oder die kleine T�r an der s�dwestlichen Ecke, welche die Novizinnent�r genannt wird, wenn sie von sich aus hingehen. Wie lange, Nynaeve?�</p><p>Garenia, die Elaynes Schild festhielt lenkte unsanft einen weiteren d�nnen Strang Luft. Elayne erbebte, und Nynaeve zuckte zusammen und wunderte sich, da� sie nicht ihre R�cke umklammerte. �H�flichkeit ist ebenfalls vonn�ten�, murmelte Garenia in ihren Becher.</p><p>�Das war die richtige Antwort�, sagte Herrin Corly, als sei nichts weiter geschehen, obwohl sie die Saldaeanerin kurz �ber ihren Becher hinweg betrachtete. �Nun, wie viele Br�cken gibt es im Wassergarten?�</p><p>�Drei�, fauchte Nynaeve, haupts�chlich, weil sie es wu�te. Sie hatte �ber die Bibliothek nichts gewu�t, da sie niemals eine Novizin gewesen war. �Wir m�ssen wissen...� Berowin konnte sich nicht zur�ckhalten, einen weiteren Strang Luft zu lenken, aber Herrin Corly konnte es - und tat es. Nynaeve behielt nur m�hsam eine ausdruckslose Miene bei und verschr�nkte die H�nde in ihren R�cken, um sie ruhig zu halten. Elayne besa� die Frechheit, ihr ein kleines, frostiges L�cheln zu g�nnen. Frostig, aber zufrieden.</p><p>Ein Dutzend weitere Fragen prasselten auf sie ein, angefangen davon, wie viele Stockwerke die Novizinnenquartiere umfa�ten - zw�lf -, bis zu der Frage, unter welchen Umst�nden eine Novizin zum Saal der Burg zugelassen wurde - um Nachrichten zu �berbringen oder wegen eines Vergehens aus der Burg gewiesen zu werden; aus keinem anderen Grund. Sie prasselten auf sie ein, ohne da� Nynaeve mehr als zwei Worte dazu �u�ern konnte, und jene zwei Worte wurden von der schrecklichen Herrin Corly mit Schweigen quittiert. Sie begann sich wie eine Novizin im Saal zu f�hlen, die kein Wort sprechen durfte. Das war eine der wenigen Antworten, die sie wu�te, aber gl�cklicherweise antwortete Elayne prompt, wenn sie es nicht tat. Nynaeve h�tte es vielleicht besser gemacht, wenn sie �ber Aufgenommene befragt worden w�ren, zumindest etwas besser, aber die drei Frauen interessierte, was eine Novizin wissen sollte. Sie war nur froh, da� Elayne bereitwillig mitspielte, obwohl es, nach ihren bleichen Wangen und dem emporgereckten Kinn zu urteilen, nicht mehr lange dauern konnte.</p><p>�Nynaeve war vermutlich wirklich dort�, sagte Reanne schlie�lich, w�hrend sie mit den anderen beiden Blicke wechselte. �Wenn Elayne sie gelehrt h�tte durchzukommen, h�tte sie selbst es wohl besser gemacht. Einige Menschen leben in fortw�hrendem Nebel.� Garenia schnaubte und nickte dann z�gernd. Berowin nickte f�r Nynaeves Geschmack viel zu prompt.</p><p>�Bitte�, sagte sie h�flich. Sie konnte h�flich sein, wenn sie dazu Veranlassung hatte, was auch immer man von ihr behaupten mochte. �Wir m�ssen unbedingt ein <emphasis>Ter'angreal</emphasis> finden, das vom Meervolk die Schale der Winde genannt wird. Es befindet sich in einem staubigen alten Lagerraum irgendwo im Rahad, und ich glaube, da� Eure Gilde, Euer Zirkel, diesen Ort kennt. Bitte helft uns.� Drei j�h versteinerte Gesichter sahen sie an.</p><p>�Es gibt keine <emphasis>Gilde�,</emphasis> sagte Herrin Corly k�hl, �nur einige Freundinnen, die in der Wei�en Burg keinen Platz bekommen haben...� Wieder dieser ehrfurchtsvolle Tonfall. �...und die gelegentlich ausreichend t�richt sind, eine Hand auszustrecken, wenn es n�tig ist. Wir betreiben keinen Handel mit <emphasis>Ter'angrealen, Angrealen</emphasis> oder auch <emphasis>Sa'angrealen.</emphasis> Wir sind keine Aes Sedai.� �Aes Sedai� hallte ebenfalls ehrf�rchtig wider. �Auf jeden Fall seid Ihr nicht hier, um irgendwelche Fragen zu stellen. Wir haben noch weitere Fragen an <emphasis>Euch,</emphasis> um festzustellen, wie weit Ihr gediehen seid, woraufhin Ihr aufs Land gebracht und der Obhut einer Freundin �bergeben werdet. Sie wird Euch bei sich behalten, bis wir entscheiden, was als n�chstes zu tun ist. Bis wir sicher sein k�nnen, da� Euch die Schwestern nicht verfolgen. Ihr habt ein neues Leben vor Euch, eine neue Chance, wenn Ihr sie nur erkennen wollt. Was auch immer Euch von der Burg ferngehalten hat, gilt hier nicht, ob es ein Mangel an Geschicklichkeit oder Angst oder etwas anderes ist. Niemand wird Euch dr�ngen, zu lernen oder zu tun, was Ihr nicht lernen oder tun k�nnt. Es gen�gt, was Ihr seid. Nun?�</p><p>�Es reicht�, sagte Elayne mit eisiger Stimme. �Es reicht schon <emphasis>lange,</emphasis> Nynaeve. Oder beabsichtigst du, auf dem Land wer wei� wie lange abzuwarten? Sie haben sie <emphasis>nicht,</emphasis> Nynaeve.� Sie nahm den Gro�en Schlangenring aus ihrer G�rteltasche und steckte ihn sich an den Finger. So wie sie die sitzenden Frauen betrachtete, h�tte niemand geglaubt, da� sie abgeschirmt war. Sie war eine K�nigin der Geduld. Sie war vom Scheitel bis zur Sohle eine Aes Sedai. �Ich bin Elayne Trakand, Hochsitz des Hauses Trakand. Ich bin die Tochter-Erbin von Andor und Aes Sedai der Gr�nen Ajah, und ich <emphasis>fordere,</emphasis> sofort freigelassen zu werden.� Nynaeve st�hnte.</p><p>Garenia verzog angewidert das Gesicht, und Berowins Augen weiteten sich entsetzt. Reanne Corly sch�ttelte kl�glich den Kopf, aber als sie sprach, klang ihre Stimme eisenhart. �Ich hatte gehofft, Setalle Anan h�tte Euch bez�glich dieser L�ge umgestimmt. Ich wei�, wie schwer es ist, stolz zur Wei�en Burg aufzubrechen und dann nach Hause zur�ckkehren und sein Versagen zugeben zu m�ssen. Aber das erw�hnt man niemals, nicht einmal scherzhaft!�</p><p>�Ich mache keine Scherze�, sagte Elayne gelassen.</p><p>Garenia beugte sich stirnrunzelnd vor, und ein Strang Luft bildete sich bereits, als Herrin Corly eine Hand hob. �Und Ihr, Nynaeve? Beharrt Ihr auch auf diesem ... Wahnsinn?�</p><p>Nynaeve atmete tief durch. Diese Frauen mu�ten wissen, wo sich die Schale der Winde befand. Sie mu�ten es einfach wissen!</p><p>�Nynaeve!� sagte Elayne �bellaunig. Sie w�rde sie dies nicht vergessen lassen. Sie hatte eine Art, auf jedem kleinen Fehltritt herumzureiten, da� einem der Boden unter den F��en schwand.</p><p>�Ich bin eine Aes Sedai der Gelben Ajah�, sagte Nynaeve ersch�pft. �Der wahre Amyrlin-Sitz, Egwene al'Vere, hat uns in Salidar zur Stola erhoben. Sie ist nicht �lter als Elayne. Ihr m��t davon geh�rt haben.� Die drei harten Mienen �nderten sich keinen Deut. �Sie hat uns ausgesandt, die Schale der Winde zu finden, mit der wir das Wetter wieder heilen k�nnen.� Noch immer kein Anzeichen von Ver�nderung. Sie versuchte, ihren Zorn im Zaum zu halten. Sie versuchte es wirklich. Er drang gegen ihren Willen hervor. �Das m��t Ihr doch auch wollen! Seht Euch nur um! Der Dunkle K�nig erstickt die Welt! Wenn Ihr auch nur eine Ahnung habt, wo sich die Schale befindet, dann sagt es uns!�</p><p>Herrin Corly machte Derys ein Zeichen, die herankam, zwei Becher aufnahm und mit geweiteten Augen �ngstliche Blicke auf Nynaeve und Elayne warf. Als sie davoneilte und den Raum verlie�, erhoben sich die drei Frauen langsam und standen dann wie drei grimmige, das Urteil verk�ndende Richter da.</p><p>�Ich bedaure, da� Ihr unsere Hilfe nicht annehmen werdet�, sagte Herrin Corly kalt. �Ich bedaure diese ganze Angelegenheit.� Sie griff in ihre Tasche und dr�ckte Nynaeve und Elayne je drei Silberm�nzen in die Hand. �Dies sollte f�r die n�chsten Tage reichen. Ich denke, Ihr k�nnt auch f�r Eure Gew�nder etwas bekommen, wenn auch nicht mehr den Preis, den Ihr daf�r bezahlt habt. Es sind kaum geeignete Reisekleider. Morgen bei Sonnenaufgang werdet Ihr Ebou Dar verlassen haben.�</p><p>�Wir werden nirgendwo hingehen�, erwiderte Nynaeve. �Bitte, wenn Ihr wi�t...� Sie h�tte genausogut schweigen k�nnen, was Herrin Corly jedoch nicht tat.</p><p>�Zu diesem Zeitpunkt werden wir damit beginnen, eine Beschreibung Eurer Personen zu verteilen, und wir werden sicherstellen, da� die Schwestern im Tarasin-Palast sie erhalten. Wenn Ihr nach Sonnenaufgang noch gesehen werdet, werden wir daf�r sorgen, da� die Schwestern erfahren, wo Ihr Euch aufhaltet, und die Wei�m�ntel ebenfalls. Dann habt Ihr die Wahl, entweder davonzulaufen oder Euch den Schwestern zu ergeben oder zu sterben. Geht, kehrt nicht zur�ck, und Ihr solltet �berleben k�nnen, wenn Ihr diese widerw�rtige und gef�hrliche List aufgebt. Wir sind fertig mit Euch. Berowin, k�mmert Euch bitte um sie.� Sie rauschte zwischen ihnen hindurch und verlie� den Raum, ohne zur�ckzublicken.</p><p>Nynaeve lie� sich m�rrisch zur Vordert�r dr�ngen. Widerstand w�rde nichts anderes bewirken als vielleicht wahrhaftig hinausgeworfen zu werden, aber es gefiel ihr nicht, aufgeben zu m�ssen. Licht, es gefiel ihr ganz und gar nicht! Elayne schritt neben ihr aus, und ihre ganze Haltung dr�ckte starre Entschlossenheit aus, den Raum zu verlassen und die Angelegenheit zu beenden.</p><p>In der kleinen Eingangshalle beschlo� Nynaeve, es noch einmal zu versuchen. �Bitte, Garenia, Berowin, wenn Ihr auch nur eine Ahnung habt, sagt es uns. Gebt uns irgendeinen Hinweis. Ihr m��t doch erkennen, wie wichtig es ist. Ihr m��t es erkennen!�</p><p>�Die Blindesten sind diejenigen, welche die Augen geschlossen halten�, zitierte Elayne nicht sehr leise.</p><p>Berowin z�gerte, aber Garenia nicht. Sie trat nahe an Nynaeve heran. �Haltet Ihr uns f�r N�rrinnen, M�dchen? Ich sage Euch eines: Wenn es nach mir ginge, w�rden wir Euch eiligst zur Farm schaffen, ungeachtet dessen, was Ihr sagt. Einige Monate unter Alises Obhut, und Ihr w�rdet lernen, Eure Zungen zu h�ten und f�r die Hilfe dankbar zu sein, die Ihr ablehnt.� Nynaeve erwog, ihr einen Schlag auf die Nase zu versetzen. Sie brauchte <emphasis>Saidar</emphasis> nicht, um ihre F�uste zu gebrauchen.</p><p>�Garenia�, sagte Berowin streng. �Entschuldigt Euch! Wir halten niemanden gegen seinen Willen fest, und das wi�t Ihr sehr genau. Entschuldigt Euch augenblicklich!�</p><p>Und Wunder �ber Wunder - die Frau, die eine hohe Position innegehabt h�tte, wenn sie eine Aes Sedai gewesen w�re, betrachtete die Frau, die nur eine geringe Stellung innegehabt h�tte, von der Seite und err�tete zutiefst. �Ich bitte um Verzeihung�, murmelte Garenia an Nynaeve gewandt. �Mein Temperament geht manchmal mit mir durch, und ich sage Dinge, die zu sagen ich kein Recht habe. Ich bitte dem�tig um Vergebung.� Ein weiterer Seitenblick zu Berowin, die nickte, veranla�te sie zu einem erleichterten Seufzen.</p><p>W�hrend Nynaeve noch immer mit offenem Mund dastand, wurden die Schilde beseitigt, sie und Elayne auf die Stra�e geschoben, und die T�r fiel hinter ihnen ins Schlo�.</p></section><section><title><p>24</p><p>Die Schwesternschaft</p></title><p><emphasis>Unglaublich,</emphasis> dachte Reanne, w�hrend sie von einem Fenster aus beobachtete, wie die beiden M�dchen zwischen H�ndlern und Bettlern und gelegentlichen S�nften die Stra�e hinab verschwanden. Sie war in den Versammlungsraum zur�ckgekehrt, sobald die beiden hinausgef�hrt worden waren. Sie wu�te nicht, was sie von ihnen halten sollte, und ihre beharrlichen Behauptungen wider alle Vernunft waren nur teilweise der Grund f�r ihre Verwirrung.</p><p>�Sie haben nicht geschwitzt�, fl�sterte Berowin ihr zu.</p><p>�Nein?� Sie h�tte den Tarasin-Palast unverz�glich benachrichtigen lassen, wenn sie nicht ihr Wort gegeben h�tte - und wenn es nicht gef�hrlich gewesen w�re. Angst brodelte in ihr, die gleiche Furcht, die sie ergriffen hatte, nachdem sie einmal die Silberb�gen passiert hatte und die Pr�fung zur Aufgenommenen abgelegt hatte. Und genauso, wie sie es jedes Mal in den seither vergangenen Jahren gehandhabt hatte, rief sie sich erneut zur Ordnung. In Wahrheit erkannte sie nicht, da� die Angst davor, vielleicht wieder schreiend davonzulaufen, schon seit langem jede M�glichkeit bezwungen hatte, es tats�chlich zu tun. Sie betete, da� diese M�dchen ihren Wahnsinn aufgeben w�rden. Sie betete, da� sie, wenn sie es nicht t�ten, weit von Ebou Dar entfernt aufgegriffen w�rden und entweder schwiegen oder kein Geh�r fanden. Vorsichtsma�nahmen mu�ten getroffen und seit Jahren nicht mehr benutzte Schutzvorrichtungen eingesetzt werden. Aes Sedai waren jedoch fast allm�chtig, so da� es keinen Unterschied machte, wie sie tief innerlich wu�te.</p><p>��lteste, w�re es m�glich, da� die �ltere der beiden in Wahrheit...? Wir haben die Macht gelenkt, und...�</p><p>Berowin brach kl�glich ab, aber Reanne wu�te, was sie hatte sagen wollen. Warum sollte eine Aes Sedai vorgeben, weniger zu sein, so viel weniger? Au�erdem h�tte eine wahre Aes Sedai sie alle um Gnade bittend auf die Knie gezwungen und nicht so ergeben dagestanden.</p><p>�Wir haben die Macht nicht vor einer Aes Sedai gelenkt�, sagte sie fest. �Wir haben keine Regel gebrochen.� Diese Regeln, deren erste lautete, da� sie alle eins waren, selbst jene, die eine Zeitlang h�hergestellt waren, fanden bei ihr genauso strenge Anwendung wie bei jedermann sonst. Wie h�tte es anders sein k�nnen, wenn jene, die h�her standen, schlie�lich wieder niedrigere Positionen einnehmen mu�ten? Nur durch Bewegung und Ver�nderung konnten sie verborgen bleiben.</p><p>�Aber einige der Ger�chte erw�hnen ein Madchen als Amyrlin, �lteste. Und sie wu�te...�</p><p>�Aufr�hrer.� Reanne legte alle zornerf�llte Ungl�ubigkeit in dieses eine Wort. Da� jemand es wagen sollte, sich gegen die Wei�e Burg zu erheben! Es war nicht ungew�hnlich, da� sich unglaubliche Geschichten mit solchen Menschen verkn�pften.</p><p>�Was ist mit Logain, und der Roten Ajah?� fragte Garenia, und Reanne sah sie starr an. Sie nippte trotzig an ihrem Tee.</p><p>�Wie auch immer die Wahrheit aussieht, Garenia, es steht uns nicht zu, etwas zu kritisieren, was Aes Sedai m�glicherweise tun.� Reanne pre�te die Lippen zusammen. Das stimmte kaum mit ihren Empfindungen gegen�ber den Aufr�hrern �berein, aber wie konnte eine Aes Sedai so etwas tun?</p><p>Die Saldaeanerin beugte ergeben und vielleicht auch, um ihre st�rrische Miene zu verbergen, den Kopf, Reanne seufzte. Sie selbst hatte die Tr�ume von der Gr�nen Ajah schon vor langer Zeit aufgegeben, aber es gab Frauen wie Berowin, die insgeheim hofften, da� sie eines Tages irgendwie zur Wei�en Burg zur�ckkehren und trotz allem Aes Sedai werden k�nnten. Und dann gab es Frauen wie Garenia, die ihre W�nsche beinahe genauso schlecht geheimhalten konnten, obwohl diese W�nsche noch weitaus verbotener waren. Sie h�tten Wilde tats�chlich akzeptiert und w�ren sogar ausgezogen, um M�dchen zu finden, die gelehrt werden konnten!</p><p>Garenia war noch nicht fertig. Sie bewegte sich stets hart am Rande der Disziplin und verletzte sie auch h�ufig. �Was ist mit dieser Setalle Anan? Die M�dchen wu�ten vom Zirkel. Herrin Anan mu� es ihnen gesagt haben, obwohl - wie kann sie wissen...� Sie erschauderte auf eine f�r andere entschieden zu auff�llige Art, aber sie hatte ihre Gef�hle noch nie verbergen k�nnen, auch wenn sie es sollte. �Wer auch immer uns verraten hat, mu� gefunden und bestraft werden. Sie ist Gastwirtin und mu� lernen, ihre Zunge zu h�ten!� Berowin keuchte, die Augen entsetzt geweitet, und sank schwer auf einen Stuhl.</p><p>�Erinnert Euch, wer sie ist, Garenia�, wies Reanne sie scharf zurecht. �Wenn Setalle uns verraten h�tte, w�rden wir jetzt bereits nach Tar Valon kriechen und den ganzen Weg um Vergebung bitten.� Als sie urspr�nglich nach Ebou Dar kam, hatte man ihr die Geschichte einer Frau erz�hlt, die tats�chlich zur Wei�en Burg kriechen mu�te, und nichts, was sie bisher von Aes Sedai gesehen hatte, lie� sie dies auch nur im geringsten in Frage stellen. �Sie hat die wenigen Geheimnisse, die sie kennt, aus Dankbarkeit bewahrt, und ich bin �berzeugt, da� sie noch immer Dankbarkeit empfindet. Sie w�re bei ihrer ersten Geburt gestorben, wenn die Schwesternschaft ihr nicht geholfen h�tte.</p><p>Was sie wei�, hat sie von unvorsichtigen Menschen erfahren, die glaubten, sie k�nne sie nicht h�ren, und diese wurden bereits vor �ber zwanzig Jahren bestraft.� Dennoch w�nschte sie, sie k�nnte sich dazu bringen, Setalle zu gr��erer Vorsicht zu ermahnen. Sie mu�te vor diesen M�dchen unachtsam gesprochen haben.</p><p>Die Frau beugte erneut den Kopf, pre�te aber die Lippen eigensinnig zusammen. Reanne beschlo�, da� Garenia zumindest einen Teil dieses Turnus in Abgeschiedenheit verbringen und besondere Anweisungen erhalten m��te, um ihr eigensinniges Mundwerk unter Kontrolle zu bekommen. Alise brauchte selten l�nger als eine Woche, eine Frau davon zu �berzeugen, da� sich Eigensinn nicht lohnte.</p><p>Bevor sie Garenia dies jedoch mitteilen konnte, stand Derys, einen Hofknicks vollf�hrend, im Eingang und k�ndigte Sarainya Vostovan an. Sarainya fegte wie �blich herein, bevor Reanne sie dazu auffordern konnte. Die auffallend h�bsche Frau lie� Garenia in gewisser Weise f�gsam erscheinen, obwohl sie jede Regel strikt einhielt. Reanne war sich sicher, da� sie ihr Haar zu Z�pfen geflochten und mit Gl�ckchen geschm�ckt getragen h�tte, wenn sie die Wahl gehabt h�tte, ungeachtet dessen, wie das zu ihrem roten G�rtel gepa�t h�tte. Aber andererseits h�tte sie, wenn sie wiederum die Wahl gehabt h�tte, auch nicht einen Turnus mit dem G�rtel gedient.</p><p>Sarainya vollf�hrte am Eingang nat�rlich einen Hofknicks und kniete auch mit gesenktem Kopf vor Reanne nieder, aber selbst f�nfzig Jahre hatten sie nicht vergessen lassen, da� sie eine Frau mit erheblicher Macht gewesen w�re, wenn sie sich dazu h�tte �berwinden k�nnen, nach Arafel zur�ckzukehren. Der Hofknicks und alles andere waren nur Zugest�ndnisse. Als sie mit rauher, kr�ftiger Stimme sprach, fragte sich Reanne, ob sich die Frau jemals wieder auss�hnen w�rde, und die Sorge um Garenia schwand aus ihren Gedanken.</p><p>�Callie ist tot, �lteste Schwester. Ihr wurde die Kehle durchschnitten, und sie wurde anscheinend bis auf die Str�mpfe ausgeraubt, aber Sumeko behauptet, die Eine Macht habe sie get�tet.�</p><p>�Das ist unm�glich!� platzte Berowin heraus. �Niemand aus der Schwesternschaft w�rde so etwas tun!�</p><p>�Und eine Aes Sedai?� entgegnete Garenia z�gernd. �Aber wie? Die Drei Eide. Sumeko mu� sich irren.�</p><p>Reanne hob Ruhe gebietend eine Hand. Sumeko irrte sich niemals, nicht auf diesem Gebiet. Sie w�re eine Angeh�rige der Gelben Ajah geworden, wenn sie w�hrend der Pr�fungen zur Stola nicht vollkommen zusammengebrochen w�re, und obwohl es bei Strafe verboten war, arbeitete sie daran, mehr zu lernen, wann immer sie glaubte, da� niemand zusah. Keine Aes Sedai h�tte dies tun k�nnen, und niemand aus der Schwesternschaft h�tte es getan, aber... Diese so beharrlichen M�dchen, die wu�ten, was sie nicht wissen sollten. Der Zirkel bestand schon zu lange, hatte zu vielen Frauen Hilfe gewahrt, um jetzt vernichtet zu werden.</p><p>�Wir m�ssen Folgendes tun�, belehrte sie die anderen. Die angstvolle Aufregung setzte erneut ein, aber dieses Mal bemerkte sie es kaum.</p><p>Nynaeve schritt zornig von dem kleinen Haus fort. Es war unglaublich! Diese Frauen hatten eine Gilde.</p><p>Sie wu�te es! Was auch immer sie sagten, sie war �berzeugt, da� sie au�erdem wu�ten, wo sich die Schale befand. Sie h�tte alles getan, um sie dazu zu bringen, es ihr zu sagen. Einige Stunden lang ihnen gegen�ber F�gsamkeit zu zeigen, w�re erheblich leichter gewesen, als sich wer wei� wie viele Tage mit Mat Cauthon abzufinden.</p><p><emphasis>Ich h�tte so ergeben sein k�nnen, wie sie wollten,</emphasis> dachte sie ver�rgert. <emphasis>Sie h�tten mich nur f�r eine nachgiebige N�rrin gehalten! Ich h�tte...</emphasis> Das war eine L�ge, und das flaue Gef�hl, an das sie sich sehr gut erinnerte, w�re nicht n�tig gewesen, sie davon zu �berzeugen. H�tte sie auch nur halbwegs die Gelegenheit dazu bekommen h�tte sie jede einzeine dieser Frauen gesch�ttelt, bis sie ihr gesagt h�tten, was sie wissen wollte.</p><p>Sie warf stirnrunzelnd einen Seitenblick zu Elayne, die gedankenverloren schien. Nynaeve w�nschte, sie w��te, woran Elayne dachte. Ein verschwendeter Vormittag und fast vollst�ndige Dem�tigung. Sie mochte es nicht im Unrecht zu sein, und sie war es noch nicht gewohnt zuzugeben, da� sie tats�chlich im Unrecht war. Jetzt w�rde sie sich bei Elayne entschuldigen m�ssen. Sie ha�te es <emphasis>wirklich,</emphasis> sich zu entschuldigen. Nun, es w�rde in ihren Zimmern vielleicht nicht ganz so schlimm sein, wenn Birgitte und Aviendha noch unterwegs waren, wie sie hoffte. Sie w�rde nicht auf der Stra�e damit beginnen, wenn wer wei� wer vorbeikommen konnte. Die Menge hatte sich verdichtet, obwohl die Sonne durch die kreisenden Wolken schreiender Meeresv�gel �ber ihnen kaum h�her zu stehen schien.</p><p>Es war nach all diesen Windungen und Biegungen nicht leicht, den R�ckweg zu finden. Nynaeve mu�te ein halbes Dutzend Mal nach dem Weg fragen, w�hrend Elayne jeweils in eine andere Richtung schaute und Gleichg�ltigkeit vorgab. Sie schritten �ber Br�cken, wichen Wagen und Karren aus und sprangen aus dem Weg, wenn sich S�nften eilig durch die Menge schl�ngelten. Nynaeve w�nschte, Elayne w�rde etwas sagen. Nynaeve wu�te, wie man einen Groll pflegte, und je l�nger sie selbst schwieg, desto schlimmer wurde es, wenn sie sprach, so da� die Vorstellung, wie es wieder in ihren Zimmern sein w�rde, desto d�sterer ausfiel, je l�nger Elayne schwieg. Das machte sie w�tend. Sie hatte zugegeben, da� sie im Unrecht war, wenn auch nur sich selbst gegen�ber. Elayne hatte kein Recht, sie so leiden zu lassen. Sie setzte eine Miene auf, die selbst Menschen, die ihren Ring nicht bemerkten, aus dem Weg treten lie�. Sogar einige S�nftentr�ger wichen ihr aus.</p><p>�Wie alt wirkte Reanne auf dich?� fragte Elayne pl�tzlich. Nynaeve w�re beinahe zusammengezuckt. Sie hatten fast den Mol-Hara-Platz erreicht.</p><p>�Wie f�nfzig. Vielleicht sechzig. Das ist doch unwichtig.� Sie lie� ihren Blick �ber die Menge schweifen, um zu �berpr�fen, ob jemand lauschen konnte. Eine vor�bergehende Stra�enh�ndlerin, die kleine gelbe Zitronen verkaufte, erstickte nur unvollkommen einen Schrei, als Nynaeves Blick einen Moment an ihr haften blieb, woraufhin sie sich hustend und w�rgend �ber ihre Waren beugen mu�te. Nynaeve schnaubte. Die Frau hatte wahrscheinlich tats�chlich gelauscht, wenn sie auch nicht vorgehabt hatte, einen Vorteil daraus zu ziehen. �Sie <emphasis>sind</emphasis> eine Gilde, Elayne, und sie wissen <emphasis>wahrhaftig,</emphasis> wo sich die Schale befindet. Ich wei� einfach, da� es so ist.� Das war �berhaupt nicht das, was sie hatte sagen wollen. Wenn sie sich jetzt daf�r entschuldigte, Elayne in diese Geschichte hineingezogen zu haben, w�re es vielleicht nicht so schlimm.</p><p>�Vermutlich�, sagte Elayne nachdenklich. �Ich sch�tze, da� sie es wissen k�nnten. Wie kann sie so gealtert sein?�</p><p>Nynaeve blieb mitten auf der Stra�e j�h stehen. Nach all dem Streit und nachdem sie buchst�blich hinausgeworfen worden waren, <emphasis>vermutete</emphasis> sie nur? �Nun, <emphasis>ich</emphasis> vermute, sie ist genauso gealtert wie wir �brigen, einen Tag nach dem anderen. Elayne, wenn du das geglaubt hast, warum hast du dann wie Rhiannon in der Burg verk�ndet, wer du bist?� Ihr gefiel das eher - gem�� der Geschichte, da� das, was K�nigin Rhiannon bekam, weit von dem entfernt war, was sie gewollt hatte.</p><p>Aber die Frage schien auf Elayne, trotz all ihrer Ausbildung, nicht anwendbar. Sie zog Nynaeve zur Vorderseite des Ladens einer N�herin mit breitem Eingang, in dem mehrere Ankleidepuppen mit halbwegs fertiggestellten Gew�ndern standen, als eine verhangene gr�ne Kutsche vor�berrumpelte. Die Stra�en waren hier nicht sehr breit.</p><p>�Sie h�tten uns nichts erz�hlt, Nynaeve, auch nicht, wenn du vor ihnen niedergekniet und darum gebettelt h�ttest.� Nynaeve �ffnete emp�rt den Mund und schlo� ihn dann eilig wieder. Sie hatte niemals etwas von Betteln gesagt. Und au�erdem - warum h�tte sie die einzige sein sollen? Besser irgendeine Frau als Mat Cauthon. Elayne war jedoch nicht von ihrem Gedanken abzubringen. �Nynaeve, sie mu� wie jede andere verz�gert gealtert sein. Wie alt ist sie, wenn sie wie f�nfzig oder sechzig aussieht?�</p><p>�Wovon sprichst du?� Nynaeve merkte sich die �rtlichkeit, ohne dar�ber nachzudenken. Die Arbeiten der N�herin sahen gut aus und schienen einer n�heren Betrachtung wert. �Sie lenkt die Macht bestimmt nicht h�ufiger als notwendig, weil sie sosehr bef�rchtet, f�r eine Schwester gehalten zu werden. Daher will sie gewi� auch kein zu glattes Gesicht haben.�</p><p>�Du hast beim Unterricht wohl niemals zugeh�rt?� murmelte Elayne. Sie sah die rundliche N�herin strahlend in den Eingang treten und zog Nynaeve zur Ecke des Geb�udes. Wenn man die Mengen Spitze an Leibchen und Unterr�cken des Gewandes der N�herin bedachte, w�rde man n�her hinsehen m�ssen, wenn Nynaeve etwas bei ihr bestellen wollte. �Vergi� die Kleider einen Moment, Nynaeve. Welche ist die �lteste Aufgenommene, an die du dich erinnern kannst?�</p><p>Nynaeve sah Elayne ausdruckslos an. Es hatte geklungen, als denke sie niemals an etwas anderes! Und sie hatte sehr wohl zugeh�rt. Manchmal. �Ich glaube, Elin Warrel. Sie mu� ungef�hr in meinem Alter sein.�</p><p>Das Gewand der N�herin w�re mit einem sittsameren Ausschnitt und weitaus weniger Spitze h�bsch. In gr�ner Seide. Lan mochte Gr�n, obwohl sie ihre Kleider sicher nicht f�r ihn aussuchen w�rde. Er mochte auch Blau.</p><p>Elayne lachte so heftig, da� Nynaeve sich fragte, ob sie laut gesprochen hatte. Sie err�tete zutiefst und versuchte, es zu erkl�ren - sie war sich sicher, da� sie es erkl�ren konnte, bei Bel Tine -, aber Elayne gab ihr keine Gelegenheit. �Elins Schwester besuchte sie, unmittelbar bevor du zu Beginn in der Burg eintrafst, Nynaeve. Ihre <emphasis>j�ngere</emphasis> Schwester. Die Frau hatte <emphasis>graues</emphasis> Haar. Nun, teilweise. Sie mu� �ber <emphasis>vierzig</emphasis> gewesen sein, Nynaeve.�</p><p>Elin Warrel war �ber vierzig? Aber...! �Was sagst du da, Elayne?�</p><p>Niemand konnte sie belauschen, und niemand au�er der noch immer hoffnungsvoll abwartenden N�herin schien sie zu beachten, aber Elayne senkte ihre Stimme dennoch zu einem Fl�stern. �Wir altern <emphasis>langsamer,</emphasis> Nynaeve. Irgendwann zwischen zwanzig und f�nfundzwanzig beginnen wir langsamer zu altern. Wie sehr, h�ngt von unserer St�rke ab. Das gilt f�r jede Frau, welche die Macht lenken kann. Takima meinte, es sei der Beginn, ein altersloses Aussehen anzunehmen, obwohl ich nicht glaube, da� es jemals eine Frau erreicht hat, bevor sie die Stola <emphasis>mindestens</emphasis> ein oder zwei und manchmal auch f�nf oder mehr Jahre getragen hat. Du <emphasis>wei�t,</emphasis> da� jede Schwester mit grauem Haar tats�chlich <emphasis>alt</emphasis> ist, selbst wenn du es nicht erw�hnen darfst. Wenn Reanne also verz�gert gealtert ist, und es mu� so sein, wie alt ist sie dann?�</p><p>Nynaeve k�mmerte es nicht, wie alt Reanne war. Sie wollte schreien. Kein Wunder, da� jedermann sich weigerte, ihr Alter zu glauben. Und es erkl�rte auch, warum der Frauenzirkel zu Hause ihr �ber die Schulter gesehen hatte, als seien sie im Zweifel, da� sie alt genug sei, da� man ihr vollkommen vertrauen k�nnte. Das alterslose Gesicht einer Schwester anzunehmen, war sch�n und gut, aber wie lange w�rde es noch dauern, bis sie ihre grauen Haare hatte?</p><p>Sie blickte ver�rgert die Stra�e hinab, als sie etwas am Hinterkopf streifte. Sie wandte sich schwankend zu Elayne um. Warum hatte sie sie geschlagen? Aber Elayne lag zusammengesunken am Boden, und eine h��liche, purpurfarbene Beule bildete sich an ihrer Schl�fe. Nynaeve sank auf die Knie und barg die Freundin in ihren Armen.</p><p>�Eure Freundin mu� ohnm�chtig geworden sein�, sagte eine Frau mit langer Nase, die sich ungeachtet ihres gelben Gewandes, das selbst nach Ebou-Dari-Ma�st�ben weitaus zuviel Busen zeigte, neben sie kniete. �La�t mich Euch helfen.�</p><p>Ein gro�er, in seiner bestickten Seidenweste gutaussehender Bursche mit einem allerdings eher schmierigen Grinsen beugte sich herab und legte eine Hand auf Nynaeves Schulter. �Ich habe eine Kutsche hier. Wir bringen Euch an einen Ort, wo Ihr es bequemer habt als hier auf den Pflastersteinen.�</p><p>�Geht nur�, beschied Nynaeve den beiden h�flich. �Wir brauchen keine Hilfe.�</p><p>Der Mann versuchte jedoch weiterhin, sie zum Aufstehen zu bewegen und zu einer roten Kutsche zu geleiten, in der eine best�rzt wirkende Frau in Blau heftig winkte. Und die Frau mit der langen Nase versuchte wahrhaftig, Elayne hochzuheben, dankte dem Mann f�r seine Hilfe und fl�tete, welch gute Idee der Gedanke mit der Kutsche sei. Eine Zuschauermenge hatte sich, anscheinend aus dem Nichts, zu einem Halbkreis versammelt, Frauen, die leise Mitgef�hl daf�r �u�erten, in der Hitze ohnm�chtig zu werden, und M�nner, die sich anerboten, die Damen tragen zu helfen. Ein hagerer, �beraus dreister Bursche griff vor Nynaeves Augen nach ihrer Geldb�rse.</p><p>Sie f�hlte sich noch immer so benommen, da� das Umarmen <emphasis>Saidars</emphasis> schwierig war, aber auch wenn all diese plappernden Leute um sie herum ihren Zorn nicht gen�hrt h�tten, hatte das, was sie auf der Stra�e liegen sah, es getan. Ein Pfeil mit einer stumpfen Steinspitze. Derjenige, der sie gestreift, oder derjenige, der Elayne getroffen hatte. Sie lenkte die Macht, und der hagere Taschendieb beugte sich vorn�ber, umklammerte seinen Leib und quiekte wie ein Schwein im Dornbusch. Ein weiterer Strang, und die Frau mit der langen Nase fiel mit einem doppelt so schrillen Schrei hinten�ber. Der Mann in der Seidenweste entschied offensichtlich, da� sie seine Hilfe doch nicht ben�tigten, denn er wandte sich um und lief zur Kutsche, aber sie verpa�te ihm dennoch eine Abreibung. Er br�llte lauter als ein zorniger Stier, w�hrend die Frau in der Kutsche ihn an der Weste hereinzog.</p><p>�Danke, aber wir brauchen keine Hilfe�, rief Nynaeve h�flich.</p><p>Nur wenige waren geblieben, die es noch h�ren konnten. Als deutlich wurde, da� die Eine Macht gebraucht wurde - und da� Menschen pl�tzlich umhersprangen und aus keinem ersichtlichen Grund schrien, machte es den meisten �berdeutlich -, eilten sie davon. Die Frau mit der langen Nase rappelte sich hoch, sprang auf die rote Kutsche und klammerte sich unsicher daran, w�hrend der Kutscher in seiner dunklen Weste die Pferde mit Peitschenhieben durch die Menge dr�ngte, so da� die Menschen beiseite springen mu�ten. Sogar der Taschendieb humpelte davon, so schnell er konnte.</p><p>Nynaeve hatte es nicht weniger gek�mmert, wenn sich die Erde aufgetan und alle verschlungen h�tte. Mit schmerzender Brust lie� sie vermischte d�nne Str�nge Wind und Wasser, Erde, Feuer und Geist durch Elayne flie�en. Es war ein einfaches Gewebe, das trotz ihrer Schw�che und Benommenheit leicht zu gestalten war, und das Ergebnis lie� sie aufatmen. Es war keine ernstliche Verletzung. Elaynes Sch�del war nicht gebrochen. Normalerweise h�tte sie die Str�nge in weitaus kompliziertere Gewebe umgeleitet, in die Heilung, die sie selbst entdeckt hatte. Aber im Moment konnte sie nur einfachere Gewebe gestalten. Nur mit Geist, Wind und Wasser wob sie die Heilung, welche die Gelben schon seit undenklichen Zeiten benutzt hatten.</p><p>Elayne ri� die Augen auf und krampfte sich mit einem Keuchen, das ihr allen Atem zu nehmen schien, zusammen, w�hrend ihre Fersen auf dem Pflaster aufschlugen. Dies dauerte nur einen Moment, aber w�hrenddessen schrumpfte die Beule und verschwand.</p><p>Nynaeve half ihr auf - und die Hand einer Frau mit einem Zinnbecher voll Wasser schob sich zwischen sie. �Selbst eine Aes Sedai ist nach einem solchen Erlebnis durstig�, sagte die N�herin.</p><p>Elayne griff nach dem Becher, aber Nynaeve umschlo� ihr Handgelenk. �Nein, danke.� Die Frau zuckte die Achseln, und als sie sich abwandte, sagte Nynaeve in ver�ndertem Tonfall noch einmal; �Danke.� Es schien leichter �ber die Lippen zu gehen, je h�ufiger man es sagte. Sie war sich nicht sicher, ob ihr das gefiel.</p><p>Das Meer aus Spitze wurde angehoben, als die N�herin abermals die Achseln zuckte. �Ich fertige Kleidung f�r jedermann. Ich kann Euch eine bessere Farbwahl empfehlen als die Eure.� Sie verschwand wieder in ihrem Laden. Nynaeve sah ihr stirnrunzelnd nach.</p><p>�Was ist passiert?� fragte Elayne. �Warum wolltest du mich nicht trinken lassen? Ich bin durstig <emphasis>und</emphasis> hungrig.�</p><p>Mit einem letzten finsteren Blick hinter der N�herin her beugte sich Nynaeve herab, um den Pfeil aufzuheben.</p><p>Elayne brauchte keine weiteren Erkl�rungen. <emphasis>Saidar</emphasis> schimmerte sie sofort ab. �Teslyn und Joline?�</p><p>Nynaeve sch�ttelte den Kopf. Die leichte Benommenheit schien zu schwinden. Sie glaubte nicht, da� diese beiden sich zu so etwas herablassen w�rden. Sie glaubte es einfach nicht. �Was ist mit Reanne?� fragte sie ruhig. Die N�herin hatte sich, noch immer hoffnungsvoll, wieder in den Eingang ihres Ladens gestellt. �Vielleicht will sie sich vergewissern, da� wir wirklich gehen. Oder noch schlimmer - vielleicht Garenia.� Das war fast so erschreckend, als wenn es Teslyn und Joline gewesen w�ren. Und weitaus �rgerlicher.</p><p>Elayne sah sogar im Zorn h�bsch aus. �Wer auch immer es war, wir werden es herausfinden, du wirst sehen. Nynaeve, wenn der Zirkel wei�, wo sich die Schale befindet, k�nnen wir sie finden, aber...� Sie bi� sich z�gernd auf die Lippe. �Ich wei� nur einen Weg, wie wir sichergehen k�nnen.�</p><p>Nynaeve nickte langsam, obwohl sie lieber eine Handvoll Staub gegessen h�tte. Der heutige Tag war ihr anfangs so heiter erschienen, aber dann hatte sich D�sterkeit auf ihn gelegt, von Reanne zu... Oh, Licht, wie lange w�rde es noch dauern, bis sie ihr graues Haar hatte?</p><p>�Weine nicht, Nynaeve. Mat kann nicht so schlecht sein. Er wird sie in wenigen Tagen f�r uns finden, ich wei� es.�</p><p>Nynaeve weinte nur noch heftiger.</p></section><section><title><p>25</p><p>Geistfalle</p></title><p>Moghedien wollte dem verha�ten Traum entfliehen, aber es n�tzte nichts, aufwachen oder schreien zu wollen. Der Schlaf hielt sie fester als jegliche Fesseln. Der Anfang ging schnell vor�ber, fl�chtig, verschwommen, ohne Gnade. Sie w�rde den Rest um so eher durchleben m�ssen.</p><p><emphasis>Sie erkannte die Frau kaum, die das Zelt betrat, in dem sie gefangengehalten wurde. Halima, die Schreiberin einer dieser N�rrinnen, die sich Aes Sedai nannten. N�rrinnen, die sie jedoch durch den Silberring um sie herum ausreichend fest hielten und sie gehorchen lie�en.</emphasis> Eine schnelle Bewegung, obwohl sie um Langsamkeit betete. <emphasis>Die Frau lenkte die Macht, um ein Licht</emphasis> zu <emphasis>entz�nden, und Moghedien sah nur das Licht. Es mu�te</emphasis> Saidan <emphasis>sein - unter den Lebenden konnten nur die Auserw�hlten die Wahre Macht ber�hren,</emphasis> die vom Dunklen K�nig kam, <emphasis>und nur wenige waren ausreichend t�richt, sie im dringlichsten Notfall auszuschlie�en -, aber das war unm�glich!</emphasis> Verschwommene Schnelligkeit. <emphasis>Die Frau nannte sich Aran'gar und kannte Moghediens Namen. Sie rief zum Krater des Verderbens, nahm die</emphasis> A'dam-</p><p><emphasis>Halskette ab und zuckte unter einem Schmerz zusammen, den keine Frau empfinden sollte. Wieder -</emphasis> wie viele Male hatte sie dies getan? - <emphasis>wob Moghedien ein kleines Wegetor ins Zelt. Sie glitt, um sich Zeit zum Nachdenken zu verschaffen, durch die endlose Dunkelheit, aber kaum war sie auf ihre Plattform getreten, die wie ein kleiner abgeschlossener Marmorbalkon aussah und einen bequemen Stuhl aufwies, als sie schon auf den schwarzen H�ngen Shayol Ghuls ankam, die f�r immer in D�mmerung geh�llt waren und wo Risse und Krater Dampf und Rauch und bei�enden Dunst ausstie�en. Ein Myrddraal kam in seiner totenschwarzen Kleidung zu ihr, wie ein fahler, augenloser Mensch, aber gr��er und wuchtiger als jeder andere Halbmensch. Er betrachtete sie anma�end, nannte ungebeten seinen seltsamen Namen und befahl ihr mitzukommen. Das taten Myrddraals nicht mit Auserw�hlten.</emphasis> Jetzt schrie sie in den Tiefen ihres Geistes, da� der Traum schneller ablaufen sollte, so schnell, da� er verschwamm, da� man ihn nicht erkannte, ihn nicht wahrnahm, aber <emphasis>jetzt, als sie Shaidar Haran zur�ck zum Eingang des Kraters des Verderbens folgte, lief alles in normaler Geschwindigkeit ab und schien realer als</emphasis> Tel'aran'rhiod <emphasis>oder die wache Welt.</emphasis></p><p>Tr�nen str�mten aus Moghediens Augen und die bereits gl�nzenden Wangen hinab. Sie warf sich auf ihrem harten Lager hin und her, und ihre Arme und Beine zuckten, w�hrend sie vergebens aufzuwachen versuchte. Sie war sich nicht mehr bewu�t, da� sie tr�umte - alles schien real -, aber tief vergrabene Erinnerungen blieben, und in deren Tiefen schrie der Instinkt auf und suchte zu entkommen.</p><p><emphasis>Sie war mit dem schr�g abfallenden Tunnel, der mit Fangz�hnen versehen war und dessen W�nde in hellem Licht schimmerten, wohl vertraut. Sie hatte diese Abw�rtsreise seit jenem Tag vor langer Zeit, als sie zum erstenmal zum Gro�en Herrn kam, um Gehorsam zu geloben und ihm ihre Seele zu verschw�ren, schon viele Male angetreten, aber niemals so wie jetzt, niemals zu einem Zeitpunkt, als ihr Versagen in vollem Umfang bekannt war. Es war ihr zuvor immer gelungen, Fehler sogar vor dem Gro�en Herrn zu verbergen. Hier konnte man Dinge tun, die man nirgends sonst tun konnte. Hier geschahen Dinge, die nirgends sonst geschehen konnten.</emphasis></p><p><emphasis>Sie zuckte zusammen, als einer der Steinfangz�hne ihr Haar streifte, und fa�te sich dann wieder, so gut sie konnte. Die Dornen und Klingen mieden den seltsamen, zu gro�en Myrddraal, und obwohl er sie mit Kopf und Schultern weit �berragt?, war sie gezwungen, den Spitzen mit dem Kopf auszuweichen. Hier war die Realit�t f�r den Gro�en Herrn formbarer Ton, und er dr�ckte sein Mi�fallen h�ufig auf diese Art aus. Ein Steinzahn bohrte sich in ihre Schulter, und sie duckte sich, um unter einem weiteren hindurchzugelangen. Der Tunnel war nicht mehr hoch genug, da� sie aufrecht gehen konnte. Sie beugte sich tiefer hinab, eilte jetzt geb�ckt hinter dem Myrddraal her und versuchte aufzuschlie�en. Er ver�nderte seine</emphasis></p><p><emphasis>Gangart nicht, aber wie sehr sie sich auch beeilte, wurde der Abstand zwischen ihnen doch nicht geringer. Die Decke senkte sich, damit die Fangz�hne des Gro�en Herrn Verr�ter und Narren aufspie�en konnten, undMoghedien lie� sich auf H�nde und Knie nieder, kroch und robbte dann auf Ellbogen und Knien weiter. Licht flammte auf und flackerte im Tunnel, strahlte vom Eingang des Kraters selbst unmittelbar vor ihr aus, und Moghedien rutschte auf dem Bauch weiter, zog sich mit den H�nden voran, stie� mit den F��en nach. Steinspitzen gruben sich in ihre Haut, verfingen sich in ihrem Gewand. Keuchend schl�ngelte sie sich beim Ger�usch zerrei�enden Tuchs das letzte St�ck voran.</emphasis></p><p><emphasis>Als sie �ber die Schulter zur�ckschaute, erbebte sie krampfartig. Wo der Tunneleingang h�tte sein sollen, befand sich eine glatte Steinmauer. Vielleicht hatte der Gro�e Herr das alles genau geplant, und vielleicht, wenn sie langsamer gewesen w�re...</emphasis></p><p><emphasis>Sie fand sich auf einem Sims �ber einem schwarz gesprenkelten, roten See aus brodelnder Lava wieder, auf dem menschenhohe Flammen tanzten, erstarben und neu erschienen. �ber ihr erhob sich die H�hle ohne obere Begrenzung in einen Himmel, an dem rot und gelb und schwarz gestreifte, drohende Wolken dahinrasten, als str�mten sie auf dem Wind der Zeit selbst dahin. Es war nicht der dunkel wolkenverhangene Himmel, den man au�erhalb Shayol Ghuls sah und der keinen zweiten Blick verdiente, nicht nur, weil sie ihn schon viele Male gesehen hatte. Der Stollen in</emphasis></p><p><emphasis>den Bereich, wo der Gro�e Herr gefangengehalten wurde, war hier nicht n�her als irgendwo sonst auf der Welt, aber hier konnte sie ihn sp�ren. Hier konnte sie im strahlenden Glanz des Gro�en Herrn schwelgen. Die Wahre Macht umstr�mte sie so stark, da� der Versuch, die Macht zu lenken, sie zu Schlacke verbrennen w�rde. Nicht, da� sie den Wunsch versp�rte, den Preis irgendwo sonst zu bezahlen.</emphasis></p><p><emphasis>Sie wollte sich gerade auf die Knie aufrichten, als sie etwas zwischen die Schulterbl�tter traf, sie fest auf den Steinsims dr�ckte und ihr die Luft aus den Lungen pre�te. Sie rang benommen nach Atem und blickte dann wieder �ber die Schulter. Der Myrddraal stand, einen wuchtigen Stiefel fest auf ihrem R�cken, �ber ihr. Sie h�tte fast</emphasis> Saidar <emphasis>umarmt, aber hier ohne ausdr�ckliche Erlaubnis die Macht zu lenken, k�me dem Tod gleich. Die Anma�ung auf den H�ngen in der Oberwelt war eine Sache, aber dies...!</emphasis></p><p><emphasis>�Wi�t Ihr, wer ich bin?� fragte sie. �Ich bin Moghedien!� Der augenlose Blick beobachtete sie wie vielleicht auch ein Insekt. Sie hatte Myrddraals gew�hnliche Menschen h�ufig auf diese Art betrachten sehen.</emphasis></p><p><emphasis>MOGHEDIEN. Die Stimme in ihrem Kopf verscheuchte alle Gedanken an den Myrddral. Sie verscheuchte beinahe jeden Gedanken. Neben dieser Empfindung war auch die innigste Umarmung eines menschlichen Geliebten nur wie ein Tropfen im Vergleich zu einem Ozean. WIE SEHR HAST DU GEFEHLT, MOGHEDIEN, DIE AUSERW�HLTEN</emphasis></p><p><emphasis>SIND STETS DIE ST�RKSTEN, ABER DU L�SST DICH EINNEHMEN. DU HAST JENE GELEHRT, DIE SICH MIR ENTGEGENSTELLEN WERDEN, MOGHEDIEN.</emphasis></p><p><emphasis>Sie k�mpfte mit flatternden Augenlidern um Klarheit. �Gro�er Herr, ich habe sie nur kleine Dinge gelehrt, und ich habe sie so gut bek�mpft, wie ich konnte. Ich habe sie einen m�glichen Weg gelehrt, einen die Macht lenkenden Mann zu entdecken.� Es gelang ihr zu lachen. �Dies auszuf�hren, verursacht ihnen solche Kopfschmerzen, da� sie die Macht stundenlang nicht mehr lenken k�nnen.� Schweigen. Vielleicht auch gut. Sie hatten den Versuch zu lernen schon lange vor ihrer Rettung aufgegeben, aber das brauchte der Gro�e Herr nicht zu erfahren. �Gro�er Herr, Ihr wi�t, wie ich Euch gedient habe. Ich diene in den Schatten, und Eure Feinde sp�ren meinen Bi� erst, wenn mein Gift wirkt.� Sie wagte nicht zu sagen, sie habe sich freiwillig gefangennehmen lassen, um von innen zu wirken, aber sie k�nnte es vorschlagen. �Gro�er Herr, Ihr wi�t, wie viele Eurer Feinde ich im Krieg der Macht zu Fall gebracht habe. Aus den Schatten, ungesehen, oder wenn man mich doch sah, unbeachtet, weil ich nicht als Bedrohung angesehen wurde.� Schweigen, Und dann...</emphasis></p><p><emphasis>MEINE AUSERW�HLTEN SIND STETS DIE ST�RKSTEN. MEINE HAND F�HRT.</emphasis></p><p><emphasis>Die Stimme hallte in ihrem Sch�del wider, verwandelte ihre Knochen in brodelnden Honig und setzte ihr Gehirn in Flammen. Der Myrddraal hatte die Hand um ihr Kinn gelegt und zwang ihren Kopf hoch, bevor sich ihre Sicht weit genug gekl�rt hatte, da� sie das Messer in seiner anderen Hand sehen konnte. Alle ihre Tr�ume endeten hier mit einem Durchschneiden ihrer Kehle, w�hrend ihr K�rper den Trollocs verf�ttert w�rde. Vielleicht w�rde Shaidar Haran einen Schnitt f�r sich selbst bewahren. Vielleicht...</emphasis></p><p><emphasis>Nein. Sie wu�te, da� sie sterben w�rde, aber dieser Myrddraal w�rde keine Faser von ihr verspeisen! Sie streckte sich nach</emphasis> Saidar <emphasis>ausf und ihre Augen traten hervor. Da war nichts. Nichts! Es war, als wenn sie von der Quelle abgetrennt w�re! Sie wu�te, da� dem nicht so war</emphasis> - <emphasis>es hie�, da� dies der st�rkste Schmerz war, der einem Menschen widerfahren konnte, jenseits jeglicher Macht zu t�ten - aber...!</emphasis></p><p><emphasis>In jenen benommenen Momenten zwang der Myrddraal ihren Mund auf, strich mit der Klinge ihre Zunge entlang und kerbte dann ihr Ohr ein. Und als er sich mit ihrem Blut und Speichel aufrichtete, wu�te sie es, noch bevor er einen kleinen, zerbrechlichen K�fig aus Golddraht mit einem Kristall hervorbrachte. Einige Dinge konnten nur hier getan werden, einige nur jenen angetan werden, welche die Macht lenken konnten. Sie selbst hatte zahlreiche M�nner und Frauen genau zu diesem Zweck hierher gebracht.</emphasis></p><p><emphasis>�Nein�, keuchte sie. Sie konnte den Blick nicht von dem</emphasis> Cour'souvra <emphasis>abwenden. �Nein, nicht ich! NICHT ICH!�</emphasis></p><p><emphasis>Shaidar Haran ignorierte sie und strich Blut und Speichel vom Messer auf den Cour'souvra. Der</emphasis></p><p><emphasis>Kristall wurde milchig rot, der erste Schritt. Mit einem Schwung des Handgelenks warf er die Geistfalle zum zweiten Schritt �ber den geschmolzenen Felsen hinaus. Der goldene K�fig mit dem Kristall w�lbte sich hoch in die Luft und hielt pl�tzlich inne, schwebte genau an der Stelle, wo sich anscheinend der Stollen befand, der Ort, an dem das Muster am d�nnsten war.</emphasis></p><p><emphasis>Moghedien verga� den Myrddraal. Sie streckte die H�nde nach dem Stollen aus. �Gnade, Gro�er Herr!� Sie hatte niemals erlebt, da� der Gro�e Herr der Dunkelheit Erbarmen walten lie�, aber auch wenn sie mit rasenden W�lfen in einer Zelle angekettet gewesen w�re, h�tte sie um dasselbe gebeten. Unter den richtigen Umst�nden bat man auch um das Unm�gliche. Der</emphasis> Cour'souvra <emphasis>schwebte in der Luft und wandte sich im Licht der auflodernden Flammen langsam um. �Ich habe Euch mit ganzem Herzen gedient, Gro�er Herr. Ich bitte um Gnade. Ich bitte darum, GNA-DEEEEEEE!� DU KANNST MIR NOCH IMMER DIENEN.</emphasis></p><p><emphasis>Die Stimme versetzte sie in unvorstellbare Verz�ckung, aber gleichzeitig gl�hte die funkelnde Geistfalle pl�tzlich wie die Sonne auf, und sie erfuhr in ihrer Entz�ckung einen Schmerz, als sei sie in den Feuersee, eingetaucht. Sie verschmolz damit, heulte und schlug wie wahnsinnig um sich, schlug in endlosem Schmerz um sich, bis sie nach Jahrhunderten, nachdem nichts als Todesqual und die Erinnerung an den Schmerz geblieben war, von der Gnade der Dunkelheit vereinnahmt wurde.</emphasis></p><p>Moghedien regte sich auf ihrem Lager. Nicht wieder. Bitte!</p><p><emphasis>Sie erkannte die Frau kaum, die das Zelt betrat, in dem sie gefangengehalten wurde.</emphasis></p><p>Bitte, schrie sie in den Tiefen ihres Geistes.</p><p><emphasis>Die Frau lenkte die Macht, um ein Licht zu entz�nden, und Moghedien sah nur das Licht.</emphasis></p><p>Sie erschauderte tief im Schlaf und zitterte von Kopf bis Fu�. Bitte!</p><p><emphasis>Die Frau nannte sich Aran'gar und kannte Moghediens Namen. Sie rief zum Krater des Verderbens und...</emphasis></p><p>�Wacht auf, Frau�, sagte eine rauhe Stimme, und Moghedien �ffnete ruckartig die Augen. Sie w�nschte fast, der Traum kehrte wieder.</p><p>Keine T�r und kein Fenster durchbrach die nichtssagenden Steinmauern ihres kleinen Gef�ngnisses, und es gab auch keine Lampen, aber dennoch kam von irgendwoher Licht. Sie wu�te nicht, wie viele Tage sie schon hier war, nur da� in unregelm��igen Abst�nden fades Essen gebracht wurde, da� der einzige Eimer als sanit�re Einrichtung noch unregelm��iger geleert wurde und Seife und ein Eimer mit parf�miertem Wasser irgendwo f�r sie bereitstanden, damit sie sich waschen konnte. Sie war sich nicht sicher, ob das eine Gnade war oder nicht. Die freudige Erregung beim Anblick eines Eimers Wasser hatte ihr verdeutlicht, wie tief sie gesunken war. Shaidar Haran war jetzt bei ihr in der Zelle.</p><p>Sie rollte sich eilig von ihrem Lager, kniete sich hin und f�hrte ihr Gesicht zum blo�en Steinboden. Sie hatte stets getan, was auch immer n�tig war, um zu �berleben, und der Myrddraal hatte es sie auch nur zu gern gelehrt. �Ich gr��e Euch bereitwillig, <emphasis>Mia'cova.�</emphasis> Der zusammengezogene Titel brannte auf ihrer Zunge. Er bedeutete �Einer der mich besitzt� oder einfach �Mein Besitzern Der seltsame Schild, den Shaidar Haran bei ihr verwandt hatte - Myrddraal konnten dies nicht tun, aber er tat es - war nicht ersichtlich, aber sie erwog dennoch nicht die Macht zu lenken. Die Wahre Macht war ihr nat�rlich verwehrt -sie konnte nur mit dem Segen des Gro�en Herrn herangezogen werden -, aber die Quelle marterte sie, obwohl das gerade au�er Sicht befindliche Schimmern irgendwie seltsam schien. Sie erwog es noch immer nicht. Jedes Mal, wenn der Myrddraal sie aufsuchte, zeigte er ihr die Geistfalle. Es war �u�erst schmerzhaft, die Macht in zu naher Entfernung des eigenen Cour'souvra zu lenken, und desto schmerzhafter, je n�her er war. In dieser N�he h�tte sie vermutlich nicht einmal eine einfache Ber�hrung der Quelle �berlebt. Und das war noch die geringste der Gefahren einer Geistfalle.</p><p>Shaidar Haran kicherte rauh, beinahe trocken. Das war noch ein Unterschied bei diesem Myrddraal. Weitaus grausamer als nur blutd�rstige Trollocs waren Myrddraals kalt und leidenschaftslos. Shaidar Haran zeigte jedoch h�ufig Belustigung. Bisher war sie froh, da� sie nur blaue Flecken hatte. Die meisten Frauen h�tten jetzt schon am Rande des Wahnsinns gestanden, wenn sie nicht bereits dar�ber hinaus gelangt w�ren.</p><p>�Und wollt Ihr auch bereitwillig gehorchen?� fragte die rauhe, knirschende Stimme.</p><p>�Ja, ich m�chte bereitwillig gehorchen, <emphasis>Mia'cova.�</emphasis> Was auch immer n�tig war, um zu �berleben. Aber sie keuchte noch immer, wenn sich kalte Finger pl�tzlich in ihr Haar gruben. Sie richtete sich so weit auf wie m�glich, aber er half dennoch nach. Zumindest blieben ihre F��e dieses mal auf dem Boden. Der Myrddraal betrachtete sie ausdruckslos. Als sich Moghedien an vergangene Besuche erinnerte, fiel es ihr schwer, nicht zusammenzuzucken oder zu schreien oder einfach <emphasis>Saidar</emphasis> zu umarmen und dem ein Ende zu bereiten.</p><p>�Schlie�t Eure Augen�, befahl er ihr, �und haltet sie geschlossen, bis ich Euch erlaube, sie wieder zu �ffnen.�</p><p>Moghedien schlo� eilig die Augen. Eine von Shaidar Harans Lektionen hatte darin bestanden, ihr augenblicklichen Gehorsam beizubringen. Au�erdem konnte sie mit geschlossenen Augen versuchen vorzugeben da� sie jemand anderer sei. Was auch immer n�tig war.</p><p>Die Hand in ihrem Haar bewegte sich j�h, und sie schrie wider Willen auf. Der Myrddraal pre�te sie gegen die Wand. Sie hob schutzsuchend die H�nde, und Shaidar Haran lie� sie los. Sie taumelte mindestens zehn Schritte - aber ihre Zelle ma� keine zehn Schritte. Sie roch Wald. Sie roch einen schwachen Hauch harzigen Rauch. Sie hielt die Augen jedoch fest geschlossen. Sie wollte sich auch weiterhin nicht mehr als blaue Flecke einheimsen und auch davon nur so wenige wie m�glich, so lange es ihr gelang.</p><p>�Ihr k�nnt die Augen jetzt wieder �ffnen.�</p><p>Sie tat es vorsichtig. Der Sprecher war ein gro�er, breitschultriger junger Mann in schwarzen Stiefeln und Hose und einem wei�en, oben ge�ffneten Hemd, der sie mit erschreckend blauen Augen aus einem gepolsterten Lehnstuhl vor einem Marmorkamin ansah, in dem die Flammen an langen Scheiten entlang z�ngelten. Sie stand in einem mit Holzpaneelen versehenen Raum, der vielleicht einem reichen Kaufmann oder einem Adligen bescheidenen Ranges in dieser Zeit h�tte geh�ren k�nnen. Die M�bel waren mit Schnitzereien versehen und goldverziert und die Teppiche in rotgoldenen Arabesken gewoben. Sie war sich jedoch sicher, da� sich dieser Raum irgendwo in der N�he Shayol Ghuls befand. Er f�hlte sich nicht an wie <emphasis>Tel'aran'rhiod,</emphasis> die einzige andere M�glichkeit. Sie wandte hastig den Kopf und atmete tief durch. Der Myrddraal war nirgendwo zu sehen. Der feste Silberring <emphasis>Cuande</emphasis> um ihre Brust schien verschwunden.</p><p>�Habt Ihr Eure Zeit in der Vakuole genossen?�</p><p>Moghedien sp�rte eiskalte Finger nach ihrer Kopfhaut greifen. Sie war keine Forscherin und keine Sch�pferin, aber sie kannte das Wort. Sie dachte nicht einmal daran zu fragen, woher ein junger Mann dieser Zeit es kannte. Manchmal gab es Blasen im Muster, obwohl jemand wie Mesaana sagen w�rde, das sei eine zu einfache Erkl�rung. Man konnte Vakuolen betreten, wenn man wu�te wie, und sie konnten wie der Rest der Welt beeinflu�t werden - Forscher hatten in Vakuolen oft gro�e Experimente durchgef�hrt, wie sie sich vage erinnerte -, aber sie befanden sich tats�chlich au�erhalb des Musters, und manchmal schlossen sie sich oder l�sten sich vielleicht und entschwebten. Selbst Mesaana wu�te nicht, was geschah, nur da� alles zu der Zeit darin Befindliche f�r immer verschwand .</p><p>�Wie lange?� Es �berraschte sie, da� ihre Stimme fest klang. Sie wandte sich zu dem jungen Mann um, der dort sa� und sie anl�chelte. �Ich fragte, wie lange? Oder wi�t Ihr es nicht?�</p><p>�Ich sah Euch...� Er hielt inne, langte nach einem Silberbecher auf dem Tisch neben seinem Stuhl und l�chelte sie �ber den Rand hinweg weiterhin an, w�hrend er trank. �...vorletzte Nacht ankommen.�</p><p>Sie konnte ihr erleichtertes Seufzen nicht zur�ckhalten. Der einzige Grund, warum jemand eine Vakuole betreten wollte, bestand darin, da� die Zeit dort anders verging - manchmal langsamer, manchmal schneller. Manchmal viel schneller. Sie w�re nicht allzu �berrascht gewesen zu erfahren, da� der Gro�e Herr sie tats�chlich einhundert Jahre lang gefangen gehalten hatte, oder eintausend, um sie wieder in eine Welt zu entlassen, die ihm bereits geh�rte, um sie dahinsiechend ihren Weg gehen zu lassen, w�hrend die anderen Auserw�hlten die Oberhand hatten. Sie war noch immer eine der Auserw�hlten, zumindest in ihrer Vorstellung. Bis der Gro�e Herr selbst sagte, da� sie es nicht mehr sei. Sie hatte niemals von jemandem geh�rt, der freigelassen wurde, wenn erst eine Geistfalle errichtet war, aber sie w�rde eine M�glichkeit finden. Es gab immer einen Weg <emphasis>f�r</emphasis> diejenigen, die vorsichtig waren, w�hrend jene, die versagten, Vorsicht Feigheit nannten. Sie hatte selbst einige dieser sogenannten Tapferen nach Shayol Ghul gebracht, damit sie mit dem <emphasis>Cour'souvra</emphasis> ausgestattet wurden.</p><p>Pl�tzlich fiel ihr auf, da� dieser Bursche f�r einen Schattenfreund viel wu�te, besonders f�r jemanden, der nicht viel �lter als zwanzig sein konnte. Er schwang ein Bein �ber eine Armlehne und rekelte sich anma�end unter ihrem forschenden Blick. Nur ein zu stark ausgepr�gtes Kinn verhinderte, da� er gut aussah. Aber sie glaubte nicht, da� sie jemals derma�en blaue Augen gesehen hatte. Durch seine anma�ende Haltung und durch das, was sie gerade durch Shaidar Harans H�nde erduldet hatte, durch den Ruf der Quelle und die Abwesenheit des Myrddraal erwog sie, diesem jungen Schattenfreund eine strenge Lektion zu erteilen. Der Umstand, da� ihre Kleidung verschmutzt war, trug ihren Teil zu dieser Erw�gung bei. Sie roch leicht nach dem Parf�m des Waschwassers, aber sie hatte keine M�glichkeit gehabt, das raube Gewand zu s�ubern, in dem sie Egwene al'Vere entflohen war, oder die Risse von ihrer Reise zum Krater zu beseitigen. Die Vernunft gewann m�hsam die Oberhand, denn dieser Raum <emphasis>mu�te</emphasis> sich in der N�he Shayol Ghuls befinden.</p><p>�Wie hei�t Ihr?� fragte sie. �Habt Ihr eine Ahnung, mit wem Ihr sprecht?�</p><p>�Ja, Moghedien. Ihr k�nnt mich Moridin nennen.�</p><p>Moghedien keuchte, aber nicht wegen des Namens. Jeder Narr konnte sich Tod nennen. Aber ein winziger schwarzer Fleck, gerade ausreichend gro�, da� man ihn sehen konnte, zog gerade �ber eines dieser blauen Augen und dann auf gleicher H�he �ber das andere.</p><p>Dieser Moridin hatte h�ufiger als einmal die Wahre Macht ber�hrt. Weitaus h�ufiger. Sie wu�te, da� einige Menschen, welche die Macht lenken konnten, abgesehen von al'Thor, in dieser Zeit �berlebt hatten -dieser Bursche hatte ungef�hr die gleiche Gr��e wie al'Thor -, aber sie hatte nicht erwartet da� der Gro�e Herr jemandem diese besondere Ehre zuteil werden lie�e. Eine Ehre mit Widerhaken, wie jeder Auserw�hlte wu�te. Auf lange Sicht gesehen war die Wahre Macht weitaus suchterzeugender als die Eine Macht. Ein starker Wille konnte das Verlangen, mehr <emphasis>Saidar</emphasis> oder <emphasis>Saidin</emphasis> heranzuziehen, bezwingen, aber sie glaubte nicht, da� man einen ausreichend starken Willen haben konnte, der Wahren Macht zu widerstehen, wenn erst der <emphasis>Saa</emphasis> in die Augen trat. Der letztendlich zu zahlende Preis war unterschiedlich, aber in jedem Fall furchtbar.</p><p>�Euch wurde weitaus mehr Ehre gew�hrt, als Euch bewu�t ist�, belehrte sie ihn. Als sei ihr Gewand aus edelstem Streith, lie� sie sich auf dem Lehnstuhl ihm gegen�ber nieder. �Bringt mir etwas von diesem Wein, und ich werde es Euch erkl�ren. Nur neunundzwanzig anderen wurde jemals gew�hrt...�</p><p>Zu ihrem Entsetzen lachte er. �Ihr befindet Euch im Irrtum, Moghedien. Ihr dient noch immer dem Gro�en Herrn, aber nicht ganz so wie einst. Die Zeit f�r Eure eigenen Spiele ist vor�ber. Wenn Ihr nicht zuf�llig einiges von Nutzen bewirkt h�ttet, w�rt Ihr jetzt tot.�</p><p>�Ich bin eine der Auserw�hlten, Junge�, sagte sie, w�hrend Zorn ihre Vorsicht vereinnahmte. Sie richtete sich gerade auf und sah ihn mit all dem Wissen eines Zeitalters an, das seines unwichtig erscheinen lie�. Sie besa� ohnehin und in bestimmten, die Eine Macht betreffenden Gebieten soviel Wissen, da� niemand sie �berfl�geln konnte. Sie h�tte, ungeachtet der N�he Shayol Ghuls, fast die Quelle umarmt �Eure Mutter hat Euch wahrscheinlich vor noch nicht allzu langer Zeit mit meinem Namen erschreckt, und Ihr m��t wissen, da� selbst erwachsene Menschen, die Euch wie einen Schwamm zerdr�cken k�nnten, schwitzten, wenn sie ihn h�rten. Ihr <emphasis>werdet</emphasis> Eure Zunge in meiner Gegenwart h�ten!�</p><p>Er griff in den ge�ffneten Ausschnitt seines Hemdes, und ihr versagte die Stimme. Sie heftete ihren Blick auf den kleinen K�fig aus Golddraht mit dem blutroten Kristall, den er an einer Schnur baumelnd hervorgezogen hatte. Sie bemerkte fl�chtig, da� er einen zweiten, ebensolchen K�fig wieder in den Hemdenausschnitt zur�ckgesteckt hatte, aber sie hatte nur Augen f�r ihren eigenen K�fig. Es war eindeutig ihrer. Er strich mit dem Daumen dar�ber, und sie sp�rte in ihrem Geist, ihrer Seele Z�rtlichkeit. Es erforderte nicht viel mehr Druck, als er erzeugte, eine Geistfalle zu zerbrechen. Sie k�nnte sich auf der anderen Seite der Welt oder noch weiter entfernt befinden, und es w�re vollkommen unwichtig. Der Teil von ihr, der <emphasis>sie</emphasis> war, w�rde abgetrennt werden. Sie w�rde noch immer mit ihren Augen sehen und mit ihren Ohren h�ren, schmecken, was auf ihrer Zunge lag und sp�ren, was sie ber�hrte, aber sie w�re innerhalb dieses roboterartigen K�rpers, der demjenigen bedingungslosen Gehorsam schuldete, der den <emphasis>Cour'souvra</emphasis> besa�, hilflos. Ungeachtet des Umstands, ob es eine M�glichkeit gab, sich daraus zu befreien oder nicht, war eine Geistfalle genau das, was der Name besagte. Sie konnte sp�ren, wie alles Blut aus ihrem Gesicht wich.</p><p>�Versteht Ihr jetzt?� fragte er. �Ihr dient noch immer dem Gro�en Herrn, aber jetzt werdet Ihr meinen Befehlen gehorchen.�</p><p>�Ich verstehe, <emphasis>Mia'cova�,</emphasis> sagte sie mechanisch.</p><p>Er lachte erneut, ein tiefes, kr�ftiges Lachen, das ihrer spottete, w�hrend er die Geistfalle wieder unter seinem Hemd verbarg. �Wir brauchen sie jetzt nicht da Ihr Eure Lektion gelernt habt. Ich werde Euch Moghedien nennen, und Ihr werdet mich Moridin nennen. Ihr seid noch immer eine der Auserw�hlten. Wer k�nnte Euch ersetzen?�</p><p>�Ja, nat�rlich, Moridin�, sagte sie tonlos. Was auch immer er sagte, sie wu�te, da� er sie besa�.</p></section><section><title><p>26</p><p>Unwiderrufliche Worte</p></title><p>Morgase lag wach, starrte durch die monderleuchtete D�sternis an die Decke und versuchte, an ihre Tochter zu denken. Ein einziges helles Leintuch bedeckte sie, aber sie schwitzte in ihrem dicken, bis zum Hals geschlossenen Nachtgewand. Doch das war unwichtig. Ungeachtet des Umstands, wie h�ufig sie badete, ungeachtet dessen, wie hei� das Wasser war, f�hlte sie sich nicht sauber. Elayne mu�tc wohlbehalten in die Wei�e Burg gelangt sein. Manchmal schien es ihr Jahre her, seit sie sich dazu bringen konnte, einer Aes Sedai zu trauen, aber welche Widerspr�che auch immer aufkamen - die Burg war gewi� der sicherste Platz f�r Elayne. Sie versuchte, an Gawyn zu denken - er w�rde bei seiner Schwester in Tar Valon sein, voller Stolz auf sie und aufrichtig bem�ht, sie zu besch�tzen, wenn sie Schutz brauchte. Und an Galad -warum durfte sie ihn nicht sehen? Sie liebte ihn so sehr, als h�tte sie ihn selbst geboren, und er brauchte diese Liebe auf vielerlei Arten mehr als die beiden anderen. Sie bem�hte sich, an sie zu denken. Es war schwierig, an irgend etwas anderes zu denken als... Sie starrte mit geweiteten, vor unvergessenen Tr�nen schimmernden Augen in die Dunkelheit.</p><p>Sie hatte stets geglaubt, sie sei ausreichend tapfer zu tun, was auch immer getan werden m��te, und sich dem zu stellen, was auch immer auf sie zuk�me. Sie hatte stets geglaubt, sie k�nnte sich wieder aufraffen und weiter k�mpfen. Rhadam Asunawa hatte sie in einer endlos scheinenden Stunde eines Besseren belehrt, ohne mehr als nur wenige blaue Flecke zu hinterlassen, die bereits verbla�ten. Eamon Valda hatte ihre Ausbildung mit einer Frage vollendet. Der blaue Fleck, den ihre Antwort auf ihrem Herzen hinterlassen hatte, war nicht verbla�t. Sie h�tte zu Asunawa zur�ckgehen und ihm sagen sollen, da� er machen k�nnte, was er wollte. Sie hatte... Sie betete darum, da� Elayne in Sicherheit war. Vielleicht war es ungerecht, f�r Elayne mehr zu erhoffen als f�r Galad oder Gawyn, aber Elayne w�re die n�chste K�nigin von Andor. Die Burg w�rde die Gelegenheit nicht vers�umen, eine Aes Sedai auf den L�wenthron zu bringen. Wenn sie Elayne nur noch einmal sehen k�nnte, wenn sie alle ihre Kinder nur noch einmal sehen k�nnte.</p><p>Etwas raschelte in dem dunklen Schlafraum, und sie hielt den Atem an und bek�mpfte ein Zittern. Sie konnte im schwachen Mondlicht kaum die Bettpfosten erkennen. Valda und Asunawa waren gestern von Amador nordw�rts geritten, mit lausenden von Wei�m�nteln, die sich dem Propheten entgegenstellen sollten, aber wenn er zur�ckgekommen war, wenn er...</p><p>Ein Umri� in der Dunkelheit sch�lte sich zu einer Frauengestalt heraus, die aber zu klein war, als da� es Lini h�tte sein k�nnen. �Ich dachte mir schon, da� Ihr noch wach seid�, sagte Breanes Stimme sanft. �Trinkt dies - es wird Euch helfen.� Die Cairhienerin versuchte, Morgase einen Silberbecher in die Hand zu geben, der einen leicht s�uerlichen Geruch verstr�mte.</p><p>�Wartet, bis man Euch befiehlt, mir etwas zu trinken zu bringen�, fauchte Morgase und stie� den Becher fort. Warme Fl�ssigkeit ergo� sich �ber ihre Hand und auf das Leintuch. �Ich war bereits fast eingeschlafen, als Ihr hereinplatztet�, log sie. �La�t mich allein!�</p><p>Die Frau stand da, das Gesicht in den Schatten verborgen, und sah auf sie herab, anstatt zu gehorchen. Morgase mochte Breane Taborwin nicht. Ob Breane wahrhaft adlig geboren und in die gew�hnliche Welt hinabgestiegen war, wie sie manchmal behauptete, oder ob sie nur eine Dienerin war, die gelernt hatte, ihre Vorgesetzten nachzuahmen - sie gehorchte, wann und wie sie wollte und lie� ihrer Zunge viel zu freien Lauf, wie sie jetzt bewies.</p><p>�Ihr jammert wie ein Schaf, Morgase Trakand.� Ihre Stimme klang, als brodele sie vor Zorn, obwohl sie leise sprach. Sie setzte den Becher ger�uschvoll auf dem kleinen Nachttisch ab, wobei noch mehr Fl�ssigkeit versch�ttet wurde. �Bah! Viele andere hat es weitaus schlimmer getroffen. Ihr lebt. Keiner Eurer Knochen ist gebrochen. Euer Verstand ist heil geblieben. Haltet durch. La�t die Vergangenheit ruhen, und lebt Euer Leben weiter. Ihr wart so �beraus gereizt, da� alle Menschen in Eurer N�he auf Zehenspitzen einher gehen, sogar Meister Gill. Und Lamgwin hat in diesen drei N�chten kaum eine Sekunde geschlafen.�</p><p>Morgase err�tete vor Zorn. Selbst in Andor durften Diener nicht so reden. Sie packte die Frau fest am Arm, w�hrend Besorgnis in ihr mit Mi�fallen rang. �Sie wissen es nicht, oder?� Wenn sie es w��ten, w�rden sie sie zu r�chen versuchen, zu retten versuchen. Sie w�rden sterben. Tallanvor w�rde sterben.</p><p>�Lini und ich lassen sie f�r Euch im dunkeln tappen�, h�hnte Breane und entzog sich ihr. �Wenn ich Lamgwin umgehen k�nnte, w�rde ich sie alle wissen lassen, was f�r ein bl�kendes Schaf Ihr seid. Er sieht in Euch das Fleisch gewordene Licht. Ich sehe eine Frau ohne den Mut, sich dem Allt�glichen zu stellen. Ich werde nicht zulassen, da� Ihr ihn durch Eure Feigheit vernichtet.�</p><p>Feigheit. Zorn wallte in Morgase auf, aber ihr fehlten die Worte. Ihre Finger verkrampften sich in dem Laken. Sie glaubte nicht, da� sie kaltbl�tig h�tte entscheiden k�nnen, mit Valda zu schlafen, aber wenn sie es getan h�tte, h�tte sie damit leben k�nnen. Das glaubte sie zumindest. Aber es war eine vollkommen andere Sache, dem zuzustimmen, weil sie Angst davor hatte, Asunawas verzwickten Fallen erneut entgegenzutreten. Wie auch immer sie in Asunawas Dienst geschrien hatte - Valda war derjenige, der ihr die wahren Grenzen ihres Mutes gezeigt hatte, den sie sehr untersch�tzt hatte. Valdas Ber�hrung und sein Bett konnte man mit der Zeit vergessen, aber sie w�rde immer Scham �ber dieses �Ja� von ihren Lippen empfinden. Breane schleuderte ihr die Wahrheit ins Gesicht, und sie wu�te nicht, wie sie reagieren sollte.</p><p>Die Antwort wurde ihr durch Stiefelschritte im Vorzimmer erspart. Die T�r zum Schlafraum wurde aufgesto�en, und ein atemloser Mann blieb nach einem Schritt in den Raum stehen.</p><p>�Gut, da� Ihr wach seid�, h�rte sie Tallanvors Stimme kurz darauf, wodurch ihr Herz wieder zu schlagen begann und sie wieder atmen konnte. Sie wollte Breanes Hand loslassen - sie konnte sich nicht daran erinnern, sie ergriffen zu haben -, aber zu ihrer �berraschung dr�ckte die Frau ihre Hand, bevor sie sie loslie�.</p><p>�Es geht etwas vor�, fuhr Tallanvor fort und schritt zu dem einzigen Fenster. Er stellte sich auf eine Seite, als wollte er nicht gesehen werden, und sp�hte in die Nacht. Das Mondlicht zeichnete seine gro�e Gestalt ab. �Meister Gill, kommt und erz�hlt, was Ihr gesehen habt.�</p><p>Ein Kopf erschien im Eingang, dessen kahle Kopfhaut in der Dunkelheit schimmerte. Dahinter, im anderen Raum, bewegte sich ein breiter Schatten. Lamgwin Dorn. Als Basel Gill erkannte, da� sie noch im Bett lag, wandte er den Blick schnell ab, obwohl er wahrscheinlich nicht mehr als das Bett selbst hatte ausmachen k�nnen. Meister Gill war noch breiter als Lamgwin, aber nicht ann�hernd so gro�. �Vergebt mir, meine K�nigin. Ich wollte nicht...� Er r�usperte sich heftig, und seine Stiefel schabten �ber den Boden, als er sich unruhig bewegte. H�tte er eine M�tze dabei gehabt h�tte er sie in den H�nden gedreht oder nerv�s geknetet. �Ich war im Langen Gang, auf meinem Weg zu ... zu...� Zum Ingwerschnaps war er unterwegs gewesen, was er ihr nicht einzugestehen wagte. �Wie dem auch sei, ich schaute aus einem der Fenster und sah einen ... einen gro�en Vogel, glaube ich ... auf den S�dkasernen landen.�</p><p>�Einen Vogel!� Linis d�nne Stimme veranla�te Meister Gill, den Eingang hastig freizugeben. Oder vielleicht war auch ein heftiger Rippensto� der Grund. Lini nutzte normalerweise jeden Vorteil, den ihr graues Haar bot. Sie stolzierte an ihm vorbei, w�hrend sie noch mit dem G�rten ihres Nachtgewands besch�ftigt war. �Narren! Trottel mit Spatzenhirnen! Ihr habt mein Ki...!� Sie hielt heftig hustend inne. Lini verga� niemals, da� sie Morgases Amme gewesen war, und die ihrer Mutter ebenfalls, aber sie verga� sich niemals vor anderen. Sie �rgerte sich, da� sie es jetzt getan hatte, was man an ihrer Stimme merkte. �Ihr habt Eure K�nigin wegen eines Vogels geweckt!� Sie tastete nach ihrem Haarnetz und stopfte mechanisch einige Str�hnen darunter, die sich im Schlaf gel�st hatten. �Habt Ihr getrunken, Meister Gill?� Das fragte sich Morgase auch.</p><p>�Ich wei� nicht, ob es ein Vogel war�, protestierte Meister Gill. �Es sah nicht aus wie ein Vogel, aber was k�nnte es sonst gewesen sein? Der Vogel war gro�. M�nner stiegen von seinem R�cken, und einer sa� noch auf seinem Nacken, als er wieder davonflog. W�hrend ich mir ins Gesicht schlug, um wach zu werden, landete ein weiteres dieser ... dieser Wesen, und weitere M�nner stiegen herab, und dann kam noch eines, und ich beschlo�, es sei an der Zeit, Lord Tallanvor zu benachrichtigen.� Lini schwieg, aber Morgase konnte ihren starren Blick fast sp�ren, und er war nicht auf sie gerichtet. Der Mann, der sein Wirtshaus im Stich gelassen hatte, um ihr zu folgen, sp�rte es gewi�. �Des Lichtes eigene Wahrheit, meine K�nigin�, beharrte er.</p><p>�Licht!� verk�ndete Tallanvor wie ein Echo. �Etwas ... etwas ist gerade auf den Nordkasernen gelandet.� Morgase hatte ihn noch nie zuvor so ersch�ttert erlebt. Sie wollte nur, da� sie alle gingen und sie in ihrem Elend allein lie�en, aber es bestand wohl keine Hoffnung darauf. Tallanvor war auf vielerlei Art noch schlimmer als Breane. Viel schlimmer.</p><p>�Mein Gewand�, sagte sie, und dieses eine Mal reagierte Breane schnell. Meister Gill wandte hastig das Gesicht zur Wand, w�hrend sie aus dem Bett stieg und sich ankleidete.</p><p>Sie schritt zum Fenster, w�hrend sie die Sch�rpe schlo�. Die langen Nordkasernen ragten �ber dem breiten Hof auf, vier hohe Stockwerke aus dunklem Stein mit einem Flachdach. Es war weder dort noch sonst irgendwo in der Festung Licht zu sehen. Alles war ruhig und still. �Ich sehe nichts, Tallanvor.�</p><p>Er zog sie zur�ck. �Schaut nur�, sagte er.</p><p>Zu einem anderen Zeitpunkt h�tte sie es bedauert, da� er seine Hand wieder von ihrer Schulter nahm, und w�re sowohl �ber ihr Bedauern als auch �ber seinen Tonfall ver�rgert gewesen. Jetzt, nach Valda, war sie eher erleichtert. Gleichwohl war sie sowohl �ber die Erleichterung als auch �ber seinen Tonfall ver�rgert. Er war viel zu respektlos, viel zu eigensinnig, zu jung. Nicht viel �lter als Galad.</p><p>Schatten bewegten sich so langsam, wie der Mond h�her stieg, aber sonst regte sich nichts. In der Stadt Amador bellte ein Hund, dem weitere antworteten. Dann, als Morgase den Mund �ffnete, um Tallanvor und alle anderen zu entlassen, kr�mmte sich ein Schatten auf den wuchtigen Kasernen und st�rzte sich vom Dach.</p><p>Ein Wesen, hatte Tallanvor es genannt, und ihr fiel keine bessere Bezeichnung ein. Der Eindruck eines K�rpers, der dicker schien, als ein Mann gro� war; breite, gerippte Schwingen wie die einer Fledermaus, die gesenkt wurden, als das Wesen auf den Hof hinabsank; eine Gestalt, ein Mann, der unmittelbar hinter einem gewundenen Hals sa�. Und dann schlug es heftig mit den Schwingen und das ... Wesen ... schwang sich empor und schirmte das Mondlicht ab, als es �ber ihren Kopf hinweg flog und einen langen, d�nnen Schwanz nach sich zog.</p><p>Morgase schlo� langsam den Mund. Sie konnte nur denken: Schattengez�cht. Trolloc und Myrddraal waren nicht die einzigen vom Schatten verkehrten Wesen in der Gro�en F�ule. Sie hatte niemals etwas hier�ber erfahren, aber ihre Lehrer in der Burg hatten gesagt, da� dort Wesen lebten, die niemand jemals deutlich gesehen oder aber deren Anblick �berlebt h�tte, um sie zu beschreiben. Wie konnte dieses Wesen jedoch so weit in den S�den gelangt sein?</p><p>Pl�tzlich flammte in Richtung der Haupttore ein von einem gewaltigen Donnern begleiteter Lichtblitz auf, und dann erneut an zwei weiteren Stellen der Au�enmauer. Auch dort befanden sich Tore.</p><p>�Was, im Krater des Verderbens, war das?� murrte Tallanvor in einem Moment des Schweigens, bevor Alarm geschlagen wurde. Rufe und Schreie und Pferdewiehern hallten durch die Dunkelheit. Feuer brach mit Donnerkrachen an mehreren Stellen aus.</p><p>�Die Eine Macht�, keuchte Morgase. Sie konnte die Macht vielleicht so gut wie gar nicht lenken, aber sie erkannte sie. Die Vorstellung von Schattengez�cht schwand. �Es ... es m�ssen Aes Sedai sein.� Sie h�rte jemanden hinter sich nach Atem ringen. Lini oder Breane. Basel Gill murmelte erregt: �Aes Sedai�, und Lamgwin fl�sterte eine Erwiderung, die Morgase nicht verstand. In der Dunkelheit schlug Metall auf Metall, Feuer br�llte und Blitze zuckten vom wolkenlosen Himmel. Auch die Alarmglocken der Stadt klangen schlie�lich schwach durch den L�rm, aber eigenartig wenige.</p><p>�Aes Sedai.� Tallanvor klang zweifelnd. �Warum jetzt? Um Euch zu retten, Morgase? Ich dachte, sie k�nnten die Eine Macht nicht gegen Menschen lenken, sondern nur gegen Schattengez�cht. �brigens - wenn dieses Flugwesen kein Schartengez�cht war, dann habe ich noch niemals welches gesehen.�</p><p>�Ihr wi�t nicht, wovon Ihr sprecht!� fauchte sie und wandte sich ihm heftig zu. �Ihr...!� Ein Armbrustpfeil prallte gegen den Fensterrahmen und l�ste einen Steinsplitter schauer aus. Sie sp�rte eine Luftbewegung, als der Pfeil zwischen ihnen abprallte und in einem der Bettpfosten steckenblieb. Nur eine Handbreit weiter rechts - und alle ihre Sorgen waren beendet gewesen.</p><p>Sie regte sich nicht, aber Tallanvor zog sie mit einem Fluch vom Fenster fort. Selbst beim Mondlicht konnte sie sein Stirnrunzeln erkennen, w�hrend er sie forschend betrachtete. Einen Moment dachte sie, er w�rde vielleicht ihr Gesicht ber�hren. Wenn er es t�te, wu�te sie nicht, ob sie weinen oder schreien oder ihm befehlen w�rde, sie f�r immer zu verlassen, oder...</p><p>Statt dessen sagte er: �Ich glaube eher, da� es einige von diesen M�nnern sind, diesen Shamin oder wie auch immer sie sich nennen.� Er bestand darauf, die seltsamen, unm�glichen Geschichten zu glauben, die ihren Weg sogar in die Festung gefunden hatten. �Ich denke, ich kann Euch jetzt sofort hinausbringen. Alles wird im Chaos versinken. Kommt mit mir.�</p><p>Sie widersprach ihm nicht. Nur wenige Menschen wu�ten etwas �ber die Eine Macht und noch viel weniger �ber die Unterschiede zwischen <emphasis>Saidar</emphasis> und <emphasis>Saidin.</emphasis> Sein Vorschlag hatte einen gewissen Reiz. Sie k�nnten im Tumult eines Kampfes vielleicht wirklich entkommen.</p><p>�Sie dort hinausbringen!� kreischte Lini. Flammendes Licht fiel durch das Fenster. Krachen und Donnern erstickten den L�rm der M�nner und Schwerter, �Ich h�tte Euch mehr Verstand zugetraut, Martyn Tallanvor. �Nur Narren k�ssen Hornissen oder bei�en ins Feuer. � Ihr habt sie sagen h�ren, es seien Aes Sedai. Glaubt Ihr, sie wei� es nicht? Glaubt Ihr das?�</p><p>�Mein Lord, wenn es Aes Sedai sind...� Meister Gill brach ab.</p><p>Tallanvor lie� sie los, und er brummte leise und w�nschte, er h�tte ein Schwert. Pedron Niall hatte ihm gestattet, seine Klinge zu behalten. Eamon Valda war nicht so vertrauensvoll.</p><p>Sie empfand einen Anflug von Entt�uschung. Wenn er nur beharrlich geblieben w�re, wenn er sie fortgezerrt h�tte... Was war los mit ihr? H�tte er sie aus irgendeinem Grund fortgezerrt, h�tte sie ihm die Haut abgezogen. Sie mu�te sich zusammenrei�en. Valda hatte ihr Vertrauen beeintr�chtigt - nein, er hatte es tats�chlich zerst�rt -, aber sie mu�te die �berreste wieder zusammenf�gen. Irgendwie. Wenn es das noch wert war.</p><p>�Ich kann zumindest herauszufinden versuchen, was vor sich geht�, grollte Tallanvor und schritt zur T�r. �Wenn es nicht Eure Aes Sedai sind...�</p><p>�Nein! Ihr werdet hierbleiben. Bitte.� Sie war sehr froh, da� die fahle Dunkelheit ihr zornger�tetes Gesicht verbarg. Sie h�tte sich eher die Zunge abgebissen, als das letzte Wort bewu�t zu sagen, aber es war ihr entschl�pft, bevor sie es verhindern konnte. Sie fuhr mit festerer Stimme fort. �Ihr werdet hierbleiben und Eure K�nigin besch�tzen, wie es Eure Aufgabe ist.�</p><p>Sie konnte sein Gesicht in dem schwachen Licht sehen, und seine Verbeugung schien recht angemessen, aber sie h�tte ihre letzte M�nze verwettet, da� er ver�rgert war. �Ich bin in Eurem Vorraum.� Nun, seine Stimme lie� keinen Zweifel. Aber dieses eine Mal k�mmerte es sie nicht, wie zornig er war und wie wenig er es verbarg. Es war durchaus m�glich, da� sie diesen starrsinnigen Mann mit ihren eigenen H�nden t�tete, aber er w�rde nicht heute nacht sterben, von Soldaten niedergemetzelt, ohne da� man feststellen k�nnte, auf welcher Seite er stand.</p><p>Es gab jetzt keine Hoffnung mehr auf Schlaf, selbst wenn sie hatte schlafen k�nnen. Sie wusch sich das Gesicht und putzte sich die Z�hne, ohne Licht zu entz�nden. Breane und Lini halfen ihr, sich in blaue Seide mit gr�nen Schlitzen zu kleiden, die schneewei�e Spitze an den Handgelenken und unter dem Kinn aufwies. Dieses Gewand w�re �beraus geeignet, Aes Sedai zu empfangen. <emphasis>Saidar</emphasis> w�tete in der Nacht. Es mu�ten Aes Sedai sein. Wer sonst?</p><p>Als sie sich den M�nnern im Vorraum zugesellte, sa�en sie bis auf das durch die Fenster hereinfallende Mondlicht und das gelegentliche Aufflammen von mit der Macht geschaffenem Feuer in Dunkelheit. Selbst eine Kerze mochte ungewollte Aufmerksamkeit erregen. Lamgwin und Meister Gill sprangen respektvoll von ihren St�hlen auf. Tallanvor erhob sich z�gerlicher, und sie brauchte kein Licht, um zu wissen, da� er sie mit m�rrischem Stirnrunzeln betrachtete. W�tend, da� sie ihn ignorieren mu�te -sie war seine K�nigin! -, und kaum in der Lage, diese Wut aus ihrer Stimme zu verbannen, befahl sie Lamgwin, noch mehr der hohen Holzst�hle von den Fenstern abzur�cken. Dann sa�en sie schweigend da und warteten. Zumindest war es auf ihrer Seite still. Drau�en krachte Donner und hallte Br�llen wider, H�rner erklangen und M�nner schrien, und durch dies alles sp�rte sie <emphasis>Saidar</emphasis> an- und abschwellen und dann erneut anschwellen.</p><p>Der Kampf nahm schlie�lich nach �ber einer Stunde ab und erstarb. Stimmen riefen noch immer unverst�ndliche Befehle, Verwundete schrien, und manchmal erklangen diese seltsamen, heiseren H�rner erneut, aber kein Stahl klang mehr auf Stahl. <emphasis>Saidar</emphasis> verbla�te. Sie war sich sicher, da� Frauen in der Festung es noch immer umarmten, aber sie glaubte nicht, da� jetzt noch eine Frau die Macht lenkte. Alles schien nach dem L�rm und der Aufregung fast friedlich.</p><p>Tallanvor regte sich, aber sie bedeutete ihm mit einer Handbewegung, Ruhe zu bewahren, bevor er sich erheben konnte. Einen Moment lang dachte sie, er w�rde nicht gehorchen. Die Nacht wich der Morgend�mmerung, dann kroch das Sonnenlicht durch die Fenster herein und schimmerte auf Tallanvors finsterem Gesicht. Sie hielt die H�nde noch immer im Scho�. Geduld war nur eine der Tugenden, die junge M�nner lernen mu�ten. Geduld kam als edle Tugend direkt nach Mut. Die Sonne stieg h�her. Lini und Breane begannen zunehmend besorgt miteinander zu fl�stern und warfen Blicke in Morgases Richtung. Tallanvor runzelte die Stirn, die dunklen Augen gl�hten, und er sa� in dieser dunkelblauen Jacke, die ihm so gut pa�te, kerzengerade. Meister Gill war nerv�s, fuhr sich zun�chst mit der einen, dann mit der anderen Hand durch sein angegrautes Haar und wischte sich mit einem Taschentuch �ber die ger�teten Wangen. Lamgwin sa� nachl�ssig auf seinem Stuhl, und die schweren Lider des einstigen Stra�enschl�gers lie�en vermuten, da� er halbwegs schlief, aber als er Breane ansah, zog ein fl�chtiges L�cheln �ber sein vernarbtes Gesicht mit der einst gebrochenen Nase. Morgase konzentrierte sich auf ihre Atmung, fast wie bei den �bungen, die sie w�hrend ihrer Zeit in der Burg durchgef�hrt hatte. Geduld. Wenn nicht bald jemand k�me, w�rde sie einiges zu sagen haben, ob es um Aes Sedai ging oder nicht!</p><p>Sie sprang bei einem j�hen Pochen an der T�r zum Gang wider Willen auf. Bevor sie Breane auffordern konnte nachzusehen, wer es w�re, schwang die T�r auf und prallte gegen die Wand. Morgase starrte den eintretenden Mann an.</p><p>Ein gro�er, dunkler Krieger mit einer Hakennase erwiderte ihren Blick kalt. Das lange Heft eines Schwertes ragte �ber seiner Schulter auf. Eine seltsame R�stung bedeckte seine Brust einander �berlappende, glitzernd golden und schwarz lackierte Platten, und er hielt einen Helm auf H�fth�he, der wie der Kopf eines Insekts aussah, schwarz und golden und gr�n, mit drei langen, d�nnen gr�nen Federn. Zwei weitere, ebenso ger�stete M�nner mit Helmen ohne Federn folgten ihm auf dem Fu�e. Ihre R�stungen schienen eher bemalt als lackiert, und sie trugen schu�bereite Armbr�ste. Weitere M�nner mit goldschwarzen, mit Quasten versehenen Speeren standen drau�en im Gang.</p><p>Tallanvor und Lamgwin und sogar der st�mmige Meister Gill sprangen auf und stellten sich zwischen sie und ihre eigent�mlichen Besucher. Sie mu�te sich an ihnen vorbeidr�ngen.</p><p>Der Blick des Mannes mit der Hakennase schwenkte sofort zu ihr, bevor sie eine Erkl�rung fordern konnte. �Ihr seid Morgase, K�nigin von Andor?� Seine Stimme klang barsch, und er dehnte die Worte so stark, da� sie ihn kaum verstand. Er lie� ihr keine Gelegenheit zu antworten. �Ihr werdet mit mir kommen. Allein�, f�gte er hinzu, als Tallanvor, Lamgwin und Meister Gill vortraten. Die Armbrustsch�tzen hoben ihre Waffen. Die schweren Bolzen wirkten, als k�nnte man damit L�cher in R�stungen stanzen. Ein Schild k�nnte sie kaum aufhalten.</p><p>�Ich habe keine Einw�nde dagegen, da� meine M�nner hierbleiben, bis ich zur�ckkomme�, sagte Morgase ruhiger, als sie sich f�hlte. Wer waren diese Leute? Sie kannte sonst die Akzente jeder Nation und auch ihre R�stungen. �Ihr werdet gewi� gut f�r meine Sicherheit sorgen, Hauptmann...�</p><p>Er nannte keinen Namen, sondern bedeutete ihr nur, ihm zu folgen. Tallanvor machte zu ihrer Erleichterung trotz seines zornigen Blicks kein Aufhebens, und Meister Gill und Lamgwin schauten zu ihrer gro�en Ver�rgerung zu ihm, bevor sie zur�cktraten. Im Gang formierten sich die Soldaten um sie, und der hakennasige Offizier und die beiden Armbrustsch�tzen f�hrten die Gruppe an. Eine Ehrengarde, versuchte sie sich zu sagen. So kurz nach einem Kampf w�re es �beraus t�richt, ungesch�tzt umherzuwandern. Sie w�nschte, sie k�nnte es glauben.</p><p>Sie versuchte, den Offizier zu befragen, aber er sagte kein Wort, verlangsamte seinen Schritt nicht und sah sich nicht um, so da� sie ihre Bem�hungen aufgab. Keiner der Soldaten sah sie auch nur an. Sie waren M�nner mit hartem Blick, wie sie sie von ihrer eigenen Garde her kannte, M�nner, die mehr als einen Kampf ausgefochten hatten. Aber wer waren sie? Ihre Stiefel schlugen unheilvoll im gleichen Takt auf dem Steinboden auf, ein Klang, der von den dicken Festungsmauern widerhallte. Es gab hier nur wenig Farbe, nichts, was das Auge erfreute au�er vereinzelten Wandteppichen, die Wei�m�ntel in blutigem Kampf zeigten.</p><p>Sie erkannte, da� sie auf das Quartier des kommandierenden Lordhauptmanns zugef�hrt wurde, und �belkeit machte sich in ihrem Magen breit. Sie hatte sich fast freudig an den Weg gew�hnt, als Pedron Niall noch lebte. Aber sie hatte ihn in den wenigen Tagen, seit er gestorben war, f�rchten gelernt. Als sie um die Ecke kamen, zuckte sie dennoch beim Anblick der ungef�hr zwei Dutzend Bogensch�tzen, die hinter ihrem Offizier hermarschierten, zusammen, M�nner in bauschigen Hosen und Lederbrustpanzern, die mit waagerechten Streifen in Blau und Schwarz bemalt waren. Jeder Mann trug einen konischen Stahlhelm mit einer Maske aus grauem Stahlkettenpanzer, die sein Gesicht bis auf die Augen verdeckte. Hier und da waren Schnurrb�rte unter den Masken zu erahnen. Der Offizier der Bogensch�tzen verbeugte sich vor dem Anf�hrer ihrer Gruppe, der zur Erwiderung jedoch nur die Hand hob.</p><p>Taraboner. Sie hatte seit vielen Jahren keine tarabonischen Soldaten mehr gesehen, aber diese M�nner waren trotz der Streifen Taraboner - oder sie h�tte ihre Schuhe verspeist -, was jedoch keinen Sinn ergab. Tarabon war ein lebendig gewordenes Chaos. Es herrschte ein von hundert verschiedenen Seiten gef�hrter B�rgerkrieg zwischen Thronbewerbern und Drachenverschworenen. Tarabon hatte diesen Angriff auf Andor niemals selbst durchf�hren k�nnen. Es sei denn, ein Anw�rter h�tte unglaublicherweise alle anderen, und auch die Drachenverschworenen, ausgestochen und... Es war unm�glich, und es erkl�rte auch diese merkw�rdig ger�steten Soldaten und das Fl�gelwesen nicht, oder...</p><p>Sie dachte, sie w�re schon Fremdartigem begegnet. Sie dachte, sie h�tte Unwohlsein kennengelernt. Dann umrundeten sie und ihre Wache eine weitere Ecke und standen zwei Frauen gegen�ber.</p><p>Die eine war schlank, kleiner als jede Cairhienerin und dunkler als jede Tairenerin, in einem blauen Gewand, das fast bis auf ihre Kn�chel reichte. Silberne, gezackte Lichtblitze zogen sich �ber rote Applikationen auf ihrer Brust und an den Seiten ihrer weiten, geteilten R�cke. Die andere Frau in langweiligem Dunkelgrau war gr��er als die meisten M�nner. Ihr blondes, gl�nzend geb�rstetes Haar reichte ihr bis auf die Schultern, und sie hatte versch�chterte gr�ne Augen. Eine silberne Koppel verband ein Silberarmband am Handgelenk der kleineren Frau mit der von der gr��eren getragenen Halskette.</p><p>Sie traten f�r Morgases Wache beiseite, und als der hakennasige Offizier <emphasis>�Der'sul'dam�</emphasis> murmelte -zumindest glaubte Morgase das verstanden zu haben, wobei sein gedehnter Akzent das Verstehen erschwerte -, beugte die dunkle Frau leicht den Kopf und zog an der Koppel, woraufhin die blonde Frau zu Boden sank und Kopf, Knie und Handfl�chen flach auf den Stein pre�te. Als Morgase und ihre W�chter vor�bergegangen waren, beugte sich die dunkle Frau herab und t�tschelte der anderen liebevoll den Kopf wie einem Hund, und die kniende Frau schaute, was noch schlimmer war, freudig und dankbar auf.</p><p>Morgase brachte m�hsam die notwendige Anstrengung auf weiterzugehen, ihre Knie am Nachgeben zu hindern, ihren Magen vor dem Entleeren zu bewahren. Die reine Unterw�rfigkeit war schon schlimm genug, aber sie war sich zudem sicher, da� die kniende Frau die Macht lenken konnte. Unm�glich! Sie ging wie benommen weiter und fragte sich, ob dies ein Traum sein konnte, ein schrecklicher Alptraum; sie betete, da� es so war. Sie war sich vage bewu�t, da� sie bei weiteren Soldaten stehenblieben, die rot und schwarz ger�stet waren, und dann...</p><p>Pedron Nialls Empfangsraum - jetzt Valdas oder wer auch immer die Festung inzwischen eingenommen hatte - war ver�ndert. Die goldene aufgehende Sonne, die in den Boden eingelassen war, war geblieben, aber alle eroberten Banner Nialls, die Valda behalten hatte, als w�ren es seine, waren verschwunden, und ebenso die Einrichtung, bis auf den einfachen, mit Schnitzereien versehenen, hochlehnigen Stuhl, den Niall und dann Valda benutzt hatten und der jetzt von zwei hohen, unheimlich bemalten Schirmen flankiert wurde. Der eine zeigte einen schwarzen Raubvogel mit wei�em Federschopf und grausamem Schnabel, der die wei� ges�umten Schwingen weit ausgebreitet hatte, und der andere eine schwarz gesprenkelte gelbe Katze, die eine Pranke auf ein totes, einem Hirsch �hnliches Tier mit langen, geraden H�rnern und wei�en Streifen gestellt hatte, das nur halb so gro� war wie die Katze.</p><p>Es befanden sich etliche Menschen in dem Raum, aber mehr konnte sie nicht wahrnehmen, bevor eine Frau mit scharf geschnittenem Gesicht in einem blauen Gewand vortrat, die eine Seite des Kopfes rasiert und das �brige Haar zu einem vor ihrer rechten Schulter herabh�ngenden Zopf geflochten. Ihre blauen Augen, die �u�erste Verachtung zeigten, h�tten dem Adler oder der Raubkatze geh�ren k�nnen. �Ihr befindet Euch in Gegenwart der Hohen Dame Suroth, die jene, die zuvor kommen, anf�hrt und die Wiederkehr unterst�tzt�, intonierte sie mit schleppendem Akzent.</p><p>Der hakennasige Offizier packte Morgase ohne Vorwarnung am Nacken und dr�ckte sie neben sich nieder. Benommen, nicht zuletzt weil ihr der Atem geraubt wurde, sah sie ihn den Boden k�ssen.</p><p>�La�t sie los, Elbar�, befahl eine andere Frau. �Die K�nigin von Andor darf nicht so behandelt werden.�</p><p>Der Mann, Elbar, erhob sich auf die Knie und beugte den Kopf. �Ich erniedrige mich, Hohe Dame. Ich bitte um Vergebung.� Seine Stimme war so kalt und tonlos, wie es sein Akzent zulie�.</p><p>�Ich kann Euch dies kaum vergeben, Elbar.� Morgase schaute auf. Suroth �berraschte sie. Ihr Kopf war auf beiden Seiten geschoren, so da� nur ein gl�nzender schwarzer Kamm auf dem Kopf und eine ihren R�cken hinabfallende M�hne geblieben waren. �Vielleicht, wenn Ihr bestraft seid. Und jetzt meldet Euch wieder zur Stelle. La�t mich allein! Geht!� Bei einer entsprechenden Handbewegung blitzten mindestens zweieinhalb Zentimeter lange Fingern�gel auf, von denen die ersten beiden jeder Hand blau gl�nzten.</p><p>Elbar verbeugte sich auf den Knien, erhob sich dann ruhig und verlie� r�ckw�rts den Raum. Morgase erkannte zum ersten Mal, da� keiner der anderen Soldaten ihnen in den Raum gefolgt war. Und sie erkannte noch etwas anderes. Er sah sie noch ein letztes Mal an, bevor er ging, und anstatt aufflammenden Groll gegen�ber dem Menschen zu zeigen, der seine Bestrafung verursacht hatte, wirkte er ... nachdenklich. Es w�rde keine Bestrafung geben. Der gesamte Vorfall war im voraus vereinbart worden.</p><p>Suroth wandte sich j�h zu Morgase um, wobei sie sorgsam ihr blaues Gewand festhielt, damit die schneewei�en, mit Hunderten winziger Falten versehenen R�cke sichtbar blieben. Aufgestickte Reben und �ppig rote und gelbe Blumen breiteten sich �ber das Gewand aus. Aber Morgase bemerkte trotz der j�hen Bewegung, da� die Frau sie nicht eher erreichen w�rde, als bis sie selbst wieder aufgestanden war.</p><p>�Seid Ihr wohlauf?� fragte Suroth. �Wenn Ihr Schaden genommen habt, werde ich seine Bestrafung verdoppeln.�</p><p>Morgase strich �ber ihr Gewand, damit sie das falsche L�cheln nicht ansehen mu�te, das sich nicht bis zu den Augen der Frau fortsetzte. Sie nahm die Gelegenheit wahr, sich in dem Raum umzusehen. Vier M�nner und vier Frauen knieten an einer Wand, alle jung und �beraus gutaussehend, und alle trugen... Sie wandte ruckartig den Blick ab. Diese langen wei�en Gew�nder waren fast durchsichtig! Auf der anderen Seite der Schirme knieten jeweils zwei weitere Frauen, von denen jeweils eine ebenfalls ein graues und eine ein mit Silberpfeilen besticktes blaues Gewand trug, und beide waren ebenfalls von Handgelenk zu Hals durch eine Koppel verbunden, Morgase war nicht nahe genug, um es genau sagen zu k�nnen, aber sie war sich sicher, da� die beiden grau gewandeten Frauen die Macht lenken konnten. �Es geht mir recht gut, dan...� Ein gro�er, r�tlichbrauner Umri� lag auf dem Boden ausgebreitet - ein Haufen gegerbte Kuhh�ute vielleicht. Dann bewegte er sich. �Was ist <emphasis>das?�</emphasis></p><p>Es gelang ihr, nicht den Mund aufzusperren, aber die Frage entschl�pfte ihr dennoch, bevor sie es verhindern konnte.</p><p>�Ihr bewundert meinen Lopar?�� Suroth entfernte sich erheblich schneller, als sie gekommen war. Der gewaltige Umri� hob einen gro�en runden Kopf, damit sie ihn mit einem Kn�chel unter dem Kinn streicheln konnte. Das Wesen erinnerte Morgase an einen B�r, obwohl es gewi� noch um die H�lfte gr��er als der gr��te B�r war, von dem sie je erz�hlen geh�rt hatte, und er war noch dazu unbehaart, hatte keine nennenswerte Schnauze und hohe W�lste um die Augen. �Ich habe Almandaragal als Jungtier zu meinem ersten wahren Namenstag bekommen. Sein erster Versuch, mich zu t�ten, mi�lang ihm noch im gleichen Jahr, als er erst ein Viertel seiner jetzigen Gr��e hatte.� In der Stimme der Frau schwang wahre Zuneigung mit. Der ... <emphasis>Lopar... zog</emphasis> die Lippen zur�ck und zeigte dicke, spitze Z�hne, w�hrend sie ihn streichelte. Er beugte die Vorderpranken, wobei die Krallen an jeweils sechs langen Zehen sichtbar wurden und wieder verschwanden. Und er begann zu schnurren, ein tiefes Rumpeln wie von hundert Katzen.</p><p>�Bemerkenswert�, sagte Morgase matt. Wahrer Namenstag? Wie viele Versuche hatte es noch gegeben, diese Frau zu t�ten, da� sie so beil�ufig von �dem ersten� sprechen konnte?</p><p>Der <emphasis>Lopar</emphasis> wimmerte kurz, als Suroth ihn verlie�, legte sich aber rasch wieder mit dem Kopf auf den Pranken nieder. Sein Blick folgte ihr beunruhigenderweise nicht, sondern ruhte haupts�chlich auf Morgase und zuckte nur hin und wieder zur T�r oder zu den schmalen, wie Schie�scharten aussehenden Fenstern.</p><p>�Aber wie treu der <emphasis>Lopar</emphasis> auch ist, kann er doch mit den <emphasis>Damane</emphasis> nicht mithalten.� Jetzt bemerkte Morgase keine Zuneigung mehr in Suroths Stimme. �Pura und Jinjin k�nnten hundert M�rder t�ten, bevor Almandaragal auch nur einmal geblinzelt h�tte.� Bei der Erw�hnung der beiden Namen zog je eine der blau gewandeten Frauen an ihrer Koppel, und die Frau am anderen Ende beugte sich herab, wie diejenige im Gang es getan hatte. �Wir haben seit unserer R�ckkehr weitaus mehr <emphasis>Damane</emphasis> als zuvor. Dies ist ein reicher Jagdgrund f�r <emphasis>Marath'damane.</emphasis> Pura�, f�gte sie beil�ufig hinzu, �war einst eine ... Frau der Wei�en Burg.�</p><p>Morgases Knie gaben nach. Eine Aes Sedai? Sie betrachtete den gebeugten R�cken der Frau namens Pura und weigerte sich, es zu glauben. Keine Aes Sedai konnte dazu gebracht werden, sich so unterw�rfig zu verhalten. Zudem sollte jede Frau, welche die Macht lenken konnte, nicht nur eine Aes Sedai, imstande sein, diese Koppel zu nehmen und ihren Peiniger zu erw�rgen. Jedermann sollte dazu in der Lage sein. Nein, diese Pura konnte keine Aes Sedai gewesen sein. Morgase fragte sich, ob sie um einen Stuhl bitten durfte. �Das ist sehr ... interessant� Zumindest klang ihre Stimme fest. �Aber ich glaube nicht, da� Ihr mich hergebeten habt, um mit mir �ber Aes Sedai zu sprechen.� Nat�rlich war sie nicht gebeten worden. Suroth sah sie an, und kein Muskel regte sich an ihr, au�er da� die Finger ihrer linken Hand mit den langen Nageln zuckten.</p><p>�Thera!� rief die Frau mit dem scharf geschnittenen Gesicht und dem halb geschorenen Kopf pl�tzlich. �Kaf f�r die Hohe Dame und ihren Gast!�</p><p>Eine der Frauen in den durchscheinenden Gew�ndern, die �lteste, die aber immer noch jung war, sprang anmutig auf. Ihr M�dchenmund lie� sie gereizt erscheinen, aber sie scho� hinter den hohen, mit dem Adler bemalten Schirm und kam nur Momente sp�ter mit einem Silbertablett mit zwei kleinen wei�en Bechern zur�ck. Sie kniete sich geschmeidig vor Suroth und beugte den Kopf, w�hrend sie das Tablett darbot. Morgase sch�ttelte den Kopf. Jede Dienerin in Andor, die aufgefordert w�rde, das zu tun - oder dieses Gewand zu tragen! -, w�re �u�erst aufgebracht davongest�rzt.</p><p>�Wer seid Ihr? Woher kommt Ihr?�</p><p>Suroth nahm einen der Becher mit ihren Fingerspitzen und inhalierte den daraus aufsteigenden Dampf.</p><p>Ihr Nicken war f�r Morgases Geschmack eine �bertriebene Erlaubnis, dennoch nahm sie ebenfalls einen Becher. Ein Schluck, und sie blickte �berrascht in ihr Getr�nk. Schw�rzer als jeder Tee, war die Fl�ssigkeit auch bitterer. Keine wie auch immer bemessene Honigzugabe h�tte sie trinkbar gemacht. Suroth f�hrte ihren eigenen Becher an die Lippen und seufzte erfreut.</p><p>�Wir m�ssen �ber vieles reden, Morgase, aber ich werde mich bei dieser ersten Unterhaltung kurz fassen. Wir Seanchaner sind zur�ckgekehrt, um zu beanspruchen, was uns von den Erben des Hochk�nigs, Artur Paendrag Tanreall, gestohlen wurde.� Die Freude �ber den Kaf in ihrer Stimme wurde zu etwas anderem - Erwartung und auch Genugtuung -, und sie beobachtete Morgases Gesicht genau. Morgase konnte ihren Blick nicht abwenden. �Was uns geh�rte, wird wieder unser sein. In Wahrheit war es das immer. Ein Dieb besitzt nicht. Ich habe die Wiedererlangung in Tarabon begonnen. Viele Adlige dieses Landes haben bereits geschworen zu gehorchen, abzuwarten und zu dienen. Es wird nicht lange dauern, bis alle dies getan haben. Ihr K�nig - ich erinnere mich nicht an seinen Namen - hat sich mir und dem Kristallthron entgegengestellt. H�tte er �berlebt, w�re er gepf�hlt worden. Seine Familie konnte nicht gefunden werden, um sie uns zu eigen zu machen, aber es gibt einen neuen K�nig und einen neuen Panarchen, die der Kaiserin, m�ge sie ewig leben, und dem Kristallthron bereits Treue geschworen haben. Die R�uber werden ausgerottet. Es wird in Tarabon keinen Krieg oder Hunger mehr geben, denn die Menschen werden unter den Schwingen der Kaiserin Schutz suchen. Jetzt beginne ich damit auch in Amadicia. Bald werden alle vor der Kaiserin, m�ge sie ewig leben, der direkten Nachfahrin des gro�en Artur Falkenfl�gel, niederknien.�</p><p>W�re die Dienerin mit dem Tablett nicht gegangen, h�tte Morgase ihren Becher zur�ckgestellt. Die dunkle Oberfl�che des Kaf war unbewegt, aber vieles, was die Frau �u�erte, ergab f�r sie keinen Sinn. Kaiserin? Seanchan? Es hatte vor gut einem Jahr Ger�chte gegeben, da� Artur Falkenfl�gels Heere von jenseits des Aryth-Meers zur�ckgekommen seien, aber nur die Leichtgl�ubigsten h�tten sie wirklich f�r bare M�nze nehmen k�nnen, und sie bezweifelte, da� auch die schlimmsten Klatschm�uler auf den M�rkten sie noch erz�hlten. Konnte es wahr sein? Allerdings gen�gte vollkommen, was sie verstand.</p><p>�Alle ehren den Namen Artur Falkenfl�gels, Suroth...� Die Frau mit dem scharf geschnittenen Gesicht �ffnete ver�rgert den Mund, blieb aber bei der Bewegung eines Fingers mit einem blauen Nagel der Hohen Dame still. �...aber diese Zeit ist l�ngst vergangen. Jede hiesige Nation hat eine lange Abstammung. Kein Land wird sich Euch oder Eurer Kaiserin ergeben. Wenn Ihr einen Teil Tarabons eingenommen habt...� Suroth sog zischend den Atem ein, und ihre Augen glitzerten �...dann bedenkt, da� es ein geplagtes, in sich geteiltes Land ist. Amadicia wird nicht kampflos fallen, und viele Nationen werden ihm zu Hilfe kommen, wenn sie von Euch erfahren.� <emphasis>Konnte</emphasis> es wahr sein? �Wie viele Ihr auch seid - Ihr werdet kein leichtes Spiel haben. Wir haben schon gr��eren Bedrohungen gegen�bergestanden und sie bew�ltigt. Ich rate Euch, Frieden zu schlie�en, bevor Ihr vernichtet werdet.� Morgase erinnerte sich, da� <emphasis>Saidar</emphasis> in der Nacht gew�tet hatte, und vermied es, die ... <emphasis>Damane</emphasis> hatte sie sie genannt? ... anzusehen. Es kostete sie gro�e M�he, sich keine Bl��e zu geben.</p><p>Suroth l�chelte wieder dieses maskenhafte L�cheln, w�hrend ihre Augen wie polierte Steine schimmerten. �Alle m�ssen eine Wahl treffen. Einige werden gehorchen, abwarten und dienen und ihre L�nder im Namen der Kaiserin, m�ge sie ewig leben, regieren.�</p><p>Sie nahm eine Hand von ihrem Becher, um eine Geste zu vollf�hren, eine leichte Bewegung mit den langen Fingern�geln, woraufhin die Frau mit dem scharf geschnittenen Gesicht rief: �Thera! Die Position des Schwans!�</p><p>Suroth pre�te aus einem unbestimmten Grund die Lippen zusammen. �Nicht der Schwan, Alwhin, Ihr blinde N�rrin!� zischte sie leise, obwohl ihr Akzent das Verstehen erschwerte. Dann kehrte das frostige L�cheln augenblicklich zur�ck.</p><p>Die Dienerin erhob sich erneut von ihrem Platz an der Wand und lief auf seltsame Art, auf Zehenspitzen, die Arme zur�ckgenommen, zur Mitte des Raumes. Dann begann sie auf der flammenden goldenen Sonne, dem Symbol der Kinder des Lichts, langsam einen stilisierten Tanz. Sie streckte die Arme aus wie Schwingen und zog sie wieder an den K�rper heran. Sie drehte sich, lie� den linken Fu� vorgleiten und beugte sich �ber das angewinkelte Knie, beide Arme wie flehend ausgestreckt, bis Arme und K�rper und rechtes Bein eine gerade, schr�g verlaufende Linie bildeten. Ihr hauchd�nnes wei�es Gewand lie� ihre gesamte Erscheinung anst��ig wirken. Morgase sp�rte, wie ihr das Blut in die Wangen stieg, w�hrend der Tanz, wenn man es so nennen konnte, fortgef�hrt wurde.</p><p>�Thera ist neu und noch nicht gut dressiert�, murmelte Suroth. �Die Posen werden oft von zehn oder zwanzig <emphasis>Da'covale</emphasis> gleichzeitig ausgef�hrt, M�nner und Frauen, die aufgrund der reinen Klarheit ihrer Linien ausgesucht wurden, aber manchmal ist es angenehm, nur einer zuzusehen. Es ist sehr erfreulich, sch�ne Dinge zu besitzen, nicht wahr?�</p><p>Morgase runzelte die Stirn. Wie konnte jemand einen Menschen besitzen? Suroth hatte schon zuvor davon gesprochen, sich �jemanden zu eigen zu machen�. Sie kannte die Alte Sprache, aber das Wort <emphasis>Da'covale</emphasis> war ihr nicht vertraut, doch wenn sie dar�ber nachdachte, mu�te es �Person, die besessen wird� bedeuten. Es war widerlich. Entsetzlich! �Unglaublich�, sagte sie tonlos, �Vielleicht sollte ich Euch verlassen, damit Ihr den ... Tanz genie�en k�nnt.�</p><p>�Gleich.� Suroth l�chelte der posierenden Thera zu. Morgase vermied es hinzusehen. �Alle m�ssen eine Entscheidung treffen, wie ich bereits sagte. Der alte K�nig von Tarabon erw�hlte es, sich aufzulehnen, und starb. Die alte Panarchin wurde gefangengenommen und verweigerte dennoch den Eid. Jedem von uns ist ein bestimmter Platz zugedacht, es sei denn, wir werden von der Kaiserin erhoben, aber jene, die ihren angemessenen Platz zur�ckweisen, k�nnen niedergeworfen werden und sehr tief sinken. Thera besitzt eine gewisse Anmut. Seltsamerweise zeigt Alwin sich als vielversprechende Lehrerin, so da� ich erwarte, da� Thera innerhalb weniger Jahre lernen wird, die Posen mit ihrer Anmut in Einklang zu bringen.� Nun gew�hrte sie ihr L�cheln und diesen glitzernden Blick Morgase.</p><p>Ein sehr bedeutungsvoller Blick, aber warum? Hatte es etwas mit der T�nzerin zu tun? Ihr Name war so h�ufig erw�hnt worden, als sollte er hervorgehoben werden. Aber was...? Morgase wandte ruckartig den Kopf und sah die andere Frau an, die auf Zehenspitzen stand und sich langsam auf einem Fleck drehte, die H�nde flach zusammengelegt und die Arme so hoch wie m�glich erhoben. �Ich glaube es nicht�, keuchte sie. �Ich kann es nicht glauben!�</p><p>�Thera�, sagte Suroth, �wie lautete dein Name, bevor du mein Besitz wurdest? Welchen Titel hattest du inne?�</p><p>Thera erstarrte in ihrer gestreckten Position, erzitterte und warf panische Blicke zu Alwhin und zu Suroth. �Thera hie� Amathera, wenn es der Hohen Dame beliebt�, sagte sie hastig. �Thera war die Panarchin von Tarabon, wenn es der Hohen Dame beliebt.�</p><p>Morgase lie� ihren Becher fallen, der auf dem Boden zerschmetterte, so da� sich der schwarze Kaf auf die Fliesen ergo�. Es mu�te eine L�ge sein. Sie war Amathera niemals begegnet, aber sie hatte einmal eine Beschreibung geh�rt. Nein. Viele Frauen in entsprechendem Alter konnten gro�e dunkle Augen und einen gereizten Zug um den Mund haben. Pura war niemals eine Aes Sedai gewesen, und diese Frau...</p><p>�Posiert!� fauchte Alwhin, und Thera nahm ihre anmutigen Bewegungen wieder auf, ohne Suroth oder sonst jemandem auch nur noch einen Blick zu g�nnen. Wer auch immer sie war - der vorrangige Gedanke in ihrem Kopf war jetzt der dringende Wunsch, keinen Fehler zu machen. Morgase bem�hte sich sehr, sich nicht zu �bergeben.</p><p>Suroth trat ganz nahe an sie heran, das Gesicht vollkommen kalt. �Alle m�ssen eine Wahl treffen�, sagte sie ruhig und stahlhart. �Einige meiner Gefangenen behaupten, Ihr h�ttet einige Zeit in der Wei�en Burg verbracht. Dem Gesetz nach darf kein <emphasis>Marath'damane</emphasis> der Koppel entkommen, aber ich garantiere Euch, da� Ihr, die Ihr mich eine L�gnerin genannt habt, <emphasis>diesem</emphasis> Schicksal nicht gegen�berstehen werdet.� Ihre Betonung machte recht deutlich, da� dieses Versprechen kein anderes m�gliches Schicksal einschlo�. Das L�cheln, das ihre Augen niemals erreichte, kehrte zur�ck. �Ich hoffe, da� Ihr erw�hlen werdet, den Schwur zu leisten, Morgase, und Andor im Namen der Kaiserin, m�ge sie ewig leben, zu regieren.� Morgase war sich zum erstenmal vollkommen sicher, da� die Frau log. �Ich werde morgen wieder mit Euch sprechen, oder vielleicht �bermorgen, wenn ich Zeit habe.�</p><p>Suroth wandte sich ab und glitt an der einsamen T�nzerin vorbei zu dem hochlehnigen Stuhl. Sie breitete anmutig ihre R�cke aus, w�hrend sie sich hinsetzte und Alwhin erneut schrie: �Alle! Position des Schwans!� Die jungen M�nner und Frauen, die an der Wand entlang knieten, sprangen vor, um sich Thera anzuschlie�en, und nahmen in einer geraden Linie vor Suroths Stuhl ihre Bewegungen auf. Nur der Blick des <emphasis>Lopar</emphasis> bewies noch Morgases Anwesenheit. Sie glaubte nicht, da� sie schon jemals in ihrem Leben so gr�ndlich entlassen worden war. Sie raffte ihre R�cke und nahm all ihre W�rde zusammen und ging.</p><p>Sie ging allerdings nicht weit allein. Die rot und schwarz ger�steten Soldaten standen mit ihren mit roten und schwarzen Quasten versehenen Speeren wie Statuen im Vorraum, die Gesichter in ihren lackierten Helmen unbewegt, w�hrend die harten Augen den Eindruck erweckten, als blickten sie hinter den Kinnbacken gr��licher Insekten hervor. Einer, der nicht viel gr��er war als sie, schlo� sich ihr wortlos an und begleitete sie zu ihren R�umen zur�ck, deren Zugang von zwei Tarabonern mit Schwertern und ebenfalls mit waagerechten Streifen bemalten StahlBrustpanzern flankiert wurde. Sie verbeugten sich tief, die H�nde auf den Knien, und sie dachte, es gesch�he wegen ihr, bis ihr Begleiter zum erstenmal sprach.</p><p>�Genug der Ehre�, sagte er mit barscher, n�chterner Stimme, und die Taraboner richteten sich wieder auf, sahen Morgase aber nicht an, bis er sagte: �Bewacht sie gut. Sie hat den Eid noch nicht geleistet.� Dunkle Augen zuckten �ber Stahlschleiern zu ihr, aber ihre knappen, best�tigenden Verbeugungen galten dem Seanchaner.</p><p>Sie bem�hte sich, nicht zu eilig in ihre R�ume zu fl�chten, aber als sich die T�r hinter ihr geschlossen hatte, lehnte sie sich dagegen und versuchte, ihre umherschwirrenden Gedanken zu ordnen. Seanchaner und <emphasis>Damane,</emphasis> Kaiserinnen und Eide und Menschen, die ein Besitz waren. Lini und Breane standen mitten im Raum und sahen sie an.</p><p>�Was ist geschehen?� fragte Lini geduldig und ungef�hr im gleichen Tonfall, wie sie das Kind Morgase nach einem gelesenen Buch befragt hatte.