<?xml version="1.0" encoding="utf-8"?><FictionBook xmlns="http://www.gribuser.ru/xml/fictionbook/2.0" xmlns:l="http://www.w3.org/1999/xlink"><description><title-info><genre>sf_fantasy</genre><author><first-name>Robert</first-name><last-name>Jordan</last-name></author><book-title>Herr des Chaos</book-title><date>2011</date><coverpage><image l:href="#cover"/></coverpage><lang>de</lang><src-lang>en</src-lang><translator><first-name>Uwe</first-name><last-name>Luserke</last-name></translator><translator><first-name>Karin</first-name><last-name>K�nig</last-name></translator><sequence name="Das Rad der Zeit" number="6"/></title-info><src-title-info><genre>sf_fantasy</genre><author><first-name>Robert</first-name><last-name>Jordan</last-name></author><book-title>Lord of Chaos</book-title><date>1994</date><lang>en</lang></src-title-info><document-info><author><nickname>N/A</nickname></author><program-used>None, fb2cut 2.5.4, fb2cut 2.6.2</program-used><date value="2012-07-02">2012</date><src-ocr>Tinstar, Zerwas</src-ocr><id>9DC5EF89-BA69-4A4C-A8C2-F65E606E06E6</id><version>1.0</version></document-info></description><body><title><p>Robert Jordan</p><p>Herr des Chaos</p></title><epigraph><p>F�r Betsy</p></epigraph><section><image l:href="#1"/><empty-line/></section><section><cite><poem><stanza><v>Wo der L�we singt und der Rabe lacht,</v><v>der Mond scheint am Tag und die Sonn' bei Nacht,</v><v>wo im Sommer das kochende Wasser gefriert:</v><v>dort ist's, wo der Herr des Chaos regiert.</v></stanza></poem><text-author>�Kinderreim, wie er in Gro� Aravalon im Vierten Zeitalter zu h�ren war</text-author></cite></section><section><title><p>PROLOG</p><p>Die erste Botschaft</p></title><p>Demandred trat hinaus auf den schwarzen Abhang des Schayol Ghul, und das Tor, ein Loch im Gewebe der Realit�t, h�rte augenblicklich zu existieren auf. �ber ihm war der Himmel hinter wild aufquellenden grauen Wolken verborgen. Es sah aus, als br�chen sich Aschewogen eines gespiegelten Meeres tr�ge am verborgenen Felsgipfel des Berges. Weiter unten blitzen verwaschen blaue und rote Lichter �ber dem unfruchtbaren Tal, konnten aber den tr�ben Dunst nicht vertreiben, der ihre Quelle verh�llte. Blitze zuckten zu den Wolken empor und tr�ger Donner grollte. Am Abhang quollen Dampf und Rauch aus weithin verstreuten Rissen im Boden. Manche dieser �ffnungen waren so klein wie eine M�nnerhand, und andere wieder gro� genug, um zehn M�nner auf einmal zu verschlingen.</p><p>Er lie� sofort die Eine Macht fahren, und mit dem Wegfallen der S��e <emphasis>Saidins</emphasis> entschwanden auch die erh�hten Sinneswahrnehmungen, die alles vorher klarer und deutlicher erscheinen lie�en. Die Abwesenheit von <emphasis>Saidin</emphasis> hinterlie� eine nagende Leere in ihm, doch hier w�rde nur ein kompletter Narr die Bereitschaft zeigen, die Macht zu ben�tzen. Au�erdem w�rde auch nur ein Narr an diesem Ort besser sehen oder riechen oder f�hlen wollen.</p><p>In einer Zeit, die man nun als das Zeitalter der Legenden bezeichnete, war dies eine idyllische Insel in einem k�hlen Meer gewesen, ein beliebter Ort bei jenen, die l�ndliche Ruhe bevorzugten. Jetzt war es trotz der aufsteigenden D�mpfe bitter kalt. Er beherrschte sich soweit da� er die K�lte nicht sp�rte, aber der Instinkt lie� ihn den pelzbesetzten Samtumhang enger um sich zusammenziehen. Sein Atem stand als feiner Dunst vor seinem Mund, kaum sichtbar, bevor ihn die Luft schluckte. Ein paar hundert Wegstunden weiter im Norden bestand die Welt nur noch aus Eis, aber die Erde des Thakan'dar war trocken wie die einer in ewigen Winter geh�llten W�ste.</p><p>Es gab hier Wasser, falls man das so nennen konnte, ein tr�bes Rinnsal, das sich den steinigen Hang neben dem grauen Dach einer Schmiede herunterwand. Drinnen erklangen Hammerschl�ge, und bei jedem Klirren flammte wei�er Lichtschein in den engen Fenster�ffnungen auf. Eine zerlumpte Frau kauerte wie ein H�ufchen Ungl�ck an der groben Steinwand der Schmiede, ein Baby in den Armen, und ein d�rres M�dchen vergrub sein Gesicht im Rock der Frau. Zweifellos waren sie Gefangene, die man von einem �berfall in den Grenzlanden mitgebracht hatte. Aber nur so wenige � da knirschten die Myrddraal vermutlich mit den Z�hnen. Ihre Klingen wurden nach einer Weile stumpf und mu�ten ersetzt werden, gleich, ob man nun die �berf�lle in den Grenzlanden eingeschr�nkt hatte.</p><p>Einer der Schmiede trat aus der H�tte; eine massige Menschengestalt mit langsamen Bewegungen, die wie aus Fels gehauen erschien. Diese Schmiede lebten nicht wirklich. Sobald man sie auch nur um weniges vom Schayol Ghul entfernte, verwandelten sie sich zu Stein oder Staub. Sie waren auch nicht Schmiede im Sinne des Worts, denn sie stellten nichts als Schwerter her. Dieser hier hielt mit einer langen Greifzange eine Schwertklinge fest, die bereits einmal abgek�hlt war, hell und bleich wie mondbeschienener Schnee. Ob er nun lebte oder nicht, jedenfalls ging der Schmied mit �u�erster Sorgfalt vor, als er das schimmernde Metall in den dunklen Bach hielt. Welches Scheinleben ihn auch beseelen mochte, es konnte durch die blo�e Ber�hrung dieses Wassers enden. Als er die Klinge wieder herauszog, war sie stumpf schwarz. Doch der Herstellungsproze� war noch nicht beendet. Der Schmied schlurfte wieder hinein, und pl�tzlich erklang von drinnen der verzweifelte Schrei eines Mannes.</p><p>�Nein! Nein! NEIN!� schrie <emphasis>er,</emphasis> und der Schrei entfernte sich, ohne an Eindringlichkeit zu verlieren, als habe man den Schreienden in unvorstellbare Ferne davongezerrt. Erst jetzt war die Klinge fertig.</p><p>Noch einmal trat ein Schmied aus der H�tte �vielleicht der gleiche, vielleicht ein anderer � und ri� die Frau grob auf die F��e. Frau, Baby und Kind begannen zu wehklagen, doch er entri� ihr das Baby und legte es dem M�dchen in die Arme. Erst jetzt erwachte ein wenig Widerstandsgeist in der Frau. Weinend trat sie wild zu und krallte nach dem Schmied. Der zeigte sich genauso beeindruckt wie ein Steinklotz. Das Schreien der Frau verstummte, sobald sie drinnen war. Die H�mmer begannen wieder mit ihrem Dr�hnen und Klirren und �bert�nten das Schluchzen der Kinder.</p><p>Eine Klinge fertig, eine in der Fertigstellung begriffen und zwei weitere, die noch geschmiedet werden mu�ten. Demandred hatte noch bei keinem Besuch zuvor weniger als f�nfzig Gefangene in der Schlange stehen sehen, um ihr Scherflein zum Gelingen der Pl�ne des Gro�en Herrn der Dunkelheit beizutragen. Die Myrddraal hatten allen Grund, auf die Z�hne zu bei�en.</p><p>�Tr�delt Ihr etwa, wenn man Euch zum Gro�en Herrn gerufen hat?� Die Stimme klang, als zerbr�ckle verrottetes Leder.</p><p>Demandred wandte sich gem�chlich um. Was fiel diesem Halbmenschen nur ein, ihn in diesem Tonfall anzusprechen? Doch dann blieben ihm die strafenden Worte im Halse stecken. Das lag nicht an dem augenlosen Blick in diesem leichenblassen Gesicht. Der Blick eines Myrddraal erweckte Furcht in den Herzen aller M�nner, doch er hatte die Furcht schon lange aus seinem eigenen verbannt. Nein, es lag am der schwarzgekleideten Gestalt selbst. Ein Myrddraal war etwa so gro� wie ein hochgewachsener Mann, die schlangengleiche Nachbildung eines Menschen und einem solchen so �hnlich, als habe man sie in derselben Gu�form hergestellt. Doch dieser hier war noch um einiges gr��er.</p><p>�Ich bringe Euch zum Gro�en Herrn�, sagte der Myrddraal. �Ich hei�e Schaidar Haran.� Er wandte sich ab und begann, den Abhang emporzuklimmen. Seine Bewegungen waren fl�ssig und geschmeidig wie die einer Schlange. Sein tuscheschwarzer Umhang hing ihm unnat�rlich starr und ohne auch nur eine Falte vorn R�cken.</p><p>Demandred z�gerte, bevor er ihm hinterherklomm. Die Namen der Halbmenschen kamen immer aus der zungenbrecherischen Sprache der Trollocs. �Schaidar Haran� dagegen kam aus einer Sprache, die man heutzutage als die �Alte Sprache� bezeichnete. Er bedeutete: �Hand der Dunkelheit�. Eine weitere �berraschung, und Demandred liebte �berraschungen nicht, am wenigsten hier am Schayol Ghul.</p><p>Der Eingang in den Berg h�tte auch einer der verstreuten Risse sein k�nnen, aber es kaum weder Rauch noch Dampf heraus. Er klaffte weit genug, um zwei M�nnern nebeneinander Einla� zu gew�hren, doch der Myrddraal blieb vor ihm. Der Weg senkte sich gleich hinter dem Eingang ab und f�hrte hinunter. Der Boden des Tunnels war von unz�hligen Schritten abgewetzt und gl�nzte wie glasierte Friesen. Die K�lte verflog, als Demandred Schaidar Harans breitem R�cken immer weiter hinunter folgte, und machte einer zunehmend intensiveren Hitze Platz. Demandred war sich der Hitze bewu�t, lie� sich aber nicht davon ber�hren. Ein blasser Lichtschein ging von dem Felsgestein aus und erf�llte den Tunnel, heller als das ewige Zwielicht drau�en. Unregelm��ig geformte Zapfen hingen von der Decke herab, zum Zuschnappen bereite steinerne Z�hne. Das Gebi� des Gro�en Herrn, das die Untreuen oder den Verr�ter zerrei�en w�rde. Selbstverst�ndlich waren sie nicht nat�rlichen Ursprungs, aber sie erreichten ihren Zweck.</p><p>Mit einemmal bemerkte er etwas. Jedesmal, wenn er diesen Weg zuvor zur�ckgelegt hatte, hatten diese Zapfen beinahe seinen Kopf gestreift. Jetzt befanden sie sich zwei Handbreit oder mehr �ber dem Kopf des Myrddraal. Das �berraschte ihn. Nicht, da� sich die H�he des Tunnels ge�ndert hatte, denn hier war das Ungew�hnliche an der Tagesordnung, sondern der zus�tzliche Freiraum, der dem Halbmenschen gew�hrt worden war. Der Gro�e Herr gab dem Myrddraal genau wie den Menschen seine Fingerzeige. Dieser Freiraum war etwas, dessen man sich erinnern sollte.</p><p>Der Tunnel weitete sich pl�tzlich, und er stand auf einem weiten Felsvorsprung �ber einem See aus geschmolzenem Stein, rot mit schwarzen Flecken, �ber dem mannshohe Flammen tanzten, erstarben und dann wieder aufz�ngelten. Es gab kein Dach � nur ein gro�es, klaffendes Loch durch den ganzen Berg nach oben hin, und dar�ber zeigte sich ein Himmel, der nicht der Himmel �ber Thakan'dar war. Dagegen wirkte der Thakan'dars beinahe normal. Wolken aus wild gemusterten Schichten rasten vorbei, als w�rden sie vom st�rksten aller St�rme, den die Welt je erlebt hatte, vorw�rtsgepeitscht. Diesen Ort hier nannten die Menschen den Krater des Verderbens, und nur wenige wu�ten, da� er diese Bezeichnung wirklich verdient hatte.</p><p>Selbst nach so vielen Besuchen hier � der erste lag nun �ber dreitausend Jahre zur�ck � empfand Demandred etwas wie Ehrfurcht. Hier konnte er den Stollen sp�ren, dieses Loch, das man vor so langer Zeit bis zum Gef�ngnis des Gro�en Herrn vorangetrieben hatte, in dem er seit dem Augenblick der Sch�pfung festgehalten worden war. Hier �berw�ltigte ihn die Gegenwart des Gro�en Herrn. K�rperlich befand er sich dem Stollen keineswegs n�her als an irgendeinem anderen Ort auf der Welt, aber das Muster war hier so d�nn, da� ihm erm�glicht wurde, sie innerlich wahrzunehmen.</p><p>Demandred war einem L�cheln so nahe, wie ihm das nur m�glich war. Was f�r Idioten das doch waren, die sich dem Gro�en Herrn entgegenstellten! O ja, der Stollen war noch verschlossen, aber nicht mehr so undurchdringlich wie zu jener Zeit, da er aus seinem langen Schlaf erwacht und aus seinem Kerker tief unten entschl�pft war. Verschlossen, aber trotzdem war er gr��er als bei seinem Erwachen. Allerdings nicht so gro� wie damals, als man ihn zusammen mit seinen Verb�ndeten am Ende des Kriegs um die Macht hineingeworfen hatte. Doch bei jedem Besuch seit dem Erwachen war der Stollen ein wenig gr��er gewesen. Bald w�rde der Verschlu� ganz verschwinden, und der Gro�e Herr konnte endlich wieder die ganze Welt ergreifen. Bald w�rde der Tag der R�ckkehr anbrechen. Und er w�rde f�r alle Ewigkeit die Welt regieren. Unter dem Gro�en Herrn nat�rlich. Und nat�rlich gemeinsam mit den anderen der Auserw�hlten, die bis dahin �berlebten.</p><p>�Ihr d�rft jetzt gehen, Halbmensch.� Er wollte dieses Ding nicht hier dabeihaben, wenn ihn die Ekstase �berkam. Die Ekstase und der Schmerz.</p><p>Schaidar Haran r�hrte sich nicht.</p><p>Demandred �ffnete den Mund � und in seinem Kopf explodierte die Stimme: DEMANDRED!</p><p>Das als Stimme zu bezeichnen war, als bezeichne man einen Berg als Kieselstein. Sie zerquetschte ihn beinahe, explodierte im Innern seines Sch�dels und f�llte ihn gleichzeitig mit Verz�ckung. Er sank auf die Knie nieder. Der Myrddraal stand da und beobachtete ihn leidenschaftslos, doch da diese Stimme seinen ganzen Verstand erf�llte, nahm er das Ding nur am Rande wahr.</p><p>DEMANDRED. WIE STEHT ES UM DIESE WELT?</p><p>Er war sich niemals sicher, wieviel der Gro�e Herr tats�chlich von der Welt wu�te. Er war oft sowohl von Unkenntnis wie auch vom Wissensstand des Gro�en Herrn �berrascht worden. Doch ihm war vollkommen klar, worauf er jetzt hinauswollte.</p><p>�Rahvin ist tot, Gro�er Herr. Gestern.� Es schmerzte. Wenn Euphorie zu stark wurde, wandelte sie sich in Schmerz. Seine Arme und Beine zuckten. Jetzt schwitzte er. �Lanfear ist spurlos verschwunden, genau wie Asmodean. Und Graendal sagt, Moghedien sei zu ihrem vereinbarten Treffen nicht erschienen. Das war auch gestern, Gro�er Herr. Ich glaube nicht an Zuf�lle.�</p><p>DIE AUSERW�HLTEN SCHWINDEN DAHIN, DEMANDRED. DIE SCHWACHEN FALLEN VON MIR AB. WER MICH VERR�T, WIRD DEN ENDG�LTIGEN TOD STERBEN. ASMODEAN, VON SEINEN SCHW�CHEN AUFGEZEHRT. RAHVIN TOT, WEIL ER ZU STOLZ WAR. ER DIENTE MIR GUT, DOCH SELBST ICH KANN IHN NICHT VOR DEM BAALSFEUER RETTEN. SELBST ICH KANN MICH NICHT AU�ERHALB DER ZEIT BEGEBEN. Einen Augenblick lang erf�llte ein schrecklicher Zorn diese entsetzliche Stimme, und dazu � konnte das Niedergeschlagenheit sein? Nur einen kurzen Augenblick. VON MEINEM URALTEN FEIND GET�TET, DEN MAN DEN DRACHEN NENNT. W�RDEST DU IN MEINEM DIENST DAS BAALSFEUER VERWENDEN, DEMANRED?</p><p>Demandred z�gerte. Ein Schwei�tropfen rollte einen Fingerbreit weit seine Wange hinunter. Das schien eine Stunde gedauert zu haben. Ein Jahr lang w�hrend des Kriegs um die Macht hatten beide Seiten Baalsfeuer ben�tzt. Bis sie die Folgen begriffen hatten. Ohne eine offizielle Einigung oder einen Waffenstillstand � es hatte niemals einen Waffenstillstand oder auch nur Gnade in diesem Kampf gegeben � hatten beide Seiten einfach damit aufgeh�rt. In diesem Jahr waren ganze St�dte im Baalsfeuer vergangen, hunderttausende von F�den im Muster verbrannt, die Wirklichkeit selbst beinahe aufgel�st und dem Punkt nahegekommen, an dem die Welt und das ganze Universum sich wie Nebel verfl�chtigten. Falls das Baalsfeuer noch einmal losgelassen wurde, mochte es keine Welt mehr geben, die er h�tte regieren k�nnen.</p><p>Noch eine Erkenntnis stie� ihm unangenehm auf. Der Gro�e Herr wu�te bereits, wie Rahvin ums Leben gekommen war. Und er schien auch mehr �ber Asmodean zu wissen, als er selbst. �Wie Ihr befehlt, Gro�er Herr, so werde ich gehorchen.� Seine Muskeln mochten zucken, doch die Stimme klang felsenfest. An seinen Knien bildeten sich bereits Blasen vom hei�en Felsboden, doch seine Haut h�tte ebensogut einem anderen geh�ren k�nnen. DAS WERDET IHR.</p><p>�Gro�er Herr, der Drache kann durchaus vernichtet werden.� Ein toter Mann konnte kein Baalsfeuer mehr verwenden, und dann w�rde der Gro�e Herr vielleicht einsehen, da� es nicht mehr notwendig sei. �Er wei� nicht viel und ist schwach. Seine Aufmerksamkeit gilt einem Dutzend verschiedener Dinge gleichzeitig. Rahvin war ein eingebildeter Narr. Ich...� WOLLT IHR DER NAE'BLIS WERDEN? Demandreds Zunge erstarrte. Nae'blis. Derjenige, der nur eine einzige Stufe unterhalb des Gro�en Herrn stand und selbst �ber alle anderen herrschte. �Ich m�chte Euch lediglich dienen, Gro�er Herr, auf welche Art auch immer.� Nae'blis.</p><p>DANN LAUSCHT UND DIENT. H�RT, WER STERBEN UND WER LEBEN WIRD.</p><p>Demandred schrie, als die Stimme �ber ihm zusammenschlug. Freudentr�nen liefen ihm �ber die Wangen. Unbewegt sah der Myrddraal zu.</p><p>�H�rt auf mit der Herumzappelei.� Nynaeve warf gereizt den langen Zopf �ber ihre Schulter. �Das klappt nicht, wenn Ihr herumzappelt wie Kinder, die es juckt.�</p><p>Keine der beiden Frauen, die ihr an dem Korbtisch gegen�bersa�en, schien �lter als sie selbst zu sein, obwohl sie in Wirklichkeit etwa zwanzig Jahre mehr z�hlten, und sie zappelten auch nicht wirklich, aber Nynaeve war einfach der Hitze wegen gereizt. In dem kleinen fensterlosen Raum bekam man Platzangst. Sie war schwei�na�; die beiden dagegen wirkten k�hl und trocken. Leane in ihrem Domanikleid aus viel zu d�nner, blauer Seide zuckte lediglich die Achseln. Die hochgewachsene Frau mit dem kupfernen Teint schien �ber unendlich viel Geduld zu verf�gen. Normalerweise. Siuan dagegen, blond und kr�ftig, zeigte nur selten welche.</p><p>Nun knurrte Siuan und zupfte gereizt ihren Rock zurecht. Sonst trug sie meist recht einfache Kleidung, aber heute morgen hatte sie ein Gewand aus feinem gelben Leinen an, das um den beinahe etwas zu tiefen Ausschnitt herum mit tairenischer Labyrinthstickerei verziert war. Ihre blauen Augen blickten so kalt wie Wasser aus einer tiefen Quelle. So kalt jedenfalls Wasser aus einer tiefen Quelle gewesen w�re, h�tte das Wetter nicht so verr�ckt gespielt. Sie hatte wohl die Kleider gewechselt, nicht aber die Augen. �Es klappt so und so nicht�, fauchte sie. Ihre typische Art zu sprechen hatte sich auch nicht ge�ndert. �Man kann einen Rumpf nicht abdichten, wenn das ganze Boot verbrannt ist. Nun, es ist reine Zeitverschwendung, aber ich habe es versprochen, also weiter damit. Leane und ich haben noch mehr Arbeit.� Die beiden leiteten das Netz der Augen-und-Ohren dieser Aes Sedai in Salidar, der Spione, die Berichte dar�ber sandten, was sich in der Welt so tat und welche Ger�chte man drau�en in der Welt vernahm.</p><p>Nynaeve strich ihren Rock glatt, um sich ein wenig zu beruhigen. Ihr Kleid war aus einfacher wei�er Wolle gefertigt und hatte am Saum sieben Farbstreifen, einen f�r jede Ajah. Das Kleid einer Aufgenommenen. Das �rgerte sie mehr, als sie sich je vorgestellt hatte. Sie h�tte soviel lieber das gr�ne Seidenkleid angezogen, das sie weggepackt hatte. Sie gab ja, wenigstens insgeheim, zu, da� sie in letzter Zeit Gefallen an sch�nen Kleidern gefunden hatte, aber f�r speziell dieses hatte sie sich nur aus Gr�nden der Bequemlichkeit entschieden, denn es war d�nn und leicht, und nicht etwa, weil Gr�n zu Lans Lieblingsfarben zu geh�ren schien. Absolut nicht deswegen. Tr�umereien der �belsten Sorte. Eine Aufgenommene, die irgend etwas anderes als das ums�umte wei�e Kleid trug, w�rde sehr schnell feststellen, da� es f�r sie noch ein langer Weg bis zur Aes Sedai war! Entschlossen verdr�ngte sie alle Gedanken an Kleidung. Sie war nicht hier, um davon zu tr�umen, sich herauszuputzen. Ihm gefiel auch Blau. Nein!</p><p>Vorsichtig griff sie mit der Einen Macht zu, erst bei Siuan und dann bei Leane. Auf gewisse Weise gebrauchte sie die Macht �berhaupt nicht richtig. Sie konnte sie ja nicht lenken, wenn sie nicht gerade zornig war, konnte noch nicht einmal die Wahre Quelle sp�ren. Doch es kam auf dasselbe heraus. D�nne F�den von <emphasis>Saidar,</emphasis> der weiblichen H�lfte der Wahren Quelle, tasteten sich, so wie sie sie webte, durch die beiden Frauen.</p><p>An ihrem linken Arm trug Nynaeve ein schmales Armband, ein einfaches Gliederband aus Silber. Haupts�chlich aus Silber jedenfalls, und es stammte aus einer ganz bestimmten Quelle, obwohl das im Grunde keine Rolle spielte. Es war, abgesehen von ihrem Gro�en Schlangenring, das einzige Schmuckst�ck, das sie trug. Man brachte die Aufgenommenen auf ziemlich eindeutige Weise davon ab, viel Schmuck zu tragen. Eine dazu passende Halskette schmiegte sich eng um den Hals der vierten Frau im Raum, die auf einem Hocker an der rauh verputzten Wand sa� und die H�nde im Scho� gefaltet hatte. Sie trug grobe braune Wollkleidung wie eine Bauersfrau, hatte auch das verbrauchte aber robuste Gesicht einer B�uerin, doch bei ihr war kein Schwei�tropfen zu sehen. Sie bewegte auch nicht einen Muskel; nur ihre dunklen Augen beobachteten alles. In Nynaeves Sicht war sie vom Gl�hen <emphasis>Saidars</emphasis> umgeben, aber es war Nynaeve, die diese Str�nge dirigierte. Arm- und Halsband schufen ein Bindeglied zwischen ihnen, ganz �hnlich, wie die Aes Sedai sich verkn�pften, um ihre Kr�fte miteinander zu vereinen. Elaynes Meinung nach hatte das etwas mit �absolut identischen Mustern� zu tun, und ihre weiteren Erkl�rungen waren dann wirklich unverst�ndlich gewesen. Nynaeve glaubte in Wirklichkeit nicht, da� Elayne auch nur halb soviel verstand, wie sie vorgab. Was sie selbst betraf, verstand Nynaeve �berhaupt nichts, au�er, da� sie eben jedes Gef�hl der Frau mitempfand, die Frau selbst �f�hlte�, aber nur in einem Winkel ihres Verstands, und da� sie es war, die den Gebrauch der Macht durch die andere kontrollierte. Manchmal glaubte sie, es sei vielleicht besser, wenn die Frau auf dem Hocker nicht mehr lebte. Einfacher auf jeden Fall. Sauberer.</p><p>�Es ist etwas zerrissen oder zerschnitten worden�, sagte Nynaeve nachdenklich und wischte sich abwesend den Schwei� vom Gesicht. Es war nur ein ganz verschwommener Eindruck, fast gar nicht zu bemerken, aber es war das erste Mal, da� sie �berhaupt mehr als nur Leere vorgefunden hatte. Es konnte nat�rlich auch Einbildung sein, Wunschdenken, weil sie unbedingt etwas finden wollte, gleich was.</p><p>�Abtrennen�, sagte die Frau auf dem Hocker. �So hat man das bezeichnet, was Ihr nun eine D�mpfung nennt.�</p><p>Drei K�pfe drehten sich zu ihr herum, und drei Augenpaare blickten sie w�tend an. Siuan und Leane waren Aes Sedai gewesen, bis man sie w�hrend des Umsturzes in der Wei�en Burg einer D�mpfung unterzogen hatte und Elaida zum Amyrlin-Sitz gew�hlt worden war. D�mpfung. Alle Schwingungen der Einen Macht verflacht unterdr�ckt, abgeschnitten. Das Wort konnte einen schaudern lassen. Niemals mehr die Macht lenken. Und sich trotzdem immer daran erinnern und sich des Verlustes bewu�t sein. St�ndig die Wahre Quelle f�hlen und dabei wissen, da� man sie nie wieder ber�hren wird. Man konnte die Wirkung einer D�mpfung genausowenig abheilen wie den Tod.</p><p>Das glaubte jedenfalls jeder, aber Nynaeves Meinung nach sollte die Eine Macht in der Lage sein, alles zu heilen � bis eben auf den Tod. �Falls Ihr etwas N�tzliches beizutragen habt Marigan�, sagte sie in scharfem Ton, �dann sagt es. Falls nicht haltet den Mund.�</p><p>Marigan wich zur�ck und dr�ckte sich gegen die Wand. Ihre Augen glitzerten, und ihr Blick war auf Nynaeve gerichtet. Furcht und Ha� quollen durch das Armband zu Nynaeve her�ber, aber das war in gewissem Ma�e immer so. Gefangene hatten gew�hnlich nicht viel f�r die �brig, die sie gefangengenommen hatten, sogar � vielleicht gerade darum � wenn ihnen klar war, da� sie die Gefangenschaft oder noch schlimmeres verdient hatten. Das Problem war nur, da� Marigan ebenso behauptete, das Abtrennen � die D�mpfung �sei nicht heilbar. O ja, sie behauptete wohl, im Zeitalter der Legenden habe man praktisch alles bis auf den Tod geheilt, und was die Gelben Ajah nun als Heilen bezeichneten, sei nur ein schwacher Abklatsch fr�herer Kenntnisse, so als versorge man nur schnell und provisorisch die vielen Verwundeten auf einem Schlachtfeld. Aber wenn man Einzelheiten aus ihr herausbekommen wollte, oder wenigstens ein paar Andeutungen, dann stie� man ins Leere. Marigan verstand genausoviel vom Heilen wie Nynaeve von der Arbeit eines Schmieds �da� man n�mlich Metall zwischen gl�hende Kohlen steckte und dann mit einem Hammer draufschlug. Das reichte bestimmt nicht, um auch nur ein Hufeisen herzustellen. Oder irgend etwas Schlimmeres als eine Prellung zu heilen.</p><p>Nynaeve drehte sich auf ihrem Stuhl wieder herum und musterte Siuan und Leane. Tagelang ging das nun schon. Wann immer sie die beiden aus ihrer �brigen Arbeit rei�en konnte, harten sie sich hier getroffen, aber erfahren hatte sie dadurch nichts. Mit einemmal wurde ihr bewu�t, da� sie nerv�s an dem Armband herumspielte. Was sie auch immer dadurch gewann: Sie ha�te es, mit der anderen Frau verkn�pft zu sein. Diese Intimit�t empfand sie als widerlich. <emphasis>Vielleicht kann ich auf diese Art wenigstens etwas erfahren,</emphasis> dachte sie. <emphasis>Und wenn nicht, kommt es auf dasselbe heraus wie alles bisher.</emphasis></p><p>Vorsichtig l�ste sie das Armband von ihrem Handgelenk � der Verschlu� war v�llig unauffindbar, wenn man nicht wu�te, wie er funktionierte � und reichte es Siuan. �Legt das an.� Es war bitter, die Beherrschung der Macht so aus der Hand zu geben, aber sie mu�te das jetzt durchziehen. Und diese Gef�hlsaufwallungen loszuwerden war wie ein reinigendes Bad. Marigans Blick folgte wie hypnotisiert dem schmalen Silberband.</p><p>�Warum?� wollte Siuan wissen. �Ihr sagt mir erst, dieses Ding funktioniere nur, wenn...�</p><p>�Legt es einfach an, Siuan.�</p><p>Siuan blickte sie zuerst unwillig an � Licht, diese Frau konnte vielleicht stur sein � und schlo� dann doch das Armband um ihr Handgelenk. Augenblicklich nahm ihr Gesicht einen staunenden Ausdruck an, und anschlie�end zog sie die Augen zusammen und sah Marigan dabei an. �Sie ha�t uns, doch das war mir schon klar. Und da ist auch Furcht und ... Erschrecken. Sie l��t sich nicht das geringste anmerken, aber sie ist beinahe zu Tode erschrocken. Ich denke, sie glaubte vorher nicht, da� ich dieses Ding auch benutzen kann.�</p><p>Marigan verlagerte unruhig ihr Gewicht. Bisher konnten nur zwei von denen, die von ihr wu�ten, das Armband ben�tzen. Vier w�rden noch erheblich mehr unangenehme Fragen mit sich bringen. Oberfl�chlich betrachtet, schien sie in vollem Ma�e zur Zusammenarbeit bereit, doch was mochte sie wohl verbergen? Soviel sie nur konnte, da war Nynaeve sicher.</p><p>Seufzend sch�ttelte Siuan den Kopf. �Und ich kann nicht. Ich sollte doch in der Lage sein, durch sie die Quelle zu ber�hren, stimmt's? Also, es geht nicht. Eher k�nnte ein Schwein lernen, auf einen Baum zu klettern. Ich bin der D�mpfung unterzogen worden, und damit hat sich's. <emphasis>Wie</emphasis> bekommt man das Ding wieder ab?� Sie fummelte an dem Armband herum. �Verdammt, wie geht das nur wieder ab?�</p><p>Sanft legte Nynaeve eine Hand auf die Siuans, mit der sie am Armband herummachte. �Begreift Ihr denn nicht? Das Armband funktioniert nicht bei einer Frau, die mit der Macht nicht umgehen kann, genausowenig wie das Halsband in diesem Fall. Wenn ich eines davon einer der K�chinnen anlegte, w�re es nicht mehr als ein h�bsches Schmuckst�ck f�r sie.�</p><p>�K�chinnen oder nicht�, sagte Siuan, als sei die Diskussion damit f�r sie beendet, �ich kann jedenfalls die Macht nicht mehr ergreifen. Man hat mich der D�mpfung unterzogen.�</p><p>�Aber es gibt da etwas, das man heilen kann�, widersprach ihr Nynaeve. �Sonst h�ttet Ihr durch das Armband �berhaupt nichts sp�ren k�nnen.�</p><p>Siuan ri� ihren Arm los und streckte ihn Nynaeve mit dem Handgelenk voraus hin. �Nehmt es ab.�</p><p>Nynaeve sch�ttelte den Kopf, als sie dem Wunsch nachkam. Manchmal konnte Siuan genauso stur sein wie ein Mann!</p><p>Als sie Leane das Armband hinhielt, streckte die Domanifrau ihr den Arm voller Eifer entgegen. Leane tat gew�hnlich, genau wie Siuan, als mache ihr der Verlust der Macht nicht viel aus, aber das wirkte nicht immer. Angeblich gab es nur eine M�glichkeit, die Auswirkungen einer D�mpfung zu �berleben, wenn man n�mlich etwas fand, um das ganze Leben auszuf�llen, die Leere zu f�llen, die die Eine Macht hinterlassen hatte. F�r Siuan und Leane bestand das im Moment darin, ihr gesamtes Agentennetz auszubauen und zu leiten, und, was noch wichtiger war, zu versuchen, die Aes Sedai hier in Salidar zu �berzeugen, da� sie Rand al'Thor als den Wiedergeborenen Drachen unterst�tzen mu�ten. Aber die Aes Sedai durften von dieser Absicht nichts merken. Die Frage war nur, ob das auf die Dauer ausreichen w�rde. Die Bitterkeit auf Siuans Miene und die Freude auf der Leanes, als sich das Armband um ihr Handgelenk schlo�, sprachen eine deutliche Sprache. Vielleicht konnte nichts jemals diese Leere f�llen.</p><p>�Oh, ja.� Leane hatte eine �u�erst knappe Art zu sprechen. Allerdings nicht, wenn sie mit M�nnern sprach. Schlie�lich war sie eine Domani, und in letzter Zeit machte sie, was das betraf, alles wieder gut, was sie in ihrer Zeit in der Burg vers�umt hatte. �Ja, sie ist wirklich wie bet�ubt, nicht wahr? Allerdings f�ngt sie sich jetzt allm�hlich wieder.� Ein paar Augenblicke lang sa� sie schweigend da und betrachtete nachdenklich die Frau auf dem Hocker. Marigan blickte mi�trauisch zur�ck. Schlie�lich zuckte Leane die Achseln. �Ich kann die Quelle auch nicht ber�hren. Und ich habe versucht, sie den Stich eines Flohs am Kn�chel sp�ren zu lassen. Wenn das geklappt h�tte, w�re irgendeine Reaktion bei ihr sp�rbar gewesen.� Das war eine weitere Anwendungsm�glichkeit des Armbands: Man konnte die Frau mit dem Halsband k�rperliche Empfindungen sp�ren lassen. Nur die Empfindungen � es hinterlie� keine �u�eren Spuren, keine wirklichen Verletzungen �, doch als Marigan ein- oder zweimal die Empfindungen kr�ftiger Pr�gel hatte sp�ren m�ssen, hatte sie sich entschlossen, am besten mitzuspielen. Die Alternative w�re eine schnelle Gerichtsverhandlung gewesen, mit anschlie�ender Hinrichtung.</p><p>Trotz des Fehlschlags schaute Leane genau hin, als Nynaeve das Armband �ffnete und es wieder um ihr eigenes Handgelenk schlo�. Wie es schien, hatte wenigstens sie den Gedanken noch nicht vollst�ndig aufgegeben, eines Tages wieder die Macht lenken zu k�nnen.</p><p>Es war herrlich, die Eine Macht wieder zu sp�ren. Nicht so sch�n nat�rlich, wie selbst <emphasis>Saidar</emphasis> in sich aufzunehmen, sich davon erf�llen zu lassen, aber sogar das Gef�hl, durch die andere Frau die Quelle zu ber�hren, wirkte so, als verdopple sich dadurch die Lebenskraft. Wenn man <emphasis>Saidar</emphasis> in sich aufnahm, wollte man am liebsten vor reiner Freude lachen und tanzen.</p><p>Sie rechnete damit, da� sie sich eines Tages daran gew�hnt haben w�rde; das mu�te ja bei einer fertigen Aes Sedai so sein. Im Vergleich dazu war das Verkn�pfen mit Marigan ein geringer Preis, den sie zu zahlen hatte. �Jetzt, da wir wissen, da� es eine Chance f�r Euch gibt�, sagte sie, �glaube ich...�</p><p>Die T�r schlug auf, und Nynaeve war auf den F��en, noch bevor sie es richtig wahrgenommen hatte. Sie dachte gar nicht daran, die Macht zu gebrauchen. W�re ihre Kehle nicht wie zugeschn�rt gewesen, h�tte sie laut geschrien. Sie war nicht die einzige. Sie registrierte aber kaum, da� auch Siuan und Leane aufgesprungen waren. Die Angst, die sich durch das Armband in sie ergo�, schien ein Echo ihrer eigenen.</p><p>Die junge Frau, die nun die abgewetzte Holzt�r hinter sich schlo�, nahm gar keine Notiz von dem Aufruhr, den sie ausgel�st hatte. Gro� und hoch aufgerichtet, im wei�en Kleid einer Aufgenommenen, die sonnengoldenen Locken bis auf die Schultern herabh�ngend, wirkte sie, als wolle sie vor Wut in die Luft gehen. Aber trotz des vom Zorn verzerrten Gesichts und der Schwei�tropfen, die ihr von der Stirn rannen, brachte sie es irgendwie noch fertig, sch�n auszusehen. Das war bei Elayne eine besondere Gabe. �Wi�t Ihr, was sie vorhaben? Sie schicken doch tats�chlich eine Gesandtschaft nach ... nach Caemlyn! Und sie weigern sich, mich mitzunehmen! Sheriam hat mir <emphasis>verboten,</emphasis> das Thema noch einmal zu erw�hnen! Verbot mir, �berhaupt davon zu sprechen!�</p><p>�Hat man dir das Anklopfen nicht beigebracht, Elayne?�</p><p>Nynaeve zog ihren umgekippten Stuhl wieder hoch und setzte sich. Das hei�t, sie lie� sich mit weichen Knien erleichtert auf den Stuhl fallen. �Ich dachte schon, Sheriam sei gekommen.� Der blo�e Gedanke an ein Ertappen verursachte ihr Magenschmerzen.</p><p>Man mu�te es Elayne hoch anrechnen, da� sie err�tete und sich sofort entschuldigte. Dann verdarb sie den Eindruck jedoch wieder, indem sie hinzuf�gte: �Ich wei� gar nicht, warum ihr so schreckhaft seid. Birgitte steht ja noch drau�en, und ihr wi�t genau, da� sie euch warnen w�rde, falls sich jemand anderes n�hert. Nynaeve, sie <emphasis>m�ssen</emphasis> mich einfach mitnehmen!�</p><p>�Sie <emphasis>m�ssen</emphasis> �berhaupt nichts tun�, sagte Siuan m�rrisch. Auch sie und Leane hatten sich wieder hingesetzt. Siuan sa� gerade aufgerichtet da, wie immer, aber Leane sank, wie Nynaeve, mit zitternden Knien in sich zusammen. Marigan hatte sich an die Wand gelehnt, die Augen geschlossen, die H�nde gegen den rauhen Verputz gepre�t, und sie atmete schwer. Durch das Armband wogten abwechselnd Erleichterung und blanke Angst zu Nynaeve hin�ber.</p><p>�Aber...�</p><p>Siuan gestattete Elayne kein weiteres Wort. �Glaubt Ihr, Sheriam oder eine der anderen w�rden zulassen, da� die Tochter Erbin von Andor in die H�nde des Wiedergeborenen Drachen f�llt? Da nun Eure Mutter nicht mehr lebt...�</p><p>�Das glaube ich nicht!� fauchte Elayne.</p><p>�Ihr glaubt nicht, da� Rand sie get�tet hat�, fuhr Siuan unnachgiebig fort, �und das ist auch eine ganz andere Angelegenheit. Ich glaube es auch nicht. Aber w�re Morgase noch am Leben, k�me sie jetzt aus ihrem Versteck und w�rde ihm als dem Wiedergeborenen Drachen huldigen. Oder sie w�rde, sollte sie ihn trotz aller Beweise f�r einen weiteren falschen Drachen halten, den Widerstand organisieren. Keine meiner Augen-und-Ohren hat mir bisher von einem der beiden berichtet. Und das gilt nicht nur f�r Andor, sondern auch f�r Altara und Murandy.�</p><p><emphasis>�Doch,</emphasis> haben sie�, beharrte Elayne z�h. �Es gibt bereits Aufst�nde im Westen.�</p><p>�Gegen Moiraine. <emphasis>Gegen.</emphasis> Falls das nicht auch blo� ein Ger�cht ist.� Siuans Stimme klang so gef�hllos wie ein Steinklotz. �Eure Mutter ist tot, M�dchen. Am besten gesteht Ihr euch das endlich ein und bringt Eure Tr�nen hinter Euch.�</p><p>Elaynes Kinn ruckte hoch, eine �u�erst unangenehme Eigenheit bei ihr, und sie wurde zum Abbild eisiger Arroganz, obwohl die meisten M�nner das aus irgendeinem Grund wohl attraktiv fanden. �Ihr beklagt Euch st�ndig, wie lange es dauert, mit allen Euren Agenten in Verbindung zu kommen�, sagte sie k�hl, �aber ich werde ausnahmsweise nicht in Betracht ziehen, ob Ihr wirklich alles geh�rt haben k�nnt, was es zu berichten gibt. Ob meine Mutter nun noch lebt oder nicht, <emphasis>mein</emphasis> Platz ist jetzt jedenfalls in Caemlyn. Ich <emphasis>bin</emphasis> nun einmal die Tochter Erbin.�</p><p>Siuans lautes Schnauben lie� Nynaeve hochfahren. �Ihr seid nun lange genug eine Aufgenommene, um es besser zu wissen.� Elayne besa� ein Potential, wie man es in den letzten tausend Jahren nicht mehr erlebt hatte. Nicht ganz soviel wie Nynaeve, falls die jemals lernte, ganz nach Belieben die Macht zu ben�tzen, aber doch genug, da� jeder Aes Sedai die Augen feucht wurden. Elayne r�mpfte die Nase. Sie wu�te sehr wohl: Selbst noch vom L�wenthron h�tten sie die Aes Sedai herunter und zur Ausbildung weggeholt. Zur Not h�tten sie sie in ein Fa� gesteckt und nach Tar Valon gerollt. Trotzdem wollte sie widersprechen, doch Siuan redete genauso schnell weiter: �Sicher, sie h�tten nichts dagegen, wenn Ihr fr�her oder sp�ter den Thron besteigt, denn es hat schon viel zu lange keine K�nigin mehr gegeben, die sich ganz offen zu den Aes Sedai bekannte. Aber sie lassen Euch nicht gehen, bevor Ihr zur fertigen Schwester erhoben worden seid, und selbst dann � gerade <emphasis>weil</emphasis> Ihr die Tochter Erbin seid und bald K�nigin werdet � lassen sie Euch nicht in die N�he des verdammten Wiedergeborenen Drachen, bis sie wissen, inwieweit sie ihm vertrauen k�nnen. Vor allem, nach dieser ... <emphasis>Amnestie,</emphasis> die er erlassen hat.� Sie verzog s�uerlich den Mund bei diesem Wort, und Leane schnitt eine Grimasse dazu.</p><p>Auch Nynaeve lief es eiskalt den R�cken herab. Sie war in dem Glauben aufgewachsen, einen Mann f�rchten zu m�ssen, der die Eine Macht ben�tzen konnte, weil er dazu bestimmt war, dem Wahnsinn zu verfallen, und, bevor die vom Schatten verdorbene m�nnliche H�lfte der Quelle ihn auf entsetzliche Art t�tete, noch Angst und Schrecken auf der ganzen Weit verbreiten w�rde. Doch nun war Rand, den sie hatte aufwachsen sehen, der Wiedergeborene Drache, geboren zum Zeichen daf�r, da� die Letzte Schlacht nahte, und in dieser Schlacht sollte er gegen den Dunklen K�nig antreten. Der Wiedergeborene Drache, die einzige Hoffnung der Menschheit � und ein Mann, der die Macht ben�tzen konnte. Noch schlimmer: Berichten zufolge bem�hte er sich, andere mit dieser Eigenschaft um sich herum zu sammeln. Nat�rlich konnte es nicht viele dieser Sorte geben. Jede Aes Sedai w�rde einen jeden davon einfangen, der ihr �ber den Weg lief � die Roten Ajah taten ja nichts anderes, als nach ihnen zu suchen �, aber sie sp�rten nur wenige auf, viel weniger jedenfalls als fr�her, wenn man den Chroniken glaubte.</p><p>Elayne dachte aber nicht daran, aufzugeben. Das war nun wieder bewundernswert an ihr: Sie w�rde nicht aufgeben, und l�ge ihr Kopf auch schon auf dem Richtblock unter der niedersausenden Axt des Henkers. Sie stand mit vorgestrecktem Kinn da und blickte Siuan geradewegs in die Augen, was Nynaeve oft ziemlich schwer fiel. �Es gibt zwei eindeutige Gr�nde, warum ich gehen sollte. Einmal ist es so, da� meine Mutter auf jeden Fall fort ist, was auch mit ihr geschehen sein mag, und als die Tochter Erbin kann ich die Menschen beruhigen und ihnen klarmachen, da� die Thronfolge gesichert ist. Und dann kann ich zu Rand gehen. Er vertraut mir. Ich w�re viel besser daf�r geeignet als jede, die vom Saal f�r diese Aufgabe erw�hlt wird!�</p><p>Die Aes Sedai hier in Salidar hatten ihren eigenen Burgsaal, ihre Ratsversammlung also, gew�hlt, einen Saal im Exil, so wie die Dinge lagen. Sie br�teten angeblich nun �ber der Frage, wen sie zu ihrer neuen Amyrlin w�hlen sollten, einer rechtm��igen Amyrlin, die Elaidas Anspruch auf den Titel und die Burg bestreiten w�rde, aber bisher hatte Nynaeve noch nicht viel davon bemerkt.</p><p>�Wie freundlich von Euch, Kind, da� Ihr Euch opfern wollt�, bemerkte Leane trocken. Elaynes Gesichtsausdruck �nderte sich nicht, doch sie lief puterrot an. Nur wenige au�erhalb dieses Raums und keine einzige Aes Sedai wu�ten Bescheid, aber Nynaeve zweifelte nicht daran, da� Elaynes erste Handlung in Caemlyn sein werde, sich mit Rand allein zur�ckzuziehen und ihn zu k�ssen, bis ihm die Luft wegblieb. �Da Eure Mutter ... verschollen ist ... w�rde Rand Euch haben und Caemlyn sowieso, und damit ganz Andor. Der Rat will ihm nicht mehr von Andor oder irgendeinem anderen Land �berlassen als unbedingt notwendig, soweit sie das beeinflussen k�nnen. Er hat ja schon Tear und Cairhien in der Tasche, und dazu noch die Aiel, wie es scheint. F�gt Andor hinzu, dann werden Murandy und Altara mit uns mittendrin fallen, sobald er nur einmal niesen mu�. Er wird viel zu schnell viel zu m�chtig. Er k�nnte ja zu dem Entschlu� kommen, da� er uns nicht braucht. Und da Moiraine tot ist, haben wir niemanden in seiner N�he, dem wir vertrauen k�nnen.�</p><p>Bei diesen Worten zuckte Nynaeve unwillk�rlich zusammen. Moiraine war die Aes Sedai gewesen, die sie und Rand von den Zwei Fl�ssen fortgebracht und damit ihre Leben ver�ndert hatte. Sie und Rand, Egwene, Mat und Perrin. So lange schon hatte sie geplant, Moiraine f�r das bezahlen zu lassen, was sie ihnen angetan hatte. Nun war das Wissen um ihren Verlust ein Gef�hl, als habe sie einen Teil ihrer selbst verloren. Aber Moiraine war in Cairhien gestorben und hatte Lanfear mit in den Tod gerissen. Sie wurde bereits unter den Aes Sedai hier zur Legende: die einzige Aes Sedai, die es jemals geschafft hatte, eine der Verlorenen zu t�ten, vielleicht sogar zwei. Das einzig Gute, das Nynaeve daran finden konnte, auch wenn sie sich dieser Tatsache sch�mte, war die Befreiung Lans von der Aufgabe, Moiraines Beh�ter sein zu m�ssen. Wenn sie ihn nur jemals wiederfinden konnte.</p><p>Siuan setzte dort an, wo Leane aufgeh�rt hatte: �Wir k�nnen uns nicht leisten, den Jungen ganz und gar ohne F�hrung zu lassen. Wer wei� schon, was er sonst anstellt? Ja, ja, ich wei�, da� Ihr bereit seid, Euren Kopf f�r ihn hinzuhalten, aber ich will gar nichts h�ren. Ich versuche, einen lebenden Barrakuda auf meiner Nase zu balancieren, M�dchen. Wir k�nnen ihn nicht zu stark werden lassen, bevor er unsere F�hrung akzeptiert, und andererseits wagen wir nicht, ihn zu sehr in seiner Bewegungsfreiheit einzuschr�nken. Und ich bem�he mich, Sheriam und die anderen bei der �berzeugung zu halten, sie m��ten ihn unbedingt unterst�tzen, obwohl insgeheim die H�lfte der Sitzenden nichts mit ihm zu tun haben will, w�hrend die anderen im Innersten glauben, er sollte einer D�mpfung unterzogen werden, Wiedergeborener Drache hin oder her. Wie auch immer und welche Argumente Ihr auch haben m�gt, schlage ich vor, da� Ihr auf Sheriam h�rt. Ihr werdet keine hier von ihrer Meinung abbringen, und Tiana hat ohnehin nicht genug Novizinnen hier, um damit voll ausgelastet zu sein.�</p><p>Elayne verzog �rgerlich das Gesicht. Tiana Noselle, eine Graue Schwester, war die Herrin der Novizinnen hier in Salidar. Eine Aufgenommene mu�te wohl erheblich mehr angestellt haben als eine Novizin, um zu Tiana geschickt zu werden, dann aber war ein solcher Besuch mit erheblich mehr Schmerzen und Dem�tigung verbunden als �blich. Tiana zeigte gelegentlich einer Novizin gegen�ber ein bi�chen Freundlichkeit, wenn auch nicht gerade viel; doch war sie der Meinung, eine Aufgenommene sollte auf jeden Fall einiges besser wissen, und das lie� sie ihr Opfer auch sp�ren, lange bevor es die kleine Kammer, die ihr als Arbeitszimmer diente, wieder verlassen durfte.</p><p>Nynaeve hatte Siuan beobachtet, und nun kam ihr ein Gedanke. �Ihr wu�tet �ber diese ... Gesandtschaft oder was es auch sein mag ... von vornherein Bescheid, oder? Ihr steckt ja beide st�ndig die K�pfe mit Sheriam und den anderen aus ihrem kleinen Kreis zusammen.� Der Saal mochte die ganze angebliche Befehlsgewalt aus�ben, bis sie eine Amyrlin gew�hlt hatten, aber in Wirklichkeit waren es Sheriam und die Handvoll anderer Aes Sedai, die gleich zu Beginn die Ankunft und alles weitere in Salidar organisiert hatten, die alle F�den in der Hand hielten. �Wie viele schicken sie hin, Siuan?� Elayne schnappte nach Luft; offensichtlich hatte sie daran noch gar nicht gedacht. Da konnte man sehen, wie durcheinander sie war. Gew�hnlich bemerkte sie Einzelheiten, die Nynaeve entgingen.</p><p>Siuan leugnete es nicht ab. Seit sie der D�mpfung unterzogen worden war, konnte sie l�gen wie ein Wollh�ndler, aber wenn sie sich entschlossen hatte, offen zu sprechen, dann war sie so offen wie ein Schlag ins Gesicht. �Neun. �Genug, um dem Wiedergeborenen Drachen die Ehre zu erweisen... � Das stinkt wie die Innereien eines Fisches! Eine Gesandtschaft zu einem <emphasis>K�nig</emphasis> geht selten �ber drei hinaus! �...aber nicht genug, um ihm Angst einzujagen.� Falls er mittlerweile genug gelernt hat, um �berhaupt Angst zu empfinden.�</p><p>�Ihr solltet besser hoffen, da� er das gelernt hat�, sagte Elayne mit kalter Stimme. �Falls nicht, dann k�nnten neun sich als acht zuviel erweisen.�</p><p>Dreizehn war die gef�hrliche Anzahl. Rand war stark, vielleicht st�rker als jeder andere Mann seit der Zerst�rung der Welt, aber dreizehn verkn�pfte Aes Sedai konnten auch ihn �berw�ltigen, ihn von <emphasis>Saidin</emphasis> abschirmen und gefangennehmen. Dreizehn war auch die Anzahl der Aes Sedai, die man benutzte, um einen Mann der D�mpfung zu unterziehen. Allerdings war Nynaeve mittlerweile zu der Ansicht gekommen, da� dies mehr aus Tradition so gehalten wurde und nicht aus Notwendigkeit. Die Aes Sedai taten vieles einfach, weil sie es immer schon so gehalten hatten.</p><p>Siuans L�cheln war alles andere als freundlich. �Ich frage mich, warum noch niemand daran gedacht hat. Denkt doch mal nach, M�dchen! Das tun schlie�lich auch Sheriam und der Saal. Nat�rlich geht anfangs nur eine zu ihm, und anschlie�end auch nur so viele, wie er ertragen kann. Aber er wird wissen, da� neun kamen, und irgend jemand wird ihm sicher erz�hlen, welche Ehre das ist.�</p><p>�Ach so�, sagte Elayne kleinlaut. �Ich h�tte wissen m�ssen, da� eine von Euch daran denken w�rde. Tut mir leid.� Das war noch eine gute Eigenschaft an ihr. Sie konnte stur sein wie ein schielender Maulesel, aber wenn ihr klar wurde, da� sie im Unrecht war, gab sie es so ehrlich zu wie eine Frau vom Land. Bei einer Adligen war das schon mehr als ungew�hnlich.</p><p>�Min geht auch mit�, sagte Leane. �Ihr ... Talent k�nnte n�tzlich sein f�r Rand. Davon wissen die Schwestern nat�rlich nichts. Sie versteht es, Geheimnisse zu wahren.� Als w�re das das Wichtige daran.</p><p>�So, so�, sagte Elayne. Diesmal klang ihre Stimme betont nichtssagend. Dann bem�hte sie sich, etwas heiterer zu sprechen, aber das mi�lang ihr gr�ndlich. �Na ja, wie ich sehe, seid Ihr mit ... mit Marigan besch�ftigt. Ich wollte ja nicht st�ren. Bitte entschuldigt die Unterbrechung.� Sie war weg, bevor Nynaeve den Mund aufbekam. Die T�r krachte hinter ihr zu.</p><p>Zornig fuhr Nynaeve Leane an: �Ich dachte, Siuan sei die gemeinere von Euch beiden, aber das war wirklich hundsgemein!�</p><p>Es war Siuan, die ihr antwortete: �Wenn zwei Frauen den gleichen Mann lieben, gibt es Schwierigkeiten. Und wenn dieser Mann dann auch noch Rand al'Thor ist... Das Licht mag wissen, wie es um seine geistige Gesundheit steht, oder was sie bei ihm anrichten k�nnten. Wenn es um Kratzen und Bei�en und Haareausrei�en geht, dann sollen sie das jetzt und hier erledigen.�</p><p>Ohne nachzudenken schnappte Nynaeves Hand ihren Zopf und ri� ihn mit einem Ruck �ber ihre Schulter. �Ich sollte...� Das Dumme war nur, da� sie gar nicht viel tun konnte und auf jeden Fall nichts, womit sie etwas �nderte. �Wir machen weiter an dem Punkt, an dem Elayne hereinplatzte. Aber, Siuan... Solltet Ihr Elayne jemals wieder so etwas antun�, <emphasis>oder auch mir,</emphasis> dachte sie, �dann bekommt Ehr es mit mir zu tun... Wo wollt Ihr eigentlich hin?� Siuan hatte ihren Stuhl zur�ckgeschoben und sich erhoben, worauf Leane nach einem kurzen Blickaustausch das gleiche tat.</p><p>�Wir haben zu tun�, sagte Siuan kurz angebunden und bereits auf dem Weg zur T�r.</p><p>�Ihr habt versprochen, mir zur Verf�gung zu stehen, Siuan. Sheriam hat es Euch aufgetragen.� Sheriam hatte es genau wie Siuan f�r reine Zeitverschwendung gehalten, aber Nynaeve und Elayne hatten sich eine Belohnung verdient und auch eine gewisse Portion Gro�z�gigkeit. Wie beispielsweise Marigan als Zofe zugewiesen zu bekommen, damit sie mehr Zeit f�r die Studien der Aufgenommenen hatten.</p><p>Siuan warf ihr von der T�r her einen am�sierten Blick zu. �Vielleicht wollt Ihr Euch bei ihr beklagen? Und erkl�ren, wie Ihr Eure Forschungen betreibt? Ich will heute abend<emphasis>Marigan</emphasis> verh�ren; ich habe einige weitere Fragen.�</p><p>Als Siuan drau�en war, sagte Leane traurig: �Es w�re ja sch�n, Nynaeve, aber wir m�ssen doch wenigstens das tun, was wir wirklich auch vollbringen k�nnen. Ihr k�nntet es ja mit Logain versuchen.� Dann war auch sie weg.</p><p>Nynaeve machte eine finstere Miene. Aus Logain hatte sie noch weniger herausbekommen als aus den beiden Frauen. Sie fragte sich bereits, ob jemals etwas dabei herauskommen werde, wenn sie weiterhin Logain untersuchte. Au�erdem war das allerletzte, was sie vorhatte, ausgerechnet einen Mann zu heilen, den man einer D�mpfung unterzogen hatte. Und dazu machte er sie auch noch immer so nerv�s.</p><p>�Ihr bei�t aufeinander ein wie Ratten in einer verschlossenen Schachtel�, sagte Marigan. �Wenn man die bisherigen Ergebnisse sieht, stehen Eure Chancen nicht sehr gut. Vielleicht solltet Ihr Euch ... andere M�glichkeiten �berlegen.�</p><p>�Haltet Euren schmutzigen Mund!� Nynaeve funkelte sie an. �Haltet ihn ja, sonst mag Euch das Licht verbrennen!� Immer noch drang Angst durch das Armband zu ihr her�ber, aber auch noch etwas anderes, fast zu schwach, um es zu bemerken. Vielleicht ein ganz schwacher Hoffnungsschimmer. �Das Licht soll Euch versengen�, knurrte sie noch einmal.</p><p>Der wirkliche Name der Frau war nicht Marigan, sondern Moghedien. Eine der Verlorenen, die durch ihre eigene �berheblichkeit in die Falle gegangen war und die nun mitten unter den Aes Sedai als Gefangene lebte. Nur f�nf Frauen auf der Welt wu�ten dar�ber Bescheid, und keine davon war eine Aes Sedai, doch es war unbedingt notwendig Moghediens Identit�t strikt geheimzuhalten. Die Verbrechen der Verlorenen h�tten sonst ebenso unvermeidlich zur Hinrichtung gef�hrt, wie die Sonne morgens aufging. Da stimmte ihr auch Siuan zu; auf jede Aes Sedai, die damit gewartet h�tte, k�men mindestens zehn, die augenblicklich eine Gerichtsverhandlung gefordert h�tten. Und mit ihr w�rde auch all ihr Wissen aus dem Zeitalter der Legenden, in dem man heute ungeahnte Dinge mit Hilfe der Macht vollbrachte, in ein namenloses Grab gelegt. Nynaeve konnte kaum die H�lfte von dem glauben, was ihr diese Frau von jenem Zeitalter erz�hlte. Und sie verstand gewi� noch um einiges weniger.</p><p>Informationen aus Moghedien herauszuholen war nicht gerade leicht. Manchmal war es dem Heilen �hnlich; Moghedien hatte sich nie f�r Dinge interessiert, die ihr nicht dienlich waren und die sie nicht auf schnellstem Weg an ihr gew�nschtes Ziel brachten. Man konnte von ihr kaum erwarten, da� sie mit der Wahrheit �ber sich selbst herausr�ckte, aber Nynaeve vermutete, sie sei wohl eine Art Schwindlerin gewesen, bevor sie ihre Seele dem Dunklen K�nig verschrieb. Manchmal wu�ten sie und Elayne einfach auch nicht, welche Fragen sie ihr stellen sollten. Moghedien gab nur selten freiwillig etwas von sich, soviel war klar. Trotzdem hatten sie eine Menge gelernt und das meiste an die Aes Sedai weitergegeben. Nat�rlich offiziell als Ergebnisse ihrer Forschungen und Studien als Aufgenommene. Das hatte ihnen eine Menge Ansehen eingebracht.</p><p>Sie und Elayne h�tten ja die Kenntnis der Identit�t Marigans ganz f�r sich behalten, wenn das m�glich gewesen w�re. Aber Birgitte hatte nat�rlich von Anfang an Bescheid gewu�t, und Siuan und Leane hatte sie es einfach sagen m�ssen. Siuan hatte die n�heren Umst�nde, die zu Moghediens Gefangennahme gef�hrt hatten, viel zu gut gekannt und nat�rlich eine genaue Erkl�rung verlangt. Sie wu�te eben zuviel von ihnen. So konnten sie ihr diese Erkl�rung nicht verweigern. Nynaeve und Elayne kannten einige von Siuans und Leanes Geheimnissen, und die beiden schienen daf�r alles von ihr und Elayne zu wissen, abgesehen nat�rlich von der Wahrheit �ber Birgitte. So befanden sie sich in einer etwas unsicheren Situation, in der ihrer Meinung nach die Vorteile bei Siuan und Leane lagen. Au�erdem ging es bei Moghediens Enth�llungen auch um die R�nke m�glicher Schattenfreunde und um Andeutungen dessen, was andere der Verlorenen m�glicherweise planten. Der einzig gangbare Weg, diese Informationen weiterzugeben, war der, es erscheinen zu lassen, als stammten sie von Siuans und Leanes Agenten. �ber die Schwarzen Ajah � so lange verborgen und so vehement abgeleugnet � erfuhren sie nichts, obwohl Siuan gerade daran besonderes Interesse gehabt h�tte. Schattenfreunde widerten sie an, aber der blo�e Gedanke, da� sich Aes Sedai dem Dunklen K�nig verschworen, steigerte Siuans Abneigung zu eiskalter Wut. Moghedien behauptete, sie habe sich davor gef�rchtet, sich auch nur in die N�he <emphasis>irgendeiner</emphasis> Aes Sedai zu begeben, und das klang auch glaubhaft.</p><p>Angst war der st�ndige Begleiter dieser Frau. Kein Wunder, wenn sie sich so lange im Schatten verborgen hatte, bis man sie als die �Spinne� bezeichnete. Alles in allem stellte sie einen Schatz dar, den man nicht dem Henker �bergeben durfte. Und doch w�rden die meisten Aes Sedai dem widersprechen. Die meisten Aes Sedai w�rden sich wahrscheinlich sogar weigern, etwas zu ber�hren oder auf etwas zu vertrauen, das man vor ihr erfahren hatte.</p><p>Schuldgef�hle und auch Abscheu plagten Nynaeve, und das nicht zum erstenmal. Konnte die Menge der erworbenen Kenntnisse rechtfertigen, da� sie eine der Verlorenen der Gerechtigkeit vorenthielten? Sie preiszugeben w�rde unweigerlich zu einer Bestrafung f�hren, m�glicherweise zu einer schrecklichen Strafe, und f�r alle Beteiligten, also nicht nur sie selbst, sondern auch f�r Elayne und Siuan und Leane. Das w�rde ebenfalls bedeuten, da� sich Birgittes Identit�t offenbarte. Und all dieses Wissen w�re verloren. Moghedien verstand wohl nichts vom Heilen, aber sie hatte ihr Dutzende von Hinweisen geliefert, was alles m�glich war, und in ihrem Kopf mu�te noch mehr davon stecken. Mit diesen Hinweisen, nach denen sie sich richten konnte, waren dem, was sie noch entdecken mochte, kaum Grenzen gesetzt.</p><p>Nynaeve w�nschte sich ein Bad, und das hatte nichts mit der Hitze zu tun. �Also sprechen wir �ber das Wetter�, sagte sie schlie�lich mit bitterem Unterton.</p><p>�Ihr wi�t mehr dar�ber, wie man das Wetter kontrolliert, als ich.� Moghediens Stimme klang ersch�pft, und etwas davon kam auch durch das Armband her�ber. Sie hatte ihr schon genug Fragen zu diesem Thema gestellt. �Ich wei� nur, da� alles, was sich da jetzt abspielt, das Werk des Gro�en ... des Dunklen K�nigs ist.� Sie besa� auch noch die Frechheit, bei ihrem verbalen Ausrutscher entschuldigend zu l�cheln. �Kein blo�er Mensch ist in der Lage, das zu �ndern.�</p><p>Es kostete Nynaeve M�he, nicht mit den Z�hnen zu knirschen. Elayne verstand mehr davon, das Wetter zu beeinflussen, als sonst jemand in Salidar, und sie behauptete das gleiche. Einschlie�lich der Bemerkung �ber den Dunklen K�nig, obwohl ja wohl jede das begreifen mu�te, wenn sie kein kompletter Idiot war. Bei dieser erdr�ckenden Hitze, obschon bald der erste Schnee fallen sollte, ohne jeden Regen und bei austrocknenden B�chen... �Dann sprechen wir eben �ber den Gebrauch verschiedener Arten von Geweben, die gemeinsam ben�tzt werden, um verschiedene Krankheiten zu heilen.� Die Frau behauptete, das nehme mehr Zeit in Anspruch als die heutigen Methoden, aber alle dazu ben�tigte Energie stammte aus der Einen Macht und nicht aus dem Patienten oder der Person, die diese heilenden Str�nge webte. Nat�rlich behauptete sie auch, <emphasis>M�nner</emphasis> h�tten einige Arten der Heilung besser beherrscht als Frauen, und das nahm ihr Nynaeve denn doch nicht ab. �Ihr m��t doch wenigstens einmal dabei zugesehen haben.�</p><p>So machte sie sich daran, im Schlamm zu w�hlen, um einige Goldk�rner aufzusp�ren. Jedes bi�chen Wissen war eine Menge wert. Es w�re ihr nur lieber gewesen, sie h�tte nicht dieses Gef�hl gehabt, die H�nde in stinkenden Schlamm stecken zu m�ssen.</p><p>Elayne z�gerte nicht, sobald sie drau�en war, und winkte lediglich Birgitte kurz zu. Dann schritt sie schnell davon. Birgitte, die ihr goldenes Haar zu einem h�ftlangen, kunstvollen Zopf geflochten hatte, spielte mit zwei kleinen Jungen, w�hrend sie die enge Gasse �berwachte. Den Bogen hatte sie an den schiefen Zaun neben sich gelehnt. Nun, sie versuchte wenigstens, mit ihnen zu spielen. Jaril und Seve blickten die Frau mit ihrer eigenartig bauschigen gelben Hose und dem dunklen Kurzmantel an, doch dar�ber hinaus zeigten sie keinerlei Reaktion. Das taten sie nie, und sie sagten auch kein Wort. Angeblich waren sie ja �Marigans� Kinder. Birgitte freute es, mit ihnen spielen zu k�nnen, aber etwas Trauriges lag in ihrem Blick. Sie geno� es immer, mit Kindern zu spielen und besonders mit kleinen Jungen, und immer wurde sie ein wenig traurig dabei. Elayne war das sehr wohl bewu�t, genau wie sie ihre eigenen Gef�hle kannte.</p><p>Falls sich ihr Verdacht best�tigte, da� Moghedien etwas mit dem Zustand der Kinder zu tun hatte... Aber die Frau behauptete, sie h�tten sich schon so verhalten, als sie die beiden in Ghealdan zur Tarnung mitnahm. Sie seien Waisen, die sie von der Stra�e aufgelesen habe. Ein paar Gelbe Schwestern vertraten die Meinung, sie h�tten einfach zuviel Schlimmes w�hrend der Unruhen in Samara erlebt. Das leuchtete Elayne ein, nach alledem, was sie selbst dort miterlebt hatte. Die Gelben Schwestern meinten auch, die Zeit und gute Pflege w�rden ihnen helfen, Elayne schlo� sich dieser Hoffnung an. Sie hoffte, da� sie nicht derjenigen, die daf�r verantwortlich war, gestattete, ihrer gerechten Strafe zu entgehen.</p><p>Sie wollte jetzt nicht �ber Moghedien nachdenken. �ber ihre Mutter. Nein, an die wollte sie ganz bestimmt jetzt auch nicht erinnert werden. Min. Und Rand. Es mu�te doch einen Weg geben, mit dieser Situation fertigzu werden. Sie bemerkte Birgittes Nicken kaum und eilte schnell die Gasse hinunter und hinaus auf die Hauptstra�e Salidars, �ber der die Hitze des wolkenlosen Mittagshimmels br�tete.</p><p>Jahrelang war Salidar eine Geisterstadt gewesen, bis sich die vor Elaida und ihren Anh�ngerinnen fliehenden Aes Sedai hier gesammelt hatten, aber jetzt waren die H�user zumeist mit frischem Stroh gedeckt, man entdeckte die Spuren frischer Ausbesserungen, der Putz war bei vielen erneuert, und vor allem die drei gro�en Steingeb�ude, die einst Schenken gewesen waren, wirkten jetzt wieder belebt. Eines, das gr��te, bezeichneten einige Leute bereits als die Kleine Burg, und dort traf sich auch der �Saal�, die Ratsversammlung. Nat�rlich waren nur absolut notwendige Arbeiten durchgef�hrt worden. In vielen Fenster�ffnungen sah man immer noch gesprungene Glasscheiben und manchmal auch gar keine. Es gab wichtigere Dinge, als Mauern wieder aufzurichten oder W�nde zu streichen. Die Lehmstra�en waren fast schon �berf�llt. Nat�rlich nicht nur mit Aes Sedai. Aufgenommene in wei�en Kleidern mit Farbsaum waren darunter. Novizinnen in rein wei�en Kleidern beeilten sich, ihren Aufgaben nachzukommen; Beh�ter, die sich mit der t�dlichen Grazie von Leoparden bewegten, gleich, ob sie nun mager oder kr�ftig gebaut waren, Dienerinnen, die mit den fliehenden Aes Sedai von der Burg hergekommen waren, und sogar vereinzelte Kinder waren zu sehen. Und Soldaten.</p><p>Der Saal bereitete sich darauf vor, seine Anspr�che Elaida gegen�ber notfalls mit Waffengewalt durchzusetzen, sobald sie erst eine �echte� Amyrlin gew�hlt hatten. Das entfernte Dr�hnen von Schmiedeh�mmern, das durch den L�rm der Menge hindurch von den Schmieden au�erhalb des Orts herdrang, berichtete von R�ssern, die dort beschlagen wurden, und von R�stungen, die der Reparatur bedurften. Ein Mann mit kantigem Gesicht, vielen grauen Str�hnen im dunklen Haar, mit einem braunen Mantel und einem zerbeulten Brustharnisch ritt langsam die Stra�e hinunter. W�hrend er sich den Weg durch die Menge bahnte, musterte er aufmerksam die Gruppen marschierender M�nner mit langen Piken auf den Schultern oder mit B�gen auf dem R�cken. Gareth Bryne war einverstanden gewesen, das Heer des Saals von Salidar zu rekrutieren und zu f�hren. Elayne h�tte allerdings gern gewu�t, wie und warum es dazu gekommen war. Es mu�te etwas mit Siuan und Leane zu tun haben, aber sie konnte sich nicht vorstellen, was, da er mit beiden Frauen, besonders aber mit Siuan, ziemlich grob umsprang. Irgendwie hatten die beiden einen Eid zu erf�llen, aber Elayne kam die ganze Geschichte recht undurchsichtig vor. Klar war nur, da� sich Siuan bitter beklagte, weil sie zus�tzlich zu ihren �brigen Pflichten auch noch sein Zimmer sauberhalten und seine Kleidung waschen und b�geln mu�te. Sie beklagte sich, doch sie tat es immerhin. Es mu�te wohl ein ziemlich starker Eid gewesen sein.</p><p>Brynes Blick glitt ohne merkliches Z�gern �ber Elayne hinweg. Er hatte sich ihr gegen�ber k�hl, h�flich und distanziert benommen, seit sie in Salidar angekommen war, und das, obwohl er sie ja von der Wiege an gekannt hatte. Bis vor weniger als einem Jahr noch war er Generalhauptmann der K�niglichen Garde in Andor gewesen. Einst hatte Elayne geglaubt ihre Mutter und er w�rden heiraten. Nein, sie wollte nicht an ihre Mutter denken! Min. Sie mu�te Min aufsp�ren und mit ihr sprechen.</p><p>Sie hatte kaum begonnen, sich den Weg durch die Menge auf der staubigen Stra�e zu suchen, als sie auch schon von zwei Aes Sedai entdeckt wurde. Sie hatte keine andere Wahl als stehenzubleiben und einen Knicks zu machen, w�hrend sich der Menschenstrom um sie herum teilte. Beide Frauen strahlten sie an. Sie schwitzten �berhaupt nicht. Elayne zog ein Taschentuch aus ihrem �rmel und tupfte sich das Gesicht ab. Sie w�nschte, man h�tte sie diese spezielle Kunst der Aes Sedai bereits gelehrt. �Guten Tag, Anaiya Sedai, Janya Sedai.�</p><p>�Guten Tag, Kind. Habt Ihr heute wieder neue Enth�llungen f�r uns?� Wie �blich sprach Janya Frende so hastig, als habe sie keine Zeit zum Sprechen. �Welch bemerkenswerte Fortschritte Ihr gemacht habt, Ihr und Nynaeve, und das als Aufgenommene! Ich verstehe immer noch nicht, wie Nynaeve das fertigbringt, obwohl sie solche Schwierigkeiten hat, die Macht zu ben�tzen, aber ich mu� schon sagen: Ich bin entz�ckt!� Im Gegensatz zu anderen Braunen Schwestern, die sich oftmals geistesabwesend verhielten, wenn sie nicht gerade �ber ihren B�chern und Studien br�teten, wirkte Janya Sedai sehr ordentlich. Das kurze, dunkle Haar lag sauber frisiert um das alterslose Gesicht, wie es diejenigen Aes Sedai auszeichnete, die lange Zeit �ber mit der Macht gearbeitet hatten. Und doch deutete die �u�erliche Erscheinung der schlanken Frau auf die Zugeh�rigkeit zu gerade dieser Ajah hin. Ihr Kleid war einfarbig grau und aus fester Wolle � f�r die Braunen war Kleidung kaum mehr als eben eine anst�ndige K�rperbedeckung �, und auch wenn sie gerade mit jemandem sprach, war immer ihre Stirn ein wenig gerunzelt und sie machte den Eindruck, als denke sie gleichzeitig angestrengt �ber irgend etwas anderes nach. Ohne diesen besonderen Gesichtsausdruck h�tte man sie sogar als h�bsch bezeichnen k�nnen. �Diese Methode, Euch in Licht zu h�llen, um unsichtbar zu werden. Bemerkenswert. Ich bin sicher, da� jemand herausfindet, wie man die Wellenausbreitung verhindert, damit man sich auch so bewegen kann. Und Carenna ist ganz begeistert von Nynaeves kleinem Lauschtrick. Es ist schon frech gewesen, sich so etwas auszudenken, aber es kann n�tzlich sein. Carenna glaubt, sie k�nne das etwas ab�ndern, um auf diese Weise �ber eine gr��ere Entfernung mit jemandem zu <emphasis>sprechen.</emphasis> Denkt einmal! Mit jemandem sprechen, die sich eine Meile entfernt befindet! Oder zwei, oder sogar...� Anaiya ber�hrte ihren Arm und sie brach ihren Redeschwall ab und schielte die andere Aes Sedai an.</p><p>�Ihr macht gro�e Fortschritte, Elayne�, sagte Anaiya ruhig. Die Frau mit dem derben Gesicht war immer gelassen. �M�tterlich� wurde ihr wohl am gerechtesten, und gew�hnlich wirkte sie auch beruhigend auf andere. Ihre typischen Aes Sedai-Z�ge machten es unm�glich, ihr wirkliches Alter zu sch�tzen. Auch sie geh�rte zu dem kleinen Kreis um Sheriam, der hier in Salidar die wirkliche Macht aus�bte. �Wirklich gr��ere, als irgend jemand unter uns vermutete, und wir erwarteten viel von Euch. Die erste seit der Zerst�rung, die einen <emphasis>Ter'Angreal</emphasis> anfertigte! Das ist bemerkenswert, Kind, und ich m�chte, da� Ihr Euch dessen bewu�t seid. Ihr solltet sehr stolz sein.�</p><p>Elayne blickte auf den Boden vor ihren F��en. Zwei kleine Jungen, die ihr gerade bis zur H�fte reichten, spielten mitten in der Menge lachend Fangen. Sie hoffte, da� niemand ihnen nahe genug sei, um zu lauschen. Nicht, da� ihnen irgend jemand unter den Passanten besondere Aufmerksamkeit geschenkt h�tte. Da sich so viele Aes Sedai im Ort befanden, knicksten nicht einmal die Novizinnen, es sei denn, sie wurden direkt von einer Aes Sedai angesprochen, und jede hatte Auftr�ge zu erledigen, die am besten gestern erledigt worden sein sollten.</p><p>Sie empfand alles andere als Stolz. Alle ihre �Fortschritte� gingen letzten Endes auf Moghedien zur�ck. Es hatte eine Menge solcher angeblicher Entdeckungen gegeben. Die erste war das �Invertieren� gewesen, damit ein Gewebe nur von der Frau gesehen werden konnte, die es gewebt hatte. Doch sie hatten keineswegs alle ihrer neuen Erkenntnisse weitergegeben. Beispielsweise, wie man die F�higkeit, die Macht anzuwenden, vor anderen verbarg. Ohne die Beherrschung dieser Methode w�re Moghedien innerhalb weniger Stunden entlarvt gewesen, denn jede Aes Sedai, die sich nur zwei oder drei Schritt von einer Frau entfernt befand, konnte sp�ren, ob diese Frau die Macht ben�tzen konnte oder nicht, und falls die Aes Sedai das nun selbst lernten, h�tten sie vielleicht auch herausbekommen, wie man diese Tarnung l�ftet. Und wie man das eigene Aussehen ver�ndert. Invertierte, sozusagen �umgest�lpte� Gewebe lie�en �Marigan� ganz anders aussehen als Moghedien.</p><p>Einiges von dem, was diese Frau wu�te, war einfach zu abscheulich. Der seelische Zwang beispielsweise. Mit einem bestimmten Gewebe machte man sich Menschen zu willen, konnte ihnen Befehle erteilen, aber der Empf�nger erinnerte sich nicht an diese Befehle, wenn er sie ausf�hrte. Noch schlimmere Dinge. Zu abscheulich und vielleicht auch zu gef�hrlich, um sie irgend jemandem anzuvertrauen. Nynaeve meinte, sie m��ten das lernen, um herauszubekommen, wie man einen solchen Angriff abwehrt, aber Elayne wollte nicht. Sie hielten soviel geheim, sie belogen so viele Freundinnen und Menschen, die ja letzten Endes auf ihrer Seite standen, da� sie sich fast w�nschte, jetzt bereits die Drei Eide mit Hilfe der Eidesrute abzulegen, und nicht zu warten, bis sie zur fertigen Aes Sedai erhoben wurde. Einer der drei zwang einen, kein Wort mehr zu sprechen, das nicht der Wahrheit entsprach, und dieser innere Zwang ging jeder in Fleisch und Blut �ber.</p><p>�Ich war nicht so erfolgreich mit den <emphasis>Ter'Angreal,</emphasis> wie ich glaubte, Anaiya Sedai.� Das zumindest war ihre eigene Erfindung und niemand anders zuzuschreiben. Die ersten waren dieses Armband und die Halskette gewesen � eine sorgf�ltig geheimgehaltene Sache, das verstand sich von selbst �, aber das waren eben nur leicht ver�nderte Imitationen einer b�sartigen Erfindung gewesen, des <emphasis>Adam,</emphasis> den die Seanchan zur�ckgelassen hatten, als ihr Invasionsheer bei Falme aufs Meer zur�ckgetrieben worden war. Die schlichte gr�ne Scheibe, die einer Frau gestattete, den Trick mit der Unsichtbarkeit anzuwenden, obwohl sie an sich nicht stark genug dazu war, und das waren eben nicht viele, war von Anfang an ihre eigene Idee gewesen. Sie hatte keine Gelegenheit gehabt, einen <emphasis>Angreal</emphasis> oder einen <emphasis>Sa'Angreal</emphasis> zu untersuchen, also war es ihr auch unm�glich gewesen, einen solchen anzufertigen. Bisher. Und selbst nach ihrem Erfolg, als sie dieses Ger�t der Seanchan nachgemacht hatte, war es schwieriger gewesen, einen <emphasis>Ter'Angreal</emphasis> zu fertigen, als sie geglaubt hatte. Sie ben�tzten die Eine Macht, anstatt sie zu verst�rken; ben�tzten sie zu einem einzigen, ganz bestimmten Zweck. Einige konnten sogar von Menschen ben�tzt werden, die mit der Macht nichts anzufangen vermochten, sogar von M�nnern. Es h�tte alles einfacher gehen sollen. Nun, vielleicht funktionierten sie nur so einfach, waren aber schwer herzustellen.</p><p>Ihre bescheidene Aussage l�ste bei Janya eine wahre Flut aus: �Unsinn, Kind. Absoluter Unsinn. Ich zweifle �berhaupt nicht daran, da� Ihr � sobald wir wieder in der Burg sind und Ihr richtig getestet wurdet und man Euch die Eidesrute in die Hand gibt � nicht nur zur Aes Sedai erhoben werdet. Man wird Euch au�er dem Ring auch gleich die Stola �bergeben. Zweifellos. Ihr erf�llt alle Erwartungen, die man je mit Euch verbunden hat. Und noch mehr. Niemand konnte erwarten...� Anaiya ber�hrte sie noch mal am Arm. Das schien ein verabredetes Signal zu sein, denn Janya blinzelte und schwieg augenblicklich.</p><p>�Nicht n�tig, das Kind auch noch eingebildet zu machen�, sagte Anaiya. �Elayne, ich dulde kein Schmollen von Euch. Daf�r seid Ihr schon lange zu alt.� Die Mutter konnte nicht nur freundlich, sondern auch sehr energisch sein. �Ich will nicht, da� Ihr wegen einiger Fehlschl�ge schmollt. Und das, obwohl Ihr so wunderbare Erfolge hattet.� Elayne hatte f�nf Versuche gebraucht, um die Steinscheibe fertigzubringen. Zweimal war gar nichts geschehen; bei zwei weiteren Versuchen war sie ganz verschwommen zu sehen gewesen, und anderen wurde bei dem Anblick schlecht. Der eine, bei dem alles glatt ging, war der dritte Versuch gewesen. Mehr als nur ein paar Fehlschl�ge auf Elaynes Liste. �Alles, was Ihr vollbracht habt, ist wunderbar! Ihr und nat�rlich auch Nynaeve.� .</p><p>�Dankesch�n�, sagte Elayne artig. �Ich danke Euch beiden. Ich werde mich bem�hen, deshalb nicht zu schmollen.� Wenn eine Aes Sedai behauptete, man schmolle, durfte man um des Lichts willen nicht widersprechen. �Entschuldigt Ihr mich jetzt bitte? Wie ich h�rte, wird die Gesandtschaft nach Caemlyn heute abreisen, und da m�chte ich mich von Min verabschieden.�</p><p>Nat�rlich lie�en sie sie gehen, obwohl das bei Janya sicher noch eine weitere halbe Stunde gedauert h�tte, w�re nicht Anaiya dabeigewesen. Anaiya warf Elayne einen scharfen Blick zu. Sie wu�te bestimmt alles �ber ihren Wortwechsel mit Sheriam. Doch sie sagte nichts.</p><p>Manchmal war das Schweigen einer Aes Sedai genauso laut wie ihre Worte.</p><p>Elayne strich �ber den Ring am Ringfinger ihrer linken Hand und eilte fast im Trab los. Ihr Blick war weit genug nach vorn gerichtet, damit sie behaupten konnte, sie habe niemanden bemerkt, die sie vielleicht aufhalten wollte, um ihr ebenfalls zu gratulieren. Das mochte funktionieren, konnte ihr aber auch einen Besuch bei Tiana einbringen. Die Duldsamkeit ihrer guten Arbeit wegen hatte ihre Grenzen. In diesem Augenblick jedenfalls w�re ihr Tiana lieber gewesen als all dieses unverdiente Lob.</p><p>Der Goldring stellte eine Schlange dar, die in den eigenen Schwanz bi�, die Gro�e Schlange, ein Sinnbild f�r die Aes Sedai, das auch von den Aufgenommenen getragen wurde. Wenn sie einst die Stola anlegte, deren Fransen die Farbe der von ihr erw�hlten Ajah zeigten, konnte sie ihn an jedem beliebigen Finger tragen. Notwendigerweise w�rde sie sich f�r die Gr�nen Ajah entscheiden, denn nur Gr�ne Schwestern hatten mehr als einen Beh�ter, und sie wollte Rand haben. Oder wenigstens wollte sie soviel von ihm haben wie m�glich. Das Problem war, da� sie ja bereits Birgitte an sich gebunden hatte, die erste Frau �berhaupt, die je Beh�terin geworden war. Deshalb konnte sie auch Birgittes Empfindungen mitf�hlen. So hatte sie beispielsweise heute morgen gesp�rt, da� sich Birgitte einen Splitter in die Hand gerissen hatte. Nur Nynaeve wu�te von dieser Verbindung. Beh�ter standen nur fertigen Aes Sedai zu. Eine Aufgenommene, die diese Grenze �berschritt, konnte auch mit gr��ter Duldsamkeit nicht gerettet werden. Sie hatte das allerdings aus purer Notwendigkeit getan und nicht aus einer Laune heraus, denn sonst w�re Birgitte gestorben; aber Elayne glaubte nicht, da� sie deswegen davongekommen w�re. Eine der Regeln bez�glich der Anwendung der Macht zu �bertreten konnte f�r sie selbst und f�r andere t�dlich ausgehen.</p><p>Und um das jeder ganz fest einzupr�gen, lie�en die Aes Sedai nur selten jemanden davonkommen, wenn sie eine solche Vorschrift �bertreten hatte, gleich, aus welchem Grund auch immer.</p><p>Es gab so vieles hier in Salidar, wof�r sie Ausreden erfinden mu�ten, nicht nur Birgitte und Moghedien. Einer der Eide hielt eine Aes Sedai vom L�gen <emphasis>ab,</emphasis> doch wenn man etwas gar nicht erw�hnte, mu�te man auch nicht l�gen. Moiraine hatte gewu�t, wie man eine Tarnkappe webt und sich unsichtbar macht. Vielleicht hatte sie den gleichen Trick wie Moghedien angewandt. Nynaeve hatte Moiraine einmal dabei beobachtet, bevor sie selbst eine Ahnung vom Gebrauch der Macht hatte. Aber in Salidar hatte sonst niemand davon gewu�t. Oder zumindest hatte niemand es zugegeben. Birgitte hatte best�tigt, was Elayne allm�hlich schon vermutet hatte, da� n�mlich die meisten Aes Sedai, vielleicht sogar alle, mindestens einen Teil ihres Wissens zur�ckhielten. Und sie hatten so ihre eigenen geheimen Tricks. Falls gen�gend Aes Sedai solche Tricks entdeckten, brachte man sie schlie�lich auch den Novizinnen und Aufgenommenen bei. Manches Wissen starb aber auch mit der Aes Sedai, die es besessen hatte. Zweioder dreimal hatte sie geglaubt, ein gewisses Glitzern in den Augen der einen oder anderen zu entdecken, wenn sie etwas vorf�hrte. Carenna hatte sich dieses Lauschtricks verd�chtig schnell bem�chtigt. Aber eine Aufgenommene konnte ja so etwas keiner Aes Sedai ins Gesicht sagen.</p><p>Das Wissen um solche Dinge machte ihr die eigenen T�uschungsman�ver nicht angenehmer, aber vielleicht half es doch ein wenig. Das, und da� sie sich immer wieder an die Notwendigkeit ihres Handelns erinnerte. Wenn sie nur aufh�rten, sie f�r Errungenschaften zu lobpreisen, die gar nicht von ihr stammten!</p><p>Ihr war klar, wo sie Min finden w�rde. Der Eldar str�mte keine drei Meilen westlich von Salidar vorbei, und am Rand des Dorfes gab es ein winziges B�chlein, das durch den Wald zum Eldar hin flo�. Die meisten B�ume im Dorf selbst waren nach der Ankunft der Aes Sedai gef�llt worden, aber hinter ein paar H�usern hatte man am Ufer des B�chleins einige B�ume stehenlassen, weil dieser schmale Streifen Landes nicht zu gebrauchen war. Min behauptete ja, sich in der Stadt am wohlsten zu f�hlen, aber sie ging doch h�ufig dorthin und sa� eine Weile unter den B�umen. Auf diese Weise konnte sie eine Zeitlang der Gesellschaft von Aes Sedai und Beh�tern entkommen, und das war f�r Min beinahe lebensnotwendig.</p><p>Und tats�chlich. Als Elayne vorsichtig um eine gemauerte Hausecke auf den schmalen Pfad trat, der sich an dem kaum breiteren Rinnsal entlangzog, sa� Min etwas weiter mit dem R�cken an einen Baum gelehnt und sah zu, wie der kleine Bach �ber die Steine gluckerte, jedenfalls das, was noch von ihm �briggeblieben war. Die Streifen getrockneten Schlamms zu beiden Seiten waren doppelt so breit wie das d�rftige Rinnsal. Hier wiesen die B�ume sogar noch ein paar Bl�tter auf, obwohl der Wald in der Umgebung schon fast kahl war; sogar die Eichen.</p><p>Ein trockener Zweig zerbrach unter Elaynes Pantoffel, und Min sprang erschrocken auf. Wie �blich trug sie die graue Jacke und Hose eines Jungen, aber sie hatte an den Au�enseiten der eng anliegenden Hosenbeine und an der Revers der Jacke kleine blaue Blumen aufgestickt. Eigenartig, da sie berichtet hatte, sie k�nne, obwohl ihre drei Tanten alle Schneiderinnen seien, das eine Ende einer Nadel nicht vom anderen unterscheiden. Sie blickte Elayne an, verzog das Gesicht und fuhr sich mit den Fingern durch das schulterlange dunkle Haar. �Du wei�t also Bescheid�, war alles, was sie sagte.</p><p>�Ich dachte, wir sollten uns unterhalten.�</p><p>Erneut fuhr sich Min mit den H�nden durchs Haar.</p><p>�Siuan hat es mir erst heute morgen gesagt. Seither habe ich versucht, den Mut aufzubringen, mit dir dar�ber zu sprechen. Sie will, da� ich bei ihm spioniere, Elayne. F�r die Gesandtschaft. Sie hat mir Namen in Caemlyn genannt, Leute, die ihr Botschaften herschicken k�nnen.�</p><p>�Das machst du nat�rlich nicht�, sagte Elayne, und es war ganz und gar nicht als Frage formuliert, wof�r sie einen dankbaren Blick Mins erntete. �Warum hast du dich davor gef�rchtet, zu mir zu kommen? Wir sind Freundinnen, Min. Und wir haben uns gegenseitig versprochen, da� kein Mann zwischen uns treten soll. Auch wenn wir ihn beide lieben.�</p><p>Mins Lachen klang ein wenig rauh. Elayne dachte sich, da� es bestimmt vielen M�nnern gefiele. Und sie war h�bsch, auf eine gewisse spitzb�bische Art. Und sie war ein paar Jahre �lter. Sprach das f�r oder gegen sie? �Oh, Elayne, wir schworen uns das, als er sich in sicherer Entfernung von uns befand. Dich zu verlieren, w�re, als verl�re ich eine Schwester, aber was geschieht, wenn eine von uns ihre Meinung �ndert?�</p><p>Es war wohl besser, sie fragte nicht, welche von ihnen damit gemeint war. Elayne bem�hte sich, den Gedanken weit wegzuschieben, da� sie ja Min mit Hilfe der Macht fesseln und knebeln k�nne und dann das Gewebe umst�lpen. So k�nnte sie die Frau in irgendeinem Keller verstecken, bis die Gesandtschaft l�ngst weg war. �Das werden wir nicht�, sagte sie einfach. Nein, das k�nnte sie Min nicht antun. Sie wollte Rand schon ganz f�r sich, aber sie konnte auch wieder Min nicht weh tun. Vielleicht sollte sie die andere einfach bitten, so lange hierzubleiben, bis auch sie mitkonnte? Statt dessen fragte sie: �Entl��t dich Gareth aus deinem Eid?�</p><p>Diesmal klang Mins Lachen ausgesprochen sarkastisch. �Wohl kaum. Er sagt, fr�her oder sp�ter mu� ich ihn abarbeiten. Aber Siuan ist diejenige, die er vor allem festnageln will, das Licht mag wissen, warum.� Eine leichte Anspannung, die auf ihrer Miene sichtbar wurde, lie� Elayne glauben, eine von Mins Visionen habe damit zu tun, aber sie fragte nicht weiter. Min sprach niemals dar�ber, wenn es sie nicht direkt betraf. Sie besa� eine F�higkeit, die nur wenigen in Salidar bekannt war. Elayne und Nynaeve, Siuan und Leane, das waren alle. Birgitte hatte keine Ahnung, aber andererseits wu�te Min ja auch nicht, wer Birgitte wirklich war. Oder Moghedien. So viele Geheimnisse. Doch Mins Geheimnis konnte nur sie selbst l�ften, wenn sie es w�nschte. Manchmal sah sie Bilder oder Auren um Personen, und gelegentlich verstand sie sogar, was sie zu bedeuten hatten. Wenn sie es verstand, behielt sie immer recht damit. Wenn sie beispielsweise sagte, ein Mann und eine Frau w�rden heiraten, dann heirateten sie fr�her oder sp�ter auch, selbst wenn sie sich im Augenblick offensichtlich zu hassen schienen. Leane bezeichnete das als �das Muster lesen�, aber es hatte nichts mit der Einen Macht zu tun. Bei den meisten Menschen sah sie nur gelegentlich solche Bilder, aber bei Aes Sedai und Beh�tern immer. Min zog sich deshalb hier so gern zur�ck, weil sie dieser Lawine an Visionen entkommen wollte.</p><p>�Bringst du Rand einen Brief von mir?� �Selbstverst�ndlich.� Die Zustimmung der anderen kam so bereitwillig und voll offener Freundlichkeit, da� Elayne err�tete und hastig weitersprach. Sie war sich nicht sicher, ob sie unter umgekehrten Umst�nden auch dazu bereit gewesen w�re. �Du darfst ihm nichts von deinen Visionen erz�hlen, Min. Was uns betrifft, meine ich.� Eines, was Min bei Rand entdeckt hatte, war die Tatsache, da� sich drei Frauen hoffnungslos in ihn verlieben w�rden, sich f�r immer an ihn banden, und eine davon w�rde sie selbst sein. Wie sich herausgestellt hatte, war Elayne die zweite. �Falls er von dieser Vision erf�hrt, glaubt er vielleicht, das entspr�che gar nicht unseren eigenen W�nschen, es l�ge nur am Muster oder daran, da� er ein <emphasis>Ta'veren</emphasis> ist. Dann entschlie�t er sich vielleicht, gro�z�gig zu sein und uns zu retten, indem er keine von uns mehr an sich heranl��t�</p><p>�Vielleicht�, meinte Min zweifelnd. �M�nner sind eigenartig. Wahrscheinlicher ist: Wenn er merkt da� wir springen, wenn er nur den Finger krumm macht, dann wird er ihn krumm machen. Er wird sich nicht zur�ckhalten k�nnen. Ich habe das schon �fter gesehen. Ich glaube, es hat etwas mit dem Haar auf ihrem Kinn zu tun.� Ihr Blick war so versonnen, da� Elayne nicht sicher sein konnte, ob sie nun scherzte oder nicht. Min schien eine Menge von M�nnern zu verstehen. Sie hatte wohl vor allem in St�llen gearbeitet, weil sie Pferde so mochte, aber einmal hatte sie auch erw�hnt, sie habe in einer Taverne bedient. �Wie auch immer, ich werde bestimmt nichts sagen. Du und ich, wir teilen ihn auf wie einen Kuchen. Vielleicht lassen wir der dritten noch ein wenig von der Kruste, wenn sie auftaucht.�</p><p>�Was sollen wir nur machen Min?� Elayne hatte das nicht sagen wollen und schon gar nicht in diesem klagenden Tonfall. Ein Teil ihrer selbst h�tte gern unwiderruflich versichert, da� <emphasis>sie</emphasis> niemals springen werde, wenn er den Finger krumm machte. Der andere Teil w�nschte sich, er werde den Finger kr�mmen. Ein Teil ihrer selbst wollte sagen, da� sie Rand <emphasis>niemals</emphasis> teilen werde, ganz gleich wie, mit <emphasis>niemandem,</emphasis> auch nicht mit einer Freundin � zum Krater des Verderbens mit Mins Visionen. Und ein Teil von ihr hatte Rand am liebsten eins hinter die Ohren gegeben, weil er ihr und Min so etwas antat. Es war alles so kindisch, da� sie sich am liebsten irgendwo versteckt h�tte, aber sie konnte diesen Knoten in ihren Gef�hlen einfach nicht entwirren. So bem�hte sie sich, mit fester Stimme zu sprechen, und beantwortete ihre Frage selbst, bevor Min dazukam: �Was wir tun werden, ist eine Weile hier zu sitzen und miteinander zu sprechen.� Sie sah sich dabei um � und w�hlte einen Fleck, an dem die Schicht welker Bl�tter besonders dick war. Ein Baum w�rde eine gute R�ckenlehne ergeben. �Aber nicht �ber Rand. Ich werde dich vermissen, Min. Es ist so gut, eine Freundin zu haben, der man vertrauen kann.�</p><p>Min setzte sich im Schneidersitz neben sie und begann nebenher, Steinchen aufzulesen und in den Bach zu werfen. �Nynaeve ist deine Freundin. Du vertraust ihr. Und Birgitte scheint sicherlich auch f�r dich eine Freundin zu sein. Du verbringst mehr Zeit mit ihr als selbst mit Nynaeve.� Sie runzelte ganz leicht die Stirn. <emphasis>�Glaubt</emphasis> sie eigentlich wirklich, die Birgitte aus der Sage zu sein? Ich meine, der Bogen und der Zopf � die werden in jeder Sage erw�hnt, obwohl ihrer nat�rlich nicht aus Silber ist � aber ich kann nicht glauben, da� sie mit diesem Namen geboren wurde.�</p><p>�Doch, sie wurde damit geboren�, sagte Elayne zur�ckhaltend. Das stimmte ja auf gewisse Weise. Am besten lenkte sie die Unterhaltung auf andere Bahnen. �Nynaeve kann sich immer noch nicht entscheiden, ob sie mich nun als Freundin behandeln soll oder als eine, die sie st�ndig herunterputzen mu�, damit sie tut, was sie f�r richtig h�lt. Und sie denkt �fter daran, da� ich die Tochter ihrer K�nigin bin, als ich selbst. Ich glaube, das lastet sie mir gelegentlich sogar an. Du tust das nie.�</p><p>�Vielleicht beeindruckt mich das nicht so sehr.� Min grinste wohl, es klang aber doch ernsthaft. �Ich wurde inmitten der Verschleierten Berge geboren, Elayne. Wo die Bergwerke sind. So weit im Westen ist von der Herrschaft deiner Mutter nicht viel zu sp�ren.� Ihr Grinsen verflog wieder. �Tut mir leid, Elayne.�</p><p>Elayne unterdr�ckte ein kurzes Aufblitzen von Emp�rung, da Min immerhin genauso wie Nynaeve zu den Untertanen des L�wenthrons z�hlte, und lie� ihren Kopf an den Baumstamm zur�cksinken. �Sprechen wir �ber etwas Sch�nes.� Die Sonne gl�hte wie eine geschmolzene Metallkugeln zwischen den Zweigen hindurch, der Himmel lag wie ein sauberes, blaues Laken �ber dem Land, und auch nicht die kleinste Wolke war zu sehen. Unwillk�rlich �ffnete sie sich <emphasis>Saidar</emphasis> und lie� sich von der Macht erf�llen. So, als habe man alle Freude auf der Welt destilliert, f�llte diese Essenz alles Sch�nen jede Ader in ihrem K�rper. Br�chte sie es fertig, auch nur eine kleine Wolke am Himmel durch ihre Kraft aufquellen zu lassen, w�re das ein Zeichen, da� alles letzten Endes gut verliefe. Ihre Mutter w�re noch am Leben. Rand liebte sie. Und Moghedien ... das Problem w�rde auch gel�st. Irgendwie. Sie webte zarte Str�nge �ber den Himmel, soweit ihr Auge reichte, ben�tzte Luft und Wasser daf�r, suchte nach der notwendigen Feuchtigkeit, die sie f�r eine Wolke ben�tigte. Wenn sie sich wirklich anstrengte... Die S��e wurde so �berm�chtig, da� sie in Schmerz �berzugehen drohte. Das war ein Anzeichen f�r Gefahr. Wenn sie noch viel mehr Macht an sich ri�, k�nnte sie sich selbst einer D�mpfung unterziehen. Nur eine kleine Wolke.</p><p>�Etwas Sch�nes?� sagte Min zweifelnd. �Na ja, ich wei�, da� du nicht �ber Rand sprechen m�chtest, aber von dir und mir abgesehen, ist das im Augenblick immer noch das wichtigste Thema auf der Welt. Und das sch�nste. Verlorene fallen tot um, wenn er erscheint und die Nationen stehen Schlange, um sich vor ihm zu beugen. Die Aes Sedai hier sind bereit, ihn zu unterst�tzen. Ich wei� es, Elayne, sie m�ssen einfach! Denk mal, als n�chstes wird Elaida ihm die Schl�ssel zur Wei�en Burg �berreichen, Elayne. Wir gewinnen. Wirklich!�</p><p>Elayne lie� die Quelle los und sackte zur�ck. Sie starrte in einen Himmel, der genauso wolkenlos war wie zuvor. Ihre Stimmung entsprach dieser Leere. Man mu�te wirklich nicht erst in der Lage sein, die Macht zu gebrauchen, um die Handschrift des Dunklen K�nigs darin zu erkennen, und wenn er bereits die Welt in solchem Ma�e beeinflussen konnte, sie �berhaupt beeinflussen konnte... �Tats�chlich?� fragte sie, aber so leise, da� Min es nicht verstand.</p><p>Das Herrenhaus war noch nicht fertig, im Empfangsraum war die Holzt�felung noch ungestrichen, hell und neu, aber Faile ni Bashere t'Aybara hielt trotzdem hier jeden Nachmittag Hof, wie es der Frau eines Lords geb�hrte. Sie sa� dann auf einem massiven Sessel mit hoher Lehne, in dessen Holzrahmen Falken geschnitzt waren, genau vor einem leeren, fest gemauerten Kamin, dem Spiegelbild eines anderen am hinteren Ende des Saals. In dem unbesetzten Sessel an ihrer Seite, mit Bildern von W�lfen beschnitzt und einem gro�en Wolfskopf ganz oben �ber der Lehne, h�tte eigentlich ihr Mann sitzen sollen, Perrin t'Bashere Aybara, Perrin Goldauge, Herr �ber die Zwei Fl�sse.</p><p>Nat�rlich war das Herrenhaus eigentlich nur ein �bergro�es Bauernhaus. Der Empfangsraum ma� weniger als f�nfzehn Schritt der L�nge nach. <emphasis>Wie</emphasis> Perrin sie mit gro�en Augen angeblickt hatte, als sie auf dieser Mindestgr��e bestand! Er war halt daran gew�hnt, sich selbst nur als einfachen Schmied zu betrachten, oder sogar nur als den Lehrling eines Schmieds. Und der Name, den man ihr bei ihrer Geburt gegeben hatte, lautete Zarine und nicht Faile. Diese Dinge spielten aber keine Rolle. Zarine war ein Name, der zu einer verzogenen Frau pa�te, die hingegeben �ber Gedichten seufzte, die ihrem Namen gewidmet waren. Faile, der Name, den sie selbst bei ihrem Eid als J�gerin des Horns von Valere angenommen hatte, bedeutete in der Alten Sprache soviel wie �Falke�. Niemand, der ihr Gesicht wirklich eingehend betrachtete, die k�hn geschwungene Nase und die hohen Backenknochen, und dazu die schr�gstehenden Augen, die so zornig blitzen konnten, zweifelte daran, welcher Name besser zu ihr pa�te. Was alles �brige betraf, z�hlten eben die guten Absichten. Also tat sie, was recht und billig war.</p><p>In diesem Augenblick blitzten ihre Augen gerade. Das hatte nichts mit Perrins Sturheit zu tun und wenig mit der au�ergew�hnlichen Hitze. Um allerdings der Wahrheit die Ehre zu geben: Immerzu umsonst einen F�cher aus Fasanenfedern zu schwenken, um ein wenig Luftzug f�r die schwei�triefenden Wangen zu erzeugen, verbesserte ihre Laune auch nicht gerade.</p><p>So sp�t am Nachmittag blieben nicht mehr viele aus der Menge, die gekommen war, um durch ihre Hilfe Streitigkeiten schlichten zu lassen. Eigentlich kamen sie ja, damit Perrin sie anh�rte, aber schon der blo�e Gedanke daran, Urteile �ber Menschen f�llen zu m�ssen, unter denen er aufgewachsen war, entsetzte ihn. Wenn sie ihn nicht gerade zu packen bekam, verschwand er wie ein Wolf im Nebel, wenn die Zeit f�r die t�gliche Audienz herannahte. Gl�cklicherweise hatten die Leute nichts dagegen, wenn statt Lord Perrin eben Lady Faile ihre Probleme anh�rte. Jedenfalls st�rte das nur wenige, und die wenigen h�teten sich, das offen zu zeigen.</p><p>�Ihr habt dies vorgebracht und wollt Euch meinem Urteil unterwerfen�, sagte sie mit ausdrucksloser Stimme. Die beiden Frauen, die da vor ihrem Sessel schwitzten, traten nerv�s von einem Fu� auf den anderen und betrachteten den gl�nzenden Holzboden.</p><p>Sharmad Zeffar mit dem kupfernen Teint hatte wohl ihre molligen Kurven verh�llt, aber keineswegs verborgen. Sie trug ein hochgeschlossenes und ein wenig durchscheinendes Domanikleid, dessen bla�goldene Seide allerdings an S�umen und Manschetten abgewetzt war und das einige kleine Flecken von ihrer Reise her aufwies, die nicht mehr herausgewaschen werden konnten, doch Seide blieb letzten Endes eben Seide, und die konnte man hier nur selten bekommen. Patrouillen, die man in die Verschleierten Berge schickte, um nach �berresten der Trolloc-Invasion vom vergangenen Sommer zu suchen, fanden nur wenige dieser bestialischen Trollocs und, dem Licht sei Dank, keine Myrddraal, aber daf�r sp�rten sie beinahe t�glich Fl�chtlinge auf, mal hier zehn, dort zwanzig, oder f�nf irgendwo anders. Die meisten kamen aus der Ebene von Almoth, aber eine ganze Anzahl kam auch aus Tarabon und, wie Sharmad, aus Arad Doman. Alle waren aus L�ndern geflohen, die von einer durch B�rgerkriege ausgel�sten Anarchie zerrissen wurden. Faile wollte lieber nicht daran denken, wie viele in den Bergen ums Leben gekommen sein mochten. Es gab dort ja weder Stra�en oder noch wenigstens Pfade, und der Weg durch diese Berge war auch in besten Zeiten �u�erst beschwerlich. Die Zeit jetzt geh�rte gewi� nicht zu den besten.</p><p>Rhea Avin war kein Fl�chtling, obwohl sie die Kopie eines Taraboner Kleides aus feingesponnener Wolle trug, dessen weiche graue Falten sich an ihren K�rper schmiegten und die richtigen Stellen genauso betonten wie das viel d�nnere Kleid Sharmads. Diejenigen, die diese lange Wanderung �ber die Berge �berlebt hatten, brachten mehr mit als nur beunruhigende Ger�chte: handwerkliche Fertigkeiten, die man an den Zwei Fl�ssen noch nie gesehen hatte, und H�nde, um auf Bauernh�fen in Landstrichen zu arbeiten, die von den Trollocs entv�lkert worden waren. Rhea war eine h�bsche Frau mit rundem Gesicht, die keine zwei Meilen von dem Ort entfernt geboren war, an dem jetzt dieses Herrenhaus stand. Ihr dunkles Haar hing ihr in Form eines dicken Zopfes geflochten bis zur H�fte herunter. An den zwei Fl�ssen flochten die M�dchen ihr Haar erst dann zum Zopf, wenn die Versammlung der Frauen bestimmte, sie seien nun alt genug zum Heiraten, ob sie nun f�nfzehn oder drei�ig waren. Doch nur wenige mu�ten �lter als zwanzig werden, um das zu erleben. Tats�chlich war Rhea gute f�nf Jahre �lter als Faile und trug den Zopf seit vier Jahren. Im Moment allerdings wirkte sie, als tr�ge sie das Haar immer noch lose um die Schultern und habe gerade gemerkt, da� das, was ihr vorher absolut wundervoll vorgekommen war, in Wirklichkeit so ziemlich das D�mmste war, was sie h�tte tun k�nnen. Was das betraf, schien Sharmad aber noch verlegener, denn sie war ein oder zwei Jahre �lter als Rhea. F�r eine Domani mu�te es wirklich dem�tigend sein, sich in einer solchen Lage zu befinden. Faile h�tte am liebsten beide geohrfeigt, bis sie schielten �aber eine Lady konnte so etwas wohl nicht machen.</p><p>�Ein Mann�, begann sie so ernsthaft wie m�glich, �ist weder ein Pferd, noch ein Acker. Keine von Euch kann ihn besitzen, und mich zu fragen, wer ein Recht auf ihn habe...� Sie atmete erst einmal tief durch. �Wenn ich glaubte, Wil al'Seen habe Euch beide an der Nase herumgef�hrt, h�tte ich dazu wohl einiges zu sagen.� Wil hatte so seine eigene Art bei den Frauen, und sie flogen geradezu auf ihn � er hatte wirklich tolle Waden �, doch er machte keiner irgendwelche Versprechungen. Sharmad wirkte, als wolle sie am liebsten im Fu�boden versinken vor Scham. Schlie�lich genossen die Domanifrauen den Ruf, jeden Mann um den Finger wickeln zu k�nnen, und nicht andersherum. �Wie die Dinge liegen, urteile ich folgenderma�en: Ihr werdet beide zur Seherin gehen und ihr alles erkl�ren. Ihr werdet nichts auslassen. Sie wird das entscheiden. Ich erwarte, zu h�ren, da� ihr vor Sonnenuntergang bei ihr wart.�</p><p>Das P�rchen zuckte zusammen. Daise Congar, die Seherin hier in Emondsfeld, w�rde einen solchen Unsinn nicht tolerieren. Sie w�rde sogar weit �ber das Nicht-Tolerieren hinausgehen. Aber sie knicksten gehorsam und murmelten �Ja, Lady Faile� � die eine so verzweifelt wie die andere. Wenn das jetzt noch nicht der Fall sein sollte, dann w�rden sie bald bitterlich bereuen, Daise mit so etwas die Zeit gestohlen zu haben.</p><p><emphasis>Und meine zudem,</emphasis> dachte Faile energisch. Jeder wu�te, da� Perrin selten bei den Audienzen zugegen war, sonst w�ren diese beiden mit ihrem t�richten �Problem� n�mlich gar nicht erst anger�ckt. H�tte er hier gesessen, wo er hingeh�rte, dann h�tten sich die beiden verdr�ckt, anstatt es bei ihm vorzubringen. Faile hoffte, da� diese Hitze auch Daise verr�ckt machte. Zu schade, da� es keine M�glichkeit gab, Daise auch auf Perrin anzusetzen.</p><p>Cenn Buie nahm die Stelle der Frauen ein, bevor sie noch richtig mit schlurfenden F��en Platz gemacht hatten. Obwohl er sich schwer auf einen Wanderstock st�tzen mu�te, der beinahe genauso knorrig wirkte wie er selbst, brachte er eine weit ausholende Verbeugung zustande, verdarb aber dann den guten Eindruck, als er sich mit seinen knochigen Fingern durch das fettige, d�nne Haar fuhr. Wie gew�hnlich sah seine grobe, braune Joppe aus, als habe er darin geschlafen. �Das Licht leuchte Euch, Lady Faile, und Eurem hochgeehrten Ehemann, dem Lord Perrin.� Die gro�en Worte klangen eigenartig, wenn sie von seiner kr�chzenden Stimme gesprochen wurden. �La�t mich meinen eigenen Wunsch dem des Rates der Gemeinde hinzuf�gen, der Euch weiterhin alles Gl�ck w�nscht. Eure Intelligenz und Eure Sch�nheit erhellen unsere Leben, genau wie die Gerechtigkeit Eurer Urteile.�</p><p>Faile trommelte mit den Fingern auf die Armlehne ihres Sessels, bevor sie sich zur�ckhalten konnte. Blumige Lobpreisungen anstatt des normalen m�rrischen Knurrens. Erinnerte sie daran, da� er einen Sitz im Rat Emondsfelds hatte und durchaus ein einflu�reicher Mann war, dem man Respekt zollte. Und mit diesem Stock versuchte er auch nur, Mitleid zu erwecken. Der Dachdecker war so munter und flink wie einer, der nur halb so alt war wie er. Er wollte also irgend etwas. �Was bringt Ihr mir heute, Meister Buie?�</p><p>Cenn richtete sich auf und verga� prompt, sich auf seinen Stock zu st�tzen. Und er verga�, seinen Ton weiterhin zu m��igen. So quengelte er gleich los: �Es liegt an diesen vielen Ausl�ndern, die uns �berrennen und alle m�glichen Dinge mitbringen, die hier nicht erw�nscht sind.� Er schien vergessen zu haben, da� auch sie Ausl�nderin war, so wie die meisten Leute an den Zwei Fl�ssen. �Seltsame Sitten, Lady Faile. Unanst�ndige Kleider. Ihr werdet schon noch von den Frauen h�ren, was sie von der Kleidung dieser Domanifrauen halten, wenn ihr es nicht bereits zu Ohren bekommen habt.� Hatte sie, so wie die Dinge lagen, zumindest von einigen, aber ein kurzes Glitzern in Cenns Augen sagte ihr, sie werde es bereuen, falls sie diesen wenigen nachgab. �Diese Fremden stehlen uns das Essen vom Mund weg und machen unser Handwerk kaputt. Dieser Bursche aus Tarabon beispielsweise mit seinen l�cherlichen Ziegeln! Besch�ftigt Leute, die auch n�tzliche Arbeit vollbringen k�nnten! Ihm sind die Menschen der Zwei Fl�sse v�llig egal. Also, er...�</p><p>Sie f�chelte sich Luft zu und h�rte nicht mehr hin, w�hrend sie �u�erlich das Bild gespannter Aufmerksamkeit abgab. Diese Kunst hatte sie von ihrem Vater gelernt, und zu Zeiten wie dieser war sie �u�erst n�tzlich. Klar, Meister Hornvals Dachziegel waren eine ernsthafte Konkurrenz f�r Cenns Strohd�cher.</p><p>Nicht jeder harte die selben Vorurteile den Neuank�mmlingen gegen�ber wie Cenn. Haral Luhhan, der Schmied von Emondsfeld, war sogar eine Partnerschaft mit einem Messerschmied aus Arad Doman und einem Blechschmied von der Almoth Ebene eingegangen, und Meister Aydaer hatte drei M�nner und zwei Frauen eingestellt, die etwas von der M�belfertigung, vom Schnitzen und Vergolden verstanden, wenn es dazu auch im Moment hier kaum Gold gab. Ihr Sessel und der Perrins waren von ihnen angefertigt worden, und sie hatte nirgendwo bessere gesehen. Und au�erdem hatte ja Cenn selbst ein halbes Dutzend Helfer eingestellt, und nicht alle von ihnen stammten von den Zwei Fl�ssen. Als die Trollocs kamen, hatten eine Menge D�cher gebrannt, und �berall baute man jetzt neue H�user. Perrin hatte einfach kein Recht, sie all diesem Unsinn ganz allein auszusetzen.</p><p>Die Bewohner der Zwei Fl�sse hatten ihn zu ihrem Herrn und Lord ausgerufen, was ihm ja zustand, nachdem er sie zum Sieg �ber die Trollocs gef�hrt hatte. Langsam d�mmerte es ihm wohl auch, da� er daran nichts �ndern konnte, denn sie verbeugten sich vor ihm und nannten ihn Lord Perrin, selbst wenn er ihnen gerade einen Moment vorher befohlen hatte, das zu unterlassen. Und doch wehrte er sich mit Haut und Haaren gegen all die �u�erlichkeiten, die dieser Rang mit sich brachte, also gegen alles, was die Menschen eben nunmal von Lords und Ladies <emphasis>erwarteten.</emphasis> Was noch schlimmer war: Er wehrte sich auch gegen die Pflichten eines Lords. Faile wu�te �ber solche Dinge bestens bescheid, denn sie war das �lteste �berlebende Kind von Davram t'Ghaline Bashere, Lord von Bashere, Tyr und Sidona, W�chter der Grenze zur F�ule, Verteidiger des Herzlandes, Generalfeldmarschall der K�nigin Tenobia von Saldaea. Sicher, sie war von zu Hause weggelaufen, um J�gerin des Horns zu werden, und hatte das dann wieder aufgegeben, um sich einen Mann zu nehmen, was sie selbst immer noch verbl�ffte, aber sie erinnerte sich sehr wohl an alles. Perrin h�rte zu, wenn sie Erkl�rungen abgab, und er nickte sogar an den richtigen Stellen, aber wenn sie versuchte, ihn dazu zu bringen, da� er das alles nun auch in die Tat umsetzte, war es, als wolle sie einem Pferd beibringen, wie man den Sa'sara tanzt.</p><p>Cenn spuckte zum Schlu� beinahe Gift und Galle. Er besann sich dann aber gerade noch darauf, lieber einiges herunterzuschlucken.</p><p>�Perrin und ich haben uns f�r ein Strohdach entschieden�, sagte Faile gelassen. W�hrend Cenn noch selbstzufrieden nickte, f�gte sie hinzu: �Ihr habt es noch nicht fertig gedeckt.� Er zuckte zusammen. �Ihr scheint mehr Auftr�ge angenommen zu haben, als Ihr ausf�hren k�nnt, Meister Buie. Wenn unser Dach nicht bald fertig ist, f�rchte ich, m�ssen wir mit Meister Hornval �ber seine Ziegel verhandeln.� Cenns Mund zuckte heftig, ohne da� er ein Wort herausbrachte. Wenn sie das Herrenhaus mit Ziegeln decken lie�, w�rden andere das nachahmen. �Ich habe Euren Vortrag durchaus gern angeh�rt, aber ich bin sicher, Ihr w�rdet auch lieber mein Dach fertigstellen, als Eure Zeit mit m��iger Konversation zu verschwenden, so nett sie auch sein mag.�</p><p>Cenn pre�te die Lippen aufeinander und funkelte sie einen Augenblick lang an, doch dann �berlegte er es sich und deutete eine Verbeugung an. Er murmelte noch etwas, das bis auf die letzten Worte � �Lady Faile� � unverst�ndlich blieb, und dann stolzierte er hinaus, wobei er seinen Stock lautstark auf die Fu�bodenbretter knallte. Mit welchen Dingen doch die Menschen ihre Zeit verschwendeten! Perrin w�rde k�nftig seinen Teil zu diesen Audienzen beitragen, und wenn sie ihn fesseln und herschleppen mu�te.</p><p>Der Rest war dann nicht mehr so aufregend. Eine Frau, einst kr�ftig, doch nun hing ihr blumenbesticktes, geflicktes Kleid wie ein Sack an ihr herunter, die den weiten Weg von der Toman Halbinsel jenseits der Ebene von Almoth bis hierher zur�ckgelegt hatte, wollte mit Krautern und Heilmitteln handeln. Der hochgewachsene Jon Ayellin, der sich st�ndig �ber die Glatze strich, und der magere Thad Torfinn, der vor Nervosit�t an den Revers seiner Jacke herumzwirbelte, stritten sich �ber die Grenzen ihrer Felder.</p><p>Zwei Domanim�nner mit dunklem Teint, langen Lederwesten und kurzgeschnittenen Vollb�rten berichteten, sie seien Bergbauspezialisten und glaubten, auf ihrem Weg �ber die Berge ganz in der N�he Anzeichen f�r Gold- und Silberadern entdeckt zu haben. Und Eisen, aber daran hatten sie weniger Interesse. Und als letztes kam eine drahtige Frau aus Tarabon mit einem durchsichtigen Schleier vor dem schmalen Gesicht, das Haar zu einer Unmenge d�nner Z�pfe geflochten, die behauptete, Meisterin in der Kunst des Teppichwebens zu sein und auch Teppichwebst�hle bauen zu k�nnen.</p><p>Faile verwies die Kr�uterfrau an den Frauenzirkel des Ortes. Falls Espara Soman sich damit wirklich auskannte, w�rden sie wohl eine Arbeit bei einer der Seherinnen in den D�rfern der Umgebung f�r sie finden. Bei all den vielen Neuank�mmlingen, von denen viele nach den Reisestrapazen in einem schlechten gesundheitlichen Zustand waren, hatten sich die Seherinnen der Zwei Fl�sse ausnahmslos bereits ein oder zwei Helferinnen zugelegt und waren auf der Suche nach weiteren. Vielleicht entsprach das nicht ganz Esparas Vorstellungen, aber es war immerhin die Chance f�r einen Neubeginn. Nach ein paar Fragen war ihr klar, da� sich weder Thad noch Jon genau erinnerten, wo die Grenze zwischen ihren �ckern verlief � offensichtlich war der Streit bereits �lter als sie selbst �, also wies sie die beiden an, sich den umstrittenen Streifen einfach zu teilen. Das schien genau die L�sung zu sein, die sie vom Rat der Gemeinde als Schiedsspruch erwartet hatten.</p><p>Weil der aber auf sich warten lie�, hatten sie den Streit die ganze Zeit �ber beibehalten.</p><p>Den anderen erteilte sie die Genehmigungen, um die sie nachgesucht hatten. Sie h�tten an sich gar keine Genehmigungen gebraucht, aber es war am besten, wenn man sie von vornherein wissen lie�, wer hier das Sagen hatte. Als Gegenleistung f�r ihre Genehmigung und gen�gend Silber, um Vorr�te und Arbeitsmaterial zu kaufen, verlangte Faile von den beiden Domanim�nnern, da� sie Perrin den zehnten Teil dessen abgeben sollten, was sie fanden, und nebenher die Lage der Eisenerzvorr�te festzustellen. Perrin w�rde das nicht passen, aber es gab an den Zwei Fl�ssen keine Steuern, und von einem Lord erwartete man, da� er Dinge erledigte und f�r andere sorgte, was gew�hnlich mit Kosten verbunden war. Und das Eisen w�re genauso n�tzlich wie das Gold. Was Liale Mosrara betraf: Falls die Frau aus Tarabon den Mund zu voll genommen hatte, was ihre Fertigkeiten anging, w�rde sich ihre Werkstatt nicht lange halten, aber falls sie nicht �bertrieben hatte... Drei Tuchweber sorgten bereits daf�r, da� die H�ndler diesmal mehr als Rohwolle vorfinden w�rden, wenn sie n�chstes Jahr aus Baerlon her�berkamen, und gut gewebte Teppiche w�ren ein weiteres Handelsgut, das der Region Geld einbrachte. Liale versprach, den ersten und besonders sorgf�ltig gefertigten Webstuhl dem Herrenhaus zu stiften, und Faile nickte gn�dig ob dieses Geschenks. Sie konnte weitere Abgaben leisten, wenn die Teppiche in den Handel kamen, falls �berhaupt. Die B�den im Haus mu�ten nicht unbedingt bedeckt werden. Alles in allem schien jeder durchaus zufrieden von dannen zu ziehen. Sogar Jon und Thad.</p><p>Als die Taraboner Frau sich knicksend zur�ckzog, stand Faile auf. Sie war heilfroh, fertig zu sein, doch dann hielt sie inne, als sie vier Frauen erblickte, die durch eine der T�ren neben dem Kamin auf der gegen�berliegenden Seite eintraten. Alle waren mit der kr�ftigen Wollkleidung der Zwei Fl�sse angetan und schwitzten dementsprechend. Daise Congar, gro� wie ein Mann und breiter gebaut als die meisten, �berragte die anderen Seherinnen und ging voran. Hier am Rand des eigenen Dorfes �bernahm sie nat�rlich die F�hrung. Edelle Gaelin aus Wachh�gel, schlank und mit ergrautem Zopf, zeigte durch ihre steife Haltung und das steinerne Gesicht deutlich, da� sie Anspruch auf Daises Platz erhob, zumindest ihres Alters und der langen Zeit wegen, die sie ihren Posten schon innehatte. Elwinn Taron, die Seherin von Devenritt, war die kleinste, eine rundliche Frau mit einem angenehmen, m�tterlichen L�cheln, das sie selbst dann noch zeigte, wenn sie Menschen etwas gegen ihren Willen verrichten lie�. Die letzte, Milla al'Azar aus Taren F�hre, schritt hinter den anderen her. Sie war die j�ngste, beinahe jung genug, um Edelles Tochter zu sein, und in der Gegenwart der anderen schien sie sich immer unsicher zu f�hlen. Auf jeden Fall schien das Erscheinen dieser vier Faile nichts Gutes zu bedeuten.</p><p>Faile blieb stehen und f�chelte sich langsam Luft zu. Nun w�nschte sie sich noch mehr, da� Perrin hier sei. Sehr viel mehr. Diese Frauen besa�en in ihren D�rfern genausoviel Autorit�t wie der jeweilige B�rgermeister � manchmal auf gewisse Weise sogar mehr �und man mu�te sie �u�erst vorsichtig behandeln, ihnen gegen�ber die notwendige W�rde und viel Respekt zeigen. Das erschwerte die Lage um einiges. In Perrins Gegenwart verwandelten sie sich in anbetungsvolle M�dchen, die ihm gefallen wollten, aber bei ihr... An den Zwei Fl�ssen hatte es jahrhundertelang keine Adligen gegeben. Sie hatten schon sieben Generationen lang nicht einmal mehr einen Gesandten der K�nigin aus Caemlyn zu Gesicht bekommen. Jeder versuchte immer noch, herauszufinden, wie man sich einem Lord und einer Lady gegen�ber benahm, und diese vier waren keine Ausnahme. Manchmal verga�en sie, da� sie Lady Faile war, und sahen in ihr lediglich die junge Frau, deren Hochzeit mit Perrin Daise erst vor ein paar Monaten geleitet hatte. Sie brachten es fertig, ihr mitten in dem �blichen Geknickse und dem ewigen �Ja, selbstverst�ndlich, Lady Faile� klipp und klar zu sagen, was sie in irgendeinem Fall zu tun habe, ohne darin einen Gegensatz zu sehen. <emphasis>Du wirst mir das nicht mehr allein �berlassen, Perrin, verla� dich darauf!</emphasis></p><p>Nun knicksten sie � unterschiedlich ge�bt � und sagten alle fast gleichzeitig: �Das Licht leuchte Euch, Lady Faile�.</p><p>Nachdem auf diese Weise der H�flichkeit gen�ge getan war, begann Daise zu sprechen, bevor sie sich �berhaupt richtig aufgerichtet hatte: �Drei weitere Jungen sind fort, Lady Faile.� Ihr Tonfall lag so etwa in der Mitte zwischen der respektvollen Anrede zuvor und ihrem Jetzt-h�rt-mir-mal-gef�lligst-zu-junge-Frau-Tonfall, den sie gelegentlich anwandte. �Dav Ayellin, Ewin Finngar und Elam Dowtry. Einfach davongelaufen, um die Welt zu sehen! Und das der Geschichten Lord Perrins wegen, die er immer von der Welt dort drau�en erz�hlt.�</p><p>Faile ri� �berrascht die Augen auf. Die drei waren wohl kaum noch Jungen. Dav und Elam waren genauso alt wie Perrin, und Ewin war in ihrem Alter. Und die Erz�hlungen Perrins, die er nur selten und dann z�gernd vorbrachte, waren wohl kaum das einzige, aus dem die Jugend der Zwei Fl�sse heutzutage etwas �ber die Au�enwelt lernte. �Ich k�nnte Perrin bitten, mit Euch zu sprechen, falls Ihr das w�nscht.�</p><p>Das l�ste Unruhe aus. Daise sah sich erwartungsvoll nach ihm um, Edelle und Milla strichen automatisch ihre R�cke glatt, w�hrend Elwinn genauso unbewu�t ihren Zopf nach vorn zog und sorgf�ltig auf ihrer Schulter zurechtlegte. Mit einemmal wurde ihnen bewu�t, was sie taten, und sie erstarrten. Keine wagte einen Blick zur anderen hin. Oder zu ihr. Failes wichtigster Vorteil lag in der Tatsache, da� sich die anderen der Wirkung ihres Mannes wohl bewu�t waren. So viele Male nun hatte sie die eine oder andere beobachtet, wie sie sich nach einem Treffen mit Perrin zusammengerissen und offensichtlich vorgenommen hatte, sich nie wieder so zu benehmen. Und genauso oft hatte sie dann beobachtet, wie dieser Entschlu� vergessen war, kaum, da� er wieder in Erinnerung trat. Keine von ihnen war sich ganz sicher, ob sie lieber mit ihm verhandelte oder mit ihr.</p><p>�Das wird nicht notwendig sein�, sagte Edelle nach einem Moment der �berlegung. �Weglaufende Jungen sind ein �rgernis, aber eben nicht mehr als das.� Ihr Tonfall hatte sich ein bi�chen weiter von �Lady Faile� entfernt als der Daises zuvor, und die mollige Elwinn setzte noch ein L�cheln drauf, das eher das einer Mutter ihrer kleinen Tochter gegen�ber war.</p><p>�Da wir nun schon hier sind, meine Liebe, k�nnten wir auch noch etwas anderes erw�hnen. Wasser. Seht Ihr, einige Leute beginnen sich Sorgen zu machen.�</p><p>�Es hat schon monatelang nicht mehr geregnet�, f�gte Edelle hinzu, und Daise nickte.</p><p>Diesmal ri� Faile zurecht die Augen auf. Sie waren doch wohl zu intelligent, um zu glauben, da� Perrin etwas daran �ndern k�nne. �Die Quellen sprudeln noch, und Perrin hat angeordnet da� weitere Brunnen gegraben werden.� In Wirklichkeit hatte er das nur angedeutet, aber gl�cklicherweise war es auf dasselbe herausgekommen. �Und lange vor der n�chsten Aussaat werden die Bew�sserungskan�le vom Wasserwald her fertig sein.� Das war ihr Werk. Die H�lfte der Felder in Saldaea wurde bew�ssert, doch hier hatte niemand je etwas davon geh�rt. �Au�erdem mu� es ja fr�her oder sp�ter wieder regnen. Die Kan�le sind nur f�r den Notfall da.� Daise r�ckte wieder, bed�chtig, und dann nickten auch Elwinn und Edelle. Aber sie wu�ten all das doch genauso gut wie sie.</p><p>�Es liegt nicht am Regen�, knurrte Milla. �Jedenfalls nicht direkt. Es ist einfach unnat�rlich. Seht Ihr, keine von uns kann dem Wind lauschen.� Unter den finsteren Blicken der anderen zog sie die Schultern ein. Offensichtlich hatte sie zuviel verraten und auf diese Weise ein Geheimnis gel�ftet. Angeblich konnten alle Seherinnen das Wetter voraussagen, indem sie dem Wind lauschten. Zumindest behaupteten sie, alle k�nnten das. Trotzdem machte Milla nun stur weiter. �Also, wir k�nnen es nicht wirklich. Wir schauen uns statt dessen die Wolken genau an und wie sich die V�gel verhalten, und die Ameisen und Raupen und...� Sie atmete tief durch und richtete sich hoch auf. Immer noch mied sie die Augen der anderen Seherinnen. Faile fragte sich, wie sie den Frauenzirkel in Taren-F�hre leiten konnte, ganz zu schweigen davon, da� sie den Gemeinderat eigentlich um den Finger wickeln sollte. Sicher, auch f�r die war alles genauso neu wie f�r Milla. Dieses Dorf war von den Trollocs vollkommen entv�lkert worden, und alle jetzigen Einwohner waren neu zugezogen. �Es ist unnat�rlich, Lady Faile. Vor Wochen schon h�tte es den ersten Schnee geben sollen, und statt dessen k�nnte es Hochsommer sein! Wir sind nicht besorgt, Lady Faile, wir haben Angst! Und wenn sonst niemand das zugibt, dann gebe ich es eben zu. Ich liege n�chtelang wach. Ich habe schon einen Monat lang nicht mehr richtig geschlafen, und...� Sie lie� die Worte verklingen und err�tete, als ihr klar wurde, da� sie m�glicherweise zu weit gegangen war. Von einer Seherin erwartete man zu jeder Zeit, da� sie sich beherrschte. Sie durfte nicht herumlaufen und erz�hlen, sie habe Angst.</p><p>Die anderen wandten die Blicke von Milla und sahen Faile an. Sie sagten nichts und ihre Gesichter waren so ausdruckslos, da� sie einer Aes Sedai Ehre gemacht h�tten.</p><p>Faile verstand sie jetzt. Milla hatte durchaus die Wahrheit gesagt. Das Wetter war tats�chlich nicht nat�rlich, sondern sogar im h�chsten Ma�e <emphasis>unnat�rlich.</emphasis> Faile lag ebenfalls oft wach und betete um Regen, oder besser um Schnee. Sie bem�hte sich, nicht daran zu denken, was hinter der Hitze und der D�rre lauern mochte. Und doch sollte eine Seherin ja die anderen beruhigen. Zu wem konnte <emphasis>sie</emphasis> gehen, wenn sie Beruhigung und Verst�ndnis suchte?</p><p>Diese Frauen hatten vielleicht nicht gewu�t, was sie taten, aber sie waren an den richtigen Ort gekommen. Ein Teil des Sozialpakts zwischen Adel und gemeinem Volk, wie man es Faile von Geburt an eingetrichtert hatte, war, da� der Adel Schutz und Sicherheit gew�hren mu�te. Und ein Teil dieser Sicherheit lag darin, den Menschen zu zeigen, da� die schlechten Zeiten nicht ewig dauern w�rden. Wenn es heute schlimm zuging, w�rde es morgen besser gehen, und wenn nicht morgen, dann eben �bermorgen. Sie w�nschte, sie w�re sich dessen wirklich so sicher. Doch man hatte ihr beigebracht, denen, die von ihr abh�ngig waren, Kraft zu geben, auch wenn sie selbst kaum welche hatte, ihre �ngste zu lindern und sie nicht auch noch mit den eigenen anzustecken.</p><p>�Perrin hat mir von seinem Volk erz�hlt, bevor ich hierherkam�, sagte sie. Er war ganz gewi� kein Angeber, aber manches kam halt im Gespr�ch heraus. �Wenn der Hagel Eure Ernte vernichtet, wenn die Winterk�lte die H�lfte Eurer Schafe t�tet, dann duckt Ihr Euch kurz und macht weiter. Als die Trollocs die Zwei Fl�sse verw�steten, habt Ihr zur�ckgeschlagen, und als Ihr mit ihnen fertig wart, habt Ihr euch ohne Z�gern an den Wiederaufbau gemacht.� Das h�tte sie bei S�dl�ndern nicht f�r m�glich gehalten, h�tte sie es nicht mit eigenen Auge gesehen. Diese Menschen h�tten sich auch in Saldaea bew�hrt, wo Trolloc-�berf�lle allt�glich waren, zumindest in den n�rdlichen Landesteilen. �Ich kann Euch nicht sagen, da� morgen das Wetter wieder so sein wird, wie es sein sollte. Ich kann Euch versichern, da� Perrin und ich tun werden, was vollbracht werden mu�, alles, was nur m�glich ist. Und ich mu� Euch wohl nicht sagen, da� Ihr ertragen werdet, was jeder neue Tag mit sich bringt, gleich, was das sein mag, und da� Ihr bereit sein werdet, Euch dem n�chsten Tag und seinen Anforderungen zu stellen. Das ist die Art von Menschen, die die Zwei Fl�sse hervorbringen. Das seid Ihr selbst.�</p><p>Sie waren wirklich intelligent. Hatten sie vielleicht auch vorher nicht sich selbst gegen�ber zugegeben, weshalb sie sich hier befanden, dann mu�ten sie das jetzt. W�ren sie weniger intelligent gewesen, h�tten sie an ihren Worten Ansto� genommen. Doch selbst das, was sie selbst vorher gesagt hatten, hatte nun die gew�nschte Wirkung, weil es von jemand anderem kam. Nat�rlich war auch das wieder ein Grund zur Verlegenheit. Es war schon ein geh�riges Durcheinander, und sie gaben ein Bild err�teter Wangen und versch�mter W�nsche ab, lieber woanders sein zu wollen. �Ja, nat�rlich�, sagte Daise. Sie st�tzte kr�ftige F�uste auf die �ppigen H�ften und blickte die anderen Seherinnen herausfordernd an. Sie sollten wohl nicht wagen, ihr zu widersprechen. �Ich habe es Euch doch gesagt, oder? Das M�dchen liegt goldrichtig. Das habe ich Euch gleich gesagt, als sie herkam. Dieses M�dchen hat das Herz am richtigen Fleck, habe ich gesagt.�</p><p>Edelle schniefte. �Hat irgend jemand das Gegenteil behauptet, Daise? Dann mu� ich es �berh�rt haben. Sie macht ihre Sache sehr gut.� Zu Faile gewandt, wiederholte sie: �Ihr macht Eure Sache wirklich sehr gut!�</p><p>Milla machte einen hastigen Knicks. �Ich danke Euch, Lady Faile. Sicher habe ich mindestens f�nfzig Leuten das Gleiche gesagt, aber wenn es von Euch kommt, dann ist es ... irgendwie...� Ein lautes R�uspern von Daise lie� sie verstummen. Das ging ihr wohl langsam zu weit. Milla err�tete noch st�rker.</p><p>�Das ist aber sehr h�bsch gearbeitet, Lady Faile.� Elwinn beugte sich vor und bef�hlte den engen Hosenrock, den Faile als Reitbekleidung bevorzugte. �Drunten in Devenritt gibt es eine Schneiderin aus Tarabon, die Euch m�glicherweise ein noch besseres anfertigen k�nnte. Falls Ihr mir das nicht �bel nehmt. Ich habe sie mir vorgekn�pft, und nun n�ht sie nur noch anst�ndige Kleider, au�er gelegentlich f�r verheiratete Frauen.� Das m�tterliche L�cheln kehrte auf ihre Z�ge zur�ck, nachsichtig, aber gleichzeitig mit Eisen unterlegt. �Oder etwas gewagter, falls sie sich gerade einen Mann angeln wollen. Sch�ne Sachen macht sie. Es w�re bestimmt eine Ehre f�r sie, bei Eurem Teint und Eurer Figur etwas f�r Euch zu entwerfen.�</p><p>Daise begann, selbstzufrieden zu l�cheln, bevor die andere noch ausgeredet hatte. �Therille Marza, gleich hier in Emondsfeld, fertigt der Lady Faile bereits ein halbes Dutzend Kleider an. Und dazu das sch�nste Abendkleid, das Ihr Euch vorsteilen k�nnt.� Elwinn richtete sich steif auf und Edelle sch�rzte die Lippen. Selbst Milla blickte nachdenklich drein.</p><p>Soweit es Faile betraf, war damit die Audienz vor�ber. Die Domanischneiderin mu�te man genau kontrollieren und st�ndig ihre Fortschritte �berwachen, sonst kleidete sie Faile f�r den Hof in Ebou Dar ein. Das Abendkleid war Daises Idee gewesen, eine echte �berraschung f�r sie, doch obwohl es mehr im Stil Saldaeas gehalten war und nicht wie bei den Domanifrauen, hatte Faile noch keine Ahnung, wo sie das jemals tragen sollte. Es w�rde noch lange dauern, bis an den Zwei Fl�ssen B�lle oder sonstige Tanzveranstaltungen stattfinden w�rden. Wenn man es ihnen �berlie�, w�rden die Seherinnen bald darum wetteifern, welches Dorf sie einkleiden durften.</p><p>Sie bot ihnen Tee an mit der ganz zwanglos vorgebrachten Begr�ndung, sie k�nnten sich dar�ber unterhalten, wie man den Menschen am besten des Wetters wegen Mut machte. Nach den Gespr�chen der letzten paar Minuten traf das die anderen unter der G�rtellinie, und so �berschlugen sie sich fast mit ihren Beteuerungen, sie h�tten Pflichten zu erf�llen, die ihnen kein Verweilen gestatteten.</p><p>Nachdenklich blickte sie ihnen nach. Milla ging wie �blich hinter den anderen her, wie ein Kind, das den �lteren Geschwistern nachtr�delt. Vielleicht war es m�glich, mit einigen Mitgliedern des Frauenzirkels von Taren-F�hre ein paar ruhige Worte zu wechseln. Jedes Dorf brauchte in diesen Zeiten einen starken Gemeindevorsteher und ebenso eine Seherin, die eine starke F�hrungspers�nlichkeit darstellte, um ihre jeweiligen Interessen zu vertreten. Ruhige, sorgf�ltig gew�hlte Worte. Als Perrin herausfand, da� sie vor der Wahl zum Gemeindevorsteher in Taren-F�hre mit den M�nnern dort gesprochen hatte � wenn ein Mann den Verstand besa�, sie und Perrin energisch zu unterst�tzen, warum sollten dann die M�nner, die zur Wahl gingen, nicht erfahren, da� sie und Perrin diese Unterst�tzung erwiderten? � als er das herausfand... Er war ein sanfter Mann, der nicht so schnell w�tend wurde, aber um ganz sicherzugehen, hatte sie sich dann doch in ihrem Schlafzimmer verbarrikadiert, bis sein Zorn abgek�hlt war. Das war nicht geschehen, bis sie versprochen hatte, auf keinen Fall mehr in einen Wahlkampf einzugreifen, weder offen noch hinter seinem R�cken. Letzteres hatte sie von ihm als �u�erst unfair empfunden. Und auch als ziemlich l�stig. Zum Gl�ck war ihm nicht eingefallen, die Wahlen zur Versammlung der Frauen zu erw�hnen. Nun, was er nicht wu�te, war nur gut f�r ihn. Und auch f�r Taren-F�hre in diesem Fall.</p><p>Der Gedanke an ihn erinnerte sie an ihr Versprechen sich selbst gegen�ber. Der Federf�cher schlug nun erheblich schneller. Heute war noch keineswegs der schlimmste Tag gewesen, was den Unsinn betraf, den man vor sie brachte, und auch was die Seherinnen betraf, hatte es schlimmere Tage gegeben. Dem Licht sei Dank, da� ihr nicht wieder die Frage gestellt wurde, wann Lord Perrin denn einen Erben erwarten durfte! Vielleicht hatte die nicht nachlassende Hitze ihren Zorn nun soweit angestachelt... Perrin <emphasis>w�rde</emphasis> seine Pflicht tun, oder...</p><p>Donner grollte �ber dem Herrenhaus und ein Blitz erleuchtete das Fenster. Hoffnung kam in ihr auf. Falls Regen kam...</p><p>Sie eilte leise auf ihren weichen Pantoffeln davon, um Perrin zu suchen. Sie h�tte den Regen gern mit ihm geteilt. Und au�erdem noch ein ernstes W�rtchen mit ihm gesprochen. Mehr als nur eines, falls notwendig.</p><p>Perrin befand sich genau dort, wo sie es erwartet hatte, ganz oben im zweiten Stock. Er sa� in der �berdachten Veranda an der Vorderfront des Hauses. Lockiges Haar, eine einfache braune Jacke, kr�ftige Schultern und Arme, so kehrte er ihr den breiten R�cken zu, w�hrend er an einer der S�ulen lehnte. Er blickte hinunter zum Erdboden an der einen Seite des Herrenhauses, und nicht zum Himmel hoch. Faile blieb in der T�r stehen.</p><p>Wieder grollte Donner, und ein Fl�chenblitz erleuchtete die blaue Kuppel �ber ihnen. Ein Hitzegewitter, und das bei wolkenlosem Himmel. Kein Vorbote des Regens. Kein Regen, der die Hitze mildern w�rde. Keine Aussicht auf den lange erwarteten Schnee. Auf ihrem Gesicht standen Schwei�perlen, doch sie schauderte.</p><p>�Ist die Audienz vorbei?� fragte Perrin, und sie fuhr zusammen. Er hatte den Kopf nicht gehoben. Manchmal fiel es ihr schwer, sich im rechten Moment daran zu erinnern, wie au�erordentlich fein sein Geh�r war. Vielleicht hatte er sie auch gewittert, doch falls ja, dann hoffte sie, er habe sie am Parf�m erkannt und nicht am Schwei�.</p><p>�Ich hatte schon geglaubt, ich w�rde dich hier mit Gwil oder Hai antreffen.� Das war einer seiner schlimmsten Fehler: Sie bem�hte sich, die Diener auszubilden, doch f�r ihn waren sie lediglich M�nner, mit denen er lachte und einen Krug Bier leerte. Wenigstens warf er kein Auge auf die M�dchen wie so mancher andere Mann. Er hatte nicht bemerkt, da� sich Calle Coplin im Herrenhaus verdingt hatte, weil sie hoffte, mehr f�r Lord Perrin tun zu k�nnen als nur sein Bett zu machen. Er hatte noch nicht einmal bemerkt, wie Faile Calle mit einem Sch�rhaken aus dem Haus gejagt hatte.</p><p>Als sie zu ihm ging, sah sie auch, was er beobachtete. Zwei M�nner mit nackten Oberk�rpern arbeiteten dort unten mit h�lzernen �bungsschwertern. Tam al'Thor war ein kr�ftiger, alternder Mann mit leicht ergrautem Haar. Aram dagegen war schlank und jung. Aram lernte schnell. Sehr schnell. Tarn war Soldat gewesen und Schwertmeister, aber Aram setzte ihm gewaltig zu.</p><p>Automatisch wanderte ihr Blick hin�ber zu den Zelten, die sich auf einem mit Steinen eingefa�ten Acker eine halbe Meile entfernt in Richtung Westwald zusammendr�ngten. Wer von den Kesselflickern �berlebt hatte, lagerte dort zwischen halbfertigen Wohnwagen, die wie kleine H�user auf R�dern aussahen. Nat�rlich betrachteten sie Aram nicht mehr als einen der ihren; nicht mehr, seit er das Schwert genommen hatte. Die Tuatha'an bedienten sich niemals der Gewalt, gleich, aus welchem Grund auch immer. Sie fragte sich, ob sie wie geplant abreisen w�rden, wenn die von den Trollocs verbrannten Wagen ersetzt waren. Nachdem sie alle aufgelesen hatten, die sich in irgendwelchen Dickichten versteckt hatten, waren es immer noch nicht viel mehr als hundert. Vielleicht w�rden sie tats�chlich weiterziehen, und Aram w�rde aus freien St�cken zur�ckbleiben. Soweit sie geh�rt hatte, hatten sich noch niemals Tuatha'an an einem Ort niedergelassen.</p><p>Aber die Menschen der Zwei Fl�sse behaupteten ja, es �ndere sich nie etwas. Und doch hatte sich seit der Invasion der Trollocs eine Menge ge�ndert. Emondsfeld, nur hundert Schritt s�dlich des Herrenhauses, war gr��er als damals bei ihrer Ankunft. Alle die niedergebrannten H�user wurden wieder aufgebaut und neue dazu. Einige sogar mit Backsteinen, und auch das war neu hier. Und manche bekamen Ziegeld�cher. Bei dem Tempo, mit dem man neue Wohnh�user errichtete, w�rde das Herrenhaus bald im Dorf liegen. Man sprach auch von einer Mauer, falls die Trollocs noch einmal zur�ckk�men. Ver�nderungen. Eine Handvoll Kinder folgten Loials riesiger Gestalt eine der Dorfstra�en entlang. Vor wenigen Monaten noch, als der Anblick des Ogiers mit seinen behaarten Ohren und der Nase, halb so breit wie sein ganzes Gesicht, und seiner Gr��e, etwa wie eineinhalb ausgewachsene M�nner, noch jedes Kind im Dorf mit aufgerissenen Augen und offenem Mund auf die Stra�e gelockt hatte, hatten die M�tter noch Todesangst um ihre Kinder ausgestanden. Jetzt schickten die gleichen M�tter ihre Kinder zu Loial, damit er ihnen aus B�chern vorlas! Die Ausl�nder in ihren eigenartig geschnittenen Jacken und Kleidern hoben sich auf der Stra�e beinahe genauso von den Emondsfeldern ab wie Loial, aber niemand beachtete sie besonders, genausowenig wie die drei Aiel, die im Augenblick im Dorf wohnten, fremdartige, hochgewachsene Leute, ganz in Braun- oder Graut�ne gekleidet. Bis vor wenigen Wochen hatten sich auch zwei Aes Sedai hier aufgehalten, und selbst bei ihnen hatte man sich lediglich h�flich verbeugt oder einen Knicks gemacht. Ver�nderungen. Die beiden Flaggenmasten auf dem Anger unweit der Weinquelle waren �ber die D�cher hinweg sichtbar. Auf einer Flagge war der rotger�nderte Wolfskopf zu sehen, der Perrins Abzeichen geworden war, und auf der anderen der rote, fliegende Adler, das Wappen von Manetheren. Manetheren war w�hrend der Trollockriege vor gut zweitausend Jahren untergegangen, aber dieses Gebiet hier war ein Teil davon gewesen, und so hatten sich die Einwohner der Zwei Fl�sse entschlossen, diese Flagge wieder aufleben zu lassen. Ver�nderungen, und sie hatten im Grunde keine Ahnung, wie stark und unerbittlich diese Ver�nderungen wirklich waren. Doch Perrin w�rde sie durch diese Zeit f�hren und einer Zukunft entgegen, von der niemand wu�te, was sie bringen w�rde. Mit ihrer Hilfe w�rde er das erreichen.</p><p>�Mit Gwil habe ich fr�her Kaninchen gejagt�, sagte Perrin. �Er ist nur ein paar Jahre �lter als ich, und manchmal hat er mich auf die Jagd mitgenommen.�</p><p>Sie brauchte einen Augenblick, um sich zu erinnern, wor�ber sie gesprochen hatte. �Gwil bem�ht sich, die Aufgaben eines Lakaien zu lernen. Du hilfst ihm nicht gerade dabei, wenn du ihn aufforderst, mit dir im Stall eine Pfeife zu rauchen und �ber Pferde zu reden.� Sie atmete langsam durch. Das w�rde nicht leicht werden. �Du hast eine Pflicht diesen Menschen gegen�ber, Perrin. So schwer es dir auch f�llt, so sehr du es auch ablehnst aber du mu�t deine Pflicht erf�llen.�</p><p>�Ich wei߫, sagte er leise. �Ich sp�re, wie er mich anzieht.�</p><p>Seine Stimme klang so eigenartig, da� sie seinen kurzgeschnittenen Bart packte und ihn zwang, zu ihr herabzublicken. Seine goldenen Augen, die ihr immer noch genauso seltsam und geheimnisvoll vorkamen wie fr�her, trugen einen traurigen Ausdruck. �Was meinst du damit? Vielleicht kannst du Gwil ja gut leiden, aber er...�</p><p>�Ich meine Rand, Faile. Er braucht mich.�</p><p>Der Knoten in ihrem Innern, den sie zu ignorieren versucht hatte, verkrampfte sich noch mehr. Sie war �berzeugt gewesen, diese Gefahr sei mit den Aes Sedai verschwunden. So t�richt. Sie war mit einem <emphasis>Ta'veren</emphasis> verheiratet, einem Mann, dessen Schicksal es war, andere Leben so zu ver�ndern, da� sie in das Gro�e Muster pa�ten, und er war noch dazu mit zwei anderen <emphasis>Ta'veren</emphasis> auf gewachsen, einer davon der Wiedergeborene Drache selbst. Das war ein Teil seiner Natur, den sie mit ihm teilen mu�te. Sie wollte gar nichts teilen, aber es ging eben nicht anders. �Was wirst du tun?�</p><p>�Zu ihm gehen.� Sein Blick glitt einen Augenblick lang von ihr weg, und sie folgte ihm mit den Augen. An der Wand lehnten der schwere Vorschlaghammer eines Schmieds und eine Axt mit einer gef�hrlich wirkenden halbmondf�rmigen Schneide und einem Schaft, der bestimmt einen Schritt lang war. �Ich konnte mich nicht...� Er fl�sterte nun fast: �Ich konnte mich nicht entschlie�en, wie ich es dir beibringen soll. Ich gehe heute nacht, wenn alles schl�ft. Ich glaube nicht, da� ich viel Zeit habe, und der Weg ist m�glicherweise sehr weit. Meister al'Thor und Meister Cauthon werden dir helfen, was die Gemeindevorsteher betrifft, falls du sie brauchst. Ich habe mit ihnen gesprochen.� Er bem�hte sich, leichthin zu sprechen, doch das mi�lang ihm gr�ndlich. �Mit den Seherinnen solltest du sowieso keine Probleme haben. Komisch: Als ich noch ein Junge war, schienen mir die Seherinnen immer so furchteinfl��end, aber man kann wirklich mit ihnen umgehen, solange man fest bleibt.�</p><p>Faile pre�te die Lippen aufeinander. Also hatte er mit Tarn al'Thor und Abell Cauthon bereits dar�ber gesprochen, aber nicht mit ihr? Und die Seherinnen! Sie h�tte ihn am liebsten einen Tag lang in ihre Haut gesteckt und gesehen, wie leicht er den Umgang mit den Seherinnen dann noch empfand. �So schnell k�nnen wir nicht abreisen. Es dauert eine Weile, bis wir eine unserem Rang entsprechende Eskorte zusammengestellt haben.�</p><p>Perrins Augen wurden ganz schmal. �Wir? Du kommst nicht mit! Es wird...!� Er hustete und fuhr dann in milderem Tonfall fort: �Es wird am besten sein, wenn einer von uns hierbleibt. Wenn der Lord sich wegbegibt, sollte die Lady die Dinge in die Hand nehmen. Das ist nur vern�nftig. Jeden Tag kommen weitere Fl�chtlinge. All diese Streitigkeiten, die geschlichtet werden m�ssen. Wenn du auch noch weg bist, wird es schlimmer hier zugehen als mit den Trollocs.�</p><p>Wie konnte er nur glauben, sie habe seine ungeschickte Ablenkung nicht durchschaut? Er hatte sagen wollen, da� es gef�hrlich werde. Wieso erzeugte dieses Wissen, da� er sie vor allen Gefahren beh�ten wollte, eine solche W�rme in ihr und machte sie dennoch gleichzeitig so w�tend? �Wir werden tun, was du f�r das Beste h�ltst�, sagte sie sanft, und er blinzelte mi�trauisch, kratzte sich am Bart und nickte schlie�lich.</p><p>Nun war es nur noch notwendig, ihn zur Einsicht dessen zu bringen, was wirklich am besten war. Wenigstens hatte er nicht direkt gesagt, sie <emphasis>d�rfe</emphasis> nicht gehen. Sobald er sich n�mlich auf etwas versteifte, konnte sie genausogut versuchen, einen Getreidesilo mit blo�en H�nden zu verschieben, wie ihn davon abzubringen. Doch wenn sie vorsichtig genug vorging, lie� sich das vermeiden. F�r gew�hnlich jedenfalls.</p><p>Mit einemmal schlang sie die Arme um ihn und pre�te ihr Gesicht an seine breite Brust. Seine kr�ftigen H�nde streichelten zart ihr Haar. Wahrscheinlich glaubte er, sie sei besorgt wegen seiner bevorstehenden Abreise. Nun, das war sie auch, in gewisser Weise. Aber nicht, weil er ohne sie abreisen wollte. Ihm war noch nicht bewu�t, was es hie�, mit einer Frau aus Saldaea verheiratet zu sein. Dabei war alles so glatt verlaufen, nachdem sie von Rand al'Thor weg waren. Warum ben�tigte der Wiedergeborene Drache Perrin nun auf einmal, und das mit solcher Gewalt, da� Perrin es �ber viele Hunderte von Wegstunden hinweg sp�rte, die sie voneinander entfernt waren? Warum war die Zeit so knapp? Warum? Perrins Hemd klebte an seiner verschwitzten Brust. Die unnat�rliche Hitze lie� noch mehr Schwei� �ber ihr Gesicht rinnen. Trotzdem schauderte Faile.</p><p>Gawyn Trakand schritt eine weitere Runde um seine M�nner herum ab, die eine Hand am Heft des Schwertes, und mit der anderen lie� er einen kleinen Steinbrocken auf- und abh�pfen. Er �berpr�fte die Positionen seiner Wachen um den baumbestandenen H�gel. Der trockene, hei�e Wind, der den Staub �ber die wellige, braune Grasebene fegte, lie� den einfachen, gr�nen Umhang an seinem R�cken flattern. Nichts war zu sehen bis auf das abgestorbene Gras, vereinzelte Dickichte und hier und da zum gr��ten Teil verdorrte B�sche. Die Frontlinie war einfach zu breit hier, um sie mit seinen M�nnern gleichm��ig zu besetzen, falls es zum Kampf kommen sollte. Er hatte sie in Gruppen zu je f�nf Schwerttr�gern zu Fu� eingeteilt, und weiter hinten am Abhang des H�gels f�nfzig Bogensch�tzen aufgestellt. In der N�he des Lagers ganz oben warteten f�nfzig weitere berittene Lanzentr�ger, um dort eingesetzt zu werden, wo es notwendig schien. Er hoffte allerdings, es werde heute nicht notwendig sein.</p><p>Zu Anfang waren es weniger J�nglinge gewesen, aber ihr Ruf brachte ihnen st�ndig neue Rekruten ein. Die zus�tzlichen K�mpfer waren wichtig, denn kein Rekrut wurde aus Tar Valon herausgelassen, wenn er nicht den entsprechenden Standard aufwies. Es war ja nicht so, da� er gerade heute bewaffnete Auseinandersetzungen erwartete, aber er hatte schon lange begriffen, da� sie gerade dann kamen, wenn man nicht mit ihnen rechnete. Nur die Aes Sedai warteten f�r gew�hnlich bis zur letzten Minute, bevor sie einem Mann Bescheid gaben, was beispielsweise heute geschehen werde.</p><p>�Ist alles in Ordnung?� fragte er, als er neben einer Gruppe von Schwerttr�gern stehenblieb. Trotz der Hitze hatten sie ihre gr�nen Umh�nge vorn geschlossen, damit man Gawyns wei�en, angreifenden Keiler deutlich sehen konnte, den sie auf die Brustteile gestickt trugen.</p><p>Jisao Hamora war der j�ngste von ihnen. Das sah man schon an seinem jungenhaften Grinsen. Doch als einziger der f�nf hatte er sich das Abzeichen einer kleinen silbernen Burg an den Kragen gesteckt, so da� man ihn als Veteran unter den K�mpfern f�r die Wei�e Burg erkennen konnte. Er antwortete: �Alles ist in Ordnung, Lord Gawyn.�</p><p>Die J�nglinge hatten diese Bezeichnung wirklich verdient. Gawyn selbst, der die Zwanzig nur um wenige Jahre �berschritten hatte, geh�rte zu den �ltesten. Ihren Regeln nach nahmen sie niemanden auf, der in irgendeinem Heer gedient hatte oder als Gefolgsmann eines Lords oder einer Lady, und nicht einmal einen, der als Leibw�chter irgendeines Kaufmannes sein Brot verdient hatte. Die ersten der J�nglinge waren als Jungen oder junge M�nner zur Wei�en Burg gekommen, um dort von den Beh�tern ausgebildet zu werden, den besten Schwertk�mpfern, den besten Kriegern der Welt, und dieser Tradition folgten sie noch immer auf gewisse Weise, wenn sie auch nicht mehr von den Beh�tern unterrichtet wurden. Ihre Jugend betrachteten sie nicht als Nachteil. Erst vor einer Woche hatten sie eine kleiner Feier veranstaltet zu Ehren des ersten richtigen Schnurrbarts, den Benji Dalfor zurechtstutzen konnte, und auf der Wange trug er eine Narbe, die von den Auseinandersetzungen in der Burg herr�hrte. In den ersten Tagen nach der Absetzung Siuan Sanches als Amyrlin waren die Aes Sedai viel zu besch�ftigt gewesen, um solche Wunden zu heilen. Vielleicht w�re sie noch immer die Amyrlin, h�tten sich die J�nglinge nicht einigen ihrer fr�heren Lehrer zum Kampf gestellt und sie in den S�len der Burg besiegt.</p><p>�Hat das �berhaupt einen Sinn, Lord Gawyn?� fragte Hai Moir. Er war zwei Jahre �lter als Jisao, und wie viele derer, die kein Zeichen der silbernen Burg trugen, bedauerte er, nicht dabeigewesen zu sein. Er w�rde es auch noch lernen. �Es ist �berhaupt nichts von Aielm�nnern zu sehen.�</p><p>�Glaubst du?� Ohne eine warnende Geste schleuderte Gawyn einen Stein mit aller Kraft gegen den einzigen Busch, der sich in ihrer N�he befand, ein ziemlich d�rres Gestr�pp nur. Nur das Rascheln abgestorbener Bl�tter war zu h�ren, doch der Busch bebte ein wenig st�rker, als zu erwarten gewesen war, ganz so, als sei ein Mann, der sich � wie auch immer �dahinter verbarg, an einer empfindlichen K�rperstelle getroffen worden. Die Neuen kommentierten die Bewegung erstaunt, w�hrend Jisao lediglich sein Schwert lockerte. �Hai, ein Aiel kann sich in einer Mulde am Boden verstecken, �ber die du nicht einmal stolpern w�rdest.� Nicht, da� Gawyn mehr �ber die Aiel gewu�t h�tte als das, was in den B�chern stand, aber er hatte jedes Buch in der Bibliothek der Wei�en Burg aufgest�bert das jemand geschrieben hatte, der tats�chlich gegen sie gek�mpft hatte, jedes Buch von einem Soldaten, der zu wissen schien, wovon er berichtete. Ein Mann mu�te sich auf die Zukunft vorbereiten, und die Zukunft der Welt schien vor allem aus Krieg zu bestehen. �Aber wenn es dem Licht gef�llt, wird heute nicht mehr gek�mpft.�</p><p>�Lord Gawyn!� erscholl ein Ruf von weiter oben am H�gel, wo der Wachtposten gerade dasselbe entdeckt hatte wie er: drei Frauen, die aus einem kleinen W�ldchen ein paar hundert Schritt westlich getreten waren und auf den H�gel zuschritten. Im Westen: eine �berraschung. Aber die Aiel liebten ja �berraschungen.</p><p>Er hatte davon gelesen, da� Aielfrauen mit ihren M�nnern in den Kampf zogen, aber mit diesen dunklen, bauschigen R�cken und den wei�en Blusen konnten die drei wohl kaum k�mpfen. Sie hatten sich trotz der Hitze Schals um die Arme geschlungen. Andererseits, wie hatten sie dieses W�ldchen �berhaupt ungesehen erreichen k�nnen? �Haltet die Augen offen und gafft diese Frauen nicht an!� sagte er, und dann mi�achtete er den eigenen Befehl, denn er beobachtete aufmerksam und interessiert die drei Weisen Frauen, die Abgesandten der Shaido Aiel. Hier drau�en konnten sie nichts anderes sein als Abgesandte.</p><p>Sie kamen gem��igten Schrittes n�her, �berhaupt nicht so, als n�herten sie sich einer gro�en Gruppe bewaffneter M�nner. Ihr Haar trugen sie lang, bis zur H�fte, dabei hatte er gelesen, da� die Aiel die Haare immer kurz schnitten, und sie hatten es mit zusammengerollten T�chern zur�ckgebunden. Dazu hatten sie derart viele Armreifen und Halsketten aus Gold und Silber und Elfenbein angelegt da� das Glitzern ihre Anwesenheit schon auf eine Meile Entfernung verraten h�tte.</p><p>Hoch aufgerichtet und mit stolzen Mienen schritten die drei Frauen an den Soldaten vorbei, ohne sie eines Blickes zu w�rdigen, und stiegen den H�gel empor. Ihre Anf�hrerin hatte goldenes Haar und die weite Bluse so tief ge�ffnet, da� eine beachtliche F�lle sonnengebr�unten Busens zu sehen war. Die anderen beiden waren grauhaarig, und ihre Gesichtshaut wirkte wie gegerbtes Leder; sie mu�ten bestimmt doppelt so alt sein.</p><p>�Ich h�tte nichts dagegen, die vordere zum Tanz zu begleiten�, sagte einer der J�nglinge bewundernd, als die Frauen vor�bergeschritten waren. Dabei war er mindestens zehn Jahre j�nger als die goldhaarige Frau. �W�rde ich nicht, wenn ich du w�re, Arwin�, bemerkte Gawyn trocken. �Sie k�nnte das mi�verstehen.� Er hatte n�mlich gelesen, da� die Aiel den Kampf als �den Tanz� bezeichneten. �Au�erdem w�rde sie vermutlich deine Leber zum Abendessen verspeisen.� Er hatte ganz kurz ihre hellgr�nen Augen sehen k�nnen, und es waren die h�rtesten Augen gewesen, die er jemals erblickt hatte.</p><p>Er beobachtete die Weisen Frauen, bis sie den H�gel erklommen hatten und sich einem halben Dutzend Aes Sedai n�herten, die dort mit ihren Beh�tern warteten. Diejenigen jedenfalls, die Beh�ter hatten; zwei geh�rten den Roten Ajah an, und die hatten ja keine. Als die Frauen in einem der hohen, wei�en Zelte verschwanden und die Beh�ter als W�chter ihre Posten um das Zelt bezogen hatten, fuhr er mit seiner Runde um den H�gel fort.</p><p>Die J�nglinge waren �u�erst aufmerksam, seit sich die Kunde von der Ankunft der Aiel verbreitet hatte, und das pa�te ihm nicht. Sie h�tten vorher genauso aufmerksam wachen m�ssen. Auch die meisten derjenigen, die keine silberne Burg angesteckt hatten, waren in der Umgebung Tar Valons bereits in K�mpfe verstrickt gewesen. Eamon Valda, der befehlshabende Lordhauptmann der Wei�m�ntel, hatte vor mehr als einem Monat die meisten seiner M�nner in Richtung Westen abgezogen, doch die Handvoll derer, die er zur�ckgelassen hatte, bem�hte sich, die Truppe der R�uber und Schl�ger, die Valda dort versammelt hatte, einigerma�en zusammenzuhalten. Nun, wenigstens die hatten die J�nglinge mittlerweile auseinandergetrieben. Gawyn h�tte ja gern der Versuchung nachgegeben, sich einzubilden, sie h�tten auch Valda vertrieben. Die Burg hatte ihre eigenen Soldaten aus diesen Scharm�tzeln vorsichtig herausgehalten, obwohl schlie�lich die Wei�m�ntel nur aus dem Grund �berhaupt anwesend waren, um der Burg soviel Schaden wie m�glich zuzuf�gen. Nein, er vermutete, Valda habe seine eigenen Gr�nde f�r diesen R�ckzug gehabt. Wahrscheinlich Befehle von Pedron Niall, und Gawyn h�tte viel daf�r gegeben, zu erfahren, wie diese lauteten. Licht, wie er es ha�te, nicht Bescheid zu wissen. Es war, als tappe man blind durch die Dunkelheit.</p><p>In Wahrheit, das gab er ja selbst zu, war er einfach gereizt. Nicht nur der Aiel wegen und weil man ihm bis zum heutigen Morgen nichts von diesem Treffen gesagt hatte. Man hatte ihm auch nicht mitgeteilt, wohin sie ziehen w�rden, bis ihn schlie�lich Coiren Sedai zur Seite gezogen hatte, die Graue Schwester, die diese Delegation von Aes Sedai anf�hrte. Elaida war ja schon als Ratgeberin seiner Mutter in Caemlyn verschwiegen und herrschs�chtig gewesen, aber seit man sie zur Amyrlin erhoben hatte, erschien ihm die alte Elaida noch warm und offen, verglichen mit der jetzigen. Zweifellos hatte sie den Druck auf ihn ausge�bt, unter dem er diese Eskorte zusammengestellt hatte, sowohl, um ihn in Tar Valon loszuwerden, wie auch aus anderen Gr�nden.</p><p>In den Auseinandersetzungen zuvor hatten sich die J�nglinge auf ihre Seite geschlagen, da die alte Amyrlin vom Burgsaal ganz offiziell abgesetzt worden war und man ihr Stola und Stab abgenommen hatte, und ein Versuch, sie zu befreien, war ganz einfach und sachlich gesehen ein Versto� gegen das Gesetz, aber Gawyn hatte schon so seine Zweifel an den Aes Sedai gehabt, bevor er geh�rt hatte, welche Anklagen man gegen Siuan Sanche erhob. Da� sie die F�den zogen und gekr�nte H�upter nach ihrer Pfeife tanzen lie�en, hatte er schon so oft geh�rt, da� er keinen Gedanken mehr daran verschwendete, aber dann hatte er zuschauen k�nnen, wie sie Menschen manipulierten. Zumindest die Folgen hatte er miterlebt, und seine Schwester Elayne war diejenige gewesen, die nach ihrer Pfeife tanzen mu�te, geradewegs aus seiner Sicht und vielleicht sogar � was wu�te er schon? � aus ihrem eigenen Leben. Sie und eine andere. So hatte er zuerst gek�mpft, um Siuan im Gef�ngnis festzuhalten, und dann hatte er sich abgewandt und sie entkommen lassen. Falls Elaida jemals dahinterkam, w�rde ihm auch die Krone seiner Mutter nicht mehr das Leben retten.</p><p>Trotzdem hatte sich Gawyn zum Bleiben entschlossen, weil seine Mutter die Burg immer unterst�tzt hatte und weil seine Schwester Aes Sedai werden wollte. Und weil eine andere Frau diesen Wunsch mit ihr teilte: Egwene al'Vere. Er hatte kein Recht dazu, auch nur an sie zu denken, aber die Burg zu verlassen w�rde bedeuten, da� er auch sie im Stich lie�. Von solch d�rftigen Motiven machte ein Mann sein ganzes Schicksal abh�ngig. Doch selbst das Wissen um ihre Nichtigkeit �nderte nichts.</p><p>Er betrachtete die verdorrte, vom Wind in eine Richtung gezwungene Grasebene, w�hrend er von einem Posten zum n�chsten schritt. Also befand er sich nun hier und hoffte, die Aiel w�rden sich nicht doch noch zum Angriff entschlie�en, obwohl � oder vielleicht auch gerade weil � die Weisen Frauen der Shaido mit Coiren und den anderen verhandelten. Er vermutete, dort drau�en l�gen genug Aiel verborgen, um ihn trotz der Hilfe der Aes Sedai zu �berrennen. Er war wohl auf dem Weg nach Cairhien, aber �ber die eigenen Gef�hle im Hinblick darauf war er sich keineswegs im klaren. Coiren hatte ihn schw�ren lassen, ihre Mission geheimzuhalten, und dabei hatte sie offensichtlich noch gef�rchtet zuviel zu sagen. Das war nicht verwunderlich. Es war stets am besten, ganz genau dar�ber nachzudenken, was eine Aes Sedai sagte. Sie konnten wohl nicht l�gen, doch die Wahrheit verdrehten sie, wie es ihnen pa�te. Trotzdem kam er auf keine eventuell verborgenen Hintergedanken. Die sechs Aes Sedai w�rden den Wiedergeborenen Drachen auffordern, sie zur Burg zu begleiten, und die J�nglinge, unter dem Befehl des Sohnes der K�nigin von Andor, waren seine Ehrenwache. Es konnte daf�r nur einen Grund geben, der Coiren ganz eindeutig so erschreckte, da� sie nur Andeutungen von sich gab. Auch Gawyn war ob dieses Grundes ersch�ttert. Elaida hatte vor, der Welt zu verk�nden, da� die Wei�e Burg den Wiedergeborenen Drachen unterst�tze.</p><p>Das war fast unglaublich. Elaida hatte zu den Roten geh�rt, bevor sie Amyrlin wurde. Die Roten ha�ten bereits den Gedanken daran, da� ein Mann die Macht ben�tzen konnte, und im �brigen hielten sie sowieso nicht viel von M�nnern. Doch der Fall des einst unbezwingbaren Steins von Tear und damit die Erf�llung der Weissagung hatte bewiesen, da� Rand der Wiedergeborene Drache war, und selbst Elaida gab zu, da� die Letzte Schlacht bald kommen werde. Gawyn konnte sich den ver�ngstigten Bauernjungen, der einst buchst�blich in den Garten des K�niglichen Palastes in Caemlyn gefallen war, beim besten Willen nicht als den Mann vorstellen, wie ihn die Ger�chte beschrieben, die den Erinin herauf nach Tar Valon gekommen waren.</p><p>Man behauptete, er habe Hochlords von Tear h�ngen lassen und den Aiel das Pl�ndern des Steins gestattet. Auf jeden Fall hatte er die Aiel �ber das R�ckgrat der Welt gef�hrt und das erst zum zweitenmal seit der Zerst�rung der Welt um Cairhien mit Krieg zu �berziehen. Vielleicht lag es am beginnenden Wahnsinn? Gawyn hatte eigentlich Rand al'Thor recht gut leiden k�nnen. So bedauerte er, da� sich der Mann als derjenige erwiesen hatte, der er jetzt war.</p><p>Als er schlie�lich zu Jisaos Gruppe zur�ckkehrte, war noch jemand im Westen in Sicht gekommen, der sich ihnen n�herte: ein H�ndler mit einem Schlapphut, der ein beladenes Maultier am Z�gel f�hrte. Er kam geradewegs auf den H�gel zu; offensichtlich hatte er sie gesehen.</p><p>Jisao trat einen halben Schritt vor, stand dann aber wieder still, als Gawyn ihn am Arm ber�hrte. Gawyn wu�te, woran der j�ngere Mann dachte, aber falls die Aiel beschlie�en sollten, diesen Burschen zu t�ten, konnten sie nichts daran �ndern. Coiren w�rde es nicht nur einfach mi�fallen, wenn sie eine Fehde mit den Leuten anfingen, mit denen sie gerade verhandelte. Der H�ndler schlurfte unbeeindruckt weiter, geradewegs an dem Busch vorbei, den Gawyn mit seinem Stein getroffen hatte. Als der Mann schlie�lich vor ihnen den Hut zog, eine Verbeugung vor allen andeutete und begann, sein vergr�mtes Gesicht mit einem schmuddeligen Halstuch abzuwischen, fing das Maultier an, lustlos an dem braunen Gras zu knabbern. �Das Licht leuchte Euch, meine Lords. Ihr seid sehr gut ausger�stet, um in diesen schrecklichen Zeiten auf Reisen zu gehen, wie jedermann sehen kann, aber falls Ihr doch noch irgendeine Kleinigkeit braucht, f�hrt sie der alte Mil Tesen wahrscheinlich in einer seiner Taschen mit. Auf zehn Meilen wird Euch keiner g�nstigere Preise bieten, meine Lords.�</p><p>Gawyn bezweifelte, da� sich innerhalb von zehn Meilen auch nur ein Bauernhof befinde. �Allerdings sind die Zeiten schlimm, Meister Tesen. Habt Ihr keine Angst vor den Aiel?�</p><p>�Aiel, Lord? Die sind alle unten in Cairhien. Der alte Mil kann die Aiel wittern, tats�chlich. In Wirklichkeit w�re er ganz froh, wenn ein paar davon hier w�ren. Man kann gut mit den Aiel feilschen. Au�erdem haben sie eine Menge Gold. Aus Cairhien. Und sie tun einem H�ndler nichts. Das wei� doch jeder.�</p><p>Gawyn unterdr�ckte den Impuls, ihn zu fragen, warum er nicht nach S�den zog, wenn man den Aiel in Cairhien soviel verkaufen konnte. �Was gibt es Neues auf der Welt, Meister Tesen? Wir sind aus dem Norden, und Ihr wi�t vielleicht einiges aus dem S�den, das uns noch nicht erreicht hat.�</p><p>�Oh, im S�den tun sich gro�e Dinge, Lord. Ihr habt von Cairhien geh�rt? Von dem, der sich Drache nennt und so?� Gawyn nickte und er fuhr fort: �Also, jetzt hat er Andor eingenommen. Jedenfalls den gr��ten Teil. Ihre K�nigin ist tot. Manche meinen, er wird die ganze Welt erobern, bevor...� Der Mann brach mit einem w�rgenden Laut ab, bevor Gawyn bewu�t wurde, da� er ihn am Kragen gepackt hatte.</p><p>�K�nigin Morgase ist tot? Sprecht, Mann! Aber schnell!�</p><p>Tesen rollte hilfesuchend die Augen, aber er redete, und das ziemlich schnell: �Das erz�hlt man sich, Lord. Der alte Mil wei� es nicht sicher, aber er glaubt es schon. Jeder sagt es, Lord. Und jeder sagt, da� es der Drache getan hat. Mein Lord? Mein Hals, Lord! Mein Lord, bitte!�</p><p>Gawyn ri� seine H�nde weg, als h�tte er sie sich verbrannt. Innerlich stand er in Flammen. Es war jedoch ein anderer Mann gewesen, dessen Hals er gern in den H�nden gehabt h�tte. �Die Tochter Erbin.� Seine Stimme klang, als ert�ne sie von ganz weit her. �Gibt es irgendeine Nachricht �ber die Tochter Erbin Elayne?�</p><p>Tesen trat einen langen Schritt zur�ck, sobald sein Hals frei war. �Nicht, soweit der alte Mil das w��te, mein Lord. Ein paar behaupten, sie sei auch tot. Manche meinen, er habe sie auch get�tet, doch der alte Mil wei� nichts Genaues.�</p><p>Gawyn nickte bed�chtig. Die Gedanken schienen vom Grund einer Quelle zu ihm heraufzuschweben. <emphasis>Mein Blut soll flie�en vor dem ihren; mein Leben gebe ich, bevor ihres vergeht.</emphasis> �Ich danke Euch, Meister Tesen. Ich...� <emphasis>Mein Blut soll flie�en vor dem ihren...</emphasis> So lautete der Eid, den er abgelegt hatte, als er gerade gro� genug war, um �ber den Rand von Elaynes Wiege zu sp�hen. �Ihr k�nnt durchaus etwas verkaufen bei... Ein paar meiner M�nner brauchen vielleicht...� Gareth Bryne hatte ihm erkl�ren m�ssen, was das bedeutete, aber sogar damals schon hatte er gewu�t, da� er diesen Eid einhalten mu�te, selbst wenn alles andere in seinem Leben schief ging. Jisao und die anderen blickten ihn besorgt an. �K�mmert Euch um den H�ndler�, fuhr er Jisao grob an und wandte sich ab.</p><p>Seine Mutter tot, und Elayne. Nur ein Ger�cht, aber Ger�chte, die jeder auf den Lippen trug, stellten sich ja manchmal als die Wahrheit heraus. Er klomm ein halbes Dutzend Schritte zum Lager der Aes Sedai empor, bevor ihm das bewu�t wurde. Seine H�nde schmerzten. Er mu�te erst hinunterblicken, damit ihm klar wurde, da� er das Heft seines Schwertes so hart umklammerte. Er zwang sich, den Griff zu l�sen. Coiren und die anderen wollten Rand al'Thor nach Tar Valon bringen, doch falls seine Mutter tot war... Elayne. Falls sie beide tot waren, w�rde man schon sehen, ob der Wiedergeborene Drache mit einem Schwert im Herzen �berleben konnte.</p><p>Katerine Alruddin r�ckte ihre rotgefranste Stola zurecht und erhob sich gleichzeitig mit den anderen Frauen im Zelt von den Sitzkissen. Sie h�tte beinahe geschnaubt, als Coiren, mollig und pomp�s, wie sie wirkte, mit getragener Stimme verk�ndete: �Wie es vereinbart wurde, so soll es geschehen.� Das hier war ein Treffen mit Wilden und nicht ein Vertragsabschlu� zwischen der Burg und einem Herrscher.</p><p>Die Aielfrauen zeigten genausowenig Reaktionen, genausowenig Ausdruck wie bei ihrer Ankunft. Das kam doch etwas �berraschend; K�nige und K�niginnen verrieten ihre geheimsten Regungen, wenn sie zwei oder drei Aes Sedai gegen�berstanden, ganz zu schweigen von einem halben Dutzend � unzivilisierte Wilde sollten in diesem Augenblick eigentlich vor ihnen zittern und beben. Das h�tte ja wohl die mindeste Reaktion sein sollen. Ihre Anf�hrerin � sie hie� Sevanna, gefolgt von irgendeinem Unsinn wie �Septime� und �Shaido Aiel� und �Weise� � sagte: �Ihr habt unser Einverst�ndnis, solange ich einen Blick auf sein Gesicht werfen kann.� Sie hatte einen Schmollmund und trug die Bluse so weit offen, um M�nnerblicke anzulocken. Da� die Aiel eine wie sie zur Anf�hrerin machten, zeigte, wie primitiv sie waren. �Ich will ihn sehen und ich will, da� er mich sieht, wenn er besiegt ist. Nur bei dieser Gegenleistung wird Eure Burg in den Shaido einen Verb�ndeten finden.�</p><p>Die Andeutung von Anbiederung in ihrem Tonfall zwang Katerine, ein L�cheln zu unterdr�cken. Weise? Diese Sevanna war wirklich t�richt. Die Wei�e Burg hatte keine Verb�ndeten. Es gab die einen, die ihr willig dienten, und die anderen, die ihr gegen den eigenen Willen dienten, und sonst niemanden.</p><p>Ein leichtes Zucken an Coirens Mundwinkeln verriet, da� ihr das alles auf die Nerven ging. Die Graue war eine gute Verhandlungsleiterin, aber sie hatte es nun mal am liebsten, wenn alles seine vorbestimmte Ordnung hatte, wenn jede Einzelheit so ablief, wie sie es vorher festgelegt hatte. �Zweifellos verdient Eure Unterst�tzung das, was Ihr fordert.�</p><p>Eine der grauhaarigen Aiel � Tarva oder so �hnlich hie� sie wohl � kniff die Augen zusammen, aber Sevanna nickte. Sie hatte genau das herausgeh�rt, was Coiren beabsichtigt hatte.</p><p>Coiren machte sich auf, die Aielfrauen bis hinunter zum Fu� des H�gels zu begleiten, zusammen mit Erian, einer Gr�nen, und Nesune, einer Braunen, und den f�nf Beh�tern, die insgesamt zu ihnen geh�rten. Katerine selbst ging nur bis zum Rande des Geh�lzes und blickte den anderen hinterher. Bei ihrer Ankunft hatte man den Aiel gestattet, allein hier heraufzukommen, wie es solchen Helfern zustand, doch nun erwies man ihnen alle Ehren, um sie glauben zu machen, man sch�tze sie als Freunde und Verb�ndete. Katerine fragte sich, ob sie wohl zivilisiert genug seien, um die feinen Unterschiede �berhaupt wahrzunehmen.</p><p>Gawyn befand sich dort unten, sa� auf einem Felsen und blickte auf die grasbewachsene Ebene hinaus. Was w�rde dieser junge Mann denken, wenn er erf�hre, da� er und seine Kindertruppe sich nur hier befanden, weil man sie in Tar Valon loswerden wollte? Weder Elaida noch der Saal hatten gern ein Rudel junger W�lfe in der N�he, das sich nicht an die Leine legen zu lassen gedachte. Vielleicht sollte man es den Shaido �berlassen, dieses Problem auszur�umen. Elaida hatte das bereits angedeutet. Auf diese Weise w�rde seine Mutter seinen Tod nicht mit der Burg in Verbindung bringen.</p><p>�Wenn du diesen jungen Mann noch l�nger anhimmelst, Katerine, dann mu� ich wohl langsam glauben, du w�rst bei den Gr�nen besser aufgehoben.�</p><p>Katerine unterdr�ckte ihren pl�tzlich aufflammenden �rger und neigte den Kopf respektvoll. �Ich habe nur �ber seine Gedanken spekuliert, Galina Sedai.�</p><p>Das war genug Respekt, wie ihn ein Gespr�ch vor aller Augen verlangte; vielleicht sogar ein wenig mehr. Galina Casban sah bestenfalls nur wenig j�nger aus, als Katerine in Wirklichkeit war, war aber doppelt so alt.</p><p>Seit achtzehn Jahren war die Frau mit dem runden Gesicht das Oberhaupt der Roten Ajah. Diese Tatsache war au�erhalb der Ajah nat�rlich nicht bekannt; solche Kenntnisse waren nur f�r den internen Gebrauch bestimmt. Sie geh�rte nicht einmal zu den Sitzendenden Abgeordneten also � der Roten im Burgsaal. Katerine vermutete, bei den anderen Ajah sei es dasselbe. Elaida h�tte sie ja zur Leiterin dieser Expedition ernannt anstatt dieser Coiren, die sich selbst so ungeheuer wichtig nahm, aber Galina selbst hatte sie darauf aufmerksam gemacht, da� eine Rote Rand al'Thor m�glicherweise mi�trauisch gemacht h�tte. Die Amyrlin geh�rte allen Ajahs und dabei doch keiner einzelnen an, mu�te ihre alte Bindung bei Amtsantritt aufgeben, aber wenn Elaida den Rat einer anderen suchte, was allerdings wohl kaum jemals der Fall zu sein schien, dann den Galinas.</p><p>�Wird er freiwillig mitkommen, wie Coiren glaubt?� fragte Katerine.</p><p>�Vielleicht�, antwortete Galina trocken. �Die Ehre, die man ihm mit dieser Delegation erweist, sollte ausreichen, einen K�nig dazu zu bringen, da� er seinen eigenen Thron bis nach Tar Valon schleppt.�</p><p>Katerine machte sich nicht einmal die M�he eines Kopfnickens. �Diese Sevanna wird ihn t�ten, falls sie die Chance dazu bekommt.�</p><p>�Dann darf man ihr keine Gelegenheit geben.� Galinas Stimme klang kalt und ihre dicken Lippen hatte sie aufeinander gepre�t. �Es w�rde der Amyrlin nicht gefallen, wenn ihre Pl�ne auf diese Art zunichte gemacht w�rden. Und du und ich w�rden tagelang im Dunklen vor Schmerzen schreien, bevor man uns sterben lie�e.�</p><p>Katerine zog unwillk�rlich ihre Stola eng um die Schultern zusammen und schauderte. Staub lag in der Luft; sie w�rde ihren leichten Sommerumhang herausholen. Es w�re nicht einmal Elaidas Zorn, der sie t�ten w�rde, obwohl ihr Zorn schrecklich sein konnte. Siebzehn Jahre lang war Katerine nun schon Aes Sedai, aber erst am Morgen vor ihrer Abreise hatte sie erfahren, da� sie mehr als nur die Zugeh�rigkeit zu den Roten Ajah mit Galina gemein hatte. Zw�lf Jahre lang n�mlich war sie bereits Mitglied der Schwarzen Ajah, und in all dieser Zeit hatte sie nicht gewu�t, da� auch Galina eines ihrer Mitglieder war, und zwar seit viel l�ngerer Zeit schon. Notwendigerweise tarnten sich die Schwarzen Schwestern sehr sorgf�ltig, sogar voreinander. Bei ihren seltenen Versammlungen verh�llten sie die Gesichter und verstellten die Stimmen. Vor Galina hatte Katerine nur zwei andere kennengelernt, die sie wiedererkennen durfte. Befehle wurden auf ihrem Kopfkissen hinterlassen, oder in einer Tasche ihres Umhangs, und die Tinte, mit der sie geschrieben waren, verbla�te augenblicklich, wenn eine andere Hand als die ihre das Papier ber�hrte. Es gab einen geheimen Ort, an dem sie Nachrichten hinterlie�, und einen strengen Befehl, nicht zu warten und zu belauern, wer sie abzuholen komme. Sie war immer gehorsam gewesen. Es konnte unter denen, die im Abstand einer Tagesreise folgten, durchaus Schwarze Schwestern geben, aber sie hatte keine M�glichkeit, das festzustellen.</p><p>�Warum?� fragte sie. Befehle, den Wiedergeborenen Drachen am Leben zu halten, ergaben keinen Sinn, genausowenig wie eine Auslieferung an Elaida.</p><p>�Fragen zu stellen ist gef�hrlich f�r eine, die geschworen hat, bedingungslos zu gehorchen.�</p><p>Katerine schauderte wieder und konnte sich gerade noch davon abhalten, vor Galina einen Knicks zu machen. �Ja, Galina Sedai.� Aber sie konnte sich nicht helfen. Sie fragte sich immer noch, warum.</p><p>�Sie zeigen weder Respekt noch ehrenhaftes Verhalten�, grollte Therava. �Sie gestatten uns, ihr Lager zu betreten, als seien wir zahnlose Hunde, und dann bringen sie uns unter Bewachung hinaus, als verd�chtigten sie uns des Diebstahls.�</p><p>Sevanna blickte sich nicht um. Das w�rde sie erst wieder tun, wenn sie sich in der Deckung der B�ume befanden. Die Aes Sedai w�rden bestimmt nach Anzeichen der Nervosit�t bei ihnen Ausschau halten. �Sie haben sich einverstanden erkl�rt Therava�, sagte sie. �Das reicht f�rs erste.� F�r den Moment. Eines Tages w�rden diese L�nder hier den Shaido zum Pl�ndern offenstehen. Einschlie�lich der Wei�en Burg.</p><p>�Das ist alles zu unausgegoren�, sagte die dritte Frau mit Nervosit�t in der Stimme. �Die Weisen Frauen meiden alle Aes Sedai; das war schon immer so. Vielleicht war es bei dir in Ordnung, Sevanna, denn als Couladins und Suladrics Witwe vertrittst du den Clanh�uptling, bis wir wieder einen Mann nach Rhuidean schicken k�nnen, aber wir anderen h�tten nicht daran teilnehmen sollen.�</p><p>Sevanna zwang sich mit M�he zum Weitergehen. Desaine hatte sich gegen ihre Wahl zur Weisen Frau ausgesprochen und laut lamentiert, sie habe keine Lehrzeit absolviert und Rhuidean nicht besucht. Au�erdem hatte sie behauptet, gerade ihr Rang als Stellvertreterin des Clanh�uptlings mache es unm�glich, sie auch noch zur Weisen Frau zu erheben. Und dazu konnte es sein, da ihr nicht nur ein Ehemann, sondern gleich zwei gestorben waren, da� sie dem Clan Ungl�ck brachte. Gl�cklicherweise hatten gen�gend Weise Frauen der Shaido auf Sevanna geh�rt und nicht auf Desaine. Andererseits hatten allzu viele auf Desaine geh�rt, als da� man sie problemlos h�tte beseitigen k�nnen. Die Weisen Frauen waren an sich ja unverletzlich � sogar diejenigen, die zu diesen Verr�tern und Narren drunten in Cairhien hielten, begaben sich gelegentlich unbehelligt zu den Shaido �, doch Sevanna hatte vor, eine Methode zu finden, sie aus dem Weg zu schaffen.</p><p>Als h�tten Desaine mit ihren Zweifeln Therava angesteckt, begann diese halb in sich hinein zu knurren: �Alles �ble, das wir tun, richtet sich gegen die Aes Sedai. Wir dienten ihnen vor der Zerst�rung der Welt und wir haben dabei versagt. Deshalb wurden wir ins Dreifache Land gesandt. Wenn wir noch einmal versagen, werden wir vernichtet.�</p><p>Das jedenfalls glaubten alle. Es war Teil der alten Legenden und geh�rte zum Brauchtum. Sevanna war jedoch keineswegs so sicher. Diese Aes Sedai kamen ihr schwach und t�richt vor. Sie reisten mit ein paar hundert Mann Begleitung durch ein Gebiet, in dem sie die wahren Aiel, die Shaido, zu Tausenden leicht �berrennen konnten. �Ein neuer Tag ist angebrochen�, sagte sie in scharfem Ton, wobei sie einen Teil einer ihrer Ansprachen vor den Weisen Frauen wiederholte. �Wir sind nicht mehr an das Dreifache Land gebunden. Jedes Auge kann erkennen, da� alles, was einmal war, sich nun ge�ndert hat. Wir selbst m�ssen uns �ndern, sonst werden wir vernichtet und es wird sein, als seien wir nie gewesen.� Nat�rlich hatte sie ihnen niemals gesagt, welche �nderungen sie wirklich durchf�hren wollte. Wenn es nach ihr ginge, w�rden die Weisen Frauen der Shaido niemals mehr einen Mann nach Rhuidean schicken.</p><p>�Neuer Tag oder alter�, brummte Desaine, �was werden wir mit Rand al'Thor anfangen, wenn wir es fertigbringen, ihn den Aes Sedai abzujagen? Es w�re besser und leichter, ihm ein Messer zwischen die Rippen zu jagen, w�hrend sie ihn nach Norden begleiten.�</p><p>Sevanna antwortete nicht. Sie wu�te nicht, was sie antworten sollte. Noch nicht. Alles, was sie wu�te, war: Sobald sie diesen sogenannten <emphasis>Car'a'carn,</emphasis> den H�uptling aller H�uptlinge der Aiel, wie einen tollen Hund vor ihrem Zelt angekettet hatte, w�rde dieses Land wirklich und wahrhaftig den Shaido geh�ren. Und ihr. Das war ihr schon klargewesen, bevor dieser eigenartige Feuchtl�ndermann sie irgendwie in diesen Bergen aufgesp�rt hatte, die von den Leuten hier als Bruderm�rders Dolch bezeichnet wurde. Er hatte ihr einen kleinen W�rfel aus irgendeinem harten Stein gegeben, auf dessen Seiten kunstvolle aber seltsame Muster eingemei�elt waren, und ihr gesagt, was sie damit anstellen solle � mit Hilfe einer Weisen Frau, die mit der Macht umgehen konnte �, sobald sich al'Thor in ihrer Hand befinde. Sie trug den W�rfel nun st�ndig in einer G�rteltasche mit sich herum. Noch hatte sie sich nicht entschlossen, was sie damit anstellen werde, hatte aber auch niemanden von dem Mann oder dem W�rfel erz�hlt. Mit hoch erhobenem Kopf schritt sie unter der sengenden Sonne des Herbsthimmels davon.</p><p>H�tte es im Palastgarten ein paar B�ume gegeben, w�re dadurch wohl ein Anschein von K�hle erweckt worden, aber so waren die h�chsten Gew�chse kunstvoll beschnittene Str�ucher, die man in die Formen von galoppierenden Pferden oder B�ren gezwungen hatte, oder die von Akrobaten in der Bewegung und �hnliches mehr. G�rtner in Hemds�rmeln eilten mit Eimern voll Wasser unter der sengenden Nachmittagssonne einher, um ihre Sch�pfungen zu retten. Die Blumen hatten sie bereits aufgegeben, die in Mustern angelegten Beete geleert und mit Grassoden bedeckt, die aber auch schon abstarben.</p><p>�Wie schade, da� die Hitze so schlimm ist�, sagte Ailron. Er zog ein spitzenbesetztes Taschentuch aus dem ebenfalls mit Spitzenmanschetten versehenen �rmel seines gelben, seidenen Kurzmantels, tupfte geziert sein Gesicht ab und warf es weg. Ein Diener in goldener und roter Livree hob es schnell von dem Kiesweg auf und zog sich wieder unauff�llig in den Hintergrund zur�ck. Ein weiterer livrierter Mann legte dem K�nig ein frisches Taschentuch in die Hand, das dieser in seinen �rmel schob. Ailron tat nat�rlich so, als bemerke er �berhaupt nichts. �Diese Burschen bringen es f�r gew�hnlich fertig, alles bis zum Fr�hling am Leben zu halten, aber diesen Winter werde ich m�glicherweise doch ein paar verlieren. Denn es sieht so aus, als werde es diesmal gar keinen Winter geben. Sie vertragen die K�lte besser als diese D�rre. Findet Ihr nicht auch, da� sie sehr sch�n sind, meine Liebe?�</p><p>Ailron, vom Licht gesalbt, K�nig und Verteidiger von Amadicia, W�chter des S�dlichen Tores, sah keineswegs so gut aus, wie es den Ger�chten entsprochen h�tte, aber Morgase hatte schon vor Jahren, als sie ihn das erste Mal getroffen hatte, vermutet, er habe diese Ger�chte selbst in die Welt gesetzt. Sein dunkles Haar war voll und lockig, und wurde vorn ganz eindeutig bereits licht. Seine Nase war ein wenig zu lang und seine Ohren eine Kleinigkeit zu gro�. Seine gesamtes Gesicht deutete auf ein weiches Gem�t hin. Eines Tages w�rde sie ihn fragen. Das S�dliche Tor wohin?</p><p>Sie wedelte mit ihrem geschnitzten Elfenbeinf�cher und betrachtete eines der ... Kunstwerke der G�rtner. Es schien drei riesige nackte Frauen darzustellen, die verzweifelt mit enormen Schlangen k�mpften. �Das ist sehr beeindruckend�, bemerkte sie. Man sagte eben, was von einem erwartet wurde, wenn man als Bettlerin ankam.</p><p>�Ja. Nicht wahr? Ach, es sieht danach aus, da� mich Staatsgesch�fte rufen. Dringende Angelegenheiten, f�rchte ich.� Ein Dutzend M�nner, in Umh�nge geh�llt, so bunt wie die nicht mehr vorhandenen Blumen, war auf der niedrigen Marmortreppe am entfernten Ende des Pfades erschienen, und nun warteten sie vor einem Dutzend kannelierter S�ulen, die �berhaupt nichts st�tzten.</p><p>�Bis zum Abend, meine Liebe. Dann werden wir weiter �ber Eure schrecklichen Probleme sprechen und was ich tun kann, Euch zu helfen.�</p><p>Er beugte sich �ber ihre Hand und hielt knapp �ber dem Handr�cken inne, bevor er ihn tats�chlich gek��t h�tte, und sie knickste leicht. Sie murmelte dem Anla� entsprechende Nichtigkeiten und dann rauschte er davon, von allen seinen Lakaien begleitet bis auf einen einzigen. Diesen Rattenschwanz hatte er den ganzen Tag �ber auf den Fersen.</p><p>Als er weg war, wedelte Morgase heftiger mit ihrem F�cher, als in seiner Gegenwart schicklich gewesen w�re. Der Mann tat so, als ber�hre ihn die Hitze kaum, dabei str�mte ihm der Schwei� �ber das Gesicht. Sie wandte sich wieder ihren Gem�chern zu. Ihren � in denen sie stillschweigend geduldet wurde. Auch das hellblaue, lange Kleid, das sie trug, war ein Geschenk. Sie hatte trotz des Wetters auf dem hohen Kragen bestanden, denn was tiefe Ausschnitte betraf, vertrat sie ihre eigenen Ansichten.</p><p>Der zur�ckgebliebene Diener folgte ihr in geb�hrendem Abstand. Und Tallanvor nat�rlich auch, wie immer dicht hinter ihr, und dazu hatte er auch noch darauf bestanden, den groben gr�nen Umhang zu tragen, mit dem er hier angekommen war. Au�erdem trug er das Schwert an der H�fte, als erwarte er einen Angriff mitten im Seranda Palast, keine zwei Meilen von Amador entfernt. Sie bem�hte sich, den hochgewachsenen jungen Mann zu ignorieren, aber wie gew�hnlich lie� er das einfach nicht zu.</p><p>�Wir h�tten nach Ghealdan reiten sollen, Morgase. Nach Jehannah.�</p><p>Sie hatte die Z�gel zu lange schleifen lassen. Ihr Rock fegte �ber den Boden, als sie herumwirbelte und ihn mit funkelnden Augen anfuhr: �W�hrend unserer Reise war eine gewisse Verschwiegenheit notwendig, aber alle in unserer Umgebung hier wissen, wer ich bin. Ihr werdet das k�nftig auch ber�cksichtigen und Eurer K�nigin den geb�hrenden Respekt erweisen. Auf die Knie mit Euch!�</p><p>Sie war vollkommen geschockt, als er sich nicht r�hrte. �Seid Ihr meine K�nigin, Morgase?� Wenigstens senkte er die Stimme, so da� der Diener nichts verstehen und weiterverbreiten konnte, doch seine Augen... Beinahe w�re sie vor diesem blanken Begehren in seinem Blick zur�ckgewichen. Und vor seinem Zorn. �Ich werde Euch auf dieser Seite des Todes niemals verlassen, Morgase, aber Ihr habt vieles im Stich gelassen, als Ihr Andor Gaebril �berlassen habt. Wenn Ihr das wiederfindet, werde ich zu Euren F��en knien, und Ihr k�nnt mir meinetwegen den Kopf abschlagen, doch bis dahin... Wir h�tten nach Ghealdan reiten sollen.�</p><p>Der junge Narr war willens gewesen, im Kampf gegen den Thronr�uber zu sterben, sogar noch, nachdem sie herausgefunden hatte, da� kein Adelshaus in Andor mehr hinter ihr stand. Und als sie sich entschlossen hatte, Hilfe im Ausland zu suchen, war er von Tag zu Tag, von Woche zu Woche unfolgsamer und aufs�ssiger geworden. Sie k�nnte Ailron ja um Tallanvors Kopf bitten und ihn auch erhalten, ohne da� ihr Fragen gestellt w�rden. Doch weil sie als ungebetene G�ste gekommen waren, konnten sie sich keine Gedankenlosigkeiten erlauben. Sie war als Bittstellerin hier und durfte deshalb um keinen einzigen Gefallen mehr bitten, als absolut notwendig. Au�erdem w�rde sie sich ohne Tallanvor gar nicht erst hier befinden. Sie w�re eine Gefangene �schlimmer sogar als eine Gefangene � von Lord Gaebril. Und nur aus diesen Gr�nden w�rde Tallanvor seinen Kopf behalten.</p><p>Ihr Heer bewachte die kunstvoll geschnitzte T�r zu ihren Gem�chern. Basel Gill war ein Mann mit rosigen Wangen und ergrautem Haar, das er � eitel, wie er war � vergeblich �ber die kahle Stelle auf seinem Kopf zur�ckgek�mmt hatte. Sein Lederwams mit den aufgen�hten Stahlplatten spannte sich m�chtig um seinen Bauch, und er trug ein Schwert am G�rtel, das er zwanzig Jahre lang nicht mehr anger�hrt hatte, bevor er es ihr zu Ehren wieder g�rtete, um ihr zu dienen. Lamgwin war ein klobiger, harter Mann, dessen schwere Augenlider st�ndig den Eindruck erweckten, er schlafe. Auch er trug ein Schwert, doch die Narben auf seinem Gesicht und die mehrfach gebrochene Nase machten deutlich, da� er wohl eher gewohnt war, sich mit seinen F�usten oder einem Kn�ppel durchzusetzen. Ein Wirt und ein Stra�enschl�ger; von Tallanvor abgesehen war das im Augenblick ihr ganzes Heer, mit dem sie Andor zur�ckgewinnen und Gaebril den Thron wieder abnehmen wollte.</p><p>Das ungleiche Paar verbeugte sich tief, doch sie glitt an ihnen vorbei und schlug Tallanvor die T�r vor der Nase zu. �Die Welt�, verk�ndete sie grollend, �w�re ohne M�nner viel besser dran.�</p><p>�Aber auch viel leerer�, kommentierte die Stimme von Morgases alter Kinderschwester von ihrem Stuhl her, der vor einem mit Samtvorh�ngen ausgestatteten Fenster im Vorzimmer stand. Lini hatte den Kopf �ber den Stickrahmen geneigt, und ihr grauer Dutt h�pfte auf und ab. Sie war wohl d�nn wie eine Weidenrute, aber keineswegs so gebrechlich, wie sie manchmal wirkte. �Ich nehme an, Ailron war heute auch nicht entgegenkommender als bisher? Oder liegt es an Tallanvor, Kind? Ihr m��t lernen, Euch von M�nnern nicht so aufregen zu lassen. Die Anspannung steht Eurem Gesicht nicht.� Lini tat immer noch so, als bef�nde sich Morgase im Kinderzimmer, obwohl sie mittlerweile Morgases Tochter gro�gezogen hatte.</p><p>�Ailron war sehr charmant.� Morgase dr�ckte sich vorsichtig aus. Die dritte Frau im Zimmer, die auf den Knien vor einer Truhe lag und zusammengefaltete Bettlaken herausnahm, schnaubte vernehmlich, worauf Morgase nur mit M�he einen emp�rten Blick in ihre Richtung unterdr�ckte. Breane war Lamgwins ... Begleiterin. Die kleine, sonnengebr�unte Frau folgte ihm, wohin er auch ging, aber sie kam aus Cairhien und Morgase war nicht ihre K�nigin, was sie immer deutlich machte. �Noch ein oder zwei Tage, denke ich�, fuhr Morgase fort, �dann werde ich wohl ein bindendes Versprechen aus ihm herausholen. Heute hat er mir immerhin schon beigepflichtet, da� ich keine Soldaten von au�erhalb ben�tigen werde, um Caemlyn zur�ckzugewinnen. Sobald Gaebril aus Caemlyn vertrieben ist, werden sich die Adligen wieder hinter mich stellen.� Das hoffte sie wenigstens. Sie befand sich in Amadicia, weil sie sich von Gaebril blenden lassen hatte, und auf seine Empfehlung hatte sie sogar ihre �ltesten Freundinnen unter dem Adel schlecht behandelt und ver�rgert.</p><p>�Ein langsames Pferd erreicht nicht immer das Ziel der Reise�, zitierte Lini, die immer noch ganz auf ihre Stickerei konzentriert schien. Sie liebte solche alten Redensarten. Morgase vermutete allerdings, da� viele davon von ihr selbst stammten.</p><p>�Dieses schon�, versicherte Morgase. Tallanvor hatte unrecht in bezug auf Ghealdan. Ailron zufolge befand sich dieses Land fast schon im Zustand der Anarchie, und schuld daran war dieser Prophet, von dem sich die Dienerschaft immer neue Dinge zufl�sterte, also der Kerl, der von der Wiedergeburt des Drachen predigte. �Ich h�tte gern ein wenig von dem gew�rzten Wein, Breane.� Die Frau blickte sie lediglich an, bis sie schlie�lich hinzuf�gte; �Bitte.� Und sogar danach schenkte sie ihr den Punsch mit einem m�rrischen Gesichtsausdruck ein.</p><p>Die Mischung aus Wein und Fruchtsaft war eisgek�hlt und bei dieser Hitze �u�erst erfrischend. Der Silberpokal, kalt an Morgases Stirn gepre�t, tat ihr gut. Ailron hatte Schnee und Eis von den Verschleierten Bergen herbringen lassen, obwohl ein stetiger Strom von Lastkarren notwendig war, um den Palast einigerma�en zu versorgen.</p><p>Auch Lini nahm sich einen Becher davon. �Was Tallanvor betrifft�, begann sie, nachdem sie daran genippt hatte.</p><p>�La� endlich dieses Thema, Lini!� fauchte Morgase.</p><p>�Also ist er j�nger als Ihr � wenn schon�, sagte Breane. Sie hatte sich ebenfalls eingeschenkt. Die Unversch�mtheit dieser Frau! Sie sollte schlie�lich eine Dienerin abgeben, gleich, was sie in Cairhien gewesen sein mochte. �Wenn Ihr ihn haben wollt, dann nehmt ihn Euch doch. Lamgwin sagt, er habe Euch Treue geschworen, und ich habe gesehen, wie er Euch anblickt!� Sie lachte mit rauchiger Stimme. �Er wird sich gewi� nicht weigern.� Diese Leute aus Cairhien waren ekelhaft, aber die meisten verbargen wenigstens ihre Anschauungen hinter einer Maske des Anstands.</p><p>Morgase wollte sie schon aus dem Zimmer schicken, da klopfte es an die T�r. Ohne auf die Erlaubnis zum Eintreten zu warten, kam ein wei�haariger Mann herein, der wirkte, als best�nde er nur aus Haut und Knochen. Auf die Brust seines schneewei�en Umhangs war eine strahlende goldene Sonne gestickt. Sie hatte gehofft, die Wei�m�ntel meiden zu k�nnen, bis sie Ailrons Siegel auf einer bindenden Vereinbarung hatte. Die K�hle des Weins drang mit einemmal bis in ihre Knochen. Wo waren denn Tallanvor und die anderen, da� er so einfach hereinmarschieren konnte?</p><p>Die dunklen Augen waren geradewegs auf sie gerichtet, und er machte eine beinahe nur angedeutete Verbeugung. Sein Gesicht war gealtert, die Haut spannte sich straff �ber die Wangenknochen, aber dieser Mann war so schw�chlich wie ein Schmiedehammer. �Morgase von Andor?� fragte er mit fester, tiefer Stimme. �Ich bin Pedron Niall.� Nicht nur irgendein Wei�mantel, nein, der kommandierende Lordhauptmann der Kinder des Lichts h�chstpers�nlich. �Habt keine Angst. Ich bin nicht gekommen, um Euch festzunehmen.� Morgase hatte sich hoch aufgerichtet. �Mich festnehmen? Mit welcher Begr�ndung? Ich kann die Macht nicht ben�tzen.� Kaum hatte sie die Worte ausgesprochen, da h�tte sie sich auch schon am liebsten auf die Zunge gebissen. Sie h�tte den Gebrauch der Macht nicht erw�hnen sollen, aber die Tatsache, da� sie sich so defensiv verhielt, zeigte deutlich, wie verwirrt sie war. Nat�rlich hatte sie die Wahrheit gesagt, jedenfalls mehr oder weniger. F�nfzigmal versuchen, die Wahre Quelle zu sp�ren, und sie nur ein einzigesmal wirklich zu finden, und bei diesen wenigen Gelegenheiten schaffte sie es gerade � unter zwanzig Versuchen, sich <emphasis>Saidar</emphasis> zu �ffnen � mit M�h und Not einmal einen schwachen Strom der Macht zu f�hlen � nein, das war nicht erw�hnenswert. Eine Braune Schwester namens Verin hatte ihr gesagt, es sei wohl nicht notwendig, da� sie in der Burg verblieb, um ihre kaum vorhandenen F�higkeiten in Sicherheit auszubilden. Nat�rlich behielt die Burg sie trotzdem da. Aber selbst diese mehr als nur geringe F�higkeit zum Gebrauch der Macht war hier in Amadicia gesetzwidrig und bei Todesstrafe verboten. Der Gro�e Schlangenring an ihrer Hand, der Ailron so faszinierte, erschien ihr jetzt gl�hend hei�.</p><p>�In der Burg ausgebildet�, murmelte Niall. �Auch das ist verboten. Doch wie ich schon sagte, bin ich nicht gekommen, um Euch festzunehmen, sondern um Euch zu helfen. Schickt Eure Frauen weg, und wir werden �ber alles sprechen.� Er machte es sich bequem, zog sich einen kleinen, gepolsterten Lehnstuhl heran und lie� seinen Umhang nach hinten �ber die Lehne herunterh�ngen. �Ich m�chte auch etwas Wein, bevor sie gehen.� Zu Morgases Mi�vergn�gen brachte ihm Breane augenblicklich einen Becher, den Blick zu Boden gerichtet und das Gesicht so ausdruckslos wie ein Brett. Morgase gab sich M�he, die Kontrolle �ber die Lage zur�ckzugewinnen. �Sie bleiben, Meister Niall.� Sie w�rde diesem Mann nicht die Befriedigung verschaffen, ihn mit einem Titel anzureden. Es schien ihn aber nicht weiter zu kr�nken. �Was ist mit meinen M�nnern drau�en geschehen? Ich werde Euch verantwortlich machen, wenn ihnen etwas passiert ist. Und warum brauche ich Eurer Meinung nach Hilfe von Euch?�</p><p>�Eure M�nner sind unverletzt�, sagte er zwischendurch, w�hrend er an seinem Punsch nippte. �Glaubt Ehr, Ailron gibt Euch, was Ihr braucht? Ihr seid eine sch�ne Frau, Morgase, und Ailron liebt Frauen mit goldenem Haar. Er wird sich jeden Tag der Vereinbarung, die Ihr anstrebt, ein bi�chen mehr n�hern, aber nie wirklich dazukommen, bis Ihr glaubt, da� er sich nach einem ... einem gewissen Opfer ... den letzten Ruck geben wird. Doch er wird dem, was Ihr w�nscht, kein bi�chen n�herkommen, gleich, was Ihr ihm gebt. Die tollen Hunde dieses sogenannten Propheten verw�sten den Norden Amadicias. Im Westen liegt Tarabon, zerrissen von einem B�rgerkrieg unter etwa zehn Parteien, von Briganten, die dem sogenannten Wiedergeborenen Drachen verschworen sind, nun, und dann beunruhigen Ger�chte �ber die Aes Sedai und den falschen Drachen selbst Ailron in hohem Ma�e. Euch Soldaten zur Verf�gung stellen? Er w�rde seine Seele daf�r verpf�nden, wenn er f�r jeden Mann, den er jetzt unter Waffen hat, noch zehn andere dazuf�nde, oder auch nur zwei. Doch ich kann f�nftausend Kinder des Lichts nach Caemlyn entsenden mit Euch an der Spitze, wenn Ihr mich darum bittet.�</p><p>Zu behaupten, sie sei vor �berraschung wie bet�ubt, h�tte Morgases Gef�hl nur in allzu geringem Ma�e beschrieben. Mit angemessener W�rde schritt sie zu einem Stuhl ihm gegen�ber und lie� sich nieder, bevor ihre Knie versagten. �Warum solltet Ihr mir helfen wollen, Gaebril hinauszuwerfen?� wollte sie wissen. Offensichtlich wu�te er ohnehin alles; vermutlich hatte er Spione unter Ailrons Bediensteten. �Ich habe doch den Wei�m�nteln niemals in Andor die Freiheiten einger�umt, die sie w�nschten.�</p><p>Diesmal verzog er das Gesicht zu einer Grimasse. Wei�m�ntel mochten diese Bezeichnung nicht. �Gaebril? Euer Liebhaber ist tot, Morgase. Der falsche Drache Rand al'Thor hat Caemlyn seinen Eroberungen hinzugef�gt.� Lini gab leise etwas von sich, als habe sie sich in den Finger gestochen, aber er wandte den Blick nicht von Morgase.</p><p>Was sie selbst betraf, hatte Morgase die Armlehne ihres Stuhls fest gepackt, um nicht f�r alle sichtbar eine Hand auf ihren Magen zu pressen. H�tte sie den anderen Arm mit dem Pokal nicht auf die zweite Armlehne gelegt, w�re vermutlich Wein auf den Teppich geschwappt, so zitterte sie. Gaebril tot? Er hatte sie get�uscht, sie zu seiner Geliebten gemacht, ihre Autorit�t untergraben, das Land in ihrem Namen unterdr�ckt und sich selbst schlie�lich zum K�nig von Andor ernannt, das noch nie einen K�nig gehabt hatte. Wie konnte es nur nach alledem sein, da� sie immer noch ein schwaches Bedauern empfand, nun nie wieder seine H�nde sp�ren zu k�nnen? Es war Wahnsinn. H�tte sie nicht gewu�t, da� es unm�glich war, dann h�tte sie glauben k�nnen, er habe auf irgendeine Weise die Eine Macht ben�tzt, um sie zu beherrschen.</p><p>Aber al'Thor hatte Caemlyn nun eingenommen? Das �nderte m�glicherweise alles. Sie hatte ihn einmal kennengelernt, einen �ngstlichen Bauernburschen aus dem Westen, der sein Bestes tat, um seiner K�nigin den n�tigen Respekt zu erweisen. Aber auch ein J�ngling, der das Reiherschwert eines Schwertmeisters trug. Und Elaida war ihm gegen�ber mi�trauisch gewesen. �Warum bezeichnet Ihr ihn als falschen Drachen, Niall?� Wenn er schon vorhatte, sie beim Namen zu nennen, w�rde sie auch das einem Gemeinen gegen�ber h�fliche �Meister� fallenlassen. �Der Stein von Tear ist gefallen, wie es in den Prophezeiungen des Drachen stand. Die Hochlords von Tear haben ihn pers�nlich zum Wiedergeborenen Drachen ausgerufen.�</p><p>Nialls L�cheln war sp�ttisch. ��berall wo er aufgetaucht ist, waren auch Aes Sedai dabei. Sie gebrauchen die Macht, damit es so scheint, als sei er es, darauf k�nnt Ihr euch verlassen. Er ist nicht mehr als eine Marionette der Burg. Ich habe Freunde an vielen Orten� � er meinte nat�rlich Spione �, �und sie berichten mir, es gebe auch Indizien daf�r, da� die Burg den letzten falschen Drachen � Logain � ebenfalls f�r ihre eigenen Zwecke ben�tzt hat. Vielleicht wollte er am Schlu� zu hoch hinaus und sie mu�ten ihn beseitigen.�</p><p>�Daf�r gibt es aber keine Beweise.� Sie war froh, da� ihre Stimme fest und selbstsicher klang. Sie hatte auf dem Weg nach Amador ger�chteweise von Logain geh�rt. Aber das waren eben nur Ger�chte gewesen.</p><p>Der Mann zuckte die Achseln. �Glaubt, was Ihr wollt, aber ich ziehe die Wahrheit solchen t�richten Einbildungen vor. W�rde sich der wahre Wiedergeborene Drache so verhalten wie er? Die Hochlords haben ihn proklamiert, sagt Ihr? Wie viele hat er aufgeh�ngt, bevor sich ihm die anderen beugten? Er lie� den Stein von den Aiel pl�ndern und ganz Cairhien dazu. Er behauptet, Cairhien werde einen neuen Herrscher bekommen � er werde ihn noch ernennen �, aber die einzige wirkliche Macht in Cairhien wird von ihm ausge�bt. Er behauptet auch, in Caemlyn werde bald jemand anders herrschen. Ihr seid tot, wu�tet Ihr das? Ich glaube, Lady Dyelin ist im Gespr�ch. Er hat bereits auf dem L�wenthron gesessen und ihn bei Audienzen ben�tzt, aber ich denke, er war ihm zu klein, da er ja f�r Frauen angefertigt wurde. Er hat ihn als Siegestroph�e ausgestellt und durch seinen eigenen Thron ersetzt, und das im Gro�en Saal Eures K�niglichen Palastes! Nat�rlich ist ihm nicht alles gelungen. Einige andoranische Adelsh�user glauben, er habe Euch get�tet, und jetzt, da man Euch f�r tot h�lt, hat man Mitleid mit Euch.</p><p>Aber die Teile Andors, die er eingenommen hat, regiert er mit eiserner Faust, mit Hilfe einer Aielhorde und einem Heer von Banditen aus den Grenzlanden, das ihm von der Burg zur Verf�gung gestellt wurde. Doch wenn Ihr glaubt, er werde Euch in Caemlyn willkommen hei�en und Euch Euren Thron zur�ckgeben...�</p><p>Er lie� die Worte verklingen, doch sein Redestrom hatte Morgase wie ein Hagelschauer getroffen. Dyelin war die n�chste in der Thronfolge, aber nur, wenn Elayne starb und keine Nachfolgerin hinterlie�. Oh, Licht, Elayne! Befand sie sich noch sicher in der Burg? Seltsam, da� sie in Gedanken eine solche Antipathie gegen die Aes Sedai entwickelt hatte, vor allem, weil sie eine Weile lang Elayne aus den Augen verloren hatten. So hatte sie Elaynes R�ckkehr gefordert, in einer Zeit, wo niemand etwas von der Burg <emphasis>forderte,</emphasis> und nun hoffte sie, da� sie ihre Tochter dort in Sicherheit festhielten. Sie erinnerte sich an einen Brief Elaynes, als sie nach Tar Valon zur�ckgekehrt war. Hatte sie noch mehr geschrieben? So vieles von dem, was geschehen war, w�hrend sie unter dem Einflu� Gaebrils stand, war v�llig verschwommen. Sicherlich ging es Elayne gut. Sie sollte sich auch Sorgen um Gawyn machen und um Galad � das Licht mochte wissen, wo sie sich aufhielten �, aber Elayne war ihre Erbin. Der Friede in Andor hing weitgehend von einer reibungslosen Thronfolge ab.</p><p>Sie mu�te sorgf�ltig nachdenken. Es hing alles miteinander zusammen, aber bei gut durchdachten L�gen w�re das genauso, und dieser Mann war bestimmt ein Meister der L�ge. Sie brauchte Tatsachen. Da� man sie in Andor f�r tot hielt, war keine �berraschung, denn sie hatte sich ja heimlich aus ihrem eigenen Herrschaftsbereich wegschleichen m�ssen, um Gaebril zu entgehen und denjenigen, die sie an Gaebril verraten h�tten, weil sie oder Gaebril selbst ihnen zuviel Unrechtes angetan hatten. Wenn durch die Falschmeldung �ber ihren Tod nun Mitleid aufkam, k�nnte ihr das durchaus von Nutzen sein, sollte sie pl�tzlich wieder von den Toten auferstehen. Tatsachen. �Ich brauche Zeit zum Nachdenken�, sagte sie zu ihm.</p><p>�Selbstverst�ndlich.� Niall erhob sich geschmeidig. Sie h�tte sich ebenfalls erhoben, damit er nicht so �ber sie aufragte, doch sie war nicht sicher, ob ihre Beine sie tr�gen. �Ich werde in ein oder zwei Tagen wiederkommen. Mittlerweile m�chte ich aber Gewi�heit haben, da� Ihr Euch in Sicherheit befindet. Ailron ist so sehr mit seinen eigenen Problemen besch�ftigt, da� man nicht sagen kann, wer sich alles einschleichen k�nnte, vielleicht sogar mit der Absicht, Euch Schaden zuzuf�gen. Ich habe mir die Freiheit genommen, ein paar der Kinder hier als Wachen aufzustellen. Mit Ailrons Zustimmung nat�rlich.�</p><p>Morgase hatte immer geh�rt, die Wei�m�ntel seien die wahren Machthaber Amadicias. Sie war sicher, da� sie den Beweis daf�r gerade erhalten hatte.</p><p>Niall benahm sich beim Gehen wenigstens etwas f�rmlicher als beim Kommen und verbeugte sich tief genug, wie man es bei einem Gleichgestellten �blicherweise tat. Wie sie es auch immer betrachtete: Er lie� sie wissen, sie habe gar keine andere Wahl.</p><p>Kaum war er drau�en, sprang Morgase auf, aber Breane kam ihr noch zuvor und war schneller als sie an der T�r. Doch bevor eine von ihnen dort angekommen war, flog die T�r auch schon auf und Tallanvor und die beiden anderen M�nner eilten in den Raum.</p><p>�Morgase�, �chzte Tallanvor und verschlang sie beinahe mit den Augen. �Ich f�rchtete schon...�</p><p>�Ihr f�rchtet?� fragte sie ver�chtlich. Es war zuviel � er lernte es einfach nicht. �Besch�tzt Ihr mich so? Das h�tte auch noch ein kleiner Junge gekonnt! Nun, es war ja wohl auch ein kleiner Junge, der mich besch�tzt hat.�</p><p>Dieser gl�hende Blick ruhte noch einen Moment l�nger auf ihr, und dann wandte er sich ab und schob sich an Basel und Lamgwin vorbei hinaus.</p><p>Der Wirt stand da und rang die H�nde. �Sie waren mindestens drei�ig, meine K�nigin. Tallanvor h�tte gek�mpft; er versuchte auch zu schreien, um Euch zu warnen, aber einer hat ihm den Schwertknauf �ber den Kopf geschlagen. Der Alte sagte, sie wollten Euch nichts antun, aber sie wollten nur von Euch etwas, und falls sie gezwungen w�ren, uns zu t�ten...� Sein Blick huschte zu Lini und Breane hin�ber, die derweil Lamgwin von Kopf bis Fu� musterte, ob er eine Verletzung aufweise. Der Mann schien genauso besorgt ihretwegen. �Meine K�nigin, wenn ich geglaubt h�tte, da� wir etwas ausrichten k�nnten... Es tut mir leid. Ich habe versagt.�</p><p>�Die rechte Medizin schmeckt immer bitter�, murmelte Lini leise. �Vor allem f�r ein Kind, das vor lauter Schmollen beinahe einen Wutanfall bekommt.� Ausnahmsweise sagte sie es diesmal leise genug, da� nicht der ganze Raum mith�rte.</p><p>Sie hatte recht. Das war Morgase klar. Bis auf den Wutanfall nat�rlich. Basel blickte so schuldbewu�t drein, da� er wohl selbst einer Enthauptung zugestimmt h�tte. �Ihr habt nicht versagt, Meister Gill. Vielleicht bitte ich Euch eines Tages, f�r mich zu sterben, aber nur, wenn damit etwas Gr��eres erreicht werden kann. Niall wollte nur mit mir sprechen.� Basel blickte sofort erleichtert drein, doch Morgase sp�rte Linis Blick ganz deutlich in ihrem R�cken. Ziemlich bitter, die Medizin. �Bittet doch Tallanvor, zu mir zu kommen. Ich ... ich m�chte mich bei ihm f�r meine �berhasteten Worte entschuldigen.�</p><p>�Die beste Methode, sich bei einem Mann zu entschuldigen�, sagte Breane, �ist die, ihn in einem abgelegenen Teil des Gartens flachzulegen.�</p><p>Nun ri� Morgase der Geduldsfaden. Bevor ihr bewu�t wurde, was sie tat, hatte sie bereits ihren Weinpokal nach der Frau geworfen, wobei der Wein auf den Teppich spritzte. �Raus!� kreischte sie. �Raus mit Euch allen! Ihr k�nnt Tallanvor meine Entschuldigung ausrichten, Meister Gill.�</p><p>Breane wischte sich gelassen Wein vom Kleid und lie� sich dann Zeit, als sie zu Lamgwin ging und ihren Arm bei ihm einhakte. Basel h�pfte vor Ungeduld fast auf und ab, so eilig hatte er es, sie hinauszugeleiten.</p><p>Zu Morgases �berraschung ging auch Lini hinaus. Das war gar nicht Linis Art; viel wahrscheinlicher war bei ihr, da� sie dablieb und ihrem ehemaligen Sch�tzling einen Vortrag hielt, als sei diese noch immer zehn Jahre alt. Morgase wu�te selbst nicht, warum sie das f�r gew�hnlich ertrug. Trotzdem � beinahe w�ren ihr die Worte entschl�pft, um Lini zum Bleiben zu bewegen. Beinahe. Doch dann waren alle drau�en und die T�r geschlossen. Nun mu�te sie �ber wichtigere Dinge nachdenken als Linis Gef�hle und ob sie gekr�nkt sei.</p><p>Sie schritt auf dem Teppich hin und her und bem�hte sich, nachzudenken. Ailron w�rde Handelserleichterungen und vielleicht auch Nialls �Opfer� verlangen, wenn er ihr half. Sie w�rde ja durchaus einen speziellen Handelsvertrag mit ihm abschlie�en, aber andererseits f�rchtete sie, Niall k�nne recht haben in bezug auf die Anzahl von Soldaten, die Ailron ihr zur Verf�gung stellen k�nne. Nialls Forderungen zu erf�llen w�re leichter, auf gewisse Weise jedenfalls. M�glich, da� er freien Zugang nach Andor verlangte, wie viele Wei�m�ntel er auch entsenden wollte. Und die Genehmigung, da� sie jeden Schattenfreund aus jedem Dachboden herauszerren durften, da� sie die Volksmenge gegen wehrlose Frauen aufhetzen durften, die sie der Zugeh�rigkeit zu den Aes Sedai beschuldigten, und wirkliche Aes Sedai zu t�ten. Niall w�rde vielleicht sogar ein Gesetz gegen den Gebrauch der Macht von ihr verlangen und ein Verbot f�r alle Frauen, sich zur Wei�en Burg zu begeben.</p><p>Es w�re m�glich, wenn auch schwierig und verlustreich, die Wei�m�ntel wieder hinauszuwerfen, wenn sie einmal da waren, aber war es �berhaupt notwendig, sie hereinzulassen? Rand al'Thor war der Wiedergeborene Drache, da war sie sicher, gleich, was Niall behaupten mochte; fast sicher jedenfalls, aber L�nder zu regieren geh�rte nicht zu den Aufgaben, von denen sie in den Prophezeiungen des Drachen gelesen hatte. Wiedergeborener Drache oder falscher hin und her, er hatte kein Recht auf Andor. Aber wie sollte sie herausfinden, was nun stimmte?</p><p>Ein sch�chternes Kratzen an der T�r lie� sie herumfahren. �Herein!� sagte sie in scharfem Ton.</p><p>Die T�r �ffnete sich langsam, und ein grinsender junger Mann in goldener und roter Livree stand davor mit einem Tablett, auf dem ein Krug mit gek�hltem Wein stand. Das Silber lief von der K�lte bereits an. Sie hatte eigentlich fast erwartet, Tallanvor zu erblicken. Doch Lamgwin stand allein im Korridor Wache, soweit sie sehen konnte. Oder besser, er lehnte l�ssig an der Wand wie ein Rausschmei�er in einer Taverne. Sie gab dem jungen Mann einen Wink, das Tablett abzustellen.</p><p>�rgerlich � denn eigentlich h�tte Tallanvor wirklich kommen sollen, wirklich! � nahm sie ihr Herumgetigere wieder auf. Basel und Lamgwin konnten in den nahegelegenen D�rfern m�glicherweise Ger�chte aufschnappen, aber das waren dann eben wieder nur Ger�chte und noch dazu vielleicht von Niall ausgestreut. Das gleiche galt auch f�r die Diener im Palast.</p><p>�Meine K�nigin? Darf ich sprechen, meine K�nigin?�</p><p>Morgase wandte sich erstaunt um. Der Dialekt des Sprechenden stammte eindeutig aus Andor. Der junge Mann lag auf den Knien und sein Grinsen �nderte sich st�ndig � von unsicher bis frech und wieder zur�ck. Er k�nnte vielleicht gut aussehen, bis auf seine Nase, die gebrochen und nicht richtig behandelt worden war. Bei Lamgwin wirkte das hart und m�nnlich und etwas ordin�r, dieser Bursche jedoch sah aus, als sei er gestolpert und auf die Nase gefallen.</p><p>�Wer seid Ihr?� fragte sie energisch. �Wie seid Ihr hierhergekommen?�</p><p>�Ich hei�e Paitr Conel, meine K�nigin. Aus Markt Scheran. In Andor�, f�gte er hinzu, als bestehe die M�glichkeit, da� ihr das nicht klar sei. Ungeduldig bedeutete sie ihm, fortzufahren. �Ich bin mit meinem Onkel Jen nach Amador gekommen. Er ist ein Kaufmann aus Vier K�nige, und er hoffte, hier vielleicht Textilfarben aus Tarabon zu bekommen. Sie sind teuer, bei all diesen Unruhen in Tarabon, aber er glaubte, sie w�ren hier vielleicht billiger...� Ihr Mund verzog sich �rgerlich, und er �berschlug sich fast und sprudelte heraus: �Wir h�rten von Euch, meine K�nigin, da� Ihr euch hier im Palast aufhaltet, und weil das Gesetz in Amadicia so streng ist und Ihr ja in der Wei�en Burg ausgebildet wurdet und so, da dachten wir, wir k�nnten Euch helfen...� Er schluckte schwer und endete fast im Fl�sterton: �Euch helfen, von hier zu fliehen.�</p><p>�Und Ihr seid wirklich darauf vorbereitet, mir ... zur Flucht zu helfen?� Nicht der beste aller Pl�ne, aber sie k�nnte dann ja noch immer n�rdlich nach Ghealdan reiten. Wie Tallanvor triumphieren w�rde! Nein, das w�rde er wahrscheinlich nicht tun und damit alles noch verschlimmern.</p><p>Doch Paitr sch�ttelte verlegen den Kopf. �Onkel Jen hatte ja einen Plan, aber jetzt sind pl�tzlich hier �berall Wei�m�ntel. Ich wu�te nicht, was tun, und so kam ich halt zu Euch. Onkel Jen hat mir gesagt, wie ich das anstellen sollte. Er denkt sich schon etwas aus, meine K�nigin. Er ist schlau.�</p><p>�Da bin ich sicher�, murmelte sie. Ghealdan verschwamm wieder in der Ferne. �Wie lange seid Ihr schon von Andor weg? Einen Monat? Zwei?� Er nickte. �Dann wi�t Ihr also nicht, was in Caemlyn geschieht�, seufzte sie.</p><p>Der junge Mann leckte sich die Lippen. �Ich ... wir wohnen bei einem Mann in Amador, der Brieftauben hat. Ein Kaufmann. Er bezieht von �berall her Nachrichten. Auch aus Caemlyn. Aber ich habe nur Schlimmes geh�rt, meine K�nigin. Es mag ein oder zwei Tage dauern, aber mein Onkel wird einen anderen Weg finden. Ich wollte Euch nur wissen lassen, da� Hilfe nahe ist.�</p><p>Nun, wie auch immer. Ein Wettlauf zwischen Pedron Niall und dem Onkel Jen dieses Paitr. Sie w�nschte, die Vorzeichen bei dieser Wette w�ren nicht so eindeutig. �Mittlerweile k�nnt Ihr mir berichten, wie schlecht die Dinge in Caemlyn stehen.�</p><p>�Meine K�nigin, ich sollte Euch eigentlich nur wissen lassen, da� Hilfe naht. Mein Onkel wird b�se, wenn ich bleibe und... �</p><p>�Ich <emphasis>bin</emphasis> Eure K�nigin, Paitr�, sagte Morgase energisch, �und die Eures Onkels Jen auch. Es wird ihm nichts ausmachen, wenn Ihr meine Fragen beantwortet.� Paitr sah aus, als wolle er vor Angst davonlaufen, aber sie machte es sich auf einem Sessel bequem und begann, nach der Wahrheit zu bohren.</p><p>Pedron Niall f�hlte sich recht gut, als er im Gro�en Hof der Festung des Lichts vom Pferd stieg und einem Stallburschen den Z�gel zuwarf. Morgase hatte er gut im Griff, und er hatte noch nicht einmal l�gen m�ssen. Er konnte L�gen nicht leiden. Es war seine eigene Interpretation der Ereignisse gewesen, aber er war sich seiner Sache sicher. Rand al'Thor war ein falscher Drache und ein Werkzeug der Burg. Die Welt war voll von Narren, die nicht klar zu denken vermochten. Die Letzte Schlacht w�rde kein gigantischer Kampf zwischen dem Dunklen K�nig und einem Wiedergeborenen Drachen werden, einem blo�en Menschen. Der Sch�pfer hatte die Menschheit schon lange sich selbst �berlassen. Nein, wenn Tarmon Gai'don kam, w�rde es aussehen wie bei den Trolloc-Kriegen vor mehr als zweitausend Jahren, als sich die Horden der Trollocs und anderer Schattenabk�mmlinge aus der Gro�en F�ule ergossen, durch die Grenzlande fegten und die Menschheit beinahe in einem Meer von Blut ertr�nkten. Er hatte nicht vor, die Menschheit uneins und unvorbereitet in diesen Kampf zu schicken.</p><p>Eine Welle der Verbeugungen unter den wei�gekleideten Kindern des Lichts folgte ihm durch die ummauerten Korridore der Festung den ganzen Weg bis zu seinem eigenen Audienzgemach. Im Vorzimmer sprang sein Sekret�r Balwer auf, ein Mann mit einem �beraus spitzen Gesicht, und faselte umst�ndlich etwas von den vielen Papieren, die der Unterschrift des Lordhauptmanns bedurften, aber Nialls Aufmerksamkeit geh�rte dem hochgewachsenen Mann, der sich geschmeidig von einem der St�hle an der Wand erhob. Hinter der goldenen Sonne und den drei goldenen Rangknoten darunter war auf seinem Umhang noch ein roter Hirtenstab aufgestickt.</p><p>Jaichim Carridin, Inquisitor der Hand des Lichts, wirkte genauso hart, wie er war, aber an seinen Schl�fen zeigte sich mehr Grau als beim letzten Mal, da Niall ihm begegnet war. In seinen dunklen, tiefliegenden Augen stand eine Andeutung von Besorgnis, und das war auch kein Wunder. Die letzten beiden Auftr�ge, die ihm �bergeben worden waren, hatten zu Katastrophen gef�hrt, was nicht gerade gut f�r einen Mann war, der eines Tages Gro�inquisitor werden wollte oder vielleicht sogar kommandierender Lordhauptmann.</p><p>Niall warf Balwer seinen Umhang zu und bedeutete Carridin, ihm ins eigentliche Audienzgemach zu folgen, in dem erbeutete Schlachtenbanner und die Flaggen alter Feinde als Troph�en an den dunkel get�felten W�nden hingen. In den Fu�boden war eine riesige, strahlende Sonnenscheibe eingelassen, die soviel Gold enthielt, da� den meisten Menschen die Augen �bergingen. Von diesen Dingen abgesehen, war es aber das einfach eingerichtete Zimmer eines Soldaten und damit ein Spiegelbild von Nialls Charakter. Niall setzte sich auf einen Sessel mit hoher Lehne, solide gefertigt, aber schmucklos. Die breiten, v�llig gleich angelegten Kamine an beiden Enden des Raums waren kalt und ausgefegt, und das zu einer Jahreszeit, wo helle Feuer in ihnen prasseln sollten. Beweis genug, da� man sich der Letzten Schlacht n�herte. Carridin verbeugte sich tief und kniete auf der Sonnenscheibe nieder, die von Generationen von F��en und Knien glattgeschliffen war.</p><p>�Habt Ihr euch �berlegt, warum ich Euch rufen lie�, Carridin?� Nach den Ereignissen auf der Ebene von Almoth und bei Falme und nach Tanchico konnte man dem Mann keinen Vorwurf machen, wenn er im Glauben kam, festgenommen zu werden. Doch falls er diese M�glichkeit in Erw�gung zog, zeigte sich das an seiner Stimme nicht. Wie gew�hnlich konnte er nicht anders und mu�te zeigen, da� er mehr wu�te als alle anderen. Entschieden mehr, als man von ihm erwarten durfte.</p><p>�Die Aes Sedai in Altara, mein kommandierender Lordhauptmann. Eine Chance, die H�lfte der Hexen aus Tar Valon auf einen Schlag zu vernichten, und das direkt vor unserer T�r.� Eine �bertreibung, in Salidar befand sich h�chstens ein Drittel, aber bestimmt nicht mehr.</p><p>�Und habt Ihr das auch laut �berlegt, vielleicht unter Freunden?� Niall bezweifelte, da� Carridin welche hatte, aber es gab welche, mit denen er zumindest trank. In letzter Zeit war er h�ufig betrunken. Doch der Mann hatte gewisse F�higkeiten, n�tzliche F�higkeiten.</p><p>�Nein, mein kommandierender Lordhauptmann. Das wei� ich denn doch besser.�</p><p>�Gut�, sagte Niall. �Weil Ihr nicht einmal in die N�he dieses Ortes Salidar gehen werdet. Keines der Kinder wird sich dorthin begeben.� Er war sich nicht sicher, ob das Erleichterung war, was sich ganz kurz auf Carridins Miene zeigte. Falls ja, dann war das ungew�hnlich, denn dem Mann hatte es noch nie an Mut gefehlt.</p><p>Und auch seine Antwort wollte nicht zu einem Gef�hl von Erleichterung passen: �Aber sie warten doch nur darauf, angegriffen zu werden. Das ist der Beweis, da� die Ger�chte �ber eine Spaltung der Burg stimmen. Wir k�nnen diese Gruppe vernichten, ohne da� die anderen einen Finger r�hren, um sie zu verteidigen. Die Burg k�nnte auf diese Art soweit geschw�cht werden, da� sie f�llt.�</p><p>�Glaubt Ihr?� fragte Niall trocken. Er legte die H�nde in den Scho� und sprach mit milder Stimme. Zweifler � die Hand verabscheute diese Bezeichnung, doch selbst er gebrauchte sie � Zweifler begriffen nichts, wenn man es ihnen nicht direkt vor die Nase hielt. �Selbst die Burg kann sich nicht offen f�r den falschen Drachen al'Thor erkl�ren. Was ist, falls er sich gegen sie stellt, so wie Logain? Aber eine Gruppe von Rebellen? Sie k�nnten ihn unterst�tzen, und die Wei�e Burg beh�lt eine wei�e Weste, was auch geschehen mag.� Er war sicher, da� alles so geplant sei. Wenn nicht, g�be es schon M�glichkeiten, die Burg mit Hilfe einer echten Spaltung noch mehr zu schw�chen, aber er glaubte an seine Interpretation der Lage. �Auf jeden Fall spielt nur das eine wirkliche Rolle, was die Welt sieht. Ich werde ihnen nicht nur einfach eine Auseinandersetzung zwischen den Kindern und der Burg zu sehen geben.� Nicht, bevor die Welt nicht endlich die Burg als das sah, was sie war: eine Schlangengrube voll von Schattenfreunden, die sich mit Kr�ften befa�te, die nicht f�r den Gebrauch der Menschheit bestimmt waren, mit der Macht, die einst die Zerst�rung der Welt hervorgerufen hatte. �Diese Auseinandersetzung ist eine zwischen der Welt und dem falschen Drachen al'Thor.�</p><p>�Wenn ich also nicht nach Altara soll, mein kommandierender Lordhauptmann, wie lauten dann meine Befehle?�</p><p>Niall lie� seinen Kopf mit einem Seufzen nach hinten sinken. Pl�tzlich f�hlte er sich sehr m�de. Er sp�rte alle seine Jahre und noch mehr. �Oh, Ihr kommt schon nach Altara, Carridin.�</p><p>Rand al'Thors Name und Aussehen waren ihm seit der Zeit kurz nach der angeblichen Invasion von jenseits des Meeres bei Falme bekannt, eines Winkelzugs der Aes Sedai, der die Kinder tausend Mann gekostet hatte und seit dem sich die Drachenverschworenen ausgebreitet und das Chaos nach Tarabon und Arad Doman gebracht hatten. Ihm war klar gewesen, was al'Thor darstellte, und er hatte geglaubt, er k�nne ihn dazu ben�tzen, die L�nder zu vereinigen. Einmal unter seiner eigenen F�hrung geeint, k�nnten sie al'Thor problemlos beseitigen und w�ren auf die Trolloc- Horden vorbereitet. Er hatte Abgesandte zu jedem Herrscher in jedem Land geschickt, um ihm diese Gefahr klarzumachen. Doch al'Thor schlug schneller zu als er selbst jetzt glauben konnte. Er hatte einen w�tenden L�wen lange genug die Stra�en unsicher machen lassen wollen, bis er allen Angst eingejagt hatte, doch aus dem L�wen war ein Riese geworden, der wie der Blitz zuschlug, wo er konnte.</p><p>Aber noch war nicht alles verloren, daran mu�te er sich selbst immer wieder erinnern. Vor mehr als tausend Jahren hatte sich Guaire Amalasan zum Wiedergeborenen Drachen erkl�rt, ein falscher Drache, der die Macht ben�tzen konnte. Amalasan hatte noch mehr L�nder erobert als al'Thor bisher, und dann hatte ein junger K�nig namens Artur Paendrag Tanreall den Kampf gegen ihn aufgenommen und damit seinen eigenen Aufstieg bis zum Herrscher eines Weltreiches eingeleitet. Niall betrachtete sich nicht als einen neuen Artur Falkenfl�gel, aber er war eben die Hoffnung der Welt. Er w�rde nicht aufgeben, solange er am Leben war.</p><p>Er hatte auch bereits damit begonnen, etwas gegen al'Thors wachsende Macht zu unternehmen. Au�er den Gesandten an die Herrscher hatte er weitere M�nner nach Tarabon und Arad Doman abgeordnet. Ein paar M�nner, um die richtigen Ohren zu finden, in die sie fl�stern konnten, da� alles �bel auf die Drachenverschworenen zur�ckzuf�hren sei, diese Narren und Schattenfreunde, die sich f�r al'Thor entschieden hatten. Und damit der Wei�en Burg in die H�nde spielten. Aus Tarabon drangen bereits reichlich Ger�chte �ber Aes Sedai, die an den K�mpfen beteiligt sein sollten, und diese Ger�chte sollten die Menschen darauf vorbereiten, die Wahrheit zu vernehmen. Jetzt war es an der Zeit, die n�chste Phase seines neuen Planes einzuleiten, um den Leuten, die auf dem Zaun sa�en, zu zeigen, auf welcher Seite sie herabsteigen sollten. Zeit. Er hatte so wenig Zeit. Und doch konnte er sich ein L�cheln nicht verkneifen. Es gab einige, mittlerweile allerdings verstorben, die einst gesagt hatten: �Wenn Niall l�chelt, geht er einem an die Kehle�.</p><p>�Altara und Murandy�, erkl�rte er Carridin, �werden in K�rze eine wahre �berschwemmung durch Drachenverschworene erleben.�</p><p>Der Raum erweckte den Anschein eines Wohnzimmers in einem Schlo� � gew�lbte Stuckdecke, fein gewebte Teppiche auf dem wei� gefliesten Fu�boden, kunstvoll geschnitzte Wandt�felung �, obwohl er sich nichts weniger in einem solchen befand. Er befand sich sogar fern von jedem bekannten Ort, so, wie es die meisten Menschen jedenfalls sehen w�rden. Mesaanas rostbraunes Seidenkleid raschelte, als sie um den mit Lapislazuli eingelegten Tisch schritt und sich damit unterhielt, elfenbeinerne Dominosteine zu einem komplexen Turmbau zusammenzusetzen, bei dem jedes Stockwerk breiter war als das darunterliegende. Sie war stolz darauf, das ohne jeden Einsatz der Macht fertigzubringen, nur mit Hilfe ihres Wissens �ber Spannungen und Hebelwirkung. Sie hatte bereits das neunte Stockwerk geschafft.</p><p>In Wirklichkeit tat sie das nicht nur, um sich damit zu am�sieren, sondern vor allem, um eine Unterhaltung mit ihrer Zimmergenossin zu meiden. Semirhage sa� mit einer Handarbeit besch�ftigt auf einem hohen Sessel, der mit rotem, gemustertem Stoff �berzogen war. Ihre langen, schlanken Finger machten schnelle, energische und beinahe winzige Stiche, um ein labyrinthartiges Muster aus kleinen Blumen zu erschaffen. Es war immer �berraschend, wenn diese Frau einer so ... gew�hnlichen Besch�ftigung nachging. Ihr schwarzes Kleid stand in hartem Kontrast zu dem Sesselbezug. Nicht einmal Demandred wagte Semirhage ins Gesicht zu sagen, da� sie so oft Schwarz trage, weil sich Lanfear immer wei� kleidete.</p><p>Zum tausendstenmal versuchte Mesaana, sich dar�ber klar zu werden, warum sie sich in der Gegenwart der anderen Frau immer unwohl f�hlte. Mesaana kannte ihre eigenen St�rken und Schw�chen, sowohl im Umgang mit der Einen Macht, wie auch in bezug auf andere Dinge. In den meisten Dinge erg�nzte sie sich gut mit Semirhage; wo das nicht der Fall war, besa� sie andere St�rken, um Schw�chen Semirhages abzugleichen. Daran lag es nicht. Semirhage liebte Grausamkeiten, empfand ein reines Vergn�gen daran, Qualen zu verursachen, aber auch das war nicht das eigentliche Problem. Auch Mesaana konnte grausam sein, wenn es notwendig war, und es war ihr gleich, was Semirhage anderen antat. Es mu�te einen Grund geben, aber sie kam nicht darauf.</p><p>Gereizt platzierte sie einen weiteren Dominostein, und der Turm brach klappernd zusammen. Elfenbeinerne Spielsteine regneten auf den Fu�boden. Mit einem Zungenschnalzen wandte sie sich vom Tisch ab und verschr�nkte die Arme unter den Br�sten. �Wo bleibt Demandred nur? Siebzehn Tage, seit er zum Schayol Ghul ging, aber er wartet bis jetzt, um uns �ber eine Botschaft zu informieren, und dann taucht er nicht auf.� Zweimal w�hrend dieser Zeit hatte sie sich selbst zum Krater des Verderbens begeben und diesen nervenaufreibenden Gang getan. Und nichts anderes vorgefunden, als einen eigenartigen, �bergro�en Myrddraal, der nichts sagte. Der Stollen war nat�rlich schon dagewesen, aber der Gro�e Herr hatte nicht geantwortet. Sie war nie lange geblieben. Sie hatte wohl geglaubt, �berhaupt nichts mehr zu f�rchten und ganz bestimmt nicht den Blick eines Halbmenschen, aber zweimal hatte der schweigende, augenlose Blick des Myrddraal sie dazu gebracht, mit schnellen Schritten wegzugehen, wobei sie sich gerade noch unter gr��ter Selbstbeherrschung davon abhalten konnte, zu rennen. W�re nicht der Gebrauch der Macht gerade dort der sicherste Weg in den Tod gewesen, h�tte sie den Halbmenschen vernichtet oder w�re auf einem der Kurzen Wege aus dem Krater entflohen. �Wo kann er nur sein?�</p><p>Semirhage hob den Blick von ihrer Stickerei. Die dunklen Augen in dem glatten, dunklen Gesicht blickten starr drein. Dann legte sie ihre Handarbeit beiseite und erhob sich grazi�s. �Er wird kommen, wenn er kommt�, sagte sie so gelassen wie immer. �Wenn du nicht warten willst, dann geh.�</p><p>Unbewu�t stellte sich Mesaana ein wenig auf die Zehenspitzen, und trotzdem mu�te sie zur anderen aufblicken. Semirhage war gr��er als die meisten M�nner, verf�gte aber �ber solch perfekte Proportionen, da� man sich ihrer Gr��e erst bewu�t wurde, wenn sie direkt vor einem stand und herabblickte. �Gehen? Ich <emphasis>werde</emphasis> gehen. Und er kann...�</p><p>Es gab nat�rlich keine Vorwarnung. Das gab es nie, wenn es ein Mann war, der die Macht ben�tzte. Eine helle, senkrechte Linie erschien in der Luft und erweiterte sich dann, w�hrend sich das Tor zur Seite drehte, um sich lange genug zu �ffnen, da� Demandred hindurchtreten konnte, wobei er sich vor jeder der beiden leicht verbeugte. Heute war er ganz in Dunkelgrau gekleidet, mit einer schmalen, hellen Halskrause aus Spitzen. Er pa�te sich problemlos den Modeerscheinungen und Stoffen dieses Zeitalters an.</p><p>Sein Profil mit der Hakennase war durchaus anziehend, aber nicht unbedingt von der Sorte, die Frauenherzen schneller schlagen l��t. Und auf gewisse Weise war es gerade dieses �durchaus� oder �nicht unbedingte aus dem sich die ganze Lebensgeschichte Demandreds ablesen lie�. Er hatte das Pech gehabt, einen Tag nach Lews Therin Telamon geboren zu werden, der zum Drachen wurde. W�hrend Barid Bei Medar, wie er urspr�nglich hie�, Jahre damit verbrachte, durchaus den von Lews Therin gesetzten Ma�st�ben nachzueifern, konnte er Lews Therins Ruhm nicht unbedingt erreichen. W�re Lews Therin nicht gewesen, w�re er zweifellos der ber�hmteste Mann seines Zeitalters gewesen. H�tte ihn das Schicksal dazu bestimmt, die Menschheit zu f�hren, anstatt dieses Mannes, den er als intellektuell unter ihm stehend betrachtete, als einen �bervorsichtigen Narren, der nur zu h�ufig auf reines Gl�ck angewiesen war, st�nde er dann heute hier? Nun, das waren �berfl�ssige Gedankeng�nge, die ihr allerdings auch schon fr�her durch den Kopf gegangen waren. Nein, der entscheidende Punkt war der, da� Demandred den Drachen verachtete, und nun, da der Drache wiedergeboren worden war, hatte er diese Verachtung voll und ganz auf den neuen �bertragen.</p><p>�Warum...?�</p><p>Demandred hob eine Hand. �La�t uns warten, bis wir alle hier versammelt sind, Mesaana, damit ich mich nicht wiederholen mu�.�</p><p>Sie sp�rte ein erstes Weben von <emphasis>Saidar</emphasis> einen Augenblick, bevor die gl�hende Linie wieder in der Luft erschien und sich zu einem Tor �ffnete. Graendal trat heraus, ausnahmsweise einmal nicht von halbbekleideten Dienern umgeben, und sie lie� die �ffnung genausoschnell verschwinden wie Demandred zuvor. Sie war eine mollige Frau mit kunstvoll gelocktem, rotgoldenem Haar. Irgendwo hatte sie tats�chlich <emphasis>Streith</emphasis> f�r ihr hochgeschlossenes langes Kleid aufgetrieben. Ihrer Stimmung entsprechend wirkte der Stoff gerade wie aus durchsichtigem Wasserstaub gewebt. Manchmal fragte sich Mesaana, ob Graendal, abgesehen von ihren sinnlichen Ausschweifungen, noch irgend etwas anderes bemerkte.</p><p>�Ich hatte mich gefragt, ob Ihr wirklich kommen w�rdet�, sagte die neu Angekommene im Plauderton, �Ihr drei habt so geheimnisvoll getan.� Sie lachte fr�hlich und ein wenig naiv. Nein, es w�re ein verh�ngnisvoller Fehler, Graendal f�r das zu halten, was sie �u�erlich schien. Die meisten, die sie als N�rrin betrachtet hatten, waren mittlerweile schon lange tot, Opfer genau der Frau, die sie mi�achtet hatten.</p><p>�Kommt Sammael auch?� fragte sie.</p><p>Graendal winkte mit einer stark beringten Hand ab, �Ach, er traut euch nicht. Ich glaube nicht, da� er sich �berhaupt selbst noch traut.� Das <emphasis>Streith</emphasis> wurde dunkler, zu einem alles verbergenden Nebel. �Er sammelt sein Heer in Illian und jammert, weil er keine Schocklanzen hat, um sie damit zu bewaffnen. Und wenn er gerade nicht jammert, sucht er nach brauchbaren <emphasis>Angreal</emphasis> oder <emphasis>Sa Angreal.</emphasis> Nach solchen nat�rlich, die stark genug sind.�</p><p>Aller Augen wandten sich Mesaana zu, und sie atmete tief durch. Jeder von ihnen h�tte � na ja, beinahe alles � f�r einen brauchbaren <emphasis>Angreal</emphasis> oder <emphasis>Sa'Angreal</emphasis> gegeben. Jeder war st�rker als alle diese halb ausgebildeten Kinder, die sich heutzutage Aes Sedai nannten, aber gen�gend dieser halb ausgebildeten Kinder miteinander verkn�pft, und sie konnten alle Auserw�hlten besiegen. Abgesehen davon � nat�rlich �, da� sie nicht mehr wu�ten, wie, und da� sie sowieso nicht mehr die Mittel dazu besa�en. Man brauchte M�nner, um eine Verkn�pfung von mehr als dreizehn zusammenzuhalten, und mehr als einen Mann, um �ber siebenundzwanzig hinauszugehen. Tats�chlich stellten diese M�dchen �selbst die �ltesten unter ihnen waren f�r sie nur M�dchen, denn sie hatte mehr als dreihundert Jahre lang gelebt, und dazu kam all die Zeit, die sie im Stollen eingeschlossen gewesen waren, und selbst jetzt betrachtete man sie nur als eine Frau von mittleren Jahren �, stellten diese M�dchen also keine echte Gefahr dar, aber das minderte keineswegs das Verlangen der hier Versammelten nach einem <emphasis>Angreal</emphasis> oder noch besser einem viel m�chtigeren <emphasis>Sa'Angreal.</emphasis> Mit Hilfe dieser �berbleibsel aus ihrem eigenen Zeitalter konnten sie Ausma�e der Macht beherrschen, die sie ohne diese Hilfe zu Asche verbrannt h�tten. Jeder von ihnen w�rde f�r einen solchen Preis vieles riskieren. Aber nicht alles. Nicht ohne eine zwingende Notwendigkeit. Doch da� diese im Moment nicht gegeben war, minderte das Verlangen keineswegs.</p><p>Automatisch verfiel Mesaana in einen belehrenden Tonfall: �Die Wei�e Burg hat nunmehr Wachen <emphasis>und</emphasis> Wachgewebe an ihren Schatzkammern, innen und au�en, und �berdies z�hlen sie alle Gegenst�nde viermal am Tag. Die Gro�e Schatzkammer im Stein von Tear wird ebenfalls von Wachgeweben gesch�tzt und von einem ekelhaften Ding, das mich festgehalten h�tte, h�tte ich versucht, hineinzugehen oder das Gewebe aufzul�sen. Ich glaube nicht, da� es aufgel�st werden kann, au�er eben von derjenigen, die es gewebt hat, und bis dahin ist es eine Falle f�r jede Frau, die mit der Macht umgehen kann.�</p><p>�Ein staubiger Haufen unn�tzen Schrotts, wie ich geh�rt habe�, bemerkte Demandred abf�llig. �Die Tairener haben alles gesammelt, was auch nur ger�chteweise mit der Macht zu tun hatte.�</p><p>Mesaana vermutete, da� er das nicht nur nach dem H�rensagen beurteilte. Sie vermutete ebenfalls, da� um die Gro�e Schatzkammer auch eine Falle f�r M�nner gewoben worden war, sonst h�tte Demandred schon lange seinen ersehnten <emphasis>Sa'Angreal</emphasis> und h�tte sich Rand al'Thor entgegengestellt. �Zweifellos befinden sich auch einige in Cairhien und Rhuidean, aber selbst wenn man nicht gerade auf al'Thor st��t, sind beide St�dte doch voll von Frauen, die mit der Macht umgehen k�nnen.�</p><p>�Ignorante M�dchen�, schnaubte Graendal.</p><p>�Wenn ein K�chenm�dchen dir ein Messer in den R�cken rammt�, sagte Semirhage k�hl, �bist du dann weniger tot als nach einer Niederlage in einem Sha'je Duell in Qal?�</p><p>Mesaana nickte. �Dann bleibt nur das �brig, was vielleicht unter uralten Ruinen begraben ist oder vergessen auf einem Dachboden verstaubt. Falls ihr darauf z�hlt, per Zufall etwas zu finden, dann wartet meinetwegen. Ich werde nicht warten. Au�er, jemand von Euch wei�, an welchem Ort ein Stasiskasten verborgen ist?� Das Letzere klang ziemlich trocken. Die Stasisk�sten h�tten eigentlich die Zerst�rung der Welt �berstehen m�ssen, aber diese Erdbeben und Vulkanausbr�che, die ganzen Umw�lzungen an der Erdoberfl�che, hatten sie wahrscheinlich irgendwo auf einem Meeresgrund oder unter Bergen versch�ttet. Nur wenig war noch �brig von der Welt, die sie gekannt hatten; h�chstens ein paar Namen und Legenden.</p><p>Graendals L�cheln schien zuckers��. �Ich war schon immer der Meinung, du h�ttest Lehrerin werden sollen. Oh, tut mir leid. Ich verga� ...�</p><p>Mesaanas Gesicht lief dunkel an. Ihr Weg zum Gro�en Herrn hatte begonnen, als man ihr vor so vielen Jahren einen Lehrstuhl im Collam Daan verweigerte. F�r die Forschung nicht geeignet, hatte man ihr gesagt, aber sie k�nne ja immerhin noch als Lehrerin arbeiten. Also hatte sie gelehrt, bis sie eine M�glichkeit fand, ihnen allen eine Lektion zu erteilen!</p><p>�Ich warte immer noch darauf, zu erfahren, was der Gro�e Herr gesagt hat�, murmelte Semirhage.</p><p>�Ja. Sollen wir al'Thor t�ten?� Mesaana wurde bewu�t, da� sie beide H�nde in ihren Rock verkrampft hatte, und sie lie� los. Seltsam. Sie lie� sich doch sonst von niemandem provozieren. �Wenn alles gutgeht, wird er sich in zwei, h�chstens drei Monaten dort befinden, wo ich ihn problemlos erreichen kann, und er wird v�llig hilflos sein.�</p><p>�Wo du ihn problemlos erreichen kannst?� Graendal zog fragend eine Augenbraue hoch. �Wo hast du denn nun eigentlich dein Netz gesponnen? Ach, spielt keine Rolle. So wenig das ist, ist es doch genauso gut wie jeder andere Plan, den ich in letzter Zeit geh�rt habe.�</p><p>Immer noch schwieg Demandred, stand nur da und musterte sie. Nein, Graendal nicht. Semirhage und sie. Und als er schlie�lich etwas sagte, war es mehr zu sich selbst und nur so halb zu ihnen: �Wenn ich daran denke, in welche Lage ihr beide euch versetzt habt, dann frage ich mich manchmal, wieviel der Gro�e Herr davon wei� und wie lange schon. Wieviel von alledem, was geschehen ist, war von Anfang an von ihm geplant?� Darauf gab es keine Antwort. Schlie�lich sagte er: �Ihr wollt wissen, was mir der Gro�e Herr gesagt hat? Also gut. Aber es bleibt unter uns als striktes Geheimnis. Da Sammael es vorgezogen hat, uns fernzubleiben, wird er nichts erfahren. Und auch die anderen nicht, ob sie nun am Leben sind oder tot. Der erste Teil der Botschaft des Gro�en Herrn war sehr einfach: La�t den Herrn des Chaos herrschen. Das waren seine genauen Worte.� Seine Mundwinkel zuckten, was einem L�cheln bei ihm so nahe kam, wie Mesaana es nur jemals erlebt hatte. Dann berichtete er ihnen das �brige. Mesaana ertappte sich dabei, da� sie schauderte, ohne zu wissen, ob vor Erregung oder vor Entsetzen. Es k�nnte funktionieren und ihnen alles in die Hand geben, was sie ben�tigten. Aber Gl�ck war auch dazu n�tig, und bei Gl�cksspielen f�hlte sie sich nicht wohl. Demandred war der Spieler unter ihnen. Er hatte in einer Hinsicht recht: Lews Therin hatte sein eigenes Gl�ck gemacht wie eine frisch gepr�gte M�nze. Wie es schien, tat Rand al'Thor bisher ihrer Meinung nach das gleiche.</p><p>Es sei denn... Es sei denn, der Gro�e Herr hatte einen Plan �ber jenen hinaus, den er ihnen enth�llt hatte. Und das �ngstigte sie mehr als jede andere M�glichkeit.</p><p>Das Abbild des Raums wurde von einem Spiegel mit vergoldetem Rahmen reflektiert: die beklemmenden Szenen auf den Mosaiken an den W�nden, die vergoldeten M�bel, die feingewebten Teppiche, die anderen Spiegel und die Wandbeh�nge. Ein fensterloser Raum in einem Palast. Es war auch keine T�r vorhanden. Im Spiegel war eine Frau sichtbar, die im Raum auf und ab schritt. Sie trug ein blutrotes langes Kleid, und auf ihrem sch�nen Gesicht zeigte sich eine Mischung aus Wut und Ungl�ubigkeit. Immer noch ungl�ubig. Das war auch seinem eigenen Gesicht abzulesen, was ihn viel mehr interessierte als die Frau. Er konnte dem Impuls nicht widerstehen, zum hundertstenmal seine Nase, den Mund und die Wangen zu ber�hren, um sicherzugehen, da� sie wirklich existierten. Nicht jung, aber j�nger als das Gesicht, das er bei seinem ersten Erwachen aus dem langen Schlaf mit all seinen endlosen Alptr�umen getragen hatte. Ein durchschnittliches Gesicht, und er hatte es immer geha�t, durchschnittlich zu wirken. Er erkannte das Ger�usch, das aus seiner Kehle aufstieg, als ein beginnendes Lachen, ein Kichern, und unterdr�ckte es. Er war doch nicht verr�ckt. Trotz allem, das war er nicht.</p><p>Ein Name war ihm w�hrend seiner zweiten, viel schrecklicheren Schlafperiode verliehen worden, bevor er mit diesem Gesicht und K�rper erwachte: Osan'gar.</p><p>Den Namen hatte eine Stimme ausgesprochen, die er kannte und der er den Gehorsam nicht verweigern konnte. Sein alter Name, im Hohn gegeben und voller Stolz angenommen, war f�r immer vergangen. Die Stimme seines Herrn hatte gesprochen und es so werden lassen. Die Frau hie� Aran'gar. Wer sie gewesen war, existierte nicht mehr.</p><p>Diese Namen waren f�r sich schon aufschlu�reich genug. <emphasis>Osan'gar</emphasis> und <emphasis>Aran'gar</emphasis> waren die Dolche einmal f�r die linke und dann f�r die rechte Hand bei einer Art von Duell, wie es f�r kurze Zeit popul�r gewesen war in den fr�hen Tagen jener langen Aufbauphase vom Beginn des Stollens bis zum tats�chlichen Ausbruch des Kriegs um die Macht. Seine Erinnerungen waren l�ckenhaft, denn sowohl w�hrend der langen wie auch w�hrend der k�rzeren Schlafperiode war zuviel verlorengegangen, doch er erinnerte sich wenigstens daran. Die Popularit�t hatte nicht lang angehalten, denn fast unvermeidlich hatten beide Duellanten am Ende sterben m�ssen. Die Klingen dieser Dolche waren mit einem langsam wirkenden Gift bestrichen.</p><p>Etwas schob sich verschwommen in das Spiegelbild, und er wandte sich um, wenn auch nicht zu schnell. Er mu�te im Kopf behalten, wer er war, und sichergehen, da� auch die anderen daran dachten. Es war immer noch keine T�r da, aber nun teilte ein Myrddraal den Raum mit ihnen. Weder das eine noch das andere waren an diesem Ort etwas Besonderes, doch der Myrddraal war gr��er als jeder andere, den Osan'gar jemals erblickt hatte.</p><p>Er nahm sich Zeit und lie� den Halbmenschen warten, ohne seine Anwesenheit zur Kenntnis zu nehmen. Dann, bevor er den Mund �ffnen konnte, fauchte Aran'gar: �Warum hat man mir das angetan? Warum stecke ich in diesem K�rper? Warum?� Das letzte kam beinahe als Aufschrei heraus.</p><p>Osan'gar hatte den Eindruck, da� sich die blutleeren Lippen des Myrddraal zu einem L�cheln verzogen, doch das war unm�glich, hier oder anderswo. Selbst die Trollocs hatten einen Sinn f�r Humor, wenn auch schmutzig und gewaltt�tig, aber nicht die Myrddraal. �Man hat Euch beiden die besten gegeben, die in den Grenzlanden aufzutreiben waren.� Die Stimme klang wie das Ger�usch einer Viper, die sich durch d�rres Gras schob. �Es ist ein guter K�rper, kr�ftig und gesund. Und besser als die Alternative.�</p><p>Beides stimmte nat�rlich. Es war ein guter K�rper. Er h�tte zu einer <emphasis>Daien-T</emphasis>�nzerin gepa�t, damals, in den alten Tagen, schlank und doch �ppig, mit dem unvergleichlichen elfenbeinernen Oval eines gr�n�ugigen Gesichts, eingerahmt von gl�nzend schwarzem Haar. Und der Alternative gegen�ber war sowieso alles besser.</p><p>Vielleicht sah Aran'gar das nicht genauso. Der Zorn verzerrte dieses sch�ne Gesicht. Sie w�rde irgend etwas Leichtsinniges tun. Das wu�te Osan'gar; in dieser Hinsicht war sie schon immer problematisch gewesen. Dagegen erschien Lanfear noch vorsichtig. Er griff nach <emphasis>Saidin.</emphasis> Hier die Macht zu benutzen mochte gef�hrlich sein, aber weniger gef�hrlich, als ihr eine echte Dummheit durchgehen zu lassen. Er griff also nach <emphasis>Saidin �</emphasis> und fand nichts. Er war nicht abgeschirmt, denn das h�tte er gesp�rt und gewu�t, wie er sich vorbeimogeln oder die Abschirmung durchbrechen k�nne, falls er gen�gend Zeit hatte und sie nicht zu stark war. Doch das jetzt war, als sei er von der Quelle abgeschnitten worden. Das Entsetzen lie� ihn auf der Stelle versteinern.</p><p>Anders jedoch Aran'gar. Vielleicht hatte sie die gleiche Entdeckung gemacht, aber sie reagierte auf andere Weise darauf. Kreischend wie eine Katze ging sie auf den Myrddraal los und krallte nach ihm.</p><p>Nat�rlich war die Attacke v�llig wirkungslos. Der Myrddraal verlagerte noch nicht einmal das Gewicht.</p><p>Locker packte er sie am Hals und hob sie mit ausgestrecktem Arm hoch, bis ihre F��e �ber dem Boden baumelten. Aus dem Kreischen wurde Gurgeln, und sie packte den Unterarm des Halbmenschen mit beiden H�nden. So baumelte sie in seinem Griff, w�hrend er den Blick Osan'gar zuwandte. �Ihr seid nicht von der Quelle abgeschnitten worden, aber Ihr werdet die Macht nicht ben�tzen, bis man Euch die Erlaubnis erteilt. Und Ihr werdet mich niemals angreifen. Ich hei�e Shaidar Haran.�</p><p>Osan'gar bem�hte sich zu schlucken, aber sein Mund war staubtrocken. Sicher hatte dieses Gesch�pf doch nichts mit dem zu tun, was man mit ihm gemacht hatte. Myrddraal hatten F�higkeiten gewisser Art, aber so weit ging das doch nicht. Und dennoch wu�te er Bescheid. Er hatte die Halbmenschen nie leiden k�nnen. Er hatte mitgeholfen, die Trollocs zu z�chten, indem er menschliches und tierisches Zuchtvieh kreuzte, und er war stolz darauf, das notwendige K�nnen zu besitzen und all die Schwierigkeiten �berwunden zu haben, aber diese gelegentlichen R�ckf�lle unter ihren Nachkommen erzeugten selbst im besten Fall noch ein Kribbeln in seinem Magen.</p><p>Shaidar Haran wandte seine Aufmerksamkeit wieder der Frau zu, die in seiner Faust zappelte. Ihr Gesicht begann, purpurn anzulaufen, und ihre F��e zuckten schwach. �Ihr werdet Euch schon anpassen. Der K�rper unterwirft sich der Seele, aber der Verstand beugt sich dem K�rper. Ihr pa�t Euch jetzt bereits an. Bald wird es sein, als h�ttet Ihr nie einen anderen besessen. Oder Ihr verweigert Euch. Dann wird eine andere Euren Platz einnehmen und Euch �bergibt man ... meinen Br�dern, von der Quelle abgeschnitten wie ihr jetzt seid.� Diese d�nnen Lippen verzogen sich erneut. �Ihnen fehlt jegliches Vergn�gen, dort in den Grenzlanden.�</p><p>�Sie kann nicht sprechen�, sagte Osan'gar. �Du bringst sie um! Wei�t Du nicht, wer wir sind? La� ab von ihr, Halbmensch! Gehorche mir!� Das Ding mu�te einem der Auserw�hlten gehorchen.</p><p>Aber der Myrddraal musterte nur tatenlos Aran'gars immer dunkler anlaufendes Gesicht eine Weile lang, bevor er ihre F��e auf den Teppich sinken lie� und seinen Griff loste. �Ich gehorche dem Gro�en Herrn. Keinem anderen.� Sie hielt sich fest, wankte, keuchte und saugte gierig Luft ein. H�tte er die Hand weggenommen, w�re sie gefallen. �Werdet Ihr Euch dem Willen des Gro�en Herrn beugen?� Das war kein Befehl, sondern nur eine nichtssagende Frage, von dieser r�chelnden Stimme gestellt.</p><p>�Ich, ich werde mich beugen�, stie� sie heiser hervor, und Shaidar Haran lie� sie los.</p><p>Sie wankte noch und massierte ihre Kehle. Osan'gar wollte hingehen und ihr behilflich sein, doch sie wehrte ihn mit einem drohenden Blick und geballter Faust ab, damit er sie nicht ber�hrte. Er zog sich mit erhobenen H�nden zur�ck. F�r solche Feindseligkeiten war jetzt nicht die Zeit. Aber es war ein sch�ner K�rper und ein guter Witz dazu. Er hatte sich immer etwas auf seinen Humor eingebildet, und dieser Witz war prachtvoll.</p><p>�Empfindet Ihr keine Dankbarkeit?� fragte der Myrddraal. �Ihr wart tot, und nun lebt Ihr. Denkt an Rahvin, dessen Seele f�r immer verloren ist. Ihr habt die M�glichkeit, dem Gro�en Herrn wieder zu dienen und Euch f�r Eure Fehler zu rehabilitieren.�</p><p>Osan'gar beeilte sich, zu versichern, wie dankbar er sei und da� er nichts lieber t�te, als zu dienen und sich zu rehabilitieren. Rahvin tot? Was war da geschehen? Es spielte keine Rolle, denn einer weniger unter den Auserw�hlten erh�hte die Chance auf den Gewinn wirklicher Macht, wenn der Gro�e Herr befreit war. Es wurmte ihn wohl, da� er sich von etwas dem�tigen lassen mu�te, das man mit Fug und Recht genau wie die Trollocs als seine Sch�pfung betrachten durfte, aber er erinnerte sich nur zu deutlich an den Tod. Um das noch einmal zu vermeiden, w�rde er auch vor einem Wurm im Dreck kriechen. Aran'gar stand ihm nun nicht mehr nach, wie er bemerkte, trotz des Zorns in ihrem Blick. Eindeutig erinnerte auch sie sich.</p><p>�Dann ist es an der Zeit, da� Ihr wieder im Dienst des Gro�en Herrn in die Welt hinaustretet�, sagte Shaidar Haran. �Niemand au�er mir und dem Gro�en Herrn wei�, da� Ihr wieder lebt. Habt Ihr Erfolg, werdet Ihr f�r alle Ewigkeit leben und �ber alle anderen erhoben. Versagt Ihr... Aber Ihr werdet nicht versagen, nicht wahr?� Dann l�chelte der Halbmensch tats�chlich. Es war, als sehe man den Tod l�cheln.</p></section><section><title><p>1</p><p>Der L�we auf dem H�gel</p></title><p>Das Rad der Zeit dreht sich, und die Zeitalter kommen und gehen, hinterlassen Erinnerungen, die zu Legenden werden, verblassen zu blo�en Mythen und sind l�ngst vergessen, wenn das Zeitalter wiederkehrt, das diese Legende einst gebar. In einem Zeitalter, von einigen das Dritte genannt, einem Zeitalter, das noch kommen wird und das schon lange vorbei ist, erhob sich ein Wind in den von br�unlich vertrocknetem Gestr�pp �berzogenen H�geln von Cairhien. Der Wind stand nicht am Anfang. Es gibt weder Anfang noch Ende, wenn sich das Rad der Zeit dreht. Aber es war <emphasis>ein</emphasis> Anfang.</p><p>Nach Westen wehte der Wind �ber verlassene D�rfer und Bauernh�fe hinweg, von denen viele nur noch aus verkohlten Balken und Tr�mmern bestanden. Der Krieg hatte Cairhien �berzogen, Krieg und B�rgerkrieg, Invasion und Chaos, und selbst jetzt, da es vor�ber war, soweit es tats�chlich vor�ber war, zogen nur eine Handvoll zu ihrer Heimstatt zur�ck. Der Wind brachte keine Feuchtigkeit, und die Sonne bem�hte sich, alles, was dem Land noch geblieben war, zu verbrennen. Wo die kleine Stadt Maerone dem gr��eren Aringill auf der anderen Seite des Erinin gegen�berlag, �berquerte der Wind den Flu� und kam nach Andor. Beide St�dte st�hnten unter der Backofenhitze, und falls in Aringill mehr Gebete um Regen ausgesto�en wurden, dann lag es an den Fl�chtlingen aus Cairhien, die sich wie die Fische in der Transportkiste innerhalb der Stadtmauern zusammendr�ngten. Auch auf der anderen Seite des Flusses beteten sogar die um Maerone herum lagernden Soldaten, manchmal betrunken, manchmal fieberhaft, zum Sch�pfer. Der Winter h�tte normalerweise seine F�hler nach dem Land ausstrecken sollen, und der erste Schnee w�re in anderen Jahren l�ngst vor�ber gewesen, doch die Menschen, die nun statt dessen in der Gluthitze schwitzten, f�rchteten vor allem den Grund, der an diesem chaotischen Wetter schuld sein mochte, wenn auch nur wenige wagten, diese Furcht in Worte zu kleiden.</p><p>Nach Westen wehte der Wind, spielte mit den von der D�rre geschrumpelten Bl�ttern an den B�umen und lie� kleine Wellen �ber die Oberfl�chen der wenigen B�che laufen, die noch zwischen R�ndern aus hartgebackenem Lehm dahinpl�tscherten. In Andor waren keine ausgebrannten Ruinen zu sehen, aber die Dorfbewohner blickten nerv�s zu der angeschwollenen Sonne auf, und die Bauern mieden den Blick auf Felder, die im Herbst keine Ernte hervorgebracht hatten. Nach Westen, bis der Wind �ber Caemlyn wehte und �ber dem K�niglichen Palast im Herzen der von Ogiern erbauten Innenstadt zwei Flaggen zum Flattern brachte. Eine Flagge flatterte rot wie Blut, und eine von einer Schlangenlinie geteilte Scheibe, halb wei� und halb ebenso tiefschwarz wie das Wei� blendend, war darauf zu sehen. Die andere Flagge hob sich schneewei� vom Himmel ab. Die Gestalt darauf, wie eine seltsame vierbeinige Schlange mit goldener M�hne, mit Augen wie die Sonne und roten und goldenen Schuppen, schien auf dem Wind zu reiten. Die Frage, welche von beiden Flaggen mehr Furcht ausloste, blieb wohl unentschieden. Manchmal regte sich in der gleichen Brust Hoffnung, in der andererseits ein Herz voll Angst schlug. Hoffnung auf Rettung und Furcht vor der Zerst�rung, und beides entsprang der gleichen Quelle.</p><p>Viele behaupteten, Caemlyn sei die zweitsch�nste Stadt der Welt, und das waren nicht nur Andoraner. Bei denen kam es h�ufig sogar an erster Stelle, noch vor Tar Valon selbst. Hohe, runde T�rme standen in Abst�nden innerhalb der gro�en, grauen Stadtmauer mit ihren silbern und wei� gemaserten Steinen, und im Innern erhoben sich noch h�here T�rme. Wei�e und goldene Kuppeln gl�nzten im Licht einer erbarmungslosen Sonne. Die Stadt erklomm mehrere H�gel auf dem Weg zu ihrem Herzen, der uralten Innenstadt, die von ihrer eigenen schimmernden Mauer umgeben war und die wiederum dem Himmel T�rme und Kuppeln entgegenstreckte, purpurn und wei� und golden und mit glitzernden Mosaiken aus glasierten Ziegeln. So blickte sie auf die Neustadt hinab, die ein gutes St�ck j�nger als zweitausend Jahre war.</p><p>So, wie die Innenstadt das Herz Caemlyns darstellte, und nicht nur, weil sie im Zentrum lag, war der K�nigliche Palast das Herz der Innenstadt, ein m�rchenhaftes Gewirr von schneewei�en, schlanken T�rmchen und goldenen Kuppeln und wie Spitzen durchbrochene Steinmetzarbeiten. Ein Herz, das im Schatten jener zwei Flaggen schlug.</p><p>Rand � nackter Oberk�rper und geschmeidig auf den Fu�ballen federnd � war sich �berhaupt nicht der Tatsache bewu�t, da� er sich in einem wei� gefliesten Innenhof des Palastes befand, so wenig, wie er sich der Zuschauer unter den Arkaden am Rand des Hofes nicht bewu�t war. Seine Haare klebten verschwitzt am Kopf, und Schwei�perlen rannen ihm die Brust herunter. Die halb verheilte, runde Narbe an seiner Seite schmerzte h�llisch, aber er weigerte sich, das zur Kenntnis zu nehmen. Gestalten wie jene auf der wei�en Flagge wanden sich um seine Unterarme und glitzerten metallisch in Rot und Gold. Die Aiel bezeichneten sie als �Drachen�, und andere begannen nun ebenfalls, diese Bezeichnung zu ben�tzen. Er war sich verschwommen der Reiher bewu�t, die sauber und klar umrissen in seine beiden Handfl�chen eingebrannt waren, aber auch nur, weil er sie am langen Griff seines h�lzernen �bungsschwertes reiben sp�rte.</p><p>Er war eins mit dem Schwert, glitt ohne nachzudenken aus einer Figur in die andere, und nur die Stiefelsohlen schabten leise �ber die hellen Fliesen. Der �L�we auf dem H�gel� wurde zum �Bogen des Mondes� und dann zum �Turm des Morgens�. Ohne einen Gedanken daran zu verschwenden. F�nf schwitzende M�nner mit nackten Oberk�rpern umringten ihn, wichen vorsichtig aus, gingen die Fechtfiguren mit. Nur auf sie war seine ganze Aufmerksamkeit gerichtet. M�nner mit harten Gesichtern und viel Selbstbewu�tsein. Sie waren die besten, die er bisher hatte auftreiben k�nnen. Die besten, seit Lan ihn verlie�. Ohne dabei zu denken, so, wie Lan es ihm beigebracht hatte. Er war eins mit dem Schwert, eins mit den f�nf M�nnern.</p><p>Pl�tzlich rannte er vorw�rts. Die ihn umgebenden M�nner rannten schnell mit, um ihn in der Mitte zu behalten. Genau in dem Moment, als dieser Gleichschritt fast durcheinandergeriet, als zumindest zwei der f�nf M�nner dabei waren, die Reihe zu verlassen, wirbelte er mit einemmal herum und rannte in die entgegengesetzte Richtung. Sie versuchten noch, zu reagieren, aber es war zu sp�t. Mit einem lauten Krachen fing er den Schlag eines �bungsschwertes mit seiner eigenen Klinge ab � eigentlich nur ein verschn�rtes Lattenb�ndel �, und gleichzeitig traf sein rechter Fu� den n�chsten Mann in der Reihe, einen �lteren mit ergrautem Haar, mit voller Wucht in den Bauch. St�hnend kr�mmte sich der Mann. Schwert an Schwert zwang Rand sein Gegen�ber mit der mehrfach gebrochenen Nase dazu, sich umzudrehen, wobei er dem zusammengekr�mmten, japsenden Mann erneut einen Tritt versetzte, als sie sich um ihn herumdr�ngten. Grauhaar kippte nach Luft schnappend vorn�ber. Rands Gegner versuchte, zur�ckzutreten, um sein Schwert freizubekommen, aber dadurch bekam auch Rand seines frei. Er lie� es um das seines Gegen�bers kreisen � �Die Weinrebe umschlingt� � und hieb ihm dann die Spitze gegen die Brust, hart genug, um ihn umzuwerfen.</p><p>Herzschl�ge nur waren vergangen, so wenige, da� erst jetzt die anderen drei in den Nahkampf gehen konnten. Der erste, ein schneller, untersetzter kleiner Mann, strafte seine K�rperma�e L�gen, da er mit einem Schrei �ber Krummnase hinwegsprang, als der zu Fall kam. Rands �bungsschwert schlug ihm gegen die Schienbeine, ri� ihn beinahe herum, und dann noch einmal auf den R�cken. Dann krachte er auf die Steinfliesen nieder.</p><p>Damit waren nur zwei �brig, aber ausgerechnet die beiden besten, ein geschmeidiger, langer Kerl, dessen Schwert wie die Zunge einer Schlange hervorscho�, und ein schwerer Bursche mit kahlgeschorenem Kopf, der niemals einen Fehler machte. Sie sprangen augenblicklich auseinander, um Rand von zwei Seiten her angreifen zu k�nnen, aber er wartete den Angriff nicht ab. Blitzschnell fuhr er auf den Langen zu, denn er hatte nur wenige Augenblicke, bevor der andere um die Gest�rzten herum war.