</p><p>�Alptr�ume und Wahnsinn�, seufzte Morgase. Pl�tzlich richtete sie sich starr auf und sah sich im Raum um, �Wo ist...? Wo sind die M�nner?�</p><p>Breane beantwortete die ungestellte Frage in n�chternsp�ttischem Tonfall. �Tallanvor wollte sehen, was er herausfinden kann.� Sie stemmte die F�uste in die H�ften, und ihre Miene wurde todernst. �Lamgwin ist mit ihm gegangen, und Meister Gill ebenfalls. Was habt <emphasis>Ihr</emphasis> herausgefunden? Wer sind diese ... <emphasis>Seanchaner?�</emphasis> Sie sprach den Namen merkw�rdig aus und runzelte dabei die Stirn. �Soviel haben wir schon selbst geh�rt.� Sie gab vor, Linis scharfen Blick nicht zu bemerken. �Was sollen wir jetzt tun, Morgase?�</p><p>Morgase trat zwischen den Frauen hindurch zum n�chstgelegenen Fenster. Es war nicht so schmal wie jene im Empfangsraum und f�hrte auf den zwanzig Fu� oder noch tiefer gelegenen gepflasterten Hof hinaus. Eine mutlose Kolonne kahlk�pfiger, wirrer Menschen, von denen einige blutbefleckte Verb�nde trugen, schlurften unter den wachsamen Blicken von mit Speeren bewaffneten Tarabonern �ber den Hof. Mehrere Seanchaner standen auf einem nahe gelegenen Turm und sp�hten zwischen den Zinnen hindurch in die Ferne. Einer trug einen mit drei schmalen Federn geschm�ckten Helm. Eine Frau erschien an einem Fenster auf der anderen Seite des Hofs, die mit einem Lichtblitz bestickte rote Applikation deutlich auf der Brust, und beobachtete die Wei�m�ntelGefangenen stirnrunzelnd. Die dahinstolpernden M�nner wirkten benommen als k�nnten sie nicht glauben, was geschehen war.</p><p>Was sollten sie tun? Eine Entscheidung, die Morgase f�rchtete. Es schien, als h�tte sie seit Monaten keine wichtige Entscheidung mehr getroffen, die nicht ins Ungl�ck gef�hrt h�tte. Eine Wahl, hatte Suroth gesagt. Hilf diesen Seanchanern, Andor einzunehmen, oder... Ein letzter Dienst, den sie Andor erweisen konnte. Das Ende der Kolonne erschien, gefolgt von weiteren Tarabonern, denen sich ihre Landsleute anschlossen, an denen sie vor�bergingen. Ein zwanzig Fu� tiefer Fall, und Suroth verlor ihr moralisches Druckmittel. Vielleicht war es der Ausweg eines Feiglings, aber sie hatte sich bereits als solcher erwiesen. Dennoch sollte die K�nigin von Andor nicht so sterben.</p><p>Sie sprach leise die unwiderruflichen Worte, die in der tausendj�hrigen Geschichte Andors erst zweimal zuvor gebraucht worden waren. �Unter dem Licht �berlasse ich den Hochsitz des Hauses Trakand Elayne Trakand. Unter dem Licht entsage ich der Rosenkrone und verzichte zugunsten Elaynes, dem Hochsitz des Hauses Trakand, auf den Thron. Unter dem Licht unterwerfe ich mich dem Willen Elaynes von Andor als ihre gehorsame Untertanin.� Nichts von alledem machte Elayne nat�rlich zur K�nigin, aber es ebnete den Weg.</p><p>�Wor�ber l�chelt Ihr?� fragte Lini.</p><p>Morgase wandte sich langsam um. �Ich dachte an Elayne.� Sie glaubte nicht, da� ihre alte Amme nahe genug gestanden hatte, um h�ren zu k�nnen, was wirklich niemand zu h�ren brauchte.</p><p>Linis Pupillen weiteten sich jedoch, und sie hielt den Atem an. �Ihr kommt augenblicklich von dort fort!� fauchte sie und lie� den Worten Taten folgen, indem sie Morgases Arm ergriff und sie vom Fenster fortzog.</p><p>�Lini, Ihr verge�t Euch! Ihr seid schon seit langer Zeit nicht mehr meine Amme...!� Morgase atmete tief durch und bes�nftigte ihre Stimme. Es war nicht leicht, diesem furchtsamen Blick <emphasis>zu</emphasis> begegnen, denn sonst erschreckte Lini nichts. �Ich tue nur das, was zum Besten Andors ist, glaubt mir�, belehrte sie die beiden sanft. �Es gibt keine andere M�glichkeit...�</p><p>�Keine andere M�glichkeit?� unterbrach Breane sie ver�rgert und umklammerte ihre R�cke so fest, da� ihre H�nde zitterten. Sie h�tte sie eindeutig lieber um Morgases Kehle gelegt. �Welch t�richten Unsinn gebt Ihr jetzt von Euch? Was ist, wenn diese Seanchaner denken, wir h�tten Euch get�tet?� Morgase pre�te die Lippen zusammen. War sie inzwischen so leicht zu durchschauen?</p><p>�Schweigt, Frau!� Lini wurde sonst niemals �rgerlich oder erhob ihre Stimme, aber jetzt tat sie beides. Sie hob eine knochige Hand. �Ihr haltet den Mund, sonst schlage ich Euch, bis Ihr noch einf�ltiger seid als jetzt!�</p><p>�Schlagt <emphasis>sie,</emphasis> wenn Ihr jemanden schlagen wollt!� schrie Breane wild zur�ck. <emphasis>�K�nigin</emphasis> Morgase! Sie wird Euch und mich und meinen Lamgwin an den Galgen bringen, und ihren kostbaren Tallanvor ebenfalls, weil sie den Mut einer <emphasis>Maus</emphasis> hat!�</p><p>Die T�r �ffnete sich; Tallanvor trat ein und beendete damit den Streit. Niemand w�rde in seiner Gegenwart schreien. Lini gab vor, Morgases �rmel zu betrachten, als m�sse er ausgebessert werden, w�hrend Meister Gill und Lamgwin Tallanvor in den Raum folgten. Breane setzte ein strahlendes L�cheln auf und gl�ttete ihre R�cke. Die M�nner merkten nat�rlich nichts.</p><p>Morgase merkte viel. Tallanvor hatte ein Schwert umgeschnallt, und Meister Gill und sogar Lamgwin ebenfalls, obwohl seines ein Kurzschwert war. Sie hatte stets das Gef�hl gehabt, da� er sich wohler f�hlte, wenn er die Gelegenheit hatte, sich mit F�usten anstatt mit einer Waffe zu verteidigen. Bevor sie fragen konnte, schlo� der d�nne Mann, der als letzter hereinkam, sorgf�ltig die T�r hinter sich.</p><p>�Majest�t�, sagte Sebban Balwer, �verzeiht unser Eindringen.� Seine Verbeugung und sein L�cheln schienen n�chtern und korrekt, aber als sein Blick von ihr zu den anderen Frauen zuckte, war sich Morgase sicher, da� Pedron Nialls ehemaliger Sekret�r die Stimmung im Raum bemerkte, auch wenn das f�r die anderen nicht galt.</p><p>�Es �berrascht mich, Euch zu sehen, Meister Balwer�, sagte sie. �Wie ich h�rte, gab es einige Unerfreulichkeiten mit Eamon Valda.� Tats�chlich war ihr zu Ohren gekommen, da� Valda gesagt h�tte, wenn er Balwer s�he, w�rde er ihn bis zu den Festungsw�llen treten. Balwers L�cheln wurde starr. Er wu�te, was Valda gesagt hatte.</p><p>�Er plant, uns alle hier herauszubringen�, schaltete sich Tallanvor ein. �Heute noch. Jetzt.� Sein Blick war nicht der des Untertans einer K�nigin. �Wir nehmen sein Angebot an.�</p><p>�Wie?� fragte sie z�gernd und bem�hte sich, aufrecht stehen zu bleiben. Welche Hilfe konnte dieser zimperliche kleine Mann ihnen bieten? Flucht. Sie h�tte sich sehr gern hingesetzt, aber sie w�rde es nicht tun, nicht, wenn Tallanvor sie auf diese Weise ansah. Nat�rlich war sie jetzt nicht mehr seine K�nigin, aber das wu�te er nicht. Eine weitere Frage tauchte auf. �Und warum? Meister Balwer, ich werde kein ehrliches Hilfsangebot ablehnen, aber warum wollt Ihr Euer Leben aufs Spiel setzen? Diese Seanchaner werden es Euch b��en lassen, wenn sie es herausfinden sollten.�</p><p>�Ich hatte meine Pl�ne schon geschmiedet, bevor sie kamen�, sagte er z�gernd. �Es schien ... unklug ... die K�nigin von Andor in Valdas H�nden zu belassen. Betrachtet es als meine Art, es ihm heimzuzahlen. Ich wei�, ich stelle nicht viel dar, Majest�t...� Er verbarg ein Husten hinter vorgehaltener Hand, �...aber der Plan ist ausgezeichnet. Diese Seanchaner erleichtern ihn sogar noch. Ich w�re ohne sie erst Tage sp�ter fertig gewesen. Sie gew�hren jedermann, der bereit ist, den Eid zu leisten, f�r eine neu eroberte Stadt erstaunlich viele Freiheiten. Bereits eine Stunde nach Sonnenaufgang erhielt ich einen Pa�, der es mir und bis zu zehn anderen, die den Eid geleistet haben, erlaubt, Amador zu verlassen. Sie glauben, ich beabsichtigte, im Osten Wein und Wagen zum Transport einzukaufen.�</p><p>�Es mu� eine Falle sein.� Die Worte schmeckten bitter. Besser das Fenster, als in irgendeine Falle zu tappen. �Sie w�rden nicht zulassen, da� Ihr die Nachricht ihrer Anwesenheit ihrem Heer voraustragt.�</p><p>Baiwer legte den Kopf auf eine Seite und begann seine H�nde zu kneten, hielt aber dann j�h inne. �Das habe ich bedacht, Majest�t. Der Offizier, der mir den Pa� aush�ndigte, sagte, es sei ohne Belang. Seine genauen Worte lauteten: �Erz�hlt, wem Ihr wollt, was Ihr gesehen habt, und la�t sie wissen, da� sie uns nicht trotzen k�nnen. Eure L�nder werden es ohnehin nur zu bald erfahren.� Ich habe heute morgen mehrere H�ndler den Eid leisten und mit ihren Wagen aufbrechen sehen.�</p><p>Tallanvor trat nahe an sie heran. Zu nahe. Sie konnte fast seinen Atem, seinen Blick sp�ren. �Wir nehmen sein Angebot an�, sagte er, nur f�r sie h�rbar. �Und wenn ich Euch fesseln und knebeln mu� - ich glaube, er kann selbst dann einen Weg finden. Er scheint ein sehr findiger kleiner Bursche zu sein.�</p><p>Sie erwiderte seinen Blick fest. Das Fenster oder ... ein Hoffnungsschimmer. Wenn Tallanvor nur den Mund halten w�rde, w�re es viel leichter zu sagen: �Ich nehme Euer Angebot dankbar an, Meister Balwer�, aber sie sagte es. Sie trat von Tallanvor fort, als wollte sie Balwer sehen, ohne den Kopf recken zu m�ssen. Es beunruhigte sie stets, ihm so nahe zu sein. Er war zu jung. �Was werden wir zuerst tun? Ich bezweifle, da� die W�chter vor der T�r Euren Pa� auch f�r uns gelten lassen.�</p><p>Balwer beugte den Kopf, wie in Anerkennung ihrer Voraussicht. �Ich f�rchte, sie m�ssen sich den Umst�nden anpassen, Majest�t.� Tallanvor lockerte seinen Dolch in der Scheide, und Lamgwin streckte die H�nde, wie der <emphasis>Lopar</emphasis> seine Krallen gestreckt hatte.</p><p>Sie glaubte nicht, da� es so leicht sein konnte, selbst nachdem sie gepackt hatten, was sie tragen konnten, und die beiden Taraboner �berw�ltigt und unter ihr Bett verfrachtet hatten. An den Haupttoren, den leinenen Staubmantel wegen des B�ndels auf ihrem R�cken unbeholfen zuhaltend, verbeugte sie sich, die H�nde auf den Knien, wie Balwer es ihr gezeigt hatte, w�hrend er den W�chtern sagte, sie h�tten alle zu gehorchen, abzuwarten und zu dienen geschworen. Sie �berlegte, wie sie sicherstellen k�nnte, da� sie nicht lebendig gefangengenommen w�rde. Erst als sie tats�chlich an den letzten Wachen vorbei auf den Pferden aus Amador hinaus ritten, die Balwer hatte bereithalten lassen, begann sie es zu glauben. Nat�rlich erwartete Balwer eine angemessene Belohnung f�r die Rettung der K�nigin von Andor. Sie hatte niemandem gesagt, da� sie dem Thron unwiderruflich entsagt hatte. Sie wu�te, da� sie die Worte ausgesprochen hatte, und sonst brauchte es niemand zu wissen. Es war sinnlos, sie zu bereuen. Jetzt w�rde sie abwarten, welche Art Leben sie ohne einen Thron f�hren k�nnte. Ein Leben weit entfernt von einem Mann, der viel zu jung und viel zu beunruhigend war.</p><p>�Warum wirkt Euer L�cheln so traurig?� fragte Uni, w�hrend sie ihre braune Stute n�her an Morgase heranf�hrte. Das Tier wirkte mottenzerfressen. Morgases Kastanienbrauner war in keinem besseren Zustand, ebensowenig wie auch die anderen Pferde. Die Seanchaner hatten Balwer vielleicht bereitwillig mit seinem Pa� gehen lassen, nicht aber mit anst�ndigen Pferden.</p><p>�Vor uns liegt noch ein langer Weg�, belehrte Morgase sie, trieb ihre Stute zu einem Trab an und folgte Tallanvor.</p></section><section><title><p>27</p><p>Allein sein</p></title><p>Perrin steckte das Heft seiner Streitaxt gegen�ber dem K�cher durch die Schlaufe an seinem G�rtel, nahm seinen Langbogen aus der Ecke, schlang sich die Satteltaschen �ber die Schulter und verlie� die R�ume, die er mit Faile geteilt hatte, ohne einen Blick zur�ck zu werfen. Sie waren hier gl�cklich gewesen -die meiste Zeit. Er glaubte nicht, da� er jemals zur�ckk�me. Manchmal fragte er sich, ob gl�ckliche Stunden mit Faile an einem Ort bedeuteten, da� er niemals dorthin zur�ckkehren w�rde. Er hoffte es nicht.</p><p>Die Diener, die ihm in den Palastg�ngen begegneten, trugen tiefschwarze Livreen. Vielleicht hatte Rand das angeordnet, aber vielleicht hatten die Diener es auch einfach selbst �bernommen. Sie hatten sich ohne Livree unwohl gef�hlt, als w��ten sie nicht, wohin sie geh�rten, und Schwarz schien wegen der Asha'man als Rands Farbe sicher. Jene, die Perrin erblickten, eilten so schnell wie m�glich von dannen, ohne sich die Zeit f�r Verbeugungen oder Hofknickse zu lassen. Angstgeruch folgte ihnen.</p><p>Dieses eine Mal hatten seine gelben Augen nichts damit zu tun, da� alle ihn f�rchteten. Es war vielleicht nicht ratsam, sich in der N�he eines Mannes aufzuhalten, den der Wiedergeborene Drache heute morgen �ffentlich mit seinem Zorn �bersch�ttet hatte. Perrin lockerte seine Schulter unter den Satteltaschen. Es war eine geraume Weile vergangen, bis ihn jemand aufgesp�rt und erwischt hatte. Nat�rlich hatte es auch niemand zuvor mit der Macht versucht Besonders eine Erinnerung verfolgte ihn.</p><p><emphasis>Er stie� sich hoch, hielt seine Schulter und richtete den R�cken an der eckigen S�ule auf, die seine Flucht aufgehalten hatte. Er glaubte, sich vielleicht einige Rippen gebrochen zu haben. Rund um die Gro�e Halle der Sonne versuchten verschiedene Adlige, die wegen der einen oder anderen Sache bei Rand vorsprechen wollten, ihn nicht anzusehen und vorzugeben, nicht da zu sein. Nur Dobraine beobachtete ihn und sch�ttelte seinen grauen Kopf, w�hrend Perrin den Thronsaal durchschritt.</emphasis></p><p><emphasis>�Ich werde mit den Aes Sedai umspringen, wie ich es will!� schrie Rand. �H�rst du mich, Perrin? Wie ich es will!�</emphasis></p><p><emphasis>�Du hast sie gerade den Weisen Frauen ausgeliefert�, grollte er als Erwiderung und stie� sich von der S�ule ab. �Du wei�t nicht, ob sie auf Seide schlafen oder ihre Kehlen durchschnitten wurden! Du bist nicht der Sch�pfer!�</emphasis></p><p><emphasis>Rand warf mit w�tendem Knurren den Kopf zur�ck. �Ich bin der Wiedergeborene Drache!� schrie er. �Es k�mmert mich nicht, wie sie behandelt werden! Sie verdienen den Kerker!� Perrin regte sich unbehaglich, als Rands Blick von der gew�lbten Decke ablie�. Blaues Eis w�re daneben warm und sanft gewesen, um so mehr, da Rand aus einem von Qual verzerrten Gesicht zu ihm blickte. �Geh mir aus den Augen, Perrin. H�rst du mich? Verlasse Cairhien! Heute! Jetzt! Ich will dich niemals Wiedersehen!� Er machte auf dem Absatz kehrt und schritt davon, w�hrend die Adligen sich fast auf den Boden warfen, als er vor�berging.</emphasis></p><p><emphasis>Perrin wischte sich etwas Blut vom Mundwinkel. Er war sich eben noch sicher gewesen, da� Rand ihn t�ten w�rde.</emphasis></p><p>Er sch�ttelte den Kopf, um sich von diesem Gedanken zu befreien, umrundete eine Biegung und prallte fast gegen Loial. Der Ogier, der ein gro�es B�ndel auf den R�cken gebunden und eine ausreichend gro�e Tasche �ber die Schulter geschlungen hatte, da� ein Schaf hineingepa�t h�tte, benutzte seine Streitaxt als Spazierstock. Die ger�umigen Taschen seiner Jacke waren von B�chern ausgeheult.</p><p>Loials Pinselohren richteten sich bei Perrins Anblick auf und erschlafften dann j�h wieder. Sein ganzes Gesicht erschlaffte, wobei seine Augenbrauen bis auf die Wangen reichten. �Ich habe es geh�rt, Perrin�, dr�hnte er traurig. �Das h�tte Rand nicht tun sollen. �berst�rzte Worte bewirken lang anhaltenden Kummer. Ich wei�, da� er noch mal dar�ber nachdenken wird. Morgen vielleicht.�</p><p>�Es ist schon in Ordnung�, erwiderte Perrin.</p><p>�Cairhien ist zu ... vornehm ... f�r mich ohnehin. Ich bin Schmied, kein H�fling. Morgen werde ich schon weit fort sein.�</p><p>�Du und Faile k�nntet mit mir kommen. Karldin und ich wollen alle <emphasis>Stedding</emphasis> durch die Wegetore aufsuchen, Perrin.� Ein hellhaariger Bursche mit einem schmalen Gesicht, der hinter Loial stand, wandte sich mit einem Stirnrunzeln von Perrin zu Loial. Er hatte ebenfalls eine Tasche und ein B�ndel bei sich und trug zudem ein Schwert an der H�fte. Perrin erkannte, trotz der blauen Jacke, einen der Asha'man. Karldin wirkte nicht erfreut, als er Perrin sah. Au�erdem roch er kalt und ver�rgert. Loial sp�hte den Gang hinter Perrin hinab. �Wo ist Faile?�</p><p>�Sie ist... Wir treffen uns in den St�llen. Wir haben uns gestritten.� Das war die schlichte Wahrheit. Faile schien es manchmal zu <emphasis>lieben</emphasis> herumzuschreien. Er d�mpfte seine Stimme. �Loial, ich w�rde nicht dort dar�ber reden, wo jedermann es h�ren k�nnte. Ich meine, �ber die Wegetore.�</p><p>Loial schnaubte ausreichend heftig, da� sich selbst ein Stier erschrocken h�tte, aber er d�mpfte seine Stimme ebenfalls. �Ich sehe niemanden au�er uns�, polterte er. Niemand, der weiter als zwei oder drei Schritte hinter Karldin gestanden h�tte, h�tte ihn noch h�ren k�nnen. Seine Ohren ... peitschten, das war das einzig passende Wort, und er legte sie ver�rgert an. �Jedermann hat Angst, in deiner N�he gesehen zu werden. Und das nach allem, was du f�r Rand getan hast.�</p><p>Karldin zog Loial am �rmel. �Wir m�ssen gehen�, sagte er und sah Perrin an. Jeder, den der Wiedergeborene Drache zur Rechenschaft zog, geh�rte, soweit es ihn betraf, nicht in die Tore. Perrin fragte sich, ob er gerade jetzt die Macht umarmte.</p><p>�Ja, ja�, murmelte Loial und winkte mit seiner gro�en Hand ab, st�tzte sich dann aber auf seine Streitaxt und runzelte nachdenklich die Stirn. �Das gef�llt mir nicht, Perrin. Rand jagt dich davon. Und mich schickt er auch fort. Wie ich mein Buch beenden soll...� Seine Ohren zuckten, und er hustete. �Dich, mich, und nur das Licht wei�, wo sich Mat befindet. Min wird er als n�chste fortschicken. Er hat sich heute morgen vor ihr verborgen gehalten. Er hat mich vorgeschickt, um ihr zu sagen, er sei nicht da. Ich glaube, sie wu�te, da� ich log. Er wird allein sein, Perrin. �Es ist schrecklich, allein zu sein.� Das hat er zu mir gesagt. Er plant, alle seine Freunde fortzuschicken.�</p><p>�Das Rad webt, wie das Rad es w�nscht�, sagte Perrin. Loial blinzelte bei diesem Echo Moiraines. Perrin hatte in letzter Zeit h�ufig an sie gedacht. Sie hatte immer weniger Einflu� auf Rand. �Leb wohl, Loial. Pa� auf dich auf, und vertraue niemandem, dem du nicht vertrauen mu�t.� Er sah Karldin nicht an.</p><p>�Das meinst du doch nicht so, Perrin.� Loial klang entsetzt. Er schien jedermann zu vertrauen. �Das kann nicht sein. Kommt mit mir, du und Faile.�</p><p>�Wir werden uns eines Tages Wiedersehen�, sagte Perrin sanft und eilte an ihm vorbei, bevor er noch mehr sagen mu�te. Er log nicht gern, besonders nicht einem Freund gegen�ber.</p><p>Im Nordstall standen die Dinge �hnlich wie im Palast. Stallburschen sahen ihn hereinkommen, lie�en Mistgabeln und Pferdestriegel fallen und dr�ngten sich durch schmale T�ren an der R�ckseite des Stalls hinaus. Rascheln auf dem Heuboden �ber ihm, das jemand anderer vielleicht nicht geh�rt h�tte, verriet ihm, da� sich auch dort Menschen verbargen. Er konnte beunruhigtes, �ngstliches Atmen h�ren. Er f�hrte Traber aus einer gr�n gestreiften <emphasis>Box,</emphasis> legte ihm das Zaumzeug an und band ihn an einem Trensenring fest. Dann holte er Zaumzeug und Sattel aus der Sattelkammer, in der die H�lfte aller S�ttel silberoder goldverziert waren. Der Stall pa�te mit seinen reich verzierten Balken sehr gut zu einem Palast, und Perrin war froh, der Pracht den R�cken kehren zu k�nnen.</p><p>N�rdlich der Stadt folgte er der Stra�e, die er erst vor wenigen Tagen so verzweifelt mit Rand herabgekommen war, und ritt, bis die h�gelige Landschaft Cairhien verbarg. Dann wandte er sich nach Osten, wo noch ein ansehnlicher Wald geblieben war, ritt einen hohen H�gel hinab und �ber den n�chsten, noch h�heren, hinweg. Unmittelbar hinter der Waldgrenze trieb Faile ihre Stute Schwalbe zu ihm, w�hrend Aram ihr auf seinem Pferd wie ein Hund folgte. Aram strahlte bei Perrins Anblick, obwohl das nicht viel bedeutete. Er teilte seine treuen Hundeblicke einfach zwischen ihm und Faile auf.</p><p>�Mein Ehemann�, sagte sie nicht allzu k�hl, aber rasiermesserscharfer Zorn und dornige Eifersucht durchdrangen den sauberen Geruch ihres K�rpers und ihrer Kr�uterseife noch immer. Sie trug Reisekleidung, ein d�nner Staubmantel hing ihren R�cken herab, und rote, zu ihren Stiefeln passende Handschuhe sahen unter den dunklen, engen Reitr�cken hervor, die sie bevorzugte. Immerhin vier Dolche staken an ihrem G�rtel.</p><p>Hinter ihr kamen Bain und Chiad heran sowie Sulin mit einem Dutzend weiterer T�chter des Speers. Perrin w�lbte die Augenbrauen. Er fragte sich, was Gaul davon hielt. Der Aiel hatte gesagt, er freue sich darauf, Bain und Chiad allein zu erwischen. Aber Failes andere Begleiter waren eine noch gr��ere �berraschung.</p><p>�Was tun sie hier?� Er deutete mit dem Kopf auf eine kleine Gruppe Reiter, die ihre Pferde zur�ckhielten. Er erkannte Selande und Camaille und die gro�e Tairenerin, alle noch immer in M�nnerkleidung und mit Schwertern. Der gedrungene Bursche in einer Jacke mit weiten �rmeln, der seinen Bart �lte und spitz formte, wirkte, obwohl er sein Haar mit einem Band zur�ckgenommen trug, ebenfalls vertraut. Die anderen beiden M�nner, beide Cairhiener, kannte Perrin nicht, aber er konnte anhand ihrer Jugend und des Bandes, das ihr Haar hielt, vermuten, da� sie zu Selandes �Gesellschaft� geh�rten.</p><p>�Ich habe Selande und einige ihrer Freunde in meinen Dienst genommen.� Faile sprach leichthin, aber sie gab pl�tzlich unklare, warnende Schwingungen ab. �Sie h�tten sich in der Stadt fr�her oder sp�ter in Schwierigkeiten gebracht. Sie brauchen jemanden, der ihnen die Richtung weist. Betrachte es als gutes Werk. Ich werde Sorge tragen, da� sie dich nicht st�ren.�</p><p>Perrin seufzte und kratzte sich den Bart. Ein weiser Mann sagte seiner Frau nicht ins Gesicht, da� sie etwas vor ihm verbarg. Besonders wenn diese Frau Faile war. Sie w�rde genauso schrecklich werden wie ihre Mutter. Wenn sie es nicht bereits war. Ihn nicht st�ren? Wie viele dieser ... jungen Leute hatte sie aufgenommen? �Ist alles bereit? Schon bald wird irgendein Dummkopf in der Stadt beschlie�en, er k�nne sich Gunst erschleichen, indem er Rand meinen Kopf bringt. Ich w�re gern vorher fort.� Aram brummte leise.</p><p>�Niemand wird dir deinen Kopf nehmen, mein Ehemann.� Faile l�chelte und fuhr in einem Fl�sterton fort, den nur er verstehen konnte. �Au�er mir vielleicht.� Dann sagte sie in normaler Lautst�rke: �Alles ist bereit.�</p><p>In einer Mulde jenseits des Waldes warteten die Leute aus den Zwei Fl�ssen neben ihren Pferden in einer Zweierkolonne, die sich seitlich um den H�gel au�er Sicht wand. Perrin seufzte erneut. Das rote Wolfskopf-Banner und der Rote Adler von Manetheren flatterten an der Spitze der Kolonne leicht in einem hei�en Wind. Weitere, vielleicht ein Dutzend T�chter des Speers kauerten in der N�he der Banner auf ihren Fersen. Auf der anderen Seite zeigte Gaul einen f�r einen Aiel ungew�hnlich m�rrischen Gesichtsausdruck.</p><p>Als Perrin abstieg, kamen zwei M�nner in schwarzen Jacken zu ihm und salutierten mit einer auf die Brust gepre�ten Faust. �Lord Perrin�, sagte Jur Grady. �Wir sind schon seit gestern abend hier. Wir sind bereit.�</p><p>Gradys wettergegerbtes Bauerngesicht lie� Perrin sich in seiner Gegenwart fast wohl f�hlen, aber Fager Neald war eine andere Sache. Er war vielleicht zehn Jahre j�nger als Grady und h�tte nach allem, was Perrin wu�te, ebenfalls ein Bauer sein k�nnen, aber er gab sich gern als mehr aus und trug seinen k�mmerlichen Schnurrbart gewachst und ann�hernd spitz. Wo Grady ein Geweihter war, war er ein Soldat, ohne das an seinen Kragen gesteckte Silberschwert, aber das hielt ihn nicht davon ab, die Stimme zu erheben. �Lord Perrin, ist es wirklich n�tig, die Frauen mitzunehmen? Sie werden uns nur Schwierigkeiten machen, sie alle, und das wi�t Ihr nur zu gut.�</p><p>Einige der Frauen, von denen er sprach, standen nicht weit von den Leuten aus den Zwei Fl�ssen entfernt, die Stolen �ber ihre Arme geschlungen. Edarra schien die �lteste der sechs Weisen Frauen zu sein. Sie beobachtete unbewegt die beiden Frauen, auf die Neald mit einer Kopfbewegung gedeutet hatte. Tats�chlich beunruhigten die beiden Perrin ebenfalls. Seonid Traighan, ganz reservierte K�hle in gr�ner Seide, hatte hochm�tig versucht, die Aielfrauen zu ignorieren - die meisten Cairhiener, die nicht vorgaben, Aiel zu sein, verachteten diese -, aber als sie Perrin sah, wechselte sie die Z�gel ihres Kastanienbraunen in die andere Hand und stie� Masuri Sokawa in die Rippen. Masuri Duckte zusammen - Braune schienen sich h�ufig in Tagtr�umen zu verlieren -, sah die Gr�ne Schwester ausdruckslos an und richtete ihren Blick dann auf Perrin. Sie h�tte ihn eher einem seltsamen und vielleicht gef�hrlichen Tier gew�hren k�nnen, eines, bei dem sie Gewi�heit haben wollte, bevor sie sich abwandte. Sie hatten geschworen, Rand al'Thor zu gehorchen, aber inwieweit w�rden sie Perrin Aybara folgen? Es schien unnat�rlich, Aes Sedai Befehle zu erteilen. Aber es war immer noch besser als umgekehrt.</p><p>�Alle kommen mit�, sagte Perrin. �Und wir sollten aufbrechen, bevor wir gesehen werden.� Faile r�mpfte die Nase.</p><p>Crady und Neald salutierten erneut und traten dann zur Mitte der freien Fl�che. Perrin wu�te nicht, wer von beiden das Notwendige tat, aber pl�tzlich drehte sich der jetzt vertraute senkrechte Silberblitz in der Luft, bis er zu einem Wegetor wurde, das kaum hoch genug war, da� man h�tte hindurch reiten k�nnen. Jenseits der �ffnung waren B�ume zu sehen, die sich nicht sehr von denjenigen auf den umgebenden H�geln unterschieden. Grady schritt sofort hindurch, wurde aber fast von Sulin und einer kleinen Horde verschleierter T�chter des Speers �berrannt. Sie hatten die Ehre, als erste durch das Wegetor zu gehen, anscheinend f�r sich reserviert und wollten sie sich von niemandem nehmen lassen.</p><p>Perrin sah hundert Probleme voraus, an die er nicht gedacht hatte, w�hrend er Traber durch das Wegetor in eine weniger h�gelige Landschaft f�hrte. Hier war keine Lichtung, aber die Stelle war auch nicht so dicht mit B�umen bewachsen wie der Wald in Cairhien; die vereinzelten B�ume waren h�her, aber genauso verdorrt. Er erkannte nur die Eichen und Lederblattb�ume. Die Luft schien ein wenig hei�er zu sein.</p><p>Faile folgte ihm, aber als er sich nach links umwandte, f�hrte sie Schwalbe auf seine rechte Seite. Aram blickte sorgenvoll zwischen ihnen hin und her, bis Perrin mit dem Kopf auf seine Frau deutete. Der ehemalige Kesselflicker zog seinen Wallach hinter ihr her, aber so schnell er auch reagierte, war er doch nicht schneller als Bain und Chiad, die noch immer verschleiert waren. Trotz aller Befehle Perrins, da� die Leute aus den Zwei Fl�ssen als n�chste kommen sollten, drangen jetzt Selande und gut zwei Dutzend junge Cairhiener und Tairener aus dem Wegetor, die ihre Pferde ebenfalls hinter sich herzogen. Zwei Dutzend! Perrin blieb kopfsch�ttelnd neben Grady stehen, der sich hierhin und dorthin wandte und das karge Waldgebiet betrachtete.</p><p>Gaul schritt heran, w�hrend Dannil die Leute aus den Zwei Fl�ssen schlie�lich im Laufschritt durch das Tor brachte, die ihre Pferde ebenfalls f�hrten. Diese verdammten Banner tauchten unmittelbar hinter Dannil auf und wurden gehi�t, sobald sie durch das Wegetor gelangt waren. Der Mann h�tte sich diesen t�richten Schnurrbart abrasieren sollen.</p><p>�Die Frauen sind unglaublich�, murrte Gaul.</p><p>Perrin �ffnete den Mund, um Faile zu verteidigen, bevor er erkannte, da� der Mann Bain und Chiad gemeint haben mu�te. Um es zu �berspielen, sagte er: �Habt Ihr eine Frau, Grady?�</p><p>�Sora�, antwortete Grady wie abwesend, seine Aufmerksamkeit noch immer auf die umgebenden B�ume gerichtet. Perrin h�tte gewettet, da� er jetzt bestimmt die Macht umarmte. Jedermann konnte in diesem Wald - im Vergleich zu den heimischen W�ldern - weit sehen, aber es konnte sich immer noch jemand anschleichen. �Sie vermi�t mich�, fuhr Grady wie zu sich selbst fort. �Das lernt man gleich zu erkennen. Ich w�nschte jedoch, ich w��te, warum ihr Knie schmerzt.�</p><p>�Ihr Knie schmerzt�, sagte Perrin tonlos. �Gerade jetzt schmerzt es.�</p><p>Grady merkte anscheinend pl�tzlich, da� er vor sich hinstarrte, und Gaul ebenfalls. Er blinzelte, nahm seine Betrachtung aber dann sofort wieder auf. �Verzeiht, Lord Perrin. Ich mu� aufpassen.� Er schwieg einen langen Moment und sagte dann z�gernd: �Ein Bursche namens Canler hat das herausgefunden. Der M'Hael mag es nicht, wenn wir Dinge allein herauszufinden versuchen, aber wenn es erst geschehen ist...� Sein unmerklich verzerrtes Gesicht besagte, da� Taim es wohl selbst dann nicht so leicht genommen hatte. �Wir glauben, es k�nnte vielleicht etwas �hnliches wie der Bund zwischen Bch�tcrn und Aes Sedai sein. Nur etwa einer unter dreien von uns ist verheiratet. Wie dem auch sei, dadurch blieben viele Ehefrauen, anstatt davonzulaufen, als sie erfuhren, wer ihre Ehem�nner waren. Daher wi�t Ihr, wenn Ihr fort seid, da� es ihr gutgeht, und sie wei�, da� es Euch gutgeht. Ein Mann wei� gern, da� seine Frau in Sicherheit ist.�</p><p>�In der Tat�, erwiderte Perrin. Was wollte Faile mit diesen Narren? Sie war jetzt aufgesessen, und sie standen alle dicht um sie herum und schauten zu ihr auf. Er w�rde es ihr durchaus zutrauen, selbst in diesen <emphasis>Ji'e'toh</emphasis>-Unsinn einzutauchen.</p><p>Seonid und Masuri glitten mit den drei Beh�tern zwischen sich hinter den letzten der M�nner aus den Zwei Fl�ssen heran und die Weisen Frauen wiederum unmittelbar hinter ihnen, was nicht �berraschend war. Sie w�rden die Aes Sedai stets im Auge behalten. Seonid nahm die Z�gel ihres Pferdes auf, als wollte sie aufsitzen, aber Edarra sagte leise etwas und deutete auf eine dicke, schief stehende Eiche. Die beiden Aes Sedai sahen sie an, die K�pfe gleichzeitig drehend, wechselten Blicke und f�hrten ihre Pferde zu dem Baum. Alles w�rde ein wenig glatter ablaufen, wenn diese beiden stets so sanftm�tig w�ren - nun, nicht wirklich sanftm�tig. Seonid wirkte stocksteif.</p><p>Dahinter kamen, unter den wachsamen Blicken von Leuten von Dobraines Besitz, die vermutlich wu�ten, worum es ging, die frischen Reitpferde, eine Herde zu zehnt an eine F�hrleine gebundene Ersatzpferde. Auch viele hochr�drige Versorgungskarren kamen durch das Wegetor heran, deren Kutscher die Pferde zogen und schrien, als f�rchteten sie, das Wegetor k�nnte sich um sie schlie�en - es waren viele Karren, weil man auf ihnen nicht so viel transportieren konnte wie auf Wagen, und man hatte Karren bevorzugt, weil Wagen mit Gespannen nicht durch das Wegetor pa�ten. Anscheinend konnten weder Neald noch Grady ein so gro�es Wegetor gestalten, wie Rand oder Dashiva es konnten.</p><p>Als der letzte Karren schlie�lich quietschend hindurchrollte, erwog Perrin, das Wegetor sofort schlie�en zu lassen, aber Neald hielt es ge�ffnet, und er befand sich noch auf der anderen Seite in Cairhien. Kurz darauf war es zu sp�t.</p><p>Berelain schritt mit einer Stute hindurch, die so wei� wie Schwalbe schwarz war, und er dankte dem Licht im stillen, da� ihr graues Reitgewand bis zum Hals geschlossen war. Andererseits lag es von der Taille aufw�rts so eng an wie jedes andere tarabonische Gewand. Perrin st�hnte. Mit ihr kamen Nurelle und Bertain Gallenne, der Lordhauptmann ihrer Befl�gelten Wachen, ein grauhaariger Bursche, der seine schwarze Augenklappe so trug, wie ein anderer vielleicht eine Feder am Hut getragen h�tte, und danach folgten die rot ger�steten Befl�gelten Wachen selbst, mehr als neunhundert Mann. Nurelle und die anderen, die auch bei den Brunnen von Dumai dabeigewesen waren, trugen ein gelbes Band um den linken Oberarm.</p><p>Berelain sa� auf und ritt mit Gallenne zu einer Seite davon, w�hrend Nurelle die Befl�gelten Wachen zwischen den B�umen formierte. Es mu�ten sich f�nfzig Schritt Entfernung und Dutzende von B�umen zwischen Berelain und Faile befinden, aber sie postierte sich so, da� sie einander so ausdruckslos anstarren konnten, da� Perrins Haut kribbelte. Er hatte es f�r klug gehalten, Berelain zur Nachhut - und dadurch so weit von Faile entfernt wie m�glich - zu beordern, aber diesem w�rde er jeden verdammten Abend gegen�berstehen. Verfluchter Rand!</p><p>Jetzt kam Neald durch das Wegetor, strich sich �ber seinen l�cherlichen Schnurrbart und geb�rdete sich vor allen, die ihn vielleicht beobachteten, wie ein eitler Pfau, w�hrend die �ffnung verschwand. Aber tats�chlich beobachtete ihn niemand, so da� er mit verstimmter Miene aufsa�.</p><p>Perrin sa� auf Traber auf und ritt eine kleine Anh�he hinauf. Wegen der B�ume konnten ihn nicht alle sehen, aber es gen�gte, da� sie ihn h�ren konnten. Bewegung kam in die Versammlung, als er sein Pferd verhielt, und die Menschen bem�hten sich um bessere Sicht.</p><p>�Soweit aller Augen-und-Ohren in Cairhien bekannt ist�, sagte er laut, �wurde ich verbannt. Die Erste von Mayene befindet sich auf dem Weg nach Hause, und ihr anderen seid einfach verschwunden wie Nebel in der Sonne.�</p><p>Er war �berrascht, als sie lachten. Der Ruf �Perrin Goldaugen� stieg auf, und das nicht nur von den Leuten aus den Zwei Fl�ssen. Er wartete darauf, da� es wieder ruhiger w�rde, aber es dauerte eine Weile. Faile lachte nicht und rief auch nicht, ebensowenig wie Berelain. Beide Frauen sch�ttelten den Kopf. Beide waren der Meinung, da� er nicht so viel offenbaren sollte, wie er beabsichtigte. Dann sahen sie einander an und erstarrten j�h. Es gefiel ihnen nicht, wenn sie einer Meinung waren. Perrin war nicht �berrascht, als sich ihre Blicke mit gleichem Ausdruck ihm zuwandten. In den Zwei Fl�ssen gab es ein altes Sprichwort, obwohl es von den Umst�nden und der eigenen Person abhing, wie man es sagte und was man damit ausdr�cken wollte. Es lautete: �Es ist stets der Fehler eines Mannes.� Etwas hatte er gelernt, das Frauen besser konnten als alles andere: einen Mann das Seufzen zu lehren.</p><p>�Einige von Euch fragen sich vielleicht, wo wir sind und was wir hier tun�, fuhr er fort, als schlie�lich wieder Ruhe eingekehrt war. Dieses Mal erfolgte schw�cheres Gel�chter. �Wir befinden uns in Ghealdan.� Ehrf�rchtiges Murmeln und vielleicht Unglauben dar�ber, f�nfzehnhundert Meilen oder mehr mit nur einem Schritt zur�ckgelegt zu haben. �Unsere erste Aufgabe wird darin bestehen, K�nigin Alliandre davon zu �berzeugen, da� wir nicht hierhergekommen sind, um ihr. Land einzunehmen.� Berelain sollte mit Alliandre sprechen, und Faile w�rde deshalb mit ihm streiten. �Dann werden wir einen Burschen suchen, der sich der Prophet des Lord Drache nennt.� Das w�rde auch kein Vergn�gen. Masema war schon unangenehm gewesen, bevor er �berschnappte.</p><p>�Dieser Prophet hat einige Probleme verursacht, aber wir werden ihn wissen lassen, da� Rand al'Thor nicht will, da� ihm jemand aus Angst folgt, und wir werden ihn und all seine Leute, die zum Lord Drache zur�ckkehren wollen, mitnehmen.� <emphasis>Und wir werden Masema zu Tode erschrecken, damit er dem folgt, wenn es sein mu�,</emphasis> dachte er sarkastisch.</p><p>Sie spendeten ihm Beifall. Sie br�llten und riefen, da� sie diesen Propheten f�r den Lord Drache nach Cairhien zur�ck schleifen w�rden, bis Perrin hoffte, da� dieser Fleck, auf dem sie sich befanden, noch weiter vom n�chsten Dorf entfernt war, als er sein sollte. Selbst die Kutscher und Pferdepfleger fielen mit ein. Aber haupts�chlich betete Perrin, da� alles reibungslos und schnell vonstatten gehen w�rde. Je eher er soviel Entfernung wie m�glich zwischen Berelain und sich selbst und Faile legen k�nnte, desto besser. Er wollte keine �berraschungen erleben, wenn sie gen S�den ritten. Es war an der Zeit da� sich sein <emphasis>Ta'veren</emphasis> einmal als n�tzlich erwies.</p></section><section><title><p>28</p><p>Brot und K�se</p></title><p>Mat wu�te seit dem Tag, an dem er in den TarasinPalast gezogen war, da� er sich in Schwierigkeiten befand, Er h�tte sich weigern k�nnen. Nur weil sich die flammenden W�rfel drehten oder zur Ruhe kamen, bedeutete das nicht, da� er alles tun mu�te. Wenn sie aufh�rten, sich zu drehen, war es normalerweise zu sp�t, nichts zu tun. Das Problem war, da� er den Grund daf�r wissen wollte. Noch vor wenigen Tagen h�tte er gew�nscht, er h�tte seine Neugier unterdr�ckt.</p><p>Nachdem Nynaeve und Elayne sein Zimmer verlassen hatten, und als er seine F��e erreichen konnte, ohne das Gef�hl zu haben, ihm w�rde der Kopf zerspringen, informierte er seine M�nner. Niemand schien die Nachteile zu erkennen. Er wollte sie nur vorbereiten, aber niemand h�rte zu.</p><p>�Sehr gut, mein Lord�, murmelte Nerim und half Mat, die Stiefel anzuziehen. �Mein Lord wird endlich angemessene R�ume beziehen. Oh, sehr gut.� Er schien seine d�stere Miene einen Moment abzulegen. �Ich werde die rote Seidenjacke f�r meinen Lord ausb�rsten. Mein Lord hat sich die blaue Jacke recht stark mit Wein verdorben.� Mat wartete ungeduldig, zog die Jacke an und eilte in den Gang.</p><p>�Aes Sedai?� murrte Nalesean, w�hrend er sich ein sauberes Hemd �berzog. Sein beleibter Diener, Lopin, blieb hinter ihm. �Verdammt sei meine Seele - ich mag Aes Sedai nicht besonders, aber ... der TarasinPalast, Mat.� Mat zuckte zusammen. Schlimm genug, da� der Mann ohne Nachwirkungen am n�chsten Morgen ein Fa� Branntwein trinken konnte, aber mu�te er so grinsen? �Ah, Mat, jetzt k�nnen wir die W�rfel vergessen und statt dessen mit unseresgleichen Karten spielen.� Er meinte Adlige, die einzigen, die es sich - au�er wohlhabenden Kaufleuten, die nicht lange wohlhabend bleiben w�rden, wenn sie um die gleichen Eins�tze wie Adlige wetteten -, leisteten zu spielen. Nalesean rieb sich forsch die H�nde, w�hrend Lopin seine Schn�rb�nder zu schlie�en versuchte. �Seidenlaken�, murmelte er. Wer hatte jemals von <emphasis>Seidenlaken</emphasis> geh�rt? Jene alten Erinnerungen dr�ngten herauf, aber Mat weigerte sich zuzuh�ren.</p><p>�Lauter Adlige�, grollte Vanin im Untergescho� und sch�rzte die Lippen, als wollte er ausspeien. Er hielt unbewu�t nach Herrin Anan Ausschau. Aber dann beschlo� er, aus dem Becher herben Weins zu trinken, der sein Fr�hst�ck war. �Es w�re jedoch gut, Lady Elayne wiederzusehen.� Versonnen hob er seine freie Hand, als wollte er sich mit den Kn�cheln an die Stirn klopfen. Mat st�hnte. Diese Frau hatte einen guten Mann verdorben. �Wollt Ihr, da� ich Carridin noch einmal aufsuche?� fuhr Vanin fort, als sei alles andere belanglos. �In seiner Stra�e halten sich so viele Bettler auf, da� es schwer ist, etwas zu sehen. Es suchen ihn stets schrecklich viele Leute auf.� Mat gab sein Einverst�ndnis. Kein Wunder, da� es Vanin nicht k�mmerte, ob der Palast voller Adliger und Aes Sedai war. Er w�rde den Tag in der Sonne schwitzend und von Menschenmengen umgeben verbringen. Weitaus behaglicher.</p><p>Es hatte keinen Zweck zu versuchen, Harnan und die anderen Rotwaffen zu warnen, die alle wei�e Getreideflocken und kleine schwarze W�rste in sich hineinschaufelten, w�hrend sie einander in die Rippen stie�en und �ber die Dienerinnen im Palast lachten, die, wie sie geh�rt hatten, alle aufgrund ihrer Sch�nheit ausgew�hlt wurden und mit ihrer Gunst bemerkenswert freiz�gig umgingen. Was den Tatsachen entsprach, wie sie sich st�ndig gegenseitig versicherten.</p><p>Die Dinge wurden keineswegs besser, als er auf der Suche nach Herrin Anan zur Begleichung der Rechnung in die K�chen ging. Caira war dort, aber sie hatte doppelt so schlechte Laune wie am Abend zuvor. Sie streckte die Unterlippe vor, funkelte ihn an und stolzierte aus der T�r in den Stallhof, wobei sie sich die Kehrseite rieb. Vielleicht hatte sie sich in die eine oder andere Schwierigkeit gebracht, aber er konnte nicht verstehen, warum sie ihn daf�r verantwortlich machte.</p><p>Herrin Anan befand sich anscheinend drau�en - sie organisierte st�ndig Suppenk�chen f�r Fl�chtlinge oder half bei irgendwelchen anderen wohlt�tigen Zwecken aus -, befehligte ihre umhereilenden Helfer mit einem langen Holzl�ffel und nahm Mats Geld gern mit ihrer kr�ftigen Hand entgegen. �Ihr quetscht zu viele Melonen aus, mein junger Herr, und solltet nicht �berrascht sein, wenn Euch eine faule in der Hand zerf�llt�, sagte sie aus einem unbestimmten Grund in d�sterem Tonfall. �Oder zwei�, f�gte sie nach einem Moment nickend hinzu. Sie beugte sich nahe zu ihm und hob ihm ihr schwitzendes, rundes Gesicht mit eindringlichem Blick entgegen. �Ihr werdet Euch nur �rger einhandeln, wenn Ihr ein Wort sagt. Ihr werdet schweigen.� Es klang nicht wie eine Frage.</p><p>�Kein Wort�, sagte Mat. Wovon, im Licht, sprach sie? Es schien jedoch die richtige Antwort gewesen zu sein, denn sie nickte und watschelte davon, w�hrend sie den L�ffel doppelt so heftig schwang wie zuvor. Er hatte einen Moment lang geglaubt, sie wolle ihn damit schlagen. Die reine Wahrheit war, da� alle -nicht nur einige - Frauen eine gewaltt�tige Ader hatten.</p><p>Eines ergab das andere, und er war erleichtert, als Nerim und Lopin sich lautstark dar�ber auslie�en, welches Gep�ck ihrer beiden Herren zuerst hin�bergetragen w�rde. Mat und Nalesean brauchten eine gute halbe Stunde, um sie wieder zu beruhigen. Ein Diener, der sich leicht aufregte, konnte einem das Leben schwermachen. Dann mu�te er entscheiden, welchem der Rotwaffen die Ehre erwiesen werden sollte, die Kiste Gold hin�berzuschleppen und welcher die Pferde nehmen sollte. Wie dem auch sei - dadurch konnte er dem verdammten Tarasin-Palast noch eine Weile l�nger fernbleiben.</p><p>Als er es sich jedoch erst einmal in seinen neuen R�umen bequem gemacht hatte, verga� er seine Sorgen zun�chst beinahe. Er hatte einen gro�en Wohnraum und einen kleinen, in dieser Gegend Schmollwinkel genannten Raum zur Verf�gung, sowie einen gewaltigen Schlafraum mit dem gr��ten Bett, das er je gesehen hatte, dessen Bettpfosten mit allen m�glichen Blumenornamenten verziert waren. Der gr��te Teil der Einrichtung war hellrot oder hellblau, wenn nicht gold�berzogen. Eine kleine T�r in der N�he des Bettes f�hrte zu einem beengten fensterlosen Raum f�r Nerim, den der Bursche trotz des schmalen Bettes anscheinend hervorragend fand. Mats R�ume wiesen alle hohe Bogenfenster auf, die auf Balkone mit wei�en Gittern �ber dem Mol-Hara-Platz f�hrten. Die Stehlampen waren vergoldet, wie auch die Spiegelrahmen. Es gab zwei Spiegel im Schmollwinkel, drei im Wohnraum und <emphasis>vier</emphasis> im Schlafraum. Die Uhr - eine Uhr! - auf dem marmornen Kaminsims im Wohnraum glitzerte vor Gold. Die Waschsch�ssel und der Krug bestanden aus rotem Meervolk-Porzellan. Mat war beinahe entt�uscht, als er entdeckte, da� der Nachttopf unter dem Bett nur aus einfacher wei�er Keramik bestand. Im Wohnraum befand sich au�erdem ein Regal mit einem Dutzend B�chern. Nicht, da� er viel gelesen h�tte.</p><p>Selbst wenn man die nicht harmonierenden Farben der W�nde, Decken und Bodenfliesen bedachte, strotzten die R�ume vor Reichtum. Zu einer anderen Zeit h�tte er einen Gigue getanzt. Zu jeder anderen Zeit, wenn er sich nicht bewu�t gewesen w�re, da� eine Frau, deren R�ume sich auf dem gleichen Gang befanden. �bles mit ihm vorhatte. Wenn Teslyn oder Merilille oder eine der Ihren es nicht, trotz seines Medaillons, zuerst schafften. Warum <emphasis>hatten</emphasis> die W�rfel in seinem Kopf aufgeh�rt umherzurollen, sobald Elayne diese verdammten R�ume erw�hnte? Neugier. Er hatte zu Hause von mehreren Frauen ein Sprichwort geh�rt, �blicherweise, wenn er etwas getan hatte, was zum damaligen Zeitpunkt ein Spa� zu sein schien. �Menschen lehren Katzen Neugier, aber Katzen haben ihren eigenen Kopf.�</p><p>�Ich bin keine verdammte Katze�, murrte er, w�hrend er vom Schlafraum ins Wohnzimmer ging. Er mu�te es nur einfach wissen. Das war alles.</p><p>�Nat�rlich seid Ihr keine Katze�, sagte Tylin. �Ihr seid ein knuspriges, kleines Entchen.�</p><p>Mat zuckte zusammen und sah sie an. Entchen? Und noch dazu ein <emphasis>kleines</emphasis> Entchen! Die Frau reichte ihm knapp bis an die Schulter. Trotz seiner Emp�rung verneigte er sich angemessen. Sie war die K�nigin, daran mu�te er denken. �Majest�t, ich danke Euch f�r diese wundersch�nen R�ume. Ich w�rde mich sehr gern mit Euch unterhalten, aber ich mu� gehen und...�</p><p>Sie schwebte l�chelnd �ber die rotgr�nen Bodenfliesen heran, w�hrend ihr blaues Gewand mit den wei�en Seidenunterr�cken schwang, die dunklen Augen fest auf ihn geheftet. Er vermied es, den sich in ihren �ppigen Ausschnitt schmiegenden Hochzeitsdolch zu betrachten. Oder den gr��eren, mit Edelsteinen besetzten Dolch, der hinter einem gleicherma�en mit Edelsteinen besetzten G�rtel steckte. Er wich zur�ck.</p><p>�Majest�t ich habe eine wichtige...�</p><p>Sie begann zu summen. Er erkannte die Melodie. Er hatte sie in letzter Zeit verschiedenen M�dchen vorgesummt. Er war klug genug, nicht tats�chlich singen zu wollen, und au�erdem war der Text, den sie in Ebou Dar kannten, zu anst��ig. In dieser Gegend nannten sie das Lied; �Ich werde dir mit meinen K�ssen den Atem rauben�.</p><p>Er lachte nerv�s und versuchte, einen Tisch mit Einlegearbeiten zwischen sich und sie zu bringen, aber irgendwie gelangte sie zuerst darum herum, ohne ihre Schritte beschleunigt zu haben. �Majest�t, ich...�</p><p>Sie legte eine Hand flach auf seine Brust, dr�ngte ihn in einen hochlehnigen Stuhl und setzte sich auf seinen Scho�. Er war zwischen ihr und den Stuhllehnen gefangen. Oh, er h�tte sie hochheben und ganz leicht auf die F��e stellen k�nnen. Nur da� sie diesen verdammt gro�en Dolch am G�rtel trug und er bezweifelte, da� sie eine solch grobe Behandlung genauso guthei�en w�rde wie ihre grobe Behandlung seiner Person. Dies war immerhin Ebou Dar, wo eine Frau, die einen Mann t�tete, von Schuld freigesprochen war, bis sich etwas anderes erwies. Er h�tte sie leicht hochheben k�nnen, nur...</p><p>Er hatte Fischh�ndler in der Stadt seltsame Meerestiere namens Tintenfisch und Krake verkaufen sehen -tats�chlich a�en Ebou Dari diese Wesen! -, aber sie waren nichts gegen Tylin. Die Frau besa� zehn H�nde. Er schlug um sich, versuchte vergeblich, sie abzuwehren, und sie lachte leise. Zwischen K�ssen erhob er atemlos Einspruch, da� jemand hereinkommen k�nnte, doch sie kicherte nur. Er �u�erte seinen Respekt vor der Krone, und sie gluckste. Er berief sich auf seine Treue zu einem M�dchen zu Hause, die sein Herz besa�. Dar�ber lachte sie wahrhaftig.</p><p>�Was sie nicht wei�, kann ihr nicht schaden�, murmelte sie, w�hrend ihre zwanzig H�nde keinen Moment innehielten.</p><p>Jemand klopfte an die T�r.</p><p>Er befreite seinen Mund und schrie: �Wer ist da?� Nun, es war wahrhaftig ein Schrei. Ein schriller Schrei. Er war immerhin au�er Atem.</p><p>Tylin war so schnell von seinem Scho� aufgesprungen und hatte sich drei Schritte entfernt, da� es schien, als k�nne sie zaubern. �Mat? Ich war mir nicht sicher, da� du es warst. Oh, Majest�t!� F�r einen hageren, alten Gaukler konnte Thom trotz seines Hinkens eine hervorragende Verbeugung vollf�hren. Juilin konnte es nicht, aber er ri� seine l�cherliche rote M�tze herunter und tat ebenfalls sein Bestes. �Ich bitte um Vergebung. Wir wollten nicht st�ren...�, begann Thom, aber Mat unterbrach ihn hastig.</p><p>�Komm herein, Thom!� Er zog seine Jacke wieder an und wollte aufstehen, als er erkannte, da� die verdammte Frau irgendwie den G�rtel seine <emphasis>Hose</emphasis> ge�ffnet hatte, ohne da� er es bemerkt hatte. Die beiden w�rden vielleicht nicht beachten, da� sein Hemd bis zur Taille aufgekn�pft war, aber sie w�rden eine herunterfallende Hose sehr wohl bemerken. Tylins blaues Gewand war nicht im geringsten in Unordnung! �Juilin, komm herein!�</p><p>�Ich bin froh, da� Euch Eure R�ume gefallen, Meister Cauthon�, sagte Tylin, die fleischgewordene W�rde - bis auf ihre Augen, als sie so stand, da� Thom und Juilin ihr Gesicht nicht sehen konnten. Ihr Blick verwob harmlose Worte mit besonderer Bedeutung. �Ich freue mich darauf, Eure Gesellschaft genie�en zu k�nnen. Es wird sicherlich interessant f�r mich, einen <emphasis>Ta'veren</emphasis> in Reichweite zu haben. Aber ich mu� Euch jetzt Euren Freunden �berlassen. Nein, bleibt bitte sitzen.� Letzteres mit nur der Andeutung eines sp�ttischen L�chelns.</p><p>�Nun, Junge�, sagte Thom und strich sich �ber seinen Schnurrbart, nachdem Tylin gegangen war, �du hast Gl�ck, da� du von der K�nigin mit offenen Armen empfangen wirst.� Juilin interessierte sich pl�tzlich sehr f�r seine M�tze.</p><p>Mat beobachtete sie aufmerksam und warnte sie im Geiste, noch ein Wort zu sagen - nur ein Wort! -, aber als er dann nach Nynaeve und Elayne fragte, verga� er die Sorge, wieviel sie vermuteten. Die Frauen waren noch nicht zur�ckgekehrt. Trotz seiner ge�ffneten Hose w�re er beinahe aufgesprungen. Sie versuchten sich bereits jetzt aus ihrer Vereinbarung herauszuwinden. Lautstark verlieh er seiner Meinung �ber die verdammte Nynaeve al'Meara und Elayne, die verdammte Tochter-Erbin, Ausdruck. Es war unwahrscheinlich, da� sie ohne ihn in den Rahad aufgebrochen waren, aber er h�tte es ihnen durchaus zugetraut, auf eigene Faust Carridin auszuspionieren. Elayne w�rde ein Gest�ndnis fordern und erwarten, da� der Mann zusammenbr�che. Nynaeve w�rde es aus ihm herauszupr�geln versuchen.</p><p>�Ich glaube nicht, da� sie Carridin bel�stigen werden�, sagte Juilin und kratzte sich hinter dem Ohr. �Nach dem, was ich geh�rt habe, k�mmern sich Aviendha und Birgitte um ihn. Wir haben sie nicht fortgehen sehen. Du brauchst dir gewi� keine Sorgen dar�ber zu machen, da� er erkennt, was er sieht, selbst wenn er direkt an ihnen vorbei spaziert.� Thom, der sich gerade gew�rzten Wein in einen vergoldeten Becher go�, den Mat in seinen R�umen vorgefunden hatte, fuhr mit seiner Erkl�rung fort.</p><p>Mat legte eine Hand �ber die Augen. Mit der Macht gestaltete Verkleidungen. Kein Wunder, da� sie wie Schlangen davongeschl�pft waren, wann immer sie wollten. Diese Frauen w�rden Schwierigkeiten machen. Das konnten Frauen am besten. Es �berraschte ihn kaum zu erfahren, da� Thom und Juilin noch weniger �ber diese Schale der Winde wu�ten als er.</p><p>Nachdem sie gegangen waren, um sich auf einen Besuch des Rahad vorzubereiten, hatte er Zeit, seine Kleidung zu richten, bevor Nynaeve und Elayne zur�ckk�men. Er n�tzte die Gelegenheit, ein Stockwerk tiefer nach Olver zu sehen. Die hagere Gestalt des Jungen hatte durch Enid und die �brigen K�che der <emphasis>Wanderin</emphasis> ein wenig Speck angesetzt, aber er w�rde selbst f�r einen Cairhiener immer klein bleiben, und auch wenn seine Ohren und sein Mund auf die H�lfte zusammenschrumpften, w�rde seine Nase noch immer bewirken, da� er nicht allzugut aussah. Nicht weniger als drei Schankm�dchen machten ein Aufhebens um ihn, w�hrend er mit gekreuzten Beinen auf seinem Bett sa�.</p><p>�Mat, hat Haesel nicht wundersch�ne Augen?� fragte Olver und strahlte die junge Frau mit den gro�en Augen an, der Mat begegnet war, als er das letztemal in den Palast gekommen war. Sie strahlte ebenfalls und zerzauste dem Jungen die Haare. �Oh, aber Alis und Loya sind auch so lieb, da� ich mich niemals entscheiden k�nnte.� Eine mollige Frau in fast mittlerem Alter blickte von ihrer T�tigkeit auf, Olvers Satteltaschen auszupacken, um ihm ein breites L�cheln zu g�nnen, und ein schlankes M�dchen mit vollen Lippen klopfte auf das Handtuch, das sie gerade auf seinen Waschtisch gelegt hatte, warf sich dann aufs Bett und kitzelte Olver an den Rippen, bis er hilflos lachend umfiel.</p><p>Mat schnaubte. Harnan und die anderen waren schon schlimm genug, aber jetzt ermutigten diese <emphasis>Frauen</emphasis> auch noch den Jungen! Wie sollte er so jemals lernen, sich zu benehmen? Olver sollte auf der Stra�e spielen wie jeder andere Zehnj�hrige. �ber <emphasis>ihn</emphasis> fielen in seinem Zimmer keine Schankm�dchen her. Er hegte keinen Zweifel, da� Tylin daf�r gesorgt hatte.</p><p>Er hatte Zeit, nach Olver zu sehen, bei Harnan und den anderen Rotwaffen vorbeizuschauen, die sich einen langen, von Betten ges�umten Raum nicht weit von den St�llen entfernt teilten, und in die K�chen hinab zu schlendern, um etwas Brot und Fleisch zu essen - die Getreideflocken im Gasthaus hatte er nicht hinunterbringen k�nnen. Nynaeve und Elayne waren noch immer nicht zur�ckgekehrt. Schlie�lich bl�tterte er in den B�chern in seinem Wohnraum und begann <emphasis>Die Reisen des Jain Fernschreiter</emphasis> zu lesen, obwohl er vor Sorge kaum ein Wort aufnahm. Thom und Juilin kamen in dem Moment herein, als die endlich eingetroffenen Frauen gerade damit besch�ftigt waren, sich zu ereifern, da� sie ihn erst hier vorfanden, als d�chten sie, <emphasis>er</emphasis> w�rde sein Wort nicht halten.</p><p>Er schlo� das Buch ruhig und legte es ebenso ruhig auf den Tisch neben seinem Stuhl. �Wo wart Ihr?�</p><p>�Wir sind spazierengegangen�, sagte Elayne strahlend, die blauen Augen noch weiter ge�ffnet, als er sie je gesehen zu haben glaubte. Thom runzelte die Stirn und zog einen Dolch aus seinem �rmel, den er in den H�nden hin und her rollen lie�. Er sah Elayne bewu�t nicht einmal an.</p><p>�Wir haben mit einigen Frauen Tee getrunken, die mit der Wirtin befreundet sind�, sagte Nynaeve. �Aber ich will Euch nicht mit Gespr�chen �ber Handarbeiten langweilen.� Juilin wollte den Kopf sch�tteln, hielt aber dann inne, bevor sie es bemerkte.</p><p>�Nein, bitte, Ihr langweilt mich wirklich nicht�, sagte Matt trocken. Er nahm an, da� sie ein Ende einer Nadel vom anderen unterscheiden konnte, aber er vermutete, da� sie sich genauso bereitwillig eine Nadel durch die Zunge stechen wie �ber N�harbeiten sprechen w�rde. Keine der Frauen bem�hte sich um H�flichkeit, und damit best�tigten sie seine schlimmsten Bef�rchtungen. �Ich habe zwei M�nner f�r jede von Euch abgestellt, die heute nachmittag mit Euch hinausgehen. Und morgen und jeden weiteren Tag werden es noch zwei M�nner mehr sein. Wenn Ihr Euch nicht innerhalb des Palastes oder in meiner unmittelbaren N�he befindet, werdet Ihr Leibw�chter mitnehmen. Sie kennen ihren Dienstplan bereits. Sie werden st�ndig bei Euch bleiben - <emphasis>st�ndig -,</emphasis> und Ihr werdet mich wissen lassen, wo Ihr hingeht. Ihr werdet mich nicht mehr in Sorge versetzen, bis mir die Haare ausfallen.�</p><p>Er erwartete Emp�rung und Streit und rechnete damit, da� sie sich aus dem, was sie versprochen oder nicht versprochen hatten, herauszuwinden versuchen w�rden. Er erwartete, da� seine zahlreichen Forderungen ihm am Ende noch mehr Schwierigkeiten einbringen w�rden. Nynaeve sah Elayne an. Elayne sah Nynaeve an.</p><p>�Nun, Leibw�chter sind eine <emphasis>wunderbare</emphasis> Idee, Mat�, rief Elayne aus und l�chelte. �Ihr hattet vermutlich recht damit. Und es ist sehr klug von Euch, da� Ihr die M�nner bereits eingeteilt habt.�</p><p>�Es <emphasis>ist</emphasis> eine wunderbare Idee�, sagte Nynaeve und nickte begeistert. �Und <emphasis>sehr</emphasis> klug von Euch, Mat.�</p><p>Thom lie� den Dolch mit einem unterdr�ckten Fluch fallen, sog an einem Schnitt im Finger und starrte die Frauen an.</p><p>Mat seufzte. Schwierigkeiten. Er hatte es gewu�t. Und das war, bevor sie ihm sagten, er solle den Rahad im Moment vergessen.</p><p>Wodurch er sich auf einer Bank vor einer billigen Taverne nicht weit vom Hafenviertel wiederfand, die sich <emphasis>Die Rose von Elbar</emphasis> nannte, und aus einem der verbeulten Blechbecher trank, die an die Bank gebunden waren. Zumindest sp�lten sie die Becher f�r jeden neuen Gast aus. Der Gestank einer F�rberei auf der anderen Stra�enseite erhob die <emphasis>Rose</emphasis> nur noch - nicht, da� es wirklich eine heruntergekommene Nachbarschaft war, obwohl die Stra�en zu schmal f�r Kutschen waren. Aber eine ansehnliche Anzahl Sanften schwankten durch die Menge. Wenn auch weitaus mehr Passanten Tuche und vielleicht die Weste einer Gilde anstatt Seide trugen, so waren die Tuche doch genauso h�ufig gut geschnitten wie abgetragen. Die H�user und L�den waren die �bliche Abfolge an wei� verputzten Fassaden, und auch wenn die meisten klein und sogar heruntergekommen waren, stand an einer Ecke zu seiner Rechten doch das gro�e Haus eines wohlhabenden Kaufmanns und zur Linken ein sehr kleiner Palast - zumindest kleiner als das Haus des Kaufmanns - mit einer einzigen, gr�n gestreiften Kuppel. Zwei Tavernen und ein Gasthaus in seinem Blickfeld wirkten k�hl und einladend. Leider war die <emphasis>Rose</emphasis> das einzige, bei dem man drau�en sitzen konnte, das einzige am genau richtigen Fleck. Leider.</p><p>�Ich glaube, ich habe noch niemals solch pr�chtige Fliegen gesehen�, grollte Nalesean, w�hrend er mehrere auserlesene Exemplare von seinem Becher vertrieb. �Was tun wir hier schon wieder?�</p><p>�Du schwitzt wie ein Ochse�, murrte Mat und zog seinen Hut tiefer �ber die Augen. �Und ich bin <emphasis>Ta'veren.�</emphasis> Er schaute zu dem verfallenen Haus zwischen der F�rberei und dem Laden eines Webers, das zu beobachten er gebeten worden war. Nicht gebeten - befohlen traf es eher, ungeachtet dessen, wie sie es nannten und sich um Versprechen herum wanden. Oh, sie lie�en es durchaus wie eine Bitte klingen, was er glauben w�rde, wenn Hunde tanzten, denn er erkannte es, wenn er eingesch�chtert werden sollte. �Sei einfach <emphasis>Ta'veren,</emphasis> Mat.� Nalesean griff seine Bemerkung auf. �Ich wei�, da� du einfach <emphasis>erkennen</emphasis> wirst, was zu tun ist. Pah!� Vielleicht wu�te es Elayne, die verdammte Tochter-Erbin mit ihrem verdammten Gr�bchen, oder Nynaeve mit ihren verdammten H�nden, die st�ndig zu ihrem verdammten Zopf zuckten, aber er wollte verflucht sein, wenn er es wu�te. �Wenn sich die verflixte Schale im Rahad befindet - wie soll ich sie dann auf dieser Seite des verdammten Flusses finden?�</p><p>�Ich kann mich nicht erinnern, da� sie dar�ber gesprochen haben�, bemerkte Juilin trocken und nahm einen gro�en Schluck seines Getr�nks, das aus gelben, in diesem Gebiet angebauten Fr�chten gewonnen wurde. �Diese Frage hast du schon mindestens f�nfzigmal gestellt.� Er behauptete, das helle Getr�nk erfrische ihn in der Hitze, aber Mat hatte einmal in eine dieser Zitronen hineingebissen, und er w�rde nichts hinunterschlucken, was daraus gemacht war. Er hatte noch immer leichte Kopfschmerzen und trank Tee, der schmeckte, als h�tte der Tavernenwirt, ein hagerer Bursche mit gl�nzenden, mi�trauischen Augen, dem Getr�nk vom jeweiligen Vortag seit der Gr�ndung der Stadt nur stets frische Bl�tter und Wasser hinzugef�gt. Der Geschmack pa�te zu seiner Stimmung.</p><p>�Ich w�rde gerne wissen�, murmelte Thom �ber seine aneinander gelegten Finger hinweg, �warum sie so viele Fragen �ber deine Gastwirtin gestellt haben.� Er schien nicht sehr aufgebracht dar�ber, da� die Frauen noch immer Geheimnisse bewahrten. Er war manchmal entschieden eigenartig. �Was haben Setalle Anan und diese Frauen mit der Schale zu tun?�</p><p>Frauen kamen und gingen in dem verfallenen Haus. Ein best�ndiger Strom von Frauen, einige gut gekleidet, wenn auch nicht in Seide, aber kein einziger Mann. Drei oder vier trugen den roten G�rtel einer Weisen Frau. Mat hatte erwogen, einigen von ihnen zu folgen, wenn sie wieder gingen, aber es erschien ihm zu geplant. Er wu�te nicht, wie das <emphasis>Ta'veren</emphasis> wirkte - er hatte noch nie einen Hinweis darauf an sich entdeckt -, aber er hatte stets am meisten Gl�ck, wenn alles zuf�llig geschah. Wie beim W�rfeln, w�hrend er die meisten der kleinen, eisernen Geduldsspiele in Tavernen allerdings nicht schaffte, auch wenn er ein gutes Gef�hl dabei hatte.</p><p>Er ging nicht auf Thoms Frage ein. Thom hatte sie mindestens genauso h�ufig gestellt, wie Mat gefragt hatte, wie er hier die Schale finden sollte. Nynaeve hatte ihm ins Gesicht gesagt, da� sie nicht versprochen hatte, ihm absolut alles zu sagen, was sie wu�te. Sie sagte, sie w�rde ihm erz�hlen, was immer er wissen m��te... Sie zu beobachten, wie sie fast daran erstickte, ihn nicht beschimpfen zu d�rfen, war nicht ann�hernd genug Rache.</p><p>�Ich sollte einmal einen Spaziergang die Gasse hinab machen�, seufzte Nalesean. �Falls eine dieser Frauen beschlie�t, �ber die Gartenmauer zu klettern.� Die schmale L�cke zwischen dem Haus und der F�rberei war auf voller L�nge gut einsehbar, aber hinter den L�den und H�usern verlief eine weitere Gasse. �Mat, sage mir noch einmal, warum wir dies tun, anstatt Karten zu spielen.�</p><p>�Ich �bernehme das�, sagte Mat. Vielleicht w�rde er hinter der Gartenmauer herausfinden, wie das <emphasis>Ta'veren</emphasis> wirkte. Er ging und fand nichts heraus.</p><p>Bis die D�mmerung die Stra�e zu vereinnahmen begann und Harnan mit einem kahlk�pfigen Andoraner mit schmalen Augen namens Wat zur�ckkam, war die einzige m�gliche Wirkung des <emphasis>Ta'veren,</emphasis> die er bemerkt hatte, diejenige, da� der Tavernenwirt eine frische Kanne Tee braute. Er schmeckte fast genauso schlecht wie der alte.</p><p>Wieder in seine R�ume im Palast zur�ckgekehrt, fand er eine Art Einladung vor, die geschmackvoll auf dickem wei�en Papier geschrieben war und wie ein Blumengarten duftete.</p><p><emphasis>Mein kleiner Rammler, ich erwarte dich heute abend zum Essen in meinen R�umen.</emphasis></p><p>Keine Unterschrift, aber die war auch nicht n�tig. Licht! Die Frau besa� �berhaupt kein Schamgef�hl! An der T�r zum Gang befand sich ein rot bemaltes Eisenschlo�. Er fand den Schl�ssel und schlo� es ab. Dann verhakte er vorsichtshalber noch einen Stuhl unter der Klinke der T�r zu Nerims Raum. Er konnte gut auf das Essen verzichten. Als er gerade zu Bett gehen wollte, r�ttelte jemand an dem Schlo�. Drau�en im Gang lachte eine Frau, als sie die T�r gesichert vorfand.</p><p>Danach h�tte er tief schlafen m�ssen, aber er lag aus einem unbestimmten Grund wach und lauschte seinem knurrenden Magen. Warum tat sie das? Nun, er wu�te warum, aber warum er? Sicherlich hatte sie nicht allen Anstand �ber Bord geworfen, nur um mit einem <emphasis>Ta'veren</emphasis> zu schlafen. Wie dem auch sei - er war jetzt in Sicherheit. Tylin w�rde wohl nicht die T�r einschlagen. Oder? Und durch den schmiedeeisernen Sichtschutz des Balkons k�men nicht einmal V�gel herein. Au�erdem w�rde sie eine lange Leiter brauchen, um zu dieser H�he zu gelangen. Und M�nner, welche die Leiter trugen. Es sei denn, sie kletterte an einem Seil vom Dach herab. Oder sie k�nnte... Die Nacht verging, sein Magen knurrte, die Sonne stieg auf, und er hatte kein einziges Mal die Augen geschlossen oder einen vern�nftigen Gedanken gehegt. Aber er hatte eine Entscheidung getroffen. Ihm schwebte eine Nutzungsm�glichkeit des Schmollwinkels vor, denn er schmollte gewi� niemals.</p><p>Er schlich sich beim ersten Tageslicht aus seinen R�umen und traf auf einen weiteren, ihm bekannten Diener, ein bereits kahl werdender Bursche namens Madie, mit einer selbstgef�lligen Art und einem durchtriebenen Zug um den Mund, der besagte, da� er �berhaupt nicht zufrieden war. Ein Mann, den man kaufen konnte. Obwohl der best�rzte Ausdruck, der sich kurz auf seinem kantigen Gesicht zeigte, und das h�hnische Grinsen, das er kaum zu verbergen versuchte, besagten, da� er genau wu�te, warum Mat ihm Gold in die Hand dr�ckte. Verdammt! Wie viele Leute wu�ten, was Tylin vorhatte?</p><p>Nynaeve und Elayne schienen es, dem Licht sei Dank, nicht zu wissen. Statt dessen schalten sie ihn, weil er das Essen mit der K�nigin vers�umt hatte, wovon sie erfuhren, als Tylin sie fragte, ob er krank sei. Und schlimmer noch...</p><p>�Bitte�, sagte Elayne und l�chelte fast so, als w�rde ihr dieses Wort nicht schwerfallen. �Ihr m��t Euch mit der K�nigin vertragen. Seid nicht nerv�s. Ihr werdet einen Abend mit ihr genie�en.�</p><p>�Sto�t sie nicht vor den Kopf�, murrte auch Nynaeve. Bei ihr bestand kein Zweifel, da� es ihr schwerfiel, h�flich zu sein, Sie zog angestrengt die Brauen zusammen, ihr Kiefer war angespannt, und ihre H�nde zitterten, weil sie an ihrem Zopf ziehen wollte. �Seid einmal in Eurem Leben entgegenkommend... Ich meine, denkt daran, da� sie eine anst�ndige Frau ist, und versucht keine Eurer... Licht, Ihr wi�t, was ich meine.�</p><p>Nerv�s. Ha! Eine anst�ndige Frau. Ha!</p><p>Keine von beiden schien im mindesten besorgt, da� er einen ganzen Nachmittag verschwendet hatte. Elayne t�tschelte ihm mitf�hlend die Schulter und bat ihn, es bitte noch einen oder zwei Tage lang zu versuchen. Es war gewi� besser, als in dieser Hitze durch den Rahad zu stapfen. Nynaeve sagte genau das gleiche, wie Frauen es nun einmal taten, aber ohne seine Schulter zu t�tscheln. Sie gaben offen zu, da� sie den Tag damit zu verbringen beabsichtigten, mit Aviendhas Hilfe Carridin auszuspionieren, obwohl sie seiner Frage auswichen, wen sie vielleicht wiederzuerkennen hofften. Nynaeve sagte ihm dies, und Elayne sah sie auf eine Art an, da� er glaubte, er w�rde endlich einmal zu sehen bekommen, wie Nynaeve geohrfeigt wurde. Sie nahmen seine strikte Anweisung, ihre Leibw�chter nicht zu verlassen, sanftm�tig entgegen und zeigten ihm ebenso bereitwillig die Verkleidungen, die sie zu tragen beabsichtigten. Selbst nachdem Thom es ihm beschrieben hatte, war der Anblick der beiden Frauen, die sich vor seinen Augen in Ebou Dari verwandelten, fast ein genauso gro�er Schock wie ihre Sanftm�tigkeit. Nun, Nynaeve versetzte der Sanftm�tigkeit einen gewaltigen Schlag, indem sie zornig wurde, als sie erkannte, da� er seine Worte ernst gemeint hatte, da� die Aielfrau keinen Leibw�chter brauche, aber sie beruhigte sich wieder. Es machte ihn bei beiden Frauen nerv�s, wenn sie ihre H�nde falteten und ergeben antworteten. Sie beide zusammen - und eine <emphasis>anerkennend</emphasis> nickende Aviendha! Matt war froh, wenn er sie fortschicken konnte. Sicherheitshalber ignorierte er ihre zusammengepre�-ten Lippen und lie� sie ihre Verkleidungen noch einmal jenen M�nnern vorf�hren, die er als erste mit ihnen losschickte. Vanin freute sich �ber die Gelegenheit, einer der Leibw�chter Elaynes zu sein, und zeigte es auch. Der beleibte Mann hatte nicht viel Selbstbeherrschung gelernt.</p><p>Genau wie am Vortag waren �berraschend viele Menschen gekommen, um Carridin aufzusuchen, einschlie�lich einiger in Seide Geh�llter, aber das war kein Beweis, da� sie Schattenfreunde waren. Immerhin war Carridin der Abgesandte der Wei�m�ntel, und wahrscheinlich kamen mehr Menschen, die Handel mit Amadicia treiben wollten, zu ihm als zu dem Abgesandten Amadicias, wer auch immer er oder sie sein mochte. Vanin sagte, zwei Frauen h�tten Carridins Palast ebenfalls beobachtet - sein Gesichtsausdruck, als Aviendha sich pl�tzlich in eine dritte Ebou Dari verwandelte, war erstaunlich - und auch ein alter Mann, glaubte er, obwohl sich der Bursche als �berraschend flink erwiesen hatte. Vanin hatte ihn nicht genau betrachten k�nnen, obwohl er ihn dreimal gesehen hatte. Als Vanin und die Frauen gegangen waren, schickte Mat auch Thom und Juilin los, um zu sehen, was sie �ber Jaichim Carridin und einen gebeugten, wei�haarigen alten Mann mit einem Interesse an Schattenfreunden herausfinden konnten. Wenn der Diebef�nger keine M�glichkeit fand, Carridin zu Fall zu bringen, dann gab es sie nicht, und Thom schien gut darin zu sein, alles Gerede und alle Ger�chte an einem Ort zu sammeln und die Wahrheit herauszufiltern. Aber alles das war nat�rlich der leichtere Teil.</p><p>Zwei Tage lang schwitzte Mat auf dieser Bank und spazierte gelegentlich die Gasse neben der F�rberei hinab, doch das einzige, was sich �nderte, war, da� der Tee immer schlechter wurde. Der Wein war so schlecht, da� Nalesean Bier zu trinken begann. Am ersten Tag bot ihnen der Tavernenwirt zum Mittagessen Fisch an, aber dieser Fisch war dem Geruch nach bereits eine Woche zuvor gefangen worden. Am zweiten Tag bot er ihnen einen Austerneintopf an. Mat a�, trotz der Schalenst�cke, f�nf Sch�sseln davon. Birgitte lehnte beides ab.</p><p>Es hatte ihn �berrascht, als sie ihn und Nalesean einholte, als sie heute morgen �ber den Mol Hara eilten. Die Sonne war noch kaum �ber den D�chern aufgestiegen, aber Menschen und Karren bev�lkerten bereits den Platz. �Ich mu� gerade geblinzelt haben�, sagte sie lachend. �Ich habe dort gewartet, wo ich glaubte, da� Ihr herauskommen m��tet. Ich hoffe, Ihr habt nichts gegen ein wenig Gesellschaft einzuwenden.�</p><p>�Wir gehen manchmal ziemlich schnell voran�, antwortete er ausweichend. Nalesean sah ihn von der Seite an. Er hatte nat�rlich keine Ahnung, warum sie den Palast durch eine kleine Seitent�r in der N�he der St�lle verlassen hatten. Nicht, da� Mat glaubte, Tylin w�rde ihn tats�chlich im hellen Morgenlicht in den G�ngen �berfallen, aber es schadete niemals, vorsichtig zu sein. �Eure Gesellschaft ist uns jederzeit willkommen. Ehm ... danke.� Sie zuckte nur die Achseln, murmelte etwas, was er nicht verstehen konnte, und schritt dann auf seiner anderen Seite kr�ftig mit aus.</p><p>So hatte es mit ihr angefangen. Jede andere Frau, die er jemals gekannt hatte, h�tte wissen wollen, wof�r er sich bedankt hatte, und h�tte anschlie�end so lang und breit erkl�rt, warum es nicht n�tig gewesen w�re, da� er sich am liebsten die Ohren zugehalten h�tte - oder sie h�tte ihn gleicherma�en ausf�hrlich daf�r ger�gt, da� er den Dank f�r n�tig gehalten h�tte oder h�tte verdeutlicht, da� sie etwas Greifbareres erwartete als Worte. Birgitte zuckte nur die Achseln, und im Verlauf der n�chsten zwei Tage kam ihm etwas Best�rzendes in den Sinn.</p><p>Frauen dienten f�r ihn normalerweise dazu, sie zu bewundern und anzul�cheln, mit ihnen zu tanzen und sie zu k�ssen, wenn sie es zulie�en, oder mit ihnen zu kuscheln, wenn er Gl�ck hatte. Es bereitete fast genauso viel Vergn�gen zu entscheiden, welche Frau man erobern wollte, wie sie zu erobern, wenn auch nicht ann�hernd so viel, wie sie zu besitzen. Einige Frauen waren nat�rlich nur Freundinnen. Wenige. Egwene beispielsweise, obwohl er sich nicht sicher war, wie diese Freundschaft ihren Aufstieg zur Amyrlin �berstehen w�rde. Auch Nynaeve war in gewisser Weise eine Art Freundin. Wenn sie nur einmal eine Stunde lang vergessen k�nnte, da� sie ihm mehr als einmal den Hosenboden versohlt hatte, und sich daran erinnern w�rde, da� er kein Junge mehr war. Aber die Freundschaft mit einer Frau unterschied sich von der Freundschaft mit einem Mann. Dabei war man sich stets bewu�t, da� sie anders dachte als man selbst, da� sie die Welt mit anderen Augen sah.</p><p>Birgitte beugte sich auf der Bank zu ihm. �Ihr solltet besser vorsichtig sein�, murmelte sie. �Diese Witwe h�lt nach einem neuen Ehemann Ausschau. Ihr Hochzeitsdolch steckt in einer blauen Scheide. Au�erdem ist das Haus dort dr�ben.�</p><p>Er blinzelte, verlor die rundliche Frau, die ihre H�ften beim Gehen so au�erordentlich schwang, aus den Augen, und Birgitte reagierte auf seinen verlegenen Gesichtsausdruck mit Lachen. Nynaeve h�tte ihn wortreich ger�gt, und selbst Egwene h�tte k�hle Mi�billigung gezeigt. Am Ende des zweiten Tages auf dieser Bank erkannte er, da� er die ganze Zeit dicht mit Birgitte zusammengesessen und nicht einmal daran gedacht hatte, sie zu k�ssen. Er war sich sicher, da� sie auch nicht von ihm gek��t werden wollte -offen gesagt, w�re er, wenn man die h��lichen M�nner bedachte, die sie anscheinend gern betrachtete, vielleicht beleidigt gewesen, wenn sie es gewollt h�tte. Birgitte war zudem eine Heldin aus der Legende, von der er noch immer halbwegs erwartete, da� sie �ber ein Haus springen und unterwegs einige Verlorene am Kragen packen w�rde. Aber das war es nicht: Er h�tte genausogut daran denken k�nnen, Nalesean zu k�ssen. Genauso wie den Tairener, ganz genauso, <emphasis>mochte</emphasis> er Birgitte.</p><p>Zwei Tage verbrachten sie bereits auf dieser Bank und gingen die Gasse neben der F�rberei auf und ab, um die hohe Mauer aus kahlen Ziegelsteinen an der R�ckseite des Gartens des Hauses zu betrachten. Birgitte h�tte hinaufklettern k�nnen, aber selbst sie h�tte sich vielleicht den Hals gebrochen, wenn sie es in einem Kleid versuchte. Dreimal beschlo� er spontan, Frauen zu folgen, die das Haus verlie�en, von denen zwei den roten G�rtel einer Weisen Frau trugen. Die zuf�llige Gelegenheit schien sein Gl�ck zu beschw�ren. Eine der Weisen Frauen ging um die Ecke und kaufte ein B�ndel ged�rrte R�ben, bevor sie zur�ckging. Die andere lief zwei Stra�en weiter, um zwei gro�e, gr�n gestreifte Fische zu kaufen. Die dritte Frau, gro� und dunkel in geschmackvollem grauen Tuch - vielleicht eine Tairenerin - �berquerte zwei Br�cken, bevor sie einen gro�en Laden betrat, in dem sie von einem mageren, sich verbeugenden Burschen l�chelnd begr��t wurde und dann das Verladen von lackierten Schachteln und K�stchen in mit S�gesp�nen gef�llte K�rbe �berwachte, die wiederum auf einen Wagen geladen wurden. Soweit er h�ren konnte, hoffte sie, damit in Andor einen h�bschen Betrag in Silber zu verdienen. Mat konnte nur knapp davonkommen, ohne eine Schachtel zu kaufen. Soviel zu zuf�lligem Gl�ck.</p><p>Auch niemand sonst hatte Gl�ck. Nynaeve, Elayne und Aviendha schlenderten durch die Stra�en rund um Carridins kleinen Palast, ohne jemanden zu sehen, den sie wiedererkannt h�tten, was sie unendlich entt�uschte. Sie weigerten sich noch immer, ihm zu sagen, um wen es ging. Es war auch einerlei, da die Leute sich ohnehin nicht zeigten. Das sagten sie ihm, w�hrend sie ihn strahlend anl�chelten. Zumindest dachte er, da� es ein L�cheln sein sollte. Es war eine Schande, da� Aviendha sich anscheinend so sehr mit den beiden anderen eingelassen hatte, aber dann gab es einen Moment, in dem er sie zu einer Antwort dr�ngte und Elayne ihn anfauchte und die Aielfrau ihr etwas ins Ohr fl�sterte.</p><p>�Verzeiht, Mat�, sagte Elayne ernst, w�hrend sich ihr Gesicht so stark r�tete, wie ihr Haar hell schien. �Ich bitte dem�tig um Verzeihung, so gesprochen zu haben. Ich ... werde Euch auf Knien darum bitten, wenn Ihr es w�nscht.� Nat�rlich stockte ihre Stimme bei den letzten Worten.</p><p>�Das ist nicht n�tig�, sagte er matt und bem�hte sich, sie nicht anzustarren. �Ich verzeihe Euch. Es war nichts.� Das Seltsamste daran war jedoch, da� Elayne die ganze Zeit, w�hrend sie mit ihm sprach, Aviendha ansah und bei seiner Erwiderung mit keiner Wimper zuckte, aber zutiefst erleichtert aufseufzte, als Aviendha zustimmend nickte. Frauen waren einfach eigenartig.</p><p>Thom berichtete, da� Carridin h�ufig Bettlern etwas gab und au�erdem alles Gerede �ber ihn in Ebou Dar dem entsprach, was zu erwarten gewesen war, abh�ngig davon, ob der Sprecher glaubte, da� Wei�m�ntel mordende Ungeheuer oder die wahren Retter der Welt seien. Juilin erfuhr, da� Carridin einen Plan des Tarasin-Palasts erworben hatte, was auf eine Wei�m�ntel-Invasion in Ebou Dar oder auch darauf hinweisen konnte, da� Pedron Niall einen eigenen Palast haben und den Tarasin-Palast als Vorbild nehmen wollte. Wenn er noch lebte. Es gingen neuerdings Ger�chte in der Stadt um, da� er tot sei, aber andererseits sagten die H�lfte derer, die Ger�chte verbreiteten, Aes Sedai h�tten ihn get�tet w�hrend die andere H�lfte behauptete, Rand h�tte es getan, was den Wert der Ger�chte bewies. Weder Juilin noch Thom hatten etwas �ber einen wei�haarigen alten Mann mit verwittertem Gesicht erfahren k�nnen.</p><p>Entt�uschung hinsichtlich Carridin, Entt�uschung bei der Beobachtung des verdammten Hauses, und was den Palast betraf...</p><p>Mat fand heraus, wie der Ablauf jener ersten Nacht sein sollte, als er schlie�lich wieder in seine R�ume gelangt war. Olver war da; er hatte bereits gegessen, sa� beim Licht der Stehlampen mit <emphasis>Die Reisen des Jain Fernschreiter</emphasis> in einem Sessel und war �berhaupt nicht aufgebracht dar�ber, da� er sein eigenes Zimmer hatte r�umen m�ssen. Madie hatte Wort gehalten. Olvers Bett stand jetzt im Schmollwinkel. Sollte Tylin einen neuen Versuch unternehmen, wenn ein Kind sie beobachtete! Die K�nigin war jedoch auch nicht m��ig gewesen. Mat schlich sich wie ein Fuchs in die K�chen, huschte von Ecke zu Ecke, lief wie der Blitz die Treppen hinab - und stellte fest, da� es nichts zu essen gab.</p><p>Oh, Kochd�fte durchdrangen die Luft, Fleischspie�e drehten sich �ber den gro�en Feuerstellen, T�pfe brodelten auf wei� gekachelten Herden und K�chinnen befeuerten st�ndig offene �fen, um dieses oder jenes hineinzuschieben. Es gab nur f�r Mat Cauthon nichts zu essen. L�chelnde Frauen in sauberen wei�en Sch�rzen erwiderten <emphasis>sein</emphasis> L�cheln nicht und stellten sich ihm in den Weg, so da� er nicht in die N�he des Ursprungs dieser wundervollen D�fte gelangen konnte. Sie l�chelten und klopften ihm auf die Finger, wenn er einen Laib Brot oder nur ein wenig honigglasierte R�ben ergreifen wollte. Sie l�chelten und sagten ihm, er d�rfe sich nicht den Appetit verderben, wenn er mit der K�nigin speisen wolle. Sie wu�ten es. Jede einzelne von ihnen wu�te es! Er err�tete zutiefst und floh in seine R�ume. Er schlo� die T�r hinter sich ab. Eine Frau, die einen Mann aushungern wollte, k�nnte alles versuchen.</p><p>Er lag auf einem gr�nen Seidenteppich und spielte mit Olver Schlangen und F�chse, als ein Zettel unter seiner T�r durchgeschoben wurde.</p><p><emphasis>Mir wurde gesagt, es sei nichts dagegen einzuwenden, eine Taube mit der Hand am Fl�gel zu packen und ihr Flattern zu beobachten -, aber ein hungriger Vogel wird sich fr�her oder sp�ter auch von allein der Hand ann�hern.</emphasis></p><p>�Was ist das, Mat?� fragte Olver.</p><p>�Nichts.� Mat zerkn�llte den Zettel. �Noch ein Spiel?�</p><p>�O ja.� Der Junge h�tte das t�richte Spiel den ganzen Tag gespielt, wenn man ihm die Gelegenheit dazu gelassen h�tte, �Mat, hast du etwas von dem Schinken probiert, den es heute abend gab? Ich habe noch niemals etwas so...�</p><p>�Du bist dran, Olver. Mach einfach deinen Wurf.�</p><p>Als Mat in der dritten Nacht zum Palast zur�ckging, kaufte er Brot und Oliven und Schafsk�se, was genausogut war. Die K�chen hatten noch immer ihre Befehle. Die verdammten Frauen lachten tats�chlich lauthals, w�hrend sie unmittelbar au�erhalb seiner Reichweite dampfende Servierplatten mit Fleisch und Fisch schwenkten und ihm sagten, er solle sich nicht seinen verdammten Appetit verderben.</p><p>Er bewahrte W�rde. Er gestattete es sich nicht, eine Platte zu ergreifen und davonzulaufen. Er schritt ruhig davon und schwenkte einen imagin�ren Umhang. �Gn�dige Damen, Eure Herzlichkeit und Gastlichkeit �berw�ltigen mich.�</p><p>Sein R�ckzug w�re noch ein wenig besser vonstatten gegangen, wenn nicht eine der K�chinnen hinter seinem R�cken geh�hnt h�tte. �Die K�nigin wird sich nur allzu bald an gebratenem Entchen n�hren, Bursche.� Sehr spa�ig. Die anderen Frauen br�llten so laut vor Lachen, da� sie sich wohl auf dem Boden gew�lzt haben mu�ten. Verdammt spa�ig.</p><p>Brot, Oliven und gesalzener K�se bildeten eine gute Mahlzeit, die er mit etwas Wasser vom Waschtisch hinuntersp�lte. Seit dem ersten Tag hatte es in seinen R�umen keinen gew�rzten Wein mehr gegeben. Olver versuchte ihm etwas �ber Bratfisch mit Senfsauce und Rosinen zu erz�hlen, aber Mat sagte ihm, er solle lesen �ben.</p><p>An diesem Abend schob niemand einen Zettel unter seiner T�r hindurch. Und niemand r�ttelte am Schlo�. Mat begann zu glauben, da� vielleicht alles besser w�rde. Morgen war das Vogelfest. Nach dem zu urteilen, was er �ber die Kost�me geh�rt hatte, welche die Leute trugen - M�nner und Frauen gleicherma�en -, w�rde sich Tylin vielleicht ein neues Entchen f�r die Jagd suchen. Und jemand w�rde vielleicht aus diesem verdammten Haus gegen�ber der <emphasis>Rose von Elbar</emphasis> herauskommen und ihm die verdammte Schale der Winde aush�ndigen. Es mu�te einfach alles besser werden.</p><p>Als er am dritten Morgen im Tarasin-Palast erwachte, rollten die W�rfel in seinem Kopf umher.</p></section><section><title><p>29</p><p>Das Vogelfest</p></title><p>Mat wachte von den W�rfeln auf und erwog weiterzuschlafen, bis sie zur Ruhe k�men, aber schlie�lich stand er doch mi�mutig auf. Als h�tte er nicht schon genug Sorgen. Er verscheuchte Nerim, zog sich an, a� w�hrenddessen die letzten St�cke Brot und K�se vom Vorabend und sah dann nach Olver. Der Junge war hin- und hergerissen zwischen der M�glichkeit sich rasch anzukleiden, um hinauszugelangen, und der M�glichkeit stehenzubleiben - Stiefel und Hemd in der Hand haltend -, um Dutzende von Fragen loszuwerden, die Mat nur halbherzig beantwortete. Nein, sie w�rden heute nicht zu den Rennen gehen. Vielleicht k�nnten sie die Tierschau besuchen. Ja, Mat w�rde ihm eine Federmaske f�r das Fest kaufen. Wenn er sich jemals fertig ankleidete. Was prompt geschah.</p><p>In Wahrheit besch�ftigten Mat die W�rfel in seinem Kopf. Warum hatten sie erneut zu rollen begonnen? Er wu�te immer noch nicht, warum sie auch fr�her schon zu rollen begonnen hatten!</p><p>Als Olver schlie�lich angezogen war, folgte er Mat plappernd ins Wohnzimmer - und stie� von hinten gegen ihn, als Mat j�h stehenblieb. Tylin legte das Buch, das Olver am Abend zuvor gelesen hatte, auf den Tisch zur�ck.</p><p>�Majest�t!� Mat warf einen raschen Blick zur T�r, die er letzte Nacht abgeschlossen hatte und die jetzt weit offenstand. �Welche �berraschung.� Er zog Olver vor sich, zwischen sich und das sp�ttische L�cheln der Frau. Nun, vielleicht war es nicht wirklich sp�ttisch, aber gewi� schien es in dem Moment so. Sie war offensichtlich mit sich zufrieden. �Ich wollte Olver gerade mit in die Stadt nehmen. Wir wollen uns das Fest ansehen. Und eine Tierschau. Er w�nscht sich eine Federmaske.� Er schlo� j�h den Mund, um nicht weiteren Unsinn von sich zu geben, und ging langsam auf die T�r zu, wobei er den Jungen als Schild benutzte.</p><p>�Ja�, murmelte Tylin, die ihn durch gesenkte Wimpern beobachtete. Sie machte keinerlei Anstalten einzugreifen, aber ihr L�cheln vertiefte sich, als warte sie nur darauf, da� sein Fu� in einer Falle landete. �Es ist weitaus besser, wenn er in Begleitung ist, als wenn er mit den Stra�enkindern umherrennt, wie ich geh�rt habe. Man h�rt eine Menge �ber Euren Jungen. Riselle?�</p><p>Eine Frau erschien im Eingang, und Mat zuckte zusammen. Eine phantasievolle Maske aus blauen und goldenen Federn verbarg weitgehend Riselles Gesicht, aber die Federn an ihrem �brigen Kost�m verbargen sonst nicht viel. Sie besa� den aufsehenerregendsten Busen, den er je gesehen hatte.</p><p>�Olver�, sagte sie und sank auf die Knie, �w�rdest du gern mit mir zum Fest gehen?� Sie hielt eine rotgr�ne Falkenmaske hoch, die genau die richtige Gr��e f�r einen Jungen hatte.</p><p>Bevor Mat den Mund �ffnen konnte, ri� sich Olver von ihm los und lief zu ihr. �O ja, bitte. Vielen Dank.� Der undankbare kleine Flegel lachte, als sie ihm die Falkenmaske vors Gesicht band und ihn an ihren Busen dr�ckte. Hand in Hand liefen sie hinaus und lie�en Mat mit offenem Mund zur�ck.</p><p>Mat erholte sich ausreichend schnell, als Tylin sagte: �Gut f�r dich, da� ich keine eifers�chtige Frau bin, mein S��er.� Sie zog den langen Eisenschl�ssel zu seiner T�r hinter ihrem Gold- und Silberg�rtel hervor, dann einen zweiten und winkte ihm damit. �Die Leute bewahren ihre Schl�ssel immer in einem Kasten in der N�he der T�r auf.� Dort hatte auch er seinen gelassen. �Und niemand denkt jemals daran, da� es noch einen weiteren Schl�ssel geben k�nnte,� Ein Schl�ssel wurde wieder hinter den G�rtel gesteckt, w�hrend der andere mit lautem Klicken im Schlo� gedreht wurde, bevor er seinem Gegenst�ck folgte. �Nun, Sch�tzchen.� Sie l�chelte.</p><p>Es war zuviel. Die Frau jagte ihn, versuchte, ihn auszuhungern, und jetzt sperrte sie ihn mit ihr ein wie ... er wu�te nicht, was. Sch�tzchen! Diese verdammten W�rfel sprangen in seinem Sch�del umher. Au�erdem mu�te er sich um wichtige Angelegenheiten k�mmern. Die W�rfel hatten niemals etwas damit zu tun gehabt, etwas zu finden, aber... Er erreichte sie mit zwei langen Schritten, ergriff ihren Arm und suchte die Schl�ssel. �Ich habe, verdammt noch mal, keine Zeit f�r...� Sein Atem gefror, als die scharfe Spitze ihres Dolches unter seinem Kinn ihm die Worte raubte und ihn sich auf Zehenspitzen aufrichten lie�.</p><p>�Nehmt Eure Hand fort�, sagte sie kalt. Er sah ihr ins Gesicht. Jetzt l�chelte sie nicht mehr. Er lie� ihren Arm vorsichtig los. Sie lockerte den Druck der Klinge jedoch nicht. Sie sch�ttelte den Kopf. �Ts, ts, ts. Ich versuche zu bedenken, da� Ihr ein Fremder seid, G�nschen, aber da Ihr es auf die grobe Art wollt... H�nde an die Seiten. Bewegt Euch.� Die Dolchspitze wies ihm die Richtung. Er schlich lieber auf Zehenspitzen r�ckw�rts, als die Kehle durchschnitten zu bekommen.</p><p>�Was habt Ihr vor?� stie� er durch zusammengebissene Z�hne hervor. Der gestreckte Hals lie� seine Stimme angestrengt klingen - unter anderem. �Nun?� Er konnte versuchen, ihr Handgelenk zu ergreifen. Er war schnell mit seinen H�nden. �Was habt Ihr vor?� Schnell genug, wenn das Messer bereits an seiner Kehle anlag? Das war die Frage. Das und diejenige, die er ihr gestellt hatte. Wenn sie ihn zu t�ten beabsichtigte, w�rde ein Ruck ihres Handgelenks genau jetzt gen�gen, den Dolch bis in sein Gehirn zu sto�en. �Wollt Ihr mir antworten?� Es klang keine Panik in seiner Stimme mit. Er war nicht in Panik. �Majest�t? Tylin?� Nun, vielleicht war er etwas in Panik, wenn er ihren Namen gebrauchte. Man k�nnte jede Frau in Ebou Dar den ganzen Tag �Entchen� oder �S��e� nennen, und sie w�rde l�cheln, aber ihren Namen zu gebrauchen, bevor sie es erlaubte, bewirkte eine heftigere Reaktion, als wenn man eine fremde Frau irgendwo anders auf der Stra�e in den Po zwickte. Und einige ausgetauschte K�sse gen�gten keineswegs als Erlaubnis.</p><p>Tylin antwortete nicht, sondern lie� ihn einfach weiter auf Zehenspitzen zur�ckweichen, bis er mit den Schultern pl�tzlich gegen etwas prallte, das ihn aufhielt. Da dieser gl�hende Dolch keinen Moment gelockert wurde, konnte er den Kopf nicht bewegen, aber er versuchte sich dennoch umzublicken. Sie befanden sich im Schlafraum, und ein mit geschnitzten Blumen verzierter Bettpfosten dr�ckte hart zwischen seine Schulterbl�tter. Warum sollte sie ihn hierher...? Er err�tete j�h. Nein. Sie konnte doch nicht vorhaben... Es war nicht anst�ndig! Es war nicht m�glich!</p><p>�Das k�nnt Ihr mir nicht antun�, murmelte er, und wenn seine Stimme ein wenig atemlos und schrill klang, so bestand gewi� Grund dazu.</p><p>�Beobachtet und lernt, mein K�tzchen�, sagte Tylin und zog ihren Hochzeitsdolch.</p><p>Hinterher, erhebliche Zeit sp�ter, zog er das Laken ver�rgert �ber seine Brust. Ein Seidenlaken. Nalesean hatte recht gehabt. Die K�nigin von Altara summte gl�cklich neben dem Bett, die Arme auf dem R�cken, um die Kn�pfe ihres Kleids zu schlie�en. Er trug nur sein Fuchskopf-Medaillon um den Hals und das schwarze Halstuch. Ein Band um ihr Geschenk, hatte die verdammte Frau es genannt. Er rollte sich herum und ergriff seine silberverzierte Pfeife und den Tabaksbeutel von dem kleinen Tisch auf der anderen Seite des Bettes. Eine goldene Zange und ein hei�es St�ck Kohle in einer goldenen, mit Sand gef�llten Schale dienten zum Anz�nden der Pfeife. Er verschr�nkte die Arme und paffte heftig.</p><p>�Du solltest dich nicht aufregen, Entchen, und du solltest auch nicht schmollen.� Sie zog ihren Dolch aus dem Bettpfosten, wo er neben ihrem Hochzeitsdolch stak, und �berpr�fte die Spitze, bevor sie ihn in die Scheide steckte. �Was ist los? Du wei�t, da� du genauso viel Vergn�gen daran hattest wie ich, und ich...� Sie lachte pl�tzlich laut und steckte den Hochzeitsdolch ebenfalls wieder in die Scheide. �Wenn das dazugeh�rt, ein <emphasis>Ta'veren</emphasis> zu sein, mu�t du sehr beliebt sein.� Mat err�tete zutiefst.</p><p>�Es ist nicht nat�rlich�, platzte er heraus und nahm den Pfeifenstiel aus dem Mund. �Ich sollte derjenige sein, der erobert!� Ihr erstaunter Blick spiegelte j�h den seinen wider. W�re Tylin ein Schankm�dchen gewesen, das ihn anl�chelte, hatte er sein Gl�ck vielleicht versucht - nun, wenn das Schankm�dchen keinen Sohn h�tte, der gern Menschen durchl�cherte -, aber <emphasis>er</emphasis> war der Eroberer. Er hatte niemals zuvor an die umgekehrte M�glichkeit gedacht. Er hatte niemals zuvor daran denken brauchen.</p><p>Tylin lachte, sch�ttelte den Kopf und wischte sich mit dem Handr�cken �ber die Augen. �Oh, T�ubchen.</p><p>Ich vergesse es stets. Du bist jetzt in Ebou Dar. Ich habe im Wohnzimmer ein kleines Geschenk f�r dich hinterlegt.� Sie t�tschelte durch das Laken hindurch seinen Fu�. �I� heute anst�ndig. Du wirst deine Kraft brauchen.�</p><p>Mat legte eine Hand �ber die Augen und bem�hte sich sehr, nicht zu schreien. Als er die Hand wieder herunternahm, war sie fort.</p><p>Er stieg aus dem Bett und wickelte das Laken um sich. Aus einem unbestimmten Grund bereitete ihm die Vorstellung, nackt herumzulaufen, Unbehagen. Die verdammte Frau k�nnte aus dem Schrank springen. Die Kleidung, die er getragen hatte, lag �ber den Boden verstreut. <emphasis>Warum sollte man sich mit Schn�ren abm�hen,</emphasis> dachte er zornig, <emphasis>wenn man jemandem die Kleidung einfach vom K�rper</emphasis> schneiden <emphasis>kann!</emphasis> Sie hatte jedoch kein Recht gehabt, seine rote Jacke so zu verderben. Es hatte ihr einfach Spa� gemacht, ihn mit dem Messer herauszusch�len.</p><p>Er �ffnete seinen hohen, rotgoldenen Schrank, wobei er fast den Atem anhielt. Sie verbarg sich nicht darin. Seine Auswahlm�glichkeiten waren begrenzt. Nerim hatte seine meisten Jacken zum Reinigen oder Flicken gebracht. Er zog sich eilig an, w�hlte eine einfache Jacke aus dunkel bronzefarbener Seide und stopfte dann die zerschnittenen Fetzen so weit unters Bett wie m�glich, bis er sich ihrer entledigen k�nnte, ohne da� Nerim es sah. Oder sonst jemand. Zu viele Leute wu�ten bereits entschieden zuviel �ber das, was zwischen ihm und Tylin vor sich ging. Er k�nnte niemandem in die Augen sehen, der hiervon w��te.</p><p>Im Wohnzimmer hob er den Deckel des Lackkastens an der T�r an und lie� ihn dann seufzend wieder zufallen. Er hatte wirklich nicht erwartet, da� Tylin den Schl�ssel zur�cklegen w�rde. Er lehnte sich gegen die nicht abgeschlossene T�r. Licht, was sollte er tun? Wieder ins Gasthaus ziehen? Er w��te zu gern, warum die W�rfel zuvor angehalten hatten. Tylin w�re es durchaus zuzutrauen, Herrin Anan und Enid oder welche andere Gastwirtin auch immer zu bestechen. Und er w�rde es Nynaeve und Elayne zutrauen zu behaupten, er h�tte irgendeine Vereinbarung gebrochen, wodurch sie nicht mehr an ihre Versprechen gebunden seien. Verdammt seien alle Frauen!</p><p>Ein gro�es, sorgf�ltig in gr�nes Papier gewickeltes Paket stand auf einem der Tische. Es enthielt eine Adlermaske in Schwarz und Gold und eine dazu passende, mit Federn besetzte Jacke. Au�erdem befand sich eine rote Seidenb�rse mit zwanzig Goldkronen und einem nach Blumen duftenden Zettel darin.</p><p><emphasis>Ich h�tte dir einen Ohrring gekauft, Ferkelchen, aber ich habe bemerkt, da� dein Ohr nicht durchstochen ist. La� es machen und kauf dir etwas H�bsches.</emphasis></p><p>Er war wieder nahe daran zu schreien. <emphasis>Er</emphasis> machte <emphasis>Frauen</emphasis> Geschenke. Die Welt stand Kopf! <emphasis>Ferkelchen?</emphasis> Oh, Licht! Kurz darauf nahm er die Maske hoch. Soviel schuldete sie ihm allein schon f�r seine Jacke.</p><p>Als er schlie�lich den kleinen, schattigen Hof erreichte, wo sie sich jeden Morgen an einem winzigen runden Teich mit Seerosen und hell gesprenkelten, wei�en Fischen trafen, fand er Nalesean und Birgitte ebenfalls auf das Fest vorbereitet vor. Der Tairener hatte sich mit einer einfachen gr�nen Maske begn�gt, aber Birgittes Maske war ein Spr�hregen aus Gelb und Rot mit einem Federschopf, Sie trug ihr blondes Haar offen und ebenfalls von oben bis unten federgeschm�ckt, sowie ein Gewand mit einem breiten gelben G�rtel, das weitere, darunter getragene rote und gelbe Federn durchscheinen lie�. Es enth�llte nicht ann�hernd soviel wie Riselles Kleid, schien es aber tun zu wollen, wann immer sie sich bewegte. Er h�tte niemals gedacht, da� sie ein Kleid wie andere Frauen trug.</p><p>�Manchmal macht es Spa�, wenn man angeschaut wird�, sagte sie und stie� ihn in die Rippen, als er eine Bemerkung machte. Ihr Grinsen h�tte zu Nalesean gepa�t, wenn er �u�erte, wieviel Spa� es machte, Schankm�dchen zu zwicken. �Es ist weitaus mehr daran, als Federt�nzer tragen, aber nicht genug, um mich zu behindern, und ich glaube ohnehin nicht, da� wir uns auf dieser Seite des Flusses schnell voranbewegen m�ssen.� Die W�rfel in seinem Kopf klapperten. �Was hat Euch aufgehalten?� fuhr sie fort. �Ich hoffe, Ihr habt uns nicht warten lassen, um einem h�bschen M�dchen zu schmeicheln.� <emphasis>Er</emphasis> hoffte, da� er nicht err�tete.</p><p>�Ich...� Er war sich nicht sicher, welche Entschuldigung er ersonnen h�tte, aber in diesem Moment kamen ein halbes Dutzend M�nner mit federbesetzten Jacken in den Hof, die alle schmale Schwerter an der H�fte und au�er einem Mann kunstvolle Masken mit buntem Sch�pf und Schnabel trugen, die keinen jemals von menschlichen Augen erblickten Vogel darstellten. Die Ausnahme war Beslan, der seine Maske am Band umherwirbelte. �Oh, Blut und Asche, was macht er hier?�</p><p>�Beslan?� Nalesean faltete die H�nde �ber dem Knauf seines Schwerts und sch�ttelte ungl�ubig den Kopf. �Verdammt sei meine Seele, aber er sagte, er beabsichtige das Fest in Eurer Gesellschaft zu begehen. Er behauptet, es ginge um ein Versprechen, das Ihr gegeben h�ttet. Ich habe ihm gesagt, da� es t�dlich langweilig w�rde, aber er wollte mir nicht glauben.�</p><p>�Ich kann mir nicht vorstellen, da� es in Mats N�he jemals langweilig ist�, sagte Tylins Sohn. Seine Verbeugung galt ihnen allen, aber seine dunklen Augen verweilten besonders auf Birgitte. �Ich hatte noch niemals so viel Spa� wie an dem Tag, als ich mit Mat und Lady Elaynes Beh�terin in einer swovanischen Nacht getrunken habe, obwohl ich mich in Wahrheit an kaum etwas erinnere.� Er schien diese Beh�terin nicht wiederzuerkennen. Seltsamerweise, wenn man ihren Geschmack bei M�nnern bedachte -Beslan sah gut aus, vielleicht ein wenig zu gut, aber absolut nicht auf ihre Art -, l�chelte sie leicht und bildete sich etwas auf seinen forschenden Blick ein.</p><p>Aber Mat k�mmerte es im Moment nicht, wie unpassend sie sich benahm. Beslan hegte offensichtlich keinen Verdacht, sonst h�tte er sein Schwert bereits gezogen, aber das letzte unter dem Licht, was Mat wollte, war ein Tag in seiner Gesellschaft. Es w�re unertr�glich. Mat besa� einen gewissen Sinn f�r Anstand, auch wenn das auf Beslans Mutter nicht zutraf.</p><p>Das einzige Problem war Beslan, der dieses verdammte Versprechen, alle Feste und Festtage zusammen zu verbringen, sehr ernst nahm. Je mehr Mat mit Nalesean darin �bereinstimmte, da� der von ihnen geplante Tag unglaublich langweilig w�rde, desto entschlossener wurde Beslan. Nach einer Weile verd�sterte sich seine Miene zusehends, und Mat begann zu glauben, da� er sein Schwert vielleicht doch noch ziehen w�rde. Nun, ein Versprechen war ein Versprechen. Als Mat und Nalesean und Birgitte den Palast verlie�en, stolzierten ein halbes Dutzend befiederte Narren hinterdrein. Mat war sich sicher, da� dies nicht geschehen w�re, wenn Birgitte ihre gew�hnliche Kleidung getragen h�tte. Der ganze Haufen betrachtete sie st�ndig und l�chelte.</p><p>�Was sollten all diese Verrenkungen, w�hrend Beslan Euch die ganze Zeit betrachtete?� murrte er, als sie den Mol Hara �berquerten. Er zog das Band fester, das seine Adlermaske hielt.</p><p>�Ich habe mich nur ein wenig bewegt.� Ihre Spr�-digkeit war so offenkundig vorget�uscht, da� er zu einem anderen Zeitpunkt gelacht h�tte. �Ein wenig.� Sie l�chelte j�h wieder und senkte die Stimme, so da� nur er ihre n�chsten Worte h�ren konnte. �Ich sagte Euch bereits, da� es manchmal Spa� macht, wenn man angeschaut wird. Nur weil sie alle zu gut aussehen, bedeutet das noch lange nicht, da� ich ihren Anblick nicht genie�e. Oh, Ihr werdet <emphasis>sie</emphasis> Euch ansehen wollen�, f�gte sie hinzu und deutete auf eine schlanke Frau, die mit einer blauen Eulenmaske und eher noch weniger Federn, als Riselle getragen hatte, vor�bereilte.</p><p>Das war so bemerkenswert an Birgitte: Sie stie� ihn genauso bereitwillig in die Rippen und wies ihn auf ein h�bsches M�dchen hin wie jeder ihm jemals bekannte Mann, und erwartete, da� er sie im Gegenzug ebenfalls auf alles hinwies, was sie gern betrachtete - im allgemeinen der h��lichste sichtbare Mann. Aber ob sie es sich nun erw�hlt hatte, heute halbnackt zu gehen oder nicht, war sie ... nun, eine Freundin. Die Welt erwies sich als immer seltsamer. Die eine Frau betrachtete er zunehmend als Zechkumpan, und eine andere verfolgte ihn genauso hartn�ckig, wie er jemals - sowohl in jenen alten Erinnerungen als auch in seinen eigenen - einer h�bschen Frau nachgestellt hatte. Hartn�ckiger. Er hatte niemals eine Frau verfolgt, die ihn hatte wissen lassen, da� sie nichts von ihm wollte. Eine verkehrte Welt.</p><p>Die Sonne war noch nicht halbwegs aufgestiegen, aber Zelebranten bev�lkerten bereits die Stra�en, Pl�tze und Br�cken. Akrobaten, Jongleure und Musikanten mit an ihre Kleidung gen�hten Federn f�hrten an jeder Stra�enecke etwas auf, wobei die Musik h�ufig im Lachen und Rufen verklang. Der �rmeren Bev�lkerung gen�gten einige ins Haar gesteckte Federn, Taubenfedern, die sie zwischen umherspringenden Stra�enkindern und Bettlern vom Stra�enpflaster aufgelesen hatten, aber die Masken und Kost�me wurden kunstvoller, je schwerer die Geldb�rsen wurden. Kunstvoller und oft auch schockierender. M�nner und Frauen waren h�ufig mit Federn geschm�ckt, die mehr Haut enth�llten, als Riselle oder jene Frau auf dem Mol Hara gezeigt hatten. Heute fand auf den Stra�en und Pl�tzen kein Handel statt, obwohl eine Anzahl L�den ge�ffnet zu sein schien - ebenso wie nat�rlich jede Taverne und jedes Gasthaus -, aber hier und da bahnte sich ein Wagen seinen Weg durch die Menge, oder ein Lastkahn wurde vor�ber gestakt, worauf sich Plattformen befanden, auf denen junge M�nner und Frauen posierten, die bunte, ihre ganzen Gesichter bedeckende Vogelmasken mit manchmal einen vollen Schritt aufragenden Sch�pfen trugen und breite, farbenpr�chtige Schwingen so bewegten, da� ihre restlichen Kost�me jeweils nur kurz aufblitzten. Was genauso gut war, wenn man dar�ber nachdachte.</p><p>Beslans Worten zufolge wurden diese B�hnenbilder, wie sie genannt wurden, normalerweise in Gildens�len und in privaten Pal�sten und H�usern aufgef�hrt. Das ganze Fest fand normalerweise �berwiegend in Geb�uden statt. In Ebou Dar schneite es niemals richtig, selbst wenn das Wetter normal w�re - Beslan sagte, er w�rde diesen Schnee gern eines Tages sehen -, aber offensichtlich war der normale Winter ausreichend kalt, um die Menschen davon abzuhalten, fast unbekleidet im Freien herumzulaufen. Bei dieser Hitze str�mten jedoch alle auf die Stra�en. Wartet, bis die Nacht hereinbricht, sagte Beslan. Dann w�rde Mat wirklich etwas zu sehen bekommen. Mit dem schwindenden Sonnenlicht schwanden auch die Hemmungen.</p><p>W�hrend Mat eine gro�e, schlanke Frau betrachtete, die in Maske und federbesetztem Umhang und dar�ber hinaus nur sechs oder sieben weiteren Federn durch die Menge glitt, fragte er sich, welche Hemmungen diese Menschen noch verlieren sollten. Er h�tte sie beinahe angeschrien, sich mit diesem Umhang zu bedecken. Sie war h�bsch, aber drau�en auf der <emphasis>Stra�e,</emphasis> vor dem Licht und allen Leuten?</p><p>Die Wagen mit den B�hnenbildern zogen zahlreiche Zuschauer an, dichte Kn�uel von M�nnern und Frauen, die riefen und lachten, w�hrend sie M�nzen und manchmal zusammengefaltete Geldscheine auf die Wagen warfen und alle anderen auf der Stra�e beiseite dr�ngten. Mat gew�hnte sich daran vorauszueilen, bis sie in eine Seitenstra�e einbiegen konnten, oder zu warten, bis das B�hnenbild vor�bergezogen war, um eine Querstra�e oder Br�cke zu erreichen. Birgitte und Nalesean warfen schmutzigen Stra�enkindern und Bettlern M�nzen zu, w�hrend sie warteten. Nun, Nalesean warf sie. Birgitte konzentrierte sich auf die Kinder und dr�ckte jedem von ihnen eine M�nze wie ein Geschenk in eine schmuddelige Hand.</p><p>W�hrend einer dieser Pausen legte Beslan Nalesean pl�tzlich eine Hand auf den Arm und erhob seine Stimme �ber den L�rm der Menge und die Kakophonie der Musik aus mindestens sechs verschiedenen Richtungen. �Verzeiht mir, Tairener, aber gebt ihm nichts.� Ein zerlumpter Mann dr�ngte argw�hnisch wieder in die Menge zur�ck. Von hagerer und kn�cherner Statur schien er die wenigen Federn, die er vielleicht f�r sein Haar gefunden hatte, verloren zu haben.</p><p>�Warum nicht?� fragte Nalesean.</p><p>�Er tr�gt keinen Messingring am kleinen Finger�, erwiderte Beslan. �Er geh�rt nicht zur Gilde.�</p><p>�Licht�, sagte Mat. �Darf ein Mann in dieser Stadt nicht einmal betteln, ohne einer Gilde anzugeh�ren?� Vielleicht lag es an seinem Tonfall, da� ihm der Bettler an die Kehle sprang, der pl�tzlich ein Messer in der schmutzigen Faust hielt.</p><p>Ohne nachzudenken ergriff Mat den Arm des Mannes, drehte ihn um und schleuderte ihn wieder in die Menge. Einige Leute fluchten �ber Mat und einige �ber den ausgestreckt daliegenden Bettler. Einige wenige warfen dem Burschen eine M�nze zu.</p><p>Mat sah aus den Augenwinkeln einen zweiten hageren Mann in Lumpen, der versuchte, Birgitte aus dem Weg zu sto�en, um ihn mit einem langen Messer zu erreichen. Es war ein t�richter Fehler, die Frau wegen ihres Kost�ms zu untersch�tzen. Sie zog von irgendwo zwischen den Federn einen Dolch hervor und stach ihn unter den Arm.</p><p>�Vorsicht!� schrie Mat ihr zu, aber es war keine Zeit mehr f�r Warnungen. Noch w�hrend er schrie, zog er einen Dolch aus seinem Jacken�rmel und warf ihn seitlich. Die Klinge strich an Birgittes Gesicht vorbei und versank in der Kehle eines weiteren Bettlers, bevor er ihr Stahl zwischen die Rippen stechen konnte.</p><p>Pl�tzlich waren �berall Bettler mit Dolchen und mit Eisenspitzen versehenen Kn�ppeln. Schreie und Rufe ert�nten, w�hrend Menschen in Masken und Kost�men aus dem Weg zu gelangen versuchten. Nalesean schlitzte einem Mann in seinem Zorn das Gesicht auf, so da� er zur�cktaumelte. Beslan traf einen anderen Mann in den Bauch, w�hrend seine kost�mierten Freunde weitere Angreifer bek�mpften.</p><p>Mat hatte keine Zeit, mehr wahrzunehmen. Er fand sich R�cken an R�cken mit Birgitte im Angesicht der Feinde wieder. Er konnte Birgitte sich bewegen sp�ren und h�rte ihre unterdr�ckten Fl�che, aber er war sich dessen kaum bewu�t. Sie konnte auf sich selbst aufpassen, und als er die beiden M�nner vor sich betrachtete, war er sich nicht sicher, ob dasselbe auch f�r ihn galt. Der ungeschlachte Bursche mit dem zahnlosen, h�hnischen Grinsen besa� nur einen Arm und eine runzlige H�hlung, wo sein linkes Auge gewesen war, aber er hielt einen zwei Fu� langen Kn�ppel mit dornenbesetzten Eisenb�ndern in der Faust. Sein rattengesichtiger kleiner Begleiter hatte noch beide Augen und mehrere Z�hne, und trotz eingesunkener Wangen und Arme, die nur aus Knochen und Sehnen zu bestehen schienen, bewegte er sich wie eine Schlange, leckte sich die Lippen und wechselte einen rostigen Dolch st�ndig von einer Hand in die andere. Mat zielte mit dem k�rzeren Dolch in seiner Hand, der noch immer ausreichend lang war, die lebenswichtigen Organe eines Menschen zu treffen, zuerst auf den einen und dann auf den anderen Mann. Sie bewegten sich unruhig und warteten beide darauf, da� der jeweils andere ihn zuerst angreifen w�rde.</p><p>�Das wird Old Cully nicht gefallen, Spar�, grollte der gr��ere Mann, und Rattengesicht scho� vorw�rts, w�hrend die rostige Klinge weiterhin blitzend von einer Hand in die andere wechselte.</p><p>Er rechnete nicht mit dem Dolch, den Mat pl�tzlich in der linken Hand hielt und mit dem er dem Mann ins Handgelenk stach. Sein Dolch fiel klappernd auf die Pflastersteine, aber der Bursche warf sich dennoch auf Mat. Als Mats andere Klinge in seine Brust eindrang, schrie er mit geweiteten Augen und schlo� die Arme krampfartig um Mat. Das h�hnische Grinsen des kahlk�pfigen Burschen vertiefte sich, als er seinen Kn�ppel hob und hinzutrat.</p><p>Das Grinsen schwand jedoch, als sich zwei Bettler auf ihn st�rzten und w�tend auf ihn einstachen.</p><p>Mat beobachtete die Szene ungl�ubig, w�hrend er den leblosen K�rper des Rattengesichts von sich schob. Die Stra�e war bis auf die K�mpfenden verlassen, in f�nfzig Schritt Umkreis menschenleer, und �berall w�lzten sich Bettler auf dem Pflaster, von denen zwei oder drei und manchmal sogar vier auf einen einzelnen einstachen oder ihn mit Kn�ppeln oder Steinen schlugen.</p><p>Beslan ergriff Mats Arm. Er hatte Blut im Gesicht, aber er grinste. �Wir sollten gehen und die Gilde der Armen ihre Arbeit erledigen lassen. Es ist nicht ehrenvoll, Bettler zu bek�mpfen, und au�erdem wird die Gemeinschaft keinen dieser Burschen �berleben lassen. Folgt mir.� Nalesean runzelte die Stirn - er hielt es zweifellos ebenfalls f�r wenig ehrenvoll, Bettler zu bek�mpfen - und Beslans Freunde ebenso, deren Kost�me teilweise verrutscht waren und von denen einer seine Maske abgesetzt hatte, damit ein anderer einen Schnitt an seiner Stirn abtupfen konnte. Aber der Mann mit dem Schnitt grinste ebenfalls. Birgitte hatte keine sichtbare Verletzungen erlitten, und ihr Kost�m wirkte noch genauso ordentlich wie zuvor im Palast. Sie lie� ihren Dolch wieder verschwinden. Es war unm�glich, eine Klinge unter diesen Federn zu verbergen, aber sie tat es.</p><p>Mat hatte nichts dagegen einzuwenden, sich fortziehen zu lassen, aber er grollte: �Gehen Bettler in dieser ... dieser Stadt st�ndig herum und greifen Leute an?� Beslan h�tte es vielleicht nicht gern geh�rt, wenn er sie eine verdammte Stadt genannt h�tte.</p><p>Der Mann lachte. �Ihr seid ein <emphasis>Ta'veren,</emphasis> Mat. Um <emphasis>Ta'veren</emphasis> herrscht immer Aufregung.�</p><p>Mat erwiderte das L�cheln mit zusammengebissenen Z�hnen. Verdammter Narr, verdammte Stadt und verdammtes <emphasis>Ta'veren.</emphasis> Nun, wenn ihm ein Bettler die Kehle aufschlitzte, brauchte er nicht zum Palast zur�ckzukehren und sich von Tylin wie eine reife Birne sch�len zu lassen. Verdammt sei alles!</p><p>Die Stra�e zwischen der F�rberei und der <emphasis>Rose von Elbar</emphasis> war ebenfalls von Feiernden bev�lkert, wenn auch nicht von so vielen unzureichend Bekleideten. Anscheinend mu�te man Geld besitzen, um fast nackt zu gehen. Obwohl die Akrobaten vor dem Haus des Kaufmanns dem nahekamen. Die M�nner waren barfu� und mit unbedeckter Brust in farbenfrohen Hosen und die Frauen in noch engeren Hosen und d�nnen Blusen. Sie trugen alle nur wenige Federn im Haar, wie auch die Schabernack treibenden Musikanten vor dem kleinen Palast an der n�chsten Ecke - eine Frau mit einer Fl�te, eine weitere mit einer gro�en schwarzen, mit Hebeln versehenen Tuba und ein Bursche, der nach Kr�ften eine gro�e Trommel schlug. Das Haus, das zu beobachten sie hierher gekommen waren, wirkte fest verschlossen.</p><p>Der Tee in der <emphasis>Rose von Elbar</emphasis> war genauso schlecht wie immer, was immerhin bedeutete, da� er weitaus besser war als der Wein. Nalesean hielt sich an das herbe �rtliche Bier. Birgitte bedankte sich, ohne zu sagen wof�r, woraufhin Mat nur schweigend die Achseln zuckte. Sie l�chelten sich an und prosteten einander zu. Die Sonne stieg auf, und Beslan sa� da und balancierte zuerst einen Stiefel auf der Spitze des anderen und dann umgekehrt aber seine Begleiter wurden allm�hlich unruhig, egal wie oft er darauf hinwies, da� Mat ein <emphasis>Ta'veren</emphasis> sei. Ein Handgemenge mit Bettlern war wohl kaum die richtige Abwechslung, die Stra�e war zu schmal, als da� B�hnenbilder h�tten vor�berziehen k�nnen, die Frauen waren nicht so h�bsch wie anderswo und selbst Birgitte <emphasis>zu</emphasis> betrachten, schien an Reiz zu verlieren, als sie erst erkannten, da� sie nicht die Absicht hatte, auch nur einen von ihnen zu k�ssen. Mit der Beteuerung, da� sie es bedauerten, da� Beslan nicht mitkommen wollte, eilten sie auf der Suche nach etwas Unterhaltsamerem davon. Nalesean machte einen Spaziergang die Gasse neben der F�rberei hinab, und Birgitte verschwand im d�steren Inneren der <emphasis>Rose,</emphasis> um, wie sie sagte, herauszufinden, ob es �berhaupt etwas gab, was dem heimlichen Trinken in einer vergessenen Ecke gleichkam.</p><p>�Ich h�tte niemals erwartet, eine Beh�terin so bekleidet zu sehen�, sagte Beslan, der erneut die Stellung seiner Stiefel wechselte.</p><p>Mat blinzelte. Der Bursche hatte einen scharfen Blick. Sie hatte ihre Maske nicht einmal abgenommen. Nun, solange er nichts wu�te von...</p><p>�Ich glaube, Ihr werdet meiner Mutter guttun, Mat.�</p><p>Mat verspr�hte hustend Tee �ber die Vor�bergehenden. Mehrere sahen ihn w�tend an, und eine schlanke Frau mit einem h�bschen kleinen Busen l�chelte ihn unter einer blauen Maske, die vermutlich einen Zaunk�nig darstellen sollte, scheu an. Sie stampfte jedoch mit dem Fu� auf und stolzierte davon, als er ihr L�cheln nicht erwiderte. Gl�cklicherweise war niemand in ihrer Begleitung ausreichend ver�rgert, ihm mehr als d�stere Blicke zuzuwerfen, bevor sie ebenfalls weitergingen. Oder vielleicht ungl�cklicherweise. Er h�tte nichts dagegen gehabt, wenn sechs oder acht Leute ihn genau jetzt herausgefordert h�tten.</p><p>�Was meinst du?� fragte er heiser.</p><p>Beslan wandte mit erstaunt geweiteten Augen ruckartig den Kopf. �Nun, weil sie Euch als ihren Geliebten erw�hlt hat. Warum ist Euer Gesicht so rot? Seid Ihr b�se? Warum...?� Pl�tzlich schlug er sich mit der Hand an die Stirn und lachte. �Ihr denkt, <emphasis>ich</emphasis> w�re b�se. Verzeiht, aber ich vergesse stets, da� Ihr ein Fremder seid. Mat, sie ist meine Mutter, nicht meine Frau. Vater starb vor zehn Jahren, und sie hat immer behauptet, zu besch�ftigt zu sein. Ich bin einfach froh, da� sie sich jemanden erw�hlt hat, den ich mag. Wohin geht Ihr?�</p><p>Mat hatte nicht bemerkt, da� er aufgestanden war, bis Beslan es erw�hnte. �Ich wollte ... ich mu� einfach einen klaren Kopf bekommen.�</p><p>�Aber Ihr trinkt doch Tee, Mat.�</p><p>Eine gr�ne S�nfte wurde vorbeigetragen, und er sah undeutlich, da� sich die T�r des Hauses �ffnete und eine Frau mit einem mit blauen Federn besetzten Umhang �ber dem Kleid hinausschl�pfte. Ohne nachzudenken - sein Kopf war zu wirr, um klar denken zu k�nnen - folgte er ihr. Beslan <emphasis>wu�te</emphasis> es! Er <emphasis>billigte</emphasis> es! Seine eigene Mutter, und er...</p><p>�Mat?� rief Nalesean hinter ihm. �Wohin geht Ihr?�</p><p>�Wenn ich bis morgen nicht zur�ck bin�, rief Mat wie abwesend �ber die Schulter, �dann sagt ihnen, sie m�ssen sie selbst finden!� Er ging wie benommen hinter der Frau her und h�rte nicht, ob Nalesean oder Beslan noch etwas riefen. Der Bursche <emphasis>wu�te</emphasis> es! Er erinnerte sich daran, da� er einmal geglaubt hatte, Beslan und seine Mutter w�ren beide verr�ckt. Es war weit schlimmer! Ganz Ebou Dar war verr�ckt! Er war sich kaum der W�rfel bewu�t, die in seinem Kopf noch immer umherrollten.</p><p>Reanne beobachtete von einem Fenster im Versammlungsraum aus, wie Solain die Stra�e hinab verschwand, die zum Flu� f�hrte. Ein Bursche in einer bronzefarbenen Jacke folgte ihr auf dem Fu�e, aber wenn er sie aufzuhalten versuchte, w�rde er bald herausfinden, da� Solain keine Zeit f�r M�nner hatte.</p><p>Keanne war sich nicht sicher, warum der Drang heute so �berm�chtig geworden war. Seit Tagen begann er schon am Morgen und verging erst bei Sonnenuntergang, und sie hatte ihn tagelang bek�mpft - infolge der strengen Regeln z�gerten sie, sich auf das Recht zu berufen, da� der Befehl erst bei Halbmond ausgegeben w�rde, in sechs N�chten -, aber heute... Sie hatte den Befehl ausgesprochen, bevor sie nachgedacht hatte, und hatte sich nicht dazu bringen k�nnen, ihn bis zur gegebenen Zeit zur�ckzunehmen. Es w�rde gutgehen. Niemand hatte irgendwo in der Stadt ein Zeichen von den beiden jungen N�rrinnen gesehen, die sich Elayne und Nynaeve nannten. Es hatte keine Notwendigkeit bestanden, unn�tige Risiken einzugehen.</p><p>Sie wandte sich seufzend wieder zu den anderen um, die warteten, bis sie ihren Platz eingenommen hatte, bevor sie sich selbst setzten. Alles w�rde gutgehen, wie es immer gewesen war. Geheimnisse w�rden bewahrt werden, wie sie seit jeher bewahrt worden waren. Aber dennoch... Sie konnte nicht Weissagen oder �hnliches, aber dieser Drang hatte ihr vielleicht dennoch etwas vermittelt. Zw�lf Frauen betrachteten sie erwartungsvoll. �Ich denke, wir sollten erw�gen, jedermann, der nicht den G�rtel tr�gt, eine Weile auf die Farm zu schicken.� Es gab kaum Widerspruch. Sie waren die �lteren, aber sie war die �lteste. Zumindest darin schadete es nicht, sich wie Aes Sedai zu verhalten.</p></section><section><title><p>30</p><p>Der erste Becher</p></title><p>Ich verstehe das nicht�, protestierte Elayne. Man hatte ihr keinen Stuhl angeboten. Tats�chlich hatte man ihr, als sie sich hinsetzen wollte, kurz beschieden, sie solle stehen bleiben. F�nf Augenpaare waren auf sie gerichtet, f�nf Frauen mit angespannten, grimmigen Gesichtern. �Ihr verhaltet Euch, als h�tten wir etwas <emphasis>Schreckliches</emphasis> getan, obwohl wir die Schale der Winde gefunden haben!� Zumindest stand dies unmittelbar bevor, wie sie hoffte. Die Nachricht, mit der Nalesean eilig zur�ckgekehrt war, war nicht allzu eindeutig. Mat hatte verk�ndet, er hatte sie gefunden. Oder etwas sehr �hnliches, hatte Nalesean einger�umt. Je l�nger er sprach, desto st�rker schwankte er zwischen vollkommener Gewi�heit und Zweifeln. Birgitte war zur Beobachtung von Reannes Haus zur�ckgeblieben. Sie schwitzte anscheinend und langweilte sich. Auf jeden Fall waren die Dinge in Bewegung geraten. Elayne fragte sich, wie Nynaeve vorankam. Hoffentlich besser als sie selbst. Dies hatte sie sicherlich niemals erwartet, wenn sie ihren Erfolg verk�ndete.</p><p>�Ihr habt ein Geheimnis gef�hrdet, das seit �ber zweitausend Jahren von jeder Frau, welche die Stola tr�gt, streng bewahrt wurde.� Merilille sa� starr aufgerichtet da und schien sich am Rande eines Schlaganfalls zu befinden. �Ihr m��t verr�ckt gewesen sein! Nur Wahnsinn k�nnte dies entschuldigen!�</p><p>�Welches Geheimnis?� fragte Elayne.</p><p>Vandene, die neben Merilille sa�, richtete ver�rgert ihre hellgr�nen Seidenr�cke. �Daf�r ist noch genug Zeit wenn Ihr wirklich erhoben worden seid, Kind. Ich dachte, Ihr h�ttet ein wenig Verstand.� Adeleas, in dunkelgrauem Tuch mit tiefbraunen Verzierungen, nickte und spiegelte so Vandenes Mi�fallen wider.</p><p>�Man kann dem Kind nicht vorwerfen, ein Geheimnis enth�llt zu haben, das es nicht kennt�, bemerkte Careane Fransi zu Elaynes Linken und regte sich in ihrem gr�ngoldenen Lehnstuhl. Sie war nicht st�mmig, hatte aber fast so breite Schultern und dicke Arme wie die meisten M�nner.</p><p>�Das Burggesetz gestattet keine Entschuldigungen�, warf Sareitha schnell in recht �berheblichem Tonfall ein, wobei ihr normalerweise wi�begieriger Blick streng wirkte. �Wenn erst blo�e Entschuldigungen gestattet <emphasis>sind,</emphasis> wird das Gesetz selbst seine G�ltigkeit verlieren.� Ihr hochlehniger Stuhl stand zu Elaynes Rechten. Nur sie trug ihre Stola, aber Merililles Wohnraum war wie ein Gericht angeordnet worden, obwohl niemand es so nannte. Jedenfalls bis jetzt nicht. Merilille, Adeleas und Vandene stellten sich Elayne wie Richter entgegen, Sareithas Stuhl stand dort, wo sich der Sitz des Ankl�gers bef�nde, und Careanes Stuhl am Platz des Verteidigers, und die Domani-Gr�ne nickte nachdenklich, w�hrend die tairenische Braune, die ihre Ankl�gerin gewesen w�re, fortfuhr. �Sie hat ihre Schuld selbst zugegeben. Ich empfehle, da� das Kind auf den Palast beschr�nkt werden sollte, bis wir abreisen, und harte Arbeit leistet, damit ihr Geist und ihre H�nde besch�ftigt sind. Weiterhin empfehle ich in regelm��igen Abst�nden eine kr�ftige Anzahl Hiebe, um sie daran zu erinnern, nicht hinter dem R�cken von Schwestern zu handeln. Und dasselbe f�r Nynaeve, sobald sie ausfindig gemacht werden kann.�</p><p>Elayne schluckte. Auf den Palast beschr�nkt? Vielleicht mu�ten sie dies nicht als Gerichtsverhandlung bezeichnen, damit es eine war. Sareitha hatte vielleicht noch nicht die alterslosen Z�ge erworben, aber das Gewicht des Alters der anderen Frauen erdr�ckte Elayne. Adeleas und Vandene, deren Haar fast vollkommen wei� war - und selbst ihre alterslosen Gesichter spiegelten das Alter wider. Merililles Haar war gl�nzend schwarz, und doch h�tte es Elayne nicht �berrascht zu erfahren, da� sie die Stola genauso lang oder l�nger als die meisten Aes Sedai trug. Das gleiche k�nnte f�r Careane gelten. Keine von ihnen beherrschte die Macht so gut wie sie selbst, aber ... all diese Erfahrungen als Aes Sedair all dieses Wissen, dieses Ansehen. Eine starke Erinnerung daran, da� sie erst achtzehn war und noch vor einem Jahr Novizinnen-Wei� trug.</p><p>Careane machte keinerlei Anstalten, Sareithas Vorschl�gen zu widersprechen. Vielleicht sollte sie sich am besten selbst verteidigen. �Dieses Geheimnis, von dem Ihr sprecht, hat offensichtlich etwas mit dem Zirkel zu tun, aber...�</p><p>�Die Schwesternschaft geht Euch nichts an, Kind�, unterbrach Merilille sie scharf. Sie atmete tief ein und gl�ttete die silbergrauen R�cke mit den goldenen Schlitzen. �Ich schlage vor, da� wir das Urteil f�llen�, sagte sie kalt.</p><p>�Ich stimme mit Euch �berein und beuge mich Eurer Entscheidung�, sagte Adeleas. Sie sah Elayne entt�uscht an und sch�ttelte stirnrunzelnd den Kopf.</p><p>Vandene winkte ab. �Ich stimme �berein und beuge mich. Aber ich schlie�e mich dem Sitz des Ankl�gers an.� Careanes Blick enthielt vielleicht ein wenig Mitleid.</p><p>Merilille �ffnete den Mund.</p><p>Das sch�chterne Klopfen an der T�r durchbrach die augenblickliche, bedrohliche Stille.</p><p>�Was, unter dem Licht, gibt es?� murrte Merilille �rgerlich. �Ich hatte Pol gesagt, da� niemand uns st�ren soll. Careane?�</p><p>Nicht die j�ngste, aber die schw�chste in der Macht, erhob sich Careane und glitt zur T�r. Sie bewegte sich trotz ihrer kr�ftigen Gestalt stets anmutig wie ein Schwan.</p><p>Es war Pol selbst, Merililles Dienerin, die hereinplatzte und nach rechts und links gerichtet Hofknickse vollf�hrte. Eine schlanke, grauhaarige Frau, die normalerweise eine W�rde an den Tag legte, die der ihrer Herrin gleichkam, runzelte sie jetzt besorgt die Stirn, was auch angemessen war, nachdem sie trotz Merililles Anweisungen hier eingedrungen war. Elayne war nicht mehr so froh gewesen, jemanden zu sehen, seit ... seit Mat Cauthon im Stein von Tear erschien. Ein entsetzlicher Gedanke. Wenn Aviendha nicht bald sagte, sie sei ihrem <emphasis>Toh</emphasis> ausreichend begegnet, k�nnte sie vielleicht einfach ausprobieren, ob ihre Qual beendet werden k�nnte, wenn sie den Mann bat, sie doch noch zu schlagen.</p><p>�Die K�nigin hat dies selbst gebracht�, verk�ndete Pol atemlos und streckte einen mit einem gro�en roten Wachsklumpen versiegelten Brief aus. �Sie sagte, wenn ich ihn Elayne nicht sofort br�chte, w�rde sie ihn ihr selbst hineinbringen. Sie sagte, es ginge um die Mutter des Kindes.� Elayne h�tte fast mit den Z�hnen geknirscht. Die Dienerinnen der Schwestern hatten alle bereits die Art ihrer Herrinnen angenommen, �ber Nynaeve und sie zu reden, wenn auch selten dort, wo sie es h�ren konnten.</p><p>Sie ri� den Brief w�tend an sich, bevor Merilille es ihr erlaubte - wenn sie es ihr erlaubt h�tte - und brach das Siegel mit dem Daumen.</p><p><emphasis>Meine Lady Elayne!</emphasis></p><p><emphasis>Ich gr��e die Tochter-Erbin von Andor mit erfreulichen Neuigkeiten. Ich habe vor kurzem erfahren, da� Eure Mutter, K�nigin Morgase, lebt, derzeit Gast Pedron Nialls in Amador ist und sich nichts sehnlicher w�nscht, als wieder mit Euch vereint zu sein, damit Ihr gemeinsam im Triumph nach Andor zur�ckkehren k�nnt.</emphasis></p><p><emphasis>Ich biete Euch Begleitung zum Schutz vor den Altara zur Zeit heimsuchenden Stra�enr�ubern an, damit Ihr unversehrt und schnell bei Eurer Mutter eintrefft. Verzeiht diese wenigen, armseligen Worte, hastig hingeschmiert, aber ich wei�, da� Ihr die wunderbare Nachricht so bald wie m�glich erfahren wollt. Bis ich Euch Eurer Mutter �bergeben kann.</emphasis></p><p><emphasis>Im Licht versiegelt, Jaichim Carridin Sie zerkn�llte das Papier in der Faust. Wie konnte er es</emphasis><emphasis>wagen?</emphasis> Der Schmerz �ber den Tod ihrer Mutter, auch wenn sie deren Leichnam nicht hatte begraben k�nnen, begann erst allm�hlich zu verblassen, und Carridin <emphasis>wagte</emphasis> es, sie auf diese Weise zu verh�hnen? Sie umarmte die Wahre Quelle, schleuderte die widerw�rtigen L�gen von sich und lenkte die Macht. Feuer entflammte mitten in der Luft, so hei�, da� nur Aschestaub auf die blaugoldenen Bodenfliesen regnete. <emphasis>Das</emphasis> f�r Jaichim Carridin. Und was diese ... Frauen betraf! Der Stolz von tausend Jahren andoranischer K�niginnen st�hlte ihr R�ckgrat.</p><p>Merilille sprang auf. �Man hat Euch nicht erlaubt, die Macht zu lenken! Ihr werdet sie loslassen...!�</p><p>�Verla�t uns, Pol�, sagte Elayne. �Jetzt.� Die Dienerin starrte sie an, aber Elaynes Mutter hatte sie den Befehlston gut gelehrt, die vom Thron herabklingende Stimme einer K�nigin. Pol vollf�hrte fl�chtig einen Hofknicks und war bereits wieder in Bewegung, bevor sie es erkannte, und dann z�gerte sie nur kurz, bevor sie hinauseilte und die T�r hinter sich schlo�. Was auch immer geschehen w�rde, ging eindeutig nur Aes Sedai an.</p><p>�Was ist in Euch gefahren, Kind?� Reiner Zorn �berwog Merililles wiedergewonnene Ruhe. �La�t die Quelle sofort los, oder ich schw�re, da� ich Euch auf der Stelle selbst verpr�geln werde!�</p><p>�Ich bin eine Aes Sedai.� Die Worte klangen eiskalt, und Elayne meinte es auch so. Carridins L�gen und diese Frauen. Merilille drohte, sie zu <emphasis>verpr�geln?</emphasis> Sie <emphasis>w�rden</emphasis> ihren rechtm��igen Platz als Schwester anerkennen. Sie und Nynaeve hatten die Schale gefunden! Jedenfalls so gut wie, und die Vorkehrungen f�r ihren Gebrauch waren im Gange. �Ihr schlagt vor, mich daf�r zu bestrafen, da� ich ein Geheimnis gef�hrdet habe, das offensichtlich nur Schwestern bekannt ist, aber niemand hat sich die M�he gemacht, mir dieses Geheimnis mitzuteilen, als ich die Stola erhielt. Ihr schlagt vor, mich wie eine Novizin oder eine Aufgenommene zu bestrafen, aber ich bin eine Aes Sedai. Ich wurde von Egwene al'Vere, der Amyrlin, der Ihr zu dienen vorgebt, zur Stola erhoben. Wenn Ihr leugnet, da� Nynaeve und ich Aes Sedai sind, dann verleugnet Ihr den Amyrlin-Sitz, der mich ausgeschickt hat, die Schale der Winde zu finden, was wir ja auch getan haben. Das werde ich nicht zulassen! Ich ziehe Euch zur Rechenschaft, Merilille Ceandevin. Unterwerft Euch dem Willen des Amyrlin-Sitzes, oder <emphasis>ich</emphasis> werde <emphasis>Euch</emphasis> als aufr�hrerische Verr�terin anklagen!�</p><p>Merililles Augen traten hervor und ihr Mund stand offen, aber neben Careane und Sareitha, die an ihrer Ungl�ubigkeit zu ersticken schienen, wirkte sie noch gefa�t. Vandene war anscheinend nur geringf�gig �berrascht und pre�te unter leicht geweiteten Augen nachdenklich einen Finger auf die Lippen, w�hrend Adeleas sich vorbeugte und Elayne betrachtete, als s�he sie sie zum erstenmal.</p><p>Elayne schwebte durch das Lenken der Macht zu einem der hohen Lehnst�hle, setzte sich hin und richtete ihre Rocke. �Ihr d�rft Euch setzen, Merilille.� Sie sprach noch immer im Befehlston - anscheinend war dies die einzige M�glichkeit, sie zum Zuh�ren zu bewegen -, aber sie war best�rzt, als Merilille tats�chlich wieder auf ihren Stuhl sank und sie anstarrte.</p><p>Elayne blieb �u�erlich ruhig und k�hl, aber innerlich brodelte der Zorn. Nein, er <emphasis>kochte.</emphasis> Geheimnisse. Sie hatte schon immer gedacht die Aes Sedai bewahrten zu viele Geheimnisse, selbst voreinander. Besonders voreinander. Tats�chlich bewahrte sie auch selbst welche, aber nur, wenn es n�tig war und nicht vor jenen, die davon wissen mu�ten. Und diese Frauen hatten erwogen, <emphasis>sie</emphasis> zu bestrafen! �Ihr habt Eure Amtsgewalt von der Burg erhalten, Merilille. Nynaeve und ich haben sie vom Amyrlin-Sitz erhalten. Unsere Amtsgewalt hebt Eure auf. Von jetzt an werdet Ihr Eure Anweisungen von Nynaeve oder mir erhalten. Nat�rlich werden wir sorgf�ltig jedem Rat lauschen, den Ihr uns vielleicht erteilen wollt.� Sie hatte schon vorher gedacht, Merililles Augen seien hervorgetreten...</p><p>�Unm�glich!� platzte die Graue heraus. �Ihr seid...� �Merilille!� sagte Elayne streng und beugte sich vor. �Verleugnet Ihr die Autorit�t Eurer Amyrlin noch immer? <emphasis>Wagt</emphasis> Ihr es noch immer?� Merilille bewegte lautlos die Lippen. Sie sch�ttelte heftig den Kopf. Elayne versp�rte einen Schauder des Frohlokkens. All das Gerede �ber Merilille und da� sie angewiesen w�rde, war nat�rlich Unsinn, aber Merilille <emphasis>w�rde</emphasis> sie anerkennen. Thom und ihre Mutter hatten beide gesagt, man m�sse viel fordern, um wenig zu bekommen. Dennoch gen�gte es nicht, ihren Zorn zu d�mpfen. Sie erwog halbwegs, selbst Schl�ge auszuteilen und auszuprobieren, wie weit sie dies weitertreiben konnte. Aber das w�rde alles verderben. Sie w�rden sich dann nur zu schnell ihres Alters erinnern und daran, vor wie kurzer Zeit Elayne erst ihr Novizinnengewand abgelegt hatte. Sie k�nnten sie sogar als t�richtes Kind einsch�tzen. Dieser Gedanke n�hrte ihren Zorn erneut. Aber sie begn�gte sich mit den Worten: �W�hrend Ihr in Ruhe dar�ber nachdenkt was Ihr mir als Aes Sedai noch erz�hlen solltet, Merilille, werden Adeleas und Vandene mich in dieses Geheimnis einweihen, das ich gef�hrdet habe. Wollt Ihr mir erz�hlen, die Burg habe die ganze Zeit von dieser Schwesternschaft gewu�t?� Die arme Reanne und ihre Hoffnungen, der Aufmerksamkeit der Aes Sedai zu entgehen.</p><p>�Vermutlich in dem <emphasis>Grad,</emphasis> wie sie sich dazu �berwinden konnten, sich Schwestern zu n�hern�, erwiderte Vandene vorsichtig. Sie betrachtete Elayne so aufmerksam, wie auch ihre Schwester es jetzt tat. Obwohl sie eine Gr�ne war, verhielt sie sich in vielerlei Hinsicht genauso wie Adeleas. Careane und Sareitha wirkten benommen und lie�en ungl�ubige Blicke von einer stummen, mit ger�teten Wangen dasitzenden Merilille zu Elayne und zur�ck wandern.</p><p>�Selbst w�hrend der Trolloc-Kriege haben Frauen die Pr�fungen nicht bestanden; ihnen fehlte die St�rke oder sie wurden aus einem der �blichen Gr�nde aus der Burg verwiesen.� Adeleas hatte einen belehrenden Tonfall angenommen. Das taten Braune h�ufig, wenn sie etwas erkl�rten. �Es ist unter den gegebenen Umst�nden kaum �berraschend, da� einige von ihnen sich f�rchteten, allein in die Welt hinauszugehen. Immerhin blieb ihnen noch die M�glichkeit, nach Barashta zu fl�chten, wie die damals hier bestehende Stadt genannt wurde. Obwohl sich der Hauptteil Barashtas nat�rlich dort befand, wo jetzt der Rahad ist. Kein Stein von Barashta ist geblieben. Die Trolloc-Kriege haben Eharon bis vor kurzem nicht wirklich betroffen, aber letztendlich fiel Barashta genauso vollst�ndig wie Barsine oder Shaemal oder...�</p><p>�Die Schwesternschaft�, unterbrach Vandene sie sanft. Adeleas blinzelte ihr zu und nickte dann. �Die Schwesternschaft blieb auch nach dem Fall Barashtas genauso bestehen wie zuvor und nahm Wilde und aus der Burg verwiesene Frauen auf.� Elayne runzelte die Stirn. Herrin Anan hatte gesagt die Schwesternschaft nehme auch Wilde auf, aber Reannes gr��te Sorge war anscheinend gewesen, ihr und Nynaeve zu beweisen, da� sie es nicht t�ten.</p><p>�Keine Frau blieb jemals lange�, f�gte Adeleas hinzu. �F�nf Jahre, vielleicht zehn, damals vermutlich genauso wie heute. Wenn sie erst erkennen, da� ihre kleine Gruppe kein Ersatz f�r die Wei�e Burg ist, gehen sie und werden Dorfheilerinnen oder Weise oder dergleichen, oder sie vergessen die Macht irgendwann, h�ren auf, sie zu lenken und �ben ein Handwerk oder Gewerbe aus. Auf jeden Fall verschwinden sie gewisserma�en.� Elayne fragte sich, wie jemand die Eine Macht vergessen konnte. Der Drang, die Macht zu lenken, die Versuchungen der Quelle waren immer vorhanden, wenn man erst gelernt hatte, sie zu handhaben. Aes Sedai glaubten jedoch anscheinend, einige Frauen k�nnten dies einfach ablegen, wenn sie herausfanden, da� sie keine Aes Sedai sein w�rden.</p><p>Vandene �bernahm erneut die Erkl�rung. Die Schwestern sprachen h�ufig beinahe abwechselnd, wobei jede ruhig dort fortfuhr, wo die andere aufgeh�rt hatte. �Die Burg hat fast von Anfang an von der Schwesternschaft gewu�t, vielleicht sogar wirklich von Anfang an. Zun�chst waren zweifellos die Kriege wichtiger. Und obwohl sie sich eine Schwesternschaft nannten, haben sie einfach das getan, was wir von solchen Frauen erwarten. Sie blieben im verborgenen, hielten sogar den Umstand geheim, da� sie die Macht lenken konnten, und zogen keine wie auch immer geartete Aufmerksamkeit auf sich. Im Verlauf der Jahre begannen sie sogar - nat�rlich geheim und vorsichtig -, einander zu benachrichtigen, wenn eine von ihnen eine Frau aufsp�rte, die unrechtm��igerweise die Stola zu tragen behauptete. Habt Ihr etwas gesagt?�</p><p>Elayne sch�ttelte den Kopf. �Careane, ist noch Tee in der Kanne?� Careane zuckte leicht zusammen. �Ich denke, Adeleas und Vandene w�rden vielleicht gern ihre Lippen benetzen.� Die Domani sah die noch immer benommene Merilille nicht einmal an, bevor sie zu dem Tisch trat, auf dem sich die silberne Teekanne und die Becher befanden. �Das erkl�rt noch nicht alles�, fuhr Elayne fort. �Warum ist das Wissen um sie ein solches Geheimnis? Warum wurden sie nicht schon vor langer Zeit zerstreut?�</p><p>�Nun, durch die Davongelaufenen nat�rlich.� Adeleas lie� es wie das Offensichtlichste auf der Welt klingen. �Es ist eine Tatsache, da� andere Versammlungen gesprengt wurden, sobald sie aufgefunden wurden - die letzte vor ungef�hr zweihundert Jahren -, aber die Schwesternschaft ist nicht sehr gro� und verh�lt sich ruhig. Die letzte Gruppe nannte sich T�chter des Schweigens, aber sie waren kaum schweigsam. Sie waren insgesamt nur dreiundzwanzig, Wilde, die sich zusammengeschlossen hatten und in gewisser Weise von zwei fr�heren Aufgenommenen ausgebildet wurden, aber sie...�</p><p>�Davongelaufene�, warf Elayne ein, w�hrend sie mit dankbarem L�cheln einen Becher von Careane entgegennahm, Sie hatte keinen f�r sich selbst erbeten, aber sie erkannte abwesend, da� die Frau sie zuerst bedacht hatte. Vandene und ihre Schwester hatten sich auf dem Weg nach Ebou Dar recht ausf�hrlich �ber Davongelaufene unterhalten.</p><p>Adeleas blinzelte und hielt sich bei diesem Thema zur�ck. �Die Schwesternschaft hilft Davongelaufenen. Sie haben stets zwei oder drei Frauen in Tar Valon, die aufpassen. Einerseits n�hern sie sich fast jeder ausgewiesenen Frau auf sehr umsichtige Weise, und andererseits gelingt es ihnen, jede Davongelaufene ungeachtet dessen aufzusp�ren, ob sie eine Novizin oder eine Aufgenommene ist. Zumindest konnte seit den Trolloc-Kriegen keine die Insel ohne ihre Hilfe verlassen.�</p><p>�O ja�, sagte Vandene, als Adeleas innehielt, um ebenfalls einen Becher von Careane entgegenzunehmen. Er war zun�chst Merilille angeboten worden, aber diese sa� nur zusammengesunken und ins Leere blickend da. �Wenn es jemandem gelingt zu entkommen, wissen wir, wo wir nachsehen m�ssen, und sie endet fast immer wieder in der Burg und w�nschte, sie w�re niemals geflohen. Jedenfalls solange die Schwesternschaft nicht wei�, da� wir von ihr wissen. Wenn das geschieht, werden die Zust�nde aus der Zeit vor dem Entstehen der Schwesternschaft zur�ckkehren, als eine der Burg entfliehende Frau �berall hingehen konnte. Damals waren es mehr - Aes Sedai, Aufgenommene, Novizinnen <emphasis>und</emphasis> Davongelaufene -, und in manchen Jahren konnten zwei oder drei von ihnen g�nzlich entkommen, in anderen Jahren drei von vier. Mit Hilfe der Schwesternschaft bringen wir mindestens neun von zehn zur�ck. Jetzt k�nnt Ihr vielleicht erkennen, warum die Burg die Schwesternschaft und ihr Geheimnis wie wertvolle Edelsteine bewahrt hat.�</p><p>Das konnte Elayne tats�chlich. Eine Frau war erst mit der Wei�en Burg fertig, wenn die Wei�e Burg mit ihr fertig war. Au�erdem konnte es dem Ruf der Burg, unfehlbar zu sein, nicht schaden, wenn sie Davongelaufene immer einfing. Fast immer. Nun, jetzt wu�te sie es.</p><p>Sie erhob sich und war erstaunt, da� Adeleas, Vandene und Sareitha es ihr gleichtaten. Sogar Merilille stand auf. Alle sahen Elayne erwartungsvoll an, auch Merilille.</p><p>Vandene bemerkte ihre �berraschung und l�chelte. �Noch etwas, was Ihr vielleicht nicht wi�t. Wir Aes Sedai sind auf vielerlei Art ein streits�chtiges V�lkchen. Jede verteidigt eifers�chtig ihren Platz und ihre Privilegien, aber wenn uns jemand vorangestellt wird oder bereits �ber uns steht, neigen wir dazu, ihr �berwiegend recht sanftm�tig zu folgen. Wie sehr wir innerlich vielleicht auch �ber ihre Entscheidungen schimpfen.�</p><p>�Nun, das tun wir�, murmelte Adeleas zufrieden, als h�tte sie gerade etwas entdeckt.</p><p>Merilille atmete tief ein und besch�ftigte sich einen Moment damit, ihre R�cke zu gl�tten. �Vandene hat recht�, sagte sie schlie�lich. �Ihr steht selbst �ber uns, und ich mu� zugeben, da� Ihr uns anscheinend auch vorangestellt <emphasis>wurdet.</emphasis> Wenn unserem Verhalten Strafe geb�hrt... Nun, Ihr werdet es uns wissen lassen, wenn dem so ist. Wohin sollen wir Euch folgen? Wenn ich mir die Frage erlauben darf?� Nichts davon klang sarkastisch. Wenn �berhaupt etwas, dann war ihr Tonfall h�flicher, als Elayne ihn bisher bei ihr erlebt hatte.</p><p>Sie dachte, jede jemals lebende Aes Sedai w�re stolz, wenn sie ihre Miene so gut unter Kontrolle h�tte wie sie gerade. Sie wollte nur, da� sie als wahre Aes Sedai anerkannt wurde. Sie bek�mpfte den kurzzeitigen Drang zu widersprechen, sie sei zu jung, zu unerfahren.</p><p>Sie atmete tief ein und l�chelte herzlich. �Das erste, woran wir uns erinnern m�ssen, ist, da� wir <emphasis>alle</emphasis> Schwestern sind, in jeglicher Bedeutung des Wortes. Wir m�ssen zusammenarbeiten. Die Schale der Winde ist zu bedeutsam, als da� es weniger sein d�rfte.� Sie hoffte, da� sie alle auch noch ebenso begeistert nicken w�rden, wenn sie ihnen erz�hlte, was Egwene beabsichtigte. �Vielleicht sollten wir uns wieder hinsetzen.� Alle warteten, bis sie sa�, bevor sie selbst sich wieder niederlie�en. Elayne hoffte, da� Nynaeve auch nur ann�hernd so gut zurechtkam. Wenn sie dies herausf�nde, w�rde sie vor Schreck ohnm�chtig werden. �Ich habe Euch auch etwas �ber die Schwesternschaft zu sagen.�</p><p>Sehr bald war es Merilille, die vor Schreck ohnm�chtig zu werden schien, und selbst Adeleas und Vandene waren nicht weit davon entfernt. Aber sie sagten weiterhin: �Ja, Elayne� und �Wenn Ihr es sagt, Elayne�. Vielleicht w�rde von jetzt an alles reibungslos verlaufen.</p><p>Die S�nfte schwankte durch die Menge von Feiernden entlang des Kais, als Moghedien die Frau erblickte. Ein Diener in Gr�n und Wei� half ihr an einer der Bootsanlegestellen aus einer Kutsche. Eine wei�e Federmaske bedeckte ihr Gesicht vollkommener als Moghediens Maske das ihre, aber sie h�tte diesen entschlossenen Schritt, diese Frau, aus jedem Blickwinkel bei jedem Licht erkannt. Das geschnitzte Gitterwerk, das die in der geschlossenen S�nfte als Fenster diente, hinderte sie gewi� ebenfalls nicht daran. Zwei Burschen mit Schwertern an der H�fte kletterten vom Kutschendach herab und folgten der maskierten Frau.</p><p>Moghedien schlug mit der Faust gegen die Seite der S�nfte und schrie: �Halt!� Die Tr�ger hielten so j�h an, da� sie fast nach vorn fiel.</p><p>Die Menge dr�ngte vor�ber, wobei einige ihre Tr�ger mit Fl�chen bedachten, weil sie den Weg versperrten, und andere eher humorvolle Bemerkungen machten. Hier unten am Flu� war die Menge weniger dicht, so da� sie durch die L�cken hinweg weiterhin beobachten konnte. Das Boot, das gerade ablegte, war recht auff�llig. Das Dach der niedrigen Kabine im hinteren Teil des Bootes war rot bemalt. Sie bemerkte diese Vorliebe an keinem der anderen Boote, die an dem langen Kai warteten.</p><p>Sie benetzte zitternd ihre Lippen. Moridins Anweisungen waren sehr genau gewesen und der Preis f�r Versagen qualvoll deutlich gemacht worden. Aber eine kleine Verz�gerung w�rde nichts schaden. Jedenfalls dann nicht, wenn er niemals davon erfuhr.</p><p>Sie �ffnete schwungvoll die T�r, stieg aus und sah sich hastig um. Dort, dieses Gasthaus, von dem aus man die Docks �berblicken konnte. Und den Flu�. Sie hob ihre R�cke an und eilte davon, ohne die geringste Bef�rchtung zu hegen, da� jemand ihre S�nfte mieten k�nnte. Bis sie das sie umgebende Zwangsgewebe l�ste, w�rden die Tr�ger jedermann, der fragte, sagen, sie seien besetzt, und dort stehenbleiben, bis sie Hungers starben. Ein Pfad er�ffnete sich vor ihr, da M�nner und Frauen in Federmasken beiseite sprangen, bevor sie sie erreichte, und sich schreiend die K�rperstellen hielten, wo sie einen Stich gesp�rt zu haben glaubten. Was auch geschehen war, da keine Zeit war, so viele Geister mit komplizierten Geweben zu binden, aber ein aus Luft gewobener Nadelschauer tat hier denselben Dienst.</p><p>Die st�mmige Wirtin des <emphasis>Ruderers Stolz</emphasis> sprang beim Anblick der ihren Schankraum in pr�chtiger scharlachroter, mit Goldf�den durchwirkter Seide und schwarzer Seide, die beinahe ebenso �ppig gl�nzte wie das Gold, betretenden Moghedien fast ebenfalls beiseite. Moghediens Maske war ein gewaltiger Spr�hregen pechschwarzer Federn mit einem scharfen, schwarzen Schnabel: ein Rabe. Das war Moridins Scherz, auf seinen Befehl hin trug sie die Maske und tats�chlich auch das Gewand. Seine Farben seien Schwarz und Rot, hatte er gesagt, und sie w�rde sie tragen, solange sie ihm diente. Sie war in Livree, wie geschmackvoll auch immer diese gearbeitet war, und sie h�tte jedermann t�ten m�gen, der sie sah.</p><p>Statt dessen spann sie hastig ein Gewebe um die Wirtin, das diese sich starr aufrichten und ihre Augen hervortreten lie�. Keine Zeit f�r Feinheiten. Auf Moghediens Befehl hin, ihr das Dach zu zeigen, <emphasis>rannte</emphasis> die Frau die gel�nderlose Treppe an der Seite des Raums hinauf. Es war unwahrscheinlich, da� einer der federgeschm�ckten Trinker etwas Ungew�hnliches am Verhalten der Wirtin bemerkte, dachte Moghedien mit leisem Lachen. Das <emphasis>Ruderers Stolz</emphasis> hatte wahrscheinlich niemals zuvor einen Gast ihrer G�te erlebt.</p><p>Auf dem Flachdach wog sie rasch die Gefahren ab, die es bergen w�rde, wenn sie die Wirtin leben lie�e beziehungsweise sie t�tete. Leichen gaben letztendlich auch einen Hinweis. Wenn man still in den Schatten verborgen bleiben wollte, t�tete man nicht, wenn es nicht unbedingt sein mu�te. Hastig pa�te sie das Zwangsgewebe an und befahl der Frau, in ihr Zimmer hinabzugehen, sich schlafen zu legen und zu vergessen, da� sie sie jemals gesehen hatte. Durch die Eile war es m�glich, da� die Wirtin den ganzen Tag vergessen oder im Geiste schwerf�lliger aufwachen w�rde, als sie es bisher gewesen war - so vieles in Moghediens Leben w�re um so vieles leichter gewesen, wenn ihr Talent, Zwang auszu�ben, besser entwickelt gewesen w�re -, aber immerhin eilte die Frau davon, gehorchte bereitwillig und lie� sie allein.</p><p>Als die Dachluke zum schmutzigen, wei� gefliesten Dach zufiel, keuchte Moghedien bei dem pl�tzlichen Gef�hl, da� Finger ihren Geist streiften und ihre Seele ertasteten. Moridin tat dies manchmal. Eine Mahnung, sagte er, als brauchte sie noch mehr Mahnungen. Sie h�tte sich fast nach ihm umgesehen. Sie bekam eine G�nsehaut, als w�re pl�tzlich ein eisiger Wind aufgekommen. Die Ber�hrung schwand, und sie erzitterte erneut. Sie kam und ging und mahnte sie. Moridin selbst konnte jederzeit �berall auftauchen. Schnell.</p><p>Sie eilte zu der niedrigen Mauer, die das Dach umgab, und suchte den sich unter ihr ausbreitenden Flu� ab. Eine Menge Boote aller Gr��en wurden zwischen gr��eren vor Anker liegenden oder segelbespannten Schiffen entlang gerudert. Die meisten der Kabinen von der Art, wie sie sie suchte, bestanden aus einfachem Holz, aber da sah sie ein gelbes Dach und dort ein blaues und da, mitten auf dem Flu� und schnell s�dw�rts gleitend... Rot. Es mu�te das richtige sein. Sie durfte keine Zeit mehr verlieren.</p><p>Sie hob die H�nde, aber als ihnen Baalsfeuer entsprang, blitzte etwas um sie herum auf, und sie zuckte zusammen. Moridin <emphasis>war</emphasis> gekommen. Er <emphasis>war</emphasis> da, und er w�rde... Sie sah den davonflatternden Tauben nach. Tauben! Sie h�tte sich beinahe auf das Dach erbrochen. Ein Blick zum Flu� machte sie w�tend.</p><p>Weil sie zusammengezuckt war, hatte das Baalsfeuer, das die Kabine und den Passagier hatte durchschneiden sollen, das Boot diagonal in der Mitte durchschnitten, ungef�hr dort, wo die Ruderer und Leibw�chter gestanden hatten. Weil die Ruderer aus dem Muster getilgt worden waren, bevor das Baalsfeuer auftraf, befanden sich die beiden H�lften des Bootes jetzt wieder gut hundert Schritt weiter hinten auf dem Flu�. Aber vielleicht war dies doch keine v�llige Katastrophe. Weil das St�ck aus der Mitte des Bootes im gleichen Moment verschwunden war, als die Ruderer starben, hatte das Boot minutenlang voll Wasser laufen k�nnen. Die beiden Teile des Bootes sanken in einem sch�umenden Luftblasen-Wirbel schnell au�er Sicht, noch w�hrend sie den Blick hinwandte, und rissen ihren Passagier mit in die Tiefe.</p><p>Pl�tzlich wurde ihr bewu�t, was sie getan hatte. Sie hatte sich stets im Finstern bewegt, sich stets verborgen gehalten, hatte stets... Jede Frau in der Stadt, welche die Macht lenken konnte, w�rde jetzt wissen, da� jemand viel <emphasis>Saidar</emphasis> herangezogen hatte, wenn sie auch nicht wissen w�rden wof�r, und jeder Beobachter hatte jenen Streifen fl�ssigen wei�en Feuers durch den Nachmittag schneiden sehen. Angst verlieh ihr Fl�gel. Nicht Angst. Entsetzen.</p><p>Sie raffte ihre R�cke, hastete die Treppe hinab, eilte durch den Schankraum, wobei sie gegen Tische stie� und Menschen ins Taumeln brachte, die ihr aus dem Weg <emphasis>zu</emphasis> gelangen versuchten, rannte auf die Stra�e, zu erschrocken, um nachzudenken, und schlug sich mit den H�nden einen Weg durch die Menge.</p><p>�Lauft!� schrie sie und warf sich in die S�nfte. Ihre R�cke verfingen sich in der T�r. Sie ri� sie frei. �Lauft!�</p><p>Die Tr�ger rannten sofort los, so da� sie gesch�ttelt wurde, aber es k�mmerte sie nicht. Sie hielt sich mit in das geschnitzte Gitterwerk verschr�nkten Fingern fest und zitterte unkontrolliert. Er hatte dies nicht verboten. Er w�rde ihr vielleicht vergeben oder ihre selbst�ndig ausgef�hrte Tat sogar vergessen, wenn sie seine Anweisungen schnell und wirkungsvoll ausf�hrte. Das war ihre einzige Hoffnung. Sie w�rde Falion und Ispan <emphasis>kriechen</emphasis> lassen!</p></section><section><title><p>31</p><p>Mashiara</p></title><p>Als das Boot vom Landesteg ablegte, warf Nynaeve ihre Maske neben sich auf die gepolsterte Bank, sank mit verschr�nkten Armen und fest umfa�tem Zopf zur�ck und blickte stirnrunzelnd ins Leere. Als sie dem Wind lauschte, h�rte sie noch immer heraus, da� ein heftiger Sturm aufk�me, die Art Sturm, der D�cher abri� und Scheunen umst�rzte, und sie w�nschte fast, der Flu� w�rde genau in diesem Augenblick in Wellen aufbrechen.</p><p>�Wenn nicht das Wetter der Grund ist, Nynaeve�, ahmte sie nach, �dann solltest du diejenige sein, die geht. Die Herrin der Schiffe k�nnte beleidigt sein, wenn wir nicht die St�rkste von uns schicken. Sie wissen, da� Aes Sedai das hoch sch�tzen. Bah!� Das waren Elaynes Worte gewesen. Ohne das �Bah�. Elayne glaubte eben, allen m�glichen Unsinn mit Merilille auszuhecken, w�rde ihr Vorteile bringen, wenn sie Nesta wieder gegen�bertreten m��te. Wenn man einen schlechten Anfang mit jemandem hatte, war es schwer, das Verh�ltnis zu verbessern - Mat Cauthon war ein hinreichender Beweis daf�r! -, und wenn sie noch schlechter mit Nesta din Reas Zwei Monde zurechtkamen, w�rde sie sie alle fortschicken.</p><p>�Schreckliche Frau!� murrte sie und regte sich unruhig auf den Sitzpolstern. Aviendha hatte nicht besser reagiert, als Nynaeve vorgeschlagen hatte, sie solle zum Meervolk gehen. Diese Leute waren von ihr fasziniert gewesen. Nynaeve lie� ihre Stimme hoch und geziert klingen, �berhaupt nicht wie Aviendhas, aber sie traf zumindest die Stimmung. �Wir werden aus diesem Vorfall lernen, Nynaeve al'Meara. Und vielleicht werde auch ich etwas lernen, wenn ich Jaichim Carridin heute beobachte.� Best�nde nicht die Tatsache, da� Aielfrauen nichts f�rchteten, h�tte sie aufgrund Aviendhas Eifer, Carridin auszuspionieren, geglaubt, sie habe Angst. Einen Tag auf einer hei�en Stra�e zu verbringen, w�hrend sich Menschenmengen vor�ber dr�ngten, war nicht lustig, und heute w�rde es durch das Fest noch schlimmer sein. Nynaeve h�tte gedacht die Frau w�rde eine h�bsche, erfrischende Bootsfahrt genie�en.</p><p>Das Boot schlingerte. Eine h�bsche, erfrischende Bootsfahrt sagte sie sich. H�bsche k�hle Brisen in der Bucht. Feuchte Brisen, nicht trockene. Das Boot rollte. �Oh, Blut und Asche!� st�hnte sie. Sie schlug entsetzt eine Hand vor den Mund und trommelte mit den Fersen zornig gegen die Vorderseite der Bank. Wenn sie dieses Meervolk lange ertragen m��te, w�rde sie genauso viel Unflat von sich geben wie Mat. Sie wollte nicht an ihn denken. Ein weiterer Tag H�ndefalten daf�r ... <emphasis>dieser Mann</emphasis> ... und sie w�rde sich jedes Haar einzeln aus dem Kopf rei�en! Nicht, da� er bisher etwas Unvern�nftiges gefordert h�tte, aber sie wartete darauf, da� er es tat, und seine Art...!</p><p>�Nein!� sagte sie fest. �Ich will, da� sich mein Magen beruhigt und nicht noch mehr rebelliert.� Das Boot hatte leicht zu schaukeln begonnen. Sie versuchte, sich auf ihre Kleidung zu konzentrieren. Sie war nicht so auf Kleider fixiert, wie Elayne es anscheinend manchmal war, aber es war tr�stlich, an Seide und Spitzen zu denken.</p><p>Ihre ganze Kleidung war ausgesucht worden, um die Herrin der Schiffe zu beeindrucken, um ein wenig verlorenen Boden wiedergutzumachen, was auch immer es n�tzen w�rde. Gr�ne Seide mit gelben Schlitzen an den R�cken, Goldstickerei an den Armen und dem Leibchen und goldene Spitze am Saum, an den Handgelenken und um den Ausschnitt. Vielleicht h�tte der Ausschnitt h�her sein sollen, damit sie ernst genommen w�rde, aber sie besa� nichts h�her Geschlossenes. Und wenn man die Gebr�uche des Meervolks bedachte, war dieses Gewand �beraus sittsam. Nesta w�rde sie nehmen m�ssen, wie sie war. Nynaeve al'Meara w�rde sich f�r niemanden �ndern.</p><p>Die gelben Opalnadeln in ihrem Zopf geh�rten ihr selbst - immerhin ein Geschenk der Panarchin von Tarabon -, aber Tylin hatte die goldene Halskette beigesteuert, von der sich Smaragde und Perlen f�cherf�rmig bis auf ihren Busen hinab ausbreiteten. Ein wertvolleres St�ck, als sie sich jemals zu besitzen ertr�umt hatte. Ein Geschenk, das Mat �berbracht werden sollte, hatte Tylin gesagt, was �berhaupt keinen Sinn ergab, aber vielleicht glaubte die K�nigin einer Entschuldigung f�r solch ein wertvolles Geschenk zu bed�rfen. Beide Armb�nder aus Gold und Elfenbein stammten von Aviendha, die �berraschend viel Schmuck f�r eine Frau besa�, die selten mehr als eine Silberhalskette trug. Nynaeve hatte sich das h�bsche, mit Rosen und Dornen verzierte Armband aus Elfenbein ausleihen wollen, das die Aielfrau niemals trug. Zu ihrer �berraschung hatte Aviendha es an ihren Busen gerissen, als w�re es ihr kostbarster Besitz, und Elayne hatte sie auch noch getr�stet. Nynaeve w�re nicht �berrascht gewesen, die beiden einander weinend in die Arme fallen zu sehen.</p><p>Irgend etwas Seltsames ging dort vor, und wenn sie nicht gewu�t h�tte, da� die beiden f�r solchen Unsinn zu vern�nftig waren, h�tte sie vermutet, da� ein Mann die Ursache war. Nun, zumindest Aviendha war zu vern�nftig daf�r. Elayne sehnte sich noch immer nach Rand, obwohl Nynaeve ihr kaum vorwerfen konnte, da�...</p><p>Pl�tzlich sp�rte sie ein gro�es Gewebe aus Saidar fast auf sich, und...</p><p>...sie zappelte im Wasser, das �ber ihrem Kopf zusammenschlug, versuchte aufzusteigen, um Luft zu bekommen, verfing sich in ihren R�cken und k�mpfte weiter. Sie kam an die Oberfl�che, keuchte zwischen dahintreibenden Kissen nach Luft und sah sich erstaunt um. Kurz darauf erkannte sie die schr�ge Form �ber ihr als einen der Kabinensitze und ein St�ck der Kabinenwand. Sie befand sich in einer eingeschlossenen Luftblase, die nicht sehr gro� war. Nynaeve h�tte beide Seitenbegrenzungen ber�hren k�nnen, ohne ihre Arme ganz auszustrecken. Aber wie...? Ein h�rbarer Schlag k�ndete vom Grund des Flusses. Die auf dem Kopf stehende Kabine schlingerte und neigte sich. Sie hatte das Gef�hl, da� die Luftblase ein wenig schrumpfte.</p><p>Erstes Gebot war, noch bevor sie sich �ber irgend etwas wundern durfte, hinauszugelangen, bevor sie die Luft verbraucht h�tte. Sie konnte schwimmen - sie hatte oft genug zu Hause in den Wasserwald-Teichen geplanscht -, und als das Wasser sie hin und her wiegte, erinnerte sie sich daran. Sie atmete tief ein, tauchte und schwamm zu der Stelle, wo sich die T�r der Kabine befinden mu�te, wobei sie wegen ihrer Rocke unbeholfen um sich trat. Es w�re vielleicht hilfreich, das Gewand abzulegen, aber sie w�rde nicht nur in Hemd, Str�mpfen und Schmuck an die Oberfl�che des Flusses gelangen. Au�erdem konnte sie das Kleid nicht ausziehen, ohne ihre G�rteltasche zu l�sen, und sie w�rde eher ertrinken, als deren Inhalt zu verlieren.</p><p>Das Wasser war schwarz und lichtlos. Ihre ausgestreckten Finger ber�hrten Holz, und sie tastete sich an der filigranen Holzschnitzerei entlang, bis sie die T�r fand; dann suchte sie den Rahmen ab und fand ein Scharnier. Sie stie� im Geiste Verw�nschungen aus und tastete sich vorsichtig auf die andere Seite. Ja! Der Riegel! Sie hob ihn an und stie� ihn nach au�en. Die T�r bewegte sich vielleicht zwei Zoll weit - und stie� dann auf ein Hindernis.</p><p>Mit angespannten Lungen schwamm sie wieder in die Luftblase, aber nur so lange, bis sie erneut tief eingeatmet hatte. Dieses Mal fand sie die T�r schneller. Sie streckte die Finger durch den Spalt, um festzustellen, was die T�r blockierte. Sie versanken in Schlamm. Vielleicht konnte sie ihn mit den H�nden fortschaufeln, oder... Sie tastete sich h�her. Noch mehr Schlamm. Zunehmend entsetzt, tastete sie den Spalt von unten nach oben ab und dann, weil sie sich weigerte, es zu glauben, noch einmal von oben nach unten. Schlamm, massiver schmieriger Schlamm vor der ganzen T�r.</p><p>Als sie wieder in die Luftblase auftauchte, ergriff sie den Rand des Sitzes �ber ihr und h�ngte sich daran, w�hrend sie nach Atem rang und ihr Herz wild pochte. Die Luft f�hlte sich ... dichter an.</p><p>�Ich werde nicht hier sterben�, murrte sie. �Ich werde nicht hier sterben!�</p><p>Sie h�mmerte mit der Faust gegen den Sitz, bis sie sp�rte, da� die Hand blau wurde, und rang nach dem Zorn, der es ihr erm�glichen w�rde, die Macht <emphasis>zu</emphasis> lenken. Sie w�rde nicht sterben. Nicht hier. Allein. Niemand w�rde wissen, wo sie gestorben war. Kein Grab, nur ein auf dem Grund des Flusses verwesender K�rper. Ihr Arm sank leblos herab. Sie rang nach Atem. Schwarze und silberne Flecken tanzten vor ihren Augen. Sie schien durch eine R�hre zu blicken. Kein Zorn, erkannte sie vage. Sie versuchte, sich nach <emphasis>Saidar</emphasis> auszustrecken, aber ohne im geringsten daran zu glauben, da� sie es jetzt ber�hren w�rde. Sie w�rde hier sterben. Keine Hoffnung. Kein Lan. Und als die Hoffnung schwand, tat sie etwas, was sie noch niemals zuvor in ihrem Leben getan hatte. Sie ergab sich vollkommen.</p><p><emphasis>Saidar</emphasis> durchstr�mte sie, erf�llte sie.</p><p>Sie war sich nur halbwegs des Umstands bewu�t, da� sich das Holz �ber ihr pl�tzlich nach au�en w�lbte und barst. Sie trieb in einem Strom von Luftblasen aufw�rts, durch das Loch im Rumpf in die Dunkelheit. Ihr kam vage zu Bewu�tsein, da� sie etwas tun sollte. Sie konnte sich auch beinahe daran erinnern. Ja. Sie bewegte schwach die F��e. Sie versuchte, mit den Armen Schwimmbewegungen auszuf�hren. Aber sie trieb anscheinend einfach dahin.</p><p>Etwas ergriff ihr Gewand, und sie wurde beim Gedanken an Haie, L�wenfische und nur das Licht wu�te, was diese schwarzen Tiefen sonst noch bev�lkern mochte, von Entsetzen gepackt. Ein Funke Bewu�tsein sprach von der Macht, aber sie schlug verzweifelt mit F�usten und F��en um sich und sp�rte, wie ihre Kn�chel auf etwas Festes auftrafen. Leider schrie sie auch - oder versuchte es zumindest. Sie schluckte viel Wasser, wodurch ihr Schrei, <emphasis>Saidar</emphasis> und beinahe auch ihr restliches Bewu�tsein erstickt wurden.</p><p>Etwas ruckte an ihrem Zopf, dann erneut, und sie wurde gezogen ... irgendwohin. Sie war nicht mehr ausreichend bei Bewu�tsein, um sich zu wehren oder auch gro�e Angst zu haben, gefressen zu werden.</p><p>Pl�tzlich stie� ihr Kopf durch die Wasseroberfl�che. H�nde umfa�ten sie von hinten - H�nde, kein Hai - und dr�ckten auf fast vertraute Art gegen ihre Rippen. Sie hustete - Wasser spr�hte aus ihrer Nase -und hustete qualvoll erneut. Dann atmete sie zitternd ein. Sie hatte noch niemals in ihrem Leben etwas so Liebliches geschmeckt.</p><p>Eine Hand w�lbte sich um ihr Kinn, und pl�tzlich wurde sie erneut gezogen. Mattigkeit vereinnahmte sie. Sie konnte nur auf dem R�cken treiben und atmen und in den Himmel hinaufblicken. So blau. So wundersch�n. Ihre Augen brannten nicht nur vom Salzwasser.</p><p>Und dann wurde sie an der Seite eines Bootes hochgezogen, eine rauhe Hand unter ihrem Ges�� schob sie h�her, bis zwei schlaksige Burschen mit Messingohrringen hinabgreifen und sie an Bord ziehen konnten. Sie halfen ihr, einen oder zwei Schritte zu gehen, aber sobald sie sie loslie�en, um ihrem Retter zu helfen, knickten ihre Beine ein.</p><p>Unsicher auf H�nden und Knien kauernd, betrachtete sie ausdruckslos ein Schwert und Stiefel und einen gr�nen Mantel, die jemand auf das Deck geworfen hatte. Sie �ffnete den Mund - und befreite sich vom Flu� Elbar. Es war anscheinend der ganze Flu�, einschlie�lich ihrer Mittagsmahlzeit und ihres Fr�hst�cks. Es h�tte sie �berhaupt nicht �berrascht, auch einige Fische oder ihre Schuhe zu erblicken. Sie wischte sich gerade mit dem Handr�cken die Lippen ab, als sie Stimmen vernahm.</p><p>�Geht es meinem Lord gut? Mein Lord war sehr lange unten.�</p><p>�Verge�t mich, Mann�, sagte eine tiefe Stimme. �Holt etwas, um sie einzuh�llen.� Lans Stimme, die sie jede Nacht zu h�ren tr�umte.</p><p>Nynaeve unterdr�ckte mit geweiteten Augen m�hsam ein Wimmern. Das Entsetzen, das sie empfunden hatte, als sie geglaubt hatte, sie w�rde sterben, war nichts im Vergleich zu dem, was sie jetzt blitzartig durchstr�mte. Nichts! Dies war ein Alptraum. Nicht jetzt! Nicht so! Nicht, wenn sie wie eine halb ertrunkene Ratte aussah, die auf Knien kauerte, den Inhalt ihres Magens vor sich ausgebreitet!</p><p>Ohne nachzudenken, umarmte sie <emphasis>Saidar</emphasis> und lenkte die Macht. Alles Wasser wich rasch aus ihrer Kleidung und ihrem Haar, und alle Beweise ihres kleinen Mi�geschicks wurden �ber Bord geschwemmt. Sie rappelte sich hoch, zog hastig ihre Halskette zurecht und gl�ttete so weit wie m�glich ihr Gewand und ihr Haar, aber das Bad im Salzwasser und das schnelle Trocknen hatten mehrere Flecken und einige Falten auf der Seide hinterlassen, die einer kundigen Hand mit einem hei�en Eisen bedurft h�tten, um beseitigt zu werden. Haarstr�hnen wollten entkommen, und die Opale in ihrem Zopf schienen den sich str�ubenden Schwanz einer zornigen Katze zu zieren.</p><p>Es war unwichtig. Sie war die Ruhe selbst, k�hl wie eine fr�he Fr�hlingsbrise, selbstbeherrscht wie...</p><p>Sie fuhr herum, bevor er sich ihr von hinten n�hern und sie soweit erschrecken konnte, da� sie sich v�llig blamiert h�tte.</p><p>Sie erkannte erst, wie schnell sie sich bewegt hatte, als sie sah, da� Lan gerade erst den zweiten Schritt von der Reling getan hatte. Er war der sch�nste Mann, den sie jemals gesehen hatte. Mit vollkommen durchweichtem Hemd, Hose und Str�mpfen war er prachtvoll, mit dem tropfenden Haar, das an seinem Gesicht klebte, und... Eine purpurfarbene Prellung bl�hte auf seinem Gesicht. Sie schlug sich eine Hand vor den Mund, als sie sich an den Moment erinnerte, als ihre Faust auf etwas Festes traf.</p><p>�O nein! Oh, Lan, es tut mir leid! Das wollte ich nicht!� Sie war sich nicht wirklich bewu�t, den Abstand zwischen ihnen �berbr�ckt zu haben. Sie war einfach bei ihm, stellte sich auf Zehenspitzen und legte sanft die Finger auf seine Verletzung. Ein geschickt gestaltetes Gewebe aus allen F�nf M�chten, und seine verf�rbte Wange war wieder makellos. Aber er konnte vielleicht noch woanders verletzt sein. Sie spann die Gewebe, mit deren Hilfe sie ihn untersuchen konnte. Neue Narben lie�en sie innerlich zusammenzucken, und da war etwas Merkw�rdiges, aber er schien gesund wie ein Bulle. Er war ebenfalls na�, weil er sie gerettet hatte. Sie trocknete ihn genauso wie sich selbst. Wasser spritzte um seine F��e.</p><p>Sie konnte nicht aufh�ren, ihn zu ber�hren. Sie zog mit beiden H�nden seine starken Wangen nach, seine sch�nen blauen Augen, seine kr�ftige Nase, seine festen Lippen, seine Ohren. Sie k�mmte dieses seidige schwarze Haar mit den Fingern zurecht, richtete das geflochtene Lederband, das es hielt. Ihre Zunge schien ebenfalls ein Eigenleben zu f�hren. �Oh, Lan�, murmelte sie. �Du bist wirklich hier.� Jemand kicherte. Nicht sie - Nynaeve al'Meara kicherte nicht -, aber jemand tat es. �Es ist kein Traum. Oh, Licht, du bist hier. Wie?�</p><p>�Ein Diener im Tarasin-Palast erz�hlte mir, du w�rst zum Flu� gegangen, und ein Bursche am Anlegesteg sagte mir, welches Boot du genommen hattest. Eigentlich wollte ich schon gestern hier sein.�</p><p>�Das k�mmert mich nicht. Du bist jetzt hier. Du bist hier.� Sie kicherte <emphasis>nicht.</emphasis></p><p>�Vielleicht ist sie eine Aes Sedai�, murrte einer der Ruderer, �aber ich behaupte noch immer, da� sie ein Entchen ist, das von diesem Wolf gefressen werden will.�</p><p>Nynaeve err�tete zutiefst, und sie senkte ruckartig die H�nde. Zu einem anderen Zeitpunkt h�tte sie dem Burschen unmi�verst�ndlich die Meinung gesagt. Zu einem anderen Zeitpunkt, wenn sie klar denken konnte, woran Lan sie hinderte. Sie ergriff seinen Arm. �In der Kabine k�nnen wir uns ungest�rt unterhalten.� Hatte einer der Ruderer schon wieder gekichert?</p><p>�Mein Schwert und...�</p><p>�Ich nehme es�, sagte sie und hob seine Sachen mit Str�ngen Luft vom Deck auf. Einer dieser R�pel <emphasis>hatte</emphasis> gekichert. Ein weiterer Strang Luft �ffnete die Kabinent�r, und sie dr�ngte Lan und sein Schwert und alles andere hinein und schlug die T�r hinter ihnen zu.</p><p>Licht, sie bezweifelte, da� selbst Calle Coplin zu Hause jemals so k�hn gewesen war - und es kannten genauso viele W�chter von H�ndlern Calles Muttermal genauso gut wie ihr Gesicht. Aber dies war nicht dasselbe. �berhaupt nicht! Dennoch schadete es nicht, ein bi�chen weniger ... eifrig zu sein. Sie f�hrte ihre H�nde erneut zu seinem Gesicht - nur um sein Haar noch ein wenig glatter zu streichen -, und er ergriff mit seinen gro�en H�nden sanft ihre Handgelenke.</p><p>�Myrelle ist jetzt mit mir verbunden�, sagte er ruhig. �Sie borgt mich dir aus, bis du einen eigenen Beh�ter findest.�</p><p>Sie befreite ruhig ihre rechte Hand und schlug ihm so fest sie konnte ins Gesicht. Er bewegte kaum den Kopf, so da� sie auch die andere Hand befreite und ihn abermals schlug. �Wie konntest du?� Vorsichtshalber unterstrich sie die Frage mit noch einem weiteren Schlag. �Du wu�test, da� ich gewartet habe!� Noch ein Schlag schien notwendig, nur um es ihm zu verdeutlichen. �Wie konntest du so etwas tun? Wie konntest du es ihr erlauben?� Noch ein Schlag. �Verdammt seist du, Lan Mandragoran! Verdammt seist du! In den Krater des Verderbens sollst du verbannt werden. Verdammt seist du!�</p><p>Der Mann - der <emphasis>verdammte</emphasis> Mann! - sagte kein Wort. Er h�tte nat�rlich auch nichts erwidern k�nnen. Womit sollte er sich verteidigen? Er stand einfach nur da, w�hrend sie ihn mit Schl�gen traktierte, regte sich nicht, und sein unger�hrter Blick wirkte eigent�mlich, so wie es auch war, wenn sie wegen ihm err�tete. Auch wenn die Schl�ge wenig Eindruck auf ihn machten, begannen ihre Handfl�chen doch heftig zu brennen.</p><p>Sie ballte grimmig eine Hand zur Faust und boxte ihn mit aller Kraft in den Bauch. Er st�hnte leise.</p><p>�Wir werden dies ruhig und vern�nftig besprechen�, sagte sie schlie�lich und trat von ihm zur�ck. �Wie Erwachsene.� Lan nickte nur, setzte sich hin und zog seine Stiefel zu sich heran. Sie strich sich mit der linken Hand Haarstr�hnen aus dem Gesicht und streckte die rechte Hand hinter den R�cken, so da� sie ihre wunden Finger beugen konnte, ohne da� er es sah. Er hatte kein Recht, so hart zu sein, nicht, wenn sie ihn schlagen wollte. Es war wohl zuviel der Hoffnung, da� sie ihm eine Rippe gebrochen h�tte.</p><p>�Du solltest ihr dankbar sein, Nynaeve.� Wie konnte der Mann so ruhig klingen? Er zog entschlossen einen Stiefel an und beugte sich herab, um den anderen aufzuheben, sah sie dabei aber nicht an. �Du w�rdest nicht wollen, da� ich mit dir verbunden w�re.�</p><p>Der Strang Luft ergriff eine Handvoll seines Haares und bog seinen Kopf schmerzhaft nach oben. �Wenn du es wagst - wenn du es auch nur wagst -, erneut solchen Unsinn von dir zu geben, da� du mich nicht als Witwe zur�cklassen willst, Lan Mandragoran, dann werde ich ... werde ich...� Ihr fiel nichts ausreichend Bedrohliches ein. Ihn zu treten, gen�gte nicht ann�hernd. Myrelle. Myrelle und ihre Beh�ter. Verdammt sei er! Ihm die Haut in Streifen abzuziehen, w�rde auch nicht gen�gen!</p><p>Er h�tte sich genausogut nicht mit verrenktem Hals vorbeugen k�nnen. Er legte einfach die Unterarme �ber die Knie, betrachtete sie mit jenem eigent�mlichen Blick und sagte; �Ich dachte daran, es dir nicht zu erz�hlen, aber du hast ein Recht, es zu wissen.� Dennoch z�gerte er. Lan z�gerte niemals. �Als Moiraine starb - wenn der Bund eines Beh�ters mit seiner Aes Sedai gebrochen wird -, �nderte sich manches...�</p><p>Als er fortfuhr, legte sie die Arme um sich und hielt sich, um nicht zu zittern. Ihr Kiefer schmerzte, weil sie fest die Z�hne zusammenbi�. Sie lie� den Strang los, der ihn hielt, lie� <emphasis>Saidar</emphasis> los, aber er richtete sich nur auf und fuhr ohne mit der Wimper zu zucken damit fort, das Entsetzliche zu berichten, w�hrend er sie betrachtete. Pl�tzlich verstand sie seinen Blick, der k�lter war als der tiefste Winter. Es war der Blick eines Mannes, der wu�te, da� er tot war, und der sich nicht dazu bringen konnte, sich darum zu sorgen; ein Mann, der beinahe eifrig auf jenen langen Schlaf wartete. Ihre Augen brannten vor ungeweinten Tr�nen.</p><p>�Du siehst also�, sagte er mit einem L�cheln, das nur seine Lippen einschlo�, ein ergebenes L�cheln, �wenn es vorbei ist, wird sie ein Jahr oder l�nger leiden, und ich werde dennoch tot sein. Das bleibt dir erspart. Das ist mein letztes Geschenk an dich, <emphasis>Mashiara.� Mashiara.</emphasis> Seine verlorene Liebe.</p><p>�Du wirst mein Beh�ter sein, bis ich selbst einen finde?� Sie war best�rzt �ber ihre ausgewogene Stimme. Sie durfte jetzt nicht in Tr�nen ausbrechen. Sie w�rde es nicht tun. Sie mu�te jetzt mehr als jemals zuvor ihre Kraft sammeln.</p><p>�Ja�, sagte er vorsichtig, w�hrend er seinen anderen Stiefel anzog. Er hatte sie schon immer an einen halbwegs zahmen Wolf erinnert, aber jetzt lie� sein Blick ihn noch weitaus wilder erscheinen.</p><p>�Gut.� Sie richtete ihre R�cke und widerstand dem Drang, zu ihm zu treten. Sie durfte ihn ihre Angst nicht sehen lassen. �Weil ich ihn gefunden habe. Dich. Ich habe gewartet und bei Moiraine gehofft. Bei Myrelle werde ich das nicht tun. Sie wird mir deinen Bund �bergeben.� Myrelle w�rde es tun, und wenn sie die Frau an den Haaren nach Tar Valon und zur�ck zerren mu�te. Vielleicht w�rde sie Myrelle auch einfach nur aus Prinzip umherzerren. �Sag nichts�, wies sie ihn scharf an, als er den Mund �ffnete. Ihre Finger streiften ihre G�rteltasche, in der sich sein in ein seidenes Taschentuch gewickelter, schwerer goldener Siegelring befand. Sie m��igte ihre Stimme m�hsam. Er war krank, und harte Worte halfen niemals gegen Krankheit. Aber es kostete sie M�he. Sie wollte ihn heftig ausschelten, wollte sich den Zopf jedes Mal an den Wurzeln ausrei�en, wenn sie an ihn und diese Frau dachte. Sie hielt ihre Stimme m�hsam ruhig und fuhr fort.</p><p>�Wenn jemand in den Zwei Fl�ssen einem anderen einen Ring schenkt, sind sie verlobt, Lan.� Das war eine L�ge, und sie erwartete halbwegs, da� er zornig aufspringen w�rde, aber er blinzelte nur. Au�erdem hatte sie in einer Geschichte von dieser Vorstellung gelesen. �Wir sind schon ausreichend lange verlobt. Wir werden heute heiraten.�</p><p>�Darum habe ich stets gebetet�, sagte er leise und sch�ttelte dann den Kopf. �Du wei�t, warum es nicht sein kann, Nynaeve. Und selbst wenn es sein k�nnte, Myrelle...�</p><p>Trotz all ihrer Versprechen, Ruhe zu bewahren, umarmte sie <emphasis>Saidar</emphasis> und knebelte ihn mit Luft, bevor er bekennen konnte, was sie nicht h�ren wollte. Solange er es nicht tat, konnte sie so tun, als sei nichts geschehen. Aber wenn sie Myrelle erwischte! Die Opale dr�ckten hart in ihre Handfl�che, und sie nahm die Hand so ruckartig von ihrem Zopf fort, als h�tte sie sich verbrannt. Statt dessen strich sie mit den Fingern erneut durch sein Haar, w�hrend er sie emp�rt ansah. �Eine kleine Lektion f�r dich �ber den Unterschied zwischen Ehefrauen und anderen Frauen�, sagte sie gelassen. Ein solcher Kampf. �Ich w�rde es sehr zu sch�tzen wissen, wenn du Myrelles Namen in meiner Gegenwart nicht mehr erw�hntest. Hast du verstanden?�</p><p>Er nickte, und sie lie� den Strang fahren, aber sobald er seinen Kiefer einen Moment bewegt hatte, sagte er: �Auch wenn ich ihren Namen nicht nenne, Nynaeve, wei�t du doch, da� sie sich durch den Bund aller meiner Empfindungen bewu�t ist. W�ren wir Mann und Frau...�</p><p>Sie hatte das Gef�hl, als st�nde ihr Gesicht in Flammen. Sie hatte niemals <emphasis>daran</emphasis> gedacht! Verdammte Myrelle! �Kann man irgend wie feststeilen, ob sie wei�, da� ich es bin?� fragte sie schlie�lich, w�hrend ihre Wangen wirklich beinahe brannten. Besonders, als er erstaunt lachend an die Kabinenwand sank.</p><p>�Licht, Nynaeve, du bist phantastisch! Licht! So habe ich nicht mehr gelacht seit...� Seine Heiterkeit verging, und die K�lte, die einen Moment fast aus seinem Blick gewichen war, kehrte zur�ck. �Ich w�nschte, es k�nnte sein, Nynaeve, aber...�</p><p>�Es kann sein, und es wird sein�, unterbrach sie ihn. M�nner gewannen anscheinend immer die �berhand, wenn man sie zu lange reden lie�. Sie setzte sich auf seine Knie. Gewi�, sie waren noch nicht verheiratet, aber er war weicher als die ungepolsterten B�nke auf diesem Boot. Sie regte sich ein wenig, um sich bequemer hinzusetzen. Nun, jedenfalls war er nicht h�rter als die B�nke. �Du k�nntest dich genausogut damit abfinden, Lan Mandragoran. Mein Herz geh�rt dir, und du hast zugegeben, da� deines auch mir geh�rt. <emphasis>Du</emphasis> geh�rst mir, und ich werde dich nicht gehen lassen. Du wirst mein Beh�ter und mein Ehemann sein, und das f�r eine sehr lange Zeit. Ich werde dich nicht sterben lassen. Verstehst du <emphasis>das?</emphasis> Ich kann so eigensinnig sein, wie es n�tig ist.�</p><p>�Das hatte ich noch nicht bemerkt�, sagte er, und sie verengte die Augen. Seine Stimme klang schrecklich ... n�chtern.</p><p>�Wenn du es nur jetzt bemerkst�, sagte sie fest. Sie drehte den Kopf und sp�hte durch die Gitter im Rumpf hinter ihm, drehte den Kopf dann erneut und sah durch die Gitter an der Vorderseite der Kabine. Lange Docks, die vom Kai aufragten, zogen vor�ber. Voraus konnte sie nur weitere Docks und die Stadt sehen, die in der Nachmittagssonne wei� schimmerte. �Wohin fahren wir?� murrte sie.</p><p>�Ich habe ihnen gesagt, sie sollen uns an Land absetzen, sobald ich dich an Bord h�tte�, sagte Lan. �Es schien mir das beste, sobald wie m�glich vom Flu� fortzukommen.�</p><p>�Du...?� Sie bi� die Z�hne zusammen. Er hatte nicht gewu�t, wohin sie wollte oder warum. Er hatte mit seinem Wissen sein Bestes getan. Und er <emphasis>hatte</emphasis> ihr das Leben gerettet. �Ich kann noch nicht in die Stadt zur�ckkehren, Lan.� Sie r�usperte sich und �nderte ihren Tonfall. Ich mu� die Meervolkschiffe, die <emphasis>Windl�ufer,</emphasis> aufsuchen.� Viel besser. Munter, aber nicht zu munter, und entschieden.</p><p>�Nynaeve, ich war unmittelbar hinter deinem Boot. Ich habe gesehen, was passiert ist. Du warst erst f�nfzig Schritte vor mir und dann f�nfzig Schritte hinter mir, und dann sank dein Boot. Es mu� Baalsfeuer gewesen sein.� Er brauchte nicht mehr zu sagen.</p><p>�Moghedien�, hauchte sie. Oh, es hatte auch ein anderer der Verlorenen oder vielleicht jemand von den Schwarzen Ajah sein k�nnen, aber sie wu�te es.</p><p>Nun, sie hatte Moghedien nicht nur einmal, sondern auch noch ein zweites Mal besiegt. Sie konnte es, wenn n�tig, auch ein drittes Mal tun. Ihre Miene schien ihre Zuversicht nicht widerzuspiegeln.</p><p>�Hab keine Angst�, sagte Lan und ber�hrte ihre Wange. �Hab niemals Angst, wenn ich in der N�he bin. Wenn du Moghedien gegen�bertreten mu�t, werde ich daf�r sorgen, da� du ausreichend zornig bist, um die Macht zu lenken. Ich scheine in dieser Richtung ein gewisses Talent zu besitzen.�</p><p>�Du wirst mich niemals wieder erz�rnen�, begann sie, hielt dann inne und sah ihn mit geweiteten Augen an. �Ich bin nicht zornig�, sagte sie z�gernd.</p><p>�Jetzt nicht, aber wenn es n�tig ist...�</p><p>�Ich bin nicht zornig�, wiederholte sie lachend. Sie freute sich, schlug sich mit den F�usten an die Brust und lachte. <emphasis>Saidar</emphasis> erf�llte sie, nicht nur mit Lebendigkeit und Freude, sondern dieses Mal auch mit Ehrfurcht. Sie streichelte mit federartigen Str�ngen Luft seine Wangen. �Ich bin nicht zornig, Lan�, fl�sterte sie.</p><p>�Dein Widerstand ist gebrochen.� Er grinste und teilte ihre Freude, aber es war keine W�rme in seinem Blick.</p><p><emphasis>Ich werde auf dich aufpassen, Lan Mandragoran,</emphasis> versprach sie im stillen. <emphasis>Ich werde dich nicht sterben lassen.</emphasis> Sie lehnte sich an seine Brust und erwog, ihn zu k�ssen, und sogar... <emphasis>Du bist nicht Calle Coplin,</emphasis> sagte sie sich fest.</p><p>Pl�tzlich kam ihr ein entsetzlicher Gedanke. Um so entsetzlicher, weil es ihr nicht fr�her eingefallen war. �Die Ruderer?� sagte sie leise. �Meine W�chter?� Er sch�ttelte schweigend den Kopf, und sie seufzte. Leibw�chter. Licht, sie hatten ihren Schutz gebraucht und nicht umgekehrt Vier weitere Tode zu Lasten Moghediens. Vier zus�tzlich zu Tausenden, aber diese betrafen sie pers�nlich. Nun, sie w�rde sich ein andermal mit Moghedien auseinandersetzen.</p><p>Sie erhob sich und �berlegte, was sie mit ihrer Kleidung tun k�nnte. �Lan, l��t du die Ruderer umkehren? Sage ihnen, sie sollen alles geben.� Also w�rde sie den Palast erst bei Einbruch der Nacht Wiedersehen. �Und finde heraus, ob einer von ihnen einen Kamm besitzt.� So konnte sie Nesta nicht gegen�bertreten.</p><p>Er nahm seine Jacke und sein Schwert und verbeugte sich vor ihr. �Wie Ihr befehlt, Aes Sedai.�</p><p>Sie sch�rzte die Lippen und beobachtete, wie sich die T�r hinter ihm schlo�. Lachte er sie tats�chlich aus? Sie w�rde darauf wetten, da� jemand auf der <emphasis>Windl�ufer</emphasis> eine Eheschlie�ung durchf�hren konnte. Und nach dem, was sie bisher vom Meervolk gesehen hatte, w�rde sie auch wetten, da� Lan Mandragoran feststellen w�rde, da� er zu tun versprach, was man ihm befahl. Sie w�rden sehen, wer dann lachte.</p><p>Das Boot schlingerte und rollte und drehte sich langsam, und ihr Magen schlingerte mit ihm.</p><p>�Oh, Licht!� st�hnte sie, w�hrend sie auf die Bank sank. Warum hatte sie das nicht zusammen mit ihrem Widerstand verlieren k�nnen? <emphasis>Saidar</emphasis> festzuhalten, sich jeden Luftzugs auf ihrer Haut bewu�t, machte es nur schlimmer. Loszulassen half auch nicht. Ihr w�rde <emphasis>nicht</emphasis> wieder �bel werden. Sie <emphasis>w�rde</emphasis> Lan ein f�r allemal besitzen. Dies w�rde noch ein wundervoller Tag werden. Wenn nur das Gef�hl wiche, da� ein Sturm aufkam.</p><p>Die Sonne stand fahl unmittelbar �ber den Dachfirsten, als Elayne an die T�r klopfte. Feiernde tanzten und tollten auf der Stra�e hinter ihr und erf�llten die Luft mit ihrem Lachen und Singen und dem Duft von Parf�m. Sie w�nschte sich beil�ufig, sie h�tte die Gelegenheit gehabt, das Fest wirklich zu genie�en. Ein Kost�m wie Birgittes zu tragen h�tte vielleicht Spa� gemacht. Oder auch eines wie das, welches sie heute morgen an Lady Riselle, einer von Tylins Begleiterinnen, gesehen hatte. Solange sie ihre Maske h�tte aufbehalten k�nnen. Sie klopfte erneut und dieses Mal fester.</p><p>Eine grauhaarige Dienerin mit kantigem Kinn �ffnete die T�r, und ihre Miene zeigte pl�tzlich Zorn, als Elayne ihre gr�ne Maske senkte. �Ihr! Was tut Ihr wieder...� Der Zorn wurde zu geisterhafter Bl�sse, als Merilille ihre Maske ebenfalls abnahm und Adeleas und die anderen es ihnen gleichtaten. Die Frau zuckte bei jedem enth�llten alterslosen Gesicht zusammen -sogar bei Sareithas. Zu dem Zeitpunkt erwartete sie diesen Anblick vielleicht bereits.</p><p>Die Dienerin versuchte mit einem pl�tzlichen Aufschrei, die T�r wieder zu schlie�en, aber Birgitte scho� an Elayne vorbei und stie� sie mit einer federbesetzten Schulter wieder auf. Die Dienerin taumelte einige Schritte und fa�te sich dann, aber ob sie davonlaufen oder schreien wollte... Birgitte kam ihr zuvor, indem sie ihren Oberarm ergriff.</p><p>�Nur ruhig�, sagte Birgitte fest. �Wir wollen uns doch nicht aufregen oder schreien, nicht wahr?� Sie schien nur den Arm der Frau festzuhalten, sie fast zu st�tzen, aber die Dienerin stand tats�chlich sehr aufrecht und still. Sie starrte mit geweiteten Augen auf die Maske mit dem Federschopf der Frau, die sie gefangenhielt und sch�ttelte langsam den Kopf.</p><p>�Wie hei�t Ihr?� fragte Elayne, w�hrend sich die anderen in der Eingangshalle hinter ihr versammelten. Die sich schlie�ende T�r d�mpfte den L�rm von drau�en. Der Blick der Dienerin hastete von einem Gesicht zum anderen, als k�nnte sie es nicht ertragen, auch nur eines zu lange zu betrachten.</p><p>�C-c-cedora.�</p><p>�Ihr werdet uns zu Reanne bringen, Cedora.� Dieses Mal nickte Cedora. Sie wirkte, als wollte sie weinen.</p><p>Cedora f�hrte sie steif die Treppe hinauf, w�hrend Birgitte noch immer ihren Arm umfa�te. Elayne erwog, ihr zu sagen, sie solle die Frau loslassen, aber das letzte, was sie wollte, war ein Warnruf, woraufhin jedermann im Hause in eine andere Richtung floh. Das war der Grund, warum Birgitte ihre Muskeln gebrauchte, anstatt da� Elayne selbst die Macht gelenkt h�tte. Sie dachte, Cedora sei eher ver�ngstigt als verletzt, und heute abend sollte jedermann zumindest auch ein wenig ver�ngstigt sein.</p><p>�D-dort drinnen�, sagte Cedora und deutete mit dem Kopf auf eine rote T�r. Die T�r zu dem Raum, in dem Nynaeve und sie diese ungl�ckliche Unterredung gehabt hatten. Elayne �ffnete sie und trat ein.</p><p>Reanne war in dem Raum, sa� mit dem R�cken zu den Reliefs mit den Dreizehn S�nden �ber dem Kamin, wie auch ein Dutzend weitere Frauen, die Elayne niemals zuvor gesehen hatte, die alle Stuhle vor den hellgr�nen W�nden besetzten und bei geschlossenen Fenstern und zugezogenen Vorh�ngen schwitzten. Die meisten trugen Ebou-Dari-Kleidung, obwohl nur eine die olivfarbene Haut aufwies. Die meisten hatten Falten im Gesicht und zumindest eine Spur Grau im Haar, und jede der Frauen konnte in gewissem Umfang die Macht lenken. Sieben trugen den roten G�rtel. Elayne seufzte wider Willen.</p><p>Reanne sprang mit demselben zornroten Gesicht auf, das Cedora gezeigt hatte, und ihre ersten Worte waren auch fast die gleichen. �Ihr! Wie k�nnt Ihr es wagen, Euch blicken zu lassen...?� Worte und Zorn vergingen ebenfalls aus dem gleichen Grund, als Merilille und die anderen Elayne auf den Fersen folgten. Eine blonde Frau mit einem roten G�rtel und tiefem Ausschnitt stie� ein schwaches Keuchen aus, w�hrend sie die Augen verdrehte und leblos von ihrem roten Stuhl glitt. Niemand machte Anstalten, ihr zu helfen. Niemand sah Birgitte auch nur an, als sie Cedora in eine Ecke f�hrte und dort hinstellte. Niemand schien zu atmen. Elayne versp�rte das dringende Verlangen, �Buh� zu schreien, nur um zu sehen, was geschehen w�rde.</p><p>Reanne schwankte mit bleichem Gesicht und versuchte sichtlich, wenn auch nur mit geringem Erfolg, sich zusammenzunehmen. Sie brauchte nur einen Moment, um die f�nf vor der T�r aufgereihten Aes Sedai mit den gelassenen Gesichtern pr�fend zu betrachten und zu entscheiden, welche von ihnen das Sagen hatte. Sie wankte �ber die Bodenfliesen zu Merilille und sank mit gebeugtem Kopf auf die Knie. �Vergebt uns, Aes Sedai.� Ihre Stimme klang verehrungsvoll und nur unwesentlich fester, als ihre Knie es gewesen waren. Tats�chlich stammelte sie. �Wir sind nur wenige Freundinnen. Wir haben nichts getan, gewi� nichts, was die Aes Sedai in Mi�kredit bringen k�nnte. Das schw�re ich, was auch immer dieses M�dchen Euch gesagt hat. Wir h�tten Euch von ihr erz�hlt, aber wir hatten Angst. Wir kommen nur zusammen, um uns zu unterhalten. Sie hat eine Freundin, Aes Sedai. Habt Ihr sie ebenfalls gefangengenommen? Ich kann sie Euch beschreiben, Aes Sedai. Ich werde tun, was immer Ihr w�nscht. Ich schw�re, da� wir...�</p><p>Merilille r�usperte sich laut. �Euer Name ist Reanne Corly?� Reanne zuckte zusammen und fl�sterte, dem sei <emphasis>so,</emphasis> w�hrend sie noch immer den Boden zu F��en der Grauen Schwester betrachtete. �Ich f�rchte, Ihr m��t Euch an Elayne Sedai wenden, Reanne.�</p><p>Reanne hob auf <emphasis>h�chst</emphasis> zufriedenstellende Weise ruckartig den Kopf. Sie sah Merilille an, und dann weiteten sich ihre Augen in ma�losem Entsetzen. Sie leckte sich �ber die Lippen und atmete tief ein. Sie wandte sich auf Knien zu Elayne um und beugte erneut den Kopf. �Ich bitte Euch um Vergebung, Aes Sedai�, sagte sie bleiern. �Ich wu�te nicht... Ich konnte nicht...� Ein weiteres tiefes, hoffnungsloses Einatmen. �Welche Bestrafung auch immer Ihr entscheidet, wir nehmen sie dem�tigst an, aber bitte glaubt mir, da�...�</p><p>�Oh, steht schon auf�, unterbrach Elayne sie ungeduldig. Sie hatte die Anerkennung dieser Frau genauso sehr gewollt wie die Merililles oder jeder der anderen, aber diese Kriecherei bereitete ihr �belkeit. �So ist es gut. Steht auf.� Sie wartete, bis Reanne ihrer Aufforderung gefolgt war, trat dann fort und setzte sich auf den Stuhl der Frau. Es bestand keine Notwendigkeit zu katzbuckeln, aber sie wollte auch keinen Zweifel daran lassen, wer das Sagen hatte. �Wollt Ihr noch immer leugnen, von der Schale der Winde zu wissen, Reanne?�</p><p>Reanne spreizte die H�nde. �Aes Sedai�, sagte sie arglos, �keine von uns w�rde jemals ein <emphasis>Ter'angreal</emphasis> und noch viel weniger ein <emphasis>Angreal</emphasis> oder ein <emphasis>Sa'angreal</emphasis> benutzen.� Arglos, und wachsam wie ein Fuchs in der Stadt. �Ich versichere Euch, da� wir keinen Anspruch darauf erheben, etwas den Aes Sedai auch nur Nahestehendes zu sein. Wir sind nur diese wenigen Freundinnen, die Ihr hier seht, die dadurch verbunden sind, da� sie einst die Erlaubnis erhielten, die Wei�e Burg zu betreten. Das ist alles.�</p><p>�Nur diese wenigen Freundinnen�, wiederholte Elayne trocken �ber aneinandergelegte Finger hinweg. �Und nat�rlich Garenia. Und Berowin, und Derys, und Alise.�</p><p>�Ja�, best�tigte Reanne widerwillig. �Und sie.�</p><p>Elayne sch�ttelte �beraus gem�chlich den Kopf. �Reanne, die Wei�e Burg wei� von Eurer Schwesternschaft. Die Burg hat schon <emphasis>immer</emphasis> davon gewu�t.� Eine dunkle Frau mit tairenischem Aussehen -obwohl sie eine blauwei�e Seidenweste mit dem Zeichen der Gilde der Goldschmiede trug - stie� einen unterdr�ckten Schrei aus und pre�te dann beide H�nde auf den Mund. Eine hagere, bereits ergrauende Saldaeanerin, die den roten G�rtel trug, sank mit einem Seufzen zusammen und folgte der blonden Frau auf den Boden, und zwei weitere schwankten, als wollten sie es ihnen gleichtun.</p><p>Reanne hingegen sah die Schwestern vor der T�r Best�tigung heischend an und erhielt sie, wie sie glaubte. Merililles Gesicht war eher frostig als gelassen, und Sareitha verzog das Gesicht, bevor sie es verhindern konnte. Vandene und Careane pre�ten beide die Lippen zusammen, und Adeleas wandte den Kopf hierhin und dorthin, um die Frauen an den W�nden zu betrachten, wie sie vielleicht ihr bisher unbekannte Insekten betrachtet h�tte. Nat�rlich entsprach das, was Reanne sah, nicht dem, was tats�chlich war. Sie hatten Elaynes Entscheidung alle angenommen, aber auch noch so viel �Ja, Elayne...� konnte sie nicht dazu bringen, da� sie ihnen auch gefiel. Sie h�tten schon vor zwei Stunden hier sein k�nnen, wenn nicht so viele �Aber, Elayne...� eingewandt worden w�ren. Manchmal bedeutete F�hrung eine Herde h�ten.</p><p>Reanne fiel nicht in Ohnmacht, aber ihr Gesicht war angsterf�llt, und sie hob flehend die H�nde. �Wollt Ihr die Schwesternschaft vernichten? Warum jetzt, nach so langer Zeit? Was haben wir getan, da� Ihr jetzt �ber uns herfallt?�</p><p>�Niemand wird Euch vernichten�, belehrte Elayne sie. �Careane, da niemand sonst den beiden helfen wird - w�rdet Ihr es bitte tun?� �berall im Rund sprang jemand auf, und einige err�teten, und bevor Careane reagieren konnte, kauerten bereits zwei Frauen �ber jeweils einer Ohnm�chtigen, hoben sie auf und hielten ihnen Riechsalz unter die Nase. �Der Amyrlin-Sitz w�nscht, da� sich jede Frau, welche die Macht lenken kann, mit der Burg verbindet�, fuhr Elayne fort. �Das Angebot gilt f�r jedes Mitglied der Schwesternschaft, das es annehmen will.�</p><p>H�tte sie Str�nge Luft um jede einzelne dieser Frauen gewoben, h�tte sie sie nicht starrer halten k�nnen. Hatte sie jene Str�nge fest zusammengedr�ckt, w�ren ihre Augen nicht weiter hervorgetreten. Eine der Frauen, die ohnm�chtig geworden waren, keuchte und hustete pl�tzlich und schob das Fl�schchen Riechsalz fort, das ihr bereits zu lange unter die Nase gehalten wurde, woraufhin sich aller Erstarrung l�ste und eine Flut von Stimmen anschwoll.</p><p>�Wir k�nnen doch noch Aes Sedai werden?� fragte die Tairenerin in der Weste der Gilde der Goldschmiede aufgeregt, w�hrend eine Frau mit rundlichem Gesicht, die einen mindestens doppelt so langen roten G�rtel wie alle anderen trug, gleichzeitig herausplatzte: �Sie werden uns lernen lassen? Sie werden uns wieder lehren?� Eine Flut qualvoll eifriger Stimmen. �Wir k�nnen wirklich...?� und �Sie werden uns tats�chlich...?� von allen Seiten.</p><p>Reanne fuhr heftig zu ihnen herum. �Ivara, Sumeko, Ihr alle, Ihr verge�t Euch! Ihr sprecht vor Aes Sedai! Ihr sprecht ... vor ... Aes Sedai.� Sie fuhr sich mit zitternder Hand �ber das Gesicht. Verlegenes Schweigen senkte sich herab. Augenlider wurden gesenkt, und R�te stieg in die Wangen. Trotz all dieser Falten aufweisenden Gesichter und des grauen und wei�en Haars f�hlte sich Elayne an eine Gruppe Novizinnen erinnert die nach dem letzten L�uten eine Kissenschlacht veranstalteten, als die Herrin der Novizinnen hereinkam.</p><p>Reanne blickte z�gernd �ber ihre Fingerspitzen. �Wir werden wirklich in die Burg zur�ckkehren d�rfen?� fragte sie kaum h�rbar.</p><p>Elayne nickte. �Diejenigen, die lernen k�nnen, Aes Sedai zu werden, werden die Chance bekommen, aber es wird f�r alle Platz sein. F�r jede Frau, welche die Macht lenken kann.�</p><p>Ungeweinte Tr�nen schimmerten in Reannes Augen. Elayne war sich nicht sicher, aber sie glaubte die Frau fl�stern zu h�ren: �Ich kann eine Gr�ne werden.� Es fiel ihr sehr schwer, nicht zu ihr zu eilen und sie zu umarmen.</p><p>Keine der anderen Aes Sedai zeigte Gef�hle, und Merilille war gewi� aus noch h�rterem Holz. �Wenn ich eine Frage stellen d�rfte, Elayne? Reanne, wie viele ... von Euch werden wir aufnehmen?� Die kleine Pause sollte zweifellos die Formulierung �wie viele Wilde und Frauen, die es beim ersten Mal nicht geschafft haben� verhindern.</p><p>Wenn Reanne es bemerkte oder vermutete, k�mmerte sie sich nicht darum. �Ich kann nicht glauben, da� jemand das Angebot ablehnen w�rde�, sagte sie atemlos. �Es wird vielleicht einige Zeit dauern, alle zu benachrichtigen. Wir bleiben verstreut, versteht Ihr, damit...� Sie lachte ein wenig nerv�s und noch immer den Tr�nen nahe. �...damit Aes Sedai uns nicht bemerken. Im Moment stehen eintausendsiebenhundertdreiundachtzig Namen auf der Liste.�</p><p>Die meisten Aes Sedai lernten, ein Erschrecken hinter �u�erlicher Ruhe zu verbergen, und nur Sareitha lie� es zu, da� sich ihre Augen weiteten. Sie formulierte auch lautlos Worte, und Elayne kannte sie gut genug, um ihre Lippen lesen zu k�nnen. <emphasis>Zweitausend Wilde! Das Licht helfe uns!</emphasis> Elayne besch�ftigte sich angelegentlich mit ihren R�cken, bis sie sicher war, da� sie ihre Miene beherrschte. Das Licht helfe ihnen in der Tat.</p><p>Reanne mi�verstand das Schweigen. �Habt Ihr mehr erwartet? Jedes Jahr sterben mehrere Frauen bei Unf�llen oder eines nat�rlichen Todes, wie andere Menschen auch, und ich f�rchte, die Schwesternschaft hat sich in den letzten tausend Jahren verringert. Vielleicht waren wir zu vorsichtig darin, uns Frauen anzun�hern, wenn sie die Wei�e Burg verlassen, aber es bestand immer die Angst, da� eine von ihnen berichten k�nnte, befragt worden zu sein, und ... und...�</p><p>�Wir sind nicht im geringsten entt�uscht�, versicherte Elayne ihr mit tr�stlichen Gesten. Entt�uscht? Sie h�tte beinahe hysterisch gekichert. Es gab fast doppelt so viele Mitglieder der Schwesternschaft wie Aes Sedai! Egwene w�rde niemals behaupten k�nnen, sie h�tte nicht ihren Teil dazu beigetragen, Frauen, welche die Macht lenken konnten, in die Burg zu bringen. Aber wenn die Schwesternschaft Wilde ablehnte... Sie mu�te bei der Sache bleiben. Die Schwesternschaft war nur zuf�llig entdeckt worden. �Reanne�, sagte sie sanft, �meint Ihr, Ihr k�nntet Euch jetzt daran erinnern, wo sich die Schale der Winde befindet?�</p><p>Reanne err�tete zutiefst. �Wir sind niemals damit in Ber�hrung gekommen, Elayne Sedai. Ich wei� nicht, warum <emphasis>Angreale</emphasis> gesammelt wurden. Ich habe niemals von dieser Schale der Winde geh�rt, aber es gibt einen Lagerraum, wie Ihr ihn beschrieben habt, dr�ben...�</p><p>Im unteren Stockwerk lenkte eine Frau kurz die Macht, und jemand schrie in h�chstem Entsetzen.</p><p>Elayne sprang blitzartig auf, wie auch alle anderen.</p><p>Birgitte zog irgendwo unter ihrem mit Federn geschm�ckten Gewand einen Dolch hervor.</p><p>�Das mu� Derys gewesen sein�, sagte Reanne. �Sie ist die einzige, die noch im Haus ist.�</p><p>Elayne eilte voran und ergriff ihren Arm, als sie zur T�r laufen wollte. �Ihr seid noch keine Gr�ne�, murmelte sie und wurde mit einem reizenden, gleichzeitig �berraschten und sch�chternen L�cheln bedacht. �Wir werden uns darum k�mmern, Reanne.�</p><p>Merilille und die anderen stellten sich auf beiden Seiten auf, bereit, Elayne aus dem Raum zu folgen, aber Birgitte war bereits vor ihnen allen an der T�r und grinste, w�hrend sie nach dem Riegel griff. Elayne schluckte und schwieg. Das war die Ehre der Beh�ter, sagten die Gaidin: als erste hineinzugehen und als letzte herauszukommen. Aber sie umarmte dennoch <emphasis>Saidar,</emphasis> bereit, alles zu zermalmen, was ihre Beh�terin bedrohen w�rde.</p><p>Die T�r �ffnete sich, bevor Birgitte den Riegel anheben konnte.</p><p>Mat schlenderte herein und schob eine schlanke Dienerin, an die Elayne sich erinnerte, vor sich her. �Ich dachte mir schon, da� Ihr hier w�rt.� Er grinste unversch�mt, beachtete Derys' Blicke aber nicht und fuhr fort. �Als ich n�mlich eine verdammt gro�e Anzahl Beh�ter in meinem am wenigsten beliebten Wirtshaus vorfand. Ich komme gerade von der Verfolgung einer Frau in den Rahad zur�ck. Ins oberste Stockwerk eines unbewohnten Hauses, um genau zu sein. Nachdem sie gegangen war, konnte ich durch den Staub auf dem Boden sofort erkennen, welchen Raum sie betreten hatte. Es befindet sich ein verdammt gro�es, verrostetes Schlo� an der T�r, aber ich wette tausend Goldst�cke gegen einen Tritt in den Hintern, da� sich Eure Schale hinter dieser T�r befindet.� Derys wollte ihn treten, doch er schob sie fort, zog einen kleinen Dolch aus seinem G�rtel und lie� ihn auf seiner Handfl�che springen. �W�rde eine von Euch dieser Wildkatze erkl�ren, auf wessen Seite ich stehe? Frauen mit Dolchen beunruhigen mich zur Zeit.�</p><p>�Das wissen wir bereits alles, Mat�, sagte Elayne. Nun, sie waren gerade im Begriff gewesen, alles dar�ber zu erfahren, aber seine erstaunte Miene war <emphasis>unbezahlbar.</emphasis> Sie sp�rte etwas von Birgitte. Sie sah sie eher ausdruckslos an, aber diese kleine Gef�hlsverwicklung, die Elayne unterbewu�t sp�rte, vermittelte Mi�fallen. Aviendha w�rde wahrscheinlich auch nicht viel davon halten. Jetzt den Mund zu �ffnen, war eine der schwersten Aufgaben, die Elayne jemals bew�ltigt hatte. �Ich mu� Euch jedoch danken, Mat. Es ist vollkommen Euch zuzuschreiben, da� wir fanden, was wir gesucht haben.�</p><p>Er schlo� rasch den Mund, �ffnete ihn jedoch gleich wieder. �Dann sollten wir ein Boot mieten und diese verdammte Schale holen. Mit etwas Gl�ck k�nnen wir Ebou Dar noch heute nacht verlassen.�</p><p>�Das ist l�cherlich, Mat. Wir werden nicht im Dunkeln im Rahad herumschleichen, und wir werden Ebou Dar erst verlassen, wenn wir die Schale gebraucht haben.�</p><p>Er versuchte nat�rlich, dar�ber zu diskutieren, aber Derys ergriff die Gelegenheit, da� seine Aufmerksamkeit auf etwas anderes gerichtet war, und versuchte erneut, ihn zu treten. Er sprang um Birgitte herum und schrie, jemand solle ihm helfen, w�hrend die schlanke Frau hinter ihm herjagte.</p><p>�Ist er Euer Beh�ter, Elayne Sedai?� fragte Reanne zweifelnd.</p><p>�Licht, nein! Birgitte ist meine Beh�terin.� Reannes Kinn sank herab. Nachdem sie eine Frage beantwortet hatte, stellte Elayne selbst eine Frage, die sie keiner anderen Schwester h�tte stellen m�gen. �Reanne, wenn es Euch nichts ausmacht, es mir zu sagen -wie alt seid Ihr?�</p><p><emphasis>Die</emphasis> Frau z�gerte und schaute zu Mat, aber er sprang herum, um eine grinsende Birgitte zwischen sich und Derys zu halten. �Mein n�chster Namenstag�, sagte Reanne, als w�re es das Normalste von der Welt, �wird der vierhundertzw�lfte sein.�</p><p>Merilille fiel auf der Stelle in Ohnmacht.</p></section><section><title><p>32</p><p>Der Flamme versiegelt</p></title><p><emphasis>Elaida do Avriny a'Roihan sa� k�niglich auf dem Amyrlin-Sitz, dem gro�en, mit geschnitzten Weinreben verzierten Stuhl, der jetzt mit sechs anstatt sieben Farben bemalt war, eine mit sechs Streifen versehene Stola um die Schultern, und lie� ihren Blick im runden Saal der Burg kreisen. Die bemalten St�hle, der Sitzenden waren entlang dem der Treppe gegen�berstehenden Podest neu aufgestellt worden, so verteilt, da� sie jetzt sechs Ajahs anstatt sieben Platz boten. Und achtzehn Sitzende standen gehorsam da. Der junge al'Thor kniete ruhig neben dem Amyrlin-Sitz. Er w�rde solange, nicht sprechen, bis es ihm gestattet w�rde, was heute jedoch nicht gesch�he. Heute war er nur ein weiteres Symbol ihrer Macht, und die zw�lf beg�nstigten Sitzenden strahlten vor Stolz.</emphasis></p><p><emphasis>�Die gro�e �bereinstimmung ist erreicht, Mutter�, sagte Alviarin unterw�rfig an ihrer Schulter und verbeugte sich dem�tig vor dem Stab mit der Flamme.</emphasis></p><p><emphasis>Unten auf dem Boden, unterhalb des Podests, schrie Sheriam wild und mu�te von der neben ihr stehenden Burgwache zur�ckgehalten werden. Die Rote Schwester, die sie abschirmte, h�hnte ver�chtlich. Romanda und Lelaine klammerten sich an ruhige, �u�erliche W�rde, aber die meisten anderen, die auf dem Boden abgeschirmt und bewacht wurden, weinten leise, vielleicht vor Erleichterung, da� nur vier Frauen zur H�chststrafe verurteilt wurden, vielleicht auch aus Angst vor dem, was noch geschehen w�rde. Die aschfahlsten Gesichter geh�rten den dreien, die es gewagt hatten, im aufst�ndischen Saal der jetzt vernichteten Blauen zu sitzen, jede Aufst�ndische war aus ihrer Ajah ausgesto�en worden, bis Elaida die Erlaubnis erteilte, um Wiederaufnahme zu bitten, aber die einstigen Blauen wu�ten, da� ihnen schwierige Jahre bevorstanden, in denen sie sich ihre Gunst m�hsam wieder verdienen mu�ten, Jahre, bevor man ihnen erlauben w�rde, �berhaupt wieder einer Ajah beizutreten. Bis dahin lag ihr Schicksal in ihrer Hand.</emphasis></p><p><emphasis>Sie erhob sich, und es schien, als sei die sie vom Zirkel durchstr�mende Eine Macht eine Manifestation ihrer St�rke. �Der Saal stimmt mit dem Willen des Amyrlin-Sitzes �berein. Romanda soll als erste gez�chtigt werden.� Romanda hob ruckartig den Kopf. Sie w�rde schon sehen, wieviel W�rde sie bewahren konnte, bis sie ged�mpft wurde. Elaida vollf�hrte eine knappe Geste. �Bringt die Gefangenen fort und f�hrt die ersten der armseligen irregeleiteten Schwestern herein, die ihnen gefolgt sind. Ich werde ihre Unterwerfung annehmen.�</emphasis></p><p><emphasis>Unter den Gefangenen erklang ein Aufschrei, und eine Frau ri� sich von dem ihren Arm umfassenden</emphasis></p><p><emphasis>W�chter los. Egwene al'Vere warf sich zu Elaidas F��en auf die Stufen, die H�nde ausgestreckt, w�hrend Tr�nen ihre. Wangen hinabliefen.</emphasis></p><p><emphasis>�Vergebt mir, Mutter!� weinte das M�dchen. �Ich bereue. Ich werde mich unterwerfen. Ich unterwerfe mich. Bitte, d�mpft mich nicht!� Sie sank gebrochen zusammen, und ihre Schultern bebten vor Schluchzen. �Bitte, Mutter! Ich bereue! Ich bereue aufrichtig!�</emphasis></p><p><emphasis>�Der Amyrlin-Sitz kann Gnade walten lassen�, sagte Elaida triumphierend. Die Wei�e Burg mu�te sich von Lelaine und Romanda und Sheriam als warnendes Beispiel trennen, aber sie konnte die St�rke dieses M�dchens erhalten. Sie</emphasis> war <emphasis>die Wei�e Burg. �Egwene al'Vere, Ihr habt Euch gegen Eure Amyrlin aufgelehnt, aber ich werde Gnade walten lassen. Ihr werdet erneut das Novizinnen-Wei� tragen, bis ich selbst Euch f�r wert erachte, weiter erhoben zu werden, aber Ihr werdet an eben jenem Tag die erste sein, die einen Vierten Eid auf die Eidesrute schworen wird. Ihr werdet dem Amyrlin-Sitz Treue und Gehorsam schw�ren.�</emphasis></p><p><emphasis>Die Gefangenen sanken nacheinander auf die Knie und baten, diesen Eid auch leisten zu d�rfen, um ihre wahre Ergebenheit zu beweisen. Lelaine war eine der ersten und weder Romanda noch Sheriam die letzte. Egwene kroch die Stufen hinauf und k��te den Saum von Elaidas Gewand.</emphasis></p><p><emphasis>�ich unterwerfe, mich Eurem Willen Mutter�, murmelte sie mit tr�nenerstickter Stimme. �Danke. Oh, ich danke Euch!�</emphasis></p><p><emphasis>Alviarin ergriff Elaidas Schulter und sch�ttelte sie. �Wacht auf, t�richte Frau!� grollte sie.</emphasis></p><p>Elaida �ffnete im tr�ben Licht einer einzigen, von Alviarin gehaltenen Lampe ruckartig die Augen. Alviarin beugte sich, eine Hand auf ihrer Schulter, �ber ihr Bett. Noch immer benommen, murmelte sie: �Was habt Ihr gesagt?�</p><p>�Ich sagte: �Bitte wacht auf, Mutter��, erwiderte Alviarin gelassen. �Covarla Baldene ist aus Cairhien zur�ckgekehrt.�</p><p>Elaida sch�ttelte den Kopf, versuchte die letzten Reste des Traums abzusch�tteln. �So bald? Ich hatte sie fr�hestens in einer Woche erwartet. Covarla, sagt Ihr? Wo ist Galina?� T�richte Fragen. Alviarin w�rde nicht wissen, was sie meinte.</p><p>Aber die Frau sagte in diesem gelassenen, kristallenen Tonfall: �Sie glaubt, Galina sei tot oder gefangengenommen worden. Ich f�rchte, sie bringt keine ... guten Nachrichten.�</p><p>Elaida verga� rasch, was Alviarin wissen oder nicht wissen sollte. �Erz�hlt�, forderte sie, w�hrend sie das Seidenlaken zur�ckwarf, aber w�hrend sie aufstand und ein Seidengewand �ber ihrem Nachthemd schlo�, h�rte sie nur Bruchst�cke. Ein Kampf. Horden von Aielfrauen, welche die Macht lenkten. Al'Thor verschwunden. Katastrophe. Sie bemerkte verwirrt, da� Alviarin ordentlich mit einem wei�en, mit Silberstickereien verzierten Gewand bekleidet war und die Stola der Beh�terin der Chroniken um den Hals trug. Die Frau hatte sich erst angekleidet, bevor sie ihr diese Neuigkeiten �berbrachte!</p><p>Die Uhr in ihrem Arbeitszimmer schlug leise die zweite Stunde, als sie den Wohnraum betrat. Die fr�hen Morgenstunden. Die schlechteste Zeit f�r unheilvolle Nachrichten. Covarla erhob sich hastig von einem der rot gepolsterten Lehnst�hle, ihr unvers�hnliches Gesicht vor M�digkeit und Sorge eingefallen, und kniete sich hin, um Elaidas Ring zu k�ssen. Ihr dunkles Reitgewand war von der Reise noch staubbedeckt, und ihr helles Haar brauchte eine B�rste, aber sie hatte auch jetzt den Schal umgelegt, den sie schon trug, solange Elaida lebte.</p><p>Elaida wartete kaum ab, bis die Lippen der Frau den Gro�en Schlangenring ber�hrten, bevor sie die Hand fortzog. �Warum wurdet Ihr geschickt?� fragte sie kurz angebunden. Sie nahm ihr Strickzeug von dem Stuhl auf, wo sie es gelassen hatte, setzte sich hin und begann mit den langen Elfenbeinnadeln zu arbeiten. Zu stricken diente dem gleichen Zweck, wie ihre Elfenbeinminiaturen zu liebkosen, und sie bedurfte jetzt gewi� des Trostes. Das Stricken half ihr auch beim Nachdenken. Und sie mu�te nachdenken. �Wo ist Katerine?� Wenn Galina tot war, sollte Katerine vor Coiren die F�hrung �bernommen haben. Elaida hatte deutlich gemacht, da� die Rote Ajah das Sagen h�tte, wenn al'Thor erst gefangengenommen worden w�re.</p><p>Covarla erhob sich langsam, als sei sie unsicher, ob sie aufstehen sollte. Ihre H�nde verkrampften sich um die mit roten Fransen versehene, �ber ihre Arme geschlungene Stola. �Katerine geh�rt zu jenen, die vermi�t werden, Mutter. Ich habe die h�chste Position unter jenen, die...� Ihre Worte erstarben, als Elaida sie ansah, w�hrend ihre Finger bei der Arbeit erstarrten. Covarla schluckte und regte sich unbehaglich.</p><p>�Wie viele, Tochter?� fragte Elaida schlie�lich. Sie konnte nicht glauben, da� ihre Stimme so ruhig klang.</p><p>�Ich wei� nicht, wie viele entkommen sind, Mutter�, antwortete Covarla z�gernd. �Wir wagten nicht, solange abzuwarten, bis wir die Suche aufnehmen konnten, aber...�</p><p>�Wie viele?� schrie Elaida. Sie zwang sich schaudernd, sich auf ihr Strickzeug zu konzentrieren. Sie h�tte nicht schreien sollen. Es war ein Zeichen von Schw�che, Zorn nachzugeben. Das Stricken beruhigte sie.</p><p>�Ich ... ich habe elf weitere Schwestern mitgebracht, Mutter.� Die Frau hielt inne, atmete schwer und fuhr fort, als Elaida schwieg. �Vielleicht kommen noch andere zur�ck, Mutter. Gawyn weigerte sich, l�nger zu warten, und wir wagten nicht, ohne ihn und die J�nglinge zu bleiben, nicht, wo so viele Aiel in der N�he waren, und die...�</p><p>Elaida h�rte nicht mehr zu. Zw�lf waren zur�ckgekehrt. W�ren mehr entkommen, w�ren sie nach Tar Valon zur�ckgeeilt und gewi� genauso bald wie Covarla hier gewesen. Selbst wenn eine oder zwei verletzt waren und langsam reisten ... Zw�lf. Die Burg hatte selbst w�hrend der Trolloc-Kriege keine Katastrophe dieses Ausma�es erlebt.</p><p>�Diesen Aiel-Wilden mu� eine Lektion erteilt werden�, sagte sie und unterbrach damit, was immer Covarla gerade gesagt hatte. Galina hatte geglaubt, sie k�nnte Aiel benutzen, um Aiel abzulenken. Welche N�rrin die Frau gewesen war! �Wir werden die Schwestern retten, die gefangengehalten werden, und die Aiel lehren, was es bedeutet, sich Aes Sedai zu widersetzen! Und wir werden al'Thor wieder gefangennehmen.� Sie w�rde ihn nicht entkommen lassen, und wenn sie die gesamte Wei�e Burg pers�nlich anf�hren m��te! Die Vorhersage war eindeutig gewesen. Sie <emphasis>w�rde</emphasis> triumphieren!</p><p>Covarla warf einen unruhigen Blick zu Alviarin und regte sich erneut unbehaglich. �Mutter, jene M�nner ... ich denke...�</p><p>�Denkt nicht!� fauchte Elaida. Ihre H�nde verkrampften sich um das Strickzeug, und sie beugte sich so heftig vor, da� Covarla tats�chlich eine Hand hob, als wolle sie einen Angriff abwehren. Alviarins Anwesenheit war Elaida entfallen. Nun, die Frau wu�te jetzt, was sie wu�te. Darum konnte sie sich sp�ter k�mmern. �Ihr habt doch Verschwiegenheit bewahrt, Covarla? Au�er da� Ihr die Beh�terin der Chroniken benachrichtigt habt?�</p><p>�O ja, Mutter�, antwortete Covarla hastig. Sie nickte eifrig und war froh, da� sie etwas richtig gemacht hatte. �Ich habe die Stadt allein betreten, und ich habe mein Gesicht verh�llt, bis ich bei Alviarin eintraf. Gawyn wollte mich begleiten, aber die Br�ckenw�chter weigerten sich, ein Mitglied der J�nglinge passieren zu lassen.�</p><p>�Verge�t Gawyn Trakand�, befahl Elaida ver�rgert. Dieser junge Mann war anscheinend am Leben geblieben, um ihre Pl�ne zu st�ren. Wenn sich herausstellte, da� Galina noch lebte, w�rde sie f�r dieses Versagen und daf�r, da� sie al'Thor hatte entkommen lassen, bezahlen. �Ihr werdet die Stadt genauso vorsichtig verlassen, wie Ihr sie betreten habt, Tochter, und haltet Euch und die anderen in einem der D�rfer jenseits der Br�ckenst�dte gut verborgen, bis ich nach Euch schicke. Dorlan wird daf�r geeignet sein.� Sie w�rden in diesem winzigen Weiler, der kein Gasthaus besa�, in Scheunen schlafen m�ssen. Das war das mindeste, was sie f�r ihre St�mperei verdient hatten. �Geht jetzt. Und betet, da� bald jemand eintrifft, der einen h�heren Rang bekleidet. Der Saal wird f�r diese beispiellose Katastrophe Genugtuung fordern, und im Moment nehmt Ihr die h�chste Position unter jenen ein, die gefehlt haben. Geht!�</p><p>Covarla wurde bleich. Sie schwankte derma�en, als sie ihren Hofknicks vollf�hrte, da� Elaida glaubte, sie w�rde umfallen. St�mper! Sie war von Narren, Verr�tern und St�mpern umgeben!</p><p>Sobald Elaida die Au�ent�r zufallen h�rte, schleuderte sie ihr Strickzeug von sich, sprang auf und fuhr zu Alviarin herum. �Warum habe ich hiervon nicht schon fr�her erfahren? Wenn al'Thor vor - was sagtet Ihr? Vor sieben Tagen? -, wenn er vor sieben Tagen entkommen ist, m�ssen irgend jemandes Augen-und-Ohren ihn gesehen haben. Warum wurde ich nicht informiert?�</p><p>�Ich kann an Euch nur weitergeben, was die Ajahs mir berichten, Mutter.� Alviarin richtete v�llig gelassen ihre Stola. �Wollt Ihr wahrhaftig eine dritte Katastrophe riskieren, indem Ihr die Gefangenen zu befreien versucht?�</p><p>Elaida schnaubte ver�chtlich. �Glaubt Ihr tats�chlich, Wilde k�nnten Aes Sedai trotzen? Galina hat sich �berrumpeln lassen. So mu� es gewesen sein.� Sie runzelte die Stirn. �Was meint Ihr mit einer <emphasis>dritten</emphasis> Katastrophe?�</p><p>�Ihr h�rt nicht zu, Mutter.� Alviarin setzte sich unerh�rterweise hin, ohne die Erlaubnis dazu erhalten zu haben, schlug die Beine �bereinander und richtete unbek�mmert ihre R�cke. �Covarla dachte, sie hatten sich vielleicht gegen die Wilden behaupten k�nnen -obwohl ich glaube, da� sie davon nicht ann�hernd so �berzeugt ist, wie sie uns glauben machen will -, aber die M�nner waren eine andere Sache. Mehrere hundert M�nner in schwarzen Jacken, die alle die Macht lenkten. Sie war sich dessen sicher, und die anderen anscheinend ebenso. Lebende Waffen, nannte sie sie. Ich glaube, sie h�tte sich noch bei der Erinnerung daran fast beschmutzt.�</p><p>Elaida stand da wie erschlagen. Mehrere hundert? �Unm�glich. Es k�nnen nicht mehr sein als...� Sie trat zu einem scheinbar vollkommen aus Elfenbein und Gold bestehenden Tisch und go� sich einen Becher gew�rzten Wein ein. Der Rand des Kristallkruges schlug gegen den Kristallbecher, und fast ebensoviel Wein ergo� sich auf das Tablett wie in den Becher.</p><p>�Da al'Thor das Schnelle Reisen beherrscht�, sagte Alviarin pl�tzlich, �scheint es logisch, da� zumindest einige dieser M�nner es auch beherrschen. Covarla ist der festen �berzeugung, da� sie auf diese Weise angekommen sind. Er ist �ber seine Behandlung vermutlich ziemlich aufgebracht. Covarla war deshalb anscheinend etwas beunruhigt und hat angedeutet, da� auch einige der Schwestern beunruhigt w�ren. Vielleicht hat er das Gef�hl, Euch etwas zu schulden. Es w�re nicht erfreulich, wenn diese M�nner pl�tzlich aus der Luft genau hier die Burg betr�ten, nicht wahr?�</p><p>Elaida st�rzte den gew�rzten Wein regelrecht ihre Kehle hinab. Galina hatte Anweisungen erhalten, damit zu beginnen, al'Thor gef�gig zu machen. Wenn er kam, um Rache zu nehmen... Wenn es wirklich Hunderte von M�nnern gab, welche die Macht lenken konnten - selbst wenn es nur einhundert waren... Sie mu�te nachdenken!</p><p>�Ich denke, wenn sie kommen wollten, w�ren sie jetzt bereits hier. Sie h�tten sich den �berraschungsmoment nicht entgehen lassen. Vielleicht will selbst al'Thor nicht der versammelten Burg gegen�bertreten. Sie sind vermutlich alle nach Caemlyn, in ihre Schwarze Burg, zur�ckgekehrt. Was, wie ich bef�rchte, bedeutet, da� Toveine ein h�chst unerfreulicher Schock bevorsteht.�</p><p>�Schickt ihr den schriftlichen Befehl, sofort zur�ckzukommen�, sagte Elaida heiser. Der gew�rzte Wein half anscheinend nicht. Sie wandte sich um und zuckte zusammen, als Alviarin unmittelbar vor ihr stand. Vielleicht waren es nicht einmal einhundert M�nner - <emphasis>nicht einmal</emphasis> einhundert? Bei Sonnenuntergang w�ren <emphasis>zehn</emphasis> noch verr�ckt erschienen -, aber sie durfte das Risiko nicht eingehen. �Schreibt den Befehl selbst, Alviarin. Jetzt. Sofort.�</p><p>�Und wie soll ihr die Botschaft �berbracht werden?� Alviarin neigte den Kopf in frostiger Neugier. Aus einem unbestimmten Grund l�chelte sie schwach. �Von <emphasis>uns</emphasis> beherrscht niemand das Schnelle Reisen. Die Schiffe werden Toveine und ihre Gesellschaft jetzt jeden Tag in Andor an Land bringen, wenn es nicht bereits geschehen ist. Ihr habt ihr befohlen, ihre Leute in kleine Gruppen aufzuteilen und D�rfer zu meiden, damit niemand gewarnt wird. Nein, Elaida, ich f�rchte, Toveine wird ihre Kr�fte in der N�he von Caemlyn wieder sammeln und die Schwarze Burg angreifen, ohne da� sie eine Nachricht von uns erh�lt.�</p><p>Elaida keuchte. Die Frau hatte sie gerade beim Namen genannt! Und bevor sie ihren Zorn �u�ern konnte, kam es noch schlimmer.</p><p>�Ich glaube, Ihr seid in erheblichen Schwierigkeiten, Elaida.� Kalte Augen blickten Elaida an, und kalte Worte l�sten sich glatt von Alviarins l�chelnden Lippen. �Fr�her oder sp�ter wird der Saal von der Katastrophe mit al'Thor erfahren. Galina konnte den Saal vielleicht zufriedenstellen, aber ich bezweifle, da� es auch Covarla gelingen wird. Sie werden wollen, da� jemand ... H�herstehendes ... bezahlt. Und fr�her oder sp�ter werden wir alle Toveines Schicksal erleiden. Dann wird es schwierig f�r Euch sein, diese Last auf Euren Schultern zu tragen.� Sie richtete beil�ufig die Stola der Amyrlin um Elaidas Hals. �Tats�chlich wird es unm�glich sein, wenn sie es bald erfahren. Ihr werdet ged�mpft und als abschreckendes Beispiel verdammt werden, so wie Ihr es mit Siuan Sanche tun wolltet. Aber vielleicht gewinnt Ihr gen�gend Zeit, es wiedergutzumachen, wenn Ihr auf Eure Beh�terin der Chroniken h�rt. Ihr m��t einen guten Rat annehmen.�</p><p>Elaidas Zunge f�hlte sich erstarrt an. Die Drohung h�tte nicht deutlicher ausgesprochen werden k�nnen. �Was Ihr heute geh�rt habt, ist der Flamme versiegelt�, sagte sie mit belegter Stimme, aber sie wu�te, noch bevor sie die Worte ausgesprochen hatte, da� sie nutzlos waren.</p><p>�Wenn Ihr meinen Rat zur�ckweisen wollt...� Alviarin hielt inne und wollte sich abwenden.</p><p>�Wartet!� Elaida zog die Hand zur�ck, die sie unbewu�t ausgestreckt hatte. Der Stola beraubt. Ged�mpft. Und selbst danach w�rde man sie noch zum Schreien bringen. �Was...?� Sie mu�te abbrechen, um zu schlucken. �Was r�t mir meine Beh�terin der Chroniken?� Dies mu�te irgendwie aufzuhalten sein.</p><p>Alviarin trat seufzend wieder n�her. Tats�chlich noch n�her. Viel zu nahe f�r jemanden, der bei der Amyrlin stand, da sich ihre R�cke fast ber�hrten. �Ich f�rchte, zun�chst m��t Ihr Toveine ihrem Schicksal �berlassen, zumindest im Moment. Und Galina und alle anderen Gefangenen ebenfalls, gleichg�ltig, ob sie von den Aiel oder den Asha'man gefangengenommen wurden. Jeder Rettungsversuch mu� jetzt Entdeckung bedeuten.�</p><p>Elaida nickte z�gernd. �Ja. Das sehe ich ein.� Sie konnte ihren entsetzten Blick nicht vom fordernden Blick der anderen Frau abwenden. Es mu�te eine M�glichkeit geben! Dies durfte nicht geschehen!</p><p>�Ich bin der Ansicht, es ist an der Zeit, Eure Entscheidung �ber die Burgwache zu �berdenken. Glaubt Ihr wirklich nicht, da� die Wache nach allem verst�rkt werden sollte?�</p><p>�Ich ... ich denke, ich sollte es tun.� Licht, sie mu�te nachdenken!</p><p>�Gut�, murmelte Alviarin, und Elaida err�tete vor hilflosem Zorn. �Morgen werdet Ihr pers�nlich Josaines R�ume durchsuchen, und Adelornas ebenfalls.�</p><p>�Warum, unter dem Licht, sollte ich...?�</p><p>Die Frau zog erneut an ihrer gestreiften Stola, dieses Mal fast so fest, als wollte sie sie ihr herunterrei�en oder sie damit erw�rgen. �Anscheinend hat Josaine vor einigen Jahren ein <emphasis>Angreal</emphasis> gefunden und niemals zur�ckgegeben. Und Adelorna hat, f�rchte ich, noch Schlimmeres getan. Sie hat ohne Erlaubnis ein <emphasis>Angreal</emphasis> aus einem der Lagerr�ume entwendet. Wenn Ihr sie gefunden habt, werdet Ihr sofort ihre Bestrafung verk�nden. Eine recht harte Strafe. Und gleichzeitig werdet Ihr Doraise, Kiyoshi und Farellien als Beispiele der Aufrechterhaltung des Gesetzes hinstellen. Ihr werdet jeder ein Geschenk machen. Ein gutes Pferd wird gen�gen.�</p><p>Elaida fragte sich, ob ihr wohl die Augen aus dem Gesicht fallen w�rden. �Warum?� Manchmal behielt eine Schwester dem Gesetz zum Trotz ein <emphasis>Angreal</emphasis> f�r sich, aber die Strafe betrug selten mehr als einen festen Schlag auf die Kn�chel. Jede Schwester wu�te um die Versuchung. Und um alles andere! Die Absicht war offensichtlich. Jedermann w�rde glauben, Doraise und Kiyoshi und Farellien h�tten die anderen beiden entlarvt. Josaine und Adelorna waren Gr�ne, w�hrend die anderen der Braunen und Grauen beziehungsweise der Gelben Ajah angeh�rten. Die Gr�ne Ajah w�rde zornig sein. Sie k�nnten sogar versuchen, es den anderen heimzuzahlen, was wiederum jene Ajahs aufwiegeln w�rde und... �Warum wollt Ihr das tun, Alviarin?�</p><p>�Elaida, es sollte Euch gen�gen, da� ich Euch dies rate.� Sp�ttisches, honigs��es Eis wurde zu kaltem Stahl. �Ich m�chte Euch sagen h�ren, da� Ihr tun werdet, was man Euch befiehlt. Sonst hat es f�r mich keinen Zweck mehr zu versuchen, die Stola um Euren Hals zu retten. Sagt es!�</p><p>�Ich...� Elaida versuchte, den Blick abzuwenden. Oh, Licht, sie mu�te nachdenken! Ihr Magen verkrampfte sich. �Ich werde ... tun ... was man ... mir sagt.�</p><p>Alviarin l�chelte ihr frostiges L�cheln. �Seht Ihr, das war doch gar nicht so schwer.� Sie trat j�h zur�ck und breitete bei einem angemessenen Hofknicks ihre R�cke aus. �Ich werde mich, mit Eurer Erlaubnis, zur�ckziehen, damit Ihr den Rest der Nacht noch etwas Schlaf finden m�gt. Ihr m��t morgen fr�h zeitig aufstehen, um Chubain Befehle zu erteilen und R�ume zu durchsuchen. Au�erdem m�ssen wir entscheiden, wann wir die Burg �ber die Asha'man in Kenntnis setzen.� Ihr Tonfall machte deutlich, da� sie diese Entscheidung treffen w�rde. �Und vielleicht sollten wir auch damit beginnen, unseren n�chsten Zug gegen al'Thor zu planen. Die Burg mu� sich bald offen bekennen und ihn gef�gig machen, meint Ihr nicht? Denkt gut dar�ber nach. Ich w�nsche Euch eine angenehme Nacht, Elaida.