</p><p>Der Hagere war nicht nur schnell, sondern auch gut. Rand hatte Gold ausgesetzt, um die besten zu bekommen, und sie waren gekommen. Er war gro� f�r einen Andoraner, obwohl Rand ihn noch um eine Handbreit �berragte, doch die K�rpergr��e hatte nicht viel mit dem Gebrauch des Schwerts zu tun. Manchmal gab die Kraft den Ausschlag. Rand st�rmte frontal auf ihn los. Das lange Gesicht des Mannes spannte sich an, als er zur�ckwich. �Der Keiler st�rmt bergab� krachte einfach durch �Die Seide zur Seite schieben�, schmetterte den �Dreizackigen Blitz� beiseite, und die verschn�rten Latten trafen die Seite des Halses seines Gegners mit �u�erster H�rte. Er st�rzte mit einem erstickten Aufst�hnen.</p><p>Augenblicklich warf sich Rand seitw�rts zu Boden, ganz nach rechts, und wand sich auf den Steinfliesen geschmeidig herum auf die Knie. Seine Klinge fuhr hoch: �Der Flu� untersp�lt das Ufer.� Der Mann mit dem Kahlkopf war nicht sehr schnell, aber irgendwie hatte er diese Figur erahnt. Im selben Moment, als Rands Klinge �ber die breiten H�ften des Mannes schnitt, krachte das Schwert des Burschen auf Rands Kopf nieder.</p><p>Einen Augenblick lang wankte Rand und sah nur schwarze Flecken, die vor seinen Augen tanzten. Er sch�ttelte den Kopf, um wieder klar zu werden, und ben�tzte das �bungsschwert als St�tze, damit er hochkam. Derweil beobachtete ihn der Mann mit dem kahlgeschorenen Kopf schwer atmend und mi�trauisch.</p><p>�Bezahlt ihn�, sagte Rand, und die Anspannung wich aus der Miene des Mannes. Das Mi�trauen war auch �berfl�ssig gewesen. Als habe Rand nicht jedem Mann, der es schaffte, ihn zu treffen, einen zus�tzlichen Tageslohn versprochen. Und sogar dreifache Bezahlung f�r den, der ihn im Kampf Mann gegen Mann besiegte. Auf diese Weise wollte er sichergehen, da� sich keiner zur�ckhielt, um dem Wiedergeborenen Drachen zu schmeicheln. Er fragte nie nach ihren Namen, und falls sie deshalb beleidigt waren, spornte sie das ja vielleicht zu noch besseren Leistungen an. Er brauchte Gegner, an denen er sich messen konnte. Sie mu�ten ja nicht gleich Freunde werden. Die Freunde, die er bereits hatte, w�rden eines Tages die Stunde verfluchen, in der sie ihn kennengelernt hatten, falls das nicht schon jetzt der Fall war. Die anderen r�hrten sich nun auch. Eigentlich sollte ein Mann, der �get�tet� worden war, an seinem Platz liegenbleiben, bis alle fertig waren, um genauso wie ein echter Leichnam f�r die anderen als Hindernis im Weg zu dienen, aber nun half der untersetzte Mann dem Grauhaarigen beim Aufstehen; dabei hatte er selbst Schwierigkeiten, auf den Beinen zu bleiben.</p><p>Der schlanke, lange Bursche drehte den Kopf probeweise hin und her und verzog dabei das Gesicht. Nun, f�r heute war die Kampf�bung wohl beendet.</p><p>�Zahlt sie alle aus.�</p><p>Eine Welle des Beifalls und des Lobes durchlief die Reihen der Zuschauer unter den d�nnen, kannelierten S�ulen: Lords und Ladies in bunter Seide mit schweren, kunstvollen Stickereien und die Damen mit langen Z�pfen. Rand verzog das Gesicht und warf das Schwert weg. Dieser Haufen � das waren die Speichellecker Lord Gaebrils gewesen, als K�nigin Morgase, <emphasis>ihre</emphasis> K�nigin, nur noch wenig mehr als eine Gefangene in diesem Palast war. In ihrem eigenen Palast. Aber Rand brauchte sie. Im Augenblick jedenfalls. <emphasis>Wenn du den Dornbusch anfa�t, sticht er dich,</emphasis> dachte er. Zumindest hoffte er, da� dieser Gedanke von ihm selbst stammte.</p><p>Sulin, die wei�haarige Anf�hrerin von Rands Eskorte aus Aiel-T�chtern des Speers, die Befehlshaberin aller T�chter des Speers auf dieser Seite des R�ckgrats der Welt, zog eine in Tar Valon gepr�gte Goldmark aus der G�rteltasche und warf sie mit einer Grimasse hin�ber, die die h��liche Narbe auf ihrer einen Wange noch verzerrte. Den T�chtern pa�te es �berhaupt nicht, wenn Rand mit einem Schwert arbeitete, auch nicht mit einem �bungsschwert. Sie lehnten, wie alle Aiel, Schwerter grunds�tzlich ab.</p><p>Der Mann mit dem kahlgeschorenen Sch�del fing die M�nze auf und beantwortete den mi�billigenden Blick aus Sulins blauen Augen mit einer vorsichtigen Verbeugung. Vor den T�chtern nahm sich jeder in acht. Mit ihren Jacken und Hosen und den weichen Schn�rstiefeln, alles in Braun und Graut�nen gehalten, hatten sie sich der kahlen Landschaft in der Aiel-W�ste perfekt angepa�t. Nun hatten einige damit begonnen, auch ein paar Gr�nschattierungen zu ben�tzen, um sich besser in diesen Gebieten tarnen zu k�nnen, die sie �Feuchtl�nder� nannten � trotz der augenblicklich herrschenden Trockenheit. Wenn man sie mit der Aiel-W�ste verglich, war es hier immer noch feucht. Bevor sie die W�ste verlie�en, hatten nur wenige Aiel jemals einen Wasserlauf erblickt, �ber den sie nicht mit einem Schritt hinwegsetzen konnten, und sie hatten blutige Fehden ausgetragen, bei denen es um Wasserl�cher von kaum mehr als zwei oder drei Schritt Durchmesser ging.</p><p>Genau wie die m�nnlichen Aielkrieger, und genau wie die zwanzig anderen T�chter mit ihren blassen Augen, die noch im Hof standen, hatte sich auch Sulin das Haar ganz kurz geschnitten, bis auf einen kleinen Pferdeschwanz hinten im Nacken. Sie trug drei Kurzspeere und einen kleinen, runden Schild aus Stierleder in der linken Hand, und am G�rtel hing ein spitzes Messer mit langer, schwerer Klinge. Wie alle Aielkrieger bis hinunter zum Alter Jalanis, die gerade sechzehn war und noch Babyspeck im Gesicht zeigte, konnte Sulin sehr gut mit diesen Waffen umgehen und ben�tzte sie, jedenfalls nach Ansicht der Menschen diesseits der Drachenmauer, schon bei der geringsten Provokation. Alle T�chter au�er ihr beobachteten aufmerksam die gesamte Umgebung, jedes Fenster mit seinem durchbrochenen Steingitter davor, jeden wei�schimmernden Balkon, jeden Schatten. Einige hatten kurze, krumme Hornb�gen mit aufgelegten Pfeilen in der Hand, und die K�cher an ihren H�ften waren nur so mit Pfeilen gespickt. Die <emphasis>Far Dareis Mai,</emphasis> die T�chter des Speers, vertraten die Ehre ihres von der Weissagung angek�ndigten <emphasis>Car'a'carn,</emphasis> wenn auch manchmal auf etwas eigenartige Weise, und keine war unter ihnen, die nicht f�r Rand gestorben w�re, um sein Leben zu bewahren. Der Gedanke daran lie� ihm die Magens�ure hochsteigen.</p><p>Sulin teilte mit ver�chtlicher Miene weitere Goldm�nzen aus. Rand machte es Spa�, seine Schulden ausgerechnet mit Goldm�nzen aus Tar Valon zu bezahlen. Der Kahlkopf bekam noch eine, genau wie jeder der anderen. Die Aiel konnten die meisten Feuchtl�nder genausowenig leiden wie deren Schwerter, und das betraf jeden, der nicht als Aiel geboren und aufgewachsen war. Die meisten Aiel h�tten in dieser Hinsicht auch Rand � trotz seiner Abstammung von ihnen � nicht ausgenommen aber er trug eben diese Drachen um die Unterarme. Einer stand f�r den Clanh�uptling, der ihn durch seine Willensst�rke und unter Einsatz seines Lebens verdient hatte, und zwei standen f�r den <emphasis>Car'a'carn,</emphasis> den H�uptling aller H�uptlinge, Ihn, Der Mit Der Morgend�mmerung Kommt. Und die T�chter hatten ihre eigenen Gr�nde, warum sie bei ihm eine Ausnahme machten.</p><p>Die M�nner sammelten ihre �bungsschwerter ein, nahmen ihre Hemden und Jacken und gingen unter Verbeugungen davon. �Morgen!� rief Rand ihnen nach. �Fr�h!� Tiefere Verbeugungen zeigten, da� sie den Befehl verstanden hatten.</p><p>Bevor noch die M�nner mit ihren nackten Oberk�rpern aus dem Hof waren, str�mten die andoranischen Adligen unter den Arkaden hervor. Ein wahrer Regenbogen aus Seide umgab Rand. Geziert betupften sie ihre verschwitzten Gesichter mit spitzenbesetzten T�chern. Das Getue verursachte ihm Sodbrennen. <emphasis>Ben�tzt, was immer Ihr ben�tzen m��t, oder la�t den Schatten �ber das Land kommen.</emphasis> Moiraine hatte das zu ihm gesagt Da zog er beinahe noch den ehrlichen Widerstand vieler aus Cairhien und aus Tear diesem Haufen vor. Fast h�tte er �ber den eigenen Gedanken gelacht, das Verhalten der anderen im Vergleich �ehrlich� zu nennen.</p><p>�Ihr wart wunderbar�, hauchte Arymilla und legte leicht eine Hand auf seinen Arm. �So schnell, so stark.� Ihre gro�en braunen Augen blickten noch schmelzender drein als sonst. Sie war offensichtlich t�richt genug, zu glauben, so k�nne sie ihn beeinflussen. Ihr langes, gr�nes Kleid, mit silbernen Ranken bestickt, war nach andoranischer Auffassung tief ausgeschnitten, was bedeutete, da� es eine Andeutung von Busen zeigte. Sie war h�bsch, aber bestimmt alt genug, um seine Mutter zu sein. Keine von ihnen war j�nger und einige �lter, doch sie alle stritten sich darum, Rand die Stiefel k�ssen zu d�rfen.</p><p>�Das war prachtvoll gek�mpft, mein Lord Drache.� Beinahe h�tte Elenia Arymilla mit den Ellbogen zur Seite geschubst. Dieses L�cheln wirkte eigenartig auf dem Fuchsgesicht der Frau mit dem honigfarbenen Haar. Sie galt im allgemeinen als �u�erst z�nkisch. Nat�rlich nicht in Rands Gegenwart. �In der Geschichte Andors hat es noch nie einen Schwertk�mpfer wie Euch gegeben. Selbst Souran Maravaile, Artur Falkenfl�gels gr��ter General und der Ehemann Isharas, der ersten auf dem L�wenthron, nun, sogar er starb, als er nur vier Schwertk�mpfern auf einmal gegen�berstand. Bezahlte M�rder, und das im dreiundzwanzigsten Jahr des Hundertj�hrigen Kriegs. Aber er hat alle vier get�tet.� Elenia lie� selten eine Gelegenheit aus, mit ihren Kenntnissen der Geschichte Andors anzugeben, besonders wenn es um wenig bekannte Gebiete ging, wie beispielsweise den Krieg, der Falkenfl�gels Weltreich nach seinem Tod zerrissen hatte. Heute f�gte sie aber wenigstens keine �berfl�ssigen Rechtfertigungen f�r ihren Anspruch auf den L�wenthron hinzu.</p><p>�Nur am Ende hatte er ein bi�chen Pech�, warf Jarid, Elenias Gatte, jovial ein. Er war ein kr�ftig gebauter Mann und f�r einen Andoraner ziemlich dunkelh�utig. Aufgestickte Schn�rkel und goldene Keiler, das Wappen des Hauses Sarand, bedeckten die Manschetten und die langen Revers seines roten Kurzmantels, w�hrend auf Elenias farblich darauf abgestimmtem roten Kleid die Wei�en L�wen von Andor an den langen �rmeln und dem hohen Kragen zu sehen waren. Rand fragte sich, ob sie glaubte, da� er nicht w��te, was diese L�wen bei ihr bedeuten sollten. Jarid war der Hochsitz seines Hauses, doch sie war diejenige mit Ehrgeiz und Energie.</p><p>�Das habt Ihr ausgesprochen gut gemacht, mein Lord Drache�, stellte Karind ganz ohne Umschweife fest. Ihr schimmerndes graues Kleid, genauso streng geschnitten wie ihr Gesicht, aber voll silberner Str�nge an �rmeln und Rocksaum, pa�te fast perfekt zu den Str�hnen in ihrem dunklen Haar. �Ihr seid bestimmt der beste Schwertk�mpfer der Welt.� Trotz ihrer bewundernden Worte wirkte der Blick der st�mmigen Frau wie ein Hammerschlag. H�tte sie ein Gehirn besessen, das ihrer H�rte entsprach, h�tte sie ausgesprochen gef�hrlich werden k�nnen.</p><p>Naean war eine schlanke und auf ihre blasse Art durchaus sch�ne Frau mit gro�en, blauen Augen und ganzen Wogen schimmernd schwarzen Haares, doch das ver�chtliche Grinsen, das sie den f�nf M�nnern bei ihrem Abgang hinterherschickte, war auf ihrem Gesicht festgefroren. �Ich vermute, sie haben das vorher schon geplant, damit einer von ihnen es schafft, Euch zu treffen. Sie werden die Sonderbezahlung unter sich aufteilen.� Im Gegensatz zu Elenia erw�hnte die in Blau gekleidete Frau mit den silbernen dreifachen Schl�sseln des Hauses Arawn auf den langen �rmeln ihren eigenen Anspruch auf den Thron nicht, jedenfalls nicht dort, wo Rand es h�ren konnte. Sie gab vor, mit ihrem Rang als Hochsitz eines uralten Hauses zufrieden zu sein, wie eine L�win, die so tut, als sei sie ein Hausk�tzchen.</p><p>�Kann ich immer damit rechnen, da� meine Feinde nicht auch zusammenarbeiten?� fragte er ruhig. Naeans Mund bewegte sich lautlos vor �berraschung. Sie war wohl kaum dumm, doch sie schien zu glauben, jeder, der ihr widersprach, sollte sich auf den R�cken legen und alle viere in die Luft strecken, sobald sie ihm die Meinung sagte, und wenn sie doch nicht so reagierten, nahm sie es wohl als pers�nliche Beleidigung.</p><p>Eine der T�chter des Speers, Enaila, ignorierte die Adligen und reichte Rand ein dickes, langes, wei�es Handtuch, um sich den Schwei� abzuwischen. Sie war ein feuriger Rotschopf, klein f�r eine Aielfrau, und es stie� ihr sauer auf, da� sogar ein paar dieser Feuchtl�nderfrauen gr��er waren als sie. Die Mehrzahl der T�chter konnte den meisten M�nnern im Hof geradewegs in die Augen sehen. Die Andoraner taten zwar ihr Bestes, sie zu ignorieren, doch ihr betontes Wegblicken machte diesen Versuch zu einem kompletten Fehlschlag. Enaila schritt davon, als sei sie unsichtbar.</p><p>Das Schweigen dauerte nur ein paar Augenblicke l�nger. �Mein Lord Drache ist weise�, sagte Lord Lir mit einer knappen Verbeugung und einem leichten Stirnrunzeln. Der Hochsitz des Hauses Anshar war schlank wie eine Schwertklinge und genauso stark und biegsam. Er trug eine gelbe Jacke mit Goldlitzen, wirkte aber insgesamt zu verbindlich und aalglatt. Nichts bis auf gelegentliches Stirnrunzeln bewegte je diese Oberfl�che, und das wirkte auch noch unbewu�t. Aber er war wohl kaum der einzige, der Rand eigenartig ber�hrt anblickte. Sie alle sahen den Wiedergeborenen Drachen in ihrer Mitte manchmal staunend und ungl�ubig an. �Feinde werden immer fr�her oder sp�ter zusammenarbeiten. Man mu� sie rechtzeitig erkennen, bevor sie eine Gelegenheit dazu finden.�</p><p>Weitere Lobpreisungen f�r Rands Weisheit erklangen von Lord Henren, klobig, kahlk�pfig und mit harten Augen, und von Lady Carlys mit ihren grauen Locken, dem offenen Blick und dem hinterh�ltigen Verstand, von der molligen, ewig kichernden Daerilla, von Elegar mit den schmalen Lippen und den allgegenw�rtigen Anzeichen von Nervosit�t, und beinahe einem Dutzend anderer, die zun�chst den Mund gehalten hatten, w�hrend die M�chtigeren sprachen.</p><p>Die niederen Lords und Ladies schwiegen jedoch sofort, als Elenia wieder den Mund �ffnete. �Es ist immer schwierig, seine Gegner als solche zu erkennen, bevor sie sich selbst zu erkennen geben. Dann ist es oftmals zu sp�t.� Ihr Mann nickte weise dazu.</p><p>�Ich sage immer�, verk�ndete Naean lauthals, �wer nicht f�r mich ist, ist gegen mich. Damit bin ich bisher gut gefahren. Diejenigen, die sich zur�ckhalten, warten vielleicht nur darauf, da� Ihr ihnen den R�cken zuwendet, damit sie mit dem Dolch zusto�en k�nnen.�</p><p>Das war auch nicht gerade das erstemal, da� sie versuchten, ihre eigenen Positionen zu st�rken, indem sie Mi�trauen gegen andere ausstreuten, gegen alle Lords und Ladies, die sich nicht an ihre Seiten stellten, aber Rand h�tte sie gern dazu gebracht, damit aufzuh�ren, allerdings ohne ihnen das ins Gesicht sagen zu m�ssen. Ihre Versuche, das Spiel der H�user zu spielen, wirkten ziemlich unbeholfen, wenn man es mit den raffinierten Man�vern der Adligen Cairhiens oder selbst derer aus Tear verglich, und au�erdem recht �rgerlich, aber zu diesem Zeitpunkt wollte er sie noch nicht auf ein paar falsche Gedanken bringen. �berraschenderweise erhielt er Hilfe von dem wei�haarigen Lord Nasin, dem Hochsitz des Hauses Caeren.</p><p>�Ein neuer Jearom�, sagte der Mann, ein unterw�rfiges L�cheln auf den Z�gen, das bei diesem hageren, schmalen Gesicht unbeholfen wirkte. Frustrierte Blicke trafen ihn, sogar von einigen der niedrigeren Adligen, bevor sie sich schnell wieder beherrschten. Nasin war im Kopf ein wenig verwirrt, seit all den Ereignissen um Rands Ankunft in Caemlyn. Statt der Sterne und dem Schwert seines Hauses waren seine hellblauen Revers v�llig unpassend mit Blumen, Mondperlen und Liebesknoten besetzt, und manchmal trug er sogar eine Blume im sch�tteren Haar wie ein Junge vom Land, der auf Brautschau geht. Allerdings war das Haus Caeren selbst f�r Jarid oder Naean zu m�chtig, um ihn einfach zur Seite zu schieben. Nasins Kopf nickte auf einem mageren Hals. �Euer Umgang mit der Klinge ist sensationell, mein Lord Drache. Ihr seid ein neuer Jearom.�</p><p>�Warum?� Das Wort peitschte �ber den Hof und lie� die andoranischen Gesichter erstarren.</p><p>Davram Bashere war gewi� kein Andoraner, bei seinen schr�gstehenden, fast schwarzen Augen, der gro�en Hakennase und dem langen, graugemaserten Schnurrbart, dessen Enden sich wie zwei H�rner an den Mundwinkeln nach unten kr�mmten. Er war schlank und nur wenig gr��er als Enaila, trug eine kurze, graue Jacke, die an Manschetten und Revers mit Silber bestickt war, und dazu bauschige Hosen, die er in die an den Knien umgeschlagenen Stiefel gesteckt hatte. Als die Andoraner sich aufgestellt hatten, um dem Kampf beizuwohnen, hatte der Generalfeldmarschall von Saldaea sich einen vergoldeten Stuhl in den Hof schleppenlassen und sich daraufgel�mmelt, das eine Bein �ber die Lehne gelegt und das Schwert mit seinem langen, aus Hohlringen geformten Heft so zurechtger�ckt, da� er es bequem erreichen konnte. Auf seinem dunklen Gesicht gl�nzte Schwei�, doch den beachtete er genausowenig wie die Andoraner.</p><p>�Was meint Ihr damit?� fragte Rand.</p><p>�All dieses �ben mit dem Schwert�, sagte Bashere leichthin. �Und mit f�nf Gegnern? Keiner �bt gegen f�nf Mann gleichzeitig. Es ist t�richt. Fr�her oder sp�ter spritzt bei einem solchen Gewirr mal Euer Gehirn auf den Boden, sogar beim Einsatz von �bungsschwertern, und das alles v�llig umsonst.�</p><p>Rands Kinn schob sich trotzig vor. �Jearom hat einst sogar zehn besiegt.�</p><p>Bashere verlagerte sein Gewicht im Sessel und lachte. �Glaubt Ihr, da� Ihr lange genug am Leben bleibt, um es dem gr��ten Schwertk�mpfer der Geschichte gleichzutun?� Zorniges Gemurmel erhob sich von den Andoranern � vorget�uschte Emp�rung, dessen war Rand sicher �, aber Bashere ignorierte das. �Letzten Endes seid ihr, wer Ihr nun mal seid.� Pl�tzlich bewegte er sich so blitzschnell wie eine losgelassene Sprungfeder, und der Dolch, den er mit der ersten Bewegung gezogen hatte, fuhr auf Rands Herz zu.</p><p>Rand r�hrte keinen Muskel. Statt dessen ergriff er <emphasis>Saidin,</emphasis> die m�nnliche H�lfte der Wahren Quelle, und er mu�te dabei genausowenig nachdenken wie beim Atmen. <emphasis>Saidin</emphasis> str�mte in ihn und mit ihm die Verderbnis des Dunklen K�nigs, eine Lawine aus verdorbenem Eis, ein Strom stinkenden, geschmolzenen Metalls. Es versuchte, ihn zu erdr�cken, ihn wegzusp�len, und er ritt auf dieser Welle wie ein Mann, der auf dem Gipfel eines zusammenbrechenden Berges balanciert. Er lenkte die Macht, einen einfachen Strang aus Luft, der den Dolch umschlo� und ihn eine Arml�nge von seiner Brust entfernt festhielt. Leere umgab ihn, und er schwebte mittendrin im Nichts, wo jeder Gedanke und jedes Gef�hl aus der Ferne zu kommen schien.</p><p>�Stirb!� schrie Jarid, und er zog sein Schwert, als er auf Bashere zurannte. Lir und Henren und Elegar und alle anderen andoranischen Lords hatten das Schwert in der Hand, sogar Nasin, obwohl es wirkte, als falle es ihm gleich aus der Hand. Die T�chter hatten sich die Schufas um die K�pfe gewickelt, und schwarze Schleier verdeckten die Gesichter bis hinauf zu den blauen oder gr�nen Augen, w�hrend sie ihre Speere mit den gef�hrlichen, langen Spitzen hoben. Die Aiel verschleierten sich immer, bevor sie t�teten.</p><p>�Halt!� schrie Rand, und alle erstarrten, wo sie waren. Die Andoraner rissen verwirrt die Augen auf und die T�chter blieben einfach auf Zehenspitzen stehen. Bashere hatte sich �berhaupt nicht mehr ger�hrt, nachdem er sich zun�chst auf den Sessel zur�ckgesetzt hatte und wieder das Bein �ber die Lehne baumeln lie�.</p><p>Rand pfl�ckte den Dolch mit dem Horngriff mit einer Hand aus der Luft und lie� die Wahre Quelle fahren. Trotz der F�ule, die ihm den Magen umdrehte, der Verderbnis, die letzten Endes die M�nner zerst�rte, die mit der Macht umgehen konnten, fiel ihm das Loslassen schwer. Mit der Hilfe <emphasis>Saidins</emphasis> sah er sch�rfer und h�rte besser. Es war ein Paradoxon, das er nicht verstand, aber wenn er im scheinbar endlosen Nichts schwebte, gegen k�rperliche Wahrnehmungen und Gef�hle weitgehend abgeschirmt, waren all seine Sinne gesch�rft. Hinterher hatte er das Gef�hl, nur noch ein halber Mensch zu sein. Und w�hrend etwas von der s��en Verderbnis zur�ckblieb, verflog der erhebende Glanz <emphasis>Saidins</emphasis> nun wieder. Dieser t�dliche Glanz, der ihn umbr�chte, wenn er in seinem Ank�mpfen dagegen auch nur eine Handbreit zur�ckwich.</p><p>Er drehte den Dolch in seinen H�nden um und ging langsam auf Bashere zu. �W�re ich nur einen Hauch langsamer gewesen�, sagte er mit sanfter Stimme, �dann w�re ich jetzt tot. Ich k�nnte Euch auf dem Fleck t�ten, und kein Gesetz Anders oder irgendeines anderen Landes w�rde mich schuldig sprechen.� Ihm wurde bewu�t, da� er drauf und dran war, genau das zu tun. Kalte Wut hatte <emphasis>Saidin</emphasis> ersetzt. Die paar Wochen, die sie sich erst kannten, hatten dem nichts entgegenzustellen.</p><p>Die schr�g stehenden Augen des Mannes aus Saldaea blickten so gelassen drein, als sitze er gem�tlich bei sich zu Hause. �Das w�rde meiner Frau nicht passen. Ihr pa�t ihr auch nicht, davon abgesehen. Wahrscheinlich w�rde Deira einfach die F�hrung �bernehmen und wieder nach Taim suchen. Sie h�lt nichts von meinem Versprechen, Euch zu folgen.�</p><p>Rand sch�ttelte leicht den Kopf. Sein Zorn war zum Teil durch die Gelassenheit des Mannes verraucht. Und durch seine Worte. Es hatte ihn �berrascht, zu erfahren, da� unter den neuntausend Berittenen, die Bashere aus Saldaea mitgebracht hatte, alle Adligen ihre Frauen dabei hatten, genau wie die meisten der �brigen Offiziere. Rand begriff wohl nicht, wie ein Mann seine Frau so in Gefahr bringen konnte, aber in Saldaea war das Tradition. Es gab nur eine Ausnahme, und das waren Kriegsz�ge in die Gro�e F�ule.</p><p>Er mied jeden Blick in Richtung der T�chter. Sie waren von Kopf bis Fu� Soldaten, aber sie waren eben auch Frauen. Und er hatte versprochen, sie nicht von Gefahren und selbst vom Tod fernzuhalten. Allerdings hatte er nicht versprochen, bei solchen Gedanken nicht innerlich zusammenzuzucken. Es zerri� ihn beinahe, doch er hielt seine Versprechen. Er tat, was sein mu�te, obwohl er sich selbst deswegen ha�te.</p><p>Seufzend warf er den Dolch beiseite. �Eure Frage?� sagte er in h�flichem Ton. �Warum?�</p><p>�Weil Ihr seid, wer Ihr seid�, sagte Bashere schlicht. �Weil ihr � und auch diese M�nner, die Ihr um Euch versammelt, denke ich � seid, <emphasis>was</emphasis> Ihr seid.� Rand h�rte, wie sich hinter ihm die Andoraner nerv�s bewegten. Sie konnten ihr Entsetzen �ber seine Amnestie nie verbergen. �Das, was Ihr mit dem Dolch gemacht habt, k�nnt Ihr immer vollbringen�, fuhr Bashere fort, hob sein Bein von der Lehne, stellte den Fu� auf den Boden und beugte sich eindringlich vor. �Und jeder gedungene M�rder, der Euch ans Leben will, mu� erst einmal an Euren Aiel vorbei. Und auch an meinen Reitern, was das betrifft. Pah! Falls trotzdem irgend etwas an Euch herankommt, kann es nicht menschlich sein.� Er spreizte die H�nde und lehnte sich wieder zur�ck. �Also, wenn Ihr mit dem Schwert �ben wollt, dann tut es ruhig. Ein Mann mu� sich ausarbeiten und entspannen. Aber la�t Euch dabei nicht den Sch�del spalten. Zuviel h�ngt von Euch ab, und ich sehe keine Aes Sedai in der N�he, die Euch heilen k�nnte.� Sein Schnurrbart verbarg das pl�tzliche Grinsen fast. �Au�erdem � wenn Ihr sterbt, glaube ich nicht, da� unsere andoranischen Freunde ihren warmherzigen Empfang f�r mich und meine M�nner noch aufrechterhalten werden.�</p><p>Die Andoraner hatten die Schwerter weggesteckt, aber ihre Blicke ruhten ha�erf�llt auf Bashere. Das hatte nichts damit zu tun, da� er Rand beinahe get�tet h�tte. Gew�hnlich zeigten sie in Basheres Gegenwart keine Gef�hlsanwandlungen, obwohl er ja ein ausl�ndischer General war, der mit einem ausl�ndischen Heer auf dem Boden Andors stand. Der Wiedergeborene Drache wollte, da� sich Bashere hier befand, und dieser Haufen h�tte selbst einen Myrddraal angel�chelt, w�re es der Wunsch des Wiedergeborenen Drachen gewesen. Doch falls sich Rand gegen ihn stellen sollte... Dann w�re es nicht n�tig, die wahren Gef�hle zu verbergen. Sie waren Geier, die bereit gewesen waren, Morgase zu zerfleischen, bevor sie starb, und sie w�rden auch Bashere zerrei�en, wenn sich die Gelegenheit ergab. Und Rand. Er konnte es kaum erwarten, sie endlich loszuwerden.</p><p><emphasis>Der einzige Weg, zu leben, ist der Tod.</emphasis> Der Gedanke schlich sich pl�tzlich in seinen Kopf ein. Das hatte man ihm einst gesagt, und zwar auf eine Art, da� er daran glauben mu�te, doch der Gedanke stammte nicht von ihm selbst. <emphasis>Ich mu� sterben. Ich verdiene nichts anderes als den Tod.</emphasis> Er wandte sich von Bashere ab und pre�te beide H�nde an den Kopf.</p><p>Bashere war im Handumdrehen aus seinem Sessel und packte Rands Schulter, die allerdings f�r ihn einen Kopf zu hoch lag. �Was ist los? Hat dieser Schlag wirklich Eurem Kopf geschadet?�</p><p>�Mir geht es gut.� Rand nahm die H�nde herunter. Er hatte keinen Schmerz dabei empfunden, nur den Schreck, die Gedanken eines anderen Mannes im Kopf zu haben. Bashere war nicht der einzige, der zusah. Die meisten der T�chter beobachteten ihn genauso aufmerksam wie den Hof, besonders Enaila und die blonde Somara, die gr��te unter ihnen. Diese beiden w�rden ihm wahrscheinlich irgendeinen Kr�utertee bringen, sobald ihr Dienst beendet war, und dann w�rden sie bei ihm aufpassen, bis er ihn getrunken hatte. Elenia und Naean und die anderen Andoraner atmeten schwer, hatten die H�nde in die Rocke und Jacken verkrampft und musterten Rand mit der offenen Angst von Menschen, die f�rchteten, die ersten Anzeichen des Wahnsinns bei ihm zu bemerken. �Mir geht's gut�, versicherte er dem Hof. Nur die T�chter entspannten sich daraufhin, wenngleich das f�r Enaila und Somara nur bedingt gelten konnte.</p><p>Den Aiel war der �Wiedergeborene Drache� gleich; f�r sie war Rand der <emphasis>Car'a'carn,</emphasis> von dem geweissagt worden war, da� er sie einen und dereinst vernichten werde. Sie nahmen das gelassen hin, obwohl auch sie sich nat�rlich Sorgen machten, und seinen Umgang mit der Macht und alles, was diese F�higkeit mit sich brachte, nahmen sie genauso selbstverst�ndlich hin. Die anderen � <emphasis>die Feuchtl�nder,</emphasis> dachte er mit trockenem Humor � nannten ihn den Wiedergeborenen Drachen und dachten �berhaupt nicht dar�ber nach, was das wirklich bedeutete. Sie glaubten, er sei der wiedergeborene Lews Therin Telamon, der Drache, der das Loch im Gef�ngnis des Dunklen K�nigs versiegelt und den Schattenkrieg vor dreitausend Jahren oder mehr beendet hatte. Und er hatte auch das Zeitalter der Legenden beendet, als der letzte Gegenangriff des Dunklen K�nigs <emphasis>Saidin</emphasis> befleckt hatte, was dazu f�hrte, da� jeder Mann, der die Macht lenkte, im Lauf der Zeit wahnsinnig wurde, beginnend bei Lews Therin selbst und seinen Hundert Gef�hrten. Sie nannten Rand den Wiedergeborenen Drachen und hatten keine Ahnung davon, da� ein kleiner Teil Lews Therin Telamons sich in seinem Kopf befand und immer noch so wahnsinnig war wie an dem Tag, an dem die Zeit des Wahns und die Zerst�rung der Welt angebrochen war, genauso wahnsinnig wie alle diese m�nnlichen Aes Sedai, die das Antlitz der Welt so ver�ndert hatten, da� sie nicht mehr wiederzuerkennen war. Es hatte ganz langsam begonnen, doch je mehr Rand in bezug auf die Eine Macht lernte, je st�rker er im Umgang mit <emphasis>Saidin</emphasis> wurde, desto st�rker machte sich Lews Therin in ihm bemerkbar und desto h�rter mu�te Rand darum k�mpfen, sich nicht von den Gedanken eines toten Mannes beherrschen zu lassen. Das war einer der Gr�nde, warum er diese Schwert�bungen so geno�: Die Abwesenheit aller Gedanken war wie eine Barriere, um sich zu sch�tzen, um er selbst zu bleiben.</p><p>�Wir m�ssen eine Aes Sedai auftreiben�, knurrte Bashere. �Falls an diesen Ger�chten etwas dran ist... Das Licht soll mir die Augen ausbrennen, aber ich w�nschte, wir h�tten die eine niemals laufenlassen.�</p><p>Eine ganze Menge Menschen war aus Caemlyn geflohen in den Tagen, nachdem Rand und die Aiel die Stadt eingenommen hatten. Der Palast selbst war �ber Nacht pl�tzlich menschenleer. Es gab Leute, die Rand nur zu gern aufgesp�rt h�tte, Menschen, die ihm einst geholfen hatten, aber sie waren alle verschwunden. Immer noch schl�pften manche heimlich fort. Eine, die in jenen ersten Tagen geflohen war, war eine junge Aes Sedai gewesen, jung genug jedenfalls, da� ihr Gesicht noch nicht die typische Alterslosigkeit der Aes Sedai aufwies. Basheres M�nner hatten von ihr berichtet, als sie sie in einer Schenke aufsp�rten, doch als sie erfuhr, wer Rand war, lief sie schreiend davon. Sie schrie wirklich. Er erfuhr niemals ihren Namen oder ihre Ajah. Den Ger�chten zufolge befand sich noch eine andere in der Stadt, aber in Caemlyn kursierten mittlerweile Hunderte solcher Ger�chte, Tausende vielleicht, und jedes unwahrscheinlicher als das vorige. Es war gewi� unwahrscheinlich, da� eines davon sie zu einer Aes Sedai f�hrte. Patrouillen der Aiel hatten mehrere gesichtet, die an Caemlyn vorbeizogen, und alle hatten es offensichtlich eilig, ihr Ziel zu erreichen. Keine hatte die Absicht gehabt, eine Stadt zu betreten, die vom Wiedergeborenen Drachen besetzt worden war.</p><p>�K�nnte ich denn einer Aes Sedai trauen?� fragte Rand. �Es waren nur Kopfschmerzen. So hart ist mein Kopf nun auch wieder nicht, da� er nicht schmerzen w�rde, wenn einer draufhaut.�</p><p>Bashere schnaubte laut genug, da� sogar sein dichter Schnurrbart zitterte. �Wie hart Euer Sch�del auch sein mag, fr�her oder sp�ter m��t Ihr Euch einer Aes Sedai anvertrauen. Ohne sie bringt Ihr nie alle L�nder hinter Euch, ohne sie erobern zu m�ssen. Die Menschen suchen nach solchen Beispielen. Und wenn Ihr dem H�rensagen nach noch so viele der Prophezeiungen erf�llt, werden doch viele darauf warten, da� die Aes Sedai Euch ihren Stempel aufdr�cken.�</p><p>�Ich werde den Kampf so oder so nicht meiden k�nnen, und das wi�t Ihr auch�, sagte Rand. �Die Wei�m�ntel werden mich in Amadicia sicher nicht gerade willkommen hei�en, selbst wenn Ailron zustimmt, und Sammael wird Illian auch nicht ohne Kampf aufgeben.� <emphasis>Sammael und Demandred undMoghedien und...</emphasis> Grob stie� er diesen Gedanken aus seinem Bewu�tsein. Das war nicht leicht. Solche tr�ben Gedanken kamen ohne Vorwarnung, und es war nie leicht, mit den Zweifeln fertigzuwerden.</p><p>Ein dumpfer Schlag lie� ihn nach hinten blicken. Arymilla lag zusammengebrochen auf den Steinfliesen. Karind kniete neben ihr, zog ihr den Rock �ber die Kn�chel herunter und massierte ihre Handgelenke. Elegar wankte, als wolle er im n�chsten Moment Arymilla Gesellschaft leisten, und weder Nasin noch Elenia schienen sich in besserem Zustand zu befinden. Die meisten der �brigen sahen aus, als m��ten sie sich gleich �bergeben. Die Erw�hnung der Verlorenen konnte eine solche Wirkung ausl�sen, vor allem, seit Rand ihnen gesagt hatte, da� Lord Gaebril in Wirklichkeit Rahvin gewesen sei. Er war nicht sicher, wieviel von alledem sie glaubten, doch auch nur diese M�glichkeit zu erw�gen, lie� den meisten die Knie schlottern. Ihr Entsetzen war der Grund daf�r da� sie noch am Leben waren. H�tte Rand den Eindruck gewonnen, sie h�tten ihm freiwillig und bewu�t gedient... <emphasis>Nein,</emphasis> dachte er. <emphasis>H�tten sie Bescheid gewu�t, w�ren sie allesamt Schattenfreunde, dann w�rdest du sie trotzdem ben�tzen.</emphasis> Manchmal war ihm sein eigenes Verhalten so zuwider, da� er fast den Tod herbeisehnte.</p><p>Zumindest aber sagte er die Wahrheit. Die Aes Sedai bem�hten sich alle, geheimzuhalten, da� sich die Verlorenen in Freiheit befanden, weil sie f�rchteten, das Wissen um diese Tatsache werde noch mehr Chaos und Panik ausl�sen. Rand dagegen bem�hte sich, die Wahrheit zu verbreiten. Vielleicht w�rde sie die Menschen in Panik versetzen, doch sie hatten Zeit genug, dar�ber hinwegzukommen. Wenn es nach den Aes Sedai ginge, w�rden diese Erkenntnis und die darauf folgende Panik so sp�t eintreten, da� sie keine Zeit mehr hatten, sich davon zu erholen. Au�erdem hatten die Menschen ein Recht darauf, zu erfahren, wem sie gegen�berstanden.</p><p>�Illian wird sich nicht lange halten�, sagte Bashere. Rands Kopf fuhr zu ihm herum, doch Bashere war ein viel zu erfahrener alter Hase, um zu sprechen, wo andere lauschen konnten. Er lenkte einfach das Gespr�ch von dem Thema der Verlorenen weg. Falls allerdings die Verlorenen oder sonst jemand Davram Bashere nerv�s machten, hatte Rand noch nichts davon bemerkt. �Illian wird aufplatzen wie eina Nu� unter dem Hammer.�</p><p>�Ihr habt mit Mat einen guten Plan ausgearbeitet.� Die zugrundeliegende Idee stammte von Rand, aber Mat und Bashere hatten die tausend Einzelheiten ausgearbeitet, die den Plan erst durchf�hrbar machten. Mat hatte noch mehr beigetragen als Bashere.</p><p>�Ein interessanter junger Mann, dieser Mat Cauthon�, dachte Bashere laut nach. �Ich freue mich darauf, wieder mit ihm zu sprechen. Er hat niemals erw�hnt, bei wem er studiert hat. Agelmar Jagad? Wie ich h�rte, wart Ihr beide in Schienar.� Rand erwiderte nichts. Mats Geheimnisse geh�rten nur ihm, und Rand war selbst nicht einmal sicher, was mit Mat wirklich geschehen war. Bashere hielt den Kopf ein wenig schief und kratzte sich mit einem Finger am Schnurrbart. �Er ist eigentlich zu jung, um �berhaupt schon studiert zu haben. Nicht �lter als Ihr selbst. Hat er irgendwo eine Bibliothek aufgest�bert? Ich h�tte gern die B�cher gesehen, die er gelesen hat.�</p><p>�Da m��t Ihr ihn selbst fragen�, sagte Rand. �Ich wei� es nicht.� Er glaubte schon, da� Mat irgendwann und irgendwo einmal ein Buch gelesen hatte, im allgemeinen aber interessierte sich Mat nicht sehr f�r B�cher.</p><p>Bashere nickte blo�. Wenn Rand �ber etwas nicht sprechen wollte, bohrte Bashere f�r gew�hnlich nicht weiter. F�r gew�hnlich. �Wenn Ihr das n�chstemal nach Cairhien marschiert, warum bringt Ihr dann nicht diese Gr�ne Schwester mit, die sich dort aufh�lt? Egwene Sedai? Ich habe geh�rt, wie die Aiel sich �ber sie unterhielten. Sie sagen, sie stamme auch aus Eurem Heimatdorf. Ihr k�nnt Ihr doch vertrauen, oder?�</p><p>�Egwene hat andere Pflichten�, lachte Rand. Eine Gr�ne Schwester. Wenn Bashere w��te...</p><p>Somara tauchte an Rands Seite auf. Sie hatte sein Leinenhemd und die Jacke �ber dem Arm, feiner roter Wollstoff, der im andoranischen Stil geschnitten war, mit Drachen an den langen Revers und Lorbeerbl�ttern an �rmeln und Aufschl�gen. Sie war sogar f�r eine Aielfrau ausgesprochen gro�; kaum eine Handbreit kleiner als er selbst. Wie die anderen T�chter hatte auch sie den Schleier wieder abgenommen, aber die graubraune Schufa verbarg noch immer den gr��ten Teil ihres Gesichts. �Der <emphasis>Car'a'carn</emphasis> wird sich eine Erk�ltung holen�, murmelte sie.</p><p>Er bezweifelte das. Die Aiel fanden diese Hitze wohl nicht au�ergew�hnlich, aber mittlerweile str�mte ihm von allein der Schwei� aus allen Poren, genau wie vorher beim �ben mit dem Schwert. Trotzdem zog er sich das Hemd �ber den Kopf und steckte es in die Hose, wenn er auch die B�ndel nicht zuschn�rte. Dann schl�pfte er in die Jacke. Er glaubte nicht, da� Somara tats�chlich versuchen w�rde, ihn anzuziehen wie ein kleines Kind, jedenfalls nicht vor den anderen, aber so vermied er wenigstens die �blichen Predigten von ihr und Enaila und wahrscheinlich noch ein paar anderen. Au�erdem w�rden sie ihn so nicht wieder mit Kr�utertee traktieren.</p><p>F�r die meisten Aiel war er der <emphasis>Car'a'carn,</emphasis> also auch f�r die T�chter. In der �ffentlichkeit jedenfalls. Wenn er jedoch mit diesen Frauen allein war, die Ehe und Herd aufgegeben hatten, um f�r den Speer zu leben, wurde die Sache etwas kompliziert Er dachte schon, da� er diesen Zustand beenden k�nne � m�glicherweise �, aber er war es ihnen schuldig, all das Bemuttern zu ertragen. Schlie�lich waren einige bereits f�r ihn gestorben, und weitere w�rden f�r ihn sterben. Dieses Recht hatte er ihnen zugestanden, m�ge das Licht ihn daf�r verbrennen! Wenn er sie also um seinetwillen sterben lie�, mu�te er sich wohl oder �bel auch von ihnen bemuttern lassen. Sein frisches Hemd war im Nu schwei�na�, und an der Jacke zeigten sich schon dunkle Flecken.</p><p>�Ihr braucht die Aes Sedai, al'Thor.� Rand hoffte, da� Bashere wenigstens halb so hartn�ckig sei, wenn es zum Kampf k�me. Dieser Ruf hing ihm jedenfalls an, aber er kannte eben nur den Ruf und das, was er in diesen wenigen Wochen beobachtet hatte. �Ihr k�nnt Euch nicht leisten, sie zum Gegner zu haben, und wenn sie nicht wenigstens glauben, Euch in gewissem Ma�e steuern zu k�nnen, kann es leicht dazu kommen. Die Aes Sedai sind schwer zu durchschauen; niemand wei�, was sie tun werden und warum.�</p><p>�Was ist, wenn ich Euch sage, da� Hunderte von Aes Sedai bereit sind, mich zu unterst�tzen?� Rand war sich der lauschenden Andoraner bewu�t; er mu�te vorsichtig sein und durfte nicht zuviel sagen. Nicht, da� er selbst viel wu�te. Was ihm bekannt war, konnte auch auf �bertreibung und blo�er Hoffnung beruhen. Er bezweifelte auf jeden Fall die �hunderte�, was Egwene auch andeuten mochte.</p><p>Basheres Augen verengten sich. �Falls eine Abordnung von der Burg eingetroffen w�re, w��te ich es, also...� Seine Stimme wurde leise, und er fl�sterte: �Die Spaltung? Hat sich die Burg wirklich gespalten?� Es klang, als k�nne er die eigenen Worte kaum glauben. Jedermann wu�te, da� man Siuan Sanche vom Amyrlin-Sitz gesto�en und einer D�mpfung unterzogen hatte. Den Ger�chten nach war sie hingerichtet worden. Doch eine Spaltung in der Burg war f�r die meisten Menschen blo�e Mutma�ung, und nur wenige glaubten tats�chlich daran. Nichts hatte der wei�en Burg bisher etwas anhaben k�nnen. Dreitausend Jahre lang hatte sie wie ein Monolith �ber den gekr�nten H�uptern gethront. Aber der Mann aus Saldaea geh�rte zu jenen, die f�r alle M�glichkeiten ein offenes Ohr hatten. Er fuhr im Fl�sterton fort und trat n�her an Rand heran, damit die Andoraner auch wirklich nichts verstehen konnten: �Das m�ssen dann die Rebellen sein, die bereit sind, Euch zu unterst�tzen. Mit ihnen k�nnt Ihr durchaus bessere Bedingungen aushandeln, denn sie brauchen Euch, genau wie Ihr sie braucht, vielleicht sogar noch mehr. Doch Rebellen, auch wenn sie Aes Sedai sind, haben politisch nicht das Gewicht der Wei�en Burg, vor allem, was die Kronen betrifft. Gew�hnliche Menschen sehen da vielleicht keinen Unterschied, aber K�nige und K�niginnen schon.�</p><p>�Sie sind trotzdem Aes Sedai�, sagte Rand genauso leise, �wer auch immer dahinter stecken mag.� <emphasis>Und was auch immer sie sein m�gen,</emphasis> dachte er sarkastisch. <emphasis>Aes Sedai... Diener des Ganzen ... der Saal der Diener ist zerschmettert... f�r immer zerbrochen ... zerbrochen ... llyena, meine Liebste...</emphasis> Gewaltsam unterdr�ckte er Lews Therins Gedanken. Manchmal waren sie ihm ja auch eine echte Hilfe und versorgten ihn mit Informationen, die er ben�tigte, aber sie wurden so �berw�ltigend stark. Falls er wirklich eine Aes Sedai hier h�tte � eine Gelbe, denn die verstanden am meisten vom Heilen �k�nnte sie vielleicht... Es hatte eine Aes Sedai gegeben, der er vertraute, wenn auch erst kurz vor ihrem Tod, und Moiraine hatte ihm noch einen Rat in bezug auf die Aes Sedai gegeben, in bezug auf jede andere Frau, die Stola und Ring trug. �Ich werde niemals einer Aes Sedai vertrauen�, kr�chzte er ganz leise. �Ich werde sie benutzen, weil ich sie brauche, aber ob Burg oder Rebellen, so wei� ich doch genau, da� sie versuchen werden, mich zu benutzen, weil das eben ihre Art ist. Ich werde ihnen niemals trauen, Bashere.�</p><p>Der Mann aus Saldaea nickte bed�chtig. �Dann benutzt sie, wenn Ihr k�nnt. Aber bedenkt eines: Niemand widersteht ihnen lange. Irgendwann geht jeder den Weg, den die Aes Sedai vorschreiben.� Pl�tzlich lachte er kurz auf. �Artur Falkenfl�gel war der letzte, soweit ich wei�. Das Licht senge meine Augen, aber vielleicht seid Ihr der zweite.�</p><p>Das Schaben von Stiefelsohlen k�ndete von einem Neuank�mmling im Hof. Es war einer von Basheres M�nnern, ein breitschultriger junger Kerl mit einem spitzen Nasenr�cken, einen Kopf gr��er als sein General, und mit einem prachtvollen schwarzen Vollbart unter dem gezwirbelten Schnurrbart. Sein Gang lie� darauf schlie�en, da� er eher daran gew�hnt war, einen Sattel unter sich zu haben als die eigenen Beine, aber er schob geschmeidig sein Schwert zur Seite, als er sich verbeugte. Die Verbeugung galt eher Bashere als Rand. Bashere mochte ja dem Wiedergeborenen Drachen folgen, aber Tumad, so hie� er wohl, Tumad Ahzkan, war Basheres Gefolgsmann. Enaila und drei weitere T�chter beobachteten den Mann sehr aufmerksam, denn sie mi�trauten jedem Feuchtl�nder, der in die N�he ihres <emphasis>Car'a'carn</emphasis> kam.</p><p>�Da ist ein Mann am Tor, der herein will�, sagte Tumad leicht verunsichert. �Er sagt... Es ist Mazrim Taim, mein Lord Bashere.�</p></section><section><title><p>2</p><p>Der Neuank�mmling</p></title><p>Mazrim Taim. Vor Rand hatten in den vergangenen Jahrhunderten schon andere M�nner behauptet, der Wiedergeborene Drache zu sein. In den letzten paar Jahren vor Rand hatte es sogar eine ganze Schwemme von falschen Drachen gegeben. Manche von ihnen konnten tats�chlich die Macht lenken. Mazrim Taim war einer davon. Er hatte ein Heer um sich gesammelt und Saldaea mit Krieg �berzogen, bevor er gefangengenommen wurde. Basheres Miene verzog sich nicht, doch er packte das Heft seines Schwertes so fest, da� seine Kn�chel wei� hervortraten. Turnad blickte ihn an und wartete auf Befehle. Taims Flucht auf dem Weg nach Tar Valon, wo er einer D�mpfung unterzogen werden sollte, war der Grund, warum Bashere �berhaupt nach Andor gekommen war. So sehr f�rchtete und ha�te Saldaea Mazrim Taim. K�nigin Tenobia hatte Bashere mit einem Heer ausgesandt, Taim zu verfolgen, wohin sich der Mann auch wandte, wie lange es auch dauern mochte, um sicherzugehen, da� Taim Saldaea nie wieder unsicher machen k�nne.</p><p>Die T�chter standen gelassen da, doch unter den Andoranern entfachte dieser Name eine Unruhe, als habe man eine Fackel auf d�rres Gras geworfen. Amyrilla zogen sie gerade wieder auf die Beine, doch nun kippten ihre Pupillen schon wieder nach oben und sie w�re erneut zusammengebrochen, h�tte nicht Karind sie aufgefangen und langsam auf die Fliesen hinabgleiten lassen. Elegar taumelte r�ckw�rts unter die Arkaden und kr�mmte sich w�rgend zusammen. Die anderen keuchten, pre�ten sich Taschent�cher vor den Mund, packten die Hefte ihrer Schwerter und befanden sich offensichtlich in einem Zustand der Panik. Selbst die standhafte Karind leckte sich nerv�s die Lippen.</p><p>Rand nahm die Hand von seiner Jackentasche. �Die Amnestie�, sagte er, und die beiden M�nner aus Saldaea warfen ihm einen langen, ausdruckslosen Blick zu.</p><p>�Und was ist, wenn er nicht Eurer Amnestie wegen gekommen ist?� fragte Bashere nach kurzer Pause. �Wenn er immer noch behauptet, der Wiedergeborene Drache zu sein?� Die Andoraner bewegten sich unruhig. Niemand wollte sich innerhalb einiger Meilen Umkreis um einen Ort befinden, an dem die Eine Macht in einem Duell verwendet wurde.</p><p>�Falls er das glaubt�, erwiderte Rand energisch, �werde ich ihn eines Besseren belehren.� Er hatte einen <emphasis>Angreal</emphasis> der seltensten Art in der Tasche, einen, der f�r M�nner geschaffen war: die Statue eines kleinen, fetten Mannes mit einem Schwert. So stark Taim auch sein mochte, dem hatte er doch nichts entgegenzusetzen. �Aber wenn er der Amnestie wegen gekommen ist, dann ist er frei, so wie jeder andere Mann.� Was Taim auch in Saldaea angerichtet haben mochte � er konnte sich nicht leisten, einen Mann abzuweisen, der die Macht lenken konnte und dem man nicht erst alles vom ersten Schritt an beibringen mu�te. Einen solchen Mann brauchte er dringend. Er w�rde niemanden abweisen, bis auf einen der Verlorenen nat�rlich, wenn es nicht absolut notwendig war.</p><p><emphasis>Demandred und Sammael, Semirhage und Mesaana und...</emphasis> Rand verdr�ngte Lews Therins Gedanken. Jetzt konnte er sich keine Ablenkung leisten.</p><p>Wieder legte Bashere eine Pause ein, bis er weitersprach, doch schlie�lich nickte er und lie� sein Schwert los. �Eure Amnestie gilt nat�rlich. Aber merkt Euch, al'Thor: Wenn Taim jemals wieder seinen Fu� auf den Boden Saldaeas setzt, wird er das nicht �berleben. Es gibt zu vieles, das man nicht mehr vergessen kann. Nicht einmal ein Befehl von mir oder von Tenobia selbst wird ihm dieses Schicksal ersparen.�</p><p>�Ich werde ihn aus Saldaea heraushalten.� Entweder war Taim hergekommen, um sich ihm zu unterwerfen, oder es w�rde notwendig sein den Mann zu t�ten. Unbewu�t fa�te Rands Hand nach seiner Tasche und dr�ckte durch den Stoff hindurch den fetten kleinen Mann. �Holt ihn herein.�</p><p>Tumad sah Bashere an, doch dessen Nicken kam so schnell, da� es wirken mu�te, als habe sich Tumad auf den von Rand ausgesprochenen Befehl hin verbeugt. Rand war gereizt, sagte aber nichts, und Tumad eilte mit seinem leicht schaukelnden Gang davon. Bashere verschr�nkte die Arme vor der Brust und stand da, ein Knie leicht gebeugt, ganz das Bild eines entspannten Mannes. Doch diese dunklen, schr�gstehenden Augen, die auf den Fleck gerichtet waren, an dem Tumad den Hof verlassen hatte, lie�en darauf schlie�en, da� er nur darauf warte, etwas t�ten zu k�nnen.</p><p>Wieder traten die Andoraner nerv�s von einem Fu� auf den anderen. Manche taten einen Schritt in Richtung Ausgang, hielten aber dann doch inne. Sie atmeten schwer, als w�ren sie meilenweit gerannt.</p><p>�Ihr k�nnt gehen�, sagte Rand zu ihnen.</p><p>�Was mich betrifft�, begann Lir, �werde ich Euch zur Seite stehen�, w�hrend im gleichen Moment Naean mit scharfer Stimme einwarf: �Ich werde nicht weglaufen vor...�</p><p>Rand unterbrach beide: �Geht!�</p><p>Sie wollten ihm beweisen, da� sie keine Angst hatten, auch wenn sie sich beinahe bepinkelten. Andererseits wollten sie weglaufen und alle W�rde sausen lassen, soweit sie diese vor ihm nicht sowieso schon aufgegeben hatten. Es war eine einfache Wahl. Er war der Wiedergeborene Drache. Wollte man seine Gunst erhalten, mu�te man gehorsam sein. Gehorsam bedeutete in diesem Falle, zu tun, was sie sowieso am liebsten getan h�tten. So verbeugten sich die M�nner weitschweifig, die Damen knicksten tief und spreizten dabei die R�cke, alles murmelte: �Mit Eurer Erlaubnis, mein Lord Drache� oder �Wie Ihr befehlt, mein Lord Drache�, und dann... Nun, sie rannten nicht gerade davon, gingen aber so schnell, wie sie es ohne den Anschein �berm��iger Eile fertigbrachten � in der entgegengesetzten Richtung. Zweifellos wollten sie kein zuf�lliges Zusammentreffen mit Mazrim Taim auf seinem Weg zu Rand riskieren.</p><p>Das Warten zog sich bei dieser Hitze hin, denn es brauchte seine Zeit, einen Mann vom Eingang des Palastes durch das Gewirr von Korridoren hierherzubringen, doch sobald die Andoraner weg waren, r�hrte sich niemand mehr. Bashere blickte stur zu dem Fleck hin, an dem Taim auftauchen w�rde. Die T�chter beobachteten alles, aber das taten sie immer, und auch wenn sie jetzt aussahen, als seien sie bereit, jeden Moment die Schleier wieder hochzurei�en, dann war das nichts anderes als ihr Dauerzustand. Von ihren Augen abgesehen, h�tten sie genausogut Statuen sein k�nnen.</p><p>Endlich warfen Stiefelschritte ihr Echo in den Hof. Rand h�tte fast nach <emphasis>Saidin</emphasis> gegriffen, hielt sich dann aber doch zur�ck. Der Mann w�rde in der Lage sein, zu erkennen, da� er vom Gl�hen der Macht umgeben war, sobald er den Hof betrat Rand konnte sich nicht leisten, den Anschein zu erwecken, er f�rchte ihn.</p><p>Tumad trat zuerst in den grellen Sonnenschein hinaus, und dann folgte ihm ein schwarzhaariger Mann von etwas �berdurchschnittlicher Gr��e, dessen dunkler Teint und schr�gstehende Augen, Hakennase und hohe Backenknochen seine Abstammung aus Saldaea deutlich machten, obwohl er keinen Bart trug und wie ein wohlhabender andoranischer Kaufmann gekleidet war, der nun m�glicherweise schwere Zeiten erlebte.</p><p>Sein dunkelblauer Kurzmantel war aus Wolle bester Qualit�t gefertigt und mit noch dunklerem Samt besetzt aber die Manschetten wirkten abgewetzt, die Hosen beulten sich an den Knien aus und auf seinen rissigen Stiefeln lag eine Staubschicht. Trotzdem schritt er stolz einher, was nicht leichtfallen mochte mit vier von Basheres M�nnern hinter sich, die ihre geschweiften Klingen entbl��t hatten und mit den Spitzen aus n�chster N�he auf seine Rippen zielten. Die Hitze schien ihn kaum zu ber�hren. Die Blicke der T�chter folgten ihm auf seinem Weg.</p><p>Rand musterte Taim, w�hrend der Mann mit seiner Eskorte den Hof �berquerte. Er war mindestens f�nfzehn Jahre �lter als Rand � f�nfunddrei�ig oder vielleicht ein paar Jahre mehr. Es war nur wenig bekannt und noch weniger schriftlich niedergelegt, was M�nner mit der F�higkeit, die Macht zu lenken, betraf, denn dieses Thema mieden anst�ndige Leute f�r gew�hnlich. Aber Rand hatte in Erfahrung gebracht, was eben m�glich gewesen war. Nur relativ wenige Menschen befa�ten sich �berhaupt mit dieser Thematik; das war eines von Rands Problemen. Seit der Zerst�rung der Welt waren die meisten M�nner dieser Art solche gewesen, denen diese F�higkeit angeboren war und bei denen sie sich in der Pubert�t langsam bemerkbar machte. Manche schafften es, jahrelang den Wahnsinn zu meiden, bis sie von Aes Sedai aufgesp�rt und einer D�mpfung unterzogen wurden. Andere waren bereits hoffnungslos wahnsinnig, wenn man sie fand, manchmal nur ein knappes Jahr, nachdem sie <emphasis>Saidin</emphasis> zum erstenmal ber�hrt hatten. Rand hatte sich inzwischen schon seit zwei Jahren seine geistige Gesundheit bewahrt. Und vor sich hatte er nun einen Mann, der das zehn oder f�nfzehn Jahre lang geschafft hatte. Das allein war schon etwas wert.</p><p>Sie blieben auf eine Geste Tumads ein paar Schritte vor ihm stehen. Rand �ffnete den Mund, doch bevor er etwas sagen konnte, machte sich Lews Therin v�llig verzweifelt in seinem Hirn bemerkbar. <emphasis>Sammael und Demandred ha�ten mich, ganz gleich, welche Ehren ich ihnen zuteil werden lie�. Je mehr Ehre, desto gr��er der Ha�, bis sie ihre Seelen verkauften und �berliefen. Besonders Demandred. Ich h�tte ihn t�ten sollen! Ich h�tte sie alle toten sollen! Die Erde verbrennen, um alle zu t�ten! Die Erde verbrennen!</emphasis></p><p>Mit erstarrtem Gesicht k�mpfte Rand um seinen Verstand. <emphasis>Ich bin Rand al'Thor. Rand al'Thor! Ich habe Sammael und Demandred oder die anderen niemals kennengelernt. Das Licht senge mich, ich bin Rand al'Thor!</emphasis> Wie ein schwaches Echo kam von irgendwoher ein weiterer Gedanke: <emphasis>Das Licht soll mich verbrennen.</emphasis> Es klang wie eine Bitte. Dann war Lews Therin weg, zur�ckgetrieben in die Schatten seiner armseligen Existenz.</p><p>Bashere ergriff in das Schweigen hinein die Initiative. �Ihr sagt, Ihr w�rt Mazrim Taim?� Es klang zweifelnd, und Rand blickte ihn verwirrt an. War das nun Taim oder nicht? Nur ein Verr�ckter w�rde diesen Namen annehmen, wenn er nicht sein eigener war.</p><p>Der Mund des Gefangenen verzog sich ganz leicht zu etwas, was ein Anflug eines L�chelns sein mochte, und er rieb sich das Kinn. �Ich habe mich rasiert, Bashere.� In seiner Stimme lag mehr als nur eine Andeutung von Spott. �Es ist hei�, so weit unten im S�den, oder hattet Ihr das nicht bemerkt? Selbst hier ist es hei�er, als es eigentlich sein sollte. Wollt Ihr einen Beweis, da� ich es bin? Soll ich f�r Euch die Macht ben�tzen?� Der Blick aus seinen schwarzen Augen huschte zu Rand hin�ber und dann zu Bashere zur�ck, dessen Gesicht mit jeder Minute dunkler anlief. �Vielleicht doch besser nicht, jedenfalls nicht jetzt. Ich erinnere mich an Euch. Ich hatte Euch bei Irinjavar geschlagen, bis diese Visionen am Himmel erschienen. Aber das wei� nat�rlich jeder. Was wei� nicht jeder, sondern ausschlie�lich Mazrim Taim und Ihr?� Er schien so auf Bashere konzentriert, da� er die Wachen und ihre Schwertspitzen, die noch immer fast seine Rippen ber�hrten, gar nicht mehr bemerkte. �Wie ich h�rte, habt Ihr nicht berichtet, was mit Musar und Hachari und ihren Frauen geschah.� Der Spott war verflogen, und nun berichtete er lediglich �ber tats�chlich Geschehenes. �Sie h�tten nicht versuchen d�rfen, mich unter einer wei�en Waffenstillstandsflagge zu t�ten. Ich nehme an, Ihr habt gute Arbeitspl�tze als Diener f�r sie gefunden? Alles, was sie jetzt noch tun wollen, ist zu dienen und zu gehorchen. Nichts anderes kann sie noch gl�cklich machen. Ich h�tte sie t�ten k�nnen. Alle vier hatten die Dolche gezogen.�</p><p>�Taim�, grollte Bashere, wobei seine Hand an das Heft seines Schwertes fuhr, �Ihr...!�</p><p>Rand trat zwischen sie und packte ihn am Handgelenk. Die Klinge war erst halb aus der Scheide. Die Klingen der Wachen und auch Tumads ber�hrten Taim nun. So, wie sie gegen seinen Mantel dr�ckten, drangen sie wahrscheinlich bis auf die Haut durch, doch er zuckte nicht mit der Wimper. �Seid Ihr gekommen, um mich zu sehen, oder um Lord Bashere herauszufordern? Wenn Ihr das noch einmal versucht, lasse ich Euch durch ihn t�ten. Meine Amnestie betrifft das, was Ihr getan habt, aber sie schlie�t nicht ein, da� Ihr euch mit Euren Verbrechen br�stet.�</p><p>Taim musterte Rand einen Augenblick lang, bevor er sich �u�erte. Trotz der Hitze schwitzte der Kerl kaum. �Um Euch zu sehen. Ihr wart derjenige, den ich in jener Vision am Himmel sah. Man behauptet, es sei der Dunkle K�nig selbst gewesen, gegen den Ihr gek�mpft habt.�</p><p>�Nicht der Dunkle K�nig�, sagte Rand. Bashere k�mpfte nicht direkt gegen seinen Griff an, aber er konnte die Anspannung im Arm des Mannes sp�ren. Lie�e er jetzt los, dann w�rde er innerhalb eines Herzschlags die Klinge ziehen und Taim durchbohren. Es sei denn, er gebrauchte die Macht. Oder Taim kam ihm zuvor. Das mu�te er wenn m�glich vermeiden. Er behielt den Griff an Basheres Handgelenk bei. �Er nannte sich Ba'alzamon, aber ich glaube, es war Ishamael. Ich habe ihn sp�ter dann im Stein von Tear get�tet.�</p><p>�Wie ich h�rte, habt Ihr etliche der Verlorenen get�tet. Sollte ich Euch mit �mein Lord Drache� ansprechen? Ich habe geh�rt da� dieser Haufen hier diesen Titel ben�tzt. Habt Ihr vor, alle Verlorenen zu t�ten?�</p><p>�Kennt Ihr eine andere M�glichkeit, mit ihnen zu verfahren?� fragte Rand. �Entweder sie sterben, oder die Welt stirbt. Es sei denn, Ihr glaubt man k�nne sie dazu �berreden, den Schatten genauso im Stich zu lassen wie einst das Licht.� Das wurde langsam l�cherlich. Hier stand er und unterhielt sich mit einem Mann, dem sich unter dem Mantel f�nf Schwertspitzen in die Haut bohrten. Vermutlich blutete er schon. Und er stand hier und hielt einen weiteren Mann fest, der seine Schwertspitze den anderen hinzuf�gen und mehr als nur ein bi�chen Blut flie�en lassen wollte. Wenigstens waren Basheres M�nner zu diszipliniert um ohne den Befehl ihres Generals mehr zu unternehmen. Und wenigstens hielt Bashere den Mund. Rand bewunderte Taims Kaltbl�tigkeit und fuhr so schnell fort, wie er konnte, ohne da� es erschien, als sei er besonders in Eile.</p><p>�Welche Verbrechen Ihr auch begangen habt, Taim, sie verblassen doch vor denen der Verlorenen. Habt Ihr jemals eine ganze Stadt gefoltert, Tausende von Menschen dazu gezwungen, sich gegenseitig zu qu�len, die eigenen geliebten Menschen zu zerbrechen? Semirhage hat das getan, und aus einem einzigen Grund, um n�mlich zu beweisen, da� sie es fertigbringt � aus purer Lust am Qu�len. Habt Ihr Kinder ermordet? Graendal schon. Sie bezeichnete es als Freundschaftsdienst, damit sie nicht leiden m��ten, wenn sie ihre Eltern versklavte und verschleppte.� Er hoffte, die anderen aus Saldaea lauschten wenigstens halb so aufmerksam wie Taim. Der Mann hatte sich tats�chlich interessiert vorgebeugt. Er hoffte aber auch, da� sie ihm nicht zu viele Fragen stellen w�rden, woher er dieses Wissen bezog. �Habt Ihr den Trollocs Menschen zum Fra� vorgeworfen? Das haben alle Verlorenen getan, denn Gefangene, die sich nicht zum �berlaufen zwingen lie�en, wurden grunds�tzlich den Trollocs als Futter �berlassen, falls man sie nicht schon vorher aus Wut ermordet hatte. Aber Demandred lie� sogar die Bewohner zweier ganzer St�dte gefangennehmen, von denen er glaubte, sie h�tten ihm Unrecht getan, bevor er zum Schatten �berlief, und alle, M�nner, Frauen und Kinder, wanderten in die B�uche der Trollocs. Mesaana hat Schulen in den von ihr beherrschten Gebieten errichten lassen. Schulen, in denen man Kinder und junge Leute darin unterrichtete, wie man dem Dunkeln K�nig am besten diene, und da� man Freunde und Kameraden, die nicht schnell oder willig genug lernten, einfach t�ten m�sse. Ich k�nnte noch lange so weitermachen. Vom Anfang der Liste, alle dreizehn Namen durch, und dann st�nden bei jedem Namen hundert genauso schlimme Verbrechen zu Buche. Was Ihr auch angestellt habt, es kann sich damit wohl kaum messen. Und nun seid Ihr gekommen, um meine Begnadigung zu erhalten, um im Licht zu wandeln und Euch mir zu unterwerfen, und um den Dunklen K�nig mit aller Kraft zu bek�mpfen, h�rter, als Ihr jemals jemanden bek�mpft habt. Die Verlorenen beginnen zu wanken. Ich habe vor, sie alle zu jagen und zu t�ten, sie auszul�schen. Und Ihr werdet mir helfen. Damit verdient Ihr Euch die Begnadigung. Und um Euch die Wahrheit zu sagen: Ihr werdet sie Euch vielleicht Hunderte Male verdienen m�ssen, bevor die Letzte Schlacht vor�ber ist.�</p><p>Endlich sp�rte er, wie sich Basheres Arm entspannte und sein Schwert zur�ck in die Scheide glitt. Rand konnte sich gerade noch davon abhalten, erleichtert zu seufzen. �Ich sehe keinen Grund, ihn nun noch so scharf zu bewachen. Nehmt Eure Schwerter weg.�</p><p>Langsam steckten Tumad und die anderen die Schwerter zur�ck. Langsam, aber immerhin gehorchten sie.</p><p>Dann sagte Taim: �Unterwerfen? Ich dachte eher an ein B�ndnis zwischen uns.� Die Soldaten aus Saldaea wirkten augenblicklich wieder kampfbereit, und obwohl sich Bashere hinter Rand befand, f�hlte er deutlich, wie sich sein ganzer K�rper versteifte. Die T�chter bewegten keinen Muskel, nur Jalanis Hand zuckte ein wenig in Richtung ihres Schleiers. Taim neigte seinen Kopf ein wenig. Er war sich der Reaktion auf seine Worte offensichtlich nicht bewu�t. �Nat�rlich w�re ich der geringere Partner, aber ich habe Euch Jahre voraus, in denen ich den Umgang mit der Macht lernen konnte. Es gibt vieles, das ich Euch beibringen k�nnte.�</p><p>In Rand stieg Zorn auf, bis ein roter Schleier seine Sicht zu verdecken schien. Er hatte Dinge ausgesprochen, von denen er eigentlich keine Ahnung haben d�rfte, hatte damit vielleicht ein Dutzend Ger�chte ausgel�st, was ihn und die Verlorenen betraf, alles, damit die Taten dieses Kerls nicht mehr so schlimm erschienen, und dann besa� der Mann die Unversch�mtheit, von einem <emphasis>B�ndnis</emphasis> zu sprechen? Lews Therin tobte in seinem Kopf. <emphasis>T�te ihn! T�te ihn jetzt auf der Stelle! T�te ihn!</emphasis> Ausnahmsweise einmal beherrschte Rand sich nicht, als er grollte: �Kein B�ndnis! Keine Partner! Ich bin der Wiedergeborene Drache, Taim! Ich! Wenn Ihr Kenntnisse besitzt, die ich brauchen kann, dann werde ich sie ben�tzen, aber Ihr geht, wohin ich es Euch befehle, macht genau das, was ich Euch befehle und sobald ich es befohlen habe!�</p><p>�bergangslos sank Taim auf ein Knie nieder. �Ich unterwerfe mich dem Wiedergeborenen Drachen. Ich werde dienen und gehorchen.� Als er sich erhob, zuckten seine Mundwinkel wieder leicht in diesem Anflug eines L�chelns. Tumad starrte ihn mit offenem Mund an.</p><p>�So schnell?� sagte Rand leise. Der Zorn war nicht verflogen; er gl�hte hei� in ihm. Er wu�te nicht, was geschehen w�rde, g�be er diesem Gef�hl nach. Lews Therin plapperte noch immer in den Schatten seines Verstands. <emphasis>T�te ihn! Mu�t ihn t�ten!</emphasis> Rand schob Lews Therin weg, bis nur noch kaum h�rbares Gemurmel �brigblieb. Vielleicht sollte er gar nicht �berrascht �ber solche Wandlungen sein. Seltsame Dinge geschahen um einen <emphasis>Ta'veren</emphasis> herum, besonders dann, wenn er so stark war wie er selbst. Da� ein Mann innerhalb eines Augenblicks seine Meinung �nderte, auch wenn sie vorher fest wie Stein war, sollte ihn nicht sehr �berraschen. Doch der Zorn hatte ihn gepackt, und au�erdem sp�rte er noch betr�chtliches Mi�trauen. �Ihr habt Euch als Wiedergeborener Drache bezeichnet, ganz Saldaea mit Krieg �berzogen, wurdet nur gefangen, weil man Euch bewu�tlos geschlagen habt, und dann gebt Ihr so schnell auf? Warum?�</p><p>Taim zuckte die Achseln. �Welche Wahl habe ich schon? Allein durch die Welt streifen, ohne Freunde, gehetzt, w�hrend Ihr allen Ruhm erntet? Und das auch nur, falls mich Bashere oder Eure Aielfrauen nicht t�ten, bevor ich die Stadt verlasse. Selbst wenn sie das nicht schaffen, werden mich die Aes Sedai fr�her oder sp�ter in die Enge treiben. Ich bezweifle, da� die Burg plant, Mazrim Taim zu vergessen. Die Alternative w�re, Euch zu folgen, denn dann kann ich wenigstens einen Teil dieses Ruhms f�r mich beanspruchen.� Zum erstenmal blickte er sich um, sah seine W�chter an, die T�chter, und sch�ttelte den Kopf, als k�nne er es nicht glauben. �Ich h�tte doch durchaus derjenige sein k�nnen. Wie konnte ich denn sonst sichergehen? Ich kann mit der Macht umgehen; ich bin stark. Was sagte mir denn, da� ich nicht der Wiedergeborene Drache sei? Alles, was ich zu tun hatte, war, wenigstens eine der Prophezeiungen zu erf�llen.�</p><p>�Beispielsweise am Hang des Drachenberges geboren zu werden?� sagte Rand kalt. �Das war die erste Prophezeiung, die erf�llt werden mu�te.�</p><p>Taims Mundwinkel zuckten wieder. Es sollte wohl gar kein L�cheln werden, denn es ber�hrte niemals seine Augen. �Die Sieger schreiben die Geschichtsb�cher. H�tte ich den Stein von Tear eingenommen, w�rden die Geschichtsb�cher beweisen, da� ich am Drachenberg geboren wurde, von einer Frau, die noch niemals von einem Mann ber�hrt worden war, und da� die Himmel ihre strahlenden Pforten weit ge�ffnet hatten, um mein Kommen zu begr��en. Also die Art von Dingen, die sie eben jetzt von Euch behaupten. Doch Ihr habt mit Euren Aiel den Stein eingenommen, und die Welt jubelt Euch als dem Wiedergeborenen Drachen zu. Ich wei� genug, um mich dem nicht entgegenzustellen; ihr seid derjenige. Also, da ich nicht den ganzen Laib haben kann, begn�ge ich mich mit den Scheiben, die f�r mich abfallen.�</p><p>�Vielleicht erntet Ihr Ruhm, Taim, und vielleicht auch wieder nicht. Wenn Ihr anfangt Euch dar�ber Gedanken zu machen, dann denkt zuerst an die anderen, die das gleiche getan haben wie Ihr. Logain: gefangen, einer D�mpfung unterzogen; Ger�chte behaupten, er sei in der Burg gestorben. Ein namenloser Bursche wurde von den Tairenern in den Haddon S�mpfen enthauptet. Einen weiteren haben die Leute in Murandy verbrannt. Bei lebendigem Leib verbrannt, Taim! Und das gleiche haben die Illianer vor vier Jahren mit Gorin Rogad gemacht.�</p><p>�Nicht die Art von Schicksal, die ich gern teilen w�rde�, sagte Taim gefa�t.</p><p>�Dann verge�t den Ruhm und denkt an die Letzte Schlacht. Alles, was ich unternehme, ist auf Tarmon Gai'don ausgerichtet. Alles, was ich Euch befehle, wird darauf ausgerichtet sein. <emphasis>Ihr</emphasis> selbst werdet darauf hinarbeiten!�</p><p>�Selbstverst�ndlich.� Taim spreizte die H�nde. �Ihr seid der Wiedergeborene Drache. Das bezweifle ich nicht, und ich bekenne mich �ffentlich dazu. Wir marschieren auf Tarmon Gai'don zu. Die Schlacht von der die Prophezeiungen behaupten, Ihr w�rdet sie gewinnnen. Und die Geschichtsb�cher werden schreiben, da� Mazrim Taim zu Eurer Rechten stand.�</p><p>�Vielleicht�, erwiderte Rand knapp. Er hatte bereits zu viele Prophezeiungen durchlebt, um noch daran zu glauben, da� sie w�rtlich zu nehmen seien. Oder, da� sie auch nur irgend etwas tats�chlich sicherstellten. Seiner Auffassung nach legten die Prophezeiungen die Rahmenbedingungen fest, unter denen eine bestimmte Sache geschehen konnte; nur, wenn diese Bedingungen zutrafen, hie� das noch lange nicht, diese Sache werde wirklich geschehen. Das <emphasis>konnte</emphasis> lediglich passieren. Einige der in den Prophezeiungen des Drachen niedergeschriebenen Bedingungen verlangten nahezu nach seinem Tod, damit der Sieg errungen w�rde. Der Gedanke daran verbesserte seine Laune nicht gerade. �Das Licht gebe, da� Eure Chance nicht so schnell kommt. Also. Welche Kenntnisse besitzt Ihr, die ich ben�tige? K�nnt Ihr M�nnern beibringen, wie man die Macht ben�tzt? K�nnt Ihr einen Mann �berpr�fen, um festzustellen, ob er diese F�higkeit besitzt und unterrichtet werden kann?� Es war bei den M�nnern nicht so wie bei den Frauen, da� sie diese F�higkeit in anderen sp�ren konnten. Der Unterschied zwischen M�nnern und Frauen in bezug auf den Gebrauch der Macht war ebenso gro� wie der Unterschied zwischen M�nnern und Frauen �berhaupt. Manchmal unterschieden sie sich nur um Haaresbreite, dann aber wieder war es, als vergleiche man Stein mit Seide.</p><p>�Eure Amnestie? Sind wirklich ein paar Narren aufgetaucht, um zu lernen, wie sie Euch und mir nacheifern k�nnen?�</p><p>Bashere, die Arme verschr�nkt und die Beine gespreizt, starrte Taim nur verachtungsvoll an, doch Tumad und die anderen Wachen bewegten sich unruhig. Die T�chter blieben gelassen. Rand hatte keine Ahnung, was die T�chter von den etwa zwanzig M�nnern hielten, die seinem Aufruf gefolgt waren; sie lie�en sich nie etwas anmerken. Nachdem bei den Leuten aus Saldaea die Erinnerung an Taim als einen falschen Drachen noch frisch war, konnten diese ihr Unbehagen jedoch kaum verbergen.</p><p>�Antwortet mir einfach nur, Taim. Wenn Ihr verrichten k�nnt, was ich verlange, dann sagt es mir. Falls nicht...� Das war der Zorn, der aus ihm sprach. Er konnte den Mann nicht wieder wegschicken, und wenn er sich auch jeden Tag mit ihm herumstreiten m��te. Taim dagegen schien sich einzubilden, er w�rde ihn wegschicken.</p><p>�Ich kann beides�, sagte er schnell. �Ich habe w�hrend dieser Jahre selbst f�nf aufgesp�rt, obwohl ich gar nicht wirklich nach ihnen suchte, doch nur einer hatte den Mut, �ber die reine �berpr�fung hinaus dabeizubleiben.� Er z�gerte und f�gte dann hinzu: �Nach zwei Jahren wurde er wahnsinnig. Ich mu�te ihn t�ten, bevor er mich t�tete.�</p><p>Zwei Jahre. �Ihr habt es viel l�nger als er durchgehalten. Wie?�</p><p>�Besorgt?� fragte Taim leise und zuckte dann die Achseln. �Ich kann Euch nicht helfen. Ich wei� es nicht. Es ist einfach so geschehen. Ich bin geistig genauso gesund wie...� Sein Blick huschte zu Bashere hin�ber, dessen b�sen Blick er jedoch ignorierte, �...wie Lord Bashere.�</p><p>Trotzdem hatte Rand pl�tzlich seine Zweifel. Die H�lfte der T�chter war wieder dazu �bergegangen, den Rest des Hofes aufmerksam zu beobachten. Es war aber unwahrscheinlich, da� sie sich zu sehr auf eine m�gliche Bedrohung konzentrierten und alle anderen deshalb ignorierten. Die m�gliche Bedrohung ging von Taim aus, und so hatte die andere H�lfte der T�chter nach wie vor die Blicke auf ihn und Rand gerichtet um augenblicklich jedes Anzeichen daf�r zu entdecken, da� die Bedrohung real sei. Ein jeder Mann mu�te sich dessen ja wohl bewu�t sein und des pl�tzlichen Tods, der in ihren Augen aufblitzen, in ihren H�nden Gestalt annehmen konnte. Rand war sich dessen bewu�t, dabei wollten sie ihn nur besch�tzen. Und dazu hatten Tumad und die anderen Wachen nach wie vor die H�nde an den Heften ihrer Schwerter, bereit, sie wieder zu ziehen. Falls sich Basheres M�nner und die Aiel dazu entschlossen, Taim zu t�ten, h�tte es der Mann ziemlich schwer, den Hof lebendig zu verlassen, und wenn er auch die Macht einsetzte, es sei denn, Rand half ihm. Und doch schenkte Taim weder den Soldaten noch den T�chtern �u�erlich mehr Beachtung als den S�ulen oder den Fliesen unter seinen Stiefeln. Tapferkeit, wirklich oder vorget�uscht, oder etwas anderes? Eine Art von Wahnsinn?</p><p>Nach einem Augenblick des Schweigens sprach Taim weiter: �Ihr traut mir noch nicht. Ihr habt ja auch keinen Grund dazu. Noch nicht. Mit der Zeit werdet Ihr mir aber zu vertrauen lernen. Im Hinblick auf dieses zuk�nftige Vertrauen habe ich Euch ein Geschenk mitgebracht.� Unter seinem abgetragenen Mantel zog er ein in Lumpen geh�lltes B�ndel hervor, das ein bi�chen gr��er als zwei geballte M�nnerf�uste war.</p><p>Mit gerunzelter Stirn nahm Rand es entgegen, und ihm stockte der Atem, als er die harte Form darin f�hlte. Hastig ri� er die vielfarbigen Lumpen weg und enth�llte eine handtellergro�e Scheibe, eine Scheibe genau wie die auf der roten Flagge �ber dem Palast, zur H�lfte wei� und zur H�lfte schwarz, das uralte Sinnbild f�r die Aes Sedai aus der Zeit vor der Zerst�rung der Welt. Er lie� seine Finger �ber die ineinandergef�gten Tr�nen gleiten.</p><p>Nur sieben davon waren jemals angefertigt worden, und zwar aus <emphasis>Cuendillar.</emphasis> Siegel am Gef�ngnis des Dunklen K�nigs, Siegel, die den Dunklen K�nig von der Welt fernhielten. Er besa� zwei weitere, sorgf�ltig versteckt Sehr gut beh�tet. Nichts konnte <emphasis>Cuendillar</emphasis> besch�digen, nicht einmal die Eine Macht! Selbst der hauchd�nne Rand einer aus dem Herzstein gefertigten Tasse w�rde auf Stahl, ja sogar auf Diamant, Kratzer hinterlassen. Und doch waren drei der sieben <emphasis>zerbrochen</emphasis> worden. Er hatte sie zerschmettert liegen sehen. Und er hatte Moiraine beobachtet, wie sie einen d�nnen Splitter von einem glatt abgeschnitten hatte. Die Siegel wurden schw�cher, und das Licht allein mochte wissen, warum oder wie. Die Scheibe in seinen H�nden f�hlte sich so hart und glatt an wie <emphasis>Cuendillar,</emphasis> wie eine Mischung aus dem feinsten Porzellan und dem h�rtesten Stahl, und doch war er sicher, sie w�rde zerbrechen, lie�e er sie auch nur auf die Fliesen zu seinen F��en fallen.</p><p>Drei zerst�rt. Drei in seinem Besitz. Wo war das siebte? Nur vier Siegel noch standen zwischen der Menschheit und dem Dunklen K�nig. Vier, falls das letzte noch unbesch�digt war. Nur vier standen zwischen der Menschheit und der Letzten Schlacht. Wie gut hielten sie �berhaupt noch, so geschw�cht, wie sie waren?</p><p>Lews Therins Stimme kam mit einemmal donnernd und m�chtig zur�ck: <emphasis>Zerst�re es, zerst�re sie alle, mu� sie zerst�ren, mu� mu� mu� sie alle zerst�ren und zuschlagen mu� schnell zuschlagen mu� jetzt zuschlagen zerst�re es zerst�re es zerst�re es...</emphasis></p><p>Rand zitterte, solche M�he bereitete es ihm, diese Stimme in sich niederzuk�mpfen, einen klebrigen Nebelhauch in seinem Innern abzustreifen, der wie Spinnweben in ihm zu haften drohte. Seine Muskeln schmerzten, als ringe er mit einem Wesen aus Fleisch und Blut, mit einem Riesen. Eine Handvoll klebrigen Nebels nach der anderen, des Nebels, der Lews Therin war, stopfte er in die tiefsten Ritzen, die dunkelsten Schatten, die er in seinem Verstand finden konnte.</p><p>Mit einemmal wurde ihm bewu�t, da� er heiser vor sich hin murmelte: �Mu� es jetzt zerst�ren sie alle zerst�ren es zerst�ren zerst�ren zerst�ren.� Und pl�tzlich merkte er auch, da� er die H�nde hoch �ber dem Kopf hielt das Siegel dort oben hielt, bereit, es auf den wei�en Fliesen zu zerschmettern. Das einzige, was ihn davon abhielt, war Bashere, der auf Zehenspitzen vor ihm stand und mit hochgereckten Armen Rands Arme festhielt.</p><p>�Ich wei� zwar nicht, was das ist�, sagte Bashere ruhig, �aber ich glaube, Ihr solltet vielleicht noch warten, bevor Ihr Euch entscheidet, es zu zerschmettern, ja?�</p><p>Tumad und die anderen beobachteten Taim nicht mehr, sondern starrten Rand mit weit aufgerissenen Augen an. Sogar die T�chter hatten die Blicke auf ihn gerichtet und sahen ihn besorgt an. Sulin trat einen halben Schritt in Richtung der M�nner vor, und Jalani hatte, offenbar v�llig unbewu�t, eine Hand nach Rand ausgestreckt.</p><p>�Nein.� Rand schluckte; seine Kehle brannte. �Ich glaube nicht, da� ich das tun sollte.� Bashere trat langsam zur�ck, und Rand senkte das Siegel genauso langsam und vorsichtig. Wenn Rand vorher Taim f�r unersch�tterlich gehalten hatte, wurde er jetzt eines Besseren belehrt. Entsetzen pr�gte das Gesicht des Mannes. �Wi�t Ihr, was das ist, Taim?� fuhr ihn Rand an. �Ihr m��t es wissen, sonst h�ttet Ihr es mir nicht gebracht. Wo habt Ihr es gefunden? Habt Ihr noch eines? Wi�t Ihr, wo sich ein anderes befindet?�</p><p>�Nein�, sagte Taim mit unsicherer Stimme. Er sah nicht so aus, als f�rchte er sich; eher wie ein Mann, unter dessen F��en pl�tzlich eine Felsklippe nachgab und der sich gerade noch auf festen Boden retten konnte. �Das ist das einzige. Ich ... ich habe alle m�glichen Ger�chte geh�rt, seit ich den Aes Sedai entkam. Ungeheuer, die einfach aus der Luft heraus auftauchen. Eigenartige, nie gesehene Tiere. Menschen, die mit Tieren sprechen, und Tiere, die sich mit Menschen verst�ndigen. Aes Sedai, die genau auf dieselbe Art wahnsinnig werden, wie man es von uns annimmt. Ganze D�rfer, deren Bewohner durchdrehen und sich gegenseitig umbringen. Einiges k�nnte durchaus stimmen. Die H�lfte dessen, was ich als Wahrheit kenne, klingt kein bi�chen weniger verr�ckt. Ich h�rte auch, da� einige der Siegel zerbrochen seien. Dieses hier k�nnte sogar ein Hammer zerschlagen.�</p><p>Bashere runzelte die Stirn, starrte das Siegel in Rands H�nden an, und dann schnappte er vor �berraschung nach Luft. Er hatte verstanden.</p><p>�Wo habt Ihr es gefunden?� wiederholte Rand. Falls er die letzten aufsp�ren k�nnte... Aber was dann? Lews Therin r�hrte sich, doch er h�rte nicht auf ihn.</p><p>�Am allerletzten Ort, an dem Er so etwas erwarten w�rdet�, antwortete Taim, �und das d�rfte wohl auch der erste Ort sein, an dem man eine Suche nach den anderen beginnt. Ein verfallener, kleiner Bauernhof in Saldaea. Ich habe angehalten und um Wasser gebeten, da gab der Bauer es mir. Er war alt, hatte keine Kinder oder Enkel, um es ihnen zu vererben, und er glaubte, ich sei der Wiedergeborene Drache. Er behauptete, seine Familie habe es mehr als zweitausend Jahre lang geh�tet. Er behauptete auch, in den Trolloc-Kriegen seien sie K�nige und K�niginnen gewesen, und Adlige unter Artur Falkenfl�gel. Seine Geschichte k�nnte der Wahrheit entsprechen. Sie ist auch nicht unwahrscheinlicher, als so etwas in einer H�tte nur ein paar Tagesritte von der Grenze zur F�ule zu entdecken.�</p><p>Rand nickte und b�ckte sich dann, um die Lumpen aufzusammeln. Er war daran gew�hnt, da� in seiner Umgebung die unwahrscheinlichsten Dinge geschahen. Gelegentlich mu�te so etwas ja auch anderswo passieren. Er wickelte das Siegel schnell wieder ein und hielt es Bashere hin. �Bewacht dies sorgf�ltig!�</p><p><emphasis>Zerst�rt es!</emphasis> Er unterdr�ckte die Stimme mit aller Macht. �Nichts darf damit passieren.�</p><p>Bashere nahm das B�ndel and�chtig mit beiden H�nden entgegen. Rand war nicht sicher, ob die anschlie�ende Verbeugung ihm galt oder dem Siegel. �Zehn Stunden oder zehn Jahre lang. Es ist bei mir sicher, bis Ihr es ben�tigt.�</p><p>Einen Augenblick lang musterte Rand ihn. �Jeder wartet nur darauf, da� ich wahnsinnig werde. Alle f�rchten sich davor, nur Ihr nicht. Gerade eben m��t Ihr doch gedacht haben, jetzt sei es endg�ltig soweit, aber selbst dann habt Ihr euch nicht vor mir gef�rchtet.�</p><p>Bashere zuckte die Achseln und grinste hinter seinem graumelierten Schnurrbart hervor. �Als ich zum erstenmal in einem Sattel schlief, war Muad Cheade Generalfeldmarschall. Der Mann war so verr�ckt wie ein Rammler im Fr�hling, wenn der Schnee schmilzt. Zweimal am Tag durchsuchte er seinen Leibdiener nach Gift, er trank nichts au�er Essig und Wasser, wovon er behauptete, es mache ihn immun gegen das Gift, das ihm der Kerl verabreiche, aber er a� alles, was ihm der Mann kochte, solange ich ihn kannte. Einmal lie� er eine Gruppe Eichen f�llen, weil er behauptete, sie h�tten ihn angesehen. Und dann bestand er darauf, sie anst�ndig zu begraben und hielt selbst die Grabrede. Habt Ihr eine Ahnung, wie lange es dauert, Gr�ber f�r dreiundzwanzig Eichen zu graben?�</p><p>�Warum hat denn niemand etwas unternommen?</p><p>Seine Familie?�</p><p>�Diejenigen, die nicht sowieso genauso verr�ckt oder noch verr�ckter waren, hatten schon Angst, ihn auch nur schief anzuschauen. Tenobias Vater h�tte ohnehin niemanden an Cheade herangelassen. Er war ja vielleicht verr�ckt, aber er war der beste Heerf�hrer, den ich je erlebt habe. Er hat niemals eine Schlacht verloren. Er kam nicht einmal einer Niederlage nahe.�</p><p>Rand lachte. �Und jetzt folgt Ihr mir, weil Ihr glaubt, ich sei ein noch besserer Stratege als der Dunkle K�nig selbst?�</p><p>�Ich folge Euch, weil Ihr seid, wer Ihr seid�, sagte Bashere leise. �Die ganze Welt mu� Euch folgen, sonst werden die �berlebenden sich w�nschen, sie w�ren ebenfalls gestorben.�</p><p>Bed�chtig nickte Rand. Die Prophezeiungen sagten voraus, er werde L�nder zerbrechen und sie dann zusammenf�hren. Nicht, da� er das wollte, doch waren eben die Prophezeiungen sein einziger Leitfaden, wie er in die Letzte Schlacht gehen sollte und wie sie gewinnen. Aber auch ohne die Weissagung war ihm klar, da� dieses Zusammenf�gen der Nationen notwendig sei. In der Letzten Schlacht w�rde nicht nur einfach er gegen den Dunklen K�nig k�mpfen. Das konnte er denn doch nicht glauben. Falls er wirklich verr�ckt wurde, dann doch nicht so verr�ckt, da� er sich f�r mehr als einen Menschen hielt. Es w�rde auch den Kampf der Menschheit gegen die Trollocs und Myrddraal bedeuten und gegen jede Art von Schattenwesen, die die F�ule ausspeien mochte, und gegen Schattenfreunde, die sich aus ihren Verstecken erheben w�rden. Auf diesem Weg zur Tarmon Gai'don drohten noch andere Gefahren, und wenn dann die Menschheit nicht einig war... <emphasis>Du tust einfach, was zu tun ist.</emphasis> Er war nicht sicher, ob da er selbst oder Lews Therin aus ihm gesprochen hatte, aber es stimmte, soweit er das beurteilen konnte.</p><p>Er ging mit schnellen Schritten zur n�chsten Arkade hin�ber und sagte nach hinten zu Bashere gewandt: �Ich nehme Taim mit zu diesem Bauernhof. Wollt Ihr auch mitkommen?�</p><p>�Zu dem Bauernhof?� fragte Taim.</p><p>Bashere sch�ttelte den Kopf. �Nein, danke�, sagte er trocken. Er zeigte wohl gew�hnlich keine Nerven, doch Rand und Taim zusammen waren wahrscheinlich mehr, als er verkraften konnte. Diesen Bauernhof wollte er auf jeden Fall meiden. �Meine M�nner, die f�r Euch die Stra�en �berwachen, lassen langsam in der Aufmerksamkeit nach. Ich habe vor, einige von ihnen zusammenzustauchen und sie wieder einmal ein paar Stunden lang richtig im Sattel sitzen zu sehen. Ihr wolltet sie heute Nachmittag inspizieren. Hat sich daran etwas ge�ndert?�</p><p>�Welchen Bauernhof?� fragte Taim.</p><p>Rand seufzte. Mit einemmal f�hlte er sich sehr m�de. �Nein, das hat sich nicht ge�ndert. Ich werde kommen, wenn ich kann.� Es war zu wichtig, um den Befehl wieder aufzuheben, wenn auch nur Bashere und Mat Bescheid wu�ten, warum. Sonst durfte niemand auf die Idee kommen, es handle sich um mehr als eine nebens�chliche Angelegenheit, eine nutzlose Zeremonie zu Ehren eines Mannes, der Gefallen an dem Pomp zu finden schien, der sich mit seinem Rang verband. Der Wiedergeborene Drache ging aus, um sich von seinen Soldaten bejubeln zu lassen. Und noch einen Besuch mu�te er heute machen, und die anderen sollten glauben, er wolle ihn geheimhalten. Die meisten w�rden auch nichts davon bemerken, aber er zweifelte nicht daran, da� diejenigen, die sich f�r solche Aktivit�ten interessierten, davon erfahren w�rden.</p><p>Er nahm sein Schwert, das er an eine der d�nnen S�ulen gelehnt hatte, und schnallte es �ber die ge�ffnete Jacke. Der G�rtel war aus schmucklosem, dunklem Wildschweinleder gefertigt, und auch die Scheide und das lange Heft wiesen keine Verzierungen auf. Die G�rtelschnalle dagegen war ein kleines Kunstwerk, ein fein gearbeiteter Drache, in den Stahl einge�tzt und mit Gold belegt. Er sollte diese Schnalle eigentlich loswerden und eine einfachere anlegen. Doch das brachte er auch wieder nicht fertig, denn sie war ein Geschenk Aviendhas gewesen. Genaugenommen war dies der Grund, warum er sie loswerden sollte. Er kam einfach aus diesem gedanklichen Teufelskreis nicht heraus.</p><p>Noch etwas wartete an dieser Stelle auf ihn: ein zwei Fu� langes St�ck Speer mit einer gr�n wei�en Troddel gleich unter der scharfen Spitze. Er packte ihn, als er sich wieder dem Hof zuwandte. Eine der T�chter hatte Drachen in den kurzen Schaft geschnitzt. Einige Leute bezeichneten ihn bereits als das Szepter des Drachen, vor allem Elenia und dieser Haufen Adlige. Rand behielt das Ding immer bei sich, um sich selbst daran zu erinnern, da� er mehr Feinde besa� als nur die jetzt sichtbaren.</p><p>�Von welchem Bauernhof sprecht Ihr?� Taims Stimme klang jetzt h�rter. �Wohin wollt Ihr mich mitnehmen?�</p><p>Einen langen Augenblick musterte Rand den Mann. Taim war ihm nicht sympathisch. Etwas am Verhalten des Burschen hinderte ihn daran, Sympathie zu empfinden. Vielleicht lag es auch an ihm selbst. So lange Zeit �ber war er der einzige Mann gewesen, der auch nur daran denken konnte, die Macht zu ben�tzen, ohne sich vor Angst schwitzend nach Aes Sedai umblicken zu m�ssen. Nun, wenigstens schien es eine lange Zeit gewesen zu sein, und zumindest w�rden die Aes Sedai nicht versuchen, ihn einer D�mpfung zu unterziehen; jetzt nicht mehr, da sie wu�ten, wer er war. War es wirklich so einfach? Eifersucht, da� er nicht mehr einzigartig war? Er glaubte das eigentlich nicht. Von allem anderen abgesehen, war er ja froh �ber jeden Mann, der mit der Macht umgehen konnte und trotzdem immer noch unbehelligt auf der Welt wandelte. Endlich war er nicht mehr der ewige Au�enseiter. Nein, so konnte er das auch wieder nicht sehen, solange Tarmon Gai'don drohte. Er war einmalig; er war der Wiedergeborene Drache. Welche Gr�nde auch immer dahinterstanden: Er mochte den Mann einfach nicht.</p><p><emphasis>T�te ihn!</emphasis> kreischte Lews Hierin. <emphasis>T�te sie alle!</emphasis> Rand unterdr�ckte die Stimme. Ihm mu�te Taim ja nicht sympathisch sein; er mu�te ihn nur ben�tzen. Das war das Schwierige daran.</p><p>�Ich nehme Euch dorthin mit, wo Ihr mir dienen k�nnt�, sagte er kalt. Taim zuckte nicht zusammen und machte nicht einmal eine b�se Miene. Nur seine Mundwinkel zuckten wieder einen Moment lang in einem Anflug dieses Beinahe-L�chelns.</p></section><section><title><p>3</p><p>Die Augen einer Frau</p></title><p>Rand unterdr�ckte seine Gereiztheit und Lews Therins Gemurmel im Hintergrund seines Hirns, griff nach <emphasis>Saidin,</emphasis> warf sich in den vertrauten Kampf um die Herrschaft �ber die Macht und sein �berleben inmitten der Leere. Das s��e Verderben durchstr�mte ihn, w�hrend er die Machtstr�nge zu verweben begann; sogar im Nichts sp�rte er, wie es bis in seine Knochen einsickerte, vielleicht auch in seine Seele. Er fand keine Worte, um zu beschreiben, was er machte. Am n�chsten kam noch die Erkl�rung, er falte das Muster und �ffne dann ein Loch durch diese Falte. Er hatte das von allein gelernt, und sein Lehrer war ohnehin meist kaum in der Lage gewesen, ihm zu erkl�ren, was hinter den Dingen stand, die er ihm beibrachte. Eine strahlende, senkrechte Linie erschien in der Luft und erweiterte sich schnell zu einer �ffnung, so gro� wie eine gr��ere T�r. W�hrend dieses Vorganges schien es sich zu drehen. Der Anblick auf der anderen Seite, eine sonnenbeschienene Lichtung unter von der D�rre ausgelaugten B�umen, drehte sich mit und stand schlie�lich still.</p><p>Enaila und zwei weitere T�chter hoben ihre Schleier an und sprangen hindurch, kaum da� alles stillstand. Ein halbes Dutzend andere folgten; manche davon hatten bereits Pfeile bei ihren Hornb�gen aufgelegt. Rand erwartete nicht, da� sich dr�ben etwas befand, wogegen man ihn besch�tzen m�sse. Er hatte das andere Ende � falls man das �berhaupt als ein anderes Ende bezeichnen konnte; er verstand es wohl nicht, aber eigentlich schien es nur <emphasis>ein</emphasis> Ende zu geben � in die Lichtung verlegt weil es immer gef�hrlich war, wenn sich ein Tor in unmittelbarer N�he von Menschen �ffnete, aber den T�chtern oder �berhaupt den Aiel klarmachen zu wollen, da� keine Notwendigkeit f�r eine solche Wachsamkeit bestand, war, als wolle man einem Fisch beibringen, da� es nicht notwendig sei, zu schwimmen.</p><p>�Das ist ein Tor�, sagte er zu Taim. �Ich werde Euch zeigen, wie man eines webt, falls Ihr es jetzt noch nicht mitbekommen habt.� Der Mann starrte ihn mit gro�en Augen an. H�tte er genau zugeschaut, dann h�tte er auch Rands Gewebe von <emphasis>Saidin</emphasis> erkennen k�nnen; jeder Mann, der mit der Macht umzugehen imstande war, konnte das.</p><p>Taim schlo� sich ihm an, als er hindurch und auf die Lichtung hinausschritt. Sulin und die anderen T�chter folgten ihnen. Ein paar warfen dem Schwert an Rands Seite einen ver�chtlichen Blick zu, als sie an ihm vorbeischritten, und sie gaben sich gegenseitig lautlos Zeichen in der Fingersprache der T�chter. Zweifelsohne verabscheuten sie die Waffe. Enaila und die Vorhut schw�rmten bereits unter den d�rren B�umen aus. Ihre Jacken und Hosen, der <emphasis>Cadin'sor,</emphasis> lie�en sie mit den Schatten verschmelzen, ob sie nun Gr�n dem Grau und Braun hinzugef�gt hatten oder nicht. Mit Hilfe der Macht, die ihn erf�llte, sah er jede abgestorbene Nadel an jeder einzelnen Kiefer. Es gab mehr abgestorbene als gr�ne. Er roch den sauren Saft der Lederblattb�ume. Die Luft selbst roch nach Hitze, war trocken und voller Staub. Hier gab es keine Gefahr f�r ihn.</p><p>�Warte, Rand al'Thor�, erklang der eindringliche Ruf einer Frauenstimme von der anderen Seite des Tores her. Aviendhas Stimme.</p><p>Rand lie� das Gewebe und <emphasis>Saidin</emphasis> fallen, und augenblicklich verschwand das Tor, als habe es nie existiert. Es gab Gefahren der einen oder der anderen Art. Taim blickte ihn neugierig an. Einige der T�chter, ob verschleiert oder nicht, nahmen sich die Zeit, ihm auch einen gewissen Blick zuzuwerfen. Mi�billigende Blicke waren es. Finger zuckten hin und her in der Zeichensprache der T�chter. Sie waren aber vern�nftig genug, den Mund zu halten. Da hatte er sich ganz energisch durchgesetzt.</p><p>Rand mi�achtete sowohl Neugier wie Mi�billigung und schritt mit Taim an der Seite durch den Wald. Abgestorbene Bl�tter und kleine �ste raschelten und knackten unter ihren Stiefeln. Die T�chter, die sich in einem weiten Kreis um sie herum mitbewegten, machten mit ihren weichen, bis zu den Knien hochgeschn�rten Stiefeln kein Ger�usch. Ihre Mi�billigung verschwand hinter ihrer Wachsamkeit. Ein paar waren vorher schon mit Rand den gleichen Weg gegangen, immer ohne Zwischenfall, aber nichts konnte sie �berzeugen, da� dieser Wald nicht doch ein guter Ort f�r einen Hinterhalt sei. Vor Rands Ankunft hatte das Leben in der W�ste aus dreitausend Jahren von �berf�llen, Scharm�tzeln, Fehden und Kleinkriegen bestanden, die sich fast ohne Unterbrechung fortsetzten.</p><p>Es gab bestimmt Dinge, die er von Taim lernen konnte, wenn auch nicht ann�hernd so viele, wie Taim glaubte, aber der Lernproze� w�rde beide Seiten betreffen, und es wurde Zeit f�r ihn, dem �lteren etwas beizubringen. �Fr�her oder sp�ter werdet Ihr auf die Verlorenen treffen, die mich verfolgen. Vielleicht noch vor der Letzten Schlacht. Wahrscheinlich vorher. Ihr scheint nicht �berrascht?�</p><p>�Ich habe Ger�chte vernommen. Sie mu�ten ja schlie�lich freikommen, das war klar.�</p><p>Also breiteten sich die Nachrichten aus. Rand grinste unwillk�rlich. Den Aes Sedai w�rde das nicht gefallen. Von allem anderen abgesehen, empfand er doch ein gewisses Vergn�gen dabei, sie in die Nase zu zwicken. �Ihr m��t zu jeder Zeit auf alles gefa�t sein. Trollocs, Myrddraal, Draghkar, Graue M�nner, Gholam...�</p><p>Er z�gerte und strich mit der den Reiher tragenden Handfl�che �ber das lange Heft seines Schwerts. Er hatte keine Ahnung, was ein Gholam war. Lews Therin hatte sich wohl nicht ger�hrt, aber ihm war klar, da� er die Quelle dieser Bezeichnung war. Bruchst�cke solcher Informationen sickerten manchmal durch die d�nne Barriere zwischen ihm und dieser Stimme und wurden zu einem Teil von Rands eigenen Erinnerungen, gew�hnlich ohne jeden Hinweis auf eine Erkl�rung. In letzter Zeit geschah das immer �fter. Gegen solche Bruchst�cke von Erinnerungen konnte er sich nicht zur Wehr setzen, wie etwa gegen die Stimme des Mannes. Das Z�gern dauerte nur einen Moment lang.</p><p>�Und nicht nur im Norden in der N�he der F�ule. Hier und �berall. Sie benutzen die Kurzen Wege.� Das war auch etwas, mit dem er sich auseinandersetzen mu�te. Urspr�nglich mit Hilfe <emphasis>Saidins</emphasis> geschaffen, waren die Wege nun zu etwas Dunklem geworden, genauso befleckt wie <emphasis>Saidin</emphasis> selbst. Die Schattenwesen konnten jene Gefahren, die innerhalb der Wege die Menschen t�teten und noch Schlimmeres mit ihnen anstellten, auch nicht meiden, doch sie brachten es immerhin fertig, sie trotzdem zu benutzen, und wenn man auf diese Art auch nicht so schnell vorw�rtskam wie durch die Tore beim Schnellen Reisen und nicht einmal so schnell wie beim Wegegleiten, so konnten sie doch noch an einem Tag mehrere hundert Meilen zur�cklegen. Ein Problem, das er noch zur�ckstellen mu�te. Zu viele Probleme, die er erst sp�ter in Angriff nehmen konnte. Es gab ja schon jetzt viel zu viele Probleme. Gereizt schlug er mit dem Drachenzepter nach dem Laub eines Lederblattbaums. Fetzen von breiten, z�hen Bl�ttern, die sich in der D�rre braun verf�rbt hatten, fielen zu Boden. �Alles, was Ihr jemals in irgendwelchen Sagen geh�rt habt, solltet Ihr auch in Wirklichkeit erwarten. Sogar Schattenhunde. Falls die aber wirklich ein Teil der Wilden Jagd sind, ist wenigstens der Dunkle K�nig, der hinter dieser Meute herreiten sollte, noch nicht frei. Sie sind auch so schlimm genug. Manche kann man auf genau die Art t�ten, wie es in den Sagen berichtet wird, aber andere wieder kann nichts au�er vielleicht Baalsfeuer umbringen, jedenfalls soweit ich festgestellt habe. Kennt Ihr Baalsfeuer? Falls nicht, geh�rt es zu jenen Dingen, in denen ich Euch nicht unterrichten werde. Solltet Ihr es jedoch beherrschen, dann verwendet es f�r nichts anderes als gegen Schattenwesen. Und bringt es niemand anderem bei.</p><p>Die Quelle, aus der einige der Ger�chte stammen d�rften, die Ihr vernommen habt ... nun, ich wei� nicht, als was ich sie bezeichnen soll. Ich nenne das �Blasen des B�sen�. Stellt sie Euch vor wie diese Blasen, die in einem Sumpf manchmal aufsteigen und platzen. Diese allerdings steigen vom Dunklen K�nig auf, wenn die Siegel ihre Wirkung verlieren, und statt des fauligen Gestanks verbreiten sie eben ... das B�se. Sie steigen im Muster auf, und wenn sie platzen, kann alles m�gliche passieren. Alles. Euer eigenes Spiegelbild k�nnte aus dem Spiegel treten und versuchen, Euch zu t�ten. Glaubt es mir nur!�</p><p>Falls Taim von dieser Predigt eingesch�chtert war, zeigte er es jedenfalls nicht. Er sagte lediglich: �Ich war schon in der F�ule. Ich habe bereits Trollocs get�tet und auch Myrddraal.� Er schob einen weit herunterh�ngenden Zweig zur Seite und hielt ihn, damit Rand ebenfalls unbeschadet durchkam. �Ich habe noch nie etwas von diesem Baalsfeuer vernommen, aber wenn ein Schattenhund hinter mir her ist, werde ich schon eine M�glichkeit finden, ihn zu t�ten.�</p><p>�Gut.� Das galt sowohl Taims Unwissenheit wie auch seinem Selbstvertrauen. Baalsfeuer geh�rte zu jenen Dingen, bei denen Rand nichts dagegen gehabt h�tte, sollte das Wissen um sie vollst�ndig verlorengehen. �Mit etwas Gl�ck werdet Ihr hier drau�en nichts dergleichen antreffen, aber man kann nie sicher sein.�</p><p>Der Wald nahm ein abruptes Ende und machte einem Bauernhof Platz. Das eine der beiden Geb�ude war ein breites, strohgedecktes Wohnhaus mit zwei verwitterten Stockwerken, aus dessen einem Schornstein Rauch quoll, und das andere eine gro�e, sichtlich schiefe Scheune. Auch hier war der Tag kein bi�chen k�hler als in der nur wenige Meilen entfernten Stadt, und die Sonne gl�hte genauso unbarmherzig. H�hner scharrten im Staub, zwei graubraune K�he standen wiederk�uend auf einer kleinen, eingez�unten Weide, eine Herde angebundener schwarzer Ziegen kaute eifrig s�mtliche Bl�tter in ihrer Reichweite von den Str�uchern ab, und im Schatten der Scheuer stand ein Karren mit hohen R�dern. Trotz allem vermittelte dies alles nicht den Eindruck b�uerlichen Lebens. Es waren keine �cker zu sehen. Gleich hinter dem Hof begann der Wald, der nur durch eine kleine Lehmstra�e unterbrochen war, die sich in Richtung Norden schl�ngelte. Die wurde sicherlich f�r gelegentliche Ausfl�ge zur Stadt ben�tzt. Und dann befanden sich zu viele Menschen hier.</p><p>Vier Frauen, drei davon in ihren mittleren Jahren, h�ngten W�sche an einer Doppelleine auf, und fast ein Dutzend Kinder, keines davon �lter als neun oder zehn, spielten zwischen den H�hnern. Es waren auch einige M�nner zu sehen, von denen die Mehrzahl mit irgendwelchen Arbeiten besch�ftigt waren. Siebenundzwanzig insgesamt, wenn man manche darunter auch nur mit einiger M�he als �M�nner� bezeichnen konnte. Eben Hopwil, der magere Bursche, der gerade einen Eimer Wasser aus dem Brunnen hochzog, behauptete wohl, zwanzig zu sein, war aber bestimmt vier oder f�nf Jahre j�nger. Das Gr��te an ihm waren seine Nase und die Ohren. Fedwin Morr, einer der drei M�nner, die auf dem Dach schwitzten, w�hrend sie verrottete Strohb�ndel durch neue ersetzten, war ein ganzes St�ck kr�ftiger, wies erheblich weniger Sommersprossen auf, war aber bestimmt auch nicht �lter. Mehr als die H�lfte der anderen hatte den beiden h�chstens drei oder vier Jahre voraus. Rand h�tte beinahe ein paar von ihnen nach Hause zur�ckgeschickt, vor allem Eben und Fedwin, aber die Wei�e Burg nahm ja auch genauso junge und noch j�ngere als Novizinnen auf. Auf wenigen K�pfen zeigte sich bereits etwas Grau im dunklen Haar, und Damer Flinn mit dem runzligen Gesicht, der vor der Scheune die Rinde von �sten absch�lte, um zwei der j�ngeren Burschen zu zeigen, wie man mit einem Schwert umging, hinkte und besa� nur noch einen d�nnen Kranz wei�er Haare. Damer war Mitglied der K�niglichen Garde gewesen, bis er einen Speer eines Soldaten aus Murandy in die H�fte abbekommen hatte. Er war wohl kein Schwertk�mpfer, schien aber erfahren genug, um den anderen beizubringen, wie man sich wenigstens nicht in den eigenen Fu� stach. Die meisten M�nner stammten aus Andor; nur ein paar aus Cairhien. Aus Tear hatte sich noch keiner eingefunden, obwohl auch dort die Amnestie verk�ndet worden war. Die M�nner w�rden noch eine Weile brauchen, bis sie aus so gro�er Entfernung eintreffen konnten.</p><p>Damer war nat�rlich der erste, der die T�chter bemerkte, seinen Ast fallen lie� und die Aufmerksamkeit seiner Sch�ler auf Rand lenkte. Dann lie� Eben mit einem Schrei seinen Eimer fallen. Das Wasser spritzte ihn gr�ndlich na�. Danach rannte alles schreiend zum Haus und dr�ckte sich �ngstlich hinter Damer herum. Von drinnen erschienen zwei weitere Frauen, mit Sch�rzen angetan und die Gesichter rot von der Hitze der Feuer in den Herden, und sie halfen den �brigen, die Kinder schnell hinter die M�nner zu treiben.</p><p>�Da sind sie�, sagte Rand zu Taim. �Ihr habt noch fast den halben Tag. Wie viele k�nnt Ihr heute noch �berpr�fen? Ich will sobald wie m�glich wissen, wer im Gebrauch der Macht ausgebildet werden kann.�</p><p>�Dieser Haufen stammt ja wohl aus dem Abschaum von...�, fing Taim ver�chtlich <emphasis>an,</emphasis> doch dann blieb er mitten auf dem H�hnerhof stehen und blickte Rand an. H�hner scharrten im Staub zu seinen F��en. �Ihr habt keinen von denen �berpr�ft? Warum, im Namen des...? Ihr k�nnt das nicht, oder? Ihr beherrscht das Schnelle Reisen, aber Ihr wi�t nicht, wie man jemanden auf das Talent hin �berpr�ft.�</p><p>�Manche wollen die Macht �berhaupt nicht gebrauchen.� Rand lockerte den Griff am Heft seines Schwerts. Es pa�te ihm �berhaupt nicht, diesem Mann gegen�ber L�cken in seinen Kenntnissen zuzugeben. �Manche haben nicht weiter dar�ber nachgedacht und sehen nur ihre Chance, Ruhm oder Reichtum oder Macht zu erwerben. Doch ich will jeden Mann behalten, der den Gebrauch der Macht erlernen kann, gleich aus welchen Motiven.�</p><p>Die Sch�ler � diejenigen, die das erlernen wollten �beobachteten ihn und Taim von ihrem Platz vor der Scheuer aus mit relativ gut gespielter Gelassenheit. Schlie�lich waren sie ja in der Hoffnung nach Caemlyn gekommen, vom Wiedergeborenen Drachen vieles lernen zu k�nnen. Zumindest glaubten sie das. Es waren aber vor allem die T�chter, die einen Ring um den Hof gebildet hatten und in Haus und Scheune herumst�berten, die sie mi�trauisch, aber fasziniert mit sogar bewundernden Blicken verfolgten. Die Frauen dr�ckten die Kinder etwas enger an sich, die Blicke auf Taim und Rand gerichtet, und ihre Mienen zeigten alles, von ausdruckslos starren Augen bis hin zu nerv�sem Lippenkauen.</p><p>�Kommt weiter�, sagte Rand. �Es ist Zeit, da� Ihr eure Sch�ler kennenlernt.�</p><p>Taim z�gerte noch. �Ist das wirklich alles, was Ihr von mir wollt? Soll ich lediglich versuchen, diesem armseligen Haufen etwas beizubringen? Falls �berhaupt einer von ihnen lernf�hig ist. Was erwartet Ihr wirklich �wie viele hofft Ihr in einer Handvoll zu finden, die sich zu Euch verirrt hat?�</p><p>�Das ist eine wichtige Aufgabe, Taim! Ich w�rde es selbst machen, wenn ich k�nnte und die n�tige Zeit h�tte.� Der Schl�ssel zu allem lag in der Zeit. Immer zu wenig. Und nun hatte er das zugegeben, so sehr es ihm auch zuwider war. Es war ihm klar, da� er f�r Taim nicht viel �brig hatte, aber er mu�te ihn ja nicht unbedingt sympathisch finden. Rand wartete nicht, und nach einigen Augenblicken holte ihn der andere mit langen Schritten ein. �Ihr habt das Wort Vertrauen gebraucht. Dies hier vertraue ich Euch an.� <emphasis>Vertraut ihm nicht!</emphasis> Lews Therin keuchte in den d�steren Winkeln seines Hirns. <emphasis>Vertraut niemals jemandem! Vertrauen ist Tod!</emphasis> ��berpr�ft sie und beginnt mit dem Unterricht, sobald Ihr wi�t, wer lernf�hig genug ist.�</p><p>�Wie der Lord Drache w�nscht�, murmelte Taim trocken, als sie die Gruppe der Wartenden erreichten. Verbeugungen und Knickse, alles recht unge�bt, begr��te sie.</p><p>�Das ist Mazrim Taim�, verk�ndete Rand. Kinnladen klappten herunter und Augen wurden aufgerissen �nat�rlich. Einige der j�ngeren M�nner starrten sie an, als erwarteten sie, er und Taim w�rden aufeinander losgehen. Ein paar schienen sich sogar auf den Kampf zu freuen. �Stellt Euch ihm vor. Von heute an wird er Euch unterrichten.� Taim verzog leicht den Mund, als er Rand noch einen Blick zuwarf, aber dann hatten sich die Sch�ler vor ihm versammelt und begannen mit ihrer Vorstellung.</p><p>Die Reaktionen der M�nner waren nat�rlich sehr unterschiedlich. Fedwin schob sich ungeduldig nach vorn gleich neben Damer, w�hrend Eben mit bleichem Gesicht ganz hinten blieb. Die anderen befanden sich dazwischen, z�gerten, wirkten unsicher, meldeten sich aber schlie�lich auch zu Wort. Rands Er�ffnung bedeutete f�r einige von ihnen das Ende einer wochenlangen Warterei, f�r andere vielleicht das Ende jahrelang andauernder Tr�ume. Heute begann die Wirklichkeit, und die Wirklichkeit k�nnte sehr wohl einen Gebrauch der Macht mit sich bringen und alles, was dies f�r einen Mann bedeuten mochte.</p><p>Ein untersetzter Mann mit dunklen Augen, sechs oder sieben Jahre �lter als Rand, beachtete Taim nicht weiter und sonderte sich von der Gruppe ab. Mit einer groben Bauernjoppe angetan trat Jur Grady nerv�s vor Rand von einem Fu� auf den anderen und drehte eine Stoffm�tze in seinen grobschl�chtigen H�nden hin und her. Er blickte auf die Kappe hinab oder auf den Boden unter seinen F��en, und nur gelegentlich wagte er, seinen Blick zu Rand zu erheben. �Ah ... mein Lord Drache, ich ... habe mir gedacht ... �h ... also, mein Vater schaut ja nach meinem Hof ... das ist ein sch�nes St�ck Land, wenn der Bach nicht austrocknet ... es k�nnte sogar noch eine Ernte geben, falls es regnet, und ... und ...� Er zerkn�llte die Kappe und gl�ttete sie darauf wieder sorgf�ltig. �Ich habe daran gedacht, wieder zur�ck nach Hause zu gehen.�</p><p>Die Frauen hatten sich nicht den M�nnern um Taim angeschlossen. Sie standen schweigend und mit besorgten Blicken in einer Reihe, hielten ihre Kinder fest und beobachteten, was vorging. Die J�ngste, eine mollige Frau mit hellem Haar und einem etwa vierj�hrigen Jungen, der mit ihren Fingern spielte, war Sora Grady. Diese Frauen waren ihren M�nnern hierher gefolgt, aber Rand vermutete, da� es in der H�lfte aller Gespr�che zwischen den Frauen und ihren M�nnern darum gehe, nach Hause zur�ckzukehren. F�nf M�nner waren bereits weggegangen, und obwohl niemand als Grund seine Ehe angegeben hatte, waren sie eben doch alle verheiratet gewesen. Welche Frau konnte sich auch dabei wohl f�hlen, wenn sie zusah, wie ihr Mann den Umgang mit der Macht erlernte? Das mu�te etwa so sein, als beobachte man seine Vorbereitungen auf den Selbstmord. Einige w�rden meinen, dies sei einfach kein Aufenthaltsort f�r Familien, aber h�chstwahrscheinlich w�rden die im gleichen Atemzug sagen, da� sich die M�nner eigentlich genausowenig hier befinden sollten. Rands Meinung nach hatten die Aes Sedai den Fehler begangen, sich ganz von der �brigen Welt abzukapseln. Nur wenige au�er eben Aes Sedai betraten die Wei�e Burg: Frauen, die selbst Aes Sedai werden wollten, und diejenigen, die ihnen dienten. Nur eine Handvoll anderer kam, um Hilfe zu suchen, und auch das nur unter gro�em Druck, wie sie es empfanden. Wenn Aes Sedai die Burg verlie�en, dann hielten sie sich von anderen fern, kapselten sich ab, und manche verlie�en die Burg �berhaupt nicht mehr. F�r die Aes Sedai waren die Menschen blo�e Spielfiguren und die ganze Welt ein Spielbrett, aber kein Ort, an dem man wirklich lebte. F�r sie war nur die Wei�e Burg real. Doch kein Mann konnte die Welt um sich herum und all die normalen Menschen vergessen, wenn er seine Familie bei sich hatte.</p><p>Das alles mu�te ja nur bis Tarmon Gai'don so weitergehen � wie lange noch? Ein Jahr? Zwei? �, aber die Frage war, ob es �berhaupt solange weitergehen konnte. Irgendwie w�rde es diese Zeit �berdauern m�ssen. Er mu�te daf�r sorgen. Die Familien erinnerten die M�nner immerzu daran, wof�r sie eigentlich k�mpften.</p><p>Soras Blick war auf Rand gerichtet. �Geht, wenn Ihr wollt�, sagte er zu Jur. �Ihr k�nnt zu jeder Zeit gehen, bevor Ihr mit dem eigentlichen Erlernen des Umgangs mit der Macht begonnen habt. Sobald Ihr allerdings diesen Schritt getan habt, seid Ihr wie ein Soldat. Ihr wi�t, da� wir jeden Soldaten brauchen, den wir auftreiben k�nnen, bevor die Letzte Schlacht beginnt, Jur. Der Schatten verf�gt dann �ber neue Schattenlords, die bereitstehen, f�r ihn die Macht zu lenken, darauf k�nnt Ihr wetten. Aber die Entscheidung liegt bei Euch. Vielleicht werdet Ihr das auf Eurem Hof �berstehen. Es mu� ja wohl ein paar Orte auf der Welt geben, die dem entgehen, was auf uns zukommt. Ich hoffe es jedenfalls. Nat�rlich werden wir anderen alles tun, was in unserer Macht steht, um sicherzustellen, da� soviel wie m�glich unbeschadet davonkommt. Ihr k�nnt aber wenigstens Taim Euren Namen angeben. Es w�re schade, wenn Ihr uns verlie�et, ohne �berhaupt zu wissen, ob Ihr den Gebrauch der Macht erlernen k�nnt oder nicht.� Er wandte sich von Jurs verwirrter Miene ab und mied den Blick in Soras Augen. <emphasis>Und du verurteilst die Aes Sedai, weil sie andere Menschen manipulieren,</emphasis> dachte er bitter. Er tat, was er tun mu�te.</p><p>Taim lie� sich immer noch aus dem unruhigen Rudel heraus die Namen nennen und warf Rand gelegentlich einen nur m�hsam unterdr�ckten Blick zu. Doch mit einemmal schien Taim mit seiner Geduld am Ende. �Genug jetzt; die Namen k�nnen auch sp�ter drankommen und dann nur bei denen, die sich auch morgen noch hier befinden werden. Wer macht den Anfang bei den �berpr�fungen?� Das lie� sie augenblicklich verstummen. Einige wagten offensichtlich nicht einmal mehr einen Wimpernschlag, w�hrend sie ihn anblickten. Taim zeigte mit dem Finger auf Damer. �Ich kann genausogut mit Euch anfangen. Kommt her.� Damer r�hrte sich nicht, bis Taim ihn am Arm packte und ein paar Schritte weit von den anderen wegzerrte.</p><p>Rand trat n�her heran und beobachtete Taim aufmerksam.</p><p>�Je mehr Macht man anwendet�, sagte Taim zu Damer, �desto leichter wird es, eine Resonanz festzustellen. Andererseits k�nnte eine zu starke Resonanz Eurem Verstand Schaden zuf�gen, Euch sogar vielleicht t�ten; also beginne ich ganz schwach.� Damer blinzelte. Offensichtlich hatte er kaum ein Wort verstanden, au�er vielleicht jenen Teil �ber Schaden Zuf�gen und T�ten. Rand allerdings wu�te, da� die Erkl�rung f�r ihn bestimmt gewesen war. Taim deckte lediglich sein Unwissen den anderen gegen�ber.</p><p>Pl�tzlich erschien eine winzige Flamme, nur zwei Fingerbreit hoch, die mitten in der Luft in gleichem Abstand zwischen den drei M�nnern tanzte. Rand sp�rte die Macht in Taim, wenn auch nur eine geringe Menge, und er sah den d�nnen Strang aus Feuer, den der Mann webte. Die Flamme lie� �berraschend deutliche Erleichterung in Rand aufsteigen, �berraschend vor allem deshalb, weil sie der Beweis daf�r war, da� Taim wirklich mit der Macht umzugehen in der Lage war. Basheres urspr�ngliche Zweifel hatten ihm wohl noch im Hinterkopf gesteckt.</p><p>�Konzentriert Euch auf die Flamme�, sagte Taim. �Ihr seid die Flamme; die Welt ist in dieser Flamme; es gibt nichts au�er dieser Flamme.�</p><p>�Ich sp�re nichts, nur einen Schmerz, der von meinen Augen ausgeht�, murmelte Damer und wischte sich mit dem R�cken einer schwieligen, raunen Hand den Schwei� von der Stirn.</p><p>�Konzentriert Euch!� fuhr ihn Taim an. �Sprecht nicht, denkt nicht nach, bewegt Euch nicht. Konzentriert Euch.� Damer nickte, blickte ungl�cklich Taims zornig gerunzelte Stirn an und erstarrte. Dann sah er schweigend die kleine Flamme an.</p><p>Taim schien sich ebenfalls zu konzentrieren, wenn auch Rand nicht wu�te, worauf. Es war, als lausche der Mann angestrengt. Er hatte von einer Resonanz gesprochen. Rand konzentrierte sich ebenfalls, lauschte und f�hlte hinaus nach � irgend etwas Sp�rbarem.</p><p>Die Minuten dehnten sich, w�hrend keiner von ihnen sich r�hrte. F�nf, sechs, sieben endlose Minuten, und Damer wagte kaum, mit den Wimpern zu zucken. Der alte Mann atmete schwer, und er schwitzte, als habe jemand einen Eimer Wasser �ber seinen Kopf geleert. Zehn Minuten.</p><p>Doch dann sp�rte Rand etwas. Die Resonanz. Sie war nur ganz schwach sp�rbar, ein winziger Strang der Macht, der in Taim hochpulsierte, doch er schien von Damer auszugehen. Das mu�te es sein, was Taim gemeint hatte, aber Taim selbst r�hrte sich nicht. Vielleicht mu�te doch noch mehr kommen, oder aber es war doch nicht das, was Rand glaubte.</p><p>Ein oder zwei weitere Minuten vergingen, und dann schlie�lich nickte Taim und lie� Flamme und <emphasis>Saidin</emphasis> los. �Ihr k�nnt es erlernen ... Damer, so hei�t Ihr doch?� Er schien �berrascht. Zweifellos hatte er nicht erwartet, da� gleich der erste Mann seine Pr�fung �berstehen w�rde, und noch dazu ein beinahe glatzk�pfiger alter Mann. Damer grinste schwach. Er machte den Eindruck, als m�sse er sich �bergeben. �Ich sch�tze, ich sollte mich nicht wundern, falls jeder dieser Einfaltspinsel die Pr�fung besteht�, knurrte der Mann mit der Adlernase und blickte Rand dabei an. �Ihr scheint genug Gl�ck f�r zehn M�nner zu haben.�</p><p>Unruhiges Stiefelscharren machte sich unter dem Rest der �Einfaltspinsel� breit. Bestimmt hofften ein paar bereits jetzt, sie w�rden nicht bestehen. Sie konnten nun keinen R�ckzieher mehr machen, aber immerhin w�rden sie dann in dem Bewu�tsein nach Hause zur�ckkehren, da� sie es versucht hatten und die Folgen, die ein Bestehen mit sich brachte, nicht mehr erdulden mu�ten.</p><p>Auch Rand war ein wenig �berrascht. Es war schlie�lich nicht mehr als ein Echo gewesen, und er hatte es vor Taim wahrgenommen, dem Mann, der wu�te, wonach er suchte.</p><p>�Mit der Zeit werden wir schon merken, wie stark Ihr eigentlich werden k�nnt�, sagte Taim, als Damer in die Gruppe der anderen zur�ckschl�pfte. Sie hielten aber nun ein wenig Abstand von ihm und mieden jeden Blick in seine Augen. �Vielleicht stellt Ihr euch als stark genug heraus, um sogar mir oder dem Lord Drache hier ebenb�rtig zu werden.� Der freie Raum um Damer herum wurde schlagartig noch etwas breiter. �Das wird die Zeit erweisen. Pa�t gut auf, w�hrend ich die anderen �berpr�fe. Wenn Ihr hellwach seid, bekommt Ihr m�glicherweise den Trick heraus, sobald ich einmal vier oder f�nf andere gefunden habe.� Ein schneller Blick in Rands Richtung sagte diesem, die Bemerkung sei nur ihn bestimmt gewesen. �Also, wer ist der n�chste?� Keiner r�hrte sich. Der Mann aus Saldaea strich sich �ber das Kinn. �Ihr.� Er deutete auf einen molligen Burschen deutlich jenseits der Drei�ig, einen dunkelhaarigen Weber namens Kely Huldin. In der Gruppe der Frauen st�hnte Kelys Ehefrau h�rbar auf.</p><p>Sechsundzwanzig weitere �berpr�fungen w�rden den ganzen Rest des Tageslichts �ber in Anspruch nehmen und vielleicht noch l�nger dauern. Hei� oder nicht, jedenfalls wurden die Tage immer noch k�rzer, als n�here sich der Winter tats�chlich, und eine nicht bestandene Pr�fung dauerte eindeutig ein paar Minuten l�nger als eine bestandene, denn man mu�te ja sichergehen. In der Zwischenzeit wartete Bashere, und er mu�te noch Weiramon besuchen, und dann...</p><p>�Macht Ihr nur damit weiter�, sagte Rand zu Taim. �Ich komme morgen wieder, um zu sehen, wie weit Ihr gekommen seid. Denkt daran, welches Vertrauen ich in Euch setze.� <emphasis>Vertrau ihm nicht!</emphasis> st�hnte Lews Therin.</p><p>Die Stimme schien von einer Gestalt herzur�hren, die in den Schatten von Rands Verstand aufgeregt hin und her h�pfte. <emphasis>Vertraut niemandem. Vertrauen ist der Tod. T�tet ihn. T�tet sie alle. Ach, sterben und alles ist vorbei, schlafen ohne Alptr�ume, ohne diese Tr�ume von Ilyena, vergib mir, Ilyena, keine Vergebung, nur der Tod verdiene es, endlich zu sterben...</emphasis> Rand wandte sich ab, bevor sich der Kampf in seinem Innern auf seiner Miene widerspiegeln konnte. �Morgen, wenn ich es schaffe.�</p><p>Taim holte ihn ein, bevor er noch mit den T�chtern den halben Weg zur�ck zum Wald geschafft hatte. �Wenn Ihr noch eine kleine Weile bleibt, lernt Ihr selbst, wie man diese Burschen auf das Talent hin �berpr�ft.� Seine Stimme klang ein wenig frustriert. �Falls ich �berhaupt noch vier oder f�nf weitere finde. Es w�rde mich aber wirklich nicht �berraschen. Ihr scheint tats�chlich das Gl�ck des Dunklen K�nigs gepachtet zu haben. Ich sch�tze doch, da� Ihr es lernen wollt. Falls Ihr nicht alles auf meine Schultern abladen wollt. Ich warne Euch aber, denn ich werde Zeit ben�tigen. So sehr ich es auch vorantreibe: bei diesem Damer beispielsweise wird es Tage oder Wochen dauern, bis er �berhaupt <emphasis>Saidin</emphasis> sp�ren wird, geschweige denn die Macht ergreifen kann. Und auch dann wird er sie zun�chst nur ergreifen, aber noch nicht einmal selbst�ndig einen Funken hervorbringen k�nnen.�</p><p>�Ich habe die Pr�fung bereits begriffen�, erwiderte Rand. �Es war nicht schwierig. Und ich habe tats�chlich vor, alles auf Eure Schultern abzuladen, so lange, bis Ihr genug weitere findet, die Euch wiederum bei der Suche helfen k�nnen. Denkt daran, was ich Euch gesagt habe, Taim. Bringt Ihnen schnell alles bei, was m�glich ist.� Darin lagen durchaus Gefahren. Wenn man lernte, mit der weiblichen H�lfte der Wahren Quelle zu arbeiten, war das wie eine Umarmung, hatte Rand erfahren. Man lernte, sich dem zu ergeben, und sobald man sich ihr hingab, gehorchte sie der betreffenden Frau. Es war wie eine �berragende, f�hrende Kraft, die ihren Anwenderinnen keinen Schaden zuf�gte, solange man sie nicht mi�brauchte. F�r Elayne und Egwene stellte das etwas ganz Nat�rliches dar, w�hrend Rand es kaum zu glauben vermochte. Die m�nnliche H�lfte zu lenken war wie ein andauernder Krieg, ein st�ndiges Ringen um Herrschaft und �berleben. Wenn man zu weit, zu schnell darin eintauchte, dann war man wie ein Junge, den man nackt in eine Schlacht gegen schwer ger�stete Gegner schickt. Auch wenn man es richtig gelernt hatte, konnte <emphasis>Saidin</emphasis> einen Mann immer noch vernichten, ihn t�ten oder seinen Verstand zerst�ren, falls es nicht einfach nur die F�higkeit, die Macht zu beherrschen, ausbrannte. Die gleiche Strafe, mit der die Aes Sedai die von ihnen gefangenen M�nner bedachten, die mit der Macht umgehen konnten, erlitt ein solcher Mann nach einem einzigen Moment der Unachtsamkeit, einem winzigen Augenblick, in dem er verga�, sich vor <emphasis>Saidin</emphasis> in acht zu nehmen. Einige der M�nner vor der Scheune wirkten bereit dazu, gleich jetzt in dieser Minute genau diesen Preis zu bezahlen. Kely Huldins Frau mit ihrem freundlichen, runden Gesicht hatte ihren Mann an der Hemdbrust gepackt und redete eindringlich auf ihn ein. Kely wackelte unsicher mit dem Kopf, w�hrend die anderen verheirateten M�nner nerv�s zu ihren Frauen hin�berblickten. Doch sie befanden sich in einem Krieg, und in Kriegen gab es nun einmal Verluste, selbst unter verheirateten M�nnern. Licht, er verh�rtete sich derma�en, da� ihm schon �bel wurde. Er wandte sich ein wenig zur Seite, damit er Sora Gradys Blick besser meiden konnte. �Geht bis an die Grenze bei ihnen�, sagte er zu Taim. �Bringt ihnen soviel bei, wie sie nur aufnehmen k�nnen, und das so schnell, wie es nur geht.�</p><p>Taim verzog leicht den Mund bei Rands ersten Worten. �Soviel sie nur aufnehmen k�nnen�, wiederholte er mit unbewegter Stimme. �Aber was? Dinge, die man als Waffen benutzen kann, nehme ich an?�</p><p>�Waffen�, stimmte Rand zu. Sie mu�ten Waffen darstellen, allesamt, ihn selbst eingeschlossen. Konnten sich Waffen Familien leisten? Konnte eine Waffe sich leisten, zu lieben? Und wo stammte dieser Gedanke nun wieder her? �Alles, was sie zu lernen in der Lage sind, aber vor allem das.� Es waren so wenige. Siebenundzwanzig, und falls auch nur ein einziger au�er Damer dabei war, der den Umgang mit der Macht lernen konnte, hatte Rand es seiner Eigenschaft als <emphasis>Ta'veren</emphasis> zu verdanken, da� sie diesen Mann zu ihm gef�hrt hatte. Aes Sedai fingen nur M�nner, die tats�chlich die Macht lenkten, und unterzogen sie der D�mpfung, aber sie hatten das w�hrend der letzten dreitausend Jahre sehr gr�ndlich getan. Manche Aes Sedai glaubten mittlerweile, sie erreichten langsam aber sicher etwas, was sie gar nicht beabsichtigt hatten, n�mlich das Talent zum Lenken der Macht aus der ganzen Menschheit herauszuz�chten. Man hatte die Wei�e Burg so gro� gebaut, da� sie zu jeder Zeit dreitausend Aes Sedai beherbergen konnte, und sogar noch viele mehr, falls einmal alle dort zusammengerufen werden mu�ten. Es waren R�ume vorhanden, um Hunderte von M�dchen auszubilden, doch vor der Spaltung hatte es in der Burg lediglich etwa vierzig Novizinnen gegeben und weniger als f�nfzig Aufgenommene. �Ich brauche eine gr��ere Anzahl, Taim. Wie auch immer, sp�rt mir weitere auf! Bringt ihnen vor allem schnell bei, wie man andere M�nner auf das Talent hin �berpr�ft.�</p><p>�Ihr wollt also versuchen, es den Aes Sedai gleichzutun, ja?� Taim schien das nicht weiter zu beeindrucken, sogar dann, wenn das wirklich Rands Plan sein sollte. Der Blick aus seinen dunklen, schr�g gestellten Augen, war gelassen.</p><p>�Wie viele Aes Sedai gibt es insgesamt? Tausend?� �Nicht so viele, glaube ich�, antwortete Taim vorsichtig.</p><p>Eigenschaften aus der menschlichen Rasse herausz�chten. Verdammt sollten sie sein, selbst wenn sie glaubten, gewichtige Gr�nde daf�r zu haben. �Nun, es wird auf jeden Fall genug Feinde f�r alle geben.� Etwas, woran er keinen Mangel litt, waren Feinde. Der Dunkle K�nig und die Verlorenen, Schattenwesen und Schattenfreunde. Sicherlich die Wei�m�ntel und h�chstwahrscheinlich die Aes Sedai, oder zumindest einige davon, diejenigen, die zu den Schwarzen Ajah geh�rten und andere, die ihn beherrschen wollten. Diese letzten z�hlte er zu seinen Feinden, auch wenn sie das selbst nicht so sahen. Dann w�rde es bestimmt neue Schattenlords geben, so wie er das ja auch behauptet hatte. Und weitere dar�ber hinaus. Gen�gend Feinde, um alle seine Pl�ne zu zerst�ren, um alles zu zerst�ren. Sein Griff an dem geschnitzten Schaft des Drachenszepters verkrampfte sich. Die Zeit war der gr��te Feind �berhaupt und seine Chancen, gerade diesen Feind zu besiegen, standen schlecht. �Ich werde sie besiegen, Taim. Allesamt. Sie glauben, alles niederrei�en zu k�nnen. Immer rei�en sie alles nieder, bauen niemals etwas auf! Ich werde etwas Neues bauen, etwas hinterlassen. Was auch geschehen mag, das werde ich auf jeden Fall erreichen! Ich werde den Dunklen K�nig besiegen! Und ich werde <emphasis>Saidin</emphasis> reinigen, damit die M�nner nicht mehr f�rchten m�ssen, dem Wahnsinn zu verfallen, und damit die Welt M�nner nicht mehr f�rchten mu�, die mit der Macht umgehen k�nnen. Ich werde... �</p><p>Die gr�nen und wei�en Troddeln schwangen herum, als er den Speer zornig hochri�. Es war unm�glich. Hitze und Staub hielten ihn zum Narren. Einiges davon mu�te erreicht werden, und doch war das alles unm�glich. Das Beste, worauf sie alle hoffen durften, war, zu gewinnen und dann zu sterben, bevor sie wahnsinnig wurden, und im Augenblick hatte er noch nicht einmal eine Ahnung, wie er auch nur das erreichen sollte. Alles, was ihm blieb, war es immer wieder zu versuchen. Es sollte doch aber einen Weg geben. Wenn es so etwas wie Gerechtigkeit gab, mu�te es doch m�glich sein.</p><p><emphasis>�Saidin</emphasis> reinigen�, wiederholte Taim leise. �Ich glaube, daf�r w�rdet Ihr mehr Macht ben�tigen, als Ihr euch vorstellen k�nnt.� Nachdenklich schlo� er die Augen ein wenig. �Ich habe von Dingen geh�rt, die man <emphasis>Sa'Angreal</emphasis> nennt. Besitzt Ihr einen davon, von dem Ihr annehmen k�nnt...�</p><p>�K�mmert Euch nicht darum, was ich habe oder nicht habe�, fuhr ihn Rand an. �Ihr unterrichtet jeden, der die F�higkeit hat, den Umgang mit der Macht zu lernen, Taim. Dann sp�rt noch mehr auf und unterrichtet auch sie. Der Dunkle K�nig wartet nicht auf uns! Licht! Wir haben nicht genug Zeit, Taim, aber wir m�ssen es irgendwie schaffen. Wir m�ssen!�</p><p>�Ich werde mir M�he geben. Erwartet aber nicht von Damer, da� er morgen bereits eine Stadtmauer zum Einst�rzen bringt.�</p><p>Rand z�gerte. �Taim? Seid wachsam jedem Eurer Sch�ler gegen�ber, der zu schnell lernt. La�t es mich in einem solchen Fall sofort wissen. Es k�nnte sein, da� sich einer der Verlorenen unter Eure Sch�ler zu mischen versucht.�</p><p>�Einer der Verlorenen!� Das kam beinahe als Fl�stern heraus. Zum zweitenmal wirkte Taim ersch�ttert. Diesmal war er wohl wirklich ins Mark getroffen worden. �Warum sollte...?�</p><p>�Wie stark seid Ihr?� unterbrach ihn Rand. �Ergreift <emphasis>Saidin.</emphasis> Jetzt auf der Stelle. Soviel Ihr nur halten k�nnt!� Einen Augenblick lang sah ihn Taim nur ausdruckslos an, und dann str�mte die Macht in ihn ein. Es gab kein Gl�hen, so wie es die Frauen bei anderen sahen, die gerade die Macht in sich aufnahmen. Nur ungeheure Kraft und Bedrohung lagen darin. Rand sp�rte alles ganz deutlich und konnte es auch recht gut einsch�tzen. Taim hatte nun genug <emphasis>Saidin</emphasis> in sich, um den Bauernhof und alle, die sich hier aufhielten, innerhalb von Sekunden zu vernichten und auch noch alles auf Sichtweite zu verw�sten. Es war nicht viel weniger, als Rand ohne Hilfe bew�ltigen konnte. Andererseits konnte es sein, da� sich der Mann zur�ckhielt. Rand sp�rte nichts von Anstrengung, und m�glicherweise wollte der Mann Rand nicht seine ganze Kraft vorf�hren. Wie konnte er auch ahnen, wie Rand darauf reagieren w�rde?</p><p><emphasis>Saidin</emphasis> und das Gef�hl, das es ausl�ste, verbla�ten in Taim, und jetzt erst wurde Rand bewu�t, da� er selbst von der m�nnlichen H�lfte der Wahren Quelle erf�llt war, von einer rasenden Flut. Jedes bi�chen, das er durch den <emphasis>Angreal</emphasis> in seiner Tasche an sich ziehen konnte, durchtobte ihn. <emphasis>T�te ihn,</emphasis> fl�sterte Lews Therin. <emphasis>T�te ihn jetzt!</emphasis> Einen Augenblick lang packte Rand eisiger Schrecken. Die ihn umgebende Leere kam ins Wanken, <emphasis>Saidin</emphasis> tobte und schwoll an, und er war gerade noch in der Lage, die Macht loszulassen, bevor sie sowohl das Nichts wie auch ihn selbst verschlang. Hatte <emphasis>er</emphasis> nach der Quelle gegriffen oder Lews Therin? <emphasis>T�te ihn! T�te ihn!</emphasis></p><p>In einem Wutausbruch schrie Rand in seinem Kopf: <emphasis>Halt den Mund!</emphasis> Zu seiner �berraschung verstummte die andere Stimme tats�chlich.</p><p>Schwei� rann ihm �ber das Gesicht, und er wischte ihn mit einer Hand weg, die st�ndig zu zittern versuchte. Er hatte selbst nach der Quelle gegriffen; es konnte gar nicht anders sein. Die Stimme eines toten Mannes brachte so etwas nicht fertig. Unbewu�t hatte er Taim nicht getraut, wenn dieser eine solche Menge <emphasis>Saidins</emphasis> in sich aufnahm. Er hatte nicht hilflos danebenstehen wollen. So war es gewesen.</p><p>�Gebt nur auf jeden acht, der zu schnell lernt�, knurrte er. Vielleicht sagte er Taim gegen�ber zuviel, aber die Menschen hatten ein Recht darauf, zu erfahren, was ihnen m�glicherweise widerfahren k�nnte. Soweit sie das jedenfalls wissen mu�ten. Er wagte es nicht, Taim oder irgend jemand anderem zu gestatten, herauszufinden, wo er den gr��ten Teil seines Wissens erworben hatte. Falls sie erfuhren, da� er einen der Verlorenen gefangengehalten und entkommen lassen hatte... Die Ger�chte w�rden schnell den Teil mit dem Gefangenen weglassen, falls alles herauskam. Die Wei�m�ntel behaupteten ohnehin, er sei ein falscher Drache und au�erdem wahrscheinlich noch ein Schattenfreund. Das sagten sie allerdings von jedem, der die Eine Macht ber�hrte. Sollte die Welt etwas von Asmodean erfahren, w�rden vielleicht eine Menge Leute dasselbe glauben. Dann spielte es keine Rolle, da� Rand jemanden gebraucht hatte, um ihm den Umgang mit <emphasis>Saldin</emphasis> richtig beizubringen. Keine Frau h�tte das gekonnt, genausowenig, wie sie seine Str�nge sehen konnten oder er ihre. M�nner glauben bereitwillig immer das Schlimmste, und Frauen glauben, da� sich dahinter noch etwas Schlimmeres verberge, so sagte man von altersher an den Zwei Fl�ssen. Er w�rde selbst mit Asmodean fertigwerden, falls der Mann jemals wieder auftauchte. �Beobachtet sie nur alle recht gut. Und heimlich.�</p><p>�Wie mein Lord Drache befiehlt.� Der Mann verbeugte sich sogar leicht und ging dann zur�ck auf den Hof, wo seine Sch�ler warteten.</p><p>Rand bemerkte, da� die T�chter ihn anblickten. Enaila und Somara, Sulin und Jalani und all die anderen. In ihren Augen stand die Sorge um ihn. Sie akzeptierten ja fast alles, was er tat, alle jene Dinge, die ihn vor sich selbst zur�ckschrecken lie�en, wenn er sie vollbrachte, alle jene Dinge, vor denen jeder bis auf die Aiel zur�ckschreckte, und was sie dann doch auf die Palme brachte, waren f�r gew�hnlich Anl�sse, die er �berhaupt nicht bemerkenswert fand. Sie akzeptierten ihn und machten sich Sorgen <emphasis>seinetwegen.</emphasis></p><p>�Ihr sollt Euch nicht so erm�den�, sagte Somara ruhig. Rand sah sie an und die Wangen der Frau mit dem flachsblonden Haar r�teten sich. Dies z�hlte sie vielleicht nicht als ��ffentlichkeit�, denn Taim war bereits zu weit entfernt, um lauschen zu k�nnen, aber die Bemerkung ging trotzdem etwas zu weit.</p><p>Und dann zog auch noch Enaila eine Reserveschufa hinter ihrem G�rtel hervor und reichte sie ihm. �Zuviel Sonne tut Euch nicht gut�, sagte sie leise.</p><p>Eine der anderen murmelte: �Er braucht eine Frau, die auf ihn aufpa�t� Er wu�te nicht, wer das gesagt hatte; selbst Somara und Enaila wagten h�chstens, solche Dinge hinter seinem R�cken auszusprechen. Er wu�te aber sehr wohl, wer damit gemeint war: Aviendha.</p><p>Wer w�re besser geeignet, den Sohn einer Tochter des Speers zu heiraten, als gerade eine Tochter, die den Speer aufgegeben hatte, um eine Weise Frau zu werden?</p><p>Er unterdr�ckte seinen aufsteigenden Zorn, wickelte sich die Schufa um den Kopf und war ganz dankbar daf�r. Die Sonne brannte wirklich hei� herab, und der graubraune Stoff hielt die Hitze �berraschend gut ab. Sein Schwei� lie� die Schufa bereits nach kurzer Zeit an der Stirn kleben. Hatte Taim irgendeine Ahnung, wie beispielsweise die Aes Sedai es schafften, da� sie von Hitze oder K�lte kaum ber�hrt wurden? Saldaea befand sich weit im Norden, und doch schien es, da� der Mann nicht einmal leicht schwitzte, so wie die Aiel. Trotz seiner Dankbarkeit sagte Rand lediglich: �Ich darf aber nicht einfach hier herumstehen und Zeit verschwenden.�</p><p>�Zeit verschwenden?� fragte die junge Jalani in viel zu unschuldigem Tonfall, wobei sie ihre Schufa frisch wickelte und dabei einen Augenblick lang kurz geschnittenes Haar enth�llt, das beinahe genauso rot war wie das Enailas. �Wie k�nnte denn der <emphasis>Car'a'carn</emphasis> Zeit verschwenden? Das letzte Mal, als ich so schwitzte wie er jetzt, war ich von Sonnenaufgang bis Sonnenuntergang gerannt.�</p><p>Grinsen und offenes Gel�chter machten sich unter den anderen T�chtern breit. Die rothaarige Maira, mindestens zehn Jahre �lter als Rand, klatschte sich auf die Schenkel, w�hrend die goldhaarige Desora ihr L�cheln hinter der vorgehaltenen Hand verbarg, wie sie es immer zu tun pflegte. Liah mit dem vernarbten Gesicht h�pfte auf Zehenspitzen auf und ab, und Sulin kr�mmte sich vor Lachen. Der Humor der Aiel war schon im g�nstigsten Fall eigenartig. �ber die Helden der Legenden machte sich niemand jemals lustig, nicht einmal auf solch seltsame Weise, und man spielte ihnen keine Streiche. Mit K�nigen hielt man es wohl ebenso. Ein Teil des Problems lag nat�rlich darin, da� ein Aielh�uptling, selbst ein <emphasis>Car'a'carn,</emphasis> kein K�nig war. Er mochte wohl in vielen Dingen die Autorit�t eines K�nigs besitzen, doch jeder Aiel durfte und w�rde auch an ihn herantreten und genau das aussprechen, was er dachte oder f�hlte. Der gr��ere Teil des Problems allerdings lag auf einem ganz anderen Gebiet begr�ndet.</p><p>Obwohl er ja an den Zwei Fl�ssen von Tarn al'Thor und Tams Frau Kari � bis zu ihrem Tod, als er gerade f�nf war �, aufgezogen worden war, war Rands wirkliche Mutter eine Tochter des Speers gewesen, die bei seiner Geburt am Hang des Drachenberges gestorben war. Allerdings war sie keine Aiel gewesen � nur sein Vater war einer �, doch trotzdem Tochter des Speers. Daher war er von Aielsitten ber�hrt worden, die st�rker waren als die Gesetze anderer. Nein, nicht ber�hrt: erdr�ckt. Keine Tochter konnte heiraten und trotzdem den Speer behalten. Wenn sie also den Speer nicht aufgab, wurde jedes Kind, das sie gebar, von den Weisen Frauen einer anderen Frau zugeteilt, und zwar so geheim, da� die betreffende Tochter niemals erfuhr, wer diese Ersatzmutter war. Ein solches von einer Tochter geborene Kind galt als Zeichen des Gl�cks, als Gl�cksbringer, sowohl, was es selbst betraf, wie auch f�r diejenigen, die es gro�zogen. Und doch wu�ten nur die Frau, bei der es aufwuchs, und ihr Ehemann, da� es nicht ihr eigenes Kind war. Dar�ber hinaus sagten die Prophezeiungen von Rhuidean den Aiel, der <emphasis>Car'a'carn</emphasis> werde ein solches Kind sein, aber von Feuchtl�ndern aufgezogen. F�r die T�chter des Speers versinnbildlichte Rand all jene Kinder, und er war somit das erste Kind einer Tochter, das jeder als solches kannte.</p><p>Die meisten, ob sie nun �lter als Sulin waren oder so jung wie Jalani, hie�en ihn wie einen lange verschollenen Bruder willkommen. In der �ffentlichkeit gew�hrten sie ihm denselben Respekt wie jedem H�uptling, auch wenn das gelegentlich nur recht wenig war, doch wenn sie mit ihm allein waren, h�tte er genausogut jener Bruder sein k�nnen. Das Alter der Frau schien nicht das Geringste damit zu tun zu haben, ob sie ihn nun als j�ngeren oder �lteren Bruder behandelten. Er war aber doch froh, da� sich nur eine Handvoll wie Enaila und Somara verhielten. Ob allein oder in der �ffentlichkeit machte es ihn gleicherma�en verr�ckt, wenn eine Frau, die nicht �lter war als er selbst, sich benahm, als sei er ihr Sohn.</p><p>�Dann sollten wir uns irgendwohin begeben, wo ich nicht schwitze�, sagte er und brachte sogar ein Grinsen zustande. Er war es ihnen schuldig. Einige von ihnen waren bereits f�r ihn gestorben, und es w�rden noch viel mehr, bis alles vorbei war. Die T�chter unterdr�ckten ihre Heiterkeit schnell, immer bereit, zu gehen, wohin der <emphasis>Car'a'carn</emphasis> w�nschte, immer bereit, ihn zu besch�tzen.</p><p>Die Frage war nur, wohin? Bashere wartete auf seinen so sorgf�ltig als blo�e H�flichkeit getarnten Besuch, doch sollte Aviendha davon erfahren haben, w�rde sie sich m�glicherweise bei Bashere befinden. Rand hatte sie soweit wie m�glich gemieden, und vor allem wollte er nicht allein mit ihr sein. Denn er w�nschte sich so sehr, allein mit ihr zu sein. Er hatte es bisher geschafft, diese Gef�hle vor den T�chtern zu verbergen. Falls sie das jemals auch nur vermuteten, w�rden sie ihm das Leben zur H�lle machen. Es war eben so, da� er sich einfach von ihr fernhalten <emphasis>mu�te.</emphasis> Er trug den Tod mit sich wie eine ansteckende Krankheit; er war das Ziel und die Menschen in seiner N�he starben. Er mu�te sein Herz verh�rten und T�chter sterben lassen � das Licht sollte ihn f�r alle Ewigkeit f�r dieses unselige Versprechen bestrafen! �, doch Aviendha hatte den Speer aufgegeben, um sich von den Weisen Frauen ausbilden zu lassen. Er war sich nicht sicher, was er eigentlich f�r sie empfand, nur, wenn sie durch seine Schuld starb, w�rde auch etwas in ihm sterben. Es war gut, da� es f�r sie keine gef�hlsm��igen Verwirrungen gab, wo es ihn betraf. Sie bem�hte sich lediglich, in seiner N�he zu bleiben, weil die Weisen Frauen sie beauftragt hatten, ihn f�r sie zu beobachten, und weil sie ihn in Elaynes Namen bewachte. Keiner dieser beiden Gr�nde machte die Lage f�r Rand leichter zu ertragen; ganz im Gegenteil.</p><p>Die Entscheidung fiel ihm aber in diesem Falle wirklich leicht. Bashere w�rde warten m�ssen, damit er Aviendha meiden konnte, und der Besuch bei Weiramon, der im Palast seinen Anfang nehmen und nach Heimlichtuerei aussehen sollte, um die besondere Beachtung von wachsamen Augen zu finden, w�rde eben als n�chstes kommen. Ein t�richter Grund f�r eine solche Entscheidung, aber was konnte ein Mann schon tun, wenn eine Frau einfach nichts einsehen wollte? Auf diese Art w�rde vielleicht sogar etwas herauskommen. Diejenigen, die von diesem Besuch erfahren sollten, w�rden es auch so erfahren und m�glicherweise umso eher glauben, was er sie glauben machen wollte, denn so sah es noch mehr nach echter Geheimhaltung aus. Vielleicht w�rde dann der Besuch bei Bashere und den anderen aus Saldaea noch unwichtiger wirken, weil er ihn auf sp�ter an diesem Tag hinausschob. Ja. R�nke innerhalb weiterer R�nke, die sogar der Adligen Cairhiens w�rdig w�ren, wenn sie das Spiel der H�user spielten.</p><p>So ergriff er <emphasis>Saidin</emphasis> und �ffnete ein Tor. Der Lichtstreifen verbreiterte sich und zeigte das Innere eines ger�umigen, gr�ngestreiften Zeltes, leer bis auf eine dicke Schicht bunter Teppiche in der typischen Labyrinth Webart der Tairener. In diesem Zelt konnte man bestimmt keinen Hinterhalt legen, noch weniger als in der Gegend des Bauernhofs, aber trotzdem verschleierten sich Enaila und Maira und die anderen vorsichtshalber.</p><p>Dann huschten sie durch das Tor ins Zelt hinein. Rand blieb noch einen Moment stehen, um sich nach hinten umzublicken.</p><p>Kely Huldin ging mit gesenktem Kopf zum Wohnhaus zur�ck, w�hrend seine Frau die beiden Kinder neben ihm herf�hrte. Sie fa�te immer mal wieder zu ihm her�ber und t�tschelte ihn tr�stend. Selbst auf diese Entfernung konnte Rand ihr strahlendes Gesicht deutlich erkennen. Offensichtlich war Kely durchgefallen. Taim stand vor Jur Grady, und beide starrten eine winzige Flamme an, die zwischen ihnen in der Luft flackerte. Sora Grady hatte ihren Sohn an die Brust gedr�ckt und die Augen von ihrem Mann abgewandt. Ihr Blick galt vielmehr immer noch Rand. �Die Augen einer Frau schneiden tiefer als ein Messer�, so lautete ein anderes Sprichwort an den Zwei Fl�ssen.</p><p>Er trat durch das Tor und wartete, bis der Rest der T�chter ihm gefolgt war. Dann lie� er die Quelle los. Er tat, was sein mu�te.</p></section><section><title><p>4</p><p>Sinn f�r Humor</p></title><p>Das d�stere Innere des Zeltes war so hei�, da� im Vergleich dazu Caemlyn, etwa achthundert Meilen n�rdlich gelegen, angenehm k�hl erschien, und als Rand die Zeltklappe hob, mu�te er blinzeln. Der Sonnenschein traf ihn wie ein Hammerschlag, so da� er froh war, die Schufa um den Kopf gewickelt zu haben. Eine Dublette der Drachenflagge hing �ber dem gr�ngestreiften Zelt neben einer der karmesinroten Flaggen mit dem uralten Kennzeichen der Aes Sedai. Zeltreihen erstreckten sich �ber eine wellige Ebene, auf der bis auf ein paar armselige B�schel alles Gras schon lange von Hufen und Stiefeln niedergetrampelt worden war. Manche Zelte hatte spitze D�cher, andere flache, die meisten waren wei�, wenn auch gelegentlich ziemlich schmutzig, aber einige wiesen doch bunte Farben oder Farbstreifen auf. Die Flaggen vieler Lords bildeten zus�tzliche Farbtupfer. Ein Heer hatte sich hier an der Grenze nach Tear versammelt, am Rande der Ebenen von Maredo, Tausende und Abertausende von Soldaten aus Tear und Cairhien. Die Aiel hatten ihre eigenen Lager ein St�ck von dem der Feuchtl�nder entfernt aufgeschlagen. Es kamen mindestens f�nf Aiel auf jeden Soldaten aus Tear und Cairhien, und weitere kamen jeden Tag hinzu. Es war ein Heer, das Illian erzittern lie�, eine Heerschar, die bereits jetzt stark genug war, um alles auf ihrem Weg hinwegzufegen.</p><p>Enaila und der Rest der Vorhut befanden sich bereits drau�en, allerdings unverschleiert und in Begleitung einiger Aielm�nner. Die Aiel bewachten dieses Zelt rund um die Uhr. Sie waren wie die T�chter des Speers gekleidet und bewaffnet, aber hochgewachsen wie Rand oder sogar noch gr��er, L�wen, wo die T�chter wie Leopardinnen wirkten, sonnenverbrannte M�nner mit harten Gesichtern und kalten blauen oder gr�nen oder grauen Augen. Heute waren <emphasis>Sha'mad Conde</emphasis> � Donnerg�nger � an der Reihe, von Roidan selbst angef�hrt der auf dieser Seite der Drachenmauer seine Kriegergemeinschaft befehligte. Die T�chter trugen die Ehre des <emphasis>Car'a'carn,</emphasis> doch jede Kriegergemeinschaft verlangte ihren Anteil an den Pflichten.</p><p>Etwas allerdings an der Kleidung der M�nner unterschied sich von der der T�chter. Die H�lfte von ihnen hatte sich n�mlich ein rotes Tuch um den Kopf gebunden, und so zeigten sie das uralte Sinnbild der Aes Sedai, die schwarz und wei� unterteilte Scheibe, auf der Stirn. Das war eine neue Sache, die erst vor ein paar Monaten aufgetaucht war. Die Tr�ger dieses Stirnbandes nannten sich Isiswai'aman, und dieses Wort aus der Alten Sprache bedeutete soviel wie �die Speere des Drachen�. �Speere im Besitz des Drachen� w�re allerdings ihrer Hingabe gerechter geworden.</p><p>Rand f�hlte sich ganz und gar unwohl dabei, wenn er die Stirnb�nder sah und an ihre Bedeutung dachte, aber er konnte kaum etwas dagegen unternehmen, da die M�nner einfach nicht dar�ber sprachen und nicht einmal zugaben, sie zu tragen. Warum die T�chter diese Dinger nicht ben�tzten, zumindest keine von denen, die er bisher gesehen hatte, war ihm ein R�tsel. Er konnte aus ihnen kaum mehr dar�ber herausbekommen als aus den M�nnern.</p><p>�Ich sehe Euch, Rand al'Thor�, sagte Roidan ernst. In Roidans Haarschopf war bereits erheblich mehr Grau zu sehen als Blond, doch das Gesicht des breitschultrigen Mannes h�tte einem Grobschmied als Hammer oder auch als Ambo� dienen k�nnen, und den Narben auf seinen Wangen und der Nase nach zu schlie�en, hatte das auch mehr als einer versucht. Die eiskalten blauen Augen lie�en dann aber das Gesicht selbst wieder geradezu weich erscheinen. Er mied jeden Blick auf Rands Schwert. �Ich w�nsche Euch, da� Ihr heute Schatten findet.� Das hatte nichts mit der fast wei�gl�henden Sonne oder dem wolkenlosen Himmel zu tun � Roidan schien �berhaupt nicht zu schwitzen �, sondern war einfach eine Gru�formel unter Menschen aus einem Land, wo die Sonne tagaus, tagein herabgl�hte und wo es kaum einen Baum gab.</p><p>Genauso h�flich erwiderte Rand: �Ich sehe Euch, Roidan. Auch ich w�nsche Euch, da� Ihr heute Schatten findet. Befindet sich Hochlord Weiramon in der Nahe?�</p><p>Roidan nickte in Richtung eines gro�en Zeltpavillons mit rotgestreiften Seitenw�nden und einem hochroten Dach, der von M�nnern mit langen, pr�zise im gleichen Winkel aufgepflanzten Lanzen Schulter an Schulter umringt war. Sie hatten alle die auf Hochglanz polierten Brustharnische und die schwarz goldenen Waffenr�cke der Verteidiger des Steins an. �ber dem Zelt prangten die Drei Halbmonde Tears, wei� auf rotem und goldenem Feld, und die strahlende Aufgehende Sonne Cairhiens, golden auf blauem Feld, zu beiden Seiten von Rands eigener roter Flagge. Alle drei flatterten tr�ge in einer Brise, die aus einem Backofen zu kommen schien.</p><p>�Die Feuchtl�nder befinden sich alle dort.� Roidan sah Rand geradewegs in die Augen und f�gte hinzu: �Bruan ist schon drei Tage lang nicht mehr in dieses Zelt gebeten worden, Rand al'Thor.� Bruan war der Clanh�uptling der Nakai Aiel, also von Roidans Clan, und au�erdem geh�rten sie beide der Salzebenen Septime an. �Genausowenig wie Han von den Tomanelle oder Dhearic von den Reyn oder �berhaupt ein Clanh�uptling.�</p><p><emphasis>�Ich</emphasis> werde mit ihnen sprechen�, sagte Rand. �Teilt Ihr bitte Bruan und den anderen mit da� ich hier bin?� Roidan nickte ernst.</p><p>Enaila be�ugte die M�nner von der Seite her, steckte dann den Kopf mit Jalani zusammen und fl�sterte ihr so auff�llig zu, da� man es auf zehn Schritt Entfernung verstehen konnte: �Wei�t du, warum man sie Donnerg�nger nennt? Sogar wenn sie stillstehen, blicken sie hoch zum Himmel und warten auf Blitze.�</p><p>Und dann sch�tteten sich die T�chter beinahe aus vor Lachen.</p><p>Ein junger Donnerg�nger sprang hoch in die Luft und kickte mit einem bestiefelten Fu� in die Luft noch �ber Rands Kopfh�he. Er sah gut aus, abgesehen von der runzligen Narbe auf seiner Wange, die sich bis unter den schwarzen Augenverband zog, der eine leere Augenh�hle verdeckte. Auch er trug das Stirnband. �Wi�t Ihr, warum die T�chter diese Fingersprache benutzen?� rief er auf dem H�hepunkt seines Sprunges, und als er landete, schnitt er eine h�mische Grimasse. Die war allerdings nicht f�r die T�chter bestimmt; er sprach mit seinen Kameraden und ignorierte die Frauen. �Selbst wenn sie nicht reden, k�nnen sie mit dem Reden nicht aufh�ren.� Die <emphasis>Sha'mad Conde</emphasis> lachten genauso schallend wie vorher die T�chter.</p><p>�Nur Donnerg�nger betrachten es als Ehre, ein leeres Zelt zu bewachen�, sagte Enaila traurig zu Jalani und sch�ttelte den Kopf. �Wenn sie das n�chste Mal Wein bringen lassen und die <emphasis>Gai'schain</emphasis> ihnen leere Becher reichen, werden sie zweifellos noch viel betrunkener sein als wir mit <emphasis>Oosquai.�</emphasis></p><p>Offenbar waren die Donnerg�nger der Meinung, Enaila sei aus dieser Flachserei als Siegerin hervorgegangen. Der Ein�ugige und mehrere andere hoben ihre Schilde aus Stierleder und schlugen mit Speeren darauf, da� es laut klapperte. Sie selbst lauschte dem L�rm einen Augenblick lang, nickte versonnen in sich hinein und schlo� sich den anderen an, die Rand hinterhergingen.</p><p>Rand sann �ber den Humor der Aiel nach, w�hrend er das sich weithin erstreckende Lager betrachtete. Von Hunderten verstreuter Feuer her roch es nach Essen. Brot wurde auf den Kohlen gebacken, Fleisch an Spie�en ger�stet, und Suppen brodelten in Kesseln, die man in dreibeinige Gestelle geh�ngt hatte. Soldaten a�en immer gut und oft, wenn es irgendwie m�glich war, denn w�hrend eines Kriegszuges gab es dann meist nur seltene und d�rftige Mahlzeiten. Die Feuer f�gten dem noch ihren eigenen s��lichen Geruch hinzu. Auf den Ebenen von Maredo verfeuerte man eher getrockneten Ochsendung als Holz.</p><p>Hier und da sah man Bogen oder Armbrustsch�tzen oder Pikeure in Lederwesten mit aufgen�hten Stahlscheiben oder einfach in wattierten M�nteln, aber die Adligen aus Tear und Cairhien verachteten gleicherma�en die Infanterie und bevorzugten die Kavallerie. Deshalb waren vor allem Berittene zu sehen. Die Helme der Tairener hatten breite R�nder und einen Wulst, der von vorn nach hinten verlief. Brustharnische waren �ber das Wams mit seinen bauschigen �rmeln geschnallt � alles nat�rlich in den Farben ihres jeweiligen Lords. Die Soldaten aus Cairhien trugen meist ein dunkles Wams, verbeulte Harnische und glockenf�rmige Helme, die so ausgeschnitten waren, da� das Gesicht des Mannes sichtbar war. Wimpel, die man als <emphasis>Cons</emphasis> bezeichnete, an kurzen St�cken, die man auf dem R�cken bei einigen M�nnern festgeschnallt hatte, bezeichneten niedrigere Adlige aus Cairhien und j�ngere, nicht erbberechtigte S�hne aus Adelsfamilien, manchmal aber auch lediglich Offiziere, obwohl nat�rlich nur wenige Gemeine aus Cairhien einen solchen Rang erreichten. In Tear verhielt es sich ebenso. Die Angeh�rigen der beiden Nationen blieben jedoch unter sich. W�hrend die Tairener h�ufig nachl�ssig im Sattel sa�en und grunds�tzlich jeden aus Cairhien h�misch angrinsten, der in ihre N�he kam, sa�en die gew�hnlich kleineren M�nner aus Cairhien steif und hoch aufgerichtet im Sattel, als wollten sie mit aller Macht gr��er erscheinen.</p><p>Sie ignorierten die Tairener ihrerseits vollst�ndig. Sie hatten mehr als einen Krieg gegeneinander ausgetragen, bevor Rand sie dazu brachte, gemeinsam in diesen Krieg zu ziehen.</p><p>Grob gekleidete, ergraute alte M�nner und auch ein paar, die fast noch Knaben waren, st�berten mit dicken St�cken zwischen den Zelten herum, und gelegentlich scheuchte der eine oder andere von ihnen eine Ratte auf und erlegte sie mit seinem Kn�ppel. Dann wurde sie den anderen hinzugef�gt, die bereits an seinem G�rtel baumelten. Ein Kerl mit gro�er Nase in einer speckigen Lederweste und ohne Hemd, Bogen in der Hand und K�cher an der H�fte, legte eine lange Schnur auf einen Tisch vor einem der Zelte, an die er eine Menge erlegte Kr�hen und Raben mit den F��en festgebunden hatte, und erhielt daf�r einen Beutel Geld von einem gelangweilt dreinblickenden tairenischen Soldaten, der ohne Helm hinter dem Tisch sa�. Nur wenige soweit im S�den glaubten daran, da� die Myrddraal tats�chlich Ratten und Raben und �hnliches als Spione ben�tzten � Licht, von denjenigen abgesehen, die sie wirklich schon gesehen hatten, glaubte hier im S�den auch kaum einer �berhaupt an die Existenz von Myrddraal oder Trollocs! �, aber wenn der Lord Drache das Lager von solchen Sch�dlingen sauberhalten wollte, kamen sie diesem Wunsch gern nach, vor allem, weil der Lord Drache sie f�r jeden Kadaver mit Silber entlohnte.</p><p>Hochrufe machten sich nat�rlich jetzt breit, denn wer w�rde sonst mit einer Eskorte von T�chtern des Speers und mit dem Drachenszepter in der Hand durch das Lager gehen. �Das Licht leuchte dem Lord Drachen!� und �Die Gnade des Lichts dem Lord Drachen!� und �hnliches erklang von allen Seiten. Bei vielen schien das sogar ernst gemeint, obwohl das nat�rlich schwer festzustellen war, wenn alle aus voller Kehle schrien. Andere allerdings starrten nur mit steinerner Miene her�ber oder lie�en ihre Pferde wenden und ritten � nicht zu schnell � davon. Schlie�lich wu�te man ja nicht, wann er vielleicht einen Blitz vom Himmel herabrief oder einen Spalt in der Erde �ffnete. M�nner, die mit der Macht umgehen konnten, wurden am Ende verr�ckt, und wer kann schon voraussagen, was ein Wahnsinniger anstellt oder wann? Ob sie nun jubelten oder nicht, musterten sie doch die T�chter mi�trauisch. Nur wenige hatten sich daran gew�hnen k�nnen, da� Frauen wie die M�nner Waffen trugen, und au�erdem waren sie Aiel, und jeder wu�te, da� die Aiel genauso unberechenbar waren wie Verr�ckte.</p><p>Der L�rm reichte nicht aus, um alles zu �bert�nen, was die T�chter hinter Rand sagten.</p><p>�Er hat einen feinen Sinn f�r Humor. Wer ist das?� Das kam von Enaila.</p><p>�Er hei�t Leiran�, antwortete Somara. �Einer der Cosaida Chareen. Du glaubst, er habe Humor, weil er deinen Scherz f�r besser hielt als seinen eigenen? Er sieht aber tats�chlich so aus, als habe er kr�ftige H�nde.� Mehrere der T�chter glucksten vor Vergn�gen.</p><p>�Habt Ihr Enaila nicht auch prachtvoll gefunden, Rand al'Thor?� Sulin schritt neben ihm einher. �Ihr habt nicht gelacht. Ihr lacht �berhaupt niemals. Manchmal glaube ich, Ihr habt �berhaupt keinen Sinn f�r Humor.�</p><p>Rand blieb auf dem Fleck stehen und fuhr sie derart pl�tzlich an, da� mehrere zu ihren Schleiern griffen und sich umblickten, was ihn so erschreckt habe. �Ein j�hzorniger alter Bauer namens Hu entdeckte eines Morgens, da� sein bester Hahn in einen hohen Baum gleich neben seinem Ententeich geflogen war und nicht mehr herunterkommen wollte. So ging er zu seinem Nachbarn Wil und bat ihn um Hilfe. Die M�nner hatten sich noch nie vertragen, aber Wil war endlich doch einverstanden, und so gingen die beiden M�nner zum Teich und begannen, auf den Baum zu klettern, Hu zuerst. Sie hatten <emphasis>vor,</emphasis> den Hahn zu erschrecken, damit er herausflog, doch der Vogel flog statt dessen immer h�her, von Ast zu Ast. Dann, als Hu und der Hahn beinahe die Baumkrone erreicht hatten, mit Wil dicht auf den Fersen, gab es einen lauten Knacks, der Ast unter Hus F��en brach, und er klatschte hinunter in den Teich. Wasser und Schlamm spritzten nach allen Seiten. Wil kletterte hinunter, so schnell er konnte, und reichte Hu vom Ufer aus seine Hand, aber Hu lag einfach auf dem R�cken im Wasser und sank immer tiefer in den Schlamm, bis nur noch seine Nase aus dem Wasser ragte. Ein anderer Bauer hatte gesehen, was geschehen war, und er rannte herbei und zog Hu aus dem Teich. �Warum hast du Wils Hand nicht ergriffen?� fragte er Hu. �Du h�ttest ertrinken k�nnen.� �Warum sollte ich seine Hand nehmen?� grollte Hu. �Ich bin vor einem Moment erst bei hellem Tageslicht an ihm vorbeigekommen, und er hat kein Wort mit mir gesprochen.�� Er schwieg erwartungsvoll.</p><p>Die T�chter tauschten verst�ndnislose Blicke. Schlie�lich sagte Somara: �Was ist mit dem Teich passiert? Sicher liegt die Pointe dieser Geschichte doch im Wasser begr�ndet?�</p><p>Rand hob ergeben die H�nde und ging weiter zu dem Zeltpavillon mit den rotgestreiften Seiten. Er h�rte, wie hinter ihm Liah sagte: �Ich glaube, das sollte ein Scherz oder so etwas sein.�</p><p>�Wie k�nnen wir lachen, wenn er �berhaupt nicht wei�, was mit dem Wasser geschehen ist?� sagte Maira.</p><p>�Es war der Hahn�, warf Enaila ein. �Der Humor dieser Feuchtl�nder ist schon eigenartig. Ich glaube, es mu� etwas mit dem Hahn gewesen sein.�</p><p>Er bem�hte sich, einfach nicht mehr hinzuh�ren. Die Verteidiger des Steins standen noch strammer, als er n�her kam, falls das �berhaupt m�glich war, und die beiden, die vor den goldumrandeten Zeltklappen standen, glitten zur Seite und zogen den Eingang auf. Ihre Blicke waren starr auf irgendeinen Punkt hinter den Aielfrauen gerichtet.</p><p>Rand hatte die Verteidiger des Steins bereits einmal in den Kampf gef�hrt, und zwar in einen verzweifelten Kampf gegen Myrddraal und Trollocs in den S�len und G�ngen des Steins von Tear selbst. In jener Nacht h�tten sie jedem gehorcht, der vortrat, um sie anzuf�hren, aber <emphasis>er</emphasis> war eben derjenige gewesen, der das tat.</p><p>�Der Stein steht noch�, sagte er mit ged�mpfter Stimme. Das war damals ihr Schlachtruf gewesen. Ein fl�chtiges L�cheln huschte �ber einige jener Gesichter, bevor sie wieder zu h�lzernen Masken erstarrten. In Tear l�chelte ein einfacher Mann nicht �ber das, was ein Lord sagte, es sei denn, er war absolut sicher, da� der Lord w�nschte, ihn l�cheln zu sehen.</p><p>Die meisten der T�chter hockten sich entspannt vor das Zelt, die Speere �ber die Knie gelegt. Diese Position konnten sie stundenlang beibehalten, ohne einen Muskel zu r�hren. Nur Sulin folgte Rand zusammen mit Liah, Enaila und Jalani nach drinnen. Und w�ren diese Verteidiger des Steins auch alle Rands Jugendfreunde gewesen, h�tten die T�chter doch genauso mi�trauisch aufgepa�t. Die M�nner im Innern des Zelts z�hlte er allerdings keineswegs zu seinen Freunden.</p><p>Bunte Fransenteppiche bedeckten den Boden des Zeltpavillons, mit tairenischen Labyrinthen und kunstvollen Runenmustern, und in der Mitte stand ein massiver Tisch, rundum beschnitzt und vergoldet und mit auff�lligen Einlegearbeiten aus Elfenbein und T�rkis. Man ben�tigte wohl einen Wagen allein, um dieses Ding zu transportieren. Der mit Landkarten bedeckte Tisch trennte eine Gruppe von einem Dutzend Tairenern mit verschwitzten Gesichtern von etwa halb so vielen M�nnern aus Cairhien, die noch mehr unter der Hitze zu leiden schienen. Jeder Mann hielt einen goldenen Pokal in der Hand, der von ansonsten im Hintergrund bleibenden Dienern in schwarz goldener Livree immer wieder mit gew�rztem Wein aufgef�llt wurde. Alle Adligen trugen Seidenkleidung, nur die glattrasierten M�nner aus Cairhien, klein, schlank und bla�, wenn man sie mit den M�nnern an der anderen Seite des Tisches verglich, trugen dunkle Kurzm�ntel, und bis auf die bunten Querstreifen in den Farben ihrer H�user auf der Brust wirkte ihre Kleidung n�chtern. Die Anzahl dieser Streifen deutete auf den Rang ihres Hauses hin. Die Tairener dagegen, bei denen die meisten Gesichter von sorgf�ltig gestutzten und einge�lten Vollb�rten geziert wurden, trugen wattierte Kurzm�ntel, die eine grelle Kakophonie von Farben zeigten, Rot und Gelb und Gr�n und Blau, aus Satin und Brokat, mit Silber- oder Goldfadenstickerei. Die M�nner aus Cairhien wirkten ernsthaft, wenn nicht gar etwas m�rrisch. Die meisten zeigten eingefallene Wangen, und jeder hatte den vorderen Teil seines Skalps rasiert und eingepudert. Das war einst Mode bei den Soldaten Cairhiens gewesen, aber nicht bei den Lords. Die Tairener l�chelten und schn�ffelten an parf�mierten Taschent�chern und Pomadetiegeln, die das ganze Zelt mit ihren schweren und aufdringlichen D�ften erf�llten. Au�er dem Punsch schienen sie nur eines gemeinsam zu haben: Sie starrten die T�chter des Speers alle gleicherma�en finster an und versuchten dann krampfhaft, vorzugeben, die Aiel seien s�mtlich unsichtbar.</p><p>Hochlord Weiramon, dessen einge�lter Bart und das Haar graue Str�hnen aufwiesen, verbeugte sich tief. Hier war er einer von vier Hochlords. Besonders seine kunstvoll mit Silber verzierten Stiefel fielen auf. Die anderen waren der salbungsvolle, �berm��ig fette Sunamon, dann Tolmeran, dessen eisengrauer Bart wie die Speerspitze auf dem Schaft seines hageren K�rpers wirkte, und schlie�lich Torean mit seiner Kartoffelnase, der noch mehr nach Bauer aussah als die meisten Bauern selbst. Doch Rand hatte Weiramon das Oberkommando anvertraut � jedenfalls f�r den Augenblick. Die anderen acht waren Lords von geringerem Rang, ein paar davon glattrasiert, aber mit kaum weniger Grau in den Haaren. Sie befanden sich hier, weil sie dem einen oder anderen der anwesenden Hochlords Gefolgschaft geschworen hatten, aber alle verf�gten �ber einige Kampferfahrung.</p><p>Weiramon war f�r einen Tairener keineswegs klein geraten, wenn auch Rand ihn um einen Kopf �berragte, doch er erinnerte Rand immer an einen aufgeplusterten Gockel, so wie er die Brust herausstreckte und herumstolzierte. �Aller Segen dem Lord Drachen�, verk�ndete er und verbeugte sich, �dem k�nftigen Eroberer Illians. Aller Segen dem Herrn des Morgens.� Die anderen kamen nur einen Atemzug sp�ter dran, wobei die Tairener die Arme weit ausbreiteten, w�hrend die M�nner aus Cairhien mit einer Hand die Herzgegend ber�hrten.</p><p>Rand verzog das Gesicht. �Herr des Morgens� war einer von Lews Therins Titeln gewesen, wie die bruchst�ckhaften Berichte aus jener Zeit aussagten. Eine Unmenge von Kenntnissen war w�hrend der Zerst�rung der Welt verlorengegangen, und weiteres ging in den Trolloc-Kriegen in Rauch auf und sp�ter im Hundertj�hrigen Krieg, und doch hatten an �berraschend vielen Orten Bruchst�cke diese Zeiten �berdauert. Er war verbl�fft, da� Weiramons Anrede mit diesem Titel nicht gleich wieder Lews Therins irres Gejammere in ihm ausgel�st hatte. Genauer betrachtet hatte Rand diese Stimme nicht mehr vernommen, seit er sie in seinem Innern so angeschrien hatte. Soweit er sich erinnern konnte, war es das erste Mal �berhaupt gewesen, da� er die Stimme, mit der er seinen Kopf teilte, unmittelbar angesprochen hatte. Die M�glichkeiten, die sich damit andeuteten, lie�en ihm einen Schauer den R�cken hinunterrieseln.</p><p>�Mein Lord Drache?� Sunamon rang seine fleischigen H�nde. Er schien den Blick zu der um Rands Kopf gewickelten Schufa �ngstlich zu meiden. �Geht es Euch...?� Er schluckte und l�chelte dann unterw�rfig. Einen potentiell Wahnsinnigen � potentiell war vielleicht noch zu sanft ausgedr�ckt � nach seinem Befinden zu fragen entsprach wohl doch nicht ganz dem, was er ausdr�cken wollte. �H�tte der Lord Drache vielleicht gern etwas gew�rzten Wein? Ein guter Jahrgang aus Lodan, vermischt mit dem Saft von Honigmelonen?� Ein schlacksiger Landedelmann, ein Gefolgsmann Sunamons namens Estevan mit kantigem Kinn und noch h�rteren Augen winkte barsch, und ein Diener huschte zu einem kleinen Seitentisch an der Zeltwand, um einen goldenen Pokal zu holen. Ein weiterer Diener beeilte sich, ihn zu f�llen.</p><p>�Nein�, sagte Rand. Und dann etwas vehementer: �Nein!� Er winkte den Diener beiseite, ohne ihn richtig zu sehen. Hatte Lews Therin tats�chlich seinen inneren Schrei <emphasis>geh�rt?</emphasis> Irgendwie machte das alles nur noch schlimmer. Er wollte �ber die sich ergebenden M�glichkeiten jetzt nicht nachdenken; er wollte �berhaupt nicht daran denken. �Sobald Hearne und Simaan ankommen, befindet sich fast alles in der richtigen Position.� Diese beiden Hochlords sollten bald hier sein. Sie r�hrten die letzten tairenischen Truppenteile an, die Cairhien vor �ber einem Monat verlassen hatten. Nat�rlich waren auch noch kleinere Truppen auf dem Weg nach S�den, und auch weitere Soldaten aus Cairhien. Und auch noch mehr Aiel. Der st�ndige Zustrom von Aiel zog die Dinge in die L�nge. �Ich will sehen...�</p><p>Mit einemmal wurde ihm bewu�t, da� im Pavillon Schweigen herrschte. Es war unwahrscheinlich still. Nur Torean unterbrach die Stille, als er den Kopf zur�cklegte und den Rest seines Weines herunterkippte. Dann wischte er sich den Mund ab und hielt den Pokal hin, damit er nachgef�llt werde. Doch die Diener schienen sich zu bem�hen, mit der rotgestreiften Zeltwand zu verschmelzen. Sulin und die anderen drei T�chter standen pl�tzlich sprungbereit auf den Ballen ihrer F��e und hatten die eine Hand am Schleier.</p><p>�Was ist los?� fragte er leise.</p><p>Weiramon z�gerte. �Simaan und Hearne sind ... zu den Haddon-S�mpfen marschiert. Sie kommen nicht.� Torean ri� einem der Diener einen Krug aus geh�mmertem Goldblech aus der Hand und f�llte selbst seinen Pokal auf, wobei Punsch auf die Teppiche schwappte.</p><p>�Und warum sind sie dorthin gezogen, anstatt hierher zu kommen?� Rand erhob seine Stimme nicht. Er war sicher, die Antwort bereits zu kennen. Diese beiden, und f�nf andere Hochlords au�erdem, hatte er ja schon nach Cairhien geschickt damit sie nicht dazuk�men, gegen ihn zu intrigieren.</p><p>Unter den M�nnern aus Cairhien breitete sich �hinter vorgehaltenen Pokalen halb verborgen � geh�ssiges Grinsen aus. Semaradrid, der mit dem h�chsten Rang unter ihnen, dessen Farbstreifen bis unter die H�ftlinie seines taillierten Kurzmantels reichten, grinste ganz offen. Der Mann hatte ein langes Gesicht mit wei�en Str�hnen an den Schl�fen und dunklen Augen, die so hart dreinblicken konnten, da� sie sogar Stein weich erscheinen lie�en. Er bewegte sich nur unbeholfen, da er im B�rgerkrieg seines Landes mehrfach verwundet worden war, doch sein Hinken r�hrte vom Krieg gegen Tear her. Sein Hauptgrund daf�r, jetzt mit den Tairenern zusammenzuarbeiten, lag darin, da� sie halt wenigstens keine Aiel waren. Doch andererseits arbeiteten die Tairener ja ebenfalls mit ihnen zusammen, weil die Leute aus Cairhien keine Aiel waren.</p><p>Es war einer von Semaradrids Landsm�nnern, der antwortete, ein junger Lord namens Meneril, der ungef�hr die H�lfte der Streifen Semaradrids auf dem Mantel aufwies und eine Narbe im Gesicht, die seinen linken Mundwinkel zu einem st�ndigen sardonischen L�cheln hochzog. Die Narbe stammte aus dem B�rgerkrieg. �Verrat, mein Lord Drache. Verrat und Rebellion.�</p><p>Weiramon scheute vielleicht davor zur�ck, Rand diese Worte ins Gesicht hinein zu sagen, aber er wollte auch keinen Ausl�nder f�r sich sprechen lassen. �Ja, Rebellion�, sagte er schnell, wobei er Meneril w�tend anstarrte, doch seine �bliche pomp�se Art brach gleich wieder durch. �Und nicht nur sie, mein Lord Drache. Die Hochlords Darlin und Tedosian und Hochlady Estanda sind auch darin verwickelt. Seng meine Seele, aber sie haben doch tats�chlich alle eine Widerstandserkl�rung unterzeichnet! Wie es scheint, haben sich auch etwa zwanzig oder drei�ig niedere Adlige angeschlossen, die meisten wenig mehr als Empork�mmlinge aus Bauernfamilien. Vom Licht verlassene Narren!�</p><p>Rand bewunderte Darlin schon fast. Der Mann hatte sich von Anfang an offen gegen ihn gestellt, war aus dem Stein geflohen, als der fiel, und hatte versucht, unter den Landedelm�nnern Anh�nger f�r eine Widerstandsbewegung zu gewinnen. Bei Tedosian und Estanda war das etwas anderes. Genau wie Hearne und Simaan hatten sie sich unterw�rfig verbeugt und gel�chelt, ihn als Lord Drache angeredet und hinter seinem R�cken intrigiert. Nun r�chte sich seine Nachsicht. Kein Wunder, da� Torean beim Trinken vor Schreck Wein auf seinen graumelierten Bart schwappen lie�. Er hatte immer mit Tedosian und Hearne und Simaan zusammengesteckt.</p><p>�Sie haben mehr geschrieben, als sich nur gegen Euch zu erkl�ren�, sagte Tolmeran mit kalter Stimme. �Sie schrieben, Ihr w�rt ein falscher Drache und der Fall des Steins und da� Ihr das Schwert, Das Kein Schwert Ist, an Euch nahmt, sei nur ein Trick der Aes Sedai gewesen.� Es lag etwas Fragendes in seinem Tonfall. Er hatte sich nicht im Stein von Tear befunden in jener Nacht, als Rand die Festung einnahm.</p><p>�Und was glaubt Ihr selbst Tolmeran?� Es war nat�rlich eine verf�hrerische Behauptung in einem Land, wo der Gebrauch der Macht gesetzlich verboten gewesen war, bevor Rand das Gesetz ge�ndert hatte, wo man die Aes Sedai im besten Fall gerade noch tolerierte und wo' der Stein von Tear dreitausend Jahre lang unbezwingbar �ber der Stadt gethront hatte, bis Rand ihn eroberte. Und die Behauptung war auch nicht neu. Rand fragte sich, ob er wohl Wei�m�ntel antreffen w�rde, wenn diese Rebellen an den Fersen aufgeh�ngt w�rden. Allerdings war Pedron Niall wohl zu clever, um das zuzulassen.</p><p>�Ich glaube, da� Ihr <emphasis>Callandor</emphasis> wirklich herausgezogen habt�, sagte der hagere Mann nach einem Moment des �berlegens. �Ich glaube, Ihr seid der Wiedergeborene Drache.� Beide Male lag eine leichte Betonung auf dem Wort �glaube�. Tolmeran hatte Mut. Estevan nickte bed�chtig dazu, langsam, aber immerhin. Noch ein mutiger Mann.</p><p>Selbst sie stellten aber die offensichtliche Frage nicht, n�mlich, ob Rand w�nsche, da� man die Rebellen ausr�ucherte. Rand �berraschte das nicht. Zum einen waren die Haddon-S�mpfe kein Ort, an dem man so einfach jemanden ausr�ucherte. Es war einziger, riesiger, verfilzter Wald ohne D�rfer, ohne Stra�en, und nicht einmal Pfade gab es dort. In der zerkl�fteten Bergregion an ihrer n�rdlichen Grenze mu�te ein Mann schon Gl�ck haben, wenn er an einem langen Tag des Wanderns gerade einmal eine Handvoll Meilen zur�cklegen konnte, und Heere konnten in diesem Gebiet ungest�rt so lange umherziehen, bis der Proviant verbraucht war, ohne aufeinander zu sto�en. Und was vielleicht noch wichtiger war: Wenn sich jemand danach erkundigte, mu�te man ja annehmen, er werde freiwillig die F�hrung einer solchen Expedition �bernehmen, und bei einem Freiwilligen dieser Art lag der Verdacht nahe, da� er sich Darlin anschlie�en wolle, anstatt ihn am Sch�pf zu packen und anzuschleppen. Die Tairener mochten ja <emphasis>Daes Dae'mar,</emphasis> das Spiel der H�user, nicht spielen oder jedenfalls nicht so wie die Adligen Cairhiens � denn die lasen ganze B�nde aus einem einzigen Blick und h�rten mehr aus einem einzigen Satz heraus, als man selbst hineingelegt hatte �, doch auch sie intrigierten und beobachteten sich gegenseitig mi�trauisch, weil sie in allem Hinterlist vermuteten. Nat�rlich erwarteten sie, da� jeder andere genauso handelte.</p><p>Trotzdem kam es Rand gerade recht, wenn die Rebellen f�r den Augenblick dort blieben, wo sie waren. Er mu�te Illian alle Aufmerksamkeit widmen, und vor allem mu�te man <emphasis>sehen,</emphasis> da� all seine Aufmerksamkeit dorthin gerichtet war. Andererseits durfte er auch nicht als weich und nachgiebig gelten. Diese M�nner w�rden sich wohl nicht gegen ihn wenden, aber ob Letzte Schlacht oder nicht, es gab nur zwei Dinge, die sowohl Tairener wie auch die Leute aus Cairhien davon abhielten, sich gegenseitig an die Kehlen zu gehen. Zum einen zogen sie die anderen immer noch den Aiel vor, wenn auch nur um ein Weniges, und zum anderen f�rchteten sie den Zorn des Wiedergeborenen Drachen. Sollten sie ihn einmal nicht mehr f�rchten, w�rden sie im Handumdrehen versuchen, sich gegenseitig umzubringen und die Aiel dazu.</p><p>�Will irgend jemand etwas zu ihrer Verteidigung sagen?� fragte er. �Kann jemand einen Grund vorbringen, der mich zur Milde veranlassen w�rde?� Sollte das der Fall sein, hielt der Betreffende jedenfalls den Mund. Wenn man die Diener mitz�hlte, waren fast zwei Dutzend Augenpaare erwartungsvoll auf ihn gerichtet. Vielleicht waren es gerade die Diener, die ihn besonders eindringlich beobachteten. Sulin und die T�chter hingegen beobachteten alles <emphasis>bis auf ihn.</emphasis> �Ihre Titel sind ihnen aberkannt, ihre L�ndereien und G�ter werden konfisziert. Es werden Haftbefehle f�r jeden Mann ausgestellt, dessen Name bekannt ist. Und f�r jede Frau.� Das konnte zu einem Problem werden. In Tear stand als Strafe auf Rebellion der Tod. Er hatte einige Gesetze abge�ndert, aber dieses nicht, und jetzt war es zu sp�t daf�r. �Verk�ndet da� niemand, der einen von ihnen t�tet, deshalb wegen Mordes bestraft werden kann, und da� jeder, der ihnen hilft, wegen Verrats angeklagt wird. Jeder, der sich ergibt, wird am Leben bleiben.� Das w�rde vielleicht dazu beitragen, das Problem Estanda zu l�sen, denn er w�rde keine Frau zur Hinrichtung verurteilen, falls er einen Weg fand, sie zum Aufgeben zu bringen. �Aber jene, die mit der Rebellion fortfahren, werden geh�ngt.�</p><p>Die Adligen bewegten sich unruhig und tauschten Blicke, sowohl die Tairener wie auch die aus Cairhien. Mehr als ein Gesicht war bla� geworden. Sie hatten wohl ganz sicher ein Todesurteil erwartet, denn das stand nun einmal auf Rebellion, und auch noch w�hrend eines Krieges, doch die Aberkennung der Titel erschreckte sie zutiefst. Trotz all der Gesetze, die Rand in beiden L�ndern abge�ndert hatte, obwohl er Lords vor den Magistrat schleppen und wegen Mordes hatte h�ngen lassen oder andere wegen K�rperverletzung zu Geldstrafen verurteilen lie�, glaubten sie immer noch, es gebe einen Unterschied zwischen den Menschen, eine Abstammung, fast schon ein Naturgesetz, das aus ihnen L�wen machte und aus den einfachen Menschen Schafe. Ein Hochlord, der auf das Schaffott wanderte, starb dort als Hochlord, doch Darlin und die anderen w�rden wie Bauern sterben, und das war in den Augen dieser M�nner eine schlimmere Strafe als der Tod selbst. Die Diener blieben mit ihren Kr�gen in Stellung und warteten darauf, jeden Pokal aufzuf�llen, der bis zur Neige ausgetrunken schien. Obwohl ihre Mienen genauso ausdruckslos waren wie zuvor, schien doch in einigen Augen etwas Frohes zu glitzern, das vorher nicht zu sehen gewesen war.</p><p>�Nun, da dies geregelt ist�, sagte Rand und zog sich die Schufa vom Kopf, w�hrend er an den Tisch trat, �wollen wir uns die Landkarten ansehen. Sammael ist wichtiger als eine Handvoll Narren, die in den Haddon-S�mpfen verkommen.� Er hoffte, sie w�rden dort verkommen. Verfluchte Idioten!</p><p>Weiramons Mundpartie spannte sich an, und Tolmeran gl�ttete ganz schnell seine Z�ge. Sunamons Gesicht war so nichtssagend, da� es auch eine Maske h�tte sein k�nnen. Die anderen Tairener blickten zweifelnd drein, genau wie die Adligen aus Cairhien; nur Semaradrid verbarg seine Gef�hle recht gut. Manche hatten w�hrend des Angriffs auf den Stein Myrddraal und Trollocs erlebt, und ein paar waren bei seinem Zweikampf mit Sammael in Cairhien zugegen gewesen, und doch glaubten sie, seine Behauptung, die Verlorenen seien in Freiheit, sei ein Symptom seines nahenden Wahnsinns. Er hatte geh�rt, wie hinter vorgehaltener Hand gefl�stert worden war, er selbst habe die ganzen Zerst�rungen in Cairhien hervorgerufen, weil er wie ein Verr�ckter auf Freund und Feind gleicherma�en eingepr�gelt habe. Nach Liahs steinernem Gesicht zu schlie�en, w�rde sehr bald einer von ihnen den Speer einer Tochter in den Bauch bekommen, falls sie ihre Blicke nicht besser beherrschten.</p><p>Sie versammelten sich dann doch um den Tisch, als er die Schufa wegwarf und in den Schichten verstreut herumliegender Landkarten st�berte. Bashere hatte recht; die Menschen folgten auch einem Verr�ckten, wenn er siegte. Solange er siegte. Gerade in dem Moment, als er die Karte fand, die er gesucht hatte � eine �u�erst detaillierte Darstellung des �stlichen Grenzgebietes von Illian �, kamen die Aielh�uptlinge herein.</p><p>Bruan von den Nakai Aiel war der erste, der eintrat. Ihm folgten Jheran von den Shaarad, Dhearic von den Reyn, Han von den Tomanelle und Erim von den Chareen. Jeder erwiderte das begr��ende Nicken Sulins und der drei anderen T�chter. Bruan, ein massig wirkender Mann mit traurig dreinblickenden grauen Augen, war der Anf�hrer der f�nf Clans, die Rand bisher nach S�den gesandt hatte. Keiner der anderen hatte etwas dagegen. Bruans auf so eigenartige Weise ruhiges, entspanntes Verhalten t�uschte leicht �ber sein K�nnen als Krieger hinweg. Sie waren alle mit dem <emphasis>Cadin'sor</emphasis> angetan, hatten die Schufa lose um den Hals geh�ngt und waren bis auf die schweren Messer an den G�rteln unbewaffnet. Allerdings konnte man einen Aiel kaum jemals als unbewaffnet betrachten, wenn er wenigstens noch seine H�nde und F��e besa�.</p><p>Die M�nner aus Cairhien gaben einfach vor, die Aiel nicht zu sehen, w�hrend die Tairener betont abf�llig grinsten und betont an ihren Pomadetiegeln und parf�mierten Taschent�chern schn�ffelten, Tear hatte lediglich den Stein an die Aiel verloren, und das mit Hilfe des Wiedergeborenen Drachen, wie sie glaubten, oder vielleicht auch mit Hilfe von Aes Sedai, w�hrend Cairhien zweimal von ihnen verheert worden war, zweimal besiegt und gedem�tigt.</p><p>Mit Ausnahme Hans ignorierten die Aiel alle Anwesenden bis auf Rand. Han, wei�haarig und mit einer Gesichtshaut wie aus rissigem Leder, funkelte sie dagegen zorngl�hend an. Selbst bei bester Laune war er ein j�hzorniger Mann, und es wirkte sich auch nicht gerade beruhigend auf ihn aus, da� ein paar der Tairener genauso gro� waren wie er. Han war n�mlich f�r einen Aiel ziemlich klein, wenn auch noch �berdurchschnittlich gro� im Vergleich zu den Feuchtl�ndern, und deshalb genauso empfindlich wie Enaila. Und dann nat�rlich verachteten die Aiel sowieso alle �Baumm�rder�, wie sie die Menschen aus Cairhien nannten, noch mehr als die �brigen Feuchtl�nder. Ihre andere Bezeichnung f�r sie lautete �Meineidige�.</p><p>�Die Illianer�, sagte Rand energisch und gl�ttete die Karte mit der Hand. Er ben�tzte das Drachenszepter, um die eine Seite der Karte, die sich immer wieder aufrollen wollte, festzuhalten, und ein goldbeschlagenes Tintenfa� mit dazupassender Sandb�chse f�r die andere Seite. Er wollte nicht, da� diese M�nner begannen, sich gegenseitig umzubringen. Er glaubte allerdings nicht ernsthaft, da� es dazu k�me, oder zumindest nicht, w�hrend er sich hier befand. In den Sagen lernten Verb�ndete immer, sich gegenseitig sympathisch zu finden und zu vertrauen, doch er zweifelte sehr, da� sich diese M�nner hier jemals dazu durchringen k�nnten.</p><p>Die welligen Ebenen von Maredo erstreckten sich beachtlich weit nach Illian hinein und gingen ein St�ck vor dem Manetherendrelle und dem einm�ndenden Skal in bewaldete H�gel �ber. F�nf eingezeichnete Kreuze, etwa zehn Meilen voneinander entfernt, bezeichneten den �stlichen Rand des H�gelgebiets: die Doirlon-Berge.</p><p>Rand ber�hrte mit dem Zeigefinger das mittlere Kreuz. �Seid Ihr sicher, da� Sammael keine neuen Lager dort angelegt hat?� Als Weiramon das Gesicht leicht verzog, fauchte Rand gereizt: �Lord Brend, falls Ihr den bevorzugt, oder der Rat der Neun, oder Mattin Stepaneos den Baigar, falls Ihr lieber h�ttet, da� der K�nig selbst solche Anordnungen erl��t. Liegen die Lager noch genauso?�</p><p>�Unsere Kundschafter behaupten es jedenfalls�, sagte Jheran gelassen. Schlank auf die gleiche Art wie eine Schwertklinge, das hellbraune Haar mit grauen Str�hnen durchsetzt, bewahrte er jetzt immer Ruhe und Gelassenheit, nachdem Rand die vierhundert Jahre andauernde Blutfehde der Shaarad mit den Goshien Aiel durch seine Ankunft beendet hatte. <emphasis>�Sovin Nai</emphasis> und <emphasis>Duadhe Mahdi'in</emphasis> beobachten sie genau.� Er nickte leicht und zufrieden, genau wie Dhearic, als er das verk�ndete. Jheran war ein <emphasis>Sovin Nai,</emphasis> eine �Messerhand� gewesen, bevor er H�uptling wurde, und Dhearic hatte zu den <emphasis>Duadhe Mahdi'in</emphasis> geh�rt, den �Wassersuchern�.</p><p>�Wir erfahren durch unsere L�ufer innerhalb von f�nf Tagen von jeder Ver�nderung.�</p><p>�Meine Kundschafter glauben, es gebe neue Lager�, sagte Weiramon, als habe Jheran nichts gesagt. �Ich schicke jede Woche einen neuen Trupp los. Sie brauchen wohl einen ganzen Monat, um hinzureiten und wieder zur�ckzukehren, aber ich versichere Euch, ich bin auf dem neuesten Stand, soweit es die Entfernung gestattet.�</p><p>Die Gesichter der Aiel wirkten, als habe man sie aus Stein gemei�elt.</p><p>Rand beachtete das Zwischenspiel nicht. Er hatte sich vorher bereits bem�ht, die Differenzen zwischen den Tairenern, den Aiel und Cairhien zu �berbr�cken, aber sobald er ihnen den R�cken kehrte, war der alte Zustand wieder da. Die M�he war umsonst.</p><p>Was die Lager betraf... Er wu�te, da� es immer noch f�nf waren. Auf gewisse Weise hatte er sie besucht. Es gab einen ... Ort ... von dem er wu�te, wie er ihn erreichen konnte, eine seltsame, unbev�lkerte Spiegelung der wirklichen Welt, und dort war er �ber die Wehrg�nge der Holzpalisaden dieser massiven Bergfestungen geschritten. Er kannte die Antworten auf beinahe alle Fragen, die er ihnen stellen wollte, doch er jonglierte Pl�ne innerhalb anderer Pl�ne wie ein Gaukler die Feuerst�be. �Und Sammael f�hrt immer noch mehr Soldaten heran?� Diesmal betonte er den Namen besonders. Die Mienen der Aiel ver�nderten sich nicht. Falls die Verlorenen frei waren, dann waren sie eben frei. Man mu�te die Welt sehen, wie sie war, und nicht, wie man sie zu sehen w�nschte. Aber die anderen warfen ihm kurze, besorgte Seitenblicke zu. Sie w�rden sich fr�her oder sp�ter daran gew�hnen m�ssen. Sie w�rden es �ber kurz oder lang glauben m�ssen.</p><p>�Jeder Mann aus Illian, der einen Speer halten kann, ohne dar�ber zu stolpern, wie es scheint�, sagte Tolmeran mit niedergeschlagenem Gesichtsausdruck. Er war genauso hei� darauf, gegen die Illianer zu k�mpfen wie jeder Tairener. Die beiden L�nder hatten sich gegenseitig geha�t, seit sie aus den �berresten von Artur Falkenfl�gels Weltreich hervorgegangen waren, und ihre Geschichte war eine Chronik st�ndiger Kriege, die man auf Grund jeder �berhaupt m�glichen Ausrede ausgefochten hatte. Doch Tolmeran schien ein wenig realistischer zu denken als die anderen Hochlords und nicht zu erwarten, da� man jede Schlacht mit einem einzigen wuchtigen Schlag gewinnen k�nne. �Jeder Kundschafter, der es hierher zur�ck schafft, berichtet, da� diese Festungen immer gr��er werden und immer m�chtigere Verteidigungsanlagen erhalten.�</p><p>�Wir sollten jetzt losschlagen, mein Lord Drache�, sagte Weiramon ganz energisch. �Das Licht soll meine Seele versengen, aber ich kann die Illianer jetzt noch mit heruntergelassenen Hosen erwischen. Sie haben sich selbst unbeweglich gemacht. Sie haben doch tats�chlich kaum eine nennenswerte Kavallerie! Ich werde sie zu Staub zermalmen, und dann ist der Weg zur Stadt frei.� In Illian, genau wie in Tear und Cairhien, meinte man mit der �Stadt� die gro�e Stadt, die dem Land den Namen verliehen hatte. �Seng meine Augen, ich werde Eure Flagge in einem Monat �ber Illian flattern lassen, mein Lord Drache. Oder h�chstens in zwei.� Er blickte zu den M�nnern aus Cairhien hin�ber und f�gte so z�gernd hinzu, als m�sse man ihm jedes Wort einzeln aus der Nase ziehen: �Semaradrid und ich schaffen das gemeinsam.� Semaradrid verbeugte sich leicht. Oder deutete es zumindest an.</p><p>�Nein�, sagte Rand kurz angebunden. Weiramons Plan lud geradezu zu einer Katastrophe ein. Gute zweihundertf�nfzig Meilen lagen zwischen ihrem Lager und Sammaels gro�en Bergfestungen, und dazwischen befand sich eine grasbewachsene Ebene, wo eine Erhebung von f�nfzig Fu� bereits als hoher H�gel galt und ein Dickicht von ein paar hundert Schritt Breite als Wald bezeichnet wurde. Auch Sammael besa� Kundschafter � jede Ratte, jeder Rabe konnte einer von Sammaels Sp�hern sein. Zweihundertf�nfzig Meilen. Zw�lf oder dreizehn Tage f�r die Tairener und die Soldaten Cairhiens, wenn sie Gl�ck hatten. Die Aiel konnten es vielleicht bei gr��ter Eile in f�nf Tagen schaffen � ein einzelner Kundschafter oder zwei kam eben schneller vorw�rts als ein Heer, sogar bei den Aiel �, aber die geh�rten nicht zu Weiramons Plan. Lange bevor Weiramon �berhaupt die Doirlon-Berge erreichte, w�re Sammael in der Lage, die Tairener zu vernichten, und nicht andersherum. Ein t�richter Plan. Noch t�richter sogar als der, den Rand ihnen vorgegeben hatte. �Ich habe Euch Befehle erteilt. Ihr haltet hier die Stellung, bis Mat ankommt und das Kommando �bernimmt, und selbst dann r�hrt keiner einen Fu� von der Stelle, bis ich der Meinung bin, gen�gend Soldaten hier zu haben. Weitere Truppen sind hierher unterwegs: aus Tear, Cairhien, und auch Aiel. Ich habe vor, Sammael vernichtend zu schlagen, Weiramon. Ihn endg�ltig zu schlagen und Illian unter das Drachenbanner zu bringen.� Soweit entsprach das durchaus der Wahrheit. �Ich w�nschte ja, ich k�nnte bei Euch bleiben, aber noch ben�tigt man meine ganze Aufmerksamkeit in Andor.� Weiramons Gesicht wandelte sich zu saurem Stein, soweit man sich so etwas vorstellen kann, und Semaradrids Grimasse h�tte eigentlich den Wein augenblicklich in Essig verwandeln sollen, w�hrend Tolmerans Miene derart ausdruckslos war, da� seine Mi�billigung wie ein Faustschlag wirkte. In Semaradris Fall war es die Verz�gerung, die Anla� zur Besorgnis gab. Er hatte schon mehr als einmal darauf hingewiesen, da� jeder Tag wohl mehr Soldaten hier ins Lager br�chte, aber auch mehr Soldaten zu den Festungen in Illian. Zweifellos war Weiramons Plan das Resultat seiner Mahnungen zur Eile, obwohl er selbst wohl einen besseren Plan entwerfen gekonnt h�tte. Tolmerans Zweifel lagen in Mat begr�ndet. Tolmeran hatte wohl von den Leuten aus Cairhien einiges �ber Mats Kriegskunst erfahren, doch er hielt das f�r blo�e Schmeichelei von einigen Narren f�r einen Landedelmann, der eben zuf�llig mit dem Wiedergeborenen Drachen befreundet war. Das waren aber ehrliche Einw�nde, und der Semaradrids h�tte sogar eine gewisse Berechtigung gehabt, wenn der an sie ausgegebene Plan mehr gewesen w�re als lediglich ein T�uschungsman�ver. Es war unwahrscheinlich, da� sich Sammael ausschlie�lich auf seine Ratten und Raben verlie�, wenn es um das Spionieren ging. Rand rechnete damit, da� sich im Lager auch Spione der anderen Verlorenen aufhielten und wahrscheinlich auch Spione der Aes Sedai.</p><p>�Es soll sein, wie Ihr w�nscht, mein Lord Drache�, sagte Weiramon auf seine pomp�se Art. Der Mann war tapfer genug, wenn es zum Kampf kam, aber ein kompletter, blinder Idiot, nicht in der Lage, �ber den Glanz eines vehementen Angriffs, �ber seinen Ha� gegen die Illianer und seine Verachtung f�r Cairhien und die Aiel �Wilden� hinauszudenken. Rand war sicher, da� Weiramon genau der Mann sei, den er ben�tigte. Tolmeran und Semaradrid w�rden nicht so schnell losmarschieren, solange Weiramon das Oberkommando innehatte. Noch eine lange Zeit �ber diskutierten sie, und Rand lauschte und stellte gelegentlich Fragen. Es gab jetzt keinen Widerspruch mehr, keine weiteren Vorschl�ge, den Angriff sofort zu starten. Der Angriff wurde �berhaupt nicht mehr besprochen. Was Rand von Weiramon und den anderen wissen wollte, hatte mit Wagen zu tun, mit Wagen und ihrer Fracht. Auf den Ebenen von Maredo gab es nur wenige, weit voneinander entfernte D�rfer und keine Stadt, abgesehen von Far Madding im Norden. Das urbare Land reichte kaum aus, um die Menschen zu ern�hren, die bereits hier wohnten. Eine riesige Armee w�rde einen stetigen Strom von Wagenladungen aus Tear ben�tigen, mit denen alles bef�rdert wurde, von Mehl f�r ihr Brot bis hin zu Hufn�geln f�r die Pferde. Au�er Tolmeran waren die Hochlords der Meinung, das Heer k�nne alles, was es ben�tigte, mit sich f�hren und damit die Ebenen durchqueren, und in Illian wollten sie das Heer dann durch Pl�nderung ern�hren. Sie schienen den Gedanken fast zu genie�en, das Land ihres uralten Gegners wie ein Heuschreckenschwarm kahlzufressen. Die M�nner aus Cairhien waren anderer Meinung, besonders Semaradrid und Meneril. Nicht nur die kleinen Leute hatten in Cairhiens B�rgerkrieg und w�hrend der Belagerung ihrer Hauptstadt durch die Shaido Hunger gelitten; das konnte man an ihren eingefallenen Wangen deutlich ablesen. Illian war ein reiches Land und sogar in den Doirlon-Bergen gab es Bauernh�fe und Weinberge, aber Semaradrid und Meneril wollten das Wohlergehen ihrer Soldaten nicht von ungewissen Pl�nderungen abh�ngig machen, solange es eine andere M�glichkeit gab. Was Rand betraf, wollte er ohnehin nicht, da� Illian mehr als unbedingt n�tig verw�stet w�rde.</p><p>Er �bte wirklich nicht viel Druck auf diese Menschen aus. Sunamon versicherte ihm, die Wagen w�rden gerade zusammengestellt, und er hatte schon lange seine Lektion dar�ber gelernt, was geschah, wenn er Rand etwas versprach und dann doch etwas anderes tat. In ganz Tear suchte man Proviant zusammen, auch wenn Weiramon ungeduldig und unzufrieden mit dieser Vorgehensweise das Gesicht verzog, und wenn Torean auch verschwitzt etwas �ber die zu hohen Ausgaben knurrte. Wichtig war aber, da� man mit dem Plan, den er ihnen vorgesetzt hatte, vorw�rtskam �und da� man auch an richtiger Stelle diese Fortschritte bemerkte.</p><p>Der Abschied bedeutete noch mehr pomp�ses Geschw�tz und schwungvolle Verbeugungen, w�hrend er sich wieder die Schufa um die Stirn wickelte und das Drachenszepter in die Hand nahm. Halbherzige Einladungen zu einem Bankett wurden ge�u�ert und genauso verlogene Angebote, ihm bis zu seiner Abreise noch einiges vorzusetzen, wenn er schon nicht bis zu dem Fest bleiben konnte, das sie f�r ihn veranstalten w�rden. Ob sie nun aus Tear kamen oder aus Cairhien, mieden sie doch gleicherma�en die Gegenwart des Wiedergeborenen Drachen, soweit sie das konnten, ohne seine Gunst aufs Spiel zu setzen, w�hrend sie nat�rlich so taten, als sei das Gegenteil der Fall. Vor allem aber w�nschten sie sich an jeden anderen m�glichen Ort, wenn er die Macht ben�tzte. Sie begleiteten ihn nat�rlich zum Eingang und noch ein paar Schritte nach drau�en, aber Sunamon seufzte h�rbar erleichtert auf, als er sie verlie�, und Rand h�rte Tore an tats�chlich vor Freude kichern.</p><p>Die Aielh�uptlinge gingen schweigend mit Rand davon, und die T�chter, die drau�en gewartet und gewacht hatten, schlossen sich Sulin und den anderen dreien an und bildeten mit ihnen einen Ring um die sechs M�nner, als sie auf das gr�ngestreifte Zelt zuschritten. Diesmal gab es nur geringen Jubel und die H�uptlinge sagten �berhaupt nichts. Sie hatten auch im Pavillon kaum etwas ge�u�ert. Als Rand sie darauf ansprach, sagte Dhearic: �Diese Feuchtl�nder wollen uns gar nicht h�ren.� Er war ein st�mmiger Mann, nur vielleicht einen Fingerbreit kleiner als Rand, hatte eine gro�e Nase und auffallende hellere Str�hnen im goldenen Haar. In seinen blauen Augen stand Verachtung.</p><p>�Sie h�ren nur auf den Wind.�</p><p>�Haben sie Euch von denen berichtet, die sich gegen Euch auflehnen?� fragte Erim. Er war gr��er als Dhearic, hatte ein k�mpferisch vorgestrecktes Kinn und in seinem roten Haar k�mpften graue Str�hnen um die Vorherrschaft.</p><p>�Das haben sie�, sagte Rand und Han sah ihn mit gerunzelter Stirn an.</p><p>�Falls Ihr diese Tairener ihren eigenen Landsleuten hinterherschickt, w�re das ein Fehler. Selbst wenn man ihnen vertrauen k�nnte, glaube ich nicht da� sie ihnen etwas tun w�rden. Schickt die Speere. Ein Clan reicht bequem aus.�</p><p>Rand sch�ttelte den Kopf. �Darlin und seine Rebellen k�nnen warten. Sammael ist das einzig Wichtige.�</p><p>�Dann la�t uns jetzt nach Illian marschieren�, sagte Jheran. �Verge�t doch diese Feuchtl�nder, Rand al'Thor. Wir haben jetzt schon fast zweihunderttausend Speere hier versammelt. Wir k�nnen die Illianer vernichten, bevor Weiramon Saniago und Semaradrid Maravin auch nur den halben Weg dorthin zur�ckgelegt haben.�</p><p>Einen Augenblick lang schlo� Rand frustriert die Augen. Wollte denn nun jeder mit ihm streiten? Das hier waren keine M�nner, die gleich nachgeben w�rden, wenn der Wiedergeborene Drache die Stirn runzelte. Der Wiedergeborene Drache war nur eine Legende der Feuchtl�nder. Sie dagegen folgten Ihm, Der Mit Der Morgend�mmerung Kommt, dem <emphasis>Car'a'carn,</emphasis> und er hatte sich mittlerweile daran sattgeh�rt, da� auch der <emphasis>Car'a'carn</emphasis> kein K�nig sei. �Ich will Euer Wort darauf, da� Ihr hierbleibt, bis Mat Euch den Marschbefehl gibt. Jeder von Euch soll es mir einzeln versprechen.�</p><p>�Wir werden bleiben, Rand al'Thor.� Bruans so tr�gerisch sanfte Stimme klang angespannt. Die anderen stimmten in h�rterem Tonfall zu, aber immerhin gaben sie ihr Wort.</p><p>�Aber es ist Zeitverschwendung�, sagte Han und verzog den Mund. �Ich will nie wieder Schatten erleben, wenn das nicht stimmt.� Jheran und Erim nickten.</p><p>Rand hatte nicht erwartet, da� sie so schnell nachgeben w�rden. �Von Zeit zu Zeit mu� man eben Zeit verschwenden, um welche zu sparen�, sagte er, und Han schnaubte.</p><p>Mittlerweile hatten die Donnerg�nger die Seitenw�nde des gr�ngestreiften Zeltes an Stangen hochgebunden, damit die sanfte Brise durch das schattige Innere wehen konnte. So hei� und trocken es hier auch war, so schienen die Aiel das doch erfrischend zu finden. Rand hatte nicht das Gef�hl, er verg�sse auch nur einen Tropfen Schwei� weniger als im gl�henden Sonnenschein. Er zog sich die Schufa vom Kopf, als er sich auf die Schichten der bunten Teppiche genau Bruan und den anderen H�uptlingen gegen�ber niederlie�. Die T�chter stellten sich zu den Donnerg�ngern, die das Zelt umgaben. Immer wieder erklang aus ihrer Richtung fr�hliches Geflachse und entsprechendes Gel�chter. Diesmal schien endlich einmal Leiran die Oberhand zu gewinnen. Zweimal schlugen die T�chter mit ihren Speeren auf die Schilde, um ihm Beifall zu zollen. Rand verstand aber fast nichts von alledem.</p><p>Er stopfte mit dem Daumen die kurzstielige Pfeife, die er dabeihatte, und lie� dann den Ziegenlederbeutel mit Tabak unter den H�uptlingen herumreichen, damit auch sie ihre Pfeifen mit dieser Sorte stopfen konnten. Er hatte n�mlich in Caemlyn ein kleines Fa� mit dem besten Tabak von den Zwei Fl�ssen aufgetrieben. Dann z�ndete er seine Pfeife mit Hilfe der Macht an, w�hrend sie einen Donnerg�nger aussandten, um von einem der Lagerfeuer einen brennenden Zweig zu holen. Als schlie�lich alle Pfeifen entz�ndet waren, setzten sie sich bequem zurecht und schmauchten gen��lich. So konnte man miteinander sprechen.</p><p>Die Unterhaltung zog sich genauso lang hin wie seine Diskussion mit den Lords, und das nicht, weil es soviel zu besprechen gab, sondern weil Rand allein mit den Feuchtl�ndern gesprochen hatte. Die Aiel waren �u�erst empfindlich, was ihren Ehrbegriff anging. Ihr Leben wurde von <emphasis>Ji'e'toh</emphasis> regiert, von Ehre und Pflicht, und die Regeln waren genauso kompliziert und eigenartig wie ihr Humor. So sprachen sie �ber die Aiel, die sich noch auf dem Weg von Cairhien her befanden, davon, wann Mat ankommen werde und was man, wenn �berhaupt etwas, in bezug auf die Shaido unternehmen solle. Sie unterhielten sich �ber die Jagd und Frauen und ob Branntwein genausogut sei wie <emphasis>Oosquai,</emphasis> und �ber den Humor. Doch selbst der geduldige Bruan hob schlie�lich resignierend die H�nde und gab es auf, Rand die Witze der Aiel erkl�ren zu wollen. Was beim Licht war lustig daran, wenn eine Frau aus einem Irrtum heraus ihren Mann erstach, gleich unter welchen Umst�nden, oder wenn ein Mann schlie�lich mit der Schwester der Frau verheiratet war, die er eigentlich hatte heiraten wollen? Han murrte und schnaubte und weigerte sich, zu glauben, da� Rand solche Witze wirklich nicht verstehe; er lachte so schallend �ber die Sache mit dem erstochenen Ehemann, da� er beinahe umgefallen w�re. Das einzige, wor�ber sie sich nicht unterhielten, war der bevorstehende Krieg gegen Illian.</p><p>Als sie aufbrachen, blinzelte Rand zur Sonne empor, die bereits den halben Weg zum Horizont zur�ckgelegt hatte. Han wiederholte noch einmal die Geschichte von dem erstochenen Ehemann, und die aufbrechenden H�uptlinge schmunzelten wieder dar�ber. Rand klopfte die Pfeife an seiner Handkante aus und zertrat die letzte Glut mit der Ferse im Staub. Es blieb immer noch genug Zeit, um nach Caemlyn zur�ckzukehren und mit Bashere zu beraten, aber er ging ins Zelt zur�ck, setzte sich hin und beobachtete unter den ge�ffneten Zeltw�nden durch, wie die Sonne sank. Als sie den Horizont ber�hrte und sich blutrot verf�rbte, brachten ihm Enaila und Somara einen Teller Eintopf mit Hammelfleisch, genug f�r zwei M�nner, ein rundes Fladenbrot und eine Kanne Pfefferminztee, die sie zum Abk�hlen in einen kleinen Eimer Wasser gestellt hatten.</p><p>�Ihr e�t nicht genug�, sagte Somara und versuchte dabei, sein Haar glattzustreichen, bevor er den Kopf wegdrehen konnte.</p><p>Enaila be�ugte ihn genau. �Wenn Ihr Aviendha nicht so meiden w�rdet, k�nnte sie daf�r sorgen, da� Ihr genug e�t�</p><p>�Erst weckt er ihr Interesse, und dann rennt er vor ihr weg�, knurrte Somara. �Ihr m��t sie wieder f�r Euch interessieren. Warum bietet Ihr Aviendha nicht an, ihr Haar zu waschen?�</p><p>�So offensichtlich sollte er es nicht machen�, sagte Enaila energisch. �Es reicht vollkommen aus, wenn er ihr anbietet, ihr Haar auszub�rsten. Er will ja wohl nicht, da� sie ihn f�r dreist halt.�</p><p>Somara schniefte. �Sie h�lt ihn ganz bestimmt nicht f�r dreist, wenn er vor ihr wegl�uft. Ihr k�nnt auch zu zur�ckhaltend sein, Rand al'Thor.�</p><p>�Ihr seid Euch doch dar�ber im klaren, da� keine von Euch meine Mutter ist, oder?�</p><p>Die beiden in den <emphasis>Cadin'sor</emphasis> gekleideten Frauen blickten sich verwirrt an. �Glaubst du, das war wieder so ein Feuchtl�nderwitz?� fragte Enaila und Somara zuckte die Achseln.</p><p>�Ich wei� nicht. Er wirkt gar nicht heiter.� Sie klopfte Rand auf den R�cken. �Ich bin sicher, es war ein guter Witz, aber Ihr m��t ihn uns erkl�ren.�</p><p>Rand litt schweigend und bi� lediglich die Z�hne aufeinander. Beim Essen beobachteten sie ihn weiterhin. Sie verfolgten buchst�blich jeden einzelnen Bissen, bis er ihn im Mund hatte. Es wurde auch nicht besser, als sie mit seinem Teller gingen und statt dessen Sulin hereinkam. Sulin gab ihm einige plumpe und �u�erst unz�chtige Ratschl�ge, wie er Aviendhas Aufmerksamkeit wieder auf sich lenken k�nne. Unter den Aiel war das etwas, wie es beispielsweise eine Erstschwester ihrem Erstbruder raten konnte.</p><p>�Ihr m��t in ihren Augen wohl z�chtig und zur�ckhaltend erscheinen�, sagte ihm die wei�haarige Tochter, �aber auch wieder nicht so zur�ckhaltend, da� sie Euch f�r langweilig h�lt. Bittet sie doch, Euch im Dampfzelt den R�cken zu kratzen, aber ein wenig scheu und mit zu Boden gerichtetem Blick. Wenn Ihr euch zum Schlafen auszieht, tanzt noch ein wenig voller Lebensfreude herum, und dann entschuldigt Euch schnell, als w�rt Ihr euch gerade erst bewu�t geworden, da� sie zugegen ist. Dann schl�pft flink unter die Decken. Bringt Ihr es fertig, im richtigen Moment zu err�ten?�</p><p>Er litt schweigend, aber schwer. Die T�chter wu�ten ja eine Menge, aber eben doch nicht genug.</p><p>Als sie nach Caemlyn zur�ckkehrten, eine ganze Weile nach Sonnenuntergang, schlich Rand mit den Stiefeln in der Hand in seine Gem�cher und tastete sich im Dunklen durch den Vorraum ins Schlafzimmer. Selbst wenn er nicht gewu�t h�tte, da� Aviendha zugegen war und bereits auf ihren Decken am Fu�boden nahe der Wand lag, h�tte er ihre Gegenwart gesp�rt. In der Stille der Nacht h�rte er ihre Atemz�ge. Endlich einmal schien es ihm, er habe lange genug gewartet, so da� sie bereits eingeschlafen war. Er hatte sich bem�ht, diesen Zustand zu beenden, doch Aviendha hatte gar nicht auf ihn geachtet, und die T�chter lachten ihn seiner � Sch�chternheit und �Zur�ckhaltung� wegen aus. Gute Eigenschaften f�r einen Mann, wenn er allein ist, da waren sie sich einig, aber man konnte es auch zu weit treiben.</p><p>Er legte sich voller Erleichterung dar�ber, da� Aviendha schon schlief hin, wenn auch ein wenig m�rrisch, weil er kein Licht entz�nden konnte, um sich schnell noch zu waschen, aber dann w�lzte sie sich auf ihrem Lager herum. H�chstwahrscheinlich war sie doch die ganze Zeit wach gewesen.</p><p>�Schlaft gut und erwacht�, war alles, was sie sagte.</p><p>W�hrend er ein mit G�nsedaunen gef�lltes Kissen unter seinen Kopf stopfte, schalt er sich einen Narren, weil er sich pl�tzlich so zufrieden f�hlte, da eine Frau, die er zu meiden versuchte, ihm gute Nacht gesagt hatte. Aviendha hielt das m�glicherweise f�r einen prachtvollen Scherz. Den anderen bis aufs Blut zu reizen war bei den Aiel beinahe schon eine Kunstform. Je n�her der andere daran war, die Nerven zu verlieren, desto lustiger. Der Schlaf �berkam ihn dann aber doch langsam, und sein letzter bewu�ter Gedanke galt dem besten Witz von allen, den aber bisher nur er und Mat und Bashere kannten. Sammael hatte �berhaupt keinen Sinn f�r Humor, aber trotzdem war dieser m�chtige Hammer von einem Heer, der da in Tear wartete, der gr��te Witz, den die Welt je erlebt hatte. Wenn er Gl�ck hatte, w�rde Sammael sterben, bevor ihm klar wurde, da� er eigentlich lachen sollte.</p></section><section><title><p>5</p><p>Ein anderer Tanz</p></title><p>Der �Goldene Hirsch� machte seinem Namen mehr oder weniger Ehre. Auf Hochglanz polierte Tische und B�nke, in deren Beine Rosenmuster geschnitzt waren, standen in dem ger�umigen Schankraum. Ein M�dchen mit wei�er Sch�rze hatte nichts weiter zu tun, als den wei�en Steinboden zu fegen. Gleich unter den m�chtigen Balken der hohen Decke zog sich ein Fries mit blauen und goldenen Verzierungen rund um die wei�get�nchten W�nde. Die Kamine waren aus sauber behauenen Steinen gemauert, und unter den Simsen waren sie mit einigen Zweigen immergr�ner Pflanzen dekoriert. Genau �ber der Mitte jedes Kamins war ein Hirsch in den Stein gemei�elt, der zwischen den Geweihstangen einen Weinbecher hielt. Auf einem der Simse befand sich eine hohe Standuhr, die sogar ein wenig vergoldet war. Auf einem kleinen Podest im Hintergrund spielte eine Musikgruppe auf. Zwei schwitzende M�nner in Hemds�rmeln brachten klagende Laute auf ihren Fl�ten hervor, ein P�rchen zupfte an den neun Saiten ihrer Zithern, und eine Frau mit rotem Gesicht und � einem blaugestreiften Kleid hackte mit kleinen Holzschlegeln auf ein Hackbrett ein, das auf einem Gestell mit d�nnen Holzbeinen lag. Mehr als ein Dutzend Serviererinnen in hellblauen Kleidern und wei�en Sch�rzen eilte mit schnellen Schritten gesch�ftig herein und hinaus. Die meisten von ihnen waren h�bsch, obwohl ein paar nahezu genauso viele Jahre auf dem Buckel hatten wie Frau Daelvin, die rundliche kleine Wirtin mit ihrem d�nnen grauen Haar, das sie im Nacken zu einem Dutt zusammengebunden hatte. Das war genau die Art von Schenke, wie Mat sie mochte. Sie str�mte irgendwie Gem�tlichkeit aus und den Duft nach Geld. Er hatte sie wohl ausgew�hlt, weil sie sich fast genau in der Mitte der Stadt befand, aber das andere konnte ja nicht schaden.</p><p>Nat�rlich war auch in der zweitbesten Schenke von Maerone nicht alles zum besten. Aus der K�che roch es auch hier wieder nach Hammelfleisch und Zwiebeln und der unvermeidlichen, scharf gew�rzten Graupensuppe, und das vermischte sich mit dem Staub und dem Gestank der Pferde von drau�en. Nun, Lebensmittel stellten eben ein Problem dar in einer Stadt, die mit Fl�chtlingen und Soldaten vollgestopft war. Auch rundherum befanden sich noch weitere Lager. M�nnerstimmen, die laute Marschlieder gr�lten, erklangen immer wieder von der Stra�e her und verklangen in der Entfernung, dazu das Stampfen von Stiefeln, das Klappern von Pferdehufen und das Fluchen von M�nnern, die diese Hitze kaum ertragen konnten. Auch hier im Schankraum war es hei�. Kein Lufthauch machte sich bemerkbar. W�ren die Fenster ge�ffnet worden, dann h�tte bald der Staub die gesamte Einrichtung bedeckt, aber an der Hitze h�tte das auch nichts ge�ndert. Maerone war ein einziges Backblech in einem Glutofen. Soweit Mat feststellen konnte, trocknete die ganze verdammte Welt aus, und �ber den Grund daf�r wollte er gar nicht erst nachdenken. Er w�nschte sich, die Hitze einfach vergessen zu k�nnen, vergessen zu k�nnen, da� er sich in Maerone befand, und �berhaupt alles. Seine gute gr�ne Jacke mit der Goldstickerei an Kragen und �rmeln war aufgekn�pft, sein feines Leinenhemd aufgebunden, und doch schwitzte er wie ein Ackergaul. Es h�tte vielleicht geholfen, wenn er den schwarzen Seidenschal abgenommen h�tte, den er sich um den Hals gebunden hatte, aber das tat er nur h�chst selten in Gegenwart anderer. Er kippte seinen letzten Rest Wein herunter, stellte den gl�nzenden Zinnbecher neben sich auf den Tisch und nahm den breitkrempigen Hut in die Hand, um sich damit Luft zuzuf�cheln. Was er auch trank, kam im n�chsten Moment gleich wieder in Form von Schwei� heraus.</p><p>Als er sich entschlo�, im �Goldenen Hirsch� zu wohnen, folgten die Lords und Offiziere der Bande der Roten Hand seinem Beispiel, w�hrend sich nat�rlich die anderen Soldaten der Schenke fernhielten. Das war Frau Daelvin durchaus recht. Sie h�tte jedes Bett gleich f�nfmal ausschlie�lich an die Lords und kleineren Edelm�nner der Bande vermieten k�nnen, und die zahlten auch noch gut, machten nur selten Krawall und trugen die handgreiflichen Streitigkeiten meist au�erhalb der Schenke aus. Heute mittag jedoch sa�en nur neun oder zehn M�nner an den Tischen, und gelegentlich blickte sie die leeren B�nke bedauernd an, strich sich �ber den Dutt und seufzte. Vor dem Abend w�rde sie nicht mehr viel Wein loswerden. Ein gro�er Teil ihres Gewinns r�hrte vom Ausschank des Weines her. Aber wenigstens spielten die Musiker �u�erst lebhaft. Eine Handvoll Lords, denen die Musik gefiel � und soweit es sie betraf, redeten sie gern jeden mit �mein Lord� an, der genug Gold besa� �, konnte gro�z�giger sein als ein ganzer Schankraum voller einfacher Soldaten.</p><p>Ungl�cklicherweise, was die Geldbeutel der Musiker betraf, war Mat der einzige Mann, der ihnen lauschte, und er verzog schmerzhaft bei jeder dritten Note das Gesicht. Es war eigentlich ja nicht ihre Schuld, denn die Melodie klang nicht schlecht, solange man sie nicht kannte. Mat kannte sie allerdings und hatte sie ihnen beigebracht, hatte ihnen den Rhythmus vorgegeben und die Melodie gesummt, aber ansonsten hatte in den letzten zweitausend Jahren niemand dieses Lied geh�rt. Das Beste, was man von ihnen behaupten konnte, war, da� sie wenigstens den Rhythmus einigerma�en trafen.</p><p>Bruchst�cke einer Unterhaltung drangen ihm ins Bewu�tsein. Er warf den Hut wieder auf den Tisch, winkte mit seinem Becher, um neuen Wein zu bekommen und beugte sich ein wenig �ber die Tischfl�che, um den drei M�nnern n�her zu kommen, die am Nebentisch tranken. �Wie war das noch mal?�</p><p>�Wir versuchen, einen Weg zu finden, um einiges von unserem Geld von Euch zur�ckzugewinnen�, sagte Talmanes mit ernsthafter Miene, ohne von seinem Becher aufzublicken. Ihm machte es nichts aus, so ertappt zu werden. Talmanes war nur wenige Jahre �lter als Mat mit seinen zwanzig Jahren, einen Kopf kleiner, und er l�chelte selten. Der Mann erinnerte Mat immer an eine zusammengedr�ckte Spiralfeder. �Niemand kann Euch im Kartenspiel schlagen.� Er befehligte die H�lfte der Kavallerie der Bande und f�hrte hier in Cairhien den Rang eines Lords. Aber den vorderen Teil seines Sch�dels hatte er wie die einfachen Soldaten kahlgeschoren und gepudert, wenn auch der Schwei� den Puder verschmieren lie�. Eine Menge der j�ngeren Lords von Cairhien hatte diese Mode von den Soldaten �bernommen. Auch Talmanes Kurzmantel war ganz schlicht. Die Farbstreifen, die den Rang des Adligen andeuteten, fehlten bei ihm, obwohl er Anspruch auf einige davon gehabt h�tte.</p><p>�Keineswegs�, protestierte Mat. Sicher, wenn sein Gl�ck hielt, dann war es vollkommen, aber es kam in Zyklen, besonders in F�llen, wo die Dinge sich nach so festen Gesetzm��igkeiten richteten wie ein Kartenspiel. �Blut und Asche! Letzte Woche habt Ihr mir f�nfzig Kronen abgekn�pft.� F�nfzig Kronen: Vor einem Jahr oder so h�tte er sich vor Freude �berschlagen, wenn er auch nur eine Krone gewonnen h�tte, und beim Gedanken daran, eine zu verlieren, h�tte er wohl geweint. Vor etwa einem Jahr hatte er aber noch keine, die er h�tte verlieren k�nnen.</p><p>�Um wieviel hundert Kronen bin ich damit nur noch im Hintertreffen?� fragte Talmanes trocken. �Ich m�chte eine Gelegenheit bekommen, etwas davon zur�ckzugewinnen.� Wenn er jemals begann, einigerma�en konstant gegen Mat zu gewinnen, w�rde er sich jedoch auch Gedanken machen. Wie f�r die meisten Mitglieder der Bande stellte auch f�r ihn Mats Gl�ck eine Art von Talisman dar �W�rfel n�tzen verdammt noch mal gar nichts�, sagte Daerid, der kommandierende Offizier der Infanterie ihres kleinen Heeres. Er trank gierig und beachtete die angeekelte Grimasse nicht, die Nalesean hinter seinem pomadisierten Bart nicht ganz verbergen konnte. Die meisten Adligen, die Mat kennengelernt hatte, hielten W�rfelspiele f�r gew�hnlich und lediglich f�r Bauern geeignet. �Ich habe noch nie erlebt, da� Ihr den Tag beim W�rfelspiel mit einem R�ckstand beendet habt. Es mu� an etwas liegen, das Ihr selbst nicht in der Hand habt, das unbewu�t kommt, wenn Ihr versteht, was ich meine.�</p><p>Daerid � nur wenig gr��er als sein Landsmann aus Cairhien, Talmanes � war gut f�nfzehn Jahre �lter. Seine Nase war mehr als einmal gebrochen worden, und drei wei�e Narben �berschnitten sich auf seinem Gesicht. Er war der einzige dieser drei, der nicht von adliger Herkunft war, und auch er hatte sich das Vorderteil seines Sch�dels geschoren und gepudert. Daerid war sein ganzes Leben lang Soldat gewesen.</p><p>�Wir haben an Pferde gedacht�, warf Nalesean ein und gestikulierte mit seinem Zinnbecher. Er war ein st�mmiger Mann, gr��er als die beiden aus Cairhien, und er kommandierte die andere H�lfte der Kavallerie der Bande. Mat wunderte sich manchmal, warum er bei dieser Hitze noch den vollen schwarzen Bart trug, aber er pflegte und trimmte ihn jeden Morgen, damit er immer spitz blieb. Und obwohl Daerid und Talmanes ihre schlichten grauen Kurzm�ntel ge�ffnet hatten, hatte Nalesean seinen � gr�ne Seide mit typisch tairenischen gestreiften Puff�rmeln und Aufschl�gen aus Goldsatin an den �rmeln � bis zum Hals zugekn�pft. Sein Gesicht gl�nzte vor Schwei�, was er aber ignorierte. �Seng meine Seele, aber Euer Gl�ck h�lt an, sowohl in der Schlacht wie beim Kartenspiel. Und beim W�rfeln�, f�gte er noch mit einer Grimasse in Daerids Richtung hinzu. �Doch beim Pferderennen h�ngt alles am Pferd.�</p><p>Mat l�chelte und st�tzte die Ellbogen auf den Tisch. �Sucht Euch ein gutes Pferd, und dann werden wir ja sehen.� Sein Gl�ck w�rde vielleicht ein Pferderennen nicht beeinflussen, denn von W�rfeln und Karten und �hnlichem abgesehen, wu�te er nie im voraus, was es wohl beeinflussen werde oder wann, aber er war mit einem Vater aufgewachsen, der Pferdeh�ndler war, und er hatte ein sehr gutes Auge f�r Pferde.</p><p>�Wollt Ihr nun diesen Wein oder nicht? Ich kann nicht eingie�en, wenn ich Euren Becher nicht erreiche.�</p><p>Mat blickte sich nach hinten um. Die Serviererin hinter ihm hielt einen auf Hochglanz polierten Zinnkrug in der Hand. Sie war klein und schlank und bildh�bsch mit ihren dunklen Augen, den blassen Wangen und den ihr bis auf die Schulter herab fallenden schwarzen Locken. Und diese f�r Cairhien so typische pr�zise und dabei musikalische Aussprache lie� ihre Stimme wie Glockenklang erscheinen. Er hatte schon seit dem ersten Tag, als er den �Goldenen Hirsch� betrat, ein Auge auf Betse Silvin geworfen, doch dies jetzt war die erste Gelegenheit, sich mit ihr zu unterhalten. Ansonsten gab es immer f�nf Dinge, die sofort erledigt werden mu�ten, und zehn andere, die sie gestern schon erledigt haben sollte. Die anderen M�nner hatten ihre Nasen in ihren Bechern vergraben, damit er sich so allein mit ihr wie eben m�glich f�hlen konnte. Hinausmarschieren konnten sie ja wohl schlecht. Aber sie hatten gute Manieren; sogar die beiden Adligen.</p><p>Grinsend schwang Mat seine Beine �ber die Bank nach hinten und hielt ihr den Becher hin, damit sie ihn auff�llen konnte. �Dankesch�n, Betse�, sagte er, und sie knickste leicht. Als er sie dann allerdings fragte, ob sie sich nicht selbst eingie�en und mit ihm trinken wolle, stellte sie den Krug auf den Tisch, verschr�nkte die Arme und hielt den Kopf ein wenig schief, damit sie ihn von Kopf bis Fu� mustern konnte.</p><p>�Ich glaube kaum, da� so etwas Frau Daelvin gefallen w�rde. O nein, das w�rde ihr bestimmt nicht passen. Seid Ihr ein Lord? Sie scheinen alle nach Eurer Pfeife zu tanzen, aber keiner redet Euch mit �mein Lord� an. Sie verbeugen sich ja kaum � h�chstens die Gemeinen.�</p><p>Mat zog die Augenbrauen hoch. �Nein�, sagte er k�rzer angebunden als beabsichtigt, �ich bin <emphasis>kein</emphasis> Lord.� Rand sollte ruhig die Leute herumlaufen und ihn mit Lord Drache oder so �hnlich anreden lassen. Das war nichts f�r Matrim Cauthon. Ganz bestimmt nicht. Er holte tief Luft, und sein Grinsen kehrte zur�ck. Manche Frauen versuchten st�ndig, einen Mann aus dem Gleichgewicht zu bringen, aber seine St�rke lag im Tanzen. �Redet mich nur mit Mat an, Betse. Ich bin sicher, da� Frau Daelvin nichts dagegen hat, wenn ihr euch eine Weile zu mir setzt.�</p><p>�O doch, sie h�tte was dagegen. Aber ich sch�tze, ich kann mich ein bi�chen mit Euch unterhalten. Ihr seid ja wohl beinahe ein Lord. Warum tragt Ihr das bei der Hitze?� Sie beugte sich vor und schob mit einer Fingerspitze sein Halstuch ein St�ck hinunter. Er hatte nicht aufgepa�t und es etwas herunterrutschen lassen. �Was ist denn das?� Sie fuhr mit dem Finger die dicke, blasse Narbe nach, die sich rund um seinen Hals zog. �Hat jemand versucht. Euch aufzuh�ngen? Warum denn? Ihr seid zu jung, um ein solch ausgekochter Halunke zu sein, den man aufh�ngen m��te.� Er nahm den Kopf zur�ck und zog das Halstuch ganz schnell wieder so zusammen, da� es die Narbe verdeckte, doch Betse lie� sich nicht so leicht ablenken. Ihre Hand schl�pfte vorn in sein Hemd hinein, dessen B�ndel er offen gelassen hatte, und zog das Medaillon in Form eines silbernen Fuchskopfes heraus, das an einer Lederschnur um seinen Hals hing. �Hat man Euch aufh�ngen wollen, weil Ihr das gestohlen habt? Es sieht wertvoll aus. Ist es wertvoll?� Mat schnappte sich das Medaillon aus ihrer Hand und schob es zur�ck, wo es hingeh�rte. Die Frau holte ja kaum Luft, jedenfalls nicht lange genug, um ihn auch zu Wort kommen zu lassen. Er h�rte, wie hinter ihm Nalesean und Daerid leise lachten, und sein Gesicht lief dunkel an. Manchmal verkehrte sich sein Gl�ck im Spiel bei Frauen ins genaue Gegenteil, aber die fanden das immer erheiternd. �Nein, sie h�tten es Euch nicht gelassen, wenn Ihr es gestohlen h�ttet, oder?� Betse plapperte eifrig weiter. �Und da Ihr ja beinahe ein Lord seid, k�nnt Ihr euch wohl Dinge wie das leisten. Vielleicht wollten sie Euch h�ngen, weil Ihr zuviel wu�tet? Ihr wirkt wie ein junger Mann, der eine ganze Menge wei�. Oder es zumindest glaubt.� Sie l�chelte ein wenig auf jene typische, verwirrende Art und Weise, wie es Frauen tun, wenn sie einen Mann um den Finger wickeln wollen. Das bedeutete nur in seltenen F�llen, da� sie wirklich etwas wu�ten, aber sie lie�en einen glauben, sie h�tten eine Ahnung. �Haben sie versucht, Euch aufzuh�ngen, weil Ihr glaubtet, zuviel zu wissen? Oder weil Ihr so getan habt, als w�rt Ihr ein Lord? Seid Ihr sicher, da� Ihr wirklich kein Lord seid?�</p><p>Daerid und Nalesean lachten jetzt ganz unverhohlen, und sogar Talmanes schmunzelte, obwohl sie sich M�he gaben, so zu tun, als habe es einen anderen Grund. Daerid warf immer wieder keuchend vor Lachen etwas dazwischen �ber einen Mann, der vom Pferd gefallen sei, allerdings nur, wenn er gerade zum Luftholen gekommen war, aber an den Bruchst�cken, die Mat davon wahrnahm, war nichts Lustiges.</p><p>Er grinste trotzdem weiter. Er w�rde sich nicht in die Flucht schlagen lassen, auch wenn sie schneller sprach, als er laufen konnte. Sie war nun einmal sehr h�bsch, und er hatte die letzten Wochen unter M�nnern wie Daerid und noch schlimmeren verbracht, verschwitzten Kerlen, die manchesmal verga�en, sich zu rasieren, und die viel zu oft keine M�glichkeit fanden, ein Bad zu nehmen. Auch auf Betses Wangen stand der Schwei�, und doch duftete sie schwach nach Lavendelseife. �In Wirklichkeit habe ich das abbekommen, weil ich zu wenig wu�te�, sagte er leichthin. Frauen gefiel es doch immer, wenn man seine alten Verwundungen herunterspielte. Das Licht mochte wissen, wie viele davon er noch empfangen w�rde. �Heute wei� ich zuviel, aber damals wu�te ich zu wenig. Man k�nnte durchaus sagen, ich wurde meiner Kenntnisse wegen aufgeh�ngt.�</p><p>Betse sch�ttelte den Kopf und sch�rzte die Lippen. �Das klingt, als solle es irgendwie geistreich sein, Mat. Kleine Lords machen die ganze Zeit �ber �u�erst geistreiche Bemerkungen, aber Ihr behauptet doch, Ihr w�rt kein Lord. Au�erdem bin ich eine einfache Frau, und geistreiche Dinge sind mir einfach zu hoch. F�r mich sind einfache Worte die besten. Da Ihr kein Lord seid, solltet Ihr euch einfach ausdr�cken, sonst k�nnte jemand vermuten, Ihr spielt gern den Lord. Keine Frau mag einen Mann, der angibt und so tut, als sei er jemand, der er nicht ist. Vielleicht w�rdet Ihr mir erkl�ren, was Ihr mir eigentlich sagen wolltet?�</p><p>Immer noch das L�cheln zu wahren kostete ihn einige M�he. Dieses Wortgepl�nkel mit ihr verlief ganz anders, als von ihm beabsichtigt. Er konnte nicht entscheiden, ob sie nun ein kompletter Schwachkopf sei oder es einfach fertigbrachte, da� er �ber die eigenen Ohren stolperte, um mit ihr mithalten zu k�nnen. Wie auch immer, war sie eben verdammt h�bsch und roch nach Lavendelseife anstatt nach Schwei�, Daerid und Nalesean schienen mittlerweile am eigenen Gel�chter zu ersticken. Talmanes summte �Ein Frosch auf dem Eis� vor sich hin. Also schien er wohl mit den F��en in der Luft durch die Gegend zu schliddern.</p><p>Mat stellte seinen Becher weg, erhob sich und beugte sich �ber Betses Hand. �Ich bin, wer ich bin, und nicht mehr, aber Euer Gesicht vertreibt mir die Worte aus dem Kopf.� Nun ri� sie die Augen auf; blumige Komplimente gefielen eben jeder Frau. �W�rdet Ihr mit mir tanzen?�</p><p>Er wartete gar nicht erst auf ihre Antwort, sondern f�hrte sie in die Mitte des Saales, wo zwischen den Tischen der L�nge nach ein freier Raum ausgespart worden war. Wenn er Gl�ck hatte, w�rde das Tanzen ihre flinke Zunge vielleicht zum Verstummen bringen, und schlie�lich hatte er doch immer Gl�ck! Au�erdem hatte er noch nie von einer Frau geh�rt, die man durch ein T�nzchen nicht weich bekam. <emphasis>Tanze mit ihr, und sie wird dir viel vergeben; tanze gut mit ihr, und sie vergibt Dir alles!</emphasis> Das war ein sehr altes Sprichwort.</p><p>Sehr, sehr alt.</p><p>Betse hielt sich etwas zur�ck, bi� sich auf die Lippen und sah sich nach Frau Daelvin um, doch die mollige kleine Wirtin l�chelte nur und winkte Betse ermutigend zu. Dann bem�hte sie sich erfolglos, einige unfolgsame Str�hnen in ihren Dutt zur�ckzustecken, und schlie�lich begann sie, die anderen Serviererinnen herumzuscheuchen, als sei der ganze Schankraum voller G�ste. Frau Daelvin w�rde jeden Mann zusammenstauchen, dessen Benehmen sie f�r unanst�ndig hielt. Trotz des friedfertigen Eindrucks, den sie erweckte, trug sie in einer Rocktasche stets einen Totschl�ger mit sich herum und ben�tzte ihn gelegentlich auch. Nalesean be�ugte sie immer noch mi�trauisch, wenn sie in seine N�he kam. Doch wenn ein freigebiger Mann gern tanzen wollte, was konnte das schon schaden? Mat hielt Betses H�nde, so da� ihre Arme nach beiden Seiten ausgestreckt waren. Der Platz zwischen den Tischen sollte gerade ausreichen. Die Musiker begannen, lauter zu spielen, allerdings nicht besser.</p><p>�La�t Euch von mir f�hren�, sagte er zu ihr. �Die Schritte sind ganz einfach zu lernen.� Im Rhythmus der Musik begann er mit einer leichten Verbeugung, dann einen gleitenden Schritt nach rechts, den linken Fu� nachholen. Verbeugung und Schritt und Fu� nachgleiten lassen, immer mit ausgestreckten Armen.</p><p>Betse lernte schnell und war sehr leichtf��ig. Als sie die Musiker erreichten, hob er mit einer fl�ssigen Bewegung ihre H�nde weit nach oben und wirbelte sie und sich selbst herum, da� sie R�cken an R�cken standen. Dann wieder Verbeugung, Ausfallschritt seitw�rts, Fu� nachholen, herumwirbeln, ein ums andere Mal, bis sie wieder am Ausgangspunkt zur�ck waren. Sie pa�te sich seinem Tanz geschwind an und l�chelte zu ihm auf, wann immer die Drehungen ihr das gestatteten. Sie war wirklich h�bsch.</p><p>�Jetzt wird's ein wenig komplizierter�, murmelte er und wandte sich so, da� sie Seite an Seite den Musikern gegen�berstanden, die H�nde vor sich �berkreuzt. Rechtes Knie hoch, ein leichter Kick nach rechts, dann nach rechts vorw�rtsgleiten. Linkes Knie hoch, wieder ein leichter Kick nach links, dann nach links vorw�rtsgleiten. Betse lachte hingerissen, als sie sich auf diese Art wieder den Musikern n�herten. Mit jedem Durchlauf wurden die Schritte komplizierter, doch er mu�te es ihr jeweils nur einmal zeigen, und dann tat sie es ihm gleich, lag leicht wie eine Feder bei jeder Drehung, jeder Wendung, jedem Herumwirbeln in seinen Armen. Und das Beste �berhaupt war, da� sie kein Wort sagte. Die Musik packte ihn trotz der gelegentlichen Mi�t�ne, die Musik und das Gewebe der Tanzschritte, und Erinnerungen durchstr�mten ihn, als sie so �ber den Tanzboden vor- und zur�ckglitten. In diesen Erinnerungen war er einen Kopf gr��er, hatte einen langen, goldenen Schnurrbart und blaue Augen. Er trug einen Kurzmantel aus bernsteinfarbener Seide mit einer roten Sch�rpe, Manschetten aus feinsten barsinischen Spitzen und Kn�pfe aus gelben Sapphiren auf der Brust, die aus Aramaelle stammten. Er tanzte mit einer dunkelh�utigen Sch�nheit, der Botschafterin der Atha'an Miere, des Meervolkes. An der d�nnen Goldkette, die ihren Nasenring mit einem der vielen Ohrringe verband, hingen winzige Medaillons, die sie als Wogenherrin des Clans Schodin auswiesen. Es war ihm gleich, wie m�chtig sie auch sein mochte; dar�ber sollte sich der K�nig Gedanken machen. Einen Lord mittleren Ranges ging das nichts an. Sie war sch�n und lag federleicht in seinen Armen, und sie tanzten unter der gro�en Kristallkuppel des Hofes in Shaemal, in jener Zeit, als alle Welt neidisch auf die Pracht und die Macht Coremandas war. Andere Erinnerungen huschten am Rande vorbei und schlugen Funken aus diesem Tanz, den er so deutlich vor sich sah. Der n�chste Morgen w�rde Nachrichten �ber sich st�ndig verst�rkende Trolloc-�berf�lle aus der Gro�en F�ule heraus bringen, und einen Monat sp�ter w�rde sich die Nachricht verbreiten, da� Barsine mit seinen goldenen T�rmchen zerst�rt und gebrandschatzt worden war und da� die Horden der Trollocs weiter nach S�den st�rmten. So w�rde die Zeit beginnen, die man sp�ter als die Trolloc-Kriege bezeichnete, wenn auch anfangs niemand an diese Bezeichnung dachte: dreihundert Jahre und mehr ununterbrochener K�mpfe, Blut, Feuersbr�nste und Ruin, bis man die Trollocs zur�cktrieb und die Schattenlords einen nach dem anderen t�tete. So w�rde der Fall von Coremanda seinen Anfang nehmen, trotz allen Reichtums und aller Macht, und der von Essenia mit seinen Philosophen und den ber�hmten St�tten des Lernens, der Fall von Manetheren und Eharon und allen anderen der Zehn Nationen, die trotz des letztendlichen Sieges zu Tr�mmern zerschmettert wurden, aus denen sich sp�ter neue L�nder erhoben, L�nder, in denen man der Zehn Nationen nur als blo�e Mythen aus einer gl�cklicheren Zeit gedachte. Doch das lag in der Zukunft, und w�hrend er die Gegenwart und diesen Tanz geno�, verdr�ngte er die Gedanken daran. Heute abend tanzte er den Tanz des Gro�en Musters mit...</p><p>Er blinzelte, weil ihn einen Augenblick lang der Sonnenschein �berraschte, der durch die Fenster hereinfiel, und das helle, strahlende Gesicht unter einer gl�nzenden Schwei�schicht, das zu ihm aufblickte. Beinahe w�re er bei den komplizierten Schritten mit Betses F��en durcheinandergekommen, als sie so �ber den Boden wirbelten, doch er fing sich gerade so eben, bevor er sie auch noch ins Stolpern brachte. Zum Gl�ck flogen ihm die Schritte ganz instinktiv zu. Dieser Tanz geh�rte zu ihm, genau wie jene Erinnerungen, ob sie nun geborgt oder gestohlen waren, doch sie waren so �bergangslos in seine eigenen, echten Erinnerungen verwoben, da� er ohne Nachzudenken keinen Unterschied mehr bemerkte. Jetzt waren es jedenfalls seine Erinnerungen, die L�cken in seinem Ged�chtnis ausf�llten. Es war so, als habe er sie wirklich alle erlebt.</p><p>Es stimmte tats�chlich, was er ihr �ber die Narbe um seinen Hals gesagt hatte. Seines Wissens wegen aufgeh�ngt, und gleichzeitig, weil er nicht genug wu�te. Zweimal war er wie ein kompletter Narr durch einen <emphasis>Ter'Angreal</emphasis> gegangen, wie ein Dorftrottel, der das f�r genauso problemlos hielt, wie �ber eine Wiese zu laufen. Nun, f�r fast genauso problemlos. Die Ergebnisse hatten ihn in seinem Mi�trauen allem gegen�ber, was mit der Einen Macht zu tun hatte, nur noch best�rkt. Beim erstenmal hatte man ihm erkl�rt, es sei sein Schicksal, zu sterben und wieder zu neuem Leben zu erwachen, und dann noch einiges, was er gar nicht hatte h�ren wollen. Ein paar dieser anderen Hinweise hatten ihn letztendlich zu jenem zweiten Durchschreiten eines <emphasis>Ter'Angreals</emphasis> verleitet, und das hatte ihm ein Seil um den Hals beschert.</p><p>Eine Reihe von Schritten, jeder aus gutem Grund oder auch aus purer Notwendigkeit unternommen, jeder war ihm zu dieser Zeit vollkommen vern�nftig vorgekommen, und doch f�hrte jeder zu irgendwelchen Dingen, wie er sie sich nie vorgestellt hatte. Er schien sich immer und immer wieder in dieser Art von Tanz zu drehen. Er war ganz sicher tot gewesen, als Rand ihn abschnitt und wiederbelebte. Zum hundertstenmal fa�te er nun einen ganz festen Vorsatz: Von nun an w�rde er genau aufpassen, wohin er ging. Kein blindes Herumtappen mehr, das ihn nur �ber Hindernisse stolpern lie�, ohne �berhaupt daran zu denken, was daraus entstehen k�nnte.</p><p>In Wirklichkeit hatte er an jenem Tag mehr als nur die Narbe erhalten. Beispielsweise das silberne Medaillon in Form eines Fuchskopfes mit einem einzigen, teilweise getr�bten Auge, das auf diese Art wie jenes uralte Kennzeichen der Aes Sedai aussah. Manchmal lachte er derart schallend, wenn er an das Medaillon dachte, da� ihm hinterher die Rippen schmerzten. Er traute keiner Aes Sedai �ber den Weg, und so badete und schlief er sogar mit diesem Ding um den Hals. Die Welt war schon ein komischer Ort, und verdammt eigenartig zumeist.</p><p>Ein weiterer Gewinn, den ihm die ganze Sache gebracht hatte, war Wissen, Kenntnisse, wenn auch unerw�nschte. Bruchst�cke der Leben anderer M�nner steckten nun in seinem Kopf; Tausende! Manchmal ging es nur um wenige Stunden dabei, manchmal auch um Jahre, wenn auch auf einzelne Erinnerungsfetzen aufgeteilt, Erinnerungen an K�nigsh�fe und K�mpfe, die sich �ber einen Zeitraum von mehr als tausend Jahren erstreckten, aus der Zeit lange vor den Trolloc-Kriegen bis zur entscheidenden Schlacht, die den Aufstieg Artur Falkenfl�gels besiegelte. Alles das geh�rte nun ihm, oder jedenfalls waren sie auf gewisse Weise sein. Nalesean, Daerid und Talmanes klatschten den Rhythmus der Musik mit, und die anderen M�nner an den �brigen Tischen taten es ihnen gleich. M�nner der Bande der Roten Hand, die ihren Oberbefehlshaber beim Tanzen anfeuerten. Licht, aber diese Bezeichnung verursachte Mat Magenbeschwerden. So hatte eine legend�re Truppe von Helden gehei�en, die beim Versuch, Manetheren zu retten, ums Leben gekommen waren. Kein einziger Mann, der hinter der Flagge ihrer Bande herritt oder �marschierte, dachte auch nur im Entferntesten daran, da� auch sie selbst zum Stoff von Legenden werden k�nnten. Auch Frau Daelvin klatschte mit, und die �brigen Serviererinnen waren stehengeblieben und sahen zu.</p><p>Es lag an den Erinnerungen dieser anderen M�nner, da� die Bande sich Mats F�hrung anvertraute, obwohl ihnen das nicht klar war. Denn in seinem Kopf waren die Erinnerungen an mehr Schlachten und Kriegsz�ge gespeichert, als hundert M�nner erlebt haben konnten. Gleich, ob er auf Seiten der Gewinner oder der Verlierer gestanden hatte, wu�te er doch immer, wie diese Schlachten im einzelnen gewonnen oder verloren worden waren, und er mu�te nur seinen Verstand gebrauchen, um das in Siege f�r die Bande umzum�nzen. Bisher zumindest war ihm das gelungen. Wenn er keine M�glichkeit mehr sah, einen Kampf zu vermeiden.</p><p>Mehr als einmal hatte er sich gew�nscht, diese Bruchst�cke anderer M�nner aus seinem Kopf loszuwerden. Ohne sie bef�nde er sich nicht da, wo er war, w�rde er nicht fast sechstausend Soldaten befehligen, zu denen t�glich neue stie�en, w�re er nicht auf dem Weg nach S�den, um das Kommando �ber eine verdammte Invasion in einem Land zu �bernehmen, das von einem der verfluchten Verlorenen beherrscht wurde. Er war kein Held und wollte auch gar keiner sein. Helden standen im Ruf, ziemlich leicht zu sterben. Wenn man ein Held war, gab es zwei M�glichkeiten: entweder dem Hund einen Knochen zuwerfen und ihn aus dem Weg in eine Ecke zu schieben, oder ihm einen Knochen versprechen und ihn hinausschicken, damit er jagen ging. Dasselbe galt halt auch f�r Soldaten...</p><p>Andersherum betrachtet, w�re er allerdings auch nicht von sechstausend Soldaten umgeben gewesen. Er st�nde ganz allein da, ein <emphasis>Ta'veren</emphasis> und an den Wiedergeborenen Drachen gefesselt als nacktes Ziel, und die Verlorenen kannten ihn sehr wohl. Einige von ihnen wu�ten offensichtlich entschieden zuviel �ber Mat Cauthon. Moiraine hatte behauptet, er spiele eine wichtige Rolle, da� Rand sowohl ihn wie auch Perrin ben�tige, um die Letzte Schlacht zu gewinnen. Falls sie recht gehabt hatte, w�rde er alles tun, was sein mu�te � das w�rde er tats�chlich, nur mu�te er sich erst an diesen Gedanken gew�hnen �, aber er hatte nicht vor, den verdammten Helden zu spielen. Wenn ihm nur einfiele, was er mit diesem verfluchten Horn von Valere anstellen sollte... So betete er im stillen f�r Moiraines Seele und hoffte, sie werde nicht recht behalten.</p><p>Er und Betse kamen zum letztenmal an das Ende der freien Fl�che und sie lie� sich atemlos an seine Brust fallen, als er stehenblieb. �Oh, das war wundervoll! Ich habe mich gef�hlt, als sei ich irgendwo in einem K�nigspalast. K�nnen wir das noch mal tanzen? Ach, bitte? Ja?� Frau Daelvin klatschte einen Moment lang Beifall, aber als ihr dann bewu�t wurde, da� ihre anderen Serviererinnen tatenlos herumstanden, fuhr sie die M�dchen an und schickte sie wie ver�ngstigte H�hner in allen Richtungen an die Arbeit, wobei sie lebhaft mit den Armen fuchtelte.</p><p>�Bedeutet �Tochter der Neun Monde� irgend etwas f�r Euch?� platzte er heraus. Er dachte an jene <emphasis>Ter'Angreal,</emphasis> die alle seine Probleme verursacht hatten. Wo immer er auch die Tochter der Neun Monde finden mochte �<emphasis>Bitte, Licht, la� es noch lange dauern!</emphasis> dachte er fieberhaft �, wo immer er also auf sie stie�, w�rde es bestimmt nicht der Schankraum einer Schenke in einer Kleinstadt sein, vollgestopft mit Soldaten und Fl�chtlingen, die von ihr bedient wurden. Wer aber wu�te schon so etwas vorauszusagen, wenn es um eine Weissagung ging? Auf gewisse Weise war es ja eine Prophezeiung gewesen. Sterben und wieder leben. Die Tochter der Neun Monde heiraten. Die H�lfte des Lichts der Welt aufgeben, um die Welt zu retten, was das auch bedeuten mochte. Er <emphasis>war</emphasis> tats�chlich gestorben, als er an jenem Strick baumelte. Und wenn das stimmte, stimmte auch der Rest. Daran f�hrte kein Weg vorbei.</p><p>�Tochter der Neun Monde?� fragte Betse atemlos. Doch die Atemlosigkeit konnte sie nicht bremsen. �Ist das eine Schenke? Eine Taverne? Hier in Maerone jedenfalls liegt sie nicht, das wei� ich bestimmt. Vielleicht �ber dem Flu�, dr�ben in Aringill? Ich bin noch nie dort...�</p><p>Mat legte ihr einen Finger auf die Lippen. �Es spielt keine Rolle. Tanzen wir lieber noch einmal.� Diesmal w�hlte er einen l�ndlichen Tanz aus der Gegenwart und aus dieser Gegend, an dem keine anderen Erinnerungen als seine eigenen klebten. Aber mittlerweile mu�te er wirklich nachdenken, um die eigenen Erinnerungen von den fremden zu unterscheiden.</p><p>Ein R�uspern lie� ihn umblicken, und er seufzte beim Anblick Edorions, der an der T�r stand, die stahlverst�rkten Handschuhe hinter den Schwertgurt gesteckt und den Helm unter dem Arm. Der junge tairenische Lord war ein molliger, weichlicher Mann mit rosa Wangen gewesen, als Mat im Stein von Tear mit ihm Karten spielte, doch seit er in den Norden gegangen war, war er h�rter geworden und von der Sonne verbrannt. An dem ger�nderten Helm steckten keine Federn mehr, und die einst so kunstvolle Vergoldung an seinem Brustharnisch wies nun Risse und Beulen auf. Sein Kurzmantel mit den typischen Puff�rmeln war blau mit schwarzen Streifen, wirkte aber bereits etwas abgetragen.</p><p>�Ihr hattet mir befohlen, Euch um diese Stunde an Eure f�llige Runde zu erinnern.� Edorion hustete hinter vorgehaltener Hand und blickte auff�llig an Betse vorbei. �Aber ich kann auch sp�ter wiederkommen, wenn Ihr w�nscht.�</p><p>�Ich komme schon�, sagte Mat zu ihm. Es war wichtig, jeden Tag seine Runden zu drehen, jeden Tag etwas anderes zu inspizieren, das sagten ihm die Erinnerungen jener anderen M�nner, und er war mittlerweile soweit, da� er ihnen traute. Wenn er schon diese Aufgabe nicht mehr los wurde, konnte er genausogut versuchen, alles richtig zu machen. Es richtig zu machen konnte ja auch das eigene Leben bewahren. Au�erdem war Betse von ihm zur�ckgetreten und bem�hte sich gerade, mit ihrem Sch�rzenzipfel den Schwei� vom Gesicht zu tupfen und auch noch gleichzeitig ihr Haar zu ordnen. Die �berschwengliche Freude wich langsam von ihren Z�gen. Es spielte keine Rolle. Sie w�rde daran denken. <emphasis>Tanze gut mit einer Frau,</emphasis> dachte er selbstzufrieden, <emphasis>und sie ist schon halbwegs dein.</emphasis></p><p>�Gebt die den Musikern�, sagte er zu ihr und dr�ckte ihr drei Goldmark in die Hand. So schlecht sie auch spielten, hatte ihn doch ihr Spiel eine Zeitlang von Maerone und der unmittelbaren Zukunft abgelenkt. Und Frauen gefiel doch gew�hnlich solche Gro�z�gigkeit. Das entwickelte sich alles sehr gut. Mit einer Verbeugung, die knapp �ber ihrem Handr�cken endete, f�gte er noch hinzu: �Bis sp�ter, Betse. Wenn ich zur�ckkomme, tanzen wir wieder.�</p><p>Zu seiner �berraschung fuchtelte sie mit erhobenem Zeigefinger vor seinem Gesicht herum und sch�ttelte mi�billigend den Kopf, als habe sie seine Gedanken gelesen. Nun, er hatte ja auch noch nie behauptet, Frauen wirklich zu verstehen.</p><p>So setzte er den Hut auf und nahm den Speer mit dem schwarzen Schaft von seinem Platz neben der T�r. Das war ein weiteres Geschenk von der anderen Seite jenes <emphasis>Ter'Angreal,</emphasis> mit seiner Inschrift in der Alten Sprache am Schaft und der eigenartigen Spitze in Form einer kurzen Schwertklinge, die mit zwei Raben gezeichnet war.</p><p>�Heute inspizieren wir die Schankr�ume�, sagte er zu Edorion, und sie schritten in die Mittagshitze hinaus und in den L�rm und das Gedr�nge von Maerone.</p><p>Es war eine kleine Stadt ohne sch�tzende Mauer, wenn auch f�nfzigmal so gro� wie jede, die er gesehen hatte, bevor er die Zwei Fl�sse verlie�. Eigentlich mehr ein gro�es Dorf. Nur wenige der meist aus Backstein oder Naturstein erbauten H�user wiesen mehr als ein einziges Stockwerk auf und nur die Schenken zeigten stolze drei Stockwerke. Die D�cher in Sicht waren etwa zu gleicher Zahl mit Holzschindeln, Stroh, Schiefer oder Ziegeln gedeckt. Auf den meist ausgetretenen Lehmstra�en dr�ngten sich jetzt Menschenmengen. Die Bewohner der Stadt kamen aus aller Herren L�nder; die �berwiegende Zahl allerdings aus Cairhien und Andor. Obwohl es auf der Seite Cairhiens am Erinin lag, geh�rte Maerone nun keiner Nation mehr an, sondern vollf�hrte einen Balanceakt zwischen beiden L�ndern, und Menschen aus mindestens einem halben Dutzend L�ndern wohnten hier oder kamen durch. Man hatte sogar drei oder vier Aes Sedai gesichtet, seit Mat angekommen war. Trotz des Medaillons, das er immer um den Hals trug, machte er einen weiten Bogen um sie, denn er wollte keine Schwierigkeiten heraufbeschw�ren, aber sie reisten genauso schnell weiter, wie sie angekommen waren. Sein Gl�ck hielt ihm die Treue, wenn es darauf ankam. Bisher jedenfalls.</p><p>Die Menschen eilten ihren Gesch�ften nach und ignorierten zumeist die abgerissenen M�nner, Frauen und Kinder, die m��ig umherwanderten. Alle stammten aus Cairhien, und die letzteren schlenderten gew�hnlich bis zum Flu�ufer hinunter, bevor sie wieder in die Fl�chtlingslager zur�ckkehrten, die rund um die Stadt errichtet worden waren. Allerdings gingen nur wenige ganz weg, um nach Hause zur�ckzukehren. Der B�rgerkrieg in Cairhien mochte wohl beendet sein, doch es gab immer noch R�uberbanden, und au�erdem hatten sie Angst vor den Aiel. Es konnte gut sein, so hatte Mat bereits �berlegt, da� sie f�rchteten, dem Wiedergeborenen Drachen zu begegnen. Zugrunde lag aber eigentlich eine Tatsache: Sie waren soweit gelaufen, wie sie nur konnten. Kaum einer von ihnen besa� noch die Energie, weiter zu gehen als bis zum Flu�. Dort standen sie dann und blickten nach Andor hin�ber.</p><p>Die Soldaten der Bande lie�en die Menschenmenge noch weiter anschwellen. Allein oder in kleinen Gruppen schlenderten sie an L�den und Tavernen vorbei. Dazwischen marschierten ganze Truppenteile in strenger Formation, Armbrust- und Bogensch�tzen in Lederwesten, auf die sie Stahlscheiben gen�ht hatten, Pikeure mit verbeulten Harnischen, die wirkten, als h�tten irgendwelche Adligen sie weggeworfen oder als habe man sie einfach den Gefallenen abgezogen. �berall dazwischen sah man ger�stete Reiter, tairenische Lanzentr�ger mit ihren ger�nderten Helmen und Kavalleriesoldaten aus Cairhien mit den typischen glockenf�rmigen Helmen. Sogar ein paar Andoraner waren dabei, gut an ihren kegelf�rmigen Helmen mit den Gittervisieren erkennbar. Rahvin hatte eine ganze Menge M�nner aus der k�niglichen Garde verwiesen, M�nner, die loyal zu Morgase gehalten hatten, und einige davon hatten sich der Bande angeschlossen. Fliegende H�ndler wanderten mit ihren Bauchl�den durch die Menge und schrien �ber die K�pfe hinweg, was sie an Waren zu bieten h�tten: Nadel und Faden, Tinkturen, die angeblich bei jeder Art von Wunde helfen sollten, und Medikamente, die alles heilten, von Absch�rfungen bis zu Wasserblasen bis zum Lagerkoller, dazu Seife, Blecht�pfe und �tassen, die garantiert nie rosteten, Wollstr�mpfe, Messer und Dolche aus feinstem andoranischen Stahl � darauf gaben die Verk�ufer ihr Wort � und �berhaupt alles, was ein Soldat ben�tigte oder wovon die H�ndler glaubten, sie k�nnten den Soldaten einen Bedarf einreden. Der L�rm war so stark, da� selbst das Geschrei der H�ndler drei Schritte weiter bereits davon verschluckt wurde.</p><p>Die Soldaten erkannten Mat nat�rlich sofort, und viele jubelten ihm zu, sogar solche M�nner, die zu weit entfernt waren, um mehr als seinen breitkrempigen Hut und den eigenartigen Speer erkennen zu k�nnen. Diese Zeichen jedoch machten ihn genauso schnell erkennbar wie die Wimpel die Adligen. Alle m�glichen Ger�chte waren ihm zu Ohren gekommen, warum er R�stung und Helm verschm�hte. Das ging von �bertriebener Tapferkeit und Leichtsinn bis hin zu der Behauptung, nur eine solche Waffe k�nne ihn t�ten, die vom Dunklen K�nig selbst geschmiedet worden sei. Manche meinten, der Hut sei ihm von den Aes Sedai verliehen worden, und solange er ihn trug, k�nne ihn �berhaupt nichts t�ten. Tats�chlich war es nur ein v�llig normaler Hut, den er aufsetzte, weil die breite Krempe seinem Gesicht Schatten spendete. Und weil er ihn immer daran erinnerte, da� er sich von jeder Gelegenheit fernhalten mu�te, bei der er vielleicht Helm und R�stung ben�tigen w�rde. Die Ger�chte, die �ber seinen Speer mit dieser Inschrift im Umlauf waren, die sogar unter seinen Adligen Offizieren kaum einer lesen konnte, waren allerdings noch viel ausschweifender. Aber keines kam der Wahrheit auch nur im Entferntesten nahe. Die mit den Raben gekennzeichnete Klinge war w�hrend des Schattenkriegs von Aes Sedai angefertigt worden, noch vor der Zerst�rung der Welt, und sie mu�te niemals geschliffen werden. Au�erdem bezweifelte er, da� er sie zerbrechen k�nne, und wenn er sich noch so sehr anstrengte.</p><p>Er winkte dankend auf solche Rufe hin, wie: �Das Licht leuchte Lord Matrim!� und �Mit Lord Matrim zum Sieg!� und �hnlichem Unsinn. So bahnte er sich mit Edorion zusammen den Weg durch die Menge. Wenigstens mu�te er sich nicht hindurchdr�ngen, da die Menschen ihm Platz machten, sobald sie seiner gewahr wurden. Er w�nschte sich, die Fl�chtlinge w�rden ihn nicht mit solchen Blicken anstarren, als trage er ihre gesamte Hoffnung auf eine bessere Zukunft in der Rocktasche. Er wu�te einfach nicht, was er f�r sie tun konnte, abgesehen davon, da� er selbstverst�ndlich daf�r sorgte, sie mit Lebensmitteln aus den Wagenz�gen von Tear zu versorgen. Viele waren nicht nur abgerissen, sondern auch noch ziemlich schmutzig.</p><p>�Ist die Seife �berhaupt in den Lagern angekommen?� brummte er.</p><p>Edorion h�rte es trotz all des L�rms. �Ist sie. Die meisten tauschen sie aber bei den H�ndlern wieder gegen billigen Wein um. Sie wollen keine Seife. Sie wollen entweder �ber den Flu� oder den eigenen Kummer im Wein ertr�nken.�</p><p>Mat knurrte m�rrisch. Den �bergang nach Aringill konnte er ihnen auch nicht verschaffen.</p><p>Bis der B�rgerkrieg und noch Schlimmeres Cairhien zerri�, war Maerone ein Knotenpunkt f�r den Handel zwischen Cairhien und Tear gewesen, und das bedeutete, da� es hier fast genausoviele Schenken und Tavernen gab wie Wohnh�user. Die ersten f�nf, in die er seine Nase steckte, unterschieden sich kaum voneinander, von der �Fuchs und Gans�-Schenke bis zur �Kutscherpeitsche�: alles Steingeb�ude mit vollen Tischen und gelegentlich aufflammenden Raufereien, die Mat gar nicht weiter beachtete. Immerhin gab es keine Betrunkenen.</p><p>Das �Flu�tor� ganz am anderen Ende der Stadt war Maerones beste Schenke gewesen, doch schwere Bretter, die man �ber die mit Sonnenscheiben beschnitzten T�ren genagelt hatte, sollten die Wirte und Schankkellner dazu ermahnen, die Soldaten der Bande nicht betrunken zu machen. Trotzdem schlugen sich sogar n�chterne Soldaten gelegentlich � Tear gegen Cairhien und gegen Andor, Infanterie gegen Kavallerie, selbst die M�nner eines Lords gegen die eines anderen, Veteranen gegen Gr�nschn�bel, Soldaten gegen Zivilisten. Die Raufereien wurden aber niedergeschlagen, bevor sie au�er Kontrolle gerieten. Soldaten mit Kn�ppeln und breiten roten Stoffbahnen an den Unterarmen sorgten daf�r. Jede Einheit kam an die Reihe, Rotarme f�r diesen Zweck abzustellen, jeden Tag andere M�nner, und die Rotarme mu�ten alle Sch�den bezahlen, die an einem Tag angerichtet wurden, an dem sie Dienst hatten. Das f�hrte dazu, da� sie �u�erst eifrig den Frieden zu wahren versuchten.</p><p>In der �Fuchs und Gans�-Schenke jonglierte ein Gaukler mit Flammenst�ben, ein kr�ftiger Mann von mittleren Jahren, w�hrend in der Erinin Schenke ein anderer, hager und mit Halbglatze, die Harfe in den H�nden hatte und einen Teil der <emphasis>Gro�en Jagd nach dem Horn</emphasis> rezitierte. Trotz der Hitze trugen beide ihren typischen Umhang mit Flicken in hundert verschiedenen Farben, die bei jeder Bewegung flatterten. Ein Gaukler w�rde eher seine Hand hergeben als seinen Umhang. Sie hatten ein durchaus aufmerksames Publikum, denn viele ihrer Zuschauer stammten aus D�rfern, in denen man den Besuch eines Gauklers noch freudig begr��te, und ihre Zuschauermengen waren entschieden gr��er als die eines M�dchens, das in einer Taverne mit dem hochtrabenden Namen �Zu den drei T�rmen� auf einem Tisch stand und sang. Sie war ziemlich h�bsch, hatte lange, dunkle Locken, aber ein Lied �ber die wahre Liebe konnte diese l�rmenden und gr�lenden M�nner nicht reizen, die dort an den Tischen tranken. In den �brigen Lokalen gab es bis auf ein oder zwei Musikanten keine Unterhaltung, aber dort waren die G�ste daf�r noch lauter, und die vielen W�rfelspiele an fast der H�lfte aller Tische lie�en Mats Finger jucken. Doch er gewann ja wirklich beinahe jedes Spiel, vor allem mit W�rfeln, und es w�re nicht recht, den eigenen Soldaten das Geld auf diese Weise wieder abzunehmen. Und die bildeten ja den gr��ten Teil der Gaste an den Tischen. Nur wenige Fl�chtlinge besa�en noch Geld genug, um ihre Zeit in Schankr�umen zu verbringen.</p><p>Eine Handvoll anderer hatte sich unter die Mitglieder der Bande gemischt. Hier sa� ein hagerer Mann aus Kandor mit einem in zwei Spitzen gespaltenen Bart und einer Mondperle von der Gr��e seines Daumennagels am Ohr. �ber die Brust seines roten Rocks hingen silberne Ketten. Dort sa� eine Domanifrau mit kupferfarbenem Teint in einem f�r eine Domani z�chtigen blauen Kleid. Ihr Blick huschte schnell von einem zum anderen. An allen Fingern trug sie Ringe mit Edelsteinen. Anderswo erblickte er einen Mann aus Tarabon mit einer kegelf�rmigen und oben abgeflachten blauen Kappe, der den dicken Schnauzbart hinter einem, transparenten Schleier verborgen hatte. Anderswo dickliche M�nner in tairenischen Kurzm�nteln, die sich eng um ihre H�ften spannten, oder knochige Kerle in M�nteln aus Murandy, die ihnen bis zu den Knien reichten, Frauen mit harten Augen in hochgeschlossenen, manchmal auch kn�chellangen Kleidern, immer aus Wolle feiner Qualit�t, von gutem Zuschnitt und in d�steren, n�chternen Farben gehalten... Alles Kaufleute, bereit, sofort zuzuschlagen, sobald der Handel zwischen Andor und Cairhien wieder er�ffnet wurde. Und in jedem Schankraum sa�en zwei oder drei M�nner abseits von den anderen, gew�hnlich ganz f�r sich, zumeist Burschen mit harten Augen, ein paar gut gekleidet, andere aber nicht viel besser als die Fl�chtlinge, und jeder von ihnen wirkte, als wisse er mit dem Schwert an seiner H�fte oder auf seinem R�cken gut umzugehen. Mat entdeckte sogar zwei Frauen unter diesen Au�enseitern, wenn auch bei beiden keine Waffe sichtbar war. Die eine hatte allerdings einen langen Wanderstab neben sich an den Tisch gelehnt, w�hrend er bei der anderen vermutete, sie habe in ihrem Reitkleid Messer verborgen. Er trug ja auch immer ein paar Wurfmesser versteckt bei sich. Er war sicher, zu wissen, was sie und die anderen zu tun gedachten, und sie w�re t�richt w�rde sie das unbewaffnet unternehmen. Als er und Edorion aus der �Kutscherpeitsche� traten, blieb Mat stehen und beobachtete, wie eine st�mmige Frau in einem braunen Hosenrock sich den Weg durch die Menge bahnte. Der scharfe Blick, mit dem sie alles auf der Stra�e wahrnahm, wollte so gar nicht zu dem Ausdruck von Ruhe und Freundlichkeit auf ihrem runden Gesicht passen, genausowenig wie der mit Dornen ausgestattete kurze Kn�ppel an ihrem G�rtel und der schwere Dolch, der eher zu einem Aielmann zu geh�ren schien. Das war nun schon die dritte Frau dieser Art in der Menge. J�ger des Horns waren sie alle, des legend�ren Horns von Valere, das tote Helden aus den Gr�bern zur�ckrufen w�rde, damit sie in der Letzten Schlacht k�mpften. Wer immer es aufsp�rte, hatte sich einen Platz in der Weltgeschichte gesichert. <emphasis>Falls noch jemand �brig ist, um ein verdammtes Geschichtsbuch zu schreiben,</emphasis> dachte Mat trocken.</p><p>Einige glaubten, das Horn werde dort auftauchen, wo Aufruhr und Rivalit�t herrschten. Es war vierhundert Jahre her, da� zum letztenmal zur Jagd nach dem Horn aufgerufen worden war, und diesmal hatte es schon fast Leute geregnet, die bereit waren, den Eid abzulegen. Er hatte ganze Scharen von J�gern in den Stra�en Cairhiens gesehen, und er erwartete noch mehr Anblicke dieser Art, wenn er Tear erreichte. Zweifellos w�rden sie mittlerweile auch nach Caemlyn str�men. Er w�nschte, einer von denen h�tte das Ding gefunden. Nach bestem Wissen lag das Horn von Valere irgendwo tief in der Wei�en Burg verborgen, und da er die Aes Sedai kannte, h�tte es ihn �berrascht, wenn mehr als ein Dutzend von ihnen �berhaupt des Horns gewahr w�ren.</p><p>Ein Zug Infanteristen hinter einem berittenen Offizier mit verbeultem Harnisch und einem Helm aus Cairhien marschierte zwischen ihm und der st�mmigen Frau hindurch, beinahe zweihundert Pikeure, ihre Waffen ein hoher Wald von Lanzenspitzen, von f�nfzig oder mehr Bogensch�tzen gefolgt, die an den H�ften volle K�cher trugen und sich die B�gen �ber die Schultern geh�ngt hatten. Es waren nicht die Langb�gen von den Zwei Fl�ssen, mit denen Mat aufgewachsen war, aber doch ordentliche Waffen. Er mu�te einfach gen�gend Armbrustsch�tzen f�r Umgehungsman�ver auftreiben. Die Bogensch�tzen allerdings w�rden nicht freiwillig tauschen. Sie sangen beim Marschieren, und ihre vereinigten Stimmen waren laut genug, um den L�rm zu durchdringen.</p><p><emphasis>Du lebst von Bohnen und dem, was der Bauer nicht mag, ein Hufeisen auf den Fu� bekommst du zum Namenstag. Du schwitzt und blutest und das Gl�ck ist dir nie hold, und dein einziger Sold sind die Tr�ume von Gold, bist du dumm genug und wirst Soldat, bist du dumm genug und wirst Soldat.</emphasis></p><p>Ein dichtgedr�ngter Haufen von Zivilisten kam hinter ihnen her, Ortsans�ssige wie Fl�chtlinge, alles junge M�nner, die neugierig zuschauten und lauschten. Das erstaunte Mat ohne Ende. Je schlimmer das Lied den Soldatenstand darstellte, und dies jetzt war bei weitem nicht das schlimmste, desto gr��er diese Menge. So sicher, wie das Wasser na� war, w�rden noch vor dem Einbruch der Nacht einige dieser M�nner mit einem Bannertr�ger verhandeln, und die meisten von ihnen w�rden dann auch unterschreiben oder ihr Zeichen auf die Urkunde kritzeln. Sie mu�ten das Lied f�r einen Versuch halten, sie abzuschrecken und den ganzen Ruhm und die Beute f�r sich zu behalten. Nun, wenigstens sangen die Pikeure nicht �Tanz mit dem Schwarzen Mann�. Mat ha�te dieses Lied. Sobald den Jungen Burschen klar wurde, da� der Schwarze Mann gleichbedeutend mit dem Tod war, rannten sie los, um sich einzuschreiben.</p><p><emphasis>Dein M�dchen nimmt sich einen anderen Mann.</emphasis></p><p><emphasis>Du liegst im Grab, damit er sie lieben kann.</emphasis></p><p><emphasis>Die W�rmer wenigstens lieben dich,</emphasis></p><p><emphasis>und um dein Grab keiner k�mmert sich,</emphasis></p><p><emphasis>bist du dumm genug und wirst Soldat, bist du dumm genug und wirst Soldat.</emphasis></p><p>�Eine ganze Menge Leute fragen sich�, sagte Edorion im gelangweilten Plauderton, als sich die Truppe mit ihrer Nachhut aus Idioten die Stra�e hinunter entfernte, �wann wir endlich nach S�den aufbrechen werden. Es gibt Ger�chte.� Er sah Mat aus dem Augenwinkel an und versuchte wohl, Mats Laune zu taxieren. �Ich habe bemerkt, da� die Hufschmiede die Gespanne f�r die Proviantfahrzeuge inspiziert haben.�</p><p>�Wir r�cken vor, wenn es soweit ist�, sagte Mat daraufhin. �Nicht n�tig, Sammael wissen zu lassen, da� wir kommen.�</p><p>Edorion warf ihm einen ausdruckslosen Blick zu. Dieser Tairener war kein Dummkopf. Nicht, da� Nalesean einer gewesen w�re. Er war eben nur manchmal �bereifrig. Aber Edorion hatte einen scharfen Verstand.</p><p>Nalesean h�tte die Hufschmiede �berhaupt nicht bemerkt. Wie schade, da� das Haus Aldiaya h�her im Rang stand als das Haus Selorna, sonst h�tte Mat Edorion auf Naleseans Posten gesetzt. Diese t�richten Adligen mit ihrer idiotischen Rangfolge. Nein, Edorion war kein Holzkopf. Er wu�te, da� die Nachricht von ihrem Vorr�cken sich blitzschnell mit dem gesamten Flu�verkehr ausbreiten w�rde, und vermutlich w�rden Spione sie mit Brieftauben weitergeben. Mat h�tte jedenfalls nicht einmal dann darauf gewettet, da� sich in Maerone keine Spione bef�nden, wenn sein Gl�ck wie mit dem Holzhammer auf seinen Kopf eingepr�gelt h�tte.</p><p>�Es geht auch das Ger�cht um�, sagte Edorion so leise es der Stra�enl�rm zulie�, �da� der Lord Drache sich gestern in der Stadt befunden habe.�</p><p>�Das Gr��te, was gestern passiert ist�, stellte Mat trocken fest, �war, da� ich zum erstenmal seit einer Woche ein Bad nehmen konnte. Jetzt kommt weiter. Wir werden sowieso noch den halben restlichen Tag brauchen, um unsere Runde zu beenden.�</p><p>Er h�tte ja einiges daf�r gegeben, herauszufinden, wie dieses Ger�cht zustande gekommen war. Es lag nur um einen halben Tag falsch und es war doch niemand dabeigewesen, der sie h�tte beobachten k�nnen. Es war in den ganz fr�hen Morgenstunden noch vor Sonnenaufgang gewesen, als pl�tzlich ein greller Lichtstreifen in seinem Zimmer im �Goldenen Hirsch� erschienen war. Er war verzweifelt �ber das Himmelbett mit seinen vier Pfosten gehechtet, den einen Stiefel ganz und den anderen zur H�lfte ausgezogen, und hatte das Messer herausgerissen, das zwischen seinen Schulterbl�ttern hing, bevor er erkannte, da� es sich um Rand handelte, der aus einem dieser verdammten L�cher ins Nichts herausstieg. Offensichtlich kam er aus dem Palast in Caemlyn, denn es waren noch ein paar S�ulen im Hintergrund sichtbar gewesen, bevor die �ffnung verschwand. Es �berraschte ihn schon sehr, da� er mitten in der Nacht ankam, ohne seine Aiel, und dann auch noch geradewegs in Mats Zimmer auftauchte. Diese Tatsache lie� Mat die Haare zu Berge stehen. Wenn er am falschen Fleck gestanden h�tte, dann h�tte ihn dieses Ding glatt in zwei H�lften zerschneiden k�nnen. Er konnte diese Tricks der Einen Macht einfach nicht leiden. Das Ganze war �berhaupt schon sehr eigenartig gewesen.</p><p><emphasis>�Eile mit Weile, Mat�, sagte Rand, wobei er im Zimmer auf und ab schritt. Er blickte nie in Mats Richtung. Sein Gesicht gl�nzte von Schwei� und sein Kinn wirkte trotzig. �Er mu� es kommen sehen. Alles kommt darauf an.�</emphasis></p><p><emphasis>Im Sitzen auf dem Bett ri� sich Mat den Stiefel ganz vom Fu� und lie� ihn auf den kleinen Bettvorleger fallen, den ihm Frau Daelvin zugestanden hatte. �Ich wei߫, sagte er m�rrisch, und dann unterbrach er sich und rieb sich erst einmal den Kn�chel, den er an einem Bettpfosten angeschlagen hatte. �Ich habe geholfen, diesen verdammten Plan zu entwerfen, oder erinnerst du dich nicht mehr daran?�</emphasis></p><p><emphasis>�Woran merkst du, da� du eine Frau liebst, Mat?� Rand h�rte nicht mit dem Herumgetigere auf und seine Frage klang, als geh�re sie durchaus zu seinem vorherigen Gespr�chsthema.</emphasis></p><p><emphasis>Mat ri� die Augen auf. �Woher, beim Krater des Verderbens, soll ich das wissen? In diese Falle habe ich noch nie einen Fu� gesetzt. Wie kommst du denn auf sowas?� Aber Rand rollte nur seine Schultern, als streife er etwas ab. �Ich werde Sammael fertigmachen, Mat. Das habe ich versprochen, und ich schulde es den Toten. Aber wo halten sich die anderen auf? Ich mu� sie alle erledigen.�</emphasis></p><p><emphasis>�Aber doch wohl einen nach dem anderen.� Beinahe w�re daraus eine Frage geworden; man konnte nie wissen, was sich Rand heutzutage vielleicht in den Kopf gesetzt hatte.</emphasis></p><p><emphasis>�Es befinden sich Drachenverschworene in Murandi, Mat. Und auch in Altara. M�nner, die sich mir verschworen haben. Sobald Illian mein ist werden Altara und Murandy wie reife Pflaumen fallen. Ich werde Kontakt mit den Drachenverschworenen in Tarabon aufnehmen und in Arad Doman, und falls mich die Wei�m�ntel aus Amadicia fernhalten wollen, werde ich sie zerschmettern. Der Prophet hat Ghealdan bereits vorbereitet und Amadicia zumindest zum Teil, wie ich h�rte. Kannst du dir Masema als Propheten vorstellen? Saldaea wird sich mir anschlie�en, wie mir Bashere versichert. Alle Grenzlande werden zu mir kommen. Sie m�ssen einfach! Ich werde es schaffen, Mat. Alle L�nder vereint, bevor die Letzte Schlacht beginnt. Ich werde es schaffen!� Rands Stimme klang nun etwas fieberhaft.</emphasis></p><p><emphasis>�Sicher, Rand�, sagte Mat in beruhigendem Tonfall und stellte seinen anderen Stiefel neben den ersten. �Aber eins nach dem anderen, ja?�</emphasis></p><p><emphasis>�Kein Mann sollte die Stimme eines anderen Mannes im Kopf tragen�, murmelte Rand, und Mats H�nde erstarrten, als er gerade einen Wollstrumpf herunterrollen wollte. Seltsamerweise ertappte er sich dabei, wie er sich fragte, ob er dieses Paar Str�mpfe wohl noch einen weiteren Tag lang tragen k�nne. Rand wu�te einiges von dem, was innerhalb jenes</emphasis> Ter'Angreal <emphasis>in Rhuidean geschehen war � wu�te jedenfalls, da� er irgendwie weitreichende milit�rische Kenntnisse gewonnen hatte �, aber doch nicht alles. Bestimmt nicht alles, dachte sich Mat. Nicht das mit den Erinnerungen anderer M�nner. Rand schien nichts Au�ergew�hnliches zu bemerken. Er strich sich lediglich mit den Fingern durchs Haar und fuhr fort: �Man kann ihn durchaus hinters Licht f�hren, Mat, weil Sammael so geradlinig denkt, aber gibt es irgendein Schlupfloch, durch das er entkommen k�nnte? Wenn wir nur einen einzigen Fehler begehen, werden Tausende sterben. Zehntausende. Hunderte werden sowieso sterben, aber ich will nicht, da� daraus tausende werden.�</emphasis></p><p>Mat machte bei diesen Gedanken mit einemmal eine so b�se Miene, da� ein Stra�enh�ndler mit verschwitztem Gesicht, der ihm gerade einen Dolch aufschwatzen wollte, dessen Griff mit bunten gl�sernen �Edelsteinen� bedeckt war, diesen beinahe h�tte fallen lassen und dann schnell in der Menge untertauchte. Es war immer so bei Rand, da� er vom Hundertsten ins Tausendste kam, von der Invasion in Illian auf die Verlorenen, dann auf Frauen � Licht, Rand war doch derjenige, der immer so gut bei Frauen ankam, er und Perrin �, von der Letzten Schlacht auf die T�chter des Speers und dann auf Dinge, die Mat kaum verstand, und er h�rte Mat nur selten zu, wenn der ihm antwortete, und manchmal wartete er nicht einmal auf eine Antwort. Zu h�ren, wie Rand von Sammael sprach, als kenne er den Mann pers�nlich und gut, war auch mehr als nur beunruhigend. Er wu�te, da� Rand irgendwann einmal wahnsinnig w�rde, aber falls der Wahnsinn sich bereits jetzt einschlich...</p><p>Und was war mit den anderen, diesen Narren, die Rand um sich versammelte, die doch tats�chlich mit der Macht arbeiten <emphasis>wollten,</emphasis> und mit diesem Burschen namens Taim, der das bereits konnte? Rand hatte das nur ganz nebenher erw�hnt: Mazrim Taim, der falsche verdammte Drache, unterrichtete Rands verdammte Studenten oder was auch immer sie waren! Wenn sie alle auf einmal wahnsinnig wurden, wollte sich Mat nicht innerhalb von tausend Meilen im Umkreis aufhalten.</p><p>Nur konnte er sich seinen Platz genausowenig aussuchen wie ein Blatt im Wirbelsturm. Er war ein <emphasis>Ta'veren,</emphasis> doch Rand war eindeutig der st�rkere. In den Prophezeiungen des Drachen stand nichts von Mat Cauthon, aber er war gefangen wie ein Wiesel unter dem Gartenzaun. Licht, wie er sich w�nschte, niemals das Horn von Valere erblickt zu haben!</p><p>So stolzierte er mit grimmiger Miene durch das n�chste Dutzend Tavernen und Schankraume, in immer weiteren Kreisen um den �Goldenen Hirsch� herum. Sie unterschieden sich wirklich kaum von der ersten: Tische, an denen sich die M�nner dr�ngten, tranken, W�rfel rollen lie�en oder sich mit Fingerhakeln vergn�gten, Musiker, die man �ber den L�rm hinweg in mehr als der H�lfte aller F�lle kaum mehr h�rte, Rotarme, die jede Rauferei im Keim zu ersticken versuchten, ein Gaukler, der in einem davon <emphasis>Die Gro�e Jagd</emphasis> rezitierte, denn der Zyklus war �u�erst popul�r, selbst wenn sich keine J�ger des Horns in der N�he befanden, und in einer anderen Taverne eine kleine junge Frau mit hellem Haar, die ein etwas unz�chtiges Lied von sich gab, das durch ihr rundes Gesicht mit den gro�en, unschuldigen Augen noch unz�chtiger wirkte.</p><p>Seine d�stere Stimmung hielt an, als er das �Silberne Horn� � d�mlicher Name! � und die S�ngerin mit dem Unschuldsblick verlie�. Vielleicht lief er deshalb so begierig auf Ablenkung in Richtung des Geschreis los, das pl�tzlich vor einer weiteren Schenke ein St�ck die Stra�e herunter zu h�ren war. Die Rotarme w�rden sich darum k�mmern, falls Soldaten darin verwickelt waren, aber trotzdem dr�ngte sich Mat durch die Menschenmenge. Rand wurde verr�ckt und lie� ihn drau�en im Sturm vor der T�r stehen. Taim und diese anderen Narren waren bereit, ihm in den Wahnsinn zu folgen. Sammael wartete in Illian, und der Rest der Verlorenen das Licht wu�te, wo. Alle suchten vermutlich nach einer M�glichkeit, so nebenher auch noch Mat Cauthons Kopf zu bekommen. Und dabei ber�cksichtigte er nicht einmal, was ihm die Aes Sedai antun w�rden, sollten sie ihn wieder in die Finger bekommen � jedenfalls diejenigen, die zuviel wu�ten. Und jeder glaubte, er werde hinausmarschieren und den verdammten Helden spielen! Normalerweise bem�hte er sich mit vielen guten Worten, eine Auseinandersetzung zu meiden, wenn er schon nicht in der Lage war, einen gro�en Bogen darum zu machen, aber gerade jetzt suchte er nach einer Ausrede, um irgend jemandem kr�ftig eins auf die Nase zu geben. Was er jedoch antraf, entsprach ganz und gar nicht seinen Erwartungen. Eine Ansammlung von Ortsans�ssigen, kleinen, unauff�llig gekleideten Leuten aus Cairhien und dazwischen ein paar hochgewachsenere Andoraner in bunteren Farben bildete � ohne jede Beifalls- oder Unmuts�u�erung �einen Kreis um zwei gro�e, schlanke M�nner mit gezwirbelten Schnurrb�rten in langen M�nteln aus gl�nzender Seide im Stil Murandys. Sie trugen Schwerter mit kunstvoll vergoldeten Kn�ufen und Parierstangen. Der Kerl mit dem roten Mantel stand vor Vergn�gen grinsend da und beobachtete den in Gelb, wie er einen Jungen, der Mat kaum bis zur H�fte reichte, beim Kragen gepackt hielt und sch�ttelte, so wie ein Hund eine Ratte in den Z�hnen h�lt und sch�ttelt.</p><p>Mat beherrschte sich. Er dachte daran, da� er ja �berhaupt nicht wu�te, wie die ganze Auseinandersetzung begonnen hatte. �Behandelt den Jungen nicht so grob�, sagte er und legte dem mit dem gelben Mantel m��igend eine Hand auf den Arm. �Was hat er getan, da� Ihr...?�</p><p>�Er hat Pferd meiniges angefa�t!� fauchte der Mann im mindeanischen Dialekt und sch�ttelte Mats Hand ab. Die Mindeaner gaben damit an � sie gaben wirklich damit an! �, sie seien die unbeherrschtesten unter den verschiedenen Bewohnern Murandys. �Ich werden ihm seinen d�nnen Bauernhals brechen! Ich drehen ihm seinen mageren...!�</p><p>Ohne ein weiteres Wort ri� Mat den Schaft seines Speeres wuchtig hoch und traf mit dem Ende den Kerl genau zwischen die Beine. Der Mund des Burschen aus Murandy �ffnete sich, doch es kam kein Laut heraus. Seine Aug�pfel kippten hoch, bis fast nur noch Wei� zu sehen war. Der Junge l�ste sich blitzschnell aus dem Griff des Mannes, als dessen Beine nachgaben und er schlie�lich auf Knien und dem Gesicht im Schmutz der Stra�e lag. �Nein, das werdet Ihr nicht!� sagte Mat.</p><p>Das war nat�rlich noch nicht das Ende der Auseinandersetzung. Der Mann im roten Mantel ri� nun an seinem Schwert. Er brachte die Klinge aber nur ein paar Fingerbreit heraus, und dann knallte ihm Mat den Speerschaft auf das Handgelenk. St�hnend lie� der Mann das Heft los und griff mit der anderen Hand nach dem langen Messer an seinem G�rtel. Schnell hieb Mat ihm den Speer auf den Kopf �ber ein Ohr. Der Hieb war nicht einmal hart, doch der Kerl brach genau �ber dem anderen Mann zusammen. <emphasis>Verdammter Idiot!</emphasis> Mat war nicht ganz sicher, ob er damit den Rotmantel meinte oder sich selbst.</p><p>Endlich schob sich ein halbes Dutzend Rotarme durch den Ring der Zuschauer. Es waren tairenische Kavalleristen, die in ihren kniehohen Stiefeln ungeschickt einhermarschierten und deren rot- und goldfarbene Puff�rmel von den roten B�ndern abgeschn�rt wurden. Edorion hielt den Jungen fest. Er war mager und blickte verstockt drein. Etwa sechs Jahre mochte er alt sein. Seine blo�en Zehen kr�mmten sich hin und wieder im Stra�enstaub, wenn er ausprobierte, ob er eine Chance habe, aus Edorions Griff zu entkommen. Er war vielleicht das h��lichste Kind, das Mat je erblickt hatte � die Nase platt, der Mund zu breit, um in das Gesicht zu passen, und die Ohren standen wie die Henkel einer Tasse ab. Den L�chern in seiner Jacke und Hose nach zu schlie�en, geh�rte er zu den Fl�chtlingen. An ihm war wohl mehr Schmutz als irgend etwas anderes.</p><p>�Schlichtet diese Angelegenheit, Harnan�, sagte Mat. Das war ein Rotarm mit kantigem Kinn, ein Zugf�hrer mit einem Gesichtsausdruck, als leide er andauernd, und mit einer ungeschickt gestochenen T�towierung in Form eines Falken auf der linken Wange. Diese Mode schien sich in der Bande st�ndig auszubreiten, doch die meisten beschr�nkten sich dabei auf K�rperteile, die normalerweise unter der Kleidung verborgen waren. �Findet heraus, was den Streit verursacht hat, und dann jagt diese beiden groben Kerle aus der Stadt.� Das hatten sie in jedem Fall verdient, wie auch immer sie provoziert worden sein mochten.</p><p>Ein knochiger Mann in einer Jacke vom typischen Schnitt aus Murandy wand sich zwischen den Zuschauern hindurch und fiel neben dem Paar auf die Knie. Der Gelbmantel hatte gerade damit begonnen, ersticktes St�hnen von sich zu geben, w�hrend der Rotmantel sich mit beiden H�nden an den Kopf fa�te und etwas vor sich hin murmelte, was wie Verw�nschungen klang. Der Neuank�mmling veranstaltete mehr Aufhebens als beide zusammen. �Oh, meine Lords! Mein Lord Paers! Mein Lord Culen! Seid Ihr get�tet worden?� Er streckte zitternde H�nde in Mats Richtung aus. �Oh, t�tet sie nicht, mein Lord! Nicht so hilflos, wie sie sind. Sie sind J�ger des Horns, mein Lord. Ich bin ihr Bursche, Padry. Sie sind Helden, mein Lord!�</p><p>�Ich werde �berhaupt niemanden t�ten�, warf Mat angewidert ein. �Aber schafft diese Helden auf ihre Pferde und bis Sonnenuntergang aus Maerone fort! Ich mag keine erwachsenen M�nner, die drohen, einem Kind den Hals umzudrehen. Bis Sonnenuntergang!�</p><p>�Aber, mein Lord, sie sind verwundet! Er ist doch blo� ein Bauernjunge, und er hat Lord Paers Pferd bel�stigt!�</p><p>�Ich habe mich nur draufgesetzt�, brach es aus dem Jungen heraus. �Es war nicht ... was Ihr behauptet habt!�</p><p>Mat nickte ernst. �Jungen dreht man nicht den Hals um, weil sie sich auf ein Pferd setzen, Padry. Nicht einmal <emphasis>Bauernjungen.</emphasis> Ihr sorgt daf�r, da� diese beiden verschwinden, sonst k�nnte es passieren, da� ich <emphasis>ihnen</emphasis> die H�lse umdrehe.� Er gab Harnan einen Wink, der den anderen Rotarmen knapp zunickte, Zugf�hrer taten niemals etwas pers�nlich, genausowenig wie die Bannertr�ger. Sie schnappten sich Paers und Culen, zerrten sie hoch und schleiften sie unter St�hnen und �chzen davon. Padry lief aufgeregt hinterher, rang die H�nde und protestierte, seine Herren k�nnten in diesem Zustand nicht reiten und sie seien J�ger des Horns und Helden.</p><p>Edorion hielt immer noch die Quelle all dieser Unruhe am Arm fest, wie Mat jetzt bewu�t wurde. Die Rotarme waren fort, und die Stadtbewohner liefen auseinander. Keiner widmete dem Jungen besondere Aufmerksamkeit; schlie�lich hatten sie f�r die eigenen Kinder zu sorgen, und das fiel ihnen schon schwer genug. Mat atmete schwer durch. �Ist dir denn nicht klar, da� man dir etwas tun k�nnte, wenn du dich so einfach auf ein fremdes Pferd setzt, Junge? Au�erdem reitet ein Mann wie der m�glicherweise einen Hengst, der einen kleinen Jungen glatt in den Boden seiner Box stampfen k�nnte, so da� niemand �berhaupt w��te, da� du dagewesen bist.�</p><p>�Ein Wallach.� Der Junge versuchte wieder, sich mit einem Ruck aus Edorions Griff zu befreien, und als er merkte, da� dieser sich kein bi�chen gelockert hatte, machte er eine m�rrische Miene. �Es war ein Wallach, und lammfromm; er h�tte mir nichts getan. Pferde m�gen mich. Ich bin auch kein <emphasis>kleiner</emphasis> Junge; ich bin neun. Und ich hei�e Olver � nicht <emphasis>Junge.�</emphasis></p><p>�Olver, ja?� Neun? Nun gut, vielleicht. Mat konnte so etwas schwer einsch�tzen, und besonders bei den Kindern aus Cairhien. �Also, Olver, wo sind deine Mutter und dein Vater?� Er sah sich um, aber die Fl�chtlinge, die vorbeikamen, schritten genauso schnell weiter wie die Stadtbewohner. �Wo sind sie, Olver? Ich mu� dich doch zu ihnen zur�ckbringen.�</p><p>Statt zu antworten, bi� sich Olver auf die Lippe. Eine Tr�ne rann ihm aus einem Auge und er rieb sie zornig weg. �Die Aiel haben meinen Papa get�tet. Einer von diesen ... Schado. Mama hat gesagt, da� wir nach Andor gehen. Sie sagte, wir w�rden auf einem Bauernhof wohnen. Mit Pferden.�</p><p>�Und wo ist sie jetzt?� fragte Mat leise.</p><p>�Sie ist krank geworden. Ich � ich habe sie begraben, wo ein paar Blumen wuchsen.� Pl�tzlich trat Olver nach Edorion und begann, sich in seinem Griff zu winden. Tr�nen liefen ihm �ber das Gesicht. �La�t mich gehen! Ich kann auf mich selbst aufpassen. La�t mich gehen!�</p><p>�Pa�t auf ihn auf, bis wir jemanden f�r ihn finden�, sagte Mat zu Edorion, der ihn mit offenem Mund ansah, w�hrend er gleichzeitig den Jungen abwehrte und ihn dabei festzuhalten versuchte.</p><p>�Ich? Was soll ich denn mit diesem Leoparden von einer Teppichmaus anfangen?�</p><p>�Besorgt ihm beispielsweise eine Mahlzeit.� Mat r�mpfte die Nase. Dem Gestank nach hatte Olver zumindest einige Zeit auf dem Stallboden zugebracht, wo der Wallach stand. �Und ein Bad. Er stinkt.�</p><p>�Sprecht gef�lligst mit mir selbst!� rief Olver und rieb sich �ber das Gesicht. Die Tr�nen halfen ihm dabei, den Dreck kr�ftig zu verschmieren. �Sprecht mit mir und nicht �ber meinen Kopf hinweg!�</p><p>Mat ri� die Augen auf und dann b�ckte er sich zu dem Jungen herunter. �Tut mir leid, Olver. Ich konnte es auch nie leiden, wenn die Leute das mit mir machten. Also, es ist so: Du riechst nicht gut, und deshalb wird dich Edorion hier zum �Goldenen Hirsch� mitnehmen, und dort richtet Frau Daelvin dir ein Bad.� Olvers Miene wurde noch ein wenig m�rrischer. �Sollte sie etwas dagegen haben, dann sagst du ihr, da� es in meinem Auftrag geschieht. Sie darf dich nicht davon abhalten.� Mat hielt sein Grinsen ob Olvers pl�tzlich stolzen Blickes zur�ck; das h�tte alles verdorben. Vielleicht pa�te dem Jungen der Gedanke an ein Bad nicht, aber wenn ihn jemand m�glicherweise davon abhalten wollte... �Jetzt geh mit und tu, was Edorion dir sagt. Er ist ein wirklicher Lord aus Tear, und er wird daf�r sorgen, da� du eine gute, warme Mahlzeit bekommst und ein paar Kleidungsst�cke, die noch nicht durchl�chert sind. Und au�erdem Schuhe,� Am besten f�gte er nicht hinzu: �Jemanden, der auf dich achtgibt.� Frau Daelvin w�rde sich seiner schon annehmen. Ein wenig Gold d�rfte ihren Widerstand wohl brechen.</p><p>�Ich mag keine Tairener�, murmelte Olver, wobei er zuerst Edorion und dann Mat mit finsterer Miene musterte. Edorion hatte die Augen geschlossen und fluchte leise vor sich hin. �Ist er ein wirklicher Lord? Seid Ihr auch ein Lord?�</p><p>Bevor Mat etwas erwidern konnte, kam Estean durch die Menschenmenge gerannt. Sein dickes Gesicht war stark ger�tet und schwei��berstr�mt. Sein verbeulter Harnisch lie� die fr�here vergoldete Pracht nur noch erahnen, und die roten Satinstreifen an seinen gelben �rmeln waren ausgebleicht. Er wirkte absolut nicht wie der Sohn des reichsten Lords von Tear. Aber so hatte er schlie�lich noch nie gewirkt. �Mat�, schnaufte er und fuhr sich mit den Fingern durch das str�hnige Haar, das ihm st�ndig �ber die Stirn hing. �Mat... Drunten am Flu�...�</p><p>�Was denn?� unterbrach ihn Mat unwillig. Er w�rde sich jetzt wohl eine Aufschrift auf s�mtliche Jacken n�hen lassen: �Ich bin kein verdammter Lord! � �Sammael? Die Shaido? Die k�nigliche Garde? Die verfluchten Wei�en L�wen? Was, verdammt noch mal?�</p><p>�Ein Schiff, Mat�, brachte Estean keuchend heraus. Wieder strich er sich durchs Haar. �Ein gro�es Schiff. Ich glaube, es sind Meerleute.�</p><p>Das klang unwahrscheinlich. Die Atha'an Miere entfernten sich mit ihren Schiffen nie weiter vom offenen Meer als h�chstens bis zum n�chstgelegenen Binnenhafen. Andererseits... Es gab im S�den nicht viele D�rfer am Erinin, und der Proviant, den sie auf den Wagen mitf�hren konnten, w�rde ziemlich knapp werden, bis die Bande nach Tear kam. Er hatte bereits ein paar Flu�k�hne gechartert, die neben der Bande her nach S�den fahren sollten, doch ein gr��eres Schiff w�re schon mehr als n�tzlich.</p><p>�K�mmert Euch um Olver, Edorion�, sagte er und beachtete die Grimasse des Mannes gar nicht. �Estean, zeigt mir dieses Schiff.� Estean nickte eifrig und w�re sofort wieder losgerannt, h�tte ihn Mat nicht am �rmel gepackt, damit er im Schritt weiterging. Estean war immer eifrig dabei, und er lernte nur schwerf�llig; diese Kombination hatte dazu gef�hrt, da� er jetzt bereits f�nf Schrammen von Frau Daelvins Kn�ppel davongetragen hatte.</p><p>Die Anzahl der Fl�chtlinge stieg, je mehr sich Mat dem Flu� n�herte, sowohl jener, die zum Ufer schlenderten, wie auch jener, die lethargisch zur�ckschlichen. Ein halbes Dutzend breit ausladender F�hrboote lag an den langen Pieren aus geteerten Balken festgezurrt, aber man hatte die Ruder weggetragen, und auf keinem davon war auch nur ein F�hrmann zu sehen. Die einzigen K�hne, auf denen sich etwas regte, waren ein halbes Dutzend Flu�schiffe, wuchtig wirkende ein- oder zweimastige Lastk�hne, die auf dem Weg flu�aufw�rts oder flu�abw�rts hier kurz angelegt hatten. Auf den Schiffen, die Mat gechartert hatte, r�hrten sich die barf��igen Matrosen kaum. Ihre Lader�ume waren voll, und ihre Kapit�ne hatten ihm versichert, sie seien zum Auslaufen bereit, sobald er den Befehl dazu gebe. Auf dem Erinin waren weitere Schiffe zu sehen, in der Str�mung schlingernde K�hne mit breitem Bug und viereckigen Segeln, oder auch schnelle, schmale Schiffe mit dreieckigen Segeln, doch von Maerone nach Aringill, �ber dem der Wei�e L�we von Andor flatterte, oder umgekehrt, �berquerte keines den Flu�.</p><p>Dieselbe Flagge wehte urspr�nglich auch �ber Maerone, und die andoranischen Soldaten, die diese Stadt besetzt gehalten hatten, wollten die Bande der Roten Hand keineswegs hereinlassen. Rand hielt ja m�glicherweise Caemlyn, aber seine Befehlsgewalt erstreckte sich nicht auf die Mitglieder der K�niglichen Garde hier oder auf die von Gaebril aufgestellten Truppenteile wie beispielsweise die Wei�en L�wen. Mittlerweile befanden sich die Wei�en L�wen ein St�ck weiter im Osten, oder jedenfalls waren sie in diese Richtung geflohen, und jedes zweite Ger�cht aus dieser Richtung, in dem von R�uberbanden die Rede war, konnte sich durchaus auch auf sie beziehen, aber die anderen waren nach einigen harten Scharm�tzeln mit der Bande schnell zur anderen Seite �bergesetzt. Seither hatte niemand mehr den Erinin �berquert.</p><p>Das einzige, was Mat allerdings jetzt wahrnahm, war ein Schiff, das mitten in dem breiten Flu� Anker geworfen hatte. Es war wirklich ein Klipper der Meerleute, h�her und l�nger als alle Flu�schiffe, aber trotzdem noch windschnittig, mit zwei zum Heck zu geneigten Masten ausgestattet. Dunkle Gestalten kletterten in der Takelage herum; einige mit blo�em Oberk�rper und Pumphosen, die auf diese Entfernung schwarz wirkten, einige aber auch mit bunten Blusen angetan, also offensichtlich Frauen. Etwa die H�lfte der Besatzung w�rde sowieso aus Frauen bestehen. Die gro�en, viereckigen Segel hatten sie bis an die Rahen hochgezogen, aber sie hingen lose dort oben, nicht wie �blich festgezurrt, damit man sie im Handumdrehen herunterlassen konnte.</p><p>�Sucht mir ein Boot�, sagte er zu Estean. �Und ein paar Ruderer.� Estean mu�te man auf so etwas extra aufmerksam machen. Der Tairener sah ihn mit gro�en Augen an und fuhr sich mit den Fingern durchs Haar. �Beeilt Euch, Mann!� Estean nickte ruckartig und setzte sich schwerf�llig in Bewegung.</p><p>Mat ging bis zum Ende des n�chstgelegenen Piers, legte sich den Speer �ber die Schulter und holte sein Fernrohr aus der Manteltasche. Als er die Messingr�hre an das Auge hielt, sprang das Schiff mit einemmal auf ihn zu und er erkannte Einzelheiten. Die Meerleute schienen auf etwas zu warten, aber worauf? Einige hielten in Richtung Maerone Ausschau, aber die meisten blickten in die entgegengesetzte Richtung, darunter alle, die sich auf dem hohen Achterdeck befanden. Dort w�rde sich die Segelherrin zusammen mit den anderen Schiffsoffizieren aufhalten. Er schwang das Fernrohr ein St�ck herum und beobachtete das andere Flu�ufer.</p><p>Von dort her n�herte sich ein langes, schmales Ruderboot. Dunkelh�utige M�nner sa�en an den Riemen und trieben das Boot schnell dem Schiff zu.</p><p>Es gab an den langen Anlegestegen Aringills so etwas wie einen Menschenauflauf, ganz �hnlich dem am Ufer Maerones. Rote Kurzm�ntel mit wei�en Kragen und gl�nzenden Harnischen deuteten auf Mitglieder der K�niglichen Garde hin, die sich offensichtlich mit einer vom Schiff her gekommenen Gruppe trafen. Was Mat zu einem leisen Pfeifen veranla�te, waren die beiden mit Fransen besetzten roten Sonnenschirme bei den Neuank�mmlingen. Einer davon wies sogar zwei �Stockwerke� auf. Manchmal waren diese uralten, geliehenen Erinnerungen wirklich n�tzlich: dieser zweist�ckige Sonnenschirm geh�rte zu einer Clan Wogenherrin, w�hrend der andere wohl ihren Schwertmeister kennzeichnete.</p><p>�Ich habe ein Boot, Mat�, verk�ndete Estean lauthals und atemlos an seiner Schulter. �Und ein paar Ruderer.�</p><p>Mat wandte sich mit seinem Fernrohr wieder dem Schiff zu. Der Unruhe an Deck zufolge waren sie gerade dabei, das kleine Boot auf der gegen�berliegenden Seite hochzuhieven, doch gleichzeitig harten andere M�nner an der Ankerwinde damit begonnen, den Anker zu lichten, und die Segel wurden herabgelassen. �Sieht so aus, als brauchte ich es nicht mehr�, knurrte er.</p><p>An der anderen Seite des Flusses verschwand die Delegation der Atha'an Miere mit ihrer Eskorte von Gardesoldaten in Richtung Stadt. Das Ganze ergab irgendwie keinen Sinn. Meerleute neunhundert Meilen vom Meer entfernt. Nur die Herrin aller Schiffe war von h�herem Rang als eine Wogenherrin, und nur der Meister aller Klingen stand �ber ihrem Schwertmeister. Nein, es ergab keinen Sinn, nicht einmal den Erinnerungen dieser anderen M�nner nach. Aber diese waren nat�rlich auch uralt. Er �erinnerte� sich daran, da� man von den Atha'an Miere weniger wu�te als von irgendeinem anderen Volk, abgesehen von den Aiel. Er selbst wu�te mehr aus eigener Erfahrung �ber die Aiel als aus diesen Erinnerungen, und auch das war noch ziemlich wenig. Vielleicht konnte sich jemand einen Reim drauf machen, der die Meerleute von heute gut kannte.</p><p>In k�rzester Zeit bl�hten sich die Segel �ber dem Schiff des Meervolks, w�hrend der Anker tropfend auf dem Vorderdeck festgemacht wurde. Was sie auch zu solcher Eile antrieb, jedenfalls wollten sie nicht zum Meer zur�ck. Immer schneller glitt das Schiff flu�aufw�rts der langgezogenen Kr�mmung nach in Richtung der von S�mpfen ges�umten M�ndung des Alguenya ein paar Meilen n�rdlich von Maerone.</p><p>Nun, es hatte jedenfalls nichts mit ihm zu tun. Nach einem letzten bedauernden Blick in Richtung des Schiffes, das bestimmt eine ebensolche Ladung h�tte bef�rdern k�nnen, wie all die kleinen gecharterten Flu�k�hne zusammen, steckte Mat des Fernrohr in die Tasche zur�ck und wandte dem Flu� den R�cken zu. Estean stand immer noch herum und starrte ihn an.</p><p>�Sagt den Ruderern, da� sie wieder gehen k�nnen, Estean�, seufzte Mat entt�uscht, und der Tairener stampfte unter Selbstgespr�chen davon, wobei er sich schon wieder mit den H�nden durchs Haar fuhr.</p><p>Es war mehr Schlamm an den Ufern sichtbar als beim lerztenmal, als er vor ein paar Tagen zum Flu� heruntergekommen war. Wohl nur ein matschiger Streifen weniger als eine Handbreit zwischen dem Wasserlauf und dem einen Schritt breiten Streifen getrockneten Schlamms daneben, aber eben doch der Beweis daf�r, da� selbst ein Flu� wie der Erinin langsam austrocknete. Hatte nichts mit ihm zu tun. Er konnte sowieso nichts dagegen ausrichten. So ging er zur�ck und machte sich wieder an die Runde durch die Tavernen und Schankr�ume. Es war wichtig, da� heute niemand etwas Au�ergew�hnliches bemerkte.</p><p>Als die Sonne unterging, befand sich Mat wieder im �Goldenen Hirsch� und tanzte mit Betse. Sie hatte nun keine Sch�rze mehr an, und die Musiker spielten, so laut sie nur konnten. Diesmal waren es l�ndliche Tanzmelodien. Die Tische und B�nke hatte man weggeschoben, um Platz f�r sechs oder acht Paare zu gewinnen. Die Dunkelheit brachte ein wenig Abk�hlung mit sich, aber auch nur im Vergleich mit der Tageshitze. Alles schwitzte nach wie vor. Lachende und trinkende M�nner f�llten die Sitzb�nke, und dazwischen eilten die Serviererinnen gesch�ftig einher, brachten Hammelfleisch, Zwiebeln und Graupensuppe an die Tische und f�llten die Bierkr�ge und Weinbecher nach.</p><p>�berraschenderweise schienen die Frauen gern zwischendurch zu tanzen. Sie betrachteten es wohl als willkommene Pause vom Herumschleppen der Tabletts und Kr�ge. Jedenfalls l�chelte jede von ihnen geschmeichelt, wenn sie an der Reihe war, sich den Schwei� von der Stirn zu tupfen, die Sch�rze abzulegen und eine Runde zu tanzen, obwohl sie gleich wieder genauso schwitzte wie vorher, kaum da� der Tanz begonnen hatte. Vielleicht hatte Frau Daelvin eine Art Abl�sung mit ihnen vereinbart. Sollte das der Fall sein, machte sie allerdings bei Betse eine Ausnahme. Diese schlanke junge Frau brachte niemandem au�er Mat den Wein, tanzte ausschlie�lich mit Mat, und die Wirtin strahlte sie an wie eine Mutter bei der Hochzeit ihre Tochter. Das machte Mat nerv�s. Betse tanzte wirklich so lange mit ihm, bis ihm die F��e schmerzten und seine Waden verkrampften, doch sie l�chelte immerzu und aus ihren Augen leuchtete das reine Vergn�gen. Au�er nat�rlich, wenn sie gerade eine Pause einlegten, um Luft zu schnappen. Zumindest er sch�pfte Luft; sie schien das nicht n�tig zu haben. Sobald ihre F��e zum Stehen kamen, galoppierte ihre Zunge los. Sie schwatzte selbst dann, wenn er sie zu k�ssen versuchte, und dar�ber hinaus drehte sie jedesmal den Kopf weg, weil sie gerade irgend etwas zu bestaunen hatte, und so k��te er dann ihr Ohr oder das Haar anstatt ihrer Lippen.</p><p>Das schien sie auch immer zu �berraschen. Er wurde sich nicht klar dar�ber, ob sie nun einfach ein totaler Holzkopf war, oder unwahrscheinlich clever.</p><p>Der Zeiger der Uhr auf dem Kamin bewegte sich bereits auf die zweite Stunde nach Mitternacht zu, als er ihr schlie�lich sagte, er habe f�r heute genug. Entt�uschung �berflog ihre Miene, und sie schmollte sogar ein wenig. Wie es schien, war sie bereit, bis zum Morgengrauen durchzutanzen. Damit stand sie nicht allein. Eine der �lteren Serviererinnen st�tze sich mit einer Hand an der Wand ab, um sich mit der anderen einen Fu� zu massieren, aber die meisten der anderen hatten genauso strahlende Augen und wirkten ebenso sprungbereit wie Betse. Die gr��ere Zahl der M�nner dagegen zeigte deutliche Abn�tzungserscheinungen. Das L�cheln derjenigen, die sich von ihren B�nken auf die Tanzfl�che zerren lie�en, war schon ziemlich starr, w�hrend eine Menge bereits nur noch abwinkte. Mat verstand das nicht. Es mu�te wohl daher r�hren, so entschied er schlie�lich, da� die M�nner beim Tanzen die meiste Arbeit verrichteten. Sie hoben die Frauen hoch und wirbelten sie herum. Und die Frauen waren ja recht leicht. Einfach nur herumzuh�pfen, kostete sie bestimmt weniger Energie. Er sah erstaunt einer drallen Serviererin nach, die wohl eher Estean �ber den Tanzboden wirbelte als umgekehrt � und dabei konnte der Mann wirklich tanzen; das Talent hatte er! �, und dr�ckte Betse ein Goldm�nze in die Hand, eine dicke andoranische Krone, damit sie sich etwas H�bsches daf�r kaufen konnte.</p><p>Sie betrachtete die M�nze einen Augenblick lang und stellte sich dann auf Zehenspitzen, um ihn ganz leicht auf den Mund zu k�ssen. Es war wie die Ber�hrung einer Feder. �Ich w�rde Euch niemals h�ngen, was Ihr auch anstellt. Tanzt Ihr morgen wieder mit mir?� Bevor er antworten konnte, kicherte sie und eilte davon, wobei sie ihn noch �ber die Schulter anblickte, obwohl sie bereits Edorion zur Tanzfl�che zu zerren versuchte. Frau Daelvin fing das Paar allerdings ab und dr�ckte Betse eine Sch�rze in die Hand. Dann deutete sie mit dem Daumen in Richtung der K�che.</p><p>Mat humpelte leicht, als er zu dem Tisch an der hinteren Wand hin�berschritt, an dem sich Talmanes, Daerid und Nalesean vergraben hatten. Talmanes starrte in seinen Becher, als erhoffe er sich von dem Wein tiefsch�rfende Erkenntnisse. Ein grinsender Daerid sah zu, wie Nalesean versuchte, sich eine dralle Serviererin mit grauen Augen und hellbraunem Haar vom Leib zu halten, ohne zuzugeben, da� er wunde F��e hatte. Mat st�tzte die F�uste auf den Tisch. �Die Bande r�ckt beim ersten Tageslicht nach S�den ab. Ihr fangt besser gleich mit den Vorbereitungen an.� Die drei M�nner starrten ihn mit offenen M�ndern an.</p><p>�Das sind ja nur ein paar Stunden�, protestierte Talmanes, w�hrend gleichzeitig Nalesean sagte: �Es wird schon so lange dauern, sie auch nur aus den verschiedenen Tavernen herauszuzerren.�</p><p>Daerid, der kurz zusammengezuckt war, sch�ttelte nun den Kopf. �Heute nacht kommt keiner von uns zum Schlafen.�</p><p>�Ich schon�, sagte Mat. �Einer von Euch soll mich in zwei Stunden aufwecken. Beim ersten Tageslicht marschieren wir los.�</p><p>Und so fand er sich im grauen Schein der ersten D�mmerung auf Pips wieder, seinem kr�ftigen braunen Wallach, hatte den Speer vor sich �ber den Sattel gelegt und den unbespannten Langbogen unter die Halterung der Satteltaschen geschoben. In seinen Augen h�tte man die Wirkung von Schlafmangel und Kopfschmerzen entdecken k�nnen, als er beobachtete, wie die Bande der Roten Hand Maerone verlie�. Alle sechstausend. Die H�lfte zu Pferde, die H�lfte zu Fu�, und zusammen veranstalteten sie einen L�rm, um Tote in ihren Gr�bern aufzuwecken. Trotz der fr�hen Stunde standen die Menschen am Stra�enrand oder hingen staunend aus den Fenstern.</p><p>Die quadratische Flagge mit den roten Fransen und einer roten Hand auf wei�em Grund wies ihnen den Weg. Unter der Hand war in hochroten Buchstaben der Wahlspruch der Bande aufgestickt: <emphasis>Dovie'andi se tovya sagain.</emphasis> �Es ist an der Zeit, die W�rfel rollen zu lassen.� Nalesean, Daerid und Talmanes ritten neben dem Flaggentr�ger. Zehn berittene M�nner trommelten auf messingbesetzte Kesselpauken mit roten Beh�ngen ein, und genauso viele Trompeter vervollst�ndigten die Marschmusik. Dahinter kam Naleseans Kavallerie, eine Mischung aus tairenischen Rittern und Verteidigern des Steins, dazu Lords aus Cairhien mit den Cons auf dem R�cken und ihren Dienstmannen auf den Fersen, und auch noch einige Andoraner. Jede Schwadron hatte ihre eigene lange Flagge mit der Roten Hand und einem Schwert, sowie einer Nummer darauf. Mat hatte sie auslosen lassen, wer welche Nummer erhielt.</p><p>Dieses Durcheinandermischen der Nationalit�ten hatte einigen Groll ausgel�st; mehr als nur ein wenig, um bei der Wahrheit zu bleiben. Zu Anfang hatte die Kavallerie aus Cairhien nur Talmanes Befehl unterstanden, und die Tairener wurden von Nalesean angef�hrt. Die Infanterie war dagegen von Beginn an durcheinandergew�rfelt worden. Es hatte auch Klagen dar�ber gegeben, da� er alle Truppenteile gleich stark gemacht hatte, genau wie �ber die Nummern auf den Flaggen und Abzeichen. Die Lords und Hauptleute hatten immer so viele M�nner unter ihren Wimpeln versammelt, wie ihnen folgen wollten. Sie waren dann eben als Edorions oder Meresins oder Alhandrins M�nner gef�hrt worden. Das gab es wohl immer noch in gewissem Ma�e � beispielsweise bezeichneten sich die f�nfhundert Mann Edorions als �Edorions H�mmer� und nicht einfach als Erste Schwadron �, aber Mat hatte ihnen eingetrichtert, da� jedermann der Bande angeh�rte, gleich, in welchem Land er zuf�llig geboren war, und jeder, dem dies nicht pa�te, k�nne ja gehen. Das Bemerkenswerte daran war, da� kein einziger die Bande verlie�.</p><p>Warum sie blieben, war schwer zu verstehen. Sicher, sie gewannen, solange er sie anf�hrte, doch es starben schlie�lich trotzdem einige. Er hatte Schwierigkeiten damit, sie alle zu ern�hren und daf�r zu sorgen, da� sie mehr oder weniger p�nktlich ihren Sold erhielten, und die Reicht�mer, mit denen sie angaben, sie w�rden sie als Beute erlangen, konnten sie durchaus vergessen. Niemand hatte bisher etwas davon zu sehen bekommen, und er sah kaum eine M�glichkeit, da� sie diese Reicht�mer je zu sehen bek�men. Es war schon verr�ckt.</p><p>Die Erste Schwadron begann, im Chor zu jubeln, und die Vierte und F�nfte schlossen sich dem Geschrei im Vor�berziehen an. Sie bezeichneten sich als �Carlomins Leoparden� und �Reimons Adler�. �Lord Matrim zum Sieg! Lord Matrim zum Sieg!�</p><p>H�tte Mat einen Stein zur Hand gehabt, er h�tte ihn ihnen an den Kopf geworfen.</p><p>Die Infanterie kam als n�chstes in einer langen, gewundenen Reihe, jede Kompanie hinter einer Trommel, die den Marschrhythmus angab, und ebenfalls angef�hrt von einem Bannertr�ger. Auf ihren genauso langen Flaggen war statt des Schwertes eine Pike �ber der Hand abgebildet. In zwanzig Reihen marschierten sie unter einem Stachelpelz aus Piken, und dahinter jeweils f�nf Reihen von Bogen- oder Armbrustsch�tzen. Mit jeder Kompanie marschierten auch ein oder zwei Pfeifer, und zu ihrer Melodie sangen die Soldaten:</p><p><emphasis>Singen und Tanzen, und f�r unsren Sold sind uns die sch�nsten M�dchen hold. Wir ziehen weiter, wenn verbraucht das Gold, und dann tanzen wir wieder mit dem Schwarzen Mann.</emphasis></p><p>Mat wartete ab, bis die ersten Reiter von Talmanes Kavallerie erschienen, und dann gab er Pips die Fersen zu sp�ren. �berfl�ssig, auf die Proviantwagen oder die lange Kette der Ersatzpferde am Ende der Kolonne zu warten. Zwischen hier und Tear w�rden eine Menge Pferde lahmen oder aus Gr�nden verenden, gegen die die Hufschmiede und Pferdepfleger machtlos waren. Ein Kavalleriesoldat ohne Pferd war nicht viel wert. Auf dem Flu� krochen sieben kleinere K�hne unter dreieckigen Segeln langsam voran, nur unwesentlich schneller als die Str�mung. Auf jedem flatterte eine kleine wei�e Flagge mit der Roten Hand. Auch andere Schiffe befanden sich im Aufbruch. Ein paar hatten jeden Fetzen Segel gesetzt, den sie nur setzen konnten, um schnell voranzukommen.</p><p>Als er die Spitze der Kolonne einholte, lugte die Sonne schlie�lich �ber den Horizont und sandte ihre ersten Strahlen �ber die wogenden H�gel und vereinzelten Waldst�cke. Er zog die Krempe seines Hutes weit herunter, um seine Augen gegen die grelle Lichtsichel zu sch�tzen. Nalesean hielt sich eine im Kampfhandschuh steckende Hand vor den Mund und unterdr�ckte ein gewaltiges G�hnen, w�hrend Daerid zusammengesunken im Sattel hing, mit schweren Lidern, als werde er jeden Moment gleich an Ort und Stelle einschlafen. Nur Talmanes sa� aufrecht im Sattel, mit weit ge�ffneten Augen und aufmerksam. Mat empfand mehr Mitgef�hl f�r Daerid.</p><p>Trotzdem erhob er die Stimme, damit sie �ber all die Trommeln und Trompeten hinweg h�rbar war: �Sendet die Kundschafter aus, sobald wir au�er Sicht der Stadt sind!� Weiter im S�den w�rden sie sowohl Wald wie auch offenes Land antreffen, doch eine recht ordentlich befahrbare Stra�e durchschnitt beides. Allerdings spielte sich der meiste Verkehr auf dem Wasser ab, aber es waren im Laufe der Zeit so viele Menschen zu Fu� und im Wagen hier durchgekommen, da� eine deutliche Fahrspur geblieben war. �Und macht Schlu� mit diesem verdammten L�rm!�</p><p>�Die Kundschafter?� sagte Nalesean nachdenklich. �Seng meine Seele � es befindet sich doch niemand mit auch nur einem Speer in der Hand innerhalb von zehn Meilen im Umkreis, es sei denn, Ihr glaubt, die Wei�en L�wen h�tten ihre Flucht aufgegeben. Aber selbst dann werden sie sich h�ten, sich uns auch nur auf f�nfzig Meilen zu n�hern, falls sie eine Ahnung davon haben, da� wir uns in der Gegend befinden.�</p><p>Mat beachtete ihn nicht. �Ich will heute f�nfunddrei�ig Meilen weit vorankommen. Wenn wir dann soweit sind, da� wir jeden Tag f�nfunddrei�ig Meilen schaffen, werden wir sehen, ob wir noch schneller vorankommen k�nnen.� Nat�rlich starrten sie ihn mit offenen M�ndern an. Pferde konnten ein solches Tempo nicht sehr lange durchhalten, und jeder au�er den Aiel betrachtete f�nfundzwanzig Meilen als ausgezeichneten Tagesmarsch f�r die Infanterie. Doch er mu�te seine Karten so ausspielen, wie sie verteilt worden waren. �Comadrin hat geschrieben: �Greift am Boden an, wenn Euer Feind nicht damit rechnet; aus einer unerwarteten Richtung und zu einem unerwarteten Zeitpunkt. Verteidigt Euch, wenn der Feind nicht daran glaubt und wenn er denkt, ihr w�rdet fliehen. �berraschung ist der Schl�ssel zum Sieg und Geschwindigkeit ist der Schl�ssel zur �berraschung. F�r den Soldaten ist Geschwindigkeit gleichbedeutend mit �berleben.��</p><p>�Wer ist Comadrin?� fragte Talmanes einen Augenblick sp�ter, und Mat mu�te sich zusammenrei�en, um ihm zu antworten: �Ein General. Ist schon lange tot. Ich habe sein Buch einmal gelesen.� Er erinnerte sich tats�chlich daran, das Buch mehr als einmal gelesen zu haben, aber er bezweifelte, da� sich heutzutage noch ein Exemplar davon irgendwo finden lie�e. Au�erdem erinnerte er sich daran, Comadrin kennengelernt zu haben, nachdem er eine Schlacht gegen ihn verloren hatte, etwa sechshundert Jahre vor der Zeit Artur Falkenfl�gels. Diese Erinnerungen schlichen sich eben immer wieder bei ihm ein. Wenigstens hatte er diese kleine Rede nicht in der Alten Sprache geschwungen. Mittlerweile mied er f�r gew�hnlich solche Ausrutscher.</p><p>Mat entspannte sich langsam, als er beobachtete, wie die berittenen Kundschafter �ber die sanft geschwungene Flu�ebene ausschw�rmten. Sein Anteil an diesem Plan war nun eingeleitet, ganz wie vorgesehen. Ein hastiger Aufbruch, fast unvorbereitet, so, als wolle er sich nach S�den wegschleichen, aber doch auff�llig genug, um sicherzugehen, da� er bemerkt wurde. Diese Kombination w�rde ihn sehr t�richt wirken lassen, und auch das war nur zum besten. Der Bande das schnelle Vorr�cken einzutrichtern war allein schon eine gute Sache � schnelles Vorr�cken konnte einen aus dem eigentlichen Kampf fernhalten �, aber ihr Weg konnte sehr gut zumindest vom Flu� aus verfolgt werden. Er suchte den Himmel ab, konnte jedoch keine Raben oder Kr�hen entdecken. Das wollte allerdings nicht viel hei�en. Es waren auch keine Tauben zu sehen, aber sollte diesen Morgen keine Maerone verlassen haben, w�rde er seinen eigenen Sattel essen.</p><p>In h�chstenfalls ein paar Tagen w�rde Sammael erfahren, da� die Bande im Anr�cken war und sich beeilte. Die Befehle, die Rand unterdessen in Tear ausgegeben hatte, w�rden deutlich werden lassen, da� Mats Ankunft die sofortige Invasion in Illian ausl�ste. Auch bei der h�chsten Marschgeschwindigkeit, die er der Bande zumuten konnte, w�rden sie doch noch mehr als einen Monat bis Tear brauchen. Mit ein wenig Gl�ck w�rde Sammael wie eine Laus zwischen zwei Steinen zerquetscht bevor Mat sich dem Mann auch nur auf hundert Meilen n�hern mu�te. Sammael war in der Lage, alles kommen zu sehen, oder zumindest fast alles, aber es w�rde ein anderer Tanz werden, als er ihn erwartete. Anders als jeder andere bis auf Rand, Mat und Bashere erwartete. Darin bestand der eigentliche Plan. Mat ertappte sich dabei, wie er gut gelaunt vor sich hin pfiff. Diesmal w�rden sich die Dinge genau so entwickeln, wie er es erwartete.</p></section><section><title><p>6</p><p>Schattengewebe</p></title><p>Vorsichtig trat Sammael auf die Seidenteppiche mit ihrem Blumenmuster und lie� das Tor ge�ffnet f�r den Fall, da� er sich schnell zur�ckziehen mu�te. So hielt er auch <emphasis>Saidin</emphasis> beinahe krampfhaft fest. Gew�hnlich mied er ja alle Konferenzen, die nicht auf neutralem Boden oder bei ihm selbst stattfanden, aber dies war bereits das zweite Mal, da� er hierher kam. Ein klarer Fall von Notwendigkeit. Er war nie ein Mann gewesen, der anderen leicht Vertrauen schenkte, und das hatte sich gewi� nicht ge�ndert, seit er erfahren hatte, was sich zwischen Demandred und den drei Frauen abgespielt hatte und Graendal hatte ihm auch nur soviel anvertraut, wie n�tig gewesen war, um ihm klarzumachen, inwieweit sie selbst ihre Position verbessert hatte. Er verstand das ja nur zu gut, denn auch er hatte Pl�ne, von denen er die anderen Auserw�hlten nichts wissen lie�. Es w�rde nur einen Nae'blis geben, und das allein war fast genausoviel wert wie die Unsterblichkeit selbst.</p><p>Er stand auf einem breiten Podest, der an einem Ende eine Marmorbr�stung aufwies, und hier hatte man Tische und St�hle � vergoldet und teils aus Elfenbein geschnitzt, wobei einige ziemlich ekelhafte Motive zeigten � so aufgestellt, da� man von ihnen aus den Rest des langen, von S�ulen gest�tzten Saales zehn Fu� unter ihnen gut �bersehen konnte. Es f�hrten keine Stufen dort hinunter. Der Saal war wie eine riesige, extravagant ausgestaltete Grube, in der man Vorf�hrungen zur Unterhaltung derer auf dein Podest veranstalten konnte. Sonnenschein fiel durch hohe Fenster herein, deren bunte Glasscheiben komplizierte Lichtmuster auf den Boden warfen. Die br�tende Hitze, die von der Sonne ausging, war hier nicht zu sp�ren; die Luft war k�hl, auch wenn er das nur am Rande wahrnahm. Graendal mu�te sich deswegen genausowenig M�he machen wie er, aber sie tat es nat�rlich. Es war ein Wunder, da� sie das Netz der Einen Macht nicht �ber den ganzen Palast ausgedehnt hatte.</p><p>Es war etwas anders geworden an diesem tiefergelegenen Teil des Saales, seit er das letzte Mal hierhergekommen war. Er wu�te aber nicht zu sagen, worin der Unterschied lag. Drei langgestreckte, seichte Wasserbecken, jedes aus einem Brunnen gespeist, zogen sich durch die Mitte des Saales. Die Brunnenfiguren waren schlanke Gestalten, die wie eingefrorene Bewegung wirkten. Das Wasser sprang aus diesen Font�nen hoch bis fast an die aus Marmor gehauenen Rippen des Deckengew�lbes. In den Becken tummelten sich M�nner und Frauen, die h�chstens einen Fetzen Seide oder noch weniger trugen, w�hrend an den Seiten andere, kaum mehr bekleidet, ihre K�nste vollf�hrten: Akrobaten und Jongleure, T�nzer ganz unterschiedlicher Stilrichtungen und Musiker mit Fl�ten und H�rnern, Trommeln und allen Arten von Saiteninstrumenten. Jede Gr��e war vertreten, jede Hautfarbe und Haarfarbe und Augenfarbe, und einer war k�rperlich vollkommener als der andere. All das sollte diejenigen unterhalten, die sich auf dem Podest befanden. Es war idiotisch. Zeit- und Energieverschwendung. Typisch f�r Graendal.</p><p>Bis auf ihn war das Podest leer gewesen, als er aus dem Tor getreten war, aber so von <emphasis>Saidin</emphasis> erf�llt und mit gesch�rften Sinnen roch er Graendals s��es Parf�m, wie eine Brise, die von einem Blumengarten her kam, und er h�rte ihre Pantoffeln �ber den Teppich streifen, bevor sie ihn von hinten her ansprach: �Sind meine Sch�tzchen nicht wundersch�n?�</p><p>Sie trat neben ihn an die Br�stung und l�chelte auf das Schauspiel unter ihnen herab. Ihr d�nnes Domanikleid klebte beinahe an ihrer Haut und zeigte mehr, als es andeutete. Wie immer trug sie an jedem Finger einen Ring mit einem anderen Edelstein, dazu vier oder f�nf �ber und �ber mit Gemmen besetzte Armreife an jedem Handgelenk, und um den Stehkragen des Abendkleides schmiegte sich ein breites Kollier aus enorm gro�en Saphiren. Er verstand nicht viel von solchen Dingen, aber er vermutete, es habe Stunden gedauert, um diese sonnengoldenen Locken zu frisieren, die ihr auf die Schultern fielen. Scheinbar wahllos verstreut hingen dazwischen Mondperlen, aber es war etwas an dieser scheinbaren Unordnung, das auf eine ganz pr�zise geplante Ordnung hindeutete.</p><p>Sammael staunte manchmal �ber sie. Er hatte sie erst kennengelernt, als er sich entschlo�, eine verlorene Sache aufzugeben und statt dessen dem Gro�en Herrn zu folgen, aber jeder schien sie zu kennen, ber�hmt und geehrt, eine hingebungsvoll arbeitende Asketin, die jene behandelte, deren verst�rten Hirnen die normale Heilkunst nicht mehr helfen konnte. Bei diesem ersten Zusammentreffen, als sie ihm die ersten Gefolgschaftseide f�r den Gro�en Herrn abnahm, war jede Spur der enthaltsamen Wohlt�terin aus ihr gewichen, als habe sie sich absichtlich allem zugewandt, was im v�lligen Gegensatz zu ihren fr�heren Zielen stand. Oberfl�chlich betrachtet, war sie ausschlie�lich auf ihr eigenes Vergn�gen fixiert, und ihr Wunsch, jeden vom Thron zu sto�en, der auch nur ein wenig Macht besa�, wurde dadurch verschleiert. Und dahinter wiederum verbarg sich ihr eigener Machthunger, den sie nur selten nach au�en hin zeigte. Graendal hatte es schon immer sehr gut verstanden, Dinge zu verbergen, die doch ganz klar ersichtlich waren. Er glaubte, sie besser zu kennen als jeder der anderen Auserw�hlten �sie hatte ihn sogar zum Schayol Ghul begleitet, als er dort seinen Antrittsbesuch machte �, aber selbst er kannte nicht alle Schichten ihrer vielschichtigen Pers�nlichkeit. An ihr entdeckte man so viele Schattierungen, wie ein <emphasis>Jegal</emphasis> Schuppen aufwies, und sie schl�pfte blitzschnell von einer in die andere Rolle. Damals war sie die Herrin gewesen und er ihr Anh�nger, trotz all seiner Verdienste als General. Diese Lage hatte sich ge�ndert.</p><p>Keiner der in den Becken Watenden oder der Akrobaten blickte hoch, und doch wurden ihre Bewegungen mit ihrer Ankunft energischer und noch grazi�ser, falls �berhaupt m�glich. Jeder versuchte, sich so gut wie m�glich herauszustreichen. Sie existierten lediglich, um ihr zu gefallen. Daf�r sorgte Graendal ganz gewi�.</p><p>Sie deutete auf vier Akrobaten, einen dunkelhaarigen Mann, der drei schlanke Frauen st�tzte. Ihre kupferfarbene Haut war einge�lt und schimmerte im Licht. �Ich glaube, das sind meine Lieblinge. Ramsid ist der Bruder des K�nigs von Arad Doman. Die Frau auf seinen Schultern ist Ramsids Ehefrau; die anderen beiden sind die j�ngste Schwester und die �lteste Tochter des K�nigs. Findest du es nicht auch bemerkenswert, was Menschen alles erlernen k�nnen, wenn man sie nur richtig motiviert? Denk einmal an all diese Talente, die nur verschwendet werden.� Das geh�rte zu ihren Lieblingsthemen. Ein Platz f�r jeden und jeder an seinem Platz, der ihm auf Grund seiner Talente und der gesellschaftlichen Notwendigkeiten zugeteilt wurde. Diese Notwendigkeiten schienen allerdings immer auf ihre eigenen W�nsche herauszulaufen. Das Ganze langweilte Sammael. H�tte sie ihr Konzept auch auf ihn angewandt, dann h�tte sich �berhaupt nichts an seiner Stellung im Leben ge�ndert.</p><p>Der m�nnliche Akrobat drehte sich langsam um die eigene Achse, damit sie alles gut beobachten konnten. Er hielt nach jeder Seite eine Frau am ausgestreckten Arm hinaus, w�hrend diese sich jeweils mit einer Hand an der Frau auf seinen Schultern festhielten. Graendals Aufmerksamkeit hatte sich jedoch bereits wieder den n�chsten zugewandt, einem Mann und einer Frau mit sehr dunkler Haut und gekr�uselten Haaren, die beide ausgesprochen sch�n aussahen. Das schlanke Paar spielte auf seltsam langgezogenen Harfen mit Gl�ckchen daran, die beim Mitschwingen mit den gezupften Saiten kristallklare Echos warfen. �Meine neuesten Erwerbungen, aus den L�ndern jenseits der Aiel-W�ste. Sie sollten mir dankbar daf�r sein, da� ich sie errettet habe. Chiape war Sh'boan, eine Art von Kaiserin, und gerade Witwe geworden, und Shaofan war auserkoren, sie zu heiraten und damit Sh'botay zu werden. Sieben Jahre lang h�tte sie als absolute Herrscherin regiert, und dann w�re sie gestorben. Daraufhin h�tte er dann eine neue Sh'boan auserw�hlt und bis zu seinem Tod nach weiteren sieben Jahren als absoluter Herrscher regiert. Diesen Zyklus haben sie fast dreitausend Jahre lang ohne Pause eingehalten.� Sie lachte ein wenig und sch�ttelte staunend den Kopf. �Shaofan und Chiape behaupten steif und fest, ihr Tod sei eine ganz nat�rliche Sache. Der Wille des Musters, so nennen sie das. F�r sie geschieht alles nach dem Willen des Musters.�</p><p>Sammael behielt die Menschen drunten im Blick. Graendal schwatzte t�richt dahin, doch nur ein wirklicher Narr h�tte sie auch f�r t�richt gehalten. Was ihr w�hrend ihrer Quatscherei manchmal zu entschl�pfen schien, war oft so sorgf�ltig eingeplant wie der Stich einer Conjenadel. Der Schl�ssel lag immer in der Antwort auf die Frage nach dem Warum. Was wollte sie damit erreichen? Warum hatte sie sich ihre Sch�tzchen pl�tzlich aus so weit entfernten L�ndern geholt? Sie wich doch nur selten von ihren ausgetretenen Pfaden ab. Wollte sie seine Aufmerksamkeit auf die L�nder jenseits der W�ste lenken, indem sie ihn glauben machte, sie interessiere sich besonders daf�r? War es ein Ablenkungsman�ver? Das Schlachtfeld lag schlie�lich hier.</p><p>Die erste Ber�hrung durch den Gro�en Herrn, wenn er endlich freikam, w�rde diese L�nder hier treffen. Der Rest der Welt w�rde am Rande der St�rme liegen, vielleicht auch von ihnen mit einbezogen werden, aber diese St�rme w�rden hier an Ort und Stelle entstehen.</p><p>�Da so viele aus der Familie des Domanik�nigs deine Zustimmung fanden�, sagte er trocken, �bin ich �berrascht, da� nicht noch mehr von ihnen hier landeten.� Falls sie ihn ablenken wollte, w�rde sie schon einen Weg finden, die entsprechende Bemerkung wieder einzuflechten. Sie konnte nie glauben, da� andere sie so gut kannten und ihre Tricks durchschauten.</p><p>Eine geschmeidige, dunkelhaarige Frau, nicht mehr jung, aber von einer Art blasser Sch�nheit und Eleganz, die sie bis zum Ende ihres Lebens auszeichnen w�rden, erschien neben seinem Ellbogen und trug einen Kristallkelch mit rotem, gew�rztem Wein in beiden H�nden. Er nahm ihn ihr ab, obwohl er nicht die Absicht hatte, zu trinken. Anf�nger hielten gew�hnlich nach einem Frontalangriff Ausschau, bis ihnen die Augen tr�nten, aber einen einzelnen Attent�ter lie�en sie von hinten an sich herankommen, ohne ihn zu bemerken. B�ndnisse, auch zeitlich begrenzte, waren ja sch�n und gut, aber je weniger von den Auserw�hlten am Tag der Wiederkehr noch am Leben waren, desto gr��er die Chance f�r einen der �berlebenden, zum Nae'blis ernannt zu werden. Der Gro�e Herr hatte solche ... Rivalit�ten immer gef�rdert, denn nur die cleversten waren es wert, ihm dienen zu d�rfen. Manchmal glaubte Sammael, da� einfach der letzte �berlebende unter den Auserw�hlten schlie�lich die Herrschaft �ber die Welt f�r alle Zeiten erhalten werde.</p><p>Die Frau wandte sich wieder einem muskul�sen jungen Mann zu, der ein goldenes Tablett mit einem weiteren Kelch und einer hohen, dazu passenden Karaffe in H�nden trug. Beide hatten durchscheinende lange Gew�nder an, und keines von beiden zuckte auch nur mit der Wimper des Tors wegen, durch das man seine Gem�cher in Illian erblickte. Als sie Graendal bediente, zeigte sich auf dem Gesicht der Frau ungeteilte Anbetung. Es gab nie irgendwelche Schwierigkeiten mit ihren Dienern und anderen ihrer Lieblinge. Man konnte ganz offen vor ihnen sprechen, obwohl sich unter ihnen kein einziger Freund der Dunkelheit befand. Sie mi�traute den Freunden der Dunkelheit, behauptete stets, man k�nne sie ganz leicht umdrehen, doch die St�rke des inneren Zwangs, den sie in ihren pers�nlichen Bediensteten hervorrief, lie� wenig Raum f�r etwas anderes als eben totale Bewunderung und Anbetung.</p><p>�Ich h�tte beinahe erwartet, da� der K�nig selbst hier sei und Wein ausschenkt�, fuhr er fort.</p><p>�Wie du wei�t, w�hle ich nur die allersch�nsten aus. Alsalam entspricht meinen Anforderungen nicht.� Graendal nahm ihren Wein von der Frau entgegen, ohne auch nur richtig hinzusehen, und nicht zum erstenmal fragte sich Sammael, ob auch ihre Sch�tzchen genau wie ihr Geschw�tz lediglich ein Ablenkungsman�ver darstellten. Vielleicht konnte er mit ein wenig Stichelei etwas aus ihr herausholen?</p><p>�Fr�her oder sp�ter wird dir ein Ausrutscher passieren, Graendal. Einer deiner Besucher wird jemanden von denen erkennen, die ihm den Wein servieren oder sein Bett machen, und er wird schlau genug sein, den Mund zu halten, bis er weg ist. Was machst du, wenn jemand mit einem ganzen Heer diesen Palast �berf�llt, um einen Ehemann oder eine Schwester zu befreien? Ein Pfeil mag ja nicht so wirkungsvoll sein wie eine Schocklanze, aber er kann dich trotzdem t�ten.�</p><p>Sie warf den Kopf in den Nacken und lachte, ein heiteres, vergn�gtes Lachen, offensichtlich zu unschuldig, um zu bemerken, da� dieses Lachen ihn vielleicht beleidigte. Offensichtlich � wenn man sie nicht genau kannte. �Oh, Sammael, warum sollte ich sie etwas anderes sehen lassen, als ich ihnen zeigen will? Ich stelle ihnen bestimmt meine Lieblinge nicht als Bedienung zur Verf�gung. Alsalams Anh�nger und auch seine Gegner, selbst die Drachenverschworenen, gehen von hier weg im Glauben, ich unterst�tze sie und nur sie allein. Und au�erdem wollen sie eine so gebrechliche Person nicht unn�tig aufregen.� Seine Haut prickelte ein wenig, als sie einen Strang der Macht verwob, und einen Augenblick lang ver�nderte sich ihre �u�ere Erscheinung. Ihre Haut f�rbte sich wie Kupfer, doch fehlte ihr nun der Glanz. Haar und Augen wurden dunkel und stumpf. Sie erschien hager und gebrechlich, das Bild einer einstmals sch�nen Domanifrau, die nun langsam aber sicher im Kampf gegen eine Krankheit unterlag. Er konnte sich gerade noch davon abhalten, die Lippen ver�chtlich zu sch�rzen. Eine Ber�hrung w�rde bereits zeigen, da� die kantigen Umrisse ihres Gesichts nicht die ihres eigenen waren. Nur die subtilste Art von Illusionsgewebe w�rde einer solchen Pr�fung widerstehen. Aber Graendal liebte es eben, so richtig aufzufallen. Im n�chsten Moment war sie wieder sie selbst und l�chelte lakonisch. �Du w�rdest nicht glauben, wie sie mir alle vertrauen und auf mich h�ren.�</p><p>Es erstaunte ihn ohne Ende, da� sie sich entschlossen hatte, hier in einem Schlo� zu verbleiben, das man in ganz Arad Doman kannte, obwohl um sie herum der B�rgerkrieg tobte und Anarchie herrschte. Selbstverst�ndlich nahm er nicht an, sie habe noch jemand anderen unter den Auserw�hlten wissen lassen, wo sie sich h�uslich niedergelassen hatte. Da� sie gerade ihm dieses Wissen anvertraute, machte ihn mi�trauisch. Sie liebte ein bequemes Leben und wollte sich nicht besonders anstrengen m�ssen, um sich das zu erhalten, doch dieses Schlo� befand sich in Sichtweite der Verschleierten Berge, und es bereitete doch erhebliche M�he, den ganzen Aufruhr von ihr fernzuhalten. Sie mu�te Fragen nach dem Verbleib der vorherigen Besitzer mitsamt ihrer Familie und Dienerschaft aus dem Weg gehen. Sammael w�re nicht �berrascht gewesen, h�tte jeder Domani, der zu Besuch hier verweilt hatte, hinterher geglaubt, dieses Land habe sich seit der Zerst�rung der Welt im Besitz ihrer Familie befunden. Sie gebrauchte die Technik der Erzeugung eines inneren Zwangs so oft wie einen Schmiedehammer, da� man fast dar�ber verga�, mit welchem Feingef�hl sie auch schw�chere Formen dieses inneren Zwangs ben�tzte, wie sie einen Verstand so subtil beeinflu�te, da� selbst bei der eingehendsten Befragung keine Spur von ihrem Wirken zu entdecken war. Darin war sie m�glicherweise die gr��te K�nstlerin, die es je gegeben hatte.</p><p>Er lie� das Tor verschwinden, hielt aber an <emphasis>Saidin</emphasis> fest. Solche Tricks wirkten nicht bei jemand, der in die Ausstrahlung der Wahren Quelle geh�llt war. Und in Wirklichkeit geno� er ja sogar diesen st�ndigen �berlebenskampf, auch wenn er mittlerweile ganz unbewu�t stattfand. Nur die st�rksten verdienten es, am Leben zu bleiben, und er bewies sich jeden Tag in dieser Auseinandersetzung aufs Neue, da� er es wert war. Es gab keine M�glichkeit, da� sie sp�ren konnte, wie er immer noch an <emphasis>Saidin</emphasis> festhielt, aber sie l�chelte kurz in ihren Kelch hinein, als wisse sie Bescheid. Es pa�te ihm beinahe genausowenig, wenn Leute vorgaben, etwas zu wissen, wie wenn Leute Dinge wu�ten, die er nicht kannte. �Was hast du mir zu berichten?� fragte er etwas grober, als er beabsichtigt hatte.</p><p>�Von Lews Therin? Du scheinst dich auch nie f�r etwas anderes zu interessieren. Also, das w�re ein tolles Sch�tzchen f�r mich. Ich w�rde ihn in den Mittelpunkt jeder Vorf�hrung stellen. Normalerweise sieht er daf�r ja nicht gut genug aus, aber das w�rde seine Person und ihre Bedeutung wiedergutmachen.� Wieder l�chelte sie in ihren Kelch hinein und f�gte so leise hinzu, da� es ohne die Hilfe <emphasis>Saidins</emphasis> auch f�r ihn nicht h�rbar gewesen w�re: �Und ich mag hochgewachsene M�nner.�</p><p>Es kostete ihn M�he, sich daraufhin nicht kerzengerade aufzurichten. Er war wohl nicht klein, aber es �rgerte ihn doch, da� seine K�rpergr��e keineswegs seinen F�higkeiten entsprach. Lews Therin war einen Kopf gr��er gewesen als er, und al'Thor ebenfalls. Man nahm einfach immer an, der gr��ere Mann sei auch der bessere. Es kostete ihn nochmals M�he, die Narbe nicht zu ber�hren, die sich schr�g �ber sein Gesicht vom Haaransatz bis zum kantig gestutzten Bart hinunterzog. Die verdankte er Lews Therin, und er behielt sie bei, damit er immer daran erinnert wurde. Er vermutete, sie habe seine Frage absichtlich mi�verstanden, um ihn zu k�dern. �Lews Therin ist schon lange tot�, sagte er grob. �Rand al'Thor ist ein Empork�mmling von einem Bauernjungen, ein Opportunist, der einfach Gl�ck hatte.�</p><p>Graendal ri� die Augen auf, als sei sie �berrascht. �Glaubst du das wirklich? Er hat wohl etwas mehr als nur Gl�ck gehabt. Gl�ck allein h�tte ihn niemals in so kurzer Zeit so weit gebracht.�</p><p>Sammael war nicht gekommen, um �ber al'Thor zu diskutieren, aber er sp�rte nun doch, wie sich an seinem R�ckgrat ein Eisklumpen bildete. Gedanken, die er mit Gewalt aus seinem Kopf verbannt hatte, dr�ngten nun wieder in seinen Verstand hinein. Al'Thor war nicht Lews Therin, aber in al'Thor war Lews Therins Seele wiedergeboren worden, so wie einst auch Lews Therin selbst die Wiedergeburt dieser Seele gewesen war. Sammael war weder ein Philosoph noch ein Theologe, aber Ishamael war beides gewesen, und der hatte behauptet, in dieser Tatsache verborgene Bedeutungen entr�tselt zu haben. Ishamael war im Wahnsinn verstorben, sicher, aber selbst zu der Zeit, als er noch geistig gesund gewesen war, damals, als es so sicher erschienen war, da� sie Lews Therin Telamon besiegen w�rden, hatte er behauptet, diese Auseinandersetzung habe sich seit der Sch�pfung abgespielt, ein endloser Krieg, in dem der Gro�e Herr und der Sch�pfer Menschen als ihre Vertreter benutzten. Dar�ber hinaus hatte er geschworen, da� der Gro�e Herr beinahe Lews Therin f�r den Schatten gewonnen h�tte. Er sei daran genauso knapp gescheitert wie an seinem eigenen Ausbruch. Vielleicht war Ishamael auch damals bereits ein wenig verr�ckt gewesen, aber es hatte tats�chlich Bem�hungen gegeben, Lews Therin zum �berlaufen zu veranlassen. Und Ishamael hatte gesagt, es sei auch in der Vergangenheit schon geschehen, da� der K�mpfer, den der Sch�pfer f�r sich selbst ausgew�hlt hatte, am Ende f�r den Schatten stritt.</p><p>Diese Behauptungen f�hrten zu einigen beunruhigenden Folgerungen, Komplikationen, die Sammael lieber gar nicht erst erw�gen wollte, aber am meisten dr�ngte sich ihm die Vorstellung auf, da� der Gro�e Herr m�glicherweise wirklich al'Thor zum Nae'blis machen k�nne. Das konnte nicht so einfach im luftleeren Raum geschehen. Al'Thor w�rde Hilfe ben�tigen, Hilfe � das konnte eine Erkl�rung f�r sein angebliches Gl�ck sein, das ihm bisher zur Seite gestanden hatte. �Hast du erfahren, wo al'Thor Asmodean versteckt h�lt? Oder wo sich Lanfear aufh�lt? Oder Moghedien?� Nat�rlich versteckte sich Moghedien ohnehin immer. Die Spinne tauchte immer dann wieder auf, wenn man sie endg�ltig f�r tot gehalten hatte.</p><p>�Du wei�t genausoviel wie ich�, sagte Graendal unbek�mmert und nahm dann einen Schluck aus ihrem Kelch. �Was mich betrifft, so glaube ich, da� Lews Therin sie umgebracht hat. Ach, verzieh dein Gesicht nicht so. Ja, al'Thor, wenn du darauf bestehst.� Der Gedanke schien sie nicht weiter zu beunruhigen, aber sie w�rde niemals in offenen Konflikt mit al'Thor treten. Das war noch nie ihre Art gewesen. Falls al'Thor sie jemals entdeckte, w�rde sie einfach alles hier im Stich lassen und sich woanders neu einrichten � oder sie w�rde sich ihm ergeben, bevor er zuschlagen konnte, um ihn dann allm�hlich davon zu �berzeugen, da� sie f�r ihn unentbehrlich sei. �Es gibt Ger�chte in Cairhien, da� Lanfear am gleichen Tag von Lews Thenns Hand get�tet wurde wie Rahvin.�</p><p>�Ger�chte! Lanfear hat al'Thor von Anfang an unterst�tzt, wenn du mich fragst. Ich h�tte seinen Kopf im Stein von Tear bekommen, h�tte nicht irgend jemand Myrddraal und Trollocs hingesandt, um ihn zu retten! Das war Lanfear, da bin ich sicher. Ich bin jedenfalls mit ihr fertig. Beim n�chsten Mal, wenn ich sie treffe, werde ich sie t�ten! Und warum sollte er Asmodean umbringen? Ich w�rde es ja tun, k�nnte ich ihn finden, aber er ist zu al'Thor �bergelaufen. Er unterrichtet ihn sogar!�</p><p>�Du findest auch immer eine Ausrede f�r dein Versagen� fl�sterte sie in ihren Punsch hinein, wiederum so leise, da� er es nur mit Hilfe <emphasis>Saidins</emphasis> verstehen konnte. Mit lauterer Stimme sagte sie dann: �Suche dir deine eigenen Erkl�rungen heraus, wenn du willst. Vielleicht hast du sogar recht damit. Alles, was ich wei�, ist die Tatsache, da� Lews Therin uns einen nach dem anderen aus dem Spiel zieht.�</p><p>Sammaels H�nde zitterten vor Zorn, und beinahe w�re ihm Wein aus dem Kelch geschwappt, h�tte er sich nicht gerade noch beherrscht. Rand al'Thor war <emphasis>nicht</emphasis> Lews Therin. Er selbst hatte den gro�en Lews Therin Telamon �berlebt, der den Ruhm f�r Siege einstrich, die er selbst gar nicht h�tte erringen k�nnen, und der von anderen erwartete, da� sie ihm alles glaubten. Er bedauerte nur, da� der Mann kein Grab hinterlassen hatte, auf das er h�tte spucken k�nnen.</p><p>Graendal klopfte mit ihren beringten Fingern den Rhythmus einer Melodie mit, die von unten her zu ihnen drang, und sagte dann geistesabwesend, als sei ihre Aufmerksamkeit eigentlich dem Lied gewidmet: �So viele von uns sind bereits gestorben, weil sie sich ihm zum Kampf stellten. Aginor und Balthamel. Ishamael, Be'lal und Rahvin. Und Lanfear und Asmodean, was du auch glauben magst. Vielleicht auch Moghedien, vielleicht verbirgt sie sich aber auch in den Schatten und wartet darauf, da� der Rest von uns f�llt � sie w�re t�richt genug f�r so etwas. Ich hoffe sehr, du hast irgendein Versteck vorbereitet, wohin du fl�chten kannst. Es scheint �berhaupt keinen Zweifel daran zu geben, da� er sich als n�chstes dich vorkn�pft. Bald, w�rde ich sagen. Ich werde hier kein Heer gegen mich erwarten, aber Lews Therin ist dabei, ein ziemlich starkes Heer zu sammeln und gegen dich auszusenden. Das ist der Preis, den du zahlen mu�t, weil du nicht nur Macht aus�bst, sondern dabei auch <emphasis>gesehen</emphasis> werden willst.�</p><p>Ganz zuf�llig hatte er tats�chlich Fluchtwege vorbereitet, denn das war ja nur empfehlenswert, aber in ihrer Stimme die feste �berzeugung zu erkennen, da� er sie ben�tigen werde, lie� in ihm doch den Zorn aufkochen. �Und wenn ich <emphasis>al'Thor</emphasis> vernichte, wird es keinem Befehl des Gro�en Herrn widersprechen.� Er verstand ohnehin nichts; doch es war �berfl�ssig, den Gro�en Herrn zu verstehen. Man mu�te ihm lediglich gehorchen. �Soweit du sie an mich weitergegeben hast. Falls du mir etwas verschweigst...�</p><p>Graendals Blick verh�rtete sich zu blauem Eis. Sie mochte ja am liebsten Auseinandersetzungen aus dem Weg gehen, doch Drohungen konnte sie f�r den Tod nicht leiden. Im n�chsten Moment l�chelte sie jedoch schon wieder t�richt. So wetterwendisch wie der Himmel �ber M'jinn. �Was Demandred mir �ber die Befehle des Gro�en Herrn berichtete, habe ich an dich weitergegeben, Sammael. Jedes einzelne Wort. Ich bezweifle, da� selbst er es wagen w�rde, im Namen des Gro�en Herrn zu l�gen.�</p><p>�Aber du hast mir verdammt wenig dar�ber berichtet, was er eigentlich zu unternehmen gedenkt�, sagte Sammael leise, �sowohl er wie Semirhage oder Mesaana. Praktisch gar nichts.�</p><p>�Ich habe dir gesagt, was ich wei�.� Sie seufzte gereizt. Vielleicht sagte sie ja die Wahrheit. Sie schien es zu bedauern, da� sie selbst nicht mehr erfahren hatte. Vielleicht. Bei ihr konnte alles aber auch nur erlogen sein. �Was den Rest betrifft... Erinnere dich, Sammael. Wir haben untereinander genauso energisch intrigiert, wie wir Lews Therin bek�mpften, und doch hatten wir diesen Kampf beinahe schon gewonnen, bis er uns alle zusammen am Schayol Ghul erwischt hat.� Sie schauderte, und einen Augenblick lang wirkte ihr Gesicht ausgezehrt. Auch Sammael wollte lieber nicht an diesen Tag zur�ckdenken oder an das, was danach folgte: ein traumloser Schlaf, w�hrend dessen sich die Welt jenseits allen Wiedererkennens ver�nderte und alles verschwand, was er geschaffen hatte. �Nun sind wir in einer Welt erwacht, wo wir so hoch �ber den gew�hnlichen Sterblichen stehen, da� wir beinahe eine andere, �berlegene Rasse sein k�nnten � und wir sterben einer nach dem anderen. Vergi� einmal f�r den Augenblick die Frage, wer Nae'blis werden wird. Al'Thor � wenn du ihn schon bei diesem Namen nennen mu�t � al'Thor war so hilflos wie ein Neugeborenes, als wir erwachten.�</p><p>�Ishamael hat ihn aber nicht f�r so hilflos gehalten�, sagte er. Aber nat�rlich war Ishamael damals bereits wahnsinnig gewesen. Sie fuhr fort, als habe sie seinen Einwand nicht vernommen: �Wir verhalten uns, als sei dies die Welt, die wir kennen, obwohl in Wirklichkeit nichts mehr so ist wie damals. Wir sterben einer nach dem anderen, und al'Thor wird immer st�rker. L�nder und V�lker sammeln sich unter seiner F�hrung. Und wir sterben. Die Unsterblichkeit ist mein. Ich will nicht doch noch sterben.�</p><p>�Wenn du dich vor ihm f�rchtest, dann t�te ihn doch.� Bevor die Worte noch ganz ausgesprochen waren, h�tte er sie am liebsten zur�ckgerufen.</p><p>Ungl�ubigkeit und Verachtung verzerrten Graendals Gesicht. �Ich diene dem Gro�en Herrn und gehorche, Sammael.�</p><p>�So wie ich. So wie wir alle.�</p><p>�Wie gro�herzig von dir, es �ber dich zu bringen, vor unserem Herrn niederzuknien.� Ihre Stimme klang genauso eisig, wie ihr L�cheln wirkte, und sein Gesicht lief dunkel an. �Alles, was ich damit sagen will, ist: Lews Therin ist heutzutage genauso gef�hrlich wie damals in unserer Zeit. Ihn f�rchten? Ja, ich f�rchte ihn. Ich habe vor, f�r alle Ewigkeit weiterzuleben, anstatt Rahvins Schicksal zu teilen!�</p><p>�Tsag!� Diese obsz�ne Bezeichnung brachte sie endlich dazu, die Augen aufzurei�en und ihn richtig anzusehen. �Al'Thor � al'Thor, Graendal! Ein ignoranter Junge, was Asdmodean ihm auch beibringen mag! Ein primitiver Kerl, der vermutlich immer noch glaubt, neun Zehntel von dem, was du und ich als selbstverst�ndlich betrachten, sei in Wirklichkeit unm�glich! Al'Thor bringt ein paar Lords dazu, da� sie vor ihm das Knie beugen, und er glaubt, er habe ein ganzes Land erobert. Er hat gar nicht die Willensst�rke, die Faust zu schlie�en und sie wirklich zu unterwerfen. Nur die Aiel � <emphasis>Bajad drovja!</emphasis> Wer h�tte gedacht, da� sie sich so �ndern w�rden?� Er mu�te sich beherrschen; sonst fluchte er nie auf diese Weise; das war eine Schw�che. �Nur sie gehorchen ihm wirklich, und nicht einmal alle von ihnen. Er h�ngt an einem seidenen Faden, und er wird st�rzen, entweder so oder so.�</p><p>�Tats�chlich? Und was ist, wenn er...?� Sie hielt inne und hob ihren Kelch so schnell an den Mund, da� Wein auf ihren Unterarm spritzte. Dann kippte sie das Getr�nk so hastig hinunter, bis der Kelch fast leer war. Die elegante Dienerin kam mit ihrer Kristallkanne herbeigeeilt. Graendal hielt ihr den Kelch zum Nachf�llen hin und fuhr in hastigem Tonfall fort: �Wie viele von uns werden sterben, bevor alles vor�ber ist?</p><p>Wir m�ssen zusammenhalten wie noch niemals zuvor!�</p><p>Das war nicht, was sie urspr�nglich sagen wollte. Er beachtete das Eis nicht, das erneut nach seinem R�ckgrat griff. Al'Thor w�rde nicht zum Nae'blis erw�hlt werden. Ganz gewi� nicht! Also wollte sie, da� sie alle zusammenhielten, oder? �Dann verkn�pfe dich mit mir. Wir beide miteinander verkn�pft w�ren al'Thor mehr als nur gleichwertig. Nimm das als Beginn unserer neuen Gemeinschaft.� Seine Narbe spannte sich, als er die pl�tzliche Ausdruckslosigkeit ihrer Miene bel�chelte. Die Verkn�pfung mu�te von ihr her ausgel�st werden, aber da sie nur zu zweit waren, w�rde sie ihm die Kontrolle anvertrauen m�ssen und auch die Entscheidung dar�ber, wann das Band wieder aufgel�st wurde. �Na also. Wie es scheint, machen wir genauso weiter wie vorher.� Da hatte es auch zuvor kaum einen Zweifel gegeben, denn Vertrauen geh�rte einfach nicht zu ihrem Pers�nlichkeitsmuster. �Was hast du mir noch zu berichten?� Aus diesem Grund befand er sich ja letzten Endes hier, und nicht, um ihrem Geschw�tz �ber Rand al'Thor zu lauschen. Mit al'Thor w�rde man schon fertig. Auf direktem oder auf indirektem Wege.</p><p>Sie sah ihn mit gro�en Augen an, ri� sich sichtlich zusammen, aber in ihrem Blick stand nun eindeutige Feindseligkeit. Schlie�lich sagte sie: �Wenig genug.� Sie w�rde nie vergessen, da� er beobachtete hatte, wie sie die Selbstbeherrschung verlor. Nichts von ihrem Zorn schwang allerdings in ihrer Stimme mit; die war so k�hl und beherrscht wie immer. Es klang sogar etwas nach Plauderton: �Semirhage war nicht bei der letzten Versammlung anwesend. Ich wei� nicht, warum. Ich glaube auch nicht, da� Mesaana oder Demandred den Grund kennen. Besonders Mesaana war verst�rt deshalb, obwohl sie versucht hat, es zu verbergen. Sie glaubt, Lews Therin werde sich schon bald in unseren H�nden befinden, aber das hat sie andererseits ja schon immer behauptet. Sie war sicher, da� Be'lal ihn in Tear t�ten oder gefangennehmen w�rde. Sie war so stolz auf diese Falle. Demandred l��t dir ausrichten, du solltest dich gut in acht nehmen.�</p><p>�Also wei� Demandred, da� wir beide uns treffen�, sagte er mit ausdrucksloser Stimme. Wieso hatte er eigentlich je erwartet, mehr als die anderen f�r sie zu sein?</p><p>�Nat�rlich wei� er das. Nicht, wieviel ich dir sage, aber da� ich dir einiges berichte. Ich versuche, uns alle zusammenzuf�hren, Sammael, bevor es zu...�</p><p>Er unterbrach sie in scharfem Tonfall: �Dann �berbringe Demandred eine Botschaft von mir. Sag ihm, ich wisse genau, was er plant.� Gewisse Ereignisse im S�den zeigten deutlich Demandreds Handschrift. Demandred hatte immer gern seine Marionetten ben�tzt. �Richte <emphasis>ihm</emphasis> aus, er solle vorsichtig sein. Ich werde nicht zulassen, da� er oder seine <emphasis>Freunde</emphasis> sich in meine Plane einmischen.� Vielleicht sollte er al'Thors Aufmerksamkeit darauf lenken. Das w�re dann vermutlich dessen Ende. Falls andere Mittel versagten. �Solange sie sich von mir fernhalten, k�nnen seine Lakaien anstellen, was sie wollen, aber sie werden sich aus meinen Pl�nen heraushalten, sonst bekommt er die Folgen zu sp�ren.� Es war ein langer Kampf gewesen, nachdem der Stollen in das Gef�ngnis des Gro�en Herrn fertiggestellt war, viele Jahre lang, bis sie stark genug gewesen waren, um offen aufzutreten. Diesmal w�rde er dem Gro�en Herrn beim Brechen des letzten Siegels ganze Nationen �bergeben, die bereit waren, ihm zu folgen. Und wenn sie auch nicht wu�ten, wem sie da eigentlich gehorchten, spielte das �berhaupt keine Rolle. Er w�rde nicht versagen, so wie Be'lal und Rahvin. Der Gro�e Herr w�rde schon merken, wer ihm am besten diente. �Richte ihm das aus!�</p><p>�Wie du w�nschst�, sagte sie und verzog zweifelnd das Gesicht. Einen Augenblick sp�ter �berzog dieses tr�ge L�cheln wieder ihre Z�ge. Anpassungsf�hig. �All diese Bedrohungen erm�den mich. Komm. Lausche der Musik und entspanne dich.� Er wollte ihr schon sagen, da� er sich nicht f�r Musik interessiere, wie sie sehr wohl wu�te, aber sie wandte sich bereits wieder der Br�stung zu. �Hier sind sie. H�r zu.�</p><p>Das so sehr dunkelh�utige Paar stand jetzt am Fu�e des Podestes. Sie hatten diese eigenartigen Harfen vor sich auf den Boden gestellt. Sammael vermutete, da� vor allem die Gl�ckchen ihrem Spiel die besondere Note verliehen, konnte den Unterschied aber nicht genau definieren. Sie strahlten hingebungsvoll zu Graendal hinauf, als sie bemerkten, da� sie beobachtet wurden.</p><p>Graendal befolgte ihren eigenen Rat, ihnen zu lauschen, jedoch nicht und fuhr statt dessen fort: �Sie kommen aus einer wirklich seltsamen Gegend. Dort verlangt man von Frauen, die mit der Macht umgehen k�nnen, da� sie die S�hne anderer Frauen heiraten, die dieses Talent ebenfalls besitzen, und das Zeichen f�r ihre Abstammung wird ihnen bei ihrer Geburt auf das Gesicht t�towiert. Niemand mit einer dementsprechenden T�towierung darf jemanden ohne eine solche heiraten, und jedes aus einer verbotenen Verbindung stammende Kind wird get�tet. M�nner mit der T�towierung werden ohnehin in ihrem einundzwanzigsten Lebensjahr get�tet, nachdem man sie vorher von der Welt abgeschieden aufgezogen hat, wo sie nicht einmal Schreiben und Lesen lernten.�</p><p>Also war sie doch wieder auf dieses Thema zur�ckgekommen. Sie mu�te ihn wirklich f�r einf�ltig halten. So beschlo� er, selbst einen kleinen K�der auszuwerfen. �M�ssen sie sich wie Kriminelle verschw�ren, aneinanderbinden?�</p><p>Erstaunen �berflog ihr Gesicht einen Moment lang und wurde schnell wieder unterdr�ckt. Offensichtlich hatte sie dar�ber gar nicht nachgedacht, und es gab ja an sich auch keinen Grund daf�r. Nur wenige Menschen ihrer Zeit hatten je ein Gewaltverbrechen begangen, geschweige denn mehrere. Zumindest vor der Zeit der Bohrung. Nat�rlich gab sie ihre Unkenntnis nicht zu. Es gab Zeiten, da es am besten war, einen Mangel an Kenntnissen zu verbergen, doch Graendal trieb das schon bis zum Exze�. Deshalb hatte er seine Bemerkung losgelassen. Er wu�te, es w�rde an ihr nagen, und das geschah ihr recht, wenn sie nur solche nutzlosen Kleinigkeiten von sich geben konnte.</p><p>�Nein�, antwortete sie, als habe sie alles verstanden. �Die Ayyad, wie sie sich nennen, wohnen f�r sich in ihren kleinen St�dten und meiden alle anderen. Angeblich gebrauchen sie die Macht niemals ohne Erlaubnis oder direkten Befehl des Sh'botay oder der Sh'boan. Diese stellen die eigentliche Macht im Lande dar, und deshalb l��t man den Sh'botay und die Sh'boan auch nur jeweils sieben Jahre lang regieren.� Einen Augenblick lang mu�te sie herzlich lachen. Sie hatte immer nur die heimliche Macht hinter der offiziellen sein wollen. �Ja, ein faszinierendes Land. Nat�rlich liegt es zu weit vom Mittelpunkt der Ereignisse entfernt und wird deshalb auf viele Jahre hinaus noch keine Bedeutung erlangen.� Sie winkte mit ihren beringten Finger leicht ab. �Es wird nach dem Tag der Wiederkehr noch genug Zeit sein, um zu sehen, was man aus ihnen machen kann.�</p><p>Ja, sie wollte ihn offensichtlich davon �berzeugen, da� ihr einiges daran lag. W�re das wirklich der Fall gewesen, h�tte sie dieses Land aber niemals auch nur erw�hnt. Er stellte seinen unber�hrten Kelch auf das Tablett, das der muskul�se Bursche ihm blitzschnell hinhielt, bevor er die Bewegung noch vollendet hatte. Graendal bildete ihre Diener wirklich gut aus. �Ich bin sicher, da� ihre Musik faszinierend wirkt...� � falls man etwas daf�r �brig hatte �, �aber ich mu� nun einige Vorbereitungen treffen.�</p><p>Graendal legte eine Hand auf seinen Arm. �Sorgf�ltige Vorbereitungen, wie ich hoffe? Der Gro�e Herr wird nicht erfreut sein, wenn du seine Pl�ne durcheinanderbringst.�</p><p>Sammaels Mundpartie spannte sich an. �Ich habe alles m�gliche getan, au�er nat�rlich mich zu ergeben, um al'Thor zu �berzeugen, da� ich keine Gefahr f�r ihn darstelle, aber der Mann verfolgt mich wie ein Besessener.�</p><p>�Du k�nntest Illian ja aufgeben und woanders neu anfangen.�</p><p>�Nein!� Er war nie vor Lews Hierin geflohen, und er w�rde auch vor diesem provinziellen Empork�mmling nicht fliehen. Der Gro�e Herr konnte doch wohl nicht vorhaben, einen wie den �ber die Auserw�hlten zu stellen! �ber ihn! �Du hast mir also alle Befehle des Gro�en Herrn wiedergegeben?�</p><p>�Ich hasse es, mich wiederholen zu m�ssen, Sammael.� In ihrer Stimme lag eine Andeutung von Verbitterung und in ihrem Blick eine Spur von Zorn. �Wenn du mir beim erstenmal nicht geglaubt hast, wirst du mir auch jetzt nicht glauben.�</p><p>Er blickte sie noch einen Augenblick l�nger an und r�ckte dann abrupt. H�chstwahrscheinlich hatte sie die Wahrheit gesagt, denn eine L�ge in bezug auf den Gro�en Herrn w�rde mit t�dlicher Sicherheit auf sie zur�ckfallen. �Ich sehe keinen Grund, uns wiederzutreffen, bis du mir etwas Wichtigeres mitzuteilen hast als die Tatsache, ob Semirhage zum Treffen kam oder nicht.� Ein kurzes Stirnrunzeln bei einem letzten Blick auf die Harfner sollte reichen, sie davon zu �berzeugen, da� ihr Ablenkungsman�ver erfolgreich gewesen sei. Dann wanderte sein Blick mi�billigend �ber die Gestalten, die in den Becken herumplanschten, die Akrobaten und alle anderen, damit seine Absicht den anderen gegen�ber nicht zu offensichtlich wurde. All diese verschwendete M�he, diese Zurschaustellung von Haut, ekelte ihn wirklich an. �Das n�chstemal kannst du ja nach Illian kommen.�</p><p>Sie zuckte die Achseln, als sei es unwichtig, aber ihre Lippen bewegten sich leicht und seine durch <emphasis>Saidin</emphasis> gesch�rften Sinne h�rten ein leise gehauchtes �Falls es dich dann noch gibt� heraus.</p><p>In eisiger Stimmung �ffnete Sammael ein Tor zur�ck nach Illian. Der muskul�se junge Mann reagierte nicht schnell genug, um sich in Sicherheit zu bringen. Er hatte nicht einmal mehr die Zeit zum Schreien, bis er mittendurch entzweigeschnitten wurde, er, sowie das Tablett und die Kristallkaraffe. Der Kante eines Tores gegen�ber erschien jede Rasierklinge stumpf. Graendal sch�rzte m�rrisch die Lippen ob des Verlustes eines ihrer Scho�tierchen.</p><p>�Wenn du uns beim �berleben helfen willst�, sagte Sammael noch zu ihr, �dann finde heraus, auf welche Weise Demandred und die anderen die Anweisungen des Gro�en Herrn zu befolgen gedenken.� Damit trat er durch das Tor, allerdings ohne den Blick von ihrem Gesicht zu wenden.</p><p>Graendal behielt ihren bedr�ckten Gesichtsausdruck bei, bis sich das Tor hinter Sammael geschlossen hatte, und dann gestattete sie sich, mit den Fingern�geln auf die Marmorbr�stung zu klopfen. Mit seinem goldenen Haar mochte Sammael beinahe gut genug aussehen, um unter ihre speziellen Lieblinge eingereiht zu werden, wenn er nur Semirhage erlauben w�rde, diese �ber sein ganzes Gesicht eingebrannte Furche zu entfernen. Sie war die einzige, die noch die Fertigkeiten aufwies, etwas zu tun, was fr�her als ganz einfache Angelegenheit gegolten h�tte. Es war nat�rlich ein v�llig nebens�chlicher Gedankengang. Die eigentliche Frage war, ob sich ihre M�he ausgezahlt hatte.</p><p>Shaofan und Chiape spielten ihre fremdartige atonale Musik, voll von komplexen Harmonien und seltsamen Dissonanzen. Irgendwie klang es trotzdem sch�n. Ihre Gesichter strahlten vor Freude dar�ber, da� es ihr gefallen k�nnte. Sie nickte und sp�rte ihr Entz�cken beinahe k�rperlich. Sie waren jetzt um so vieles gl�cklicher, als sie gewesen w�ren, h�tte sie die beiden sich selbst �berlassen. Soviel M�he, sie zu finden und herzubringen, und das alles ausschlie�lich f�r diese paar Minuten mit Sammael. Nat�rlich h�tte sie sich weniger M�he machen k�nnen � jeder andere aus ihrem Land h�tte es auch getan �, aber sie hatte ihre Qualit�tsma�st�be, selbst wenn es nur um ein augenblickliches Man�ver ging. Vor langer Zeit hatte sie sich entschlossen, jede Art von Vergn�gen auszukosten, nichts auszulassen, solange es ihren Rang beim Gro�en Herrn nicht gef�hrdete.</p><p>Ihr Blick fiel auf die Eingeweide, die ihren Teppich beschmutzten, und ihre Nase r�mpfte sich gereizt. Das Gewebe konnte man wohl noch retten, aber es �rgerte sie, da� sie das Blut selbst w�rde entfernen m�ssen. Sie erteilte einige kurze Befehle, und dann eilte Osana und beaufsichtigte die Leute, die den Teppich hinaustrugen. Und die Rashans �berreste beseitigten.</p><p>Sammael war wirklich ein leicht durchschaubarer Narr. Nein, kein Narr. Er war t�dlich, wenn er direkt gegen etwas k�mpfen konnte, etwas, das er ganz klar vor sich sah, aber wenn es um subtilere Dinge ging, h�tte er genausogut blind sein k�nnen. Sehr wahrscheinlich glaubte er nun, ihr Ablenkungsman�ver habe dem Zweck gedient, das zu kaschieren, was sie und die anderen vorhatten. Etwas, das er sich �berhaupt nicht vorstellen konnte, war die Tatsache, da� sie jeden Winkel seines Verstandes kannte, jede Wendung seiner Gedanken vorausahnte. Schlie�lich hatte sie ja mehr als vierhundert Jahre damit verbracht, die Arbeitsweise von Gehirnen zu erforschen, die viel verschlungener und krankhafter waren als seines. Man konnte ihn so einfach durchschauen. So sehr er sich auch bem�hte, es zu verbergen: er war ziemlich verzweifelt. Er war gefangen in einer Falle, die er selbst entworfen hatte, einer Falle, die er bis zum Tod verteidigen w�rde, anstatt wegzulaufen, einer Falle, in der er vermutlich ums Leben kommen w�rde.</p><p>Sie nippte an ihrem Wein, und ihre Stirn runzelte sich leicht. M�glich, da� sie bereits ihren Zweck bei ihm erreicht hatte, wenn sie an sich auch erwartete, sie werde daf�r vier oder f�nf Besuche ben�tigen. Sie mu�te einen Grund finden, ihn in Illian zu besuchen. Es war am besten, einen Patienten sorgf�ltig zu beobachten, und zwar auch nach dem Zeitpunkt, an dem man ihn anscheinend auf den richtigen Weg gebracht hatte.</p><p>Ob der Junge nun ein einfacher Bauernl�mmel war oder wirklich der wiedergekehrte Lews Therin � und da konnte sie sich noch nicht entscheiden �, so hatte er sich in jedem Fall doch als entschieden zu gef�hrlich erwiesen. Sie diente dem Gro�en Herrn der Dunkelheit, aber sie hatte nicht vor, zu sterben, nicht einmal f�r den Gro�en Herrn. Sie w�rde f�r immer weiterleben. Selbstverst�ndlich handelte man nicht gegen auch nur die unbedeutendsten W�nsche des Gro�en Herrn, wenn man nicht eine Ewigkeit damit verbringen wollte, qualvoll zu sterben, und eine weitere Ewigkeit, in der man sich nach dieser noch immer weniger schlimmen Agonie des langen Sterbens zur�cksehnte. Dennoch, Rand al'Thor mu�te beseitigt werden, aber Sammael sollte daf�r b��en. Falls ihm klar w�rde, da� er auf Rand al'Thor angesetzt worden war wie ein <emphasis>Dornat</emphasis> auf die Jagdbeute, w�re sie schon sehr �berrascht. Nein, er war kein Mann, der solche Feinheiten durchschaute.</p><p>Aber er war keineswegs dumm. Es w�re interessant, herauszufinden, woher er von der Verschw�rung bei diesen Kriminellen erfahren hatte. Sie selbst h�tte das nie herausbekommen, w�re Mesaana nicht etwas im Zorn entschl�pft, weil sie ihrer Wut der Abwesenheit Semirhages wegen Luft machen mu�te. Ihr Zorn war so heftig gewesen, da� ihr �berhaupt nicht klar geworden war, wieviel sie verraten hatte. Wie lange hatte Mesaana in der Wei�en Burg gesteckt? Allein schon die Tatsache, da� sie sich dort befunden hatte, l�ste einige interessante Gedankeng�nge aus. G�be es eine M�glichkeit, zu entdecken, wo sich Demandred und Semirhage eingenistet hatten, dann war es vielleicht auch m�glich, nachzuvollziehen, was sie zu tun vorhatten. Das hatten sie ihr nicht anvertraut. Oh, nein. Diese drei hatten schon seit der Zeit vor dem Krieg um die Macht zusammengearbeitet. Zumindest an der Oberfl�che. Sie war sicher, da� sie auch untereinander genauso flei�ig intrigiert hatten wie die anderen Auserw�hlten, aber ob nun Mesaana Semirhage das Wasser abgrub oder Semirhage Demandred, hatte sie doch nie einen Spalt gefunden, in den sie einen Keil zwischen die drei treiben k�nnte.</p><p>Ein Schaben von Stiefelsohlen k�ndete von einem Neuank�mmling, aber es waren nicht die M�nner, die den Teppich ersetzen und die �berreste Rashans entfernen sollten. Ebram war ein hochgewachsener, gut gebauter Domanij�ngling in engen, roten Hosen und einem weiten, wei�en Hemd. Er h�tte durchaus in ihre Sammlung von Lieblingstierchen passen k�nnen, w�re er nicht lediglich der Sohn eines Kaufmannes gewesen. Seine dunklen, schimmernden Augen blickten sie eindringlich an, als er niederkniete. �Lord Ituralde ist angekommen, Gro�e Herrin.�</p><p>Graendal stellte den Kelch auf einen Tisch, der auf den ersten Blick wirkte, als sei er mit den Elfenbeinfiguren von T�nzern eingelegt. �Dann soll er mit Lady Basene sprechen.�</p><p>Ebram erhob sich geschmeidig und bot der gebrechlichen Domanifrau, die er nun vor sich sah, seinen Arm an. Er wu�te, wer hinter dieser geschickt gewobenen Illusion steckte, aber trotzdem schwand der Ausdruck der Verehrung auf seiner Miene ein wenig. Sie wu�te:</p><p>es war Graendal und nicht Basene, die er anbetete. Im Augenblick war ihr das gleichg�ltig. Sammael war zumindest einmal auf Rand al'Thor angesetzt, vielleicht auch schon auf ihn fixiert. Was Demandred und Semirhage und Mesaana betraf... Nur sie selbst wu�te davon, da� auch sie allein eine Reise zum Schayol Ghul und hinunter zu dem Feuersee unternommen hatte. Nur sie wu�te davon, da� ihr der Gro�e Herr fast schon den Rang des Nae'blis versprochen hatte, und dieses Versprechen w�rde er sicherlich halten, war erst einmal Rand al'Thor aus dem Weg ger�umt. Sie w�rde des Gro�en Herrn gehorsamste Dienerin sein. Sie w�rde Chaos s�hen, bis Demandreds Lunge bei der Ernte explodierte.</p><p>Semirhage lie� die eisenbeschlagene T�r hinter sich zufallen. Eine der Gl�hbirnen, der Gro�e Herr allein mochte wissen, aus welchen �berresten sie stammte, flackerte st�ndig, warf aber immer noch ein helleres Licht als die Kerzen und �llampen, mit denen sie sich in diesem Zeitalter abfinden mu�te. Vom Lichtschein abgesehen, machte dieser Ort den beklemmenden Eindruck eines Gef�ngnisses, mit seinen raunen Steinw�nden und dem blanken Fu�boden. Nur ein kleiner, grob gezimmerter Holztisch stand in der einen Ecke. Das war nicht ihr Einfall gewesen. Ware es nach ihr gegangen, dann w�re hier alles fleckenlos wei� gewesen und h�tte vor <emphasis>Cueran</emphasis> nur so geschimmert, glattgeleckt und steril. Dieser Ort war vorbereitet worden, bevor sie von der Notwendigkeit dazu erfahren hatte. Eine in Seide gekleidete Frau mit blassem Haar hing mitten im Raum an gespreizten Armen und Beinen offensichtlich im Leeren und blickte sie trotzig an. Eine Aes Sedai. Semirhage ha�te die Aes Sedai.</p><p>�Wer seid Ihr?� wollte die �Patientin� wissen. �Geh�rt Ihr zu den Schattenfreunden? Oder seid Ihr eine Schwarze Schwester?�</p><p>Semirhage beachtete den L�rm gar nicht, sondern �berpr�fte nur kurz den Puffer, der zwischen der Frau und <emphasis>Saidar</emphasis> lag. Sollte er versagen, konnte sie dieses erb�rmliche B�ndel wohl problemlos abschirmen � es war schon ein deutliches Anzeichen f�r die Schw�che einer Frau, wenn sie sich leisten konnte, den verknoteten Puffer unbeobachtet zur�ckzulassen �, aber die Vorsicht war ihr zur zweiten Natur geworden, und so tat sie stets nur einen Schritt nach dem anderen. Nun zur Kleidung dieser Frau. Angezogen f�hlte man sich f�r gew�hnlich sicherer als ohne jede Bekleidung. Sie verwob ganz feine Str�nge aus Feuer und Wind und schnitt damit das Kleid und das Unterhemd und jeden Fetzen Kleidung bis hinunter zu den Schuhen der Patientin vorsichtig ab. Sie lie� alles in Sichth�he der Frau zusammenrutschen, bis ein festes B�ndel daraus geworden war, und dann gebrauchte sie die Macht erneut, Feuer und Erde diesmal, mit dem Resultat, da� feiner Staub auf den Steinboden herabrieselte.</p><p>Die blauen Augen der Frau quollen beinahe heraus. Semirhage bezweifelte, da� sie diese einfachen Dinge h�tte nachmachen k�nnen, selbst wenn sie f�hig gewesen w�re, das Gewebe zu durchschauen.</p><p>�Wer seid Ihr?� Diesmal klang die Aufforderung bereits reichlich nerv�s. Vielleicht lag es an ihrer Furcht. Es war immer gut, wenn die sich bereits in diesem fr�hen Stadium bemerkbar machte.</p><p>Semirhage machte ganz genau die Zentren im Hirn der Frau aus, die Botschaften des Schmerzes aus ihrem K�rper empfangen w�rden, und dann fing sie methodisch damit an, diese Schmerzzentren mit Hilfe von Geist und Feuer zu reizen. Anfangs nur ein klein wenig, dann steigerte sie den Reiz. Zuviel auf einmal konnte einen Patienten innerhalb weniger Augenblicke t�ten, aber es war schon bemerkenswert, wie weit man die Schmerzempfindung steigern konnte, wenn man in ganz winzigen Schritten vorw�rtsging. An etwas zu arbeiten, was sie nicht sehen konnte, war eine schwierige Aufgabe, selbst aus dieser N�he, doch sie verstand soviel von den Reaktionen eines menschlichen K�rpers wie wohl kaum jemand vor ihr.</p><p>Die mit abgespreizten Gliedma�en dah�ngende Patientin bewegte den Kopf, als wolle sie den beginnenden Schmerz absch�tteln, doch dann wurde ihr bewu�t, da� es nicht m�glich war, und sie starrte Semirhage mit gro�en Augen an. Semirhage dagegen beobachtete nur und behielt ihr Gewebe bei. Selbst bei der hier gebotenen Eile konnte sie sich doch ein wenig Geduld leisten.</p><p>Wie sie all jene ha�te, die sich als Aes Sedai bezeichneten! Sie war selbst eine gewesen, eine echte Aes Sedai und nicht so eine ignorante N�rrin wie dieser Einfaltspinsel, der da vor ihr hing. Sie war bekannt gewesen, sogar ber�hmt, war in jede Ecke der Welt gerufen worden, weil sie die F�higkeit besa�, jede Verletzung zu heilen, selbst Menschen vom Rande des Todes zur�ckzuholen, wo jede andere behauptete, es gebe keine Rettung mehr. Und eine Delegation vom Saal der Dienerinnen hatte ihr etwas angeboten, was man nicht mehr als freie Wahl bezeichnen konnte: sich entweder binden zu lassen und damit auf ihre ganze Freude zu verzichten, und durch diese Bindung wahrnehmen zu k�nnen, wenn sich das Ende ihres Lebens n�herte, oder von der Macht abgeschnitten und von den Aes Sedai ausgesto�en zu werden. Sie hatten von ihr erwartet, da� sie die Bindung akzeptierte, denn das war nur logisch und folgerichtig gedacht, und es waren ja alles vern�nftige, gesetzte M�nner und Frauen. Sie h�tten nie gedacht, da� sie fliehen werde. Sie war eine der ersten gewesen, die zum Schayol Ghul kamen.</p><p>Dicke Schwei�tropfen rollten �ber das blasse Gesicht der Patientin. Ihr Kinn verkrampfte sich, und ihre Nasenfl�gel bebten, als sie die Luft heftig einsaugte. Von Zeit zu Zeit st�hnte sie leicht auf. Geduld. Bald war es soweit.</p><p>Es war aus Eifersucht geschehen, der Eifersucht jener, die nicht vollbringen konnten, was sie schaffte. Hatte sich jemals einer von denen beklagt, die sie dem Tod wieder aus dem Griff gerissen hatte, da� er lieber gestorben w�re, als ihr die kleine Zugabe zu verwehren, die sie ihm daf�r abgenommen hatte? Und die anderen? Es gab immer welche, die es verdient hatten, leiden zu m�ssen.</p><p>Was machte es schon aus, wenn es ihr Freude bereitet hatte, ihnen das zu geben, was sie verdienten? Der Saal und das scheinheilige Gewinsel �ber Legalit�t und Pers�nlichkeitsrechte. Sie hatte das Recht darauf verdient, zu tun, was sie eben getan hatte; sie hatte es sich wirklich und wahrhaftig verdient. Sie war viel wertvoller f�r die ganze Welt gewesen als all jene zusammengenommen, die sie mit ihren Schmerzensschreien unterhalten hatten. Und von Eifersucht und Neid getrieben, hatte der Saal versucht, statt dessen</p><p><emphasis>sie</emphasis> zu versto�en!</p><p>Nun, w�hrend des Krieges waren ihr einige von denen in die H�nde gefallen. Wenn sie gen�gend Zeit hatte, konnte sie auch den st�rksten Mann zerbrechen, die stolzeste Frau, und sie genau zu dem umformen, was sie in ihnen sah. Dieser Proze� war vielleicht langsamer, als sie durch inneren Zwang umzuerziehen, aber er bereitete ihr unendlich mehr Genu�, und sie glaubte nicht, da� selbst Graendal wiederherstellen konnte, was sie zerst�rt hatte. Die Str�nge, mit denen man den inneren Zwang erzeugte, konnte man aufl�sen. Aber ihre Patienten... Auf den Knien hatten sie sie angebettelt, ihre Seelen dem Schatten zu geben, und sie hatte ihrem Wunsch folgsam entsprochen, bis sie gestorben waren. Jedesmal war Demandred des Lobes voll gewesen, weil wieder ein anderer Ratgeber des Saales sich �ffentlich zum Gro�en Herrn bekannt hatte, aber f�r sie war das Sch�nste immer der Moment gewesen, in dem ihre Gesichter erbleichten, sogar noch Jahre sp�ter, wenn sie ihrer gewahr wurden, und wenn sie sich beinahe �berschlugen, um ihr zu versichern, da� sie treu zu dem standen, was sie aus ihnen gemacht hatte.</p><p>Das erste Schluchzen entrang sich der hilflos in der Luft h�ngenden Frau und wurde sofort unterdr�ckt. Semirhage wartete tatenlos. Es mochte wohl in dieser Situation Eile angebracht sein, doch zuviel Eile w�rde ihr alles verderben. Die Patientin schluchzte nun wieder und wieder. Ihre Bem�hungen, das zu unterdr�cken, hatten keinen Erfolg mehr. Es wurde lauter, lauter, und schwoll schlie�lich zu einem Heulen an. Semirhage wartete ab. Die Frau gl�nzte vor Schwei�. Sie warf den Kopf von einer Seite auf die andere. Ihr Haar flog. Sie zuckte hilflos und verkrampft in ihren unsichtbaren Fesseln. Ohrenbet�ubende Schreie aus vollem Hals hielten an, bis sie um Luft ringen mu�te, und sie begannen erneut, sobald ihre Lunge wieder gef�llt war. Diese weit auf gerissenen, hervorquellenden blauen Augen sahen nichts. Sie wirkten bereits glasig. Nun fing es an.</p><p>Semirhage unterbrach abrupt ihre Str�nge von <emphasis>Saidar,</emphasis> aber es dauerte doch Minuten, bis die Schreie sich beruhigten und lediglich noch schweres Atmen zu h�ren war. �Wie hei�t Ihr?� fragte sie sanft. Die Frage spielte an sich keine Rolle, nur mu�te es eine sein, die von der Frau auch beantwortet wurde. Sie h�rte auch fragen k�nnen: �Wollt Ihr mir immer noch widerstehen?� Es war oft recht vergn�glich, gerade mit dieser Frage fortzufahren, bis sie darum bettelten, beweisen zu d�rfen, da� sie ihr nun willf�hrig seien. Doch diesmal z�hlte tats�chlich jede einzelne Frage.</p><p>Ein unfreiwilliges Schaudern nach dem anderen durchlief den K�rper der in der Luft h�ngenden Frau. Sie warf Semirhage einen mi�trauischen Blick aus zusammengekniffenen Augen zu, leckte sich die Lippen, hustete und stie� schlie�lich heiser hervor: �Cabriana Mecandes.�</p><p>Semirhage l�chelte. �Es ist gut wenn Ihr mir die Wahrheit sagt.� Es gab Schmerzzentren im Gehirn, aber auch Zentren des Wohlbefindens. Sie reizte eines der letzteren, nur ein paar Augenblicke lang, aber sehr energisch, w�hrend sie n�her herantrat. Der Schock lie� Cabriana die Augen soweit aufrei�en, wie sie nur konnte. Sie schnappte nach Luft und zitterte. Semirhage zog ein Taschentuch aus ihrem �rmel, hob das staunende Gesicht der Frau mit einem Finger unter dem Kinn an und tupfte zart den Schwei� weg. �Ich wei�, da� dies sehr schwer f�r Euch ist, Cabriana�, sagte sie mit warmer Stimme, �und deshalb m��t Ihr euch M�he geben, um es mir nicht noch schwerer zu machen.� Mit einer sanften Ber�hrung wischte sie eine feuchte Haarstr�hne aus der Stirn der Frau. �H�ttet Ihr gern etwas zu trinken?� Sie wartete nicht erst auf eine Antwort, sondern gebrauchte die Macht, und eine verbeulte Metallflasche schwebte von dem kleinen Tisch in der Ecke hoch und direkt in ihre Hand. Die Aes Sedai wandte den Blick nicht von Semirhage, aber sie trank gierig. Nach ein paar Schlucken nahm Semirhage die Flasche weg und lie� sie auf den Tisch zur�ckschweben. �Ja, das ist besser, nicht wahr? Denkt daran, macht es Euch nicht selbst zu schwer.� Als sie sich abwandte, sprach die Frau wieder mit rauher Stimme: �Ich spucke in die Milch Eurer Mutter, Schattenanbeterin! H�rt Ihr mich? Ich...�</p><p>Semirhage h�rte nicht mehr hin. Zu jeder anderen Zeit h�tte das ein warmes, angenehmes Gef�hl in ihr ausgel�st, weil sie nun wu�te, da� der Widerstand der Patientin noch nicht ganz gebrochen war. Die reinste, erhebendste Freude bereitete es ihr, wenn sie Trotz und W�rde in ganz hauchd�nnen Scheibchen abschneiden konnte, und dann zu beobachten, wie dies dem Patienten bewu�t wurde und er oder sie verzweifelt und umsonst versuchte, sich noch an die k�mmerlichen Reste zu klammern. Jetzt blieb aber keine Zeit daf�r. Sorgf�ltig legte sie noch einmal ihr Gewebe um die Schmerzzentren in Cabrianas Gehirn und band es ab. Normalerweise wollte sie pers�nlich dar�ber wachen, doch diesmal war Eile geboten. So l�ste sie die Wirkung ihres Gewebes aus, gebrauchte die Macht, um das Licht zu l�schen, und dann ging sie und schlo� die T�r hinter sich. Die Dunkelheit w�rde auch einen Teil zum Erfolg beitragen. Allein, im Dunklen und dann diese Schmerzen...</p><p>Unwillk�rlich gab Semirhage drau�en einen entt�uschten Laut von sich. In dieser Art der Behandlung lag einfach keine Perfektion; es fehlten alle Feinheiten. Sie ha�te es, so hetzen zu m�ssen. Und dann auch noch die ihr anvertraute Patientin alleinlassen zu m�ssen! Das M�dchen war willensstark und verstockt, die Umst�nde waren schwierig.</p><p>Der Korridor war beinahe genauso trostlos wie die gerade verlassene Zelle, einfach ein breiter, schattend�sterer, in den Stein gehauener Stollen, dessen in der D�sternis verschwimmende Seiteng�nge sie gar nicht erst erkunden wollte. Nur zwei andere T�ren waren in Sicht, von denen die eine in ihr augenblickliches Quartier f�hrte. Die Gem�cher waren bequem genug, soweit sie sich darin aufhalten mu�te, aber sie ging jetzt trotzdem nicht dorthin. Shaidar Haran stand n�mlich vor dieser T�r, schwarz gekleidet und in D�mmerung geh�llt wie in eine Rauchwolke, und so unbeweglich, da� es wie ein Schock wirkte, als er zu sprechen begann. Seine Stimme klang wie das langsame Zermahlen von Knochen: �Was habt Ihr erfahren?�</p><p>Der Ruf zum Schayol Ghul hatte in einer Warnung des Gro�en Herrn gegipfelt: WENN DU SHAIDAR HARAN GEHORCHST, GEHORCHST DU MIR. WENN DU SHAIDAR HARAN NICHT GEHORCHST... So sehr sie diese Warnung auch �rgerte, war es nicht notwendig gewesen, ihr mehr zu sagen. �Ihren Namen. Cabriana Mecandes. Ich konnte in dieser Eile wohl kaum mehr in Erfahrung bringen.�</p><p>Er glitt auf diese augenverzerrende Art durch den Gang, der ebenholzfarbene Umhang starr wie immer herabh�ngend. Er wirkte wie die Materie gewordene Verneinung aller Bewegung. Im ersten Augenblick stand er wie eine Statue zehn Schritt entfernt, und im n�chsten ragte er �ber ihr auf, so da� sie nur entweder zur�ckweichen oder sich den Hals verdrehen konnte, um in dieses leichenblasse, augenlose Gesicht hochzublicken. Zur�ckweichen kam �berhaupt nicht in Frage. �Ihr werdet ihr alles Wissen vollst�ndig entringen, Semirhage. Ihr werdet sie ausquetschen � ohne jede Verz�gerung �und mir dann jede Kleinigkeit berichten, die Ihr erfahren habt.�</p><p>�Ich habe dem Gro�en Herrn versprochen, da� ich das tun w�rde�, sagte sie ihm mit kalter Stimme.</p><p>Blutleere Lippen verzogen sich zu einem L�cheln. Das war seine einzige Antwort. Er wandte sich ruckartig um, glitt durch Zonen tieferen Schattens im Gang und war dann mit einemmal verschwunden.</p><p>Semirhage w�nschte sich, sie wisse, wie die Myrddraal das anstellten. Es hatte nichts mit der Macht zu tun, aber am diffusen Rand eines Schattens, wo das Licht sich zu Dunkelheit wandelte, war ein Myrddraal in der Lage, zu verschwinden und pl�tzlich in einem anderen Schatten ein ganzes St�ck entfernt wieder aufzutauchen. Vor langer Zeit hatte Aginor mehr als hundert von ihnen untersucht, bis hin zu ihrer Zerst�rung, und sich umsonst bem�ht, herauszufinden, wie sie das bewerkstelligten. Die Myrddraal wu�ten es selbst nicht; das hatte auch sie bereits �berpr�ft.</p><p>Mit einemmal wurde ihr bewu�t, da� sie beide H�nde verkrampft auf ihre Magengegend gepre�t hatte. Drinnen schien sich eine Eiskugel zu befinden. Es war schon viele Jahre her, da� sie zuletzt einmal Angst empfunden hatte, au�er nat�rlich, wenn sie dem Gro�en Herrn im Krater des Verderbens gegen�berstand. Der Eisklumpen begann zu schmelzen, als sie sich zur T�r der zweiten Gef�ngniszelle begab. Sp�ter w�rde sie ganz leidenschaftslos die eigenen Gef�hle analysieren. Shaidar Haran mochte sich wohl von jedem anderen Myrddraal unterscheiden, den sie bisher erlebt hatte, doch letzten Endes war er immer noch ein Myrddraal. Ihr zweiter Patient der wie der erste mitten in der Luft hing, war ein st�mmiger Mann mit kantigem Gesicht in gr�nem Kurzmantel und ebensolcher Hose. Seine Kleidung h�tte ihm gut und gern in einem Wald zur Tarnung dienen k�nnen. Die H�lfte aller Gl�hbirnen hier schimmerte so tr�be, da� sie wohl bald versagen w�rden. Es war ja schon ein Wunder, wenn sie eine so lange Zeit �berstanden hatten. Aber Cabrianas Beh�ter war an sich unwichtig. Was ben�tigt wurde, gleich zu welchem Zweck, ruhte im Gehirn der Aes Sedai, doch man hatte den Myrddraal offensichtlich aufgetragen, eine Aes Sedai gefangenzunehmen, und aus irgendeinem undurchschaubaren Grund waren f�r sie die Aes Sedai und ihre Beh�ter eine untrennbare Einheit. Es war aber schon gut, da� sie auch ihn gefangen hatten. Sie hatte noch niemals zuvor eine Gelegenheit gehabt, einen dieser legend�ren K�mpfer zu zerbrechen.</p><p>Seine dunklen Augen bem�hten sich, L�cher in ihren Kopf zu bohren, als sie seine Kleidung und die Stiefel entfernte und auf die gleiche Weise wie bei Cabriana vernichtete. Er war stark behaart � eine Masse gro�er, harter Muskelstr�nge und Narben. Er zuckte absolut nicht zusammen. Er sagte kein Wort. Sein Widerstand war anders als der dieser Frau. Ihrer war k�hn, wurde ihr ins Gesicht geschleudert, w�hrend seiner in einer stillen Weigerung bestand, sich ihrem Willen zu beugen. Er war m�glicherweise schwerer zu zerbrechen als seine Herrin. Normalerweise w�re er deshalb auch viel interessanter f�r sie gewesen.</p><p>Semirhage musterte ihn eine Weile. Es war etwas an ihm... Eine Anspannung, die sich in seiner Mundpartie und an seinen Augen zeigte. Als habe er bereits mit dem Schmerz zu k�mpfen. Aber nat�rlich! Dieses seltsame Band zwischen der Aes Sedai und ihrem Beh�ter. Schon eigenartig, da� diese Primitivlinge etwas gefunden hatten, was keiner der Auserw�hlten verstand, aber es war tats�chlich so. Dem wenigen nach zu urteilen, was sie dar�ber wu�te, empfand dieser Kerl wom�glich zumindest einen Teil dessen mit, was die andere Patientin gerade erlebte. Zu jeder anderen Zeit h�tte ihr das hochinteressante M�glichkeiten er�ffnet. Jetzt bedeutete es lediglich, da� er wohl glaubte, er wisse, was auf ihn zukam.</p><p>�Eure Besitzerin pa�t nicht gut auf Euch auf�, sagte sie. �W�re sie mehr als eine primitive Wilde, w�re es nicht notwendig, Euch von all jenen Narben verunzieren zu lassen.� Sein Gesichtsausdruck �nderte sich nur unwesentlich. Sie entdeckte einen Hauch von Verachtung darin. �Also dann.�</p><p>Diesmal legte sie ihr Gewebe �ber die Lustzentren und begann damit, den Reiz langsam zu intensivieren. Er war intelligent. Er runzelte die Stirn, sch�ttelte den Kopf, und dann zogen sich seine Augen zusammen und richteten sich wie Splitter aus dunklem Eis auf sie. Ihm war klar, da� er dieses immer st�rker werdende Gl�cksgef�hl nicht empfinden d�rfte, und obwohl er ihr Gewebe nicht wahrnehmen konnte, wu�te er doch, da� es ihr Werk war. Deshalb machte er sich daran, dagegen anzuk�mpfen. Semirhage h�tte beinahe gel�chelt. Zweifellos glaubte er, viel leichter gegen Wohlbefinden ank�mpfen zu k�nnen als gegen Schmerzen. Gelegentlich einmal hatte sie den Willen von Patienten ausschlie�lich dadurch gebrochen. Es machte ihr aber nur wenig Spa�, und hinterher konnten sie �berhaupt nicht mehr zusammenh�ngend denken. Sie wollten dann nur immer noch mehr dieser Ekstase empfinden, die in ihren K�pfen erbl�hte, aber es ging schnell und sie taten dann uneingeschr�nkt alles, um mehr zu bekommen. Es lag an dem Mangel an zusammenh�ngenden Denkvorg�ngen, weshalb sie diese Methode bei der anderen Patientin nicht angewandt hatte, denn von ihr ben�tigte sie klare Antworten. Dieser Bursche hier w�rde den Unterschied fr�h genug erkennen.</p><p>Ein Unterschied. Sie legte nachdenklich einen Finger auf ihre Lippen. Warum unterschied sich Shaidar Haran von allen anderen Myrddraal? Ihr pa�te der Gedanke an eine solche Abnormit�t gar nicht, ausgerechnet jetzt, wo alles zu ihren Gunsten zu verlaufen schien, aber ein Myrddraal, der sogar �ber die Auserw�hlten gestellt wurde, wenn auch vielleicht nur gelegentlich, war mehr als nur einfach ungew�hnlich. Al'Thor war geblendet; seine ganze Aufmerksamkeit galt Sammael, und Graendal lie� bei Sammael gerade genug durchblicken, da� er in seinem Stolz nicht alles wieder zu Fall brachte. Nat�rlich hatten auch Graendal und Sammael ihre geheimen Pl�nchen, um Vorteile zu erlangen, einzeln oder gemeinsam. Sammael war wie ein erhitztes <emphasis>Sofar</emphasis> mit verbogenen Steuerrudern, und auch Graendals Reaktionen waren nicht viel einfacher vorauszusehen. Sie hatten noch nie begreifen k�nnen, da� alle Macht ausschlie�lich vom Gro�en Herrn kam, da� er sie verteilte, wie es ihm beliebte und aus seinen eigenen Gr�nden. Ganz nach Laune � das konnte sie ja wenigstens in der Sicherheit ihres eigenen Verstandes noch denken.</p><p>Es war beunruhigender, da� einige der Verlorenen verschwunden waren. Demandred bestand darauf, sie seien tot, aber sie selbst und Mesaana waren da nicht so sicher. Lanfear. Wenn es noch etwas wie Gerechtigkeit gab, w�rde die Zeit ihr schlie�lich Lanfear in die H�nde spielen. Die Frau tauchte immer dann auf, wenn man es am wenigsten erwartete, benahm sich immer, als h�tte sie ein Recht dazu, sich in die Pl�ne anderer einzumischen, und brachte sich schnell immer wieder in Sicherheit, wenn ihr dilettantisches Eingreifen alles zu Fall gebracht hatte. Moghedien. Sie dr�ckte sich immer wieder au�er Sichtweite herum, doch sie war noch niemals zuvor so lange weggeblieben, ohne sich zu r�hren, um wenigstens dem Rest von ihnen ins Ged�chtnis zu rufen, da� auch sie letzten Endes zu den Auserw�hlten z�hlte. Asmodean. Ein Verr�ter und deshalb auch zum Untergang verurteilt, aber er war tats�chlich verschwunden, und die Existenz Shaidar Harans und ihre eigenen Auftr�ge hier zusammengenommen, erinnerte sie nur zu deutlich daran, da� der Gro�e Herr auf seine eigene Weise auf die Erf�llung seiner Ziele hinarbeitete.</p><p>Die Auserw�hlten waren f�r ihn nicht mehr als Figuren auf einem Spielbrett. Sie mochten vielleicht als Ratgeber und Unterf�hrer dienen, aber trotzdem waren sie nur Spielfiguren. Wenn der Gro�e Herr sie insgeheim hierhergebracht hatte, konnte er dann nicht auch Moghedien oder Lanfear oder sogar Asmodean mit Geheimauftr�gen weggesandt haben? W�rde er nicht vielleicht Shaidar Haran mit Geheimbefehlen zu Graendal oder Sammael schicken? Oder, wenn sie diesen Gedanken schon verfolgte, vielleicht auch zu Demandred oder Mesaana? Ihr unsicheres B�ndnis, falls man es wirklich als solches bezeichnen konnte, hatte eine lange Zeitspanne �berdauert, aber keiner der anderen w�rde ihr etwas davon erz�hlen, sollte er oder sie geheime Auftr�ge vom Gro�en Herrn empfangen haben, und genauso w�rde sie ihnen einen Hinweis darauf geben, warum sie hierhergebracht worden war, oder warum sie damals Myrddraal und Trollocs in den Stein von Tear geschickt hatte, um die von Sammael gesandten Truppen zu bek�mpfen.</p><p>Falls der Gro�e Herr vorhatte, al'Thor zum Nae'blis zu ernennen, w�rde sie auch vor ihm das Knie beugen � und auf einen Fehler warten, um ihn in die H�nde zu bekommen. Unsterblichkeit bedeutete auch, da� man unendlich viel Zeit zum Abwarten hatte. Es gab immer gen�gend andere Patienten, mit denen sie sich in der Zwischenzeit vergn�gen konnte. Was ihr Kopfzerbrechen machte, war Shaidar Haran. Sie war immer nur eine mittelm��ige Tscheranspielerin gewesen, doch Shaidar Haran war eine neue Figur auf dem Spielbrett, eine, deren St�rke und Zweck sie nicht kannte. Und eine k�hne Methode, den Hochrat des Gegners in die H�nde zu bekommen und zum �berlaufen auf die eigene Seite zu bringen, war die, die eigenen T�rme, die Unterf�hrer also, in einem Scheinangriff zu opfern. Sie w�rde das Knie beugen, falls es notwendig war und solange es notwendig war, aber opfern lassen w�rde sie sich nicht.</p><p>Ein eigenartiges Gef�hl in ihrem Gewebe brachte ihre Gedanken zur augenblicklichen Lage zur�ck. Sie warf einen Blick auf den Patienten und schnalzte entt�uscht mit der Zunge. Sein Kopf hing zur Seite, das Kinn war vom Blut dunkel verf�rbt, weil er seine eigene Zunge zerbissen hatte, und die Augen waren glasig und blickten starr. Unaufmerksamkeit. Sie hatte die Intensit�t des Reizes zu schnell und zu weit gesteigert. Ihre Gereiztheit zeigte sich nicht auf ihrer Miene, als sie das Gewebe aufl�ste. Es hatte ja wohl keinen Zweck, das Gehirn einer Leiche zu stimulieren.</p><p>Ihr kam ein pl�tzlicher Gedanke. Wenn der Beh�ter das mitempfand, was die Aes Sedai f�hlte, w�rde das dann auch umgekehrt stattfinden? Sie betrachtete noch einmal die Narben, die den K�rper des Mannes bedeckten, und hielt das f�r unm�glich. Selbst diese Einfaltspinsel h�tten doch wohl die Bindung aneinander ge�ndert, falls man durch sie sogar <emphasis>dies</emphasis> miteinander teilte. Trotzdem lie� sie den Kadaver h�ngen und schritt eilends durch den Korridor.</p><p>Die Schreie, die sie h�rte, noch bevor sie die eisenbeschlagene T�r ins Dunkle �ffnete, lie�en sie tief und erleichtert aufatmen. H�tte sie die Frau umgebracht, ohne ihr zuvor jedes bi�chen Wissen zu entringen, dann h�tte sie wom�glich so lange hierbleiben m�ssen, bis eine andere Aes Sedai gefangen wurde. Mindestens solange.</p><p>Aus den kehlenzerfetzenden Schreien konnte sie kaum verst�ndliche Worte heraush�ren, Worte, in die diese Patientin die ganze Kraft ihrer Seele hineingelegt zu haben schien. �Biiiiiteeeee! Oh, Licht, biiiittteeeeee!�</p><p>Semirhage l�chelte schwach. Also w�rde sie doch noch ein wenig Spa� an der Sache haben.</p></section><section><title><p>7</p><p>�berlegungen</p></title><p>Elayne sa� auf ihrer Matratze und beendete ihre hundert Striche mit der linken Hand. Dann steckte sie die Haarb�rste in ihren kleinen ledernen Reisekoffer und schob ihn unter das schmale Bett zur�ck. Hinter ihrer Stirn hatte sich ein dumpfer Schmerz breitgemacht, nachdem sie den ganzen Tag �ber mit der Macht gearbeitet hatte, um <emphasis>Ter'Angreal</emphasis> herzustellen. Zu oft war es allerdings beim blo�en <emphasis>Versuch</emphasis> geblieben. Nynaeve sa� auf ihrem wackligen Hocker und war schon l�ngst damit fertig, ihr h�ftlanges Haar zu striegeln. Fast war sie sogar schon damit fertig, ihren Zopf einigerma�en locker zum Schlafen zu flechten. Der Schwei� lie� ihr Gesicht gl�nzen.</p><p>Selbst bei ge�ffnetem Fenster war es in dem kleinen Zimmer erdr�ckend hei�. Der Mond hing fett an einem sternen�bers�ten, schwarzen Himmel. Ihr Kerzenstummel gab nur ein wenig flackerndes Licht ab. Kerzen und Lampen�l waren in Salidar im Moment ziemlich knapp, also bekam niemand mehr zugeteilt als eben ein kleines Lichtlein f�r die Nacht, au�er nat�rlich, jemand mu�te mit Feder und Tinte arbeiten. In dem Zimmerchen gab es wirklich keinen Platz.</p><p>Selbst um die beiden kurzen Betten herum fand sich nur ein schmaler Freiraum. Die meisten ihrer Habseligkeiten hatten sie in einem Paar zerbeulter, messingbeschlagener Truhen verstaut. Die Kleider der Aufgenommenen und ihre Umh�nge, die sie im Augenblick bestimmt nicht ben�tigten, hingen von Haken an der Wand. Ganze Fetzen waren dort aus der vergilbten Tapete herausgerissen worden, so da� man die Wandverschalung darunter sehen konnte. Ein winziger, schiefer Tisch stand genau zwischen den Betten, und auf einem Waschtisch aus Korbgeflecht in der Ecke standen eine wei�e Kanne und ein Waschbecken, die beide eine enorme Menge an Scharten aufwiesen. Selbst Aufgenommene, die andauernd lobende Streicheleinheiten erhielten, wurden keineswegs verw�hnt.</p><p>Eine Handvoll schlapper blauer und wei�er Wildblumen, die das Wetter zu einer sp�ten und ziemlich verungl�ckten Bl�te verf�hrt hatte, steckte in einer gelben Vase mit abgebrochenem Oberteil, die zwischen zwei braunen Keramiktassen auf dem Tisch stand. Der einzige andere Farbfleck in dem tristen Raum r�hrte von einem gr�ngestreiften Sittich in einem Korbk�fig her. Elayne pflegte den Vogel, der sich einen Fl�gel gebrochen hatte. Sie hatte an einem anderen Vogel ausprobiert, ob ihre geringen F�higkeiten in der Heilkunst ausreichen w�rden, ihn zu heilen, doch Singv�gel waren einfach zu klein, um diesen Schock durch die Macht zu �berleben.</p><p><emphasis>Keine Klagen, bitte,</emphasis> sagte sie sich energisch. Aes Sedai wohnten ein wenig besser, Novizinnen und Diener ein bi�chen schlechter, und Gareth Brynes Soldaten schliefen am h�ufigsten auf dem Boden. Was <emphasis>man nicht �ndern kann, mu� man eben ertragen.</emphasis> Das hatte Lini immer gesagt. Nun, in Salidar fand man nur wenig an Bequemlichkeit, von Behaglichkeit ganz zu schweigen, und bestimmt keinen Luxus. Und auch keine K�hle.</p><p>Sie zog ihr klebendes Hemd ein wenig vom K�rper weg und pustete an sich hinunter. �Wir m�ssen vor ihnen dort sein, Nynaeve. Du wei�t, was wieder los ist, wenn wir sie warten lassen.�</p><p>Kein noch so winziger Lufthauch regte sich, und die ausgetrocknete Luft schien ihnen den Schwei� aus jeder Pore zu saugen. Es mu�te doch etwas geben, was sie in bezug auf das Wetter unternehmen konnten. Sicher, falls es da M�glichkeiten gab, h�tten die Windsucherinnen des Meervolks bestimmt schon etwas unternommen, aber vielleicht fiel ihr trotzdem etwas ein, wenn ihr die Aes Sedai nur genug Zeit lie�en neben ihrer Arbeit an den <emphasis>Ter'Angreal.</emphasis> Als Aufgenommene konnte sie ja an sich ihre Studien dort betreiben, wo sie wollte, aber... <emphasis>Wenn sie vermuteten, ich k�nne essen und ihnen gleichzeitig zeigen, wie man</emphasis> Ter'Angreal <emphasis>anfertigt, h�tte ich �berhaupt keine ruhige Minute mehr.</emphasis> Na, wenigstens w�rde sie morgen Gelegenheit f�r eine Pause erhalten.</p><p>Nynaeve stand auf, nur um sich gleich wieder auf ihr Bett zu setzen, und fummelte an dem Armband des <emphasis>A'dam</emphasis> herum, das sie am Handgelenk hatte. Sie bestand darauf, da� eine von ihnen das Ding immer trug, selbst beim Schlafen, obwohl es eigenartige und unangenehme Tr�ume verursachte. Es war an sich gar nicht notwendig, denn der <emphasis>A'dam</emphasis> w�rde Moghedien genauso binden, wenn er an einem Haken hing, und au�erdem teilte sie ja noch eine wirklich winzige Kammer mit Birgitte. Birgitte war die beste W�chterin, die man sich vorstellen konnte, und Moghedien weinte ja schon beinahe, wenn Birgitte nur die Stirn runzelte. Sie hatte am wenigsten Grund, Moghedien am Leben zu lassen, und den stichhaltigsten, ihr den Tod zu w�nschen, und das war der Frau auch sehr wohl bewu�t. Heute abend w�rde ihnen das Armband noch weniger n�tzen als sonst.</p><p>�Nynaeve, sie <emphasis>warten</emphasis> bestimmt schon!� Nynaeve schnaubte vernehmlich. Sie w�rde es niemals hinnehmen k�nnen, springen zu m�ssen, wenn jemand nach ihr verlangte. Doch dann nahm sie einen der beiden abgeflachten Steinringe von dem Tischchen zwischen den Betten. Beide waren zu weit f�r einen Finger, der eine wies blaue und braune Streifen und Flecken auf, der andere blaue und rote, und jeder war so verdreht, da� er nur eine Oberfl�che zeigte. Nynaeve machte die Lederschnur los, die sie um den Hals trug, und f�delte den blau und braun gestreiften Ring neben einem anderen ein, einem schweren Goldring. Lans Siegelring. Sie ber�hrte sanft den dicken Goldreif, bevor sie beide wieder unter ihr Hemd gleiten lie�.</p><p>Elayne nahm den blau und rot gestreiften in die Hand und sah mit gerunzelter Stirn auf ihn herab.</p><p>Die Ringe waren <emphasis>Ter'Angreal,</emphasis> die sie selbst angefertigt hatte, und zwar nach dem Vorbild des einen, den nun Siuan trug. Und trotz ihres einfachen Aussehens waren sie unglaublich komplizierte Sch�pfungen. Wenn man mit einem davon auf der Haut einschlief, wurde man nach <emphasis>Tel'aran'rhiod</emphasis> transportiert, der Welt der Tr�ume, einem Spiegelbild der wirklichen Welt. Vielleicht waren dort sogar alle Welten widergespiegelt. Die Aes Sedai behaupteten, es gebe viele Welten, so, als m��ten alle m�glichen Variationen des Musters nebeneinander existieren, und da� alle diese Welten zusammengenommen ein noch gewaltigeres Muster bildeten. Das Wichtige war aber, da� <emphasis>Tel'aran'rhiod</emphasis> diese Welt reflektierte und dabei Eigenschaften aufwies, die extrem n�tzlich waren. Vor allem, weil die Burg keine Ahnung davon hatte, wie man die Welt der Tr�ume erreichen konnte, jedenfalls, soweit sie das festzustellen in der Lage waren.</p><p>Keiner dieser beiden Ringe funktionierte so gut wie der urspr�ngliche, aber sie waren durchaus zu gebrauchen. Elayne machte in ihrer Arbeit Fortschritte; von vier Versuchen, den Ring zu kopieren, war nur noch einer ein Fehlschlag gewesen. Das war ein <emphasis>viel</emphasis> besseres Ergebnis als bei solchen Dingen, die sie voll und ganz selbst entwarf. Doch was mochte geschehen, wenn einer ihrer Fehlschlage schlimmeres anrichtete als lediglich nicht zu funktionieren oder nicht so gut? Es hatte schon Aes Sedai gegeben, die sich aus Versehen bei der Arbeit an <emphasis>Ter'Angreal</emphasis> selbst einer D�mpfung unterzogen hatten. Ausgebrannt nannte man so etwas, wenn es durch einen Unfall geschah, aber es war genauso endg�ltig wie die gef�rchtete Strafe. Nynaeve glaubte allerdings nicht da� es endg�ltig sei, aber sie w�rde ja sowieso nicht eher ruhen, bis sie jemanden geheilt hatte, der schon drei Tage tot war.</p><p>Elayne drehte den Ring in ihren Fingern um. Was er vollbrachte, war einfach genug zu verstehen, aber <emphasis>wie</emphasis> er das schaffte, lag immer noch jenseits ihrer Vorstellungen. �Wie� und �warum� waren aber die Schl�sselfragen. Bei diesen Ringen nahm sie an, da� die Farbmuster genausoviel mit ihrem Funktionieren zu tun hatten wie die Form. Jede andere Form als die mit jener Drehung im Ring hatte gar nichts bewirkt, und der eine, der ganz und gar blau geworden war, hatte ihr lediglich furchtbare Alptr�ume beschert. Aber sie wu�te eben nicht genau, wie sie die Farben des Originals, also genau diese Schattierungen von Rot, Blau und Braun, wiederherstellen konnte. Und doch war die Feinstruktur ihrer Kopien genau die gleiche wie beim Original, bis hinunter zur Anordnung auch der kleinsten Bestandteile, obwohl sie nicht mehr sichtbar und �berhaupt nur noch mit Hilfe der Macht wahrnehmbar waren. Warum spielten die <emphasis>Farben</emphasis> �berhaupt eine Rolle? Es schien wohl eine gemeinsame Richtlinie f�r die Baumuster der winzigen Bestandteile all dieser <emphasis>Ter'Angreal</emphasis> zu geben, die man ben�tigte, um mit der Macht arbeiten zu k�nnen, und eine weitere f�r jene, die lediglich mit Hilfe der Macht funktionierten. Nur die Tatsache, da� sie auf diese Richtschn�re gesto�en war, gestattete ihr, �berhaupt auch nur zu versuchen, neue <emphasis>Ter'Angreal</emphasis> herzustellen. Aber es gab so vieles, was sie nicht wu�te und was sie nur raten konnte.</p><p>�Willst du die ganze Nacht �ber dort sitzen bleiben?� fragte Nynaeve trocken, und Elayne fuhr zusammen. Nynaeve stellte einen der Keramikbecher auf den Tisch zur�ck und legte sich auf dem Bett zurecht, die H�nde auf dem Bauch gefaltet. �Du warst doch diejenige, die gemeint hat, wir sollten sie nicht warten lassen. Was mich betrifft habe ich nicht vor, diesen Bei�zangen eine Ausrede zu liefern, mir die Schwanzfedern abzukauen.�</p><p>Hastig schob Elayne den gefleckten Ring � er bestand nicht mehr aus wirklichem Stein, obwohl sie damit begonnen hatte � auf eine Schnur, die sie sich um den Hals h�ngte. Der zweite Keramikbecher enthielt ebenfalls einen Kr�utersud, den Nynaeve zubereitet hatte, leicht mit Honig ges��t, damit er nicht ganz so bitter schmeckte. Elayne trank ungef�hr die H�lfte davon. Ihrer Erfahrung nach reichte das vollkommen aus, um ihr einen ruhigen Schlaf zu bescheren, selbst wenn sie Kopfschmerzen hatte. Diese Nacht jetzt geh�rte zu jenen, in denen sie sich keinen Zeitverlust leisten konnte.</p><p>Sie streckte sich auf dem engen Bett aus, so gut es ging, gebrauchte ganz kurz die Macht, um die Kerze zu l�schen, und dann wedelte sie sich mit ihrem Hemdzipfel ein wenig K�hle zu. Nun, eher eine sanfte Luftbewegung, sonst nichts. �Ich w�nschte, es ginge Egwene endlich wieder besser. Ich habe es satt, lediglich die paar Brocken zu h�ren, die uns Sheriam und die anderen vorwerfen. Ich will wissen, was geschieht!�</p><p>Ihr wurde bewu�t, da� sie hier ein empfindliches Thema ber�hrt hatte. Egwene war vor eineinhalb Monaten in Cairhien verwundet worden, an dem Tag, als Moiraine und Lanfear starben. Am Tag, als Lan verschwand.</p><p>�Die Weisen Frauen sagen, da� sie langsam wieder gesund wird�, murmelte Nynaeve schl�frig aus dem Dunklen. Ausnahmsweise schien sie dem Gedankengang einmal nicht bis zu Lans Person hin gefolgt zu sein. �Das behaupten jedenfalls Sheriam und ihr kleiner Kreis, und sie h�tten keinen Grund zum L�gen, selbst wenn ihnen das m�glich w�re.�</p><p>�Also, ich w�rde ja nur zu gern morgen abend bei Sheriam M�uschen spielen.�</p><p>�Da k�nntest du genausogut w�nschen...� Nynaeve unterbrach sich und g�hnte. �Da kannst du genausogut w�nschen, da� dich der Saal gleich zur Amyrlin k�rt. Das k�nnte vielleicht sogar klappen. Bis die sich endlich f�r jemanden entscheiden, sind unsere Haare grau genug f�r diesen Posten.�</p><p>Elayne �ffnete den Mund, um zu antworten, doch nach dem Beispiel der anderen kam nur ein G�hnen heraus. Nun begann Nynaeve zu schnarchen, wohl nicht laut, aber doch sehr nachdr�cklich. Elayne schlo� die Augen, konnte aber ihre Gedanken noch keineswegs abschalten.</p><p>Der Saal z�gerte allerdings alles hinaus. Die Sitzenden trafen sich an manchen Tagen nur vielleicht eine Stunde lang und oftmals �berhaupt nicht. Wenn man eine von ihnen darauf ansprach, gewann man den Eindruck, das habe alles noch soviel Zeit... Ob wohl nat�rlich die Sitzenden der sechs Ajahs � in Salidar gab es selbstverst�ndlich keine Roten � anderen Aes Sedai nicht mitteilten, wor�ber sie bei ihren Sitzungen gesprochen hatten, und einer Aufgenommenen sagten sie schon gar �berhaupt nichts. Sie hatten ja eigentlich Grund genug, sich zu beeilen. Wenigstens ihre Absichten blieben noch geheim, wenn schon ihre Versammlung an diesem Ort nicht mehr geheim war. Elaida und die Burg w�rden sie auf die Dauer nicht weiter ignorieren k�nnen. Dar�ber hinaus standen die Wei�m�ntel nur wenige Meilen entfernt in Amadicia, und es gingen Ger�chte um, die Drachenverschworenen bef�nden sich bereits hier in Altara. Das Licht mochte wissen, was die Drachenverschworenen alles anstellten, falls Rand sie nicht unter Kontrolle bekam. Der Prophet selbst war ein gutes Beispiel daf�r, oder auch ein schreckliches, wie man es eben betrachtete.</p><p>Aufruhr, H�user und Bauernh�fe niedergebrannt, Menschen ermordet, und alles nur, weil sie nicht genug Eifer dabei zeigten, den Wiedergeborenen Drachen zu unterst�tzen.</p><p>Nynaeves Schnarchen klang, als zerrei�e jemand Stoff, aber zum Gl�ck kam es aus einiger Entfernung. Elayne g�hnte erneut so sehr, da� ihre Kiefer knackten. Dann drehte sie sich zur Seite und pre�te die Wange auf das d�nne Kissen. Gr�nde, sich zu beeilen. Sammael sa� in Illian, nur ein paar hundert Meilen von hier entfernt, und das war viel zu nahe f�r einen der Verlorenen.</p><p>Das Licht allein wu�te, wo sich die anderen Verlorenen befanden und was sie planten. Und Rand; sie mu�ten bei allem auch an Rand denken. Er stellte nat�rlich keine Gefahr dar. Das w�rde er niemals sein. Doch er war der Schl�ssel zu allem. Mittlerweile formte sich tats�chlich das Muster der ganzen Welt um ihn herum neu. Irgendwie w�rde sie ihn an sich binden. Min. Sie und die Delegation mu�ten nun wohl mehr als die H�lfte des Weges nach Caemlyn zur�ckgelegt haben. Kein Schnee, der sie aufhalten k�nnte. Noch ein Monat vielleicht bis zu ihrer Ankunft. Nicht, da� sie sich Sorgen machte, weil Min zu Rand ging. Was hatte der Saal eigentlich vor? Min. Der Schlaf �berkam sie, und sie glitt nach <emphasis>Tel'aran'rhiod</emphasis> hin�ber...</p><p>...und stand urpl�tzlich mitten auf der Hauptstra�e eines stillen, in Nacht geh�llten Salidar, �ber dem der Mond fast schon in voller Gr��e am Himmel hing. Sie konnte recht gut sehen, besser als der Mondschein allein m�glich gemacht h�tte. Dieser eigenartige Lichtschein lag immer �ber der Welt der Tr�ume, kam von �berall und gleichzeitig von nirgendwo her, als str�me die Dunkelheit selbst dieses fahle Leuchten aus. Aber Tr�ume waren nun eben so, und dies war ein Traum, wenn auch kein ganz gew�hnlicher.</p><p>Das Dorf hier war ein Spiegelbild des wirklichen Salidar, aber auf eigenartige Weise verschoben. Selbst mit der herrschenden Dunkelheit konnte man diesen Eindruck von Fremdartigkeit nicht erkl�ren. Alle Fenster waren dunkel, und eine Atmosph�re v�lliger Leere lag �ber allem, als seien die Geb�ude g�nzlich unbewohnt.</p><p>Nat�rlich wohnte hier niemand. Der klagende Ruf eines Nachtvogels wurde durch einen �hnlichen beantwortet; dann h�rte sie einen dritten, und irgend etwas verursachte ein schwaches Rascheln, als es in diesem seltsamen Zwielicht davonhuschte, doch die St�lle waren leer, genau wie die Umz�unungen und Lichtungen au�erhalb des Dorfes, wo man die Schafe und Rinder hielt. Wilde Tiere w�rde es hier in Mengen geben, aber keine Haustiere. Einzelheiten ver�nderten sich von einem Blick zum n�chsten. Die strohgedeckten H�user blieben gleich, aber eine Wassertonne stand pl�tzlich an einem anderen Ort oder war verschwunden; eine offenstehende T�r war mit einemmal geschlossen... Je verg�nglicher ein Ding in der wirklichen Welt war, desto eher w�rde sich hier seine Lage oder sein Zustand ver�ndern, desto unbest�ndiger war sein Spiegelbild.</p><p>Gelegentlich flackerte eine Bewegung in der dunklen Stra�e auf; jemand erschien und verschwand nach ein paar Schritten wieder oder schwebte sogar �ber den Boden, als fliege er. Die Tr�ume vieler Menschen ber�hrten <emphasis>Tel'aran'rhiod,</emphasis> aber immer nur ganz kurz. Und das war auch das Beste f�r sie. Eine andere Eigenschaft der Welt der Tr�ume war n�mlich die, da� Dinge, die einem hier widerfuhren, in der wachenden Welt immer noch vorhanden waren. Wenn man hier starb, wachte man nicht mehr auf. Ein eigenartiges Spiegelbild. Nur die Hitze war die gleiche.</p><p>Nynaeve stand ungeduldig in dem wei�en Kleid einer Aufgenommenen mit den Farbstreifen am Saum neben Siuan und Leane. Sie trug immer noch das silbrige Armband, obwohl es nicht von hier aus in der wachenden Welt wirken konnte. Es band Moghedien nach wie vor, aber Nynaeve, die sich ja nicht in ihrem K�rper befand, konnte keine Empfindungen daraus wahrnehmen. Leanes Figur war von erlesener Schlankheit, wenn auch Elaynes Meinung nach ihr kaum noch durchscheinend zu nennendes langes Domanikleid aus d�nner Seide von ihrer Eleganz ablenkte. Auch die Farbe ver�nderte sich st�ndig. Das passierte immer, bis man lernte, seine Umwelt hier zu kontrollieren. Siuan beherrschte das bereits etwas besser. Sie trug ein schlichtes Kleid aus blauer Seide, so leicht ausgeschnitten, da� man gerade noch den verdrehten Ring an ihrem Halsband h�ngen sah. Andererseits erschien an dem Kleid von Zeit zu Zeit ein Spitzenbesatz, und das Halsband wandelte sich von einer einfachen Silberkette zu kunstvollen Kolliers, mit Rubinen oder Feuerfunken oder Smaragden in Gold gefa�t, und gleich mit den dazu passenden Ohrringen. Dann erschien wieder die einfache Kette.</p><p>Es war der urspr�ngliche Ring, der nun an Siuans Hals hing. Sie schien genauso k�rperlich zu sein, wie die Geb�ude. Wenn sie an sich herunterblickte, machte Elaynes K�rper auf sie selbst den gleichen soliden Eindruck, aber sie wu�te, da� sie den anderen ein wenig verschwommen vorkommen mu�te, genau wie Nynaeve und Leane ihr. Man konnte fast meinen, durch die anderen hindurch den Mondschein erkennen zu k�nnen. Das war der Effekt, wenn man nur eine Kopie des Ringes benutzte. Sie nahm auch die Wahre Quelle wahr, aber in ihrem Zustand f�hlte sich <emphasis>Saidar</emphasis> ganz fl�chtig an. Wenn sie einen Versuch unternahm, die Macht zu gebrauchen, w�rde das zu mageren Resultaten f�hren. Bei dem Ring, den Siuan trug, w�re das anders, aber sie mu�te nun den Preis daf�r bezahlen, da� jemand anders von ihren Geheimnissen wu�te und sie sich die Aufdeckung nicht leisten konnte. Siuan vertraute eben mehr auf das Original als auf Elaynes Kopien, also trug sie es � nur manchmal gab sie den Originalring an Leane weiter �, w�hrend sich Elayne und Nynaeve, die <emphasis>Saidar</emphasis> ben�tzen konnten, mit den anderen begn�gen mu�ten.</p><p>�Wo stecken sie?� wollte Siuan wissen. Ihr Ausschnitt wanderte hoch und wieder herunter. Jetzt war ihr Kleid gr�n und das Halsband eine Kette von dicken Mondperlen. �Es ist schon schlimm genug, da� sie mir ein Paddel zwischen die Riemen stecken und damit herumfuchteln, wie es ihnen pa�t; aber jetzt lassen sie mich auch noch warten!�</p><p>�Ich wei� gar nicht, warum du dich so aufregst, da� sie mitkommen wollen�, sagte Leane zu ihr. �Es gef�llt dir doch, wenn sie vor deiner Nase Fehler begehen. Sie wissen nicht halb soviel, wie sie zu wissen glauben.� Einen Augenblick lang war ihr Kleid beinahe vollkommen durchsichtig. Ein geschlossener Halsring aus dicken Perlen lag um ihren Hals und verschwand wieder. Sie bemerkte es gar nicht. Sie hatte in dieser Welt noch weniger Erfahrung als Siuan.</p><p>�Ich brauche mal wieder richtigen Schlaf�, knurrte Siuan. �Bryne scheucht mich herum, bis mir die Luft ausgeht. Und ich mu� die halbe Nacht auf Frauen warten, die sich kaum daran erinnern, wie man l�uft. Ganz zu schwiegen davon, auch noch diese beiden Kl�tze am Bein zu haben.� Sie warf Elayne und Nynaeve einen finsteren Blick zu und rollte dann die Augen schicksalsergeben nach oben.</p><p>Nynaeve packte mit einer Hand ihren Zopf; ein sicheres Anzeichen daf�r, da� in ihr der Zorn emporkochte. Ausnahmsweise einmal konnte Elayne ihr das von ganzem Herzen nachf�hlen. Es war schon mehr als nur schwierig, f�r Sch�ler die Lehrerin zu spielen, die glaubten, mehr zu wissen, als sie tats�chlich wu�ten, und die eher die Lehrerin tadelten als umgekehrt, weil sie sich auch noch eines besonderen Schutzes erfreuten. Sicher, die anderen waren noch weit schlimmer als Siuan oder Leane. Wo steckten denn nun die anderen?</p><p>Weiter oben an der Stra�e bewegte sich etwas. Sechs Frauen, vom Gl�hen <emphasis>Saidars</emphasis> umgeben, die nicht gleich wieder verschwanden. Wie �blich hatten sich Sheriam und die anderen ihrer kleinen Ratsversammlung in ihre eigenen Schlafgem�cher hineingetr�umt und waren dann herausspaziert. Elayne war sich nicht im klaren dar�ber, inwieweit sie die Eigenschaften <emphasis>Tel'aran'rhiods</emphasis> bereits durchschauten. Auf jeden Fall bestanden sie h�ufig darauf, alles auf ihre eigene Art zu tun, und wenn es auch eine bessere Methode gab. Wer konnte das schon besser wissen als eine Aes Sedai?</p><p>Die sechs Aes Sedai waren aber wirklich Anf�ngerinnen in <emphasis>Tel'aran'rhiod,</emphasis> und ihre Kleidung ver�nderte sich jedesmal, wenn Elayne nur hinblickte. Zuerst hatte eine von ihnen die bestickte Stola der Aes Sedai um die Schultern geschlungen, mit den Fransen in der jeweiligen Farbe ihrer Ajah und mit der wei�en Flamme von Tar Valon wie eine herausleuchtende Tr�ne auf dem R�cken, dann trugen pl�tzlich vier die Stola und dann keine einzige mehr. Manchmal hatten sie leichte Reiseumh�nge auf dem R�cken, um den Staub hinter sich von ihnen abzuhalten, bei denen links auf der Brust und auf dem R�cken die Flamme aufgestickt war. Ihre alterslosen Gesichter zeigten nat�rlich keine Spur der Hitze, denn das war bei den Aes Sedai nie der Fall, aber auch kein Anzeichen daf�r, da� ihnen dieser st�ndige Kleiderwechsel �berhaupt bewu�t war.</p><p>Sie sahen genauso verschwommen aus wie Nynaeve oder Leane. Sheriam und die anderen setzten mehr Vertrauen in <emphasis>Traum-Ter'Angreal,</emphasis> f�r die man die Macht benutzen mu�te, als in die Ringe. Sie waren wohl einfach nicht gewillt, einzusehen, da� <emphasis>Tel'aran'rhiod</emphasis> nichts mit der Einen Macht zu tun hatte. Zumindest konnte Elayne nicht feststellen, ob eine von ihnen ihre Kopien benutzte. Drei von ihnen w�rden irgendwo am K�rper jeweils eine kleine Scheibe aus einem Material, das einst Eisen gewesen war, bei sich tragen, in die man auf beiden Seiten eine enge Spirale eingraviert hatte und die man durch einen Strang aus Geist aktivierte, der einzigen der F�nf M�chte, die man im Schlaf lenken konnte. �berall, aber allerdings nicht hier. Die anderen drei hatten kleine Fibeln dabei, die einst aus Bernstein gefertigt worden waren. In jede hatte ihr Sch�pfer eine schlafende Frau eingearbeitet. Und h�tte Elayne auch alle sechs <emphasis>Ter'Angreal</emphasis> vor sich liegen, sie w�re trotzdem nicht in der Lage, die beiden Originale wiederzuerkennen. Diese Kopien waren ihr sehr gut gelungen. Aber nat�rlich waren es immer noch Nachahmungen.</p><p>Als die Aes Sedai die Lehmstra�e nebeneinander herunterschritten, h�rte sie noch das Ende ihrer Unterhaltung, wenn sie auch nicht viel damit anfangen konnte, �...werden unsere Wahl mi�achten, Carlinya�, sagte Sheriam mit dem Flammenhaar gerade, �aber sie werden ohnehin jede Wahl mi�achten, die wir treffen. Wir brauchen deshalb unseren Beschlu� nicht �ber den Haufen zu werfen. Es ist �berfl�ssig, Euch noch einmal die Gr�nde aufzuz�hlen.�</p><p>Morvrin, eine kr�ftige Braune Schwester mit graugesprenkeltem Haar, schnaubte. �Nachdem wir uns mit dem Saal solche M�he gegeben haben, h�tten wir Schwierigkeiten, wollten wir sie noch einmal umstimmen.�</p><p>�Solange jeder Herrscher uns ernst nimmt, kann uns das egal sein�, sagte Myrelle hitzig. Die j�ngste der sechs, noch gar nicht so lange zur Aes Sedai erhoben, klang entschieden gereizt.</p><p>�Welcher Herrscher w�rde es denn wagen, uns nicht ernst zu nehmen?� fragte Anaiya wie eine Frau, die fragt, welches Kind es wohl wagen mochte, Schmutz auf ihre Teppiche zu schleppen. �In jedem Fall wei� sowieso kein K�nig oder K�nigin genug dar�ber, was unter uns Aes Sedai vorgeht, um die Lage zu durchschauen. Uns brauchen nur die Meinungen der Schwestern zu interessieren, aber nicht ihre.�</p><p>�Was mir Kopfzerbrechen bereitet�, erwiderte Carlinya k�hl, �ist folgendes: Wenn sie sich leicht von uns f�hren l��t, dann l��t sie sich vielleicht auch leicht von anderen f�hren.� Die blasse Wei�e mit den fast kohlrabenschwarzen Augen war immer k�hl, manche w�rden auch sagen, eisig.</p><p>Wor�ber sie da auch sprechen mochten, war es auf jeden Fall nichts, was sie vor Elayne oder den anderen austragen wollten. So schwiegen sie, kurz bevor sie die anderen erreichten.</p><p>Siuan und Leone reagierten auf die Neuank�mmlinge, indem sie einander abrupt den R�cken zuwandten, als h�tten sie sich gestritten und seien nur durch die Ankunft der Aes Sedai unterbrochen worden. Was Elayne betraf, �berpr�fte sie schnell noch ihre Kleidung. Es war das richtige wei�e Kleid mit dem farbigen Saum. Sie war selbst nicht ganz gl�cklich dar�ber, da� sie ohne Nachdenken im richtigen Kleid erschienen war. Sie h�tte wetten k�nnen, da� Nynaeve ihre Kleidung nach der Ankunft erst einmal abge�ndert hatte. Aber Nynaeve war halt auch viel unerschrockener als sie und k�mpfte st�ndig gegen Beschr�nkungen an, die sie bereits akzeptiert hatte. Wie konnte sie nur jemals Andor regieren? Falls ihre Mutter tot war. Falls.</p><p>Sheriam, ein wenig mollig und mit hohen Backenknochen, richtete ihre schr�gstehenden gr�nen Augen auf Siuan und Leane. Einen Augenblick lang trug sie eine Stola mit blauen Fransen. �Wenn Ihr zwei nicht miteinander auskommen k�nnt, schw�re ich, da� ich Euch beide zu Tiana schicke.� Es klang, als habe sie das schon oft gesagt und st�nde gar nicht mehr dahinter.</p><p>�Ihr habt doch lange genug zusammengearbeitet�, sagte Beonin in ihrem auffallenden Taraboner Dialekt. Sie war eine h�bsche Graue, hatte sich das honigfarbene Haar zu einer Unmenge d�nner Z�pfe geflochten, und ihre blaugrauen Augen blickten st�ndig �berrascht drein. Dabei konnte fast nichts Beonin wirklich �berraschen. Sie w�rde auch nicht glauben, da� die Sonne am Morgen aufgehe, wenn sie sich nicht selbst davon �berzeugte, aber falls sie eines Morgens doch nicht auftauchte, w�rde Beonin nicht einmal mit der Wimper zucken, vermutete Elayne. Das w�rde lediglich best�tigen, da� sie recht daran getan hatte, Beweise zu fordern. �Ihr k�nnt und m��t wieder zusammenarbeiten.�</p><p>Bei Beonin klang das auch, als habe sie es so oft gesagt, da� es jetzt schon fast automatisch und ohne zu denken herauskam. Alle Aes Sedai hatten sich l�ngst an Siuan und Leane gew�hnt. Sie hatten angefangen, die beiden wie zwei M�dchen zu behandeln, die mit dem Zanken nicht aufh�ren konnten. Aes Sedai hatten sowieso eine Neigung dazu, jede andere, die nicht zu ihnen geh�rte, mehr oder weniger als Kind zu betrachten. Sogar diese beiden, die einst Schwestern gewesen waren.</p><p>�Schickt sie meinetwegen zu Tiana oder auch nicht�, fauchte Myrelle, �aber h�rt auf, dar�ber zu reden!� Elayne hatte nicht das Gef�hl, die auf ihre dunkle Art sch�ne Frau rege sich �ber Siuan und Leane auf. Sie �rgerte sich wahrscheinlich gar nicht �ber irgend etwas oder irgend jemanden. Sie war einfach ziemlich launisch und fiel dadurch sogar unter den Gr�nen auf. Ihr goldgelbes Seidenkleid erhielt pl�tzlich einen Stehkragen, aber mit einem tiefen, ovalen Ausschnitt, der ihre Brustans�tze gut sichtbar machte. Sie hatte nun auch ein recht auffallendes Kollier um den Hals: ein breites Silberband, an dem drei kleine Dolche hingen. Die Griffe hingen direkt zwischen ihren Br�sten. Ein vierer Dolch erschien pl�tzlich und war so schnell wieder verschwunden, da� es auch Einbildung gewesen sein konnte. Sie musterte Nynaeve von Kopf bis Fu�, als suche sie nach einem Ansatzpunkt f�r Kritik. �Gehen wir jetzt zur Burg oder nicht? Wenn wir das unternehmen wollen und uns nun schon hier befinden, k�nnten wir ja wirklich etwas N�tzliches tun.�</p><p>Elayne wu�te jetzt, wor�ber sich Myrelle �rgerte. Als sie und Nynaeve nach Salidar gekommen waren, hatten sie sich alle sieben Tage in <emphasis>Tel'aran'rhiod</emphasis> mit Egwene getroffen, um sich �ber das auszutauschen, was sie erfahren hatten. Das war ihnen nicht immer leichtgefallen, da Egwene grunds�tzlich von mindestens einer Traumg�ngerin der Aiel begleitet wurde, in deren Ausbildung sie sich begeben hatte. Sich ohne eine oder zwei Weise Frauen zu treffen hatte gro�e M�he gekostet. Das war aber sowieso vorbei gewesen, nachdem sie nach Salidar kamen. Diese sechs Aes Sedai, Sheriam und ihre Ratsschwestern, hatten die Treffen �bernommen, obwohl sie zu der Zeit nur die drei <emphasis>Ter'Angreal</emphasis> selbst gehabt hatten und wenig Ahnung von <emphasis>Tel'aran'rhiod</emphasis> �ber das Wissen hinaus, wie man dorthin kam. Das war ausgerechnet auch noch zu der Zeit geschehen, als Egwene verwundet wurde, und so standen sich schlie�lich lediglich die Aes Sedai und die Weisen Frauen gegen�ber, zwei Gruppen stolzer, resoluter Frauen, von denen jede der anderen mi�traute, und nat�rlich war keine von beiden Gruppen bereit, auch nur eine Handbreit Bodens zur�ckzuweichen oder sich der anderen gar zu beugen.</p><p>Nat�rlich hatte Elayne keine Ahnung, was bei diesen Treffen vor sich ging, aber sie konnte es aus eigener Erfahrung ganz gut einsch�tzen, und dazu kamen noch ein paar Brocken, die Sheriam oder die anderen gelegentlich fallenlie�en.</p><p>Die Aes Sedai waren sicher, alles in Erfahrung bringen zu k�nnen, sobald sie einmal wu�ten, wo sie etwas erfahren konnten, dazu forderten sie den gleichen Respekt, wie man ihn einer K�nigin gezollt h�tte, und sie waren es gewohnt, da� man ihnen alles ohne jedes Widerstreben und ohne Verz�gerung mitteilte, was sie wissen wollten. Offensichtlich hatten sie Antworten auf alles m�gliche verlangt, �ber Rands Pl�ne oder �ber Egwenes Gesundheitszustand, wann sie wieder in der Lage sei, in die Welt der Tr�ume zu kommen, oder ob es m�glich sei, in <emphasis>Tel'aran'rhiod</emphasis> die Tr�ume anderer Menschen zu �berwachen, bis zu den Fragen, ob man die Welt der Tr�ume auch k�rperlich betreten k�nne oder jemand gegen seinen Willen dorthin mitnehmen. Sie hatten sogar mehr als einmal gefragt, ob es m�glich sei, durch das, was man in den Tr�umen tat, die wirkliche Welt zu beeinflussen, eine glatte Unm�glichkeit, an der sie aber offensichtlich zweifelten. Morvrin hatte ein bi�chen von <emphasis>Tel'aran'rhiod</emphasis> gelesen, genug jedenfalls, um eine Unmenge Fragen zu stellen, aber Elayne vermutete, Siuan habe auch einen erklecklichen Teil dazu beigetragen. Sie glaubte, Siuan versuche sie zu �berreden, selbst an den Treffen teilnehmen zu d�rfen, aber die Aes Sedai hielten es wohl f�r gro�z�gig genug, wenn sie Siuan den Ring als Hilfe bei ihrer Arbeit mit den Augen und Ohren ben�tzen lie�en. Was sie aufregte, war das Einmischen der Aes Sedai in diese Arbeit.</p><p>Was die Aiel betraf... Weise Frauen � oder zumindest die Traumg�ngerinnen, die Elayne aus eigener Anschauung kannte � wu�ten nicht nur so ziemlich alles, was man �ber die Welt der Tr�ume �berhaupt wissen konnte, sondern betrachteten diese Welt fast als ihren eigenen Grund und Boden. Es pa�te ihnen nicht, wenn jemand unwissentlich hierherkam, und sie hatten eine ziemlich grobe Art, mit dem umzugehen, was sie als t�richt betrachteten. Dar�ber hinaus waren sie sowieso recht verschlossen, offenbar wild entschlossen in ihrer Loyalit�t zu Rand. So sagten sie nicht viel mehr, als da� er am Leben sei, oder da� Egwene nach <emphasis>Tel'aran'rhiod</emphasis> zur�ckkehren werde, sobald sie gesund genug sei, w�hrend sie andere Fragen, die sie als unangemessen betrachteten, �berhaupt nicht beantworten wollten. Das konnte beispielsweise eintreten, wenn sie der Meinung waren, die Fragende wisse �berhaupt noch nicht genug, um die Antwort zu erhalten, oder wenn Frage oder Antwort oder beides jene eigenartige Weltanschauung der Aiel verletzten, die ganz auf Ehre und Verpflichtung beruhte. Elayne wu�te nicht viel mehr �ber <emphasis>Ji'e'toh,</emphasis> als da� es existierte und da� es zu sehr eigent�mlichen und empfindlichen Verhaltensweisen f�hrte.</p><p>Alles in allem war es eine katastrophale Kombination, die sich alle sieben Tage aufs Neue ergab, und jede Seite gab der anderen die alleinige Schuld daran. Wenigstens vermutete Elayne das.</p><p>Sheriam und die f�nf anderen hatten sich anfangs �jeden Abend von ihnen unterrichten lassen, aber jetzt beschr�nkte sich das auf zwei Gelegenheiten: den Abend, bevor sie mit den Weisen Frauen zusammentrafen, als wollten sie da ihre F�higkeiten f�r einen Wettbewerb noch einmal aufpolieren, und den Abend danach, wobei sie meist recht schweigsam waren und wahrscheinlich aufarbeiten wollten, was eigentlich schiefgegangen war und wie sie damit fertigwerden konnten. Myrelle kochte wahrscheinlich schon jetzt, weil sie die Katastrophen der kommenden Nacht vorhersah. Es w�rde bestimmt wieder einiges danebengehen.</p><p>Morvrin wandte sich an Myrelle und �ffnete den Mund, doch mit einemmal befand sich noch eine andere Frau unter ihnen. Elayne brauchte einen Augenblick, um in diesen alterslosen Gesichtsz�gen Gera zu erkennen, eine der K�chinnen. Sie trug eine Stola mit gr�nen Fransen und der Flamme von Tar Valon auf dem R�cken und wog nicht mehr als die H�lfte ihres normalen Gewichts. Gera schwenkte einen mahnenden Finger in Richtung der Aes Sedai � und war verschwunden.</p><p>�Also das tr�umt sie, ja?� sagte Carlinya k�hl. An ihrem schneewei�en Seidenkleid wuchsen lange �rmel, deren Spitzen �ber ihre H�nde hingen, w�hrend gleich unter dem Kinn ein enger Kragen das Ganze abschlo�. �Jemand sollte sich mit ihr ein wenig unterhalten.�</p><p>�La� mal, Carlinya�, schmunzelte Anaiya. �Gera ist eine gute K�chin. La� ihr doch ihre Tr�ume. Ich kann mir schon vorstellen, wie sie das reizt.� Pl�tzlich wurde sie schlanker und gr��er. Ihre Gesichtsz�ge �nderten sich nicht entscheidend. Sie war immer noch die gleiche, einfache, m�tterliche Frau wie sonst. Lachend wandelte sie sich zur�ck zu ihrem normalen Aussehen. �Kannst du nicht einsehen, da� man an solchen Sachen seinen Spa� haben kann, Carlinya?� Selbst Carlinyas Schnauben klang unterk�hlt.</p><p>�Ganz eindeutig�, warf Morvrin ein, �hat uns Gera gesehen. Wird sie sich daran erinnern?� Der Blick aus ihren dunklen, st�hlernen Augen war nachdenklich. Ihr Kleid, aus einfacher dunkler Wolle gewebt, war das best�ndigste unter denen der sechs. Einzelheiten �nderten sich wohl auch bei ihr, aber so unmerklich, da� selbst Elayne kaum einen Unterschied feststellen konnte.</p><p>�Nat�rlich wird sie das�, sagte Nynaeve bei�end. Sie hatte das schon fr�her erkl�rt. Sechs Aes Sedai blickten sie mit hochgezogenen Augenbrauen an, und sie m��igte ihren Tonfall. Ein wenig. Auch sie ha�te es, T�pfe ausschrubben zu m�ssen. �Wenn sie sich an den Traum erinnert, wird sie sich auch daran erinnern.</p><p>Aber eben nur als Teil eines Traums.�</p><p>Morvrin runzelte die Stirn. Sie kam Beonin am n�chsten, wenn es darum ging, zu zweifeln und immer gleich einen Beweis zu verlangen. Nynaeves frustriert leidende Miene w�rde sie in Schwierigkeiten bringen, von ihrem Tonfall ganz abgesehen. Bevor Elayne jedoch etwas anbringen konnte, um die Aufmerksamkeit der Aes Sedai von Nynaeve abzulenken, sagte Leane mit einem beinahe albernen L�cheln: �Glaubt Ihr nicht, da� wir jetzt gehen sollten?�</p><p>Siuan schnaubte ver�chtlich ob dieser Sch�chternheit, und Leane richtete einen scharfen Blick auf sie. �Ja, Ihr werdet soviel Zeit wie m�glich in der Burg zubringen wollen�, sagte Siuan diesmal auch recht dem�tig, und nun schnaubte Leane.</p><p>Sie spielten ihre Rollen wirklich gut. Sheriam und die anderen kamen nie auf den Gedanken, Siuan und Leane seien mehr als einfach zwei der D�mpfung unterzogene Frauen, die sich an einen Lebenszweck klammerten, der sie vielleicht auch am Leben halten w�rde, und die sich noch an den Rest dessen klammerten, was sie einst gewesen waren. Zwei Frauen, die sich auf kindische Weise st�ndig gegenseitig an die Kehlen fuhren. Die Aes Sedai h�tten daran denken sollen, da� Siuan schon immer in dem Ruf gestanden hatte, eine willensstarke und schlaue Drahtzieherin zu sein, und f�r Leane hatte das ebenfalls, wenn auch in geringerem Ma�e, gegolten. H�tten sie sich als einig erwiesen oder ihre wahren Gesichter gezeigt, dann h�tten sich die sechs daran erinnert und sehr genau unter die Lupe genommen, was immer die beiden sagten. Aber uneins und immer bereit, die andere mit �tzenden Bemerkungen in die Enge zu treiben, fast unterw�rfig den Aes Sedai gegen�ber, und doch schien ihnen das gar nicht bewu�t zu sein... Wenn dann die eine gezwungen schien, dem grollend zuzustimmen, was die andere gesagt hatte, verst�rkte das den erw�nschten Eindruck noch. Genauso wie in dem Fall, da� die eine aus offensichtlichem Trotz der anderen widersprach. Elayne wu�te, da� sie all diesen Aufwand trieben, um Sheriam und die anderen dazu zu bringen, Rand zu unterst�tzen. Sie h�tte allerdings nur zu gern gewu�t, was sie sonst noch damit erreichen wollten.</p><p>�Sie haben recht�, unterst�tzte sie Nynaeve energisch, wobei sie Siuan und Leane einen angewiderten Blick zuwarf. Ihre Scheinheiligkeit �rgerte Nynaeve bis zur Wei�glut; sie selbst h�tte niemals so dem�tig gespielt, und w�re es um ihr Leben gegangen. �Ihr solltet mittlerweile wissen: Je l�ngere Zeit Ihr hier verbringt, desto weniger real werdet Ihr. Der Schlaf, w�hrend man sich in <emphasis>Tel'aran'rhiod</emphasis> aufh�lt, ist auch nicht so erholsam wie gew�hnlicher Schlaf. Erinnert Euch nun bitte auch daran, da� Ihr sehr vorsichtig sein m��t, wenn Ihr etwas Au�ergew�hnliches bemerkt.� Sie ha�te es wirklich, sich wiederholen zu m�ssen � diese Tatsache zeigte sich deutlich an ihrem Tonfall �, aber bei diesen Frauen, das gab auch Elayne zu, war es entschieden zu oft notwendig. Wenn es bei Nynaeve nur nicht so kl�nge, als spreche sie mit geistig minderbemittelten Kindern. �Wenn jemand sich so wie Gera vorhin nach <emphasis>Tel'aran'rhiod</emphasis> hineintr�umt und der Traum zu einem Alptraum wird, dann kann sich dieser Alptraum manchmal hier halten, und das ist �u�erst gef�hrlich. Meidet alles, was ungew�hnlich auf Euch wirkt. Und bem�ht Euch diesmal, Eure Gedanken unter Kontrolle zu halten. Woran Ihr hier denkt, kann gelegentlich zur Wirklichkeit werden. Dieser Myrddraal, der letztesmal wie aus dem Nichts heraus erschien, war vielleicht ein �berrest aus einem Alptraum, aber ich glaube eher, eine von Euch hat ihre Gedanken zu weit ausschweifen lassen. Ihr habt gerade �ber die Schwarzen Ajah gesprochen, falls Ihr euch noch erinnert, und dar�ber diskutiert, ob sie Schattenwesen in die Burg einlie�en.� Und als sei das noch nicht schlimm genug gewesen, f�gte sie hinzu: �Ihr werdet bei den Weisen Frauen morgen keinen Eindruck schinden, wenn Ihr einen Myrddraal mitten hinein setzt.� Elayne st�hnte leicht auf.</p><p>�Kind�, sagte Anaiya sanftm�tig und r�ckte die blaugefranste Stola zurecht, die sie pl�tzlich um hatte, �Ihr habt sehr gute Arbeit geleistet, aber das entschuldigt noch keine spitze Zunge.�</p><p>�Man hat Euch eine Reihe von Privilegien zugestanden�, sagte Myrelle, und das alles andere als sanft, �aber Ihr scheint zu vergessen, da� es tats�chlich Privilegien sind.� Ihr Stirnrunzeln allein h�tte gen�gen sollen, um Nynaeves Beine zum Zittern zu bringen. Myrelle hatte Nynaeve in den letzten Wochen immer h�rter angepackt. Auch sie hatte jetzt ihre Stola angelegt. Genauer gesagt, alle trugen nun die Stola. Ein schlechtes Zeichen.</p><p>Morvrin schnaubte geh�ssig: �Als ich zu den Aufgenommenen geh�rte, h�tte jedes M�dchen, das so mit einer Aes Sedai sprach, den n�chsten Monat mit dem Schrubben von Fu�b�den verbracht, und sei auch ihre Erhebung zur Aes Sedai f�r den n�chsten Tag vorgesehen!�</p><p>Elayne griff schnell in das Gespr�ch ein, in der Hoffnung, das Schlimmste verh�ten zu k�nnen. Nynaeve zeigte einen Gesichtsausdruck, den sie wohl f�r vers�hnlich hielt, der aber in Wirklichkeit beleidigt und halsstarrig wirkte. �Ich bin sicher, sie hat es nicht b�se gemeint, Aes Sedai. Wir haben sehr hart gearbeitet. Bitte vergebt uns.� Vielleicht half es, wenn sie sich selbst mit einbrachte, obwohl sie ja nichts getan hatte. Es konnte nat�rlich auch dazu f�hren, da� sie beide B�den schrubbten. Wenigstens sah Nynaeve nun zu ihr her�ber. Und sie dachte offensichtlich dabei angestrengt nach. Ihre Miene gl�ttete sich zu etwas, das man gerade noch als Verzeihung heischend betrachten konnte, und dann knickste sie und blickte zu Boden, als sch�me sie sich. Vielleicht war das ja wirklich der Fall. Vielleicht. Elayne sprach weiter in einem Tonfall, als habe sich Nynaeve offiziell entschuldigt und als sei ihr verziehen worden: �Ich wei�, da� Ihr alle soviel Zeit wie m�glich in der Burg verbringen wollt, also sollten wir m�glichst nicht l�nger warten. Wenn Ihr euch alle bitte Elaidas Arbeitszimmer vorstellen w�rdet, genau so, wie Ihr es beim letztenmal gesehen habt?� In Salidar bezeichnete niemand jemals Elaida als die Amyrlin, und genauso wurde nat�rlich das B�ro der Amyrlin in der Wei�en Burg von ihnen nicht so genannt. �Wenn alle die Vorstellung genau im Kopf haben, werden wir zusammen ankommen.�</p><p>Anaiya war die erste, die nickte, aber selbst Carlinya und Beonin lie�en sich durch ihr Man�ver ablenken.</p><p>Es war unklar, ob sich nun eigentlich die zehn in Bewegung setzten, oder ob sich <emphasis>Tel'aran'rhiod</emphasis> um sie herum verschob. Dem wenigen nach, das Elayne von dieser Welt verstand, konnte beides m�glich sein. Man konnte die Welt der Tr�ume unglaublich ver�ndern und den eigenen W�nschen anpassen. Im einen Augenblick standen sie auf der Stra�e in Salidar, und im n�chsten in einem ger�umigen, kunstvoll ausgestatteten Zimmer. Die Aes Sedai nickten zufrieden. Sie waren hier noch unerfahren genug, um sich �ber alles zu freuen, was so geklappt hatte, wie sie es w�nschten.</p><p>So eindeutig, wie <emphasis>Tel'aran'rhiod</emphasis> die wachende Welt widerspiegelte, so spiegelte sich in diesem Raum die Macht der Frauen wider, die ihn w�hrend der letzten dreitausend Jahre ben�tzt hatten. Die Lampen auf den vergoldeten St�ndern waren nicht entz�ndet, aber es war hell genug, denn dieser eigenartige Lichtschein war ja vorhanden, der immer in <emphasis>Tel'aran'rhiod</emphasis> und den Tr�umen darin herrschte. Der hohe Kamin war mit goldenem Marmor aus Kandor verschalt, und der Fu�boden bestand aus polierten Sandsteinplatten von den Verschleierten Bergen. Die W�nde hatten vor verh�ltnism��ig kurzer Zeit � vor nur etwa tausend Jahren �eine neue T�felung aus hellem, seltsam schlierigem Holz erhalten, in das man wundersame Tiere und V�gel geschnitzt hatte, von denen Elayne �berzeugt war, da� sie der Phantasie des Schnitzers entsprungen waren. Perlig schimmernder Stein umrahmte hohe Fenster, die den Blick auf einen Balkon freigaben, der sich gleich �ber dem privaten Garten der Amyrlin befand. Diese Steinrahmen hatte man aus einer namenlosen Stadt geborgen, die w�hrend der Zerst�rung der Welt im Meer der St�rme untergegangen war, und niemand hatte seither weitere St�cke dieser Art von Stein irgendwo auf der Welt gefunden.</p><p>Jede Frau, die diesen Raum ben�tzte, pr�gte ihm etwas von ihrer Pers�nlichkeit auf, und das war bei Elaida genauso. Ein schwerer, thron�hnlicher Stuhl, dessen hohe R�ckenlehne von einer in Elfenbein eingelegten Flamme von Tar Valon gekr�nt wurde, stand hinter einem massiven Schreibtisch, in den man ganze Gruppen von Ringen, die immer an drei Punkten zusammenhingen, eingeschnitzt hatte. Die Tischfl�che war leer bis auf drei kunstvoll lackierte Holzk�stchen altaranischer Machart, die in genau gleichen Abst�nden darauf standen. Eine schlichte wei�e Vase stand auf einer ebenfalls wei�en S�ule mit ganz strenger Linienf�hrung vor der einen Wand. Die Vase war mit Rosen gef�llt, deren Anzahl und Farbe sich bei jedem Blick ver�nderte, die aber immer gleich mathematisch genau angeordnet waren. Rosen um diese Jahreszeit und bei diesem Wetter! Es war eine reine Verschwendung der Einen Macht, wenn man damit Rosen k�nstlich zur Bl�te trieb. Aber Elaida hatte das schon gemacht als sie noch die Ratgeberin von Elaynes Mutter gewesen war.</p><p>�ber dem Kamin hing ein Gem�lde in modernem Stil � auf gespannte Leinwand gemalt � von zwei M�nnern, die in den Wolken gegeneinander k�mpften, indem sie Blitze schleuderten. Der eine Mann hatte ein Gesicht aus Feuer, und der andere war Rand. Elayne war in Falme gewesen, und fand, da� dieses Gem�lde der Wahrheit recht gut entsprach. Wo sich Rands Gesicht befand, war undeutlich ein Ri� in der Leinwand zu sehen, als habe jemand einen schweren Gegenstand darauf geworfen, und der Ri� war dann wohl ganz ordentlich repariert worden. Offenbar brauchte Elaida etwas, was sie st�ndig an den Wiedergeborenen Drachen erinnerte, und genauso offensichtlich war sie nicht gerade gl�cklich dar�ber, das Bild andauernd ansehen zu m�ssen.</p><p>�Wenn Ihr mich bitte entschuldigt�, sagte Leane, noch bevor die anderen mit ihrem zufriedenen Nicken fertig waren, �ich mu� nachsehen, ob meine Leute ihre Botschaften empfangen haben.� Jede Ajah au�er der Wei�en besa� ein eigenes Netz von Augen und Ohren, Spione, die sie �ber alle Nationen verstreut hatten, und auch so manche einzelne Aes Sedai hatte ihr eigenes Netz aufgebaut, doch Leane war ein seltener Ausnahmefall, vielleicht sogar einzigartig, denn sie hatte als Beh�terin der Chronik ein Netz sogar in Tar Valon selbst errichtet. Kaum hatte sie ausgesprochen, da verschwand sie auch schon.</p><p>�Sie sollte nicht allein hier herumlaufen�, sagte Sheriam in frustriertem Tonfall. �Nynaeve, geht zu ihr und bleibt bei ihr.�</p><p>Nynaeve zog an ihrem Zopf. �Ich glaube nicht...�</p><p>�Das ist bei Euch sehr oft der Fall�, unterbrach Myrelle sie. �Tut ausnahmsweise einmal, was man Euch sagt und sobald man es Euch sagt, Aufgenommene.�</p><p>Nynaeve tauschte einen trockenen Blick mit Elayne, dann nickte sie, wobei sie sichtlich ein Seufzen unterdr�cken mu�te, und verschwand. Elayne empfand nur wenig Mitleid. H�tte Nynaeve nicht zuvor in Salidar ihre Gereiztheit so deutlich gezeigt, dann w�re es jetzt vielleicht m�glich gewesen, zu erkl�ren, da� sich Leane �berall in der Stadt befinden mochte, da� es fast unm�glich sei, sie aufzusp�ren, und da� sie schon seit Wochen allein in <emphasis>Tel'aran'rhiod</emphasis> herumschn�ffelte.</p><p>�Jetzt m�ssen wir aber sehen, was wir in Erfahrung bringen k�nnen�, sagte Morvrin, doch bevor eine von ihnen etwas sagen konnte, sa� pl�tzlich Elaida mit w�tender Miene hinter ihrem Schreibtisch.</p><p>Eine Frau mit unnachgiebigem, strengen Gesicht, nicht sch�n, aber doch recht gut aussehend, mit dunklem Haar und dunklen Augen, so erschien ihnen Elaida in einem blutroten Kleid mit der gestreiften Stola der Amyrlin um die Schultern. �Wie ich es dank meiner Gabe vorhergesagt habe�, sagte sie w�rdigem, getragenen Tonfall. �Die Wei�e Burg wird unter meiner F�hrung wiedervereinigt. Unter <emphasis>meiner!�</emphasis> Sie deutete ruckartig auf den Fu�boden. �Kniet nieder und bittet um die Vergebung Eurer S�nden!� Damit war sie wieder verschwunden.</p><p>Elayne lie� langsam die angehaltene Luft wieder heraus und war dankbar daf�r, da� sie offensichtlich nicht die einzige gewesen war.</p><p>�Eine Weissagung?� Beonin runzelte nachdenklich die Stirn. Es klang nicht besorgt, obwohl sie ja Grund genug gehabt h�tte. Elaida hatte die Gabe, die Zukunft vorhersagen zu k�nnen, allerdings eben nur sporadisch. Wenn solch eine Vorhersage �ber eine Frau kam und sie wu�te, da� etwas Bestimmtes geschehen werde, dann geschah es auch.</p><p>�Ein Traum�, sagte Elayne und war �berrascht, wie beherrscht ihre Stimme sich anh�rte. �Sie schl�ft und tr�umt. Kein Wunder, da� sie alles so tr�umt, wie sie es gern h�tte.� <emphasis>Bitte, Licht, la� es nicht wahr werden.</emphasis></p><p>�Habt Ihr die Stola bemerkt?� fragte Anaiya, ohne jemand Bestimmtes anzusprechen. �Sie hatte keinen blauen Streifen.� Die Stola der Amyrlin sollte einen Farbstreifen f�r jede der sieben Ajahs aufweisen.</p><p>�Ein Traum�, sagte Sheriam ausdruckslos. Bei ihr klang es, als bef�rchte sie nichts, aber sie hatte wieder ihre blaugefranste Stola um und zog sie fest zusammen. Genau wie Anaiya.</p><p>�Ob sich das nun so verh�lt oder nicht�, sagte Morvrin gelassen, �k�nnten wir doch mit dem anfangen, was wir hier erledigen wollten.� Morvrin konnte so schnell nichts ersch�ttern.</p><p>Die pl�tzlich ausbrechende Aktivit�t unter den sechs nach den Worten der Braunen Schwester lie� deutlich werden, wie still es vorher im Raum gewesen war. Sie selbst, Carlinya und Anaiya schl�pften geschwind hinaus in das Vorzimmer, wo sich der Arbeitstisch der Beh�terin befand. Das war unter Elaida Alviarin Freidhen, eine Wei�e seltsamerweise, obwohl doch sonst die Beh�terinnen immer aus der gleichen Ajah kamen wie die Amyrlin selbst.</p><p>Siuan blickte ihnen gereizt hinterher. Sie behauptete, man k�nne oft mehr aus Alviarins Papieren ersehen als aus denen Elaidas, denn Alviarin wu�te offenbar oftmals mehr als die Frau, der sie angeblich diente, und zweimal hatte Siuan bereits den Beweis daf�r gefunden, da� Alviarin Elaidas Befehle widerrufen hatte, anscheinend ohne alle Folgen. Nicht, da� sie Elayne und Nynaeve von diesen Befehlen erz�hlt h�tte. Siuans Bereitschaft zur Zusammenarbeit hatte ihre Grenzen.</p><p>Sheriam, Beonin und Myrelle versammelten sich um den Schreibtisch Elaidas, �ffneten eines der lackierten K�stchen und begannen, in den darin liegenden Papieren zu st�bern. Hier bewahrte Elaida ihre neueste Korrespondenz und die Berichte, die st�ndig einliefen, auf. Jedesmal, wenn eine von ihnen den Deckel loslie�, der so h�bsch mit goldenen Habichten geschm�ckt war, die zwischen wei�en Wolken unter einem blauen Himmel stritten, war das K�stchen mit einemmal wieder geschlossen, bis sie dann endlich daran dachten und es offenhielten. Die Papiere selbst ver�nderten sich andauernd, selbst mitten beim Lesen noch. Das Papier war hier wirklich ein fl�chtiges Element. Unter vielen verbl�fften und entt�uschten <emphasis>Tsssts</emphasis> und ver�rgertem Aufst�hnen widmeten sich die Aes Sedai der Suche nach Informationen.</p><p>�Hier ist ein Bericht von Danelle�, sagte Myrelle und �berflog schnell eine Seite Text. Siuan schob sich n�her heran, um mitlesen zu k�nnen, denn Danelle, eine junge Braune, hatte zu jenen Verschw�rerinnen geh�rt, die sie abgesetzt hatten, doch Beonin sah sie stirnrunzelnd an, und daraufhin zog sie sich, leise vor sich hin grollend, wieder in ihr Eck zur�ck. Beonin wandte ihre Aufmerksamkeit bereits wieder dem K�stchen und den Dokumenten zu, als Siuan noch keine drei Schritte getan hatte, und die anderen beiden Frauen harten sowieso nichts bemerkt. Myrelle redete derweil weiter: �Sie sagt, Mattin Stepaneos habe das Angebot mit Freude angenommen, Roedran bem�he sich noch immer, alle Seiten gleichzeitig zufriedenstellen zu wollen, w�hrend Alliandre und Tylin mehr Zeit ben�tigen, um sich ihre Antworten zu �berlegen. Es ist noch eine Notiz in Elaidas Handschrift darauf: �Macht ihnen Druck! �� Sie schnalzte mit der Zunge, als der Bericht sich in ihrer Hand in Luft aufl�ste. �Es stand nicht drin, worum es �berhaupt geht, aber es kann nur zwei M�glichkeiten geben, wenn es um gerade diese vier zusammen geht.�</p><p>Mattin Stepaneos war K�nig von Illian und Roedran K�nig von Murandy, w�hrend Alliandre K�nigin von Ghealdan war und Tylin die Herrscherin von Altara. Der Gegenstand der Verhandlungen konnte nur entweder Rand sein oder die Aes Sedai, die sich gegen Elaida gestellt hatten.</p><p>�Damit wissen wir wenigstens, da� unsere Abgesandten immer noch die gleichen Chancen haben wie die Elaidas�, sagte Sheriam. Nat�rlich hatte Salidar niemanden zu Mattin Stepeanos entsandt, denn Lord Brend vom Rat der Neun, also Sammael, stellte die wahre Macht in Illian dar. Elayne h�tte eine ganze Menge daf�r gegeben, zu erfahren, was Elaida Sammael angeboten hatte, da� dieser nun tats�chlich zugestimmt oder eben Mattin Stepaneos hatte zustimmen lassen. Sie war sicher, die drei Aes Sedai h�tten genausoviel daf�r gegeben, aber sie fuhren lediglich fort, weitere Dokumente aus dem lackierten K�stchen zu nehmen.</p><p>�Die steckbriefliche Suche nach Moiraine ist noch in Kraft�, sagte Beonin und sch�ttelte den Kopf, als aus dem einzelnen Blatt in ihrer Hand pl�tzlich ein ganzes dickes B�ndel wurde. �Sie wei� noch nicht, da� Moiraine tot ist.� Sie schnitt den Papieren eine Grimasse und lie� sie fallen. Sie wurden verstreut wie abgestorbene Bl�tter vom Wind, und dann l�sten sie sich auf, bevor sie den Boden erreichten. �Elaida hat auch immer noch vor, sich einen Palast bauen zu lassen.�</p><p>�H�tte sie gern�, meinte Sheriam trocken. Ihr Hand zuckte vor und nahm etwas auf, was wie eine kurze Notiz aussah. �Shemerin ist geflohen. Die <emphasis>Aufgenommene</emphasis> Shemerin.�</p><p>Alle drei blickten kurz Elayne an, bevor sie sich wieder dem Inhalt des K�stchens widmeten, das sie nun erneut �ffnen mu�ten. Keine gab irgendeinen Kommentar zu Sheriams Worten.</p><p>Elayne h�tte beinahe mit den Z�hnen geknirscht. Sie und Nynaeve hatten ihnen berichtet, da� Elaida Shemerin, eine Gelbe Schwester, zur Aufgenommenen degradieren wolle, aber nat�rlich hatten sie ihr nicht geglaubt. Man konnte eine Aes Sedai sehr wohl bestrafen oder sogar aussto�en, aber eine Degradierung war unm�glich, sonst h�tte man sie gleich einer D�mpfung unterziehen k�nnen. Aber es schien, da� Elaida trotzdem genau das tat, gleich, was die Gesetze der Burg vorschrieben. Vielleicht �nderte sie die Gesetzgebung jetzt auch noch selbst ab.</p><p>Eine ganze Anzahl von Dingen, die sie diesen Frauen berichtet hatten, war ihnen offensichtlich nicht abgenommen worden. Solch junge Frauen, Aufgenommene, konnten doch nicht genug von der Welt wissen, um einzusch�tzen, was m�glich war und was nicht! Junge Frauen waren leichtgl�ubig und leicht zu beeinflussen; sie sahen und glaubten manchmal Dinge, die es gar nicht gab. Es kostete Elayne M�he, nicht mit dem Fu� aufzustampfen. Eine Aufgenommene nahm das an, was die Aes Sedai ihr gaben, und verlangte keine Dinge, die ihr die Aes Sedai nicht geben wollten. Beispielsweise Entschuldigungen. Sie behielt ihre Gef�hle f�r sich und machte eine ausdruckslose Miene.</p><p>Siuan beherrschte sich in solchen F�llen weniger. Jedenfalls zumeist. Wenn die Aes Sedai sie nicht ansahen, bedachte sie diese mit ihren finstersten Blicken. Klar, wenn eine der drei dann in ihre Richtung blickte, wandelte sich ihre Miene im Handumdrehen zu dem�tiger Ergebenheit. Darin hatte sie bereits eine Menge �bung. Ein L�we �berlebt, indem er sich wie ein L�we verh�lt, hatte sie Elayne einmal gesagt, und eine Maus, indem sie sich wie eine Maus verh�lt. Trotzdem war Siuan selbst nur die armselige Imitation einer Maus.</p><p>Elayne glaubte, in Siuans Blick etwas wie Besorgnis zu erkennen. Dies war Siuans Aufgabe gewesen, seit sie den Aes Sedai bewies, da� sie problemlos den Ring benutzen konnte � sicher, erst nachdem sie und Leane heimlichen Unterricht durch Nynaeve und Elayne erhalten hatten � und eine hervorragende Informationsquelle darstellte. Es kostete Zeit, den Kontakt mit den �ber die verschiedenen L�nder verstreuten Augen und Ohren wiederherzustellen und ihre Berichte von der Wei�en Burg nach Salidar umzulenken. Falls Sheriam und die anderen vorhatten, diese Aufgabe selbst zu �bernehmen, w�re Siuan nicht mehr so n�tzlich f�r sie. In der Geschichte der Burg war noch niemals ein Agentennetz von einer Frau gef�hrt worden, die nicht wenigstens Aes Sedai war, bis Siuan mit ihren Kenntnissen der Augen und Ohren der Amyrlin selbst nach Salidar gekommen war, und dar�ber hinaus kannte sie auch noch die Augen und Ohren der Blauen Ajah, denn die hatte sie vor ihrer Wahl zur Amyrlin geleitet. Beonin und Carlinya z�gerten ganz unverhohlen, sich da auf eine Frau zu verlassen, die nicht mehr zu ihnen geh�rte, und die anderen waren auch nicht gerade begeistert gewesen. Um der Wahrheit die Ehre zu geben: Sie alle f�hlten sich nicht wohl in Gegenwart einer Frau, die eine D�mpfung hinter sich hatte.</p><p>Es gab auch f�r Elayne im Moment nichts zu tun. Die Aes Sedai mochten dies vielleicht als Lektion bezeichnen und betrachteten es m�glicherweise wirklich als solche, aber sie wu�te aus Erfahrung, wenn sie ungebeten versuchte, sie weiter zu unterrichten, w�rde man ihr fast den Kopf daf�r abrei�en. Sie war dabei, um jede Frage zu beantworten, die die anderen an sie stellen wollten, und sonst gar nichts. So stellte sie sich einen Hocker vor. Der erschien prompt, mit in Rankenform geschnitzten Beinen. Sie setzte sich hin und wartete. Ein Stuhl w�re bequemer gewesen, w�rde aber wieder Kritik hervorrufen. Wenn eine Aufgenommene es sich bequem machte, nahman von ihr an, sie habe nicht genug zu tun. Einen Augenblick sp�ter lie� Siuan einen beinahe identischen Hocker erscheinen. Sie l�chelte Elayne etwas gezwungen zu und schnitt den R�cken der Aes Sedai eine Grimasse.</p><p>Als Elayne dieses Zimmer in <emphasis>Tel'aran'rhiod</emphasis> zum erstenmal betreten hatte, hatte vor dem schweren Schreibtisch ein Dutzend oder mehr solcher Hocker im Halbkreis gestanden. Bei jedem Besuch waren es weniger gewesen, und jetzt stand keiner mehr dort. Sie war sicher, da� das eine Bedeutung haben mu�te, doch welche, das konnte sie sich nicht vorstellen. Sie zweifelte nicht daran, da� es auch Siuan aufgefallen war. Vermutlich hatte die schon einen Grund im Kopf, dachte aber nicht daran, ihre �berlegungen mit Nynaeve oder Elayne zu teilen.</p><p>�Die Kampfhandlungen in Schienar und Arafel haben stark nachgelassen�, murmelte Sheriam mehr in sich selbst hinein, �aber es steht immer noch nichts drin, warum sie �berhaupt begannen. Auch wenn es nur blo�e Scharm�tzel waren, k�mpfen doch die Menschen der Grenzlande nicht gegeneinander. Sie haben schlie�lich die F�ule im Nacken.� Sie kam aus Saldaea, und Saldaea geh�rte zu den Grenzlanden.</p><p>�Wenigstens bleibt es in der F�ule noch ruhig�, sagte Myrelle. �Beinahe zu ruhig. Das kann nicht andauern. Es ist schon gut, da� Elaida in den Grenzlanden genug Augen und Ohren besitzt.� Siuan brachte eine Mischung aus schuldbewu�tem und gleichzeitig w�tendem Blick hervor, mit dem sie die Aes Sedai bedachte. Elayne glaubte nicht, da� sie bisher den Kontakt mit ihren Agenten in den Grenzlanden wieder aufgenommen hatte. Der Weg nach Salidar war eben sehr weit.</p><p>�Ich w�rde mich wohler f�hlen, wenn man von Tarabon dasselbe behaupten k�nnte.� Das Blatt in Beonins Hand wurde l�nger und breiter. Sie blickte darauf nieder, schnaubte, und warf es weg.</p><p>�Die Augen-und-Ohren in Tarabon, sie schweigen immer noch. Allesamt. Die einzige Nachricht aus Tarabon, die sie bekommen hat, besteht aus Ger�chten von Amadicia her, da� Aes Sedai in den Krieg verwickelt seien.� Sie sch�ttelte den Kopf �ber den absurden Vorgang, solche Ger�chte �berhaupt zu Papier zu bringen. Aes Sedai lie�en sich nicht in B�rgerkriege verwickeln. Jedenfalls nicht so offensichtlich, da� man es bemerken w�rde. �Und wie es scheint, liegen auch aus Arad Doman kaum mehr als eine Handvoll ziemlich verwirrender Berichte vor.�</p><p>�Im Falle Tarabons werden wir selbst bald genug Bescheid wissen�, sagte Sheriam beruhigend. �Nur noch ein paar Wochen.�</p><p>Die Suche ging noch stundenlang weiter. Die Dokumente wurden nie knapp, und das lackierte K�stchen war nie leer. Manchmal nahm sogar der Inhalt zu, wenn irgendein Schriftst�ck entnommen wurde. Nat�rlich blieben nur die k�rzesten Schriftst�cke lang genug stabil, um sie ganz lesen zu k�nnen, aber gelegentlich fanden sie im Kasten einen Brief oder einen Bericht wieder, den sie schon einmal �berflogen hatten. Lange Zeitspannen �ber herrschte nur Schweigen, aber dazwischen rief das eine oder andere Schriftst�ck doch Kommentare hervor, und ein paarmal diskutierten die Aes Sedai sogar heftig. Siuan begann aus Langeweile mit einem Fadenspiel, und schien sich dabei so auf ihre Fingerfertigkeit zu konzentrieren, da� sie augenscheinlich auf nichts anderes mehr achtete. Elayne w�nschte, sie k�nne das auch, oder noch besser, sie habe ein Buch zum Lesen in H�nden � prompt erschien ein Buch auf dem Boden zu ihren F��en, <emphasis>Die Reisen des Jain Fernstreicher,</emphasis> bevor sie es schnell wieder verschwinden lie� � aber man lie� den Frauen, die sowieso keine Aes Sedai waren, mehr Freiheiten als solchen, die zu Aes Sedai ausgebildet wurden. Trotzdem, beim Zuh�ren erfuhr sie auch einige interessante Dinge.</p><p>Eine Einmischung der Aes Sedai in Tarabon war nicht das einzige Ger�cht dieser Art, das seinen Weg auf Elaidas Schreibtisch gefunden hatte. So schien den Ger�chten zufolge der R�ckzug der Wei�m�ntel auf Befehl Pedron Nialls alle m�glichen Gr�nde zu haben, von der Absicht, den Thron Amadicias zu erringen � was bestimmt nicht mehr n�tig war � bis hin zu der Vermutung, er wolle die B�rgerkriege und die Anarchie in Tarabon und Arad Doman unterdr�cken und Rand <emphasis>unterst�tzen!</emphasis> Elayne w�rde das erst glauben, wenn die Sonne im Westen aufging. Es gab Berichte �ber eigenartige Vorkommnisse in Illian und Cairhien und vielleicht noch in anderen Gebieten, aber nur diese fanden sie im Moment unter den Papieren, da� ganze D�rfer vom Wahnsinn erfa�t worden seien, Alptr�ume bei Tageslicht durch die Stra�en wandelten, doppelk�pfige K�lber, die sogar sprechen konnten, sollten angeblich geboren worden sein, und Schattenwesen tauchten pl�tzlich aus heiterem Himmel auf. Sheriam und die beiden anderen �bergingen diese Berichte leichthin. Die gleiche Art von unm�glichen Geschichten war auch aus Teilen von Altara und Murandy und �ber den Flu� weg aus Amadicia bis nach Salidar gedrungen. Die Aes Sedai taten das als pure Hysterie unter den Menschen ab, die vom Wiedergeborenen Drachen erfahren harten. Elayne war sich da nicht so sicher. Sie hatte Dinge erlebt, von denen die Aes Sedai nichts wu�ten, trotz all ihrer Erfahrung und ihres fortgeschrittenen Alters. Von ihrer Mutter sagten Ger�chte, sie stelle im Westen Andors ein Heer zusammen, und das ausgerechnet auch noch unter der uralten Flagge von Manetheren! Andere wiederum besagten, Rand halte sie gefangen oder sie fliehe von einem Land ins andere, einschlie�lich der Grenzlande und Amadicias, wobei letzteres ja absolut undenkbar war. Offensichtlich glaubte man in der Burg nichts von alledem. Elayne w�nschte, sie w��te, was sie nun glauben k�nne.</p><p>Sie h�rte auf, sich �ber den wirklichen Verbleib ihrer Mutter Gedanken zu machen, als sie vernahm, da� Sheriam ihren Namen nannte. Sie sprach nicht <emphasis>mit</emphasis> ihr, sondern las nur hastig etwas auf einem quadratischen Blatt, aus dem schnell eine lange Pergamenturkunde mit drei Siegeln am unteren Ende wurde. Elayne Trakand sollte unter allen Umst�nden aufgesp�rt und in die Burg zur�ckgebracht werden. Sollte dabei noch mehr Schlamperei vorkommen, werde es den Versagern so ergehen, da� sie �diese Macura-Frau beneiden� w�rden. Das lie� Elayne einen Schauer �ber den R�cken laufen. Auf ihrem Weg nach Salidar h�tte eine Frau namens Ronde Macura es um ein Haar fertiggebracht, sie und Nynaeve wie die W�scheb�ndel in die W�scherei zur Burg schleppen zu lassen. Wie Sheriam vorlas, sei �das Herrscherhaus Andors der Schl�ssel�, was nicht viel Sinn ergab. Wozu sollte dieser Schl�ssel dienen?</p><p>Keine der drei Aes Sedai warf auch nur einen Blick in ihre Richtung. Sie tauschten lediglich Blicke und fuhren mit ihrer Suche fort. Vielleicht hatten sie ihre Anwesenheit vergessen, vielleicht auch nicht. Aes Sedai machten, was sie wollten. Sollte man sie vor Elaida abschirmen, war das die Entscheidung der Aes Sedai, und sollten sie sich aus irgendeinem Grund entschlie�en, sie an H�nden und F��en gefesselt Elaida auszuliefern, war das auch ihre Angelegenheit. �Die Forelle fragt den Frosch nicht nach seiner Meinung, bevor sie zuschnappt�, hatte Lini ihren Erinnerungen zufolge gesagt.</p><p>Elaidas Reaktion auf die von Rand erlassene Amnestie lie� sich am Zustand des entsprechenden Berichts ablesen. Elayne sah sie beinahe vor sich, wie sie das Blatt in ihrer Faust zerkn�llte und es zerrei�en wollte, es dann jedoch in eisiger Stimmung wieder gl�ttete und in das K�stchen legte. Elaidas Wutanf�lle waren stets eiskalt und nicht hitzig wie bei anderen. Sie hatte keine Notiz auf dieses Dokument geschrieben, aber auf ein anderes hatte sie einen bei�enden Kommentar gekritzelt. Dort wurden die Aes Sedai in der Burg einzeln aufgelistet. Aus ihren Worten ging hervor, da� sie beinahe schon soweit war, �ffentlich zu erkl�ren, alle, die ihrem Befehl zur R�ckkehr in die Burg nicht Folge leisteten, seien Verr�terinnen. Sheriam und die anderen beiden sprachen ganz gelassen �ber diese M�glichkeit. Wie viele Schwestern dem Befehl auch nachkommen w�rden, einige w�rden jedenfalls einen weiten Weg zur�cklegen m�ssen und andere hatten den Aufruf vermutlich noch nicht einmal erhalten. Jedenfalls w�rde eine solche �ffentliche Erkl�rung aller Welt best�tigen, da� die Burg gespalten war. Elaida mu�te ja fast schon von Panik ergriffen sein, wenn sie eine solche M�glichkeit �berhaupt in Betracht zog, oder aber vollkommen durchgedreht vor Wut.</p><p>Etwas Kaltes rieselte Elaynes R�cken herunter, und es hatte nichts damit zu tun, da� Elaida nun w�tend war oder Angst hatte. Zweihundertundvierundneunzig Aes Sedai befanden sich in der Burg und standen auf Elaidas Seite. Das war fast ein Drittel aller Aes Sedai, beinahe genauso viele, wie sich in Salidar versammelt hatten. Wahrscheinlich war das Beste, was sie in bezug auf die �brigbleibenden erwarten durften, etwa eine Teilung im gleichen Verh�ltnis. Nach einem gro�en Ansturm zu Beginn hatte die Anzahl der Neuank�mmlinge in Salidar stark abgenommen. Aus dem Strom war ein d�nnes Rinnsal geworden. Vielleicht spielte sich in der Burg genau dasselbe ab. Man konnte ja hoffen...</p><p>Eine Zeitlang suchten sie schweigend weiter, und dann rief Beonin: �Elaida, sie hat eine Delegation zu Rand al'Thor gesandt!� Elayne sprang auf und wurde gerade noch durch eine hastige Geste Siuans vom Sprechen abgehalten. Die Geste verlor allerdings etwas von ihrer Wirkung, weil Siuan vergessen hatte, zuerst ihr Fadenspiel verschwinden zu lassen.</p><p>Sheriam griff nach dem einzelnen Blatt, aber bevor ihre Hand es ber�hrte, wurden drei daraus. �Wo schickt sie die Abordnung hin?� fragte sie zur gleichen Zeit, als Myrelle rief: �Wann haben sie Tar Valon verlassen?� Die W�rde bewahrten sie alle nur noch m�hsam.</p><p>�Nach Cairhien�, sagte Beonin. �Und ich habe nicht gesehen, wann sie loszogen, falls es �berhaupt erw�hnt wurde. Aber sie werden sich bestimmt nach Caemlyn begeben, sobald sie wissen, wo er sich aufh�lt.�</p><p>Trotzdem war das nat�rlich gut, denn sie w�rden etwa einen Monat oder mehr ben�tigen, um von Cairhien nach Caemlyn zu ziehen. Die Delegation aus Salidar w�rde sicher fr�her bei ihm ankommen. Elayne besa� eine zerfledderte Landkarte, die sie in Salidar unter ihre Matratze gesteckt hatte, und darauf hatte sie jeden Tag markiert, wie weit sie ihrer Meinung nach in Richtung Caemlyn vorw�rtsgekommen sein konnten.</p><p>Die Graue hatte aber noch nicht ausgesprochen. �Wie es scheint, will Elaida ihm ihre Unterst�tzung anbieten. Und eine Eskorte zur Wei�en Burg.� Sheriam zog die Augenbrauen hoch.</p><p>�Das ist doch unsinnig!� Myrelles dunkle Wangen liefen rot an. �Elaida geh�rte zu den Roten.� Eine Amyrlin geh�rte zu allen Ajahs und zu keiner einzelnen mehr, aber nat�rlich konnte keine so einfach vergessen, woher sie kam.</p><p>�Diese Frau w�rde alles tun�, sagte Sheriam. �Vielleicht findet er die Unterst�tzung der Wei�en Burg verlockend?�</p><p>�K�nnen wir Egwene eine Botschaft �ber die Aielfrauen �bermitteln?� schlug Myrelle mit Zweifeln in der Stimme vor.</p><p>Siuan h�stelte laut und k�nstlich, aber nun hatte Elayne wirklich die Nase voll. Egwene vorzuwarnen war nat�rlich beinahe lebenswichtig, denn Elaidas Leute w�rden sie garantiert zur�ck zur Burg schleifen, sollten sie Egwene in Cairhien antreffen, und der Empfang w�rde alles andere als herzlich ausfallen, aber der Rest...! �Wie k�nnt Ihr glauben, Rand w�rde auf irgend etwas h�ren, was Elaida sagt! Glaubt Ihr etwa, er wei� nicht, da� sie eine Rote Ajah war und was das zu bedeuten hat? Sie werden ihm keineswegs ihre Unterst�tzung anbieten, und das wi�t Ihr genau! Wir m�ssen ihn warnen!� Darin lag ein gewisser Widerspruch, wie ihr sehr wohl klar war, aber ihre Zunge war ganz in der Gewalt der Sorge. Wenn Rand etwas zustie�, w�rde sie sterben.</p><p>�Und was schlagt Ihr vor, da� <emphasis>wir</emphasis> unternehmen sollen, Aufgenommene?� fragte Sheriam k�hl.</p><p>Elayne f�rchtete, sie wirke wie ein Fisch, weil sie mit offenem Mund dastand. Sie hatte keine Ahnung, was sie antworten sollte. Doch sie wurde mit einemmal durch einen Schrei aus einiger Entfernung gerettet, auf den wortloses Kreischen aus dem Vorzimmer folgten. Sie stand der T�r am n�chsten, doch als sie hinausrannte, hatte sie die anderen bereits auf den Fersen.</p><p>Das Zimmer war bis auf den Schreibtisch der Beh�terin leer, auf dem sauber angeordnete Stapel von Papieren und Halter voll mit Schriftrollen und anderen Dokumenten lagen, und dazu stand noch eine Stuhlreihe an der einen Wand, wo sich die Aes Sedai hinsetzen konnten, w�hrend sie auf ein Gespr�ch mit Elaida warteten. Anaiya, Morvrin und Carlinya waren weg, aber einer der hohen T�rfl�gel auf den Flur hinaus schlo� sich gerade. Die verzweifelten Schreie einer Frau drangen durch den schmalen Spalt und wurden abgeschnitten, als die T�re zu war. Sheriam, Myrelle und Beonin rannten Elayne fast �ber den Haufen, so eilig hatten sie es, auf den Flur hinauszukommen. Sie erschienen wohl leicht verschwommen, beim Aufprall f�hlten sie sich aber solide genug an.</p><p>�Seid vorsichtig!� schrie Elayne, aber es blieb ihr nichts anderes �brig, als den Rock zu lupfen und ihnen zusammen mit Siuan hinterherzurennen, so schnell es nur ging. Sie betraten eine Szene wie aus einem Alptraum. Buchst�blich.</p><p>Etwa drei�ig Schritt zu ihrer Rechten erweiterte sich der mit Wandteppichen ausgestattete Korridor zu einer Steinh�hle, die sich bis in die Ewigkeit zu erstrecken schien. Beleuchtet wurde sie in Abst�nden vom tr�ben, roten Gl�hen von vereinzelten Feuern und Fackeln in Wandhaltern. �berall befanden sich Trollocs, gro�e, menschen�hnliche Gestalten, deren fast zu menschliche Gesichter von tierischen Schnauzen und F�ngen und Schn�beln verunziert wurden, und auf deren K�pfen H�rner oder fedrige K�mme zu sehen waren. Diejenigen in gr��erer Entfernung erschienen undeutlicher als die n�chsten, nur halb ausgebildete Gestalten, w�hrend die n�chsten Riesen waren, zweimal so gro� wie ein normaler Mann und damit sogar noch gr��er als die wirklichen Trollocs, alle in Leder und schwarze Dornenpanzer geh�llt, und so heulten und kreischten sie beim Tanz um Lagerfeuer und Suppenkessel, die an Gestellen und seltsam verzerrten Rahmen und Metallger�sten hingen.</p><p>Es war wirklich ein Alptraum, wenn auch weitaus gr��er, als Elayne es bisher von Egwene oder den Weisen Frauen vernommen hatte. Einmal von dem schlafenden Verstand befreit, der ihn erschaffen hatte, trieben solche Dinge manchmal ziellos durch die Welt der Tr�ume, und gelegentlich blieben sie an einem bestimmten Fleck haften. Die Traumg�ngerinnen der Aiel zerst�rten jeden ganz selbstverst�ndlich, wenn sie auf einen stie�en, aber sie und Egwene hatten ihr geraten, das beste sei, jeden ganz zu meiden, den sie irgendwo antraf. Ungl�cklicherweise hatte Carlinya offensichtlich nicht hingeh�rt, als sie und Nynaeve ihnen das erkl�rten.</p><p>Die Wei�e Schwester hing an H�nden und F��en gebunden mit dem Kopf nach unten an einer Kette, die in der Dunkelheit �ber ihnen verschwand. Elayne sah das Gl�hen <emphasis>Saidars</emphasis> um sie herum, und doch wand sich Carlinya verzweifelt und schrie, als sie langsam mit dem Kopf voran in einen gro�en, schwarzen Kessel voll blasenschlagenden, kochenden �ls gesenkt wurde. In dem Augenblick, als Elayne in den Korridor hinausrannte, standen Anaiya und Morvrin genau an der Grenze, wo aus dem Flur pl�tzlich eine H�hle wurde. Nur einen Herzschlag lang standen sie dort, und dann pl�tzlich schienen sich ihre verschwommenen Gestalten auf die Grenze zu in die L�nge zu ziehen wie Rauch, der in einen Schornstein hineingesaugt wird. Kaum hatten sie die Grenze ber�hrt, befanden sie sich auch schon drinnen. Morvrin schrie, als zwei Trollocs an gro�en Eisenr�dern drehten, die sie immer weiter streckten. Immer d�nner schien sie so zu werden. Anaiya dagegen hing gefesselt an ihren Handgelenken, und um sie herum tanzten Trollocs und schlugen mit Peitschen, deren Schn�re mit Metallspitzen versehen waren, auf sie ein. Die Peitschen rissen lange Streifen aus ihrem Kleid.</p><p>�Wir m�ssen uns verkn�pfen�, sagte Sheriam, und das Gl�hen, das sie umgab, verschmolz mit dem um Myrelle und Beonin. Aber selbst so verst�rkt erschien es bla� dem Strahlen gegen�ber, das eine einzelne Frau in der wachenden Welt umgab, eine Frau, die eben nicht nur ein verschwommener Traum war.</p><p>�Nein!� schrie Elayne verzweifelt. �Ihr d�rft dies nicht als real anerkennen! Ihr m��t es als...� Sie packte Sheriam am Arm, aber der Strang aus Feuer, den die drei gewoben hatten, so schwach er auch trotz ihrer Verkn�pfung war, ber�hrte die Trennlinie zwischen Traum und Alptraum. Das Gewebe verschwand augenblicklich, als sei es von dem Alptraum absorbiert worden, und im gleichen Augenblick verzerrten sich die Gestalten der drei Aes Sedai wie feiner Nebel, der vom Wind erfa�t wird. Sie hatten gerade noch Zeit erschrocken aufzuschreien, bevor sie die Grenzlinie ber�hrten und verschwanden. Sheriam erschien im Innern wieder. Ihr Kopf ragte aus einer d�steren Metallglocke heraus. Trollocs legten Hebel und Handgriffe an der Au�enseite um, und Sheriams rotes Haar flog wild, als sie immer gellender schrie. Von den anderen beiden war nichts zu sehen, aber Elayne glaubte weitere Schreie aus einiger Entfernung wahrnehmen zu k�nnen. Irgend jemand heulte �Nein!�, immer und immer wieder, w�hrend eine andere Stimme um Hilfe rief.</p><p>�Erinnert Ihr euch daran, was wir Euch sagten, wie man einen Alptraum vertreibt?� fragte Elayne.</p><p>Die Blick auf die gleiche Szene vor ihnen gerichtet, r�ckte Siuan. �Die Wirklichkeit einfach nicht anerkennen.</p><p>Versuchen, sich die Szene vorzustellen, wie sie ohne den Alptraum auss�he.�</p><p>Das war nun Sheriams Fehler gewesen, vielleicht auch der aller Aes Sedai hier. Indem sie versuchten, die Macht gegen den Alptraum einzusetzen, hatten sie ihn als real anerkannt, und diese Bereitschaft hatte sie hineingezogen, als w�ren sie von selbst hineingelaufen, und w�rde sie dort hilflos binden, wenn sie sich nicht an das erinnerten, was sie vergessen harten. Es gab aber kein Anzeichen daf�r. Die gellenden Schreie bohrten sich tief in Elaynes Geh�r.</p><p>�Der Korridor�, murmelte sie nun und versuchte, sich das Bild des Flurs vorzustellen, wie sie ihn zuletzt gesehen hatte. �Denkt an den Korridor, so, wie Ihr euch an ihn erinnert.�</p><p>�Versuche ich ja, M�dchen�, grollte Siuan. �Es funktioniert aber nicht.�</p><p>Elayne seufzte. Siuan hatte recht. Keine Einzelheit der Szene, die sie vor sich sahen, begann auch nur zu verschwimmen. Sheriams Kopf vibrierte richtiggehend �ber der Metallglocke, die den Rest von ihr umh�llte. Morvrins Heulen wurde durch r�chelndes Luftholen unterbrochen. Elayne bildete sich fast ein, h�ren zu k�nnen, wie die Gelenke der Frau knackend auseinandergezerrt wurden. Carlinyas Haar, das unter sie herunterhing, ber�hrte fast die brodelnde Oberfl�che des kochenden �ls. Zwei Frauen reichten einfach nicht. Der Alptraum war zu gro�.</p><p>�Wir brauchen die anderen�, sagte sie.</p><p>�Leane und Nynaeve? M�dchen, wenn wir w��ten, wo wir sie finden k�nnen, w�ren Sheriam und die anderen tot, bis...� Sie brach ab und starrte Elayne an. �Ihr meint doch nicht Leane und Nynaeve, oder? Ihr meint Sheriam und...� Elayne nickte lediglich; sie f�rchtete sich zu sehr, um weiterzusprechen. �Ich glaube nicht, da� sie uns von dort aus h�ren oder sehen k�nnen. Die Trollocs haben nicht einmal in unsere Richtung geblickt. Das bedeutet, wir m�ssen es von innen her probieren.� Elayne nickte wieder. �M�dchen�, sagte Siuan mit tonloser Stimme, �Ihr habt den Mut eines L�wen und den Verstand eines Kormorans.� Schwer seufzend f�gte sie hinzu: �Aber ich sehe auch keinen anderen Weg.�</p><p>Elayne pflichtete ihr insgeheim in bezug auf alles bis auf den Mut bei. H�tte sie nicht die Knie ganz eng aneinandergepre�t, l�ge sie vermutlich zusammengebrochen auf den Fu�bodenfliesen, die in allen Farben der Ajahs gehalten waren. Ihr wurde bewu�t, da� sie ein Schwert in der Hand hielt, eine gro�e, schimmernde Stahlklinge, v�llig nutzlos, und h�tte sie denn gewu�t, wie man damit umgeht. Sie lie� es fallen, und es verschwand, bevor es auf dem Boden aufschlug. �Abwarten hilft uns auch nicht weiter�, knurrte sie. Noch etwas l�nger, und das bi�chen Mut, das sie m�hsam genug zusammengebracht hatte, w�re verflogen.</p><p>Gemeinsam schritten Siuan und sie der Grenzlinie <emphasis>zu.</emphasis> Elaynes Fu� ber�hrte diese Trennlinie, und mit einemmal sp�rte sie, wie sie hineingezogen wurde, so wie Wasser durch ein Rohr.</p><p>Im ersten Moment befand sie sich noch im Flur und blickte zu den Schrecken auf der anderen Seite hin�ber, und im n�chsten lag sie auf dem Bauch auf unbehauenen grauen Steinen, Handgelenke und Beine gefesselt und hinten bis zu ihrem Kreuz hochgezogen, und die Schrecken spielten sich um sie herum ab. Die H�hle erstreckte sich endlos in alle Richtungen und der Korridor der Burg schien nicht mehr zu existieren. Schreie erf�llten die Luft und hallten von den Felsw�nden und der H�hlendecke mit ihren tropfenden Stalaktiten wider. Ein paar Schritt von ihr entfernt stand ein riesiger schwarzer Kessel dampfend �ber einem tosenden Feuer. Ein Trolloc mit B�renschnauze und Hauern warf Klumpen hinein, die aus irgendwelchen unidentifizierbaren Wurzeln zu bestehen schienen. Ein Kochtopf. Trollocs fra�en alles. Einschlie�lich Menschen. Sie stellte sich ihre H�nde und F��e frei vor, doch das grobe Seil grub sich immer noch in ihre Haut. Selbst der blasseste Schatten von <emphasis>Saidar</emphasis> war verflogen, und die Wahre Quelle existierte nicht mehr f�r sie, jedenfalls hier. Es war tats�chlich ein Alptraum, und sie war darin wirklich und wahrhaftig gefangen.</p><p>Siuans Stimme schnitt durch die Schreie. Sie klang allerdings eher nach einem schmerzvollen St�hnen. �Sheriam, h�rt mir zu!� Das Licht allein mochte wissen, was man ihr gerade antat. Elayne konnte keine der anderen sehen. Nur h�ren. �Das ist ein Traum! <emphasis>Aaah ... uaaaaah!</emphasis> D-denkt daran, wie es eigentlich sein sollte!�</p><p>Elayne nahm den Ruf auf. �Sheriam! Anaiya! Wer mich h�ren kann, h�rt zu! Ihr m��t Euch den Korridor vorstellen, wie er vorher war! Wie er wirklich aussieht! Das hier ist nur real, solange Ihr daran glaubt!� Sie stellte sich ganz fest das Bild des Korridors vor, bunte Fliesen in sauberen Reihen und vergoldete Lampenst�nder und Wandbeh�nge in leuchtenden Farben. Nichts �nderte sich. Die Schreie hallten immer noch von den W�nden wider �Ihr m��t an den Korridor denken! Behaltet das Bild im Kopf, dann wird es auch zur Wirklichkeit. Ihr k�nnt damit fertigwerden, wenn Ihr euch anstrengt!� Der Trolloc blickte sie an. Mittlerweile hatte er ein Messer mit scharfer, spitzer Klinge in der Hand. �Sheriam, Anaiya, Ihr m��t Euch konzentrieren! Myrelle, Beonin, konzentriert Euch auf den Korridor!� Der Trolloc hievte sie herum, so da� sie auf der Seite lag. Sie versuchte, sich wegzuwinden, aber ein m�chtiges Knie hielt sie m�helos fest, w�hrend das Ding begann, ihre Kleidung aufzuschlitzen, wie ein J�ger das erlegte Wild abh�utete. Verzweifelt bewahrte sie das Bild des Korridors im Geist. �Carlinya, Morvrin, bei der Liebe zum Licht, konzentriert Euch! Denkt an den Korridor! Den Korridor! Ihr alle! Denkt ganz fest daran!� Der Trolloc knurrte etwas in einer harten Sprache, die nicht f�r menschliche Kehlen geeignet war, und drehte sie mit einer kurzen Bewegung auf den Bauch zur�ck. Dann kniete er sich auf sie. Seine dicken Knie dr�ckten ihr die Arme auf den Po. �Der Korridor!� kreischte sie. Er packte mit seinen schweren Fingern ihr Haar und ri� ihren Kopf hoch. �Der Korridor! Denkt an den Korridor!� Die Klinge des Trollocs ber�hrte ihren weit vorgestreckten Hals unterhalb des linken Ohrs. �Der Korridor! Der Korridor!� Die Klinge begann zu schneiden.</p><p>Pl�tzlich blickte sie auf bunte Bodenfliesen unter ihrer Nase nieder. Schnell umfa�ten ihre H�nde ihren Hals, wobei sie gl�cklich war, sie wieder frei bewegen zu k�nnen, und dann f�hlte sie Feuchtigkeit. So hielt sie sich die Finger vors Gesicht und sah sie an. Blut, aber nur ein kleiner Schmierer. Sie schauderte. H�tte dieser Trolloc es geschafft, ihr die Kehle durchzuschneiden... Keine Heilkunst h�tte ihr dann noch helfen k�nnen. Erneut schaudernd, stemmte sie sich langsam hoch. Sie befand sich wieder im Flur der Wei�en Burg au�erhalb des B�ros der Amyrlin, und keine Spur der Trollocs oder der H�hle war mehr zu sehen.</p><p>Siuan war auch da. Sie wirkte wie eine Anh�ufung von Schwellungen und Schrammen, die man in ein zerrissenes Kleid gesteckt hatte. Und da waren auch die Aes Sedai, verschwommene, zerfledderte Gestalten. Carlinya sah noch am besten aus. Sie stand zitternd und mit weit aufgerissenen Augen da und bef�hlte ihr dunkles Haar, das nun als struppiger Rest eine Handbreit von ihrem Kopf entfernt endete. Sheriam und Anqaiya kamen ihr wie weinende H�ufchen blutverschmierter Lumpen vor. Myrelle kr�mmte sich mit totenblassem Gesicht zusammen, nackt nur von langen roten Kratzern und Striemen bedeckt. Morvrin st�hnte bei jeder Bewegung, und sie bewegte sich auch v�llig unnat�rlich, als funktionierten ihre Gelenke nicht mehr richtig, Beonins Kleid schien in Fetzen gerissen worden zu sein, und sie lag schwer atmend auf den Knien, mit noch weiter aufgerissenen Augen als sonst. Wahrscheinlich st�tzte sie sich so an der Wand ab, weil sie sonst umgekippt w�re.</p><p>Pl�tzlich fiel Elayne auf, da� ihr das eigene Kleid und sogar das Unterhemd von den Schultern hing, an der Vorderseite s�uberlich aufgeschnitten. Ein J�ger, der einen erlegten Hirsch abzieht. Sie zitterte so sehr, da� sie beinahe gest�rzt w�re. Die Kleidung wieder zu reparieren war eine einfache Sache und erforderte nur einen Gedanken, aber sie wu�te nicht, wie lange es dauern w�rde, ihre Erinnerungen zu reparieren.</p><p>�Wir m�ssen zur�ck�, sagte Morvrin, die schwerf�llig zwischen Sheriam und Anaiya niederkniete. Trotzdem sie steif wirkte und immer wieder �chzte, klang sie so zuverl�ssig und beruhigend wie immer. �Hier ist Heilung mit Hilfe der Macht notwendig, und in diesem Zustand kann das keine von uns.�</p><p>�Ja.� Carlinya ber�hrte wieder ihr kurzes Haar. �Ja, es ist wohl am besten, wir kehren nach Salidar zur�ck.� Ihre Stimme war eine entschieden unsichere Imitation ihrer sonstigen K�lte.</p><p>�Ich werde noch eine kleine Weile bleiben, falls niemand etwas dagegen hat�, sagte Siuan zu ihnen. Oder besser, sie schlug es in diesem unpassenden, dem�tigen Tonfall vor. Ihr Kleid war wieder ganz, aber die Striemen blieben. �Ich kann vielleicht noch ein paar n�tzliche Dinge in Erfahrung bringen. Ich habe nicht viel mehr abbekommen als ein paar Beulen, und da habe ich Schlimmeres erlebt, wenn ich in einem Boot gest�rzt bin.�</p><p>�Ihr seht eher so aus, als habe Euch jemand ein Boot auf den Kopf fallen lassen�, erwiderte Morvrin, �aber Ihr habt die Wahl.�</p><p>�Ich bleibe auch noch�, sagte Elayne. �Ich kann Siuan helfen, und ich habe �berhaupt keine Verletzungen.� Sie war sich des Schnitts an ihrer Kehle jedesmal bewu�t, wenn sie schlucken mu�te.</p><p>�Ich brauche keine Hilfe�, sagte Siuan, doch gleichzeitig stellte Morvrin mit noch energischerer Stimme fest: �Ihr habt Euch heute nacht ausgezeichnet bew�hrt und k�hlen Kopf bewahrt, Kind. Verderbt diesen Eindruck jetzt nicht. Ihr kommt mit uns.�</p><p>Elayne r�ckte m�rrisch. Streiten w�rde ihr auch nichts einbringen � h�chstens K�chendienst. Man h�tte glauben k�nnen, die Braune Schwester sei hier die Lehrerin und Elayne die Sch�lerin. Sie dachten wahrscheinlich, sie sei auf die gleiche Art in den Alptraum gestolpert wie sie selbst. �Denkt daran, Ihr k�nnt aus jedem Traum direkt in Euren eigenen K�rper entkommen. Ihr m��t nicht zuerst nach Salidar zur�ckkehren.� Sie konnte nicht feststellen, ob die Aes Sedai �berhaupt zugeh�rt hatten, Morvrin hatte sich sofort abgewandt, als sie best�tigend nickte.</p><p>�Nur mit der Ruhe, Sheriam�, sagte die mollige Frau beruhigend. �Wir sind in ein paar Augenblicken wieder in Salidar. Keine Angst, Anaiya.� Sheriam hatte wenigstens mit Weinen aufgeh�rt, obwohl sie noch vor Schmerzen st�hnte. �Carlinya, helft Ihr bitte Myrelle? Seid Ihr bereit, Beonin? Beonin?� Die Graue hob den Kopf und sah Morvrin einen Augenblick verst�ndnislos an, bevor sie nickte.</p><p>Die sechs Aes Sedai verschwanden.</p><p>Nach einem letzten Blick auf Siuan, kam ihnen Elayne sofort nach, doch nach Salidar sprang sie keineswegs. Bestimmt w�rde jemand kommen und sich um den Schnitt an ihrer Kehle k�mmern, falls sie ihn �berhaupt bemerkt hatten, aber eine Weile lang w�rden sie sich ausschlie�lich um sechs Aes Sedai k�mmern, die beim Aufwachen aussehen w�rden, als habe man sie durch einen riesigen Fleischwolf gedreht. Diese paar Minuten hatte Elayne noch, und au�erdem ein ganz anderes Ziel im Kopf.</p><p>Der Gro�e Saal im Palast ihrer Mutter in Caemlyn tauchte nicht so einfach wie gebeten vor ihr auf. Sie hatte ein Gef�hl, als m�sse sie erst einen Widerstand �berwinden, bis sie auf den roten und wei�en Fliesen unter dem gro�en Kuppeldach stand, mitten unter Reihen massiver wei�er S�ulen. Noch einmal schien von �berall und nirgendwoher ein fahler Lichtschein zu kommen.</p><p>Die riesigen Fenster ganz oben, auf denen der Wei�e L�we von Andor abwechselnd mit den fr�hesten K�niginnen und Szenen gro�er andoranischer Siege zu sehen waren, erschienen ihr der Nacht drau�en wegen dunkel und unklar.</p><p>Sofort wurde ihr die Ver�nderung klar, von der sie wu�te, da� sie zu diesem Widerstand gef�hrt hatte. Auf dem Podest an der Kopfseite des Saals, wo der L�wenthron h�tte stehen sollen, stand statt dessen eine grandiose Monstrosit�t, aus goldfunkelnden Drachen bestehend mit roten Emailleschuppen und strahlenden Sonnensteinen an Stelle der Augen. Man hatte den Thron ihrer Mutter aber nicht aus dem Saal entfernt. Er stand noch einmal ein St�ck h�her hinter dieser Monstrosit�t und ragte somit �ber ihr auf.</p><p>Elayne schritt langsam durch den Saal und die wei�en Marmorstufen hinauf, wo sie den vergoldeten Thron der andoranischen K�niginnen betrachtete. Der Wei�e L�we von Andor, mit Mondperlen auf einem Feld aus Rubinen hoch oben an der R�ckenlehne klar umrissen, h�tte sich normalerweise gerade �ber dem Kopf ihrer Mutter befunden.</p><p>�Was machst du da, Rand al'Thor!� fl�sterte sie heiser. �Was glaubst du eigentlich, was du da tust?�</p><p>Sie hatte furchtbare Angst, da� er ohne ihre Hilfe alles verderben w�rde, weil sie ihn nicht vor allen Fu�angeln warnen konnte. Sicher, mit den Tairenern war er gut fertiggeworden, und offensichtlich auch mit den Adligen Cairhiens, aber ihr Volk war anders, offen und geradeheraus, und sie ha�ten es, wenn man sie wie Marionetten behandelte oder gar zu etwas zwingen wollte. Was in Tear oder Cairhien funktioniert hatte, konnte hier zu einer Explosion f�hren, als sei die gesamte Gilde der Feuerwerker t�tig geworden.</p><p>Wenn sie nur bei ihm sein k�nnte. Wenn sie ihn nur in Bezug auf die Delegation der Wei�en Burg vorwarnen k�nnte. Elaida hatte bestimmt irgendeine List im Sinn, eine Falle, die zuschnappen w�rde, wenn er sie am wenigsten erwartete. War er dann vern�nftig genug, um sie kommen zu sehen? Au�erdem hatte sie ja auch keine Ahnung, welchen Auftrag die Delegation aus Salidar zu erf�llen hatte. Trotz Siuans M�he waren die meisten Aes Sedai in Salidar ziemlich gespaltener Ansicht in bezug auf Rand al'Thor. Er war wohl der Wiedergeborene Drache, derjenige, von dem man weissagte, er sei der Retter der Menschheit, doch andererseits war er ein Mann, der die Macht lenken konnte, und damit zum Wahnsinn verdammt, verflucht dazu, Tod und Zerst�rung �ber die Welt zu bringen.</p><p><emphasis>Pa� gut auf ihn auf, Min,</emphasis> dachte sie. <emphasis>Gehe schnell zu ihm und dann beh�te ihn wohl.</emphasis></p><p>Wie ein Stich durchfuhr sie die Eifersucht, da� Min bei ihm sein und das tun durfte, was sie eigentlich tun wollte. Vielleicht mu�te sie ihn wirklich teilen, aber wenigstens einen Teil von ihm <emphasis>w�rde sie auf jeden Fall</emphasis> ganz f�r sich behalten. Und sie w�rde ihn als Beh�ter an sich binden, gleich, welchen Preis sie daf�r zu zahlen hatte.</p><p>�Es wird vollbracht werden.� Sie streckte eine Hand nach dem L�wenthron aus, um so zu schw�ren, wie alle K�niginnen geschworen hatten, seit es den Staat Andor gab. Das Podest war zu hoch f�r sie, um das Holz des Thrones f�hlen zu k�nnen, doch die gute Absicht war doch wohl, was z�hlte. �Es <emphasis>wird</emphasis> vollbracht werden.�</p><p>Die Zeit wurde knapp. In Salidar w�rde nun bald eine Aes Sedai kommen, um sie zu wecken und den armseligen Kratzer an ihrer Kehle mit Hilfe der Macht zu heilen. Seufzend trat sie aus dem Traum heraus in ihren K�rper.</p><p>Demandred kam hinter einer der S�ulen des Gro�en Saals hervor und blickte nachdenklich zu den beiden Thronen und dem Fleck hin�ber, an dem das M�dchen verschwunden war. Elayne Trakand, wenn er sich nicht vollkommen irrte, und dem verschwommenen Anblick nach zu urteilen, benutzte sie einen kleinen <emphasis>Ter'Angreal,</emphasis> wie man ihn zur Ausbildung von Anf�ngern unter Studenten verwendet hatte. Er h�tte viel darum gegeben, zu wissen, was in ihr vorging, aber ihre Worte und der Gesichtsausdruck waren eindeutig genug. Es gefiel ihr nicht, ganz und gar nicht, was al'Thor hier tat, und sie hatte vor, etwas dagegen zu unternehmen. Eine willensstarke junge Frau, wie er annahm. Auf jeden Fall hatte er damit einen weiteren Faden aus dem Durcheinander entwirrt, wenn auch vielleicht nur einen ganz unbedeutenden.</p><p>�La�t den Herrn des Chaos regieren�, sagte er zu den Thronen � obwohl ihm immer noch nicht klar war, warum das eigentlich notwendig sei �, und dann �ffnete er ein Tor, um <emphasis>Tel'aran'rhiod</emphasis> wieder zu verlassen.</p></section><section><title><p>8</p><p>Der Sturm braut sich zusammen</p></title><p>Nynaeve erwachte am n�chsten Morgen bei Sonnenaufgang. Sie hatte schlechte Laune. Sie sp�rte, da� schlechtes Wetter aufkam, aber ein Blick aus dem Fenster zeigte ihr keine einzige Wolke am immer noch grauen Morgenhimmel. Der Tag versprach, wieder zu einem Backofen zu werden. Ihr Hemd war schwei�na� und zerknittert, weil sie sich unabl�ssig herumgew�lzt hatte. Einst hatte sie sich auf ihre F�higkeit, dem Wind zu lauschen, verlassen k�nnen, doch seit sie die Zwei Fl�sse verlassen hatte, schien sie v�llig durcheinandergeraten zu sein, wenn sie �berhaupt noch etwas davon sp�rte.</p><p>Darauf warten zu m�ssen, da� sie an der Waschsch�ssel an der Reihe war, trug auch nicht zur Verbesserung ihrer Laune bei, genausowenig wie Elaynes Bericht �ber das, was sich abgespielt harte, nachdem sie alle in Elaidas B�ro zur�ckgelassen hatte. Ihre eigene Nacht hatte aus einer langen, vergebenen Suche durch die Stra�en Tar Valons bestanden, die bis auf sie selbst menschenleer gewesen waren. Nur Tauben, Ratten und Unrathaufen hatte sie angetroffen. Das hatte schockierend auf sie gewirkt. Tar Valon war immer fleckenlos sauber gewesen, Elaida vernachl�ssigte die Stadt offenbar so sehr, da� selbst in <emphasis>Tel'aran'rhiod</emphasis> Abfallhaufen sichtbar waren. Einmal hatte sie durch das Fenster einer Taverne in der N�he des S�dhafens einen Blick auf Leane erhascht � ausgerechnet an einem solchen Ort �, aber als sie hineineilte, war der Schankraum bis auf die frisch gestrichenen blauen Tische und B�nke leer. Sie h�tte danach einfach aufgeben sollen, aber Myrelle hatte sie in letzter Zeit so schikaniert, und so wollte sie ein reines Gewissen haben, wenn sie der Frau berichtete, sie habe sich bem�ht. Myrelle w�rde eine Ausrede so schnell erkennen wie keine andere Frau, die Nynaeve je kennengelernt oder von der sie geh�rt hatte. Am Ende war sie schlie�lich letzte Nacht aus <emphasis>Tel'aran'rhiod</emphasis> herausgetreten und hatte Elaynes Ring bereits auf dem Tisch vorgefunden. Elayne selbst lag im Bett und schlief fest. Hatte es einen Preis f�r vergebene Liebesm�h gegeben, h�tte sie sich den bestimmt verdient, als sie wegging. Und nun durfte sie erfahren, da� sich Sheriam und die anderen beinahe h�tten umbringen lassen... Selbst der Gesang des kleinen Vogels in seinem Korbk�fig rief bei ihr nur einen weiteren gekr�nkten Blick hervor.</p><p>�Sie glauben, sie w��ten alles�, knurrte Nynaeve verbittert. �Ich habe ihnen von den Alptr�umen erz�hlt. Ich habe sie gewarnt, und gestern nacht war nicht das erste Mal.� Es spielte keine Rolle, da� alle sechs Schwestern geheilt worden waren, bevor sie auch nur aus <emphasis>Tel'aran'rhiod</emphasis> zur�ck war. Viel zu leicht h�tte das Ganze viel schlimmer ausgehen k�nnen, eben weil sie sich einbildeten, alles zu wissen. Das gereizte Zupfen an ihrem Zopf machte es ihr schwerer, ihn f�r den Tag neu zu flechten. Manchmal verfing sich auch das Armband des <emphasis>A'dam</emphasis> in ihren Haaren, aber abnehmen kam nicht in Frage. Heute war wohl Elayne damit an der Reihe, aber sie w�rde es wahrscheinlich nur wieder an einen Haken h�ngen und vergessen. Besorgtheit sickerte durch das Armband in sie hinein und auch die unvermeidlichen Angstgef�hle, aber �berlagert wurde beides von reinem Frust. Zweifellos half �Marigan� bereits beim Herrichten des Fr�hst�cks. Hausarbeiten verrichten zu m�ssen wurmte sie offensichtlich mehr als die eigentliche Gefangenschaft. �Jedenfalls hast du das sehr gut gel�st, Elayne. Du hast mir aber noch nicht erz�hlt, wie es dir selber drinnen ergangen ist, als du versucht hast, alle anderen zu warnen.�</p><p>Elayne hatte noch immer ihren Waschlappen in der Hand und schauderte offensichtlich bei der Erinnerung. �Insgesamt war es gar nicht so schwer. Aber ein Alptraum von diesem Ausma� machte es notwendig, da� wir alle gemeinsam dagegen vorgehen mu�ten. Vielleicht haben sie ein wenig Demut gelernt. Dann wird m�glicherweise ihr Treffen mit den Weisen Frauen heute abend doch nicht so schlimm.�</p><p>Nynaeve nickte in sich hinein. Wie sie gedacht hatte. Nicht, was Sheriam und die anderen betraf; Aes Sedai w�rden erst Demut empfinden, wenn Ziegen das Fliegen lernten, und auch dann h�chstens einen Tag fr�her als die Weisen Frauen. Nein, es hatte mit Elayne zu tun. Sie hatte sich wahrscheinlich auch von dem Alptraum einfangen lassen, obwohl dieses M�dchen das nie zugeben w�rde. Sie war sich ohnehin nicht sicher, ob Elayne es f�r Prahlerei hielt, ihren Mut ins Spiel zu bringen, oder ob sie ganz einfach nicht merkte, wie tapfer sie wirklich war. Wie auch immer, Nynaeve war jedenfalls hin- und hergerissen zwischen Bewunderung f�r den Mut der Frau und dem Wunsch, da� Elayne einmal offen dar�ber sprechen m�ge. �Ich glaube, ich habe Rand gesehen,� Das brachte den Waschlappen zum Stillstand.</p><p>�War er pers�nlich dort?� Das war den Weisen Frauen zufolge gef�hrlich, denn man riskierte einen Teil dessen, was einen erst zum ganzen Menschen machte. �Du hast ihn doch wohl gewarnt?�</p><p>�Wann h�tte er jemals auf eine Warnung geh�rt? Ich habe nur einen kurzen Blick auf ihn erhascht. Vielleicht hat er auch nur <emphasis>Tel'aran'rhiod</emphasis> in einem Traum ber�hrt.� Das war unwahrscheinlich. Er h�tete offensichtlich seine Tr�ume derart intensiv mit Schutzgeweben, da� sie nicht glaubte, er k�nne die Welt der Tr�ume auf irgendeine andere Art als pers�nlich und direkt betreten. Bei dieser Abschirmung h�tte nicht einmal ein Traumg�nger mit einem der Ringe ausger�stet <emphasis>Tel'aran'rhiod</emphasis> erreicht. �Vielleicht war es jemand, der ihm nur �hnlich sah. Wie schon gesagt, habe ich ihn nur einen Augenblick lang gesehen, und zwar auf dem Platz vor der Wei�en Burg.�</p><p>�Ich sollte mit ihm zusammen sein�, murmelte Elayne. Sie entleerte die Sch�ssel in den Nachttopf und ging zur Seite, damit Nynaeve sich waschen konnte. �Er <emphasis>braucht</emphasis> mich,�</p><p>�Was er braucht, ist das Gleiche, was er immer schon n�tig hatte.� Nynaeve blickte d�ster drein, als sie die Sch�ssel aus dem Krug neu auff�llte. Sie ha�te es, sich mit abgestandenem Wasser waschen zu m�ssen. Wenigstens war es nicht kalt. So etwas wie kaltes Wasser gab es nicht mehr. �Jemanden, die ihm einmal in der Woche eins aufs Ohr gibt, und zwar aus Prinzip und um ihn gerade auf Kurs zu halten.�</p><p>�Es ist nicht fair.� Ein frisch gewaschenes Hemd, das sich Elayne gerade �ber den Kopf zog, d�mpfte ihre Worte. �Ich mache mir die ganze Zeit seinetwegen Sorgen.� Ihr Gesicht kam oben aus dem Hemd heraus, und trotz des ver�rgerten Tonfalls wirkte es viel eher besorgt als zornig. Sie nahm ein wei�es Kleid mit Farbsaum von einem der Haken. �Ich mache mir neuerdings sogar in meinen <emphasis>Tr�umen</emphasis> Sorgen um ihn! Glaubst du, da� er die ganze Zeit �ber an <emphasis>mich</emphasis> denkt? Ich glaube es nicht.�</p><p>Nynaeve nickte, obwohl ein Teil ihres Verstands monierte, es sei nicht dasselbe. Man hatte Rand gesagt, Elayne befinde sich in Sicherheit bei Aes Sedai, wenn auch nicht wo. Wie konnte sich <emphasis>Rand</emphasis> aber jemals wirklich in Sicherheit befinden? Sie beugte sich �ber das Waschbecken und Lans Ring rutschte ihr aus dem Hemd und baumelte an der Lederkordel �ber dem Wasser. Nein, Elayne hatte doch recht. Was Lan auch gerade tun mochte, wo er sich auch befand: sie bezweifelte, da� er auch nur halb so oft an sie dachte, wie sie an ihn. <emphasis>Licht, hilf, da� er am Leben bleibt, und wenn er �berhaupt nicht mehr an mich denkt!</emphasis> Diese M�glichkeit erz�rnte sie derma�en, da� sie wohl ihren Zopf mitsamt der Haarwurzeln herausgerissen h�tte, h�tte sie nicht einen seifigen Waschlappen in den nassen H�nden gehalten. �Du kannst dich nicht blo� die ganze Zeit mit einem Mann besch�ftigen�, sagte sie tadelnd, �selbst wenn du zu den Gr�nen gehen willst. Was haben sie letzte Nacht alles herausgefunden?�</p><p>Es war eine lange Geschichte, aber eigentlich recht d�nn, und nach einer Weile setzte sich Nynaeve auf Elaynes Bett, h�rte weiter zu und stellte Fragen. Nicht, da� die Antworten sehr aufschlu�reich gewesen w�ren. Es war einfach nicht das gleiche, als die Dokumente selbst ansehen zu k�nnen. Alles sch�n und gut, wenn sie erfuhr, da� Elaida nunmehr von Rands Amnestie erfahren hatte, aber was w�rde sie deshalb unternehmen? Der Beweis, da� die Burg in Kontakt mit einigen Herrschern getreten war, mochte sich als gute Nachricht herausstellen, denn das w�rde die Aes Sedai in Salidar endlich zu gr��erer Eile und Entschlu�freudigkeit antreiben. Irgend etwas mu�te sie aufwecken. Da� Elaida eine Delegation zu Rand schickte, war sicher Grund zur Sorge, doch konnte er ein solcher Narr sein, auf jemanden zu h�ren, die von Elaida gesandt wurde? Doch wohl nicht, oder? Aus dem, was Elayne mitbekommen hatte, war einfach nicht mehr herauszulesen. Und was sollte das mit diesem Extra-Podest, auf den Rand den L�wenthron hatte stellen lassen? Was fing er denn �berhaupt mit einem Thron an? Er mochte ja der Wiedergeborene Drache sein und dieser Aiel <emphasis>Car-</emphasis>irgendwas, aber sie kam nicht dar�ber hinweg, da� sie ihn als Kind oft zur Pflege gehabt und ihm den Hintern versohlt hatte, wenn es n�tig war.</p><p>Elayne fuhr fort, sich anzuziehen, und sie war damit eher fertig als mit ihrer Geschichte. �Ich erz�hle dir den Rest sp�ter�, sagte sie schnell und war schon aus der T�r.</p><p>Nynaeve knurrte und kleidete sich dann ohne Eile fertig an. Elayne unterrichtete heute zum erstenmal Novizinnen, was man Nynaeve bisher noch nicht gestattet hatte. Aber wenn man ihr schon keine Novizinnen anvertraute, war da ja immer noch Moghedien. Sie w�rde sicher bald mit den Fr�hst�cksvorbereitungen fertig sein.</p><p>Das Dumme war nur: Als Nynaeve die Frau aufsp�rte, steckte Moghedien bis zu den Ellbogen im Waschwasser. Das silberne Halsband des <emphasis>A'dam</emphasis> wirkte in diesem Moment besonders deplaziert. Sie war nicht allein; ein Dutzend weiterer Frauen arbeitete hingebungsvoll an Waschbrettern in einem Hof, der von einem Holzzaun umgeben war, zwischen dampfenden Kesseln mit hei�em Wasser. Andere Frauen h�ngten bereits die erste Tagesw�sche an langen Leinen auf, die man �ber Stangen gezogen hatte, aber trotzdem warteten noch ganze Stapel von Bettw�sche und Unterw�sche und allen m�glichen Kleidungsst�cken und Tischdecken darauf, auf die Waschbretter zu wandern. Der Blick, den Moghedien Nynaeve zuwarf, h�tte ausreichen sollen, ihr die Haare vom Kopf zu sengen. Ha�, Scham und blanke Wut kamen durch den <emphasis>A'dam</emphasis> zu ihr her�ber, beinahe genug, um die allgegenw�rtige Furcht zu verdr�ngen.</p><p>Nildra, die Frau, die hier die Leitung innehatte, grauhaarig und hager wie ein Stock, eilte heran. Sie hielt einen R�hrl�ffel wie ein Szepter in der Hand und hatte den dunklen Wollrock bis zu den Knien hochgebunden, damit er nicht immer �ber den vom �berlaufenden Waschwasser matschigen Boden schleifte. �Guten Morgen, Aufgenommene. Ich sch�tze, Ihr wollt Marigan holen, eh?� In ihrem Tonfall schwang durchaus Respekt mit, aber auch das Wissen darum, da� morgen schon vielleicht jede der Aufgenommenen einen Tag oder auch einen Monat lang zum Waschdienst eingeteilt sein konnte und dann genauso hart arbeiten mu�te und genauso schikaniert wurde wie die anderen, wenn nicht noch mehr. �Also, ich kann sie noch nicht gehen lassen. Ich habe nicht genug Frauen da, wie die Lage aussieht. Eines meiner M�dchen heiratet heute, eine andere ist weggelaufen, und zwei d�rfen nur leicht arbeiten, weil sie schwanger sind. Myrelle Sedai hat mir gesagt ich k�nne sie haben. Vielleicht kann ich sie in ein paar Stunden entbehren. Wir werden sehen.�</p><p>Moghedien richtete sich auf und �ffnete den Mund, aber Nynaeve brachte sie mit einem harten Blick zum Schweigen � nebst einem auff�lligen Griff zum Armband des <emphasis>A'dam</emphasis> an ihrem Handgelenk �, und sie widmete sich wieder ihrer Arbeit. Alles, was notwendig war, w�ren ein paar falsche Worte von Moghedien, eine Klage, wie sie keine Bauersfrau �u�ern w�rde, und diese Rolle spielte sie ja nun, um sie auf den Weg zur D�mpfung und zum Henker zu bringen. Nynaeve und Elayne w�rde es dann nicht viel besser ergehen. Nynaeve atmete unwillk�rlich erleichtert auf, als sich Moghedien wieder �ber das Waschbrett beugte. Ihr Mund bewegte sich, aber sie fluchte nur unh�rbar vor sich hin. Immense Scham und blanke Wut durchstr�mten den <emphasis>A'dam.</emphasis></p><p>Nynaeve brachte ein L�cheln in Nildras Richtung zustande und murmelte etwas Unverbindliches � sie wu�te selbst nicht genau, was � und marschierte weiter zu einer der �ffentlichen K�chen, um sich etwas zum Fr�hst�cken zu holen. Wieder Myrelle. Sie fragte sich, ob die Gr�ne irgend etwas gegen sie pers�nlich habe. Sie fragte sich auch, ob sie auf Dauer einen �bers�uerten Magen davontragen werde, wenn sie immer auf Moghedien aufpassen mu�te. Seit sie der Frau den <emphasis>A'dam</emphasis> angelegt hatte, schluckte sie praktisch ihre Magenmedizin wie andere Bonbons.</p><p>Es war nicht schwierig, einen kleinen Tonkrug voll Tee mit Honig zu bekommen, und dazu ein Br�tchen, das noch hei� war vom Backofen, aber sobald sie beides hatte, ging sie weiter und a� im Gehen. Schwei�perlen standen auf ihrem Gesicht. Selbst zu dieser fr�hen Stunde wuchs die Hitze st�ndig an und die Luft war trocken. Die aufgehende Sonne erstrahlte wie eine Kuppel aus geschmolzenem Gold �ber den Baumwipfeln.</p><p>Die Lehmstra�en waren gef�llt, und das war hier meistens so, wenn das Tageslicht ausreichte, um etwas zu sehen. Aes Sedai schritten gravit�tisch vorbei, wobei sie Staub und Hitze ignorierten, geheimnisvolle Mienen und geheimnisvolle Auftr�ge, manchmal mit Beh�tern auf den Fersen, W�lfen mit kalten Augen, die vergeblich vorgaben, zahm zu sein. �berall waren Soldaten, gew�hnlich in Gruppen marschierend oder reitend. Allerdings verstand Nynaeve nicht, wieso man sie hier auf die Stra�en lie�, wenn sie doch drau�en in den W�ldern ihre Lager aufgebaut hatten. Kinder rannten umher und �fften h�ufig die Soldaten nach, indem sie St�cke statt Schwerter und Piken gebrauchten. Wei�gekleidete Novizinnen eilten durch die Menge, um ihren Aufgaben nachzugehen. Diener und Dienerinnen bewegten sich etwas langsamer, Frauen mit ganzen Armladungen von Bettlaken f�r die Aes Sedai oder mit K�rben voll Brot aus den Backstuben. M�nner, die hoch mit Feuerholz beladene Ochsenkarren f�hrten, Truhen schleppten oder sich ganze ausgeweidete Schafe f�r die K�chen auf die Schultern geladen hatten. Salidar war nicht f�r so viele Menschen angelegt worden, und so platzte das Dorf beinahe aus allen N�hten.</p><p>Nynaeve ging weiter. Der Tag einer Aufgenommenen geh�rte zumeist ihr selbst � au�er, wenn sie Novizinnen unterrichten mu�te �, damit sie studieren konnte, was immer sie sollte, allein oder mit einer Aes Sedai als Ausbilderin, aber eine Aufgenommene, die anscheinend nichts zu tun hatte, konnte jederzeit von irgendeiner Aes Sedai aufgegriffen und zum Arbeiten eingesetzt werden. Sie hatte nicht vor, den Tag damit zu verbringen, einer Braunen Schwester beim Katalogisieren von B�chern zu helfen oder die Notizen einer Grauen abzuschreiben. Sie <emphasis>ha�te</emphasis> Abschreiben und all dieses Zungenschnalzen, wenn sie einen Klecks machte, und dieses entt�uschte Seufzen, wenn ihre Schrift nicht so sauber wie die einer Schreiberin war. Also spazierte sie gesch�ftig durch den Staub und die Menschenmenge und hielt nach Siuan und Leane Ausschau. Sie war w�tend genug, um selbst die Macht zu gebrauchen, ohne durch Moghedien arbeiten zu m�ssen.</p><p>Jedesmal, wenn sie sich des schweren Goldrings bewu�t wurde, der zwischen ihren Br�sten hing, dachte sie: <emphasis>Er mu� noch am Leben sein. Und sollte er mich auch vergessen haben, Licht, la� ihn �berleben!</emphasis> Nat�rlich machte der letztere Gedanke sie noch w�tender. Falls al'Lan Mandragoran auch nur wagte, daran zu denken, sie zu vergessen, w�rde sie ihm den Kopf zurechtr�cken. Er mu�te einfach noch am Leben sein. Beh�ter starben oftmals, wenn sie ihre Aes Sedai r�chen wollten, denn es war so sicher wie der n�chste Sonnenaufgang, da� kein Beh�ter irgend etwas zwischen sich und eine solche Vergeltung kommen lassen w�rde, aber in diesem Fall gab es keine M�glichkeit f�r Lan, Moiraine zu r�chen. Genauso h�tte Moiraine vom Pferd fallen und sich den Hals brechen k�nnen. Nein. Sie und Lanfear hatten einander get�tet. Er <emphasis>mu�te</emphasis> also noch leben. Und warum sollte sie Schuldgef�hle in bezug auf Moiraines Tod empfinden? Sicher, dadurch war Lan f�r sie frei geworden, aber sie hatte ja nun wirklich nichts damit zu tun gehabt. Doch ihr erster Gedanke, als sie von Moiraines Tod erfahren hatte, war Freude gewesen, wenn auch nur ganz kurz, da� Lan nun frei war. Mitleid f�r Moiraine hatte sie nicht empfunden. Die Scham deswegen konnte sie noch nicht ablegen, und das steigerte ihren Zorn nur noch.</p><p>Pl�tzlich sah sie, wie Myrelle mit dem blonden Croi Makin, einem ihrer drei Beh�ter, die Stra�e entlangschlenderte. Der junge Mann an ihrer Seite war wohl fast �berschlank, wirkte aber doch hart wie Felsgestein. Die Aes Sedai blickte entschlossen drein und zeigte nicht die geringste Auswirkung der Erlebnisse der letzten Nacht. Nichts h�tte darauf hingedeutet, da� Myrelle nach ihr suchte, doch Nynaeve schl�pfte schnell in ein gro�es Steingeb�ude hinein, das einst eine der drei Schenken des urspr�nglichen Salidar beherbergt hatte.</p><p>Den breiten Schankraum hatte man ausger�umt und wie ein Empfangszimmer m�bliert: die get�nchten W�nde und die hohe Decke ausgebessert, ein paar bunte Wandbeh�nge angebracht und auf dem Boden, der nicht mehr sehr splittrig wirkte, aber immer noch kein Bohnerwachs annahm, lagen einige farbige L�ufer. Das schattige Innere wirkte nach der Hitze der Stra�e tats�chlich k�hl. Oder wenigstens etwas k�hler. Der Raum war allerdings nicht leer.</p><p>Logain stand �berheblich vor einem der breiten, kalten Kamine, den Schwalbenschwanz seines goldbestickten roten Fracks nach hinten geschoben, und beobachtet wurde er aufmerksam von Lelaine Akaschi, deren blaugefranste Stola dem Ganzen einen offiziellen Anstrich verlieh. Sie war eine schlanke Frau, die stets einen Ausdruck von W�rde und Eleganz verbreitete und zwischendurch auch einmal warmherzig l�cheln konnte. Au�erdem war sie eine der drei Sitzenden der Blauen Ajah im Burgsaal von Salidar. Heute allerdings fiel vor allem der durchdringende Blick auf, mit dem sie Logains Besucher musterte.</p><p>Es waren zwei M�nner und eine Frau, prachtvoll in bestickte Seide gekleidet und mit Goldschmuck beh�ngt. Alle drei ergrauten bereits, und einer der M�nner war fast kahlk�pfig, was er wohl durch seinen rechteckig geschnittenen Vollbart und den langen, gezwirbelten Schnurrbart wettzumachen versuchte. Sie waren m�chtige Adlige aus Altara, die am Vortag mit starken Eskorten eingetroffen waren und sich gegenseitig offenbar mit dem gleichen Mi�trauen beobachteten wie die Aes Sedai, die hier mitten in Altara ein Heer aufstellten. Die Adligen Altaras schworen einem Lord oder einer Lady oder auch einer Stadt Gefolgschaftstreue, aber f�r eine Nation namens Altara blieb dann wenig �brig. Nur ein paar Adlige zahlten Steuern oder beachteten, was die K�nigin in Ebou Dar befahl, doch ein Heer in ihrer Mitte erregte durchaus ihre Aufmerksamkeit. Das Licht allein mochte wissen, welche Wirkung die Ger�chte in bezug auf die Drachenverschworenen bei ihnen ausgel�st hatten. Im Augenblick allerdings verga�en sie vollst�ndig, sich gegenseitig arrogant und Lelaine trotzig anzustarren. Ihre Blicke ruhten so fasziniert auf Logain, wie man m�glicherweise eine gro�e, bunte Viper anblickt.</p><p>Die Runde vervollst�ndigte Burin Schaeren. Sein Teint war kupfern, und er wirkte wie aus einem Baumstumpf geschnitzt. Er wiederum beobachtete sowohl Logain wie auch die Besucher, wobei er wie eine Sprungfeder gespannt war, bereit, innerhalb eines Wimpernschlags aufzuspringen und zuzuschlagen. Lelaines Beh�ter war weniger deshalb anwesend, um Logain zu bewachen � schlie�lich nahm man an, Logain befinde sich freiwillig in Salidar �, sondern vor allem, um den Mann vor seinen Besuchern und einem pl�tzlich in seinem Herz steckenden Messer zu besch�tzen.</p><p>Was ihn betraf, schien Logain unter all diesen Blicken geradezu aufzubl�hen. Er war ein hochgewachsener Mann mit lockigem Haar, das ihm fast bis auf die Schultern herabfiel, dunkelhaarig und gut aussehend, wenn sein Gesicht auch einen Ausdruck von H�rte trug. Er wirkte so stolz und selbstbewu�t wie ein Adler. Es war aber vor allem die Chance, Rache zu nehmen, die seine Augen so gl�nzen lie�. Wenn er auch nicht jedem alles heimzahlen konnte, an denen er sich r�chen wollte, so doch zumindest einigen. �Sechs Rote Schwestern sp�rten mich in Cosamelle auf, ungef�hr ein Jahr, bevor ich mich zum Drachen ausrufen lie߫, sagte er gerade, als Nynaeve eintrat. �Javindhra nannte sich die Anf�hrerin, obwohl auch eine namens Barasine eine Menge zu sagen hatte. Und ich h�rte, wie man Elaida erw�hnte, als wisse sie Bescheid dar�ber, was diese vorhatten. Sie haben mich schlafend angetroffen, und ich glaubte, mein letztes St�ndlein habe geschlagen, als sie mich abschirmten.�</p><p>�Aes Sedai�, unterbrach ihn die lauschende Frau grob. Sie war untersetzt, hatte einen harten Blick und eine d�nne Narbe auf der Wange, die Nynaeve nicht zu einer Frau zu passen schien. Aber die Frauen Altaras standen in dem Ruf, ziemlich wild zu sein, wenn das auch nat�rlich recht aufgebauscht sein mochte. �Aes Sedai, wie kann das wahr sein, was er da behauptet?