�</p><p>Elaida sah ihr benommen und mit einem Gef�hl der �belkeit nach. Offen bekennen? Das w�rde einen Angriff dieser - wie hatte die Frau sie genannt? -Asha'man nur <emphasis>herausfordern.</emphasis> Das durfte ihr nicht passieren. Nicht ihr! Bevor sie erkannte, was sie tat, schleuderte sie ihren Becher quer durch den Raum, so da� er an der Wand zerbarst. Dann ergriff sie mit beiden H�nden den Krug, hob ihn mit einem Wutschrei �ber den Kopf und schleuderte ihn ebenfalls von sich, so da� der gew�rzte Wein umher spritzte. Die Vorhersage war so eindeutig gewesen! Sie w�rde...!</p><p>Sie hielt j�h inne und betrachtete stirnrunzelnd die winzigen, an der Wand h�ngenden Kristallsplitter und die �ber den Boden verstreuten gr��eren Scherben.</p><p>Die Vorhersage. Sie hatte gewi� ihren Triumph prophezeit. <emphasis>Ihren</emphasis> Triumph! Alviarin hatte vielleicht einen geringf�gigen Sieg errungen, aber die Zukunft geh�rte Elaida. Solange sie Alviarin loswerden k�nnte. Aber es mu�te still geschehen, auf eine Art, da� sogar der Saal es verheimlichen wollte. Auf eine Art, die erst auf Elaida hindeuten w�rde, wenn es zu sp�t w�re, falls Alviarin davon erfahren sollte. Und pl�tzlich kam ihr die Idee. Alviarin w�rde es nicht glauben, wenn man es ihr erz�hlte. Niemand w�rde es glauben.</p><p>H�tte Alviarin sie jetzt l�cheln sehen, w�ren ihr die Knie weich geworden. Bevor sie mit ihr fertig war, w�rde Alviarin Galina beneiden, lebendig oder tot.</p><p>Alviarin blieb im Gang vor Elaidas R�umen stehen und betrachtete beim Licht der Stehlampen ihre H�nde. Sie zitterten nicht, was sie �berraschte. Sie hatte erwartet, da� die Frau st�rker k�mpfen, l�nger widerstehen w�rde. Aber der Anfang war gemacht, und sie hatte nichts zu bef�rchten. Es sei denn, Elaida erfuhr, da� ihr in den letzten Tagen nicht weniger als f�nf Ajahs Nachrichten �ber al'Thor hatten zukommen lassen. Die Entlassung Colavaeres hatte die Agenten jeder Ajah in Cairhien eiligst zur Feder greifen lassen. Nein, wenn Elaida es erfuhr, war sie dennoch ausreichend sicher, da sie die Frau jetzt unter Kontrolle hatte. Und weil Mesaana ihre G�nnerin war. Elaida war jedoch am Ende, ob sie es erkannte oder nicht. Selbst wenn es den Asha'man nicht gelang, Toveines Feldzug vollkommen zu zerschlagen - und nach dem, was Mesaana ihr �ber die Ereignisse der Brunnen von Dumai erz�hlt hatte, schien es unzweifelhaft, da� es ihnen gel�nge -, w�rden allen Augen-und-Ohren in Caemlyn dennoch wahrhaft Fl�gel verliehen, wenn sie es erfuhren. Ohne ein Wunder, wie an den Toren erscheinende Aufst�ndische, w�rde Elaida innerhalb weniger Wochen Siuan Sanches Schicksal teilen. Der Anfang war in jedem Fall gemacht, und wenn sie w�nschte, sie w��te, was �es� war, mu�te sie wirklich nur gehorchen. Und aufpassen. Und lernen. Vielleicht w�rde sie die Stola mit den sieben Streifen selbst tragen, wenn alles vorbei war.</p><p>Seaine tauchte im fr�hen, durch ihre Fenster hereinstr�menden Sonnenschein ihre Feder in das Tintenfa�, aber bevor sie das n�chste Wort schreiben konnte, �ffnete sich die T�r zum Gang, und die Amyrlin rauschte herein. Seaine w�lbte die dichten schwarzen Augenbrauen. Sie h�tte jedermann sonst eher erwartet als Elaida, vielleicht sogar al'Thor selbst. Dennoch legte sie die Feder hin, erhob sich anmutig und zog die silberwei�en �rmel herab, die sie hinauf geschoben hatte, damit keine Tinte daran k�me. Sie vollf�hrte einen dem Amyrlin-Sitz von einer Sitzenden in ihren eigenen R�umen angemessenen Hofknicks.</p><p>�Ich hoffe, Ihr habt keine Wei�en Schwestern gefunden, die <emphasis>Angreale</emphasis> verbergen, Mutter.� Nach all diesen Jahren h�rte man aus ihrer Sprache noch immer den lugardischen Akzent heraus. Sie hoffte es recht inbr�nstig. Elaidas Abstieg zu den Gr�nen vor wenigen Stunden, w�hrend die meisten anderen schliefen, bewirkte vermutlich noch immer Jammern und Z�hneknirschen. Solange man sich erinnern konnte, war keine Schwester dazu verurteilt worden, gez�chtigt zu werden, weil sie ein <emphasis>Angreal</emphasis> zur�ckgehalten hatte, und jetzt sollten es sogar zwei sein. Die Amyrlin mu�te eine ihrer ber�hmten Phasen kalten Zorns durchlebt haben.</p><p>Aber wenn das zum gegebenen Zeitpunkt zutraf, gab sie jetzt keinen Hinweis mehr darauf. Sie betrachtete Seaine einen Moment schweigend, in ihrer mit roten Schlitzen versehenen Seide k�hl wie ein Winterteich, und glitt dann zu der reich verzierten Anrichte, auf der die Elfenbeinminiaturen von Seaines Familie standen. Sie alle waren schon seit Jahren tot, aber sie liebte sie noch immer.</p><p>�Ihr habt Euch nicht erhoben, um mich zur Amyrlin zu w�hlen�, sagte Elaida und nahm das Bild von Seaines Vater auf. Sie stellte es hastig wieder hin und nahm statt dessen das Bild ihrer Mutter hoch.</p><p>Seaine h�tte fast erneut die Augenbrauen gew�lbt, aber sie versuchte, es sich zur Regel zu machen, sich nicht h�ufiger als einmal am Tag �berraschen zu lassen. �Ich wurde erst hinterher dar�ber informiert, da� der Saal sich versammelt hatte, Mutter.�</p><p>�Ja, ja.� Elaida lie� von den Miniaturen ab und glitt zum Kamin. Seaine hatte schon immer eine Vorliebe f�r Katzen gehabt, und aus Holz geschnitzte Katzen aller Arten bev�lkerten den Kaminsims, einige in komischen Posen. Die Amyrlin betrachtete sie stirnrunzelnd, schlo� dann fest die Augen und sch�ttelte leicht den Kopf. �Aber ihr seid geblieben�, sagte sie und wandte sich rasch um. �Jede Sitzende, die nicht informiert wurde, entfloh der Burg und schlo� sich den Aufst�ndischen an. Warum seid Ihr als einzige geblieben?�</p><p>Seaine spreizte die H�nde. �Was konnte ich anderes tun, Mutter? Die Burg mu� unversehrt sein.� <emphasis>Wer auch immer die Amyrlin ist,</emphasis> f�gte sie im Geiste hinzu. <emphasis>Und was stimmt mit meinen Katzen nicht, wenn ich fragen darf?</emphasis> Nicht, da� sie diese Frage jemals laut gestellt h�tte. Sereille Bagand war eine grimmige Herrin der Novizinnen gewesen, bevor sie im selben Jahr, in dem sie selbst die Stola erhielt, zum Amyrlin-Sitz erhoben wurde, und sie war eine noch grimmigere Amyrlin gewesen, als Elaida jemals sein k�nnte. Seaine waren die Eigenheiten mehrere Jahre lang zu nachhaltig und tief eingebleut worden, um jetzt noch etwas daran zu �ndern. Oder an der Abneigung gegen�ber der Frau, welche die Stola trug. Man mu�te eine Amyrlin nicht m�gen.</p><p>�Die Burg mu� unversehrt sein�, stimmte Elaida ihr zu und rieb ihre H�nde aneinander. �Sie mu� unversehrt sein.� Warum war sie nerv�s? Sie kannte neunundneunzig verschiedene, unangenehme Stimmungen, aber nerv�s war die Frau niemals. �Was ich Euch jetzt sage, ist der Flamme versiegelt, Seaine.� Sie verzog den Mund, zuckte die Achseln und ri� ver�rgert an ihrer Stola. �Wenn ich w��te, wie ich es noch eindringlicher ausdr�cken k�nnte, w�rde ich es tun�, sagte sie vollkommen trocken.</p><p>�Ich werde Eure Worte in meinem Herzen bewahren, Mutter.�</p><p>�Ich m�chte - ich befehle Euch -, da� Ihr Nachforschungen anstellt. Ihr m��t dies wirklich in Eurem Herzen bewahren. Wenn die falsche Person davon erf�hrt k�nnte es Tod und Unheil f�r die ganze Burg bedeuten.�</p><p>Seaines Augenbrauen zuckten. Tod und Unheil f�r die ganze Burg? �In meinem Herzen�, wiederholte sie. �M�chtet Ihr Euch setzen, Mutter?� Das war in ihren eigenen R�umen angemessen. �Darf ich Euch etwas Minztee anbieten? Oder gew�rzten Pflaumenwein?�</p><p>Elaida winkte ab und lie� sich auf dem bequemsten Stuhl nieder, den Seaines Vater als Geschenk geschnitzt hatte, als sie die Stola erhielt, obwohl die Polster seitdem nat�rlich mehrmals erneuert worden waren. Die Amyrlin verlieh dem Stuhl durch ihren starr aufgerichteten R�cken und die eiserne Haltung den Anstrich eines Throns. H�chst ungn�digerweise erteilte sie Seaine nicht die Erlaubnis, sich zu setzen, so da� Seaine die H�nde faltete und stehen blieb.</p><p>�Ich habe, seit man meine Vorg�ngerin und ihre Beh�terin der Chroniken entkommen lie�, lange und intensiv �ber Verrat nachgedacht, Seaine. Ihrer Flucht mu� Verrat zugrunde gelegen haben, und ich f�rchte, da� einige Schwestern ihnen geholfen haben k�nnten.�</p><p>�Das w�re gewi� eine M�glichkeit, Mutter.� Elaida runzelte angesichts der Unterbrechung die Stirn.</p><p>�Wir k�nnen niemals sicher sein, wer den Schatten des Verrats im Herzen tr�gt, Seaine. Nun, ich vermute, da� jemand Vorkehrungen getroffen hat, einen meiner Befehle zu widerrufen. Und ich habe Grund zu der Annahme, da� jemand pers�nlich mit Rand al'Thor Verbindung aufgenommen hat. Ich wei� nicht, zu welchem Zweck, aber das ist sicherlich Verrat an mir und an der Burg.�</p><p>Seaine wartete auf weitere �u�erungen, aber die Amyrlin erwiderte nur ihren Blick und strich z�gernd ihre mit roten Schlitzen versehenen R�cke glatt, als sei sie sich dieser Bewegung nicht bewu�t. �Wonach genau soll ich forschen, Mutter?� fragte sie vorsichtig.</p><p>Elaida sprang auf. �Ich beauftrage Euch, den Gestank des Verrats zu verfolgen, egal, wohin oder wie hoch hinauf er f�hrt - auch wenn er zu der Beh�terin der Chroniken selbst f�hrt. Was Ihr findet, werdet Ihr allein dem Amyrlin-Sitz berichten, Seaine. Niemand sonst darf davon wissen. Versteht Ihr mich?�</p><p>�Ich verstehe Eure Befehle, Mutter.�</p><p>Was, wie sie dachte, nachdem Elaida noch schneller verschwand, als sie gekommen war, ungef�hr das einzige war, was sie verstand. Sie setzte sich nachdenklich auf den Stuhl, den die Amyrlin freigemacht hatte, die F�uste unter das Kinn gepre�t - die Haltung, in der ihr Vater stets dagesessen hatte, wenn er nachgedacht hatte. Es mu�te schlie�lich eine logische Erkl�rung geben.</p><p>Sie h�tte sich nicht gegen Siuan Sanche gestellt -sie selbst hatte das M�dchen zuerst als Amyrlin vorgeschlagen! -, aber nachdem es geschehen war und alle Formen gewahrt waren, wie fl�chtig auch immer, war es sicherlich Verrat gewesen, ihr zur Flucht zu verhelfen, und ebenso, einen Befehl der Amyrlin bewu�t widerrufen zu haben. Und vielleicht war auch die Verbindung zu al'Thor Verrat. Das hing davon ab, wor�ber man sich austauschte und zu welchem Zweck. Es w�re schwierig herauszufinden, wer den Befehl widerrufen hatte, wenn man nicht wu�te, um welchen Befehl es ging. Zu diesem sp�ten Zeitpunkt war es genausowenig wahrscheinlich, da� herausgefunden w�rde, wer Siuan zur Flucht verholfen hatte, wie es wahrscheinlich war, da� man erfuhr, wer vielleicht an al'Thor geschrieben hatte. Jeden Tag flogen so viele Tauben in die Burg und wieder hinaus, da� der Himmel manchmal Federn zu regnen schien. Wenn Elaida mehr wu�te, als sie sagte, hatte sie gewi� geschickt darum herum geredet. Das alles ergab sehr wenig Sinn. Verrat w�rde Elaida vor Zorn kochen lassen, aber sie war nicht w�tend, sondern nerv�s gewesen. Und bestrebt fortzukommen. Und geheimnisvoll, als wollte sie nicht alles sagen, was sie wu�te oder vermutete. Zudem schien sie auch besorgt gewesen. Welche Art Verrat w�rde Elaida nerv�s oder besorgt machen? Tod und Unheil f�r die ganze Burg.</p><p>Wie die Teile eines Puzzles f�gte sich allm�hlich alles zusammen, und Seaine w�lbte die Augenbrauen. Es pa�te. Alles pa�te zusammen. Sie sp�rte alles Blut aus ihrem Gesicht weichen, und ihre H�nde und F��e f�hlten sich pl�tzlich eiskalt an. Der Flamme versiegelt. Sie hatte gesagt, sie w�rde dies in ihrem Herzen bewahren, aber alles hatte sich ge�ndert, seit sie jene Worte ausgesprochen hatte. Sie erlaubte sich nur dann Besorgnis, wenn Grund dazu bestand, und im Moment war sie �beraus besorgt. Sie konnte sich dem nicht allein stellen. Aber wer k�nnte ihr unter den gegebenen Umst�nden helfen? Die Antwort war leicht. Es dauerte eine Weile, bis sie sich wieder gefa�t hatte, aber dann eilte sie aus ihren R�umen und aus den Quartieren der Wei�en hinaus, wobei sie erheblich schneller ging als gew�hnlich.</p><p>Diener huschten wie immer durch die G�nge, obwohl sie so schnell lief, da� sie meistens an ihnen vorbei war, bevor sie Zeit f�r eine Verbeugung oder einen Hofknicks fanden, aber es waren anscheinend weniger Schwestern in der N�he, als man durch die fr�he Stunde h�tte erkl�ren k�nnen. Weitaus weniger. Doch wenn die meisten auch aus einem unbestimmten Grund in ihren R�umen blieben, machten die wenigen dies in gewisser Weise auch wieder wett. Schwestern schwebten die mit Wandteppichen behangenen G�nge entlang, die Gesichter vollkommen gelassen, aber hinter ihren Blicken schien sich Zorn zu verbergen. Hier und da sprachen zwei oder drei Frauen miteinander, die sich wachsam umsahen, ob jemand sie belauschte. Es waren stets zwei oder drei Frauen derselben Ajah. Sie glaubte, selbst gestern noch Frauen verschiedener Ajahs freundschaftlich miteinander umgehen gesehen zu haben. Von Wei�en wurde erwartet, da� sie ihre Empfindungen vollkommen verbargen, aber sie hatte niemals einen Grund daf�r erkennen k�nnen, warum sie sich blind stellen sollte, wie es einige andere taten. Mi�trauen lie� die Luft in der Burg knistern. Das war leider nichts Neues - die Amyrlin hatte durch ihre harten Ma�nahmen damit begonnen, und die Ger�chte �ber Logain hatten die Situation noch verschlimmert -, aber heute morgen schien es �rger denn je.</p><p>Talene Minly kam vor ihr um eine Ecke. Sie hatte ihre Stola aus einem unbestimmten Grund nicht nur �ber die Schultern, sondern auch �ber die Arme gebreitet, als wollte sie die gr�nen Fransen zeigen. Dabei fiel ihr <emphasis>auf,</emphasis> da� jede Gr�ne, die sie heute morgen gesehen hatte, ihre Stola trug. Talene, blond und statuenhaft und wundersch�n, war bereit gewesen, Siuan abzusetzen, aber sie war schon in die Burg gekommen, als Seaine noch eine Aufgenommene war, und diese Entscheidung hatte ihrer langen Freundschaft nicht geschadet. Talene hatte Gr�nde angef�hrt, die Seaine akzeptieren konnte, wenn sie auch nicht mit ihr �bereinstimmte. Heute blieb ihre Freundin stehen und betrachtete sie aufmerksam. So viele Schwestern schienen einander in letzter Zeit auf diese Weise zu betrachten. Zu einem anderen Zeitpunkt w�re sie ebenfalls stehengeblieben, aber nicht jetzt, wo ihr Kopf vor Sorgen wie eine verdorbene Melone zu zerspringen drohte. Talene war eine Freundin, und sie dachte, sie k�nnte sich ihrer sicher sein, aber dies zu denken gen�gte nicht allein. Sp�ter w�rde sie an Talene herantreten. Sie hoffte, da� es m�glich w�re, und eilte nur mit einem Nicken vor�ber.</p><p>In den Quartieren der Roten war die Stimmung noch schlechter und die Luft noch dicker. Wie bei den anderen Ajahs gab es auch hier viel mehr R�ume, als noch Schwestern da waren - so war es schon, seit die erste Aufst�ndische geflohen war -, aber die Rote war die gr��te der Ajahs, und die noch bewohnten Stockwerke waren von Schwestern bev�lkert. Rote trugen ihre Stolen h�ufig auch dann, wenn es nicht n�tig war, und selbst hier trug jede Frau ihre roten Fransen wie ein Banner zur Schau. Unterhaltungen stockten, wenn Seaine sich n�herte, und kalte Blicke folgten ihr in eisigem Schweigen. Sie f�hlte sich wie ein Eindringling tief in Feindesland, w�hrend sie �ber diese eigenartigen Bodenfliesen - wei� mit der tr�nenf�rmigen Flamme von Tar Valon in Rot - schritt. Andererseits mochte jeder Teil der Burg Feindesland sein. Wenn man in eine andere Richtung blickte, konnte man jene scharlachroten Flammen f�r die F�nge eines roten Drachen halten. Sie hatte die unsinnigen Geschichten �ber die Roten und falsche Drachen niemals geglaubt, aber... Warum wollte niemand von ihnen sie leugnen?</p><p>Sie mu�te nach dem Weg fragen. �Ich werde sie nicht st�ren, wenn sie besch�ftigt ist�, sagte sie. �Wir waren einst enge Freundinnen, und ich w�rde diese Freundschaft gern auffrischen. Die Ajahs d�rfen jetzt weniger denn je auseinandertreiben.� Das war alles nur zu wahr, obwohl die Ajahs eher zu zerfallen als auseinanderzutreiben schienen, aber die Domani h�rte ihr mit einer wie in Kupfer gestochenen Miene zu. Es gab nicht viele Domani-Rote, und diese wenigen waren meist b�sartiger als eingefangene Schlangen.</p><p>�Ich werde Euch den Weg zeigen, Sitzende�, sagte die Frau schlie�lich wenig respektvoll. Sie ging voran und beobachtete Seaine, als sie an die T�r klopfte, als k�nnte sie sie nicht allein hier zur�cklassen. In die T�r war ebenfalls die Flamme geschnitzt, die in der Farbe frischen Blutes bemalt war.</p><p>�Herein!� rief eine energische Stimme von drinnen. Seaine �ffnete die T�r und hoffte, da� sie den richtigen Raum betrat.</p><p>�Seaine!� rief Pevara freudig aus. �Was f�hrt dich heute morgen zu mir? Komm herein! Schlie� die T�r und setz dich!� Es schien, als w�ren die Jahre, seit sie Novizin und Aufgenommene gewesen waren, dahingeschmolzen. Etwas rundlich und nicht gro� - sie war f�r eine Kandori tats�chlich klein -, war Pevara aber recht h�bsch, hatte ein fr�hliches Zwinkern in den Augen und ein bereitwilliges L�cheln. Es war traurig, da� sie die Rote Ajah erw�hlt hatte, ungeachtet ihrer Gr�nde, weil sie M�nner noch immer mochte. Die Roten zogen Frauen an, die M�nnern gegen�ber ein nat�rliches Mi�trauen an den Tag legten, aber andere erw�hlten sie wiederum, weil es eine wichtige Aufgabe war, M�nner zu finden, welche die Macht lenken konnten. Ob sie anfangs M�nner mochten oder verachteten, nicht viele Frauen konnten lange der Roten Ajah angeh�ren, ohne eine voreingenommene Haltung gegen�ber M�nnern zu entwickeln. Seaine hatte Grund zu der Annahme, da� Pevara, kurz nachdem sie die Stola erlangt hatte, eine Strafe verb��t hatte, weil sie gesagt hatte, sie w�nschte, sie h�tte einen Beh�ter. Seit sie die sichereren H�hen des Saals erreicht hatte, �u�erte sie offen, Beh�ter w�rden die Arbeit der Roten Ajah erleichtern.</p><p>�Ich kann dir gar nicht sagen, wie froh ich bin, dich zu sehen�, sagte Pevara, als sie es sich in Lehnst�hlen bequem gemacht hatten, die mit den in Kandor vor hundert Jahren beliebten Spiralen verziert waren, und h�bsche, mit Schmetterlingen bemalte Becher mit Blaubeertee in H�nden hielten. �Ich habe oft gedacht, ich sollte zu dir gehen, aber ich gebe zu, da� ich f�rchtete, was du sagen w�rdest, nachdem ich dich vor so vielen Jahren bewu�t geschnitten habe. Der Klinge verschworen, Seaine. Ich h�tte es nicht getan, wenn Tesien Jorhald mich nicht buchst�blich am Kragen gepackt h�tte, und ich trug die Stola erst zu kurz, um schon ein starkes R�ckgrat zu besitzen. Kannst du mir verzeihen?�</p><p>�Nat�rlich verzeihe ich dir�, erwiderte Seaine. �Ich habe es verstanden.� Die Rote Ajah mi�billigte Freundschaften au�erhalb der eigenen Ajah zutiefst. Zutiefst und wirksam. �Wir k�nnen uns nicht gegen unsere Ajahs auflehnen, wenn wir jung sind, und sp�ter scheint es unm�glich umzukehren. Ich habe mich tausendmal daran erinnert, wie wir nach dem letzten Glockenschlag miteinander gefl�stert haben -Oh, und die Streiche! Erinnerst du dich daran, wie wir Seranchas Nachtgewand mit Juckpulver bestreuten? -, aber ich sch�me mich zuzugeben, da� ich erst �beraus ver�ngstigt sein mu�te, um mich zu r�hren. Ich m�chte unsere Freundschaft gern wieder auffrischen, aber ich brauche auch deine Hilfe. Du bist die einzige, der ich wirklich vertrauen kann.�</p><p>�Serancha war damals ein Tugendbold, und sie ist es noch immer�, lachte Perava. �Die Graue Ajah ist ein guter Ort f�r sie. Aber ich kann nicht glauben, da� dich irgend etwas �ngstigt. Du hattest niemals einen Grund, ver�ngstigt zu sein, bis wir wieder in unseren Betten lagen. Aber unter der bedrohlichen Aussicht, bald vor den Saal zu treten, ohne zu wissen warum, werde ich dir alle mir m�gliche Hilfe zukommen lassen, Seaine. Welche Hilfe brauchst du?�</p><p>Direkt angesprochen, z�gerte Seaine und nippte an ihrem Tee. Nicht, da� sie an Pevara zweifelte, aber es war ... schwierig, die Worte auszusprechen. �Die Amyrlin hat mich heute morgen aufgesucht�, sagte sie schlie�lich. �Sie hat mich angewiesen, Nachforschungen anzustellen. Der Flamme versiegelte Nachforschungen.� Pevara runzelte leicht die Stirn, aber sie sagte nicht, da� Seaine in diesem Falle schweigen sollte. Seaine hatte vielleicht die meisten ihrer Streiche als M�dchen ausgeheckt, aber Pevara war diejenige mit der gr��ten Unverfrorenheit gewesen und hatte die besten Nerven bei der Durchf�hrung bewiesen. �Sie war sehr vorsichtig, aber als ich ein wenig dar�ber nachgedacht hatte, erkannte ich, was sie von mir wollte. Ich soll...� Bei den letzten Worten versagte ihr der Mut. �...Schattenfreunde aus der Burg vertreiben.�</p><p>Pevaras Augen, die so dunkel wie ihre eigenen blau waren, versteinerten. Ihr Blick schwenkte zum Kaminsims, wo Miniaturen ihrer Familie in einer geraden Linie aufgereiht standen. Sie waren alle in ihrer Novizinnenzeit gestorben, Eltern, Br�der und Schwestern, Tanten, Onkel und alle anderen, bei einem rasch unterdr�ckten Aufstand von Schattenfreunden ermordet, die �berzeugt worden waren, da� der Dunkle K�nig bald aus seinem Gef�ngnis ausbrechen w�rde. Darum war Seaine sicher gewesen, da� sie ihr trauen konnte. Pevara hatte die Rote Ajah erw�hlt - obwohl Seaine noch immer glaubte, sie h�tte in der Gr�nen Ajah genausoviel Erfolg gehabt und w�re dort gl�cklicher gewesen -, weil sie glaubte, da� eine Rote, die M�nner jagte, welche die Macht lenken konnten, die besten Aussichten hatte, Schattenfreunde aufzusp�ren. Sie war sehr gut darin. Ihr rundliches �u�eres verdeckte einen st�hlernen Kern. Und sie besa� den Mut, ruhig zu sagen, was auszusprechen Seaine nicht fertiggebracht hatte.</p><p>�Die Schwarze Ajah. Nun, kein Wunder, da� Elaida vorsichtig war.�</p><p>�Pevara, ich wei�, da� sie deren Existenz stets heftiger geleugnet hat als jegliche drei anderen Schwestern zusammengenommen, aber ich bin fest �berzeugt, da� sie das gemeint hat, und wenn sie sicher ist...�</p><p>Ihre Freundin winkte ab. �Du brauchst mich nicht zu �berzeugen, Seaine. Ich bin schon zu dem Schlu� gekommen, da� die Schwarze Ajah existiert, seit...�</p><p>Hier z�gerte Perava seltsamerweise und sp�hte wie eine Wahrsagerin auf dem Jahrmarkt in ihren Teebecher. �Was wei�t du �ber die Ereignisse unmittelbar nach dem Aiel-Krieg?�</p><p>�Zwei Amyrlins starben pl�tzlich innerhalb von f�nf Jahren�, sagte Seaine vorsichtig. Sie nahm an, da� die andere Frau die Ereignisse in der Burg meinte. Um die Wahrheit zu sagen, hatte sie, als sie vor f�nfzehn Jahren und nur ein Jahr nach Perava zur Sitzenden erhoben wurde, auf kaum etwas au�erhalb der Burg geachtet, und auch auf Ereignisse innerhalb der Burg nicht allzu sehr. �Viele Schwestern sind in jenen Jahren gestorben, soweit ich mich erinnere. Willst du also sagen, du glaubst, da� die ... Schwarze Ajah damit zu tun hatte?� Endlich. Sie hatte es ausgesprochen, und der Name hatte ihr nicht die Zunge verbrannt.</p><p>�Ich wei� es nicht�, sagte Perava leise und sch�ttelte den Kopf. �Du hast gut daran getan, intensiv nachzudenken. Damals wurden ... Dinge ... getan und der Flamme versiegelt.� Sie atmete zitternd ein.</p><p>Seaine dr�ngte sie nicht. Sie hatte selbst etwas einem Verrat �hnliches begangen, indem sie dasselbe Siegel gebrochen hatte, und Perava w�rde selbst entscheiden m�ssen. �Es wird sicherer sein, sich Berichte anzusehen als Fragen zu steilen, ohne eine Ahnung davon zu haben, wen wir tats�chlich befragen. Eine Schwarze Schwester mu� logischerweise in der Lage sein, trotz der Eide zu l�gen.� Sonst w�re die Schwarze Ajah schon l�ngst entlarvt worden. Der Name schien ihr mit zunehmendem Gebrauch leichter �ber die Lippen zu kommen. �Wenn eine Schwester aufgeschrieben hat, sie h�tte das eine getan, wir aber beweisen k�nnen, da� sie etwas anderes getan hat, dann haben wir eine Schattenfreundin gefunden.�</p><p>Perava nickte. �Ja, aber wir m�ssen vorsichtig sein. Vielleicht hat die Schwarze Ajah nichts mit dem Aufstand <emphasis>zu</emphasis> tun, aber ich kann mir nicht vorstellen, da� sie diese Gelegenheit ungenutzt verstreichen lassen w�rden. Ich denke, wir m�ssen uns das letzte Jahr genauer ansehen.�</p><p>Seaine stimmte dem widerwillig zu. Sie w�rden bez�glich der letzten Monate weniger Berichte lesen k�nnen, sondern mehr Fragen stellen m�ssen. Noch schwerer war die Entscheidung, wen sie an ihren Nachforschungen teilhaben lassen wollten. Besonders nachdem Pevara sagte: �Es war mutig von dir, zu mir zu kommen, Seaine. Ich habe Schattenfreunde gekannt, die ihre Br�der, Schwestern und Eltern get�tet haben, um zu verbergen, wer sie waren und was sie getan haben. Ich liebe dich daf�r, aber du warst wirklich sehr mutig.�</p><p>Seaine zitterte wie unter einer Vorahnung. H�tte sie mutig sein wollen, h�tte sie die Gr�ne Ajah erw�hlt. Sie w�nschte fast, Elaida w�re zu jemand anderem gegangen. Aber jetzt war keine Umkehr mehr m�glich.</p></section><section><title><p>33</p><p>Ein Bad</p></title><p>Die Tage erschienen Rand endlos, seit er Perrin fortgeschickt hatte, und die N�chte noch endloser. Er zog sich in seine R�ume zur�ck und wies die T�chter des Speers an, niemanden zu ihm zu lassen. Nur Nandera durfte die T�ren mit den vergoldeten Sonnen passieren, um ihm seine Mahlzeiten zu bringen. Die kr�ftige Tochter des Speers stellte dann ein abgedecktes Tablett ab, nannte jene, die ihn aufsuchen wollten, und sah ihn anklagend an, wenn er wiederholte, da� er niemanden empfangen wolle. Er h�rte h�ufig mi�billigende Kommentare der T�chter des Speers im Gang, bevor Nandera die T�r hinter sich schlo�. Er sollte sie h�ren, sonst h�tten sie die Zeichensprache benutzt. Aber wenn sie ihn zerm�rben wollten, indem sie behaupteten, er schmolle... Die T�chter des Speers verstanden nicht und w�rden es vielleicht auch dann nicht verstehen, wenn er es ihnen erkl�rte. Sofern er sich dazu h�tte �berwinden k�nnen.</p><p>Er stocherte ohne Appetit in seinem Essen herum und versuchte dann zu lesen, aber selbst seine Lieblingsb�cher konnten ihn nur einige Seiten lang ablenken. Mindestens einmal an jedem Tag hob er, obwohl er sich selbst versprochen hatte, es nicht zu tun, den schweren Kleiderschrank aus poliertem Schwarzholz und Elfenbein in seinem Schlafraum auf Str�nge von Luft, lie� ihn beiseite gleiten und l�ste vorsichtig die Fallen, die er aufgestellt hatte, und die Spiegelmaske, welche eine glatte Wand vorget�uscht hatte. Dort, in einer mit der Macht ausgeh�hlten Nische, standen zwei kleine, ungef�hr einen Fu� hohe Statuen aus wei�em Stein, eine Frau und ein Mann, beide in flie�enden Gew�ndern und mit einem �ber den Kopf gehaltenen Kristallspeer in der Hand. In jener Nacht, in der er das Heer nach Illian marschieren lie�, war er allein nach Rhuidean gegangen, um diese <emphasis>Ter'angreale</emphasis> zu holen: Wenn er sie brauchte, blieb ihm vielleicht nicht mehr viel Zeit, hatte er sich gesagt. Seine Hand w�rde sich nach dem b�rtigen Mann ausstrecken - der einzigen Figur des Paars, die ein Mann benutzen konnte - und dann zitternd innehalten. Ein Finger w�rde die Statuette ber�hren, und mehr von der Einen Macht, als er sich vorstellen konnte, w�rde ihm zur Verf�gung stehen. Damit konnte ihn niemand besiegen, niemand ihm widerstehen. Mit dieser Macht, hatte Lanfear einst gesagt, konnte er den Sch�pfer herausfordern.</p><p>�Sie geh�rt rechtm��ig mir�, murmelte er stets, wenn seine Hand kurz vor der Figur zitternd innehielt. �Mir! Ich bin der Wiedergeborene Drache!�</p><p>Und er zwang sich jedesmal, sich wieder zur�ckzuziehen, wob die Spiegelmaske neu und die unsichtbaren Fallen, die jedermann zu Asche verbrennen w�rden, der sie ohne das dazugeh�rige Pa�wort zu �berwinden versuchte. Der riesige Kleiderschrank bewegte sich leicht wie eine Feder wieder auf seinen Platz. Er war der Wiedergeborene Drache. Aber gen�gte das? Es w�rde gen�gen m�ssen.</p><p>�Ich bin der Wiedergeborene Drache�, fl�sterte er den W�nden manchmal zu, und manchmal schrie er sie an: �Ich bin der Wiedergeborene Drache!� Er w�tete leise und laut gegen jene, die sich ihm entgegenstellten, die blinden Narren, die nicht sehen konnten und sich aus Ehrgeiz oder Habsucht oder Angst auch weigerten zu sehen. Er war der Wiedergeborene Drache, die einzige Hoffnung der Welt gegen den Dunklen K�nig. Das Licht m�ge der Welt dabei helfen.</p><p>Aber sein W�ten und seine Gedanken daran, das <emphasis>Ter'angreal</emphasis> zu benutzen, waren nur Versuche, anderem zu entkommen, und das wu�te er. Allein stocherte er in seinem Essen herum, wenn auch jeden Tag lustloser, und versuchte zu lesen, wenn auch selten, und Schlaf zu finden. Er schlief im Verlauf der Zeit h�ufiger, wobei es ihn nicht k�mmerte, ob die Sonne tief oder hoch stand. Der Schlaf kam in unregelm��igen Abst�nden, und was seine wachen Gedanken qu�lte, schlich sich auch in seine Tr�ume ein und lie� ihn zu bald aufschrecken, um erholt zu sein. Kein noch so sorgf�ltiges Abschirmen konnte fernhalten, was bereits hineingelangt war. Er mu�te sich den Verlorenen und fr�her oder sp�ter auch dem Dunklen K�nig selbst stellen. Er mu�te sich Narren stellen, die ihn bek�mpften oder davonliefen, obwohl ihre einzige Hoffnung darin bestand, sich hinter ihn zu stellen. Warum lie�en ihn seine Tr�ume nicht in Ruhe? Er erwachte stets ruckartig aus einem Traum, noch bevor er recht begonnen hatte, um dann von Abscheu gegen sich selbst erf�llt und durch den mangelnden Schlaf verwirrt dazuliegen, aber die anderen... Er wu�te, da� er sie alle verdiente.</p><p>Colavaere stellte sich ihm im Traum entgegen, ihr Gesicht schwarz und das Halstuch, mit dem sie sich erh�ngt hatte, noch immer im geschwollenen Fleisch ihres Halses eingesunken. Colavaere, schweigsam und anklagend, und all die T�chter des Speers, die f�r ihn gestorben waren, reihten sich hinter ihr auf, alle Frauen, die meinetwegen gestorben waren. Er kannte jedes einzelne Gesicht so gut wie sein eigenes und wu�te auch alle Namen au�er einem. Er erwachte schluchzend aus diesen Tr�umen.</p><p>Hundertmal schleuderte er Perrin durch die Gro�e Halle der Sonne, und hundertmal wurde er von lodernder Angst und Zorn �berw�ltigt. Hundertmal t�tete er Perrin in seinen Tr�umen und wachte von seinen eigenen Schreien auf. Warum hatte der Mann die Aes Sedai-Gefangenen als Gegenstand ihres Streits erw�hlt? Rand wollte nicht �ber sie nachdenken. Er hatte sein Bestes getan, ihre Existenz von Anfang an <emphasis>zu</emphasis> ignorieren. Sie waren zu gef�hrlich, um sie lange als Gefangene zu halten, und er hatte keine Ahnung, was er mit ihnen tun sollte. Sie �ngstigten ihn. Manchmal tr�umte er, wieder in der Kiste gefesselt zu sein, da� Galina und Erian und Katerine und die anderen ihn daraus hervorholten und schlugen, und erwachte wimmernd, selbst nachdem er sich davon �berzeugt hatte, da� seine Augen ge�ffnet und er l�ngst aus der Kiste befreit war. Sie �ngstigten ihn, weil er bef�rchtete, er k�nnte seiner Angst und seinem Zorn nachgeben und dann... Er versuchte, nicht daran zu denken, was er dann tun w�rde, aber manchmal tr�umte er es und wachte schwei�gebadet auf. Er w�rde es nicht tun. Was auch immer er bisher getan hatte - das w�rde er nicht tun.</p><p>In Tr�umen versammelte er die Asha'man, um die Wei�e Burg anzugreifen und Elaida zu bestrafen. Er sprang aus einem von gerechtem Zorn und <emphasis>Saidin</emphasis> erf�llten Wegetor - und erfuhr, da� Alviarins Brief eine L�ge gewesen war, er sah sie neben Elaida stehen, sah auch Egwene neben ihr und Nynaeve und sogar Elayne, alle mit Aes Sedai-Gesichtern, weil er zu gef�hrlich war, um ihn frei herumlaufen zu lassen. Er beobachtete, wie die Asha'man von Frauen vernichtet wurden, die Jahre des Studiums der Einen Macht hinter sich gebracht hatten - nicht nur wenige Monate unvollst�ndiger Ausbildung -, und aus diesen Tr�umen erwachte er niemals, bevor nicht jeder Mann in einer schwarzen Jacke tot war und er der Macht der Aes Sedai allein gegen�berstand. Allein.</p><p>Cadsuane �u�erte immer wieder diese Worte �ber Verr�ckte, die Stimmen h�rten, bis er darunter zusammenfuhr wie unter Peitschenhieben, in seinem Schlaf zusammenzuckte, wenn sie erschien. In Tr�umen und im Wachen rief er Lews Therin, schrie ihn an, doch nur Schweigen antwortete. Allein. Diese wenigen Empfindungen und Gef�hle in seinem Hinterkopf, das Sp�ren von Alannas Fast-Ber�hrung, wurde allm�hlich zum Trost. Und das �ngstigte ihn auf vielerlei Art am allermeisten.</p><p>Am vierten Morgen erwachte er benommen aus einem Traum von der Wei�en Burg und hob hastig eine Hand, um seine brennenden Augen vor dem abzuschirmen, was er f�r das Aufflammen eines mit <emphasis>Saidar</emphasis> entfachten Feuers hielt. Staub tanzte durch das Fenster bis zu seinem Bett, dessen wuchtige, kantige SchwarzholzPfosten mit keilf�rmigen Elfenbeinverzierungen versehen waren, im str�menden Sonnenlicht. Alle M�belst�cke im Raum bestanden aus poliertem Schwarzholz und Elfenbein, kantig und ausreichend schwer, da� sie zu seiner Stimmung pa�ten. Er lag einen Moment da, aber wenn der Schlaf zur�ckkehrte, w�rde er nur einen weiteren Traum bringen.</p><p><emphasis>Bist du da, Lews Therin?</emphasis> dachte er ohne Hoffnung auf eine Antwort, stand m�de auf und zog seine zerknitterte Jacke zurecht. Er hatte seine Kleider seit seinem R�ckzug nicht mehr gewechselt.</p><p>Als er in den Vorraum taumelte, dachte er zuerst, er tr�ume wieder jenen Traum, der ihn stets augenblicklich voller Scham und Schuld und Abscheu aufwachen lie�, aber Min schaute von einem der hohen, vergoldeten St�hle zu ihm hoch, ein in Leder gebundenes Buch auf den Knien, und er erwachte nicht. Dunkle Locken umrahmten ihr Gesicht, und gro�e dunkle Augen blickten so angespannt, da� er fast ihre Ber�hrung sp�ren konnte. Ihre Hose aus brokatdurchwirkter gr�ner Seide sa� wie eine zweite Haut, und die dazu passende Seidenjacke war ge�ffnet, so da� er ihre cremefarbene, sich mit jedem Atemzug hebende und senkende Bluse sehen konnte. Er betete darum aufzuwachen. Nicht Angst oder Zorn oder Schuld wegen Colavaere oder Lews Therins Verschwinden hatten ihn dazu getrieben, sich zur�ckzuziehen.</p><p>�In vier Tagen findet ein Fest statt�, sagte sie heiter, �bei Halbmond. �Tag der Reue� nennen sie es aus einem unbestimmten Grund, aber in dieser Nacht wird getanzt. Gesittete T�nze, wie ich h�rte, aber jeder Tanz ist besser als gar keiner.� Sie legte vorsichtig einen d�nnen Lederstreifen in das Buch und legte es auf den Boden neben sich. �Wenn ich die N�herin heute beauftrage, reicht die Zeit gerade noch, ein neues Kleid anfertigen zu lassen. Das hei�t, wenn du mit mir tanzen willst.�</p><p>Er ri� den Blick von ihr los und bemerkte ein mit einem Tuch abgedecktes Tablett neben den hohen T�ren. Schon der Gedanke an Essen war ihm unangenehm. Die verdammte Nandera sollte niemanden hereinlassen! Und am wenigsten Min. Er hatte ihren Namen nicht erw�hnt, hatte aber gesagt niemand! �Min, ich... Ich wei� nicht, was ich sagen soll. Ich...�</p><p>�Schafhirte, du siehst aus wie durch die Mangel gedreht. Jetzt verstehe ich, warum Alanna so au�er sich war, auch wenn ich nicht begreife, woher sie es wu�te. Sie hat mich geradezu angefleht, mit dir zu sprechen, nachdem die T�chter des Speers sie ungef�hr zum f�nften Mal abgewiesen hatten. Nandera h�tte sogar <emphasis>mich</emphasis> nicht hineingelassen, wenn sie nicht in Sorge gewesen w�re, weil du nicht i�t, und selbst dann mu�te ich noch ein wenig betteln. Du schuldest mir etwas, Bauernjunge.�</p><p>Rand zuckte zusammen. Bilder von ihm selbst blitzten in seinem Kopf auf - wie er an ihren Kleidern zerrte und sich Min wie ein geistloses Tier aufzwang. Er schuldete ihr mehr, als er jemals wiedergutmachen konnte. Er fuhr sich mit einer Hand durchs Haar und zwang sich dann, sich zu ihr umzuwenden. Sie hatte die F��e hochgezogen, so da� sie jetzt im Schneidersitz auf dem Stuhl sa�, und hatte die F�uste auf die Knie gest�tzt. <emphasis>Wie</emphasis> konnte sie ihn so ruhig ansehen? �Min, es gibt keine Entschuldigung f�r das, was ich getan habe. Wenn es Gerechtigkeit g�be, w�rde ich an den Galgen wandern. Wenn ich es k�nnte, w�rde ich mir den Strick selbst um den Hals legen. Ich schw�re, da� ich es tun w�rde.� Die Worte schmeckten bitter. Er war der Wiedergeborene Drache, und sie w�rde bis zur Letzten Schlacht auf Gerechtigkeit warten m�ssen. Welch ein Narr er gewesen war, da� er �ber Tarmon Gai'don hinaus hatte leben wollen. Er verdiente es nicht.</p><p>�Wovon sprichst du, Schafhirte?� fragte sie z�gernd.</p><p>�Ich spreche von dem, was ich dir angetan habe�, st�hnte er. Wie hatte er ausgerechnet ihr das antun k�nnen? �Min, ich wei�, wie schwer es f�r dich ist, mit mir im gleichen Raum zu sein.� Wie konnte er sich so an ihre Weichheit erinnern, an die Seidigkeit ihrer Haut, nachdem er ihr die Kleider vom Leib gerissen hatte? �Ich h�tte niemals geglaubt, da� ich ein Tier w�re, ein Ungeheuer.� Aber er war es. Er verabscheute sich f�r das, was er getan hatte, und er verabscheute sich noch mehr, weil er es erneut tun wollte. �Die einzige Entschuldigung, die ich vorbringen kann, ist Wahnsinn. Cadsuane hatte recht. Ich habe Stimmen geh�rt. Lews Therins Stimme, dachte ich. Kannst du...? Nein. Nein, ich habe kein Recht, dich zu bitten, mir zu vergeben. Aber du sollst wissen, wie leid es mir tut, Min.� Es tat ihm leid, doch seine H�nde sehnten sich verzweifelt danach, ihren blo�en R�cken hinab zu gleiten und �ber ihre H�ften. Er <emphasis>war</emphasis> ein Ungeheuer. �Es tut mir schrecklich leid. Das sollst du zumindest wissen.�</p><p>Sie sa� regungslos da und sah ihn an, als h�tte sie niemals zuvor jemanden wie ihn gesehen. Jetzt konnte sie aufh�ren, etwas vorzugeben. Jetzt konnte sie sagen, wie sie wirklich �ber ihn dachte, und wie abscheulich auch immer es w�re - es w�re nicht halbwegs ausreichend abscheulich.</p><p>�Darum hast du mich also von dir ferngehalten�, sagte sie schlie�lich. �H�r mir <emphasis>zu,</emphasis> du Einfaltspinsel. Ich h�tte mich beinahe zu Tode geheult, weil ich einen Tod zuviel erlebt habe, und du, du h�ttest beinahe aus demselben Grund das gleiche getan. Was wir getan haben, mein unschuldiges Lamm, war, einander Trost zu spenden. Freunde tr�sten einander in solchen Zeiten. Mach den Mund zu, du Strohkopf.�</p><p>Das tat er, aber nur, um zu schlucken. Er dachte, ihm w�rden die Augen aus dem Kopf fallen. Er verhaspelte sich fast beim Sprechen. �Min, wenn wir vor dem Frauenzirkel zu Hause das, was wir getan haben, als Trost bezeichneten, w�rden sie sich darum dr�ngen, uns zu h�uten.�</p><p>�Zumindest hei�t es jetzt �wir� anstatt �ich��, sagte sie grimmig. Sie erhob sich behende und kam auf ihn zu, w�hrend sie zornig mit dem Finger auf ihn zeigte. �H�ltst du mich f�r eine Puppe, Bauernjunge? Glaubst du, ich w�re zu d�mlich, es dich wissen zu lassen, wenn ich nicht wollte, da� du mich ber�hrst? Glaubst du, ich k�nnte es dir nicht unmi�verst�ndlich klarmachen?� Sie zog einen Dolch unter ihrer Jacke hervor, schwang ihn und steckte ihn zur�ck, ohne an Schnelligkeit verloren zu haben. �Ich erinnere mich daran, da� ich dir das Hemd vom Leib gerissen habe, weil du es dir nicht schnell genug �ber den Kopf ziehen konntest, um mir zu folgen. So wenig wollte ich deine Arme um mich sp�ren! Ich habe mit dir getan, was ich noch niemals mit einem anderen Mann getan habe -und glaube nicht, ich sei niemals in Versuchung gewesen! -, und du sagst, es sei alles deine Schuld! Als w�re ich nicht einmal dabeigewesen!�</p><p>Er stie� mit den Waden gegen einen Stuhl und erkannte, da� er vor ihr zur�ckgewichen war. Sie sah stirnrunzelnd zu ihm hoch und murrte: �Ich glaube nicht, da� es mir <emphasis>gef�llt,</emphasis> wie du gerade jetzt auf mich herabblickst.� Sie trat ihn j�h fest vors Schienbein und stemmte beide H�nde gegen seine Brust. Er fiel so hart auf den Stuhl, da� dieser fast umkippte. Ihre Locken schwangen, als sie den Kopf zur�ckwarf und ihre brokatdurchwirkte Jacke richtete.</p><p>�Vielleicht war es so, Min, aber...�</p><p>�So <emphasis>war es,</emphasis> Schafhirte�, unterbrach sie ihn energisch, �und wenn du wieder etwas anderes behaupten willst, solltest du lieber die T�chter des Speers rufen und die Macht lenken, so gut du es vermagst, weil ich dich dann durch diesen Raum pr�geln werde, bis du um Gnade flehst. Und jetzt brauchst du eine Rasur und ein Bad.�</p><p>Rand atmete tief ein. Perrin f�hrte eine solch heitere Ehe, mit einer l�chelnden, sanften Frau. Warum f�hlte er selbst sich stets zu Frauen hingezogen, die ihn vollkommen verwirrten? Wenn er nur �ber ein Zehntel von Mats Wissen �ber Frauen verf�gte, h�tte er gewu�t, was er zu alledem sagen sollte, aber so konnte er nur weiter herumdrucksen. �Auf jeden Fall�, sagte er vorsichtig, �kann ich nur eines tun.�</p><p>�Und was k�nnte das sein?� Sie verschr�nkte die Arme fest unter ihren Br�sten und tippte unheilvoll mit dem Fu� auf, aber er wu�te, da� es das richtige war.</p><p>�Dich fortschicken.� Genauso wie er Elayne und Aviendha fortgeschickt hatte. �Wenn ich mich nur irgendwie beherrschen k�nnte, h�tte ich nicht...� Ihr Fu� tippte schneller auf. Vielleicht sollte er das lieber lassen. Getr�stet? Licht! �Min, jedermann, der sich in meiner N�he aufh�lt, ist in Gefahr. Die Verlorenen sind nicht die einzigen, die jedem in meiner Umgebung auf die blo�e M�glichkeit hin Schaden zuf�gen w�rden, da� es auch mir schaden k�nnte. Und auch ich bin eine Gefahr. Ich kann meine Stimmungen nicht mehr kontrollieren. Min, ich h�tte Perrin beinahe get�tet! Cadsuane hatte recht. Ich werde wahnsinnig oder bin es bereits. Ich mu� dich fortschicken, damit du in Sicherheit bist.�</p><p>�Wer ist diese Cadsuane?� fragte sie so ruhig, da� er zusammenzuckte, als er bemerkte, da� sie noch immer mit dem Fu� auftippte. �Alanna hat diesen Namen betont, als w�re sie die Schwester des Sch�pfers. Nein, sage es mir nicht. Es ist mir gleichg�ltig.� Nicht da� sie ihm auch nur die kleinste M�glichkeit lie�, ihr zu widersprechen. �Auch Perrin k�mmert mich nicht. Du w�rdest mich genauso wenig verletzen wie ihn. Ich glaube, da� dein gro�er �ffentlicher Kampf ein Schwindel war. Mich k�mmern deine Stimmungen nicht, und es ist mir auch egal, ob du wahnsinnig bist. Du kannst nicht wahnsinnig sein, sonst w�rdest du dich nicht so dar�ber sorgen. Aber mich k�mmert...�</p><p>Sie beugte sich herab, bis jene sehr gro�en, sehr dunklen Augen auf gleicher H�he mit seinen und ganz nah waren, und pl�tzlich funkelte ein solches Licht darin, da� er <emphasis>Saidin</emphasis> ergriff, bereit, sich zu verteidigen. �Mich fortschicken, damit ich in Sicherheit bin?� grollte sie. �Wie kannst du es wagen? Du hast kein Recht, mich �berhaupt irgendwohin zu schicken! Du brauchst mich, Rand al'Thor! Wenn ich dir auch nur von der H�lfte der Visionen erz�hlen w�rde, die ich von dir gehabt habe, w�rden dir die Haare zu Berge stehen! Wage es! Du hast zugelassen, da� sich die T�chter des Speers jedem Risiko gestellt haben, dem sie sich stellen wollten, und du willst mich wie ein Kind fortschicken?�</p><p>�Ich liebe die T�chter des Speers nicht.� Tief im unbewegten Nichts treibend, h�rte er diese Worte seinem Munde entstr�men, und das Entsetzen zerschmetterte die Leere und vertrieb</p><p><emphasis>Saidin.</emphasis></p><p>�Nun�, sagte Min und richtete sich auf. Ein kleines L�cheln verlieh ihren Lippen mehr Schwung. �Es kommt nicht in Frage.� Und sie setzte sich auf seinen Scho�.</p><p>Sie hatte gesagt, er w�rde sie genauso wenig verletzen wie Perrin, aber jetzt mu�te es sein. Er mu�te es tun, zu ihrem eigenen Besten. �Ich liebe auch Elayne�, sagte er grob. �Und Aviendha. Siehst du, was ich bin?� Aus einem unbestimmten Grund schien sie dies nicht im geringsten zu st�ren.</p><p>�Rhuarc liebt auch mehr als eine Frau�, entgegnete sie. �Wie auch Bael, und ich habe an beiden niemals Trolloc-H�rner bemerkt. Nein, Rand, du liebst mich, und du kannst dich dem nicht widersetzen. Ich sollte dich nach allem, was du mich hast durchmachen lassen, eigentlich auf die Folter spannen, aber... Nur damit du es wei�t, ich liebe dich auch.� Das L�cheln wich bei ihrem inneren Kampf einem Stirnrunzeln, und schlie�lich seufzte sie. �Das Leben w�re manchmal erheblich leichter, wenn meine Tanten mich nicht zur Aufrichtigkeit erzogen h�tten�, murrte sie. �Und um aufrichtig zu sein, Rand, mu� ich dir sagen, da� Elayne dich auch liebt. Und Aviendha ebenso. Wenn beide Frauen Mandelains <emphasis>ihn</emphasis> lieben k�nnen, dann mag es vermutlich auch drei Frauen gelingen, <emphasis>dich</emphasis> zu lieben. Aber ich bin hier, und wenn du versuchst, mich fortzuschicken, werde ich mich dir ans Bein binden.� Sie r�mpfte die Nase. �Wenn du gebadet hast jedenfalls. Aber ich werde nicht gehen, egal was geschieht.�</p><p>In seinem Kopf drehte sich alles. �Du ... <emphasis>liebst</emphasis> mich?� fragte er ungl�ubig. �Und woher wei�t du, was Elayne empfindet? Woher wei�t du etwas �ber Aviendha? Licht! Mandelain kann tun, was er will, Min. Ich bin kein Aiel.� Er runzelte die Stirn. �Was hast du damit gemeint, da� du mir nicht einmal die H�lfte von dem erz�hlst, was du siehst? Ich dachte, du erz�hlst mir alles. Ich mu� dich in Sicherheit bringen. Und h�r auf, die Nase zu r�mpfen! Ich rieche nicht!� Er zog ruckartig die Hand unter seiner Jacke hervor, mit der er sich gekratzt hatte.</p><p>Ihre gew�lbten Augenbrauen sprachen B�nde, aber sie mu�te ihre Gedanken dennoch aussprechen. �Du wagst es, diesen Ton anzuschlagen? Als w�rdest du es nicht glauben?� Ihre Stimme wurde pl�tzlich mit jedem Wort lauter, und sie bohrte ihm drohend einen Finger in die Brust. �Glaubst du, ich w�rde mit einem Mann <emphasis>schlafen,</emphasis> den ich nicht liebe? Glaubst du das? Oder denkst du vielleicht, du w�rst es nicht wert, geliebt zu werden? Ist es das?� Sie gab einen Laut von sich wie eine gequ�lte Katze. �Also bin ich ein Betth�schen ohne Hirn im Kopf, weil ich mich in einen wertlosen R�pel verliebt habe? Du sitzt da, stierst wie ein kranker Ochse vor dich hin und verleumdest meinen Verstand, meinen Geschmack, meine... �</p><p>�Wenn du dich nicht beruhigst und vern�nftig redest�, grollte er, �dann schw�re ich, da� ich dir den Hintern versohlen werde!� Die Worte drangen aus dem Nichts hervor, aus schlaflosen N�chten und Verwirrung, aber bevor er auch nur eine Entschuldigung ersinnen konnte, l�chelte sie. Die Frau l�chelte!</p><p>�Zumindest schmollst du nicht mehr�, sagte sie. �Jammere niemals, Rand, denn du bist nicht gut darin. Nun denn. Du willst Vern�nftiges h�ren? Ich liebe dich, und ich werde nicht gehen. Wenn du mich fortschickst, werde ich den T�chtern des Speers erz�hlen, du h�ttest mich zugrunde gerichtet und beiseite geschoben. Ich werde es jedermann erz�hlen, der zuh�ren wird. Ich werde...�</p><p>Er hob seine rechte Hand, betrachtete die Handfl�che mit dem eingebrannten Reiher und sah dann Min an. Sie blickte argw�hnisch ebenfalls auf seine Hand, regte sich auf seinen Knien und ignorierte dann deutlich sichtbar alles andere au�er seinem Gesicht.</p><p>�Ich werde nicht gehen, Rand�, sagte sie ruhig. �Du brauchst mich.�</p><p>�Wie machst du das?� seufzte er und sank auf dem Stuhl zur�ck. �Selbst wenn du mir den Kopf zurechtr�ckst, l��t du noch alle meine Sorgen schwinden.�</p><p>Min r�mpfte die Nase. �Man sollte dir h�ufiger den Kopf zurechtr�cken. Erz�hle von dieser Aviendha. Es besteht vermutlich keine Hoffnung, da� sie knochend�rr und narbig wie Nandera ist.�</p><p>Er lachte wider Willen. Licht, wie lange hatte er nicht mehr vor Vergn�gen gelacht? �Min, ich w�rde sagen, sie ist genauso h�bsch wie du, aber wie kann man zwei Sonnenaufg�nge vergleichen?�</p><p>Sie sah ihn einen Moment mit leisem L�cheln an, als k�nne sie sich nicht entscheiden, ob sie �berrascht oder erfreut sein sollte. �Du bist ein sehr gef�hrlicher Mann, Rand al'Thor�, murmelte sie und beugte sich langsam vor. Er glaubte in ihren Augen zu versinken und verloren zu sein. All die Male zuvor, wenn sie auf seinem Scho� gesessen und ihn gek��t hatte, all die Male hatte er geglaubt, sie necke nur einen Bauernjungen, w�hrend er fast aus der Haut gefahren w�re, weil er sie <emphasis>st�ndig</emphasis> k�ssen wollte. Nun, wenn sie ihn jetzt erneut k��te...</p><p>Er ergriff sie fest an den Armen, erhob sich und stellte sie auf die F��e. Er liebte sie, und sie liebte ihn, aber er mu�te daran denken, da� er auch Elayne st�ndig k�ssen wollte, wenn er an sie dachte, und Aviendha ebenfalls. Was immer Min �ber Rhuarc oder jeden anderen Aiel sagte, war sie doch an dem Tag, an dem sie sich in ihn verliebt hatte, schlecht beraten gewesen. �Du hast mir nicht einmal die H�lfte erz�hlt, Min�, sagte er ruhig. �Welche Visionen hast du mir vorenthalten?�</p><p>Sie sah zu ihm hoch, und Entt�uschung spiegelte sich auf ihrem Gesicht, aber das konnte nicht sein. �Du liebst den Wiedergeborenen Drachen, Min Farshaw�, murrte sie, �und solltest stets daran denken. Und du besser auch, Rand�, f�gte sie hinzu und entzog sich ihm. Er lie� sie widerwillig und auch erleichtert los. Er wu�te nicht, was von beidem eher zutraf. �Du bist schon eine halbe Woche wieder in Cairhien und hast noch immer nichts wegen des Meervolks unternommen. Berelain dachte, du k�nntest dich vielleicht dazu aufraffen. Sie hat mir einen Brief hinterlassen, in dem sie mich bittet, dich immer wieder daran zu erinnern, aber du hast es nicht zugelassen. Nun, es macht nichts. Berelain glaubt, das Meervolk w�re irgendwie wichtig f�r dich. Sie sagt, du seist die Erf�llung irgendeiner ihrer Prophezeiungen.�</p><p>�Ich wei� alles dar�ber, Min. Ich...� Er hatte erwogen, sich nicht auf das Meervolk einzulassen. Es wurde in den Prophezeiungen des Drachen, die er finden konnte, nicht erw�hnt. Aber wenn er Min in seiner N�he bleiben lie�, sie die Gefahren auf sich nehmen lie�... Er erkannte, da� sie gewonnen hatte. Er hatte Elayne mit bangem Herzen und Aviendha mit verkrampftem Magen fortgehen sehen. Er konnte es nicht noch einmal ertragen. Min stand abwartend da. �Ich werde sie noch heute auf ihrem Schiff aufsuchen. Das Meervolk soll vor dem Wiedergeborenen Drachen in all seinem Glanz niederknien. Vermutlich bestand niemals Hoffnung auf etwas anderes. Entweder geh�ren sie zu meinen Leuten, oder sie sind meine Feinde. So ist es anscheinend immer. Wirst du mir jetzt von deinen Visionen erz�hlen?�</p><p>�Rand, du solltest um ihre Eigenheiten wissen, bevor du...�</p><p>�Die Visionen?�</p><p>Sie verschr�nkte die Arme und blickte stirnrunzelnd zu ihm hoch. Sie sch�ttelte den Kopf und murrte leise etwas. Schlie�lich sagte sie: �In Wirklichkeit gibt es nur eine Vision. Ich habe �bertrieben. Ich sah dich und einen anderen Mann. Ich konnte eure beiden Gesichter nicht erkennen, aber ich wu�te, da� du einer der M�nner warst. Ihr ber�hrtet euch und schient ineinander zu verschmelzen und...� Sie pre�te besorgt die Lippen zusammen und fuhr dann sehr bedr�ckt fort. �Ich wei� nicht, was es bedeutet, Rand, nur da� einer von euch stirbt und einer �berlebt. Ich... Warum grinst du? Das ist kein Scherz, Rand. Ich wei� nicht, wer von euch stirbt.�</p><p>�Ich grinse, weil du mir damit sehr gute Nachrichten �berbracht hast�, sagte er und ber�hrte ihre Wange. Der andere Mann mu�te Lews Therin sein. <emphasis>Ich bin nicht einfach wahnsinnig und h�re Stimmen,</emphasis> dachte er frohlockend. Einer lebte und einer starb, aber er hatte schon lange gewu�t, da� er sterben w�rde. Zumindest war er nicht wahnsinnig. Oder bei weitem nicht so wahnsinnig, wie er bef�rchtet hatte, obwohl er seine Launen noch immer kaum beherrschen konnte. �Verstehst du, ich...�</p><p>Pl�tzlich erkannte er, da� er ihr Gesicht nicht mehr nur ber�hrte, sondern es mit beiden H�nden umfa�te. Er lie� sie los, als h�tte er sich verbrannt. Min sch�rzte die Lippen und sah ihn tadelnd an, aber er w�rde sie nicht zu seinem Vorteil benutzen. Es w�re ihr gegen�ber ungerecht. Gl�cklicherweise begann sein Magen laut zu knurren.</p><p>�Ich mu� etwas essen, wenn ich das Meervolk aufsuchen soll. Ich habe ein Tablett gesehen...�</p><p>Min schnaubte, als er sich abwandte, aber im n�chsten Moment eilte sie auf die hohen T�ren zu. �Du brauchst ein Bad, wenn <emphasis>wir</emphasis> das Meervolk aufsuchen.�</p><p>Nandera freute sich �ber die Wendung, nickte begeistert und verteilte Auftr�ge an die T�chter des Speers. Sie beugte sich nahe zu Min und sagte: �Ich h�tte Euch schon am ersten Tag zu ihm lassen sollen. Ich wollte ihn am liebsten treten, aber den <emphasis>Car'a'carn</emphasis> darf man nicht treten.� Ihrem Tonfall nach h�tte man es dennoch tun sollen. Sie sprach leise, aber doch nicht so leise, da� er sie nicht h�ren konnte. Er war sich sicher, da� dies wohl�berlegt geschah. Sie sah ihn zu scharf an, als da� es anders sein konnte.</p><p>T�chter des Speers schleppten eigenh�ndig die gro�e Kupferwanne herein, verst�ndigten sich in der Zeichensprache, sobald sie abgestellt war, lachend und zu aufgeregt, um die Palastdiener ihre Arbeit tun oder sie auch nur den best�ndigen Strom von Eimern mit hei�em Wasser hereinbringen zu lassen. Rand hatte M�he, sich seiner Kleidung selbst zu entledigen. Und er hatte M�he, sich selbst waschen zu d�rfen, und konnte auch der sein Haar einsch�umenden Nandera nicht entkommen. Die flachshaarige Somera und die rothaarige Enaila bestanden darauf, ihn zu rasieren, als er brusttief in der Wanne sa�, und konzentrierten sich dabei so sehr, als bef�rchteten sie, ihm die Kehle durchzuschneiden. Er war von anderen Gelegenheiten daran gew�hnt, als man es ihm verweigert hatte, B�rste oder Rasierklinge selbst handzuhaben. Er war daran gew�hnt, da� T�chter des Speers ihn umstanden und ihm beim Baden zusahen, ihm anboten, ihm R�cken oder F��e zu schrubben, wobei sie sich in der Zeichensprache lautlos verst�ndigten, und stets verwundert �ber einen Menschen waren, der im Wasser <emphasis>sa�.</emphasis> Es gelang ihm dann meist, zumindest einige loszuwerden, indem er sie mit Auftr�gen fortschickte.</p><p>Aber er war nicht an Min gew�hnt die im Schneidersitz auf dem Bett sa�, das Kinn auf die H�nde gest�tzt, und das Ganze offensichtlich fasziniert beobachtete. Er hatte sie in der Menge der T�chter des Speers erst bemerkt, als er schon nackt war, und dann konnte er sich nur noch so schnell wie m�glich hinsetzen, wobei das Wasser �ber die Seiten der Wanne hinweg schwappte. Die Frau w�re selbst eine sehr gute Tochter des Speers gewesen. Sie sprach mit den T�chtern des Speers recht offen �ber ihn - ohne auch nur zu err�ten! Tats�chlich war er derjenige, der err�tete.</p><p>�Ja, er ist sehr bescheiden�, sagte sie und stimmte darin mit Malindare �berein, einer Frau, die rundlicher war als die meisten anderen T�chter des Speers, mit dem dunkelsten Haar, das Rand jemals bei einer Aiel gesehen hatte. �Bescheidenheit ziert einen Mann.� Malindare nickte ernst, aber Min grinste breit.</p><p>Und dann kam: �O nein, Domeille. Es w�re eine Schande, solch ein h�bsches Gesicht durch eine Narbe zu verschandeln.� Domeille, die grauer und hagerer als Nandera war, beharrte mit vorgerecktem Kinn darauf, da� eine Narbe seine Sch�nheit nicht verschandeln k�nnte. Ihre Worte. Der Rest war schlimmer. Die T�chter des Speers hatten schon immer Spa� daran gehabt, ihn zum Err�ten zu bringen. F�r Min galt das sicherlich ebenfalls.</p><p>�Fr�her oder sp�ter mu�t du dich abtrocknen, Rand�, sagte sie und hielt mit beiden H�nden ein gro�es wei�es Handtuch hoch. Sie stand gute drei Schritt von der Wanne entfernt, und die T�chter des Speers waren kreisf�rmig zur�ckgewichen und beobachteten sie. Min l�chelte so unschuldig, da� jeder Richter sie allein schon deshalb f�r schuldig befunden h�tte. �Komm und trockne dich ab, Rand.�</p><p>Er war noch niemals in seinem Leben so erleichtert gewesen, sich anziehen zu k�nnen.</p><p>Inzwischen waren seine Befehle ausgef�hrt worden, und alles war vorbereitet. Rand al'Thor war vielleicht in einer Badewanne herumkommandiert worden, aber der Wiedergeborene Drache w�rde dem Meervolk in einer Weise gegen�bertreten, da� sie vor Ehrfurcht auf die Knie sinken w�rden.</p></section><section><title><p>34</p><p>Ta'veren</p></title><p>Im Hof vor dem Palast war alles so vorbereitet worden, wie Rand es angeordnet hatte. Oder fast alles. Die Morgensonne warf lange Schatten, so da� nur zehn Schritte vor den hohen Bronzetoren im Licht der Sonne lagen. Dashiva und Flinn und Narishma, die drei Asha'man, die Rand zur�ckbehalten hatte, warteten neben ihren Pferden, wobei selbst Dashiva mit dem Silberschwert und dem rotgoldenen Drachen an seinem schwarzen Kragen strahlte, obwohl er das Schwert immer noch so betrachtete, als sei er st�ndig �berrascht, es vorzufinden. Einhundert Mann von Dobraines Waffentr�gern sa�en mit zwei in der unbewegten Luft herabh�ngenden Bannern hinter Dobraine zu Pferde, ihre dunklen R�stungen in der Sonne gl�nzend, und rote, wei�e und schwarze Seidenwimpel waren unmittelbar unter den Spitzen um die Speere gebunden. Hochrufe erklangen, als Rand erschien, seinen Schwertg�rtel mit der goldenen Drachenschlie�e um eine rote, goldverzierte Jacke gebunden.</p><p>�Al'Thor! Al'Thor! Al'Thor!� hallte es im Hof wider. Menschen, die sich auf den St�nden der Bogensch�tzen dr�ngten, stimmten mit ein, Tairener und Cairhiener in Seide und Spitze, die Colavaere noch vor einer Woche zweifellos genauso laut zugejubelt hatten. M�nner und Frauen, von denen einige gleichzeitig w�nschten, er w�re niemals nach Cairhien zur�ckgekehrt, winkten und jubelten ihm zu. Er hob daraufhin das Drachenszepter an, und sie jubelten noch lauter.</p><p>Donnernder Trommelklang und Trompetenst��e stiegen durch die Hochrufe auf, von einem Dutzend weiterer M�nner Dobraines hervorgebracht, die karmesinrote Wappenr�cke mit der schwarzwei�en Scheibe auf der Brust trugen. Die H�lfte der M�nner f�hrte mit dem gleichen Stoff gekennzeichnete lange Trompeten und die andere H�lfte Kesselpauken mit sich, die, ebenfalls verziert, zu beiden Seiten der Pferde befestigt waren. F�nf Aes Sedai mit ihren Stolen kamen Rand entgegen, als er die breiten Stufen hinabstieg. Alanna gew�hrte ihm einen pr�fenden Blick aus jenen gro�en, dunklen, durchdringenden Augen - das winzige Geflecht von Empfindungen in seinem Sch�del vermittelte ihm, da� sie ruhiger und entspannter war, als er sie je erlebt hatte -, ein pr�fender Blick, gefolgt von einer kaum merklichen Bewegung, woraufhin Min seinen Arm ber�hrte und sich ein paar Schritte mit ihr entfernte. Bera und die anderen vollf�hrten fl�chtige Hofknickse und beugten leicht den Kopf, w�hrend hinter Rand Aiel aus dem Palast str�mten. Nandera f�hrte zweihundert T�chter des Speers an - sie w�rden nicht von den �Eidbrechern� �berstrahlt werden -, und Camar, ein schlanker Berghang-Daryne, der grauer als Nandera und einen halben Kopf gr��er als Rand war, f�hrte zweihundert <emphasis>Seia Doon</emphasis> an, die nicht von den <emphasis>Far Dareis Mai,</emphasis> geschweige denn von den Cairhienern, �berstrahlt w�rden. Sie zogen auf beiden Seiten an ihm vorbei, und die Aes Sedai bildeten einen Ring im Hof. Bera, die wie eine stolze Bauersfrau, und Alanna, die wie eine geheimnisvolle, wundersch�ne K�nigin wirkte, und die rundliche Rafela, die in ihrem blauen Gewand geheimnisvoll aussah, beobachteten ihn besorgt. Faeldrin musterte ihn mit k�hlem Blick, ebenfalls eine Gr�ne, die ihre d�nnen Z�pfe mit farbigen Perlen geschm�ckt hatte, und auch die schlanke Merana in ihrer grauen Kleidung, deren Stirnrunzeln Rafela wie das Bild der Aes Sedai-Gelassenheit erscheinen lie�. F�nf.</p><p>�Wo sind Kiruna und Verin?� verlangte Rand zu wissen. �Ich habe nach Euch allen verlangt.�</p><p>�In der Tat, mein Lord Drache�, antwortete Bera ruhig. Sie vollf�hrte ebenfalls einen Hofknicks, nur eine leichte Verbeugung, aber es �berraschte ihn dennoch. �Wir konnten Verin nicht finden. Sie ist nirgendwo bei den Aiel-Zelten. Sie befragt wahrscheinlich die...� Ihr ruhiger Tonfall schwankte einen Moment, �...die Gefangenen, um vielleicht zu erfahren, was geplant war, wenn sie Tar Valon erreicht h�tten.� Wenn er Tar Valon erreicht h�tte. Sie wu�te genug, um damit nicht herauszuplatzen, wenn jedermann es h�ren konnte. �Und Kiruna ... bespricht mit Sorilea eine Frage des Protokolls. Aber gewi� wird sie sich uns nur zu gern anschlie�en, wenn Ihr sie pers�nlich herbeiruft. Ich k�nnte selbst gehen, wenn Ihr...�</p><p>Er winkte ab. F�nf sollten gen�gen. Vielleicht konnte Verin etwas erfahren. Wollte er es wissen? Und Kiruna. Eine Frage des <emphasis>Protokolls?</emphasis> �Ich bin froh, da� Ihr mit den Weisen Frauen zurechtkommt�, begann Bera und schlo� dann fest den Mund. Was auch immer Alanna gerade zu Min sagte, lie� Min zutiefst err�tend das Kinn emporrecken, wenn sie auch seltsamerweise �u�erst ruhig zu antworten schien. Er fragte sich, ob sie es ihm erz�hlen w�rde. Wenn es etwas gab, dessen er sich bei Frauen sicher war, dann war es die Tatsache, da� jede einzelne Geheimnisse im Herzen trug, die manchmal mit einer anderen Frau, aber niemals mit einem Mann geteilt wurden.</p><p>�Ich bin nicht hierhergekommen, um den ganzen Tag herumzustehen�, sagte er ver�rgert. Die Aes Sedai hatten sich mit Bera �ber die F�hrung geeinigt, w�hrend die anderen einen halben Schritt zur�ckblieben. Wenn sie es nicht gewesen w�re, w�re es Kiruna gewesen. Ihre Entscheidung, nicht seine. Es k�mmerte ihn wirklich nicht, solange sie sich an ihre Eide hielten, und er h�tte es vielleicht dabei belassen, wenn Min und Alanna nicht gewesen w�ren. �Merana wird von jetzt an f�r Euch sprechen, und Ihr werdet Eure Befehle von ihr entgegennehmen.�</p><p>Den pl�tzlich geweiteten Augen nach h�tte man denken k�nnen, er h�tte jede einzelne von ihnen geschlagen. Einschlie�lich Merana. Sogar Alanna wandte ruckartig den Kopf. Warum sollten sie best�rzt sein? Nat�rlich hatten seit den Brunnen von Dumai fast immer Bera oder Kiruna das Wort ergriffen, aber Merana war nach Caemlyn gesandt worden.</p><p>�Bist du bereit, Min?� fragte er und schritt auf den Hof, ohne eine Antwort abzuwarten. Der gro�e, feurig blickende schwarze Wallach, den er seit den Brunnen von Dumai geritten hatte, war mit einem Sattel mit Goldverzierungen sowie einer karmesinroten, in jeder Ecke mit der schwarzwei�en Scheibe bestickten Satteldecke f�r ihn herangebracht worden. Das Geschirr pa�te zu dem Tier und zu seinem Namen. Tai'daishar - in der Alten Sprache <emphasis>Herr der Herrlichkeit.</emphasis> Und Pferd und Geschirr pa�ten beide zum Wiedergeborenen Drachen.</p><p>W�hrend Rand aufstieg, f�hrte Min ihre mausgraue Stute heran und zog ihre eng anliegenden Reithandschuhe �ber, bevor sie aufstieg. �Seiera ist ein pr�chtiges Tier�, sagte sie und t�tschelte der Stute den Hals. �Ich w�nschte, sie geh�rte mir. Ich mag auch ihren Namen. Eine um Baerlon vorkommende Blume, die im Fr�hling dort w�chst, hei�t Blauauge.�</p><p>�Sie geh�rt dir�, sagte Rand. Welcher Aes Sedai auch immer die Stute geh�rte - sie w�rde es nicht ablehnen, sie ihm zu verkaufen. Er w�rde Kiruna tausend Kronen f�r Tai'daishar geben, dann konnte sie sich nicht beschweren. Selbst der beste Hengst aus tairenischer Zucht w�rde niemals auch nur ein Zehntel dieser Summe kosten. �Hattest du eine anregende Unterhaltung mit Alanna?�</p><p>�Nichts, was dich interessieren w�rde�, sagte sie beil�ufig. Aber ihre Wangen waren leicht ger�tet.</p><p>Er schnaubte leise und erhob dann die Stimme. �Lord Dobraine, ich denke, ich habe das Meervolk lange genug warten lassen.�</p><p>Die Prozession zog entlang der breiten Stra�en Menschenmengen an, und auch in Fenstern und auf D�chern versammelten sich Menschen, als die Nachricht des Herannahens der Prozession vorauseilte. Zwanzig Speertr�ger Dobraines f�hrten sie an, um den Weg freizumachen, zusammen mit drei�ig T�chtern des Speers und ebenso vielen Schwarzaugen. Dann kamen die Trommler, die ihre Instrumente unaufh�rlich dr�hnen lie�en, und die Trompeter verst�rkten den L�rm noch mit Trompetenst��en. Rufe von Zuschauern erstickten die Trommeln und Trompeten fast gleicherma�en, ein wortloses Br�llen, das genausogut Wut wie Beifall h�tte sein k�nnen. Die Banner bl�hten sich unmittelbar vor Dobraine und hinter Rand, das wei�e Drachenbanner und das scharlachrote Banner des Lichts, und verschleierte Aiel liefen neben Speertr�gern her, deren Wimpel ebenfalls im Wind wehten. Hin und wieder wurden Rand ein paar Blumen zugeworfen. Vielleicht ha�ten sie ihn nicht. Vielleicht f�rchteten sie ihn nur. Das mu�te gen�gen.</p><p>�Ein jedem K�nig angemessener Zug�, sagte Merana laut, so da� man es h�ren konnte.</p><p>�Dann gen�gt er f�r den Wiedergeborenen Drachen�, erwiderte Rand scharf. �Bleibt Ihr zur�ck? Und du auch, Min.� Andere D�cher hatten M�rder beherbergt. Der f�r ihn bestimmte Pfeil w�rde heute keine Frau treffen.</p><p>Sie fielen hinter seinem gro�en Schwarzen zur�ck, immerhin drei Schritte, und dann waren sie sofort wieder neben ihm, und Min berichtete ihm, was Berelain �ber das Meervolk auf den Schiffen, �ber die Jendai-Prophezeiung und den Coramoor aufgeschrieben hatte, und Merana f�gte hinzu, was sie �ber die Prophezeiung wu�te, obwohl sie zugab, da� es nicht sehr viel war.</p><p>Rand behielt die D�cher im Auge und h�rte nur mit halbem Ohr zu. Er hatte <emphasis>Saidin</emphasis> nicht umarmt, aber er konnte es bei Dashiva und den beiden anderen unmittelbar hinter ihm wahrnehmen. Er versp�rte nicht das Kribbeln, das ihm vermitteln w�rde, da� die Aes Sedai die Quelle umarmten, aber er hatte ihnen auch befohlen, es nicht ohne seine Erlaubnis zu tun. Vielleicht sollte er das �ndern. Sie hielten sich anscheinend an ihren Schwur. Wie konnten sie auch nicht? Sie waren Aes Sedai. Es w�re ungl�cklich, wenn die Klinge eines M�rders ihn erwischte, w�hrend eine der Schwestern zu entscheiden versuchte, ob zu dienen bedeutete, ihn zu retten, oder ob zu gehorchen bedeutete, die Macht nicht zu lenken.</p><p>�Warum lachst du?� wollte Min wissen. Seiera t�nzelte n�her heran, und Min sah l�chelnd zu ihm hoch.</p><p>�Dies ist keine l�cherliche Angelegenheit, mein Lord Drache�, sagte Merana auf seiner anderen Seite bissig. �Die Atha'an Miere k�nnen sehr eigen sein. Jedermann wird heikel, wenn es um ihre Prophezeiungen geht.�</p><p>�Die Welt ist eine lachhafte Angelegenheit�, belehrte er sie. Min lachte mit ihm, aber Merana r�mpfte die Nase und kam sofort aufs Meervolk zur�ck, als er wieder schwieg.</p><p>Am Flu� verliefen die hohen Stadtmauern bis ans Wasser und flankierten graue Steindocks, die sich vom Kai hinaus erstreckten. Flu�schiffe, Boote und Lastk�hne aller Arten und Gr��en waren �berall vert�ut, die Mannschaften an Deck durch den Tumult aufmerksam geworden, und das Schiff, das Rand suchte, lag wartend da, an einem Dock vert�ut, von dem bereits alle Arbeiter fortgeschickt worden waren. Man nannte es ein Gro�boot, ein niedriges, schmales Schiff ohne jegliche Masten, sondern mit nur einer Stange am Bug, vier Schritt hoch und am oberen Ende mit einer Laterne versehen, wie auch das Heck. Fast drei�ig Meter lang und mit ebenso vielen Rudern best�ckt, konnte es nicht die Lasten tragen, die ein Segelschiff derselben Gr��e bef�rdern konnte, aber es war auch nicht vom Wind abh�ngig und konnte bei Niedrigwasser Tag und Nacht fahren, wobei die Ruderer in Schichten arbeiteten. Gro�boote wurden auf den Fl�ssen f�r wichtige und dringliche Ladungen eingesetzt, was angemessen schien.</p><p>Der Kapit�n verbeugte sich wiederholt, als Rand mit Min am Arm und den Aes Sedai und Asha'man auf den Fersen die Laufplanke herabkam. Elver Shaene wirkte in seiner gelben Jacke in murandianischem Stil, die ihm bis auf die Knie hing, �u�erst mager. �Es ist mir eine Ehre, Euch zu Diensten zu sein, mein Lord Drache�, murmelte er, w�hrend er sich mit einem gro�en Taschentuch den kahlen Sch�del abwischte. �Es ist mir eine Ehre. Wirklich eine Ehre. Eine gro�e Ehre.�</p><p>Der Mann h�tte eindeutig lieber giftige Vipern mit seinem Schiff bef�rdert. Er betrachtete blinzelnd die Stolen der Aes Sedai und ihre alterslosen Gesichter und leckte sich �ber die Lippen, w�hrend sein Blick unbehaglich von ihnen zu Rand flackerte. Beim Anblick der Asha'man sank sein Kinn herab, als er ihre schwarzen Jacken mit Ger�chten in Zusammenhang brachte, und er vermied es daraufhin, auch nur in ihre Richtung zu sehen. Shaene beobachtete, wie Dobraine die M�nner mit den Bannern und die Trompeter und die Trommler, die ihre Instrumente schleppten, an Bord f�hrte, und betrachtete dann die das Dock s�umenden Reiter, als hege er den Verdacht, da� auch sie an Bord kommen wollten. Nandera mit zwanzig T�chtern des Speers und Camar mit zwanzig Schwarzaugen, alle mit der um den Kopf geschlungenen <emphasis>Shoufa,</emphasis> wenn auch unverschleiert, veranla�ten den Kapit�n, schnell beiseite zu treten, um die Aes Sedai zwischen sich und sie zu bringen. Die Aiel blickten, wegen des Sekundenbruchteils, den sie verlieren w�rden, wenn sie sich verschleiern m��ten, finster drein, aber das Meervolk wu�te vielleicht, was ein Schleier bedeutete, und es w�re ihnen kaum n�tzlich, wenn sie sich angegriffen f�hlten.</p><p>Das Gro�boot verlie� das Dock, w�hrend die beiden Banner am Bug flatterten, die Trommeln dr�hnten und die Trompeten schmetterten.</p><p>Drau�en auf dem Flu� erschienen Menschen auf den Decks und in der Takelage der Schiffe, um sie zu beobachten. Auch auf dem MeervolkSchiff erschienen auffallend bunt gekleidete Menschen. Die <emphasis>Meerschaum</emphasis> war gr��er als die meisten anderen Schiffe, aber auch schnittiger, mit zwei hohen Masten, die k�hn nach hinten geneigt waren, und rechtwinklig dar�berliegenden Spieren, wo fast alle anderen Schiffe schr�g verlaufende Spieren aufwiesen. Alles an diesem Schiff war anders, aber Rand wu�te, da� die Atha'an Miere allen anderen zumindest in einem gleichen m��ten: Sie konnten entweder aus eigenen St�cken zustimmen, ihm zu folgen, oder dazu gezwungen werden. Die Prophezeiungen besagten, da� er die V�lker aller L�nder vereinen w�rde - �er soll den Norden mit dem Osten verbinden, und der Westen soll mit dem S�den verbunden werden�, hie� es -, und es durfte niemandem gestattet sein, sich ihm zu widersetzen.</p><p>Als er von seinem Badezuber aus Befehle erteilt hatte, konnte er nicht im einzelnen erkl�ren, was er auf der <emphasis>Meerschaum</emphasis> zu erreichen beabsichtigte, so da� er es jetzt nachholte. Es bewirkte bei den Asha'man, wie erwartet, Grinsen - nun, Finn und Narishma grinsten, Dashiva blinzelte wie abwesend - und bei den Aiel, ebenfalls wie erwartet, Stirnrunzeln. Es gefiel ihnen nicht, zur�ckgelassen zu werden.</p><p>Dobraine nickte nur. Aber die Reaktion der Aes Sedai hatte Rand nicht erwartet.</p><p>�Wie Ihr befehlt, mein Lord Drache�, sagte Merana und vollf�hrte einen ihrer fl�chtigen Hofknickse. Die anderen vier wechselten Blicke, aber sie vollf�hrten unmittelbar nach ihr ebenfalls Hofknickse und murmelten ebenfalls �wie Ihr befehlt�. Kein Protest, kein Stirnrunzeln, kein �berheblicher Blick oder Vortrag, warum es auf seine Art geschehen sollte. Konnte er ihnen allm�hlich vertrauen? Oder w�rden sie eine M�glichkeit finden, sich wie bei den Aes Sedai �blich um ihren Schwur zu dr�cken, sobald er ihnen den R�cken kehrte?</p><p>�Sie werden ihr Wort halten�, murmelte Min pl�tzlich, ganz so, als hatte sie seine Gedanken gelesen. Einen Arm bei ihm untergehakt, sprach sie so leise, da� nur er sie h�ren konnte. �Ich habe nur diese f�nf in deiner Hand gesehen�, f�gte sie hinzu, falls er nicht verstand. Er war sich nicht sicher, da� er sich darauf konzentrieren konnte, selbst wenn sie es in einer Vision gesehen hatte.</p><p>Er mu�te nicht lange bitten. Das Gro�boot zog durchs Wasser und hielt ungef�hr zwanzig Schritt vor der weitaus gr��eren <emphasis>Meerschaum</emphasis> an. Die Trommeln und Trompeten schwiegen. Rand lenkte die Macht und bildete aus mit Feuer verwobener Luft eine Br�cke von der Reling des Gro�boots zu der des Meervolk-Schiffes. Er betrat sie mit Min am Arm, wobei er f�r aller Augen au�er denen der Asha'man �ber Nichts ging.</p><p>Er erwartete, zumindest zu Anfang, halbwegs, da� Min z�gern w�rde, aber sie schritt einfach neben ihm aus, als bef�nde sich Stein unter ihren Stiefeln.</p><p>�Ich vertraue dir�, sagte sie ruhig. Au�erdem l�chelte sie, teilweise tr�stend und teilweise, wie er glaubte, weil es sie belustigte, erneut seine Gedanken gelesen zu haben.</p><p>Er fragte sich, wie sehr sie ihm vertrauen w�rde, wenn sie w��te, da� er bestenfalls eine Br�cke dieser L�nge weben konnte. Ein Fu� weiter, und das Ganze h�tte beim ersten Schritt nachgegeben. In diesem Punkt �hnelte dies dem Versuch, sich selbst mit der Macht anzuheben, was unm�glich war. Selbst die Verlorenen wu�ten genausowenig, wie man dies tat, wie sie wu�ten, warum eine Frau eine l�ngere Br�cke weben konnte als ein Mann, selbst wenn sie nicht so stark war wie er. Es war keine Frage des Gewichts. Jegliches Gewicht konnte jede Br�cke �berqueren.</p><p>Rand hielt kurz vor der Reling der <emphasis>Meerschaum</emphasis> mitten in der Luft inne. Trotz aller Beschreibungen Meranas erschrak er �ber den Anblick der ihn beobachtenden Menschen. Dunkle Frauen, M�nner mit blo�em Oberk�rper und bunten Sch�rpen, die bis zu den Knien hinabhingen, Gold- oder Silberketten um H�lse und Ringe in Ohren sowie bei einigen Frauen, die �ber ihren dunklen, bauschigen Hosen kunterbunte Blusen trugen, auch in der Nase. Alle Frauen zeigten ge�bt ausdruckslose Mienen. Vier von ihnen, die ebenso barfu� waren wie die �brigen, trugen bunte Seidenstoffe, Zwei von ihnen trugen Brokat und wiesen auch mehr Halsketten und Ohrringe auf als alle anderen, und von einem Ohrring zu einem Ring in einem Nasenfl�gel war eine Kette mit Goldmedaillons gespannt. Sie sagten nichts, sondern standen nur zusammen, beobachteten ihn und schnupperten an kleinen, durchbrochenen goldenen Dosen, die von Ketten um ihren Hals herabhingen. Er stellte sich ihnen vor.</p><p>�Ich bin der Wiedergeborene Drache. Ich bin der Coramoor.�</p><p>Ein vereintes Seufzen lief durch die Besatzung, das die vier Frauen jedoch nicht einschlo�.</p><p>�Ich bin Harine din Togara Zwei Winde, Herrin der Wogen des Clans Shodein�, verk�ndete diejenige mit den meisten Ohrringen, eine h�bsche Frau mit vollen Lippen in rotem Brokat, die f�nf breite kleine Goldringe in jedem Ohr trug. Wei�e Str�hnen zeigten sich in ihrem glatten schwarzen Haar und feine Falten in ihren Augenwinkeln. Sie strahlte eine eindrucksvolle W�rde aus. �Ich spreche f�r die Herrin der Schiffe. Der Coramoor mag an Bord kommen, wenn es dem Licht gef�llt.� Sie zuckte aus einem unbestimmten Grund zusammen, ebenso wie die drei anderen, aber ihre Worte hatten dennoch wie eine Erlaubnis geklungen. Rand betrat mit Min am Arm das Deck und w�nschte, er h�tte nicht gewartet.</p><p>Er lie� die Br�cke und auch <emphasis>Saidin</emphasis> los, sp�rte aber, da� sie augenblicklich durch eine neue Br�cke ersetzt wurde. Kurz nacheinander gelangten die Asha'man und die Aes Sedai zu ihm, wobei die Schwestern nicht nerv�ser waren, als Min es gewesen war, obwohl vielleicht eine oder zwei ihre R�cke ein wenig ausgiebiger gl�tteten als n�tig. Sie f�hlten sich in Gegenwart der Asha'man noch immer nicht so wohl, wie sie vorgaben.</p><p>Die vier Meervolk-Frauen warfen einen Blick auf die Aes Sedai und schlossen sich dann sofort fl�sternd zusammen. Harine und eine junge h�bsche Frau in gr�nern Brokat mit insgesamt acht Ohrringen sprachen eifrig, w�hrend die beiden Frauen in einfacher Seide nur gelegentlich etwas einwarfen.</p><p>Merana hustete leise und fl�sterte hinter vorgehaltener Hand: �Ich h�rte, da� sie Euch den Coramoor nannte. Die Atha'an Miere sind gute Unterh�ndler, wie ich geh�rt habe, aber ich denke, sie hat damit etwas verraten.� Rand nickte und schaute zu Min hinab. Sie betrachtete die Meervolk-Frauen blinzelnd, aber sobald sie seinen Blick bemerkte, sch�ttelte sie wehm�tig den Kopf. Sie sah noch nichts, was ihm helfen k�nnte.</p><p>Harine wandte sich so ruhig um, als h�tte es niemals eine eilige Besprechung gegeben. �Dies ist Shalon din Togara Morgengezeiten, Windsucherin des Clans Shodein�, sagte sie mit einer knappen Verbeugung in Richtung der Frau in gr�nem Brokat, �und dies ist Derah din Selaan Steigende Woge, Segelherrin der <emphasis>Meerschaum.�</emphasis> Beide Frauen verneigten sich bei Nennung ihres Namens kurz und legten die Finger an die Lippen.</p><p>Derah, eine h�bsche Frau in mittlerem Alter, trug einfaches Blau und ebenfalls acht Ohrringe, obwohl ihr Nasenring und die Verbindungskette edler waren als Harines oder Shalons. �Mein Schiff hei�t Euch willkommen�, sagte Derah, �und die Gnade des Lichts soll Euch zuteil werden, bis ihr uns wieder verla�t.� Sie verbeugte sich kurz in Richtung der vierten Frau in Gelb. �Dies ist Taval din Chanai Neun M�wen, Windsucherin der <emphasis>Meerschaum.�</emphasis> Nur drei Ringe hingen von je einem Ohr Tavals, edel wie jene der Segelherrin. Sie wirkte j�nger als Shalon, nicht �lter als er selbst.</p><p>Harine ergriff erneut das Wort und deutete auf das erhobene Heck des Schiffes. �Wir werden uns in meiner Kabine unterhalten, wenn es Euch recht ist. Ein Wogent�nzer ist kein gro�es Schiff, Rand al'Thor, und die Kabine ist entsprechend klein. Wenn Ihr allein mitkommen wollt, garantieren alle anderen hier f�r Eure Sicherheit.� Vom Coramoor zum einfachen Rand al'Thor. Sie w�rde wenn m�glich zur�cknehmen, was sie gegeben hatte.</p><p>Er wollte gerade den Mund �ffnen und zustimmen - er h�tte alles getan, um dies hinter sich zu bringen; Harine ging bereits in die angegebene Richtung und bedeutete ihm noch immer, ihr zu folgen, w�hrend die anderen Frauen sie begleiteten -, als Merana sich r�usperte.</p><p>�Die Windsucherinnen k�nnen die Macht lenken�, murmelte sie hastig hinter vorgehaltener Hand. �Ihr solltet zwei Schwestern mit Euch nehmen, sonst denken sie, sie h�tten die Oberhand.�</p><p>Rand runzelte die Stirn. Die Oberhand? <emphasis>Er</emphasis> war immerhin der Wiedergeborene Drache. Dennoch... �Gern, Herrin der Wogen, aber Min geht �berallhin mit.� Er t�tschelte Mins Hand auf seinem Arm - sie hatte ihn keinen Moment losgelassen -, und Harine nickte. Taval hielt bereits die T�r auf, w�hrend Derah eine jener kleinen Verbeugungen vollf�hrte und ihn aufforderte einzutreten.</p><p>�Und Dashiva nat�rlich.� <emphasis>Der</emphasis> Mann zuckte bei Nennung seines Namens zusammen, als h�tte er geschlafen. Aber zumindest blickte er sich nicht mit geweiteten Augen an Deck um wie Flinn und Narishma. Zumindest starrte er nicht die Frauen an. Geschichten erz�hlten von der verlockenden Sch�nheit und Anmut der Meervolk-Frauen, und Rand konnte dies sicherlich best�tigen - sie gingen geschmeidig schwingend, als sollte der n�chste Schritt ein Tanzschritt sein -, aber er hatte die M�nner nicht zum Lieb�ugeln hierher gebracht. �Haltet die Augen offen!� befahl er ihnen barsch. Narishma err�tete, richtete sich j�h auf und pre�te eine Faust auf die Brust. Flinn nickte nur, aber beide schienen jetzt wachsamer. Min schaute aus einem unbestimmten Grund mit zaghaft verzerrtem L�cheln zu ihm auf.</p><p>Harine wirkte schon ein wenig ungeduldiger. Ein Mann in bauschiger gr�ner Seidenhose und einem hinter seiner Sch�rpe steckenden, mit einem Elfenbeinheft versehenen Dolch trat aus der Besatzung hervor. Wei�haariger als Harine trug auch er f�nf breite kleine Ringe in jedem Ohr. Sie winkte ihn noch ungeduldiger zur�ck. �Wenn Ihr mir folgen wollt, Rand al'Thor�, sagte sie.</p><p>�Und nat�rlich�, f�gte Rand wie als Nachgedanken hinzu, �brauche ich Merana und Rafela bei mir.� Er war sich nicht sicher, warum er Rafela erw�hlt hatte - vielleicht weil die rundliche tairenische Schwester die einzige au�er Merana war, die nicht der Gr�nen Ajah angeh�rte -, aber zu seiner �berraschung l�chelte Merana anerkennend. Und Bera nickte, wie auch Faeldrin und Alanna.</p><p>Harine gefiel dies offensichtlich nicht. Sie pre�te unbewu�t die Lippen zusammen. �Wie Ihr wollt�, sagte sie nicht mehr ganz so freundlich wie zuvor.</p><p>Als Rand die Heckkabine betrat, wo alles au�er einigen messingbeschlagenen Kisten in die W�nde eingebaut schien, kam ihm der Gedanke, da� die Frau erreicht hatte, was immer sie wollte, nur weil sie ihn hierher gebracht hatte. Er war gezwungen, vorn�bergebeugt zu stehen, selbst zwischen den Dachsparren oder wie auch immer sie auf einem Schiff genannt wurden. Er hatte mehrere B�cher �ber Schiffe gelesen, aber das wurde in keinem erw�hnt. Der Stuhl, den man ihm am Kopfende eines schmalen Tisches anbot, lie� sich nicht hervorziehen, da er an den Planken befestigt war, und nachdem Min ihm gezeigt hatte, wie man die Stuhllehne l�ste und herausschwang, so da� man sich hinsetzen konnte, stie� er mit den Knien gegen die Unterseite des Tisches. Es gab nur acht St�hle. Harine sa� am entgegengesetzten Ende, mit dem R�cken zu den mit roten L�den versehenen Fenstern der Kabine, ihre Windsucherin zu ihrer Linken, die Herrin der Segel zu ihrer Rechten und Taval daneben. Merana und Rafela nahmen die Pl�tze unterhalb Shalons ein, w�hrend sich Min zu Rands Linken setzte. Dashiva, f�r den kein Platz �briggeblieben war, stellte sich aufrecht neben die T�r, obwohl die Dachsparren fast seinen Kopf streiften. Eine junge Frau in einer hellblauen Bluse mit schmalen Ohrringen brachte gro�e Becher mit schwarzem bitteren Tee.</p><p>�Wir sollten dies hinter uns bringen�, sagte Rand gereizt, sobald die Frau mit dem Tablett wieder verschwunden war. Er lie� seinen Becher nach einem Schluck auf dem Tisch stehen. Er konnte seine Beine nicht ausstrecken. Er ha�te es, in seiner Bewegungsfreiheit eingeschr�nkt zu sein. Erinnerungen daran, gekr�mmt in der Kiste zu sitzen, blitzten in seinem Kopf auf, und er konnte sich nur m�hsam beherrschen. �Der Stein von Tear ist gefallen, die Aiel sind �ber die Drachenmauer gedrungen, alle Vorhersagen Eurer Jendai-Prophezeiung sind erf�llt. Ich bin der Coramoor.�</p><p>Harine l�chelte �ber ihren Becher hinweg, ein k�hles, kaum belustigtes L�cheln. �Vielleicht ist es so, wenn es dem Licht gef�llt, aber ich glaube nicht...�</p><p>�Es <emphasis>ist</emphasis> so�, fauchte Rand trotz eines warnenden Blicks von Merana. Sie ging sogar so weit, ihn mit dem Fu� anzusto�en. Er ignorierte auch das. Die Kabinen w�nde schienen jetzt irgendwie enger. �Was glaubt Ihr nicht, Herrin der Wogen? Da� mir die Aes Sedai dienen? Rafela, Merana.� Er vollf�hrte eine barsche Geste.</p><p>Er wollte von ihnen nur, da� sie zu ihm kamen und es gesehen wurde, aber sie stellten ihre Becher ab, erhoben sich anmutig, traten zu beiden Seiten seines Stuhls - und knieten sich hin. Eine jede nahm eine seiner H�nde in ihre und dr�ckte ihre Lippen auf seinen Handr�cken, genau auf den schimmernden, goldm�hnigen Kopf des Drachen, der sich um seinen Unterarm wand. Es gelang Rand nur m�hsam, seinen Schreck zu verbergen, w�hrend er den Blick nicht von Harine ab wandte. Ihr Gesicht wurde ein wenig fahl.</p><p>�Aes Sedai dienen mir, und das Meervolk wird mir ebenfalls dienen.� Er bedeutete den Schwestern, sich wieder auf ihre Pl�tze zu begeben. Sie wirkten seltsamerweise leicht �berrascht. �Das besagt die Jendai-Prophezeiung. Das Meervolk wird dem Coramoor dienen. <emphasis>Ich</emphasis> bin der Coramoor.�</p><p>�Ja, aber es geht doch um einen Handel.� Das Wort <emphasis>Handel</emphasis> wurde eindeutig betont. �Die Jendai-Prophezeiung besagt, da� Ihr uns den Ruhm bringen werdet und alle Meere der Welt uns geh�ren werden. So wie wir Euch etwas geben, m��t Ihr auch uns etwas geben. Wenn ich den Handel nicht erfolgreich abschlie�e, wird Nesta mich an den Kn�cheln nackt in die Takelage h�ngen und die Ersten Zw�lf des Clans Shodein auffordern, eine neue Herrin der Wogen zu benennen.� Ein Ausdruck �u�ersten Entsetzens stahl sich �ber ihr Gesicht, als diese Worte ihrem Mund entstr�mten, und ihre schwarzen Augen weiteten sich mit jedem Wort vor Unglauben mehr. Ihre Windsucherin starrte sie an, und Derah und Taval bem�hten sich sehr, es ihr nicht gleichzutun, die Blicke starr auf den Tisch geheftet.</p><p>Und pl�tzlich verstand Rand. <emphasis>Ta'veren.</emphasis> Er hatte die Wirkung gesehen, die j�hen Momente, wenn das am wenigsten Wahrscheinliche geschah, weil er in der N�he war, aber er hatte niemals erkannt, was vor sich ging, bevor es vorbei war. Er lockerte seine Beine, so gut es ging, und st�tzte die Arme auf den Tisch. �Die Atha'an Miere werden mir dienen, Harine. So steht es geschrieben.�</p><p>�Ja, wir werden Euch dienen, aber...� Harine erhob sich halbwegs von ihrem Stuhl und versch�ttete ihren Tee. �Was tut Ihr mir an, Aes Sedai?� schrie sie zitternd. �Das ist kein fairer Handel!�</p><p>�Wir tun nichts�, erkl�rte Merana ruhig. Tats�chlich trank sie einen Schluck Tee, ohne zusammenzuzucken.</p><p>�Ihr befindet Euch in Gegenwart des Wiedergeborenen Drachen�, f�gte Rafela hinzu. �Ich glaube, der Coramoor Eurer Prophezeiung fordert Euch auf, ihm zu dienen.� Sie legte einen Finger an eine rundliche Wange. �Ihr sagtet, Ihr spr�chet f�r die Herrin der Schiffe. Bedeutet das, da� Euer Wort f�r die Atha'an Miere bindend ist?�</p><p>�Ja�, fl�sterte Harine rauh und sank auf ihren Stuhl zur�ck. �Was ich sage, ist f�r alle Schiffe und f�r die Herrin der Schiffe selbst bindend.� Es war einer Meervolk-Frau unm�glich zu erblassen, und doch kam sie dem nahe, als sie Rand ansah.</p><p>Er l�chelte Min zuversichtlich an. Zumindest ein Volk w�rde zu ihm kommen, ohne bei jedem Schritt zu k�mpfen oder wie die Aiel zu zerfallen. Vielleicht dachte Min, er wollte ihre Hilfe, den Handel abzuschlie�en, aber vielleicht war es auch das <emphasis>Ta'veren.</emphasis> Sie beugte sich zur Herrin der Wogen. �Ihr werdet f�r das bestraft werden, was heute hier geschieht, Harine, aber nicht so hart, wie ihr vermutlich bef�rchtet. Zumindest werdet Ihr eines Tages die Herrin der Schiffe werden.�</p><p>Harine sah sie stirnrunzelnd an und schaute dann zu ihrer Windsucherin.</p><p>�Sie ist keine Aes Sedai�, sagte Shalon, und Harine schien zwischen Erleichterung und Entt�uschung zu schwanken. Bis Rafela das Wort ergriff.</p><p>�Vor mehreren Jahren h�rte ich Berichte �ber eine Frau mit einer bemerkenswerten F�higkeit, Dinge zu sehen. Seid Ihr diejenige, Min?�</p><p>Min blickte mit verzogenem Gesicht in ihren Becher und nickte dann widerwillig. Sie sagte stets, je mehr Menschen w��ten, was sie zu tun vermochte, desto weniger Gutes bewirke es. Sie schaute seufzend �ber den Tisch zu der Aes Sedai. Rafela nickte nur, aber Merana sah sie mit in einer Maske der Gelassenheit gierigen haselnu�braunen Augen an. Sie erwartete zweifellos, Min so bald wie m�glich in Bedr�ngnis zu bringen und herauszufinden, was dieses Talent war und wie es funktionierte, und Min erwartete es zweifellos ebenfalls. Rand versp�rte Ver�rgerung. Sie h�tte wissen m�ssen, da� er sie davor besch�tzen w�rde, bel�stigt zu werden. Ver�rgerung und Begeisterung, da� er sie zumindest besch�tzen <emphasis>konnte.</emphasis></p><p>�Ihr k�nnt Mins Worten vertrauen, Harine�, sagte Rafela. �Die Berichte, die ich h�rte, besagten, da� ihre Visionen stets in Erf�llung gehen. Und auch wenn sie es vielleicht nicht erkennt, hat sie doch noch etwas anderes gesehen.� Ihr rundes Gesicht neigte sich zu einer Seite, und ein L�chern umspielte ihren Mund. �Wenn Ihr f�r die Geschehnisse hier bestraft werdet, mu� das bedeuten, da� Ihr dem zustimmt, was immer Euer Coramoor will.�</p><p>�Es sei denn, ich stimme nicht zu�, schimpfte Harine. �Wenn ich keinen Handel eingehe...� Sie ballte ihre H�nde auf dem Tisch zu F�usten. Sie hatte bereits zuzugeben, da� sie den Handel abschlie�en mu�te. Sie hatte einger�umt, da� das Meervolk dienen w�rde.</p><p>�Ich verlange nichts Beschwerliches von Euch�, sagte Rand. Er hatte dar�ber nachgedacht, seit er zu kommen beschlossen hatte. �Wenn ich M�nner oder Vorr�te auf Schiffen transportieren will, wird das Meervolk die Schiffe zur Verf�gung stellen. Au�erdem m�chte ich wissen, was in Tarabon und Arad Doman und den umliegenden L�ndern vor sich geht. Eure Schiffe k�nnen - und werden - in Erfahrung bringen, was ich wissen will. Sie legen in Tanchico und Bandar Eban und hundert dazwischenliegenden Fischerd�rfern und St�dtchen an. Sie k�nnen weiter aufs Meer hinaussegeln als die Schiffe aller anderen. Das Meervolk wird im Westen auf dem Aryth-Meer Wache halten. Es gibt ein Volk, die Seanchaner, die jenseits des Aryth-Meers leben und eines Tages kommen werden, um uns zu erobern. Das Meervolk wird es mich wissen lassen, wenn es soweit ist.�</p><p>�Ihr verlangt viel�, murrte Harine verbittert. �Wir wissen von diesen Seanchanern, die anscheinend von den Inseln der Toten kommen, von denen kein Schiff zur�ckkehrt. Einige unserer Schiffe sind ihren Schiffen begegnet. Sie benutzen die Eine Macht als Waffe. Ihr verlangt mehr, als Ihr wi�t, Coramoor.� Dieses Mal hielt sie bei seinem Titel nicht inne. �Etwas B�ses ist auf das Aryth-Meer herabgesunken. Seit vielen Monaten ist keines unserer Schiffe von dort zur�ckgekehrt. Schiffe, die gen Westen segeln, verschwinden.�</p><p>Rand versp�rte ein Fr�steln. Er drehte sein aus einem Teil eines seanchanischen Speers gefertigtes Drachenszepter in H�nden. Konnten die Seanchaner bereits zur�ckgekehrt sein? Sie waren einst, in Falme, vertrieben worden. Die Speerspitze sollte ihn daran erinnern, da� es mehr Feinde auf der Welt gab als diejenigen, die er sehen konnte, aber er war �berzeugt gewesen, da� die Seanchaner Jahre brauchen w�rden, um sich von ihrer Niederlage zu erholen, nachdem sie vom Wiedergeborenen Drachen und den durch das Horn von Valere zur�ckgerufenen toten Helden ins Meer getrieben worden waren. Befand sich das Horn noch in der Wei�en Burg? Er wu�te, da� es dorthin gebracht worden war.</p><p>Pl�tzlich konnte er die Beschr�nkungen der Kabine nicht l�nger ertragen. Er machte sich mit der Verriegelung an der Armlehne seines Stuhls zu schaffen. Sie wollte nicht aufgehen. Er ergriff das glatte Holz und lie� es mit einem heftigen Ruck zersplittern. �Wir sind �bereingekommen, da� mir das Meervolk dienen wird�, sagte er und stie� sich hoch. Die niedrige Decke bewirkte, da� er sich drohend �ber den Tisch beugte. Die Kabine f�hlte sich jetzt noch kleiner an. �Wenn Euer Handel noch mehr umfa�t, werden Merana und Rafela mit Euch dar�ber sprechen.� Er wandte sich, ohne eine Antwort abzuwarten, rasch zur T�r.</p><p>Dort fing Merana ihn ab, ergriff seinen �rmel und sprach schnell und leise auf ihn ein. �Mein Lord Drache, es w�re besser, wenn Ihr bleiben w�rdet. Ihr habt gesehen, was Euer <emphasis>Ta'veren</emphasis> bereits bewirkt hat. Wenn Ihr hierbleibt, wird sie sicherlich offenbaren, was sie zu verbergen versucht, und zustimmen, bevor wir etwas zugestehen.�</p><p>�Ihr geh�rt der Grauen Ajah an�, belehrte er sie barsch. �Verhandelt! Dashiva, kommt mit mir.�</p><p>Auf Deck atmete Rand tief durch. Der wolkenlose Himmel erstreckte sich frei �ber ihm. Frei.</p><p>Es dauerte einen Moment, ehe er Bera und die beiden anderen Schwestern bemerkte, die ihn erwartungsvoll ansahen. Flinn und Narishma taten, was von ihnen erwartet wurde, indem sie mit halbem Auge das Schiff und ansonsten die Ufer beobachteten, die Stadt auf der einen Seite und die erst zur H�lfte wieder aufgebauten Kornspeicher auf der anderen. Auf einem Schiff mitten auf dem Flu� war man angreifbar, wenn einer der Verlorenen zuzuschlagen beschlo�. Andererseits war man �berall in Gefahr.</p><p>Min ergriff seinen Arm, und er zuckte zusammen.</p><p>�Es tut mir leid�, sagte er. �Ich h�tte dich nicht zur�cklassen sollen.�</p><p>�Ist schon gut�, sagte sie lachend. �Merana hat sich bereits an die Arbeit gemacht. Ich glaube, sie will dir Harines beste Bluse besorgen, und ihre zweitbeste vielleicht auch noch. Die Herrin der Wogen wirkt wie ein zwischen zwei Frettchen gefangenes Kaninchen.�</p><p>Rand nickte. Das Meervolk geh�rte ihm, oder beinahe. Welche Bedeutung hatte es, ob sich das Horn von Valere in der Wei�en Burg befand? Er war <emphasis>Ta'veren.</emphasis> Er war der Wiedergeborene Drache und der Coramoor. Die goldene Sonne brannte noch immer kurz vor dem Zenit. �Der Tag ist noch jung, Min.� Er konnte alles tun. �W�rdest du gern sehen, wie ich die Aufst�ndischen niederschlage? Tausend Kronen gegen einen Ku�, da� sie vor Sonnenuntergang mir geh�ren.�</p></section><section><title><p>35</p><p>In den W�ldern</p></title><p>Min sa� im Schneidersitz auf Rands Bett und beobachtete ihn, wie er in Hemds�rmeln seine Jacken in dem gro�en, mit Elfenbein verzierten Schrank durchw�hlte. Wie konnte er in diesem Raum mit all den schwarzen, wuchtigen M�beln schlafen? Ein Teil ihrer Gedanken schweifte wie abwesend umher und ersetzte die M�bel durch einige geschnitzte, goldverzierte St�cke, die sie in Caemlyn gesehen hatte, sowie durch helle Vorh�nge und Bettw�sche, die er als weniger bedr�ckend empfinden w�rde. Seltsam, sie hatte sich niemals zuvor in irgendeiner Weise um M�bel oder Bettw�sche gek�mmert Doch jener Wandteppich, der eine Schlacht darstellte, einen einsamen, von Feinden umgebenen Schwertk�mpfer, der bald �berw�ltigt w�rde - er mu�te mit Bestimmtheit weichen. Aber haupts�chlich betrachtete sie Rand.</p><p>Seine morgenblauen Augen zeigten einen angespannten Ausdruck, und das schneewei�e Hemd lag eng an seinem breiten R�cken an, als er sich anschickte, tief ins Innere des Schranks vorzudringen. Er hatte sehr wohlgestaltete Beine und fabelhafte Waden, die in der dunklen, eng anliegenden Hose �ber den umgeschlagenen Stiefeln gut zu erkennen waren. Manchmal runzelte er die Stirn und fuhr sich mit den Fingern durch sein dunkles, r�tlich schimmerndes Haar. Kein noch so h�ufiges B�rsten konnte es b�ndigen. Es lockte sich stets um die Ohren und im Nacken.</p><p>Sie war keine jener t�richten Frauen, die einem Mann zusammen mit ihrem Herzen auch den Verstand zu F��en legten. Es war nur so, da� ihr das Denken in seiner N�he manchmal ein wenig schwerfiel.</p><p>Jacke um bestickte Seidenjacke wurde hervorgeholt und auf diejenige Jacke, die er auf dem Meervolk-Schiff getragen hatte, auf den Boden geworfen. Konnten die Verhandlungen ohne seine Ta'veren-Gegenwart auch nur halb so gut verlaufen? Wenn sie nur eine wirklich n�tzliche Vision des Meervolks h�tte. Wie immer flackerten f�r sie sichtbar Bilder und farbige Auren um ihn herum, von denen die meisten zu schnell wieder schwanden, um sie zu erkennen, und alle au�er einer im Moment f�r sie bedeutungslos waren. Diese eine Vision kam und ging hundertmal am Tag, und wann immer Mat oder Perrin zugegen waren, umschlo� sie auch diese beiden und manchmal auch noch andere Menschen. Ein gewaltiger Schatten ragte drohend �ber ihm auf und verschluckte Tausende und Abertausende kleiner Lichter wie Gl�hw�rmchen, die sich hinein warfen, um die Dunkelheit zu erf�llen. Heute schienen es zahllose Zehntausende von Gl�hw�rmchen zu sein, aber der Schatten schien auch gr��er. Irgendwie repr�sentierte diese Vision Rands Kampf mit dem Schatten, aber er wollte fast niemals wissen, wie es stand. Nicht da� sie es wirklich h�tte sagen k�nnen, au�er da� der Schatten anscheinend stets mehr oder weniger siegte. Sie seufzte erleichtert, als sie das Bild schwinden sah.</p><p>Ein leichtes Schuldgef�hl lie� sie sich auf der Tagesdecke regen. Sie hatte nicht wirklich gelogen, als er sie gefragt hatte, welche Visionen sie f�r sich behalten hatte. Nicht wirklich. Was n�tzte es, ihm zu sagen, da� er ohne eine Frau, die bereits tot war, fast sicher versagen w�rde? Er wurde einfach zu schnell mutlos.</p><p>Sie mu�te ihn geistig aufrecht halten, ihn ans Lachen erinnern. Nur da�...</p><p>�Ich halte das f�r keine gute Idee, Rand.� Vielleicht war es ein Fehler, das zu sagen. M�nner waren auf vielerlei Arten seltsame Wesen. In einem Moment nahmen sie einen vern�nftigen Rat an, und im n�chsten Augenblick war genau das Gegenteil der Fall. Anscheinend bewu�t das Gegenteil. Aber aus einem unbestimmten Grund empfand sie einen Besch�tzerinstinkt gegen�ber diesem hoch aufragenden Mann, der sie wahrscheinlich mit einer Hand hochheben konnte - ohne die Macht zu lenken.</p><p>�Es ist eine wundervolle Idee�, sagte er und warf eine blaue Jacke mit Silberstickerei hin. �Ich bin <emphasis>Ta'veren,</emphasis> und heute scheint dies eine Ver�nderung zu meinem Nutzen zu bewirken.� Eine gr�ne Jacke mit Goldstickerei wanderte zu Boden.</p><p>�M�chtest du mich nicht lieber wieder tr�sten?�</p><p>Er hielt j�h inne und sah sie mit einer vergessen �ber seinen H�nden liegenden, silberverzierten roten Jacke an. Sie hoffte, da� sie nicht err�tete. Tr�sten. Woher <emphasis>kam</emphasis> dieser Gedanke nur? fragte sie sich insgeheim. Die Tanten, die sie aufgezogen hatten, waren sanfte, freundliche Frauen, aber sie hatten strenge Vorstellungen von anst�ndigem Benehmen. Es hatte ihnen mi�fallen, wenn sie Hosen trug, wenn sie in den St�llen arbeitete - die Arbeit, die sie am liebsten verrichtete, da diese sie in die Nahe der Pferde brachte. Es bestand kein Zweifel wie sie �ber das <emphasis>Tr�sten</emphasis> denken w�rden, von einem Mann, mit dem sie nicht verheiratet war. Wenn sie es jemals herausf�nden, w�rden sie den ganzen Weg von Baerlon hierher reiten, nur um ihr das Fell �ber die Ohren zu ziehen. Und ihm nat�rlich auch.</p><p>�Ich ... ich mu� weitermachen, solange ich sicher bin, da� es noch funktioniert�, sagte er z�gernd und wandte sich dann schnell wieder dem Schrank zu. �Diese wird gen�gen�, rief er aus und zog eine einfache Jacke aus gr�nem Tuch hervor. �Ich wu�te nicht, da� sie hier drinnen war.�</p><p>Es war die Jacke, die er getragen hatte, als sie von den Brunnen von Dumai zur�ckgekehrt waren, und sie konnte seine H�nde bei der Erinnerung zittern sehen. Sie versuchte, sich ungezwungen zu geben, erhob sich, trat zu ihm, legte die Arme um ihn und zerknitterte die Jacke zwischen ihnen, als sie den Kopf an seine Brust lehnte.</p><p>�Ich liebe dich�, sagte sie nur. Sie sp�rte durch sein Hemd die runde, erst halbwegs verheilte Narbe an seiner linken Seite. Sie konnte sich daran erinnern, wie er sie sich zugezogen hatte, als sei es erst gestern gewesen. Es war das erste Mal gewesen, da� sie ihn jemals in den Armen gehalten hatte, w�hrend er bewu�tlos und dem Tode nahe dalag.</p><p>Er pre�te die H�nde auf ihren R�cken, dr�ckte sie fest an sich, nahm ihr den Atem, nahm die H�nde dann aber zu ihrer Entt�uschung wieder fort. Sie glaubte, ihn leise etwas �hnliches wie �nicht gerecht� murmeln zu h�ren. Dachte er ans Meervolk, w�hrend sie ihn umarmte? Er sollte es wirklich tun. Merana war eine Graue, aber es hie�, das Meervolk k�nnte sogar eine Domani zum Schwitzen bringen. Er sollte es tun, aber...</p><p>Sie erwog, ihn zu treten. Er schob sie sanft von sich und zog die Jacke an.</p><p>�Rand�, sagte sie fest, �du kannst nicht sicher sein, da� es �berhaupt wirkt, nur weil es bei Harine so war. Wenn dein <emphasis>Ta'veren</emphasis><emphasis>-Sein</emphasis> immer etwas bewirkte, w�rde dir inzwischen jeder Herrscher zu F��en liegen, und die Wei�m�ntel ebenfalls.�</p><p>�Ich bin der Wiedergeborene Drache�, erwiderte er hochm�tig. �Und heute kann ich alles erreichen.� Er nahm seinen Schwertg�rtel, der jetzt eine einfache Messingschnalle aufwies, und band ihn sich um. Der vergoldete Drache lag auf der Tagesdecke auf dem Bett. Er zog Handschuhe aus d�nnem schwarzen Leder �ber die T�towierungen mit goldm�hnigen K�pfen auf seinen Handr�cken und die in seine Handfl�chen gebrannten Reiher. �Aber ich sehe nicht so aus wie <emphasis>er,</emphasis> nicht wahr?� Er breitete die Arme aus und l�chelte. �Sie werden es erst erkennen, wenn es zu sp�t ist.�</p><p>Sie h�tte beinahe ergeben die H�nde gehoben. �Du siehst auch einem Narren nicht sehr �hnlich.� Und das sollte er so verstehen, wie er es verstehen wollte. Der Dummkopf sah sie fragend an, als sei er sich nicht sicher. �Rand, sobald sie die Aiel sehen, werden sie entweder davonlaufen oder k�mpfen. Wenn du Aes Sedai mitnehmen willst, dann nimm zumindest auch diese Ashaman mit. Ein Pfeil, und du bist tot, ob du nun der Wiedergeborene Drache oder ein Ziegenhirte bist!�</p><p>�Aber ich <emphasis>bin</emphasis> der Wiedergeborene Drache, Min�, sagte er ernst. �Und ein <emphasis>Ta'veren.</emphasis> Wir gehen allein, nur du und ich. Das hei�t, wenn du noch immer mitkommen willst,�</p><p>�Du gehst ohne mich nirgendwohin, Rand al'Thor.� Sie versagte es sich zu erw�hnen, da�, er �ber seine eigenen F��e fallen w�rde, wenn er es t�te. Diese Euphorie war fast genauso schlimm wie die d�stere Trostlosigkeit. �Nandera wird dies nicht gefallen.� Sie wu�te nicht genau, was zwischen ihm und den T�chtern des Speers vorging - offenbar etwas sehr Eigenartiges, nach dem, was sie miterlebt hatte -, aber jegliche Hoffnung darauf, da� ihn das aufhalten k�nnte, verrann, als er wie ein kleiner Junge l�chelte, der seiner Mutter ausweicht.</p><p>�Sie wird es nicht erfahren, Min.� Er zwinkerte sogar! �Ich tue dies stets, und sie erfahren es niemals.�</p><p>Er streckte eine behandschuhte Hand aus und erwartete, da� sie sprang, wenn er rief.</p><p>Sie konnte wirklich nichts anderes tun, als ihre gr�ne Jacke glattzustreichen, ihre Frisur im Standspiegel zu �berpr�fen - und seine Hand zu nehmen. Das Problem war, da� sie nur zu bereit <emphasis>war</emphasis> zu springen, wenn er auch nur einen Finger kr�mmte. Sie wollte daf�r sorgen, da� er es niemals herausfand.</p><p>Im Vorraum bildete er auf der in den Boden eingelassenen, goldenen Aufgehenden Sonne ein Wegetor, und sie lie� sich von ihm hindurch auf einen h�geligen, mit totem Laub bedeckten Waldboden f�hren. Ein Vogel scho� mit aufleuchtenden roten Fl�geln davon. Ein Eichh�rnchen erschien auf einem Ast und beschimpfte sie, wobei es mit dem pelzbesetzten Schwanz mit der wei�en Spitze schlug.</p><p>Dieser Wald �hnelte in keiner Weise den W�ldern, deren sie sich von Baerlon her erinnerte. Es gab nicht viele richtige W�lder in der N�he der Stadt Cairhien. Die meisten B�ume standen vier oder f�nf oder sogar zehn Schritte auseinander. Hohe Lederblattb�ume oder Pinien und noch h�here Eichen und B�ume, die sie nicht kannte, zogen sich �ber die Fl�che hin, auf der sie und Rand standen, und einen H�gel hinauf, der in nur kurzer Entfernung anzusteigen begann. Selbst das Unterholz schien dichter als zu Hause, B�sche und Ranken und Dornstr�ucher breiteten sich unter den B�umen aus. Aber alles war braun und trocken. Sie zog ein spitzenbesetztes Taschentuch aus ihrem �rmel und tupfte sich damit den Schwei� ab, der pl�tzlich ihr Gesicht benetzte.</p><p>�In welche Richtung gehen wir?� fragte sie. Dem Sonnenstand zufolge war �ber den H�gel hinweg Norden, die Richtung, die sie erw�hlen w�rde. Die Stadt sollte ungef�hr sieben oder acht Meilen in dieser Richtung liegen. Mit etwas Gl�ck k�nnten sie den ganzen Weg zur�cklegen, ohne irgend jemandem zu begegnen. Oder noch besser: Rand k�nnte - von ihren hochhackigen Stiefeln und dem Boden sowie von der Hitze einmal abgesehen - beschlie�en, aufzugeben und ein weiteres Wegetor in den Sonnenpalast zur�ck zu er�ffnen. Die Palastr�ume waren hiermit verglichen k�hl.</p><p>Bevor er antworten konnte, verk�ndete knak-kendes Unterholz, da� sich jemand n�herte. Der Reiter, der auf einem langbeinigen grauen Wallach mit reich geschm�cktem Zaumzeug und Z�geln erschien, war eine Cairhienerin, klein und schlank in einem dunkelblauen, fast schwarzen, seidenen Reitgewand mit waagerechten roten, gr�nen und wei�en Schlitzen vom Hals bis unterhalb der Knie. Der Schwei� auf ihrem Gesicht konnte ihre blasse Sch�nheit nicht schm�lern oder ihre Augen weniger als gro�e dunkle Teiche wirken lassen. Ein klarer gr�ner Stein hing an einer d�nnen goldenen, in ihrem in Wellen bis auf die Schultern fallenden, schwarzen Haar befestigten Kette auf ihrer Stirn.</p><p>Min keuchte, jedoch nicht wegen der Armbrust, welche die Frau nachl�ssig mit einer gr�n behandschuhten Hand anhob. Sie war sich einen Moment sicher, da� es Moiraine war. Aber...</p><p>�Ich kann mich nicht erinnern, Euch im Lager gesehen zu haben�, sagte die Frau mit kehliger, fast hitziger Stimme. Moiraines Stimme war kristallklar gewesen. Die Armbrust wurde gesenkt, noch immer recht nachl�ssig, bis sie vollkommen ruhig auf Rands Brust zeigte.</p><p>Er achtete nicht darauf. �Ich dachte, es w�rde mir vielleicht gefallen, einen Blick auf Euer Lager zu werfen�, sagte er mit leichter Verbeugung. �Ihr seid vermutlich Lady Caraline Damodred?� Die schlanke Frau neigte den Kopf und best�tigte den Namen.</p><p>Min seufzte bedauernd, aber nicht so, als h�tte sie wirklich erwartet, Moiraine w�rde lebendig auftauchen. Moiraine war die einzige ihrer Visionen, die niemals versagt hatte. Aber Caraline Damodred selbst, eine der Anf�hrerinnen des Aufstands gegen Rand hier in Cairhien und eine Anw�rterin auf den Sonnenthron... Er mu�te wirklich alle F�den des Musters um sich herum zusammengezogen haben, da� sie erschienen war.</p><p>Lady Caraline hob die Armbrust langsam hoch. Die Sehne verursachte ein lautes Klicken, und der Pfeil mit der breiten Spitze wurde in die Luft geschossen.</p><p>�Ich bezweifle, da� jemand etwas gegen Euch ausrichten k�nnte�, sagte sie und trieb ihren Wallach langsam auf sie zu, �und ich m�chte nicht, da� Ihr Euch von mir bedroht f�hlt.� Sie sah Min an - nur ein Blick von Kopf bis Fu�, obwohl Min sich sicher war, da� alles an ihr registriert wurde -, aber abgesehen davon hielt Lady Caraline ihren Blick auf Rand gerichtet. Sie verhielt ihr Pferd drei Schritte vor ihnen, gerade weit genug entfernt, da� Rand sie zu Fu� nicht erreichen k�nnte, bevor sie ihrem Pferd die Sporen gegeben h�tte. �Ich kann mir nur bei <emphasis>einem</emphasis> grau�ugigen Mann Eurer Gr��e vorstellen, da� er pl�tzlich aus dem Nichts erscheint, es sei denn, Ihr seid wom�glich ein verkleideter Aiel, aber vielleicht werdet Ihr so freundlich sein, Euren Namen zu nennen?�</p><p>�Ich bin der Wiedergeborene Drache�, sagte Rand genauso anma�end, wie er es auch beim Meervolk gewesen war, aber wenn aus dem Muster hervorwirbelndes <emphasis>Ta'veren</emphasis> am Werke war, gab die Reiterin keinen Hinweis darauf.