�</p><p>�Ich wei� auch nicht, Lady Sarena�, sagte Lelaine gelassen, �aber es wurde mir von einer best�tigt, die nicht l�gen kann. Er sagt die Wahrheit.�</p><p>Sarenas Gesichtsausdruck �nderte sich nicht, aber ihre H�nde verkrampften sich hinter ihrem R�cken zu F�usten. Einer ihrer Begleiter, der gro�e Mann mit dem hageren Gesicht und mehr Grau im Haar als Schwarz, hatte seine Daumen in den Schwertg�rtel eingehakt und bem�hte sich, entspannt zu wirken, doch seine Kn�chel an den Handgelenken waren wei� vor Anstrengung.</p><p>�Wie ich sagte�, fuhr Logain mit einem verbindlichen L�cheln fort, �haben sie mich aufgesp�rt und mich w�hlen lassen. Entweder w�rde ich auf der Stelle sterben, oder ich konnte ihr Angebot annehmen. Ein eigenartiges Angebot, ganz und gar nicht, was ich erwartet hatte, aber ich mu�te es mir nicht lange �berlegen. Sie haben niemals zugegeben, da� sie das schon fr�her versucht h�tten, aber ich hatte so das Gef�hl, sie machten es nicht zum erstenmal. Gr�nde nannten sie mir auch nicht, aber die scheinen klar zu sein, wenn ich zur�ckdenke. Einen Mann anzuschleppen, der mit der Macht umgehen konnte, brachte nicht viel Ruhm ein, aber einen falschen Drachen zu Fall zu bringen...�</p><p>Nynaeve runzelte die Stirn. Er sprach so gleichm�tig dar�ber wie ein Mann, der �ber die heutige Jagd berichtet, und doch war es sein eigener Sturz, von dem er da sprach, und jedes Wort war ein weiterer Nagel f�r Elaidas Sarg. Vielleicht sogar ein Sarg f�r die ganze Rote Ajah. Wenn die Roten Logain dazu getrieben hatten, sich selbst zum Wiedergeborenen Drachen auszurufen, harten sie dann vielleicht das gleiche Spiel mit Gorin Rogad oder Mazrim Taim getrieben? Vielleicht sogar mit <emphasis>allen</emphasis> falschen Drachen der Geschichte? Sie konnte beinahe die Gedanken wie M�hlr�der in den K�pfen der Adligen aus Altara arbeiten sehen, zuerst langsam, und dann drehten sie sich immer schneller...</p><p>�Ein ganzes Jahr lang halfen sie mir, den anderen Aes Sedai aus dem Weg zu gehen�, sagte Logain, �schickten mir Botschaften, wenn sich eine n�herte, obwohl es sowieso nicht viele waren. Nach dem ich mich zum Drachen proklamiert hatte und Anh�nger gewann, sandten sie mir Berichte, wo sich beispielsweise die Heere eines K�nigs befanden und wie stark sie seien. Was glaubt Ihr, woher ich sonst wu�te, wo und wann ich zuschlagen mu�te?� Seine Zuh�rer traten unruhig von einem Fu� auf den anderen, was wohl zum Teil an seinem raubtierhaften Grinsen lag und zum Teil an seinen Worten.</p><p>Er ha�te die Aes Sedai. Nynaeve war sich da ganz sicher, auch wenn sie sich nur wenige Male dazu aufgerafft hatte, ihn zu untersuchen. Sie hatte das auch nicht mehr gemacht, seit Min wegging, und erfahren hatte sie ohnehin nichts. Sie hatte zuerst geglaubt, ihn zu untersuchen w�rde einen neuen Blickwinkel ergeben, unter dem sie das gestellte Problem betrachten konnte, denn nirgends waren die Unterschiede zwischen Mann und Frau deutlicher als im Gebrauch der Macht, aber bei ihm war das schlimmer, als einfach in ein dunkles Loch zu starren, nein, es war nichts da, nicht einmal ein Loch. Alles in allem nahm es sie ziemlich mit, sich in Logains N�he aufzuhalten. Er hatte jede ihrer Bewegungen mit einer brennenden Eindringlichkeit beobachtet, die sie schaudern lie�, obwohl sie wu�te, da� sie ihn mit Hilfe der Macht fesseln konnte, wenn er auch nur einen Finger zum falschen Zeitpunkt hob. Es war nicht die Art von Leidenschaft in seinem Blick, wie sie M�nner Frauen entgegenbrachten, sondern eine Art reiner, tiefgreifender Verachtung, die sich auf seiner Miene �berhaupt nicht zeigte, und das machte sie nur um so erschreckender. Die Aes Sedai hatten ihn f�r alle Zeit von der Einen Macht abgeschnitten; Nynaeve konnte sich ihre eigenen Gef�hle nur zu gut vorstellen, sollte man ihr das antun. Er konnte sich jedoch daf�r nicht an allen Aes Sedai r�chen. Was er vollbringen konnte, war, die Rote Ajah zu vernichten, und er stellte sich dabei schon recht geschickt an.</p><p>Dies war das erste Mal, da� gleich drei gekommen waren, aber jede Woche kamen ein oder zwei Lords oder Ladies, um seine Geschichte zu h�ren. Sie kamen aus ganz Altara und sogar aus Murandy, und jeder war bei der R�ckreise total erschlagen von dem, was Logain gesagt hatte. Kein Wunder, denn die einzige noch schockierendere Information w�re wohl die gewesen, h�tten die Aes Sedai zugegeben, da� es die Schwarzen Ajah wirklich gab. Nun, das w�rden sie bestimmt nicht tun, jedenfalls nicht in der �ffentlichkeit, und aus mehr oder weniger dem gleichen Grund lie�en sie auch Logains Geschichte nur in ganz kleinen Kreisen durchsickern. Es mochten ja die Roten Ajah gewesen sein, die das getan hatten, aber sie waren immer noch Aes Sedai, und zu viele Menschen konnten die eine Ajah nicht von der anderen unterscheiden. So wurden schlie�lich nur wenige zu Logain gebracht, und jeder einzelne dieser Handvoll Adliger wurde der Macht seines Hauses wegen daf�r ausgew�hlt. Ihre H�user w�rden nun den Aes Sedai in Salidar ihre Unterst�tzung zuteil werden lassen, wenn auch manchmal vielleicht nicht offen, oder zumindest w�rden sie Elaida nicht st�tzen.</p><p>�Javindhra hat mich gewarnt, wenn weitere Aes Sedai in die N�he kamen�, sagte Logain, �solche, die mich jagten. Sie hat mir mitteilen lassen, wo sie sich aufhalten w�rden, damit ich sie angreifen konnte, bevor sie es �berhaupt ahnten.� Lelaines w�rdevollen, alterslosen Gesichtsz�ge verh�rteten sich einen Augenblick lang, und Burins Hand kroch auf das Heft seines Schwertes zu. Einige Schwestern waren gestorben, bis Logain gefangengenommen wurde. Logain schien ihre Reaktionen nicht wahrzunehmen. �Die Roten Ajah haben mich nie im Stich gelassen, bis sie mich am Ende doch verrieten.�</p><p>Der b�rtige Mann blickte Logain derart intensiv an, da� er sich offensichtlich dazu zwingen mu�te. �Aes Sedai, was war mit seinen Anh�ngern? Vielleicht war er in der Burg sicher gefangen, aber man hatte ihn eine ganze Reihe von Tagesm�rschen n�her zu unserem derzeitigen Aufenthaltsort hier aufgegriffen.�</p><p>�Man hat nicht alle get�tet oder gefangengenommen�, warf der Lord mit dem hageren Gesicht gleich im Anschlu� an ihn ein. �Die meisten entkamen und sind untergetaucht. Ich kenne die Geschichte, Aes Sedai. Raolin Dunkelbanns Anh�nger wagten es, die Wei�e Burg selbst anzugreifen, nachdem er in Gefangenschaft geriet und die von Guaire Amalasan machten es nicht anders. Wir erinnern uns nur zu gut daran, wie Logains Heer durch unser Land marschiert ist, als da� wir w�nschten, seine Anh�nger versuchten das Gleiche, um ihn zu befreien.�</p><p>�Das habt Ihr nicht zu bef�rchten.� Lelaine blickte Logain mit einem kurzen L�cheln an, wie eine Frau einen wilden Hund, den sie zahm an ihre Leine gelegt hat. �Er strebt nicht mehr nach Ruhm und will lediglich ein wenig von dem wiedergutmachen, was er angerichtet hat. Au�erdem bezweifle ich, da� viele seiner Anh�nger k�men, wenn er sie riefe; nicht, nachdem man ihn in einem K�fig nach Tar Valon gebracht und einer D�mpfung unterzogen hat.� Ihr heiteres Lachen fand bei den Adligen aus Altara ein Echo, doch erst nach einem Moment des Z�gerns und dann auch noch recht schwach. Logains Gesicht war eine eherne Maske.</p><p>Mit einemmal bemerkte Lelaine, da� Nynaeve an der T�r stand, und sie zog die Augenbrauen hoch. Sie hatte sich mehr als einmal sehr freundlich mit Nynaeve unterhalten und die angeblichen Entdeckungen gelobt, die ihr und Elayne zu verdanken waren, aber sie war genauso schnell dabei wie jede andere Aes Sedai, wenn es darum ging, eine Aufgenommene herunterzuputzen, die sich falsch verhalten hatte.</p><p>Nynaeve knickste schnell und deutete mit dem Tonkrug, der mittlerweile leer war. �Entschuldigt bitte, Lelaine Sedai. Ich mu� den zur K�che zur�ckbringen.� Damit scho� sie in die Backofenhitze der Stra�e hinaus, bevor die Aes Sedai auch nur ein Wort sagen konnte.</p><p>Gl�cklicherweise war Myrelle nun nirgendwo mehr zu sehen. Nynaeve hatte keine Lust, sich eine weitere Gardinenpredigt anzuh�ren, sie solle mehr Verantwortung zeigen oder sich besser beherrschen oder ein Dutzend anderer idiotischer Vorw�rfe. Und was noch besser war, Siuan stand keine drei�ig Schritt entfernt Gareth Bryne mitten auf der Stra�e gegen�ber. Der Passantenstrom teilte sich um sie herum. Wie Myrelle zeigte auch Siuan keine Anzeichen von Verletzungen, von denen Elayne berichtet hatte. Vielleicht h�tten sie mehr Respekt f�r <emphasis>Tel'aran'rhiod,</emphasis> wenn sie nicht einfach hinaustreten und ihre Fehler mit Hilfe der Macht heilen lassen konnten. Nynaeve trat n�her heran.</p><p>�Was ist denn mit Euch los, Frau?� so grollte Bryne Siuan an. Er blickte auf sie herab, ein grauer Kopf �ber ihrem jugendlich wirkenden Gesicht. Breitbeinig stand er da, hatte die F�uste in die H�ften gestemmt und machte den Eindruck eines Felsbrockens. Den Schwei�, der ihm �ber das Gesicht rann, beachtete er so wenig, als habe er gar nichts mit seiner Person zu tun. �Ich lobe Euch, weil meine Hemden so weich sind, und Ihr rei�t mir beinahe den Kopf ab. Und ich habe gesagt, da� Ihr fr�hlich ausseht. Das ist ja wohl kaum eine Kampfansage. Das war als Kompliment gemeint, Frau, vielleicht sogar in Rosen gebettet.�</p><p>�Komplimente?� grollte Siuan zur�ck. Ihre blauen Augen funkelten ihn an. �Ich brauche Eure Komplimente nicht! Es gef�llt Euch einfach, wenn ich Eure Hemden b�geln mu�. Ihr seid ein kleinerer Mann, als ich jemals glaubte, Gareth Bryne. Erwartet Ihr von mir, da� ich Euch wie eine Marketenderin hinterherlaufe, wenn das Heer marschiert, und auf weitere Eurer <emphasis>Komplimente</emphasis> hoffe? Und Ihr werdet mich <emphasis>nicht</emphasis> mehr so anreden, als <emphasis>Frau</emphasis> Das klingt wie: Komm her, Hund!�</p><p>An Brynes Schl�fe begann eine Ader zu pulsieren. �Es gef�llt mir, da� Ihr Wort haltet, <emphasis>Siuan.</emphasis> Und falls das Heer jemals marschiert, erwarte ich, da� Ihr es auch weiterhin haltet. Ich habe diesen Eid niemals von Euch verlangt. Ihr habt ihn von selbst angeboten und versucht, Euch damit vor der Verantwortung f�r das zu dr�cken, was Ihr angerichtet hattet. Ihr habt nicht geglaubt, da� Ihr gezwungen w�rdet, Euch an den Eid zu halten, oder? Was den Marsch des Heeres betrifft: Was habt Ihr dar�ber geh�rt, w�hrend ihr vor den Aes Sedai gekrochen seid und ihnen die F��e gek��t habt?�</p><p>Innerhalb eines Herzschlags wandelte sich Siuans hei�er Zorn zu eisiger Ruhe. �Das geh�rt nicht zu meinem Eid.� Man h�tte sie f�r eine junge Aes Sedai halten k�nnen, die hoch aufgerichtet und mit diesem k�hl arroganten Trotz vor ihm stand, eine, die noch nicht sehr lange mit der Macht gearbeitet hatte und deren Gesicht deshalb bisher nicht diese typische Alterslosigkeit angenommen hatte. �Ich werde nicht f�r Euch spionieren. Ihr dient dem Burgsaal, Gareth Bryne, und den Treueeid habt <emphasis>Ihr</emphasis> geschworen. Euer Heer wird marschieren, wenn sich der Saal dazu entschlie�t. Lauscht ihren Worten und gehorcht dem, was ihr vernehmt.�</p><p>Brynes Haltung �nderte sich blitzschnell. �Ihr w�rt ein Gegner, der es wert ist, die Klingen mit ihm zu kreuzen�, lachte er bewundernd. �Ihr w�rt eine bessere...� Doch schon wurde aus dem Schmunzeln wieder eine d�stere Miene. �Der Saal, ja? Pah! Dann richtet Sheriam aus, sie kann endlich damit aufh�ren, mir auszuweichen. Was ich hier tun kann, habe ich getan. Sagt Ihr, ein Wolfshund im Zwinger kann genausogut durch ein Schwein ersetzt werden, wenn die W�lfe kommen. Ich habe diese M�nner nicht um mich versammelt, damit sie auf dem Markt feilgeboten werden.� Nach einem knappen Nicken schritt er durch die Menge fort. Siuan blickte ihm mit gerunzelter Stirn nach.</p><p>�Worum ging es denn nun eigentlich?� fragte Nynaeve, und Siuan fuhr zusammen.</p><p>�Um nichts, was Euch etwas anginge!� fauchte sie und strich ihr Kleid glatt. Man h�tte denken k�nnen, Nynaeve habe sich mit Absicht angeschlichen. Die Frau nahm aber auch alles immer pers�nlich.</p><p>�La�t es sein�, sagte Nynaeve gefa�t. Sie w�rde sich nicht durch solche Nebens�chlichkeiten ablenken lassen. �Was ich aber nicht sein lasse, ist, Euch zu untersuchen.� Heute w�rde sie etwas N�tzliches tun, und wenn sie sich daf�r umbringen mu�te. Siuan �ffnete den Mund und blickte sich dabei um. �Nein, Marigan ist nicht hier, und im Moment ben�tige ich sie auch nicht. Ihr habt mich erst zweimal � zweimal! � an Euch herangelassen, seit ich einen Hinweis darauf fand, da� etwas in Euch geheilt werden k�nnte. Ich werde Euch heute untersuchen, und falls Ihr das verhindert, erz�hle ich Sheriam, da� Ihr ihren Befehl mi�achtet, Euch mir zur Verf�gung zu halten. Ich schw�re Euch, ich werde das sagen!�</p><p>Einen Augenblick lang glaubte sie, die andere Frau werde es aufs �u�erste ankommen lassen, aber schlie�lich sagte Siuan m�rrisch: �Heute nachmittag. Heute vormittag habe ich zu tun. Es sei denn Ihr glaubt, Eure T�tigkeit sei wichtiger, als Eurem Freund von den Zwei Fl�ssen zu helfen?�</p><p>Nynaeve trat n�her an sie heran. Niemand sonst auf der Stra�e schenkte ihnen mehr Beachtung als h�chstens einen Blick im Vor�bergehen, aber trotzdem senkte sie die Stimme: �Was haben sie mit ihm vor? Ihr sagt immer wieder, sie h�tten sich noch nicht entschlossen, was sie seinetwegen unternehmen sollen, aber mittlerweile m�ssen sie doch wohl zu irgendwelchen Schl�ssen gekommen sein!� Falls ja, dann wu�te Siuan Bescheid, ob das nun beabsichtigt war oder nicht.</p><p>Urpl�tzlich war Leane da, und Nynaeves Worte verpufften wirkungslos. Siuan und Leane starrten sich gegenseitig w�tend an wie zwei verfeindete Katzen, die sich ins Gehege gekommen waren.</p><p>�Nun?� knurrte Siuan zwischen zusammengebissenen Z�hnen hervor.</p><p>Leane schnaubte und sch�ttelte den Kopf, da� ihre Locken flogen. Ein h�misches Grinsen verzerrte ihr Gesicht, doch ihre Worte entsprachen keineswegs Ihrer Miene oder dem Tonfall: �Ich habe versucht, ihnen das auszureden�, fauchte sie, allerdings leise. �Aber sie hatten dir noch nicht einmal gut genug zugeh�rt, um sich ihre eigenen Gedanken zu machen. Heute abend wirst du nicht mit den Weisen Frauen zusammentreffen.�</p><p>�M�wenschei�e�, fluchte Siuan. Dann drehte sie sich auf dem Fu� um und stolzierte davon, allerdings auch nicht schneller als Leane in entgegengesetzter Richtung.</p><p>Nynaeve h�tte fast die H�nde frustriert gehoben. Sie redeten, als bef�nde <emphasis>sie</emphasis> sich �berhaupt nicht hier, und als wisse sie nicht genau, wovon sie sprachen. Ignorierten sie einfach. Siuan sollte besser heute nachmittag bei ihr erscheinen, wie sie es versprochen hatte. Sonst w�rde sei eine M�glichkeit finden, die Frau auszuwringen und zum Trocknen aufzuh�ngen! Sie zuckte zusammen, als hinter ihr eine Frau zu sprechen begann: �Diese beiden sollte man wirklich zu Tiana schicken, damit sie eine kr�ftige Tracht Pr�gel beziehen.� Lelaine trat neben Nynaeve und blickte erst Siuan und dann Leane hinterher. So herumzulaufen und sich an Leute anzuschleichen! Logain, Burin oder die Adligen aus Altara waren nirgends zu sehen. Die Blaue Schwester r�ckte ihre Stola zurecht. �Nat�rlich sind sie nicht mehr die, die sie einst waren, aber man sollte doch denken, da� sie wenigstens den Schein wahren. Es wird nicht besonders gut wirken, wenn sie sich wirklich noch einmal auf der Stra�e gegenseitig die Haare ausrei�en.�</p><p>�Manchmal passen Leute einfach nicht zusammen, und es kommt st�ndig zu Reibereien�, sagte Nynaeve. Siuan und Leane arbeiteten so hart daran, dieses T�uschungsman�ver aufrechtzuerhalten, und dann war wohl das Wenigste, was sie dazu beitragen konnte, ein bi�chen Unterst�tzung zum rechten Zeitpunkt. Wie sie es ha�te, wenn sich Menschen an sie heranschlichen.</p><p>Lelaine blickte auf Nynaeves Hand, die schon wieder ihren Zopf ergriffen hatte, und sie ri� die Hand schnell weg. Zu viele kannten mittlerweile ihre Angewohnheit. Dabei strengte sie sich so an, das zu unterdr�cken. Aber die Aes Sedai sagte lediglich: �Nicht, wenn es die W�rde der Aes Sedai untergr�bt, Kind. Frauen, die den Aes Sedai dienen, sollten sich in der �ffentlichkeit zur�ckhalten, gleich wie t�richt sie sich privat auch verhalten m�gen.� Daran gab es gewi� nichts zu deuteln, oder jedenfalls nichts, was sie h�tte sagen k�nnen, ohne Ansto� zu erregen. �Warum seid Ihr hereingekommen, als ich vorhin Logain vorf�hrte?�</p><p>�Ich hatte geglaubt, der Raum sei leer, Aes Sedai�, sagte Nynaeve schnell. �Es tut mir leid. Ich hoffe, ich habe nicht zu sehr gest�rt.� Das war keine Antwort, denn sie konnte ihr kaum sagen, sie habe sich vor Myrelle versteckt, aber die schlanke Blaue sah ihr nur einen Moment lang in die Augen.</p><p>�Was glaubt Ihr, wird Rand al'Thor unternehmen, Kind?�</p><p>Nynaeve ri� verwirrt die Augen auf. �Aes Sedai, ich habe ihn ein halbes Jahr nicht mehr gesehen. Alles, was ich wei�, ist das, was ich hier vernahm. Hat der Saal...? Aes Sedai, was hat der Saal in bezug auf ihn beschlossen?�</p><p>Lelaine musterte aufmerksam Nynaeves Gesicht und sch�rzte die Lippen. Diese dunklen Augen schienen auf beunruhigende Weise direkt in Nynaeves Kopf zu blicken. �Ein bemerkenswerter Zufall. Ihr kommt aus dem gleichen Dorf wie der Wiedergeborene Drache, genau wie dieses andere M�dchen, Egwene al'Vere. Man hielt gro�e St�cke auf sie, als sie Novizin wurde. Habt Ihr eine Ahnung, wo sie sich befindet?� Sie wartete nicht auf eine Antwort. �Und diese beiden anderen jungen M�nner, Perrin Aybara und Mat Cauthon. Beide ebenfalls <emphasis>Ta'veren,</emphasis> wie ich h�rte. Wirklich bemerkenswert. Und dann Ihr mit Euren au�ergew�hnlichen Entdeckungen, trotz Eurer Beschr�nkungen. Wo sich Egwene auch befinden mag, wird sie sich auch auf Gebiete vorwagen, die keine von uns je betreten hat? Ihr alle habt eine ganze Menge Gespr�chsstoff f�r die Schwestern geliefert, wie Ihr euch denken k�nnt.�</p><p>�Ich hoffe, sie sagen nur das Beste�, stellte Nynaeve bed�chtig fest. Man hatte ihnen viele Fragen �ber Rand gestellt, seit sie nach Salidar gekommen waren und besonders, seit die Delegation nach Caemlyn aufgebrochen war. Manche Aes Sedai schienen kaum ein anderes Thema ihr gegen�ber zu kennen. Aber dieses Gespr�ch war doch etwas anderes. Das war halt auch das Problematische daran, wenn man mit Aes Sedai sprach. Einen gro�en Teil der Zeit �ber war man nicht sicher, was sie meinten oder worauf sie hinauswollten.</p><p>�Habt Ihr immer noch nicht die Hoffnung aufgegeben, Siuan und Leane heilen zu k�nnen, Kind?� Lelaine nickte, als habe Nynaeve ihr geantwortet, und seufzte. �Manchmal glaube ich, Myrelle hat recht. Wir haben zuviel Geduld mit Euch. Trotz Eurer Entdeckungen sollten wir Euch vielleicht doch in Theodrins Obhut geben, bis Euer Block gegen den wunschgem��en Gebrauch der Macht gebrochen ist. Wenn man bedenkt, was Ihr in den letzten beiden Monaten fertiggebracht habt, was k�nntet Ihr <emphasis>dann</emphasis> erst fertigbringen?� Nynaeve griff unbewu�t wieder nach ihrem Zopf und bem�hte sich, etwas einzuwerfen, einen sorgf�ltig formulierten Protest beispielsweise, doch Lelaine beachtete ihren Versuch �berhaupt nicht. Was m�glicherweise auch gut war. �Ihr tut Siuan und Leane keinen Gefallen, Kind. La�t sie vergessen, wer und was sie waren, und gebt Euch mit dem zufrieden, wer und was sie nun sind. So, wie sie sich benehmen, seid ihr wahrscheinlich das einzige, was sie davon abh�lt, ihre Vergangenheit zu vergessen, Ihr und diese t�richten Versuche, zu heilen, was nicht zu heilen ist. Sie sind keine Aes Sedai mehr. Warum an falschen Hoffnungen festhalten?�</p><p>In ihrer Stimme lag eine Andeutung von Leidenschaft und auch ein wenig Verachtung. Diejenigen, die nicht zu den Aes Sedai geh�rten, waren eben minderwertig, und das Ablenkungsman�ver Siuans und Leanes hatte ganz bestimmt eine solche Geringsch�tzung geradezu eingeladen. Und dann gaben nicht wenige hier Anwesende Siuan die Schuld an den Schwierigkeiten der Burg, weil sie als Amyrlin so ungeschickt taktiert hatte. H�chstwahrscheinlich glaubten sie, die beiden h�tten alles verdient, was ihnen geschehen war, und vielleicht noch mehr.</p><p>Was ihnen angetan worden war, hatte aber die ganze Lage noch sehr kompliziert. Jemand einer D�mpfung zu unterziehen war selten. Vor Siuan und Leane hatte man einhundertvierzig Jahre lang keine Frau mehr verurteilt und ihrer F�higkeiten beraubt und seit mindestens einem Dutzend Jahren war keine mehr ausgebrannt. Nach der D�mpfung versuchte eine Frau f�r gew�hnlich, sich den Aes Sedai so fern zu halten wie m�glich. H�tte man Lelaine einer D�mpfung �berzogen, dann h�tte sie zweifellos zu vergessen versucht, da� sie jemals eine Aes Sedai gewesen war. Zweifelsohne w�rde sie auch gern vergessen, da� Siuan und Leane jemals Aes Sedai gewesen waren, da� man ihnen all dies genommen hatte. Wenn man sie einfach als zwei Frauen betrachten konnte, die niemals mit der Macht umgehen konnten, niemals Aes Sedai waren, w�rden sich eine Menge Aes Sedai wohler in ihrer Haut f�hlen.</p><p>�Sheriam Sedai hat mir die Erlaubnis erteilt, es zu versuchen�, sagte Nynaeve so energisch sie es einer vollwertigen Schwester gegen�ber wagte. Lelaine sah ihr in die Augen, bis sie den Blick senkte. Der Kn�chel ihrer Hand, die den Zopf erfa�t hielt, f�rbte sich wei�, bevor sie es fertigbrachte, loszulassen, aber sie bewahrte eine ruhige Miene. Zu versuchen, dem Blick einer Aes Sedai zu widerstehen, war ziemlich idiotisch f�r eine Aufgenommene.</p><p>�Wir benehmen uns alle irgendwann einmal t�richt, Kind, doch eine weise Frau lernt, sich auch darin auf wenige Gelegenheiten zu beschr�nken. Da Ihr offensichtlich mit Fr�hst�cken fertig seid, schlage ich vor, Ihr werdet diesen Krug los und sucht Euch etwas zu arbeiten, bevor Ihr statt dessen die Arme im hei�en Wasser habt. Habt Ihr je daran gedacht, Euch das Haar kurz zu schneiden? Spielt keine Rolle. Fort mit Euch,�</p><p>Nynaeve knickste, aber die Aes Sedai wandte ihr bereits den R�cken zu, bevor sie den Tiefpunkt erreicht hatte. Vor Lelaines Blick sicher, funkelte sie der Frau hinterher. Ihr Haar <emphasis>schneiden?</emphasis> Sie hob ihren Zopf an und sch�ttelte ihn der sich entfernenden Aes Sedai hinterher. Da� sie damit gewartet hatte, bis sie sich sicher f�hlte, regte sie selbst auf, aber h�tte sie nicht gewartet, w�re sie jetzt ganz bestimmt auf dem Weg zu Moghedien in den W�schereihof, h�chstens mit einer Unterbrechung, um auf dem Weg bei Tiana hereinzuschauen. Sie sa� nun schon monatelang unt�tig hier in Salidar � und wenn man es von der praktischen Seite her betrachtete, waren sie trotz allem, was sie und Elayne aus Moghedien herausgeholt hatten, eben unt�tig gewesen � mitten unter Aes Sedai, die nichts taten au�er reden und warten, w�hrend die Welt ohne sie dem Ruin entgegensteuerte, und Lelaine hatte nichts Besseres zu tun, als sie zu fragen, ob sie ihr Haar schneiden werde! Sie hatte die Schwarzen Ajah verfolgt, war in Gefangenschaft gekommen und wieder entflohen, hatte ihrerseits eine der Verlorenen gefangen, na ja gut, das wu�te nat�rlich keine von ihnen, hatte der Panarchin von Tarabon wenigstens vor�bergehend wieder zu ihrem Thron verholfen, und nun war alles, was sie hier tat, herumzusitzen und gelegentlich ein Lob einzustreichen f�r Dinge, die sie aus Moghedien herausgeholt hatten. Ihr Haar schneiden? Da konnte sie sich ja gleich eine Glatze schneiden lassen! Damit w�rde sie auch nicht mehr erreichen.</p><p>Sie erblickte Dagdara Finchey, wie sie durch die Menge schritt, so breit gebaut wie die kr�ftigsten M�nner unter den Passanten und h�her aufragend als die meisten, und der Anblick der Gelben mit dem runden Gesicht regte sie ebenfalls auf. Ein Grund daf�r, da� sie sich entschlossen hatte, in Salidar zu bleiben, war der, sich von den Gelben unterrichten zu lassen, denn sie verstanden mehr von der Heilkunst als jede andere. Das behauptete jedenfalls jeder. Aber falls eine von ihnen mehr wu�te als <emphasis>sie</emphasis> jetzt bereits, dann teilte sie dieses Wissen nicht mit einer blo�en Aufgenommenen. Die Gelben sollten an sich ihrem Wunsch, alles und jeden zu heilen, sogar diejenigen, die einer D�mpfung unterzogen worden waren, am verst�ndnisvollsten gegen�berstehen, aber sie waren die letzten, die Bereitschaft zeigten, ihr zu helfen. Dagdara h�tte sie den ganzen Tag lang B�den schrubben lassen, um ihr diese �t�richten Ideen� aus dem Kopf zu treiben, wenn Sheriam nicht eingegriffen h�tte, w�hrend Nisao Dachen, eine unauff�llige Gelbe mit Augen, die so hart dreinblickten, da� man mit ihnen N�gel einschlagen konnte, sich sogar weigerte, mit Nynaeve zu sprechen, solange diese darauf bestand, �die Webart des bestehenden Musters zu �ndern�.</p><p>Und um dem allen die Krone aufzusetzen, sagte ihr Wettergef�hl ganz einwandfrei aus, da� sich seit einer Weile ein Sturm n�here, obwohl der wolkenlose Himmel und die brennende Sonne sie verspotteten.</p><p>So knurrte sie in sich hinein, stellte den Tonkrug einfach hinten auf einen vorbeirumpelnden Karren und machte sich auf den Weg durch die Menge. Sie konnte nichts weiter tun, als in Bewegung zu bleiben und gesch�ftig zu wirken, bis Moghedien fertig war, und das Licht mochte wissen, wie lange das noch dauern werde. Ein vollkommen vergeudeter Vormittag, passend zu den vielen Tagen, die sie hier schon vergeudet hatte.</p><p>Viele der Aes Sedai l�chelten sie an oder nickten ihr zu, aber sie l�chelte dann entschuldigend zur�ck und beschleunigte ihren Schritt f�r kurze Zeit, damit es aussah, als habe sie es eilig, und so vermied sie es, angehalten zu werden und die �blichen Fragen �ber sich ergehen lassen zu m�ssen, welche neuen Dinge man in n�chster Zeit von ihr erwarten k�nne. In ihrer augenblicklichen Laune h�tte sie ihnen vielleicht ehrlich gesagt, was sie dachte, und das h�tte unangenehme Folgen nach sich gezogen. Nichtstun. <emphasis>Sie</emphasis> fragen, was Rand unternehmen werde. Ihr sagen, sie solle sich ihr Haar abschneiden. Pah!</p><p>Nat�rlich l�chelten nicht alle. Nicht nur, da� Nisao einfach durch Nynaeve hindurchblickte, nein, Nynaeve mu�te schnell aus dem Weg springen, um nicht von der Frau �berrannt zu werden. Und eine arrogante Aes Sedai mit hellblondem Haar und einem hervorstehenden Kinn, die auf einem gro�rahmigen Fuchswallach durch die Menge ritt, warf ihr im Vorbeireiten einen ausgesprochen finsteren Blick aus scharfen blauen Augen zu. Nynaeve erkannte sie nicht. Die Frau wirkte wie aus dem Ei gepellt in einem hellgrauen, seidenen Reitkleid, aber der leichte Leinenumhang vor ihr auf dem Sattel sprach daf�r, da� sie gerade von einer Reise neu hier eingetroffen war. Was noch f�r ihre Neuankunfft in Salidar sprach, war der schlacksige Beh�ter in gr�nem Wams, der auf einem gro�en, grauen Streitro� hinter ihr herritt und recht nerv�s wirkte. Beh�ter wirkten <emphasis>niemals</emphasis> nerv�s, aber Nynaeve dachte sich, es m�sse wohl als Ausnahme gelten, wenn man sich soeben einer Rebellion gegen die Wei�e Burg anschlo�. Licht! Selbst Neuank�mmlinge kamen gerade zurecht, um sie noch mehr aufzubringen!</p><p>Und dann tauchte noch der narbengesichtige Uno auf, den Kopf bis auf die Skalplocke kahlgeschoren und die leere Augenh�hle von einer Klappe verdeckt, auf die ein scheu�liches, knallrotes Auge aufgemalt war. Er hielt in seiner offensichtlichen Strafpredigt f�r einen verlegenen jungen Mann im Schuppenpanzer inne, der die Z�gel eines Pferds mit einer an den Sattel geschnallten Lanze hielt, und grinste warm in Nynaeves Richtung. Nun, wenigstens ohne die Augenklappe w�re es ein warmes Grinsen geworden. Nynaeve verzog blo� das Gesicht, und so weitete sich sein Auge erschrocken, und er wandte sich hastig wieder dem Soldaten zu, um seine Standpauke fortzusetzen.</p><p>Es lag nicht an Uno oder seiner Augenklappe, da� es ihr sauer aufstie�. Nicht nur. Er hatte sie und Elayne nach Salidar begleitet und ihnen sogar versprochen, er w�rde Pferde stehlen � ausleihen nannte er das �, falls sie von hier fliehen wollten. Die Chance war allerdings vor�ber. Uno trug eine Goldlitze an den �rmelaufschl�gen seines abgetragenen dunklen Rocks, denn er war Offizier und f�r die Ausbildung der schweren Reiterei in Gareth Brynes Heer verantwortlich. So war er nun gebunden und konnte sich gewi� nicht mehr mit Nynaeve abgeben. Nein, das stimmte auch wieder nicht. Sollte sie ihm mitteilen, da� sie abreisen wolle, w�rde er innerhalb weniger Stunden Pferde auftreiben und sie w�rde von einer Eskorte von Schienarern mit Skalplocke begleitet wegreiten. Diese Soldaten hatten Rand die Treue geschworen und befanden sich nur in Salidar, weil sie und Elayne sie hierher mitgebracht hatten. Allerdings w�rde sie dann zugeben m�ssen, sich geirrt zu haben, als sie bleiben wollte, und auch zugeben, da� sie ihn angelogen hatte, denn sie hatte ihm immer wieder versichert, sie f�hle sich an Ort und Stelle ausgesprochen wohl. Das alles zuzugeben, brachte sie nicht fertig. Unos Hauptgrund, �berhaupt hier auszuharren, war seine F�rsorge f�r sie und Elayne. Er glaubte, auf sie aufpassen zu m�ssen! Nein, von ihr w�rde er keine solchen Gest�ndnisse zu h�ren bekommen!</p><p>�berhaupt war der Gedanke daran, Salidar zu verlassen, jetzt erst, durch Uno angeregt, wieder aufgetaucht, und sie gr�belte nun angestrengt dar�ber nach. Wenn nur Thom und Juilin nicht auf Erkundung nach Amadicia ausgezogen w�ren. Nat�rlich unternahmen sie die Reise nicht aus purem Spa� daran. In der ersten Zeit, als sie noch geglaubt hatten, die Aes Sedai hier w�rden tats�chlich etwas unternehmen, hatten sie sich freiwillig bereit erkl�rt, als Kundschafter herauszufinden, was auf der anderen Seite des Flusses vor sich ging. Sie hatten geplant, bis nach Amador zu ziehen. Nun waren sie schon gut einen Monat weg und w�rden fr�hestens in einigen Tagen wieder eintreffen. Nat�rlich waren sie nicht die einzigen Kundschafter. Man hatte sogar Aes Sedai und Beh�ter ausgesandt, aber die meisten in Richtung Tarabon, also noch weiter nach Westen. Die Aes Sedai taten eben so, als w�rden sie tats�chlich etwas unternehmen, und die Verz�gerung, bis sie mit ihren Berichten wieder eintrafen, kam ihnen als Ausrede gerade recht. Nynaeve w�nschte, sie h�tte die beiden M�nner nicht ziehen lassen. H�tte sie nein gesagt, w�re keiner von beiden gegangen.</p><p>Thom war ein alter Gaukler, obwohl er fr�her einmal sehr viel h�her gestanden hatte, und Juilin war ein Diebf�nger aus Tear, beides kompetente M�nner, die wu�ten, wie sie sich an fremden Orten zu verhalten hatten, und au�erdem auch auf viele andere Arten gut zu gebrauchen. Auch sie hatten sie und Elayne nach Salidar geleitet, und keiner h�tte es in Frage gestellt, sollte sie den Wunsch �u�ern, von hier wegzugehen. Zweifellos h�tten sie hinter ihrem R�cken einiges zu sagen gehabt, aber ins Gesicht h�tten sie ihr nichts gesagt, im Gegensatz zu Uno.</p><p>Es �rgerte sie, zugeben zu m�ssen, da� sie die M�nner wirklich brauchte, aber sie wu�te sich eben nicht so gut zu helfen, wenn es darum ging, ein Pferd zu stehlen. Au�erdem w�rde man es bemerken, sollte sich eine Aufgenommene an den Pferden zu schaffen machen, sowohl in den Stallungen, wie auch in den Koppeln der Kavalleriepferde, und sollte sie einfach das wei�e Kleid mit dem Farbsaum ablegen und etwas anderes anziehen, w�rde irgend jemand es bestimmt noch bemerken, bevor sie sich �berhaupt den Pferden n�hern konnte. Und sollte sie auch die Flucht bewerkstelligen, w�rde man sie verfolgen. Geflohene Aufgenommene brachte man genauso wie Novizinnen fast immer zur�ck und bestrafte sie so, da� sie kein zweites Mal eine Flucht versuchten. Wenn man die Ausbildung zur Aes Sedai in Angriff nahm, war man erst damit fertig, sobald <emphasis>sie</emphasis> es zulie�en.</p><p>Nat�rlich war es nicht die Angst vor einer Bestrafung, die sie noch hier festhielt. Was bedeutete es schon, ein oder zweimal den Hintern versohlt zu bekommen, wenn man es mit dem Schicksal verglich, m�glicherweise von den Schwarzen Ajah umgebracht zu werden oder sich einem der Verlorenen gegen-�berzufinden? Es lag im Grunde nur daran, ob sie auch wirklich gehen wollte. Wohin k�nnte sie sich beispielsweise wenden? Nach Caemlyn zu Rand? Zu Egwene nach Cairhien? W�rde Elayne mitkommen? Sicher, falls sie nach Caemlyn gingen. Entsprang dieser Wunsch nur dem anderen, endlich etwas zu unternehmen? Oder lag es nur an der Furcht, Moghedien k�nne entlarvt werden? Dagegen w�re die Strafe f�r das Weglaufen nur ein Klacks! Sie war nicht zu irgendeiner Entscheidung gekommen, als sie um eine Ecke kam und pl�tzlich vor Elaynes Klasse von Novizinnen stand, die sich auf einem offenen Platz zwischen zwei strohgedeckten Steinh�usern versammelt hatte, wo man die Ruine eines dritten Hauses wegger�umt hatte.</p><p>Mehr als zwanzig wei�gekleidete Frauen sa�en auf niedrigen Hockern im Halbkreis und sahen zu, wie Elayne mit zweien von ihnen irgendeine �bung vorf�hrte. Das Gl�hen <emphasis>Saidars</emphasis> umgab alle drei Frauen. Tabiya, ein vielleicht sechzehnj�hriges M�dchen mit gr�nen Augen und vielen Sommersprossen im Gesicht, und Nicola, eine schlanke, schwarzhaarige Frau etwa in Nynaeves Alter, trieben etwas unsicher eine Flamme immer von der einen zur anderen durch die Luft. Sie flackerte und verschwand auch gelegentlich einen Moment lang, wenn die eine zu langsam reagierte und sie nicht rechtzeitig von der anderen �bernahm und aufrecht erhielt. In ihrer augenblicklichen Laune war Nynaeve in der Lage, die von ihnen gewobenen Str�nge ganz deutlich zu erkennen.</p><p>Achtzehn Novizinnen hatten sie mitgenommen, als Sheriam und der Rest geflohen waren � Tabiya war eine davon �, aber die meisten in dieser Gruppe waren wie Nicola seither neu rekrutiert worden, nachdem sich die Aes Sedai in Salidar h�uslich niedergelassen hatten. Nicola war nicht die einzige Frau, die �lter war als bei Novizinnen �blich � das traf f�r gut die H�lfte der Anwesenden zu. Als Nynaeve und Elayne zur Burg kamen, �berpr�ften die Aes Sedai nur �u�erst selten M�dchen, die �lter waren als beispielsweise Tabiya. Nynaeve war sowohl ihres Alters wie auch der Tatsache wegen, da� sie eine Wilde war, eine gro�e Ausnahme geblieben. Aber mehr oder weniger aus purer Verzweiflung hatten die Aes Sedai hier ihre �berpr�fungen auch auf junge Frauen ausgedehnt, die noch ein oder zwei Jahre �lter als Nynaeve waren. Das Ergebnis war, da� es nunmehr in Salidar mehr Novizinnen gab als in den ganzen letzten Jahren in der Wei�en Burg. Dieser Erfolg hatte die Aes Sedai dazu gebracht, mittlerweile ganz Altara Dorf f�r Dorf von Schwestern absuchen zu lassen.</p><p>�H�ttet Ihr auch gern diese Klasse unterrichtet?�</p><p>Die Stimme an ihrer Schulter lie� Nynaeve erstarren und einen Eisklumpen in ihrem Magen entstehen. Das zweite Mal an einem Vormittag! Sie w�nschte, sie habe etwas von ihrer Magenmedizin in der Tasche. Wenn sie sich weiterhin derart �berraschen lie�, w�rde es doch noch damit enden, da� sie f�r irgendeine Braune die Papiere sortieren mu�te.</p><p>Selbstverst�ndlich war diese Domanifrau mit den Apfelb�ckchen keine Aes Sedai. In der Wei�en Burg w�re Theodrin vermutlich bereits zur Schwester erhoben worden, aber hier stand sie nun zum einen �ber den anderen Aufgenommenen, aber doch noch unter den Aes Sedai. Sie trug den Ring der Gro�en Schlange an der rechten Hand und nicht an der linken, und ihr gr�nes Kleid pa�te gut zu ihrem Bronzeteint, doch sie durfte sich keine Ajah aussuchen und die Stola nicht tragen.</p><p>�Ich habe besseres zu tun, als einem Haufen dickk�pfiger Novizinnen Wissen einzutrichtern.�</p><p>Theodrin l�chelte nur, weil Nynaeves Stimme so schnippisch klang. Sie war in Wirklichkeit an sich recht nett. �Eine dickk�pfige Aufgenommene, die dickk�pfige Novizinnen unterrichtet?� Normalerweise war sie nett. �Nun, sobald wir Euch einmal soweit haben, da� Ihr die Macht gebrauchen k�nnt, ohne ihnen st�ndig Kopfn�sse zu verpassen, werdet Ihr auch Novizinnen unterrichten. Und es w�rde mich nicht �berraschen, wenn Ihr bald danach zur Schwester erhoben w�rdet, bei all den Dingen, die Ihr schon entdeckt habt. �brigens habt Ihr mir nie verraten, was Euer Trick war.� Die Wilden hatten fast immer irgendeinen Trick entwickelt, wenn sie ihre F�higkeit zum Gebrauch der Macht einmal erkannt hatten. Das andere, was die meisten Wilden miteinander gemein hatten, war ein Block, den sie in ihrem Geist aufgebaut hatten, um ihre F�higkeit vor allen und sogar vor sich selbst zu verbergen.</p><p>Nynaeve beherrschte mit M�he ihre Gesichtsz�ge. In der Lage sein, jederzeit nach Wunsch die Macht zu gebrauchen. Zur Aes Sedai erhoben zu werden. Keines davon w�rde das Problem Moghedien l�sen, aber dann w�re es ihr m�glich, zu gehen, wohin sie wollte und zu untersuchen, was sie wollte, ohne sich dauernd rechtfertigen zu m�ssen und zu h�ren, dies oder das sei nicht heilbar. �Menschen erholten sich, obwohl das nicht zu erwarten war. Ich wurde so w�tend, weil jemand sterben w�rde und das all meine Kenntnisse �ber Kr�uter nicht ausreichten...� Sie zuckte die Achseln. �Und sie erholten sich wieder.�</p><p>�Viel besser als bei mir.� Die schlanke Frau seufzte. �Ich konnte es fertigbringen, da� ein Junge mich k�ssen wollte, oder auch nicht. Mein Block betraf M�nner und hatte nichts mit Zorn zu tun.� Nynaeve blickte sie ungl�ubig an und Theodrin lachte. �Nun, es hatte schon auch mit Gef�hlen zu tun. Falls ein Mann zugegen war, den ich entweder sehr mochte oder �berhaupt nicht leiden konnte, war ich f�hig, die Macht zu gebrauchen. Wenn ich weder das eine, noch das andere empfand oder wenn gar kein Mann zugegen war, h�tte ich genauso ein Baum sein k�nnen, was den Gebrauch <emphasis>Saidars</emphasis> betraf.�</p><p>�Wie habt Ihr nur diesen Block durchbrechen k�nnen?� fragte Nynaeve neugierig. Elayne lie� die Novizinnen mittlerweile paarweise �ben, und sie bem�hten sich unbeholfen, kleine Flammen von der einen zur anderen wandern zu lassen.</p><p>Theodrins L�cheln wurde breiter, doch eine leichte R�te f�rbte ihre Wangen. �Ein junger Mann namens Charel, ein Knecht in den Stallungen der Burg, hat mir sch�ne Augen gemacht. Ich war f�nfzehn, und er hatte ein wundervolles L�cheln. Die Aes Sedai lie�en ihn bei meinem Unterricht zugegen sein und still in einer Ecke sitzen, damit ich �berhaupt in der Lage war, die Macht zu gebrauchen. Was ich nicht wu�te: Sheriam hatte es so arrangiert, da� er mich �berhaupt kennenlernte.� Ihre Wangen liefen noch dunkler an. �Ich wu�te auch nicht, da� er eine Zwillingsschwester hatte und da� nach ein paar Tagen nicht mehr Charel in der Ecke sa�, sondern seine Schwester Marel. Als sie dann eines Tages w�hrend des Unterrichts Jacke und Hemd auszog, war ich so erschrocken, da� ich in Ohnmacht fiel. Doch von dem Tag an konnte ich die Macht gebrauchen, wann immer ich wollte.�</p><p>Nynaeve lachte schallend los � sie konnte sich nicht helfen �, und trotz ihrer Schamr�te lachte Theodrin ungehemmt mit. �Ich w�nschte, es w�re auch f�r mich so einfach, Theodrin.�</p><p>�Ob einfach oder nicht�, sagte Theodrin, die nun wieder ernst wurde, �wir werden in jedem Fall Euren Block beseitigen. Heute nachmittag...�</p><p>�Ich untersuche heute nachmittag Siuan�, warf Nynaeve hastig ein, und Theodrin verzog den Mund.</p><p>�Ihr habt mich gemieden, Nynaeve. Im vergangenen Monat habt Ihr es erreicht, Euch bis auf drei Sitzungen vor allen anderen zu dr�cken. Ich kann ja akzeptieren, wenn Ihr euch bem�ht und scheitert aber ich akzeptiere nicht, wenn Ihr euch aus Angst vor Fehlschl�gen dr�ckt.�</p><p>�Tue ich nicht�, fing Nynaeve beleidigt an, w�hrend eine kleine Stimme in ihr selbst fragte, warum sie die Wahrheit vor sich selbst verschleierte. Es war so entmutigend, es immer und immer wieder zu versuchen �und zu versagen.</p><p>Theodrin lie� sie nach diesen wenigen Worten nicht mehr zu Wort kommen. �Da Ihr heute ja wohl andere Verpflichtungen habt�, sagte sie ruhig, �werde ich Euch morgen sehen und jeden weiteren Tag danach, sonst sehe ich mich gezwungen, andere Ma�nahmen zu ergreifen. Das will ich nicht, und Ihr wollt es bestimmt auch nicht, aber ich habe vor, Euren Block niederzubrechen. Myrelle hat mich darum gebeten, mir besondere M�he damit zu geben, und ich schw�re, das werde ich.�</p><p>Das war ja nun fast ein Echo dessen, was sie Siuan gesagt hatte, und so klappte Nynaeves Kinnlade auch dementsprechend herunter. Es war das erste Mal, da� eine andere Frau ihr gegen�ber die verst�rkte Autorit�t ihrer Position geltend gemacht harte. Das s�he ihrem Gl�ck am heutigen Tag �hnlich, falls sie und Siuan Seite an Seite bei Tiana anr�cken mu�ten.</p><p>Theodrin wartete nicht auf eine Antwort. Sie nickte einfach, als sei Nynaeve einverstanden gewesen, und dann schritt sie die Stra�e hinauf. Nynaeve konnte fast eine gefranste Stola um ihre Schultern liegen sehen. Dieser Vormittag verlief aber absolut nicht gut. Und wieder Myrelle! Sie h�tte am liebsten geschrien.</p><p>Dr�ben bei den Novizinnen warf ihr Elayne ein stolzes L�cheln zu, doch Nynaeve sch�ttelte lediglich den Kopf und wandte sich ab. Sie w�rde jetzt zur�ck in ihr Zimmer gehen. Es war so typisch f�r die Art, wie dieser Tag verlief, da� sie noch nicht einmal auf halbem Weg Dagdara Finchley begegnete, genauer gesagt, Dagdara prallte �berrascht auf sie, und sie fiel platt auf den R�cken. Sie mu�te ausgerechnet jetzt rennen! Eine Aes Sedai! Die grobschl�chtige Frau blieb nicht einmal stehen und hatte es auch nicht n�tig, wenigstens eine Entschuldigung nach hinten zu rufen, w�hrend sie weiter ihren Weg durch die Menge pfl�gte.</p><p>Nynaeve raffte sich hoch, klopfte sich den Staub von der Kleidung, stampfte w�tend weiter bis zu ihrem Zimmer und knallte die T�r hinter sich zu. Es war hei� hier und eng, die Betten waren nicht gemacht, weil sich Moghedien noch nicht darum k�mmern konnte, und das Schlimmste �berhaupt war dieses �berw�ltigende Gef�hl, da� jeden Moment ein furchtbarer Hagelsturm �ber Salidar hereinbrechen mochte. Aber hier w�rde sich wenigstens niemand an sie heranschleichen oder sie niedertrampeln.</p><p>So lag sie dann auf den zerknitterten Laken und spielte mit dem silbrigen Armreif. Ihre Gedanken schweiften von der Frage, was sie heute wohl an neuen Informationen aus Moghedien herausbekommen k�nne, bis Siuan und ob sie wie versprochen am Nachmittag auftauchte, von Lan bis zu ihrem geistigen Block und weiter, ob sie in Salidar bleiben werde. Es w�re ja eigentlich kein richtiges Weglaufen. Sie w�rde wahrscheinlich nach Caemlyn gehen, zu Rand, denn er brauchte unbedingt jemanden, der ihm den Kopf zurechtr�ckte, wenn er zu eingebildet wurde, und Elayne w�rde es au�erdem auch gefallen. Irgendwie kam ihr die Abreise � kein Davonlaufen! � jetzt, nachdem sie Theodrins Absichten nun kannte, noch reizvoller vor.</p><p>Sie erwartete, in den durch den <emphasis>Adam</emphasis> str�menden Gef�hlen etwas dar�ber erkennen zu k�nnen, ob Moghedien ihre Arbeit beendet habe, denn dann w�rde sie sich auf die Suche nach der Frau machen, die sich oft versteckte, wenn sie am Schmollen war, aber die �bliche Scham und Emp�rung lie�en nicht nach. So war sie v�llig �berrascht, als sich die T�r mit einem Knall �ffnete.</p><p>�Also hier seid Ihr�, jammerte Moghedien. �Schaut her!� Sie hielt ihre H�nde hoch. �Kaputt!� In Nynaeves Augen sahen sie nicht anders aus als alle H�nde, nachdem man W�sche gewaschen hatte: wei� und runzlig, sicher, aber das gab sich wieder. �Es reicht noch nicht, da� ich v�llig verwahrlose, da� ich bedienen und schleppen mu� wie eine Dienerin, nein, nun erwartet man auch noch von mir, wie eine primitive...!�</p><p>Nynaeve unterbrach ihren Redeschwall mit einem einfachen Heilmittel: Sie dachte an einen kurzen Schlag mit einem Lederriemen, was das f�r ein Gef�hl war, und dann verschob sie den Gedanken in den Teil ihres Gehirns, in dem die von Moghedien her empfangenen Gef�hle ihren Platz hatten. Die andere Frau ri� die dunklen Augen auf, klappte augenblicklich den Mund zu und pre�te die Lippen aufeinander. Kein harter Schlag, aber eine Mahnung.</p><p>�Schlie�t die T�r und setzt Euch�, sagte Nynaeve. �Ihr k�nnt die Betten sp�ter machen. Wir haben jetzt Unterricht.�</p><p>�Ich bin wirklich an Besseres gew�hnt�, grollte Moghedien, als sie dem Befehl nachkam. �Ein Nachtarbeiter in Tojar f�hrte da ja noch ein besseres Leben!�</p><p>�Wenn ich mich nicht v�llig versch�tze�, sagte Nynaeve in scharfem Tonfall zu ihr, �dann stand bei einem Nachtarbeiter in wo-auch-immer kein Todesurteil im Raum. Wenn Ihr das w�nscht, sagen wir gern Sheriam, wer Ihr wirklich seid.� Das war ein reiner Bluff � schon bei dem blo�en Gedanken an so etwas zog sich Nynaeve der Magen zu einem �tzenden Klumpen zusammen �, aber von Moghedien her ergo� sich eine bei�ende Flut von Angst durch den <emphasis>A'dam.</emphasis> Nynaeve bewunderte fast schon die Art und Weise, wie diese Frau ihre Miene beherrschte. H�tte sie das gleiche empfunden, w�rde sie sich vermutlich verzweifelt auf dem Boden w�lzen und mit den Z�hnen knirschen.</p><p>�Was wollt Ihr von mir gezeigt bekommen?� fragte Moghedien mit ausdrucksloser Stimme. Sie mu�ten ihr immer sagen, was sie genau von ihr wollten. Von allein bot sie ihnen praktisch niemals etwas an, au�er sie �bten einen derartigen Druck auf sie aus, da� Nynaeve es bereits als Vorstufe zur Folter betrachtete.</p><p>�Wir werden etwas versuchen, was Ihr uns bisher nur ungen�gend beigebracht habt, n�mlich festzustellen, wenn ein Mann die Macht ben�tzt.� Das war bis jetzt das einzige gewesen, was sie und Elayne nicht so schnell zu erlernen in der Lage gewesen waren. Es k�nnte aber n�tzlich sein, falls sie sich entschlo�, wirklich nach Caemlyn zu reisen.</p><p>�Nicht gerade einfach, vor allem, wenn kein Mann da ist, mit dem man �ben kann. Wie schade, da� ihr nicht in der Lage wart, Logain zu heilen.� Es lag keinerlei Spott in Moghediens Worten, und auch ihre Miene blieb ernst, doch nach einem Blick in Nynaeves Richtung fuhr sie schnell fort: �Aber wir k�nnen es ja trotzdem wieder versuchen.�</p><p>Es war wirklich alles andere als einfach. Das war es wohl nie, selbst wenn Nynaeve etwas schnell lernte, sobald sie einmal die Str�nge des Gewebes deutlich sah. Moghedien konnte die Macht nicht gebrauchen, solange Nynaeve es ihr nicht gestattete und sie auch nicht anleitete, denn das war �ber den <emphasis>A'dam</emphasis> notwendig. Aber bei einem neuen Unterrichtsstoff mu�te sie Moghedien die F�hrung �berlassen, da nur sie das entsprechende Muster kannte. Das war ziemlich verwickelt, und nur deshalb waren sie nicht in der Lage, jeden Tag ein Dutzend neuer Dinge vor ihr zu �bernehmen. In diesem Fall hatte Nynaeve bereits eine schwache Ahnung davon, wie die Str�nge verwoben werden mu�ten, aber es war eben doch ein kompliziertes Flechtwerk aus Str�ngen aller F�nf M�chte, gegen das eine Heilung noch einfach war. Und dann verschob sich das Muster auch noch mit enormer Geschwindigkeit. Moghedien behauptete, dieser Schwierigkeiten wegen sei diese Methode auch nicht gerade oft ben�tzt worden. Wenn man sehr lange daran arbeitete, bekam man au�erdem noch qu�lende Kopfschmerzen.</p><p>Nynaeve legte sich auf ihr Bett zur�ck und arbeitete trotzdem, so hart sie nur konnte. Falls sie zu Rand ging, w�rde sie das m�glicherweise ben�tigen, und man konnte ja nie wissen, wie schnell das pl�tzlich ging. Sie lenkte auch alle Str�nge diesmal selbst, denn ein gelegentlicher Gedanke an Lan oder Theodrin erneuerte ihren Zorn in ausreichendem Ma�e. Fr�her oder sp�ter w�rde man Moghedien f�r ihre Verbrechen zur Rechenschaft ziehen, und wo st�nde Nynaeve dann, wenn sie sich immer nur darauf verlie�e, die Kraft der anderen zu beanspruchen, wann immer sie es f�r notwendig hielt? Sie mu�te innerhalb ihrer eigenen Beschr�nkungen leben und arbeiten. W�rde Theodrin wirklich eine M�glichkeit finden, ihren Block niederzubrechen? Lan mu�te noch am Leben sein, damit sie ihn finden konnte. Aus dem schwachen Ziehen wurden nun bohrende Kopfschmerzen hinter ihren Schl�fen. Die F�ltchen um Moghediens Augen vertieften sich, und sie rieb sich einige Male die Schl�fen, doch unterhalb der Angst �bertrug das Armband auch ein Gef�hl, das ihr beinahe wie Zufriedenheit vorkam. Nynaeve stellte sich vor, da� es eine gewisse Befriedigung darstellen m�sse, wenn man jemandem etwas beibrachte, und sei es auch unwillig. Eigentlich gefiel es ihr �berhaupt nicht, wenn Moghedien solche ganz normalen menschlichen Gef�hle zeigte.</p><p>Sie wu�te nicht, wieviel Zeit vergangen war, in deren Verlauf Moghedien einige Male Worte wie �fast� oder �nicht ganz� gemurmelt hatte, doch als die T�r erneut aufgerissen wurde und gegen die Wand knallte, scho� sie erschrocken in die H�he. Der pl�tzliche Schock, der von Moghedien aus durch den <emphasis>A'dam</emphasis> zu ihr her�berdrang, h�tte eine andere Frau aufjaulend in eine Ecke fliehen lassen.</p><p>�Hast du geh�rt, Nynaeve?� fragte Elayne und schob die T�r mit dem Fu� zu. �Es ist eine Abgesandte der Burg eingetroffen, direkt von Elaida!�</p><p>Nynaeve verga� vollkommen, was sie hatte schreien wollen. Ihr Herz klopfte bis zum Hals. Selbst der Kopfschmerz war mit einemmal vergessen. �Eine Abgesandte? Bist du sicher?�</p><p>�Nat�rlich bin ich sicher, Nynaeve. Glaubst du, ich bin hergerannt, um zu tratschen? Das ganze Dorf ist in Aufruhr.�</p><p>�Ich wei� gar nicht, warum�, sagte Nynaeve m�rrisch. Dieses Bohren in ihrem Kopf war wieder da. Und alle Magenmedizin auf einmal, die sie in ihrem Kr�uterk�fferchen hatte, h�tte dieses Brennen in ihrem Magen nicht unterdr�cken k�nnen. W�rde dieses M�dchen niemals lernen, zuerst anzuklopfen? Moghedien hatte beide H�nde auf den Magen gedr�ckt, als ben�tige sie ebenfalls Medikamente. �Wir haben ihnen ja gesagt, da� Elaida von Salidar wisse.�</p><p>�Vielleicht haben sie es uns geglaubt�, sagte Elayne und lie� sich auf den Fu� von Nynaeves Bett fallen, �und vielleicht auch nicht, aber jetzt wissen sie es genau. Elaida wei�, wo wir uns befinden und wahrscheinlich auch, was wir vorhaben. Jeder der Diener k�nnte zu ihren Augen und Ohren geh�ren. Vielleicht sogar ein paar der Schwestern. Ich habe einen Blick auf die Abgesandte erhaschen k�nnen, Nynaeve. Hellblondes Haar und blaue Augen, die selbst die Sonne zum Zufrieren bringen k�nnen. Eine Rote. Sie hei�t Tarna Feir, hat Faolain gesagt. Einer der Beh�ter, die drau�en wachten, hat sie hereingeleitet. Wenn sie dich anschaut, ist es, als betrachte sie einen Stein.�</p><p>Nynaeve sah Moghedien an. �Wir sind jetzt mit dem Unterricht fertig. Kommt in einer Stunde wieder, dann k�nnt Ihr die Betten machen.� Sie wartete, bis Moghedien mit aufeinandergepre�ten Lippen und in den Rock verkrampften H�nden weggegangen war, und wandte sich dann Elayne zu: �Welche ... Botschaft hat sie gebracht?�</p><p>�Das h�tten sie mir gewi� nicht erz�hlt, Nynaeve. Jede Aes Sedai, an der ich vorbeikam, hat sich dasselbe gefragt. Ich h�rte, wie Tarna lachte, als man ihr sagte, der Burgsaal werde sie empfangen. Es klang aber gar nicht am�siert. Du glaubst doch wohl nicht...� Elayne kaute einen Augenblick lang auf ihrer Unterlippe herum. �Du glaubst doch nicht sie k�nnten sich wirklich dazu entschlie�en...�</p><p>�Zur�ckzugehen?� sagte Nynaeve ungl�ubig. �Elaida wird verlangen, da� sie die letzten zehn Meilen auf den Knien ankriechen und die letzte Meile auf den B�uchen. Aber auch wenn nicht, falls diese Rote sagt: �Kommt heim. Alles ist vergessen und vergeben und das Abendessen wartet auf Euch.� Glaubst du, sie k�nnten Logain so einfach abschieben?�</p><p>�Nynaeve, die Aes Sedai k�nnten alles abschieben, um die Wei�e Burg wieder zusammenzuf�gen. Alles. <emphasis>Du</emphasis> verstehst sie immer noch nicht so gut wie ich. Es waren eben vom Tag meiner Geburt an immer Aes Sedai im Palast zugegen. Die Frage ist nur: Was teilt Tarna dem Saal mit? Und was antworten sie ihr?�</p><p>Nynaeve rieb gereizt �ber ihre Arme. Sie hatte keine Antworten auf diese Fragen, lediglich Hoffnung, und ihr Wettergef�hl sagte ihr, der Hagelsturm, der nicht vorhanden war, trommle gerade jetzt mit gro�er Gewalt auf die D�cher Salidars hernieder. Und dieses Gef�hl sollte auch die n�chsten Tage anhalten.</p></section><section><title><p>9</p><p>Pl�ne</p></title><p>Habt Ihr diese Feuerwerker nach Amador bringen lassen?� Viele w�ren zusammengezuckt, h�tten sie solch harte T�ne von Pedron Niall zu h�ren bekommen, nicht aber der Mann, der nun auf der eingelegten goldenen Sonnenscheibe vor Nialls schlichtem Stuhl mit hoher Lehne stand. Er strahlte Selbstvertrauen und Gelassenheit aus. Niall fuhr fort: �Es gibt einen Grund daf�r, warum ich zweitausend Kinder des Lichts die Grenze zu Tarabon bewachen lasse, Omerna. Tarabon steht unter Quarant�ne. <emphasis>Niemandem</emphasis> ist der Grenz�bertritt gestattet! Wenn es nach mir ginge, d�rfte nicht einmal ein Sperling her�berfliegen.�</p><p>Omerna bot den Anblick eines Offiziers, wie er bei den Kindern des Lichts sein sollte: hochgewachsen und respekteinfl��end, ein k�hnes, furchtloses Gesicht, ein kr�ftiges Kinn und wei�es, welliges Haar an den Schl�fen. Seine dunklen Augen schienen gewohnt zu sein, auch das schlimmste Schlachtfeld unbeeindruckt zu mustern und zu beurteilen. Im Augenblick jedoch schienen sie tiefe Nachdenklichkeit auszudr�cken. Der wei�- und goldgeschm�ckte Wappenrock eines Lordhauptmanns, Gesalbter des Lichts, stand ihm gut.</p><p>�Kommandierender Lordhauptmann, sie w�nschen, hier ein Gildehaus zu errichten.� Selbst seine tiefe, einschmeichelnde Stimme pa�te zu seiner Erscheinung. �Die Feuerwerker reisen �berallhin. Es d�rfte nicht schwer sein, Agenten unter ihnen zu finden. Agenten, die in jedem Ort, in jedem Herrenhaus, in jedem Herrscherpalast willkommen w�ren.� Angeblich war Abdel Omerna ein eher niedrigstehendes Mitglied des Rats der Gesalbten. In Wirklichkeit war er der Leiter der Spionageabteilung der Kinder des Lichts. Nicht offiziell, aber de facto. ��berlegt einmal.�</p><p>Niall allerdings glaubte, die Gilde der Feuerwerker bestehe ausschlie�lich aus Leuten aus Tarabon, und Tarabon war mit Chaos, Wahnsinn und Anarchie infiziert. Diese Leute konnte er nicht auf Amadicia loslassen. Wenn er schon damit warten mu�te, diesen Seuchenherd auszubrennen, dann konnte er ihn doch wenigstens isolieren. �Sie werden behandelt wie jeder andere, der die Grenze unerlaubt �berschreitet, Omerna. Sie werden streng bewacht, ihnen ist nicht gestattet, mit irgend jemandem zu reden, und sie werden unverz�glich aus Amadicia abgeschoben.�</p><p>�Wenn ich widersprechen darf, mein kommandierender Lordhauptmann, aber ihre Dienste sind die Ger�chte wert, die sie hier vielleicht verbreiten. Sie bleiben gew�hnlich unter sich. Und ganz abgesehen von ihrem Nutzen f�r mein Agentennetz w�rde es ein beachtliches Prestige bringen, ein Gildehaus der Feuerwerker in Amador zu haben. Es w�re im Augenblick sowieso das einzige. Das Gildehaus in Cairhien wurde aufgegeben, und ich bin �berzeugt, das trifft auch f�r jenes in Tanchico zu.�</p><p>Prestige! Niall rieb sich das linke Auge, um ein unfreiwilliges Zucken des Augenlids zu unterdr�cken. Es hatte keinen Zweck, zornig auf Omernas Worte zu reagieren, aber die Zur�ckhaltung kostete ihn M�he. Die Morgenhitze brachte sein Temperament langsam, aber sicher zum �berkochen. �Sie bleiben allerdings unter sich, Omerna. Sie wohnen mit den anderen ihrer Gilde zusammen, reisen gemeinsam mit ihnen und sprechen nicht mit anderen. Habt Ihr vor, Eure Agenten Mitglieder der Feuerwerker heiraten zu lassen? Sie heiraten kaum jemals au�erhalb der Gilde, und es gibt keine M�glichkeit Feuerwerker zu werden, wenn man nicht in die Gilde hineingeboren wurde.�</p><p>�Ach so. Na ja, sicher l��t sich da ein Weg finden.� Nichts konnte diese Fassade von Selbstbewu�tsein und Gelassenheit zum Abbr�ckeln bringen.</p><p>�Es wird so gemacht, wie ich gesagt habe, Omerna.� Der Mann �ffnete doch tatsachlich schon wieder den Mund, aber Niall kam ihm gereizt zuvor: �Wie ich befohlen habe, Omerna! Ich will nichts mehr davon h�ren! Welche Neuigkeiten habt Ihr heute sonst noch f�r mich? Welche <emphasis>wichtige</emphasis> Neuigkeiten? Das ist Eure Aufgabe. Nicht, f�r Ailron Feuerwerke vorzubereiten.�</p><p>Omerna z�gerte, wollte offensichtlich noch einmal f�r seine kostbaren Feuerwerker pl�dieren, aber schlie�lich sagte er nur bedeutungsschwanger: �Die Berichte �ber die Drachenverschworenen in Altara sind mehr als blo�e Ger�chte, wie es scheint. Und vielleicht befinden sie sich auch schon in Murandy. Der Befall ist noch gering, wird aber wachsen. Ein harter Schlag zu dieser Zeit k�nnte sie und die Aes Sedai in Salidar gleichzeitig...�</p><p>�Bestimmt Ihr jetzt die Strategie der Kinder? Sammelt Informationen, aber �berla�t mir deren Gebrauch. Was habt Ihr sonst noch f�r mich?�</p><p>Der Mann reagierte auf den Themenwechsel mit einer gelassenen Verbeugung. Omerna beherrschte sich ausgezeichnet; das war vielleicht seine gr��te St�rke. �Ich habe gute Nachrichten. Mattin Stepaneos ist bereit, sich Euch anzuschlie�en. Er z�gert noch, das bekanntzumachen, aber meine Leute in Illian berichten, da� er diesen Schritt bald unternehmen wird. Sie sagen, er sei begierig darauf.�</p><p>�Das w�re ja bemerkenswert erfreulich�, sagte Niall trocken. Bemerkenswert allerdings. Unter den Flaggen und Wimpeln in den Nischen des Raumes hing Mattin Stepaneos Flagge mit den Drei Leoparden in Silber auf Schwarz gleich neben der K�niglichen Standarte Illians, den neun mit Goldf�den auf gr�ne Seide gestickten Bienen. W�hrend der �Unruhen� hatte sich der illianer K�nig von Illian schlie�lich durchgesetzt, zumindest was den von ihm erzwungenen Vertrag betraf, mit dem die Grenze zwischen Amadicia und Altara wieder auf den urspr�nglichen Verlauf festgeschrieben wurde; aber Niall bezweifelte, da� der Mann jemals vergessen w�rde, wie er trotz der g�nstigeren Ausgangsstellung und der �berzahl an Soldaten bei Soremaine geschlagen und gefangengenommen worden war. H�tten die �Getreuen� Illians nicht solange standgehalten, da� der Rest des Heeres Mails Falle entkommen konnte, w�re Altara jetzt ein Lehen der Kinder des Lichts, und h�chstwahrscheinlich Murandy und vielleicht sogar Illian ebenfalls. Schlimmer noch, Martin Stepaneos hatte eine Hexe aus Tar Valon zur Ratgeberin, auch wenn er diese Tatsache leugnete und sie verborgen hielt. Niall hatte ihm eine Verhandlungsdelegation geschickt, weil er nicht wagte, eine M�glichkeit auszulassen, aber wenn Mattin Stepaneos sich ihm freiwillig anschl�sse, w�re das wirklich bemerkenswert. �Fahrt fort. Und fa�t Euch kurz. Ich habe einen harten Arbeitstag vor mir, und Euren schriftlichen Bericht kann ich noch sp�ter durchlesen.� Trotz dieser Anweisungen gab Omerna lang und breit alles wieder, und das mit seiner klangvollen und so �berzeugend klingenden Stimme. Al'Thor hatte seinen Machtbereich in Andor kaum �ber Caemlyn hinaus ausgedehnt. Sein blitzschnell und verheerend durchgef�hrter Angriffszug war nun endlich ins Stocken gekommen � und Omerna beflei�igte sich hinzuzuf�gen, er habe das vorausgesagt. Es war nicht sehr wahrscheinlich, da� sich die Grenzlande so bald den Kindern anschlie�en w�rden, um gegen den falschen Drachen ins Feld zu ziehen. Einige Lords in Schienar, Arafel und Kandor n�tzten die Ruhe in der F�ule dazu aus, sich gegen ihre Herrscher zu erheben, und die K�nigin von Saldaea hatte sich aufs Land zur�ckgezogen, weil sie laut Omerna dasselbe in ihrem Land bef�rchtete. Seine Agenten seien aber flei�ig bei der Arbeit, und man w�rde die Herrscher der Grenzlande schon in die Reihe bringen, wenn einmal diese kleineren Unruhen zerschlagen waren. Auf der anderen Seite seien die Herrscher von Murandy, Altara und Ghealdan bereit, sich den Kindern anzuschlie�en, wenn sie auch im Augenblick noch zweideutig einherreden m��ten, um die Hexen von Tar Valon zu beruhigen. Alliandre von Ghealdan wu�te, da� ihr Thron wackelte, und genauso sei ihr klar, wie sie die Kinder ben�tigte, damit sie nicht ebenso pl�tzlich gest�rzt w�rde wie ihre Vorg�nger. Tylin von Altara und Roedran von Murandy hofften, die Unterst�tzung der Kinder w�rde aus ihnen mehr machen als blo�e Galionsfiguren. Ganz offensichtlich glaubte der Mann, Niall habe diese L�nder schon in der Tasche.</p><p>Omerna schilderte die Lage innerhalb Amadicias sogar noch besser. Rekruten scharten sich in viel gr��erer Anzahl als fr�her um die Banner der Kinder. Eigentlich fiel das keineswegs in Omernas Zust�ndigkeit, aber er schm�ckte seine Berichte stets mit allen m�glichen guten Nachrichten aus, die er auftreiben konnte. Der Prophet w�rde das Land nicht mehr lange unsicher machen. Im Augenblick besch�ftige sich dieses Pack damit, im Norden D�rfer und herrschaftliche G�ter zu pl�ndern, doch bei vermehrtem Druck durch Ailrons Soldaten w�rden sie bestimmt nach Ghealdan zur�ckrennen. In den Gef�ngnissen sei nicht mehr viel Platz, weil man Schattenfreunde und Spione aus Tar Valon schneller festnahm, als man sie h�ngen konnte. Die Suche nach den Hexen aus Tar Valon hatte bisher nur in zwei F�llen zum Erfolg gef�hrt, aber man hatte mehr als hundert Frauen verh�rt, und das sei ein sicheres Anzeichen f�r die T�chtigkeit und Wachsamkeit der Patrouillen. Au�erdem lie� der Fl�chtlingsstrom aus Tarabon deutlich nach. Beweis genug, da� die Quarant�nema�nahmen immer wirksamer griffen. Diejenigen, die man aufgegriffen hatte, schob man, so schnell man sie zur Grenze schaffen konnte, wieder nach Tarabon ab. Letzteres berichtete er leicht verlegen und hastig, was angesichts seiner Dummheit in bezug auf die Feuerwerker auch kein Wunder war.</p><p>Niall h�rte gerade so aufmerksam zu, um an den richtigen Stellen zu nicken. Omerna war ein f�higer Offizier gewesen, solange ihm jemand sagte, was er tun solle, aber in seiner augenblicklichen Position war diese Leichtgl�ubigkeit denn doch eine Zumutung. Er hatte von Morgases Tod berichtet, da� ihre Leiche gefunden und zweifelsfrei identifiziert worden sei, und diese Behauptung bis zu jenem Tag beibehalten, an dem er ihn Morgase gegen�bergestellt hatte. Er hatte sich �ber �Ger�chte� lustig gemacht, der Stein von Tear sei gefallen, und selbst heute noch leugnete er ab, die st�rkste Festung der Welt k�nne von au�en her erobert worden sein. Statt dessen bestand er darauf, es habe sich um Verrat gehandelt; ein Hochlord habe den Stein an al'Thor und Tar Valon verraten. Er bestand auch darauf, die Katastrophe bei Falme und die Unruhen in Tarabon und Arad Doman seien das Werk des Heeres von Artur Falkenfl�gel gewesen, das �ber das Aryth-Meer zur�ckgekehrt sei. Er war davon �berzeugt, da� Siuan Sanche keineswegs abgesetzt und beseitigt worden sei. Al'Thor sei wahnsinnig und liege im Sterben. Tar Valon habe K�nig Galldrian ermorden lassen, um absichtlich in Cairhien einen B�rgerkrieg auszul�sen, und alle drei �Tatsachen� h�tten irgendwie mit diesen l�cherlichen Ger�chten zu tun, die immer dazu passend angeblich von weit entfernten Orten stammten und in denen von Leuten die Rede war, die pl�tzlich in Flammen st�nden, oder von Alptraumwesen, die von nirgendwoher erschienen und ganze D�rfer ausrotteten. Er sei sich noch nicht sicher, wie das alles zusammenhing, aber er arbeite an einer gro�artigen Theorie, die jeden Tag vollendet sein k�nnte, und diese Theorie werde dann alle die Intrigen der Hexen entlarven und Tar Valon in Nialls H�nde liefern.</p><p>So war Omerna eben: entweder erfand er verwickelte Gr�nde f�r das Geschehene, oder er griff die auf der Stra�e aufgeschnappten Ger�chte auf und schluckte sie voll und ganz. Er verbrachte ganze Menge Zeit damit, Ger�chten nachzusp�ren, sowohl in Herrenh�usern wie auch auf der Stra�e. Nicht nur, da� man ihn beobachtet hatte, wie er in Tavernen mit J�gern des Horns getrunken hatte, nein, es war ein schlecht geh�tetes Geheimnis, da� er bereits riesige Summen verschleudert hatte, um nicht weniger als drei angebliche H�rner von Valere zu erwerben. Jedesmal hatte er das Ding aufs Land gebracht und tagelang darauf herumgepustet, bis selbst er zugeben mu�te, da� keinerlei tote Helden der Legenden aus ihren Gr�bern hergeritten waren. Trotzdem waren diese Fehlschl�ge keine Gew�hr daf�r, da� er nicht demn�chst wieder eines in irgendeiner dunklen Gasse oder dem Hinterzimmer einer Taverne kaufen w�rde.</p><p>Man konnte es auf einen einfachen Nenner bringen: wo der Leiter eines Agentenrings selbst sein eigenes Gesicht im Spiegel in Frage stellen w�rde, da glaubte Omerna alles.</p><p>Schlie�lich war der Mann aber doch fertig, und Niall sagte: �Ich werde Eure Berichte mit der geb�hrenden Aufmerksamkeit studieren, Omerna. Ihr habt Eure Sache gut gemacht.� Wie der Kerl sich spreizte und seinen Waffenrock glattstrich! �Geht jetzt und schickt mir Balwer herein. Ich mu� ihm einige Briefe diktieren.�</p><p>�Selbstverst�ndlich, kommandierender Lordhauptmann. Ah.� Mitten in der Verbeugung runzelte Omerna die Stirn, fa�te in die Tasche seiner wei�en Unterjacke und zog eine kleine Knochenh�lse heraus, die er Niall reichte. �Das ist heute morgen im Taubenschlag angekommen.� Drei d�nne, rote Streifen zogen sich der L�nge nach an der H�lse entlang, ein Zeichen daf�r, da� sie Niall mit unbesch�digtem Wachssiegel �berbracht werden mu�te. Und der Mann h�tte sie fast vergessen!</p><p>Omerna wartete. Zweifellos hoffte er, eine Andeutung zu erhalten, was die H�lse enthielt, doch Niall gab ihm einen Wink in Richtung der T�r. �Verge�t Balwer nicht. Falls Mattin Stepaneos daran denkt, sich mir anzuschlie�en, mu� ich ihm schreiben und sehen, ob ich nicht mit ein klein wenig Druck zu seiner richtigen Entscheidung beitragen kann.� Omerna hatte keine andere Wahl, als sich noch einmal zu verbeugen und zu gehen.</p><p>Als sich die T�r hinter dem Mann schlo�, bef�hlte Niall zuerst nur die H�lse. Diese Sonderbotschaften brachten selten gute Nachrichten. Er erhob sich langsam, denn in letzter Zeit sp�rte er das Alter in den Knochen, und f�llte einen schlichten Silberkelch mit Punsch; doch den lie� er dann auf dem Tisch stehen und �ffnete statt dessen eine Mappe aus runenverziertem Leder. Sie enthielt ein einziges Blatt schweren Papiers, zerknittert und teilweise eingerissen, die Zeichnung eines Stra�enk�nstlers, der mit Farbkreiden zwei M�nner dargestellt hatte, die in den Wolken miteinander k�mpften. Der eine hatte ein Gesicht aus Feuer, der andere dunkles, r�tlich schimmerndes Haar: al'Thor.</p><p>All seine Pl�ne, den falschen Drachen aufzuhalten, waren fehlgeschlagen, alle Hoffnungen, die Eroberungswelle des Mannes zu verlangsamen, ihn abzulenken, entt�uscht worden. Hatte er zu lange gewartet und al'Thor zu m�chtig werden lassen? Falls ja, dann gab es nur einen Weg, den Mann schnell auszuschalten: das Messer im Dunklen, den Pfeil vom Dach... Wie lange konnte er es sich leisten zu warten? Sollte er riskieren, nicht l�nger zu warten? �berst�rzte Eile konnte genauso zur Katastrophe f�hren wie zu langes Z�gern.</p><p>�Mein Lord hat nach mir geschickt?�</p><p>Niall musterte den Mann, der so leise ins Zimmer getreten war. Seinem Aussehen nach schien es fast unm�glich, da� sich Balwer �berhaupt bewegen konnte, ohne da� ein trockenes Rascheln von seinem Kommen k�ndete. Alles an ihm war schmal und verh�rmt, die braune Jacke hing ihm von den knochigen Schultern herunter und seine Beine wirkten, als k�nnten sie unter seinem geringen Gewicht brechen. Er bewegte sich wie ein Vogel, der von Ast zu Ast h�pft. �Glaubt Ihr, das Horn von Valere wird tote Helden zur�ckrufen, um uns zu retten, Balwer?�</p><p>�Vielleicht, mein Lord�, sagte Balwer und faltete die H�nde wichtigtuerisch, �Vielleicht auch nicht. Was mich betrifft, w�rde ich mich nicht darauf verlassen.�</p><p>Niall nickte. �Und glaubt Ihr auch. Mattin Stepaneos werde sich mir anschlie�en?�</p><p>�Wiederum: vielleicht. Er wird nicht als Leiche oder als Marionette enden wollen. Sein einziges Ziel ist, sich die Lorbeerkrone zu erhalten, und das Heer, das sich in Tear sammelt, d�rfte ihn ganz sch�n ins Schwitzen bringen.� Balwer l�chelte d�nn; eigentlich pre�te er nur die Lippen aufeinander. �Er hat offen dar�ber gesprochen, auf den Vorschlag meines Lords einzugehen, aber andererseits habe ich gerade erfahren, da� er in Verbindung mit der Wei�en Burg steht. Anscheinend hat er sich zu irgend etwas bereit erkl�rt, doch ich wei� noch nicht, worum es geht.�</p><p>Die ganze Welt wu�te, da� Abdel Omerna der Befehlshaber aller Spione der Kinder war. Ein solches Amt h�tte nat�rlich geheim bleiben sollen, aber Stalljungen und Bettler zeigten schon auf der Stra�e auf ihn, wenn auch heimlich, damit der gef�hrlichste Mann in Amadicia sie nicht dabei erwischte. In Wahrheit diente dieser Narr Omerna nur zur Ablenkung, ein Dummkopf, der selbst nicht wu�te, da� er in Wirklichkeit die Maske war, hinter der sich der wirkliche Meister aller Spione in der Festung des Lichts verbarg: Sebban Balwer, Nialls steifer, ausgetrockneter kleiner Sekret�r mit dem mi�billigenden Zug um den Mund. Ein Mann, hinter dem niemand so etwas vermuten w�rde, und selbst wenn man ihn als den eigentlichen Amtsinhaber bezeichnete, w�rde es niemand glauben.</p><p>Wenn Omerna alles glaubte, so glaubte Balwer nichts. Vielleicht glaubte er noch nicht einmal an Schattenfreunde oder den Dunklen K�nig. Falls Balwer irgend etwas im Sinn hatte, dann war es das Belauschen anderer. Er blickte ihnen vorzugsweise heimlich �ber die Schultern, lauschte ihrem Gefl�ster und grub ihre Geheimnisse aus. Nat�rlich h�tte er jedem anderen Herrn genauso treu gedient wie Niall, aber das war auch gut so. Was Balwer erfuhr, war niemals von dem gef�rbt, was er f�r die Wahrheit hielt oder was er sich w�nschte. Da er nichts glaubte, war er um so besser imstande, die Wahrheit herauszufinden.</p><p>�Nichts anderes, als was ich aus Illian zu h�ren erwartete, Balwer, aber selbst er kann auf unsere Seite gebracht werden.� Das war auch notwendig. Es durfte einfach noch nicht zu sp�t sein. �Gibt es irgend etwas Neues aus den Grenzlanden?�</p><p>�Noch nicht, mein Lord. Aber Davram Bashere befindet sich in Caemlyn. Mit drei�igtausend Mann leichter Reiterei, wie meine Informanten behaupten, aber ich glaube, es sind nicht mehr als halb so viele. Er w�rde Saldaea nicht zu sehr schw�chen, so ruhig es auch gerade in der F�ule zugeht, selbst wenn Tenobia das anordnete.�</p><p>Niall knurrte, und der Winkel seines linken Auges zuckte. Er f�hlte nach der Zeichnung in der Mappe. Angeblich war es eine recht genaue Darstellung al'Thors.</p><p>Bashere in Caemlyn; das war ein guter Grund daf�r, warum sich Tenobia vor seinem Abgesandten auf dem Lande verbarg.</p><p>Es gab keine guten Nachrichten aus den Grenzlanden, was auch Omerna glauben mochte. Die �kleineren Unruhen�, von denen Omerna berichtet hatte, waren tats�chlich unbedeutend, aber es drehte sich nicht um Rebellionen, wie der Mann glaubte. �berall an der Grenze der F�ule stritten die Menschen dar�ber, ob al'Thor nur ein weiterer falscher Drache sei oder der Wiedergeborene Drache selbst. Da die Leute dort nun einmal sehr heftig waren, arteten diese Streitigkeiten gelegentlich in K�mpfe aus, aber nur in einem geringen Umfang. Das hatte in Schienar angefangen, ungef�hr zu der Zeit, als der Stein von Tear fiel. Und dies war wohl die Best�tigung daf�r, da� die Hexen in diese Sache verwickelt waren. Wie das alles ausgehen w�rde, konnte Balwer im Moment auch nicht voraussagen.</p><p>Da� sich al'Thor nach wie vor auf Caemlyn beschr�nkte, war eines der wenigen Dinge, in denen Omerna recht hatte. Aber warum blieb er dort, wo er doch Bashere und die Aiel und die Hexen zur Verst�rkung hatte? Nicht einmal Balwer hatte ihm diese Frage beantworten k�nnen. Doch welchen Grund das auch immer haben mochte, dem Licht sei Dank daf�r! Sicher, die Banden des Propheten hatten sich eingeschlichen, um den Norden Amadicias zu pl�ndern, aber sie schienen ihre Eroberungen lediglich halten zu wollen und t�teten jeden, der sich weigerte, sich zum Propheten des Drachen zu bekennen. Andere wurden in die Flucht geschlagen.</p><p>Ailrons Soldaten hatten ihren R�ckzug beendet, aber nur, weil der verfluchte Prophet seinen Vormarsch beendet hatte. Alliandre und die anderen, von denen Omerna �berzeugt war, sie w�rden sich Niall anschlie�en, waren in Wirklichkeit noch unentschlossen und hielten seine Abgesandten mit durchsichtigen Ausreden hin. Er vermutete, sie h�tten ebensowenig Ahnung, was sie tun sollten, wie er selbst.</p><p>An der Oberfl�che schien sich im Augenblick alles f�r al'Thor g�nstig zu entwickeln, abgesehen von dem, was ihn in Caemlyn festhielt, aber Niall war schon immer am gef�hrlichsten gewesen, wenn er mit dem R�cken zur Wand stand.</p><p>Falls man den Ger�chten Glauben schenken konnte, leistete Carridin in Altara und Murandy gute Arbeit, wenn er auch nicht so schnell vorankam, wie es Niall lieb gewesen w�re. Die Zeit war ebenso sein Feind wie al'Thor oder die Wei�e Burg. Vielleicht wurde es Zeit, Ger�chte �ber die �Drachenverschworenen� in Andor zu verbreiten. M�glicherweise auch in Illian. Wenn allerdings das Heer, das sich in Tear sammelte, noch nicht ausreichte, um Mattin Stepaneos auf seine Seite zu bringen, w�rden �berf�lle auf ein paar Bauernh�fe und D�rfer auch nicht viel bewirken. Die St�rke dieses Heeres erschreckte Niall; und sei es auch nur halb so stark wie Balwer berichtete, oder auch nur ein Viertel, w�rde es ihn immer noch erschrecken. So etwas hatte die Welt seit den Tagen Artur Falkenfl�gels nicht mehr erlebt. Es konnte auch geschehen, da� ein solches Heer die Menschen nicht dazu brachte, sich aus Angst Niall anzuschlie�en, sondern statt dessen unter dem Drachenbanner mitzumarschieren. H�tte er nur ein Jahr, ein halbes Jahr mehr Zeit, dann wollte er mit al'Thors gesamtem Heer aus Narren und Schurken und Aielwilden fertig werden.</p><p>Nat�rlich war keineswegs alles verloren. Nichts war jemals verloren, solange man am Leben war. Tarabon und Arad Doman waren f�r al'Thor und die Hexen genauso wertlos wie f�r ihn, zwei Schlangengruben, und nur ein Narr w�rde die Hand dort hineinstecken, bevor sich die Schlangen nicht gegenseitig umgebracht hatten. Falls Saldaea f�r ihn verloren war, was er im Augenblick noch keineswegs als sicher annahm, dann schwankten Schienar und Arafel und Kandor noch immer, und ein kleiner Sto� konnte sie aus dem Gleichgewicht bringen. Falls Mattin Stepaneos zwei Pferde gleichzeitig reiten wollte, und das hatte ihm immer schon gefallen, mu�te man ihn eben zwingen, sich f�r das richtige zu entscheiden. Altara und Murandy w�rde man schon auf die richtige Seite schubsen, w�hrend Andor sich ohnehin gegen seine Hand zur Wehr setzen w�rde, ob er nun der Meinung war, es sei am besten, ihnen Carridins Peitsche zu sp�ren zu geben, oder nicht. In Tear hatten Balwers Agenten Tedosian und Estanda dazu bewegt, sich Darlin anzuschlie�en und aus dem vorher gezeigten Trotz eine wirkliche Rebellion zu machen, und der Mann war sicher, in Cairhien und in Andor das gleiche anzetteln zu k�nnen. Noch ein Monat oder h�chstens zwei, dann war Eamon Valda von Tar Valon zur�ck. Niall w�re auch ohne Valda ausgekommen, aber so hatte er die gro�e Mehrheit der Streitkr�fte der Kinder an einem Fleck versammelt und konnte sie einsetzen, wo sie am meisten auszurichten imstande waren.</p><p>Ja, eine ganze Menge sprach durchaus f�r ihn. Nichts Bestimmtes vielleicht, aber es hatte sich doch einiges herauskristallisiert. Zeit war alles, was er ben�tigte.</p><p>Ihm wurde bewu�t, da� er nach wie vor die H�lse in der Hand hielt. So brach er das Wachssiegel mit einem Daumennagel auf und holte vorsichtig die d�nne Papierrolle aus dem Inneren hervor.</p><p>Balwer sagte nichts dazu und pre�te lediglich die Lippen erneut aufeinander, doch diesmal war es nicht als L�cheln gemeint. Mit Omerna kam er zurecht, da er den Mann als den Narren kannte, der er nun einmal war, und weil er es ohnehin vorzog, selbst im verborgenen zu arbeiten; aber es pa�te ihm nicht, wenn Niall Berichte erhielt, die er nicht zuvor gesehen hatte, und das von M�nnern, die er nicht kannte.</p><p>Eine winzige Kritzelschrift bedeckte den Zettel, und zwar in einem Code geschrieben, den nur wenige kannten und au�er Niall niemand hier in Amador. Ihm fiel es genauso leicht, das zu lesen, wie seine eigene Handschrift. Das Zeichen am Ende allerdings lie� ihn doch die Augen aufrei�en, ebenso wie der Inhalt. Varadin war einer der besten unter seinen pers�nlichen Agenten, oder war es gewesen, ein Teppichh�ndler, der ihm bereits w�hrend der �Unruhen� gute Dienste geleistet hatte, als er seine Waren in Altara, Murandy und Illian verkauft hatte. Was er dabei verdient hatte, erm�glichte es ihm, sich als reicher H�ndler in Tanchico niederzulassen, wo er regelm��ig kostbare Teppiche und Weine an die Pal�ste des K�nigs und des Panarchen lieferte und den meisten Adligen des Hofstaats, und immer hielt er dort die Augen und Ohren weit offen. Niall hatte geglaubt, er sei l�ngst bei dem Aufruhr in Tanchio ums Leben gekommen. Nun erhielt er die erste Nachricht von dem Mann seit einem Jahr. Dem Inhalt seiner Botschaft nach zu urteilen, w�re Varadin allerdings besser bereits ein Jahr lang tot gewesen. In der krakeligen Schrift eines Mannes am Rande des Irrsinns faselte er wilde Dinge von M�nnern, die auf fremdartigen Kreaturen ritten, von fliegenden Gesch�pfen, von Aes Sedai an der Leine und von der <emphasis>Hailene.</emphasis> In der Alten Sprache bedeutete das soviel wie �Vorfahren�, aber Varadin bem�hte sich nicht einmal, zu erkl�ren, wieso er sich davor f�rchtete oder was das alles eigentlich bedeuten sollte. Offensichtlich hatte das Gehirn des Mannes darunter gelitten, da� er zusehen mu�te, wie sein Land um ihn herum im Chaos versank.</p><p>Ver�rgert zerkn�llte Niall den Zettel und warf ihn weg. �Zuerst mu� ich mir Omernas idiotische Berichte anh�ren, und nun dies. Was habt Ihr noch f�r mich, Balwer?� Bashere! Die Lage k�nnte sich sehr unangenehm entwickeln, wenn Bashere al'Thors Heer f�hrte. Der Mann hatte sich seinen Ruf ehrlich verdient. Ein Dolch im Schatten f�r ihn?</p><p>Balwers Blick lag unbeirrt auf Nialls Gesicht, aber Niall war klar, da� dieses winzige Papierkn�uel auf dem Boden in den H�nden des Mannes landen w�rde, wenn er es nicht verbrannte. �Vier Dinge, die von Bedeutung sein k�nnten, mein Lord. Das letzte zuerst: Die Ger�chte �ber die Treffen von Abgesandten der Ogier-Stedding entsprechen der Wahrheit. F�r Ogier scheinen sie sich entschieden hastig zu verhalten.� Nat�rlich sagte er nicht, wor�ber die Ogier miteinander berieten, denn es war genauso unm�glich, einen Menschen in einen Ogierstumpf zu bringen, wie einen Ogier als Spion zu gewinnen. Es w�re leichter, die Sonne dazu zu bringen, bei Nacht aufzugehen. �Au�erdem befindet sich eine au�ergew�hnliche Anzahl von Schiffen des Meervolks in den Hafenst�dten im S�den. Sie nehmen keine Ladung an Bord und sie segeln auch nicht weiter.�</p><p>�Worauf warten sie?�</p><p>Einen Moment lang spannten sich Balwers Lippen, als habe ein unsichtbarer Marionettenspieler die Dr�hte angezogen. �Ich wei� es noch nicht, mein Lord.� Balwer hatte es noch nie gepa�t, zugeben zu m�ssen, da� er irgendwelche menschlichen Geheimnisse nicht herausbekommen konnte. Doch wenn man versuchte, mehr als nur die Vorg�nge an der Oberfl�che bei den Atha'an Miere herauszufinden, war das, als wolle man von der Gilde der Feuerwerker erfahren, wie man Feuerwerksk�rper anfertigt. Vergebliche Liebesm�h. Wenigstens w�rden die Ogier irgendwann bekanntmachen, was sie auf ihren Zusammenk�nften beschlossen hatten.</p><p>�Fahrt fort.�</p><p>�Die weniger wichtige Neuigkeit ist daf�r ... eigenartig, mein Lord. Es gibt verl��liche Berichte, da� al'Thor in Caemlyn, in Tear und in Cairhien gesehen wurde, manchmal sogar am gleichen Tag.�</p><p>�Verl��lich? Verl��licher Wahnsinn! Die Hexen verf�gen wahrscheinlich �ber zwei oder drei M�nner, die wie al'Thor aussehen, jedenfalls �hnlich genug, um jeden zu t�uschen, der ihn nicht kennt. Das w�rde eine Menge erkl�ren.�</p><p>�Vielleicht, mein Lord. Aber meine Informanten <emphasis>sind</emphasis> verl��lich.�</p><p>Niall klappte die Ledermappe zu und verbarg auf diese Weise al'Thors Gesicht. �Und die interessanteste Neuigkeit?�</p><p>�Sie stammt aus zwei Quellen in Altara � zuverl�ssigen Quellen, mein Lord � und sie besagt, da� die Hexen in Salidar behaupten, die Roten Ajah h�tten Logain dazu gebracht, den falschen Drachen zu spielen. Sie h�tten ihn beinahe selbst erschaffen. Sie haben Logain in Salidar �oder einen Mann, von dem sie behaupten, er sei Logain �und f�hren ihn Adligen vor, die sie dorthin bringen. Ich habe keinen Beweis, aber ich vermute, sie erz�hlen allen Herrschern, mit denen sie Verbindung aufnehmen, die gleiche Geschichte.�</p><p>Mit gerunzelter Stirn betrachtete Niall die Flaggen in den Nischen des Raums. Es waren die Banner von Feinden aus beinahe jedem Land. Niemand hatte ihn je zum zweiten Mal besiegt und nur wenige �berhaupt einmal. Jetzt waren die Flaggen alle gezeichnet vom Alter. Wie er. Doch er war noch nicht zu alt, um nicht daf�r zu sorgen, da� zu Ende gef�hrt wurde, was er begonnen hatte. Jede Flagge war in einer blutigen Schlacht errungen worden, wo man nie wu�te, was au�erhalb des eigenen Sichtbereichs geschah, wo der sichere Sieg genauso kurzlebig sein konnte wie die Niederlage. Die schlimmste Schlacht, die er je ausgefochten hatte � als die Heere mitten in der Nacht in der N�he von Moisen aneinandergeraten waren, w�hrend der Zeit der �Unruhen� �, war klar wie ein sch�ner Sommertag verlaufen, wenn man sie mit der verglich, in der er sich jetzt befand.</p><p>Hatte er sich geirrt? War die Burg wirklich auseinandergebrochen? Irgendeine Auseinandersetzung zwischen den Ajahs? Ging es um Al'Thor? Wenn die Hexen untereinander um die Vorherrschaft k�mpften, w�rden viele der Kinder des Lichts Carridins L�sung unterst�tzen, n�mlich in Salidar zuzuschlagen und so viele Hexen wie m�glich zu vernichten. M�nner, die sich einbildeten, wenn sie an morgen dachten, dann d�chten sie voraus, aber an die n�chste Woche oder den n�chsten Monat oder gar das n�chste Jahr dachten sie nicht. Valda beispielsweise. Vielleicht war es ganz gut, da� er Amador noch nicht erreicht hatte. Und zum anderen Rhadam Asunawa, der Hochinquisitor der Zweifler. Valda wollte immer gleich mit der Axt dreinschlagen, auch wenn ein Dolch f�r die zu erledigende Aufgabe besser geeignet war. Asunawa h�tte am liebsten gesehen, da� man jede Frau schon vorgestern aufgeh�ngt h�tte, die auch nur eine Nacht in der Wei�en Burg verbrachte. Jedes Buch, in dem die Aes Sedai oder die Eine Macht erw�hnt wurde, sollte verbrannt werden. Selbst diese Bezeichnungen wollte er verbieten lassen. Asunawa dachte nie an etwas anderes als diese Ziele, und es war ihm einerlei, welchen Preis ihr Erreichen fordern w�rde. Niall hatte zu hart gearbeitet, zuviel aufs Spiel gesetzt, um zu gestatten, da� dies in den Augen der Welt zu einer reinen Auseinandersetzung zwischen den Kindern und der Burg wurde.</p><p>In Wirklichkeit spielte es keine Rolle, ob er sich irrte oder nicht. Und wenn er sich irrte, konnte das sogar zu einem Vorteil gereichen. Vielleicht war es sogar besser, als jetzt recht zu haben. Mit ein bi�chen Gl�ck mochte es sein, da� er der Wei�en Burg unheilbaren Schaden zuf�gte und die Hexen so gegeneinander aufbrachte, da� man sie anschlie�end leicht <emphasis>zu</emphasis> Staub zermalmen konnte. Dann w�rde auch al'Thor ins Wanken kommen, wobei er aber immer noch als Bedrohung galt und man ihn so zum K�der machen konnte. Und er konnte sich eng an die Wahrheit halten. Ziemlich eng jedenfalls.</p><p>Ohne den Blick von den Flaggen zu wenden, sagte er: �Die Spaltung in der Burg ist durchaus im Bereich des M�glichen. Die Schwarzen Ajah haben sich erhoben, die Sieger halten die Burg, und die Verlierer wurden vertrieben und lecken in Salidar ihre Wunden.� Er sah Balwer an und h�tte fast gel�chelt. Eines der Kinder h�tte widersprochen, es gebe keine Schwarzen Ajah, oder die Hexen seien sowieso alles Schattenfreunde. Selbst der unerfahrenste Rekrut h�tte das erwidert. Balwer blickte ihn lediglich an, und das keineswegs so, als habe er eine Blasphemie an allem, wof�r die Kinder standen, begangen. �Wir m�ssen lediglich entscheiden, ob nun die Schwarzen Ajah gewonnen oder verloren haben. Ich glaube, sie haben gewonnen. Die meisten Leute werden diejenigen als die echten Aes Sedai betrachten, die die Wei�e Burg beherrschen. La�t sie die <emphasis>wirklichen</emphasis> Aes Sedai f�r Mitglieder der Schwarzen Ajah halten. Al'Thor ist ein Gesch�pf der Burg, ein Vasall der Schwarzen Ajah.� Er hob seinen Weinkelch vom Tisch und nippte daran. Es half auch nicht gegen die Hitze. �Vielleicht kann ich irgendwie einen Grund daf�r finden, da� ich bisher nicht gegen Salidar vorgegangen bin.� Seine Abgesandten hatten verbreitet, er sei nicht gegen Salidar vorgegangen, weil er die Bedrohung durch al'Thor so ernst nahm; er sei gewillt, die Hexen auch an der Schwelle Amadicias zusammenkommen zu lassen, anstatt sich von der Gefahr durch den falschen Drachen ablenken zu lassen. �Die Frauen dort, nach all diesen Jahren das Chaos ... weil die Schwarzen Ajah �berall zu finden sind, und endlich von dem B�sen abgesto�en, in das sie verwickelt waren...� Sein Erfindungsreichtum versagte � sie z�hlten schlie�lich alle zu den Schattenfreunden und konnten wohl kaum von etwas B�sem abgesto�en werden � doch einen Augenblick sp�ter nahm Balwer den Faden auf.</p><p>�Vielleicht haben sie sich entschlossen, meinen Lord um Gnade anzuflehen und ihn sogar um seinen Schutz zu bitten. Die Verlierer in einem Machtkampf, schw�cher als ihre Feinde und voller Angst, ganz unterdr�ckt zu werden... Ein Mann, der von einer Klippe in den sicheren Tod st�rzt, wird die Hand auch dem �rgsten Gegner hinstrecken. Vielleicht...� Balwer legte nachdenklich einen knochigen Finger auf die Lippen. �Wom�glich sind sie bereit, f�r ihre S�nden Bu�e zu tun und ihre Zugeh�rigkeit zu den Aes Sedai zu widerrufen?�</p><p>Niall sah ihn mit gro�en Augen an. Er vermutete, gerade die S�nden der Hexen von Tar Valon geh�rten zu den Dingen, an die Balwer nicht glaubte. �Das ist absurd�, sagte er kalt. �Diese Art von Aussagen erwarte ich eher von Omerna.�</p><p>Die Miene seines Sekret�rs blieb so steif und unergr�ndlich wie immer, aber er begann, die H�nde zu ringen, wie er es zu tun pflegte, wenn er beleidigt war. �Was mein Lord von Omerna zu h�ren erwartet. Aber genau diese Reden werden dort gef�hrt, wo er die Leute belauscht, n�mlich auf den Stra�en und wo die Adligen beim Wein miteinander klatschen. Dort lacht man niemals �ber etwas so Absurdes. Im Gegenteil, man h�rt zu. Was zu absurd ist, wird gerade geglaubt, weil es eben zu absurd ist, um erlogen zu sein.�</p><p>�Wie wollt Ihr ihnen das beibringen? Ich werde doch kein Ger�cht in die Welt setzen, da� die Kinder mit den Hexen zusammenarbeiten!�</p><p>�Es w�re lediglich ein Ger�cht, mein Lord.� Nialls Blick wurde h�rter, und Balwer spreizte die H�nde.</p><p>�Wie mein Lord w�nscht. Jedesmal, wenn es weitererz�hlt wird, schm�ckt man ein solches Ger�cht aus. Also hat eine ganz einfache Geschichte die besten Chancen, wenigstens im Kern erhalten zu bleiben. Ich schlage vier Ger�chte vor, mein Lord, nicht nur eines. Das erste: Die Spaltung der Burg wurde durch einen Aufstand der Schwarzen Ajah hervorgerufen. Das zweite:</p><p>Die Schwarzen Ajah haben gewonnen und beherrschen die Burg. Das dritte: Die Aes Sedai in Salidar, von den Ereignissen aufgeschreckt und abgesto�en, widerrufen ihre Eide als Aes Sedai. Und das vierte: Sie haben sich an Euch gewandt und um Eure Gnade und Euren Schutz gebeten. F�r die meisten Leute wird es so aussehen, ab best�tige ein Ger�cht das andere.� Balwer zupfte an seinen �rmchen und l�chelte selbstzufrieden.</p><p>�Sehr gut, Balwer. Macht es so.� Niall nahm einen kr�ftigen Zug von seinem Wein. Die Hitze lie� ihn sein Alter sp�ren, seine Knochen erschienen ihm spr�de. Aber er mochte lange genug leben, um zu sehen, wie der falsche Drache gest�rzt und die Welt vereinigt w�rde, um gemeinsam in Tarmon Gai'don zu gehen. Und sollte er auch nicht mehr leben und sie selbst in die Letzte Schlacht f�hren, w�rde ihm das Licht doch wenigstens soviel gew�hren. �Ich will, da� man Elayne Trakand und ihren Bruder Gawyn findet und nach Amador bringt. Sorgt daf�r. Ihr d�rft mich jetzt verlassen.�</p><p>Balwer z�gerte jedoch. �Mein Lord wei�, da� ich niemals ein bestimmtes Vorgehen vorschlage.�</p><p>�Aber jetzt wollt Ihr das tun? Also sprecht.�</p><p>��bt Druck auf Morgase aus, mein Lord. Mehr als ein Monat ist vergangen, und sie �berlegt sich immer noch den Vorschlag meines Lords. Sie...�</p><p>�Genug, Balwer.� Niall seufzte. Manchmal w�nschte er sich, Balwer stamme nicht aus Amadicia, sondern aus Cairhien und habe dort schon mit der Muttermilch das Spiel der H�user in sich aufgenommen. �Morgases Wohlergehen h�ngt von Tag zu Tag mehr von mir ab, was immer sie selbst auch glaubt. Ich h�tte es lieber gesehen, wenn sie mein Angebot sofort angenommen h�tte, dann h�tte ich Andor noch heute gegen al'Thor in den Kampf schicken k�nnen, und ein starkes Heer der Kinder h�tte sie unterst�tzt. Aber jeder Tag, den sie als mein Gast hier verbringt, bindet sie noch fester an mich. Schlie�lich wird ihr klar werden, da� sie mit mir verb�ndet ist, weil die Welt genau das glaubt, und sie ist so in mein Netz verwickelt, da� sie sich nicht mehr daraus befreien kann. Und dann kann niemand jemals behaupten, ich h�tte sie zu etwas gezwungen, Balwer. Das ist wichtig. Es ist immer schwieriger, sich aus einem B�ndnis zu l�sen, von dem alle glauben, man sei es freiwillig eingegangen, als aus einem, zu dem man gezwungen wurde. Hirnlose Eile f�hrt nur in den Untergang, Balwer.�</p><p>�Wie mein Lord meinen.�</p><p>Niall entlie� ihn mit einer kurzen Handbewegung, und der Mann verbeugte sich im Hinausgehen. Balwer verstand nichts. Morgase war eine geschickte Gegnerin in diesem Spiel �bte er zuviel Druck aus, w�rde sie sich gegen ihn wenden und sich wehren, ganz gleich, welche Folgen ihr drohten. War der Druck aber gerade richtig, w�rde sie den Gegner bek�mpfen, den sie vor sich sah, und die Falle gar nicht bemerken, die er um sie herum aufbaute, bis es zu sp�t war. Die Zeit lastete auf ihm, all die Jahre seines Lebens, all die Monate, die er so verzweifelt ben�tigte, aber er w�rde seine Pl�ne nicht durch unn�tige Hast selbst zu Fall bringen.</p><p>Der herabsto�ende Falke schlug die gro�e Ente in einer Wolke von Federn. Dann trennten sich die beiden V�gel wieder, und die Ente fiel schwerf�llig hinab. Der Falke blieb fast in der Luft stehen und stie� dann erneut auf die fallende Beute herab, packte sie mit den Klauen. Das Gewicht der Ente hing schwer an ihm �nein, ihr; es war ein Falkenweibchen � aber sie flatterte rasch auf die Menschen zu, die unter ihr warteten.</p><p>Morgase fragte sich, ob sie dem Falken �hnlich sei: zu stolz und zu zielstrebig, um zu erkennen, da� sie sich an einer Beute festklammerte, die zu schwer war f�r ihre Schwingen. Sie bem�hte sich, ihre H�nde in den festen Handschuhen ein wenig von den Z�geln zu l�sen, die sie verkrampft festhielt. Ihr breitkrempiger Hut mit den langen wei�en Federn bot ihr ein wenig Schutz vor der unbarmherzigen Sonne, aber auf ihrem Gesicht stand trotzdem der Schwei�. In ihrem gr�nseidenen und goldbestickten Reitkleid wirkte sie nicht wie eine Gefangene.</p><p>Die langgezogene Weide mit dem vertrockneten braunen Gras war von Berittenen und anderen zu Fu� bev�lkert. Eine Gruppe Musikanten in wei�ums�umten blauen Wappenr�cken mit Fl�ten, Zithern und Trommeln spielte eine beschwingte Melodie, die zu diesem Nachmittag und dem eisgek�hlten Wein pa�te. Ein Dutzend Falkner in langen, kunstvoll gearbeiteten Lederwesten �ber den bauschigen wei�en Hemden streichelten die Falken mit den H�ubchen auf den K�pfen, die sie auf den schweren Handschuhen trugen, oder sie pafften an kurzstieligen Pfeifen und bliesen ganze Wolken blauen Rauchs ihren V�geln zu. Bunt gekleidete Diener gingen mit schwerbeladenen Tabletts herum und boten Obst an und Wein in Goldpokalen. Dazu kamen eine Reihe von M�nnern in schimmernden R�stungen, die die Weide in geringem Abstand vor den meist kahlen B�umen umstanden. Alles nat�rlich, um Morgase und ihrem �Hofstaat� zu helfen und sie bei ihrer Beizjagd zu �besch�tzen�.</p><p>Nun ja, so lautete eben die offizielle Begr�ndung, obwohl sich die Leute des Propheten gute zweihundert Meilen im Norden befanden und sich so nahe bei Amador bestimmt keine R�uber blicken lie�en. Und trotz der Frauen, die sich auf ihren Stuten und Wallachen um sie scharten, angetan mit bunten Reitkleidern und breitkrempigen H�ten mit farbigen Federn, das Haar zu langen Locken gebrannt, wie es am Hof Amadicias gerade Mode war, bestand Morgases Gefolge in Wirklichkeit nur aus zwei M�nnern: Basel Gill, der sich plump und ungeschickt auf seinem Ro� zur Seite verdr�ckt hatte und dessen Lederwams mit den aufgen�hten Metallscheiben sich um seinen Bauch �ber dem rotseidenen Rock spannte, den sie ihm besorgt hatte, damit die Diener nicht besser aussahen als er, und Paitr Conel, der in seiner rotwei�en Pagenuniform noch deplazierter wirkte und noch immer genauso nerv�s war wie damals, als sie ihm er�ffnet hatte, er werde in ihrem Gefolge mitkommen. Die Frauen waren Adlige aus Ailrons Hofstaat, �Freiwillige�, die Morgase als Hofdamen dienen sollten. Der arme Meister Gill f�hlte nach seinem Schwert und be�ugte die Wei�mantel- W�chter mit trostlosem Blick. Denn sie waren W�chter, obwohl sie gew�hnlich ihre wei�en Umh�nge nicht angelegt hatten, wenn sie mit Morgase aus der Festung des Lichts ritten. Wenn sie zu weit wegritt oder zu lange ausbleiben wollte, kam ihr Kommandant, ein junger Mann namens Norowhin mit harten Augen, der es nicht leiden konnte, etwas anderes als einen Wei�mantel darzustellen, und �schlug vor�, sie sollten nach Amador zur�ckkehren, weil die Hitze zu stark werde oder weil pl�tzlich ein Ger�cht aufgetaucht war, Banditen hielten sich in der Gegend auf. Man konnte sich nicht mit f�nfzig Mann herumstreiten und dabei die W�rde bewahren. Beim ersten Mal h�tte Norowhin ihr fast die Z�gel aus der Hand gerissen. Das war der Grund daf�r, warum sie sich auf diesen Ritten niemals von Tallanvor begleiten lie�. Dieser junge Narr w�rde ihre Ehre und ihre Rechte noch verteidigen, und wenn er hundert Mann gegen sich h�rte. So verbrachte er seine freie Zeit damit, mit dem Schwert zu �ben, als erwarte er, ihr den Weg in die Freiheit damit bahnen zu m�ssen.</p><p>�berraschend streichelte ihr eine pl�tzliche Brise �ber das Gesicht, und sie bemerkte erst jetzt, da� Laurain sich aus dem Sattel gebeugt hatte und ihr mit einem wei�en Spitzenf�cher Luft zuf�chelte. Laurain war eine schlanke junge Frau mit dunklen Augen, die ein wenig zu nahe beieinander standen. Au�erdem trug sie st�ndig ein gek�nsteltes L�cheln zur Schau. �Es mu� so wundervoll f�r Ihre Majest�t sein, zu erfahren, da� Euer Sohn sich den Kindern des Lichts angeschlossen hat. Und da� er so schnell im Rang aufgestiegen ist!�</p><p>�Das sollte nicht weiter �berraschen�, sagte Altalin und f�chelte ihrem runden Gesicht Luft zu. �Der Sohn Ihrer Majest�t steigt selbstverst�ndlich schnell auf, so wie die Sonne in ihrer Pracht.� Sie geno� das beif�llige Murmeln einiger der anderen Frauen ob ihres m�hseligen Bonmots.</p><p>Morgase behielt mit M�he eine ruhige Miene bei. Nialls Nachricht, die er ihr bei einem seiner unangek�ndigten Besuche gestern abend �berbracht hatte, hatte sie denn doch �berrascht. Galad als Wei�mantel! Wenigstens befand er sich in Sicherheit, wie Niall gesagt hatte. Aber er sei nicht in der Lage, sie zu besuchen, denn die Pflichten eines Kindes des Lichts hielten ihn davon ab. Doch ganz sicher w�rde er zu ihrer Eskorte geh�ren, wenn sie an der Spitze eines Heeres der Kinder nach Andor zur�ckkehrte.</p><p>Nein, Galad war nicht sicherer als Elayne oder Gawyn. Vielleicht sogar noch weniger. Das Licht gebe, da� sich Elayne in der Burg in Sicherheit befinde. Das Licht gebe, da� Gawyn am Leben sei. Niall behauptete, er wisse nicht, wo sich Gawyn aufhalte; jedenfalls sei er nicht in Tar Valon. Galad war das Messer an ihrer Kehle. Niall w�re niemals plump genug, um das auch nur anzudeuten, aber ein einfacher Befehl seinerseits konnte Galad an einen Ort schicken, an dem er mit Sicherheit ums Leben k�me. Der einzige Umstand, der in seinem Fall einen Schutz darstellte, war Nialls Meinung, ihr liege nicht soviel an ihm wie an Elayne und Gawyn.</p><p>�Es freut mich f�r ihn, wenn es das ist, was er will�, sagte sie in gleichg�ltigem Plauderton zu ihnen. �Aber er ist Taringails Sohn und nicht meiner. Die Hochzeit mit Taringail war eine politische Angelegenheit, m��t Ihr wissen. Seltsam, er ist nun schon solange tot, da� ich mich kaum an sein Gesicht erinnern kann. Galad kann tun und lassen, was er will. Gawyn wird Erster Prinz des Schwertes, wenn Elayne mir auf dem L�wenthron nachfolgt.� Sie winkte einem Diener ab, der ihr einen Weinpokal auf einem Tablett anbot. �Niall h�tte uns wenigstens mit einem anst�ndigen Wein versorgen k�nnen.� Eine Welle �ngstlichen Geschnatters antwortete ihr. Sie war halbwegs erfolgreich darin gewesen, diese Frauen etwas enger an sie zu binden. Trotzdem nahmen sie nat�rlich eine m�gliche Herausforderung Pedron Nialls ernst, denn so etwas konnte Folgen haben. Morgase nutzte aber jede Gelegenheit, in ihrer Gegenwart solche Dinge zu sagen. Das �berzeugte sie von ihrem Mut, was wiederum wichtig werden konnte, wollte sie wenigstens eine gewisse Loyalit�t in ihnen erwecken. Und noch wichtiger, zumindest f�r ihr Selbstwertgef�hl: es half, die Illusion aufrechtzuerhalten, da� sie nicht Nialls Gefangene sei.</p><p>�Wie ich h�rte, zeigt Rand al'Thor den L�wenthron vor wie eine Jagdtroph�e.� Das war Marande, eine h�bsche Frau mit herzf�rmigem Gesicht, etwas �lter als die anderen. Als Schwester des Hochsitzes des Hauses Algoran war sie selbst recht einflu�reich, vielleicht sogar m�chtig genug, um Ailron zu widerstehen, aber nicht Niall. Die anderen lie�en ihre Pferde zur Seite ausweichen, damit sie auf ihrem braunen Wallach n�her zu Morgase reiten konnte. Es stand �berhaupt nicht zur Debatte, ihre Loyalit�t oder gar Freundschaft zu gewinnen.</p><p>�Das habe ich auch geh�rt�, antwortete Morgase unbek�mmert. �Es ist gef�hrlich, einen L�wen zu jagen, und beim L�wenthron trifft das noch mehr zu. Besonders bei einem Mann. Er t�tet stets die M�nner, die ihn erringen wollen.�</p><p>Marande l�chelte. �Ich h�rte auch, da� er M�nnern hohe �mter verleiht, die mit der Macht umgehen k�nnen.�</p><p>Das rief unter den anderen Frauen unsichere Blicke hervor und ein besorgtes Gemurmel. Eine der j�ngeren Frauen, Marewin, zierlich und fast noch ein M�dchen, wankte auf ihrem gl�cklicherweise vorn und hinten hochgezogenen Sattel, als sei sie einer Ohnmacht nahe. Die Nachricht von al'Thors Amnestie hatte furchterregende Geschichten hervorgerufen, nur Ger�chte nat�rlich, wie Morgase mit aller Macht hoffte. Das Licht gebe, da� es sich bei alledem nur um Ger�chte handle: M�nner, die mit der Macht umgehen konnten und sich nun in Caemlyn versammelten, den K�niglichen Palast unsicher machten und die Stadt in Angst und Schrecken versetzten...</p><p>�Ihr vernehmt eine ganze Menge�, sagte Morgase. �Verbringt Ihr eure ganze Zeit damit, an T�rritzen zu lauschen?�</p><p>Marandes L�cheln verst�rkte sich. Sie war nicht in der Lage gewesen, dem Druck, eine von Morgases Hofdamen zu spielen, zu widerstehen, aber sie war auch stolz genug, um ihr Mi�vergn�gen eindeutig und ohne jede Furcht kundzutun. Sie war wie ein Dorn, der tief in ihrem Fu� steckte, ein Herausziehen war nicht m�glich, und bei jedem Schritt sp�rte sie einen scharfen Stich. �Ich habe durch das Vergn�gen, Ihrer Majest�t zu dienen, nur wenig Zeit zum Lauschen �brig, doch ich bem�he mich, alle nur m�glichen Neuigkeiten aus Andor aufzuschnappen, damit ich mich mit Ihrer Majest�t dar�ber unterhalten kann. Wie ich h�re, trifft der falsche Drache t�glich mit den Adligen Andors zusammen. Mit Lady Arymilla und Lady Naean, Lord Jarin und Lord Lir und anderen ihrer Freunde.�</p><p>Einer der Falkner hob einen schlanken, grauen Vogel mit schwarzen Schwingen und einer Haube �ber dem Kopf zu Morgase hoch. Silbergl�ckchen an den Halteriemen des Falken bimmelten leise, als der Vogel sein Gewicht auf dem Handschuh des Falkners verlagerte.</p><p>�Ich danke Euch, aber f�r heute habe ich genug von der Jagd�, sagte Morgase zu ihm, dann erhob sie die Stimme: �Meister Gill, ruft die Eskorte zusammen. Ich kehre in die Stadt zur�ck.�</p><p>Gill fuhr zusammen. Er wu�te recht gut, da� er nur dazu da war, um hinter ihr herzureiten, aber nun begann er damit, zu winken und den Wei�m�nteln Befehle zuzurufen, als glaube er im Ernst, sie w�rden ihm gehorchen. Was sie selbst betraf, lie� Morgase ihre schwarze Stute auf dem Fu� wenden. Nat�rlich lie� sie das Tier nicht schneller als im versammelten Schritt weitergehen. Norowhin w�re wie der Blitz zugegen gewesen, h�tte er die M�glichkeit ins Auge gefa�t, sie wolle entkommen.</p><p>Aber auch so galoppierten die Wei�m�ntel � ganz ohne ihre gewohnten wei�en Umh�nge � heran und bildeten eine Eskorte, bevor die Stute auch nur zehn Schritte zur�ckgelegt hatte, und noch vor Erreichen des Rains um die Weide war Norowhin an ihrer Seite, ein Dutzend M�nner voraus und der Rest nicht weit hinter ihm. Die Diener und Musiker und Falkner lie�en sie zur�ck. Sie sollten alles zusammenpacken und ihnen dann folgen, so schnell es ihnen m�glich war.</p><p>Gill und Paitr nahmen ihre Pl�tze gleich hinter ihr ein, und die Hofdamen folgten ihnen. Marande trug ihr L�cheln nun wie ein Zeichen des Triumphs zur Schau. Allerdings hatten ein paar der anderen die Stirnen mi�billigend gerunzelt. Nicht zu deutlich nat�rlich, denn auch wenn die Frau sich Niall beugen mu�te, besa� sie doch genug Macht in Amadicia, um sie Vorsicht walten zu lassen, aber immerhin bem�hten sich die meisten, ihre unerw�nschte Aufgabe dennoch gut zu erf�llen. Der gr��ere Teil h�tte wahrscheinlich sogar Morgase freiwillig und gern gedient, aber sie wohnten nur �u�erst ungern in der Festung des Lichts.</p><p>Morgase h�tte gel�chelt, w�re sie sicher gewesen, da� Marande es nicht sehen k�nnte. Der einzige Grund, warum sie nicht schon vor Wochen darauf bestanden hatte, die Frau wegzuschicken, war deren loses Mundwerk gewesen. Marande geno� es, bei ihr zu sticheln, wie sehr Andor doch ihrem Zugriff entglitten sei, aber die Namen, die sie zu diesem Zweck ausgew�hlt hatte, waren Balsam auf Morgases Seele. Alles M�nner und Frauen, die sich w�hrend der Auseinandersetzung um die Thronfolge gegen sie gestellt hatten, alles Speichellecker Gaebrils. Von ihnen erwartete sie genau das und nicht mehr. H�tte Marande andere erw�hnt, w�re das Ergebnis ganz anders ausgefallen. Lord Pelivar oder Abelle oder Luan, Lady Arathelle oder Ellorien oder Aemlyn und andere. <emphasis>Die</emphasis> waren aber bei Marandes Sticheleien niemals aufgetaucht, und ganz gewi� h�tte die Frau ihre Namen erw�hnt, w�re aus Andor auch nur der Hauch irgendeines Ger�chts �ber sie aufgetaucht. Solange Marande sie nicht nannte, bestand wenigstens noch Hoffnung, da� sie noch keinen Kniefall vor al'Thor getan hatten. Sie hatten damals Morgases Anspruch auf den Thron von Anfang an unterst�tzt, und wenn es das Licht wollte, w�rden sie auch jetzt noch dazu stehen.</p><p>Fast kahle W�lder teilten sich �ber einer Stra�e aus steinhart verbackenem Lehm, und auf dieser ritten sie s�dw�rts nach Amador weiter. Waldstreifen wechselten sich ab mit Gestr�pp und ummauerten, brachliegenden Feldern. Das eine oder andere Steingeb�ude mit Strohdach und einer Scheune dahinter stand ein wenig von der Stra�e entfernt. Viele Leute ben�tzten die Stra�e, und so stand best�ndig eine Staubwolke dar�ber, Morgase band sich ein seidenes Taschentuch vor das Gesicht, obwohl die Leute schnell zur Seite rannten, nachdem sie ihre Truppe bewaffneter und ger�steter M�nner gesichtet hatten. Manche eilten sogar unter die B�ume oder sprangen �ber die M�uerchen und rannten querfeldein weiter. Die Wei�m�ntel beachteten sie nicht, und es erschienen auch keine Bauern, die den querfeldein Rennenden w�tend hinterhergeschrien oder die F�uste gesch�ttelt h�tten. Einige der H�fe wirkten verlassen, da nicht einmal H�hner oder andere Tiere zu sehen waren.</p><p>Unter der Menschenmenge auf der Stra�e sah man hier einen Ochsenkarren, dort einen Mann, der einige Schafe einhertrieb, ein St�ck weiter eine junge Frau mit einer Herde G�nse. Diese Menschen waren ganz offensichtlich Einheimische. Manche hatten sich ein B�ndel oder eine Mappe am Tragriemen �ber die Schulter geh�ngt, doch die meisten kamen mit leeren H�nden und wirkten, als h�tten sie keine Ahnung, wohin sie eigentlich gingen. Menschen dieser Art waren immer h�ufiger anzutreffen, wenn Morgase gestattet worden war, Amador zu verlassen, und es spielte keine Rolle dabei, in welche Richtung sie ritt.</p><p>Morgase r�ckte das Taschentuch �ber ihrer Nase zurecht und be�ugte Norowhin von der Seite her. Er war ungef�hr so alt und so gro� wie Tallanvor, aber da endete die �hnlichkeit auch schon. Sein rotes Gesicht unter dem gl�nzenden, kegelf�rmigen Helm sch�lte sich gerade nach gewaltigem Sonnenbrand, und eine Sch�nheit war er auch nicht gerade. Seine schlaksige Gestalt und die hervorstehende Nase lie�en sie an eine Spitzhacke denken. Jedesmal, wenn sie die Festung des Lichts verlie�, f�hrte er ihre �Eskorte�, und jedesmal bem�hte sie sich, ihn endlich einmal in ein Gespr�ch zu verwickeln. Wei�mantel oder nicht, jeder Fingerbreit, um den sie ihn von der Rolle ihres Gef�ngnisw�rters abbringen konnte, w�re ein Erfolg. �Fliehen diese Menschen vor dem Propheten, Norowhin?� Das konnte nicht f�r alle zutreffen, denn genauso viele wanderten nach Norden wie nach S�den.</p><p>�Nein�, sagte er knapp, ohne sie auch nur anzusehen. Seine Blicke suchten die Stra�enseiten ab, als erwarte er jeden Moment eine bewaffnete Truppe, die sie retten sollte.</p><p>Das war ungl�cklicherweise die gleiche Art von Antwort, die sie jedesmal von ihm erhielt. Doch sie war hartn�ckig. �Wer sind sie? Sicher keine Taraboner. Ihr leistet gute Arbeit, wenn Ihr sie immer in Bewegung haltet.� Sie hatte beobachtet, wie eine gr��ere Gruppe von Tarabonern, ungef�hr f�nfzig Leute, M�nner, Frauen und Kinder, schmutzig und vor Ersch�pfung stolpernd, von berittenen Wei�m�nteln wie Vieh weitergetrieben worden war. Nur das bittere Wissen darum, da� sie v�llig machtlos war, hatte sie dazu in die Lage versetzt, ihren Mund zu halten. �Amadicia ist ein reiches Land. Selbst diese D�rre kann nicht so viele in nur wenigen Monaten von ihrem Land vertrieben haben.�</p><p>In Norowhins Gesicht arbeitete es. �Nein�, sagte er schlie�lich. �Sie fliehen vor dem falschen Drachen.�</p><p>�Aber wieso? Er befindet sich Hunderte von Meilen von Amadicia entfernt.�</p><p>Wieder wurde ein innerer Kampf auf dem sonnenverbrannten Gesicht des Mannes deutlich. Entweder rang er um Worte, oder er wollte nichts sagen. �Sie glauben, er sei der echte Wiedergeborene Drache�, sagte er endlich, und es klang angewidert. �Sie sagen, er habe alle Bande zerrissen, wie es geweissagt wurde.</p><p>M�nner verlassen ihren Dienst bei ihren Lords, Lehrlinge rennen ihren Meistern weg ... Ehem�nner verlassen ihre Familien, und Frauen ihre M�nner. Es ist wie eine Seuche, die vom Wind weitergetragen wird, und dieser Wind weht von dem falschen Drachen her.�</p><p>Morgases Blick fiel auf einen jungen Mann und eine Frau, die sich eng umschlungen in den Armen hielten und zusahen, wie ihre Gesellschaft vorbeiritt. Schwei�spuren zogen sich durch den Schmutz auf ihren Gesichtern, und der Staub lag dicht auf ihrer schlichten Kleidung. Sie wirkten hungrig. Ihre Wangen waren eingefallen und ihre Augen viel zu gro�. Konnte dasselbe auch in Andor geschehen? Hatte Rand al'Thor Andor das gleiche angetan? <emphasis>Wenn ja, dann wird er daf�r bezahlen.</emphasis> Die Schwierigkeit lag darin, da� die Heilung nicht noch schlimmer werden sollte als die Krankheit. Andor zu erl�sen, und wenn es nur von diesem Schicksal war, und es dann den Wei�m�nteln �bergeben...</p><p>Sie versuchte, die Unterhaltung in Gang zu halten, aber nachdem er mehr Worte herausgebracht hatte, als er je zuvor auf einmal an sie gerichtet hatte, fl�chtete sich Norowhin in einsilbige �u�erungen. Es spielte keine Rolle. Wenn sie diese Mauer einmal durchbrochen hatte, konnte sie es auch wieder tun.</p><p>Sie wandte sich im Sattel um und sah wieder nach dem jungen Mann und der Frau, doch sie waren durch die Wei�mantelsoldaten verdeckt. Auch das spielte keine Rolle. Ihre Gesichter w�rden ihr in Erinnerung bleiben, genau wie ihr Versprechen.</p></section><section><title><p>10</p><p>Wie man in den Grenzlanden sagt</p></title><p>Einen Augenblick lang w�nschte sich Rand die Tage zur�ck, an denen er allein durch die G�nge des Palastes schlendern durfte. Heute morgen begleiteten ihn Sulin und zwanzig T�chter des Speers, dazu Bael, der Clanh�uptling der Goshien Aiel, mit einem halben Dutzend <emphasis>Sovin Nai,</emphasis> Messerh�nde, von den Jhirad Goshien, die zu Ehren Baels mitgekommen waren, und Bashere mit ebenso vielen Soldaten aus Saldaea, an den k�hnen Raubvogelnasen erkennbar. Sie alle dr�ngten sich in dem breiten Gang mit den bunten Wandbeh�ngen. In den <emphasis>Cadin'sor</emphasis> gekleidete <emphasis>Far Dareis Mai</emphasis> und <emphasis>Sovin Nai</emphasis> blickten durch die Diener hindurch. Diese verbeugten sich hastig oder knicksten und eilten weg, um den Weg freizumachen. Die j�ngeren der Soldaten aus Saldaea stolzierten recht aufgeblasen einher in ihren Kurzm�nteln und den Pumphosen, die sie in die Stiefel gesteckt hatten. Selbst hier in diesem schattigen Gang war es hei�, und Staubteilchen tanzten in der Luft. Einige der Diener trugen die rotwei�e Livree wie zu Morgases Zeiten, aber die meisten waren ohnehin neu und hatten nur das an, was sie bei ihrem Vorstellungsgespr�ch getragen hatten, eine ziemlich bunte Mischung aus der typischen Wollkleidung der Bauern und Arbeiter, zumeist dunkel und schlicht, aber es waren auch alle m�glichen Farben zu sehen und hier und da sogar ein wenig Stickerei oder etwas Spitzenbesatz.</p><p>Rand machte sich eine gedankliche Notiz, Frau Harfor, die Erste Zofe, zu bitten, gen�gend Livrees aufzutreiben, um alle damit zu versorgen, damit die Neuen nicht gezwungen waren, in ihren besten Kleidern zu arbeiten. Die Livrees der Palastdiener waren ganz ohne Zweifel bessere Kleidung, als die Landbewohner jemals trugen, au�er vielleicht an besonderen Festtagen. Es waren weniger Diener als zu Morgases Zeiten am Werk, und ein gro�er Teil der in die rotwei�e Livree gekleideten M�nner und Frauen waren grauhaarig und gebeugt und kamen aus den Quartieren der Ruhest�ndler. Anstatt wie so viele andere zu fliehen, hatten sie ihren M��iggang aufgegeben, damit der gute Zustand des Palastes nicht leiden w�rde. Noch eine gedankliche Notiz. Frau Harfor � Erste Zofe war ein unbedeutend klingender Titel, aber Renee Harfor leitete alle Alltagsarbeiten im K�niglichen Palast � also, Frau Harfor sollte schnell gen�gend weitere Diener auftreiben, damit diese Alten ihren wohlverdienten Ruhestand genie�en konnten. Bekamen sie eigentlich noch immer ihre Pension ausbezahlt, nachdem Morgase tot war? Daran h�tte er auch fr�her denken k�nnen. Halwin Norry, der Chefbuchhalter, sollte das wissen. Es war, als werde er mit Federn totgeschlagen. Einfach alles erinnerte ihn an wieder etwas anderes, was er zu tun hatte. Die Kurzen Wege: das war keine Feder. Er lie� das Wegetor in Caemlyn bewachen, genau wie die in der N�he Tears und Cairhiens, aber er war nicht einmal sicher, wie viele es noch gab.</p><p>Ja, er h�tte nur zu gern all diese Verbeugungen und Knickse, all die Fragen und Belastungen, all die Menschen, deren Bed�rfnisse er zu befriedigen hatte, gegen jene Tage eingetauscht, als er noch Schwierigkeiten hatte, sich �berhaupt einen Mantel zu beschaffen. Nat�rlich h�tte man ihm damals gar nicht erlaubt, in diesen G�ngen herumzulaufen, jedenfalls nicht ohne eine andere Art der Bewachung, n�mlich eine, die daf�r sorgen sollte, da� er keine silberne Schale aus einer der Wandnischen stehlen w�rde, oder eine der Elfenbeinskulpturen von einem mit Lapislazuli eingelegten Tischchen.</p><p>Zum Gl�ck meldete sich Lews Therins Stimme heute morgen wenigstens nicht. Und mittlerweile schien er sich wirklich diesen Trick angeeignet zu haben, den ihm Taim gezeigt hatte; von Basheres Stirn rann der Schwei�, aber die Hitze ber�hrte Rand kaum. Er hatte seinen silberbestickten, grauseidenen Kurzmantel bis zum Hals zugekn�pft, und obwohl ihm ein wenig warm war, vergo� er keinen Tropfen Schwei�. Taim hatte ihm versichert, mit der Zeit werde er nicht einmal mehr Hitze oder K�lte empfinden, die so gewaltig w�ren, da� jeder andere Mann davon v�llig hilflos w�rde. Er mu�te nur auf Abstand von sich selbst gehen, seine Konzentration ganz nach innen lenken. Das war ein wenig dem �hnlich, was er tat, wenn er nach <emphasis>Saidin</emphasis> griff. Seltsam, da� es der Wirkung der Macht so nahe kam, und dennoch nichts damit zu tun hatte. Machten es die Aes Sedai genauso? Er hatte noch niemals eine von ihnen schwitzen sehen. Oder?</p><p>Mit einem Mal mu�te er laut lachen. Da stand er und fragte sich, ob die Aes Sedai jemals schwitzten! Vielleicht war er noch nicht dem Wahnsinn verfallen, aber zum wollk�pfigen Tor reichte es allemal.</p><p>�Habe ich etwas Komisches gesagt?� fragte Bashere trocken und fuhr sich mit dem Handr�cken �ber den Schnurrbart. Einige der T�chter blickten ihn erwartungsvoll an. Sie bem�hten sich ehrlich, den Humor der Feuchtl�nder zu verstehen.</p><p>Wie Bashere seinen Gleichmut in diesem Ma�e wahren konnte, wu�te Rand nicht. An diesem Morgen hatte ein Ger�cht den Palast erreicht, es gebe bewaffnete Auseinandersetzungen in den Grenzlanden, und zwar zwischen den Grenzl�ndern selbst. Nat�rlich bl�hte der Klatsch unter den Reisenden wie das Unkraut nach einem Regengu�, aber die Neuigkeiten waren aus dem Norden gekommen, und zwar offensichtlich von Kaufleuten, die zumindest bis Tar Valon gereist waren. Nichts war dar�ber bekannt, wo diese K�mpfe stattfanden und wer eigentlich gegen wen vorging. Das konnte genauso in Saldaea sein wie anderswo, und Bashere hatte seit ihrem Aufbruch vor Monaten nichts mehr von zu Hause geh�rt. Doch seinem Verhalten nach zu schlie�en, h�tte das Ger�cht genauso ein Ansteigen der Zwiebelpreise betreffen k�nnen, so wenig schien es ihn zu ber�hren.</p><p>Nat�rlich wu�te Rand genausowenig, was in den Zwei Fl�ssen geschah. Allenfalls unbestimmte Ger�chte von einem Aufstand irgendwo im Westen mochten seine Heimat betreffen. Aber das konnte in dieser Zeit alles oder nichts bedeuten. F�r ihn war das trotzdem nicht dasselbe. Er hatte die Zwei Fl�sse verlassen. Die Aes Sedai hatten �berall ihre Spione, und er h�tte nicht einmal einen Kupferpfennig darauf verwettet, da� die Verlorenen dort keine hatten. Der Wiedergeborene Drache hatte kein Interesse an diesem winzigen Fleckchen Erde, auf dem Rand al'Thor aufgewachsen war. Er war dem v�llig entwachsen. Wenn nicht, k�nnte man Emondsfeld wie eine Geisel gegen ihn einsetzen. Na ja, diese Haarspaltereien waren sinnlos. Verlassen war verlassen.</p><p><emphasis>Falls ich eine M�glichkeit h�tte, meinem Schicksal zu entrinnen, h�tte ich das auch verdient?</emphasis> Das war sein Gedanke und nicht der Lews Therins.</p><p>Er rollte die Schultern, in denen sich pl�tzlich ein dumpfer Schmerz breitmachte, und bem�hte sich um einen heiteren Ton: �Vergebt mir, Bashere. Mir ist gerade etwas Seltsames eingefallen, aber ich habe trotzdem zugeh�rt. Ihr habt gesagt, da� Caemlyn allm�hlich �berf�llt sei. F�r jeden Mann, der aus Angst vor dem falschen Drachen weggelaufen ist, sind zwei andere gekommen, weil ich eben keiner bin. Klar?�</p><p>Bashere knurrte, was alles bedeuten konnte.</p><p>�Wie viele sind aus anderen Gr�nden gekommen.</p><p>Rand al'Thor?� Bael war der gr��te Mann, den Rand je gesehen hatte, noch eine gute Handbreit gr��er als er selbst. Das ergab einen eigenartigen Kontrast zu Bashere, der kleiner als selbst alle anwesenden T�chter des Speers bis auf Enaila war. Starke graue Str�hnen waren in Baels dunkelroten Haaren zu sehen, doch sein Gesicht war hager und hart, und die blauen Augen blickten scharf drein. �Ihr habt genug Feinde f�r hundert M�nner. Merkt Euch, was ich sage: Sie werden erneut versuchen. Euch zu t�ten. Es k�nnten sogar Schattenl�ufer darunter sein.�</p><p>�Selbst wenn es nicht die Schattenfreunde sind�, warf Bashere ein, �kocht die Stadt doch vor Unruhe �ber wie ein auf dem Feuer vergessener Teekessel. Eine Menge Leute wurden brutal zusammengeschlagen, offensichtlich, weil sie daran zweifelten, da� Ihr der Wiedergeborene Drache seid; einen armen Burschen zerrten sie aus einer Taverne in eine Scheune und h�ngten ihn an einem Balken auf, weil er �ber Eure Wunder lachte.�</p><p>�Meine Wunder?� staunte Rand ungl�ubig.</p><p>Ein runzliger, wei�haariger Diener in einer viel zu gro�en Livree und mit einer gro�en Vase in den H�nden versuchte gleichzeitig, sich zu verbeugen und aus dem Weg zu treten. Prompt stolperte er �ber seine eigenen F��e und fiel nach hinten. Die bla�gr�ne Vase aus papierd�nnem Meervolk-Porzellan flog �ber seinen Kopf und �berschlug sich auf den dunkelroten Fu�bodenfliesen ein paarmal, bis sie wieder stand, und zwar aufrecht, drei�ig Schritt weiter den Gang hinunter. Der alte Mann sprang �berraschend behende auf die Beine und rannte hin, um die Vase aufzuheben. Er streichelte mit beiden H�nden dar�ber und untersuchte sie sowohl ungl�ubig wie auch erleichtert, als er keine angeschlagene Stelle und keinen Sprung finden konnte.</p><p>Andere Diener starrten genauso entgeistert hin�ber, besannen sich aber und eilten weg, um ihre Auftr�ge zu erf�llen. Sie bem�hten sich derart verkrampft, jeden Blick auf Rand zu vermeiden, da� ein paar sogar verga�en, sich zu verbeugen oder zu knicksen.</p><p>Bashere und Bael tauschten einen Blick, und dann pustete Bashere seine strammen Schnurrbartenden weg.</p><p>�Bezeichnen wir sie eben als eigenartige Vorkommnisse�, sagte er. �Jeden Tag gibt es neue Geschichten, beispielsweise �ber ein weiteres Kind, das kopf�ber aus dem Fenster in vierzig Fu� H�he auf die Pflastersteine st�rzt und ohne jede Schramme wieder aufsteht. Oder wie eine Gro�mutter zwei Dutzend durchgehender Pferde in den Weg l�uft, ohne von ihnen auch nur gestreift zu werden, und nat�rlich wird sie erst recht nicht niedergetrampelt. Irgendein Bursche hat neulich beim W�rfeln zweiundzwanzig Mal hintereinander einen F�nfer gehabt, und auch das schreiben sie Euch zu. Gl�ck mu� man haben.�</p><p>�Man sagt auch�, f�gte Bael hinzu, �da� gestern ein Korb mit Dachziegeln heruntergefallen und v�llig unbesch�digt auf der Stra�e gelandet sei, wobei die herausgefallenen Ziegel genau die Form des alten Abzeichens der Aes Sedai gebildet haben sollen.� Er sah den wei�haarigen Diener an, der mit staunend ge�ffnetem Mund und der an die Brust gepre�ten Vase dastand, w�hrend sie an ihm vorbeigingen. �Ich bezweifle die Geschichte keineswegs.�</p><p>Rand atmete langsam aus. Nat�rlich erw�hnten sie nicht die Vorkommnisse der anderen Art. Den Mann, der auf einer Stufe ins Stolpern kam und sich selbst erh�ngte, als sein Halstuch sich am T�rriegel verfing. Der lose Dachziegel, der vom Wind endg�ltig abgerissen und durch ein offenes Fenster und eine T�r gewirbelt wurde und im dahinterliegenden Zimmer eine Frau erschlug, die mit ihrer Familie bei Tisch sa�. Auch solche Dinge geschahen, wenn auch selten. Nur in seiner Umgebung war das keine Seltenheit. Ob zum Guten oder zum B�sen � und beides geschah ungef�hr gleich oft � ver�nderte er die Wahrscheinlichkeit einfach nur durch seine Anwesenheit innerhalb einiger Meilen. Nein, und sollten auch die Drachen von seinen Unterarmen und die in seine Handfl�chen eingebrannten Reiher verschwinden, w�re er dennoch gebrandmarkt. Es gab eine Redensart in den Grenzlanden: <emphasis>Die Pflicht wiegt schwerer als ein Berg, der Tod leichter als eine Feder.</emphasis> Wenn man einmal diesen Berg fest auf den Schultern trug, hatte man keine M�glichkeit mehr, ihn loszuwerden. Es gab sowieso niemand anderen, der ihm die Last abnehmen w�rde, jammern half da gar nichts.</p><p>Er bem�hte sich um einen knappen Tonfall: �Habt Ihr die M�nner aufgesp�rt, die den armen Kerl in der Scheune aufh�ngten?� Bashere sch�ttelte den Kopf. �Dann sucht sie und verhaftet sie wegen Mordes. Ich will diesen Dingen Einhalt gebieten. Jetzt an mir zu zweifeln ist kein Verbrechen.� Den Ger�chten nach hatte der Prophet es zu einem Verbrechen erkl�rt, aber noch konnte er deshalb nichts unternehmen. Er wu�te nicht einmal, wo sich Masema aufhielt, nur, da� er irgendwo in Ghealdan oder Amadicia sein mu�te. Wenn er nicht bereits woanders war. Doch er machte sich eine weitere gedankliche Notiz: Er mu�te den Mann finden und ihm irgendwie Z�gel anlegen.</p><p>�Gleich, wie weit es geht?� fragte Bashere, �Man fl�stert sich hinter vorgehaltener Hand zu, Ihr w�rt ein falscher Drache, der mit der Hilfe von Aes Sedai Morgase get�tet habe. Man erwartet, da� sich die Menschen gegen Euch erheben und ihre K�nigin r�chen. Es k�nnte mehr als einen geben, der dumme Sachen anstellt. Man kann es nicht vorhersagen.�</p><p>Rands Gesichtsz�ge verh�rteten sich. Mit dem ersten konnte er leben � er hatte keine andere Wahl, denn es gab einfach zu viele Ger�chte, um sie alle zu widerlegen, und wenn er selbst noch so oft widersprach �aber er w�rde die Aufforderung zur Rebellion nicht dulden. Andor w�rde er nicht auch noch durch einen B�rgerkrieg zerrei�en. Nicht Andor. Er wollte Elayne ein Land �bergeben, das genauso unbefleckt war, wie er es �bernommen hatte. Falls er sie jemals fand. �Findet heraus, wer das in die Welt gesetzt hat�, sagte er grob, �und werft die Schuldigen ins Gef�ngnis.� Licht, wie konnte man feststellen, wer ein Ger�cht in Umlauf gebracht hatte? �Wenn sie um Gnade betteln, k�nnen sie Elayne darum bitten.� Eine junge Dienerin in einem grob gewebten braunen Kleid, die gerade eine blaue, gerillte Glassch�ssel abstaubte, bemerkte seine Miene; ihr fiel die Sch�ssel aus den mit einem Mal zitternden H�nden und zerbrach. Nicht immer ver�nderte er die Gesetze der Wahrscheinlichkeit.</p><p>�Gibt es auch gute Neuigkeiten? Ich k�nnte ein paar gebrauchen.�</p><p>Die junge Frau b�ckte sich unsicher, um die Scherben der Sch�ssel aufzulesen, aber Sulin warf ihr einen Blick zu, nur einen fl�chtigen Blick, und sie sprang zur�ck und dr�ckte sich mit weit aufgerissenen Augen an einen Wandbehang, auf dem eine Leopardenjagd abgebildet war. Rand verstand das nicht, aber manche Frauen schienen sich vor den T�chtern des Speers viel mehr zu f�rchten als vor den Aielm�nnern. Die junge Frau blickte zu Bael auf, als suche sie Schutz bei ihm. Er aber schien sie gar nicht zu bemerken.</p><p>�Das kommt darauf an, was man unter guten Nachrichten versteht.� Bashere zuckte die Achseln. �Ich habe erfahren, da� Ellorien aus dem Hause Traemane und Pelivar aus dem Hause Caelan die Stadt vor drei Tagen betraten. Sich hineinschlichen, k�nnte man sagen, und keiner von beiden hat sich der Innenstadt gen�hert, soweit ich wei�. Dem Klatsch zufolge soll sich Dyelin aus dem Hause Taravin in der Umgebung auf dem Land aufhalten. Keines der H�user hat auf Eure Einladungen geantwortet. Ich habe aber nichts vernommen, was eines von ihnen mit dem Gerede in Verbindung br�chte.� Er sah zu Bael hin�ber, der mit einem leichten Kopfsch�tteln auf die unausgesprochene Frage antwortete.</p><p>�Wir erfahren weniger als Ihr, Davram Bashere. Diese Leute �u�ern sich in der Umgebung anderer Feuchtl�nder einfach freier.�</p><p>Es waren aber in jedem Fall gute Nachrichten. Es handelte sich schlie�lich um Menschen, die Rand brauchte. Wenn sie ihn f�r einen falschen Drachen hielten, w�rde er schon einen Ausweg finden. Falls sie glaubten, er habe Morgase get�tet... Gut, warum eigentlich nicht? So w�rden sie wenigstens ihrem Andenken und ihrer Familie gegen�ber loyal bleiben. �Schickt ihnen noch einmal Einladungen, mich zu besuchen. Setzt auch Dyelins Namen darauf; vielleicht wissen <emphasis>sie,</emphasis> wo sie sich aufh�lt.�</p><p>�Wenn ich ihnen eine solche Einladung sende�, sagte Bashere zweifelnd, �wird es sie vielleicht nur daran erinnern, da� sich ein Heer aus Saldaea in Andor befindet.�</p><p>Rand z�gerte und nickte dann. Pl�tzlich grinste er. �Bittet Lady Arymilla, die Einladung zu �berbringen. Ich zweifle nicht daran, da� sie die Gelegenheit beim Sch�pf ergreifen wird, ihnen zu zeigen, wie nahe sie mir steht. Aber Ihr schreibt den Text.� Moiraines Lektionen im Spiel der H�user waren wieder einmal n�tzlich f�r ihn.</p><p>�Ich wei� nicht, ob es eine gute oder eine schlechte Nachricht ist�, sagte Bael, �aber die Roten Schilde haben mir berichtet, da� zwei Aes Sedai Quartier in einer Schenke der Neustadt genommen haben.� Die Roten Schilde hatten Basheres M�nnern dabei geholfen, Ruhe und Ordnung in der Stadt wiederherzustellen, und nun �bernahmen sie die Polizeiarbeit allein. Bael grinste leicht, als er das Mi�vergn�gen auf Basheres Miene entdeckte. �Wir h�ren weniger, Davram Bashere, aber vielleicht sehen wir manchmal mehr.�</p><p>�Ist eine von ihnen diejenige, die Katzen mag?� fragte Rand. Die Ger�chte �ber Aes Sedai in der Stadt hielten sich hartn�ckig. Manchmal sollten es zwei sein oder drei, oder gleich eine ganze Gruppe. Soweit aber Bashere oder Bael �berhaupt etwas erfahren hatten, waren es ein paar Geschichten �ber eine Aes Sedai, die Katzen und Hunde heilte, doch immer wohnte sie angeblich eine Stra�e weiter, und derjenige, der die Geschichte erz�hlte, hatte sie von jemand anders geh�rt, der sie wiederum in einer Taverne oder auf dem Markt aufgeschnappt hatte.</p><p>Bael sch�ttelte den Kopf. �Glaube ich nicht. Die Roten Schilde sagen, die beiden seien w�hrend der Nacht eingetroffen.� Bashere lauschte interessiert. Er lie� nur selten eine Gelegenheit aus, Rand gegen�ber festzustellen, er ben�tige die Aes Sedai. Bael jedoch hatte leicht die Stirn gerunzelt, so leicht, da� wohl nur ein Aiel es bemerken w�rde. Die Aiel waren �u�erst vorsichtig, ja z�gernd, wenn es um ihre Beziehung zu den Aes Sedai ging.</p><p>Diese wenigen Worte enthielten reichlich Stoff zum Nachdenken f�r Rand, und alle gedanklichen Pfade f�hrten schlie�lich zu ihm selbst zur�ck. Es mu�te einen Grund daf�r geben, wenn zwei Aes Sedai nach Caemlyn kamen, obwohl ihre Schwestern die Stadt mieden, seit er dort aufgetaucht war. Am wahrscheinlichsten war es, da� sie sich seinetwegen hier befanden. Selbst in guten Zeiten reisten nur wenige Menschen bei Nacht, und dies waren nun nicht gerade gute Zeiten. Es mochte sein, da� diese Aes Sedai durch ihre n�chtliche Ankunft Aufsehen vermeiden wollten, und zwar h�chstwahrscheinlich, weil sie <emphasis>seiner</emphasis> Aufmerksamkeit zu entgehen hofften. Andererseits mochte es auch sein, da� sie einfach dringend ein bestimmtes Ziel erreichen mu�ten und auf die Tageszeit keine R�cksicht nehmen konnten. Was nach einem Auftrag der Burg roch. In Wahrheit konnte er sich einfach nichts vorstellen, was f�r die Burg im Augenblick wichtiger sein konnte als er selbst. Gut, sie mochten auch unterwegs sein, um sich den anderen Aes Sedai anzuschlie�en, von denen Egwene behauptete, sie wollten ihn unterst�tzen.</p><p>Was auch der Grund sein mochte, er wollte ihn wissen. Das Licht allein wu�te, was die Aes Sedai vorhatten � die Burg, genau wie Elaynes verborgene Bande � aber es war f�r ihn �u�erst wichtig, es ebenfalls zu erfahren. Es war zu gef�hrlich, blind weiterzumarschieren, denn es gab einfach zu viele von ihnen. Wie w�rde die Burg reagieren, wenn Elaida von seiner Amnestie erfuhr? Wie die anderen Aes Sedai? Hatten sie es bereits erfahren?</p><p>Als sie auf die T�r am Ende des Korridors zuschritten, �ffnete er den Mund, um Bael die Anweisung zu erteilen, eine der Aes Sedai in den Palast zu bitten. Nat�rlich w�rde er auch mit zwei Aes Sedai fertig, wenn es zu einer Auseinandersetzung kam und sie ihn nicht �berrumpelten, aber es war �berfl�ssig, ein Risiko einzugehen, bevor er �berhaupt wu�te, wer sie waren und was sie planten.</p><p><emphasis>Ich bin von Stolz erf�llt. Der Stolz, der mich zerst�rt hat, kotzt mich an!</emphasis></p><p>Rand kam ins Stolpern. Das war das erste Mal heute, da� Lews Therins Stimme sich in seinem Kopf bemerkbar gemacht hatte, und es klang zu sehr nach seinen eigenen Gedanken in bezug auf die Aes Sedai, um sich dabei wohl zu f�hlen, doch das war es nicht, was ihn seine geplanten Worte herunterschlucken und stocksteif stehenbleiben lie�.</p><p>Der Hitze wegen standen die T�rfl�gel offen und gaben den Blick in einen der Palastg�rten frei. Von den Blumen war nichts mehr zu sehen, und einige der Rosenstr�ucher und Wei�dornhecken wirkten verwelkt, aber die schattenspendenden B�ume standen noch immer, wenn auch nur wenige Bl�tter an den Zweigen hingen, rund um den wei�en Marmorbrunnen verteilt, aus dem im Herz des Gartens das Wasser sprudelte. Eine Frau im bauschigen braunen Wollrock und einer lose h�ngenden wei�en Algodebluse stand neben dem Brunnen, einen grauen Schal um die Arme geschlungen, und blickte mit staunenden Augen, wie so oft schon, das Wasser an, das keinem anderen Zweck diente als eben dem, angeschaut zu werden. Rands Augen saugten den Anblick der weichen Linien von Aviendhas Gesicht in sich auf, der dichte Locken r�tlich schimmernden Haares, die ihr von dem um die Stirn geschlungenen, zusammengefalteten grauen Schal bis auf die Schultern hingen. Licht, war sie sch�n! Sie betrachtete den Wasserstrahl des Springbrunnens so gebannt, da� sie ihn noch nicht bemerkt hatte.</p><p>Liebte er sie? Er wu�te es nicht. In seinem Kopf und seinen Tr�umen war sie untrennbar mit Elayne und sogar Min verwickelt. Was er jedoch wu�te, war, da� er gef�hrlich war und einer Frau nichts anderes als Schmerz schenken konnte.</p><p><emphasis>Ilyena.</emphasis> Lews Therin weinte. <emphasis>Ich habe sie get�tet! Das Licht soll mich f�r alle Ewigkeit bestrafen!</emphasis></p><p>�Die Aes Sedai, die auf diese Art auftauchen, k�nnten immerhin wichtig sein�, sagte Rand leise. �Ich glaube, wir sollten diese Schenke aufsuchen und feststellen, warum sie hier sind.� Fast alle blieben gemeinsam mit ihm stehen, nur Enaila und Jalani tauschten einen kurzen Blick und gingen weiter an ihm vorbei in den Garten. Er erhob die Stimme ein wenig, und sein Tonfall wurde um einiges h�rter: �Die T�chter hier werden mich begleiten. Jede, die allerdings ein Kleid anziehen und die Kupplerin spielen m�chte, bleibt zur�ck.�</p><p>Enaila und Jaiani wurden pl�tzlich steif und wirbelten dann zu ihm herum. Emp�rung blitzte aus ihren Augen. Nur gut, da� Somara heute keinen Dienst hatte; sie w�re m�glicherweise trotzdem weitermarschiert. Sulins Finger zuckten und gaben den anderen Zeichen in der Fingersprache der T�chter. Was sie ihnen mitteilte, beruhigte wohl ihre Emp�rung und lie� statt dessen die Schamr�te auf die Wangen der beiden T�chter treten. Die Aiel hatten alle Arten von Handsignalen entwickelt, weil es gelegentlich besser war zu schweigen. Jeder Clan hatte eine eigene Fingersprache, genau wie jede Kriegergemeinschaft, und daneben gab es noch Zeichen, die alle Aiel kannten. Doch nur die T�chter hatten daraus eine regelrechte Sprache entwickelt.</p><p>Rand wartete nicht, bis Sulin fertig war, sondern wandte sich vom Garten ab. Diese Aes Sedai w�rden m�glicherweise Caemlyn genauso schnell verlassen, wie sie angekommen waren. Er blickte sich um. Aviendha betrachtete noch immer das Wasser und hatte ihn wohl offensichtlich nicht bemerkt. Er beschleunigte seine Schritte. �Bashere, w�rdet Ihr bitte einen Eurer M�nner schicken, um Pferde zu satteln? Am S�dtor bei den Stallungen.� Das Haupttor des Palastes f�hrte auf den Platz der K�nigin, der gewi� wieder voll von Menschen war, die hofften, einen Blick auf ihn zu erh�schen. Er h�tte eine halbe Stunde gebraucht, um ihnen zu entkommen � mit etwas Gl�ck jedenfalls. Bashere gestikulierte kurz, und einer der j�ngeren Soldaten aus Saldaea eilte mit dem leicht rollenden Gang eines Mannes voran, der daran gew�hnt ist, im Sattel zu sitzen. �Ein Mann mu� wissen, wann er sich vor einer Frau zur�ckziehen sollte�, sagte Bashere ins Leere hinein, �aber einem weisen Mann ist bewu�t, da� er sich ihr manchmal eben doch stellen mu�.�</p><p>�Junge M�nner�, bemerkte Bael ungn�dig. �Ein junger Mann jagt nach Schatten und rennt vor dem Mondschein davon, und am Ende sticht er sich mit dem eigenen Speer in den Fu�.� Ein paar der anderen Aiel schmunzelten, sowohl T�chter als auch Mitglieder der Messerh�nde. Jedenfalls die �lteren.</p><p>Gereizt blickte sich Rand noch einmal um. �Keiner von Euch w�rde ein Kleid gut stehen.� �berraschenderweise lachten nun die T�chter und die Messerh�nde wieder, und diesmal lauter. Vielleicht bekam er den Humor der Aiel doch langsam in den Griff.</p><p>Alles war wie erwartet, als er aus dem S�dtor bei den Stallungen in die gewundenen Stra�en der Innenstadt ritt. Jeade'ens Hufe klapperten laut auf den Pflastersteinen, als der Hengst t�nzelte; in letzter Zeit war der Apfelschimmel ziemlich selten aus dem Stall geholt worden. Es waren recht viele Menschen zu sehen, aber lange nicht so viele, wie er auf der anderen Seite des Palastes erwartet h�tte, und sie gingen alle ihren eigenen Besch�ftigungen nach. Trotzdem wurde nat�rlich mit Fingern auf ihn gezeigt, und die Leute steckten die K�pfe zusammen. Einige mochten Bashere erkannt haben, der sich im Gegensatz zu Rand oft in der Stadt aufgehalten hatte, aber jeder, der vom Palast her kam und noch dazu eine Eskorte Aiel bei sich hatte, mu�te wichtig sein. Das Tuscheln und die ausgestreckten Finger folgten ihm durch die Stadt.</p><p>Obwohl er angestarrt wurde, hatte Rand noch einen Blick f�r die Sch�nheiten der von Ogiern erbauten Innenstadt. Die wenigen Gelegenheiten, die er noch fand, um etwas zu genie�en, waren f�r ihn ungeheuer wertvoll. Die Stra�en verliefen in weiten B�gen von dem im Sonnenschein wei� schimmernden K�niglichen Palast und pa�ten sich den Konturen der H�gel an, als seien sie ein Teil des Landes. �berall ragten schlanke T�rmchen auf, die mit bunten Kacheln geschm�ckt waren, oder goldene, purpurfarbene oder wei�e Kuppeln, die unter der Sonne glei�ten. Hier war eine L�cke in der Bebauung gelassen worden, um den Blick auf einen baumbestandenen Park freizugeben, und dort lenkte eine Anh�he den Blick nach oben �ber die Stadt zu der welligen Ebene und den W�ldern jenseits der hohen, silber gefleckten, wei�en Mauer, die ganz Caemlyn umschlo�. Die Pl�tze und Parks waren angelegt worden, um das Auge zu erfreuen und zu beruhigen. Der Aussage der Ogier nach hatten nur Tar Valon und das legend�re Manetheren diese Stadt jemals �bertroffen, und viele Menschen, besonders die Andoraner, glaubten, Caemlyn k�me beiden sogar gleich.</p><p>Die reinwei�e Mauer um die Innenstadt zeigte an, wo die sie umgebende Neustadt begann, die ihre eigenen Kuppeln und T�rmchen aufwies, von denen einige sich bem�hten, an H�he jene der Innenstadt auf den h�heren H�geln zu erreichen. Hier waren die engeren Stra�en vollgepackt mit Menschen, und selbst die breiten Alleen, die in der Mitte mit B�umen bepflanzte Gr�nstreifen aufwiesen, waren voll von Menschen und Ochsenkarren und pferdegezogenen Planwagen, Reitern, Kutschen und S�nften. Ein Summen lag in der Luft wie von einem riesigen Bienenstock.</p><p>Hier kamen sie langsamer vorw�rts, obwohl ihnen die Menge bereitwillig Platz machte. Die Leute wu�ten genausowenig wie die in der Innenstadt, wer er war, aber niemand wollte den trabenden Aiel in den Weg treten. Bei so vielen Menschen dauerte das eine Weile. Und hier gab es so viele verschiedene Arten von Menschen: Bauern in grober Wollkleidung und Kaufleute in M�nteln und Kleidern feineren Zuschnitts, Handwerker eilten mit ihren Produkten einher, und H�ndler priesen ihre Waren lauthals an, die sie aus Bauchl�den und Schubkarren feilboten, nahezu alles, von Nadeln und B�ndern bis zu Obst und Feuerwerksk�rpern. Die beiden letzteren Artikel waren mittlerweile sehr teuer geworden. Ein Gaukler in seinem Flickenumhang stand Schulter an Schulter mit drei Aiel, die Klingen auf einem der Tische vor dem Laden eines Messerschmieds in Augenschein nahmen. Zwei hagere Kerle, die ihr dunkles Haar zu Z�pfen geflochten hatten und die Schwerter auf dem R�cken trugen � J�ger des Horns, wie Rand annahm �, waren ins Gespr�ch vertieft mit einigen M�nnern aus Saldaea, w�hrend in der N�he eine Frau Fl�te spielte und ein Mann dazu an einer Ecke das Tamburin schlug. Menschen aus Cairhien, kleiner und von blasserer Hautfarbe, hoben sich von den Andoranern ab, genau wie die dunkelh�utigeren Tairener, aber Rand erblickte auch Leute aus Murandy in langen M�nteln und solche aus Altara mit kunstvoll bestickten Westen, Kandori mit gespaltenen Barten, und sogar zwei M�nner aus Arad Doman mit langen, d�nnen Schnurrb�rten und Ohrringen.</p><p>Auch eine andere Art von Menschen hob sich von den �brigen ab: jene, die in zerknitterten Jacken und Kleidern herumirrten, oftmals staubbedeckt und immer blinzelnd oder mit weit aufgerissenen Augen, offensichtlich ziellos und ohne zu wissen, was sie als n�chstes unternehmen sollten. Diese Menschen waren ihrem Ziel so nahe gekommen wie nur m�glich. Ihm. Dem Wiedergeborenen Drachen. Er hatte keine Ahnung, was er mit ihnen anfangen sollte, aber er trug die Verantwortung f�r sie. Es spielte keine Rolle, da� er sie nicht darum gebeten hatte, ihr Leben wegzuwerfen, nicht gewollt hatte, da� sie alles aufgaben. Sie hatten es trotzdem getan. Seinetwegen. Und sollten sie erfahren, wer er war, w�rden sie vielleicht sogar die Aiel �berrennen und ihn in St�cke rei�en, nur, weil sie ihn unbedingt einmal ber�hren wollten.</p><p>Er ber�hrte den <emphasis>Angreal</emphasis> in Form eines fetten, kleinen Mannes in seiner Rocktasche. Es w�re schon schlimm, k�me es dazu, da� er die Eine Macht anwenden mu�te, um sich gegen Menschen zu sch�tzen, die seinetwegen alles im Stich gelassen hatten. Deshalb begab er sich so selten in die Stadt. Zumindest war das einer der Gr�nde. Es gab einfach zuviel zu tun, um lediglich zum Vergn�gen auszureiten.</p><p>Die Schenke nahe der westlichen Stadtgrenze, zu der ihn Bael nun f�hrte, nannte sich <emphasis>Culains Jagdhund</emphasis> � drei Stockwerke unter einem roten Ziegeldach. Auf der gewundenen Seitenstra�e dr�ngte sich die Menge um Rands Gruppe, als sie vor der Schenke anhielten. Wieder ber�hrte Rand den <emphasis>Angreal.</emphasis> Zwei Aes Sedai; er sollte eigentlich in der Lage sein, mit ihnen ohne Hilfe des <emphasis>Angreal</emphasis> fertig zu werden. Dann stieg er ab und ging hinein. Voraus gingen nat�rlich drei T�chter des Speers und zwei Messerh�nde. Alle schlichen sprungbereit auf den Fu�ballen und schienen nur um Haaresbreite davon entfernt, den Schleier hochzuziehen. Es ging wohl nicht anders. Eher h�tte er einer Katze das Singen beibringen k�nnen. Bashere lie� zwei seiner Soldaten aus Saldaea bei den Pferden zur�ck und schritt mit Bael und den anderen zusammen gleich hinter Rand hinein. Der Rest der Aiel folgte ihnen, bis auf jene, die drau�en Wache standen. Was sie vorfanden, war aber keineswegs, was Rand erwartete.</p><p>Der Schankraum unterschied sich nicht von hundert anderen Schenken Caemlyns. Gro�e Bier- und Weinf�sser standen an einer rauh verputzten Wand aufgereiht, und obenauf kleinere Brandyf�sser. Ganz oben lag eine graugestreifte Katze ausgestreckt. An zwei Enden befanden sich gemauerte sauber ausgefegte Kamine. Drei oder vier Kellnerinnen mit wei�en Sch�rzen eilten zwischen den Tischen und B�nken einher, die auf den blanken Holzbohlen des Fu�bodens standen. Die Decke war aus schweren Balken gezimmert. Der Wirt, ein Mann mit rundem Gesicht und Dreifachkinn und einer wei�en Sch�rze, die sich m�chtig um seinen dicken Bauch spannte, trabte h�nderingend heran und musterte die Aiel nur ein ganz klein wenig besorgt. In Caemlyn hatte man begriffen, da� sie keineswegs alles in Reichweite pl�ndern und brandschatzen wollten. Dabei war es ihm ziemlich schwergefallen, die Aiel davon zu �berzeugen, da� Caemlyn kein erobertes Gebiet sei und sie nicht ihr �bliches F�nftel mitnehmen durften. Das hie� nat�rlich nicht, da� die Wirte daran gew�hnt waren, gleich zwei Dutzend Aiel auf einmal in ihrem Schankraum begr��en zu d�rfen.</p><p>Der Wirt richtete seine Aufmerksamkeit auf Rand und Bashere. Haupts�chlich auf Bashere. Beide waren ihrer Kleidung nach gewi� M�nner von Bedeutung, aber Bashere war um vieles �lter und deshalb vermutlich der wichtigere. �Willkommen, die Lords, meine Lords. Was kann ich Euch anbieten? Ich habe Weine aus Murandy und Andor, Brandy aus...�</p><p>Rand beachtete den Mann gar nicht. Was nicht das gleiche war wie in hundert anderen Schankr�umen, waren die G�ste. Zu dieser Stunde h�tte er vielleicht ein oder zwei M�nner erwartet, aber es waren keine da. Statt dessen sa�en an den Tischen einfach gekleidete junge Frauen, �berwiegend noch M�dchen, die sich auf ihren Pl�tzen umdrehten, die Teetassen in den H�nden, um die Neuank�mmlinge anzugaffen. Mehr als eine schnappte Baels Gr��e wegen nach Luft. Allerdings musterten nicht alle von ihnen die Aiel, und es war gerade dieses knappe Dutzend M�dchen, das ihn angaffte, was Rand die Augen aufrei�en lie�. Er kannte sie. Nicht alle kannte er gut, doch immerhin kannte er sie. Besonders eine von ihnen erregte seine Aufmerksamkeit.</p><p>�Bode?� fragte er ungl�ubig. Das M�dchen mit den gro�en Augen, das ihn anstarrte � seit wann war sie eigentlich alt genug, um das Haar zum Zopf zu flechten? � war Bodewhin Cauthon, Mats Schwester. Und dort sa� die mollige Hilde Barran neben der mageren Jerilin al'Caar und der h�bschen Marisa Ahan, die, wie immer, wenn sie �berrascht war, die H�nde auf die Wangen gelegt hatte, und daneben Emry Lewin mit dem gro�en Busen und Elise Marwin und Darea Candwin und... Sie waren alle aus Emondsfeld oder der Umgebung. Sein Blick huschte �ber die �brigen Tische, und ihm wurde klar, da� auch die anderen M�dchen von den Zwei Fl�ssen stammen mu�ten. Jedenfalls die meisten. Er sah auch ein typisches Domanigesicht und ein oder zwei mehr, die von weiter her kommen mochten. Doch alle diese Kleider h�tte man auch an jedem beliebigen Tag auf dem Anger von Emondsfeld sehen k�nnen. �Was beim Licht, macht ihr denn hier?�</p><p>�Wir sind auf dem Weg nach Tar Valon�, brachte Bode trotz ihrer Verbl�ffung heraus. Das einzige an ihr, das an Mat erinnerte, war ein spitzb�bischer Ausdruck um die Augen. Ihr Erstaunen �ber sein Erscheinen verschwand dann aber schnell und wurde durch ein erfreutes, breites L�cheln ersetzt. �Um Aes Sedai zu werden, wie Egwene und Nynaeve.�</p><p>�Dasselbe k�nnten wir dich fragen�, warf die gertenschlanke Larine Ayellin ein und legte sich den dicken Zopf mit ge�bter Ungezwungenheit �ber die Schulter. Sie war die �lteste unter den M�dchen aus Emondsfeld � gut drei Jahre j�nger als er, aber au�er Bode die einzige, die ihr Haar bereits zum Zopf geflochten trug �, aber sie war schon immer recht eingebildet gewesen. Und sie war dazu noch h�bsch genug, um von den Jungen st�ndig darin best�rkt zu werden. �Lord Perrin hat kaum zwei Worte von dir erz�hlt, au�er, du seist auf Abenteuer ausgezogen. Und du tr�gst jetzt ganz feine Kleidung, was offensichtlich keine �bertreibung war.�</p><p>�Geht es Mat gut?� fragte Bode mit einem Mal besorgt. �Ist er bei dir? Mutter macht sich solche Sorgen um ihn. Er hat gew�hnlich nicht einmal daran gedacht, frische Str�mpfe anzuziehen, wenn ihn niemand daran erinnerte.�</p><p>�Nein�, sagte Rand bed�chtig, �er ist nicht hier, aber es geht ihm gut.�</p><p>�Wir h�tten nicht erwartet, dich hier zu treffen�, piepste Janacy Torfinn mit ihrer hellen Stimme. Sie konnte kaum �lter als vierzehn sein, und so war sie die j�ngste, zumindest unter denen aus Emondsfeld. �Das wird Verin Sedai und Alanna Sedai sehr freuen, wette ich. Sie fragen uns immer aus, was wir �ber dich wissen.�</p><p>Also das waren die beiden Aes Sedai. Er kannte Verin, eine Braune Schwester, mehr als nur fl�chtig. Er wu�te allerdings nicht, was er von ihrer Anwesenheit in Caemlin halten sollte. Das war aber auch kaum wesentlich. Diese M�dchen kamen von <emphasis>zu Hause!</emphasis> �Ist alles in Ordnung in den Zwei Fl�ssen? In Emondsfeld? Perrin ist gut angekommen, wie es scheint. Wartet mal! <emphasis>Lord</emphasis> Perrin?�</p><p>Das lie� alle D�mme brechen. Der Rest der M�dchen von den Zwei Fl�ssen war mehr daran interessiert, von der Seite her heimlich die Aiel zu mustern, vor allem Bael, und auch die Soldaten aus Saldaea bekamen ein paar Blicke ab, doch die M�dchen aus Emondsfeld dr�ngten sich s�mtlich um Rand, versuchten alle gleichzeitig, auf ihn einzureden, erz�hlten alles durcheinander, warfen dazwischen noch Fragen �ber ihn und Mat, �ber Egwene und Nynaeve ein, wobei Rand die meisten davon nicht unter einer Stunde h�tte beantworten k�nnen, h�tten sie ihm �berhaupt eine Gelegenheit dazu gelassen.</p><p>Trollocs seien in das Gebiet der Zwei Fl�sse eingedrungen, doch Lord Perrin habe sie vertrieben. Sie schnatterten derart verwirrend, alle zur gleichen Zeit, von der gro�en Schlacht, da� fast keine Einzelheiten zu verstehen waren, au�er eben, da� eine solche stattgefunden hatte. Jeder hatte nat�rlich gek�mpft, aber Lord Perrin hatte alle gerettet. Immer <emphasis>Lord</emphasis> Perrin. Jedesmal, wenn er von ihm einfach als Perrin sprach, verbesserten sie ihn so mechanisch, wie man jemanden verbessert, der statt Pferd Schaukelpferd gesagt hat.</p><p>Trotz der Gewi�heit, da� die Trollocs geschlagen worden waren, zog sich Rands Brust bang zusammen. Er hatte sie all dem ausgesetzt. Wenn er hingegangen w�re, h�tten sie bestimmt nicht so viele Tote gehabt, w�ren nicht so viele Namen unter den Gefallenen gewesen, die er kannte. Doch h�tte er sich dorthin begeben, w�ren die Aiel jetzt nicht auf seiner Seite. Cairhien w�re nicht sein, soweit das �berhaupt der Fall war, und vermutlich w�rde Rahvin ein vereinigtes Andor gegen ihn und die Zwei Fl�sse zu Felde schicken. F�r jede Entscheidung, die er traf, mu�te er einen Preis bezahlen. Es gab einen Preis daf�r, wer er war. Andere Menschen mu�ten ihn bezahlen. Er mu�te sich immer wieder selbst daran erinnern, da� dieser Preis viel geringer war als der, den sie ohne ihn zahlen mu�ten. Das Erinnern half aber auch nicht viel.</p><p>Die M�dchen nahmen seine Miene als Ausdruck der Trauer ob der Aufz�hlung der Toten von den Zwei Fl�ssen, und so beeilten sie sich, ihm Sch�neres zu berichten. Wie es schien, hatte Perrin unterdessen Faile geheiratet. Rand w�nschte ihm wirklich alles Gl�ck, fragte sich aber, wie lange jedes Gl�ck wohl andauern mochte, das man jetzt fand. Die M�dchen hielten es jedenfalls f�r romantisch und wundervoll und schienen lediglich zu bedauern, da� keine Zeit f�r die �blichen Hochzeitsfeiern geblieben war. Sie hielten gro�e St�cke auf Faile, bewunderten sie und beneideten sie auch ein wenig; sogar Larine.</p><p>Es waren auch Wei�m�ntel im Spiel gewesen, und mit ihnen war Padan Fain gekommen, der alte H�ndler, der jeden Fr�hling nach Emondsfeld gekommen war, um seine Waren feilzubieten. Die M�dchen schienen im unklaren dar�ber, ob die Wei�m�ntel als Freunde oder Feinde gekommen waren, aber f�r Rand war durch Fains Anwesenheit alles offenkundig, sofern �berhaupt ein Zweifel bestanden hatte. Fain war ein Schattenfreund, vielleicht sogar schlimmeres als ein Schattenfreund, der alles tun w�rde, um Rand und Mat und Perrin Schaden zuzuf�gen. Besonders Rand. M�glicherweise war die noch schlimmere Neuigkeit, die sie ihm mitzuteilen hatten, da� niemand wu�te, ob Fain tot sei oder nicht. Auf jeden Fall waren die Wei�m�ntel weg, die Trollocs waren weg, und Fl�chtlinge kamen �ber die Verschleierten Berge und brachten alle Arten von Neuem mit, von Sitten bis zu Handwerksberufen, von Pflanzen und Samen zu Kleidern und Mode. Eines der anderen M�dchen war eine Domani, zwei weitere stammten aus Tarabon und drei von der Ebene von Almoth.</p><p>�Larine hat ein Domanikleid gekauft�, erz�hlte die kleine Janacy lachend und verdrehte die Augen, �aber ihre Mutter hat sie gezwungen, es zu der Schneiderin zur�ckzubringen.� Larine hob eine Hand, �berlegte es sich dann aber anders und r�ckte lediglich unter leichtem Schnauben ihren Zopf zurecht. Janacy kicherte.</p><p>�Wen interessieren denn schon Kleider?� rief Susa atSeen. �Rand sind Kleider ganz gleichg�ltig.� Susa war ein schm�chtiges, unruhiges M�dchen, immer schon leicht erregbar, und jetzt h�pfte sie beinahe auf Zehenspitzen auf und ab. �Alanna Sedai und Verin Sedai haben jede �berpr�ft. Na ja, fast jede...�</p><p>�Cilia Coie wollte auch �berpr�ft werden�, warf Marce Eidin, ein st�mmiges M�dchen, ein. Rand konnte sich nicht sehr gut an sie erinnern, au�er, da� sie ihre Nase immer in ein Buch gesteckt hatte, selbst wenn sie �ber die Stra�e ging. �Sie hat darauf bestanden! Und sie hat tats�chlich bestanden, doch dann haben sie ihr gesagt, sie sei zu alt f�r eine Novizin.�</p><p>Susa �berging Marce einfach und fuhr fort: �...und wir haben alle bestanden...�</p><p>�Wir sind den ganzen Tag und fast die ganze Nacht von Wei�br�cke hergefahren�, warf Bode ein. �Es tut so gut, eine Weile am gleichen Ort bleiben zu k�nnen.�</p><p>�Hast du Wei�br�cke gesehen, Rand?� fragte Janacy, ohne darauf zu warten, ob Bode fertig war. �Die Wei�e Br�cke selbst?�</p><p>�...und wir gehen nach Tar Valon, um Aes Sedai zu werden!� beendete Susa ihren Satz mit einem w�tenden Blick, der sowohl Bode wie auch Marce und Janacy einschlo�. �In Tar Valon!�</p><p>�Wir werden nicht sofort nach Tar Valon reisen.�</p><p>Die Stimme von der Eingangst�r entri� Rand die Aufmerksamkeit der M�dchen, aber die beiden Aes Sedai, die gerade eintraten, winkten nur ab, als ihre Sch�tzlinge sie mit Fragen best�rmten. Die Aufmerksamkeit der Aes Sedai galt in diesem Moment ausschlie�lich Rand. Sie waren ganz unterschiedliche Frauen, trotz der verbindenden Alterslosigkeit ihrer Gesichter. So konnte man ihr Alter nicht sch�tzen, aber Verin war klein und mollig, hatte ein breites Gesicht und eine Spur von Grau im Haar, w�hrend die andere, und das mu�te dann wohl Alanna sein, dunkel und schlank war, eine Frau mit sch�nem, ein wenig fuchsartigem Gesicht, ganzen Wogen schwarzen Haares und einem Funkeln in den Augen, das von einigem Temperament zeugte. Rote R�nder waren um ihre Augen zu sehen, als habe sie geweint. Rand konnte sich allerdings bei einer Aes Sedai kaum vorstellen, da� sie einmal weinte. Ihr Reitkleid war aus grauer Seide mit gr�nen Schr�gstreifen und wirkte, als habe sie es gerade frisch angelegt, w�hrend Verins hellbraunes Kleid leicht verknittert war. Wenn Verin auch nicht soviel Wert auf ihre Kleidung legte, blickten ihre dunklen Augen doch �u�erst scharf in die Welt. Ihr Blick haftete so fest an Rand wie Muscheln an einem Stein.</p><p>Zwei M�nner in mattgr�nen Jacken folgten ihnen in den Schankraum, der eine untersetzt und grauhaarig, der andere hochgewachsen, dunkelhaarig und gertenschlank; jeder trug ein Schwert an der H�fte, und ihre geschmeidigen Bewegungen h�tten sie auch ohne die Aes Sedai als Beh�ter kenntlich gemacht. Sie ignorierten Rand vollst�ndig und beobachteten statt dessen die Aiel und die M�nner aus Saldaea mit einer Reglosigkeit, die von gro�er Beherrschung zeugte. Was die Aiel betraf, r�hrten sich auch sie nicht, und doch wirkte es, als h�tten sie die Schleier erhoben, sowohl die T�chter wie auch die Messerh�nde, und die Finger der jungen M�nner Saldaeas bebten mit einem Mal in der N�he ihrer Schwertgriffe. Nur Bael und Bashere schienen vollst�ndig entspannt. Die M�dchen bemerkten au�er den Aes Sedai �berhaupt nichts, aber der fette Wirt sp�rte die angespannte Stimmung und rang die H�nde. Zweifellos sah er vor sich einen zerst�rten Schankraum, wenn nicht gar eine zerlegte Schenke.</p><p>�Es wird keine Schwierigkeiten geben�, sagte Rand laut und beherrscht zum Wirt und zu den Aiel. Zu allen, wie er hoffte. �Keine Schwierigkeiten, au�er Ihr bereitet uns welche, Verin.� Mehrere der M�dchen starrten ihn mit offenem Mund an, weil er so mit einer Aes Sedai sprach, und Larine schnaubte vernehmlich.</p><p>Verin musterte ihn mit ihren vogel�hnlichen Augen. �Wer sind wir denn, da� wir in Eurer N�he Schwierigkeiten machen w�rden? Ihr seid weit gekommen, seit ich Euch das letzte Mal sah.�</p><p>Aus irgendeinem Grund wollte er nicht dar�ber sprechen. �Wenn Ihr euch entschlossen habt, nicht nach Tar Valon zu reisen, habt Ihr bestimmt davon geh�rt, da� die Burg in sich zerbrochen ist.� Das rief ein �berraschtes Gemurmel unter den M�dchen hervor. Sie hatten ohne Zweifel noch nichts davon vernommen. Die Aes Sedai zeigten allerdings �berhaupt keine Regung. �Wi�t Ihr, wo sich jene aufhalten, die Elaida widerstreben?�</p><p>�Das sind Dinge, �ber die wir unter vier Augen sprechen sollten�, sagte Alanna gelassen. �Meister Dilham, wir ben�tigen Euer privates Speisezimmer.� Der Wirt �berschlug sich fast, als er ihr versicherte, es st�nde zu ihrer Verf�gung.</p><p>Verin schritt auf eine Seitent�r zu. �Hier entlang, Rand.� Alanna sah ihn an und zog fragend eine Augenbraue hoch.</p><p>Rand unterdr�ckte ein trockenes Grinsen. Sie waren einfach hereinmarschiert und hatten das Kommando �bernommen. Wie es schien, brachten die Aes Sedai so etwas so selbstverst�ndlich zuwege wie das Atmen. Die M�dchen von den Zwei Fl�ssen blickten Rand mit unterschiedlich ausgepr�gtem Mitleid an. Zweifellos erwarteten sie, die Aes Sedai w�rden ihm die Haut abziehen, wenn er sie nicht respektvoll ansprach und dabei gerade sa�. Vielleicht erwarteten auch Verin und Alanna das von ihm. Mit einer geschmeidigen Verbeugung bedeutete er Alanna voranzugehen. Also war er weit gekommen, ja? Sie hatten keine Ahnung, wie weit.</p><p>Alanna beantwortete seine Verbeugung mit einem Nicken, raffte ihren Rock hoch und glitt Verin hinterher. Doch die Probleme folgten ihnen auf dem Fu�. Die beiden Beh�ter wollten den Aes Sedai hinterhergehen, doch bevor sie auch nur einen Schritt getan hatten, traten ihnen zwei <emphasis>Sovin Nai</emphasis> mit kalten Augen in den Weg, w�hrend Sulins Finger sich flink in der Zeichensprache der T�chter bewegten und Enaila sowie eine kr�ftige Tochter des Speers namens Dagendra zu der T�r hinschickte, auf die beide Aes Sedai zugingen. Die M�nner aus Saldaea blickten zu Bashere hin�ber, der ihnen bedeutete, stehenzubleiben, aber dann sah er Rand fragend an.</p><p>Alanna gab einen m�rrischen Laut von sich. �Wir werden allein mit ihm sprechen, Ihvon.� Der schlanke Beh�ter runzelte die Stirn und nickte dann bed�chtig.</p><p>Verin blickte zur�ck, wobei sie etwas �berrascht wirkte, als sei sie aus riefen Gedanken gerissen worden. �Was? Ach ja, selbstverst�ndlich. Tomas, bleibe bitte hier.� Der grauhaarige Beh�ter blickte zweifelnd drein und warf Rand einen harten Blick zu, bevor er sich an die Wand neben der Eingangst�r lehnte. Zumindest entspannte er sich dabei etwa so, wie sich eine ge�ffnete Falle entspannt. Erst dann lie� auch die Anspannung unter den Messerh�nden nach, soweit Aiel sich �berhaupt jemals entspannen konnten.</p><p>�Ich will alleine mit ihnen sprechen�, sagte Rand und sah dabei Sulin geradewegs an. Einen Augenblick lang glaubte er, sie werde sich widersetzen. Ihr Kinn ruckte hoch und sprach B�nde, was ihre Halsstarrigkeit betraf; sie verst�ndigte sich in der Handsprache mit Enaila und Dagendra, und dann traten die beiden zur�ck, wobei sie ihn anblickten und mi�billigend die K�pfe sch�ttelten. Wieder huschten Sulins Finger, und alle T�chter lachten pl�tzlich los. Er w�nschte sich eine schnelle Methode, um diese Handsprache zu erlernen. Doch als er Sulin danach gefragt hatte, war sie ganz emp�rt gewesen.</p><p>Die M�dchen von den Zwei Fl�ssen tauschten verwirrte Blicke, als Rand den Aes Sedai hinterherschritt, und als er die T�r hinter sich schlo�, vernahm er ein lauter werdendes Gemurmel. Es war ein kleines Zimmer, aber statt der B�nke wies es immerhin auf Hochglanz polierte St�hle auf, und auf dem gl�nzenden Tisch und dem rankenverzierten Kaminsims standen Kerzenhalter aus Zinn. Die beiden Fenster waren geschlossen, und niemand hielt es f�r notwendig, eines zu �ffnen. Er fragte sich, ob es einer der Aes Sedai aufgefallen sei, da� ihn die Hitze genausowenig ber�hrte wie sie.</p><p>�Werdet Ihr sie zu den Rebellen bringen?� fragte er geradeheraus. Mit gerunzelter Stirn gl�ttete Verin ihren Rock. �Ihr wi�t dar�ber entschieden mehr als wir.�</p><p>�Wir haben von den Ereignissen in der Burg erst in Wei�br�cke geh�rt.� Alannas Tonfall war k�hl, aber in ihren Augen schwelte ein Feuer, als sie ihn anblickte. �Was wi�t Ihr denn von ... Rebellen?� In diesem Wort lag eine ganze Welt an Abscheu.</p><p>Also hatten sie die Ger�chte in Wei�br�cke vernommen und waren augenblicklich nach Caemlyn weitergereist, wobei sie alles von den M�dchen fernhielten. Und den Reaktionen Bodes und der anderen nach zu schlie�en, war der Entschlu�, nicht nach Tar Valon zu gehen, ganz neu. Anscheinend hatten sie heute morgen die Best�tigung f�r die Ger�chte erhalten. �Ich sch�tze, Ihr werdet mir nicht verraten, wer Euer Spion in Caemlyn ist.� Sie sahen ihn lediglich an. Verin hielt den Kopf schief, um ihn besser mustern zu k�nnen. Seltsam. Einst waren die Blicke der Aes Sedai f�r ihn so beunruhigend gewesen, hatten so w�rdevoll gewirkt, gleich, was geschehen war, und so wissend. Doch mittlerweile drehte es ihm nicht mehr den Magen um, wenn ihm eine oder sogar zwei Aes Sedai in die Augen blickten. <emphasis>Stolz,</emphasis> lacht Lews Therin wie irre, und Rand unterdr�ckte eine Grimasse. �Man hat mir berichtet, da� es Rebellen gebe. Ihr habt nicht abgestritten, zu wissen, wo sie sich befinden. Ich hege keinen Groll gegen sie; ganz im Gegenteil. Ich habe Grund zu der Annahme, da� sie mich unterst�tzen werden.� Er hielt mit dem eigentlichen Grund noch hinter dem Berg, warum er das von ihnen wissen wollte. Vielleicht hatte Bashere recht, vielleicht ben�tigte er die Unterst�tzung der Aes Sedai, aber vor allem wollte er mehr �ber sie erfahren, weil Elayne sich bei ihnen aufhielt. Er brauchte Elayne, um Andor ohne Gewaltanwendung f�r sich zu gewinnen. Das war der einzige Grund, warum er sie sehen wollte.</p><p>Der einzige. F�r sie war er genauso gef�hrlich wie f�r Aviendha. �Aus Liebe zum Licht: Wenn Ihr wi�t, wo sie sich befinden, sagt es mir.�</p><p>�Wenn wir es w��ten�, erwiderte Alanna, �h�tten wir kein Recht dazu, es irgend jemandem zu erz�hlen. Sollten sie sich dazu entschlie�en, Euch zu unterst�tzen, k�nnt Ihr sicher sein, da� sie Euch aufsuchen werden.�</p><p>�Wann sie es w�nschen�, sagte Verin, �nicht, wann Ihr es w�nscht.�</p><p>Er l�chelte grimmig. Er h�tte genau das erwarten sollen, nicht mehr und nicht weniger. Er hatte Moiraines Rat noch sehr deutlich im Kopf. Am Tage ihres Todes hatte sie ihm geraten, keiner Frau mit der Stola zu trauen.</p><p>�Ist Mat bei Euch?� fragte Alanna, als sei das nun das Allerwichtigste, was sie im Sinn hatte.</p><p>�Wenn ich w��te, wo er sich aufh�lt, warum sollte ich das Euch auf die Nase binden? Wie Ihr mir, so...� Sie schienen das nicht f�r lustig zu halten.</p><p>�Es ist t�richt, uns als Feinde zu betrachten�, murmelte Alanna und trat zu ihm vor. �Ihr wirkt m�de. Bekommt Ihr auch genug Schlaf?� Er trat vor ihrer erhobenen Hand zur�ck, und sie hielt inne. �Wie Ihr selbst, Rand, meine auch ich es nicht b�se. Nichts, was ich hier mache, wird Euch verletzen.�</p><p>Da sie es so geradeheraus gesagt hatte, mu�te es wohl stimmen. Er nickte, und sie erhob ihre Hand zu seinem Kopf. Seine Haut prickelte leicht, als sie nach <emphasis>Saidar</emphasis> griff, und ein wohlbekanntes W�rmegef�hl durchrieselte ihn. Sie untersuchte ihn wie eine Heilerin.</p><p>Alanna nickte zufrieden, und mit einem Mal wurde aus der W�rme Hitze, ein m�chtiger Hitzesto�, als stehe er einen Herzschlag lang mitten in einem tosenden Schmelzofen. Auch nachdem dieses Gef�hl wieder verflogen war, f�hlte er sich ganz eigenartig, f�hlte viel bewu�ter seinen eigenen K�rper als jemals zuvor, und f�hlte auch Alanna. Er wankte. Sein Kopf war ganz leicht, die Muskeln wie Wasser. Ein Echo aus Verwirrung und Besorgnis kam von Lews Therin her.</p><p>�Was habt Ihr getan?� wollte er wissen. W�tend griff er nach <emphasis>Saidar.</emphasis> Die Kraft, die ihn daraufhin durchstr�mte, hielt ihn aufrecht. �Was habt Ihr getan?�</p><p>Irgend etwas behinderte den Strom der Macht zwischen ihm und der Wahren Quelle. Sie versuchten, ihn abzuschirmen! So webte er seine eigene Abschirmung und knallte sie zwischen die beiden. Er war wirklich weit gekommen und hatte viel gelernt, seit ihn Verin zum letzten Mal gesehen hatte. Verin taumelte und st�tzte sich mit einer Hand auf dem Tisch ab, w�hrend Alanna aufst�hnte, als habe er sie geschlagen.</p><p>�Was habt Ihr getan?� Selbst so tief im Nichts geborgen, wie er es im Augenblick war, schien ihm seine Stimme zu kr�chzen. �Sagt es mir! Ich habe nicht versprochen, Euch nicht weh zu tun. Wenn Ihr es mir verschweigt...�</p><p>�Sie hat Euch gebunden�, sagte Verin schnell, doch ihre W�rde wirkte nun angeknackst. Aber einen Augenblick sp�ter h�llte ein Mantel aus W�rde sie wieder ein. �Sie hat Euch zu einem ihrer Beh�ter gemacht. Das ist alles.�</p><p>Alanna gewann ihre Fassung noch schneller wieder. Abgeschirmt musterte sie ihn gelassen mit verschr�nkten Armen, eine Andeutung von Zufriedenheit in den Augen. Zufriedenheit! �Ich sagte doch, ich w�rde Euch nicht verletzen, und nun habe ich Euch das Gegenteil zukommen lassen.�</p><p>Rand atmete tief und langsam durch und bem�hte sich, die Ruhe zur�ckzugewinnen. Er war wie ein Welpe in die Falle getapst. Zorn krallte �ber die Oberfl�che des Nichts. Ruhe. Er mu�te Ruhe bewahren.</p><p>Einer ihrer Beh�ter. Also war sie eine Gr�ne. Nicht, da� dies einen Unterschied machte. Er wu�te nicht viel von den Beh�tern, und ganz gewi� nicht, wie man das Band zerbrechen konnte oder ob das �berhaupt m�glich sei. Alles, was Rand von Lews Therin vernahm, war ein Gef�hl der Bet�ubung. Nicht zum ersten Mal w�nschte sich Rand, Lan w�re nicht weggeritten, nachdem Moiraine gestorben war.</p><p>�Ihr sagtet, Ihr w�rdet nicht nach Tar Valon ziehen. In diesem Fall � und da Ihr nicht zu wissen scheint, ob Ihr wi�t, wo sich die Rebellen befinden � k�nnt Ihr hier in Caemlyn bleiben.� Alanna �ffnete den Mund, aber er kam ihr zuvor: �Seid dankbar, wenn ich mich nicht entschlie�e, die Abschirmungen abzubinden und Euch so zu hinterlassen!� Das traf sie wirklich. Verins Mund straffte sich, und Alannas Augen gl�hten wie dieser Ofen, den er gesp�rt hatte. �Allerdings werdet Ihr euch von mir fernhalten, Ihr beide. Au�er wenn ich nach Euch schicke, ist die Innenstadt f�r Euch gesperrt. Wenn Ihr versucht, diese Vorschrift zu brechen, <emphasis>werde</emphasis> ich Euch abgeschirmt zur�cklassen, und noch dazu in einer Zelle. Verstehen wir uns?�</p><p>�Perfekt.� Trotz ihrer gl�henden Augen klang Alannas Stimme eisig. Verin nickte lediglich.</p><p>Rand stie� die T�r auf und blieb stehen. Er hatte die M�dchen von den Zwei Fl�ssen vergessen. Einige unterhielten sich mit den T�chtern, w�hrend andere sie nur beobachteten und miteinander �ber ihrem Tee fl�sterten. Bode und eine Handvoll der Emondsfelder fragten Bashere aus, der einen Zinnkrug in der Hand hielt und einen Fu� auf eine Bank gestellt hatte. Sie wirkten halb am�siert und halb verdattert. Als die T�r aufschlug, rissen sie die K�pfe herum.</p><p>�Rand�, rief Bode, �dieser Mann behauptet schreckliche Dinge von dir!�</p><p>�Er sagt, du w�rst der Wiedergeborene Drache�, sprudelte Larine heraus. Die �brigen M�dchen im Schankraum hatten offensichtlich noch nichts vernommen und schnappten bei ihren Worten nach Luft.</p><p>�Das stimmt�, sagte Rand m�de.</p><p>Larine schnaubte und verschr�nkte die Arme unter dem Busen. �Sobald ich diese Jacke gesehen hatte, wu�te ich, da� du dir einen gewaltig geschwollenen Kopf zugelegt hast. Und dann auch noch so mit einer Aes Sedai wegzurennen! Es war mir klar, als du so respektlos mit Alanna Sedai und Verin Sedai gesprochen hast. Aber was ich nicht wu�te, war, da� du ein solch blinder Narr geworden bist!�</p><p>Bodes Lachen klang eher entsetzt als am�siert. �Solche Sachen solltest du nicht mal im Scherz sagen, Rand. Tam hat dich doch wohl besser erzogen. Du bist Rand al'Thor. Jetzt h�r mit diesem Quatsch auf!�</p><p>Rand al'Thor. So hie� er wohl, aber er wu�te kaum mehr, wer er war. Tam al'Thor hatte ihn aufgezogen, doch sein wirklicher Vater war ein Aielh�uptling gewesen, der schon lange nicht mehr am Leben war. Seine Mutter war eine Tochter des Speers gewesen, aber keine Aielfrau. Und das war auch schon so ziemlich alles, was er von seiner Herkunft wu�te.</p><p><emphasis>Saidin</emphasis> erf�llte ihn nach wie vor Sanft h�llte er Bode und Larine in Str�nge aus Luft und hob sie an, bis ihre Schuhe einen Fu� hoch �ber dem Boden baumelten. �Ich bin der Wiedergeborene Drache. Es zu leugnen, w�rde nichts �ndern. Wunschdenken vermag nichts daran �ndern. Ich bin nicht mehr der Mann, den ihr aus Emondsfeld kennt. Versteht ihr jetzt?� Ihm wurde bewu�t, da� er sie anschrie, und so klappte er den Mund zu. Sein Magen f�hlte sich wie Blei an, und er zitterte. Warum hatte Alanna so etwas getan? Welche neue Aes-Sedai-Intrige schlummerte hinter diesem h�bschen Gesicht? Vertraue keiner von ihnen, hatte Moiraine gesagt.</p><p>Eine Hand ber�hrte seinen Arm, und sein Kopf fuhr herum.</p><p>�Bitte la�t sie herunter�, sagte Alanna. �Bitte. Sie f�rchten sich.�</p><p>Es war mehr als nur blo�e Furcht. Aus Larines Gesicht schien alles Blut gewichen zu sein und ihr Mund stand so weit offen, wie es nur ging, als wolle sie schreien und habe vergessen, wie. Bode schluchzte so sehr, da� sie am ganzen K�rper bebte. Sie waren nicht die einzigen. Der Rest der M�dchen von den Zwei Fl�ssen dr�ckte sich so weit wie m�glich von ihm entfernt aneinander, und die meisten von ihnen weinten ebenfalls. Auch die Serviererinnen befanden sich in dieser eng gedr�ngten Gruppe, und sie weinten genauso heftig wie alle dort. Der Wirt war auf die Knie niedergesunken, brachte nur erstickte Laute hervor, und seine Augen quollen heraus.</p><p>Rand lie� die beiden M�dchen heruntersinken, und dann lie� er hastig <emphasis>Saidin</emphasis> fahren. �Es tut mir leid. Ich wollte euch nicht erschrecken.� Sobald sie sich r�hren konnten, flohen Bode und Larine zu den anderen M�dchen und in deren tr�stende Umarmung. �Bode? Larine? Es tut mir leid. Ich werde euch nichts tun, das verspreche ich.� Sie sahen ihn nicht an. Keine von ihnen. Sulin allerdings blickte ihn an, und auch die anderen T�chter. Ihre Mienen waren nichtssagend, ihre Blicke jedoch mi�billigend.</p><p>�Was geschehen ist, ist geschehen�, sagte Bashere und stellte seinen Krug ab. �Wer wei�? Vielleicht war es gut so.�</p><p>Rand nickte bed�chtig. Gut m�glich. Am besten hielten sie sich von ihm fern. Es war besser f�r sie. Er w�nschte sich nur, er h�tte noch eine Weile l�nger �ber ihre Heimat sprechen k�nnen. Noch eine Weile, in der sie ihn nur als Rand al'Thor angesehen h�tten. Seine Knie zitterten noch immer von Alannas Prozedur her, aber sobald er sich in Bewegung gesetzt hatte, blieb er nicht stehen, bis er sich schlie�lich auf Jeade'ens Sattel schwang. Es war am besten, da� sie sich vor ihm f�rchteten. Am besten, da� er die Zwei Fl�sse verga�. Er fragte sich, ob dieser Berg auch einmal leichter werde, oder ob sein Gewicht weiter zunahm.</p></section><section><title><p>11</p><p>Lehrende und Lernende</p></title><p>Kaum war Rand aus der T�r, als Verin langgezogen ausatmete. Sie hatte die Luft angehalten. Einst hatte sie Siuan und Moiraine gegen�ber betont, wie gef�hrlich er sei. Keine von beiden hatte auf sie geh�rt, und nun, nachdem wenig mehr als ein Jahr vor�ber war, war Siuan einer D�mpfung unterzogen und m�glicherweise tot, w�hrend Moiraine... Auf den Stra�en h�rte man pausenlos Ger�chte �ber den Aufenthalt des Wiedergeborenen Drachen im K�niglichen Palast, das meiste davon v�llig unglaublich, und von den glaubhaften erw�hnte keines eine Aes Sedai. Moiraine hatte vielleicht geplant, ihn glauben zu machen, er habe Entscheidungsfreiheit und k�nne seinen eigenen Weg gehen, doch sie w�rde ihm nie gestatten, sich allzu weit von ihr zu entfernen, erst recht nicht jetzt, da er zu solcher Machtf�lle aufgestiegen war. Nicht jetzt, da die Gefahr, die er darstellte, derart gro� geworden war. Hatte Rand sie ebenfalls best�rmt, doch heftiger als gerade eben bei ihnen? Er war gealtert, seit sie ihn zuletzt gesehen hatte, und sein Gesicht zeigte die H�rte vieler K�mpfe. Das Licht wu�te, da� es wirklich genug Gr�nde daf�r gab, aber konnte es nicht auch gleichzeitig an seinem Kampf um die geistige Gesundheit liegen?</p><p>Moiraine war tot, Siuan tot, die Wei�e Burg gespalten, und Rand wahrscheinlich dem Wahnsinn n�he. Verin schnalzte gereizt mit der Zunge. Ging man Risiken ein, konnte es sein, da� die Rechnung daf�r eingel�st werden mu�te, wenn man es am wenigsten erwartete, und in einer Art, die man ebenfalls nicht erwartete. Beinahe siebzig Jahre aufwendiger Vorarbeiten auf ihrer Seite, und nun war das alles eines jungen Mannes wegen in Frage gestellt. Trotzdem; sie hatte zu lange gelebt, zuviel durchgemacht, um sich der Verzweiflung einfach hinzugeben.</p><p><emphasis>Alles der Reihe nach; k�mmere dich um die Dinge, die jetzt erledigt werden k�nnen, und mache dir nicht zu viele Gedanken �ber Sachen, die vielleicht niemals geschehen werden.</emphasis> Diese Lehre hatte sie in ihrem Leben �fters befolgt, und sie hatte sich das zu Herzen genommen.</p><p>Das wichtigste war, zun�chst einmal die jungen Frauen zu beruhigen. Sie dr�ckten sich noch immer wie eine Herde von Schafen aneinander, weinten, klammerten sich fest und verbargen die Gesichter. Sie verstand das recht gut. F�r sie war es nicht das erste Mal, da� sie einem Mann gegen�bergestanden hatte, der die Macht gebrauchen konnte, und der noch dazu der Wiedergeborene Drache selbst war, und trotzdem hatte sie ein Gef�hl im Magen, als befinde sie sich auf einem Schiff bei schwerem Seegang. Sie redete beruhigend auf die M�dchen ein, t�tschelte hier eine Schulter, strich dort �ber das Haar und bem�hte sich, ihre Stimme m�tterlich klingen zu lassen. Ihnen erst einmal beizubringen, da� Rand weg war, was in den meisten F�llen auch bedeutete, da� sie die Augen wieder �ffneten, tat viel dazu, sie einigerma�en zu beruhigen. Wenigstens h�rte das Schluchzen auf. Aber Janacy verlangte andauernd mit durchdringender Stimme, man solle ihr erkl�ren, da� Rand gelogen habe, da� alles ein Trick gewesen sei, w�hrend Bodewhin genauso schrill forderte, man solle ihren Bruder suchen und retten. Verin h�tte auch viel daf�r gegeben, zu wissen, wo sich Mat befand. Und Larine sprudelte heraus, sie sollten sofort Caemlyn verlassen, auf dem Fu�e.</p><p>Verin zog eine der Serviererinnen zur Seite. Die Frau mit dem Durchschnittsgesicht war mindestens zwanzig Jahre �lter als die M�dchen von den Zwei Fl�ssen, doch auch sie hatte die Augen weit aufgerissen, wischte sich mit dem Sch�rzenzipfel Tr�nen vom Gesicht und bebte noch immer. Nachdem sie die Frau nach ihrem Namen gefragt hatte, sagte Verin: �Bringt ihnen allen sch�nen, frisch gebr�hten Tee, Azril, hei� und mit viel Honig, und kippt ein wenig Brandy hinein.� Sie musterte die j�ngere Frau einen Moment lang nachdenklich und f�gte dann hinzu: �Mehr als nur ein wenig. Ein ordentlicher Schu� f�r jede.� Das sollte helfen, ihre Nerven zu beruhigen. �Ihr und die anderen Bedienungen k�nnt Euch auch etwas einschenken.� Azril schniefte, blinzelte und wischte sich �bers Gesicht, doch sie knickste, denn an ihre Pflichten erinnert zu werden, schien ihren Tr�nenflu� einzud�mmen, wenn nicht gar ihre Angst.</p><p>�Bringt ihnen den Tee auf die Zimmer�, sagte Alanna, und Verin nickte zustimmend. Ein bi�chen Schlaf w�rde Wunder bewirken. Sie waren erst vor wenigen Stunden aufgestanden, aber die Anstrengung der Reise und noch dazu der Brandy w�rden daf�r sorgen, da� sie schlafen konnten.</p><p>Der Auftrag l�ste Proteste aus.</p><p>�Wir k�nnen uns nicht hier verstecken�, brachte Larine zwischen Schniefen und Schluckauf heraus. �Wir m�ssen jetzt weg! Jetzt! Er wird uns umbringen!�</p><p>Bodewhins Wangen glitzerten feucht, doch ihr Gesicht hatte einen entschlossenen Ausdruck angenommen. Diese f�r die Bewohner der Zwei Fl�sse typische Sturheit w�rde noch mehr als eine der jungen Frauen in Schwierigkeiten bringen. �Wir m�ssen Mat finden. Wir k�nnen ihn nicht bei einem Mann lassen ... bei einem Mann, der... Das k�nnen wir nicht! Selbst wenn es Rand ist, k�nnen wir das nicht!�</p><p>�Ich will Caemlyn sehen�, quiekte Janacy, obwohl sie noch immer zitterte.</p><p>Nun mischte sich auch der Rest in die Debatte ein. Eine Handvoll unterst�tzten trotz aller Angst mit leicht zittrigen Stimmen Janacys Wunsch, die Mehrheit verlangte jedoch leidenschaftlich die sofortige Abreise. Eine der jungen Frauen aus Wachh�gel, ein gro�es, h�bsches M�dchen namens Elle mit recht hellen Haaren f�r die Zwei Fl�sse, begann wieder aus voller Kehle zu heulen.</p><p>Verin mu�te sich zur�ckhalten, um nicht der ganzen Bande Ohrfeigen zu verpassen. Den J�ngsten konnte sie nat�rlich keinen Vorwurf machen, aber Larine und Elle und die anderen, die bereits ihr Haar zu Z�pfen geflochten trugen, waren doch angeblich schon Frauen. Die meisten waren nicht einmal ber�hrt worden, und die Gefahr war l�ngst vorbei. Andererseits waren sie alle m�de. Rands Besuch war wie ein Schock gekommen, und h�chstwahrscheinlich w�rden sie so etwas in der nahen Zukunft noch oft erleben, also beherrschte sie sich.</p><p>Alanna beherrschte sich dagegen nicht. Selbst unter den Gr�nen war sie als reines Quecksilber verrufen, und in letzter Zeit war es mit ihrem Temperament noch schlimmer geworden, �Ihr begebt Euch jetzt sofort auf Eure Zimmer�, sagte sie k�hl, doch nur ihre Stimme strahlte diese K�hle aus. Verin seufzte, als die andere Aes Sedai ein Trugbild aus Luft und Feuer verwob. �berall im Raum wurde nach Luft geschnappt, und die weit aufgerissenen Augen quollen noch zus�tzlich heraus. Eigentlich war das �berfl�ssig, doch die guten Manieren verboten es Verin, �ffentlich einer anderen Schwester ins Handwerk zu pfuschen, und zudem empfand sie es als Erleichterung, da� Elles Heulen mit einem Mal abbrach. Auch ihre eigenen Nerven lagen blank. Nat�rlich konnten diese unausgebildeten jungen Frauen die Str�nge der Macht nicht sehen. Ihnen mu�te es erscheinen, als wachse Alanna bei jedem Wort. Auch ihre Stimme schwoll mit an, obwohl der Tonfall der gleiche blieb, und nun dr�hnte sie, wie es ihrer augenblicklichen Gr��e entsprach: �Ihr werdet alle Novizinnen werden, und die erste Lektion, die eine Novizin zu lernen hat, ist die, einer Aes Sedai zu gehorchen. Augenblicklich. Ohne Euch zu beklagen oder Ausfl�chte zu gebrauchen.� Alanna stand unver�ndert mitten im Schankraum � f�r Verin zumindest � aber der Kopf des Trugbilds ber�hrte die Deckenbalken. �Jetzt rennt! Wer sich nicht in seinem Zimmer befindet, wenn ich bis f�nf gez�hlt habe, wird das bis zum Tag seines Todes bereuen. Eins. Zwei...� Bevor sie zur Drei kam, gab es ein irres, quiekendes Gedr�nge am Fu� der Treppe ganz hinten im Raum. Es war ein Wunder, da� keine niedergetrampelt wurde.</p><p>Alanna mu�te gar nicht erst �ber die Vier hinausz�hlen. Als die letzten der M�dchen von den Zwei Fl�ssen nach oben verschwanden, lie� sie <emphasis>Saidar</emphasis> fahren; das Trugbild verschwand, und sie nickte kurz und befriedigt. Verin nahm an, jetzt m�sse man sogar beachtliche �berredungsk�nste aufwenden, um eine von ihnen dazu zu bringen, auch nur einen Blick aus ihrem Zimmer zu werfen. Vielleicht war das auch gut so. Bei der Lage der Dinge wollte sie nicht, da� sich eine hinausschlich, um Caemlyn zu erkunden.</p><p>Selbstverst�ndlich hatte Alanna auch dar�ber hinaus noch Wirkung hinterlassen. Es war notwendig, die Serviererinnen unter den Tischen hervorzulocken, wo sie sich versteckt hatten, und einer Frau, die beim Versuch, bis zur K�che zu kriechen, zusammengeklappt war, mu�ten sie wieder auf die Beine helfen. Sie gaben keinen Laut von sich und zitterten lediglich wie Bl�tter im Sturm. Verin mu�te jede erst ein wenig anschubsen, damit sie sich in Bewegung setzten, und ihren Befehl in bezug auf den Brandy wiederholte sie dreimal, bis Azril aufh�rte, sie anzustarren, als wachse ihr ein zweiter Kopf aus den Schultern. Dem Wirt war die Kinnlade fast bis auf die Brust heruntergeklappt, und die Augen fielen ihm beinahe aus dem Kopf. Verin sah zu Tomas hin�ber und deutete auf den wankenden Mann.</p><p>Tomas warf ihr einen sarkastischen Blick zu � das tat er immer, wenn sie ihn irgendwelche niederen Arbeiten erledigen lie�, doch er stellte ihre Befehle nur selten in Frage �, dann legte er einen Arm um Meister Dilhams Schultern und schlug in jovialem Tonfall vor, gemeinsam ein paar Kr�ge seines besten Weines zu leeren. Ein guter Mann, dieser Tomas, und er konnte ganz �berraschende Dinge vollbringen. Ihvon hatte sich hingesetzt, an eine Wand gelehnt und die Beine auf einen Tisch gelegt. Er brachte es fertig, gleichzeitig den Eingang von der Stra�e her und auch Alanna im Auge zu behalten. Alanna beobachtete er mit �u�erster Vorsicht. Er behandelte sie noch f�rsorglicher, seit Owein, ihr anderer Beh�ter, im Gebiet der Zwei Fl�sse ums Leben gekommen war, und klugerweise auch mehr als nur vorsichtig, was ihre Launen betraf, auch wenn sie diese meist besser im Griff hatte als heute. Alanna selbst zeigte kein Interesse daran, das Durcheinander mit den anderen zu bereinigen, das sie angerichtet hatte. Sie stand in der Mitte des Schankraums, hatte die Arme verschr�nkt und blickte ins Leere. Jedem anderen als einer Aes Sedai mu�te sie wie die Gestalt gewordene W�rde vorkommen. Verin jedoch kam Alanna wie eine Frau vor, die kurz vor einem Wutausbruch stand.</p><p>Verin ber�hrte ihren Arm. �Wir m�ssen uns unterhalten.� Alanna sah sie mit einem undurchschaubaren Blick an und glitt dann wortlos in Richtung des privaten Speisezimmers.</p><p>Hinter sich h�rte Verin Meister Dilham mit zittriger Stimme sagen: �Glaubt Ihr, ich kann damit werben, da� der Wiedergeborene Drache Gast in meiner Schenke war? Er war schlie�lich da.� Einen kurzen Moment l�chelte sie. Er w�rde also dar�ber hinwegkommen. Ihr L�cheln verflog jedoch, als sie die T�r hinter sich und Alanna schlo�. Nun waren sie unter vier Augen.</p><p>Alanna tigerte bereits in dem kleinen Raum umher. Die Seide ihres Hosenrocks verursachte beim Ausschreiten ein Ger�usch, als gleite ein Schwert aus der Scheide. Nun str�mte ihre Miene keinerlei W�rde mehr aus. �Die Frechheit dieses Mannes! Diese unglaubliche Frechheit! Uns hier einzusperren! Unsere Bewegungsfreiheit einzuschr�nken!�</p><p>Verin beobachtete sie ein paar Augenblicke lang, bevor sie etwas dazu sagte. Sie hatte zehn Jahre lang gebraucht, um �ber Balinors Tod hinwegzukommen und Ihvon an sich zu binden. Alanna war aufgew�hlt gewesen, seit Owein gestorben war, und sie hatte alles viel zu lange nur in sich hineingefressen. Die paar Mal, die sie sich seit der Abreise von den Zwei Fl�ssen heimlich ausgeweint hatte, waren bei weitem nicht ausreichend gewesen. �Ich denke schon, da� er uns mit Wachen am Tor von der Innenstadt fernhalten kann, aber in Caemlyn festhalten kann er uns nicht.�</p><p>Das brachte ihr den vernichtenden Blick ein, den sie erwartet hatte. Sie k�nnten ohne gro�e Schwierigkeiten abreisen � soviel Rand auch dazugelernt haben mochte, war die Wahrscheinlichkeit doch gering, da� er auf die Technik der Wachgewebe gesto�en war � aber das w�rde bedeuten, da� sie die M�dchen von den Zwei Fl�ssen zur�cklassen m��ten. Keine Aes Sedai hatte einen solchen Schatz wie den in den Zwei Fl�ssen gefunden, seit... Verin konnte sich gar nicht vorstellen, wie lange das her sein mu�te. M�glicherweise nicht mehr seit den Trollockriegen. Sogar junge Frauen von achtzehn Jahren � und da hatten sie die Grenze gesetzt ��fanden es oftmals unertr�glich, die Einschr�nkungen auf sich zu nehmen, die eine Novizin erdulden mu�te, doch h�rten sie diese Grenze auch nur um f�nf Jahre hinausgeschoben, w�ren es bestimmt doppelt so viele geworden, wenn nicht mehr. Bei f�nf dieser M�dchen ��f�nf! � war das Talent angeboren, Mats Schwester und Elle und die junge Janacy eingeschlossen, und sie w�rden irgendwann die Macht ben�tzen, ob man es ihnen nun beibrachte oder nicht, und dann w�rden sie auch sehr stark werden. Sie und Alanna hatten alle diese Talente aufgesp�rt, und zwei weitere hatten sie noch zur�ckgelassen, um sie in einem Jahr abzuholen, wenn sie alt genug waren, um von zu Hause wegzugehen. Das war ohne weiteres m�glich, denn die angeborenen F�higkeiten zeigten sich f�r gew�hnlich erst, wenn die M�dchen etwa f�nfzehn waren. Doch die anderen gaben bereits zu h�chsten Erwartungen Anla�, und zwar alle von ihnen. Die Zwei Fl�sse stellten in dieser Hinsicht die reinste Goldader dar.</p><p>Jetzt, da sie die Aufmerksamkeit der anderen Frau erregt hatte, wechselte Verin das Thema. Sie hatte gewi� nicht die Absicht, diese jungen Frauen im Stich zu lassen. Genausowenig beabsichtigte sie, sich noch einmal weiter von Rand zu entfernen als unbedingt notwendig. �Glaubst du, da� er recht hat hinsichtlich der Rebellen?�</p><p>Alannas H�nde verkrampften sich einen Augenblick lang in ihren Rock. �Die blo�e M�glichkeit st��t mich ab! Sind wir wirklich so tief gesunken...?� Sie lie� die Worte verklingen, die ohnehin so hoffnungslos geklungen hatten. Die Schultern hingen ihr herunter. Tr�nen standen ihr in den Augen, und sie konnte sie nur mit M�he zur�ckhalten.</p><p>Nun, da der Zorn der anderen Frau verraucht war, mu�te ihr Verin einige Fragen stellen, bevor die Erregung zur�ckkehrte. �Besteht irgendeine Aussicht, da� deine Metzgersfrau dir mehr dar�ber berichten kann, was sich in Tar Valon abgespielt hat, falls du ein wenig nachbohrst?� Die Frau war keine private Agentin Alannas, sondern eine der Gr�nen Ajah, auf die sie nur gesto�en waren, weil sie �ber ihrer Ladent�r eine Art von geheimem Notsignal aufgeh�ngt hatte. Nicht, da� Alanna Verin dar�ber aufgekl�rt h�tte, welcher Art dieses Signal gewesen war � das versteht sich von selbst. Verin h�tte ihr auch kein Geheimzeichen der Braunen verraten.</p><p>�Nein. Sie wei� nicht mehr als die Botschaft, die sie mir �bermittelte, und dabei hatte sie vor Angst einen so trockenen Mund, da� sie die Worte kaum herausbrachte. Alle loyalen Aes Sedai sollen zur Burg zur�ckkehren. Alles wird ihnen vergeben.� Zumindest dem Sinn nach war das alles gewesen. Zorn blitzte kurz in Alannas Augen auf, doch nur einen Augenblick lang und nicht so stark wie zuvor. �Wenn nicht all diese Ger�chte w�ren, h�tte ich dich niemals wissen lassen, wer sie ist.� Das und ihre aufgew�hlten Gef�hle. Wenigstens hatte sie mit dem Herumtigern aufgeh�rt.</p><p>�Ich wei߫, sagte Verin und setzte sich an den Tisch. �Ich werde die Vertraulichkeit auch respektieren. Aber gib es zu: Diese Botschaft best�tigt die Ger�chte. Die Burg ist gespalten. H�chstwahrscheinlich gibt es wirklich irgendwo Rebellen. Die Frage ist nur: Wie verhalten wir uns jetzt?�</p><p>Alanna blickte sie an, als sei sie verr�ckt geworden. Kein Wunder. Siuan mu�te vom Burgsaal abgesetzt worden sein, ganz den Gesetzen der Burg entsprechend. Schon die blo�e Vorstellung, sich gegen die Burg zu wenden, war undenkbar. Aber auch der Gedanke, da� die Burg in sich gespalten sei, war unvorstellbar gewesen.</p><p>�Wenn du jetzt keine Antwort darauf findest, denke einfach dar�ber nach. Und auch �ber folgendes: Siuan Sanche hatte einen gro�en Anteil daran, da� wir den jungen al'Thor gefunden haben.� Alanna �ffnete den Mund � h�chstwahrscheinlich, um Verin zu fragen, woher sie das wisse und ob auch sie Teil dieses Plans gewesen sei � doch Verin lie� ihr keine M�glichkeit dazu. �Man m��te schon geistig zur�ckgeblieben sein, um nicht zu merken, da� dieser Plan zumindest teilweise zu ihrem Sturz gef�hrt hat. Zuf�lle dieses Ausma�es gibt es nicht. Also �berlege dir, wie Elaida wohl Rand sieht. Denke daran, da� sie eine Rote war. Und bevor du nachdenkst, beantworte mir erst einmal eine Frage: Was hattest du vor, als du ihn als Beh�ter an dich gebunden hast?�</p><p>Diese Frage h�tte Alanna nicht �berraschen sollen, tat es aber doch. Sie zog einen Stuhl heran und setzte sich. Bevor sie antwortete, zupfte sie noch ihren Rock zurecht. �Es war einfach logisch, wo er doch schon vor uns stand. Man h�tte das schon lange machen sollen. Du konntest wohl nicht � oder wolltest du nicht?� Wie die meisten Gr�nen am�sierte sie sich �ber die Weigerung der Mitglieder anderer Ajahs, mehr als einen Beh�ter pro Schwester zuzulassen. Was die Gr�nen von den Roten hielten, die gar keine hatten, sagten sie lieber nicht laut. �Man h�tte sie alle bei der ersten Gelegenheit binden sollen. Sie sind viel zu wichtig, um frei herumzulaufen, und er mehr als alle anderen.� Mit einem Mal liefen ihre Wangen rot an. Es w�rde noch eine ganze Weile dauern, bis sie ihre Gef�hle wieder im Griff hatte.</p><p>Verin wu�te, was hinter dem Err�ten steckte. Alanna hatte etwas zu freim�tig geplaudert. Sie hatten Perrin schlie�lich wochenlang vor der Nase gehabt, als sie in den Zwei Fl�ssen junge Frauen auf das Talent �berpr�ften, doch was das betraf, ihn als Beh�ter zu binden, hatte sich Alanna ausgeschwiegen. Der Grund lag in einer hitzig ausgesprochenen Drohung Failes �au�erhalb Perrins H�rweite selbstverst�ndlich: Falls Alanna so etwas mache, werde sie die Zwei Fl�sse nicht mehr lebend verlassen. H�tte Faile mehr �ber die Verbindung zwischen Aes Sedai und Beh�ter gewu�t, w�re die Drohung wirkungslos geblieben, aber vor allem ihre Ahnungslosigkeit hatte Alanna zur�ckgehalten. Wahrscheinlich war es der schlechte Zustand ihrer Nerven gewesen, der zu ihrer Handlungsweise gef�hrt hatte �Rand nicht nur an sich zu binden, sondern das auch noch gegen seinen Willen. So etwas war seit Hunderten von Jahren nicht mehr vorgekommen.</p><p><emphasis>Tja,</emphasis> dachte Verin trocken, <emphasis>ich habe in meinem Leben auch so manches ungeschriebene Gesetz �bertreten.</emphasis> �Logisch?� fragte sie und l�chelte, um ihren Worten den Bi� zu nehmen. �Du klingst wie eine Wei�e. Na ja. Jetzt hast du ihn am Hals. Was wirst du nun mit ihm machen? Bedenke, wie er uns behandelt hat. Das erinnert mich an eine Bettkantengeschichte aus meiner Kindheit. Da ging es um eine Frau, die einem L�wen Sattel und Zaumzeug angelegt hat. Sie hat den Ritt sehr genossen, aber dann wurde ihr klar, da� sie weder absteigen noch schlafen durfte.�</p><p>Schaudernd rieb sich Alanna die Arme. �Ich kann noch immer nicht glauben, da� er so stark ist. H�tten wir uns nur fr�her verkn�pft. Und ich versuchte doch... Ich habe es nicht geschafft... Er ist so stark!�</p><p>Verin konnte gerade noch ein Schaudern unterdr�cken. Sie h�tten sich gar nicht fr�her verkn�pfen k�nnen, au�er Alanna meinte damit, sie h�tten sich verkn�pfen sollen, bevor sie ihn als Beh�ter an sich band. Verin war sich des m�glichen Resultats nicht sicher. Auf jeden Fall hatte es in letzter Zeit eine ganze Reihe �u�erst besorgniserregender Erlebnisse gegeben, angefangen mit ihrer Entdeckung, da� sie ihn nicht von der Wahren Quelle abschneiden konnten, bis hin zu der beinahe ver�chtlich erscheinenden Leichtigkeit, mit der er <emphasis>sie</emphasis> abgeschirmt hatte, wobei er ihre Nabelschn�re zu <emphasis>Saidar</emphasis> wie d�nne F�den zerrissen hatte. Bei beiden zugleich. Bemerkenswert. Wie viele w�rde man ben�tigen, um ihn abzuschirmen und zu fesseln? Alle dreizehn? Das war wohl nur eine Tradition, aber bei ihm mochte es zur Notwendigkeit werden. Wie auch immer, dieses Problem mu�ten sie ein andermal l�sen. �Und dann ist da noch die Sache mit seiner Amnestie.�</p><p>Alannas Augen weiteten sich. �Das glaubst du doch sicher nicht! Bei jedem falschen Drachen gab es Ger�chte, er versammle M�nner um sich, die mit der Macht umgehen k�nnen, aber die stimmten genausowenig. Sie wollten Macht an sich rei�en und sie nicht mit anderen M�nnern teilen!�</p><p>�Er ist aber kein falscher Drache�, sagte Verin leise, �und das �ndert alles. Wenn ein Ger�cht stimmt, dann kann auch an einem anderen etwas dran sein, und die Amnestie war doch in aller Munde, seit wir Wei�br�cke verlie�en.�</p><p>�Selbst wenn es stimmt, hat sich vielleicht niemand gemeldet. Kein anst�ndiger Mann will etwas mit der Macht zu tun haben. Wenn mehr als eine Handvoll das jemals w�nschte, h�tten wir jede Woche einen falschen Drachen gehabt.�</p><p>�Er ist ein <emphasis>Ta'veren,</emphasis> Alanna. Er zieht das an, was er ben�tigt.�</p><p>Alannas Kiefer bewegte sich, und ihre H�nde auf dem Tisch hatte sie nun zu F�usten geballt. Die Kn�chel f�rbten sich vor Verkrampfung wei�. Jedes bi�chen der sonst so typischen Beherrschung einer Aes Sedai war verflogen, und sie zitterte sichtlich. �Wir k�nnen nicht zulassen... M�nner, die die Macht ben�tzen und auf die Welt losgelassen werden? Falls das stimmt, m�ssen wir es verhindern!� Sie war nahe daran, wieder aufzuspringen, und ihre Augen blitzten.</p><p>�Bevor wir eine Entscheidung treffen, was im Hinblick darauf zu tun ist�, sagte Verin gelassen, �m�ssen wir erst in Erfahrung bringen, wo er sie untergebracht hat. Der K�nigliche Palast erscheint mir am wahrscheinlichsten, aber es mag schwierig sein, das herauszufinden, wenn uns die Innenstadt versperrt ist. Also schlage ich folgendes vor...� Alanna beugte sich aufmerksam vor.</p><p>Es gab eine ganze Menge zu planen, aber das meiste hatte bis sp�ter Zeit. Etliche Fragen mu�ten beantwortet werden; sp�ter. War Moiraine tot, und falls ja, wie war sie ums Leben gekommen? Gab es die Rebellen, und welche Haltung sollten Verin und Alanna ihnen gegen�ber einnehmen? Sollten sie versuchen, Rand Elaida auszuliefern oder diesen Rebellen? Wo befanden sie sich? Das Wissen darum w�re wertvoll, ganz gleich, wie die anderen Antworten ausfallen w�rden. Wie sollten sie diese so leicht zerrei�bare Leine ben�tzen, an die Alanna Rand gelegt hatte? Sollte eine von ihnen oder auch beide versuchen, den Platz Moiraines einzunehmen? Zum ersten Mal, seit Alanna ihren Schmerz �ber Oweins Tod so deutlich an die Oberfl�che hatte treten lassen, war Verin froh dar�ber, da� sie sich so lange zur�ckgehalten hatte, da� sie sich jetzt kaum noch beherrschen konnte und damit auch so leicht zu beeinflussen war. Jetzt w�rde sich Alanna eher ihrer F�hrung anvertrauen, und Verin wu�te sehr genau, wie die Antworten auf einige der im Raum liegenden Fragen aussehen w�rden. Sie glaubte nicht, da� diese Antworten Alanna gefallen w�rden. Am besten, wenn sie nichts davon erfuhr, bis es ohnehin zu sp�t war, um etwas daran zu �ndern.</p><p>Rand ritt im Galopp zum Palast, so schnell, da� er selbst die rennenden Aiel hinter sich zur�cklie�. Er beachtete ihre Rufe nicht, und auch nicht die w�tend geschwungenen F�uste der Menschen, die gerade noch vor Jeade'ens Hufen zur Seite springen konnten. Hinter sich lie� er umgekippte S�nften und Kutschen zur�ck, deren R�der sich in denen von Marktkarren verkeilt hatten. Bashere und seine Soldaten aus Saldaea konnten auf ihren kleineren Pferden kaum mithalten. Er wu�te selbst nicht, warum er sich so beeilte. Die Neuigkeiten, die er mitbrachte, waren nicht derart dringlich.</p><p>Doch als das Zittern seiner Arme und Beine langsam nachlie�, wurde ihm immer deutlicher bewu�t, da� er nach wie vor Alannas Gegenwart sp�rte. Er konnte sie <emphasis>f�hlen.</emphasis> Es war, als sei sie in seinen Kopf hineingekrochen und habe es sich dort bequem gemacht. Wenn er sie auf diese Art f�hlte, konnte sie seine Anwesenheit dann auch sp�ren? Was sonst eigentlich? Was sonst? Er mu�te ihr entkommen.</p><p><emphasis>Stolz,</emphasis> gackerte Lews Therin in seinem Hinterkopf, und ausnahmsweise einmal bem�hte sich Rand nicht, die Stimme zu unterdr�cken.</p><p>Er hatte ein anderes Ziel als den Palast im Sinn, aber beim Schnellen Reisen mu�te man den Ort, den man verlie�, noch besser kennen als den, zu dem man reisen wollte. Am S�dstall warf er einem Stallburschen mit Lederweste die Z�gel seines Hengstes zu und rannte los. Seine langen Beine lie�en ihn schnell einen Vorsprung vor den M�nnern aus Saldaea gewinnen. In den G�ngen stierten die Diener �berrascht hinter ihm her, und ihre Knickse und Verbeugungen erstarrten, als er an ihnen vor�berhetzte. Im Gro�en Saal griff er nach <emphasis>Saidin,</emphasis> �ffnete ein Loch in der Luft und sprang beinahe hindurch auf die kleine Lichtung in der N�he des Bauernhofs. Dort lie� er die Wahre Quelle wieder los.</p><p>Er atmete langgezogen aus und sank auf dem Teppich abgestorbener Bl�tter auf die Knie. Die Hitze unter dem Dach aus kahlen �sten pr�gelte auf ihn ein. Er hatte schon vor einer ganzen Weile die notwendige Konzentration verloren, um die Hitze von sich abgleiten zu lassen. Er sp�rte immer noch ihre Gegenwart, doch hier war es schw�cher, falls man das sichere Gef�hl, sie bef�nde sich genau in <emphasis>dieser</emphasis> Richtung, als schw�cher bezeichnen wollte. Er h�tte mit geschlossenen Augen in ihre Richtung deuten k�nnen.</p><p>Einen Moment lang ergriff er erneut <emphasis>Saidin,</emphasis> diesen tosenden Strom aus Feuer und Eis und s�uerlichem Matsch. Er hielt ein Schwert in H�nden, ein Schwert, aus Feuer geschmiedet, aus dem Feuer der Macht. Ein Reiher stach dunkel von der rotgl�henden, leicht gekr�mmten Klinge ab. Er konnte sich nicht erinnern, bewu�t daran gedacht zu haben, Feuer, und doch f�hlte sich das lange Griffst�ck k�hl und fest an. Das Nichts spielte dabei keine Rolle, und auch die Macht �nderte nichts daran. Alanna befand sich immer noch dort, lag gem�tlich zusammengerollt in einem Winkel seines Hirns und beobachtete ihn.</p><p>Mit einem bitteren Auflachen lie� er die Macht wieder fahren und kniete einfach da. Er hatte sich so sicher gef�hlt. Nur zwei Aes Sedai. Selbstverst�ndlich konnte er mit ihnen fertig werden; er hatte auch Egwene und Elayne zusammen im Schach gehalten. Was k�nnten sie ihm schon antun? Ihm wurde bewu�t, da� er immer noch lachte. Er schien nicht in der Lage zu sein, damit aufzuh�ren. Na ja, es war wirklich komisch. Sein t�richter Stolz. �bersteigertes Selbstvertrauen. Das hatte ihn schon fr�her in Schwierigkeiten gebracht, und nicht nur ihn selbst. Er war so sicher gewesen, da� er im Verbund mit den Hundert Gef�hrten den Stollen fest verschlie�en k�nne...</p><p>D�rre Bl�tter raschelten, als er sich zum Aufstehen zwang. �Das war ich nicht!� sagte er heiser. �Das war nicht ich! Raus aus meinem Kopf! Das gilt f�r Euch alle: raus aus meinem Kopf!� Lews Therins Stimme murmelte undeutlich und fern. Alanna wartete schweigend und geduldig in seinem Hinterkopf. Die Stimme schien sich vor ihr zu f�rchten.</p><p>Rand klopfte sich den Schmutz von den Knien seiner Hose. Er w�rde sich nicht so einfach in sein Schicksal ergeben. Traue keiner Aes Sedai � das w�rde er von nun an beherzigen. <emphasis>Ein Mann ohne Vertrauen ist so gut wie tot,</emphasis> kicherte Lews Therin. Er w�rde nicht nachgeben.</p><p>Nichts hatte sich hier an dem Bauernhof ver�ndert. Nichts, und doch alles. Wohnhaus und Scheune waren die gleichen, genau wie die H�hner und Ziegen und K�he. Sora Grady beobachtete seine Ankunft mit kalter und nichtssagender Miene von einem Fenster aus. Sie war nun die einzige Frau hier; all die anderen Ehefrauen und Freundinnen waren mit den M�nnern fortgezogen, die Taims Pr�fungen nicht bestanden hatten. Taim befand sich mit seinen Sch�lern auf einer Fl�che aus hartgebackenem roten Ton, aus dem nur wenige Unkr�uter sprossen, hinter der Scheune. Mit allen sieben. Abgesehen von Soras Mann Jur waren nur noch Damer Flinn, Eben Hopwil und Fedwin Morr aus jener ersten Gruppe �briggeblieben. Die anderen waren neu und wirkten beinahe ebenso jung wie Fedwin und Eben.</p><p>Au�er dem wei�haarigen Damer sa�en die Sch�ler in einer Reihe und hatten Rand die R�cken zugewandt.</p><p>Damer stand vor ihnen und hatte angestrengt die Stirn gerunzelt. Er blickte einen kopfgro�en Steinbrocken an, der ungef�hr drei�ig Schritt entfernt lag.</p><p>�Jetzt�, sagte Taim, und Rand sp�rte, wie Damer nach <emphasis>Saidin</emphasis> griff und ungeschickt Feuer und Erde miteinander verwob.</p><p>Der Stein explodierte, und Damer und die anderen Sch�ler warfen sich zu Boden, um den umherfliegenden Splittern zu entgehen. Taim nicht; Steinbrocken prallten an dem Schild aus Luft ab, den er im letzten Augenblick um sich gelegt hatte. Damer hob vorsichtig den Kopf und wischte sich das Blut von einem kleinen Schnitt unter seinem linken Auge. Rand verzog den Mund. Er hatte Gl�ck gehabt, da� ihn keiner der umherfliegenden Steinsplitter getroffen hatte. Er blickte zur�ck zum Wohnhaus. Sora befand sich immer noch am Fenster und war offensichtlich unverletzt. Und sie sah ihn immer noch an. Die H�hner hatten ihr Scharren kaum unterbrochen. Sie schienen bereits an so etwas gew�hnt zu sein.</p><p>�Vielleicht werdet ihr euch beim n�chsten Mal an meine Worte erinnern�, sagte Taim gelassen und l�ste sein Gewebe auf. �Schirmt euch ab, wenn ihr zuschlagt, sonst bringt ihr euch wom�glich selbst um.� Er sah zu Rand her�ber, als habe er die ganze Zeit �ber gewu�t, da� er sich dort befand. �Macht weiter�, befahl er dann seinen Sch�lern und schritt auf Rand zu. Heute schien sein Gesicht mit der gekr�mmten Raubvogelnase einen grausamen Zug aufzuweisen.</p><p>Als sich Damer wieder in die Reihe setzte, stand Eben mit dem fleckigen Gesicht auf und zupfte sich nerv�s an einem gro�en Ohr, w�hrend er das Element Luft ben�tzte, um einen weiteren Steinbrocken von einem Stapel an der Seite zu heben und her�berschweben zu lassen. Sein Gewebe schwankte, und er lie� den Stein fallen, bevor er ihn beim zweiten Versuch an den vorgesehenen Platz legte.</p><p>�Kann man sie ohne Gefahr sich selbst �berlassen?� fragte Rand, als Taim vor ihm stand.</p><p>Der zweite Stein explodierte wie der erste, aber diesmal hatte alle Sch�ler eine Abschirmung um sich gewoben. Taim ebenfalls, und zwar eine, die sowohl ihn wie auch Rand sch�tzte. Wortlos griff Rand wieder nach <emphasis>Saidin</emphasis> und wob seinen eigenen Schild, wobei er den Taims nach au�en hin wegschob. Taims verzog den Mund in dem schwachen Anflug eines L�chelns.</p><p>�Ihr sagtet, ich solle Druck machen, mein Lord Drache, also mache ich Druck. Ich lasse sie alles mit Hilfe der Macht bewerkstelligen, selbst die Alltagsarbeiten, alles. Der neueste Ank�mmling hat gestern abend seine erste warme Mahlzeit bekommen. Wenn sie ihr Essen nicht selbst mit Hilfe der Macht aufw�rmen, m�ssen sie eben kalt essen. In den meisten F�llen dauert alles immer noch doppelt so lange wie mit der Hand, aber sie erlernen den Gebrauch der Macht so schnell es nur geht, glaubt mir. Nat�rlich sind es noch nicht besonders viele.�</p><p>Rand beachtete die unausgesprochene Frage nicht und blickte sich um. �Wo steckt Haslin? Hoffentlich ist er nicht wieder betrunken? Ich hatte Euch doch befohlen, da� er nur am Abend etwas Wein bekommt.� Henre Haslin war Schwertmeister in der K�niglichen Garde gewesen und hatte die Rekruten ausgebildet. Rahvin hatte die Gardisten ausgetauscht und jeden weggeschickt, der Morgase die Treue hielt, oder sie einfach nach Cairhien beorderte, um sie im B�rgerkrieg loszuwerden. Haslin war zu alt gewesen, um ihn noch einmal auf Kriegszug zu schicken, und so hatte man ihn ausgezahlt und hinausgeworfen. Als sich die Nachricht von Morgases Tod in Caenmlyn herumgesprochen hatte, war er in den Weinkrug gekrochen, wie man hier sagte. Doch er glaubte, Rahvin � den er als Gaebril kannte � habe Morgase get�tet, nicht Rand, und er war immer noch in der Lage, Rekruten auszubilden. Wenn er gerade n�chtern war.</p><p>�Ich habe ihn weggeschickt�, sagte Taim. �Wozu sind Schwerter schon gut?� Ein weiterer Steinbrocken explodierte. �Ich ersteche mich jedesmal fast selber, und vermi�t habe ich das bestimmt niemals. Jetzt haben sie die Macht.�</p><p><emphasis>T�te ihn! T�te ihn!</emphasis> hallte Lews Therins Stimme durch die Blase des Nichts. Rand stampfte die Glut des Echos aus, aber den Zorn konnte er nicht so leicht beseitigen, der sich mit einem Mal wie eine H�lle um die Leere gelegt hatte, die ihn umgab. Das Nichts lie� seine Stimme v�llig gef�hllos erklingen: �Sucht ihn, Taim, und holt ihn zur�ck. Sagt ihm, Ihr h�ttet Eure Meinung ge�ndert. Sagt das auch den Sch�lern. Erkl�rt ihnen, was Ihr wollt, aber ich will ihn hier sehen und ihnen jeden Tag Unterricht erteilen lassen. Sie m�ssen ein Teil unserer Welt bleiben und sich nicht au�erhalb stellen. Was sollen sie denn machen, wenn sie die Macht nicht ben�tzen k�nnen? Als Euch die Aes Sedai abgeschirmt hatten, h�ttet Ihr immer noch entkommen k�nnen, w�rt Ihr in der Lage gewesen, ein Schwert zu gebrauchen oder mit Euren blo�en H�nden zu k�mpfen.�</p><p>�Ich bin ihnen entkommen. Hier bin ich.�� �Einige Eurer Anh�nger haben Euch befreit, wie ich h�rte, sonst w�rt Ihr in Tar Valon gelandet und genau wie Logain einer D�mpfung unterzogen worden. Diese M�nner werden keine Anh�nger gewinnen. Sucht Haslin.�</p><p>Der andere Mann verbeugte sich verbindlich. �Wie mein Lord Drache befiehlt. Ist mein Lord Drache aus diesem Grund gekommen? Haslin und Schwerter?� Eine schwache Andeutung von Verachtung lag in seiner Stimme, doch das ignorierte Rand.</p><p>�Es befinden sich Aes Sedai in Caemlyn. Es wird keine Ausf�ge in die Stadt mehr geben � weder f�r Euch noch f�r die Sch�ler. Das Licht allein mag wissen, was geschieht, wenn einer von ihnen einer Aes Sedai begegnet und diese erkennt, was er ist.� Oder auch umgekehrt denn mit Sicherheit w�rde er <emphasis>sie</emphasis> erkennen. M�glicherweise w�rde er vor Schreck wegrennen oder zuschlagen, und beides w�rde ihn f�r sie wiederum kenntlich machen. Beides w�rde ihm zum Verh�ngnis werden. Rand hegte keine Zweifel, da� Verin und Alanna jeden der Sch�ler leicht wie ein Kind fesseln und abschirmen konnten.</p><p>Taim zuckte die Achseln. �Es ist f�r sie auch jetzt bereits machbar, mit dem Kopf einer Aes Sedai dasselbe anzustellen wie mit einem solchen Stein. Das Gewebe ist lediglich ein bi�chen anders.� Er blickte sich um und erhob die Stimme: �Konzentriert Euch, Adley. Konzentriert Euch!� Der schlaksige Bursche �er schien nur aus Armen und Beinen zu bestehen �, der vor den anderen Sch�lern stand, fuhr zusammen und verlor den Kontakt mit <emphasis>Saidin.</emphasis> Dann griff er ungeschickt wieder nach der Quelle. Ein weiterer Stein explodierte, als Taim sich wieder Rand zuwandte. �Und was das betrifft, kann ich sie auch selbst ... beseitigen, falls Ihr das nicht fertigbringt.�</p><p>�Wenn ich ihren Tod w�nschte, h�tte ich sie get�tet� Er glaubte, das fertigbringen zu k�nnen, falls sie versuchten, ihn zu t�ten oder einer D�mpfung zu unterziehen. Er hoffte es jedenfalls. Aber w�rden sie so etwas noch versuchen, nachdem ihn Alanne als Beh�ter an sich gebunden hatte? Das war etwas, was er Taim nicht sagen w�rde. Auch ohne auf Lews Therins Gemurmel zu h�ren, vertraute er dem Mann nicht in gen�gendem Ma�e, um ihm irgendeine Schw�che zu enth�llen, die er genausogut verbergen konnte. <emphasis>Licht, was habe ich Alanna gegen mich in die Hand gegeben?</emphasis> �Wenn die Zeit kommt, Aes Sedai zu t�ten, werde ich es Euch wissen lassen. Bis dahin wird sie niemand auch nur anschreien, au�er, sie versucht, ihm den Kopf abzurei�en. Ihr werdet Euch alle von jeglicher Aes Sedai so fern halten wie nur m�glich. Ich w�nsche keine peinlichen Vorf�lle und nichts, was sie gegen mich aufbringen k�nnte.�</p><p>�Glaubt Ihr, da� sie nicht sowieso schon aufgebracht sind?� murmelte Taim. Wiederum beachtete Rand seine Worte nicht. Diesmal allerdings, weil er die Antwort selbst nicht kannte.</p><p>�Und ich will nicht, da� jemand stirbt oder einer D�mpfung unterzogen wird, weil sein Kopf zu geschwollen ist f�r seine M�tze. Bringt ihnen das auf jeden Fall bei. Ich mache Euch verantwortlich daf�r.�</p><p>�Wie Ihr w�nscht�, sagte Taim und zuckte erneut die Achseln. �Fr�her oder sp�ter werden welche von ihnen sterben, au�er Ihr habt vor, sie f�r immer und ewig hier einzusperren. Doch selbst dann werden m�glicherweise ein paar sterben. Das ist kaum zu vermeiden, wenn ich das Tempo der erforderlichen Lernprozesse nicht gewaltig verlangsame. Ihr m��tet sie auch nicht so treiben, wenn Ihr mich statt dessen auf die Suche schicken w�rdet.�</p><p>Da war es schon wieder. Rand musterte die Sch�ler. Ein verschwitzter J�ngling mit bla�blonden Haaren hatte gro�e Schwierigkeiten, den Stein in die richtige Lage zu bringen. Immer wieder entglitt ihm <emphasis>Saidin,</emphasis> und so h�pfte der Stein in kurzen Spr�ngen �ber den Boden. In ein paar Stunden w�rde der Planwagen vom Palast ankommen, in dem die neuen Bewerber sa�en, die seit gestern eingetroffen waren. Vier waren es diesmal. Manchmal waren es auch nur drei oder gar zwei, obwohl sich die Anzahl in letzter Zeit erh�ht hatte. Achtzehn, seit er vor sieben Tagen Taim hier hergebracht hatte, aber nur drei von ihnen besa�en das Talent um den Gebrauch der Macht zu erlernen. Taim behauptete, das sei eine stattliche Anzahl, wenn man einrechnete, da� sie nur einfach nach Caemlyn zogen, um es eben zu versuchen. Er hatte auch bereits mehrmals darauf hingewiesen, da� sie � sollte es so bleiben � in etwa sechs Jahren die gleiche St�rke erreichen w�rden wie die Wei�e Burg. Rand allerdings mu�te nicht erst daran erinnert werden, da� sie keine sechs Jahre Zeit hatten. Und er hatte nicht einmal Zeit, um sie etwas langsamer �ben zu lassen.</p><p>�Wie w�rdet Ihr das angehen?�</p><p>�Ich w�rde Wegetore ben�tzen.� Taim hatte das auf Anhieb aufgeschnappt. Er lernte bei allem, was ihm Rand zeigte, sehr schnell. �Ich kann zwei oder sogar drei D�rfer pro Tag besuchen. Zu Anfang w�re es einfacher, in die D�rfer zu gehen und nicht in die St�dte. Ich w�rde Flinn den Unterricht anvertrauen. Trotz seiner gelegentlichen Unbeholfenheit, wie Ihr bemerkt habt, ist er von allem am weitesten fortgeschritten. Grady oder Hopwil oder Morr n�hme ich mit. Ihr m��tet uns lediglich ein paar anst�ndige Pferde besorgen. Die M�hre, die unsere Karren zieht, reicht daf�r nicht ganz aus.�</p><p>�Aber was habt Ihr tats�chlich vor? Einfach hineinreiten und verk�nden, da� Ihr M�nner sucht, die mit der Macht umgehen k�nnen? Dann m��t Ihr schon Gl�ck haben, wenn die Dorfbewohner nicht versuchen, Euch aufzuh�ngen.�</p><p>�Da kann ich wohl doch etwas subtiler vorgehen�, erwiderte Taim trocken. �Ich behaupte einfach, da� ich M�nner f�r den Wiedergeborenen Drachen anwerbe.�</p><p>Etwas subtiler? Nicht viel jedenfalls. �Das sollte die Leute eigentlich davon abhalten, mir an die Kehle zu gehen, weil sie sich f�rchten, und mir lange genug Zeit lassen, um alle zusammenzuholen, die dazu gewillt sind. Und alle jene werden abgeschreckt, die nicht bereit sind, Euch zu unterst�tzen. Ich nehme nicht an, da� Ihr M�nner ausbilden wollt, die sich bei der ersten Gelegenheit gegen Euch wenden.� Er zog fragend eine Augenbraue hoch, wartete aber nicht auf die �berfl�ssige Antwort. �Sobald ich sie in sicherer Entfernung vom Dorf habe, kann ich sie durch ein Tor hierherbringen. Ein paar geraten vielleicht in Panik, aber es sollte nicht zu schwierig sein, sie wieder zu beruhigen. Sobald sie sich einverstanden erkl�rt haben, einem Mann zu folgen, der die Macht benutzen kann, k�nnen sie kaum etwas dagegen einwenden, wenn ich sie ebenfalls daraufhin �berpr�fe. Diejenigen, die nicht bestehen, schicke ich nach Caemlyn weiter. Es wird Zeit, da� Ihr ein eigenes Heer aufstellt und Euch nicht nur auf andere verla�t. Bashere k�nnte schlie�lich seine Meinung �ndern. Das w�rde er auf jeden Fall, sollte K�nigin Tenobia ihm das befehlen. Und wer wei� schon, was diese sogenannten Aiel unternehmen werden?� Diesmal legte er eine Pause ein, doch Rand hielt den Mund. Er hatte ebenfalls schon an �hnliches gedacht, wenn auch sicher nicht �ber die Aiel, doch das mu�te Taim nicht wissen. Nach einem Moment fuhr der Mann fort, als habe er das Thema niemals auch nur erw�hnt. �Ich m�chte Euch eine Wette anbieten. Den Einsatz bestimmt Ihr. Am ersten Tag, den ich mit der Suche verbringe, werde ich genauso viele M�nner mit dem Talent finden, wie in einem ganzen Monat auf eigene Faust nach Caemlyn kommen. Sobald Flinn und ein paar der anderen soweit sind, da� sie auch ohne mich hinausgehen und weitersuchen k�nnen...� Er spreizte die H�nde. �Ich werde f�r Euch in weniger als einem einzigen Jahr die gleiche Anzahl zusammenbekommen, wie sie der Wei�en Burg zur Verf�gung steht. Und jeder Mann ist eine Waffe.�</p><p>Rand z�gerte. Taim losziehen zu lassen, war sicherlich ein Risiko. Der Mann war zu unbeherrscht. Was w�rde er tun, wenn er auf einer seiner Rekrutierungstouren auf eine Aes Sedai stie�? M�glich, da� er Wort halten und sie am Leben lassen w�rde, aber was, wenn sie herausbekam, wer er war? Und was, wenn sie ihn abschirmte und gefangennahm? Einen solchen Verlust konnte sich Rand nicht leisten. Er konnte nicht selbst Sch�ler ausbilden und auch noch nebenher alles andere erledigen, was er zu tun hatte. Sechs Jahre, um es der Burg gleichzutun. Falls die Aes Sedai diesen Ort nicht zuerst entdeckten und ihn mitsamt den Sch�lern vernichteten, bevor sie weit genug ausgebildet waren, um sich selbst zu verteidigen. Oder aber weniger als ein Jahr. Schlie�lich ruckte er. Lews Therins Stimme klang wie ein wahnwitziges Toben in gro�er Entfernung. �Ihr bekommt Eure Pferde.�</p></section><section><title><p>12</p><p>Fragen und Antworten</p></title><p>Also?� fragte Nynaeve so geduldig wie m�glich. Es kostete sie M�he, die H�nde im Scho� liegen zu lassen, genauso wie das Stillsitzen auf ihrem Bett. Sie unterdr�ckte ein G�hnen. Es war noch fr�h am Morgen, und sie hatte die letzten drei N�chte schlecht geschlafen. Der geflochtene K�fig war leer; sie hatte den Singvogel wieder fliegen lassen. Sie w�nschte, sie w�re genauso frei wie er. �Also?�</p><p>Elayne kniete auf ihrem Bett und hatte Kopf und Schultern aus dem Fenster gesteckt, um auf die winzige Gasse hinter dem Haus hinabblicken zu k�nnen. Von hier aus konnte sie gerade noch den hinteren Teil des Geb�udes ersp�hen, das sie als die �Kleine Burg� bezeichneten, wo sich heute morgen die meisten der Sitzenden befanden, um die Abgesandte der Wei�en Burg zu empfangen. Sie vermochte wirklich nicht viel zu erkennen, aber jedenfalls genug, um ein St�ck des Wachgewebes zu bemerken, das die ehemalige Schenke zum Schutz gegen Lauscher umgab. Es war die Sorte von Wachgewebe, die jeden abblockte, der versuchte, mit Hilfe der Macht zu lauschen. Das war eine Notwendigkeit, wenn zu viele diese Fertigkeiten erlernt hatten.</p><p>Einen Augenblick sp�ter hockte sich Elayne mit Entt�uschung auf der Miene auf ihre Fersen. �Nichts. Du hast doch behauptet, solche Str�nge k�nnten unbemerkt durchschl�pfen. Ich glaube nicht, da� mich jemand bemerkt hat, aber ich habe gewi� auch nichts h�ren k�nnen.�</p><p>Das letztere war an Moghedien gerichtet die auf ihrem Korbhocker in einer Ecke sa�. Es �rgerte Nynaeve ma�los, da� diese Frau niemals schwitzte. Sie hatte behauptet, es nehme einige Zeit in Anspruch, bis man lange genug mit der Macht gearbeitet hatte, um sich soweit von allem �u�eren l�sen zu k�nnen, da� man Hitze oder K�lte einfach ignorierte. Das war auch nicht besser als das vage Versprechen der Aes Sedai, es werde schlie�lich ganz von selbst geschehen. Nynaeve und Elayne trieften vor Schwei�, w�hrend Moghedien k�hl wie ein Vorfr�hlingstag wirkte � und beim Licht, das wurmte sie! �Ich sagte lediglich, es sollte klappen.� Moghediens dunkle Augen huschten schuldbewu�t von einer zur anderen, ihr Bild blieb aber dann an Elayne h�ngen. Sie konzentrierte sich immer auf diejenige, die gerade das Armband des <emphasis>A'dam</emphasis> trug. �Sollte. Es gibt Tausende verschiedener Wachgewebe. Es kann tagelang dauern, bis man ein Loch durch eines gesponnen hat.�</p><p>Nynaeve hielt den Mund, was ihr M�he bereitete. Sie hatten es bereits tagelang versucht. Dies war der dritte Tag seit Tarna Feirs Ankunft, und der Saal hielt immer noch die von der Roten Schwester �berbrachte Botschaft Elaidas geheim. Sicher, Sheriam und Myrelle und ihre Gruppe wu�ten Bescheid. Nynaeve h�tte es nicht �berrascht wenn sie bereits vor dem Saal alles erfahren gehabt h�tten. Doch selbst Siuan und Leane hatte man von diesen t�glichen Sitzungen ausgeschlossen. Jedenfalls hatten sie das zugegeben.</p><p>Nynaeve wurde bewu�t, da� sie an ihrem Rock zupfte, und so zwang sie ihre H�nde zum Stillhalten. Irgendwie mu�ten sie herausbekommen, was Elaida wollte, und � noch wichtiger � was ihr der Saal antwortete. Es mu�te einfach sein. Irgendwie.</p><p>�Ich mu� jetzt gehen�, seufzte Elayne. �Noch ein paar weitere Schwestern wollen sehen, wie ich einen <emphasis>Ter'Angreal</emphasis> anfertige.� Sehr wenige der Aes Sedai in Salidar besa�en das notwendige Geschick, aber alle wollten es erlernen. Die meisten schienen zu glauben, sie k�nnten es lernen, wenn ihnen Elayne nur recht oft zeigte, wie sie es machte. �Dann kannst du den auch gleich anlegen�, f�gte sie hinzu und l�ste ihr Armband. �Ich will etwas Neues ausprobieren, wenn die Schwestern genug gesehen haben, und danach habe ich Unterricht bei den Novizinnen.� Sie h�rte sich auch dabei nicht besonders gl�cklich an; jedenfalls nicht so begeistert wie vor dem ersten Mal. Nach jeder Unterrichtsstunde kehrte sie so gereizt zur�ck, da� sie beinahe wie eine Katze fauchte und die Haare str�ubte. Die j�ngsten M�dchen waren �bereifrig und wollten immer gleich Dinge erreichen, von denen sie keine Ahnung hatten, ja, sie versuchten es oft ohne zu fragen; die �ltesten waren wohl ein wenig vorsichtiger, hatten daf�r jedoch st�ndig Einw�nde oder wehrten sich dagegen, Befehle von einer Frau entgegenzunehmen, die sechs oder sieben Jahre j�nger war als sie selbst. So knurrte Elayne in letzter Zeit st�ndig Sachen wie: �Idiotische Novizinnen!� oder �Sture N�rrinnen!�, ganz wie eine Aufgenommene, die schon zehn Jahre auf dem Buckel hatte. �So hast du wenigstens Zeit f�r Fragen. Vielleicht hast du auch mehr Gl�ck als ich, wenn es darum geht, einen Mann zu sp�ren, der die Macht anwendet.�</p><p>Nynaeve sch�ttelte den Kopf. �Ich soll heute morgen Janya und Delana bei ihren Arbeiten helfen.� Sie konnte nicht vermeiden, ihr Gesicht zu einer Grimasse zu verziehen. Delana war eine Sitzende der Grauen Ajah und Janya eine der Braunen, doch Nynaeve w�rde aus ihnen mit Sicherheit kein Wort �ber die Verhandlungen herausbringen. �Und dann habe ich wieder so eine <emphasis>Unterrichtsstunde</emphasis> bei Theodrin.� Noch mehr Zeitverschwendung. Jede hier in Salidar verschwendete lediglich ihre Zeit. �Trag du es�, sagte sie, als Elayne das Armband neben ihre Kleider an einen Haken h�ngen wollte.</p><p>Die Frau mit dem rotgoldenen Haar seufzte gek�nstelt, legte jedoch das Armband wieder an. Nynaeves Meinung nach vertraute Elayne viel zu sehr auf den <emphasis>A'dam.</emphasis> Sicher, solange Moghedien das Halsband angelegt hatte, konnte sie jede Frau mit der F�higkeit, die Macht zu gebrauchen, mit Hilfe des Armbands aufsp�ren und beherrschen. Und falls niemand das Armband angelegt hatte, konnte sie sich auch nicht mehr als h�chstens ein Dutzend Schritte davon entfernen, ohne w�rgend auf die Knie zu fallen; das gleiche traf zu, wenn sie das Armband auch nur ein paar Fingerbreit von seinem urspr�nglichen Platz zu entfernen versuchte oder sich gar bem�hte, das Halsband zu �ffnen. Vielleicht w�rde es sie wirklich selbst von dem Haken aus binden, doch m�glicherweise w�rde eine der Verlorenen eben doch einen Ausweg finden, wenn man ihr die Zeit und die Gelegenheit dazu lie�. Damals in Tanchico hatte Nynaeve Moghedien abgeschirmt und mit Hilfe der Macht gefesselt zur�ckgelassen, nur ein paar Augenblicke lang, und doch hatte sie sich befreit und war entkommen. Wie sie das fertiggebracht hatte, war eines der ersten Dinge gewesen, zu denen Nynaeve sie verh�rt hatte, sobald sie wieder eingefangen gewesen war. Allerdings hatte sie ihr beinahe den Hals umdrehen m�ssen, um die Antwort aus ihr herauszubringen. Wie es schien, war eine abgenabelte Abschirmung durchaus zu durchbrechen, wenn die abgeschirmte Frau ein wenig Zeit und Geduld aufbrachte. Elayne behauptete zwar, das k�nne gegen einen <emphasis>A'dam</emphasis> nichts n�tzen, da es zum einen keinen Knoten gab, den man l�sen konnte, und zum anderen sei Moghedien durch das Halsband nicht in der Lage, <emphasis>Saidar</emphasis> ohne Erlaubnis auch nur zu ber�hren, aber Nynaeve wollte lieber kein Risiko eingehen.</p><p>�Schreibe langsam und sorgf�ltig ab�, warnte Elayne. �Ich habe bereits f�r Delana aus B�chern kopiert. Sie <emphasis>ha�t</emphasis> Kleckse oder Schreibfehler. Falls n�tig, l��t sie dich dasselbe f�nfzigmal abschreiben, nur um eine saubere Seite zu bekommen.�</p><p>Nynaeve blickte finster vor sich hin. Ihre Handschrift mochte vielleicht nicht so sauber und gleichm��ig wie die Elaynes aussehen, aber sie war schlie�lich keine dumme Landpomeranze, die gerade erst gelernt hatte, welches Ende der Feder man in die Tinte taucht. Die j�ngere Frau nahm keine Notiz von ihr und schl�pfte mit einem leichten L�cheln aus dem Zimmer. M�glicherweise hatte sie ihr nur helfen wollen, indem sie sie vorwarnte. Falls den Aes Sedai jemals klar wurde, wie sehr Nynaeve das Abschreiben ha�te, w�rden sie es ihr als Strafe andauernd auferlegen.</p><p>�Vielleicht solltet Ihr euch zu Rand begeben�, sagte Moghedien pl�tzlich. Sie sa� irgendwie anders als sonst da, aufrechter. Ihre dunklen Augen blickten unverwandt in die Nynaeves. Warum?</p><p>�Worauf wollt Ihr hinaus?� wollte Nynaeve wissen.</p><p>�Ihr solltet mit Elayne nach Caemlyn zu Rand gehen. Sie kann K�nigin werden, und Ihr...� Moghediens L�cheln wirkte �berhaupt nicht angenehm. �Fr�her oder sp�ter werden sie Euch festnageln und herauszufinden versuchen, wieso Ihr solch wundervolle Entdeckungen macht und doch wie ein kleines M�dchen ins Zittern kommt, das S��igkeiten stibitzt hat, sobald Ihr f�r sie die Macht lenken sollt.�</p><p>�Ich zittere nicht...!� Sie w�rde sich nicht rechtfertigen, jedenfalls nicht dieser Frau gegen�ber. Warum benahm sich Moghedien auf einmal so herausfordernd? �Denkt nur daran: Was sie auch mit mir anstellen � sollten sie die Wahrheit herausbekommen, werden sie Euren Kopf auf jeden Fall auf den Hackblock legen, noch bevor die Woche vor�ber ist.�</p><p>�Das w�rde f�r Euch aber eine verl�ngerte Leidenszeit bedeuten. Semirhage hat einmal einen Mann dazu gebracht, f�nf Jahre lang jede wache Stunde mit Schreien zu verbringen. Sie hat dabei sogar noch seinen Verstand bewahrt, aber zum Schlu� konnte selbst sie seinen Herzschlag nicht mehr l�nger aufrechterhalten. Ich bezweifle wohl, da� diese Kinder hier auch nur ein Zehntel von Semirhages Geschick besitzen, aber Ihr h�ttet eine Gelegenheit, am eigenen Leib herauszufinden, was sie fertigbringen.�</p><p>Wie konnte die Frau so etwas sagen? F�r gew�hnlich kroch sie beinahe vor Angst, aber das hatte sie nun abgelegt wie die alte Haut einer Schlange. Jetzt h�tten sie genausogut zwei gleichgestellte Frauen sein k�nnen, die etwas beil�ufig Interessantes miteinander zu besprechen hatten. Nein, noch schlimmer: Moghediens Haltung machte deutlich, da� es f�r sie nur von vor�bergehendem Interesse war, doch f�r Nynaeve von gr��ter Bedeutung! Nynaeve w�nschte sich in diesem Moment, sie tr�ge das Armband. Das h�tte sie beruhigt. Moghediens wahre Gef�hle konnten �berhaupt nicht so k�hl und gelassen wie ihr Gesicht und ihre Stimme sein.</p><p>Dann stockte Nynaeve der Atem. Das Armband. Nat�rlich! Das Armband befand sich nicht im Zimmer. In ihrem Magen ballte sich ein Klumpen Eis zusammen. Mit einem Mal schien ihr der Schwei� doppelt so stark �ber das Gesicht zu rinnen. Logisch w�re wohl, da� es �berhaupt keinen Unterschied machte, ob sich das Armband im Zimmer befand oder nicht. Elayne hatte es angelegt � <emphasis>Bitte, Licht, gebe, da� sie es nicht abgelegt hat! �</emphasis> und die andere H�lfte des <emphasis>A'dam</emphasis> lag fest um Moghediens Hals. Aber mit Logik hatte das alles nichts zu tun. Nynaeve war noch nie mit der Frau allein gewesen, wenn sich das Armband nicht gleichzeitig im Raum befand. Oder besser: die wenigen Ausnahmen h�tten jeweils fast zu einer Katastrophe gef�hrt. Sicher hatte Moghedien zu diesen Zeiten den <emphasis>A'dam</emphasis> gar nicht getragen, doch das war unwichtig. Sie war eine der Verlorenen, sie waren allein miteinander, und Nynaeve hatte keine M�glichkeit, die andere zu beherrschen. Unwillk�rlich verkrampften sich ihre H�nde in den Rock, um nicht nach ihrem Messer zu greifen.</p><p>Moghediens L�cheln vertiefte sich, als habe sie ihre Gedanken erraten. �In dieser Sache d�rft Ihr sicher sein, da� ich nur Eure Interessen im Sinn habe. Dies hier...� � und dabei hielt sie ihre Hand einen Augenblick lang ganz in der N�he des Halsbandes, allerdings ohne es zu ber�hren � �bindet mich in Caemlyn genauso wie hier. Sklaverei dort ist besser als der Tod hier. Aber �berlegt es Euch nicht zu lange. Falls diese sogenannten Aes Sedai sich entschlie�en, zur Burg zur�ckzukehren, w�rt Ihr das wertvollste Geschenk, das sie der neuen Amyrlin mitbringen k�nnten: eine Frau, die Rand al'Thor so nahe steht! Und Elayne. Wenn er nur halb soviel f�r sie empfindet wie sie f�r ihn, w�rde ihre Anwesenheit in der Burg auch ihn binden, und diese Bande w�rde er sein Leben lang nicht mehr loswerden.�</p><p>Nynaeve stand auf und zwang ihre Knie dazu, mit dem Zittern aufzuh�ren. �Ihr k�nnt jetzt die Betten machen und das Zimmer aufr�umen. Ich erwarte, alles sauber vorzufinden, wenn ich zur�ck bin.�</p><p>�Wieviel Zeit habt Ihr noch?� fragte Moghedien, bevor sie die T�r erreicht hatte. Es klang, als frage die Frau, ob das Wasser zu hei� f�r den Tee sei. �Nur noch ein paar Tage, bis sie ihre Antwort nach Tar Valon senden? Ein paar Stunden vielleicht nur? Was wird den Ausschlag geben: Rand al'Thor und Elaidas angebliche Verbrechen, oder die Aussicht, ihre verehrte Wei�e Burg wieder zu einer Einheit zu machen?�</p><p>�Achtet besonders auf die Nachtt�pfe�, sagte Nynaeve, ohne sich umzudrehen. �Diesmal will ich sie wirklich sauber vorfinden.� Sie trat aus dem Zimmer, bevor Moghedien noch etwas sagen konnte, und schlo� die T�r energisch hinter sich.</p><p>Dann lehnte sie sich an die rauhe Bretterwand in dem engen, fensterlosen Gang und atmete tief durch. Sie kramte in ihrer G�rteltasche und zog einen kleinen Sack heraus, aus dem sie zwei Gansminzbl�tter hervorholte, die sie sich in den Mund steckte. Es dauerte etwas, bis Gansminze das Sodbrennen unterdr�ckte, aber sie kaute darauf herum und schluckte so hastig, als glaube sie, die Wirkung dadurch beschleunigen zu k�nnen. W�hrend der letzten paar Minuten hatte sie ein ums andere Mal fast der Schlag getroffen. Moghedien hatte ein Ding nach dem anderen zerpfl�ckt, das sie doch so genau gekannt hatte. Trotz ihres gesunden Mi�trauens hatte sie geglaubt, die Frau sei endg�ltig unterdr�ckt. Falsch. Beim Licht, das war ein Irrtum gewesen! Sie war sicher gewesen, da� Moghedien auch nicht mehr �ber Elayne und Rand wisse als die Aes Sedai. Falsch. Und was ihren Vorschlag betraf, sich zu Rand zu begeben... Sie hatten sich einfach zu offen vor ihr unterhalten. Was mochte ihnen noch entschl�pft sein, und was konnte Moghedien damit anfangen?</p><p>Eine andere Aufgenommene trat aus dem Vorraum des kleinen Hauses in den schlecht beleuchteten Gang. Nynaeve richtete sich auf, steckte die Gansminze weg und strich ihr Kleid glatt. Jedes Zimmer au�er dem Vorraum war zum Schlafquartier gemacht worden. Aufgenommene und Dienerinnen hatte man hier untergebracht, drei oder vier in jedem der Zimmer, und keines davon war viel gr��er als jenes, in dem sie selbst schlief. Einige der Betten im Haus mu�ten sie sogar zu zweit ben�tzen. Die andere Aufgenommene war eine zierliche Frau, klein und schm�chtig, mit grauen Augen und einem bereitwilligen L�cheln. Emara stammte aus Illian und konnte Siuan oder Leane nicht leiden, was Nynaeve durchaus verstand.</p><p>Sie war der Meinung, man solle die beiden wegschicken, auf anst�ndige Weise nat�rlich, wie sie hinzugef�gt hatte, so, wie man es immer mit Frauen getan hatte, die einer D�mpfung unterzogen worden waren, doch davon abgesehen war sie eine nette Frau, die auch nichts dagegen hatte, da� Elayne und Nynaeve ein gr��eres Zimmer hatten und auch �Marigan�, die ihre Hausarbeit f�r sie verrichtete. Andere dachten nicht so gro�z�gig.</p><p>�Wie ich h�ren, Ihr werdet f�r Janya und Delana abschreiben m�ssen�, sagte sie mit ihrer hohen Stimme im Vorbeigehen auf dem Weg zu ihrem Zimmer. �Folgt meinem Rat und schreibt, so schnell Ihr k�nnt. Janya es halten f�r wichtiger, da� alle W�rter dastehen, wenn auch ein paar Kleckse dabei sein.�</p><p>Nynaeve warf ihr einen b�sen Blick nach. Bei Delana schnell schreiben. Bei Janya langsam. Oder umgekehrt. Tolle Ratschl�ge waren das. Wie auch immer, im Augenblick machte sie sich keine weiteren Gedanken �ber verkleckste Abschriften. Nicht einmal �ber Moghedien, jedenfalls so lange, bis sie eine Gelegenheit hatte, mit Elayne �ber dieses Problem zu sprechen.</p><p>So sch�ttelte sie den Kopf, knurrte etwas in sich hinein und stolzierte aus dem Haus. Vielleicht hatte sie wirklich zu viel als gegeben hingenommen und die Z�gel aus den H�nden gleiten lassen. Nun war es an der Zeit, sich zusammenzunehmen und diesen Zustand zu beenden. Sie wu�te genau, wen sie jetzt aufsuchen mu�te.</p><p>W�hrend der letzten Tage hatte sich eine gewisse Stille �ber Salidar ausgebreitet, obwohl sich die Menschen auf den Stra�en genauso dr�ngten wie zuvor. Doch aus den Schmieden au�erhalb des Ortes war kein Laut mehr zu h�ren. Dann hatte man allen eingesch�rft, ihre Zungen zu h�ten, w�hrend sich Tarna hier aufhielt, sowohl, was die Abgesandten nach Caemlyn betraf, wie auch in bezug auf Logain, den man in einem der Heerlager untergebracht hatte, damit er aus dem Weg war, und nat�rlich auch �ber die Soldaten selbst und den Grund, aus dem sie hier versammelt waren. Die meisten h�teten sich vor jedem lauten Wort und fl�sterten h�chstens miteinander. Das leise Gemurmel auf den Stra�en klang ziemlich �ngstlich.</p><p>Jeder schien davon beeinflu�t. Dienerinnen, die normalerweise einherhasteten, bewegten sich jetzt nur z�gernd und blickten sich immer wieder �ngstlich um. Sogar die Aes Sedai schienen unter der Oberfl�che ihrer �blichen Ruhe mi�trauisch und wachsam zu sein und musterten sich gegenseitig heimlich mit absch�tzenden Blicken. Es befanden sich nun auch weniger Soldaten auf den Stra�en, als habe Tarna nicht bereits am ersten Tag genug gesehen, um ihre eigenen Schl�sse daraus zu ziehen. Die falsche Antwort vom Kleinen Saal w�rde wahrscheinlich allen die Schlinge um den Hals zusammenziehen. Selbst diejenigen Herrscher und Adligen, die sich aus den Streitigkeiten um die Wei�e Burg heraushalten wollten, w�rden vermutlich jeden Soldaten aufh�ngen lassen, den sie in die Finger bekamen, damit sich die Rebellion nicht als ansteckend erweisen w�rde. Im Gef�hl all dieser Unsicherheit zwangen sich die Anwesenden zu nichtssagenden Mienen oder blickten sich nur �ngstlich um. Alle, bis auf Gareth Bryne, der geduldig vor dem Kleinen Saal wartete. Dort hatte er sich jeden Tag aufgehalten, schon bevor die ersten Sitzenden auftauchten, und bis die letzte wieder zu Hause war. Sie glaubte, er verhalte sich so, damit sie ihn nie vergessen konnten, ihn und das, was er f�r sie tat. Das einzige Mal, als sie die Sitzenden nach der t�glichen Zusammenkunft herauskommen sah, waren sie ihr bei seinem Anblick nicht gerade erfreut vorgekommen.</p><p>Lediglich die Beh�ter erschienen ihr unver�ndert, seit die Rote Schwester eingetroffen war. Die Beh�ter und die Kinder. Nynaeve fuhr zusammen, als vor ihr pl�tzlich drei kleine M�dchen davonstoben wie die Wachteln auf dem Feld, mit B�ndern im Haar, verschwitzt und staubig; sie lachten hell beim Wegrennen. Die Kinder wu�ten freilich nicht, worauf ganz Salidar wartete, und wahrscheinlich h�rten sie auch gar nichts damit anzufangen gewu�t, h�tte man ihnen den Grund gesagt. Und jeder Beh�ter folgte ohne mit der Wimper zu zucken seiner Aes Sedai, wozu sie sich auch entschlie�en und wohin sie sich wenden mochte. Die meisten dieser ged�mpften Gespr�che schienen sich um das Wetter zu drehen und dann noch um Ger�chte �ber seltsame Geschehnisse irgendwo auf der Welt, die von sprechenden, zweik�pfigen K�lbern berichteten und von M�nnern, die von Fliegenschw�rmen erstickt worden waren, von einem Dorf, dessen Kinder allesamt mitten in der Nacht verschwanden, und von Menschen, die im hellen Tageslicht von einem unsichtbaren Tod dahingerafft worden waren. Jeder, der noch klar denken konnte, wu�te, da� die D�rre und die ungew�hnliche Hitze der Hand des Dunklen K�nigs zu verdanken waren, die hier die Welt ber�hrte, doch selbst die meisten Aes Sedai zweifelten an Elaynes und Nynaeves Behauptung, die anderen Vorkommnisse seien genauso real und da� sich Blasen des B�sen aus dem Kerker des Dunklen K�nigs erhoben und durch das Muster schwammen, bis sie zerplatzten, da die Siegel immer schw�cher wurden. Die meisten Menschen waren nicht in der Lage, klar zu denken. Einige gaben Rand die Schuld daran. Andere meinten, der Sch�pfer sei unzufrieden, weil sich die Welt noch nicht hinter den Wiedergeborenen Drachen gestellt hatte, oder aber, weil die Aes Sedai ihn noch nicht gefangen und einer D�mpfung unterzogen hatten; vielleicht passe es ihm auch nicht, da� sich Aes Sedai gegen eine erw�hlte Amyrlin stellten. Nynaeve hatte Menschen davon sprechen geh�rt, das k�hlere Werter werde zur�ckkehren, sobald die Wei�e Burg wieder vollst�ndig sei. Sie schob sich weiter durch die Menge.</p><p>�...schw�re, da� es wahr ist!� murmelte eine K�chin, deren Unterarme mit Mehl verschmiert waren. �Auf der anderen Seite des Eldar steht ein Heer der Wei�m�ntel und wartet nur auf Elaidas Befehl, um anzugreifen.� Vom Wetter und zweik�pfigen K�lbern abgesehen waren Ger�chte �ber die Wei�m�ntel zahlreicher als alle anderen, doch <emphasis>Wei�m�ntel,</emphasis> die auf <emphasis>Elaidas</emphasis> Marschbefehl warteten? Ehe Hitze mu�te wohl das Gehirn dieser Frau aufgeweicht haben!</p><p>�Das Licht sei mein Zeuge, da� ich die Wahrheit spreche�, raunte ein ergrauter Fuhrmann einer Frau mit d�sterer Miene zu, deren gutgeschnittenes Wollkleid sie als Zofe einer Aes Sedai auswies. �Elaida ist tot. Die Rote ist gekommen, um Sheriam zu holen, damit man sie zur neuen Amyrlin erw�hlen kann.� Die Frau nickte eifrig. Sie nahm ihm wohl jedes Wort ab.</p><p>�Ich meine, Elaida ist eine gute Amyrlin�, sagte ein Mann im grobgewebten Mantel und r�ckte einige Reisigb�ndel zurecht, die er auf der Schulter trug. �Gewi� nicht schlechter als andere.� Er sprach nicht im Fl�sterton mit seinem Begleiter. Nein, er sprach mit lauter Stimme, und es wirkte, als m�sse er sich zusammennehmen, um sich nicht umzublicken, welche Wirkung seine Worte hinterlassen hatten.</p><p>Nynaeve verzog angewidert den Mund. Er wollte geh�rt werden. Wie hatte Elaida nur Salidar so schnell entdecken k�nnen? Tarna hatte doch Tar Valon bestimmt verlassen, als sich hier gerade die Aes Sedai zu versammeln begannen. Siuan hatte ihnen erst in d�sterem Tonfall klargemacht, da� noch immer eine ganz beachtliche Anzahl Blauer Schwestern fehlten. Der urspr�ngliche Aufruf, sich in Salidar zu sammeln, war vor allem an die Blauen gerichtet gewesen. Und Alviarin besa� viel Erfahrung darin, solche Situationen auszun�tzen. Der Gedanke verdrehte ihr fast den Magen, wenn auch weniger als die offensichtliche Erkl�rung: Geheime Anh�nger Elaidas befanden sich in Salidar. Jeder musterte mi�trauisch jeden anderen, und der Waldarbeiter war nicht der einzige, von dem Nynaeve in letzter Zeit solche Dinge geh�rt hatte, mehr oder weniger das gleiche und auf die gleiche Art vorgebracht. Aes Sedai sprachen es nicht offen aus, aber Nynaeve nahm an, da� ein paar von ihnen dasselbe dachten. Das alles machte Salidar zu einem gewaltigen Suppenkessel, in dem alles m�gliche zusammentraf, aber die Suppe wollte beim besten Willen nicht schmecken.</p><p>Deshalb war das, was sie sich vorgenommen hatte, um so richtiger.</p><p>Sie brauchte eine Weile, um diejenige zu finden, die sie gesucht hatte. Dazu mu�te sie erst einmal Gruppen spielender Kinder aufsp�ren, aber Kinder gab es in Salidar nicht viele. Und tats�chlich, da stand Birgitte und beobachtete f�nf Jungen, die sich auf der Stra�e herumbalgten. Sie warfen mit Kieselsteinen gef�llten S�ckchen herum und lachten jedesmal schrill, wenn einer von ihnen getroffen wurde. Auch der Getroffene lachte mit. Das ergab genausowenig Sinn wie die meisten Spiele von Jungen. Oder von M�nnern.</p><p>Birgitte war nat�rlich nicht allein. Das war sie selten, au�er sie wollte einmal ihre Ruhe haben. Areina stand neben ihr, tupfte sich den Schwei� vom Gesicht und bem�hte sich, ihre Langeweile ob der Kinderspiele zu verbergen. Sie war ein oder zwei Jahre j�nger als Nynaeve und trug ihr dunkles Haar zu einem Zopf geflochten, der dem goldenen Zopf Birgittes sehr �hnlich sah, wenn er auch nur ein St�ckchen �ber ihre Schulter herabfiel, w�hrend Birgittes Zopf bis zur H�fte reichte, wie es schicklich war. Auch hinsichtlich ihrer Kleidung ahmte sie Birgitte nach � h�ftlanger, hellgrauer Kurzmantel, bauschige, bronzefarbene Hose, an den Kn�cheln �ber den kurzen Stiefeletten mit hohen Abs�tzen geschn�rt � und sie hatte sich sogar einen K�cher umgeschnallt und den dazugeh�rigen Bogen �ber dem R�cken. Nynaeve glaubte nicht, da� Areina jemals, zumindest vor ihrem Zusammentreffen mit Birgitte, einen Bogen auch nur ber�hrt hatte. Sie beachtete die Frau nicht.</p><p>�Ich mu� mit dir reden�, sagte sie zu Birgitte. �Unter vier Augen.�</p><p>Areina blickte zu ihr her�ber, und in ihren blauen Augen lag fast so etwas wie Verachtung. �Man sollte denken, Ihr w�rdet an einem so sch�nen Tag Eure Stola tragen, Nynaeve. O je. Ihr scheint zu schwitzen wie ein Pferd. Warum eigentlich?�</p><p>Nynaeve verzog das Gesicht. Sie hatte die Frau noch vor Birgitte �u�erst freundschaftlich behandelt, doch diese Freundschaft war bei ihrer Ankunft in Salidar dahingeschmolzen. Zu erfahren, da� Nynaeve keineswegs eine vollwertige Aes Sedai war, hatte sie wohl mehr als nur ein bi�chen entt�uscht. Nur Birgittes Aufforderung, nichts davon zu erw�hnen, hatte Areina davon abgehalten, die Aes Sedai dar�ber in Kenntnis zu setzen, da� sie sich als eine solche ausgegeben hatte. Au�erdem hatte Areina den Eid als J�gerin des Horns abgelegt, und was diese Aufgabe betraf, war Birgitte sicherlich ein besseres Vorbild als Nynaeve. Und sie hatte die Frau ihrer Schrammen wegen damals so bemitleidet!</p><p>�Deiner Miene nach�, stellte Birgitte mit einem verschmitzten Grinsen fest, �hast du entweder vor, jemanden mit blo�en H�nden zu erw�rgen � wahrscheinlich Areina �, oder du hast dein Kleid inmitten einer Truppe von Soldaten verloren und dabei keinen Unterrock getragen.� Areina schnaubte vor Vergn�gen, doch ihrer Miene nach schien sie schockiert. Nynaeve wu�te nicht, warum, denn die Frau hatte nun wahrlich genug Zeit gehabt, sich an Birgittes eigenartigen Humor zu gew�hnen, der ihr eher f�r einen unrasierten Kerl geeignet schien, der die Nase in einen Krug steckte und den Bauch voll Bier hatte.</p><p>Nynaeve musterte eine Weile die Gesichter der Jungen, damit sich ihre Erregung etwas legen konnte. Es w�re widersinnig, wenn sie sich im Zorn zu etwas hinrei�en lie�e, obwohl sie schlie�lich um einen Gefallen bitten wollte.</p><p>Seve und Jaril geh�rten zu den Jungen, die die S�ckchen einander zuwarfen. Die Gelben hatten recht gehabt, was die beiden betraf: Sie hatten einfach nur Zeit ben�tigt. Nach beinahe zwei Monaten in Salidar �ohne Angst und unter anderen Kindern � lachten und schrien sie genauso laut herum wie die anderen.</p><p>Pl�tzlich fiel ihr etwas ein, das sie wie ein Hammerschlag traf. �Marigan� k�mmerte sich immer noch um sie, wenn auch m�rrisch, sorgte daf�r, da� sie badeten und Essen bekamen, aber jetzt, da sie wieder zu sprechen imstande waren, w�rden sie m�glicherweise ausplaudern, da� die Frau gar nicht ihre Mutter war! Vielleicht hatten sie das sogar schon erz�hlt. Das mochte weiter keine Fragen ausl�sen, doch andererseits war das nicht auszuschlie�en. Und solche Fragen konnten das ganze Kartenhaus, das sie um sich herum aufgebaut hatten, zum Einsturz bringen. Der Eisklumpen machte sich wieder in Nynaeves Bauch breit. Warum hatte sie nicht fr�her daran gedacht?</p><p>Sie fuhr zusammen, als Birgitte ihren Arm ber�hrte. �Was ist los, Nynaeve? Du machst ein Gesicht, als sei deine beste Freundin gestorben und habe dich mit ihrem letzten Atemzug verflucht.�</p><p>Areina stolzierte mit steifem Kreuz davon und warf ihnen einen letzten beleidigten Blick hinterher. <emphasis>Die</emphasis> Frau sah Birgitte zu, wie sie mit M�nnern trank und flirtete, ohne mit der Wimper zu zucken, ja, sie ahmte sie sogar nach, als wolle sie es ihr gleichtun, doch jedesmal, wenn Birgitte mit Elayne oder Nynaeve allein sein wollte, kochte sie vor Wut. M�nner betrachtete sie nicht als Bedrohung, denn f�r Areina z�hlten nur Frauen, aber nur sie allein durfte Birgittes Freundin sein! Der Gedanke, zwei Freundinnen zu haben, schien ihr fernzuliegen. Nun ja, genug davon; es gab anderes zu tun.</p><p>�K�nntest du uns Pferde besorgen?� Nynaeve bem�hte sich, ihre Stimme zu festigen. Sie war nicht gekommen, um diese Frage zu stellen, aber im Hinblick auf Seve und Jaril ergab sie durchaus einen Sinn. �Wie lange w�rdest du brauchen?�</p><p>Birgitte zog sie von der Stra�e weg in eine kleine Gasse zwischen zwei verwitterten H�usern und sah sich vorsichtig um, bevor sie antwortete. Niemand war nahe genug, um sie zu belauschen, und keiner schenkte ihnen Beachtung. �Ein oder zwei Tage. Uno hat mir gerade berichtet...�</p><p>�Nicht Uno! Diesmal geht es ihn nichts an. Nur dich, Elayne und Marigan. Es sei denn, Thom und Juilin kehren rechtzeitig zur�ck. Und Areina, sch�tze ich, falls du darauf bestehst.�</p><p>�Areina mag in mancher Hinsicht t�richt sein�, sagte Birgitte bed�chtig, �aber das Leben wird ihr das schon austreiben oder sie zurechtschleifen. Au�erdem wei�t du, da� ich niemals darauf bestehen werde, sie mitzunehmen, wenn du oder Elayne das nicht w�nschen.�</p><p>Nynaeve hielt den Mund. Die Frau benahm sich, als sei <emphasis>sie</emphasis> diejenige, die eifers�chtig war! Es ging sie nichts an, ob Birgitte sich mit einer so wetterwendischen Person wie Areina abgeben wollte.</p><p>Birgitte rieb sich mit dem Handr�cken den Mund und runzelte die Stirn. �Thom und Juilin sind gute M�nner, aber die beste Art, Schwierigkeiten zu vermeiden, ist, daf�r zu sorgen, da� niemand dir Schwierigkeiten bereiten will. Ein Dutzend oder mehr Schienar er in voller R�stung � oder auch ohne � sollten da eine gro�e Hilfe sein. Ich verstehe das nicht mit Uno und dir. Er ist ein harter Bursche, und er w�rde dir und Elayne auch noch bis in den Krater des Verderbens folgen.� Pl�tzlich �berzog ein Grinsen ihr Gesicht. �Au�erdem ist er ein gutgebautes Mannsbild.�</p><p>�Wir brauchen niemandem um H�ndchen zu halten�, erwiderte Nynaeve schnippisch. Gut gebaut? Die bemalte Augenklappe kam ihr qu�lend in den Sinn, die und die Narben. Die Frau hatte wirklich einen eigenartigen Geschmack, was M�nner betraf. �Wir werden mit allem fertig, was uns unterwegs zusto�en k�nnte. Ich denke, das haben wir hinreichend bewiesen, wenn es �berhaupt noch eines Beweises bedurfte.�</p><p>�Das wei� ich auch, Nynaeve, aber wir werden die Schwierigkeiten anlocken wie der Abfallhaufen die Fliegen. Altara ist allm�hlich am �berkochen. Jeder Tag bringt neue Berichte von den Drachenverschworenen, und ich setze mein bestes Seidenkleid gegen einen deiner alten Unterr�cke, da� die H�lfte davon lediglich R�uber sind, die vier Frauen ohne m�nnlichen Schutz als leichte Beute betrachten w�rden. Wir werden jeden zweiten Tag den Beweis antreten m�ssen, da� wir keineswegs leichte Beute sind. Wie ich h�rte, geht es in Murandy schlimmer zu. Das steckt voll von Drachenverschworenen und Banditen und Fl�chtlingen aus Cairhien, und alle f�rchten, der Wiedergeborene Drache k�nne sie jeden Tag erreichen und �ber sie herfallen. Ich nehme an, du hast nicht vor, den Flu� in Richtung Amadicia zu �berqueren. Ich sch�tze, du willst nach Caemlyn.� Ihr kunstvoll geflochtener Zopf schaukelte leicht, als sie den Kopf neigte und eine Augenbraue fragend hochzog. �Bist du dir mit Elayne in bezug auf Uno einig?�</p><p>�Sie wird mir sicherlich recht geben�, knurrte Nynaeve.</p><p>�Aha. Na ja, wenn sie das tut, werde ich so viele Pferde besorgen, wie wir ben�tigen. Aber ich will, da� sie mir selbst sagt, warum wir Uno nicht mitnehmen sollten.�</p><p>Die unnachgiebige Entschlossenheit in ihrer Stimme lie� Nynaeves Gesicht vor �rger err�ten. Auch wenn sie Elayne noch so lieb darum b�te, Birgitte zu sagen, Uno solle hierbleiben, w�re die Wahrscheinlichkeit gro�, da� sie ihn wartend am Kreuzweg vorfinden w�rden, und Birgitte spielte vermutlich ganz erstaunt, weil er herausbekommen hatte, wohin sie reisen wollten. Die Frau mochte ja Elaynes Beh�terin sein, doch manchmal fragte sich Nynaeve, welche von beiden in Wirklichkeit das Sagen habe. Sobald sie Lan fand, hatte sie vor, ihn die heiligsten Eide ablegen zu lassen, da� er sich an ihre Entscheidungen halten werde.</p><p>Sie atmete ein paarmal tief durch, um sich zu beruhigen. Es hatte keinen Zweck, gegen eine Mauer rennen zu wollen. Genausogut konnte sie allm�hlich zum eigentlichen Grund kommen, aus dem sie Birgitte aufgesucht hatte.</p><p>Scheinbar gleichg�ltig trat sie einen Schritt weiter in die enge Gasse hinein und zwang so die andere Frau, ihr zu folgen. Auf dem Boden waren welkbraune Stoppeln von dem Gestr�pp zur�ckgeblieben, das man beim Anlegen der Gasse entfernt hatte. Sie bem�hte sich, gleichg�ltig zu erscheinen, und betrachtete das Menschengew�hl auf der Stra�e. Nach wie vor schenkte man ihnen kaum Beachtung. Trotzdem senkte sie die Stimme: �Wir m�ssen unbedingt in Erfahrung bringen, was Tarna dem Saal mitteilt und was sie ihr antworten. Elayne und ich haben alles versucht, um sie zu belauschen, aber sie haben zu gute Schutzgewebe um die Versammlung gelegt. Allerdings nur solche mit Hilfe der Macht. Sie f�rchten so sehr, jemand k�nne sie auf diese Art belauschen, da� sie ganz zu vergessen scheinen, was ein Ohr an der T�r aufschnappen kann. Sollte jemand sie...�</p><p>Birgitte unterbrach sie mit entschlossener Stimme: �Nein.�</p><p>��berlege es dir doch wenigstens. Bei Elayne und mir ist die Wahrscheinlichkeit, da� man uns erwischt, zehnmal h�her als bei dir.� Sie h�tte beinahe noch hinzugef�gt da� Elayne dabei doch sehr geschickt sei, lie� es aber sein, als Birgitte schnaubte.</p><p>�Ich habe nein gesagt! Du hast viele Rollen gespielt, seit ich dich kennenlernte, Nynaeve, aber t�richt warst du doch nie! Licht, in ein oder zwei Tagen werden sie es ohnehin �ffentlich bekanntgeben.�</p><p>�Wir m�ssen es aber jetzt wissen�, zischelte ihr Nynaeve zu, und sie konnte gerade noch ein �du idiotisches Mannweib� unterdr�cken. T�richt? Selbstverst�ndlich hatte sie noch niemals t�richt gehandelt! Sie durfte sich nicht aufregen. Sollte sie Elayne zur Abreise �berreden k�nnen, w�rden sie sich in ein oder zwei Tagen nicht mehr hier befinden. Nein, am besten �ffnete sie diesen Sack voll Schlangen nicht noch einmal.</p><p>Schaudernd � ein wenig �bertrieben, wie Nynaeve fand � st�tzte sich Birgitte auf ihren Bogen. �Man hat mich einmal dabei erwischt, wie ich Aes Sedai belauschte. Drei Tage sp�ter haben sie mich an den Ohren gepackt und hinausgeworfen, und ich verlie� Schaemal so schnell, wie ich nur ein Pferd auftreiben konnte. Das werde ich nicht noch einmal durchmachen, nur, um f�r euch einen einzigen Tag zu gewinnen, den ihr nicht ben�tigt.�</p><p>Nynaeve bewahrte Ruhe. Sie bem�hte sich sogar, eine gelassene Miene zur Schau zu tragen und keinesfalls mit den Z�hnen zu knirschen oder an ihrem Zopf zu rei�en. Sie war ganz ruhig. �Ich habe noch nie in einer Geschichte vernommen, da� du einmal Aes Sedai belauscht h�ttest.� Kaum hatte sie die Worte ausgesprochen, h�tte sie sie auch schon am liebsten zur�ckgerufen. Birgittes Geheimnis lag eben darin, da� sie wirklich die Birgitte der Legenden war. Nichts, was diese Verbindung verraten konnte, durfte jemals erw�hnt werden.</p><p>Einen Augenblick lang wirkte Birgittes Gesicht wie versteinert und verbarg so all ihre Gef�hle. Es reichte, um Nynaeve schaudern zu lassen. Im Geheimnis der anderen Frau lag zuviel Schmerzliches verborgen. Schlie�lich wurde wieder Fleisch und Blut aus dem Stein, und Birgitte seufzte. �Die Zeit �ndert vieles. Ich kann selbst die Urspr�nge der H�lfte dieser Legenden kaum noch erkennen, und die andere H�lfte kommt mir vollkommen fremd vor. Wir sollten nicht mehr davon sprechen.� Letzteres war eindeutig nicht blo� als Vorschlag gemeint.</p><p>Nynaeve �ffnete den Mund, ohne eigentlich zu wissen, was sie sagen wollte. Sie schuldete es Birgitte, ihren Schmerz nicht auch noch zu sch�ren, aber gleich zwei so simple Bitten abzulehnen...! Und pl�tzlich erklang die Stimme einer dritten Frau von der Ecke zur Gasse her: �Nynaeve, Janya und Delana wollen Euch augenblicklich sprechen.�</p><p>Nynaeve w�re fast in die Luft gegangen, so �berrascht war sie, und ihr Herz setzte einen Moment lang aus.</p><p>An der Ecke stand Nicola in ihrem Novizinnenkleid, und auch sie blickte nun einen Augenblick lang verbl�fft ob der Wirkung ihrer Worte drein. Genau wie auch Birgitte, doch die wandte sich schnell einer am�sierten Betrachtung ihres Bogens zu.</p><p>Nynaeve mu�te zweimal schlucken, bevor sie auch nur ein Wort herausbrachte. Wieviel hatte die Frau geh�rt? �Falls Ihr glaubt, auf diese Art mit einer Aufgenommenen sprechen zu k�nnen, solltet Ihr schnell dazulernen, sonst wird man Euch bessere Umgangsformen beibringen.�</p><p>Das war ganz die Art von Antwort, die man von einer Aes Sedai erwarten konnte, doch die dunklen Augen der schlanken Frau musterten Nynaeve nachdenklich. �Es tut mir leid, Aufgenommene�, sagte sie und knickste dabei. �Ich werde mich bem�hen, mich das n�chste Mal in acht zu nehmen.�</p><p>Der Knicks war genauso tief, wie er f�r eine Aufgenommene sein sollte, bis auf den Fingerbreit, und falls ihr Tonfall als k�hl zu bezeichnen war, dann doch noch in einem Rahmen, f�r den sie nicht zu tadeln war. Areina war nicht ihre einzige Reisegef�hrtin gewesen, die voller Entt�uschung die Wahrheit �ber Nynaeve und Elayne erfahren hatte, doch Nicola war einverstanden gewesen, ihr Geheimnis zu wahren, und sie hatte sich verhalten, als �berrasche es sie, da� die beiden es �berhaupt f�r n�tig gehalten hatten, sie darum zu bitten. Danach, als n�mlich die �berpr�fung ergeben hatte, da� auch sie lernen konnte, mit der Macht umzugehen, hatte sie sich diesen absch�tzenden Blick angew�hnt.</p><p>Nynaeve verstand das nur zu gut. Nicola war das Talent zwar nicht angeboren und sie h�tte ohne die richtige Unterweisung <emphasis>Saidar</emphasis> nie ber�hrt, doch schon jetzt versprach man sich eine Menge von ihr und bewunderte die Kraft, die sie besitzen w�rde, wenn sie sich nur recht anstrengte. Noch vor zwei Jahren h�tte sie mit ihrem Potential, wie es keine Novizin in den letzten Jahrhunderten mehr besessen hatte, gro�es Aufsehen erregt. Allerdings waren dann Elayne und Egwene und Nynaeve selbst aufgetaucht. Nicola sagte nie etwas dazu, aber Nynaeve war sicher, da� sie sich entschlossen hatte, Elayne und sie selbst zumindest einzuholen, wenn nicht zu �bertrumpfen. Sie �berschritt die Grenzlinie des Schicklichen niemals, doch sie wandelte h�ufig darauf.</p><p>Nynaeve nickte ihr knapp zu. Das Verst�ndnis �nderte nichts an ihrem Wunsch, der t�richten Frau eine dreifache Dosis Schafszungenwurzel ihres idiotischen Verhaltens wegen zu verpassen. �Seht nur zu, da� Ihr das Versprechen haltet. Und nun geht und meldet den Aes Sedai, da� ich in ein paar Augenblicken bei ihnen sein werde.� Nicola knickste erneut, doch als sie sich abwandte, sagte Nynaeve: �Wartet.� Die Frau hielt augenblicklich inne. Jetzt war es nicht mehr sichtbar, aber Nynaeve war sich ganz sicher, zuvor ein Aufblitzen von � Befriedigung? � bei der Frau entdeckt zu haben. �Habt Ihr mir auch alles gesagt?�</p><p>�Ich wurde ausgesandt, um Euch mitzuteilen, Ihr solltet kommen, und das habe ich getan.� Genauso ausdruckslos wie abgestandenes Wasser in einem Waschkrug.</p><p>�Was haben sie gesagt? Die genauen Worte, bitte!�</p><p>�Die genauen Worte, Aufgenommene? Ich wei� nicht, ob ich ihre <emphasis>genauen</emphasis> Worte wiedergeben kann, aber ich werde es versuchen. Denkt daran, da� sie es sagten und ich lediglich ihre Worte wiederhole! Janya Sedai sagte in etwa: �Sollte dieses idiotische M�dchen nicht bald auftauchen, dann schw�re ich, daf�r zu sorgen, da� sie nicht mehr richtig sitzen kann, bis sie alt genug ist, um Gro�mutter zu werden.� Und Delana Sedai sagte: �Sie wird so alt werden, bis sie sich zum Kommen entschlie�t. Falls sie nicht innerhalb der n�chsten Viertelstunde eintrifft, werde ich Staublumpen aus ihrer Haut machen.�� Ihre Augen blickten wie die personifizierte Unschuld drein. Aber zugleich auch sehr wachsam, �Das war vor etwa zwanzig Minuten, Aufgenommene. Vielleicht ist es auch ein bi�chen l�nger her.�</p><p>Nynaeve h�tte sich beinahe verschluckt. Nur weil Aes Sedai nicht l�gen konnten, hie� das noch nicht, da� man jede Drohung w�rtlich nehmen mu�te, doch manchmal w�re ein Sperling an dem Unterschied verhungert. In Gegenwart jeder anderen als Nicola h�tte sie gejammert: �Oh, Licht!� und w�re losgerannt. Aber nicht unter diesem Blick. Nicht vor einer Frau, die eine ganze Liste ihrer Schw�chen zu f�hren schien. �Wenn es so ist m��t Ihr gar nicht erst zur�cklaufen und berichten. Geht also wieder an Eure Arbeit.� Sie wandte sich ab, als Nicola wieder knickste, und tat so, als k�nne nichts auf der Welt sie anfechten. Dann sagte sie zu Birgitte: �Wir werden uns sp�ter unterhalten. Ich schlage vor, da� du inzwischen nichts in dieser Hinsicht unternimmst.� Mit etwas Gl�ck w�rde sie das davon abhalten, mit Uno zu sprechen. Nein, dazu mu�te sie schon eine Menge Gl�ck haben.</p><p>�Ich werde mir deinen Vorschlag �berlegen�, sagte Birgitte ernst, doch an ihrer Miene war nichts Ernsthaftes zu entdecken, nur eine Mischung aus Mitleid und Heiterkeit. Die Frau kannte die Aes Sedai. Auf gewisse Weise wu�te sie sogar mehr �ber die Aes Sedai als diese selbst.</p><p>Sie konnte nichts anderes tun, als Birgittes Worte akzeptieren und zu hoffen. Als Nynaeve die Stra�e hinunterschritt, schlo� Nicola sich ihr an. �Ich habe Euch doch gesagt, Ihr sollt wieder an Eure Arbeit gehen.�</p><p>�Sie befahlen mir, zur�ckzukommen, wenn ich Euch gefunden h�tte. Aufgenommene. Ist das eines Eurer Kr�uter? Warum ben�tzt Ihr diese Kr�uter? Vielleicht, weil Ihr nicht...? Vergebt mir, Aufgenommene. Ich h�tte das nicht erw�hnen sollen.�</p><p>Nynaeve blinzelte das. S�ckchen voll Gansminze in ihrer Hand an. Sie erinnerte sich nicht mehr daran, es herausgezogen zu haben. Dann steckte sie es in ihre G�rteltasche zur�ck. Am liebsten h�tte sie alle Bl�tter darin auf einmal gekaut. Sie beachtete die Entschuldigung und deren Grund nicht denn das eine war genauso verlogen wie das andere absichtlich. �Ich ben�tze Kr�uter, weil das Heilen mit Hilfe der Macht nicht immer notwendig ist.� W�rden die Gelben diese �u�erung mi�billigen, sollten sie davon erfahren? Sie verachteten die Heilkr�uter und schienen nur an Krankheiten interessiert, die mit Hilfe der Macht geheilt werden mu�ten. Oder jedenfalls an solchen, die nicht gerade mit Holzhammermethoden behandelt wurden. Und was sollte das, jetzt dar�ber nachzugr�beln, was sie zu Nicola sagte und ob die sie bei den Aes Sedai verpetzte? Die Frau war Novizin, ganz gleich, als was sie Elayne und sie selbst betrachtete. Es spielte keine Rolle, was sie in ihnen sah. �Seid jetzt ruhig�, sagte sie gereizt. �Ich will nachdenken.�</p><p>Nicola hielt den Mund, als sie sich durch die �berf�llten Stra�en schl�ngelten, und doch erschien es Nynaeve, als schliche die Frau nur so dahin. Vielleicht bildete sie sich das nur ein, doch allm�hlich schmerzten Nynaeve die Knie vor Anstrengung, damit sie nur nicht schneller ausschritt als die andere. Sie w�rde unter gar keinen Umst�nden Nicola das Gef�hl geben, sie habe es auch nur im geringsten eilig.</p><p>Ehe ganze Situation zehrte an ihr, und so machte sich in ihr ein stetiges Gl�hen breit. Von allen, die man nach ihr h�tte schicken k�nnen, war die Schlimmste ausgerechnet Nicola mit ihrem Blick. Und Birgitte war in diesem Augenblick wahrscheinlich zu Uno unterwegs, um ihm br�hwarm zu berichten, was sie gesagt hatte. Dazu beteuerten die Sitzenden wom�glich Tarna gerade jetzt, sie seien bereit, die Knie zu beugen und Elaidas Ring zu k�ssen. Seve und Jaril erz�hlten vielleicht Sheriam, da� sie �Marigan� �berhaupt nicht kannten. Das w�rde alles zu diesem Tage passen. Und die schmelzende Sonne stand erst ein Viertel ihres Weges hoch am wolkenlosen Himmel.</p><p>Janya und Delana warteten im vorderen Zimmer des kleinen Hauses, das sie sich mit drei anderen Aes Sedai teilten. Nat�rlich hatte jede ihr eigenes Schlafzimmer. Jede Ajah verfugte �ber ein Versammlungshaus, doch die Aes Sedai wohnten �ber das ganze Dorf verstreut, je nachdem, wann sie eingetroffen waren. Janya blickte finster und mit gesch�rzten Lippen zu Boden und schien ihr Eintreten gar nicht zu bemerken. Delana mit ihrem ausgebleichten Haar � es war so hellblond, da� man nicht sagen konnte, ob sich bereits Wei� darin zeigte oder nicht � Delana also richtete ihre ebenso hellblauen Augen sofort auf sie, kaum da� sie einen Fu� in den Raum setzten. Nicola fuhr zusammen. Nynaeve h�tte einen Triumph empfunden, w�re sie selbst nicht genauso zusammengezuckt. Normalerweise unterschieden sich die Augen der kr�ftigen Grauen in nichts von denen anderer Aes Sedai, richteten sie sich jedoch so aufmerksam auf jemand, dann schien nichts anderes mehr auf der Welt zu existieren als eben diejenige, die so angeblickt wurde. Manche behaupteten sogar, Delana habe soviel Erfolg als Vermittlerin, weil beide Seiten ihr gew�hnlich nur deshalb zustimmten, damit sie aufh�rte, sie auf diese Art anzustarren. Unter diesem Blick f�hlte man sich schuldbewu�t, obwohl man gar nichts angestellt hatte. Die Liste ihrer S�nden, die Nynaeve in diesem Augenblick durch den Kopf scho�, lie� ihren Knicks ganz unbewu�t genauso unterw�rfig wirken wie den Nicolas.</p><p>�Ach�, sagte Janya und blinzelte, als seien sie aus dem Nichts erschienen, �da seid Ihr ja.�</p><p>�Entschuldigt, da� ich so sp�t komme�, sagte Nynaeve schnell. Sollte Nicola doch h�ren, was sie wollte. Delana starrte sie jetzt an und nicht Nicola. �Ich habe gar nicht an die Zeit gedacht, und...�</p><p>�Unwichtig.� Delanas Stimme klang tief f�r eine Frau, und ihr Dialekt schien wie ein kehliges Echo von Unos schienarischem Flair. Au�erdem war die Stimme ungew�hnlich melodi�s f�r eine so rundliche Frau, aber Delana wirkte auch sonst erstaunlich elegant. �Nicola, fort mit Euch. Bis zu Eurer n�chsten Unterrichtsstunde werdet Ihr Boteng�nge f�r Faolain erledigen,� Nicola verschwendete keine Zeit, knickste noch einmal und eilte hinaus. Vielleicht h�tte sie gern mit angeh�rt, was die Aes Sedai Nynaeve wegen ihrer Versp�tung sagen w�rden, aber niemand ging in Gegenwart von Aes Sedai ein Risiko ein.</p><p>Es w�re Nynaeve egal gewesen, und h�tte Nicola auch in diesem Augenblick Fl�gel ausgebreitet. Ihr war gerade eben bewu�t geworden, da� sich auf dem E�tisch der Aes Sedai weder Tintenfa� noch Sandsch�lchen, weder Feder noch Papier befanden. Nichts von dem, was sie zur Arbeit ben�tigen w�rde. H�tte sie diese Utensilien vielleicht selbst mitbringen sollen? Delana starrte sie immer noch an. Die Frau blickte doch sonst niemals so lange auf den gleichen Fleck! Sie blickte �berhaupt nichts auf diese Art an, au�er, sie hatte einen besonderen Grund daf�r.</p><p>�H�ttet Ihr gern gek�hlten Pfefferminztee?� fragte Janya, und nun war Nynaeve damit an der Reihe, die Augen verbl�fft aufzurei�en. �Ich finde Tee wohltuend. Meiner Erfahrung nach f�rdert er die Gespr�che.� Ohne auf eine Antwort zu warten, f�llte die Braune Schwester, die so sehr wie ein Vogel wirkte, verschiedenartige Teetassen aus einer blaugestreiften Teekanne, die auf dem niedrigen Nebentischchen stand. Statt des einen Tischbeins hatte man einen Stein untergelegt. Die Aes Sedai hatten wohl mehr Platz, doch ihre Einrichtung war genauso �rmlich. �Delana und ich haben beschlossen, da� unsere Aufzeichnungen auch ein andermal noch niedergeschrieben werden k�nnen. Statt dessen werden wir uns unterhalten. Honig? Ich nehme auch lieber keinen. Diese S��e nimmt dem Tee allen Geschmack. Doch junge Frauen bestehen gew�hnlich auf ihrem Honig. Welch wunderbare Dinge habt Ihr doch vollbracht. Ihr und Elayne.� Ein lautes R�uspern lie� sie fragend Delana anblicken. Nach kurzem Z�gern bemerkte Janya dann nur: �Ach. Ja.�</p><p>Delana hatte einen der St�hle, die sonst am Tisch standen, mitten auf den kahlen Fu�boden gestellt, einen Stuhl mit einer Sitzfl�che aus Korbgeflecht.</p><p>Einen einzigen. Von dem Augenblick an, als Janya eine �Unterhaltung� erw�hnt hatte, war Nynaeve klar gewesen, da� dies keineswegs alles sein w�rde. Delana deutete auf den Stuhl, und Nynaeve setzte sich ganz vor auf die Kante, wobei sie eine Tasse Tee auf einer angeschlagenen Untertasse von Janya entgegennahm und murmelte: �Dankesch�n, Aes Sedai.� Sie mu�te nicht lange warten.</p><p>�Berichtet uns von Rand al'Thor�, sagte Janya. Sie schien mehr sagen zu wollen, doch Delana r�usperte sich erneut, woraufhin Janya blinzelte und nur noch schweigend an ihrem Tee nippte. Sie standen jede an einer Seite von Nynaeves Stuhl. Delana sah sie an, seufzte dann und lie� mit Hilfe der Macht die dritte Tasse durch den Raum in ihre eigene Hand schweben. Daraufhin fixierte sie Nynaeve wieder mit einem Blick, der L�cher in ihren Kopf zu bohren schien, w�hrend Janya gedankenverloren wirkte und sie m�glicherweise �berhaupt nicht richtig sah.</p><p>�Ich habe Euch bereits alles gesagt, was ich wei߫, seufzte Nynaeve. �Jedenfalls habe ich es den Aes Sedai berichtet.� Und das entsprach der Wahrheit. Nichts von dem, was sie wu�te, konnte ihm schaden, jedenfalls nicht in h�herem Ma�e als das blo�e Wissen darum, was er war, und es k�nnte hilfreich sein, wenn sie die Schwestern dazu brachte, ihn als Mann zu betrachten. Nicht als Mann, der mit der Macht umgehen konnte, sondern nur einfach als Mann. Nicht gerade leicht, wenn es um den Wiedergeborenen Drachen ging. �Ich wei� nicht mehr als das.�</p><p>�Schmollt gef�lligst nicht�, fauchte Delana. �Und weicht mir nicht aus.�</p><p>Nynaeve stellte ihre Tasse wieder auf die Untertasse und wischte sich das Handgelenk am Rock ab.</p><p>�Kind�, sagte Janya voller Mitgef�hl, �ich wei�, Ihr glaubt, uns alles gesagt zu haben, was Ihr wi�t, aber Delana... Ich kann nicht glauben, da� Ihr etwas absichtlich zur�ckhalten w�rdet...�</p><p>�Und warum nicht?� fuhr Delana sie an. �Im gleichen Dorf geboren. Mit ihm aufgewachsen. Ihre Loyalit�t gilt m�glicherweise viel eher ihm als der Wei�en Burg.� Dieser Rasiermesserblick konzentrierte sich wieder auf Nynaeve. �Berichtet uns etwas, das wir noch nicht geh�rt haben. Ich habe Eure s�mtlichen Berichte geh�rt M�dchen, also wei� ich Bescheid und merke, wenn Ihr nur wiederholt.�</p><p>�Gebt Euch M�he, Kind. Ich bin sicher, Ihr wollt nicht, da� Delana Euch b�se ist. Also...� Janya schwieg, als ein erneutes R�uspern ert�nte.</p><p>Nynaeve hoffte, sie w�rden das Klappern ihrer Teetasse so deuten, da� auch sie ersch�ttert sei. Ver�ngstigt hierher geschleppt zu werden � nein, nicht ver�ngstigt; aber doch zumindest besorgt, wie zornig die beiden wohl w�ren � und nun dies! Wenn man sich in der N�he von Aes Sedai aufhielt, lernte man schnell, genau hinzuh�ren. Vielleicht erfuhr man auch dann noch nicht, was sie wirklich meinten, aber die Chancen standen auf jeden Fall besser als beim fl�chtigen Hinh�ren, wie es die meisten Leute f�r gew�hnlich taten. Keine von beiden hatte behauptet, sie glaube, da� sie etwas zur�ckhielt. Sie wollten sie lediglich einsch�chtern, in der Hoffnung, es werde etwas Neues dabei herauskommen. Sie lie� sich aber nicht einsch�chtern. Jedenfalls nicht sehr. Statt dessen war sie w�tend.</p><p>�Als er noch ein Junge war�, begann sie vorsichtig, �lie� er eine Bestrafung ohne Murren �ber sich ergehen, wenn er glaubte, sie verdient zu haben, aber wenn er nicht dieser Meinung war, k�mpfte er jeden Moment dagegen an.�</p><p>Delana schnaubte: �Das habt Ihr jeder gesagt, die es h�ren wollte. Etwas anderes. Und pl�tzlich!�</p><p>�Ihr k�nnt ihn f�hren oder auch �berzeugen, aber er l��t sich nicht herumschubsen. Er stemmt sich dagegen, wenn er glaubt, Ihr wolltet...�</p><p>�Genauso wie dies.� Die H�nde auf die breiten H�ften gest�tzt beugte sich Delana herunter, bis ihr Gesicht sich auf gleicher H�he wie Nynaeves befand. �Etwas, das Ihr noch nicht jeder K�chin und W�scherin in Salidar erz�hlt habt.�</p><p>�Bem�ht Euch doch, Kind�, sagte Janya, und ausnahmsweise belie� sie es dabei.</p><p>So bohrten sie immer weiter. Janya spornte sie mitleidig an, w�hrend Delana gnadenlos nachhakte, und Nynaeve berichtete jede Einzelheit, an die sie sich erinnern konnte. Es brachte ihr allerdings keine Erleichterung ein, denn sie hatte jede Einzelheit schon so oft erz�hlt, da� sie alles auswendig herleiern konnte, worauf sie Delana freundlich hinwies. Nein, nicht sehr freundlich. Als Nynaeve es schlie�lich schaffte, einen Schluck Tee zu trinken, schmeckte er abgestanden und so s��, da� es sie grauste. Janya glaubte offensichtlich wirklich, junge Frauen h�tten gern jede Menge Honig drin. Der Vormittag verging langsam. Qu�lend langsam.</p><p>�Das bringt uns nicht weiter�, sagte Delana schlie�lich, wobei sie Nynaeve so b�se ansah, als sei das ihre Schuld.</p><p>�Kann ich jetzt gehen?� fragte Nynaeve ersch�pft. Jeder Tropfen Schwei�, der ihre Kleidung durchn��te, schien aus ihr herausgequetscht worden zu sein. Sie f�hlte sich schlapp. Und sie h�tte gern diese beiden k�hlen Aes-Sedai-Gesichter geohrfeigt.</p><p>Delana und Janya tauschten einen Blick. Die Graue zuckte die Achseln und ging hin�ber zu dem Nebentischchen, um wieder eine Tasse Tee einzugie�en. �Sicher k�nnt Ihr gehen�, sagte Janya. �Ich wei�, dies alles mu� sehr schwer f�r Euch sein, aber wir m�ssen Rand al'Thor besser kennen als er sich selbst, um zu entscheiden, welche die beste Vorgehensweise ist. Ansonsten k�nnte alles in einer Katastrophe enden. Ach, ja. Ihr habt Eure Sache gut gemacht, Kind. Andererseits habe ich nicht weniger von Euch erwartet. Jede, die solche Entdeckungen fertigbringt wie Ihr und noch dazu mit dieser Behinderung ... also, ich erwarte wirklich nur das Beste von Euch. Und wenn man bedenkt...�</p><p>Sie brauchte noch eine ganze Weile, bis sie fertig war und Nynaeve hinaustaumeln lie�. Sie taumelte tats�chlich mit weichen Knien hinaus. Alle sprachen �ber sie. Klar, da� sie das taten. Sie h�tte auf Elayne h�ren sollen und ihr all diese sogenannten Entdeckungen �berlassen. Moghedien hatte recht. Fr�her oder sp�ter w�rden sie versuchen, herauszubekommen, wie sie das machte. Also wollten sie beschlie�en, welche die beste Vorgehensweise sei, um eine Katastrophe zu verhindern. Das gab ihr auch keinerlei Hinweis darauf, was sie mit Rand vorhatten.</p><p>Ein Blick zur Sonne, die beinahe senkrecht �ber ihr stand, sagte ihr, da� sie zu sp�t dran war f�r ihr Treffen mit Theodrin. Diesmal hatte sie aber wenigstens eine gute Ausrede.</p><p>Theodrins Haus, das sie mit zwei Dutzend anderer Frauen teilte, lag jenseits der Kleinen Burg. Nynaeve verlangsamte ihre Schritte, als sie an der ehemaligen Schenke vorbeikam. Das Gewirr von Beh�tern vor der T�r und dazu Gareth Brynes verwitterte Gestalt zeugte davon, da� die Verhandlungen nach wie vor im Gang waren. Ein Rest von Zorn erm�glichte es ihr, ein Wachgewebe wahrzunehmen, eine niedrige, abgeflachte Kuppel, gewebt aus Feuer und Luft mit einem kleinen Zusatz von Wasser, die schimmernd �ber dem gesamten Geb�ude lag, und sie sah auch den Knoten, der es so niederschmetternd sicher zusammenhielt. Den Knoten zu ber�hren w�rde bedeuten, die eigene Haut zum Gerben anzubieten. Es befanden sich schlie�lich eine ganze Menge Aes Sedai auf der �berf�llten Stra�e. Gelegentlich trat der eine oder andere der Beh�ter durch das f�r ihn unsichtbare Schimmern hinein oder kam heraus, und eine neue Gruppe formierte oder zerstreute sich. Das gleiche Wachgewebe, das Elayne nicht hatte durchdringen k�nnen. Eine Abschirmung gegen Lauscher. Mit der Macht gewebt.</p><p>Theodrins Haus stand ungef�hr hundert Schritt weiter oben an der Stra�e, aber Nynaeve trat schnell in einen Hof neben einem strohgedeckten Haus nur zwei H�user von der ehemaligen Schenke entfernt. Ein h�lzerner J�gerzaun umgab ein winziges Fleckchen welker Unkr�uter hinter dem Haus, aber er wies ein Tor auf, das an einer fast durchgerosteten Angel hing. Als sie das Tor aufschob, quietschte es m�rderisch. Sie blickte sich hastig um, doch an den Fenstern stand niemand und von der Stra�e aus war sie nicht zu sehen, sie raffte den Rock hoch und hastete in die enge Gasse hinein; die weiter bis zu dem Zimmerchen f�hrte, das sie mit Elayne teilte.</p><p>Einen Augenblick lang z�gerte sie und wischte sich die verschwitzten H�nde am Kleid ab. Sie mu�te sich an etwas erinnern, was Birgitte gesagt hatte. Sie wu�te, da� sie tief im Inneren ein Feigling war, auch wenn sie dies nicht wahrhaben wollte. Einst hatte sie sich f�r tapfer und mutig gehalten. Keine Heldin wie Birgitte, aber doch mutig. Die Welt hatte sie eines Besseren belehrt. Nur der blo�e Gedanke daran, was die Schwestern mit ihr machen w�rden, sollten sie sie erwischen, lie� sie beinahe umkehren und zu Theodrin rennen. Die M�glichkeit, ein Fenster zu jenem Raum zu finden, in dem sich die Sitzenden aufhielten, war ausgesprochen gering. Fast unm�glich.</p><p>So bem�hte sie sich, ihren ausgetrockneten Mund zu befeuchten � wieso konnte ihr Mund so trocken sein, obwohl sie in Feuchtigkeit gebadet schien? � und schlich n�her heran. Eines Tages w�rde sie gern erfahren, was es hie�, mutig zu sein wie Birgitte oder Elayne, anstatt sich wie ein Feigling zu benehmen.</p><p>Das Wachgewebe wurde nicht ersch�ttert, als sie hindurchtrat. Sie sp�rte �berhaupt nichts. Das hatte sie aber vorher schon gewu�t. Es zu ber�hren, machte gar nichts aus. Trotzdem pre�te sie sich an die grobe Steinmauer. Die Enden von Ranken, die sich in den Ritzen festgekrallt hatten, strichen �ber ihr Gesicht.</p><p>Langsam schob sie sich an das n�chstgelegene Souterrainfenster heran � und w�re beinahe umgekehrt und weggerannt. Es war fest geschlossen. Alles Glas war weg und durch �ltuch ersetzt worden, das vielleicht ein wenig Licht hineinlie�, ihr aber keinerlei Blick nach innen gestattete. Nichts war zu h�ren. Falls sich jemand auf der anderen Seite aufhielt, drang dennoch kein Laut heraus. Sie atmete tief durch und schob sich an das n�chste Fenster heran. Auch bei diesem hatte man eine Scheibe ersetzt, doch durch die �briggebliebene Scheibe erblickte sie einen ziemlich abgewetzten, einst kunstvoll geschnitzten Tisch mit einer Unmenge von Papieren und Tintenf�ssern, ein paar St�hle und ein ansonsten leeres Zimmer.</p><p>Sie knurrte einen Fluch, den sie von Elayne geh�rt hatte � das M�dchen verf�gte �ber einen erstaunlichen Vorrat an Fl�chen � und tastete sich an der raunen Mauer entlang weiter vor. Das dritte Fenster stand offen. Sie dr�ckte die Nase an die Scheibe � und zuckte zur�ck. Sie hatte gar nicht daran geglaubt wirklich etwas zu entdecken, doch da drinnen befand sich Tarna. Nicht mit allen Sitzenden zusammen, aber Sheriam und Myrelle und der Rest der F�hrungsgruppe waren bei ihr. H�tte ihr Herz nicht so �berlaut geklopft, h�tte sie das Stimmengemurmel vernommen, bevor sie einen Blick riskierte.</p><p>Sie kniete nieder und schob sich so nahe an das Fenster heran, wie sie nur konnte, ohne von drinnen sichtbar zu sein. Der untere Fensterrahmen schabte �ber ihren Kopf.</p><p>�...sicher, da� Ihr mich diese Botschaft �berbringen lassen wollt?� Diese eisige Stimme mu�te zu Tarna geh�ren. �Ihr verlangt mehr Zeit, um Euch zu entscheiden? Was gibt es da noch zu entscheiden?�</p><p>�Der Saal...�, begann Sheriam.</p><p>�Der <emphasis>Saal�,</emphasis> h�hnte die Abgesandte der Wei�en Burg. �Haltet mich doch nicht f�r blind der wahren Macht gegen�ber. Dieser sogenannte Saal denkt, was Ihr sechs ihnen zu denken befehlt.�</p><p>�Der Saal, er haben um mehr Zeit gebeten�, sagte Beonin mit Entschlossenheit in der Stimme. �Wer kann sagen, zu welcher Entscheidung sie werden kommen?�</p><p>�Elaida wird abwarten m�ssen, bis ihre Entscheidung gefallen ist�, sagte Morvrin und imitierte dabei recht gut Tarnas eisigen Tonfall. �Kann sie nicht noch ein wenig warten, bis die Wei�e Burg endlich wieder geeint ist?�</p><p>Tarnas Erwiderung klang allerdings noch k�lter: �Ich werde Eure Botschaft ... die Botschaft des <emphasis>Saals ...</emphasis> der Amyrlin �berbringen. Wir werden sehen, was sie davon h�lt.� Eine T�r wurde aufgesto�en und schlo� sich wieder mit einem scharfen Knall.</p><p>Nynaeve h�tte vor Entt�uschung am liebsten aufgeschrien. Jetzt kannte sie die Antwort, aber nicht die Frage. Wenn Janya und Delana sie nur ein bi�chen fr�her h�tten gehen lassen! Nun, es war trotzdem besser als nichts. Besser als �Wir werden zur�ckkehren und uns Elaida unterwerfen�. Es gab keinen Grund mehr, l�nger zu verweilen, bis wom�glich jemand hinausblickte und sie entdeckte.</p><p>Sie wollte schon wegschleichen, da sagte Myrelle: �Vielleicht sollten wir nur eine Botschaft senden. Wir sollten sie einfach herbeirufen.� Nynaeve verhielt mit gerunzelter Stirn. Wen?</p><p>�Das Protokoll mu� eingehalten werden�, sagte Morvrin barsch. �Die angemessenen Zeremonien m�ssen zur Durchf�hrung kommen.�</p><p>Beonin sprach gleich darauf mit fester Stimme: �Wir m�ssen dem Gesetz buchstabengetreu folgen. Der kleinste Ausrutscher k�nnen gegen uns ausgelegt werden.�</p><p>�Und wenn wir einen Fehler begangen haben?� Bei Carlinya klang das vielleicht zum ersten Mal in ihrem Leben richtig hitzig. �Wie lange sollen wir warten? Wie lange k�nnen wir es riskieren zu warten?�</p><p>�So lange wie notwendig�, sagte Morvrin.</p><p>�Solange wir m�ssen.� Das kam von Beonin. �Ich habe nicht so lange auf dieses beeinflu�bare Kind gewartet, nur um jetzt all unsere Pl�ne in den Wind zu schreiben.�</p><p>Aus irgendeinem Grund rief diese �u�erung Schweigen hervor, obwohl Nynaeve h�rte, wie jemand das Wort �beeinflu�bar� murmelte, als sei sie sich �ber die Bedeutung nicht im klaren. Welches Kind? Eine Novizin oder Aufgenommene? Das ergab keinen Sinn. Die Schwestern warteten grunds�tzlich nie auf Novizinnen oder Aufgenommene.</p><p>�Wir sind zu weit gekommen, um jetzt aufzugeben, Carlinya�, sagte Sheriam abschlie�end. �Entweder holen wir sie her und bringen sie dazu, zu tun, was sie soll, oder wir �berlassen alles dem Saal und hoffen darauf, da� sie uns alle nicht ins Verderben fuhren.� Ihrem Tonfall nach betrachtete sie dies als vergebliche Hoffnung.</p><p>�Ein Ausrutscher�, sagte Carlinya mit k�lterer Stimme als sonst �blich, �und wir enden alle mit unseren K�pfen auf Spie�en.�</p><p>�Aber wer wird sie aufspie�en?� fragte Anaiya nachdenklich. �Elaida, der Saal, oder Rand al'Thor?�</p><p>Das Schweigen dehnte sich, R�cke raschelten, und dann �ffnete und schlo� sich die T�r wieder.</p><p>Nynaeve wagte einen kurzen Blick. Der Raum war leer. Sie gab einen �chzenden Laut von sich. Da� sie vorhatten, zu warten, tr�stete sie wohl, doch die endg�ltige Antwort konnte immer noch alles bringen. Anaiyas Bemerkung hatte ihr gezeigt, da� sie nach wie vor Rand genauso reserviert gegen�berstanden wie Elaida. Vielleicht sogar noch mehr. Elaida versammelte schlie�lich keine M�nner um sich, die mit der Macht umgehen konnten. Und wer war dieses �beeinflu�bare Kind�? Nein, das war unwichtig. Sie konnten f�nfzig verschiedene Intrigen am Kochen haben, von denen sie keine Ahnung hatte.</p><p>Das Wachgewebe erlosch und Nynaeve erschrak. Es war h�chste Zeit, von hier zu verschwinden. Sie rappelte sich schnell hoch und klopfte sich mit lebhaften Bewegungen den Staub von den Knien, als sie sich von der Hauswand entfernen wollte. Doch es reichte nur zu einem Schritt. Dann blieb sie stocksteif stehen, geb�ckt, die H�nde noch an den verschmutzten Stellen ihres Rocks, und blickte Theodrin in die Augen.</p><p>Die Domanifrau mit den Apfelb�ckchen erwiderte ihren Blick und sagte kein Wort.</p><p>Nynaeve �berlegte fieberhaft, verwarf aber die dumme Behauptung, sie habe am Boden nach einem verlorenen Gegenstand gesucht. Statt dessen richtete sie sich auf und schritt gem�chlich an der anderen Frau vorbei, als gebe es nichts zu erkl�ren. Theodrin ging schweigend neben ihr her, die H�nde auf H�fth�he gefaltet. Nynaeve �berlegte, welche M�glichkeiten sie habe. Sie konnte Theodrin eins �ber den Kopf verpassen und wegrennen. Sie konnte auf die Knie fallen und betteln. Beide M�glichkeiten erschienen ihr nicht besonders gut, sie war aber nicht in der Lage, einen anderen Ausweg zu finden.</p><p>�Habt Ihr die Ruhe bewahrt?� fragte Theodrin und blickte dabei stur geradeaus.</p><p>Nynaeve fuhr wieder zusammen. Das war der Rat gewesen, den ihr die andere Frau erst gestern gegeben hatte, nachdem sie versucht hatte, ihren eigenen Block mit Gewalt zu brechen. Bewahrt die Ruhe; bleibt sehr ruhig; denkt nur ruhige, beherrschte Gedanken. �Nat�rlich.� Ein schw�chliches Lachen begleitete ihre Worte. �Was h�tte mich hier auch aufregen k�nnen?�</p><p>�Das ist gut�, sagte Theodrin ernst. �Heute will ich eine etwas ... direktere Methode anwenden.�</p><p>Nynaeve sah sie an. Keine Fragen? Keine Beschuldigungen? So, wie sich dieser Tag entwickelt hatte, konnte sie kaum glauben, so leicht davonzukommen.</p><p>Sie blickte nicht zu dem Steingeb�ude zur�ck, und so bemerkte sie auch nicht die Frau, die sie und Theodrin von einem Fenster im zweiten Stock aus beobachtete.</p></section><section><title><p>13</p><p>Unter dem Staub</p></title><p>Nynaeve fragte sich, ob sie ihren Zopf ausflechten solle, w�hrend sie unter einem rotgestreiften Handtuch hervor ihr Kleid und den Unterrock anschaute, die �ber Stuhllehnen hingen und auf die sauber gefegten Bohlen des Fu�bodens tropften. Ein weiteres um sie gewickeltes Handruch, gr�n und wei� gestreift und um einiges gr��er als das andere, diente ihr im Moment als Bekleidung. �Jetzt wissen wir also, da� auch ein Schock nichts hilft�, grollte sie Theodrin an, und sofort mu�te sie aufst�hnen. Ihr Unterkiefer schmerzte, und ihre Wange brannte noch immer. Theodrin hatte schnelle Reflexe und einen kr�ftigen Arm. �Ich kann jetzt gerade die Macht lenken, aber f�r einen Augenblick war vorhin <emphasis>Saidar</emphasis> das allerletzte, was ich im Sinn hatte.� In jenem durchn��ten Moment des Nach-Luft-Schnappens, als sie die Gedanken flohen und der reine Instinkt durchbrach.</p><p>�Dann ben�tzt die Macht, um Eure Sachen zu trocknen�, knurrte Theodrin.</p><p>Nynaeves Kinn schmerzte gleich nicht mehr so sehr, als sie beobachtete, wie Theodrin in eine dreieckige Spiegelscherbe blickte und nach ihrem Auge f�hlte.</p><p>Die Haut wirkte bereits leicht geschwollen, und Nynaeve erwartete, da� sich dies zu einem ausgesprochen auffallenden Blauen Auge entwickeln werde, falls es nicht behandelt wurde. Ihr Arm war keineswegs so schw�chlich, und ein Blaues Auge hatte Theodrin allemal verdient!</p><p>Vielleicht war die Domani der gleichen Ansicht, denn sie seufzte: �Das versuche ich nicht noch einmal. Aber wie auch immer, ich werde Euch beibringen, Euch <emphasis>Saidar</emphasis> zu �ffnen, ohne vorher so w�tend zu sein, da� Ihr statt dessen die Macht bei�en k�nntet.�</p><p>Nynaeve blickte mit finsterer Miene auf ihre durchn��te Kleidung und �berlegte eine Weile. Sie hatte noch nie so etwas unternommen. Ihre Hemmung, Alltagsarbeiten mit Hilfe der Macht zu erledigen, war sehr stark ausgepr�gt, und das aus gutem Grund. <emphasis>Saidar</emphasis> war verf�hrerisch. Je mehr man die Macht ben�tzte, desto h�ufiger wollte man sie ben�tzen, und desto gr��er war die Gefahr, eines Tages zuviel an sich zu rei�en und sich damit umzubringen oder auszubrennen. Die S��e der Wahren Quelle erf�llte sie mittlerweile ganz und gar. Daf�r hatte Theodrins Eimer Wasser gesorgt, obwohl die restliche Arbeit des Vormittags vergebens gewesen war. Ein simples Gewebe aus dem Element Wasser zog alle Feuchtigkeit aus ihrer Kleidung und lie� sie auf den Boden pl�tschern, wo sie sich in Form einer immer gr��er werdenden Pf�tze ausbreitete und das erg�nzte, was von Theodrins Eimerladung noch �brig war.</p><p>�Ich ergebe mich eben nicht so schnell�, sagte sie.</p><p>Es sei denn, ein Kampf w�re aussichtslos. Nur ein Narr machte weiter, wenn er gar keine Chance mehr hatte. Sie konnte unter Wasser nicht atmen, sie konnte nicht fliegen, indem sie mit den Armen ruderte, und sie konnte die Macht nicht ben�tzen, wenn sie nicht w�tend war.</p><p>Theodrin wandte ihren finsteren Blick von der Pf�tze ab und Nynaeve zu und stemmte die F�uste entschlossen in die schmalen H�ften. �Das ist mir nur zu bewu�t�, sagte sie in etwas zu ruhigem Tonfall. �Allen Lehrmeinungen nach solltet Ihr �berhaupt nicht in der Lage sein, die Macht zu lenken. Mir hat man beigebracht, ich m�sse ruhig sein, um mit der Macht zu arbeiten, innerlich k�hl und ernst, offen und absolut empfangsbereit.� Das Gl�hen <emphasis>Saidars</emphasis> umgab sie und Str�nge aus Wasser zogen die Pf�tze zu einer Wasserkugel zusammen, die v�llig deplaziert auf dem Boden lag. �Ihr m��t Euch der Macht ergeben, bevor Ihr sie lenken k�nnt. Aber bei Euch, Nynaeve... So sehr Ihr Euch auch bem�ht, Euch hinzugeben � und ich habe wohl bemerkt, da� Ehr Euch bem�ht �klammert Ihr Euch doch fest, bis Ihr w�tend genug seid, um Euren Instinkt zu �berwinden,� Str�nge aus Luft hoben die wabbelnde Wasserkugel hoch. Einen Augenblick lang glaubte Nynaeve, die Frau wolle die Kugel nach ihr werfen, doch dann schwebte sie quer durch das Zimmer und zu dem ge�ffneten Fenster hinaus. Es gab ein gewaltiges Platschen, als sie auf dem Boden aufschlug, und eine Katze jaulte �berrascht auf. Vielleicht galten alle Einschr�nkungen nicht mehr, wenn man sich auf Theodrins Stufe befand.</p><p>�Warum bela�t Ihr es nicht einfach dabei?� Nynaeve bem�hte sich, in heiterem Plauderton zu sprechen, aber das klang auch in ihren Ohren nicht ganz echt. Sie <emphasis>wollte</emphasis> schlie�lich die Macht gebrauchen k�nnen, wann immer sie es w�nschte. Aber wie schon das Sprichwort sagt: �Wenn W�nsche Fl�gel w�ren, k�nnten auch Schweine fliegen. � �Es ist �berfl�ssig, soviel Energie zu verschwenden...�</p><p>�H�rt auf damit�, sagte Theodrin, als Nynaeve versuchte, das Wassergewebe bei ihrem Haar anzuwenden, um es zu trocknen. �La�t <emphasis>Saidar</emphasis> fahren und es auf nat�rliche Art trocknen. Und zieht Euch wieder an,�</p><p>Nynaeve kniff die Augen zusammen. �Ihr habt doch wohl nicht noch eine �berraschung f�r mich, oder?�</p><p>�Nein. Nun fangt an, Euren Geist vorzubereiten. Ihr seid eine Bl�tenknospe, die die W�rme der Quelle sp�rt und sich bereitmacht, sich der Quelle zu �ffnen. <emphasis>Saidar</emphasis> ist der Flu�, und Ihr seid das Ufer. Der Flu� ist m�chtiger als das Ufer, doch das Ufer h�lt und leitet ihn. Entleert Euren Geist bis auf die Knospe. Nichts ist mehr in Euren Gedanken als diese Knospe. Ihr seid die Knospe...�</p><p>Nynaeve zog den Unterrock �ber den Kopf und seufzte, als Theodrins Stimme mit ihrem hypnotischen Gemurmel fortfuhr. �bungen f�r Novizinnen. Falls die bei ihr irgendwelche Wirkung h�tten, w�re sie schon lange in der Lage, die Macht nach Belieben zu ben�tzen. Sie sollte damit aufh�ren und lieber das tun, wozu sie in der Lage war, wie beispielsweise Elayne zu �berzeugen, da� sie nach Caemlyn mu�ten. Aber andererseits w�nschte sie sich, da� Theodrin recht behalten werde, und wenn sie dazu auch zehn Eimer voll Wasser ben�tigte. Aufgenommene liefen nicht davon und widerstrebten auch nicht. Sie ha�te es noch mehr, wenn man ihr sagte, was sie nicht vollbringen konnte, als zu h�ren, was sie zu tun habe.</p><p>Stunden vergingen. Mittlerweile sa�en sie sich an einem Tisch gegen�ber, der wirkte, als entstamme er der Ruine eines Bauernhauses. In diesen Stunden hatten sie endlose �bungen absolviert, die vermutlich zur gleichen Zeit von Novizinnen vollbracht wurden. Die Bl�tenknospe und das Ufer. Die Sommerbrise und der pl�tschernde Bach. Nynaeve versuchte, sich in einen L�wenzahnsamen zu versetzen, der im Wind umhertrieb, in die Erde, die den Fr�hlingsregen in sich aufsog, und in eine Wurzel, die sich durch den Boden grub. Alles ohne Wirkung, jedenfalls ohne die Wirkung, auf die Theodrin hoffte. Sie schlug sogar vor, Nynaeve solle sich vorstellen, in den Armen eines Liebhabers zu liegen, was sich als katastrophal herausstellte, da sie wieder an Lan denken mu�te, und wie konnte er es <emphasis>wagen,</emphasis> auf diese Weise zu verschwinden! Doch jedesmal, wenn die Verbitterung den Zorn ausl�ste wie eine hei�e Kohle das Feuer im trockenen Gras und damit <emphasis>Saidar</emphasis> f�r sie erreichbar machte, befahl Theodrin ihr loszulassen, und dann begann sie erneut auf ihre beruhigende, k�hle Art. Die sture Weise, auf die diese Frau ihrem Ziel zustrebte, machte sie verr�ckt. Nynaeve hatte das Gef�hl, sie k�nne selbst Mauleseln noch lehren, st�rrisch zu sein. Sie zeigte niemals Unwillen und ihre ernste W�rde war schon eine Kunstform f�r sich. Nynaeve h�tte gern einen Eimer Wasser �ber <emphasis>ihren</emphasis> Kopf geleert, um zu sehen, wie ihr das gefiel. Allerdings mu�te sie dabei an den Schmerz in ihrem Kiefer denken, und dann kam ihr die Idee doch nicht mehr so gut vor.</p><p>Theodrin heilte den Kiefer mit Hilfe der Macht, bevor Nynaeve ging. Das war ann�hernd die Obergrenze der Heilerf�higkeiten der Aes Sedai. Einen Moment sp�ter half Nynaeve dann auch ihr. Theodrins Auge hatte sich leuchtend rotblau verf�rbt, und eigentlich h�tte sie ihr das lieber als Warnung gelassen, damit sie sich in Zukunft �berlegte, was sie tat, aber nun mu�te sie sich wohl oder �bel revanchieren. Theodrins Aufst�hnen, als die Str�nge aus Geist, Luft und Wasser ihren K�rper durchdrangen, war durchaus eine Genugtuung. Schlie�lich hatte sie ganz gewaltig nach Luft schnappen m�ssen, als die Domani ihr den Eimer Wasser �ber den Kopf geleert hatte. Nat�rlich durchlief auch sie ein Schauder w�hrend der Heilung, aber man konnte eben nicht alles haben.</p><p>Drau�en war die Sonne bereits auf halbem Weg zum westlichen Horizont. Ein St�ck weit die Stra�e hinunter durchlief eine Welle von Verbeugungen und Knicksen die Menge der Passanten, und dann �ffnete sich das gedr�ngte Durcheinander, und Tarna Feir erschien.</p><p>Sie glitt dahin wie eine K�nigin durch einen Schweinestall und hatte die rotgefranste Stola wie ein leuchtendes Banner um die Oberarme geschlungen. Selbst auf f�nfzig Schritt Entfernung war ihre Haltung eindeutig zu erkennen, so, wie sie den Kopf hielt und ihren Rock hochraffte, damit er den Stra�enstaub nicht ber�hrte, und wie sie sogar jene nicht beachtete, die vor ihr knicksten, als sie vorbeischritt. Am ersten Tag waren es noch viel weniger Knickse gewesen und viel mehr feindselige Blicke, doch eine Aes Sedai war eine Aes Sedai, jedenfalls bei den Schwestern in Salidar. Um das zu unterstreichen, waren mittlerweile zwei Aufgenommene, f�nf Novizinnen und beinahe ein Dutzend Diener und Dienerinnen in ihrer Freizeit bei der Arbeit, K�chenabf�lle und die Inhalte von Nachtt�pfen zum Wald hinauszukarren und dort zu vergraben.</p><p>Als sich Nynaeve wegschlich, um von Tarna nicht gesehen zu werden, grollte ihr Magen so laut, da� ihr ein vorbeischreitender Kerl mit einem Korb Zwiebeln auf dem R�cken einen erstaunten Blick zuwarf. Sie hatten das Fr�hst�ck vers�umt, als Elayne versucht hatte, das Wachgewebe zu durchdringen, und das Mittagessen war nach Theodrins �bungen l�ngst vor�ber. Und die Frau hatte ihr heute noch nicht genug angetan. Nach Theodrins Anweisungen durfte sie n�mlich heute nacht nicht schlafen. Vielleicht w�rde die Ersch�pfung das vollbringen, was ein pl�tzlicher Schreck nicht ausgel�st hatte. <emphasis>Jeder Block kann durchbrochen werden,</emphasis> hatte Theodrin mit ungebrochenem Selbstvertrauen in der Stimme verk�ndet, <emphasis>und ich werde Euren durchbrechen. Es mu� nur ein einziges Mal geschehen. Nur einmal ohne Zorn mit Saidar arbeiten, und die Macht ist Euer!</emphasis></p><p>Im Augenblick jedoch wollte Nynaeve nur eines, n�mlich etwas zum Essen. Die K�chenm�gde waren bereits beim Aufr�umen und beinahe fertig, doch der Duft nach Hammeleintopf und Schweinebraten, der noch in den K�chenr�umen hing, lie� ihr das Wasser im Mund zusammenlaufen. Sie mu�te sich allerdings mit zwei armseligen �pfeln, einem Brocken Ziegenk�se und einem harten St�ck Brot zufriedengeben. Der Tag wurde auch nicht besser.</p><p>In ihr Zimmer zur�ckgekehrt, fand sie Elayne vor, die der L�nge nach ausgestreckt auf ihrem Bett lag. Die j�ngere Frau blickte sie an, ohne den Kopf zu heben, rollte kurz mit den Augen und sah wieder zu dem rissigen Verputz der Decke hoch. �Ich habe einen <emphasis>furchtbaren</emphasis> Tag hinter mir, Nynaeve�, seufzte sie. �Escaralde <emphasis>besteht darauf,</emphasis> einen <emphasis>Ter'Angreal</emphasis> herstellen zu wollen, obwohl sie nicht die Kraft dazu hat, und Varilin hat irgend etwas angestellt � ich wei� nicht, was � und der Stein, mit dem sie arbeitete, verwandelte sich in eine ... nun, man kann es nicht ganz als Flammenkugel bezeichnen, aber ... und das in ihren H�nden. W�re Dagdara nicht gewesen, w�re sie meiner Meinung nach gestorben, denn niemand sonst unter uns Anwesenden konnte sie heilen, und die Zeit reichte nicht aus, um jemanden herbeizurufen. Und dann habe ich �ber Marigan nachgedacht. Wenn wir schon nicht lernen k�nnen, festzustellen, ob ein Mann die Macht ben�tzt hat, k�nnen wir vielleicht aufsp�ren, <emphasis>was</emphasis> er getan hat! Ich glaube mich erinnern zu k�nnen, da� Moiraine diese M�glichkeit erw�hnt hat. Ich bilde es mir zumindest ein. Jedenfalls habe ich dar�ber nachgegr�belt, und dann ber�hrte mich jemand an der Schulter und ich schrie, als habe man mich mit einer Nadel gestochen. Dabei war es nur irgendein armer Fuhrmann, der mich wegen eines dieser t�richten Ger�chte fragen wollte. Ich habe ihn so erschreckt, da� er fast weggerannt w�re.�</p><p>Endlich holte sie Luft, und Nynaeve gab die Absicht auf, der Frau ihren letzten Apfelbutzen an den Kopf zu werfen; statt dessen fragte sie schnell in die momentane Stille hinein: �Wo steckt Marigan?�</p><p>�Sie war mit Putzen und Aufr�umen fertig � hat sich ganz sch�n Zeit damit gelassen � und ich habe sie auf ihr Zimmer geschickt. Ich trage schlie�lich noch das Armband. Schau!� Sie hob ihren Arm kurz und lie� ihn wieder auf die Matratze fallen, doch ihr Redeschwall verringerte sich keineswegs. �Sie hat wieder so furchtbar gewinselt, wir m��ten unbedingt nach Caemlyn gehen, und das konnte ich keine Minute l�nger ertragen, schon gar nicht nach all den anderen Strapazen. Mein Unterricht bei den Novizinnen war eine einzige Katastrophe. Diese <emphasis>furchtbare</emphasis> Keatlin � die mit der langen Nase � hat immer wieder gemeckert, zu Hause habe sie sich niemals von einem <emphasis>M�dchen</emphasis> herumkommandieren lassen, und Faolain kam herbeistolziert und wollte wissen, wieso Nicola in meinem Unterricht sei � wie konnte ich denn ahnen, da� Nicola f�r sie Boteng�nge machen sollte? � und dann entschlo� sich Ibrella, auszuprobieren, wieviel Feuer sie bereits erzeugen k�nne, und beinahe h�tte sie die ganze Gruppe versengt, und Faolain hat mich vor versammelter Klasse heruntergeputzt, da� ich bei meinen Sch�lerinnen keine Disziplin halten k�nne, und Nicola sagte daraufhin, <emphasis>sie...�</emphasis></p><p>Nynaeve gab die Versuche auf, auch einmal etwas einzuwerfen � vielleicht h�tte sie doch den Apfelbutzen werfen sollen � und schrie einfach nur: �Ich denke, Moghedien hat recht!�</p><p>Dieser Name verschlo� augenblicklich den Mund. Sie setzte sich mit weit aufgerissenen Augen auf. Nynaeve sah sich unwillk�rlich um, ob auch niemand gelauscht hatte, obwohl sie sich in ihrem Zimmer befanden.</p><p>�Das ist t�richt, Nynaeve!�</p><p>Nynaeve wu�te nicht, ob Elayne ihren Vorschlag meinte oder die Tatsache, da� sie Moghediens Namen laut ausgesprochen hatte. Sie hatte auch nicht vor nachzufragen. So setzte sie sich Elayne gegen�ber auf ihr eigenes Bett und zupfte ihren Rock zurecht. �Nein, ist es nicht. Jeden Tag k�nnten Jaril und Seve bei jemandem ausplaudern, da� Marigan gar nicht ihre Mutter ist, falls das nicht schon geschehen ist. Bist du bereit, die Fragen zu beantworten, die daraufhin kommen werden? Ich nicht. Jeden Tag k�nnte es geschehen, da� irgendeine Aes Sedai Nachforschungen anstellt wieso ich etwas entdecken oder erfinden kann, ohne von Sonnenaufgang bis Sonnenuntergang w�tend zu sein. Jede zweite Aes Sedai, mit der ich spreche, erw�hnt das, und Dagdara hat mich in letzter Zeit so eigenartig angesehen. Au�erdem werden sie gar nichts unternehmen! Sie haben lediglich vor, hier herumzusitzen. Au�er, sie entschlie�en sich, zur Burg zur�ckzukehren. Ich habe mich angeschlichen und belauscht, wie Tarna mit Sheriam sprach .��</p><p>�Was hast du?�</p><p>�Ich habe mich angeschlichen und gelauscht�, sagte Nynaeve gelassen. �Die Botschaft an Elaida lautet, sie ben�tigten mehr Zeit, um es sich zu �berlegen. Das hei�t, sie �berlegen es sich zumindest, ob sie die Sache mit Logain und den Roten Ajah vergessen sollen. Wie sie das fertigbringen, wei� ich nicht, aber es mu� wohl so sein. Wenn wir noch l�nger hierbleiben, kann es sein, da� sie uns Elaida als Geschenkpaket schicken. Wenn wir jetzt gehen, k�nnen wir Rand wenigstens sagen, er soll nicht damit rechnen, da� ihn irgendwelche Aes Sedai unterst�tzen werden. Wir k�nnen ihm raten, keiner Aes Sedai zu trauen.�</p><p>Elayne legte die h�bsche Stirn in Falten und setzte sich auf dem Bett zurecht. �Wenn sie es sich noch �berlegen, bedeutet das, sie haben sich noch nicht entschieden. Ich bin der Meinung, wir sollten bleiben. M�glicherweise k�nnen wir mithelfen, sie auf den richtigen Weg zu fuhren. Und au�erdem, falls du Theodrin nicht zum Mitkommen �berreden willst, verschenkst du die Chance, deinen Block jemals zu brechen.�</p><p>Nynaeve ignorierte das letztere. Toll, was Theodrin bisher vollbracht hatte. Eimer voll Wasser. Kein Schlaf heute nacht. Was w�rde als n�chstes kommen? Die Frau hatte doch bereits zugegeben, da� sie alles, aber auch alles ausprobieren werde, bis sie das Mittel fand, das zum Erfolg f�hrte. Alles, aber auch alles, schlo� f�r Nynaeves Geschmack ein wenig zuviel ein. �Auf den richtigen Weg f�hren? Sie werden nicht auf uns h�ren. Selbst Siuan h�rt kaum auf uns, und wenn sie uns auch am Wickel hat, haben wir sie wenigstens ein St�ckchen zu packen bekommen.�</p><p>�Ich bin aber immer noch der Meinung, wir m�ssen bleiben! Wenigstens so lange, bis der Saal die Entscheidung f�llt. Wenn wirklich das Schlimmste eintrifft, k�nnen wir Rand eine Tatsache mitteilen und keine blo�e Vermutung.�</p><p>�Und wie sollen wir das herausfinden? Wir k�nnen nicht damit rechnen, da� ich ein zweites Mal das richtige Fenster zum Lauschen finde. Sollten wir warten, bis sie ihre Entscheidung bekanntgeben, stehen wir vielleicht schon unter Bewachung. Jedenfalls ich. Es gibt keine Aes Sedai, die nicht w��te, da� Rand und ich aus Emondsfeld stammen.�</p><p>�Siuan sagt uns Bescheid, bevor irgend etwas verk�ndet wird�, sagte Elayne ruhig. �Du glaubst doch wohl nicht, sie und Leane w�rden dem�tig zu Elaida zur�ckkriechen, oder?�</p><p>Das war ein Argument. Elaida w�rde Siuan und Leane enthaupten lassen, bevor sie auch nur knicksen konnten. �Wir m�ssen trotzdem Jaril und Seve beachten�, beharrte sie.</p><p>�Wir lassen uns etwas einfallen. Auf jeden Fall sind sie nicht die ersten Fl�chtlingskinder, die von jemandem betreut werden, die nicht mit ihnen verwandt ist.� Elayne hielt ihr durch Gr�bchen gekennzeichnetes L�cheln vermutlich f�r beruhigend. �Wir m�ssen uns lediglich darauf konzentrieren. Und wir sollten in jedem Fall warten, bis Thom aus Amadicia zur�ck ist. Ich kann ihn nicht zur�cklassen.�</p><p>Nynaeve hob resigniert beide H�nde. Falls das Aussehen ein Spiegelbild des Charakters w�re, m��te Elayne wie ein in Stein gehauener Maulesel aussehen. Das M�dchen hatte aus Thom Merrilin einen Ersatz f�r den Vater gemacht, den sie verloren hatte, als sie noch klein war. Manchmal schien sie au�erdem zu glauben, er k�nne nicht einmal den E�tisch finden, wenn sie ihn nicht bei der Hand nahm.</p><p>Die einzige Vorwarnung, die Nynaeve erhielt, war das Gef�hl, in ihrer N�he werde <emphasis>Saidar</emphasis> ben�tzt, dann schlug die T�r vor einem Strang aus Luft auf, und Tarna Feir trat in das Zimmer. Nynaeve und Elayne sprangen auf. Eine Aes Sedai war nun einmal eine Aes Sedai, und einige von denen, die drau�en die Abf�lle vergruben, taten das ausschlie�lich auf Tarnas Gehei�.</p><p>Die blonde Rote Schwester musterte sie eingehend. Ihr Gesicht wirkte arrogant wie Marmor im Winter. �Aha. Ehe K�nigin von Andor und die verkr�ppelte Wilde.�</p><p>�Noch nicht, Aes Sedai�, erwiderte Elayne in k�hler H�flichkeit. �Nicht vor meiner Kr�nung im Gro�en Saal. Und auch dann nur, falls meine Mutter tot ist�, f�gte sie hinzu.</p><p>Tarnas L�cheln h�tte einen Schneesturm zum Gefrieren gebracht. �Selbstverst�ndlich. Sie haben sich bem�ht, Eure Anwesenheit geheimzuhalten, aber die Ger�chte breiten sich doch aus.� Ihr Blick �berflog die schmalen Betten und den schiefen Hocker, die Kleider an den Wandhaken und den rissigen Verputz. �Ich dachte aber doch, Ihr h�ttet ein besseres Quartier, wenn man bedenkt, welch wundervolle Dinge Ihr vollbracht habt. W�rt Ihr in der Wei�en Burg, wo Ihr hingeh�rt, w�rde es mich nicht �berraschen, wenn man Euch mittlerweile die Pr�fung f�r die Stola ablegen lie�e.�</p><p>�Dankesch�n�, sagte Nynaeve, um zu zeigen, da� sie genauso h�flich sein konnte wie Elayne. Tarna blickte sie an. Gegen diese blauen Augen wirkte der Rest dieses Gesichts geradezu warm. �Aes Sedai�, f�gte Nynaeve hastig hinzu.</p><p>Tarna wandte sich wieder Elayne zu. �Die Amyrlin hat Euch und Andor ganz besonders ins Herz geschlossen. Sie hat eine solch ausgedehnte Suchaktion nach Euch befohlen, da� Ihr es kaum glauben w�rdet. Ich wei�, da� es ihr gro�e Freude bereitete, k�mt Ihr mit mir nach Tar Valon zur�ck.�</p><p>�Mein Platz ist hier, Aes Sedai.� Elaynes Stimme klang immer noch freundlich, aber sie hatte das Kinn oben, als wolle sie Tarnas Unnahbarkeit nachahmen. �Ich werde zur Burg zur�ckkehren, wenn es die anderen tun.�</p><p>�So, so�, sagte die Rote teilnahmslos. �Also gut. Verla�t uns jetzt. Ich w�nsche, mit der Wilden unter vier Augen zu sprechen.�</p><p>Nynaeve und Elayne tauschten einen Blick, doch es blieb Elayne nichts anderes �brig, als zu knicksen und hinauszugehen.</p><p>Als sich die T�r schlo�, �berkam Tarna eine eigenartige Wandlung. Sie setzte sich auf Elaynes Bett, zog die Beine hoch und schlug sie �bereinander, lehnte sich an das splittrige Kopfbrett und faltete die H�nde im Scho�. Ihre Miene taute auf und sie l�chelte sogar ein wenig. �Ihr wirkt nerv�s. Das ist nicht notwendig. Ich bei�e Euch nicht.�</p><p>Nynaeve h�tte das eher glauben k�nnen, h�tten auch die Augen der Frau ihren Ausdruck ver�ndert. Das L�cheln ber�hrte sie nicht im geringsten, und der Kontrast lie� sie nun noch h�rter erscheinen, hundertmal so kalt. Diese Kombination jagte ihr einen Schauer den R�cken hinab. �Ich bin nicht nerv�s�, sagte sie tapfer und stellte die F��e fest auf den Boden, damit ihre Knie nicht zitterten.</p><p>�Ach. Beleidigt, oder? Warum? Weil ich Euch als �Wilde� bezeichnet habe? Ihr m��t wissen, da� auch ich eine Wilde war. Galina Casban pers�nlich hat meinen Block gebrochen. Sie kannte meine k�nftige Ajah lange vor mir selbst und hat sich f�r mich eingesetzt. Das tut sie immer, wenn sie glaubt, eine Frau werde die Roten Ajah erw�hlen.� Sie sch�ttelte lachend den Kopf, doch ihre Augen stachen wie gefrorene Messer. �Die Stunden, in denen ich heulte und weinte, bevor ich <emphasis>Saidar</emphasis> ber�hren konnte, ohne die Augen zu schlie�en. Man kann nicht weben, wenn man die Str�nge nicht sieht. Wie ich h�rte, gebraucht Theodrin bei Euch sanftere Methoden.�</p><p>Nynaeve trat unwillk�rlich von einem Fu� auf den anderen. Theodrin w�rde doch sicher nicht zu solchen Ma�nahmen greifen? Bestimmt nicht. Sie versteifte ihre Knie, aber das lie� das Flattern in ihrem Bauch nicht erlahmen. Also durfte sie nicht beleidigt sein, oder? Sollte sie auch das �Verkr�ppelt� unbeachtet lassen? �Wor�ber wolltet Ihr mit mir sprechen, Aes Sedai?�</p><p>�Die Amyrlin m�chte Elayne in Sicherheit wissen, aber in gewisser Weise seid Ihr genauso wichtig. Vielleicht noch wichtiger Was in Eurem Kopf in bezug auf Rand al'Thor schlummert, k�nnte sich als unsch�tzbar erweisen. Und das, was Egwene al'Vere wei�. Habt Ihr eine Ahnung, wo sie sich aufh�lt?�</p><p>Nynaeve h�tte sich gern den Schwei� vom Gesicht gewischt, doch sie zwang ihre H�nde zur Ruhe. �Ich habe sie schon lange nicht mehr gesehen, Aes Sedai.� Es war schon Monate her, seit sie sich zum letzten Mal in <emphasis>Tel'aran'rhiod</emphasis> getroffen hatten. �Darf ich fragen, was...� Niemand in Salidar bezeichnete Elaida als die Amyrlin, aber sie sollte wohl dieser Frau gegen�ber die H�flichkeit wahren. �...die Amyrlin in bezug auf Rand zu unternehmen gedenkt?�</p><p>�Gedenkt, Kind? Er ist der Wiedergeborene Drache. Das wei� die Amyrlin auch, und sie gedenkt, ihm alle Ehren zuteil werden zu lassen, die ihm geb�hren.� Eine Andeutung von Eindringlichkeit schlich sich in Tarnas Stimmen. �Denkt doch nach, Kind. Die hier werden zur Herde zur�ckkehren, sobald ihnen einmal d�mmert, was sie da wirklich tun, doch inzwischen k�nnte sich jeder Tag als lebenswichtig herausstellen. Dreitausend Jahre lang hat die Burg Herrscher angeleitet; ohne sie h�tte es mehr und noch schlimmere Kriege gegeben. Wenn al'Thor diese F�hrung nicht erhalt, steht die Welt vor einer gro�en Katastrophe. Aber man kann nicht f�hren, was man gar nicht kennt, genausowenig, wie ich die Macht gebrauchen kann, wenn ich die Augen schlie�e. Das Beste f�r ihn w�re, wenn Ihr mit mir zur�ckreist und Eure Kenntnisse �ber ihn der Amyrlin zuteil werden la�t, und zwar jetzt � nicht erst in Wochen oder Monaten. Das w�re auch f�r Euch selbst das beste. Hier k�nnt Ihr nicht zur Aes Sedai erhoben werden. Die Eidesrute befindet sich in der Burg. Die Pr�fung kann nur in der Burg stattfinden.�</p><p>Der Schwei� rann Nynaeve in die Augen, doch sie widerstand dem Drang zu blinzeln. Glaubte die Frau etwa, sie lie�e sich bestechen? �Um die Wahrheit zu sagen, habe ich nie viel Zeit mit ihm verbracht. Seht Ihr, ich habe im Dorf gewohnt und er auf einem Bauernhof im Westwald. Er machte den Eindruck eines Jungen, der niemals auf Vernunft h�ren wollte. Man mu�te ihn zu dem dr�ngen, was er tun sollte, oder ihn aber dazu herschleifen. Sicher, damals war er nur ein Junge. Nach alledem zu schlie�en, was ich wei�, k�nnte er sich ge�ndert haben. Die meisten M�nner sind wohl nur �bergro�e Jungen, aber <emphasis>er</emphasis> k�nnte sich ge�ndert haben.�</p><p>Eine Weile lang sah Tarna sie lediglich an, und das mit diesem eisigen Blick. �Aha�, sagte sie schlie�lich und stand mit einer so geschmeidigen Bewegung auf, da� Nynaeve beinahe zur�ckgetreten w�re, obwohl in dieser winzigen Kammer gar kein Platz war, um auch nur einen Schritt r�ckw�rts zu tun. Dieses beunruhigende L�cheln lag immer noch auf den Z�gen der anderen Frau. �Welche eigenartige Gruppe von Menschen, die hier versammelt ist. Ich habe keine von beiden zu Gesicht bekommen, aber wie ich h�rte, beehren Siuan Sanche und Leane Sharif Salidar mit ihrer Anwesenheit. Nicht gerade die Sorte von Mensch, mit der eine weise Frau verkehren sollte. Und dann vielleicht auch noch andere au�ergew�hnliche Leute? Es w�re wirklich besser f�r Euch, Ihr k�mt mit mir. Ich reise am Morgen ab. La�t mich heute abend wissen, ob ich Euch an der Stra�e erwarten soll.�</p><p>�Ich f�rchte... �</p><p>�Denkt dar�ber nach, Kind. Dies k�nnte sich als die wichtigste Entscheidung Eures Lebens erweisen. �berlegt es Euch sehr genau.� Die liebensw�rdige Maske verschwand, und Tarna rauschte aus dem Zimmer.</p><p>Nynaeve gaben die Knie nach, und sie sank auf ihr Bett. Die Frau l�ste einen derartigen Sturm der Gef�hle in ihr aus, da� sie nicht wu�te, wie sie all das bew�ltigen sollte. Nervosit�t und Zorn rangen in ihr mit einer �bersch�umenden Freude. Sie w�nschte, die Rote habe Gelegenheit, sich irgendwie mit den Aes Sedai in der Burg zu verst�ndigen, die nach Rand suchten. Oh, wie gern w�re sie eine Fliege an der Wand, wenn sie versuchten, ihre angebliche Einsch�tzung Rands gegen ihn zu ben�tzen. Versuchte doch glatt, sie zu bestechen! Versuchte auch noch, sie einzusch�chtern! Und hatte auch noch recht guten Erfolg damit gehabt. Tarna war sich so sicher, da� die Aes Sedai schlie�lich vor Elaida die Knie beugen w�rden. F�r sie schien das beschlossene Sache, und nur der Zeitpunkt stellte eine Unsicherheit dar. Und war das eine Andeutung in bezug auf Logain gewesen? Nynaeve vermutete, Tarna wisse erheblich mehr �ber Salidar, als die Burg oder Sheriam ahnten. M�glicherweise besa� Elaida hier Anh�nger.</p><p>Nynaeve erwartete jeden Moment Elaynes R�ckkehr, doch als eine halbe Stunde vor�ber war, ohne da� sie erschien, machte sie sich auf die Suche nach ihr. Zuerst schritt sie die Stra�en ruhig ab, doch bald trabte sie voran, brach aber gelegentlich ab, um auf die Deichsel eines Karrens zu steigen oder auf ein umgest�lptes Fa� oder einen steinernen Begrenzungspfosten, und sp�hte �ber die K�pfe der Menge hinweg. Die Sonne war schon so tief gesunken, da� sie bereits dicht �ber den Baumwipfeln stand, als sie schlie�lich unter m�rrischen Selbstgespr�chen zu ihrem Zimmer zur�ckstolzierte. Dort fand sie Elayne vor, die offensichtlich gerade angekommen war.</p><p>�Wo bist du gewesen? Ich habe schon geglaubt, Tarna h�tte dich irgendwo verschn�rt hinterlassen!�</p><p>�Ich habe die hier von Siuan geholt.� Elayne �ffnete die Faust. Zwei der verdrehten Steinringe lagen in ihrer Hand.</p><p>�Ist einer davon der echte? Es war eine gute Idee, sie zu holen, aber du h�ttest versuchen sollen, den echten mitzubringen.�</p><p>�Ich habe meine Meinung nicht ge�ndert, Nynaeve. Ich bin immer noch der Meinung, wir sollten hierbleiben.�</p><p>�Tarna...�</p><p>�Hat mich nur um so mehr darin best�rkt. Sollten wir gehen, dann werden Sheriam und der Saal mit Gewi�heit die Einheit der Burg �ber Rand stellen. Ich wei� das einfach.� Sie legte die H�nde auf Nynaeves Schultern, und Nynaeve lie� sich von ihr auf das Bett hinunterdr�cken. Elayne setzte sich ihr gegen�ber und beugte sich eindringlich nach vorn. �Erinnerst du dich daran, was du mir gesagt hast, wenn man ein starkes Bed�rfnis benutzt, um in <emphasis>Tel'aran'rhiod</emphasis> etwas Bestimmtes aufzusp�ren? Was wir brauchen, ist eine Methode, den Saal davon zu �berzeugen, da� sie nicht zu Elaida zur�ckkehren d�rfen.�</p><p>�Aber wie? Wenn Logain dazu nicht ausreicht...�</p><p>�Wir werden wissen, was es ist, wenn wir es finden�, sagte Elayne mit Entschlossenheit in der Stimme.</p><p>Nynaeve f�hlte geistesabwesend nach ihrem unterarmdicken Zopf. �Bist du bereit wegzugehen, falls wir nichts finden? Mir gef�llt der Gedanke daran nicht gerade, hier herumzusitzen, bis sie sich entschlie�en, uns unter Bewachung zu stellen.�</p><p>�Ich bin einverstanden, da� wir abreisen, vorausgesetzt du bist einverstanden, da� wir hierbleiben, falls wir etwas N�tzliches finden. Nynaeve, so gern ich ihn auch Wiedersehen m�chte � wir k�nnen hier mehr ausrichten!�</p><p>Nynaeve z�gerte, bevor sie schlie�lich knurrte: �Einverstanden.� Es schien kein gro�es Risiko zu sein. Ohne die geringste Ahnung, was sie eigentlich suchen sollten, konnte sie sich nicht vorstellen, etwas zu finden.</p><p>Wenn der Tag zuvor bereits voranzuschleichen schien, dann kroch er jetzt nur noch vorw�rts. Sie stellten sich an einer der �ffentlichen K�chen an, um Teller mit Schinkenscheiben, Zwiebeln und Erbsen zu erhalten. Es schien ihnen, als ruhe die Sonne stundenlang auf den Baumwipfeln. Die meisten Einwohner Salidars gingen mit der Sonne ins Bert, doch in den Fenstern leuchteten ein paar Lichter auf, vor allem in denen des gr��ten Geb�udes. Der Saal gab heute abend ein Festbankett f�r Tarna. Fetzen von Harfenkl�ngen trieben gelegentlich von der fr�heren Schenke her�ber. Die Aes Sedai hatten unter den Soldaten einen mehr oder weniger guten Harfner aufgetrieben, ihn rasieren lassen und in eine Art Livree gesteckt. Menschen, die an der Schenke vor�berschritten, warfen kurze Blicke hin�ber, bevor sie weiterhasteten, oder sie ignorierten das Geb�ude so betont, da� sie vor Anstrengung fast schon bebten. Wieder einmal stellte Gareth Bryne die gro�e Ausnahme dar. Er nahm seine Mahlzeit im Sitzen auf einer Holzkiste mitten auf der Stra�e ein.</p><p>Jede aus dem Saal, die durch eines der Fenster blickte, mu�te ihn sehen. Langsam, unendlich langsam glitt die Sonne hinter die B�ume. Die Dunkelheit kam pl�tzlich, fast ohne nennenswerte D�mmerung, und die Stra�en leerten sich. Das Lied des Harfners begann wieder von vorn. Immer noch sa� Gareth Bryne auf seiner Kiste im Lichtschein vom Bankettsaal her. Nynaeve sch�ttelte den Kopf. Sie wu�te nicht, ob sie ihn f�r einen Draufg�nger oder f�r einen Narren halten sollte. Er hatte wohl von beidem etwas an sich, wie sie vermutete.</p><p>Erst, als sie im Bett lag, mit dem gesprenkelten, steinernen <emphasis>Ter'Angreal</emphasis> an der gleichen Kordel am Hals wie den schweren, goldenen Siegelring Lans, und als die Kerze ausgeblasen war, erinnerte sie sich wieder an Theodrins Anweisungen. Na ja, daf�r war es nun zu sp�t. Theodrin w�rde ohnehin nicht erfahren, ob sie schlief oder nicht. Wo mochte Lan nur stecken?</p><p>Elaynes Atmen verlangsamte sich. Nynaeve kuschelte sich mit einem leichten Seufzer an ihr kleines Kopfkissen, und...</p><p>...dann stand sie am Fu� ihres leeren Betts und erblickte eine durchscheinende Elayne im diffusen Lichtschein der Nacht in <emphasis>Tel'aran'rhiod.</emphasis> Keiner w�rde sie hier sehen. Sheriam oder eine aus ihrem Kreis k�nnte sich in der Welt der Tr�ume aufhalten, oder auch Siuan oder Leane. Sicher, sie beide hatten ein Recht darauf, diese Welt zu besuchen, doch auf ihrer heutigen Suche wollten sie keine unangenehmen Fragen beantworten. Elayne betrachtete diesen Ausflug offensichtlich als Jagd. Bewu�t oder nicht, jedenfalls hatte sie sich wie Birgitte gekleidet: gr�ner Umhang und wei�e Hose. Sie blinzelte �berrascht den silbernen Bogen in ihrer Hand an, und er verschwand, zusammen mit dem K�cher.</p><p>Nynaeve sah sich ihre eigene Kleidung an und seufzte: Ein blauseidenes Ballkleid, mit goldenen Blumen rund um die tiefen Ausschnitt herum bestickt. Die Stickereien zogen sich in Doppellinien den ganzen weiten Rock hinunter. An den F��en sp�rte sie Tanzschuhe aus Samt. Es spielte eigentlich keine Rolle, was man in <emphasis>Tel'aran'rhiod</emphasis> anhatte, doch was hatte sie nur im Sinn gehabt, als ihr Unterbewu�tsein ausgerechnet dieses Kleid erw�hlte? �Dir ist doch klar, da� dies vielleicht erfolglos bleiben wird?� sagte sie und �nderte ihre Kleidung zu einem robusten Wollkleid mit festen Schuhen, wie es in den Zwei Fl�ssen �blich war. Elayne hatte kein Recht, so sp�ttisch zu l�cheln. Ein silberner Bogen. Ha! �Wir sollten wirklich wissen, wonach wir suchen, oder zumindest einiges dar�ber.�</p><p>�Es mu� ausreichen, Nynaeve. Du hast selbst gesagt, die Weisen Frauen behaupteten, der Schl�ssel l�ge im Bed�rfnis, je st�rker, desto besser, und wir brauchen unbedingt etwas, sonst verpufft die versprochene Unterst�tzung f�r Rand wirkungslos, bis auf das, was Elaida beizutragen gewillt ist. Dazu lasse ich es nicht kommen, Nynaeve. Ganz gewi� nicht.�</p><p>�Nimm das Kinn herunter. Ich lasse es auch nicht soweit kommen, falls wir irgend etwas daran �ndern k�nnen. Also k�nnen wir genausogut hier weitermachen.� Sie nahm Elayne an der Hand und schlo� die Augen. Bed�rfnis. Not. Sie hoffte, irgend etwas in ihr habe eine Ahnung, was eigentlich ben�tigt wurde. Vielleicht w�rde sich gar nichts ergeben. Bed�rfnis. Mit einem Mal schien sich alles um sie herum zu verschieben. Sie sp�rte, wie <emphasis>Tel'aran'rhiod</emphasis> kippte und schwankte.</p><p>Augenblicklich ri� sie die Augen auf. Jeder Schritt, der nur auf einem Bed�rfnis beruhte, wurde zwangsl�ufig blind vollzogen, und w�hrend jeder sie wohl ihrem Ziel n�her brachte, konnte er sie durchaus in eine Schlangengrube f�hren, oder ein L�we, der bei der Jagd gest�rt wurde, bi� ihr vielleicht ein Bein ab.</p><p>L�wen waren nicht zu sehen, aber was sie vorfand, war trotzdem beunruhigend. Es war heller Mittag, doch das st�rte sie nicht weiter. Die Zeit verlief hier anders. Sie und Elayne standen Hand in Hand auf einer gepflasterten Stra�e, umgeben von Backstein- und Natursteinbauten. Wohnh�user und Gesch�ftsgeb�ude gleicherma�en waren mit kunstvollen Simsen und Friesen versehen. Verzierte Kuppeln schm�ckten Ziegeld�cher, und �ber jede Stra�e hinweg zogen sich Br�cken aus Stein oder Holz, und das manchmal im dritten oder gar vierten Stock. M�llhaufen � alte Kleidungsst�cke und kaputte M�bel � waren an den Ecken aufgeh�uft, und ganze Scharen von Ratten huschten dazwischen herum. Gelegentlich blieben die Tiere stehen und quiekten ihnen furchtlose Herausforderungen zu. Menschen, die im Traum die Randbezirke von <emphasis>Tel'aran'rhiod</emphasis> ber�hrten, erschienen kurz und verschwanden ebenso schnell wieder. Ein Mann st�rzte schreiend von einer der Br�cken und war verschwunden, bevor er auf den Pflastersteinen aufschlug. Eine vor Angst heulende Frau in einem zerrissenen Kleid rannte ein Dutzend Schritte weit auf sie zu, bevor auch sie wieder verschwunden war. Abgehackte Schreie und Rufe warfen ihr Echo durch die Stra�en, und ein paar Mal war wildes, rauhes Lachen zu h�ren, das klang, als sei der Lacher dem Wahnsinn nahe.</p><p>�Das gef�llt mir nicht�, sagte Elayne in besorgtem Tonfall.</p><p>In einiger Entfernung ragte ein kalkigwei�er Pfeiler hoch �ber die anderen T�rme auf, von denen viele durch Br�cken verbunden waren, gegen�ber denen die in ihrer unmittelbaren Umgebung niedrig wirkten. Sie befanden sich in Tar Valon, und zwar in jenem Teil der Stadt, in dem Nynaeve beim letzten Mal einen kurzen Blick auf Leane erhascht hatte. Leane war nicht gerade gespr�chig gewesen; deshalb wu�ten sie nicht was die Frau dort getan hatte. Sie hatte lediglich l�chelnd festgestellt, sie wolle das Geheimnis und die Legenden um die Aes Sedai damit vertiefen.</p><p>�Es spielt keine Rolle�, sagte Nynaeve tapfer. �Niemand in Tar Valon hat auch nur eine Ahnung von der Welt der Tr�ume. Wir werden niemanden antreffen.� Dann drehte es ihr fast den Magen um, als pl�tzlich ein Mann mit blut�berstr�mtem Gesicht erschien und auf sie zu taumelte. Er hatte keine H�nde, und aus den St�mpfen spritzte Blut.</p><p>�Das hatte ich nicht im Sinn�, meinte Elayne kleinlaut.</p><p>�La� uns weitersuchen.� Nynaeve schlo� die Augen. Not.</p><p><emphasis>Verschiebung.</emphasis></p><p>Sie befanden sich in der Burg in einem der mit Wandteppichen geschm�ckten, kurvenreichen G�nge. Ein molliges M�dchen in Novizinnenkleidung tauchte mit einem Mal keine drei Schritt von ihnen entfernt aus dem Nichts auf. Sie ri� die gro�en Augen noch weiter auf, als sie ihrer ansichtig wurde. �Bitte�, wimmerte sie. �Bitte?� Und war verschwunden.</p><p>Pl�tzlich keuchte Elayne aufgeregt: �Egwene!�</p><p>Nynaeve wirbelte herum, doch der Gang war menschenleer.</p><p>�Ich habe sie gesehen�, beharrte Elayne. �Ganz bestimmt!�</p><p>�Ich denke, sie kann <emphasis>Tel'aran'rhiod</emphasis> wie jeder andere auf ganz normalem Weg ber�hren�, erkl�rte ihr Nynaeve. �La� uns damit weitermachen, weswegen wir hier hergekommen sind.� Sie f�hlte sich immer nerv�ser. Wieder gaben sie sich die H�nde. Not.</p><p><emphasis>Verschiebung.</emphasis></p><p>Es war kein gew�hnlicher Abstellraum. S�mtliche W�nde waren mit Regalbrettern beh�ngt, und zwei kurze Stellregale standen in der Mitte des Raums. Sauber angeordnet standen Reihen von Schachteln und K�sten verschiedenster Gr��en und Formen, einige davon beschnitzt oder lackiert, und darin lagen in Stoff geh�llte Gegenst�nde, dazu Skulpturen und Figurinen, eigenartige Gebilde, die anscheinend aus Metall oder Glas gefertigt waren, aus Kristall oder Stein oder glasiertem Porzellan. Nynaeve mu�te gar nicht mehr sehen, um zu wissen, da� es sich um Objekte handelte, die mit der Einen Macht zu tun hatten, h�chstwahrscheinlich <emphasis>Ter'Angreal,</emphasis> vielleicht auch einige <emphasis>Angreal</emphasis> und <emphasis>Sa'Angreal.</emphasis> Eine solche Sammlung der verschiedenartigsten Gegenst�nde, so sorgf�ltig eingepackt und aufbewahrt, und das mitten in der Burg, konnte aus nichts anderem bestehen.</p><p>�Ich glaube nicht, da� es einen Zweck hat, hier noch weiterzugehen�, sagte Elayne entt�uscht. �Ich wei� nicht, wie wir jemals etwas aus diesem Raum herausbekommen k�nnten.�</p><p>Nynaeve zupfte kurz an ihrem Zopf. Falls es hier wirklich etwas gab, was sie gebrauchen konnten � und daran bestand kein Zweifel, sofern die Weisen Frauen nicht gelogen hatten � dann mu�te es auch einen Weg geben, das in der wachenden Welt zu erreichen. <emphasis>Angreal</emphasis> und �hnliche Gegenst�nde wurden gew�hnlich nicht so streng bewacht. Als sie noch in der Burg wohnte, hatte man lediglich ein Schlo� an einer solchen T�r angebracht und eine Novizin davorgestellt Diese T�r hier bestand aus schweren Brettern mit einem m�chtigen schwarzen Eisenschlo�. Zweifellos war es abgeschlossen, aber im Geist stellte sie es sich unverschlossen und ge�ffnet vor.</p><p>Die T�r schwang auf, und dahinter erblickten sie einen Wachraum. An einer Wand standen schmale Stockbetten, an einer weiteren ein Gestell mit Hellebarden. Hinter einem schweren, abgewetzten Tisch, um den herum Hocker angeordnet waren, befand sich eine weitere, eisenbeschlagene T�r mit einem kleinen Gitter in Kopfh�he darin.</p><p>Als sie sich wieder Elayne zuwandte, wurde ihr mit einem Mal bewu�t, da� sich die T�r wieder geschlossen hatte. �Wenn wir hier nicht an das gelangen, was wir ben�tigen, dann vielleicht irgendwo anders. Ich meine, vielleicht wird etwas anderes dieselbe Wirkung haben. Wenigstens haben wir jetzt einen Hinweis bekommen. Ich glaube, das sind alles <emphasis>Ter'Angreal,</emphasis> bei denen noch niemand herausgefunden hat, wie man sie ben�tzt. Das ist der einzige vorstellbare Grund, warum man sie so bewacht. Es w�re gef�hrlich, in ihrer N�he die Macht zu gebrauchen.�</p><p>Elayne warf ihr einen verschmitzten Blick zu. �Aber wenn wir es erneut versuchen, wird es uns dann nicht genau zum gleichen Ort zur�ckbringen? Au�er ... au�er die Weisen Frauen h�tten dir eine Methode gezeigt wie man einen bestimmten Weg von der Suche ausschlie�t.�</p><p>Das hatten sie nicht. Sie hatten sich �berhaupt nicht darum gerissen, ihr etwas beizubringen. Doch an einem Ort, wo es gen�gte, sich ein Schlo� offen vorzustellen, damit es sich tats�chlich �ffnete, sollte alles m�glich sein. �Das ist genau das, was wir tun werden. Wir denken ganz fest daran, da� sich das, was wir suchen, nicht in Tar Valon befindet.� Sie blickte mit gefurchter Stirn die Regale an und f�gte hinzu: �Und ich wette, es handelt sich um einen <emphasis>Ter'Angreal,</emphasis> den niemand zu ben�tzen wei�.� Obwohl sie noch keine Ahnung hatte, wie dies den Saal davon �berzeugen k�nne, Rand zu unterst�tzen.</p><p>�Wir brauchen einen <emphasis>Ter'Angreal,</emphasis> der sich nicht in Tar Valon befindet�, sagte Elayne, als habe sie M�he, sich selbst von dieser Notwendigkeit zu �berzeugen. �Also gut. Gehen wir weiter.�</p><p>Sie streckte die H�nde aus, und einen Augenblick sp�ter ergriff Nynaeve sie. Nynaeve war sich nicht sicher, wieso ausgerechnet sie diejenige war, die auf einer Weitersuche bestand. Sie wollte weg aus Salidar, anstatt einen Grund zum Bleiben zu finden. Aber wenn sie auf diese Weise sicherstellen k�nnte, da� die Aes Sedai in Salidar Rand unterst�tzten...</p><p>Not. Ein <emphasis>Ter'Angreal.</emphasis> Nicht in Tar Valon. Brennende Notwendigkeit.</p><p><emphasis>Verschiebung.</emphasis></p><p>Wo sie sich auch befinden mochten, diese von der Morgend�mmerung erhellte Stadt war auf keinen Fall Tar Valon. Keine zwanzig Schritt entfernt verengte sich die breite Pflasterstra�e zu einer wei�en Steinbr�cke, an deren beiden Enden Statuen standen, die sich �ber einen mit Mauern eingefa�ten Kanal schwang. F�nfzig Schritt entfernt auf der anderen Seite befand sich eine weitere Br�cke. �berall standen schmale T�rmchen mit Rundbalkonen. Sie wirkten wie Spie�e, die man durch runde, kunstvoll gegossene Pralinen gesto�en hatte. Jedes Geb�ude war wei�. Die T�ren und Fenster wiesen hohe Spitzb�gen auf, manchmal sogar zwei oder drei B�gen �bereinander. An den gr��eren Geb�uden erblickten sie lange Balkone mit wei� angestrichenen schmiedeeisernen Gittern und kunstvoll durchbrochenen Eisenornamenten, hinter denen sich die Bewohner leicht verbergen konnten. Von dort aus mu�te man einen grandiosen Ausblick auf die Stra�en und Kan�le haben. Auch wei�e Kuppeln waren zu sehen, geschm�ckt mit roten oder goldenen Friesen, die oben genauso scharfe Spitzen hatten wie die T�rme.</p><p>Not. <emphasis>Verschiebung.</emphasis></p><p>Es konnte genausogut wiederum eine andere Stadt sein. Die Stra�e war eng und das Pflaster uneben. Zu beiden Seiten standen f�nf- oder sechsst�ckige Geb�ude, deren wei�er Verputz an vielen Stellen abgebr�ckelt war und den Blick auf die Backsteine freigab. Hier gab es keine Balkone. Fliegen summten umher, und es war schwierig festzustellen, ob es immer noch die Morgend�mmerung war, die lange Schatten auf den Boden warf.</p><p>Sie tauschten Blicke. Es schien unwahrscheinlich, da� sie hier einen <emphasis>Ter'Angreal</emphasis> finden w�rden, aber sie waren nun zu weit gekommen, um aufzugeben. Notwendigkeit.</p><p><emphasis>Verschiebung.</emphasis></p><p>Nynaeve mu�te niesen, bevor sie die Augen �ffnete, und dann noch einmal. Jedes Verschieben ihrer F��e wirbelte Staubwolken auf. Dieser Abstellraum glich absolut nicht jenem in der Burg. Truhen, Kisten und F�sser standen in dem engen Raum herum, waren wie auch immer aufeinanderget�rmt, so da� dazwischen kaum Platz verblieb, und �ber allem lag eine dicke Staubschicht. Nynaeve mu�te so stark niesen, da� sie das Gef�hl hatte, es z�ge ihr die Schuhe aus � und der Staub war verschwunden. Jedes bi�chen. Auf Elaynes Miene zeigte sich ein leichtes, selbstzufriedenes L�cheln. Nynaeve sagte nichts und stellte sich lediglich den Raum <emphasis>ohne</emphasis> Staub vor. Sie h�tte daran denken sollen.</p><p>Als sie das Durcheinander �berblickte, mu�te sie unwillk�rlich seufzen. Der Raum war nicht gr��er als jener, in dem ihre schlafenden K�rper in Salidar ruhten, aber dies alles zu durchsuchen... �Das wird Wochen dauern.�</p><p>�Wir k�nnten es noch einmal versuchen. Dann wissen wir wenigstens, womit wir es zu tun haben.� Bei Elayne klang das genauso zweifelnd, wie sich Nynaeve f�hlte.</p><p>Aber trotzdem war der Vorschlag genauso gut wie jeder andere. Nynaeve schlo� also die Augen, und erneut wurde jene <emphasis>Verschiebung</emphasis> sp�rbar.</p><p>Als sie sich umsah, stand sie am von der T�r entfernten Ende des schmalen Durchgangs vor einer h�fthohen h�lzernen Truhe, die aussah, als habe man sie mit Vorschlagh�mmern bearbeitet. Die Eisenbeschl�ge schienen nur noch aus Rost zu bestehen. Nynaeve konnte sich keinen unwahrscheinlicheren Aufbewahrungsort f�r etwas N�tzliches, besonders einen <emphasis>Ter'Angreal,</emphasis> vorstellen. Elayne stand neben ihr und sah die Truhe an.</p><p>Nynaeve legte eine Hand auf den Deckel � die Scharniere w�rden sich problemlos bewegen lassen �und hob ihn an. Sie h�rte noch nicht einmal die Andeutung eines Quietschens. Drinnen lagen zwei stark verrostete Schwerter und ein braun verf�rbter Brustharnisch mit einem gro�en Loch auf einem Durcheinander von in Lumpen geh�llten Paketen und einem Haufen von Unrat, der zum Teil von einer Kleiderpresse zum B�geln zu stammen schienen, zum Teil geradewegs aus einigen K�chen.</p><p>Elayne tastete nach einem kleinen Kessel mit abgebrochenem Schnabel. �Vielleicht nicht Wochen, aber zumindest den Rest der Nacht.�</p><p>�Noch einmal?� schlug Nynaeve vor. �Es kann nicht schaden.� Elayne zuckte die Achseln. Augen zu. Not.</p><p>Nynaeve streckte die Hand aus und sie ber�hrte etwas Hartes, Rundes, das in zerschlissenen Stoff geh�llt war. Als sie die Augen �ffnete, sah sie, da� Elaynes Hand neben der ihren ruhte. Das Grinsen der j�ngeren Frau war so breit, da� es ihr Gesicht in zwei H�lften zu teilen schien.</p><p>Es herauszuholen war nicht ganz einfach. Es war nicht klein, und sie mu�ten zerfledderte M�ntel und verbeulte T�pfe und Pakete beiseite r�umen, die in ihren H�nden zerfielen und Skulpturen, geschnitzte Tierfiguren und alle Arten von Schrott umh�llen. Sobald sie den Gegenstand freigelegt hatten, mu�ten sie ihn gemeinsam festhalten: eine breite, abgeflachte Scheibe, die in verrottetes Tuch geh�llt war. Als sie die H�lle beseitigt hatten, stellte es sich als eine flache Schale aus dickem Kristall heraus, die mehr als zwei Fu� im Durchmesser ma� und innen am tiefsten Punkt mit etwas wie quellenden Wolken graviert war.</p><p>�Nynaeve�, sagte Elayne bed�chtig, �ich glaube, das ist...�</p><p>Nynaeve fuhr zusammen und h�tte beinahe die Schale fallen gelassen, als diese sich pl�tzlich w��rig blau verf�rbte und sich die eingravierten Wolken langsam verschoben. Einen Herzschlag sp�ter war das Kristall wieder klar, und die Wolken standen still. Aber sie war sicher, da� sich die Wolken nicht mehr am gleichen Fleck befanden wie zuvor.</p><p>�Es ist einer�, rief Elayne. �Es ist ein <emphasis>Ter'Angreal</emphasis> Und ich verwette alles darauf, da� er mit dem Wetter zu tun hat. Aber ich bin nicht stark genug, um allein mit ihm zu arbeiten.�</p><p>Nynaeve sog erst einmal tief Luft ein und bem�hte sich, ihren Herzschlag zu beruhigen. �Mach das nicht! Ist dir nicht klar, da� du dich selbst ausbrennen k�nntest, wenn du mit einem <emphasis>Ter'Angreal</emphasis> arbeitest, von dem du nicht einmal wei�t, wozu er dient?�</p><p>Das t�richte M�dchen warf ihr doch tats�chlich einen �berraschten Blick zu. �Wir sind schlie�lich genau deshalb hierhergekommen, Nynaeve. Und glaubst du, es g�be irgend jemand, der mehr von <emphasis>Ter'Angreal</emphasis> versteht als ich?�</p><p>Nynaeve schnaubte. Nur weil die Frau recht hatte, hie� das nicht, da� man ihr nicht einen kleinen Warnschu� verpassen sollte. �Ich bestreite ja gar nicht, da� es wundervoll w�re, wenn dieses Ding hier etwas an dem Wetter �ndern k�nnte � bestimmt kann es das �, aber ich sehe nicht ein, was es uns n�tzen k�nnte. Das wird den Saal in bezug auf Rand und seine notwendige Unterst�tzung auch nicht weiter beeinflussen.�</p><p>�Was man braucht, ist nicht immer das, was man haben m�chte�, zitierte Elayne. �Lini hat das immer gesagt, wenn sie mich nicht zum Reiten weglie� oder wenn ich nicht auf B�ume klettern durfte, aber vielleicht kann man es auch hier anwenden.�</p><p>Nynaeve schnaubte erneut. Es mochte ja zutreffen, aber jetzt wollte sie einfach das haben, was sie w�nschte. War das zuviel verlangt?</p><p>Die Schale verblich in ihren H�nden, und nun war es an Elayne, �berrascht zusammenzufahren und zu murren, da� sie sich niemals daran gew�hnen werde. Auch die Truhe war wieder geschlossen.</p><p>�Nynaeve, als ich die Macht in diese Schale lenkte, sp�rte ich... Nynaeve, das ist nicht der einzige <emphasis>Ter'Angreal</emphasis> in diesem Raum. Ich glaube, es sind auch <emphasis>Angreal</emphasis> hier, vielleicht sogar <emphasis>Sa'Angreal.�</emphasis></p><p>�Hier?� fragte Nynaeve ungl�ubig und blickte sich in dem vollgestopften kleinen Raum um. Aber wenn schon einer da war, warum nicht auch zwei? Oder zehn, oder hundert? �Licht, benutze die Macht nicht noch einmal! Was geschieht, wenn du einen davon durch Zufall ausl�st? Du k�nntest durchaus...�</p><p>�Ich wei�, was ich tue, Nynaeve. Ganz bestimmt. Das n�chste, was <emphasis>wir</emphasis> tun m�ssen, ist, herauszufinden, wo genau sich dieser Raum befindet.�</p><p>Das stellte sich als nicht gerade leichte Aufgabe heraus. Obwohl die Scharniere festgerostet schienen, war die T�r kein Hindernis, nicht in <emphasis>Tel'aran'rhiod.</emphasis> Die Probleme kamen erst danach. Der d�stere, enge Korridor wies nur ein einziges kleines Fenster auf, und aus dem konnte man lediglich eine wei� gestrichene Wand, deren Putz bereits abbl�tterte, auf der anderen Stra�enseite erkennen. Es half auch nichts, da� sie steile und enge Wendeltreppen herunterstiegen. Die Stra�e war vielleicht die erste in diesem Stadtviertel, die sie zu Gesicht bekamen, wo sie sich auch befinden mochten, aber da alle Geb�ude sich so �hnlich sahen, konnten sie nicht einmal das mit Bestimmtheit sagen. �ber den winzigen L�den in der Stra�e hingen keine Schilder, und Schenken zeichneten sich lediglich durch blau gestrichene T�ren aus. Rot schien dagegen f�r Tavernen zu stehen.</p><p>Nynaeve machte sich auf die Suche nach einem Anhaltspunkt, um feststellen zu k�nnen, wo sie sich befanden. Etwas, das ihr den Namen dieser Stadt verriet. Jede Stra�e, durch die sie kam, erschien ihr genau wie die vorherige. Doch dann fand sie schnell eine Br�cke aus einfachem Naturstein und ohne die Statuen, die sie bei den anderen gesehen hatten. Unter dem Br�ckenbogen sah sie allerdings nur den Kanal, der sich in einiger Entfernung mit anderen kreuzte, sowie weitere Br�cken und noch mehr Geb�ude mit br�ckelndem, wei�en Verputz.</p><p>Pl�tzlich wurde ihr bewu�t, da� sie allein war. �Elayne.� Stille, bis auf das Echo ihrer eigenen Stimme. �Elayne? Elayne!�</p><p>Die Frau mit dem goldenen Haar erschien pl�tzlich an einer Ecke nahe dem Fu� der Br�cke. �Da bist du ja�, sagte Elayne. �Gegen diesen Ort wirkt ein Kaninchenbau sorgf�ltig geplant. Ich habe mich einen Augenblick lang umgedreht, und schon warst du weg. Hast du etwas gefunden?�</p><p>�Nichts.� Nynaeve blickte zu dem Kanal hinunter, bevor sie zu Elayne hinging. �Nichts, was uns weiterhelfen k�nnte.�</p><p>�Wenigstens k�nnen wir einigerma�en sicher sein, in welcher Stadt wir uns befinden: Ebou Dar. Es mu� so sein.� Aus Elaynes Kurzmantel und der Pumphose wurde ein gr�nes Abendkleid aus Seide mit reichlich Spitzen an den Manschetten, einem hohen, kunstvoll bestickten Kragen und einem so tiefen Ausschnitt, da� man ziemlich viel von ihrem Busen sah. �Ich kann mich an keine andere Stadt mit so vielen Kan�len erinnern au�er Illian, und das hier ist ganz bestimmt nicht Illian.�</p><p>�Ich hoffe nicht�, sagte Nynaeve mit schwacher Stimme. Es war ihr noch gar nicht in den Sinn gekommen, da� eine blinde Suche sie geradewegs in Sammaels Arme f�hren k�nnte. Auch ihr Kleid hatte sich ver�ndert, wie sie erst jetzt bemerkte, und zwar zu einem dunkelblauen Seidenkleid, wie man es f�r eine Reise anzog. Dazu trug sie einen leinenen Umhang, der gegen den Staub sch�tzte. Sie lie� den Umhang wieder verschwinden, den Rest aber so, wie er war.</p><p>�Ebou Dar w�rde dir gefallen, Nynaeve. Die weisen Frauen aus dieser Stadt wissen mehr �ber Kr�uter als irgend jemand sonst. Sie k�nnen alles damit heilen. Das ist auch bitter n�tig, denn die Ebou Dari duellieren sich schon eines Niesens wegen, ob Adlige oder Gemeine, M�nner oder Frauen.� Elayne kicherte. �Thom sagt, es habe hier Leoparden gegeben, aber sie h�tten die Gegend verlassen, weil sie unm�glich mit den Ebou Dari zusammenleben konnten.�</p><p>�Das ist alles sch�n und gut�, erwiderte Nynaeve, �aber sie k�nnen sich, was mich angeht, gern gegenseitig umbringen. Elayne, wir h�tten genausogut die Ringe weglegen und schlafen k�nnen. Ich k�nnte den Weg zur�ck zu diesem Raum nicht finden, und wenn sie mir die Stola daf�r anbieten w�rden. Wenn es nur eine M�glichkeit g�be, eine Karte zu zeichnen...� Sie verzog das Gesicht. Sie h�tte sich auch f�r die wachende Welt Fl�gel w�nschen k�nnen. K�nnten sie eine Karte aus <emphasis>Tel'aran'rhiod</emphasis> mitnehmen, w�re es auch m�glich, die Schale mitzuf�hren.</p><p>�Also m�ssen wir uns nach Ebou Dar begeben�, sagte Elayne entschlossen. �In der wirklichen Welt. Wenigstens wissen wir, in welchem Stadtteil wir suchen m�ssen.�</p><p>Nynaeves Miene erhellte sich. Ebou Dar lag nur ein paar hundert Meilen den Eldar hinab von Salidar entfernt. �Das mag ein sehr guter Vorschlag sein. Und wir k�nnen auch alles hinter uns lassen, bevor uns die Decke auf den Kopf f�llt.�</p><p>�Also wirklich, Nynaeve. Hast du immer noch nichts anderes im Sinn?�</p><p>�Es ist aber wichtig. F�llt dir noch irgend etwas ein, was wir hier erledigen k�nnen?� Elayne sch�ttelte den Kopf. �Dann gehen wir zur�ck. Ich h�tte gern heute nacht noch ein wenig geschlafen.� Sie konnten nicht feststellen, wieviel Zeit in der wachenden Welt vergangen war, w�hrend sie sich in <emphasis>Tel'aran'rhiod</emphasis> befanden. Manchmal entsprach eine Stunde hier auch einer Stunde dort, manchmal war aber auch ein Tag oder noch mehr vergangen. Gl�cklicherweise schien das andersherum nicht zu funktionieren, oder jedenfalls nicht in dem Ma�e, sonst w�re man wom�glich im Schlaf verhungert.</p><p>Nynaeve trat aus dem Traum heraus...</p><p>...und schlug die Augen auf. Sie erblickte ihr Kopfkissen, das genauso schwei�na� war wie sie selbst. Kein noch so geringer Lufthauch kam vom offenen Fenster her. �ber Salidar hatte sich Stille ausgebreitet. Das lauteste Ger�usch waren die d�nnen Schreie der Nachtreiher. Sie setzte sich auf und band die Kordel auf, die sie um den Hals trug. Dann nahm sie den verdrehten Steinring herunter und f�hlte kurz nach Lans dickem Goldring. Elayne bewegte sich und setzte sich g�hnend auf. Mit Hilfe der Macht entz�ndete sie einen Kerzenstummel.</p><p>�Glaubst du, es wird irgendwie helfen?� fragte Nynaeve leise.</p><p>�Ich wei� es nicht.� Elayne hielt inne und erstickte ein G�hnen hinter der vorgehaltenen Hand. Wie brachte es die Frau nur fertig, selbst beim G�hnen h�bsch auszusehen, obwohl ihr Haar durcheinander hing und sich ein roter Abdruck, der vom Saum des Kopfkissens �ber eine Wange zog? Das war ein Geheimnis, das die Aes Sedai einmal untersuchen sollten. �Was ich gewi� wei�, ist, da� diese Schale in der Lage ist, etwas an dem Wetter zu �ndern. Ich wei�, da� ein ganzes Arsenal von <emphasis>Ter'Angreal</emphasis> und <emphasis>Angreal</emphasis> in die richtigen H�nde kommen mu�. Es ist unsere Pflicht, sie dem Saal zu �bergeben. Jedenfalls Sheriam. Und ich wei�, wenn sie das nicht dazu bringt, Rand ihre Unterst�tzung zu gew�hren, werde ich weitersuchen und etwas anderes finden, das diesen Zweck erf�llt. Und ich wei�, da� ich jetzt schlafen m�chte. K�nnen wir uns am Morgen weiter dar�ber unterhalten?� Ohne auf eine Antwort zu warten, l�schte sie die Kerze, rollte sich wieder zusammen und atmete in tiefen, langen Z�gen, wie immer im Schlaf, kaum da� ihr Kopf das Kissen ber�hrte.</p><p>Nynaeve streckte sich wieder aus und starrte durch die Dunkelheit zur Decke empor. Wenigstens w�rden sie bald nach Ebou Dar aufbrechen. Vielleicht schon morgen. H�chstens ein oder zwei Tage, um sich auf die Reise vorzubereiten und einen Platz auf einem Flu�schiff zu bekommen. Wenigstens...</p><p>Pl�tzlich erinnerte sie sich an Theodrins Worte. Falls sie zwei Tage ben�tigten, um sich vorzubereiten, w�rde Theodrin sie auch mit zwei weiteren Sitzungen plagen, so sicher wie eine Ente Federn hatte. Und Theodrin erwartete, da� sie heute nacht nicht schlief. Es gab wohl keine M�glichkeit, sie zu �berwachen, aber...</p><p>Schwer seufzend kletterte sie aus dem Bett. Sie hatte nicht viel Platz, um herumzutigern, doch sie nutzte allen vorhandenen Platz und wurde mit jeder Minute zorniger. Alles, was sie wollte, war, von hier zu entkommen. Sie hatte gesagt, da� sie es nicht gut beherrsche, sich zu ergeben, aber vielleicht entwickelte sie allm�hlich die Kunst des Weglaufens. Es w�re so wunderbar, die Macht gebrauchen zu k�nnen, wann immer sie es w�nschte. Sie bemerkte nicht, da� ihr Tr�nen �ber die Wangen rannen.</p></section><section><title><p>14</p><p>Tr�ume und Alptr�ume</p></title><p>Beim Anblick von Nynaeve und Elayne trat Egwene nicht etwa aus dem Traum heraus, nein, sie sprang heraus. Nicht zu ihrem schlafenden K�rper nach Cairhien zur�ck � dazu war die Nacht noch zu jung � aber in eine ungeheuer ausgedehnte Schw�rze hinein, die mit blinkenden Stecknadelk�pfen aus Licht erf�llt war, einer viel gr��eren Anzahl davon, als es Sterne auch am klarsten Nachthimmel gab, doch jeder scharf umrissen und klar, soweit das Auge reichte. Das hei�t, wenn sie hier �berhaupt Augen besessen h�tte. K�rperlos schwebte sie in der Unendlichkeit zwischen <emphasis>Tel'aran'rhiod</emphasis> und der wachenden Welt, in jener engen L�cke zwischen Traum und Wirklichkeit.</p><p>H�tte sie hier ein Herz besessen, es h�tte wie wild geschlagen. Sie glaubte nicht, da� die beiden sie gesehen hatten, aber was, unter dem Licht, machten, sie <emphasis>hier,</emphasis> in einem Teil der Burg, der �berhaupt nichts Interessantes enthielt? Bei diesen n�chtlichen Erkundungsg�ngen mied sie sorgf�ltig jede N�he zum Arbeitszimmer der Amyrlin, zu den Quartieren der Novizinnen und sogar denen der Aufgenommenen. Es schien ihr, da� irgend jemand sich stets dort aufhielt, wenn nicht Nynaeve oder Elayne oder beide, dann jemand anders. Nat�rlich h�tte sie Nynaeve oder Elayne ansprechen k�nnen �sie konnten gewi� ein Geheimnis wahren � aber irgend etwas sagte ihr, sie solle davon Abstand nehmen. Sie hatte davon getr�umt, und jedesmal erschien es ihr wie ein Alptraum. Nicht die Art, bei der man schwei�gebadet erwachte, sondern eher diejenige, bei der man sich gequ�lt herumw�lzte. Diese anderen Frauen. War den Aes Sedai in Salidar klar, da� Fremde in der Wei�en Burg der Welt der Tr�ume wandelten? F�r sie zumindest waren es Fremde. Sollten sie das nicht wissen, hatte sie keine M�glichkeit, sie zu warnen. Jedenfalls keine, die sie anwenden durfte. Es war niederschmetternd!</p><p>Der riesige, sternen�bers�te Ozean der Dunkelheit wogte um sie, schien sich zu bewegen, w�hrend sie stillstand. Wie ein Fisch, der in diesem Meer zu Hause war, schwamm sie selbstsicher weiter. Sie mu�te genausowenig dabei denken wie der Fisch. Diese flackernden Lichter waren Tr�ume, alle Tr�ume aller Menschen auf der Welt. Menschen aller Welten, derer, die nicht ganz mit ihrer eigenen �bereinstimmten, und solcher, die v�llig anders und fremdartig waren. Verin Sedai hatte ihr zuerst von jenen erz�hlt, und die Weisen Frauen hatten ihre Existenz best�tigt. Und dann hatte auch sie selbst Derartiges gesehen, fl�chtige Blicke auf Dinge erhascht, die einfach nicht existieren konnten, nicht einmal im Traum. Keine Alptr�ume � die schienen immer in ein Rot oder Blau oder ein schummriges Grau wie in tiefe Schatten getaucht � jedoch erf�llt von unm�glichen Dingen. Es war besser, ihnen aus dem Weg zu gehen, denn ganz eindeutig pa�te sie nicht in diese Welten. Wenn sie in einen solchen Traum hineinsp�hte, war es, als sei sie pl�tzlich von Spiegelscherben umgeben, die um sie herumwirbelten, so da� es weder ein oben noch unten gab. Dann versp�rte sie den Wunsch, sich zu �bergeben, und wenn sie hier auch keinen Magen besa�, wartete doch einer auf sie, sobald sie in ihren K�rper zur�ckkehrte. Doch sich zu �bergeben war nicht gerade erstrebenswert, um aufzuwachen.</p><p>Sie hatte auf diese Weise ganz allein einiges gelernt und dem hinzugef�gt, was die Weisen Frauen sie gelehrt hatten, ja, sie war sogar Wege gegangen, die jene vor ihr versperrt h�tten. Und doch... Sie bezweifelte nicht, da� sie mehr, viel mehr in Erfahrung gebracht h�tte, wenn ihr eine Traumg�ngerin zur Seite st�nde. Sicher, sie h�tte ihr gesagt, dies sei noch zu gef�hrlich und jenes ganz verboten, aber ihr auch vorgeschlagen, was sie ebenfalls ausprobieren k�nne. Die einfachen Dinge, die leicht herauszufinden waren � nun gut, nicht ganz so leicht, das waren sie nie �, hatte sie l�ngst hinter sich gelassen und einen Punkt erreicht, von dem aus sie den n�chsten Schritt auch allein tun konnte, aber es waren Schritte, die von den Traumg�ngerinnen unter den Weisen Frauen schon vor langer Zeit unternommen worden waren. Wof�r sie einen Monat brauchte, um es aus eigener Kraft zu beherrschen, k�nnten sie ihr in einer Nacht, ja, in einer Stunde beibringen. Wenn sie entschieden, da� sie daf�r bereit sei. Vorher nicht. Das wurmte sie, denn alles, was sie wollte, war ja, zu lernen! Alles zu lernen. Jetzt gleich. Augenblicklich.</p><p>Ein Lichtp�nktchen sah genauso aus wie jedes andere, und doch hatte sie gelernt, eine Handvoll davon zu identifizieren. Dabei wu�te sie nicht einmal genau, wie ihr das m�glich war, und das war etwas, was ihr ungeheuer gegen den Strich ging. Selbst die Weisen Frauen hatten davon keine Ahnung. Und dennoch, sobald sie herausfand, welcher Traum zu welcher Person geh�rte, konnte sie deren Tr�ume k�nftig so sicher aufsp�ren wie ein Pfeil das Ziel, und wenn sie sich auch auf die andere Seite der Welt begaben. Dieses Licht dort war Berelain, die Erste von Mayene, die Frau, der Rand die F�hrung in Cairhien anvertraut hatte. Egwene f�hlte sich nicht sehr wohl, wenn sie in Berelains Tr�umen herumspionierte. F�r gew�hnlich unterschieden sie sich nicht von denen irgendeiner anderen Frau, oder zumindest einer Frau, die gleicherma�en an Macht, Politik und der neuesten Mode interessiert war, aber gelegentlich tr�umte Berelain von M�nnern, sogar von M�nnern, die Egwene kannte, und zwar auf eine Weise, da� Egwene sogar bei der blo�en Erinnerung daran err�tete.</p><p>Und dieses leicht ged�mpfte Gl�hen dort stand f�r Rand, der seine Tr�ume hinter einem Wachgewebe aus <emphasis>Saidin</emphasis> verbarg. Sie wollte schon verharren, denn es �rgerte sie, da� etwas, das sie weder sehen noch f�hlen konnte, sie dennoch wie eine Steinmauer zur�ckhielt, lie� es dann aber sein. Eine weitere nutzlos vertane Nacht wirkte nicht gerade verlockend auf sie.</p><p>Dieser Ort verzerrte die Entfernungen, wie <emphasis>Tel'aran'rhiod</emphasis> die Zeit verzerrte. Rand schlief in Caemlyn, falls er nicht in k�rzester Zeit nach Tear gereist war. Wie er das anstellte, h�tte sie auch nur zu gern gewu�t, aber ein wenig von seinem Traum entfernt entdeckte Egwene ein anderes Licht, das sie erkannte. Bair, in Cairhien, Hunderte von Wegstunden von Rand entfernt. Wo sich Rand auch aufhalten mochte, sie wu�te jedenfalls, da� er sich heute nacht nicht in Cairhien befand. Wie brachte er das nur fertig?</p><p>Das Lichtermeer huschte an ihr vorbei, als Egwene sich hastig vom Traum der Weisen Frau entfernte. H�tte sie auch Amys und Melaine gesehen, w�re sie nicht geflohen, doch wenn die beiden anderen Traumg�ngerinnen nicht schliefen und tr�umten, konnte es sein, da� auch sie gerade in Tr�umen wandelten. Eine von ihnen mochte sich sogar bei ihr selbst befinden, bereit, sich hineinzust�rzen und sie aus ihrem Traum zu rei�en, oder sie in den eigenen Traum mit hineinzuziehen. Sie bezweifelte, da� sie die anderen daran hindern konnte. Noch nicht jedenfalls. Sie w�re den anderen auf Gedeih und Verderb ausgeliefert, lediglich ein Teil <emphasis>ihres</emphasis> Traums. Innerhalb eines fremden Traums an sich selbst festzuhalten, war schon schwierig genug, wenn die tr�umende Person ein ganz gew�hnlicher Mensch war, der keine Ahnung davon hatte, was vorging. Es war aber auch nicht schwieriger als aus dem Traum zu entkommen, bevor diese Person aufh�rte, von ihr zu tr�umen, was unwahrscheinlich war. Meist wachte derjenige auf, wenn sie sich noch mitten in seinem oder ihrem Traum befand. Bei einer Traumg�ngerin, die genauso bewu�t tr�umte, wie sie sich in der wachenden Welt bewegte, war das unm�glich. Und das w�re in diesem Fall noch der angenehmste Teil an der Sache.</p><p>Langsam d�mmerte es ihr, da� sie sich t�richt benahm. Wegrennen n�tzte �berhaupt nichts. Falls Amys oder Melaine sie entdeckt hatten, w�rde sie sich bereits woanders befinden. Au�erdem konnte es sein, da� sie sich geradewegs auf die beiden zu bewegte. Das Vorbeihuschen der Lichter verlangsamte sich nicht allm�hlich, nein, es h�rte vollst�ndig auf und sie stand still. So war das nun einmal hier.</p><p>Beunruhigt �berlegte sie, was sie als n�chstes unternehmen sollte. Abgesehen davon, da� sie auf eigene Faust alles �ber <emphasis>Tel'aran'rhiod</emphasis> lernen wollte, was sie nur bew�ltigen konnte, war der wichtigste Zweck ihres Aufenthalts, ein wenig �ber die Geschehnisse der wachenden Welt herauszufinden. Es gab Zeiten, da es ihr schien, die Weisen Frauen w�rden ihr nicht einmal mitteilen, ob die Sonne am Himmel stand. Sie mu�te alles selbst herausbekommen. Sie meinten immer, sie solle sich nicht aufregen. Doch wie konnte sie das vermeiden, wenn sie st�ndig dar�ber nachgr�belte, was sie alles nicht wu�te? Das hatte sie zumindest in der Wei�en Burg vorgehabt: ein paar Andeutungen aufschnappen, was Elaida beabsichtigte. Und Alviarin. Andeutungen waren noch das einzige, was sie hatte aufsp�ren k�nnen, und auch davon gab es nur wenige. Sie ha�te Ungewi�heit; nichts zu wissen war, als sei man blind und taub zugleich.</p><p>Nun ja, die Burg durfte sie jetzt auch von ihrer Liste streichen, da sie nicht mehr sicher sein konnte, in welchen Teilen sie unentdeckt bleiben werde. Den Rest von Tar Valon hatte sie bereits gestrichen, und zwar nach dem vierten Zusammentreffen mit einer Frau mit kupferfarbenem Teint. Sie war beinahe �ber die andere gestolpert, die zufrieden nickend vor einem Stall stand, der frisch in Blau gestrichen worden zu sein schien. Wer sie auch sein mochte, durch Zufall und einen kurzen Traum war sie jedenfalls nicht nach <emphasis>Tel'aran'rhiod</emphasis> geraten. Sie verschwand nicht wie ein fl�chtiger Tr�umer, und sie schien aus feinem Dunst zu bestehen. Offensichtlich ben�tzte sie einen <emphasis>Ter'Angreal,</emphasis> und das bedeutete, da� sie mit gro�er Wahrscheinlichkeit eine Aes Sedai war. Egwene kannte nur einen einzigen <emphasis>Ter'Angreal,</emphasis> mit dessen Hilfe man die Welt der Tr�ume betreten konnte, ohne die Macht zu ben�tzen, und der war in Nynaeves und Elaynes Besitz. Die gertenschlanke Frau konnte allerdings noch nicht lange zu den Aes Sedai geh�ren. Sie war sehr sch�n, trug ein aufreizend durchscheinendes Kleid und schien etwa gleich alt wie Nynaeve zu sein. Die typische Alterslosigkeit zeigte sich bei ihr noch nicht.</p><p>Egwene h�tte versuchen k�nnen, sie zu verfolgen, da sie m�glicherweise zu den Schwarzen Ajah geh�rte, denn die hatten <emphasis>Ter'Angreal</emphasis> zum Tr�umen gestohlen. Aber wenn sie das Risiko recht bedachte, entdeckt, vielleicht sogar gefangen zu werden, obwohl sie nicht einmal irgend jemandem mitteilen konnte, was sie herausgefunden hatte, jedenfalls nicht vor ihrem n�chsten offiziellen Gespr�ch mit Nynaeve und Elayne ... oder falls sie etwas derart Schlimmes entdeckte, da� jede es erfahren mu�te... Schlie�lich gingen die Schwarzen Ajah in erster Linie die Aes Sedai etwas an, ganz abgesehen davon, da� es noch weitere Gr�nde gab, ihre Geheimnisse zu wahren. Sie hatte gar keine andere Wahl.</p><p>Geistesabwesend betrachtete sie die n�chstgelegenen Lichtpunkte in der Schw�rze. Sie erkannte keinen davon. Sie schwebten v�llig unbeweglich in der Dunkelheit schimmernde Sterne, die in klarem, schwarzem Eis eingefroren waren.</p><p>In letzter Zeit trieben sich f�r ihren Geschmack zu viele Fremde in der Welt der Tr�ume herum. Eigentlich nur zwei, aber das waren eben zwei zuviel. Die Frau mit dem kupferfarbenen Teint und eine weitere, eine st�mmige, h�bsche Frau, die zielbewu�t einherschritt, mit blauen Augen und Entschlossenheit in den Z�gen. Die entschlossene Frau � so nannte Egwene sie �mu�te wohl in der Lage sein, <emphasis>Tel'aran'rhiod</emphasis> aus eigener Kraft zu betreten, denn sie schien aus fester Materie zu bestehen und nicht wie aus Dunst geschnitten, und wer sie auch sein mochte, welcher Grund sie auch hierherf�hren mochte, sie befand sich �fter in der Burg als Nynaeve und Elayne und Sheriam und der ganze Rest zusammengenommen. �berall tauchte sie auf. Au�er in der Burg hatte sie Egwene beinahe bei ihrem letzten Abstecher nach Tear erwischt. Nat�rlich nicht in einer Nacht, f�r die ein Treffen angesetzt war. Die Frau war durch das Herz des Steins stolziert und hatte zornige Selbstgespr�che gef�hrt. Und sie hatte sich bei Egwenes letzten <emphasis>beiden</emphasis> Abstechern ebenfalls in Caemlyn befunden.</p><p>Da� diese Frau den Schwarzen Ajah angeh�rte, war ebensogut m�glich wie bei der anderen, aber sie konnten nat�rlich auch aus Salidar kommen. Eine, oder auch beide. Egwene hatte sie allerdings noch nie zusammen gesehen oder in Gesellschaft einer anderen aus Salidar. Theoretisch konnten beide auch aus der Burg selbst kommen. Die Spaltung dort war so verworren, da� sehr wohl die eine Seite die andere ausspionieren w�rde. Fr�her oder sp�ter w�rden die Aes Sedai der Burg ohnehin von <emphasis>Tel'aran'rhiod</emphasis> erfahren, falls das nicht sowieso schon der Fall gewesen war. Diese beiden Fremden brachten nur endlose Fragen, die unbeantwortet blieben. Egwene blieb nur eines �brig, n�mlich, beide zu meiden.</p><p>Nat�rlich bem�hte sie sich in letzter Zeit, alle zu meiden, die sich in der Welt der Tr�ume aufhielten. Sie hatte sich angew�hnt, sich h�ufig umzublicken, weil sie glaubte, jemand schleiche sich hinter ihr an, oder auch Dinge zu sehen, die gar nicht da waren. Sie glaubte, aus den Augenwinkeln Blicke auf Rand, Perrin und sogar Lan erhascht zu haben. Selbstverst�ndlich bildete sie sich das nur ein, oder sie hatte durch puren Zufall ihre Tr�ume einen Augenblick lang ber�hrt, aber sie f�hlte sich dadurch so nerv�s wie eine Katze im Hundezwinger.</p><p>Sie runzelte die Stirn � oder besser: sie h�tte das getan, h�tte sie ein Gesicht besessen. Eines dieser Lichter sah aus wie... Es kam ihr eigentlich gar nicht bekannt vor; sie erkannte es wirklich nicht. Aber es schien ... sie anzulocken. Wohin sie auch blickte, nach ein paar Momenten kehrte ihr Blick zu jenem glitzernden Punkt zur�ck.</p><p>Vielleicht sollte sie erneut versuchen, Salidar zu finden. Das h�tte aber bedeutet, da� sie darauf warten mu�te, bis Nynaeve und Elayne <emphasis>Tel'aran'rhiod</emphasis> verlassen hatten. Deren Tr�ume erkannte sie nat�rlich sofort � sie konnte sie im Schlaf finden, wie sie unter lautlosem Kichern feststellte. Doch ein Dutzend Versuche, Salidar zu finden, hatte bisher genau die gleichen Resultate erbracht wie ihr Bem�hen, das Wachgewebe um Rands Tr�ume zu durchdringen. Entfernungen und Position hier hatten absolut nichts mit denen der wachenden Welt zu tun. Amys behauptete sogar, hier gebe es weder Entfernung noch Position. Andererseits konnte sie genausogut...</p><p>�berraschenderweise begann mit einem Mal der Lichtpunkt, der ihren Blick immer wieder anzog, auf sie zuzutreiben. Er schwoll an, und was zuerst ein ferner Stern gewesen war, wurde nun zu einem wei�en Vollmond. Ein Funken der Angst keimte in ihr auf. Einen Traum zu ber�hren und hineinzusp�hen war einfach � wie ein Finger das Wasser so leicht ber�hrt, da� das Wasser am Finger haftet aber die Oberfl�che nicht bewegt wird � doch das alles richtete sich nach ihrem freien Willen. Eine Traumg�ngerin suchte sich den Traum aus, nicht umgekehrt. Sie befahl in Gedanken dem Traum, sich wegzubegeben, stellte sich die stern�bers�te Schw�rze wieder in Bewegung vor. Doch nur dieses eine Licht r�hrte sich und dehnte sich so aus, da� ihr gesamtes Gesichtsfeld von wei�em Licht erf�llt wurde. Verzweifelt versuchte sie, sich loszurei�en. Wei�es Licht. Nichts als wei�es Licht, das sie in sich aufnahm...</p><p>Sie blinzelte und sah sich erstaunt um. Ein ganzer Wald m�chtiger wei�er S�ulen erstreckte sich um sie. Die meisten erschienen ihr verschwommen, undeutlich, besonders die am weitesten entfernten, aber eines konnte sie ganz deutlich erkennen: Gawyn, der �ber den wei� gefliesten Fu�boden auf sie zu schritt. Er trug einen einfachen gr�nen Rock, und auf seiner Miene mischten sich Angst und Erleichterung. Jedenfalls war es ann�hernd Gawyns Gesicht. Gawyn sah vielleicht nicht so blendend aus wie sein Halbbruder Galad, doch er war trotzdem ein sehr gut aussehender Mann. Aber dieses Gesicht kam ihr ... gew�hnlich vor. Sie versuchte, sich zu bewegen, konnte es aber nicht, jedenfalls nicht nennenswert Ihr R�cken ber�hrte eine der S�ulen, und ihre Handgelenke wurden von Ketten hoch �ber ihrem Kopf festgehalten.</p><p>Das mu�te Gawyns Traum sein. Unter all diesen ungez�hlten Lichtpunkten hatte sie ausgerechnet bei seinem Traum haltgemacht. Und war irgendwie hineingezogen worden. Wie � diese Frage mu�te sie sich f�r sp�ter aufheben. Jetzt wollte sie vor allem wissen, wieso er davon tr�umte, sie gefangenzuhalten. Energisch hielt sie sich an die Wahrheit, die in ihrem Gehirn schlummerte. Dies war ein Traum, der Traum eines anderen Menschen. Sie war immer noch sie selbst und nicht, was er in ihr sehen wollte. Nichts hier konnte ihr wahres Ich ber�hren. Diese Wahrheiten wiederholte sie wie ein Gebet in ihrem Kopf. Das machte es ihr wohl schwer, an etwas anderes zu denken, aber solange sie daran mit aller Macht festhielt, konnte sie es riskieren, hier zu verweilen. Wenigstens solange, bis sie herausfand, welche eigenartigen Zwangsvorstellungen diesem Mann im Kopf herumspukten. Sie gefangenzuhalten!</p><p>Mit einem Mal erbl�hte eine m�chtige Flammenfont�ne �ber den Fliesen, und bei�ender, gelber Qualm stieg empor. Rand trat aus diesem Inferno heraus, ganz in goldbesticktes Rot gekleidet, wie es einem K�nig geb�hrte. Er stand Gawyn gegen�ber, und Feuer und Qualm verblichen. Nur sah er kaum wie der echte Rand aus. Der wirkliche Rand war etwa genauso gro� und breit wie Gawyn, w�hrend dieses Traumbild Gawyn um einen Kopf �berragte. Das Gesicht erinnerte nur vage an Rand, war gr�ber und h�rter, als es sein sollte, das kalte Gesicht eines M�rders. Dieser Mann verzog h�hnisch den Mund. �Du wirst sie nicht bekommen�, stie� er hervor.</p><p>�Du wirst sie nicht behalten�, erwiderte Gawyn ruhig, und pl�tzlich hielten beide M�nner Schwerter in den H�nden.</p><p>Egwene starrte die Szene mit aufgerissenen Augen an. Nicht Gawyn war es, der sie gefangenhielt. Er tr�umte davon, sie zu befreien! Aus Rands Gefangenschaft! Es war Zeit, diesen Wahnsinn hinter sich zu lassen. Sie konzentrierte sich darauf, <emphasis>drau�en</emphasis> zu sein und dies von <emphasis>au�en</emphasis> her zu betrachten. Nichts geschah.</p><p>Die Schwerter klirrten aufeinander, und die beiden M�nner tanzten einen t�dlichen Tanz. T�dlich jedenfalls, w�re es nicht ein Traum gewesen. Es war alles Unsinn. Ausgerechnet von einem Duell mit Schwertern zu tr�umen. Und es war kein Alptraum; alles wirkte echt vielleicht ein wenig verschwommen, aber keineswegs verf�rbt. �Die Tr�ume eines Mannes stellen ein Labyrinth dar, das auch er selbst nicht kennt�, hatte Bair ihr einmal gesagt.</p><p>Egwene schlo� die Augen und konzentrierte sich ganz stark. Drau�en. Sie befand sich drau�en und blickte hinein. Kein Platz f�r etwas anderes in ihrem Geist. Drau�en, und hineinblicken. Drau�en, hineinblicken. Drau�en!</p><p>Sie �ffnete erneut die Augen. Der Kampf strebte seinem H�hepunkt zu. Gawyns Klinge fuhr tief in Rands Brust, und als Rand zusammenbrach, glitt die Klinge wieder heraus und vollf�hrte einen schimmernden Halbkreis. Rands Kopf purzelte �ber den Fu�boden beinahe vor ihre F��e. Er blieb liegen, so da� seine Augen zu ihr aufblickten. Ein Schrei stieg bis in ihre Kehle auf, ein Schrei, den sie nicht unterdr�cken konnte. Ein Traum. Lediglich ein Traum. Doch diese starren, toten Augen erschienen sehr real.</p><p>Dann stand Gawyn vor ihr, und sein Schwert steckte wieder in der Scheide. Rands Kopf und K�rper waren verschwunden. Gawyn fa�te nach den Handschellen, die sie festhielten, und dann waren auch diese nicht mehr vorhanden.</p><p>�Ich wu�te, du w�rdest kommen�, hauchte sie und fuhr dabei zusammen. Sie war sie selbst! Sie konnte dem Traum nicht nachgeben, nicht einen Augenblick lang, sonst s��e sie wirklich und wahrhaftig in der Falle.</p><p>L�chelnd nahm Gawyn sie auf seine Arme. �Ich bin froh, da� du es gewu�t hast�, sagte er. �Ich w�re fr�her gekommen, aber es war mir nicht m�glich. Ich h�tte dich niemals so lange in dieser Gefahr zur�cklassen sollen. Kannst du mir verzeihen?�</p><p>�Ich kann dir alles verzeihen.� Es gab jetzt zwei Egwenes. Eine schmiegte sich zufrieden in Gawyns Arme, w�hrend er sie durch den Korridor eines Palastes trug, dessen W�nde mit bunten Wandbeh�ngen und gro�en Spiegeln mit herrlich verzierten Goldrahmen geschm�ckt waren. Die andere ritt im Kopf der ersten mit und beobachtete.</p><p>Das wurde langsam ernst. So sehr sie sich auch darauf konzentrierte, sich wieder drau�en zu befinden, verblieb sie doch hier und beobachtete alles durch die Augen einer anderen Egwene. Schleunigst unterdr�ckte sie alle Neugier auf das, was Gawyn in bezug auf sie tr�umte. Diese Art von Anteilnahme war gef�hrlich. Sie str�ubte sich gegen diesen Traum! Und doch �nderte sich nichts.</p><p>Der Korridor erschien ihr beinahe real, als sie ihn betrachtete, obwohl alles, was sie aus den Augenwinkeln sah, leicht verschwommen blieb. Ihr eigenes Spiegelbild erregte ihre Aufmerksamkeit. Sie h�tte sich gern umgedreht, um es zu betrachten, als sie vorbeikamen, doch sie war nur ein Passagier im Kopf der Frau aus Gawyns Traum. Sie war die Frau, deren Spiegelbild sie einen Moment lang gesehen hatte. Es gab keinen Zug an diesem Gesicht, auf den sie h�tte deuten k�nnen und behaupten, er wiche von ihrem echten Gesicht ab. Trotzdem ergab das Ganze einen Eindruck... Sch�n, so konnte man sagen. Erstaunlich sch�n! Sah Gawyn sie etwa so?</p><p>Nein! Keine Neugier! Drau�en!</p><p>Von einem Schritt zum n�chsten wurde aus dem Korridor der von Blumen �bers�te Abhang eines H�gels. Eine sanfte Brise trug ihr den starken Duft der Bl�ten zu. Die wirkliche Egwene fuhr innerlich zusammen. Hatte sie diese �nderung zuwege gebracht? Die Schranke zwischen ihr und der anderen wurde schw�cher. Zornig konzentrierte sie sich erneut. Es war nicht wirklich; sie weigerte sich, dies alles als Wirklichkeit anzuerkennen; sie war sie selbst. Drau�en. Sie wollte nach drau�en und lediglich hineinblicken.</p><p>Sanft legte Gawyn sie auf einen ausgebreiteten Umhang inmitten der Blumen, <emphasis>so,</emphasis> wie man es sich ertr�umt. Er kniete neben ihr nieder, strich ihr eine Haarstr�hne von der Wange und streichelte mit seinen Fingerspitzen weiter bis zu ihrem Mundwinkel. Sich auf etwas zu konzentrieren, fiel ihr sehr schwer. Sie beherrschte wohl den K�rper nicht, in dem sie zu Gast war, doch sie teilte seine Gef�hle, und seine Fingerspitzen schienen beinahe Funken in ihr auszul�sen.</p><p>�Mein Herz ist dein�, murmelte er leise, �meine Seele, alles von mir.� Sein Mantel war scharlachrot und kunstvoll mit goldenen Bl�ttern und silbernen L�wen bestickt. Er gestikulierte auf grandiose Weise, wobei er seinen Kopf oder seine Brust ber�hrte. �Wenn ich an dich denke, ist kein Platz mehr f�r andere Gedanken. Dein Duft erf�llt mein Gehirn und bringt mein Blut zum Wallen. Mein Herz h�mmert so, da� ich nicht h�ren w�rde, wenn die ganze Welt sich spaltete. Du bist meine Sonne und mein Mond und meine Sterne, mein Himmel und meine Erde, kostbarer f�r mich als das Leben oder der Atem oder...� Mit einem Mal hielt er inne und verzog das Gesicht. �Du klingst wie ein Narr�, knurrte er in sich hinein.</p><p>Egwene h�tte ihm widersprochen, h�tte sie ihre Stimmb�nder unter Kontrolle gehabt Es war so sch�n, all dies zu h�ren, auch wenn alles ein wenig �bertrieben war. Nur ein wenig.</p><p>Als er das Gesicht verzog, sp�rte sie eine Lockerung, aber <emphasis>schnipp.</emphasis></p><p>Sanft legte Gawyn sie auf einen ausgebreiteten Umhang inmitten der Blumen, so, wie man es sich ertr�umt. Er kniete neben ihr nieder, strich ihr eine Haarstr�hne von der Wange und streichelte mit seinen Fingerspitzen weiter bis zu ihrem Mundwinkel. Sie beherrschte wohl den K�rper nicht, in dem sie zu Gast war, doch sie teilte seine Gef�hle, und seine Fingerspitzen schienen beinahe Funken in ihr auszul�sen.</p><p>Nein! Sie konnte es nicht zulassen, da� sie ein Teil seines Traums blieb!</p><p>Sein Gesicht war ein Abbild des Schmerzes, sein Mantel n�chtern grau. Seine zu F�usten geballten H�nde hatte er auf die Knie gelegt. �Ich habe kein Recht, so mit dir zu sprechen, wie ich m�chte�, sagte er f�rmlich. �Mein Bruder liebt dich. Ich wei�, da� sich Galad vor Angst um dich verzehrt. Nicht zuletzt deswegen ist er ein Wei�mantel, weil er glaubt, die Aes Sedai h�tten dich mi�braucht. Ich wei�, da� er...� Gawyn schlo� gequ�lt die Augen. �Oh, Licht, hilf mir!� st�hnte er.</p><p><emphasis>Schnipp.</emphasis></p><p>Sanft legte Gawyn sie auf einen ausgebreiteten Umhang inmitten der Blumen, so, wie man es sich ertr�umt. Er kniete neben ihr nieder, strich ihr eine Haarstr�hne von der Wange und streichelte mit den Fingerspitzen weiter bis zu ihrem Mundwinkel.</p><p>Nein! So verlor sie das letzte bi�chen Kontrolle �ber die Lage! Sie mu�te entfliehen! <emphasis>Wovor hast du eigentlich Angst?</emphasis> Sie konnte nicht mehr entscheiden, ob das ihr eigener Gedanke gewesen war oder der jener anderen Egwene. Die Schranke zwischen ihnen bestand nur noch aus einem Schleier. <emphasis>Das ist Gawyn. Gawyn.</emphasis></p><p>�Ich liebe dich�, sagte er z�gernd. Er hatte nun wieder den gr�nen Mantel an und sah nicht ganz so gut aus wie in Wirklichkeit. Er zupfte an einem der Kn�pfe, bevor er die Hand wieder fallen lie�. Er sah sie an, als f�rchte er sich vor dem, was er auf ihrer Miene entdecken k�nnte. Wohl verbarg er die Furcht, aber nicht sehr gut. �Ich habe das noch nie zu einer Frau gesagt, noch niemals auch nur sagen wollen. Du hast keine Ahnung, wie schwer es mir f�llt, dir das zu sagen. Nicht, da� ich es gar nicht wollte�, f�gte er hastig hinzu, wobei er eine Hand nach ihr ausstreckte, �aber es auszusprechen, und das ohne jede Ermutigung, ist so, als schleuderte ich mein Schwert weg und entbl��te meine Brust dem Todessto�. Nicht, da� ich ernsthaft glaubte, du k�nntest... Licht! Ich kriege das einfach nicht heraus. Gibt es einen Hoffnungsschimmer, da� du ... vielleicht ... mit der Zeit ... irgendein Gef�hl ... f�r mich ... empfinden k�nntest? Etwas ... mehr als Freundschaft?�</p><p>�Du s��er Idiot!� Sie lachte leise. �Ich liebe dich.� <emphasis>Ich liebe dich</emphasis> warf ein Echo durch den Teil von ihr, der wirklich sie selbst war. Sie sp�rte, wie sich die Schranke aufl�ste, hatte einen Augenblick, um zu erkennen, da� es ihr gleich war, und dann gab es nur noch eine Egwene, eine Egwene, die �bergl�cklich die Arme um Gawyn schlo�.</p><p>Nynaeve sa� im tr�ben Mondschein auf dem Hocker, hob die Hand vor den Mund, um ein G�hnen zu unterdr�cken und blinzelte mit Augen, die ein Gef�hl erweckten, als habe jemand Sand hineingestreut. Das mu�te einfach klappen, jawohl! Sie w�rde einschlafen, w�hrend sie noch Theodrin guten Morgen sagte, wenn nicht schon fr�her. Ihr Kinn sank herab, und sie ri� sich gewaltsam zusammen und sprang auf. Der Hocker war ihr bereits wie ein Stein vorgekommen, weil ihr Hinterteil v�llig gef�hllos geworden war, aber anscheinend reichte das auch nicht mehr aus. Vielleicht half ein kleiner Spaziergang? Mit ausgestreckten Armen tastete sie sich zur T�r.</p><p>Pl�tzlich wurde die Nacht von einem fernen Schrei zerrissen, und gleichzeitig schlug der Hocker so hart gegen ihren R�cken, da� sie mit einem �berraschten Aufschrei gegen die rauhe T�r prallte. Wie bet�ubt starrte sie den Hocker an, der nun umgekippt auf dem Boden lag. Eines der Beine stand schief weg.</p><p>�Was ist los?� rief Elayne und scho� auf dem Bett hoch.</p><p>Weitere Aufschreie und Rufe erschollen in Salidar, einige davon innerhalb des Hauses, in dem sie wohnten, und dazu war ein leichtes Rumpeln und Klappern h�rbar, das von �berall her gleichzeitig zu kommen schien. Nynaeves verlassenes Bett ratterte und rutschte dann einen Fu� weit �ber den Boden. Elaynes Bett b�umte sich auf und warf sie beinahe ab.</p><p>�Eine Blase des B�sen.� Nynaeve war selbst �berrascht, wie k�hl und sachlich ihre Stimme klang. Es hatte keinerlei Zweck, wild herumzurennen und mit den Armen zu fuchteln, obwohl sie innerlich genau das tat. �Wir m�ssen alle aufwecken, die noch schlafen.� Ihr war unverst�ndlich, wie jemand bei diesem L�rm schlafen k�nne, aber diejenigen, die das fertigbrachten, w�rden m�glicherweise sterben, bevor sie zu Bewu�tsein kamen.</p><p>Sie wartete nicht auf eine Antwort, sondern eilte hinaus und ri� die n�chste T�r am Flur auf. Dann duckte sie sich, als eine wei�e Waschsch�ssel genau dorthin flog, wo sich ihr Kopf einen Augenblick vorher befunden hatte, und anschlie�end an der Wand hinter ihr zersplitterte. Vier Frauen teilten sich dieses Zimmer und schliefen in zwei Betten, die ein wenig breiter waren als ihr eigenes. Nun lag ein Bett mit den F��en nach oben da, und zwei Frauen bem�hten sich, darunter hervorzukrabbeln. Auf dem anderen zuckten Emara und Ronelle, eine weitere Aufgenommene, wild umher und gaben erstickte Laute von sich. Ihr eigenes Bettuch hatte sich eng um sie geschlungen.</p><p>Nynaeve packte die erste Frau, die sie unter dem umgest�rzten Bett hervorziehen konnte � eine hagere Dienerin namens Mulinda, die mit offenem Mund gaffte �, und schubste sie in Richtung der T�r. �Geht! Weckt alle im Haus, die noch schlafen und helft jeder, der ihr helfen k�nnt! Geht!� Mulinda stolperte hinaus, w�hrend Nynaeve ihre zitternde Bettgenossin auf die Beine zerrte. �Helft mir, Satina. Helft mir, Emara und Ronelle zu befreien.�</p><p>Sie zitterte leicht, aber die mollige Frau nickte und machte sich energisch ans Werk. Es ging nat�rlich nicht nur darum, ein Bettuch aufzuwickeln, es schien ein Eigenleben zu besitzen, wie eine Ranke, die sich solange zusammenzieht, bis das erdr�ckt ist, was sich darin befindet. Nynaeve und Satina konnten es gemeinsam kaum von den Kehlen der beiden Frauen wegrei�en. Dann hob sich der Krug vom Waschtisch und krachte an die Decke. Satina zuckte zusammen und lie� los, und das Bettuch schnellte aus Nynaeves H�nden, geradewegs wieder an die Kehlen der beiden Frauen. Deren Kampfkraft lie� langsam nach. Die eine gab ein Rasseln in der Kehle von sich, w�hrend von der anderen nichts mehr zu h�ren war. Selbst im schwachen Mondschein, der durch das ge�ffnete Fenster fiel, erschienen ihre Gesichter verschwollen und dunkel angelaufen.</p><p>Nynaeve packte das Bettuch mit beiden H�nden, �ffnete sich <emphasis>Saidar</emphasis> und erreichte nichts. <emphasis>Ich �ffne mich dir, verdammt! Ich �ffne mich! Ich brauche die Macht!</emphasis> Nichts. Das Bett schrammte an ihre Knie und Satina quiekte auf. �Steht nicht so herum!� fauchte Nynaeve. �Helft mir!�</p><p>Schlagartig ri� sich das Bettuch wieder aus ihrem Griff los, doch anstatt sich wieder um Emara und Ronelle zu wickeln, zog es so stark in die entgegengesetzte Richtung, da� sie �bereinander purzelten. Es wickelte sich so schnell auf, da� das Auge der Bewegung kaum folgen konnte. Nynaeve bemerkte, da� Elayne in der offenen T�r stand; sie schlo� den Mund, da� ihre Z�hne aufeinanderschlugen. Das Bettuch hing nun an der Decke. Die Macht. Nat�rlich.</p><p>�Alle sind wach�, sagte Elayne und reichte ihr einen Umhang. Sie hatte sich bereits etwas �ber das d�nne Nachthemd angezogen. �Ein paar Schwellungen und Schrammen, ein oder zwei schlimmere Schnittverletzungen, nach denen wir sehen m�ssen, wenn wir Zeit haben. Ich denke, <emphasis>jede</emphasis> wird in den n�chsten paar Tagen Alptr�ume haben, aber das ist in etwa alles. Hier jedenfalls.� Immer noch durchschnitten Schreie und Rufe die Nacht. Satina fuhr noch einmal zusammen, als Elayne das Bettuch fallen lie�, aber es lag schlicht auf dem Boden. Allerdings r�hrte sich das umgest�rzte Bett wieder mit einem Knarren. Elayne beugte sich �ber die �chzenden Frauen auf dem anderen Bett. �Ich glaube, ihnen ist nur schlecht. Satina, helft mir bitte, sie auf die Beine zu bringen.�</p><p>Nynaeve blickte finster den Umhang in ihrer Hand an. Klar, da� ihnen schwindlig und schlecht war, so, wie sie herumgebeutelt worden waren. Licht, sie war doch vollkommen nutzlos. Hereinzust�rmen und das Kommando zu �bernehmen. Ohne die Macht konnte sie niemandem nutzen.</p><p>�Nynaeve, w�rdest du mir helfen?� Elayne hielt eine wankende Emara aufrecht, w�hrend Satina Ronelle mehr oder weniger zur T�r schleppte. �Ich glaube, Emara wird sich gleich �bergeben, und das besser drau�en. Die Nachtt�pfe d�rften alle kaputt sein,� Dem Geruch nach hatte sie recht. Tonscherben scharrten �ber den Boden in dem Versuch, unter dem umgest�rzten Bert hervorzurutschen.</p><p>Nynaeve steckte �rgerlich die Arme durch die Aussparungen im Umhang. Mittlerweile konnte sie die Wahre Quelle f�hlen, ein warmes Gl�hen knapp au�erhalb ihres Gesichtsfeldes, aber sie mi�achtete das absichtlich. Sie war jahrelang ohne die Macht ausgekommen, also w�rde sie auch jetzt ohne sie auskommen. Sie zog sich Emaras freien Arm �ber die Schulter und half dabei, die st�hnende Frau in Richtung des Ausgangs zur Stra�e zu fuhren. Sie schafften es beinahe.</p><p>Als sie schlie�lich drau�en waren und sie Emaras Gesicht abgewischt hatten, waren alle anderen bereits in Badem�nteln oder welcher Kleidung auch immer vor dem Haus versammelt und dr�ckten sich �ngstlich aneinander. Der immer noch volle Mond, der an einem klaren Himmel hing, tauchte sie in einen hellen Schein. Aus den anderen H�usern rannten ebenfalls kreischende und schreiende Bewohner. Eine Latte in einem Zaun fing an zu wackeln, dann eine weitere. Pl�tzlich flog ein Eimer sich �berschlagend die Stra�e entlang. Ein mit Feuerholz beladener Karren rollte mit einem Mal vorw�rts. Die beiden Deichseln zogen seichte Furchen durch den harten Lehmboden. Von einem Haus weiter unten an der Stra�e erhob sich eine Rauchwolke und Stimmen begannen, nach Wasser zu rufen.</p><p>Eine dunkle Gestalt, die auf der Stra�e lag, zog Nynaeve an. Es war einer der Nachtw�chter, nach der flackernden Laterne zu urteilen, die neben seiner ausgestreckten Hand lag. Sie sah, wie seine leblosen Augen im Mondschein glitzerten, sah das Blut, das sein Gesicht �berstr�mt hatte und die klaffende Wunde an der Seite seines Kopfes, wo ihn etwas wie ein Axthieb getroffen hatte. Sie f�hlte trotzdem nach seinem Hals, ob noch ein Pulsschlag zu sp�ren sei. Am liebsten h�tte sie vor Zorn laut aufgeheult. Menschen sollten am Ende eines langen Lebens in ihren Betten sterben, von der Familie und Freunden umringt. Alles andere war Verschwendung von Leben. Reine verfluchte Verschwendung!</p><p>�Also habt Ihr heute nacht <emphasis>Saidar</emphasis> gefunden, Nynaeve. Gut.�</p><p>Nynaeve fuhr zusammen und blickte zu Anaiya hoch. Ihr wurde bewu�t, da� sie tats�chlich <emphasis>Saidar</emphasis> in sich aufgenommen hatte. Und selbst dann war sie noch nutzlos. Sie erhob sich, klopfte sich innerlich er� sch�pft den Staub von den Knien und bem�hte sich, den toten Mann nicht mehr anzusehen. W�re sie schneller gewesen, h�tte das einen Unterschied gemacht?</p><p>Das Gl�hen der Macht umgab Anaiya, aber nicht nur sie: Das Licht umfa�te auch noch zwei weitere vollst�ndig bekleidete Aes Sedai, eine Aufgenommene in einem Bademantel und drei Novizinnen im Nachthemd. Eine dieser drei war Nicola. Nynaeve bemerkte nun andere dieser gl�henden Gruppen, viele Dutzende sogar, die sich auf den Stra�en bewegten. Manche schienen nur aus Aes Sedai zu bestehen, doch die meisten waren gemischt.</p><p>��ffnet Euch der Verkn�pfung�, fuhr Anaiya fort. �Und Ihr, Elayne, und... Was stimmt mit Emara und Ronelle nicht?� Als sie erfuhr, den beiden sei lediglich schlecht, knurrte sie leise etwas vor sich hin und befahl ihnen dann, eine Gruppe zum Verkn�pfen zu finden, sobald sie wieder klar im Kopf seien. Schnell erw�hlte sie vier weitere Aufgenommene aus dem Gedr�nge um Elayne. �Sammael � falls er es ist und keiner der anderen � wird erfahren, da� wir keineswegs hilflos sind. Nun macht schnell. Ber�hrt die Quelle, aber verhaltet an dem Ber�hrungspunkt Ihr seid offen und gebt dem Strom nach.�</p><p>�Das stammt nicht von einem der Verlorenen�, fing Nynaeve an, doch die m�tterliche Aes Sedai schnitt ihr energisch das Wort ab: �Widersprecht nicht, Kind, �ffnet Euch nur. Wir haben einen Angriff erwartet, wenn auch nicht gerade so wie jetzt, und uns darauf vorbereitet. Schnell, Kind. Wir haben keine Zeit f�r m��iges Geschw�tz.�</p><p>Nynaeve klappte den Mund zu und bem�hte sich, zu jener Schwelle zur�ckzukehren, an der man <emphasis>Saidar</emphasis> gerade ber�hren und sich der Macht hingeben konnte. Es war nicht leicht. Zweimal sp�rte sie, wie die Macht nicht nur in sie einstr�mte, sondern durch sie hindurch in Anaiya, und zweimal brach der Strom ab und zuckte zur Quelle zur�ck. Anaiya verzog �rgerlich den Mund und sah Nynaeve an, als glaube sie, die j�ngere Frau habe das mit Absicht getan. Beim dritten Mal f�hlte sie sich, als habe sie jemand am Kragen gepackt. <emphasis>Saidar</emphasis> rauschte durch Nynaeve in Anaiya, und als sie versuchte, die Macht zur�ckzuhalten � es hatte doch an ihr gelegen und nicht an dem Strom selbst wurde ihr jetzt bewu�t � wurde der Strom festgehalten und vereinigte sich mit einem noch st�rkeren.</p><p>Ehrfurcht machte sich in ihr breit. Sie ertappte sich dabei, wie sie die Gesichter der anderen musterte und sich fragte, ob sie das gleiche f�hlten. Sie war ein Teil von etwas, das mehr als nur sie selbst war, gr��er als sie allein. Das lag nicht nur an der Einen Macht. Gef�hle �berschlugen sich in ihrem Inneren, Furcht und Hoffnung und Erleichterung, und, ja, Ehrfurcht, st�rker als alle anderen Gef�hle, und eine innere Ruhe und Gelassenheit, die von den Aes Sedai ausgehen mu�te. Und sie wu�te nicht zu sagen, welche dieser Gef�hle ihre eigenen seien und welche nicht. Eigentlich h�tte sie einen kalten Schauer versp�ren sollen, und doch f�hlte sie eine N�he zu diesen Frauen, gr��er als die N�he zu einer Schwester. Es war, als seien sie alle <emphasis>ein</emphasis> Fleisch und <emphasis>ein</emphasis> Blut. Eine schlaksige Graue namens Aschmanaille l�chelte sie warmherzig an, da sie offenbar ihre Gedanken sp�rte.</p><p>Nynaeve stockte der Atem, als ihr auffiel, da� sie nicht mehr w�tend war. Der Zorn war verschwunden, vom puren Staunen verschluckt. Und doch, nun, da die Blaue Schwester die Kontrolle �ber die Macht �bernommen hatte, blieb der Strom <emphasis>Saidars</emphasis> durch sie best�ndig. Ihr Blick fiel auf Nicola, und statt eines schwesterlichen L�chelns las sie in deren Miene nur berechnende Nachdenklichkeit. Zur�ckschreckend versuchte Nynaeve, sich aus der Verkn�pfung zu l�sen, aber nichts geschah. Bis Anaiya den Zirkel aufl�ste, war sie ein Teil davon, ob sie nun wollte oder nicht.</p><p>Elayne schlo� sich dem Zirkel viel leichter an, nachdem sie das silbrige Armband in eine Tasche ihres Umhangs gesteckt hatte. Kalter Schwei� stand auf Nynaeves Stirn. Was w�rde geschehen, wenn Elayne sich verkn�pft h�tte, obgleich sie durch den <emphasis>A'dam</emphasis> bereits mit Moghedien verbunden war? Sie hatte keine Ahnung, was die Frage aber nur noch qu�lender machte. Nicolas leicht verfinsterter Blick wanderte von Nynaeve zu Elayne. Sicher konnte sie nicht unterscheiden, welche Gef�hle zu welcher Frau geh�rten, nicht, wenn Nynaeve ihre eigenen Gef�hle kaum noch erkennen konnte. Die letzten beiden wurden genauso leicht in den Zirkel einbezogen: Shimoku, eine h�bsche Kandori mit dunklen Augen, die ganz kurz vor der Spaltung der Burg zur Aufgenommenen erhoben worden war, und Calindin, eine Frau aus Tarabon mit einer Unzahl d�nner schwarzer Z�pfe auf dem Kopf, die schon gut zehn Jahre lang zu den Aufgenommenen geh�rte. Eine Frau, die kaum mehr als eine Novizin war, und eine andere, die sich jedes bi�chen Wissen m�hsam aneignen mu�te, aber sie hatten keinerlei Schwierigkeiten, sich mit den anderen zu verkn�pfen.</p><p>Pl�tzlich sprach Nicola, und es klang, als schlafe sie beinahe: �Das L�wenschwert der geweihte Speer, sie, die jenseits alles anderen blickt. Drei in dem Boot, und dazu jener, der tot ist und doch lebt. Die gro�e Schlacht ist vor�ber, doch die Welt hat noch nicht die letzten Schlachten gesehen. Das Land ist durch die R�ckkehr gespalten, und die W�chter sind gleich stark wie die Diener. Die Zukunft steht auf Messers Schneide.�</p><p>Anaiya starrte sie verbl�fft an. �Wie war das, Kind?�</p><p>Nicola blinzelte. �Habe ich etwas gesagt, Aes Sedai?� fragte sie mit schwacher Stimme. �Ich f�hle mich so ... sonderbar.�</p><p>�Also, falls Ihr euch �bergeben m��t�, sagte Anaiya gef�hllos, �bringt es hinter Euch. Die Verkn�pfung hat beim ersten Mal die seltsamsten Wirkungen auf manche Frauen. Wir haben keine Zeit, Euren Magen zu bes�nftigen.� Als wolle sie das unterstreichen, raffte sie den Rock hoch und ging die Stra�e hinunter. �Bleibt jetzt alle nahe bei mir. Und sagt mir Bescheid, wenn Ihr etwas bemerkt, worum wir uns k�mmern m�ssen.�</p><p>Dazu bot sich ihnen reichlich Gelegenheit. Die Menschen dr�ngten sich auf den Stra�en, schrien sich gegenseitig zu, was eigentlich geschehen sei, oder sie schrien einfach hysterisch, und Gegenst�nde bewegten sich von allein. T�ren schlugen zu und Fenster auf, ohne da� jemand sie auch nur ber�hrte. Krachen und Splittern war aus den H�usern zu vernehmen, aber die Bewohner standen drau�en. T�pfe, Werkzeuge, Steine, alles, was nicht festgemacht war, konnte jeden Moment losfliegen und jemanden treffen. Eine dickliche K�chin im Nachthemd schnappte mit einem beinahe wahnsinnigen Lachen einen herumfliegenden Eimer aus der Luft, aber als ein blasser, hagerer Bursche in Unterw�sche versuchte, einen abges�gten Ast Brennholz zur Seite zu schlagen, h�rte man ein deutliches Knacken, denn sein Arm wurde gebrochen. Seile wanden sich um Beine und Arme, und sogar die Kleidungsst�cke mancher Menschen fingen an, selbst�ndig herumzukriechen. Sie fanden einen stark behaarten Mann, dessen Hemd sich um seinen Kopf gewickelt hatte und der so verzweifelt um sich schlug, da� er die Helfer daran hinderte, das Hemd von ihm wegzurei�en, bevor es ihn ersticken konnte. Eine Frau, die es geschafft hatte, sich schnell noch ein Kleid �berzuziehen und wohl auch zuzukn�pfen, hielt sich mit aller Kraft an den Strohb�ndeln eines Daches fest und schrie aus voller Kehle, w�hrend ihr Kleid sich bem�hte, sie �ber das Haus hinwegzuzerren oder vielleicht sogar mit ihr gen Himmel zu fliegen.</p><p>Solche Schwierigkeiten zu beheben, war auch nicht schwerer, als sie aufzusp�ren. Die Str�nge der Macht, die Anaiya durch die Verkn�pfung an sich zog und lenkte, waren so stark � wie auch bei den anderen Zirkeln deutlich sichtbar wurde �, da� sie auch eine Herde durchgehender Bullen aufgehalten h�tte, ganz zu schweigen von einem Wasserkessel, der es sich in den Kopf gesetzt hatte, das Fliegen zu erlernen. Und sobald ein Gegenstand aufgehalten worden war, ob mit Hilfe der Macht oder nur mit der Hand, r�hrte er sich nicht mehr. Aber es waren so viele! Sie hatten nicht einmal Zeit, jemanden zu heilen, au�er er schwebte in Lebensgefahr. Schrammen, Schwellungen, blutende Wunden und gebrochene Knochen mu�ten warten, w�hrend wieder eine Zaunlatte zu Boden geschlagen wurde, bevor sie jemandem den Sch�del einschlug, w�hrend ein weiteres wild umherrollendes Fa� aufgehalten wurde, bevor es Beine brach.</p><p>In Nynaeves Innerem stieg immer mehr Verbitterung auf. So viele Dinge auf einmal, die man aufhalten mu�te, alle wohl nur klein, aber ein Mann, dem von einer Bratpfanne der Sch�del eingeschlagen wurde, oder eine Frau, die vom eigenen Nachthemd erw�rgt wurde, waren genauso tot wie jemand, der von der Macht niedergestreckt wurde. Nicht nur sie war niedergeschlagen. Sie sp�rte, wie dieses Gef�hl sich von jeder Frau des Zirkels her ausbreitete, sogar von den Aes Sedai. Doch sie konnte nichts anderes tun, als mit den anderen mitzumarschieren und zuzusehen, wie Anaiya ihre gemeinsamen Str�nge verwob, um gegen tausend kleine Gefahren anzuk�mpfen. Nynaeve verlor sich in dem Gef�hl, ein Kanal f�r die Eine Macht zu sein, eins zu sein mit einem Dutzend anderer Frauen.</p><p>Schlie�lich blieb Anaiya mit gerunzelter Stirn stehen. Nynaeve wurde v�llig �berrascht, als sich die Verkn�pfung aufl�ste. Einen Augenblick lang sackte sie beinahe in sich zusammen und starrte verst�ndnislos vor sich hin. St�hnen und lautes Weinen hatten die Schreie und Rufe abgel�st. Die vom Mondschein undeutlich erhellte Stra�e war nun ruhig, abgesehen von Menschen, die Verletzte versorgten. Dem Stand des Mondes nach war nicht einmal eine Stunde vergangen, aber Nynaeve schienen es eher zehn Stunden gewesen zu sein. Ihr R�cken schmerzte, wo der Hocker sie getroffen hatte, ihre Knie waren weich und ihre Augen brannten. Sie g�hnte so heftig, da� sie glaubte, ihre Trommelfelle m��ten platzen.</p><p>�Von einem der Verlorenen h�tte ich etwas anderes erwartet�, grollte Anaiya h�rbar in sich hinein. Auch sie machte einen m�den Eindruck, dennoch zwang sie sich dazu, die n�chsten Aufgaben in Angriff zu nehmen. Sie packte Nicola an der Schulter. �Ihr k�nnt Euch kaum noch auf den Beinen halten. Ins Bett mit Euch. Geht schon, Kind. Ich will gleich am Morgen mit Euch sprechen, noch vor dem Fr�hst�ck. Angla, Ihr bleibt da. Ihr k�nnt Euch wieder mit mir verkn�pfen und mir ein wenig Kraft zum Heilen zuf�hren. Lanita � ins Bett.�</p><p>�Es waren nicht die Verlorenen�, sagte Nynaeve. Oder, genauer gesagt, murmelte sie ersch�pft. Licht, war sie m�de! �Es war eine Blase des B�sen.� Die drei Aes Sedai blickten sie an. Und nicht nur sie �auch die anderen Aufgenommenen und die Novizinnen, alle, bis auf Elayne. Sogar Nicola, die immer noch nicht weg war, starrte sie an. Diesmal war es Nynaeve aber egal, wie absch�tzend der Blick dieser Frau sein mochte; sie war einfach zu m�de, um dabei etwas zu empfinden.</p><p>�Wir haben in Tear schon einmal eine erlebt�, berichtete Elayne, �mitten im Stein.� Es waren eigentlich nur die Nachwehen gewesen, aber doch so schlimm, da� beide gehofft hatten, sich nie wieder einer solchen Blase n�hern zu m�ssen. �H�tte uns Sammael angegriffen, w�rde er nicht nur mit St�cken nach uns werfen.� Aschmanaille tauschte einen unergr�ndlichen Blick mit Bharatine, einer Gr�nen, bei der sogar ein so d�rrer K�rper lediglich schlank und grazi�s wirkte, und deren lange Nase noch wohlgeformt aussah.</p><p>Anaiya zuckte nicht mit der Wimper. �Ihr scheint noch �ber eine Menge Energie zu verf�gen, Elayne. Ihr k�nnt mir beim Heilen helfen. Und was Euch betrifft, Nynaeve... Ihr habt <emphasis>Saidar</emphasis> wieder verloren, nicht wahr? Nun ja, Ihr wirkt ohnehin, als m�sse man Euch ins Bett tragen, aber dorthin m��t Ihr schon alleine finden. Shimoku, steht auf und geht ins Bett, Kind. Calindin, Ihr kommt mit mir.�</p><p>�Anaiya Sedai�, sagte Nynaeve vorsichtig, �Elayne und ich haben heute nacht etwas herausgefunden. K�nnten wir vielleicht allein mit Euch...�</p><p>�Morgen, Kind. Ins Bett mit Euch. Und zwar sofort, bevor Ihr mir umfallt.� Anaiya wartete nicht einmal, um zu sehen, ob ihre Anweisung befolgt wurde. Sie zog Calindin mit und schritt hin�ber zu einem st�hnenden Mann, dessen Kopf im Scho� einer Frau lag. Als sie sich �ber den Mann beugte, zog Aschmanaille Elayne mit sich fort, und Bharatine ging mit Angla in eine andere Richtung. Bevor sie in der Menge verschwand, blickte sich Elayne schnell noch einmal nach Nynaeve um und sch�ttelte kaum sichtbar den Kopf.</p><p>Nun gut, dies war m�glicherweise wirklich nicht der richtige Zeitpunkt und der richtige Ort, um die Schale und Ebou Dar zur Sprache zu bringen. Anaiyas Reaktion war ein wenig eigenartig gewesen, als sei sie entt�uscht dar�ber, da� es sich nicht wirklich um einen Angriff der Verlorenen gehandelt hatte. Warum aber? Sie war zu m�de, um noch nachdenken zu k�nnen. Wohl hatte Anaiya die Str�nge gelenkt, aber <emphasis>Saidar</emphasis> hatte Nynaeve dennoch eine gute Stunde lang durchstr�mt, und das h�tte gereicht, auch jemanden zu erm�den, die eine ganze Nacht lang gut geschlafen hatte.</p><p>Vor Ersch�pfung wankend erblickte Nynaeve nun auch noch Theodrin. Die Domanifrau humpelte mit einem Paar wei�gekleideter Novizinnen an ihrer Seite die Stra�e entlang und blieb dort stehen, wo jemand mit einer Verletzung lag, die sie mit ihren mageren F�higkeiten zum Heilen gerade noch behandeln konnte. Sie sah Nynaeve offensichtlich nicht.</p><p><emphasis>Ich gehe jetzt ins Bett,</emphasis> dachte Nynaeve m�rrisch. <emphasis>Anaiya Sedai hat es mir befohlen.</emphasis> Warum war ihr Anaiya so entt�uscht vorgekommen? Ein Gedanke nagte gerade am Rande ihres Verstands, aber sie war zu m�de, um ihn zu verfolgen. Ihre Schritte schleppten sich dahin. Beinahe w�re sie auf ebener Stra�e noch gestolpert. Sie <emphasis>w�rde jetzt</emphasis> schlafen! Sollte Theodrin doch machen, was sie wollte.</p></section><section><title><p>15</p><p>Aufget�rmter Sand</p></title><p>Egwene �ffnete die Augen und blickte ins Leere. Einen Moment lang lag sie noch entspannt auf ihrer Bettstelle und f�hlte nach dem Gro�en Schlangenring, der an seiner Kordel um ihren Hals hing. Wenn sie ihn an der Hand trug, l�ste das zu viele eigenartig ber�hrte Blicke aus. Es war leichter, sich als Sch�lerin der Weisen Frauen einzureihen, wenn niemand sie gleichzeitig als Aes Sedai betrachtete. Was sie sowieso nicht war. Sie war eine Aufgenommene, die so lange vorget�uscht hatte, sie sei eine Aes Sedai, da� sie es manchmal schon selbst glaubte.</p><p>Ein wenig Morgensonnenschein blinzelte unter der Zeltklappe hervor und erhellte sp�rlich das Innere. So, wie sie sich f�hlte, h�tte sie �berhaupt nicht schlafen m�ssen. Ihre Schl�fen h�mmerten. Seit dem Tag, als Lanfear sie und Aviendha beinahe get�tet h�tte, dem Tag, da die Verlorene und Moiraine sich gegenseitig get�tet hatten, schmerzte ihr Kopf jedesmal so, wenn sie aus <emphasis>Tel'aran'rhiod</emphasis> zur�ckkehrte. Aber die Schmerzen waren nicht derart schlimm, da� sie sie au�er Gefecht gesetzt h�tten. Wie dem auch sei, zu Hause hatte ihr Nynaeve einiges �ber Kr�uter beigebracht, und hier in Cairhien hatte sie die richtigen Arten gefunden. Schlafgut-Wurzel machte sie f�r gew�hnlich schl�frig und w�rde sie in einem Ersch�pfungszustand wie jetzt stundenlang schlafen lassen, und dazu w�rde sie jeden Rest von Kopfschmerzen beseitigen.</p><p>So stand sie auf, zog ihr verknittertes, schwei�nasses Nachthemd zurecht und schritt langsam �ber die dicken Teppichschichten hin�ber zum Waschbecken, einer gro�en, gravierten Kristallschale, die m�glicherweise fr�her einmal den gew�rzten Wein irgendeines Adligen enthalten hatte. Sie enthielt lediglich klares Wasser, genau wie der blau glasierte Krug. Doch als sie ihr Gesicht befeuchtete, war das Wasser leider nicht mehr k�hl zu nennen. Ihr Blick traf den ihrer eigenen Augen, die ihr aus einem kleinen Spiegel mit vergoldetem Rahmen an der Zeltwand entgegensahen, und ihre Wangen liefen rot an.</p><p>�Also, was hast du denn geglaubt, was geschehen w�rde?� fl�sterte sie. F�r m�glich h�tte sie es nicht gehalten, aber die Wangen ihres Spiegelbilds f�rbten sich noch dunkler rot.</p><p>Es war schlie�lich nur ein Traum gewesen, nicht wie sonst in <emphasis>Tel'aran'rhiod,</emphasis> wenn das, was im Traum geschehen war, beim Erwachen noch immer reale Auswirkungen zeigte. Doch sie erinnerte sich an jede Einzelheit, als sei es Wirklichkeit gewesen. Sie glaubte, ihre Wangen m��ten beinahe Feuer fangen. Nur ein Traum, und �berdies noch Gawyns Traum. Er hatte kein Recht, auf diese Weise von ihr zu tr�umen.</p><p>�Es war alles seine Schuld�, berichtete sie �rgerlich ihrem Spiegelbild. �Nicht meine! Ich hatte schlie�lich keine Wahl!� Reuevoll schlo� sie den Mund. Einem Mann seine Tr�ume vorwerfen. Und wie eine dumme Gans mit einem Spiegel sprechen.</p><p>Sie blieb an der Zeltklappe stehen und b�ckte sich, um hinauszusp�hen. Ihr niedriges Zelt befand sich am Rand des Aiellagers. Die grauen Mauern Cairhiens erhoben sich etwa zwei Meilen westlich �ber die kahlen H�gel. Zwischen dem Lager und der Stadt lag nichts als versengter Boden, wo einst das Vortor einen dicht bewohnten Ring um die Stadt gebildet hatte. Alles war im Schein der Morgensonne scharf umrissen und klar, so da� es noch nicht sehr sp�t sein konnte, und doch eilten die Aiel bereits gesch�ftig zwischen den Zelten einher.</p><p>Heute w�rde sie nicht fr�h aufstehen. Nach einer ganzen Nacht au�erhalb ihres K�rpers � ihre Wangen liefen erneut rot an; Licht, w�rde sie den Rest ihres Lebens �ber eines <emphasis>Traums</emphasis> wegen err�ten? Sie f�rchtete es fast � hatte sie es wohl verdient, bis zum Nachmittag zu schlafen. Der Duft nach hei�em Haferbrei konnte es mit ihren schweren Augenlidern nicht aufnehmen.</p><p>Tr�ge schlich sie zu ihren Decken zur�ck und lie� sich schwer darauffallen, wobei sie sich die Schl�fen rieb. Sie war sogar zu m�de, um sich noch Tee aus Schlafgut-Wurzel zu bereiten, aber in diesem Zustand war es ohnehin egal, und sie brauchte die Hilfe nicht. Der dumpfe Kopfschmerz lie� gew�hnlich nach etwa einer Stunde nach, also w�rde sie beim Erwachen nichts mehr davon sp�ren.</p><p>Alles in allem war es keine �berraschung, wenn sie von Gawyn tr�umte. Manchmal wiederholte sie sogar einen seiner Tr�ume, wenn auch nicht ganz genau, denn in ihren Versionen kamen gewisse anst��ige Dinge nicht vor oder wurden von ihr geflissentlich �bergangen, Gawyn verbrachte dann erheblich mehr Zeit damit, ihr Gedichte darzubringen und sie in den Armen zu halten, w�hrend sie Sonnenaufg�nge oder �Unterg�nge beobachteten. Er stotterte auch keineswegs, wenn er ihr sagte, da� er sie liebe. Und er sah so gut aus wie in Wirklichkeit. Andere Tr�ume waren ganz und gar ihre eigenen. Zarte K�sse, die eine Ewigkeit lang dauerten. Er kniete vor ihr, und sie nahm seinen Kopf in beide H�nde. Zweimal, und zwar gleich hintereinander, tr�umte sie davon, ihn an den Schultern zu packen und zu versuchen, ihn gegen seinen Willen umzudrehen. Einmal schob er ihre H�nde grob beiseite, w�hrend sie beim zweiten Mal etwas st�rker war als er. Die beiden Tr�ume �berlagerten sich ein wenig in ihrem Ged�chtnis. In einem weiteren machte er sich daran, eine T�r vor ihrer Nase zu schlie�en, und sie wu�te: sobald der immer enger werdende lichterf�llte Spalt sich schlo�, mu�te sie sterben.</p><p>Die Tr�ume �berschlugen sich in ihrem Kopf. Nicht alle handelten von ihm, und die meisten waren Alptr�ume.</p><p>Perrin kam und stand vor ihr. Zu seinen F��en lag ein Wolf, und in seine Schultern hatten sich ein Habicht und ein Falke festgekrallt die sich �ber seinen Kopf hinweg zornig anfunkelten. Er bemerkte die beiden offensichtlich nicht und versuchte immer wieder, diese Axt wegzuwerfen, bis er schlie�lich wegrannte, und die Axt schwebte durch die Luft und verfolgte ihn. Wiederum Perrin: Er wandte sich von einem Kesselflicker ab und rannte weg, immer schneller, obwohl sie ihm zurief, er solle zur�ckkommen. Mat sagte Worte in einer seltsamen Sprache, die sie beinahe verstand � sie glaubte, es m�sse sich um die Alte Sprache handeln �, und zwei Raben setzten sich auf seine Schultern. Ihre Krallen bohrten sich durch den Mantel tief in sein Fleisch hinein. Er schien sie genausowenig zu bemerken wie Perrin den Habicht und den Falken, doch dann stand Trotz in seiner Miene, und sp�ter d�stere Resignation. In einem anderen lockte ihn eine Frau, deren Gesicht in Schatten geh�llt war, auf eine gro�e Gefahr zu. Egwene wu�te nicht, was es war, nur, da� die Gefahr von etwas Ungeheurem ausging. Mehrere Tr�ume handelten von Rand, nicht einmal in jedem Falle schlimm, aber allesamt eigenartig. Elayne, die ihn mit einer Hand auf die Knie zwang. Elayne und Min und Aviendha, die in einer schweigenden Runde um ihn sa�en. Jede ber�hrte ihn nacheinander mit einer Hand. Er schritt auf einen brennenden Berg zu, und unter seinen Stiefeln wurde etwas zermalmt. Sie w�lzte sich herum und wimmerte leise, denn die zermalmten Gegenst�nde waren Siegel vom Gef�ngnis des Dunklen K�nigs, die bei jedem Schritt zerbrachen. Sie wu�te es. Sie mu�te sie gar nicht sehen, um das zu wissen.</p><p>Als ihre Angst wuchs, wurden ihre Tr�ume schlimmer. Die beiden fremden Frauen, die sie in <emphasis>Tel'aran'rhiod</emphasis> gesehen hatte, fingen sie und zerrten sie an einen Tisch, an dem viele Frauen mit heruntergezogenen Kapuzen sa�en, und als sie die Kapuzen zur�ckschlugen, war jede von ihnen Liandrin, die Schwarze Schwester, die sie in Tear gefangen hatte. Eine Seanchanfrau mit hartem Gesicht gab ihr ein silbrig schimmerndes Armband, das durch eine metallisch wirkende Leine mit einem gleichartigen Halsband verbunden war, also einen <emphasis>A'dam.</emphasis> Das lie� sie aufschreien, denn schon einmal hatten ihr die Seanchan einen <emphasis>A'dam</emphasis> angelegt. Sie wollte lieber sterben, als das noch einmal durchzumachen. Rand lief durch die Stra�en Cairhiens und lachte, w�hrend er Geb�ude und Menschen mit Blitz und Feuer vernichtete, und neben ihm rannten andere M�nner und sengten und verbrannten mit Hilfe der Macht. Diese f�rchterliche Amnestie, die er erlassen hatte, war in Cairhien verk�ndet worden, aber sicherlich w�rde kein Mann <emphasis>freiwillig</emphasis> die Macht gebrauchen! Die Weisen Frauen erwischten sie in <emphasis>Tel'aran'rhiod</emphasis> und verkauften sie wie ein Tier in die L�nder jenseits der Aielw�ste. Das machten sie mit allen Bewohnern Cairhiens, die sie in der W�ste antrafen. Sie stand au�erhalb ihres K�rpers, sah zu, wie ihr Gesicht schmolz, ihr Sch�del aufplatzte, w�hrend undeutlich sichtbare Gestalten mit harten St�cken nach ihr stie�en. Sie stie�en. Stie�en...</p><p>Sie fuhr nach Luft schnappend hoch, und Cowinde hockte sich wieder neben sie, den Kopf unter der Kapuze ihrer wei�en Robe verborgen.</p><p>�Vergebt mir, Aes Sedai. Ich wollte Euch nur wecken, damit Ihr Euer Morgenmahl einnehmt.�</p><p>�Dazu m��t Ihr mir doch kein Loch in die Rippen bohren�, knurrte Egwene, aber dann tat es ihr gleich wieder leid.</p><p>�rger flammte in Cowindes tiefblauen Augen auf und wurde sofort wieder gel�scht und hinter der bei den <emphasis>Gai'schain</emphasis> �blichen Maske geduldiger Ergebenheit verborgen. Sie hatten schw�ren m�ssen, dem�tig zu gehorchen und ein Jahr und einen Tag lang keine Waffe mehr zu ber�hren, und so nahmen die <emphasis>Gai'schain</emphasis> eben geduldig hin, was auch immer geschehen mochte, ob es nun ein unh�fliches Wort war, ein Schlag, h�chstwahrscheinlich sogar einen Messerstich ins Herz. Allerdings war es f�r einen Aiel dasselbe, einen <emphasis>Gai'schain</emphasis> zu t�ten, wie ein Kind. Es gab keine Entschuldigung daf�r, und der S�nder w�rde vom eigenen Bruder oder der eigenen Schwester niedergestreckt. Und doch war es eine Maske, da war sich Egwene sicher. Die <emphasis>Gai'schain</emphasis> gaben sich wohl alle M�he, aber sie waren immer noch Aiel, und Egwene konnte sich kein Volk vorstellen, das weniger dem�tig und duldsam war. Das betraf sogar Menschen wie Cowinde, die sich weigerten, das Wei� abzulegen, wenn ihr Jahr und Tag vor�ber war. Ihre Weigerung, ins gew�hnliche Aielleben zur�ckzukehren, entsprang ihrem halsstarrigen Stolz und ihrem Trotz, genau wie bei M�nnern, die sich auch vor zehn Gegnern nicht zur�ckziehen wollten. Zu solchen Verwicklungen f�hrte das <emphasis>Ji'e'toh</emphasis> der Aiel.</p><p>Das war einer der Gr�nde, warum Egwene bei den <emphasis>Gai'schain</emphasis> und besonders bei Cowinde achtgab, was sie sagte und wie sie es sagte. Sie waren schlie�lich nicht in der Lage, etwas zur�ckzugeben, zu widersprechen oder gar zu k�mpfen, ohne alle Regeln zu brechen, auf denen ihr Leben beruhte. Andererseits war Cowinde eine Tochter des Speers gewesen und konnte auch wieder eine werden, wenn man sie jemals �berredete, diese Robe abzulegen. Wenn man einmal die Macht mi�achtete, h�tte sie vermutlich Egwene einen Knoten in Arme und Beine flechten k�nnen, w�hrend sie gleichzeitig eine Speerspitze schliff.</p><p>�Ich will kein Fr�hst�ck�, sagte Egwene zu ihr. �Geht wieder und la�t mich schlafen.�</p><p>�Kein Fr�hst�ck?� fragte Amys, deren Halsketten und Armb�nder aus Elfenbein, Silber und Gold klapperten, als sie geduckt in das Zelt trat. Sie trug �wie alle Aiel � keine Ringe, aber ansonsten hatte sie genug Schmuck umgeh�ngt f�r drei Frauen oder mehr, �Ich glaubte, wenigstens Euer Appetit sei vollst�ndig wiederhergestellt.�</p><p>Auch Bair und Melaine traten nun ein, und jede war genauso mit Schmuck beh�ngt. Die drei kamen aus verschiedenen Clans, doch obwohl die meisten Weisen Frauen, die mit den M�nnern die Drachenmauer �berquert hatten, in der N�he ihrer Septimen blieben, standen die Zelte dieser drei dicht beieinander und bei dem Egwenes. Sie nahmen auf bunten, reich mit Fransen und Troddeln verzierten Kissen am Fu� ihrer Bettstatt Platz und r�ckten die dunklen T�cher zurecht, ohne die man Aielfrauen kaum jemals zu sehen bekam. Jedenfalls diejenigen, die nicht zu den <emphasis>Far Dareis Mai</emphasis> geh�rten. Amys' Haar war genauso wei� wie Bairs, aber Bairs gro�m�tterliches Gesicht wies tiefe Furchen auf, w�hrend Amys erstaunlich jung wirkte. Vielleicht lag es an dem Kontrast zwischen ihrem Haar und dem faltenlosen Gesicht. Sie behauptete, ihr Haar sei schon in ihrer Kindheit beinahe genauso hell gewesen.</p><p>Normalerweise �bernahm entweder Bair oder Amys die F�hrung, doch heute sprach Melaine � Haare wie die Sonne und gr�ne Augen � zuerst: �Wenn Ihr aufh�rt, zu essen, k�nnt Ihr euch nicht erholen. Wir hatten uns �berlegt, Euch zu unserem n�chsten Zusammentreffen mit den anderen Aes Sedai mitkommen zu lassen, weil sie jedesmal nach Euch fragen...�</p><p>�Und sich jedesmal wie die typischen Feuchtl�nder l�cherlich machen�, warf Amys bissig ein. Sie war keineswegs eine geh�ssige Frau, aber die Aes Sedai in Salidar hielten sie bestimmt f�r eine. Vielleicht lag es nur an diesen Zusammentreffen mit Aes Sedai. Ihrer Sitte entsprechend mieden die Weisen Frauen solche Treffen, besonders diejenigen, die mit der Macht umgehen konnten, so wie Amys und Melaine. Au�erdem �rgerte es sie, da� die Aes Sedai Nynaeve und Elayne bei ihren Treffen verdr�ngt hatten. Egwene pa�te das ebenfalls nicht. Sie vermutete, die Weisen Frauen h�tten die beiden durch die Betonung der Gefahren in <emphasis>Tel'aran'rhiod</emphasis> abgeschreckt. Den Bruchst�cken der Inhalte solcher Treffen nach zu schlie�en, die sie mittlerweile erfahren hatte, waren die Aes Sedai aber keineswegs eingesch�chtert. Es gab nicht viel, was Aes Sedai abschrecken konnte.</p><p>�Wir m�ssen wohl noch einmal alles �berdenken�, fuhr Melaine gelassen fort. Vor ihrer k�rzlichen Heirat war sie reizbar wie eine L�wenmutter gewesen, doch mittlerweile schien sie nichts aus der Ruhe bringen zu k�nnen. �Ihr d�rft nicht in den Traum zur�ckkehren, bevor Euer K�rper nicht wieder seine vollen Kr�fte erlangt hat.�</p><p>�Ihr habt Ringe um die Augen�, sagte Bair mit besorgter, d�nner Stimme, die zu ihrem Gesicht pa�te. In vielerlei Hinsicht jedoch war gerade sie die h�rteste der drei. �Habt Ihr schlecht geschlafen?�</p><p>�Wie k�nnte sie auch gut geschlafen haben?� fragte Amys m�rrisch. �Dreimal habe ich letzte Nacht versucht, in ihre Tr�ume zu blicken, und jedesmal habe ich nichts vorgefunden. Keine kann gut schlafen, wenn sie nichts tr�umt.�</p><p>Egwene trocknete schlagartig der Mund aus, und die Zunge klebte ihr am Gaumen. Sie mu�ten ausgerechnet in der einzigen Nacht nach ihr sehen, in der sie nur ein paar Stunden lang nicht in ihrem K�rper zugegen war.</p><p>Melaine runzelte die Stirn. Sie sah nicht Egwene an, sondern Cowinde, die immer noch mit gesenktem Kopf am Fu�e der Bettstatt kauerte. �Neben meinem Zelt ist ein Sandhaufen aufget�rmt�, sagte sie in beinahe so scharfem Tonfall wie fr�her. �Ihr untersucht ihn Sandkorn f�r Sandkorn, bis Ihr ein rotes Korn findet. Falls es nicht das richtige ist, nach dem ich suche, werdet Ihr von neuem beginnen. Geht jetzt.� Cowinde verbeugte sich lediglich, bis ihr Gesicht die bunten Teppiche ber�hrte, dann hastete sie hinaus, Melaine sah Egwene an und l�chelte freundlich. �Ihr scheint �berrascht. Wenn sie nicht von allein tut, was sich schickt, mu� ich sie eben zwingen, sich f�r den richtigen Weg zu entscheiden. Da sie nach wie vor behauptet, mir zu dienen, untersteht sie auch noch meiner Verantwortung.�</p><p>Bairs langes Haar flog, als sie den Kopf sch�ttelte. �Es wird nicht wirken.� Sie r�ckte den Schal auf ihren knochigen Schultern zurecht. Egwene kam in ihrem d�nnen Nachthemd ins Schwitzen, obwohl die Sonne noch gar nicht richtig am Himmel stand, doch die Aiel waren ganz anderes gew�hnt. �Ich habe Juric und Beira verpr�gelt, bis mein Arm zu m�de war, um weiterzumachen, aber so oft ich ihnen auch befehle, das Wei� abzulegen: vor dem Sonnenuntergang haben sie ihre Roben wieder an.�</p><p>�Es ist wie ein Fluch�, knurrte Amys. �Seit wir in die Feuchtl�nder kamen, hat sich ein ganzes Viertel all jener, deren Zeit vor�ber ist, geweigert, zu ihren Septimen zur�ckzukehren. Sie verdrehen <emphasis>Ji'e'toh</emphasis> und seine Bedeutung.�</p><p>Das war Rands Schuld. Er hatte allen das enth�llt, was zuvor nur die Clanh�uptlinge und die Weisen Frauen gewu�t hatten: einst hatten alle Aiel gelobt, keine Waffe mehr zu ber�hren und keine Gewalt zu gebrauchen. Nun glaubten viele, da� sie eigentlich alle als <emphasis>Gai'schain</emphasis> dienen m��ten. Andere wieder weigerten sich deshalb, Rand als den <emphasis>Car'a'carn</emphasis> anzuerkennen, und noch weitere liefen t�glich weg und schlossen sich den Shaido an, die sich in den Bergen weiter n�rdlich aufhielten. Ein paar warfen auch einfach die Waffen weg und verschwanden. Niemand wu�te, was aus ihnen wurde. Sie waren von der �Trostlosigkeit� erfa�t worden, wie es die Aiel bezeichneten. Das seltsamste daran, jedenfalls f�r Egwene, war die Tatsache, da� niemand unter den Aiel � bis auf die Shaido nat�rlich � Rand die Schuld daran gab. Die Prophezeiung von Rhuidean besagte, der <emphasis>Car'a'carn</emphasis> werde sie zur�ckfuhren und vernichten. Wohin zur�ckf�hren, da war man sich nicht sicher, aber da� er sie auf irgendeine Art und Weise vernichten werde, das akzeptierten sie genauso ruhig, wie Cowinde mit ihrer Arbeit begann, obwohl sie um deren Hoffnungslosigkeit wu�te.</p><p>In diesem Augenblick war Egwene all das v�llig egal, und h�tte auch jeder Aiel in Cairhien die wei�e Robe angelegt. Sollten die Weisen Frauen auch nur den Verdacht haben, da� sie auf eigene Faust... Falls dem so war, h�tte sie auch freiwillig <emphasis>hundert</emphasis> Sandhaufen umgegraben, doch sie glaubte nicht, da� <emphasis>sie</emphasis> so leicht davonkommen w�rde. Ihre Strafe w�rde viel h�rter ausfallen. Amys hatte einmal gesagt, falls sie nicht genau das tat, was man ihr befahl � weil die Welt der Tr�ume zu gef�hrlich sei, m�sse sie das schw�ren �, w�rde sie nicht mehr weiter unterrichtet. Zweifellos w�rden andere das unterst�tzen, und dies war die einzige Strafe, die sie wirklich f�rchtete. Lieber <emphasis>tausend</emphasis> Sandhaufen unter der gl�henden Sonne.</p><p>�Blickt nicht so ersch�ttert drein�, schmunzelte Bair. �Amys z�rnt nicht allen Feuchtl�ndern, und sie ist Euch sicher nicht b�se, denn Ihr seid ja fast schon eine Tochter unserer Zelte. Es liegt an Euren Schwestern, den Aes Sedai. Die eine namens Carlinya hat sogar angedeutet, wir hielten Euch m�glicherweise gegen Euren Willen fest.�</p><p>�Angedeutet?� Amys blasse Augenbrauen zogen sich fast zum Haaransatz hoch. �Die Frau hat das ganz eindeutig ausgesprochen!�</p><p>�Und dabei gelernt, ihre Zunge besser zu h�ten.� Bair lachte und schaukelte auf ihrem roten Sitzkissen. �Ich wette, sie hat es gelernt. Als wir sie verlie�en, hat sie immer noch gejammert und versucht, diese Scharlach-Puffottern aus ihrem Kleid herauszubekommen. Eine Scharlach-Puffotter�, verriet sie Egwene, �sieht f�r die tr�ben Augen eines Feuchtl�nders genauso aus wie eine gew�hnliche Rote Puffotter, aber sie ist ungiftig. Wenn sie auf engem Raum eingesperrt ist, windet sie sich naturgem�� ziemlich stark.�</p><p>Amys schnaubte. �Sie w�ren l�ngst fort gewesen, h�tte sie sich vorgestellt, da� sie weg sind. Diese Frau ist nicht lernf�hig. Die Aes Sedai, denen wir im Zeitalter der Legenden dienten, k�nnen gewi� keine solchen Narren gewesen sein.� Immerhin schien sie sich beruhigt zu haben.</p><p>Melaine gluckste ganz offen vor Vergn�gen, und Egwene ertappte sich ebenfalls beim Kichern. Vieles am Humor der Aiel blieb ihr wohl r�tselhaft, dieses aber nicht. Sie hatte Carlinya nur dreimal getroffen, aber das Bild, da� diese steife, eisige und hochm�tige Frau wild herumtanzte und versuchte, Schlangen aus ihrem Kleid zu entfernen... Sie gab sich alle M�he, nicht schallend loszulachen.</p><p>�Na, wenigstens ist Euer Sinn f�r Humor zur�ckgekehrt�, sagte Melaine. �Sind die Kopfschmerzen wieder aufgetaucht?�</p><p>�Mein Kopf ist in Ordnung�, log Egwene, und Bair nickte.</p><p>�Gut. Wir hatten uns Sorgen gemacht, als sie so hartn�ckig blieben. Solange Ihr davon abseht, in n�chster Zeit die Welt der Tr�ume zu betreten, werden sie wohl wegbleiben. Habt keine Angst, da� Ihr einen bleibenden Schaden erleidet; der K�rper benutzt den Schmerz nur, um uns mitzuteilen, da� er Ruhe ben�tigt.�</p><p>Das h�tte Egwene beinahe wieder zum Lachen gebracht, wenn auch nicht aus Vergn�gen. Die Aiel mi�achteten selbst klaffende Wunden und gebrochene Knochen, weil sie sich keine Zeit nehmen wollten, sich darum zu k�mmern. �Wie lange sollte ich mich noch fernhalten?� fragte sie. Sie ha�te diese L�gerei, aber die Unt�tigkeit ha�te sie noch mehr. Die ersten zehn Tage, nachdem Lanfear sie mit was auch immer angegriffen und kampfunf�hig gemacht hatte, waren schlimm genug gewesen. In jenen Tagen hatte sie noch nicht einmal nachdenken k�nnen, ohne da� ihr Kopf beinahe explodierte. Sobald sie aber wieder klar gewesen war, hatte das, was ihre Mutter einst �den Juckreiz des Nichtstuns� genannt hatte, sie hinter dem R�cken der Weisen Frauen zum Betreten <emphasis>Tel'aran'rhiods</emphasis> getrieben. Man lernte beim Ausruhen eben nichts. �Das n�chste Treffen, habt Ihr gesagt?�</p><p>�Vielleicht�, erwiderte Melaine mit einem Achselzucken. �Wir werden sehen. Aber Ihr m��t essen. Sollte Euer Appetit verschwunden sein, stimmt etwas nicht mit Euch, und wir haben keine Ahnung, was.�</p><p>�Oh, essen kann ich.� Der Haferbrei, den sie drau�en kochten, duftete wirklich gut. �Ich denke, ich wollte nur faulenzen.� Ohne jedes �chzen aufzustehen, war eine Meisterleistung, denn ihr Kopf hatte noch immer etwas gegen jede Bewegung einzuwenden. �Mir sind letzte Nacht noch ein paar Fragen eingefallen.�</p><p>Melaine rollte am�siert mit den Augen. �Seit Ihr verwundet wurdet, stellt Ihr f�nf Fragen f�r jede einzelne, die Ihr vorher gestellt habt.�</p><p>Weil sie versuchte, auf eigene Faust Dinge herauszufinden. Das konnte sie ihnen nat�rlich nicht sagen, also kramte sie lediglich einen frischen Unterrock aus einer kleinen Truhe, die an der Zeltwand aufgestellt war, und zog ihn anstelle des verschwitzten Nachthemds �ber.</p><p>�Fragen sind gut�, sagte Bair. �Fragt.�</p><p>Egwene w�hlte ihre Worte sorgf�ltig. Und nebenbei zog sie sich ganz ohne Aufhebens an, und zwar die gleiche wei�e Bluse aus Algode und den bauschigen Wollrock, wie sie auch die Weisen Frauen trugen. �Ist es m�glich, gegen den eigenen Willen in den Traum eines anderen Menschen gezogen zu werden?�</p><p>�Selbstverst�ndlich nicht�, sagte Amys, �wenn man sich nicht �u�erst ungeschickt anstellt.�</p><p>Doch fast im gleichen Moment stellte Bair fest: �H�chstens, wenn sehr starke Gef�hle dabei eine Rolle spielen. Wenn Ihr versucht, in den Traum einer Person hineinzublicken, die Euch ha�t oder liebt, k�nntet Ihr hineingezogen werden. Oder wenn Ihr diese Person ha�t oder liebt. Deshalb wagen wir auch nicht, in Sevannas Tr�ume einzudringen oder auch nur in ihren Tr�umen mit den Weisen Frauen der Shaido zu sprechen.� Es �berraschte Egwene noch immer, da� diese und die anderen Weisen Frauen die Weisen Frauen der Shaido besuchten und mit ihnen verhandelten. Der Sitte nach standen Weise Frauen �ber den Streitigkeiten und K�mpfen, aber sie h�tte gedacht, der Widerstand der Shaido gegen den <emphasis>Car'a'carn</emphasis> und ihr Schwur, ihn zu t�ten, w�re denn doch ein zu gro�es Hindernis. �Wenn Ihr den Traum eines Menschen verlassen m�chtet, der Euch ha�t oder liebt�, beendete Bair ihren Vortrag, �ist das, als wolle man aus einer tiefen Grube mit senkrechten W�nden klettern.�</p><p>�Das stimmt allerdings.� Amys schien mit einem Schlag ihren Humor wiedergewonnen zu haben, und sie warf Melaine von der Seite her einen sarkastischen Blick zu. �Deshalb begeht keine Traumg�ngerin den Fehler, zu versuchen, in den Traum ihres Ehemannes einzudringen.� Melaine blickte stur geradeaus, doch ihr Gesicht lief dunkel an. �Jedenfalls begeht sie ihn kein zweites Mal�, f�gte Amys hinzu.</p><p>Bair grinste, wodurch sich die Furchen in ihrem Gesicht noch vertieften, und blickte beharrlich an Melaine vorbei. �Das kann ein beachtlicher Schock sein, vor allem, wenn er auf Euch w�tend ist. Falls er, um ein frei erfundenes Beispiel zu nennen, durch <emphasis>Ji'e'toh</emphasis> gezwungen ist, f�r eine Weile fortzugehen, und Ihr werft ihm wie ein t�richtes Kind vor, wenn er Euch liebte, w�rde er nicht weggehen.�</p><p>�Das weicht nun doch zu weit von ihrer Frage ab�, sagte Melaine mit hochrot angelaufenem Gesicht gezwungen. Bair lachte laut los.</p><p>Egwene unterdr�ckte ihre Neugier und Erheiterung. Sie bem�hte sich, ihre Worte nebens�chlich klingen zu lassen: �Und wie verh�lt es, wenn Ihr gar nicht versucht, in den Traum dieser Person hineinzuschauen?� Melaine warf ihr einen dankbaren Blick zu, und sie bekam prompt einen Anfall von schlechtem Gewissen. Nicht genug aber, um sie davon abzuhalten, sp�ter nach der gesamten Geschichte zu fragen. Etwas, das sogar Melaine zum Err�ten brachte, mu�te wirklich l�cherlich sein.</p><p>�Ich habe von so etwas geh�rt�, sagte Bair, �als ich jung war und gerade zu lernen begann. Mora, die Weise Frau der Colradafeste, hat mich ausgebildet, und sie meinte, wenn die Gef�hle wirklich extrem stark seien, Liebe oder Ha� in einem Ma�e, da� sie keinen Raum f�r andere Gef�hle mehr lie�en, k�nne man bereits dadurch hineingezogen werden, da� man sich des Traums dieser anderen Person bewu�t wird, ihn also bewu�t bemerkt.�</p><p>�So etwas habe ich noch nie geh�rt�, sagte Melaine. Amys blickte zweifelnd drein.</p><p>�Ich auch nicht, au�er von Mora�, sagte Bair, �aber sie war auch eine bemerkenswerte Frau. Man erz�hlte sich, da� sie sich ihrem dreihundertsten Lebensjahr n�herte, als sie vom Bi� einer Blutschlange starb, doch sie sah genauso jung aus wie ihr beiden. Ich war damals noch ein M�dchen, doch ich erinnere mich noch gut an sie. Sie wu�te so vieles und konnte die Macht in so hohem Ma�e lenken! Aus jedem anderen Clan kamen die Weisen Frauen, um von ihr zu lernen. Ich glaube, da� so starke Liebe oder so starker Ha� sehr selten sind, aber sie behauptete, ihr sei es zweimal so ergangen, zuerst mit dem ersten Mann, den sie geheiratet hatte, und einmal bei einer Rivalin, die ihr ihren dritten Mann streitig machen wollte.�</p><p>�Dreihundert?� rief Egwene, die gerade einen weichen, kniehohen Wildlederstiefel zur H�lfte zugebunden hatte. So lange lebten nicht einmal Aes Sedai!</p><p>�Ich sagte, da� man sich das erz�hlte�, erwiderte Bair l�chelnd. �Manche Frauen altern langsamer als andere, so wie Amys, und wenn es dann auch noch eine legend�re Frau wie Mora ist, bl�hen die Ger�chte. Eines Tages werde ich Euch erz�hlen, wie Mora einen Berg versetzte. Zumindest angeblich.�</p><p>�Eines Tages?� fragte Melaine �bertrieben h�flich. Offensichtlich schmollte sie noch immer, weil sich in Baels Traum irgend etwas ereignet hatte und die anderen davon wu�ten. �Ich habe jede Geschichte �ber Mora schon als Kind geh�rt. Ich glaube, ich kann sie auswendig. Falls Egwene jemals mit Anziehen fertig wird, sollten wir daf�r sorgen, da� sie etwas i�t.� Ein Glitzern in ihren Augen sagte Egwene, sie werde pers�nlich jeden Bissen beaufsichtigen und zusehen, da� sie ihn auch schluckte. Ganz eindeutig war ihr Verdacht hinsichtlich Egwenes Gesundheit keineswegs ausger�umt. �Und den Rest ihrer Fragen beantworten.�</p><p>Hektisch gr�belte Egwene nach, um auf eine weitere Frage zu kommen. Meist hatte sie einen ganzen Schwung davon auf Lager, doch die Ereignisse der letzten Nacht hatten nur diese eine davon �briggelassen. Falls sie es dabei belie�, k�me ihnen vielleicht der Verdacht, sie frage nur deshalb, weil sie sich weggeschlichen habe, um in fremden Tr�umen herumzuspionieren. Noch eine Frage. Sie wollte nicht auf ihre eigenen seltsamen Tr�ume eingehen. Manche von ihnen hatten wahrscheinlich eine Bedeutung, die sie herauszufinden gedachte. Anaiya behauptete, Egwene sei ein Tr�umer und f�hig, den Verlauf zuk�nftiger Ereignisse vorauszusagen, und auch diese drei Frauen hier hielten das f�r m�glich, waren aber der Meinung, sie m�sse das ganz von allein lernen. Au�erdem wollte sie nicht gern mit irgend jemand �ber ihre Tr�ume sprechen. Diese drei Frauen wu�ten ohnehin schon mehr als ihr lieb war von dem, was sich in ihrem Kopf abspielte. �Ach ... wie steht es mit Traumg�ngerinnen, die nicht zu den Weisen Frauen geh�ren? Ich meine, trefft Ihr jemals andere Frauen in <emphasis>Tel'aran'rhiod?�</emphasis></p><p>�Manchmal�, sagte Amys, �aber nicht h�ufig. Ohne eine Lehrerin, die sie anleitet, kann es sein, da� eine Frau �berhaupt nicht bemerkt, da� sie mehr als nur lebhafte Tr�ume erlebt.�</p><p>�Und au�erdem�, f�gte Bair hinzu, �kann es aufgrund ihrer Unwissenheit geschehen, da� der Traum sie t�tet, bevor sie...�</p><p>Egwene entspannte sich, da sie sich nun in sicherem Abstand von dem gef�hrlichen Thema bewegten. Sie hatte bereits eine deutlichere Antwort erhalten, als sie urspr�nglich gehofft hatte. Es war ihr jetzt klar, da� sie Gawyn liebte � <emphasis>Tats�chlich?</emphasis> fl�sterte eine Stimme in ihr. <emphasis>Warst du bereit, das zuzugeben? �</emphasis> und seine Tr�ume deuteten mit Gewi�heit an, da� auch er sie liebte. Jedoch ... wenn die M�nner in wachem Zustand Dinge sagten, die sie gar nicht so meinten, konnten sie so etwas wom�glich auch tr�umen. Doch nun hatten die Weisen Frauen ihr best�tigt, da� er sie liebte ... stark genug, um alles zu �berw�ltigen, was sie... Nein.</p><p>Damit mu�te sie sich sp�ter besch�ftigen. Sie hatte noch nicht einmal die blasseste Ahnung, wo er sich befinden mochte. Das wichtigste war im Moment nur, da� sie die Gefahr erkannt hatte. Beim n�chsten Mal w�rde sie Gawyns Traum rechtzeitig erkennen und ihn meiden. <emphasis>Falls du das wirklich willst,</emphasis> wisperte diese kleine Stimme. Sie hoffte nur, die Weisen Frauen w�rden die R�te, die in ihren Wangen aufstieg, als Zeichen bl�henden Aussehens werten. Und sie w�nschte, sie kenne die Bedeutung ihrer Tr�ume. Falls sie eine hatten.</p><p>G�hnend erklomm Elayne die Stufen einer kleinen gemauerten Veranda, um �ber die K�pfe der Menge hinwegblicken zu k�nnen. Heute befanden sich keine Soldaten in Salidar, aber die Menschen verstopften die Stra�en oder hingen in den Fenstern. Alles verharrte in ged�mpfter Erwartung und beobachtete die Kleine Burg. Das Umherscharren von F��en und ein gelegentliches Husten des aufsteigenden Staubs wegen waren die einzigen Ger�usche. Trotz der Hitze des fr�hen Morgens r�hrten sich die Leute kaum, au�er um sich von Zeit zu Zeit mit einem F�cher oder einem Hut Luft zuzuwedeln.</p><p>Leane stand in einer L�cke zwischen zwei strohgedeckten H�usern am Arm eines hochgewachsenen Mannes mit hartem Gesicht, den Elayne noch nie gesehen hatte. �Am Arm� war noch sehr untertrieben. Zweifellos war er einer von Leanes Spionen. Die meisten der Augen-und-Ohren der Aes Sedai waren Frauen, aber Leanes Agenten schienen durchweg M�nner zu sein. Zumeist hielt sie diese Leute vor allen neugierigen Blicken verborgen, doch Elayne hatte ein oder zweimal bemerkt, wie sie eine unbekannte Wange t�tschelte oder zu einem fremden Augenpaar emporl�chelte. Sie hatte keine Ahnung, wie Leane das anstellte. Elayne war sicher, wenn sie diese Domanitricks anwandte, w�rde der Bursche glauben, sie habe ihm eine Menge mehr versprochen, als sie wirklich beabsichtigte, doch diese M�nner lie�en sich von Leane t�tscheln und anl�cheln und trabten anschlie�end so gl�ckselig davon, als habe man ihnen eine Truhe voll Gold geschenkt.</p><p>An einem anderen Ort inmitten der Menge ersp�hte Elayne Birgitte, die sich klugerweise heute morgen von ihr fernhielt. Ausnahmsweise war diese schreckliche Areina heute nirgendwo zu sehen. Die Nacht war �u�erst ereignisreich verlaufen, und Elayne war erst zu Bett gegangen, als sich der Himmel bereits grau f�rbte. Um der Wahrheit treu zu bleiben, w�re sie �berhaupt nicht schlafen gegangen, h�tte Birgitte nicht zu Aschmanaille gesagt, sie glaube, Elayne falle fast schon im Stehen um. Nat�rlich war sie nicht ihres Aussehens wegen darauf gekommen; die Verbindung mit einem Beh�ter machte sich auf beiden Seiten bemerkbar. Und wenn schon! Was machte denn ein bi�chen Ersch�pfung aus? Es hatte noch soviel zu tun gegeben, und sie war immer noch in der Lage gewesen, mehr Macht zu lenken als die H�lfte aller Aes Sedai in Salidar. Diese Verbindung zu ihr sagte eindeutig aus, da� Birgitte noch nicht geschlafen hatte. Sie nicht! Elayne wurde ins Bett gesteckt wie eine Novizin, w�hrend Birgitte die ganze Nacht lang Verwundete herumschleppen und Tr�mmer beseitigen durfte!</p><p>Ein kurzer Blick zeigte ihr, da� Leane jetzt allein war und sich durch die Menge hindurchdr�ngte, um einen besseren Standpunkt zu finden, von dem aus sie alles beobachten konnte. Von dem hochgewachsenen Mann war nichts mehr zu sehen.</p><p>Eine g�hnende Nynaeve mit verschlafenen Augen kletterte zu ihr hoch, wobei sie mit entschlossenem Blick einen Holzf�ller mit einer Lederweste zur�ckhielt, der ihren Platz einnehmen wollte. Vor sich hin knurrend schob sich der Bursche in die Menge zur�ck.</p><p>Elayne w�nschte, Nynaeve w�rde so etwas nicht machen. Das G�hnen nat�rlich � nicht den Blick. Ihr Unterkiefer knackte vor Anstrengung, als sie unwillk�rlich Nynaeve nacheiferte. Birgitte hatte eine Entschuldigung �na ja, keine richtige, aber doch ein bi�chen � aber Nynaeve keineswegs! Theodrin konnte ja wohl nicht erwartet haben, da� sie nach den Ereignissen der letzten Nacht wirklich wach bleibe, und Elayne hatte selbst geh�rt, wie Anaiya zu ihr sagte, sie solle ins Bett gehen. Aber als Elayne hereinkam, hatte sie auf dem Hocker balanciert, obwohl dessen eines Bein schief wegstand. Alle zwei Minuten war ihr Kopf herabgesunken, als sie einnickte, doch dann hatte sie sich wieder zusammengerissen und etwas gemurmelt, da� sie es Theodrin schon zeigen werde, und sie werde es allen zeigen.</p><p>Das Armband des <emphasis>A'dam</emphasis> vermittelte Elayne ein Gef�hl der Furcht, aber auch etwas, das sie durchaus als Heiterkeit auslegen mochte. Moghedien hatte die Nacht damit verbracht, sich unter ihrem Bett zu verkriechen, unber�hrt und, weil sie so gut versteckt war, ohne auch nur ein paar kleine Tr�mmerst�cke beseitigen zu m�ssen. Sie hatte sich sogar ausschlafen k�nnen, sobald einmal der schlimmste L�rm vor�ber war. Wie es schien, traf die alte Redensart vom Gl�ck des Dunklen K�nigs gelegentlich zu.</p><p>Nynaeve fing schon wieder zu g�hnen an, und Elayne ri� den Blick von ihr los. Trotzdem mu�te sie die Hand vorhalten und sich � nicht ganz erfolgreich �zwingen, Nynaeve nicht zu imitieren. Das Geschabe der F��e und das Husten klang allm�hlich ungeduldig.</p><p>Die Sitzenden befanden sich noch immer mit Tarna in der Kleinen Burg, aber der braune Wallach der Roten stand schon auf der Stra�e vor der ehemaligen Schenke. Ein Dutzend Beh�ter hielten ihre Pferde am Z�gel. Ihre farbver�ndernden Umh�nge lie� den Blick schmerzen, wenn man sie direkt ansah. Sie stellten eine Ehrengarde dar, die Tarna die ersten Meilen �ber auf ihren Weg nach Tar Valon geleiten w�rden. Die Menge erwartete allerdings mehr als nur die Abreise der Abgesandten der Burg. Die meisten Menschen wirkten genauso ersch�pft wie sich Elayne f�hlte.</p><p>�Man k�nnte denken, sie sei ... sei...� Nynaeve g�hnte schon wieder hinter vorgehaltener Hand.</p><p>�Oh, Blut und Asche�, knurrte Elayne. Oder vielmehr, sie versuchte, diese Worte herauszubringen, aber alles nach dem �oh� klang wie ein ersticktes Kr�chzen, weil auch sie schon wieder ein G�hnen zur�ckhalten mu�te. Lini sagte, Bemerkungen wie diese seien ein Zeichen f�r Dummheit und schlechtes Benehmen � danach hatte sie ihr gew�hnlich den Mund mit Seife ausgewaschen � aber manchmal dr�ckte nichts anderes ihre Gef�hle so treffend aus wie diese Worte. Sie h�tte beinahe noch mehr gesagt, hatte aber keine M�glichkeit mehr.</p><p>�Warum veranstalten sie nicht gleich eine Prozession f�r sie?� grollte Nynaeve. �Ich sehe nicht ein, wieso sie so ein Brimborium um diese Frau machen.� Und sie g�hnte wieder. Schon wieder!</p><p>�Weil sie eine Aes Sedai ist, Schlafm�tze�, sagte Siuan, die sich ihnen gerade anschlo�. �Zwei Schlafm�tzen�, stellte sie nach einem Blick auf Elayne fest. �Ihr werdet noch Elritzen mit dem Mund fangen, wenn Ihr so weitermacht.� Elayne klappte den Mund blitzschnell zu und sah die Frau mit ihrem eisigsten Blick an. Wie gew�hnlich, glitt das an dieser ab wie Regen an glasierten Dachziegeln. �Tarna ist nun einmal eine Aes Sedai�, fuhr Siuan fort, wobei sie zu den wartenden Pferden hin�bersah. Vielleicht war es auch der saubere Karren, den man vor das gro�e Steingeb�ude gezogen hatte, der ihren Blick anzog. �Eine Aes Sedai ist eben eine Aes Sedai, und daran �ndert sich nichts.� Nynaeve warf ihr einen Blick zu, den sie nicht bemerkte.</p><p>Elayne war froh, da� Nynaeve den Mund hielt, denn die sich anbietende Antwort w�re vermutlich beleidigt aufgenommen worden. �Wie viele Opfer hat die letzte Nacht gekostet?�</p><p>Siuan antwortete, ohne den Blick von dem Punkt zu wenden, an dem Tarna auftauchen mu�te: �Sieben Tote, allein hier im Dorf. Fast hundert im Soldatenlager.</p><p>All diese Schwerter und �xte und Mordinstrumente, die dort herumliegen, und niemand vorhanden, der sie mit Hilfe der Macht zur Ruhe bringen konnte. Jetzt sind ein paar Schwestern dort drau�en, um Verwundete zu heilen.�</p><p>�Lord Gareth?� fragte Elayne mit einer Andeutung von Sorge in der Stimme. Der Mann verhielt sich mittlerweile ihr gegen�ber kalt, aber einst hatte er immer ein warmes L�cheln f�r ein Kind �briggehabt, und dazu eine Tasche voll S��igkeiten.</p><p>Siuan schnaubte so laut, da� sich einige Leute zu ihnen umwandten. �Der�, brummte sie. �Ein Barrakuda w�rde sich an diesem Mann die Z�hne ausbei�en.�</p><p>�Ihr habt heute morgen eine sch�ne Laune�, sagte Nynaeve. �Habt Ihr endlich erfahren, welche Botschaft die Kleine Burg Tarna mitgibt? Oder hat Gareth Bryne Euch um Eure Hand gebeten? Ist jemand gestorben, ohne Euch etwas zu hinterlas...?�</p><p>Elayne bem�hte sich, Nynaeve nicht anzusehen, denn selbst das Ger�usch eines G�hnens setzte sofort die eigenen Kiefer in Bewegung.</p><p>Siuan warf Nynaeve einen mi�billigenden Blick zu, aber ausnahmsweise einmal gab die den Blick mit gleicher M�nze zur�ck, wenn auch ihre Augen vor M�digkeit tr�nten.</p><p>�Falls Ihr etwas in Erfahrung gebracht habt�, unterbrach Elayne, bevor sich die beiden bis zur Bewu�tlosigkeit anstarrten, �dann sagt es uns.�</p><p>�Eine Frau, die behauptet, eine Aes Sedai zu sein, obwohl sie es nicht ist�, murmelte Siuan in ganz beil�ufigem Tonfall, �steckt bis zum Hals in kochendem Wasser, das stimmt. Aber hat sie behauptet, einer bestimmten Ajah anzugeh�ren, dann hat diese Ajah den ersten Zugriff auf sie. Hat Myrelle Euch jemals erz�hlt, wie sie in Chachin eine Frau erwischte, die angeblich zu den Gr�nen geh�rte? Eine fr�here Novizin, die bei der Pr�fung zur Aufgenommenen versagt hatte. Fragt sie danach, wenn sie einmal ein oder zwei Stunden Zeit hat. Sie wird so lange brauchen, um die ganze Geschichte zu erz�hlen. Dieses t�richte M�dchen d�rfte sich wohl gew�nscht haben, statt dessen einer D�mpfung unterzogen worden zu sein, bevor Myrelle noch mit ihr fertig war � eine D�mpfung und dann auch noch enthauptet.�</p><p>Aus irgendeinem Grund zeigte diese Drohung genausowenig Wirkung auf Nynaeve als der Blick zuvor. Sie bebte noch nicht einmal kurz. Vielleicht waren sie beide einfach nur zu m�de. �Ihr sagt mir jetzt, was Ihr wi�t�, drohte Elayne mit ged�mpfter Stimme, �oder ich werde Euch das n�chste Mal, wenn wir allein sind, das Geradestehen beibringen. Hinterher k�nnt Ihr meinetwegen wimmernd zu Sheriam rennen.� Siuan zog die Augen zu schmalen Schlitzen zusammen, und pl�tzlich jaulte Elayne auf und pre�te eine Hand gegen ihre H�fte.</p><p>Siuan zog die Hand zur�ck, mit der sie zugekniffen hatte, ohne auch nur zu versuchen, die Geste zu vertuschen. �Ich reagiere ziemlich sauer auf Drohungen, M�dchen. Ihr wi�t genauso wie ich, was Elaida gesagt hat, denn Ihr habt die Botschaft vor jeder hier Anwesenden bereits gesehen.�</p><p>�Kommt zur�ck; alles sei Euch vergeben?� fragte Nynaeve ungl�ubig.</p><p>�So in etwa. Zusammen mit viel Geschw�tz dar�ber, da� die Burg wieder eine Einheit werden mu�, jetzt mehr denn je, und dazu einigen aalglatten Formulierungen da� niemand sich f�rchten m�sse �au�er jenen, die sich in die F�nge wahrer Rebellion begeben h�tten�. Das Licht mag wissen, was das bedeuten soll. Ich wei� es nicht.�</p><p>�Warum halten sie das geheim?� wollte Elayne wissen. �Sie k�nnen doch wohl nicht glauben, jemand w�rde sich freiwillig zu Elaida zur�ckbegeben. Sie brauchen doch nur Logain vorf�hren.� Siuan sagte nichts und beobachtete die wartenden Beh�ter mit finsterem Blick.</p><p>�Ich verstehe immer noch nicht, warum sie um mehr Zeit bitten�, knurrte Nynaeve. �Sie wissen doch, was sie zu tun haben.� Siuan schwieg weiter, aber Nynaeve zog pl�tzlich die Augenbrauen hoch. �Ihr habt ihre Antwort nicht gekannt!�</p><p>�Jetzt kenne ich sie.� Siuan sprach das abgehackt und hart aus, und dann murmelte sie etwas vor sich hin, was nach �verdammte Feiglinge� klang. Elayne stimmte ihr insgeheim zu.</p><p>Pl�tzlich �ffnete sich die Eingangst�r der ehemaligen Schenke. Ein halbes Dutzend Sitzende mit ihren Fransenstolen kamen heraus, eine aus jeder anwesenden Ajah, und dann Tarna, gefolgt von den �brigen. Falls die wartende Menge irgendeine Art von Zeremonie erwartet hatte, wurde sie herb entt�uscht. Tarna kletterte in den Sattel, musterte noch einmal gem�chlich die Gruppe der Sitzenden, warf der Menschenmenge einen Blick mit undurchschaubarer Miene zu und spornte sodann ihren Wallach an, im Schritt zwischen den Menschen hindurchzugehen. Die Eskorte von Beh�tern, die einen Kreis um sie gebildet hatte, bewegte sich im gleichen Schritt voran. W�hrend die Zuschauer vor ihnen zur�cktraten, erhob sich ein besorgtes Gemurmel oder Gesumme, wie in ihrer Ruhe gest�rter Bienen.</p><p>Das Gemurmel hielt an, bis Tarna au�er Sicht war und das Dorf verlassen hatte. Dann erst kletterte Romanda auf den Karren und r�ckte mit einer geschmeidigen Bewegung ihre mit gelben Fransen versehene Stola zurecht. Totenstille breitete sich aus. Es war Tradition, da� die �lteste der Sitzenden Beschl�sse des Saals �ffentlich verk�ndete. Nat�rlich bewegte sich Romanda keineswegs wie eine alte Frau, und ihr Gesicht zeigte wie bei all den anderen keine Alterserscheinungen. Doch wenn eine Aes Sedai ein h�heres Alter erreicht hatte, sah man das gew�hnlich an den grauen Str�hnen in ihrem Haar, und der Dutt an Romandas Hinterkopf war hellgrau und zeigte bereits nicht mehr die Spur einer dunkleren Farbe. Elayne fragte sich, wie alt sie sei, aber eine Aes Sedai nach ihrem Alter zu fragen, war wohl die gr��te Unh�flichkeit, die man sich vorstellen konnte.</p><p>Romanda verwob einfache Str�nge aus Luft so, da� ihre hohe Sopranstimme �berall gut h�rbar war.</p><p>Elayne h�rte sie, als st�nde ihr die Frau direkt gegen�ber. �Viele von Euch haben sich in den letzten Tagen Sorgen gemacht, allerdings ganz unn�tig. W�re Tarna Sedai nicht zu uns gekommen, h�tten wir von uns aus Botschaften an die Wei�e Burg gesandt. Schlie�lich kann man kaum behaupten, wir versteckten uns hier.� Sie hielt inne, als wolle sie der Menge Gelegenheit zu lachen geben, doch sie blickten sie lediglich schweigend an, und so r�ckte sie erneut ihre Stola zurecht. �Am Zweck unserer Anwesenheit hat sich nichts ge�ndert. Wir suchen nach der Wahrheit und nach Gerechtigkeit, um vollbringen zu k�nnen, was Rechtens ist und...�</p><p>�Rechtens f�r wen?� murmelte Nynaeve dazwischen.</p><p>�...und wir werden weder zaudern noch versagen. Erf�llt die Euch anvertrauten Aufgaben in der Gewi�heit, da� Ihr unter unseren H�nden geborgen seid, jetzt, ebenso wie nach unserer sicheren R�ckkehr an die uns zustehenden Pl�tze in der Wei�en Burg. Das Licht erleuchte Euch alle. Das Licht erleuchte uns alle.�</p><p>Das Gemurmel erhob sich wieder, und langsam begann sich die Menge zu r�hren, w�hrend Romanda herabkletterte. Siuans Gesicht h�tte auch aus Stein gehauen sein k�nnen; ihre Lippen waren so sehr aufeinandergepre�t, da� sie ganz blutleer erschienen. Elayne h�tte gern Fragen gestellt, aber Nynaeve h�pfte von der Veranda herunter und dr�ngte sich durch die Menge auf das dreist�ckige Steingeb�ude zu. Elayne ging ihr schnell hinterher. Letzte Nacht war Nynaeve bereit gewesen sorglos fortzuwerfen, was sie erfahren hatten. Es mu�te jedoch wohl�berlegt angebracht werden, falls es den Saal beeinflussen sollte. Und dies schien wahrhaftig notwendig zu sein. Romandas Proklamation war lediglich hei�e Luft gewesen und hatte gar nichts besagt. Aber Siuan regte sich offensichtlich dar�ber auf.</p><p>Elayne dr�ckte sich zwischen zwei grobschl�chtigen Kerlen hindurch, die Nynaeve b�se hinterherschauten � sie war ihnen tats�chlich auf die Zehen getreten, um vorbeizukommen �, und sah sich dann noch einmal um. Siuan beobachtete sie und Elayne aufmerksam. Allerdings nur einen Moment lang, denn sobald die Frau bemerkte, da� Elayne sie ertappt hatte, gab sie vor, nach irgend jemand in der Menge zu suchen. Sie h�pfte von der Veranda und tat so, als wolle sie zu dem Gesuchten hin�bergehen. Mit gerunzelter Stirn eilte Elayne weiter. War Siuan nun aufgebracht oder nicht? Wieviel an ihrem �rger und ihrer Unwissenheit war nur vorget�uscht? Nynaeves Einfall, nach Caemlyn wegzurennen, war mehr als nur t�richt, und Elayne war nicht sicher, ob sie diesen Plan mittlerweile aufgegeben habe. Und sie selbst freute sich auf Ebou Dar, weil sie dort endlich etwas wirklich N�tzliches vollbringen konnte. All diese Geheimniskr�merei und das Mi�trauen waren ihr zuwider, aber sie konnte auch nichts daran �ndern. Wenn nur Nynaeve nicht immer wieder in jedes Schlamassel hineintappen w�rde!</p><p>Sie holte Nynaeve in dem Augenblick ein, als diese Sheriam in der N�he des Karrens abfing, von dem aus Romanda gesprochen hatte. Auch Morvrin und Carlinya waren dabei, und alle drei hatten sich die Stolen umgelegt; s�mtliche Aes Sedai trugen heute morgen ihre jeweilige Stola. Carlinyas kurzgeschnittenes Haar wie eine Kappe aus dunklen Locken war das einzige Merkmal ihrer Beinahekatastrophe in <emphasis>Tel'aran'rhiod.</emphasis></p><p>�Wir m�ssen allein mit Euch sprechen�, sagte Nynaeve zu Sheriam. �Unter vier Augen.�</p><p>Elayne seufzte. Das war kein guter Beginn, wenn auch nicht der schlechteste.</p><p>Sheriam musterte die beiden einen Augenblick lang und warf Morvrin und Carlinya einen kurzen Blick zu. �Also gut. Kommt herein.�</p><p>Als sie sich zur T�r wandten, stand Romanda noch davor, eine kr�ftige, gutaussehende Frau mit dunklen Augen und einer Stola mit gelben Fransen, die �ber und �ber mit Blumen und Ranken bestickt war, bis auf die Flamme von Tar Valon zwischen ihren Schultern. Sie beachtete Nynaeve nicht, schenkte aber Elayne ein warmes L�cheln von der Art, die diese von den Aes Sedai gewohnt war und vor der es sie schon langsam graute. Sheriam, Carlinya und Morvrin gegen�ber zeigte sie jedoch eine andere Miene. Sie blickte sie ausdruckslos an, den Kopf hoch erhoben, bis sie einen leichten Knicks vollf�hrten und murmelten: �Mit Eurer Erlaubnis, Schwester.� Erst dann trat sie zur Seite und gab den Weg zur T�r frei, wobei sie vernehmlich schnaubte.</p><p>Die gew�hnlichen Leute auf der Stra�e bemerkten nichts von alledem, doch Elayne hatte unter den Aes Sedai einige Gespr�chsfetzen aufgeschnappt, die sich mit Sheriam und ihrer kleinen Ratsversammlung befa�ten. Manche glaubten, diese Gruppe sorgte lediglich f�r die allt�glichen Verwaltungsarbeiten in Salidar, damit der Saal sich mit wichtigeren Dingen besch�ftigen konnte. Einigen war klar, da� sie den Saal durchaus in seinen Entscheidungen beeinflu�ten, aber wie weit dieser Einflu� ging, hing von der Meinung derjenigen ab, die gerade das Wort f�hrten. Romanda geh�rte zu denen, die der Meinung waren, Sheriams Gruppe habe entschieden zuviel Einflu�, und was noch schlimmer war, sie hatte zwei Blaue, aber keine Gelbe in ihrem Rat. Elayne sp�rte ihre Blicke, als sie den anderen durch die T�r ins Innere folgte. Sheriam f�hrte sie in eines der Privatzimmer hinter dem ehemaligen Schankraum. Die Wandt�felung war wurmstichig, und auf dem Tisch an der einen Wand lag ein wildes Durcheinander von Papieren. Sie zog die Augenbrauen hoch, als Nynaeve sie bat, sie gegen Lauscher zu sch�tzen, doch dann wob sie wortlos ein Wachgewebe um das Innere des Zimmers. Da sich Elayne an Nynaeves Lauschman�ver erinnerte, �berpr�fte sie auch die beiden Fenster, ob sie dicht geschlossen seien. �Ich erwarte nun zumindest die Neuigkeit, da� sich Rand al'Thor auf dem Weg hierher befindet�, sagte Morvrin trocken. Die anderen beiden Aes Sedai tauschten einen kurzen Blick. Elayne unterdr�ckte ein Schmollen, da sie offensichtlich zu glauben schienen, sie und Nynaeve hielten irgendwelche Geheimnisse um Rand vor ihnen verborgen.</p><p>Sie und ihre ewige Geheimniskr�merei! �Das nicht�, sagte Nynaeve, �aber etwas, das auf eine andere Art genauso wichtig sein k�nnte.� Und dann sprudelte sie die Geschichte �ber ihren �Ausflug� nach Ebou Dar hervor und wie sie die Schale dieses <emphasis>Ter'Angreal</emphasis> gefunden hatten. Die Reihenfolge stimmte nicht ganz, und den Abstecher in die Burg erw�hnte sie nicht, aber die wesentlichen Punkte kamen dabei heraus.</p><p>�Seid Ihr sicher, da� diese Schale ein <emphasis>Ter'Angreal</emphasis> ist?� fragte Sheriam, als Nynaeve die Worte ausgingen. �Er kann das Wetter beeinflussen?�</p><p>�Ja, Aes Sedai�, antwortete Elayne schlicht. Es war am besten, sich anfangs sehr einfach auszudr�cken. Morvrin knurrte; die Frau zog alles in Zweifel.</p><p>Sheriam nickte und verschob ihre Stola. �Dann habt Ihr es gut gemacht. Wir werden Merilille einen Brief schicken.� Merilille Ceandevin war die Graue Schwester, die sie ausgesandt hatten, um die K�nigin in Ebou Dar f�r die Unterst�tzung Salidars zu gewinnen. �Wir ben�tigen alle Einzelheiten von Euch.�</p><p>�Sie wird sie niemals finden�, platzte Nynaeve heraus, bevor Elayne auch nur den Mund aufbekam. �Nur Elayne und ich k�nnen das.� Die Blicke der Aes Sedai k�hlten merklich ab.</p><p>�Es k�nnte sich wirklich als unm�glich f�r sie herausstellen�, warf Elayne hastig ein. �Wir <emphasis>sahen,</emphasis> wo sich die Schale befindet, und es wird trotzdem auch f�r uns schwierig werden. Doch wenigstens <emphasis>wissen</emphasis> wir, was wir gesehen haben. Das in einem Brief zu beschreiben, ist nicht das gleiche.�</p><p>�Ebou Dar ist kein Ort f�r Aufgenommene�, sagte Carlinya kalt.</p><p>Morvrins Tonfall klang ein wenig freundlicher, wenn auch immer noch m�rrisch, �Wir m�ssen alle das tun, Kind, was wir am besten k�nnen. Glaubt Ihr, Edesina oder Afara oder Guisin wollten nach Tarabon? Was k�nnen sie schon tun, um in dieses unruhige Land etwas Ordnung zu bringen? Aber wir m�ssen es zumindest versuchen, also gingen sie hin. Kiruna und Bera befinden sich wom�glich in dieser Minute auf dem R�ckgrat der Welt bei der Suche nach Rand al'Thor, von dem wir glaubten � nur glaubten � er halte sich in der Aielw�ste auf. Also schickten wir sie hin. Da� wir recht hatten, macht ihre Reise nicht weniger vergeblich, da er l�ngst nicht mehr in der W�ste ist. Wir alle tun, was wir k�nnen und was wir m�ssen. Ihr beiden seid Aufgenommene. Aufgenommene laufen nicht fort nach Ebou Dar oder sonstwohin. Was Ihr beiden tun k�nnt und m��t, ist, hierzubleiben und zu lernen. W�rt Ihr bereits fertige Schwestern, w�rde ich Euch trotzdem hierbehalten. Niemand hat w�hrend der letzten hundert Jahre solche Entdeckungen gemacht wie Ihr, eine solche Anzahl in so kurzer Zeit.�</p><p>Da Nynaeve eben Nynaeve war, k�mmerte sie sich nicht um Dinge, die sie nicht h�ren wollte, und konzentrierte sich auf Carlinya. �Wir haben uns auch auf uns gestellt sehr gut durchgesetzt, vielen Dank. Ich bezweifle, da� Ebou Dar schlimmer wird als Tanchico.�</p><p>Elayne glaubte nicht, da� der Frau bewu�t war, mit welch t�dlichem W�rgegriff sie ihren Zopf gepackt hatte. W�rde Nynaeve niemals begreifen, da� man mit H�flichkeit das erreichte, was man sich mit Ehrlichkeit verdarb? �Ich verstehe Euren Standpunkt sehr gut, Aes Sedai�, sagte Elayne, �doch wie unbescheiden es auch klingen mag, gleichwohl ist es wahr, da� ich viel eher in der Lage bin, einen <emphasis>Ter'Angreal</emphasis> aufzusp�ren, als sonst jemand in Salidar. Und Nynaeve und ich wissen besser, wo wir danach suchen m�ssen, als wir je auf Papier wiedergeben k�nnten. Ich bin �berzeugt, wenn Ihr uns zu Merilille Sedai schickt, werden wir ihn unter ihrer F�hrung in k�rzester Zeit ausfindig machen. Ein paar Tage nach Ebou Dar mit dem Schiff und ein paar Tage zur�ck, und dazwischen wenige Tage unter Merilille Sedais F�hrung in Ebou Dar selbst.� Es kostete �berwindung, an dieser Stelle nicht tief durchzuatmen. �In der Zwischenzeit k�nntet Ihr einer der Augen-und-Ohren Siuans in Caemlyn eine Botschaft senden, damit sie vorliegt, wenn Merana Sedai und die Gesandtschaft dort ankommt.�</p><p>�Warum, beim Licht, sollten wir das tun?� polterte Morvrin.</p><p>�Ich dachte, Nynaeve habe Euch das erkl�rt Aes Sedai. Ich bin nicht ganz sicher, aber ich glaube, wenn man die Schale aktiviert, wird es notwendig sein, da� auch ein Mann mitwirkt.�</p><p>Das l�ste nat�rlich einen kleineren Aufruhr aus. Carlinya schnappte nach Luft, Morvrin knurrte in sich hinein und Sheriam stand der Mund offen vor Verbl�ffung. Auch Nynaeve ri� den Mund auf, doch nur einen Augenblick lang. Elayne war sicher, da� die anderen es nicht bemerkt hatten. Die waren aber zu erschlagen, um viel zu bemerken. Dabei war das Ganze einfach eine L�ge gewesen. �Einfach� war das Schl�sselwort in diesem Fall. Angeblich waren die gr��ten Leistungen im Zeitalter der Legenden von M�nnern und Frauen gemeinsam vollbracht worden, vermutlich miteinander verkn�pft. H�chstwahrscheinlich gab es <emphasis>Ter'Angreal,</emphasis> die nur von einem Mann ben�tzt werden konnten. Auf jeden Fall war es so: wenn <emphasis>sie</emphasis> nicht allein die Schale ben�tzen konnte, dann konnte es auch niemand anders in Salidar. Au�er vielleicht Nynaeve. Falls aber Rand dazu notwendig war, konnten sie trotzdem die Chance nicht vertun, etwas in bezug auf das Wetter zu unternehmen; und wenn es soweit war und sie �entdeckte�, da� auch ein Zirkel von Frauen mit der Sch�ssel arbeiten konnte, hatten sich die Aes Sedai in Salidar bereits eng an Rand gebunden, wie sie hoffte, und k�men ohnehin nicht mehr von ihm los.</p><p>�Das ist alles sch�n und gut�, sagte Sheriam schlie�lich, �aber es �ndert nichts an der Tatsache, da� Ihr Aufgenommene seid. <emphasis>Wir</emphasis> werden Merilille einen Brief senden. Es hat �ber Euch beide bereits Gerede gegeben...�</p><p>�Gerede�, fauchte Nynaeve. �Das ist alles, was Ihr macht, Ihr <emphasis>und</emphasis> der Saal! Reden! Elayne und ich k�nnen diesen <emphasis>Ter'Angreal</emphasis> finden, aber Ihr gackert lieber wie die Legehennen!� Sie �berschlug sich fast, so brach es aus ihr heraus. Dabei zerrte sie st�ndig derart an ihrem Zopf, da� Elayne f�rchtete, sie werde ihn sich endg�ltig ausrei�en. �Ihr sitzt hier herum und hofft, da� Thom und Juilin und die anderen zur�ckkehren und Euch berichten, die Wei�m�ntel h�tten nicht vor, �ber uns hereinzubrechen wie ein Haus im Erdbeben, obwohl es auch sein k�nnte, da� ihnen die Wei�m�ntel auf den Fersen folgen. Ihr sitzt herum und br�tet �ber den Problemen mit Elaida, statt das zu tun, was Ihr gesagt hattet, und immer noch kommt Ihr mit Rand nicht klar. Wi�t Ihr denn noch nicht, wie Ihr Euch ihm gegen�ber verhalten sollt? Keine Ahnung, obwohl Eure Gesandten auf dem Weg nach Caemlyn sind? Ist Euch bewu�t, warum Ihr nur herumsitzt und quatscht? Ich wei� es! Ihr habt Angst! Angst, weil die Burg gespalten ist, Angst vor Rand, den Verlorenen, den Schwarzen Ajah. Letzte Nacht ist Anaiya entschl�pft, da� Ihr einen Plan in der Tasche h�ttet, falls einer der Verlorenen angreift. All diese Zirkel, die sich verkn�pften, und das ausgerechnet auf einer Blase des B�sen � glaubt Ihr wenigstens mittlerweile an deren Existenz? �, aber alle falsch zusammengesetzt und die meisten mit mehr Novizinnen als Aes Sedai besetzt. Weil nur ein paar Aes Sedai rechtzeitig davon erfahren hatten. Ihr glaubt, die Schwarzen Ajah sitzen bereits hier in Salidar. Ihr hattet Angst, Euer Plan k�nne an Sammael oder einen der anderen verraten werden. Ihr traut Euch gegenseitig nicht! Wollt Ihr uns deshalb nicht nach Ebou Dar schicken? Glaubt Ihr etwa, <emphasis>wir</emphasis> geh�rten zu den Schwarzen Ajah, oder wir rennen fort zu Rand, oder ... oder...!� Sie endete schwer atmend und zornrot. W�hrend der ganzen Tirade hatte sie kaum einmal Luft geholt.</p><p>Elaynes erster verlegener Impuls war, die Wogen irgendwie zu gl�tten, obwohl sie nicht die geringste Ahnung hatte, wie sie das anstellen sollte. Genauso leicht h�tte sie eine Bergkette gl�tten k�nnen. Doch es waren die Aes Sedai, die sie ihre Sorge vergessen lie�en, da� Nynaeve alles verdorben h�tte. Diese ausdruckslosen Mienen, diese Blicke, die noch in der Lage schienen, durch Stein hindurchzublicken, h�tten eigentlich gar nichts aussagen d�rfen. Aber nun dr�ckten sie doch etwas aus, oder jedenfalls glaubte sie das. Da war nichts von jener kalten Wut zu sehen, die jeden treffen w�rde, der dumm genug war, die Aes Sedai derart herunterzuputzen. Nein, sie bem�hten sich lediglich, ihre wahren Gef�hle zu vertuschen, und das einzige, was sie vertuschen konnten, war die Wahrheit, eine Wahrheit, die sie sogar vor sich selbst nicht zugeben wollten. Sie hatten tats�chlich Angst.</p><p>�Seid Ihr nun fertig?� fragte Carlinya in einem Tonfall, der selbst die Sonne auf ihrer Bahn zu Eis erstarren lassen konnte.</p><p>Elayne mu�te niesen und stie� sich deshalb den Kopf an der Seite des auf der Seite liegenden Kessels. Der Gestank nach angebrannter Suppe f�llte ihre Nase. Die Vormittagssonne hatte das dunkle Innere des gro�en Kochkessels so erhitzt, da� es schien, als h�nge er immer noch �ber dem Feuer. Schwei� tropfte ihr von der Stirn. Nein, er fl�� in Str�men. Sie lie� den groben Bimssteinbrocken fallen, kroch auf den Knien r�ckw�rts aus dem Kessel und stierte w�tend die Frau neben ihr an. Oder vielmehr, die H�lfte der Frau, die aus einem etwas kleineren Kessel herausragte, der neben ihrem seitlich gekippt lag. Sie stie� Nynaeve in die Rippen und l�chelte grimmigzufrieden, als ihr Sto� diese dazu brachte, ebenfalls mit dem Kopf kr�ftig an die Kesselwand zu sto�en und kurz aufzujaulen. Nynaeve kroch mit einem wilden Blick r�ckw�rts heraus, wobei sie gleichzeitig hinter vorgehaltener Hand ein G�hnen unterdr�ckte. Elayne gab ihr keine Gelegenheit, etwas zu sagen.</p><p>�Du mu�test einfach explodieren, ja? Du konntest dich nicht einmal f�nf Minuten lang beherrschen. Wir hatten alles in der Hand, aber du mu�test uns einen Tritt in die Fersen versetzen.�</p><p>�Sie h�tten uns sowieso nicht nach Ebou Dar gelassen�, brummte Nynaeve. �Und ich war nicht die einzige, die uns in die Fersen getreten hat.� Sie hob das Kinn auf eine l�cherliche Art und Weise an, so da� sie �ber die Nase herunterschielen mu�te, um Elayne anzusehen. �Die Aes Sedai beherrschen ihre Furcht�, sagte sie in einem Tonfall, der geeignet war, einen betrunkenen Landstreicher zu belehren, der einem ins Pferd gelaufen ist, �und sie gestatten ihr nicht, sie zu beherrschen. F�hrt uns an, und wir werden Euch frohen Mutes folgen, aber Ihr m��t uns f�hren und nicht �ngstlich kuschen und hoffen, da� irgend etwas Eure Sorgen wie Seifenblasen platzen l��t�</p><p>Elaynes Wangen brannten. So hatte sie keineswegs ausgesehen. Und so hatte sie auch nicht gesprochen. �Na ja, vielleicht sind wir beide etwas �ber das Ziel hinausgeschossen, aber...� Sie verstummte beim Ger�usch von Schritten.</p><p>�Haben sich die goldenen Kinder der Aes Sedai entschlossen, eine Pause einzulegen?� Faolains L�cheln war so weit von einer freundlichen Miene entfernt, wie das nur m�glich war. �Ich bin auch nicht gerade zum Spa� hier, m��t Ihr wissen. Ich hatte vor, heute an einem eigenen Projekt zu arbeiten, das auch nicht viel hinter dem zur�cksteht, was Ihr goldenen Kinder getan habt, wie ich glaube. Statt dessen mu� ich Aufgenommene, die ges�ndigt haben, beim Topfschrubben beaufsichtigen. Pa�t auf, da� Ihr euch nicht fortschleicht wie armselige Novizinnen. Aber das solltet Ihr eigentlich auch noch sein. Zur�ck an die Arbeit! Ich kann nicht weg, bis Ihr fertig seid, und ich habe nicht vor, den ganzen Tag hier zu verbringen.�</p><p>Die Frau mit dem dunklen Teint und den lockigen Haaren war ebenso wie Theodrin mehr als eine Aufgenommene, aber weniger als eine Aes Sedai. Den gleichen Rang h�tten auch Elayne und Nynaeve eingenommen, h�tte sich Nynaeve nicht benommen wie eine Katze, der jemand auf den Schwanz getreten ist. Nynaeve und auch sie selbst, berichtigte sich Elayne reum�tig. Sheriam hatte ihnen das mitgeteilt, mitten in einem Gespr�ch, in dessen Verlauf sie ihnen erkl�rt hatte, wie lange sie ihre �Freizeit� in der K�che zubringen w�rden und zwar mit den schmutzigsten Arbeiten, die die K�chinnen fanden. Und nach Ebou Dar w�rden sie in keinem Fall gesandt; auch das hatte sie ihnen klargemacht. Bis zum Mittag w�rde ein Brief an Merilille auf dem Weg sein, wenn er nicht schon unterwegs war.</p><p>�Es ... tut mir leid�, sagte Nynaeve, und Elayne sah sie mit gro�en Augen an. Entschuldigungen von Nynaeve waren so selten wie Schnee mitten im Sommer.</p><p>�Mir tut es auch leid, Nynaeve.�</p><p>�Ja, das sollte es auch�, warf Faolain ein. �So leid, wie es nur m�glich ist. Jetzt aber wieder an die Arbeit! Sonst finde ich vielleicht noch einen Grund, Euch zu Tiana zu schicken, wenn Ihr hier fertig seid.�</p><p>Nach einem Verzeihung heischenden Blick zu Nynaeve kroch Elayne in den Kessel zur�ck und attackierte die eingebrannte Suppe mit dem Bimsstein, als gehe sie auf Faolain los. Steinstaub und Fetzen schwarz verkohlter Gem�sereste stoben umher. Nein, nicht Faolain. Die Aes Sedai, die herumsa�en, anstatt etwas zu unternehmen. Sie <emphasis>w�rde</emphasis> nach Ebou Dar kommen und sie <emphasis>w�rde</emphasis> diesen <emphasis>Ter'Angreal</emphasis> finden; und sie <emphasis>w�rde</emphasis> ihn dazu ben�tzen, Sheriam und den ganzen Rest an Rand zu binden. Auf den Knien! Ihr heftiges Niesen zog ihr fast die Schuhe aus.</p><p>Sheriam wandte sich von der Stelle ab, von der aus sie durch eine L�cke im Zaun die jungen Frauen beobachtet hatte, und ging die enge Gasse mit der Handvoll verwelkter Unkr�uter und Stoppeln entlang. �Ich bedaure das.� Da sie sich jedoch an Nynaeves Worte und ihren Tonfall dabei erinnerte � genau wie an das, was Elayne von sich gegeben hatte, das verdorbene Kind! � und f�gte hinzu: �Ein wenig.�</p><p>Carlinya schnaubte h�hnisch. Das konnte sie sehr gut. �Wollt Ihr n�chstens Aufgenommenen mitteilen, was weniger als zwei Dutzend Aes Sedai wissen?� Nach einem scharfen Blick von Sheriam klappte sie den Mund zu.</p><p>�Es gibt Ohren, wo wir sie am wenigsten erwarten�, sagte Sheriam leise.</p><p>�Diese M�dchen haben in einer Hinsicht recht�, sagte Morvrin. �Der Gedanke an al'Thor l��t mir die Knie zittern. Welche M�glichkeiten haben wir denn noch, was ihn betrifft?�</p><p>Sheriam wu�te nicht genau, ob sie nicht schon vor langer Zeit alle Wahlm�glichkeiten verloren hatten. Schweigend schritten sie weiter.</p></section><section><title><p>16</p><p>Was das Rad verr�t</p></title><p>Mit dem Drachenszepter auf den Knien sa� Rand entspannt auf dem Drachenthron. Oder zumindest tat er so, als sitze er gem�tlich da. Throne waren nicht zur Entspannung geschaffen, und dieser am wenigsten von allen, wie es schien, und doch fa�te auch diese Tatsache nur einen Teil seiner Schwierigkeiten zusammen. Auch, da� er Alanna st�ndig wahrnahm, war nur ein Teil, obwohl das Gef�hl ihn andauernd irritierte. Falls er das den T�chtern sagte, w�rden sie... Nein. Wie konnte er auch nur daran denken? Er hatte sie gen�gend eingesch�chtert, damit sie sich zur�ckhielt. Sie hatte noch nicht einmal versucht, die Innenstadt zu betreten. Er w�rde es wissen, wenn sie das tat. Nein, im Augenblick war Alanna eine noch geringere Sorge als das v�llig unzureichende Sitzkissen.</p><p>Trotz des silbergeschm�ckten blauen Kurzmantels, den er bis zum Kragen zugekn�pft hatte, konnte ihm die Hitze nichts anhaben. Er beherrschte Taims Trick mittlerweile wirklich gut. Doch wenn reine Ungeduld Schwei� hervorriefe, h�tte er jetzt tropfen m�ssen, als sei er gerade aus einem Flu� gestiegen. Sich k�rperlich abzuk�hlen, stellte kein Problem mehr dar. Im Gegensatz zum Stillsitzen. Er hatte vor, Elayne Andor vollst�ndig und ohne gr��ere Sch�den zu �bergeben, und heute morgen w�rde er den ersten gr��eren Schritt tun, um das sicherzustellen. Falls sie jemals ankamen.</p><p>�...und au�erdem�, sagte der hochgewachsene, knochige Mann, der vor dem Thron stand, mit monotoner Stimme, �eintausendvierhundertundreiundzwanzig Fl�chtlinge aus Murandy, f�nfhundertsiebenundsechzig aus Altara und einhundertneun aus Illian. Soweit die Volksz�hlung innerhalb des eigentlichen Stadtgebiets bis heute ermitteln konnte, mu� ich dazu sagen.� Die wenigen B�schel grauen Haars, die Halwin Norry geblieben waren, standen hinter seinen Ohren steif wie Schreibfedern empor, was gut zu ihm pa�te, denn er war Morgases Hauptbuchhalter gewesen. �Ich habe f�r die Z�hlung dreiundzwanzig weitere Schreiber eingestellt, aber ihre Anzahl ist dem Ansturm immer noch keineswegs gewachsen und...�</p><p>Rand h�rte nicht mehr hin. Er war wohl dankbar daf�r, da� der Mann nicht wie so viele andere weggelaufen war, aber er war nicht sicher, ob f�r Norry irgend etwas anderes existierte als die Zahlen in seinen B�chern. Er verlas die Anzahl der Todesf�lle w�hrend der Woche und den Preis der Zwiebeln, die vom Land herangeschafft wurden, im gleichen trockenen Tonfall und ordnete die t�glichen Bestattungen von mittellosen, alleinstehenden Fl�chtlingen genauso teilnahmslos an wie die Einstellungen von Steinmetzen, die bei der Reparatur der Stadtmauer helfen sollten. Illian war nur ein anderes Land f�r ihn, nicht der Aufenthaltsort Sammaels, und Rand war eben nur ein weiterer Herrscher.</p><p>Wo <emphasis>sind sie?</emphasis> fragte er sich nerv�s. <emphasis>Warum hat Alanna nicht wenigstens versucht, sich an mich heranzumachen?</emphasis> Moiraine h�tte sich niemals so leicht abschrecken lassen.</p><p>Wo <emphasis>sind alle die Toten?</emphasis> fl�sterte Lews Therin. <emphasis>Warum schweigen sie nicht endlich?</emphasis></p><p>Rand schmunzelte grimmig. Das mu�te wohl ein Scherz sein.</p><p>Sulin hockte entspannt auf dem Boden an einer Seite des Podestes, auf dem der Thron stand, w�hrend der rothaarige Urien auf der anderen Seite sa�. Heute warteten zwanzig <emphasis>Aethan Dor,</emphasis> Rote Schilde, zusammen mit den T�chtern unter den S�ulen des Gro�en Saals. Einige hatten das rote Stirnband angelegt. Sie standen herum oder kauerten da oder sa�en auf dem Boden; ein paar unterhielten sich leise, aber wie gew�hnlich wirkten sie bereit, innerhalb eines Herzschlags zuzuschlagen; sogar die T�chter und die beiden Roten Schilde, die gerade beim W�rfelspiel waren. Mindestens ein Augenpaar schien jederzeit Norry zu beobachten, denn nur wenige Aiel trauten einem Feuchtl�nder, der Rand so nahe kommen durfte.</p><p>Mit einem Mal erschien Bashere an der m�chtigen T�r des Saals. Als er nickte, richtete sich Rand auf. Endlich, verdammt noch mal. Die gr�nwei�e Troddel flog, als er eine Geste mit dem drachenbewehrten Seanchanspeer vollf�hrte. �Ehr habt Eure Sache gut gemacht, Meister Norry. Euer Bericht war l�ckenlos. Ich werde daf�r sorgen, da� das Gold zur Verf�gung steht, das Ihr ben�tigt. Doch nun mu� ich mich anderen Dingen widmen, wenn Ihr mir das vergeben wollt.�</p><p>Dem Mann sah man weder Neugier an, noch war er beleidigt, weil er so pl�tzlich unterbrochen wurde. Er h�rte nur mitten im Satz mit seinem Bericht auf und verbeugte sich, wobei er im gleichen trockenen Tonfall sagte: �Wie der Lord Drache befiehlt�, und trat drei Schritte zur�ck, bevor er sich umdrehte. Er sah Bashere noch nicht einmal im Vorbeigehen an. Nichts existierte f�r ihn als seine Hauptb�cher.</p><p>Ungeduldig nickte Rand Bashere zu und setzte sich hoch aufgerichtet und mit steifem Kreuz auf dem Thron zurecht. Die Aiel verstummten. Nun erschienen sie ihm noch einmal so kampfbereit.</p><p>Als der Mann aus Saldaea eintrat, kam er nicht allein. Zwei M�nner und zwei Frauen folgten dicht hinter ihm, keiner davon jung, alle in teure Seide und Brokat geh�llt. Sie bem�hten sich, so zu tun, als existiere Bashere nicht und beinahe w�re es ihnen auch gelungen, aber bei den wachsamen Aiel unter den S�ulen war das etwas anderes. Dyelin mit ihren goldenen Haaren kam lediglich leicht ins Stolpern, doch Abelle und Luan, beide bereits ergraut und mit harten Gesichtern, sahen die in den <emphasis>Cadin'sor</emphasis> gekleideten Gestalten finster an und fa�ten instinktiv nach den Schwertern, die sie heute nicht geg�rtet hatten, w�hrend Ellorien, eine mollige, dunkelhaarige Frau, die an sich h�bsch gewesen w�re, h�tte sie nicht andauernd eine so versteinerte Miene zur Schau getragen, stocksteif stehenblieb und die Aiel anfunkelte, bevor sie sich wieder gefangen hatte und mit einem schnellen Schritt neben den anderen war. Ihr erster ungehinderter Blick auf Rand lie� Best�rzung erkennen, und zwar bei allen vier. Sie tauschten kurze, erstaunte Blicke. Vielleicht hatten sie geglaubt, er sei �lter.</p><p>�Mein Lord Drache�, verk�ndete Bashere lauthals, als er vor dem Podest stehenblieb, �Herr des Morgens, Prinz des Sonnenaufgangs, Wahrer Verteidiger des Lichts, vor dem die Welt in Ehrfurcht das Knie beugt, ich pr�sentiere Euch Lady Dyelin aus dem Hause Taravin, Lord Abelle aus dem Hause Pendar, Lady Ellorien aus dem Hause Traemane und Lord Pelivar aus dem Hause Coelan.�</p><p>Da sahen die vier Andoraner denn doch Bashere an, aber nur mit zusammengepre�ten Lippen und scharfen Seitenblicken. Es hatte etwas in seiner Stimme gelegen, das klang, als �bergebe er Rand vier Pferde. Zu behaupten, sie st�nden mit noch steiferem Kreuz da, w�re dasselbe, als behaupte man, Wasser sei nasser geworden, und doch schien es so, als sie zu Rand aufblickten. Vor allem zu Rand. Unwillk�rlich wanderten ihre Blicke auch hin�ber zum L�wenthron, der auf seinem eigenen Podest hinter seinem Kopf schimmerte und glitzerte.</p><p>Er h�tte ihnen am liebsten in die emp�rten Gesichter gelacht. Emp�rt waren sie, aber auch vorsichtig und unwillk�rlich auch ein wenig beeindruckt. Er und Bashere hatten gemeinsam diese Liste von Titeln ausgearbeitet, aber das �ber die Welt, die das Knie vor ihm beugte, war neu und Basheres eigene Erfindung. Den Tip hatte ihm allerdings bereits Moiraine gegeben. Er glaubte fast, ihre silbrige Stimme wieder zu h�ren. <emphasis>Der erste Eindruck, den Menschen von Euch bekommen, ist derjenige, den sie am l�ngsten in Erinnerung behalten. Das ist die Art der Welt. Ihr k�nnt von einem Thron zur�cktreten, und selbst wenn Ihr Euch dann wie ein Bauer im Schweinestall auff�hrt, wird ein Teil in jedem dieser Menschen die Erinnerung daran wecken, da� Ihr einst auf einem Thron gesessen habt. Doch wenn sie zuerst nur einen jungen Mann sehen, einen Jungen vom Land, werden sie seine sp�tere Thronbesteigung ablehnen, selbst wenn es sein gutes Recht ist und ganz gleich, wieviel Macht er besitzt.</emphasis> Also, wenn ein oder zwei Titel den entscheidenden Unterschied ergeben, w�rde alles ein gutes St�ck leichter werden.</p><p><emphasis>Ich war der Herr des Morgens,</emphasis> murmelte Lews Therin. <emphasis>Ich bin der Prinz des Sonnenaufgangs.</emphasis></p><p>Rand verzog nicht das Gesicht. �Ich werde Euch nicht willkommen hei�en, denn dies ist Euer Land und der Palast Eurer K�nigin, aber ich freue mich, da� Ihr meine Einladung angenommen habt,� Nach f�nf Tagen und mit nur wenigen Stunden Vorbereitungszeit, aber das erw�hnte er nicht. Er erhob sich, legte das Drachenszepter auf den Thron und stieg von dem Podest herab. Mit reserviertem L�cheln � <emphasis>Seid niemals feindselig, au�er es mu� sein,</emphasis> hatte Moiraine gesagt, <emphasis>aber vor allem d�rft Ihr niemals �berfreundlich sein. Seid nicht �bereifrig. �</emphasis> deutete er auf f�nf bequeme Polsterstuhle mit gepolsterten Lehnen, die unter den S�ulen im Kreis aufgestellt waren. �Kommt mit mir. Wir unterhalten uns und trinken ein wenig eisgek�hlten Wein.�</p><p>Sie folgten ihm gezwungenerma�en, wobei sie die Aiel und ihn mit gleicher Neugier musterten, und vielleicht auch mit gleicher Feindseligkeit was sie nur schwerlich verbergen konnten. Als sie alle sa�en, kamen lautlos <emphasis>Gai'schain</emphasis> in ihren wei�en Kapuzenroben und brachten Wein und goldene Pokale, deren Au�enseiten bereits feucht waren von Kondenswasser. Ein weiterer stand mit einem Federf�cher hinter jedem Stuhl und wedelte dem dort Sitzenden sanft K�hlung zu. Bei jedem Stuhl au�er dem Rands. Sie bemerkten das nat�rlich, genau wie den fehlenden Schwei� auf seinem Gesicht. Doch auch die <emphasis>Gai'schain</emphasis> schwitzten trotz ihrer langen Gew�nder nicht, genausowenig wie die anderen Aiel.</p><p>Er beobachtete die Gesichter der Adligen �ber seinen Pokal hinweg. Die Andoraner waren stolz darauf, anderen gegen�ber ehrlicher zu sein als viele, und man h�rte sie h�ufig beteuern, das Spiel der H�user habe sich in anderen L�ndern viel eher durchgesetzt als bei ihnen. Doch sie glaubten nach wie vor, wenn n�tig, k�nnten sie durchaus bei <emphasis>Daes Dae'mar</emphasis> mitspielen.</p><p>Das stimmte auch auf gewisse Weise, aber in Wirklichkeit hielten die Adligen Cairhiens und sogar die aus Tear die Andoraner f�r unf�hig, wenn es sich um subtile Intrigen und Gegenintrigen handelte, wie sie im Gro�en Spiel �blich waren. Diese vier jedenfalls wahrten gr��tenteils die Fassung, aber wenn jemand sie beobachtete, den Moiraine ausgebildet hatte und der dann auch noch in Tear und Cairhien eine harte Schule durchlaufen hatte, verrieten sie eben doch mit jedem Blick und jeder leichten �nderung ihres Gesichtsausdrucks eine ganze Menge.</p><p>Zuerst d�mmerte es ihnen, da� kein Stuhl f�r Bashere bereitstand. Sie tauschten kurze Blicke und ihre Mienen erhellten sich kaum merklich, besonders als sie merkten, da� Bashere aus dem Thronsaal schritt. Alle vier gestatteten sich, ihm einen Blick und ein ganz leichtes, zufriedenes L�cheln hinterherzuschicken. Sie mu�ten schlie�lich ein Heer aus Saldaea, das sich in Andor befand, genauso ablehnen wie Naean und die anderen. Nun waren ihre Gedanken ganz offensichtlich: vielleicht hatte dieser Ausl�nder doch weniger Einflu�, als sie gef�rchtet hatten. Also, dieser Bashere war nicht besser als ein altgedienter Lakai behandelt worden!</p><p>Dann blinzelte Dyelin ein wenig, beinahe im gleichen Moment wie Luan, w�hrend es ihnen die anderen beiden nur einen Moment sp�ter nachtaten. Ganz kurz starrten sie Rand an, da� klar war: sie mieden lediglich den Blick zueinander. Bashere war ein Ausl�nder, doch er war auch Generalfeldmarschall von Saldaea, dreifacher Lord und der Onkel von K�nigin Tenobia. Wenn Rand <emphasis>ihn</emphasis> schon wie einen Diener behandelte...</p><p>�Ausgezeichneter Wein.� Luan blickte in seinen Pokal und z�gerte etwas, bevor er hinzuf�gte: �Mein Lord Drache.� Es klang, als m�sse man ihm jedes Wort aus dem Mund ziehen.</p><p>�Aus dem S�den�, sagte Ellorien, nachdem sie am Wein genippt hatte. �Ein guter Jahrgang von den H�geln von Tunaigh. Ein Wunder, da� man dieses Jahr in Caemlyn noch Eis auftreiben kann. Ich habe geh�rt, da� die Menschen dieses Jahr bereits als das Jahr ohne Winter� bezeichnen.�</p><p>�Glaubt Ihr, ich w�rde Zeit und M�he daran verschwenden, Eis aufzutreiben�, sagte Rand, �wenn die Welt von so vielen Plagen heimgesucht wird?�</p><p>Abelles kantiges Gesicht wurde bla�, und er schien sich zum n�chsten Schluck zwingen zu m�ssen. Andererseits leerte Luan seinen Pokal mit voller Absicht in einem Zug und hielt ihn hin, damit ihn ein <emphasis>Gai'schain</emphasis> nachf�llen konnte. Dessen gr�ne Augen blitzten zornig, ganz im Gegensatz zum Ausdruck des unbeirrt mild l�chelnden, sonnengebr�unten Gesichts. Feuchtl�nder zu bedienen war, als sei man ein Diener, und die Aiel verabscheuten auch nur den blo�en Gedanken daran. Wie sich diese Abscheu mit dem Konzept des <emphasis>Gai'schain</emphasis> vertrug, hatte Rand noch nicht herausbekommen, aber es war nun einmal so.</p><p>Dyelin hatte ihren Pokal fest auf die Knie gestellt und beachtete ihn nicht mehr. Aus dieser N�he konnte Rand in ihrem goldenen Haar einige graue Str�hnen sehen. Sie war trotzdem h�bsch, da sie durch das Haar Morgase und Elayne glich. Als n�chste in der Thronfolge mu�te sie zumindest eine Cousine Morgases sein und ihr recht nahe stehen. Sie runzelte kurz die Stirn, als sie ihn ansah, und schien den Kopf sch�tteln zu wollen, doch dann sagte sie: �Wir sind �ber die Heimsuchungen der Welt besorgt, doch am meisten �ber diejenigen in Andor. Habt Ihr uns hergeholt, um ein Mittel dagegen zu finden?�</p><p>�Falls Ihr eines kennt�, erwiderte Rand schlicht. �Falls nicht, mu� ich woanders suchen. Viele glauben, die rechte Kur zu kennen. Wenn ich diejenige nicht finden kann, die mir zusagt, mu� ich eben die n�chstbeste w�hlen.� Das lie� sie ihre Lippen verziehen. Auf ihrem Weg hierher hatte Bashere sie durch einen Innenhof gef�hrt, in dem sie Arymilla und Lir und die anderen zur�ckgelassen hatten, um sich auszuruhen. Es machte den Eindruck, als entspannten sie sich im Palast. �Ich nehme an, Ihr wollt mir helfen, Andor wieder zusammenzuf�gen. Ihr habt meine Proklamation vernommen?� Er mu�te nicht erst sagen, um welche es sich handelte, denn in diesem Zusammenhang konnte nur eine gemeint sein.</p><p>�Eine Belohnung, die der erh�lt, der Neuigkeiten von Elayne bringt�, sagte Ellorien tonlos, und ihre Miene versteinerte sich noch mehr, �die zur K�nigin gekr�nt werden soll, nun, da Morgase tot ist.�</p><p>Dyelin nickte. �Das erscheint mir eine gute Sache.�</p><p>�Mir nicht!� fauchte Ellorien. �Morgase hat ihre Freunde betrogen und ihre �ltesten Anh�nger vertrieben. La�t uns dem Hause Trakand ein Ende auf dem L�wenthron bereiten.� Sie schien Rand vergessen zu haben. Das hatten sie alle.</p><p>�Dyelin�, sagte Luan knapp. Sie sch�ttelte den Kopf, als habe sie all das schon �fters geh�rt doch er fuhr fort: �Sie hat den ersten Anspruch. Ich stimme f�r Dyelin.�</p><p>�Elayne ist Tochter-Erbin�, sagte ihnen die Frau mit dem goldenen Haar in ruhigem Ton. �Ich stimme f�r Elayne.�</p><p>�Welche Rolle spielt es schon, f�r wen einer von uns stimmt?� wollte Abelle wissen. �Wenn er Morgase get�tet hat, wird er...� Abelle hielt inne und verzog das Gesicht. Dann blickte er Rand an, nicht trotzig, aber herausfordernd, als wolle er sagen: �Stellt mit mir an, was Ihr wollt. � Und er erwartete wohl auch das Schlimmste.</p><p>�Glaubt Ihr das wirklich?� Rand sah den L�wenthron auf seinem Podest traurig an. �Warum, beim Licht, sollte ich Morgase t�ten, nur um den Thron anschlie�end Elayne zu �bergeben?�</p><p>�Nur wenige wissen, was sie glauben sollen�, sagte Ellorien unbeholfen. Auf ihren Wangen waren noch immer rote Flecken zu sehen. �Die Menschen behaupten viele Dinge, und die meisten davon sind schlichtweg t�richt.�</p><p>�Beispielsweise?� Er stellte ihr die Frage, doch es war Dyelin, die sie beantwortete, wobei sie ihm in die Augen sah: �Da� Ihr in der Letzten Schlacht k�mpfen und den Dunklen K�nig t�ten werdet. Da� Ihr ein falscher Drache seid, oder die Marionette der Aes Sedai, oder beides. Da� Ihr Morgases unehelicher Sohn seid, oder ein Hochlord aus Tear, oder ein Aielmann.� Sie runzelte einen Augenblick lang erneut die Stirn, sprach aber weiter: �Da� Ihr der Sohn einer Aes Sedai und des Dunklen K�nigs seid. Da� Ihr der Dunkle K�nig selbst seid, oder der fleischgewordene Sch�pfer.</p><p>Da� Ihr die Welt zerst�ren werdet, oder sie retten, sie unterjochen, ein neues Zeitalter bringen. Es gibt so viele Meinungen, wie es M�nder gibt. <emphasis>Die</emphasis> meisten sagen. Ihr hattet Morgase get�tet. Viele glauben das auch in bezug auf Elayne. Sie sagen, Eure Proklamation sei nur eine Maske, um dahinter Eure Verbrechen zu verbergen.�</p><p>Rand seufzte. Einige dieser Ansichten waren schlimmer als alles, was er bisher vernommen hatte. �Ich werde nicht erst fragen, welche davon Ihr glaubt.� Warum sah sie ihn immer noch so eigenartig und finster an? Sie war nicht die einzige. Auch Luan blickte genauso drein, und Abelle und Ellorien warfen ihm die Art von schnellen Seitenblicken zu, die er von Arymillas Haufen erwartete, wenn sie glaubten, er sehe gerade nicht hin. <emphasis>Sie beobachten. Beobachten.</emphasis> Das war Lews Therin mit heiserem Kichern im Fl�sterton. <emphasis>Ich sehe dich. Wer sieht mich?</emphasis> �Werdet Ihr mir statt dessen behilflich sein, Andor wieder zu einer Einheit zusammenzuf�gen? Ich will nicht, da� aus Andor ein neues Cairhien wird oder, noch schlimmer, ein neues Tarabon oder Arad Doman.�</p><p>�Ich kenne einiges aus dem <emphasis>Karaethon-Zyklus�,</emphasis> sagte Abelle. �Ich glaube, Ihr seid der Wiedergeborene Drache, aber nichts sagt aus, da� Ihr herrschen werdet, nur, da� Ihr in Tarmon Gai'don gegen den Dunklen K�nig k�mpfen werdet.�</p><p>Rands Hand verkrampfte sich so hart um seinen Pokal, da� die dunkle Oberfl�che des Weins bebte. Um wie vieles leichter w�re alles, wenn diese vier den meisten Hochlords von Tear �hnelten oder den Adligen Cairhiens, aber keiner von ihnen wollte auch nur ein St�ckchen mehr Macht f�r sich selbst, als er bereits besa�. Auf welche Weise auch der Wein gek�hlt worden war, bezweifelte er doch, da� die Eine Macht diese vier einsch�chtern werde. <emphasis>H�chstwahrscheinlich w�rden sie mir sagen, ich solle sie t�ten und daf�r vom Licht verbrannt werden!</emphasis></p><p><emphasis>Brennen sollst du daf�r.</emphasis> Lews Therins verdrie�liche Stimme ergab ein trauriges Echo.</p><p>�Wie oft mu� ich eigentlich noch sagen, da� ich Andor nicht regieren will? Wenn Elayne auf dem L�wenthron sitzt, werde ich Andor verlassen. Und wenn es nach mir ginge, w�rde ich es nie mehr betreten.�</p><p>�Sollte irgend jemand Anspruch auf den Thron haben�, sagte Ellorien mit gepre�ter Stimme, �dann ist es Dyelin. Solltet Ihr tats�chlich meinen, was Ihr sagt, dann la�t sie kr�nen und geht. Dann wird Andor eine Einheit sein, und zweifellos werden Euch die andoranischen Soldaten in die Letzte Schlacht folgen, wenn das notwendig wird.�</p><p>�Ich lehne das immer noch ab�, sagte Dyelin mit fester Stimme und wandte sich sodann Rand zu. �Ich werde warten und �berlegen, mein Lord Drache. Wenn ich sehe, da� Elayne am Leben ist und gekr�nt wird und Ihr Andor verla�t, werde ich Euch meine Anh�nger zur Verf�gung stellen, gleich, ob jemand anders in Andor das gleiche macht oder nicht. Doch wenn die Zeit vergeht und Ihr hier immer noch regiert, oder falls Eure Aielwilden hier dasselbe anstellen wie angeblich in Cairhien und Tear...� � sie blickte die T�chter und die Roten Schilde finster an, und auch die <emphasis>Gai'schain,</emphasis> als sehe sie im Geist, wie sie brandschatzten und raubten �, �oder wenn Ihr diese ... M�nner, die Ihr nach Eurer Amnestie hier versammelt, auf Andor losla�t, wende ich mich gegen Euch, gleich, ganz gleich, was die anderen in Andor unternehmen.�</p><p>�Und ich reite an deiner Seite�, sagte Luan mit fester Stimme.</p><p>�Ich auch�, sagte Ellorien, und Abelle stimmte ebenfalls zu.</p><p>Rand warf den Kopf in den Nacken und lachte unwillk�rlich, halb vor Freude, halb vor Zorn. <emphasis>Licht! Und ich hielt einen ehrlichen Widerstand f�r besser, als hinter meinem R�cken zu intrigieren oder mir die Stiefel zu lecken!</emphasis></p><p>Sie blickten ihn nerv�s an und dachten zweifellos, der Wahnsinn nage an ihm. Vielleicht hatten sie recht. Er war sich seiner selbst nicht mehr sicher.</p><p>��berlegt, was immer Ihr wollt�, sagte er zu ihnen und stand auf, um das Ende der Audienz anzuzeigen.</p><p>�Ich meine es so, wie ich es sagte. Aber denkt auch an das Folgende: Tarmon Gai'don r�ckt n�her. Ich wei� nicht, wie lange Ihr noch Zeit zum �berlegen haben werdet.�</p><p>Sie verabschiedeten sich von ihm � ein gehemmtes Kopfnicken, wie es unter Gleichstehenden �blich war, noch ausgepr�gter als bei ihrer Ankunft � doch als sie sich zum Gehen wandten, griff Rand nach Dyelins �rmel. �Ich habe eine Frage an Euch.� Die anderen blieben stehen und wollten sich schon zur�ckwenden. �Eine private Frage.� Sie z�gerte einen Augenblick und nickte dann. Ihre Begleiter gingen ein St�ck weiter durch den Thronsaal. Sie beobachteten alles genau, waren aber nicht nahe genug, um zu lauschen. �Ihr habt mich so ... seltsam angesehen�, sagte er. <emphasis>Ihr und jeder andere Adlige in Camlyn.</emphasis> Jeder andoranische Adlige zumindest. �Warum?�</p><p>Dyelin blickte zu ihm auf und nickte schlie�lich. �Wie hie� Eure Mutter?�</p><p>Rand blinzelte. �Meine Mutter?� Kari al'Thor war seine Mutter gewesen. Als das sah er sie jedenfalls an. Sie hatte ihn von Kindheit an aufgezogen bis sie starb. Doch er entschlo� sich, ihr die kalte Wahrheit zu sagen, die er in der W�ste erfahren hatte. �Meine Mutter hie� Shaiel. Sie war eine Tochter des Speers. Mein Vater war Janduin, der Clanh�uptling der Taardad Aiel.� Sie zog zweifelnd die Augenbrauen hoch. �Ich schw�re jeden Eid darauf, den Ihr h�ren wollt. Was hat das mit meiner Frage zu tun? Sie sind beide schon lange tot.�</p><p>Erleichterung �berzog ihre Miene. �Wie es scheint, ist es nur eine zuf�llige �hnlichkeit � nicht mehr. Ich will damit nicht sagen, da� Ihr Eure wahren Eltern nicht kennt, aber Euch steht der Westen Andors ins Gesicht geschrieben.�</p><p>�Eine �hnlichkeit? Ich bin in den Zwei Fl�ssen aufgewachsen, aber meine Eltern waren die genannten. Wem sehe ich �hnlich, da� Ihr mich so anseht?�</p><p>Sie z�gerte und seufzte dann. �Ich glaube nicht, da� es eine Rolle spielt. Eines Tages m��t Ihr mir erz�hlen, wieso Ihr Aieleltern hattet und doch in Andor aufgewachsen seid. Vor f�nfundzwanzig Jahren oder mehr ist die Tochter-Erbin Andors mitten in der Nacht verschwunden. Sie hie� Tigraine. Sie hinterlie� einen Ehemann, Taringail, und einen Sohn, Galad. Ich wei�, da� es nur ein Zufall ist, aber ich sehe Tigraine in Eurem Gesicht. Es war ein Schock f�r mich.�</p><p>Auch Rand empfand einen Schock. Ihm wurde ganz kalt. Bruchst�cke des Berichts der Weisen Frauen sch�ssen ihm durch den Kopf ... <emphasis>eine junge Feuchtl�nderin mit goldenem Haar, in Seide gekleidet</emphasis> ... <emphasis>ein Sohn, den sie liebte, ein Ehemann, den sie nicht liebte ... Shaiel war der Name, den sie annahm. Sie nannte niemals einen anderen ... Ihr habt etwas von Ihr in Euren Gesichtsz�gen.</emphasis> �Wieso ist Tigraine verschwunden? Ich interessiere mich f�r die Geschichte Andors.