</p><p>Anstatt vom Pferd zu springen und auf die Knie zu sinken, nickte sie nur und sch�rzte die Lippen. �Ich habe viel �ber Euch geh�rt. Ich habe geh�rt. Ihr w�rt zur Burg gegangen, um Euch dem Amyrlin-Sitz zu unterwerfen. Ich habe geh�rt, Ihr wolltet Elayne Trakand den Sonnenthron �bergeben. Man erz�hlt auch, Ihr h�ttet Elayne get�tet, und ihre Mutter.�</p><p>�Ich unterwerfe mich niemandem�, erwiderte Rand scharf. Er blickte so zornig zu ihr auf, da� sie schon dadurch h�tte aus dem Sattel gerissen werden m�ssen. �Elayne befindet sich auf dem Weg nach Caemlyn, um den Thron von Andor einzunehmen, w�hrend wir miteinander sprechen. Danach wird sie auch den Thron von Cairhien besetzen.� Min zuckte zusammen. Mu�te er so hochn�sig klingen? Sie hatte gehofft, er h�tte sich nach dem Meervolk ein wenig beruhigt.</p><p>Lady Caraline legte die Armbrust vor sich �ber den Sattel und fuhr mit einer behandschuhten Hand dar�ber. Vielleicht bedauerte sie den abgeschossenen Pfeil? �Ich k�nnte meine junge Kusine auf dem Thron akzeptieren - zumindest eher sie als manche andere -, aber...� Diese gro�en dunklen Augen, die so lebhaft funkelten, wurden pl�tzlich steinhart. �Aber ich bin mir nicht sicher, da� ich Euch in Cairhien dulden kann, und ich meine damit nicht nur Eure �nderungen der Gesetze und Br�uche. Ihr ... ver�ndert das Schicksal durch Eure blo�e Gegenwart. Seit Eurer Ankunft sterben Menschen bei so absonderlichen Unf�llen, da� niemand es zu glauben vermag. So viele Ehem�nner lassen ihre Frauen im Stich und auch Ehefrauen ihre M�nner, da� niemand jetzt mehr etwas dabei findet. Ihr werdet Cairhien auseinanderrei�en, indem Ihr einfach hierbleibt.�</p><p>�Ausgewogenheit�, fiel Min hastig ein. Rands Gesicht war so d�ster, da� er bereit schien zu explodieren. Vielleicht hatte er doch recht damit gehabt hierherzukommen. Aber es hatte sicherlich keinen Sinn, ihn dieses Treffen durch einen Wutanfall beenden zu lassen. Min lie� niemandem eine Gelegenheit zu sprechen. �Es gibt stets eine Ausgewogenheit von Gut und B�se. So wirkt das Muster. Selbst er kann das nicht �ndern. Wie die Nacht den Tag aufwiegt, wiegt auch das Gute das B�se auf. Seit er gekommen ist, gab es keine einzige Totgeburt mehr in der Stadt, und kein Kind wurde mehr entstellt geboren. Es finden an manchen Tagen mehr Hochzeiten statt als fr�her in einer Woche, und f�r jeden Mann, der an einer Feder erstickt, st�rzt eine Frau drei Stockwerke tief die Treppen hinab und erhebt sich ohne Verletzungen, anstatt sich den Hals zu brechen. Benennt das B�se, und Ihr k�nnt auch auf das Gute deuten. Die Drehung des Rades fordert die Ausgewogenheit, und er vermehrt nur die Chancen dessen, was ohnehin auf nat�rlichem Wege gesch�he.� Pl�tzlich err�tete sie, als sie erkannte, da� beide sie ansahen. Oder eher anstarrten.</p><p>�Ausgewogenheit?� murmelte Rand mit gew�lbten Augenbrauen.</p><p>�Ich habe einige der B�cher von Meister Fei gelesen�, sagte sie leise. Sie wollte nicht, da� jemand glaubte, sie spiele die Philosophin. Lady Caraline blickte l�chelnd auf den Hals ihres Pferdes und spielte mit den Z�geln. Die Frau <emphasis>lachte</emphasis> �ber sie. Sie w�rde ihr schon zeigen, wor�ber sie lachen konnte!</p><p>Pl�tzlich drang ein gro�er schwarzer Wallach krachend durchs Unterholz, geritten von einem Mann mittleren Alters mit kurzgeschnittenem Haar und einem Spitzbart. Trotz seiner gelben tairenischen Jacke, deren dicke �rmel mit Streifen gr�nen Satins besetzt waren, blickten best�rzend h�bsche blaue Augen wie helle, polierte Saphire aus seinem feuchten, dunklen Gesicht. Er war kein besonders gutaussehender Mann, aber die Augen machten seine zu lange Nase wieder wett Er trug eine Armbrust in einer mit einem Panzerhandschuh gesch�tzten Hand und schwang mit der anderen drohend einen Pfeil mit breiter Spitze.</p><p>�Dieser Pfeil verfehlte mich nur um Haaresbreite, Caraline, und er tr�gt Eure Kennzeichnung! Nur weil kein Wild da ist, ist das noch lange kein Grund...� Erst da bemerkte er Rand und Min und senkte seine gespannte Armbrust in ihre Richtung. �Sind dies Verirrte, Caraline, oder habt Ihr Spione aus der Stadt erwischt? Ich hatte niemals geglaubt, da� al'Thor uns weiterhin ungehindert hier verbleiben lassen w�rde.�</p><p>Ein halbes Dutzend weiterer Reiter erschienen hinter ihm, schwitzende M�nner in Jacken mit dicken �rmeln mit Satinstreifen und schwitzende Frauen in Reitgew�ndern mit breiten, dichten Spitzenkragen, alle mit Armbr�sten. Der letzte dieser Reiter hatte noch nicht angehalten, die Pferde stampften und warfen die K�pfe auf, als sich aus einer anderen Richtung doppelt so viele Reiter durch das Unterholz k�mpften und ihre Pferde neben Caraline verhielten, schm�chtige, blasse M�nner und Frauen in dunkler Kleidung mit farbigen Streifen irgendwo unterhalb der Taille, auch sie alle mit Armbr�sten. Diener kamen zu Fu� hinterher und m�hten sich bei der Hitze keuchend ab - die M�nner, die jegliches niedergestreckte Wild tragen und zubereiten w�rden. Es schien unwichtig, da� alle nur ein H�utungsmesser am G�rtel trugen. Min schluckte und tupfte ihre Wangen mit dem Taschentuch unbewu�t ein wenig heftiger ab. Wenn auch nur ein Mensch Rand erkannte, bevor er es bemerkte...</p><p>Lady Caraline z�gerte nicht. �Keine Spione, Darlin�, sagte sie und wandte ihr Pferd den tairenischen Neuank�mmlingen zu. Der Hohe Herr Darlin Sisnera! Jetzt fehlte nur noch Lord Toram Riatin. Min w�nschte, Rands <emphasis>Ta'veren</emphasis> w�rde etwas weniger vollkommen am Muster zerren. �Ein Cousin und seine Frau�, fuhr Caraline fort, �die von Andor gekommen sind, um mich zu besuchen. Darf ich Euch Tomas Trakand - von einem unbedeutenderen Zweig unseres Hauses - und seine Frau Jaisi vorstellen?� Min hatte sie beinahe angestarrt. Die einzige Jaisi, die sie jemals gekannt hatte, war bereits vor ihrem zwanzigsten Lebensjahr eine fade, verbitterte und abgrundtief schlecht gelaunte Versagerin gewesen.</p><p>Darlins Blick schweifte erneut �ber Rand und verweilte dann einen Moment auf Min. Er senkte seine Armbrust und verbeugte sich kaum merklich, wie es einem Hohen Herrn von Tear gegen�ber einer untergeordneten Person geziemte. �Seid willkommen, Lord Tomas. Nur ein tapferer Mann w�rde sich uns unter den gegenw�rtigen Umst�nden anschlie�en. Al'Thor k�nnte die Wilden jeden Tag auf uns loslassen.� Lady Caraline warf ihm einen ver�rgerten Blick <emphasis>zu,</emphasis> den er bewu�t mi�achtete.</p><p>Er bemerkte jedoch, da� Rands Verbeugung ebenso knapp ausfiel wie seine eigene. Er registrierte es und runzelte die Stirn. Eine dunkle h�bsche Frau aus seinem Gefolge murrte leise zornig etwas - sie hatte ein l�ngliches, hartes Gesicht, das Ver�rgerung gewohnt schien -, und ein st�mmiger Bursche in einer gr�nen Jacke mit roten Streifen, der schwitzend die Stirn runzelte, trieb sein Pferd einige Schritt vorw�rts, als wollte er Rand niederreiten.</p><p>�Das Rad webt, wie das Rad es w�nscht�, sagte Rand k�hl, als bemerke er nichts. Der Wiedergeborene Drache war einfach f�r fast jedermann, was er war: Anma�ung in H�chstform. �Nicht vieles geschieht, wie wir es erwarten. Ich h�rte beispielsweise, Ihr w�rt in Tear, in Haddon Mirk.�</p><p>Min w�nschte, sie wagte es, das Wort zu ergreifen, ihm etwas Beschwichtigendes zu sagen. Sie belie� es dabei, seinen Arm zu streicheln.</p><p>Beil�ufig. Eine Ehefrau - jetzt ein Wort, das gut klang - eine Ehefrau, die m��ig ihren Mann t�tschelte. Noch ein gutes Wort. Licht, es war schwer, fair zu sein!</p><p>�Der Hohe Herr Darlin ist mit einigen engen Freunden erst k�rzlich mit dem Gro�boot hierhergekommen, Tomas.� Caralines kehliger Tonfall �nderte sich nicht, aber ihr Wallach t�nzelte pl�tzlich, zweifellos nach einem harten Fersentritt und sie wandte Darlin unter dem Vorwand, das Tier wieder unter Kontrolle bringen zu m�ssen, den R�cken zu, w�hrend sie Rand einen kurzen, warnenden Blick zuwarf. �Also bel�stige den Hohen Herrn nicht, Tomas.�</p><p>�Das macht mir nichts aus, Caraline�, sagte Darlin, w�hrend er die Armbrust an seinen Sattel h�ngte. Er ritt etwas n�her heran und st�tzte einen Arm auf den Knauf seines Sattels. �Ein Mann sollte wissen, worauf er sich einl��t. Ihr habt die Geschichten �ber den zur Burg ziehenden al'Thor vielleicht geh�rt, Tomas. Ich bin gekommen, weil die Aes Sedai vor Monaten mit Vorschl�gen an mich herangetreten sind, die m�glicherweise durchgef�hrt werden, und Eure Cousine unterrichtete mich, da� sie die gleichen Vorschl�ge erhalten hat. Wir dachten, wir k�nnten sie auf den Sonnenthron bringen, bevor Colavaere ihn einnehmen kann. Nun, al'Thor ist kein Narr. Das darf man nicht glauben. Ich vermute, da� er die Burg bravour�s get�uscht hat. Colavaere wurde geh�ngt, er sitzt sicher hinter cairhienischen Mauern - sicherlich ohne Aes Sedai-Halfter, ungeachtet der Ger�chte -, und bis wir eine M�glichkeit finden, uns herauszuwinden, sind wir bereits in seiner Hand und warten darauf, da� er sie zur Faust ballt.�</p><p>�Ein Schiff hat Euch hierhergebracht�, sagte Rand einfach. �Ein Schiff k�nnte Euch wieder fortbringen.� Min erkannte j�h, da� er sanft ihre Hand auf seinem Arm t�tschelte und sie zu tr�sten versuchte!</p><p>Darlin warf verbl�ffenderweise den Kopf zur�ck und lachte. Viele Frauen w�rden f�r diese Augen und das Lachen seine Nase vergessen. �Das ist wahr, Cousin, aber ich habe Eure Cousine gebeten, mich zu heiraten. Sie wird nicht ja oder nein sagen, aber ein Mann kann auch eine m�gliche Ehefrau nicht der Gnade der Aiel �berlassen, und sie wird nicht fortgehen.�</p><p>Caraline Damodred richtete sich im Sattel auf, mit einem kalten Ausdruck auf dem Gesicht, der eine Aes Sedai besch�mt h�tte, aber pl�tzlich flammten rote und wei�e Auren rund um sie und Darlin auf, und Min erkannte es. Die Farben waren anscheinend ohne Bedeutung, aber sie wu�te, da� sie heiraten w�rden - nachdem Caraline ihn fr�hlich an der Nase herumgef�hrt hatte. Und mehr noch - vor ihren Augen erschien pl�tzlich eine Krone auf Darlins Kopf, ein einfaches goldenes Diadem mit einem leicht gebogenen Schwert seitlich �ber der Stirn. Die K�nigskrone, die er eines Tages tragen w�rde, obwohl sie nicht erkennen konnte, die Krone welchen Landes es war. Tear hatte Hohe Herren anstatt eines K�nigs.</p><p>Bild und Auren verschwanden, als Darlin sein Pferd wendete, um Caraline anzusehen. �Heute ist kein Wild aufzusp�ren. Toram ist bereits zum Lager zur�ckgekehrt. Ich schlage vor, da� wir es ihm gleichtun.� Die blauen Augen schweiften schnell �ber die umliegenden B�ume. �Anscheinend haben Euer Cousin und seine Frau ihre Pferde verloren. Sie werden sich in einem unbedachten Moment verirren�, f�gte er in freundlichem Tonfall an Rand gewandt hinzu. Er wu�te sehr gut, da� sie keine Pferde hatten. �Aber gewi� werden Rovair und Ines ihre Pferde abgeben. Ein Spaziergang an der frischen Luft wird ihnen guttun.�</p><p>Der st�mmige Mann in der mit roten Streifen versehenen Jacke schwang sich sofort mit einem kriecherischen L�cheln f�r Darlin und einem erheblich weniger herzlichen, wenn auch genauso schmierigen f�r Rand von seinem gro�en Kastanienbraunen. Die Frau mit dem �rgerlichen Gesichtsausdruck kletterte einen Moment sp�ter steif von ihrer silbergrauen Stute. Sie wirkte nicht erfreut.</p><p>Min auch nicht. �Du willst in ihr Lager gehen?� fl�sterte sie, als Rand sie zu den Pferden f�hrte. �Bist du verr�ckt?� f�gte sie ohne nachzudenken hinzu.</p><p>�Noch nicht�, sagte er leise und ber�hrte mit einer Fingerspitze ihre Nase. �Dank dir wei� ich das.� Und er hob sie schwungvoll auf die Stute, kletterte in den Sattel des Kastanienbraunen und f�hrte das Tier dann neben Darlin.</p><p>Sie lie�en Rovair und Ines, die sich einander ver�rgert ansahen, unter den B�umen zur�ck, w�hrend sie nordwestlich �ber den H�gel ritten. Als sich die beiden hinter den Cairhienern auf den Weg machten, riefen ihnen die Tairener lachend W�nsche zu, da� sie den Spaziergang genie�en sollten.</p><p>Min w�re neben Rand geritten, aber Caraline legte ihr eine Hand auf den Arm und hielt sie hinter den beiden M�nnern zur�ck. �Ich m�chte sehen, was er tut�, erkundigte sich Caraline ruhig. Was wer hat? fragte sich Min. �Ihr seid seine Geliebte?� fragte Caraline.</p><p>�Ja�, erwiderte Min trotzig, sobald sie wieder zu Atem kam. Ihre Wangen brannten. Aber die Frau nickte nur, als w�re es das Nat�rlichste von der Welt. Vielleicht war es das in Cairhien auch.</p><p>Rand und Darlin ritten Knie an Knie unmittelbar vor ihnen, der j�ngere Mann einen halben Kopf gr��er als der �ltere, beide in eine Aura aus Stolz geh�llt. Aber sie unterhielten sich. Es war nicht leicht zuzuh�ren. Sie sprachen leise, und totes Laub raschelte unter den Pferdehufen, und herabgefallene Zweige knackten, was ihre Worte nur allzu h�ufig zus�tzlich d�mpfte. Auch der Schrei eines Falken �ber ihnen oder das Schnattern eines Eichh�rnchens in einem Baum �bert�nten ihre Worte. Dennoch konnte Min einzelne Satzfetzen aufschnappen.</p><p>�Wenn ich das so sagen darf, Tomas�, sagte Darlin einmal, w�hrend sie den ersten H�gel hinabritten, �und ich will, unter dem Licht, nicht respektlos sein - Ihr habt das Gl�ck, eine wundersch�ne Frau zu haben. Wenn das Licht es will, werde ich selbst eine solch wundersch�ne Frau haben.�</p><p>�Warum besprechen sie nichts Wichtiges?� murrte Caraline.</p><p>Min wandte den Kopf, um ein kleines L�cheln zu verbergen. Lady Caraline wirkte nicht halb so verstimmt, wie sie klang. Sie selbst hatte es nie gek�mmert, ob jemand sie f�r h�bsch hielt oder nicht. Nun, bis sie Rand begegnete. Vielleicht war Darlins Nase gar nicht so lang.</p><p>�Ich h�tte ihn das Schwert Callandor dem Stein entnehmen lassen�, sagte Darlin etwas sp�ter, als sie einen sp�rlich bewachsenen Hang hinaufritten, �aber ich konnte nicht tatenlos zusehen, wie er Aiel-Eindringlinge nach Tear brachte.�</p><p>�Ich habe die Prophezeiungen des Drachen gelesen�, sagte Rand, beugte sich auf dem Hals des Kastanienbraunen vor und trieb das Tier vorw�rts. Das Pferd wies edlen Glanz auf, aber nicht mehr Tiefgang als sein Reiter, vermutete Min. �Der Stein mu�te fallen, bevor er Callandor an sich nehmen konnte�, fuhr Rand fort. �Wie ich geh�rt habe, folgen ihm andere tairenische Herren.�</p><p>Darlin schnaubte. �Sie katzbuckeln und lecken ihm die Stiefel! Ich h�tte ihm folgen k�nnen, wenn er das gewollt h�tte, wenn...� Er sch�ttelte seufzend den Kopf. �Zu viele offene Fragen, Tomas. Es gibt in Tear ein Sprichwort: � Jeder Streit kann vergeben werden, aber K�nige vergessen niemals.� Tear wurde seit Artur Falkenfl�gel von keinem K�nig mehr regiert, aber ich glaube, da� der Wiedergeborene Drache einem K�nig sehr �hnlich ist. Nein, er hat mich des Verrats bezichtigt, wie er es nennt und ich mu� weitermachen, wie ich angefangen habe. Wenn es dem Licht gefallt, werde ich Tear noch einmal auf seinem eigenen Land unumschr�nkt erleben, bevor ich sterbe.�</p><p>Es mu�te das Werk des <emphasis>Ta'veren</emphasis> sein, erkannte Min. Der Mann h�tte niemals so mit jemandem gesprochen, dem er zuf�llig begegnet war, auch wenn er vermutlich Caraline Damodreds Cousin war. Aber was dachte Rand? Sie konnte es kaum erwarten, ihm von der Krone zu erz�hlen.</p><p>Als sie den H�gelkamm erreichten, trafen sie pl�tzlich auf eine Ansammlung Speertr�ger, von denen einige verbeulte Brustharnische oder Helme trugen - die meisten aber ohne beides -und sich verbeugten, sobald sie der Gesellschaft ansichtig wurden. Min konnte zu ihrer Linken und Rechten durch die B�ume weitere Gruppen von W�chtern sehen. Unterhalb erstreckte sich das Lager in einem Staubschleier einen fast unbestandenen Hang, das H�geltal entlang und den n�chsten H�gel hinauf. Jedes der wenigen Zelte war gro� und wies das Banner eines Adligen auf, das schlaff an einem Stab �ber der Zeltspitze hing. Fast ebenso viele Pferde standen an Pflockleinen angebunden, wie sich Menschen im Lager befanden, und Tausende von M�nnern und eine Handvoll Frauen schritten zwischen den Herdfeuern und den Wagen einher. Niemand jubelte, als ihre Anf�hrer ins Lager ritten.</p><p>Min betrachtete sie �ber das Taschentuch hinweg, das sie zum Schutz vor dem Staub an ihre Nase pre�te, ohne sich darum zu k�mmern, ob Caraline sah, was sie tat. Entmutigte Gesichter beobachteten ihr Vor�berziehen, und grimmige Gesichter von Menschen, die wu�ten, da� sie in der Falle sa�en. Hier und da ragte der <emphasis>Con</emphasis> eines Hauses starr �ber dem Kopf eines Mannes auf, aber die meisten schienen zu tragen, was immer sie finden konnten, zusammengest�ckelte R�stungsteile, die h�ufig weder zusammenpa�-ten noch gut sa�en. Eine beachtliche Anzahl M�nner jedoch, die f�r Cairhiener zu gro� waren, trugen rote Jacken unter ihren verbeulten Brustpanzern. Min ersp�hte einen fast verborgenen wei�en L�wen auf einem schmutzigen roten �rmel. Darlin konnte auf einem Gro�boot nur wenige Leute mitgenommen haben, vielleicht nicht mehr als seine Jagdgesellschaft. Caraline blickte stur geradeaus, w�hrend sie durch das Lager ritten, aber wann immer sie sich jenen M�nnern in den roten Jacken n�herten, pre�te sie die Lippen zusammen.</p><p>Darlin stieg vor einem riesigen Zelt ab, dem gr��ten, das Min jemals gesehen hatte, gr��er, als sie es sich h�tte vorstellen k�nnen, ein gro�es, rot gestreiftes Oval, das im Sonnenlicht wie Seide schimmerte, mit nicht weniger als vier hohen konischen Spitzen, �ber deren jeder sich die Aufgehende Sonne von Cairhien, Gold auf Blau, in einer milden Brise regte. Harfenkl�nge schwebten durch das Stimmengemurmel heran. Darlin bot Caraline seinen Arm, w�hrend Diener die Pferde davonf�hrten. Nach sehr langem Z�gern legte sie ihre Finger vollkommen ausdruckslos leicht auf sein Handgelenk und lie� sich von ihm ins Zelt geleiten.</p><p>�Meine Gattin?� murmelte Rand l�chelnd und streckte den Arm aus.</p><p>Min r�mpfte die Nase und legte ihre Hand auf seine. Sie h�tte ihn am liebsten geschlagen. Er hatte kein Recht, sich �ber sie lustig zu machen. Er hatte kein Recht, sie hierher zu bringen, <emphasis>Ta'veren</emphasis> oder nicht <emphasis>Ta'veren. E</emphasis><emphasis>r</emphasis> k�nnte hier get�tet werden, verdammter Kerl! Aber k�mmerte es ihn, wenn sie den Rest ihres Lebens um ihn trauernd verbrachte? Sie ber�hrte den gestreiften Zelteingang, w�hrend sie hineingingen, und sch�ttelte daraufhin verwundert den Kopf. Es <emphasis>war</emphasis> Seide. Ein <emphasis>Seidenzelt!</emphasis></p><p>Sie sp�rte, wie Rand erstarrte, sobald sie das Zelt betreten hatten. Darlins und Caralines abgezehrtes Gefolge dr�ngte sich mit unehrlichen Entschuldigungen um sie. Zwischen den vier Hauptzeltstangen standen auf farbenpr�chtigen Teppichen, die als Boden ausgelegt worden waren, lange, unter der Last von Speisen und Getr�nken �chzende Tische, und �berall waren Menschen, cairhienische Adlige in ihrem Putz und einige wenige Soldaten mit vorn rasierten und gepuderten K�pfen, dem edlen Schnitt ihrer Jacken nach eindeutig H�herrangige. Einige Handvoll Barden schlenderten spielend durch die Menge und fielen durch ihre hochm�tige Haltung auf wie auch durch ihre geschnitzten und vergoldeten Harfen. Und doch wurde Mins Blick, wie von der wahren Quelle von Rands Besorgnis, von drei Aes Sedai angezogen, die miteinander sprachen, die der Gr�nen, Braunen und Grauen Ajah angeh�rten, Bilder und Farben blitzten um sie herum auf, aber nichts, was f�r Min einen Sinn ergeben h�tte. Eine Bewegung in der Menge offenbarte eine weitere Aes Sedai, eine Frau mit rundlichem Gesicht. Weitere Bilder, noch mehr aufblitzende Farben, aber Min brauchte nur die mit roten Fransen versehene Stola zu sehen, die �ber drallen Armen lag.</p><p>Rand zog ihre Hand unter seinen Arm und t�tschelte sie. �Mach dir keine Sorgen�, sagte er leise. �Alles verl�uft gut.� Sie h�tte ihn gefragt, was sie hier taten, aber sie bef�rchtete, da� er es ihr sagen k�nnte.</p><p>Darlin und Caraline waren zusammen mit ihren Gefolgsleuten in der Menge verschwunden, aber als ein Diener mit roten, gr�nen und wei�en Streifen an seinen dunklen Manschetten Rand und Min unter Verbeugungen ein Tablett mit Silberbechern darbot, erschien Caraline wieder, w�hrend sie die aufdringlichen Bitten eines abgezehrt erscheinenden Burschen in einer jener roten Jacken abwehrte. Er starrte auf ihren R�cken, als sie einen Becher gew�rzten Wein nahm und den Diener fortwinkte, und Min hielt beim Anblick der Aura, die pl�tzlich mit fast schwarzen Schattierungen um ihn herum aufblitzte, den Atem an.</p><p>�Vertraut diesem Mann nicht, Lady Caraline.� Sie konnte nicht anders. �Er wird jedermann ermorden, der ihm seiner Ansicht nach im Weg ist. Er wird aus Launen heraus t�ten, jedermann t�ten.� Sie bi� die Z�hne zusammen, bevor sie noch mehr sagte.</p><p>Caraline schaute �ber ihre Schulter, woraufhin sich der hagere Mann hastig ab wandte. �Das k�nnte ich mir bei Daved Hanion ohne weiteres vorstellen�, sagte sie verzerrt. �Seine Wei�en L�wen k�mpfen um Gold, nicht um Cairhien, und pl�ndern schlimmer als die Aiel. Andor wurde f�r sie anscheinend zu riskant.� Letzteres �u�erte sie mit einem schelmischen Blick zu Rand. �Toram hat ihm vermutlich viel Gold versprochen, und, soweit ich wei�, auch Besitz.� Sie sah Min an. �Kennt Ihr den Mann, Jaisi?�</p><p>Min sch�ttelte nur den Kopf. Wie sollte sie erkl�ren, was sie �ber Hanion wu�te? Da� seine H�nde von weiterem Rauben und Morden rot gef�rbt sein w�rden, bevor er starb? Wenn sie geahnt h�tte, wann oder wer... Aber sie wu�te nur, da� er es tun w�rde. Eine Vision wurde ohnehin niemals dadurch ver�ndert, da� man davon erz�hlte. Was sie sah, geschah, ungeachtet dessen, wen sie warnte. Manchmal war es, bevor sie es besser gelernt hatte, gerade deswegen geschehen, weil sie jemanden gewarnt hatte.</p><p>�Ich habe von den Wei�en L�wen geh�rt�, sagte Rand kalt. �Sucht unter ihnen nach Schattenfreunden, und Ihr werdet nicht entt�uscht.� Einige von Gaebrils Soldaten waren Wei�e L�wen gewesen. Das wu�te Min, aber kaum mehr, au�er da� Lord Gaebril in Wahrheit Rahvin gewesen war. Es war anzunehmen, da� sich unter Soldaten, die einem der Verlorenen dienten, auch Schattenfreunde befanden.</p><p>�Was ist mit ihm?� Rand deutete mit einer Kopfbewegung auf einen Mann auf der anderen Seite des Zelts, dessen lange dunkle Jacke genauso viele Streifen aufwies wie Caralines Gewand. Er war sehr gro� f�r einen Cairhiener, weniger als einen Kopf kleiner als Rand, und bis auf breite Schultern schlank und auffallend gutaussehend, mit kr�ftigem Kinn und nur einer Spur Grau an den dunklen Schl�fen. Mins Blick wurde jedoch aus einem unbestimmten Grund von seinem Begleiter angezogen, einem mageren kleinen Burschen mit langer Nase und gro�en Ohren in einer roten Seidenjacke, die ihm nicht sehr gut pa�te. Er betastete st�ndig einen gebogenen Dolch an seinem G�rtel, eine auffallende Waffe mit goldener Scheide und einem das Heft kr�nenden, gro�en roten Stein, der das Licht undeutlich einzufangen schien. Sie sah keine Auren um ihn. Er schien ihr vage vertraut. Die beiden M�nner blickten zu ihr und Rand.</p><p>�Das�, fl�sterte Caraline mit angespannter Stimme, �ist Lord Toram Riatin pers�nlich mit seinem st�ndigen Begleiter w�hrend der letzten Zeit, Meister Jeraal Mordeth. Ein abscheulicher kleiner Mann. Sein Blick bewirkt, da� ich mich waschen m�chte. Sie vermitteln mir beide das Gef�hl, unrein zu sein.� Sie blinzelte, �berrascht �ber ihre Worte, aber sie fing sich schnell wieder. Min hatte das Gef�hl, da� nichts Caraline lange aus dem Gleichgewicht brachte. Darin war sie Moiraine sehr �hnlich. �Ich w�re vorsichtig, wenn ich an Eurer Stelle w�re, Cousin Tomas�, fuhr sie fort. �Ihr habt mich vielleicht mit einem Wunder oder dem <emphasis>Ta'veren</emphasis> beeinflu�t - und vielleicht sogar auch Darlin, obwohl ich nicht wei�, wohin das f�hren mag; ich mache keine Versprechungen -, aber Toram ha�t Euch leidenschaftlich. Bevor Mordeth sich ihm anschlo�, war es noch nicht so schlimm, aber seither... Toram w�rde die Stadt sofort angreifen, noch in der Nacht. Wenn Ihr tot w�rt, sagt er, w�rden die Aiel weichen, aber ich glaube, Euch tot zu sehen, ist ihm in Wahrheit inzwischen wichtiger als der Thron,�</p><p>�Mordeth�, sinnierte Rand. Er betrachtete Toram Riatin und den mageren Burschen. �Sein Name ist Padan Fain, und auf seinen Kopf stehen eintausend Goldkronen.�</p><p>Caraline h�tte beinahe ihren Becher fallen lassen. �K�niginnen sind schon f�r weniger ausgel�st worden. Was hat er getan?�</p><p>�Er hat mein Heim verw�stet, weil es mein Heim war.� Rands Gesicht war erstarrt, seine Stimme wie Eis. �Er hat Trollocs veranla�t, meine Freunde zu t�ten, weil sie meine Freunde waren. Er ist ein Schattenfreund ... und ein toter Mann.� Er stie� die letzten Worte durch zusammengebissene Z�hne hervor. Gew�rzter Wein spritzte auf den Teppich, als der Silberbecher in seiner behandschuhten Faust geneigt wurde. Min sp�rte sein Elend, seine Qual, aber sie legte Rand fast flehentlich eine Hand auf die Brust. Wenn er jetzt nachgab und die Macht lenkte, obwohl wer wei� wie viele Aes Sedai in der N�he waren... �Um des Lichts willen - beherrsche dich�, begann sie, als hinter ihr die freundliche Stimme einer Frau erklang.</p><p>�Wollt Ihr mich Eurem gro�en, jungen Freund vorstellen, Caraline?�</p><p>�Nat�rlich, Cadsuane Sedai.� Caraline klang ersch�ttert, aber sie bes�nftigte ihre Stimme, bevor sie ihren zu Besuch erschienenen �Cousin� und seine �Frau� vorstellte. �Aber ich f�rchte, Cairhien ist im Moment kein geeigneter Ort f�r sie�, fuhr sie, wieder vollkommen beherrscht, fort und l�chelte bedauernd, da� sie Rand und Min nicht l�nger bei sich behalten konnte. �Sie haben sich einverstanden erkl�rt, meinem Rat zu folgen und nach Andor zur�ckzukehren.�</p><p>�Tats�chlich?� fragte Cadsuane trocken. Mins Herz sank. Auch wenn Rand nicht von ihr gesprochen hatte, war aus der Art, wie sie ihn ansah, deutlich ersichtlich, da� sie ihn kannte. Winzige goldene V�gel und Monde und Sterne schwangen, als sie den Kopf sch�ttelte. �Die meisten Jungen lernen, ihre Finger nicht mehr in das h�bsche Feuer zu strecken, wenn sie sich das erste Mal verbrannt haben, Tomas. Andere m�ssen geschlagen werden, um zu lernen. Besser ein wunder Hintern als eine verbrannte Hand.�</p><p>�Ihr wi�t, da� ich kein Kind mehr bin�, beschied Rand ihr barsch.</p><p>�Tats�chlich?� Sie betrachtete ihn eindringlich von Kopf bis Fu�. �Nun, anscheinend werde ich bald erkennen, ob Ihr geschlagen werden m��t oder nicht.� Die k�hlen Augen schweiften zu Min und zu Caraline, und dann entschwebte Cadsuane mit einem letzten Blick auf ihre Stola in die Menge.</p><p>Min schluckte den Klo� in ihrer Kehle hinunter und war erfreut, Caraline es ihr, trotz ihrer Selbstbeherrschung, gleichtun zu sehen. Rand -der blinde Narr! - sah der Aes Sedai nach, als wollte er ihr folgen. Dieses Mal legte Caraline eine Hand auf seine Brust.</p><p>�Anscheinend kennt Ihr Cadsuane�, sagte sie leise. �Nehmt Euch vor ihr in acht. Selbst die Schwestern haben gewaltigen Respekt vor ihr.� Caralines kehlige Stimme wurde ernst. �Ich habe keine Ahnung, was heute noch geschehen wird, aber was auch immer es ist, denke ich, da� Ihr aufbrechen solltet, �Cousin Tomas�. Es ist allerh�chste Zeit. Ich werde Pferde bereitstellen lassen...�</p><p>�Ist dies Euer Cousin, Caraline?� fragte die tiefe, vollt�nende Stimme eines Mannes, und Min zuckte wider Willen zusammen.</p><p>Toram Riatin sah aus der N�he noch besser aus als aus der Ferne, da er die starke m�nnliche Sch�nheit und Weltgewandtheit besa�, die Min angezogen h�tte, bevor sie Rand begegnete. Nun, sie fand ihn dennoch anziehend, wenn auch nicht so anziehend wie Rand. Seine festen, l�chelnden Lippen waren recht reizvoll.</p><p>Torams Blick fiel auf Caralines noch immer auf Rands Brust ruhende Hand. �Lady Caraline wird meine Frau werden�, sagte er tr�ge, �Wu�-tet Ihr das?�</p><p>Caralines Wangen r�teten sich zornig. �Wagt es nicht, Toram! Ich habe Euch gesagt, da� ich Euch nicht heiraten werde, und ich werde meine Meinung nicht �ndern!�</p><p>Toram sah Rand l�chelnd an. �Ich glaube, Frauen erkennen niemals, was sie wollen, bis man es ihnen zeigt. Was meint Ihr, Jeraal? Jeraal?� Er sah sich stirnrunzelnd um. Min beobachtete ihn erstaunt. Er sah so gut aus, mit genau der richtigen Art von... Sie w�nschte, sie k�nnte Visionen bewu�t heraufbeschw�ren. Sie wollte zu gerne wissen, was die Zukunft f�r diesen Mann bereithielt.</p><p>�Ich habe Euren Freund in dieser Richtung davoneilen sehen, Toram.� Caraline deutete mit angewidert verzogenem Mund vage in eine Richtung. �Ich denke, Ihr werdet ihn in der N�he der Getr�nke finden, wo er die Schankm�dchen bel�stigt.�</p><p>�Sp�ter, meine Teure.� Er versuchte, ihre Wange zu ber�hren, und wirkte belustigt, als sie zur�ckwich. Er �bertrug seine Belustigung augenblicklich auf Rand - und auf das Schwert an seiner Seite. �H�ttet Ihr Lust auf einen kleinen Wettkampf, Cousin? Ich nenne Euch so, weil wir Cousins sein werden, wenn Caraline erst meine Frau ist. Mit �bungsschwertern nat�rlich.�</p><p>�Gewi� nicht�, erwiderte Caraline lachend. �Er ist ein Junge, Toram, und kann das eine Ende des Schwerts kaum vom anderen unterscheiden. Seine Mutter w�rde mir niemals verzeihen, wenn ich zulie�e ...�</p><p>�Ein Wettkampf�, sagte Rand j�h. �Ich k�nnte vielleicht ebensogut herausfinden, wohin dies f�hrt. Ich nehme die Herausforderung an.�</p></section><section><title><p>36</p><p>Klingen</p></title><p>Min wu�te nicht, ob sie st�hnen oder schreien oder sich hinsetzen und weinen sollte. Caraline sah Rand mit geweiteten Augen an und befand sich anscheinend im gleichen Dilemma.</p><p>Toram rieb sich lachend die H�nde. �H�rt alle zu�, rief er. �Ihr werdet einen Wettkampf sehen. Macht Platz! Macht Platz!� Er scheuchte Leute aus der Zeltmitte zur Seite.</p><p>�Schafhirte�, grollte Min, �du bist nicht einf�ltig. Du besitzt <emphasis>�berhaupt kein</emphasis> Gehirn!�</p><p>�So w�rde ich es nicht ausdr�cken�, sagte Caraline <emphasis>sehr</emphasis> trocken, �aber ich schlage vor, da� Ihr jetzt geht. Welche ... Tricks ... auch immer Ihr anzuwenden gedenkt - in diesem Zelt befinden sich sieben Aes Sedai, von denen vier, die auf ihrem Weg nach Tar Valon k�rzlich aus dem S�den eingetroffen sind, der Roten Ajah angeh�ren. Sollte eine von ihnen auch nur den geringsten Verdacht hegen, f�rchte ich sehr, da� niemals geschehen wird, was sich aus dem heutigen Tag ergeben k�nnte. Also geht jetzt besser.�</p><p>�Ich werde keine ... Tricks ... anwenden.� Rand l�ste seinen Schwertg�rtel und reichte ihn Min. �Wenn ich Euch und Darlin in gewisser Weise beeinflu�t habe, kann ich Toram vielleicht auf andere Art beeinflussen.� Die Menge dr�ngte zur�ck und er�ffnete eine zwanzig Schritt weite Fl�che zwischen zwei der gro�en Zeltmittelstangen. Einige sahen Rand an, und viele stie�en sich in die Rippen und lachten verstohlen. Den Aes Sedai wurden nat�rlich Ehrenpl�tze einger�umt -Cadsuane und ihre beiden Freundinnen auf der einen und vier alterslosen Frauen mit der Stola der Roten Ajah auf der anderen Seite. Cadsuane und ihre Begleiterinnen betrachteten Rand mit offener Mi�billigung und fast so ver�rgert, wie eine Aes Sedai es nur zu zeigen vermochte, aber die Roten Schwestern schienen eher �ber ihre Mitschwestern besorgt. Zumindest gelang es ihnen, obwohl sie einander unmittelbar gegen�ber standen, die Gegenwart jeglicher anderer Schwestern zu vergessen. Niemand konnte so blind sein, ohne sich zu bem�hen.</p><p>�H�rt mir zu, <emphasis>Cousin.�</emphasis> Caralines leise Stimme knisterte fast vor Eindringlichkeit. Sie stand sehr nahe und verrenkte sich fast den Hals, um zu ihm hochzublicken. Sie reichte ihm kaum bis zur Brust, wirkte aber bereit, ihn zu ohrfeigen. �Wenn Ihr keinen Eurer <emphasis>speziellen</emphasis> Tricks anwendet�, fuhr Caraline fort, �kann er Euch, selbst mit �bungsschwertern, ernsthaft verletzen, und er wird es tun. Er mochte es noch nie, wenn jemand anderer anr�hrt, wovon er glaubt, da� es ihm geh�rt, und er hegt den Verdacht, da� jeder h�bsche, junge Mann, der mit mir spricht, mein Geliebter: w�re. Als wir Kinder waren, stie� er einen Freund - einen Freund! - die Treppe hinab und brach ihm das R�ckgrat, weil Derowin sein Pony geritten hatte, ohne ihn zu fragen. Geht, Cousin. Niemand wird Euch daf�r verachten. Niemand erwartet von einem Jungen, sich einem Klingenmeister zu steiler�. Jaisi ... oder wie auch immer Euer wahrer Name lautet ... helft mir, ihn zu �berzeugen!�</p><p>Min �ffnete den Mund, doch Rand legte ihr einen Finger auf die Lippen. �Ich bin, wer ich bin�, sagte er l�chelnd. �Und ich glaube nicht, da� ich vor ihm davonlaufen k�nnte. Er ist also ein Klingenmeister.� Er kn�pfte seine Jacke auf und betrat die freiger�umte Fl�che.</p><p>�Warum m�ssen sie so stur sein, wenn man es am wenigsten will?� fl�sterte Caraline entt�uscht. Min konnte nur zustimmend nicken.</p><p>Toram hatte sich bis auf Hemd und Hose ausgezogen und trug zwei �bungsschwerter bei sich, deren Klingen aus B�ndeln zusammengebundener, d�nner Latten bestanden. Er w�lbte eine Augenbraue, als er Rand mit seiner offenstehenden Jacke sah. �Ihr werdet darin beeintr�chtigt sein, Cousin.� Rand zuckte die Achseln.</p><p>Toram warf Rand ohne Vorwarnung eines der Schwerter zu. Rand fing es am langen Heft aus der Luft auf.</p><p>�Diese Handschuhe werden einen festen Griff um das Schwert verhindern.�</p><p>Rand nahm das Heft in beide H�nde und wandte sich leicht seitw�rts, die Klinge gesenkt und den linken Fu� vorgestellt.</p><p>Toram spreizte die H�nde, als wollte er ausdr�cken, er hatte alles in seiner Macht Stehende getan. �Nun, zumindest wei� er, wie man sich aufstellt�, sagte er lachend und st�rmte beim letzten Wort vorw�rts, wobei er das �bungsschwert mit aller Kraft auf Rands Kopf sausen lie�.</p><p>Zusammengebundene Latten trafen mit lautem Klappern aufeinander. Rand hatte nichts au�er seinem Schwert bewegt. Toram starrte ihn einen Moment an, und Rand erwiderte seinen Blick ruhig. Dann begannen sie zu tanzen.</p><p>Nur so konnte Min diese gleitenden, schwebenden Bewegungen bezeichnen, bei denen die h�lzernen Klingen zuckten und sich wanden. Sie hatte Rand mit den Besten, die er finden konnte, mit dem Schwert �ben sehen, manchmal mit zwei oder drei oder vier M�nnern zugleich, aber das war im Vergleich hierzu nichts gewesen. So wundersch�n und so leicht zu vergessen, da� Blut h�tte flie�en k�nnen, wenn diese Latten Stahl gewesen w�ren. Nur da� keine der Klingen, ob nun aus Stahl oder Latten, Haut ber�hrte.</p><p>Sie t�nzelten vor und zur�ck, umkreisten einander, die Schwerter mal erforschend, mal zuschlagend, w�hrend Rand angriff oder sich verteidigte, und jede Bewegung wurde von jenem lauten Klappern begleitet.</p><p>Caraline ergriff fest Mins Arm, ohne ihren Blick von dem Wettkampf zu wenden. �Er ist also auch ein Klingenmeister�, fl�sterte sie. �Er mu� es sein. Seht ihn Euch an!�</p><p>Min schaute hin und dr�ckte Rands Schwertg�rtel und in der Scheide steckende Klinge, als w�ren sie er. Wundersch�ne Bewegungen, und was auch immer Rand dachte - Toram w�nschte bereits, seine Klinge best�nde aus Stahl. Kalter Zorn brannte auf seinem Gesicht, und er dr�ngte immer h�rter vorw�rts. Dennoch ber�hrte keine der Klingen etwas anderes als die jeweils andere, aber jetzt wich Rand zur�ck und verteidigte sich mit dem Schwert heftig, w�hrend Toram vorw�rts dr�ngte, angriff, die Augen vor eisigem Zorn glitzernd.</p><p>Au�erhalb der freien Fl�che schrie jemand, ein Aufheulen �u�ersten Entsetzens, und pl�tzlich wurde das Zelt aufw�rts gerissen und verschwand in einem den Himmel verh�llenden, dichten Grau. Nebel wogte von allen Seiten heran, von fernen Schreien und Gebr�ll erf�llt. D�nne Nebelschwaden wehten in den von dem Zelt hinterlassenen Leerraum. Alle blickten erstaunt. Fast alle.</p><p>Torams Lattenklinge traf Rand mit dem Ger�usch brechender Knochen an der Seite und warf ihn um. �Ihr seid tot, Cousin�, h�hnte Toram, hob sein Schwert hoch �ber den Kopf, um erneut zuzuschlagen - und erstarrte und sah gebannt zu, wie sich ein Teil des schweren, grauen Nebels �ber ihnen ... verdichtete. Ein Nebeltentakel, was es vielleicht war, ein dicker Arm mit drei Gliedma�en, griff herab, schlo� sich um die st�mmige Rote Schwester und ri� sie in die Luft, bevor jemand die M�glichkeit hatte, sich zu regen.</p><p>Cadsuane �berwand den Schock als erste. Sie hob die Arme, warf ihre Stola zur�ck und ballte die H�nde zu F�usten. Eine Feuerkugel scho� aus beiden Handfl�chen empor und traf den Nebel. �ber ihnen brach j�h etwas in Flammen aus, ein sofort wieder verschwindender, gewaltiger Klumpen, und die Rote Schwester gelangte erneut in Sicht und fiel mit dem Gesicht nach unten nahe der Stelle auf die Teppiche, wo Rand kniete und sich die Seite hielt. Zumindest w�re sie auf dem Gesicht gelandet, wenn ihr Kopf nicht verdreht gewesen w�re, so da� ihre toten Augen in den Nebel hinaufstarrten.</p><p>Jegliche noch im Zelt verbliebene Fassung schwand dahin. Der Schatten hatte Gestalt angenommen. Schreiende Menschen flohen in alle Richtungen und stie�en Tische um, und Adlige dr�ngten sich an Dienern und Diener an Adligen vorbei. Min k�mpfte sich mit F�usten und Ellbogen und Rands Schwert als Kn�ppel zu Rand vor.</p><p>�Bist du verletzt?� fragte sie und half ihm aufzustehen. Sie war �berrascht, Caraline auf seiner anderen Seite zu sehen, die ihm ebenfalls half. Zudem wirkte Caraline �berrascht.</p><p>Er nahm die Hand unter seiner Jacke hervor, und seine Finger waren, dem Licht sei Dank, nicht blutverschmiert. Die so empfindliche, erst halbwegs verheilte Narbe war nicht wieder aufgebrochen. �Ich denke, wir sollten besser gehen�, sagte er und nahm seinen Schwertg�rtel. �Wir m�ssen von hier fort.� Die H�hlung frischer Luft war jetzt merklich kleiner. Fast alle anderen waren geflohen. Drau�en im Nebel stiegen Schreie auf, die meisten j�h unterbrochen, aber stets durch neuerliche Schreie ersetzt.</p><p>�Ich bin einverstanden, Tomas�, sagte Darlin. Das Schwert in der Hand pflanzte er sich, mit dem R�cken zu Caraline, zwischen ihr und dem Nebel auf. �Die Frage ist, in welche Richtung? Und wie weit m�ssen wir fliehen?�</p><p>�Dies ist sein Werk�, spie Toram aus. �Al'Thors Werk.� Er schleuderte sein �bungsschwert zu Boden, stolzierte zu seiner abgelegten Jacke und zog sie ruhig an. Was auch immer er sein mochte - er war kein Feigling. �Jeraal?� rief er in den Nebel, w�hrend er seinen Schwertg�rtel schlo�. �Jeraal, das Licht verdamme Euch, Mann, wo steckt Ihr? Jeraal!� Mordeth - Fain -antwortete nicht, und Toram rief weiter.</p><p>Au�er ihnen waren nur noch Cadsuane und ihre beiden Begleiterinnen geblieben, deren Gesichter einen ruhigen Ausdruck zeigten, deren H�nde aber nerv�s �ber ihre Stolen strichen. Cadsuane selbst wirkte, als wollte sie nur einen Spaziergang machen. �Ich glaube, wir sollten nach Norden gehen�, sagte sie. �In dieser Richtung ist der Hang n�her, und wenn wir hinaufsteigen, k�nnen wir vielleicht einen �berblick �ber das Geschehen gewinnen. H�rt auf zu schreien, Toram! Euer Mann ist entweder tot, oder er kann Euch nicht h�ren.� Toram sah sie an und stellte sein Rufen ein. Cadsuane schien es nicht zu bemerken, und es schien sie auch nicht zu k�mmern, solange er still war. �Also dann nach Norden. Wir drei werden uns allem entgegenstellen, was Euer Stahl nicht bew�ltigen kann.� Sie sah Rand w�hrend dieser Worte an, und er nickte kaum merklich, bevor er seinen G�rtel schlo� und das Schwert zog. Min bem�hte sich um Haltung und wechselte Blicke mit Caraline, deren Augen geweitet waren. Die Aes Sedai wu�te, wer er war, und sie w�rde verhindern, da� sonst noch jemand es erfuhr.</p><p>�Ich w�nschte, wir h�tten unsere Beh�ter nicht in der Stadt zur�ckgelassen�, sagte die schlanke Gelbe Schwester. Winzige Silbergl�ckchen in ihrem dunklen Haar klangen, als sie den Kopf zur�ckwarf. Sie geb�rdete sich fast ebenso herrisch wie Cadsuane, da� man zun�chst nicht bemerkte, wie h�bsch sie war, nur da� diese Kopfbewegung ... nun ... ein wenig gereizt schien. �Ich w�nschte, ich h�tte Roshan bei mir.�</p><p>�Ein Zirkel, Cadsuane?� fragte die Graue. Sie wandte den Kopf hin und her, um in den Nebel zu sp�hen, und wirkte mit ihrer scharfgeschnittenen Nase und den neugierigen Augen dabei wie ein gedrungener Spatz. Kein �ngstlicher Spatz, sondern ein entschieden angriffslustiger. �Sollen wir uns verbinden?�</p><p>�Nein, Niande�, erwiderte Cadsuane seufzend. �Wenn Ihr etwas seht, m��t Ihr in der Lage sein, es unverz�glich anzugreifen. Samitsu, h�rt auf, Euch um Roshan zu sorgen. Wir haben hier drei gute Schwerter, zwei davon mit dem Zeichen des Reihers, wie ich sehe. Sie werden gen�gen.�</p><p>Toram verzog das Gesicht, als er den auf Rands gezogener Klinge eingravierten Reiher sah. Wenn es ein L�cheln sein sollte, enthielt es jedoch keinerlei Heiterkeit. Auch seine gezogene Klinge war mit dem Reiher gekennzeichnet. Darlins Klinge entbehrte dieses Zeichen, aber er sah Rand und sein Schwert absch�tzend an und nickte dann mit tieferem Respekt, als er ihn Tomas Trakand, aus einem niederen Zweig des Hauses, gew�hrt hatte.</p><p>Die grauhaarige Gr�ne hatte eindeutig die F�hrung �bernommen, und sie behielt sie trotz versuchten Widerstands von Darlin bei, der wie viele Tairener Aes Sedai anscheinend nicht sehr mochte, und von Toram, der einfach jedermann zu verabscheuen schien, der au�er ihm Befehle gab. Das gleiche galt im �brigen f�r Caraline, aber Cadsuane ignorierte ihr Stirnrunzeln ebenso gr�ndlich wie die ge�u�erten Beschwerden der M�nner. Anders als diese, schien Caraline zu erkennen, da� Beschwerden nichts n�tzen w�rden. Und Rand lie� sich - Wunder �ber Wunder - sanftm�tig zu Cadsuanes Rechten aufstellen, als sie rasch alle anwies. Nun, nicht wirklich sanftm�tig - er sah sie von oben herab auf eine Art an, die Min, wenn sie an Cadsuanes Stelle gewesen w�re, dazu veranla�t h�tte, ihn zu schlagen; Cadsuane sch�ttelte jedoch nur den Kopf und murmelte etwas, das ihn err�ten lie� -, aber er hielt zumindest den Mund. In dem Moment erwartete Min halbwegs, da� er seine wahre Identit�t preisgeben w�rde. Und sie erwartete beinahe, da� der Nebel aus Angst vor dem Wiedergeborenen Drachen verschwinden w�rde. Rand l�chelte ihr zu, als sei Nebel bei diesem Wetter vollkommen normal, selbst ein Nebel, der Zelte und Menschen fortri�.</p><p>Sie bewegten sich in dem dichten Dunst in der Formation eines sechszackigen Sterns, Cadsuane an einer Spitze, je eine Aes Sedai an jeweils zwei anderen und je ein Mann mit einem Schwert an den drei �brigen Spitzen. Toram protestierte nat�rlich lauthals dagegen, die Nachhut bilden zu sollen, bis Cadsuane etwas von der Ehre der Nachhut murmelte. Das stellte ihn ruhig. Min hatte keinerlei Einw�nde gegen ihre Position mit Caraline in der Mitte des Sterns. Sie hielt in beiden H�nden einen Dolch und fragte sich, ob sie von Nutzen sein w�rden. Es erleichterte sie gewisserma�en, den Dolch in Caralines Faust zittern zu sehen. Zumindest ihre H�nde waren ruhig. Andererseits, dachte sie, hatte sie vielleicht zu gro�e Angst, um zu zittern.</p><p>Der Nebel verbreitete winterliche K�lte. Graue Nebelschwaden schlossen sich umherwirbelnd um sie, so schwer, da� es schwierig war, die anderen deutlich zu sehen. H�ren konnte man jedoch nur allzu gut. Schreie hallten durch die Undurchdringlichkeit heran, das Aufschreien von M�nnern und Frauen und das Wiehern von Pferden. Der Nebel schien die schrecklichen Laute zu d�mpfen, lie� sie hohl klingen, so da� sie dankenswerterweise fern schienen. Vor ihnen wurde der Nebel dichter, aber pl�tzlich schossen Feuerkugeln aus Cadsuanes H�nden und zischten durch das eisige Grau, so da� der Nebel in ein einziges, br�llendes Flammenmeer ausbrach. Br�llen hinter ihnen und vor dem Nebel aufscheinendes Licht wie Blitze vor Wolken zeugten davon, da� auch die beiden anderen Schwestern am Werk waren. Min versp�rte nicht den Wunsch zur�ckzublicken. Was sie vor sich sah, gen�gte vollkommen.</p><p>Sie zogen an niedergetretenen, halbwegs von grauem Dunst verborgenen Zelten und an K�rpern oder K�rperteilen vorbei, die vom Nebel kaum verh�llt wurden. Ein Bein. Ein Arm. Der Oberk�rper eines Mannes. Einmal der Kopf einer Frau, der sie von der Ecke eines umgest�rzten Wagens anzugrinsen schien. Die Landschaft begann immer steiler anzusteigen. Min sah die ersten Lebenden neben ihnen und w�nschte, sie h�tte sie nicht gesehen. Ein Mann, der eine der roten Jacken trug, stolperte auf sie zu und winkte schwach mit dem linken Arm. Der andere Arm war fort, und nasse wei�e Knochen waren zu sehen, wo die rechte Gesichtsh�lfte gewesen war. Etwas, das wie Worte klang, drang durch seine Z�hne hervor, und er brach zusammen. Samitsu kniete sich kurz neben ihn und legte einen Finger an die blutigen �berreste seiner Stirn. Als sie sich wieder erhob, sch�ttelte sie den Kopf, und sie zogen weiter. Es ging best�ndig aufw�rts, bis Min sich zu fragen begann, ob sie einen Berg anstatt einen H�gel erklommen.</p><p>Unmittelbar vor Darlin nahm der Nebel j�h Gestalt an, eine mannshohe Erscheinung, die aber nur aus Tentakeln und g�hnenden Schl�nden voller scharfer Z�hne bestand. Der Hohe Herr war vielleicht kein Schwertmeister, aber er war auch nicht langsam. Seine Klinge schnitt mitten durch die sich noch immer bildende Gestalt, vollf�hrte eine Drehung und schlitzte sie dann von oben bis unten auf. Vier Nebelwolken, dichter als der umgebende Dunst, sanken zu Boden. �Nun�, sagte er, �zumindest wissen wir jetzt, da� Stahl diese ... Wesen zerschneiden kann.�</p><p>Aber die dicken Nebelklumpen verschmolzen miteinander und begannen erneut aufzusteigen.</p><p>Cadsuane streckte eine Hand aus. Feuertropfen fielen von ihren Fingerspitzen, und ein heller Flammenblitz verbrannte den sich verdichtenden Nebel. �Aber anscheinend nur zerschneiden�, murmelte sie.</p><p>Rechts vor ihnen erschien in dem umherwirbelnden Grau pl�tzlich eine Frau, die Seidenr�k-ke im Lauf gerafft, und fiel halbwegs den H�gel herab auf sie zu. �Dem Licht sei Dank!� rief sie. �Dem Licht sei Dank! Ich dachte, ich w�re allein!� Unmittelbar hinter ihr zog sich der Nebel zusammen, ein nur aus Z�hnen und Klauen bestehender Alptraum, und ragte �ber ihr auf. Min war sich sicher, da� Rand gewartet h�tte, wenn sie ein Mann gewesen w�re.</p><p>Er hob die Hand, bevor Cadsuane sich regen konnte, und ein Balken von fl�ssigem wei�em Feuer, das heller als die Sonne war, scho� �ber den Kopf der Frau hinweg. Das Wesen verschwand einfach. Einen Moment war an seiner Stelle klare Luft zu sehen wie auch entlang der Linie, die der Balken gebrannt hatte, bis sich der Nebel wieder zu verdichten begann. Die Frau war einen Moment am Fleck erstarrt. Dann wandte sie sich aus voller Kehle schreiend um und lief vor ihnen davon, noch immer h�gelabw�rts, floh vor dem, was sie mehr f�rchtete als Alptr�ume im Nebel.</p><p>�Ihr!� br�llte Toram so laut, da� Min mit erhobenen Dolchen zu ihm herumfuhr. Er stand mit auf Rand gerichteter Schwertspitze da. �Ihr seid er! Ich hatte recht! Dies ist Euer Werk! Ihr werdet mich nicht fangen, al'Thor!� Er setzte sich pl�tzlich seitw�rts ab und kletterte panisch den H�gel hinauf. �Ihr werdet mich nicht fangen!�</p><p>�Kommt zur�ck!� rief Darlin ihm nach. �Wir m�ssen zusammenbleiben! Wir m�ssen...� Er brach ab und sah Rand an. �Ihr <emphasis>seid</emphasis> al'Thor. Das Licht verdamme mich, Ihr seid es!� Er vollf�hrte eine halbherzige Bewegung, als wollte er sich zwischen Rand und Caraline stellen, aber zumindest lief er nicht davon.</p><p>Cadsuane ging ruhig am Hang entlang zu Rand, und schlug ihm so fest ins Gesicht, da� sein Kopf zur Seite ruckte. Min hielt entsetzt den Atem an. �Das werdet Ihr nicht wieder tun�, sagte Cadsuane. Ihre Stimme klang nicht zornig, nur eisenhart. �H�rt Ihr mich? Kein Baalsfeuer. Niemals wieder.�</p><p>Rand rieb sich �berrascht die Wange. �Ihr hattet unrecht, Cadsuane. Er ist echt. Ich bin mir dessen sicher. Ich wei�, da� er real ist.� Noch �berraschender war, da� er klang, als wollte er sie nur zu gern �berzeugen.</p><p>Mins Herz flog ihm zu. Er hatte erw�hnt, Stimmen zu h�ren. Das mu�te er meinen. Sie hob ihre rechte Hand in seine Richtung, verga� f�r einen Moment, da� sie einen Dolch hielt, und �ffnete den Mund, um ihn zu tr�sten. Obwohl sie sich keineswegs sicher war, da� sie dieses besondere Wort jemals wieder in harmlosem Sinn gebrauchen k�nnte. Sie �ffnete den Mund -und Padan Fain schien aus den Nebeln hinter Rand zu springen, w�hrend Stahl in seiner Faust glitzerte.</p><p>�Hinter dir!� schrie Min und gestikulierte mit dem Dolch in ihrer ausgestreckten Hand, w�hrend sie den Dolch in ihrer linken warf. Alles schien gleichzeitig zu geschehen, im frostigen Nebel nur halbwegs erkennbar.</p><p>Rand wandte sich um und drehte sich, und Fain drehte sich ebenfalls, um auf ihn zuzuspringen. Durch diese Drehung verfehlte Mins Dolch sein Ziel, aber Fains Dolch traf Rand in die linke Seite. Er schien fast nur seine Jacke zu zerschneiden, und doch schrie Rand auf. Er schrie auf - ein Laut, bei dem sich Min das Herz zusammenzog -, umklammerte seine Seite, fiel gegen Cadsuane, klammerte sich an sie, um sich aufrecht zu halten, und zog sie mit zu Boden.</p><p>�Geht mir aus dem Weg!� schrie eine der anderen Schwestern - Samitsu, dachte Min -, und pl�tzlich wurden Min die F��e weggerissen. Sie st�hnte, als sie zusammen mit Caraline, die ein atemloses �Blut und Feuer!� fauchte, schwer auf den Hang prallte.</p><p>�Aus dem Weg!� schrie Samitsu erneut, als Darlin mit seinem Schwert auf Fain zusprang. Der knochend�rre Mann bewegte sich mit erschreckender Schnelligkeit, warf sich nieder und rollte aus Darlins Reichweite. Seltsamerweise gackerte er vor Lachen, w�hrend er aufsprang und davonlief und fast augenblicklich von der Undurchdringlichkeit verschluckt wurde.</p><p>Min richtete sich zitternd auf.</p><p>Caraline war weitaus energischer. �Ich sage Euch jetzt Folgendes, Aes Sedai�, begann sie mit kalter Stimme, w�hrend sie heftig ihre R�cke abklopfte. �So lasse ich mich nicht behandeln. Ich bin Caraline Damodred, Hochsitz des Hauses...�</p><p>Min h�rte auf zu lauschen. Cadsuane sa� auf dem Hang �ber ihnen und hielt Rands Kopf auf ihrem Scho�. Es war nur ein Schnitt gewesen. Fains Dolch konnte nicht mehr ber�hrt haben als... Min warf sich mit einem Aufschrei vorw�rts. Aes Sedai oder nicht - sie schob die Frau von Rand fort und barg seinen Kopf in ihren Armen. Seine Augen waren geschlossen, der Atem kam sto�weise, sein Gesicht f�hlte sich hei� an.</p><p>�Helft ihm!� schrie sie Cadsuane wie ein Echo der fernen Schreie im Nebel an. �Helft ihm!� Ein Teil von ihr erkannte, da� es nicht viel Sinn ergab, nachdem sie die Aes Sedai fortgedr�ngt hatte, aber sein Gesicht schien ihre Hand zu verbrennen und ihren Verstand.</p><p>�Samitsu, schnell�, sagte Cadsuane, erhob sich und richtete ihre Stola. �Mein Talent des Heilens gen�gt bei seinem Zustand nicht.� Sie legte eine Hand auf Mins Kopf. �Kind, ich werde den Jungen kaum sterben lassen, solange ich ihm keine Manieren beigebracht habe. H�rt auf zu weinen.�</p><p>Es war seltsam. Min war �berzeugt, da� die Frau bei ihr keine Macht angewandt hatte, und doch glaubte sie ihr. Ihm Manieren beibringen. Das w�rde ein sch�ner Kampf. Sie lie� Rands Kopf los, wenn auch widerwillig, und zog sich auf Knien zur�ck. Sehr seltsam. Sie hatte nicht einmal bemerkt, <emphasis>da�</emphasis> sie geweint hatte, und doch gen�gte Cadsuanes Versicherung, den Tr�nenflu� einzud�mmen. Sie rieb sich mit dem Handballen �ber die Wangen, w�hrend sich Samitsu neben Rand kniete und ihre Fingerspitzen an seine Stirn legte. Min fragte sich, warum sie seinen Kopf nicht in beide H�nde nahm, wie Moiraine es getan hatte.</p><p>Pl�tzlich verkrampfte Rand sich, keuchte und schlug so fest um sich, da� er die Gelbe mit einem Arm umwarf. Sobald sie ihn nicht mehr ber�hrte, beruhigte er sich. Min kroch n�her heran. Er atmete leichter, aber er hatte die Augen noch immer geschlossen. Min ber�hrte seine Wange. Sie war k�hler als zuvor, aber immer noch zu warm. Und bla�.</p><p>�Etwas stimmt nicht�, sagte Samitsu verdrie�lich, w�hrend sie sich aufsetzte. Sie zog Rands Jacke zur Seite und ri� eine gro�e L�cke in sein blutgetr�nktes Hemd.</p><p>Der Schnitt von Fains Dolch, der nicht l�nger als ihre Hand und nicht tief war, verlief genau �ber der alten runden Narbe. Min konnte sogar in dem schwachen Licht erkennen, da� die R�nder des Schnittes angeschwollen und entz�ndet waren, als sei die Wunde tagelang nicht versorgt worden. Sie blutete nicht mehr, aber sie h�tte verschwunden sein sollen. Das bewirkte die Heilung: Wunden schlossen sich unmittelbar vor jedermanns Augen.</p><p>�Dies�, verk�ndete Samitsu in belehrendem Tonfall, wobei sie leicht die Narbe ber�hrte, �erweckt den Anschein einer Zyste, die aber voller B�sem anstatt voller Eiter ist. Und dies...� - Sie strich mit dem Finger die Wunde entlang -, �scheint voll eines anderen �bels.� Pl�tzlich sah sie die �ber ihr stehende Gr�ne stirnrunzelnd an, und ihre Stimme wurde st�rrisch und abwehrend. �Wenn ich die entsprechenden Worte kennen w�rde, Cadsuane, w�rde ich sie gebrauchen. Ich habe noch nie etwas �hnliches gesehen. Niemals. Aber soviel kann ich Euch sagen: Er w�re jetzt bereits tot, wenn ich einen Augenblick langsamer gehandelt h�tte oder Ihr es nicht zuerst versucht h�ttet. Wie es aussieht...� Die Gelbe Schwester schien mit einem Seufzen zusammenzusacken. �Wie es aussieht, glaube ich, da� er dennoch sterben wird.�</p><p>Min sch�ttelte den Kopf, versuchte, die M�glichkeit abzuwehren, aber sie konnte ihre Zunge anscheinend nicht zum Sprechen bewegen. Sie h�rte Caraline ein Gebet sprechen. Die Frau stand da und umklammerte mit beiden H�nden einen von Darlins Jacken�rmeln. Darlin wiederum blickte stirnrunzelnd auf Rand hinab, als versuche er, einen Sinn in dem zu finden, was er sah.</p><p>Cadsuane beugte sich hinab und t�tschelte Samitsus Schulter. �Ihr seid die beste lebende Heilende, vielleicht die beste, die es jemals gegeben hat�, sagte sie ruhig. �Niemand kann sich darin mit Euch messen.� Samitsu stand auf und nickte, und bevor sie sich noch ganz erhoben hatte, zeigte sie bereits wieder die Gelassenheit der Aes Sedai. Cadsuane, die stirnrunzelnd und mit in die H�ften gestemmten H�nden auf Rand hinabsah, zeigte sie nicht. �Pah! Ich werde Euch nicht gestatten zu sterben, Junge�, grollte sie und klang, als w�re es sein Fehler. Dieses Mal ber�hrte sie Mins Kopf nicht sanft, sondern pochte mit dem Kn�chel darauf. �Steht auf, Kind. Ihr seid nicht verz�rtelt - das kann jeder Narr erkennen -, also h�rt auf, es vorzugeben. Darlin, Ihr werdet ihn tragen. Die Verb�nde m�ssen warten. Dieser Nebel verl��t uns nicht, als sollten wir ihn so bald wie m�glich verlassen.�</p><p>Darlin z�gerte. Vielleicht war es Cadsuanes gebieterisches Stirnrunzeln, vielleicht auch die halb zu seinem Gesicht erhobene Hand Caralines, aber er steckte j�h sein Schwert in die Scheide, murmelte leise vor sich hin und hob Rand auf seine Schulter, so da� dessen Arme und Beine herabbaumelten.</p><p>Min nahm die mit dem Reiher versehene Klinge und lie� sie vorsichtig in die an Rands Taille h�ngende Scheide gleiten. �Er wird sie brauchen�, belehrte sie Darlin, und kurz darauf nickte er. Er hatte mit dieser Reaktion Gl�ck. Min hatte all ihr Vertrauen auf die Gr�ne Schwester konzentriert, und sie w�rde nicht zulassen, da� jemand etwas anderes dar�ber dachte.</p><p>�Seid vorsichtig, Darlin�, sagte Caraline mit ihrer kehligen Stimme, nachdem Cadsuane die Marschordnung geregelt hatte. �Achtet darauf, da� Ihr hinter mir bleibt, und ich werde Euch besch�tzen.�</p><p>Darlin lachte, bis er keuchen mu�te, und kicherte noch immer, als sie erneut durch den kalten Nebel und die fernen Schreie aufzusteigen begannen, wobei er in der Mitte eines von den Frauen gebildeten Kreises ging.</p><p>Min erkannte, da� sie nur ein Paar zus�tzliche Augen war, genau wie Caraline auf der anderen Seite von Cadsuane, und sie wu�te, da� der Dolch, den sie gezogen hatte, nichts gegen die Nebelgestalten ausrichten konnte, aber Padan Fain k�nnte dort drau�en noch leben. Sie w�rde ihn nicht wieder verfehlen. Caraline hatte ihren Dolch ebenfalls gezogen, und den Blicken nach zu urteilen, die sie dem unter Rands Gewicht den Berg hinaufstolpernden Darlin �ber die Schulter zuwarf, beabsichtigte sie den Wiedergeborenen Drachen vielleicht ebenfalls zu besch�tzen. Aber andererseits ging es vielleicht auch gar nicht um ihn. Eine Frau konnte f�r dieses Lachen fast alles verzeihen.</p><p>Noch immer bildeten sich Gestalten im Nebel und erstarben durch Feuer, und einmal ri� ein riesiges Unget�m ein Pferd zu ihrer Rechten entzwei, bevor eine Aes Sedai es vernichten konnte. Min zeigte ihre �belkeit danach recht ger�uschvoll und sch�mte sich nicht im geringsten daf�r. Menschen starben, aber zumindest waren diese Menschen aus freien St�cken hierhergekommen. Auch der geringste Soldat h�tte gestern davonlaufen k�nnen, wenn er gewollt h�tte, aber dieses Pferd nicht. Gestalten bildeten sich und wurden vernichtet, und Menschen starben, die scheinbar stets in der Ferne schrien, obwohl sie immer wieder an zerfetztem Aas vor�berstolperten, das vor einer Stunde noch ein Mensch gewesen war. Min fragte sich allm�hlich, ob sie jemals wieder Tageslicht sehen w�rden.</p><p>Mit schockierender Pl�tzlichkeit stolperte sie hinein, einen Moment von Grau umgeben, im n�chsten die golden brennende Sonne an einem blauen Himmel hoch �ber ihr, so hell, da� sie ihre Augen beschatten mu�te.</p><p>Und dort, vielleicht f�nf Meilen �ber fast baumlose H�gel, erhob sich Cairhien massiv und rechtwinklig auf seinen Vorspr�ngen. Irgendwie schien es unwirklich zu sein.</p><p>Sie schaute zum Rand des Nebels zur�ck und erschauderte. Er war eine sich w�lbende Wand, die sich zwischen den B�umen auf dem H�gelkamm erstreckte und viel zu gerade war, ohne Luftwirbel oder Verd�nnungen. Hier einfach nur klare Luft und dort dichtes Grau. Rechts vor ihr wurde der Wipfel eines Baumes sichtbar, und sie erkannte, da� sich der Nebel zur�ckzog, vielleicht von der Sonne fortgebrannt. Aber viel zu langsam, als da� der R�ckzug h�tte nat�rlich sein k�nnen. Die anderen, sogar die Aes Sedai, betrachteten den Nebel genauso gebannt wie sie.</p><p>Zwanzig Schritte zu ihrer Linken kroch pl�tzlich ein Mann auf allen vieren an die frische Luft. Die Vorderseite seines Kopfes war rasiert, und dem besch�digten schwarzen Brustpanzer nach zu urteilen, den er trug, war er ein gew�hnlicher Soldat. Er blickte wild um sich, schien sie �nicht zu sehen und kroch weiterhin, noch immer auf H�nden und Knien, den H�gel hinab. Weiter rechts tauchten im Laufschritt zwei M�nner und eine Frau auf. Die Vorderseite des Gewands der Frau wies farbige Streifen auf, aber es war schwer zu sagen, wie viele, da sie ihre R�cke so hoch wie m�glich gerafft hatte, um schneller laufen zu k�nnen, und sie hielt bei jedem Schritt mit den M�nnern mit. Niemand von ihnen blickte zur Seite, sondern sie st�rmten nur h�gelabw�rts, fielen hin, �berschlugen sich, richteten sich wieder auf und liefen weiter.</p><p>Caraline betrachtete einen Moment die schmale Klinge ihres Dolches und steckte ihn dann mit einer heftigen Bewegung in die Scheide. �So schwindet mein Heer dahin�, seufzte sie.</p><p>Darlin, der noch immer den bewu�tlosen Rand �ber seiner Schulter trug, sah sie an. �In Tear steht ein Heer f�r Euch bereit.�</p><p>Sie betrachtete den leblosen Rand. �Vielleicht�, sagte sie. Darlin wandte den Kopf mit besorgtem Stirnrunzeln Rand zu.</p><p>Cadsuane war ganz um Sachlichkeit bem�ht. �Die Stra�e liegt in dieser Richtung�, sagte sie und deutete nach Westen. �Dort werden wir schneller vorankommen, als wenn wir querfeldein gehen. Ein leichter Spaziergang.�</p><p>Min h�tte es nicht so bezeichnet. Die Sonne brannte nach der K�lte des Nebels auf sie herab. Schwei� lief ihr �ber den K�rper und schien ihr die Kraft zu rauben. Ihre Beine gaben nach. Sie strauchelte �ber freiliegende Wurzeln und fiel flach aufs Gesicht. Sie stolperte �ber Steine und fiel hin. Sie stolperte �ber ihre eigenen F��e und fiel ebenfalls hin. Einmal gehorchten ihr ihre F��e einfach nicht mehr, und sie glitt auf dem Hosenboden gute vierzig Schritt einen H�gel hinab, wild um sich schlagend, bis sie sich an einem jungen Baum festhalten konnte. Caraline fiel genauso oft, wenn nicht h�ufiger, hin. Ihr Gewand war f�r diese Art Fortbewegung nicht geschaffen, und es dauerte nicht lange - nachdem sich ihr Rock nach einem kopf�ber erfolgten Sturz um ihren Kopf schlang -, bis sie Min nach der N�herin fragte, die ihr Jacke und Hose angefertigt hatte. Darlin fiel nicht hin. Oh, er taumelte und stolperte genauso h�ufig wie sie, aber wann immer er im Fallen begriffen war, schien ihn etwas abzufangen und aufrecht zu halten. Zu Beginn sah er die Aes Sedai trotzig an, ganz der stolze tairenische Hohe Herr, der Rand weiterhin ohne jegliche fremde Hilfe tragen w�rde. Cadsuane und die anderen gaben vor, nichts zu merken. Sie fielen niemals hin. Sie schritten einfach den Hang hinab, unterhielten sich leise miteinander und fingen Darlin auf, bevor er st�rzen konnte. Als sie die Stra�e erreichten, wirkte er sowohl dankbar als auch gehetzt.</p><p>Cadsuane, die in Sichtweite des Flusses mitten auf der Stra�e auf der festgetretenen Erde stand, hob eine Hand, um das erste Fahrzeug anzuhalten, das auftauchte, ein von zwei mottenzerfressenen Maultieren gezogener, klappriger Wagen, von einem abgezehrten Bauern in einer geflickten Jacke gelenkt, der jetzt heftig an den Z�geln zog. Wo glaubte der zahnlose Bursche hineingefahren zu sein? Drei alterslose Aes Sedai einschlie�lich ihrer Stolen, die vielleicht einen Augenblick vorher aus einer Kutsche gestiegen waren. Eine schwei�getr�nkte Cairhienerin, den Streifen auf ihrem Gewand nach von hohem Rang - oder vielleicht eine Bettlerin, die sich, dem Zustand des Gewandes nach zu urteilen, in die abgelegten Fetzen einer Adligen gekleidet hatte. Ein offensichtlicher tairenischer Adliger, von dessen Nase und spitzem Bart der Schwei� tropfte und der einen anderen Mann wie einen Getreidesack �ber der Schulter trug. Und sie selbst. Mit an den Knien durchgescheuerter Hose und einem Ri� im Hosenboden, der, dem Licht sei Dank, von ihrer Jacke verdeckt wurde, obwohl ein Jacken�rmel nur noch an wenigen F�den hing. Min wollte nicht wissen, wie schmutzig und staubig sie wirklich war.</p><p>Sie wartete nicht, bis jemand anderes handelte, sondern zog einen Dolch aus dem �rmel - wobei sie die meisten der noch vorhandenen F�den zerri� - und handhabte ihn, wie Thom Merrilin es ihr beigebracht hatte, das Heft durch die Finger schlangelnd, so da� die Klinge in der Sonne aufblitzte. �Wir brauchen eine Fahrt zum Sonnenpalast�, verk�ndete sie, und auch Rand selbst h�tte es nicht besser machen k�nnen. Manchmal ersparte man sich eine Auseinandersetzung, indem man herrisch auftrat.</p><p>�Kind�, sagte Cadsuane tadelnd, �ich bin sicher, da� Kiruna und ihre Freundinnen alles in ihrer Macht Stehende tun w�rden, aber es ist keine Gelbe unter ihnen. Jedoch sind Samitsu und Corele wirklich zwei der Besten, die es jemals gegeben hat. Lady Arilyn hat uns freundlicherweise ihren Stadtpalast �berlassen, so da� wir ihn...�</p><p>�Nein.� Min hatte keine Ahnung, woher sie den Mut nahm, jener Frau gegen�ber dieses Wort zu �u�ern. Es sei denn... Sie sprachen immerhin �ber Rand. �Wenn er aufwacht...� Sie hielt inne, weil sie schlucken mu�te. Er <emphasis>w�rde</emphasis> aufwachen. �Wenn er an einem fremden Ort und erneut von Aes Sedai umgeben aufwacht, wei� ich nicht, was er tun w�rde. Und Ihr wollt es sicher auch nicht wissen.� Sie hielt diesem k�hlen Blick einen langen Augenblick stand, und dann nickte die Aes Sedai.</p><p>�Zum Sonnenpalast�, wies Cadsuane den Bauer an. �Und so schnell, wie Ihr diese Flohs�cke antreiben k�nnt.�</p><p>Es war nat�rlich selbst f�r eine Aes Sedai nicht ganz so einfach. Ander Toi transportierte eine Wagenladung R�ben, die er in der Stadt verkaufen wollte, und hatte nicht die Absicht, auch nur in die N�he des Sonnenpalastes zu gelangen, wo der Wiedergeborene Drache, wie er ihnen erz�hlte, Menschen fra�, die von zehn Fu� gro�en Aielfrauen auf Spie�en gebraten wurden. Er w�rde sich wegen keiner noch so gro�en Anzahl Aes Sedai n�her als eine Meile an den Palast heranwagen. Aber Cadsuane warf ihm eine Geldb�rse zu - seine Augen traten hervor, als er hineinsah - und beschied ihm, sie h�tte soeben seine R�ben gekauft und ihn und seinen Wagen gemietet. Wenn ihm der Gedanke nicht gefiele, k�nne er die Geldb�rse zur�ckgeben. Bei diesen Worten stemmte sie die F�uste in die H�ften und nahm einen Gesichtsausdruck an, der besagte, da� er genausogut seinen Wagen auf der Stelle fressen k�nnte, wenn er die Geldb�rse zur�ckzugeben versuchte. Ander Toi war ein vern�nftiger Mann, wie sich herausstellte. Samitsu und Niande luden den Wagen ab, wobei die R�ben einfach durch die Luft flogen und dann abseits der Stra�e einen kleinen Stapel bildeten. Ihren frostigen Mienen nach zu urteilen, hatten sie niemals erwartet die Eine Macht einmal auf diese Weise benutzen zu m�ssen. Darlin, der noch immer mit Rand �ber den Schultern dastand, war erleichtert, da� sie ihn nicht zu dieser Arbeit aufgefordert hatten. Ander Toi sa� mit weit ge�ffnetem Mund auf dem Kutschbock und betastete die Geldb�rse, als frage er sich, ob das Geld wirklich gen�gte.</p><p>Als sie sich auf der Ladefl�che des Wagens niedergelassen hatten, wobei sie alles Stroh, das unter den R�ben gelegen hatte, als Bettstatt f�r Rand zusammenschoben, sah Cadsuane Min �ber Rand hinweg an. Meister Toi lie� die Z�gel knallen und die Maultiere in �berraschender Geschwindigkeit laufen. Der Wagen schlingerte und holperte entsetzlich, da die R�der nicht nur wackelten, sondern offensichtlich auch nicht rund liefen. Min w�nschte, sie h�tte nur ein wenig Stroh f�r sich bewahrt, und am�sierte sich dar�ber, da� Samitsus und Niandes Gesichter immer angespannter wurden, je l�nger sie durchgesch�ttelt wurden. Caraline l�chelte recht offen �ber sie - der Hochsitz des Hauses Damodred machte sich nicht die M�he, ihr Vergn�gen dar�ber zu verbergen, da� die Aes Sedai einmal unbequem reisen mu�ten. Obwohl sie selbst, da sie sehr schm�chtig war, st�rker durchger�ttelt wurde als sie. Darlin, der sich an der Wagenseite festhielt, schien unbeeindruckt, wie hart er auch ersch�ttert wurde. Er runzelte best�ndig die Stirn und schaute von Caraline zu Rand. Cadsuane k�mmerte es offensichtlich ebenfalls nicht, da� ihre Z�hne aufeinanderschlugen. �Ich erwarte, da� wir vor Einbruch der Nacht eintreffen, Meister Tol�, rief sie, wodurch sie noch st�rker durchgesch�ttelt, wenn auch nicht wesentlich schneller wurden. �Nun erz�hlt mir�, sagte sie an Min gewandt, �was genau beim <emphasis>letzten</emphasis> Mal geschehen ist, als der Junge von Aes Sedai umringt aufwachte.� Ihr Blick suchte Mins und hielt ihn fest.</p><p>Rand wollte das Geschehene nach M�glichkeit so lange wie m�glich geheimhalten. Aber er lag im Sterben, und die einzige Chance, die Min f�r ihn sah, lag bei diesen drei Frauen. Vielleicht w�rde es nichts helfen, aber vielleicht w�rden sie ihn ein wenig besser verstehen, wenn sie es w��ten. �Sie haben ihn in eine Kiste gesperrt�, begann sie.</p><p>Sie war unschl�ssig, wie sie fortfahren sollte, ohne in Tr�nen auszubrechen, aber irgendwie berichtete sie schlie�lich ohne Zittern in der Stimme von den Dem�tigungen und Schl�gen, bis zu dem Moment, als Kiruna und die �brigen vor ihm niederknieten, um ihm Treue zu schw�ren. Darlin und Caraline wirkten benommen. Samitsu und Niande waren entsetzt, wenn auch nicht aus dem von Min vermuteten Grund, wie sich herausstellte.</p><p>�Er ... hat drei Schwestern <emphasis>ged�mpft?�</emphasis> fragte Samitsu schrill. Sie schlug sich j�h eine Hand auf den Mund, drehte sich um, beugte sich �ber die Seitenwand des Wagens und erbrach sich ger�uschvoll. Niande folgte ihr darin auf dem Fu�e.</p><p>Und Cadsuane... Cadsuane ber�hrte Rands bleiches Gesicht und strich ihm eine Haarstr�hne aus der Stirn. �Hab keine Angst, Junge�, sagte sie weich. �Sie haben meine und Eure Aufgabe erschwert, aber ich werde dich nicht st�rker verletzten als n�tig.� Min erstarrte innerlich.</p><p>Die W�chter an den Stadttoren schrien hinter dem vor�berrollenden Wagen her, aber Cadsuane befahl Meister Tol, nicht anzuhalten, woraufhin er die Maultiere noch h�rter antrieb. Die Menschen auf den Stra�en sprangen aus dem Weg, um nicht �berfahren zu werden, und der Wagen lie� Schreie und Fl�che, umgest�rzte S�nften und von der Stra�e abgekommene Kutschen hinter sich. Schlie�lich ging es die breite Rampe zum Sonnenpalast hinauf, aus dem derma�en viele W�chter in Lord Dobraines Farben hervordrangen, als wollten sie ganze Horden der Finsternis bek�mpfen. W�hrend Meister Tol aus voller Kehle schrie, da� die Aes Sedai ihn hierzu gezwungen hatten, erblickten die Soldaten Min. Dann sahen sie Rand. Min hatte geglaubt, sie habe sich schon vorher in einem Wirbelsturm befunden, aber sie hatte sich geirrt.</p><p>Zwei Dutzend M�nner versuchten gleichzeitig, in den Wagen zu greifen und Rand herauszuheben, und jene, denen es gelang, ihn zu erreichen, behandelten ihn so sanft wie einen S�ugling, vier Mann auf jeder Seite, die Arme unter ihn geschoben. Cadsuane mu�te wohl tausendmal wiederholt haben, da� er nicht tot war, w�hrend sie in den Palast und G�nge entlang eilten, die Min l�nger erschienen, als sie sie in Erinnerung hatte, und immer mehr cairhienische Soldaten versammelten sich hinter ihnen. Adlige erschienen in jeder T�r und in jedem Quergang und beobachteten mit blutleeren Gesichtern, wie Rand vor�bergetragen wurde. Min hatte Caraline und Darlin aus den Augen verloren. Sie konnte sich nicht erinnern, sie seit dem Wagen noch gesehen zu haben, w�nschte ihnen Gl�ck und verga� sie. Rand war das einzige, was sie k�mmerte. Das einzige auf der Welt.</p><p>Nandera stand bei den <emphasis>Far Dareis Mai,</emphasis> die die T�ren zu Rands R�umen mit den vergoldeten Aufgehenden Sonnen bewachten. Als die ergrauende Tochter des Speers Rand sah, zerbrach ihre steinerne Aes Sedai-Haltung. �Was ist passiert?� kr�chzte sie mit geweiteten Augen. �Was ist geschehen?� Einige der anderen T�chter des Speers begannen zu wehklagen, leise, die Haare zu Berge stehen lassende Laute.</p><p>�Seid still!� br�llte Cadsuane und schlug heftig die H�nde zusammen. �Ihr, M�dchen. Er mu� ins Bett. Los!� Nandera sprang herbei. Rand wurde entkleidet und im Handumdrehen in sein Bett verbracht, Samitsu und Niande beide in seiner N�he. Die Cairhienerin wurde hinausgescheucht, und Nandera wiederholte an der T�r Cadsuanes Anweisungen, da� Rand von niemandem gest�rt werden d�rfe, was alles so schnell geschah, da� sich Min benommen f�hlte. Sie hoffte, eines Tages die Auseinandersetzung zwischen Cadsuane und der Weisen Frau Sorilea mitzuerleben. Sie mu�te kommen, und sie w�rde denkw�rdig verlaufen.</p><p>Und doch - wenn Cadsuane glaubte, ihre Anweisungen w�rden wirklich jedermann fernhalten, so irrte sie sich. Bevor sie auch nur mit Hilfe der Macht einen Stuhl verr�ckt hatte, um sich neben Rands Bett zu setzen, schritten Kiruna und Bera stolz herein, die Herrscherin eines Hofes und die Herrscherin ihres Bauernhofs.</p><p>�Was habe ich da geh�rt �ber...?� begann Kiruna zornig. Dann sah sie Cadsuane. Und Bera sah Cadsuane. Zu Mins �berraschung blieben sie mit offenen M�ndern stehen.</p><p>�Er ist in guten H�nden�, sagte Cadsuane. �Es sei denn, eine von Euch besitzt pl�tzlich ein st�rkeres Talent des Heilens, als ich es in Erinnerung habe?�</p><p>�Ja, Cadsuane�, sagten sie dem�tig. �Nein, Cadsuane.� Min schlo� ebenfalls den Mund.</p><p>Samitsu r�ckte einen elfenbeinverzierten Stuhl an die Wand, breitete ihre dunkelgelben R�cke aus, setzte sich mit gefalteten H�nden hin und beobachtete, wie sich Rands Brust unter dem Laken hob und senkte. Niande trat zu Rands B�cherregal und w�hlte ein Buch aus, bevor sie sich in die N�he der Fenster setzte. Jetzt zu lesen! Kiruna und Bera wollten sich ebenfalls hinsetzen, blickten aber dann wahrhaftig zu Cadsuane und warteten auf ihr ungeduldiges Nicken, bevor sie sich auch hinsetzten.</p><p>�Warum tut Ihr nichts?� rief Min.</p><p>�Das k�nnte ich auch fragen�, sagte Amys, die gerade den Raum betrat. Die jugendliche, wei�haarige Weise Frau sah einen Moment Rand an, richtete ihre tiefbraune Stola und wandte sich dann an Kiruna und Bera. �Ihr k�nnt gehen�, sagte sie. �Und Kiruna, Sorilea w�nscht Euch erneut zu sehen.�</p><p>Kirunas dunkles Gesicht wurde bla�, aber die beiden erhoben sich, vollf�hrten einen Hofknicks und murmelten noch dem�tiger als zuvor bei Cadsuane: �Ja, Amys�, bevor sie den Raum mit verlegenen Blicken zur Gr�nen Schwester verlie�en.</p><p>�Interessant�, bemerkte Cadsuane, als sie fort waren. Ihre dunklen Augen suchten Amys' blaue Augen, und zumindest Cadsuane gefiel anscheinend, was sie sah. Immerhin l�chelte sie. �Ich w�rde diese Sorilea gern kennenlernen. Ist sie eine starke Frau?� Sie betonte das Wort �stark� besonders.</p><p>�Die st�rkste Frau, die ich jemals erlebt habe�, sagte Amys schlicht. Man h�tte niemals geglaubt, da� Rand bewu�tlos vor ihr lag. �Ich kenne Euer Talent des Heilens nicht, Aes Sedai.</p><p>Ich vertraue darauf, da� Ihr getan habt, was getan werden konnte?� Ihre Stimme klang tonlos. Min hegte Zweifel dar�ber, wie weit Amys' Vertrauen ging.</p><p>�Was getan werden kann, wurde getan�, antwortete Cadsuane seufzend. �Jetzt k�nnen wir nur noch warten.�</p><p>�W�hrend er stirbt?� fragte ein Mann mit barscher Stimme, und Min zuckte zusammen.</p><p>Dashiva betrat mit gefurchter Stirn den Raum. �Flinn!� fauchte er.</p><p>Niandes Buch Bei aus kraftlosen Fingern zu Boden. Sie starrte die drei M�nner in den schwarzen Jacken an wie den Dunklen K�nig selbst. Samitsu murmelte mit bleichem Gesicht etwas, das wie ein Gebet klang.</p><p>Auf Dashivas Befehl hin hinkte der grauhaarige Asha'man zum Bett gegen�ber von Cadsuane und lie� seine H�nde einen Fu� �ber dem Laken entlang Rands noch immer leblosem K�rper gleiten. Der junge Narishma stand stirnrunzelnd an der T�r und betastete das Heft seines Schwerts, w�hrend jene gro�en dunklen Augen alle drei Aes Sedai auf einmal zu beobachten versuchten. Die Aes Sedai und Amys. Er wirkte nicht ver�ngstigt, sondern nur wie ein Mann, der vertrauensvoll darauf wartete, da� sich diese Frauen als seine Feinde erweisen w�rden. Anders als die Aes Sedai ignorierte Amys die Asha'man bis auf Flinn. Ihr Blick folgte ihm, das glatte Gesicht vollkommen unbewegt. Aber sie fuhr auf sehr ausdrucksvolle Art mit dem Daumen am Heft ihres G�rteldolchs entlang.</p><p>�Was tut Ihr?� fragte Samitsu und sprang von ihrem Stuhl auf. Welches Unbehagen auch immer sie gegen�ber den Asha'man hegte - die Sorge um ihren bewu�tlosen Patienten �berwog es. �Ihr, Flinn, oder wer immer Ihr seid.� Sie ging auf das Bett <emphasis>zu,</emphasis> und Narishma eilte heran, um ihr den Weg zu versperren. Sie versuchte stirnrunzelnd, an ihm vorbei zu gelangen, doch er legte ihr eine Hand auf den Arm.</p><p>�Noch ein Junge ohne Manieren�, murmelte Cadsuane. Nur sie schien von den drei Schwestern durch die Asha'man v�llig unbeeindruckt. Sie betrachtete sie sogar �ber ihre zusammengelegten H�nde hinweg.</p><p>Narishma err�tete bei ihrer Bemerkung und zog seine Hand zur�ck, aber als Samitsu erneut um ihn herumzugelangen versuchte, stellte er sich ihr erneut in den Weg.</p><p>Sie beschr�nkte sich darauf, �ber seine Schulter zu blicken. �Ihr, Flinn, was tut Ihr? Ich will nicht, da� Ihr ihn mit Eurer Unkenntnis t�tet! H�rt Ihr mich?� Min tanzte geradezu von einem Fu� auf den anderen. Sie glaubte nicht, da� ein Asha'man Rand t�ten w�rde, nicht absichtlich, aber... Er vertraute ihnen, gewi�... Licht, selbst Amys schien zu zweifeln und blickte stirnrunzelnd von Flinn zu Rand.</p><p>Flinn zog das Laken bis auf Rands Taille herab und legte die Wunde frei. Der Schnitt sah weder besser noch schlechter aus, als sie ihn in Erinnerung hatte, eine klaffende, entz�ndete, blutlose Wunde, die �ber der runden Narbe verlief. Rand schien zu schlafen.</p><p>�Flinn kann seinen Zustand nicht verschlechtern�, sagte Min. Niemand achtete auf sie.</p><p>Dashiva stie� einen gutturalen Laut aus, und Flinn sah ihn an. �Seht Ihr etwas, Asha'man?�</p><p>�Ich habe kein Talent zum Heilen�, sagte Dashiva und verzog den Mund. �Ihr seid derjenige, der meinen Vorschlag aufgegriffen und darauf geh�rt hat.�</p><p>�Welchen Vorschlag?� fragte Samitsu. �Ich bestehe darauf, da� Ihr...�</p><p>�Seid still, Samitsu�, sagte Cadsuane. Sie war anscheinend au�er Amys die einzige im Raum, die ruhig war, aber der Art nach zu urteilen, wie die Weise Frau best�ndig �ber ihr Dolchheft strich, war sich Min nicht sicher. �Ich glaube, schaden will er dem Jungen als letztes.�</p><p>�Aber Cadsuane�, begann Niande dr�ngend, �dieser Mann ist...�</p><p>�Ich sagte, seid still�, erwiderte die grauhaarige Aes Sedai fest.</p><p>�Ich versichere Euch�, sagte Dashiva, wobei es ihm gelang, gleichzeitig schmeichlerisch und barsch zu klingen, �da� Flinn wei�, was er tut. Er kann bereits Dinge vollbringen, von denen Ihr Aes Sedai niemals tr�umen w�rdet.� Samitsu r�mpfte angekelt die Nase. Cadsuane nickte nur und lehnte sich auf ihrem Stuhl zur�ck.</p><p>Flinn strich mit den Fingern die angeschwollene Wunde an Rands Seite und die alte Narbe entlang. Dies schien sanft zu geschehen. �Sie sind �hnlich, aber doch verschieden, als w�ren zwei Infektionen am Werk. Nur da� es keine Infektion ist. Es ist ... das B�se. Mir f�llt kein besseres Wort ein.� Er zuckte die Achseln und betrachtete Samitsus mit gelben Fransen versehene Stola, w�hrend sie ihn stirnrunzelnd ansah, aber es war jetzt ein nachdenklicher Blick.</p><p>�Macht weiter, Flinn�, murrte Dashiva. �Wenn er stirbt...� Er r�mpfte die Nase, als nehme er einen unangenehmen Geruch wahr, und wandte den Blick nicht von Rand ab. Er bewegte die Lippen, w�hrend er zu sich selbst sprach, und einmal stie� er einen halb wie ein Schluchzen und halb wie ein verbittertes Lachen klingenden Laut aus, ohne da� sich seine Miene auch nur einen Deut ge�ndert h�tte.</p><p>Flinn atmete tief durch und sah sich im Raum um, zu den Aes Sedai, zu Amys. Als er Min erblickte, zuckte er zusammen, und sein ledriges Gesicht r�tete sich. Er bedeckte Rand hastig wieder bis zum Hals und lie� nur die alte und die neue Wunde frei.</p><p>�Ich hoffe, es st�rt niemanden, wenn ich dabei rede�, sagte er und bewegte seine schwieligen H�nde �ber Rands Seite. �Zu reden scheint ein wenig zu helfen.� Er blinzelte, konzentrierte sich auf Rands Verletzungen, und seine Finger wanden sich langsam. Ganz �hnlich, als verwebe er F�den, erkannte Min. Seine Stimme klang fast abwesend, als achte er nur mit einem Teil seines Geistes auf die Worte. �Die Kunst des Heilens hat mich sozusagen zur Schwarzen Burg gebracht. Ich war Soldat, bis ich mir einen Speer im Oberschenkel einfing. Danach konnte ich mich nicht mehr angemessen im Sattel halten und auch nicht weit laufen. Es war die f�nfzehnte Verletzung in fast vierzig Jahren in der K�niglichen Garde. Zumindest die f�nfzehnte von Belang. Verletzungen z�hlen nicht, wenn man hinterher noch reiten oder laufen kann. Ich habe in diesen vierzig Jahren viele Freunde sterben sehen. Also ging ich zur Burg, und der M'Hael lehrte mich das Heilen. Wie auch andere Dinge. Eine rauhe Art der Heilung. Ich wurde einmal von einer Aes Sedai geheilt - oh, vor inzwischen fast drei�ig Jahren - und dies ist im Vergleich dazu schmerzhaft. Aber es wirkt ebensogut. Dann, eines Tages, sagte Dashiva -Verzeihung: Asha'man Dashiva - er wundere sich, warum alles gleich ist, ungeachtet des Umstands, ob es sich um ein gebrochenes Bein oder eine Erk�ltung handelt, und wir kamen ins Reden, und... Nun, er hat selbst kein Gef�hl daf�r, aber ich habe anscheinend das Talent.</p><p>Also habe ich dar�ber nachgedacht, was w�re, wenn... Da. Mehr kann ich nicht tun.�</p><p>Dashiva brummte, als Flinn sich j�h auf die Fersen zur�cksetzte und sich mit dem Handr�k-ken �ber die Stirn wischte. Schwei� perlte auf seinem Gesicht, das erste Mal, da� Min einen Asha'man schwitzen sah. Der Schnitt an Rands Seite war nicht fort, aber er schien ein wenig kleiner zu sein, weniger rot und entz�ndet. Rand schlief noch immer, aber sein Gesicht schien jetzt weniger bla�.</p><p>Samitsu scho� so schnell an Narishma vorbei, da� er keine Gelegenheit hatte einzugreifen. �Was habt Ihr getan?� verlangte sie zu wissen und legte die Finger auf Rands Stirn. Was auch immer sie mit der Macht vorfand - sie w�lbte die Brauen, und ihr Tonfall wurde statt herrisch ungl�ubig. �Was habt Ihr getan?�</p><p>Flinn zuckte bedauernd die Achseln. �Nicht viel. Ich konnte nicht wirklich anr�hren, was falsch ist. Ich habe die b�sen Kr�fte in gewisser Weise vor ihm verschlossen, zumindest eine Zeitlang. Es wird nicht anhalten. Sie bek�mpfen jetzt einander. Vielleicht werden sie sich gegenseitig t�ten, w�hrend er die restliche Heilung selbst vollzieht.� Er seufzte und sch�ttelte den Kopf. �Andererseits kann ich auch nicht sagen, da� sie ihn nicht t�ten werden. Aber ich glaube, er hat jetzt eine bessere Chance als zuvor.�</p><p>Dashiva nickte wichtigtuerisch. �Ja, er hat jetzt eine Chance.� Man h�tte glauben k�nnen, er h�tte die Heilung selbst vollzogen.</p><p>Zu Flinns offensichtlicher �berraschung trat Samitsu um das Bert herum und half ihm aufzustehen. �Ihr werdet mir erkl�ren, was Ihr getan habt�, sagte sie, wobei ihr k�niglicher Tonfall in krassem Widerspruch zu der Art stand, wie ihre flinken Finger den Kragen des alten Mannes richteten und seine Aufschl�ge gl�tteten. �Wenn ihr es mir nur irgendwie <emphasis>zeigen</emphasis> k�nntet! Aber Ihr werdet es mir beschreiben. Ihr m��t es tun! Ich werde Euch alles Gold geben, das ich besitze, oder Euch ein Kind geb�ren oder was immer Ihr wollt, aber Ihr <emphasis>werdet</emphasis> mir alles erz�hlen, was Ihr mir erz�hlen k�nnt.� Sie war sich anscheinend selbst im unklaren, ob sie befahl oder bat, w�hrend sie einen sehr verwirrten Flinn hin�ber zu den Fenstern f�hrte. Er �ffnete den Mund mehr als einmal, aber sie war zu sehr damit besch�ftigt, ihn zum Reden zu bringen, um es zu bemerken.</p><p>Min k�mmerte es nicht, was jedermann dachte; sie kletterte aufs Bett und legte sich so hin, da� sie Rands Kopf unter ihr Kinn nehmen und ihre Arme um ihn legen konnte. Eine Chance. Sie betrachtete verstohlen die drei um das Bett versammelten Menschen. Cadsuane auf ihrem Stuhl, Amys gegen�ber von ihr stehend und Dashiva, der an einem der eckigen Pfosten am Fu�ende des Bettes lehnte, alle mit unlesbaren Auren und um sie herum tanzenden Bildern. Alle beobachteten Rand sehr angespannt. Amys sah zweifellos irgendeine Katastrophe f�r die Aiel voraus, wenn Rand starb, und Dashiva, der einzige, der �berhaupt einen Ausdruck zeigte -ein d�steres, aber auch besorgtes Stirnrunzeln -, sah eine Katastrophe f�r die Asha'man voraus. Und Cadsuane... Cadsuane, die Bera und Kiruna nicht nur kannte, sondern sie wegen all ihrer Rand gegen�ber geleisteten Eide wie kleine M�dchen zusammenzucken lie�. Cadsuane w�rde Rand nicht st�rker verletzen, �als es sein mu�te�.</p><p>Cadsuanes Blick begegnete Mins Blick einen Moment, und Min erschauderte. Sie w�rde ihn irgendwie besch�tzen, solange er sich nicht selbst besch�tzen konnte, vor Amys und Dashiva und Cadsuane. Irgendwie. Sie summte unbewu�t ein Wiegenlied und wiegte Rand dabei sanft. Irgendwie.</p></section><section><title><p>37</p><p>Eine Nachricht vom Palast</p></title><p>Der Tag nach dem Vogelfest d�mmerte mit starken Winden vom Meer der St�rme herauf, welche die Hitze in Ebou Dar tats�chlich durchbrachen. Ein wolkenloser Himmel und die rotgoldene Sonne am Horizont versprachen jedoch neuerliche Hitze, wenn der Wind sich legen w�rde. Mat eilte durch den Tarasin-Palast hinab, seine gr�ne Jacke ge�ffnet und das Hemd vorahnungsvoll nur halbwegs geschlossen. Er zuckte zwar nicht bei jedem Laut zusammen, aber er erschrak mit erheblich st�rker geweiteten Augen, als ihm lieb war, wann immer eine der Dienerinnen vor�berging, ihre R�cke rascheln lie� und ihn anl�chelte. Jede einzelne von ihnen l�chelte auf eine besondere ... wissende ... Art. Es kostete ihn M�he, nicht zu laufen. Schlie�lich verlangsamte er seine Schritte und betrat vorsichtig, fast auf Zehenspitzen, den schattigen Gang, der den Stallhof ums�umte. Zwischen den kannelierten S�ulen des Ganges hingen gelbliche, lange schlanke Pflanzen aus gro�en roten Tont�pfen und Weinranken mit gro�en, rotgestreiften Bl�ttern aus Metallk�rben an Ketten herab, die einen d�nnen Schirm bildeten. Er zog sich seinen Hut unbewu�t tiefer ins Gesicht. Dann strich er mit den H�nden �ber seinen Speer - ein <emphasis>Ashandarei,</emphasis> hatte Birgitte ihn genannt - und betastete gedankenlos das Heft, als m�sse er sich vielleicht verteidigen. Die W�rfel in seinem Kopf rollten wild umher, aber sie hatten nichts mit seinem Unbehagen zu tun. Die Quelle dessen war Tylin.</p><p>Sechs geschlossene Kutschen mit dem auf die T�ren gemalten gr�nen Anker und Schwert des Hauses Mitsobar warteten bereits vor den hohen Au�entoren, die Pferde eingespannt und die livrierten Diener aufgestiegen. Auf ihrer anderen Seite konnte er Nalesean in einer gelb gestreiften Jacke g�hnen sehen, und Vanin sa� nicht weit von den Stallt�ren entfernt zusammengesunken auf einem umgedrehten Fa� und schlief anscheinend. Die meisten der �brigen Rotwaffen hockten geduldig auf dem gepflasterten Hof. Einige w�rfelten im Schatten der gewaltigen wei�en St�lle. Elayne stand zwischen Mat und den Kutschen, genau auf der anderen Seite des Schirms aus Pflanzen. Reanne Corly war bei ihr, und sieben weitere der Frauen, die an diesem seltsamen Treffen teilgenommen hatten, in das Mat am Vorabend hineingeplatzt war, befanden sich ganz in der N�he. Reanne trug als einzige den roten G�rtel einer Weisen Frau. Er hatte halbwegs erwartet, da� sie heute morgen nicht erscheinen w�rden. Sie besa�en die Z�ge von Frauen, die es gewohnt waren, ihr eigenes Leben und das Leben anderer zu beherrschen, und die meisten hatten zumindest ein wenig Grau im Haar, und doch beobachteten sie Elayne mit dem frischen Gesicht in erwartungsvoller Haltung, anscheinend auf Zehenspitzen, als seien sie bereit, auf ihren Befehl hin zu springen. Sie alle zogen jedoch nicht einmal die H�lfte von Mats Aufmerksamkeit auf sich. Keine von ihnen war die Frau, bei der er am liebsten aus der Haut gefahren w�re. Tylin bewirkte, da� er sich f�hlte wie ... nun ... �hilflos� war das einzige Wort, das anscheinend pa�te, wie l�cherlich es auch schien.</p><p>�Wir brauchen sie nicht, Herrin Corly�, sagte Elayne. Die Tochter-Erbin klang wie eine Frau, die einem Kind den Kopf t�tschelte. �Ich habe ihnen gesagt, sie sollen hierbleiben, bis wir zur�ckkehren. Wir werden weniger Aufmerksamkeit erregen, besonders bei der �berquerung des Flusses, wenn keine der �lteren Aes Sedai dabei ist.� Ihre Vorstellung davon, was man beim Besuch des verrufensten Teils der Stadt tragen sollte, ohne Aufmerksamkeit auf sich zu ziehen, zeigte sich in einem breiten gr�nen Hut mit gr�n gef�rbten Federn, einem leichtem Staubmantel aus gr�nem Leinen mit den R�cken hinab verlaufenden, eingearbeiteten goldenen Schn�rkeln und einem hochgeschlossenen gr�nen Seidenreitgewand mit goldener Stickerei auf den geteilten R�cken und um den ovalen Ausschnitt, der die H�lfte ihres Busens freigab. Sie trug sogar eine jener Halsketten f�r einen Hochzeitsdolch. Das breite Band aus geflochtenem Gold w�rde die Hand jedes Diebes im Rahad zucken lassen. Au�er einem kleinen G�rtelmesser hatte sie keine Waffe bei sich. Aber welche Waffe brauchte eine Frau auch, welche die Macht lenken konnte? Nat�rlich steckte in jedem jener roten G�rtel ein gebogener Dolch. Wie auch in Reannes G�rtel aus schlicht gearbeitetem Leder.</p><p>Reanne nahm ihren gro�en blauen Strohhut ab, betrachtete ihn stirnrunzelnd, setzte ihn dann wieder auf und band ihn erneut zu. Anscheinend st�rte sie Elaynes Tonfall nicht. Sie setzte ein zaghaftes L�cheln auf und fragte in sch�chternem Tortfall: �Aber warum glaubt Merilille Sedai, da� wir l�gen, Elayne Sedai?�</p><p>�Sie tun es alle�, erwiderte eine der Rotg�rtel atemlos. Sie alle trugen Ebou Dari-Gew�nder in gedeckten Farben mit schmalen, riefen Ausschnitten und an einer Seite hochgen�hten R�cken, die mehrere Unterr�cke freigaben, aber nur diese hagere Frau mit mehr Wei� als Schwarz in ihrem langen Haar hatte die olivfarbene Haut und die dunklen Augen einer Ebou Dari. �Sareitha Sedai hat mir ins Gesicht gesagt, ich sei eine L�gnerin, was unsere Anzahl betrifft und unsere... �</p><p>Sie brach ab, als Reanne die Stirn runzelte und sagte: �Seid still, Tamarla.� Herrin Corly w�rde vielleicht bereitwillig einen Hofknicks vollf�hren und ein Kind einf�ltig anl�cheln, wenn das Kind eine Aes Sedai war, aber ihre Begleiterinnen hatte sie fest im Griff.</p><p>Mat blickte stirnrunzelnd zu den Fenstern im Hof hinauf, die er von seinem Standort aus sehen konnte. Einige wurden von kunstvoll gearbeiteten, wei�en, schmiedeeisernen Sichtschutzen verdeckt, andere von wei�en Holzschirmen mit kunstvoll geschnitztem Lochmuster. Tylin war vermutlich nicht dort oben, und sie w�rde wahrscheinlich auch nicht im Stallhof auftauchen. Er hatte sich sehr leise angezogen, um sie nicht aufzuwecken. Au�erdem w�rde sie hier nichts versuchen. Zumindest glaubte er nicht, da� sie es tun w�rde. Andererseits - w�rde die Frau, die ihn gestern abend in den G�ngen von einem halben Dutzend Dienerinnen ergreifen und in ihre R�ume zerren lie�, vor irgend etwas zur�ckschrecken? Die verdammte Frau behandelte ihn wie ein Spielzeug! Er w�rde sich das nicht mehr gefallen lassen. Er w�rde es nicht tun. Licht, wen wollte er zum Narren halten? Wenn sie nicht diese Schale der Winde fanden und Ebou Dar verlie�en, w�rde Tylin ihn heute abend erneut in den Hintern zwicken und ihn ihre kleine Taube nennen.</p><p>�Es liegt an Eurem Alter, Reanne.� Elayne klang eigentlich nicht z�gernd - das tat sie niemals -, aber sie �u�erte sich sehr vorsichtig. �Aes Sedai empfinden es als unh�flich, vom Alter zu sprechen, aber... Reanne, offensichtlich hat keine Aes Sedai solange gelebt, wie Ihr im Frauenzirkel behauptet.� Das war der seltsame Name, den diese Schwesternschaft ihrem herrschenden Konzil gegeben hatte. �In Eurem Fall seit �ber hundert Jahren nicht.� Die Rotg�rtel keuchten, und ihre Augen weiteten sich. Eine schlanke Frau mit braunen Augen und honigfarbenem Haar kicherte nerv�s und bedeckte auf Reannes Peitschenhieb hin - ein rasches �Famelle!� - sofort den Mund.</p><p>�Das kann nicht sein�, sagte Reanne schwach zu Elayne. �Sicherlich m�ssen Aes Sedai...�</p><p>�Guten Morgen�, sagte Mat und trat - um dem Schirm aus Pflanzen herum. Die ganze Diskussion war idiotisch. Jedermann wu�te, da� Aes Sedai l�nger lebten als jeder andere. Anstatt Zeit zu verschwenden, sollten sie bereits zum Rahad unterwegs sein. �Wo sind Thom und Juilin? Und Nynaeve?� Sie mu�te gestern abend zur�ckgekommen sein, sonst w�re Elayne in Aufruhr gewesen. �Blut und Asche, ich sehe auch Birgitte nicht. Wir sollten schon l�ngst unterwegs sein, Elayne, und nicht hier herumstehen. Kommt Aviendha auch mit?�</p><p>Sie sah mit leichtem Stirnrunzeln zun�chst ihn, danach ein wenig unsicher Reanne an, und er erkannte, da� sie gerade �berlegte, welche Darstellung sie ihm liefern wollte. Die gro��ugige Unschuld k�nnte ihr schaden, da sie mit diesen Frauen genauso stand, wie sie mit ihm stehen w�rde, wenn sie ihm ihr Gr�bchenl�cheln g�nnte. Elayne erwartete stets, da� dieses Gr�bchen wirkte, wenn alles andere fehlschlug. Sie reckte leicht das Kinn. �Thom und Juilin beobachten mit Aviendha und Birgitte Carridins Palast. Und Nynaeve wird gewi� gleich herunterkommen. Es gibt keinen Grund daf�r, da� Ihr mitkommen m��tet, Mat. Nalesean und Eure Soldaten bilden eine mehr als angemessene Leibwache. Ihr k�nnt Euch hier im Palast vergn�gen, bis wir zur�ckkommen.�</p><p>�Carridin!� br�llte er. �Elayne, wir sind nicht in Ebou Dar, um die Angelegenheit mit Jaichim Carridin zu regeln. Wir holen die Schale, dann bildet Ihr und Nynaeve ein Wegetor, und wir verschwinden. Ist das klar? Und ich begleite Euch zum Rahad.� Sich am�sieren! Nur das Lacht wu�te, was Tylin sich einfallen lassen w�rde, wenn er den ganzen Tag im Palast bliebe. Allein der Gedanke daran erweckte in ihm den Wunsch, hysterisch zu lachen.</p><p>Eisige Blicke der Weisen Frauen durchbohrten ihn. Die st�mmige Sumeko sch�rzte ver�rgert die Lippen, und Melore, eine rundliche Domani in mittlerem Alter, deren Busen zu be�ugen er gestern das Vergn�gen hatte, stemmte mit finsterer Miene die F�uste in die H�ften. Sie hatten von gestern noch wissen sollen, da� Aes Sedai ihn nicht einsch�chtern konnten, und doch sah sogar Reanne ihn derma�en stirnrunzelnd an, da� er halbwegs glaubte, sie w�rde ihn vielleicht zu ohrfeigen versuchen. Wenn sie sich in der N�he von Aes Sedai alle miteinander entzweiten, dann mu�ten das offensichtlich auch alle anderen tun.</p><p>Elayne k�mpfte sichtlich mit sich. Sie pre�te die Lippen zusammen, aber eines mu�te er ihr zugestehen: Sie war zu klug, um mit dem fortzufahren, was anscheinend nicht funktionierte. Andererseits war sie �u�erst hochn�sig, auch wenn sie sich bem�hte, es nicht zu sein. Die anderen Frauen beobachteten sie. �Mat, Ihr wi�t, da� wir Ebou Dar nicht verlassen k�nnen, bevor wir die Schale nicht gepr�ft haben.� Das hochm�tige Kinn blieb gereckt, und ihr Tonfall war bestenfalls g�nnerhaft. �Es dauert vielleicht Tage, bis wir sicher sind, wie wir sie benutzen k�nnen, vielleicht sogar eine halbe Woche oder l�nger, und in der Zeit k�nnten wir, wenn m�glich, genausogut noch mit Carridin zu einem Ende kommen.� Eine solche Anpassung trat bei der Nennung des Namens des Wei�mantels in ihre Stimme, da� man h�tte denken k�nnen, sie hege einen pers�nlichen Groll gegen den Mann, aber etwas anderes drang hervor und umklammerte fest Mats Gedanken.</p><p>�Eine halbe Woche!� Er f�hlte sich beengt, schob einen Finger hinter den um seinen Hals geknoteten Schal und zog daran, um ihn zu lockern. Tylin hatte dieses St�ck schwarze Seide letzte Nacht benutzt, um ihm die H�nde zu fesseln, bevor er erkannte, was sie tat. Eine halbe Woche. Oder l�nger! Seine Stimme wurde wider Willen ein wenig hektisch. �Elayne, Ihr k�nnt die Schale gewi� �berall benutzen. Es mu� nicht hier geschehen. Egwene ist sicher daran gelegen, da� Ihr so bald wie m�glich zur�ckkommt. Sie kann eine oder zwei Freundinnen bestimmt brauchen.� Nach dem zu urteilen, was er zuletzt gesehen hatte, konnte sie einige hundert Freundinnen brauchen. Vielleicht w�rde Egwene, wenn er diese Frauen erst zur�ckgebracht h�tte, bereit sein, den Unsinn mit der Amyrlin aufzugeben und zulassen, da� er sie zusammen mit Elayne und Nynaeve und Aviendha zu Rand brachte. �Und was ist mit Rand, Elayne? Caemlyn. Der L�wenthron. Blut und Asche, Ihr wi�t, da� Ihr Caemlyn so bald wie m�glich erreichen solltet, damit Rand Euch den L�wenthron �bergeben kann.� Ihre Miene wurde aus einem unbestimmten Grund d�sterer, und ihre Augen blitzten. Er h�tte behauptet, sie sei emp�rt, nur da� sie nat�rlich keinen Grund dazu hatte.</p><p>Sie �ffnete ver�rgert den Mund, um mit ihm zu streiten, sobald er geendet h�tte, und er beruhigte sich, bereit, ihre Versprechungen aufzuz�hlen. In den Krater des Verderbens mit dem, was das in den Augen Reannes und der �brigen f�r sie anrichtete. Ihren Gesichtern nach zu urteilen, h�tten sie ihn an ihrer Stelle bereits kurz abgefertigt.</p><p>Bevor jedoch jemand etwas sagen konnte, vollf�hrte eine rundliche, bereits ergrauende Frau in der Livree des Hauses Mitsobar einen Hofknicks, erst vor Elayne, dann vor den Frauen mit den roten G�rteln und zuletzt vor ihm. �K�nigin Tylin schickt dies, Meister Cauthon�, sagte Laren und hielt ihm einen mit einem gestreiften Tuch abgedeckten und mit kleinen roten Blumen um den Henkel geschm�ckten Korb hin. �Ihr habt nicht gefr�hst�ckt, und Ihr m��t Eure Kr�fte bewahren.�</p><p>Mat err�tete. Die Frau sah ihn nur an, aber sie hatte bereits erheblich mehr von ihm gesehen, als sie ihn das erste Mal in Tylins Gegenwart erblickte. Erheblich mehr. Sie hatte gestern abend das Abendessen gebracht, w�hrend er sich unter dem seidenen Bettlaken zu verbergen versuchte. Er verstand es nicht. Diese Frauen lie�en ihn st�ndig zusammenfahren und wie ein M�dchen err�ten. Er konnte es einfach nicht verstehen.</p><p>�Seid Ihr sicher, da� Ihr nicht lieber hierbleiben w�rdet?� fragte Elayne. �Tylin w�rde Eure Gesellschaft beim Fr�hst�ck gewi� genie�en.</p><p>Die K�nigin sagte, sie f�nde Euch wunderbar unterhaltsam und liebensw�rdig willf�hrig�, f�gte sie in zweifelndem Tonfall hinzu.</p><p>Mat floh mit dem Korb in einer Hand und seinem <emphasis>Ashandarei</emphasis> in der anderen zu den Kutschen.</p><p>�Sind alle nordischen M�nner so sch�chtern?� fragte Laren.</p><p>Er riskierte einen Blick �ber die Schulter, ohne aber stehenzubleiben, und seufzte dann erleichtert. Die Dienerin raffte bereits ihre R�cke und wandte sich zu dem Pflanzenschirm um, w�hrend Elayne die Weisen Frauen und Reanne in einem dichten Kreis um sich versammelte. Dennoch erschauderte er. Frauen w�rden noch einmal sein Tod sein.</p><p>Er umrundete die n�chststehende Kutsche und lie� fast den Korb fallen, als er Beslan auf der Kutschentreppe sitzen sah. Das Sonnenlicht auf der schmalen Klinge seines Schwertes glitzerte, w�hrend er die Schneide pr�fte. �Was tust du hier?� rief Mat aus.</p><p>Beslan lie� das Schwert in die Scheide gleiten und grinste breit. �Ich komme mit Euch in den Rahad. Dort haben wir vermutlich noch mehr Spa�.�</p><p>�Es sollte besser kurzweilig sein�, g�hnte Nalesean hinter vorgehaltener Hand. �Ich habe letzte Nacht nicht viel geschlafen, und jetzt zerrt Ihr mich fort, obwohl Meervolkfrauen in der N�he sind.� Vanin richtete sich auf seinem Fa� auf, sah sich um, bemerkte keinerlei Bewegung und lehnte sich mit geschlossenen Augen wieder zur�ck.</p><p>�Es wird keinen <emphasis>Spa�</emphasis> geben, wenn ich es verhindern kann�, murrte Mat. <emphasis>Nalesean</emphasis> hatte nicht viel geschlafen? Ha! Sie alle waren w�hrend des Festes ausgegangen und hatten sich am�siert Nicht da� er sich nicht auch am�siert h�tte, aber nur, wenn er vergessen konnte, da� er mit einer Frau zusammen war, die ihn f�r eine verdammte Puppe hielt. �Welche Meervolkfrauen?�</p><p>�Als Nynaeve Sedai letzte Nacht zur�ckkam, brachte sie ein Dutzend oder mehr von ihnen mit.� Beslan stie� den Atem aus und machte mit den H�nden wiegende Bewegungen. �Wie sie sich bewegen, Mat...�</p><p>Mat sch�ttelte den Kopf. Er konnte nicht klar denken. Tylin raubte ihm den Verstand. Nynaeve und Elayne hatten ihm von den Windsucherinnen erz�hlt, widerwillig und in verschw�rerischem Tonfall, nachdem sie ihm zun�chst nicht sagen wollten, wo Nynaeve hingehen wollte, und noch viel mehr warum. �Frauen halten Versprechen stets auf ihre eigene Art�, hie� ein Sprichwort. Wenn er dar�ber nachdachte, waren Lawtin und Belvyn nicht bei den �brigen Rotwaffen gewesen. Vielleicht wollte Nynaeve etwas wiedergutmachen, indem sie sie jetzt bei sich behielt.</p><p>�Auf ihre eigene Art.� Aber wenn sie die Windsucherinnen bereits in den Palast gebracht hatte, w�rde es sicherlich keine halbe Woche dauern, die Schale zu benutzen. Licht, bitte nicht!</p><p>Als h�tten seine Gedanken sie herbeigerufen, schritt Nynaeve durch den Pflanzenschirm in den Hof. Mats Kinn sank herab. Der gro�e Mann in einer dunkelgr�nen Jacke an ihrem Arm war Lan! Oder genauer gesagt ging sie an seinem Arm, klammerte sich mit beiden H�nden daran und schaute l�chelnd zu ihm auf. Bei jeder anderen Frau h�tte Mat behauptet, es sei ein erstaunter und tr�umerischer Blick, aber hier ging es um Nynaeve.</p><p>Sie zuckte zusammen, als sie erkannte, wo sie sich befand, trat hastig einen Schritt zur Seite, hielt sich aber noch einen Moment an Lans Hand fest. Sie hatte ihre Kleidung nicht besser erw�hlt als Elayne, ganz in blauer Seide mit gr�ner Stickerei, ausreichend tief ausgeschnitten, um einen schweren Goldring freizugeben, der bequem �ber ihre beiden Daumen gepa�t hatte und an einer d�nnen Goldkette in ihrem Dekollete hing. Der breite Hut, den sie an den B�ndern hielt, war mit blauen Federn geschm�ckt, und ihr Staubmantel war aus gr�nem Leinen mit blauer Stickerei. Nynaeve und Elayne lie�en die anderen Frauen in ihrer Tuchkleidung vergleichsweise fade erscheinen.</p><p>Auf jeden Fall war Nynaeve, auch wenn sie eben noch gro�e Augen gemacht hatte, jetzt wieder ganz sie selbst, w�hrend sie sich an ihrem Zopf zu schaffen machte. �Schlie� dich jetzt den anderen M�nnern an, Lan�, sagte sie gebieterisch, �dann k�nnen wir gehen. Die letzten vier Kutschen sind f�r die M�nner bestimmt.�</p><p>�Wie du meinst�, erwiderte Lan und verbeugte sich mit einer Hand auf dem Schwertheft.</p><p>Sie beobachtete mit verwundertem Gesichtsausdruck, wie er auf Mat zuschritt - wahrscheinlich konnte sie nicht glauben, da� er so sanftm�tig gehorchte -, sch�ttelte sich dann und gewann ihr spr�des Selbst zur�ck. Sie versammelte Elayne und die anderen Frauen und dr�ngte sie wie eine G�nsehirtin auf die ersten beiden Kutschen zu. So wie sie jemanden anschrie, er solle die Hoftore �ffnen, hatte niemand vermutet, da� <emphasis>sie</emphasis> den Aufbruch verz�gert hatte. Sie schrie auch die Kutscher an und veranla�te sie damit, die Z�gel hochzurei�en und ihre langen Peitschen zu schwingen. Es war ein Wunder, da� sie noch warteten, bis jedermann eingestiegen war.</p><p>Mat kletterte hinter Lan und Nalesean und Beslan unbeholfen in die dritte Kutsche, lehnte seinen Speer quer vor die T�r und setzte sich mit dem Korb auf dem Scho� unsanft hin, als die Kutsche schwankend losfuhr. �Wo seid Ihr hergekommen, Lan?� platzte er heraus, sobald die Vorstellungen beendet waren. �Euch h�tte ich als letzten hier erwartet. Wo wart Ihr? Licht, ich dachte, Ihr w�rt tot. Ich wei�, da� Rand das auch bef�rchtet. Und Euch von Nynaeve herumkommandieren zu lassen. Warum, im Licht, tut Ihr das?�</p><p>Der Beh�ter mit dem starren Gesicht schien zu �berlegen, welche Frage er zuerst beantworten sollte. �Nynaeve und ich wurden gestern abend von der Herrin der Schiffe getraut�, sagte er schlie�lich. �Die Atha'an Miere haben mehrere ... un�bliche ... Hochzeitsbr�uche. Sie waren f�r uns beide �berraschungen.� Ein leichtes L�cheln umspielte seine Lippen, wenn es auch nichts sonst mit einbezog. Er zuckte kaum merklich die Achseln. Anscheinend wollte er keine weiteren Antworten geben.</p><p>�Das Licht segne Euch und Eure Frau�, murmelte Beslan h�flich und mit einer der Beengtheit der Kutsche angemessenen Verbeugung, und Nalesean murmelte etwas, obwohl seine Miene eindeutig vermittelte, da� er Lan f�r verr�ckt hielt. Nalesean hatte Nynaeves Gesellschaft oft genug genossen.</p><p>Mat sa� nur da, pa�te sich jedem Schwanken der Kutsche an und starrte vor sich hin. Nynaeve war <emphasis>verheiratet? Lan</emphasis> war mit <emphasis>Nynaeve</emphasis> verheiratet? Der Mann <emphasis>war</emphasis> verr�ckt. Kein Wunder, da� seine Augen so tr�be wirkten. Nur ein Narr heiratete, und nur ein Wahnsinniger w�rde Nynaeve heiraten.</p><p>Wenn Lan bemerkte, da� nicht alle �bergl�cklich waren, zeigte er es nicht. Bis auf seine Augen wirkte er nicht anders, als Mat ihn in Erinnerung hatte. Vielleicht noch ein wenig h�rter, wenn das m�glich war. �Aber etwas anderes ist noch wichtiger�, sagte Lan. �Nynaeve m�chte nicht, da� Ihr es erfahrt, Mat, aber Ihr m��t es wissen. Eure beiden M�nner sind tot, von Moghedien get�tet. Es tut mir leid, aber wenn es einen Trost f�r Euch bedeutet - sie waren wahrhaftig tot, bevor sie Schmerzen litten. Nynaeve glaubt, Moghedien m�sse fort sein, sonst h�tte sie es erneut versucht, aber ich bin mir dessen nicht so sicher. Anscheinend hegt sie eine pers�nliche Feindschaft gegen Nynaeve, obwohl es Nynaeve gelungen ist, mir den Grund daf�r nicht zu verraten.� Erneut dieses L�cheln. Lan schien sich dessen nicht bewu�t zu sein. �Zumindest nicht alles, und es spielt auch keine Rolle. Ihr solltet jedoch wissen, was uns vielleicht jenseits des Flusses bevorsteht.�</p><p>�Moghedien�, keuchte Beslan mit gl�nzenden Augen. Der Mann sah wahrscheinlich <emphasis>Spa�</emphasis> voraus.</p><p>�Moghedien�, keuchte auch Nalesean, aber in seinem Fall war es eher ein St�hnen, und er ri� dazu passend an seinem Spitzbart.</p><p>�Diese verdammten leidenschaftlichen Frauen�, murrte Mat.</p><p>�Ich hoffe, Ihr meint damit nicht auch meine Frau�, sagte Lan kalt, eine Hand um sein Schwertheft gelegt, und Mat hob schnell die H�nde.</p><p>�Nat�rlich nicht. Nur Elayne und ... die Schwesternschaft.�</p><p>Kurz darauf nickte Lan, und Mat seufzte erleichtert. Es s�he Nynaeve �hnlich, ihn durch ihren Ehemann - ihren Ehemann! - t�ten zu lassen, nachdem sie den Umstand verschwiegen hatte, da� vielleicht eine der Verlorenen in der Stadt war. Selbst Moghedien �ngstigte ihn nicht wirklich, nicht solange er den Fuchskopf um den Hals trug, aber das Medaillon konnte Nalesean und die �brigen nicht sch�tzen. Zweifellos dachte Nynaeve, sie und Elayne w�rden das �bernehmen. Sie lie�en ihn die Rotwaffen mitbringen, w�hrend sie sich die ganze Zeit �ber ihn ins F�ustchen lachten, w�hrend sie...</p><p>�Wollt Ihr die Nachricht meiner Mutter nicht lesen, Mat?�</p><p>Bis Beslan es erw�hnte, hatte er nicht bemerkt, da� ein klein zusammengefalteter Zettel zwischen dem Korb und dem gestreiften Abdecktuch steckte. Es war gerade genug davon zu sehen, um das gr�ne Siegel mit dem aufgepr�gten Anker und Schwert zu erkennen.</p><p>Er brach das Wachs mit dem Daumen, entfaltete das Blatt und hielt es so, da� Beslan nicht sehen konnte, was darauf stand. Aber andererseits war es, wenn man bedachte, wie der Mann die Dinge sah, vielleicht ohnehin egal. Wie auch immer - Mat war einfach froh, da� niemand anderer diese Worte sah. Sein Herz sank mit jeder Zeile tiefer.</p><p><emphasis>Mat, mein Liebling! Ich lasse Deine Sachen in meine R�ume bringen. So ist es viel bequemer. Wenn Du zur�ckkehrst, wird Riselle Deine alten R�ume bezogen haben, um sich um den jungen Olver zu k�mmern. Er scheint ihre Gesellschaft zu genie�en. Ich habe N�herinnen beauftragt, Deine Ma�e zu nehmen. Dabei werde ich gerne zusehen. Du mu�t k�rzere Jacken tragen. Und neue Hosen nat�rlich. Du hast einen herrlichen Hintern. Entchen, wer ist diese Tochter der Neun Monde, an die ich Dich erinnert habe? Ich dachte an mehrere k�stliche Arten, Dich dazu zu bringen, es mir zu erz�hlen.</emphasis></p><p><emphasis>Tylin</emphasis></p><p>Die anderen sahen ihn alle erwartungsvoll an. Nun, Lan schaute nur, aber sein Blick war zerm�rbender als die Blicke der anderen. Dieser Blick schien fast ... leblos.</p><p>�Die K�nigin ist der Ansicht ich brauchte neue Kleidung�, sagte Mat und stopfte den Brief in seine Jackentasche. �Ich denke, ich werde ein wenig schlafen.� Er zog die Krempe seines Hutes tief �ber die Augen, aber er schlo� sie nicht sondern blickte aus dem Fenster, dort hinaus, wo die zur�ckgebundenen Vorh�nge gelegentlich Staubwirbel hereinlie�en. Sie lie�en jedoch auch Wind herein, was erheblich besser war als die Hitze in der geschlossenen Kutsche.</p><p>Moghedien und Tylin. Von diesen beiden w�rde er lieber Moghedien gegen�bertreten. Er ber�hrte den im ge�ffneten Halsausschnitt seines Hemdes h�ngenden Fuchskopf, Gegen Moghedien besa� er zumindest etwas Schutz. Gegen Tylin besa� er nicht mehr Schutz als gegen die Tochter der verdammten Neun Monde, wer auch immer sie war. Wenn er Nynaeve und Elayne nicht dazu bewegen k�nnte, Ebou Dar noch vor heute abend zu verlassen, w�rde jedermann es erfahren. Er zog seinen Hut verdrossen noch tiefer. Diese leidenschaftlichen Frauen lie�en ihn sich wirklich wie ein M�dchen benehmen. Er f�rchtete, da� er vielleicht jeden Moment zu weinen beg�nne.</p></section><section><title><p>38</p><p>Sechs Stockwerke</p></title><p>Mat w�re ausgestiegen und h�tte die Kutsche selbst gezogen, wenn er gekonnt h�tte. Er dachte, da� sie schneller h�tten vorw�rtskommen k�nnen. Die Stra�en waren bereits von der Morgensonne ausgeleuchtet Wagen und Karren bahnten sich ger�uschvoll ihren Weg durch die Menge und durch vom Wind aufgewirbelten Staub, begleitet von den Rufen und Fl�chen sowohl der Kutscher als auch jener, die aus dem Weg gehen mu�ten. So viele Lastk�hne wurden auf den Kan�len entlanggestakt, da� ein Mensch die Kan�le fast wie Stra�en h�tte �berqueren k�nnen, indem er von einem Lastkahn auf den n�chsten gestiegen w�re. Ein lautes Summen schwebte �ber der glei�enden wei�en Stadt. Ebou Dar schien die gestern verlorene Zeit wieder aufholen zu wollen, ganz zu schweigen von der Zeit w�hrend Hoch Chasaline und dem Lichterfest, und das sollte es wohl auch, wenn man bedachte, da� morgen abend das Fest der gl�henden Kohle stattfand, zwei Tage sp�ter gefolgt vom Maddinstag, an dem man den Gr�nder Altaras feierte, und dem Fest des Halbmonds am darauffolgenden Abend. S�dl�nder waren f�r ihren Flei� bekannt, aber Mat vermutete den Grund daf�r darin, da� sie so schwer arbeiten mu�ten, um alle diese Feste und Feiertage wieder wettzumachen. Wundersamerweise hatten sie die Kraft daf�r.</p><p>Schlie�lich erreichten die Kutschen den Flu� und fuhren in langer Reihe an eine der gemauerten Anlegesteilen, die ins Wasser hinausragten und mit Stufen versehen waren, damit man die dort verankerten Boote besteigen konnte. Mat steckte ein St�ck dunklen, gelben K�se und einen Kanten Brot in seine Tasche und verstaute den Korb dann sorgf�ltig unter dem Sitz. Er hatte Hunger, aber jemand in den K�chen war zu sehr in Eile gewesen. Den meisten Raum im Korb nahm ein Tontopf voller Austern ein, welche die K�che aber zu kochen vergessen hatten.</p><p>Mat stieg hinter Lan aus und �berlie� es Nalesean und Beslan, Vanin und den anderen aus den letzten Kutschen zu helfen. Fast ein Dutzend M�nner, von denen nicht einmal die Cairhiener als wirklich klein bezeichnet werden konnten, waren wie �pfel in einem Fa� hineingepfercht worden und kletterten jetzt steif hervor. Mat schritt vor dem Beh�ter auf die erste Kutsche zu, den <emphasis>Ashandarei</emphasis> schr�g �ber der Schulter. Er w�rde Nynaeve und Elayne einen Teil seiner Gedanken mitteilen, ungeachtet dessen, wer zuh�rte. Zu versuchen, Moghediens Gegenwart zu verheimlichen! Ganz zu schweigen davon, da� zwei seiner M�nner tot waren! Er w�rde...! Er wurde sich j�h des hinter ihm wie eine Steinstatue aufragenden Lan mit dem Schwert an der H�fte bewu�t und berichtigte seine Gedanken. Die Tochter-Erbin w�rde zumindest etwas dar�ber zu h�ren bekommen, ein solches Geheimnis bewahrt zu haben.</p><p>Nynaeve stand am Landesteg, band ihren mit blauen Federn versehenen Hut fest und sprach gerade zur Kutsche gewandt, als er sie erreichte. �...wird sich nat�rlich herausstellen, aber wer w�rde glauben, da� ausgerechnet das Meervolk so etwas fordern w�rde, selbst wenn es unter vier Augen geschieht?�</p><p>�Aber Nynaeve�, sagte Elayne, w�hrend sie ausstieg, ihren mit gr�nen Federn geschm�ckten Hut in der Hand, �wenn der gestrige Abend so glorreich verlaufen ist, wie du sagst, wie kannst du dich dann beschweren �ber...?�</p><p>In dem Moment bemerkten sie ihn und Lan. Haupts�chlich Lan. Nynaeves Augen wurden immer gr��er und f�llten fast ihr ganzes, zutiefst err�tetes Gesicht aus. Elayne erstarrte, den Fu� noch immer auf der Kutschentreppe, und sah den Beh�ter derma�en finster an, da� man h�tte denken k�nnen, er h�tte sich an sie herangeschlichen. Lan blickte jedoch vollkommen ausdruckslos zu Nynaeve herab, und auch wenn Nynaeve bereit gewesen zu sein schien, unter die Kutsche zu kriechen und sich zu verstecken, schaute sie jetzt zu Lan auf, als existiere niemand sonst auf der Welt. Elayne erkannte, da� ihre finstere Miene hier verschwendet war, stieg aus und trat Reanne und den beiden Weisen Frauen aus dem Weg - Tamarla und eine bereits ergrauende saldaeanische Frau namens Janira -, welche die Kutsche mit ihnen geteilt hatten, aber die Tochter-Erbin gab nicht auf. O nein! Sie �bertrug ihre finstere Miene auf Mat Cauthon, und wenn sie sich ein wenig �nderte, dann nur noch zum Schlechteren. Er schnaubte und sch�ttelte den Kopf. Normalerweise konnte eine Frau, wenn sie im Unrecht war, so viele Dinge finden, die sie dem n�chststehenden Mann vorwerfen konnte, da� er letztendlich glaubte, er selbst sei im Irrtum. Seiner Erfahrung nach, ob es um alte oder neue Erinnerungen ging, gab es nur zwei Gelegenheiten, bei denen eine Frau zugab, im Unrecht zu sein: wenn sie etwas wollte und wenn es mitten im Sommer schneite.</p><p>Nynaeve zog an ihrem Zopf, aber nur sehr halbherzig. Sie betastete ihn, lie� ihn dann wieder los und knetete statt dessen ihre H�nde. �Lan�, begann sie unsicher, �du darfst nicht denken, da� ich reden w�rde �ber...�</p><p>Der Beh�ter unterbrach sie sanft, verbeugte sich und bot ihr seinen Arm. �Wir befinden uns in der �ffentlichkeit, Nynaeve. Was immer du vor allen Leuten sagen willst, kannst du auch sagen. Darf ich dich aufs Boot begleiten?�</p><p>�Ja�, antwortete sie und nickte so heftig, da� ihr fast der Hut vom Kopf fiel. Sie richtete ihn mit beiden H�nden hastig wieder. �Ja. In der �ffentlichkeit. Du wirst mich begleiten.� Sie nahm seinen Arm und gewann ein gewisses Ma� an Haltung zur�ck, zumindest was ihre Miene betraf. Sie nahm mit der freien Hand ihren Staubmantel zusammen und zog Lan �ber den Kai auf die Anlegestelle zu.</p><p>Mat fragte sich, ob sie vielleicht krank war. Es gefiel ihm durchaus zu erleben, wie Nynaeve einen D�mpfer bekam, aber sie lie� es kaum jemals zwei Atemz�ge lang andauern. Aes Sedai konnten sich nicht selbst Heilen. Vielleicht sollte er Elayne vorschlagen, sich um Nynaeve zu k�mmern. Er selbst mied das Heilen genauso wie den Tod und die Ehe, aber f�r andere Menschen war es, so wie er es sah, anders, Zun�chst hatte er jedoch einige auserw�hlte Worte zu Geheimnissen zu sagen.</p><p>Er �ffnete den Mund und hob mahnend einen Finger...</p><p>...und Elayne bohrte ihm ihren Finger in die Brust und blickte ihn unter ihrem Federhut hervor kalt an. �Herrin Corly�, sagte sie im eisigen Tonfall einer K�nigin, die ein Urteil verk�ndet, �hat Nynaeve und mir die Bedeutung jener roten Blumen auf dem Korb erkl�rt, die Ihr, wie ich sehe, wenigstens schamhaft verborgen habt.�</p><p>Sein Gesicht r�tete sich st�rker, als Nynaeve es sich h�tte vorstellen k�nnen. Nur wenige Schritte entfernt banden Reanne Corley und die beiden anderen ihre H�te fest und richteten ihre Gew�nder so, wie Frauen es stets taten, wenn sie aufstanden, sich hinsetzten oder drei Stufen erklommen. Aber obwohl sie ihre Aufmerksamkeit auf ihre Kleidung richteten, warfen sie doch Blicke in seine Richtung, die dieses eine Mal weder mi�billigend noch best�rzend waren. Er hatte nicht gewu�t, da� die verdammten Blumen etwas bedeuteten! Zehn Sonnenunterg�nge h�tten nicht gegen seine Gesichtsr�te konkurrieren k�nnen.</p><p>�Also!� Elaynes Stimme erklang leise, nur f�r seine Ohren gedacht, aber sie troff vor Widerwillen und Verachtung. �Es stimmt tats�chlich! Ich konnte es nicht <emphasis>glauben,</emphasis> nicht einmal von Euch! Und Nynaeve konnte es gewi� auch nicht glauben. Jegliches Euch gegen�ber gegebenes Versprechen ist <emphasis>aufgehoben!</emphasis> Ich werde kein einem Mann gegebenes Versprechen halten, der imstande ist, einer Frau seine Aufmerksamkeit <emphasis>aufzu</emphasis><emphasis>zwingen, irgendeiner</emphasis> Frau, aber <emphasis>besonders</emphasis> einer K�nigin, die ihm angeboten hat...�</p><p><emphasis>�Ich</emphasis> soll <emphasis>ihr meine</emphasis> Aufmerksamkeit aufgezwungen haben!� schrie er. Oder vielmehr versuchte er zu schreien. Ein W�rgen lie� es zu einem Keuchen werden.</p><p>Er ergriff Elaynes Schultern und zog sie ein St�ck von den Kutschen fort. Dockarbeiter in fleckigen gr�nen Lederwesten ohne Hemd darunter eilten vor�ber, die S�cke auf ihren Schultern trugen oder F�sser den Kai entlang rollten. Einige schoben niedrige, mit Kisten beladene Karren, und alle machten einen gro�en Bogen um die Kutschen. Die K�nigin von Altara hatte vielleicht nicht viel Macht, aber ihr Siegel an einer Kutschent�r sorgte daf�r, da� B�rgerliche ihr Platz machten. Nalesean und Beslan plauderten miteinander, w�hrend sie die Rotwaffen auf den Anlegesteg f�hrten, w�hrend Vanin die Nachhut heranbrachte und d�ster auf den tr�ben Flu� starrte. Er behauptete, einen empfindlichen Magen zu haben, wenn es um Boote ging. Die Weisen Frauen aus beiden Kutschen hatten sich um Reanne versammelt und beobachteten sie, aber sie waren zu weit entfernt, um zu lauschen. Mat fl�sterte dennoch rauh.</p><p>�H�rt mir zu! Diese Frau l��t kein Nein als Antwort gelten. Ich sage nein, und sie <emphasis>lacht</emphasis> mich <emphasis>aus.</emphasis> Sie hat mich hungern lassen, mich tyrannisiert, mich wie einen Hirsch gejagt. Sie besitzt mehr H�nde als jegliche andere Frauen, denen ich jemals begegnet bin. Sie drohte mir, mich von Dienerinnen ausziehen zu lassen, wenn ich nicht zulie�e, da� sie...� Pl�tzlich wurde ihm bewu�t, was er sagen wollte. Und zu wem er es sagen wollte. Es gelang ihm, hastig den Mund zu schlie�en. Er interessierte sich auf einmal sehr f�r einen der dunklen Metallraben, die in das Heft des <emphasis>Ashandarei</emphasis> eingelassen waren, so da� er Elaynes Blick nicht begegnen mu�te. �Ihr habt alles mi�verstanden.� Er wagte es, sie unter seiner Hutkrempe hervor anzusehen.</p><p>Ihre Wangen waren leicht ger�tet, aber ihre Miene wurde ernst. �Es ... scheint, als h�tte ich tats�chlich etwas mi�verstanden�, sagte sie sachlich. �Das ist ... sehr <emphasis>ungezogen</emphasis> von Tylin.� Er glaubte, ihre Lippen zucken gesehen zu haben. �Habt Ihr erwogen, vor dem Spiegel verschiedene Arten des L�chelns zu erproben, Mat?�</p><p>Er blinzelte �berrascht. �Was?�</p><p>�Ich habe aus zuverl�ssiger Quelle geh�rt, da� junge Frauen, welche die Aufmerksamkeit von K�nigen erregen wollen, genau das tun.� Etwas sprengte die N�chternheit in ihrer Stimme, und dieses Mal zuckten ihre Lippen eindeutig. �Ihr k�nntet vielleicht auch versuchen, die Lider niederzuschlagen.� Sie bi� sich auf die Unterlippe, wandte sich mit zuckenden Schultern ab, und der Staubmantel wehte hinter ihr her, als sie auf den Anlegesteg zueilte. Bevor sie au�er H�rweite geriet, h�rte er sie glucksend etwas �ber �Kostprobe seiner eigenen Medizin� murmeln. Reanne und die Weisen Frauen eilten hinter ihr her, eine Schar Hennen, die einem K�ken folgten anstatt umgekehrt. Die wenigen Bootsleute mit blo�en Oberk�rpern auf ihren Schiffen hielten damit inne, Taue aufzurollen oder was immer sie sonst gerade <emphasis>taten,</emphasis> und beugten respektvoll die K�pfe, w�hrend die Prozession vor�berzog.</p><p>Mat ri� sich den Hut vom Kopf und erwog, ihn auf den Boden zu werfen und darauf herumzutrampeln. Frauen! Er h�tte es besser wissen m�ssen, als Mitleid zu erwarten. Er h�tte die verdammte Tochter-Erbin gern erw�rgt. Und Nynaeve aus Prinzip ebenfalls. Nur da� er es nat�rlich nicht tun konnte. Er hatte sein Versprechen gegeben. Jene W�rfel benutzten seinen Kopf noch immer als W�rfelbecher, und eine der Verlorenen war vielleicht irgendwo in der N�he. Er setzte seinen Hut auf, marschierte den Anlegeplatz hinab, fegte an den Weisen Frauen vorbei und holte Elayne ein. Sie bem�hte sich noch immer, nicht zu lachen, aber jedesmal, wenn sie in seine Richtung blickte, err�tete sie erneut und kicherte st�rker.</p><p>Er blickte starr geradeaus. Verdammte Frauen! Verdammte Versprechen. Er nahm seinen Hut ausreichend lange ab, um das Lederband um seinen Hals zu l�sen und schob es ihr widerwillig zu. Der silberne Fuchskopf schwang unter seiner Faust hin und her. �Ihr und Nynaeve werdet entscheiden m�ssen, wer von Euch beiden dies tr�gt. Aber ich will es zur�ckhaben, wenn wir Ebou Dar verlassen. Versteht Ihr? In dem Moment, in dem wir Ebou Dar verlassen...�</p><p>Pl�tzlich erkannte er, da� er allein weitergegangen war. Als er sich umwandte, sah er Elayne stocksteif zwei Schritte hinter ihm stehen, die ihn anstarrte, w�hrend Reanne und die �brigen sich hinter ihr zusammendr�ngten.</p><p>�Was ist jetzt los?� fragte er. �O ja, ich wei� �ber Moghedien Bescheid.� Ein magerer Bursche mit roten Steinen an seinen Messingcreolen, der sich �ber eine Halteleine beugte, fuhr bei diesem Namen so schnell herum, da� er mit einem lauten Schrei und noch lauterem Platschen �ber Bord fiel. Es k�mmerte Mat nicht, wer zuh�rte. �Zu versuchen, es zu verheimlichen -und da� zwei meiner M�nner tot sind! -, nachdem Ihr Euer Versprechen gegeben habt. Nun, dar�ber werden wir sp�ter reden. Ich habe auch ein Versprechen gegeben. Ich habe versprochen, Euch zu besch�tzen. Wenn Moghedien auftaucht, wird sie Euch jagen. Jetzt nehmt es.� Er schob ihr das Medaillon erneut zu.</p><p>Elayne sch�ttelte z�gernd und verwundert den Kopf und wandte sich dann um, um sich fl�sternd mit Reanne zu beraten. Erst nachdem die �lteren Frauen auf dem Weg zu Nynaeve waren, die ihnen von einer Bootstreppe aus zuwinkte, nahm Elayne den Fuchskopf und drehte ihn in den H�nden.</p><p>�Habt Ihr auch nur die geringste Ahnung, was ich alles getan h�tte, um dies zu erforschen?� fragte sie leise. �Auch nur die geringste Ahnung?� Sie war gro� f�r eine Frau, aber sie mu�te dennoch zu ihm aufsehen. Sie hatte ihn vielleicht noch niemals zuvor wirklich gesehen. �Ihr seid ein schwieriger Mann, Mat Cauthon. Lini w�rde sagen, ich wiederhole mich, aber <emphasis>Ihr...!�</emphasis> Elayne stie� ger�uschvoll den Atem aus und langte aufw�rts, um ihm den Hut abzunehmen und ihm das Band wieder �ber den Kopf zu streifen. Tats�chlich steckte sie den Fuchskopf in sein Hemd zur�ck und t�tschelte ihn, bevor sie ihm seinen Hut zur�ckgab. �Ich werde ihn nicht tragen, solange Nynaeve keinen besitzt, oder Aviendha, und ich glaube, die beiden empfinden �hnlich. Tragt Ihr ihn. Immerhin k�nnt Ihr Euer Versprechen kaum halten, wenn Moghedien <emphasis>Euch</emphasis> t�tet. Nicht da� ich glaube, da� sie noch hier ist. Wahrscheinlich denkt sie, Nynaeve get�tet zu haben, und es w�rde mich nicht �berraschen, wenn das der einzige Grund f�r ihr Kommen war. Ihr m��t dennoch vorsichtig sein. Nynaeve sagt, ein Sturm k�me auf, und sie meint damit nicht diesen Wind. Ich...� Sie err�tete erneut. �Es tut mir leid, da� ich �ber Euch gelacht habe.� Sie r�usperte sich und wandte den Blick ab. �Manchmal vergesse ich meine Pflichten meinen Untertanen gegen�ber. Ihr seid ein achtbarer Untertan, Matrim Cauthon. Ich werde daf�r sorgen, da� Nynaeve erf�hrt, was mit ... mit Euch und Tylin vorgeht. Vielleicht k�nnen wir Euch helfen.�</p><p>�Nein�, platzte er heraus. �Ich meine, ja. Ich meine... Das ist... Oh, verdammt sei ich, wenn ich wei�, was ich meine. Ich w�nschte fast, Ihr w�rdet die Wahrheit nicht kennen.� Nynaeve und Elayne, die sich zusammensetzten und beim Tee �ber ihn und Tylin diskutierten. K�nnte er jemals damit leben? K�nnte er danach jemals wieder einer von ihnen in die Augen sehen? Aber wenn sie es nicht taten... Er sa� ohne Ausweg in der Falle. �Oh, verdammt! Verdammt noch mal!� Er w�nschte fast, sie w�rde ihn f�r seine Fl�che r�gen, wie Nynaeve es getan h�tte, nur um das Thema zu wechseln.</p><p>Sie bewegte lautlos die Lippen, und er hatte einen Moment den seltsamen Eindruck, sie wiederhole, was er gerade gesagt hatte. Nat�rlich nicht. Er hatte Halluzinationen. Das war alles. Laut sagte sie: �Ich verstehe.� Und sie klang, als verstehe sie tats�chlich. �Nun kommt, Mat. Wir d�rfen keine Zeit damit verschwenden, hier herumzustehen.�</p><p>Er beobachtete staunend, wie sie ihre R�cke und den Umhang raffte und �ber den Anlegeplatz schritt. Sie verstand? Sie verstand, und es kam kein bissiger Kommentar, nicht eine verletzende Bemerkung? Und er war ihr Untertan. Ihr <emphasis>achtbarer</emphasis> Untertan. Das Medaillon betastend, folgte er ihr. Er war sich sicher gewesen, da� er darum k�mpfen m��te, es jemals wiederzubekommen. Und wenn er so lange lebte wie <emphasis>zwei</emphasis> Aes Sedai, w�rde er die Frauen doch niemals verstehen, und adlige Frauen waren die schlimmsten.</p><p>Als er die Stufen erreichte, die Elayne hinabgestiegen war, benutzten die beiden Ruderer des Bootes bereits ihre langen Ruder, um das Boot abzusto�en. Elayne dr�ngte Reanne und die letzte der Weisen Frauen in die Kabine, und Lan stand mit Nynaeve am Bug. Beslan rief ihn zum n�chsten Boot, in dem sich alle M�nner au�er dem Beh�ter befanden.</p><p>�Nynaeve sagte, es sei nicht genug Platz f�r einen von uns�, erkl�rte Nalesean, als das Boot schaukelnd auf den Eldar hinausfuhr. �Sie sagte, wir w�rden sie beengen.� Beslan lachte, w�hrend er sich auf dem Boot umsah. Vanin sa� mit geschlossenen Augen neben der Kabinent�r und gab vor, er bef�nde sich woanders. Harnan und Tad Kandel, trotz seiner ebenso dunklen Hautfarbe wie die der Bootsleute ein Andoraner, waren auf das Kabinendach geklettert. Die �brigen Rotwaffen hockten an Deck und versuchten, den Ruderern aus dem Weg zu bleiben. Niemand betrat die Kabine, sondern alle warteten offensichtlich ab, ob Mat und Nalesean und Beslan hineingehen wollten.</p><p>Mat stellte sich neben den hohen Bugmast und sp�hte zu dem anderen Boot, das sich unmittelbar vor ihnen befand. Der Wind peitschte das d�stere Wasser und seinen Schal ebenso, und er mu�te seinen Hut festhalten. Was hatte Nynaeve vor? Die anderen neun Frauen auf dem zweiten Boot befanden sich alle in der Kabine und �berlie�en ihr und Lan das Deck. Sie standen am Bug, Lan mit gekreuzten Armen und Nynaeve gestikulierend, als erkl�re sie etwas. Nur da� Nynaeve �u�erst selten etwas erkl�rte.</p><p>Was auch immer sie tat - es dauerte nicht lange. Drau�en in der Bucht, wo die Klipper und Wogent�nzer des Meervolks ihre Anker lichteten, waren wei�e Schaumkronen zu sehen. Der Flu� war nicht sehr unruhig, aber das Boot schaukelte dennoch st�rker, als Mat es von jeder vorangegangenen Fahrt in Erinnerung hatte. Es dauerte nicht lange, bis Nynaeve sich �ber die Reling beugte und sich von ihrem Fr�hst�ck befreite, w�hrend Lan sie festhielt. Das erinnerte Mat an seinen eigenen Magen. Er klemmte sich den Hut unter den Arm, damit er nicht davonwehen konnte, und nahm sein St�ck K�se hervor.</p><p>�Beslan, wird dieser Sturm wohl losbrechen, bevor wir vom Rahad zur�ckkehren k�nnen?� Er bi� ein St�ck von dem w�rzigen K�se ab. Es gab in Ebou Dar f�nfzig verschiedene Sorten K�se, die alle wohlschmeckend waren. Nynaeve hing noch immer �ber der Reling. Wieviel hatte die Frau heute morgen gegessen? �Ich wei� nicht, wo wir Schutz suchen sollen, wenn wir hineingeraten.� Er konnte sich an kein einziges Gasthaus im Rahad erinnern, in das er die Frauen mitnehmen w�rde.</p><p>�Es kommt kein Sturm auf�, sagte Beslan und setzte sich auf die Reling. �Dies sind nur die winterlichen Passatwinde. Diese Winde kommen zweimal im Jahr, im Sp�twinter und im Sp�tsommer, aber sie m�ssen noch viel st�rker werden, bevor ein Sturm daraus wird.� Er blickte verdrossen in die Bucht hinaus. �Jedes Jahr bringen - brachten - diese Winde Schiffe von Tarabon und Arad Doman heran. Ich frage mich, ob das jemals wieder geschehen wird.�</p><p>�Das Rad webt�, begann Mat und verschluckte sich dann an einem Kr�mel K�se. Blut und Asche - er klang bereits wie ein alter Mann, der seine schmerzenden Gelenke vor einem Kamin ausruhte. Sich dar�ber zu sorgen, die Frauen in ein sch�biges Gasthaus mitzunehmen. Vor einem Jahr, vor einem halben Jahr, h�tte er sie mit hinein genommen, h�tte geh�hnt, wenn ihnen die Augen herausfielen, und h�tte �ber jedes gek�nstelte Naser�mpfen gelacht. �Nun, vielleicht wirst du im Rahad doch ein wenig Spa� haben, Zumindest wird jemand uns bestehlen wollen oder versuchen, Elayne die Halskette abrei�en.� Vielleicht brauchte er das, um den Geschmack nach N�chternheit auf seiner Zunge zu tilgen, N�chternheit. Licht, welcher Begriff, um ihn auf Mat Cauthon anzuwenden! Er mu�te sich mehr vor Tylin f�rchten, als er gedacht hatte, wenn er so verk�mmerte. Vielleicht brauchte er etwas von Beslans Art von Spa�. Das war verr�ckt - er hatte noch niemals einen Kampf gesehen, um den er nicht lieber einen Bogen gemacht h�tte -, aber vielleicht...</p><p>Beslan sch�ttelte den Kopf. �Wenn jemand ihn finden kann, dann Ihr, aber... Wir werden sieben Weise Frauen bei uns haben, Mat. Sieben. Mit je einer an Eurer Seite k�nntet Ihr, sogar im Rahad, jemanden schlagen, und er w�rde seine Zunge verschlucken und davongehen. Und die Frauen. Was ist spa�ig daran, eine Frau ohne das Risiko zu k�ssen, da� sie vielleicht einen Dolch in Euch versenken k�nnte?�</p><p>�Verdammt sei meine Seele�, murrte Nalesean in seinen Bart. �Das klingt, als h�tte ich mich f�r einen langweiligen Vormittag aus dem Bett gequ�lt.�</p><p>Beslan nickte mitleidig. �Aber wenn wir Gl�ck haben... Die B�rgerwehr schickt gelegentlich Patrouillen in den Rahad, und wenn sie Schmuggler verfolgen, sind sie stets wie alle anderen gekleidet. Sie glauben anscheinend, da� niemand ein Dutzend M�nner mit Schwertern bemerken wird, was auch immer sie tragen, und sind stets �berrascht, wenn die Schmuggler sie aus dem Hinterhalt �berfallen, was fast immer geschieht. Wenn Mats <emphasis>Ta'veren</emphasis><emphasis>-Gl�ck</emphasis> auch uns einschlie�t, werden wir vielleicht f�r die B�rgerwehr gehalten, und einige Schmuggler greifen uns vielleicht an, bevor sie die roten G�rtel sehen.� Nalesean strahlte und rieb sich die H�nde.</p><p>Mat sah sie an. Vielleicht war Beslans Art von Spa� doch nicht das, was er brauchte. Au�erdem hatte er genug von Frauen mit Dolchen. Nynaeve hing noch immer �ber die Reling des Bootes vor ihnen. Das w�rde sie lehren, nicht mehr so viel in sich hineinzuschlingen. Er a� gierig den letzten Rest K�se, griff dann zum Brot und versuchte, die W�rfel in seinem Kopf zu ignorieren. Eine unbeschwerte Reise ohne Schwierigkeiten klang �berhaupt nicht schlecht. Eine schnelle Reise, mit einem schnellen Aufbruch von Ebou Dar.</p><p>Der Rahad war alles, woran er sich erinnerte, und alles, was Beslan f�rchtete. Der Wind lie� das Erklimmen der aufgesprungenen grauen Steinstufen am Bootsanlegeplatz zu einem gef�hrlichen Kraftakt werden, und danach wurde es noch schlimmer. Kan�le verliefen �berall, genau wie auf der anderen Seite des Flusses, aber hier waren die Br�cken schmal, die schmutzigen Steinbr�stungen zerfallen und br�chig. Zahlreiche Kan�le waren so verschlammt, da� Jungen bis zur Taille darin wateten, und kaum ein Lastkahn war zu sehen. Hohe Geb�ude standen an engen Stra�en mit aufgerissenem Stra�enpflaster dicht zusammengedr�ngt, klotzige Gebilde mit rauhem, einst wei�em Verputz, der in gro�en Flecken verwitterte rote Ziegelsteine freigab. In diesen Stra�en erreichte das Morgenlicht die Schatten der Geb�ude nicht wirklich. Schmuddelige W�sche hing zum Trocknen vor jedem dritten Fenster, au�er dort, wo ein Geb�ude leerstand. Das galt f�r einige, deren Fenster wie Augenh�hlen in einem Sch�del g�hnten. Ein s��saurer Geruch nach Verfall durchdrang die Luft, nach Nachtt�pfen vom letzten Monat und uraltem Abfall, der verrottete, wo immer er hingeworfen wurde, und f�r jede Fliege auf der anderen Seite des Eldar summten hier hundert in graugr�nen Wolken umher. Er ersp�hte die abbl�tternde blaue T�r der <emphasis>Goldenen Krone des Himmels</emphasis> und erschauderte, trotz Beslans Worten, bei dem Gedanken, die Frauen dort hineinzubringen, wenn der Sturm losbr�che. Dann erschauderte er erneut, weil er erschaudert war. Etwas geschah mit ihm, und es gefiel ihm nicht.</p><p>Nynaeve und Elayne bestanden darauf, mit Reanne die F�hrung zu �bernehmen, w�hrend die Weisen Frauen dicht hinter ihnen gingen. Lan blieb wie ein Wolfshund an Nynaeves Seite. Die Hand am Schwertheft, die Blicke st�ndig schweifend, wirkte er bedrohlich. Tats�chlich bot er selbst hier wahrscheinlich ausreichenden Schutz f�r zwei Dutzend h�bsche junge M�dchen mit S�cken voller Gold, aber Mat bestand darauf, da� Vanin und die �brigen ebenfalls die Augen offenhielten. Der fr�here Pferdedieb und Wilderer blieb so dicht bei Elayne, da� man jedermann h�tte verzeihen k�nnen, der ihn f�r ihren Beh�ter gehalten h�tte, wenn auch ein eher dicker und abgerissener Beh�ter. Belan rollte bei Mats Anweisungen ausdrucksvoll mit den Augen, und Nalesean strich sich ver�rgert �ber den Bart und murrte, da� er noch immer im Bett liegen k�nnte.</p><p>M�nner stolzierten, oft in zerlumpten Westen und ohne Hemd, die Stra�en entlang, trugen gro�e Messingcreolen in den Ohren und Messingringe mit eingelassenen Buntglassteinen an den H�nden und hatten oft einen oder manchmal zwei Dolche hinter dem G�rtel stecken. Ihre H�nde ruhten in der N�he der Dolche, und sie schauten, als wollten sie jedermann warnen, sie nur nicht schief anzusehen. Andere schlichen mit gesenkten Blicken von Ecke zu Ecke, von Eingang zu Eingang, ahmten die Hunde mit den hervorstehenden Rippen nach, die manchmal aus einem d�steren Eingang heraus knurrten, der kaum breit genug war, da� sich ein Mensch hindurchzw�ngen konnte. Jene M�nner rechneten mit allem, und man konnte nicht sagen, welcher davonlaufen und welcher zustechen w�rde. Die Frauen lie�en die M�nner im gro�en und ganzen unauff�llig erscheinen, da sie in abgetragenen Gew�ndern und mit doppelt soviel Messingschmuck wie die M�nner einherstolzierten. Sie trugen nat�rlich auch Dolche, und ihre k�hnen dunklen Augen forderten mit jedem Blick auf zehn verschiedene Arten heraus. Kurz gesagt, der Rahad war ein Ort, an dem niemand, der Seide trug, hoffen konnte, zehn Schritte gehen zu k�nnen, ohne niedergeschlagen zu werden. Bestenfalls konnten sie darauf hoffen, bis auf die Haut entkleidet in einer Gasse auf einem Haufen Abfall aufzuwachen, da die Alternative darin bestand, �berhaupt nicht mehr aufzuwachen. Aber...</p><p>Kinder mit angeschlagenen Steingutbechern mit Wasser schossen aus jedem zweiten Eingang, von ihren M�ttern geschickt, falls die Weisen Frauen etwas zu trinken w�nschten. M�nner mit narbigen Gesichtern und mordgierigen Augen starrten die sieben Weisen Frauen mit offenem Mund an, verbeugten sich dann ruckartig und fragten h�flich, ob sie helfen k�nnten, ob sie irgend etwas getragen haben wollten? Frauen, manchmal mit ebenso vielen Narben und mit Augen, die selbst Tylin h�tten zusammenzucken lassen, vollf�hrten unbeholfen Hofknickse und fragten atemlos, ob sie ihnen vielleicht die Richtung weisen sollten.</p><p>Die Soldaten betrachteten sie dennoch genauso feurig wie immer, obwohl selbst die Hartn�ckigsten nach einem einzigen Blick vor Lan zur�ckzuckten.</p><p>Und seltsamerweise auch vor Vanin. Einige der M�nner schimpften �ber Beslan und Nalesean, wann immer sie einer Frau zu lange in den tiefen Ausschnitt blickten. Einige schimpften auch �ber Mat, obwohl er nicht verstand warum. Anders als seine beiden Gef�hrten lief er niemals Gefahr, da� ihm die Augen in den Ausschnitt einer Frau fallen k�nnten. Er wu�te, wie man taktvoll schaute. Nynaeve und Elayne wurden trotz all ihres Putzes ignoriert, und Reanne in ihrem roten Tuchgewand ebenso. Sie trugen keinen roten G�rtel, aber sie standen unter dem Schutz jener G�rtel. Mat erkannte, da� Beslan recht gehabt hatte. Er k�nnte seine Geldb�rse auf den Boden aussch�tten, und niemand w�rde eine M�nze aufheben, zumindest so lange die Weisen Frauen in der N�he waren. Er konnte jede in Sichtweite befindliche Frau in den Hintern zwicken, und sie w�rde lediglich davongehen, selbst wenn sie beinahe einen Schlaganfall erlitt.</p><p>�Welch erfreulicher Spaziergang�, sagte Nalesean trocken, �mit solch interessanten Ansichten und Ger�chen. Sagte ich Euch bereits, da� ich letzte Nacht nicht viel Schlaf bekommen habe, Mat?�</p><p>�Wollt Ihr im Bett sterben?� grollte Mat. Sie h�tten ebenso gut alle im Bett bleiben k�nnen. Sie waren hier mit Sicherheit verdammt nutzlos. Der Tairener schnaubte ungehalten. Beslan lachte, aber er glaubte wahrscheinlich, Mat h�tte etwas anderes gemeint.</p><p>Sie marschierten durch den Rahad, bis Reanne schlie�lich vor einem unscheinbaren Geb�ude mit abbl�tterndem Verputz und zerbr�ckelnden Ziegelsteinen stehenblieb, dasselbe Geb�ude, bis zu dem Mat gestern einer anderen Frau gefolgt war. Vor den Fenstern hing keine W�sche. Hier lebten nur Ratten. �Hier drinnen�, sagte sie.</p><p>Elaynes Blick wanderte langsam bis zum Flachdach des Hauses. �Sechs�, murmelte sie im Tonfall zutiefster Zufriedenheit.</p><p>�Sechs�, seufzte Nynaeve, und Elayne t�tschelte ihren Arm, als f�hle sie mit ihr.</p><p>�Ich war mir nicht wirklich sicher�, sagte sie, also l�chelte Nynaeve und t�tschelte ihr ebenfalls den Arm. Mat verstand kein Wort. Das Geb�ude hatte also sechs Stockwerke. Frauen benahmen sich manchmal eigenartig. Nun, meistens.</p><p>In dem Geb�ude verlief ein langer, mit abgewetzten Teppichen ausgelegter, d�sterer Gang zur R�ckseite, dessen Ende in Schatten verborgen lag. Nur wenige der Durchg�nge besa�en T�ren, und die wenigen vorhandenen bestanden nur aus groben Brettern. Eine T�r�ffnung, fast ein Drittel des Weges den Gang hinab, ging zu einer engen, steil aufw�rts f�hrenden Steintreppe. Das war der Weg, den Mat am Vortag genommen hatte, den Fu�spuren im Staub folgend, aber er glaubte, da� einige der anderen T�ren noch zu quer verlaufenden G�ngen f�hren m��ten. Er hatte sich gestern nicht die Zeit genommen , sich umzusehen, aber das Geb�ude war zu tief und zu breit, als da� nur diese eine Treppe aus dem untersten Stockwerk nach oben konnte. Und es war zu gro�, als da� es nur einen Eingang geben konnte.</p><p>�Wirklich, Mat�, sagte Nynaeve, als er Harnan und die H�lfte der Rotwaffen aussandte, um sich nach einem Hintereingang umzusehen und diesen zu bewachen. Lan blieb so nah an ihrer Seite, da� er dort festzuhaften schien. �Erkennt Ihr inzwischen nicht, da� dies nicht n�tig ist?�</p><p>Ihre Stimme klang so sanft, da� Elayne die Wahrheit �ber Tylin weitererz�hlt haben mu�te, aber wenn dies �berhaupt etwas bewirkte, tr�bte es seine Stimmung eher noch st�rker. Er wollte nicht, da� <emphasis>irgend jemand</emphasis> es wu�te. Es war verdammt nutzlos! Aber jene W�rfel rollten noch immer in seinem Kopf umher. �Vielleicht mag Moghedien Hintert�ren�, sagte er trocken. Etwas pfiff am dunklen Ende des Ganges, und einer der M�nner bei Harnan fluchte laut �ber Ratten.</p><p>�Du hast es ihm gesagt!� fuhr Nynaeve Lan w�tend an, w�hrend sie mit einer Hand heftig an ihrem Zopf zog.</p><p>Elayne stie� einen aufgebrachten Laut aus. �Jetzt ist nicht die Zeit zu streiten, Nynaeve. Dort oben befindet sich die Schale! Die Schale der Winde!� Pl�tzlich erschien eine kleine Lichtkugel und schwebte vor ihr her, und sie raffte ihre R�cke und eilte die Treppe hinauf, ohne nachzusehen, ob Nynaeve ihr folgte oder nicht. Vanin eilte ihr in Anbetracht seines Leibesumfangs mit erstaunlicher Schnelligkeit hinterher, gefolgt von Reanne und den meisten der Weisen Frauen. Sumeko mit dem runden Gesicht und Ieine, gro� und dunkel und trotz der Linien in den Augenwinkeln h�bsch, z�gerten, blieben aber dann bei Nynaeve.</p><p>Mat w�re auch mit hinaufgegangen, wenn ihm Nynaeve und Lan nicht im Weg gestanden h�tten. �W�rdet Ihr mich wohl vorbeilassen, Nynaeve?� fragte er. Er verdiente es dabeizusein, wenn diese verdammte Schale geborgen wurde. �Nynaeve?� Sie war so auf Lan konzentriert, da� sie alle anderen vergessen zu haben schien. Mat wechselte Blicke mit Beslan, der grinste. Er sa� bei Corevin und den �brigen Rotwaffen bequem in der Hocke. Nalesean lehnte an der Wand und g�hnte betont. Was bei all dem aufgewirbelten Staub ein Fehler war. Das G�hnen wurde zu einem Hustenanfall, und sein Gesicht r�tete sich.</p><p>Selbst das lenkte Nynaeve nicht ab. Sie nahm die Hand bedacht von ihrem Zopf. �Ich bin nicht b�se, Lan�, sagte sie.</p><p>�Doch, das bist du�, erwiderte er ruhig. �Aber er mu�te es erfahren.�</p><p>�Nynaeve?� sagte Mat. �Lan?� Beide blickten ihn nicht einmal an.</p><p>�Ich h�tte es ihm gesagt, wenn ich dazu bereit gewesen w�re, Lan Mandragoran!� Sie schlo� j�h den Mund, aber ihre Lippen bewegten sich weiterhin, als spr�che sie mit sich selbst. �Ich bin dir nicht b�se�, fuhr sie in erheblich milderem Tonfall fort, und es schien ebenso an sie selbst gerichtet. Sie warf ihren Zopf ganz bewu�t �ber ihre Schulter, richtete energisch den mit blauen Federn geschm�ckten Hut und stemmte die H�nde in die H�ften.</p><p>�Wenn du es sagst�, antwortete Lan sanft.</p><p>Nynaeve bebte. �Sprich nicht in diesem Ton mit mir!� schrie sie. �Ich sagte dir, ich bin dir nicht b�se! H�rst du mich?�</p><p>�Blut und Asche, Nynaeve�, grollte Mat. �Er denkt nicht, da� du b�se bist. Ich denke nicht, da� du b�se bist.� Es war gut, da� Frauen ihn gelehrt hatten, mit unbewegter Miene zu l�gen. �K�nnten wir jetzt hinaufgehen und diese verdammte Schale der Winde holen?�</p><p>�Eine fabelhafte Idee�, sagte die Stimme einer Frau von der T�r zur Stra�e aus. �Sollen wir zusammen hinaufgehen und Elayne �berraschen?� Mat hatte die beiden Frauen, die den Gang betraten, noch nie zuvor gesehen, aber ihre Gesichter waren Aes Sedai-Gesichter. Das Antlitz der Sprecherin war l�nglich und kalt wie ihre Stimme, w�hrend das ihrer Begleiterin von einer Vielzahl d�nner, dunkler Z�pfe eingerahmt wurde, die mit bunten Perlen verziert waren. Fast zwei Dutzend M�nner dr�ngten hinter ihnen herein, gro�e Burschen mit breiten Schultern und Kn�ppeln und Dolchen in H�nden. Mat verlagerte seinen Griff um den <emphasis>Ashandarei.</emphasis> Er erkannte Schwierigkeiten, wenn er sie sah, und der Fuchskopf auf seiner Brust lag kalt, fast kalt, an seiner Haut. Jemand umarmte die Eine Macht.</p><p>Die beiden Weisen Frauen fielen bei ihren Hofknicksen fast vorn�ber, sobald sie jene alterslosen Z�ge sahen, aber Nynaeve erkannte die Schwierigkeiten gewi� ebenfalls. Sie bewegte lautlos die Lippen, als die beiden den Gang herab kamen, das Gesicht vollkommen best�rzt und selbstanklagend. Mat h�rte, wie hinter ihm ein Schwert gezogen wurde, aber er drehte sich nicht um, um nachzusehen, wessen Schwert es war. Lan stand nur da, was nat�rlich bedeutete, da� er wie ein sprungbereiter Leopard lauerte.</p><p>�Sie geh�ren der Schwarzen Ajah an�, sagte Nynaeve schlie�lich. Ihre Stimme klang zun�chst schwach, gewann aber, als sie fortfuhr, an Festigkeit. �Falion Bhoda und Ispan Shefar. Sie haben in der Burg gemordet und seitdem noch Schlimmeres getan. Sie sind Schattenfreunde und... � ihre Stimme stockte einen Moment �...haben mich abgeschirmt.�</p><p>Die Neuank�mmlinge gingen gelassen weiter. �Habt Ihr schon jemals solchen Unsinn geh�rt, Ispan?� fragte die Aes Sedai mit dem l�nglichen Gesicht ihre Begleiterin, die den Blick vom Staub zu Nynaeve hob, um sie einf�ltig anzul�cheln. �Ispan und ich kommen von der Wei�en Burg, w�hrend Nynaeve und ihre Freunde sich gegen den Amyrlin-Sitz erheben. Sie werden ernstlich daf�r bestraft werden, wie auch jedermann, der ihnen hilft.� Mat erkannte entsetzt, da� die Frauen nicht Bescheid wu�ten. Sie dachten, er und Lan und die �brigen seien nur verdungene Schl�ger. Falion gew�hrte Nynaeve ein L�cheln, das einen Wolf freundlich erscheinen lie�. �Es gibt jemanden, der hoch erfreut sein wird, Euch zu sehen, wenn wir Euch zur�ckbringen, Nynaeve. Sie glaubt, Ihr w�rt tot. Ihr anderen solltet jetzt besser gehen. Ihr wollt doch nicht in Angelegenheiten der Aes Sedai verwickelt werden. Meine Leute bringen Euch zum Flu�.� Ohne ihren Blick von Nynaeve abzuwenden, bedeutete Falion den M�nnern hinter ihr vorzutreten.</p><p>Lan regte sich. Er zog nicht sein Schwert, und gegen Aes Sedai h�tte er damit auch keine Chance gehabt, wenn er es getan h�tte, sondern stand in einem Moment still und hatte sich im n�chsten Moment bereits auf die Frauen geworfen. Unmittelbar bevor er zuschlug, st�hnte er, als sei er hart getroffen worden, aber er prallte dennoch gegen sie und warf beide Schwarze Schwestern auf den staubigen Boden. Dadurch �ffneten sich die Schleusentore weit.</p><p>Lan richtete sich auf H�nde und Knie auf und sch�ttelte benommen den Kopf, und einer der gro�en Burschen hob einen eisenverst�rkten Kn�ppel, um ihm den Sch�del einzuschlagen. Mat stach dem Burschen mit seinem Speer in den Bauch, w�hrend Beslan und Nalesean und die f�nf Rotwaffen dem barschen Angriff der Schattenfreunde ebenfalls rasch begegneten. Lan stand taumelnd auf, holte mit dem Schwert aus und schlitzte einen Schattenfreund vom Bauch bis zum Hals auf. Es war nicht viel Platz in dem Gang, um die Schwerter oder den <emphasis>Ashandarei</emphasis> zu f�hren, aber die Beengtheit erlaubte es ihnen auch, sich der �bermacht zu stellen, ohne schon im ersten Moment �berw�ltigt zu werden. Schnaufende M�nner k�mpften von Angesicht zu Angesicht gegen sie, stie�en sie mit den Ellbogen fort, um Platz f�r einen Dolchsto� oder das Schwingen eines Kn�ppels zu erlangen.</p><p>Rund um die Schwarzen Schwestern und Nynaeve blieb ein wenig Raum frei, wof�r sie selbst sorgten. Ein drahtiger Andoraner der Rotwaffen prallte fast in Falion, aber im letzten Moment zuckte er in der Luft zusammen, flog durch den Gang, wobei er zwei der breitschultrigen Schattenfreunde niederschlug, bevor er gegen die Wand krachte, herabrutschte und sein Hinterkopf eine Blutspur auf dem aufgesprungenen, staubigen Verputz hinterlie�. Ein kahlk�pfiger Schattenfreund dr�ngte sich durch die Linie der Verteidiger und st�rmte mit ausgestrecktem Dolch auf Nynaeve zu. Er schrie auf, als seine F��e pl�tzlich unter ihm weggerissen wurden, ein Schrei, der abbrach, als sein Gesicht so hart auf den Boden aufschlug, da� sein Kopf abprallte.</p><p>Nynaeve war offensichtlich nicht mehr abgeschirmt, und wenn der k�hle Fuchskopf, der auf Mats Brust umhertanzte, kein ausreichender Hinweis darauf war, da� sie und die Schwarzen Schwestern in einen Kampf verstrickt waren, so war es doch �berdeutlich die Art, wie sie einander anstarrten und den Kampf um sich herum ignorierten. Die beiden Weisen Frauen beobachteten das Geschehen entsetzt. Sie hielten ihre gebogenen Dolche in der Faust, kauerten aber an der Wand und blickten mit geweiteten Augen und offenen M�ndern von Nynaeve zu den beiden anderen.</p><p>�K�mpft�, fauchte Nynaeve sie an. Sie drehte den Kopf nur so weit, da� sie sowohl sie als auch Falion und Ispan sehen konnte. �Ich kann es nicht allein schaffen. Sie sind verbunden. Wenn Ihr sie nicht bek�mpft, werden sie Euch t�ten. Ihr wi�t doch jetzt �ber sie Bescheid!� Die Weisen Frauen sahen sie so erstaunt an, als h�tte sie vorgeschlagen, der K�nigin ins Gesicht zu speien. Inmitten der Schreie und des St�hnens lachte Ispan melodi�s. Ein schriller Schrei hallte die Treppe herab.</p><p>Nynaeves Kopf fuhr herum. Sie stolperte pl�tzlich, und ihr Kopf ruckte wie der eines verletzten Dachses zur�ck, wobei sie so finster blickte, da� Falion und Ispan sofort h�tten fliehen m�ssen, wenn sie bei Verstand gewesen w�ren. Nynaeve versagte sich einen gequ�lten Blick zu Mat. �Oben wurde die Macht gelenkt�, sagte sie durch zusammengebissene Z�hne. �Dort gibt es Schwierigkeiten.�</p><p>Mat z�gerte. Es war wohl wahrscheinlicher, da� Elayne eine Ratte gesehen hatte. Weitaus wahrscheinlicher. Es gelang ihm, einen auf seine Rippen zielenden Dolchsto� abzuwehren aber es war kein Platz, den Sto� mit dem <emphasis>Ashandarei</emphasis> zu erwidern oder das Heft wie einen Stock zu benutzen. Beslan f�hrte einen Sto� an ihm vorbei und traf seinen Angreifer mitten ins Herz.</p><p>�Bitte, Mat�, sagte Nynaeve angespannt. Sie bat niemals. Sie w�rde sich eher die Kehle durchschneiden. �Bitte.�</p><p>Mat entzog sich fluchend dem Kampf und jagte alle sechs steilen, engen Treppen hinauf, ohne auch nur einmal innezuhalten. Es gab kein einziges Fenster, das Licht gespendet h�tte. Wenn es nur eine Ratte war, w�rde er Elayne sch�tteln, bis ihre Z�hne... Er st�rzte �ber die letzte Stufe hinaus ins oberste Stockwerk, das nicht viel heller war als das Treppenhaus, da sich nur ein Fenster zur Stra�e hin befand, und lief in eine Szene aus einem Alptraum hinein.</p><p>�berall lagen Frauen am Boden. Elayne war eine davon, halbwegs auf dem R�cken an der Wand liegend, die Augen geschlossen. Vanin kauerte auf Knien, wahrend ihm Blut aus Nase und Ohren str�mte und er schwach versuchte, sich an der Wand hochzuziehen. Die letzte Frau, die noch stand, Janira, floh zu Mat, sobald sie ihn sah. Er hatte sie mit ihrer Hakennase und den scharfgeschnittenen Wangenknochen insgeheim mit einem Falken verglichen, aber jetzt dr�ckte ihre Miene pures Entsetzen aus, die dunklen Augen geweitet und starr.</p><p>�Helft mir!� schrie sie ihm zu, als ein Mann sie von hinten packte. Er war ein gew�hnlich aussehender Bursche, vielleicht ein wenig �lter als Mat, gleich gro� und schlank in seiner einfachen grauen Jacke. Er nahm Janiras Kopf l�chelnd zwischen beide H�nde und drehte ihn scharf. Das Ger�usch ihres brechenden Genicks klang wie ein knackender, trockener Zweig. Er lie� sie haltlos zu Boden sinken und blickte auf sie hinab. Sein L�cheln wirkte einen Moment ... verz�ckt.</p><p>Einige M�nner unmittelbar jenseits von Vanin stemmten beim Licht zweier Laternen eine sich mit quietschenden Scharnieren bewegende T�r auf, aber Mat bemerkte es kaum. Sein Blick wanderte von Janiras zusammengesunkenem K�rper zu Elayne. Er hatte versprochen, sie f�r Rand zu besch�tzen. Er hatte es versprochen. Er st�rzte sich mit einem Schrei auf den M�rder, den <emphasis>Ashandarei</emphasis> ausgestreckt.</p><p>Mat hatte schon Myrddraals gesehen, aber dieser Bursche war schneller, wie schwer das auch zu glauben war. Er schien fast vor der Speerspitze davonzuflie�en, drehte sich, w�hrend er das Heft ergriff, und schleuderte Mat f�nf Schritte an sich vorbei den Gang hinab.</p><p>Mat entwich der Atem, als er in einer kleinen Staubwolke auf den Boden aufschlug. Wie auch der <emphasis>Ashandarei.</emphasis> Er rang nach Luft und stie� sich hoch, wobei der Fuchskopf aus seinem ge�ffneten Hemd baumelte. Er zog einen Dolch aus seiner Jacke hervor und warf sich genau in dem Moment erneut auf den Mann, als Nalesean mit dem Schwert in der Hand oben an der Treppe erschien. Jetzt hatten sie ihn, wie schnell auch immer er...</p><p>Der Mann lie� einen Myrddraal linkisch erscheinen. Er glitt um Naleseans Sto� herum, als bef�nde sich kein einziger Knochen in seinem K�rper, w�hrend er die rechte Hand vorschnellen lie�, um Naleseans Kehle zu ergreifen. Seine Hand fiel mit rei�endem Ger�usch herab. Blut scho� an Naleseans Bart vorbei. Sein Schwert fiel klirrend auf den staubigen Steinboden, und er umklammerte mit beiden H�nden seinen verletzten Hals, wobei Blut durch seine Finger quoll, w�hrend er zu Boden sank.</p><p>Mat krachte in den R�cken des M�rders, und sie prallten alle zusammen auf dem Boden auf. Er hatte keine Bedenken, einen Mann in den R�cken zu stechen, wenn es notwendig war, besonders einen Mann, der jemandem die Kehle herausrei�en konnte. Er h�tte Nalesean im Bett bleiben lassen sollen. Der Gedanke stellte sich mit einem traurigen Gef�hl ein, w�hrend er die Klinge tief hineinstie�, und dann ein zweites und ein drittes Mal.</p><p>Der Mann wand sich in seinem Griff. Es h�tte nicht m�glich sein sollen, aber irgendwie rollte sich der Bursche unter ihm herum und ri� ihm das Dolchheft aus der Hand. Naleseans starre Augen und seine blutige Kehle waren eine unmittelbar vor Mats Augen befindliche Mahnung. Er ergriff verzweifelt die Handgelenke des Mannes, wobei eine Hand durch das herablaufende Blut des Burschen ein wenig abglitt.</p><p>Der Mann l�chelte ihn an. Er l�chelte, obwohl ein Dolch aus seiner Seite hervorstach! �Er will Euch genauso sehr tot sehen, wie er sie will�, sagte er sanft. Und als ob Mat ihn �berhaupt nicht festhielte, bewegten sich seine H�nde auf Mats Kopf zu und dr�ckten Mats Arme zur�ck.</p><p>Mat stie� sich heftig ab und warf sich dann mit seinem ganzen Gewicht nutzlos gegen die Arme des Burschen. Licht, er h�tte genausogut ein Kind sein k�nnen, das gegen einen erwachsenen Mann ank�mpfte. Der Bursche machte ein Spiel daraus, nahm sich verdammt viel Zeit. H�nde ber�hrten Mats Kopf. Wo war sein strahlendes Gl�ck? Er stemmte sich mit letzter Kraft hoch - und das Medaillon ber�hrte die Wange des Mannes. Der Mann schrie auf. Rauch stieg um die R�nder des Fuchskopfes auf, und ein Zischen erklang. Er schleuderte Mat mit H�nden und F��en krampfhaft von sich. Dieses Mal flog Mat zehn Fu� weit und glitt noch ein St�ck weiter.</p><p>Als er sich halb benommen aufrichtete, stand der Mann <emphasis>da,</emphasis> die zitternden H�nde am Gesicht. Ein offenes rotes Brandmal markierte die Stelle, wo der Fuchskopf ihn ber�hrt hatte. Mat betastete das Medaillon behutsam. Es war k�hl. Nicht die K�hle, als w�rde jemand in der N�he die Macht lenken - vielleicht geschah dies im unteren Stockwerk noch immer, aber das war zu weit weg -, nur die K�hle des Silbers. Er hatte keine Ahnung, wer dieser Bursche war, nur da� er gewi� kein Mensch war, aber mit dieser Verbrennung und drei Stichwunden, wobei das Dolchheft noch immer unter seinem Arm hervorstach, h�tte er ausreichend beeintr�chtigt sein m�ssen, da� Mat an ihm vorbei zur Treppe h�tte gelangen k�nnen. Elayne und Nalesean zu r�chen, w�re sch�n und gut, aber es w�rde offensichtlich nicht heute geschehen, und es stand nicht an, einen Grund zu schaffen, Mat Cauthon zu r�chen.</p><p>Der Mann ri� den Dolch aus seiner Seite und schleuderte ihn auf Mat. Mat fing ihn aus der Luft auf, ohne dar�ber nachzudenken. Thom hatte ihm das Jonglieren beigebracht, und Thom hatte gesagt, Mat bes��e die schnellsten H�nde, die er jemals gesehen h�tte. Er lie� den Dolch herumschnellen, so da� er ihn richtig festhielt, bewu�t schr�g nach oben gerichtet; er bemerkte die gl�nzende Klinge, und sein Herz sank. Kein Blut. Es h�tte zumindest eine Spur Blut daran sein sollen, aber der Stahl schimmerte hell und sauber. Vielleicht konnten auch drei Stichwunden dieses Wesen nicht aufhalten.</p><p>Mat wagte einen Blick �ber die Schulter. Die �brigen M�nner str�mten aus der T�r, die sie aufgestemmt hatten, die T�r, zu der ihn gestern die Fu�spuren gef�hrt hatten, aber sie trugen anscheinend nur Abfall heraus, kleine, halbwegs verrottete Kisten, ein Fa� mit stoffumwickelten Gegenst�nden, die durch fehlende Dauben hervorquollen, und sogar einen zerbrochenen Stuhl und einen ebensolchen Spiegel. Sie mu�ten Befehl erhalten haben, alles mitzunehmen. Sie beachteten Mat nicht im geringsten, sondern eilten auf das entgegengesetzte Ende des Ganges zu und verschwanden um eine Ecke. Dort mu�te es noch eine Treppe geben. Vielleicht konnte er ihnen in einem gewissen Abstand nach unten folgen. Vielleicht... Unmittelbar vor der T�r, aus der sie herausgekommen waren, versuchte Vanin aufzustehen und fiel wieder zur�ck. Mat unterdr�ckte einen Fluch. Vanin hochzuhelfen, w�rde ihn aufhalten, aber wenn sein Gl�ck wirkte... Es hatte Elayne nicht gerettet, aber vielleicht... Er sah aus dem Augenwinkel, da� sie sich bewegte, da� sie eine Hand an den Kopf hob.</p><p>Der Mann in der grauen Jacke sah es ebenfalls. Er wandte sich l�chelnd ihr zu.</p><p>Mat steckte den nutzlosen Dolch seufzend in die Scheide. �Du kannst sie nicht haben�, sagte er laut. Versprechen. Ein Ruck zerri� das Lederband um seinen Hals. Der silberne Fuchskopf baumelte zwei Handbreit unter seiner Faust. Er summte leise, als er ihn in einer Doppelschleife umherwirbelte. �Du kannst sie, verdammt noch mal, nicht haben.� Er ging vorw�rts, wobei er das Medaillon weiterhin umherschleuderte. Der erste Schritt war der schwerste, aber er mu�te sein Versprechen halten.</p><p>Das L�cheln des Burschen schwand. Er beobachtete den aufblitzenden Fuchskopf argw�hnisch und wich auf Zehenspitzen zur�ck. Dasselbe Licht von dem einzigen Fenster, das um das umherwirbelnde Silber schimmerte, bildete auch einen Hof um ihn. Wenn Mat ihn so weit treiben k�nnte, w�rde er vielleicht erfahren, ob ein Fall aus dem sechsten Stock bewirken k�nnte, was ein Dolch nicht schaffte.</p><p>Mit dem bl�ulichen Brandmal auf dem Gesicht wich der Bursche zur�ck, wobei er manchmal halbwegs die Hand ausstreckte, als wollte er an dem Medaillon vorbeigreifen. Pl�tzlich trat er blitzschnell zur Seite in einen der R�ume hinein. Dieser besa� eine T�r, die er hinter sich zuzog. Mat h�rte den Riegel an seinen Platz r�cken.</p><p>Vielleicht h�tte er es dabei belassen sollen, aber ohne nachzudenken hob er einen Fu� und trat mit dem Stiefelabsatz gegen die T�rmitte. Staub l�ste sich von dem rauhen Holz. Ein zweiter Tritt, und die verrotteten Riegelhalterungen gaben nach, zusammen mit einem verrosteten Scharnier. Die T�r fiel nach innen und blieb schief an einem Scharnier h�ngen.</p><p>Der Raum war nicht vollkommen dunkel. Von dem Fenster am Ende des Ganges, nur eine T�r entfernt, drang ein wenig Licht herein, und ein zerbrochenes Spiegeldreieck erm�glichte es ihm, alles zu sehen, ohne in den Raum hineinzugehen. Au�er dem Spiegel und den �berresten eines Stuhls war nichts zu sehen. Die einzigen Zug�nge waren die T�r und ein Rattenloch neben dem Spiegel, aber der Mann in der grauen Jacke war fort.</p><p>�Mat�, rief Elayne schwach. Er eilte genauso sehr von dem Raum fort wie zu ihr hin. Irgendwo in den unteren Stockwerken erklangen Rufe, aber Nynaeve und die �brigen w�rden sich im Moment selbst helfen m�ssen.</p><p>Elayne setzte sich auf, bewegte ihren Kiefer und zuckte zusammen, als Mat sich neben sie kniete. Ihr Gewand war staubbedeckt, ihr Hut hing schief - einige Federn waren gebrochen -, und ihr rotgoldenes Haar sah aus, als sei sie daran umhergezogen worden. �Er hat mich so fest geschlagen�, sagte sie unter Schmerzen. �Ich glaube nicht, da� etwas gebrochen ist, aber...� Ihr Blick verband sich mit seinem, und wenn er jemals gedacht hatte, sie s�he ihn an wie einen Fremden, erkannte er jetzt, da� es stimmte. �Ich habe gesehen, was Ihr mit ihm getan habt, Mat. Wir h�tten genausogut mit einem Wiesel in einer Kiste eingesperrte K�ken sein k�nnen. Die Macht gegen ihn zu lenken, war nutzlos. Die Str�nge schmolzen genauso dahin wie bei Eurem...� Sie betrachtete das noch immer von seiner Hand baumelnde Medaillon und atmete tief ein, was eine interessante Wirkung auf ihren ovalen Ausschnitt hatte. �Danke, Mat. Ich entschuldige mich f�r alles, was ich Euch jemals angetan oder �ber Euch gedacht habe.� Sie klang, als meinte sie es ernst. �Ich baue immer mehr <emphasis>Toh</emphasis> Euch gegen�ber auf�, sagte sie kl�glich l�chelnd, �aber ich werde <emphasis>nicht</emphasis> zulassen, da� Ihr mich schlagt. Ihr werdet zulassen m�ssen, da� ich Euch wenigstens einmal rette, um es auszugleichen.�</p><p>�Ich werde sehen, was ich einrichten kann�, erwiderte er trocken, w�hrend er das Medaillon in seine Jackentasche steckte. <emphasis>Toh?</emphasis> Sie schlagen? Licht! Die Frau verbrachte entschieden zuviel Zeit mit Aviendha.</p><p>Als er ihr aufgeholfen hatte, blickte sie den Gang hinab zu Vanin mit seinem blutverschmierten Gesicht und den Frauen, die dort lagen, wo sie zu Boden gesunken waren. �Oh, Licht!� st�hnte sie. �Oh, Blut und verdammte lodernde Flammen!� Er zuckte trotz der Umst�nde zusammen. Nicht nur, da� er niemals erwartet h�tte, jene Worte aus ihrem Mund zu h�ren. Es schien seltsam, als kenne sie den Klang, nicht aber die Bedeutung der Worte. Irgendwie hatten sie sie j�nger klingen lassen.</p><p>Sie sch�ttelte seinen Arm ab, nahm ihren Hut, warf ihn einfach beiseite, kniete sich eilig neben die n�chste Weise Frau, Reanne, und nahm ihren Kopf in beide H�nde. Die Frau lag leblos da, das Gesicht nach unten gewandt und die Arme ausgestreckt, als sei sie beim Laufen zu Fall gebracht worden, auf dem Weg zu dem Raum, zu dem alle gelangen wollten, auf ihren Angreifer zu, nicht von ihm fort.</p><p>�Hier reichen meine F�higkeiten nicht�, murmelte Elayne. �Wo ist Nynaeve? Warum ist sie nicht mit Euch heraufgekommen, Mat? Nynaeve!� rief sie zur Treppe hin.</p><p>�Du brauchst nicht wie eine Katze zu kreischen�, grollte Nynaeve, die im Treppenhaus erschien. Sie schaute �ber die Schulter die Stufen hinab. �Ihr haltet sie fest, h�rt Ihr mich?� rief sie. Sie trug ihren Hut in der Hand und sch�ttelte ihn gegen�ber demjenigen, wen auch immer sie meinte. �Wenn Ihr sie auch entkommen la�t, ohrfeige ich Euch!�</p><p>Dann wandte sie sich um, und ihr fielen fast die Augen aus dem Kopf. �Das Licht scheine auf uns�, keuchte sie und beugte sich eilig �ber Janira. Eine Ber�hrung, und sie richtete sich mit schmerzverzerrtem Gesicht auf. Mat h�tte ihr sagen k�nnen, da� die Frau tot war. Nynaeve nahm Tod anscheinend pers�nlich. Sie sch�ttelte sich und trat zur n�chsten Frau, Tamarla, und es schien, als k�nnte sie bei ihr noch etwas Heilen. Es schien aber auch, als w�re Tamarla schwer verletzt, weil sie stirnrunzelnd �ber ihr kniete. �Was ist hier geschehen, Mat?� fragte sie, ohne sich nach ihm umzusehen. Ihr Tonfall veranla�te ihn zu seufzen. Er h�tte wissen sollen, da� sie ihn f�r all das verantwortlich machen w�rde. �Nun, Mat? Was ist geschehen? Werdet Ihr reden, Mann, oder mu� ich...� Er erfuhr niemals, womit sie ihm drohen wollte.</p><p>Lan war Nynaeve nat�rlich aus dem Treppenhaus gefolgt, und Sumeko erschien gleich hinter ihm. Die rundliche Weise Frau blickte einmal den Gang entlang, raffte dann sofort ihre R�cke und lief zu Reanne.</p><p>Sie warf Elayne einen besorgten Blick zu, bevor sie auf die Knie sank und ihre H�nde auf eigenartige Weise �ber Reanne zu bewegen begann. Das lenkte Nynaeve j�h ab.</p><p>�Was tut Ihr?� fragte sie scharf. Ohne in dem innezuhalten, was sie mit Tamarla tat, g�nnte sie der rundlichen Frau nur kurze, aber bohrende Blicke. �Wo habt Ihr das gelernt?�</p><p>Sumeko zuckte zusammen, aber ihre H�nde hielten nicht inne. �Verzeiht mir, Aes Sedai�, sagte sie atemlos. �Ich wei�, ich sollte nicht...</p><p>Sie wird sterben, wenn ich nicht... Ich wei�, ich sollte nicht st�ndig versuchen... Ich wollte einfach lernen, Aes Sedai. Bitte.�</p><p>�Gut, gut, macht weiter�, sagte Nynaeve wie abwesend. Der gr��te Teil ihrer Aufmerksamkeit war auf die Frau unter ihren H�nden gerichtet. �Ihr scheint einiges zu wissen, was nicht einmal ich... Das hei�t, Ihr verwendet die Str�nge auf sehr interessante Art. Ihr werdet vermutlich feststellen, da� viele Schwestern von Euch lernen wollen.� Und sie f�gte leise hinzu: �Vielleicht werden sie mich dann in Ruhe lassen.� Sumeko konnte ihre letzten Worte nicht verstanden haben, aber was sie geh�rt hatte, lie� ihr Kinn auf ihre beachtliche Brust sinken. Ihre H�nde hielten jedoch weiterhin nicht inne.</p><p>�Elayne�, fuhr Nynaeve fort, �w�rdest du bitte nach der Schale sehen? Vermutlich ist das die T�r.� Sie deutete mit dem Kopf auf die richtige T�r, die wie ein halbes Dutzend weitere offenstand. Daraufhin blinzelte Mat, bis er zwei kleine stoffumwickelte B�ndel wahrnahm, die davor lagen, wo die Pl�nderer sie verloren haben mu�ten.</p><p>�Ja�, murrte Elayne. �Ja, zumindest das kann ich tun.� Sie hob z�gernd eine Hand zu Vanin, der noch immer auf Knien kauerte, lie� sie dann mit einem Seufzen wieder sinken und schritt durch den Eingang, der fast augenblicklich eine Staubwolke und ein hustendes Ger�usch freigab.</p><p>Die �beraus rundliche Weise Frau war nicht die einzige, die Nynaeve und Lan gefolgt war. Ieine trat aus dem Treppenhaus und zwang die tarabonische Schattenfreundin, vor ihr herzugehen, indem sie ihr einen Arm auf den R�cken drehte und eine Faust in den Nacken dr�ckte. Ieines Kiefer war angespannt, ihr Mund fest zusammengepre�t. Ihr Gesicht zeigte halbwegs die erschreckende Sicherheit, da� sie lebendig geh�utet w�rde, weil sie eine Aes Sedai mi�handelte, und halbwegs Entschlossenheit, ungeachtet dessen, was geschah, weiterzumachen. Nynaeve hatte manchmal diese Wirkung auf Menschen. Die Augen der Schwarzen Schwester waren vor Entsetzen geweitet, und sie sackte zusammen, so da� sie wohl hingefallen w�re, wenn Ieine sie nicht festgehalten h�tte. Sie mu�te gewi� abgeschirmt worden sein, und ebenso gewi� hatte sie geh�utet zu werden wahrscheinlich dem vorgezogen, was auch immer mit ihr geschehen w�rde. Tr�nen rannen �ber ihre Wangen, und sie schluchzte lautlos.</p><p>Hinter ihnen folgte Beslan, der beim Anblick Naleseans und der Frauen traurig aufseufzte, und dann kamen Harnan und drei der Rotwaffen, Fergin, Gorderan und Metwyn, die drei, die auf der Vorderseite des Geb�udes gewesen waren. Harnan und die beiden anderen wiesen blutige Risse in ihren Jacken auf, aber Nynaeve mu�te sie unten bereits geheilt haben. Sie bewegten sich nicht, als w�ren sie noch verletzt. Sie schienen jedoch sehr bedr�ckt.</p><p>�Was ist auf der R�ckseite geschehen?� fragte Mat.</p><p>�Verdammt sei ich, wenn ich es wei߫, erwiderte Harnan. �Wir sind im Dunkeln unmittelbar in eine Ansammlung von M�nnern mit Dolchen geraten. Einer hat sich wie eine Schlange bewegt...� Er zuckte die Achseln und ber�hrte wie abwesend den blutbefleckten Ri� in seiner Jacke. �Einer rammte mir einen Dolch in den Leib, und das n�chste, woran ich mich erinnere ist, da� ich die Augen �ffnete, Nynaeve Sedai sich �ber mich beugte und Mendai und die �brigen tot waren.�</p><p>Mat nickte. Einer, der sich wie eine Schlange bewegte und auch wie eine Schlange aus R�umen hinausgelangte. Er sah sich im Gang um. Reanne und Tamarla waren aufgestanden - sie richteten nat�rlich ihre Gew�nder -, und Vanin ebenfalls, der in den Raum sp�hte, in dem Elayne offensichtlich einige weitere Fl�che ausprobierte - anscheinend genauso erfolglos wie zuvor, was aber wegen des Hustens schwer zu sagen war. Nynaeve erhob sich und half Sibella auf, einer hageren blonden Frau. Sumeko war noch mit Famelle mit ihrem honigfarbenen Haar und den gro�en braunen Augen besch�ftigt. Aber Melores Busen k�nnte er nie wieder bewundern. Reanne kniete sich hin, um deren Glieder auszustrecken und ihr die Augen zu schlie�en, w�hrend Tamarla Janira denselben Dienst erwies. Zwei Weise Frauen waren tot, wie auch sechs seiner Rotwaffen. Get�tet von einem ... Mann, den die Macht nicht ber�hren konnte.</p><p>�Ich habe sie gefunden!� rief Elayne aufgeregt. Sie trat wieder auf den Gang heraus und hielt ein rundes B�ndel zerschlissenen Stoffs in H�nden, das sie sich nicht von Vanin abnehmen lassen wollte. Von Kopf bis Fu� von Grau umh�llt, wirkte sie, als h�tte sie sich im Staub gew�lzt. �Wir haben die Schale der Winde, Nynaeve.�</p><p>�In diesem Fall�, verk�ndete Mat, �sollten wir, verdammt noch mal, schleunigst von hier verschwinden.� Niemand erhob Einw�nde. Gewi�, Nynaeve und Elayne bestanden darauf, da� alle M�nner mit ihren Jacken f�r Gegenst�nde S�cke bildeten, die sie in dem Raum aufgest�bert hatten - sie bepackten sogar die Weisen Frauen und sich selbst -, und Reanne mu�te hinabsteigen und M�nner verdingen, um ihre Toten zum Bootssteg zu bringen, aber niemand erhob Einw�nde. Mat bezweifelte, da� der Rahad jemals schon eine solch seltsame Prozession gesehen hatte wie diejenige, die sich jetzt zum Flu� hinab bewegte - oder eine, die schneller vorangegangen w�re.</p></section><section><title><p>39</p><p>Zu haltende Versprechen</p></title><p>La�t uns verdammt noch mal verschwinden�, forderte Mat sp�ter erneut, doch dieses Mal wurden Einw�nde erhoben. Allgemein wurde w�hrend der letzten halben Stunde gestritten, und allm�hlich reichte es Mat. Die Sonne war schon �ber den Zenit hinausgelangt. Die Passatwinde milderten die Hitze ein wenig. Schwere gelbe Vorh�nge, die �ber den hohen Fenstern angebracht waren, bauschten sich und flatterten im Wind ger�uschvoll. Seit drei Stunden waren sie im Tarasin-Palast zur�ck. Die W�rfel rollten noch immer in seinem Kopf umher, und er hatte das Bed�rfnis, gegen etwas zu treten. Oder jemanden zu treten. Er zog an dem um seinen Hals befestigten Schal. Es f�hlte sich so an, als ob das Seil, das die Narbe hinterlassen hatte, wieder um seinen Hals l�ge und sich langsam zuz�ge. �Liebe des Lichts, seid Ihr alle blind? Oder nur taub?�</p><p>Tylin hatte einen gro�en, mit gr�nen W�nden und einer hohen blauen Decke und au�er mit vergoldeten St�hlen und kleinen, mit Schildpatt verzierten Tischen unm�blierten Raum zur Verf�gung gestellt, der aber dennoch �berf�llt war. Tylin sa� mit �bereinandergeschlagenen Beinen vor einem der drei Marmorkamine und beobachtete Mat mit jenen dunklen Adleraugen und einem kleinen L�cheln, w�hrend sie m��ig ihre blauen und gelben R�cke richtete und ebenso m��ig mit dem mit Edelsteinen besetzten Heft ihres gebogenen Dolches spielte. Er vermutete, da� Elayne oder Nynaeve mit ihr gesprochen hatten. Auch sie waren anwesend und sa�en jetzt zu beiden Seiten der K�nigin. Irgendwann hatten sie saubere Kleidung angelegt und anscheinend sogar gebadet, obwohl sie nur jeweils f�r Minuten au�er Sicht gewesen waren, seit sie zum Palast zur�ckgekehrt waren. Sie waren Tylin in ihrer leuchtenden Seide fast in ihrer k�niglichen W�rde ebenb�rtig. Mat war sich nicht sicher, wen sie mit all dieser Spitze und komplizierten Stickerei beeindrucken wollten. Sie schienen bereit f�r einen k�niglichen Ball, nicht f�r eine Reise. Er selbst trug noch immer seine schmutzige Kleidung, die staubige gr�ne Jacke ge�ffnet und der silberne Fuchskopf im Ausschnitt seines Hemdes verfangen. Dadurch, da� er das Lederband verknotet hatte, war es k�rzer geworden, aber er wollte, da� das Medaillon seine Haut ber�hrte. Er befand sich immerhin in Gegenwart von Frauen, welche die Macht lenken konnten.</p><p>Tats�chlich h�tten diese drei Frauen den Raum wahrscheinlich allein �berf�llt erscheinen lassen k�nnen. Auch Tylin allein h�tte dies bewirken k�nnen, soweit es ihn betraf. Wenn Nynaeve oder Elayne <emphasis>tats�chlich</emphasis> mit ihr gesprochen hatten, war es ratsam, da� er fortging.</p><p>�Das ist l�cherlich�, verk�ndete Merilille. �Ich habe niemals von irgendeinem Schattengez�cht namens <emphasis>Gholam</emphasis> geh�rt Und Ihr?� Die Frage war an Adeleas und Vandene, Sareitha und Careane gerichtet. Angesichts Tylin lie� die k�hle Aes Sedai-Gelassenheit die St�hle mit den hohen R�ckenlehnen fast wie Throne wirken. Mat konnte nicht verstehen, warum Nynaeve und Elayne so schwerf�llig dasa�en, ebenfalls k�hle Gelassenheit, aber vollkommen schweigsam. Sie erkannten, sie verstanden, und aus einem unbestimmten Grund verhielten sich die anderen ihnen gegen�ber jetzt dem�tig. Mat Cauthon andererseits war ein grober R�pel, der getreten werden mu�te, und von Merilille abw�rts waren alle bereit, dies zu �bernehmen.</p><p>�Ich habe das Wesen gesehen�, fauchte er. �Elayne hat das Wesen gesehen, Reanne und die Weisen Frauen haben es gesehen. Fragt sie!�</p><p>An einem Ende des Raumes versammelt, wichen Reanne und die f�nf �berlebenden Weisen Frauen aus Angst vor den bohrenden Fragen wie sich duckende Hennen zur�ck. Zumindest alle au�er Sumeko. Die Daumen hinter ihren langen roten G�rtel gesteckt, sah die rundliche Frau die Aes Sedai st�ndig stirnrunzelnd an, sch�ttelte dann den Kopf, runzelte erneut die Stirn und sch�ttelte erneut den Kopf. Nynaeve hatte auf dem R�ckweg in der Bootskabine ein wichtiges Gespr�ch unter vier Augen mit ihr gef�hrt, und Mat glaubte, da� diese etwas mit ihrer neu gefundenen Haltung zu tun hatte. Er hatte mehr als einmal Aes Sedai erw�hnen h�ren - nicht da� er zu lauschen versucht h�tte. Die �brigen fragten sich wohl, ob sie anbieten sollten, Tee zu holen. Nur Sumeko hatte anscheinend erwogen, Platz anzubieten. Sibella, die entsetzt mit den knochend�rren Armen ruderte, war beinahe in Ohnmacht gefallen.</p><p>�Niemand zweifelt die Worte von Elayne Aes Sedai an, Meister Cauthon�, sagte Renaile din Calon. Blauer Stern mit k�hler, tiefer Stimme. Auch wenn die w�rdevolle Frau in einem Seidengewand, das zu den rotgelben Bodenfliesen pa�te, ihm nicht zuvor benannt worden w�re, h�tten die sich mit seinen eigenen vermischenden alten Erinnerungen sie anhand der zehn schweren Goldringe in ihren Ohrl�ppchen, die jeweils mit einer goldenen Kette verbunden und halbwegs von den schmalen wei�en Fl�geln in ihrem glatten schwarzen Haar verborgen waren, als Windsucherin der Herrin der Schiffe ausgewiesen. Die dicht nebeneinander h�ngenden Medaillons an der d�nneren Kette, die zu ihrem Nasenring verlief, h�tten ihm unter anderem angezeigt, welchem Clan sie angeh�rte, wie auch die T�towierungen auf ihren schlanken dunklen H�nden. �Wir stellen die Gefahr in Frage�, fuhr sie fort. �Wir verlassen das Wasser nicht gern ohne Grund.�</p><p>Fast zwanzig Meervolk-Frauen standen hinter ihrem Stuhl versammelt, eine Orgie farbenpr�chtiger Seidenstoffe und Ohrringe und Medaillons an Ketten. Die erste Merkw�rdigkeit, die Mat an ihnen bemerkt hatte, war ihre Haltung gegen�ber den Aes Sedai. Sie verhielten sich vollkommen respektvoll, zumindest oberfl�chlich, aber er hatte niemals zuvor jemanden Aes Sedai <emphasis>selbstgef�llig</emphasis> betrachten sehen. Die zweite Merkw�rdigkeit fiel ihm durch die Erinnerungen jener anderen Menschen auf. Er wu�te durch sie nicht viel �ber das Meervolk, aber gen�gend. Jeder Atha'an Miere, ob Mann oder Frau, begann als niedrigster Matrose, ungeachtet des Umstands, ob es ihm oder ihr bestimmt war, eines Tages der Meister der Klingen oder die Herrin der Schiffe zu werden, und auf jedem Schritt des Weges eiferte das Meervolk auf eine Art um R�nge, die jeden K�nig und jede Aes Sedai gleichg�ltig wirken lie�. Die Frauen hinter Renaile waren nach jeglichen Ma�st�ben gemessen ein seltsamer Haufen, aber zwei trugen helle Blusen aus einfachem Tuch �ber dunklen, schmierigen Matrosenhosen und beide einen einzigen schmalen Ring im linken Ohr. Ein zweiter und dritter Ring im rechten Ohr deuteten an, da� sie zu Windsucherinnen ausgebildet wurden, die sich aber erst noch zwei weitere Ringe verdienen mu�ten, ganz zu schweigen vom Nasenring, weshalb sie noch lange aufgefordert w�rden, die Segel niederzuholen, wann immer der Decksmeister sie brauchte, und Schl�ge vom ihm einstekken w�rden, wenn sie sich nicht schnell genug r�hrten. Die beiden geh�rten nach all seinen Erinnerungen nicht zu dieser Versammlung. Die Windsucherin der Herrin der Schiffe h�tte normalerweise nicht einmal mit ihnen gesprochen.</p><p>�Genau wie ich gesagt habe, Renaile�, bemerkte Merilille frostig und herablassend. Sie hatte jene selbstgef�lligen Blicke gewi� bemerkt. Ihr Tonfall �nderte sich nicht, als sie ihre Aufmerksamkeit ihm zuwandte. �Seid nicht gereizt, Meister Cauthon. Wir sind bereit, Vernunftgr�nden zuzuh�ren. Wenn Ihr welche vorbringen k�nnt.�</p><p>Mat bem�hte sich um Geduld. Er hoffte, da� er noch genug �brig hatte - vielleicht wenn er beide H�nde und F��e zu Hilfe nahm. <emphasis>�Gholam</emphasis> wurden mitten im Krieg der Macht, w�hrend des Zeitalters der Legenden, geschaffen�, begann er fast am Anfang dessen, was Birgitte ihm erz�hlt hatte. Er wandte sich um und sah jede Gruppe von Frauen an, w�hrend er sprach. Verdammt sei er, wenn er einer Gruppe das Gef�hl vermittelte, wichtiger zu sein als eine andere. Oder das Gef�hl, er w�rde sie um etwas bitten, besonders weil dies der Fall war. �Sie wurden geschaffen, um Aes Sedai zu t�ten. Aus keinem anderen Grund. Um Menschen zu t�ten, welche die Macht lenken konnten. Die Eine Macht wird Euch nicht helfen. Die Macht ber�hrt einen <emphasis>Gholam</emphasis> nicht. Tats�chlich k�nnen sie die F�higkeit, die Macht zu lenken, ersp�ren, wenn sie sich in einem Umkreis von ungef�hr f�nfzig Fu� von Euch befinden. Sie k�nnen auch die Macht in <emphasis>Euch</emphasis> ersp�ren. Ihr werdet den <emphasis>Gholam</emphasis> erst bemerken, wenn es zu sp�t ist. Sie sehen genauso aus wie alle anderen Menschen. �u�erlich. Innerlich... <emphasis>Gholam</emphasis> besitzen keine Knochen, Sie k�nnen sich unter einer T�r hindurchquetschen, und sie sind ausreichend stark, eine T�r mit einer Hand aus den Angeln zu rei�en.� Oder einem Menschen die Kehle herauszurei�en. Licht, er h�tte Nalesean ausschlafen lassen sollen.</p><p>Er unterdr�ckte einen Schauder und zwang sich zum Weitersprechen. S�mtliche Frauen beobachteten ihn und schienen nicht einmal zu blinzeln. Er w�rde sie sein Erschaudern nicht merken lassen. �Es wurden nur sechs <emphasis>Gholam</emphasis> erschaffen - drei m�nnliche und drei weibliche. Zumindest sehen sie so aus. Anscheinend empfanden sogar die Verlorenen leichtes Unbehagen, oder vielleicht beschlossen sie auch einfach, da� sechs gen�gten. Wie auch immer -wir wissen, da� sich ein <emphasis>Gholam</emphasis> in Ebou Dar befindet, der wahrscheinlich seit der Zerst�rung in einer Stasis-Kammer am Leben gehalten wurde. Wir wissen nicht, ob noch andere in diese Kammer verbracht wurden, aber einer ist mehr als genug. Wer auch immer ihn geschickt hat -und es mu� einer der Verlorenen gewesen sein -, wu�te, da� er uns �ber den Flu� folgen w�rde. Er mu�te wegen der Schale der Winde geschickt worden sein, und nach dem, was er zu mir gesagt hat, auch, um Nynaeve oder Elayne oder vielleicht sogar beide zu t�ten.� Er warf ihnen kurz einen tr�stenden Blick zu. Niemand konnte sich wohl f�hlen, wenn er wu�te, da� dieses Wesen hinter ihm her war. Als Reaktion sah Elayne ihn verwirrt an und runzelte leicht die Stirn, und Nynaeve machte eine fl�chtige, ungeduldige Handbewegung, da� er fortfahren solle.</p><p>�Gut�, sagte er und warf den beiden jetzt einen finsteren Blick zu. Man hatte es schwer, wenn man mit Frauen zu tun hatte. �Wer auch immer den <emphasis>Gholam</emphasis> gesandt hat, mu� wissen, da� sich die Schale jetzt hier im Tarasin-Palast befindet. Wenn derjenige den <emphasis>Gholam</emphasis> hierherschickt, werden einige von Euch sterben. Vielleicht viele von Euch. Ich kann Euch nicht alle gleichzeitig besch�tzen. Vielleicht bekommt er sogar die Schale, und das noch zus�tzlich zu Falion Bhoda.</p><p>Es besteht nur eine geringe Wahrscheinlichkeit, da� sie allein ist, selbst wenn Ispan gefangengenommen wurde, und das bedeutet, da� wir uns auch um die Schwarze Ajah sorgen m�ssen. Nur f�r den Fall, da� Euch die Verlorenen und der <emphasis>Gholam</emphasis> nicht gen�gen.� Reanne und die Weisen Frauen richteten sich bei Erw�hnung der Schwarzen Ajah noch emp�rter auf als Merilille und ihre Freundinnen, und die Aes Sedai, die starr dasa�en und ihre R�cke richteten, schienen bereit, den Raum ver�rgert zu verlassen. Er mu�te sich zwingen weiterzusprechen, �Nun. Erkennt Ihr jetzt, warum Ihr den Palast verlassen und die Schale an einen Ort bringen m��t, den der <emphasis>Gholam</emphasis> nicht kennt? An einen Ort, den die Schwarze Ajah nicht kennt? Versteht Ihr, warum es jetzt sein mu�?�</p><p>Renaile schnaubte laut. �Ihr wiederholt Euch, Meister Cauthon. Merilille Sedai sagt, sie hat niemals von diesem <emphasis>Gholam</emphasis> geh�rt. Elayne Sedai sagt, dort sei ein seltsamer Mann gewesen, ein Wesen, aber kaum mehr. Und was ist diese Stasis-Kammer? Das habt Ihr nicht erkl�rt. Woher wi�t Ihr, was Ihr zu wissen vorgebt? Warum sollten wir uns auf das Wort eines Mannes hin, der Fabelwesen aus der Luft erschafft, noch weiter vom Wasser entfernen?�</p><p>Mat schaute zu Nynaeve und Elayne, wenn auch nur mit wenig Hoffnung. Wenn sie nur den Mund aufmachten, h�tte dies schon lange beendet sein k�nnen, aber sie erwiderten seinen Blick nur und �bten die ausdruckslose Aes Sedai-Maske. Er konnte ihr Schweigen nicht verstehen. Sie hatten nur einen k�rglichen Bericht �ber die Ereignisse im Rahad abgegeben, und er war bereit zu wetten, da� sie die Schwarze Ajah �berhaupt nicht erw�hnt h�tten, wenn es eine andere M�glichkeit gegeben h�tte zu erkl�ren, da� sie mit einer gebundenen und abgeschirmten Aes Sedai im Palast erschienen waren. Ispan wurde in einem anderen Teil des Palasts festgehalten, und ihre Anwesenheit war nur einer Handvoll Menschen bekannt. Nynaeve hatte irgendein Gebr�u Ispans Kehle hinab gezwungen, eine �belriechende Mischung aus Kr�utern, welche die Augen der Frau beim Schlucken hervortreten und sie kurz nacheinander kichern und stammeln lie�. Die �brigen Mitglieder des Frauenzirkels blieben als Wachen bei ihr. Unwillige Wachen, aber sehr aufmerksame. Nynaeve hatte �beraus deutlich gemacht, da� sie, wenn sie Ispan entkommen lie�en, besser davonlaufen sollten, bevor sie Hand an sie legte.</p><p>Mat achtete sehr darauf, nicht zu Birgitte zu blicken, die mit Aviendha neben der T�r stand. Die Aielfrau trug ein Ebou Dari-Gewand. Nicht das einfache Tuch, in dem sie zur�ckgekehrt war, sondern ein silbergraues, seidenes Reitgewand, das nicht zu ihrem in einer einfachen Scheide steckenden, mit einem Horngriff versehenen G�rtelmesser pa�te. Birgitte hatte ihr Gewand rasch gegen ihre �bliche kurze Jacke und weite Hose in Dunkelblau und Dunkelgr�n eingetauscht. An ihrer H�fte hing bereits ein K�cher. Abgesehen von dem, was er im Rahad mit eigenen Augen gesehen hatte, war sie die Quelle all dessen, was er �ber den <emphasis>Gholam</emphasis> wu�te -und �ber Stasis-Kammern. Und was er gesehen hatte, h�tte er selbst unter Folter nicht preisgegeben.</p><p>�Ich habe einmal ein Buch gelesen, das um...�, begann er, doch Renaile unterbrach ihn.</p><p>�Ein Buch�, h�hnte sie. �Ich werde Salz nicht gegen ein Buch eintauschen, das Aes Sedai nicht kennen.�</p><p>Pl�tzlich fiel Mat auf, da� er der einzige anwesende Mann war. Lan war auf Nynaeves Befehl gegangen, ebenso folgsam wie Beslan auf den Befehl seiner Mutter. Thom und Juilin packten, um abzureisen, und waren inzwischen wahrscheinlich fertig.</p><p>Wenn es einen Sinn hatte. Wenn sie jemals abreisen w�rden. Der einzige Mann, von einer Mauer von Frauen umgeben, die anscheinend beabsichtigten, ihn den Kopf gegen die Wand schlagen zu lassen, bis sein Gehirn aufweichte. Es ergab keinen Sinn. Keinen. Sie sahen ihn abwartend an.</p><p>Nynaeve, in einem blauen, spitzenbesetzten und mit gelben Schlitzen versehenen Gewand, hatte ihren Zopf �ber die Schulter gezogen, so da� er zwischen ihren Br�sten herabhing, aber dieser schwere goldene King - Lans Ring, wie Mat erfahren hatte - war sorgf�ltig so plaziert, da� jedermann ihn sehen konnte. Ihr Gesicht war weich, und die H�nde ruhten auf ihrem Scho�, und doch zuckten ihre Finger manchmal. Elayne, in gr�ner Ebou Dari-Seide, erwiderte seinen Blick mit Augen wie k�hle Teiche tiefblauen Wassers. Ihre H�nde ruhten ebenfalls auf ihrem Scho�, aber sie zog hin und wieder die Goldstik-kerei auf ihren R�cken nach und hielt dann j�h inne. Warum sagten sie nichts? Versuchten sie, sich an ihm zu r�chen? �Mat will so sehr verantwortlich sein - soll er doch einmal sehen, wie er ohne uns zurechtkommt.� Ging es nur darum? Von Nynaeve h�tte er das vielleicht geglaubt, aber nicht von Elayne - nicht mehr. Warum also?</p><p>Reanne und die Weisen Frauen wichen vor ihm nicht so zur�ck wie vor den Aes Sedai, aber ihre Haltung ihm gegen�ber hatte sich ge�ndert. Tamarla nickte ihm unaufdringlich respektvoll zu. Famelle mit dem honigfarbenen Haar ging so weit, freundlich zu l�cheln. Reanne err�tete seltsamerweise ein wenig. Aber sie waren nicht wirklich als Opposition anzusehen. Die sechs Frauen hatten kein Dutzend spontane Worte miteinander gewechselt, seit sie diesen Raum betreten hatten. Jedermann w�rde springen, wenn Nynaeve oder Elayne mit den Fingern schnippten, und w�rde weiterhin springen, bis man ihm aufzuh�ren befahl.</p><p>Er wandte sich an die �brigen Aes Sedai. Unendlich ruhige Gesichter, unendlich geduldig. Au�er... Merililles Blick zuckte einen Moment an ihm vorbei zu Nynaeve und Elayne. Sareitha begann unter seinem Blick z�gernd ihre R�cke zu gl�tten, wobei sie sich dessen nicht bewu�t zu sein schien. Ein d�sterer Verdacht kam in ihm auf. H�nde, die sich auf R�cken bewegten. Reannes Err�ten. Birgittes K�cher. Ein d�sterer Verdacht. Er wu�te eigentlich nicht, welcher Verdacht. Nur da� er dies falsch angegangen war. Er sah Nynaeve streng und Elayne noch strenger an. Butter w�re auf ihren verdammten Zungen nicht geschmolzen.</p><p>Er ging langsam auf die Meervolk-Frauen zu. Er ging nur voran, aber er h�rte jemanden bei Merilille schnauben, und Sareitha murrte: �Solch eine Unversch�mtheit!� Nun, er w�rde ihnen Unversch�mtheit zeigen. Wenn es Nynaeve und Elayne nicht gefiel, h�tten sie ihn ins Vertrauen ziehen sollen. Licht, er ha�te es, benutzt zu werden. Besonders, wenn er nicht wu�te wie oder warum.</p><p>Er blieb vor Renailes Stuhl stehen und betrachtete die dunklen Gesichter der Atha'an Miere-Frauen hinter ihr pr�fend, bevor er zu ihr hinabblickte. Sie runzelte die Stirn und strich mit der Hand �ber einen mit Mondsteinen besetzten Dolch, der in ihrer Sch�rpe steckte. Sie war ein eher stattliche als h�bsche Frau, ungef�hr in mittlerem Alter, und er h�tte es unter anderen Umst�nden vielleicht genossen, ihr in die Augen zu sehen. Es waren gro�e dunkle Teiche, in deren Betrachtung ein Mann den ganzen Abend verbringen konnte. Unter anderen Umst�nden. Das Meervolk war in einem unbestimmten Sinne die Fliege im Sahnekrug, und er hatte keine Ahnung, wie er sie herausfischen sollte. Es gelang ihm, seine Ver�rgerung zu beherrschen. Gerade so. Was sollte er, verdammt noch mal, tun?</p><p>�Soweit ich es verstanden habe, k�nnt Ihr alle die Macht lenken�, sagte er ruhig. �Aber das besagt f�r mich nicht viel� Er konnte genausogut von Anfang an offen reden. �Ihr k�nnt Adeleas oder Vandene fragen, wieviel es mir bedeutet, ob eine Frau die Macht lenken kann oder nicht.�</p><p>Renaile blickte an ihm vorbei zu Tylin, aber sie sprach nicht die K�nigin an. �Nynaeve Sedai�, sagte sie trocken, �ich glaube, bei Eurem Handel war nicht die Rede davon, da� ich diesem jungen Wergzupfer zuh�ren m��te...�</p><p>�Mich k�mmern Eure Absprachen mit jemand anderem verdammt wenig, Ihr Tochter des Sandes�, fauchte Mat. Also beherrschte er seine Ver�rgerung doch nicht so gut. Ein Mann konnte nur ein gewisses Ma� ertragen.</p><p>Keuchen erklang von den Frauen hinter ihr.</p><p>Vor etwas �ber eintausend Jahren hatte eine Meervolk-Frau einen essenianischen Soldaten einen Sohn des Sandes genannt, unmittelbar bevor sie versucht hatte, ihm eine Klinge zwischen die Rippen zu sto�en. Die Erinnerung lag in Mat Cauthons Kopf verborgen. Es war nicht die schlimmste Beleidigung unter den Atha'an Miere, aber es kam dem nahe. Renailes Gesicht wurde puterrot. Mit einem Zischen und zornig hervortretenden Augen sprang sie auf, wobei der mit Mondsteinen besetzte Dolch in ihrer Faust aufblitzte.</p><p>Mat entri� ihn ihr, bevor die Klinge seine Brust ber�hren konnte, und stie� sie auf den Stuhl zur�ck. Er besa� schnelle H�nde. Er konnte seine Ver�rgerung immer noch beherrschen. Ungeachtet dessen, wie viele Frauen glaubten, sie k�nnten ihn als Marionette benutzen, konnte er... �H�rt mir <emphasis>zu,</emphasis> verdammte N�rrin.� In Ordnung, vielleicht konnte er sie doch nicht beherrschen. �Nynaeve und Elayne brauchen Euch, sonst w�rde ich es dem <emphasis>Gholam</emphasis> �berlassen, Euch die Knochen zu brechen, und der Schwarzen Ajah, Eure �berreste aufzusammeln. Nun, soweit es Euch betrifft, bin ich der Meister der Klingen, und meine Klingen sind blankgezogen.� Er hatte keine Ahnung, was das genau bedeutete - er hatte es nur einmal geh�rt. �Wenn die Klingen blankgezogen sind, verbeugt sich selbst die Herrin der Schiffe vor dem Meister der Klingen. Das ist der Handel zwischen Euch und mir. Ihr geht dorthin, wohin Nynaeve und Elayne Euch hinschicken, und ich werde Euch im Gegenzug nicht auf Pferden festbinden wie Packtaschen und Euch dorthin schleppen!�</p><p>Es gab keine M�glichkeit fortzufahren. Renaile erschauderte unter der Anstrengung, ihn ungeachtet ihres Dolches in seiner Hand nicht mit blo�en H�nden anzugreifen. �Einverstanden, unter dem Licht!� grollte sie. Ihr fielen fast die Augen aus dem Kopf. Sie bewegte mit verwirrter und ungl�ubiger Miene die Lippen. Dieses Mal klang das Keuchen, als w�rde der Wind die Vorh�nge herabrei�en.</p><p>�Einverstanden�, sagte Mat rasch, ber�hrte mit den Fingern seine Lippen und dr�ckte sie dann auf ihre.</p><p>Kurz darauf tat sie es ihm gleich, wobei ihre Finger an seinen Lippen zitterten. Er streckte den Dolch aus, und sie betrachtete ihn teilnahmslos, bevor sie ihn entgegennahm und die Klinge in die edelsteinbesetzte Scheide zur�cksteckte. Es war nicht h�flich, jemanden zu t�ten, mit dem man gerade einen Handel besiegelt hatte. Zumindest solange nicht, bis die Bedingungen erf�llt waren. Murmeln erhob sich von den Frauen hinter ihrem Stuhl, und Renaile klatschte einmal in die H�nde. Das brachte die Frauen von den Windsucherinnen bis zu den Herrinnen der Wogen schnell zum Schweigen.</p><p>�Ich glaube, ich habe gerade einen Handel mit einem <emphasis>Ta'veren</emphasis> abgeschlossen�, sagte sie mit ihrer k�hlen, tiefen Stimme. Die Frau konnte Aes Sedai noch lehren, wie man sich rasch wieder fa�te. �Aber eines Tages, Meister Cauthon, wenn es dem Licht gef�llt, werde ich Euch vernichten.�</p><p>Er wu�te nicht, was das bedeutete, nur da� es von ihr unerfreulich klang. Er antwortete diplomatisch. �Alles ist m�glich, wenn es dem Licht gefallt�, murmelte er. Die H�flichkeit zahlte sich letztendlich aus, obwohl sie beunruhigend hoffnungsvoll l�chelte.</p><p>Als Mat sich wieder dem �brigen Raum zuwandte, h�tte man den ihm gew�hrten Blicken nach glauben k�nnen, er habe neuerdings H�rner und Fl�gel. �Gibt es noch weitere Einw�nde?� fragte er sarkastisch, ohne auf Antworten zu warten. �Das dachte ich mir. In diesem Fall schlage ich vor, da� Ihr einen weit von hier entfernten Ort ausw�hlt, damit wir uns auf den Weg machen k�nnen, sobald Ihr Eure Habe gepackt habt.�</p><p>Sie debattierten eifrig. Elayne erw�hnte Caemlyn und klang dabei zumindest halbwegs ernst, und Careane schlug mehrere abgelegene D�rfer in den Schwarzen Bergen vor, die durch das Wegetor alle gut erreichbar w�ren. Licht, jeder Ort war durch das Wegetor gut erreichbar.</p><p>Vandene sprach von Arafel, und Aviendha schlug Rhuidean in der Aiel-W�ste vor, wobei die Meervolk-Frauen um so verdrossener wurden, je weiter die genannten Orte vom Meer entfernt lagen. Alles nur Theater. Das wurde zumindest Mat durch die ungeduldige Art klar, in der Nynaeve sich an ihrem Zopf zu schaffen machte, obwohl eifrig und rasch Vorschl�ge gemacht wurden.</p><p>�Wenn ich etwas sagen d�rfte, Aes Sedai?� schaltete sich Reanne schlie�lich zaghaft ein. Sie hob sogar eine Hand. �Die Schwesternschaft unterh�lt auf der anderen Seite des Flusses, wenige Meilen n�rdlich, einen Bauernhof. Jedermann wei�, da� er ein Zufluchtsort f�r Frauen ist, die Zeit zum Nachdenken und Ruhe brauchen, aber niemand verbindet ihn mit uns. Die Geb�ude sind gro� und behaglich, wenn man l�nger bleiben mu�, und...�</p><p>�Ja�, unterbrach Nynaeve sie. �Ja, ich denke, das ist ein guter Vorschlag. Was meinst du, Elayne?�</p><p>�Ich denke, es klingt wundervoll, Nynaeve. Ich wei�, da� Renaile es zu sch�tzen wissen wird, wenn sie in der Nahe des Meeres bleiben kann.� Die anderen f�nf Schwestern �bertrafen sie noch, indem sie sagten, wie angenehm es klang und wieviel besser als jeder andere Vorschlag.</p><p>Mat verdrehte die Augen. Tylin war ge�bt darin, nicht zu sehen, was vor ihrer Nase lag, aber Renaile schnappte danach wie eine Forelle nach einer Florfliege, was nat�rlich beabsichtigt gewesen war. Sie sollte aus einem unbestimmten Grund nicht wissen, da� Nynaeve und Elayne alles schon zuvor geregelt hatten. Sie f�hrte die �brigen Meervolk-Frauen hinaus, um ihre mitgebrachte Habe zu packen, bevor Nynaeve und Elayne ihre Meinung �ndern konnten.</p><p>Die beiden w�ren Merilille und den anderen Aes Sedai gefolgt, aber er winkte sie mit einer Handbewegung heran. Sie wechselten Blicke - er h�tte eine Stunde gebraucht, um auszudr�cken, was diese Blicke enthielten -, woraufhin sie, wor�ber er einigerma�en �berrascht war, zu ihm kamen. Aviendha und Birgitte beobachteten sie von der T�r und Tylin von ihrem Stuhl aus.</p><p>�Es tut mir sehr leid, da� wir Euch benutzt haben�, sagte Elayne, bevor er ein Wort �u�ern konnte. Sie l�chelte ihn mit diesen Gr�bchen an. �Wir hatten unsere Gr�nde, Mat, das m��t Ihr uns glauben.�</p><p>�Die Ihr nicht erfahren m��t�, wandte Nynaeve schroff ein und warf ihren Zopf mit einer gekonnten Kopfbewegung wieder �ber die Schulter, so da� der Goldring auf ihrem Busen h�pfte. Lan <emphasis>mu�te</emphasis> verr�ckt sein. �Ich mu� sagen, ich h�tte niemals erwartet, da� Ihr tun w�rdet, was Ihr getan habt. Was, um alles in der Welt, hat Euch auf die Idee gebracht zu versuchen, sie <emphasis>einzusch�chtern?</emphasis> Ihr h�ttet alles verderben k�nnen.�</p><p>�Was w�re das Leben, wenn man nicht hin und wieder etwas wagte?� meinte er vergn�gt. Wenn sie dachten, es sei geplant und nicht ein spontaner Ausbruch gewesen, sollte es ihm recht sein. Aber sie hatten ihn erneut benutzt, ohne ihm etwas davon zu sagen, und daf�r wollte er ein wenig entsch�digt werden. �Wenn Ihr das n�chste Mal einen Handel mit dem Meervolk abschlie�en m��t, la�t mich es f�r Euch �bernehmen. Dann wird es vielleicht nicht so schlimm wie beim letzten Mal.� Nynaeves leicht ger�tete Wangen zeigten ihm, da� er genau ins Schwarze getroffen hatte. Nicht schlecht f�r einen Blindschu�.</p><p>Elayne murmelte im Tonfall kl�glicher Belustigung jedoch nur: �Ein h�chst aufmerksamer Untertan.� Gut bei ihr angeschrieben zu sein, k�nnte sich als weniger angenehm erweisen als das Gegenteil.</p><p>Sie strebten zur T�r, ohne ihm die M�glichkeit zu geben, noch mehr zu sagen. Nun, er hatte nicht wirklich erwartet, da� sie Erkl�rungen abgeben w�rden. Sie waren beide Aes Sedai bis auf die Knochen. Ein Mann lernte, mit dem zu leben, was er tun mu�te.</p><p>Er hatte fast nicht mehr an Tylin gedacht, aber sie an ihn. Sie fing ihn ab, bevor er noch zwei Schritte getan hatte. Nynaeve und Elayne blieben mit Aviendha und Birgitte an der T�r stehen und beobachteten sie. Daher sahen sie, wie Tylin ihn in den Hintern zwickte. Mit einigen Dingen zu leben, konnte niemand lernen. Elayne setzte eine mitleidige und Nynaeve eine heftig mi�billigende Miene auf. Aviendha bek�mpfte nicht sehr erfolgreich den Drang zu lachen, und Birgitte grinste offen. Sie wu�ten, verdammt noch mal, <emphasis>alle</emphasis> Bescheid.</p><p>�Nynaeve h�lt dich f�r einen kleinen Jungen, der Schutz braucht�, hauchte Tylin ihm zu. �Ich aber wei�, da� du ein erwachsener Mann bist.� Ihr rauchiges Kichern machte ihre Worte zum unfl�tigsten Kommentar, den er jemals geh�rt hatte. Die vier Frauen an der T�r wurden Zeuge, wie sein Gesicht purpurrot anlief. �Ich werde dich vermissen, Taube. Was du mit Renaile getan hast, war gro�artig. Ich bewundere gebieterische M�nner sehr.�</p><p>�Ich werde dich auch vermissen�, murmelte er. Zu seinem Entsetzen war das die reine Wahrheit. Er verlie� Ebou Dar gerade rechtzeitig. �Aber wenn wir uns Wiedersehen, werde ich die Jagd �bernehmen.�</p><p>Sie lachte glucksend, und die dunklen Adleraugen leuchteten fast. �Ich bewundere gebieterische M�nner, Entchen. Aber nicht, wenn sie <emphasis>mir zu</emphasis> gebieten versuchen.� Sie zog seinen Kopf an den Ohren zu sich herunter, um ihn zu k�ssen.</p><p>Er sah Nynaeve und die anderen nicht gehen und verlie� den Raum auf unsicheren Beinen, w�hrend er sein Hemd wieder in die Hose stopfte. Er mu�te noch einmal umkehren, um seinen noch in einer Ecke lehnenden Speer und seinen Hut zu holen. Die Frau besa� kein Schamgef�hl. Kein bi�chen Schamgef�hl.</p><p>Er fand Thom und Juilin, die aus Tylins R�umen kamen, gefolgt von Nerim und Lopin, Naleseans kr�ftigern Mann, die beide als Satteltaschen zu benutzende, gro�e Weidenpacktaschen mit sich schleppten. Sie waren mit seiner Habe beladen, wie Mat erkannte. Juilin trug Mats Bogen und seinen K�cher �ber eine Schulter geschlungen. Nun, sie hatte gesagt, er w�rde umziehen.</p><p>�Ich fand dies auf Eurem Kissen�, sagte Thom und hielt ihm den Ring hin, den er vor einer Zeit, die ihm wie ein Jahr erschien, gekauft hatte. �Anscheinend ein Abschiedsgeschenk. �ber <emphasis>beide</emphasis> Kissen waren Liebesbande und einige andere Blumen verstreut.�</p><p>Mat steckte sich den Ring mit einer heftigen Bewegung an den Finger. �Er geh�rt mir, verdammt. Ich habe ihn bezahlt.�</p><p>Der alte Gaukler zupfte an seinem Schnurrbart und hustete in dem mi�lungenen Versuch, ein j�hes breites Grinsen zu verbergen. Juilin ri� sich diesen l�cherlichen tarabonischen Hut vom Kopf und vertiefte sich in die Betrachtung von dessen Innenseite.</p><p>�Blut und flammende...!� Mat atmete tief durch. �Ich hoffe, Ihr beide habt auch einen Moment darauf verwendet, Eure eigene Habe zu packen�, sagte er ruhig, �denn sobald ich Olver am Wickel bekomme, werden wir aufbrechen, selbst wenn wir eine schimmelige Harfe oder einen rostigen Dolch zur�cklassen m�ssen.� Juilin zog mit einem Finger einen Augenwinkel herab, was auch immer das bedeuten sollte, aber Thom runzelte augenblicklich die Stirn. Wer Thoms Fl�te oder Harfe beleidigte, beleidigte Thom selbst.</p><p>�Mylord�, sagte Lopin d�ster. Er war ein dunkler, bereits kahl werdender Mann, rundlicher als Sumeko, und seine schwarze, tairenische Jacke eines B�rgerlichen, die bis zur Taille eng ansa� und dann ausgestellt war, pa�te wirklich sehr genau. Er wirkte normalerweise beinahe ebenso w�rdevoll wie Nerim, aber jetzt waren seine Augen ger�tet, als h�tte er geweint. �Mylord, besteht eine M�glichkeit, da� ich zur�ckbleiben k�nnte, um der Bestattung Naleseans beizuwohnen? Er war ein guter Herr.�</p><p>Mat ha�te es, nein zu sagen. �Jeder, den wir zur�cklie�en, k�nnte vielleicht f�r lange Zeit zur�ckbleiben m�ssen, Lopin�, sagte er freundlich. �H�rt <emphasis>zu,</emphasis> ich brauche jemanden, der mir bei Olvers Aufsicht hilft. Nerim hat schon mit mir alle H�nde voll zu tun. Au�erdem wird Nerim zu Talmanes zur�ckgehen. Wenn Ihr wollt, �bernehme ich Euch selbst.� Er hatte sich daran gew�hnt, einen Diener zu haben, und es waren harte Zeiten f�r einen Mann auf Arbeitssuche.</p><p>�Das w�rde mir sehr gefallen, Mylord�, sagte der Bursche schwerm�tig. �Der junge Olver erinnert mich stark an den Sohn meiner j�ngsten Schwester.�</p><p>Aber als sie Mats fr�here R�ume betraten, war Lady Riselle dort, die weitaus schicklicher gekleidet war als zu dem Zeitpunkt, als Mat sie das letzte Mal gesehen hatte, und sie war ganz allein.</p><p>�Warum h�tte ich ihn an mich binden sollen?� sagte sie, w�hrend sich ihr wirklich erstaunlicher Busen vor Gem�tsbewegung hob, als sie ihre F�uste in die H�ften stemmte. Das Entchen der K�nigin sollte anscheinend Untergebenen der K�nigin gegen�ber keinen schnippischen Ton anschlagen. �Wenn man einem Jungen die Fl�gel zu stark stutzt, wird er niemals ein richtiger Mann. Er hat seine Lese�bungen auf meinen Knien gemacht - er h�tte vielleicht den ganzen Tag gelesen, wenn ich es zugelassen h�tte -, und er hat seine Zahlen ge�bt, so da� ich ihn gehen lie�. Warum sorgt Ihr Euch so? Er hat versprochen, bei Sonnenuntergang zur�ck zu sein, und er scheint gro�en Wert auf die Einhaltung seiner Versprechen zu legen.�</p><p>Mat stellte den <emphasis>Ashandarei</emphasis> in seine alte Ecke und wies die anderen M�nner an, ihre Lasten abzulegen und Vanin und die �brigen Rotwaffen zu suchen. Dann lie� er von Riselles aufsehenerregendem Busen ab und ging zu den R�umen, die sich Nynaeve und die anderen Frauen teilten. Sie waren alle im Wohnzimmer und Lan ebenso, den Umhang des Beh�ters bereits �ber den R�cken gelegt und die Satteltaschen auf den Schultern. Anscheinend seine und Nynaeves Satteltaschen. Eine beachtliche Anzahl Kleiderb�ndel und nicht sehr kleiner Kisten lagen und standen �berall auf dem Boden. Mat fragte sichr ob sie Lan dazu bringen k�nnten, diese auch zu tragen.</p><p>�Nat�rlich m��t Ihr ihn suchen, Mat Cauthon�, erkl�rte Nynaeve. �Glaubt Ihr, wir w�rden das Kind einfach im Stich lassen?� Wenn man sie h�rte, h�tte man glauben k�nnen, da� genau das <emphasis>seine</emphasis> Absicht gewesen w�re.</p><p>Er wurde j�h mit Hilfsangeboten �berschwemmt, nicht nur, da� Nynaeve und Elayne vorschlugen, den Aufbruch zum Bauernhof zu verschieben, sondern Lan, Birgitte und Aviendha boten auch an, sich an der Suche zu beteiligen. Lan ging eiskalt daran, grimmig wie immer, aber Birgitte und Aviendha...</p><p>�Mir w�rde das Herz brechen, wenn dem Jungen etwas zustie�e�, sagte Birgitte, und Aviendha f�gte ebenso herzlich hinzu: �Ich habe schon immer gesagt, da� Ihr nicht richtig f�r ihn sorgt.�</p><p>Mat knirschte mit den Z�hnen. Olver k�nnte in den Stra�en der Stadt sehr wohl immer wieder in Gefahr geraten, bevor er bei Sonnenuntergang in den Palast zur�ckkehrte. Er hielt seine Versprechen, aber es bestand keine gro�e Wahrscheinlichkeit, da� er auch nur einen Moment der Freiheit aufgeben w�rde, wenn es nicht sein m��te. Mehr Augen w�rden eine schnellere Suche bedeuten, besonders wenn alle Weisen Frauen sich daran beteiligten. Er z�gerte drei Herzschl�ge lang. Er hatte eigene Versprechen zu halten, obwohl er klug genug war, es nicht zu sagen.</p><p>�Die Schale ist zu wichtig�, belehrte er sie. �Dieser <emphasis>Gholam</emphasis> ist noch immer dort drau�en und vielleicht auch Moghedien, und nat�rlich die Schwarze Ajah.� Die W�rfel polterten in seinem Kopf. Es w�rde Aviendha nicht gefallen, mit Nynaeve und Elayne in einen Topf geworfen zu werden, aber in diesem Moment k�mmerte es ihn nicht. Er wandte sich an Lan und Birgitte. �Besch�tzt sie, bis ich zu Euch sto�en kann. Besch�tzt sie alle.�</p><p>Aviendha erwiderte �berraschend: �Das werden wir. Ich verspreche es.� Sie betastete das Heft ihres Dolches. Sie erkannte anscheinend nicht, da� sie eine derjenigen war, die besch�tzt werden mu�ten.</p><p>Nynaeve und Elayne erkannten es. Nynaeves Blick schien sich j�h in seinen Sch�del zu bohren. Er erwartete, da� sie an ihrem Zopf ziehen w�rde, aber seltsamerweise zuckte ihre Hand nur hin, bevor sie sie entschlossen wieder senkte. Elayne begn�gte sich damit, das Kinn anzuheben, ihre gro�en blauen Augen waren eisig. Jetzt war kein Gr�bchen zu sehen.</p><p>Lan und Birgitte erkannten es ebenfalls.</p><p>�Nynaeve ist mein Leben�, sagte Lan schlicht, w�hrend er eine Hand auf ihre Schulter legte. Sie wirkte seltsamerweise pl�tzlich sehr traurig, und dann bi� sie, fast ebenso unvermittelt, die Z�hne zusammen.</p><p>Birgitte warf Elayne einen herzlichen Blick zu, richtete ihre Worte aber an Mat. �Ich werde sie besch�tzen�, sagte sie. �Ehrenwort.�</p><p>Mat zupfte unbehaglich an seiner Jacke. Er war sich noch immer nicht sicher, wieviel er ihr erz�hlt hatte, als er betrunken gewesen war. Licht, die Frau hatte es in sich aufgenommen wie trockene Erde. Dennoch gab er die angemessene Antwort f�r einen barashandanischen Herrn und nahm ihr Versprechen an. �Die Ehre des Blutes; die Wahrheit des Blutes.� Birgitte nickte, und den best�rzten Blicken nach zu urteilen, die Nynaeve und Elayne ihm zuwarfen, hatte sie seine Geheimnisse doch bewahrt. Licht, wenn irgendeine Aes Sedai jemals etwas �ber diese Erinnerungen herausf�nde, k�nnten sie vielleicht ebensogut auch wissen, da� er das Horn geblasen hatte. Ob Fuchskopf oder nicht - sie w�rden ihn bearbeiten, bis sie jedes letzte Warum und Wie aus ihm herausgequetscht h�tten.</p><p>Als er sich zum Gehen wandte, ergriff Nynaeve seinen �rmel. �Denkt an den Sturm. Er wird bald losbrechen. Ich wei� es. Pa�t auf Euch auf, Mat Cauthon. H�rt Ihr? Tylin h�lt Anweisungen f�r den Bauernhof bereit, wenn Ihr mit Olver zur�ckkommt.�</p><p>Er r�ckte und entfloh, das Klappern der W�rfel in seinem Kopf wie das Echo des Klangs seiner schnellen Stiefelschritte. Sollte er w�hrend der Suche auf sich aufpassen oder w�hrend er die Anweisungen von Tylin erhielt? Nynaeve und Tylin h�rten Fl�he husten. Glaubten sie, ein wenig Regen w�rde ihn schmelzen lassen? Tats�chlich w�rde es nach der Benutzung der Schale wieder regnen. Es schien Jahre her zu sein, da� der letzte Regen gefallen war. Etwas beanspruchte Mats Gedanken, etwas �ber das Wetter und auch �ber Elayne, was keinen Sinn ergab, also tat er es achselzuckend ab. Eines nach dem anderen, und das vordringliche war im Moment Olver.</p><p>Die M�nner warteten in dem langen Raum der Rotwaffen in der N�he der St�lle, und alle au�er Vanin, der mit �ber dem Bauch verschr�nkten Fingern auf einem der Betten lag, standen. Vanin war der Ansicht, ein Mann m�sse ruhen, wann immer er die Gelegenheit dazu bek�me. Er schwang jedoch seine Stiefel herum und setzte sich auf, als Mat eintrat. Er machte sich um Olver genauso viele Sorgen wie alle �brigen. Mat bef�rchtete nur, der Mann w�rde ihn lehren, Pferde zu stehlen und Fasane zu wildern. Sieben Augenpaare sahen Mat angespannt an.</p><p>�Riselle sagt, Olver tr�ge seine rote Jacke�, informierte er sie. �Er gibt seine Jacken manchmal her, aber jeder Bengel in einer guten roten Jacke wei� wahrscheinlich, wo sich Olver zuletzt aufgehalten hat.</p><p>Jeder sollte in eine andere Richtung gehen. Zieht vom Mol Hara aus Kreise und versucht, nach ungef�hr einer Stunde wieder zur�ck zu sein. Wartet, bis alle wieder hier sind, bevor Ihr erneut losgeht. Auf diese Weise werden wir anderen nicht noch morgen suchen, wenn jemand ihn bereits gefunden hat. Habt Ihr das alle verstanden?� Sie nickten.</p><p>Manchmal erstaunten sie ihn: Der schlaksige Thom mit seinem wei�en Haar und Schnurrbart, der einst der Geliebte einer K�nigin gewesen war - bereitwilliger als Mat selbst, ganz zu schweigen davon, da� er mehr als nur ihr Geliebter gewesen sein sollte, wenn man auch nur die H�lfte der Ger�chte glaubte. Harnan mit dem kantigen Kinn, einer T�towierung auf der Wange und weiteren an anderen K�rperstellen, der schon sein ganzes Leben lang Soldat war. Juilin mit seinem Bambusstock und dem Schwertbrecher an der H�fte, der sich f�r ebenso gut wie jeden Herrn hielt, auch wenn ihm der Gedanke, selbst ein Schwert zu tragen, noch immer Unbehagen bereitete, und der dicke Vanin, der Juilin harmlos wirken lie�. Der hagere Fergin und Gorderan, der fast ebenso breite Schultern wie Perrin besa�, und Metwyn, dessen blasses cairhienisches Gesicht noch immer wie das eines Jungen anstatt wie das eines Mannes aussah, der Jahre �lter war als Mat. Einige von ihnen folgten Mat Cauthon, weil sie glaubten, er habe Gl�ck und sein Gl�ck k�nne sie am Leben erhalten, wenn die Schwerter gezogen wurden, und einige folgten ihm aus Gr�nden, deren er sich nicht wirklich sicher war, aber sie folgten ihm. Nicht einmal Thom hatte jemals gewagt mehr als einmal gegen einen seiner Befehle zu protestieren. Vielleicht hatte Renaile gro�es Gl�ck bedeutet. Vielleicht bewirkte sein <emphasis>Ta'veren</emphasis> mehr, als ihn nur stets in Schwierigkeiten zu bringen. Er f�hlte sich pl�tzlich verantwortlich f�r diese M�nner. Es war ein beunruhigendes Gef�hl. Mat Cauthon und Verantwortung pa�ten nicht zusammen. Es war unnat�rlich.</p><p>�Pa�t auf Euch auf und haltet die Augen offen�, sagte er. �Ihr wi�t, was dort drau�en lauert. Ein Sturm kommt auf.� Warum hatte er das gesagt? �Also los. Wir verschwenden Tageslicht.�</p><p>Der Wind blies noch immer stark und fegte Staub �ber den Mol Hara-Platz mit der Statue einer lange verstorbenen K�nigin �ber dem Brunnen, und es gab keine anderen Anzeichen f�r einen Sturm. Die Nachmittagssonne brannte hoch am wolkenlosen Himmel, aber die Menschen eilten genauso schnell �ber den Platz wie in der Morgenk�hle, die hier unten am Boden, trotz des Windes, verschwunden war. Die Pflastersteine brannten unter Mats Stiefeln.</p><p>Den Blick �ber den Platz zur <emphasis>Wanderin</emphasis> gerichtet, strebte Mat dem Flu� zu. Olver war nicht halb so h�ufig mit den Stra�enjungen unterwegs gewesen, als sie noch in dem Gasthaus wohnten. Er war zufrieden damit gewesen, sich mit den Schankm�dchen und Setalle Anans T�chtern zu besch�ftigen. Soviel dazu, da� ihm die W�rfel gesagt hatten, er solle in den Palast ziehen. Alles, was er getan hatte, seit sie umgezogen waren - alles, was er hatte tun wollen, verbesserte er sich, als er an Tylin und ihre Augen dachte, und an ihre H�nde -, alles h�tte genausogut von dort aus getan werden k�nnen. Die W�rfel rollten jetzt wieder, und er w�nschte, sie w�rden einfach verschwinden.</p><p>Er versuchte, schnell voranzugehen, wich ungeduldig rollenden Karren und Wagen aus, fluchte �ber bemalte S�nften und Kutschen, die ihn fast umstie�en, und blickte sich �berall nach einer roten Jacke um, aber das Treiben auf den Stra�en behinderte ihn erheblich. Was in Wahrheit ebensogut war, denn es hatte keinen Sinn, an dem Jungen vorbei zu preschen, ohne ihn zu sehen. Er w�nschte, er h�tte Pips aus den Palastst�llen mitgenommen, �berlegte er stirnrunzelnd, w�hrend die Menschen an ihm vor�ber str�mten. Ein Reiter h�tte sich in der Menge nicht schneller vorw�rts bewegen k�nnen, aber er h�tte vom Sattel aus weiter sehen k�nnen. Andererseits w�re es umst�ndlich gewesen, vom Pferder�cken aus Fragen zu stellen. Tats�chlich ritten in der Stadt nicht viele Leute, und einige Menschen neigten sogar dazu, vor Reitern zur�ckzuschrek-ken.</p><p>Stets dieselbe Frage. Das erste Mal stellte er sie an einer Br�cke unmittelbar unterhalb des Mol Hara an einen Burschen, der �pfel im Schlafrock von einem Tablett verkaufte, das er an einem Band um den Hals trug. �Habt Ihr einen Jungen gesehen, ungef�hr so gro�, in einer roten Jacke?� Olver liebte S��igkeiten.</p><p>�Einen Jungen, Mylord?� Der Bursche saugte an seinen wenigen noch verbliebenen Z�hnen. �Ich habe tausend Jungen gesehen. Ich erinnere mich aber an keine Jacke. M�chte Mylord einen Apfel, oder zwei?� Er hob mit knochigen Fingern zwei �pfel hoch und schob sie Mat zu. So wie sie unter seinen Fingern nachgaben, waren sie weicher, als es nach dem Backen h�tte sein sollen. �Hat Mylord von dem Aufruhr geh�rt?�</p><p>�Nein�, antwortete Mat gereizt und dr�ngte weiter. Am anderen Ende der Br�cke hielt er eine rundliche Frau mit einem Tablett voller B�nder an. B�nder interessierten Olver nicht, aber ihre roten Unterr�cke blitzten unter einem fast bis zur linken H�fte hochgen�hten Rock auf, und der Schnitt ihres Mieders offenbarte ein rundliches Dekollete, das dem Riselles gleichkam. �Habt Ihr einen Jungen gesehen...�</p><p>Auch von ihr h�rte er von dem Aufruhr, und ebenso von den �brigen Leuten, die er befragte. Er vermutete, da� dieses Ger�cht mit Ereignissen in einem bestimmten Haus im Rahad an diesem Morgen seinen Anfang genommen hatte. Eine Kutscherin mit einer langen, um den Hals geschlungenen Peitsche erz�hlte ihm, der Aufruhr habe auf der anderen Seite des Flusses stattgefunden, nachdem sie erw�hnt hatte, da� sie niemals Jungen bemerke, wenn sie nicht unter ihre Maultiere gerieten. Ein Mann mit kantigem Gesicht, der Honigwaben verkaufte - unglaublich trocken aussehende Honigwaben -, erz�hlte, der Aufruhr habe in der Nahe des Leuchtturms am �stlichen Ende der M�ndung der Bucht stattgefunden, was ein genauso wahrscheinlicher Ort f�r einen Aufruhr war wie mitten in der Bucht selbst. Es gab immer tausend Ger�chte in jeder Stadt, wenn man aufmerksam zuh�rte, und Mat war anscheinend gezwungen, sich Bruchst�cke von allen anzuh�ren. Eine der bemerkenswert h�bschesten Frauen, die er jemals gesehen hatte, die vor einer Taverne stand - Maylin war Schankm�dchen im <emphasis>Alten Schaf,</emphasis> aber ihre einzige Aufgabe schien darin zu bestehen, vor der T�r zu stehen, um G�ste anzulocken, was ihr sicherlich gelang -, sagte ihm, da� am Morgen ein Kampf stattgefunden h�tte, in den Cordese-H�geln westlich der Stadt, wie sie glaubte. Oder vielleicht in den Rhannoh-H�geln auf der anderen Seite der Bucht. Oder vielleicht... Bemerkenswert h�bsch war Maylin, aber nicht sehr klug. Olver h�tte sie vielleicht stundenlang betrachtet, solange sie nicht den Mund ge�ffnet h�tte. Aber sie konnte sich nicht daran erinnern, einen Jungen in einer... Was hatte er noch gesagt, welche Farbe die Jacke hatte? Mat h�rte von Aufruhr und K�mpfen, er h�rte von ausreichend vielen seltsamen Wesen am Himmel oder in den H�geln, um die Gro�e F�ule zu bev�lkern. Er h�rte, da� der Wiedergeborene Drache mit Tausenden von M�nnern, welche die Macht lenken konnten, auf die Stadt herniederkommen w�rde, da� die Aiel k�men, ein Heer von Aes Sedai - nein, es war ein Heer Wei�m�ntel -, da� Pedron Niall tot sei und die Kinder ihn r�chen wollten, wobei aber nicht ganz klar war, warum in Ebou Dar. Bei all diesen umgehenden Ger�chten h�tte man glauben k�nnen, die Stadt w�re vollkommen in Panik, aber tats�chlich glaubten selbst jene, die eine Geschichte erz�hlten, sie �blicherweise nur halbwegs. So h�rte er allen m�glichen Unsinn, aber kein Wort �ber einen Jungen in einer roten Jacke.