�</p><p>�Ich w�re Euch dankbar, wenn Ihr das nicht als Geschichte bezeichnen w�rdet, mein Lord Drache. Ich war ein junges M�dchen, als es geschah, und ich war h�ufig hier im Palast. Eines Morgens befand sich Tigraine nicht im Palast, und man hat sie nie wieder gesehen. Einige behaupteten, Taringail sei darin verwickelt, aber er war halb wahnsinnig vor Schmerz. Taringail Damodred w�nschte sich mehr als alles auf der Welt, da� seine Tochter K�nigin von Andor w�rde und sein Sohn K�nig von Cairhien. Taringail kam aus Cairhien. Diese Heirat sollte die Kriege mit Cairhien beenden, und das geschah auch. Doch Tigraines Verschwinden lie� sie vermuten, da� Andor den Vertrag brechen wolle, und so intrigierten sie auf die �bliche Weise Cairhiens, was schlie�lich �Lamans Stolz� ausl�ste. Und nat�rlich wi�t Ihr, wohin das wiederum f�hrte�, f�gte sie trocken hinzu. �Gitara Sedai hatte wirklich nicht recht, wie mein Vater sagte.�</p><p>�Gitara?� Ein Wunder, da� er sich nicht wie erstickt anh�rte. Diesen Namen hatte er mehr als einmal geh�rt. Es war eine Aes Sedai namens Gitara Moroso gewesen, eine Frau mit der Gabe des Hellsehens, die verk�ndete, der Drache sei am Abhang des Drachenberges wiedergeboren worden, und die auf diese Weise Moiraine und Siuan auf ihre lange Suche geschickt hatte. Es war Gitara Moroso gewesen, die Jahre zuvor zu �Shaiel� gesagt hatte, wenn sie nicht in die W�ste fliehe und niemandem davon erz�hle und anschlie�end eine Tochter des Speers werde, w�rde Andor und die ganze Welt von einer unvorstellbaren Katastrophe heimgesucht.</p><p>Dyelin nickte ein wenig ungeduldig. �Gitara war die Ratgeberin von K�nigin Modrellein�, sagte sie knapp, �aber sie verbrachte mehr Zeit mit Tigraine und Luc, Tigraines Bruder, als mit der K�nigin. Nachdem Luc nach Norden geritten war und nicht mehr zur�ckkehrte, entstanden Ger�chte, Gitara habe ihm eingeredet, er k�nne sich seinen Ruhm in der F�ule erringen, oder vielleicht auch sein Schicksal erf�llen. Andere behaupteten, er werde dort den Wiedergeborenen Drachen finden, oder die Letzte Schlacht hinge davon ab, da� er sich dorthin begebe. Das war ungef�hr ein Jahr vor Tigraines Verschwinden. Was mich betrifft, so bezweifle ich, da� Gitara irgend etwas damit oder mit Luc zu tun hatte. Sie blieb Ratgeberin der K�nigin, bis Modrellein starb. Man sagte, sie starb an gebrochenem Herzen, Tigraines und Lucs wegen. Womit nat�rlich der Streit um die Thronfolge begann.� Sie blickte zu den anderen hin�ber, die unruhig dastanden und mi�trauische, ungeduldige Mienen zeigten, aber sie konnte es sich nicht verkneifen, noch etwas hinzuzuf�gen: �Ohne diese Geschehnisse h�ttet Ihr ein anderes Andor vorgefunden. Tigraine w�re K�nigin, Morgase lediglich Hochsitz des Hauses Trakand und Elayne w�re nicht geboren worden. Seht Ihr, Morgase heiratete Taringail, kaum da� sie den Thron innehatte. Wer wei�, was sonst noch anders verlaufen w�re?�</p><p>W�hrend er beobachtete, wie sie sich den anderen wieder anschlo� und mit ihnen hinausging, dachte er �ber etwas nach, was bestimmt anders verlaufen w�re. Er bef�nde sich n�mlich nicht in Andor, denn er w�re gar nicht geboren worden. Alles drehte sich immer wieder in endlosen Kreisen, und eines f�hrte zwangsl�ufig zum anderen. Tigraine ging heimlich in die W�ste. Das wiederum lie� Laman Damodred den <emphasis>Avendoraldera</emphasis> f�llen, ein Geschenk der Aiel, um sich daraus einen Thron zimmern zu lassen, ein unfreundlicher Akt, der die Aiel dazu brachte, das R�ckgrat der Welt zu �berqueren, um ihn zu t�ten � das war ihr einziges Ziel gewesen, auch wenn die L�nder es als den Aielkrieg bezeichneten � und mit den Aiel kam eine Tochter des Speers namens Shaiel, die gleich nach der Geburt starb. So viele Leben mu�ten in ihrem Ablauf ver�ndert werden, so viele Leben beendet, damit sie ihn zur rechten Zeit und am rechten Ort zur Welt bringen und dabei sterben konnte, Kari al'Thor war die Mutter, an die er sich erinnerte, wenn auch nur verschwommen, und doch w�nschte er, Tigraine oder Shaiel oder wie auch immer gekannt und wenigstens eine kurze Zeit mit ihr verbracht zu haben.</p><p>Nutzlose Tr�umereien. Sie war schon lange tot. Es war geschehen und vorbei. Also, warum kam er trotzdem nicht davon los?</p><p><emphasis>Das Rad der Zeit und das Rad des Lebens eines Mannes drehen sich eins wie das andere ohne Mitleid und ohne Gnade,</emphasis> murmelte Lews Therin.</p><p><emphasis>Bist du wirklich da?</emphasis> dachte Rand. <emphasis>Wenn du mehr bist als eine Stimme und ein paar alte Erinnerungen, dann antworte mir! Bist du wirklich da?</emphasis> Schweigen. Jetzt k�nnte er Moiraines Rat gebrauchen.</p><p>Mit einem Mal wurde ihm bewu�t, da� er die wei�e Marmorwand des Gro�en Saals anstarrte, und zwar in nordwestlicher Richtung. In Richtung Alanna. Sie befand sich nicht in Culains Jagdhund. <emphasis>Nein! Sie soll brennen!</emphasis> Er w�rde Moiraine nicht durch eine Frau ersetzen, die ihn auf solche Weise in die Falle gelockt hatte. Er konnte keiner Frau trauen, die mit der Burg in Verbindung stand. Mit drei Ausnahmen: Elayne, Nynaeve und Egwene. Er hoffte jedenfalls, da� er ihnen vertrauen k�nne. Wenigstens ein bi�chen.</p><p>Aus irgendeinem Grund blickte er zu der m�chtigen Kuppeldecke auf, deren bunte Fenster Szenen aus Schlachten zeigten und K�niginnen und dazwischen immer wieder den Wei�en L�wen. Diese Frauenfiguren, die gr��er als im wirklichen Leben wirkten, schienen ihn mi�billigend anzusehen und sich zu fragen, was er hier mache. Einbildung nat�rlich, aber warum? Weil er von Tigraines Herkunft erfahren hatte? Einbildung oder Wahnsinn?</p><p>�Es ist jemand gekommen, den Ihr meiner Meinung nach sehen solltet�, sagte Bashere, der pl�tzlich neben ihm stand. Rand ri� sich von den Frauengestalten in der Kuppel los. Hatte er deren Blicke wirklich erwidert und sie zornig angefunkelt? Bashere hatte jemanden aus seiner Reitertruppe dabei. Der Bursche war gr��er als Bashere, was bei dessen Statur nicht schwer war, hatte einen dunklen Bart und schr�gstehende gr�ne Augen.</p><p>�Nur wenn es sich um Elayne handelt�, sagte Rand unfreundlicher, als er vorgehabt hatte, �oder wenn er beweist, da� der Dunkle K�nig tot ist. Ich werde heute vormittag nach Cairhien gehen.� Er hatte das nicht vorgehabt, bis zu dem Augenblick, als er die Worte aussprach. Dort befand sich Egwene. Und die K�niginnen oben gab es dort nicht. �Es ist Wochen her, seit ich das letzte Mal dort war. Wenn ich sie nicht im Auge behalte, wird irgendein Lord oder eine Lady hinter meinem R�cken den Sonnenthron f�r sich beanspruchen.� Bashere sah ihn mit einem eigenartigen Blick an. Er rechtfertigte sich zu oft.</p><p>�Wie Ihr meint, aber Ihr werdet diesen Mann zuerst noch anh�ren wollen. Er behauptet, er komme von Lord Brend, und ich glaube, er sagt die Wahrheit.� Die Aiel sprangen unvermittelt auf; sie wu�ten, wer diesen Namen ben�tzte.</p><p>Rand sah Bashere verbl�fft an. Das letzte, was er erwartete, war ein Abgesandter Sammaels. �Bringt ihn herein.�</p><p>�Hamad�, sagte Bashere mit einer kurzen Kopfbewegung, und der j�ngere Mann aus Saldaea trabte weg.</p><p>Ein paar Minuten sp�ter kam Hamad zur�ck, und mit ihm eine Gruppe von Soldaten aus dem Heer Saldaeas, die mi�trauisch einen Mann in die Mitte genommen hatten. Auf den ersten Blick schien nichts an diesem ihre besondere Vorsicht zu rechtfertigen. Er war unbewaffnet und trug einen langen, grauen Mantel mit Stehkragen. Er hatte einen lockigen Bart, der die Oberlippe frei lie�, wie es in Illian Mode war und eine Stupsnase und einen breiten Mund, der entsprechend grinste. Als er aber n�her kam, erkannte Rand, da� dieses Grinsen sich nicht ein bi�chen �nderte. Das gesamte Gesicht des Mannes schien erstarrt, der heitere Ausdruck eingefroren. Im Gegensatz dazu strahlten die dunklen Augen hinter dieser Maske entsetzliche Angst aus.</p><p>Als er sich noch zehn Schritt von Rand entfernt befand, hob Bashere die Hand, und die Wache blieb stehen. Der Illianer, der nur Rand im Auge hatte, schien das gar nicht zu bemerken, bis Hamad ihm seine Schwertspitze auf die Brust setzte, damit er stehenbleiben mu�te, weil er sonst durchbohrt worden w�re. Er sah die leicht gekr�mmte Klinge nur kurz an und wandte dann seinen Blick wieder Rand zu und starrte diesen mit angsterf�lltem Blick aus einem grinsenden Gesicht heraus an. Seine H�nde hingen schlaff herab und zuckten im Gegensatz zu seinem Gesicht von Zeit zu Zeit.</p><p>Rand wollte auf ihn zugehen, doch mit einem Mal befanden sich Sulin und Urien zwischen ihnen. Sie verstellten ihm nicht direkt den Weg, standen aber doch so, da� er sich zwischen ihnen hindurchdr�ngen mu�te, wollte er den Mann erreichen.</p><p>�Ich frage mich, was man mit ihm angestellt hat�, sagte Sulin, wobei sie den Mann musterte. Eine Anzahl von T�chtern und Roten Schilden war unter den S�ulen hervorgetreten. Einige von ihnen hatten sogar Schleier angelegt. �Wenn er kein Schattenabk�mmling ist, dann ist er doch zumindest vom Schatten ber�hrt worden.�</p><p>�Einer wie er k�nnte Dinge tun, die wir nicht voraussehen�, sagte Urien. Er war einer von denen, die einen roten Stoffstreifen um die Schl�fen gebunden hatten. �Vielleicht durch eine blo�e Ber�hrung t�ten. Das w�re wahrhaftig eine sch�ne Botschaft, um sie einem Feind zu senden.�</p><p>Sie blickten Rand nicht direkt an, aber er nickte. Vielleicht hatten sie recht. �Wie nennt man Euch?� fragte er. Sulin und Urien traten einen Schritt zur Seite, als sie sahen, da� er stehengeblieben war.</p><p>�Ich komme von ... von Sammael�, sagte der Mann h�lzern unter diesem Grinsen hervor. �Ich bringe eine Botschaft f�r ... f�r den Wiedergeborenen Drachen. F�r Euch.�</p><p>Also, das war direkt genug. War er ein Schattenfreund oder nur eine arme Seele, die Sammael in einem dieser gemeinen Gewebe gefangen hatte, von denen ihm Asmodean erz�hlt hatte? �Welche Botschaft?� fragte Rand.</p><p>Der Mund des Illianers bewegte sich, als k�mpfe er um Worte. Was jedoch herauskam, hatte nichts mehr mit der Stimme zu tun, die er vorher ben�tzt hatte. Diese war tiefer, voll von Selbstvertrauen, und sprach in einem anderen Dialekt: �Wir werden auf unterschiedlichen Seiten stehen, Ihr und ich, wenn der Tag der Wiederkehr des Gro�en Herrn anbricht, aber warum sollten wir uns jetzt gegenseitig t�ten und es Demandred und Graendal �berlassen, sich �ber unseren Leichen um die Weltherrschaft zu streiten?� Rand kannte diese Stimme aus einem Erinnerungsfetzen Lews Therins, den er im Ged�chtnis behalten hatte.</p><p>Sammaels Stimme. Lews Therin fauchte wortlos vor Wut. �Ihr habt bereits sehr viel zu verdauen�, fuhr der Illianer fort � oder besser: fuhr Sammael fort. �Warum noch mehr abbei�en? Und das Kauen ist schwer, selbst wenn Ihr Gl�ck habt und Semirhage oder Asmodean Euch nicht in den R�cken fallen, w�hrend Ihr mit Kauen besch�ftigt seid. Ich schlage Euch einen Waffenstillstand vor, der bis zum Tag der Wiederkehr gelten soll. Wenn Ihr nicht gegen mich vorgeht, gehe ich auch nicht gegen Euch vor. Ich werde mich verpflichten, nicht weiter �stlich vorzur�cken als zu den Ebenen von Maredo, nicht weiter nach Norden als bis Lugard und nicht weiter nach Westen als Jehannah. Wie Ihr seht, �berlasse ich Euch bei weitem den gr��eren Anteil. Ich behaupte nicht, f�r den Rest der Auserw�hlten zu sprechen, aber zumindest wi�t Ihr, da� Ihr von mir nichts zu bef�rchten habt und auch nichts von den L�ndern, die ich beherrsche. Ich werde mich verpflichten, ihnen bei keinem Vorgehen gegen Euch behilflich zu sein und ihnen auch nicht zu helfen, sich gegen Euch zu verteidigen. Ihr habt bisher viel Erfolg damit gehabt, die Auserw�hlten vom Spielbrett zu entfernen. Ich bezweifle nicht, da� Ihr auch weiterhin erfolgreich sein werdet, mehr noch als zuvor, denn Ihr wi�t, da� Eure s�dliche Flanke sicher ist und die anderen ohne meine Hilfe auskommen m�ssen. Ich sch�tze, am Tag der Wiederkehr wird es nur noch Euch und mich geben, wie es auch sein sollte. Wie es geplant war.� Die Kiefer des Mannes schlossen sich mit einem Klicken, und die Z�hne waren wieder hinter dem eingefrorenen Grinsen verborgen. Seine Augen hatten einen fast wahnsinnigen Ausdruck.</p><p>Rand hatte die Augen aufgerissen. Ein Waffenstillstand mit Sammael? Selbst wenn er dem Manne insoweit trauen k�nnte, den Vertrag einzuhalten, selbst wenn es bedeutet h�tte, da� <emphasis>eine</emphasis> Gefahr wenigstens zur�ckgestellt werden konnte, w�hrend er sich mit allen anderen auseinandersetzte, h�tte das auch bedeutet, unz�hlige Tausende Sammaels Gnade zu �berlassen, und Gnade war eine Eigenschaft, die dieser Mann niemals besessen hatte. Er sp�rte, wie Zorn �ber die Oberfl�che des Nichts glitt, und dadurch wurde ihm bewu�t, da� er <emphasis>Saidin</emphasis> ergriffen hatte. Dieser Maelstrom von krankhaft sengender S��e und gefrierendem Schmutz schien ein Echo seines Zorns wiederzugeben. Lews Therin. Es war nur gerecht, wenn er in seinem Wahn vor Zorn durchdrehte. Das Echo vibrierte von seinem eigenen Zorn, bis er den Lews Therins und den eigenen nicht mehr auseinanderhalten konnte.</p><p>�Nehmt diese Botschaft mit zu Sammael�, sagte er mit kalter Stimme. �F�r jeden Tod, den er seit seinem Erwachen verursacht hat, mache ich ihn verantwortlich und ziehe ihn zur Rechenschaft. F�r jeden Mord, den er begangen hat, mache ich ihn verantwortlich und ziehe ihn zur Rechenschaft. Er ist der gerechten Strafe in den Rorn M'doi entkommen und bei Nol Caimaine und Sohadra...� Weitere Erinnerungen Lews Therins, aber dieser Schmerz bei dem Gedanken daran, was dort angerichtet worden war, die Pein ob dessen, was Lews Therins Augen gesehen hatten, brannten sich in die Oberfl�che des Nichts, als entstammten sie Rands Erinnerungen. �...Doch nun werde ich Gerechtigkeit �ben. Richtet ihm aus: Es gibt keinen Waffenstillstand mit den Verlorenen. Keinen Waffenstillstand mit dem Schatten.�</p><p>Der Bote hob eine sich st�ndig verkrampfende Hand, um sich den Schwei� vom Gesicht zu wischen. Nein, keinen Schwei�. Seine Hand hatte sich rot gef�rbt. Leuchtend rote Tropfen l�sten sich aus seinen Poren und er zitterte von Kopf bis Fu�. Hamad schnappte nach Luft und trat zur�ck, und er war nicht der einzige. Bashere hatte das Gesicht verzogen und strich sich �ber den Schnurrbart. Sogar die Aiel hatten die Augen aufgerissen. �ber und �ber rot brach der Illianer zusammen. Ein zuckender Haufen lag da, um den herum sich eine Blutlache immer weiter ausbreitete. Jedes Zucken der Arme und Beine hinterlie� neue Blutlachen auf dem Boden.</p><p>Rand beobachtete sein Sterben tief im Nichts geborgen ohne jede innere Regung. Das Nichts schirmte ihn vor Gef�hlen ab, und er h�tte ohnehin nichts �ndern k�nnen. Auch wenn er die Kunst des Heilens mit Hilfe der Macht beherrschte, glaubte er nicht, da� er diesen Tod aufhalten gekonnt h�tte.</p><p>�Ich glaube�, sagte Bashere bed�chtig, �Sammael wird seine Antwort bekommen, wenn dieser Bursche hier nicht mehr zur�ckkehrt. Ich habe davon geh�rt, da� Boten umgebracht wurden, weil sie schlechte Nachrichten brachten, doch niemals, um dem Absender mitzuteilen, da� die Nachrichten schlecht sind.�</p><p>Rand nickte. Dieser Tod �nderte nichts, genausowenig wie das, was er von Tigraine erfahren hatte. �La�t ihn begraben. Ein Gebet wird nicht schaden, auch wenn es vielleicht nicht hilft.� Warum schienen ihn die K�niginnen in ihren bunten Glasfenstern immer noch anzuklagen? Bestimmt hatten sie zu ihren Lebzeiten genauso schlimme Dinge erlebt, wom�glich sogar in diesem Saal. Er konnte immer noch blind in Richtung auf Alanna deuten und sie wahrnehmen; selbst das Nichts schirmte das nicht ab. Konnte er Egwene vertrauen? Sie behielt Geheimnisse f�r sich. �Ich werde vielleicht die Nacht in Cairhien verbringen.�</p><p>�Ein eigenartiges Ende eines seltsamen Mannes�, sagte Aviendha, die um den Podest herum schritt. Kleine T�ren dahinter f�hrten in Ankleidezimmer und von da aus in die Korridore des Palastes.</p><p>Rand wollte schon zwischen sie und das treten, was da auf den roten und wei�en Fliesen lag, doch dann hielt er sich zur�ck. Nach einem neugierigen Blick beachtete Aviendha den Leichnam nicht mehr. Als sie noch eine Tochter des Speers gewesen war, hatte sie sicher genauso viele Tote gesehen wie mittlerweile er. Als sie den Speer aufgab, hatte sie wom�glich bereits genauso viele get�tet, wie er zu dieser Zeit hatte sterben sehen.</p><p>Sie konzentrierte sich nun ganz auf ihn, musterte ihn von Kopf bis Fu� und �berzeugte sich davon, da� er unverletzt geblieben war. Ein paar der T�chter l�chelten sie an und traten zur Seite. Wo n�tig, schubsten sie die Roten Schilde beiseite, doch sie blieb, wo sie war, r�ckte ihr Tuch zurecht und beobachtete ihn aufmerksam. Es war gut, wenn sie im Gegensatz zu dem, was die T�chter glaubten, nur deshalb in seiner N�he blieb, weil es ihr die Weisen Frauen befohlen hatten, um ihn zu beobachten, denn er ertappte sich schon wieder dabei, da� er sie gleich an Ort und Stelle am liebsten in den Arm genommen h�tte. Gut, da� sie ihn gar nicht begehrte. Er hatte ihr das Elfenbeinarmband geschenkt, das sie trug, Rosen unter Dornen, weil es ihrer Natur entsprach. Es war ihr einziges Schmuckst�ck, bis auf die silberne Halskette mit Gliedern in Form jener Muster, die von den Kandori als �Schneeflocken� bezeichnet wurden. Er wu�te nicht, von wem sie das hatte.</p><p><emphasis>Licht!</emphasis> dachte er angewidert. Er begehrte Aviendha <emphasis>und</emphasis> Elayne, obwohl ihm klar war, da� er keine von beiden haben konnte. <emphasis>Du bist schlimmer, als Mat jemals von sich selbst glaubte.</emphasis> Sogar Mat besa� genug Vernunft um sich von einer Frau fernzuhalten, wenn er glaubte, er bringe sie damit in Gefahr.</p><p>�Ich mu� ebenfalls nach Cairhien�, sagte sie.</p><p>Rand verzog das Gesicht. Was ihn an einer Nacht in Cairhien so reizte, war unter anderem, da� er sie nicht wieder im gleichen Zimmer mit ihr verbringen mu�te.</p><p>�Es hat nichts zu tun mit...�, fing sie in scharfem Ton an, doch dann bi� sie sich auf die volle Unterlippe, und ihre blaugr�nen Augen blitzten. �Ich mu� mit den Weisen Frauen sprechen, vor allem mit Amys.�</p><p>�Selbstverst�ndlich�, erwiderte er. Vielleicht gab es eine M�glichkeit, sie dort zur�ckzulassen.</p><p>Bashere ber�hrte ihn am Arm. �Ihr wolltet meinen Reitern heute nachmittag beim Exerzieren zusehen.� Der Tonfall klang beil�ufig, doch der Blick aus den schr�gstehenden Augen verlieh den Worten Gewicht.</p><p>Es <emphasis>war</emphasis> auch wirklich wichtig, aber Rand sp�rte ein starkes Bed�rfnis, aus Caemlyn, ja aus ganz Andor zu entfliehen. �Morgen. Oder �bermorgen.� Er mu�te den Blicken dieser K�niginnen entkommen. Er durfte sich nicht l�nger fragen, ob einer von ihrem eigenen Blut � Licht, er war ja von ihrem Blut! � auch ihr Land zerrei�en w�rde, wie er es bei so vielen anderen bereits getan hatte. Weg von Alanna. Wenn auch nur f�r eine Nacht, aber er mu�te weg.</p></section><section><title><p>17</p><p>Das Rad eines Lebens</p></title><p>Rand holte seinen Schwertg�rtel, der neben dem Thron hing, mit Hilfe eines Strangs aus Luft heran, dann auch das Szepter, und �ffnete ein Tor vor dem Podest. Der rotierende Lichtschlitz erschien und weitete sich, bis man ein leeres, dunkel get�feltes Zimmer erblickte, das sich mehr als sechshundert Meilen von Caemlyn entfernt im Sonnenpalast befand, dem K�niglichen Palast in Cairhien. Den Raum hatte er sich eigens f�r diesen Zweck reserviert. Er enthielt keine M�bel, aber die dunkelblauen Fu�bodenfliesen und die holzget�felten W�nde schimmerten, so gut hatte man sie geputzt und poliert. Obwohl er kein Fenster aufwies, war es hell in dem Raum, denn die Lampen auf acht vergoldeten St�ndern brannten Tag und Nacht, und Spiegel verst�rkten das Licht der �lgespeisten Flammen, Rand blieb stehen und g�rtete sein Schwert, w�hrend Sulin und Urien die T�r zum Korridor �ffneten und verschleierte T�chter und Rote Schilde vor ihm eintreten lie�en.</p><p>In diesem Fall allerdings hielt er ihre Vorsicht f�r �bertrieben und l�cherlich. Auf dem breiten Korridor, dem einzigen, durch den man dieses Zimmer erreichen konnte, dr�ngten sich bereits etwa drei�ig <emphasis>Far Aldazar Din,</emphasis> Br�der des Adlers, und beinahe zwei Dutzend von Berelains Gardisten aus Mayene mit ihren rot bemalten Brustharnischen und den breitrandigen, kochtopf�hnlichen Helmen, die sogar noch den Nackenansatz bedeckten. Wenn es irgendwo einen Ort gab, an dem Rand ohne die T�chter auskommen konnte, dann war es Cairhien.</p><p>Kaum war Rand erschienen, sprang auch schon ein Bruder des Adlers den Gang hinunter auf ihn zu, und ein Mayener, der ungeschickt seinen Speer und ein Kurzschwert in den H�nden hielt, folgte dem gr��eren Aielmann etwas langsamer. Eine kleine Armee marschierte hinter dem <emphasis>Far Aldazar Din</emphasis> her, Diener in den verschiedensten Livrees; ein tairenischer Verteidiger des Steins mit gl�nzendem Brustharnisch und im schwarzgoldenen Rock, ein Soldat aus Cairhien, der den Vorderteil seines Sch�dels kahlgeschoren hatte und dessen Harnisch viel eingedellter und benutzter wirkte als bei dem Tairener, zwei junge Aielfrauen in dunklen, schweren R�cken und lose h�ngenden wei�en Blusen, die Rand als Sch�lerinnen der Weisen Frauen zu erkennen glaubte. <emphasis>Die</emphasis> Nachricht von seiner Ankunft w�rde sich schnell verbreiten. Das war immer so.</p><p>Wenigstens war Alanna weit entfernt. Auch Verin nat�rlich, aber vor allem Alanna. Er sp�rte ihre Gegenwart noch immer, selbst auf diese Entfernung. Es war aber nur der unbestimmte Eindruck, sie befinde sich irgendwo im Westen. Als ber�hre eine Hand beinahe, aber doch nicht ganz, die H�rchen in seinem Nacken. Gab es eine M�glichkeit, sie ganz loszuwerden? Er griff einen Augenblick lang nach <emphasis>Saidin,</emphasis> sp�rte aber keinen Unterschied.</p><p><emphasis>Du wirst nie den Fallen entgehen, die du selbst aufstellst.</emphasis> Lews Therins Murmeln klang verwirrt. <emphasis>Nur eine gr��ere Macht kann solch einen Bann brechen, und dann sitzt du schon wieder in der Falle. F�r alle Ewigkeit gefangen, damit du nicht sterben kannst.</emphasis></p><p>Ihm schauderte. Manchmal erschien es Rand wirklich so, als unterhalte sich die Stimme mit ihm. Wenn das Gequatsche nur von Zeit zu Zeit einen Sinn erg�be, dann w�re das Gef�hl leichter zu ertragen, sie im Kopf mit herumzuschleppen.</p><p>�Ich sehe Euch, <emphasis>Car'a'carn�,</emphasis> sagte einer der Br�der des Adlers. Seine grauen Augen befanden sich auf einer H�he mit Rands Augen, und die Narbe, die sich schr�g �ber seinen Nasenr�cken zog, hob sich wei� von dem sonnengebr�unten Gesicht ab. �Ich bin Corman von den Mosaada Goshien. M�gt Ihr heute Schatten finden.�</p><p>Rand hatte keine Gelegenheit, die passende Antwort zu geben, denn schon schob sich der mayenische Offizier mit dem rosa Gesicht an ihm vorbei. Na ja, er hatte Schwierigkeiten damit, denn er war zu schm�chtig, um einen Mann wegzuschieben, der einen Kopf gr��er war als er selbst und um die H�lfte breiter gebaut, und dann war es ja auch noch ein Aiel, wenn auch jung genug, da� er h�tte glauben k�nnen, der Mann werde sich das gefallen lassen. Aber er dr�ngte sich neben Corman, so da� er direkt vor Rand stand, wobei er den roten Helm mit einer einzigen schmalen roten Feder unter den Arm klemmte. �Mein Lord Drache, ich bin Havien Nurelle, Lordleutnant der Fl�gelgarde� � auf die Seiten seines Helms waren tats�chlich Fl�gel gel�tet worden � �im Dienst von Berelain sur Paendrag Paeron, der Ersten von Mayene, und stehe Euch zu Diensten.� Corman warf ihm einen am�sierten Blick zu.</p><p>�Ich sehe Euch, Havien Nurelle�, sagte Rand ernst, und der Junge blinzelte �berrascht. Der Junge? Wenn er es sich �berlegte, war er keineswegs j�nger als Rand. Diese Erkenntnis kam wie ein Schock! �Wenn Ihr und Corman mir bitte zeigen w�rdet...� Mit einem Mal wurde ihm bewu�t, da� Aviendha fort war. Er m�hte sich nach Kr�ften, diese Frau zu meiden, und beim ersten Mal, als er sich bereitfand, sie in seiner N�he zu dulden, schl�pfte sie weg, kaum da� er seinen Blick abgewandt hatte! �Bringt mich zu Berelain und Rhuarc�, befahl er grob. �Sollten sie nicht beisammen sein, bringt Ihr mich zu dem, der sich n�her befindet, und dann sucht Ihr den anderen.� Zweifellos war sie gleich zu den Weisen Frauen gerannt, um zu berichten, was er alles getan hatte. Er <emphasis>w�rde</emphasis> die Frau hier zur�cklassen!</p><p><emphasis>Was du willst ist das, was du nicht haben kannst. Was du nicht haben kannst ist das, was du willst.</emphasis> Lews Trierin lachte irr. Es st�rte Rand nicht in dem Ma�e wie fr�her. Nicht ganz so jedenfalls. Was ertragen werden mu�te, konnte ertragen werden.</p><p>Corman und Havien besprachen, wen sie zuerst aufsuchen sollten, und dann machten sie sich gemeinsam mit Rand auf den Weg, wobei sie ihre M�nner zur�cklie�en. Trotzdem gab es noch eine regelrechte Prozession, da alle T�chter und Roten Schilde ihnen in kurzem Abstand folgten und alles sich in dem niedrigen Gang dr�ngte. Der Korridor erweckte einen d�steren, bedr�ckenden Eindruck, obwohl die Lampen auf den Kandelabern brannten. Es gab �berall sehr wenig Farbe, au�er bei den Wandbeh�ngen. Die Menschen hier hatten eine Vorliebe f�r strenge Ordnung. Alles war nach festen Mustern angeordnet: gestickte Blumen und V�gel, Hirsche oder Leoparden auf der Jagd oder Adlige in der Schlacht. Die Diener, die schnell aus dem Weg sprangen, trugen f�r gew�hnlich farbige Streifen an den Manschetten und das Abzeichen des jeweiligen Adelshauses auf das Wams gen�ht. Gelegentlich sah man einen Kragen oder �rmel in den Farben des Hauses, sehr selten allerdings bei einem Rock oder Kleid. Nur h�hergestellte Diener zeigten mehr Farbe. Die Einwohner Cairhiens liebten die Ordnung und konnten Extravaganzen nicht leiden. In den wenigen Nischen standen goldene Schalen oder eine Vase des Meervolks, aber selbst diese waren leer und wiesen eine strenge Linienf�hrung auf, die kaum Kurven oder Kr�mmungen sichtbar werden lie�. Wenn der Gang sich zu einer Arkade mit Pfeilern wandelte und die Aussicht auf einen tiefer gelegenen Garten freigab, sah man, da� die Pfade ein regelm��iges Gitter ergaben, wobei jedes Blumenbeet genau die gleiche Gr��e aufwies, mit gleichartigen Str�uchern und Zierb�umen bepflanzt war, die wiederum gleich beschnitten waren und in gleichem Abstand voneinander standen. H�tte die D�rre noch Blumen am Leben gelassen, war Rand sicher, da� auch ihre Bl�ten kerzengerade Linien gebildet h�tten.</p><p>Rand w�nschte sich, Dyelin k�nne diese Schalen und Vasen sehen. Die Shaido hatten alles mitgenommen, was sie tragen konnten, oder verbrannt, was sie zur�cklassen mu�ten, aber solches Verhalten widersprach <emphasis>Ji'e'toh.</emphasis> Auch die Aiel, die Rand folgten und die Stadt gerettet hatten, hatten gepl�ndert, doch streng nach ihren Regeln. Wenn sie im Krieg einen Ort einnahmen, war ihnen erlaubt, ein F�nftel dessen mitzunehmen, was der Ort zu bieten hatte, und keinen L�ffel dar�ber hinaus. Bael hatte z�gernd zugestimmt, das in Andor zu verbieten, aber Rand war der Meinung, auch hier ben�tige man eine genaue Liste, um festzustellen, was mitgenommen worden war.</p><p>Trotz allem Hin und Her unterwegs schafften Corman und Havien es nicht, Rhuarc oder Berelain aufzusp�ren, bis sie schlie�lich selbst gefunden wurden.</p><p>Die beiden kamen von sich aus zu Rand, als er unter einer der Arkaden stand, ganz ohne Hofstaat oder sonstige Begleitung, was ihm nur um so mehr das Gef�hl gab, an der Spitze eines Umzugs zu marschieren. Rhuarc in seinem <emphasis>Cadin'sor,</emphasis> graue Str�hnen im dunkelroten Haar, hatte die Schufa lose um seinen Hals gelegt. Er trug keine Waffe bis auf ein schweres Aielmesser. Er �berragte Berelain, eine blasse, sch�ne junge Frau in einem blauwei�en Kleid, das so tief ausgeschnitten war, da� Rand sich unwillk�rlich r�uspern mu�te, als sie einen tiefen Knicks machte. Sie hatte das Diadem der Ersten, das einen goldenen Habicht im Flug darstellte, in ihr gl�nzendes schwarzes Haar gesteckt, das ihr in schweren Locken auf die nackten Schultern fiel.</p><p>Vielleicht war es ganz gut, da� Aviendha gegangen war. Manchmal zeigte sie sich ziemlich gewaltt�tig Frauen gegen�ber, von denen sie annahm, sie wollten sich an ihn heranmachen.</p><p>Pl�tzlich wurde ihm bewu�t, da� Lews Therin in seinem Kopf eine wortlose Melodie summte. Etwas daran erschien ihm beunruhigend, aber was...? Summen. Wie ein Mann, der eine h�bsche Frau bewundert, die ihn noch nicht einmal bemerkt.</p><p>H�r <emphasis>auf damit!</emphasis> rief Rand im Kopf. H�r <emphasis>auf, durch meine Augen zu blicken!</emphasis> Er wu�te nicht, ob ihn Lews Therin geh�rt hatte � gab es dort �berhaupt jemanden, der ihn h�ren konnte? � aber das Summen h�rte auf.</p><p>Havien fiel auf ein Knie nieder, doch Berelain bedeutete ihm mit einer geistesabwesenden Geste, sich zu erheben. �Ich hoffe, meinem Lord Drachen geht es gut, und alles steht in Andor zum Besten?� Berelain hatte die Art von Stimme, das Timbre, das einen Mann zum Zuh�ren zwang. �Und Euren Freunden Mat Cauthon und Perrin Aybara ebenfalls?�</p><p>�Es geht allen gut�, erwiderte er. Sie fragte immer nach Mat und Perrin, so oft er ihr auch versicherte, der eine sei auf dem Weg nach Tear und den anderen habe er nicht mehr gesehen, seit er sich in die W�ste begeben hatte. �Und wie steht es mit Euch?�</p><p>Berelain sah zu Rhuarc hin�ber, als sie sich Rand anschlossen und mit ihm den n�chsten Abschnitt des Korridors betraten. �So gut man es erwarten konnte, mein Lord Drache.�</p><p>�Es ist gut, Rand al'Thor�, sagte Rhuarc. Sein Gesicht zeigte kaum einen nennenswerten Ausdruck, aber das war nur selten der Fall.</p><p>Rand wu�te, da� beide verstanden, warum er Berelain hier die F�hrung anvertraut hatte. Kalte Vernunft. Sie war die erste Herrscherin, die ihm aus freien St�cken ihre Unterst�tzung angetragen hatte, und er konnte ihr vertrauen, weil sie ihn brauchte; nun, seit ihrem B�ndnis, mehr denn je, weil Mayene sich auf diese Art Tear vom Hals hielt. Die Hochlords hatten Mayene stets als eine Provinz ihres Landes behandelt. Au�erdem war sie eine Ausl�nderin aus einem kleinen Reich Hunderte von Wegstunden im S�den und hatte deshalb keinen Grund, in Cairhien irgendeine Partei oder ein Haus zu bevorzugen, keine M�glichkeit, selbst die Macht zu ergreifen, und sie wu�te, wie man ein Land regiert. Harte Gr�nde. Da ihm klar war, wie die Aiel zu Cairhien standen und dessen Einwohner zu den Aiel, konnte er Rhuarc nicht als Statthalter einsetzen, denn das h�tte zu einem Blutbad gef�hrt. Davon hatte Cairhien schon zu viele erlebt.</p><p>Diese Einrichtung schien sich bew�hrt zu haben. Genau wie bei Semaradrid und Weiramon in Tear akzeptierten die Einwohner Cairhiens eine Frau aus Mayene als Statthalterin, weil sie kein Aiel war und zudem von Rand eingesetzt worden war. Berelain wu�te genau, was sie tat, und sie h�rte auch auf Rhuarcs Ratschl�ge. Er sprach schlie�lich f�r die in Cairhien verbliebenen Clanh�uptlinge. Zweifelsohne mu�te sie sich auch mit den Weisen Frauen auseinandersetzen, die ihre Einmischung in nahezu alle Angelegenheiten erst aufgeben w�rden, wenn die Aiel abmarschiert waren, jedoch ganz gewi� niemals vor den Aes Sedai, aber bisher hatte sie dazu nie etwas gesagt.</p><p>�Und Egwene?� fragte Rand. �Geht es ihr besser?�</p><p>Berelain pre�te die Lippen ein wenig aufeinander. Sie mochte Egwene nicht. Aber Egwene konnte sie ebenfalls nicht leiden. Er kannte keinen Grund daf�r, aber es war nun einmal so.</p><p>Rhuarc spreizte die H�nde. �Soweit Amys mir Bescheid gibt.� Au�er einer Weisen Frau war Amys auch seine Ehefrau. Eine seiner Ehefrauen, denn er hatte zwei � eine der eigenartigeren Sitten der Aiel, �ber die Rand immer wieder staunte. �Sie sagt jedenfalls, Egwene brauche noch Ruhe, Spazierg�nge an der frischen Luft und viel zu essen. Ich glaube, sie macht in den k�hlen Tagesstunden ihre Spazierg�nge.� Berelain warf ihm einen am�sierten Blick zu. Der d�nne Schwei�film auf ihrem Gesicht minderte ihre Sch�nheit keineswegs, aber Rhuarc schwitzte nat�rlich nicht.</p><p>�Ich w�rde sie gern treffen � wenn die Weisen Frauen es erlauben�, f�gte Rand noch hinzu. Die Weisen Frauen h�teten ihre Privilegien genauso eifers�chtig wie alle Aes Sedai, die er je kennengelernt hatte, und zwar jedem gegen�ber, ob es Septimenh�uptlinge waren, Clanh�uptlinge, und vor allem der <emphasis>Car'a'carn.</emphasis> �Aber zuerst...�</p><p>Ein Ger�usch hatten sie zun�chst ganz unbewu�t wahrgenommen, als sie sich einem Abschnitt n�herten, an dem die Au�enwand durch eine s�ulenbewehrte Steinbalustrade ersetzt worden war: das Klappern von �bungsschwertern. Im Vorbeigehen blickte Rand hinunter. Zumindest hatte er die Absicht, doch was er dort unten sah, lie� ihn verstummen und stehenbleiben. Unter den Augen eines hoch aufgerichteten einheimischen Ausbilders in einem einfach geschnittenen grauen Mantel hieben ein Dutzend schwei�getr�nkte Frauen paarweise aufeinander ein. Manche von ihnen trugen Reitkleidung mit Hosenr�cken, andere wiederum M�nnerhosen und Jacken. Die meisten stellten sich bei ihren Fecht�bungen noch recht ungeschickt an, w�hrend andere mit fl�ssigen Bewegungen von einer Figur zur anderen �berwechselten, wobei sie allerdings die Klingen aus geb�ndelten Latten nur z�gernd schwangen. Alle schienen in grimmige Entschlossenheit geh�llt wie in einen Umhang, wenn auch diese Haltung durch gelegentliches verlegenes Lachen aufgelockert wurde, sobald eine von ihnen einsah, da� sie einen Fehler gemacht hatte.</p><p>Der Bursche mit dem steifen Kreuz klatschte in die H�nde, und die keuchenden Frauen st�tzten sich auf ihre �bungsschwerter. Einige rieben sich die Arme, die offensichtlich nicht an diese Anstrengung gew�hnt waren. Aus T�ren, die Rand nicht sehen konnte, eilten Diener und Dienerinnen hervor, verbeugten sich oder knicksten, w�hrend sie Tabletts mit Kr�gen und Bechern herumreichten. Aber falls sie wirklich Diener waren, dann war ihre Livree eigenartig und in Cairhien sonst nicht �blich. Sie trugen n�mlich Wei�. Kleider und M�ntel und Hosen, alle waren rein wei�.</p><p>�Was hat das zu bedeuten?� fragte er. Rhuarc gab einen angewiderten Laut von sich.</p><p>�Einige der Frauen aus Cairhien bewundern die T�chter des Speers�, sagte Berelain l�chelnd. �Sie wollen auch T�chter werden. Nur des Schwerts allerdings, wie ich vermute, und nicht des Speers.� Sulins K�rper versteifte sich emp�rt, und die anwesenden T�chter verst�ndigten sich durch Handzeichen. Sie alle schienen sich aufzuregen. �Dies sind T�chter aus Adelsh�usern�, fuhr Berelain fort. �Ich habe sie hierbleiben lassen, weil ihre Eltern ihnen keine Erlaubnis gegeben hatten. Es gibt in der Stadt mittlerweile ein Dutzend Schulen, in denen man Frauen im Schwertkampf unterrichtet, doch viele Frauen m�ssen sich heimlich hinschleichen, um teilnehmen zu k�nnen. Nat�rlich beschr�nkt sich der Einflu� nicht nur auf Frauen. Die j�ngeren Einwohner Cairhiens sind von den Aiel sehr beeindruckt. Sie �bernehmen sogar <emphasis>Ji'e'toh.�</emphasis></p><p>�Sie verdrehen alles�, grollte Rhuarc. �Viele wollen mehr von unseren Sitten wissen, und wer w�rde nicht die Gelegenheit nutzen, jemandem beizubringen, wie man sich anst�ndig verh�lt? Selbst einem Baumm�rder.� Er wirkte, als wolle er ausspucken. �Aber sie �bernehmen, was man ihnen sagt, und dann verdrehen sie es.�</p><p>�Nein, es wird nicht verdreht�, protestierte Berelain. �Sie passen es nur den Gegebenheiten an, denke ich.� Rhuarc zog die Augenbrauen ein klein wenig hoch und seufzte. Haviens Miene war ein Musterbeispiel f�r Entr�stung, als er die Meinung seiner Herrscherin so in Frage gestellt sah. Weder Rhuarc noch Berelain bemerkten das allerdings, denn beide achteten nur auf Rand. Er hatte das Gef�hl, diese Auseinandersetzung zwischen den beiden habe sich schon oft abgespielt.</p><p>�Sie ver�ndern es�, wiederholte Rhuarc nachdr�cklich. �Diese Narren in Wei� dort unten behaupten, sie seien <emphasis>Gai'schain. Gai'schain!�</emphasis> Die anderen Aielm�nner murmelten erregt miteinander, w�hrend die T�chter sich wieder in ihrer Zeichensprache verst�ndigten. Havien blickte ein wenig nerv�s drein. �In welchem Kampf oder bei welchem �berfall wurden sie gefangengenommen? Welches <emphasis>Toh</emphasis> haben sie auf sich geladen? Ihr habt mein Verbot gutgehei�en, Berelain Paeron, in der Stadt K�mpfe auszutragen, aber sie duellieren sich, sobald sie glauben, sie w�rden nicht entdeckt, und der Verlierer legt die wei�e Robe an. Wenn einer den anderen schl�gt und beide bewaffnet sind, bittet der Geschlagene um ein Duell, und wenn ihm das verweigert wird, legt er das Wei� an. Was hat das mit Ehre und Verpflichtung zu tun? Sie verdrehen alles und tun Dinge, bei denen selbst ein Sharamann err�ten w�rde. Man sollte diesem Treiben Einhalt gebieten, Rand al'Thor.�</p><p>Berelain streckte trotzig das Kinn vor, und ihre H�nde verkrampften sich in ihren Rock. �Junge M�nner k�mpfen doch immer.� Ihr Tonfall klang so weise und erfahren, da� man beinahe verga�, wie jung sie noch war. �Aber seit sie damit begonnen haben, ist kein einziger mehr in einem Duell ums Leben gekommen. Kein einziger! Das allein ist es wert, sie auf diese Art weitermachen zu lassen. Au�erdem habe ich mich gegen V�ter und M�tter gestellt, und einige von ihnen kamen aus m�chtigen Familien, die wollten, da� ich ihre T�chter wieder heimschicke. Ich werde diesen jungen Frauen nicht verweigern, was ich ihnen versprochen habe.�</p><p>�Behaltet sie, wenn Ihr wollt�, sagte Rhuarc. �La�t sie lernen, mit dem <emphasis>Schwert</emphasis> umzugehen, falls sie es w�nschen. Aber sie sollen aufh�ren, zu behaupten, sie folgten <emphasis>Ji'e'toh.</emphasis> Macht dem ein Ende, da� sie das Wei� anlegen und behaupten, sie seien <emphasis>Gai'schain.</emphasis> Was sie tun, beleidigt unsere Sitten.� Der eisige Blick seiner blauen Augen war zwar auf Berelain gerichtet, doch diese wiederum blickte ausschlie�lich Rand mit ihren gro�en, dunklen Augen an.</p><p>Rand z�gerte nur einen Augenblick lang. Er glaubte, zu verstehen, was die j�ngeren Menschen in Cairhien zu <emphasis>Ji'e'toh</emphasis> hinzog. Zweimal war ihr Land innerhalb von zwanzig Jahren von den Aiel erobert worden; sie mu�ten sich fragen, ob das Geheimnis vielleicht in diesen Sitten liege. Oder sie glaubten m�glicherweise, ihre Niederlagen bewiesen einfach, da� die Aiel die bessere Lebensauffassung h�tten. Eindeutig regten sich die Aiel dar�ber auf, da� man sich ihrer Ansicht nach �ber ihre Sitten lustig mache, aber in Wirklichkeit waren ein paar der Gr�nde, weswegen Aiel zu <emphasis>Gai'schain</emphasis> wurden, nicht weniger eigenartig. Beispielsweise betrachtete man es als feindselig, wenn man mit einem Mann �ber dessen Schwiegervater oder mit einer Frau �ber deren Schwiegermutter sprach � Zweitvater und Zweitmutter nannten das die Aiel � und das war Grund genug, um zu den Waffen zu greifen, sofern die Betroffenen nicht zuerst jene Verwandten erw�hnt hatten. Falls aber der Betroffene den anderen ber�hrte, nachdem er gesprochen hatte, bedeutete das unter den Regeln von <emphasis>Ji'e'toh</emphasis> das gleiche, als ber�hre man einen bewaffneten Gegner, ohne ihm etwas anzutun. Das brachte eine Menge <emphasis>Ji</emphasis> ein und rief viel <emphasis>Toh</emphasis> hervor, aber der Ber�hrte konnte nun verlangen, zum <emphasis>Gai'schain</emphasis> gemacht zu werden und damit die Ehre des anderen zu beschneiden und selbst weniger Verpflichtungen zu haben, <emphasis>Ji'e'toh</emphasis> forderte, da� eine ehrenhaft vorgebrachte Bitte, zum <emphasis>Gai'schain</emphasis> gemacht zu werden, auch gew�rdigt werden m�sse. Also endete alles damit, da� ein Mann oder eine Frau zum <emphasis>Gai'schain</emphasis> gemacht wurden, nur weil sie die Schwiegereltern eines anderen erw�hnt hatten. Das war nicht weniger t�richt als das, was diese Leute in Cairhien trieben. Alles lief im Grunde auf eines hinaus: Er hatte Berelain die Regentschaft �bergeben, also mu�te er sie auch unterst�tzen. So einfach war das. �Die Menschen aus Cairhien beleidigen Euch, weil sie Menschen aus Cairhien sind und sich so verhalten. La�t sie doch. Wer wei�, vielleicht lernen sie eines Tages soviel, da� Ihr sie gar nicht mehr hassen m��t,�</p><p>Rhuarc knurrte beleidigt und Berelain l�chelte. Zu Rands �berraschung schien sie dem Aielmann einen Moment lang die Zunge herausstrecken zu wollen, beherrschte sich dann aber. Oder war es nur seine Einbildung? Sie war nur wenige Jahre �lter als er selbst, doch sie hatte Mayene bereits regiert, als er noch in den Zwei Fl�ssen Schafe h�tete.</p><p>Rand schickte Corman und Havien zur�ck zu ihrer Wachtruppe und ging weiter. Rhuarc und Berelain schritten zu beiden Seiten nebenher, und die anderen folgten ihm auf den Fersen. Eine Prozession. Jetzt brauchte er nur noch Pauken und Trompeten f�r einen Festtagsumzug.</p><p>Das Klappern der �bungsschwerter begann erneut hinter ihm. Eine weitere Ver�nderung, wenn auch nicht besorgniserregend. Selbst Moiraine, die lange Zeit die Prophezeiungen des Drachen studierte, hatte nicht gewu�t, ob die erneute Zerst�rung der Welt ein neues Zeitalter einleiten werde, aber zumindest brachte der Drache Ver�nderungen mit sich, so oder so. Und zwar genauso oft durch puren Zufall wie mit Absicht.</p><p>Als sie die T�r zu dem Arbeitszimmer erreichten, das sich Rhuarc und Berelain teilten � die langen Kassetten aus dunklem, hochgl�nzendem Holz waren mit Sonnenaufg�ngen eingelegt und lie�en darauf schlie�en, da� es einst irgendwelchen k�niglichen Zwecken gedient hatte �, blieb Rand stehen und wandte sich Sulin und Urien zu. Wenn er die vielen W�chter hier nicht los w�rde, dann �berhaupt nicht mehr. �Ich habe vor, morgen eine Stunde nach Sonnenaufgang nach Caemlyn zur�ckzukehren. Bis dahin besucht Eure Zelte und Eure Freunde und bem�ht Euch, keine Blutfehden anzufangen. Falls Ihr darauf besteht, k�nnen zwei von Euch bei mir bleiben und mich vor M�usen besch�tzen. Ich glaube nicht, da� irgend etwas Gr��eres mich hier �berfallen wird.�</p><p>Urien grinste leicht und nickte, deutete aber in Kopfh�he des anderen auf einen der M�nner aus Cairhien und murmelte: �Die M�use werden hier sehr gro�.�</p><p>Einen Augenblick lang glaubte Rand, Sulin werde protestieren. Ihr emp�rter Blick hielt jedoch nur einen Moment �ber an, und dann nickte auch sie, wenn auch mit aufeinandergepre�ten Lippen. Zweifellos w�rde er ihre Argumente zu h�ren bekommen, wenn sich nur noch T�chter in H�rweite befanden.</p><p>Das Arbeitszimmer, ein gro�er Raum, beeindruckte ihn auch jetzt, beim zweiten Mal, da� er es zu sehen bekam, durch sehr harte Kontraste. An der hohen Decke ergaben sich aus geraden Linien und rechten Winkeln kunstvolle Gittermuster, die sich �berall wiederholten, auch an den Seitenw�nden und an einem breiten, mit dunkelblauem Marmor verkleideten Kamin. In der Mitte stand ein massiver Tisch, der mit Papieren und Landkarten bedeckt war und der eine Art von Grenze darstellte. Vor den beiden hohen, schmalen Fenstern auf der einen Seite des Kamins standen Tont�pfe mit kleinen Pflanzen auf Blumens�ulen.</p><p>Ein paar winzige rotwei�e Bl�ten waren daran zu sehen. Auf dieser Seite des Tisches hing ein langer Gobelin, der Schiffe auf hoher See darstellte und M�nner, die prall mit �lfisch gef�llte Netze einholten. �lfische waren die Quelle des Reichtums von Mayene. Ein Stickrahmen mit Nadel und einem roten Faden, der aus einer halbfertigen Arbeit heraushing, lag auf einem Sessel mit hoher Lehne, der breit genug war, damit es sich Berelain darauf mit angezogenen Beinen gem�tlich machen konnte, wenn sie wollte. Den Boden bedeckte ein Teppich mit einem goldenen und roten und blauen Blumenmuster. Auf einem kleinen Tisch neben dem Sessel standen ein silberner Weinkrug und ein paar Weingl�ser auf einem silbernen Tablett, und daneben lag ein d�nnes, in Rot gebundenes Buch mit einem goldverzierten Lederbuchzeichen an der Stelle, wo Berelain mit Lesen aufgeh�rt hatte.</p><p>Der Fu�boden auf der anderen Seite des Tisches war mit Schichten bunter L�ufer bedeckt, und darauf lagen rote, blaue und gr�ne mit Troddeln geschm�ckte Sitzkissen verstreut. Ein Tabaksbeutel, eine Pfeife mit kurzem Stiel und eine Zange lagen neben einer geschlossenen Messingschale auf einer kleinen, messingbeschlagenen Truhe, w�hrend auf einer etwas gr��eren Kommode mit Eisenbeschl�gen eine Elfenbeinschnitzerei lag, die irgendein seltsames Arbeitstier darstellte. Rand bezweifelte, da� ein solches Tier wirklich existierte. Zwei Dutzend B�cher in allen m�glichen Formaten standen s�uberlich aufgereiht auf dem Boden an der Wand. Ein paar waren klein genug, um in eine Rocktasche zu passen, w�hrend andere so gro�formatig waren, da� selbst Rhuarc beide H�nde brauchte, um sie zu halten. Die Aiel stellten in der W�ste alles her, was sie ben�tigten � bis auf B�cher. Fahrende H�ndler hatten manchmal schon ein Verm�gen gemacht, weil sie den Aiel nichts als B�cher verkauft hatten.</p><p>�Nun�, sagte Rand, als die T�r geschlossen war und er sich allein mit Rhuarc und Berelain im Zimmer befand, �wie stehen die Dinge wirklich?�</p><p>�Wie ich schon sagte�, erwiderte Berelain. �So gut es eben zu erwarten war. Man spricht auf der Stra�e von Caraline Damodred und Toram Riatin, aber die meisten Menschen sind zu m�de, um in der n�chsten Zeit einen weiteren Krieg erleben zu wollen.�</p><p>�Es wird behauptet, zehntausend andoranische Soldaten h�tten sich ihnen angeschlossen.� Rhuarc stopfte seine Pfeife. �Ger�chte �bertreiben immer um das Zehnoder Zwanzigfache, aber falls etwas daran sein sollte, w�re das beunruhigend. Die Kundschafter berichten, es seien nicht sehr viele, aber wenn man ihnen nicht Einhalt gebietet, k�nnten sie mehr ausrichten als uns nur zu �rgern. Die Gelbfieberfliege ist fast zu klein, um sie zu sehen, aber wenn sie ihr Ei in Eurer Haut ablegt, werdet Ihr einen Arm oder ein Bein verlieren, bevor sie ausgeschl�pft ist � falls Ihr es �berlebt.�</p><p>Rand brummte nichtssagend. Darlins Rebellion in Tear war nicht die einzige, mit der er sich herumschlagen mu�te. Die H�user Riatin und Damodred, die letzten beiden Adelsfamilien, die auf dem Sonnenthron gesessen hatten, waren vor Rands Erscheinen bittere Rivalen gewesen und w�rden es auch wieder sein, sollte er verschwinden. Nun hatten sie ihre Feindschaft begraben � zumindest an der Oberfl�che; was sich darunter abspielte, konnte in Cairhien etwas ganz anderes bedeuten � und wie Darlin wollten auch Toram und Caraline in Ruhe an einem sicheren Ort Streitkr�fte um sich sammeln. In ihrem Fall ging es um das H�gelvorland des R�ckgrats der Welt, so weit entfernt von der Stadt wie m�glich, ohne deshalb das Land zu verlassen. Sie hatten die gleiche bunte Schar wie Darlin um sich versammelt: Adlige, zumeist von mittleren R�ngen, vertriebene Landbewohner, ein paar hartgesottene S�ldner und wohl auch einige fr�here Stra�enr�uber. Nialls Hand war m�glicherweise wie bei Darlin auch hier zu sp�ren.</p><p>Dieses H�gelgebiet war keineswegs so unzug�nglich wie die Haddon-S�mpfe, doch Rand hielt sich zur�ck. Er hatte zu viele Feinde an zu vielen Orten. Sollte er verweilen, um hier Rhuarcs Gelbfieberfliege niederzuklatschen, w�rde er danach irgendwo anders vielleicht einen Leoparden in seinem R�cken vorfinden. Er hatte hingegen vor, den Leoparden zuerst zu besiegen. Wenn er nur w��te, wo all die anderen Leoparden herumschlichen.</p><p>�Was gibt es Neues von den Shaido?� fragte er und legte derweil das Drachenszepter auf eine halb aufgerollte Landkarte. Sie zeigte den Norden Cairhiens und die Berge, die man als �Bruderm�rders Dolch� bezeichnete. Die Shaido stellten vielleicht keinen so gro�en Leoparden dar wie Sammael, aber sie waren um einiges gr��er als Hochlord Darlin oder Lady Caraline. Berelain reichte ihm ein Glas Wein, und er bedankte sich h�flich. �Haben die Weisen Frauen �berhaupt irgend etwas �ber Sevannas Plane ausgesagt?�</p><p>Er h�tte erwartet, da� ein oder zwei von ihnen auf ihn h�rten und sich wenigstens ein bi�chen umsehen w�rden, als sie mit ihren Leuten zu Bruderm�rders Dolch marschierte. Er h�tte wetten k�nnen, da� sich die Weisen Frauen der Shaido dort mit offenen Augen umsahen, sobald sie �ber den Gaelin waren. Nat�rlich sprach er das nicht aus. Die Shaido hatten vielleicht <emphasis>Ji'e'toh</emphasis> aufgegeben, aber Rhuarc betrachtete das Ausspionieren eines Gegners auf die traditionelle Weise der Aiel. Die Ansichten der Weisen Frauen waren etwas anderes, aber er konnte auch nicht genau sagen, wie sie sich von denen der �brigen Aiel unterschieden.</p><p>�Man behauptet, die Shaido bauten Festungen.� Rhuarc hielt inne, nahm die Zange zur Hand, hob den Deckel von der Messingschale, die mit Sand gef�llt war, wie sich jetzt zeigte, nahm ein St�ck gl�hender Kohle von der Sandunterlage und hielt sie �ber seine Pfeife. Paffend z�ndete er sie an und sprach dann weiter: �Sie glauben nicht, da� die Shaido vorhaben, jemals ins Dreifache Land zur�ckzukehren. Ich glaube es auch nicht.�</p><p>Rand fuhr sich mit der freien Hand durch die Haare. Caraline und Toram wie ein Geschw�r im Fleisch, und nun siedelten sich die Shaido auf dieser Seite der Drachenmauer an. Das war eine viel gef�hrlichere Mischung, als Darlin zur Verf�gung stand. Und Alannas unsichtbarer Finger schien ihn ber�hren zu wollen. �Gibt es noch mehr gute Nachrichten?�</p><p>�In Shamara kam es zu kriegerischen Auseinandersetzungen�, sagte Rhuarc, ohne die Pfeife aus dem Mund zu nehmen.</p><p>�Wo?� fragte Rand.</p><p>�Shamara. Oder Shara, wenn Euch das etwas sagt. Sie ben�tzen viele Namen f�r ihr Land. Co'dansin, Tomaka, Kigali, und mehr. Jeder k�nnte zutreffen, oder auch keiner. Sie l�gen dort ohne nachzudenken, diese Leute. Wickelt einen Seidenballen auf, den ihr dort erworben habt, und wom�glich findet Ihr heraus, da� nur die �u�eren Bahnen aus Seide bestehen. Und solltet Ihr beim n�chsten Mal in diesem Handelsfort den Mann vorfinden, der Euch diesen Ballen verkauft hat, wird er leugnen, Euch schon einmal gesehen oder gar Handel getrieben zu haben. Falls Ihr die Sache weiter verfolgt, t�ten ihn die anderen, um Euch zu bes�nftigen, behaupten dann aber, wegen der Seide k�nnten sie nun nichts mehr unternehmen. Anschlie�end werden sie versuchen, Euch Wasser als Wein zu verkaufen.�</p><p>�Warum betrachtet Ihr Kampfhandlungen in Shara als gute Nachrichten?� fragte Rand leise. Er wollte die Antwort eigentlich gar nicht h�ren. Berelain jedoch lauschte interessiert. Niemand au�er den Aiel und dem Meervolk wu�te viel mehr �ber die verbotenen L�nder jenseits der W�ste, als da� Elfenbein und Seide von dort kamen. Das, und die Berichte in den <emphasis>Reisen des Jain Fernstreicher,</emphasis> die aber zu phantastisch waren, um ernst genommen zu werden. Nun, da er sich daran erinnerte, fiel Rand auch ein, da� die L�gerei dort erw�hnt wurde und die verschiedenen Namen, wenn auch die von Fernstreicher angef�hrten nicht mit denen �bereinstimmten, die Rhuarc genannt hatte, jedenfalls, soweit Rands Ged�chtnis ihn nicht trog.</p><p>�Es hat noch nie K�mpfe in Shara gegeben, Rand al'Thor. Man sagt, die Trolloc-Kriege h�tten auch dieses Land �berzogen...� � die Trollocs hatten einst die Aielw�ste durchquert, und seither ben�tzten die Trollocs f�r diese W�ste die Bezeichnung �Sterbeplatz� �, �...aber sollte es seither dort auch nur eine Schlacht gegeben haben, ist kein Wort dar�ber bis zu den Handelsforts gedrungen. Nat�rlich dringt kaum ein Wort jemals von den Forts hindurch. Sie behaupten, ihr Land sei immer eine Einheit gewesen und nicht zersplittert wie bei uns, und es habe immer Friede geherrscht. Als Ihr als der <emphasis>Car'a'carn</emphasis> von Rhuidean aufgebrochen seid, hat sich die Nachricht schnell ausgebreitet und auch, welchen Titel Euch die Feuchtl�nder verliehen haben: der Wiedergeborene Drache. Die Nachricht verbreitete sich vom Gro�en Ri� und den Klippen des Sonnenaufgangs bis zu den Handelsforts.� Rhuarcs Blick war ruhig und stet; dies alles beunruhigte ihn nicht. �Nun kommen die Nachrichten durch das Dreifache Land bis hierher zur�ck. Es gibt Kampfhandlungen in Shara, und die Sharam�nner in den Handelsforts fragen, wann der Wiedergeborene Drache die Welt zerst�ren wird.�</p><p>Mit einem Mal schmeckte der Wein sauer. Noch ein Land wie Tarabon und Arad Doman, das bereits in sich zerrissen wurde, nur weil die Menschen von ihm vernommen hatten. Wie weit hatten sich die Wellen noch ausgebreitet? Gab es seinetwegen Kriege, von denen er niemals h�ren w�rde, in L�ndern, von denen er ebenfalls nie etwas vernehmen w�rde?</p><p><emphasis>Der Tod reitet auf meiner Schulter,</emphasis> murmelte Lews Therin. <emphasis>Der Tod schreitet in meinen Fu�stapfen einher. Ich bin der Tod.</emphasis></p><p>Schaudernd stellte Rand sein Glas auf den Tisch. Was verlangten die Prophezeiungen noch alles von ihm in ihren qu�lend unklaren Andeutungen und altert�mlichen Versen, die alles und doch nichts sagten? Sollte er Shara, oder wie man es nun wirklich nannte, Cairhien und dem Rest hinzuf�gen? Die ganze Welt? Aber wie, wenn er nicht einmal Tear oder Cairhien vollst�ndig beherrschte? Daf�r brauchte man mehr als die Lebensdauer eines Mannes. Andor. Und wenn er jedes andere Land zerrei�en mu�te, die ganze Welt zerrei�en: Andor w�rde er f�r Elayne erhalten. Irgendwie.</p><p>�Shara, oder wie es nun hei�en mag, ist weit von hier entfernt. Ein Schritt nach dem anderen, und Sammael ist der erste Schritt.�</p><p>�Sammael�, stimmte Rhuarc zu. Berelain schauderte und leerte ihr Glas.</p><p>Eine Weile unterhielten sie sich �ber die Aiel, die immer noch auf dem Weg nach S�den waren. Rand hatte vor, den Hammer, den er in Tear schmiedete, so gewaltig zu machen, da� er alles zerschmettern konnte, was ihm Sammael in den Weg stellen mochte. Rhuarc war es wohl zufrieden, aber Berelain beschwerte sich und wollte, da� eine gr��ere Streitmacht in Cairhien verbleiben sollte. Bis Rhuarc sie zum Schweigen brachte. Sie murrte, er sei sturer, als gut f�r ihn sei, doch dann fuhr sie fort und beschrieb die Bem�hungen, die Bauern wieder auf dem Land ans�ssig zu machen. Sie glaubte, ab dem n�chsten Jahr seien keine Getreideeinfuhren aus Tear mehr notwendig. Falls die D�rre jemals nachlie�. Falls nicht, w�rde Tear nicht einmal in der Lage sein, das eigene Land mit Getreide zu versorgen, und erst recht nicht die anderen L�nder. Die ersten zarten F�hler des Handels machten sich gerade wieder bemerkbar. H�ndler waren aus Andor und Tear und Murandy gekommen, und sogar von den Grenzlanden her. An diesem Morgen hatte sogar ein Schiff des Meervolks im Flu� Anker geworfen, und das fand sie merkw�rdig, so weit vom Meer entfernt, doch nat�rlich h�chst willkommen.</p><p>Berelains Miene wirkte �u�erst eindringlich und ihre Stimme knapp und pr�zise, als sie um den Tisch hierhin und dorthin herumschritt, um dieses oder jenes B�ndel Papiere in die Hand zu nehmen und dar�ber zu sprechen, was Cairhien erwerben m�sse und was es sich leisten k�nne, was es jetzt zum Verkauf anbieten k�nne und was in sechs Monaten und in einem Jahr. Nat�rlich hing das vom Wetter ab. Sie tat das ab, als sei es unwichtig, warf aber Rand einen Blick zu, der besagte, er sei der Wiedergeborene Drache, und sollte es eine M�glichkeit geben, die Hitzewelle zu beenden, sei es seine Aufgabe, sie zu finden. Rand hatte sie schon unglaublich verf�hrerisch erlebt, aber auch ver�ngstigt, trotzig und hochm�tig, aber noch niemals so wie jetzt. Sie schien eine v�llig andere Frau zu sein. Rhuarc, der auf einem Kissen sa� und an seiner Pfeife paffte, schien genauso am�siert, als er sie beobachtete.</p><p>�...Eure Schule k�nnte einiges erreichen�, sagte sie, wobei sie mit gerunzelter Stirn ein langes Blatt Papier betrachtete, das mit sauberer Schrift bedeckt war. �Wenn sie nur aufh�rten, st�ndig neue Dinge machen zu wollen und statt dessen das t�ten, was sie bereits beherrschen.� Sie tippte mit einem Finger an ihre Lippen und blickte nachdenklich ins Leere. �Ihr sagtet, ich solle ihnen so viel Gold geben, wie sie verlangen, aber wenn ihr mir gestatten w�rdet erst zu zahlen, wenn sie tats�chlich...�</p><p>Jalani steckte ihr rundes Gesicht zur T�r herein �Aiel schienen nichts vom Anklopfen zu halten � und verk�ndete: �Mangin ist hier und will mit Rhuarc und Euch sprechen, Rand al'Thor.�</p><p>�Sagt ihm, ich werde mich gl�cklich sch�tzen, sp�ter mit ihm zu sprechen...� Soweit kam Rand, bis ihn Rhuarc mit ruhiger Stimme unterbrach: �Ihr solltet jetzt gleich mit ihm sprechen, Rand al'Thor.� Das Gesicht des Clanh�uptlings war ernst. Berelain hatte das lange Blatt auf den Tisch zur�ckgelegt und blickte angestrengt zu Boden.</p><p>�Also gut�, meinte Rand bed�chtig.</p><p>Jalanis Kopf zog sich zur�ck, und Mangin trat ein. Er war gr��er als Rand und hatte zu denjenigen geh�rt, die die Drachenmauer auf der Suche nach Ihm, Der Mit Der Morgend�mmerung Kommt �berquert hatten, einer jener Handvoll, die den Stein von Tear eingenommen hatten, �Vor sechs Tagen habe ich einen Mann get�tet�, fing er ohne weiteres an, �einen Baumm�rder, und ich mu� wissen, ob ich jetzt Euch gegen�ber <emphasis>Toh</emphasis> habe, Rand al'Thor.�</p><p>�Mir gegen�ber?� fragte Rand. �Ihr k�nnt Euch doch selbst verteidigen, Mangin; Licht, Ihr wi�t es...� Einen Moment lang schwieg er und suchte den Blick dieser grauen Augen, die n�chtern dreinblickten, aber ohne jede Furcht, vielleicht ein wenig neugierig. Rhuarcs Miene konnte er nichts anmerken, und Berelain wich seinem Blick noch immer aus. �Er hat Euch angegriffen, oder?�</p><p>Mangin sch�ttelte leicht den Kopf. �Ich sah, da� er den Tod verdiente, also habe ich ihn get�tet.� Er sagte das in einem leichten Plauderton, als habe er gesehen, da� ein Abflu�rohr gereinigt werden m�sse und diese Arbeit gleich erledigt. �Doch Ihr habt uns untersagt, die Meineidigen zu t�ten, au�er in der Schlacht oder wenn sie uns angreifen. Habe ich deshalb nun <emphasis>Toh</emphasis> Euch gegen�ber?�</p><p>Rand erinnerte sich daran, was er gesagt hatte ... <emphasis>ihn werde ich h�ngen lassen.</emphasis> In seiner Brust zog sich etwas zusammen. �Warum verdiente er zu sterben?�</p><p>�Er trug, was zu tragen er kein Recht hatte�, erwiderte Mangin.</p><p>�Was? Was hat er getragen, Mangin?�</p><p>Rhuarc antwortete, wobei er seinen linken Unterarm ber�hrte. �Dies.� Er meinte damit den Drachen, der sich um seinen Arm schl�ngelte. Die Clanh�uptlinge zeigten sie nur selten und sprachen fast nie dar�ber. Beinahe alles an diesen Kennzeichen war in Geheimnisse geh�llt und die H�uptlinge waren es zufrieden. �Nat�rlich war es nur mit Nadeln und Farben nachgemacht.� Eine T�towierung also.</p><p>�Er hat sich als Clanh�uptling ausgegeben?� Rand war klar, da� er nach einer Entschuldigung suchte ... <emphasis>ihn werde ich h�ngen lassen.</emphasis> Mangin war einer seiner ersten Anh�nger gewesen.</p><p>�Nein�, sagte Mangin. �Er hat getrunken und mit dem angegeben, was er nicht haben durfte. Ich sehe Eure Augen, Rand al'Thor.� Er grinste pl�tzlich. �Es ist ein R�tsel. Ich hatte recht damit, da� ich ihn t�tete, aber nun habe ich <emphasis>Toh</emphasis> Euch gegen�ber.�</p><p>�Ihr wart im Unrecht, als Ihr ihn get�tet habt. Ihr kennt die Strafe f�r Mord.�</p><p>�Einen Strick um den Hals, wie ihn diese Feuchtl�nder ben�tzen.� Mangin nickte nachdenklich. �Sagt mir, wann und wo, und ich werde dort sein. M�gt Ihr heute Wasser und Schatten finden, Rand al'Thor.�</p><p>�M�gt Ihr Wasser und Schatten finden, Mangin�, erwiderte Rand traurig.</p><p>�Ich sch�tze�, sagte Berelain, als sich die T�r hinter Mangin geschlossen hatte, �da� er tats�chlich freiwillig zu seiner eigenen Hinrichtung erscheinen wird.</p><p>Ach, seht mich nicht so an, Rhuarc. Ich will weder ihn noch die Ehre der Aiel angreifen.�</p><p>�Sechs Tage�, grollte Rand, und dann fuhr er sie an: �Ihr wu�tet, warum er hier war, Ihr beide! Vor sechs Tagen, aber Ihr habt mir die Entscheidung �berlassen! Mord ist Mord, Berelain.�</p><p>Sie richtete sich gebieterisch auf, klang aber dann doch, als m�sse sie sich rechtfertigen. �Ich bin es nicht gewohnt, da� M�nner zu mir kommen und mir gestehen, da� sie gerade einen Mord begangen haben. Verdammtes <emphasis>Ji'e'toh.</emphasis> Verdammte Aielm�nner und ihre verdammte Ehre.� Es klang eigenartig, aus ihrem Mund solche Fl�che zu h�ren.</p><p>�Ihr habt keinen Grund, b�se auf sie zu sein, Rand al'Thor�, warf Rhuarc ein. �Mangins <emphasis>Toh</emphasis> besteht Euch gegen�ber und nicht ihr � oder mir.�</p><p>�Sein <emphasis>Toh</emphasis> besteht dem Mann gegen�ber, den er ermordet hat�, sagte Rand kalt. Rhuarc blickte entsetzt drein. �Wenn jemand beim n�chsten Mal einen Mord begeht, wartet nicht auf mich! Befolgt einfach das Gesetz!� Auf diese Weise w�rde er vielleicht nicht noch einmal gezwungen, einen Mann, den er kannte und mochte, zum Tode zu verurteilen. Er w�rde es tun, wenn er dazu gezwungen war. Er wu�te es, und es machte ihn traurig. Was war aus ihm geworden?</p><p><emphasis>Das Rad des Lebens eines Mannes,</emphasis> murmelte Lews Therin. <emphasis>Keine Gnade. Kein Mitleid.</emphasis></p></section><section><title><p>18</p><p>Ein Vorgeschmack der Einsamkeit</p></title><p>Gibt es noch mehr Probleme, die Ihr von mir l�sen lassen wollt?� Rands Tonfall sagte eindeutig aus, da� er Probleme meinte, die sie bereits gel�st haben sollten. Rhuarc sch�ttelte leicht den Kopf, w�hrend Berelain err�tete. �Gut. Legt einen Zeitpunkt fest, an dem Mangin geh�ngt wird...� <emphasis>Wenn es zu sehr weh tut</emphasis> �Lews Therins Lachen klang wie ein heiseres Fl�stern � <emphasis>la� es statt dessen jemand anderes sp�ren.</emphasis> Seine Verantwortung. Seine Pflicht. Er versteifte seinen R�cken, um diesen Berg davon abzuhalten, ihn zu erdr�cken. �H�ngt ihn morgen. Sagt ihm, ich h�tte das angeordnet.� Er schwieg und blickte w�tend drein, bis ihm klar wurde, da� er auf Lews Therins Antwort wartete und nicht auf die ihre. Wartete auf die Stimme eines toten Mannes, eines toten Verr�ckten, �Ich gehe zur Schule.�</p><p>Rhuarc wies darauf hin, da� die Weisen Frauen sich m�glicherweise auf dem Weg von ihren Zelten hierher bef�nden, und Berelain stellte fest, die Adligen aus Tear und Cairhien w�rden sich darum rei�en, herauszufinden, wo sie Rand versteckte. Doch er befahl beiden, bei der Wahrheit zu bleiben und anzuordnen, keiner solle ihm folgen. Er w�rde eben zur�ckkommen, wenn er es f�r richtig hielt. Die beiden wirkten, als h�tten sie saure Pflaumen gegessen, doch er schnappte sich nur sein Drachenszepter und ging.</p><p>Im Gang sprangen Jalani und einer der Roten Schilde mit blondem Haar geschmeidig auf, wobei sie sich kurz anblickten. Bis auf die zwei war der Gang menschenleer. Nur ein paar Diener eilten gelegentlich gesch�ftig umher. Einer aus jeder Gemeinschaft, das ergab einen Sinn. Allerdings fragte Rand sich, ob Urien Sulin zuerst einen Ringkampf geliefert hatte, damit sie seinen Leuten einen Platz �berlie�.</p><p>Er bedeutete ihnen, ihm zu folgen, und ging dann hinunter zum n�chstgelegenen Stall, wo selbst die Boxenw�nde aus dem gleichen gr�nen Marmor gefertigt waren wie die S�ulen, die die hohe Decke st�tzten. Der Stallmeister, ein verdrie�licher Bursche mit gro�en Ohren, der auf der kurzen Lederweste die Aufgehende Sonne Cairhiens trug, wurde von Rands Erscheinen so �berrascht, und noch dazu mit nur zwei Aiel als Eskorte, da� er st�ndig zum Stalltor hin�bersah, ob nicht doch noch weitere k�men. Zwischen diesen Blicken verbeugte er sich unabl�ssig, und Rand fragte sich schon, ob er jemals ein Pferd bekommen werde. Doch sobald der Mann schrie: �Ein Pferd f�r den Lord Drache�, sprangen sechs Stallburschen herbei, um einen hochrahmigen braunen Wallach mit feurigem Blick f�r ihn herzurichten. Das Zaumzeug war mit Goldfransen geschm�ckt, der Sattel enthielt Einlegearbeiten aus Gold und lag auf einem himmelblauen Satteltuch, das ebenfalls Fransen aufwies und reich mit goldenen Aufgehenden Sonnen bestickt war.</p><p>So schnell sie auch machten � der Stallmeister mit den gro�en Ohren war verschwunden, als Rand sich schlie�lich in den Sattel schwang. M�glicherweise suchte er nach dem Gefolge, das den Wiedergeborenen Drachen gewi� begleiten w�rde. Oder er wollte jemandem berichten, da� Rand den Palast fast ohne jede Begleitung verlie�. So war das in Cairhien nun einmal. Der schlanke Braune t�nzelte, doch w�hrend Rand ihn noch zu beruhigen versuchte, lie� er ihn bereits an �berraschten Gardesoldaten vorbei aus dem Palastgel�nde schreiten. Er machte sich keine Gedanken dar�ber, ob ihn nach der Warnung des Mannes mit den gro�en Ohren vielleicht ein Hinterhalt von Attent�tern erwarte. Jeder, der ihn in einen Hinterhalt locken wollte, w�rde zu der Erkenntnis gelangen, da� er ohne Schere zur Schur gekommen war. Eine Verz�gerung h�tte bedeutet, innerhalb k�rzester Zeit einen Schwarm Adliger um sich zu haben, so da� er nicht ohne diese wegkam. Es war zur Abwechslung einmal ein gutes Gef�hl, allein zu sein.</p><p>Er musterte Jalani und den jungen Aielmann, die neben dem Braunen hertrabten. Dedric, erinnerte er sich, ein Codara aus der Jaernri�-Septime. Fast allein. Er konnte Alanna noch immer sp�ren, und in weiter Entfernung beklagte Lews Therin den Tod seiner Ilyena. Er war niemals wirklich allein. Vielleicht nie mehr in seinem Leben. Trotzdem tat ihm nach so langer Zeit das bi�chen Abgeschiedenheit gut.</p><p>Cairhien war eine gro�e Stadt, deren Hauptstra�en so breit waren, da� die Menschen, die sie bev�lkerten, ganz klein wirkten. Jede Stra�e durchschnitt pfeilgerade die H�gel, die so mit Steinw�llen und Terrassen eingefa�t waren, da� sie wie von Menschenhand gemacht wirkten. S�mtliche Stra�en trafen sich in rechten Winkeln. �berall in der Stadt erhoben sich m�chtige T�rme, von Holzger�sten umgeben, die die kunstvollen Erker und Vorspr�nge mit ihren quadratischen Fenster�ffnungen verbargen, T�rme, die den Himmel zu ber�hren schienen und noch h�her hinauf strebten. Es war zwanzig Jahre her, da hatten die legend�ren unvollendeten T�rme von Cairhien w�hrend des Aielkrieges wie Fackeln gebrannt, und auch jetzt waren die Reparaturen noch nicht beendet.</p><p>Sich durch die Menge hindurchzuarbeiten war m�hsam. Im Trab ging das schon bald nicht mehr. Rand war mittlerweile daran gew�hnt, da� die Menschenmengen sich vor seiner �blichen Eskorte teilten, aber obwohl Hunderte von in den <emphasis>Cadin'sor</emphasis> gekleideten Aiel in Sichtweite in dem sich langsam weiterschiebenden Gew�hl mitschritten, war es doch nicht ganz dasselbe, da er nur zwei Begleiter dabeihatte. Er glaubte, einige der Aiel h�tten ihn erkannt, aber sie beachteten ihn nicht, denn sie wollten keine peinlichen Szenen hervorrufen, indem sie auf den <emphasis>Car'a'carn</emphasis> aufmerksam machten, wo er doch gerade ein Schwert geg�rtet hatte und �nicht ganz so unschicklich, aber doch auch nicht gerade lobenswert � auf einem Pferd ritt. F�r die Aiel waren Scham und Verlegenheit viel schlimmer als Schmerzen zu ertragen, wenn auch <emphasis>Ji'e'toh</emphasis> alles noch einmal komplizierte, denn es gab Abstufungen, die Rand nur teilweise begriffen hatte. Aviendha konnte das alles bestimmt erkl�ren; sie wollte ihn zweifellos zu einem Aiel machen.</p><p>Auch viele andere verstopften die Stra�en, Menschen aus Cairhien in ihrer �blichen eint�nigen und formlosen Kleidung, aber auch welche in den sch�bigbunten Kleidern der fr�heren Einwohner des Vortors, das mittlerweile niedergebrannt war, Tairener, einen Kopf gr��er als die �brige Volksmenge und beinahe so hochgewachsen wie die Aiel. Ochsenkarren und von Pferden gezogene Planwagen rumpelten durch die Menge und machten von Zeit zu Zeit Platz f�r geschlossene Kutschen und S�nften, die gelegentlich die Flagge eines Adelshauses zeigten. Stra�enh�ndler priesen ihre Waren an, die sie in Bauchl�den zur Schau stellten, w�hrend andere Schubkarren vollgeladen hatten; Musikanten, Akrobaten und Jongleure vollf�hrten ihre K�nste an Stra�enecken. Aber all das war anders als fr�her. Einst war es in Cairhien ruhig zugegangen, ged�mpft, und nur im Vortor hatte buntes Treiben geherrscht. Etwas von dieser N�chternheit war immer noch geblieben. �ber den L�den hingen nach wie vor nur ganz kleine Schilder, und zur Stra�e hin waren keine Waren ausgestellt. Und obwohl die ehemaligen Einwohner des Vortors genauso laut und fr�hlich schienen wie fr�her, schallend lachten oder sich laut anschrien und mitten auf der Stra�e stritten, wurden sie noch immer von den typischen St�dtern mit pr�den, angewiderten Blicken bedacht.</p><p>Niemand au�er den Aiel erkannte den barh�uptigen Reiter im silberverzierten blauen Mantel, wenn auch gelegentlich jemand in seiner N�he das Satteltuch etwas genauer anblickte. Das Drachenszepter war hier noch weitgehend unbekannt. Niemand machte ihm Platz. Rand f�hlte sich hin- und hergerissen zwischen Ungeduld und der Freude dar�ber, einmal nicht im Blickpunkt aller zu stehen.</p><p>F�r die Schule hatte er ein kleines Schlo� etwa eine Meile vom Sonnenpalast entfernt ausgew�hlt. Es war einst im Besitz von Lord Barthanes gewesen, der jetzt tot und unbeweint lag. Sie n�herten sich der m�chtigen Anh�ufung von Steinbl�cken mit kantigen T�rmen und schmucklosen Baikonen. Das hohe Tor zum zentralen Innenhof stand offen, und als Rand einritt, wurde er herzlich willkommen gehei�en.</p><p>Idrien Tarsin, die diese Schule leitete, stand auf den breiten Stufen am Eingang des Innenhofs, eine st�mmige Frau im einfachen, grauen Kleid, und mit so steifem Kreuz, da� man sie f�r einen Kopf gr��er halten konnte, als sie tats�chlich war. Sie war nicht allein. Dutzende von Leuten bev�lkerten die Steinstufen, M�nner und Frauen, die h�ufiger Wolle trugen als Seide, und ihre schmucklose Kleidung wirkte in vielen F�llen abgetragen. Zumeist handelte es sich um �ltere Leute. Idrien war nicht die einzige, die bereits ergrautes Haar hatte. Einige M�nner hatten bereits gar keine Haare mehr. Nur hier und da blickte Rand auch ein j�ngeres Gesicht begeistert entgegen. J�nger bedeutete in diesem Fall, da� sie nur etwa zehn oder f�nfzehn Jahre �lter waren als er.</p><p>Auf gewisse Weise waren sie die Lehrer, obwohl diese Einrichtung nicht im eigentlichen Sinne als Schule bezeichnet werden durfte. Nat�rlich kamen Sch�ler zum Lernen hierher � junge M�nner und Frauen hingen gaffend an jedem Fenster um den Hof herum �, aber Rand hatte an diesem Ort m�glichst viel Wissen ansammeln wollen. Immer wieder hatte er geh�rt, wieviel w�hrend des Hundertj�hrigen Kriegs und der Trolloc-Kriege verlorengegangen war. Um wie vieles mehr mu�te bei der Zerst�rung der Welt zugrunde gehen? Sollte er wirklich die Welt erneut zerst�ren, hatte er vor, Zufluchtsst�tten zu schaffen, an denen Wissen bewahrt wurde. Eine weitere Schule war vor wenigen Tagen in Tear er�ffnet worden, und er hielt jetzt in Caemlyn Ausschau nach einem geeigneten Ort.</p><p><emphasis>Nichts l�uft jemals so, wie du erwartest,</emphasis> murmelte Lews Therin. <emphasis>Erwarte nichts, dann wirst du auch nicht �berrascht. Erwarte nichts. Hoffe auf nichts. Nichts.</emphasis></p><p>Rand unterdr�ckte die Stimme und stieg ab.</p><p>Idrien kam heran und knickste. Wie immer wirkte es �berraschend, wenn sie sich erhob und er wieder merkte, da� sie ihm kaum bis an die Brust reichte. �Willkommen in der Schule Cairhiens, mein Lord Drache.� Ihre Stimme klang verbl�ffend s�� und jugendlich und stand in krassem Gegensatz zu ihrem groben Gesicht. Er hatte bereits geh�rt, da� diese Stimme auch h�rter klingen konnte, wenn sie mit Sch�lern und Lehrern sprach. Idrien hielt die Z�gel ihrer Schule fest in der Hand.</p><p>�Wie viele Spione habt Ihr im Sonnenpalast?� fragte er mit sanfter Stimme. Sie blickte �berrascht drein, vielleicht, weil er eine solche Andeutung machte, wahrscheinlicher aber, weil eine solche Frage in Cairhien als ein Anflug schlechter Manieren galt.</p><p>�Wir haben eine kleine Ausstellung vorbereitet.� Na also, er hatte auch nicht wirklich eine Antwort erwartet. Sie musterte die beiden Aiel wie eine Frau, die zwei gro�e, schmutzverspritzte Hunde ansieht, von denen sie nicht wei�, ob sie vielleicht bei�en, begn�gte sich aber mit einem Schnauben. �Wenn mein Lord Drache mir folgen w�rde?�</p><p>Er folgte ihr mit gerunzelter Stirn. Was f�r eine Ausstellung?</p><p>Die Eingangshalle der Schule war ein riesiger Saal mit gl�nzenden dunkelgrauen S�ulen, hellgrauen Fu�bodenfliesen und einer grauen Marmorbalustrade, die sich in zwei Spannen H�he um den ganzen Saal zog. Nun war sie zum gr��ten Teil mit ... eigenartigen Apparaten angef�llt. Die Lehrer, die sich hinter ihm hineindr�ngten, liefen schnell zu ihnen hin. Rand ri� die Augen auf. Mit einem Mal mu�te er an Berelains Worte denken, da� die Schule Dinge �mache�. Aber was?</p><p>Idrien erkl�rte es ihm auf ihre Weise, w�hrend sie ihn von einem Ausstellungsst�ck zum n�chsten f�hrte, wo jeweils verschiedene M�nner und Frauen ihm sagten, was sie geschaffen hatten. Er verstand sogar einiges davon.</p><p>Eine Anordnung von Sieben und Pressen und Sammelbecken, gef�llt mit Leinenfetzen, lieferte feineres Papier, als irgend jemand bisher herstellen konnte, wie der Erfinder erkl�rte. Ein gro�es, wuchtiges Gebilde mit Hebeln und riesigen flachen Platten war eine Druckerpresse, viel besser als alle bisher im Gebrauch befindlichen, wie ihr Hersteller beteuerte. Dedric zeigte sich �u�erst interessiert daran, bis Jalani offensichtlich entschied, er solle lieber aufpassen, ob jemand den <emphasis>Car'a'carn</emphasis> angreifen wolle: sie trat ihm hart auf den Fu�, woraufhin er wieder hinter Rand herhumpelte. Es gab einen Pflug mit R�dern, der angeblich sechs Furchen auf einmal ziehen konnte. Rand war beeindruckt. Es war durchschaubar f�r ihn und er glaubte, es k�nne funktionieren. Dann stand da ein Ding mit Deichseln f�r Pferde, mit dem man Heu ernten sollte, ohne M�nner mit Sensen zu ben�tigen, und eine neue Art von Webstuhl, der leichter zu bedienen war, wie der Bursche behauptete, der ihn gebaut hatte. Angemalte Holzmodelle von Aqu�dukten waren aufgebaut worden, die Wasser an Orte bef�rdern sollten, in denen die Quellen versiegt waren, des weiteren Modelle von neuen Abflu�- und Abwasserkan�len f�r Cairhien, und sogar ein ganzer Tisch, auf dem winzige Abbilder von M�nnern und Karren, Kr�nen und Rollen zu sehen waren. Das sollte darstellen, wie man Stra�en bauen und pflastern konnte, und zwar so gut, wie man es vor langer Zeit fertiggebracht hatte.</p><p>Rand konnte nicht beurteilen, ob irgend etwas davon wirklich Erfolg versprach, aber einiges sah aus, als sei es einen Versuch wert. Dieser Pflug beispielsweise w�rde n�tzlich sein, wenn Cairhien sich jemals wieder selbst versorgen wollte. Er w�rde Idrien befehlen, ihn bauen zu lassen. Nein, er w�rde Berelain sagen, sie solle es anordnen. <emphasis>Halte dich in den Augen der �ffentlichkeit immer an die offizielle Rangfolge,</emphasis> hatte Moiraine geraten, <emphasis>au�er du willst die Autorit�t einer Person untergraben und sie zu fall bringen.</emphasis></p><p>Unter den ihm bekannten Lehrern befand sich auch Kin Tovere, ein untersetzter Linsenmacher, der sich st�ndig den kahlen Kopf mit einem gestreiften Taschentuch abwischte. Abgesehen von Fernrohren in verschiedenen Gr��en � �z�hlt die Haare in der Nase eines Mannes noch auf eine Meile Entfernung�, so dr�ckte er sich immer aus � hatte er eine Linse ausgestellt mit einem Durchmesser wie sein eigener Kopf, dazu eine Zeichnung von dem Fernrohr, in welches diese Linse und noch weitere �hnliche Linsen passen sollten, ein sechs Schritt langes Gebilde, mit dem er ausgerechnet die Sterne betrachten wollte. Nun, Kin wollte eben immer weit entfernte Dinge sichtbar machen.</p><p>Idriens Blick zeigte Zufriedenheit, als Rand Meister Toveres Zeichnung betrachtete. Sie hatte f�r gew�hnlich vor allem praktische Dinge im Kopf. W�hrend der Belagerung Cairhiens hatte sie pers�nlich eine riesige Armbrust gebaut, die mit Hebeln und Flaschenz�gen bedient wurde, und damit konnte sie einen kleinen Speer so hart eine volle Meile weit hinausschleudern, da� er am Ziel noch einen Mann durchbohrte. Ginge es nach ihr, w�rde niemand Zeit f�r etwas verschwenden, was nicht zweckm��ig verwendbar war.</p><p>�Baut es�, sagte Rand zu Kin. Vielleicht w�rde es niemandem n�tzen, nicht so wie der Pflug, aber er mochte Tovere. Idrien seufzte und sch�ttelte den Kopf. Tovere strahlte. �Und ich verleihe Euch einen Preis von hundert Goldkronen. Es sieht wirklich bemerkenswert aus.� Das rief verst�rktes Gemurmel hervor, und er mochte nicht raten, wessen Kinnlade tiefer herunterklappte � Idriens oder Toveres.</p><p>Im Vergleich zu anderen Dingen und ihren Sch�pfern erschien Tovere jedoch beinahe genauso praktisch veranlagt wie der Stra�enbaumeister. Der Bursche mit dem runden Gesicht beispielsweise, der etwas mit Kuhfladen anstellte und schlie�lich eine bl�uliche Stichflamme am Ende eines Messingrohrs erhielt; selbst er schien keine Ahnung zu haben, wozu das dienen k�nne. Oder die schlaksige junge Frau, deren Ausstellungsst�ck aus einer Papierh�lle bestand, die an F�den hing und durch die Hitze einer kleinen Flamme in der Luft gehalten wurde. Sie gab irgend etwas �bers Fliegen von sich � er war sicher, da� sie das tats�chlich erw�hnt hatte � und die gew�lbten Fl�gel von V�geln � sie hatte Skizzen von V�geln dabei und von etwas, das wie ein <emphasis>h�lzerner</emphasis> Vogel aussah � aber sie war so verlegen und sprach so undeutlich, weil sie dem Wiedergeborenen Drachen gegen�berstand, da� er nichts verstand, und Idrien war nat�rlich nicht in der Lage, ihm zu erkl�ren, worum es sich handelte.</p><p>Und dann war da ein Mann mit Halbglatze und einer ganzen Ansammlung von Messingrohren und Zylindern, Stangen und R�dern, die zusammen einen schweren Holztisch bedeckten, der frische Rillen und Kratzer aufwies. Ein paar der Rillen waren tief in die Tischfl�che eingegraben. Aus irgendeinem Grund waren die eine Gesichtsh�lfte des Mannes und eine seiner H�nde dick mit Bandagen umwickelt. Sobald Rand in der Eingangshalle erschienen war, hatte er nerv�s damit begonnen, ein Feuer unter einem der Zylinder zu entz�nden. Als Rand und Idrien vor ihm stehenblieben, legte er einen Hebel um und l�chelte stolz.</p><p>Die Vorrichtung begann zu beben, und Dampf zischte an zwei oder drei Stellen heraus. Das Zischen wurde zu einem Kreischen, und das ganze Ding erzitterte und �chzte unheildr�uend. Das Kreischen war ohrenbet�ubend. Das Ding zitterte so stark, da� sich der ganze Tisch bewegte. Der Mann mit der Halbglatze warf sich auf den Tisch und l�ste einen St�psel am gr��ten Zylinder. Eine Dampfwolke str�mte aus, und das Ding gab endlich Ruhe. Der Mann saugte an seinen verbr�hten Fingerspitzen und brachte gerade noch ein schwaches Grinsen zuwege.</p><p>�Sehr h�bsche Messingarbeiten�, sagte Rand, bevor er sich von Idrien weiterf�hren lie�. �Was war das?� fragte er leise, als sie sich au�er H�rweite befanden.</p><p>Sie zuckte die Achseln. �Mervin verr�t es niemandem.</p><p>Manchmal h�rt man aus seinem Raum Donnerschl�ge, die laut genug sind, um die T�ren zittern zu lassen, und bisher hat er sich bereits sechsmal verbr�ht, aber er behauptet, es werde ein neues Zeitalter einleiten, wenn es funktionierte.� Sie sah Rand nerv�s an.</p><p>�Mervin soll es bringen, wenn er soweit ist�, erwiderte er trocken. Vielleicht sollte das Ding Musik machen? All dieses Kreischen? �Ich kann Herid nirgendwo sehen. Hat er vergessen herunterzukommen?�</p><p>Idrien seufzte wieder. Herid Fei war ein Andoraner, der irgendwie hierhergekommen war und in der K�niglichen Bibliothek viele B�cher las � er bezeichnete sich selbst als jemand, der Geschichte und Philosophie studiere � und er geh�rte nicht gerade zu der Sorte von Menschen, die sich bei ihr beliebt machten. �Mein Lord Drache, er kommt nie aus seinem Arbeitszimmer heraus, au�er, wenn er in die Bibliothek geht.�</p><p>Er mu�te eine kleine Rede halten, um den Menschen hier zu entkommen. So stellte er sich auf einen Hocker, hielt das Drachenszepter in der Armbeuge und erz�hlte ihnen, ihre Sch�pfungen seien wundervoll. Seines Wissens waren es einige tats�chlich. Dann endlich war es ihm m�glich, zusammen mit Jalani und Dedric hinauszuschl�pfen. Und mit Lews Therin und Alanna. Sie lie�en ein erfreut klingendes Volksgemurmel hinter sich zur�ck. Er fragte sich, ob au�er Idrien noch irgend jemand daran gedacht habe, eine Waffe herzustellen.</p><p>Herid Fels Arbeitszimmer befand sich in einem der oberen Stockwerke, von wo aus man nicht viel mehr sah als die dunklen Ziegeld�cher der Schule und einen quadratisch angelegten Stufenturm. Herid behauptete, er sehe ohnehin niemals aus dem Fenster.</p><p>�Ihr k�nnt hier drau�en warten�, sagte Rand, als er die schmale T�r erreichte � auch das Zimmer war sehr klein �, und er war �berrascht, als Jalani und Dedric sofort einverstanden waren.</p><p>Mit einem Mal fielen ihm eine Reihe kleiner Dinge auf. Jalani hatte sein Schwert nicht ein einziges Mal mi�billigend angesehen, seit er von der Besprechung mit Berelain und Rhuarc gekommen war, etwas, das sie sonst nie vers�umte. Weder sie noch Dedric hatten im Stall auch nur einen Blick auf das Pferd geworfen oder eine abf�llige Bemerkung dar�ber gemacht, da� seine Beine eigentlich gut genug sein m��ten, um ihn zu tragen. Auch das tat sie sonst regelm��ig.</p><p>Wie zur Best�tigung musterte Jalani Dedric kurz von Kopf bis Fu�, w�hrend Rand sich zur T�r wandte. Kurz, doch offensichtlich interessiert und mit einem L�cheln auf den Lippen. Dedric ignorierte sie so betont, da� er genauso offen h�tte hinsehen k�nnen. So war das bei den Aiel. Er mu�te vort�uschen, er verstehe gar nichts, bis sie sich ihm eindeutiger erkl�rte. Sie h�tte sich genauso verhalten, falls er mit Blicken den ersten Schritt getan h�tte.</p><p>�Habt Spa� miteinander�, sagte Rand �ber die Schulter, was zwei �berraschte Blicke hervorrief, dann trat er ein.</p><p>Das kleine Zimmer war mit B�chern, Schriftrollen und Papierstapeln angef�llt, so schien es wenigstens. Bis auf die T�r und die beiden ge�ffneten Fenster waren alle W�nde bis zur Decke mit �berladenen Regalen verstellt. B�cher und Dokumente bedeckten den Tisch, der den gr��ten Teil des Raums einnahm, oder lagen v�llig ungeordnet auf dem zweiten Stuhl und sogar hier und da auf dem, was vom Fu�boden noch zu sehen war. Herid Fei selbst war ein kr�ftiger Mann, der wirkte, als habe er heute morgen vergessen, sein d�nnes, graues Haar zu k�mmen. Die Pfeife, die er zwischen die Z�hne geklemmt hatte, war kalt, und Pfeifenasche zog eine Spur �ber seinen verknitterten, braunen Rock.</p><p>Er blinzelte Rand einen Augenblick lang an und sagte dann: �Ach, ja. Nat�rlich. Ich wollte gerade...� Er blickte mit gerunzelter Stirn das Buch an, das er in H�nden hielt, setzte sich dann hinter den Tisch und bl�tterte in einem Papierstapel herum, wobei er leise Selbstgespr�che f�hrte. Anschlie�end wandte er seine Aufmerksamkeit der Titelseite des Buches zu und kratzte sich am Kopf. Schlie�lich blickte er wieder zu Rand auf und blinzelte erneut �berrascht. �O ja. Was war es gleich, wor�ber Ihr mit mir sprechen wolltet?�</p><p>Rand nahm die B�cher und Papiere von dem zweiten Stuhl, legte sie auf den Boden und das Drachenszepter obenauf. Er setzte sich. Er hatte schon versucht, mit anderen hier zu sprechen, Philosophen und Historikern, gelehrten Frauen und M�nnern, und es war gewesen, als wolle man eine Aes Sedai auf irgend etwas festlegen. Sie waren sehr sicher, wo sie eben sicher waren, und was den Rest betraf, hatten sie ihn mit Worten �berschwemmt, die einfach alles bedeuten konnten. Wenn er nicht lockerlie�, wurden sie entweder zornig, denn sie schienen zu glauben, er ziehe ihre Kenntnisse in Zweifel, eine Tods�nde also, oder sie redeten noch heftiger auf ihn ein, wobei er nicht einmal die H�lfte von dem verstand, was sie sagten, oder sie wurden pl�tzlich unterw�rfig und versuchten herauszufinden, was er h�ren wollte, um ihm dann genau das mitzuteilen. Herid war anders. Zu den Dingen, die ihm st�ndig wieder entfielen, geh�rte, da� Rand der Wiedergeborene Drache war, und das pa�te Rand nat�rlich sehr. �Was wi�t Ihr von den Aes Sedai und ihren Beh�tern, Herid? Von dem Band zwischen ihnen?�</p><p>�Beh�ter? Band? Genausoviel wie jeder andere, der nicht zu den Aes Sedai geh�rt, sch�tze ich. Und das ist nicht gerade viel, oder?� Herid zog an seiner Pfeife, wobei er nicht zu bemerken schien, da� sie l�ngst ausgegangen war. �Was wolltet Ihr wissen?� �Kann die Verbindung gebrochen werden?� �Gebrochen? O nein. Ich glaube nicht. Au�er, Ihr meint, wenn eben die Aes Sedai oder der Beh�ter stirbt. Das bricht die Verbindung, glaube ich. Ich erinnere mich, einst etwas �ber diese Verbindung geh�rt zu haben, aber ich wei� nicht mehr...� Herid entdeckte einen weiteren Stapel Notizen auf seinem Tisch und zog ihn mit den Fingerspitzen zu sich heran. Er st�berte darin herum, wobei er die Stirn runzelte und den Kopf sch�ttelte. Die Notizen sahen aus, als habe er sie selbst niedergeschrieben, aber er schien nicht mehr mit dem Inhalt einverstanden zu sein.</p><p>Rand seufzte; er hatte das Gef�hl, wenn er nur schnell genug den Kopf umwandte, w�rde er Alannas Hand �ber sich noch sehen k�nnen. �Wie steht es mit der Frage, die ich Euch beim letzten Mal gestellt habe? Herid? Herid?�</p><p>Der Kopf des untersetzten, kr�ftigen Mannes fuhr hoch. �Oh. Ja. Ach, die Frage. Letztes Mal. Tarmon Gai'don. Also, ich wei� nicht, wie es da zugehen wird. Trollocs, sch�tze ich. Schattenlords? Ja. Schattenlords. Aber ich habe nachgedacht. Es kann nicht wirklich die Letzte Schlacht sein. Ich glaube das nicht. Vielleicht gibt es in jedem Zeitalter eine Letzte Schlacht. Oder in den meisten.� Mit einem Mal fixierte er �ber die Nase hinweg die Pfeife zwischen seinen Z�hnen mit einem b�sen Blick und fing an, auf dem Tisch herumzukramen. �Ich habe hier irgendwo eine Zunderschachtel.�</p><p>�Was meint Ihr damit, da� es nicht die Letzte Schlacht sein kann?� Rand bem�hte sich, mit ruhiger Stimme zu sprechen, Herid kam durchaus stets auf den Punkt; man mu�te ihn nur ein wenig anschubsen.</p><p>�Was? Ja, das trifft es genau. Es kann nicht die Letzte Schlacht sein. Sogar dann nicht, wenn der Wiedergeborene Drache das Gef�ngnis des Dunklen K�nigs wieder genauso sicher versiegelt wie der Sch�pfer selbst. Und ich glaube nicht, da� er das kann.� Er beugte sich vor und sagte leise in verschw�rerischem Tonfall: �Wi�t Ihr, er ist nicht der Sch�pfer, was sie auch auf den Stra�en behaupten m�gen. Aber trotzdem mu� es von irgend jemandem neu versiegelt werden. Das Rad, wi�t Ihr.�</p><p>�Ich verstehe nicht...� Rand sprach nicht weiter.</p><p>�Doch, Ihr versteht es. Ihr w�rt mir ein guter Sch�ler.� Herid nahm die Pfeife aus dem Mund und beschrieb einen Kreis in der Luft. �Das Rad der Zeit. Die Zeitalter kommen und gehen und kehren zur�ck, wenn sich das Rad gedreht hat. Der ganze Katechismus.� Pl�tzlich stie� er zu und markierte einen Punkt auf dem imagin�ren Rad. �Hier ist das Gef�ngnis des Dunklen K�nigs, ganz und unbesch�digt. Hier haben sie ein Loch hineingebohrt und es erneut versiegelt.� Er fuhr mit dem Pfeifenstiel den Bogen nach, den er beschrieben hatte. �Hier sind wir. Ehe Siegel werden schw�cher. Aber das spielt nat�rlich �berhaupt keine Rolle.� Der Pfeifenstiel beendete seine Kreisbahn. �Wenn sich das Rad bis hierhin weitergedreht hat, zu dem Punkt, an dem urspr�nglich das Loch gebohrt wurde, mu� das Gef�ngnis des Dunklen K�nigs wiederhergestellt sein.�</p><p>�Warum? Vielleicht bohren sie das n�chste Mal durch das Siegel hindurch. M�glicherweise haben sie es beim letzten Mal genauso angestellt � sich durch das gebohrt, was der Sch�pfer selbst schuf, meine ich � vielleicht haben sie den Stollen durch den Verschlu� gebohrt, und wir wissen es blo� nicht?�</p><p>Herid sch�ttelte den Kopf. Einen Augenblick lang sah er seine Pfeife an, bemerkte erneut, da� sie erkaltet war, und Rand glaubte schon, er m�sse ihn noch einmal auf den Boden der Tatsachen zur�ckholen, doch statt dessen blinzelte Herid wieder und fuhr fort: �Irgend jemand mu� es einst gebaut haben. Zum ersten Mal, meine ich. Au�er, Ihr seid der Ansicht, der Sch�pfer habe das Gef�ngnis des Dunklen K�nigs gleich mit einem Loch und einem passenden Verschlu� geschaffen.� Seine Augenbrauen zuckten bei dieser Vorstellung. �Nein, zu Beginn war es ganz, und ich denke, es wird auch wieder ganz sein, wenn das Dritte Zeitalter erneut anf�ngt. Hmmm. Ich frage mich, ob <emphasis>sie</emphasis> es auch als das Dritte Zeitalter bezeichnet haben?� Er tauchte rasch eine Feder in das Tintenfa� und kritzelte eine Notiz an den Rand eines ge�ffneten Buches. �Hmmm. Spielt jetzt keine Rolle. Ich will nicht behaupten, da� der Wiedergeborene Drache derjenige sein wird, der es wieder instand setzt, sowieso nicht unbedingt in diesem Zeitalter, aber es mu� geschehen, bevor das Dritte Zeitalter zur�ckkehrt, und es mu� genug Zeit vergangen sein, seit es repariert wurde � wenigstens ein ganzes Zeitalter �damit sich niemand an den Dunklen K�nig oder sein Gef�ngnis erinnert. Keiner erinnert sich daran. Ich frage mich...� Er schielte in Richtung seiner Notizen und kratzte sich am Kopf, und dann schien er �berrascht, weil er die Hand ben�tzt hatte, in der er noch die Feder hielt. In seinem Haar war ein Tintenklecks zu sehen. �In jedem Zeitalter, in dem die Siegel br�chig werden, mu� man sich schlie�lich an den Dunklen K�nig erinnern, denn sie werden sich der Auseinandersetzung mit ihm stellen und ihn wieder einschlie�en m�ssen.� Er steckte sich die Pfeife wieder zwischen die Z�hne und m�hte sich ab, eine weitere Notiz zu machen, ohne die Feder erneut einzutauchen.</p><p>�Au�er der Dunkle K�nig bricht aus�, sagte Rand leise. �Um das Rad der Zeit zu zerbrechen und die Zeit und die gesamte Welt nach seinen eigenen Vorstellungen neu zu gestalten.�</p><p>�Das mag sein.� Herid zuckte die Achseln und blickte finster seine Feder an. Schlie�lich erinnerte er sich an sein Tintenfa�. �Ich glaube nicht, da� wir viel daran �ndern k�nnen. Warum bleibt Ihr nicht hier und studiert bei mir? Ich glaube nicht, da� Tarmon Gai'don schon morgen beginnt, und Ihr k�nntet Eure Zeit genauso ben�tzen...�</p><p>�K�nnt Ihr euch irgendeinen Grund vorstellen, warum man die Siegel zerbrechen sollte?�</p><p>Herid zog die Augenbrauen hoch. �Die Siegel zerbrechen? Die Siegel zerbrechen? Warum sollte irgend jemand au�er einem Wahnsinnigen so etwas tun? Kann man sie �berhaupt zerbrechen? Ich glaube, mich daran zu erinnern, irgendwo gelesen zu haben, da� sie unzerbrechlich seien, aber ich wei� nicht mehr, aus welchem Grund. Wieso habt Ihr an so etwas auch nur gedacht?�</p><p>�Ich wei� es nicht�, seufzte Rand. In seinem Hinterkopf sang Lews Therin: <emphasis>Zerbrich die Siegel. Zerbrich die Siegel und la� alles enden. La� mich f�r immer sterben.</emphasis></p><p>Egwene f�chelte sich mit einem Zipfel ihres Schals gelangweilt Luft zu und sah sich nach allen Seiten an der Kreuzung der beiden G�nge um, in der Hoffnung, sie habe sich nicht schon wieder verlaufen. Sie hegte allerdings die schlimmsten Bef�rchtungen, was ihre Laune nicht verbesserte. Durch den Sonnenpalast zogen sich nicht enden wollende Korridore, und in keinem davon war es wesentlich k�hler als drau�en. Au�erdem war sie noch nicht oft genug hier drinnen gewesen, um sich auszukeimen.</p><p>�berall standen T�chter zu zweit oder zu dritt herum � viel mehr, als Rand normalerweise mitbrachte und nat�rlich erheblich mehr als zu den Zeiten, wenn er sich nicht hier aufhielt. Sie schienen lediglich herumzuschlendern, aber irgend etwas an ihnen kam ihr ... so verschw�rerisch vor. Einige kannten sie vom Sehen, und von ihnen h�tte sie ein freundliches Wort erwarten k�nnen. Besonders die T�chter schienen sich entschlossen zu haben, die Tatsache h�her zu bewerten, da� sie bei den Weisen Frauen lernte, als ihre Zugeh�rigkeit zu den Aes Sedai, denn f�r eine solche hielten sie sie, und sie redeten sich sogar ein, sie sei gar keine Aes Sedai mehr. Doch wenn sie ihrer ansichtig wurden, blickten sie wie ertappte S�nder drein, soweit das bei einem Aiel �berhaupt m�glich war. Das �bliche Nicken zur Begr��ung erfolgte ein bi�chen sp�t, und dann hasteten sie weiter, ohne sich mit ihr zu unterhalten. Bei diesem Verhalten verging es ihr, sie nach dem Weg zu fragen.</p><p>Statt dessen runzelte sie beim Anblick eines verschwitzten Dieners mit d�nnen blaugoldenen Streifen an den Manschetten die Stirn und fragte sich, ob er vielleicht den Weg beschreiben k�nne, den sie nehmen mu�te. Das Schwierige daran war nur, da� sie selbst nicht genau wu�te, wohin sie eigentlich wollte. Ungl�cklicherweise war der Bursche in Gegenwart so vieler Aiel �u�erst nerv�s. Als er bemerkte, wie ihn diese �Aielfrau� mit gerunzelter Stirn anblickte � ihre dunklen Augen, wie sie kein Aiel aufwies, bemerkte eben keiner � und da er vermutlich den Kopf voll hatte mit Geschichten �ber die T�chter des Speers, wirbelte er herum und rannte weg, so schnell er konnte.</p><p>Sie schnaubte gereizt. Sie brauchte sowieso keinen Helfer. Fr�her oder sp�ter w�rde sie an eine Stelle kommen, die sie wiedererkannte. Es war zwecklos, den Gang zur�ckzugehen, durch den sie gekommen war, aber welchen der anderen drei sollte sie nehmen? So w�hlte sie irgend einen davon und schritt so energisch los, da� ihr sogar ein paar der T�chter auswichen.</p><p>In Wirklichkeit war ihr ziemlich elend zumute. Es w�re so sch�n gewesen, nach all dieser Zeit Aviendha wiederzusehen, wenn diese ihr nicht einfach k�hl zugenickt und sich zu einer privaten Aussprache in Amys Zelt begeben h�tte. Als Egwene versuchte, ihr zu folgen, gab man ihr zu verstehen, da� es wirklich eine private Aussprache war.</p><p><emphasis>Ihr seid nicht hergebeten worden,</emphasis> hatte Amys in scharfem Tonfall gesagt, w�hrend sich Aviendha mit �bergeschlagenen Beinen auf ein Kissen setzte und wie verloren auf die Teppichschichten vor ihren F��en blickte. <emphasis>Geht und macht einen Spaziergang. Und e�t etwas. Eine Frau sollte nicht wie ein Grashalm</emphasis></p><p><emphasis>aussehen.</emphasis></p><p>Bair und Melaine waren hinzugeeilt, von <emphasis>Gai'schain</emphasis> herbeigerufen, aber Egwene wurde ausgeschlossen. Es hatte gutgetan, da� sie sah, wie eine ganze Reihe Weiser Frauen ebenfalls abgewiesen wurde, aber eben doch nur ein wenig. Schlie�lich war sie Aviendhas Freundin, und sollte sie sich in irgendwelchen Schwierigkeiten befinden, wollte Egwene ihr helfen.</p><p>�Warum seid Ihr hier?� verlangte Sorileas Stimme hinter ihr zu wissen.</p><p>Egwene bewahrte ihren Stolz. Sie wandte sich gelassen um und sah der Weisen Frau der Shendefestung ins Gesicht. Sorilea, die zu den Jarra Chareen geh�rte, hatte d�nnes wei�es Haar und ein Gesicht, das aussah, als habe man Leder fest �ber den blanken Sch�del gespannt. Sie war nur Haut und Knochen, und obwohl sie mit der Macht umgehen konnte, waren ihre F�higkeiten schw�cher als die der meisten Novizinnen, die Egwene kennengelernt hatte. In der Burg h�tte sie niemals mehr erreicht, als eine Novizin zu bleiben und als solche wieder nach Hause geschickt zu werden. Nat�rlich galt der Gebrauch der Macht bei den Weisen Frauen nicht sehr viel. Welch geheimnisvolle Regeln auch das Verh�ltnis der Weisen Frauen untereinander bestimmen mochten: wenn Sorilea in der N�he war, fiel ihr immer die F�hrungsrolle zu. Egwene f�hrte dies auf ihre Willensst�rke zur�ck.</p><p>Wie die meisten Aielfrauen war Sorilea einen guten Kopf gr��er als Egwene. Nun fixierte sie die J�ngere mit einem Blick aus ihren gr�nen Augen, der einen Stier umgeworfen h�tte. Das erleichterte Egwene, denn so sah Sorilea gew�hnlich alle an. W�re sie auf Egwene b�se gewesen, dann w�ren vor ihrem Blick die Mauern eingefallen, und die Wandbeh�nge h�tten Feuer gefangen. So schien es ihr jedenfalls.</p><p>�Ich bin gekommen, um Rand zu besuchen�, sagte Egwene. �Von den Zelten hierher ist es nur ein Spaziergang.� Und ganz gewi� besser als f�nf- oder sechsmal in schnellem Schritt um die gesamte Stadtmauer herumzulaufen, was die Aiel f�r gew�hnlich als kleinen Erholungsspaziergang betrachteten. Sie hoffte, Sorilea werde nicht nach dem Grund fragen. Sie belog die Weisen Frauen wirklich nicht gern.</p><p>Sorilea sah sie einen Augenblick lang so durchdringend an, als vermute sie etwas, doch dann zog sie sich lediglich den Schal etwas enger um die hageren Schultern und sagte: �Er ist nicht hier. Er hat sich zu seiner Schule begeben. Berelain Paeron war der Meinung, es sei nicht gut, ihm dorthin zu folgen, und ich schlie�e mich ihrer Meinung an.�</p><p>Keine Miene zu verziehen fiel Egwene schwer. Da� die Weise Frau mit Berelain sprechen w�rde, war so ziemlich das letzte, was sie erwartet hatte. Sie behandelten sie wie eine vern�nftige Frau, die Respekt verdient hatte, und das wiederum sah Egwene <emphasis>�berhaupt</emphasis> nicht ein, und nicht, weil Rand ihr solche Autorit�t �bertragen hatte. Den Weisen Frauen war schlie�lich die Autorit�t eines Feuchtl�nders v�llig egal. Es erschien ihr l�cherlich. Diese Frau aus Mayene kleidete sich in skandal�ser Weise und flirtete hemmungslos � wenn sie nicht sogar mehr tat als nur zu flirten, wie Egwene insgeheim glaubte. Also absolut nicht die Sorte Frau, die Amys wie eine Lieblingstochter anl�cheln sollte. Oder Sorilea.</p><p>Ungebeten kam ihr Gawyn in den Sinn. Es war doch nur ein Traum gewesen, und dazu noch sein Traum, nicht ihrer! Es hatte doch nichts mit dem gemein, was Berelain tat.</p><p>�Wenn die Wangen einer jungen Frau ohne ersichtlichen Grund err�ten�, bemerkte Sorilea bei�end, �ist gew�hnlich ein Mann die Ursache. Welcher Mann hat Euer Interesse erweckt? K�nnen wir in n�chster Zukunft erwarten, da� Ihr ihm einen Brautkranz zu F��en legt?�</p><p>�Aes Sedai heiraten nur selten�, erwiderte Egwene k�hl.</p><p>Das Schnauben der Frau mit dem ledrigen Gesicht klang, als zerrei�e man Stoff. Die T�chter und die Weisen Frauen und alle Aiel mochten sie so behandeln, als sei sie keine Aes Sedai mehr, solange sie bei Amys und den anderen in die Lehre ging, doch Sorilea trieb es noch viel weiter. Sie schien zu glauben, Egwene sei eine Aielfrau geworden. Sorilea war der Meinung, sie habe kein Recht, auch nur einen Finger selbst�ndig auszustrecken. �Das werdet Ihr schon noch tun, M�dchen. Ihr geh�rt nicht zu jenen, die <emphasis>Far Dareis Mai</emphasis> werden und M�nner f�r jagdbares Wild halten. Diese H�ften sind f�r Kinder geschaffen worden, und Ihr werdet welche haben.�</p><p>�Sagt Ihr mir, wo ich auf Rand warten kann?� fragte Egwene mit schw�cherer Stimme, als ihr selbst lieb war. Sorilea war keine Traumg�ngerin und somit nicht in der Lage, Tr�ume zu deuten, und sie hatte zweifellos keine Begabung, die Zukunft vorherzusagen, aber sie sprach so energisch, da� ihre Aussagen unvermeidlich erschienen. Licht, wie k�nnte sie denn Gawyns Kind unter dem Herzen tragen? Es stimmte wirklich, da� die Aes Sedai fast nie heirateten. Der Mann war nur selten zu finden, der bereit war, eine Frau zu heiraten, die ihn mit Hilfe der Macht wie ein Kleinkind herumbeuteln konnte.</p><p>�Hier entlang�, sagte Sorilea. �Ist es Sanduin, dieser stramme Blutabk�mmling, den ich gestern bei Amys Zelt gesehen habe? Diese Narbe l��t sein �briges Gesicht noch m�nnlicher...�</p><p>Sorilea erw�hnte immer neue Namen, w�hrend sie Egwene durch den Palast f�hrte, wobei sie immer listig aus den Augenwinkeln her�berschielte, ob sie irgendeine unbedachte Regung zeige. Sie tat auch ihr Bestes, die Vorz�ge jedes Mannes zu schildern, und da ein Teil ihrer Schilderungen daraus bestand, zu beschreiben, wie derjenige ohne Kleider aussehe � die Aielm�nner und die Frauen ben�tzten gemeinsam die gleichen Dampfzelte � err�tete sie einige Male.</p><p>Als sie schlie�lich die Gem�cher erreichten, in denen Rand die Nacht verbringen w�rde, war Egwene mehr als froh, da� sie sich endlich bedanken und die T�r des Wohnzimmers vor Sorileas Nase schlie�en konnte. Gl�cklicherweise schien die Weise Frau eigene Erledigungen machen zu wollen, sonst h�tte sie sich m�glicherweise hineingedr�ngt.</p><p>Egwene holte tief Luft und fing an, Rock und Tuch zurechtzuzupfen und glattzustreichen. Es war nicht notwendig, aber sie hatte das Gef�hl, als sei sie Hals �ber Kopf bergab gepurzelt. Diese Frau spielte nur zu gern die Kupplerin. Sie war in der Lage, f�r eine Frau den Brautkranz zu winden, sie zu dem Mann zu schleifen, den Sorilea ausgew�hlt hatte, ihm den Brautkranz zu F��en zu legen und ihm sodann solange den Arm umzudrehen, bis er den Kranz schlie�lich aufhob. Nun, vielleicht w�rde sie nicht wirklich k�rperliche Gewalt anwenden, aber es kam auf dasselbe hinaus. Sicher w�rde Sorilea es bei ihr nicht soweit treiben. Bei dem Gedanken mu�te sie kichern. Schlie�lich glaubte Sorilea auch nicht wirklich daran, sie sei eine Aielfrau geworden, denn sie wu�te, da� Egwene eine Aes Sedai war, oder zumindest glaubte sie es. Nein, sie hatte bestimmt keinen Grund, sich �ber so etwas Gedanken zu machen!</p><p>Sie strich �ber das l�ngsgefaltete graue Tuch, mit dem sie ihr Haar zusammenhielt, als sie das Ger�usch von leisen Schritten aus dem Schlafzimmer vernahm und vor Schreck erstarrte. Wenn Rand von Caemlyn nach Cairhien springen konnte, war er dann direkt in sein Schlafzimmer gesprungen? Oder � vielleicht wartete jemand � oder etwas � dort drinnen auf ihn? Sie griff nach <emphasis>Saidar</emphasis> und webte schnell ein paar �u�erst hinterh�ltige Str�nge, um sie notfalls anzuwenden. Doch dann trat lediglich eine <emphasis>Gai'schain</emphasis> heraus mit einem dicken B�ndel Bettw�sche auf den Armen. Sie erschrak heftig beim Anblick Egwenes. Also lie� Egwene <emphasis>Saidar</emphasis> wieder los und hoffte, sie sei nicht schon wieder rot angelaufen.</p><p>Niella sah in ihrer wei�en Robe mit der tiefen Kapuze auf den ersten Blick Aviendha verbl�ffend �hnlich. Bis einem klar wurde, da� man sich dieses etwas rundere und ein bi�chen weniger braungebrannte Gesicht um sechs oder sieben Jahre �lter vorstellen mu�te, Aviendhas Schwester hatte nie zu den T�chtern des Speers geh�rt. Sie war Weberin und hatte bereits mehr als die H�lfte ihres Jahres als <emphasis>Gai'schain</emphasis> hinter sich.</p><p>Egwene gr��te sie nicht, denn das w�rde Niella nur in Verlegenheit bringen. �Erwartet Ihr Rand bald zur�ck?� fragte sie.</p><p>�Der <emphasis>Car'a'carn</emphasis> wird erscheinen, wenn er da ist�, erwiderte Niella mit dem�tig zu Boden gerichtetem Blick. Das kam Egwene wirklich komisch vor, denn zu Aviendhas Gesicht auch wenn es noch etwas kindlicher wirkte, pa�te Demut absolut nicht. �Es ist an uns, bereit zu sein, wenn er erscheint.�</p><p>�Niella, habt Ihr eine Ahnung, warum sich Aviendha mit Amys und Bair und Melaine zur�ckziehen m��te?� Es hatte sicher nichts mit dem Tr�umen zu tun, denn da entwickelte selbst Sorilea genausoviel Talent wie Aviendha.</p><p>�Sie ist hier? Nein, ich w��te keinen Grund.� Doch Niellas blaugr�ne Augen zogen sich beim Sprechen ein wenig zusammen.</p><p>�Ihr wi�t etwas�, beharrte Egwene. Sie konnte schlie�lich die Gehorsamsverpflichtung der <emphasis>Gai'schain</emphasis> ein wenig ausn�tzen. �Sagt mir, was es ist, Niella.�</p><p>�Ich wei�, da� Aviendha mich verpr�geln wird, bis ich nicht mehr sitzen kann, wenn mich der <emphasis>Car'a'carn</emphasis> hier mit schmutziger Bettw�sche auf dem Arm vorfindet�, sagte Niella �ngstlich. Egwene hatte keine Ahnung, ob es etwas mit <emphasis>Ji'e'toh</emphasis> zu tun habe oder nicht, doch wenn sie zusammen waren, behandelte Aviendha ihre Schwester doppelt so streng wie alle anderen <emphasis>Gai'schain.</emphasis></p><p>Niellas Gewand raschelte �ber den gemusterten Teppich, als sie hastig auf die T�r zuschritt, aber Egwene bekam ihren �rmel zu fassen. �Wenn Eure Zeit vor�ber ist, werdet Ihr dann das Wei� ablegen?�</p><p>Das war eine ungeh�rige Frage, und die Demut verschwand augenblicklich und machte einem Stolz Platz, der jeder Tochter des Speers Ehre gemacht h�tte. �Alles andere w�rde <emphasis>Ji'e'toh</emphasis> in Frage stellen�, sagte Niella w�rdevoll Mit einem Mal huschte ein L�cheln �ber ihre Z�ge. �Au�erdem w�rde dann mein Mann nach mir suchen, und es w�rde ihm nicht gefallen.� Ihre Miene wandelte sich wieder zu der einer typischen <emphasis>Gai'schain,</emphasis> und sie schlug die Augen nieder. �Darf ich jetzt gehen? Aviendha ist hier, und ich m�chte sie nicht treffen, wenn ich es vermeiden kann. Aber sie wird bestimmt in diese Gem�cher kommen.�</p><p>Egwene lie� sie gehen. Sie hatte ohnehin kein Recht gehabt, eine solche Frage zu stellen. Wenn man �ber das Leben eines <emphasis>Gai'schain</emphasis> vor oder nach dem Wei� sprach, brachte das diesen in gro�e Verlegenheit. Sie sch�mte sich deshalb auch ein wenig, obwohl sie selbst keineswegs den Regeln des <emphasis>Ji'e'toh</emphasis> folgte. Oder nur gerade soviel, um h�flich zu sein.</p><p>Im Wohnzimmer setzte sie sich auf einen in strengen Linien geschnitzten Sessel, den sie ganz ungewohnt unbequem fand, nachdem sie so lange nur mit �bergeschlagenen Beinen auf Sitzkissen am Boden gesessen hatte. So zog sie die Beine unter sich und fragte sich erneut, was Aviendha wohl mit Amys und den anderen beiden besprechen mochte. Mit ziemlicher Sicherheit w�rde es um Rand gehen. Um ihn drehte es sich immer bei den Weisen Frauen. Ihnen waren die von Feuchtl�ndern stammenden Prophezeiungen des Drachen gleichg�ltig, aber sie kannten die Prophezeiung von Rhuidean von vorn bis hinten auswendig.</p><p>Wenn er die Aiel vernichtete, und diese Weissagung sagte genau dies voraus, w�rde �der Rest eines Restes� gerettet, und sie hatten vor, diesen Rest so gro� wie m�glich werden zu lassen.</p><p>Deshalb befahlen sie auch Aviendha, sich so nahe wie m�glich bei ihm aufzuhalten. Zu nahe, um schicklich zu sein. Sie war sicher, wenn sie ins Schlafzimmer ginge, w�rde sie dort am Boden eine Bettstatt f�r Aviendha vorfinden. Aber die Aiel sahen so etwas ganz anders. Die Weisen Frauen wollten, da� Aviendha ihn die Sitten und Gebr�uche der Aiel lehrte, um ihn jederzeit zu mahnen, da� er von Aielblut sei, wenn er auch nicht bei den Aiel aufgewachsen war Offensichtlich waren die Weisen Frauen der Ansicht, daf�r ben�tige sie <emphasis>jede</emphasis> Stunde des Tages, in der er wach war, und wenn sie bedachte, was ihnen bevorstand, konnte sie ihnen kaum einen Vorwurf machen. Zumindest keinen sehr gro�en. Trotzdem war es nicht anst�ndig und geziemte sich nicht, wenn man eine Frau zwang, im gleichen Zimmer mit einem Mann zu schlafen.</p><p>Andererseits konnte sie Aviendha nicht bei der L�sung ihres Problems behilflich sein, vor allem deshalb, weil Aviendha darin gar kein Problem zu sehen schien. Egwene st�tzte sich auf einen Ellbogen und begann, sich Wege auszudenken, wie sie Rand am besten auf ihren Wunsch hin ansprechen solle. Ihre Gedanken drehten sich immer im Kreis, aber sie war noch zu keiner Entscheidung gekommen, als er pl�tzlich eintrat, wobei er zwei Aiel drau�en auf dem Flur etwas zuraunte, bevor er die T�r schlo�.</p><p>Egwene sprang auf. �Rand, du mu�t mir bei den Weisen Frauen helfen. Auf dich werden sie h�ren!� platzte sie heraus, bevor sie sich beherrschen konnte. Das war keineswegs das, was sie ihm hatte sagen wollen.</p><p>�Ja, es ist sch�n, dich wiederzusehen!� entgegnete er l�chelnd. Er trug wieder diesen Seanchanspeer, in dessen Schafft jemand seit ihrem letzten Zusammentreffen Drachen geschnitzt hatte. Sie h�tte zu gern gewu�t, woher er dieses Ding hatte. Alles, was mit den Seanchan zu tun hatte, jagte ihr einen kalten Schauer �ber den R�cken. �Danke, es geht mir gut, Egwene. Und dir? Du siehst wieder aus wie fr�her, und voll Temperament wie eh und je.� Er wirkte so m�de. Und hart, so hart, da� selbst dieses L�cheln wie aufgesetzt erschien. Jedesmal, wenn sie ihn wiedersah, wirkte er h�rter.</p><p>�Ich halte das keineswegs f�r am�sant�, schmollte sie. Am besten, sie machte jetzt so weiter, wie sie begonnen hatte. Das war jedenfalls besser, als einen R�ckzieher zu machen und alles zu �berspielen, damit er noch mehr Anla� zum Grinsen fand. �Hilfst du mir?�</p><p>�Wie?� Er machte es sich bequem � nun, es waren schlie�lich seine Gem�cher �, warf den Speer mitsamt den daran h�ngenden Troddeln auf einen kleinen Tisch, dessen Beine in Form von Leoparden geschnitzt waren, und legte den Schwertg�rtel und den Rock ab. Irgendwie schien er genausowenig zu schwitzen wie die Aiel. �Die Weisen Frauen h�ren wohl auf mich, aber sie h�ren eben nur, was sie wollen. Ich erkenne allm�hlich diesen sturen Blick, wenn sie der Meinung sind, da� ich Unsinn rede; und weil sie mich nicht in Verlegenheit bringen wollen, indem sie mir das ins Gesicht sagen, ignorieren sie es einfach.� Er zog einen der vergoldeten Sessel heran, damit er sie ansehen konnte, lie� sich darauffallen und streckte die gestiefelten Beine aus. Aber sogar das wirkte bei ihm nun auf gewisse Art arrogant. Ganz entschieden zu viele Leute beugten ihr Knie vor ihm.</p><p>�Du redest wirklich manchmal Unsinn�, knurrte sie. Aus irgendeinem Grund half ihr die Tatsache, da� sie keine Zeit zum Nachdenken hatte, sich besser zu konzentrieren. So r�ckte sie ihr Tuch sorgf�ltig zurecht und setzte sich aufrecht vor ihn hin. �Ich wei�, da� du gern wieder etwas von Elayne h�ren w�rdest.� Warum wurde mit einem Mal seine Miene so traurig und gleichzeitig auch so winterkalt? Wahrscheinlich, weil er so lange nichts mehr von Elayne geh�rt hatte. �Ich bezweifle, da� Sheriam den Weisen Frauen dir viele Botschaften von ihr �bergeben hat.� Soweit sie wu�te, �berhaupt keine, obwohl er sich so selten in Cairhien aufgehalten hatte, da� er kaum eine erhalten h�tte. �Ich bin diejenige, der Elayne solche Botschaften anvertrauen w�rde. Ich kann sie dir �berbringen, wenn du Amys davon �berzeugst, da� ich jetzt stark genug bin, um ... um meine Studien wiederaufzunehmen.�</p><p>Sie verw�nschte sich selbst, weil sie ins Zaudern gekommen war, aber er wu�te schon zuviel �ber das Traum wandeln, wenn nicht gar �ber <emphasis>Tel'aran'rhiod.</emphasis> Beinahe alles, was das Traumwandeln anging, bis auf diese Bezeichnung, war eines der bestgeh�tetsten Geheimnisse der Weisen Frauen, und gerade diejenigen, die dazu in der Lage waren, sprachen am wenigsten dar�ber. Sie hatte kein Recht dazu, ihre Geheimnisse zu verraten. �Sagst du mir, wo sich Elayne aufh�lt?� Es klang, als habe er sie um eine Tasse Tee gebeten.</p><p>Sie z�gerte, doch die Abmachung, die sie mit Nynaeve und Elayne getroffen hatte � Licht, wie lange war das nun schon her? � diese Abmachung hatte nach wie vor G�ltigkeit. Er war au�erdem nicht mehr der Junge, mit dem sie aufgewachsen war. Er war ein Mann, voller Selbstvertrauen, und wie auch immer seine Stimme geklungen hatte, dieser stetig auf sie gerichtete Blick <emphasis>verlangte</emphasis> nach einer Antwort. Wenn schon bei einem Zusammentreffen der Aes Sedai und der Weisen Frauen die Funken spr�hten, w�rde es zwischen ihm und den Aes Sedai lichterloh brennen. Es mu�te ein Puffer zwischen ihn und sie geschoben werden, und die einzigen denkbaren Puffer waren sie alle drei. Es mu�te sein, doch sie hoffte, sie w�rden an diesem Feuer nicht verbrennen. �Ich kann dir das nicht sagen, Rand. Ich habe kein Recht dazu. Es ist nicht an mir, dir das mitzuteilen.� Und das war die Wahrheit. Au�erdem h�tte sie ihm nicht einmal sagen k�nnen, wo Salidar eigentlich lag, nur da� es sich hinter Altara irgendwo am Eldar befinden mu�te.</p><p>Er beugte sich eindringlich vor. �Ich wei�, da� sie sich bei Aes Sedai aufh�lt. Du hast mir selbst gesagt, da� mich diese Aes Sedai m�glicherweise unterst�tzen werden. F�rchten sie sich vor mir? Sollte das der Fall sein, werde ich einen Eid ablegen, sie in Ruhe zu lassen. Egwene, ich will Elayne den L�wenthron und den Sonnenthron �bergeben. Sie hat einen Anspruch auf beide; Cairhien wird sie genauso schnell anerkennen wie Andor. Ich brauche sie, Egwene.�</p><p>Egwene �ffnete den Mund � und dann wurde ihr klar, da� sie Rand alles erz�hlen wollte, was sie �ber Salidar wu�te. Gerade noch rechtzeitig klappte sie den Mund wieder zu und bi� die Z�hne so hart aufeinander, da� ihr die Kiefer schmerzten. Dann �ffnete sie sich <emphasis>Saidar.</emphasis> Das s��e Gef�hl, endlich zu leben, so stark, da� es alles andere �berw�ltigte, schien ihr zu helfen.</p><p>Langsam verflog der Drang zu sprechen.</p><p>Er lie� sich mit einem Seufzen zur�cksinken, und sie musterte ihn mit weit ge�ffneten Augen. Nat�rlich hatte sie gewu�t, da� er der st�rkste <emphasis>Ta'veren</emphasis> war seit Artur Falkenfl�gel, aber selbst in solchem Ma�e davon beeinflu�t zu werden, war etwas anderes. Sie konnte nur mit M�he vermeiden, die Arme um ihren Oberk�rper zu klammern und zu schaudern.</p><p>�Du sagst es mir nicht�, stellte er fest. Es war nicht als Frage gemeint. Er rieb sich die Unterarme mit knappen Bewegungen durch die �rmel hindurch und erinnerte sie damit daran, da� sie <emphasis>Saidar</emphasis> in sich aufgenommen hatte. Auf diese geringe Entfernung w�rde er das als schwaches Prickeln auf der Haut wahrnehmen. �Hast du geglaubt, ich wolle dich zum Sprechen zwingen?� fauchte er zornig. �Bin ich ein solches Ungeheuer geworden, da� du die Macht gebrauchen willst, um dich vor mir zu sch�tzen?�</p><p>�Ich brauche gar nichts, um mich vor dir zu sch�tzen�, erwiderte sie, so ruhig sie konnte. Immer noch hatte sie Magenschmerzen. Er war Rand, und er war ein Mann, der die Macht ben�tzen konnte. Etwas in ihr h�tte sich am liebsten angsterf�llt geduckt und geheult. Sie sch�mte sich des Gef�hls, aber das lie� es auch nicht verfliegen. So lie� sie <emphasis>Saidar</emphasis> fahren und bereute es, als sie dabei ins Z�gern geriet. Aber es spielte keine Rolle. Sollte es zu dieser Art von Auseinandersetzung kommen und w�re sie nicht in der Lage, ihn vorher noch schnell abzuschirmen, h�tte er genauso leichtes Spiel mit ihr wie beim Armdr�cken. �Rand, es tut mir so leid, da� ich dir nicht helfen kann, aber es geht nicht. Und trotzdem bitte ich dich um deine Hilfe. Du wei�t, da� du damit auch dir selbst helfen k�nntest.�</p><p>Sein Zorn verging unter einem Grinsen, das sie langsam verr�ckt machte. Es war be�ngstigend, wie schnell ein solcher Wandel in ihr vorging. ��Eine Katze f�r einen Hut, oder einen Hut f�r eine Katze��, zitierte er.</p><p><emphasis>Aber f�r nichts gibt's nichts,</emphasis> beendete sie das Sprichwort in Gedanken. Sie hatte das von Leuten aus Taren F�hre geh�rt, als sie noch ein M�dchen war. �Du kannst dir die Katze in den Hut stecken und in deine Hose stopfen, Rand al'Thor�, sagte sie in kaltem Ton zu ihm. Auf dem Weg nach drau�en beherrschte sie sich soweit, da� sie die T�r nicht zuknallte, aber nur gerade so eben.</p><p>Im Weggehen fragte sie sich, was sie nun machen sollte. Irgendwie mu�te sie die Weisen Frauen dazu bringen, sie wieder nach <emphasis>Tel'aran'rhiod</emphasis> zu lassen �sozusagen auf legale Weise. Fr�her oder sp�ter w�rde er ohnehin auf die Aes Sedai aus Salidar treffen, und es w�rde sehr hilfreich sein, k�nnte sie vorher noch mit Elayne oder Nynaeve sprechen. Sie war schon ein bi�chen �berrascht, da� Salidar nicht bereits Verbindung mit ihm aufgenommen hatte. Was hielt Sheriam und die anderen noch zur�ck? Nun, sie konnte diesbez�glich nichts unternehmen, und sie wu�ten es wahrscheinlich sowieso besser als sie.</p><p>Etwas h�tte sie aber Elayne gern sofort mitgeteilt Rand brauchte sie. Es klang, als meine er das ernster als alles, was er je in seinem Leben gesagt hatte. Das sollte ihr alle Sorgen nehmen, ob er sie noch immer liebte oder nicht. Kein Mann sagte einer Frau auf diese Art, er brauche sie, wenn er sie nicht liebte.</p><p>* * * Ein paar Augenblicke lang sa� Rand da und blickte die T�r an, die sich hinter Egwene geschlossen hatte. Sie hatte sich so ver�ndert, seit sie als Kinder zusammen aufgewachsen waren. In dieser Aielkleidung h�tte man sie f�r eine Weise Frau halten k�nnen �jedenfalls abgesehen von der Gr��e; eben eine kleine Weise Frau mit dunklen Augen � aber andererseits hatte Egwene immer alles aus ganzem Herzen getan. Sie war so k�hl geblieben wie eine echte Aes Sedai und hatte nach <emphasis>Saidar</emphasis> gegriffen, als sie sich von ihm bedroht gef�hlt hatte. Daran w�rde er sich erinnern m�ssen. Welche Art von Kleidung sie auch trug, sie wollte doch eine Aes Sedai werden, und sie wahrte deren Geheimnisse, sogar dann, als er ihr klargemacht hatte, da� er Elayne ben�tigte, um zwei L�ndern den Frieden zu bringen. Er mu�te sie von jetzt ab als Aes Sedai betrachten. Das machte ihn traurig.</p><p>M�de stand er wieder auf und zog noch einmal den Rock an. Er mu�te noch die Adligen aus Cairhien treffen, Colavaere und Maringil, Dobraine und die anderen. Und die Tairener � Meilan und Aracome und diese Bande � w�rden ins Schwimmen kommen, wenn er denen aus Cairhien auch nur einen Augenblick mehr Zeit schenkte als ihnen. Und die Weisen Frauen wollten auch noch an die Reihe kommen, und Timolan sowie die anderen Clanh�uptlinge hier, die er heute noch nicht angetroffen hatte. Warum hatte er nur den Wunsch versp�rt, Caemlyn zu verlassen? Ja, das Gespr�ch mit Herid hatte Spa� gemacht. Weniger die Fragen, die er dem Mann gestellt hatte, aber es tat bereits gut, mit jemandem zu reden, der sich nicht daran erinnerte, da� er der Wiedergeborene Drache war. Und er hatte ein bi�chen Zeit gefunden, in der er keinen Rattenschwanz von Aiel hinter sich herziehen mu�te. Das w�rde er �fters tun.</p><p>Er erblickte sein Abbild in einem Spiegel mit vergoldetem Rahmen. �Wenigstens hast du dir nicht anmerken lassen, wie m�de du bist�, sagte er zu seinem Spiegelbild. Das war einer der eindeutigsten Ratschl�ge Moiraines gewesen. <emphasis>La�t Euch niemals eine Schw�che anmerken.</emphasis> Er mu�te sich eben nur daran gew�hnen, Egwene als eine der anderen zu betrachten.</p><p>Sulin kauerte im Garten unterhalb der Gem�cher Rand al'Thors und warf ein kleines Messer auf irgendein Ziel am Boden. Damit schien sie sich die Langeweile zu vertreiben. Der Ruf einer Felseule brachte sie aber dazu, blitzschnell und mit einem Fluch auf den Lippen aufzuspringen, wobei sie das Messer in den G�rtel steckte. Rand al'Thor hatte seine Gem�cher wieder verlassen. Ihn auf diese Art zu bewachen war wohl sinnlos. H�tte sie Enaila oder Somara mitgebracht, w�rde sie sie auf ihn ansetzen. Doch normalerweise versuchte sie, ihm diese Art von Unsinn vom Leibe zu halten und ihn wie ihren Erstbruder zu behandeln.</p><p>Sie trabte zum n�chstgelegenen Eingang hin�ber und schlo� sich dort drei anderen T�chtern an � keine von denen, die sie mitgebracht hatte �, und dann fingen sie an, dieses Gewirr von G�ngen nach ihm zu durchsuchen, aber so, da� es wirkte, als schlenderten sie nur gem�chlich durch den Palast. Was der <emphasis>Car'a'carn</emphasis> auch w�nschte: Dem einzigen Sohn einer Tochter des Speers, der je zu ihnen zur�ckgekehrt war, durfte auf keinen Fall etwas zusto�en.</p></section><section><title><p>19</p><p>Toh regiert</p></title><p>Rand glaubte, er werde diese Nacht gut schlafen k�nnen. Er war beinahe schon m�de genug, um Alannas Ber�hrung zu vergessen. Aviendha befand sich drau�en bei den Weisen Frauen in ihren Zelten, statt sich wieder vor ihm auszuziehen, ohne auf seine Gef�hle R�cksicht zu nehmen, und sie w�rde mit ihrem Atmen heute nacht seinen Schlaf nicht st�ren. Etwas anderes allerdings brachte ihn dazu, sich unruhig hin- und herzuw�lzen: Tr�ume. Er legte immer ein Wachgewebe zum Schutz um seine Tr�ume, um die Verlorenen von ihnen fernzuhalten � und auch die Weisen Frauen �, doch auch das konnte nicht fernhalten, was sich bereits darin befand. Im Traum sah er riesenhafte wei�e Dinge wie gigantische Vogelschwingen ohne den Vogel, die �ber den Himmel segelten; gro�e St�dte mit unglaublich hohen Geb�uden, die im Sonnenschein leuchteten, und auf den Stra�en huschten Gegenst�nde wie K�fer und plattgedr�ckte Wassertropfen einher. Er hatte all das bereits zuvor erblickt, und zwar innerhalb des riesigen <emphasis>Ter'Angreal</emphasis> in Rhuidean, in dem er die Drachen auf seinen Unterarmen erhalten hatte, und er wu�te, da� es sich um Bilder aus dem Zeitalter der Legenden handelte, doch diesmal war alles anders. Alles erschien ihm verdreht, die Farben ... stimmten irgendwie nicht, als sei etwas mit seinen Augen nicht in Ordnung. Die Schofl�gelflitzer kamen ins Taumeln und st�rzten ab, wobei jeder Hunderte von Menschen dem Tod entgegentrug. Geb�ude zersplitterten wie Glas, St�dte brannten, das Land b�umte sich auf wie ein sturmgepeitschter Ozean. Und immer wieder fand er sich einer sch�nen Frau mit goldenen Haaren gegen�ber und sah zu, wie sich die Liebe auf ihrer Miene in blanke Angst wandelte. Ein Teil von ihm kannte sie. Ein Teil von ihm wollte sie retten, vor dem Dunklen K�nig, vor allem, was sie in Gefahr brachte, vor dem, was er selbst gleich tun w�rde. So viele Teile in ihm, ein Verstand, der in glitzernde Scherben zerfiel, und alle Scherben schrien.</p><p>Er erwachte schwitzend und zitternd im Dunklen. Lews Therins Tr�ume. Das war bisher noch nie geschehen, da� ihn die Tr�ume des Mannes heimgesucht hatten. Er lag die wenigen Stunden �ber, die noch bis zum Sonnenaufgang blieben, wach im Bett, starrte ins Leere und f�rchtete sich davor, die Augen zu schlie�en. Er hielt an <emphasis>Saidin</emphasis> fest, als k�nne er es ben�tzen, um gegen einen toten Mann anzuk�mpfen, aber Lews Therin blieb stumm.</p><p>Als sich schlie�lich der Himmel hinter den Fenstern bla� verf�rbte, schl�pfte ein <emphasis>Gai'schain</emphasis> leise mit einem zugedeckten Silbertablett ins Zimmer. Als er sah, da� Rand wach war, sagte er nichts, verbeugte sich aber und ging dann genauso leise hinaus. Durch die Macht, die ihn erf�llte, roch Rand den gew�rzten Wein und das warme Brot, Butter und Honig und den hei�en Haferbrei, den die Aiel morgens a�en, als stecke seine Nase im Tablett. Er lie� die Quelle los, zog sich an und g�rtete sein Schwert. Er r�hrte das Tuch nicht an, mit dem die Speisen zugedeckt waren, denn er hatte keinen Appetit. So nahm er das Drachenszepter in die Armbeuge und verlie� seine Gem�cher.</p><p>Die T�chter standen mit Sulin, Urien und seinen Roten Schilden in dem breiten Korridor, aber sie waren nicht allein. Hinter den Wachen dr�ngten sich Menschen Schulter an Schulter und f�llten den Gang vollst�ndig aus. Ein paar befanden sich sogar innerhalb des Rings. Aviendha stand bei einer Abordnung von Weisen Frauen. Amys war da, und Bair und Melaine, Sorilea nat�rlich, Chaelin, eine Rauchendes Wasser Miagoma mit grauen Str�hnen im dunkelroten Haar, und Edarra, eine Neder Shiande, die nicht viel �lter wirkte als er selbst, obwohl sie bereits die gleiche unersch�tterliche Ruhe in ihren blauen Augen zeigte und ebenso hoch aufgerichtet und w�rdevoll dastand wie die anderen. Auch Berelain war dabei, doch Rhuarc und die �brigen Clanh�uptlinge fehlten. Was er ihnen zu sagen gehabt hatte, war gesagt worden, und die Aiel zogen so etwas nicht in die L�nge. Aber warum standen die Weisen Frauen hier? Oder Berelain? Das gr�nwei�e Kleid, das sie heute morgen trug, gestattete einen erfreulichen Ausblick auf ihren blassen Busen.</p><p>Adlige aus Cairhien hatten sich versammelt, und zwar au�erhalb des Rings der Aiel. Colavaere, die trotz ihrer mittleren Jahre ausgesprochen gut aussah. Sie hatte das dunkle Haar zu einem kunstvollen Turm aus Locken hochgesteckt, und ihr hochgeschlossenes Kleid wies von dem goldbestickten Stehkragen bis unterhalb ihrer Knie farbige Querstreifen auf. Der st�mmige Dobraine mit dem kantigen Gesicht war da, die Vorderseite des �berwiegend grauhaarigen Sch�dels kahlgeschoren wie ein Soldat, und auf dem Brustteil seines Rocks sah man die abgewetzten Stellen, wo sonst die Riemen eines Brustharnisches verliefen. Maringil stand dort, kerzengerade aufgerichtet wie eine Klinge, das wei�e Haar beinahe in Schulterl�nge, aber er hatte den Sch�del nicht rasiert, und sein dunkler Seidenrock, der die gleichen Streifen wie der Dobraines aufwies, fast hinunter bis zu den Knien, w�re f�r einen Hofball geeignet gewesen. Zwei Dutzend oder mehr dr�ngten sich hinter ihnen, zumeist j�ngere M�nner und Frauen, von denen nur wenige diese waagrechten Streifen trugen, und bei den wenigen reichten sie kaum bis zu den H�ften. �Das Licht sei dem Lord Drache gn�dig�, murmelten sie, verbeugten sich mit einer Hand �ber dem Herzen oder knicksten, und: �Das Licht ehrt uns mit der Anwesenheit des Lord Drache.�</p><p>Auch ein Kontingent Tairener war anwesend, Hochlords und Ladies, allerdings ohne den niedrigeren Adel, in samtenen Spitzh�ten und Seidenm�nteln mit Puff�rmeln und eingesetzten Satinstreifen, in bunten Gew�ndern mit breiten Spitzenkragen und �manschetten und engen, perlen- oder edelsteinbesetzten Kappen, die ihn mit �Das Licht erleuchte den Lord Drache� begr��ten. Nat�rlich stand Meilan vor den anderen, hager, hart und ausdruckslos, mit seinem typischen grauen Spitzbart. Gleich neben ihm stand Fionnda, deren ernste Miene und eiserner Blick ihrer Sch�nheit keinen Abbruch taten, w�hrend das affektierte L�cheln der ansonsten so biegsamen und eleganten Anaiyeila ihr viel von ihrer durchaus vorhandenen Sch�nheit nahm. Absolut kein L�cheln lag dagegen auf den Z�gen von Maraconn, dessen blaue Augen eine Seltenheit unter den Tairenern darstellten, oder des glatzk�pfigen Gueyam oder Aracomes, der neben dem breit gebauten Gueyam gleich doppelt so schlank aussah, wenn auch beide hart wie Stahl wirkten. Sie � und Meilan � waren dicke Freunde von Hearne und Simaan gewesen. Rand hatte diese beiden, genau wie ihren Verrat, gestern nicht erw�hnt, doch er war sicher, da� man hier Bescheid wisse, und genauso sicher, da� man seinem Schweigen in bezug auf diese Angelegenheit ein Gewicht verlieh, das ganz vom Gewissen des jeweiligen Mannes abhing. Seit sie nach Cairhien gekommen waren, hatten sie sich an so etwas gew�hnt, und heute morgen beobachteten sie Rand, als f�rchteten sie, er werde pl�tzlich den Befehl f�r ihre Festnahme erteilen.</p><p>In Wirklichkeit beobachtete jeder irgend jemand anders mi�trauisch. Viele von ihnen schielten nerv�s zu den Aiel hin�ber und verbargen mit unterschiedlichem Erfolg ihren Zorn. Andere beobachteten Berelain beinahe genauso aufmerksam, aber er war �berrascht, festzustellen, da� selbst die Blicke der M�nner, auch der Tairener, eher nachdenklich als gierig wirkten. Nat�rlich blickten ihn die meisten an; er war nun einmal, wer und was er war. Colavaeres k�hler Blick schweifte zwischen ihm und Aviendha hin und her. Wenn er auf Aviendha ruhte, erhitzte er sich, denn bei ihnen war Blut geflossen, obwohl Aviendha es vergessen zu haben schien. Colavaere w�rde ganz gewi� niemals vergessen, wie Aviendha sie verpr�gelt hatte, nachdem sie sie in Rands Gem�chern angetroffen hatte, genausowenig, wie sie verga�, da� die Aff�re mittlerweile allgemein bekannt war. Meilan und Maringil zeigten deutlich, da� sie sich einander sehr wohl bewu�t waren, indem sie betont den Blick des anderen mieden. Beide beanspruchten den Thron von Cairhien, und beide hielten den anderen f�r ihren gef�hrlichsten Rivalen. Dobraine wiederum beobachtete Meilan und Maringil, wenn auch niemand wu�te, wieso. Melaines Blick war auf Rand gerichtet, w�hrend Sorilea <emphasis>sie</emphasis> unter Beobachtung hielt. Aviendha blickte besorgt zu Boden. Eine junge Frau aus Cairhien mit gro�en Augen trug das Haar lose und schulterlang, statt der kunstvoll hochget�rmten Locken, und sie hatte ein Schwert �ber ihr dunkles Reitkleid geg�rtet, das nur sechs farbige Querstreifen aufwies. Viele der anderen gaben sich gar keine M�he, ihr �berhebliches L�cheln zu verbergen, wenn sie sie anblickten, doch sie schien es kaum zu bemerken. Sie sah die T�chter voller Bewunderung an und dann wieder Rand voller Furcht. Er erinnerte sich an sie: Selande, eine aus der langen Reihe von sch�nen Frauen, die Colavaere angeschleppt hatte, weil sie glaubte, auf diese Art den Wiedergeborenen Drachen in ihren Netzen einfangen zu k�nnen, bis Rand sie davon �berzeugt hatte, da� das bei ihm nicht der Fall sein werde. Ungl�cklicherweise hatte er das mit Aviendhas ungebetener Hilfe getan. Er hoffte, Colavaere f�rchte ihn so sehr, da� sie vergessen w�rde, sich an Aviendha zu r�chen, doch er w�nschte sich, er k�nne Selande davon �berzeugen, da� sie von ihm nichts zu bef�rchten habe. <emphasis>Man kann es nicht jedem recht machen,</emphasis> hatte Moiraine gesagt. <emphasis>Man kann nicht jeden beruhigen.</emphasis> Eine harte Frau.</p><p>Um alldem die Krone aufzusetzen, beobachteten die Aiel jeden mi�trauisch, mit Ausnahme der Weisen Frauen. Und aus irgendeinem Grund war auch Berelain ausgenommen. Sie warfen Feuchtl�ndern grunds�tzlich mi�trauische Blicke zu, doch sie h�tte durchaus eine Weise Frau sein k�nnen.</p><p>�Ihr ehrt mich alle.� Rand hoffte, es klinge nicht zu trocken. Wieder einmal ein neuer Festumzug. Er fragte sich, wo Egwene wohl sei. Vielleicht aalte sie sich noch im Bett. Kurz �berlegte er, ob er sie noch einmal aufsuchen und eine letzte Anstrengung unternehmen solle... Nein, wenn sie es ihm nicht sagen wollte, wu�te er auch nicht, wie er sie dazu bringen k�nnte. Zu schade, da� seine Eigenschaft als <emphasis>Ta'veren</emphasis> ausgerechnet dann versagte, wenn er sie am meisten brauchte. �Ungl�cklicherweise bin ich heute morgen nicht in der Lage, noch einmal mit Euch zu sprechen. Ich kehre nach Caemlyn zur�ck.� Andor war das Problem, das er jetzt angehen mu�te. Andor, und Sammael.</p><p>�Euer Befehl wird ausgef�hrt werden, mein Lord Drache�, sagte Berelain. �Heute morgen, damit Ihr zuschauen k�nnt.�</p><p>�Mein Befehl?�</p><p>�Mangin�, sagte sie. �Man hat es ihm heute morgen mitgeteilt.� Den meisten der Weisen Frauen war keine Regung anzumerken, nur Bair und Sorilea zeigten ganz offene Mi�billigung. �berraschenderweise galt diese aber Berelain!</p><p>�Ich habe nicht vor, jedesmal zuzuschauen, wenn ein M�rder geh�ngt wird�, sagte Rand kalt. In Wirklichkeit hatte er es vergessen, oder aber aus seinem Ged�chtnis verdr�ngt. Einen Mann zu h�ngen, den man mochte, war nichts, woran man sich gern erinnerte. Rhuarc und die anderen H�uptlinge hatten es nicht einmal erw�hnt, als er mit ihnen verhandelt hatte. Dazu kam noch, da� er diese Hinrichtung nicht als etwas Besonderes hinstellen durfte. Die Aiel mu�ten sich genauso an die Gesetze halten wie jeder andere. Das sollten die Menschen aus Tear und Cairhien bewu�t sehen, damit ihnen klar wurde, da� er die Aiel keineswegs bevorzugte. Dann w�rde er sie n�mlich genausowenig bevorzugen. <emphasis>Du ben�tzt alles und jeden,</emphasis> dachte er, und der Gedanke machte ihn krank. Trotzdem hoffte er, es sei sein eigener Gedanke gewesen. Au�erdem wollte er bei keiner Hinrichtung zugegen sein, am allerwenigsten bei der Mangins.</p><p>Meilan blickte nachdenklich drein, und auf Aracomes Stirn stand Schwei�, obwohl das auch an der Hitze liegen konnte. Colavaere, deren Gesicht bla� geworden war, schien ihn zum ersten Mal richtig zu sehen. Berelains reum�tiger Blick huschte von Bair zu Sorilea, die ihr zunickte. Hatten sie ihr vielleicht vorhergesagt, da� er so antworten werde? Es erschien ihm unm�glich. Die Reaktionen der anderen schwankten zwischen �berraschung und Zufriedenheit, doch er behielt besonders Selande im Auge. Sie hatte die Augen weit aufgerissen und offensichtlich die T�chter vergessen. Wenn sie vorher Rand furchtsam angesehen hatte, dann zeigte ihr Blick nun blanke, nackte Angst. Nun, da lie� sich nichts machen.</p><p>�Ich werde sofort nach Caemlyn aufbrechen�, sagte Rand zu ihnen. Ein leises Ger�usch machte sich unter den Anwesenden breit, aus Cairhien oder Tear, und es klang ein wenig wie erleichtertes Seufzen.</p><p>Es �berraschte ihn nicht, da� sie ihn alle zu dem Zimmer begleiteten, das er f�r sein Reisen bestimmt hatte. Die T�chter und die Roten Schilde hielten alle Feuchtl�nder bis auf Berelain zur�ck. Es pa�te ihnen sowieso nicht, diese Leute aus Cairhien in seine N�he zu lassen, und er war auch ganz froh dar�ber, da� sie heute den Tairenern den weiteren Weg versperrten. Es gab gen�gend b�se Blicke, aber niemand sagte etwas, jedenfalls nicht zu ihm. Nicht einmal Berelain, die gleich hinter ihm mit den Weisen Frauen und Aviendha einherschritt, sich leise mit ihnen unterhielt und gelegentlich ged�mpft lachte. Es lie� ihm die Haare im Nacken zu Berge stehen, da� Berelain und Aviendha miteinander sprachen. Und sogar lachten?</p><p>An der mit geometrischen Ornamenten verzierten T�r zu seinem Reisezimmer blickte er betont �ber Berelain hinweg, als sie tief vor ihm knickste. �Ich werde mich bis zu Eurer R�ckkehr furchtlos und ohne jemanden zu bevorzugen um Cairhien k�mmern, mein Lord Drache.� Vielleicht war sie trotz der Sache mit Mangin heute morgen nur erschienen, um ihm das zu sagen und zwar so, da� die anderen Adligen es h�rten. Es brachte ihr aus irgendeinem Grund ein nachsichtiges L�cheln von Sorilea ein. Er mu�te unbedingt herausbekommen, was sich da abspielte; er wollte nicht, da� die Weisen Frauen sich bei Berelain einmischten. Die �brigen Weisen Frauen hatte Aviendha auf die Seite gezogen. Sie schienen abwechselnd mit ihr eindringlich zu sprechen, aber er konnte nicht verstehen, was gesagt wurde. �Wenn Ihr Perrin Aybara das n�chste Mal seht�, f�gte Berelain hinzu, ��berbringt ihm bitte meine w�rmsten Gr��e. Und Mat Cauthon ebenfalls.� �Wir erwarten voller Ungeduld die R�ckkehr des Lord Drache�, log Colavaere mit betont nichtssagender Miene.</p><p>Meilan funkelte sie b�se <emphasis>an</emphasis>, weil sie es fertiggebracht hatte, zuerst zu sprechen, und dann hielt er eine blumige Ansprache, die aber nicht mehr aussagte als ihre Worte zuvor, was Maringil selbstverst�ndlich noch �bertrumpfen mu�te, zumindest was die �bertreibungen betraf. Fionnda und Anaiyella �bertrafen anschlie�end beide und r�gten solch offenherzige Komplimente hinzu, da� er �ngstlich zu Aviendha hin�berschielte. Doch diese wurde noch von den Weisen Frauen besch�ftigt. Dobraine begn�gte sich mit einem �Bis zur R�ckkehr meines Lords Drache�, w�hrend Maraconn, Gueyam und Aracome mit wachsamen Blicken etwas Unverst�ndliches murmelten.</p><p>Es war eine Erleichterung, all diese Leute zu verlassen und in das Reisezimmer zu gehen. Eine �berraschung erlebte er allerdings, als Melaine noch vor Aviendha mit hereinkam. Er zog fragend eine Augenbraue hoch.</p><p>�Ich mu� mich mit Bael �ber Angelegenheiten der Weisen Frauen beraten�, sagte sie ganz gesch�ftsm��ig, und dann warf sie Aviendha einen scharfen Blick zu, die aber eine unschuldige Miene machte. Rand war klar, da� sie etwas verbarg. Aviendha hatte von Natur aus ein ausdrucksvolles Gesicht, aber unschuldig wirkte sie niemals, und ganz gewi� nicht so unschuldig.</p><p>�Wie Ihr w�nscht�, sagte er. Er vermutete, die Weisen Frauen h�tten nur auf eine Gelegenheit gewartet, sie nach Caemlyn zu schicken. Wer w�re besser geeignet, daf�r zu sorgen, da� Rand Bael nicht unerw�nscht beeinflu�te, als Baels Frau? Wie Rhuarc hatte der Mann zwei Frauen, und Mat hatte festgestellt, da� so etwas entweder ein Traum oder ein Alptraum sei, und er k�nne nicht entscheiden, welches von beiden.</p><p>Aviendha sah ihm genau zu, als er ein Tor zur�ck nach Caemlyn �ffnete, geradewegs in den Gro�en Saal. Das tat sie f�r gew�hnlich, obwohl sie seine Str�nge nicht wahrnehmen konnte. Einmal hatte sie selbst ein solches Tor ge�ffnet aber in einem �u�erst seltenen Moment des Entsetzens, und sie hatte sich nie mehr daran erinnern k�nnen, wie sie das angestellt hatte. Heute erinnerte sie der sich drehende Lichtschlitz, aus welchem Grund auch immer an das, was sich damals abgespielt hatte, und dann f�rbten sich ihre sonnengebr�unten Wangen rot und sie blickte pl�tzlich betont an ihm vorbei. Da die Macht ihn erf�llte, roch er sie ganz deutlich: den Kr�uterduft ihrer Seife und die Andeutung eines s��en Parf�ms, das er an ihr noch nie wahrgenommen hatte. Ausnahmsweise wollte er <emphasis>Saidin</emphasis> schnell loswerden, und so war er auch der erste, der hindurchschritt in den menschenleeren Thronsaal. Alanna schien mit voller Wucht in seinen Sch�del einzubrechen. Ihre Gegenwart war so greifbar, als stehe sie direkt vor ihm. Sie hatte geweint, dachte er. Weil er fort gewesen war? Nun, sollte sie deswegen weinen. Irgendwie mu�te er sich von ihr befreien.</p><p>Nat�rlich hatten die T�chter und die Roten Schilde etwas dagegen, da� er zuerst hindurchging. Urien knurrte lediglich und sch�ttelte mi�billigend den Kopf. Eine bleiche Sulin richtete sich auf die Zehenspitzen auf, um Nase an Nase mit Rand zu sprechen: �Der gro�e und m�chtige <emphasis>Car'a'carn</emphasis> erteilte den <emphasis>Far Dareis Mai</emphasis> den Auftrag, seine Ehre zu tragen�, zischte sie, wenn auch in leisem Fl�sterton. �Sollte der m�chtige <emphasis>Car'a'carn</emphasis> in einem Hinterhalt ums Leben kommen, w�hrend ihn die T�chter besch�tzen, haben die <emphasis>Far Dareis Mai</emphasis> all ihre Ehre verloren. Wenn das dem alles erobernden <emphasis>Car'a'carn</emphasis> gleichg�ltig ist, hat Enaila vielleicht doch recht. M�glicherweise ist der allm�chtige <emphasis>Car'a'carn</emphasis> doch nur ein halsstarriger Junge, den man an die Hand nehmen mu�, damit er nicht �ber den Rand einer Klippe hinausrennt, weil er nicht gucken will.�</p><p>Rands Unterkiefer verkrampfte sich. Wenn sie allein waren, knirschte er mit den Z�hnen und lie� es sich gefallen, wenn solche Vortr�ge auch meist weniger deutlich als dieser ausfielen. Er schuldete den T�chtern einiges, aber noch nicht einmal Enaila oder Somara hatten ihn jemals in der �ffentlichkeit derart heruntergeputzt. Melaine war schon beinahe am anderen Ende des Saals. Sie hatte den Rock hochgerafft und lief fast im Laufschritt; offensichtlich konnte sie es nicht erwarten, den Einflu� der Weisen Frauen auf Bael wiederherzustellen. Er konnte nicht sagen, ob Urien zugeh�rt hatte, obwohl ihm der Mann ein wenig zu konzentriert schien, als er seine <emphasis>Aethan Dor</emphasis> zusammen mit den T�chtern auf die Suche nach m�glichen Attent�tern unter die m�chtigen S�ulen schickte. Das h�tten sie ohnehin getan, auch ohne seine Anweisungen. Aviendha hingegen, die Arme unter den Br�sten verschr�nkt, verzog das Gesicht in einer solch eigenartigen Mischung von Mi�billigung und Zustimmung, da� er keinerlei Zweifel hegte, ob sie zugeh�rt habe oder nicht.</p><p>�Gestern ging das sehr gut�, sagte er energisch zu Sulin. �Von jetzt an werden, glaube ich, zwei Leibw�chter mehr als genug sein.� Ihre Augen quollen beinahe heraus, und sie schien so nach Luft schnappen zu m�ssen, da� sie nichts erwidern konnte. Nun, da er ihr etwas entzogen hatte, wurde es Zeit, auch etwas zur�ckzugeben, bevor sie explodierte wie ein Feuerwerksk�rper. �Nat�rlich ist es etwas anderes, wenn ich mich aus dem Palast begebe. Dann ist es in Ordnung, wenn Ihr mir dieselbe Leibgarde mitgebt wie bisher, aber hier oder im Sonnenpalast oder dem Stein von Tear gen�gen zwei.� Er wandte sich ab, w�hrend sie noch vergebens die Lippen bewegte. Aviendha ging neben ihm her, als er um das Podest herumschritt, auf dem die Throne standen, um die kleinen T�ren dahinter zu erreichen. Er wollte dorthin, anstatt in seine eigenen Gem�cher, weil er gehofft hatte, sie dabei loszuwerden. Sogar ohne die Hilfe <emphasis>Saidins</emphasis> konnte er sie riechen. Vielleicht war es auch nur die Erinnerung. Wie auch immer, im Moment w�nschte er sich nichts sehnlicher als eine kr�ftige Erk�ltung, denn ihm gefiel ihr Duft viel zu sehr.</p><p>Sie hatte ihr Tuch fest um sich geschlungen und blickte nachdenklich geradeaus, als sei sie besorgt, und dann merkte sie noch nicht einmal, da� er ihr die T�r zu einer der mit L�wenmustern get�felten Garderoben aufhielt. Das l�ste bei ihr jedesmal einen kleineren Wutanfall aus, oder zumindest die schnippische Frage, welcher ihrer Arme gebrochen sei. Als er sie fragte, was los sei, zuckte sie zusammen. �Nichts. Sulin hatte recht. Aber...� Auf einmal grinste sie z�gernd. �Hast du ihre Miene gesehen? Niemand hat es ihr so gegeben, seit ... seit �berhaupt niemals, glaube ich. Noch nicht einmal Rhuarc.�</p><p>�Ich bin ein wenig �berrascht dar�ber, da� du auf meiner Seite stehst.�</p><p>Sie sah ihn mit gro�en Augen an. Er h�tte den ganzen Tag damit zubringen k�nnen, hineinzublicken, um sich zu entscheiden, ob sie nun blau oder gr�n seien. Nein. Er hatte kein Recht, sich mit ihren Augen zu besch�ftigen. Was geschehen war, nachdem sie dieses Tor ge�ffnet hatte � um vor ihm wegzurennen �, spielte dabei keine Rolle. Und er hatte kein Recht, jetzt daran zu denken.</p><p>�Du machst es mir so schwer, Rand al'Thor�, sagte sie keineswegs hitzig. �Licht, manchmal glaube ich, der Sch�pfer hat dich nur erschaffen, um mich zu qu�len.�</p><p>Er h�tte ihr gern gesagt, das sei ihre eigene Schuld, denn mehr als einmal hatte er ihr angeboten, sie zu den Weisen Frauen zur�ckzuschicken, wenn das auch nur dazu gef�hrt h�tte, da� sie ihm jemand anders zur Seite stellten, aber bevor er den Mund aufbekam, hatten Jalani und Liah sie eingeholt, gefolgt von zwei Roten Schilden. Der eine davon war ein leicht ergrauter Kerl mit dreimal so vielen Narben im Gesicht wie Liah. Rand schickte Jalani und den vernarbten Mann zur�ck in den Thronsaal, was beinahe einen Streit ausgel�st h�tte. Nicht von dem Roten Schild aus, denn der sah nur seinen Kameraden an, zuckte die Achseln und ging, aber Jalani plusterte sich auf.</p><p>Rand deutete unmi�verst�ndlich auf die T�r zum Gro�en Saal: �Der <emphasis>Car'a'carn</emphasis> erwartet, da� die <emphasis>Far Dareis Mai</emphasis> gehen, wohin er sie schickt.�</p><p>�Ihr seid vielleicht bei den Feuchtl�ndern K�nig, Rand al'Thor, aber nicht bei den Aiel.� Trotz ihrer W�rde drang ein klein wenig Schmollen bei Jalani durch, was ihn daran erinnerte, wie jung sie noch war. �Die T�chter werden Euch niemals beim Tanz der Speere den Dienst versagen, aber dies ist nicht der Tanz.� Trotzdem ging sie schlie�lich, nachdem sie sich mit Liah durch flinke Handzeichen verst�ndigt hatte.</p><p>Mit Liah und dem hageren Roten Schild, einem blonden Mann namens Cassin, der eine gute Handbreit gr��er war als er, schritt Rand schnell durch den Palast zu seinen Gem�chern � mit Aviendha im Schlepptau. Doch wenn er geglaubt hatte, mit diesem bauschigen Rock werde sie zur�ckbleiben, dann irrte er sich. Liah und Cassin verblieben im Vorraum vor seinem Wohnzimmer, einem gro�en Raum mit einem Marmorfries unter der Decke, das nur L�wen zeigte, und mit Wandbeh�ngen, die Jagdszenen und ferne verschleierte Berge darstellten, w�hrend Aviendha ihm folgte.</p><p>�Solltest du nicht bei Melaine bleiben?� wollte er wissen. �Angelegenheiten der Weisen Frauen?�</p><p>�Nein�, sagte sie knapp. �Es w�rde Melaine nicht gefallen, wenn ich mich jetzt einmischte.�</p><p>Licht, aber eigentlich sollte <emphasis>er</emphasis> ungehalten sein, da� sie jetzt nicht ging. Er warf das Drachenszepter auf einen Tisch mit vergoldeten, in Form von Ranken geschnitzten Beinen, l�ste den Schwertg�rtel und legte ihn dazu. �Haben Amys und die anderen dir gesagt, wo sich Elayne aufh�lt?�</p><p>Eine Weile stand Aviendha mitten auf dem blau gefliesten Boden und sah ihn mit undurchschaubarer Miene an. �Sie wissen es nicht�, sagte sie schlie�lich. �Ich habe sie gefragt.� Er hatte das erwartet. Sie hatte seit Monaten nichts mehr davon erw�hnt, aber bevor sie zum ersten Mal mit ihm nach Caemlyn gekommen war, war jedes zweite Wort, das aus ihrem Mund erklungen war, etwas dar�ber gewesen, da� er zu Elayne geh�re. Ihrer Ansicht nach war dies der Fall, und sie hatte ihm klargemacht, da� auch das, was jenseits des Tores zwischen ihnen geschehen war, nichts an dieser Tatsache �nderte � und da� es nicht noch einmal passieren werde, das hatte sie ihm auch eindeutig klargemacht. Genau, was er w�nschte; er war schon ein Schuft, weil er dabei Bedauern versp�rte. Sie ignorierte all die sch�nen vergoldeten Sessel und setzte sich mit �bergeschlagenen Beinen auf den Boden, wobei sie mit grazi�sen Bewegungen ihren Rock zurechtzupfte. �Sie haben sich �ber dich unterhalten.�</p><p>�Und warum �berrascht mich das nicht?� fragte er trocken, doch zu seiner �berraschung r�teten sich ihre Wangen daraufhin. Aviendha geh�rte nicht zu den Frauentypen, die schnell rot wurden, und jetzt geschah das schon zum zweiten Mal an diesem Tag!</p><p>�Sie haben ihre Tr�ume ausgetauscht, und einige davon betreffen dich.� Es klang leicht erstickt, bis sie sich schnell r�usperte und ihn dann mit einem festen, entschlossenen Blick fixierte. �Melaine und Bair haben getr�umt, du s��est in einem Boot�, sagte sie, wobei ihr das Wort �Boot� immer noch schwer �ber die Lippen kam, trotz all dieser Monate in den Feuchtl�ndern, �zusammen mit drei Frauen, deren Gesichter sie nicht erkennen konnten, und sie sahen eine Waagschale, die sich einmal hierhin und einmal dorthin neigte. Melaine und Amys tr�umten von einem Mann, der neben dir stand und dir ein Messer an die Kehle hielt, aber du hast ihn nicht gesehen. Bair und Amys haben getr�umt, da� du die Feuchtl�nder mit einem Schwert in zwei Teile gespalten hast.� Einen Moment lang huschte ihr Blick ver�chtlich zu der in der Scheide steckenden Klinge auf dem Drachenszepter. Ver�chtlich, und ein wenig schuldbewu�t. Sie selbst hatte ihm diese Klinge geschenkt, einst Eigentum von K�nig Laman, und damals hatte sie das Schwert sorgf�ltig in eine Decke gewickelt, damit ihr niemand nachsagen konnte, sie habe es ber�hrt, �Sie k�nnen diese Tr�ume nicht deuten, waren aber der Meinung, du solltest davon wissen.�</p><p>Der erste Traum war f�r ihn genauso undurchschaubar wie f�r die Weisen Frauen, aber der zweite erschien ihm offensichtlich. Ein Mann mit einem Dolch, den er nicht sehen konnte, mu�te ein Grauer Mann sein, einer von jenen, die ihre Seele dem Schatten verschrieben hatten, und nicht nur verschrieben, sondern wirklich hingegeben, denn sie entgingen einem Beobachter sogar dann, wenn er sie geradewegs anblickte, und ihre einzige Aufgabe war, Attentate durchzuf�hren. Wieso hatten die Weisen Frauen etwas so Eindeutiges nicht durchschaut? Und das letzte, nun, da bef�rchtete er, die Bedeutung ebenfalls bereits zu kennen. Er zerschnitt bereits ganze L�nder. Tarabon und Arad Doman lagen in Schutt und Asche, die Aufst�nde in Tear und Cairhien konnten sich jederzeit zu etwas Schlimmerem entwickeln als nur hitzigen Wortgefechten, und Illian w�rde auf jeden Fall sein Schwert zu sp�ren bekommen. Und all das, ohne noch den Propheten und die Drachenverschworenen in Altara und Murandy einzurechnen.</p><p>�Bei zweien von denen sehe ich kein Geheimnis, Aviendha.� Aber als er es ihr erkl�rte, sah sie ihn zweifelnd an. Nat�rlich. Wenn die Traumg�ngerinnen unter den Weisen Frauen einen Traum schon nicht auslegen konnten, dann konnte es gewi� auch niemand anders. Er knurrte m�rrisch und lie� sich auf einen Sessel ihr gegen�ber fallen. �Was haben sie noch getr�umt?�</p><p>�Es gibt noch einen, von dem ich dir berichten kann, obwohl er dich nicht weiter ber�hrt.� Was bedeutete, da� es noch einige gab, die sie nicht erz�hlen w�rde. Das warf allerdings die Frage auf, wieso die Weisen Frauen sie mit ihr besprochen hatten, denn sie war schlie�lich keine Traumg�ngerin. �Alle drei hatten diesen Traum, und das macht ihn besonders wichtig. Regen...�, auch dieses Wort kam ihr schwer �ber die Lippen, �der aus einer Schale kommt Um die Schale herum gibt es Fallt�ren und andere Fallen. Sollten die richtigen H�nde die Schale aufnehmen, werden sie einen Schatz vorfinden, der m�glicherweise genauso wichtig ist wie die Schale selbst. In den falschen H�nden bedeutet sie das Verh�ngnis f�r die ganze Welt. Der Schl�ssel f�r das Auffinden der Schale ist �derjenige, der nicht l�nger ist�.�</p><p>�Nicht l�nger was ist?� Das klang tats�chlich wichtiger als der Rest. �Meinst du damit jemanden, der bereits tot ist?�</p><p>Aviendha sch�ttelte den Kopf. �Sie wissen auch nicht mehr, als ich sagte.� Zu seiner �berraschung erhob sie sich mit einer eleganten Bewegung, wobei sie ihre Kleidung unbewu�t in Ordnung brachte, wie das bei Frauen �blich war.</p><p>�Mu�t du...� Er hustete verlegen. <emphasis>Mu�t du denn gehen?</emphasis> hatte er fragen wollen. Licht, er wollte doch, da� sie ging. Jede Minute in ihrer Gegenwart war eine Tortur. Aber andererseits war auch jede Minute ohne sie eine Tortur. Nun, er konnte tun, was gut f�r ihn war, und dabei auch das Beste f�r sie vollbringen. �Willst du zu den Weisen Frauen zur�ckgehen, Aviendha? Deine Studien wiederaufnehmen? Es gibt wirklich keinen Grund, l�nger hier zu verweilen. Du hast mich soviel gelehrt � ich k�nnte fast bei den Aiel aufgewachsen sein.�</p><p>Ihr Schnauben sprach B�nde, aber nat�rlich belie� sie es nicht dabei. �Du wei�t weniger als ein sechsj�hriger Junge. Warum h�rt ein Mann auf seine Zweitmutter noch eher als auf seine eigene Mutter, und eine Frau auf ihren Zweitvater eher als auf den eigenen? Wann kann eine Frau einen Mann heiraten, ohne einen Brautkranz zu flechten? Wann mu� eine Dachherrin einem Schmied gehorchen? Wenn du eine Silberschmiedin zur <emphasis>Gai'schain</emphasis> machst, warum mu�t du sie dann f�r jeden Tag, an dem sie f�r dich arbeitet, auch noch einen Tag f�r sich selbst arbeiten lassen? Warum trifft auf eine Weberin nicht das gleiche zu?� Er suchte nach Antworten, weil er nicht zugeben wollte, da� er keine Ahnung hatte, doch sie machte mit einem Mal an ihrem Tuch herum, als habe sie ihn vergessen. �Manchmal kommt einem die Auswirkung des <emphasis>Ji'e'toh</emphasis> wie blanker Hohn vor. Ich w�rde mich halbtot lachen, wenn ich diesmal nicht selbst das Opfer w�re.� Ihre Stimme wurde noch leiser. Sie fl�sterte: �Ich werde mich meinem <emphasis>Toh</emphasis> stellen.�</p><p>Er glaubte, sie f�hre Selbstgespr�che, antwortete aber dennoch. �Wenn du die Sache mit Lanfear meinst, dann mu�t du auch wissen, da� nicht ich dich gerettet habe. Es war Moiraine. Sie ist gestorben, weil sie uns alle rettete.� Durch Lamans Schwert war sie das einzige andere <emphasis>Toh</emphasis> ihm gegen�ber losgeworden, obwohl er nie verstanden hatte, worum es eigentlich gegangen war. Die einzige Verpflichtung ihm gegen�ber, von der sie wu�te. Er hoffte nur, sie werde niemals von der anderen erfahren, denn <emphasis>sie</emphasis> w�rde es als Verpflichtung ansehen, ganz im Gegensatz zu ihm.</p><p>Aviendha blickte ihn mit leicht schr�g gestelltem Kopf forschend an, und ein leichtes L�cheln umspielte ihre Lippen. Sie hatte in einem Ma�e ihre Beherrschung wiedergewonnen, das Sorilea alle Ehre gemacht h�tte. �Dankesch�n, Rand al'Thor. Bair sagt, es tut gut, wenn man von Zeit zu Zeit daran erinnert wird, da� ein Mann auch nicht alles wei�. La� mich wissen, wenn du zu Bett gehst. Ich m�chte nicht zu sp�t kommen und dich aufwecken.�</p><p>Rand sa� da und starrte die T�r an, nachdem sie gegangen war. Ein Adliger aus Cairhien, der das Spiel der H�user spielte, war f�r gew�hnlich leichter zu durchschauen als eine Frau, die sich gar keine M�he machte, in R�tseln zu sprechen. Er vermutete, das, was er f�r Aviendha empfand, mache die Dinge noch verwickelter.</p><p><emphasis>Was ich liebe, zerst�re ich,</emphasis> lachte Lews Therin. <emphasis>Was ich zerst�re, liebe ich.</emphasis></p><p><emphasis>Halt's Maul!</emphasis> dachte Rand w�tend, und das d�nne Lachen verklang. Er wu�te selbst nicht, wen er liebte, aber er wu�te immerhin, wen er retten w�rde. Vor jeder Gefahr, die er erkannte, und vor allem vor ihm selbst.</p><p>Im Gang lie� sich Aviendha gegen die T�r sacken und mu�te erst ein paarmal tief durchatmen. Das h�tte sie beruhigen sollen. Ihr Herz bem�hte sich immer noch, aus ihrem Brustkasten auszubrechen. Rand al'Thor nahe zu sein, war genauso, als hielte man sie nackt �ber gl�hende Kohlen und strecke sie, bis sie glaubte, ihre Knochen w�rden auseinandergerissen. Er brachte soviel Scham �ber sie, wie sie niemals geglaubt h�tte. Blanker Hohn, hatte sie zu ihm gesagt, und ein Teil ihrer selbst wollte wirklich lachen. Sie hatte <emphasis>Toh</emphasis> ihm gegen�ber, aber noch viel mehr gegen�ber Elayne. Alles, was er getan hatte, war, ihr Leben zu retten. Ohne ihn h�tte Lanfear sie get�tet. Lanfear hatte sie t�ten wollen, und zwar so schmerzhaft wie m�glich. Irgendwie hatte Lanfear Bescheid gewu�t. Doch verglichen mit dem was sie Elayne schuldete, war ihr <emphasis>Toh.</emphasis> Rand gegen�ber wie ein Termitenhaufen gegen�ber dem R�ckgrat der Welt.</p><p>Cassin warf ihr lediglich einen Blick zu. Der Schnitt seiner Jacke sagte ihr, da� er ein Goshien war und nat�rlich ein <emphasis>Aethan Dor;</emphasis> seine Septime erkannte sie nicht. Er kauerte mit den Speeren �ber den Knien in der N�he der T�r. Nat�rlich wu�te er nichts. Aber Liah l�chelte ihr zu, entschieden zu ermutigend f�r eine Frau, die sie gar nicht kannte, entschieden zu wissend f�r irgend jemanden. Aviendha war erschrocken, als sie sich dabei ertappte, da� sie bei sich dachte, die Chareen � Liahs Jacke nach war sie eine � seien oftmals hinterh�ltige Katzen. Sie hatte niemals eine Tochter als etwas anderes betrachtet als eben eine <emphasis>Far Dareis Mai.</emphasis> Rand al'Thor hatte ihr den Verstand verwirrt.</p><p>Trotzdem zuckten ihre Finger �rgerlich in der Zeichensprache der T�chter. <emphasis>Warum l�chelst du, M�dchen? Kannst du deine Zeit nicht besser ausf�llen?</emphasis></p><p>Liah zog leicht die Augenbrauen hoch, und wenn sich etwas �nderte, dann war es ihr L�cheln, das jetzt richtig am�siert wirkte. Ihr Finger bewegten sich zur Antwort. <emphasis>Wen nennst du M�dchen, M�dchen? Du bist noch nicht weise, aber keine Tochter mehr. Ich denke, du wirst deine Seele in einen Kranz winden und ihn einem Mann zu F��en legen.</emphasis></p><p>Aviendha trat w�tend einen Schritt vor � es gab nur wenige schlimmere Beleidigungen unter den <emphasis>Far Dareis Mai �,</emphasis> blieb aber dann doch stehen. Im <emphasis>Cadin'sor</emphasis> w�rde ihr Liah wahrscheinlich unterliegen, aber in ihrem Rock w�re sie die Verliererin. Noch schlimmer, denn Liah w�rde sich vermutlich weigern, sie zur</p><p><emphasis>Gai'schain</emphasis> zu machen. Sie hatte die Wahl, wenn sie von einer Frau angegriffen wurde, die keine Tochter, aber auch noch keine Weise Frau war, und sie konnte das Recht in Anspruch nehmen, Aviendha vor allen Taardad, die man zusammenrufen konnte, �ffentlich zu verpr�geln. Eine geringere Schande als die Weigerung, aber immer noch sehr schlimm. Und was am schlimmsten war: ob sie nun gewann oder verlor, Melaine w�rde eine solche Methode ausw�hlen, um sie nachhaltig an ihre abgelegten Speere zu erinnern, da� sie sich bestimmt w�nschte, statt dessen zehnmal vor allen Clans von Liah Pr�gel beziehen zu d�rfen. In den H�nden einer Weisen Frau war die Scham sch�rfer als ein Abziehmesser. Liah r�hrte keinen Muskel; ihr war all das genauso klar wie Aviendha.</p><p>�Jetzt starrt Ihr Euch an�, bemerkte Cassin gelangweilt. �Eines Tages mu� ich Eure Zeichensprache lernen.�</p><p>Liah sah ihn an, und ihr Lachen klang wie Silbergl�ckchen. �Ihr werdet h�bsch aussehen, wenn Ihr einen Rock tragt, Rotes Schild, an dem Tag, an dem Ihr darum bittet, eine Tochter werden zu d�rfen.�</p><p>Aviendha atmete erleichtert auf, als Liahs Blick sich von ihr abwandte. Unter diesen Umst�nden h�tte sie keine M�glichkeit gehabt, ehrenvoll zuerst den Blick abzuwenden. Wie von selbst bewegten sich ihre Finger zum Zeichen der Zustimmung, die ersten Handzeichen, die man als Tochter erlernte, da eine neue Tochter diesen Satz besonders h�ufig brauchte: <emphasis>Ich habe Toh.</emphasis></p><p>Liah signalisierte ohne Pause zur�ck: <emphasis>Sehr klein,</emphasis></p><p><emphasis>Speerschwester.</emphasis></p><p>Aviendha l�chelte dankbar, weil kein gekr�mmter kleiner Finger die Worte begleitet hatte, denn das h�tte aus diesem Satz Spott gemacht. Das tat man gelegentlich Frauen gegen�ber, die den Speer abgelegt hatten, aber immer noch so taten, als geh�rten sie dazu.</p><p>Ein Feuchtl�nder-Diener rannte ihr im Gang entgegen. Sie beherrschte sich, damit man nicht an ihrer Miene die Verachtung f�r jemand ablesen konnte, der sein Leben damit verbrachte, anderen zu dienen, und schritt in entgegengesetzter Richtung davon, um dem Kerl nicht zu begegnen. Rand al'Thor zu t�ten, w�rde ein <emphasis>Toh</emphasis> beseitigen, und sich selbst zu t�ten, das andere, doch jedes <emphasis>Toh</emphasis> verhinderte genau die gleiche L�sung dem anderen gegen�ber. Was die Weisen Frauen auch sagen mochten � sie mu�te eine Methode finden, um beide zu erf�llen.</p></section><section><title><p>20</p><p>Aus dem Stedding</p></title><p>Rand hatte gerade damit begonnen, Tabak in seine kurze Pfeife zu stopfen, als Liah ihren Kopf zur T�r hereinsteckte. Bevor sie jedoch zu Wort kam, schob sich ein schwer atmender Mann mit rundem Gesicht in rotwei�er Livree an ihr vorbei und fiel auf die Knie. Rand starrte ihn v�llig fassungslos an.</p><p>�Mein Lord Drache�, platzte der Mann atemlos heraus, ja, er quiekte fast dabei, �Ogier sind in den Palast gekommen! <emphasis>Drei</emphasis> von ihnen! Man hat ihnen Wein gegeben und anderes angeboten, aber sie bestehen darauf, den Lord Drache sehen zu wollen.�</p><p>Rand sprach betont freundlich, denn er wollte dem Mann nicht noch mehr Angst einjagen: �Wie lange dient Ihr schon im Palast...?� Der Mantel seiner Livree pa�te dem Mann gut, er war auch nicht mehr jung. �Ich f�rchte, ich kenne Euren Namen nicht.�</p><p>Dem knienden Mann fielen fast die Augen heraus. �Mein Name? Bari, mein Lord Drache. �h, einundzwanzig Jahre, mein Lord Drache. Einundzwanzig werden es kommende Winternacht. Mein Lord Drache �die Ogier?�</p><p>Rand hatte zweimal ein Ogier-Stedding besucht, aber er wu�te nicht genau, welche Etikette er beachten mu�te. Die Ogier hatten die meisten gro�en St�dte erbaut, jedenfalls deren �lteste Teile, und gelegentlich verlie�en sie noch ihre Stedding, um Reparaturarbeiten durchzuf�hren, und doch glaubte er, da� Bari allenfalls bei einem K�nig oder bei Aes Sedai �hnlich aufgeregt gewesen w�re. Vielleicht noch nicht einmal dann, Rand steckte Pfeife und Tabak in seine Tasche zur�ck. �Bringt mich zu ihnen.�</p><p>Bari sprang auf und h�pfte vor Aufregung beinahe auf und ab. Rand nahm an, die richtige Wahl getroffen zu haben. Der Mann zeigte keinerlei �berraschung, da� der Lord Drache sich zu den Ogiern begab, statt sie herbringen zu lassen. Er lie� Schwert und Szepter zur�ck, denn damit konnte er die Ogier gewi� nicht beeindrucken. Liah und Cassin kamen selbstverst�ndlich mit, und Bari merkte er an, da� er am liebsten den ganzen Weg zur�ckgerannt w�re, h�tte er sich nicht seinem Schritt anpassen m�ssen.</p><p>Die Ogier warteten in einem Innenhof mit einem Brunnen, in dessen Becken Wasserlilien schwammen und rote und goldene Fische. Es waren ein wei�haariger Mann mit einem langen, an den H�ften �ber den umgeschlagenen Stulpenstiefeln ausgestellten Mantel, und zwei Frauen, die eine erheblich j�nger als die andere, die R�cke mit Ranken und Bl�ttern bestickt, wobei der Rock der �lteren viel reicher und kunstvoller bestickt war als bei der j�ngeren. Goldene Weinkelche, die f�r menschliche H�nde geschaffen waren, wirkten wir Spielzeug in ihren H�nden. Mehrere B�ume im Hof, deren Bl�tter noch nicht abgefallen waren, und das Palastgeb�ude selbst beschatteten die Szenerie. Die Ogier waren nicht allein, denn als Rand hinzutrat, standen Sulin und gut drei Dutzend T�chter des Speers um sie herum, und dazu noch Urien und f�nfzig oder mehr Aielm�nner. Die Aiel besa�en den Anstand, zu schweigen, als sie Rand bemerkten.</p><p>Der Ogiermann ergriff zuerst das Wort: �Euer Name singt in meinen Ohren, Rand al'Thor�, sagte er mit einer Stimme, die wie Donner grollte. Anschlie�end stellte er sich und die beiden Frauen vor. Er war Haman, Sohn des Dal, Sohn des Morel. Die �ltere Frau war Covril, Tochter der Ella, Tochter der Soong, und die j�ngere Erith, Tochter der Iva, Tochter der Alar.</p><p>Rand erinnerte sich daran, Erith im Stedding Tsofu kennengelernt zu haben, zwei harte Tagesritte von der Stadt Cairhien entfernt. Er konnte sich nicht vorstellen, was sie in Caemlyn wollte.</p><p>Den Ogiern gegen�ber erschienen die Aiel kleinw�chsig, ja, der ganze Innenhof wirkte klein. Haman �berragte Rand noch einmal um die H�lfte, und er war viel breiter gebaut, Covril war nur einen Kopf � einen Ogierkopf � kleiner als er, und sogar Erith �bertraf Rands Gr��e um fast eineinhalb Fu�. Das war jedoch noch der geringste Unterschied zwischen den Ogiern und den Menschen. Hamans Augen waren so gro� und rund wie Teetassen, die breite Nase verdeckte beinahe das ganze Gesicht, und die Ohren standen aus seinem Haar heraus und waren mit wei�en Haarb�scheln gekr�nt. Die Enden seines langen, wei�en Schnurrbarts hingen herunter, und unter dem Kinn wuchs ebenfalls ein schmaler Bart. Die Augenbrauen hingen ihm bis auf die Wangen herunter. Rand konnte den Unterschied zwischen den Gesichtern der beiden Frauen nicht genau benennen �nat�rlich hatten sie keine Barte und ihre Augenbrauen waren nicht ganz so lang und kr�ftig �, doch irgendwie erschienen ihm ihre Gesichtsz�ge feiner. Covrils Miene war im Augenblick wohl sehr streng �auch sie kam ihm irgendwie bekannt vor �, w�hrend Erith besorgt zu sein schien. Ihre Ohren hingen schlapp herunter.</p><p>�Bitte entschuldigt mich einen Augenblick�, sagte Rand zu ihnen.</p><p>Sulin lie� ihn kein weiteres Wort mehr sagen. �Wir sind gekommen, um mit den Baumbr�dern zu sprechen, Rand al'Thor�, sagte sie energisch. �Ihr m��t wissen, da� die Aiel schon lange Wasserfreunde der Baumbr�der gewesen sind. Wir besuchen sie oft in ihren Stedding, um mit ihnen Handel zu treiben.�</p><p>�Das ist durchaus richtig�, murmelte Haman. F�r einen Ogier war es jedenfalls ein Murmeln. Wie eine Lawine, die gerade au�er Sichtweite niedergeht.</p><p>�Ich bin sicher, da� die anderen gekommen sind, um mit ihnen zu sprechen�, sagte Rand zu Sulin. Er erkannte auf einen Blick die Mitglieder, die sie heute morgen als Leibgarde f�r ihn eingeteilt hatte � jede einzelne. Jalani beispielsweise lief dunkelrot an. Andererseits waren sich bis auf Urien selbst nicht mehr als drei oder vier der am Morgen angetretenen Roten Schilde anwesend. �Ich m�chte gar nicht erst daran denken m�ssen, Enaila und Somara zu bitten, <emphasis>Euch</emphasis> in ihre Obhut zu nehmen.� Sulins braungebranntes Gesicht lief vor Emp�rung dunkel an, was die Narbe, die sie in seinen Diensten erhalten hatte, noch st�rker hervortreten lie�. �Ich will allein mit ihnen sprechen. Allein�, betonte er noch einmal, wobei er Liah und Cassin anblickte. �Au�er, Ihr w�rt der Meinung, Ihr m��tet mich vor <emphasis>ihnen</emphasis> besch�tzen?� Wenn �berhaupt, war sie jetzt noch mehr beleidigt; sie rief die T�chter mit blitzschnellen Handzeichen zusammen. Wie sie das machte, h�tte man bei jedem anderen als ausgerechnet einem Aiel als �eingeschnappt� bezeichnet. Ein paar der Aielm�nner schmunzelten, als sie sich zum Gehen wandten. Rand glaubte, er habe vielleicht einen unfreiwilligen Scherz gemacht.</p><p>Als sie gingen, strich sich Haman �ber den langen Schnurrbart. �Die Menschen haben uns nicht immer geglaubt, da� wir sie nicht bedrohen, m��t Ihr wissen. Hmmm. Hmmm.� Diese Laute klangen wie das Summen einer riesigen Hummel. �Es steht in den alten Chroniken. Sehr alt. Es sind wirklich nur Fragmente, aber sie werden auf eine Zeit datiert, die...�</p><p>��ltester Haman�, mahnte Covril h�flich, �wenn wir uns nun dem Zweck unseres Kommens zuwenden k�nnten...?� Diese Hummel summte ein klein wenig h�her.</p><p>Der �lteste Haman. Wo hatte Rand diese Bezeichnung schon einmal vernommen? Jedes Stedding hatte schlie�lich einen Rat der �ltesten.</p><p>Haman seufzte tief. �Also gut, Covril, aber du legst ungeb�hrende Eile an den Tag. Du hast uns kaum Zeit gelassen, uns zu waschen, bevor wir hierherkamen. Ich schw�re, du hast angefangen, herumzuspringen wie ein...� <emphasis>Der</emphasis> Blick aus diesen gro�en Telleraugen huschte zu Rand hin�ber, und dann hustete er und hielt sich dabei eine Hand von der Gr��e einer Speckseite vor den Mund. Die Ogier hielten ansonsten die Menschen f�r ausgesprochen �bereilt in ihren Handlungen. Ihrer Meinung nach versuchten Menschen grunds�tzlich, jetzt zu tun, was bis morgen Zeit gehabt h�tte. Oder bis zum n�chsten Jahr. Die Ogier waren �u�erst weitsichtig. Au�erdem galt es bei ihnen als beleidigend, wenn man die Menschen darauf ansprach, wie sie herumh�pften. �Es war eine ausgesprochen anstrengende Reise�, fuhr Haman mit seiner Erkl�rung f�r Rand fort, �nicht zuletzt, als wir entdeckten, da� die Shaido Aiel Al'cair'rahienallen belagerten � wirklich etwas Au�ergew�hnliches � und da� Ihr euch tats�chlich dort aufgehalten hattet, aber dann seid Ihr abgereist, bevor wir mit Euch sprechen konnten, und... Ich kann mir nicht helfen, aber ich habe das Gef�hl, wir haben voreilig gehandelt. Nein. Nein, sprich nur, Covril. Deinetwegen habe ich meine Studien liegenlassen und meine Lehrt�tigkeit, nur um quer durch die Welt zu laufen. Meine Schulklassen werden sich mittlerweile im Aufruhr befinden.� Rand h�tte beinahe gegrinst. So, wie sich die Ogier auff�hrten, w�rden Hamans Sch�ler ein halbes Jahr brauchen, um zu begreifen, da� er wirklich weg war, und ein weiteres Jahr, um zu besprechen, wie sie sich daraufhin verhalten sollten.</p><p>�Eine Mutter hat das Recht, sich Sorgen zu machen�, sagte Covril, und ihre behaarten Ohren bebten. Sie schien hin- und hergerissen zwischen dem Respekt, der einem �ltesten geb�hrte, und einer v�llig aus dem Rahmen des �blichen Ogierverhaltens fallenden Ungeduld. Als sie sich Rand zuwandte, richtete sie sich hoch auf, die Ohren steif aufgerichtet und das Kinn energisch vorgestreckt. �Was habt Ihr mit meinem Sohn gemacht?�</p><p>Rand blieb der Mund offen stehen. �Eurem Sohn?� �Loial!� Sie starrte ihn an, als sei er verr�ckt geworden. Erith blickte ihn �ngstlich an und hatte die H�nde auf der Brust verkrampft. �Ihr habt der �ltesten der �ltesten des Steddings Tsofu erkl�rt. Ihr w�rdet auf ihn aufpassen�, z�rnte Covril weiter. �Sie haben es mir gesagt. Ihr habt Euch damals nicht als Drache bezeichnet, aber Ihr wart es. Stimmt es nicht, Erith? Hat Alar nicht gesagt, es sei Rand al'Thor gewesen?� Sie lie� der j�ngeren Frau kaum die Zeit f�r ein kurzes Nicken. Als sie immer schneller zu sprechen begann, verzog Haman schmerzhaft das Gesicht. �Mein Loial ist zu jung, um sich Au�erhalb aufzuhalten, zu jung, um kreuz und quer durch die Welt zu rennen und Sachen zu machen, die Ihr ihm zweifellos auftragt. Die �lteste Alar hat mir von Euch erz�hlt. Was hat mein Loial mit den Kurzen Wegen zu tun und mit Trollocs und dem Horn von Valere? Ihr werdet ihn mir sofort �bergeben, bittesch�n, damit ich ihn mit Erith verheiraten kann, wie es sich geh�rt. Sie wird ihm schon das Herumrennen austreiben.�</p><p>�Er sieht sehr gut aus�, murmelte Erith sch�chtern. Ihre Ohren zitterten derartig verlegen, da� die Haarb�schel verschwommen wirkten. �Und ich glaube, er ist auch sehr tapfer.�</p><p>Rand ben�tigte ein paar Augenblicke, um sein seelisches Gleichgewicht zur�ckzugewinnen. Wenn ein Ogier energisch wurde, war es ungef�hr dasselbe wie ein Bergrutsch. Eine energische Ogierfrau, die auch noch schnell sprach...</p><p>Nach Ogierauffassung war Loial tats�chlich zu jung, um das Stedding allein zu verlassen � nur wenig �lter als neunzig. Die Ogier hatten nun einmal ein sehr langes Leben. Vom ersten Tag an, als Rand ihn kennengelernt hatte � und der Ogier hatte unbedingt die ganze Welt sehen wollen �, hatte sich Loial Sorgen gemacht, was gesch�he, wenn den �ltesten klar w�rde, da� er fortgelaufen war. Und seine gr��te Sorge war, seine Mutter k�nne mit einer Braut im Schlepptau hinter ihm herkommen. Er sagte, in solchen Dingen h�tten bei den Ogiern die M�nner nichts zu sagen und die Frauen nicht viel; es sei alles Sache der beiden M�tter. Es sei durchaus m�glich, da� man pl�tzlich einer Frau versprochen war, die der betreffende Mann �berhaupt noch nicht gesehen hatte und erst an dem Tag kennenlernte, an dem die eigene Mutter ihn der k�nftigen Ehefrau und vor allem der Schwiegermutter vorstellte.</p><p>Loial schien zu glauben, die Ehe werde allem ein Ende bereiten, was er sich ersehnte, vor allem seinen Wunsch, die Welt zu sehen. Ob das nun stimmte oder nicht: Rand konnte einen Freund nicht dem ausliefern, was er am meisten f�rchtete. Er war drauf und dran, ihnen zu sagen, er wisse nicht, wo sich Loial aufhielt, und ihnen vorzuschlagen, zum Stedding zur�ckzukehren, bis er wieder auftauchte, genauer gesagt, er hatte schon den Mund zum Sprechen ge�ffnet, als ihm eine Frage einfiel. Er sch�mte sich fast, sich an so etwas Wichtiges � jedenfalls f�r Loial � nicht erinnert zu haben. �Wie lange ist er schon nicht mehr im Stedding gewesen?�</p><p>�Zu lange�, grollte Haman, als rollten gro�e Felsbl�cke einen Abhang herab. �Der Junge wollte sich nie seinen Aufgaben widmen. Sprach immer davon, nach Au�erhalb gehen zu wollen, als habe sich irgend etwas ge�ndert an dem, was in den B�chern steht, die er eigentlich studieren sollte. Hmmm. Hmmm. Welche wesentliche Rolle spielt es schon, ob die Menschen die Linien auf einer Landkarte ver�ndern? Das Land ist immer noch...�</p><p>�Er war schon viel zu lange Au�erhalb�, warf Loials Mutter ein, und zwar so energisch, wie man einen Pfosten ins trockene Erdreich treibt. Haman runzelte die Stirn �ber ihren Einwurf, doch sie brachte es fertig, ihm geradewegs in die Augen zu schauen, obwohl ihre Ohren verlegen vibrierten.</p><p>�Mehr als f�nf Jahre sind es nun�, sagte Erith. Einen Augenblick lang welkten ihre Ohren, doch dann stellten sie sich wieder stolz auf. Sie imitierte Covrils Stimme ganz ausgezeichnet, als sie sagte: �Ich will ihn zum Ehemann haben. Das war mir klar, als ich ihn kennenlernte. Ich werde ihn nicht sterben lassen. Nicht, weil er sich wie ein Narr benimmt.�</p><p>Rand und Loial hatten sich �ber viele Dinge unterhalten, und eins davon war das �Sehnen� gewesen, aber dar�ber hatte Loial nicht gern gesprochen. Als die Zerst�rung der Welt die Menschen in alle Himmelsrichtungen zerstreute und sie �berall Zuflucht suchten, wo sie nur ein wenig Geborgenheit fanden, waren auch die Ogier aus ihren Stedding gefl�chtet. Viele Jahre durchwanderten Menschen eine Welt, die t�glichen Ver�nderungen unterworfen war, auf der Suche nach Sicherheit, und die Ogier wanderten umher und suchten nach den Stedding, die sie in den sich st�ndig ver�ndernden L�ndern verloren hatten. In dieser Zeit �berkam sie das Sehnen. Ein Ogier, der sich von dem Stedding entfernte, wollte dorthin zur�ckkehren. Ein Ogier, der sich l�ngere Zeit au�erhalb seines Steddings aufhielt, <emphasis>mu�te</emphasis> zur�ckkehren. Ein Ogier, der zu lange Zeit au�erhalb eines Steddings verbrachte, starb.</p><p>�Er berichtete mir von einem Ogier, der l�nger drau�en blieb�, sagte Rand ruhig. �Zehn Jahre lang, sagte er, wenn ich mich richtig erinnere.�</p><p>Haman sch�ttelte bereits das m�chtige Haupt, bevor Rand ausgesprochen hatte. �Das ist hier nicht anwendbar. Ich wei� das nat�rlich; f�nf sind bereits so lange Au�erhalb geblieben, haben �berlebt und sind in ihre Stedding zur�ckgekehrt. W�ren es mehr gewesen, h�tte ich wahrscheinlich davon erfahren. �ber solche Verr�cktheiten w�rde man sprechen und schriftlich berichten. Drei von denen sind innerhalb eines Jahres nach ihrer R�ckkehr gestorben, der vierte war f�r den Rest seines Lebens behindert, und der f�nften ging es nicht viel besser, denn sie ben�tigte von da an einen Stock zum Gehen. Immerhin fuhr sie fort, B�cher zu schreiben. Hmmm, Hmmm. Dalar konnte einige interessante Dinge berichten, was die...� Als Covril wieder den Mund �ffnete, ri� er den Kopf herum und fixierte sie mit einem strengen Blick, wobei er seine langen Augenbrauen hochzog. Sie fing an, hektisch ihren Rock glattzustreichen. Doch sie erwiderte immerhin den Blick. �F�nf Jahre sind eine kurze Zeit, das wei� ich schon�, sagte Haman zu Rand, w�hrend er Covril scharf aus dem Augenwinkel beobachtete, �aber wir sind an das Stedding gebunden. Wir h�rten nichts in der Stadt, was darauf hingedeutet h�tte, da� sich Loial hier aufh�lt. Ich glaube, bei dem Aufsehen, das wir hervorgerufen haben, h�tte man uns bestimmt davon erz�hlt. Wenn Ihr uns jedoch sagt, wo er sich befindet, hat Ihr ihm einen gro�en Gefallen.�</p><p>�Im Gebiet der Zwei Fl�sse�, antwortete Rand. Wenn man einem Freund das Leben rettete, war das gewi� kein Verrat. �Als ich ihn das letzte Mal sah, ist er in guter Gesellschaft dorthin aufgebrochen � mit Freunden. Es ist eine ruhige Gegend, die Zwei Fl�sse. Friedlich.� Jetzt war es tats�chlich wieder so, dank Perrin. �Vor wenigen Monaten ging es ihm wirklich gut.� Das hatte Bode berichtet, als ihm die M�dchen erz�hlten, was sich zu Hause alles ereignet hatte.</p><p>�Die Zwei Fl�sse�, brummte Haman. �Hmmm. Hmmm. Ja, ich wei�, wo das ist. Noch ein langer Marsch.� Die Ogier ritten nur selten, denn es gab wenige Pferde, die sie tragen konnten, und au�erdem zogen sie ihre eigenen Beine ohnehin vor.</p><p>�Wir m�ssen sofort aufbrechen�, sagte Erith in einem festen, wenn auch h�heren Grollen. H�her, wenn man es mit Haman verglich. Covril und Haman sahen sie �berrascht an, und ihre Ohren Welkten vollkommen dahin. Sie war schlie�lich eine noch sehr junge Frau, die einen �ltesten und eine andere Frau begleitete, von der Rand vermutete, da� sie ebenfalls eine recht bedeutsame Pers�nlichkeit sei, so, wie sie sich Haman gegen�ber benahm. Erith war h�chstwahrscheinlich noch keinen Tag �lter als achtzig.</p><p>Rand l�chelte bei dem Gedanken � ein ganz junges M�dchen, vielleicht nur siebzig! � und sagte: �Bitte, nehmt meine Einladung in den Palast an und genie�t unsere Gastfreundlichkeit. Ein paar Tage Rast k�nnte Eure Weiterreise sogar beschleunigen. Und m�glicherweise k�nntet Ihr mir behilflich sein, �ltester Haman.� Nat�rlich � Loial hatte immer von seinem Lehrer erz�hlt, dem �ltesten Haman. Loials Worten nach wu�te der �lteste Haman einfach alles. �Ich mu� unbedingt die Wegetore auffinden. Alle.�</p><p>Alle drei Ogier sprudelten auf einmal los.</p><p>�Wegetore?� fragte Haman, wobei Ohren und Augenbrauen gleichzeitig hochsch�ssen. �Die Kurzen Wege sind sehr gef�hrlich. Viel zu gef�hrlich.�</p><p>�Ein paar Tage?� protestierte Erith. �Mein Loial k�nnte derweil sterben!�</p><p>�Ein paar Tage?� fragte auch Covril im gleichen Moment. �Mein Loial k�nnte derw...� Sie brach ab und blickte mit zusammengepre�ten Lippen und bebenden Ohren die j�ngere Frau an.</p><p>Haman sah beide finster an und strich sich gereizt �ber den Spitzbart. �Ich wei� nicht, warum ich mich zu so etwas habe �berreden lassen. Ich sollte meinen Unterricht halten und vor dem Stumpf sprechen.</p><p>Wenn du nicht eine so angesehene Sprecherin w�rst, Covril...�</p><p>�Du meinst, wenn du nicht mit meiner Schwester verheiratet w�rst�, gab sie tapfer zur�ck. �Voniel hat dir gesagt, du solltest deine Pflicht tun, Haman.� Hamans Augenbrauen senkten sich, bis die langen Enden auf seinen Wangen hingen, w�hrend ihre Ohren lange nicht mehr so steif hochstanden. �Ich wollte sagen, sie hat dich darum <emphasis>gebeten�,</emphasis> fuhr sie fort. Sie sprach nicht gerade �berhastet, verlor auch keineswegs die W�rde dabei, aber sie z�gerte auch nicht einen Moment. �Beim Baum und bei der Ruhe, ich wollte dich nicht kr�nken, �ltester Haman.�</p><p>�Schattenwesen ben�tzen die Kurzen Wege�, sagte Rand schnell, bevor Haman etwas herausbrachte. �Ich habe Wachen bei den wenigen aufgestellt, die ich erreichen konnte.� Einschlie�lich des Tores in der N�he des Steddings Tsofu, doch offensichtlich nach ihrer Abreise. Diese drei konnten wohl kaum seit seinem letzten erfolglosen Besuch den ganzen Weg vom Stedding Tsofu zu Fu� zur�ckgelegt haben. �Nur eine Handvoll. Alle m��ten aber bewacht werden, sonst k�nnten Myrddraal und Trollocs mehr oder weniger aus dem Nichts auftauchen, jedenfalls was die betrifft, die in ihre H�nde oder Tatzen fallen. Aber ich wei� noch nicht einmal, wo sie sich alle befinden.�</p><p>Dann w�rden nat�rlich immer noch die Wege selbst bleiben. Manchmal fragte er sich, warum nicht einer der Verlorenen durch ein Wegetor ein paar tausend Trollocs in den Palast schickte. Zehn- oder Zwanzigtausend. Er h�tte ziemliche Schwierigkeiten, diese aufzuhalten, falls es �berhaupt m�glich war. Im besten Fall w�re es Gemetzel. Nun, er konnte nichts wegen eines Wegetors unternehmen, wenn er nicht dort war. Was die Tore selbst anbelangte, konnte er allerdings etwas unternehmen.</p><p>Haman tauschte einen Blick mit Covril. Sie traten zur Seite und fl�sterten miteinander. Es war erstaunlicherweise tats�chlich so leise, da� er lediglich ein Ger�usch, ein Summen h�rte, wie von einem gro�en Bienenschwarm auf dem Dach. Er hatte zweifellos recht damit gehabt, da� sie eine bedeutende Frau unter den Ogiern sei. Eine Sprecherin, das hatte er deutlich verstanden. Er �berlegte, ob er zu <emphasis>Saidin</emphasis> greifen solle, um sie zu belauschen, verwarf aber diesen Einfall angewidert. Er war noch nicht so tief gesunken, da� er andere belauschte. Erith teilte ihre Aufmerksamkeit unter den beiden Ogiern und Rand auf, wobei sie st�ndig unbewu�t ihren Rock glattstrich.</p><p>Rand hoffte, sie w�rden ihn nicht fragen, warum er seine Bitte nicht vor dem �ltestenrat im Stedding Tsofu vorgebracht habe. Alar, die �lteste der �ltesten dort, war unerbittlich geblieben: der Stumpf w�rde zusammentreten, und nichts derart Seltsames � so abwegig, da� noch niemand daran gedacht hatte � wie sein Ansinnen, die Kontrolle �ber die Wegetore einem Menschen zu �bergeben, w�rde beschlossen, bevor der Stumpf zusammentrat. Wer er war, schien f�r sie genausowenig eine Rolle zu spielen wie f�r die drei hier.</p><p>Schlie�lich kam Haman zur�ck, und zwar mit gerunzelter Stirn, und die H�nde hatte er in die Revers seines Mantels verkrampft. Auch Covril blickte finster drein, �Das alles ist sehr, sehr �berhastet�, sagte Haman in bed�chtigem Tonfall. Es klang wie am Hang abrutschender Kies. �Ich w�nschte, ich k�nnte es vorher mit... Nun, es geht nicht. Schatten wesen, sagtet Ihr? Hmmm. Hmmm. Also gut, wenn es eilt, mu� es eben schnell gehen. Ihr sollt uns niemals nachsagen, da� Ogier nicht schnell handeln k�nnten, wenn es die Not gebietet, und vielleicht ist das jetzt der Fall. Ihr m��t verstehen, da� der �ltestenrat jedes Steddings Eure Bitte ablehnen k�nnte, genau wie der Stumpf.�</p><p>�Landkarten!� schrie Rand so laut, da� alle drei Ogier zusammenzuckten. �Ich brauche Landkarten!� Er wirbelte herum und suchte nach einem der Diener, die doch immer in der N�he zu sein schienen, nach einem <emphasis>Gai'schain,</emphasis> gleich nach wem. Sulin steckte den Kopf zu einer T�r herein. Es war klar, da� sie sich in der N�he aufhielt, trotz allem, was er ihr an den Kopf geworfen hatte. �Landkarten!� fauchte er sie an. �Ich brauche jede Karte im Palast. Und eine Feder und Tinte. Sofort. Schnell!� Sie sah ihn fast geringsch�tzig an, denn die Aiel gebrauchten keine Landkarten und behaupteten sogar, sie ben�tigten keine, und wandte sich ab. �Rennt, <emphasis>Far Dareis Mai!�</emphasis> fauchte er. Sie blickte sich zu ihm um � und rannte los. Er h�tte gern gesehen, wie sein Gesicht wohl in diesem Moment aussah, damit er sp�ter diesen Ausdruck im Notfall wieder benutzen konnte.</p><p>Haman wirkte, als h�tte er am liebsten die H�nde gerungen, w�re das nur mit seiner W�rde zu vereinbaren gewesen. �Es gibt wirklich nicht viel zu sagen, was Ihr noch nicht w��tet. Jedes Stedding hat ein kurzes St�ck Wegs Au�erhalb.� Die ersten Wegetore konnten nicht innerhalb angelegt werden, denn die F�higkeit, die Macht zu gebrauchen, versagte in dem Stedding. Auch wenn man den Ogiern einen Talisman des Wachsens �bergab, damit sie selbst die Wege zu einem neuen Wegetor hinwachsen lassen konnten, war immer noch die Macht daran beteiligt, wenn nicht sogar ihr direkter Gebrauch. �Und in allen St�dten, in denen sich Ogierhaine befinden. Obwohl es mir scheint, da� die Stadt hier �ber den Hain hinweggewachsen ist. Und in Al'cair'rahienallen...� Er lie� kopfsch�ttelnd die Worte verklingen.</p><p>An diesem Namen konnte man das gesamte Problem aufh�ngen. Vor ungef�hr dreitausend Jahren hatte es eine von den Ogiern erbaute Stadt namens Al'cair'rahienallen gegeben. Heute hie� sie Cairhien, und der Hain, den die Baumeister der Ogier angelegt hatten, damit er sie an ihr Stedding erinnern sollte, war Teil eines Anwesens, das dem gleichen Barthanes geh�rt hatte, in dessen Schlo� nun Rands Schule eingerichtet war. Nur noch Ogier und vielleicht ein paar Aes Sedai erinnerten sich an Al'cair'rahienallen. Nicht einmal die Einwohner Cairhiens.</p><p>Was Haman auch glauben mochte: Innerhalb von dreitausend Jahren ver�nderte sich eine ganze Menge. Gro�e, von Ogiern erbaute St�dte existierten nicht mehr, und von einigen kannte man nicht einmal mehr die Namen. Gro�e St�dte waren emporgewachsen, mit deren Bau die Ogier nichts zu tun gehabt hatten. Amador war eine davon, erst nach den Trolloc-Kriegen erbaut, wie ihm Moiraine berichtet hatte, und Chachin in Kandor, Schol Arbela in Arafel, Fal Moran in Schienar. In Arad Doman hatte man Bandar Eban auf den Ruinen einer Stadt errichtet, die im Hundertj�hrigen Krieg erbaut worden war, einer Stadt, die Moiraine unter drei verschiedenen, jeweils ungewissen Namen kannte, und diese wiederum war auf den Ruinen einer namenlosen Stadt erbaut, die in den Trolloc-Kriegen untergegangen war. Rand kannte ein Wegetor in Schienar, mitten auf dem Lande in der N�he einer mittelgro�en Stadt, deren Name den Teil des Namens der riesigen Stadt trug, die von den Trollocs geschleift worden war, und ein weiteres in der F�ule, im schattengemordeten Malkier. An anderen Orten hatte sich lediglich viel ver�ndert, oder war gewachsen, wie Haman selbst gesagt hatte. Das Wegetor in Caemlyn befand sich mittlerweile in einem Keller. Einem sehr gut bewachten Keller. Rand wu�te, da� es in Tear ein Wegetor gab, drau�en in dem weiten Weideland, auf dem die Hochlords ihre ber�hmten Pferde z�chteten. Es sollte eines irgendwo in den Verschleierten Bergen geben, wo sich einst Manetheren befunden hatte. Wo das auch sein mochte. Was die Stedding betraf, wu�te er gerade, wo er Stedding Tsofu finden konnte. Moiraine hatte die Stedding und die Ogier nicht f�r einen wichtigen Teil seiner Ausbildung gehalten.</p><p>�Ihr wi�t nicht, wo sich die Stedding befinden?� fragte Haman ungl�ubig, als Rand ausgesprochen hatte. �Ist das typischer Aielhumor? Ich habe den Humor der Aiel noch nie verstanden.�</p><p>�F�r die Ogier�, sagte Rand mit sanfter Stimme, �ist es lange her, seit die Wege angelegt wurden. F�r die Menschen ist es <emphasis>sehr, sehr</emphasis> lange her.�</p><p>�Aber erinnert Ihr euch nicht einmal an Mafal Dadaranell oder Ancohima oder Londaren Cor oder...?�</p><p>Covril legte Haman eine Hand auf die Schulter, doch das Mitleid in ihrem Blick galt Rand. �Er erinnert sich nicht�, sagte sie leise. �Ihre Erinnerungen sind verbla�t.� Es klang, als sei das der gr��te vorstellbare Verlust. Erith, die ihre H�nde vor den Mund gepre�t hatte, schien in Tr�nen ausbrechen zu wollen.</p><p>Sulin kehrte zur�ck. Sie schien absichtlich langsam zu gehen. Im Schlepptau hatte sie eine gr��ere Anzahl von <emphasis>Gai'schain,</emphasis> die sich die Arme mit zusammengerollten Landkarten aller Gr��en beladen hatten. Ein paar waren so lang, da� sie auf den Pflastersteinen des Hofs hinterhergeschleift werden mu�ten. Ein Mann in wei�er Robe trug einen mit Elfenbein eingelegten Schreibkasten. �Ich habe <emphasis>Gai'schain</emphasis> auf die Suche nach weiteren geschickt�, sagte sie mit gepre�ter Stimme, �und ein paar Feuchtl�nder auch.�</p><p>�Dankesch�n�, erwiderte er. Ein wenig von der Anspannung wich aus ihren Z�gen.</p><p>Er kauerte sich nieder und begann gleich auf dem Pflaster die Karten auszubreiten und zu sortieren. Ein Teil zeigte lediglich Pl�ne der Stadt selbst, und viele stellten Landesteile Andors dar. Er entdeckte bald eine, die den gesamten Gro�raum der Grenzlande zeigte. Das Licht mochte wissen, was diese Karte in Caemlyn zu suchen hatte. Ein paar waren alt und zerfleddert, und die Grenzen darauf hatten l�ngst ihre Bedeutung verloren. Er entdeckte L�nder, die schon vor Hunderten von Jahren verschwunden waren.</p><p>Grenzen und L�ndernamen reichten aus, um die Karten nach ihrem Alter zu sortieren. Auf der �ltesten lag im Norden Cairhiens das Land Hardan, dann war Hardan verschwunden und Cairhien hatte sich �ber die halbe Entfernung nach Schienar ausgebreitet, bevor die Grenzen wieder zur�ckkrochen, nachdem klargeworden war, da� der Sonnenthron nicht soviel Land beherrschen konnte. Maredo befand sich zwischen Tear und Illian; dann war Maredo weg, und die Grenzen Tears und Illians trafen sich auf den Ebenen von Maredo, und dann zogen sie sich aus den gleichen Gr�nden wie bei Cairhien zur�ck. Caralain verschwand, dann Almoth, Mosara und Irenvelle und andere mehr, manchmal aufgesogen durch andere Reiche, aber das meiste Land verwilderte, und niemand besa� es mehr. Diese Karten erz�hlten die Geschichte eines langsamen R�ckzugs seit dem Zerfall von Falkenfl�gels Reich, des R�ckzugs der Menschheit. Eine zweite Karte der Grenzlande zeigte nur noch Saldaea und einen Teil Arafels, aber die Grenze der F�ule hatte sich um f�nfzig Meilen weiterverschoben. Die Menschheit zog sich zur�ck, und der Schatten drang vor.</p><p>Ein glatzk�pfiger, knochiger Mann in einer schlecht sitzenden Livree eilte mit einer weiteren Armladung auf den Hof, und Rand setzte das Ausw�hlen und Aussortieren fort.</p><p>Haman untersuchte mit ernster Miene den Schreibkasten, den ihm der <emphasis>Gai'schain</emphasis> hinhielt, dann holte er einen fast genauso gro�en, wenn auch einfach gearbeiteten aus einer ger�umigen Manteltasche heraus. Die Feder, die er ihm entnahm, bestand aus poliertem Holz, war etwas dicker als Rands Daumen und dabei lang genug, um schmal zu wirken. Sie pa�te perfekt in die wurstdicken Finger des Ogiers. Er lie� sich auf H�nde und Knie nieder, um zwischen den Karten umherzukriechen, w�hrend Rand noch sortierte, stippte gelegentlich seine Feder in das Tintenfa� des <emphasis>Gai'schain</emphasis> und machte Notizen in einer Handschrift, die zu gro� erschien, bis man merkte, da� sie f�r ihn �u�erst klein war. Covril folgte ihm und sp�hte �ber seine Schulter hinweg, obwohl er sie zweimal gereizt fragte, ob sie wirklich glaube, er w�rde Schreibfehler machen.</p><p>F�r Rand war das eine Lehrstunde. Es begann mit sieben Stedding, die �ber die Grenzlande hinweg verstreut waren. Zum Gl�ck f�rchteten sich die Trollocs davor, ein Stedding zu betreten, und selbst die Myrddraal mu�ten schon etwas ganz Gro�es im Sinn haben, um sie in eines hineinzutreiben. Im R�ckgrat der Welt, der Drachenmauer, befanden sich dreizehn, einschlie�lich eines im Gebiet von Bruderm�rders Dolch, vom Stedding Schangtai im S�den bis zu Stedding Qichen und Stedding Sanschen im Norden, die nur wenige Meilen voneinander entfernt lagen.</p><p>�Das Land hat sich bei der Zerst�rung der Welt sehr ver�ndert�, gab Haman zu, als Rand ihn darauf ansprach. Er fuhr mit knappen Bewegungen fort, Markierungen anzubringen; zumindest f�r einen Ogier waren es knappe Bewegungen. �Festland wurde zum Meer und aus Meer wurde Festland, aber auch das eigentliche Festland wurde neu gefaltet. Manchmal befanden sich vorher weit entfernte Orte pl�tzlich nahe beieinander, und nahe waren sich mit einem Mal fern. Obwohl nat�rlich niemand mehr wei�, ob sich Qichen und Sanschen jemals weit voneinander befunden haben.�</p><p>�Du hast Cantoine vergessen�, verk�ndete Covril, was einen weiteren livrierten Diener dazu brachte, seine Armladung Karten vor Schreck fallen zu lassen.</p><p>Haman warf ihr einen Blick zu und trug dann den Namen gleich �ber dem Iralell ein, nicht weit n�rdlich der Haddon-S�mpfe. In dem Landstrich im Westen der Drachenmauer befanden sich von der S�dgrenze Schienars bis zum Meer der St�rme nur vier, und alle neu gegr�ndet wie es die Ogier sahen. Das bedeutete, Tsofu, das j�ngste der vier, war seit etwa sechshundert Jahren besiedelt und die anderen noch nicht �lter als tausend Jahre. An vielen Orten stellte die Existenz der Stedding � wie schon bei denen in den Grenzlanden � f�r Rand eine gro�e �berraschung dar, wie diejenigen in den Verschleierten Bergen �sechs insgesamt � und einige an der Schattenk�ste. Auch die Schwarzen H�gel geh�rten dazu, die W�lder n�rdlich des Ivo-Flusses und die Bergkette am Dhagon-Flu� ein kurzes St�ck n�rdlich von Arad Doman.</p><p>Trauriger war die Liste der aufgegebenen Stedding, weil die Anzahl der dort lebenden Ogier zu sehr geschrumpft war. Auch auf dieser Liste waren das R�ckgrat der Welt und die Verschleierten Berge und die Schattenk�ste verzeichnet genau wie ein Stedding mitten auf der Ebene von Almoth in der N�he des gro�en Graswalds, und eines in der niedrigen H�gelkette im Norden der Toman-Halbinsel, direkt �ber dem Aryth-Meer. Am traurigsten war vielleicht die Kunde von der Aufgabe eines Steddings in Arafel am Rande der F�ule; die Myrddraal scheuten wohl davor zur�ck, ein Stedding zu betreten, doch die F�ule schob sich Jahr f�r Jahr weiter vor und erstickte alles.</p><p>Haman hielt mit seinen Eintragungen inne und sagte traurig: �Scherandu wurde vor eintausendachthundertunddreiundvierzig Jahren von der Gro�en F�ule verschlungen, und Chandar vor neunhundertundachtundsechzig Jahren.�</p><p>�M�ge ihr Andenken im Licht gedeihen und bl�hen�, murmelten Covril und Erith gemeinsam.</p><p>�Ich kenne eines, das Ihr nicht eingezeichnet habt�, sagte Rand. Perrin hatte ihm berichtet, wie er einst in einem Stedding Schutz gesucht hatte. Er zog eine Karte von dem Teil Andors �stlich des Arinelle hervor und deutete auf einen Punkt ein St�ck oberhalb der Stra�e von Caemlyn nach Wei�br�cke. Etwa dort mu�te es liegen.</p><p>Haman verzog das Gesicht, und diesmal wirkte seine Miene fast b�se. �Wo Falkenfl�gels Stadt stehen sollte. Das wurde niemals wieder besiedelt. Mehrere Stedding wurden gegr�ndet und dann doch nicht mehr besiedelt. Wir versuchen, uns so weit wie m�glich von den L�ndern der Menschen fernzuhalten.� Alle Zeichen befanden sich mitten in rauhen Gebirgen, an Orten, die f�r Menschen schwer zug�nglich waren, in einigen F�llen auch weit von jeder menschlichen Besiedelung entfernt. Von allen lag das Stedding Tsofu menschlichen Behausungen am n�chsten, und auch Rand wu�te recht gut, da� das n�chste Dorf eine volle Tagesreise davon entfernt lag.</p><p>�Ein andermal w�re dies ein gutes Thema f�r ein Gespr�ch�, sagte Covril, wobei sie Rand ansprach, aber offensichtlich Haman damit ermahnen wollte, wie ihr Seitenblick klar belegte, �aber ich will noch vor Anbrach der Nacht so weit wie m�glich nach Westen kommen.� Haman seufzte schwer.</p><p>�Aber sicher bleibt Ihr doch eine Weile hier�, protestierte Rand. �Du m��t doch ersch�pft sein, wenn Ihr den ganzen Weg von Cairhien zu Fu� zur�ckgelegt habt�</p><p>�Frauen sind niemals ersch�pft�, erwiderte Haman. �Sie ersch�pfen nur die anderen. Das ist eine sehr alte Redensart bei uns.� Covril und Erith schnaubten voller Einigkeit. Haman knurrte noch etwas in sich hinein und fuhr mit seinen Markierungen fort, aber nun waren es die von den Ogiern erbauten St�dte, in denen sich Haine befunden hatten, und in jedem Hain hatte ein Wegetor gestanden, damit die Ogier jederzeit den Weg zu ihrem Stedding zur�cklegen konnten, ohne die oft so unruhigen L�nder der Menschen durchwandern zu m�ssen.</p><p>Nat�rlich bezeichnete er Caemlyn und Tat Valon, Tear und Illian, Cairhien und Maradon und Ebou Dar. Das war aber schon alles, was die noch existierenden St�dte betraf, und f�r Ebou Dar gebrauchte er den Namen Baraschta. Vielleicht geh�rte Baraschta eher zu den anderen, die er als blo�e Punkte an Orten einzeichnete, wo der Karte nach h�chstens ein Dorf zu sehen war. Mafal Dadaranell, Ancohima und Londaren Cor nat�rlich, und Manetheren. Aren Mador, Aridhol, Schaemal, Deranbar, Braem, Condaris, Hai Ecorimon, Iman... W�hrend die Liste wuchs, entdeckte Rand feuchte Flecken auf jeder Karte, mit der Haman fertig war. Er ben�tigte einen Augenblick, um zu begreifen, da� der Ogier-�lteste lautlos weinte, und die Tr�nen fielen auf die Karte, auf der er l�ngst tote und vergessene St�dte einzeichnete. Vielleicht beweinte er die Menschen, vielleicht auch nur die Erinnerungen. Rand konnte lediglich sicher sein, da� er nicht um die St�dte selbst weinte, oder um die verlorenen Werke der Ogier-Steinmetzen. F�r die Ogier war die Kunst der Steinbearbeitung lediglich etwas, das sie in der Zeit des Exils erlernt hatten, und welche Arbeit mit Steinen konnte sich mit den majest�tischen B�umen vergleichen?</p><p>Einer dieser Namen brannte in Rands Ged�chtnis, genau wie auch seine Lage �stlich von Baerlon, mehrere Tagesreisen �ber Wei�br�cke am Arinelle. �Gab es hier einen Hain?� fragte er und strich mit dem Finger �ber das Zeichen Hamans.</p><p>�In Aridhol?� sagte Haman. �Ja, Ja, es gab einen. Das ist eine traurige Angelegenheit.�</p><p>Rand hob nicht den Kopf. �In Shadar Logoth�, verbesserte er den �ltesten. �Eine sehr traurige Angelegenheit. K�nntet Ihr ... w�rdet Ihr ... mir das Wegetor zeigen, wenn ich Euch dorthin br�chte?�</p></section><section><title><p>21</p><p>Nach Shadar Logoth</p></title><p>�Uns dorthin bringen?� fragte Covril und bedachte die Karte in Rands H�nden mit einem besonders finsteren Blick. �Das w�rde uns ein ganzes St�ck von unserem Weg abbringen, wenn ich mich richtig daran erinnere, wo sich die Zwei Fl�sse befinden. Ich werde keinen weiteren Tag der Suche nach Loial verschwenden.� Erith nickte beif�llig.</p><p>Haman, dessen Wangen noch immer tr�nenfeucht waren, sch�ttelte den Kopf ob ihrer Eile, sagte dann aber: �Ich kann es nicht gestatten. Aridhol � Shadar Logoth, wie Ihr es bei seinem heutigen Namen genannt habt � ist kein Ort f�r jemand, der so jung ist wie Erith. Um die volle Wahrheit zu sagen: Niemand sollte sich dort aufhalten.�</p><p>Rand lie� die Karte fallen und stand auf. Er kannte Shadar Logoth besser, als ihm lieb war. �Ihr werdet keine Zeit verlieren. Tats�chlich werdet Ihr sogar Zeit gewinnen. Ich werde Euch mit Hilfe einer Schnellen Reise durch ein Tor hinbringen, und auf diese Art legt Ihr noch heute den gr��ten Teil des Weges zu den Zwei Fl�ssen zur�ck. Wir brauchen nicht lange. Ich wei�, da� Ihr mich direkt zu dem Wegetor f�hren k�nnt.�</p><p>Die Ogier sp�rten die N�he eines Wegetores, wenn die Entfernung nicht zu gro� war.</p><p>Das machte eine weitere Beratung auf der gegen�berliegenden Seite des Brunnens notwendig. Erith verlangte offensichtlich, daran teilnehmen zu d�rfen. Rand schnappte nur ein paar Bruchst�cke auf, aber es war klar, da� Haman, der sein m�chtiges Haupt hartn�ckig sch�ttelte, gegen diesen Plan war, w�hrend Covril, deren Ohren so steif hochstanden, als k�mpfe sie um jede Handbreit Gr��e, ihn bef�rwortete. Zuerst blickte Covril dabei Erith genauso zornig an wie Haman. Wie auch die Beziehung zwischen Schwiegermutter und Schwiegertochter bei den Ogiern aussehen mochte, sie war offenbar der Meinung, die j�ngere Frau habe in dieser Angelegenheit kein Mitspracherecht. Aber es dauerte nicht lange, da �nderte sie ihre Meinung. Nun pr�gelten sie mit Worten gemeinsam auf Haman ein.</p><p>�...zu gef�hrlich. Viel zu gef�hrlich�, erklang wie ferner Donner von Haman.</p><p>�...heute noch beinahe dort...� Ein helleres Grollen von Covril.</p><p>�...er war schon zu lange Au�erhalb...� Eriths Stimme klang dagegen wie Silbergl�ckchen. �...Abk�rzungen bringen lange Umwege...� �...mein Loial...� �...mein Loial...�</p><p>�...Mashadar unter unseren F��en...� �...mein Loial...� �...mein Loial...� �...als ein �ltester...�</p><p>�...mein Loial...�</p><p>�...mein Loial...�</p><p>Haman kam zu Rand zur�ck, wobei er seinen Mantel zurechtzog, als sei er ihm halb heruntergerissen worden. Die beiden Frauen folgten ihm. Covril beherrschte ihre Z�ge besser als Erith, die sich offensichtlich bem�hte, ein L�cheln zu unterdr�cken, doch bei beiden standen die Ohren keck hoch und vermittelten ein Gef�hl der Befriedigung.</p><p>�Wir haben uns entschieden, Euer Angebot anzunehmen�, sagte Haman f�rmlich. �La�t uns diese l�cherliche Herumtreiberei so schnell wie m�glich beenden, damit ich zu meinem Unterricht zur�ckkehren kann. Und zum Stumpf. Hmmm. Hmmm. Es gibt viel �ber Euch zu berichten, wenn ich vor dem Stumpf spreche.�</p><p>Rand war es egal, ob Haman dem Stumpf erz�hlte, er sei ein Sklaventreiber. Die Ogier hielten sich ohnehin von den Menschen fern, au�er sie reparierten ihre alten Steinmetzarbeiten, und es war unwahrscheinlich, da� sie irgendeinen Menschen in bezug auf ihn so oder so beeinflussen w�rden. �Gut�, sagte er. �Ich werde jemand schicken, um Euer Gep�ck aus Eurer Schenke zu holen.�</p><p>�Wir haben alles hier bei uns.� Covril schritt hin�ber zur anderen Seite des Brunnens und b�ckte sich; beim Aufrichten hatte sie zwei B�ndel in den H�nden, die vorher hinter dem Becken verborgen gelegen hatten. Jedes der beiden h�tten f�r einen Mann noch eine schwere Last dargestellt. Sie gab Erith eines davon, und dann zog sie sich den Tragriemen des anderen �ber den Kopf, so da� er schr�g �ber ihren Oberk�rper verlief und sie das B�ndel auf dem R�cken h�ngen hatte.</p><p>�W�re Loial hier�, erkl�rte Erith, w�hrend sie sich ihr B�ndel �berh�ngte, �dann k�nnten wir ohne Verz�gerung den R�ckweg zum Stedding Tsofu antreten. Falls nicht, k�nnten wir auf diese Weise sofort Weiterreisen. Ohne jede Verz�gerung.�</p><p>�Ehrlich gesagt, lag es an den Betten�, vertraute ihm Haman an, und der Ogier deutete mit den H�nden etwa die Gr��e eines menschlichen Kindes an. �Einst verf�gte jede Schenke Au�erhalb �ber zwei oder drei Ogierzimmer, aber heutzutage sind sie sehr schwer zu finden. Das ist kaum zu verstehen.� Er blickte die Landkarten mit seinen handschriftlichen Markierungen an und seufzte. �Es <emphasis>war</emphasis> sehr schwer zu verstehen.�</p><p>Rand wartete gerade lange genug, da� Haman sein B�ndel holen konnte, dann griff er nach <emphasis>Saidin</emphasis> und �ffnete ein Tor gleich neben dem Brunnen, ein Loch in der Luft, hinter dem eine unkrautbewachsene Stra�e und die zusammengebrochenen Ruinen von Geb�uden zu erkennen waren.</p><p>�Rand al'Thor.� Sulin schlenderte gem�chlich in den Hof, gefolgt von einer Gruppe mit Landkarten beladener Diener und <emphasis>Gai'schain.</emphasis> Liah und Cassin befanden sich bei ihr und taten genauso unbeschwert und nebens�chlich. �Ihr hattet um weitere Landkarten gebeten.� Sulins Blick zu dem Tor war beinahe schon anklagend.</p><p>�Ich kann mich selbst dort besser besch�tzen, als Ihr es k�nnt�, sagte Rand unwirsch. Er hatte eigentlich nicht so kalt mit ihr sprechen wollen, doch ins Nichts geh�llt brachte er es nicht fertig, seine Stimme anders als kalt und fern klingen zu lassen. �Es gibt nichts, was Ihr mit Euren Speeren besiegen k�nnt, aber einiges, was die Speere nicht erlegen werden.�</p><p>Sulin wirkte nach wie vor ziemlich steif und beleidigt. �Um so mehr ein Grund f�r unsere Anwesenheit.�</p><p>Das ergab f�r niemanden einen rechten Sinn, der nicht zu den Aiel geh�rte, aber... �Ich habe nichts dagegen�, sagte er. Sollte er sich weigern, w�rde sie trotzdem versuchen, ihm zu folgen. Sie w�rde T�chter herbeirufen, die noch hindurchspringen w�rden, wenn er bereits dabei war, das Tor zu schlie�en. �Ich denke, Ihr werdet den Rest der heutigen Leibgarde gleich hinter der n�chsten T�r versammelt haben. Pfeift sie herbei. Aber alle sollen sich nahe bei mir aufhalten und nichts ber�hren. Macht schnell. Ich will das hinter mich bringen.� Seine Erinnerungen an Shadar Logoth waren nicht die angenehmsten.</p><p>�Ich habe sie auf Euer Ansinnen hin weggeschickt�, sagte Sulin verachtungsvoll. �La�t mich langsam bis einhundert z�hlen.�</p><p>�Bis zehn.�</p><p>�Bis f�nfzig.�</p><p>Rand nickte, und ihre Finger flogen. Jalani eilte in den Palast, und wieder flogen Sulins Finger. Drei weibliche <emphasis>Gai'schain</emphasis> lie�en ihre Armladungen Landkarten fallen, blickten �berrascht drein � Aiel zeigen <emphasis>niemals �berraschung �, rafften die langen wei�en Roben hoch und verschwanden blitzschnell in verschiedenen Richtungen in den Palast. Doch so schnell sie sich auch bewegten, Sulin war noch schneller.</emphasis></p><p>Als Rand bei zwanzig angelangt war, begannen die Aiel in den Hof zu hetzen. Einige sprangen durch Fenster herein, andere von Balkonen herab. Er h�tte sich beinahe verz�hlt. Alle waren verschleiert, und nur wenige davon waren T�chter des Speers. Sie sahen sich verwirrt um, als sie lediglich Rand und drei Ogier vorfanden, die sie neugierig anblinzelten. Ein paar lie�en die Schleier wieder herab. Die Palastdiener dr�ckten sich �ngstlich aneinander.</p><p>Der Zustrom setzte sich auch nach Sulins R�ckkehr fort. Sie war unverschleiert und erschien auf den Punkt genau bei f�nfzig, w�hrend sich der Hof immer noch mit Aiel f�llte. Ihm wurde schnell klar, da� sie die Nachricht ausgegeben hatte, der <emphasis>Car'a'carn</emphasis> befinde sich in Gefahr, da dies wohl die einzige M�glichkeit gewesen war, in der K�rze der gegebenen Zeit gen�gend Speere zu versammeln. Die M�nner machten ein wenig s�uerliche Mienen, aber die meisten beschlossen, es als guten Witz zu betrachten, woraufhin einige schmunzelten oder mit den Speeren auf die Schilde schlugen. Und keiner verlie� den Hof. Sie sahen das Tor und kauerten sich nieder, um zu sehen, was geschehen w�rde.</p><p>Mit durch die Macht gesch�rftem Geh�r vernahm Rand, wie eine Tochter namens Nandera, sehnig und doch immer noch gutaussehend, obwohl in ihrem Haar mehr Grau als Blond zu sehen war, Sulin zufl�sterte: �Du hast mit <emphasis>Gai'schain</emphasis> wie mit <emphasis>Far Dareis Mai</emphasis> gesprochen.�</p><p>Sulins blaue Augen blickten gelassen in Nanderas gr�ne. �Das habe ich. Wir werden dar�ber sprechen, wenn wir Rand al'Thor heute besch�tzt haben.�</p><p>�Wenn er sicher und beh�tet ist�, stimmte ihr Nandera zu.</p><p>Sulin w�hlte eilends zwanzig T�chter aus, von denen einige am Morgen zur fest eingeteilten Wache geh�rt hatten, andere aber nicht, doch als Urien Rote Schilde ausw�hlte, bestanden auch M�nner aus anderen Kriegergemeinschaften darauf, mit eingeschlossen zu werden. Diese durch das Tor sichtbare Stadt wirkte, als k�nne man dort Gegner vorfinden, vor denen man den <emphasis>Car'a'carn</emphasis> sch�tzen mu�te. Um bei der Wahrheit zu bleiben, w�rde wohl kein Aiel einem m�glichen Kampf ausweichen, und je j�nger sie waren, desto gr��er war die Wahrscheinlichkeit, da� sie sogar nach jedem m�glichen Kampf suchten. Ein weiterer Streit entstand beinahe, als Rand entschied, er werde nicht mehr M�nner mitnehmen als T�chter des Speers, weil das die <emphasis>Far Dareis Mai</emphasis> entehren w�rde, denn schlie�lich hatte er ihnen seine Ehre anvertraut, und er werde auch nicht mehr T�chter mitnehmen, als Sulin bereits ausgew�hlt hatte. Er brachte sie tats�chlich an einen Ort, an dem Kampferfahrung ihnen nicht helfen w�rde, und auf jeden, den er mitnahm, w�rde er am Ende selbst aufpassen m�ssen. Das erkl�rte er ihnen aber nicht. Wer wu�te schon, wessen Ehre er damit wieder beschnitt.</p><p>�Denkt daran�, mahnte er, sobald alle ausgew�hlt waren, �ber�hrt nichts! Nehmt nichts mit oder zu Euch, nicht einmal einen Schluck Wasser. Und bleibt immer in Sicht; geht auf keinen Fall in irgendein Geb�ude hinein!� Haman und Covril nickten lebhaft, und das schien die Aiel mehr zu beeindrucken als Rands Worte. Solange sie nur wirklich beeindruckt waren!</p><p>Sie traten durch das Tor in eine Stadt, die schon lange tot war, eine Stadt, mehr als nur tot.</p><p>Eine goldene Sonne, die bereits mehr als den halben morgendlichen Weg zum Zenit zur�ckgelegt hatte, durchgl�hte die Ruinen einstiger Gr��e. Hier und da gl�nzte noch eine unbesch�digte Kuppel auf einem blassen Marmorpalast, aber die meisten wiesen gro�e L�cher und Risse auf, wenn von ihnen �berhaupt mehr als ein gezacktes Bruchst�ck �briggeblieben war. Lange Arkadeng�nge f�hrten zu T�rmen, so hoch, wie man sie sich in Cairhien nur ertr�umen konnte, aber auch diese T�rme endeten als br�cklige Zahnstummel. �berall waren die D�cher eingest�rzt, und Ziegel, Backsteine und Marmorquader von zusammengebrochenen Geb�uden lagen weit �ber das Stra�enpflaster verstreut. An jeder Kreuzung standen trockene, rissige Brunnen und abgebrochene Denkmale. Auf hohen Tr�mmerbergen starben verkr�ppelte B�ume in der Hitze und D�rre des Tages. Abgestorbene Unkr�uter lagen braun und welk in den Ritzen und Schlagl�chern der Stra�en. Nichts r�hrte sich, nicht einmal ein Vogel, keine Ratte und auch kein Windhauch. Die Stille h�llte Shadar Logoth wie ein Leichentuch ein. Shadar Logoth: wo der Schatten wartet.</p><p>Rand lie� das Tor verschwinden. Kein Aiel legte den Schleier ab. Die Ogier blickten sich mit angespannten Mienen und steif zur�ckgestellten Ohren um. Rand hielt an <emphasis>Saidin</emphasis> fest und k�mpfte gleichzeitig dagegen an. Es war so, wie Taim einst gesagt hatte: In diesem Kampf sp�rte ein Mann, da� er wirklich lebte. Hier h�tte er diesen Ansto� ohnehin gebraucht, auch wenn er die Macht nicht gebrauchen k�nnte, oder vielleicht gerade dann.</p><p>In den Tagen der Trolloc-Kriege war Aridhol eine bedeutende Hauptstadt gewesen, ein Verb�ndeter Manetherens und der �brigen der Zehn Nationen. Als diese Kriege schon so lange gedauert hatten, da� der Hundertj�hrige Krieg dagegen unbedeutend erschien, als es schien, da� der Schatten an allen Fronten siegreich sei und jeder Sieg des Lichts nicht mehr erreichen k�nne, als Zeit zu gewinnen, wurde ein Mann namens Mordeth Ratgeber des Herrschers in Aridhol, und er riet dem Herrscher, um zu gewinnen und zu �berleben, m�sse Aridhol noch h�rter sein als der Schatten selbst, grausamer als der Schatten, und noch weniger vertrauensselig. Langsam formten sie die Stadt und das Land nach diesem Bild, bis am Ende Aridhol wenn nicht schw�rzer als der Schatten, so doch zumindest genauso schwarz war. Obwohl noch immer der Krieg gegen die Trollocs tobte, wandte sich Aridhol schlie�lich nach innen, sich selbst zu, und verschlang sich selbst.</p><p>Etwas davon blieb zur�ck, etwas, das jeden sp�ter davon abhielt, hier zu leben. Nicht ein einziger Kieselstein an diesem Ort, der nicht von diesem Ha� und Mi�trauen durchdrungen war, die Aridhol ermordet und Shadar Logoth zur�ckgelassen hatten. Und jeder Kieselstein konnte nach einer Weile diese Seuche weiterverbreiten.</p><p>Und noch mehr als nur dieser Makel war zur�ckgeblieben, obwohl der schon ausreichte, um jeden Menschen klaren Verstands von hier fernzuhalten.</p><p>Rand drehte sich langsam um und blickte hoch zu Fenstern, die wie leere Augenh�hlen zur�ckstarrten, deren Aug�pfel man ausgestochen hatte. Obwohl die Sonne immer h�her wanderte, sp�rte er unsichtbare Beobachter. Als er sich fr�her hier befunden hatte, war dieses Gef�hl erst aufgetreten, wenn die Sonne langsam unterging. Viel mehr als der Makel war zur�ckgeblieben. Ein Trolloc-Heer, das hier gelagert hatte, war ausgel�scht worden, war spurlos verschwunden, bis auf ein paar Schmierereien mit Blut an Hausw�nden, in denen sie den Dunklen K�nig angefleht hatten, sie zu retten. Nachts durfte man sich nicht in Shadar Logoth aufhalten.</p><p><emphasis>Dieser Ort jagt mir Angst ein,</emphasis> murmelte Lews Therin jenseits des Nichts. <emphasis>�ngstigst du dich nicht?</emphasis></p><p>Rand stockte der Atem. Sprach die Stimme tats�chlich zu ihm? Ja, ich habe auch Angst.</p><p><emphasis>Es ist Dunkelheit hier. Schw�rze, schw�rzer als schwarz. Sollte der Dunkle K�nig unter Menschen leben wollen,</emphasis></p><p><emphasis>w�rde er diesen Ort erw�hlen.</emphasis></p><p><emphasis>Ja. Das w�rde er.</emphasis></p><p><emphasis>Ich mu� Demandred t�ten.</emphasis></p><p>Rand blinzelte �berrascht. <emphasis>Hat Demandred etwas mit Shadar Logoth zu tun?</emphasis></p><p><emphasis>Ich erinnere mich nun endlich daran, Ishamael get�tet zu haben.</emphasis> Es lag Staunen in dieser Stimme, Staunen �ber diese neue Erkenntnis. <emphasis>Er hatte den Tod verdient. Auch Lanfear hatte den Tod verdient, aber ich bin froh, da� nicht ich derjenige war, der sie get�tet hat.</emphasis></p><p>War es nur Zufall, wenn diese Stimme mit ihm zu sprechen schien? Oder h�rte Lews Therin ihn und antwortete? <emphasis>Wie habe ich � wie hast du Ishamael get�tet? Sag mir, wie.</emphasis></p><p><emphasis>Tod. Ich w�nsche mir die Ruhe des Todes. Aber nicht hier. Ich will nicht hier sterben.</emphasis></p><p>Rand seufzte. Nur Zufall. Er wollte auch nicht hier sterben. Ein Palast ganz in der N�he, die S�ulen vor der Fassade abgebrochen, zeigte eine deutliche Neigung zur Stra�e hin. Er konnte jeden Moment einst�rzen und sie an diesem Fleck begraben. �F�hrt uns�, sagte er zu Haman. Und zu den Aiel f�gte er hinzu: �Denkt daran, was ich Euch gesagt habe. Ber�hrt nichts, nehmt nichts mit und bleibt immer in Sichtweite.�</p><p>�Ich hatte nicht erwartet, da� es so schlimm wird�, brummte Haman. �Es �berdeckt fast den Ruf des Wegetores.� Erith st�hnte und Covril wirkte, als hielte nur ihre W�rde sie davon ab, genauso zu st�hnen. Die Ogier f�hlten die Ausstrahlung eines Ortes sehr deutlich.</p><p>Haman deutete in eine Richtung. Der Schwei� auf seinem Gesicht hatte nichts mit der Hitze zu tun. �Dorthin.�</p><p>Zerbr�ckelnde Pflastersteine knirschten unter Rands Stiefelsohlen wie zermalmte Knochen. Haman f�hrte sie um Ecken und Stra�en, an einem Ruinenblock nach dem anderen vorbei, aber er war sich der Richtung sicher. Die sie umgebenden Aiel liefen fast auf Zehenspitzen. Die Augen �ber den schwarzen Schleiern blickten nicht drein, als bef�rchteten sie einen Angriff, sondern als habe dieser Angriff bereits begonnen.</p><p>Die unsichtbaren Beobachter und eingest�rzten Geb�ude brachten Erinnerungen zur�ck, auf die Rand gern verzichtet h�tte. Hier hatte sich Mat auf einen Weg begeben, der ihn bis zum Horn von Valere gef�hrt hatte, und vielleicht war es auch diese Stra�e, die ihn letzten Endes nach Rhuidean und in jenen <emphasis>Ter'Angreal</emphasis> gef�hrt hatte, �ber den er nicht reden wollte. Hier war Perrin verschwunden, als sie gezwungen gewesen waren, in der Nacht zu fliehen, und als Rand ihn schlie�lich wiedergetroffen hatte, fern von hier, hatte er goldene Augen, einen traurigen Blick und Geheimnisse gehabt, die Moiraine Rand niemals weitergegeben hatte.</p><p>Auch er war nicht ungeschoren davongekommen, obwohl ihn Shadar Logoth nicht unmittelbar ber�hrt hatte. Padan Fain war ihnen allen hierher gefolgt, ihm und Mat und Perrin, Moiraine und Lan, Nynaeve und Egwene. Padan Fain, fahrender H�ndler und gelegentlich Besucher der Zwei Fl�sse. Padan Fain, Schattenfreund. Mehr als ein Schattenfreund mittlerweile, und schlimmeres, wie Moiraine behauptet hatte. Fain hatte sie alle hierher verfolgt, doch was von hier aus fortging, war mehr als Fain gewesen, oder vielleicht weniger. Fain, oder das, was von Fain �briggeblieben war, w�nschte Rands Tod. Er hatte alle bedroht, die Rand liebte, falls Rand nicht zu ihm kam. Und Rand war nicht gekommen. Perrin hatte sich darum gek�mmert und die Zwei Fl�sse wieder gesichert, aber Licht, wie das weh tat! Was hatte Fain nur mit den Wei�m�nteln angestellt? Konnte Pedron Niall etwa ein Schattenfreund sein? Wenn das sogar auf manche Aes Sedai zutraf, war es auch bei dem Kommandierenden Lordhauptmann der Kinder des Lichts m�glich.</p><p>�Dort ist es�, sagte Haman, und Rand fuhr zusammen. Shadar Logoth war der letzte Ort auf der Welt, an dem man sich in Gedanken verlieren durfte.</p><p>Wo der �lteste stand, hatte sich einst ein ger�umiger Platz erstreckt, dessen eine H�lfte aber mittlerweile von verwittertem Schutt bedeckt war. Mitten auf dem Platz, wo man ansonsten einen Brunnen erwartet h�tte, stand statt dessen ein kunstvollfiligraner Zaun aus einem gl�nzenden Material, so hoch wie ein Ogier und von Rost unber�hrt. Er umschlo� etwas, das wie ein hohes Steindenkmal aussah und in das so feine Ranken und Bl�tter eingehauen waren, da� man beinahe glaubte, den Windhauch zu sp�ren, der sie bewegte, und man war �berrascht, wenn man feststellte: sie waren grau und nicht gr�n. Das Wegetor, aber es wirkte keineswegs wie irgendeine Art von Eingang oder Ausgang.</p><p>�Sie haben den Hain gef�llt, kaum da� die Ogier zum Stedding abgereist waren�, brummte Haman zornig mit heruntergezogenen langen Augenbrauen, �h�chstens zwanzig oder drei�ig Jahre sp�ter, und sie haben ihre Stadt erweitert.�</p><p>Rand ber�hrte den Zaun mit einem Strang aus Luft, wobei er sich fragte, wie sie ihn durchdringen sollten, dann jedoch ri� er die Augen auf, als der ganze Zaun sich mit einem Mal in zwanzig oder mehr Einzelteile aufl�ste, die ihrerseits mit lautem Krachen umst�rzten, da� sogar die Ogier zusammenfuhren. Rand sch�ttelte den Kopf. Selbstverst�ndlich. Metall, das sich so lange ohne eine Spur von Rost gehalten hatte, mu�te mit Hilfe der Macht hergestellt worden sein. Vielleicht stammte es sogar aus dem Zeitalter der Legenden, aber die B�gel, die den Zaun zusammengehalten hatten, waren durchgerostet und hatten nur auf einen kr�ftigen Sto� gewartet.</p><p>Covril legte ihm eine Hand auf die Schulter. �Ich m�chte Euch bitten, es nicht zu �ffnen. Zweifellos hat Euch Loial gesagt, wie man es �ffnet, denn er hat immer schon zuviel Interesse an solchen Dingen gezeigt, aber die Kurzen Wege sind gef�hrlich.�</p><p>�Ich kann es verschlie�en�, sagte Haman, �damit man es nur wieder �ffnen kann, falls man den Talisman des Wachstums besitzt. Hmmm. Hmmm. Eine simple Sache, einfach durchzuf�hren.� Allerdings schien er nicht gerade erpicht darauf zu sein. Und er trat keineswegs n�her heran.</p><p>�Es k�nnte gebraucht werden, ohne da� man die Zeit hat, so etwas aufzutreiben�, sagte Rand zu ihm. M�glicherweise mu�te man alle Wege ben�tzen, welche Gefahren dort auch drohen mochten. Sollte er sie auf irgendeine Weise reinigen k�nnen... Aber das w�re beinahe genauso gro�spurig wie seine Prahlerei Taim gegen�ber, er werde <emphasis>Saidin</emphasis> s�ubern.</p><p>Er machte sich daran, Str�nge von <emphasis>Saidin</emphasis> um das Wegetor zu verweben, wobei er alle F�nf M�chte benutzte. Er hob sogar die Einzelteile des Zauns wieder auf und brachte sie an ihren jeweiligen Platz zur�ck. Vom ersten Strang an, den er webte, schien die Verderbnis <emphasis>Saidins</emphasis> in ihm zu pulsieren. Die Vibration wurde langsam st�rker. Es mu�te an dem B�sen in Shadar Logoth selbst liegen, ein Mitschwingen des B�sen mit dem B�sen. Selbst im Nichts geborgen wurde ihm schwindlig von diesen Schwingungen. Es war, als schwinge die ganze Welt unter seinen F��en mit. Er versp�rte den Drang, alles herauszukotzen, was er je gegessen hatte. Trotzdem gab er nicht nach. Er konnte schlie�lich genausowenig M�nner hierher auf Wache entsenden, wie er sie h�tte suchen lassen k�nnen.</p><p>Was er wob und dann nach innen st�lpte, war eine hinterh�ltige Falle, wie sie einem so hinterh�ltigen Ort gerecht wurde. Ein Wachgewebe von �berragender Gemeinheit. Menschen konnten unbehelligt hindurchschreiten, vielleicht sogar die Verlorenen, denn er konnte das Tor nur gegen Menschen oder Schattenwesen sch�tzen, aber nicht gegen beides, doch selbst ein m�nnlicher Verlorener konnte das Gewebe nicht erkennen. Sollte irgendeine Art von Schattenwesen hindurchzugehen versuchen... Das war eben die Gemeinheit daran. Sie w�rden nicht gleich sterben, ja, m�glicherweise k�nnten sie es sogar zur�ck �ber die Stadtmauer schaffen. Es w�rde jedenfalls lange genug dauern, da� die Toten weit entfernt l�gen und somit den n�chsten Myrddraal, der hierherkam, nicht abschrecken konnten. Lange genug vielleicht, um einem Trolloc-Heer das Verlassen der Stadt zu erm�glichen und dabei die eigenen Toten mitzunehmen. Grausam genug f�r einen Trolloc. Das Ding zurechtzuweben, machte ihn genauso krank wie der Makel auf <emphasis>Saidin.</emphasis></p><p>Das Gewebe abzunabeln und <emphasis>Saidin</emphasis> loszulassen brachte nicht viel Erleichterung. Der R�ckstand an Schmutz, der jedesmal blieb, pulsierte nach wie vor in ihm. Es war beinahe ein Gef�hl, als bebe der Boden unter seinen F��en. Seine Z�hne und Ohren schmerzten. Er konnte es nicht erwarten, von hier wegzukommen.</p><p>Er holte tief Luft und bereitete sich darauf vor, erneut zur Macht zu greifen und ein Tor zu �ffnen �aber dann hielt er mit gerunzelter Stirn inne. Schnell z�hlte er alle, und dann noch einmal etwas langsamer. �Jemand fehlt. Wer?�</p><p>Die Aiel brauchten nur einen Augenblick, um sich zu beraten.</p><p>�Liah�, sagte Sulin durch ihren Schleier hindurch.</p><p>�Sie kam gleich hinter mir.� Jalanis Stimme war unverkennbar.</p><p>�Vielleicht hat sie irgend etwas entdeckt?� Er glaubte, Desoras Stimme zu erkennen.</p><p>�Ich habe allen befohlen, zusammenzubleiben!� Zorn �berflutete das Nichts wie Wogen, die sich sch�umend an einem Felsen brachen. Eine von ihnen fehlte, ausgerechnet hier, und sie nahmen es mit dieser lichtversengten K�hle, wie sie den Aiel zu eigen war. Eine Tochter des Speers fehlte. Eine Frau fehlte, und das in Shadar Logoth. �Wenn ich sie finde...!� Einen Fingerbreit nach dem anderen unterdr�ckte er den Zorn, der die ihn einh�llende Leere zu erfassen drohte. Was er mit Liah machen wollte, war, sie anzuschreien, da� sie in Ohnmacht fiel, und sie dann f�r den Rest ihres Lebens zu Sorilea schicken. Dieser Zorn erweckte brutale Mordgel�ste in ihm. �Teilt Euch paarweise auf. Ruft nach ihr, seht Euch �berall um, aber geht nirgends hinein, gleich, aus welchem Grund. Und haltet Euch von Schatten fern. Hier k�nntet Ihr sterben, bevor Ihr �berhaupt etwas merkt. Falls Ihr sie in einem Geb�ude entdeckt und sie nicht gleich herauskommt, ruft zuerst nach mir, auch wenn es so aussieht, als sei alles in Ordnung.�</p><p>�Wir k�nnen schneller suchen, wenn wir allein auf die Suche gehen�, sagte Urien, und Sulin nickte zustimmend. Es nickten �berhaupt viel zu viele.</p><p>�Paare!� Rand unterdr�ckte seinen Zorn wieder mit M�he. <emphasis>Das Licht soll die Sturheit der Aiel versengen!</emphasis> �Auf diese Weise habt Ihr wenigstens jemand, der Euch R�ckendeckung gibt. Tut endlich ausnahmsweise einmal, was ich Euch befehle, wenn ich es Euch befehle. Ich war schon hier und wei� einiges �ber diesen Ort.�</p><p>Ein paar Minuten sp�ter, in denen sie beratschlagten, wie viele bei Rand zur�ckbleiben sollten, verteilten sich zwanzig Aielpaare. Die eine, die bei ihm verblieb, war Jalani, wie Rand glaubte, obwohl man das bei dem Schleier nur schwer sagen konnte. Ausnahmsweise schien sie nicht gl�cklich dar�ber zu sein, ihn bewachen zu d�rfen. In den gr�nen Augen lag eine klare Andeutung von �rger.</p><p>�Ich denke, wir k�nnten ein weiteres Paar bilden�, sagte Haman, wobei er Covril anblickte.</p><p>Sie nickte, �Und Erith kann hier bleiben.�</p><p>�Nein!� sagten Rand und Erith fast im gleichen Moment. <emphasis>Die</emphasis> �lteren Ogier wandten sich mit mi�billigenden Mienen ab. Eriths Ohren hingen schlapp herunter, bis sie beinahe herabzufallen drohten.</p><p>Rand zwang sich zur Ruhe. Fr�her schien es ihm, da� im Nichts geborgen aller Zorn sich nur irgendwo in gro�er Entfernung abspiele und lediglich durch einen d�nnen Faden mit ihm zusammenhing. Doch jetzt drohte ihn der Zorn mehr und mehr zu �berw�ltigen, das Nichts zu �berw�ltigen. Was sich als katastrophal herausstellen mochte. Aber davon einmal abgesehen... �Es tut mir leid. Ich hatte kein Recht, Euch anzuschreien, �ltester Haman, oder Euch, Sprecherin Covril.� War das nun die richtige Anrede gewesen? War es vielleicht irgendeine Art von Titel? Nichts an ihren Mienen wies auf eine Antwort hin. �Ich w�rde es begr��en, wenn Ihr alle bei mir bleiben w�rdet. Dann k�nnen wir gemeinsam suchen.�</p><p>�Selbstverst�ndlich�, sagte Haman. �Ich wei� wirklich nicht, wie ich Euch mehr Schutz bieten k�nnte als Ihr selbst, aber ich stehe zu Eurer Verf�gung.� Covril und Erith nickten zustimmend. Rand hatte keine Ahnung, was Haman damit sagen wollte, aber es schien ihm der falsche Zeitpunkt, um Fragen zu stellen, nachdem sich die drei offensichtlich entschlossen hatten, ihn besch�tzen zu wollen. Er hegte keinen Zweifel daran, da� er alle drei besch�tzen konnte, solange sie sich nahe bei ihm befanden.</p><p>�Solange Ihr Euren eigenen Weg geht, Rand al'Thor.� Die Tochter mit den gr�nen Augen war tats�chlich Jalani, und sie klang erfreut dar�ber, da� sie nicht nur herumstehen und warten mu�te. Rand hoffte, wenigstens den anderen einen besseren Eindruck vermittelt zu haben, was sie an diesem Ort erwartete.</p><p>Von Beginn an war es eine deprimierende Suche. Sie gingen unter den Blicken unsichtbarer Beobachter eine Stra�e nach der anderen entlang, kletterten �ber Schutthaufen und schrien abwechselnd: �Liah! Liah!� Covrils Ruf lie� die schief ragenden W�nde knarren, und bei Hamans Schrei �chzten sie unheilk�ndend. Keine Antwort. Die einzigen Ger�usche, die sie wahrnahmen, waren die Rufe der anderen Suchtrupps, die in den Stra�en ein hohles und spottendes Echo warfen: Liah! Liah!</p><p>Die Sonne befand sich schon fast senkrecht �ber ihren K�pfen, als Jalani sagte: �Ich glaube nicht, da� sie soweit gekommen sein kann, Rand al'Thor. Es sei denn, sie wollte vor uns wegrennen, und das w�rde sie nicht tun.�</p><p>Rand war gerade dabei, in die Schatten unter m�chtigen S�ulen zu sp�hen, die �ber breiten Steinstufen emporragten, um in einen gro�en Saal blicken zu k�nnen. Soweit er erkennen konnte, befand sich da darin nichts au�er Staub. Keine Fu�spuren. Die unsichtbaren Beobachter hatten sich weit in den Hintergrund zur�ckgezogen. Sie waren nicht ganz verschwunden, aber fast. So wandte er sich wieder Jalani zu. �Wir m�ssen sie finden. Vielleicht ist sie...� Er wu�te nicht weiter. �Ich werde sie nicht hier zur�cklassen, Jalani.�</p><p>Die Sonne wanderte h�her und begann ihren Abstieg. Rand stand auf etwas, das wohl einst ein Palast gewesen sein mochte, oder ein ganzer Geb�udeblock. Jetzt war es ein H�gel und im Laufe der Jahre so verwittert, da� nur eine Anzahl zerbr�ckelter Backsteine und Bruchst�cke behauenen Natursteins, die aus der trockenen Erde herausragten, davon k�ndeten, was hier einst gestanden hatte. �Liah!� rief er durch den Trichter seiner H�nde. �Liah!�</p><p>�Rand al'Thor�, rief eine Tochter des Speers von der Stra�e herauf, und als sie ihren Schleier sinken lie�, erkannte er Sulin. Sie und eine andere, noch immer verschleierte Tochter standen bei Jalani und den Ogiern. �Kommt herunter.�</p><p>Er kletterte inmitten einer Staubwolke herab. Steinchen, Bruchst�cke des Baumaterials von einst, folgten ihm als Lawine, und dieser Schutt rutschte so schnell ab, da� er zweimal fast gest�rzt w�re. �Habt Ihr sie gefunden?�</p><p>Sulin sch�ttelte den Kopf. <emphasis>�Wir</emphasis> h�tten sie bestimmt mittlerweile gefunden, w�re sie noch am Leben. Sie w�re von allein nicht weit weggelaufen. Falls sie jemand verschleppt haben sollte, h�tte sie sich widersetzt, und falls sie schwer verwundet wurde und unsere Rufe nicht beantworten konnte, dann w�re sie meiner Meinung nach jetzt sicher auch tot.� Haman seufzte traurig. Die langen Augenbrauen der Ogierfrauen senkten sich auf ihre Wangenknochen. Aus irgendeinem Grund galten ihre traurigen, mitleidigen Blicke Rand.</p><p>�Sucht weiter�, sagte er.</p><p>�D�rfen wir in den Geb�uden suchen? Es gibt so viele R�ume, die wir von au�en nicht einsehen k�nnen.�</p><p>Rand z�gerte. Es war noch nicht einmal Sp�tnachmittag, aber er sp�rte die unsichtbaren Augen auf sich ruhen. So stark waren sie beim ersten Mal, als er hierhergekommen war, erst bei Sonnenuntergang f�hlbar gewesen. In Shadar Logoth war man in den Schatten nicht sicher. �Nein. Aber wir suchen weiter.�</p><p>Er wu�te nicht genau, wie lange er noch rufend die Stra�en hinauf und hinunter schritt, aber nach einer Weile traten Urien und Sulin in seinen Weg. Beide hatten die Schleier abgelegt. Die Sonne ruhte auf den Baumwipfeln im Westen � ein blutroter Ball an einem wolkenlosen Himmel. Die Schatten erstreckten sich lang �ber die Ruinen.</p><p>�Ich werde suchen, solange Ihr wollt�, sagte Urien, �aber mit Rufen und Umschauen kommen wir nicht weiter. Wenn wir die Geb�ude durchsuchen w�rden...�</p><p>�Nein.� Das klang wie ein Kr�chzen, und Rand r�usperte sich erst einmal. Licht, er h�tte so gern einen Schluck Wasser gehabt. Die unsichtbaren Beobachter standen an jedem Fenster, in jeder �ffnung, Tausende, und warteten gespannt. Schatten h�llten die Stadt ein. Die Schatten waren in Shadar Logoth kein sicherer Aufenthaltsort, doch die Dunkelheit w�rde den sicheren Tod bringen. Mashadar erhob sich bei Sonnenuntergang. �Sulin, ich...� Er brachte es nicht �ber sich, ihr zu sagen, da� sie aufgeben und Liah zur�cklassen mu�ten, ob sie nun tot war oder noch am Leben, und wenn sie auch irgendwo bewu�tlos liegen mochte, hinter einer Mauer oder unter einem Schutthaufen, der m�glicherweise �ber ihr abgerutscht war. Es konnte durchaus sein.</p><p>�Was uns auch beobachten mag, es wartet, glaube ich, auf den Anbruch der Nacht�, sagte Sulin. �Ich habe in Fenster geschaut, aus denen mich etwas angeblickt hat, aber es war nichts da. Der Tanz der Speere wird nicht leicht, wenn wir den Gegner nicht sehen k�nnen.�</p><p>Rand wurde bewu�t, da� er sich gew�nscht hatte, sie m�ge erneut sagen, Liah sei tot, damit sie diesen schrecklichen Ort verlassen konnten. Liah mochte irgendwo verwundet liegen; das war durchaus m�glich. Er ber�hrte seine Manteltasche. Der <emphasis>Angreal</emphasis> in Form dieses fetten kleinen Mannes befand sich zusammen mit Schwert und Szepter in Caemlyn. Er wu�te nicht genau, ob er alle besch�tzen konnte, wenn es erst einmal dunkel war. Moiraine war der Meinung gewesen, die komplette Wei�e Burg sei nicht in der Lage, Mashadar zu t�ten. Falls man bei ihm von einem lebenden Wesen sprechen konnte.</p><p>Haman r�usperte sich. �Woran ich mich bei Aridhol erinnere�, sagte er mit finsterer Miene, �also bei Shadar Logoth, ist die Tatsache, da� wir wahrscheinlich alle sterben werden, wenn die Sonne untergeht.�</p><p>�Ja.� Rand hauchte dieses Wort z�gernd in die Abendluft. Liah, die vielleicht noch am Leben war. Alle die anderen. Covril und Erith hatten ein St�ck entfernt die K�pfe zusammengesteckt. Er schnappte ein gemurmeltes �Loial� auf.</p><p><emphasis>Die Pflicht ist schwerer als ein Berg, der Tod leichter als eine Feder.</emphasis></p><p>Lews Therin mu�te das bei ihm aufgeschnappt haben, denn wie es schien, drangen Erinnerungen von beiden Seiten durch diese Sperre, doch der Satz schnitt ihm ins Herz.</p><p>�Wir m�ssen jetzt fort von hier�, sagte er zu ihnen. �Ob Liah nun tot ist oder noch lebt, wir ... m�ssen gehen.� Urien und Sulin nickten lediglich, aber Erith trat zu ihm heran und t�tschelte ihm mit erstaunlicher Sanftheit die Schulter � sanft, trotz einer Hand, mit der sie seinen ganzen Kopf h�tte umfassen k�nnen.</p><p>�Wenn ich Euch bem�hen darf�, sagte Haman, �wir haben uns um einiges l�nger hier aufgehalten als erwartet.� Er deutete auf die untergehende Sonne. �W�rdet Ihr uns den Gefallen erweisen, uns auf die gleiche Art aus dieser Stadt herauszubef�rdern, auf die Ihr uns hergebracht habt? Ich w�rde das sehr begr��en.�</p><p>Rand erinnerte sich an den Wald au�erhalb von Shadar Logoth. Kein Myrddraal oder Trolloc w�rde sich diesmal dort aufhalten, und das Licht allein mochte wissen, in welcher Entfernung oder Richtung sich das n�chste Dorf befand. �Ich werde mehr als das tun�, sagte er. �Ich kann Euch genauso schnell zu den Zwei Fl�ssen bringen.�</p><p>Die beiden �lteren Ogier nickten ernst. �Der Segen von Licht und Ruhe m�ge Euch f�r Eure Hilfe zuteil werden�, murmelte Covril. Eriths Ohren bebten vor Spannung, vielleicht weil sie hoffte, Loial zu sehen und weil sie Shadar Logoth verlassen konnte.</p><p>Rand z�gerte noch einen Augenblick. Loial w�rde sich wahrscheinlich in Emondsfeld aufhalten, aber dorthin konnte er sie nicht bringen. Zu viele Ger�chte �ber seinen �berraschungsbesuch w�rden aus den Zwei Fl�ssen nach au�en dringen. Ein St�ck vom Dorf entfernt also, weit genug, um die Bauernh�fe zu meiden, die in der Nahe lagen.</p><p>Der senkrechte Lichtschlitz erschien und erweiterte sich. Der Makel <emphasis>Saidins</emphasis> pochte wieder in seinem Inneren, schlimmer als zuvor, und der Boden schien gegen seine Stiefelsohlen zu trommeln.</p><p>Ein halbes Dutzend Aiel sprang hindurch, und die drei Ogier folgten ihnen mit einer Eile, die unter den gegebenen Umst�nden keineswegs unziemlich schien. Rand blieb noch kurz stehen und blickte zur�ck auf die Ruinenstadt. Er hatte versprochen, da� die T�chter f�r ihn sterben d�rften.</p><p>Als die letzten Aiel durch das Tor sprangen, zischte Sulin. Er sah sie fragend an, doch sie schaute auf seine Hand. Seinen Handr�cken, auf dem er mit den Fingern�geln einen tiefen Ri� hinterlassen hatte, aus dem Blut quoll. Er war so sicher in das Nichts geh�llt, da� genausogut jemand anders die Schmerzen h�tte empfinden k�nnen. Die �u�erliche Verletzung spielte keine Rolle; sie w�rde heilen. Er hatte sich tief in seinem Inneren schlimmere zugef�gt, die niemand sehen konnte. Eine f�r jede Tochter des Speers, die f�r ihn gestorben war, und er sorgte daf�r, da� sie nicht heilten.</p><p>�Wir sind hier fertig�, sagte er und trat durch das Tor direkt in das Gebiet der Zwei Fl�sse. Das Pochen verschwand mit dem Tor.</p><p>Mit gerunzelter Stirn versuchte Rand sich zu orientieren. Es war nicht leicht, ein Tor genau an den richtigen Ort zu bringen, wenn man noch nie dort gewesen war, aber er hatte sich einen Platz ausgesucht, den er kannte, eine mit Unkraut durchwachsene Wiese, die niemand je ben�tzt hatte, etwa einen guten Zwei-Stunden-Marsch s�dlich von Emondsfeld. Im fahlen Zwielicht konnte er Schafe erkennen, eine ordentliche Herde, und einen Jungen mit einem Sch�ferstab in H�nden und einen Bogen �ber dem R�cken, der sie aus hundert Schritt Entfernung anstarrte. Rand ben�tigte die Macht nicht, um zu erkennen, da� dem Jungen die Augen beinahe herausfielen, und das war auch verst�ndlich. Dann lie� der Junge den Stab fallen und rannte los, auf ein Bauernhaus zu, das sich noch nicht dort befunden hatte, als Rand das letzte Mal hier war. Ein Bauernhaus mit Ziegeldach.</p><p>Einen Augenblick lang fragte sich Rand, ob er sich �berhaupt in den Zwei Fl�ssen befinde. Nein, die Stimmung dieses Orts sagte ihm, da� er das Tor richtig ausgelegt hatte. Der Duft, der in der Luft lag, roch nach zu Hause. All diese Ver�nderungen, von denen Bode und der Rest der M�dchen ihm erz�hlt hatten, hatte er noch gar nicht richtig verarbeitet. F�r ihn konnte sich immer noch nichts an den Zwei Fl�ssen jemals ver�ndern. Sollte er die M�dchen hierher zur�ckschicken, nach Hause? Was <emphasis>du tun solltest, ist, dich von ihnen fernzuhalten.</emphasis> Der blo�e Gedanke �rgerte ihn schon.</p><p>�Emondsfeld liegt in dieser Richtung�, sagte er. Emondsfeld. Perrin. Tam k�nnte sich ebenfalls dort aufhalten, in der Weinquellenschenke bei Egwenes Eltern. �Dort sollte Loial zu finden sein. Ich wei� nicht, ob Ihr es vor Anbruch der Dunkelheit schafft. Ihr k�nntet auch in dem Bauernhaus um ein Quartier bitten. Ich bin sicher, sie haben einen Schlafplatz f�r Euch. Sagt ihnen nichts von mir. Erz�hlt niemandem, wie Ihr hierhergekommen seid.� Der Junge hatte zugesehen, aber wenn pl�tzlich Ogier auftauchten, w�rde man die Geschichte eines solchen Jungen wohl f�r �bertrieben halten.</p><p>Haman und Covril r�ckten die B�ndel auf ihren R�cken zurecht, tauschten einen Blick, und sie sagte: �Wir werden nichts dar�ber sagen, wie wir hierherkamen.</p><p>Sollen die Leute erz�hlen, was sie wollen.�</p><p>Haman strich sich �ber den Bart und r�usperte sich. �Ihr d�rft Euch nicht umbringen.�</p><p>Selbst im Nichts empfand Rand �berraschung. �Was?�</p><p>�Der Weg vor Euch�, polterte Haman, �ist lang, dunkel, und, wie ich sehr f�rchte, blutgetr�nkt. Ich f�rchte ebenfalls sehr stark, da� Ihr uns alle auf diesen Weg f�hrt. Aber Ihr m��t �berleben, um sein Ende zu erreichen.�</p><p>�Das werde ich�, erwiderte Rand kurz angebunden. �Lebt wohl.� Er bem�hte sich, ein wenig W�rme in die Worte zu legen, war sich aber des Erfolgs nicht sicher.</p><p>�Lebt ebenfalls wohl�, sagte Haman, und die Frauen wiederholten die Worte, bevor sich die drei dem Bauernhaus zuwandten. Aber nicht einmal bei Erith klang es, als glaube sie an die Erf�llung dieses guten Wunsches.</p><p>Rand stand noch einen Augenblick lang da. Menschen waren aus dem Haus gelaufen und beobachteten die Ann�herung der Ogier, aber Rand blickte nach Nordwesten; nicht in Richtung Emondsfeld, sondern in Richtung des Hofes, auf dem er aufgewachsen war. Als er sich abwandte und ein Tor nach Caemlyn �ffnete, war es, als rei�e er sich den eigenen Arm ab. Der Schmerz war ein viel passenderes Andenken an Liah als der Kratzer.</p></section><section><title><p>22</p><p>In Richtung S�den</p></title><p>Die f�nf Steine beschrieben einen elegant wirbelnden Kreis �ber Mats H�nden, einer rot, einer blau, einer von klarem Gr�n, die anderen bemerkenswert gestreift. Er ritt dabei weiter, lenkte Pips durch Schenkeldruck und hatte den Speer mit dem schwarzen Schafft gegen�ber dem unbespannten Bogen hinter den Sattelgurt gesteckt. Die Steine lie�en ihn an Thom Merrilin denken, der ihm das Jonglieren beigebracht hatte, und er fragte sich, ob der alte Bursche noch am Leben sei. Wahrscheinlich nicht. Rand hatte den Gaukler Elayne und Nynaeve hinterhergeschickt, angeblich um auf sie aufzupassen. Das schien schon so lange her zu sein. Falls es Frauen gab, auf die man noch weniger aufpassen mu�te, kannte Mat sie jedenfalls nicht. Doch viel eher konnte es sein, da� sie einen Mann in den Tod schickten, weil sie nicht auf Vernunft h�ren wollten. Nynaeve, die immer bohrte und wissen wollte, was ein Mann getan, gesagt oder gedacht hatte, und die immer an ihrem verdammten Zopf herumri�; und Elayne, die verdammte Tochter-Erbin, die glaubte, sie k�nne sich stets durchsetzen, wenn sie die Nase in die Luft steckte und einem die Meinung sagte, aber mindestens genauso hart wie Nynaeve, nur da� Elayne noch schlimmer war, denn wenn sie mit ihrem hochm�tigen Getue nicht durchkam, l�chelte Elayne und zeigte ihre Gr�bchen und erwartete, da� jeder zu Boden sank, weil sie so h�bsch war. Er hoffte, Thom habe ihre Gesellschaft �berlebt. Er hoffte auch, da� es ihnen gutgehe, aber er h�tte nichts dagegen gehabt, wenn sie wenigstens einmal seit ihrem �berst�rzten Aufbruch ordentlich ins Schwitzen gekommen w�ren. Sie sollten erleben, wie das war, wenn er nicht da war, um sie wieder herauszuhauen. Und kein ehrliches Dankesch�n, als er dagewesen war und ihnen geholfen hatte. So arg sollten sie nun auch wieder nicht schwitzen �gerade genug, um sich zu w�nschen, Mat Cauthon befinde sich in der Gegend und rette sie wieder, der alte Narr.</p><p>�Wie steht es mit Euch, Mat?� fragte Nalesean und lenkte sein Pferd n�her heran. �Habt Ihr jemals dar�ber nachgedacht, wie das ist, wenn man Beh�ter einer Aes Sedai ist?�</p><p>Mat h�tte fast die Steine fallen gelassen. Daerid und Talmanes sahen ihn mit verschwitzten Gesichtern an und warteten auf seine Antwort. Die Sonne glitt bereits dem Horizont zu. Nicht mehr lange, und sie w�rden anhalten m�ssen. Die D�mmerung schien sich ein wenig verl�ngert zu haben, seit die Tage k�rzer wurden, aber Mat wollte bei Sonnenuntergang gem�tlich im aufgeschlagenen Lager sitzen und seine Pfeife rauchen. Au�erdem konnte es in solchem Terrain leicht passieren, da� sich die Pferde die Beine brachen, wenn sie nicht mehr genug sahen. Den M�nnern mochte es ebenso ergehen.</p><p>Die Bande erstreckte sich in einer langen Schlange hinter ihnen nach Norden, Berittene wie Fu�soldaten, und schleppten eine Staubfahne hinter sich her. Die Banner flatterten, doch die Trommeln schwiegen. So zogen sie �ber niedrige, mit sp�rlichem Gestr�pp und vereinzelten Baumgruppen bewachsene H�gel. Elf Tage waren es, seit sie Maerone verlassen hatten, und sie befanden sich auf halbem Weg nach Tear oder sogar schon etwas weiter, denn sie kamen schneller vorw�rts, als Mat eigentlich gehofft hatte. Sie hatten nur einen Tag darangeben m�ssen, damit sich die Pferde ausruhen konnten. Sicher hatte er es keineswegs besonders eilig, Weiramons Posten zu �bernehmen, aber er fragte sich gleichwohl, welche Entfernung sie von Sonnenaufgang bis Sonnenuntergang bew�ltigen konnten, wenn es darauf ankam. Bisher hatte ihre beste Leistung bei f�nfundvierzig Meilen gelegen, soweit sich das berechnen lie�. Zwar brauchten die Vorratswagen die halbe Nacht �ber, um sie wieder einzuholen, aber die Infanterie hatte in letzter Zeit zu beweisen versucht, da� sie auf langen Strecken, und sogar auf k�rzeren, das Tempo der Pferde mithalten konnte.</p><p>Ein wenig weiter zur�ck und �stlich von ihnen �berquerte eine Truppe von Aielkriegern eine von B�umen ges�umte Anh�he. Sie rannten locker dahin und verringerten langsam der Abstand zu Mats Truppen. Wahrscheinlich waren sie seit dem Sonnenaufgang so einhergetrabt und w�rden auch bis zum Anbruch der Nacht oder noch l�nger durchhalten. Falls sie die Bande noch bei Tageslicht �berholten, w�rde das f�r seine Leute wieder einen Ansporn f�r morgen liefern. Jedesmal, wenn sie von Aiel �berholt wurden, schienen sie am n�chsten Tag bereit, noch ein oder zwei Meilen zuzulegen.</p><p>Ein paar Meilen vor ihnen gingen die gelegentlichen Baumgruppen wieder in dichten Wald �ber. Sie w�rden mehr auf den Erinin zuhalten m�ssen, bevor sie diesen Wald erreichten. Als sie den Kamm eines H�gel �berschritten, sah Mat den Flu� und die f�nf gecharterten Flu�k�hne, �ber denen die Rote Hand flatterte. Vier weitere befanden sich auf dem Weg zur�ck nach Maerone, um neue Ladung zu nehmen, vorzugsweise Pferdefutter. Was er nicht sehen konnte �er wu�te aber, da� sie sich dort befanden �, waren die Menschen, von denen einige langsam flu�aufw�rts wanderten, andere flu�abw�rts. Manche wechselten die Richtung, sobald sie eine Gruppe trafen, deren Anf�hrer �berzeugend sprechen konnte. Eine Hand voll besa� Karren, die sie selbst zogen, und ein paar hatten sogar Planwagen, aber die meisten besa�en nichts au�er dem, was sie auf den Buckeln trugen. Selbst die d�mmsten R�uber hatten mittlerweile begriffen, da� es bei denen nichts zu holen gab. Mat hatte keine Ahnung, wohin sie eigentlich wollten, genausowenig wie sie selbst. Doch es waren gerade genug, um die k�mmerliche Andeutung einer Stra�e am Flu� entlang zu verstopfen. Wenn sie nicht die Leute mit Kn�ppeln von der Stra�e treiben wollten, w�rde die Bande hier oben viel schneller vorankommen.</p><p>�Ein Beh�ter?� fragte Mat zur�ck und steckte die Steine in eine seiner Satteltaschen. Er w�rde �berall neue finden, aber die Farben gefielen ihm. In der Tat hatte er auch eine Adlerfeder und einen verwitterten, schneewei�en Steinbrocken, der vielleicht vor langer Zeit eingeritzte Runen aufgewiesen hatte, die jedoch mittlerweile nur noch andeutungsweise zu sehen waren. Er h�tte auch gern einen Felsblock mitgenommen, der aussah, als sei er einst der Kopf eines Standbilds gewesen, aber daf�r h�tte er einen Wagen ben�tigt. �Niemals. Das sind alles Narren und Gimpel, die sich von den Aes Sedai an der Leine f�hren lassen. Wie seid Ihr denn auf die Idee gekommen?�</p><p>Nalesean zuckte die Achseln. <emphasis>Der</emphasis> Schwei� rann ihm nur so herunter, doch trotzdem hatte er seinen Mantel an � heute einen roten mit blauen Streifen �und auch noch bis zum Kragen zugekn�pft. Mats Kragen stand offen, doch er glaubte, jeden Moment �berkochen zu m�ssen. �Ich denke, es liegt an den Aes Sedai�, sagte der Tairener. �Seng meine Seele, das bringt einen doch zum Nachdenken, oder? Ich meine, seng meine Seele, was haben die vor?� Er meinte damit die Aes Sedai auf der anderen Seite des Erinin, die den Berichten der Kundschafter nach ein bi�chen schneller als diese ziellosen Wanderer, die es auch an jenem Ufer gab, und �u�erst gesch�ftig am Flu� entlang hinauf oder hinunter eilten.</p><p>�Ich sage immer, es ist am besten, gar nicht erst �ber sie nachzudenken.� Mat ber�hrte durch sein Hemd hindurch den silbernen Fuchskopf. Aber trotz dessen Schutz war er froh, da� sich die Aes Sedai auf der anderen Seite des Flusses befanden. Auf jedem der Flu�k�hne fuhr eine Handvoll seiner Soldaten mit, und obwohl es hier nur wenige D�rfer gab, setzten sie auf seine Anordnung hin bei jedem auf dem gegen�berliegenden Ufer mit einem Boot �ber, um in Erfahrung zu bringen, was es an Neuigkeiten gab. Bisher waren diese Neuigkeiten aber unergiebig und h�chstens unangenehm gewesen. Da� die Aes Sedai �berallhin ausschw�rmten, war noch das Unbedeutendste daran.</p><p>�Und wie sollen wir das machen � einfach nicht an sie denken?� fragte Talmanes. �Glaubt Ihr wirklich, da� die Burg Logain als Marionette ben�tzt hat?� Das war eines der j�ngsten Ger�chte, erst zwei Tage alt.</p><p>Mat nahm seinen Hut lange genug ab, um sich den Schwei� von der Stirn zu wischen, bevor er antwortete. Bei Sonnenuntergang w�rde es ein wenig k�hler werden. Aber kein Wein, kein Bier, keine Frauen und keine Gl�cksspiele. Wer w�re da freiwillig Soldat geworden? �Ich w�rde sagen, da� man den Aes Sedai so ziemlich alles zutrauen kann.� Er schob einen Finger unter das Halstuch und lockerte es ein bi�chen. Etwas hatten ihm die Beh�ter voraus, soweit er das beurteilen konnte, und er hatte Lan genau beobachtet, denn sie schienen niemals zu schwitzen. �Aber so etwas? Nein, Talmanes, da w�rde ich noch eher Euch als eine Aes Sedai betrachten. Ihr seid doch nicht zuf�llig eine, oder?�</p><p>Daerid kr�mmte sich vor Lachen �ber sein Sattelhorn, und Nalesean w�re beinahe vom Pferd gefallen. Talmanes sa� zun�chst steif da, aber schlie�lich mu�te er doch grinsen. Es wurde fast ein Lachen daraus. Der Mann besa� nicht allzuviel Humor, aber doch eben ein bi�chen.</p><p>Seine Ernsthaftigkeit setzte sich aber schnell wieder durch. �Wie steht es mit den Drachenverschworenen? Falls es stimmt, Mat, bedeutet es Schwierigkeiten.� Das Lachen der anderen brach wie unter einem Axthieb ab.</p><p>Mat verzog das Gesicht. Das war die letzte Neuigkeit � oder ein Ger�cht, wie man es eben nennen wollte � die sie gestern aufgeschnappt hatten: ein Dorf irgendwo in Murandy war niedergebrannt worden. Noch schlimmer � angeblich hatten sie jeden get�tet, der keinen Eid auf den Wiedergeborenen Drachen leisten wollte, und die ganzen Familien gleich mit. �Rand wird sich um sie k�mmern. Falls etwas daran ist. Aes Sedai, Drachenverschworene, das ist alles seine Sache, und wir haben nichts damit zu tun. Wir haben unsere eigene Aufgabe zu erf�llen.�</p><p>Das lie� die Mienen auch nicht freundlicher werden. Sie hatten schon zu viele niedergebrannte D�rfer gesehen und erwarteten mehr in der Art, nachdem sie Tear erreicht hatten. Wer wollte schon Soldat sein?</p><p>Ein Reiter erschien auf der n�chsten Anh�he vor ihnen und galoppierte auf sie zu. Er lie� sein Pferd �ber das Gestr�pp setzen, anstatt au�enherum zu reiten, sogar als es bergab ging. Mat gab das Zeichen zum Anhalten und f�gte gleich hinzu: �Keine Trompeten.�</p><p>Der Befehl wurde in seinem R�cken weitergegeben �ein Murmeln, das schnell schw�cher wurde und in der Ferne verklang. Er blickte sich nicht um, sondern behielt den Reiter im Auge.</p><p>Schwei�triefend brachte Chel Vanin seinen Wallach vor Mat zum Stehen. In einen grob gewebten grauen Rock geh�llt, der wie ein Sack an seinem massigen K�rper mit der gl�nzenden Halbglatze klebte, hing er wie ein Sack auf seinem Pferd. Vanin war fett, das lie� sich nicht leugnen. Doch so unwahrscheinlich das erschien, er konnte wohl alles reiten, was jemals geboren worden war, und was er anpackte, tat er ausgesprochen gut.</p><p>Lange bevor sie Maerone erreicht hatten, hatte Mat Nalesean, Daerid und Talmanes �berrascht, als er die Namen der besten Wilderer und Pferdediebe unter ihren M�nnern wissen wollte, diejenigen, von denen sie wu�ten, die sie aber nie �berf�hren konnten. Besonders die beiden Adligen hatten nicht zugeben wollen, da� sie solche M�nner unter ihrem Befehl hatten, aber nachdem Mat ein wenig gebohrt hatte, nannten sie schlie�lich die Namen von drei M�nnern aus Cairhien, zwei Tairenern, und �berraschenderweise zweien aus Andor. Mat hatte nicht geglaubt, da� die Andoraner sich schon lange genug bei der Bande befanden, um so aufzufallen, aber offensichtlich hatte sich einiges herumgesprochen.</p><p>Diese sieben M�nner hatte er auf die Seite genommen und ihnen mitgeteilt, da� er Kundschafter ben�tige, und da� ein guter Kundschafter in etwa �ber die gleichen Fertigkeiten wie ein Wilderer oder ein Pferdedieb verf�gen m�sse. Er beachtete ihre leidenschaftlichen Beteuerungen nicht, sie h�tten niemals irgendein Verbrechen gleich welcher Art auch immer begangen � das beteuerte jeder von ihnen doppelt so oft wie Talmanes und Nalesean zusammen, und mindestens genauso blumig, wenn auch in weniger feiner Sprache � er bot ihnen eine Amnestie f�r alle Diebst�hle an, die sie bislang begangen hatten, dreifache Bezahlung und keinerlei Arbeitszuteilung, solange sie alles wahrheitsgem�� berichteten. Bei der ersten L�ge w�rden sie allerdings h�ngen, denn falls ein Kundschafter log, k�nnten eine Menge M�nner sterben. Trotz dieser Drohung griffen sie zu; wahrscheinlich noch eher, weil sie keine Lagerarbeiten mehr verrichten mu�ten, als der erh�hten Entlohnung in schwerem Silber wegen.</p><p>Aber sieben reichten nicht aus, und so bat er sie, weitere M�nner vorzuschlagen, wobei sie bedenken sollten, welche Fertigkeiten er von ihnen verlangte. Au�erdem machte er ihnen klar, da� ihr �berleben und somit auch die dreifache Bezahlung, die er ihnen versprochen hatte, weitgehend von den F�higkeiten jener abhingen, die sie benannten. Das brachte sie dazu, sich am Kinn zu kratzen und einander vorsichtige und mi�trauische Blicke zuzuwerfen, aber gemeinsam brachten sie dann elf weitere Namen hervor, wobei sie nat�rlich vehement betonten, da� sie damit gar nichts in bezug auf diese M�nner behaupten wollten. Elf Kerle, so gute Wilderer und Pferdediebe, da� weder Daerid, noch Talmanes oder Nalesean sie in Verdacht gehabt hatten, aber nicht gut genug, um der Aufmerksamkeit der sieben M�nner zu entgehen. Mat bot ihnen das gleiche an und fragte auch sie wieder nach weiteren Namen. Als er schlie�lich an einem Punkt ankam, da sich keine neuen Namen mehr ergaben, verfugte er �ber siebenundvierzig Kundschafter. Die schweren Zeiten hatte eben eine Menge M�nner dazu getrieben, Soldaten zu werden, anstatt ihr erlerntes Handwerk auszu�ben.</p><p>Der letzte, den alle drei vor ihm in der Kette benannt hatten, war Chel Vanin gewesen, ein Andoraner, der in Maerone gewohnt hatte, aber sein Unwesen �ber gro�e Strecken ausgedehnt auf beiden Seiten des Erinin getrieben hatte. Vanin konnte selbst einer Fasanenhenne die Eier beim Br�ten aus dem Nest stehlen, wenn auch anzunehmen war, da� er die Henne gleich mit in den Sack steckte. Vanin konnte einem Adligen das Pferd unter dem Hintern wegstehlen, und der w�rde es noch zwei Tage lang nicht merken. Jedenfalls hatten das diejenigen voller Ehrfurcht behauptet, die ihn empfohlen hatten. Vanin hatte mit seinem Zahnl�ckenl�cheln und dem Ausdruck v�lliger Unschuld auf dem runden Gesicht beteuert, er sei lediglich Stallbursche und gelegentlich als Fuhrmann t�tig, wenn er eine Arbeitsstelle fand. Aber diesen Posten als Kundschafter w�rde er f�r den vierfachen Sold �bernehmen, den man bei der Bande sonst erhielt. Bisher war er mehr als das wert gewesen.</p><p>Vanin sa� vor Mat auf der Anh�he im Sattel seines Braunen und blickte verst�rt drein. Ihm war es recht, da� Mat nicht auf der Anrede �mein Lord� bestand, da er sich nicht gern irgend jemandem beugte, aber immerhin brachte er es fertig, mit der Faust ganz locker die Stirn zu ber�hren � seine etwas unbeholfene Form einer Ehrenbezeugung. �Ich glaube, das m��t Ihr sehen. Ich wei� nicht, was ich davon halten soll. Ihr m��t es Euch selbst anschauen.�</p><p>�Wartet hier�, befahl Mat den anderen, und zu Vanin sagte er: �Zeigt es mir.�</p><p>Es war kein langer Ritt, nur �ber die n�chsten beiden H�gel und einen gewundenen Bach entlang, der breite R�nder aus getrocknetem Schlamm auf wies. Der Gestank machte ihm bereits klar, was ihm Vanin zeigen wollte, bevor sich noch die ersten Geier schwerf�llig in die Luft erhoben. Andere schlugen nur mit den Fl�geln und h�pften ein paar Schritt weiter. Dann lie�en sie sich wieder nieder und streckten die nackten K�pfe vor, um sie emp�rt anzukreischen. Am schlimmsten waren diejenigen, die sich nicht von ihrem Mahl aufscheuchen lie�en, eine sich st�ndig verschiebende Masse blutverschmierter schwarzer Federn.</p><p>Ein umgekippter Wagen wie ein kleines Haus auf R�dern, in giftigen Gr�n-, Blau- und Gelbt�nen angestrichen, kennzeichnete das Ganze als einen Wagenzug der Kesselflicker, doch nur wenige Wohnwagen waren dem Feuer entronnen. �berall lagen Leichen in bunter, zerrissener und blutverschmierter Kleidung: M�nner und Frauen und Kinder. Ein Teil Mats analysierte die Szene ganz kalt, w�hrend der Rest seiner selbst sich am liebsten �bergeben h�tte oder weggerannt w�re, alles, nur hier auf Pips sitzen wollte er nicht. Die ersten Angreifer waren von Westen gekommen. Dort lagen die meisten M�nner und �lteren Jungen und mitten darunter das, was von einigen gro�en Hunden �briggeblieben war. Sie lagen da, als h�tten sie sich bem�ht, eine Kette zu bilden, um mit ihren K�rpern die Angreifer aufzuhalten, w�hrend die Frauen und Kinder wegliefen. Eine vergebliche Flucht. Aufgeh�ufte Leichen zeigten, wo sie kopflos in die zweite Angriffswelle hineingerannt waren. Nun r�hrten sich nur noch die Geier.</p><p>Vanin spuckte angewidert durch eine Zahnl�cke aus. �Man jagt sie fort, bevor sie zuviel gestohlen haben � sie schnappen sich sogar Kinder, wenn man nicht aufpa�t, und ziehen sie als die eigenen auf �vielleicht tritt man sicherheitshalber auch noch einmal <emphasis>zu,</emphasis> damit sie schneller weg sind, aber <emphasis>das</emphasis> macht man doch nicht. Wer w�rde so was tun?�</p><p>�Ich wei� nicht. R�uber vielleicht.� Alle Pferde fehlten. Aber R�uber wollten stehlen und nicht morden, und kein Kesselflicker w�rde sich wehren, wenn man seinen letzten Pfennig stahl und dann noch seinen Mantel obendrein mitnahm. Mat zwang seine H�nde dazu, ihren verkrampften Griff um die Z�gel zu lockern. Er konnte nirgendwohin blicken, ohne die Leiche einer Frau oder eines Kindes zu sehen. Wer das auch angerichtet haben mochte, wollte nicht, da� jemand �berlebte. Er ritt langsam im Kreis um den Schauplatz herum, und bem�hte sich, die Geier zu ignorieren, die zischten und mit den Fl�geln schlugen, wenn er vorbeiritt. Der Boden war zu trocken, um gut sichtbare Spuren zu hinterlassen. Er glaubte aber doch, schwache Hufabdr�cke von Pferden zu entdecken, die in mehreren Richtungen wegf�hrten. Dann kam er zu Vanin zur�ck. �Ihr h�ttet mir davon berichten k�nnen. Ich mu�te das nicht unbedingt sehen!� <emphasis>Licht, besser nicht!</emphasis></p><p>�Ich habe Euch doch gesagt, da� es keine eindeutigen Spuren gibt�, sagte Vanin und lie� sein Pferd wenden, um dann durch den seichten Bach weiterzureiten. �Vielleicht solltet Ihr das hier sehen.�</p><p>Das Feuer hatte den gr��ten Teil des Wagens verschlungen, der dort auf der Seite lag, aber das Wagenbett hatte es �berstanden, genau wie die gelben R�der mit den roten Speichen. Ein Mann in einem Mantel, bei dem noch immer ein wenig von der grellblauen Farbe zu sehen war, lag halb unter dem �berrest des Wagens begraben. Ehe ausgestreckte Hand war schwarz von Blut. Was er in zittrigen Buchstaben geschrieben hatte, stach dunkel von den Brettern des Wagenbodens ab:</p><p>SAGT ES DEM WIEDERGEBORENEN DRACHEN</p><p><emphasis>Was soll ich ihm sagen?</emphasis> fragte sich Mat. Da� jemand einen ganzen Wagenzug von Kesselflickern umgebracht hatte? Oder war der Mann gestorben, bevor er aufschreiben konnte, was er vorgehabt hatte? Es w�re nicht das erste Mal, da� Kesselflicker an irgendeine wichtige Information gekommen w�ren. In einem Roman h�tte er gerade lange genug gelebt, um die entscheidende Nachricht hinzukritzeln, die den Sieg bringen w�rde. Nun, wie die Nachricht auch lauten mochte, niemand w�rde sie jetzt noch erfahren.</p><p>�Ihr habt recht gehabt, Vanin.� Mat z�gerte. Was sollte er dem Wiedergeborenen Drachen sagen? Keine Veranlassung, noch mehr Ger�chte in die Welt zu setzen, als sie schon in Umlauf gebracht hatten. �Sorgt daf�r, da� der Rest des Wagens verbrannt wird, bevor Ihr weiterreitet. Und sollte jemand fragen, dann gab es hier nichts zu sehen au�er einer Menge toter M�nner.� Und Frauen, und Kinder.</p><p>Vanin nickte. �Dreckige Wilde�, knurrte er und spuckte noch einmal aus. �K�nnten einige von denen gewesen sein, sch�tze ich.� Die Truppe von Aielm�nnern hatte sie mittlerweile eingeholt. Sie war drei- oder vierhundert Mann stark. Sie trabten den Hang herunter und �berquerten den Bach nicht mehr als f�nfzig Schritt von den Wagen entfernt. Einige von ihnen hoben eine Hand zum Gru�. Mat erkannte sie nicht doch eine ganze Menge Aiel hatten von Rand al'Thors Freund geh�rt, der immer diesen Hut trug und mit dem man besser kein Spielchen wagen sollte.</p><p><emphasis>Verdammte Aiel</emphasis> dachte Mat. Er wu�te, da� die Aiel die Kesselflicker mieden, wenn er auch den Grund nicht kannte, aber das hier... �Ich glaube das nicht�, sagte er. �Sorgt daf�r, da� er verbrannt wird, Vanin.�</p><p>Talmanes und die beiden anderen befanden sich selbstverst�ndlich genau dort, wo er sie zur�ckgelassen hatte. Als Mat ihnen berichtete, was vor ihnen lag und da� sie Leute ausschicken sollten, um die Toten zu beerdigen, nickten sie grimmig. �Kesselflicker?� brummte Daerid ungl�ubig.</p><p>�Wir werden hier unser Lager aufschlagen�, f�gte Mat hinzu.</p><p>Er erwartete einen Kommentar, denn das Tageslicht w�rde durchaus reichen, um noch ein paar Meilen zur�ckzulegen, und diese drei waren von dem Ehrgeiz der Bande angesteckt worden, immer noch ein paar Meilen zuzulegen, so da� sie jetzt sogar Wetten darauf abschlossen, aber Nalesean sagte lediglich: �Ich schicke einen Mann hinunter, um den Schiffen ein Signal zu �bermitteln, damit sie nicht zu weit vorausfahren.�</p><p>Vielleicht empfanden sie das gleiche wie er. Wenn sie nicht von der bisherigen Richtung abwichen und zum Flu� marschierten, w�rden sie zumindest den Anblick der aufgescheuchten Geier nicht vermeiden k�nnen. Nur weil ein Mann dem Tod ins Auge geblickt hatte, mu�te er ihn deshalb nicht sch�n finden. Was Mat selbst betraf, f�rchtete er, sich beim n�chsten Anblick dieser V�gel �bergeben zu m�ssen. Am Morgen w�rden nur noch Gr�ber zu sehen sein.</p><p>Doch die Erinnerung lie� sich nicht verdr�ngen, auch nachdem sein Zelt auf jener Kuppe errichtet worden war, um jeden noch so leichten Lufthauch vom Flu� herauf sp�ren zu k�nnen, falls sich jemals noch ein L�ftchen erheben w�rde. Menschliche K�rper, von M�rdern niedergestreckt, von Geiern zerfetzt. Schlimmer als die K�mpfe um Cairhien gegen die Shaido. Dort waren T�chter des Speers gestorben, aber er hatte ihre Leichen nicht gesehen, und dort waren keine Kinder gewesen. Ein Kesselflicker k�mpfte nicht �noch nicht einmal, um das eigene Leben zu verteidigen. Niemand t�tete das Fahrende Volk. Er a� wenig von seinem Bohnengem�se mit Rindfleisch und zog sich so schnell wie m�glich in sein Zelt zur�ck. Selbst Nalesean wollte sich nicht unterhalten, und Talmanes wirkte noch verschlossener als sonst.</p><p>Die Nachricht von dem Gemetzel hatte sich ausgebreitet. Es lag eine Ruhe �ber dem Lager, wie sie Mat schon von fr�her her kannte. Gew�hnlich h�rte man von Zeit zu Zeit wenigstens ein bi�chen rauhes Gel�chter und manchmal leicht anr�chige Lieder, die auch noch ziemlich falsch gesungen wurden, bis die Bannertr�ger die Handvoll M�nner in ihre Decken jagten, die noch nicht zugeben wollten, da� sie m�de waren. Heute war es wie an jenem Abend, als sie ein Dorf vorgefunden hatten, in dem man nicht einmal mehr die Leichen beerdigt hatte, oder als sie auf die Leichen einer Gruppe von Fl�chtlingen gesto�en waren, die verzweifelt ihre wenigen Habseligkeiten vor Banditen hatten sch�tzen wollen. Nur wenige brachten es danach noch fertig, zu lachen oder zu singen, und diese wenigen wurden dann von den �brigen schnell zum Schweigen gebracht.</p><p>Mat lag im Zelt, als die Dunkelheit sich herabsenkte, und rauchte seine Pfeife. Aber das Zelt war eng, und unter den Erinnerungen an die toten Kesselflicker stellte sich der Schlaf nicht ein. Andere Erinnerungen mischten sich ein, Erinnerungen an fr�here Tote. Zu viele Schlachten und zu viele Leichen. Er bef�hlte seinen Speer und fuhr mit den Fingerspitzen die Inschrift in der Alten Sprache auf dem schwarzen Schaft nach:</p><p><emphasis>So wurde unser Vertrag niedergeschrieben; so wurde die Einigung erzielt.</emphasis></p><p><emphasis>Der Gedanke ist der Pfeil der Zeit; die Erinnerung verbla�t nie.</emphasis></p><p><emphasis>Worum gebeten wurde, ist gegeben; der Preis wurde bezahlt.</emphasis></p><p>Bei diesem Gesch�ft hatte er schlecht abgeschnitten.</p><p>Er nahm eine Decke und nach einem Moment des �berlegens den Speer und ging barfu� und in Unterhose hinaus. Der silberne Fuchskopf auf seiner blo�en Brust schimmerte im Lichtschein des Halbmonds. Eine leichte Brise wehte vom Flu� her, eine armselige Luftbewegung, die kaum K�hle brachte und nicht einmal die Flagge mit der Roten Hand zum Flattern brachte, deren Schaft man in den Boden vor seinem Zelt gesteckt hatte. Doch es war immerhin ertr�glicher als drinnen.</p><p>Er warf die Decke �ber die mageren Kr�uter und legte sich auf den R�cken. Als er ein Junge war, hatte er sich manchmal, wenn er nicht einschlafen konnte, damit beholfen, da� er die Sternbilder aufz�hlte. An diesem wolkenlosen Himmel war der Mondschein so hell, da� er die meisten Sterne verblassen lie�, aber es blieben doch noch einige sichtbar. Dort, gerade �ber ihm, war der Heuwagen, dann die F�nf Schwestern und die Drei G�nse, die den Weg nach Norden zeigten. Der Bogensch�tze, der Pfl�gende Bauer, der Schmied, die Schlange. Die Aiel nannten dieses Sternbild den Drachen. Der Schild, von manchen auch Falkenfl�gels Schild genannt � bei dem Gedanken w�lzte er sich herum, denn in einigen seiner Erinnerungen hatte er nichts f�r Artur Paendrag Tanreall �brig �, der Hirsch und der Hammel. Der Pokal, und die Reisende, deren Stock deutlich zu sehen war.</p><p>Irgendein Ger�usch erregte seine Aufmerksamkeit, er war aber nicht sicher, was es gewesen war. W�re die Nacht nicht so ruhig gewesen, h�tte dieser Laut nicht so verstohlen gewirkt, aber nun war er ihm gerade deshalb aufgefallen. Wer mochte hier herumschleichen? Neugierig richtete er sich auf einem Ellbogen auf �und erstarrte.</p><p>Wie die Schatten, die der Mond warf, huschten Gestalten um sein Zelt. Im Mondschein konnte er einen Augenblick lang ein verschleiertes Gesicht erkennen. Aiel? Was, beim Licht, war da los? Lautlos umringten sie das Zelt und traten n�her heran. Helles Metall blinkte in der Dunkelheit auf, Stoff raschelte, als man ihn durchschnitt, und sie schlichen hinein. Nur einen Moment lang, dann waren sie wieder drau�en. Und sie blickten sich um � es war hell genug, um das zu sehen.</p><p>Mat zog die Beine unter den K�rper. Wenn er geduckt blieb, konnte er m�glicherweise wegschl�pfen, ohne geh�rt zu werden.</p><p>�Mat?� rief Talmanes von weiter unten am Abhang.</p><p>Er klang betrunken.</p><p>Mat r�hrte sich nicht. Vielleicht w�rde der Mann zur�ckgehen, wenn er ihn schlafend w�hnte. <emphasis>Die</emphasis> Aiel schienen mit der Nacht zu verschmelzen, doch er war sicher, da� sie lediglich auf der Stelle zu Boden gegangen waren.</p><p>Talmanes Stiefel knirschten n�her heran. �Ich habe Brandy hier, Mat. Ich glaube, Ihr solltet auch etwas trinken. Dann tr�umt man nicht mehr, Mat. Und man denkt nicht mehr an sie.�</p><p>Mat fragte sich, ob die Aiel ihn bei dem L�rm, den Talmanes veranstaltete, h�ren konnten, wenn er sich jetzt wegschlich. Es waren ungef�hr zehn Schritte bis zum n�chsten Schlafplatz seiner M�nner � das Erste Banner der Kavallerie, Talmanes Donnerschl�ge, hatte heute nacht die �Ehre� � und weniger als zehn bis zum Zelt und den Aiel. Sie waren schnell, doch mit ein oder zwei Schritt Vorsprung w�rden sie ihn nicht bekommen, bevor er nicht f�nfzig M�nner unmittelbar um sich hatte.</p><p>�Mat? Ich glaube nicht, da� Ihr schlaft, Mat. Ich habe Eure Miene gesehen. Es wird besser, wenn man die Tr�ume ertr�nkt. Glaubt mir, ich kenne das.�</p><p>Mat kauerte am Boden, holte tief Luft und packte seinen Speer dabei fester. Zwei Schritte.</p><p>�Mat?� Talmanes kam immer n�her. Der Idiot konnte jeden Moment �ber die Aiel stolpern. Sie w�rden ihm v�llig ger�uschlos die Kehle durchschneiden.</p><p><emphasis>Seng dich,</emphasis> dachte Mat. <emphasis>Ich h�tte nur zwei Schritte gebraucht.</emphasis> �Hoch die Schwerter!� schrie er und sprang auf. �Aiel im Lager!� Er rannte den Abhang hinunter. �Sammelt Euch am Banner! Sammelt Euch unter der Roten Hand! Kommt her, Ihr hundsf�ttischer Grabr�uber!�</p><p>Das weckte nat�rlich alle auf. Es mu�te wohl, denn immerhin br�llte er wie ein Stier im Dorngestr�pp! In jeder Richtung verbreiteten sich Rufe; Trommelschl�ge rissen die M�nner hoch, und Trompeten riefen zum Sammeln. Die M�nner des Ersten Banners sprangen unter Kampfgeschrei aus den Decken und rannten die Schwerter schwingend zu ihrer Flagge.</p><p>Trotzdem war es unbestreitbar, da� die Aiel ihm n�her waren als die Soldaten. Und sie wu�ten genau, hinter wem sie her waren. Irgend etwas � Instinkt, sein Gl�ck, vielleicht eine Eigenschaft des <emphasis>Ta'veren;</emphasis> jedenfalls konnte Mat bei all dem L�rm gewi� nichts geh�rt haben � brachte ihn dazu, herumzuwirbeln, gerade als die erste verschleierte Gestalt wie aus dem Nichts hinter ihm auftauchte. Keine Zeit zum �berlegen. Mit dem Schaft seines Speers parierte er die heranzuckende Speerspitze des Angreifers, doch seinen Gegensto� fing der Aiel mit dem Armschild ab und trat ihm in den Bauch. Die Verzweiflung verlieh Mat die Kraft, auf den Beinen zu bleiben, obwohl er keine Luft bekam. Er duckte sich gerade noch unter der Speerspitze weg, die nur die Haut �ber seinen Rippen ritzte, schlug mit dem eigenen Speerschaft dem Aiel durch einen kr�ftigen Hieb die Beine unter dem Leib weg und durchbohrte sein Herz. Licht, hoffentlich war es wirklich �sein� Herz!</p><p>Er ri� den Speer rechtzeitig heraus, um sich dem Angriff der anderen zu stellen. <emphasis>Ich h�tte wegrennen sollen, als ich verdammt noch mal die Gelegenheit hatte!</emphasis> Er benutzte den Speer wie einen Bauernspie� und so schnell wie noch nie zuvor in seinem Leben, lie� ihn wirbeln, fing die zusto�enden Speerspitzen der Aiel ab und hatte keine Zeit zur�ckzuschlagen. Zu viele. <emphasis>Ich h�tte meinen verfluchten Mund halten sollen und rennen!</emphasis> Er bekam wieder Luft. �Kommt her, Ihr hirnlosen Schafdiebe! Seid Ihr alle taub? Putzt Euch die Ohren aus und sammelt Euch!�</p><p>Er fragte sich, wieso er noch nicht tot war. Er hatte beim ersten Aiel Gl�ck gehabt, aber soviel Gl�ck gab es einfach nicht. Pl�tzlich wurde ihm bewu�t, da� er nicht mehr allein war. Ein magerer Soldat aus Cairhien in Unterw�sche fiel ihm mit einem schrillen Aufschrei vor die F��e und wurde durch einen Tairener mit flatterndem Hemd und geschwungenem Schwert ersetzt. Weitere Soldaten dr�ngten heran und schrien alles m�gliche, von �Lord Matrim und Sieg!� �ber �Die Rote Hand!� bis zu �Bringt dieses Ungeziefer um!�</p><p>Mat schl�pfte r�ckw�rts weg und �berlie� ihnen das K�mpfen. <emphasis>Der General der in der ersten Linie k�mpft, ist ein t�richter Narr.</emphasis> Das entsprang diesen uralten Erinnerungen, das Zitat eines Mannes, dessen Name nicht mehr Teil der Erinnerungen war. <emphasis>Ein Mann k�nnte dort glatt umgebracht werden.</emphasis> Das war der reine Mat Cauthon.</p><p>Zum Schlu� war es die schiere �bermacht, die den Ausschlag gab. Ein Dutzend Aiel, und gegen sie, wenn nicht die ganze Bande, dann doch immerhin ein paar Hundert, die den H�gel emporklommen, bevor alles vor�ber war. Zw�lf Aiel get�tet, und weil es Aiel gewesen waren, um die H�lfte mehr Tote bei der Bande. Dazu bluteten und st�hnten noch einmal mindestens doppelt so viele, bis man ihre Wunden versorgt hatte, soweit sie dann noch am Leben waren. Selbst nach dieser kurzen Auseinandersetzung schmerzte Mats K�rper, und Blut rann aus einem halben Dutzend Wunden. Er vermutete, man werde ihn an mindestens drei Stellen n�hen m�ssen.</p><p>Sein Speer gab einen guten Kr�ckstock ab, als er hin�ber zu Talmanes humpelte, der ausgestreckt auf dem Boden lag, w�hrend Daerid sein linkes Bein abband.</p><p>Talmanes wei�es, ge�ffnetes Hemd gl�nzte an zwei Stellen dunkel und feucht. �Es scheint�, brachte er schwer atmend heraus, �da� Nerim wieder einmal seine K�nste als N�herin bei mir ausprobieren mu�, und das mit seinen Wurstfingern.� Nerim war sein Bursche und flickte seinen Herrn genauso oft zusammen wie dessen Kleidung.</p><p>�Wird er wieder?� fragte Mat leise.</p><p>Daerid zuckte die Achseln. Er hatte nur seine Hose an. �Er blutet weniger als Ihr, glaube ich.� Er blickte auf. Jetzt w�rde er der Sammlung auf seinem Gesicht eine neue Narbe hinzuf�gen k�nnen. �Gut, da� Ihr ihnen rechtzeitig aus dem Weg gegangen seid, Mat. Es ist unverkennbar, da� sie hinter Euch her waren.�</p><p>�Dann haben sie gl�cklicherweise nicht bekommen, was sie wollten.� St�hnend k�mpfte sich Talmanes mit einem Arm um Daerids Schulter auf die Beine.</p><p>�Es w�re schlimm, das Gl�ck der Bande einer Handvoll Wilder in der Nacht zu opfern.�</p><p>Mat r�usperte sich. �Das hatte ich auch im Sinn.� Die Erinnerung daran, wie die Aiel in seinem Zelt verschwunden waren, stieg in seinem Geist empor und lie� ihn schaudern. Wieso, beim Licht, wollten Aiel ihn umbringen?</p><p>Nalesean kam von der Stelle her�ber, wo man die Leichen der Aiel nebeneinandergelegt hatte. Selbst jetzt hatte er seinen Mantel an, wenn er auch nicht zugekn�pft war. Dabei studierte er finster einen Blutfleck auf dem Revers. Vielleicht war es sein eigenes Blut, vielleicht auch nicht. �Seng meine Seele, ich wu�te doch, da� diese Wilden uns fr�her oder sp�ter �berfallen w�rden. Ich sch�tze, sie kamen aus der Truppe, die uns vor ein paar Stunden �berholt hat.�</p><p>�Das bezweifle ich�, sagte Mat. �H�tten sie mich gewollt, dann h�tten sie mich auf den Spie� gesteckt und zum Abendessen �ber dem Feuer ger�stet, bevor einer von Euch etwas gemerkt h�tte.� Er zwang sich, hin�berzuhumpeln und die Aiel zu mustern. Er nahm eine Laterne mit, die jemand gebracht hatte, um den schwachen Mondschein zu unterst�tzen. Die Erleichterung, nur die Gesichter von M�nnern zu entdecken, lie� ihm die Knie zittern. Er kannte keinen von ihnen, aber er kannte sowieso nur wenige Aiel. �Shaido, denke ich�, sagte er und kehrte mit der Laterne zu den anderen zur�ck. Das konnten wirklich Shaido sein. Und Schattenfreunde dazu. Er wu�te nur zu gut, da� es unter den Aiel Schattenfreunde gab. Und Schattenfreunde hatten allen Grund, seinen Tod zu w�nschen.</p><p>�Morgen�, sagte Daerid, �sollten wir meiner Meinung nach eine dieser Aes Sedai auf dem anderen Ufer aufsp�ren. Talmanes wird es �berleben, wenn er nicht zuviel Alkohol verloren hat, aber einige andere haben vielleicht nicht soviel Gl�ck.� Nalesean sagte nichts, aber sein Knurren sprach B�nde. Er war schlie�lich Tairener und liebte die Aes Sedai noch weniger als Mat.</p><p>Mat z�gerte nicht mit seiner Zustimmung. Er w�rde nicht zulassen, da� eine Aes Sedai bei ihm die Macht anwandte � auf gewisse Weise bedeutete jede Narbe f�r ihn einen Sieg, eine weitere Gelegenheit, da er die Aes Sedai hatte meiden k�nnen �, aber er konnte von keinem Mann verlangen, deshalb zu sterben. Anschlie�end sagte er ihnen, was er noch wollte.</p><p>�Einen Graben?� fragte Talmanes in ungl�ubigem Tonfall.</p><p>�Rund um das Lager herum?� Naleseans Spitzbart bebte. �Jeden Abend?�</p><p>�Und eine Palisade?� rief Daerid. Er blickte sich schnell um und senkte die Stimme. Es befanden sich noch einige Soldaten in ihrer N�he, um die Leichen wegzuschaffen. �Das wird eine Meuterei geben, Mat.�</p><p>�Nein, wird es nicht�, sagte Mat. �Am Morgen wird auch der letzte Mann wissen, da� sich Aiel ins Lager eingeschlichen hatten, um mein Zelt zu erreichen. Die H�lfte wird nicht mehr schlafen aus Angst, einen Aielspeer zwischen die Rippen zu bekommen. Ihr drei werdet ihnen die Tatsache schmackhaft machen, da� eine Palisade die Aiel davon abhalten wird, sich nochmal bei uns einzuschleichen.� Zumindest w�rde es sie aufhalten. �Jetzt geht und la�t mich heute nacht noch ein wenig schlafen.�</p><p>Nachdem sie weg waren, betrachtete er sein Zelt genauer. Lange Schlitze in den W�nden, wo die Aiel eingedrungen waren, deren R�nder im leichten Wind flatterten. Seufzend wollte er schon zu seiner Decke im Gestr�pp zur�ckkehren, z�gerte dann aber. Das Ger�usch, das ihn aufgeschreckt hatte. Die Aiel hatten kein Ger�usch verursacht, hatten nicht einmal gefl�stert. Ein Schatten war genauso laut wie ein Aiel. Was hatte das also verursacht?</p><p>Er st�tzte sich auf seinen Speer und humpelte um das Zelt herum, wobei er den Boden genau betrachtete. Er wu�te selbst nicht, wonach er suchte. Die weichen Aielstiefel hatten keine Spuren hinterlassen, soweit er das im Schein der Laterne feststellen konnte. Zwei der Zeltleinen hingen lose, wo man sie durchschnitten hatte, aber... Er stellte die Laterne auf den Boden und bef�hlte die Leinen. Dieses Ger�usch h�tte davon stammen k�nnen, da� man eine straffe Leine kappte, aber es hatte doch gar keinen Grund gegeben, sie durchzuschneiden, um hineinzukommen. Etwas an dem Winkel der Schnitte und der Art, wie sie sich aneinanderf�gten, erregte seine Aufmerksamkeit. Er nahm die Laterne wieder und blickte sich in der Umgebung um. Ein d�rftiger Busch unweit des Zeltes war an einer Seite abgeschnitten worden. D�nne Zweige mit kleinen Bl�ttern daran lagen auf dem Boden. Der Busch war ganz sauber getrimmt worden, die Schnittfl�che gerade und die Enden der abgeschnittenen Zweige glatt. Es wirkte, als habe ein M�belschreiner daran gearbeitet.</p><p>Die H�rchen in Mats Nacken standen zu Berge. Eines dieser L�cher in der Luft, wie sie Rand benutzte, war hier ge�ffnet worden. Schlimm genug, da� Aiel versucht hatten, ihn zu t�ten, aber sie waren von jemandem geschickt worden, der eines dieser ... Tore, wie Rand sie bezeichnete, �ffnen konnte, Licht, wenn er inmitten der Bande noch nicht einmal vor den Verlorenen in Sicherheit war, wo dann? Er fragte sich, wie er von nun an schlafen solle � vielleicht mit Wachfeuern um sein Zelt herum? Und mit einer Leibgarde � nein, als Ehrengarde w�rde er sie bezeichnen, damit es ihnen nicht ganz so schwerfallen w�rde, vor seinem Zelt Wache zu stehen. Beim n�chsten Mal w�rden m�glicherweise hundert Trollocs kommen, oder tausend, anstelle einer Handvoll Aiel. War er �berhaupt wichtig genug f�r so etwas? Falls sie entschieden, er sei zu wichtig, k�nnte es beim n�chsten Mal ein Verlorener sein. Blut und Asche! Er hatte nie darum gebeten, ein <emphasis>Ta'veren</emphasis> zu sein, und freiwillig h�tte er sich niemals an den Wiedergeborenen verdammten Drachen gebunden!</p><p>�Blut und blutige...!�</p><p>Ein Knirschen am Boden in seinem R�cken warnte ihn, und er wirbelte knurrend mit dem Speer in H�nden herum. Gerade noch rechtzeitig hielt er die zusto�ende Klinge am Ende des Speers zur�ck, als Olver aufschrie und platt auf den R�cken fiel. Mit weit aufgerissenen Augen starrte der Junge die Speerspitze an.</p><p>�Was, beim verdammten Krater des Verderbens, tust du hier?� fuhr ihn Mat an.</p><p>�Ich ... ich...� Der Junge mu�te erst einmal schlucken. �Sie sagen, f�nfzig Aiel h�tten versucht, Euch im Schlaf zu t�ten, Lord Mat, aber Ihr h�ttet sie zuerst get�tet, und ich wollte sehen, ob es Euch gutgeht, und ... Lord Edorion hat mir Schuhe gekauft. Seht Ihr?� Er hob einen beschuhten Fu�.</p><p>Mat knurrte in sich hinein und zog Olver hoch. �Das hatte ich nicht gemeint. Warum bist du nicht in Maerone? Hat Edorion niemanden gefunden, der sich um dich k�mmert?�</p><p>�Sie war nur hinter Lord Edorions Geld her und wollte mich gar nicht haben. Au�erdem hatte sie schon sechs eigene Kinder. Meister Burdin gibt mir eine Menge zu essen, und alles, was ich tun mu�, ist, seine Pferde zu tr�nken und sie trockenzureiben. Das gef�llt mir, Lord Mat. Aber er l��t mich nicht reiten.�</p><p>Jemand r�usperte sich. �Lord Talmanes hat mich geschickt, mein Lord.� Nerim war selbst f�r einen Bewohner Cairhiens klein, ein hagerer, grauhaariger Mann mit einem langen Gesicht, das wirkte, als wolle es sagen: �Im Moment geht alles schief, und wahrscheinlich auch auf lange Sicht, aber heute ist ein besserer Tag als �blich.� �Wenn mein Lord mir meine Worte verzeiht, diese Blutflecke werden nie mehr aus der Unterw�sche meines Lords zu entfernen sein, aber falls mein Lord mir die Erlaubnis gibt, werde ich vielleicht in der Lage sein, etwas hinsichtlich der Risse in meinem Lord zu unternehmen.� Er hatte sein N�hk�stchen unter den Arm geklemmt. �Du, Junge, hol ein wenig Wasser! Keine Widerrede. Wasser f�r meinen Lord, und das etwas pl�tzlich.� Nerim brachte es fertig, beim Verbeugen noch die Laterne aufzuheben. �Wenn mein Lord mit hinein kommen w�rde? Die Nachtluft ist schlecht f�r offene Wunden.�</p><p>Nach kurzer Zeit lag Mat neben seinem, Bettzeug auf dem Boden ausgestreckt � �Mein Lord wird seine Decken nicht beschmutzen wollen� �, lie� Nerim getrocknetes Blut abwaschen und ihn die Wunden zusammenflicken. Talmanes hatte recht: als N�herin war der Mann wirklich ein lausiger Versager. Da aber Olver zugegen war, blieb ihm nichts anderes �brig, als mit den Z�hnen zu knirschen und alles �ber sich ergehen zu lassen.</p><p>In dem Versuch, sich von Nerims Nadel abzulenken, deutete Mat auf die zerschlissene Stofftasche, die von Olvers Schulter hing. �Was hast du da drinnen?� �chzte er.</p><p>Olver dr�ckte die zerfledderte Tasche an seine Brust. Er war gewi� sauberer als zuvor, wenn auch nicht h�bscher deswegen. Die Schuhe schienen fest zu sein, und sein wollenes Hemd und die Hose wirkten neu. �Das ist meine�, sagte er trotzig. �Ich habe nichts gestohlen.� Einen Augenblick sp�ter �ffnete er die Tasche und fing an Gegenst�nde herauszunehmen.</p><p>Eine Ersatzhose, zwei weitere Hemden und einige Paare Str�mpfe interessierten ihn selbst offenbar wenig. Doch die anderen Dinge z�hlte er auf: �Das ist meine Feder von einem roten Milan, Lord Mat, und dieser Stein hat die Farbe der Sonne. Seht Ihr?� Er legte einen kleinen Beutel dazu. �Ich habe f�nf Kupferpfennige und sogar einen Silberpfennig.� Ein eingerolltes Tuch, das durch eine Schnur zusammengehalten wurde, und ein kleines Holzk�stchen. �Mein Schlange-und-Fuchs-Spiel. Das hat mein Vater f�r mich gemacht. Er hat auch das Brett bemalt.� Einen Moment lang verzog er sein Gesicht, als wolle er weinen, doch dann fuhr er fort: �Und schaut mal... In diesem Stein ist ein Fischkopf drin. Ich wei� nicht, wie er da hineingekommen ist. Und das ist mein Schildkr�tenpanzer. Eine Schildkr�te mit blauem R�cken. Seht Ihr die Streifen?�</p><p>Mat �chzte unter einem besonders harten Sto� der N�hnadel und streckte die Hand nach dem zusammengerollten Tuch aus. Er f�hlte sich viel besser, wenn er durch die Nase atmete. Es war eigenartig, wie sich die L�cher in seinen Erinnerungen auswirkten. Er erinnerte sich beispielsweise daran, wie man Schlange und Fuchs spielte, aber nicht, da� er es jemals gespielt h�tte. �Das ist ein sch�ner Schildkr�tenpanzer, Olver. Ich hatte auch einmal einen. Eine gr�ne Karettschildkr�te.� So streckte er die Hand nach der anderen Seite aus und fand seinen Geldbeutel. Er kramte zwei Goldkronen aus Cairhien heraus. �Steck die in deinen Beutel, Olver. Ein Mann braucht ein wenig Gold in der Tasche.�</p><p>Beleidigt begann Olver, seine Habseligkeiten in die Tasche zu packen. �Ich bettle nicht, Lord Mat. Ich kann f�r mein Essen arbeiten. Ich bin kein Bettler.�</p><p>�Ich habe das auch nie behauptet.� Mat �berlegte krampfhaft, um einen Grund zu finden, den Jungen mit den beiden Kronen bezahlen zu k�nnen. �Ich ... ich brauche jemanden als Laufburschen, um f�r mich Botschaften zu �berbringen. Ich kann kein Mitglied der Bande darum bitten, denn sie haben alle ihre Aufgaben als Soldaten. Sicher, du m��test dann dein eigenes Pferd pflegen. Ich kann schlecht jemand anders bitten, das f�r dich zu erledigen.�</p><p>Olver stand pl�tzlich ganz gerade da. �Ich w�rde mein eigenes Pferd bekommen?� fragte er ungl�ubig.</p><p>�Selbstverst�ndlich. Dann ist da noch etwas. Ich hei�e Mat. Wenn du mich noch einmal <emphasis>Lord</emphasis> Mat nennst, werde ich dir einen Knoten in die Nase machen.� Aufbr�llend zuckte er hoch. �Seng Euch, Nerim. Das ist ein Bein und kein verdammtes St�ck Rindfleisch!�</p><p>�Wie mein Lord meint�, murmelte Nerim. �Das Bein meines Lords ist kein St�ck Rindfleisch. Ich danke Euch, mein Lord, da� Ihr mich davon unterrichtet habt.�</p><p>Olver f�hlte z�gernd nach seiner Nase, als �berlege er, ob sie sich wirklich verknoten lie�e.</p><p>Mat sank st�hnend zur�ck. Nun hatte er sich den Jungen aufgehalst und ihm damit keineswegs einen Gefallen getan, jedenfalls nicht, falls er beim n�chsten Mal in der N�he war, wenn die Verlorenen sich bem�hten, die Anzahl der <emphasis>Ta'veren</emphasis> auf der Welt zu verringern. Nun, sollte Rands Plan aufgehen, w�rde es statt dessen einen Verlorenen weniger geben. Wenn es allerdings nach Mat Cauthon ging, wollte er sich lieber aus allen Schwierigkeiten heraushalten, bis es keine Verlorenen mehr gab.</p></section><section><title><p>23</p><p>Um eine Botschaft zu begreifen...</p></title><p>Graendal beherrschte sich gerade noch, um nicht erstaunt die Augen aufzurei�en, als sie den Saal betrat, doch ihr Gewand aus Streith verf�rbte sich zu einem stumpfen Schwarz, bevor sie es verhindern und wieder in einen blauen Nebelschleier verwandeln konnte. Sammael hatte alles daf�r getan, da� keiner glauben mochte, es handle sich hier um den Gro�en Ratssaal in Illian. Andererseits w�re sie �berrascht gewesen, falls irgend jemand au�er ihm selbst jemals uneingeladen so weit in die Gem�cher �Lord Brends� vordringen w�rde. Die Luft war angenehm k�hl. In einer Ecke stand der Hohlzylinder eines Luftaustauschers. Gl�hbirnen, hell und gleichm��ig leuchtend, wirkten eigenartig auf den schweren, goldenen Kerzenhaltern und ergaben eine wesentlichere Beleuchtung, als Kerzen oder �llampen jemals liefern konnten. Ein kleines Musikger�t stand auf dem Marmorsims des Kamins und gab aus seinem Speicher die sanften Kl�nge einer Klangskulptur wieder, die man vermutlich au�erhalb dieses Saals dreitausend Jahre lang nicht mehr vernommen hatte. Und sie erkannte mehrere der Kunstwerke an den W�nden.</p><p>Sie blieb vor Ceran Tols <emphasis>Tempo der Unendlichkeit</emphasis> stehen. Es handelte sich nicht um eine Kopie. �Man k�nnte meinen, du h�ttest ein Museum gepl�ndert, Sammael.� Es fiel ihr schwer, den Neid aus ihrem Tonfall herauszuhalten, und als sie sein leichtes L�cheln entdeckte, war ihr klar, da� er sie durchschaut hatte.</p><p>Er go� Wein in zwei silberne Pokale und reichte ihr einen davon. �Nur eine Stasis-Kammer. Ich denke, die Menschen haben versucht, alles zu bewahren, was sie nur konnten, damals, in jenen letzten Tagen.� Sein L�cheln verzerrte diese schreckliche Narbe, die schr�g �ber sein Gesicht verlief. Er blickte sich stolz in dem Saal um. Besonders selbstgef�llig sah er das Zarabrett an, das sein Spielfeld aus im Moment noch durchscheinenden W�rfeln in die Luft projizierte. Ihm hatten schon immer die gewaltsameren Spiele am besten gefallen. Klar � ein Zarabrett bedeutete, da� die StasisKammer von jemandem gef�llt worden war, der dem Gro�en Herrn folgte, denn auf der anderen Seite hatte bereits der Besitz einer einzigen fr�her einmal menschlichen Spielfigur zu einer Gef�ngnisstrafe gef�hrt. Was hatte er sonst noch gefunden?</p><p>Sie schl�rfte ihren Wein und unterdr�ckte ein Aufseufzen, denn er stammte aus dem Hier und Jetzt. Sie hatte auf die zarte Blume eines Satare oder einen der exquisiten Comolader gehofft. Dann strich sie mit beringten Fingern �ber ihr Gewand. �Ich habe auch eine gefunden, doch sie enthielt au�er Streith nur eine abschreckende Sammlung von nutzlosem Schrott.� Da er sie schlie�lich hierher eingeladen und ihr dies alles gezeigt hatte, war es an der Zeit f�r Vertraulichkeiten. Kleine Vertraulichkeiten.</p><p>�Wie traurig f�r dich.� Wieder dieses leichte L�cheln. Er hatte zweifellos mehr gefunden als nur h�bsche Spielzeuge. �Auf der anderen Seite�, fuhr er fort, �bedenke bitte� wie furchtbar es gewesen w�re, eine Kammer zu �ffnen und ein Nest voll Cafar aufzuscheuchen, oder sagen wir, eine Jumara, oder eine von Aginors anderen kleinen Sch�pfungen. Wu�test du, da� in der F�ule Jumara frei herumlaufen? Voll ausgewachsen, wenn sie sich nun auch niemals verwandeln werden. Sie bezeichnen sie als �W�rmer�.� Dar�ber mu�te er derart schallend lachen, da� sein ganzer K�rper bebte.</p><p>Graendal l�chelte um einiges w�rmer als ihr zumute war, aber falls ihr Gewand die Farbe �nderte, war es wohl nur eine kleine Nuance. Sie hatte einmal eine unangenehme, ja beinahe t�dliche Begegnung mit einem von Aginors Gesch�pfen erlebt. Der Mann war auf seine Art brillant gewesen, aber eben wahnsinnig. Nur ein Wahnsinniger h�tte etwas wie den Gholam geschaffen. �Du scheinst guter Dinge zu sein?�</p><p>�Warum auch nicht?� erwiderte er �berschwenglich. �Ich habe ein ganzes Lager voller <emphasis>Angreal</emphasis> und was dort sonst noch so enthalten sein mag, schon beinahe in der Hand. Schau nicht so �berrascht drein. Nat�rlich habe ich gewu�t, da� der Rest von euch spioniert hat in der Hoffnung, da� ich euch ohne es zu wissen dorthin f�hren werde. Nun, das wird euch nicht helfen. O ja, ich werde mit euch teilen, aber erst, nachdem es sich in meinem Besitz befindet und ich ausgew�hlt habe, was ich f�r mich behalten will.� Er lag entspannt auf einem stark vergoldeten Sessel � oder vielleicht bestand er sogar aus reinem Gold, das s�he ihm �hnlich �, hatte einen Stiefel auf die Spitze des anderen gest�tzt und strich sich den goldenen Bart. �Au�erdem habe ich al'Thor einen Abgesandten geschickt. Und die Antwort ist positiv ausgefallen.�</p><p>Graendal h�tte fast ihren Wein versch�ttet. �Tats�chlich? Ich h�rte, er habe deinen Boten get�tet.� Falls ihn ihr Wissen um diese Tatsache ersch�tterte, beherrschte er sich gut. Er l�chelte sogar.</p><p>�Al'Thor hat niemanden get�tet. Andris ging dorthin, um zu sterben. Glaubst du, ich will auf einen Kurier warten? Oder gar auf <emphasis>Tauben? Wie</emphasis> er starb, vermittelte mir die Antwort al'Thors.�</p><p>�Und die lautete?� fragte sie zur�ckhaltend.</p><p>�Waffenstillstand zwischen uns.�</p><p>Eisige Finger schienen sich in ihre Kopfhaut zu krallen. Das konnte doch nicht wahr sein. Trotzdem ... er wirkte so entspannt, wie sie ihn seit dem Erwachen nicht mehr erlebt hatte. �Lews Therin w�rde niemals...�</p><p>�Lews Therin ist schon lange tot, Graendal.� Der Einwurf klang am�siert, sogar ein wenig sp�ttisch. �berhaupt nicht �rgerlich.</p><p>Sie verbarg ein tiefes Luftholen, indem sie zu trinken vorgab. Konnte es stimmen? �Sein Heer sammelt sich immer noch in Tear. Ich habe es gesehen. Das wirkt auf mich kaum wie ein Waffenstillstand.�</p><p>Sammael lachte schallend. �Es kostet Zeit, ein Heer zur�ckzurufen. Glaub mir, es wird niemals gegen mich ins Feld ziehen.�</p><p>�Glaubst du das wirklich? Ein oder zwei von meinen kleinen Freunden berichten, da� er dich t�ten will, weil du ein paar seiner Lieblingst�chter hast umbringen lassen. W�re ich an deiner Stelle, dann w�rde ich mir �berlegen, mich irgendwo aufzuhalten, wo er mich nicht aufsp�ren k�nnte.� Er zuckte nicht mit der Wimper. Es war, als h�tte man alle F�den durchgeschnitten, die ihn sonst tanzen lie�en.</p><p>�Was spielt es schon f�r eine Rolle, wenn ein paar T�chter des Speers gestorben sind?� Seine Miene wirkte ehrlich verdutzt. �Es war im Kampf, und Soldaten fallen nun einmal im Kampf. Al'Thor mag ja ein Bauer sein, aber er verf�gt �ber Gener�le, die seine Schlachten austragen und ihm die Lage erkl�ren k�nnen. Ich bezweifle, da� er das �berhaupt bemerkt hat.�</p><p>�Du hast dir diese Menschen wirklich niemals richtig angesehen. Sie haben sich genauso ver�ndert wie das Land, Sammael. Nicht nur die Aiel. Auf gewisse Weise haben sich die anderen noch viel mehr ver�ndert. Diese Soldaten waren Frauen, und f�r Rand al'Thor stellt das einen Unterschied dar.�</p><p>Er zuckte die Achseln, als sei das alles nebens�chlich, und sie unterdr�ckte ihre aufkommende Verachtung und sorgte daf�r, da� das Streith unver�ndert als ruhiger Nebel um ihren K�rper wallte. Er hatte nie verstanden, da� man die Menschen kennen mu�te, um sie sich gef�gig zu machen. Innerer Zwang war sch�n und gut, aber man konnte nicht eine ganze Welt mit Hilfe dieser k�nstlichen Zwangsvorstellungen beherrschen.</p><p>Sie fragte sich, ob die Stasis-Kammer vielleicht jenes Lager war, das er angeblich �schon beinahe in der Hand hatte�. Wenn er auch nur einen einzigen <emphasis>Angreal</emphasis> hatte... Sollte es der Fall sein, dann w�rde sie es herausfinden, allerdings vielleicht erst dann, wenn er es zulie�. �Ich sch�tze, wir werden noch erleben, um wie vieles kl�ger der neue Lews Thierin mittlerweile geworden ist.� Sie zog fragend eine Augenbraue hoch und brachte es fertig, ein wenig zu l�cheln. Keine Reaktion. Wie konnte er sich nur pl�tzlich so gut beherrschen? Lews Therins Name allein h�tte ausreichen sollen, um ihn hochgehen zu lassen. �Wenn er es nicht schafft, dich aus Illian hinauszutreiben wie eine Cosa auf einen Baum, wird er dich vielleicht...�</p><p>�Das k�nnte aber ein langes Warten werden�, unterbrach er sie in verbindlichem Tonfall. �Das hei�t, zu lange f�r dich.�</p><p>�Soll das eine Drohung sein, Sammael?� Ihr Gewand ver�nderte die Farbe zu einem hellen Rosa, aber sie belie� es dabei. Sollte er doch merken, da� sie zornig war. �Ich glaubte, du h�ttest schon vor langer Zeit gelernt, da� es ein Fehler ist, mir zu drohen.�</p><p>�Keine Drohungen, Graendal�, erwiderte er gelassen. All seine Schwachstellen, an denen man ihn sonst packen konnte, schienen mit einem Mal unempfindlich zu sein; nichts schien diese am�sierte K�hle brechen zu k�nnen. �Blo�e Tatsachen. Al'Thor wird mich nicht angreifen und ich ihn auch nicht. Und selbstverst�ndlich habe ich mich einverstanden erkl�rt, keinem anderen der Auserw�hlten zu Hilfe zu kommen, sollte al'Thor sie aufsp�ren. Alles das entspricht eindeutig den Befehlen des Gro�en Herrn, oder nicht?�</p><p>�Selbstverst�ndlich.� Sie verzog keine Miene, aber das Rosa des Streith war dunkler geworden und es hatte etwas von der Verschwommenheit verloren. Teilweise dr�ckte die Farbe immer noch Zorn aus. Es war mehr an dieser Sache dran, aber wie sollte sie das herausbekommen?</p><p>�Und das bedeutet�, fuhr er fort, �da� ich h�chstwahrscheinlich am Tag der Wiederkehr der einzige sein werde, der noch �brig ist, um sich al'Thor zum Kampf zu stellen.�</p><p>�Ich bezweifle, da� er es fertigbringen wird, uns alle zu t�ten�, sagte sie bei�end, doch auch in ihrem Magen r�hrte sich etwas Bei�endes. Zu viele der Auserw�hlten waren bereits gestorben. Sammael mu�te einen Weg gefunden haben, um sich bis zum Schlu� herauszuhalten � das war die einzig m�gliche Erkl�rung.</p><p>�Du zweifelst daran? Nicht einmal, wenn er erf�hrt, wo ihr euch alle aufhaltet?� Sein L�cheln vertiefte sich. �Ich wei� mit Bestimmtheit, was Demandred plant, aber wo versteckt er sich? Wo ist Semirhage? Mesaana? Wie steht es mit Asmodean und Lanfear? Moghedien?�</p><p>Diese kalten Finger kehrten zur�ck und krallten sich in ihren Sch�del. Er w�rde nicht hier herumsitzen und solche Dinge sagen � er w�rde nicht wagen, das anzudeuten, was er andeutete, au�er...</p><p>�Asmodean und Lanfear sind tot, und ich bin sicher, auch Moghedien teilt ihr Schicksal.� Sie war �berrascht von dem Klang ihrer eigenen Stimme: heiser und unsicher. Der Wein schien ihre ausgetrocknete Kehle nicht zu befeuchten.</p><p>�Und die anderen?� Es war nur eine Frage. Seine Stimme klang nicht hartn�ckig. Sie lie� sie schaudern.</p><p>�Ich habe dir gesagt, was ich wei�, Sammael.�</p><p>�Also nichts. Wenn ich Nae'blis bin, werde ich denjenigen ausw�hlen, der gleich unter mir kommt; er mu� am Leben bleiben, um die Ber�hrung des Gro�en Herrn zu erfahren.�</p><p>�Willst du damit sagen, da� du im Schayol Ghul warst? Da� dir der Gro�e Herr versprochen hat...?�</p><p>�Du wirst alles erfahren, wenn es an der Zeit ist, aber nicht vorher. Doch nur ein kleiner Ratschlag, Graendal. Bereite dich jetzt darauf vor. Wo halten sie sich auf?�</p><p>Ihr Verstand arbeitete fieberhaft. Er mu�te dieses Versprechen erhalten haben. Ganz gewi�. Doch warum gerade er? Nein, sie hatte keine Zeit f�r fruchtlose �berlegungen. Der Gro�e Herr w�hlte aus, wen er haben wollte. Und Sammael wu�te, wo sie sich aufhielt. Sie konnte aus Arad Doman fliehen und sich anderswo h�uslich einrichten; das w�re nicht schwer. Die kleinen Spielchen, die sie dort spielte, und sogar die gr��eren Spiele, die sie damit wohl aufgeben m��te, w�ren ein geringer Verlust, verglich sie das mit der Vorstellung, al'Thor � oder Lews Therin �w�re hinter ihr her. Sie hatte nicht die Absicht, sich ihm jemals offen zum Kampf zu stellen. Wenn ihm schon Ishamael und Rahvin zum Opfer gefallen waren, w�rde sie sich nicht kopf�ber auf ihn st�rzen. Sammael <emphasis>mu�te</emphasis> dieses Versprechen erhalten haben. Wenn er jetzt starb... Er ben�tzte bestimmt gerade <emphasis>Saidin</emphasis> � er w�re verr�ckt, solche Dinge zu sagen, ohne sich zu sch�tzen. Und er w�rde es im gleichen Moment sp�ren, wenn sie nach <emphasis>Saidar</emphasis> griff. Dann w�re sie diejenige, die sterben w�rde. Er mu�te es bekommen haben. �Ich ... wei� nicht, wo sich Demandred oder Semirhage aufhalten. Mesaana... Mesaana ist in der Wei�en Burg. Das ist alles, was ich wei�. Ich schw�re es.�</p><p>Der Ring um ihre Brust lockerte sich, als er schlie�lich nickte. �Du wirst die anderen f�r mich suchen.�</p><p>Es war nicht als Frage gemeint �Alle, Graendal. Wenn du willst, da� ich jemanden f�r tot halte, dann zeige mir die Leiche.�</p><p>Sie w�nschte sich den Mut, ihn zu einer Leiche zu machen. Ihr Gewand ver�nderte wellenartig die Farbe. Wild leuchtende Rotschattierungen gaben ihren Zorn, ihre Angst und Scham wieder, die Gef�hle, von denen sie abwechselnd gepackt wurde. Also gut sollte er sie doch f�r eingesch�chtert halten. Wenn er Mesaana al'Thor ans Messer lieferte, wenn er sie alle al'Thor ans Messer lieferte, in Ordnung, solange <emphasis>ihr</emphasis> das al'Thor vom Leibe hielt. �Ich will es versuchen.�</p><p>�Versuche es nicht nur, Graendal. Nicht nur Versuchern!�</p><p>Als Graendal gegangen war und sich das Tor zu ihrem Palast in Arad Doman geschlossen hatte, lie� Sammael das L�cheln von seinem Gesicht verschwinden. Seine Wangen schmerzten, so hatte er sich dabei anstrengen m�ssen. Graendal �berlegte zuviel; sie war so daran gew�hnt, andere zu zwingen, f�r sie zu handeln, da� sie gar nicht daran dachte, etwas selbst in die Hand zu nehmen. Er fragte sich, was sie wohl davon halten w�rde, wenn sie jemals herausfand, da� er sie genauso geschickt manipuliert hatte, wie sie in ihren besten Zeigen so viele Narren an ihren F�den hatte tanzen lassen. Er war bereit, jede Wette einzugehen, da� sie sein wahres Ziel nicht ahnte. Also befand sich Mesaana in der Wei�en Burg. Mesaana in der Burg und Graendal in Arad Doman. W�re Graendal in der Lage gewesen, jetzt seine Miene zu sehen, h�tte sie wirklich Angst empfunden. Was auch geschehen mochte: Sammael hatte vor, derjenige zu sein, der am Tag der Wiederkehr auf dem Posten war, um sich zum Nae'blis ernennen zu lassen und den Wiedergeborenen Drachen zu besiegen.</p></section><section><title><p>24</p><p>Eine Abordnung</p></title><p>Egwene bahnte sich gutgelaunt ihren Weg durch die Menge, nachdem sie sich von den Musikanten an der Stra�enecke � einer schwitzenden Frau, die auf einer langen Fl�te spielte, und einem rotgesichtigen Mann, der ein neunsaitiges Instrument zupfte � abgewandt hatte. Die Sonne stand wie geschmolzenes Gold hoch am Himmel, und die Pflastersteine waren hei� genug, da� sie sich durch die Sohlen ihrer weichen Stiefel brannten. Schwei� tropfte ihr von der Nase herab, ihr Umh�ngetuch f�hlte sich wie eine schwere Decke an, obwohl es locker um die Oberarme geschlungen war, und es lag genug Staub in der Luft, da� sie bereits jetzt das Gef�hl hatte, sich waschen zu m�ssen, aber sie l�chelte dennoch. Einige Leute sahen sie fragend an, wenn sie glaubten, da� sie nicht hinsah, was sie fast zum Lachen brachte. So betrachteten sie Aiel nun einmal. Die Menschen sahen, was sie zu sehen erwarteten, und sie sahen nur eine Frau in Aielkleidung, ohne jemals ihre Augen oder ihre Gr��e zu beachten.</p><p>Stra�enh�ndler und Hausierer priesen lauthals ihre Waren an und versuchten damit, sich gegen die Rufe der Schl�chter und Kerzenmacher, das Rasseln und Klappern der Silberschmieden und T�pferl�den und das Quietschen unge�lter Radachsen durchzusetzen. Fluchende Wagenlenker und M�nner, die neben Ochsenkarren einhergingen, kamen sich mit dunkel lackierten S�nften und schlichten Kutschen mit Haussiegeln an den T�ren ins Gehege. �berall waren Musikanten, Akrobaten und Jongleure zu sehen. Eine Gruppe blasser Frauen in Reitkleidung und mit Schwertern stolzierte vor�ber. Sie ahmten das ihrer Vorstellung nach typische Verhalten von M�nnern nach, lachten zu raun und bahnten sich auf eine Art ihren Weg durch die Menge, die auf hundert Schritt ein Dutzend K�mpfe bewirkt h�tte, wenn sie wirklich M�nner gewesen w�ren. Der Hammer eines Hufschmieds traf klirrend auf den Ambo� auf. Die Luft war von Murmeln und Tumult erf�llt, die Ger�uschkulisse einer Stadt, die sie unter den Aiel fast vergessen hatte. Vielleicht hatte sie sie sogar vermi�t.</p><p>Sie mu�te mitten auf der Stra�e lachen. Als sie zum ersten Mal die Ger�usche einer Stadt geh�rt hatte, war sie wie bet�ubt gewesen. Manchmal schien es ihr, als sei das M�dchen von damals mit den gro�en Augen jemand anderes gewesen.</p><p>Eine Frau, die ihre kastanienbraune Stute durch die Menge lenkte, sah sie neugierig an. Man hatte dem Pferd kleine Silbergl�ckchen in die lange M�hne geflochten, und die Frau trug ebenfalls Gl�ckchen in ihrem dunklen, bis zur Taille reichenden Haar. Sie war h�bsch und wahrscheinlich nicht wesentlich �lter als Egwene, aber ihr Gesicht wirkte hart, sie blickte scharf um sich und trug nicht weniger als sechs Messer an ihrem G�rtel, von denen eines so gro� wie das einer Aiel war. Sie war zweifellos eine J�gerin des Horns.</p><p>Ein gro�er, gutaussehender Mann in einem gr�nen Mantel und mit zwei auf den R�cken gebundenen Schwertern beobachtete, wie die Frau vor�berritt. Er war wahrscheinlich ebenfalls ein J�ger des Horns. Sie schienen �berall zu sein. Als die Frau auf dem Kastanienbraunen in der Menge verschwand, wandte der Mann sich um und bemerkte, da� Egwene ihn betrachtete. Er l�chelte pl�tzlich neugierig, straffte die breiten Schultern und kam auf sie zu.</p><p>Egwene setzte hastig ihr abweisendstes Gesicht auf, versuchte Sorilea angestrengt mit Siuan Sanche in Verbindung zu bringen, die Stola vom Amyrlin-Sitz um die Schultern.</p><p>Er blieb �berrascht stehen. Als er sich dann abwandte, h�rte sie ihn deutlich grollen: �Flammende Aiel.� Sie konnte nicht umhin, erneut zu lachen. Er mu�te es trotz des L�rms geh�rt haben, denn er erstarrte und sch�ttelte den Kopf. Aber er schaute nicht zur�ck.</p><p>Es gab zwei Gr�nde f�r Egwenes gute Stimmung. Zum einen hatten die Weisen Frauen letztendlich zugestimmt, da� das Wandern durch die Stadt eine genauso gute �bung war wie das Wandern um deren Au�enmauern. Sorilea schien am wenigsten zu verstehen, warum Egwene auch nur eine Minute l�nger als n�tig unter Massen von Feuchtl�ndern verbringen wollte, die sich innerhalb der Stadtmauern besonders zusammendr�ngten. Aber haupts�chlich war sie guter Stimmung, weil die Weisen Frauen ihr gesagt hatten, sie k�nne jetzt, da die Kopfschmerzen, die sie so verwirrt hatten, vollkommen vergangen waren � sie hatte sie nicht ganz verbergen k�nnen � bald nach <emphasis>Tel'aran'rhiod</emphasis> zur�ckkehren. Noch nicht bis zum n�chsten Treffen in drei N�chten, aber bis zum darauffolgenden.</p><p>Das bedeutete nicht nur in einer Hinsicht eine Erleichterung. Es bedeutete, sich nicht mehr heimlich in die Welt der Tr�ume stehlen zu m�ssen. Es bedeutete, nicht mehr alles m�hsam selbst herausfinden zu m�ssen. Es bedeutete, keine Angst mehr haben zu m�ssen, da� die Weisen Frauen sie erwischen und sich weigern k�nnten, sie weiterhin zu unterrichten. Es bedeutete, nicht mehr l�gen zu m�ssen. Es war notwendig gewesen � sie konnte es sich nicht leisten, Zeit zu verschwenden; es gab so vieles zu lernen, und sie konnte nicht glauben, noch genug Zeit daf�r zu haben �, aber das w�rden sie niemals verstehen.</p><p>Auch Aiel befanden sich in der Menge, sowohl im <emphasis>Cadin'sor</emphasis> als auch im Wei� der <emphasis>Gai'shain.</emphasis> Die <emphasis>Gai'shain</emphasis> gingen dorthin, wo sie hingeschickt wurden, aber es war durchaus m�glich, da� sich die anderen zum ersten Mal � und h�chstwahrscheinlich auch zum letzten Mal � innerhalb der Stadtmauern aufhielten. Die Aiel mochten St�dte anscheinend nicht, obwohl eine gro�e Anzahl von ihnen vor sechs Tagen hierhergekommen war, um zuzusehen, wie Mangin geh�ngt wurde. Es hie�, er h�tte sich die Schlinge selbst um den Hals gelegt und irgendeinen Aielscherz dar�ber gemacht hatte, ob das Seil ihm den Hals oder sein Hals das Seil brechen w�rde. Sie hatte mehrere Aiel diesen Scherz, aber niemals eine Bemerkung �ber die Hinrichtung wiedergeben h�ren. Rand hatte Mangin gemocht, dessen war sie sich sicher. Berelain hatte den Weisen Frauen von dem Urteil erz�hlt, als teile sie ihnen mit, ihre W�sche sei am n�chsten Tag fertig, und die Weisen Frauen hatten es unbewegt aufgenommen. Egwene glaubte nicht, da� sie die Aiel jemals verstehen w�rde. Sie bef�rchtete auch sehr, Rand nicht mehr zu verstehen. Berelain verstand sie nur zu gut. Sie interessierte sich nur f�r achtsame M�nner.</p><p>Bei diesen Gedanken war es schwierig, ihre gute Stimmung wiederzuerlangen. Im Inneren der Stadt war es sicherlich nicht k�hler als au�erhalb der Stadtmauern � tats�chlich vielleicht sogar hei�er, da kein L�ftchen wehte und die Menschen sich zusammendr�ngten � und fast ebenso staubig, aber zumindest gab es hier mehr zu sehen als nur die Asche des Vortors. In einigen Tagen w�rde sie wieder lernen k�nnen, wirklich lernen k�nnen. Das lie� sie wieder l�cheln.</p><p>Sie blieb neben einem drahtigen, verschwitzten Feuerwerker stehen. Es war leicht zu erkennen, was er war. Sein dichter Schnurrbart war nicht von dem transparenten Schleier bedeckt, den Taraboner h�ufig trugen, aber die sackartige, an den Beinen bestickte Hose und ein ebenso sackartiges, �ber der Brust besticktes Hemd kennzeichneten ihn ausreichend gut.</p><p>Er verkaufte Finken und andere Singv�gel in grob zusammengezimmerten K�figen. Da ihr Gildehaus von den Shaido niedergebrannt worden war, versuchten eine Anzahl Feuerwerker M�glichkeiten zu finden, nach Tarabon zur�ckzukehren.</p><p>�Ich wei� es aus einer h�chst zuverl�ssigen Quelle�, erz�hlte er einer h�bschen, bereits langsam ergrauenden Frau in einem schlicht geschnittenen, dunkelblauen Kleid. Sie war zweifellos eine H�ndlerin, die diejenigen anfuhr, die in Cairhien auf bessere Zeiten warteten. �Die Aes Sedai spalten sich�, fl�sterte ihr der Feuerwerker �ber einen gefangenen Vogel gebeugt zu. �Die Aes Sedai stehen im Krieg miteinander.� <emphasis>Die</emphasis> H�ndlerin nickte zustimmend.</p><p>Egwene blieb stehen, um angeblich den Kauf eines gr�nk�pfigen Finks zu erw�gen, und ging dann wieder weiter, wobei sie einem rundgesichtigen Feuerwerker aus dem Weg springen mu�te, der in einem auffallenden, flickenbesetzten Mantel einherschritt. Feuerwerker wu�ten sehr wohl, da� sie unter den wenigen Feuchtl�ndern in der W�ste willkommen waren. Aiel sch�chterten sie nicht ein. Zumindest erweckten sie den Anschein.</p><p>Dieses Ger�cht beunruhigte sie. Nicht da� sich die Burg gespalten hatte � das h�tte nicht l�nger geheimbleiben k�nnen �, aber die Erw�hnung eines Krieges unter den Aes Sedai. Zu wissen, da� Aes Sedai gegen Aes Sedai angingen, war genauso, als w��te sie, da� ein Teil ihrer Familie gegen einen anderen anginge, was kaum vorstellbar war, wenn man die Gr�nde nicht kannte, und' doch war der Gedanke, da� es vielleicht zu mehr kommen k�nnte... Wenn es nur eine M�glichkeit g�be, die Burg zu heilen, sie ohne Blutvergie�en wieder zusammenzuf�gen.</p><p>Ein St�ck weiter die Stra�e hinab verteilte eine schwitzende Vortor-Frau, die man vielleicht als h�bsch bezeichnet h�tte, wenn ihr Gesicht sauberer gewesen w�re, aus einem Bauchladen neben B�ndern und Nadeln auch Ger�chte. Sie trug ein blaues Seidenkleid, dessen Rock mit roten Schlitzen versehen und das f�r eine gr��ere Frau gedacht war. Der stark zerschlissene Saum gab ihre plumpen Schuhe frei, und L�cher in �rmeln und Leibchen lie�en erkennen, wo eine Stickerei entfernt worden war. �Ich sage Euch etwas�, redete sie auf die Frauen ein, die in ihrem Bauchladen st�berten. �In der Stadt wurden Trollocs gesehen, ja, dieses Gr�n wird gut zu Euren Augen passen. Hunderte von Trollocs und...�</p><p>Egwene hielt kaum inne. Wenn auch nur ein Trolloc irgendwo in der Stadt aufgetaucht w�re, h�tten die Aiel es gewu�t, lange bevor es Stra�entratsch geworden w�re. Sie w�nschte, die Weisen Frauen w�rden tratschen. Nun, manchmal taten sie es, aber nur �ber andere Aiel. F�r die Aiel war nichts �ber die Feuchtl�nder allzu fesselnd. Dadurch, da� Egwene in Elaidas Studierzimmer in <emphasis>Tel'aran'rhiod</emphasis> ein- und ausgehen und die Briefe der Frau lesen durfte, war sie es jedoch gewohnt zu wissen, was in der Welt geschah.</p><p>Egwene erkannte j�h, da� sie ihre Umgebung und die Gesichter der Menschen auf andere Art betrachtete. In Cairhien befanden sich genauso zweifelsfrei, wie sie schwitzte, Augen-und-Ohren der Aes Sedai. Elaida erhielt t�glich durch Brieftauben einen Bericht � wenn nicht mehr � aus Cairhien. Burgspione, Ajahspione, Spione f�r einzelne Aes Sedai. Sie waren �berall, h�ufig dort, wo man sie am wenigsten erwartete und h�ufig auch jemand, den man am wenigsten erwartete. Warum standen diese Akrobaten einfach nur da? Ruhten sie sich aus oder beobachteten sie sie? Pl�tzlich bewegten sie sich wieder, indem einer von ihnen auf den Schultern eines anderen einen Handstand vollf�hrte.</p><p>Ein Spion f�r die Gelben Ajah hatte einmal auf einen von Elaida ausgegebenen Befehl hin versucht, Elayne und Nynaeve zu fesseln und nach Tar Valon zu verschleppen. Egwene wu�te nicht genau, ob Elaida sie auch wollte, aber etwas anderes anzunehmen, w�re t�richt. Egwene konnte nicht glauben, da� Elaida jemandem vergab, der eng mit der Frau zusammengearbeitet hatte, die sie abgesetzt hatte.</p><p>Was das betraf, hatten wahrscheinlich auch die Aes Sedai von Salidar hier Augen-und-Ohren. Sollten sie jemals von �Egwene Sedai der Gr�nen Ajah� erfahren... Jedermann konnte es sein. Diese hagere Frau an der Ladent�r, die anscheinend einen Ballen dunkelgrauen Stoff betrachtete, oder die schlampige Frau, die sich neben dem Eingang der Schenke rekelte und sich mit der Sch�rze Luft zuf�chelte, oder dieser dicke Bursche mit seinem Handkarren voller Pasteten � warum sah er sie so seltsam an? Fast w�re sie zum n�chstgelegenen Stadttor gerannt.</p><p>Es war tats�chlich der dicke Bursche, der sie aufhielt, oder besser gesagt, die Art, wie er die Pasteten pl�tzlich mit seinen H�nden zu verdecken versuchte. Er sah sie an, weil sie ihn angesehen hatte. Er bef�rchtete wahrscheinlich, da� eine Aiel�wilde� ihm einen Teil seiner Pasteten nehmen w�rde, ohne zu bezahlen.</p><p>Egwene lachte leise. Aiel. Sogar Leute, die ihr ins Gesicht sahen, vermuteten, da� sie eine Aiel war. Ein Burgspion, der sie suchte, w�rde achtlos an ihr vor�bergehen. Da sie sich jetzt erheblich besser f�hlte, schlenderte sie weiterhin ziellos durch die Stra�en und belauschte, was immer sie konnte.</p><p>Egwene hatte sich daran gew�hnt, Dinge schon Wochen oder sogar Tage, nachdem sie geschehen waren, zu wissen und auch sicher zu wissen, da� sie geschehen waren. Ein Ger�cht mochte hundert Meilen an einem Tag oder in einem Monat bew�ltigen und gebar jeden Tag zehn T�chter. Heute erfuhr sie, da� Siuan hingerichtet worden war, weil sie die Schwarze Ajah aufgedeckt hatte, da� Siuan eine Schwarze Ajah <emphasis>sei</emphasis> und noch lebe und da� die Schwarze Ajah jene Aes Sedai, die keine Schwarzen von der Burg seien, vertrieben habe. Es waren keine neuen Ger�chte, sondern lediglich Abwandlungen eines alten. Ein neues Ger�cht das sich wie Feuer auf einer Sommerwiese ausbreitete, besagte, da� die Burg hinter all den falschen Drachen stecke. Das ver�rgerte sie so sehr, da� sie mit starrem R�cken davonschritt, wann immer sie es h�rte.</p><p>Was bedeutete, da� sie recht h�ufig mit starrem R�cken davonschritt. Sie h�rte, da� Andoraner in Aringill irgendeine Adlige zur K�nigin ernannt hatten � Dylin, Delin, der Name variierte �, da Morgase nun tot war, was der Wahrheit entsprechen k�nnte, und da� Aes Sedai in Arad Doman umherliefen und sehr unwahrscheinliche Dinge t�ten, was sicherlich nicht der Wahrheit entsprach. Der Prophet kam nach Cairhien; der Prophet war zum K�nig von Ghealdan gekr�nt worden � nein, von Amadicia; der Wiedergeborene Drache hatte den Propheten wegen Blasphemie get�tet. Die Aiel gingen alle fort; nein, sie wollten sich niederlassen und bleiben. Berelain sollte den Sonnenthron einnehmen. Ein hagerer kleiner Mann mit durchtriebenen Augen wurde von seinen Zuh�rern vor einer Schenke fast erschlagen, weil er behauptete, Rand sei einer der Verlorenen, aber da mischte sich Egwene ohne nachzudenken ein.</p><p>�Habt Ihr kein Ehrgef�hl?� fragte sie kalt. Die vier grobgesichtigen M�nner, die den hageren Burschen gerade hatten ergreifen wollen, sahen sie blinzelnd an. Sie waren aus Cairhien, nicht wesentlich gr��er als sie, aber weitaus massiver, und doch hielt sie sie mit ihrer Selbstsicherheit am Fleck. Damit und durch die Anwesenheit von Aiel auf der Stra�e. Sie waren nicht so t�richt, unter solchen Umst�nden einer vermeintlichen Aielfrau gegen�ber grob zu werden. �Wenn Ihr einen Mann f�r seine Behauptungen zur Rechenschaft ziehen wollt, dann stellt ihm Euch ehrenhaft einer nach dem anderen. Dies ist keine Schlacht. Ihr besch�mt Euch, wenn Ihr zu viert einen einzelnen angreift.�</p><p>Sie sahen sie an, als w�re sie verr�ckt, und sie err�tete allm�hlich. Sie hoffte, sie hielten dies f�r Ver�rgerung. Nicht: Wie k�nnt Ihr es wagen, jemand Schw�cheren anzugreifen, sondern: Wie k�nnt Ihr es wagen, ihn Euch nicht einer nach dem anderen vorzunehmen? Sie hatte sie gerade zurechtgewiesen, als folgten sie <emphasis>Ji'e'toh.</emphasis> Und nat�rlich h�tte keine Notwendigkeit bestanden, sie zurechtzuweisen, wenn dem so w�re.</p><p>Einer der M�nner neigte den Kopf in einer halbherzigen Verbeugung. Seine Nase war nicht nur gekr�mmt, sondern ihr fehlte auch die Spitze. �Hm ... er ist jetzt fort ... hm... K�nnen wir auch gehen, Herrin?�</p><p>Es stimmte. Der hagere Mann hatte ihre Einmischung genutzt und war verschwunden, wie sie ver�chtlich erkannte. Er war davongelaufen, weil er Angst hatte, gegen vier M�nner anzutreten. Wie konnte er die Schande ertragen? Licht, sie tat es schon wieder.</p><p>Sie �ffnete den Mund, um den M�nnern zu sagen, da� sie nat�rlich gehen k�nnten �, aber kein Laut drang hervor. Sie deuteten ihr Schweigen als Einverst�ndnis oder auch als Entschuldigung und eilten davon, aber sie bemerkte es kaum. Sie war zu sehr damit besch�ftigt, die R�ckfront einer berittenen Gesellschaft zu betrachten, die sich ihren Weg die Stra�e hinauf bahnte.</p><p>Sie erkannte die ungef�hr ein Dutzend mit gr�nen M�nteln bekleideten Soldaten nicht, die sich ihren Weg durch die Menge erzwangen, aber mit ihrer Eskorte verhielt es sich anders. Sie konnte nur die R�cken der Frauen sehen � f�nf oder sechs, glaubte sie, zwischen den Soldaten �, sogar nur Teile ihrer R�cken, aber das war mehr als genug. Viel mehr. Die Frauen trugen leichte Staubm�ntel, helles Leinen mit Braunschattierungen, und Egwene merkte, da� sie unmittelbar auf eine anscheinend rein wei�e, auf den R�cken eines dieser M�ntel gestickte Scheibe starrte. Diese Stickerei zeigte die Wei�e Flamme von Tar Valon von der Grenze, die die Wei�e Ajah kennzeichnete. Sie erhaschte einen Blick auf Gr�n, auf Rot. Auf Rot! F�nf oder sechs Aes Sedai, die auf den K�niglichen Palast zuritten, wo auf einem Stufenturm eine Nachahmung des Drachenbanners neben einer von Rands karmesinroten Flaggen mit dem uralten Aes-Sedai-Symbol im schwachen Wind flatterte. Einige nannten <emphasis>dies</emphasis> das Drachenbanner und andere Al'Thors Banner oder auch das Aielbanner oder wiesen ihm noch ein Dutzend weitere Namen zu.</p><p>Sie folgte ihnen in ungef�hr zwanzig Schritt Entfernung, indem sie sich durch die Menge schl�ngelte, und blieb dann stehen. Eine Rote Schwester � zumindest eine Rote, die sie gesehen hatte � mu�te bedeuten, da� dies die lange erwarteten Abgesandten der Burg waren, diejenigen, die Rand, laut Elaidas Brief, nach Tar Valon begleiten w�rden. Es waren mehr als zwei Monate vergangen, seit dieser Brief von einem Eilboten gebracht worden war. Diese Gesellschaft mu�te bald danach aufgebrochen sein.</p><p>Sie w�rden Rand nicht finden � nicht bis er unbemerkt hineingeschl�pft war. Sie hatte entschieden, da� er irgendwie die Begabung, die man das Schnelle Reisen nannte, wiederentdeckt haben mu�te, wenn sie sich auch nicht erkl�ren konnte, wie es vonstatten ging �, aber unabh�ngig davon, ob sie Rand fanden oder nicht, durften sie Egwene nicht finden. Das Beste, was sie erwarten konnte, war, wie eine Aufgenommene kurzerhand und ohne eine vereidigte Schwester, die sie �berwachen w�rde, aus der Burg geworfen zu werden, und das war nur zu erwarten, wenn Elaida wirklich nicht sie suchte. Aber selbst dann w�rden sie sie nach Tar Valon zur�ckbef�rdern � mit Elaida. Sie hegte keine Illusionen dar�ber, sich f�nf oder sechs Aes Sedai widersetzen zu k�nnen.</p><p>Mit einem letzten Blick auf die Aes Sedai raffte sie ihre R�cke und rannte los, scho� zwischen den Menschen hindurch, stie� manchmal gegen sie und duckte sich unter den K�pfen von Pferdegespannen von Wagen oder Kutschen hindurch. Ver�rgertes Geschrei folgte ihr. Als sie schlie�lich eines der hohen, eckigen Stadttore passierte, peitschte der hei�e Wind ihr Gesicht. Von Geb�uden ungehindert, brachte er Staubwogen mit sich, die sie husten lie�en, aber sie lief weiter, den ganzen Weg zu den niedrigen Zelten der Weisen Frauen zur�ck.</p><p>Zu ihrer �berraschung stand vor Amys Zelt eine graue Stute, deren Sattel und Zaumzeug goldverziert waren und die von einem <emphasis>Gai'shain</emphasis> beaufsichtigt wurde, der den Blick senkte, wenn er das lebhafte Tier ber�hrte. Sie betrat das Zelt in geduckter Haltung und fand die Reiterin, Berelain, mit Amys, Bair und Sorilea Tee trinkend vor, die es sich auf hellen, mit Quasten versehenen Kissen bequem gemacht hatten. Eine wei� gewandete Frau, Rodera, kniete auf einer Seite und wartete dem�tig darauf, die Tassen erneut zu f�llen.</p><p>�Aes Sedai sind in der Stadt�, sagte Egwene, sobald sie das Zelt betreten hatte. �Sie reiten auf den Sonnenpalast zu. Es mu� Elaidas Abordnung f�r Rand sein.�</p><p>Berelain erhob sich ohne Hast. Egwene mu�te, wenn auch widerwillig, zugeben, da� die Frau Anmut besa�. Ihre Reitkleidung war schicklich geschnitten, denn auch sie war nicht so t�richt, in ihrer �blichen Kleidung in der Sonne zu reiten. Die anderen erhoben sich mit ihr. �Ich sollte wohl zum Palast zur�ckkehren�, seufzte sie. �Das Licht wei�, wie sie sich f�hlen werden, wenn niemand zu ihrer Begr��ung erscheint. Amys, w�rdet Ihr Rhuarc benachrichtigen, da� er mich treffen soll?�</p><p>Amys nickte, aber Sorilea sagte: �Ihr solltet nicht so sehr auf Rhuarc vertrauen, M�dchen. Rand al'Thor hat Cairhien in Eure Obhut gegeben. Reicht den meisten M�nnern den Finger, und sie werden die ganze Hand nehmen, bevor Ihr es merkt. Reicht einem Clanh�uptling den Finger, und er wird den ganzen Arm nehmen.�</p><p>�Das stimmt�, murmelte Amys. �Rhuarc ist der Schatten meines Herzens, aber es stimmt.�</p><p>Berelain zog schmale Reithandschuhe aus ihrem G�rtel und streifte sie �ber. �Er erinnert mich an meinen Vater. Manchmal zu sehr.� Sie verzog einen Moment reum�tig das Gesicht. �Aber er ist ein sehr guter Berater.</p><p>Und er wei�, wann er gebraucht wird und wie sehr. Ich glaube, da� sogar die Aes Sedai beeindruckt sein m�ssen, wenn Rhuarc sie ansieht.�</p><p>Amys lachte kehlig. �Er ist beeindruckend. Ich werde ihn zu Euch schicken.� Sie k��te Berelain leicht auf die Stirn und auf beide Wangen.</p><p>Egwene sah verwundert zu. So k��te eine Mutter ihren Sohn oder ihre Tochter. Was ging <emphasis>tats�chlich</emphasis> zwischen Berelain und den Weisen Frauen vor? Sie konnte nat�rlich nicht fragen. Eine solche Frage w�re besch�mend f�r sie und f�r die Weisen Frauen. Und auch f�r Berelain, obwohl sie es nicht wissen w�rde, wobei Egwene nichts dagegen h�tte, Berelain zu besch�men.</p><p>Als Berelain sich zum Gehen wandte, legte Egwene eine Hand auf den Arm der Frau. �Sie m�ssen vorsichtig behandelt werden. Sie werden Rand nicht freundlich gesinnt sein, aber ein falsches Wort k�nnte sie zu offenen Feinden machen.� Das war nur zu wahr, aber es war noch nicht das, was sie sagen mu�te. Sie h�tte sich lieber die Zunge herausgerissen, als Berelain um einen Gefallen zu bitten.</p><p>�Ich hatte schon fr�her mit Aes Sedai zu tun, Egwene Sedai�, erwiderte die andere Frau trocken.</p><p>Egwene versagte es sich, tief durchzuatmen. Es mu�te getan werden, aber sie w�rde diese Frau nicht erkennen lassen, wie schwer es ihr fiel. �Elaida ist Rand nicht wohlgesinnt, nicht mehr als ein Wiesel einem Huhn, und diese Aes Sedai sind Elaidaner. Wenn sie hier erfahren, da� Rand eine Aes Sedai zur Seite steht, k�nnte Elaida sehr wohl bald darauf verschwinden.� Als sie Berelains undurchdringliches Gesicht sah, mochte sie nicht mehr sagen.</p><p>Nach einem langen Moment l�chelte Berelain. �Egwene Sedai, ich werde f�r Rand tun, was immer ich kann.� Sowohl das L�cheln als auch der Tonfall ihrer Stimme waren voller Andeutungen.</p><p>�M�dchen�, sagte Sorilea scharf, und wundersamerweise bekamen Berelains Wangen rote Flecke.</p><p>Berelain sah Egwene nicht an, als sie mit jetzt sorgsam neutral gehaltener Stimme sagte: �Ich w�rde es zu sch�tzen wissen, wenn Ihr es Rhuarc nicht erz�hltet.� Sie sah niemanden im besonderen an, aber sie versuchte, Egwenes Anwesenheit zu ignorieren.</p><p>�Das werden wir nicht tun�, warf Amys schnell ein, woraufhin Sorilea nur noch den Mund aufsperrte. �Das werden wir nicht tun.� Die Wiederholung war, sowohl Festigkeit als auch eine Frage beinhaltend, an Sorilea gerichtet, und schlie�lich nickte die �lteste Weise Frau, wenn auch ein wenig widerwillig. Berelain seufzte wahrhaft erleichtert, bevor sie das Zelt verlie�.</p><p>�Das Kind hat Mut�, stellte Sorilea lachend fest, sobald Berelain gegangen war. Sie lehnte sich wieder gegen die Kissen und bedeutete Egwene, sich auf dem Platz neben ihr niederzulassen. �Wir sollten den richtigen Ehemann f�r sie aussuchen, einen Mann, der zu ihr pa�t. Sofern ein solcher unter den Feuchtl�ndern �berhaupt zu finden ist.�</p><p>Egwene wischte sich Gesicht und H�nde mit einem feuchten Tuch ab, das Rodera gebracht hatte, und fragte sich w�hrenddessen, ob diese Er�ffnung ausreichte, sich ehrenhaft nach Berelain zu erkundigen. Sie nahm einen Teebecher aus dem gr�nen Porzellan des Meervolks entgegen und setzte sich dann in den Kreis der Weisen Frauen. Wenn eine der anderen Sorilea ansprach, gen�gte dies vielleicht.</p><p>�Seid Ihr sicher, da� diese Aes Sedai dem <emphasis>Car'a'carn</emphasis> schaden wollen?� fragte Amys statt dessen.</p><p>Egwene err�tete. An Klatsch zu denken, wenn man sich um wichtige Dinge k�mmern mu�te. �Ja�, erwiderte sie schnell, und dann langsamer: �Zumindest... Ich wei� nicht genau, ob sie ihm schaden wollen, und wenn, dann ohnehin nicht absichtlich.� In Elaidas Brief hatte es gehei�en, da� ihm �alle Ehre und aller Respekt� geb�hre. Was glaubte eine ehemalige Rote Schwester wohl, wieviel ein Mann, der die Macht lenken konnte, davon verdiente? �Aber ich bezweifle nicht, da� sie vorhaben werden, ihn irgendwie dazu zu bringen, den W�nschen Elaidas zu folgen. Sie sind nicht seine Freunde.� Inwieweit waren die Aes Sedai von Salidar seine Freunde? Licht, sie mu�te mit Nynaeve und Elayne sprechen. �Und es wird sie nicht k�mmern, da� er der <emphasis>Car'a'carn</emphasis> ist.� Sorilea brummte verstimmt.</p><p>�Ihr glaubt, da� sie versuchen werden, Euch zu schaden?� fragte Bair, und Egwene nickte.</p><p>�Wenn sie entdecken, da� ich hier bin...� Sie versuchte, ein Schaudern zu unterdr�cken, indem sie ihren Minztee trank. Sie w�rden entweder als rechte Hand von Rand oder als unbeaufsichtigte Aufgenommene ihr Bestes tun, sie zur Burg zur�ckzubef�rdern. �Sie werden mir meine Freiheit nicht lassen, wenn sie es verhindern k�nnen. Elaida wird verhindern wollen, da� Rand irgend jemandem au�er ihr zuh�rt.� Bair und Amys wechselten grimmige Blicke.</p><p>�Dann ist die Antwort einfach.� Sorilea klang, als sei bereits alles beschlossen. �Ihr werdet bei den Zelten bleiben, wo sie Euch nicht finden werden. Weise Frauen meiden Aes Sedai auf jeden Fall. Wenn Ihr einige weitere Jahre bei uns bleibt, werden wir eine gute Weise Frau aus Euch machen.�</p><p>Egwene lie� fast ihren Becher fallen. �Ihr schmeichelt mir�, sagte sie vorsichtig, �aber ich werde fr�her oder sp�ter gehen m�ssen.� Sorilea wirkte nicht �berzeugt. Egwene hatte in gewisser Weise gelernt, mit Amys and Bair zurechtzukommen, aber Sorilea...</p><p>�Ich denke, nicht so bald�, belehrte Bair sie mit einem L�cheln, das den Worten den Stachel nehmen sollte. �Ihr m��t noch viel lernen.�</p><p>�Ja, und sie m�chte bald wieder damit beginnen�, f�gte Amys hinzu. Egwene hatte M�he, nicht zu err�ten, und Amys runzelte die Stirn. �Ihr wirkt sonderbar. Habt Ihr Euch heute morgen �beranstrengt? Ich war sicher, da� Ihr Euch weitgehend erholt hattet...�</p><p>�Das habe ich auch�, antwortete Egwene hastig. �Wirklich, das habe ich. Ich hatte schon seit Tagen keine Kopfschmerzen mehr. Es liegt an der staubigen Luft auf dem Weg hierher. Und die Stadt war beengter, als ich sie in Erinnerung hatte. Und ich war so aufgeregt � ich habe nicht richtig gefr�hst�ckt.�</p><p>Sorilea machte Rodera ein Zeichen. �Bringt ein wenig Johannisbrot, wenn welches da ist, und K�se und alles Obst, was Ihr finden k�nnt.� Sie stie� Egwene in die Rippen. �Eine Frau sollte ein bi�chen Fleisch auf den Rippen haben.� Und das von einer Frau, die aussah, als h�tte man sie der Sonne ausgesetzt, bis der gr��te Teil ihrer Haut eingetrocknet war.</p><p>Egwene hatte an sich nichts gegen Essen einzuwenden � sie war heute morgen zu aufgeregt gewesen �, aber Sorilea beobachtete jeden Bissen, den sie a�, und ihr pr�fender Blick machte das Schlucken ein wenig schwierig. Das und die Tatsache, da� sie dar�ber sprechen wollten, was mit den Aes Sedai geschehen solle. Wenn die Aes Sedai Rand feindlich gesinnt waren, w�rden sie beobachtet und ein Weg gefunden werden m�ssen, ihn zu sch�tzen. Sogar Sorilea war angesichts der M�glichkeit da� sie sich gegen Aes Sedai stellen m��ten, etwas gereizt �, aber nicht �ngstlich. Sie f�hlten sich unbehaglich, weil es gegen die Gebr�uche war �, aber was immer n�tig war, um den <emphasis>Car'a'carn</emphasis> zu sch�tzen, mu�te getan werden.</p><p>Egwene bef�rchtete, da� Sorileas Vorschlag, bei den Zelten zu bleiben, in einen Befehl umgewandelt werden k�nnte. Es g�be keine M�glichkeit, diesen zu umgehen, keine M�glichkeit, f�nfzig Augen zu meiden, au�er wenn sie in ihrem Zelt blieb. Wie bewerkstelligte Rand das Schnelle Reisen? Die Weisen Frauen w�rden tun, was immer n�tig war, so lange es <emphasis>Ji'e'toh</emphasis> nicht ber�hrte: Weise Frauen deuteten es hier und dort vielleicht anders, aber sie hielten so starr an ihrer Deutung fest wie jede andere Aiel. Licht, Rodera war eine Shaido, eine von Tausenden, die w�hrend der Schlacht, in der die Shaido aus der Stadt vertrieben wurden, gefangengenommen wurden, aber die Weisen Frauen behandelten sie nicht anders als alle anderen <emphasis>Gai'shain,</emphasis> und soweit Egwene es beurteilen konnte, benahm sich Rodera auch nicht anders. Sie w�rden nicht gegen <emphasis>Ji'e'toh</emphasis> angehen, ganz gleich wie notwendig es vielleicht w�re.</p><p>Gl�cklicherweise wurde dieses Thema nicht angesprochen � leider aber Egwenes Gesundheit. Die Weisen Frauen besa�en nicht die Gabe der Heilung und wu�ten auch nicht, wie man mit Hilfe der Macht die Gesundheit eines Menschen �berpr�fte. Statt dessen pr�ften sie sie mit ihren eigenen Methoden. Einige schienen aus der Zeit vertraut, als sie unter Nynaeve gelernt hatte, eine Dorfseherin zu werden: ihr in die Augen sehen, durch eine hohle Holzr�hre ihrem Herzschlag lauschen. Einige waren entschieden Aiel-Methoden. Sie ber�hrte ihre Zehen, bis sie sich benommen f�hlte und auf der Stelle auf und ab h�pfte, bis sie glaubte, ihr w�rden die Augen aus dem Kopf fallen.</p><p>Und sie lief um die Zelte der Weisen Frauen herum, bis Punkte vor ihren Augen flimmerten. Dann lie� sie sich von einer <emphasis>Gai'shain</emphasis> Wasser �ber den Kopf gie�en und trank, soviel sie aufnehmen konnte, raffte ihre R�cke und lief noch eine Weile l�nger umher.</p><p>Aiel hielten viel von Ausdauer. W�re sie einen Schritt zu langsam gewesen oder w�re sie stolpernd zum Stehen gekommen, bevor Amys es ihr erlaubte, h�tten sie entschieden, sie habe sich noch nicht ausreichend erholt.</p><p>Als Sorilea schlie�lich nickte und sagte: �Ihr seid vollkommen gesund, M�dchen�, f�hlte Egwene sich schwindelig und rang nach Luft. Das h�tte ein vollkommen gesunder Mensch nicht getan � dessen war sie sich sicher. Sie empfand dennoch Stolz. Sie hatte sich niemals f�r verweichlicht gehalten, aber sie wu�te sehr wohl, da� sie, bevor sie sich den Aiel angeschlossen hatte, nach der H�lfte der Pr�fung versagt h�tte. <emphasis>Noch ein Jahr,</emphasis> dachte sie, <emphasis>und ich werde genauso schnell sein wie jede andere Far Dareis Mai.</emphasis></p><p>Andererseits w�rde sie kaum in die Stadt zur�ckkehren. Sie schlo� sich den Weisen Frauen in ihrem Dampfzelt an � endlich einmal lie�en sie nicht sie Wasser �ber die hei�en Steine gie�en, sondern Rodera �bernahm diese Aufgabe � und schwelgte in der feuchten Hitze, w�hrend sich ihre Muskeln entspannten. Und sie ging dann nur, weil Rhuarc und zwei andere Clanf�hrer, Timolan von den Miagoma und Indirian von den Codarra, zu ihnen stie�en, gro�e, kr�ftige M�nner mit harten, n�chternen Gesichtern. Ihre Ankunft lie� sie das Zelt eiligst verlassen und ihr Umh�ngetuch um sich wickeln. Sie erwartete stets Gel�chter, wenn sie so reagierte, da die Aiel niemals zu verstehen schienen, warum sie dem Dampfzelt enteilte, wann immer M�nner es betraten. Es h�tte dem Aielhumor durchaus entsprochen, sie auszulachen, aber gl�cklicherweise stellten sie den richtigen Zusammenhang nicht her, wor�ber sie sehr froh war.</p><p>Sie nahm ihre restliche Kleidung von dem sauberen Stapel vor dem Dampfzelt und eilte dann zu ihrem Zelt zur�ck. Die Sonne stand schon tief, und nach einer leichten Mahlzeit war sie zum Schlafen bereit, zu m�de, auch nur an <emphasis>Tel'aran'rhiod</emphasis> zu denken. Und auch zu m�de, sich an die meisten ihrer Tr�ume zu erinnern � das hatten die Weisen Frauen sie gelehrt �, aber diejenigen, an die sie sich erinnerte, handelten von Gawyn.</p></section><section><title><p>25</p><p>Wie ein Gewittersturm</p></title><p>Als Cowinde sie in der grauen D�mmerung weckte, f�hlte sich Egwene trotz ihrer Tr�ume ausgeruht. Erfrischt und bereit zu erfahren, was sie in der Stadt lernen konnte. Ein ausgiebiges G�hnen und Strecken, dann stand sie auf, summte, w�hrend sie sich wusch und eilig anzog, und nahm sich kaum die Zeit, ihre Haare richtig zu b�rsten. Sie h�tte die Zelte auch ohne Fr�hst�ck verlassen, aber Sorilea sah sie, was dieser Absicht ein j�hes Ende setzte. Was sich aber als g�nstig erwies.</p><p>�Ihr h�ttet das Dampfzelt nicht so �berst�rzt verlassen sollen�, belehrte Amys sie, w�hrend sie von Rodera eine Schale mit Getreideflocken und D�rrobst entgegennahm. Fast zwei Dutzend Weise Frauen hatten sich in Amys' Zelt zusammengefunden, und Rodera, Cowinde und ein wei�gewandeter Mann namens Doilan, ein weiterer Shaido, waren bem�ht, sie alle zu bedienen. �Rhuarc hatte viel �ber Eure Schwestern zu erz�hlen. Vielleicht k�nnt Ihr noch mehr hinzuf�gen.�</p><p>Egwene mu�te nach Monaten der Verstellung nicht mehr glauben, da� sie die Abordnung der Burg meinte. �Ich werde Euch alles erz�hlen, was ich wei�. Was hat er gesagt?�</p><p>Egwene erfuhr, da� sechs Aes Sedai gekommen waren � davon zwei Rote, nicht eine, und Egwene konnte die �berheblichkeit, oder vielleicht Dummheit, nicht fassen, da� Elaida �berhaupt welche mitgesandt hatte �, �ber die aber wenigstens eine Graue Befehlsgewalt hatte. Die Weisen Frauen, die �berwiegend wie die Speichen eines Rades in einem gro�en Kreis lagen oder in den Zwischenr�umen standen oder knieten, wandten ihre Blicke Egwene zu, sobald die Namensliste verk�ndet war.</p><p>�Ich f�rchte, ich kenne nur zwei von ihnen�, sagte sie vorsichtig. �Es gibt immerhin zahlreiche Aes Sedai, und ich bin noch nicht ausreichend lange vereidigte Schwester, um auch viele zu kennen.� K�pfe nickten � sie erkannten das an. �Nesune Bihara ist aufrichtig gesinnt � sie h�rt allen Seiten zu, bevor sie eine Entscheidung trifft �, aber sie entdeckt auch den kleinsten Widerspruch in jemandes Worten. Sie sieht alles und erinnert sich an alles. Sie kann sich eine Buchseite einmal ansehen und sie Wort f�r Wort wiederholen, und ebenso eine Unterhaltung, die sie vor einem Jahr geh�rt hat. Manchmal spricht sie jedoch mit sich selbst, spricht ihre Gedanken aus, ohne es zu merken.�</p><p>�Rhuarc sagte, sie sei an der K�niglichen Bibliothek interessiert.� Bair r�hrte in ihren Getreideflocken und beobachtete Egwene dabei. �Er sagte, er h�tte sie etwas �ber Siegel murmeln h�ren.� Leichte Unruhe befiel die Frauen, die aber verging, sobald sich Sorilea ger�uschvoll ger�uspert hatte.</p><p>Egwene dachte nach, w�hrend sie ihr Fr�hst�ck a�, in dem sich D�rrpflaumen und s��e Beeren befanden. Wenn Elaida Siuan gefoltert hatte, bevor sie hingerichtet worden war, wu�te sie von den drei gebrochenen Siegeln. Rand hatte zwei davon versteckt � Egwene w�nschte, sie w��te, wo; er schien in letzter Zeit niemandem mehr zu trauen �, und Nynaeve und Elayne hatten eines in Tanchico gefunden und nach Salidar gebracht, aber davon konnte Elaida nichts wissen. Es sei denn, sie h�tten vielleicht Spione in Salidar. Nein. Dar�ber mu�te sie zu einem anderen Zeitpunkt nachdenken, jetzt war es unn�tz. Elaida mu�te verzweifelt auf der Suche nach den beiden anderen Siegeln sein. Es machte Sinn, da� Nesune in die nach der Wei�en Burg zweitgr��te Bibliothek geschickt wurde, und das sagte Egwene den Weisen Frauen auch.</p><p>�Das habe ich bereits gestern abend gesagt�, grollte Sorilea. �Aeron, Colinda, Edarra � Ihr drei geht zur Bibliothek. Drei Weise Frauen sollten vor einer Aes Sedai finden k�nnen, was zu finden ist.� Das bewirkte drei lange Gesichter. Die K�nigliche Bibliothek war gro�. Dennoch, Sorilea war Sorilea, und wenn die benannten Frauen auch seufzten und murrten, so stellten sie doch ihre Schalen ab und verlie�en sofort das Zelt. �Ihr sagtet, Ihr w�rdet zwei der Namen kennen�, sagte Sorilea, noch bevor sie das Zelt ganz verlassen hatten. �Nesune Bihara und wen?�</p><p>�Sarene Nemdahl�, sagte Egwene. �Ihr m��t wissen, da� ich beide nicht gut kenne. Sarene ist wie die meisten Wei�en � sie durchdenkt alles logisch und scheint manchmal �berrascht, wenn jemand nach dem Gef�hl handelt �, doch ihr wohnt Zorn inne. Sie h�lt ihn meist strikt verborgen, aber wenn man zur falschen Zeit das Falsche tut, kann sie ... jemandem den Kopf abrei�en, bevor er auch nur blinzeln kann. Sie h�rt jedoch zu, was man sagt, und gesteht auch ein, wenn sie sich geirrt hat � auch wenn sie zornig ist. Nun, irgendwann ist es dann ohnehin vergessen.�</p><p>Sie versuchte, die Weisen Frauen unbemerkt zu mustern, w�hrend sie sich einen L�ffel Beeren in den Mund schob. Niemand schien ihr Z�gern bemerkt zu haben. Sie h�tte fast erz�hlt, da� Sarene jemanden die Fu�b�den schrubben lie�, bevor er auch nur blinzeln konnte. Sie kannte beide Frauen nur aus ihren Unterrichtsstunden als Novizin. Nesune, eine schlanke Kandori mit vogel�hnlichen Augen, bemerkte sofort, wenn jemandes Aufmerksamkeit nachlie�, auch wenn sie demjenigen den R�cken zuwandte. Sie hatte in mehreren Klassen unterrichtet, an denen Egwene gewesen war. Bei Sarene hatte sie nur zwei Vorlesungen �ber das Wesen der Wirklichkeit besucht, aber es war schwer, eine Frau zu vergessen, die vollkommen ernst verk�ndete, da� Sch�nheit und H��lichkeit gleicherma�en Illusionen waren, w�hrend ihr Aussehen jeden Mann zweimal hinsehen lie�.</p><p>�Ich hoffe, da� Ihr Euch an noch mehr erinnern k�nnt�, sagte Bair und beugte sich zu ihr. �Anscheinend seid Ihr unsere einzige Verbindung.�</p><p>Das verwirrte Egwene kurzzeitig. Ja, nat�rlich. Bair und Amys mu�ten in der letzten Nacht versucht haben, in die Tr�ume der Aes Sedai einzudringen, aber Aes Sedai sch�tzten ihre Tr�ume. Sie bedauerte, diese F�higkeit nicht selbst erlernt zu haben, bevor sie die Burg verlie�. �Ich werde tun, was ich kann. Wo befinden sich ihre R�ume im Palast?� Wenn sie in Rands N�he gelangen wollte, wenn er das n�chste Mal kam, w�re es hilfreich, wenn sie auf ihrer Suche nicht an ihren Zimmern vorbeistolperte. Besonders nicht an Nesunes Zimmer. Sarene erinnerte sich vielleicht nicht an eine einzelne Novizin, aber Nesune w�rde dies h�chstwahrscheinlich tun. Au�erdem k�nnte sich vielleicht auch eine der Aes Sedai an sie erinnern, die sie nicht kannte. Es war viel �ber Egwene al'Vere gesprochen worden, w�hrend sie sich in der Burg befand.</p><p>�Sie lehnen Berelains Angebot des Schattens auch nur f�r eine Nacht ab.� Amys runzelte die Stirn. Unter den Aiel wurde ein Angebot der Gastfreundschaft stets angenommen. Es abzulehnen, galt auch unter Blutfeinden als Schande. �Sie wohnen bei einer Frau namens Arilyn, eine Adlige unter den Baumm�rdern. Rhuarc glaubt, da� Coiren Saeldain diese Arilyn schon vorher gekannt hat.�</p><p>�Eine von Coirens Spioninnen�, sagte Egwene mit Bestimmtheit. �Oder eine der Spioninnen der Grauen Ajah.�</p><p>Mehrere Weise Frauen murrten zornig. Sorilea schnaubte angewidert, und Amys seufzte tief entt�uscht.</p><p>Andere beurteilten die Angelegenheit anders.</p><p>Corelna, ein gr�n�ugiger Falke von einer Frau mit stark ergrautem flachsfarbenen Haar, sch�ttelte zweifelnd den Kopf, w�hrend Tialin, eine hagere Rothaarige mit scharfgeschnittener Nase, Egwene ungl�ubig ansah.</p><p>Spionage entweihte <emphasis>Ji'e'toh,</emphasis> obwohl Egwene noch nicht herausgefunden hatte, wie sich das mit dem Eindringen der Traumg�nger in die Tr�ume anderer Menschen vertrug. Es hatte keinen Sinn, darauf hinzuweisen, da� die Aes Sedai <emphasis>Ji'e'toh</emphasis> nicht folgten. Sie wu�ten es. Es war f�r sie nur schwer zu verstehen, weder bei Aes Sedai noch bei jemand anderem.</p><p>Was immer sie dachten � sie h�tte alles darauf verwettet, da� sie recht hatte. Galldrian, der letzte K�nig von Cairhien, hatte eine Aes-Sedai-Beraterin gehabt, bevor er ermordet wurde. Niande Moorwyn war, auch bevor sie nach Galldrians Tod verschwand, vollkommen unsichtbar gewesen, aber Egwene hatte unter anderem erfahren, da� sie die L�ndereien der Lady Arilyn gelegentlich besucht hatte. Niande war eine Graue gewesen.</p><p>�Sie haben anscheinend einhundert W�chter unter diesem Dach versammelt�, sagte Bair nach einer Weile. Ihre Stimme wurde sehr sanft. �Es hei�t, die Stadt sei noch unsicher, aber ich glaube, sie f�rchten die Aiel.� Auf einigen Gesichtern war ein beunruhigend neugieriger Ausdruck zu erkennen.</p><p>�Einhundert!� rief Egwene aus. �Sie haben einhundert M�nner hergebracht?�</p><p>Amys sch�ttelte den Kopf. ��ber f�nfhundert. Timolans Sp�her haben die meisten davon weniger als einen halben Tag n�rdlich der Stadt lagern sehen. Rhuarc sprach davon, und Coiren Saeldain sagte, die M�nner seien eine Ehrengarde, aber sie h�tten den gr��ten Teil au�erhalb der Stadt gelassen, um uns nicht zu <emphasis>beunruhigen.�</emphasis></p><p>�Sie glauben, da� sie den <emphasis>Car'a'carn</emphasis> nach Tar Valon begleiten werden.� Sorileas Stimme h�tte Steine sprengen k�nnen, aber ihr Gesichtsausdruck lie� ihren Tonfall dennoch sanft erscheinen. Egwene hatte den Inhalt von Elaidas Brief an Rand nicht zur�ckgehalten. Er gefiel den Weisen Frauen jedes Mal weniger, wenn sie davon h�rten.</p><p>�Rand ist nicht t�richt genug, dieses Angebot anzunehmen�, sagte Egwene, aber sie glaubte es nicht wirklich. F�nfhundert M�nner konnten eine Ehrengarde sein. Elaida dachte vielleicht wirklich, der Wiedergeborene Drache w�rde etwas in der Art erwarten und vielleicht sogar geschmeichelt sein. Eine Reihe von Vorschl�gen kam ihr in den Sinn, aber sie mu�te vorsichtig sein. Ein falsches Wort konnte Amys und Bair dazu bringen � oder noch schlimmer, Sorilea �, ihr Befehle zu erteilen, denen sie nicht gehorchen konnte, so da� sie dennoch tun mu�te, was nur sie tun konnte. Oder zumindest tun w�rde. �Ich nehme an, die H�uptlinge halten ein Auge auf die Soldaten au�erhalb der Stadt?� Einen halben Tag n�rdlich � noch wahrscheinlicher einen ganzen Tag, da sie keine Aiel waren �war zu weit entfernt, als da� sie gef�hrlich w�ren, aber ein wenig Vorsicht konnte niemals schaden. Amys nickte. Sorilea sah Egwene an, als h�tte sie gefragt, ob mittags die Sonne am Himmel st�nde. Egwene r�usperte sich. �Ja.� Es war wenig wahrscheinlich, da� die H�uptlinge solche Fehler begingen. �Nun. Ich schlage Folgendes vor: Wenn jemand von diesen Aes Sedai zum Palast geht, sollte eine von Euch, die die Macht lenken kann, hinterhergehen und sich versichern, da� sie keine Fallen zur�cklassen.� Sie nickten. Zwei Drittel der Frauen dort konnten <emphasis>Saidar</emphasis> f�hren, einige nicht viel besser als Sorilea, aber andere gleich gut wie Amys, die genauso stark war wie jede Aes Sedai, der Egwene jemals begegnet war. Die Weisen Frauen waren einander insgesamt vergleichbar. Ihre F�higkeiten unterschieden sich von denen der Aes Sedai � auf einigen Gebieten weniger, auf anderen mehr �, und doch sollten sie in der Lage sein, jede unwillkommene Gabe zu entdecken. �Und wir m�ssen uns versichern, da� es nur sechs sind.�</p><p>Sie mu�te es ihr erkl�ren. Sie hatten Feuchtl�nderb�cher gelesen, aber selbst jene, die die Macht lenken konnten, kannten die um Aes Sedai, die mit Menschen umgingen, die das <emphasis>Saidin</emphasis> gefunden hatten, entstandenen Rituale nicht wirklich. Unter den Aiel glaubte ein Mensch, der erfahren hatte, da� er die Macht lenken konnte, da� er auserw�hlt sei, und ging nach Norden in die Gro�e F�ule, um den Dunklen K�nig zu jagen. Niemand kehrte jemals zur�ck. Egwene hatte die Rituale auch nicht gekannt, bis sie zur Burg ging. Die Geschichten, die sie vorher geh�rt hatte, wiesen selten �hnlichkeit mit der Wahrheit auf.</p><p>�Rand kann mit zwei Frauen zugleich fertig werden�, endete sie. Das war f�r sie eine Tatsache. �Er k�nnte vielleicht sogar mit sechs fertig werden, aber wenn sie mehr sind, als sie uns glauben machen, ist das ein Beweis daf�r, da� sie gelogen haben � oder zumindest etwas ausgelassen haben.� Sie zuckte fast zusammen, als die Weisen Frauen die Stirn runzelten. Wenn man log, lud man demjenigen <emphasis>Toh</emphasis> auf. Aber in ihrem Fall war es notwendig. Es <emphasis>war</emphasis> notwendig.</p><p>W�hrend des restlichen Fr�hst�cks entschieden die Weisen Frauen, wer heute durch den Palast wandern w�rde, und welchen H�uptlingen man bei der Auswahl der M�nner und T�chter des Speers trauen konnte, die nach weiteren Aes Sedai Ausschau halten sollten. Einigen w�rde es ohnehin widerstreben, sich gegen die Aes Sedai zu stellen. Die Weisen Frauen sagten es nicht geradeheraus, aber es wurde aus dem, was sie � oft ungehalten � �u�erten, nur zu deutlich. Andere dachten vielleicht, da� man jeder Bedrohung des <emphasis>Car'a'carn,</emphasis> auch der durch die Aes Sedai, am besten mit dem Speer begegnen sollte. Auch einige der Weisen Frauen schienen sich dieser L�sung anzun�hern. Sorilea erwiderte auf mehr als einen fragw�rdigen Vorschlag eilig, diese Sorge w�rde aus der Welt geschafft, wenn die Aes Sedai einfach nicht mehr da w�ren. Letztendlich stimmten Rhuarc und Mandelain von Daryne dem als einzige zu.</p><p>�Versichert Euch, da� sie keine <emphasis>Siswai'aman</emphasis> erw�hlen�, sagte Egwene, denn sie w�rden sicherlich beim kleinsten Hinweis auf eine Bedrohung zum Speer greifen. Diese Bemerkung brachte ihr viele erstaunte Blicke aller Schattierungen ein. Die Weisen Frauen waren keine N�rrinnen. Eines beunruhigte Egwene. Keine der Weisen Frauen erw�hnte, was sie fast immer zu h�ren bekam, wenn �ber Aes Sedai gesprochen wurde: da� die Aiel die Aes Sedai einst im Stich gelassen hatten und vernichtet w�rden, wenn sie es erneut wagten.</p><p>Bis auf diese eine Bemerkung hielt sich Egwene aus der Debatte heraus und besch�ftigte sich statt dessen mit einer zweiten Schale Getreideflocken mit D�rrobst, was ihr ein anerkennendes Nicken von Sorilea einbrachte. Aber es ging ihr nicht um Sorileas Anerkennung. Sie hatte wirklich Hunger, aber haupts�chlich hoffte sie auch, da� sie ihre Anwesenheit vergessen w�rden. Es schien zu funktionieren.</p><p>Als das Fr�hst�ck und die Beratung vor�ber waren, schlenderte sie zu ihrem Zelt, hockte sich dann unmittelbar hinter dem Zelteingang hin und beobachtete, wie eine kleine Gruppe Weise Frauen, angef�hrt von Amys, auf die Stadt zustrebte. Als sie durch das n�chstgelegene Tor verschwanden, verlie� sie ihr Zelt wieder. �berall waren Aiel und <emphasis>Gai'shain,</emphasis> aber die anderen Weisen Frauen befanden sich alle in ihren Zelten, und niemand beachtete sie, als sie gemessenen Schritts auf die Stadtmauer zuging. Wenn jemand sie bemerkte, w�rde er wohl denken, sie sei auf dem Weg zu ihren morgendlichen �bungen. Der Wind frischte auf und blies Staub und Asche vom Vortor heran, aber sie behielt ihren stetigen Schritt bei.</p><p>In der Stadt wu�te die schlanke Frau, die von einem Wagen herab zu Wucherpreisen verschrumpelte �pfel verkaufte und die sie als erste fragte, nicht, wo sich der Palast der Lady Arilyn befand, und auch eine rundliche N�herin nicht, die mit gro�en Augen auf eine Aielfrau zuging, die ihren Laden betreten hatte, noch eine magere Scherenschleiferin, die geglaubt hatte, Egwene sei an ihren Messern interessiert. Schlie�lich gab ihr eine schmal�ugige Silberschmiedin, die sie die ganze Zeit �ber, die Egwene in ihrem Laden verbrachte, genau beobachtet hatte, die gew�nschte Auskunft. Egwene bahnte sich kopfsch�ttelnd ihren Weg durch die Menge. Manchmal verga� sie, wie gro� eine Stadt wie Cairhien wirklich war, so da� nicht jedermann wu�te, wo sich der Palast befand.</p><p>Egwene verlief sich dreimal und mu�te noch zweimal nach dem Weg fragen, bevor sie sich an die Seitenwand eines Mietstalls dr�ngte und um die Ecke auf der anderen Stra�enseite eine gedrungene Anh�ufung dunkler Steinquadern mit sehr schmalen Fenstern, winkelf�rmigen Baikonen und Stufent�rmen ersp�hte. Das Geb�ude war klein f�r einen Palast, wenn auch gro� f�r ein Haus. Arilyn war irgendwo unmittelbar oberhalb des mittleren Adels Cairhiens anzusiedeln, wenn sich Egwene recht erinnerte. Soldaten in gr�nen M�nteln und mit Brustharnischen und Helmen standen auf der breiten Vordertreppe, an jedem f�r sie einsehbaren Tor und sogar auf den Baikonen Wache. Seltsamerweise schienen sie alle noch jung zu sein. Aber das war f�r sie weniger interessant. In diesem Geb�ude lenkten Frauen die Macht, und da sie es sogar hier unten auf der Stra�e so massiv sp�ren konnte, handelte es sich nicht nur um geringe Mengen <emphasis>Saidar.</emphasis> Pl�tzlich wurde es weniger, aber es war noch immer erheblich.</p><p>Sie kaute auf den Lippen. Sie wu�te nicht, was sie taten. Sie mu�te erst die Str�nge sehen, aber aus dem gleichen Grund mu�ten auch sie die Str�nge sehen, tun sie zu verweben. Selbst wenn sie an einem Fenster standen, mu�ten alle Str�nge, die aus dem Palast gelenkt wurden und die sie nicht sehen konnte, nach S�den gerichtet mit sein, weit vom Sonnenpalast entfernt, weit von allem entfernt. Was taten sie?</p><p>Ein Toreingang schwang ausreichend lange auf, um einen Sechssp�nner durchzulassen, eine geschlossene schwarze Kutsche mit einem auf die T�r gemalten Siegel � zwei Silbersterne auf einem rotgr�n gestreiften Feld. Die Kutsche bahnte sich einen Weg nordw�rts durch die Menge, wobei der livrierte Kutscher seine lange Peitsche schwang, damit die Leute beiseite traten und um die Pferde anzutreiben. Fuhr die Lady Arilyn oder jemand von der Abordnung irgendwohin?</p><p>Nun, sie war nicht nur zum Schauen hierhergekommen. Sie wich zur�ck, so da� sie nur noch mit einem Auge um die Ecke sp�hte und gerade noch das Haus sehen konnte, dann zog sie einen kleinen roten Stein aus ihrer G�rteltasche, atmete tief durch und begann die Macht zu lenken. Wenn eine von ihnen auf dieser Seite aus dem Palast schaute, k�nnte sie die Str�nge sehen, aber nicht Egwene. Sie mu�te es riskieren.</p><p>Der glatte Stein war genau das: ein in einem Flu� glattgeschliffener Stein, aber Egwene hatte diesen Trick von Moiraine erlernt. Moiraine hatte den Stein f�r die Konzentration der Macht benutzt � zuf�llig ein Edelstein, aber das war nicht wichtig �, also tat Egwene es auch. Sie verwob Luft mit einem Hauch von Feuer, ein sehr leichtes Gewebe. So konnte man heimlich lauschen. Spionieren, w�rden es die Weisen Frauen nennen. Egwene war es gleichg�ltig, wie es genannt wurde, solange sie etwas �ber die Absichten der Aes Sedai erfuhr.</p><p>Ihr Gewebe ber�hrte ein Fenster und �ffnete es vorsichtig, ganz leise, dann ein weiteres und noch eines. Schweigen. Dann...</p><p>�...also sage ich zu ihm�, sprach die Stimme einer Frau ihr ins Ohr, �...wenn Ihr diese Betten gemacht haben wollt, solltet Ihr besser aufh�ren, mich am Kinn zu kitzeln, Alwin Rael.�</p><p>Eine andere Frau kicherte, �Oh, das hast du niemals gesagt.�</p><p>Egwene grinste. Dienstm�dchen.</p><p>Eine beleibte Frau, die mit einem Brotkorb auf der Schulter vorbeiging, sah Egwene verwirrt an. Das war durchaus verst�ndlich, da sie die Stimmen zweier Frauen h�rte, obwohl nur Egwene dort stand und die Lippen nicht bewegte. Sie starrte die Frau so zornig an, da� diese aufschrie und fast ihren Korb fallen gelassen h�tte, als sie davonst�rzte.</p><p>Widerwillig verringerte Egwene die Intensit�t ihres Gewebes. Jetzt w�rde sie vielleicht nicht mehr so gut h�ren k�nnen, aber das war immer noch besser, als Gaffer anzuziehen. Sie wurde auch so schon von gen�gend vielen Menschen angestarrt � eine Aielfrau, die sich an eine Mauer pre�te �, obwohl niemand lange z�gerte, bevor er weiterging. Niemand wollte Schwierigkeiten mit Aiel haben. Egwene vertrieb sie aus ihren Gedanken. Sie bewegte das Gewebe von einem Fenster zum anderen, wobei sie heftig schwitzte, und das nicht nur aufgrund der bereits zunehmenden Hitze. Wenn nur eine Aes Sedai ihre Str�nge bemerkte, selbst wenn sie nicht wu�te, was sie waren, w�rde sie doch wissen, da� jemand die Macht auf sie lenkte. Sie w�rden den Zweck erraten. Egwene wich weiter zur�ck, so da� sie nur noch mit einem halben Auge zum Palast sp�hen konnte.</p><p>Schweigen. Schweigen. Ein Rascheln. Bewegte sich etwas? Leichte Schuhe auf einem Teppich? Aber keine Worte. Schweigen. Ein Mann murmelte, entleerte offensichtlich �u�erst widerwillig Nachtgeschirre. Sie eilte mit brennenden Ohren weiter. Schweigen. Schweigen. Schweigen.</p><p>�...glaubt Ihr wirklich, da� es n�tig ist?� Selbst im Fl�sterton, wie es schien, klang die Stimme der Frau kr�ftig und selbstbewu�t.</p><p>�Wir m�ssen auf alle M�glichkeiten vorbereitet sein, Coiren�, erwiderte eine andere Frau mit einer Stimme wie ein Reibeisen. �Ich habe ein bemerkenswertes Ger�cht geh�rt...� Eine T�r wurde fest geschlossen und der Rest des Satzes abgeschnitten.</p><p>Egwene sank gegen die Steinwand des Stalles. Sie h�tte vor Entt�uschung schreien m�gen. Die diensthabende Graue Schwester und auch die andere mu�ten Sedai sein, sonst h�tte sie niemals so mit Coiren, einer der Aes Sedai, gesprochen. Von keiner anderen h�tte sie besser erfahren k�nnen, was sie h�ren wollte. Sie mu�ten also fortgehen. Welches bemerkenswerte Ger�cht? Welche M�glichkeiten? Wie wollten sie sich vorbereiten? Das Lenken der Macht innerhalb des Palastes �nderte sich erneut, nahm zu. Was taten sie? Egwene atmete tief ein und lauschte beharrlich.</p><p>Als die Sonne h�her stieg, h�rte sie eine gro�e Anzahl kaum erkennbarer Ger�usche und eine Menge Dienergeschw�tz. Jemand namens Ceri w�rde ein weiteres Baby bekommen, und die Aes Sedai sollten zum Mittagessen Wein aus Arindrim bekommen, wo immer das lag. Die interessanteste Neuigkeit war jedoch, da� tats�chlich Arilyn mit jener Kutsche davongefahren war, um auf dem Land ihren Mann zu treffen. Das n�tzte jedoch nicht viel. Ein ganzer Vormittag war verschwendet.</p><p>Die Vordert�ren des Palastes schwangen weit auf, und livrierte Diener verbeugten sich. Die Soldaten standen nicht stramm, aber sie wirkten jetzt aufmerksamer. Nesune Bihara kam heraus, gefolgt von einem gro�en jungen Mann, der aus einem Felsblock gehauen zu sein schien.</p><p>Egwene lie� ihr Gewebe hastig fahren, lie� <emphasis>Saidar</emphasis> fahren und atmete zur Beruhigung tief durch. Jetzt sollte sie nicht den Kopf verlieren. Nesune und ihr W�chter berieten sich. Dann sp�hte die dunkelhaarige Braune Schwester die Stra�e hinab, zuerst in eine Richtung, dann in die andere. Sie suchte anscheinend etwas.</p><p>Egwene entschied, da� sie jetzt vielleicht doch in Schrecken geraten sollte. Sie zog sich langsam zur�ck, um Nesunes scharfen Blick nicht auf sich zu ziehen, wandte sich hastig um, sobald sie au�er Sicht dieser Frau war, raffte ihre R�cke, lief los und bahnte sich gewaltsam einen Weg durch die Menge. Sie lief drei Schritte. Dann stie� sie gegen eine Steinmauer, prallte ab und setzte sich so hart auf die Stra�e, da� sie auf den hei�en Pflastersteinen erneut abprallte.</p><p>Sie schaute benommen hoch, wobei sie ihr Herzschlag noch benommener machte. Die Steinmauer war Gawyn, der auf sie hinabblickte und genauso benommen wirkte wie sie. Seine Augen waren strahlend blau. Und diese rotgoldenen Locken. Sie wollte sie erneut um ihre Finger wickeln. Sie sp�rte, wie sie zutiefst err�tete. <emphasis>Du hast es niemals getan,</emphasis> dachte sie fest. Es <emphasis>war nur ein Traum!</emphasis></p><p>�Habe ich Euch verletzt?� Besorgt kniete er sich neben sie. Sie m�hte sich hoch und klopfte sich eilig ab. H�tte sie in diesem Moment einen Wunsch frei gehabt, h�tte sie sich gew�nscht, niemals wieder zu err�ten. Sie hatten bereits einen Kreis Zuschauer angezogen. Sie schob einen Arm in seinen und zog ihn die Stra�e hinab in die Richtung, aus der sie gekommen war. Ein Blick �ber die Schulter zeigte ihr nur die st�ndig in Bewegung befindliche Menge.</p><p>Selbst wenn Nesune genau zu jener Ecke k�me, s�he sie auch nicht mehr. Dennoch verlangsamte Egwene ihren Schritt nicht. Die Menge machte einer Aielfrau und einem Mann, der gro� genug f�r einen Aiel war, auch wenn er ein Schwert trug, Platz. Die Art, wie er sich bewegte, zeigte, da� er mit dem Schwert umgehen konnte. Er verhielt sich wie ein Beh�ter.</p><p>Nach einem Dutzend weiteren Schritten l�ste sie ihren Arm widerwillig aus seinem. Er ergriff jedoch ihre Hand, bevor sie ihm entglitt, und sie lie� sie ihm, w�hrend sie weitergingen. �Vermutlich sollte ich dar�ber hinwegsehen�, sann er nach einer Weile, �da� Ihr wie eine Aiel gekleidet seid. Zuletzt h�rte ich, Ihr w�rt in Illian. Und vermutlich sollte ich auch keinerlei Bemerkung zu Eurem Davonlaufen vom Palast machen, wo sich sechs Aes Sedai aufhalten. Ein seltsames Verhalten f�r eine Aufgenommene.�</p><p>�Ich war niemals in Illian�, sagte sie und blickte sich hastig um, ob Aiel nahe genug waren, es geh�rt zu haben. Mehrere schauten in ihre Richtung, aber keine waren in H�rweite. Pl�tzlich erkannte sie, was er gesagt hatte. Sie ergriff seinen gr�nen Mantel, der dieselbe Schattierung aufwies wie die M�ntel der Soldaten. �Ihr geh�rt zu ihnen. Zu den Aes Sedai der Burg.� Licht, sie war eine N�rrin, das nicht erkannt zu haben, sobald sie ihn gesehen hatte.</p><p>Sein Gesicht nahm einen weicheren Ausdruck an. Es hatte einen Moment sehr hart gewirkt. �Ich befehlige die Ehrengarde, die die Aes Sedai mitgebracht haben, um den Wiedergeborenen Drachen nach Tar Valon zu begleiten.� Seine Stimme war eine merkw�rdige Mischung aus Ver�rgerung und Ersch�pfung. �Wenn er letztendlich aufbrechen will. Und wenn er �berhaupt hier w�re. Ich habe geh�rt, da� er ... auftaucht und verschwindet. Coiren ist beunruhigt.�</p><p>Egwene klopfte das Herz in der Kehle. �Ich ... ich mu� Euch um einen Gefallen bitten, Gawyn.�</p><p>�Alle au�er einem: Ich werde Elayne oder Andor nicht schaden, und ich werde kein Drachenverschworener. Aber davon abgesehen tue ich alles in meiner Macht Stehende f�r Euch.�</p><p>K�pfe wurden ihnen zugewandt. Jede Erw�hnung Drachenverschworener erweckte Aufmerksamkeit. Vier M�nner mit harten Gesichtern und �ber ihre Schultern geschlungenen Kutscherpeitschen sahen Gawyn an und lie�en ihre Kn�chel knacken, wie manche M�nner es vor einem Kampf tun. Gawyn betrachtete sie nur. Sie waren nicht klein, aber ihre Angriffslust verging ihnen unter seinem Blick. Zwei neigten sogar die Stirn vor ihm, bevor sie alle vier in den Strom der Menge eintauchten. Aber es beobachteten sie noch zu viele Menschen, und zu viele versuchten den Anschein zu erwecken, nicht zuzuh�ren. Sie zog in ihrer Kleidung bereits Blicke auf sich, ohne ein Wort zu �u�ern, noch dazu in Begleitung eines Mannes mit rotgoldenem Haar, der sehr gro� war und wie ein Beh�ter aussah �diese Verkn�pfung konnte nur Aufmerksamkeit erregen.</p><p>�Ich mu� unter vier Augen mit Euch sprechen�, sagte sie. <emphasis>Wenn sich irgendeine Frau mit Gawyn verbunden hat, werde ich...</emphasis> Seltsamerweise hegte sie diesen Gedanken ohne jeglichen Zorn.</p><p>Er f�hrte sie wortlos zu einem nahegelegenen Gasthaus, dem <emphasis>Gro�en Mann,</emphasis> wo eine der rundlichen Gastwirtin zugeschobene Goldkrone eine fast ehrfurchtsvolle Verbeugung bewirkte und ihnen sofort ein abgeschiedenes Speisezimmer zugewiesen wurde, das dunkel get�felt war und schwere Tische und St�hle sowie Trockenblumen in einer blauen Vase auf dem Kamin aufwies. Gawyn schlo� die T�r, und sie wurden pl�tzlich verlegen, als sie einander allein gegen�berstanden. Licht, er sah prachtvoll aus, bestimmt genauso prachtvoll wie Galad, und wie sich sein Haar um die Ohren wellte...</p><p>Gawyn r�usperte sich. �Die Hitze scheint jeden Tag schlimmer zu werden.� Er zog ein Taschentuch hervor, wischte sich damit �ber die Stirn und bot es dann ihr an. Als er j�h erkannte, da� es nun bereits benutzt war, r�usperte er sich erneut. �Ich glaube, ich habe noch eines.�</p><p>W�hrend er seine Taschen durchsuchte, zog sie ihr eigenes Taschentuch hervor. �Gawyn, wie k�nnt Ihr Elaida dienen nach dem, was sie getan hat?�</p><p>�Die J�nglinge dienen der Burg�, erwiderte er steif, aber er wandte unbehaglich den Kopf, �Wir tun dies solange ... Siuan Sanche...� Sein Blick wurde kurzzeitig eiskalt. Nur einen Moment. �Egwene, meine Mutter pflegte stets zu sagen: �Auch eine K�nigin mu� dem Gesetz gehorchen, das sie erl��t, sonst gibt es kein Recht.�� Er sch�ttelte ver�rgert den Kopf. �Ich sollte nicht �berrascht sein, Euch hier vorzufinden. Ich h�tte wissen m�ssen, da� Ihr dort sein w�rdet, wo sich al'Thor aufh�lt.�</p><p>�Warum ha�t Ihr ihn?� Es <emphasis>war</emphasis> Ha� in seiner Stimme zu h�ren, oder sie hatte noch niemals Ha� geh�rt. �Gawyn, er ist wirklich der Wiedergeborene Drache. Ihr m��t doch erfahren haben, was in Tear geschehen ist...�</p><p>�Es k�mmert mich nicht, ob er der fleischgewordene Sch�pfer ist�, grollte er. �Al'Thor hat meine Mutter get�tet.�</p><p>Egwene fielen fast die Augen aus dem Kopf. �Gawyn, nein! Nein, das hat er nicht getan!�</p><p>�K�nnt Ihr darauf schw�ren? Wart Ihr dort, als sie starb? Jedermann sagt es. Der Wiedergeborene Drache hat Caemlyn eingenommen und Morgase get�tet. Wahrscheinlich hat er auch Elayne get�tet. Ich kann nichts �ber sie in Erfahrung bringen.� Aller Zorn wich aus ihm. Er sackte zusammen, wo er stand, sein Kopf sank nach vorn, seine F�uste waren geballt und die Augen geschlossen. �Ich kann nichts herausfinden�, fl�sterte er.</p><p>�Elayne ist unbeschadet�, sagte Egwene, �berrascht, da� sie pl�tzlich unmittelbar vor ihm stand. Sie hob die H�nde und �berraschte sich erneut, indem sie ihre Finger in seinem Haar verschr�nkte und seinen Kopf anhob. Es f�hlte sich genauso an, wie sie es in Erinnerung hatte. Sie ri� die H�nde zur�ck, als h�tte sie sich verbrannt. Sie merkte, wie ihr Gesicht feuerrot wurde, aber... Auch Gawyns Wangen hatten sich ger�tet. Nat�rlich. Er erinnerte sich auch, wenn auch nur an seinen eigenen Traum. Das h�tte sie erst recht zum Err�ten bringen sollen, bewirkte aber seltsamerweise das Gegenteil. Gawyns Err�ten beruhigte ihre Nerven und h�tte sie beinahe sogar l�cheln lassen. �Elayne ist in Sicherheit, Gawyn. Darauf <emphasis>kann</emphasis> ich schw�ren.�</p><p>�Wo ist sie?� Seine Stimme klang gequ�lt. �Wo war sie? Ihr Platz ist jetzt in Caemlyn. Nun, nicht in Caemlyn � nicht solange al'Thor dort sein k�nnte �, aber in Andor. Wo ist sie, Egwene?�</p><p>�Ich ... kann es Euch nicht sagen. Ich kann es nicht, Gawyn.�</p><p>Er betrachtete sie mit ausdruckslosem Gesicht und seufzte dann. �Jedes Mal, wenn ich Euch begegne, seid Ihr einer Aes Sedai �hnlicher.� Sein Lachen klang gezwungen. �Wi�t Ihr, da� ich immer glaubte, Euer Beh�ter zu werden? Wie t�richt war dieser Gedanke.�</p><p>�Ihr werdet mein Beh�ter sein.� Sie hatte nicht erwartet, das zu sagen, bis es heraus war, aber dann erkannte sie es als die Wahrheit. Jener Traum. Gawyn, der vor ihr kniete, w�hrend sie seinen Kopf hielt. Es h�tte hundert verschiedene Dinge oder nichts bedeuten k�nnen, aber sie wu�te es.</p><p>Er grinste sie an. Der Tor glaubte, sie mache Scherze! �Sicherlich nicht ich. Vielleicht Galad. Obwohl Ihr andere Aes Sedai gewaltsam vertreiben m��tet. Aes Sedai, Dienerinnen, K�niginnen, Zimmerm�dchen, Kauffrauen, B�uerinnen... Ich habe sie ihn alle anblicken sehen. Es sollte Euch nicht beunruhigen, da� Ihr nicht glaubt... �</p><p>Die einfachste Art, diesem Unsinn Einhalt zu gebieten, war, ihm eine Hand auf den Mund zu legen. �Ich liebe Galad nicht. Ich liebe dich.�</p><p>Gawyn versuchte es noch immer als Scherz zu betrachten und l�chelte unter ihren Fingern. �Ich kann kein Beh�ter sein. Ich werde Elaynes Erster Prinz des Schwertes sein.�</p><p>�Wenn die K�nigin von Andor eine Aes Sedai sein kann, kann ein Prinz auch ein Beh�ter sein. Und du wirst mein Beh�ter. Pr�ge dir das in deinen dicken Sch�del ein. Ich meine es ernst. Und ich liebe dich.� Er sah sie an. Zumindest l�chelte er nicht mehr. Aber er sagte nichts, sondern schaute nur. Sie nahm ihre Hand fort. �Nun? Willst du nichts sagen?�</p><p>�Wenn man sich so lange w�nscht, etwas Bestimmtes zu h�ren�, antwortete er bed�chtig, �und man es dann pl�tzlich und ohne Vorwarnung tats�chlich h�rt, ist es wie ein Blitzschlag und Regen auf ausgetrockneten Boden. Man ist wie bet�ubt und glaubt seinen Ohren nicht trauen zu k�nnen.�</p><p>�Ich liebe dich, ich liebe dich, ich liebe dich�, belehrte sie ihn l�chelnd. �Nun?�</p><p>Er hob sie als Antwort hoch und k��te sie. Es war genauso sch�n wie in den Tr�umen. Es war sogar noch sch�ner. Es war... Als er sie schlie�lich absetzte, klammerte sie sich an seine Arme. Ihre Beine schienen sie nicht mehr richtig zu tragen. �Meine Lady Aiel Egwene Aes Sedai�, sagte er, �ich liebe Euch auch und kann es kaum erwarten, da� Ihr Euch mit mir verbindet.� Dann lie� er von der sp�ttischen F�rmlichkeit ab und f�gte sanfter hinzu: �Ich liebe dich, Egwene al'Vere. Du sagtest, du wolltest mich um einen Gefallen bitten. Worum geht es ? Um den Mond an einer Halskette? Ich werde sie einen Goldschmied innerhalb einer Stunde anfertigen lassen. Sterne f�r dein Haar? Ich werde...�</p><p>�Sage Coiren und den anderen nicht, da� ich hier bin. Erw�hne es ihnen gegen�ber nicht einmal.�</p><p>Sie hatte Z�gerlichkeit erwartet, aber er sagte schlicht: �Sie werden von mir nichts erfahren. Oder von irgend jemand anderem, wenn ich es verhindern kann.� Er hielt einen Moment inne und umfa�te dann ihre Schultern. �Egwene, ich werde nicht fragen, warum du hier bist. Nein, h�r einfach zu. Ich wei�, da� Siuan dich in ihre Pl�ne eingebunden hat, und ich verstehe, da� du einem Mann aus deinem eigenen Dorf gegen�ber loyal sein willst. Aber das ist unwichtig. Du solltest in der Wei�en Burg sein und lernen. Ich erinnere mich, da� sie alle sagten, du w�rdest eines Tages eine m�chtige Aes Sedai sein. Hast du einen Plan, wie du ohne ... Strafen zur�ckkehren willst?� Sie sch�ttelte schweigend den Kopf, und er sprach eilig weiter. �Vielleicht f�llt mir etwas ein, wenn du nicht vorher eine Idee hast. Ich wei�, da� du keine andere Wahl hattest, als Siuan zu gehorchen, aber ich bezweifle, da� Elaida dem viel Gewicht beimessen wird. Allein die Erw�hnung des Namens Siuan Sanche in ihrer N�he entspricht fast dem Wert deines Kopfes. Ich werde einen Weg finden, irgendwie. Ich schw�re es. Aber versprich mir, da� du bis dahin nichts ... nichts T�richtes tun wirst.� Seine H�nde schlossen sich einen Moment fester und fast schmerzhaft um ihre Schultern. �Versprich mir einfach, da� du vorsichtig sein wirst.�</p><p>Licht, das war eine sch�ne Misere. Sie konnte ihm nicht sagen, da� sie nicht die Absicht hatte, zur Burg zur�ckzukehren, solange Elaida auf dem Amyrlin-Sitz sa�. Und etwas T�richtes bedeutete fast immer, da� es etwas mit Rand zu tun hatte. Er wirkte so besorgt um sie. �Ich werde vorsichtig sein, Gawyn. Das verspreche ich.� So <emphasis>vorsichtig wie m�glich,</emphasis> verbesserte sie sich insgeheim. Es war nur eine kleine �nderung, die aber das, was sie als n�chstes sagen mu�te, noch schwieriger machte. �Ich mu� dich noch um einen zweiten Gefallen bitten. Glaub mir, Rand hat deine Mutter nicht get�tet.� Wie konnte sie es ausdr�cken, ohne ihn zu �berfordern? Wie dem auch sei � sie mu�te es tun. �Versprich mir, da� du nicht gegen Rand vorgehst, bis ich beweisen kann, da� er es nicht getan hat.�</p><p>�Ich verspreche es.� Abermals ohne Z�gern, aber seine Stimme klang belegt und seine H�nde dr�ckten erneut kurz zu, h�rter als vorher. Sie wich nicht zur�ck. Der leichte Schmerz f�hlte sich wie eine Erwiderung des Schmerzes an, den sie ihm zuf�gte.</p><p>�Es mu� so sein, Gawyn. Er hat es nicht getan, aber es wird einige Zeit dauern, das zu beweisen.� Wie, unter dem Licht, konnte sie es beweisen? Rands Wort w�rde nicht gen�gen. Alles war so verwirrend. Sie durfte sich nur auf jeweils eine Sache konzentrieren. Was hatten jene Aes Sedai vor?</p><p>Gawyn schreckte sie aus ihren Gedanken, indem er hastig einatmete. �Ich werde f�r dich alles aufgeben, alles verraten. Flieh mit mir, Egwene. Wir werden alles hinter uns lassen. Ich besitze s�dlich von Wei�br�cke ein kleines Anwesen mit einem Weinberg und einem Dorf, so weit drau�en auf dem Land, da� die Sonne mit zwei Tagen Versp�tung aufgeht. Dort kann die Welt uns kaum erreichen. Wir k�nnten unterwegs heiraten. Ich wei� nicht, wieviel Zeit wir haben �al'Thor, Tarmon Gai'don �, ich wei� es nicht, aber wir werden sie zusammen haben.�</p><p>Sie sah �berrascht zu ihm hoch. Dann erkannte sie, da� sie ihren letzten Gedanken laut ge�u�ert hatte �was hatten die Aes Sedai vor? �, und ein Schl�sselwort �verraten � trat an seine Stelle. Er glaubte, da� sie ihn bitten wollte, die Aes Sedai f�r sie auszuspionieren. Und er w�rde es tun. Auch wenn er verzweifelt einen Weg suchte, es nicht zu tun, w�rde er es dennoch tun, wenn sie ihn darum b�te. Er w�rde alles tun, hatte er versprochen, und alles bedeutete f�r ihn, da� er es unabh�ngig davon t�te, was es ihn kosten w�rde. Sie versprach sich selbst etwas. Und ihm, aber dieses Versprechen konnte sie nicht laut �u�ern. Wenn er versehentlich etwas verriete, was sie benutzen konnte, w�rde sie � m��te sie � es tun, aber sie w�rde nicht nachfragen, keinesfalls. Was auch immer es sie kosten mochte. Sarene Nemdahl w�rde es niemals verstehen, aber es war die einzige M�glichkeit, wie sie dem entsprechen konnte, was er ihr dargeboten hatte.</p><p>�Ich kann nicht�, sagte sie sanft. �Du kannst dir nicht vorstellen, wie gern ich es t�te, aber ich kann nicht.� Sie lachte j�h, sp�rte Tr�nen in ihre Augen steigen. �Und du. Verraten? Gawyn Trakand, dieses Wort pa�t zu dir wie Dunkelheit zur Sonne.� Unausgesprochene Versprechen waren sch�n und gut, aber sie konnte es nicht dabei belassen. Sie w�rde benutzen, was er ihr gegeben hatte, es gegen das benutzen, woran er glaubte. Also mu�te sie etwas anbieten. �Ich schlafe in den Zelten, aber ich gehe jeden Morgen in die Stadt. Ich komme kurz nach Sonnenaufgang durch das Tor in der Drachenmauer.�</p><p>Er verstand nat�rlich. Es war ihr Angebot, seinen Worten zu vertrauen, ihre in seine Obhut gegebene Freiheit. Er nahm ihre H�nde in seine, drehte sie um und k��te sanft ihre Handfl�chen. �Du hast mir etwas Wertvolles anvertraut. Wenn ich jeden Morgen zum Tor in der Drachenmauer gehe, wird es sicherlich jemand bemerken, und ich kann vielleicht nicht jeden Morgen kommen, aber sei nicht allzu �berrascht, wenn ich an den meisten Tagen, kurz nachdem du die Stadt betreten hast, neben dir auftauche.�</p><p>Als Egwene schlie�lich wieder herauskam, war die Sonne erheblich h�her gestiegen, und die hei�esten Stunden des Nachmittags waren angebrochen, so da� sich die Menge ein wenig gelichtet hatte. Die Verabschiedung hatte l�nger gedauert, als sie gedacht hatte. Gawyn zu k�ssen, war vielleicht nicht die Art �bung, welche die Weisen Frauen ihr zugedacht hatten, aber ihr Herz raste noch immer so, als wenn sie gelaufen w�re. Sie verbannte Gawyn entschlossen aus ihren Gedanken � nun, verbannte ihn m�hsam in den Hintergrund � und kehrte dann zu ihrem Beobachtungsplatz neben dem Stall zur�ck. Jemand lenkte in dem Palast noch immer die Macht. Wahrscheinlich sogar mehr als nur ein Mensch, es sei denn, jemand wob etwas Gro�es. Es war schw�cher zu sp�ren als zuvor, aber noch immer recht stark. Eine Frau betrat das Haus, eine dunkelhaarige Frau, die Egwene nicht erkannte, obwohl die Alterslosigkeit ihres Gesichts charakteristisch f�r sie war. Sie versuchte nicht mehr zu lauschen und blieb auch nicht lange � wenn sie ein- und ausgingen, bestand zu gro�e Gefahr, gesehen und, trotz ihrer Kleidung, erkannt zu werden �, aber als sie davoneilte, ging ihr beharrlich ein Gedanke durch den Kopf. Was hatten sie vor?</p><p>�Wir wollen ihm anbieten, ihn nach Tar Valon zu begleiten�, sagte Katerine Alruddin und regte sich leicht. Sie war sich niemals schl�ssig, ob die St�hle in Cairhien genauso unbequem waren, wie sie aussahen, oder ob man sie einfach f�r unbequem hielt, <emphasis>weil</emphasis> sie unbequem aussahen. �Wenn er Cairhien verl��t, um nach Tar Valon aufzubrechen, wird hier eine ... Leere entstehen.�</p><p>Lady Colavaere, die ihr gegen�ber nachdenklich auf einem vergoldeten Stuhl sa�, beugte sich leicht vor. �Ihr macht mich neugierig, Katerine Sedai. La�t uns allein�, fuhr sie die Diener an.</p><p>Katerine l�chelte.</p><p>�Wir wollen ihm anbieten, ihn nach Tar Valon zu begleiten�, sagte Nesune deutlich, aber sie war leicht ver�rgert. Trotz seines ruhigen Gesichtsausdrucks bewegte der Tairen unruhig die F��e, in der Gegenwart einer Aes Sedai �ngstlich, weil er vielleicht erwartete, da� sie die Macht lenkte. Nur eine Amadician w�re schlimmer gewesen. �Wenn er erst nach Tar Valon aufbricht, wird Cairhien gest�rkt werden m�ssen.�</p><p>Der Hochlord Meilan leckte sich die Lippen. �Warum erz�hlt Ihr mir das?�</p><p>Nesunes L�cheln h�tte alles bedeuten k�nnen.</p><p>Als Sarene das Wohnzimmer betrat, befanden sich nur Coiren und Erian dort und tranken Tee. Ein Diener wartete nat�rlich darauf nachzugie�en. Sarene bedeutete ihm zu gehen. �Berelain wird sich vielleicht als schwierig erweisen�, sagte sie, nachdem sich die T�r geschlossen hatte. �Ich wei� nicht, ob bei ihr besser das Zuckerbrot oder die Peitsche wirkt. Ich soll zwar morgen Aracome treffen, aber ich glaube, da� Berelain noch mehr Zeit braucht.�</p><p>�Zuckerbrot oder Peitsche�, sagte Erian angespannt. �Was auch immer notwendig ist.� Ihr Gesicht h�tte aus von Rabenschwingen umkr�nztem, hellem Marmor sein k�nnen. Sarenes geheimes Laster war die Lyrik, obwohl sie niemals zugegeben h�tte, da� sie etwas so ... Gef�hlvolles interessierte. Sie w�re vor Scham gestorben, wenn Vitalien, ihr Beh�ter, entdeckt h�tte, da� sie ihn in Gedichten unter anderen anmutigen, m�chtigen und gef�hrlichen Tieren mit einem Leoparden verglichen hatte.</p><p>�Rei�t Euch zusammen, Erian.� Coiren klang wie �blich, als hielte sie eine Rede. �Sarene macht sich Sorgen �ber ein Ger�cht, das Galina geh�rt hat � das Ger�cht, da� eine Gr�ne Schwester mit dem jungen Rand al'Thor in Tear gewesen und jetzt hier in Cairhien sei.� Sie nannte ihn <emphasis>stets</emphasis> den �jungen Rand al'Thor�, als wollte sie ihre Zuh�rer daran erinnern, da� er jung und daher unerfahren war.</p><p>�Moiraine <emphasis>und</emphasis> eine Gr�ne�, sann Sarene. Das konnte tats�chlich auf Schwierigkeiten hindeuten. Elaida beharrte darauf, da� Moiraine und Siuan eigenm�chtig gehandelt h�tten, als sie al'Thor allein hatten gehen lassen, aber wenn eine Aes Sedai darin eingebunden war, k�nnte das vielleicht bedeuten, da� auch andere beteiligt waren, und das war eine F�hrte, die den ganzen Weg bis zu einigen � vielleicht sogar vielen � anl��lich der Absetzung Siuans der Burg Entflohenen zur�ckf�hren k�nnte. �Aber es ist nur ein Ger�cht.�</p><p>�Vielleicht nicht�, sagte Galina, w�hrend sie den Raum betrat. �Habt Ihr es nicht geh�rt? Jemand hat heute morgen die Macht auf uns gelenkt. Ich wei� nicht, zu welchem Zweck, aber ich denke, wir k�nnen es uns recht genau vorstellen.�</p><p>Die Perlen in Sarenes winzigen dunklen Z�pfen klangen zusammen, als sie den Kopf sch�ttelte. �Das ist kein Beweis f�r eine Gr�ne, Galina. Es ist nicht einmal ein Beweis f�r eine Aes Sedai. Ich habe Geschichten dar�ber geh�rt, da� einige Aielfrauen, diese Weisen Frauen, die Macht lenken k�nnen. Es k�nnte irgendeine arme ungl�ckliche Person gewesen sein, die aus der Burg verwiesen wurde, weil sie die Pr�fung als Aufgenommene nicht bestanden hat.�</p><p>Galina l�chelte. �Ich denke, es ist ein Beweis f�r Moiraine. Ich habe geh�rt, da� sie einen Trick kannte zu lauschen, und ich glaube diese Geschichte nicht, da� sie so passenderweise tot sein soll, da keine Leiche zu sehen war und niemand Einzelheiten wei�.�</p><p>Das beunruhigte auch Sarene. Teilweise, weil sie Moiraine gemocht hatte � sie waren als Novizinnen und als Aufgenommene Freundinnen gewesen, obwohl Moiraine ihr ein Jahr voraus gewesen war, aber diese Freundschaft hatte �ber ihre wenigen Treffen w�hrend der folgenden Jahre weiterbestanden � und teilweise, weil es <emphasis>tats�chlich</emphasis> eine zu ungenaue und zu passende Geschichte war, da� Moiraine gestorben sei, tats�chlich verschwunden sei, w�hrend ihr eine Haftstrafe drohte. Moiraine k�nnte sehr wohl imstande gewesen sein, unter diesen Umst�nden ihren Tod vorzut�uschen. �Ihr glaubt also, wir haben es sowohl mit Moiraine als auch mit einer Gr�nen Schwester zu tun? Aber das ist doch nur eine Vermutung, Galina.�</p><p>Galina l�chelte unvermindert, aber ihre Augen funkelten. Ihr war nicht mit Logik beizukommen � sie glaubte, was sie glaubte, wie auch immer sich etwas darstellte �, und doch hatte Sarene immer gedacht, da� Galina Gro�es in sich barg. �Ich glaube, da� Moiraine die sogenannte Gr�ne <emphasis>ist.</emphasis> Welche bessere M�glichkeit g�be es, sich einer Inhaftierung zu entziehen, als zu sterben und als jemand anderer oder in einer anderen Ajah wiederzuerscheinen? Ich habe geh�rt, da� diese Gr�ne klein ist. Wir alle wissen, da� Moiraine keineswegs gro� war.� Erian hatte sich steif aufgesetzt, die braunen Augen vor Zorn wie gro�e schwelende Kohlen. �Wenn wir diese <emphasis>Gr�ne</emphasis> Schwester erwischen�, belehrte Galina sie, �schlage ich vor, da� wir sie f�r die R�ckreise zur Burg Eurer Verantwortung �berstellen.� Erian nickte heftig, aber der Zorn war noch nicht aus ihren Augen gewichen.</p><p>Sarene f�hlte sich benommen. Moiraine? Die eine andere Ajah als ihre eigene beanspruchte? Sicherlich nicht. Sarene hatte niemals geheiratet � es war unvern�nftig zu glauben, da� zwei Menschen ein ganzes Leben lang zusammenpassen k�nnten �, aber das einzige, womit sie das vergleichen konnte, war, mit dem Mann einer anderen Frau zu schlafen. Die Verantwortung machte sie benommen, nicht die M�glichkeit, da� es vielleicht wahr sein k�nnte. Sie wollte gerade darauf hinweisen, da� es viele kleine Frauen auf der Welt gab und da� eine geringe Gr��e vieles bedeuten konnte, als Coiren ihre gewaltige Stimme erhob.</p><p>�Sarene, Ihr m��t Euch wieder damit befassen. Wir sollten vorbereitet sein, was auch immer geschieht.�</p><p>�Das gef�llt mir nicht�, sagte Erian entschlossen. �Es ist, als w�rde man sich auf eine Niederlage vorbereiten.�</p><p>�Das ist nur logisch�, belehrte Sarene sie. �Wenn man die Zeit in die kleinsten m�glichen Mehrertr�ge aufteilt, kann man unm�glich sicher sagen, was zwischen dem einen <emphasis>und</emphasis> dem anderen geschehen wird. Al'Thor nach Caemlyn zu treiben k�nnte bedeuten, da� wir vielleicht dort ank�men und feststellen m��ten, da� er inzwischen hierhergekommen ist. Also bleiben wir in der gr��tm�glichen Sicherheit hier, da� er schlie�lich zur�ckkehrt, auch wenn das morgen oder erst in einem Monat der Fall sein k�nnte. Jedes einzelne Ereignis in jeder Stunde dieser Wartezeit, oder jede Verkn�pfung von Ereignissen, k�nnte uns keine andere M�glichkeit lassen. Also ist Vorbereitung nur logisch.�</p><p>�Sehr h�bsch erkl�rt�, erwiderte Erian trocken. Sie hatte keinen Sinn f�r Logik. Manchmal dachte Sarene, da� dies allgemein f�r sch�ne Frauen galt, obwohl diese Folgerung nicht logisch war.</p><p>�Wir haben soviel Zeit, wie wir brauchen�, erkl�rte Coiren. Wenn sie einmal keine Rede hielt, gab sie Erkl�rungen ab. �Beldeine ist heute eingetroffen und hat sich ein Zimmer nahe am Flu� genommen, aber Mayam soll erst �bermorgen eintreffen. Wir m�ssen vorsichtig sein, um uns Zeit zu verschaffen.�</p><p>�Es gef�llt mir immer noch nicht, mich auf eine Niederlage vorzubereiten�, murmelte Erian in ihre Teetasse.</p><p>�Ich f�nde es nicht sehr schlimm�, sagte Galina, �wenn wir keine Zeit f�nden, Moiraine zur Rechenschaft zu ziehen. Wir haben schon so lange gewartet. Bei al'Thor ist es nicht so eilig.�</p><p>Sarene seufzte. Was sie taten, machten sie sehr gut, aber sie konnte es nicht verstehen. Ihnen wohnte kaum Logik inne.</p><p>Sie zog sich in ihre oben gelegenen R�ume zur�ck, setzte sich vor die erkaltete Feuerstelle und begann, die Macht zu lenken. Konnte dieser Rand al'Thor wirklich das Schnelle Reisen entdeckt haben? Es war kaum zu glauben, und doch war es die einzig m�gliche Erkl�rung. Was f�r ein Mann war er? Das w�rde sie erkennen, wenn sie ihm begegnete, nicht vorher. Fast bis zum Bersten von <emphasis>Saidar</emphasis> erf�llt, wenn S��e zu Schmerz wurde, begann sie, Novizinnen�bungen durchzuf�hren. Sie waren genauso gut wie alles andere. Sich vorzubereiten war nur logisch.</p></section><section><title><p>26</p><p>Verwandtschaftsbeziehungen</p></title><p>Donner rollte �ber die niedrigen braunen, grasbewachsenen H�gel, obwohl am Himmel keine Wolke zu sehen war, nur die brennende Sonne, die noch lange nicht vollst�ndig aufgestiegen war, Rand hielt auf einem H�gelkamm die Z�gel und das Drachenszepter an seinem Sattelknauf umfa�t und wartete. Der Donner schwoll an. Es fiel ihm schwer, nicht st�ndig �ber die Schulter s�dw�rts in Alannas Richtung zu schauen. Sie hatte sich heute morgen die Ferse verletzt und die Hand zerkratzt und war w�tend. Wie und warum, wu�te er nicht. Der Donner erreichte seinen H�hepunkt.</p><p>Die saldaeanischen Reiter erschienen �ber dem n�chsten H�gelkamm. Drei von ihnen ritten in schnellem Galopp einer langen Kolonne voraus, die sich den H�gel hinab und auf den breiten Landstreifen zwischen den H�geln voranarbeitete. Neuntausend Mann bildeten eine sehr lange Kolonne. Am Fu�e des H�gels teilten sie sich. Die Hauptabteilung ritt weiter geradeaus, w�hrend die anderen nach rechts und links auswichen und sich jede Abteilung dann wieder und wieder teilte, bis sie nur noch in Gruppen zu Hunderten ritten, die aneinander vorbeigaloppierten. Reiter stellten sich auf ihre S�ttel, manchmal auf den F��en, manchmal auf den H�nden. Andere beugten sich unglaublich weit herab und schlugen zuerst auf der einen Seite ihrer galoppierenden Pferde, dann auf der anderen mit der Hand auf den Boden. M�nner stiegen aus den S�tteln, um unter die dahinjagenden Pferde zu kriechen oder lie�en sich zu Boden fallen und liefen einen Schritt neben dem Tier her, bevor sie wieder in den Sattel sprangen, um sich dann auf der anderen Seite des Tieres erneut fallen zu lassen und die Vorstellung zu wiederholen.</p><p>Rand hob die Z�gel an und stie� Jeade'en die Fersen in die Seiten. Als der Schecke antrabte, setzten sich auch die ihn umgebenden Aiel in Bewegung. Heute morgen waren es Bergt�nzer, <emphasis>Hama N'dore,</emphasis> von denen mehr als die H�lfte das Stirnband der <emphasis>Siswai'aman</emphasis> trug. Caldin, bereits ergraut und z�h, hatte Rand zu �berreden versucht, ihn mehr als zwanzig M�nner einbringen zu lassen, wo doch so viele bewaffnete Feuchtl�nder in der N�he waren. Keiner der Aiel verschwendete Zeit mit ver�chtlichen Blicken auf Rands Schwert. Nandera verbrachte mehr Zeit damit, die zweihundert seltsamen Frauen zu beobachten, die ihnen zu Pferde folgten. Sie schien die saldaeanischen Damen und die Frauen der Offiziere als bedrohlicher zu empfinden als die Soldaten, und da Rand einigen der saldaeanischen Frauen begegnet war, war er nicht bereit, dar�ber zu streiten. Sulin h�tte wahrscheinlich dar�ber gestritten. Ihm fiel auf, da� er Sulin nicht mehr gesehen hatte seit ... seit seiner R�ckkehr aus Shadar Logoth. Vor acht Tagen. Er fragte sich, ob er sie irgendwie beleidigt hatte.</p><p>Aber es war keine Zeit, sich �ber Sulin oder <emphasis>Ji'e'toh</emphasis> Gedanken zu machen. Er umrundete das Tal, bis er den H�gelkamm erreichte, �ber den er die Saldaeaner zuerst hatte auftauchen sehen. Bashere selbst war ungef�hr dort hinabgeritten und hatte zun�chst eine Gruppe �berpr�ft, w�hrend sie voranritt, und dann eine weitere. Fast zuf�llig tat er dies auf seinem Sattel stehend.</p><p>Einen Moment ergriff Rand <emphasis>Saidin</emphasis> und lie� es einen Herzschlag sp�ter wieder fahren. Da seine Sicht gesteigert war, war es nicht schwierig, die beiden wei�en Steine nahe dem Fu� des H�gels liegen zu sehen, genau dort, wo Bashere sie in der vorigen Nacht vier Schritt auseinander selbst hingelegt hatte. Mit etwas Gl�ck hatte ihn niemand gesehen. Mit etwas Gl�ck w�rde niemand zu viele Fragen �ber diesen Morgen stellen. Unter ihm ritten jetzt einige M�nner zwei Pferde, jeweils einen Fu� auf jedem Sattel und noch immer in schnellem Galopp. Andere trugen einen Mann auf ihren Schultern, manchmal im Handstand.</p><p>Er blickte sich beim Ger�usch eines auf ihn zukommenden Pferdes um. Deira ni Ghaline t'Bashere ritt scheinbar unbek�mmert, nur mit einem kleinen Messer an ihrem Silberg�rtel und in einem grauseidenen, an den �rmeln und am hohen Kragen silbern bestickten Reitgewand, durch die Aiel. Sie schien sie zum Angriff herauszufordern. Genauso gro� wie viele T�chter des Speers und fast eine Handbreit gr��er als ihr Mann, war sie eine beeindruckende Frau. Nicht dick, nicht einmal rundlich, sondern einfach beeindruckend. Ihr schwarzes Haar war von Wei� durchzogen, und ihre dunklen, schr�gstehenden Augen waren auf Rand gerichtet. Er vermutete, da� sie eine wundersch�ne Frau war, wenn seine Gegenwart ihr Gesicht nicht hart werden lie�. <emphasis>�Unterh�lt</emphasis> Euch mein Mann?� Sie sprach Rand niemals mit seinem Titel oder Namen an.</p><p>Er betrachtete die anderen saldaeanischen Frauen. Sie beobachteten ihn wie eine zum Angriff bereite Kavallerietruppe, ihre Gesichter waren wie Granit und die schr�gstehenden Augen eiskalt. Sie warteten nur auf Deiras Befehl. Er hielt die Geschichten durchaus f�r glaubhaft, da� saldaeanische Frauen die Schwerter ihrer gest�rzten M�nner aufnahmen und ihre M�nner in den Kampf zur�ckf�hrten. Freundlich zu sein, hatte ihn bei Basheres Frau nirgendwohin gebracht. Bashere selbst zuckte nur die Achseln und sagte, sie sei manchmal schwierig, w�hrend er offensichtlich stolz grinste.</p><p>�Sagt Lord Bashere, da� ich erfreut bin�, sagte er. Er wandte Jeade'en um und schaute wieder nach Caemlyn. Die Blicke der saldaeanischen Frauen schienen gegen seinen R�cken zu dr�ngen.</p><p>Lews Therin kicherte, anders konnte man es nicht nennen. <emphasis>Greife niemals eine Frau an, wenn es nicht sein mu�. Sie wird dich schneller und aus geringerem Anla� t�ten als ein Mann, auch wenn sie sp�ter deswegen weint.</emphasis></p><p><emphasis>Bist du wirklich da?</emphasis> fragte Rand. <emphasis>Bist du mehr als nur eine Stimme?</emphasis> Nur dieses leise, verr�ckte Lachen antwortete.</p><p>Er sann den ganzen Weg nach Caemlyn zur�ck �ber Lews Therin nach, sogar noch nachdem sie an einem der langen M�rkte mit Ziegeld�chern vorbeigeritten waren, die die Zuwege zu den Toren und in die Neustadt s�umten. Er bef�rchtete, verr�ckt zu werden � es war nicht real, aber es war schlimm genug; wenn er geisteskrank w�rde, wie sollte er dann tun, was er tun mu�te? �, aber er hatte keine Anzeichen davon bemerkt. Aber andererseits � w�rde er es merken, wenn sein Geist versagte? Er hatte noch niemals einen Verr�ckten gesehen. Er mu�te nur von dem in seinem Kopf faselnden Lews Therin beherrscht werden. Wurden alle Menschen auf gleiche Art verr�ckt? W�rde er so enden, da� er �ber Dinge lachte und weinte, die niemand sonst sah oder wahrnahm? Er erkannte, da� er eine Chance zu �berleben hatte, wenn auch eine scheinbar unm�gliche. <emphasis>Wenn du lebst, mu�t du sterben.</emphasis> Das war eine von drei ihm bekannten Wahrheiten, die ihm in einem <emphasis>Ter'angreal</emphasis> mitgeteilt worden waren; die Antworten waren immer richtig, wenn auch niemals leicht verst�ndlich. Aber so zu leben... Er war sich nicht sicher, da� er nicht lieber sterben w�rde.</p><p>Die Menschenmengen in der Neustadt machten mehr als vierzig Aiel Platz, und eine Handvoll erkannten auch den Wiedergeborenen Drachen. Vielleicht erkannten ihn noch mehr Leute, aber es erklangen nur wenige rauhe Hochrufe, als er vor�berritt. �M�ge das Licht auf den Wiedergeborenen Drachen scheinen!� und �Der Glanz des Lichts f�r den Wiedergeborenen Drachen!� und �Der Wiedergeborene Drache, K�nig von Andor!�</p><p>Dieser letzte Hochruf ersch�tterte ihn, wann immer er ihn h�rte, und er h�rte ihn jetzt h�ufiger. Er mu�te Elayne finden. Er merkte, da� er mit den Z�hnen knirschte. Er konnte die Menschen auf der Stra�e nicht ansehen. Er wollte sie zu Boden zwingen, sie anschreien, da� Elayne ihre K�nigin sei. Er versuchte, nicht hinzuh�ren, er betrachtete den Himmel, die H�userd�cher, alles, nur nicht die Menge. Und nur darum sah er den Mann in einem wei�en Umhang auf einem mit roten Ziegeln bedeckten Dach aufstehen und eine Armbrust erheben.</p><p>Alles geschah innerhalb weniger Herzschl�ge. Rand ergriff <emphasis>Saidin</emphasis> und lenkte die Macht, w�hrend der Pfeil auf ihn zuflog. Er traf mit einem Ger�usch wie Metall auf Metall auf Luft auf, einer silbrig blauen Masse, die �ber der Stra�e hing. Eine Feuerkugel entsprang Rands Hand und traf den Armbrustsch�tzen in die Brust, w�hrend der Pfeil von dem Luftschild abprallte. Flammen umfingen den Mann, und er fiel schreiend vom Dach. Und dann sprang jemand Rand an und warf ihn aus dem Sattel.</p><p>Er traf hart auf dem Pflaster auf, ein Gewicht �ber sich sp�rend, und sein Atem und <emphasis>Saidar</emphasis> verlie�en ihn vollst�ndig. Er rang nach Luft, k�mpfte mit dem Gewicht, sch�ttelte es ab � und stellte fest, da� er Desora an den Armen hielt. Sie l�chelte ihn an, ein wundersch�nes L�cheln, und dann sackte ihr Kopf zur Seite. Blinde blaue Augen sahen ihn an, die bereits glasig wurden. Der Armbrustpfeil, der aus ihren Rippen hervorstak, dr�ckte gegen sein Handgelenk. Warum hatte sie dieses wundersch�ne L�cheln stets verborgen?</p><p>H�nde ergriffen ihn, hoben ihn hoch. T�chter des Speers und Bergt�nzer dr�ngten ihn zum Stra�enrand, dicht an die Vorderwand des Ladens eines Blechschmieds, und bildeten einen festen, verschleierten Kreis um ihn, die Hornb�gen in H�nden, die Blicke die Stra�e und die D�cher absuchend. Rufe und Schreie erklangen �berall, aber die Stra�e war bereits auf gut f�nfzig Schritt in jede Richtung ger�umt. Schreie drangen von der mahlenden Menschenmasse heran, die zu entkommen suchte. Die Stra�e war bis auf die Toten ger�umt: Desora und sechs andere, drei davon Aiel. Noch eine Tochter des Speers, dachte er. Man konnte es aus der Entfernung schwer sagen, wenn jemand wie ein Haufen Lumpen zusammengekauert dalag.</p><p>Rand regte sich, und die Aiel um ihn herum dr�ngten sich noch enger zusammen, eine menschliche Mauer. �Orte wie dieser sind stets �berv�lkert�, sagte Nandera gespr�chig, w�hrend sie ihren Blick �ber den Schleier hinweg weiterhin unabl�ssig wandern lie�. �Wenn man sich dort hineinbegibt, kann man eine Klinge im R�cken haben, bevor man erkennt, da� Gefahr besteht.�</p><p>Caldin nickte. �Das erinnert mich an eine Zeit in der N�he von Sedar Cut, als... Wir haben zumindest einen Gefangenen.� Einige seiner <emphasis>Hama N'dore</emphasis> waren aus einer Schenke auf der anderen Stra�enseite aufgetaucht und stie�en einen Mann vor sich her, dessen Arme auf dem R�cken gefesselt waren. Er k�mpfte best�ndig gegen sie an, bis sie ihn auf die Knie stie�en und Speerspitzen an seine Kehle legten. �Vielleicht wird er uns erz�hlen, wer dies befohlen hat.� Caldin klang, als hege er nicht die geringsten Zweifel.</p><p>Kurz darauf kamen aus einem anderen Geb�ude T�chter des Speers mit einem weiteren Mann, der hinkte und dessen Gesicht blutverschmiert war. Sehr bald knieten vier M�nner unter Aielbewachung auf der Stra�e. Schlie�lich l�ste sich der Halbkreis um Rand auf.</p><p>Die vier waren alle hartgesichtige M�nner, obwohl der Bursche mit dem blutverschmierten Gesicht schwankte und die Aiel augenrollend ansah. Zwei weitere zeigten m�rrischen Trotz und der vierte Hohn.</p><p>Rands H�nde zuckten. �Seid ihr sicher, da� sie daran beteiligt waren?� Er konnte nicht glauben, wie sanft und ruhig seine Stimme klang. Ein Scheiterhaufen w�rde alles l�sen. <emphasis>Kein Scheiterhaufen,</emphasis> fauchte Lews Therin ihn an. <emphasis>Niemals wieder.</emphasis></p><p>�Sie waren beteiligt�, sagte eine Tochter des Speers. Er konnte hinter ihrem Schleier nicht erkennen, wer sie war. �Diejenigen, die wir get�tet haben, trugen alle dies.� Sie zog hinter den gefesselten Armen des blut�berstr�mten Mannes einen Umhang hervor. Ein fadenscheiniger wei�er Umhang, schmutzig und fleckig und mit einer aufgestickten, goldenen Sonnenscheibe. Auch die anderen drei besa�en solche Umh�nge.</p><p>�Sie waren auf Beobachtungsposten�, f�gte ein breitschultriger Bergt�nzer hinzu, �und sollten berichten, ob der Angriff f�r die anderen schlecht ausging.� Er lachte sp�ttisch. �Wer auch immer sie gesandt hat, ahnte nicht, wie schlecht es ausgehen w�rde.�</p><p>�Keiner dieser M�nner hat eine Armbrust abgeschossen?� fragte Rand. Scheiterhaufen. <emphasis>Nein,</emphasis> schrie Lews Therin in der Ferne. Die Aiel wechselten Blicke und sch�ttelten die <emphasis>Shoufa-umwickelten</emphasis> K�pfe. �H�ngt sie�, sagte Rand. Der Mann mit dem blutbeschmierten Gesicht brach fast zusammen. Rand ergriff ihn mit Luftstr�ngen und zog ihn hoch. Erst jetzt erkannte er, da� er Zugriff auf <emphasis>Saidin</emphasis> genommen hatte. Er hie� den Kampf ums �berleben willkommen; er hie� sogar den Makel willkommen, der wie bei�ender Schleim ihn ihm waberte. Er bewirkte, da� er sich der Dinge, an die er sich lieber nicht erinnern wollte, Gef�hle, die er lieber nicht empfinden wollte, weniger bewu�t war. �Wie hei�t Ihr?�</p><p>�F-Faral, m-mein Herr, D-Dimir Faral.� Die Augen fielen ihm fast aus dem Kopf, als er Rand durch die Blutmaske ansah. �B-Bitte h�ngt mich nicht, Herr. Ich werde im Licht w-wandeln, ich sch-schw�re es!�</p><p>�Ihr seid ein sehr gl�cklicher Mann, Dimir Faral.� Seine Stimme klang Rand jetzt so fern in den Ohren wie Lews Therins Schreie. �Ihr werdet zusehen, wie Eure Freunde geh�ngt werden.� Faral begann zu weinen. �Dann werdet Ihr ein Pferd erhalten, zu Pedron Niall reiten und ihm sagen, da� ich eines Tages ihn f�r das h�ngen werde, was hier geschehen ist.� Als er die Luftstr�nge aufl�ste, sank Faral zusammen und beschwor st�hnend, da� er auf schnellstem Weg nach Amador reiten w�rde. Die drei M�nner, die sterben sollten, betrachteten den schluchzenden Mann ver�chtlich. Einer von ihnen spie ihn sogar an.</p><p>Rand verbannte sie aus seinem Geist. Er mu�te nur Niall in Erinnerung behalten. Aber er mu�te auch noch etwas anderes tun. Er lie� <emphasis>Saidin</emphasis> fahren, unterzog sich dem Kampf, ihm zu entkommen, ohne vernichtet zu werden, und dem Kampf, sich dazu zu bringen, es loszulassen. F�r das, was er tun mu�te, wollte er keinen Schild zwischen sich und seinen Empfindungen wissen.</p><p>Eine Tochter des Speers richtete Desoras Leichnam auf und hob Desoras Schleier an. Sie streckte die Hand aus, um Rand darin zu hindern, das St�ck schwarzen <emphasis>Algode</emphasis> zu ber�hren, z�gerte dann, sah ihm ins Gesicht und setzte sich wieder zur�ck.</p><p>Er hob den Schleier an und grub sich Desoras Gesicht ins Ged�chtnis ein. Sie sah jetzt aus, als schliefe sie. Desora, von der Musara-Septime der Reyn-Aiel. So viele Namen. Liah, von den Cosaida Chareen, und Dailin, von den Eisenberg Taardad, und Lamelle, von den Rauchwasser Miagoma, und... So viele. Manchmal ging er diese Liste Name f�r Name durch. Einen Namen hatte nicht er hinzugef�gt. Ilyena Trierin Moerelle. Er wu�te nicht, wie Lews Therin ihm diesen Namen eingepr�gt hatte, aber er h�tte ihn auch dann nicht ausgel�scht, wenn er diese M�glichkeit gesehen h�tte.</p><p>Es war sowohl m�hsam als auch eine Erleichterung, sich von Desora abzuwenden. Und es war die <emphasis>reine</emphasis> Erleichterung, festzustellen, da� der Leichnam, den er f�r eine zweite Tochter des Speers gehalten hatte, statt dessen ein f�r einen Aiel sehr kleiner Mann war. Er empfand Schmerz f�r die M�nner, die f�r ihn gestorben waren, aber durch sie erinnerte er sich an ein altes Sprichwort: �La� die Toten ruhen, und k�mmere dich um die Lebenden.� Es war nicht leicht, aber er w�rde es schaffen, obwohl er diese Worte nicht einmal heraufbeschw�ren konnte, wenn eine Frau f�r ihn gestorben war.</p><p>Auf dem Pflaster ausgebreitete R�cke zogen seinen Blick an. Nicht nur Aiel waren gestorben.</p><p>Ein Armbrustpfeil hatte sie zwischen die Schulterbl�tter getroffen. Ihre Kleidung wies kaum Blut auf. Es war ein schneller und gn�diger Tod gewesen. Rand kniete sich hin und drehte die Frau so vorsichtig wie m�glich um. Das andere Ende des Pfeils stak aus ihrer Brust hervor. Sie hatte ein kantiges Gesicht, eine Frau mittleren Alters, eine Spur Grau im Haar. Ihre dunklen Augen waren weit ge�ffnet. Sie wirkte �berrascht. Er kannte ihren Namen nicht, aber er grub sich auch ihr Gesicht ins Ged�chtnis ein. Sie war gestorben, weil sie sich auf derselben Stra�e befunden hatte wie er.</p><p>Er ergriff Nanderas Arm, und sie sch�ttelte seine Hand ab, weil sie nicht wollte, da� ihr K�nnen mit dem Bogen geschm�lert w�rde, aber sie sah ihn an.</p><p>�Such die Familie dieser Frau und sorge daf�r, da� sie bekommen, was immer sie brauchen. Gold...� Das gen�gte nicht. Sie brauchten die Frau zur�ck, die Mutter. Aber das konnte er ihnen nicht geben. �K�mmere dich um sie�, sagte er. �Und finde ihren Namen heraus.�</p><p>Nandera streckte eine Hand zu ihm aus, senkte sie aber dann wieder auf ihren Bogen. Als er sich erhob, beobachteten ihn die T�chter des Speers. Oh, sie beobachteten wie immer alles, aber jene verschleierten Gesichter wandten sich ihm ein wenig h�ufiger zu. Sulin wu�te, was er empfand, auch wenn sie nichts von der Liste wu�te, aber er hatte keine Ahnung, ob sie es den anderen erkl�rt hatte. Und wenn sie es getan hatte, wu�te er nicht, wie sie dar�ber empfanden.</p><p>Er ging zu der Stelle zur�ck, an der er vom Pferd gefallen war, und hob das mit Quasten versehene Drachenszepter auf. Es war anstrengend, sich hinabzubeugen, und das Szepter von der L�nge eines Speers f�hlte sich schwer an. Jeade'en war nicht weit gelaufen, als sein Sattel leichter geworden war. Das Pferd war gut dressiert. Rand stieg auf den R�cken des Schecken. �Ich habe hier getan, was ich konnte�, sagte er �sollten sie doch denken, was immer sie wollten � und stie� dem Schecken die Fersen in die Seiten.</p><p>Wenn er die Erinnerungen schon nicht hinter sich lassen konnte, wollte er wenigstens die Aiel hinter sich lassen. Zumindest f�r einige Zeit. Er hatte Jeade'en bereits einem Stallburschen �bergeben und den Palast betreten, bevor Nandera und Caldin ihn mit ungef�hr zwei Dritteln mehr T�chtern des Speers und Bergt�nzern, als sie zuvor bei sich gehabt hatten, einholten. Einige waren zur�ckgelassen worden, um sich um die Toten zu k�mmern. Caldin sah sich ver�rgert um. Als Rand den Zorn in Nanderas Augen sah, dachte er, da� er froh sein sollte, da� sie nicht verschleiert war.</p><p>Bevor sie etwas sagen konnte, n�herte sich ihm Frau Harfor und verfiel in einen tiefen Hofknicks. �Mein Lord Drache�, sagte sie mit tiefer, vollt�nender Stimme, �die Herrin der Wogen vom Clan Catelar, von den Atha'an Miere, bittet Euch um eine Audienz.�</p><p>Wenn der edle Schnitt von Reenes rotwei�em Gewand nicht ausreichte zu behaupten, �Erste Tochter des Speers� sei eine unpassende Bezeichnung, gen�gte sicherlich ihre Art. Die etwas rundliche Frau mit ergrauendem Haar und einem langen Kinn sah Rand direkt in die Augen, legte den Kopf zur�ck, um dies tun zu k�nnen, und verband irgendwie einen angemessenen Grad an Ehrerbietung, einen �u�ersten Mangel an Unterw�rfigkeit und eine Zur�ckhaltung miteinander, die die meisten adligen Frauen nicht erreichten. Wie Halwin Norry war sie geblieben, als die meisten anderen flohen, obwohl Rand halbwegs vermutete, da� sie den Palast vor Eindringlingen sch�tzen wollte. Es h�tte ihn nicht �berrascht zu erfahren, da� sie seine R�ume regelm��ig nach verborgenen Kostbarkeiten durchsuchte. Es h�tte ihn nicht �berrascht zu erfahren, da� sie die Aiel zu finden versuchte.</p><p>�Das Meervolk?� fragte er. �Was wollen sie?�</p><p>Sie sah ihn geduldig und um Milde bem�ht an.</p><p>Offen um Milde bem�ht. �Das wurde nicht gesagt, mein Lord Drache.�</p><p>Wenn Moiraine etwas �ber das Meervolk gewu�t hatte, so hatte sie es ihn nicht gelehrt, aber nach Reenes Haltung zu urteilen, war diese Frau wichtig. Der Titel �Herrin der Wogen� klang zumindest wichtig. Das w�rde bedeuten, da� die Audienz in der Gro�en Halle stattfinden m��te. Er war dort nicht mehr gewesen, seit er aus Cairhien zur�ckgekehrt war. Nicht da� er einen Grund h�tte, den Thronsaal zu meiden. Es hatte einfach keinen Anla� gegeben, dorthin zu gehen. �Heute nachmittag�, sagte er bed�chtig. �Sagt ihr, da� ich sie am sp�ten Nachmittag treffen werde. Habt Ihr der Herrin der Wogen eine gute Unterkunft zugewiesen? Und ihrem Gefolge ebenfalls?� Er bezweifelte, da� jemand mit einem solch gro�artigen Titel allein reiste.</p><p>�Sie hat sie verweigert. Sie haben im <emphasis>Ball and Hoop</emphasis> Zimmer gemietet.� Sie pre�te kurz den Mund zusammen. Anscheinend war dieses Verhalten aus Reene Harfors Sicht nicht angemessen, egal wie erhaben eine Herrin der Wogen sein mochte. �Sie waren sehr staubig und von der Reise ersch�pft und konnten kaum noch stehen. Sie kamen zu Pferde, nicht in der Kutsche, aber ich glaube nicht, da� sie Pferde gewohnt sind.� Sie blinzelte, als sei sie �berrascht, soviel preisgegeben zu haben, und h�llte sich dann wieder in Zur�ckhaltung wie in einen Umhang. �Und noch jemand m�chte Euch sprechen, mein Lord Drache.� Ihre Stimme nahm einen kaum wahrnehmbar widerwilligen Unterton an. �Die Lady Elenia.�</p><p>Rand mu�te fast grinsen. Elenia hielt zweifellos einen weiteren Vortrag �ber ihre Anspr�che auf den L�wenthron bereit. Bisher war es ihm gelungen, die meisten ihrer Worte zu �berh�ren. Sie w�rde leicht abzuwimmeln sein. Aber er sollte etwas �ber die Geschichte Andors wissen, und niemand Greifbares wu�te mehr dar�ber als Elenia Sarand. �Schickt sie bitte in meine R�ume.�</p><p>�Beabsichtigt Ihr wirklich, die Tochter-Erbin den Thron einnehmen zu lassen?� Reene sprach nicht barsch, aber alle Ehrerbietung war geschwunden. Ihr Gesichtsausdruck hatte sich nicht ver�ndert, und doch war sich Rand sicher, da� sie bei einer falschen Antwort rufen w�rde: �F�r Elayne und den Wei�en L�wen� und ihm den Sch�del einschlagen w�rde, ob Aiel oder nicht Aiel.</p><p>�Ja�, seufzte er. �Der L�wenthron geh�rt Elayne. Beim Licht und meiner Hoffnung auf Wiedergeburt und Heil, so ist es.�</p><p>Renee betrachtete ihn einen Moment und vollf�hrte dann erneut einen tiefen Hofknicks. �Ich werde sie zu Euch schicken, mein Lord Drache.� Sie schritt, wie immer mit starrem R�cken, davon. Er konnte nicht sagen, ob sie ein Wort geglaubt hatte.</p><p>�Ein verschlagener Feind�, sagte Caldin deutlich h�rbar, bevor Reene auch nur f�nf Schritte getan hatte, �wird einen schwachen Hinterhalt errichten, den Ihr durchbrechen sollt. Zuversichtlich, weil Ihr die Bedrohung bew�ltigt habt, vermindert Ihr dann Eure Wachsamkeit und geratet in den zweiten, st�rkeren Hinterhalt.�</p><p>Nandera sagte unmittelbar nach Caldin mit kalter Stimme: �Junge M�nner k�nnen ungest�m sein und voreilig. Junge M�nner k�nnen Narren sein, aber der <emphasis>Car'a'carn</emphasis> darf kein junger Mann sein.�</p><p>Bevor er weiterging, schaute Rand gerade lange genug �ber die Schulter, um zu sagen: �Wir befinden uns jetzt innerhalb des Palastes. W�hlt Eure zwei.� Es war kaum �berraschend, da� Nandera und Caldin einander w�hlten, und noch weniger �berraschend, da� sie ihm in hartn�ckiges Schweigen geh�llt folgten.</p><p>An der T�r zu seinen R�umen befahl er ihnen, Elenia hereinzuschicken, wenn sie k�me, und lie� sie im Gang zur�ck. Gew�rzter Wein in einem silbern ziselierten Krug erwartete ihn, aber er r�hrte ihn nicht an. Statt dessen blieb er stehen, starrte auf den Krug und �berlegte, was er sagen w�rde, bis er erkannte, was er tat und �berrascht brummte. Was gab es zu �berlegen?</p><p>Ein Klopfen an der T�r k�ndigte Elenia mit den honigfarbenen Haaren an, die in ihrem mit goldenen Rosen verzierten Kleid einen Hofknicks vollf�hrte. �Mein Lord Drache ist zu gn�dig, mich zu empfangen.�</p><p>�Ich m�chte Euch �ber die Geschichte Andors befragen�, sagte Rand. �M�chtet Ihr einen Becher gew�rzten Wein?�</p><p>Elenias Augen weiteten sich erfreut, bevor sie es verhindern konnte. Sie hatte zweifellos geplant, Rand zu �berreden, ihren Anspr�chen nachzukommen, und jetzt wurde es ihr in den Scho� gelegt. Ein L�cheln erschien auf dem ruchs�hnlichen Gesicht. �Gew�hrt mein Lord Drache mir die Ehre, f�r ihn einzugie�en?� fragte sie und wartete gar nicht erst auf seine Zustimmung. Sie war so erfreut �ber die Wendung der Ereignisse, da� er fast erwartete, sie w�rde ihn in einen Sessel n�tigen und ihn dr�ngen, die F��e hochzulegen. �Welchen Zeitpunkt der Geschichte darf ich f�r Euch erhellen?�</p><p>�Allgemein eine Art...� Rand runzelte die Stirn; das w�re als Vorgabe geeignet ihre Vorfahren in allen Einzelheiten aufzulisten. �...wie Souran Maravaile dazu kam, seine Frau hierherzubringen. Stammte er aus Caemlyn?�</p><p>�Ishara hat Souran hierhergebracht, mein Lord Drache.� Elenias L�cheln wurde einen Moment nachgiebig. �Isharas Mutter war Endara Casalain, die dann hier Artur Falkenfl�gels Statthalterin war � die Provinz wurde Andor genannt � und auch die Tochter von Joal Ramedar, dem letzten K�nig von Aldeshar. Souran war nur ... nur ein Lordhauptmann� � sie hatte sagen wollen: ein B�rgerlicher; darauf h�tte er wetten k�nnen �, �wenn auch nat�rlich Falkenfl�gels bester Lordhauptmann. Endara gab ihre Befugnis auf und beugte sich Ishara als K�nigin.� Rand glaubte irgendwie nicht, da� es genau so oder auch nur ann�hernd so gewesen war. �Damals herrschten nat�rlich die schlimmsten Zeiten, sicherlich genauso schlimm wie die Zeit der Trolloc-Kriege. Als Falkenfl�gel tot war, wollten alle Adligen Hochk�nig werden. Oder Hochk�nigin. Ishara wu�te jedoch, da� niemand dazu in der Lage sein w�rde. Es gab zu viele Parteien, und B�ndnisse brachen, sobald sie geschlossen waren. Sie �berzeugte Souran, die Belagerung Tar Valons aufzuheben, und brachte ihn mit dem Anteil seines Heers hierher, den er zusammenhalten konnte.�</p><p>�Souran Maravaile hat Tar Valon belagert?� fragte Rand �berrascht. Artur Falkenfl�gel hatte Tar Valon zwanzig Jahre lang belagert und einen Preis auf den Kopf jeder Aes Sedai ausgesetzt.</p><p>�Im letzten Jahr�, sagte sie ein wenig ungeduldig. �So wird es berichtet.� Es war offensichtlich, da� sie an Souran nur als Isharas Ehemann wahres Interesse hatte. �Ishara war klug. Sie versprach den Aes Sedai, da� ihre �lteste Tochter zum Studium in den Wei�en Turm geschickt w�rde, damit sie den R�ckhalt des Turmes und eine Aes-Sedai-Beraterin namens Ballair erhielt. Sie war die erste Regentin. Andere folgten nat�rlich, aber sie wollten noch immer Falkenfl�gels Thron.� Sie war jetzt ganz in ihrem Element, das Gesicht lebhaft, der Becher gew�rzter Wein vergessen, mit der freien Hand gestikulierend. Die Worte sprudelten hervor. �Eine ganze Generation verging, bevor dieser Gedanke erstarb, obwohl auch Narasim Bhuran es w�hrend der letzten zehn Jahre des Hundertj�hrigen Krieges versucht hatte � ein gr��licher Fehler, der ein Jahr danach mit seinem Kopf auf einem Spie� endete. Esmara Getares Bem�hungen ungef�hr drei�ig Jahre sp�ter waren erheblich erfolgreicher, bis sie Andor zu erobern versuchte und die letzten zw�lf Jahre ihres Lebens als <emphasis>Gast</emphasis> von K�nigin Telaisien verbrachte. Esmara wurde letztendlich ermordet, obwohl es keinerlei Berichte dar�ber gibt, warum jemand sie tot sehen wollte, nachdem Telaisien ihre Macht gebrochen hatte. Wie Ihr seht, folgten die K�niginnen, die nach Ishara kamen � von Alesinde bis Lyndelle �, ihrem Weg, und nicht nur darin, eine Tochter zum Turm zu schicken. Ishara lie� Souran zun�chst das Land um Caemlyn sichern, zu Anfang nur einige D�rfer, aber dann dehnte sie ihren Einflu� aus. Nun, sie brauchte f�nf Jahre, bis sie den Flu� Erinin erreicht hatte. Aber das Land, das Andors K�niginnen beherrschten, geh�rte ihnen unumschr�nkt, wohingegen die meisten anderen, die sich K�nige oder K�niginnen nannten, eher daran interessiert waren, weitere L�nder zu erringen, als zu festigen, was sie bereits besa�en.�</p><p>Sie sch�pfte Atem, und Rand schaltete sich schnell ein. Elenia sprach von diesen Menschen, als kenne sie sie pers�nlich, aber die Namen, die er niemals zuvor geh�rt hatte, gerieten in seinem Kopf durcheinander. �Warum gibt es kein Haus Maravaile?�</p><p>�Keiner von Isharas S�hnen wurde �lter als zwanzig Jahre.� Elenia zuckte die Achseln und trank von ihrem gew�rzten Wein. Das Thema interessierte sie nicht. Aber es gab ihr ein neues Stichwort. �Neun K�niginnen regierten w�hrend des Hundertj�hrigen Krieges, aber keine dieser K�niginnen hatte einen Sohn, der alter als dreiundzwanzig wurde. Es wurde best�ndig gek�mpft, und Andor wurde von allen Seiten bedr�ngt. Nun, w�hrend Maragaines Regierungszeit erhoben vier K�nige ihr Heer gegen sie � an der Stelle ist eine Stadt nach dieser Schlacht benannt. Die K�nige waren...�</p><p>�Aber alle K�niginnen waren Abk�mmlinge Sourans und Isharas?� warf Rand schnell ein. Die Frau h�tte ihm t�glich eine neue Geschichte erz�hlen k�nnen, wenn er es zugelassen h�tte. Da er sa�, bot er auch ihr einen Sitzplatz an.</p><p>�Ja�, sagte sie widerwillig, wahrscheinlich, weil sie Souran nicht einbeziehen wollte. Aber sie strahlte sofort wieder. �Es geht darum, wie viel von Isharas Blut ein jeder besitzt. Wie viele Linien den einzelnen mit ihr verbinden und in welchem Ma�. In meinem Fall... �</p><p>�Das ist f�r mich nicht leicht zu verstehen. Nehmen wir, zum Beispiel, Tigraine und Morgase. Morgase hatte den aussichtsreichsten Anspruch, Tigraine zu folgen. Das bedeutet vermutlich, da� Morgase und Tigraine eng miteinander verwandt waren?�</p><p>�Sie waren Cousinen.� Elenia bem�hte sich, ihre Ver�rgerung dar�ber zu verbergen, da� sie so oft unterbrochen wurde, besonders jetzt, wo sie dem so nahe war, was sie sagen wollte, aber noch immer gehindert wurde. Sie wirkte wie ein bissiger Fuchs �, aber das Huhn gelangte immer wieder au�er Reichweite.</p><p>�Ich verstehe.� Cousinen. Rand trank einen gro�en Schluck, mit dem er den Becher halbwegs leerte.</p><p>�Wir sind alle Cousinen. Alle H�user.� Sein Schweigen schien sie zu st�rken. Sie l�chelte wieder. �Da die H�user w�hrend tausend Jahren immer wieder untereinander geheiratet haben, gibt es kein Haus ohne einen Tropfen von Isharas Blut. Aber das Ma� z�hlt und die Anzahl der Verbindungslinien. In meinem Fall...�</p><p>Rand blinzelte. �Ihr seid <emphasis>alle</emphasis> Cousinen? Ihr <emphasis>alle?</emphasis> Das scheint mir...� Er beugte sich aufmerksam vor. �Elenia, wenn Morgase und Tigraine ... Kaufleute oder Bauern gewesen w�ren � wie nahe w�ren sie dann miteinander verwandt gewesen?�</p><p>�Bauern?� rief sie aus und starrte ihn an. �Mein Lord Drache, welch absonderlicher...� Alles Blut wich langsam aus ihrem Gesicht. Er war immerhin ein Bauer gewesen. Sie benetzte nerv�s ihre Lippen. �Ich vermute ... ich sollte zun�chst dar�ber nachdenken. Bauern? Ich vermute, das bedeutet, da� man sich alle H�user als Bauernh�user vorstellen mu�.� Ein nerv�ses Kichern entschl�pfte ihr, bevor sie es in ihrem gew�rzten Wein ertr�nkte. �Wenn sie Bauern gewesen w�ren, glaube ich nicht, da� irgend jemand sie �berhaupt als Verwandte angesehen h�tte. Alle Verbindungen liegen zu weit zur�ck. Aber sie waren keine Bauern, mein Lord Drache...�</p><p>Er h�rte nur noch mit halbem Ohr zu und sank in seinem Sessel zur�ck. Nicht verwandt.</p><p>�...habe einunddrei�ig Verbindungslinien zu Ishara, w�hrend Dyelin nur drei�ig hat, und...�</p><p>Warum f�hlte er sich pl�tzlich so entspannt? Muskelverkrampfungen hatten sich gel�st, die er nicht einmal bemerkt hatte, bis sie verschwanden.</p><p>�...wenn ich so sagen darf, mein Lord Drache.� �Was? Verzeiht mir. Meine Gedanken sind einen Moment abgeschweift... Ich habe Eure letzte Bemerkung nicht geh�rt.� Sie hatte jedoch etwas beinhaltet, was seine Aufmerksamkeit erregt hatte.</p><p>Elenia hatte das unterw�rfige, schmeichlerische L�cheln aufgesetzt, das auf ihrem Gesicht so fremd wirkte. �Nun, ich sagte gerade, da� Ihr selbst Tigraine in gewisser Weise �hnelt, mein Lord Drache. Ihr k�nntet vielleicht sogar einen Hauch von Isharas Blut besitzen...� Sie brach mit einem kleinen Schrei ab, und er erkannte, da� er aufgesprungen war.</p><p>�Ich ... f�hle mich ein wenig m�de.� Er versuchte, seine Stimme ruhig klingen zu lassen, aber sie klang so fern, als bef�nde er sich tief im Nichts. �Wenn Ihr mich bitte allein lassen w�rdet.�</p><p>Er wu�te nicht, welcher Ausdruck auf seinem Gesicht lag, aber Elenia verlie� �berst�rzt ihren Sessel und stellte den Becher hastig auf den Tisch. Sie zitterte, und wenn ihr Gesicht schon vorher blutleer gewesen war, wirkte es jetzt wei� wie Schnee. Sie vollf�hrte einen Hofknicks, der einem beim Stehlen ertappten K�chenm�dchen angemessen gewesen w�re, eilte zur T�r, wobei sie mit jedem Schritt schneller ging, und beobachtete ihn unabl�ssig �ber die Schulter, bis sie die T�r aufri� und den Gang hinab davoneilte. Nandera streckte den Kopf hinein und betrachtete ihn pr�fend, bevor sie die T�r wieder zuzog.</p><p>Rand stand lange Zeit ins Leere starrend da. Es war kein Wunder, da� jene uralten K�niginnen ihn angestarrt hatten. Sie wu�ten, was er dachte, auch wenn er es selbst noch nicht wu�te. Da war wieder diese pl�tzliche innere Unruhe, die unbemerkt an ihm nagte, seit er den wahren Namen seiner Mutter herausgefunden hatte. Aber Tigraine war nicht mit Morgase verwandt gewesen. Seine Mutter war nicht mit Elaynes Mutter verwandt gewesen. Er war nicht verwandt mit...</p><p>�Du bist schlimmer als ein W�stling�, sagte er laut und verbittert. �Du bist ein Narr und ein...� Er w�nschte, Lews Therin w�rde zu ihm sprechen, damit er sich sagen k�nnte: <emphasis>Das ist ein Wahnsinniger. Ich bin geistig gesund.</emphasis> Waren es die toten Regenten Andors, die ihn beobachteten, oder war es Alanna? Er schritt zur T�r und ri� sie auf, Nandera und Caldin sa�en auf den Fersen unter einem Wandteppich mit bunten V�geln. �Versammelt Eure Leute�, befahl er ihnen. �Ich gehe nach Cairhien. Und sagt Aviendha nichts davon.�</p></section><section><title><p>27</p><p>Geschenke</p></title><p>W�hrend Egwene zu der gro�en Zeltstadt zur�ckkehrte, versuchte sie sich wieder zu sammeln, aber sie war sich nicht sicher, da� ihre F��e tats�chlich den Boden ber�hrten. Nun, sie wu�te, da� dem so war. Sie trugen ihren kleinen Teil zu den vom hei�en Wind aufgewirbelten Staubwolken bei. Sie mu�te husten und w�nschte, die Weisen Frauen tr�gen Schleier. Ein um den Kopf gewickelter Schal erf�llte nicht den gleichen Zweck und vermittelte au�erdem das Gef�hl, man tr�ge ein Dampfzelt mit sich. Und doch meinte sie, auf Luft zu gehen. Ihre Gedanken schienen sich zu drehen, aber nicht durch die Hitze.</p><p>Zuerst hatte sie geglaubt, Gawyn w�rde sie nicht treffen, aber dann war er pl�tzlich einfach da, als sie durch die Menge schritt. Sie hatten den ganzen Morgen im Privatspeiseraum des <emphasis>Gro�en Mannes</emphasis> verbracht, H�ndchen gehalten und sich beim Tee unterhalten. Sie war vollkommen schamlos gewesen, hatte ihn gek��t, sobald sich die T�r geschlossen hatte und bevor er auch nur Anstalten gemacht hatte, sie zu k�ssen, und hatte einmal sogar auf seinen Knien gesessen, wenn auch nicht lange. Es erregte sie, an seine Tr�ume zu denken und daran, sich vielleicht wieder in sie einzuschalten, an Dinge, die keine anst�ndige Frau �berhaupt denken sollte! Und schon gar keine unverheiratete Frau.</p><p>Sie sah sich hastig um. Die Zelte waren noch eine halbe Meile entfernt, und bis dahin war niemand in ihrer N�he. Wenn jemand dort gewesen w�re, h�tte er sie err�ten sehen k�nnen. Als sie erkannte, da� sie hinter ihrem Schal einf�ltig grinste, verbannte sie diesen Ausdruck sofort. Licht, sie mu�te sich beherrschen, das Gef�hl von Gawyns starken Armen vergessen und sich daran erinnern, warum sie soviel Zeit im <emphasis>Gro�en Mann</emphasis> gehabt hatten.</p><p><emphasis>Sie sah sich um, w�hrend sie die Menge durchschritt, suchte Gawyn und versuchte mit einigen Schwierigkeiten, unauff�llig zu wirken. Sie wollte nicht, da� er glaubte, sie sei ungeduldig. Pl�tzlich beugte sich eine Frau zu ihr und fl�sterte eindringlich: �Folgt mir zum</emphasis> Gro�en Mann.�</p><p><emphasis>Sie zuckte zusammen. Sie konnte nicht anders. Sie brauchte einen Moment, um Gawyn zu erkennen. Er trug einen einfachen braunen Umhang und einen fadenscheinigen Staubmantel mit hochgezogener Kapuze, so da� sein Gesicht fast verborgen war. Er war nicht der einzige, der einen Umhang trug � alle au�er den Aiel, die die Stadttore durchschritten, trugen einen Umhang</emphasis> �, <emphasis>aber nicht viele hatten sogar in dieser br�tenden Hitze die Kapuze hochgezogen.</emphasis></p><p><emphasis>Sie ergriff fest seinen �rmel, als er ihr vorangehen wollte.</emphasis> �Was <emphasis>l��t dich glauben, da� ich einfach mit dir in ein Gasthaus gehen w�rde, Gawyn Trakand?� fragte sie mit verengten Augen. Sie sprach jedoch leise. Ein Streit w�rde nur unn�tige Aufmerksamkeit erregen. �Wir wollten spazierengehen. Du h�ltst zu vieles f�r selbstverst�ndlich, wenn du auch nur einen Moment glaubst... �</emphasis></p><p><emphasis>Er fl�sterte ihr mit verzogenem Gesicht eilig zu: �Die Frauen, mit denen ich gekommen bin, suchen jemanden. Jemanden wie dich. Sie sagten mir gegen�ber sehr wenig, aber ich habe hier und da etwas belauscht, jetzt folge mir.� Er schritt die Stra�e hinab, ohne einen Blick zur�ckzuwerfen, so da� sie ihm nur noch mit einem unruhigen Gef�hl im Bauch folgen konnte.</emphasis></p><p>Die Erinnerung daran lie� sie innehalten. Der verbrannte Boden f�hlte sich unter den Sohlen ihrer weichen Stiefel fast genauso hei� an wie die Pflastersteine in der Stadt. Gawyn hatte nicht viel mehr gewu�t als das, was er ihr in diesem ersten Gespr�ch gesagt hatte. Er folgerte, da� sie nicht nach ihr suchen k�nnten, da� sie einfach mit ihrer Gabe, die Macht zu lenken, vorsichtig sein und soweit wie m�glich au�er Sicht bleiben sollte. Aber er hatte selbst nicht sehr �berzeugt gewirkt, nicht solange er eine Verkleidung trug. Sie versagte es sich, Bemerkungen �ber seine Kleidung zu machen. Er war so besorgt, da� sie alle m�glichen Schwierigkeiten bekommen k�nnte, wenn diese Aes Sedai sie fanden, da� er sie zu ihr f�hren w�rde, und war so wenig bereit, sie nicht mehr zu sehen, obwohl er es selbst vorschlug. Und er war so �berzeugt davon, da� sie irgendwie nach Tar Valon und in die Burg zur�ckgelangen m��te oder da� sie ihren Frieden mit Coiren und den anderen machen und mit ihnen zur�ckkehren sollte. Licht, sie h�tte ihm b�se sein sollen, weil er besser als sie zu wissen glaubte, was das beste f�r sie war, aber aus irgendeinem Grund brachte es sie selbst jetzt noch dazu, nachsichtig zu l�cheln. Aus irgendeinem Grund konnte sie in bezug auf ihn einfach nicht logisch denken, und er schien sich st�ndig in ihre Gedanken einzuschleichen.</p><p>Sie bi� sich auf die Lippen, w�hrend sie sich auf das eigentliche Problem besann. Die Aes Sedai der Burg. Wenn sie sich nur dazu �berwinden k�nnte, Gawyn zu fragen. Es h�tte nichts damit zu tun, ihn zu betr�gen, wenn sie ihm nur einige kleine Fragen stellte, �ber ihre Ajahs, wohin sie gingen, oder... Nein! Sie hatte es sich geschworen, und diesen Schwur zu brechen, w�rde ihn entehren. Keine Fragen. Nur das, was er freiwillig preisgab.</p><p>Was auch immer er sagte � sie hatte keinen Grund zu glauben, da� sie nach Egwene al'Vere suchten. Und keinen wirklichen Grund zu glauben, wie sie widerwillig zugab, da� sie es nicht taten � nur eine Menge Vermutungen und Hoffnungen. Nur weil ein Burgspion Egwene al'Vere in einer Aielfrau nicht erkannte, bedeutete das nicht, da� der Spion den Namen nicht schon geh�rt h�tte, oder nicht von Egwene Sedai von den Gr�nen Ajah erfahren h�tte. Sie zuckte zusammen. Von jetzt an w�rde sie in der Stadt �u�erst vorsichtig sein m�ssen.</p><p>Sie hatte die �u�eren Zelte erreicht. Das Lager erstreckte sich �ber Meilen und bedeckte die bewaldeten und unbewaldeten H�gel �stlich der Stadt. Aiel gingen zwischen den niedrigen Zelten einher, aber nur eine Handvoll <emphasis>Gai'shain</emphasis> befanden sich in der N�he. Keine der Weisen Frauen war zu sehen. Sie hatte ein ihnen gegebenes Versprechen gebrochen. Eigentlich ein Amys gegen�ber ausgesprochenes, aber doch ihnen allen gemachtes Versprechen. Die Notwendigkeit erschien ihr zunehmend fragw�rdiger, ihre T�uschung zu rechtfertigen.</p><p>�Kommt zu uns, Egwene�, rief die Stimme einer Frau. Egwene war selbst mit bedecktem Kopf nicht schwer auszumachen es sei denn, sie war von noch nicht vollkommen ausgewachsenen M�dchen umgeben. Surandha, Sorileas Lehrling, hatte ihren dunkelblonden Sch�pf aus einem Zelt gestreckt und winkte ihr zu. �Die Weisen Frauen treffen sich alle bei den Zelten, und sie haben uns heute freigegeben. Den ganzen Tag.� Das war ein seltenes Ereignis, das auch Egwene nicht verpassen wollte.</p><p>Drinnen lagen Frauen auf Kissen ausgestreckt, lasen bei �llampenlicht � der Zelteingang war gegen den Staub geschlossen, und somit drang auch kein Licht herein � oder n�hten, strickten oder stickten. Zwei spielten ein Fadenspiel. Leise Unterhaltungen erf�llten das Zelt, und mehrere Frauen gr��ten Egwene l�chelnd. Sie waren nicht alle Lehrlinge �zwei M�tter und mehrere Erstschwestern waren <emphasis>zu</emphasis> Besuch gekommen �, und die �lteren Frauen trugen genauso viel Schmuck wie jede der Weisen Frauen. Alle hatten ihre Blusen halb ge�ffnet und die Schals um ihre Taillen geschlungen, obwohl die eingeschlossene Hitze sie nicht zu st�ren schien.</p><p>Ein <emphasis>Gai'shain</emphasis> ging herum und go� Tee nach. Etwas an der Art, wie er sich bewegte, wies ihn als Handwerker aus, nicht als <emphasis>Algai'd'siswai.</emphasis> Er hatte noch immer ein hartes Gesicht, wenn es auch inzwischen vergleichsweise weicher geworden war, und legte ein freundliches Verhalten an den Tag, das ihm nicht mehr so schwerzufallen schien. Er trug eines dieser Stirnb�nder, das ihn als <emphasis>Siswat'aman</emphasis> kennzeichnete. Keine der Frauen g�nnte ihm einen zweiten Blick, obwohl <emphasis>Gai'shain</emphasis> nur Wei� tragen sollten.</p><p>Egwene band sich ihren Schal ebenfalls um die Taille und nahm dankbar das Wasser an, mit dem sie sich Gesicht und H�nde waschen konnte. Dann �ffnete sie ihre Bluse ein wenig und nahm auf einem mit Quasten versehenen Kissen zwischen Surandha und Estair, Aerons rothaariger Elevin, Platz. �Warum treffen sich die Weisen Frauen?� Aber in Gedanken war sie nicht bei den Weisen Frauen. Sie hatte nicht die Absicht, die Stadt zur G�nze zu meiden � sie hatte zugestimmt, jeden Morgen beim <emphasis>Gro�en Mann</emphasis> hereinzuschauen, um nachzusehen, ob Gawyn dort war, obwohl das einf�ltige Grinsen auf dem Gesicht der untersetzten Wirtin ihre Wangen zum Gl�hen brachte. Nur das Licht wu�te, was diese Frau dachte! Aber sie w�rde sicher nicht mehr versuchen, in Lady Arilyns Gut zu lauschen. Nachdem sie Gawyn verlassen hatte, war sie noch einmal ausreichend nahe herangegangen, um sp�ren zu k�nnen, da� das Lenken der Macht im Inneren weiterging, aber dann war sie nach einem schnellen Blick um die Ecke gegangen. Allein schon so nahe zu sein, bewirkte das unbehagliche Gef�hl, da� Nesune hinter ihr auftauchen w�rde. �Wei� jemand es?�</p><p>�Eure Schwestern nat�rlich�, antwortete Surandha lachend. Sie war eine h�bsche Frau mit gro�en blauen Augen, die wundersch�n war, wenn sie lachte. Sie war ungef�hr f�nf Jahre �lter als Egwene, konnte die Macht genauso gut lenken wie viele Aes Sedai und wartete begierig darauf, eine eigene Feste zugewiesen zu bekommen. In der Zwischenzeit sprang sie nat�rlich, wenn Sorilea <emphasis>dachte:</emphasis> spring. �Was sonst w�rde sie aufr�tteln, als h�tten sie sich auf <emphasis>Segadestacheln</emphasis> gesetzt?�</p><p>�Wir sollten Sorilea hinschicken, um mit ihnen zu reden�, sagte Egwene, w�hrend sie einen gr�n gestreiften Teebecher von dem <emphasis>Gai'shain</emphasis> entgegennahm. Als Gawyn ihr erz�hlt hatte, da� seine J�nglinge in alle nicht von den Aes Sedai belegten Schlafr�ume gepfercht worden waren, und einige sogar in die St�lle, hatte er verraten, da� nicht einmal mehr Platz f�r ein weiteres K�chenm�dchen war und da� die Aes Sedai auch keinen Platz schufen. Das waren gute Neuigkeiten. �Sorilea k�nnte jede beliebige Anzahl Aes Sedai aufr�tteln.� Surandha warf lachend den Kopf zur�ck.</p><p>Estair lachte kaum, denn sie war mehr als nur ein wenig emp�rt. Die schlanke junge Frau mit den ernsten grauen Augen benahm sich stets, als w�rde sie von einer Weisen Frau beobachtet. Egwene konnte sich gar nicht genug dar�ber wundern, da� Sorilea einen Lehrling hatte, die sehr humorvoll war, w�hrend Aeron, die freundlich und herzlich war und nie ein hartes Wort �u�erte, einen Lehrling hatte, die es nach Gehorsamsregeln zu lechzen schien. �Ich glaube, es ist der <emphasis>Car'a'carn�,</emphasis> sagte Estair sehr ernst.</p><p>�Warum?� fragte Egwene abwesend. Sie w�rde die Stadt meiden m�ssen. Bis auf Gawyn nat�rlich. So ungern sie es vielleicht auch zugab � sie w�rde auf die Treffen mit ihm nur verzichten, wenn feststand, da� Nesune im <emphasis>Gro�en Mann</emphasis> wartete. Das bedeutete, da� sie zu ihren �bungen in all diesem Staub wieder um die Stadtmauern herumlaufen mu�te. Dieser Morgen war eine Ausnahme gewesen, aber sie w�rde den Weisen Frauen keinen Vorwand liefern, ihre R�ckkehr nach <emphasis>Tel'aran'rhiod</emphasis> zu verschieben. Heute abend w�rden sich die Aes Sedai aus Salidar allein treffen, aber in sieben N�chten w�rde sie dabeisein. �Was jetzt?�</p><p>�Habt Ihr es nicht geh�rt?� rief Surandha aus.</p><p>In zwei oder drei Tagen konnte sie sich Nynaeve und Elayne n�hern oder wieder in ihren Tr�umen zu ihnen sprechen. Ihr blieb nur der Versuch, zu ihnen zu sprechen. Man konnte niemals vollkommen sicher sein, da� der andere wu�te, da� man mehr als eine Traumgestalt war, nicht bevor sie es nicht gewohnt waren, sich auf diese Weise zu verst�ndigen, was f�r Nynaeve und Elayne sicherlich nicht galt. Sie hatte erst einmal zuvor auf diese Weise zu ihnen gesprochen. Auf jeden Fall f�hlte sie sich bei dem Gedanken, sich ihnen �berhaupt zu n�hern, ein wenig unbehaglich. Sie hatte beinahe einen weiteren unklaren Alptraum deswegen gehabt. Jedes Mal, wenn eine von ihnen etwas sagte, stolperten sie und fielen auf ihre Gesichter oder lie�en einen Becher oder einen Teller fallen oder rissen eine Vase herunter, immer etwas, was durch den Aufprall zerschmetterte. Seit sie den Traum �ber Gawyn dahingehend richtig gedeutet hatte, da� er ihr Beh�ter sein w�rde, hatte sie sich bem�ht, alle Tr�ume zu deuten. Bisher ohne wirklichen Erfolg, aber sie war sicher, da� sie bedeutsam waren. Vielleicht sollte sie besser bis zum n�chsten Treffen warten, um mit ihnen zu sprechen. Au�erdem bestand immer die M�glichkeit, wieder in Gawyns Tr�ume hineingezogen zu werden. Allein der Gedanke daran lie� sie err�ten.</p><p>�Der <emphasis>Car'a'carn</emphasis> ist zur�ckgekehrt�, sagte Estair. �Er wird Eure Schwestern heute nachmittag treffen.�</p><p>Nachdem alle Gedanken an Gawyn und die Tr�ume gewichen waren, blickte Egwene stirnrunzelnd in ihren Teebecher. Zweimal innerhalb von zehn Tagen. Es war ungew�hnlich f�r ihn, so bald zur�ckzukehren. Warum hatte er es getan? Hatte er irgendwie von den Aes Sedai der Burg erfahren? Wie? Und wie immer warfen auch seine Reisen Fragen auf. <emphasis>Wie</emphasis> machte er es?</p><p>�Wie macht er was?� fragte Estair, und Egwene blinzelte, �berrascht dar�ber, ihren Gedanken laut ausgesprochen zu haben.</p><p>�Wie schafft er es, meinen Magen so leicht in Unruhe zu versetzen?�</p><p>Surandha sch�ttelte mitf�hlend den Kopf, aber sie mu�te auch grinsen. �Er ist ein Mann, Egwene.�</p><p>�Er ist der <emphasis>Car'a'carn�,</emphasis> sagte Estair nachdr�cklich und sehr ehrerbietig. Egwene w�re �berhaupt nicht �berrascht gewesen, sie diesen albernen Stoffstreifen um ihren Kopf winden zu sehen.</p><p>Surandha gab Estair zu bedenken, wie sie jemals mit einem Festenh�uptling oder sogar einem Septimen oder Clanh�uptling zurechtkommen wollte, wenn sie nicht erkannte, da� ein Mann nicht aufh�rte, ein Mann zu sein, nur weil er ein Anf�hrer war, w�hrend Estair eigensinnig darauf beharrte, da� der <emphasis>Car'a'carn</emphasis> anders sei. Eine der �lteren Frauen, Mera, die gekommen war, um ihre Tochter zu besuchen, beugte sich zu ihnen und sagte, da� man mit jedem H�uptling � egal ob Septimen- oder Clanh�uptling <emphasis>oder</emphasis> dem <emphasis>Car'a'carn �</emphasis>so umgehen mu�te wie mit einem Ehemann, was Baerin zum Lachen brachte, die ebenfalls hier war, um eine Tochter zu besuchen. Sie bemerkte daraufhin, da� dies eine gute M�glichkeit w�re, eine Dachherrin dazu zu bringen, den Fehdehandschuh zu werfen. Baerin war vor ihrer Heirat eine Tochter des Speers gewesen, aber jedermann konnte jedem anderen au�er einer Weisen Frau und einem Hufschmied den Krieg erkl�ren. Bevor Mera noch zu Ende gesprochen hatte, stimmten ihr alle au�er dem <emphasis>Gai'shain</emphasis> zu und �berstimmten damit die arme Estair � der <emphasis>Car'a'carn</emphasis> war ein H�uptling unter H�uptlingen und nicht mehr; soviel war sicher. Man war sich aber auch uneins, ob es besser sei, sich einem H�uptling direkt oder durch seine Dachherrin zu n�hern.</p><p>Egwene h�rte kaum zu. Rand w�rde sicher nichts T�richtes tun. Er hatte in bezug auf Elaidas Brief starke Zweifel gehegt, doch glaubte er Alviarins Brief, der nicht nur herzlicher, sondern regelrecht schmeichlerisch war. Er glaubte, in der Burg Freunde und sogar Gefolgsleute zu haben. Sie glaubte das nicht. Drei Schw�re oder nicht � sie war davon �berzeugt, da� sich Elaida und Alviarin diesen zweiten Brief mit dem ganzen l�cherlichen Gerede von �in seinem strahlenden Glanz knien� zusammen ausgedacht hatten. Das war eine List, um ihn in die Burg zu bekommen.</p><p>Egwene betrachtete kummervoll ihre H�nde, seufzte und stellte ihren Becher ab. Er wurde von dem <emphasis>Gai'shain</emphasis> aufgehoben, bevor sie ihre Hand ganz fortgenommen hatte.</p><p>�Ich mu� gehen�, sagte sie zu den beiden Lehrlingen. �Mir ist eingefallen, da� mir noch etwas zu tun bleibt.� Surandha und Estair machten viel Aufhebens darum, da� sie mit ihr gehen wollten � nun, mehr als Aufhebens; wenn Aiel etwas bekundeten, dann meinten sie es auch �, aber sie wurden durch ihr Gespr�ch aufgehalten und widersprachen daher nicht, als Egwene darauf bestand, da� sie bleiben sollten. Sie wickelte sich den Schal wieder um den Kopf und lie� die lauter werdenden Stimmen hinter sich zur�ck � Mera erkl�rte Estair sehr bestimmt, da� sie zwar letztendlich eine Weise Frau werden k�nnte, bis dahin aber auf eine Frau h�ren sollte, die ohne die Hilfe einer Schwester-Frau einen Ehemann versorgt und drei T�chter und zwei S�hne gro�gezogen hatte � und tauchte wieder in den windverwehten Staub.</p><p>In der Stadt versuchte sie, durch die bev�lkerten Stra�en zu schleichen, ohne den Eindruck zu erwecken, da� sie schlich, und bem�hte sich zudem, �berallhin zu blicken, w�hrend sie nur auf ihren Weg zu achten schien. Die M�glichkeit, Nesune �ber den Weg zu laufen, war gering, aber... Vor ihr traten zwei Frauen in schlichten Kleidern mit sauberen Sch�rzen beiseite, um aneinander vorbeizugelangen, aber beide bewegten sich in die gleiche Richtung, so da� sie mit den Nasen aneinandergerieten. Sie murmelten Entschuldigungen und traten erneut zur Seite. In dieselbe Richtung. Weitere Entschuldigungen, und wie im Tanz gerieten sie erneut aneinander. Als Egwene an ihnen vor�berging, traten sie noch immer in vollkommenem Einklang von einer Seite zur anderen, w�hrend sich ihre Gesichter zu r�ten begannen und ihre Entschuldigungen hinter zusammengepre�ten Lippen verschluckt wurden. Sie wu�te nicht, wie lange das noch weitergehen sollte. Es war hilfreich, sich daran zu erinnern, da� Rand in der Stadt war. Licht, wenn er in der N�he war, w�re es durchaus m�glich, da� sie allen sechs Aes Sedai auf einmal in dem Moment begegnen w�rde, wenn der Wind ihr den Schal vom Kopf ri� und drei Leute ihren Namen riefen und sie eine Aes Sedai nannten. Wenn er in der N�he war, w�re es durchaus m�glich, da� sie Elaida in die Arme lief.</p><p>Sie eilte weiter, w�hrend ihre Furcht davor, in eine seiner Wirtshausstreitigkeiten verwickelt zu werden, zunahm und sie sich besorgt umsah. Gl�cklicherweise veranla�te eine von Unruhe ergriffene Aiel mit verh�lltem Gesicht � was wu�ten sie schon von dem Unterschied zwischen einem Schal und einem Schleier? �die Leute dazu, ihr aus dem Weg zu gehen, was ihr die M�glichkeit verschaffte, schnell voranzukommen, aber sie atmete erst beruhigt durch, als sie durch einen schmalen Dienstboteneingang auf der R�ckseite in den Sonnenpalast gelangt war.</p><p>Durchdringender K�chengeruch hing in dem schmalen Gang, und livrierte M�nner und Frauen eilten hin und her. Andere, die sich mit Hemds�rmeln oder flatternden Sch�rzen Luft zuf�chelten, sahen sie erstaunt an. Wahrscheinlich kam niemand au�er den Dienern den K�chen jemals so nahe. Sicherlich keine Aiel. Sie sahen sie an, als erwarteten sie, da� sie einen Speer unter ihren R�cken hervorziehen w�rde.</p><p>Sie deutete auf einen kleinen, rundlichen Mann, der sich mit einem Taschentuch den Nacken abwischte. �Wi�t Ihr, wo sich Rand al'Thor befindet?�</p><p>Er erschrak und sah seinen schnell enteilenden Begleitern augenrollend nach, denn er w�re ihnen gern gefolgt. �Der Lord Drache, hm ... Herrin? In seinen R�umen? Vermutlich.� Er trat zur Seite und verbeugte sich. �Wenn die Herrin ... hm ... wenn Ihr verzeiht, ich mu� zur�ck zu meinen...�</p><p>�Ihr werdet mich hinbringen�, sagte sie fest. Sie w�rde dieses Mal nicht umherirren.</p><p>Ein letzter augenrollender Blick, ein schnell unterdr�cktes Seufzen, ein eiliger, erschreckter Blick, um festzustellen, ob er gegen etwas versto�en hatte, und er hastete davon, um seinen Umhang zu holen. Er war im Gewirr der Palastg�nge sehr brauchbar, wie er so dahineilte und ihr bei jeder Kehre mit einer Verbeugung den Weg wies, aber als er schlie�lich mit einer weiteren Verbeugung auf hohe, mit vergoldeten aufgehenden Sonnen versehene und von einer Tochter des Speers und einem Aielmann bewachte T�ren zeigte, versp�rte sie pl�tzlich Verachtung, als sie ihn entlie�. Sie konnte nicht verstehen warum. Er tat nur das, wof�r er bezahlt wurde.</p><p>Der Aielmann stand auf, als sie n�her kam, ein <emphasis>sehr</emphasis> gro�er Mann mittleren Alters mit breiter Brust und breiten Schultern und kalten grauen Augen. Egwene kannte ihn nicht, und er wollte sie eindeutig abweisen. Gl�cklicherweise kannte sie die Tochter des Speers.</p><p>�La� sie eintreten, Marie�, sagte Somara grinsend. �Dies ist Amys' und Bairs und Melaines Lehrling, der einzige Lehrling, den ich kenne, die drei Weisen Frauen dient. Ihrem Aussehen nach zu urteilen, haben sie sie eiligst mit einer gewichtigen Nachricht zu Rand al'Thor geschickt.�</p><p>�Eiligst?� Maries Kichern lie� weder sein Gesicht noch seine Augen freundlicher wirken. �Anscheinend eher im Kriechgang.� Er bezog wieder Posten.</p><p>Egwene mu�te nicht fragen, was er meinte. Sie zog ein Taschentuch aus ihrer G�rteltasche und wischte sich hastig �bers Gesicht. Niemand konnte einen ernst nehmen, wenn man staubig war, und Rand mu�te zuh�ren. �Aber es geht wirklich um eine wichtige Nachricht, Somara. Ich hoffe, er ist allein. Die Aes Sedai sind noch nicht gekommen?� Das Taschentuch war grau geworden, und sie steckte es seufzend wieder ein.</p><p>Somara sch�ttelte den Kopf. �Es dauert noch einige Zeit, bis sie kommen sollen. Werdet Ihr ihm sagen, da� er vorsichtig sein soll? Ich will gegen�ber Euren Schwestern nicht respektlos sein, aber er wird nicht achtgeben. Er ist eigensinnig.�</p><p>�Ich werde es ihm sagen.� Egwene konnte ein Grinsen nicht unterdr�cken. Sie hatte Somara schon fr�her so reden h�ren � mit der Art �bertriebenem Stolz, den eine Mutter vielleicht f�r einen zu abenteuerlustigen zehnj�hrigen Jungen empfand � und auch einige andere T�chter des Speers. Es mu�te eine Art Aielscherz sein, und obwohl sie ihn nicht verstand, war ihr doch alles recht, was ihn davon abhielt, zu �berm�tig zu werden. �Ich werde ihm auch sagen, da� er sich die Ohren waschen soll.� Somara nickte sogar noch, bevor sie sich wieder fing. Egwene atmete tief durch. �Somara, meine Schwestern brauchen nicht zu erfahren, da� ich hier bin.� Marie sah sie neugierig an, wenn er nicht gerade jeden Diener beobachtete, der den Gang betrat. Sie mu�te vorsichtig sein. �Wir stehen uns nicht nahe, Somara. Man k�nnte in Wahrheit sagen, da� wir soweit auseinander sind, wie Schwestern nur sein k�nnen.�</p><p>�Die schlechteste Beziehung herrscht zwischen Erst-Schwestern�, sagte Somara nickend. �Geht hinein.</p><p>Sie werden Euren Namen nicht von mir h�ren, und wenn Marie plaudert, werde ich ihm einen Knoten in die Zunge binden.� Marie, der mindestens doppelt so gro� und schwer wie Somara war, l�chelte, ohne sie anzusehen.</p><p>Die Angewohnheit der T�chter des Speers, sie hineinzuschicken, ohne sie anzumelden, hatte sie in der Vergangenheit in Verlegenheit gebracht, aber dieses Mal sa� Rand nicht in der Badewanne. Die R�ume hatten offensichtlich dem K�nig geh�rt, und der Vorraum war eher ein Miniatur-Thronsaal, nat�rlich nur im Vergleich zum eigentlichen Thronsaal. Die wogenden Strahlen einer goldenen Sonne, eine ganze Spanne im Durchmesser, die in den glatten Steinboden eingelassen waren, waren die einzigen sichtbaren Rundungen. Hohe Spiegel in schlichten Rahmen s�umten die W�nde unter breiten, geraden Goldstreifen, und der tiefe Sims war aus goldenen Dreiecken gefertigt, die sich wie Schuppen �berlappten. Schwere, goldverzierte St�hle zu beiden Seiten der aufgehenden Sonne bildeten sich gegen�berliegende Linien, die so starr wie ihre hohen R�ckenlehnen wirkten. Rand sa� auf einem vergoldeten Stuhl, dessen R�ckenlehne doppelt so hoch war und der auf einem kleinen Podest stand, das ebenfalls goldverziert war. Er sa� in einem goldbestickten Seidenumhang da, hielt die geschnitzte Seanchan-Speerspitze in der Armbeuge und runzelte finster die Stirn. Er wirkte wie ein K�nig, genauer gesagt, wie ein K�nig, der einen Mord zu begehen gedenkt.</p><p>Sie stemmte die F�uste in die H�ften. �Somara sagt, du solltest dir die Ohren waschen, junger Mann�, sagte sie, und sein Kopf fuhr hoch.</p><p>�berraschung und eine Spur von Zorn wichen schnell. Er trat grinsend vom Podest herab und warf die Speerspitze auf den Sessel. �Was, unter dem Licht, hast du getan?� Er durchschritt den Raum, nahm sie bei den Schultern und wandte ihr Gesicht dem n�chstgelegenen Spiegel zu.</p><p>Sie zuckte ungewollt zusammen. Sie bot einen sch�nen Anblick. Der Staub war durch ihren Schal gedrungen �nein; Schmutz, der sich mit Schwei� verbunden hatte �, und hatte Striemen auf ihren Wangen und Flecken auf ihrer Stirn hinterlassen, wo sie ihn fortzureiben versucht hatte.</p><p>�Ich werde Somara nach ein wenig Wasser schicken�, sagte er trocken. �Vielleicht wird sie denken, es sei f�r meine Ohren gedacht.� Dieses Grinsen war unertr�glich!</p><p>�Das ist nicht n�tig�, belehrte sie ihn mit soviel W�rde, wie sie aufbringen konnte. Sie wollte nicht, da� er dabei zusah, wie sie sich wusch. Sie zog ihr bereits angeschmutztes Taschenruch hervor und versuchte hastig, den schlimmsten Schmutz zu beseitigen. �Du triffst bald Coiren und die anderen. Ich ma� dich doch nicht warnen, da� sie gef�hrlich sind?�</p><p>�Ich glaube, du hast es gerade getan. Sie kommen nicht alle. Ich sagte, nicht mehr als drei, so da� sie auch nur drei herschicken.� Er neigte im Spiegel den Kopf, als h�re er zu, und er nickte, w�hrend seine Stimme zu einem Murmeln verbla�te. �Ja, ich kann mit dreien fertig werden, wenn sie nicht zu m�chtig sind.� Er bemerkte pl�tzlich, da� sie ihn ansah. �Nat�rlich k�nnte ich in Schwierigkeiten geraten, wenn eine von ihnen eine Moghedien mit Per�cke oder eine Semirhage ist.�</p><p>�Rand, du mu�t dies ernst nehmen.� Das Taschentuch bewirkte nicht viel. �u�erst widerwillig spie sie darauf. Es gab einfach keine w�rdige Art, auf ein Taschentuch zu speien. �Ich wei�, wie stark du bist, aber sie sind Aes Sedai. Du kannst dich nicht so verhalten, als w�ren sie Frauen vom Lande. Selbst wenn du glaubst, da� Alviarin sich zu deinen F��en hinknien <emphasis>wird,</emphasis> und alle ihre Freundinnen mit ihr, wurde sie doch von Elaida gesandt. Du darfst nicht glauben, da� sie etwas anderes beabsichtigt, als dich zu g�ngeln. Du solltest sie schlicht und einfach fortschicken.�</p><p>�Und deinem verborgenen Freund vertrauen?� fragte er sanft. Viel zu sanft.</p><p>Sie konnte ihr Gesicht nicht sauber bekommen. Jetzt konnte sie jedoch nicht mehr um Wasser bitten, nicht nachdem sie sein Angebot abgelehnt hatte. �Du wei�t, da� du Elaida nicht trauen kannst�, sagte sie vorsichtig, wobei sie sich ihm zuwandte. Da sie sich an das erinnerte, was beim letzten Mal geschehen war, versp�rte sie nicht einmal den Wunsch, die Aes Sedai in Salidar zu erw�hnen. �Du wei�t es.�</p><p>�Ich traue keiner Aes Sedai. Sie...�, ein Z�gern lag in seiner Stimme, als wollte er ein anderes Wort benutzen, obwohl sie sich nicht vorstellen konnte, welches. �...werden mich benutzen wollen, und ich werde sie zu benutzen versuchen. Ein h�bscher Kreislauf, findest du nicht?� Wenn sie jemals die M�glichkeit erwogen hatte, da� er in die N�he der Salidar Aes Sedai gelassen w�rde, belehrte sein Blick sie eines Besseren, so hart, so kalt, da� sie innerlich erschauderte.</p><p>Wenn er vielleicht ausreichend zornig w�re, wenn er sich heftig genug mit Coiren stritte, da� die Abordnung mit leeren H�nden zur Burg zur�ckkehren w�rde, allein... �Wenn du ihn h�bsch nennst, ist er es vermutlich. Du <emphasis>bist</emphasis> der Wiedergeborene Drache. Nun, da du dies durchzuf�hren beabsichtigst, k�nntest du es ebensogut richtig machen. Erinnere dich einfach daran, da� sie Aes Sedai sind. Selbst ein K�nig h�rt Aes Sedai mit Respekt zu, auch wenn er ihnen nicht zustimmt, und er w�rde sofort nach Tar Valon aufbrechen, wenn er dorthin berufen w�rde. Selbst die Hohen Herren von Tear w�rden es tun, oder auch Pedron Niall.� Der t�richte Mann grinste sie erneut an � oder zeigte zumindest die Z�hne. Sein �briges Gesicht war vollkommen ausdruckslos. �Ich hoffe, du bist vorsichtig. Ich versuche dir nur zu helfen.� Wenn auch nicht auf die Art, wie er es glaubte. �Wenn du sie benutzen willst, darfst du sie nicht wie nasse Katzen erz�rnen. Der Wiedergeborene Drache wird sie mit dem Phantasieumhang, dem Thron und dem t�richten Szepter nicht mehr beeindrucken als mich.� Sie warf einen ver�chtlichen Blick auf die mit Quasten versehene Speerspitze. Licht, dieses Ding verursachte ihr eine G�nsehaut!</p><p>�Sie werden nicht auf die Knie sinken, wenn sie dich sehen, und es wird dich nicht umbringen, wenn sie es nicht tun. Es wird dich auch nicht umbringen, h�flich zu sein. Beuge dein eigensinniges Haupt. Es ist nicht erniedrigend, angemessene Ehrerbietung und ein wenig Bescheidenheit an den Tag zu legen.�</p><p>�Angemessene Ehrerbietung...�, sagte er nachdenklich. Dann sch�ttelte er seufzend den Kopf und fuhr sich mit einer Hand durchs Haar. �Ich kann mit einer Aes Sedai vermutlich nicht genauso sprechen wie mit einem Lord, der hinter meinem R�cken R�nke schmiedet. Das ist ein guter Rat, Egwene. Ich werde es versuchen. Ich werde so bescheiden wie eine Maus sein.�</p><p>Sie wollte nicht gehetzt wirken und rieb erneut mit dem Taschentuch �ber ihr Gesicht, um ihr Augenrollen zu verbergen. Sie war sich nicht ganz sicher, ob ihre Augen hervorstanden, glaubte aber, es m�sse der Fall sein. Ihr ganzes Leben lang hatte er, immer wenn sie erkl�rt hatte, da� das Recht ein besserer Weg war, sein Kinn vorgestreckt und darauf bestanden, da� sie ging! Warum mu�te er jetzt zuh�ren?</p><p>Wendete sich etwas zum Guten, so wie die Dinge standen? Zumindest konnte es ihm nicht weh tun, ein wenig Respekt zu zeigen. Selbst wenn sie Elaida folgten, regte sie der Gedanke daran, da� jemand den Aes Sedai gegen�ber Ungeh�rigkeit an den Tag legen k�nnte, wirklich auf. Nur da� sie <emphasis>wollte,</emphasis> da� er ungeh�rig w�re, da� er so hochm�tig w�re wie eh und je. Es hatte keinen Sinn, das zu leugnen, nicht jetzt. Er war nicht dumm. Nur �rgerlich.</p><p>�War das alles, weshalb du gekommen bist?� fragte er.</p><p>Sie konnte noch nicht gehen. Vielleicht bestand noch eine M�glichkeit, die Dinge ins rechte Licht zu r�cken oder zumindest sicherzustellen, da� er nicht t�richt genug war, nach Tar Valon zu gehen. �Wei�t du, da� sich eine Herrin der Wogen des Meervolks auf einem Schiff auf dem Flu� befindet? Auf der <emphasis>Gischt.�</emphasis> Dies war ein ebenso gutes Thema wie jedes andere. �Sie ist gekommen, um dich zu sprechen, und ich habe geh�rt, da� sie bereits ungeduldig wird.� Diese Neuigkeit stammte von Gawyn. Erian hatte sich hinausrudern lassen, um zu ergr�nden, was das Meervolk so weit im Landesinneren wollte, aber ihr wurde die Erlaubnis verweigert, an Bord zu gehen. Sie war in einer Stimmung zur�ckgekehrt, die man bei jeder anderen Frau, die keine Aes Sedai war, als peitschenschwingenden Zorn bezeichnet h�tte. Egwene hegte mehr als nur Vermutungen, warum sie hier waren, aber das w�rde sie Rand nicht sagen. Er sollte erst einmal Menschen begegnen, bei denen er nicht erwartete, da� sie sich vor ihm duckten.</p><p>�Die Atha'an Miere sind anscheinend �berall.� Rand setzte sich auf einen der St�hle. Er wirkte aus irgendeinem Grund belustigt, aber sie h�tte schw�ren k�nnen, da� es nichts mit dem Meervolk zu tun hatte. �Berelain sagt, ich sollte diese Harine din Togara Zwei Winde treffen, aber wenn ihr Temperament dem entspricht, wie Berelain es beschreibt, kann sie warten. Ich habe im Moment genug zornige Frauen um mich.�</p><p>Das war beinahe eine Er�ffnung. �Ich kann gar nicht verstehen, warum. Du hast stets eine solch gewinnende Art.� Sie w�nschte sich augenblicklich, sie k�nnte diese Worte zur�cknehmen. Sie best�rkten nur, was sie ihn <emphasis>nicht</emphasis> tun sehen wollte.</p><p>Er runzelte die Stirn und schien sie �berhaupt nicht geh�rt zu haben. �Egwene, ich wei�, da� du Berelain nicht magst, aber es ist doch nicht dar�ber hinausgegangen? Ich meine, du nimmst deine Besch�ftigung mit den Aiel so ernst, da� ich mir vorstellen k�nnte, da� du sie zum Speerkampf herausforderst. Sie war wegen etwas besorgt, aber sie wollte nicht sagen, weshalb.�</p><p>Wahrscheinlich hatte die Frau einen Mann gefunden, der ihr die Stirn bot. Das w�rde gen�gen, um Berelains Welt bis auf die Grundfesten zu ersch�ttern. �Ich habe seit dem Stein von Tear kein Dutzend Worte mit ihr gewechselt. Rand, du glaubst doch nicht... �</p><p>Eine der T�ren �ffnete sich gerade weit genug, um Somara in den Raum einzulassen, die sie dann schnell wieder hinter sich schlo�. �Die Aes Sedai sind hier, <emphasis>Car'a'carn.�</emphasis></p><p>Rand wandte den Kopf mit versteinertem Gesicht zur T�r. �Sie sollten erst...! Sie wollen mich sicher unvorbereitet antreffen. Sie werden lernen m�ssen, wer hier die Regeln aufstellt.�</p><p>In diesem Moment k�mmerte es Egwene nicht, ob sie ihn in einem ung�nstigen Augenblick erwischen wollten. Alle Gedanken an Berelain schwanden.</p><p>Somara vollf�hrte eine kleine, an Mitleid erinnernde Geste. Sie k�mmerte es ebenfalls nicht. Rand konnte die Aes Sedai daran hindern, Egwene zu ergreifen, wenn sie ihn darum b�te. Sie mu�te von jetzt an nur in seiner N�he bleiben, damit sie sie nicht abschirmen und sie, sobald sie sich auf der Stra�e blicken lie�, fortdr�ngen konnten. Sie mu�te nur darum bitten, sich unter seinen Schutz stellen zu d�rfen. Die Wahl zwischen dieser Entscheidung und der M�glichkeit, in einem Sack in die Burg zur�ckbef�rdert zu werden, war so unerfreulich, da� ihr Magen schmerzte. Einerseits w�rde sie niemals eine Aes Sedai werden, wenn sie sich hinter ihm versteckte, und andererseits lie� sie der Gedanke daran, sich �berhaupt runter jemandem zu verstecken, die Z�hne zusammenbei�en. Aber sie waren hier, unmittelbar vor der T�r, und innerhalb einer Stunde k�nnte sie vielleicht in jenem Sack stecken, oder doch so gut wie. Sie atmete tief durch, konnte ihre Nerven aber nicht beruhigen.</p><p>�Rand, gibt es noch einen anderen Ausgang? Wenn nicht, werde ich mich in einem der anderen R�ume verstecken. Sie d�rfen nicht wissen, da� ich hier bin. Rand? Rand! H�rst du mir zu?�</p><p>Er sprach, aber bestimmt nicht mit ihr. �Du <emphasis>bist</emphasis> da�, fl�sterte er heiser. �Es w�re ein zu gro�er Zufall, wenn du jetzt daran d�chtest.� Er blickte zornig und vielleicht auch �ngstlich ins Leere. �Verdammt, antworte mir! Ich wei�, da� du da bist!�</p><p>Egwene leckte sich die Lippen, bevor sie es verhindern konnte. Somara sah ihn zwar mit einem Blick an, den man als liebevolle m�tterliche Besorgnis h�tte beschreiben k�nnen, aber Egwenes Magen st�lpte sich langsam um. Er konnte doch nicht so pl�tzlich verr�ckt geworden sein. Das konnte nicht geschehen sein. Aber er hatte anscheinend irgendeiner verborgenen Stimme gelauscht und dann vielleicht auch zu ihr gesprochen.</p><p>Sie erinnerte sich nicht, den Zwischenraum �berbr�ckt zu haben, aber ihre Hand lag pl�tzlich auf seiner Stirn, Nynaeve sagte immer, man solle zuerst �berpr�fen, ob jemand Fieber habe, obwohl das kaum etwas n�tzen w�rde... Wenn sie nur mehr als nur einen Bruchteil vom Heilen verst�nde. Aber das w�rde auch nichts n�tzen. Nicht wenn er... �Rand, bist du...? Geht es dir gut?�</p><p>Er kam zu sich, wich vor ihrer Hand zur�ck und sah sie mi�trauisch an. Im n�chsten Moment sprang er auf, ergriff ihren Arm und zog sie so schnell durch den Raum, da� sie bei dem Versuch, ihm zu folgen, fast �ber ihre R�cke gestolpert w�re. �Bleib genau dort stehen�, befahl er barsch, platzierte sie neben dem Podest und ging zur�ck.</p><p>Sie rieb sich so heftig den Arm, da� es ihm nicht entgehen konnte, und wollte ihm folgen. M�nner erkannten niemals, wie stark sie waren. Selbst Gawyn erkannte es nicht immer, obwohl es ihr bei ihm wirklich nichts ausmachte. �Was glaubst du...�</p><p>�R�hr dich nicht!� In angewidertem Tonfall f�gte er hinzu: �Verdammt sei er, es scheint Wellen zu schlagen, wenn du dich bewegst. Ich werde es am Boden befestigen, damit du nicht aufspringen kannst. Ich wei� nicht, wie gro� ich es gestalten kann, und jetzt ist nicht der richtige Zeitpunkt, es herauszufinden.� Somaras Mund stand offen, aber sie schlo� ihn hastig wieder.</p><p>Was wollte er am Boden befestigen? Wor�ber redete er...? Sie verstand so pl�tzlich, da� sie sich zu fragen verga�, wer dieser �er� war. Rand hatte <emphasis>Saidin</emphasis> um sie herumgewoben. Ihre Augen weiteten sich. Sie atmete zu schnell, aber sie konnte nicht damit aufh�ren. Wie nahe war es? Ihre Vernunft sagte ihr, da� der Makel aus nichts heraussickern k�nnte, was immer er durch das Lenken der Macht bewerkstelligen w�rde. Er hatte sie schon fr�her mit <emphasis>Saidin</emphasis> ber�hrt, aber der Gedanke daran machte es allenfalls noch schlimmer. Sie zog unbewu�t die Schultern zusammen und hielt ihre R�cke dicht vor sich.</p><p>�Was...? Was hast du getan?� Sie war sehr stolz auf ihre Stimme, die vielleicht ein wenig unsicher war, aber keinesfalls dem Schreien �hnelte, nach dem ihr zumute war.</p><p>�Schau in den Spiegel dort�, sagte er und lachte laut auf.</p><p>Sie gehorchte m�rrisch � und keuchte. Dort in dem Spiegel sah sie den goldverzierten Stuhl auf dem Podest. Und ein Teil des restlichen Raumes. Aber nicht sie. �Ich bin ... unsichtbar�, hauchte sie. Einmal hatte Moiraine sie alle hinter einem Schirm aus <emphasis>Saidar</emphasis> verborgen, aber wie hatte er es gelernt?</p><p>�Das ist viel besser, als sich unter meinem Bett zu verstecken�, h�hnte er. Als h�tte sie <emphasis>daran</emphasis> jemals gedacht! �Ich m�chte, da� du erkennst, wie ehrerbietig ich sein kann. Und au�erdem�, sagte er mit jetzt ernsterer Stimme, �f�llt dir vielleicht etwas auf, was mir entgeht. Vielleicht w�rst du sogar bereit, es mir anschlie�end zu berichten.� Er sprang mit einem bellenden Lachen auf das Podest, hob die mit Quasten versehene Speerspitze auf und nahm seinen Platz ein. �Schickt sie herein, Somara. Die Abordnung der Wei�en Burg soll sich dem Wiedergeborenen Drachen n�hern.� Sein verzerrtes L�cheln lie� Egwene sich fast genauso unbehaglich f�hlen wie die N�he des verwobenen <emphasis>Saidin.</emphasis> Wie nahe <emphasis>war</emphasis> das verdammte Zeug?</p><p>Somara verschwand, und nach kurzer Zeit �ffneten sich die T�ren weit.</p><p>Eine rundliche, stattliche Frau, die nur Coiren sein konnte, ging der Gruppe voraus, in ein dunkelblaues Gewand gekleidet, gefolgt von Nesune in einem einfachen braunen Wollgewand und einer Aes Sedai mit rabenschwarzem Haar und in einem gr�nen Seidengewand, eine h�bsche, rundgesichtige Frau mit einem prallen, fordernden Mund. Egwene w�nschte, die Aes Sedai w�rden immer die Farben ihrer Ajah tragen � Wei�e taten dies zumindest �, denn sie glaubte nicht, da� diese Frau, was immer sie war, eine Gr�ne war � nicht bei den harten Blicken, die sie Rand von ihrem ersten Schritt in den Raum an zuwarf. Kalte Gelassenheit konnte ihre Verachtung kaum verbergen � vielleicht nur jemandem gegen�ber, der nicht an Aes Sedai gew�hnt war. W�rde Rand es bemerken? Vielleicht nicht. Er konzentrierte sich anscheinend auf Coiren, deren Miene vollkommen unlesbar war. Nesune registrierte nat�rlich alles, richtete ihre vogel�hnlichen Augen blitzschnell hierhin und dorthin.</p><p>Egwene war in diesem Moment sehr froh �ber den Umhang, den er f�r sie gewoben hatte. Sie wollte sich gerade mit dem Taschentuch, das sie noch immer in der Hand hielt, das Gesicht abtupfen und erstarrte dann. Er hatte gesagt, er w�rde es am Boden befestigen. Hatte er es getan? Licht, sie k�nnte pl�tzlich ungesch�tzt dastehen. Aber Nesunes Blick glitt �ber sie hinweg, ohne innezuhalten. Schwei� lief Egwenes Gesicht hinab. Er flo� in Str�men. Verdammt sei der Mann! Sie w�re vollkommen damit zufrieden gewesen, sich unter seinem Bett zu verstecken.</p><p>Hinter den Aes Sedai betraten ein volles Dutzend weitere Frauen den Raum, die mit einfachen, rauhen Leinenstaubm�nteln bekleidet waren. Die meisten waren st�mmig und m�hten sich mit dem Gewicht zweier durchaus nicht kleiner Kisten, deren polierte Messingbeschl�ge mit der Flamme von Tar Valon versehen waren. Die Dienerinnen stellten die Kisten mit h�rbaren Seufzern der Erleichterung ab, bearbeiteten verstohlen ihre Arme und streckten die R�cken, w�hrend die T�ren hinter ihnen zufielen und Coiren und die anderen beiden Aes Sedai in vollkommenem Gleichklang in einen, wenn auch nicht sehr riefen, Hofknicks versanken.</p><p>Rand hatte sich aus seinem Stuhl erhoben, noch bevor sie sich wieder aufrichteten. Das Leuchten <emphasis>Saidars</emphasis> umgab alle drei Aes Sedai. Sie hatten sich miteinander verbunden. Egwene versuchte sich einzupr�gen, was sie davon bemerkt hatte, wie sie es getan hatten. Trotz des Leuchtens ersch�tterte nichts ihre �u�ere Ruhe, als Rand an ihnen vorbei auf die Dienerinnen zuging und nacheinander ihre Gesichter betrachtete.</p><p>Was wollte er...? Nat�rlich, er wollte sich versichern, da� keine von ihnen das alterslose Gesicht einer Aes Sedai hatte. Egwene sch�ttelte den Kopf und erstarrte dann erneut. Er war ein Narr, wenn er glaubte, da� das gen�gte. Die meisten besa�en ein zu hohes Alter � sie waren, nach gew�hnlichen Ma�st�ben, nicht alle alt, aber man konnte ihnen ein Alter zuweisen �, aber zwei der Dienerinnen waren jung genug, da� sie erst seit kurzem Aes Sedai sein k�nnten. Sie waren es nicht �Egwene konnte das Talent nur bei den drei Aes Sedai sp�ren, und sie war ihnen ausreichend nahe �, aber das konnte er sicherlich nicht allein durch Augenschein feststellen.</p><p>Er ber�hrte das Kinn einer st�mmigen jungen Frau und sah ihr l�chelnd in die Augen. �Habt keine Angst�, sagte er sanft. Sie schwankte, als wollte sie in Ohnmacht fallen. Rand wandte sich seufzend auf dem Absatz um. Er sah die Aes Sedai nicht an, w�hrend er erneut an ihnen vor�berging. �Ihr werdet in meiner Gegenwart nicht die Macht lenken�, sagte er fest. �La�t sie fahren.� Ein nachdenklicher Ausdruck �berzog kurzzeitig Nesunes Gesicht, aber die beiden anderen beobachteten ruhig, wie Rand seinen Platz wieder einnahm. Er rieb sich den Arm � Egwene war dabeigewesen, als er dieses Kribbeln zum ersten Mal versp�rt hatte � und sprach dann mit h�rterer Stimme weiter. �Ich sagte, Ihr werdet in meiner Gegenwart nicht die Macht lenken � oder <emphasis>Saidar</emphasis> auch nur aufnehmen.�</p><p>Egwene betete einen langen Moment still. Was w�rde er tun, wenn sie die Quelle weiterhin ber�hrten? Versuchen, sie davon zu trennen? Eine Frau von <emphasis>Saidar</emphasis> zu trennen, wenn sie es erst ber�hrt hatte, war weitaus schwerer, als sie vorher davon abzuschirmen. Sie war nicht sicher, ob er mit drei Frauen fertig w�rde, die fest miteinander verbunden waren. Schlimmer noch � was w�rden sie tun, wenn er �berhaupt etwas versuchte? Das Leuchten verschwand, und sie konnte nur m�hsam einen Seufzer der Erleichterung unterdr�cken. Was auch immer er getan hatte, machte sie zwar unsichtbar, aber offensichtlich nicht unh�rbar.</p><p>�Schon viel besser.� Rands L�cheln schlo� sie alle ein, erreichte aber nicht seine Augen. �Wir sollten noch einmal beginnen. Ihr seid ehrenwerte G�ste, die gerade erst eingetreten sind.�</p><p>Sie verstanden nat�rlich. Rand war keiner Vermutung gefolgt. Coiren spannte sich leicht an, und die Augen der Frau mit dem rabenschwarzen Haar weiteten sich jetzt. Nesune nickte nur vor sich hin und merkte sich auch dies. Egwene hoffte verzweifelt da� er Vorsicht walten lassen w�rde. Nesune w�rde nichts entgehen.</p><p>Coiren sammelte sich sichtbar m�hsam, gl�ttete ihr Gewand und h�tte beinahe den Schal gerichtet, den sie gar nicht trug. �Ich habe die Ehre�, verk�ndete sie klangvoll, �Coiren Saeldain Aes Sedai zu sein, Botschafterin der Wei�en Burg und Abgesandte von Elaida do Avriny a'Roihan, der W�chterin des Siegels, der Flamme von Tar Valon und des Amyrlinsitzes.� Eine etwas weniger �berladene Vorstellung, wenn auch mit den vollen Ehrentiteln der Aes Sedai, erfolgte von den anderen beiden. Die Frau mit den harten Augen war Galina Casban.</p><p>�Ich bin Rand al'Thor.� Die Einfachheit seiner Vorstellung bildete einen starken Kontrast dazu. Sie hatten den Wiedergeborenen Drachen nicht erw�hnt, und er erw�hnte ihn auch nicht, aber da� er den Titel auslie�, schien zu bewirken, da� er leise gefl�stert im Raum umherschwebte.</p><p>Coiren atmete tief durch und hob den Kopf, als h�rte sie das Fl�stern. �Wir �berbringen dem Wiedergeborenen Drachen eine huldvolle Einladung. Der Amyrlinsitz ist sich vollkommen bewu�t, da� Zeichen gesetzt und Prophezeiungen erf�llt wurden, die...� Ihre tiefe, vollt�nende Stimme gelangte schnell zu dem Punkt, da� Rand sie �in aller ihm zustehenden Ehre� zur Wei�en Burg begleiten sollte und da� ihm Elaida, wenn er die Einladung annahm, nicht nur den Schutz der Burg gew�hren w�rde, sondern da� er auch ihr Ansehen und ihren Einflu� hinter sich wissen w�rde. Weitere blumige Worte entstr�mten ihrem Mund, bis sie endete. �...und als Zeichen daf�r sendet der Amyrlinsitz dieses bescheidene Geschenk.�</p><p>Sie wandte sich den Kisten zu, hob den Kopf und z�gerte dann mit leicht verzerrtem Gesicht. Sie mu�te zweimal ein Zeichen geben, bevor die Dienerinnen verstanden und die messingbeschlagenen Deckel �ffneten. Anscheinend hatten sie sie mit <emphasis>Saidar</emphasis> aufspringen lassen wollen. Die Kisten waren mit Lederbeuteln gef�llt. Eine weitere, sch�rfere Geste, und die Dienerinnen banden die Beutel auf.</p><p>Egwene schluckte schwer. Kein Wunder, da� die Frauen M�he gehabt hatten! Aus den ge�ffneten Beuteln ergossen sich Goldm�nzen aller Gr��en, funkelnde Ringe, glitzernde Halsketten und ungefa�te Edelsteine. Selbst wenn sich darunter auch wertloses Zeug befand, war dies schon ein Verm�gen.</p><p>Rand lehnte sich auf seinem thron�hnlichen Sessel zur�ck und betrachtete die Kisten l�chelnd. Die Aes Sedai beobachteten ihn mit gelassenen Gesichtern, und doch glaubte Egwene in Coirens Augen eine Andeutung von Zufriedenheit und um Galinas Lippen etwas st�rkere Verachtung zu erkennen. Nesune ... Nesune bedeutete die wahre Gefahr.</p><p>Die Deckel schlugen j�h zu, ohne da� eine Hand sie ber�hrt h�tte, und die Dienerinnen sprangen zur�ck, ohne ihre erschreckten Schreie zu d�mpfen. Die Aes Sedai erstarrten, und Egwene betete inbr�nstig. Sie wollte, da� er sich hochm�tig und ein wenig anma�end zeigte, aber nur so weit, da� sie aufmerksam blieben, nicht da� sie zu dem Beschlu� gen�tigt wurden, ihn augenblicklich z�hmen zu wollen.</p><p>Pl�tzlich erkannte sie, da� er bisher mitnichten ein Verhalten an den Tag gelegt hatte, das an die �Bescheidenheit einer Maus� erinnerte. Er hatte niemals die Absicht gehabt. Rand hatte mit ihr gespielt! H�tte sie nicht zu gro�e Angst gehabt, da� ihre Knie ihr nicht gehorchen w�rden, w�re sie hin�bergegangen und h�tte ihn geohrfeigt.</p><p>�Eine gro�e Menge Gold�, sagte Rand. Er schien entspannt, und sein L�cheln nahm jetzt sein ganzes Gesicht ein. �Das kann ich immer gebrauchen.� Egwene blinzelte. Er klang fast habgierig!</p><p>Coiren erwiderte sein L�cheln und bot jetzt entschieden ein Bild gesetzter Selbstzufriedenheit. �Der Amyrlinsitz ist nat�rlich in h�chstem Ma�e gro�z�gig. Wenn Ihr die Wei�e Burg erreicht habt...�</p><p>�Wenn ich dorthin gehe�, unterbrach Rand sie, als d�chte er laut. �Ja, ich freue mich auf den Tag, an dem ich in der Burg sein werde.� Er beugte sich vor, die Ellbogen auf die Knie gest�tzt und das Drachenszepter in der Hand. �Es wird allerdings noch eine Weile dauern. Ich mu� zun�chst noch hier in Andor und anderswo Verpflichtungen erf�llen.�</p><p>Coiren pre�te kurzzeitig die Lippen zusammen, aber ihre Stimme blieb genauso glatt und geschmeidig wie zuvor. �Wir haben sicherlich keine Einw�nde dagegen, einige Tage zu rasten, bevor wir die R�ckreise nach Tar Valon antreten. Darf ich in der Zwischenzeit vorschlagen, da� eine von uns verf�gbar bleibt, um Euch zu beraten, wenn Ihr Rat ben�tigt? Wir haben nat�rlich von Moiraines ungl�ckseligem Ableben geh�rt. Ich kann nicht selbst bleiben, aber Nesune oder Galina w�rden es nur zu gern tun.�</p><p>Rand betrachtete die beiden Genannten stirnrunzelnd, und Egwene hielt den Atem an. Er schien erneut etwas zuzuh�ren oder auf etwas zu lauschen. Nesune betrachtete ihn als Reaktion genauso offen wie er sie. Galinas Finger strichen unbewu�t ihre R�cke glatt.</p><p>�Nein�, sagte er schlie�lich und setzte sich zur�ck, die H�nde auf die Armlehnen gest�tzt. Der Sessel wirkte dadurch mehr denn je wie ein Thron. �Es ist vielleicht nicht sicher. Ich m�chte nicht, da� eine von Euch versehentlich einen Speer in die Rippen bekommt.� Coiren �ffnete den Mund, aber er fuhr fort. �Um Eurer eigenen Sicherheit willen sollte keine von Euch ohne Erlaubnis n�her als eine Meile an mich herankommen. Am besten bleibt Ihr, ohne anderweitige Erlaubnis, auch ebenso weit vom Palast entfernt. Ihr werdet es erfahren, wenn ich bereit bin, mit Euch zu gehen. Das verspreche ich.� Er erhob sich unvermittelt. Er stand so hoch aufragend auf dem Podest, da� die Aes Sedai den Hals recken mu�ten, und es war offensichtlich, da� ihnen dies genauso wenig gefiel wie seine Einschr�nkungen. Drei Versteinerte starrten zu ihm hoch. �Ihr k�nnt jetzt in Euer Quartier zur�ckkehren. Je schneller ich mich um gewisse Dinge k�mmern kann, desto eher kann ich zur Burg ziehen. Ich werde Euch benachrichtigen, wann ich Euch wieder treffen kann.�</p><p>Sie waren �ber diese pl�tzliche Entlassung nicht erfreut. Aes Sedai bestimmten, wann eine Audienz beendet war, und doch konnten sie jetzt kaum etwas anderes tun als einen knappen Hofknicks zu vollf�hren, wobei ihre Ver�rgerung fast durch ihre zur Schau gestellten Gelassenheit hindurchbrach.</p><p>Als sie sich zum Gehen wandten, sprach Rand wie beil�ufig erneut. �Ich verga� zu fragen, wie es Alviarin geht.�</p><p>�Es geht ihr gut.� Galinas Mund blieb einen Moment offenstehen, und ihre Augen weiteten sich. Sie schien dar�ber erschrocken zu sein, da� sie gesprochen hatte.</p><p>Coiren z�gerte, ob sie die Gelegenheit ergreifen und noch mehr sagen sollte, aber Rand wartete bereits ungeduldig. Als sie fort waren, trat er von dem Podest herab, wog die Speerspitze in der Hand und betrachtete die T�ren, die sich hinter den Aes Sedai geschlossen hatten.</p><p>Egwene trat sofort zu ihm. �Welches Spiel spielst du, Rand al'Thor?� Sie hatte bereits ein halbes Dutzend Schritte zur�ckgelegt, bevor sie durch einen Blick auf ihr Spiegelbild in den Spiegeln erkannte, da� sie geradewegs durch sein <emphasis>Saidin-Gewebe</emphasis> hindurchgeschritten war. Zumindest hatte sie es nicht bemerkt, als es sie ber�hrte. �Nun?�</p><p>�Galina geh�rt zu Alviarin�, sagte er nachdenklich. �Sie ist eine von Alviarins Freundinnen. Darauf k�nnte ich wetten.�</p><p>Sie stellte sich vor ihn hin. �Und du w�rdest dein Geld verlieren. Galina ist eine Rote, oder ich habe noch niemals zuvor eine Rote gesehen.�</p><p>�Weil sie mich nicht mag?� Jetzt sah er sie <emphasis>an,</emphasis> und sie w�nschte fast, er w�rde es nicht tun. �Weil sie Angst vor mir hat?� Er verzog weder das Gesicht noch funkelte er sie an, noch wirkte sein Gesicht besonders hart, und doch schien sein Blick Dinge auszudr�cken, von denen sie nichts wu�te. Sie <emphasis>ha�te</emphasis> das. Dann l�chelte er so pl�tzlich, da� sie blinzeln mu�te. �Egwene, erwartest du von mir zu glauben, da� du einer Frau ihre Ajah am Gesicht ansehen k�nntest?�</p><p>�Nein, aber... �</p><p>�Wie dem auch sei, sogar Rote werden mir letztendlich vielleicht folgen. Sie kennen die Prophezeiungen genauso gut wie jeder andere. �Die makellose Burg zerbricht und beugt sich dem vergessenen Zeichen.� Davor wurde eine wei�e Burg beschrieben, und was sonst k�nnte �die makellose Burg� sein? Und das vergessene Zeichen? Mein Banner, Egwene, mit dem uralten Symbol der Aes Sedai.�</p><p>�Verdammt sollst du sein, Rand al'Thor!� Der Fluch drang unbeholfener hervor, als sie es sich gew�nscht h�tte. Sie war nicht daran gew�hnt, solche Dinge zu �u�ern. �Das Licht soll dich verbrennen! Du kannst doch nicht wirklich daran denken, mit ihnen zu gehen. Das kannst du nicht tun!�</p><p>Er l�chelte belustigt. Belustigt! �Habe ich nicht getan, was du wolltest? Was du mir geraten hast <emphasis>und</emphasis> was du wolltest?�</p><p>Sie pre�te emp�rt die Lippen zusammen. Es war schon schlimm genug, da� er es wu�te, aber es ihr auch noch ins Gesicht zu sagen, war sehr taktlos. �Rand, bitte h�r mir zu. Elaida...�</p><p>�Die Frage ist jetzt, wie wir dich zu den Zelten zur�ckbringen k�nnen, ohne da� sie erfahren, da� du hier warst. Sie haben vermutlich Augen-und-Ohren im Palast.�</p><p>�Rand, du mu�t...!�</p><p>�Wie w�re es, wenn du in einen jener gro�en W�schek�rbe stiegst? Ich kann ihn von zwei T�chtern des Speers tragen lassen.�</p><p>Sie h�tte beinahe ergeben die H�nde gehoben. Er war genauso bestrebt, sie loszuwerden, wie er die Aes Sedai hatte loswerden wollen. �Meine eigenen F��e werden durchaus gen�gen, vielen Dank.� Ein W�schekorb, also wirklich! �Ich brauchte mir keine Sorgen mehr zu machen, wenn du mir sagen w�rdest, wie du von Caemlyn hierhergelangst, wann immer du willst.� Sie verstand nicht, warum die Frage verletzen sollte, und doch tat sie es. �Ich wei�, da� du es mich nicht lehren kannst, aber wenn du mir sagtest, wie, k�nnte ich vielleicht herausfinden, wie man es mit <emphasis>Saidar</emphasis> tun k�nnte.�</p><p>Anstatt des Scherzes auf ihre Kosten, den sie halbwegs erwartet hatte, nahm er die Enden ihres Schals in beide H�nde. �Das Muster�, sagte er. �Caemlyn�, ein Finger auf seiner Linken hielt den Stoff auf, �und Cairhien.� Ein Finger der anderen Hand schuf ebenfalls eine �ffnung, und er f�hrte die beiden �ffnungen zusammen. �Ich habe das Muster gebeugt und eine �ffnung von einem zum anderen geschaffen. Ich wei� nicht, wo hindurch ich gebohrt habe, aber es existiert kein Zwischenraum zwischen einem Ende der �ffnung und dem anderen.� Er lie� ihren Schal los. �Hilft dir das?�</p><p>Sie kaute auf ihren Lippen und betrachtete stirnrunzelnd und ver�rgert den Schal. Es half ihr �berhaupt nicht. Allein der Gedanke daran, eine �ffnung in das Muster zu zwingen, verursachte ihr �belkeit. Sie hatte gehofft, es w�re etwas wie das, was sie in bezug auf <emphasis>Tel'aran'rhiod</emphasis> herausgefunden hatte. Es war nat�rlich nicht so, da� sie es jemals benutzen wollte, aber sie hatte all jene Zeit zur Verf�gung gehabt, und die Weisen Frauen n�rgelten st�ndig �ber die Aes Sedai und fragten, wie man k�rperlich in die Welt der Tr�ume eintrat. Sie dachte, man k�nnte es nur dadurch erreichen, da� man eine �hnlichkeit zwischen der wirklichen Welt und ihrer Reflexion in der Welt der Tr�ume schuf � der Begriff �hnlichkeit schien die einzige M�glichkeit, es zu beschreiben. Dadurch sollte ein Ort geschaffen werden, an dem man einfach �berwechseln k�nnte. Wenn Rands Methode zu reisen auch nur ann�hernd �hnlich gewesen w�re, h�tte sie es gern versucht, aber so ... <emphasis>Saidar</emphasis> tat, was man wollte, solange man sich daran erinnerte, da� es unendlich viel st�rker als man selbst war und sanft gef�hrt werden mu�te. Wenn man versuchte, das Falsche zu erzwingen, war man tot oder verbrannt, bevor man auch nur schreien konnte.</p><p>�Rand, bist du sicher, da� es keinen Sinn ergibt, Dinge auf die gleiche Art zu tun ... oder...?� Sie wu�te nicht, wie sie es ausdr�cken sollte, aber er hatte ohnehin bereits den Kopf gesch�ttelt, bevor sie abgebrochen hatte.</p><p>�Das klingt, als w�rde man das Gewebe des Musters �ndern. Ich denke, es w�rde mich zerrei�en, wenn ich es auch nur versuchte. Ich habe eine �ffnung gebohrt.� Er bohrte einen Finger in ihre Richtung, um es ihr zu verdeutlichen.</p><p>Nun, es hatte keinen Zweck, das weiterzuverfolgen. Sie r�ckte ver�rgert ihren Schal zurecht. �Rand, wegen dieser Meerleute. Ich wei� nicht mehr, als ich gelesen habe...� Sie wu�te doch mehr dar�ber, aber sie w�rde es ihm noch immer nicht sagen, �Aber es mu� etwas Wichtiges sein, wenn sie einen solch weiten Weg zur�cklegen, um dich zu sehen.�</p><p>�Licht�, murmelte er abwesend, �du springst herum wie ein Tropfen Wasser auf einem hei�en Backblech. Ich werde sie empfangen, wenn ich Zeit habe.� Er rieb sich einen Moment �ber die Stirn, und seine Augen schienen blind. Er blinzelte und sah sie dann wieder an. �Beabsichtigst du zu bleiben, bis sie zur�ckkommen?� Er wollte sie wirklich loswerden.</p><p>Sie hielt an der T�r inne, aber er durchschritt bereits den Raum, die H�nde hinter dem R�cken verschr�nkt, und sprach mit sich selbst. Leise, aber sie konnte einige Worte verstehen, �Wo verbirgst du dich, verdammter Kerl? Ich wei�, da� du da bist!�</p><p>Sie verlie� schaudernd den Raum. Wenn er wirklich wahnsinnig wurde, konnte man es nicht �ndern. Das Rad wob, wie das Rad es w�nschte, und sein Gewebe mu�te angenommen werden.</p><p>Als sie erkannte, da� sie die �ber den Gang eilenden Diener daraufhin betrachtete, ob sie vielleicht Aes Sedai-Spione sein k�nnten, blieb sie stehen. Das Rad wob, wie das Rad es w�nschte. Sie nickte Somara zu, straffte die Schultern und bem�hte sich, auf ihrem Weg zum n�chstgelegenen Dienstboteneingang nicht zu rennen.</p><p>Es wurde nur wenig gesprochen, als Arilyns beste Kutsche vom Sonnenpalast fortschwankte, gefolgt von dem Wagen, der die Kisten beinhaltet hatte, und jetzt nur noch die Dienerinnen und den Kutscher bef�rderte. In der Kutsche legte Nesune nachdenklich die Finger an die Lippen. Ein beeindruckender junger Mann. Ein faszinierendes Studienobjekt. Ihr Fu� ber�hrte eine der Musterkisten unter dem Sitz. Sie fuhr niemals irgendwohin, ohne die passenden Musterkisten dabeizuhaben. Man sollte denken, die Welt w�re schon vor langer Zeit aufgezeichnet worden, und doch hatte sie, seit sie Tar Valon verlassen hatten, schon f�nfzig Pflanzen und zweimal so viele Insekten gesammelt, sowie die Knochen eines Fuchses, von drei Arten Lerchen und nicht weniger als f�nf Arten Erdh�rnchen, die, wie sie sicher wu�te, nirgendwo verzeichnet waren.</p><p>�Ich wu�te gar nicht, da� Ihr mit Alviarin befreundet seid�, sagte Coiren nach einer Weile.</p><p>Galina schnaubte. �Ich mu� nicht mit ihr befreundet sein, um zu wissen, da� es ihr gutging, als wir aufbrachen.� Nesune fragte sich, ob sich die Frau bewu�t war, da� sie schmollte. Vielleicht lag es nur an der Form der Lippen, aber man mu�te mit seinem Gesicht zu leben lernen. �Glaubt Ihr, da� er es wahrhaftig wu�te?� fuhr Galina fort. �Da� wir... Es ist unm�glich. Er kann es nur vermutet haben.�</p><p>Nesune spitzte die Ohren, obwohl sie sich weiterhin an die Lippen tippte. Das war eindeutig der Versuch, das Thema zu wechseln, und au�erdem ein Zeichen daf�r, da� Galina nerv�s war. Sie hatten alle so lange geschwiegen, weil niemand al'Thor erw�hnen wollte, und doch schien kein anderes Thema m�glich. Warum wollte Galina nicht �ber Alviarin sprechen? Die beiden waren sicherlich nicht befreundet. Es kam nur selten vor, da� eine Rote au�erhalb ihrer Ajah Freunde hatte. Nesune wies der Frage im Geiste einen besonderen Platz zu.</p><p>�Wenn er es nur vermutet h�tte, k�nnte er auf dem Jahrmarkt sein Verm�gen machen.� Coiren war keine N�rrin. Jenseits aller Vernunft hochtrabend, aber niemals eine N�rrin. �Wie l�cherlich es auch scheinen mag � wir m�ssen dennoch annehmen, da� er <emphasis>Saidar</emphasis> bei einer Frau sp�ren kann.�</p><p>�Das k�nnte sich als verh�ngnisvoll erweisen�, murmelte Galina. �Nein. Das kann nicht sein. Er kann es nur vermutet haben. Jeder Mann, der die Macht zu lenken vermag, sollte annehmen, da� wir <emphasis>Saidar</emphasis> willkommen hei�en.�</p><p>Das Schmollen der Frau �rgerte Nesune. Diese ganze Reise �rgerte sie. Sie w�re gl�cklicher gewesen, sich dieser Aufgabe anzuschlie�en, wenn sie darum gebeten worden w�re, aber Jesse Bilal hatte sie nicht gebeten. Jesse hatte sie praktisch eigenh�ndig aufs Pferd gesetzt. Wie auch immer es in anderen Ajahs gehandhabt werden mochte � ein solches Verhalten wurde von der Vorsitzenden des Rates der Braunen nicht erwartet. Das Schlimmste war jedoch, da� Nesunes Begleiterinnen so auf den jungen Rand al'Thor ausgerichtet waren, da� sie allem anderen gegen�ber blind geworden zu sein schienen.</p><p>�Habt Ihr irgendeine Ahnung, wer die Schwester war, die an unserem Gespr�ch teilhatte?� sann sie laut.</p><p>Vielleicht war es keine Schwester � drei Aielfrauen tauchten zuf�llig auf, als sie in die K�nigliche Bibliothek ging, und zwei davon konnten die Macht lenken �, aber sie wollte ihre Reaktionen sehen. Sie wurde nicht entt�uscht, oder, eher gesagt, sie wurde doch entt�uscht. Coiren setzte sich nur aufrechter hin, aber Galina starrte sie an. Es fiel Nesune schwer, nicht zu seufzen. Sie waren wirklich blind. Sie waren nur wenige Schritte von einer Frau entfernt gewesen, die die Macht lenken konnte, und sie hatten sie nicht gesp�rt, weil sie die Frau nicht sehen konnten.</p><p>�Ich wei� nicht, wie sie verborgen wurde�, fuhr Nesune fort, �aber es wird interessant sein, das herauszubekommen.� Es mu�te sein Werk gewesen sein. Sie h�tten jedes Saidar-Gewebe gesehen. Sie fragten nicht, ob sie sicher war. Sie wu�ten, da� sie eine Vermutung stets begr�nden konnte.</p><p>�Das ist die Best�tigung, da� Moiraine lebt.� Galina setzte sich mit grimmigem L�cheln zur�ck. �Wir werden vermutlich Beldeine darauf ansetzen, sie zu finden. Dann packen wir sie und sperren sie gefesselt im Kellergescho� ein. In der Folge wird sie von al'Thor ferngehalten, und wir k�nnen sie mit ihm nach Tar Valon bringen. Ich bezweifle, da� er es auch nur bemerken wird, solange wir gen�gend Gold vor seiner Nase glitzern lassen.�</p><p>Coiren sch�ttelte nachdr�cklich den Kopf. �Wir haben jetzt keine gr��ere Best�tigung als zuvor, nicht was Moiraine betrifft. Vielleicht war es diese geheimnisvolle Gr�ne. Ich stimme <emphasis>zu,</emphasis> da� wir herausfinden m�ssen, wer sie ist, aber alles weitere m�ssen wir sorgf�ltig �berdenken. Ich werde nicht alles aufs Spiel setzen, was wir so ausgiebig geplant haben. Wir m�ssen uns der Tatsache bewu�t sein, da� al'Thor mit dieser Schwester verbunden ist � wer auch immer sie sein mag � und da� seine Bitte um Zeit vielleicht nur ein Vorwand ist. Gl�cklicherweise haben wir Zeit.� Galina nickte, wenn auch nur widerwillig. Sie w�rde eher heiraten und sich auf einem Bauernhof niederlassen, als ihre Plane zu gef�hrden.