</p><p>Wenige Stra�en vom Flu� entfernt h�rte er den ersten Donner, ein gewaltiges hohles Dr�hnen, das vom Meer heranzurollen schien. Menschen schauten neugierig in den wolkenlosen Himmel, kratzten sich den Kopf und wandten sich wieder ihrer Besch�ftigung zu. Mat tat es ihnen gleich und befragte jeden Verk�ufer von S��igkeiten oder Obst, dem er begegnete, und jede h�bsche Fu�g�ngerin. Alles vergeblich. Er erreichte den langen Steinkai, der die gesamte L�nge der Flu�seite der Stadt entlang verlief, hielt inne und betrachtete die grauen, sich in den Flu� erstreckenden Docks und die an ihnen vert�uten Schiffe. Der Wind blies stark, lie� die Schiffe an ihren Halteseilen zerren und sich, trotz der als Puffer dazwischen h�ngenden, mit Baumwolle gef�llten S�cke, an den Steindocks reiben. Anders als Pferde interessierten Schiffe Olver au�er als Bef�rderungsmittel von einem Ort zum anderen nicht, und Schiffe waren in Ebou Dar M�nnersache, auch wenn das f�r ihre Ladung h�ufig nicht galt, Frauen an diesen Docks waren entweder Kauffrauen, die ein Auge auf ihre Waren hielten, oder Mitglieder der Gilde der Schauerleute, und hier g�be es keine S��igkeitenverk�ufer.</p><p>Mat wollte sich gerade abwenden, als er erkannte, da� sich niemand mehr regte. Normalerweise herrschte auf den Docks gesch�ftiges Treiben, und doch standen die Besatzungsmitglieder auf jedem in Sichtweite befindlichen Schiff an der Reling oder waren in die Takelage geklettert, um auf die Bucht hinauszublicken. F�sser und Lattenkisten standen verwaist, w�hrend sich M�nner mit nacktem Oberk�rper und drahtige Frauen in gr�nen Lederwesten am Ende der Docks versammelt hatten, um zwischen den Schiffen hindurch gen S�den, in Richtung des Donners zu blicken. In dieser Richtung stieg schwarzer Rauch in dicken, hoch aufragenden S�ulen auf, die sich durch den Wind scharf nach Norden bogen.</p><p>Mat z�gerte einen Moment und trottete dann auf das n�chstgelegene Dock hinaus. Zuerst verstellten die s�dlich daran vert�uten Schiffe die Sicht auf den Flu�. Durch den Verlauf der K�stenlinie ragte jedoch jedes Dock weiter hinaus als das n�chste. Nachdem Mat die murmelnde Menschenmenge am Ende des Docks erreicht hatte, bot der breite Flu� offene Sicht �ber das aufgew�hlte gr�ne Wasser auf die bewegte Bucht hinaus.</p><p>Mindestens zwei Dutzend Schiffe brannten auf der weiten Fl�che der Bucht aus, vielleicht sogar mehr, von einem Ende zum anderen von Flammen vereinnahmt. Eine Anzahl anderer war bereits langsam abgesackt, so da� nur noch Bug oder Heck �bers Wasser ragten, bis der Rest dann ebenfalls hinabglitt. Noch w�hrend Mat hinsah, brach der Bug eines gro�en Zweimasters mit einem gro�en rotblaugoldenen Banner, dem Banner von Altara, pl�tzlich mit lautem Dr�hnen auseinander, ein donnergleiches Dr�hnen, und sich rasch verdichtende Rauchf�den wehten auf dem Wind, w�hrend das Schiff zu sinken begann. Hunderte von Schiffen waren im Aufbruch, jedes Schiff in der Bucht, Klipper und Gleiter mit drei Masten und Wogent�nzer des Meervolks mit zwei Masten, K�stenschiffe mit ihren dreieckigen Segeln, Flu�schiffe mit oder ohne Segel, die teilweise flu�aufw�rts flohen, aber die meisten versuchten aufs Meer hinaus zu gelangen. Hunderte anderer Schiffe trieben in der Bucht vor dem Wind umher. Gro�e Schiffe mit schroffem Bug, so hoch wie jeder der Klipper, brachen durch die rollenden Wogen und verspr�hten Gischt. Mat hielt den Atem an, als er pl�tzlich quadratische, geriffelte Segel ausmachte.</p><p>�Blut und blutige Asche�, murrte er entsetzt. �Es sind die verdammten Seanchaner!�</p><p>�Wer?� fragte eine Frau mit hartem Gesicht, die in der Menge neben ihm stand. Ein dunkelblaues, gut geschnittenes Tuchgewand wies sie ebenso als Kauffrau aus wie die Ledermappe, die sie f�r ihre Frachtbriefe bei sich trug, oder die Guildennadel �ber einer Brust, ein silberner Federhalter. �Es sind die Aes Sedai�, verk�ndete sie im Tonfall der �berzeugung. �Ich erkenne Machtlenkung, wenn ich sie sehe. Die Kinder des Lichts werden es mit ihnen aufnehmen, sobald sie eintreffen. Ihr werdet sehen.�</p><p>Eine schlaksige, grauhaarige Frau in einer schmutzigen gr�nen Weste wandte sich zu ihr um und betastete dabei das h�lzerne Heft ihres Dolches. �H�tet Eure Zunge, wenn es um Aes Sedai geht, Ihr verdammte Pfennigfuchserin, sonst wird es Euch schlecht ergehen!�</p><p>Mat �berlie� sie ihrem Streit, dr�ngte sich aus der Menge heraus und lief den Kai entlang. Er konnte bereits drei - nein, vier - gewaltige Wesen mit fledermaus�hnlichen, gro�en Fl�geln s�dlich �ber der Stadt kreisen sehen. Gestalten klammerten sich, offensichtlich auf irgendeiner Art Sattel, auf dem R�cken der Tiere fest. Ein weiteres Flugwesen erschien und noch mehr. Unter ihnen brachen �ber den H�userd�chern pl�tzlich br�llend Flammen auf.</p><p>Jetzt fl�chteten die Menschen und stie�en Mat herum, w�hrend er sich durch die Stra�en k�mpfte. �Olver!� rief er und hoffte, �ber den anderen Rufen und Schreien von allen Seiten geh�rt zu werden. �Olver!�</p><p>Pl�tzlich schienen alle in die entgegengesetzte Richtung zu fliehen und dr�ngten gewaltsam an Mat vorbei. Er k�mpfte stur gegen den Strom an und kam zu einer Stra�e, wo deutlich wurde, wovor all diese Leute flohen.</p><p>Eine seanchanische Kolonne zog vorbei, einhundert oder mehr M�nner mit Helmen wie Insektenk�pfe und R�stungen aus einander �berlappenden Platten, die alle auf pferdegro�en, katzen�hnlichen Tieren ritten, die aber eher mit bronzefarbenen Schuppen anstatt mit Fell bedeckt waren. Die M�nner beugten sich auf ihren S�tteln vor, die mit blauen Fahnen versehenen Speere gesenkt, und galoppierten, stur geradeaus blickend, �ber den Mol Hara-Platz. Obwohl �galoppieren� nicht ganz der richtige Ausdruck f�r die Fortbewegung dieser Wesen war. Die Geschwindigkeit stimmte, aber sie ... schwebten. Es war Zeit zu gehen. L�ngst Zeit. Sobald er Olver gefunden h�tte...</p><p>Als das Ende der Kolonne vor�berzog, erregte ein h�fthoher roter Blitz in der Menge auf der Stra�e jenseits der Kreuzung seine Aufmerksamkeit. �Olver!� Er scho� fast auf den Fersen des letzten Schuppenwesens �ber die Kreuzung und dr�ngte sich noch gerade rechtzeitig in die Menge, um eine Frau mit geweiteten Augen ein kleines M�dchen in einem roten Gewand hochrei�en und mit dem an ihren Busen gepre�ten Kind davonlaufen zu sehen. Mat dr�ngte gewaltsam vorw�rts, schob Menschen mit den Schultern beiseite, als sie gegen ihn stie�en und stie� auch selbst gegen einige Leute. �Olver! Olver!�</p><p>Er sah noch zweimal Feuers�ulen kurz �ber den H�userd�chern aufflammen, und Rauch stieg an einem Dutzend Stellen in den Himmel. Er h�rte auch noch mehrere Male dieses donnernde Br�llen, jetzt weitaus n�her als in der Bucht. Der Boden erschauderte mehr als einmal unter seinen Stiefeln.</p><p>Und dann lichtete sich die Stra�e erneut, Menschen flohen in alle Richtungen, Gassen hinab und in H�user und L�den, weil Seanchaner auf Pferden kamen. Nicht alle trugen R�stungen. Fast an der Spitze des kleinen Dickichts aus Speeren ritt eine dunkle Frau in einem blauen Gewand. Mat erkannte, da� die breiten roten Stoffstreifen auf ihren R�cken und dem Busen silberne Blitze aufwiesen. Eine silberne Koppel, die in der Sonne gl�nzte, verlief von ihrem linken Handgelenk zum Hals einer Frau in Grau, einer <emphasis>Dom�ne,</emphasis> die neben dem Pferd der <emphasis>Sul'dam</emphasis> trottete wie ein Scho�hund. Er hatte in Falme mehr von den Seanchanern gesehen, als ihm lieb gewesen war, aber er blieb dennoch unbewu�t am Eingang einer Gasse stehen und beobachtete sie. Das Br�llen und die Feuer hatten gezeigt, da� sich jemand in der Stadt zumindest zu wehren versuchte, und jetzt w�rde er Zeuge eines solchen Versuchs werden.</p><p>Die Seanchaner waren nicht der einzige Grund, warum jedermann sonst au�er Sicht geeilt war. Am anderen Ende der Stra�e schwangen gut hundert berittene M�nner Speere mit langen Spitzen. Sie trugen bauschige wei�e Hosen und gr�ne Jacken, und die Goldkordeln am Helm des Befehlshabers glitzerten. Mit einem gemeinsamen Aufschrei warfen sich hundert oder mehr von Tylins Soldaten gegen die Angreifer. Sie waren den Seanchanern mindestens zwei zu eins �berlegen.</p><p>�Verdammte Narren�, murrte Mat. �Nicht so. Diese <emphasis>Sul'dam</emphasis> wird...�</p><p>Die einzige Bewegung unter den Seanchanern erfolgte von der Frau in dem mit Blitzen gekennzeichneten Gewand, die ihre Hand anhob, als w�rde sie einen Falken fliegen lassen oder einen Hund davonschicken.</p><p>Die blonde Frau am anderen Ende der silbrigen Koppel machte einen kleinen Schritt vorw�rts, und das Fuchskopf-Medaillon an Mats Brust k�hlte ab.</p><p>Die Stra�e brach unter der Spitze des Ebou Dari-Ansturms pl�tzlich auf, und Pflastersteine und Menschen und Pferde flogen mit ohrenbet�ubendem Br�llen durch die Luft. Die Ersch�tterung warf Mat flach auf den R�cken, oder vielleicht geschah es auch dadurch, da� der Boden unter seinen F��en aufsprang. Er zog sich gerade rechtzeitig hoch, um ein Gasthaus auf der anderen Stra�enseite j�h in einer Staubwolke einst�rzen zu sehen, so da� die Innenr�ume freigelegt wurden.</p><p>Rund um eine �ffnung im Boden, die halb so breit wie die Stra�e war, lagen �berall Menschen und Pferde oder Teile davon, und wer noch lebte, schlug um sich. Schreie der Verwundeten erf�llten die Luft. Weniger als die H�lfte der Ebou Dari kam taumelnd, benommen und strauchelnd auf die F��e. Einige ergriffen zitternd die Z�gel von Pferden, m�hten sich in die S�ttel und trieben die Tiere zu einem Trab an. Andere liefen zu Fu� davon. Alle wollten fort von den Seanchanern. Stahl konnten sie trotzen, aber dem nicht.</p><p>Mat erkannte, da� Davonlaufen im Moment eine ausgesprochen gute Idee war. Ein Blick zur�ck die Gasse hinab zeigte ihm Staub und Schutt in mindestens einem Stockwerk H�he. Er rannte vor den fliehenden Ebou Dari die Stra�e hinab, hielt sich so nahe an den Mauern wie m�glich und hoffte, da� keiner der Seanchaner ihn f�r einen von Tylins Soldaten hielt. Er h�tte niemals eine gr�ne Jacke tragen sollen.</p><p>Die <emphasis>Sul'dam</emphasis> war offensichtlich noch nicht zufrieden. Der Fuchskopf k�hlte erneut ab, und ein weiteres Dr�hnen warf ihn erneut aufs Pflaster, das ihm entgegenkam. Er h�rte durch das Klingen in seinen Ohren hindurch Mauerwerk �chzen. Die wei� verputzte Ziegel wand �ber ihm begann sich nach au�en zu neigen. �Was ist aus meinem verdammten Gl�ck geworden?� schrie er. Und dann hatte er gerade noch genug Zeit, um zu erkennen, wie Ziegelsteine und Balken so heftig auf ihn herniederprasselten, da� die W�rfel in seinem Kopf einfach anhielten.</p></section><section><title><p>40</p><p>Speere</p></title><p>Berge stiegen rund um Galina Casban auf, oder eher hohe H�gel hinter voraus liegenden schneebedeckten Gipfeln, hinter denen wiederum h�here Gipfel lagen, aber sie sah in Wahrheit nichts von alledem. Die Steine des Hangs schmerzten an ihren blo�en F��en. Sie keuchte, und ihre Lungen litten bereits. Die Sonne brannte �ber ihr wie schon scheinbar endlose Tage lang, brannte den Schwei� in Str�men aus ihr heraus. Alles andere als einen Fu� vor den anderen zu setzen, schien zuviel f�r sie. Seltsam, da� ihr Mund trotz all des aus ihr hervorstr�menden Schwei�es trocken war.</p><p>Sie war noch keine neunzig Jahre Aes Sedai, ihr langes, schwarzes Haar noch von Grau unber�hrt, aber sie war seit fast zwanzig Jahren das Oberhaupt der Roten Ajah - von den anderen Roten Schwestern inoffiziell die H�chste genannt und von Roten als dem Amyrlin-Sitz gleichgestellt angesehen -, und nur w�hrend f�nf dieser Jahre, in denen sie die Stola trug, hatte sie in Wahrheit der Schwarzen Ajah angeh�rt. Nicht unter Ausschlu� ihrer Pflichten als Rote, sondern dar�ber hinaus. Ihr Platz im H�chsten Konzil der Schwarzen Ajah befand sich neben Alviarin selbst, und sie war eine der einzigen Drei, die den Namen der Frau kannten, die ihre verdeckten Treffen leitete. Sie konnte bei jenen Treffen jeden Namen aussprechen - auch den eines K�nigs - und wissen, da� der Name einem Toten geh�rte. Es war geschehen, bei einem K�nig und einer K�nigin. Sie hatte geholfen, zwei Amyrlins zugrunde zu richten, hatte zweimal geholfen, die m�chtigste Frau der Welt in eine schreiende Wahnsinnige zu verwandeln, die bestrebt war, alles zu erz�hlen, was sie wu�te, hatte geholfen, es so aussehen zu lassen, als w�re eine von ihnen im Schlaf gestorben, und hatte daf�r gesorgt, da� die andere abgesetzt und ged�mpft wurde. Solche Dinge waren eine Pflicht, wie auch die Notwendigkeit, M�nner, welche die Macht lenken konnten, auszurotten, Handlungen, an denen sie �ber den Umstand hinaus, da� diese Aufgaben gut ausgef�hrt wurden, keine Freude hatte, aber es hatte ihr durchaus Vergn�gen bereitet, den Zirkel zu leiten, der Siuan Sanche ged�mpft hatte. All diese Dinge bedeuteten gewi�, da� Galina Casban selbst zu den M�chtigsten der Welt geh�rte, zu den Allerm�chtigsten. Sicher war es so. Es mu�te so sein.</p><p>Ihre Beine zitterten wie ungespannte Federn, und sie fiel schwer hin, konnte sich mit den fest hinter ihrem R�cken gefesselten Armen und Ellbogen nicht abfangen. Das einst wei�e Seidenhemd, das einzige ihr verbliebene Kleidungsst�ck, ri� erneut, als sie auf den losen Steinen entlangglitt, die �ber ihre Striemen schabten. Ein Baum hielt sie auf. Das Gesicht auf den Boden gepre�t, begann sie zu schluchzen. �Wie?� st�hnte sie mit belegter Stimme. �Wie kann mir dies geschehen?�</p><p>Nach einiger Zeit erkannte sie, da� sie nicht wieder hochgezogen worden war. Ungeachtet dessen, wie h�ufig sie hinfiel, hatte man ihr niemals zuvor auch nur einen Moment Aufschub gestattet. Sie blinzelte die Tr�nen fort und hob den Kopf.</p><p>Aielfrauen bedeckten den Hang, mehrere Hundert von ihnen standen mit ihren Speeren unter den kahlen B�umen verstreut, und die Schleier, mit denen sie jeden Moment ihr Antlitz verbergen konnten, hingen �ber ihren Br�sten. Galina versp�rte das Bed�rfnis zu lachen. T�chter des Speers. Sie nannten diese gr��lichen Frauen T�chter des Speers. Sie w�nschte, sie <emphasis>k�nnte</emphasis> lachen. Zumindest waren keine M�nner anwesend, eine geringe Gnade. M�nner lie�en ihre Haut kribbeln, und wenn sie jetzt ein Mann sehen k�nnte, nicht einmal halbwegs bekleidet...</p><p>Ihr Blick suchte angespannt Therava, aber die meisten der ungef�hr siebzig Weisen Frauen standen zusammen und beobachteten etwas, das weiter den H�gel hinauf geschah, wobei sie ihr die Sicht versperrten. Stimmengemurmel drang zu ihr. Vielleicht berieten die Weisen Frauen etwas. Weise Frauen. Sie hatten sie mit unmenschlicher T�chtigkeit die richtigen Namen gelehrt. Sie konnten die Verachtung riechen, wie sehr sie diese auch zu verbergen versuchte. Nat�rlich brauchte man nichts zu verbergen, was aus einem herausgebrannt wurde.</p><p>Die meisten der Weisen Frauen schauten fort, aber nicht alle. Das Schimmern <emphasis>Saidars</emphasis> umgab eine junge, rothaarige Frau mit einem h�bschen Mund, die Galina mit gro�en, aufmerksamen blauen Augen beobachtete. Vielleicht als Zeichen ihrer eigenen Verachtung hatten sie die Schw�chste unter ihnen auserkoren, sie diesen Morgen abzuschirmen. Micara war nicht wirklich schwach im Gebrauch der Macht - keine von ihnen war es -, aber obwohl Micara sich sehr bem�hte, h�tte Galina ihren Schild ohne gro�e Anstrengung durchbrechen k�nnen. Ein Muskel an Galinas Wange zuckte unkontrolliert. Das geschah stets, wenn sie an einen weiteren Fluchtversuch dachte. Der erste war schon schlimm genug verlaufen. Der zweite... Sie erschauderte und k�mpfte gegen ein weiteres aufkommendes Schluchzen an. Sie w�rde keinen Versuch mehr unternehmen, bis sie sich nicht eines vollkommenen Erfolges sicher sein konnte. Sehr sicher. Vollkommen sicher.</p><p>Die Menge der Weisen Frauen teilte sich und wandte sich dann um, um Therava mit ihren Blicken zu folgen, w�hrend die Frau mit dem Adlergesicht auf Galina zuschritt. Galina keuchte und versuchte aufzustehen. Die H�nde gefesselt, die Muskeln schlaff, gelang es ihr nur, sich auf die Knie aufzurichten, bis Therava sich �ber sie beugte, wobei ihre Halsketten aus Elfenbein und Gold leise klimperten. Therava ergriff eine Handvoll von Galinas Haar und zwang ihren Kopf scharf nach hinten. Sie drehte Galinas Hals schmerzhaft so weit, da� diese der Weisen Frau ins Gesicht sehen konnte. Therava war um einiges st�rker in der Macht als sie, was f�r verh�ltnism��ig wenige Frauen galt, aber nicht das lie� Galina zittern. Kalte tiefblaue Augen stachen in ihre, hielten sie fester als Theravas grobe Hand. Sie schienen ihre Seele genauso leicht blo�zulegen, wie Therava mit ihr umging. Sie hatte bisher nicht gebettelt, nicht als sie sie den ganzen Tag ohne Wasser umhergehen lie�en, nicht als sie sie zwangen, Schritt zu halten, w�hrend sie stundenlang liefen, nicht einmal als ihre Gerten sie aufheulen lie�en. Theravas grausames, hartes Gesicht, das ungeduldig auf sie herabsah, erweckte in ihr jedoch den Wunsch zu betteln. Manchmal wachte sie nachts auf, zwischen den vier Pfosten ausgestreckt, an denen sie sie festbanden, erwachte wimmernd aus Tr�umen, da� ihr ganzes Leben unter Theravas Aufsicht ablaufen w�rde.</p><p>�Sie bricht bereits zusammen�, sagte die Weise Frau mit felsenharter Stimme. �Tr�nkt sie und bringt sie mit.� W�hrend sie sich ab wandte und ihre Stola richtete, war Galina Casban bereits vergessen, bis sie sich wieder an sie erinnern m��te. F�r Therava war Galina Casban unwichtiger als ein streunender Hund.</p><p>Galina versuchte nicht aufzustehen. Sie war inzwischen schon oft genug �getr�nkt� worden. Es war die einzige Art, wie sie sie trinken lie�en. Es lechzte sie nach Wasser, und sie widerstand nicht, als eine kr�ftige Tochter des Speers sie am Haar packte, wie Therava es getan hatte, und ihren Kopf zur�ckzog. Sie �ffnete nur den Mund, so weit sie konnte. Eine weitere Tochter des Speers, mit einer runzligen Narbe �ber Nase und Wange, neigte einen Wasserschlauch und lie� langsam ein kleines Rinnsal in Galinas wartenden Mund tr�pfeln. Das Wasser war schal und warm. Es war k�stlich. Sie schluckte krampfartig, unbeholfen, �ffnete den Mund weit. Fast genauso sehr lechzte sie danach, ihr Gesicht unter diesen d�nnen Strahl zu halten, das Wasser die Wangen und die Stirn hinablaufen zu lassen. Statt dessen hielt sie ihren Kopf starr, damit jeder Tropfen in ihre Kehle gelangte. Wasser zu verschwenden, w�re Anla� f�r weitere Schl�ge. So hatten sie sie in Sichtweite eines sechs Schritte breiten Flusses verpr�gelt, weil sie einen Mundvoll Wasser �ber ihr Kinn hatte laufen lassen.</p><p>Als der Wasserschlauch schlie�lich fortgenommen wurde, ri� die kr�ftige Tochter des Speers sie an ihren gefesselten Ellbogen hoch. Galina st�hnte. Die Weisen Frauen schlangen die R�cke �ber ihre Arme und offenbarten ihre Beine so bis ein gutes St�ck �ber weichen, kniehohen Stiefeln. Sie konnten doch nicht wieder zu laufen beginnen. Nicht wieder! Nicht in diesen Bergen.</p><p>Die Weisen Frauen eilten so leichtf��ig vorw�rts, als bef�nden sie sich auf ebenem Boden. Eine unsichtbare Tochter des Speers fuhr Galina mit einer Gerte �ber die R�ckseite ihrer Oberschenkel, und sie nahm einen stolpernden Lauf auf, halb von der kr�ftigen Tochter des Speers gezogen. Die Gerte traf ihre Beine, wann immer sie nachgaben. Wenn dieser Lauf den Rest des Tages andauerte, w�rden sie sich abwechseln, wobei eine Frau die Gerte f�hrte und die andere zog. Galina m�hte sich H�nge hoch und glitt sie fast hinab. Ein lohfarbener Rotluchs, mit Streifen in Braunschattierungen und schwerer als ein Mann, fauchte sie von einem Felssims �ber ihnen an. Ein Weibchen, ohne Pinsel an den Ohren und ohne die breiten Wangen. Galina wollte ihr zurufen zu fliehen, bevor Therava sie einfing. Die Aiel lief unbeteiligt an dem fauchenden Tier vorbei, und Galina weinte vor Eifersucht auf die Freiheit der Katze.</p><p>Sie w�rde letztendlich nat�rlich gerettet werden. Das wu�te sie. Die Burg w�rde nicht zulassen, da� eine Schwester in Gefangenschaft blieb. Elaida w�rde nicht zulassen, da� eine Schwester gefangengehalten wurde. Alviarin w�rde gewi� Rettung schicken. Jemand, irgend jemand, w�rde sie vor diesen Ungeheuern, besonders vor Therava, retten. F�r diese Rettung w�rde sie alles versprechen. Und sie w�rde diese Versprechen sogar halten. Sie war von den Drei Eiden losgesagt worden, nachdem sie sich der Schwarzen Ajah angeschlossen hatte, hatte sie durch eine neue Dreiheit ersetzt, aber in diesem Moment glaubte sie wirklich, da� sie ihr Wort halten w�rde, wenn es ihr die Rettung br�chte. Jedes Versprechen gegen�ber jedermann, der sie befreien w�rde. Sogar gegen�ber einem Mann.</p><p>Als die niedrigen Zelte auftauchten, in ihren dunklen Farben an den Bergh�ngen ebenso unauff�llig, wie die Katze unauff�llig gewesen war, mu�te Galina von zwei T�chtern des Speers gest�tzt werden, die sie vorw�rtszogen. Rufe erklangen von allen Seiten, frohe Begr��ungen, aber Galina wurde weiterhin hinter den Weisen Frauen hergezogen, tiefer in das Lager hinein, noch immer laufend und stolpernd.</p><p>Pl�tzlich wurde sie ohne Vorwarnung losgelassen.</p><p>Sie fiel aufs Gesicht und lag dann mit der Nase im Staub und sog durch den ge�ffneten Mund gierig Luft ein. Sie hustete, weil ihr ein St�ck trockenes Laub in die Kehle geraten war, aber sie war nicht zu schwach, den Kopf zu wenden. Das Blut pochte in ihren Ohren, aber dennoch drangen Stimmen zu ihr hindurch und ergaben allm�hlich einen Sinn.</p><p>�...habt Euch Zeit gelassen, Therava�, sagte die vertraut klingende Stimme einer Frau. �Neun Tage. Wir sind schon lange zur�ck.�</p><p>Neun Tage? Galina sch�ttelte den Kopf, wobei ihr Gesicht �ber den Boden schabte. Seit die Aiel ihr Pferd unter ihr weggeschossen hatten, verschmolz die Erinnerung alle Tage zu einer Mischung aus Durst und Laufen und Geschlagenwerden, aber es war gewi� l�nger her als neun Tage. Sicherlich Wochen. Ein Monat oder mehr.</p><p>�Bringt sie herein�, sagte die vertraute Stimme ungeduldig.</p><p>H�nde zogen sie hoch, schoben sie vorw�rts, beugten sie, damit sie durch den Eingang eines gro�en Zeltes mit ringsum hoch aufragenden W�nden gelangte. Sie wurde auf �bereinanderlegte Teppiche geworfen, wobei der Rand eines rotblauen tairenischen Gewirrs bunte Blumen unter ihrer Nase �berlappte. Sie hob m�hsam den Kopf.</p><p>Zun�chst sah sie nur Sevanna, die auf einem gro�en Kissen mit gelben Quasten vor ihr sa�.</p><p>Sevanna mit ihrem Haar wie fein gesponnenes Gold und ihren klaren smaragdgr�nen Augen. Die heimt�ckische Sevanna, die ihr Wort gegeben hatte, die Aufmerksamkeit ablenken zu wollen, indem sie in Cairhien einfiel, und ihr Versprechen dann gebrochen hatte, indem sie versucht hatte, al'Thor zu befreien. Sevanna, die sie zumindest aus Theravas Klauen befreien k�nnte.</p><p>Galina erhob sich auf die Knie und erkannte erst jetzt, da� sich auch noch andere Menschen in dem Zelt befanden - Therava sa� auf einem Kissen zu Sevannas Rechten, die erste in einer gewundenen Reihe von Weisen Frauen, vierzehn Frauen, die alle die Macht lenken konnten. Die H�lfte von ihnen geh�rte zu den Weisen Frauen, die sie mit solch verachtenswerter Leichtigkeit gefangengenommen hatten. Sie w�rde im Umgang mit Weisen Frauen niemals wieder so sorglos sein; niemals wieder. Kleine, bla�gesichtige M�nner und Frauen in wei�en Gew�ndern bewegten sich hinter den Weisen Frauen, boten schweigend Gold- oder Silbertabletts mit kleinen Bechern dar, und auf der anderen Seite des Zeltes, wo eine grauhaarige Frau in Aiel-Jacke und Hose in Braun und Grau zu Sevannas Linken sa�, am Kopf einer Reihe von zw�lf Aiel-M�nnern mit steinernen Gesichtern, taten weitere Menschen in wei�en Gew�ndern denselben Dienst. M�nner. Und sie trug nur ihr Hemd, das an mehreren Stellen zerrissen war. Galina bi� die Z�hne zusammen, um nicht zu schreien. Sie zwang sich zu einer aufrechten Haltung, um der Versuchung zu widerstehen, sich in den Teppichen zu verkriechen und sich vor diesen kalten m�nnlichen Blicken zu verbergen.</p><p>�Anscheinend k�nnen Aes Sedai l�gen�, bemerkte Sevanna, und alles Blut wich aus Galinas Gesicht. Die Frau konnte es nicht wissen, sie konnte es nicht wissen. �Ihr habt Versprechen gegeben, Galina Casban, und sie gebrochen. Dachtet Ihr etwa, Ihr k�nntet eine Weise Frau t�ten und dann aus der Reichweite unserer Speere gelangen?�</p><p>Einen Moment lie� Erleichterung Galinas Zunge erstarren. Sevanna wu�te <emphasis>nichts</emphasis> von der Schwarzen Ajah. Wenn sie dem Licht nicht schon vor langer Zeit abgeschworen h�tte, h�tte sie ihm jetzt gedankt. Erleichterung und ein winziger Funke Entr�stung brachten sie zum Schweigen. Sie <emphasis>attackierten</emphasis> Aes Sedai und waren ver�rgert, wenn jemand von ihnen starb? Ein winziger Funke war alles, was sie aufbringen konnte. Was war schon Sevannas Verdrehung der Tatsachen gegen�ber Tagen voller Schl�ge und Theravas Blicken? Ein gequ�lter, kr�chzender Laut der Heiterkeit entrang sich angesichts der L�cherlichkeit dieses Umstands in ihrer so trockenen Kehle.</p><p>�Seid dankbar, da� �berhaupt noch jemand von Euch lebt�, gelang es ihr unter Lachen hervorzusto�en. �Es ist selbst jetzt noch nicht zu sp�t, Eure Fehler zu berichtigen, Sevanna.� Sie schluckte m�hsam die kl�gliche Heiterkeit hinab, bevor sie zu Tr�nen w�rde. Sie war kurz davor. �Wenn ich zur Wei�en Burg zur�ckkehre, werde ich mich trotz allem Vorgefallenen jener erinnern, die mir geholfen haben.� Sie h�tte gern noch hinzugef�gt �und jener, die anders handeln�, aber Theravas unersch�tterlicher Blick machte ihr angst. Nach allem, was sie wu�te, w�rde Therava vielleicht noch immer alles tun d�rfen, was sie wollte. Es mu�te eine M�glichkeit geben, Sevanna zu �berreden, die Aufsicht �ber sie zu �bernehmen. Das schmeckte bitter, aber alles war besser als Therava. Sevanna war ehrgeizig - und gierig. W�hrend sie Galina stirnrunzelnd ansah, war ihr Blick auf ihre eigene Hand gefallen, und sie hatte kurz und mit bewunderndem L�cheln die Ringe mit den gro�en Smaragden und Feuertropfen betrachtet. Sie trug an der H�lfte ihrer Finger Ringe sowie Halsketten aus Perlen und Rubine und Diamanten �ber ihren Busen drapiert, die jeder K�nigin zur Ehre gereicht h�tten. Man konnte Sevanna nicht trauen, aber vielleicht war sie k�uflich. Therava hingegen war eine Naturgewalt. Genausogut konnte man versuchen, einen Strom oder eine Lawine zu bestechen. �Ich vertraue darauf, da� Ihr das Richtige tun werdet, Sevanna�, kam sie zum Schlu�. �Die Wei�e Burg belohnt Freundschaft gro�z�gig.�</p><p>Einen langen Moment herrschte bis auf das Rascheln der wei�en Gew�nder, w�hrend die Diener die Tabletts darboten, Schweigen. Dann...</p><p>�Ihr seid <emphasis>Da'tsang�,</emphasis> sagte Sevanna. Galina blinzelte. Sie war eine Verachtete? Gewi� hatten sie ihre Verachtung deutlich gezeigt, aber warum...?</p><p>�Ihr seid <emphasis>Da'tsang�,</emphasis> wiederholte die Weise Frau mit dem rundlichen Gesicht, die sie nicht kannte, und eine Frau, die eine Handbreit gr��er als Therava war, wiederholte ebenfalls: �Ihr seid</p><p><emphasis>Da'tsang.�</emphasis></p><p>Theravas falken�hnliches Gesicht h�tte aus Holz geschnitzt sein k�nnen, aber ihre auf Galina gerichteten Augen funkelten anklagend. Galina f�hlte sich auf dem Fleck festgenagelt und konnte keinen Muskel mehr r�hren. Ein hypnotisierter Vogel, der eine Schlange n�her gleiten sieht. Niemand hatte ihr dieses Gef�hl jemals vermittelt Niemand.</p><p>�Drei Weise Frauen haben gesprochen.� Sevannas zufriedenes L�cheln war fast angenehm. Theravas Gesicht war starr. Der Frau gefiel nicht, was auch immer gerade geschehen war. Etwas <emphasis>war</emphasis> geschehen, auch wenn Galina nicht wu�te, was es zu bedenken hatte. Nur da� es sie anscheinend von Therava erl�st hatte. Das war im Moment mehr als ausreichend. Mehr als genug.</p><p>Als T�chter des Speers ihre Fesseln durchschnitten und sie in ein schwarzes Tuchgewand steckten, war sie so dankbar, da� es sie fast nicht k�mmerte, da� sie vor jenen M�nnern mit den frostigen Blicken zun�chst die �berreste ihres Hemdes fortrissen. Das dicke Tuch war hei� und kratzte �ber ihre Striemen, und sie hie� es genauso willkommen, als w�re es Seide. Obwohl Micara sie noch immer abschirmte, h�tte sie lachen m�gen, als die T�chter des Speers sie aus dem Zelt f�hrten. Es dauerte nicht lange, bis sie den Wunsch versp�rte, vollst�ndig zu verschwinden. Sie begann sich zu fragen, ob es etwas nutzen w�rde, wenn sie Sevanna auf Knien b�te. Sie h�tte es getan, wenn sie zu der Frau h�tte gelangen k�nnen, nur da� Micara deutlich machte, da� sie nirgendwohin gehen w�rde, wohin sie nicht gehen sollte, oder ein Wort �u�ern w�rde, wenn sie nicht angesprochen wurde.</p><p>Sevanna beobachtete mit verschr�nkten Armen, wie die Aes Sedai, die <emphasis>Da'tsang,</emphasis> den Hang hinunterstolperte, neben einer Tochter des Speers stehenblieb, die mit einer Gerte auf den Fersen hockte, und den wie einen Kopf geformten Stein fallen lie�, den sie in H�nden getragen hatte. Die schwarze Kapuze drehte sich einen Moment in Sevannas Richtung, aber dann beugte sich die</p><p><emphasis>Da'tsang</emphasis> schnell herab, um einen weiteren gro�en Stein aufzunehmen und sich dann wieder f�nfzig Schritte bis zu der Stelle aufw�rts zu m�hen, wo Micara mit einer anderen Tochter des Speers wartete. Dort lie� sie auch diesen Stein fallen, nahm einen weiteren auf und stieg wieder hinab. <emphasis>Da'tsang</emphasis> wurden stets mit sinnlosen Arbeiten besch�mt. Wenn es nicht n�tig war, w�rde es der Frau nicht erlaubt sein, auch nur einen Becher Wasser zu tragen, sondern sinnlose Plackerei w�rde ihre Stunden erf�llen, bis sie vor Scham in Tr�nen ausbrach. Die Sonne war noch nicht lange auf ihrem h�chsten Punkt angelangt, und viele weitere Tage der M�hen lagen vor ihr.</p><p>�Ich glaube nicht, da� sie sich selbst f�r schuldig erkl�rt h�tte�, sagte Rhiale an Sevannas Schulter. �Efalin und die anderen sind sich nicht allzu sicher, da� sie offen zugegeben hat, Desaine get�tet zu haben.�</p><p>�Sie geh�rt mir, Sevanna.� Therava pre�te die Kiefer zusammen. Sie hatte die Frau zwar gefangengenommen, aber <emphasis>Da'tsang</emphasis> geh�rten niemandem. �Ich hatte vor, sie in seidene <emphasis>Gai'schain</emphasis><emphasis>-Gew�nder</emphasis><emphasis>zu</emphasis> kleiden�, murrte sie. �Welchen Sinn hat diese Behandlung, Sevanna? Ich hatte erwartet, dagegen Einspruch erheben zu m�ssen, da� ihr die Kehle durchschnitten w�rde, aber nicht das.�</p><p>Rhiale warf den Kopf zur�ck und gew�hrte Sevanna einen Seitenblick. �Sevanna will sie brechen. Wir haben lange dar�ber gesprochen, was wir tun sollten, wenn wir eine Aes Sedai gefangenn�hmen. Sevanna will eine zahme Aes Sedai aus ihr machen, die Wei� tr�gt und ihr dient. Aber jede Aes Sedai in Schwarz wird ebenso gen�gen.�</p><p>Ver�rgert �ber Rhiales Tonfall richtete Sevanna ihre Stola. Er hatte nicht sp�ttisch, aber doch des Umstands allzu bewu�t geklungen, da� sie die F�higkeit der Aes Sedai, die Macht zu lenken, irgendwie so benutzen wollte, als w�re es Sevannas eigene F�higkeit. Es w�re vielleicht m�glich. Zwei <emphasis>Gai'schain</emphasis> gingen mit einer gro�en messingbeschlagenen Kiste an den drei Weisen Frauen vorbei. Die kleinen, bla�gesichtigen Eheleute waren in den L�ndern der Baumm�rder Adlige gewesen. Beide neigten dem�tiger die K�pfe, als jede Aiel in Wei� es jemals vermocht h�tte. In ihren dunklen Augen lag Anspannung - mehr aus Angst vor einem harten Wort als vor der Gerte. Feuchtl�nder konnten wie Pferde gez�hmt werden.</p><p>�Die Frau ist bereits gez�hmt�, grollte Therava. �Ich habe ihr in die Augen gesehen. Sie ist ein in der Hand flatternder Vogel, der Angst vor dem Fliegen hat.�</p><p>�In neun Tagen?� fragte Rhiale ungl�ubig, und Sevanna sch�ttelte heftig den Kopf.</p><p>�Sie ist eine Aes Sedai, Therava. Ihr habt ihr Gesicht vor Zorn wei� werden sehen, als ich sie anklagte. Ihr habt sie lachen geh�rt, als sie von der T�tung Weiser Frauen sprach.� Sie stie� einen zornigen Laut aus.</p><p>�Und Ihr habt geh�rt, wie sie uns bedrohte. Es wird lange dauern, sie zu brechen, aber diese Aes Sedai wird darum betteln, gehorchen zu d�rfen, und wenn es ein Jahr dauert.� Wenn sie das erst tat... Aes Sedai konnten nat�rlich nicht l�gen. Sie hatte erwartet, da� Galina gegen ihre Anklage angehen w�rde. Wenn sie erst zu gehorchen geschworen h�tte...</p><p>�Wenn Ihr erreichen wollt, da� Euch eine Aes Sedai gehorcht�, sagte die Stimme eines Mannes hinter ihr, �k�nnte dies vielleicht helfen.�</p><p>Sevanna fuhr ungl�ubig herum und sah Caddar und hinter ihm die Frau - Maisia, die Aes Sedai -, beide in dunkle Seide und edle Spitze gekleidet wie schon vor sechs Tagen, jeder mit einem unpassenderweise an einem Riemen von einer Schulter herabh�ngenden, ausgebeulten Sack. Caddar streckte mit einer dunklen Hand eine glatte, �ber einen Fu� lange Rute aus.</p><p>�Wie seid Ihr hierhergekommen?� fragte Sevanna und pre�te dann ver�rgert die Lippen zusammen. Er war offensichtlich so gekommen wie schon zuvor. Sie war nur �berrascht, da� er mitten im Lager auftauchte. Sie ri� ihm die wei�e Rute aus der Hand, und wie immer trat er au�er Reichweite ihres Armes. �Warum seid Ihr gekommen?� fragte sie. �Was ist dies?� Die Rute war ein wenig schmaler als ihr Handgelenk und bis auf wenige, an einem Ende eingekerbte, seltsam flie�ende Symbole glatt. Sie f�hlte sich nicht ganz wie Elfenbein und nicht ganz wie Glas an. Sie f�hlte sich sehr k�hl an.</p><p>�Man k�nnte sie eine Eidesrute nennen�, antwortete Caddar und setzte eine Miene auf, die einem L�cheln �hnlich war. �Ich habe sie erst gestern bekommen, und ich dachte augenblicklich an Euch.�</p><p>Sevanna verschr�nkte ihre H�nde fest um die Rute, um sich daran zu hindern, sie von sich zu schleudern.</p><p>Jedermann wu�te, was die Eidesrute der Aes Sedai bewirkte. Um nicht dar�ber nachdenken und noch viel weniger dar�ber sprechen zu m�ssen, steckte sie die Rute hinter ihren G�rtel und nahm die H�nde fort.</p><p>Rhiale betrachtete die Rute an Sevannas Taille stirnrunzelnd und hob dann langsam den Blick zu Sevannas Gesicht. Therava richtete mit klingenden Armb�ndern ihre Stola und l�chelte verbissen. Niemand von ihnen w�rde die Gelegenheit erhalten, die Rute zu ber�hren, und vielleicht w�rde nicht einmal eine der Weisen Frauen diese Gelegenheit bekommen. Aber da war noch immer Galina Casban. Sie w�rde eines Tages zerbrechen.</p><p>Maisia mit den raben�hnlichen Augen, die ein paar Schritte hinter Caddar stand, l�chelte fast ebenso verbissen wie Therava. Sie hatte gesehen und verstanden. Sie war f�r eine Feuchtl�nderin aufmerksam.</p><p>�Kommt mit�, wies Sevanna Caddar an. �Wir werden in meinem Zelt Tee trinken.� Sie w�rde gewi� kein Wasser mit ihm teilen. Sie raffte ihre R�cke und stieg den Hang hinauf.</p><p>Auch Caddar war zu ihrer �berraschung aufmerksam. �Ihr m��t nur Eure Aes Sedai� - er schritt auf seinen langen Beinen leicht neben ihr aus und grinste Rhiale und Therava pl�tzlich an -�oder eine andere Frau, welche die Macht lenken kann, die Rute halten und die Versprechen �u�ern lassen, die Ihr h�ren wollt, w�hrend jemand derweil ein wenig Geist webt. Ihr k�nnt sie auch benutzen, um sie zu befreien, aber das ist schmerzhafter. Zumindest habe ich es so verstanden.�</p><p>Sevanna ber�hrte die Rute leicht. Eher Glas als Elfenbein und sehr k�hl. �Sie wirkt nur bei Frauen?� Sie betrat vor ihm geb�ckt das Zelt. Die Weisen Frauen und die Anf�hrer der Kriegergemeinschaften waren gegangen, aber das Dutzend Baumm�rder-Gai'shain war geblieben und kniete geduldig auf einer Seite des Zeltes. Niemand hatte jemals zuvor ein Dutzend <emphasis>Gaischain</emphasis> besch�ftigt, und sie besa� noch weitere. Man w�rde sich jedoch einen neuen Namen f�r sie �berlegen m�ssen, da sie das Wei� niemals ablegen w�rden.</p><p>�Frauen, welche die Macht lenken k�nnen, Sevanna�, erkl�rte Caddar, w�hrend er ihr ins Zelt folgte. Der Mann klang unglaublich anma�end. Seine dunklen Augen schimmerten vor offener Belustigung. �Ihr werdet warten m�ssen, bis Ihr al'Thor habt, bevor ich Euch gebe, was ihn unter Kontrolle halten wird.�</p><p>Er nahm den Sack von seiner Schulter und setzte sich hin, nat�rlich auf kein in ihrer N�he befindliches Kissen. Maisia f�rchtete keine Klinge in ihren Rippen. Sie lehnte nahe Sevanna auf einem Ellbogen. Sevanna sah sie von der Seite an und �ffnete dann beil�ufig ihre Bluse etwas weiter. Sie hatte den Busen der Frau nicht so rundlich in Erinnerung. Auch ihr Gesicht erschien ihr jetzt h�bscher. Sevanna versagte es sich, mit den Z�hnen zu knirschen.</p><p>�Wenn Ihr nat�rlich einen anderen Mann meint...�, fuhr Caddar fort. �Es gibt einen sogenannten Bindungsstuhl. Menschen zu binden, die nicht die Macht lenken k�nnen, ist schwieriger als bei Machtlenkern. Vielleicht hat ein Bindungsstuhl die Zerst�rung �berstanden, aber Ihr werdet warten m�ssen, bis ich ihn finde.�</p><p>Sevanna ber�hrte die Rute erneut und befahl dann einem der <emphasis>Gai'schain</emphasis> ungeduldig, Tee zu bringen. Sie konnte warten. Caddar war ein Narr. Fr�her oder sp�ter w�rde er ihr alles geben, was sie von ihm haben wollte. Und jetzt konnte die Rute Maisia von ihm l�sen. Dann w�rde die Frau ihn gewi� nicht mehr besch�tzen. Er w�rde f�r seine Unversch�mtheiten Schwarz tragen. Sevanna nahm einen kleinen gr�nen Porzellanbecher von dem Tablett, das der <emphasis>Gai'schain</emphasis> ihr hinhielt, und reichte es der Aes Sedai eigenh�ndig. �Er ist mit Pfefferminze gew�rzt, Maisia. Er wird Euch erfrischen.�</p><p>Die Frau l�chelte, aber diese schwarzen Augen... Nun, was einer Aes Sedai angetan werden konnte, konnte auch zwei Aes Sedai angetan werden. Oder mehr.</p><p>�Was ist mit den Reisekammern?� fragte Sevanna schroff.</p><p>Caddar winkte den <emphasis>Gai'schain</emphasis> fort und t�tschelte den neben ihm liegenden Sack. �Ich habe so viele <emphasis>Nar'baha</emphasis> mitgebracht - so wurden sie genannt -, wie ich auftreiben konnte. Genug, um Euch alle bei Einbruch der Nacht zu bef�rdern, wenn Ihr es eilig habt. Und ich h�tte es an Eurer Stelle eilig. Al'Thor will Euch anscheinend vernichten. Zwei Clans kommen von S�den heran, und zwei weitere n�hern sich von Norden mit ihren Weisen Frauen, die alle bereit sind, die Macht zu lenken. Ihre Befehle lauten zu bleiben, bis auch die letzte von Euch tot oder gefangen ist.�</p><p>Therava schnaubte. �Das ist gewi� ein Grund, etwas zu unternehmen, Feuchtl�nder, aber kein Grund davonzulaufen. Selbst vier Clans k�nnen Bruderm�rders Dolch nicht an einem Tag leerfegen.�</p><p>�Habe ich es nicht erw�hnt?� Caddar l�chelte unangenehm. �Al'Thor hat offenbar auch einige Aes Sedai an sich gebunden, und diese haben die Weisen Frauen gelehrt, zumindest �ber kurze Entfernungen ohne <emphasis>Nar'baha</emphasis> zu reisen, zwanzig oder drei�ig Meilen weit. Anscheinend wurde es erst k�rzlich wiederentdeckt. Sie k�nnten - nun, heute hier sein. Alle vier Clans.�</p><p>Vielleicht log er, aber das Risiko... Sevanna konnte sich nur zu gut vorstellen, in Sorileas Gewalt zu sein. Sie unterdr�ckte ein Schaudern und schickte dann Rhiale aus, die anderen Weisen Frauen zu benachrichtigen. Ihre Stimme verriet nichts.</p><p>Caddar griff in seine Tasche und zog einen grauen Steinw�rfel heraus, kleiner als der Gegenstand, den sie verwandt hatte, um ihn zu rufen, und weitaus einfacher, aber mit einer in eine Seite eingelassenen hellroten Scheibe. �Dies ist ein <emphasis>Nar'baha�,</emphasis> sagte er. �Er benutzt <emphasis>Saidin,</emphasis> so da� niemand von Euch etwas sehen wird, und er hat Grenzen. Wenn eine Frau ihn ber�hrt, wirkt er tagelang nicht mehr, und er hat noch andere Beschr�nkungen. Einmal er�ffnet, bleibt das Wegetor eine bestimmte Zeit bestehen, ausreichend lange, damit wenige Tausend hindurchgelangen k�nnen, wenn sie keine Zeit verschwenden, und danach braucht der <emphasis>Nar'baha</emphasis> drei Tage, um sich zu erholen. Ich habe gen�gend in Reserve, um uns dorthin zu bef�rdern, wo wir heute hingelangen m�ssen, aber...�</p><p>Therava beugte sich so angestrengt vor, da� sie fast vorn�ber zu kippen schien, aber Sevanna h�rte kaum zu. Sie bezweifelte Caddar s Worte nicht. Er w�rde es nicht wagen, sie zu betr�gen, nicht, solange es ihn nach dem Gold verlangte, das die Shaido ihm geben w�rden. Aber Kleinigkeiten fielen ihr auf. Maisia schien ihn �ber ihren Teebecher hinweg pr�fend zu betrachten. Warum? Und wenn solche Eile geboten war -warum klang seine Stimme nicht dringlich? Er w�rde sie nicht betr�gen, aber sie w�rde dennoch Vorsichtsma�nahmen ergreifen.</p><p>Maeric betrachtete stirnrunzelnd den Steinw�rfel, den der Feuchtl�nder ihm gegeben hatte, und sah dann zu der �ffnung, die erschienen war, als er auf den roten Fleck gedr�ckt hatte. Eine �ffnung mitten in der Luft, f�nf Schritte breit und drei Schritte hoch. Jenseits lagen gewellte H�gel, nicht allzu niedrig, die mit braunem Gras bedeckt waren. Er hantierte nicht gern mit der Einen Macht, besonders nicht mit ihrem m�nnlichen Teil. Sevanna trat mit dem Feuchtl�nder und einer dunklen Frau durch eine weitere, kleinere �ffnung, den Weisen Frauen folgend, die Sevanna und Rhiale auserw�hlt hatten. Nur eine Handvoll Weise Frauen blieben bei den Moshaine Shaido zur�ck. Maeric konnte Sevanna durch dieses zweite Tor mit Bendhuin sprechen sehen. Die Gr�ne Salze-Septime w�rde sich auch mit wenigen Weisen Frauen zurechtfinden. Dessen war sich Maeric sicher.</p><p>Dyrele ber�hrte seinen Arm. �Ehemann�, murmelte sie, �Sevanna sagte, es w�rde nur kurze Zeit ge�ffnet bleiben.�</p><p>Maeric nickte. Dyrele behielt stets das Wesentliche im Auge. Er verschleierte sich, lief vorw�rts und sprang durch die von ihm gestaltete �ffnung. Was auch immer Sevanna und der Feuchtl�nder sagten - er w�rde keine seiner Moshaine hindurchschicken, bevor er wu�te, da� es sicher war.</p><p>Er landete schwer auf einem mit totem Gras bestandenen Hang und rollte fast kopf�ber den H�gel hinab, bevor er sich fangen konnte. Er schaute einen Moment zu der �ffnung zur�ck. Sie befand sich auf dieser Seite mehr als einen Fu� �ber dem Boden.</p><p>�Frau!� rief er. �Da ist eine Stufe!�</p><p>Schwarzaugen sprangen hindurch, verschleiert und mit bereitgehaltenen Speeren, und T�chter des Speers ebenfalls. Es w�re genauso unsinnig zu versuchen, Sand zu trinken, wie es sinnlos war, die T�chter des Speers davon abzuhalten, unter den ersten zu sein. Die �brigen Moshaine folgten im Laufschritt, <emphasis>Algai'd'siswai</emphasis> und Frauen und Kinder sprangen hindurch, Handwerker und H�ndler und <emphasis>Gai'schain,</emphasis> die meisten schwer beladene Packpferde und Maultiere hinter sich herziehend, insgesamt fast sechstausend Menschen. Seine Septime, seine Leute. Sie w�ren es immer noch, wenn er einst nach Rhuidean ginge. Sevanna konnte ihn nicht mehr lange daran hindern, Clanh�uptling zu werden.</p><p>Kundschafter schw�rmten sofort aus, w�hrend die Septime noch immer aus der �ffnung drang. Maeric senkte seinen Schleier und rief Befehle, woraufhin eine Wand von <emphasis>Algai'd'siswai</emphasis> auf die Anh�hen der umliegenden H�gel zustrebte, w�hrend sich alle Verbleibenden unterhalb verbargen. Man konnte nicht wissen, wer oder was jenseits dieser H�gel lag. �ppige L�nder, hatte der Feuchtl�nder behauptet, aber dieser Teil wirkte auf ihn nicht �ppig.</p><p>Das Vorw�rtsst�rmen seiner Septime wurde zu einem Flu� von <emphasis>Algai'd'siswai,</emphasis> denen er nicht wirklich vertraute, M�nner, die ihren eigenen Clans entflohen waren, weil sie nicht glaubten, da� Rand al'Thor wahrhaftig der <emphasis>Car'a'carn</emphasis> war. Maeric war sich nicht sicher, was er selbst glaubte, aber ein Mann lie� Septime und Clan nicht im Stich. Diese M�nner nannten sich <emphasis>Meradin,</emphasis> die Bruderlosen, ein passender Name, und er hatte zweihundert...</p><p>Die �ffnung wurde j�h zu einem senkrechten Silberschlitz, der zehn der Bruderlosen durchschnitt. K�rperteile fielen auf den Hang, Arme, Beine. Der Rumpf eines Mannes schlitterte fast vor Maerics F��e.</p><p>Er starrte die Stelle an, wo sich die �ffnung befunden hatte, und dr�ckte mit dem Daumen auf den roten Fleck. Er wu�te, da� es sinnlos war, aber... Darin, sein �ltester Sohn, war einer der Steinsoldaten, die als Nachhut gewartet hatten. Sie w�ren als letzte hindurchgekommen. Suraile, seine �lteste Tochter, war bei dem Steinsoldaten geblieben, f�r den sie vielleicht ihren Speer aufgeben wollte.</p><p>Sein Blick begegnete dem Dyreles, so gr�n und wundersch�n wie an dem Tag, an dem sie ihm den Kranz zu F��en gelegt hatte - und gedroht hatte, ihm die Kehle durchzuschneiden, wenn er ihn nicht aufh�be. �Wir k�nnen warten�, sagte er sanft. Der Feuchtl�nder hatte von drei Tagen gesprochen, aber vielleicht irrte er sich. Maeric dr�ckte erneut mit dem Daumen auf den roten Fleck. Dyrele nickte ruhig. Er hoffte, da� sie einander nicht weinend in die Arme sinken m��ten, wenn sie erst allein sein k�nnten.</p><p>Eine Tochter des Speers rutschte den Hang von oben herab, senkte eilig ihren Schleier und keuchte tats�chlich schwer. �Maeric�, sagte Naeise und wartete nicht einmal ab, bis er sie ansah, �im Osten stehen Speere, nur wenige Meilen entfernt und unmittelbar auf uns zustrebend. Ich glaube, es sind Reyn. Mindestens sieben- oder achttausend Reyn.�</p><p>Er konnte weitere <emphasis>Algai'd'siswai</emphasis> auf sich zulaufen sehen. Ein junger Bruder des Adlers, Cairdin, kam schlitternd zum Stehen und sprach, sobald Maeric ihn sah. �Ich gr��e Euch, Maeric. Keine f�nf Meilen n�rdlich stehen Speere und Feuchtl�nder auf Pferden. Vielleicht jeweils zehntausend. Ich glaube nicht, da� unsere M�nner die H�gelk�mme schon �berschritten hatten, aber einige der Speere haben sich uns zugewandt.�</p><p>Maeric wu�te es, bevor der grauhaarige Wassersucher namens Laerad den Mund �ffnete. �Drei oder vier Meilen s�dlich kommen Speere �ber einen H�gel. Achttausend oder mehr. Einige von ihnen haben einen der Jungen gesehen.� Laerad verschwendete niemals Worte, und er w�rde niemals verraten, welcher Junge, der f�r Laerad tats�chlich jedermann ohne graues Haar sein konnte.</p><p>Maeric wu�te auch, da� keine Zeit war, Worte zu verschwenden. �Hamal!� rief er. Es war auch keine Zeit f�r angemessene H�flichkeit gegen�ber einem Schmied.</p><p>Der gro�e Mann begriff, da� etwas nicht stimmte. Er kletterte den Hang hinauf und bewegte sich dabei wahrscheinlich schneller als jemals zuvor, seit er zum ersten Mal den Hammer aufgenommen hatte.</p><p>Maeric reichte ihm den Steinw�rfel. �Ihr m��t auf den roten Fleck dr�cken und ihn gedr�ckt halten, egal was geschieht und egal wie lange es dauert, bis sich diese �ffnung bildet. Das ist der einzige Ausweg f�r Euch alle.� Hamal nickte, aber Maeric wartete nicht einmal darauf, da� er die Anweisung best�tigen w�rde. Hamal w�rde verstehen. Maeric ber�hrte Dyreles Wange, ungeachtet dessen, wie viele Augen sie beobachteten. �Schatten meines Herzens, du mu�t darauf vorbereitet sein, Wei� zu tragen.� Sie streckte die Hand nach ihrem G�rteldolch aus - sie war eine Tochter des Speers gewesen, als sie ihm den Kranz zu F��en gelegt hatte -, aber er sch�ttelte energisch den Kopf. �Du mu�t leben, Frau, Dachherrin, um zusammenzuhalten, was verbleibt.� Sie nickte und pre�te die Finger an seine Wange. Er war �berrascht. Sie war in der �ffentlichkeit stets sehr zur�ckhaltend gewesen.</p><p>Maeric hob seinen Schleier und stie� den Speer hoch �ber den Kopf. �Moshaine!� br�llte er. �Wir tanzen!�</p><p>Sie folgten ihm den Hang hinauf, M�nner und T�chter des Speers, fast eintausend Menschen, wenn man die Bruderlosen mitz�hlte - vielleicht konnte man sie zur Septime dazurechnen -, den Hang hinauf und westw�rts. In dieser Richtung lag der n�chste und zahlenm��ig geringste Feind. Vielleicht k�nnten sie genug Zeit herausschinden, obwohl er es nicht wirklich glaubte. Er fragte sich, ob Sevanna hiervon gewu�t hatte. Ach, die Welt war sehr merkw�rdig geworden, seit Rand al'Thor gekommen war. Einige Dinge konnten sich jedoch nicht �ndern. Er begann lachend zu singen.</p><p><emphasis>�Reinigt die Speere, w�hrend die Sonne aufsteigt.</emphasis></p><p><emphasis>Reinigt die Speere, w�hrend die Sonne sinkt.</emphasis></p><p><emphasis>Reinigt die Speere; wer f�rchtet zu sterben?</emphasis></p><p><emphasis>Reinigt die Speere; niemand, den ich kenne!�</emphasis></p><p>Die Moshaine Shaido zogen singend in ihren Todestanz.</p><p>Graendal beobachtete stirnrunzelnd, wie sich das Wegetor hinter den letzten der Jumai Shaido und vielen Weisen Frauen schlo�. Anders als bei den anderen, hatte Sammael sein Netz nicht einfach so gewoben, da� es schlie�lich zerfallen mu�te. Zumindest vermutete sie, da� er es bis zuletzt bestehen lie�. Die Schlie�ung des Wegetors unmittelbar hinter den letzten braun und grau gekleideten M�nnern w�re sonst zu zuf�llig gewesen. Sammael warf den Sack lachend beiseite, hielt aber noch immer einige jener nutzlosen Steinst�cke fest. Sie hatte ihren eigenen leeren Sack schon lange abgelegt. Die Sonne ging hinter den Bergen im Westen als rot gl�hende Halbkugel unter.</p><p>�An einem jener Tage�, sagte sie trocken, �werdet Ihr wider Willen zu gerissen sein. Vermutet Ihr, da� einer von ihnen verstanden hat?�</p><p>�Keiner�, sagte er schlicht, aber er rieb sich weiterhin die H�nde und betrachtete die Stelle, an der das Wegetor gewesen war. Oder vielleicht etwas Dahinterliegendes. Er hielt noch immer die Spiegelmaske aufrecht, die ihm die Illusion zus�tzlicher Gr��e vermittelte. Sie hatte ihre Maske fallenlassen, sobald sich das Wegetor geschlossen hatte.</p><p>�Nun, es ist Euch gewi� gelungen, sie in Panik zu versetzen.� Um sie herum lag der Beweis: wenige noch stehende niedrige Zelte, Decken, ein Kochtopf, eine Stoffpuppe und alle Arten verstreuten Abfalls. �Wo habt Ihr sie hingeschickt? Vermutlich irgendwo vor al'Thors Heer?�</p><p>�Einige�, sagte er wie abwesend. �Ausreichend viele.� Seine nachdenkliche Selbstpr�fung verging j�h, wie auch seine Verkleidung. Die Narbe auf seinem Gesicht schien jetzt besonders fahl. �Ausreichend viele, um Schwierigkeiten zu bereiten, besonders wenn ihre Weisen Frauen die Macht lenken, aber nicht so viele, da� jemand mich verd�chtigen wird. Die �brigen sind von Illian bis Ghealdan verstreut. Und wie und warum? Vielleicht hat al'Thor es aus eigenen Gr�nden getan, aber ich h�tte sicherlich nicht die meisten von ihnen verschwendet, wenn es mein Werk gewesen w�re, nicht wahr?� Er lachte erneut, von seinem eigenen Scharfsinn beeindruckt.</p><p>Graendal richtete das Mieder ihres Gewandes, um ihre Best�rzung zu verbergen. Es war bemerkenswert dumm, auf diese Weise zu wetteifern - sie hatte sich das schon tausendmal gesagt und sich nicht einmal daran gehalten -, bemerkenswert dumm, und jetzt f�hlte sich das Gewand an, als w�rde es abfallen, was jedoch nichts mit ihrer Best�rzung zu tun hatte. Er wu�te nicht, da� Sevanna jede Shaido-Frau mitgenommen hatte, welche die Macht lenken konnte. War es letztendlich an der Zeit, ihn fallenzulassen? Wenn sie sich auf Demandreds Gnade verlie�...</p><p>Als h�tte er ihre Gedanken gelesen, sagte er: �Ihr seid so fest an mich gebunden wie mein G�rtel, Graendal.� Ein Wegetor er�ffnete sich und offenbarte seine Privatr�ume in Illian. �Die Wahrheit ist nicht mehr wichtig, wenn sie es �berhaupt jemals war. Ihr steigt mit mir empor oder fallt mit mir. Der Dunkle K�nig belohnt Erfolg, und es hat ihn niemals gek�mmert, wie er erreicht wurde.�</p><p>�Wie Ihr meint�, antwortete sie. Demandred lie� keine Gnade walten. Und Semirhage... �Ich steige mit Euch auf oder falle mit Euch.� Dennoch - etwas w�rde ersonnen werden m�ssen. Der Dunkle K�nig belohnte Erfolg, aber sie w�rde nicht mit hinabgezogen werden, wenn Sammael versagte. Sie er�ffnete ein Wegetor zu ihrem Palast in Arad Doman, zu dem langen, mit S�ulen bestandenen Raum, wo sie ihre Lieblinge im Teich herumtollen sehen konnte. �Aber was ist, wenn al'Thor Euch selbst jagt? Was dann?�</p><p>�Al'Thor jagt niemanden�, erwiderte Sammael lachend. �Ich brauche nur abzuwarten.� Er betrat, noch immer lachend, sein Wegetor und schlo� er hinter sich.</p><p>Der Myrddraal trat aus den tieferen Schatten und wurde sichtbar. Die Wegetore hatten in seinen Augen Spuren hinterlassen - drei Flecke leuchtenden Nebels. Er konnte einen Strang nicht vom anderen unterscheiden, aber er konnte <emphasis>Saidin</emphasis> dem Geruch nach von <emphasis>Saidar</emphasis> unterscheiden. <emphasis>Saidin</emphasis> roch wie die scharfe Klinge eines Dolches, wie die Spitze eines Doms. <emphasis>Saidar</emphasis> roch sanft, aber wie etwas, das fester w�rde, je h�rter es gedr�ngt w�rde. Kein anderer Myrddraal konnte diesen Unterschied riechen. Shaidar Haran war nicht wie andere Myrddraal.</p><p>Shaidar Haran hob einen abgelegten Speer auf und benutzte ihn, um den von Sammael beiseite geworfenen Sack umzust�lpen und dann die Steinst�cke zu untersuchen, die herausfielen. Vieles geschah au�erhalb des Plans. W�rden diese Ereignisse das Chaos noch mehren, oder...</p><p>Zornige schwarze Flammen z�ngelten von Harans Hand, der Hand des Dieners des Schatten, auf das Speerheft hinab. Der h�lzerne Schaft war im Handumdrehen verkohlt und verbogen, und die Speerspitze fiel ab. Der Myrddraal lie� den geschw�rzten Stock fallen und wischte sich Ru� von der Handfl�che. Wenn Sammael dem Chaos diente, war alles gut. Wenn nicht...</p><p>Pl�tzlicher Schmerz kroch seinen Nacken hinauf. Leichte Schw�che vereinnahmte seine Glieder. Es war ein zu langer Weg von Shayol Ghul. Dieses Band mu�te irgendwie getrennt werden. Der Myrddraal wandte sich knurrend um und suchte den Rand des Schattens, den er brauchte. Der Tag kam. Er w�rde kommen.</p></section><section><title><p>41</p><p>Eine Schwerterkrone</p></title><p>Rand tr�umte wild um sich schlagend wirre Tr�ume, in denen er mit Perrin stritt und Mat bat, Elayne zu finden, und in denen Farben gerade au�er Sicht aufflammten und Padan Fain mit blitzender Klinge auf ihn zusprang, und manchmal glaubte er im Herzen eines Nebels eine Stimme um eine tote Frau trauern zu h�ren, Tr�ume, in denen er sich Elayne, Aviendha, Min zu erkl�ren versuchte, allen dreien gleichzeitig, und selbst Min sah ihn ver�chtlich an.</p><p>�...nicht gest�rt werden!� Cadsuanes Stimme. Ein Bestandteil seiner Tr�ume?</p><p>Die Stimme �ngstigte ihn. Er rief in seinem Traum nach Lews Therin, und der Klang seiner Stimme hallte durch dichten Nebel, in dem sich Gestalten bewegten und Menschen und Pferde schreiend starben, ein Nebel, in dem Cadsuane ihm unerbittlich folgte, w�hrend er keuchend davonlief. Alanna versuchte, ihn zu beruhigen, aber sie f�rchtete Cadsuane ebenfalls. Er konnte ihre Angst genauso stark sp�ren wie seine eigene. Sein Kopf schmerzte. Und seine Seite.</p><p>Die alte Narbe brannte. Er sp�rte <emphasis>Saidin.</emphasis> Jemand hielt <emphasis>Saidin</emphasis> fest. War er es? Er wu�te es nicht. Er bem�hte sich aufzuwachen.</p><p>�Ihr werdet ihn t�ten!� rief Min. �Ich werde nicht zulassen, da� Ihr ihn t�tet!�</p><p>Als er die Augen �ffnete, blickte er in ihr Gesicht. Sie sah ihn nicht an. Sie umfa�te seinen Kopf mit beiden Armen und sah jemanden an, der ein St�ck vom Bett entfernt stand. Ihre Augen waren ger�tet. Sie hatte geweint, weinte aber jetzt nicht mehr. Ja, er befand sich in seinem eigenen Bett, in seinen R�umen im Sonnenpalast. Er konnte einen wuchtigen, kantigen Bettpfosten aus Schwarzholz mit Elfenbeinkeilen sehen. Min lag in einer cremefarbenen Seidenbluse auf dem Leinenlaken, das ihn bis zum Hals bedeckte, sch�tzend um ihn zusammengerollt. Alanna hatte Angst. Er sp�rte sie im Hinterkopf zittern. Angst um ihn. Dessen war er sich aus einem unbestimmten Grund sicher.</p><p>�Ich glaube, er ist wach, Min�, sagte Amys sanft.</p><p>Min schaute hinab, und ihr von dunklen Lokken umrahmtes Gesicht erstrahlte in einem j�hen L�cheln.</p><p>Vorsichtig, weil er sich schwach f�hlte, nahm er ihre Arme fort und setzte sich auf. In seinem Kopf drehte sich alles vor Benommenheit, aber er zwang sich dazu, sich nicht wieder hinzulegen. Sein Bett war umringt.</p><p>Auf einer Seite stand Amys, flankiert von Bera und Kiruna. Amys' jugendliche Z�ge waren v�llig ausdruckslos, aber sie strich ihr langes wei�es Haar zur�ck und richtete ihre dunkle Stola, als h�tte sie gerade einen Kampf bestanden. Die beiden Aes Sedai wirkten �u�erlich gelassen, aber auch entschlossen - eine K�nigin, entschlossen, ihren Thron zu verteidigen, und eine B�uerin, die bereit war, um ihren Hof zu k�mpfen. Es schien ihm seltsamerweise, als w�ren es diese drei, die wie ein Mann zusammenstanden, wenn er jemals drei Menschen - und nicht nur physisch - hatte zusammenstehen sehen.</p><p>Auf der anderen Seite des Bettes standen Samitsu, mit Silberglocken in ihrem Haar, sowie eine schlanke Schwester mit dichten schwarzen Augenbrauen und einer rabenschwarzen Haarm�hne und Cadsuane, welche die F�uste in die H�ften stemmte. Samitsu und die Aes Sedai mit dem rabenschwarzen Haar trugen mit gelben Fransen versehene Stolen und pre�ten die Kiefer genauso fest zusammen wie Bera oder Kiruna, aber Cadsuanes strenger Blick lie� sie alle vier eher unschl�ssig erscheinen. Die beiden Gruppen von Frauen sahen einander nicht an, aber die M�nner.</p><p>Am Fu�ende des Bettes standen Dashiva mit dem Silberschwert und dem rotgoldenen Drachen am Kragen und Flinn und Narishma, die alle mit grimmigen Gesichtern versuchten, die Frauen auf beiden Seiten des Bettes gleichzeitig im Auge zu behalten. Jonan Adley stand neben ihnen, und seine schwarze Jacke war an einem �rmel versengt. <emphasis>Saidar</emphasis> erf�llte alle vier M�nner anscheinend im �berflu�. Dashiva hielt fast genauso viel davon fest, wie Rand h�tte festhalten k�nnen. Rand schaute zu Adley, der leicht nickte.</p><p>In dem Moment erkannte er j�h, da� er unter dem Laken, das bis zu seiner Taille herabgerutscht war, nichts au�er einem Verband um die K�rpermitte trug. �Wie lange habe ich geschlafen?� fragte er. �Wie kommt es, da� ich lebe?� Er ber�hrte vorsichtig den wei�en Verband. �Fains Dolch kam aus Shadar Logoth. Ich habe gesehen, wie er einst einen Mann durch einen Kratzer in wenigen Momenten t�tete. Er starb schnell, und er starb qualvoll.� Dashiva stie� murrend einen Fluch aus, der Padan Fains Namen beinhaltete.</p><p>Samitsu und die anderen Gelben wechselten best�rzte Blicke, aber Cadsuane nickte nur, wobei die goldenen Ornamente um ihren eisengrauen Knoten schwangen. �Ja, Shadar Logoth. Das w�rde manches erkl�ren. Ihr habt es Sumeko zu verdanken, da� Ihr lebt, und Meister Flinn.� Sie sah den grauhaarigen Mann mit seinem Kranz wei�en Haars nicht an, aber er grinste, als habe sie sich vor ihm verneigt. Tats�chlich nickten ihm die Gelben �berraschenderweise alle zu. �Und Corele nat�rlich�, fuhr Cadsuane fort. �Jeder hat seinen Teil beigetragen, einschlie�lich einiger Dinge, die vermutlich seit der Zerst�rung nicht mehr getan wurden.� Ihre Stimme wurde hart. �Ohne diese drei w�rt Ihr inzwischen tot, und Ihr k�nntet noch immer sterben, wenn Ihr Euch nicht an ihre Anweisungen haltet. Ihr m��t Euch ausruhen und d�rft Euch nicht anstrengen.� Pl�tzlich knurrte Rands Magen laut, und sie f�gte hinzu: �Wir konnten Euch nur ein wenig Wasser und Br�he einfl��en, seit Ihr verletzt wurdet. Zwei Tage ohne Nahrung ist f�r einen kranken Mann eine lange Zeit.�</p><p>Zwei Tage. Nur zwei. Er vermied es, Adley anzusehen. �Ich stehe auf�, sagte er.</p><p>�Ich werde nicht zulassen, da� sie dich umbringen, Schafhirte�, sagte Min mit eigensinnigem Funkeln in den Augen, �und ich werde auch nicht zulassen, da� du dich umbringst.� Sie legte ihre Arme um seine Schultern, als wollte sie ihn am Fleck festhalten.</p><p>�Wenn der <emphasis>Car'a'carn</emphasis> aufstehen will�, sagte Amys tonlos, �werde ich Nandera die T�chter des Speers vom Gang hereinbringen lassen. Somera und Enaila werden ihm gern genau die Hilfe zuteil werden lassen, die er braucht.� Um ihren Mund spielte ein leichtes L�cheln. Sie war einst selbst eine Tochter des Speers gewesen und wu�te ausreichend �ber diese besonderen Umst�nde Bescheid. Weder Kiruna noch Bera l�chelten. Sie sahen Rand stirnrunzelnd wie einen vollkommen Narren an.</p><p>�Junge�, sagte Cadsuane trocken, �ich habe schon mehr von Euren unbehaarten Hinterbacken gesehen, als mir lieb ist, aber wenn Ihr sie vor uns allen zur Schau stellen wollt, wird vielleicht sogar jemand Gefallen daran finden. Wenn Ihr jedoch aufs Gesicht fallt, mu� ich Euch den Hintern versohlen, bevor ich Euch wieder ins Bett stecke.� Samitsus und Coreles Mienen nach zu urteilen, w�rden sie ihr nur zu gern dabei helfen.</p><p>Narishma und Adley starrten Cadsuane entsetzt an, w�hrend Flinn an seiner Jacke zog, als ringe er mit sich. Dashiva brach jedoch in rauhes Lachen aus. �Wenn Ihr wollt, da� wir die Frauen hinausschaffen...� Der Mann mit dem glatten Gesicht begann Str�nge vorzubereiten, keine Schilde, aber komplizierte Gewebe aus Geist und Feuer, die vermutlich jedermann, den sie ber�hrten, zu gro�e Schmerzen bereiten w�rden, als da� er noch daran denken k�nnte, die Macht zu lenken.</p><p>�Nein�, sagte er rasch. Bera und Kiruna w�rden der schlichten Aufforderung zu gehen gehorchen, und wenn Corele und Samitsu geholfen hatten, ihn am Leben zu erhalten, schuldete er ihnen mehr als Schmerzen. Wenn Cadsuane jedoch glaubte, seine Nacktheit w�rde ihn daran hindern aufzustehen, sollte sie sich auf eine �berraschung gefa�t machen. Er war ohnehin im Zweifel, ob die T�chter des Speers ihm �berhaupt noch Anstand gelassen hatten. Mit einem L�cheln f�r Min entwand er sich ihren Armen, warf das Laken zur�ck und kletterte auf Amys' Seite aus dem Bett.</p><p>Die Weise Frau pre�te den Mund zusammen. Er konnte fast sehen, wie sie �berlegte, ob sie die T�chter des Speers rufen sollte. Bera warf Amys einen gequ�lten, unsicheren Blick zu, w�hrend Kiruna sich mit ger�teten Wangen hastig umwandte. Rand schritt langsam zum Schrank. Langsam, weil er erwartete, da� er Cadsuane vielleicht eine Gelegenheit zum Eingreifen verschaffte, wenn er sich zu schnell bewegte.</p><p>�Pah!� murrte sie hinter ihm. �Ich schw�re, ich <emphasis>sollte</emphasis> dem sturen Jungen den Hintern versohlen.� Jemand brummte, was Zustimmung oder auch Mi�billigung f�r sein Handeln bedeuten konnte.</p><p>�Ah, aber es ist solch ein h�bscher Hintern, nicht wahr?� sagte jemand anderer in singendem murandianischen Akzent. Es mu�te Corele gewesen sein.</p><p>Gut, da� sein Kopf im Schrank steckte. Vielleicht hatten die T�chter des Speers ihm doch nicht soviel Anstand genommen wie er geglaubt hatte. Licht! Sein Gesicht f�hlte sich so hei� wie ein Hochofen an. In der Hoffnung, da� seine Bewegungen jegliches Schwanken verbergen w�rden, zog er sich eilig an. Sein Schwert stand an die R�ckwand des Schranks gelehnt, der Schwertg�rtel um die dunkle Scheide aus Wildschweinleder geschlungen. Er ber�hrte das lange Heft und nahm seine Hand dann wieder fort.</p><p>Er wandte sich barfu� um, w�hrend er noch sein Hemd schlo�. Min sa� in ihrer engen gr�nen Seidenhose noch immer im Schneidersitz auf seinem Bett und konnte sich, ihrer Miene nach zu urteilen, nicht zwischen Anerkennung und Entt�uschung entscheiden. �Ich mu� mit Dashiva und den anderen Asha'man sprechen�, sagte er. �Allein.�</p><p>Min stand auf und lief zu ihm, um ihn zu umarmen. Nicht fest; sie behandelte seine verbundene Seite sehr vorsichtig. �Ich habe zu lange darauf gewartet, dich wieder aufwachen zu sehen�, sagte sie und legte einen Arm um seine Taille. �Ich mu� bei dir bleiben.� Sie betonte dies ein wenig. Sie mu�te eine Vision gehabt haben, oder vielleicht wollte sie einfach helfen, ihn auf den Beinen zu halten. Ihr Arm schien ihn zu st�tzen. Wie auch immer - er nickte. Er war nicht sehr standfest, Rand legte eine Hand auf ihre Schulter und erkannte j�h, da� die Asha'man genauso wenig wie Cadsuane oder Amys wissen sollten, wie schwach er war.</p><p>Bera und Kiruna vollf�hrten widerwillig Hofknickse und gingen auf die T�r zu, z�gerten aber, als Amys sich nicht sofort r�hrte. �Solange Ihr diese R�ume nicht zu verlassen beabsichtigt�, sagte die Weise Frau in einem Tonfall, der nicht im geringsten darauf schlie�en lie�, da� sie zu ihrem <emphasis>Car'a'carn</emphasis> sprach.</p><p>Rand hob einen nackten Fu� an. �Sehe ich so aus, als wollte ich irgendwo hingehen?� Amys schnaubte, aber mit einem Blick auf Adley schlo� sie sich Bera und Kiruna an und ging.</p><p>Cadsuane und die beiden anderen folgten ihnen kurz darauf. Die grauhaarige Gr�ne sah ebenfalls zu Adley. Es war kein gro�es Geheimnis, da� er tagelang von Cairhien fortgewesen war. An der T�r hielt sie inne. �Unternehmt nichts T�richtes, Junge.� Sie klang wie eine strenge Tante, die einen unbeholfenen Neffen warnte, ohne zu erwarten, da� er zuh�rte. Samitsu und Corele folgten ihr hinaus, w�hrend sie abwechselnd ihn und die Asha'man stirnrunzelnd ansahen. Als sie gegangen waren, lachte Dashiva ein scharfes, pfeifendes Lachen und sch�ttelte den Kopf. Er klang tats�chlich belustigt.</p><p>Rand trat von Min fort, um seine Stiefel neben dem Schrank aufzuheben und ein zusammengerolltes Paar Socken aus dem Schrank zu nehmen. �Ich folge Euch in den Vorraum, sobald ich die Stiefel angezogen habe, Dashiva.�</p><p>Der Asha'man mit dem glatten Gesicht zuckte zusammen. Er hatte Adley stirnrunzelnd betrachtet. �Wie Ihr befehlt, mein Lord Drache�, sagte er und pre�te die Faust aufs Herz.</p><p>Rand wartete, bis die vier M�nner ebenfalls gegangen waren, setzte sich dann mit einem Gef�hl der Erleichterung in einen Sessel und begann sich die Str�mpfe anzuziehen. Seine Beine f�hlten sich bereits st�rker an, nur weil er aufgestanden war und sich bewegt hatte. St�rker, aber sie wollten ihn noch immer nicht sehr gut tragen.</p><p>�Bist du sicher, da� dies klug ist?� fragte Min, w�hrend sie sich neben seinen Sessel kniete, und er sah sie best�rzt an. Wenn er w�hrend dieser zwei Tage im Schlaf gesprochen hatte, h�tten die Aes Sedai es gewu�t. Amys h�tte Enaila und Somera und f�nfzig weitere T�chter des Speers warten lassen, als er erwachte.</p><p>Er zog seine Socken hoch. �Hattest du eine Vision?�</p><p>Min setzte sich auf die Fersen zur�ck, kreuzte die Arme unter der Brust und sah ihn fest an. Kurz darauf sah sie ein, da� es nicht wirkte, und seufzte. �Es ist Cadsuane. Sie wird dich etwas lehren, dich und die Asha'man. Ich meine, alle Asha'man. Es ist etwas, das du lernen mu�t, aber ich wei� nicht, was es ist, nur da� es keinem von euch gefallen wird, es von ihr zu lernen. Es wird euch �berhaupt nicht gefallen.�</p><p>Rand hielt mit einem Stiefel in der Hand inne und zog ihn dann an. Was konnte Cadsuane oder jede andere Aes Sedai die Asha'man lehren? Frauen konnten M�nner nichts lehren, und M�nner konnten Frauen nichts lehren. Das war eine genauso feststehende Tatsache wie die Eine Macht selbst. �Wir werden sehen�, sagte er nur.</p><p>Das stellte Min offensichtlich nicht zufrieden. Sie wu�te, da� es geschehen w�rde, und er ebenfalls. Sie irrte sich niemals. Aber was <emphasis>konnte</emphasis> Cadsuane ihn m�glicherweise lehren? Was w�rde er sich von ihr beibringen lassen? Die Frau machte ihn seiner selbst ungewi�, eine Unsicherheit, wie er sie seit dem Fall des Steins von Tear nicht mehr empfunden hatte.</p><p>Er stampfte mit dem Fu� auf, damit er in den zweiten Stiefel gelangte, und holte dann seinen Schwertg�rtel und eine rote, goldverzierte Jacke aus dem Schrank hervor, die gleiche Jacke, die er bei dem Besuch beim Meervolk getragen hatte. �Was hat Merana f�r mich ausgehandelt?� fragte er, und Min stie� tief in ihrer Kehle einen ver�rgerten Laut aus.</p><p>�Bis heute morgen noch nichts�, antwortete sie ungeduldig. �Sie und Rafela haben das Schiff seit unserem Weggang noch nicht wieder verlassen, aber sie haben ein halbes Dutzend Botschaften mit der Anfrage geschickt, ob es dir gut genug gehe, um zur�ckzukehren. Ich glaube nicht, da� sie ohne dich zurechtkommen. Es w�re vermutlich zuviel gehofft, da� du aufs Schiff gehen willst.�</p><p>�Noch nicht�, belehrte er sie. Min sagte nichts, aber sie hatte die F�uste in die H�ften gestemmt und eine Augenbraue hoch gew�lbt. Nun, sie w�rde bald fast alles erfahren.</p><p>Im Vorraum sprangen alle Asha'man au�er Dashiva von ihren St�hlen auf, als Rand mit Min erschien. Dashiva blickte ins Leere, sprach mit sich selbst und bemerkte Rand erst, als dieser die in den Boden eingelassene Aufgehende Sonne erreicht hatte, woraufhin er mehrere Male blinzelte, bevor er sich erhob.</p><p>Rand sprach Adley an, w�hrend er die wie ein Drachen gestaltete Schnalle seines Schwertg�rtels schlo�. �Das Heer hat die Bergfestungen in Illian bereits erreicht?� Er h�tte sich gern in einen der vergoldeten Lehnst�hle gesetzt, erlaubte es sich aber nicht. �Wie? Es h�tte bestenfalls noch einige weitere Tage dauern sollen. Bestenfalls.� Flinn und Narishma waren genauso best�rzt wie Dashiva. Keiner von ihnen hatte gewu�t, wohin Adley und Hopwil gegangen waren - oder Morr. Es war immer schwierig zu entscheiden, wem man trauen konnte, und Vertrauen war gef�hrlich.</p><p>Adley erhob sich. Seine Augen unter den dichten Augenbrauen blickten seltsam. Er hatte den Wolf gesehen, wie man in Cairhien sagte. �Der Hohe Herr Weiramon hat die Fu�soldaten zur�ckgelassen und ist mit den Reitern vorgeprescht�, erstattete er n�chtern Bericht. �Die Aiel haben nat�rlich Schritt gehalten.� Er runzelte die Stirn. �Wir sind gestern auf Aiel gesto�en. Shaido. Ich wei� nicht, wie sie dorthin gelangt sind. Es waren insgesamt vielleicht neunoder zehntausend Mann, aber sie hatten anscheinend keine Weisen Frauen bei sich, welche die Macht lenken konnten, und sie haben uns auch nicht behindert. Wir haben die Bergfestungen heute um die Mittagszeit erreicht,�</p><p>Rand war w�tend. Die Fu�soldaten zur�ckzulassen! Glaubte Weiramon, er k�nnte palisadenverst�rkte Festungen auf Berggipfeln mit Reitern einnehmen? Wahrscheinlich. Der Mann h�tte gewi� auch die Aiel zur�ckgelassen, wenn er schneller als sie h�tte sein k�nnen. �berhebliche Adlige und ihre t�richte Ehre! Dennoch - es war unwichtig. Bis auf die M�nner, die starben, weil der Hohe Herr Weiramon ver�chtlich auf all jene herabblickte, die nicht vom Pferder�cken aus k�mpften.</p><p>�Eben und ich haben die ersten Palisaden zerst�rt, sobald wir eintrafen�, fuhr Adley fort. �Das gefiel Weiramon nicht sehr. Ich glaube, er h�tte uns am liebsten aufgehalten, aber er hatte Angst, es zu tun. Wie dem auch sei - wir begannen, das Holz in Brand zu stecken und L�cher in die Mauern zu sprengen, aber bevor wir weitermachen konnten, kam Sammael. Zumindest ein Mann, der <emphasis>Saidin</emphasis> lenkte und erheblich st�rker war als Eben oder ich. Ich w�rde sagen, so stark wie Ihr, mein Lord Drache.�</p><p>�Er war sofort da?� fragte Rand ungl�ubig, aber dann verstand er. Er war davon �berzeugt gewesen, da� Sammael sicher hinter mit Macht gewobenen Schutzvorrichtungen bleiben w�rde, wenn er Rand gegen�bertreten zu m�ssen glaubte. Zu viele der Verlorenen hatten es versucht, und die meisten waren jetzt tot. Rand lachte wider Willen - und mu�te sich die Seite halten. Lachen schmerzte. All diese kunstvolle T�uschung, um Sammael davon zu �berzeugen, da� er �berall sein w�rde, nur nicht beim einfallenden Heer, um den Mann aus Illian hervorzulocken, und das alles durch ein Messer in Padan Fains Hand unn�tig gemacht. Zwei Tage. Inzwischen wu�te jedermann, der Augen-und-Ohren in Cairhien hatte - was gewi� auch f�r die Verlorenen galt -, da� der Wiedergeborene Drache mit dem Tode k�mpfte. Das war vollkommen sicher. �M�nner planen und Frauen intrigieren, aber das Rad webt wie das Rad es w�nscht�, lautete ein Sprichwort in Tear. �Fahrt fort�, sagte er. �Morr war letzte Nacht bei Euch?�</p><p>�Ja, mein Lord Drache. Fedwin kommt jede Nacht, genau wie vorgesehen. Es war gestern abend schon abzusehen, da� wir die Festungen heute erreichen w�rden.�</p><p>�Ich verstehe nichts von alledem.� Dashiva klang aufgebracht. Ein Muskel an seiner Wange zuckte. �Ihr habt Sammael hervorgelockt, aber zu welchem Zweck? Sobald er sp�rt, da� ein Mann mit auch nur ann�hernd Eurer St�rke die Macht lenkt, wird er zur�ck nach Illian fliehen. Dort werdet Ihr ihn nicht erwischen. Er wird Euch bemerken, sobald Ihr innerhalb einer Meile der Stadt ein Wegetor er�ffnet.�</p><p>�Wir k�nnen das Heer retten�, platzte Adley heraus. �Weiramon hat noch immer Angriffe gegen diese Festung angeordnet, als ich ging, und Sammael zerschl�gt jedermann in St�cke, ungeachtet dessen, was Eben und ich tun k�nnen.� Er verlagerte den Arm mit dem versengten �rmel. �Wir mu�ten zur�ckschlagen und uns sofort wieder zur�ckziehen, und selbst dann hat er uns mehr als einmal fast am Fleck in Brand gesetzt. Auch die Aiel haben Verluste erlitten. Sie bek�mpfen nur die Illianer, die hervorkommen - die anderen Bergfestungen m�ssen sich rasch leeren, weil so viele hervorkamen, als ich ging -, aber jedesmal, wenn Sammael f�nfzig von uns zusammen ersp�ht, Aiel oder andere, rei�t er sie in St�cke. Wenn es drei oder auch nur zwei von ihm g�be, w�re ich mir nicht sicher, ob ich noch jemanden lebend antr�fe, wenn ich zur�ckgehe.� Dashiva sah ihn an wie einen Wahnsinnigen, und Adley zuckte j�h die Achseln, als sp�re er die Leichtheit seines leeren Kragens verglichen mit dem Schwert und Drachen am Kragen des �lteren Mannes. �Verzeiht, Asha'man�, murrte er besch�mt und f�gte dann mit noch leiserer Stimme hinzu: �Aber wir k�nnen sie wenigstens retten.�</p><p>�Das werden wir�, versicherte Rand ihm. Nur nicht auf die von Adley erwartete Art. �Ihr werdet mir alle helfen, Sammael heute zu t�ten.� Nur Dashiva wirkte best�rzt. Die �brigen M�nner nickten nur. Nicht einmal die Verlorenen �ngstigten sie mehr.</p><p>Rand erwartete von Min Streit und vielleicht die Forderung mitzukommen, aber sie �berraschte ihn. �Du willst vermutlich, da� niemand herausfindet, da� du gegangen bist, bevor es sein mu�, Schafhirte.� Er nickte, und sie seufzte. Vielleicht mu�ten sich die Verlorenen genauso auf Brieftauben und Augen-und-Ohren verlassen wie jedermann sonst, aber sich zu sehr darauf zu verlassen, konnte verh�ngnisvoll werden.</p><p>�Die T�chter des Speers werden mitkommen wollen, wenn sie es erfahren, Min.� Sie w�rden es wollen, und es w�rde ihm schwerfallen, es ihnen zu verweigern. Wenn er es ihnen �berhaupt abschlagen konnte. Und doch mochte das Verschwinden Nanderas und derer, wen auch immer sie als Wache einsetzte, verr�terisch sein.</p><p>Min seufzte erneut. �Ich k�nnte vermutlich mit Nandera reden. Ich k�nnte sie vielleicht eine Stunde lang drau�en im Gang festhalten, aber sie werden mir nicht gut gesonnen sein, wenn sie es herausfinden.� Rand mu�te fast erneut lachen, bevor er sich an seine Seite erinnerte. Sie w�rden ihr entschieden schlecht gesonnen sein, oder ihm. �Genauer gesagt, Bauernjunge, wird Amys mir nicht gut gesonnen sein, und Sorilea desgleichen. In was du mich immer hineinziehst!�</p><p>Er �ffnete den Mund, um ihr zu sagen, da� er sie um nichts gebeten h�tte, aber bevor er auch nur ein Wort �u�ern konnte, trat sie sehr nahe an ihn heran. Sie sah durch ihre langen Wimpern zu ihm <emphasis>auf,</emphasis> legte eine Hand auf seine Brust und tippte mit den Fingern. Sie l�chelte innig und sprach sanft aber ihre Finger verrieten sie. �Wenn du zula�t, da� dir etwas passiert, Rand al'Thor, werde ich Cadsuane beistehen, ob sie Hilfe braucht oder nicht.� Ihr L�cheln erhellte sich einen Moment, wirkte fast heiter, bevor sie sich zur T�r wandte. Er sah ihr nach. Sie verwirrte ihn vielleicht manchmal - fast jede Frau, der er jemals begegnet war, hatte dies mindestens einoder zweimal geschafft -, aber sie hatte eine Art zu Gehen, die in ihm den Wunsch erweckte, sie zu betrachten.</p><p>Er erkannte j�h, da� Dashiva ihr auch nachsah und sich die Lippen leckte. Rand r�usperte sich ausreichend laut, da� es �ber das Ger�usch der sich schlie�enden T�r hinweg zu h�ren war. Aus einem unbestimmten Grund hob der Mann mit dem glatten Gesicht trotzig den Kopf. Nicht da� Rand ihn angesehen h�tte. Er konnte nicht umhergehen und M�nner anstarren, nur weil Min enge Hosen trug. Er umgab sich mit der Leere des Nichts, ergriff <emphasis>Saidin</emphasis> und zwang gefrorenes Feuer und geschmolzene Erde in die Gewebe f�r ein Wegetor. Dashiva sprang zur�ck, als es sich �ffnete. Vielleicht w�rde der Mann lernen, sich nicht mehr die Lippen zu lecken wie ein Ziegenbock, wenn man ihm eine Hand abschlug. Etwas gewundenes Rotes �berzog das �u�ere des Nichts.</p><p>Rand trat hindurch auf kahles Erdreich, gefolgt von Dashiva und den �brigen, und lie� die Quelle los, sobald der letzte Mann ins Freie trat. Ein Verlustgef�hl durchstr�mte ihn, als <emphasis>Saidin</emphasis> schwand, wie auch die Bewu�theit Alannas schwand. Der Verlust war nicht so gro� erschienen, als Lews Therin noch dagewesen war. Nicht so gewaltig.</p><p>Die goldene Sonne �ber ihnen hatte schon mehr als die H�lfte ihres Abstiegs bew�ltigt. Ein Windsto� fegte Staub unter seinen Stiefeln hervor, ohne jegliche K�hle zur�ckzulassen. Das Wegetor hatte sich auf freier Fl�che ge�ffnet, durch ein zwischen vier Holzpfosten gespanntes Seil abgesteckt. An jeder Ecke standen zwei W�chter in kurzen Jacken und bauschigen, in ihren Stiefeln steckenden Hosen und mit flammenden Schwertern an den Seiten. Einige hatten buschige Schnurrb�rte, die bis auf ihr Kinn herabhingen, oder dichte Barte, und alle besa�en k�hne Nasen und schr�gstehende Augen. Einer von ihnen lief herbei, sobald Rand erschien.</p><p>�Was tun wir hier?� fragte Dashiva und sah sich ungl�ubig um.</p><p>Um sie herum erstreckten sich Hunderte von spitzen Zelten, grau und staubig wei�, sowie Zelte und Pflockseile mit bereits gesattelten Pferden. Caemlyn lag nur wenige Meilen entfernt hinter B�umen verborgen, und die Schwarze Burg nicht viel weiter, aber Taim w�rde hiervon nichts erfahren, wenn er sie nicht durch einen Spion beobachten lie�. Eine von Fedwin Moors Aufgaben hatte darin bestanden, darauf zu lauschen - zu ersp�ren -, ob jemand zu spionieren versuchte. W�hrend sich von den Pflockseilen Gemurmel ausbreitete, erhoben sich M�nner mit k�hnen Nasen und gewundenen Schwertern aus der Hocke und wandten sich erwartungsvoll zu Rand um. Hier und da standen auch Frauen auf. Saldaeanische Frauen zogen h�ufig mit ihren M�nnern in Kriege, zumindest unter den Adligen und Offizieren. Heute w�ren von ihnen jedoch keine dabei.</p><p>Rand duckte sich unter einem Seil hindurch und schritt geradewegs auf ein Zelt zu, das sich nur durch das davor an einem Stab gehi�te Banner - drei einfache rote Bl�ten auf blauem Feld - von allen anderen unterschied. Die K�nigsm�nze starb selbst in saldaeanischen Wintern nicht ab, und wenn Feuer die W�lder schw�rzten, erschienen jene roten Blumen stets als erste wieder. Eine Bl�te, die nichts ausrotten konnte: das Zeichen des Hauses Bashere.</p><p>Im Zelt war Bashere selbst bereits gestiefelt und gespornt und trug sein Schwert an der H�fte. Deira war bedenklicherweise bei ihm, in einem Reitgewand derselben Schattierung wie die graue Jacke ihres Mannes, und wenn sie auch kein Schwert trug, w�rde der lange, aus schwerem Silber gearbeitete Dolch an ihrem G�rtel f�rs erste gen�gen.</p><p>�Ich hatte dies erst in Tagen erwartet�, begann Bashere, w�hrend er sich von einem Faltstuhl erhob. �Tats�chlich hoffte ich sogar, da� es noch Wochen dauern w�rde. Au�erdem hatte ich gehofft, die meisten von Taims Reserveleuten bewaffnet zu haben, wie der junge Mat und ich es geplant hatten. Ich habe alle Armbrustbauer, die ich auftreiben konnte, zu einer Werkstatt zusammengeschlossen, und sie beginnen sie gerade in Massen zu fertigen. Aber wie die Dinge stehen, haben bisher nur f�nfzehntausend M�nner Armbr�ste und wissen auch, wie sie damit umgehen sollen.� Er hob mit fragendem Blick einen Krug von den auf seinem Falttisch ausgebreiteten Landkarten an. �Haben wir noch Zeit f�r etwas gew�rzten Wein?�</p><p>�Keinen gew�rzten Wein�, sagte Rand ungeduldig. Bashere hatte schon zuvor �ber die M�nner gesprochen, die Taim gefunden hatte und die nicht lernen konnten, die Macht zu lenken, aber er hatte kaum zugeh�rt. Wenn Bashere sie ausreichend gut ausgebildet zu haben glaubte, war nur das wichtig. �Dashiva und drei weitere Asha'man warten drau�en. Sobald Morr sich ihnen anschlie�t, werden wir bereit sein.� Er sah Deira ni Ghaline t'Bashere an, die mit ihrer Hakennase und den Augen, die einen Falken g�tig erscheinen lie�en, �ber ihrem kleinen Mann aufragte. �Keinen gew�rzten Wein, Lord Bashere. Und keine Frauen. Nicht heute.�</p><p>Deira �ffnete den Mund, und ihre dunklen Augen gl�hten f�rmlich.</p><p>�Keine Frauen�, sagte Bashere und strich sich �ber seinen stark von Grau durchzogenen Schnurrbart. �Ich werde den Befehl weitergeben.� Er wandte sich Deira zu und streckte die Hand aus. �Frau�, sagte er sanft. Rand zuckte zusammen, wie sanft es auch geklungen hatte, und wartete auf den Ausbruch.</p><p>Deira pre�te die Lippen zusammen. Sie sah ihren Mann stirnrunzelnd an, ein Falke, der auf eine Maus herabst�rzen wollte. Nat�rlich wirkte Bashere nicht wie eine Maus, sondern lediglich wie ein kleinerer Falke. Sie atmete tief durch. Deira konnte dies klingen lassen, als w�rde die Erde dabei erzittern. Sie l�ste den in einer Scheide steckenden Dolch von ihrem G�rtel und legte ihn in die Hand ihres Mannes. �Wir werden sp�ter dar�ber sprechen, Davram�, sagte sie.</p><p>�Ausf�hrlich.�</p><p>Rand beschlo�, da� er sich eines Tages, wenn Zeit dazu w�re, von Bashere erkl�ren lassen w�rde, wie er das machte. Wenn jemals Zeit dazu war.</p><p>�Ausf�hrlich�, stimmte Bashere ihr zu und grinste durch seinen Schnurrbart, w�hrend er den Dolch hinter seinen G�rtel steckte. Vielleicht war der Mann einfach selbstzerst�rerisch.</p><p>Drau�en war das Seil abgenommen worden, und Rand wartete mit Dashiva und den anderen Asha'man, w�hrend neuntausend Saldaeaner der leichten Kavallerie sich in Dreierreihen hinter Bashere aufreihten. Irgendwo hinter ihnen w�rden sich f�nfzehntausend Fu�soldaten, die sich die Legion des Drachen nannten, sammeln. Rand hatte sie gesehen, alle in blauen Jacken, die so gearbeitet waren, da� sie den rotgoldenen Drachen �ber der Brust in geschlossenem Zustand nicht verdeckten. Die meisten waren mit stahlverst�rkten Armbr�sten bewaffnet. Einige trugen statt dessen schwere, unhandliche Schilde, aber niemand einen Langspie�. Welche seltsame Vorstellung Mat und Bashere sich auch ausgedacht hatten - Rand hoffte, da� sie nicht einen gro�en Teil seiner Legion in den Tod f�hren w�rde.</p><p>Morr grinste eifrig, w�hrend er wartete, und h�tte beinahe sogar auf den Zehen gewippt. Vielleicht war er einfach froh, seine schwarze Jacke mit dem Silberschwert am Kragen wieder tragen zu k�nnen, obwohl Adley und Narishma fast genauso grinsten und Flinn ebenfalls nicht weit davon entfernt war. Sie wu�ten, wohin sie jetzt zogen und was sie dort tun sollten. Dashiva blickte, wie �blich, stirnrunzelnd auf nichts Bestimmtes und bewegte schweigend die Lippen. Ebenfalls schweigend und stirnrunzelnd standen die hinter Deira versammelten saldaeanischen Frauen beisammen und beobachteten das Geschehen, Adler und Falken mit zornig gestr�ubten Federn. Rand k�mmerte es nicht, wie sie die Gesichter verzogen und die Stirn in Falten legten. Wenn er sich Nandera und den �brigen T�chtern des Speers stellen k�nnte, nachdem er sie hiervon zur�ckgehalten hatte, dann k�nnten es die saldaeanischen M�nner auch mit jeder Anzahl ausf�hrlicher Streitgespr�che aufnehmen. Heute w�rde, wenn das Licht es wollte, keine Frau f�r ihn sterben.</p><p>So viele M�nner konnten nicht in einer Minute aufgestellt werden, selbst wenn sie den Befehl erwartet hatten, aber bereits nach bemerkenswert kurzer Zeit hob Bashere sein Schwert in die H�he und rief: �Mein Lord Drache!�</p><p>Ein Ruf setzte sich durch die langen Reihen hinter ihm fort. �Der Lord Drache!�</p><p>Rand ergriff die Quelle, bildete zwischen den Pfosten ein Wegetor, vier mal vier Schritte weit, und lief hindurch, w�hrend er das Gewebe abband, von <emphasis>Saidin</emphasis> erf�llt und die Asha'man unmittelbar hinter ihm. Sie betraten einen gro�en offenen, von gewaltigen wei�en S�ulen, deren jede von einem Olivenzweigkranz aus Marmor gekr�nt war, umgebenen Platz. An beiden Enden des Platzes standen fast identische Pal�ste mit purpurfarbenen D�chern, S�uleng�ngen, hohen Balkonen und schmalen Erkern. Es waren der Palast des K�nigs und der nur geringf�gig kleinere Saal des Konzils. Sie befanden sich auf dem Tammuz-Platz im Herzen Illians.</p><p>Ein hagerer Mann in einer blauen Jacke mit einem Bart, der seine Oberlippe freilie�, stand da und starrte auf die Stelle, wo Rand und die schwarzgewandeten Asha'man aus einer �ffnung in der Luft hervorgesprungen waren, und eine beleibte Frau in einem gr�nen Gewand, das ihre gr�nen Schuhe und ihre Kn�chel in gr�nen Str�mpfen freigab, pre�te beide H�nde aufs Gesicht und stand wie angewurzelt unmittelbar vor ihnen, w�hrend ihr die dunklen Augen fast aus dem Kopf fielen. Alle Menschen hielten inne und starrten sie an, Stra�enh�ndler mit ihren Bauchl�den, Fuhrleute, die ihre Ochsen angehalten hatten, M�nner und Frauen und Kinder, deren M�nder offenstanden.</p><p>Rand hob die H�nde hoch �ber den Kopf und lenkte die Macht. �Ich bin der Wiedergeborene Drache!� Die Worte hallten, von Luft und Feuer verst�rkt, �ber den Platz, und Flammen brachen hundert Fu� hoch von seinen H�nden auf. Hinter ihm erf�llten die Asha'man den Himmel mit in alle Richtungen schie�enden Feuerkugeln. Alle bis auf Dashiva, der blaue Blitze in einem gezackten Gewebe �ber den Platz prasseln lie�.</p><p>Mehr war nicht n�tig. Ein schreiender Strom Menschen stob in alle Richtungen vom Tammuz-Platz fort. Sie flohen gerade rechtzeitig. Rand und die Asha'man entfernten sich schnell vom Wegetor, und Davram Bashere f�hrte seine wild schreienden Saldaeaner nach Illian hinein, ein Strom von Reitern, die ihre Schwerter schwenkten, w�hrend sie aus dem Wegetor hervorbrachen. Bashere f�hrte die mittlere Reihe strikt geradeaus, genauso wie sie es vor anscheinend so langer Zeit geplant hatten, w�hrend die beiden anderen Reihen zu beiden Seiten abschwenkten. Sie eilten vom Wegetor fort, teilten sich wiederum in kleinere Gruppen auf und galoppierten in die von dem Platz abgehenden Stra�en hinein.</p><p>Rand wartete nicht ab, bis der letzte Reiter hervorkam. Nachdem knapp ein Drittel der M�nner aus dem Wegetor gedrungen war, wob er sofort eine weitere kleine �ffnung. Man mu�te einen Ort nicht kennen, um schnell dorthin zu reisen, wenn man nur eine sehr kurze Entfernung zur�cklegen wollte. Rand sp�rte Dashiva und die �brigen um sich herum ebenfalls Wegetore weben, aber er trat bereits durch seines hindurch und lie� es sich auf einem der schmalen T�rme des Palasts des K�nigs hinter sich schlie�en. Er fragte sich beil�ufig, ob sich Mattin Stepaneos den Baigar, der K�nig von Illian, in diesem Moment irgendwo unter ihm befand.</p><p>Die Spitze des Turmes war nur f�nf Schritte breit und von einer ihm nicht ganz bis zur Brust reichenden Sandsteinmauer umgeben. Der Turm war mit f�nfzig Schritt H�he der h�chste Punkt der ganzen Stadt. Von hier aus konnte Rand �ber die unter der Nachmittagssonne in Rot und Gr�n und allen Farben glitzernden D�cher bis zu den langen erh�hten Fu�wegen sehen, die den gewaltigen, die Stadt und den Hafen umgebenden Sumpf durchschnitten. Ein scharfer Salzgeruch hing in der Luft. Illian brauchte keine Mauern, da dieser alles umgebende Sumpf Angreifer abhielt. Jeglichen Angreifer, der keine �ffnungen in der Luft gestalten konnte.</p><p>Es war eine h�bsche Stadt die Geb�ude aus hellem, behauenem Stein, eine Stadt, die von genauso vielen Kan�len wie Stra�en durchzogen wurde, was aus dieser H�he wie blaugr�nes Flechtwerk erschien, aber Rand hielt nicht inne, um es zu bewundern. Er sandte Str�nge aus Luft und Wasser, Feuer und Erde und Geist tief �ber die D�cher von Wirtsh�usern und L�den und mit Erkern versehenen Pal�sten und drehte sich dabei. Er versuchte, die Str�nge nicht zu verweben, sondern sandte sie einfach �ber die Stadt und gut eine Meile �ber den Sumpf aus. Von f�nf weiteren T�rmen senkten sich ebenfalls Str�nge �ber die Stadt, und wo sie einander unkontrolliert ber�hrten, blitzte Licht und flammten Funken und Wolken farbigen Dampfes auf, eine Darbietung, um die jeder Feuerwerker sie beneidet h�tte. Rand konnte sich keine bessere M�glichkeit vorstellen, die Menschen unter ihren Bettdecken zu �ngstigen und sie von Basheres Soldaten fernzuhalten, obwohl das nicht der Grund war.</p><p>Rand hatte vor langer Zeit erkannt, da� Sammael Schutzvorrichtungen in der Stadt verteilt haben mu�te, die Alarm ausl�sen sollten, wenn jemand <emphasis>Saidin</emphasis> lenkte. Schutzvorrichtungen, die so angebracht waren, da� niemand au�er Sammael sie finden k�nnte, Schutzvorrichtungen, die Sammael genau anzeigen w�rden, wo jemand die Macht lenkte, so da� dieser sofort vernichtet werden konnte. Mit etwas Gl�ck wurde jetzt jede einzelne dieser Schutzvorrichtungen ausgel�st. Lews Therin war sich sicher gewesen, da� Sammael sie sp�ren w�rde, wo immer er war, selbst auf eine gewisse Entfernung. Daher sollten die Schutzvorrichtungen jetzt nutzlos geworden sein, und diese Art mu�te erneuert werden, wenn sie erst einmal ausgel�st worden waren. Sammael w�rde kommen. Er hatte noch niemals in seinem Leben kampflos etwas aufgegeben, was er als sein Eigentum betrachtete, wie unsicher sein Anspruch auch war. All das wu�te Rand von</p><p><emphasis>Lews</emphasis> Therin. Wenn er real war. Er mu�te es sein. Die Erinnerungen waren zu genau. Aber konnte ein Wahnsinniger nicht auch seine Phantasien bis in alle Einzelheiten tr�umen?</p><p><emphasis>Lews Therin!</emphasis> rief er lautlos. Nur der �ber Illian hinwegwehende Wind antwortete.</p><p>Der Tammuz-Platz unter ihm lag verlassen und still und bis auf wenige zur�ckgelassene Karren leer da. Das Wegetor war bis auf die Gewebe unsichtbar.</p><p>Rand griff zu jenen Geweben hinab, l�ste den Knoten und lie� <emphasis>Saidin</emphasis> widerwillig los, als das Wegetor erlosch. Alle Str�nge verschwanden vom Himmel. Vielleicht hielt noch einer der Asha'man an der Quelle fest, aber er hatte es ihnen untersagt. Er hatte ihnen angedroht, da� er jeden Mann ohne Vorwarnung t�ten w�rde, den er noch die Macht lenken sp�rte, nachdem er selbst damit aufgeh�rt hatte. Er wollte nicht im nachhinein herausfinden, da� der Machtlenker einer von ihnen gewesen war. Er lehnte sich abwartend an die Mauer und w�nschte, er k�nnte sich hinsetzen. Seine Beine schmerzten, und seine Seite brannte, wie auch immer er sich drehte, und doch k�nnte es sein, da� er ein Gewebe sowohl sehen als auch sp�ren mu�te.</p><p>Die Stadt war nicht vollkommen still. Er konnte aus mehreren Richtungen entfernte Schreie und das schwache Zusammenklingen von Metall h�ren. Trotz der vielen zur Grenze beorderten M�nner hatte Sammael Illian nicht vollkommen ungesch�tzt gelassen. Rand wandte sich um in dem Versuch, alle Richtungen im Auge zu behalten. Er glaubte, da� Sammael zum Palast des K�nigs oder zu jenem anderen Palast am entgegengesetzten Ende des Platzes kommen w�rde, aber er konnte nicht sicher sein. Eine Stra�e hinab sah er eine Horde Saldaeaner mit einer gleichen Anzahl berittener M�nner in schimmernden Brustharnischen zusammenprallen. Weitere Saldaeaner galoppierten pl�tzlich von einer Seite heran, und der Kampf geriet hinter Geb�uden au�er Sicht. In einer anderen Richtung erblickte Rand einige Mitglieder der Legion des Drachen, die �ber eine niedrige Kanalbr�cke marschierten. Ein Offizier, der durch eine hohe rote Feder an seinem Helm erkennbar war, schritt mehreren zwanzig M�nnern mit wuchtigen Schilden voran, gefolgt von vielleicht zweihundert weiteren Soldaten mit schweren Armbr�sten. Wie w�rden sie k�mpfen? Rufe und der Klang von Stahl in der Ferne sowie die schwachen Schreie sterbender Menschen.</p><p>Die Sonne sank tiefer, und l�ngliche Schatten legten sich �ber die Stadt. In der Abendd�mmerung war die Sonne eine niedrige karmesinrote Scheibe im Westen. Nur wenige Sterne erschienen. Hatte er sich geirrt? W�rde Sammael einfach woanders hingehen, um ein anderes Land zu beherrschen? Hatte er etwas anderem als seinen eigenen wahnsinnigen, weitschweifigen Gedanken gelauscht?</p><p>Jemand lenkte die Macht. Rand erstarrte einen Moment und blickte zum Gro�en Saal des Konzils. Es war genug <emphasis>Saidin</emphasis> f�r ein Wegetor gewesen. Weitaus schw�cheres Machtlenken den Platz entlang h�tte er vielleicht nicht gesp�rt. Es mu�te Sammael sein.</p><p>Rand ergriff im Handumdrehen die Quelle, wob ein Wegetor und sprang hindurch; in seinen H�nden hielt er Blitze bereit. Er fand sich in einem gro�en Raum wieder, der von widergespiegelten hohen goldenen Stehlampen erleuchtet wurde, und weitere Lampen hingen an Ketten von der Decke herab. Schlachten und der vom Sumpf begrenzte Hafen Illians mit unz�hligen Schiffen war auf Marmorfriesen an den W�nden dargestellt. Am entgegengesetzten Ende des Raumes standen neun geschnitzte und vergoldete Lehnst�hle wie Throne auf einem hohen wei�en Podest mit einer Treppe an der Vorderseite, wobei der in der Mitte stehende Stuhl eine h�here R�ckenlehne aufwies als alle anderen. Bevor Rand das Wegetor hinter sich loslassen konnte, explodierte die Turmspitze, auf der er gestanden hatte. Er sp�rte Feuer und Erde �ber sich hinwegfegen, noch w�hrend ihn ein Sturm aus Steinsplittern und Staub durch das Wegetor hindurch traf und ihn zu Boden warf Schmerz brach an seiner Seite auf, als er landete, und ein scharfer roter Speer bohrte sich in das Nichts, in dem er schwebte, was ihn ebenso wie alles andere veranla�te, das Wegetor loszulassen. Der Schmerz eines anderen Menschen. Die Schw�che eines anderen Menschen. Er konnte sie im Nichts ignorieren.</p><p>Er regte sich, zwang die Muskeln eines anderen Menschen zur Bewegung, stie� sich hoch und lief unsicher auf das Podest zu, w�hrend sich Hunderte roter Dr�hte durch die Decke und in weitem Kreis �berall dort durch den meerblauen Marmorboden hindurch brannten, wo noch immer die �berreste seines Wegetors flimmerten. Ein Draht stach durch den Absatz seines Stiefels und durch seine Ferse, und er h�rte sich aufschreien, als er hinfiel. Nicht sein Schmerz, an der Seite oder am Fu�. Nicht sein Schmerz.</p><p>Als er sich auf den R�cken rollte, konnte er noch die �berreste der brennenden roten Dr�hte sehen, ausreichend frisch, da� er Feuer und Luft auf eine Art gewoben erkennen konnte, die ihm unbekannt war, und er genau die Richtung ausmachen konnte, aus der sie gekommen waren. Schwarze L�cher im Boden und Risse in der kunstvoll gearbeiteten wei�en Stuckdecke hoch �ber ihm zischten und knisterten bei jedem Luftzug laut.</p><p>Er hob die H�nde und wob Baalsfeuer. Die Wange eines anderen Menschen brannte von einem erinnerten Schlag, und Cadsuanes Stimme zischte und knisterte in seinem Kopf wie die L�cher, welche die roten Dr�hte gebrannt hatten. <emphasis>Niemals wieder, Junge. Das wirst du niemals wieder tun.</emphasis> Anscheinend h�rte er Lews Therin in ferner Angst vor dem, was er verlieren w�rde, was die Welt einst fast zerst�rt hatte, wimmern. Alle Str�nge au�er Feuer und Luft schwanden, und er wob, wie er es gesehen hatte. Eintausend feine rote Fasern bl�hten zwischen seinen H�nden auf und schossen f�cherf�rmig ausgebreitet empor. Ein Kreissegment der Decke von zwei Fu� Durchmesser zerfiel in Steintr�mmer und Stuckstaub.</p><p>Erst nachdem er dies getan hatte, dachte er, es k�nnte sich vielleicht jemand zwischen ihm und Sammael befinden. Er beabsichtigte, Sammael heute tot zu sehen, aber wenn er dies erreichen k�nnte, ohne noch jemand anderen zu t�ten... Die Gewebe schwanden, w�hrend er sich erneut aufrichtete und eilig auf die Seitent�ren des Saals zuhumpelte, hohe T�ren mit neun goldenen Bienen von der Gr��e seiner Faust auf jedem Paneel.</p><p>Ein kleiner Strang Luft stie� eine T�r auf, bevor er sie erreichte, zu geringf�gig, um in einiger Entfernung bemerkt zu werden. Er hinkte auf den Gang hinaus und sank auf ein Knie. Die Seite des anderen Menschen brannte, und seine Ferse schmerzte. Rand zog sein Schwert und lehnte sich abwartend darauf. Ein glattrasierter Bursche mit dicken r�tlichen Wangen sp�hte den Gang hinab um eine Ecke. Es war genug von seiner Jacke zu sehen, da� er als Diener erkennbar war. Zumindest sah die auf einer Seite gr�ne und auf der anderen Seite gelbe Jacke wie eine Livree aus. Der Bursche sah Rand und glitt dann ganz langsam, als glaube er, er w�rde vielleicht nicht bemerkt, wenn er sich nur vorsichtig genug bewegte, wieder au�er Sicht. Fr�her oder sp�ter m��te Sammael...</p><p>�Illian geh�rt mir!� Die Stimme dr�hnte in der Luft aus allen Richtungen heran, und Rand fluchte. Das mu�te dasselbe Gewebe sein, das er selbst auf dem Platz benutzt hatte, oder ein sehr �hnliches. Es erforderte so wenig der Macht, da� er die tats�chlichen Str�nge vielleicht nicht einmal in zehn Schritt Entfernung des Mannes gesp�rt h�tte. �Illian geh�rt mir! Ich werde nicht zerst�ren, was mir geh�rt, indem ich Euch t�te, und ich werde es auch Euch nicht zerst�ren lassen. Ihr hattet den Mut, mir hierher zu folgen? Habt Ihr auch den Mut, mit erneut zu folgen?� Ein leicht sp�ttischer Unterton schlich sich in die dr�hnende Stimme. �Habt Ihr den Mut?� Irgendwo �ber Rand er�ffnete sich ein Wegetor und schlo� sich wieder. Rand zweifelte nicht daran, da� es das war.</p><p>Den Mut? Hatte er den <emphasis>Mut?</emphasis> �Ich bin der Wiedergeborene Drache�, murrte er, �und ich werde Euch t�ten.� Er wob ein Wegetor und trat hindurch, zu einem mehrere Stockwerke h�her gelegenen Ort.</p><p>Er fand sich in einem weiteren, von Wandteppichen ges�umten Gang wieder, die Schiffe auf See zeigten. Am entgegengesetzten Ende des Ganges schimmerten die �berreste einer karmesinroten Scheibe durch einen S�ulengang. Die �berreste von Sammaels Wegetor hingen in der Luft, die schwindenden Str�nge wie schwach gl�hende Geister. Jedoch nicht so schwach, da� Rand sie nicht mehr h�tte ausmachen k�nnen. Er begann zu weben und hielt dann inne. Er war hier herauf gesprungen, ohne an eine Falle zu denken.</p><p>Wenn er genau kopierte, was er sah, w�rde er herauskommen, wo auch immer Sammael hingelangt war, oder zumindest so in der N�he, da� es keinen Unterschied machte. Aber mit einer kleinen �nderung. Er konnte nicht sicher sein, ob die Entfernung f�nfzig oder f�nfhundert Fu� betr�ge, und doch war beides ausreichend nahe.</p><p>Der senkrechte Silberschlitz begann sich zu einer �ffnung zu drehen und gab die schattenumh�llten Ruinen der Erhabenheit frei, nicht ganz so dunkel wie der Gang. Durch das Wegetor betrachtet war die Sonne eine etwas breitere rote Scheibe, die zur H�lfte von einer eingest�rzten Kuppel verborgen wurde. Er kannte diesen Ort. Als er das letzte Mal hierhergekommen war, hatte er jener Liste von T�chtern des Speers in seinem Kopf einen weiteren Namen hinzugef�gt; das erste Mal war Padan Fain gefolgt, und er war mehr als ein Schattenfreund, schlimmer als ein Schattenfreund geworden. Da� Sammael nach Shadar Logoth geflohen war, schien auf mehr als eine Art wie die Vollendung eines Kreises. Rand durfte jetzt, wo er den Weg er�ffnete, keine Zeit mehr verschwenden. Noch bevor das Wegetor aufh�rte, sich auszudehnen, lief er hinkend hindurch in die verheerte Stadt, die einst Aridhol genannt worden war, und lie� das Wegetor im Lauf los, w�hrend seine Stiefel auf zerbrochenen Pflastersteinen und totem Laub knirschten.</p><p>Er duckte sich um die erste Ecke, die er erreichte. Der Boden erbebte unter seinen F��en, als ihm Donnergrollen aus der Richtung nachhallte, aus der er gekommen war. Lichtblitz auf Lichtblitz flammte in der d�mmerigen Dunkelheit auf. Er sp�rte Erde und Feuer und Luft �ber sich hinwegfegen. Schreie und Gebr�ll �bert�nten das donnernde Krachen. Er hinkte davon, ohne sich umzusehen, w�hrend <emphasis>Saidin</emphasis> in ihm pulsierte. Er lief, und da die Macht ihn erf�llte, konnte er sogar in den dunklen Schatten deutlich sehen.</p><p>Rund um die gro�e Stadt lagen riesige Marmorpal�ste mit jeweils vier oder f�nf Kuppeln verschiedener Formen, die durch die untergehende Sonne karmesinrot leuchteten. Brunnen und Statuen aus Bronze standen an jedem Kreuzungspunkt, und es gab gro�e Fl�chen mit S�ulen, die zu hoch vor der Sonne aufragenden T�rmen verliefen. Zumindest die heilen S�ulen ragten vor ihr auf, aber weitaus mehr endeten j�h gezackt. F�r jede heile Kuppel gab es zehn zerborstene, deren Gew�lbe ganz oder teilweise zerst�rt waren. Auch Statuen waren umgest�rzt, oder es fehlten Arme oder K�pfe. Die sich rasch verdichtende Dunkelheit zog schnell �ber die weit verstreuten Schutthaufen, und die wenigen verk�mmerten B�ume, die sich als verdrehte Gestalten an die H�nge klammerten, erschienen vor dem Himmel wie abgebrochene Finger.</p><p>Ziegel und Steine breiteten sich f�cherf�rmig �ber den Weg aus, der von einem Geb�ude wegf�hrte, das vielleicht einmal ein kleiner Palast gewesen war. Die halbe Vorderfront fehlte, und der Rest der mit S�ulen versehenen Fassade war der Stra�e zugeneigt. Rand blieb mitten auf der Stra�e kurz vor dem F�cher stehen, wartete und versuchte, jemand anderen <emphasis>Saidin</emphasis> lenken zu sp�ren. Es war keine gute Idee, sich an den Stra�enrand zu halten, und das nicht nur, weil s�mtliche Geb�ude jederzeit einst�rzen konnten. Tausend unsichtbare Augen schienen ihn aus den Fenstern wie aus tiefen Augenh�hlen zu beobachten, schienen ihn mit einem fast greifbaren Gef�hl der Erwartung anzustarren. Er sp�rte vage, da� die frische Wunde an seiner Seite pochte, ein Aufflammen, welches das selbst dem Staub Shadar Logoths anhaftende B�se nachahmte. Die alte Narbe krampfte sich wie eine Faust zusammen. Der Schmerz in seinem Fu� schien unwirklich und sehr fern. In der N�he pulsierte das Nichts selbst um ihn herum, der Makel des Dunklen K�nigs auf Saidin im Gleichklang mit dem Dolchri� �ber seinen Rippen. Shadar Logoth war bei Tage ein gef�hrlicher Ort. Bei Nacht...</p><p>Die Stra�e hinab, jenseits eines spitz zulaufenden Denkmals, das wundersamerweise noch aufrecht stand, bewegte sich eine Schattengestalt, die in der Dunkelheit �ber den Weg huschte. Rand h�tte fast die Macht gelenkt, aber er konnte nicht glauben, da� Sammael so unvorsichtig sein w�rde. Als er die Stadt betreten hatte, als Sammael alles rund um sein Wegetor zu vernichten versuchte, hatte Rand schreckliche Schreie geh�rt. Sie hatten es dort kaum bemerkt. Nichts lebte in Shadar Logoth, nicht einmal Ratten. Sammael mu�te Gefolgsleute herbeigebracht haben, Burschen, die er ohne Z�gern t�ten w�rde, um Rand zu erreichen. Vielleicht konnte einer von ihnen Rand zu Sammael f�hren. Er eilte so schnell und lautlos wie m�glich voran. Das zerbrochene Pflaster knirschte mit dem Ger�usch brechender Knochen unter seinen Stiefeln. Er hoffte, da� es nur f�r sein durch <emphasis>Saidin</emphasis> verfeinertes Geh�r laut klang.</p><p>Er hielt am Fu� des Denkmals inne, ein Obelisk, der mit schwungvoller Schrift bedeckt war, und sp�hte voraus. Wer auch immer sich dort bewegt hatte, war fort. Nur Narren oder �beraus Tapfere betraten Shadar Logoth bei Nacht. Das B�se, das Shadar Logoth befleckte und Aridhol vernichtet hatte, war nicht mit Aridhol gestorben. Weiter die Stra�e entlang schwebte eine Ranke silbergrauen Nebels aus einem Fenster und kroch auf eine weitere Ranke zu, die aus einem breiten Spalt in einer hohen Steinmauer heranwehte. Die Tiefe dieses Spalts schimmerte, als reiche das Licht des Vollmonds hinein. Mit der Nacht durchstreifte Mashadar sein Stadtgef�ngnis, eine gewaltige Gegenwart, die an einem Dutzend, an hundert Orten gleichzeitig erscheinen konnte. Mashadar s Ber�hrung war keine erfreuliche Art zu sterben. Der Makel <emphasis>Saidins</emphasis> pochte h�rter in Rand. Das ferne Feuer an seiner Seite flackerte wie zehntausend Blitze auf, einer nach dem anderen. Selbst der Boden unter seinen Stiefeln schien zu pochen.</p><p>Er wandte sich um und erwog halbwegs, jetzt zu gehen. Sammael war sehr wahrscheinlich fort, jetzt wo sich Mashadar gezeigt hatte. Der Mann hatte ihn sehr wahrscheinlich in der Hoffnung hierher gelockt, da� er die Ruinen durchsuchen w�rde, bis Mashadar ihn t�tete. Rand wandte sich um, blieb stehen und kauerte sich dann an dem Denkmal zusammen. Zwei Trollocs schlichen jene Stra�e hinab, wuchtige Gestalten in schwarzen Harnischen, eineinhalb mal so gro� wie er oder gr��er. Dornen ragten an Schultern und Ellbogen ihrer R�stungen hervor, und sie trugen Speere mit langen schwarzen Spitzen und gef�hrlichen Haken. Ihre Gesichter waren durch seine von <emphasis>Saidin</emphasis> erf�llten Augen gut erkennbar, eines durch einen Adlerschnabel, wo Mund und Nase h�tten sein sollen, das andere durch die Hauer der Schnauze eines Keilers entstellt. Jeder ihrer Bewegungen zeugte von Angst. Trollocs liebten es zu t�ten, liebten Blut, aber Shadar Logoth �ngstigte sogar sie. Es w�rden auch Myrddraal dasein. Kein Trolloc h�tte diese Stadt betreten, ohne von Myrddraals dazu getrieben zu werden. Und kein Myrddraal h�tte diese Stadt betreten, ohne wiederum von Sammael dazu getrieben zu werden. Was letztlich bedeutete, da� Sammael noch immer hier sein mu�te, sonst w�ren diese Trollocs zu den Toren gelaufen und bef�nden sich nicht auf der Jagd. Und sie waren auf der Jagd. Die Keilerschnauze schnupperte in die Luft.</p><p>Pl�tzlich sprang eine in Lumpen geh�llte Gestalt aus einem Fenster �ber den Trollocs hervor und fiel mit bereits sto�bereitem Speer auf sie herab. Eine Aiel, eine Frau, die <emphasis>Shoufa</emphasis> um den Kopf gewickelt, aber mit gesenktem Schleier. Der Trolloc mit dem Adlerschnabel schrie auf, als ihre Speerspitze tief in seine Seite eindrang und sie dann erneut zustie�. Als sein Begleiter um sich tretend hinfiel, fuhr die Keilerschnauze knurrend herum und wurde drohend vorgereckt, aber die Frau duckte sich tief unter der schwarzen, mit einem Haken versehenen Spitze des Trolloc hindurch, stach aufw�rts in den Magen des Wesens; es fiel wie das andere in sich zusammen.</p><p>Rand war aufgesprungen und lief voran, bevor er dar�ber nachdenken konnte. �Liah!� rief er. Er hatte sie f�r tot gehalten, von ihm im Stich gelassen, f�r ihn gestorben. Liah von den Cosaida Chareen. Dieser Name flammte auf der Liste in seinem Kopf auf.</p><p>Sie wirbelte kampfbereit zu ihm herum, den Speer angriffsbereit in einer Hand, den runden Schild aus Ochsenhaut in der anderen. Das Gesicht, das er trotz der Narben auf beiden Wangen als h�bsch in Erinnerung hatte, war vor Zorn verzerrt. �Mein!� stie� sie drohend hervor. �Mein! Niemand darf hierher kommen! Niemand!�</p><p>Er blieb j�h stehen. Der Speer wartete darauf, auch seine Rippen zu erforschen. �Liah, Ihr kennt mich�, sagte er sanft. �Ihr kennt mich. Ich werde Euch zu den T�chtern des Speers zur�ckbringen, zu Euren Speerschwestern.� Er streckte die Hand aus.</p><p>Ihr Zorn wurde zu einem Stirnrunzeln. Sie neigte den Kopf zu einer Seite. �Rand al'Thor?� fragte sie z�gernd. Ihre Augen weiteten sich, ihr Blick senkte sich auf die toten Trollocs, und ein Ausdruck des Entsetzens breitete sich auf ihrem Gesicht aus. �Rand al'Thor�, fl�sterte sie und hob mit der Hand, die den Speer hielt, rasch den Schleier �ber ihr Gesicht. �Der <emphasis>Car'a'carn!�</emphasis> wimmerte sie und floh.</p><p>Er humpelte hinter ihr her, m�hte sich �ber Schutthaufen, fiel hin, zerri� sich die Jacke, fiel erneut hin und zerri� sie sich noch mehr, rollte sich herum und stand wieder auf, um weiterzulaufen. Er sp�rte entfernt die Schw�che und die Schmerzen seines K�rpers, aber obwohl er tief im Nichts schwebte, mu�te er seinen K�rper hart antreiben. Liah verschwand in der Nacht. Hinter der n�chsten, von schwarzen Schatten verh�llten Ecke, dachte er.</p><p>Er humpelte so schnell er konnte um diese Ecke und lief fast in vier mit schwarzen R�stungen bekleidete Trollocs und einen Myrddraal, dessen pechschwarzer Umhang unnat�rlich still seinen R�cken hinabhing. Die Trollocs knurrten �berrascht, aber ihr Erschrecken dauerte keinen Herzschlag lang. Mit Haken versehene Speere und wie Sicheln gebogene Schwerter wurden angehoben. Eine totenschwarze Klinge lag in der Faust des Myrddraal, eine Klinge, die fast ebenso t�dliche Wunden verursachte wie Fains Dolch.</p><p>Rand versuchte nicht einmal, das mit einem Reiher gekennzeichnete Schwert an seiner Seite zu ziehen. Der Tod in einer zerrissenen roten Jacke, lenkte er die Macht, und ein Feuerschwert lag in seinen H�nden, pulsierte im Takt <emphasis>Saidins</emphasis> dunkel und fegte einen augenlosen Kopf von den Schultern. Es w�re einfacher gewesen, sie alle auf diese Art zu vernichten, wie er es die Ashaman bei den Brunnen von Dumai hatte tun sehen, aber die Gewebe jetzt zu ver�ndern, k�nnte einen todbringenden Moment zu lange dauern. Jene Schwerter konnten sogar ihn t�ten. Er tanzte die Figuren in der von der Flamme in seinen H�nden erleuchteten Dunkelheit, w�hrend Schatten �ber die vor ihm aufragenden Gesichter flohen, Gesichter mit Wolfsschnauzen und Ziegengesichter, schreiend verzerrte Gesichter, als seine Feuerklinge durch schwarze R�stungen und die darunterliegende Haut schnitt, als w�ren sie Wasser. Trollocs waren von ihrer Anzahl und �berw�ltigenden Wildheit abh�ngig. Ihm und diesem Schwert der Macht gegen�berstehend, h�tten sie ebenso gut stocksteif dastehen und unbewaffnet sein k�nnen.</p><p>Der Schwert verschwand aus Rands H�nden. Am Ende einer Figur ausbalancierend, die <emphasis>den Wind verkehren</emphasis> genannt wurde, stand er mitten im Tod. Der als letzter gefallene Trolloc schlug noch um sich und kratzte mit seinen Ziegenh�rnern auf den zerbrochenen Pflastersteinen. Selbst der kopflose Myrddraal schlug noch immer mit den Armen um sich und scharrte wild mit den Stiefeln. Halbmenschen starben nicht schnell, auch kopflose nicht.</p><p>Kaum verschwand das Schwert, als ein Silberblitz aus dem wolkenlosen Sternenhimmel herabfuhr.</p><p>Er schlug mit ohrenbet�ubendem Br�llen keine vier Schritte von Rand entfernt ein. Die Welt wurde wei�, und das Nichts brach zusammen. Der Boden bewegte sich heftig unter ihm, als ein weiterer Blitz einschlug und noch einer. Rand hatte bis dahin nicht bemerkt, da� er auf dem Gesicht lag. Die Luft knisterte. Er stie� sich benommen hoch und fiel dann beinahe wieder hin, als er vor einem Blitzhagel davonlief, der die Stra�e beim Donnerklang einst�rzender Geb�ude aufri�. Er taumelte stur geradeaus, ohne sich darum zu k�mmern, wohin ihn das f�hrte, solange er nur von hier fort gelangte.</p><p>Pl�tzlich kl�rte sich sein Kopf ausreichend weit, da� er erkennen konnte, wo er sich befand, w�hrend er �ber einen weiten, mit aufeinanderget�rmten Plattenfragmenten, von denen einige so gro� wie er selbst waren, bedeckten Steinboden schwankte. Hier und da g�hnten dunkle, unebene �ffnungen im Boden. Rundum erhoben sich hohe Mauern, und Reihe auf Reihe tiefer Balkone verliefen auf ganzer L�nge. Nur ein kleiner Teil dessen, was einst ein weites Dach gewesen war, war an einer Ecke �briggeblieben. Sterne schimmerten �ber ihm hell.</p><p>Er stolperte einen weiteren Schritt vorw�rts, als der Boden unter ihm nachgab. Er warf verzweifelt die H�nde hoch. Die rechte Hand bekam ruckartig eine rauhe Kante zu fassen. Er baumelte in pechschwarzer Dunkelheit. Er konnte nicht erkennen, ob unter ihm vielleicht nur wenige Spann bis zu einem n�chsten Stockwerk oder eine Meile Raum war. Er konnte Str�nge Luft in den gezackten Rand der �ffnung �ber seinem Kopf einh�ngen, um sich selbst hinauszuziehen, aber... Sammael hatte die vergleichsweise geringe Menge <emphasis>Saidin</emphasis> in dem Schwert irgendwie gesp�rt. Es hatte eine Verz�gerung gegeben, bevor die Blitze einschlugen, aber er wu�te nicht, wie lange er gebraucht hatte, um die Trollocs zu t�ten. Eine Minute? Sekunden?</p><p>Er schwang seinen linken Arm m�hsam hoch und versuchte, die Kante der �ffnung zu ergreifen. Der Schmerz, der nicht mehr durch das Nichts ged�mpft wurde, stach an seiner Seite wie ein eindringender Dolch. Flecken tanzten vor seinen Augen. Schlimmer noch - seine rechte Hand glitt auf dem br�ckelnden Gestein ab, und er konnte seine Finger schw�cher werden sp�ren. Er w�rde etwas tun m�ssen, was...</p><p>Eine Hand ergriff sein rechtes Handgelenk. �Ihr seid ein Narr�, sagte die tiefe Stimme eines Mannes, �Betrachtet Euch als Gl�ckskind, da� ich Euch heute nicht sterben sehen will.� Die Hand begann, ihn hochzuziehen. �Wollt Ihr nicht mithelfen?� forderte die Stimme. �Ich beabsichtige nicht, Euch auf den Schultern zu tragen oder Sammael f�r Euch zu t�ten.�</p><p>Vor Schreck zitternd griff Rand aufw�rts, bekam den Rand der �ffnung zu fassen und zog sich trotz der Schmerzen an seiner Seite hoch. Trotz der Schmerzen gelang es ihm auch, das Nichts wiederzuerlangen und <emphasis>Saidin zu</emphasis> ergreifen. Er lenkte die Macht nicht, aber er wollte vorbereitet sein.</p><p>Er schob Kopf und Schultern �ber den Rand der �ffnung und konnte dann den anderen Mann sehen, ein gro�er Bursche, kaum �lter als er, mit nachtschwarzem Haar und einer schwarzen Jacke wie die eines Asha'man. Rand hatte ihn noch niemals zuvor gesehen. Zumindest war er keiner der Verlorenen. Jene Gesichter kannte er. Er glaubte es zumindest. �Wer seid Ihr?� fragte er.</p><p>Der Mann lachte bellend. �Ich bin einfach ein vor�berziehender Wanderer. Wollt Ihr Euch jetzt wirklich unterhalten?�</p><p>Rand sparte seinen Atem und k�mpfte sich weiter hoch, gelangte mit der Brust �ber den Rand und dann mit der H�fte. Er erkannte j�h, da� ein Schimmern wie das Leuchten eines vollen Mondes den Boden um sie herum umgab.</p><p>Er drehte sich, um �ber die Schulter zu sehen, und erblickte Mashadar. Keine Ranke, sondern eine silbergraue Woge rollte von einem der Balkone heran, w�lbte sich �ber ihren K�pfen und stieg herab.</p><p>Rand hob ohne nachzudenken seine freie Hand. Baalsfeuer scho� aufw�rts, und ein Balken fl�ssigen wei�en Feuers schnitt durch die auf sie herabsinkende Woge. Er war sich vage eines weiteren Balkens hellen massiven Feuers bewu�t, der von der Hand des anderen Mannes, die nicht die seine festhielt, aufstieg, ein Balken, der die Woge in entgegengesetzter Richtung zu seinem durchschnitt. Die beiden ber�hrten sich.</p><p>In Rands Kopf hallte es wie bei einem angeschlagenen Gong. Er verkrampfte sich, und <emphasis>Saidin</emphasis> und das Nichts zerfielen. Er sah alles doppelt, die Balkone, die Steinfragmente, die auf dem Boden umherlagen. Auch der andere Mann schien zweimal, sich einander �berschneidend, da zu sein, deren jeder seinen Kopf mit beiden H�nden umfa�te. Rand suchte blinzelnd nach Mashadar. Die Woge schimmernden Dunstes war fort. Ein Gl�hen blieb auf den Balkonen �ber ihm, aber es nahm jetzt ab und zog sich zur�ck, w�hrend sich Rands Sicht kl�rte. Anscheinend floh selbst der geistlose Mashadar vor Baalsfeuer.</p><p>Rand erhob sich schwankend und bot eine Hand dar. �Ich glaube, wir sollten besser von hier verschwinden. Was ist dort geschehen?�</p><p>Der andere Mann stie� sich mit verzerrtem Blick auf Rands dargebotene Hand hoch. Er war so gro� wie Rand, was au�er unter Aiel selten war. �Ich wei� nicht, was geschehen ist�, fauchte er. �Aber Ihr solltet laufen, wenn Ihr �berleben wollt.� Er folgte seinem Rat augenblicklich auch selbst und scho� auf eine Reihe offener B�gen zu, jedoch nicht in der n�chstgelegenen Mauer. Mashadar war von dort gekommen.</p><p>Rand bem�hte sich um das Nichts und hinkte hinter ihm her, so schnell er konnte, aber bevor sie den Plattenboden noch vollst�ndig �berquert hatten, fielen die Blitze erneut in einem Sturm von Silberpfeilen. Sie eilten beide durch die Bogeng�nge, gefolgt vom Donnern der hinter ihnen einst�rzenden Mauern und B�gen und von Wolken von Staub und einem Steinhagel. Die Schultern zusammengezogen und einen Arm �ber sein Gesicht gelegt, lief Rand hustend durch einen weiten Raum, dessen zitternde Gew�lbe die Decke noch trugen und wo nur kleine Steine herabregneten.</p><p>Er geriet auf eine Stra�e hinaus, bevor er es merkte, und stolperte drei Schritte, bevor er innehielt. Der Schmerz an seiner Seite wollte ihn sich vorn�ber beugen lassen, aber er dachte, seine Beine k�nnten vielleicht nachgeben, wenn er es t�te. Sein verletzter Fu� pochte. Es schien ein Jahr her, da� jener rote Draht aus Feuer und Luft ihn in die Ferse gestochen hatte. Sein Retter beobachtete ihn. Von Kopf bis Fu� staubbedeckt gelang es dem Burschen, wie ein K�nig dazustehen.</p><p>�Wer seid Ihr?� fragte Rand erneut. �Einer von Taims M�nnern? Oder habt Ihr Euch selbst gelehrt? Ihr k�nntet nach Caemlyn gehen, wi�t Ihr, zur Schwarzen Burg. Ihr m��t nicht in Angst vor den Aes Sedai leben.� Diese Worte veranla�-ten ihn aus einem unbestimmten Grund, die Stirn zu runzeln. Er konnte nicht verstehen warum.</p><p>�Ich habe noch niemals Angst vor den Aes Sedai gehabt�, fauchte der Mann und atmete dann tief durch. �Ihr w�rt gut beraten, von hier fortzugehen, aber wenn ihr zu bleiben und Sammael zu t�ten beabsichtigt, solltet Ihr versuchen, wie er zu denken. Ihr habt gezeigt, da� Ihr es k�nnt. Es gefiel ihm schon immer, einen Menschen im Angesicht dessen zu vernichten, was einer der Triumphe dieses Menschen war. Ist dies nicht m�glich, gen�gt auch irgendein Ort, den dieser Mensch beansprucht.�</p><p>�Das Wegetor�, sagte Rand. Wenn man behaupten konnte, da� er etwas in Shadar Logoth gekennzeichnet hatte, dann mu�te es das Wegetor sein. �Er wartet in der N�he des Wegetors, und er hat Fallen errichtet.� Anscheinend auch Wachvorrichtungen wie jene in IIlian, um jemanden zu entdecken, der die Macht lenkt. Sammael hatte dies gut vorbereitet.</p><p>Der Mann lachte verzerrt. �Ihr k�nnt den Weg offensichtlich finden, wenn Ihr an der Hand gef�hrt werdet. Versucht, nicht zu stolpern. Viele Pl�ne werden neu �berdacht werden m�ssen, wenn Ihr Euch jetzt t�ten la�t.� Er wandte sich um und ging die Stra�e hinab auf eine Gasse unmittelbar vor ihnen zu.</p><p>�Wartet�, rief Rand. Der Bursche ging weiter, ohne zur�ckzuschauen. �Wer seid Ihr? Welche Pl�ne?� Der Mann verschwand.</p><p>Rand schwankte hinter ihm her, aber als er den Eingang zu der schmalen Gasse erreichte, war sie leer. Unversehrte Mauern verliefen gut hundert Schritt bis zu einer weiteren Stra�e, wo ein Gl�hen von einem weiteren Teil Mashadars weithin sichtbar war, aber der Mann war fort. Was einfach unm�glich war. Der Bursche hatte nat�rlich Zeit gehabt, ein Wegetor zu er�ffnen, aber die �berreste dessen h�tten noch zu sehen sein m�ssen, und au�erdem w�re es Rand gewi� nicht entgangen, wenn jemand so nahe soviel <emphasis>Saidin</emphasis> gewoben h�tte.</p><p>Pl�tzlich erkannte er, da� er <emphasis>Saidin</emphasis> auch nicht gesp�rt hatte, als der Mann Baalsfeuer wob. Nur daran zu denken, da� sich die beiden Str�nge ber�hrten, lie� ihn erneut doppelt sehen. Nur einen Augenblick lang konnte er das Gesicht des Mannes erneut deutlich erkennen, obwohl alles andere verschwommen war. Er sch�ttelte den Kopf, bis sich seine Sicht wieder kl�rte. �Wer, im Licht, seid Ihr?� fl�sterte er. Und kurz darauf: �Was, im Licht, seid Ihr?�</p><p>Wer oder was auch immer er war - der Mann war fort. Aber Sammael befand sich weiterhin in Shadar Logoth. Rand gelang es m�hsam, das Nichts erneut zur�ckzuerlangen. Der Makel auf <emphasis>Saidin</emphasis> vibrierte jetzt, bahnte sich seinen Weg summend tief in ihn hinein. Das Nichts selbst vibrierte. Aber die Schw�che der Muskeln und der Schmerz der Verletzungen schwanden. Er <emphasis>w�rde</emphasis> einen der Verlorenen t�ten, bevor diese Nacht vor�ber war.</p><p>Er geisterte humpelnd durch die dunklen Stra�en, wobei er seine F��e mit gro�er Sorgfalt setzte. Er verursachte noch immer Ger�usche, aber die Nacht war jetzt erf�llt von Ger�uschen. Schreie und gutturale Rufe klangen in der Ferne. Der geistlose Mashadar t�tete, was immer er fand, und Trollocs starben heute nacht in Shadar Logoth, wie es auch schon vor langer, langer Zeit gewesen war. Manchmal sah Rand eine kreuzende Stra�e hinab Trollocs, zwei oder f�nf oder ein Dutzend, gelegentlich zusammen mit einem Halbmenschen, aber meist allein. Niemand bemerkte ihn, und er st�rte sie nicht. Nicht nur, weil Sammael jegliches Machtlenken entdecken w�rde. Jene Trollocs und Myrddraals, die Mashadar nicht t�tete, waren dennoch tot. Sammael hatte sie zweifellos �ber die Kurzen Wege hierher gebracht, aber er erkannte offensichtlich nicht, wie Rand sein Wegetor hier gekennzeichnet hatte.</p><p>Kurz vor dem Platz, wo sich das Wegetor befand, hielt Rand inne und sah sich um. In der N�he stand ein anscheinend intakter Turm. Nicht halb so hoch wie manche andere, ragte seine Spitze noch immer mehr als f�nfzig Schritte �ber dem Boden auf. Der dunkle Eingang zu ebener Erde war leer, das Holz war schon lange verrottet und die Scharniere zu Staub zerfallen. Im durch die Fenster scheinenden schwachen Sternenlicht stieg Rand langsam die gewundene Treppe hinauf, wobei kleine Staubwolken unter seinen Stiefeln aufstoben und bei jedem zweiten Schritt ein schmerzhaftes Stechen sein Bein hinaufscho�. Entfernter Schmerz. Unter der Turmspitze lehnte sich Rand gegen die Brustwehr und rang nach Atem. Ein m��iger Gedanke kam ihm in den Sinn, da� er es st�ndig vorgehalten bek�me, wenn Min hiervon erf�hre. Min oder auch Amys oder Cadsuane.</p><p>Er konnte �ber zerst�rte Dachfirste hinweg den gro�en Platz sehen, der einer der wichtigsten Pl�tze in Aridhol gewesen war. Einst hatte ein Ogierhain diesen Teil des Landes bedeckt, aber innerhalb von drei�ig Jahren, nachdem die Ogier, welche die �ltesten Teile der Stadt errichtet hatten, gegangen waren, hatten die Bewohner die B�ume gef�llt, um Raum f�r das sich ausbreitende Aridhol zu schaffen. Pal�ste oder deren �berreste umgaben den gewaltigen Platz, das Gl�hen Mashadars schimmerte tief hinter einigen Fenstern, und ein gewaltiger Schutthaufen bedeckte ein Ende des Platzes, aber in der Mitte stand das Wegetor, anscheinend ein hoher, breiter Stein. Rand war nicht nahe genug, um die kunstvoll eingravierten Bl�tter und Ranken darauf zu erkennen, aber er konnte die herabgest�rzten Teile des hohen Zaunes ausmachen, der es einst umgeben hatte. Durch Macht gestaltetes Metall, das zusammengesunken dalag, schimmerten sie in der Nacht ungetr�bt. Er konnte auch die Falle erkennen, die Sammael um das Wegetor gewoben hatte, umgekehrt, damit niemand anderes es sehen konnte. Rand konnte von hier aus in keiner Weise bestimmen, ob die Trollocs und Halbmenschen wirklich hindurchgegangen waren, aber wenn sie es getan hatten, w�rden sie bald sterben. Eine h��liche Sache. Welche Fallen auch immer Sammael errichtet hatte - sie waren f�r ihn unsichtbar, aber das war zu erwarten gewesen. Au�erdem waren sie wahrscheinlich nicht sehr angenehm.</p><p>Zuerst konnte er Sammael nicht sehen, aber dann bewegte sich jemand zwischen den kannelierten, aufleuchtenden S�ulen eines Palastes. Rand wartete ab. Er wollte sichergehen. Er hatte nur eine Chance. Die Gestalt trat vorw�rts aus dem S�ulengang und einen Schritt auf den Platz heraus, den Kopf hierhin und dorthin wendend. Sammael, an dessen Kehle schneewei�e Spitze schimmerte, wartete darauf, da� Rand den Platz betr�te und ihm in die Fallen ginge. Das Leuchten in den Fenstern des Palastes hinter ihm wurde heller. Sammael sp�hte in die den Platz umgebende Dunkelheit, und Mashadar sickerte aus den Fenstern. Dichte Wogen silbergrauen Nebels glitten ineinander und verbanden sich, w�hrend sie �ber seinem Kopf aufragten. Sammael trat ein St�ck zur Seite, und die Woge begann herabzusinken und im Fallen allm�hlich schneller zu werden.</p><p>Rand sch�ttelte den Kopf. Sammael geh�rte ihm. Die f�r das Baalsfeuer ben�tigten Str�nge schienen sich, trotz des fernen Widerhalls von Cadsuanes Stimme, zu sammeln. Er hob die Hand.</p><p>Ein Schrei zerri� die Dunkelheit - eine Frau schrie in uns�glicher Seelenangst. Rand sah Sammael sich im gleichen Moment umwenden, um den gro�en Schutthaufen zu betrachten, als auch sein Blick in diese Richtung zuckte. Auf dem Schutthaufen zeichnete sich eine Gestalt in Jacke und Hose vor dem Nachthimmel ab, deren Bein eine einzelne d�nne Ranke Mashadars ber�hrte. Sie schlug mit ausgestreckten Armen um sich, unf�hig, sich vom Fleck zu bewegen, und ihr stummes Klagen schien Rand zu rufen.</p><p>�Liah�, fl�sterte er. Rand streckte unbewu�t die Hand aus, als k�nnte er seinen Arm �ber die dazwischenliegende Entfernung hinweg ausdehnen und sie fortziehen. Nichts konnte jedoch retten, was Mashadar ber�hrte, nicht mehr, als etwas ihn h�tte retten k�nnen, wenn Fains Dolch in sein Herz eingedrungen w�re. �Liah�, fl�sterte er, und Baalsfeuer entsprang seiner Hand.</p><p>Weniger als einen Herzschlag lang schien ihre Gestalt noch vorhanden zu sein, ganz in starrem Schwarz und Schneewei�, und dann war sie fort, tot, noch bevor ihr Todeskampf begonnen hatte.</p><p>Rand schleuderte schreiend Baalsfeuer auf den Platz zu - der Schutthaufen brach in sich zusammen, l�schte den Tod aus der Zeit - und lie� <emphasis>Saidin</emphasis> los, bevor der wei�e Balken den See aus Mashadar ber�hrte, der jetzt �ber den Platz schwappte und am Wegetor vorbei auf Str�me gl�henden Graus zuwogte, die aus einem weiteren Palast an der anderen Seite des Platzes hervordrangen. Sammael mu�te tot sein. Er mu�te es sein. Er hatte keine Zeit gehabt davonzulaufen, keine Zeit, ein Wegetor zu weben, und wenn er es getan h�tte, h�tte Rand <emphasis>Saidin</emphasis> gesp�rt. Sammael war tot, von etwas B�sem get�tet, das fast ebenso gewaltig war wie er selbst. Empfindungen durchstr�mten das �u�ere des Nichts. Rand wollte lachen, oder vielleicht weinen. Er war hierher gekommen, um einen der Verlorenen zu t�ten, aber statt dessen hatte er eine Frau get�tet, die er hier ihrem Schicksal �berlassen hatte.</p><p>Er stand lange Zeit oben auf dem Turm, w�hrend der abnehmende Mond am Himmel entlangzog und dann fast die H�lfte seines Weges zur�ckgelegt hatte, und er beobachtete, wie Mashadar den Platz vollkommen ausf�llte, bis nur noch der oberste Teil des Wegetors �ber dem Nebel aufragte. Dann begann der Dunst langsam abzuebben, um woanders zu jagen. Wenn Sammael noch am Leben gewesen w�re, h�tte er den Wiedergeborenen Drachen in diesem Moment leicht t�ten k�nnen. Rand war sich nicht sicher, ob es ihm etwas ausgemacht h�tte. Schlie�lich er�ffnete er ein Wegetor und bildete zum Gleiten eine Plattform, eine gel�nderlose Scheibe, halb wei� und halb schwarz. Gleiten geschah langsamer als das Reisen. Er brauchte mindestens eine halbe Stunde, um Illian zu erreichen, und er brannte auf dem ganzen Weg immer wieder Liahs Namen in seinen Geist ein und strafte sich damit. Er w�nschte, er k�nnte weinen. Er glaubte, die F�higkeit verloren zu haben.</p><p>Im K�nigspalast warteten sie im Thronraum auf ihn, Bashere und Dashiva und die Asha'man. Es war genau der gleiche Raum, den er am anderen Ende des Platzes gesehen hatte, sogar bis zu den Stehlampen, den in die Marmorw�nde eingemei�elten Szenen und das lange wei�e Podest. Genau der gleiche Raum, nur da� er in jeder Hinsicht ein wenig gr��er war und auf dem Podest anstatt neun St�hlen nur ein gro�er vergoldeter Thron mit Leoparden als Armlehnen und neun faustgro�en goldenen Bienen oben an der R�ckenlehne stand. Rand setzte sich ersch�pft auf die Stufen vor dem Podest.</p><p>�Also ist Sammael tot�, sagte Bashere und betrachtete ihn in seiner zerrissenen und staubigen Kleidung von Kopf bis Fu�.</p><p>�Er ist tot�, best�tigte Rand. Dashiva seufzte vor Erleichterung laut.</p><p>�Die Stadt geh�rt uns�, fuhr Bashere fort. �Oder Euch, sollte ich besser sagen.� Er lachte pl�tzlich. �Die K�mpfe haben nur zu rasch geendet, als die richtigen Leute erst einmal herausgefunden hatten, da� Ihr es wart.� Getrocknetes Blut bildete einen schwarzen Fleck auf einem zerrissenen �rmel seiner Jacke. �Das Konzil hat gespannt auf Eure R�ckkehr gewartet. Angstvoll, k�nnte man sogar sagen�, f�gte er mit verzerrtem Grinsen hinzu.</p><p>Acht schwitzende M�nner hatten am entgegengesetzten Ende des Thronraums gestanden, als Rand hereingekommen war. Sie trugen dunkle, an den Aufschl�gen und �rmeln goldoder silberbestickte Seidenjacken und Spitze an Hals und Handgelenken. Einige trugen einen Bart, der die Oberlippe freilie�, aber alle trugen eine breite Sch�rpe aus gr�ner Seide mit neun goldenen Bienen schr�g �ber der Brust.</p><p>Sie traten auf Basheres Zeichen hin vor und verbeugten sich bei fast jedem dritten Schritt vor Rand, als tr�ge er die edelste Kleidung. Ein gro�er Mann schien der Anf�hrer zu sein, ein Bursche mit rundlichem Gesicht mit einem jener Barte und einer nat�rlicher W�rde, die durch Sorge beeintr�chtigt schien. �Mein Lord Drache�, sagte er, w�hrend er sich erneut verbeugte und beide H�nde auf sein Herz pre�te.</p><p>�Verzeiht, aber Lord Brend war nirgends zu finden, und...�</p><p>�Er kann auch nicht zu finden sein�, sagte Rand tonlos.</p><p>Ein Muskel im Gesicht des Mannes zuckte bei Rands Tonfall, und er schluckte. �Sehr wohl, mein Lord Drache�, murmelte er. �Ich bin Lord Gregorin den Lushenos, mein Lord Drache. Ich spreche in Abwesenheit Lord Brends f�r das Konzil der Neun. Wir bieten Euch...� Neben ihm deutete jemand eindringlich auf einen kleineren, bartlosen Mann, der mit einem Kissen vortrat, auf dem sich ein gr�nes Seidentuch w�lbte. �Wir bieten Euch Illian an.� Der kleinere Mann zog das Seidentuch fort und enth�llte ein schweres goldenes, zwei Zoll breites Diadem aus Lorbeerbl�ttern. �Die Stadt geh�rt nat�rlich Euch�, fuhr Gregorin eifrig fort. �Wir haben allen Widerstand niedergeschlagen und bieten Euch nun den Thron von ganz Illian an.�</p><p>Rand betrachtete regungslos die Krone auf ihrem Kissen. Die Leute hatten gedacht, er wolle sich in Tear zum K�nig ernennen, und sie hatten auch gef�rchtet, er wolle es in Cairhien und Andor tun, aber niemand hatte ihm bisher eine Krone angeboten. �Warum? Gibt Mattin Stepaneos seinen Thron so bereitwillig auf?�</p><p>�K�nig Mattin ist vor zwei Tagen verschwunden�, antwortete Gregorin. �Einige von uns f�rchten... Wir f�rchten, da� Lord Brend etwas damit zu tun haben k�nnte. Er hat...� Er hielte inne, weil er schlucken mu�te. �Er hatte gro�en Einflu� auf den K�nig, einige w�rden vielleicht sagen zuviel, aber er war in den letzten Monaten abgelenkt, und Mattin hatte sich zu behaupten begonnen.�</p><p>Streifen seines schmutzigen Jacken�rmels und St�cke seines Hemds�rmels baumelten herab, als Rand die Hand nach der Lorbeerkrone ausstreckte. Der Drache, der sich um seinen Unterarm wand, gl�nzte im Lampenlicht genauso hell wie die goldene Krone. Er drehte sie in den H�nden. �Ihr habt mir noch immer nicht erkl�rt warum. Weil ich Euch erobert habe?� Er hatte Tear erobert, und Cairhien ebenfalls, aber einige wandten sich in beiden L�ndern noch immer gegen ihn. Doch es schien die einzige M�glichkeit zu sein.</p><p>�Zum Teil�, sagte Gregorin trocken. �Wir h�tten dennoch jemanden aus unseren eigenen Reihen erw�hlen k�nnen. Es wurden schon zuvor K�nige aus dem Konzil erhoben. Aber das Korn, das auf Euren Befehl von Tear hierhergeschickt wurde, ist, mit dem Licht, in aller Munde. Ohne es w�ren viele verhungert. Lord Brend hat daf�r gesorgt, da� jedes St�ck Brot dem Heer zugeteilt wurde.�</p><p>Rand blinzelte und zog die Hand ruckartig von der Krone zur�ck, um an einem Stich im Finger zu saugen. Fast zwischen den Lorbeerbl�ttern der Krone verborgen, befanden sich die scharfen Spitzen von Schwertern. Vor wie langer Zeit hatte er den Tairenern befohlen, Korn an ihre alten Feinde zu verkaufen oder zu sterben, wenn sie es verweigerten? Er hatte nicht gewu�t, da� sie damit weitergemacht hatten, nachdem er Vorbereitungen getroffen hatte, in Illian einzumarschieren. Vielleicht hatten sie sich gef�rchtet, die Angelegenheit zur Sprache zu bringen, aber sie hatten auch nicht gewagt, damit aufzuh�ren. Vielleicht hatte er ein gewisses Recht auf diese Krone erworben.</p><p>Er setzte den Kreis aus Lorbeerbl�ttern vorsichtig auf seinen Kopf. Die Schwerter deuteten jeweils zur H�lfte nach oben und unten. Niemand w�rde diese Krone beil�ufig oder leichtfertig tragen.</p><p>Gregorin verbeugte sich glatt. �Das Licht bescheine Rand al'Thor, den K�nig von Illian�, stimmte er an, und die sieben anderen Lords verbeugten sich mit ihm und murmelten ebenfalls: �Das Licht bescheine Rand al'Thor, den K�nig von Illian.�</p><p>Bashere begn�gte sich mit einer Neigung des Kopfes - er war immerhin der Onkel einer K�nigin -; aber Dashiva rief aus: �Alles Heil Rand al'Thor, dem K�nig der Welt!� Flinn und die anderen Asha'man nahmen den Ruf auf.</p><p>�Alles Heil Rand al'Thor, dem K�nig der Welt!�</p><p>�Alles Heil dem K�nig der Welt!�</p><p>Das klang gut.</p><p>Die Geschichte verbreitete sich, wie Geschichten es tun, und sie ver�nderte sich, wie sich Geschichten mit der Zeit und der Entfernung ver�ndern; sie verbreitete sich mit den K�stenschiffen von Illian, mit H�ndlerz�gen auf Wagen und mit heimlich gesandten Brieftauben, verbreitete sich in Wellen, die mit anderen Wellen zusammentrafen und wiederum neue schufen. Ein Heer war nach Illian gekommen, besagten die Geschichten, ein Heer von Aiel, von Aes Sedai, die aus der d�nnen Luft erschienen, von M�nnern, welche die Macht lenken konnten und befl�gelte Wesen ritten, sogar ein Heer Saldaeaner, obwohl nicht viele Menschen diese Geschichte glaubten. Einige Geschichten besagten, der Wiedergeborene Drache habe vom Konzil der Neun die Krone Illians �berreicht bekommen, und andere besagten, Mattin Stepaneos selbst habe sie ihm auf Knien dargeboten. Einige besagten, der Wiedergeborene Drache habe Mattin die Krone vom Kopf gerissen und diesen dann auf einen Speer aufgespie�t. Nein, der Wiedergeborene Drache hatte Illian dem Erdboden gleichgemacht und den alten K�nig im Schutt begraben. Nein, er und sein Heer von Asha'man hatten Illian aus der Erde herausgebrannt. Nein, er hatte Ebou Dar zerst�rt, nach Illian.</p><p>Eine Tatsache tauchte in jenen Geschichten jedoch immer wieder auf. Die Lorbeerkrone von Illian war neu benannt worden. Sie hie� jetzt die Schwerterkrone.</p><p>Und aus einem unbestimmten Grund erachteten die M�nner und Frauen, welche die Geschichten erz�hlten, es h�ufig f�r notwendig, fast gleichlautende Worte hinzuzuf�gen. Der Sturm zieht auf, sagten sie, w�hrend sie besorgt s�dw�rts schauten. Der Sturm zieht auf.</p><empty-line/><cite><poem><stanza><v>Meister der Blitze, Sturmreiter,</v><v>Tr�ger einer Schwerterkrone, Verk�nder des Schicksals.</v><v>Wer das Rad der Zeit zu drehen glaubt,</v><v>erfahrt die Wahrheit vielleicht zu sp�t.</v></stanza></poem><text-author>Aus einer bruchst�ckhaften �bersetzung der <emphasis>Prophezeiungen des Drachen,</emphasis> die vermutlich von Lord Mangore Kiramin, Schwertbarde von Aramelle und Beh�ter Caraighan Maconars, in der sp�ter so genannten Volkssprache verfa�t wurde (circa 300 NZ).</text-author></cite></section><section><title><p>Glossar</p></title><subtitle>Vorbemerkung zur Datierung</subtitle><p>Der Tomanische Kalender (von Toma dur Ahmid entworfen) wurde ungef�hr zwei Jahrhunderte nach dem Tod des letzten m�nnlichen Aes Sedai eingef�hrt. Er z�hlte die Jahre Nach der Zerst�rung der Welt (NZ). Da aber die Jahre der Zerst�rung und die darauf folgenden Jahre �ber fast totales Chaos herrschte und dieser Kalender erst gut hundert Jahre nach dem Ende der Zerst�rung eingef�hrt wurde, hat man seinen Beginn v�llig willk�rlich gew�hlt. Am Ende der Trolloc-Kriege waren so viele Aufzeichnungen vernichtet worden, da� man sich stritt, in welchem Jahr der alten Zeitrechnung man sich �berhaupt befand. Tiam von Gazar schlug die Einf�hrung eines neuen Kalenders vor, der am Ende dieser Kriege einsetzte und die (scheinbare) Erl�sung der Welt von der Bedrohung durch Trollocs feierte. In diesem zweiten Kalender erschien jedes Jahr als sogenanntes Freies Jahr (FJ). Innerhalb der zwanzig auf das Kriegsende folgenden Jahre fand der Gazareische Kalender weitgehend Anerkennung. Artur Falkenfl�gel bem�hte sich, einen neuen Kalender durchzusetzen, der auf seiner Reichsgr�ndung basierte (VG = Von der Gr�ndung an), aber dieser Versuch ist heute nur noch den Historikern bekannt. Nach weitreichender Zerst�rung, Tod und Aufruhr w�hrend des Hundertj�hrigen Krieges entstand ein vierter Kalender durch Uren din Jubai Fliegende M�ve, einem Gelehrten der Meerleute, und wurde von dem Panarchen Farede von Tarabon weiterverbreitet. Dieser Farede-Kalender z�hlt die Jahre der Neuen �ra (N�) von dem willk�rlich angenommenen Ende des Hundertj�hrigen Kriegs an und ist w�hrend der geschilderten Ereignisse in Gebrauch.</p><p><strong>A'dam</strong> (aidam): Ein Ger�t, mit dessen Hilfe man Frauen kontrollieren kann, die die Macht lenken, und das nur von Frauen ben�tzt werden kann, die entweder selbst die F�higkeit besitzen, mit der Macht umzugehen, oder die das zumindest erlernen k�nnen. Er verkn�pft die beiden Frauen. Der von den Seanchan verwendete Typ besteht aus einem Halsband und einem Armreif, die durch eine Leine miteinander verbunden sind. Alles besteht aus einem silbrigen Metall. Falls ein Mann, der die Macht lenken kann, mit Hilfe eines <emphasis>A'dam</emphasis> mit einer Frau verkn�pft wird, wird das wahrscheinlich zu beider Tod f�hren. Selbst die blo�e Ber�hrung eines <emphasis>A'dam</emphasis> durch einen Mann mit dieser F�higkeit, verursacht ihm gro�e Schmerzen, falls dieser <emphasis>A'dam</emphasis> von einer Frau mit Zugang zur Wahren Quelle getragen wird <emphasis>(siehe auch:</emphasis><a l:href="#idx01">Seanchan</a>, <a l:href="#idx02">Verkn�pfung</a>).</p><p id="idx21"><strong>Aes Sedai</strong> (Aies Sehdai): Tr�ger der Einen Macht. Seit der Zeit des Wahnsinns sind alle �berlebenden Aes Sedai Frauen. Von vielen respektiert und verehrt, mi�traut man ihnen und f�rchtet, ja, ha�t sie weitgehend. Viele geben ihnen die Schuld an der Zerst�rung der Welt und allgemein glaubt man, sie mischten sich in die Angelegenheiten ganzer Staaten ein. Gleichzeitig aber findet man nur wenige Herrscher ohne Aes Sedai-Berater, selbst in L�ndern, wo schon die Existenz einer solchen Verbindung geheimgehalten werden mu�. Nach einigen Jahren, in denen sie die Macht gebrauchen, beginnen die Aes Sedai, alterslos zu wirken, so da� auch eine Aes Sedai, die bereits Gro�mutter sein k�nnte, keine Alterserscheinungen zeigt, au�er vielleicht ein paar grauen Haaren <emphasis>(siehe auch</emphasis>: <a l:href="#idx03">Ajah</a>; <a l:href="#idx04">Amyrlin-Sitz</a>; <a l:href="#idx05">Zerst�rung der Welt</a>).</p><p id="idx14"><strong>Aiel</strong> (Aiiehl): die Bewohner der Aiel-W�ste. Gelten als wild und z�h. Man nennt sie auch Aielm�nner. Vor dem T�ten verschleiern sie ihre Gesichter. Sie nehmen kein Schwert in die Hand, nicht einmal in t�dlichster Gefahr, und sie reiten nur unter Zwang auf einem Pferd, sind aber t�dliche Krieger, ob mit Waffen oder nur mit blo�en H�nden. Die Aielm�nner ben�tzen f�r den Kampf die Bezeichnung �der Tanz� und �der Tanz der Speere�. Sie sind in zw�lf Clans zersplittert: die Chareen, die Codarra, die Daryne, die Goshien, die Miagoma, die Nakai, die Reyn, die Shaarad, die Shaido, die Shiande, die Taardad und die Tomanelle. Jeder Clan ist wiederum in Septimen eingeteilt. Manchmal sprechen sie auch von einem dreizehnten Clan, dem Clan, Den Es Nicht Gibt, den Jenn, die einst Rhuidean erbauten. Es geh�rt zum Allgemeinwissen, da� die Aiel einst den Aes Sedai den Dienst versagten und dieser S�nde wegen in die Aiel-W�ste verbannt wurden, und da� sie der Vernichtung anheimfallen, sollten sie noch einmal die Aes Sedai im Stich lassen <emphasis>(siehe auch:</emphasis><a l:href="#idx06">Aiel-Kriegergemeinschaften</a>; <a l:href="#idx07">Aiel-W�ste</a>; <a l:href="#idx08">Trostlosigkeit</a>; <a l:href="#idx09"><emphasis>Gai'schain;</emphasis></a><a l:href="#idx10">Rhuidean</a>).</p><p id="idx25"><strong>Aielkrieg</strong> (976-78 N�): Als K�nig Laman von Cairhien den Avendoraldera f�llte, �berquerten vier Clans der Aiel das R�ckgrat der Welt. Sie eroberten und brandschatzten die Hauptstadt Cairhien und viele andere kleine und gro�e St�dte im Land. Der Konflikt weitete sich schnell nach Andor und Tear aus. Im allgemeinen glaubt man, die Aiel seien in der Schlacht an der Leuchtenden Mauer vor Tar Valon endg�ltig besiegt worden, aber in Wirklichkeit fiel K�nig Laman in dieser Schlacht und die Aiel, die damit ihr Ziel erreicht hatten, kehrten �ber das R�ckgrat der Welt in ihre Heimat zur�ck <emphasis>(siehe auch: <a l:href="#idx11">Avendoraldera</a>,</emphasis><a l:href="#idx12">Cairhien</a>; <a l:href="#idx13">R�ckgrat der Welt</a>).</p><p id="idx06"><strong>Aiel-Kriegergemeinschaften:</strong> Alle Aiel-Krieger sind Mitglieder einer von zw�lf Kriegergemeinschaften. Es sind die Schwarzaugen <emphasis>(Seia Doon),</emphasis> die Br�der des Adlers <emphasis>(Far Aldazar Din),</emphasis> die L�ufer der D�mmerung <emphasis>(Rahien Sorei),</emphasis> die Messerh�nde <emphasis>(Sovin Nai),</emphasis> T�chter des Speers <emphasis>(Far Dareis Mai),</emphasis> die Bergt�nzer <emphasis>(Harm N'dore),</emphasis> die Nachtspeere <emphasis>(Cor Darei),</emphasis> die Roten Schilde <emphasis>(Aethan Dor),</emphasis> die Steinhunde <emphasis>(Shae'en M'taal),</emphasis> die Donnerg�nger <emphasis>(Sha'mad Conde),</emphasis> die Blutabk�mmlinge <emphasis>(Tain Shari)</emphasis> und die Wassersucher <emphasis>(Duahde Mahdi'in).</emphasis> Jede Gemeinschaft hat eigene Gebr�uche und manchmal auch ganz bestimmte Pflichten. Zum Beispiel fungieren die Roten Schilde als Polizei. Steinsoldaten werden h�ufig als Nachhut bei R�ckzugsgefechten eingesetzt. Die T�chter des Speers sind besonders gute Kundschafterinnen. Die Clans der Aiel bek�mpfen sich auch gelegentlich untereinander, aber Mitglieder der gleichen Gemeinschaft k�mpfen nicht gegeneinander, selbst wenn ihre Clans im Krieg miteinander liegen. So gibt es jederzeit, sogar w�hrend einer offenen kriegerischen Auseinandersetzung, Kontakt zwischen den Clans <emphasis>(siehe auch:</emphasis><a l:href="#idx14">Aiel</a>; <a l:href="#idx07">Aiel-W�ste</a>, <a l:href="#idx15"><emphasis>Far Dareis Mai</emphasis></a>).</p><p id="idx07"><strong>Aiel-W�ste:</strong> das rauhe, zerrissene und fast wasserlose Gebiet �stlich des R�ckgrats der Welt, von den Aiel auch das Dreifache Land genannt. Nur wenige Au�enseiter wagen sich dorthin, nicht nur, weil es f�r jemanden, der nicht dort geboren wurde, fast unm�glich ist Wasser zu finden, sondern auch, weil die Aiel sich im st�ndigen Kriegszustand mit allen anderen V�lkern befinden und keine Fremden m�gen. Nur fahrende H�ndler, Gaukler und die Tuatha'an d�rfen sich in die W�ste begeben, und sogar ihnen gegen�ber sind die Kontakte eingeschr�nkt, da sich die Aiel bem�hen, jedem Zusammentreffen mit den Tuatha'an aus dem Weg zu gehen, die von ihnen auch als �die Verlorenem bezeichnet werden. Es sind keine Landkarten der W�ste bekannt.</p><p id="idx03"><strong>Ajah:</strong> Sieben Gesellschaftsgruppen unter den Aes Sedai. Jede Aes Sedai au�er der Amyrlin geh�rt einer solchen Gruppe an. Sie unterscheiden sich durch ihre Farben: Blaue Ajah, Rote Ajah, Wei�e Ajah, Gr�ne Ajah, Braune Ajah, Gelbe Ajah und Graue Ajah. Jede Gruppe folgt ihrer eigenen Auslegung in bezug auf die Anwendung der Einen Macht und die Existenz der Aes Sedai. Zum Beispiel setzen die Roten Ajah all ihre Kraft dazu ein, M�nner zu finden und zu beeinflussen, die versuchen, die Macht auszu�ben. Eine Braune Ajah andererseits leugnet alle Verbindung zur Au�enwelt und verschreibt sich ganz der Suche nach Wissen. Die Wei�en Ajah meiden soweit wie m�glich die Welt und das weltliche Wissen und widmen sich Fragen der Philosophie und Wahrheitsfindung. Die Gr�nen Ajah (die man w�hrend der Trolloc-Kriege auch Kampf Ajah nannte) stehen bereit, jeden neuen Schattenlord zu bek�mpfen, wenn Tarmon Gai'don naht. Die Gelben Ajah konzentrieren sich auf alle Arten der Heilkunst. Die Blauen besch�ftigen sich vor allem mit der Rechtssprechung. Die Grauen sind die Mittler, die sich um Harmonie und �bereinstimmung bem�hen. Es gibt Ger�chte �ber eine Schwarze Ajah, die dem Dunklen K�nig dient. Die Existenz dieser Ajah wird jedoch von offiziellen Stellen energisch dementiert.</p><p><strong>Altara:</strong> Nation am Meer der St�rme, die aber in Wirklichkeit nur durch den Namen �berhaupt nach au�en hin als Einheit dargestellt wird. Die Menschen in Altara betrachten sich zuallererst als B�rger einer Stadt oder eines Dorfes, oder als Dienstleute dieses Lords und jener Lady, und erst in zweiter Linie als Einwohner Altaras. Nur wenige Adlige zahlen der Krone ihre Steuern, und ihre Dienstverpflichtung ist h�chstens als Lippenbekenntnis aufzufassen. Der Herrscher Altaras (zur Zeit K�nigin Tylin Quintara aus dem Hause Mitsobar) ist nur selten mehr als eben der m�chtigste Adlige im Land, und manche waren noch nicht einmal das. Der Thron der Winde ist so bedeutungslos, da� ihn viele m�chtige Adlige bereits verschm�hten, obwohl sie in der Lage gewesen w�ren, ihn zu besteigen.</p><p><strong>Alte Sprache,</strong> die: die vorherrschende Sprache w�hrend des Zeitalters der Legenden. Man erwartet im allgemeinen von Adligen und anderen gebildeten Menschen, da� sie diese Sprache erlernt haben. Die meisten aber kennen nur ein paar Worte. Eine �bersetzung st��t oft auf Schwierigkeiten, da sehr h�ufig W�rter oder Ausdrucksweisen mit vielschichtigen, subtilen Bedeutungen vorkommen <emphasis>(siehe auch:</emphasis><a l:href="#idx16">Zeitalter der Legenden</a>).</p><p><strong>al'Thor, Tam:</strong> ein Bauer und Sch�fer von den Zwei Fl�ssen. Als junger Mann zog er aus, um Soldat zu werden. Er kehrte sp�ter mit seiner Frau (Kari, mittlerweile verstorben) und einem Kind (Rand) nach Emondsfeld zur�ck.</p><p id="idx04"><strong>Amyrlin-Sitz,</strong> der: (1) Titel der F�hrerin der Aes Sedai. Auf Lebenszeit vom Turmrat, dem h�chsten Gremium des Aes Sedai, gew�hlt; dieser besteht aus je drei Abgeordneten (Sitzende genannt, wie z. B. in �Sitzende der Gr�nen�...) der sieben Ajahs. Der Amyrlin-Sitz hat, jedenfalls theoretisch, unter den Aes Sedai beinahe uneingeschr�nkte Macht. Sie hat in etwa den Rang einer K�nigin. Etwas weniger formell ist die Bezeichnung: die Amyrlin. (2) Thron der F�hrerin der Aes Sedai.</p><p><strong>Amys:</strong> die Weise Frau der Kaltfelsenfestung. Sie ist eine Traumg�ngerin, eine Aiel der Neun-T�ler-Septime der Taardad Aiel. Verheiratet mit Rhuarc, Schwesterfrau der Lian, der Dachherrin der Kaltfelsenfestung, und der Schwestermutter der Aviendha.</p><p id="idx51"><strong>Angreal:</strong> ein �berbleibsel aus dem Zeitalter der Legenden. Es erlaubt einer Person, die die Eine Macht lenken kann, einen st�rkeren Energieflu� zu meistern, als das sonst ohne Hilfe und ohne Lebensgefahr m�glich ist. Einige wurden zur Ben�tzung durch Frauen hergestellt, andere f�r M�nner. Ger�chte �ber <emphasis>Angreal,</emphasis> die von beiden Geschlechtern ben�tzt werden k�nnen, wurden nie best�tigt. Es ist heute nicht mehr bekannt, wie sie angefertigt wurden. Es existieren nur noch sehr wenige <emphasis>(siehe auch: <a l:href="#idx18">sa'Angreal</a>, <a l:href="#idx19">ter'Angreal</a>).</emphasis></p><p><strong>Arad Doman:</strong> Land und Nation am Aryth-Meer. Im Augenblick durch einen B�rgerkrieg und gleichzeitig ausgetragene Kriege gegen die Anh�nger des Wiedergeborenen Drachen und gegen Tarabon zerrissen. Domani-Frauen sind ber�hmt und ber�chtigt f�r ihre Sch�nheit, Verf�hrungskunst und f�r ihre skandal�s offenherzige Kleidung.</p><p><strong>Atha'an Miere:</strong><emphasis>siehe</emphasis><a l:href="#idx20">Meervolk</a>.</p><p><strong>Aufgenommene:</strong> junge Frauen in der Ausbildung zur Aes Sedai, die eine bestimmte Stufe erreicht und einige Pr�fungen bestanden haben. Normalerweise braucht man ca. f�nf bis zehn Jahre, um von der Novizin zur Aufgenommenen erhoben zu werden. Die Aufgenommenen sind in ihrer Bewegungsfreiheit weniger eingeschr�nkt als die Novizinnen und es ist ihnen innerhalb bestimmter Grenzen sogar erlaubt, eigene Studiengebiete zu w�hlen. Eine Aufgenommene hat das Recht, einen Gro�en Schlangenring zu tragen, aber nur am dritten Finger ihrer linken Hand. Wenn eine Aufgenommene zur Aes Sedai erhoben wird, w�hlt sie ihre Ajah, erh�lt das Recht, deren Stola zu tragen und darf den Ring an jedem Finger oder auch gar nicht tragen, je nachdem, was die Umst�nde von ihr verlangen <emphasis>(siehe auch:</emphasis><a l:href="#idx21">Aes Sedai</a>).</p><p id="idx11"><strong>Avendoraldera:</strong> ein in Cairhien aus einem <emphasis>Avendesora-Keim</emphasis> gezogener Baum. Der Keimling war ein Geschenk der Aiel im Jahre 566 N�. Es gibt aber keinen zuverl�ssigen Bericht �ber eine Verbindung zwischen den Aiel und dem legend�ren Baum des Lebens.</p><p><strong>Bair:</strong> Weise Frau der Haido-Septime der Shaarad Aiel; eine Traumg�ngerin. Sie kann die Macht nicht ben�tzen <emphasis>(siehe auch:</emphasis><a l:href="#idx22">Traumg�nger</a>).</p><p id="idx35"><strong>Beh�ter:</strong> ein Krieger, der einer Aes Sedai zugeschworen ist. Das geschieht mit Hilfe der Einen Macht, und er gewinnt dadurch F�higkeiten wie schnelles Heilen von Wunden, er kann lange Zeitr�ume ohne Wasser, Nahrung und Schlaf auskommen und den Einflu� des Dunklen K�nigs auf gr��ere Entfernung sp�ren. So lange er am Leben ist, wei� die mit ihm verbundene Aes Sedai, da� er lebt, auch wenn er noch so weit entfernt ist, und sollte er sterben, dann wei� sie den genauen Zeitpunkt und auch den Grund seines Todes. Allerdings wei� sie nicht, wie weit von ihr entfernt er sich befindet oder in welcher Richtung. Die meisten Ajahs gestatten einer Aes Sedai den Bund mit nur einem Beh�ter. Die Roten Ajah allerdings lehnen die Beh�ter f�r sich selbst ganz ab, w�hrend die Gr�nen Ajah eine Verbindung mit so vielen Beh�tern gestatten, wie die Aes Sedai es w�nscht. An sich mu� der Beh�ter der Verbindung freiwillig zur Verf�gung stehen, es gab jedoch auch F�lle, in denen der Krieger dazu gezwungen wurde. Welche Vorteile die Aes Sedai aus der Verbindung ziehen, wird von ihnen als streng beh�tetes Geheimnis behandelt <emphasis>(siehe auch:</emphasis><a l:href="#idx21">Aes Sedai</a>).</p><p><strong>Berelain sur Paendrag:</strong> die Erste von Mayene, Gesegnete des Lichts, Verteidiger der Wogen, Hochsitz des Hauses Paeron. Eine sch�ne und willensstarke junge Frau und eine geschickte Herrscherin <emphasis>(siehe auch:</emphasis><a l:href="#idx23">Mayene</a>).</p><p><strong>Birgitte:</strong> legend�re Heldin, sowohl ihrer Sch�nheit wegen, wie auch ihres Mutes und ihres Geschicks als Bogensch�tze halber ber�hmt. Sie trug einen silbernen Bogen, und ihre silbernen Pfeile verfehlten nie ihr Ziel. Eine aus der Gruppe von Helden, die herbeigerufen werden, wenn das Horn von Valere geblasen wird. Sie wird immer in Verbindung mit dem heldenhaften Schwertk�mpfer Gaidal Cain genannt. Au�er, was ihre Sch�nheit und ihr Geschick als Bogensch�tzin betrifft, �hnelt sie den Legenden allerdings kaum <emphasis>(siehe auch:</emphasis><a l:href="#idx24">Horn von Valere</a>).</p><p><strong>Cadin'sor:</strong> Uniform der Aielsoldaten: Mantel und Hose in Braun und Grau, so da� sie sich kaum von Felsen oder Schatten abheben. Dazu geh�ren weiche, bis zum Knie hoch geschn�rte Stiefel. In der Alten Sprache �Arbeitskleidung�, was allerdings eine etwas ungenaue �bersetzung darstellt.</p><p id="idx12"><strong>Cairhien:</strong> sowohl eine Nation am R�ckgrat der Welt wie auch die Hauptstadt dieser Nation. Die Stadt wurde im Aielkrieg (976-978 N�) wie so viele andere St�dte und D�rfer niedergebrannt und gepl�ndert. Als Folge wurde sehr viel Agrarland in der N�he des R�ckgrats der Welt aufgegeben, so da� seither gro�e Mengen Getreide importiert werden m�ssen. Auf den Mord an K�nig Galldrian (998 N�) folgten ein B�rgerkrieg unter den Adelsh�usern um die Nachfolge auf dem Sonnenthron, die Unterbrechung der Lebensmittellieferungen und eine Hungersnot. Die Stadt wird w�hrend einer Periode, die mittlerweile als �Zweiter Aielkrieg� bezeichnet wird, von den Shaido belagert, doch dieser Belagerungsring wurde von anderen Aielclans unter der F�hrung Rand al'Thors gesprengt. Im Wappen f�hrt Cairhien eine goldene Sonne mit vielen Strahlen, die sich vom unteren Rand eines himmelblauen Feldes erhebt <emphasis>(siehe auch:</emphasis><a l:href="#idx25">Aielkrieg</a>).</p><p><strong>Callandor:</strong> �Das Schwert, das kein Schwert ist� oder �Das unber�hrbare Schwert�. Ein Kristallschwert, das im Stein von Tear aufbewahrt wurde in einem Raum, der den Namen �Herz des Steins� tr�gt. Es ist ein �u�erst m�chtiger <emphasis>Sa'Angreal,</emphasis> der von einem Mann ben�tzt werden mu�. Keine Hand kann es ber�hren, au�er der des Wiedergeborenen Drachen. Den Prophezeiungen des Drachen nach war eines der wichtigsten Zeichen f�r die erfolgte Wiedergeburt des Drachen und das Nahen von Tarmon Gai'don, da� der Drache den Stein von Tear einnahm und <emphasis>Callandor</emphasis> in seinen Besitz brachte. Es wurde von Rand al'Thor wieder ins Herz des Steins zur�ckgebracht und in den Steinboden hineingerammt <emphasis>(siehe auch:</emphasis><a l:href="#idx27">Wiedergeborener Drache</a>; <a l:href="#idx18"><emphasis>Sa'Angreal;</emphasis></a><a l:href="#idx26">Stein von Tear</a>).</p><p id="idx56"><strong>Car'a'carn:</strong> in der Alten Sprache �H�uptling der H�uptlingen Den Weissagungen der Aiel nach ein Mann, der bei Sonnenaufgang aus Rhuidean zu ihnen kommen werde, mit Drachenmalen auf beiden Armen, und der sie �ber die Drachenmauer f�hren werde. Die Prophezeiung von Rhuidean sagt aus, er werde die Aiel einen und sie vernichten, bis auf den Rest eines Restes <emphasis>(siehe auch:</emphasis><a l:href="#idx14">Aiel</a>; <a l:href="#idx10">Rhuidean</a>).</p><p><strong>Caraighan Maconar:</strong> legend�re Gr�ne Schwester (212373 NZ), Heldin von hundert Abenteuergeschichten, der man Unternehmungen zuschreibt, die selbst von einigen Aes Sedai f�r unm�glich gehalten werden, obwohl sie in den Chroniken der Wei�en Burg erw�hnt werden. So soll sie ganz allein einen Aufstand in Mosadorin niedergeschlagen und die Unruhen in Comaidin unterdr�ckt haben, obwohl sie zu dieser Zeit �ber keinen einzigen Beh�ter verf�gte. Die Gr�nen Ajah betrachten sie als den Urtyp und das Vorbild aller Gr�nen Schwestern <emphasis>(siehe auch:</emphasis><a l:href="#idx21">Aes Sedai</a>; <a l:href="#idx03">Ajah</a>).</p><p><strong>Carridin, Jaichim:</strong> ein Inquisitor der Hand des Lichts, also ein hoher Offizier der Kinder des Lichts, der in Wirklichkeit ein Schattenfreund ist.</p><p><strong>Cauthon, Abell:</strong> ein Bauer von den Zwei Fl�ssen, Vater des Mat Cauthon, Frau: Natti. T�chter: Eldrin und Bodewhin, Bode genannt.</p><p><strong>d�mpfen</strong> (einer D�mpfung unterziehen): Wenn ein Mann die Anlage zeigt, die Eine Macht zu beherrschen, m�ssen die Aes Sedai seine Kr�fte �d�mpfen�, also komplett unterdr�cken, da er sonst wahnsinnig wird, vom Verderben des <emphasis>Saidin</emphasis> getroffen, und m�glicherweise schreckliches Unheil mit seinen Kr�ften anrichten wird. Eine Person, die einer D�mpfung unterzogen wurde, kann die Eine Macht immer noch sp�ren, sie aber nicht mehr ben�tzen. Wenn vor der D�mpfung der beginnende Wahnsinn eingesetzt hat, kann er durch den Akt der D�mpfung aufgehalten, jedoch nicht geheilt werden. Hat die D�mpfung fr�h genug stattgefunden, kann das Leben der Person gerettet werden. D�mpfungen bei Frauen sind so selten gewesen, da� man von den Novizinnen der Wei�en Burg verlangt, die Namen und Verbrechen aller auswendig zu lernen, die jemals diesem Akt unterzogen wurden. Die Aes Sedai d�rfen eine Frau nur dann einer D�mpfung unterziehen, wenn diese in einem Gerichtsverfahren eines Verbrechens �berf�hrt wurde. Eine unbeabsichtigte oder durch einen Unfall herbeigef�hrte D�mpfung wird auch als �Ausbrennen� bezeichnet. Ein Mensch, der einer D�mpfung unterzogen wurde, gleich, ob als Bestrafung oder durch einen Unfall, verliert im allgemeinen jeden Lebenswillen und stirbt nach wenigen Jahren, wenn nicht schon fr�her durch Selbstmord. Nur in wenigen F�llen gelingt es einem solchen Menschen, die Leere, die der ausbleibende Kontakt mit der Wahren Quelle in seinem Innern hinterl��t, mit anderen Zielen zu f�llen und so neuen Lebensmut zu gewinnen. Die Folgen einer jeglichen D�mpfung gelten als endg�ltig und nicht mehr heilbar <emphasis>(siehe auch:</emphasis><a l:href="#idx28">Eine Macht</a>).</p><p><strong>Deane Aryman:</strong> eine Amyrlin, welche die Wei�e Burg vor schlimmerem Schaden bewahrte, nachdem ihre Vorg�ngerin Bonwhin versucht hatte, die Kontrolle �ber Artur Falkenfl�gel zu erlangen. Sie wurde etwa im Jahr 920 FJ im Dorf Salidar in Eharon geboren und aus den Blauen Ajah 992 FJ zur Amyrlin erhoben. Man sagt ihr nach, sie habe Souran Maravaile dazu gebracht die Belagerung von Tar Valon (die 975 FJ begonnen hatte) nach Falkenfl�gels Tod zu beenden. Deane stellte den Ruf der Burg wieder her, und es wird allgemein angenommen, da� sie zum Zeitpunkt ihres Todes nach einem Sturz vom Pferd im Jahre 1084 FJ kurz vor dem erfolgreichen Abschlu� von Verhandlungen mit den sich um die Nachfolge Falkenfl�gels als Herrscher seines Imperiums streitenden Adligen stand, die F�hrung der Wei�en Burg zu akzeptieren, um die Einheit des Reichs zu erhalten <emphasis>(siehe auch:</emphasis><a l:href="#idx04">Amyrlin-Sitz</a>; <a l:href="#idx29">Artur Falkenfl�gel</a>).</p><p id="idx38"><strong>Drache,</strong> der: Ehrenbezeichnung f�r Lews Therin Telamon w�hrend des Schattenkriegs vor mehr als dreitausend Jahren. Als der Wahnsinn alle m�nnlichen Aes Sedai befiel, t�tete Lews Therin alle Personen, die etwas von seinem Blut in sich trugen und jede Person, die er liebte. So bezeichnete man ihn anschlie�end als Bruderm�rder <emphasis>(siehe auch:</emphasis><a l:href="#idx27">Wiedergeborener Drache</a>, <a l:href="#idx30">Prophezeiungen des Drachen</a>).</p><p id="idx39"><strong>Drache, falscher:</strong> Manchmal behaupten Manner, der Wiedergeborene Drache zu sein, und manch einer davon gewinnt so viele Anh�nger, da� eine Armee notwendig ist, um ihn zu besiegen. Einige davon haben schon Kriege .begonnen, in die viele Nationen verwickelt wurden. In den letzten Jahrhunderten waren die meisten falschen Drachen nicht in der Lage, die Eine Macht richtig anzuwenden, aber es gab doch ein paar, die das konnten. Alle jedoch verschwanden entweder, oder wurden gefangen oder get�tet, ohne eine der Prophezeiungen erf�llen zu k�nnen, die sich um die Wiedergeburt des Drachen ranken. Diese M�nner nennt man falsche Drachen. Unter jenen, die die Eine Macht lenken konnten, waren die m�chtigsten Raolin Dunkelbann (335-36 NZ), Yurian Steinbogen (ca. 1300-1308 NZ), Davian (FJ 351), Guaire Amalasan (FJ 939-43), Logain (997 N�) und Mazrim Taim (998 N�) <emphasis>(siehe auch:</emphasis><a l:href="#idx27">Wiedergeborener Drache</a>).</p><p><strong>Dunkler K�nig:</strong> gebr�uchlichste Bezeichnung, in allen L�ndern verwendet, f�r Shai'tan: die Quelle des B�sen, Antithese des Sch�pfers. Im Augenblick der Sch�pfung wurde er vom Sch�pfer in ein Verlie� am Shayol Ghul gesperrt. Ein Versuch, ihn aus diesem Kerker zu befreien, f�hrte zum Schattenkrieg, dem Verderben des <emphasis>Saidin,</emphasis> der Zerst�rung der Welt und dem Ende des Zeitalters der Legenden <emphasis>(siehe auch:</emphasis><a l:href="#idx30">Prophezeiungen des Drachen</a>).</p><p><strong>Eide, Drei:</strong> die Eide, die eine Aufgenommene ablegen mu�, um zur Aes Sedai erhoben zu werden. Sie werden gesprochen, w�hrend die Aufgenommene eine Eidesrute in der Hand h�lt. Das ist ein <emphasis>Ter'Angreal,</emphasis> der sie an die Eide bindet. Sie mu� schw�ren, da� sie (1) kein unwahres Wort ausspricht, (2) keine Waffe herstellt, mit der Menschen andere Menschen t�ten k�nnen, und (3) da� sie niemals die Eine Macht als Waffe verwendet, au�er gegen Abk�mmlinge des Schattens oder, um ihr Leben oder das ihres Beh�ters oder einer anderen Aes Sedai in h�chster Not zu verteidigen. Diese Eide waren fr�her nicht zwingend vorgeschrieben, doch nach verschiedenen Geschehnissen vor und nach der Zerst�rung hielt man sie f�r notwendig. Der zweite Eid war urspr�nglich der erste und kam als Reaktion auf den Krieg um die Macht. Der erste Eid wird w�rtlich eingehalten, aber oft geschickt umgangen, indem man eben nur einen Teil der Wahrheit ausspricht. Man glaubt allgemein, da� der zweite und dritte nicht zu umgehen sind.</p><p id="idx28"><strong>Eine Macht,</strong> die: die Kraft aus der Wahren Quelle. Die gro�e Mehrheit der Menschen ist absolut unf�hig, zu lernen, wie man die Eine Macht anwendet. Eine sehr geringe Anzahl von Menschen kann die Anwendung erlernen, und noch weniger besitzen diese F�higkeit von Geburt an. Diese wenigen m�ssen ihren Gebrauch nicht lernen, denn sie werden die Wahre Quelle ber�hren und die Eine Macht ben�tzen, ob sie wollen oder nicht, vielleicht sogar, ohne zu bemerken, was sie da tun. Diese angeborene F�higkeit taucht meist zuerst w�hrend der Pubert�t auf. Wenn man dann nicht die Kontrolle dar�ber erlernt - durch Lehrer oder auch ganz allein (�u�erst schwierig, die Erfolgsquote liegt bei eins zu vier) ist die Folge der sichere Tod. Seit der Zeit des Wahns hat kein Mann es gelernt, die Eine Macht kontrolliert anzuwenden, ohne dabei auf die Dauer auf schreckliche Art dem Wahnsinn zu verfallen. Selbst wenn er in gewissem Ma� die Kontrolle erlangt hat, stirbt er an einer Verfallskrankheit, bei der er lebendigen Leibs verfault. Auch diese Krankheit wird, genau wie der Wahnsinn, von dem Verderben hervorgerufen, das der Dunkle K�nig �ber <emphasis>Saidin</emphasis> brachte. Bei Frauen ist der Tod mangels Kontrolle der Einen Macht etwas ertr�glicher, aber sterben m�ssen auch sie. Die Aes Sedai suchen nach M�dchen mit diesen angeborenen F�higkeiten, zum einen, um ihre Leben zu retten und zum anderen, um die Anzahl der Aes Sedai zu vergr��ern. Sie suchen nach M�nnern mit dieser F�higkeit, um zu verhindern, da� sie Schreckliches damit anrichten, wenn sie dem Wahn verfallen <emphasis>(siehe auch:</emphasis><a l:href="#idx05">Zerst�rung der Welt</a>; <a l:href="#idx35">F�nf M�chte</a>; Zeit des Wahns, <a l:href="#idx31">die Wahre Quelle</a>).</p><p><strong>Elaida do Avriny a'Roihan:</strong> eine Aes Sedai, die einst zu den Roten Ajah geh�rte, vormals Ratgeberin der K�nigin Morgase von Andor. Sie kann manchmal die Zukunft vorhersagen. Mittlerweile zum Amyrlin-Sitz erhoben.</p><p><strong>Erstschwester; Erstbruder:</strong> Diese Verwandschaftsbezeichnungen bei den Aiel bedeuten einfach, die gleiche Mutter zu haben. Das ist f�r die Aiel eine engere Verwandtschaftsbeziehung als vom gleichen Vater abzustammen.</p><p><strong>F�ule,</strong> die: <emphasis>siehe</emphasis><a l:href="#idx33">Gro�e F�ule</a>.</p><p id="idx29"><strong>Falkenfl�gel, Artur:</strong> ein legend�rer K�nig (Artur Paendrag Tanreall, 943-994 FJ), der alle L�nder westlich des R�ckgrats der Welt und einige von jenseits der Aiel-W�ste einte. Er sandte sogar eine Armee �ber das Aryth-Meer (992 FJ), doch verlor man bei seinem Tod, der den Hundertj�hrigen Krieg ausl�ste, jeden Kontakt mit diesen Soldaten. Er f�hrte einen fliegenden goldenen Falken im Wappen <emphasis>(siehe auch:</emphasis><a l:href="#idx34">Hundertj�hriger Krieg</a>).</p><p id="idx15"><strong>Far Dareis Mai:</strong> in der Alten Sprache w�rtlich �von den Speert�chtern�, meist einfach �T�chter des Speers� genannt. Eine von mehreren Kriegergemeinschaften der Aiel. Anders als bei den �brigen werden ausschlie�lich Frauen aufgenommen. Sollte sie heiraten, darf eine Frau nicht Mitglied bleiben. W�hrend einer Schwangerschaft darf ein Mitglied nicht k�mpfen. Jedes Kind eines Mitglieds wird von einer anderen Frau aufgezogen, so da� niemand mehr wei�, wer die wirkliche Mutter war. (�Du darfst keinem Manne angeh�ren und kein Mann oder Kind darf dir angeh�ren. Der Speer ist dein Liebhaber, dein Kind und dein Leben.�) Diese Kinder sind hochangesehen, denn es wurde prophezeit, da� ein Kind einer Tochter des Speers die Clans vereinen und zu der Bedeutung zur�ckf�hren wird, die sie im Zeitalter der Legenden besa�en <emphasis>(siehe auch:</emphasis><a l:href="#idx06">Aiel Kriegergemeinschaften</a>).</p><p><strong>Flamme von Tar Valon:</strong> das Symbol f�r Tar Valon, den Amyrlin-Sitz und die Aes Sedai. Die stilisierte Darstellung einer Flamme: eine wei�e, nach oben gerichtete Tr�ne.</p><p id="idx32"><strong>F�nf M�chte,</strong> die: Das sind die Str�nge der Einen Macht. Diese Str�nge nennt man nach den Dingen, die man durch ihre Anwendung beeinflussen kann: Erde, Luft, Feuer, Wasser, Geist - die F�nf M�chte. Wer die Eine Macht anwenden kann, beherrscht gew�hnlich einen oder zwei dieser Str�nge besonders gut und hat Schw�chen in der Anwendung der �brigen. Einige wenige beherrschen auch drei davon, aber seit dem Zeitalter der Legenden gab es niemand mehr, der alle f�nf in gleichem Ma�e beherrschte. Und auch dann war das eine gro�e Seltenheit. Das Ma�, in dem diese Str�nge beherrscht werden und Anwendung finden, ist individuell ganz verschieden; einzelne dieser Personen sind sehr viel st�rker als die anderen. Wenn man bestimmte Handlungen mit Hilfe der Einen Macht vollbringen will, mu� man einen oder mehrere bestimmte Str�nge beherrschen. Wenn man beispielsweise ein Feuer entz�nden oder beeinflussen will, braucht man den Feuer-Strang; will man das Wetter �ndern, mu� man die Bereiche Luft und Wasser beherrschen, w�hrend man f�r Heilungen Wasser und Geist benutzen mu�. W�hrend im Zeitalter der Legenden M�nner und Frauen in gleichem Ma�e den Geist beherrschten, war das Talent in bezug auf Erde und/oder Feuer besonders oft bei M�nnern ausgepr�gt und das f�r Wasser und,oder Luft bei Frauen. Es gab Ausnahmen, aber trotzdem betrachtete man Erde und Feuer als die m�nnlichen M�chte, Luft und Wasser als die weiblichen.</p><p><strong>Gaidin:</strong> in der Alten Sprache �Bruder der Schlacht�. Ein Titel, den die Aes Sedai den Beh�tern verleihen <emphasis>(siehe auch:</emphasis><a l:href="#idx35">Beh�ter</a>).</p><p id="idx09"><strong>Gai'schain:</strong> in der Alten Sprache �dem Frieden im Kampfe verschworen�, soweit dieser Begriff �berhaupt �bersetzt werden kann. Von einem Aiel, der oder die w�hrend eines �berfalls oder einer bewaffneten Auseinandersetzung von einem anderen Aiel gefangengenommen wird, verlangt das <emphasis>Ji'e'toh,</emphasis> da� er oder sie dem neuen Herrn gehorsam ein Jahr und einen Tag lang dient und dabei keine Waffe anr�hrt und niemals Gewalt ben�tzt. Eine Weise Frau, ein Schmied oder eine Frau mit einem Kind unter zehn Jahren k�nnen nicht zu <emphasis>Gai'schain</emphasis> gemacht werden <emphasis>(siehe auch:</emphasis><a l:href="#idx08">Trostlosigkeit</a>).</p><p><strong>Galad; Lord Galadedrid Damodred:</strong> Halbbruder von Elayne und Gawyn. Sie haben alle den gleichen Vater; Taringail Damodred. Im Wappen f�hrt er ein gefl�geltes silbernes Schwert dessen Spitze nach unten zeigt.</p><p><strong>Gareth Bryne</strong> (Garet Brein): einst Generalhauptmann der K�niglichen Garde von Andor. Von K�nigin Morgase ins Exil verbannt. Er wird als einer der gr��ten lebenden Milit�rstrategen betrachtet. Das Siegel des Hauses Bryne zeigt einen wilden Stier, um dessen Hals die Rosenkrone von Andor h�ngt. Gareth Brynes pers�nliches Abzeichen sind drei goldene Sterne mit jeweils f�nf Zacken.</p><p id="idx41"><strong>Gaukler:</strong> fahrende M�rchenerz�hler, Musikanten, Jongleure, Akrobaten und Alleinunterhalter. Ihr Abzeichen ist die aus bunten Flicken zusammengesetzte Kleidung. Sie besuchen vor allem D�rfer und Kleinst�dte, da in den gr��eren St�dten schon zuviel andere Unterhaltung geboten wird.</p><p><strong>Gawyn aus dem Hause Trakand:</strong> Sohn der K�nigin Morgase, Bruder von Elayne, der bei Elaynes Thronbesteigung Erster Prinz des Schwertes wird. Halbbruder von Galad. Er f�hrt einen wei�en Keiler im Wappen.</p><p><strong>Gewichtseinheiten:</strong> 10 Unzen = 1 Pfund; 10 Pfund = 1 Stein; 10 Steine = 1 Zentner; 10 Zentner = 1 Tonne.</p><p><strong>Grauer Mann:</strong> jemand, der freiwillig seine oder ihre Seele dem Schatten geopfert hat und ihm nun als Attent�ter dient. Graue M�nner sehen so unauff�llig aus, da� man sie sehen kann, ohne sie wahrzunehmen. Die gro�e Mehrheit der Grauen M�nner sind tats�chlich M�nner, aber es gibt darunter auch einige Frauen. Sie werden auch als die �Seelenlosen� bezeichnet.</p><p><strong>Grenzlande:</strong> die an die Gro�e F�ule angrenzenden Nationen: Saldaea, Arafel, Kandor und Schienar. Sie haben eine Geschichte unendlich vieler �berf�lle und Kriegsz�ge gegen Trollocs und Myrddraal <emphasis>(siehe auch:</emphasis><a l:href="#idx33">Gro�e F�ule</a>).</p><p id="idx33"><strong>Gro�e F�ule:</strong> eine Region im hohen Norden, die durch den Einflu� des Dunklen K�nigs vollst�ndig verw�stet wurde. Sie stellt eine Zuflucht f�r Trollocs, Myrddraal und andere Kreaturen des Schattens dar.</p><p><strong>Gro�er Herr der Dunkelheit:</strong> Diese Bezeichnung verwenden die Schattenfreunde f�r den Dunklen K�nig. Sie behaupten, es sei Blasphemie, seinen wirklichen Namen zu ben�tzen.</p><p><strong>Gro�e Schlange:</strong> ein Symbol f�r die Zeit und die Ewigkeit, das schon uralt war, bevor das Zeitalter der Legenden begann. Es zeigt eine Schlange, die ihren eigenen Schwanz verschlingt. Man verleiht einen Ring in der Form der Gro�en Schlange an Frauen, die unter den Aes Sedai zu Aufgenommenen erhoben werden.</p><p><strong>Hochlords von Tear:</strong> Die Hochlords von Tear regieren als Rat diesen Staat, der weder K�nig noch K�nigin aufweist. Ihre Anzahl steht nicht fest. Im Laufe der Jahre hat es Zeiten gegeben, wo nur sechs Hochlords regierten, aber auch zwanzig kamen bereits vor. Man darf sie nicht mit den Landherren verwechseln, niedrigeren Adligen in den l�ndlichen Bezirken Tears.</p><p id="idx24"><strong>Horn von Valere:</strong> das legend�re Ziel der Gro�en Jagd nach dem Horn. Das Horn kann tote Helden zum Leben erwecken, damit sie gegen den Schatten k�mpfen. Eine neue Jagd nach dem Horn wurde in Illian ausgerufen, und man kann nun in vielen L�ndern J�ger des Horns antreffen.</p><p id="idx34"><strong>Hundertj�hriger Krieg:</strong> eine Reihe sich �berschneidender Kriege, gepr�gt von sich st�ndig ver�ndernden B�ndnissen, ausgel�st durch den Tod von Artur Falkenfl�gel und die darauf folgenden Auseinandersetzungen um seine Nachfolge. Er dauerte von 994 FJ bis 1117 FJ. Der Krieg entv�lkerte weite Landstriche zwischen dem Aryth-Meer und der Aiel-W�ste, zwischen dem Meer der St�rme und der Gro�en F�ule. Die Zerst�rungen waren so schwerwiegend, da� �ber diese Zeit nur noch fragmentarische Berichte vorliegen. Das Reich Artur Falkenfl�gels zerfiel und die heutigen Staaten bildeten sich heraus <emphasis>(siehe auch:</emphasis><a l:href="#idx29">Falkenfl�gel, Artur</a>).</p><p><strong>Illian:</strong> ein gro�er Hafen am Meer der St�rme, Hauptstadt der gleichnamigen Nation. Im Wappen von Illian findet man neun goldene Bienen auf dunkelgr�nem Feld.</p><p><strong>Juilin Sandar:</strong> ein Diebf�nger aus Tear.</p><p><strong>Kalender:</strong> Die Woche hat zehn Tage, der Monat 28 und es gibt 13 Monate im Jahr. Mehrere Festtage geh�ren keinem bestimmten Monat an: der Sonntag oder Sonnentag (der l�ngste Tag des Jahres), das Erntedankfest (einmal alle vier Jahre zur Fr�hlingssonnwende), und das Fest der Rettung aller Seelen, auch Allerseelen genannt (einmal alle zehn Jahre zur Herbstsonnwende).</p><p><strong>Kesselflicker:</strong> volkst�mliche Bezeichnung f�r die Tuatha'an, die man auch das �Fahrende Volk� nennt. Ein Nomadenvolk, das in bunt gestrichenen Wohnwagen lebt und einer absolut pazifistischen Weltanschauung folgen, die man den �Weg des Blattes� nennt. Sie geh�ren zu den wenigen, die unbehelligt die Aiel-W�ste durchqueren k�nnen, da die Aiel jeden Kontakt mit ihnen strikt vermeiden. Nur wenige Menschen vermuten �berhaupt da� die Tuatha'an Nachkommen von Aiel sind, die sich w�hrend der Zerst�rung der Welt von den anderen absetzten, um einen Weg zur�ck in eine Zeit des Friedens zu finden <emphasis>(siehe auch:</emphasis><a l:href="#idx14">Aiel</a>).</p><p id="idx45"><strong>Kinder des Lichts:</strong> eine �bernationale Gemeinschaft von Asketen, die sich den Sieg �ber den Dunklen K�nig und die Vernichtung aller Schattenfreunde zum Ziel gesetzt hat. Die Gemeinschaft wurde w�hrend des Hundertj�hrigen Kriegs von Lothair Mantelar gegr�ndet, um gegen die ansteigende Zahl der Schattenfreunde als Prediger anzugehen. W�hrend des Kriegs entwickelte sich daraus eine vollst�ndige milit�rische Organisation, extrem streng ideologisch ausgerichtet und fest im Glauben, nur sie dienten der absoluten Wahrheit und dem Recht. Sie hassen die Aes Sedai und halten sie, sowie alle, die sie unterst�tzen oder sich mit ihnen befreunden, f�r Schattenfreunde. Sie werden geringsch�tzig Wei�m�ntel genannt. Im Wappen f�hren sie eine goldene Sonne mit Strahlen auf wei�em Feld <emphasis>(siehe auch:</emphasis><a l:href="#idx17">Zweifler</a>).</p><p><strong>Krieg um die Macht:</strong><emphasis>siehe</emphasis><a l:href="#idx36">Schattenkrieg</a>.</p><p id="idx47"><strong>L�ngenma�e:</strong> 10 Finger = 1 Hand; 3 H�nde = 1 Fu�; 3 Fu� = 1 Schritt; 2 Schritte = 1 Spanne; 1000 Spannen = 1 Meile.</p><p><strong>Lan, al'Lan Mandragoran:</strong> ein Beh�ter, der Moiraine im Jahre 979 N� zugeschworen wurde. Ungekr�nter K�nig von Malkier, Dai Shan (Schlachtenf�hrer), und der letzte �berlebende Lord von Malkier. Dieses Land wurde im Jahr seiner Geburt (953 N�) von der Gro�en F�ule verschlungen. Im Alter von sechzehn Jahren begann er seinen Ein-Mann-Krieg gegen die F�ule und den Schatten, den er bis zu seiner Berufung zu Moiraines Beh�ter fortf�hrte <emphasis>(siehe auch:</emphasis><a l:href="#idx35">Beh�ter</a>, <a l:href="#idx37">Moiraine</a>).</p><p><strong>Lews Therin Telamon; Lews Therin Bruderm�rder:</strong><emphasis>siehe</emphasis><a l:href="#idx38">Drache</a>.</p><p><strong>Lini:</strong> Kinderm�dchen der Lady Elayne in ihrer Kindheit. Davor war sie bereits Erzieherin ihrer Mutter Morgase und deren Mutter. Eine Frau von enormer innerer Kraft, einigem Scharfsinn und sehr wortgewaltig in bezug auf Redensarten.</p><p><strong>Logain:</strong> ein Mann, der einst behauptete, der Wiedergeborene Drache zu sein. Er �berzog Ghealdan, Altara und Murandy mit Krieg, bevor er gefangengenommen, zur Wei�en Burg gebracht und einer D�mpfung unterzogen wurde. Sp�ter entkam er inmitten der Wirren um die Absetzung Siuan Sanches. Ein Mann, dem immer noch Gro�es bevorsteht <emphasis>(siehe auch:</emphasis><a l:href="#idx39">Drache, falscher</a>).</p><p><strong>Manetheren:</strong> eine der Zehn Nationen, die den Zweiten Pakt schlossen; Hauptstadt des gleichnamigen Staates. Sowohl die Stadt wie auch die Nation wurden in den Trolloc-Kriegen vollst�ndig zerst�rt. Das Wappen Manetherens zeigte einen Roten Adler im Flug (<emphasis>siehe auch:</emphasis><a l:href="#idx40">Trolloc-Kriege</a>).</p><p id="idx23"><strong>Mayene</strong> (Maijehn): Stadtstaat am Meer der St�rme, der seinen Reichtum und seine Unabh�ngigkeit der Kenntnis verdankt, die �lfischschw�rme aufsp�ren zu k�nnen. Ihre wirtschaftliche Bedeutung kommt der der Olivenplantagen von Tear, Illian und Tarabon gleich. �lfisch und Oliven liefern nahezu alles �l f�r Lampen. Die augenblickliche Herrscherin von Mayene ist Berelain. Ihr Titel lautet: die Erste von Mayene. Der Titel: Zweite/Zweiter stand fr�her nur einem einzigen Lord oder einer Lady zu, wurde aber w�hrend der letzten etwa vierhundert Jahre von bis zu neun Adligen gleichzeitig gef�hrt. Die Herrscher von Mayene f�hren ihre Abstammung auf Artur Falkenfl�gel zur�ck. Das Wappen von Mayene zeigt einen fliegenden goldenen Falken. Mayene wurde traditionell von Tear wirtschaftlich und politisch eingeengt und unterdr�ckt.</p><p><strong>Mazrim Taim:</strong> ein falscher Drache, der in Saldaea viel Unheil anrichtete, bevor er geschlagen und gefangen wurde. Er ist nicht nur in der Lage, die Eine Macht zu ben�tzen, sondern besitzt au�erordentliche Kr�fte <emphasis>(siehe auch:</emphasis><a l:href="#idx39">Drache, falscher</a>).</p><p id="idx20"><strong>Meerleute, Meervolk:</strong> genauer: Atha'an Miere, das �Volk des Meeres�. Geheimnisumwitterte Bewohner der Inseln im Aryth-Meer und im Meer der St�rme. Sie verbringen wenig Zeit auf diesen Inseln und leben statt dessen zumeist auf ihren Schiffen. Sie beherrschen den Seehandel fast vollst�ndig.</p><p><strong>Melaine</strong> (Mehlein): Weise Frau der Jhirad Septime der Goshien Aiel. Eine Traumg�ngerin. Relativ stark, was den Gebrauch der Einen Macht angeht. Verheiratet mit Bael, dem Clanh�uptling der Goshien. Schwesterfrau der Dorhinda, der Dachherrin der DampfendeQuellen-Feste <emphasis>(siehe auch:</emphasis><a l:href="#idx22">Traumg�nger</a>).</p><p><strong>Merrilin, Thom:</strong> ein ziemlich vielschichtiger Gaukler, einst Hofbarde und Geliebter von K�nigin Morgase <emphasis>(siehe auch:</emphasis><a l:href="#idx42">Spiel der H�user</a>; <a l:href="#idx41">Gaukler</a>).</p><p id="idx37"><strong>Moiraine Damodred</strong> (Moar�n): eine Aes Sedai der Blauen Ajah. Sie ben�tzt nur selten ihren Familiennamen und h�lt ihre Beziehung zu dem Hause Damodred meist geheim. Geboren 956 N� im K�niglichen Palast von Cairhien. Nachdem sie 972 N� als Novizin in die Wei�e Burg kam, machte sie dort rasch Karriere. Sie wurde nach nur drei Jahren zur Aufgenommenen erhoben und drei weitere Jahre sp�ter, am Ende des Aielkriegs, zur Aes Sedai. Von diesem Zeitpunkt an begann sie ihre Suche nach dem jungen Mann, der - den Prophezeiungen der Aes Sedai Gitara Morose nach - w�hrend der Schlacht an der Leuchtenden Mauer am Abhang des Drachenbergs geboren wurde, und der zum Wiedergeborenen Drachen bestimmt war. Sie war es auch, die Rand al'Thor, Mat Cauthon, Perrin Aybara und Egwene al'Vere von den Zwei Fl�ssen fortbrachte. Sie verschwand w�hrend eines Kampfes mit Lanfear in Cairhien in einem <emphasis>Ter'Angreal</emphasis> und wurde, dem Anschein nach, genauso get�tet wie die Verlorene.</p><p><strong>Morgase</strong> (Morgeis): Von der Gnade des Lichts, K�nigin von Andor, Verteidigerin des Lichts, Besch�tzerin des Volkes, Hochsitz des Hauses Trakand. Im Wappen f�hrt sie drei goldene Schl�ssel. Das Wappen des Hauses Trakand zeigt einen silbernen Grundpfeiler. Sie mu�te ins Exil gehen und wird allgemein f�r tot gehalten. Viele glauben, sie sei vom Wiedergeborenen Drachen ermordet worden.</p><p id="idx50"><strong>Muster eines Zeitalters:</strong> Das Rad der Zeit verwebt die Str�nge menschlichen Lebens zum Muster eines Zeitalters, oftmals vereinfacht als �das Muster� bezeichnet, das die Substanz der Realit�t dieser Zeit bildet; auch als Zeitengewebe bekannt <emphasis>(siehe auch: <a l:href="#idx43">Ta'veren</a>).</emphasis></p><p id="idx53"><strong>Myrddraal:</strong> Kreaturen des Dunklen K�nigs, Kommandanten der Trolloc-Heere. Nachkommen von Trollocs, bei denen das Erbe der menschlichen Vorfahren wieder st�rker hervortritt, die man benutzt hat, um die Trollocs zu erschaffen. Trotzdem deutlich vom B�sen dieser Rasse gezeichnet. Sie sehen �u�erlich wie Menschen aus, haben aber keine Augen. Sie k�nnen jedoch im Hellen wie im Dunklen wie Adler sehen. Sie haben gewisse, vom Dunklen K�nig stammende Kr�fte, darunter die F�higkeit, mit einem Blick ihr Opfer vor Angst zu l�hmen. Wo Schatten sind, k�nnen sie hineinschl�pfen und sind nahezu unsichtbar. Eine ihrer wenigen bekannten Schw�chen besteht darin, da� sie Schwierigkeiten haben, flie�endes Wasser zu �berqueren. Man kennt sie unter vielen Namen in den verschiedenen L�ndern, z.B. ab Halbmenschen, die Augenlosen, Schattenm�nner, Lurk und die Blassen. Wenig bekannt ist die Tatsache, da� die Myrddraal in einem Spiegel nur ein verschwommenes Bild erzeugen.</p><p><strong>N�chstschwester; N�chstbruder:</strong> Mit diesen Begriffen bezeichnen die Aiel eine Beziehung, die so eng ist wie zwischen Erstschwestern und/oder Erstbr�dern. N�chstschwestern adoptieren einander h�ufig als Erstschwestern. Bei N�chstbr�dern ist das kaum jemals der Fall.</p><p><strong>Ogier:</strong> (1) Eine nichtmenschliche Rasse. Typisch f�r Ogier sind ihre Gr��e (m�nnliche Ogier werden im Durchschnitt zehn Fu� gro�), ihre breiten, r�sselartigen Nasen und die langen, mit Haarb�scheln bewachsenen Ohren. Sie wohnen in Gebieten, die sie <emphasis>Stedding</emphasis> nennen. Nach der Zerst�rung der Welt (von den Ogiern das Exil genannt) waren sie aus diesen <emphasis>Stedding</emphasis> vertrieben, und das f�hrte zu einer als �das Sehnen� bezeichneten Erscheinung: Ein Ogier, der sich zu lange au�erhalb seines <emphasis>Stedding</emphasis> aufh�lt, erkrankt und stirbt schlie�lich. Sie sind in informierten Kreisen bekannt als extrem gute Steinbaumeister, die fast alle gro�en St�dte der Menschen nach der Zerst�rung erbauten. Sie selbst betrachten diese Kunst allerdings nur als etwas, das sie w�hrend des Exils erlernten und das nicht so wichtig ist, wie das Pflegen der B�ume in einem <emphasis>Stedding,</emphasis> besonders der hochaufragenden Gro�en B�ume. Au�er zu ihrer Arbeit als Steinbaumeister verlassen sie ihr <emphasis>Stedding</emphasis> nur selten und wollen wenig mit der Menschheit zu tun haben. Man wei� unter den Menschen nur sehr wenig �ber sie und viele halten die Ogier sogar f�r blo�e Legenden. Obwohl sie als Pazifisten gelten und nur sehr schwer aufzuregen sind, hei�t es in einigen alten Berichten, sie h�rten w�hrend der Trolloc-Kriege Seite an Seite mit den Menschen gek�mpft. Dort werden sie als m�rderische Feinde bezeichnet. Im Gro�en und Ganzen sind sie ungemein wissensdurstig und ihre B�cher und Berichte enthalten oftmals Informationen, die bei den Menschen l�ngst verlorengegangen sind. Die normale Lebenserwartung eines Ogiers ist etwa drei oder viermal so hoch wie bei Menschen. (2) Jedes Individuum dieser nichtmenschlichen Rasse <emphasis>(siehe auch:</emphasis><a l:href="#idx05">Zerst�rung der Welt</a>; <a l:href="#idx44"><emphasis>Stedding</emphasis></a>).</p><p><strong>Padan Fain:</strong> Einst als H�ndler in das Gebiet der Zwei Fl�sse gekommen, stellte er sich bald als Schattenfreund heraus. Er wurde zum Schayol Ghul geholt und dort so in seiner ganzen Pers�nlichkeit beeinflu�t, da� er nicht nur in der Lage sein sollte, den jungen Mann zu finden, der zum Wiedergeborenen Drachen werden sollte, so wie der Jagdhund die Beute f�r den J�ger aufsp�rt, sondern sogar ein dauerndes inneres Bed�rfnis sp�ren sollte, fast eine Art von Besessenheit, diese Suche erfolgreich abzuschlie�en. Dies verursachte Fain solche psychische Schmerzen, da� er sowohl den Dunklen K�nig, wie auch Rand al'Thor zu hassen begann. Auf der Verfolgung al'Thors traf er in Shadar Logoth auf die dort gefangene Seele von Mordeth, die versuchte, Fains K�rper zu �bernehmen. Der ver�nderten Pers�nlichkeit Fains wegen resultierte das in einer Art von Vereinigung beider Seelen mit Fain in der Oberhand und mit F�higkeiten, die weit jenseits derer liegen, die beide M�nner vorher besa�en. Fain durchschaut diese selbst noch keineswegs in vollem Ma�e. Die meisten Menschen werden von Angst gepackt, wenn sie dem augenlosen Blick eines Myrddraal ausgesetzt sind, doch Fains Blick wiederum jagt selbst einem Myrddraal Angst ein.</p><p id="idx30"><strong>Prophezeiungen des Drachen:</strong> ein nur unter den ausgesprochen Gebildeten bekannter Zyklus von Weissagungen, der auch selten erw�hnt wird. Man findet ihn im gr��eren <emphasis>Karaethon Zyklus.</emphasis> Es wird dort vorausgesagt, da� der Dunkle K�nig wieder befreit werde, und da� Lews Therin Telamon, der Drache, wiedergeboren werde, um in Tarmon Gai'don, der Letzten Schlacht gegen den Schatten, zu k�mpfen. Es wird prophezeit, da� er die Welt erneut retten und erneut zerst�ren wird <emphasis>(siehe auch:</emphasis><a l:href="#idx38">Drache</a>).</p><p><strong>Rad der Zeit:</strong> Die Zeit stellt man sich als ein Rad mit sieben Speichen vor - jede Speiche steht f�r ein Zeitalter. Wie sich das Rad dreht so folgt Zeitalter auf Zeitalter. Jedes hinterl��t Erinnerungen, die zu Legenden verblassen, zu blo�en Mythen werden und schlie�lich vergessen sind, wenn dieses Zeitalter wiederkehrt. Das Muster eines Zeitalters wird bei jeder Wiederkehr leicht ver�ndert, doch auch wenn die �nderungen einschneidender Natur sein sollten, bleibt es das gleiche Zeitalter. Bei jeder Wiederkehr sind allerdings die Ver�nderungen gravierender.</p><p><strong>Rashima Kerenmosa:</strong> Man nennt sie auch die �Soldatenamyrlin�. Geboren ca. 1150 NZ und aus den Reihen der Gr�nen Ajah im Jahre 1251 NZ zur Amyrlin erhoben. Sie f�hrte pers�nlich die Heere der Wei�en Burg in den Kampf und errang unz�hlige Siege, die ber�hmtesten am Kaisin Pa�, an der Sorellestufe, bei Larapelle, Tel Norwin und Maighande, wo sie 1301 NZ ums Leben kam. Man entdeckte ihre Leiche nach Ende der Schlacht, umgeben von denen ihrer f�nf Beh�ter und einem wahren Wall aus den Leibern von Trollocs und Myrddraal, unter denen sich nicht weniger als neun Schattenlords befanden <emphasis>(siehe auch:</emphasis><a l:href="#idx21">Aes Sedai</a>; <a l:href="#idx03">Ajah</a>; <a l:href="#idx04">Amyrlin-Sitz</a>; <a l:href="#idx46">Schattenlords</a>; <a l:href="#idx35">Beh�ter</a>).</p><p id="idx10"><strong>Rhuidean:</strong> eine Gro�e Stadt, die einzige in der Aiel-W�ste und der Au�enwelt v�llig unbekannt. Sie lag fast dreitausend Jahre lang verlassen in einem W�stental. Einst wurde den Aielm�nnern nur gestattet, einmal in ihrem Leben Rhuidean zum Zweck einer Pr�fung zu betreten. Die Pr�fung fand innerhalb eines gro�en <emphasis>Ter'Angreal</emphasis> statt. Wer bestand, besa� die F�higkeit zum Clanh�uptling, doch nur einer von dreien �berlebte. Frauen durften Rhuidean zweimal betreten. Sie wurden beim zweiten Mal im gleichen <emphasis>Ter'Angreal</emphasis> gepr�ft, und wenn sie �berlebten, wurden sie zu Weisen Frauen. Bei ihnen war die �berlebensrate erheblich h�her als bei den M�nnern. Mittlerweile ist die Stadt wieder von den Aiel bewohnt, und ein Ende des Tals von Rhuidean ist von einem gro�en See ausgef�llt, der aus einem enormen unterirdischen Reservoir gespeist wird und aus dem wiederum der einzige Flu� der W�ste entspringt <emphasis>(siehe auch:</emphasis><a l:href="#idx14">Aiel</a>).</p><p id="idx13"><strong>R�ckgrat der Welt:</strong> eine hohe Bergkette, �ber die nur wenige P�sse f�hren. Sie trennt die Aiel-W�ste von den westlichen L�ndern. Wird auch Drachenmauer genannt.</p><p id="idx18"><strong>Sa'angreal:</strong> ein extrem seltenes Objekt, das es einem Menschen erlaubt, die Eine Macht in viel st�rkerem Ma�e als sonst m�glich zu ben�tzen. Ein Sa'angreal ist �hnlich, doch ungleich st�rker als ein Angreal. Die Menge an Energie, die mit Hilfe eines <emphasis>Sa'angreals</emphasis> eingesetzt werden kann, verh�lt sich zu der eines <emphasis>Angreals</emphasis> wie die mit dessen Hilfe einsetzbare Energie zu der, die man ganz ohne irgendwelche Hilfe beherrschen kann. Relikte des Zeitalters der Legenden. Es ist nicht mehr bekannt, wie sie angefertigt wurden. Wie bei den <emphasis>Angreal</emphasis> k�nnen sie nur entweder von einer Frau oder von einem Mann eingesetzt werden. Es gibt nur noch eine Handvoll davon, weit weniger sogar als <emphasis>Angreal.</emphasis></p><p><strong>Saidar, Saidin:</strong><emphasis>siehe</emphasis><a l:href="#idx31">Wahre Quelle</a>.</p><p><strong>Schattenfreunde:</strong> die Anh�nger des Dunklen K�nigs. Sie glauben, gro�e Macht und andere Belohnungen, darunter sogar Unsterblichkeit, zu empfangen, wenn er aus seinem Kerker befreit wird. Untereinander gebrauchen sie gelegentlich die alte Bezeichnung: �Freunde der Dunkelheit�.</p><p id="idx36"><strong>Schattenkrieg:</strong> auch als der Krieg um die Macht bekannt; mit ihm endet das Zeitalter der Legenden. Er begann kurz nach dem Versuch, den Dunklen K�nig zu befreien und erfa�te bald schon die ganze Welt. In einer Welt, die selbst die Erinnerung an den Krieg vergessen hatte, wurde nun der Krieg in all seinen Formen wiederentdeckt. Er war besonders schrecklich, wo die Macht des Dunklen K�nigs die Welt ber�hrte, und auch die Eine Macht wurde als Waffe verwendet. Der Krieg wurde beendet, als der Dunkle K�nig wieder in seinen Kerker verbannt und dieser versiegelt werden konnte. Diese Unternehmung f�hrte Lews Therin Telamon, der Drache, zusammen mit hundert m�nnlichen Aes Sedai durch, die man auch die Hundert Gef�hrten nannte. Der Gegenschlag des Dunklen K�nigs verdarb <emphasis>Saidin</emphasis> und trieb Lews Therin und die Hundert Gef�hrten in den Wahnsinn. So begann die Zeit des Wahns und die Zerst�rung der Welt (<emphasis>siehe auch:</emphasis><a l:href="#idx28">Eine Macht</a>; <a l:href="#idx38">Drache</a>).</p><p id="idx46"><strong>Schattenlords:</strong> diejenigen M�nner und Frauen (Aes Sedai), die der Einen Macht dienten, aber w�hrend der Trolloc-Kriege zum Schatten �berliefen und dann die Heere von Trollocs und Schattenfreunden als Gener�le kommandierten. Weniger Gebildete verwechseln sie gelegentlich mit den Verlorenen.</p><p><strong>Schwesterfrau:</strong> Verwandtschaftsgrad bei den Aiel. Aielfrauen, die bereits N�chstschwestern oder Erstschwestern sind und entdecken, da� sie den gleichen Mann lieben, oder die einfach nicht wollen, da� ein Mann zwischen sie tritt, heiraten ihn beide und werden so zu Schwesterfrauen. Frauen, die den gleichen Mann lieben, versuchen manchmal, herauszufinden, ob sie N�chstschwestern oder durch Adoption Erstschwestern werden k�nnen, denn das ist die erste Voraussetzung, um Schwesterfrauen werden zu k�nnen.</p><p id="idx01"><strong>Seanchan</strong> (Schantschan): (1) Nachkommen der Armeemitglieder, die Artur Falkenfl�gel �ber das Aryth-Meer sandte und die die dort gelegenen L�nder eroberten. Sie glauben, da� man aus Sicherheitsgr�nden jede Frau, die mit der Macht umgehen kann, durch einen <emphasis>A'dam</emphasis> kontrollieren mu�. Aus dem gleichen Grund werden solche M�nner get�tet. (2) Das Land, aus dem die Seanchan kommen.</p><p><strong>Seherin:</strong> eine Frau, die vom Frauenzirkel bzw. der Versammlung der Frauen ihres Dorfs berufen und zu dessen Vorsitzender bestimmt wird, weil sie die F�higkeit des Heuens besitzt, das Wetter vorhersagen kann und auch sonst als kluge Frau und Ratgeberin anerkannt ist. Ihre Position fordert gro�es Verantwortungsbewu�tsein und verleiht ihr viel Autorit�t. Allgemein wird sie dem B�rgermeister gleichgestellt, in manchen D�rfern steht sie sogar �ber ihm. Im Gegensatz zum B�rgermeister wird sie auf Lebenszeit erw�hlt. Es ist �u�erst selten, da� eine Seherin vor ihrem Tod aus ihrem Amt entfernt wird. Ihre Auseinandersetzungen mit dem B�rgermeister sind auch zur Tradition geworden. Je nach dem Land wird sie auch als F�hrerin, Heilerin, Weise Frau, Sucherin oder einfach als Weise bezeichnet.</p><p><strong>Shayol Ghul:</strong> ein Berg im Versengten Land jenseits der Gro�en F�ule; dort befindet sich der Kerker, in dem der Dunkle K�nig gefangengehalten wird.</p><p><strong>Sorilea:</strong> die Weise Frau der Schendefestung, eine Jarra Chareen. Sie hat nicht viel Geschick im Umgang mit der Macht. Sie ist die �lteste aller Weisen Frauen, wenn auch nicht um soviel �lter, als die meisten glauben.</p><p><strong>Spanne:</strong><emphasis>siehe</emphasis><a l:href="#idx47">L�ngenma�e</a>.</p><p id="idx42"><strong>Spiel der H�user:</strong> Diese Bezeichnung wurde dem Intrigenspiel der Adelsh�user untereinander verliehen, mit dem sie sich Vorteile verschaffen wollen. Gro�er Wert wird darauf gelegt, subtil vorzugehen, auf eine Sache abzuzielen, w�hrend man ein ganz anderes Ziel vort�uscht, und sein Ziel schlie�lich mit geringstm�glichem Aufwand zu erreichen. Es ist auch als das �Gro�e Spiel� bekannt und gelegentlich unter seiner Bezeichnung in der Alten Sprache: <emphasis>Daes Dae'mar.</emphasis></p><p id="idx44"><strong>Stedding:</strong> eine Ogier Enklave. Viele Stedding sind seit der Zerst�rung der Welt verlassen worden. In Erz�hlungen und Legenden werden sie als Zufluchtsst�tte bezeichnet, und das aus gutem Grund. Auf eine heute nicht mehr bekannte Weise wurden sie abgeschirmt, so da� in ihrem Bereich keine/kein Aes Sedai die Eine Macht anwenden kann und nicht einmal eine Spur der Wahren Quelle wahrnimmt. Versuche, von au�erhalb eines Stedding mit Hilfe der Einen Macht in deren Innern einzugreifen, blieben erfolglos. Kein Trolloc wird ohne Not ein Stedding betreten, und selbst ein Myrddraal betritt es nur, wenn er dazu gezwungen ist, und auch dann nur z�gernd und mit gr��ter Abscheu. Sogar echte und hingebungsvolle Schattenfreunde f�hlen sich in einem Stedding �u�erst unwohl.</p><p id="idx26"><strong>Stein von Tear:</strong> eine gro�e Festung in der Stadt Tear, von der berichtet wird, sie sei bald nach der Zerst�rung der Welt mit Hilfe der Einen Macht erbaut worden. Sie wurde unz�hlige Male angegriffen und belagert, doch nie erobert. Erst unter dem Angriff des Wiedergeborenen Drachen mit wenigen hundert Aielkriegern fiel die Festung innerhalb einer einzigen Nacht. Damit wurden zwei Voraussagen aus den Prophezeiungen des Drachen erf�llt (<emphasis>siehe auch:</emphasis><a l:href="#idx38">Drache</a>, <a l:href="#idx30">Prophezeiungen des Drachen</a>).</p><p id="idx52"><strong>Talente:</strong> F�higkeiten, die Eine Macht auf ganz spezifische Weise zu gebrauchen. Selbst bei gleich gelagerten Talenten ergeben sich von Person zu Person gro�e individuelle Unterschiede, die nur selten mit der St�rke zu tun haben, die diese Person in bezug auf die Anwendung der Einen Macht besitzt. Das naturgem�� popul�rste und am meisten verbreitete Talent ist das des Heilens. Weitere Beispiele sind das �Wolkentanzen�, womit die Beeinflussung des Wetters gemeint ist, und der �Erdgesang�, mit dessen Hilfe Erdbewegungen gesteuert werden k�nnen und so beispielsweise Erdbeben und Lawinen verhindert oder ausgel�st werden. Es gibt auch eine Reihe weniger bedeutsamer Talente, wie die F�higkeit, <emphasis>Ta'veren</emphasis> wahrzunehmen oder sogar deren Eigenschaft, den Zufall zu beeinflussen, auf einer sehr eng begrenzten Fl�che (meist nicht mehr als wenige Quadratfu� gro�) kopieren zu k�nnen. Von manchen Talenten kennt man heute nur noch die Bezeichnung und besitzt eventuell noch eine vage Beschreibung, wie z. B. beim Reisen, einer F�higkeit, sich von einem Ort zu einem anderen zu bewegen, ohne den Zwischenraum durchqueren zu m�ssen. Andere wie z.B. das Vorhersagen (die F�higkeit, zuk�nftige Ereignisse zumindest auf allgemeinere Art und Weise vorhersehen zu k�nnen) oder das Sch�rfen (Aufsp�ren und manchmal sogar Gewinnen von Erzen) sind mittlerweile selten oder beinahe verschwunden. Ein weiteres Talent, das man seit langem f�r verloren hielt, ist das Tr�umen. Unter anderem lassen sich hier die Tr�ume des Tr�umers so deuten, da� sie eine genauere Vorhersage der Zukunft erlauben. Manche Tr�umer hatten die F�higkeit, <emphasis>Tel'aran'rhiod,</emphasis> die Welt der Tr�ume, zu erreichen und sogar in die Tr�ume anderer Menschen einzudringen. Die letzte bekannte Tr�umerin war Corianin Nedeal, die im Jahre 526 N� starb, doch nur wenige wissen, da� es jetzt eine neue gibt. Viele solcher Talente werden jetzt erst wiederentdeckt <emphasis>(siehe auch: <a l:href="#idx49">Tel'aran'rhiod</a>).</emphasis></p><p><strong>Tallanvor, Martyn:</strong> Leutnant der K�niglichen Garde in Andor, der seine K�nigin mehr liebt als Ehre oder Leben.</p><p><strong>Tarabon:</strong> Land und Nation am Aryth-Meer, Hauptstadt: Tanchico. Einst eine gro�e Handelsmacht und Quelle von Teppichen, Textilfarben und Feuerwerksk�rpern, die von der Gilde der Feuerwerker hergestellt werden. Jetzt von einem B�rgerkrieg und gleichzeitigen kriegerischen Auseinandersetzungen mit Arad Doman und den Anh�ngern des Wiedergeborenen Drachen zerrissen und deshalb weitgehend vom Ausland abgeschnitten.</p><p><strong>Tarmon Gai'don:</strong> die Letzte Schlacht (<emphasis>siehe auch:</emphasis><a l:href="#idx30">Prophezeiungen des Drachen</a>; <a l:href="#idx24">Horn von Valere</a>).</p><p id="idx43"><strong>Ta'veren:</strong> eine Person im Zentrum des Gewebes von Lebensstr�ngen aus ihrer Umgebung, m�glicherweise sogar <emphasis>aller</emphasis> Lebensstr�nge, die vom Rad der Zeit zu einem Schicksalsgewebe zusammengef�gt wurden <emphasis>(siehe auch:</emphasis><a l:href="#idx50">Muster eines Zeitalters</a>).</p><p><strong>Tear:</strong> ein gro�er Hafen und ein Staat am Meer der St�rme. Das Wappen von Tear zeigt drei wei�e Halbmonde auf rot und goldgemustertem Feld (<emphasis>siehe auch:</emphasis><a l:href="#idx26">Stein von Tear</a>).</p><p><strong>Telamon, Lews Therin:</strong><emphasis>siehe</emphasis><a l:href="#idx38">Drache</a>.</p><p id="idx49"><strong>Tel'aran'rhiod:</strong> in der Alten Sprache: �die unsichtbare Welt�, oder �die Welt der Tr�ume�. Eine Weit, die man in Tr�umen manchmal sehen kann. Nach den Angaben der Alten durchdringt und umgibt sie alle m�glichen Welten. Im Gegensatz zu anderen Tr�umen ist das in ihr real, was dort mit lebendigen Dingen geschieht. Wenn man also dort eine Wunde empf�ngt, ist diese beim Erwachen immer noch vorhanden, und einer, der dort stirbt, erwacht nie mehr. Ansonsten hat aber das, was dort geschieht keinerlei Einflu� auf die wachende Welt. Viele Menschen k�nnen <emphasis>Tel'aran'rhiod</emphasis> kurze Augenblicke lang in ihren Tr�umen ber�hren, aber nur wenige haben je die F�higkeit besessen, aus freien St�cken dort einzudringen, wenn auch letztlich einige <emphasis>Ter'Angreal</emphasis> entdeckt wurden, die eine solche F�higkeit unterst�tzen. Mit Hilfe eines solchen <emphasis>Ter'Angreal</emphasis> k�nnen auch Menschen in die Welt der Tr�ume eintreten, die nicht die F�higkeit zum Gebrauch der Macht besitzen <emphasis>(siehe auch: <a l:href="#idx19">Ter'Angreal</a>).</emphasis></p><p id="idx19"><strong>Ter'Angreal:</strong> Gegenst�nde aus dem Zeitalter der Legenden, die die Eine Macht verwenden oder bei deren Gebrauch helfen. Im Gegensatz zu <emphasis>Angreal</emphasis> und <emphasis>Sa'angreal</emphasis> wurde jeder <emphasis>Ter'Angreal</emphasis> zu einem ganz bestimmten Zweck hergestellt. Z. B. macht einer jeden Eid, der in ihm geschworen wird, zu etwas endg�ltig Bindendem. Einige werden von den Aes Sedai ben�tzt, aber �ber ihre urspr�ngliche Anwendung ist kaum etwas bekannt. F�r die Verwendung ist bei manchen ein Ben�tzen der Einen Macht notwendig, bei anderen wieder nicht. Einige t�ten sogar oder zerst�ren die F�higkeit einer Frau, die sie ben�tzt, die Eine Macht zu lenken. Wie bei den <emphasis>Angreal</emphasis> und <emphasis>Sa'angreal</emphasis> ist auch bei ihnen nicht mehr bekannt, wie man sie herstellt. Dieses Geheimnis ging seit der Zerst�rung der Welt verloren <emphasis>(siehe auch: <a l:href="#idx50">Angreal</a>, <a l:href="#idx18">Sa'Angreal</a>).</emphasis></p><p><strong>Tochter-Erbin:</strong> Titel der Erbin des L�wenthrons von Andor. Ohne eine �berlebende Tochter f�llt der Thron an die n�chste weibliche Verwandte der K�nigin. Unstimmigkeiten dar�ber, wer die n�chste in der Erbfolge sei, haben mehrmals bereits zu Machtk�mpfen gef�hrt. Der letzte davon wird in Andor einfach �die Thronfolge� genannt und au�erhalb des Landes �der Dritte Andoranische Erbfolgekrieg�. Durch ihn kam Morgase aus dem Hause Trakand auf den Thron.</p><p><strong>Tr�umer:</strong><emphasis>siehe</emphasis><a l:href="#idx52">Talente</a>.</p><p id="idx22"><strong>Traumg�nger:</strong> Bezeichnung der Aiel f�r eine Frau, die <emphasis>Tel'aran'rhiod</emphasis> aus eigenem Willen erreichen, die Tr�ume anderer auslegen und mit anderen in deren Traum sprechen kann. Auch die Aes Sedai ben�tzen diese Bezeichnung gelegentlich im Zusammenhang mit dem Talent eines �Tr�umers� (<emphasis>siehe auch:</emphasis><a l:href="#idx52">Talente</a>; <a l:href="#idx49"><emphasis>Tel'aran'rhiod</emphasis></a>).</p><p id="idx40"><strong>Trolloc-Kriege:</strong> eine Reihe von Kriegen, die etwa gegen 1000 NZ begannen und sich �ber mehr als 300 Jahre hinzogen. Trolloc-Heere unter der F�hrung von Myrddraal und Schattenlords verw�steten die Welt. Schlie�lich aber wurden die Trollocs entweder get�tet oder in die Gro�e Faule zur�ckgetrieben. Mehrere Staaten wurden im Rahmen dieser Kriege ausgel�scht oder entv�lkert. Alle Aufzeichnungen aus dieser Zeit sind fragmentarisch <emphasis>(siehe auch:</emphasis><a l:href="#idx46">Schattenlords</a>; <a l:href="#idx53">Myrddraal</a>; <a l:href="#idx54">Trollocs</a>).</p><p id="idx54"><strong>Trollocs:</strong> Kreaturen des Dunklen K�nigs, die er w�hrend des Schattenkriegs erschuf. Sie sind k�rperlich sehr gro� und extrem b�sartig. Sie stellen eine hybride Kreuzung zwischen Tier und Mensch dar und t�ten aus purer Mordlust. Nur diejenigen, die selbst von den Trollocs gef�rchtet werden, k�nnen diesen trauen. Trollocs sind schlau, hinterh�ltig und verr�terisch. Sie essen alles, auch jede Art von Fleisch, das von Menschen und anderen Trollocs eingeschlossen. Da sie zum Teil von Menschen abstammen, sind sie zum Geschlechtsverkehr mit Menschen imstande, doch die meisten einer solchen Verbindung entspringenden Kinder werden entweder tot geboren oder sind kaum lebensf�hig. Die Trollocs leben in stammes�hnlichen Horden. Die wichtigsten davon hei�en: Ahffrait, Al'ghol, Bhan'sheen, Dha'vol, Dhai'mon, Dhjin'nen, Ghar'ghael, Ghob'hlin, Gho'hlem, Ghraem'lan, Ko'bal und Kno'mon <emphasis>(siehe auch:</emphasis><a l:href="#idx40">Trolloc-Kriege</a>).</p><p id="idx08"><strong>Trostlosigkeit:</strong> Bezeichnung f�r die Auswirkung der folgenden Erkenntnis auf viele Aiel: Die Aiel waren keineswegs immer furchterregende Krieger. Ihre Vorfahren waren strikte Pazifisten, die sich w�hrend und nach der Zerst�rung der Welt dazu gezwungen sahen, sich selbst zu verteidigen. Viele glauben, gerade darin habe ihr Versagen den Aiel gegen�ber gelegen. Einige werfen daraufhin ihre Speere weg und rennen davon. Andere weigern sich, das Wei� der <emphasis>Gai'schain</emphasis> abzulegen, obwohl ihre Dienstzeit vor�ber ist. Wieder andere weigern sich, dies als die Wahrheit anzuerkennen, und folgerichtig erkennen sie auch Rand al'Thor nicht als den wahren <emphasis>Car'a'carn</emphasis> an. Diese Aiel kehren entweder in die W�ste zur�ck oder schlie�en sich den Shaido an, die gegen Rand al'Thor k�mpfen <emphasis>(siehe auch:</emphasis><a l:href="#idx14">Aiel</a>; <a l:href="#idx07">Aiel-W�ste</a>; <a l:href="#idx56"><emphasis>Car'a'carn</emphasis></a>; <a l:href="#idx09"><emphasis>Gai'schain</emphasis></a>).</p><p id="idx02"><strong>Verkn�pfung:</strong> die F�higkeit von Frauen, ihre Str�nge der Einen Macht miteinander zu vereinigen. Diese kombinierten Str�nge sind insgesamt wohl nicht ganz so stark wie die Summe der einzelnen Str�nge, werden aber von der Person gelenkt, die diese Verkn�pfung leitet und k�nnen auf diese Weise viel pr�ziser und effektiver eingesetzt werden als einzelne Str�nge. M�nner k�nnen ihre F�higkeiten nicht miteinander verkn�pfen, wenn keine Frau oder keine Frauen im Zirkel mitwirken. Dagegen k�nnen sich bis zu dreizehn Frauen verkn�pfen, ohne die Mitwirkung eines Mannes zu ben�tigen. Nimmt ein Mann an diesem Zirkel teil, k�nnen sich bis zu sechsundzwanzig Frauen verkn�pfen. Zwei M�nner k�nnen den Zirkel auf vierunddrei�ig Frauen erweitern, und so geht es weiter bis zu einer Obergrenze von sechs M�nnern und Sechsundsechzig Frauen. Es gibt Verkn�pfungen, an denen mehr M�nner, aber daf�r weniger Frauen teilnehmen, aber abgesehen von der Verkn�pfung nur einer Frau mit einem Mann mu� sich immer mindestens eine Frau mehr im Zirkel befinden als M�nner. Bei den meisten Zirkeln kann entweder ein Mann oder eine Frau die Leitung �bernehmen, doch bei einem Maximalzirkel von zweiundsiebzig Personen oder bei gemischten Zirkeln unter dreizehn Mitgliedern mu� jeweils ein Mann die F�hrung �bernehmen. Obwohl im allgemeinen M�nner st�rker sind, was den Gebrauch der Macht betrifft, sind die st�rksten Zirkel diejenigen mit soweit wie m�glich ausgeglichener Anzahl an M�nnern und Frauen <emphasis>(siehe auch:</emphasis><a l:href="#idx21">Aes Sedai</a>).</p><p><strong>Verlorene:</strong> Name f�r die dreizehn der m�chtigsten Aes Sedai aus dem Zeitalter der Legenden und damit auch zu den m�chtigsten z�hlend, die es �berhaupt jemals gab. W�hrend des Schattenkriegs liefen sie zum Dunklen K�nig �ber, weil er ihnen daf�r die Unsterblichkeit versprach. Sie bezeichnen sich selbst als die �Auserw�hlten�. Sowohl Legenden wie auch fragmentarische Berichte stimmen darin �berein, da� sie zusammen mit dem Dunklen K�nig eingekerkert wurden, als dessen Gef�ngnis wiederversiegelt wurde. Ihre Namen werden heute noch ben�tzt, um Kinder zu erschrecken. Es waren: Aginor, Asmodean, Balthamel, Be'lal, Demandred, Graendal, Ishamael, Lanfear, Mesaana, Moghedien, Rahvin, Sammael und Semirhage.</p><p id="idx31"><strong>Wahre Quelle:</strong> die treibende Kraft des Universums, die das Rad der Zeit antreibt. Sie teilt sich in eine m�nnliche <emphasis>(Saidin)</emphasis> und eine weibliche H�lfte <emphasis>(Saidar),</emphasis> die gleichzeitig miteinander und gegeneinander arbeiten. Nur ein Mann kann von <emphasis>Saidin</emphasis> Energie beziehen und nur eine Frau von <emphasis>Saidar.</emphasis> Seit dem Beginn der Zeit des Wahns vor mehr als dreitausend Jahren ist <emphasis>Saidin</emphasis> von der Hand des Dunklen K�nigs gezeichnet <emphasis>(siehe auch:</emphasis><a l:href="#idx28">Eine Macht</a>).</p><p><strong>Weise Frau:</strong> Unter den Aiel werden Frauen von den Weisen Frauen zu dieser Berufung ausgew�hlt und angelernt. Sie erlernen die Heilkunst, Kr�uterkunde und anderes, �hnlich wie die Seherinnen. Gew�hnlich gibt es in jeder Septimenfestung oder bei jedem Clan eine Weise Frau. Manchen von ihnen sagt man wundersame Heilkr�fte nach und sie vollbringen auch andere Dinge, die als Wunder angesehen werden. Sie besitzen gro�e Autorit�t und Verantwortung, sowie gro�en Einflu� auf die Septimen und die Clanh�uptlinge, obwohl diese M�nner sie oft beschuldigen, da� sie sich st�ndig einmischten. Die Weisen Frauen stehen �ber allen Fehden und kriegerischen Auseinandersetzungen, und <emphasis>Ji'e'toh</emphasis> entsprechend d�rfen sie nicht bel�stigt oder irgendwie behindert werden. W�rde sich eine Weise Frau an einem Kampf beteiligen, stellte das eine schwere Verletzung aller guten Sitten und Traditionen dar. Eine Reihe der Weisen Frauen besitzen in gewissem Ma�e die F�higkeit die Eine Macht ben�tzen zu k�nnen, aber der Brauch will es, da� sie nicht dar�ber sprechen. Es ist ebenfalls bei ihnen �blich, noch strenger als die anderen Aiel jeden Kontakt mit den Aes Sedai zu vermeiden. Sie suchen nach anderen Aielfrauen, die mit dieser F�higkeit geboren werden oder sie erlernen k�nnen. Drei im Moment lebende Weise Frauen sind Traumg�ngerinnen, k�nnen also <emphasis>Tel'aran'rhiod</emphasis> betreten und sich im Traum u. a. mit anderen Menschen verst�ndigen <emphasis>(siehe auch:</emphasis> Traumg�nger, <emphasis>Tel'aran'rhiod).</emphasis></p><p><strong>Wei�e Burg:</strong> Zentrum und Herz der Macht der Aes Sedai. Sie befindet sich im Herzen der gro�en Inselstadt Tar Valon.</p><p><strong>Wei�m�ntel:</strong><emphasis>siehe</emphasis><a l:href="#idx45">Kinder des Lichts</a>.</p><p id="idx27"><strong>Wiedergeborener Drache:</strong> Nach der Prophezeiung und der Legende der wiedergeborene Lews Therin Telamon. Die meisten, jedoch nicht alle Menschen erkennen Rand al'Thor als den Wiedergeborenen Drachen an <emphasis>(siehe auch:</emphasis><a l:href="#idx38">Drache</a>; <a l:href="#idx39">Drache, falscher</a>; <a l:href="#idx30">Prophezeiungen des Drachen</a>).</p><p><strong>Wilde:</strong> eine Frau, die allein gelernt hat, die Eine Macht zu lenken, und die ihre Krise �berlebte, was nur etwa einer von vieren gelingt. Solche Frauen wehren sich gew�hnlich gegen die Erkenntnis, da� sie die Macht tats�chlich ben�tzen, doch durchbricht man diese Sperre, geh�ren die Wilden sp�ter oft zu den m�chtigsten Aes Sedai. Die Bezeichnung �Wilde� wird h�ufig abwertend verwendet.</p><p id="idx16"><strong>Zeitalter der Legenden:</strong> das Zeitalter, welches von dem Krieg des Schattens und der Zerst�rung der Welt beendet wurde. Eine Zeit, in der die Aes Sedai Wunder vollbringen konnten, von denen man heute nur tr�umen kann <emphasis>(siehe auch:</emphasis><a l:href="#idx05">Zerst�rung der Welt</a>; <a l:href="#idx36">Schattenkrieg</a>).</p><p id="idx05"><strong>Zerst�rung der Welt:</strong> Als Lews Therin Telamon und die Hundert Gef�hrten das Gef�ngnis des Dunklen K�nigs wieder versiegelten, fiel durch den Gegenangriff ein Schatten auf <emphasis>Saidin.</emphasis> Schlie�lich verfiel jeder m�nnliche Aes Sedai auf schreckliche Art dem Wahnsinn. In ihrem Wahn ver�nderten diese M�nner, die die Eine Macht in einem heute unvorstellbaren Ma�e beherrschten, die Oberfl�che der Erde. Sie riefen furchtbare Erdbeben hervor, Gebirgsz�ge wurden eingeebnet, neue Berge erhoben sich, wo sich Meere befunden hatten, entstand Pestland und an anderen Stellen drang der Ozean in bewohnte L�nder ein. Viele Teile der Welt wurden vollst�ndig entv�lkert und die �berlebenden wie Staub vom Wind verstreut. Diese Zerst�rung wird in Geschichten, Legenden und Geschichtsb�chern als die Zerst�rung der Welt bezeichnet.</p><p id="idx17"><strong>Zweifler:</strong> ein Orden innerhalb der Gemeinschaft der Kinder des Lichts. Sie sehen ihre Aufgabe darin, die Wahrheit im Wortstreit zu finden und Schattenfreunde zu erkennen. Ihre Suche nach der Wahrheit und dem Licht, so wie sie die Dinge sehen, wird noch eifriger betrieben, als bei den Kindern des Lichts allgemein �blich. Ihre normale Befragungsmethode ist die Folter, wobei sie der Auffassung sind, da� sie selbst die Wahrheit bereits kennen und ihre Opfer nur dazu bringen m�ssen, sie zu gestehen. Die Zweifler bezeichnen sich als die �Hand des Lichts�, die Hand, welche die Wahrheit ausgr�bt, und sie verhalten sich gelegentlich so, als seien sie v�llig unabh�ngig von den Kindern und dem Rat der Gesalbten, der die Gemeinschaft leitet. Das Oberhaupt der Zweifler ist der Hochinquisitor, der einen Sitz im Rat der Gesalbten hat. Im Wappen f�hren sie einen blutroten Hirtenstab <emphasis>(siehe auch:</emphasis><a l:href="#idx45">Kinder des Lichts</a>).</p></section></body><binary id="cover" 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