</p><p>Nesune gestattete sich ein leises Seufzen. Abgesehen von der Prahlerei war Coirens einziger wahrer Fehler, da� sie stets das Offensichtliche anf�hrte. Sie hatte einen klaren Verstand, wenn sie ihn einmal benutzte. Und sie hatten wirklich Zeit. Ihr Fu� ber�hrte erneut eine der Musterkisten. Wie auch immer sich die Ereignisse wenden w�rden � das Schriftst�ck, das sie al'Thor zu schicken gedachte, w�rde der H�hepunkt ihres Lebens werden.</p></section><section><title><p>28</p><p>Briefe</p></title><p>Lews Therin war <emphasis>tats�chlich</emphasis> da � Rand war sich dessen sicher �, aber kein Fl�stern erklang in seinem Kopf, das nicht von ihm herr�hrte. Er versuchte, den Rest des Tages an andere Dinge zu denken, so nutzlos sie auch sein mochten. Berelain wurde mit jedem Mal, wenn er zu ihr hereinschaute, um sie etwas zu fragen, was sie sehr gut ohne ihn erledigen konnte, w�tender. Er war sich nicht sicher, aber er glaubte, da� sie ihn zu meiden begann. Sogar Rhuarc wirkte ein wenig gehetzt, nachdem Rand ihn zum zehnten Mal wegen der Shaido in die Enge getrieben hatte. Die Shaido hatten sich nicht geregt, und die einzige M�glichkeit, die Rhuarc sah, war, sie in Bruderm�rders Dolch zu belassen oder sie zu enttarnen. Herid Fei war fortgegangen, was er h�ufig tat, wie Idrien schnell erkl�rte, und war nirgendwo zu finden. Wenn sich Fei in Gedanken verlor, verirrte er sich manchmal sogar in der Stadt. Rand schrie Idrien an. Feis Verhalten war nicht ihre Schuld, er unterstand nicht ihrer Verantwortung, aber Rand lie� sie dennoch bleich und zitternd zur�ck. Seine Stimmung wogte wie eine Folge von Unwettern, die vom Horizont heranrauschten. Er schrie auch Meilan und Maringil an, bis sie in ihren Stiefeln erzitterten, und lie� sie mit bl��lichen Gesichtern zur�ck, sch�chterte Colavaere ein, bis sie verzweifelt weinte, und veranla�te Anaiyella tats�chlich, mit bis zu den Knien gerafften R�cken davonzulaufen. Au�erdem schrie er auch Amys und Sorilea an, als sie mit der Frage zu ihm kamen, was er den Aes Sedai geantwortet habe. Aus dem Ausdruck auf Sorileas Gesicht, als sie davonschritten, schlo� er, da� ihr gegen�ber vielleicht zum ersten Mal jemand die Stimme erhoben hatte. Es war das Wissen � das <emphasis>Wissen �,</emphasis> da� Lews Therin tats�chlich da war, mehr als nur eine Stimme, sondern ein Mann, der sich in seinem Kopf verborgen hielt.</p><p>Er hatte fast Angst einzuschlafen, als die Nacht kam, Angst, da� Lews Therin im Schlaf die Kontrolle �bernehmen k�nnte. Und als er schlief, warfen ihn unruhige Tr�ume hin und her und lie�en ihn im Schlaf reden. Er wurde vom ersten schwachen Tageslicht, das durchs Fenster fiel, geweckt und fand sich in zerw�hlten, schwei�getr�nkten Laken, mit brennenden Augen, einem sauren Geschmack im Mund und schmerzenden Beinen wieder. Die Tr�ume, an die er sich erinnerte, hatten davon gehandelt, da� er vor etwas davongelaufen war, was er nicht sehen konnte. Er m�hte sich aus dem gro�en Bett mit den vier Pfosten und wusch sich am goldverzierten Waschtisch. Als der Himmel drau�en allm�hlich grau wurde, war der <emphasis>Gai'shain,</emphasis> der frisches Wasser bringen w�rde, noch nicht erschienen, aber das vorhandene Wasser gen�gte.</p><p>Er hatte seine Rasur fast beendet, hielt die Rasierklinge an seiner Wange in der Schwebe und betrachtete sich im Spiegel. Laufen. Er war sicher, da� es die Verlorenen waren, vor denen er in jenen Tr�umen davongelaufen war, oder der Dunkle K�nig oder Tarmon Gai'don oder vielleicht sogar Lews Therin. So von sich eingenommen. Nat�rlich tr�umte der Wiedergeborene Drache, vom Dunklen K�nig verfolgt zu werden. Trotz all seiner Einw�nde, Rand al'Thor zu sein, schien es, als k�nnte er es genauso leicht vergessen wie jeder andere, Rand al'Thor war vor Elayne davongelaufen, vor seiner Angst davor, Elayne zu lieben, genau wie er aus Angst davor, Aviendha zu lieben, davongelaufen war.</p><p>Der Spiegel zersprang, Scherben fielen in die Porzellanwaschsch�ssel. Die im Rahmen verbliebenen Reste warfen ein bruchst�ckhaftes Bild seines Gesichts zur�ck.</p><p>Er lie� <emphasis>Saidin</emphasis> fahren, schabte vorsichtig die letzten Reste Seifenschaum von seinen Wangen und klappte die Rasierklinge bed�chtig ein. Kein Davonlaufen mehr. Er w�rde tun, was er tun mu�te, aber kein Davonlaufen mehr.</p><p>Zwei T�chter des Speers warteten im Gang, als er hinaustrat. Harilin, eine schlanke Rothaarige ungef�hr seines Alters, lief los, um die anderen herbeizuholen, sobald er auftauchte. Chiarid, eine Blonde mit lustigen Augen, die alt genug war, um seine Mutter zu sein, begleitete ihn durch G�nge, in denen nur wenige Diener umhergingen, die �berrascht waren, ihn so fr�h zu sehen. Chiarid liebte es �blicherweise, Sp��e auf seine Kosten zu machen, wenn sie allein waren �auch wenn er nur einige davon verstand. Sie sah ihn als j�ngeren Bruder an, der davor bewahrt werden mu�te, �berm�tig zu werden, aber sie ersp�rte seine Stimmung an diesem Morgen und schwieg. Sie warf nur einmal einen angewiderten Blick auf sein Schwert.</p><p>Nandera und die restlichen T�chter des Speers holten sie ein, bevor sie die H�lfte des Weges zur Reisekammer zur�ckgelegt hatten, und erkannten sein Schweigen ebenso schnell. Wie auch die Mayeners und die Schwarzaugen, welche die quadratisch geschnittene T�r bewachten. Rand dachte, er k�nnte Cairhien verlassen, ohne da� jemand sprach, bis eine junge Frau in dem Rot und Blau der pers�nlichen Diener Berelains heraneilte und in einen tiefen Hofknicks verfiel, w�hrend er gerade das Wegetor �ffnete.</p><p>�Die Erste schickt dies�, keuchte sie und hielt ihm einen Brief mit einem gro�en gr�nen Siegel entgegen. Sie war offensichtlich den ganzen Weg bis zu ihm gelaufen. �Er kommt vom Meervolk, mein Lord Drache.�</p><p>Rand steckte den Brief in seine Manteltasche und trat durch das Tor, wobei er die Frage der Frau unbeachtet lie�, ob er ihr eine Antwort mitgeben wollte. Heute morgen war ihm nach Schweigen zumute. Er lie� einen Daumen �ber die Gravur auf dem Drachenszepter gleiten. Er w�rde stark und hart sein und all sein Selbstmitleid hinter sich lassen.</p><p>Die dunkle Gro�e Halle in Caemlyn lie� Alanna sich wieder tief in seinen Geist einnisten. Die Nacht hielt sie noch umfangen, aber sie war wach. Er wu�te es so sicher, wie er wu�te, da� sie weinte, so sicher, wie er wu�te, da� ihre Tr�nen versiegten, kurz nachdem er das Tor hinter der letzten der T�chter des Speers geschlossen hatte. Ein kleiner Rest widerstreitender, undeutbarer Gef�hle ballte sich noch immer in seinem Unterbewu�tsein, und doch war er sich sicher, da� sie wu�te, da� er zur�ckgekehrt war. Zweifellos hatten sie und ihr Zugeschworensein ihren Beitrag zu seiner Flucht geleistet, aber er erkannte dieses Zugeschworensein jetzt zumindest an, auch wenn er ihm nicht gefiel. Dieser Gedanke lie� ihn beinahe erstickt kichern. Er sollte ihn besser anerkennen, da er es ohnehin nicht �ndern konnte. Sie hielt ihn an einem Faden fest � nur ein Faden: Licht, la� es nicht mehr sein �, was keine Gefahr bedeuten sollte, es sei denn, er lie� sie nahe genug an sich heran, da� eine Leine daraus werden k�nnte. Er w�nschte, Thom Merrilin w�re da. Thom wu�te wahrscheinlich alles �ber Beh�ter und das Zugeschworensein. Er wu�te �berraschend viele Dinge. Nun, wenn er Elayne f�nde, w�rde er auch Thom finden. Ganz einfach.</p><p><emphasis>Saidin</emphasis> formte eine Kugel aus Licht, Feuer und Luft, um den Weg aus dem Thronsaal zu weisen. Die uralten K�niginnen, die in der Dunkelheit weit �ber ihm verborgen waren, st�rten ihn �berhaupt nicht. Sie waren nur Bilder aus buntem Glas.</p><p>Was man von Aviendha nicht behaupten konnte. Vor seinen R�umen entlie� Nandera alle T�chter des Speers au�er Jalani, und die beiden gingen mit ihm hinein, um die R�ume zu �berpr�fen, w�hrend er die Macht lenkte, um die Lampen zu entz�nden, und das Drachenszepter auf einen kleinen, mit Elfenbeineinlegearbeiten versehenen Tisch legte, der erheblich weniger Gold aufwies als die Tische im Sonnenpalast. Das galt f�r alle M�bel � weniger Gold, aber mehr Schnitzerei, zumeist L�wen oder Rosen. Ein gro�er, mit Goldf�den durchwirkter roter Teppich bedeckte den Boden.</p><p>Er bezweifelte, da� er die leisen Schritte der T�chter des Speers geh�rt h�tte, wenn er nicht <emphasis>Saidin</emphasis> in sich gehabt h�tte, aber bevor sie den Vorraum durchquerten, kam Aviendha aus dem dunklen Schlafzimmer, das Haar in wilder Unordnung und ihr G�rtelmesser in der Hand. Und sie trug nichts auf ihrer Haut. Als sie ihn sah, wurde sie steif wie ein Pfosten und stolzierte dorthin zur�ck, woher sie gekommen war, wenn sie auch beinahe gelaufen w�re. Schwaches Lampenlicht fiel durch den Eingang. Nandera lachte leise und wechselte am�sierte Blicke mit Jalani.</p><p>�Ich werde die Aiel niemals verstehen�, murmelte Rand. Es war weniger die Tatsache, da� die T�chter des Speers die Situation lustig fanden � er hatte es schon lange aufgegeben, den Aielhumor verstehen zu wollen. Es war Aviendha. Sie hielt es vielleicht f�r <emphasis>sehr</emphasis> lustig, sich vor ihm f�rs Bett auszuziehen, aber wenn er auch nur einen Blick auf ihre Kn�chel erhaschte, wenn sie sie nicht zeigen wollte, wurde sie zu einer fauchenden Katze. Ganz davon zu schweigen, da� sie ihm dann die Schuld daf�r gab.</p><p>Nandera frohlockte. �Es sind nicht die Aiel, die du nicht verstehen kannst, sondern die Frauen. Kein Mann hat die Frauen jemals verstanden.�</p><p>�Aber andererseits sind M�nner sehr leicht zu verstehen�, warf Jalani ein, deren Wangen noch den Babyspeck zeigten, und err�tete leicht. Nandera erweckte den Eindruck, als wollte sie gleich laut auflachen.</p><p><emphasis>Tod,</emphasis> fl�sterte Lews Therin.</p><p>Rand verga� alles andere. <emphasis>Tod? Was meinst du damit?</emphasis></p><p><emphasis>Der Tod kommt.</emphasis></p><p><emphasis>Welche Art von Tod?</emphasis> fragte Rand. <emphasis>Wovon sprichst du?</emphasis></p><p><emphasis>Wer bist du? Wo bin ich?</emphasis></p><p>Rand f�hlte sich, als h�tte ihm eine Faust die Kehle zugedr�ckt. Er war sich sicher gewesen, aber... Dies war das erste <emphasis>Mal,</emphasis> da� Lews Therin etwas zu ihm gesagt hatte, etwas, was eindeutig an ihn gerichtet war. <emphasis>Ich bin Rand al'Thor, und du befindest dich in meinem Kopf.</emphasis></p><p><emphasis>In...? Nein! Ich bin ich selbst! Ich bin Lews Therin Telamon! Ich bin iiiiich! Der</emphasis> Schrei verklang in der Ferne.</p><p><emphasis>Komm zur�ck,</emphasis> rief Rand. <emphasis>Welcher Tod? Antworte mir, verdammter Kerl!</emphasis> Schweigen. Er regte sich unbehaglich. Es zu wissen, war eine Sache, aber ein Toter in ihm, der vom Tod sprach, lie� ihn sich unrein f�hlen, wie ein leiser Hauch des Makels auf <emphasis>Saidin.</emphasis></p><p>Etwas ber�hrte ihn am Arm, und er h�tte beinahe die Quelle ergriffen, bevor er erkannte, da� es Aviendha war. Sie mu�te regelrecht in ihre Kleider gestr�mt sein, und doch wirkte sie, als h�tte sie eine Stunde gebraucht, um jedes Haar an seinen Platz zu r�cken. Die Leute sagten, Aiel zeigten keine Gef�hle, aber sie waren einfach nur zur�ckhaltender als die meisten anderen. Ihre Gesichter sagten genausoviel aus wie die Gesichter anderer, wenn man wu�te, wonach man zu suchen hatte. Aviendha war hin- und hergerissen zwischen Sorge und Wut.</p><p>�Geht es dir gut?� fragte sie.</p><p>�Ich habe nur nachgedacht�, belehrte er sie. Das war nur zu wahr. <emphasis>Antworte mir, Lews Therin! Komm zur�ck und antworte mir!</emphasis> Warum hatte er jemals geglaubt, Schweigen w�re diesem Morgen angemessen?</p><p>Ungl�cklicherweise glaubte ihm Aviendha, und wenn es nichts gab, wor�ber man sich Sorgen machen mu�te... Sie stemmte die F�uste in die H�ften. Das verstand er bei Frauen, egal ob Aiel oder Frauen der Zwei Fl�sse oder wem auch immer: Die in die H�ften gestemmten F�uste bedeuteten �rger. Er h�tte sich nicht die M�he zu machen brauchen, die Lampen anzuz�nden. Ihr Blick war hei� genug, den Raum zu beleuchten. �Du bist wieder ohne mich fortgegangen. Ich habe den Weisen Frauen versprochen, in deiner N�he zu bleiben, bis ich gehen mu�, aber du hast mein Versprechen zunichte gemacht. Du hast mir daf�r <emphasis>Toh</emphasis> auferlegt, Rand al'Thor. Nandera, von jetzt an mu� ich erfahren, wann er wohin geht. Er darf nicht ohne mich aufbrechen, wenn ich ihn begleiten sollte.�</p><p>Nandera z�gerte keinen Moment, bevor sie nickte. �Wie du w�nschst, Aviendha.�</p><p>Rand pflanzte sich vor beiden Frauen auf. �Nein, wartet! Niemand erf�hrt, wann ich komme und gehe, es sei denn, ich sage es.�</p><p>�Ich habe mein Wort gegeben, Rand al'Thor�, sagte Nandera mit tonloser Stimme. Sie sah ihm unnachgiebig in die Augen.</p><p>�Und ich ebenfalls�, sagte Jalani fast ebenso tonlos.</p><p>Rand �ffnete den Mund und schlo� ihn wieder. Verdammtes <emphasis>Ji'e'toh.</emphasis> Es hatte nat�rlich keinen Zweck zu erw�hnen, da� er der <emphasis>Car'a'carn</emphasis> war. Aviendha wirkte leicht �berrascht, da� er sich �berhaupt wehrte. F�r sie war es anscheinend eine Selbstverst�ndlichkeit. Er hob unbehaglich die Schultern, wenn auch nicht wegen Aviendha. Dieses unreine Gef�hl war weiterhin sp�rbar und wurde jetzt noch st�rker. Vielleicht war Lews Therin zur�ckgekommen. Rand rief ihn schweigend, aber er bekam keine Antwort.</p><p>Ein Klopfen an der T�r wurde sofort vom Eintreten Frau Harfors gefolgt, die ihren �blichen tiefen Hofknicks vollf�hrte. Der Ersten Tochter des Speers war die fr�he Stunde nat�rlich nicht anzusehen. Reene Harfor wirkte, gleichg�ltig zu welcher Tageszeit, stets, als h�tte sie sich gerade erst zurechtgemacht. �Mehrere Leute sind in der Stadt eingetroffen, mein Lord Drache, und Lord Bashere dachte, Ihr solltet es so bald wie m�glich erfahren. Lady Aemlyn und Lord Culhan sind gestern abend eingetroffen und weilen bei Lord Pelivar, Lady Arathelle traf eine Stunde sp�ter mit gro�em Gefolge ein. Lord Barel und Lord Macharan, Lady Sergase und Lady Negara sind in der Nacht getrennt mit jeweils nur wenig Gefolge eingetroffen. Niemand von ihnen hat dem Palast seine Aufwartung gemacht.� Sie �u�erte letzteres in einem merkw�rdigen Tonfall, aber ohne Hinweis auf ihre eigene Meinung dar�ber.</p><p>�Das sind gute Nachrichten�, belehrte er sie, und das stimmte auch, ob sie nun den Palast aufgesucht hatten oder nicht. Aemlyn und ihr Mann Culhan waren fast genauso m�chtig wie Pelivar, und Arathelle war m�chtiger als alle anderen au�er Dyelin und Luan. Die anderen entstammten geringeren H�usern, und nur Barel war unter ihnen Hochsitz seines Hauses, aber die Adligen, die sich gegen �Gaebril� gestellt hatten, begannen sich zu versammeln. Zumindest waren dies gute Nachrichten, falls er Elayne fand, bevor sie zu versuchen beschlossen, ihm Caemlyn wegzunehmen.</p><p>Frau Harfor betrachtete ihn einen Moment und zog dann einen Brief mit blauem Siegel hervor. �Dieser wurde gestern abend sp�t �berbracht, mein Lord Drache. Durch einen Stallburschen. Ein schmutziger Stallbursche. Die Herrin der Wogen des Meervolks war nicht sehr erfreut, da� Ihr fort wart, als sie zur Audienz erschien.� Dieses Mal war die Mi�billigung deutlich aus ihrer Stimme herauszuh�ren, wenn auch nicht ersichtlich war, ob sie der verpa�ten Audienz oder der Art der �berbringung des Briefes galt.</p><p>Er seufzte. Er hatte vollkommen vergessen, da� sich Angeh�rige des Meervolks in Caemlyn aufhielten. Das erinnerte ihn an den Brief, den man ihm in Cairhien �bergeben hatte, und er nahm ihn hervor. Beide Siegel, das gr�ne wie auch das blaue, trugen dasselbe Gepr�ge, obwohl er nicht erkennen konnte, was es darstellen sollte: Es waren zwei flache, Schalen �hnliche Gegenst�nde mit einer breiten Reihe Ornamente, die sich von einer Schale durch die andere zogen. Beide Briefe waren an den �Coramoor� gerichtet, wer auch immer das sein mochte. Er selbst vermutlich. Vielleicht nannte das Meervolk den Wiedergeborenen Drachen so. Er brach zun�chst das blaue Siegel. Es gab keine Anrede, und der gesamte Brief unterschied sich sicherlich von allen anderen, die jemals an den Wiedergeborenen Drachen gerichtet worden waren.</p><p><emphasis>Wenn das Licht es will werdet Ihr schlie�lich nach Caemlyn zur�ckkehren. Da ich weit gereist bin, um Euch zu sehen, werde ich vielleicht die Zeit daf�r finden, wenn Ihr zur�ckkehrt.</emphasis></p><p><emphasis>Zaida din Parede Schwarzfl�gel vom Clan Catelar, Herrin der Wogen Frau Harfor hatte anscheinend recht. Die Herrin der Wogen war nicht sehr erfreut. Das gr�ne Siegel verbarg kaum Besseres.</emphasis></p><p><emphasis>Wenn es dem Licht gef�llt, werde ich Euch an Deck der</emphasis> Gischt <emphasis>empfangen, sobald es Euch beliebt. Harine din Togara Zwei Winde vom Clan Shodein, Herrin der Wogen �Schlechte Nachrichten?� fragte Aviendha.</emphasis></p><p>�Ich wei� es nicht.� Er betrachtete stirnrunzelnd die Briefe und merkte kaum, als Frau Harfor eine Frau in Rot und Wei� hereinlie� und leise mit ihr sprach. Keine dieser Meervolk-Frauen klang wie jemand, mit dem er auch nur eine Stunde gemeinsam verbringen wollte. Er hatte jede �bersetzung der Prophezeiungen des Drachen gelesen, die er finden konnte, und obwohl auch die eindeutigste oft noch ungenau war, erinnerte er sich an nichts, was auf die Atha'an Miere hingedeutet h�tte. Vielleicht waren sie auf ihren Schiffen auf dem Meer und auf ihren fernen Inseln ein Volk, das von ihm oder Tarmon Gai'don unber�hrt blieb. Er schuldete dieser Zaida eine Entschuldigung, aber vielleicht konnte er sie Bashere �berlassen. Bashere besa� sicherlich ausreichend viele Titel, da� es der Eitelkeit jedes Menschen geschmeichelt h�tte. �Ich glaube nicht.�</p><p>Die Dienerin sank vor ihm auf die Knie, den wei�en Kopf tief gebeugt die H�nde hoch erhoben, um noch einen weiteren Brief darzubieten, dieses Mal auf dickem Pergament. Allein schon die Haltung der Dienerin lie� ihn blinzeln. Er hatte selbst in Tear niemals einen Diener sich so kr�mmen sehen, und noch viel weniger in Andor. Frau Harfor sch�ttelte stirnrunzelnd den Kopf. Die kniende Frau sprach mit noch immer zu Boden gerichtetem Blick. �Dies wurde f�r meinen Lord Drachen �berbracht.�</p><p>�Sulin?� keuchte er. �Was tust du? Was tust du in diesem ... <emphasis>Kleid?�</emphasis></p><p>Sulin hob ihr Gesicht. Es wirkte verheert: ein Wolf, der vorgibt, eine Ziege zu sein. �Es ist das Kleid, das Frauen tragen, die f�r Geld dienen und gehorchen.� Sie schwenkte den Brief in ihren noch immer erhobenen H�nden. �Mir wurde befohlen zu sagen, da� dies gerade f�r meinen Lord Drachen �berbracht worden ist, von einem Reiter, der wieder davonritt, sobald der Brief �bergeben war.� Die Erste Tochter des Speers schnalzte ver�rgert mit der Zunge.</p><p>�Ich will sofort eine Antwort�, sagte er und ri� das Pergament an sich. Sie erhob sich, sobald der Brief ihren H�nden entnommen war. �Komm hierher zur�ck, Sulin, ich will eine Antwort!� Aber sie lief so flink, wie sie es auch im <emphasis>Cadin'sor</emphasis> stets gewesen war, zu den T�ren hinaus.</p><p>Aus irgendeinem Grund sah Frau Harfor Nandera an. �Ich habe euch gesagt, da� dies nicht gutgehen w�rde. Und ich habe euch beiden gesagt, da� ich, solange sie die Palastlivree tr�gt, von ihr erwarte, da� sie dem Palast Ehre macht, egal ob sie eine Aiel oder die K�nigin von Saldaea ist.� Sie vollf�hrte einen Hofknicks, gew�hrte Rand ein schnelles �mein Lord Drache� und stolzierte davon, w�hrend sie etwas �ber verr�ckte Aiel vor sich hinmurmelte.</p><p>Er war ihrer Meinung. Er schaute von Nandera zu Aviendha und dann zu Jalani. Keine von ihnen schien im mindesten �berrascht. Keine von ihnen wirkte, als sei sie Zeugin von etwas Ungew�hnlichem geworden. �Wollt ihr mir sagen, was, unter dem Licht, hier vorgeht? Das war Sulin!�</p><p>�Zuerst�, sagte Nandera, �gingen Sulin und ich zu den K�chen. Sie hielt es f�r angemessen, T�pfe zu schrubben. Aber ein Bursche dort sagte, er h�tte alle K�chenhilfen, die er brauchte. Er schien zu glauben, da� sich Sulin st�ndig mit den anderen anlegen w�rde. Er war nicht sehr gro߫, sie deutete eine Rands Kinn entsprechende H�he an, �aber genauso breit, und ich glaube, er h�tte uns zum Speerkampf herausgefordert, wenn wir nicht gegangen w�ren. Dann eilten wir zu der Frau Reene Harfor, da sie hier die Dachherrin zu sein scheint.� Sie verzog leicht das Gesicht, denn eine Frau sollte entweder Dachherrin sein oder nicht � im Aieldenken war kein Platz f�r eine Erste Tochter des Speers vorgesehen. �Sie verstand es nicht, aber letztendlich willigte sie ein. Ich dachte fast, Sulin w�rde ihre Meinung �ndern, als sie erkannte, da� Frau Harfor sie in ein Kleid stecken wollte, aber das tat sie nat�rlich nicht. Sulin ist mutiger als ich. Ich w�rde lieber von einer neuen <emphasis>Seia Doon</emphasis> zur <emphasis>Gai'shain</emphasis> gemacht werden.�</p><p>�Ich w�rde lieber ein Jahr lang jeden Tag vor meiner Mutter vom Erstbruder meines schlimmsten Feindes geschlagen werden�, sagte Jalani k�hn.</p><p>Nandera verengte mi�billigend die Augen, und ihre Finger zuckten, aber anstatt die Zeichensprache zu benutzen, sagte sie wohlerwogen: �Du r�hmst dich wie eine Shaido, M�dchen.� W�re Jalani �lter gewesen, h�tten die drei bewu�ten Beleidigungen vielleicht Schwierigkeiten heraufbeschworen, aber statt dessen pre�te sie die Augen zu, um jene nicht mehr sehen zu m�ssen, die Zeuge ihrer Besch�mung geworden waren.</p><p>Rand fuhr sich mit den Fingern durchs Haar. �Reene hat nicht verstanden? Was hat das zu bedeuten, Nandera? Warum tut sie das? Hat sie den Speer aufgegeben? Wenn sie einen Andormann heiratete� � es waren schon seltsamere Dinge um ihn herum geschehen �, �w�rde ich ihr gen�gend Gold geben, da� sie sich einen Bauernhof, oder was immer sie wollen, kaufen k�nnten. Sie braucht keine Dienerin zu werden.� Jalani �ffnete die Augen ruckartig wieder, und die drei Frauen sahen ihn an, als sei <emphasis>er</emphasis> wahnsinnig geworden.</p><p>�Surin tritt ihrem <emphasis>Toh</emphasis> gegen�ber, Rand al'Thor�, sagte Aviendha fest. Sie stand sehr gerade und hielt seinem Blick stand, eine gute Nachahmung Amys'. Nur lag mit jedem Tag weniger Nachahmung als vielmehr mehr von ihr selbst darin. �Es hat nichts mit dir zu tun.�</p><p>Jalani nickte zustimmend. Nandera stand nur da und betrachtete m��ig eine Speerspitze.</p><p>�Sulin hat sehr wohl etwas mit mir zu tun�, belehrte er sie. �Wenn ihr etwas gesch�he...� Er erinnerte sich pl�tzlich an das Gespr�ch, das er belauscht hatte, bevor er nach Shadar Logoth gegangen war. Nandera hatte Sulin beschuldigt, als <emphasis>Far Dareis Mai</emphasis> mit einer <emphasis>Gai'shain</emphasis> gesprochen zu haben, und Sulin hatte es zugegeben und gesagt, sie w�rden sp�ter dar�ber sprechen. Er hatte Sulin nicht mehr gesehen, seit er von Shadar Logoth zur�ckgekehrt war, aber er hatte angenommen, sie w�re zornig auf ihn und �berlie�e die Arbeit, ihn zu bewachen, einfach anderen. Er h�tte es besser wissen m�ssen. Wenn man l�ngere Zeit mit einer Aiel zusammen war, lernte man etwas �ber das <emphasis>Ji'e'toh,</emphasis> und T�chter des Speers waren noch empfindlicher als andere, au�er vielleicht Steinsoldaten und Schwarzaugen. Und dann war da noch Aviendha und ihre Versuche, ihn in einen Aiel zu verwandeln.</p><p>Die Situation war einfach, oder so einfach wie alles, was jemals im <emphasis>Ji'e'toh</emphasis> enthalten war. W�re er nicht so sehr mit sich selbst besch�ftigt gewesen, h�tte er es vom ersten Augenblick an erkannt. Man konnte sogar eine Dachherrin jeden Tag, den sie <emphasis>Gai'shain-</emphasis>Wei� trug, daran erinnern, wer sie war � es war zutiefst besch�mend, aber erlaubt, und wurde manchmal sogar ermutigt �, und doch galt f�r neun der dreizehn Kriegergemeinschaften, da� eine Erinnerung daran zutiefst unehrenhaft war, wenn dem nicht eine Handvoll Umst�nde zugrunde lagen, deren er sich nicht erinnern konnte. Die <emphasis>Far Dareis Mai</emphasis> war mit Sicherheit eine der neun Kriegergemeinschaften. Dies war eine der wenigen M�glichkeiten, einer <emphasis>Gai'shain Toh</emphasis> aufzuerlegen, aber es wurde als die schwerste Verpflichtung �berhaupt angesehen. Anscheinend hatte Sulin beschlossen, dem gegen�berzutreten, indem sie eine, nach Ansicht der Aiel noch gr��ere Scham auf sich nahm, als sie ihrerseits zugef�gt hatte. Es war ihr <emphasis>Toh,</emphasis> also war es auch ihre Wahl, wie sie ihm gegen�bertreten und wie lange sie weiterf�hren wollte, was sie verabscheute. Wer wu�te besser um den Wert ihrer Ehre oder die Tiefe ihrer Verpflichtung als sie selbst? Dennoch hatte sie nur auf diese Art gehandelt, weil er ihr nicht genug Zeit gelassen hatte. �Es ist mein Fehler�, sagte er.</p><p>Das war falsch. Jalani sah ihn best�rzt an, und Aviendha err�tete verlegen. Sie behauptete st�ndig, da� es unter dem <emphasis>Ji'e'toh</emphasis> keine Entschuldigungen gab. Wenn die Tatsache, da� man sein Kind rettete, einem Blutsfeind gegen�ber eine Verpflichtung bedeutete, bezahlte man diesen Preis ohne Z�gern.</p><p>Der Blick, den Nandera Aviendha zuwarf, konnte nur als milde ver�chtlich bezeichnet werden. �Wenn du aufh�ren w�rdest, am hellichten Tag von seinen Augenbrauen zu tr�umen, w�rdest du ihn besser unterweisen.�</p><p>Aviendhas Gesicht wurde vor Emp�rung dunkelrot, aber Nandera sprach in der Zeichensprache mit Jalani, woraufhin diese den Kopf zur�ckwarf und lachte, wodurch das Karmesinrot auf Aviendhas Wangen heller wurde und wieder zu einem Ausdruck reiner Verlegenheit wurde. Rand erwartete halbwegs, eine Herausforderung zum Speerkampf zu h�ren. Nun, nicht genau das. Aviendha hatte ihn gelehrt, da� weder Weise Frauen noch ihre Lehrlinge so etwas taten. Aber es h�tte ihn nicht �berrascht, wenn sie Nandera geohrfeigt h�tte.</p><p>Er sprach schnell, um alledem zuvorzukommen. �Da ich Sulin zu ihrem Handeln veranla�t habe � habe ich mir dann nicht ihr gegen�ber <emphasis>Toh</emphasis> aufgeladen?�</p><p>Anscheinend hatte er es geschafft, einen noch gr��eren Narren aus sich zu machen, als er es vorher bereits getan hatte. Irgendwie r�tete sich Aviendhas Gesicht noch st�rker, und Jalani betrachtete interessiert den Teppich unter ihren F��en. Sogar Nandera wirkte ein wenig betroffen �ber sein Unwissen. Man konnte gesagt bekommen, da� man <emphasis>Toh</emphasis> auf sich geladen hatte, obwohl das beleidigend war, oder man konnte daran erinnert werden, aber danach zu fragen bedeutete, da� man es nicht wu�te. Nun, er wu�te, da� dem so war. Er k�nnte damit beginnen, Sulin aus ihrem l�cherlichen Dienst als Dienerin zu entlassen, sie wieder den <emphasis>Cadin'sor</emphasis> anziehen lassen und... Und sie daran hindern, ihrem <emphasis>Toh</emphasis> gegen�berzutreten. Alles, was er tun konnte, um ihr die Last zu erleichtern, w�re nicht mit ihrer Ehre vereinbar. Ihr <emphasis>Toh,</emphasis> ihre Wahl. Es war etwas daran, was er aber nicht erkennen konnte. Vielleicht sollte er Aviendha fragen. Sp�ter, wenn sie nicht mehr vor Dem�tigung st�rbe. Die Gesichter aller drei Frauen verdeutlichten, da� er sie im Moment mehr als ausreichend in Verlegenheit gebracht hatte. Licht, welch ein Durcheinander.</p><p>Er fragte sich, welchen Ausweg es g�be, und erkannte, da� er noch immer den Brief in H�nden hielt, den Sulin gebracht hatte. Er steckte ihn in die Tasche, l�ste seinen Schwertg�rtel, legte ihn auf das Drachenszepter und nahm das Pergament wieder hervor. Wer w�rde ihm eine Nachricht durch einen Reiter schicken, der nicht einmal zum Fr�hst�ck rastete? Ihm fiel niemand ein. Nur der jetzt bereits wieder verschwundene Bote h�tte sagen k�nnen, auf wen er verwies. Er kannte auch dieses Siegel nicht, eine in purpurfarbenes Wachs gepre�te Blume, aber das Pergament selbst war schwer, von der kostspieligsten Sorte. Der Inhalt, in einer h�bschen, zarten Handschrift geschrieben, lie� ihn nachdenklich l�cheln.</p><p><emphasis>Cousin,</emphasis></p><p><emphasis>Es herrschen ungewisse Zeiten, aber ich hatte das Gef�hl, Dir schreiben zu m�ssen, um Dich meines Wohlwollens zu versichern und meiner Hoffnung Ausdruck zu verleihen, da� dies auch im umgekehrten Falle gelten m�ge. F�rchte nichts: Ich kenne Dich und ich erkenne Dich an, aber es gibt jene, die niemanden bel�cheln w�rden, der sich Dir au�er durch sie n�herte. Ich bitte um nicht mehr, als da� du mein Geheimnis in den Feuern Deines Herzens verschlie�t.</emphasis></p><p><emphasis>Alliandre Maritha �Wor�ber l�chelst du?� fragte Aviendha, die neugierig auf den Brief sp�hte. Um ihren Mund lag noch immer ein leichter Zug der Ver�rgerung wegen dem, was er ihr zugemutet hatte.</emphasis></p><p>�Es ist einfach ein Vergn�gen, von jemand Unkompliziertem zu h�ren�, belehrte er sie. Das Spiel der H�user war leicht mit <emphasis>Ji'e'toh</emphasis> zu vergleichen. Der Name sagte ihm genug, um ihn wissen zu lassen, wer den Brief sandte, aber wenn das Pergament in die falschen H�nde fiele, schiene es wie eine Nachricht f�r einen Freund oder vielleicht eine herzliche Antwort f�r einen Bittsteller. Alliandre Maritha Kigarin, vom Licht Gesegnete, K�nigin von Ghealdan, w�rde einen Brief an jemanden, den sie noch niemals gesehen hatte, sicherlich niemals so vertraut unterzeichnen, vor allem nicht einen Brief an den Wiedergeborenen Drachen. Sie sorgte sich offensichtlich wegen der Wei�m�ntel in Amadicia und wegen des Propheten Masema. Er w�rde wegen Masema etwas unternehmen m�ssen. Alliandre wurde vorsichtig, wagte nicht mehr zu schreiben als notwendig. Und sie erinnerte ihn daran, den Brief zu verbrennen. Die Feuer seines Herzens. Es war dennoch das erste Mal, da� ein Herrscher an ihn herantrat, ohne da� er sein Schwert an die Kehle seines Volkes angelegt hatte. Wenn er nur Elayne finden und ihr Andor �bergeben k�nnte, bevor er hier einen weiteren Kampf ausfechten m��te.</p><p>Die T�r �ffnete sich leise, und er schaute auf, sah aber nichts und wandte sich daher wieder dem Brief zu, wobei er sich fragte, ob er alles erkannt hatte, was der Brief enthielt. Er las ihn erneut und rieb sich dabei �ber die Nase. Lews Therin und sein Gerede vom Tod. Rand konnte sich dieses unreinen Gef�hls nicht erwehren.</p><p>�Jalani und ich werden drau�en unsere Pl�tze einnehmen�, sagte Nandera.</p><p>Er nickte abwesend, ohne den Blick von dem Brief zu wenden. Thom w�rde wahrscheinlich auf den ersten Blick noch sechs Dinge finden, die er �bersehen hatte.</p><p>Aviendha legte ihm eine � Hand auf den Arm und nahm sie dann ruckartig wieder fort. �Rand al'Thor, ich mu� ernstlich mit dir sprechen.�</p><p>Pl�tzlich f�gte sich in seinem Geist alles zusammen.</p><p>Die T�r hatte sich tats�chlich ge�ffnet. Er roch Unreinheit, sp�rte sie nicht nur, aber es war kein wirklicher Geruch. Er lie� den Brief sinken und schob Aviendha ausreichend heftig von sich fort, da� sie mit erschrecktem Aufschrei st�rzte � jedoch au�er seiner Reichweite, au�er Gefahr. Alles schien sich verlangsamt zu haben. Er ergriff <emphasis>Saidin,</emphasis> w�hrend er herumfuhr.</p><p>Nandera und Jalani wandten sich gerade um, um nachzuschauen, warum Aviendha geschrien hatte. Rand mu�te genau hinsehen, um den gro�en Mann im grauen Umhang zu erkennen, den keine der T�chter des Speers nicht einmal sahen, als er an ihnen vor�berglitt, die dunklen, leblosen Augen auf Rand gerichtet. Auch wenn er sich konzentrierte, hatte Rand den Eindruck, da� sein Blick an dem Grauen Mann vorbeischwenken wollte. Dieser war, was er war: einer der Schattenm�rder. Als der Brief zu Boden flatterte, erkannte der Graue Mann, da� Rand ihn gesehen hatte. Aviendhas Schrei hing noch immer in der Luft, und sie prallte gerade auf dem Boden auf, als ein tief gehaltenes Messer in der Hand des Grauen Mannes erschien und er vorw�rtsst�rzte. Rand umgab ihn fast ver�chtlich mit Luftspiralen. Ein handgelenkdicker Feuerbalken scho� zwischen seine Schulter und brannte ein Loch durch die breite Brust des Grauen Mannes, durch das eine Faust gepa�t h�tte. Der M�rder starb, bevor er auch nur zusammenzucken konnte. Sein Kopf fiel vorn�ber, und diese Augen, die jetzt noch lebloser als zuvor wirkten, starrten Rand an.</p><p>Tot, was auch immer man dem Grauen Mann angetan hatte, da� er es nicht mehr ertragen konnte auszuharren. Tot war er pl�tzlich genauso sichtbar wie alle anderen. Aviendha, die gerade wieder hatte aufstehen wollen, keuchte entsetzt, und Rand sp�rte die G�nsehaut, die ihm anzeigte, da� er <emphasis>Saidar</emphasis> ber�hrt hatte. Nanderas Hand zuckte zu ihrem Schleier, w�hrend sie unterdr�ckt aufschrie, und Jalani hob den ihren halbwegs an.</p><p>Rand lie� den leblosen K�rper fallen, hielt aber weiterhin an <emphasis>Saidin</emphasis> fest, w�hrend er sich Taim zuwandte, der im Eingang seines Schlafzimmers stand. �Warum habt Ihr ihn get�tet?� Nur ein Teil der kalten H�rte in seiner Stimme entstammte dem Nichts. �Ich hatte ihn gefangen. Er h�tte mir wom�glich etwas sagen k�nnen, vielleicht sogar, wer ihn geschickt hat. Was tut Ihr �berhaupt hier? Warum seid Ihr durch mein Schlafzimmer hereingeschlichen?�</p><p>Taim trat vollkommen ruhig ein. Er trug einen schwarzen Umhang mit einem in Blau und Gold um die �rmel gewundenen Drachen. Aviendha rappelte sich auf, und ihr Blick dr�ckte aus, da� sie, trotz <emphasis>Saidar,</emphasis> genauso bereit war, ihr blankgezogenes G�rtelmesser gegen Taim zu richten, wie es wieder einzustecken. Nandera und Jalani hatten ihre Schleier wieder gesenkt und wippten mit angriffsbereiten Speeren auf Zehenspitzen. Taim beachtete sie nicht. Rand sp�rte die Macht den Mann verlassen. Taim schien nicht einmal beunruhigt, da� Rand noch immer von <emphasis>Saidin</emphasis> erf�llt war. Dieses eigenartige unmerkliche L�cheln verzog seine Lippen, w�hrend er den toten Grauen Mann betrachtete.</p><p>�H��liche Wesen, diese Seelenlosen.� Jeder andere w�re erschaudert, aber nicht Taim. �Ich bin durch das Wegetor auf Euren Balkon gekommen, weil ich dachte, Ihr wolltet die Neuigkeiten sofort erfahren.�</p><p>�Jemand, der zu schnell lernt?� warf Rand ein, und Taim zeigte erneut dieses unmerkliche L�cheln.</p><p>�Nein, kein verkleideter Verlorener, nicht wenn er es nicht geschafft hat, sich als Junge von kaum �ber zwanzig Jahren zu verkleiden. Sein Name ist Jahar Narishma, und er hat das Talent, obwohl es sich noch nicht gezeigt hat. Bei M�nnern zeigt es sich gew�hnlich sp�ter als bei Frauen. Ihr solltet zur Schule zur�ckkehren. Ihr w�rt �berrascht, wie sie sich ver�ndert hat.�</p><p>Das bezweifelte Rand nicht. Jahar Narishma war niemals ein andoranischer Name. Das Schnelle Reisen beinhaltete keine ihm bekannten Grenzen, aber Taim hatte sich bei seiner Suche nach geeigneten Sch�lern anscheinend noch viel weiter vorangewagt. Er sagte nichts, sondern betrachtete nur den K�rper auf dem Teppich.</p><p>Taim verzog das Gesicht, aber nicht, weil ihn der Anblick aus der Fassung brachte, sondern nur aus Ver�rgerung. �Glaubt mir, ich w�nschte, er w�re noch genauso lebendig wie Ihr. Ich habe ihn gesehen und gehandelt, ohne nachzudenken. Das letzte, was ich will, ist, Euch tot zu sehen. Ihr habt ihn in dem Moment ergriffen, als ich die Macht lenkte, aber es war zu sp�t innezuhalten.�</p><p><emphasis>Ich mu� ihn t�ten,</emphasis> murmelte Lews Therin, und die Macht str�mte in Rand ein. Er k�mpfte erstarrt darum, <emphasis>Saidin</emphasis> fahren zu lassen, und es war wirklich ein Kampf, denn Lews Therin versuchte, es festzuhalten, versuchte, die Macht zu lenken. Schlie�lich verging die Eine Macht wie Wasser, das aus einem Loch in einem Eimer sickert.</p><p><emphasis>Warum?</emphasis> fragte er. <emphasis>Warum willst du ihn t�ten?</emphasis> Er erhielt keine Antwort, nur in der Ferne verr�cktes Gel�chter und Weinen.</p><p>Aviendha sah ihn mit �u�erst besorgtem Gesichtsausdruck an. Sie hatte ihr Messer erhoben, aber das Kribbeln auf seiner Haut sagte ihm, da� sie <emphasis>Saidar</emphasis> zur�ckhielt. Die beiden T�chter des Speers hatten ihre Schleier angehoben, da jetzt festzustehen schien, da� Taims Erscheinen keinem Angriff gleichkam. Es gelang ihnen, mit einem Auge Taim und mit dem anderen den restlichen Raum zu beobachten und einander dennoch aus irgendeinem Grund verlegene Blicke zuzuwerfen.</p><p>Rand zog einen Stuhl an den Tisch, auf dem sein Schwert auf dem Drachenszepter lag. Der Kampf hatte nur wenige Augenblicke gedauert, aber seine Knie f�hlten sich schwach an. Lews Therin hatte fast die Kontrolle �bernommen, hatte schlie�lich beinahe <emphasis>Saidin</emphasis> �bernommen. Vorher, in der Schule, hatte er sich bel�gen k�nnen, aber dieses Mal nicht mehr.</p><p>Wenn Taim etwas bemerkte, zeigte er es nicht. Er beugte sich herab, um den Brief aufzuheben, und betrachtete ihn, bevor er ihn Rand mit einer kaum wahrnehmbaren Verbeugung �bergab.</p><p>Rand steckte das Pergament in die Tasche. Nichts konnte Taim ersch�ttern, nichts konnte sein Gleichgewicht zum Schwanken bringen. Warum wollte Lews Therin ihn t�ten? �Da Ihr alle daf�r wart, den Aes Sedai zu folgen, �berrascht es mich, da� Ihr nicht vorschlagt, Sammael anzugreifen � Ihr und ich und vielleicht einige wenige der kr�ftigeren Sch�ler �, indem wir ihm durch ein Tor in Illian genau auf den Kopf steigen. Dieser Mann mu� von Sammael gekommen sein.�</p><p>�Vielleicht�, sagte Taim kurz angebunden und sah den Grauen Mann erneut an. �Ich w�rde viel darum geben, sicher sein zu k�nnen.� Das klang aufrichtig. �Und was Illian betrifft, so bezweifle ich, da� es genauso einfach w�re, wie sich zweier Aes Sedai zu entledigen. Ich denke gerade dar�ber nach, was ich an Sammaels Stelle tun w�rde. Ich w�rde Illian bewachen lassen, so da� ich, wenn ein Mann auch nur daran d�chte, die Macht zu lenken, sofort w��te, wo er w�re, und ich w�rde die Erde zu Asche verbrennen, bevor er auch nur die Zeit gehabt h�tte einzuatmen.�</p><p>So sah Rand es auch. Niemand wu�te besser als Sammael, wie man einen Ort verteidigte. Vielleicht war Lews Therin schlicht verr�ckt. Vielleicht auch eifers�chtig. Rand versuchte, sich einzureden, da� er die Schule nicht gemieden hatte, weil <emphasis>er</emphasis> eifers�chtig war, sondern weil er in Taims N�he stets ein Kribbeln versp�rte. �Ihr habt Eure Neuigkeiten �berbracht. Also schlage ich vor, da� Ihr Euch darum k�mmert, diesen Jahar Narishma ausbilden zu lassen. Trainiert ihn gut. Er wird sein Talent vielleicht nur zu bald nutzen m�ssen.�</p><p>Taims dunkle Augen glitzerten einen Moment, aber dann verbeugte er sich leicht. Er nahm schweigend Zugriff auf <emphasis>Saidin</emphasis> und er�ffnete an Ort und Stelle ein Tor. Rand zwang sich sitzen zu bleiben, bis der Mann fort war und das Tor zu einer gl�henden Lichtlinie wurde. Er durfte keinen weiteren Streit mit Lews Therin wagen, nicht wenn er vielleicht unterliegen k�nnte und dann Taim im Kampf gegen�bertreten m��te. Warum <emphasis>wollte</emphasis> Lews Therin den Mann tot sehen? Licht, Lews Therin schien alle Menschen, einschlie�lich ihm selbst, tot sehen zu wollen.</p><p>Es war ein �u�erst ereignisreicher Vormittag gewesen, besonders wenn man bedachte, da� der Himmel noch immer d�mmerig war. Die guten Neuigkeiten hatten die schlechten �berwogen. Er betrachtete den auf dem Teppich ausgestreckten Grauen Mann. Die Wunde war vermutlich genauso schnell ausgebrannt, wie sie entstanden war, aber Frau Harfor w�rde es ihn sicherlich schweigend wissen lassen, wenn auch nur ein Blutfleck vorhanden w�re. Was diese Herrin der Wogen des Meervolks betraf, so konnte sie seinetwegen in ihrer Verdrie�lichkeit schmoren. Er hatte schon genug am Hals, ohne da� <emphasis>noch</emphasis> eine gereizte Frau hinzukam.</p><p>Nandera und Jalani traten in der N�he der T�r noch immer von einem Fu� auf den anderen. Sie h�tten, sobald Taim gegangen war, drau�en ihre Pl�tze einnehmen sollen.</p><p>�Wenn ihr beide wegen des Grauen Mannes durcheinander seid, dann verge�t es jetzt wieder. Nur ein Narr erwartet, einen der Seelenlosen anders als durch Zufall zu bemerken, und ihr seid beide keine N�rrinnen.�</p><p>�Das ist es nicht�, sagte Nandera steif. Jalani bi� die Z�hne fest zusammen und k�mpfte offensichtlich darum, den Mund zu halten.</p><p>Er verstand sehr schnell. Sie dachten nicht, da� sie den Grauen Mann h�tten bemerken m�ssen, aber sie sch�mten sich dennoch, da� sie es nicht getan hatten.</p><p>Sie sch�mten sich und f�rchteten, da� sich die Nachricht ihres �Versagens� verbreiten w�rde. �Ich m�chte nicht, da� jemand von Taims Hiersein oder von dem, was er gesagt hat, erf�hrt. Die Menschen sind �ngstlich genug, weil sie wissen, da� sich die Schule irgendwo in der N�he der Stadt befindet, ohne auch noch f�rchten zu m�ssen, da� Taim oder einer der Sch�ler auftauchen k�nnte. Ich glaube, es w�re am besten, wenn wir �ber alles heute morgen Geschehene Stillschweigen bewahrten. Wir k�nnen die Leiche nicht geheimhalten, aber ihr m��t mir versprechen, da� ihr nichts anderes erz�hlt, als da� mich ein Mann t�ten wollte und darum sterben mu�te. Mehr werde ich niemandem sagen, und es w�re mir verha�t, wenn ihr mich zum L�gner stempeln w�rdet.�</p><p>Die Dankbarkeit auf ihren Gesichtern war bemerkenswert. �Ich habe <emphasis>Toh�,</emphasis> murmelten sie fast gleichzeitig.</p><p>Rand r�usperte sich heftig. Das hatte er nicht erreichen wollen, aber er hatte zumindest ihr Gewissen erleichtert. Pl�tzlich kam ihm eine Idee, wie er mit Sulin zurechtkommen k�nnte. Es w�rde ihr nicht gefallen, aber es w�rde bedeuten, da� sie sich ihrem</p><p><emphasis>Toh</emphasis> immer noch stellen k�nnte � vielleicht sogar noch besser, weil es ihr nicht gefallen w�rde. Au�erdem w�rde es sein Gewissen erleichtern, und er k�nnte zumindest einem Teil seines <emphasis>Toh</emphasis> ihr gegen�ber entgegentreten.</p><p>�Nehmt jetzt wieder eure Wachposten ein, sonst mu� ich glauben, da� <emphasis>ihr</emphasis> meine Augenbrauen betrachten wolltet.� Das <emphasis>hatte</emphasis> Nandera gesagt. Aviendha war von seinen <emphasis>Augenbrauen</emphasis> entz�ckt? �Geht schon. Und sucht jemanden, der diesen Burschen fortbringt.� Sie verlie�en den Raum l�chelnd und eifrig in der Zeichensprache gestikulierend, und er blieb stehen und nahm Aviendha beim Arm. �Du sagtest, wir m��ten miteinander reden. Komm mit ins Schlafzimmer, bis dieser Raum ges�ubert ist.� Wenn ein Makel bestand, konnte er ihn vielleicht durch das Lenken der Macht vertreiben.</p><p>Aviendha ri� sich los. �Nein! Nicht dorthin!� Sie atmete tief durch und m��igte dann ihre Stimme, aber sie wirkte noch immer mi�trauisch und reichlich ver�rgert. �Warum k�nnen wir nicht hier miteinander reden?� Es sprach nichts dagegen, au�er dem toten Mann auf dem Boden, aber das z�hlte bei ihr nicht. Sie dr�ngte Rand fast gewaltsam wieder in seinen Sessel, betrachtete ihn dann und atmete erneut tief durch.</p><p><emphasis>�Ji'e'toh</emphasis> ist das Herz der Aiel. Wir <emphasis>sind Ji'e'toh.</emphasis> Heute morgen hast du mich bis auf die Knochen besch�mt.� Sie verschr�nkte die Arme unter ihren Br�sten, sah ihm offen in die Augen, belehrte ihn �ber sein Unwissen und das Unverm�gen, es zu verbergen, bis sie die Sache richtiggestellt hatte, und fuhr dann damit fort, da� man <emphasis>Toh</emphasis> um jeden Preis gegen�bertreten m�sse. Das dauerte einige Zeit.</p><p>Er war sich sicher, da� sie nicht das gemeint hatte, als sie gesagt hatte, sie wollte mit ihm reden, aber er geno� es verwunderlicherweise, ihr in die Augen zu sehen. Er geno� es. Nach und nach lie� er von dem Genu� ab, den ihre Augen ihm verschafften, und vertrieb ihn, bis nur noch ein dumpfer Schmerz �brigblieb.</p><p>Er glaubte, es geheimgehalten zu haben, aber sein Gesichtsausdruck mu�te sich ver�ndert haben. Aviendha brach langsam ab, stand da und sah ihn nur noch schwer atmend an. Dann wandte sie ihren Blick sichtbar m�hsam ab. �Zumindest verstehst du jetzt�, murmelte sie. �Ich mu� ... ich brauche ... solange du verstehst.� Sie raffte ihre R�cke, fegte durch den Raum � die Leiche h�tte genausogut ein Strauch sein k�nnen, dem sie ausweichen mu�te � und lief hinaus.</p><p>Sie lie� ihn in einem aus irgendeinem Grund tr�beren Raum zur�ck, allein mit einem Toten. Das pa�te nur zu gut. Als <emphasis>Gai'schain</emphasis> kamen, um den Grauen Mann fortzuschaffen, fanden sie Rand leise lachend vor.</p><p>Padan Fain sa� da, die F��e auf ein Fu�polster gelegt, und betrachtete die Sch�nheit des neu aufbrechenden Sonnenlichts, das auf der gebogenen Klinge des Dolches, den er in den H�nden hin und her wandte, schimmerte. Es gen�gte ihm nicht, ihn am G�rtel zu tragen. Er mu�te ihn hin und wieder einfach in die Hand nehmen. Der gro�e, in den Knauf eingelassene Rubin schimmerte zutiefst feindselig. Der Dolch war ein Teil von ihm oder er ein Teil des Dolches. Der Dolch war ein Teil des Aridhol, das die Menschen Shadar Logoth nannten, aber andererseits war auch <emphasis>er</emphasis> ein Teil des Aridhol. Oder es war ein Teil von ihm. Er war ziemlich verr�ckt, und er wu�te es sehr genau, aber es k�mmerte ihn nicht, verr�ckt zu sein. Sonnenlicht schimmerte auf Stahl, jetzt t�dlicherem Stahl als jeder in Thakandar gefertigte.</p><p>Er h�rte ein Rascheln und schaute zu der Stelle auf der anderen Seite des Raums, an der der Myrddraal auf sein Vergn�gen wartete. Er versuchte nicht, seinem Blick zu begegnen. Das hatte er schon vor langer Zeit aufgegeben.</p><p>Er versuchte, zu seiner Betrachtung der Klinge zur�ckzukehren, zu der vollkommenen Sch�nheit des vollkommenen Todes, der Sch�nheit dessen, was Aridhol gewesen war und wieder sein w�rde, aber der Myrddraal hatte seine Konzentration gebrochen, hatte sie verdorben. Beinahe w�re er hin�bergegangen und h�tte das Wesen get�tet. Halbmenschen brauchten lange zum Sterben. Wie lange w�rde es dauern, wenn er den Dolch ben�tzte? Als sp�re das Wesen seine Gedanken, regte es sich erneut. Nein, es konnte noch n�tzlich sein.</p><p>Es war ohnehin schwer f�r ihn, sich lange auf eine Sache zu besinnen. Au�er nat�rlich bei Rand al'Thor. Er konnte al'Thor sp�ren, konnte auf ihn deuten, so nahe. Al'Thor zerrte an ihm, zerrte, bis es schmerzte. In letzter Zeit war es anders, eine Andersartigkeit, die pl�tzlich eingetreten war, fast als h�tte jemand anderer pl�tzlich teilweise Besitz von al'Thor ergriffen und dabei einen Teil von Fains Zugriff verdr�ngt. Es war unwichtig. Arihor geh�rte ihm.</p><p>Er w�nschte, er k�nnte al'Thors Schmerz sp�ren. Sicherlich hatte er ihm bereits Schmerzen verursacht. Bisher nur Nadelstiche, aber ausreichend viele Nadelstiche w�rden ihn zerm�rben. Die Wei�m�ntel gingen hart gegen den <emphasis>Wieder geborenen Drachen</emphasis> vor. Fain grinste h�hnisch. Es war zwar unwahrscheinlich, da� Niall al'Thor jemals st�rker unterst�tzt h�tte als Elaida, aber es war besser, bei dem verdammten al'Thor nicht zuviel als selbstverst�ndlich zu betrachten. Nun, er hatte sie beide mit seinem Anteil von Aridhol gestreift. Sie vertrauten vielleicht ihrer eigenen Mutter, aber niemals mehr al'Thor.</p><p>Die T�r schwang auf, und der junge Perwyn Belman platzte, gefolgt von seiner Mutter, in den Raum. Nan Belman war eine h�bsche Frau, obwohl Fain Sch�nheit jetzt nur noch selten bemerkte, eine Schattenfreundin, die glaubte, ihre Schw�re w�ren vom B�sen gepr�gt, bis Padan Fain auf ihrer T�rschwelle erschien. Sie hielt auch ihn f�r einen Schattenfeind, der einen hohen Rang in den Konzilen einnahm. Fain war nat�rlich weit dar�ber hinausgelangt. Er w�rde in dem Moment sterben, wenn eine der Auserw�hlten Hand an ihn legte. Der Gedanke lie� ihn kichern.</p><p>Perwyn und seine Mutter keuchten nat�rlich beide beim Anblick des Myrddraal, aber der Junge fa�te sich zuerst wieder und erreichte Fain, w�hrend die Frau noch immer nach Atem rang.</p><p>�Meister Mordeth, Meister Mordeth�, piepste der Junge und tanzte in seinem rotwei�en Umhang von einem Fu� auf den anderen. �Ich habe die von Euch verlangten Neuigkeiten.�</p><p>Mordeth. Hatte er diesen Namen benutzt? Manchmal konnte er sich nicht mehr erinnern, welchen Namen er benutzt hatte, welcher Name sein Name war. Er versenkte den Dolch in den Falten seines Mantels und setzte ein freundliches L�cheln auf. �Und welche Neuigkeiten w�ren das, Bursche?�</p><p>�Jemand hat heute morgen den Wiedergeborenen Drachen zu t�ten versucht. Ein Mann. Er ist jetzt tot. Er ist ungehindert an den Aiel und allen vorbei und in die R�ume des Lord Drache gelangt.�</p><p>Fain sp�rte, wie sein L�cheln zu einem h�hnischen Grinsen geriet. Versucht, al'Thor zu t�ten? Al'Thor geh�rte ihm! Al'Thor w�rde durch seine und durch niemand anderes Hand sterben! Warte. Der M�rder war an den Aiel vorbei in al'Thors R�ume gelangt? �Ein Grauer Mann!� Er erkannte seine Stimme in dem kr�chzenden Klang nicht wieder. Graue M�nner bedeuteten die Auserw�hlten. W�rde er niemals von ihrer Einmischung verschont bleiben?</p><p>All diese Wut mu�te irgendwohin gelenkt werden, bevor er platzte. Fast beil�ufig zog er seine Hand �ber das Gesicht des Jungen. Perwyns Augen traten hervor. Er begann so stark zu zittern, da� seine Z�hne klapperten.</p><p>Fain verstand die Tricks, die er handhaben konnte, nicht wirklich. Ein wenig stammte vielleicht von den Schattenmenschen und ein wenig von Aridhol. Nachdem er aufgeh�rt hatte, nur Padan Fain zu sein, hatte sich das Talent allm�hlich zu zeigen begonnen. Er wu�te nur, da� er jetzt gewisse Dinge tun konnte, solange er ber�hren konnte, woran er arbeitete.</p><p>Nan warf sich neben seinem Sessel auf die Knie und umklammerte seinen Umhang. �Gnade, Meister Mordeth�, stie� sie hervor. �Bitte, zeigt Gnade. Er ist noch ein Kind. Nur ein Kind!�</p><p>Er betrachtete sie einen Moment neugierig mit geneigtem Kopf. Sie war wirklich eine recht h�bsche Frau. Er setzte einen Fu� auf ihre Brust und schob sie beiseite, damit er aufstehen konnte. Der Myrddraal, der verstohlen sp�hte, wandte das augenlose Gesicht ruckartig ab, als er merkte, da� Fain ihn ansah. Er erinnerte sich sehr gut an seine ... Tricks.</p><p>Fain schritt auf und ab. Er mu�te sich bewegen. Al'Thors Untergang mu�te sein Werk sein � seines! �, nicht das der Auserw�hlten. Wie konnte er den Mann erneut verletzen, bis ins Herz verletzen? Da waren jene schwatzenden M�dchen in Culains Hund, aber wenn al'Thor nicht kam, wenn die Zwei Fl�sse zerst�rt wurden � was w�rde es ihn dann �berhaupt k�mmern, wenn Fain das Gasthaus zusammen mit den jungen M�dchen niederbrannte? Womit w�rde er es zu tun haben? Nur wenige seiner ehemaligen Kinder des Lichts waren verblieben. Es war in Wahrheit nur ein Test gewesen � er w�rde den Mann, der es tats�chlich geschafft h�tte, al'Thor zu t�ten, darum winseln lassen, bei lebendigem Leibe geh�utet zu werden! �und doch hatte es ihn viele gekostet. Er hatte nur noch den Myrddraal und eine Handvoll Trollocs, die sich au�erhalb der Stadt verbargen, und wenige in Caemlyn versammelte, von Tar Valon herbeigeeilte Schattenfreunde. Al'Thor zerrte an ihm. Das war das Bemerkenswerteste an den Schattenfreunden. Man sollte einen Schattenfreund durch nichts von jemand anderem unterscheiden k�nnen, aber in letzter Zeit hatte er gemerkt, da� er sie auf den ersten Blick erkennen konnte, selbst jemanden, der nur daran gedacht hatte, sich dem Schatten zu verschw�ren, als h�tten sie ein schwarzes Mal auf der Stirn.</p><p>Nein! Er mu�te sich konzentrieren. Konzentrieren! Seinen Geist kl�ren. Sein Blick fiel auf die ihren dumm daherredenden Sohn streichelnde Frau, die leise auf ihn einredete, als w�rde das helfen. Fain wu�te nicht, wie er seine Tricks aufhalten sollte, wenn sie erst begonnen hatten. Der Junge sollte �berleben, wenn auch ein wenig beschadeter, wenn das Wesen zu einer Entscheidung gekommen war. Fain hatte nicht sein ganzes Herz hineingelegt, es zu erschaffen. Seinen Geist kl�ren. An etwas anderes denken. An eine h�bsche Frau. Wie lange hatte er keine Frau mehr gehabt?</p><p>Er nahm l�chelnd ihren Arm. Er mu�te sie von dem t�richten Jungen fortziehen. �Kommt mit mir.� Seine Stimme klang jetzt anders, eindrucksvoller, der Lugardakzent war vergangen, aber er bemerkte es nicht. Er bemerkte es niemals. �Sicherlich wi�t Ihr zumindest, wie man wahren Respekt erweist. Wenn Ihr mir zu Gefallen seid, wird Euch nichts geschehen.� Warum wehrte sie sich? Er wu�te, da� er charmant war. Er w�rde ihr weh tun m�ssen. Das war alles al'Thors Schuld.</p></section><section><title><p>29</p><p>Feuer und Geist</p></title><p>Nynaeve blieb im Schatten vor der Kleinen Burg stehen, rupfte sorgf�ltig ihr Gesicht ab und steckte das Taschentuch wieder in ihren �rmel. Es n�tzte zwar nicht viel � der Schwei� brach sofort erneut aus �, aber sie wollte dort drinnen bestm�glich aussehen. Sie wollte k�hl, ruhig und gefa�t wirken. Es bestand eine geringe Chance. Ihre Schl�fen pochten, und ihr Magen f�hlte sich schwach an. Sie hatte das Fr�hst�ck heute morgen nicht einmal angesehen. Es lag nat�rlich nur an der Hitze, aber sie wollte wieder in ihr Bett zur�ckkehren, sich einrollen und sterben. Zus�tzlich beeintr�chtigte sie noch ihre Wetterf�hligkeit. Die gl�hende Sonne h�tte von zornigen schwarzen Wolken und drohendem Gewitter verdeckt sein sollen.</p><p>Die Beh�ter an der Vorderseite der Burg wirkten auf den ersten Blick nicht wie W�chter, aber sie waren es. Sie erinnerten sie an Aiel, die sie im Stein von Tear gesehen hatte. Wahrscheinlich wirkten sie sogar im Schlaf wie W�lfe. Ein kahlk�pfiger Mann mit kantigem Gesicht, der nicht gr��er als sie, aber fast genauso breit wie gro� war, spazierte aus der Burg und die Stra�e hinab. Das Heft des Schwertes auf seinem R�cken ragte �ber seine Schulter hinaus. Sogar er � Jori, Morvrin zugeschworen � schaffte es.</p><p>Uno mit dem Haarknoten ging vorbei, f�hrte sein Pferd durch die Menge und schien die Hitze trotz der Stahlscheiben und des Kettenpanzers, die ihn von den Schultern abw�rts bedeckten, kaum zu bemerken. Er drehte sich im Sattel, um sie mit seinem gesunden Auge zu betrachten, und sie err�tete. Birgitte <emphasis>hatte</emphasis> geplaudert. Jedes Mal, wenn der Mann sie sah, erwartete er offensichtlich, da� sie ihn um Pferde bitten w�rde. Und sie war fast bereit dazu. Sogar Elayne wu�te nicht, ob sie etwas n�tzten. Nun, sie wu�te es und w�rde es sagen, aber sie sollte nicht.</p><p>Uno ritt um eine Ecke au�er Sicht, und Nynaeve seufzte. Sie versuchte gerade, sich ihr Vorhaben aus dem Kopf zu schlagen. Vielleicht war Myrelle dort. Sie err�tete erneut, betrachtete stirnrunzelnd ihre faltige Hand � heute w�re der elfte Tag des T�pfeschrubbens, und neunundzwanzig w�rden noch folgen. Neunundzwanzig! Sie ging hinein.</p><p>In dem Raum, der zu der Zeit, als die Kleine Burg noch eine Gastst�tte war, ein Aufenthaltsraum gewesen war, war es ein wenig k�hler, was ihrem schmerzenden Kopf etwas Erleichterung verschaffte. Jedermann nannte den Raum jetzt �den Aufenthaltsraum�. Hier war keine Zeit f�r Ausbesserungen verschwendet worden. An der Feuerstelle fehlten Steine, und durch L�cher im Verputz war Lattenwerk zu sehen. Areina und Nicola fegten den Raum, zusammen mit einer weiteren Novizin, gerade aus, was den vom Alter aufgerauhten Boden aber kaum beeindruckte. Areina runzelte die Stirn, aber andererseits war sie niemals erfreut, wenn sie mit den Novizinnen zusammen Hausarbeiten erledigen mu�te. Niemand konnte sich dem in Salidar entziehen. Am anderen Ende des Raumes sprach Romanda mit zwei schlanken, betagten Aes Sedai � ihre Gesichter waren vielleicht alterslos, aber ihr Haar war wei� �, eindeutig Neuank�mmlinge, da sie noch ihre d�nnen Staubm�ntel trugen. Kein Zeichen von Myrelle. Nynaeve seufzte erleichtert auf. Die Frau traktierte Nynaeve bei jeder Gelegenheit. Aes Sedai sa�en an Tischen, die schlecht zusammengestellt, aber sorgf�ltig in Reihen angeordnet waren, und gingen mit Beh�tern und Dienern Papiere durch oder erteilten ihnen Befehle, aber es waren weniger, als sie bei ihrem ersten Aufenthalt in diesem Raum gesehen hatte. Nur die Sitzenden und ihre Diener wohnten jetzt noch in den oberen Stockwerken. Alle anderen waren daraus vertrieben worden, um Platz f�r die Aes Sedai zu machen. Die Kleine Burg hatte Eigenschaften der Wei�en Burg angenommen, vor allem die peinlich genaue F�rmlichkeit. Als Nynaeve diesen Raum zum ersten Mal gesehen hatte, war er von Gesch�ftigkeit gepr�gt gewesen, von dem Anschein, da� etwas getan wurde. Also ein falscher Anschein. Jetzt schien alles verlangsamt, aber es war das Gef�hl der Wei�en Burg.</p><p>Sie n�herte sich einem der Tische � nicht dem n�chststehenden � und vollf�hrte einen Hofknicks. �Verzeiht, Aes Sedai, aber mir wurde gesagt, Siuan und Leane w�ren hier. K�nnt Ihr mir sagen, <emphasis>wo</emphasis> ich sie finden kann?�</p><p>Brendas' Stift hielt mitten in der Luft inne, und sie schaute mit k�hlen dunklen Augen auf. Nynaeve hatte sie erw�hlt, weil Brendas eine der wenigen Aes Sedai war, die sie niemals wegen Rand ins Verh�r genommen hatte. Au�erdem hatte Siuan Brendas einst, als sie die Amyrlin war, als jemanden erw�hlt, dem man vertrauen konnte. Das hatte nichts hiermit zu tun, aber Nynaeve suchte sich ihren Trost, wo sie konnte.</p><p>�Sie sind bei einigen der Sitzenden, Kind.� Brendas' Stimme war vollt�nend und genauso gef�hllos wie ihr blasses Gesicht. Wei�e zeigten selten Empfindungen, aber Brendas zeigte sie niemals.</p><p>Nynaeve unterdr�ckte ein ver�rgertes Seufzen. Wenn Sitzende sie �ber ihre Augen-und-Ohren berichten lie�en, waren sie vielleicht noch stundenlang besch�ftigt. Aber vielleicht nicht den Rest des Tages. Bis dahin w�re sie mit den T�pfen besch�ftigt. �Danke, Aes Sedai.�</p><p>Brendas unterbrach ihren Hofknicks mit einer Geste.</p><p>�Hat Theodrin mit Euch gestern irgendwelche Fortschritte gemacht?�</p><p>�Nein, Aes Sedai.� Wenn ihre Stimme ein wenig angespannt klang, dann hatte sie Grund dazu. Theodrin hatte gesagt, sie wolle alles versuchen, und offensichtlich meinte sie das auch. Die gestrige Bem�hung hatte Wein zum Entspannen beinhaltet, aber aus irgendeinem Grund hatte Nynaeve letztendlich mehr als nur wenige Schlucke getrunken. Sie glaubte nicht, da� sie jemals vergessen w�rde, wie man sie singend � singend! � zu ihrem Raum zur�ckgebracht hatte, oder sich daran jemals erinnern k�nnte, ohne rot zu werden. Brendas mu�te es wissen. Jedermann mu�te es wissen. Nynaeve h�tte sich am liebsten verkrochen.</p><p>�Ich frage nur, weil Eure Studien zu leiden scheinen. Ich habe mehrere Schwestern bemerken h�ren, da� Ihr am Ende Eurer bemerkenswerten Heilung angelangt zu sein scheint. Vielleicht sind Eure zus�tzlichen Hausarbeiten hinderlich �, aber Elayne offenbart jeden Tag etwas Neues, sogar wenn sie ihre Klassen unterrichtet oder an den T�pfen arbeitet. Viele Schwestern fragen sich, ob sie Euch nicht besser helfen k�nnten als Theodrin. Wenn wir uns abwechseln w�rden und Euch t�glich leiten w�rden, k�nnte sich das vielleicht als hilfreicher erweisen als diese zwanglosen Treffen mit dieser Frau, die immerhin selbst kaum mehr als eine Aufgenommene ist.� Das alles wurde in gleichf�rmigem Tonfall und ohne den geringsten Vorwurf ausgesprochen, und doch err�tete Nynaeve, als w�re sie angeschrien worden.</p><p>�Ich bin sicher, da� Theodrin den Hinweis jeden Tag finden wird, Aes Sedai�, erwiderte sie fast im Fl�sterton. �Ich werde es noch st�rker versuchen, Aes Sedai.� Sie vollf�hrte eilig einen Hofknicks und wirbelte herum, bevor Brendas sie erneut aufhalten konnte. Mit dem Ergebnis, da� sie gegen eine der beiden wei�haarigen Neuank�mmlinge prallte. Sie sahen einander ausreichend �hnlich, um wahrhaftig Schwestern sein zu k�nnen, waren fast Spiegelbilder voneinander, mit edel geformten Knochen und l�nglichen, aristokratischen Gesichtern.</p><p>Der Zusammensto� war in Wahrheit eher ein Vorbeistreifen, und sie versuchte sich zu entschuldigen, aber die Aes Sedai fixierte sie mit einem Blick, der einem Falken zur Ehre gereicht h�tte. �Achtet auf Euren Weg, Aufgenommene. Zu meiner Zeit h�tte eine Aufgenommene, die fast eine Aes Sedai �berrannte, noch wei�eres Haar als meines bekommen, bevor sie auch nur die B�den zu Ende geschrubbt h�tte.�</p><p>Die andere ber�hrte ihren Arm. �Oh, la�t das Kind gehen, Vandene. Wir haben zu arbeiten.�</p><p>Vandene schickte ein heftiges Schnauben in Nynaeves Richtung, lie� sich aber hinausgeleiten.</p><p>Nynaeve wartete einen Moment, um sie gehen zu lassen, als sie Sheriam mit Myrelle, Morvrin und Beonin aus einem der Versammlungsr�ume kommen sah. Myrelle sah sie ebenfalls und wollte auf sie zugehen, aber bereits nach einem Schritt legten Sheriam und Morvrin jede eine Hand auf die Arme der Gr�nen Schwester und sprachen schnell und leise auf sie ein, wobei sie h�ufig zu Nynaeve schauten. Noch immer miteinander redend, durchquerten die vier Frauen den Raum und verschwanden durch eine andere T�r.</p><p>Nynaeve wartete, bis sie wieder vor der Kleinen Burg angelangt war, bevor sie einmal heftig an ihrem Zopf zog. Sie hatten sich gestern abend mit den Weisen Frauen getroffen. Es war nur zu leicht zu erraten, warum die anderen Myrelle daran gehindert hatten, mit ihr zu sprechen. W�re Egwene im Herzen des Steins gewesen, sollte sie es nicht erfahren. Nynaeve al'Meara war in Ungnade gefallen. Nynaeve al'Meara schrubbte T�pfe wie eine Novizin, obwohl sie vielleicht schon eine Stufe h�her als eine Aufgenommene stehen k�nnte. Nynaeve al'Meara gelangte mit Theodrin nirgendwohin, und alle ihre gro�artigen Entdeckungen waren unn�tz. Nynaeve al'Meara w�rde niemals eine Aes Sedai werden. Sie hatte gewu�t, da� es ein Fehler war, durch Elayne alles von Moghedien hereinzuschleusen. Sie hatte es gewu�t!</p><p>Ihre Zunge wollte sich bei der Erinnerung an einen �blen Geschmack winden. Gekochter Katzenfarn und zerriebene Mavinsbl�tter. Ein Gegenmittel, das sie bei so manchem Kind angewandt hatte, das nicht aufh�ren wollte zu l�gen. In Ordnung, sie <emphasis>war</emphasis> diejenige gewesen, die es selbst vorgeschlagen hatte, aber es war dennoch ein Fehler gewesen. Aes Sedai sprachen nicht mehr �ber ihre Neuerungen. Sie sprachen �ber ihr Fehlen. Aes Sedai, die niemals mehr als fl�chtiges Interesse an ihrem Widerstand gezeigt hatten, waren jetzt in die Aufgabe eingebunden, ihn zu zerbrechen. Sie konnte nicht gewinnen. Es w�rde auf die eine oder andere Art darauf hinauslaufen, da� sie von Kopf bis Fu� und von Sonnenaufgang bis Sonnenuntergang von Aes Sedai gepr�ft w�rde.</p><p>Sie zog fester an ihrem Zopf, ausreichend fest, da� ihre Kopfhaut schmerzte, aber so, wie sich ihr Kopf anf�hlte, n�tzte es in bezug auf ihr Temperament nichts. Ein Soldat mit dem flachen Helm eines Bogensch�tzen und einem gef�tterten Wams verlangsamte seinen Schritt, um sie neugierig zu betrachten, aber sie sah ihn derma�en feindselig an, da� er �ber seine eigenen F��e stolperte und schnell in der Menge verschwand. <emphasis>Warum</emphasis> mu�te Elayne so starrsinnig sein?</p><p>Die H�nde eines Mannes schlossen sich um ihre Schultern, und sie wirbelte herum, zu �u�erungen bereit, die ihm den Verstand rauben w�rden. Sie erstarben ihr auf der Zunge.</p><p>Thom Merrilin grinste sie durch seinen langen wei�en Bart hindurch an, und die scharfen blauen Augen in dem knorrigen Gesicht blinzelten ihr zu. �So wie Ihr ausseht, Nynaeve, k�nnte man fast glauben, Ihr w�rt zornig, aber ich wei�, da� Ihr ein solch freundliches Gem�t besitzt, da� die Menschen Euch stets um Rat fragen.�</p><p>Neben ihm stand Juilin Sandar, dieser hagere Bursche, der wie aus Holz geschnitzt wirkte und sich auf einen daumendicken Bambusstock lehnte. Juilin war Tairener, nicht Taraboner, aber er trug dennoch diese l�cherliche, oben flache, kegelf�rmige rote Kappe, die jetzt noch besch�digter war als bei ihrem letzten Zusammentreffen. Er ri� sie sich vom Kopf, als sie ihn ansah. Beide M�nner waren staubbedeckt und von der Reise ersch�pft, mit hageren Gesichtern, obwohl sie beide auch vorher nicht besonders fleischig gewesen waren. Sie wirkten, als h�tten sie die letzten Wochen, seit sie Salidar verlassen hatten, in ihren Kleidern geschlafen, wenn sie nicht im Sattel gesessen hatten.</p><p>Bevor Nynaeve etwas sagen konnte, wurden sie von einem menschlichen Sturm �berrannt. Elayne warf sich so heftig auf Thom, da� er stolperte. Er schob nat�rlich seine H�nde unter ihre Arme, hob sie hoch und wirbelte sie, trotz seines leichten Hinkens, im Kreis herum wie ein Kind. Er lachte, als er sie wieder absetzte, und sie lachte ebenfalls. Sie griff aufw�rts und zog ihn am Bart, und sie lachten noch lauter. Er betrachtete ihre H�nde, die genauso runzlig waren wie Nynaeves, und fragte sie, in welche Schwierigkeiten sie geraten war, ohne da� er sie auf dem rechten Weg halten konnte, und sie erwiderte, da� sie niemanden brauchte, der ihr sagte, was sie tun sollte; nur brachte sie dies err�tend und kichernd hervor und bi� sich auf die Lippen.</p><p>Nynaeve atmete tief durch. Manchmal benahmen sich die beiden entschieden zu sehr wie Vater und Tochter. Manchmal schien Elayne zu glauben, da� sie ungef�hr zehn Jahre alt war, und Thom ebenfalls. �Ich dachte, du h�ttest heute morgen Novizinnenunterricht, Elayne.�</p><p>Die andere Frau warf ihr einen Seitenblick zu, sammelte sich in dem versp�teten Versuch, W�rde zu zeigen, und besch�ftigte sich dann mit ihrem Gewand. �Ich habe Calindin gebeten, den Unterricht zu �bernehmen�, sagte sie beil�ufig. �Ich dachte, ich k�nnte dir Gesellschaft leisten. Und ich bin froh, da� ich es getan habe�, f�gte sie mit einem f�r Thom gedachten Grinsen hinzu. �Jetzt kannst du uns alles berichten, was du in Amidicia erfahren hast.�</p><p>Nynaeve schnaubte. Ihr Gesellschaft leisten, also wirklich! Sie erinnerte sich nicht an alles, was gestern geschehen war, aber sie wu�te genau, da� Elayne gelacht hatte, als sie sich ausgezogen und zu Bett gegangen war, noch bevor die Sonne unterging. Und sie war sicher, sich an die Frau zu erinnern, die gefragt hatte, ob sie einen Eimer Wasser haben wolle, um ihren Kopf zu k�hlen.</p><p>Thom bemerkte nichts. Die meisten M�nner waren blind, obwohl er sonst ausreichend scharfsinnig war. �Wir werden uns beeilen m�ssen�, sagte er. �Jetzt, wo Sheriam uns ausgefragt hat, will sie, da� wir einigen Sitzenden pers�nlich berichten. Gl�cklicherweise ist es nicht sehr viel. Es sind nicht einmal genug Wei�m�ntel am Eldar, um eine Maus von der �berquerung abzuhalten, die sich einen Tag vorher mit Pauken und Trompeten ank�ndigt. Bis auf eine starke Streitmacht an der Grenze nach Tarabon und den M�nnern, die er im Norden zur Verf�gung hat, um den Propheten aufzuhalten, scheint Niall auch noch die letzten Wei�m�ntel um Amadicia zu versammeln, und Ailron zieht seine Soldaten ebenfalls ein. Das Gerede von Salidar hat schon angefangen, bevor wir aufgebrochen sind, aber wenn Niall auch nur einen zweiten Gedanken an den Ort verschwendet hat, konnte ich nirgendwo einen Hinweis darauf entdecken.�</p><p>�Tarabon�, murmelte Juilin und betrachtete seine Kappe. �Ein schreckliches Land f�r jemanden, der nicht auf sich aufpassen kann � das haben wir zumindest geh�rt.�</p><p>Nynaeve war sich nicht sicher, wer von den beiden besser darin war, sich nichts anmerken zu lassen, aber sie zweifelte nicht daran, da� beide so gut l�gen konnten, da� sogar ein H�ndler gr�n vor Neid w�rde. Und gerade jetzt war sie �berzeugt, da� sie etwas verbargen.</p><p>Elayne erkannte noch mehr. Sie ergriff Thoms Rockaufschlag und blickte zu ihm hoch. �Du hast etwas �ber meine Mutter erfahren�, sagte sie ruhig; es war keine Frage.</p><p>Thom zupfte an seinem Bart. �Es gibt in jeder Stra�e Amadicias hundert Ger�chte, Kind, und eines ist wilder als das andere.� Sein knorriges, ledriges Gesicht war die pure Unschuld und Offenheit, aber der Mann war seit dem Tag seiner Geburt niemals unschuldig gewesen. �Es hei�t, die gesamte Wei�e Burg halte sich hier in Salidar auf, und zehntausend Beh�ter st�nden bereit, den Eldar zu �berqueren. Es hei�t, Aes Sedai h�tten Tanchico erobert, und Rand habe Fl�gel, die er benutzt, um nachts herumzufliegen...�</p><p>�Thom?� sagte Elayne.</p><p>Er schnaubte und sah Juilin und Nynaeve an, als sei es ihr Fehler. �Kind, es ist nur ein Ger�cht, das genauso verr�ckt ist wie jedes andere Ger�cht, das wir geh�rt haben. Ich konnte keine Best�tigung finden, und glaube mir, ich habe es versucht. Ich wollte es nicht erw�hnen. Es weckt nur deinen Schmerz. La� es gut sein, Kind.�</p><p>�Thom.� Weitaus bestimmter. Juilin regte sich unbehaglich und wirkte, als w�nschte er, woanders zu sein, w�hrend Thom einfach nur grimmig aussah.</p><p>�Nun, wenn du es unbedingt wissen willst. Alle in Amadicia scheinen zu glauben, deine Mutter bef�nde sich in der Festung des Lichts und wolle ein Heer von Wei�m�nteln nach Andor zur�ckf�hren.�</p><p>Elayne sch�ttelte den Kopf und lachte leise. �Oh, Thom, glaubst du, ich w�rde mir wegen so etwas Sorgen machen? Mutter w�rde niemals zu den Wei�m�nteln gehen. Ich k�nnte mir vielleicht w�nschen, sie h�tte es getan. Ich k�nnte mir vielleicht w�nschen, sie w�re am Leben, um es zu tun, obwohl es alles in Frage stellen w�rde, was sie mich jemals gelehrt hat � fremde Soldaten nach Andor f�hren, und noch dazu Wei�m�ntel! Aber wenn W�nsche Fl�gel h�tten...� Sie l�chelte traurig, aber es war eine ged�mpfte Traurigkeit. �Ich habe genug getrauert, Thom. Mutter ist tot, und ich mu� mein Bestes tun, mich ihrer w�rdig zu erweisen. Sie h�tte niemals auf l�cherliche Ger�chte geh�rt und auch keine Tr�nen dar�ber vergossen.�</p><p>�Kind�, sagte er unbeholfen.</p><p>Nynaeve fragte sich, was er wegen Morgases Tod empfand, wenn er �berhaupt etwas empfand. Es war schwer zu glauben. Er war einst Morgases Geliebter gewesen, als sie jung und Elayne noch kaum mehr als ein Baby gewesen war. Damals hatte er sicherlich noch nicht so ausgesehen, als habe man ihn zu lange zum Trocknen in der Sonne gelassen. Nynaeve wu�te kaum mehr dar�ber, wie und warum es geendet hatte, als da� er mit einem Haftbefehl im Nacken aus Caemlyn gefl�chtet war. Nicht das Zeichen der Liebe, von dem Geschichten erz�hlen. Im Moment schien er eindeutig nur darum besorgt, ob Elayne die Wahrheit sagte oder ihren Schmerz verbarg. Er t�tschelte ihre Schulter und strich ihr �bers Haar. H�tte Nynaeve sich nicht gew�nscht, da� sie einander anfauchten wie normale Menschen, h�tte sie es als h�bsches Bild empfunden.</p><p>Ein R�uspern zerst�rte das Bild. �Meister Merrilin?� sagte Tabitha und vollf�hrte schnell einen Hofknicks. �Meister Sandar? Sheriam Sedai sagt, die Sitzenden seien bereit, Euch zu empfangen. Sie sagt, Ihr solltet die Kleine Burg nicht verlassen.�</p><p>�Also ist das die Kleine Burg?� fragte Thom trocken, w�hrend er das ehemalige Gasthaus betrachtete. �Elayne, sie k�nnen uns nicht ewig festhalten. Wenn wir fertig sind, k�nnen wir miteinander reden ... �ber was auch immer du willst.� Er bedeutete Tabitha voranzugehen und ging wieder hinein, deutlich hinkend, wie er es stets tat, wenn er m�de war. Juilin straffte die Schultern und folgte ihm, als ginge es zum Galgen. Er war immerhin Tairener.</p><p>Nynaeve und Elayne standen da und sahen einander kaum an.</p><p>Schlie�lich sagte Nynaeve: �Ich war nicht...� Und Elayne sagte im gleichen Moment: �Ich sollte nicht...� Sie brachen auch im gleichen Moment ab, und es vergingen einige Momente, in denen sie sich mit ger�teten Gesichtern mit ihren R�cken besch�ftigten.</p><p>�Es ist zu hei�, um hier stehen zu bleiben�, sagte Nynaeve schlie�lich.</p><p>Es war unwahrscheinlich, da� die Sitzenden, die gerade Siuans und Leanes Berichten zuh�rten, innehalten w�rden, um Thoms und Juilins Berichten zu lauschen. Sie teilten solche Dinge untereinander auf. Also blieb nur Logain, so sehr sie auch w�nschte, es w�re anders. Sie w�rden nichts erfahren. Aber es war immer noch besser, als Daumen zu drehen, bis ein Dutzend Aes Sedai mit einem Stundenplan f�r sie aufkreuzten.</p><p>Sie blickte seufzend die Stra�e hinab. Elayne erweckte den Eindruck, als sei sie eingeladen. Das verhalf Nynaeve zu dem Zorn, den sie brauchen w�rde. Sie erkannte j�h, da� Elaynes Handgelenke blo� waren.</p><p>�Wo ist das Armband?� fragte sie leise. Niemand auf der Stra�e w�rde sie verstehen, wenn sie sie h�rten, aber einmal aufgegebene Vorsicht konnte verh�ngnisvoll sein. �Wo ist Marigan?�</p><p>�Das Armband befindet sich in meiner Tasche, Nynaeve.� Elayne trat beiseite, um einen hochr�drigen Wagen vorbeizulassen, und ging dann hinter dem Wagen wieder zu Nynaeve. �Marigan k�mmert sich zusammen mit ungef�hr zwanzig anderen Frauen um unsere W�sche. Und st�hnt jedes Mal, wenn sie sich r�hrt. Sie sagte etwas in der Meinung, da� Birgitte es nicht h�ren w�rde, und Birgitte... Ich <emphasis>mu�te</emphasis> das Ding abnehmen, Nynaeve. Birgitte hatte das Recht dazu �und es <emphasis>schmerzte.</emphasis> Ich habe Marigan gesagt sie solle erkl�ren, sie sei eine Treppe hinuntergefallen.�</p><p>Nynaeve schnaubte, aber es war nicht ernst. Sie hatte das Armband in letzter Zeit nicht oft getragen. Nicht weil sie nichts abgeben konnte, was sie als ihr Eigentum betrachtete. Sie war sich noch immer nicht im klaren, ob Moghedien nicht zumindest <emphasis>etwas</emphasis> vom Heilen verstand, auch wenn sie es selbst nicht erkannte � niemand konnte so blind sein �, und da war der Trick, wie man das Lenken der Macht eines Mannes erkennen konnte, den sie, wie Moghedien st�ndig behauptete, fast beherrschten. Die Wahrheit war, da� sie f�rchtete, sie k�nnte weitaus Schlimmeres tun, als Birgitte es getan hatte, wenn sie �ber das notwendige Ma� hinaus Kontakt zu der Frau h�tte. Vielleicht war es die Art, wie allem Zufriedenheit zugrunde zu liegen schien, wenn Moghedien unter dem zur�ckhallenden Schmerz st�hnte, wenn Nynaeve versuchte, diese Aufdeckung zu beherrschen. Vielleicht war es die Erinnerung daran, wie �ngstlich sie gewesen war, allein mit der Frau und ohne das Armband. Vielleicht war es der zunehmende Widerwille davor, eine der Verlorenen vor dem Urteil zu bewahren. Vielleicht war es aber auch alles zusammen. Sie wu�te nur, da� sie sich jetzt zwingen mu�te, das Armband anzulegen, und da� sie, wann immer sie Moghediens Gesicht sah, mit ihren F�usten darauf einschlagen wollte.</p><p>�Ich h�tte nicht lachen sollen�, sagte Elayne. �Es tut mir leid, da� ich es getan habe.�</p><p>Nynaeve blieb so unvermittelt stehen, da� ein Reiter sein Pferd verrei�en mu�te, um sie nicht umzureiten. Er schrie etwas, bevor die Menge ihn davontrug, aber der Schreck d�mpfte seine Worte bis zur Unh�rbarkeit. Sie war nicht �ber die Entschuldigung erschrocken. Sie war �ber das erschrocken, was sie sagen mu�te. Das Richtige sagen. Die Wahrheit.</p><p>Unf�hig, Elayne anzusehen, ging sie weiter. �Du hattest alles Recht zu lachen. Ich...� Sie schluckte schwer. �Ich habe mich vollkommen zur N�rrin gemacht.� Das hatte sie. Nur wenige Schlucke, hatte Theodrin gesagt, einen Becher. Aber sie hatte den Krug geleert. Wenn man versagte, sollte man einen besseren Grund daf�r haben als den, etwas nicht gekonnt zu haben. �Du h�ttest nach diesem Eimer schicken und meinen Kopf solange hineintauchen sollen, bis ich <emphasis>Die Gro�e Jagd nach dem Horn</emphasis> fehlerlos hersagen konnte.� Sie wagte einen Blick aus den Augenwinkeln. Kleine rote Flecke waren noch immer auf Elaynes Wangen zu sehen. Also war die Rede von einem Eimer gewesen.</p><p>�Das k�nnte jedem passieren�, sagte die andere Frau schlicht.</p><p>Nynaeve sp�rte, wie sie ebenfalls err�tete. Als es Elayne passiert war, hatte sie die Frau untergetaucht, um den Wein fortzusp�len. �Du h�ttest tun sollen, was auch immer n�tig gewesen w�re, um mich zu ern�chtern.�</p><p>Es war so ziemlich der seltsamste Streit, an den Nynaeve sich jemals erinnern konnte, darauf zu beharren, da� sie eine vollkommene N�rrin gewesen war und die Strafe verdiente, w�hrend Elayne f�r sie eine Entschuldigung nach der anderen ersann. Nynaeve verstand nicht, warum es so wohltuend wirkte, solcherma�en alle Schuld auf sich zu nehmen. Sie konnte sich nicht daran erinnern, das jemals zuvor getan zu haben, nicht ohne soviel wie m�glich zu verbergen. Sie wurde fast w�tend auf Elayne, weil sie ihr nicht zustimmte, da� sie eine kindische N�rrin gewesen war. Der Streit dauerte an, bis sie das kleine strohgedeckte Haus am Rande des Dorfes erreichten, wo Logain festgehalten wurde.</p><p>�Wenn du nicht damit aufh�rst�, sagte Elayne schlie�lich, �schw�re ich, da� ich sofort nach einem Eimer Wasser schicken werde.�</p><p>Nynaeve �ffnete den Mund und schlo� ihn dann wieder. Das ging selbst in diesem neugefundenen Hochgef�hl, zugegeben zu haben, da� sie sich geirrt hatte, zu weit. Sie konnte Logain nicht gegen�bertreten, wenn sie sich so gut f�hlte. Es w�re ohnehin sinnlos �ohne Moghedien und das Armband, das anzulegen sie sich entschieden zu gut f�hlte. Sie betrachtete die beiden Beh�ter, die neben der T�r mit dem Steinsturz Wache standen. Sie waren nicht nahe genug, da� sie sie h�tten h�ren k�nnen, aber sie sprach dennoch leise. �Elayne, gehen wir. Heute abend.� Da Thom und Juilin in Salidar waren, brauchten sie Uno nicht zu bitten, Pferde auf zu treiben. �Nicht nach Caemlyn, wenn du nicht willst. Nach Ebou Dar. Merilille wird diese Schale niemals finden, und Sheriam wird sie uns niemals suchen lassen. Was sagst du? Heute abend?�</p><p>�Nein, Nynaeve. Wie k�nnen wir Rand n�tzen, wenn sie uns als Fl�chtige ansehen? Du hast es versprochen, Nynaeve. Du hast es versprochen, wenn wir etwas f�nden.�</p><p>�Ich habe es versprochen, wenn wir etwas f�nden, was wir verwenden k�nnten. Aber wir haben nur dies gefunden!� Nynaeve hielt der anderen Frau ihre runzligen H�nde unter die Nase.</p><p>Die Entschlossenheit schwand aus Elaynes Gesicht und ihrer Stimme. Sie sch�rzte die Lippen und schaute zu Boden. �Nynaeve, du wei�t, da� ich Birgitte gesagt habe, wir w�rden bleiben. Nun, anscheinend hat sie Uno angewiesen, da� er dir unter keinen Umst�nden ein Pferd geben sollte, es sei denn, sie bef�hle es. Sie sagte ihm, du h�ttest vor davonzulaufen. Ich habe es erst herausgefunden, als es bereits zu sp�t war.� Sie hob ver�rgert den Kopf. �Wenn es das bedeutet, einen Beh�ter zu haben, wei� ich nicht, warum irgend jemand einen haben wollte.�</p><p>Nynaeve hatte das Gef�hl, als w�rden ihre Augen vor Emp�rung bersten. <emphasis>Das</emphasis> war also der Grund, warum er sie angestarrt hatte. Das Hochgef�hl schwand in einem Ansturm von � nun, zum Teil Zorn, zum Teil Erniedrigung. Der Mann <emphasis>wu�te.</emphasis> Er dachte, da� sie... Warte. Sie sah Elayne einen Moment stirnrunzelnd an, beschlo� dann aber, die Frage, die ihr gerade in den Sinn gekommen war, nicht zu stellen. Hatte Birgitte Uno gegen�ber nur Nynaeves Namen erw�hnt, oder war Elayne vielleicht auch betroffen? Elayne hatte f�r sich eine recht annehmbare Familie gefunden: in Thom, einem nachsichtigen Vater, der sie alles lehren wollte, was er wu�te, und Birgitte, einer �lteren Schwester, die ihre Aufgabe darin sah, die J�ngere davon abzuhalten, sich beim Reiten von Pferden, mit denen sie noch nicht umgehen konnte, den Hals zu brechen.</p><p>�In diesem Fall�, sagte sie tonlos, �sollten wir herausfinden, was ich von Logain erfahren kann.�</p><p>Es war ein kleines Haus mit nur zwei R�umen, aber hinter den dicken Steinmauern war es recht k�hl. Logain sa� in Hemds�rmeln mit einer Pfeife am Fenster und las in einem Buch. Die Aes Sedai k�mmerten sich gut um ihn. Die St�hle und Tische waren genauso gut wie alles in Salidar � nichts Kunstvolles, aber gut gearbeitet, obwohl nichts zusammenpa�te �, und ein rotgoldener Webteppich bedeckte den gr��ten Teil eines Bodens, der so sauber geschrubbt war, da� Nynaeve bezweifelte, da� er das selbst bewerkstelligt hatte.</p><p>Er legte das Buch zur Seite, als sie eintraten, und schien nicht im geringsten ver�rgert dar�ber, da� sie nicht angeklopft hatten. Er erhob sich gem�chlich, klopfte seine Pfeife aus, legte sich seinen Umhang um und verbeugte sich erst dann. �Es tut gut, Euch nach so langer Zeit wiederzusehen. Ich dachte schon, Ihr h�ttet mich vergessen. M�chtet Ihr etwas Wein? Die Aes Sedai versorgen mich nur knapp, aber was sie mir zukommen lassen, ist wirklich nicht schlecht.�</p><p>Der angebotene Wein h�tte gen�gt � Nynaeve konnte kaum ein St�hnen unterdr�cken �, wenn sie noch mehr Anla� gebraucht h�tte. Wenn sie an Uno dachte, gen�gte die Tatsache, da� er ein Mann war. Es war nicht n�tig, ihren Zorn aus der Kleinen Burg zu ziehen. Daran zu denken, trug jedoch seinen Teil dazu bei. Die Wahre Quelle war pl�tzlich da, eine unbemerkte W�rme, gerade eben au�er Sicht. Sie �ffnete sich, und <emphasis>Saidar</emphasis> �berflutete sie. Wenn sie zuvor ein Hochgef�hl empfunden hatte, dann war das jetzige Gef�hl nur als jenseits der Verz�ckung zu beschreiben. Sie ergab sich ihm <emphasis>tats�chlich,</emphasis> verdammt sei Theodrin!</p><p>�Setzt Euch�, befahl sie ihm kalt. �Ich will kein Geplauder von Euch h�ren. Antwortet, wenn Ihr gefragt werdet, aber haltet ansonsten den Mund.�</p><p>Logain zuckte nur die Achseln und f�gte sich sanft wie ein H�ndchen. Nein, nicht sanft. Dieses L�cheln war die pure �berheblichkeit. Diese erwuchs teilweise aus seinen Empfindungen gegen�ber den Aes Sedai, dessen war sich Nynaeve sicher, und teilweise... Er beobachtete, wie sich Elayne einen Stuhl nahm und ihre R�cke mit ge�bter Sorgfalt richtete. Auch wenn Nynaeve nicht bemerkt h�tte, wohin er schaute, h�tte sie gewu�t, da� es eine Frau war. Es war keine Belustigung und keine L�sternheit daran, sondern nur... Nynaeve wu�te nicht, was, nur da� er sie genauso ansah, und ihr wurde pl�tzlich sehr deutlich bewu�t, da� sie eine Frau und er ein Mann war. Vielleicht kam das nur daher, da� er gut aussah und breite Schultern hatte, aber sie dachte im stillen anders dar�ber. Nat�rlich war es nicht das.</p><p>Sie r�usperte sich und wob F�den <emphasis>Saidar</emphasis> in ihn, Luft und Wasser, Feuer und Erde und Geist. Alle Elemente des Heilens, aber jetzt benutzt, um einzudringen. Es h�tte geholfen, Hand an ihn zu legen, aber sie konnte sich nicht dazu bringen. Es war schlimm genug, ihn mit der Macht zu ber�hren. Er war gesund wie ein Bulle und fast genauso stark. Ihm fehlte nicht das geringste � bis auf die �ffnung.</p><p>Es war keine wirkliche �ffnung, sondern mehr ein Gef�hl, da� das, was andauernd wirkte, nicht andauernd war, da� das, was glatt und gerade schien, in Wahrheit um eine Leere verlief. Sie kannte dieses Gef�hl von fr�her, als sie geglaubt hatte, sie k�nnte vielleicht wirklich etwas erfahren. Es verursachte ihr noch immer eine G�nsehaut.</p><p>Er sah sie angespannt an. Sie erinnerte sich nicht, n�her getreten zu sein. Sein Gesicht war zu einer Maske schamloser Verachtung erstarrt. Sie war vielleicht keine Aes Sedai, aber sie kam dem sehr nahe.</p><p>�Wie kannst du alles das gleichzeitig tun?� fragte Elayne. �Ich k�nnte nicht der H�lfte davon auf einmal nachgehen.�</p><p>�Still�, murmelte Nynaeve. Sie �berspielte die Anstrengung, die es sie kostete, und nahm Logains Kopf grob in die H�nde. Ja. Mit K�rperkontakt war es besser, die Eindr�cke deutlicher.</p><p>Sie richtete den vollen Strom <emphasis>Saidars</emphasis> an die Stelle, wo die �ffnung h�tte sein sollen � und war fast �berrascht eine Leere vorzufinden. Nat�rlich, sie glaubte immer noch nicht, etwas zu erfahren. M�nner unterschieden sich bez�glich der Macht genauso stark von Frauen wie k�rperlich, vielleicht sogar noch mehr. Sie k�nnte genausogut einen Felsen betrachten, um etwas �ber Fische herauszufinden. Es war schwer, ihre Gedanken auf diese T�tigkeit zu konzentrieren, obwohl sie sich bewu�t war, da� sie nur Gef�hle durchlebte und Zeit totschlug.</p><p>Was <emphasis>wird Myrelle sagen? W�rde sie eine Nachricht von Egwene zur�ckhalten?</emphasis> Diese Leere, die so gering war, da� sie sie leicht �berqueren konnte, wurde unerme�lich, als sie die Str�nge hineinflie�en lie�, ausreichend unerme�lich, sie alle zu verschlingen. <emphasis>Wenn ich nur mit Egwene sprechen k�nnte. Ich wette, da� sie mir helfen w�rde, Elayne davon zu �berzeugen, da� wir hier alles in unserer Macht Stehende getan haben, wenn sie erst w��te, da� die Burg eine Abordnung zu Rand geschickt hat und die Aes Sedai hier nur herumsitzen.</emphasis> Eine unerme�liche Leere. Nichts. Was war mit dem, was sie in Siuan und Leane gefunden hatte, das Gef�hl von etwas Abgeschnittenem? Sie war sich sicher, da� es real gewesen war, wie schwach auch immer es gewesen sein mochte. M�nner und Frauen unterschieden sich vielleicht, aber vielleicht... Es <emphasis>mu� mir irgendwie gelingen, mit ihr zu sprechen. Sie wird erkennen, da� es f�r Rand besser w�re, wenn wir dort w�ren. Elayne wird zuh�ren. Elayne glaubt, da� Egwene Rand besser kennt als irgend jemand sonst.</emphasis> Da war es. Etwas Abgeschnittenes. Nur ein Eindruck, aber derselbe wie in Siuan und Leane. <emphasis>Also, wie finde ich sie? Wenn sie nur wieder in unseren Tr�umen auftauchen w�rde. Ich wette, ich kann sie dazu �berreden, sich uns anzuschlie�en. Wir drei w�rden weitaus besser mit Rand zurechtkommen. Zusammen k�nnten wir ihm</emphasis></p><p><emphasis>sagen, was wir in</emphasis> Tel'aran'rhiod <emphasis>erfahren haben, ihn davon abhalten, bei den Aes Sedai irgendeinen t�richten Fehler zu begehen. Sie wird es erkennen.</emphasis> Etwas �ber dieses Abgeschnittene... Wenn es mit Feuer und Geist �berbr�ckt wurde, dann...</p><p>Die leichte Erweiterung von Logains Augen zeigte ihr, was sie getan hatte. Der Atem gefror in ihrer Kehle. Sie wich so hastig vor ihm zur�ck, da� sie �ber ihren Rock stolperte.</p><p>�Nynaeve�, sagte Elayne und setzte sich auf. �Was ist...?�</p><p>Ein Herzschlag, und Nynaeve hatte alles <emphasis>Saidar,</emphasis> das sie aufnehmen konnte, in einen Schild umgewandelt. �Geh und suche Sheriam�, sagte sie dr�ngend. �Niemand anderen als Sheriam. Sage ihr...� Sie atmete tief und scheinbar zum ersten Mal seit Stunden durch. Ihr Herz begann zu rasen. �Sage ihr, da� ich Logain geheilt habe.�</p></section><section><title><p>30</p><p>Die Heilung</p></title><p>Etwas stie� gegen den Schild, den Nynaeve zwischen Logain und der Wahren Quelle befestigt hatte, und baute sich auf, bis sich der Schild zu biegen begann und das Gewebe fast bis zum Bersten erbebte. Sie lie� <emphasis>Saidar</emphasis> s�� und bis an den Rand des Schmerzes durch sich hindurchflie�en und die Macht durch jede Faser in den Geist, in den Schild lenken. �Geh, Elayne!� Es k�mmerte sie nicht im geringsten, ob es gequ�lt klang.</p><p>Elayne � das Licht m�ge auf sie scheinen � verschwendete keine Zeit mit Fragen. Sie sprang von ihrem Stuhl auf und war im Handumdrehen verschwunden.</p><p>Logain hatte keinen Muskel bewegt. Sein Blick hielt Nynaeves Blick fest. Seine Augen schienen zu strahlen. Licht, wie gro� er war. Sie streckte die Hand nach ihrem G�rtelmesser aus, erkannte, wie l�cherlich diese Geste war � er konnte es ihr wahrscheinlich ohne die geringste Anstrengung abnehmen, denn seine Schultern schienen pl�tzlich so breit, wie sie gro� war �, und richtete einen Teil ihres Gewebes als Fesseln in die Luft, die ihn an Armen und Beinen genau dort festhielten, wo er sa�. Er war immer noch gro�, aber er wirkte pl�tzlich normaler und vollkommen kontrollierbar. Erst da kam es ihr in den Sinn, da� sie die Kraft des Schildes geschw�cht hatte. Aber sie konnte keinesfalls weiterhin die Macht lenken. Die ... die pure Freude am Leben, die <emphasis>Saidar</emphasis> bedeutete, war in ihr bereits so stark, da� sie fast weinte. Er l�chelte sie an.</p><p>Einer der Beh�ter streckte den Kopf zur T�r herein, ein dunkelhaariger Mann mit k�hner Nase und einer tiefen, wei�en Narbe am hageren Kiefer. �Stimmt etwas nicht? Die andere Aufgenommene lief davon, als h�tte sie sich auf ein Nadelkissen gesetzt.�</p><p>�Es ist alles unter Kontrolle�, belehrte sie ihn k�hl. So k�hl, wie es ihr m�glich war. Niemand brauchte es zu wissen � niemand! �, bevor sie nicht mit Sheriam hatte sprechen k�nnen, um die Frau auf ihre Seite zu ziehen. �Elayne war gerade etwas eingefallen, was sie vergessen hatte.� Das klang albern. �Ihr k�nnt gehen. Ich bin besch�ftigt.�</p><p>Tervail � das war sein Name. Tervail Dura, Beonin zugeschworen. Und was, unter dem Licht, k�mmerte sie sein Name? Tervail grinste sie verzerrt an und verbeugte sich sp�ttisch, bevor er ging. Beh�ter lie�en es Aufgenommenen selten durchgehen, wenn sie sich mit Aes Sedai besch�ftigten.</p><p>Es kostete sie erhebliche M�he, sich nicht �ber die Lippen zu lecken. Sie betrachtete Logain. Er wirkte �u�erlich ruhig, als wenn sich nichts ge�ndert h�tte.</p><p>�Das ist nicht n�tig, Nynaeve. Glaubt Ihr, ich w�rde beschlie�en, ein Dorf anzugreifen, in dem sich Hunderte von Aes Sedai befinden? Sie w�rden mich in St�cke hacken, bevor ich auch nur zwei Schritte getan h�tte.�</p><p>�Seid still�, sagte sie mechanisch. Sie griff hinter sich nach einem Stuhl und setzte sich hin, ohne den Blick von ihm abzuwenden. Licht, was hielt Sheriam auf? Sheriam mu�te begreifen, da� es ein Versehen gewesen war. Sie mu�te es! Der Zorn auf sich selbst war das einzige, was es ihr weiterhin erlaubte, die Macht zu lenken. Wie hatte sie so sorglos, solch ein blinder Dummkopf sein k�nnen?</p><p>�F�rchtet nichts�, sagte Logain. �Ich werde mich jetzt nicht gegen sie wenden. Ihre Erfolge entsprechen meinen Pl�nen, ob sie es wissen oder nicht. Die Rote Ajah ist erledigt. In einem Jahr wird keine Aes Sedai mehr zuzugeben wagen, da� sie eine Rote ist.�</p><p>�Ich sagte, seid still!� fauchte sie. �Denkt Ihr, ich w�rde Euch glauben, da� Ihr nur die Roten ha�t?�</p><p>�Wi�t Ihr, ich bin einmal einem Mann begegnet, der mehr Schwierigkeiten verursachen wird, als ich es jemals getan habe. Vielleicht war er der Wiedergeborene Drache. Ich wei� es nicht. Das war, als sie mich durch Caemlyn f�hrten, nachdem ich gefangengenommen wurde. Er war weit weg, aber ich sah ein ... ein Leuchten, und ich wu�te, da� er die Welt ersch�ttern w�rde. Obwohl ich gefangen war, konnte ich nicht umhin zu lachen.�</p><p>Sie verr�ckte einen kleinen Teil der Luft, die ihn festhielt, und zwang sie als Knebel zwischen seine Kiefer. Er senkte in d�sterem Zorn die Augenbrauen, obwohl dieser Ausdruck sofort wieder wich. Es k�mmerte sie nicht. Sie hatte ihn jetzt geknebelt. Zumindest... Er hatte sich �berhaupt nicht zu wehren versucht, aber das kam vielleicht daher, da� er vom ersten Augenblick an gewu�t hatte, da� sie ihn nur fesseln w�rde. Vielleicht. Aber wie stark hatte er versucht, ihren Schild zu durchbrechen? Dieser Sto�, der sich eigentlich nicht langsam, aber sicherlich auch nicht schnell aufgebaut hatte. Fast wie ein Mann, der lange ungenutzte Muskeln streckte und gegen etwas stie�, was er nicht bewegen, sondern woran er nur jene Muskeln wieder sp�ren wollte. Der Gedanke lie� ihren Magen erstarren.</p><p>Die Haut um Logains Augen kr�uselte sich vor Belustigung, obwohl er alles erkannt hatte, was ihr durch den Kopf gegangen war. Das erz�rnte sie. Er sa� mit t�richt offenstehendem Mund da, gefesselt und abgeschirmt, und war doch der Ruhigere. Wie <emphasis>hatte</emphasis> sie eine solche N�rrin sein k�nnen? Sie war noch nicht zur Aes Sedai geeignet, nicht wenn ihre Blockade in diesem Augenblick br�ckelte. Sie war noch nicht geeignet, allein hinausgelassen zu werden. Sie mu�ten Birgitte sagen, sie solle sich versichere da� sie nicht mit dem Gesicht in den Staub fiel, wenn sie die Stra�e �berquerte.</p><p>Es geschah nicht absichtlich, aber sich selbst auszuschelten, hielt ihren Zorn leichter am Schwelen, bis die T�r aufgerissen wurde. Aber es war nicht Elayne.</p><p>Sheriam folgte Romanda, zusammen mit Myrelle und Morvrin, in den Raum. Dicht dahinter kamen Takima, Lelaine und Janya, Delana, Bharatine und Beonin und noch weitere hinzu, dr�ngten alle herein, bis der Raum voller Frauen war. Nynaeve konnte durch die T�r noch weitere sehen, die nicht mehr hineingelangen konnten. Diejenigen, die jedoch in dem Raum waren, betrachteten sie und ihr Gewebe so angespannt, da� sie schwer schlucken mu�te und all ihr sch�ner Zorn wich. Und damit nat�rlich auch ihr Schild und die Logain bindenden Fesseln.</p><p>Bevor Nynaeve jemanden bitten konnte, ihn erneut abzuschirmen, pflanzte sich Nisao vor ihr auf. Obwohl sie klein war, gelang es ihr, scheinbar �ber Nynaeve aufzuragen. �Was ist mit all dem Unsinn, da� Ihr ihn geheilt h�ttet?�</p><p>�Sie hat behauptet, das getan zu haben?� Es gelang Logain tats�chlich, �berrascht zu klingen.</p><p>Varilin dr�ngte sich neben Nisao. Die schlanke, rothaarige Graue ragte tats�chlich �ber Nynaeve auf, weil sie genauso gro� war wie Logain. �Das habe ich bef�rchtet, seit alle anfingen, sie wegen ihrer Entdeckungen zu verh�tscheln. Sobald sie aufh�rten, endete auch das Verh�tscheln, und sie stellt blitzschnell irgendeine wilde Behauptung auf, um es zur�ckzuerlangen.�</p><p>�Das kommt, weil wir sie zuviel Zeit mit Siuan und Leane haben verbringen lassen�, sagte Romanda fest. �Und mit diesem Burschen. Man h�tte sie lehren sollen, da� es Dinge gibt, die man nicht heilen kann, und damit basta!�</p><p>�Aber ich habe es getan!� widersprach Nynaeve.</p><p>�Ich habe es getan! Bitte schirmt ihn ab. Bitte, Ihr m��t es tun!� Die vor ihr stehenden Aes Sedai wandten sich zu Logain um und lie�en gerade genug Raum zwischen sich, da� auch sie ihn sehen konnte. Er begegnete all diesen Blicken mit ausdruckslosem Gesicht. Er zuckte sogar die Achseln!</p><p>�Ich denke, wir k�nnten ihn wenigstens solange abschirmen, bis wir vollkommen sicher sind�, schlug Sheriam vor. Romanda nickte, und ein Schild in ausreichender St�rke wurde errichtet, das einen Riesen h�tte halten k�nnen, w�hrend <emphasis>Saidar</emphasis> fast jede Frau im Raum umh�llte. Romanda stellte wieder ein wenig Ordnung her, indem sie energisch sechs Frauen benannte, die noch einen kleineren, aber angemessenen Schild aufrechterhalten sollten.</p><p>Myrelle ergriff Nynaeves Arm. �Bitte verzeiht, Romanda, aber wir m�ssen Nynaeve allein sprechen.�</p><p>Sheriam ergriff Nynaeves anderen Arm. �Wir sollten es nicht zu lange aufschieben.�</p><p>Romanda nickte abwesend. Sie sah Logain stirnrunzelnd an. Die meisten der Aes Sedai taten es ihr nach. Niemand ging.</p><p>Sheriam und Myrelle zogen Nynaeve hoch und dr�ngten sie zur T�r.</p><p>�Was tut Ihr?� fragte sie atemlos. �Wohin bringt Ihr mich?� Drau�en dr�ngten sie sich durch die Menge der Aes Sedai, von denen viele sie scharf oder sogar anklagend ansahen. Sie kamen auch an Elayne vorbei, die reum�tig grinste. Nynaeve schaute �ber ihre Schulter, w�hrend die beiden Aes Sedai sie so schnell vorandr�ngten, da� sie beinahe stolperte. Nicht da� sie von Elayne Hilfe erwartet h�tte, aber sie sah sie vielleicht zum letzten Mal. Beonin sagte etwas zu Elayne, die daraufhin eilig durch die Menge davonging. �Was habt Ihr mit mir vor?� jammerte Nynaeve.</p><p>�Wir k�nnten Euch den Rest Eures nat�rlichen Lebens T�pfe schrubben lassen�, sagte Sheriam leutselig.</p><p>Myrelle nickte. �Ihr k�nntet den ganzen Tag in den K�chen arbeiten.�</p><p>�Wie k�nnten Euch statt dessen auch jeden Tag auspeitschen lassen.�</p><p>�Eure Haut in Streifen absch�len lassen.�</p><p>�Euch in ein Fa� einnageln und Euch durchs Zapfloch Nahrung zukommen lassen.�</p><p>�Nur Brei, wenn auch verdorbenen Brei.�</p><p>Nynaeve versagten die Knie. �Es war ein Versehen! Ich schw�re es! Ich wollte das nicht!�</p><p>Sheriam sch�ttelte sie fest, ohne ihren Schritt auch nur zu verlangsamen. �Seid keine N�rrin, Kind. Ihr habt vielleicht gerade das Unm�gliche getan.�</p><p>�Ihr glaubt mir? Ihr glaubt mir! Warum habt Ihr nichts gesagt, als Nisao und Varilin und... Warum habt Ihr nichts gesagt?�</p><p>�Ich sagte �vielleicht�, Kind.� Sheriams Stimme klang auf niederdr�ckende Weise unbeteiligt.</p><p>�Eine andere M�glichkeit ist�, sagte Myrelle, �da� Euer Gehirn vielleicht durch die Anstrengung angeschwollen ist.� Ihre mit Lidern versehenen Augen betrachteten Nynaeve. �Ihr w�rt �berrascht �ber die Anzahl der Aufgenommenen und sogar Novizinnen, die behaupten, sie h�tten irgendein verlorenes Talent wiederentdeckt oder ein neues gefunden. Zu meiner Zeit als Novizin war eine Aufgenommene namens Echiko so davon �berzeugt zu wissen, wie man fliegen k�nne, da� sie vom h�chsten Punkt der Burg sprang.�</p><p>Nynaeve wandte ruckartig den Kopf und schaute von einer Frau zur anderen. Glaubten sie ihr oder nicht? Glaubten sie wirklich, ihr <emphasis>Geist</emphasis> w�re gebeugt worden? <emphasis>Was, unter dem Licht, werden sie mit mir tun?</emphasis> Sie versuchte, Worte zu finden, um sie zu �berzeugen � sie log nicht und war nicht verr�ckt; sie <emphasis>hatte</emphasis> Logain geheilt �, aber ihr Mund formte noch tonlose Worte, als sie bereits in die Kleine Burg eilten.</p><p>Erst als sie den ehemaligen Privatspeiseraum betraten, ein langer Raum, in dem jetzt ein schmaler Tisch mit St�hlen vor einer Wand stand, erkannte Nynaeve, da� ihnen viele Menschen gefolgt waren. Mehr als ein Dutzend Aes Sedai folgten ihnen auf den Fersen in den Raum. Nisao kreuzte ihre Arme fest unter den Br�sten, und Dagdara reckte das Kinn empor, als wollte sie durch eine Mauer gehen. Shanelle und Therva und... Alle Mitglieder der Gelben Ajah, au�er Sheriam und Myrelle. Der Tisch lie� den Raum wie einen Verhandlungsraum wirken, und die Reihe grimmiger Gesichter lie� ebenfalls an eine Verhandlung denken. Nynaeve schluckte schwer.</p><p>Sheriam und Myrelle lie�en sie stehen und traten zum Tisch hin�ber, um sich leise zu beraten. Als sie sich wieder umwandten, waren ihre Mienen unlesbar.</p><p>�Ihr behauptet, Logain geheilt zu haben.� In Sheriams Stimme klang eine Spur Verachtung mit. �Ihr behauptet, einen ged�mpften Mann geheilt zu haben.�</p><p>�Ihr m��t mir glauben�, beharrte Nynaeve. �Ihr sagtet, Ihr w�rdet mir glauben.� Sie zuckte zur�ck, als etwas Unsichtbares hart �ber ihre H�ften schlug.</p><p>�Erinnert Euch, Aufgenommene�, sagte Sheriam kalt. �Habt Ihr diese Behauptung aufgestellt?�</p><p>Nynaeve starrte die Frau an. Sheriam war die Verr�ckte, die ihre Meinung st�ndig �nderte. Dennoch sagte sie respektvoll: �Ja, Aes Sedai.� Dagdara schnaubte, was wie rei�endes Segeltuch klang.</p><p>Sheriam beendete mit einer Geste das Murmeln unter den Gelben, �Und Ihr habt es versehentlich getan, wie Ihr sagtet. Wenn das stimmt, besteht vermutlich keine Aussicht, es zu beweisen, indem Ihr es erneut tut�</p><p>�Wie k�nnte sie?� fragte Myrelle anscheinend belustigt. Belustigt! �Wenn sie blind dort hineingestolpert ist � wie sollte sie es dann wiederholen k�nnen? Aber das w�re unwichtig, wenn sie es zun�chst tats�chlich vollbracht h�tte.�</p><p>�Antwortet mir!� fauchte Sheriam, und die unsichtbare Peitsche schlug erneut zu. Dieses Mal gelang es Nynaeve, nicht zur�ckzuzucken. �Besteht auch nur die geringste Chance, da� Ihr Euch an irgend etwas von dem erinnert, was Ihr getan habt?�</p><p>�Ich erinnere mich, Aes Sedai�, sagte sie m�rrisch und erwartete den n�chsten Schlag. Er kam nicht, aber sie konnte um Sheriam jetzt das Leuchten <emphasis>Saidars</emphasis> sehen. Das Leuchten schien bedrohlich.</p><p>Ein unbedeutender Tumult an der T�r, und Carlinya und Beonin drangen durch die Reihen der Gelben Schwestern, wobei eine Siuan und die andere Leane vor sich herschob. �Sie wollten nicht mitkommen�, verk�ndete Beonin ver�rgert. �Ist es zu glauben, da� sie uns weismachen wollten, sie w�ren besch�ftigt?� Leanes Gesicht gab genauso wenig preis wie die Gesichter aller Aes Sedai, aber Siuan scho� zornige Blicke auf jedermann ab � besonders auf Nynaeve.</p><p>Schlie�lich verstand Nynaeve. Letztendlich f�gte sich alles zusammen. Die Anwesenheit der Gelben Schwestern. Da� Sheriam und Myrelle ihr zun�chst geglaubt hatten, dann wieder nicht und sie dann bedrohten und anfuhren. Das geschah alles absichtlich, um sie ausreichend zornig zu machen, ihr Heilen bei Siuan und Leane anzuwenden, um sich den Gelben gegen�ber zu beweisen. Nein. Ihren Gesichtern nach zu urteilen wollten sie sie nur scheitern sehen. Sie gab sich keine M�he, den festen Zug an ihrem Zopf zu verbergen. Tats�chlich tat sie es noch einmal, falls jemand das erste Mal nicht bemerkt h�tte. Sie wollte ihnen <emphasis>allen</emphasis> ins Gesicht schlagen. Sie wollte ihnen eine Kr�utermischung verabreichen, deren Geruch allein ausreichen w�rde, da� sie sich auf den Boden setzten und wie kleine Kinder weinten. Sie wollte ihnen allen das Haar ausrei�en und sie damit erw�rgen, damit...</p><p>�Mu� ich mir diesen Unsinn gefallen lassen?� grollte Siuan. �Auf mich wartet wichtige Arbeit, aber auch wenn es nur darum ginge, Fische auszunehmen, w�re das immer noch...�</p><p>�Haltet den Mund�, unterbrach Nynaeve sie gereizt.</p><p>Ein Schritt, und sie ergriff mit beiden H�nden Siuans Kopf, als wollte sie der Frau den Hals brechen. Sie hatte diesen Unsinn geglaubt, sogar die Geschichte mit dem Fa�! Sie hatten sie wie eine Marionette gelenkt!</p><p><emphasis>Saidar</emphasis> erf�llte sie, und sie lenkte die Macht so, wie sie es bei Logain getan hatte, vermischte alle F�nf M�chte. Dieses Mal wu�te sie, wonach sie suchte: das fast nicht vorhandene Gef�hl von etwas Abgeschnittenem. Geist und Feuer, um die �ffnung zu heilen, und...</p><p>Einen Moment starrte Siuan nur ausdruckslos vor sich hin. Dann umh�llte sie das Leuchten <emphasis>Saidars.</emphasis> Keuchen erf�llte den Raum. Siuan beugte sich langsam vor und k��te Nynaeve auf beide Wangen. Eine Tr�ne rann ihr Gesicht hinab, dann eine weitere, und pl�tzlich weinte Siuan richtig, umfa�te sich und zitterte. Die schimmernde Aura um sie herum schwand. Sheriam nahm sie tr�stend in die Arme. Sheriam wirkte, als wollte auch sie weinen.</p><p>Alle anderen im Raum sahen Nynaeve an. Die durch all die Gem�tsruhe der Aes Sedai hindurchschimmernde Best�rzung und auch die Ver�rgerung waren recht befriedigend. Shanelles Augen, hellblau in einem h�bschen dunklen Gesicht, schienen ihr fast aus dem Kopf zu fallen. Nisaos Mund stand offen, bis sie merkte, da� Nynaeve sie ansah, und ihn ruckartig schlo�.</p><p>�Was hat Euch auf den Gedanken gebracht, Feuer zu benutzen?� fragte Dagdara mit einer erstickten Stimme, die f�r solch eine gro�e Frau entschieden zu hoch klang. �Und Erde? Ihr habt Erde gebraucht. Heilen ist Geist, Wasser und Luft.� Diese Worte �ffneten die Schleusentore, und Fragen drangen aus jeder Kehle, aber im Grunde waren alles die gleichen Fragen, die nur jeweils anders gestellt wurden.</p><p>�Ich wei� nicht warum�, erwiderte Nynaeve, als sie einmal zu Wort kam. �Es schien einfach richtig. Ich habe fast immer alles benutzt.� Was eine Reihe von Warnungen ausl�ste. Heilen war Geist, Wasser und Luft. Es war gef�hrlich, mit dem Heilen zu experimentieren. Ein Fehler konnte nicht nur einen selbst, sondern auch den Patienten t�ten. Sie erwiderte nichts, und die Warnungen erstarben schnell und wurden von reum�tigen Blicken abgel�st. Sie hatte niemanden get�tet, und sie hatte geheilt, was sie f�r unheilbar erkl�rt hatten.</p><p>Leane zeigte ein fast schmerzlich anr�hrendes, hoffnungsvolles L�cheln. Nynaeve n�herte sich ihr mit einem L�cheln ihrerseits und verbarg so die schwelende Ver�rgerung in sich. <emphasis>Die</emphasis> Gelbe Ajah und all ihr ber�hmtes Wissen �ber das Heilen, das auf Knien zu erbitten sie bereit gewesen war! Sie wu�te mehr �ber das Heilen als jede einzelne von ihnen! �Schaut jetzt genau hin. Ihr werdet nicht so bald wieder eine Gelegenheit bekommen zu sehen, wie es geschieht.�</p><p>Sie sp�rte die Verbindung deutlich, w�hrend sie die Macht lenkte, obwohl sie immer noch nicht h�tte sagen k�nnen, womit sie sich verband. Es f�hlte sich anders an als bei Logain � so war es auch bei Siuan gewesen �, aber sie sagte sich fortw�hrend, da� M�nner und Frauen einfach anders <emphasis>waren. Licht, ich habe Gl�ck, da� es bei ihnen genauso gut wirkt wie bei Logain!</emphasis> Dieser Gedanke brachte eine Reihe unbequemer �berlegungen auf. Was w�re, wenn einige Dinge bei M�nnern anders geheilt werden mu�ten als bei Frauen? Vielleicht wu�te sie doch nicht so viel mehr als die Gelben.</p><p>Leane reagierte anders als Siuan. Keine Tr�nen. Sie umarmte <emphasis>Saidar,</emphasis> l�chelte selig und lie� es dann wieder los, obwohl das L�cheln blieb. Dann schlang sie ihre Arme um Nynaeve, dr�ckte sie, bis ihre Rippen zu brechen drohten, und fl�sterte immer wieder: �Danke, danke, danke.�</p><p>Aus den Reihen der Gelben wurde Murmeln h�rbar, und Nynaeve hielt sich bereit, sich in deren Gl�ckw�nschen zu sonnen. Sie w�rde ihre Entschuldigungen gn�dig annehmen. Dann h�rte sie, was sie sagten.</p><p>�...hat Feuer und Erde gebraucht, als wollte sie ein Loch durch Felsen bohren.� Das kam von Dagdara.</p><p>�Eine sanftere Ber�hrung w�re besser gewesen�, stimmte Shanelle ihr zu.</p><p>�...erkenne, wo Feuer bei Herzkrankheiten n�tzlich sein k�nnte�, sagte Therva, w�hrend sie mit dem Finger an ihre lange Nase tippte. Beldemaine, eine rundliche Arafellin mit Silberglocken im Haar, nickte nachdenklich.</p><p>�...wenn die Erde so mit Luft verbunden w�re, versteht Ihr... �</p><p>�...in Wasser verwobenes Feuer...�</p><p>�...mit dem Wasser vermischte Erde...�</p><p>Nynaeve sperrte den Mund auf. Sie hatten sie vollkommen vergessen. Sie dachten, sie k�nnten das, was sie ihnen gerade gezeigt hatte, besser tun als sie!</p><p>Myrelle t�tschelte ihren Arm. �Ihr habt es sehr gut gemacht�, murmelte sie, �Macht Euch keine Sorgen. Sie werden Euch sp�ter ausgiebig loben. Im Moment sind sie noch ein wenig verwirrt.�</p><p>Nynaeve r�usperte sich laut, aber keine der Gelben schien es zu bemerken. �Ich hoffe, das bedeutet wenigstens, da� ich keine T�pfe mehr schrubben mu�.�</p><p>Sheriam wandte mit verbl�fftem Gesichtsausdruck ruckartig den Kopf. �Warum, Kind, wie kommt Ihr darauf?� Sie hatte noch immer einen Arm um Siuan gelegt, die mit einem Spitzentaschentuch verwirrt ihre Augen abtupfte. �Wenn jedermann jede beliebige Regel brechen k�nnte und der Bestrafung dadurch entgehen k�nnte, indem er im Ausgleich etwas Gutes tut, w�re die Welt ein Chaos.�</p><p>Nynaeve seufzte tief. Sie h�tte es wissen m�ssen.</p><p>Nisao verlie� die Reihen der Gelben, r�usperte sich und warf Nynaeve im Vorbeigehen einen Blick <emphasis>zu,</emphasis> den man nur als anklagend bezeichnen konnte. �Dies bedeutet vermutlich, da� wir Logain erneut einer D�mpfung unterziehen m�ssen.� Sie klang, als wollte sie das Geschehene leugnen.</p><p>K�pfe nickten, und Carlinya sprach mit einer Stimme, die den Raum wie ein Eiszapfen durchbohrte.</p><p>�K�nnen wir das?� Aller Augen wandten sich ihr zu, aber sie fuhr ruhig und k�hl fort. �K�nnen wir, moralisch gesehen, erw�gen, einen Mann zu unterst�tzen, der die Macht lenken kann, ein Mann, der andere M�nner zu versammeln versucht, die dies ebenfalls tun k�nnen, w�hrend wir gleichzeitig so weitermachen wie zuvor, indem wir jene einer D�mpfung unterziehen, die wir finden? Welche Wirkung wird es auf ihn haben, wenn er lernt? So schmerzlich es angesichts der Lage vielleicht ist, wird er uns von der Burg und, was noch wichtiger ist, von Elaida und der Roten Ajah abgetrennt sehen. Wenn wir auch nur einen Mann einer D�mpfung unterziehen, k�nnten wir dieses Unterscheidungsmerkmal verlieren und damit jede Aussicht, ihn vor Elaida unter Kontrolle zu bekommen.�</p><p>Schweigen erf�llte den Raum, als sie geendet hatte. Aes Sedai wechselten besorgte Blicke, und die Nynaeve zugewandten lie�en Nisaos Blicke geradezu l�blich wirken. Schwestern waren bei der Gefangennahme Logains gestorben, und selbst wenn er wieder sicher abgeschirmt war, hatte sie ihnen die Aufgabe auferlegt, sich erneut mit ihm zu besch�ftigen � sowie eine noch schlimmere Aufgabe.</p><p>�Ich denke, Ihr solltet gehen�, sagte Sheriam leise.</p><p>Nynaeve wollte nicht streiten. Sie vollf�hrte eilig, aber sorgf�ltig einen Hofknicks und tat ihr Bestes, nicht davonzulaufen.</p><p>Drau�en erhob sich Elayne von der Steintreppe. �Es tut mir leid, Nynaeve�, sagte sie und strich �ber ihren Rock. �Ich war so aufgeregt, da� ich Sheriam gegen�ber mit allem herausgeplatzt bin, bevor ich erkannte, da� auch Romanda und Delana dort waren.�</p><p>�Das macht nichts�, sagte Nynaeve niedergeschlagen und trat auf die bev�lkerte Stra�e. �Es w�re fr�her oder sp�ter ohnehin herausgekommen.� Aber es war dennoch einfach nicht fair. <emphasis>Ich habe etwas getan, wovon sie behauptet haben, da� es nicht getan werden k�nnte, und ich mu� trotzdem noch T�pfe schrubben!</emphasis> �Elayne, es k�mmert mich nicht, was du gesagt hast. Wir m�ssen gehen. Carlinya sprach davon, Rand �unter Kontrolle� zu bekommen. Sie sind auch nicht besser als Elaida. Thom oder Juilin werden uns Pferde besorgen, und Birgitte mu� sich um sich selbst k�mmern.�</p><p>�Ich f�rchte, dazu ist es schon zu sp�t�, sagte Elayne niedergeschlagen. �Die Nachricht macht bereits die Runde.�</p><p>Larissa Lyndel und Zenare Ghodar sch�ssen wie Falken aus unterschiedlichen Richtungen auf Nynaeve zu. Larissa war eine grobknochige Frau, deren Unansehnlichkeit die Alterslosigkeit der Aes Sedai fast �berwog. Zenare war ein wenig rundlich und ausreichend stolz f�r zwei K�niginnen, aber beide machten eifrige und erwartungsvolle Gesichter. Sie geh�rten der Gelben Ajah an, obwohl sie beide nicht im Raum gewesen waren, als sie Siuan und Leane geheilt hatte.</p><p>�Ich m�chte Euch den ganzen Vorgang Schritt f�r Schritt durchf�hren sehen, Nynaeve�, sagte Larissa und ergriff ihren Arm.</p><p>�Nynaeve�, sagte Zenare, w�hrend sie ihren anderen Arm ergriff, �ich wette, da� ich hundert Dinge finden kann, an die Ihr niemals gedacht habt, wenn Ihr das Gewebe oft genug wiederholt.�</p><p>Salita Toranes, Tairenerin und fast so dunkel wie eine Angeh�rige des Meervolks, schien aus dem Nichts zu kommen. �Wie ich sehe, sind mir andere schon zuvorgekommen. Nun, verbrenne meine Seele, wenn ich mich anstellen werde.�</p><p>�Ich war zuerst hier, Salita�, sagte Zenare bestimmt und ergriff Nynaeves Arm fester.</p><p><emphasis>�Ich</emphasis> war zuerst hier�, widersprach Larissa und griff ebenfalls fester zu.</p><p>Nynaeve warf Elayne einen Blick reinen Entsetzens zu und bekam Mitleid und ein Achselzucken als Antwort. Das hatte Elayne mit ihrer Bemerkung gemeint, es sei schon zu sp�t. Sie w�rde nach dieser Geschichte keinen wachen Moment mehr f�r sich haben.</p><p>�...w�tend?� sagte Zenare gerade. �Ich wei� auf Anhieb f�nfzig Arten, sie w�tend genug zu machen, um Felsen zu sprengen.�</p><p><emphasis>�Ich</emphasis> wei� <emphasis>hundert</emphasis> Arten�, erwiderte Larissa. <emphasis>�Ich</emphasis> beabsichtige, ihre Blockade zu l�sen, und wenn es das letzte ist, was ich tue.�</p><p>Magla Daronos bahnte sich gewaltsam ihren Weg zu der Gruppe. Sie wirkte, als f�hre sie ein Schwert oder einen Schmiedehammer. �Du willst sie nur l�sen, Larissa? Ha! Ich wei� mehrere Arten, sie ihr ganz zu nehmen.�</p><p>Nynaeve h�tte am liebsten geschrien.</p><p>Siuan gelang es nur m�hsam, <emphasis>Saidar</emphasis> nicht zu umarmen und festzuhalten, aber sie dachte, sie w�rde sonst vielleicht wieder weinen. Das h�tte keinen Sinn. Au�erdem w�rde es den Frauen im Aufenthaltsraum gegen�ber wie die Zurschaustellung einer t�richten Novizin erscheinen. Jeder Ausdruck der Verwunderung und Freude, jedes herzliche Willkommen, als w�re sie jahrelang fort gewesen, war Balsam f�r ihre Seele, besonders von jenen, die schon ihre Freunde gewesen waren, bevor sie Amyrlin wurde, bevor die Zeit und die Pflichten sie auseinanderrissen. Lelaine und Delana schlangen ihre Arme um sie wie schon seit vielen Jahren nicht mehr. Moiraine war die einzige, die ihr noch nahestand.</p><p>die einzige neben Leane, die sie als Freundin behalten hatte, nachdem sie die Stola umgelegt hatte, und die Pflichten hatten dabei geholfen, sie zusammenzuhalten.</p><p>�Es tut gut, dich wiederzuhaben�, lachte Lelaine.</p><p>�Sehr gut�, murmelte Delana herzlich.</p><p>Siuan lachte und mu�te sich gleichzeitig Tr�nen von den Wangen wischen. Licht, was war mit ihr los? Sie hatte selbst als Kind nicht so schnell geweint!</p><p>Vielleicht war es einfach die Freude dar�ber, <emphasis>Saidar</emphasis> wiedererlangt zu haben, und wegen all der Herzlichkeit um sie herum. Das Licht wu�te, da� das alles zusammengenommen gen�gte, um jedermann aus der Fassung zu bringen. Sie hatte niemals zu tr�umen gewagt, da� dieser Tag kommen w�rde, und jetzt, da er gekommen war, hatte sie gegen keine dieser Frauen mehr etwas einzuwenden, nicht wegen ihrer fr�heren abweisenden K�lte und nicht wegen ihres Beharrens darauf, da� sie sich auf ihren Platz besinnen sollte. Die Linie zwischen Aes Sedai und anderen war eindeutig � sie hatte darauf bestanden, bevor sie einer D�mpfung unterzogen wurde �, und sie wu�te, wie sie zu ihrem eigenen Nutzen und dem Nutzen jener, die noch immer die Macht lenken konnten mit, ged�mpften Frauen umgehen mu�te. Wie sie mit ihnen hatte umgehen m�ssen. Wie seltsam es war, da� das niemals wieder so sein w�rde.</p><p>Aus den Augenwinkeln sah sie Gareth Bryne die Stufen seitlich des Raumes herauftrotten. �Entschuldigt mich einen Moment�, sagte sie und eilte ihm nach.</p><p>Aber sie mu�te alle zwei Schritte stehenbleiben, um auf dem ganzen Weg zur Treppe Gl�ckw�nsche entgegenzunehmen, wodurch sie ihn nicht erreichte, bis er bereits einen Gang im zweiten Stock hinablief. Sie eilte voran und pflanzte sich vor ihm auf. Sein �berwiegend graues Haar war windzerzaust und sein kantiges Gesicht und der abgetragene Ledermantel staubig. Er wirkte zuverl�ssig wie ein Fels.</p><p>Er hob ein B�ndel Papiere hoch, sagte: �Ich mu� dies abliefern, Siuan�, und versuchte, um sie herumzugehen.</p><p>Sie stellte sich ihm erneut in den Weg. �Ich wurde geheilt. Ich kann die Macht wieder lenken��</p><p>Er nickte. Er nickte nur! �Ich habe Ger�chte dar�ber geh�rt. Das bedeutet vermutlich, da� du meine Hemden von jetzt an durch das Lenken der Macht s�ubern wirst. Vielleicht werden sie dann wirklich sauber. Ich habe es bereits bedauert, Min so einfach gehen gelassen zu haben.�</p><p>Siuan sah ihn an. Der Mann war kein Narr. Warum gab er vor, nicht zu verstehen? �Ich bin wieder eine Aes Sedai. Erwartest du wirklich von einer Aes Sedai, da� sie deine <emphasis>Hemden</emphasis> w�scht?�</p><p>Nur um es ihm noch besser zu verdeutlichen, umarmte sie <emphasis>Saidar �</emphasis> dieses lange vermi�te Wohlgef�hl war so wunderbar, da� sie erschauderte � h�llte ihn in Str�nge aus Luft und hob ihn an. Versuchte ihn anzuheben. Sie versuchte es keuchend st�rker, bis das Wohlgef�hl sie wie mit tausend Haken stach. Seine Stiefel hoben sich keinen Millimeter vom Boden.</p><p>Das war unm�glich. Die eigentlich einfache Handlung, etwas hochzuheben, war zugegebenerma�en eines der schwierigsten Dinge beim Lenken der Macht, aber sie hatte bereits ihr dreifaches K�rpergewicht anheben k�nnen.</p><p>�Soll mich das beeindrucken oder erschrecken?� fragte Bryne ruhig. �Sheriam und ihre Freunde haben ihr Wort gegeben, der Saal hat sein Wort gegeben, und, was noch wichtiger ist, du hast dein Wort gegeben, Siuan. Ich w�rde dich selbst dann nicht entkommen lassen, wenn du wieder die Amyrlin w�rst. Jetzt mach r�ckg�ngig, was immer du getan hast, oder ich werde dich, wenn ich mich selbst daraus befreit habe, auf den Kopf stellen und dich wegen deines kindischen Verhaltens sch�tteln. Du bist sehr selten kindisch, also brauchst du nicht zu denken, da� ich dich jetzt damit anfangen lasse.�</p><p>Benommen lie� sie die Quelle los. Nicht wegen seiner Drohung � er war dessen f�hig; er hatte es schon fr�her getan, aber es war dennoch nicht deshalb � und nicht aus Entsetzen dar�ber, da� sie ihn nicht hatte anheben k�nnen. Tr�nen schienen wie ein Springbrunnen in ihr aufzuwallen. Sie hoffte, da� das Loslassen <emphasis>Saidars</emphasis> sie aufhalten w�rde. Einige Tr�nen liefen dennoch ihre Wangen hinab, wie fest sie auch blinzelte.</p><p>Gareth umschlo� ihr Gesicht mit beiden H�nden, bevor sie auch nur bemerkte, da� er sich bewegt hatte. �Licht, Frau, erz�hl mir nicht, da� ich dich erschreckt habe. Ich habe geglaubt, du w�rdest nicht einmal Angst bekommen, wenn du in eine L�wengrube fielst.�</p><p>�Ich bin nicht erschreckt�, sagte sie steif. Gut, sie konnte noch immer l�gen. Tr�nen, die sich innerlich aufbauten.</p><p>�Wir m�ssen einen Weg finden, dem anderen nicht st�ndig an die Kehle zu gehen�, sagte er leise.</p><p>�Es gibt keinen Grund, warum wir einen Weg f�r etwas finden m��ten.� Sie kamen. Sie kamen. Oh, Licht, sie durfte es ihn nicht sehen lassen. �La� mich einfach allein. Bitte, geh einfach.� Verwunderlicherweise z�gerte er nur einen Moment, bevor er ihrer Aufforderung nachkam.</p><p>Als sie schlie�lich Stiefelger�usche hinter sich h�rte, konnte sie gerade noch um die Ecke in den Quergang fliehen, bevor der Damm brach und sie auf die Knie sank und j�mmerlich weinte. Sie wu�te jetzt, was es war. Alric, ihr Beh�ter. Ihr verstorbener Beh�ter, der ermordet wurde, als Elaida sie absetzte. Sie konnte l�gen � die Drei Eide waren noch unwirksam �, aber ein Teil ihres Bundes mit Alric, eines Bundes von Fleisch zu Fleisch und von Geist zu Geist, war wieder zum Leben erweckt worden. Der Schmerz �ber seinen Tod, der zun�chst durch das Entsetzen �ber das, was Elaida beabsichtigt hatte, verdeckt worden war �dieser Schmerz f�llte sie jetzt vollkommen aus. Weinend an der Wand kauernd, war sie nur froh, da� Gareth dies nicht sah. <emphasis>Ich habe keine Zeit, mich zu verlieben, verdammt sei er!</emphasis></p><p><emphasis>Der</emphasis> Gedanke wirkte wie ein Eimer kaltes Wasser ins Gesicht. Der Schmerz blieb, aber die Tr�nen versiegten, und sie stand m�hsam auf. Liebe? Das war genauso unm�glich wie ... wie... Ihr fiel nichts ein, was ausreichend unm�glich gewesen w�re. Der <emphasis>Mann</emphasis> war unm�glich!</p><p>Pl�tzlich bemerkte sie, da� Leane keine zwei Schritte entfernt stand und sie beobachtete. Siuan versuchte, sich schnell die Tr�nen vom Gesicht zu wischen, gab es dann aber auf. Auf Leanes Gesicht war nur Mitgef�hl erkennbar. �Wie hast du Anjens ... Tod verkraftet, Leane?� Das war f�nfzehn Jahre her.</p><p>�Ich habe geweint�, sagte Leane. �Einen Monat lang habe ich mich am Tage beherrscht und nachts weinend und zitternd zusammengerollt auf meinem Bett gelegen, nachdem ich die Laken in St�cke gerissen hatte. Drei weitere Monate lang mu�te ich h�ufig ohne Vorwarnung weinen. Mehr als ein Jahr verging, bevor es nicht mehr weh tat. Darum habe ich mich niemals wieder mit jemand anderem verbunden. Ich glaube nicht, da� ich das noch einmal durchstehen w�rde. Aber es geht vorbei, Siuan.� Irgendwie gelang es ihr, halbwegs zu l�cheln. �Inzwischen k�nnte ich, glaube ich, mit zwei oder drei, wenn nicht sogar vier Beh�tern zurechtkommen.�</p><p>Siuan nickte. Sie konnte nachts weinen. Und bez�glich des verdammten Gareth Bryne... Es gab kein �bez�glich�. Es gab es nicht! �Glaubst du, sie sind fertig?� Sie hatten unten nur wenige Momente Zeit gehabt zu reden. Dieser Haken mu�te schnell gesetzt werden, sonst w�rde er niemals gesetzt.</p><p>�Vielleicht. Ich hatte nicht viel Zeit. Und ich mu�te vorsichtig sein.� Leane hielt inne. �Bist du sicher, da� du das durchziehen willst, Siuan? Es ver�ndert alles, wof�r wir gearbeitet haben, ohne den geringsten Nutzen... Ich bin nicht mehr so stark, wie ich einmal war, Siuan, und du auch nicht. Die meisten Frauen hier k�nnen die Macht inzwischen besser lenken als wir beide. Licht, ich glaube, sogar einige der Aufgenommenen k�nnen es, ganz zu schweigen von Elayne oder Nynaeve.�</p><p>�Ich wei߫, sagte Siuan. Sie mu�ten es wagen. Der urspr�ngliche Plan war nur eine Notl�sung gewesen, weil sie keine Aes Sedai mehr gewesen war. Aber jetzt war sie wieder eine Aes Sedai und war nur mit einer kaum wahrnehmbaren Beugung des Burggesetzes abgesetzt worden. Wenn sie wieder eine Aes Sedai war � war sie dann nicht auch wieder die Amyrlin?</p><p>Sie straffte die Schultern und ging hinunter, um sich mit dem Saal auseinanderzusetzen.</p><p>Elayne lag auf ihrem Bett, unterdr�ckte ein G�hnen und rieb weiterhin die Creme in die Haut ihrer H�nde ein, die Leane ihr gegeben hatte. Sie schien zu wirken. Zumindest <emphasis>f�hlte</emphasis> sich die Haut jetzt wieder weicher an. Ein n�chtlicher Windhauch fuhr durch das Fenster und lie� die einzelne Kerze flackern. Wenn die Brise �berhaupt Wirkung zeigte, dann erhitzte sie den Raum nur noch mehr.</p><p>Nynaeve stolperte herein, schlug die T�r zu, warf sich quer �ber ihr Bett und sah Elayne an. �Magla ist die verachtungsw�rdigste, hassenswerteste, <emphasis>gemeinste</emphasis> Frau der ganzen Welt�, murmelte sie. �Nein, Larissa ist es. Nein, es ist Romanda.�</p><p>�Vermutlich haben sie dich ausreichend ver�rgert, da� du die Macht lenken kannst.� Nynaeve brummte mit entsprechendem Gesichtsausdruck, und Elayne fuhr eilig fort. �Vor wie vielen hast du es vorgef�hrt? Ich hatte dich schon lange erwartet. Ich habe beim Essen nach dir Ausschau gehalten, konnte dich aber nicht finden.�</p><p>�Ich hatte nur ein Br�tchen zum Essen�, murmelte Nynaeve. �Ein Br�tchen! Ich habe es vor ihnen allen vorgef�hrt, vor jeder einzelnen Gelben in Salidar. Nur da� sie damit nicht zufrieden sind. Sie wollen mich noch einmal nacheinander sehen. Sie stellen gerade einen Zeitplan auf. Larissa sieht mich morgen fr�h �vor dem Fr�hst�ck! � und Zenare gleich danach, dann... Sie haben dar�ber geredet, wie sie mich w�tend machen k�nnen, als w�re ich nicht dagewesen!� Sie hob den Kopf von der Decke und wirkte ersch�ttert. �Elayne, sie wetteifern darum, wer meine Blockade als erste l�sen wird. Sie sind wie Jungen, die am Festtag ein eingefettetes Schwein fangen wollen, und ich bin das Schwein!�</p><p>Elayne reichte ihr g�hnend den Tiegel mit der Handcreme, und kurz darauf rollte sich Nynaeve herum und begann sich einzucremen. Das dauerte einige Zeit.</p><p>�Es tut mir leid, da� ich vor Tagen nicht deinem Vorschlag gefolgt bin, Nynaeve. Wir h�tten Masken wie Moghediens weben und einfach an allen vorbeispazieren k�nnen.� Nynaeve hielt in ihrer Bewegung inne. �Was ist los, Nynaeve?�</p><p>�Ich habe niemals daran gedacht. Ich habe niemals auch nur daran <emphasis>gedacht!�</emphasis></p><p>�Nein? Du hast es immerhin zuerst gelernt.�</p><p>�Ich habe versucht, nicht einmal dar�ber nachzudenken, was wir den Schwestern nicht sagen konnten.� Nynaeves Stimme klang tonlos wie Eis und fast ebenso kalt. �Und jetzt ist es zu sp�t. Ich w�re zu m�de, um die Macht zu lenken, selbst wenn du mein Haar in Brand stecken w�rdest, und wenn es nach ihrem Willen geht, werde ich f�r immer zu m�de sein. Der einzige Grund, warum sie mich heute abend haben gehen lassen, war, da� ich <emphasis>Saidar</emphasis> nicht finden konnte, selbst als Nisao...� Sie erschauderte; dann bewegte sie ihre H�nde erneut und massierte die Creme weiterhin ein.</p><p>Elayne lie� langsam den Atem ausstr�men. Beinahe w�re sie ins Fettn�pfchen getreten. Sie war m�de.</p><p>Wenn man zugab, da� man sich geirrt hatte, f�hlte sich der andere immer besser, aber sie hatte nicht erw�hnen wollen, <emphasis>Saidar</emphasis> als Maske zu benutzen. Sie hatte von Anfang an bef�rchtet da� Nynaeve es tun w�rde. Hier konnten sie zumindest ein Auge auf das haben, was die Salidar-Aes Sedai vorhatten, und Rand durch Egwene gegebenenfalls eine Nachricht zukommen lassen, wenn sie nach <emphasis>Tel'aran'rhiod</emphasis> zur�ckkehrte. Im schlimmsten Fall h�tten sie vielleicht durch Siuan und Leane ein wenig Einflu�.</p><p>Als sei der Gedanke ein Ruf gewesen, �ffnete sich die T�r, und genau jene Frauen traten ein. Leane trug ein Holztablett mit Brot und einer Schale Suppe, einem roten Tonbecher und einem wei� glasierten Krug. Sogar ein Zweiglein mit gr�nen Bl�ttern in einer kleinen blauen Vase befand sich darauf. �Siuan und ich dachten, Ihr w�rt vielleicht hungrig, Nynaeve. Ich h�rte, da� die Gelben Euch hart bedr�ngt haben.�</p><p>Elayne war sich nicht sicher, ob sie aufstehen sollte oder nicht. Es waren nur Siuan und Leane, aber sie waren wieder Aes Sedai. Sie glaubte es zumindest. Die beiden beendeten ihre �berlegung, indem sie sich hinsetzten: Siuan auf das Fu�ende von Elaynes Bett und Leane auf Nynaeves. Nynaeve betrachtete sie beide mi�trauisch, bevor sie sich aufsetzte, sich mit dem R�cken an die Wand lehnte und das Tablett auf die Knie nahm.</p><p>�Ich habe ger�chteweise geh�rt, da� Ihr Euch an den Saal gewandt habt, Siuan�, sagte Elayne vorsichtig. �H�tten wir einen Hofknicks vollf�hren sollen?�</p><p>�Haltet Ihr uns f�r Aes Sedai, M�dchen? Das sind wir. Sie haben sich gezankt wie Fischweiber am Sonntag, aber sie haben zumindest soviel gew�hrt.� Siuan wechselte Blicke mit Leane, und Siuans Wangen r�teten sich leicht. Elayne vermutete, da� sie niemals lernen w�rde, was nicht gew�hrt worden war.</p><p>�Myrelle war so freundlich, mich aufzusuchen und es mich wissen zu lassen�, sagte Leane in das kurzzeitige Schweigen hinein. �Ich glaube, ich werde die Gr�ne Ajah erw�hlen.�</p><p>Nynaeve verschluckte sich und mu�te husten. �Was meint Ihr damit? Kann man die Ajah wechseln?�</p><p>�Nein, das kann man nicht�, belehrte Siuan sie. �Aber der Saal hat beschlossen, da� wir, obwohl wir eine Weile keine Aes Sedai waren, jetzt dennoch wieder Aes Sedai sind. Und da sie darauf beharren zu glauben, dieser Unsinn sei berechtigt gewesen, gingen alle unsere Bindungen, unsere Arbeit und unsere Titel verloren.� Ihre Stimme klang verzerrt. �Morgen frage ich die Blauen, ob sie mich zur�ckhaben wollen. Ich habe noch niemals von einer Ajah geh�rt, die jemanden fallenlie� � wenn Ihr von Aufgenommenen erhoben werdet, werdet Ihr an die richtige Ajah herangef�hrt, ob Ihr es merkt oder nicht �, aber so, wie sich die Dinge entwickeln, w�re ich nicht sehr �berrascht, wenn sie mir die T�r vor der Nase zuschl�gen.�</p><p>�Wie <emphasis>entwickeln</emphasis> sich die Dinge denn?� fragte Elayne. Etwas stimmte nicht. Siuan bedr�ngte jemanden, stichelte, verdrehte ihm den Arm, aber sie brachte ihm keine Suppe, setzte sich nicht auf sein Bett und plauderte mit ihm wie eine Freundin. �Ich dachte, alles verliefe so gut, wie es zu erwarten gewesen war.� Nynaeve sah sie gleichzeitig ungl�ubig und verst�rt an. Nun, Nynaeve sollte wissen, was sie meinte.</p><p>Siuan wandte sich zu ihr um, aber sie schlo� auch Nynaeve in ihren Blick mit ein. �Ich ging zu Logains Haus. Sechs Schwestern halten seinen Schild aufrecht, genauso wie zu dem Zeitpunkt, als er gefangengenommen wurde. Er versuchte, sich zu befreien, als er herausfand, da� wir von seiner Heilung wu�ten, und sie sagten, wenn nur f�nf den Schild aufrechterhalten h�tten, w�re es ihm vielleicht gelungen. Also ist er so stark wie eh und je, oder zumindest stark genug, da� es keinen Unterschied macht. Ich bin es nicht. Und Siuan auch nicht. Ich m�chte, da� Ihr es erneut versucht, Nynaeve.�</p><p>�Ich wu�te es!� Nynaeve warf ihren L�ffel auf das Tablett. �Ich wu�te, da� Ihr einen Grund hierf�r hattet! Nun, ich bin zu m�de, um die Macht zu lenken, und es w�re auch nicht wichtig, wenn ich es nicht w�re. Ihr k�nnt nicht heilen, was bereits geheilt wurde. Geht und nehmt Eure scheu�liche Suppe mit Euch!� Nur noch weniger als die H�lfte der � scheu�lichen Suppe� war �briggeblieben, und es war eine gro�e Schale gewesen.</p><p>�Ich wei�, da� es nicht funktionieren wird!� fauchte Siuan. �Heute morgen erkannte ich, da� Ged�mpftes nicht geheilt werden kann!�</p><p>�Einen Moment, Siuan�, sagte Leane. �Nynaeve, erkennt Ihr, was wir aufs Spiel setzen, wenn wir hier zusammenkommen? Dies ist kein Raum in einem Gang, in dem Euer Bogensch�tzen-Freund Wache steht. �berall in diesem Haus sind Frauen, die Augen zum Sehen und Zungen zum Sprechen haben. Wenn herauskommt, da� Siuan und ich mit allen gespielt haben � selbst wenn es erst in zehn Jahren passiert �, dann bef�nden wir uns sehr wahrscheinlich immer noch auf einem Bauernhof und w�rden Kohl z�chten, wenn unser Haar schon wei� geworden ist. Wir sind wegen dem gekommen, was Ihr f�r uns getan habt. Um neu anzufangen.�</p><p>�Warum seid Ihr nicht zu einer der Gelben gegangen?� fragte Elayne. �Die meisten von ihnen wissen inzwischen genauso viel dar�ber wie Nynaeve.� Nynaeve schaute entr�stet um ihren L�ffel herum. Scheu�liche Suppe?</p><p>Siuan und Leane wechselten Blicke, und schlie�lich sagte Siuan widerwillig: �Wenn wir zu einer Schwester gehen, wird es fr�her oder sp�ter jeder erfahren. Wenn Nynaeve es tut, wird vielleicht jeder, der uns heute einsch�tzen konnte, glauben, er habe sich geirrt. Vermutlich sind alle Schwestern gleich, und es gab Amyrlins, die die Macht kaum ausreichend lenken konnten, um sich die Stola zu verdienen. Aber von Amyrlins � die au�erdem dem Brauch nach die Vorsitzenden der Ajahs sind � wird erwartet, einer anderen, die die Macht besser beherrscht als sie, den Weg freizumachen.�</p><p>�Ich verstehe nicht�, sagte Elayne. Sie lernte eine Menge durch dieses Gespr�ch. Die Hierarchie machte Sinn, aber sie vermutete, da� dies eines der Dinge war, die man erst lernte, wenn man tats�chlich eine Aes Sedai war. Sie hatte auf die eine oder andere Art gen�gend Hinweise aufgeschnappt, um vermuten zu k�nnen, da� die Ausbildung auf vielerlei Arten erst begann, wenn man die Stola umlegte. �Wenn Nynaeve Euch erneut heilen <emphasis>kann,</emphasis> dann seid Ihr st�rker.�</p><p>Leane sch�ttelte den Kopf. �Niemand ist jemals zuvor vom D�mpfen geheilt worden. Vielleicht werden es die anderen betrachten, als w�re es, sagen wir, eine Angelegenheit f�r Wilde. Dadurch steht man ein wenig niedriger als durch seine Kraft. Vielleicht z�hlt es etwas, schw�cher gewesen zu sein. Wenn Nynaeve uns beim ersten Mal nicht ganz heilen konnte, wird sie uns vielleicht nur zu zwei Dritteln oder zur H�lfte wieder zu dem verhelfen, was wir waren. Sogar das w�re noch besser als der augenblickliche Zustand, aber dennoch w�ren die meisten hier immer noch genauso stark, und einige sogar noch st�rker.� Elayne sah sie verwirrter an denn je. Nynaeve wirkte, als habe man sie geschlagen.</p><p>�Alles h�ngt damit zusammen�, erkl�rte Siuan, �wer schneller lernt und wer die wenigste Zeit als Novizin und Aufgenommene verbringt. Es gibt alle m�glichen Abstufungen. Man kann nicht genau sagen, wie stark jemand ist. Zwei Frauen k�nnen gleich stark scheinen, aber die einzige M�glichkeit, es sicher zu wissen, w�re ein Duell, und, das Licht sei gesegnet, da stehen wir dr�ber. Wenn Nynaeve uns nicht wieder zu unserer vollst�ndigen Kraft verhelfen kann, riskieren wir, auf recht niedrigem Rang stehenzubleiben.�</p><p>Leane nahm das Thema erneut auf. �Die Hierarchie soll nichts anderes als das allt�gliche Leben regeln, aber sie regelt mehr. Dem Rat einer H�herrangigen wird mehr Gewicht beigemessen als dem einer niedriger Stehenden. Das war unwichtig, solange wir ged�mpft waren. Wir hatten �berhaupt keinen Rang. Sie werteten unsere Worte allein nach unserem Verdienst. Jetzt wird es nicht mehr so sein.�</p><p>�Ich verstehe�, sagte Elayne leise. Kein Wunder, da� die Menschen glaubten, die Aes Sed'ai h�tten das Spiel der H�user erfunden! Sie hatten <emphasis>Daes Dae'mar</emphasis> einfach wirken lassen.</p><p>�Es tut gut zu wissen, da� Ihr <emphasis>jemandem</emphasis> durch das Heilen mehr Probleme verschafft habt als mir�, brummte Nynaeve. Sie blickte in ihre Schale, seufzte und wischte sie dann mit dem letzten St�ck Brot aus.</p><p>Siuans Gesicht verd�sterte sich, aber sie hielt ihre Stimme ruhig. �Wie Ihr sicherlich erkennt, haben wir uns vollkommen offenbart. Und das <emphasis>nicht,</emphasis> um Euch davon zu �berzeugen, erneut zu heilen. Ihr habt mir mein ... Leben zur�ckgegeben. So einfach ist das. Ich hatte mir eingeredet, ich sei nicht tot, aber verglichen hiermit schien es sicherlich so. Also fangen wir mit Leane neu an. Als Freunde, wenn Ihr mich als Freundin ansehen wollt. Und wenn nicht, dann als Mannschaftskameraden im selben Boot.�</p><p>�Als Freunde�, sagte Elayne. �Freunde klingt f�r mich weitaus besser.� Leane l�chelte sie an, aber sie und Siuan beobachteten Nynaeve noch immer.</p><p>Nynaeve schaute von einer zur anderen. �Elayne durfte eine Frage stellen, also sollte ich ebenfalls etwas fragen d�rfen. Was haben Sheriam und die anderen gestern abend von den Weisen Frauen erfahren? Sagt nicht, da� Ihr es nicht wi�t, Siuan. Soweit ich wei�, wi�t Ihr immer schon eine Stunde sp�ter sehr genau, was sie denken.�</p><p>Siuan reckte das Kinn vor. Diese tiefblauen Augen wollten einsch�chtern. Pl�tzlich schrie sie auf und beugte sich herab, um sich den Kn�chel zu reiben.</p><p>�Erz�hl es ihnen�, sagte Leane, w�hrend sie ihren Fu� zur�ckzog. �Sonst werde ich es tun. Alles, Siuan.�</p><p>Siuan sah Leane an und richtete sich dann hoch auf, bis Elayne glaubte, sie w�rde zerplatzen, aber dann fiel ihr Blick auf Nynaeve, und sie sank wieder in sich zusammen. Die Worte drangen wie gezwungen hervor, aber sie wurden dennoch ausgesprochen. �Die Abordnung Elaidas hat Cairhien erreicht. Rand begegnete ihr, aber er scheint nur mit ihnen spielen zu wollen. Wir sollten hoffen, da� er wei�, was er tut. Sheriam und die anderen bilden sich etwas darauf ein, da� es ihnen zum ersten Mal gelungen ist, sich bei den Weisen Frauen nicht zum Narren zu machen. Egwene wird am n�chsten Treffen teilnehmen.� Aus irgendeinem Grund schien sie letzteres am widerwilligsten hervorgebracht zu haben.</p><p>Nynaeve strahlte und setzte sich auf. �Egwene? Oh, das ist wundervoll! Also haben sie sich wirklich einmal nicht zum Narren gemacht. Ich habe mich schon halbwegs gefragt, warum sie nicht hier waren, um uns zu einer weiteren Lektion davonzuzerren.� Sie blinzelte Siuan zu, und es wirkte freundlich. �Ein Boot, sagtet Ihr? Wer ist der Kapit�n?�</p><p>�Das bin ich, Ihr elende kleine...� Leane r�usperte sich, und Siuan atmete tief durch. �Also Mannschaftskameraden, mit gleichen Rechten. Aber jemand mu� steuern�, f�gte sie hinzu, als Nynaeve l�chelte, �und das werde <emphasis>ich</emphasis> sein.�</p><p>�In Ordnung�, sagte Nynaeve nach l�ngerem Nachdenken. Dann z�gerte sie erneut, spielte mit ihrem L�ffel und sagte dann mit so beil�ufiger Stimme, da� Elayne am liebsten ergeben gen Himmel geblickt h�tte: �Besteht irgendeine M�glichkeit, da� Ihr mich � uns � aus den K�chen herausholen k�nntet?� Ihre Gesichter wirkten nicht �lter als Nynaeves, aber sie waren schon lange Aes Sedai, und ihre Augen erinnerten sich an diesen Aes Sedai-Blick. Nynaeve begegnete diesem Blick fester, als Elayne es ihr zugetraut h�tte � sie war nur leicht unsicher �, aber Letztendlich kam ihr gemurmeltes �Vermutlich nicht� kaum �berraschend.</p><p>�Wir m�ssen gehen�, sagte Siuan und stand auf. �Leane hat beim Preis f�r die Entdeckung untertrieben. Wir w�ren die ersten Aes Sedai, die �ffentlich geh�utet w�rden, und ich war bereits die einzige Erste, die ich sein wollte.�</p><p>Zu Elaynes �berraschung beugte sich Leane herab, umarmte sie und fl�sterte: �Freunde.� Elayne erwiderte die Umarmung und das Wort herzlich.</p><p>Leane umarmte auch Nynaeve und murmelte etwas, was Elayne nicht h�ren konnte, und dann tat es Siuan ihr mit einem �Danke� nach, das schroff und widerwillig klang.</p><p>Zumindest klang es f�r sie so, aber als sie fort waren, sagte Nynaeve: �Sie h�tte beinahe geweint, Elayne. Vielleicht hat sie das alles wirklich ernst gemeint. Ich sollte vermutlich versuchen, netter zu ihr zu sein.� Sie stie� einen Seufzer aus, der dann zu einem unterdr�ckten G�hnen wurde. �Besonders seit sie wieder eine Aes Sedai ist.� Und mit diesen Worten schlief sie ein, das Tablett noch immer auf den Knien.</p><p>Elayne mu�te ebenfalls hinter vorgehaltener Hand g�hnen, stand auf, r�umte alles ordentlich auf und stellte das Tablett unter Nynaeves Bett. Es dauerte eine Weile, Nynaeve die Kleider auszuziehen und sie bequemer ins Bett zu legen, aber selbst das weckte sie nicht auf. Elayne lag noch lange wach; nachdem sie die Kerze gel�scht und sich in ihre Kissen gekuschelt hatte, starrte sie in die Dunkelheit und dachte nach. Rand versuchte, mit den von Elaida gesandten Aes Sedai zu verhandeln? Sie w�rden ihn bei lebendigem Leib verschlingen. Sie w�nschte fast, sie h�tte Nynaeves Vorschlag annehmen k�nnen, wenn er Aussicht auf Erfolg gehabt h�tte. Sie konnte ihn an allen von ihnen errichteten Fallen vorbeif�hren, dessen war sie sich sicher � Thom hatte das, was ihre Mutter ihr beigebracht hatte, noch erheblich vertieft �, und er w�rde ihr zuh�ren. Au�erdem w�rde sie ihn auf diese Weise binden. Sie hatte immerhin nicht gewartet, bis sie die Stola trug, um sich mit Birgitte zu binden. Warum sollte sie also bei Rand darauf warten?</p><p>Sie regte sich und kuschelte sich tiefer in die Kissen. Er mu�te warten. Er war in Caemlyn, nicht in Salidar. Warte, Siuan hatte gesagt, er sei in Cairhien. Wie...? Sie war zu m�de. Der Gedanke wich. Siuan verbarg noch immer etwas � dessen war sie sich ebenfalls sicher.</p><p>Der Schlaf kam und mit ihm ein Traum, von einem Boot, in dessen Bug Leane sa� und mit einem Mann scherzte, dessen Gesicht jedes Mal, wenn Elayne ihn ansah, anders aussah. Im Heck k�mpften Siuan und Nynaeve und versuchten beide, in eine andere Richtung zu steuern �, bis Elayne aufstand und das Kommando �bernahm. Hatte ein Kapit�n Geheimnisse, war das ein ausreichender Grund f�r eine Meuterei, wenn es sein mu�te.</p><p>Siuan und Leane kehrten am Morgen zur�ck, bevor Nynaeve auch nur die Augen ge�ffnet hatte, was mehr als ausreichend war, sie genug zu erz�rnen, da� sie die Macht lenken konnte. Aber es n�tzte dennoch nichts. Was bereits geheilt war, konnte nicht erneut geheilt werden.</p><p>�Ich werde tun, was ich kann, Siuan�, sagte Delana, beugte sich vor und t�tschelte den Arm der anderen Frau. Sie waren allein im Raum, und die Teebecher auf einem kleinen Tisch zwischen ihren Sesseln standen unber�hrt.</p><p>Siuan seufzte und wirkte mutlos, obwohl Delana nicht wu�te, was sie nach ihrem Ausbruch vor dem Saal erwartet hatte. Das fr�he Morgenlicht drang durch die Fenster, und sie dachte an das Fr�hst�ck, das sie noch nicht gehabt hatte, aber dies war Siuan. Die Situation war beunruhigend, und Delana mochte es nicht, beunruhigt zu werden. Sie hatte sich auferlegt, im Gesicht dieser Frau nicht ihre alte Freundin zu sehen � es war nicht schwer, da sie der Siuan Sanche, an die Delana sich erinnerte, zu keiner Zeit mehr �hnlich sah. Sie wiederzusehen, eine junge und h�bsche Siuan, war nur der erste Schock. Der zweite kam, als Siuan vor Sonnenaufgang auf ihrer Schwelle erschienen war und um Hilfe gebeten hatte. Siuan bat eigentlich niemals um Hilfe. Doch dann kam der allergr��te Schock, derjenige, der jedes Mal aufgefrischt wurde, wenn sie Siuan sah, da die al'Meara-Frau ein unm�gliches Wunder bewirkt hatte. Sie war st�rker als Siuan, viel st�rker � die Waage war fast zur anderen Seite ausgeschlagen. Siuan hatte die F�hrung �bernommen, als sie Novizinnen waren, noch bevor sie Aufgenommene wurden. Dennoch <emphasis>war</emphasis> sie Siuan, und sie war aufgebracht; soweit sich Delana erinnerte, war das noch niemals zuvor der Fall gewesen. Siuan war vielleicht schon einmal aufgebracht gewesen, aber sie h�tte es niemals gezeigt. Es bek�mmerte sie, da� sie nicht mehr f�r die Frau tun konnte, die mit ihr Honigpl�tzchen stibitzt und mehr als einmal die Schuld f�r Streiche auf sich genommen hatte, die sie beide angestellt hatten.</p><p>�Siuan, ich kann zumindest soviel tun. Romanda w�re �bergl�cklich, wenn sie den Traum-<emphasis>Ter'angreal</emphasis> in die Obhut des Saals geben k�nnte. Sie hat nicht gen�gend Sitzende bei sich, es zu bewerkstelligen, aber wenn Sheriam glaubt, da� sie es tun wird, wenn sie glaubt, du h�ttest deinen Einflu� bei Lelaine und mir geltend gemacht, um dem Einhalt zu gebieten, dann kann sie es dir nicht verweigern. Ich wei�, da� Lelaine zustimmen wird. Aber ich kann mir nicht vorstellen, weshalb du diese Aielfrauen treffen willst. Romanda l�chelt wie eine Katze im Buttertopf und beobachtet, wie Sheriam nach einem jener Treffen w�tend umherstapft. Mit deinem Zorn wirst du wahrscheinlich etwas verderben.� Welche Ver�nderung. Fr�her h�tte sie niemals auch nur daran gedacht, Siuans Stimmung zu erw�hnen. Jetzt erw�hnte sie sie, ohne nachzudenken.</p><p>Siuans niedergeschlagener Gesichtsausdruck wurde zu einem L�cheln. �Ich hatte gehofft, da� du etwas dergleichen tun w�rdest. Ich werde mit Lelaine sprechen. Und mit Janya. Ich glaube, Janya wird uns helfen. Du mu�t sicherstellen, da� Romanda es jedoch nicht wirklich tut. Nach dem wenigen zu urteilen, was ich wei�, hat Sheriam zumindest ann�hernd einen Weg gefunden, mit diesen Aiel zurechtzukommen. Ich f�rchte, Romanda w�rde von vorn beginnen m�ssen. Nat�rlich ist das f�r den Saal vielleicht nicht wichtig, aber ich w�rde ihnen lieber nicht zum ersten Mal begegnen, wenn jemand sie an den Haken bekommt.�</p><p>Delana l�chelte innerlich, w�hrend sie Siuan zur Vordertreppe begleitete und sie umarmte. Ja, es w�re sehr wichtig f�r den Saal, die Weisen Frauen friedlich gestimmt zu halten, obwohl sie das nicht wissen konnte. Sie beobachtete, wie Siuan die Stra�e hinabeilte, bevor sie wieder hineinging. Es schien, da� sie diejenige sein w�rde, die jetzt Schutz gew�hren mu�te. Sie hoffte, da� es ihr genauso gut gel�nge wie ihrer Freundin.</p><p>Der Tee war noch warm, und sie beschlo�, Miesa, ihre Dienerin, nach Geb�ck und Obst zu schicken, aber als jemand sch�chtern an die T�r klopfte, war es nicht Miesa, sondern Lucilde, eine der Novizinnen, die sie von der Burg mitgebracht hatten.</p><p>Das schlaksige M�dchen vollf�hrte nerv�s einen Hofknicks, aber Lucilde war stets nerv�s. �Delana Sedai? Heute morgen ist eine Frau angekommen, und Anaiya Sedai sagte, ich sollte sie zu Euch bringen? Ihr Name ist Halima Saranov? Sie sagt, sie kennt Euch?�</p><p>Delana �ffnete den Mund, um zu sagen, da� sie niemals von einer Halima Saranov geh�rt hatte, als eine Frau im Eingang erschien. Delana starrte sie ungewollt an. Es gelang der Frau, gleichzeitig schlank und �ppig zu wirken. Sie trug ein dunkelgr�nes Reitgewand, das l�cherlich tief ausgeschnitten war. Das lange, gl�nzend schwarze Haar umrahmte ein Gesicht mit gr�nen Augen, das wahrscheinlich jeden Mann, der es erblickte, den Mund aufsperren lie�. Aber das war nicht der Grund, warum Delana sie anstarrte. Die Frau hielt ihre H�nde an den Seiten, aber die Daumen fest zwischen Zeige- und Mittelfinger gesteckt. Delana hatte dies niemals bei einer Frau zu sehen erwartet, die nicht die Stola trug, und diese Halima Saranov konnte nicht einmal die Macht lenken. Sie war ihr nahe genug, um das sicher sagen zu k�nnen.</p><p>�Ja�, sagte Delana, �es scheint mir, da� ich mich an sie erinnern kann. La�t uns allein, Lucilde. Und, Kind, versucht Euch in Erinnerung zu rufen, da� nicht jeder Satz eine Frage ist.� Lucilde knickste so schnell und tief, da� sie fast hinfiel. Unter anderen Umst�nden h�tte Delana geseufzt. Sie hatte noch nie gut mit Novizinnen umgehen k�nnen, obwohl sie nicht verstehen konnte, warum das so war.</p><p>Noch bevor die Novizin den Raum ganz verlassen hatte, schritt Halima energisch zu dem Sessel, den Siuan zuvor innegehabt hatte, und setzte sich ohne Aufforderung hin. Sie nahm einen der unber�hrten Becher auf, schlug die Beine �bereinander und trank, w�hrend sie Delana �ber den Rand des Bechers hinweg ansah.</p><p>Delana fixierte sie mit hartem Blick. �Wer glaubt Ihr zu sein, Frau? Wie hoch auch immer Ihr zu stehen glaubt � niemand steht h�her als die Aes Sedai. Und wo habt Ihr dieses Zeichen gelernt?� Vielleicht zum ersten Mal in ihrem Leben verfehlte ihr Blick seine Wirkung.</p><p>Halima l�chelte sie sp�ttisch an. �Glaubt Ihr wirklich, die Geheimnisse der ... sagen wir, <emphasis>dunkleren</emphasis> Ajah seien wirklich so geheim? Und was Euren Rang angeht, so wi�t Ihr genau, da� Ihr auch beflissentlich gehorchen w�rdet, wenn ein Bettler die richtigen Zeichen vollf�hrte. Ich war einige Zeit in Begleitung einer Cabriana Mecandes, einer Blauen Schwester.</p><p>Ungl�cklicherweise starb Cabriana an den Folgen eines Sturzes von ihrem Pferd, und ihr Beh�ter weigerte sich danach, sein Bett zu verlassen oder zu essen. Er starb ebenfalls.� Halima l�chelte, als wollte sie fragen, ob Delana ihr folgen k�nne. �Cabriana und ich sprachen viel miteinander, bevor sie starb, und sie erz�hlte mir von Salidar. Sie erz�hlte mir auch einige andere Dinge, die sie �ber die Pl�ne der Wei�en Burg f�r Euch hier erfahren hatte. Und f�r den Wiedergeborenen Drachen.� Sie l�chelte erneut, wei�e Z�hne blitzten kurz auf, und dann wandte sie sich wieder ihrem Tee zu.</p><p>Delana war noch niemals eine Frau gewesen, die leicht aufgab. Sie hatte K�nige gezwungen, Frieden zu schlie�en, wenn sie Krieg wollten, und K�niginnen am Genick zur Unterzeichnung von Vertr�gen geschleift, die unterzeichnet werden mu�ten. Es stimmte schon, sie h�tte jedem Bettler gehorcht, wenn er das richtige Zeichen gemacht und die richtigen Dinge gesagt h�tte, aber Halimas H�nde hatten sie als Schwarze Ajah ausgewiesen, die sie eindeutig nicht war. Vielleicht dachte die Frau, das sei die einzige M�glichkeit, Delana dazu zu bringen, sie anzuerkennen, und vielleicht wollte sie auch mit ihrem verbotenen Wissen prahlen. Delana mochte diese Halima nicht. �Und ich soll vermutlich sicherstellen, da� der Saal Euch glaubt�, sagte sie schroff. �Das sollte nicht weiter schwierig sein, solange Ihr genug �ber Cabriana wi�t, um Eure Geschichte zu st�tzen. Dort kann ich Euch nicht helfen. Ich bin ihr nicht �fter als zwei Mal begegnet. Es besteht vermutlich nicht die M�glichkeit, da� sie erscheinen k�nnte, um Eure Geschichte zu widerlegen?�</p><p>�Nein, �berhaupt keine M�glichkeit.� Wieder dieses schnelle, sp�ttische L�cheln. �Und ich k�nnte Cabrianas Leben hersagen. Ich wei� Dinge, die sie schon selbst vergessen hatte.�</p><p>Delana nickte daraufhin nur. Eine Schwester t�ten zu m�ssen, war stets eine bedauerliche Angelegenheit, aber was sein mu�te, mu�te sein. �Dann sehe ich �berhaupt kein Problem. Der Saal wird Euch als Gast willkommen hei�en, und ich kann sicherstellen, da� sie zuh�ren werden.�</p><p>�Die Rolle eines Gastes ist eigentlich nicht das, was ich im Sinn hatte. Ich denke eher an etwas Dauerhafteres. Eure Schriftf�hrerin oder, noch besser, Eure Begleiterin. Ich mu� sicherstellen, da� Euer Saal sorgf�ltig gef�hrt wird. �ber diese Geschichte mit Cabrianas Neuigkeiten hinaus werde ich hin und wieder Anweisungen f�r Euch haben.�</p><p>�Jetzt h�rt Ihr mir einmal zu! Ich...�</p><p>Halima unterbrach sie, indem sie ihre Stimme erhob. �Mir wurde gesagt, ich sollte Euch gegen�ber einen Namen erw�hnen. Einen Namen, den ich manchmal benutze. Aran'gar.�</p><p>Delana setzte sich schwerf�llig hin. Dieser Name war in ihren Tr�umen erw�hnt worden. Zum ersten Mal seit Jahren hatte Delana Mosalaine Angst.</p></section><section><title><p>31</p><p>Rotes Wachs</p></title><p>Der Klang der Hufe des Wallachs wurde im L�rm Amadors fast verschluckt, als Eamon Valda langsam durch die bev�lkerten Stra�en ritt. Schwei� drang ihm aus jeder Pore, um so mehr, als er einen Kettenpanzer und eine Brustplatte trug, die trotz einer Staubschicht schimmerten, und einen schneewei�en Umhang, der �ber die kr�ftigen Flanken des Wallachs gebreitet war, und doch h�tte man bei seinem Anblick an einen sch�nen Fr�hlingstag denken k�nnen. Er bem�hte sich redlich, die schmutzigen M�nner und Frauen und sogar die Kinder mit dem verlorenen Gesichtsausdruck und der vom Reisen in Mitleidenschaft gezogenen Kleidung nicht zu beachten. Sogar hier!</p><p>Zum ersten Mal in seinem Leben begeisterten ihn die Steinmauern der Festung des Lichts nicht, die hoch aufragten und mit Bannern versehen warten und uneinnehmbar schienen, das Bollwerk der Wahrheit und des Rechts. Er stieg im Haupthof ab, �bergab einem Kind die Z�gel und erteilte mit heiserer Stimme Anweisungen f�r die Pflege des Tieres. Der Mann wu�te nat�rlich, was zu tun war, aber Valda war danach zumute, jemanden anzuschreien. M�nner mit wei�en Umh�ngen eilten trotz der Hitze �bereifrig umher. Er hoffte, da� es nicht nur Zurschaustellung war.</p><p>Der junge Dain Bornhald kam �ber den Hof und pre�te die Faust in eifriger Begr��ung auf seine mit einem Kettenpanzer gesch�tzte Brust. �Das Licht erleuchte Euch, mein Lordhauptmann. Hattet Ihr einen guten Ritt von Tar Valon?� Seine Augen waren blutunterlaufen, und Branntweingeruch schwebte von ihm heran. Es war unentschuldbar, am Tage zu trinken.</p><p>�Zumindest einen schnellen Ritt�, grollte Valda, ri� seine Panzerhandschuhe herunter und stopfte sie hinter seinen Schwertg�rtel.</p><p>Es war nicht der Branntwein, obwohl er es sich in bezug auf diesen Mann merken w�rde. Die Reise war f�r diese Entfernung z�gig verlaufen. Er beabsichtigte, der Legion als Belohnung einen freien Abend in der Stadt zu g�nnen, wenn sie das Lager drau�en fertig errichtet h�tte. Eine schnelle Reise, aber er mi�billigte die Befehle, die ihn gerade in dem Moment zur�ckberiefen, als ein starker Vorsto� die angeschlagene Burg vielleicht gest�rzt und die Hexen unter dem Schutt begraben h�tte. Ein bemerkenswerter Ritt, auch wenn jeder Tag schlimmere Nachrichten gebracht hatte. Al'Thor in Caemlyn. Es war eigentlich nicht wichtig, ob der Mann ein Betr�ger oder der richtige Drache war. Er konnte die Macht lenken, und jedermann, der das konnte, mu�te ein Schattenfreund sein. Drachenverschworener P�bel in Altara. Dieser sogenannte Prophet und sein Abschaum in Ghealdan und selbst in Amadicia.</p><p>Es war ihm zumindest gelungen, einen Teil des P�bels zu t�ten, obwohl es schwer war, gegen Feinde zu k�mpfen, die nur zu oft dahinschwanden als aufrechtzustehen, die mit ihren verdammten Fluchtstr�ngen verschmelzen konnten und � noch schlimmer �geistlose Wanderer, die anscheinend glaubten, al'Thor h�tte alle Ordnung umgekehrt. Er hatte jedoch eine L�sung gefunden, wenn auch keine vollkommen zufriedenstellende L�sung. Die Stra�en, die seine Legion passiert hatte, waren jetzt �bers�t und die Raben bis zum Bersten satt. Wenn man den P�bel des Propheten schon nicht vom Fl�chtlingsp�bel unterscheiden konnte, nun, dann mu�te man jedermann t�ten, der im Weg stand. Die Unschuldigen h�tten in ihren H�usern bleiben sollen, wo sie hingeh�rten. Der Sch�pfer w�rde sie ohnehin sch�tzen. Seiner Meinung nach waren die Wanderer �berfl�ssig.</p><p>�Ich habe in der Stadt geh�rt, Morgase sei hier�, sagte er. Er glaubte es nicht � jedes zweite Wort in Andor hatte von Vermutungen dar�ber gehandelt, wer Morgase get�tet h�tte �, und daher war er �berrascht, als Dain nickte.</p><p>Die �berraschung wurde zu Widerwillen, als der junge Mann von Morgases Unterbringung zu schw�rmen begann und dar�ber, wie gut sie behandelt wurde und wie zuversichtlich sie war, jeden Moment einen Vertrag mit den Kindern zu unterzeichnen. Valda runzelte offen die Stirn. Er h�tte von Niall nichts Besseres erwarten sollen. Der Mann war zu seiner Zeit einer der besten Soldaten gewesen und galt als gro�er Hauptmann, aber er wurde bereits alt und verweichlichte. Valda hatte das erkannt, sobald seine Befehle Tar Valon erreicht hatten. Niall h�tte beim ersten Word al'Thors Tear kraftvoll angreifen sollen. Er h�tte alle Soldaten um sich versammeln sollen, die er auf dem Marsch brauchte. Die V�lker h�tten sich gegen einen falschen Drachen um die Kinder geschart. Damals h�tten sie es getan. Jetzt war al'Thor in Caemlyn, und er war stark genug, die Kleinm�tigen zu �ngstigen. Aber Morgase war hier. Wenn er Morgase hatte, w�rde sie jenen Vertrag am ersten Tag unterzeichnen, und wenn jemand ihre Hand mit dem Stift f�hren m��te. Beim Licht, er w�rde sie lehren zu springen, wenn er sagte, spring. Wenn sie davor scheute, mit den Kindern nach Andor zur�ckzukehren, w�rde er sie mit den Handgelenken an einen Stock binden. Das w�re das richtige Banner f�r den Vorsto� auf Andor.</p><p>Dain schwieg schlie�lich und wartete. Er hoffte zweifellos auf eine Einladung zum Essen f�r diesen Abend. Er konnte den ihm vorstehenden Offizier nicht selbst einladen, aber er hoffte zweifellos, mit seinem alten Befehlshaber �ber Tar Valon und vielleicht sogar �ber seinen verstorbenen Vater sprechen zu k�nnen. Valda hatte nicht sehr viel von Geofram Bornhald gehalten. Der Mann war zu schw�chlich gewesen. �Ich sehe Euch um sechs Uhr zum Essen im Lager. Ich m�chte Euch n�chtern sehen, Kind Bornhald.�</p><p>Bornhald war eindeutig angetrunken. Er sperrte den Mund auf und stotterte etwas, bevor er salutierte und davonging. Valda fragte sich, was geschehen war. Dain war ein ausgezeichneter junger Offizier gewesen. Jemand, der sich zu viele Gedanken �ber Feinheiten machte, wie beispielsweise den Beweis einer Schuld zu erbringen, wenn es daf�r keine M�glichkeit gab, aber er war dennoch ein ausgezeichneter Offizier gewesen. Nicht so schwach wie sein Vater. Es war bedauerlich zu sehen, da� er sich an den Branntwein verschwendete.</p><p>Leise vor sich hinmurmelnd � der Umstand, da� Offiziere inmitten der Festung des Lichts tranken, war ein weiteres Zeichen daf�r, da� Niall den Kern ersch�tterte �, suchte Valda sein Quartier auf. Er beabsichtigte, im Lager zu schlafen, aber ein hei�es Bad w�re nicht zu verachten.</p><p>Ein breitschultriges junges Kind n�herte sich ihm in dem einfachen Steingang, den scharlachroten Hirtenstab der Hand des Lichts hinter der flammenden goldenen Sonne auf seiner Brust. Ohne anzuhalten oder Valda auch nur anzusehen, murmelte der Zweifler respektvoll: �Mein Lordhauptmann w�nscht vielleicht, die Kuppel der Wahrheit zu sehen.�</p><p>Valda sah den Mann stirnrunzelnd an � er mochte Zweifler nicht. Sie leisteten auf ihre Art gute Arbeit, aber er konnte sich niemals des Gef�hls erwehren, da� sie den Stab trugen, weil sie auf diese Weise niemals einem bewaffneten Feind gegen�bertreten mu�ten; er wollte gerade die Stimme erheben, um den Burschen auszuschimpfen, hielt dann aber inne. Zweifler nahmen es mit der Disziplin nicht sehr genau, aber ein einfaches Kind w�rde niemals unangemessen mit einem Lordhauptmann sprechen. Vielleicht konnte das Bad noch warten.</p><p>Die Kuppel der Wahrheit war ein Wunder, das letztendlich einen Teil seines innersten Wesens wiederherstellte. Von au�en rein wei�, spiegelte im Inneren Blattgold das Licht von tausend H�ngelampen wieder. Dicke wei�e S�ulen umstanden den Raum, schlicht und gl�nzend poliert, aber die Kuppel selbst erstreckte sich �ber dem einfachen wei�en Marmorpodest mitten auf dem wei�en Marmorboden � wo der Lordhauptmann der Kinder des Lichts stand, um in ihren feierlichsten Momenten, bei ihren ernsthaftesten Zeremonien, zu den versammelten Kindern des Lichts zu sprechen �, hundert Schritt im Durchmesser und in f�nfzig Schritt H�he ungest�tzt bis zur Spitze. Eines Tages w�rde er dort stehen. Niall w�rde nicht ewig leben.</p><p>Dutzende von Kindern wanderten in dem riesigen Raum umher � es war ein sehenswerter Anblick, obwohl niemand au�er den Kindern es nat�rlich jemals sah �, doch diese Nachricht war nicht gekommen, so da� er die Kuppel bewundern konnte. Er war sich dessen sicher. Hinter den gro�en S�ulen verliefen Reihen kleinerer S�ulen, die genauso schlicht und glatt poliert waren, und es gab hohe Nischen, in denen Szenen der Triumphe der Kinder w�hrend tausend Jahren festgehalten waren. Valda schlenderte umher und schaute in jede Nische. Schlie�lich sah er einen gro�en, bereits ergrauten Mann eines der Gem�lde betrachten: Serenia Latar, die am Galgen geendet war, die einzige Amyrlin, die die Kinder jemals hatten h�ngen k�nnen. Sie war nat�rlich bereits tot gewesen, da lebende Hexen schwer geh�ngt werden k�nnen, aber das war unwichtig. Vor hundertdreiundneunzig Jahren war Gerechtigkeit dem Gesetz entsprechend vollzogen worden.</p><p>�Seid Ihr besorgt, mein Sohn?� Die Stimme klang sanft, fast milde.</p><p>Valda versteifte sich kaum merklich. Rhadam Asunawa war vielleicht der Hochinquisitor, aber er war auch immer noch ein Zweifler. Und Valda war ein Lordhauptmann, Gesalbter des Lichts, nicht �mein Sohn�. �Nicht, da� ich w��te�, sagte er tonlos.</p><p>Asunawa seufzte. Sein hageres Gesicht war ein Bild gequ�lten Leidens, so da� man seinen Schwei� vielleicht auch f�r Tr�nen h�tte halten k�nnen, aber seine tiefliegenden Augen schienen vor der Hitze zu brennen, die alles �berfl�ssige Fleisch fortgebrannt hatte. Sein Umhang wies nur den Hirtenstab auf, keine flammende goldene Sonne, als st�nde er au�erhalb der Kinder. Oder vielleicht dar�ber. �Es herrschen besorgniserregende Zeiten. Die Festung des Lichts beherbergt eine Hexe.�</p><p>Valda versagte sich gerade noch einen schiefen Blick. Ob sie nun Feiglinge waren oder nicht � Zweifler konnten auch einem Lordhauptmann gef�hrlich werden. Der Mann k�nnte vielleicht niemals eine Amyrlin h�ngen, aber er tr�umte wahrscheinlich davon, der erste zu sein, der eine K�nigin h�ngte. Valda k�mmerte es nicht, ob Morgase starb, vorausgesetzt es geschah nicht, bevor sie ihren Zweck erf�llt hatte. Er schwieg, und Asunawa zog seine dichten grauen Augenbrauen hoch, bis er aus den Augenh�hlen zu sp�hen schien.</p><p>�Es herrschen besorgniserregende Zeiten�, wiederholte er, �und Niall sollte nicht erlaubt werden, die Kinder des Lichts zu vernichten.�</p><p>Valda betrachtete einige Minuten lang das Gem�lde. Vielleicht war der K�nstler ein guter Maler gewesen, vielleicht aber auch nicht. Er wu�te nichts von solchen Dingen, und sie k�mmerten ihn auch nicht. Der Bursche trug jedoch die Waffen und R�stung der Wachen, und sie wirkten echt. Von diesen Dingen verstand er etwas. �Ich bin bereit zuzuh�ren�, sagte er schlie�lich.</p><p>�Dann werden wir miteinander sprechen, mein Sohn. Sp�ter, wenn nur noch wenige Augen zusehen und wenige Ohren zuh�ren werden. Das Licht erleuchte dich, mein Sohn.� Asunawa schritt ohne ein weiteres Wort davon. Sein wei�er Umhang bauschte sich leicht, und das Ger�usch seiner Stiefel hallte wider, als versuche er, jeden Schritt in den Stein hineinzutreiben. Einige der Kinder verbeugten sich, als er vor�berging.</p><p>Niall beobachtete aus einem schmalen Fenster hoch �ber dem Hof, wie Valda abstieg, mit dem jungen Bornhald sprach und dann zornig davonschritt Valda war stets zornig. H�tte eine M�glichkeit bestanden, die Kinder von Tar Valon nach Hause zu bringen und Valda hierzu lassen, h�tte Niall sie sofort ergriffen. Der Mann war ein guter Befehlshaber in der Schlacht, aber er war noch geeigneter, P�bel zu erheben. Er verstand unter Taktik Angriff, und unter Strategie ebenfalls.</p><p>Niall schritt kopfsch�ttelnd zu seinem Audienzraum. Er hatte Wichtigeres zu bedenken als Valda. Morgase widerstand noch immer wie ein mit Proviant und einer hohen Moral ausger�stetes Heer auf einer Anh�he. Sie weigerte sich einzugestehen, da� sie einen Talboden ohne Ausweg hielt, und ihr Feind die Anh�hen besetzte.</p><p>Balwer stand vom Tisch auf, als Niall den Vorraum betrat. �Omerna war hier, mein Lord. Er hat dies f�r Euch zur�ckgelassen.� Balwer deutete auf ein B�ndel Papiere auf dem Tisch mit einem roten Band darum, �Und dies.� Er pre�te die d�nnen Lippen zusammen, w�hrend er eine kleine Knochenr�hre aus der Tasche zog.</p><p>Niall nahm die R�hre brummend entgegen und stapfte in den inneren Raum. Omerna wurde aus irgendeinem Grund mit jedem Tag nutzloser. Es war schon schlimm genug, da� er seine Berichte bei Balwer hinterlie�, unsinnig wie sie waren, aber selbst Omerna wu�te es besser, da� er eine dieser R�hren mit den drei roten Streifen niemand anderem als Niall pers�nlich �bergeben sollte. Er hielt die R�hre nahe an eine Lampe und betrachtete das Wachs. Das Siegel war ungebrochen gewesen, bevor er es mit dem Daumennagel durchbohrte. Er w�rde Omerna einsch�chtern, die Angst vor dem Licht in ihn einpflanzen m�ssen. Der Narr war kein guter Lockvogel, es sei denn, er spielte, soweit es ihm m�glich war, den vollendeten Meisterspion.</p><p>Die Nachricht kam wiederum von Varadin, in Nialls pers�nlichem Code � ein wirres, spinnenartiges Gekritzel auf einem d�nnen Streifen Papier. Er h�tte sie fast ungelesen verbrannt, aber dann erweckte etwas seine Aufmerksamkeit. Er las sie von Anfang an und achtete bewu�t auf den Code. Er wollte vollkommen sicher sein. Die Nachricht beinhaltete, genau wie zuvor, Geschw�tz �ber geg�ngelte Aes Sedai und seltsame Bestien, aber ganz am Schlu�... Varadin hatte Asidim Faisar geholfen, in Tanchico ein Versteck zu finden. Er w�rde versuchen, Faisar hinauszuschmuggeln, aber die Ahnen wachten so gut, da� nicht einmal ein Fl�stern ohne Erlaubnis aus den Mauern hinausgelangte.</p><p>Niall rieb sich nachdenklich das Kinn. Faisar war einer jener M�nner, die er nach Tarabon gesandt hatte, um herauszufinden, ob noch etwas zu retten war. Faisar wu�te nichts von Varadin, und Varadin sollte nichts von Faisar wissen. Die Ahnen wachten so gut, da� nicht einmal ein Fl�stern nach drau�en gelangte. Das Gekritzel eines Verr�ckten.</p><p>Er stopfte das Papier in seine Tasche und kehrte in den Vorraum zur�ck. �Balwer, welche Nachrichten gibt es aus dem Westen?� So bezeichneten sie stets die Grenze zu Tarabon.</p><p>�Keine Neuigkeiten, mein Lord. Sp�htrupps, die sehr weit nach Tarabon vordringen, kehren nicht zur�ck. Das gr��te Problem nahe der Grenze ist, da� Fl�chtlinge hin�berzugelangen versuchen.�</p><p>Die Patrouillen waren zu weit vorgedrungen.</p><p>Tarabon war eine Grube voller Giftschlangen und tollw�tiger Ratten, aber... �Wie schnell k�nntet Ihr einen Boten nach Tanchico bringen?�</p><p>Balwer blinzelte nicht einmal. Der Mann w�rde auch keine �berraschung zeigen, wenn eines Tages sein Pferd zu ihm spr�che. �Es d�rfte schwierig sein, frische Pferde zu bekommen, wenn er die Grenze erst �berschritten hat, mein Lord. Normalerweise w�rde ich sagen, zwanzig Tage hin und zur�ck, vielleicht etwas weniger. Jetzt, mit Gl�ck, doppelt so lange. Vielleicht doppelt so lange, um Tanchico zu erreichen.� Eine Grube, die einen Boten verschlingen k�nnte, ohne auch nur einen Knochen �brigzulassen.</p><p>Eine R�ckkehr w�rde notwendig sein, aber das behielt Niall f�r sich. �La�t es vorbereiten, Balwer. Ich werde in einer Stunde einen Brief bereithalten. Ich werde selbst mit dem Boten sprechen.� Balwer neigte zustimmend den Kopf, aber er f�hlte sich gleichzeitig beleidigt. Sollte er doch. Es bestand eine kleine Chance, dies durchzuf�hren, ohne Varadin blo�zustellen. Es war nat�rlich eine unn�tige Vorsichtsma�nahme, wenn er verr�ckt war, aber wenn nicht ... Ihn zu verraten, w�rde nichts beschleunigen.</p><p>Als er in den Audienzraum zur�ckgekehrt war, las Niall Varadins Nachricht erneut, bevor er den Papierstreifen in die Flamme einer Lampe hielt und zusah, wie er Feuer fing. Er zerrieb die Asche zwischen den Fingern.</p><p>Er beherzigte bei seinem Vorgehen und bez�glich Informationen vier Regeln: Plane niemals etwas, ohne soviel wie m�glich �ber deinen Feind zu wissen. Scheue dich niemals, deine Pl�ne zu �ndern, wenn du neue Informationen erh�ltst. Glaube niemals, alles zu wissen. Und warte niemals darauf, alles zu erfahren. Der Mann, der darauf wartete, alles zu erfahren, sa� noch immer in seinem Zelt, wenn der Feind es �ber seinem Kopf niederbrannte. Niall befolgte jene Regeln. Er hatte sie nur einmal in seinem Leben au�er acht gelassen, um einer Ahnung zu folgen. In Jhamara hatte er, aus keinem anderen Grund als einem Kribbeln im Hinterkopf, ein Drittel seines Heers Berge begutachten lassen, die alle f�r unpassierbar hielten. W�hrend er seine restlichen Kr�fte gegen die Murandianer und die Altarener gef�hrt hatte, drang ein illianisches Heer, das hundert Meilen entfernt sein sollte, aus jenen angeblich unpassierbaren P�ssen hervor. Der einzige Grund, warum es ihm gelang, sich zur�ckzuziehen, ohne zerschlagen zu werden, war dieses unbestimmte Gef�hl. Und jetzt versp�rte er dieses Kribbeln erneut.</p><p>�Ich traue ihm nicht�, sagte Tallanvor fest. �Er erinnert mich an einen jungen Burschen mit unschuldigem Gesichtsausdruck, den ich einmal auf einem Jahrmarkt gesehen habe und der dir in die Augen sehen und grinsen konnte, w�hrend er dir den Stuhl unter dem Hintern wegstahl.�</p><p>Morgase hatte zum ersten Mal keine Schwierigkeiten, ihr Temperament im Zaum zu halten. Der junge Paitr hatte berichtet, da� sein Onkel einen Weg gefunden h�tte, sie aus der Festung des Lichts herauszuschmuggeln, sie und die anderen. Die anderen waren das Problem gewesen, Torwyn Barshaw hatte schon lange behauptet, er k�nnte sie allein hinausbringen, aber sie wollte die anderen nicht in der Willk�r der Wei�m�ntel zur�cklassen. Nicht einmal Tallanvor.</p><p>�Ich werde Eure Gef�hle ber�cksichtigen�, sagte sie nachsichtig. �Aber la�t Euch nicht von ihnen behindern. Wi�t Ihr ein passendes Sprichwort, Lini? Etwas f�r den jungen Tallanvor und seine Gef�hle?� Licht, warum hatte sie ein solches Vergn�gen daran, ihn zu verspotten? Er beging fast einen Treubruch, aber sie war seine K�nigin und nicht... Der Gedanke wollte nicht fortgef�hrt werden.</p><p>Lini sa� nahe den Fenstern und wickelte ein Kn�uel aus blauem Garn von dem Strang auf, den Breane �ber den H�nden hielt. �Paitr erinnert mich an diesen jungen Stallburschen, unmittelbar bevor Ihr zur Wei�en Burg gingt. Derjenige, der zwei M�gde geschw�ngert hat und dann erwischt wurde, als er sich mit einem Sack voller Tafelsilber Eurer Mutter aus dem Palast schleichen wollte.�</p><p>Morgase pre�te die Kiefer zusammen, aber nichts konnte ihr Vergn�gen verderben, nicht einmal der Blick, den Breane ihr zuwarf, als sollte es ihr erlaubt sein, auch ihre Meinung zu sagen. Paitr war bei Morgases unmittelbar bevorstehender Flucht au�er sich vor Freude gewesen. Nat�rlich erwartete er f�r seinen Anteil daran anscheinend eine Belohnung von seinem Onkel � zumindest lie�en einige seiner Bemerkungen �ber das Wiedergutmachen eines zu Hause begangenen Fehlers darauf schlie�en �, aber der junge Mann tanzte fast vor Freude, als sie dem Plan zustimmte, der sie alle heute aus der Festung und morgen bei Sonnenaufgang aus Amador herausbringen w�rde. Fort von Amador und auf den Weg nach Ghealdan, wo keine Soldaten mit Stricken drohten, um sie an Andor zu fesseln. Vor zwei Tagen war Barshaw selbst gekommen, um den Plan zu erl�utern �als Kr�mer verkleidet, der Stricknadeln und Garn lieferte, ein untersetzter Mann mit gro�er Nase, cholerischem Blick und einem h�hnisch verzogenen Mund, der jedoch ausreichend respektvoll sprach. Es war schwer zu glauben, da� er Paitrs Onkel war � sie sahen einander �berhaupt nicht �hnlich �, und noch weniger, da� er ein H�ndler war. Dennoch war sein Plan bewundernswert einfach � wenn er auch kaum gew�rdigt wurde �, und setzte nur ausreichend viele Menschen au�erhalb der Festung des Lichts voraus. Morgase w�rde die Festung des Lichts in einem Karren unter einer Wagenladung K�chenabf�lle verlassen.</p><p>�Nun, Ihr wi�t alle, was zu tun ist�, belehrte sie ihr Gefolge. Solange sie selbst sich in ihren R�umen aufhielt, konnten sich die anderen verh�ltnism��ig frei bewegen. Davon hing alles ab. Nun, nicht alles, aber sicherlich die Flucht aller au�er ihrer eigenen. �Lini, Ihr und Breane m��t Euch im Waschhof aufhalten, wenn die Glocke erklingt.� Lini nickte willf�hrig, aber Breane sah sie mit gesch�rzten Lippen an. Sie hatten dies schon zwanzig Mal durchgesprochen. Dennoch w�rde Morgase keinen Fehler zulassen, der bewirken w�rde, da� jemand zur�ckgelassen werden m��te. �Tallanvor, Ihr werdet Euer Schwert hierlassen und bei einem Gasthaus namens <emphasis>Eiche und Dom</emphasis> warten.� Er �ffnete den Mund, aber sie kam ihm entschlossen zuvor. �Ich habe Eure Argumente geh�rt. Ihr k�nnt ein anderes Schwert finden. Sie werden glauben, da� Ihr zur�ckkehren wollt, wenn Ihr es hierla�t.� Er verzog das Gesicht, nickte aber schlie�lich. �Lamgwin wird am <emphasis>Goldenen Haupt</emphasis> warten und Basel am...�</p><p>Ein hastiges Klopfen an der T�r, und sie �ffnete sich weit genug, um Basels kahl werdenden Kopf freizugeben. �Meine K�nigin, da ist ein Mann ... ein Kind...� Er schaute �ber die Schulter in den Gang. �Da ist ein Zweifler, meine K�nigin.� Tallanvors H�nde sanken zu seinem Schwertheft, und er w�rde sie nicht eher fortnehmen, bis sie es ihm zwei Mal bedeutet und ihn entsprechend angesehen h�tte.</p><p>�La�t ihn herein.� Es gelang ihr, die Stimme ruhig zu halten, aber fuchsgro�e Schmetterlinge flatterten unruhig in ihrem Bauch. Ein Zweifler? Wurde alles, was pl�tzlich so gut verlaufen war, genauso pl�tzlich zu einer Katastrophe?</p><p>Ein gro�er, hakennasiger Mann schob Basel aus dem Weg und schlo� die T�r dann vor seiner Nase. Der wei�-goldene Wappenrock mit dem karmesinroten Hirtenstab an der Schulter wies ihn als Inquisitor aus. Sie war Einor Saren noch nicht begegnet, aber er war ihr beschrieben worden. Sein Gesicht zeugte von unersch�tterlicher Selbstgewi�heit �Der Lordhauptmann will Euch sehen�, sagte er kalt. �Ihr werdet jetzt mitkommen.�</p><p>Morgases Gedanken rasten schneller als die Schmetterlinge. Sie war daran gew�hnt, gerufen zu werden � Niall kam nicht mehr zu ihr, seit er sie in der Festung wu�te �, vor den Mann gerufen zu werden, um eine weitere Lektion �ber ihre Pflichten gegen�ber Andor zu erhalten oder zu einem sogenannten freundlichen Gespr�ch, das ihr zeigen sollte, da� Niall in ihrem und Andors bestem Interesse handelte. Daran war sie gew�hnt, aber nicht an diese Art Boten. Wenn sie den Zweiflern �bergeben w�rde, g�be es keine Ausfl�chte. Asunawa w�rde gen�gend viele M�nner senden, um sie, und alle anderen mit ihr, fortzuzerren. Sie war ihm einmal kurz begegnet. Er lie� ihr Blut gefrieren. Warum war ein Inquisitor gesandt worden? Sie stellte die Frage, und Saren beantwortete sie in demselben eisigen Tonfall wie zuvor.</p><p>�Ich war beim Lordhauptmann, und ich kam hier entlang. Ich habe meine Aufgaben beendet und werde Euch jetzt mit zur�cknehmen. Ihr seid immerhin eine K�nigin, der Respekt geb�hrt.� Das alles klang leicht gelangweilt, leicht ungeduldig, bis zum Schlu�, als eine Spur Spott hinzukam. Aber keine Herzlichkeit.</p><p>�Sehr gut�, sagte sie.</p><p>�Soll ich meine K�nigin begleiten?� Tallanvor verbeugte sich f�rmlich. Zumindest zeigte er Ehrerbietung, wenn Fremde dabei waren.</p><p>�Nein.� Sie w�rde statt dessen Lamgwin mitnehmen. Nein, egal wen sie mitn�hme � es w�rde wirken, als glaubte sie, Leibw�chter zu ben�tigen. Saren �ngstigte sie fast genauso wie Asunawa, aber sie w�rde es ihn auf keinen Fall erkennen lassen. Sie setzte ein beil�ufiges L�cheln auf. �Ich brauche hier sicherlich keinen Schutz.�</p><p>Saren l�chelte ebenfalls, oder zumindest l�chelte sein Mund. Er schien sie auszulachen.</p><p>Drau�en sahen Basel und Lamgwin sie unsicher an, und sie h�tte fast ihre Meinung �ber eine Begleitung ge�ndert. Sie h�tte es auch getan, wenn sie sich nicht vorher dagegen ausgesprochen h�tte. Aber zwei M�nner k�nnten sie ohnehin nicht besch�tzen, wenn dies wirklich eine raffinierte Falle war, und zudem w�re es ein Zeichen von Schw�che, wenn sie ihre Meinung jetzt noch �nderte. Sie schritt neben Saren durch die Korridore und f�hlte sich schwach und �berhaupt nicht wie eine K�nigin. Nein. Vielleicht w�rde sie wie jeder andere Mensch schreien, wenn die Zweifler sie in ihren Kerkern hatten � nun, da gab es kein Vielleicht. Sie war nicht so t�richt zu glauben, k�nigliches Fleisch sei in dieser Beziehung anders als das anderer Menschen �, aber bis dahin w�rde sie sein, was sie war. Sie machte sich wohlerwogen daran, die Schmetterlinge zu vertreiben.</p><p>Saren f�hrte sie in einen kleinen, mit Fliesen ausgelegten Hof, wo M�nner mit Schwertern auf Holzpfosten einschlugen. �Wohin gehen wir?� fragte sie. �Dies ist nicht der Weg, den ich fr�her zum Studierzimmer des Lordhauptmanns gegangen bin. Befindet er sich jetzt woanders?�</p><p>�Ich nehme den k�rzesten Weg�, erwiderte er kurz angebunden. �Ich habe mich um wichtigere Dinge zu k�mmern als...� Er beendete seinen Satz nicht und verlangsamte auch seinen Schritt nicht.</p><p>Sie hatte keine andere Wahl, als ihm zu folgen, einen von l�nglichen R�umen voller schmaler Feldbetten und M�nnern mit nackten Oberk�rpern ges�umten Gang. Sie hielt ihren Blick fest auf Sarens R�cken gerichtet und formulierte im Geiste bereits die heftigen S�tze, die sie Niall an den Kopf werfen wollte. Es ging �ber einen Stallhof, �ber dem schwer der Geruch von Pferden und Dung hing und in dem ein Hufschmied in einer Ecke Pferde beschlug, einen weiteren Barackengang entlang, dann einen Gang, der auf einer Seite von K�chen ges�umt war und in dem es stark nach Geschmortem roch, in einen weiteren Hof... Sie blieb j�h stehen.</p><p>Ein langes, hohes Schafott stand mitten auf dem Hof. Drei Frauen und mehr als ein Dutzend M�nner f�llten jeden Fleck der Plattform, die H�nde und F��e gefesselt und mit um den Hals gelegten Schlingen. Einige weinten j�mmerlich, aber die meisten wirkten einfach ver�ngstigt. Die letzten beiden M�nner am anderen Ende waren Torwyn Barshaw und Paitr, der Junge in Hemds�rmeln, anstatt in dem rotwei�en Umhang, den sie f�r ihn hatte fertigen lassen. Paitr weinte nicht, aber sein Onkel tat es. Paitr schien zu erschreckt, um an Tr�nen zu denken.</p><p>�F�r das Licht!� rief ein Wei�mantel-Offizier aus, und ein weiterer Wei�mantel verschob einen langen Hebel am Ende des Schafotts.</p><p>Fallt�ren �ffneten sich mit lautem Krachen, und die Opfer fielen au�er Sicht. Einige der fest gespannten Stricke erbebten, als die an ihrem Ende h�ngenden Menschen ihr Leben herausw�rgten, anstatt an einem gebrochenen Genick schnell zu sterben. Paitr war einer von ihnen. Und ihre sorgf�ltig geplante Fluchtm�glichkeit starb mit ihm. Vielleicht h�tte sie sich genauso sehr um ihn sorgen sollen, aber sie dachte an die Flucht, an ihren Ausweg aus der Falle, in die sie getappt war. Sie war gefangen, und Andor mit ihr.</p><p>Saren sah sie an und erwartete eindeutig, da� sie in Ohnmacht fiele oder sich �berg�be.</p><p>�So viele auf einmal?� sagte sie und war stolz auf die Festigkeit ihrer Stimme. Paitrs Strick hatte aufgeh�rt zu beben. Es schwang jetzt nur noch langsam von einer Seite zur anderen. Keine Fluchtm�glichkeit.</p><p>�Wir h�ngen jeden Tag Schattenfreunde�, antwortete Saren trocken. �Ihr in Andor entla�t sie vielleicht mit einer Belehrung. Wir tun das nicht.�</p><p>Morgase begegnete seinem Blick. Der k�rzeste Weg? Das war also Nialls neue Taktik. Es �berraschte sie nicht, da� ihre geplante Flucht nicht erw�hnt wurde. Niall war daf�r zu geschickt. Sie war ein ehrenwerter Gast, und Paitr und sein Onkel waren zuf�llig geh�ngt worden, f�r irgendein Verbrechen, das nichts mit ihr zu tun hatte. Wer w�rde als n�chster auf das Schafott steigen m�ssen? Lamgwin oder Basel? Lini oder Tallanvor? Seltsam, aber das Bild Tallanvors mit einem Strick um den Hals schmerzte sie mehr als dasselbe Bild von Lini. Der Verstand spielte ihr merkw�rdige Streiche. �ber Sarens Schulter hinweg erblickte sie Asunawa, der die Hinrichtung von einem Fenster aus beobachtete. Er schaute zu ihr hinab. Vielleicht war das sein Werk und nicht Nialls. Es machte keinen Unterschied. Sie durfte ihre Leute nicht vergebens sterben lassen. Sie durfte Tallanvor �berhaupt nicht sterben lassen. Sehr merkw�rdige Streiche.</p><p>Sie w�lbte sp�ttisch eine Augenbraue und sagte: �Wenn Euch dies die Knie hat weich werden lassen, sollten wir warten, bis Ihr Eure Kraft wiederfindet� Eine unbek�mmerte Stimme, unbeeintr�chtigt von dem, was sie gesehen hatte. Licht, sie durfte sich nicht �bergeben.</p><p>Sarens Gesicht verd�sterte sich, er wandte sich auf dem Absatz um und stolzierte davon. Sie folgte ihm w�rdigen Schrittes, schaute nicht zu Asunawas Fenster hoch und versuchte, nicht an das Schafott zu denken.</p><p>Vielleicht war dies wirklich der k�rzeste Weg, denn Saren f�hrte sie im n�chsten Gang drei steile Treppen hoch und brachte sie schneller zu Nialls Audienzraum, als sie jemals zuvor dorthin gelangt war. Niall stand, wie �blich, nicht auf, und es war kein Stuhl f�r sie da, so da� sie gezwungen war, wie eine Bittstellerin vor ihm stehen zu bleiben. Er schien erregt, sa� schweigend da und sah sie an, ohne sie aber wirklich zu bemerken.</p><p>Er hatte gesiegt und bemerkte sie nicht einmal. Das �rgerte sie. Licht, er hatte gesiegt. Vielleicht sollte sie in ihre R�ume zur�ckkehren. Wenn sie Tallanvor und Lamgwin und Basel anwies, ihr einen Fluchtweg zu graben, w�rden sie es versuchen. Und sie w�rden sterben, und sie ebenfalls. Sie hatten noch niemals ein Schwert gef�hrt, aber wenn sie diesen Befehl g�be, w�rden sie eines aufnehmen. Sie w�rde sterben, und Elayne w�rde den L�wenthron besteigen. Sie w�rde es tun, sobald al'Thor davon vertrieben w�re. Die Wei�e Burg w�rde daf�r sorgen, da� Elayne bek�me, was ihr geh�rte. Die Burg. Wenn die Burg den Thron f�r Elayne sicherte... Es schien verr�ckt, und doch traute sie der Burg noch weniger als Niall. Nein, sie mu�te Andor selbst retten. Aber der Preis. Der Preis mu�te bezahlt werden.</p><p>Sie zwang sich dazu, es auszusprechen. �Ich bin bereit, deinen Vertrag zu unterzeichnen.�</p><p>Niall schien sie zun�chst nicht zu h�ren. Dann blinzelte er, lachte pl�tzlich verzerrt und sch�ttelte dann den Kopf. Auch das �rgerte sie. �berraschung vorzut�uschen. Sie hatte nicht versucht zu fliehen. Sie war ein Gast. Sie w�nschte, sie k�nnte ihn am Galgen sehen.</p><p>Er bewegte sich so schnell, da� es die Erinnerung an seine vorherige Teilnahmslosigkeit fast vertrieb. Im Handumdrehen hatte er seinen kleinen, eingetrockneten Schreiber mit einem Pergament hereingerufen, auf dem bereits alles ausgef�hrt war und das sogar bereits eine Nachahmung des Siegels von Andor aufwies, die sie nicht von dem Original unterscheiden konnte.</p><p>Ob sie nun eine Wahl hatte oder nicht � sie las die Bedingungen sorgf�ltig durch. Sie waren nicht anders, als sie erwartet hatte. Niall w�rde die Wei�m�ntel in den Kampf zur Wiedererlangung ihres Throns f�hren, aber er forderte auch einen Preis, wenn er auch nicht als solcher bezeichnet wurde. Eintausend Wei�m�ntel w�rden st�ndig in Caemlyn stationiert, mit einer eigenen Gerichtsbarkeit unabh�ngig von andoranischem Recht. Die Wei�m�ntel w�rden in ganz Andor dauerhaft mit der Garde der K�nigin gleichgestellt. Es w�rde vielleicht ihr ganzes Leben lang dauern, diese Unterschrift wieder unwirksam zu machen, und auch Elaynes, aber die Wahl w�re al'Thor, der den Thron als Troph�e einn�hme. Wenn ihn �berhaupt wieder eine Frau inneh�tte, w�re es Elenia oder Naean oder �hnliche, und zwar als al'Thors Marionette. Entweder das oder Elayne als Marionette der Burg. Sie <emphasis>konnte</emphasis> sich nicht dazu bringen, der Burg zu trauen.</p><p>Sie unterzeichnete deutlich mit ihrem Namen und pre�te das nachgemachte Siegel in das rote Wachs, das Nialls Schreiber unten auf das Pergament hatte tropfen lassen: der L�we von Andor, von der Rosenkrone umgeben. Also war sie die erste K�nigin, die jemals fremde Soldaten auf andoranischem Boden duldete.</p><p>�Wie bald?� Es war schwerer auszusprechen, als sie es sich vorgestellt hatte. �Wie bald werden deine Legionen einreiten?�</p><p>Niall z�gerte und blickte auf den Tisch. Dort war nichts au�er einem Stift, Tinte, einer Schale mit Sand und einem frisch abgebrannten St�ck Siegelwachs zu sehen, als habe er erst vor sehr kurzer Zeit einen Brief geschrieben. Er f�hrte seine Unterschrift unter den Vertrag zu Ende, pr�gte sein eigenes Siegel darauf, eine flammende Sonne in goldenem Wachs, und reichte das Pergament dann seinem Schreiber. �Bringt dies ins Urkundenarchiv, Balwer. Ich furchte, ich kann nicht so schnell vorr�cken, wie ich gehofft hatte, Morgase. Es sind Entwicklungen zu bedenken. Nichts, worum du dich sorgen m��test. Einfach die Frage, wie man sich am besten in Gebieten vorw�rts bewegt, die nicht mit Andor verbunden sind. Ich bestehe darauf, da� du dies einfach als zus�tzliche Zeit ansiehst, in der ich das Vergn�gen deiner Gesellschaft genie�en kann.�</p><p>Balwer verbeugte sich gekonnt, wenn auch etwas pedantisch, obwohl sie sich fast sicher war, da� sein Blick vor �berraschung fast ruckartig zu Niall gewandert war. Sie h�tte selbst beinahe den Mund aufgesperrt. Er bedr�ngte sie st�ndig, und jetzt mu�te er sich um andere Angelegenheiten k�mmern? Balwer eilte hinaus, als f�rchte er, sie k�nnte den Vertrag wieder an sich nehmen und zerrei�en, aber daran dachte sie am wenigsten. Zumindest w�rde es keine weiteren Hinrichtungen geben. Um das �brige w�rde man sich zu gegebener Zeit k�mmern m�ssen. Eines nach dem anderen. Ihr beharrlicher Widerstand war erlahmt, aber jetzt hatte sie wieder Zeit, ein unerwartetes Geschenk, das nicht vergeudet werden durfte. Das Vergn�gen ihrer Gesellschaft?</p><p>Sie setzte ein herzliches L�cheln auf. �Es scheint, als sei mir ein Gewicht von den Schultern genommen worden. Sage mir, spielst du Dame?�</p><p>�Ich gelte als guter Spieler.� Sein L�cheln wirkte zun�chst �berrascht und dann belustigt Morgase err�tete, aber es gelang ihr, keine Ver�rgerung zu zeigen. Vielleicht war es das beste, da� er sie jetzt f�r besiegt hielt. Niemand beobachtete einen besiegten Feind allzu genau oder sch�tzte ihn zu hoch. Wenn sie vorsichtig war, konnte sie vielleicht mit der Zeit wiedererlangen, was sie aufgegeben hatte, bevor seine Soldaten Amadicia verlie�en. Sie hatte in bezug auf das Spiel der H�user einen sehr guten Lehrer gehabt.</p><p>�Ich werde versuchen, kein allzu schlechter Gegner zu sein, wenn du gern spielen w�rdest.� Sie selbst war weit davon entfernt, gut zu sein, aber sie w�rde nat�rlich verlieren m�ssen, jedoch auch wiederum nicht so eindeutig, da� er sich langweilen w�rde. Sie ha�te es zu verlieren.</p><p>Asunawa trommelte stirnrunzelnd mit den Fingern auf die goldverzierte Armlehne seines Sessels. �ber seinem Kopf befand sich der in gl�nzender Lackfarbe auf einer rein wei�en Scheibe an der R�ckenlehne des Sessels eingearbeitete Hirtenstab. �Die Hexe war �berrascht�, murmelte er.</p><p>Saren reagierte, als sei es eine Beschuldigung gewesen. �Eine Hinrichtung hat auf manche Leute diese Wirkung. Die Schattenfreunde wurden gestern zusammengetrieben. Ich habe geh�rt, da� sie irgendwelche Katechismen an den Schatten dahergebetet haben, als Trom die T�r einschlug. Ich habe es �berpr�ft, aber niemand hat daran gedacht zu fragen, ob sie irgendwie mit ihr in Verbindung standen.� Zumindest scharrte er nicht mit den F��en. Er stand so aufrecht, wie jede Hand des Lichts es tun sollte.</p><p>Asunawa wehrte jegliche Erkl�rungen mit einem kurzen Winken ab. Nat�rlich bestand keine Verbindung, abgesehen von der Tatsache, da� sie eine Hexe war und die anderen Schattenfreunde. Die Hexe befand sich immerhin in der Festung des Lichts, aber er war dennoch besorgt.</p><p>�Niall hat mich wie einen Hund losgeschickt, sie zu holen�, sagte Saren z�hneknirschend. �Ich h�tte mich beinahe �bergeben, weil ich einer Hexe so nahe war. Meine H�nde wollten ihr die Kehle zudr�cken.�</p><p>Asunawa machte sich nicht die M�he zu antworten. Er h�rte kaum zu. Nat�rlich ha�te Niall die Hand. Die meisten Menschen ha�ten, was sie f�rchteten. Nein, seine Gedanken waren bei Morgase. Sie war in keinerlei Beziehung schwach. Sie hatte Niall sicherlich hinreichend die Stirn geboten. Die meisten Menschen w�ren zusammengebrochen, sobald sie die Festung betreten h�tten. Sie w�rde allerdings einige seiner Pl�ne durchkreuzen, wenn sie sich dennoch als schwach erwiese. Er hatte sich alle Einzelheiten gemerkt, von jedem Tag ihres Verh�rs durch die verf�gbaren Gesandten jedes Landes, das noch einen Gesandten er�brigen konnte, bis schlie�lich zu ihrem dramatischen Gest�ndnis, das ihr so gekonnt entrungen wurde, da� niemand jemals dahinterk�me, wie dies geschehen war, und den Zeremonien rund um ihre Hinrichtung.</p><p>�Hoffen wir, da� sie Niall weiterhin widersteht�, sagte er mit einem L�cheln, das auf einige Menschen sanft und gottesf�rchtig gewirkt h�tte. Selbst Nialls Geduld konnte nicht ewig anhalten. Er w�rde sie schlie�lich der Gerechtigkeit �berantworten m�ssen.</p></section><section><title><p>32</p><p>Ein k�hles Bad</p></title><p>Egwene erschien Rands Besuch in Cairhien wie eines dieser gro�artigen Spektakel der Feuerwerker, von denen sie zwar geh�rt, die sie aber nie gesehen hatte, und die in der ganzen Stadt aufflammten. Der Widerhall schien endlos nachzuklingen.</p><p>Sie blieb dem Palast nat�rlich fern, aber die Weisen Frauen suchten jeden Tag nach mit <emphasis>Saidar</emphasis> errichteten Fallen, und sie sagten ihr, was vor sich ging. Adlige sahen einander mi�trauisch an, und Tairener und Cairhiener gleicherma�en. Berelain schien sich verborgen zu halten und weigerte sich, irgend jemanden zu sehen, wenn es nicht unbedingt notwendig war. Rhuarc hatte sie offensichtlich daf�r zur Rechenschaft gezogen, ihre Pflichten vernachl�ssigt zu haben, aber es hatte kaum gewirkt. Er schien im ganzen Palast der einzige zu sein, der nicht beeintr�chtigt war. Sogar die Diener sprangen, wenn man sie nur ansah, obwohl das vielleicht auch daher r�hrte, da� die Weisen Frauen in allen Ecken herumst�berten.</p><p>In den Zelten standen die Dinge nicht besser und unter den Weisen Frauen ohnehin nicht. Die restlichen Aiel waren wie Rhuarc, ruhig und unersch�tterlich.</p><p>Ihre Haltung lie� die Launenhaftigkeit der Weisen Frauen noch krampfhafter wirken. Amys und Sorilea kamen ziemlich aufgebracht von einem Treffen mit Rand zur�ck. Sie sagten nicht warum, nicht solange Egwene es h�ren k�nnte, aber das Gef�hl verbreitete sich so schnell wie ein Gedanke unter den Weisen Frauen, bis jede einzelne von ihnen wie eine kratzb�rstige Katze umherschlich. Ihre Lehrlinge bewegten sich fast lautlos und sprachen leise, aber sie wurden dennoch stirnrunzelnd f�r Dinge ger�gt, die zuvor unbemerkt geblieben w�ren, und f�r Vergehen bestraft, die zuvor nur ein Stirnrunzeln bewirkt h�tten.</p><p>Shaido-Weise Frauen, die im Lager erschienen, halfen nicht. Zumindest waren Therava und Emerys Weise Frauen. Die dritte war Sevanna, die wichtigtuerisch und mit ausreichend weit ge�ffneter Bluse herumstolzierte, um Berelain Konkurrenz zu machen, egal wieviel Staub heranwehte. Therava und Ernerys sagten, Sevanna sei eine Weise Frau, und obwohl Sorilea deswegen grollte, mu�te sie als solche anerkannt werden. Egwene war sich sicher, da� sie spionierten, aber Amys sah sie nur an, als sie es erw�hnte. Durch die Br�uche gesch�tzt, konnten sie frei zwischen den Zelten umhergehen und wurden von allen Weisen Frauen � sogar von Sorilea � herzlich willkommen gehei�en, als seien sie enge Freundinnen oder Erst-Schwestern. Dennoch versch�rfte ihre Anwesenheit die �bellaunigkeit aller noch, besonders Egwenes. Diese selbstgef�llige Katze Sevanna wu�te, wer sie war, und machte sich nicht die M�he, ihr Vergn�gen daran zu verbergen, �das kleine Lehrm�dchen� bei jeder Gelegenheit nach einem Becher Wasser oder �hnlichem zu schicken. Sevanna sah sie an � mit pr�fendem Blick. Egwene wurde an jemanden erinnert, der ein Huhn betrachtet, w�hrend er dar�ber nachdenkt, wie er es zubereiten will, nachdem er es gestohlen hat. Und was noch schlimmer war � die Weisen Frauen wollten ihr nicht sagen, wor�ber sie sprachen. Es waren Angelegenheiten der Weisen Frauen und nicht die der Lehrlinge. Aus welchem Grund auch immer die Shaido dort waren, sicherlich interessierte sie die Stimmung unter den Weisen Frauen. Mehr als einmal sah Egwene Sevanna, wenn sie sich unbeobachtet glaubte, l�cheln, wenn sie Amys oder Malindhe oder Cosain vorbeistolzieren, mit sich reden und nutzlos ihre Stolen richten sah. Aber nat�rlich h�rte niemand auf Egwene. Zu viele Bemerkungen �ber die Shaido-Frauen brachten ihr schlie�lich die Strafe ein, den gr��ten Teil des Tages ein Loch graben zu m�ssen, das �ausreichend tief war, um darin zu stehen, ohne gesehen zu werden�, und als sie schwitzend und schmutzig dort herauskletterte und das Loch wieder zuzuschaufeln begann, sah Sevanna zu.</p><p>Zwei Tage, nachdem Rand gegangen war, �berredeten Aeron und einige andere Weise Frauen drei T�chter des Speers, sich nachts �ber die Mauer von Arilyns Palast zu stehlen, um zu sehen, was sie herausfinden konnten, und das machte alles noch schlimmer. Die drei umgingen Gawyns Wachen, wenn auch unter gr��eren Schwierigkeiten als erwartet, aber die Aes Sedai waren eine andere Sache. W�hrend sie noch vom Dach in eine Mansarde kletterten, wurden sie von der Macht umh�llt und hineingezogen. Gl�cklicherweise schienen Coiren und die anderen zu glauben, sie seien dort eingedrungen, um etwas zu stehlen, obwohl die T�chter des Speers es vielleicht f�r nicht so vorteilhaft gehalten hatten. Sie wurden so verpr�gelt auf die Stra�e geworfen, da� sie kaum gehen konnten, und versuchten dennoch, sich nichts anmerken zu lassen, als sie zu den Zelten zur�ckkehrten. Die anderen Weisen Frauen schalten Aeron und ihre Freundinnen normalerweise abwechselnd aus, obwohl Sorilea es sich zur Aufgabe gemacht zu haben schien, sie vor so vielen Leuten wie m�glich zu r�gen. Sevanna und ihre beiden Begleiterinnen zeigten ihre Schadenfreude recht offen, wann immer sie Aeron oder eine der anderen sahen, und r�tselten untereinander in lautem Tonfall dar�ber, was die Aes Sedai tun w�rden, wenn sie es herausf�nden. Sogar Sorilea sah sie deshalb fragend an, aber niemand sagte etwas, und Aeron und ihre Freundinnen fingen an, sich zu verbergen, wenn sie nicht gerade ihren Pflichten nachgingen oder Unterricht hatten. Ungez�gelte Temperamente wurden gef�hrlich wie Rasierklingen.</p><p>Bis auf das Graben des Lochs umging Egwene die schlimmsten Auswirkungen, aber nur, weil sie den Zelten h�ufig fernblieb, haupts�chlich, um Sevanna aus dem Weg zu gehen, bevor sie der Frau eine Lektion erteilen w�rde. Sie zweifelte nicht daran, wie das enden w�rde. Sevanna wurde als Weise Frau akzeptiert, egal wie viele Grimassen geschnitten wurden, wenn sie nicht in der N�he war. Amys und Bair w�rden die Shaido-Frau wahrscheinlich ihr Strafma� festsetzen lassen. Zumindest war fernzubleiben nicht allzu schwierig. Sie war vielleicht ein Lehrling, aber nur Sorilea bem�hte sich, ihr die tausend Dinge beizubringen, die eine Weise Frau wissen mu�te. Bis Amys und Bair ihre endg�ltige Erlaubnis erteilten, nach <emphasis>Tel'aran'rhiod</emphasis> zur�ckzukehren, konnte sie weitgehend selbst �ber ihre Tage und N�chte verf�gen, solange es ihr gelang, nicht mit Surandha und den anderen erwischt zu werden, um das Geschirr abzuwaschen oder Dung f�r die Feuer einzusammeln.</p><p>Sie konnte nicht verstehen, warum die Tage so langsam zu vergehen schienen. Sie dachte, es m�sse Amys und Bair dienlich sein. Gawyn war jeden Morgen im <emphasis>Gro�en Mann.</emphasis> Sie gew�hnte sich an das zweideutige, h�hnische Grinsen der dicken Wirtin, obwohl sie ein- oder zweimal daran dachte, sie zu treten. Vielleicht auch dreimal, aber nicht �fter. Jene Stunden vergingen wie im Fluge. Sie sa� kaum auf Gawyns Scho�, wenn es auch schon Zeit wurde, ihr Haar zu richten und zu gehen. Es �ngstigte sie nicht mehr, auf seinem Scho� zu sitzen. Es hatte sie eigentlich niemals wirklich ge�ngstigt, aber inzwischen war es �beraus angenehm. Wenn sie manchmal an Dinge dachte, die sie nicht haben konnte, wenn diese Gedanken sie err�ten lie�en � nun, er strich stets mit den Fingern �ber ihr Gesicht, wenn sie err�tete, und sprach ihren Namen auf eine Art aus, wie sie es gern ihr ganzes Leben lang geh�rt h�tte. Er lie� weniger dar�ber verlauten, was bei den Aes Sedai vor sich ging, als sie anderswo erfuhr, aber sie konnte sich kaum dazu bringen, sich deswegen zu sorgen.</p><p>Es waren die anderen Stunden, die sich z�h dahinschleppten. Es gab so wenig zu tun, da� sie dachte, sie w�rde vor Langeweile platzen. Weise Frauen, die Arilyns Palast �berwachten, berichteten von keinen weiteren Aes Sedai. Die W�chter, die aus jenen auserw�hlt waren, die die Macht lenken konnten, berichteten, die Aes Sedai w�rden die Macht im Inneren noch immer Tag und Nacht handhaben, ohne zu zerbrechen, aber Egwene wagte nicht, nahe heranzugehen. Auch wenn sie es t�te, k�nnte sie nicht sagen, was sie taten, wenn sie ihre Str�nge nicht sah. W�ren die Weisen Frauen weniger m�rrisch gewesen, h�tte sie vielleicht versucht, in ihrem Zelt Zeit mit Lesen zu verbringen, aber das einzige Mal, als sie, au�er nachts bei Lampenlicht, ein Buch anr�hrte, hatte Bair sich derma�en �ber M�dchen ge�u�ert, die ihre Zeit damit verschwendeten, faul herumzuliegen, da� Egwene gemurmelt hatte, sie h�tte etwas vergessen, und aus dem Zelt geeilt war, bevor man etwas N�tzlicheres f�r sie zu tun fand. Wenige Augenblicke einer Unterhaltung mit einem anderen Lehrling konnten genauso gef�hrlich sein. Als sie einmal stehengeblieben war, um mit Surandha zu sprechen, die sich im Schatten eines Zeltes verborgen gehalten hatte, das einigen Steinsoldaten geh�rte, hatte ihnen das einen Nachmittag mit W�schewaschen eingebracht, als Sorilea sie entdeckt hatte. Sie w�re �ber diese Aufgabe vielleicht sogar froh gewesen, einfach dar�ber, da� sie �berhaupt etwas zu tun hatte, aber Sorilea hatte die vollkommen saubere, im Zelt aufgeh�ngte W�sche begutachtet, geschnaubt und gesagt, sie m��ten sie noch einmal waschen. Sie sagte ihnen zweimal, sie m��ten die W�sche abermals waschen! Sevanna hatte auch dabei zugesehen.</p><p>Wenn Egwene sich in der Stadt aufhielt, hatte sie stets das Gef�hl, sich umsehen zu m�ssen, au�er am dritten Tag, als sie ihren Weg zu den Kais hinab so sorgf�ltig w�hlte, wie eine sich vor einer Katze davonstehlende Maus. Ein d�rrer Bursche mit einem kleinen, schmalen Boot kratzte sich das d�nner werdende Haar und verlangte ein Silberst�ck, damit er sie zum Schiff des Meervolks hinausrudern w�rde. Alles war teuer, aber dies war l�cherlich. Sie fixierte ihn mit festem Blick, sagte ihm, er k�nnte ein geringerwertiges Geldst�ck haben � was wirklich immer noch viel zuviel war � und hoffte, der Handel w�rde nicht ihre ganze Geldb�rse leeren. Sie besa� nicht viel Geld. Jedermann gehorchte und fuhr zusammen, wenn Aiel in der N�he waren, aber wenn es ums Handeln ging, verga�en sie alles �ber <emphasis>Cadin'sors</emphasis> und Speere und k�mpften wie die L�wen. Der Mann �ffnete seinen zahnlosen Mund, schlo� ihn wieder, betrachtete sie pr�fend, murmelte leise etwas und sagte dann zu ihrer �berraschung, sie stehle ihm das Brot aus dem Mund.</p><p>�Steigt ein�, brummte er. �Ich kann nicht f�r einen Hungerlohn den ganzen Tag verschwenden. Einen Mann �bers Ohr zu hauen. Ihm das Brot zu stehlen.� Er �u�erte sich auch noch in dieser Weise, als er schon zu rudern begonnen hatte und das winzige Boot ins breitere Fahrwasser des Alguenya hinausbrachte.</p><p>Egwene wu�te nicht, ob Rand diese Herrin der Wogen getroffen hatte, aber sie hoffte es. Laut Elayne war der Wiedergeborene Drache der Coramoor des Meervolks, der Auserw�hlte, und er brauchte nur aufzutauchen, und sie liefen hinter ihm her. Sie hoffte, sie w�ren dennoch nicht zu unterw�rfig. Davon hatte Rand bereits mehr als genug. Dennoch hatte nicht Rand sie mit dem brummigen Bootsf�hrer hinausgeschickt. Elayne war schon einigen Angeh�rigen des Meervolks begegnet, war auf einem ihrer Schiffe gereist und behauptete, ihre Windsucherinnen k�nnten die Macht lenken. Einige von ihnen ohnehin, vielleicht sogar die meisten. Das war ein Geheimnis, das die Athan'Miere gut h�teten, aber die Windsucherin auf Elaynes Schiff war nur zu bereit gewesen, ihr Wissen zu teilen, nachdem ihr Geheimnis bekanntgeworden war. Meervolk-Windsucherinnen kannten sich mit dem Wetter aus. Elayne behauptete, sie w��ten mehr dar�ber als die Aes Sedai. Sie sagte, die Windsucherin auf ihrem Schiff h�tte riesige Str�nge gewoben, um g�nstige Winde zu bewirken. Egwene hatte keine Ahnung, wieviel davon der Wahrheit entsprach und wieviel der Begeisterung erwuchs, aber ein wenig �ber das Wetter zu lernen, w�re sicherlich besser, als den Daumen <emphasis>zu</emphasis> drehen und sich zu fragen, ob es eine Erleichterung bedeutete, wenn sie von den Weisen Frauen und Sevanna fortk�me, weil Nesune sie gefangenn�hme. Ihr gegenw�rtiges Wissen reichte nicht einmal aus, um es regnen zu lassen, wenn der Himmel bis auf Blitze schwarz war. Im Moment schien die Sonne jedoch golden von einem wolkenlosen Himmel, und Hitzespiegelungen tanzten �ber das dunkle Wasser. Zumindest gelangte der Staub nicht weit auf den Flu� hinaus.</p><p>Als der Bootsf�hrer schlie�lich die Ruder einzog und das kleine Gef�hrt neben das Schiff gleiten lie�, stand Egwene auf, ohne auf sein Gemurmel zu achten, da� sie sie beide in den Flu� st�rzen w�rde. �Hallo!� rief sie. �Hallo? Bitte an Bord kommen zu d�rfen.�</p><p>Sie war bereits auf mehreren Flu�schiffen gewesen und war stolz darauf, da� sie die richtige Ausdrucksweise beherrschte � Schiffer waren darin eigen �, aber mit Schiffen wie diesem hatte sie noch keine Erfahrung. Sie hatte schon l�ngere Flu�schiffe gesehen, aber noch kein so hohes. Einige Mitglieder der Mannschaft befanden sich in der Takelage oder erklommen die Rahen, dunkelh�utige M�nner mit nacktem Oberk�rper in weiten, farbenpr�chtigen Hosen, die von hellen Sch�rpen gehalten wurden, und auch dunkelh�utige Frauen in hellen Blusen.</p><p>Sie wollte gerade erneut und lauter rufen, als eine Strickleiter am Schiffsrumpf herabgelassen wurde. Kein Antwortruf erklang von Deck, und doch schien dies eine ausreichende Aufforderung. Egwene kletterte hinauf. Es war schwierig � nicht das Klettern, sondern ihre R�cke angemessen zu richten; sie konnte erkennen, warum die Meervolk-Frauen Hosen trugen �, aber schlie�lich erreichte sie die Reling.</p><p>Ihr Blick fiel sofort auf eine Frau, die keine Spanne entfernt an Deck stand. Sie trug eine blauseidene Bluse und eine Hose mit einer dunkleren Sch�rpe. Au�erdem hatte sie drei goldene Ringe in jedem Ohr und eine h�bsche Kette mit winzigen gl�nzenden Medaillons, die von einem Ohr zu einem Ring in ihrer Nase verlief. Elayne hatte dies beschrieben und es ihr sogar gezeigt, in <emphasis>Tel'aran'rhiod,</emphasis> aber es selbst zu sehen, lie� Egwene zusammenzucken. Aber da war noch etwas. Sie konnte, die F�higkeit, die Macht zu lenken, sp�ren. Sie hatte die Windsucherin gefunden.</p><p>Sie �ffnete den Mund, und eine dunkle Hand blitzte mit einem gl�nzenden Dolch vor ihren Augen auf. Bevor sie schreien konnte, durchschnitt die Klinge die Seile der Strickleiter. Sich noch immer an die jetzt nutzlose Leiter krallend, st�rzte sie hinab.</p><p>Und dann schrie sie � einen Herzschlag lang, bevor sie mit den F��en zuerst in den Flu� fiel und tief eintauchte. Wasser str�mte in ihren ge�ffneten Mund, erstickte ihren Schrei. Sie glaubte, den halben Flu� zu schlucken. Sie k�mpfte verzweifelt gegen die um ihren Kopf gewickelten R�cke und die Strickleiter an. Sie war nicht verzweifelt. Sie war es nicht. Wie tief war sie herabgesunken? Um sie herum war nur schlammige Dunkelheit. In welcher Richtung ging es aufw�rts? Eisenb�nder umspannten ihre Brust, aber sie atmete durch die Nase aus und beobachtete, wie die Luftblasen, wie es ihr schien, nach links unten schwebten. Sie drehte sich und strebte zur Oberfl�che. Wie weit? Ihre Lungen brannten.</p><p>Ihr Kopf brach ins Tageslicht durch, und sie sog hustend Luft ein. Zu ihrer �berraschung streckte der Bootsf�hrer die Hand aus, zog sie in sein Boot, murmelte ihr zu, sie solle aufh�ren zu k�mpfen, bevor sie das Meervolk erz�rnte, und f�gte hinzu, da� sie eben eigen seien. Er beugte sich her�ber, um ihre Stola zu packen, bevor sie erneut versank. Sie entri� sie ihm, und er schrak zur�ck, als glaubte er, sie wollte ihn damit schlagen. Die R�cke hingen schwer um ihre Beine, die Bluse klebte an ihr und das Kopftuch hing schr�g �ber ihrer Stirn. Auf dem Bootsboden unter ihren F��en begann sich eine Lache zu bilden.</p><p>Das Boot war vielleicht zwanzig Schritt vom Schiff abgetrieben. Die Windsucherin stand jetzt mit zwei weiteren Frauen an der Reling, eine in hellgr�ner Seide und die andere in rotem, mit Goldf�den durchwirktem Brokat. Ihre Ohr- und Nasenringe und �ketten fingen die Sonne ein.</p><p>�Eure Bitte wird verweigert�, rief die gr�ngekleidete Frau, und die Frau in Rot schrie: �Sagt den anderen, da� Verkleidungen uns nicht t�uschen k�nnen. Ihr �ngstigt uns nicht. Euch allen wird die Gunst verweigert, an Bord zu kommen!�</p><p>Der runzlige Bootsf�hrer nahm die Ruder auf, aber Egwene richtete einen Finger direkt auf seine schmale Nase. �Haltet augenblicklich inne.� Er hielt inne und funkelte sie b�se an. Kein Wort �blicher H�flichkeit.</p><p>Sie atmete tief ein, umarmte <emphasis>Saidar</emphasis> und wob vier Str�nge, bevor die Windsucherin reagieren konnte. Also verstand sie auch etwas davon, nicht wahr? Konnte sie ihre Str�nge vierfach teilen? Nicht viele Aes Sedai konnten dies tun. Ein Strang war Geist, ein Schild, den sie vor die Windsucherin schob, damit sie sich nicht einmischte. Wenn sie gewu�t h�tte wie. Die anderen drei Str�nge waren Luft, fast unbemerkt um jede der Frauen gewoben und ihre Arme an den Seiten festhaltend. Es war nicht wirklich schwer, sie anzuheben, aber auch nicht sehr leicht.</p><p>Tumult erklang auf dem Schiff, als die Frauen in der Luft und geradewegs �ber den Flu� schwebten. Egwene h�rte den Bootsf�hrer st�hnen. Er interessierte sie nicht. Die drei Meervolk-Frauen wehrten sich nicht. Sie hob sie m�hsam h�her, ungef�hr zehn oder zw�lf Schritt �ber die Wasseroberfl�che, aber egal, wie sehr sie sich auch bem�hte �dies war anscheinend die Grenze. <emphasis>Nun, du willst sie nicht wirklich verletzen,</emphasis> dachte sie und lie� das Gewebe los. <emphasis>Jetzt werden sie schreien.</emphasis></p><p>Die Meervolk-Frauen rollten sich zu Kugeln zusammen, sobald sie zu fallen begannen, drehten sich und spannten sich dann mit nach vorn ausgestreckten Armen an. Sie tauchten fast ohne Spritzer in das Wasser ein. Kurz darauf brachen drei dunkle K�pfe durch die Wasseroberfl�che, und die Frauen schwammen eilends zum Schiff zur�ck.</p><p>Egwene schlo� den Mund. <emphasis>Wenn ich sie an den Kn�cheln hochhebe und ihre K�pfe eintauche, werden sie...</emphasis> Was dachte sie da? Sie mu�ten schreien, weil sie geschrien hatte? Sie war nicht durchtr�nkter als sie. <emphasis>Ich mu� wie eine ertr�nkte Ratte aussehen!</emphasis> Sie lenkte vorsichtig die Macht � an sich selbst mu�te man stets mit Vorsicht arbeiten, da man die Str�nge nicht deutlich sehen konnte �, und das Wasser perlte von ihr ab und sickerte aus ihrer Kleidung. Es bildete eine h�bsche Lache.</p><p>Erst als der Bootsf�hrer sie mit offenem Mund und geweiteten Augen anstarrte, erkannte sie, was sie getan hatte. Sie hatte mitten auf dem Flu� die Macht gelenkt, wo sie nichts vor den Aes Sedai verbarg, die sie vielleicht von irgendwoher sehen konnten. Obwohl die Sonne schien, fror sie pl�tzlich bis auf die Knochen.</p><p>�Ihr k�nnt mich jetzt zum Ufer zur�ckbringen.� Sie wu�te nicht, wer sich an den Kais aufhielt. Sie konnte auf diese Entfernung M�nner nicht von Frauen unterscheiden. �Nicht zur Stadt. Zum Flu�ufer.� Der Bursche legte sich so hart in die Ruder, da� sie fast r�ckw�rts umfiel.</p><p>Er brachte sie zu einer Stelle, wo das Ufer aus kleinen Felsenbrocken bestand. Es war niemand zu sehen, aber sie sprang aus dem Boot, sobald es knirschend auf die Felsen glitt, sch�rzte ihre R�cke und scho� in einem wilden Lauf das ansteigende Ufer hinauf, den sie den ganzen Weg zur�ck zu ihrem Zelt beibehielt, wo sie keuchend und schwitzend zusammenbrach. Sie n�herte sich der Stadt nicht wieder. Bis auf ihre Treffen mit Gawyn nat�rlich.</p><p>Die Tage vergingen, und der jetzt fast unaufh�rlich wehende Wind trug Tag und Nacht Wogen von Staub und Sand heran. In der f�nften Nacht begleitete Bair Egwene in die Welt der Traume, nur ein schneller Ausflug wie eine Art Pr�fung, ein Spaziergang in dem Teil <emphasis>Tel'aran'rhiods,</emphasis> den Bair am besten kannte: die Aiel-W�ste, ein ausgetrocknetes, zerkl�ftetes Land, das selbst das von der D�rre geplagte Cairhien fruchtbar und freundlich erscheinen lie�. Eine schnelle Reise, und dann kamen Amys und Bair und weckten sie, um zu sehen, ob der Ausflug bei ihr eine ungute Wirkung hinterlassen hatte. Dem war nicht so. Egal, wie sie sie laufen und springen lie�en, egal, wie oft sie ihr in die Augen sahen und ihrem Herzschlag lauschten � sie waren sich einig. Aber ob Einigkeit oder nicht � in der n�chsten Nacht nahm Amys sie auf eine neuerliche Reise in die W�ste mit, gefolgt von einer weiteren �berpr�fung, nach der sie froh war, in ihr Bett klettern und in tiefen Schlaf fallen zu d�rfen.</p><p>In jenen zwei N�chten kehrte sie nicht in die Welt der Tr�ume zur�ck, aber eher aus Ersch�pfung als aus einem anderen Grund. Davor hatte sie sich jede Nacht gesagt, sie k�nne aufh�ren � eine gute Sache, wenn sie darin eingebunden war, gegen ihre Beschr�nkungen anzuk�mpfen, wenn sie wieder gerade bereit waren, sie aufzuheben �, aber irgendwie beschlo� sie stets, da� eine kurze Reise vertretbar w�re, wenn sie ausreichend schnell verliefe, da� sie nicht entdeckt w�rde. Sie mied besonders den Ort zwischen <emphasis>Tel'aran'rhiod</emphasis> und der wachen Welt, den Ort, an dem die Tr�ume schwebten. Und sie mied ihn besonders, seit sie festgestellt hatte, da� sie glaubte, wenn sie sehr vorsichtig w�re, k�nnte sie vielleicht in Gawyns Tr�ume sp�hen, ohne hineingezogen zu werden, und da� es nur ein Traum w�re, selbst wenn sie hineingezogen w�rde. Sie rief sich energisch in Erinnerung, da� sie eine erwachsene Frau und kein albernes kleines M�dchen mehr war. Sie war nur froh, da� niemand sonst wu�te, wie sehr der Mann ihre Gedanken verwirrte. Amys und Bair w�rden Tr�nen lachen.</p><p>In der siebten Nacht bereitete sie sich sorgf�ltig aufs Bett vor, zog ein frisches Nachtgewand an und b�rstete ihr Haar, bis es gl�nzte. Das alles war in bezug auf <emphasis>Tel'aran'rhiod</emphasis> nutzlos, aber es hielt sie davon ab, dar�ber nachzudenken, wie ihr Magen rebellierte. Heute nacht w�rden Aes Sedai im Herzen des Steins warten, nicht Nynaeve oder Elayne. Das sollte eigentlich keinen Unterschied machen, es sei denn... Die Haarb�rste mit dem Elfenbeingriff erstarrte mitten im Strich. Es sei denn, eine der Aes Sedai erkannte, da� sie nur eine Aufgenommene war. Warum hatte sie daran nicht fr�her gedacht? Licht, sie w�nschte, sie k�nnte mit Nynaeve oder Elayne sprechen. Aber andererseits sah sie auch nicht, was das n�tzen sollte, und sie war sich sicher, da� ein Traum dar�ber, Dinge zu zerbrechen, bedeutete, da� etwas schief gehen w�rde, wenn sie mit ihnen spr�che.</p><p>Sie kaute auf ihrer Unterlippe, w�hrend sie erwog, zu Amys zu gehen und ihr zu sagen, da� sie sich nicht gut f�hlte. Nichts Ernstliches, nur ein verdorbener Magen, aber sie glaubte nicht, da� sie die Welt der Tr�ume heute nacht aufsuchen k�nnte. Sie w�rden nach dem Treffen von heute nacht erneut mit ihren Lektionen beginnen, aber... Eine weitere L�ge, und eine feige Art, seinen Vorteil zu ergreifen. Sie w�rde nicht feige sein. Nicht jeder konnte tapfer sein, aber Feigheit war verachtungsw�rdig. Was auch immer heute nacht gesch�he � sie mu�te sich zwingen, sich dem zu stellen, sonst nichts.</p><p>Sie legte die B�rste entschlossen hin, blies die Lampe aus und legte sich aufs Bett. Sie war ausreichend m�de, da� sie rasch einschlief, obwohl sie sich inzwischen jederzeit in Schlaf versetzen konnte, wenn es n�tig war, oder in eine leichte Trance, in der sie noch mit jemandem sprechen � nun, murmeln � konnte, der bei ihr war. Kurz vor dem Einschlafen traf sie eine �berraschende Erkenntnis: Ihr Magen rebellierte nicht mehr.</p><p>Sie stand in einem gro�en, gew�lbeartigen Raum mit dicken S�ulen aus gegl�ttetem Sandstein. Das Herz des Steins, im Stein von Tear. Vergoldete Lampen hingen von Ketten �ber ihr. Sie waren nicht entz�ndet, aber nat�rlich kam Licht von �berall und nirgends. Amys und Bair waren bereits dort und sahen nicht anders aus als heute morgen, au�er da� alle ihre Ketten und Armb�nder ein wenig st�rker funkelten, als selbst Gold das normalerweise tat. Sie sprachen leise miteinander und wirkten verwirrt. Egwene erhaschte nur hier und da ein Wort, aber zwei davon lauteten �Rand al'Thor�.</p><p>Sie erkannte j�h, da� sie das wei�e Gewand mit dem gestreiften Saum einer Aufgenommenen trug. Sobald sie es bemerkte, wurde es zu einem Kleidungsst�ck der Weisen Frauen, aber ohne Schmuck. Sie glaubte nicht, da� die anderen beiden Frauen es bemerkt hatten oder, falls sie es doch bemerkt hatten, wissen w�rden, was es bedeutete. Manchmal verlor man durch Verzicht weniger <emphasis>Ji</emphasis> und erlegte sich weniger <emphasis>Toh</emphasis> auf als auf andere Weisen, aber keine Aiel w�rde jemals daran denken, ohne den Kampf auch nur zu versuchen.</p><p>�Sie sind erneut sp�t dran�, sagte Amys ver�rgert, w�hrend sie auf die offene Fl�che unter der gro�en Kuppel des Raums hinaustrat. In die Steine des Bodens eingetrieben, war eine Art Schwert aus Kristall zu sehen, der <emphasis>Callandor</emphasis> der Prophezeiung, ein m�nnlicher <emphasis>Sa'angreal</emphasis> und einer der m�chtigsten, die jemals geschaffen wurden. Rand hatte ihn dort hinterlegt, um die Tairener an ihn zu erinnern, als best�nde eine M�glichkeit, da� sie ihn jemals vergessen k�nnten, aber Amys beachtete es kaum. F�r andere war <emphasis>Das Schwert, Das Kein Schwert War</emphasis> vielleicht ein Symbol des Wiedergeborenen Drachen. F�r sie war es eine Angelegenheit der Feuchtl�nder. �Wir k�nnen zumindest darauf hoffen, da� sie nicht vorzugeben versuchen werden, da� sie alles und wir nichts wissen. Sie waren letztes Mal viel besser.�</p><p>Bairs Schnauben h�tte Sorilea blinzeln lassen. �Sie werden niemals besser sein. Sie k�nnten sich wenigstens da aufhalten, wo sie zu sein behaupteten, als sie sagten, sie...� Sie brach ab, als pl�tzlich mehrere Frauen auf der anderen Seite <emphasis>Callandors</emphasis> erschienen.</p><p>Egwene erkannte sie, einschlie�lich der jungen Frau mit den entschlossenen blauen Augen, die sie schon fr�her in <emphasis>Tel'aran'rhiod</emphasis> gesehen hatte. Wer war sie? Amys und Bair hatten die anderen erw�hnt �meist in bissigem Tonfall �, aber niemals noch eine weitere. Sie trug eine blau gestreifte Stola. Sie alle trugen ihre Stolen. Ihre Kleidung ver�nderte st�ndig Farbe und Schnitt, aber die Stolen blieben stets gleich.</p><p>Die Blicke der Aes Sedai richteten sich sofort auf Egwene. Die Weisen Frauen h�tten genausogut nicht dasein k�nnen.</p><p>�Egwene al'Vere�, sagte Sheriam f�rmlich, �Ihr werdet vor den Saal der Burg gerufen.� Ihre schr�gstehenden gr�nen Augen schimmerten vor unterdr�ckter Empfindung. Egwenes Magen sank. Sie wu�ten, da� sie sich als vereidigte Schwester ausgegeben hatte.</p><p>�Fragt nicht, warum ihr gerufen werdet�, sagte Carlinya unmittelbar nach Sheriam. Ihre frostige Stimme lie� die F�rmlichkeit noch h�rter wirken. �Ihr sollt antworten, nicht fragen.� Aus irgendeinem Grund hatte sie ihr dunkles Haar kurz geschnitten. Das war eine unwichtige Einzelheit, die in Egwenes Geist aufzuragen schien. Sie wollte bestimmt nicht dar�ber nachdenken, was das alles bedeutete. Die f�rmlichen Phrasen rollten in stetem Gleichma� weiter heran. Amys und Bair richteten ihre Stolen und runzelten die Stirn. Ihre Verwirrung verwandelte sich allm�hlich in Sorge.</p><p>�Kommt nicht zu sp�t.� Egwene hatte Anaiya immer f�r freundlich gehalten, aber die Frau mit dem offenen Gesicht klang genauso bestimmt wie Carlinya und in ihrer F�rmlichkeit auch nicht herzlicher. �Es obliegt Euch, unverz�glich zu gehorchen.�</p><p>Die drei Frauen sprachen gleichzeitig. �Es ist angemessen, den Ruf des Saals zu f�rchten. Es ist angemessen, eilig und bescheiden und ohne Fragen zu stellen zu gehorchen. Ihr werdet aufgefordert, vor dem Saal der Burg niederzuknien und sein Urteil anzunehmen.�</p><p>Egwene hielt ihre Atmung zumindest soweit unter Kontrolle, da� sie nicht h�rbar war. War das die Strafe f�r ihre Taten? Sie vermutete, da� es angesichts all dieser F�rmlichkeiten keine milde Strafe w�rde. Alle sahen sie an. Sie versuchte, aus den Aes-Sedai-Gesichtern etwas herauszulesen. Sechs zeigten zeitlose Gelassenheit mit vielleicht einem Hauch Anspannung in den Augen. Die junge Blaue zeigte die k�hle Ruhe einer Frau, die schon seit Jahren eine Aes Sedai war, aber sie konnte ihr zufriedenes L�cheln nicht verh�llen.</p><p>Sie schienen auf etwas zu warten. �Ich werde kommen, sobald ich kann�, sagte sie. Vielleicht war ihr der Magen bis zu den Kn�cheln gesunken, aber sie konnte ihre Stimme noch den ihren anpassen. Kein Feigling.</p><p>Sie <emphasis>w�rde</emphasis> eine Aes Sedai werden. Wenn sie es hiernach noch zulie�en. �Ich wei� jedoch nicht, wie bald das sein wird. Es ist ein langer Weg, und ich wei� nicht genau, wo Salidar ist. Nur da� es irgendwo am Flu� Eldar liegt.�</p><p>Sheriam wechselte Blicke mit den anderen. Ihr Kleid ver�nderte sich von Hellblau zu Dunkelgrau. �Wir sind sicher, da� es eine M�glichkeit gibt, die Reise in B�lde anzutreten, wenn die Weisen Frauen helfen. Siuan ist �berzeugt, da� es nicht mehr als einen oder zwei Tage erfordern wird, wenn Ihr <emphasis>Tel'aran'rhiod</emphasis> k�rperlich betretet...�</p><p>�Nein�, fauchte Bair im gleichen Augenblick, als Amys sagte: �So etwas werden wir sie nicht lehren. Es wurde zum B�sen verwendet, es ist b�se, und wer auch immer es tut, verliert einen Teil seines Selbst.�</p><p>�Dessen k�nnt Ihr nicht sicher sein�, sagte Beonin geduldig, �da es anscheinend noch niemand von Euch getan hat. Aber wenn Ihr davon wi�t, m��t Ihr eine gewisse Vorstellung davon haben, wie man es macht. Vielleicht k�nnen wir herausfinden, was Ihr nicht wi�t.�</p><p>Geduld war entschieden der falsche Weg. Amys richtete ihre Stola und stand noch aufrechter als gew�hnlich. Bair stemmte mit grimmigem Gesichtsausdruck die F�uste in die H�ften. Gleich w�rde es einen jener Ausbr�che geben, auf die die Weisen Frauen angespielt hatten. Sie w�rden diesen Aes Sedai eine Lektion erteilen, was in <emphasis>Tel'aran'rhiod</emphasis> m�glich war, indem sie ihnen zeigten, wie wenig sie wu�ten. Die Aes Sedai traten ihnen sehr ruhig und voller Zuversicht entgegen. Ihre Stolen blieben stets gleich, aber ihre Gew�nder ver�nderten sich fast so schnell wie Egwenes Herzschlag. Nur das Gewand der jungen Blauen schien sich kaum zu ver�ndern, au�er einmal w�hrend dieses langen Schweigens.</p><p>Sie mu�te es unterbinden. Sie mu�te nach Salidar gehen, und es w�rde sicherlich nichts n�tzen, wenn sie als Zeugin der Dem�tigung dieser Aes Sedai k�me. �Ich wei� wie. Ich glaube, ich wei� es. Ich bin bereit, es zu versuchen.� Wenn es nicht funktionierte, konnte sie immer noch reiten. �Aber ich mu� trotzdem wissen, wo Salidar liegt � auf jeden Fall genauer, als ich es im Moment wei�.�</p><p>Amys und Bair wandten ihre Aufmerksamkeit von den Aes Sedai ihr zu. Nicht einmal Carlinya oder Morvrin h�tten diese kalten Blicke �bertreffen k�nnen. Egwenes Herz sank genauso wie ihr Magen.</p><p>Sheriam erteilte ihr sofort Anweisungen � so und so viele Meilen von diesem Dorf entfernt, so und so viele Meilen s�dlich davon �, aber die junge Blaue r�usperte sich und sagte: �Dies ist gewi� hilfreicher.� Die Stimme klang vertraut, aber Egwene konnte sie nicht mit dem Gesicht in Verbindung bringen.</p><p>Vielleicht konnte sie ihre Kleidung auch nicht besser unter Kontrolle halten als die anderen � weiche gr�ne Seide wurde Tiefblau, w�hrend sie sprach, ein hoher, bestickter Kragen wurde zu einer Spitzenkrause in tairenischem Stil und eine Perlenkappe erschien auf ihrem Kopf �, aber sie wu�te etwas �ber <emphasis>Tel'aran'rhiod.</emphasis></p><p>Pl�tzlich hing auf einer Seite eine gro�e Landkarte mit einem leuchtend roten, als �Catrhien� bezeichneten Fleck an einem Ende und einem zweiten, als �Salidar� bezeichneten Fleck am anderen Ende in der Luft. Die Landkarte begann sich auszudehnen und zu ver�ndern. Pl�tzlich waren die Berge nicht mehr nur Linien, sondern ragten hoch auf, die W�lder nahmen Gr�n- und Braunschattierungen an und die Fl�sse glitzerten wie blaues Wasser im Sonnenschein. Sie wuchs, bis sie eine Wand bildete, die eine Seite des Herzens vollkommen verbarg. Es war, als schaute man auf die Welt hinab.</p><p>Sogar die Weisen Frauen waren ausreichend beeindruckt, da� sie ihre Mi�billigung au�er acht lie�en, zumindest bis sich das tairenische Gewand der Frau in gelbe Seide mit einem silbern bestickten Halsausschnitt verwandelte. Sie interessierten die junge Frau jedoch nicht. Aus irgendeinem Grund sah sie die anderen Aes Sedai herausfordernd an.</p><p>�Das ist gro�artig, Siuan�, sagte Sheriam kurz darauf.</p><p>Egwene blinzelte. Siuan? Es mu�te sich um eine Frau mit demselben Namen handeln. Diese j�ngere Siuan schnaubte selbstzufrieden und nickte auf eine Art, die sehr an Siuan Sanche erinnerte, aber das war unm�glich. <emphasis>Du versuchst es einfach zu verdr�ngen,</emphasis> sagte sie sich entschieden. �Es gen�gt sicherlich, da� ich Salidar finden kann, ob ich nun...� Sie sah Amys und Bair an, die so voller schweigender Mi�billigung waren, da� sie wie in Stein gemei�elt schienen. �Ob ich nun in k�rperlicher Gestalt dorthin gelangen kann oder nicht � ich verspreche, da� ich auf die eine oder andere Weise nach Salidar kommen werde, sobald ich kann.� Die Landkarte verschwand. <emphasis>Licht, was werden sie mir antun?</emphasis></p><p>Ihr Mund formulierte die Frage schon halbwegs, als Carlinya sie schroff unterbrach, wieder tief in F�rmlichkeit eintauchte und noch h�rter sprach als zuvor. �Fragt nicht, warum Ihr gerufen werdet. Ihr sollt antworten, nicht fragen.�</p><p>�Verz�gert Euer Kommen nicht�, sagte Anaiya. �Es obliegt Euch, eilig zu gehorchen.�</p><p>Die Aes Sedai wechselten Blicke und verschwanden dann so schnell, da� Egwene sich halbwegs fragte, ob sie glaubten, da� sie �berhaupt gefragt h�tte.</p><p>Also blieb sie mit Amys und Bair allein, aber als sie sich zu ihnen umwandte, unsicher, ob sie es mit einer Erkl�rung oder einer Entschuldigung oder einfach einer Bitte um Verst�ndnis versuchen sollte, verschwanden auch sie und lie�en sie dort allein, umgeben von den Sandsteins�ulen, <emphasis>Callandor</emphasis> neben ihr schimmernd. Es <emphasis>gab</emphasis> im <emphasis>Ji'e'toh</emphasis> keine Entschuldigungen.</p><p>Sie seufzte traurig und schl�pfte aus <emphasis>Tel'aran'rhiod</emphasis> wieder in ihren schlafenden K�rper.</p><p>Sie erwachte sofort. Zu erwachen, wann man es wollte, war genauso Teil der Ausbildung einer Traumg�ngerin, wie einzuschlafen, wann man es wollte, und sie hatte versprochen, so schnell wie m�glich aufzubrechen. Sie lenkte die Macht, w�hrend sie alle Lampen entz�ndete. Sie w�rde Licht brauchen. Sie versuchte, sich zu beeilen, w�hrend sie sich neben eine der an den Zeltw�nden stehenden Kisten kniete und Kleider herausnahm, die sie nicht mehr getragen hatte, seit sie in die W�ste gegangen war. Ein Teil ihres Lebens war vor�ber, aber sie w�rde diesen Verlust nicht beweinen. Das w�rde sie nicht tun.</p><p>Sobald Egwene verschwand, trat Rand al'Thor zwischen den S�ulen hervor. Er kam manchmal hierher, um <emphasis>Callandar zu</emphasis> betrachten. Der erste Besuch hatte stattgefunden, nachdem Asmodean ihn gelehrt hatte, seine Gewebe umzukehren. Dann hatte er die rund um den <emphasis>Sa'angreal</emphasis> errichteten Fallen ver�ndert, so da� nur er sie sehen konnte. Wenn man den Prophezeiungen glauben wollte, w�rde ihm, wer auch immer das Schwert herausz�ge, nachfolgen. Er war sich nicht sicher, wieviel er noch glauben durfte, aber es hatte keinen Sinn, Risiken einzugehen.</p><p>Lews Therin murmelte in seinem Hinterkopf etwas � er tat dies stets, wenn Rand sich <emphasis>Callandor</emphasis> n�herte �, aber heute nacht interessierte Rand das schimmernde Kristallschwert �berhaupt nicht. Er betrachtete die Stelle, an der die gro�e Landkarte gehangen hatte. Letztendlich eigentlich keine Landkarte, sondern mehr. Was war dieser Ort? War es lediglich ein Zufall, der ihn heute nacht anstatt gestern oder morgen hierhergezogen hatte? Einer dieser <emphasis>Ta'veren-Rucke</emphasis> am Muster? Egal. Egwene hatte diesen Ruf sanftm�tig angenommen, und von der Burg und von Elaida verlautete, da� sie das niemals tun w�rde. Dieses Salidar war der Ort, wo sich ihre geheimnisvollen Freundinnen verbargen. Wo sich Elayne befand. Sie hatten sich ihm �berantwortet.</p><p>Er �ffnete lachend ein Tor zum Spiegelbild des Palastes in Caemlyn.</p></section><section><title><p>33</p><p>Mut</p></title><p>Egwene kniete nur in ihrem Nachtgewand auf dem Boden und betrachtete stirnrunzelnd das dunkelgr�ne, seidene Reitgewand, das sie in der W�ste getragen hatte, was jetzt sehr lange zur�ckzuliegen schien. Es gab so vieles zu tun. Sie hatte sich ein wenig Zeit genommen, um eine eilige Notiz zu schreiben und Cowinde mit der Anweisung aus dem Bett zu scheuchen, sie am Morgen zum <emphasis>Gro�en Mann</emphasis> zu bringen. Die Notiz besagte kaum mehr als die Tatsache, da� sie fortgehen mu�te � sie wu�te selbst nicht wesentlich mehr �, aber sie konnte nicht einfach verschwinden, ohne es Gawyn mitzuteilen. Einige S�tze brachten sie in der Erinnerung zum Err�ten � ihm zu sagen, da� sie ihn liebte, war eine Sache, aber ihn tats�chlich zu <emphasis>bitten</emphasis> zu warten! �, und dennoch hatte sie soweit wie m�glich R�cksicht auf ihn genommen. Jetzt mu�te sie sich bereitmachen, und sie wu�te kaum wof�r.</p><p>Der Zelteingang wurde zur�ckgeschlagen, und Amys, Bair und Sorilea traten ein. Sie stellten sich in eine Reihe und schauten auf sie herab. Drei vor Mi�billigung starre Gesichter. Es fiel ihr sehr schwer, ihr Gewand nicht krampfhaft �ber der Brust festzuhalten.</p><p>Sie f�hlte sich in ihrem Nachthemd entschieden im Nachteil. Sie w�re sogar in einer R�stung im Nachteil gewesen. Es ging nur darum, da� sie im Unrecht war. Es �berraschte sie, da� sie so lange gebraucht hatten, um herzukommen.</p><p>Sie atmete tief ein. �Wenn Ihr gekommen seid, um mich zu bestrafen � ich habe keine Zeit, um Wasser zu tragen oder L�cher zu graben. Es tut mir leid, aber ich sagte, ich w�rde sobald wie m�glich kommen, und ich denke, sie beabsichtigen die Minuten zu z�hlen.�</p><p>Amys hob �berrascht die hellen Augenbrauen, und Bair und Sorilea wechselten verwirrte Blicke. �Wie sollten wir Euch bestrafen?� fragte Amys. �Ihr habt in dem Moment aufgeh�rt, eine Sch�lerin zu sein, als Eure Schwestern Euch berufen haben. Ihr m��t als Aes Sedai zu ihnen gehen.�</p><p>Egwene verbarg ihr Erschrecken, indem sie erneut ihr Reitgewand begutachtete. Es war bemerkenswert wenig zerknittert, obwohl es all diese Monate zusammengelegt in der Kiste gelegen hatte. Sie zwang sich, die Weisen Frauen erneut anzusehen. �Ich wei�, da� Ihr zornig auf mich seid, und Ihr habt Grund...�</p><p>�Zornig?� erwiderte Sorilea. �Wir sind nicht zornig. Ich dachte, Ihr w�rdet uns besser kennen.� Sie klang wirklich nicht zornig, obwohl ihr Gesicht und die der beiden anderen noch immer von Mi�billigung zeugten.</p><p>Egwene schaute von einer zur anderen, besonders zu Amys und Bair. �Aber Ihr habt mir gesagt, da� Ihr es f�r falsch haltet, was ich zu tun beabsichtige. Ihr habt gesagt, ich sollte nicht einmal dar�ber nachdenken. Ich sagte, das w�rde ich auch nicht tun, und dann ging ich los und fand heraus, wie ich es doch tun kann.�</p><p>�berraschenderweise �berzog ein L�cheln Sorileas lederartiges Gesicht. Ihre vielen Armreifen klimperten, als sie ihre Stola richtete. �Seht Ihr? Ich habe Euch gesagt, da� sie verstehen w�rde. Sie k�nnte eine Adel sein.�</p><p>Ein Teil der Angespanntheit wich von Amys, ein wenig mehr von Bair, und Egwene verstand wirklich. Sie waren nicht zornig dar�ber, da� sie <emphasis>Tel'aran'rhiod</emphasis> k�rperlich betreten wollte. Es war in ihren Augen falsch, aber man mu�te tun, was man tun zu m�ssen glaubte, und sie war nur sich selbst gegen�ber verpflichtet. Sie war �berhaupt nicht zornig, noch nicht.</p><p>Ihre L�ge machte ihr zu schaffen. Ihr Magen flatterte. Die L�ge, die sie eingestanden hatte. Vielleicht ihre kleinste L�ge.</p><p>Ein weiterer tiefer Atemzug war n�tig, um ihre Kehle f�r die Worte vorzubereiten. �Ich habe auch bei anderen Dingen gelogen. Ich bin allein nach <emphasis>Tel'aran'rhiod</emphasis> gegangen, obwohl ich versprochen hatte, es nicht zu tun.� Amys' Gesicht verd�sterte sich erneut. Sorilea, die keine Traumg�ngerin war, sch�ttelte nur traurig den Kopf. �Ich habe als Sch�lerin versprochen zu gehorchen, aber als Ihr sagtet, die Welt der Tr�ume sei zu gef�hrlich, nachdem ich verletzt wurde, ging ich dennoch wieder hin.� Bair verschr�nkte mit ausdruckslosem Gesicht die Arme.</p><p>Sorilea murmelte etwas �ber t�richte M�dchen, aber es klang nicht zornig. Ein dritter langer Atemzug. Dies w�rde am schwersten auszusprechen sein. Ihr Magen flatterte nicht mehr, sondern er tanzte so stark, da� es sie �berraschte, nicht zu zittern. �Das schlimmste von allem ist, da� ich keine Aes Sedai bin. Ich bin nur eine Aufgenommene. Ihr k�nntet mich einen Lehrling nennen. Ich werde noch jahrelang nicht zur Aes Sedai erhoben werden, wenn ich es jetzt �berhaupt noch irgendwann werden kann.�</p><p>Bei diesen Worten hob Sorilea den Kopf, die d�nnen Lippen fest zusammengepre�t, aber noch immer schwiegen sie. Es blieb Egwene �berlassen, die Dinge geradezur�cken. Sie w�rden niemals mehr sein wie zuvor, aber...</p><p><emphasis>Du hast alles eingestanden,</emphasis> fl�sterte eine leise Stimme. <emphasis>Jetzt solltest du besser herausfinden, wie schnell du Salidar erreichen kannst. Du kannst noch immer eines Tages zur Aes Sedai erhoben werden, aber nicht, wenn du sie noch w�tender machst, als sie es bereits sind.</emphasis></p><p>Egwene senkte den Blick und betrachtete die farbenpr�chtigen Teppiche, w�hrend sie ver�chtlich den Mund verzog. Verachtung f�r diese leise Stimme. Und Scham, weil sie in ihrem Kopf sprechen konnte, weil sie sie denken konnte. Sie w�rde fortgehen, aber bevor sie das tat, <emphasis>mu�te</emphasis> sie alles gerader�cken. Es war unter dem <emphasis>Ji'e'toh</emphasis> m�glich. Man tat, was man tun mu�te, und bezahlte dann den Preis. Vor vielen Monaten, in der W�ste, hatte Aviendha ihr gezeigt, wie man f�r eine L�ge bezahlen mu�te.</p><p>Sie nahm ihren ganzen Mut zusammen, legte das Seidengewand beiseite und erhob sich. Seltsamerweise schien es einfacher fortzufahren, wenn man erst begonnen hatte. Sie mu�te noch immer aufschauen, um ihren Blicken zu begegnen, aber sie tat es stolz, mit hocherhobenem Kopf, und sie mu�te sich nicht mehr zu den Worten zwingen. �Ich habe <emphasis>Toh.�</emphasis> Ihr Magen rebellierte nicht mehr. �Ich bitte Euch darum, mir zu helfen, meinem <emphasis>Toh</emphasis> gegen�berzutreten.� Salidar w�rde warten m�ssen.</p><p>Auf einen Ellbogen gest�tzt, betrachtete Mat das auf dem Zeltboden ausgelegte Spiel mit den Schlangen und F�chsen. Gelegentlich fiel ein Tropfen Schwei� von seinem Kinn und verfehlte das Spielbrett nur knapp. Es war eigentlich kein richtiges Spielbrett, sondern nur ein St�ck roter Stoff mit aufgemalten schwarzen Linien und Pfeilen, die anzeigten, auf welchen Bahnen man nur in einer Richtung und auf welchen man in beiden Richtungen ziehen durfte. Zehn helle Holzscheiben mit einem aufgemalten Dreieck waren die F�chse, und zehn mit einer Wellenlinie die Schlangen. Zwei auf beiden Seiten der Spielfl�che aufgestellte Lampen spendeten reichlich Licht.</p><p>�Dieses Mal werden wir gewinnen, Mat�, sagte Olver aufgeregt. �Ich wei�, da� wir gewinnen werden.�</p><p>�Vielleicht�, erwiderte Mat. Ihre beiden schwarz bemalten Scheiben waren fast wieder zum Kreis in der Mitte des Spielbretts gelangt, aber der n�chste Wurf galt den Schlangen und F�chsen. Die meiste Zeit gelangte man nicht weiter als bis zum �u�eren Rand. �W�rfele.� Er ber�hrte den W�rfelbecher seit dem Tag, an dem er ihn dem Jungen gegeben hatte, niemals mehr selbst. Wenn sie das Spiel spielten, konnte es genausogut ohne seine gl�ckliche Hand geschehen.</p><p>Olver lie� den W�rfelbecher grinsend klappern und sch�ttelte die Holzw�rfel, die sein Vater gemacht hatte, dann heraus. Er st�hnte, als er die Symbole z�hlte. Dieses Mal zeigten drei W�rfel mit einem Dreieck gekennzeichnete Oberfl�chen, und die anderen drei zeigten Wellenlinien. Wenn sie kamen, mu�te man die Schlangen und F�chse auf dem k�rzesten Weg auf seine Steine zubewegen, und wenn einer auf der Stelle landete, die man besetzt hielt... Eine Schlange ber�hrte Olver, ein Fuchs Mat, und Mat konnte erkennen, da� er von noch zwei weiteren Schlangen ber�hrt worden w�re, wenn die Symbole ausgespielt worden w�ren.</p><p>Nur ein Kinderspiel, und eines, das man nicht gewinnen w�rde, solange man den Regeln folgte. Olver w�re bald alt genug, das zu erkennen, und w�rde wie andere Kinder aufh�ren zu spielen. Nur ein Kinderspiel, aber Mat mochte es nicht, wenn der Fuchs ihn erwischte, und noch weniger, wenn es den Schlangen gelang. Es weckte schlechte Erinnerungen, selbst wenn das eine mit dem anderen nichts zu tun hatte.</p><p>�Nun�, murmelte Olver, �wir h�tten fast gewonnen.</p><p>Noch ein Spiel, Mat?� Er wartete nicht auf die Antwort, sondern zeigte das Zeichen, das das Spiel er�ffnete � ein Dreieck mit einer Wellenlinie dar�ber �und rezitierte die Worte: ��Mut, um Kraft zu geben, Feuer zum Blenden, Musik zum Verwirren, Eisen zum Fesseln.� Mat, warum sagen wir das? Da ist kein Feuer, keine Musik und kein Eisen.�</p><p>�Ich wei� es nicht.� Der Vers r�hrte an etwas in seinem Unterbewu�tsein, aber es war nicht greifbar. Die alten Erinnerungen vom <emphasis>Ter'angreal</emphasis> h�tten genausogut zuf�llig ausgew�hlt werden k�nnen �wahrscheinlich war es so �, und da waren all jene L�cken in seiner Erinnerung, all jene verschwommenen Stellen. Der Junge stellte stets Fragen, auf die er keine Antworten wu�te, und die �blicherweise mit �warum� begannen.</p><p>Daerid trat geduckt aus der Nacht herein und stie� einen Laut der �berraschung aus. Sein Gesicht schimmerte vor Schwei� und er trug noch immer seinen Mantel, wenn er ihn auch bereits ge�ffnet hatte. Seine neueste Narbe bildete eine r�tliche Furche �ber den wei�en Linien, die sein Gesicht kreuz und quer �berzogen.</p><p>�Ich glaube, du m��test l�ngst im Bett sein, Olver�, sagte Mat und stie� sich hoch. Seine Wunden zwickten ein wenig, aber wirklich nur ein wenig. Sie heilten eigentlich sehr gut. �Nimm das Spielbrett mit.� Er trat nahe an Daerid heran und senkte seine Stimme zu einem Fl�stern. �Wenn Ihr jemals etwas hiervon erz�hlt, schneide ich Euch die Kehle durch.�</p><p>�Warum?� fragte Daerid trocken. �Ihr werdet allm�hlich ein wunderbarer Vater. Er �hnelt Euch auf bemerkenswerte Weise.� Er schien m�hsam ein Grinsen zu unterdr�cken, aber kurz darauf wurde er wieder ernst. �Der Lord Drache kommt ins Lager�, sagte er.</p><p>Der Drang, Daerid auf die Nase zu boxen, verging. Mat schob den Zelteingang beiseite und trat in Hemds�rmeln geduckt in die Nacht hinaus. Sechs von Daerids M�nnern, die im Kreis um das Zelt herumstanden, erstarrten, als er erschien. Armbrustsch�tzen. Speere w�rden Wachen sicherlich nicht viel n�tzen. Es war Nacht, aber das Lager lag nicht im Dunkeln. Der helle Schein eines zunehmenden Dreiviertelmondes an einem wolkenlosen Himmel verbla�te im Schein der Feuer zwischen den Zeltreihen. M�nner schliefen auf dem Boden. W�chter standen alle zwanzig Schritt die ganze Holzpalisade entlang. Mat h�tte es anders gemacht, aber wenn ein pl�tzlicher Angriff aus der Luft m�glich war...</p><p>Die Landschaft war hier fast vollkommen eben, so da� er den auf ihn zuschreitenden Rand gut sehen konnte. Er war nicht allein. Zwei verschleierte Aiel gingen auf Zehenspitzen neben ihm und verdrehten jedes Mal die K�pfe, wenn einer der Horde sich im Schlaf umwandte oder ein W�chter seine Lage ver�nderte, um sie zu beobachten. Auch diese Aiel-Frau Aviendha war bei ihm, ein B�ndel �ber den R�cken geschn�rt und einherstolzierend, als w�rde sie jedermann an die Kehle gehen, der ihr in den Weg kam. Mat verstand nicht, warum Rand sie in seiner N�he duldete. <emphasis>Aiel-</emphasis></p><p><emphasis>Frauen bedeuten nur �rger,</emphasis> dachte er tr�be, <emphasis>und ich habe noch niemals eine Frau erlebt, die mehr auf �rger aus w�re als sie.</emphasis></p><p>�Ist das wirklich der Wiedergeborene Drache?� fragte Olver atemlos. Er pre�te das zusammengerollte Spiel an seine Brust und w�re vor Aufregung fast auf und ab geh�pft.</p><p>�Er ist es�, belehrte Mat ihn. �Aber jetzt ab ins Bett. Dies ist kein Ort f�r Jungen.�</p><p>Olver ging murrend davon, aber nur bis zum n�chststehenden Zelt. Mat sah aus den Augenwinkeln, wie der Junge au�er Sicht eilte. Dann erschien sein Gesicht erneut, als er um die Ecke sp�hte.</p><p>Mat lie� ihn gew�hren, obwohl er sich nach einem pr�fenden Blick auf Rands Gesicht fragte, ob dies �berhaupt ein Ort f�r erwachsene M�nner war, geschweige denn f�r einen Jungen. Mit Rands Gesicht h�tte man eine Mauer einschlagen k�nnen, aber dennoch sollte sich eine Empfindung zeigen, Aufregung oder vielleicht Ungeduld. Rands Augen gl�nzten aufgeregt. Er hielt ein gro�es, zusammengerolltes St�ck Pergament in einer Hand, w�hrend er mit der anderen unbewu�t �ber das Schwertheft strich. Die G�rtelschnalle in Drachenform schimmerte im Feuerschein. Manchmal schimmerte auch der Kopf eines der Drachen auf, die aus seinen Mantel�rmeln hervorsahen.</p><p>Als er Mat erreichte, verschwendete er keine Zeit mit Begr��ungen. �Ich mu� mit dir sprechen. Allein. Du mu�t etwas f�r mich tun.� Die Nacht war rabenschwarz, und Rand trug einen goldbestickten gr�nen Mantel mit hohem Kragen, aber er schwitzte nicht.</p><p>Daerid, Talmanes und Nalesean standen wenige Schritte entfernt und beobachteten sie. Mat bedeutete ihnen zu warten und nickte dann in Richtung seines Zeltes. Er folgte Rand hinein und betastete den silbernen Fuchskopf unter seinem Hemd. Er brauchte sich um nichts Sorgen zu machen. Zumindest hoffte er das.</p><p>Rand hatte gesagt, allein, aber Aviendha dachte offensichtlich, da� dies f�r sie nicht galt. Sie blieb beharrlich zwei Schritte von ihm entfernt stehen, nicht mehr und nicht weniger. Die meiste Zeit beobachtete sie Rand mit undurchdringlichem Blick, aber hin und wieder schaute sie auch stirnrunzelnd und ihn von Kopf bis Fu� messend zu Mat. Rand beachtete sie nicht, und obwohl er vorher sehr in Eile gewesen zu sein schien, galt dies jetzt nicht mehr. Er sah sich in dem Zelt um, obwohl Mat sich unbehaglich fragte, ob er es �berhaupt zur Kenntnis nahm. Es gab nicht viel zu sehen. Olver hatte die Lampen wieder auf den kleinen, zusammenlegbaren Tisch gestellt. Auch der Stuhl war zusammenlegbar, wie auch das Waschgestell und das Bett. Alles war schwarz lackiert und goldverziert. Wenn ein Mann Geld besa�, konnte er es genausogut ausgeben. Die Risse, die die Aiel der Zeltwand zugef�gt hatten, waren ordentlich geflickt worden, aber immer noch zu sehen.</p><p>Das Schweigen zehrte an Mat. �Was ist los, Rand? Du hast doch hoffentlich nicht beschlossen, den Plan jetzt noch zu �ndern?� Keine Antwort, nur ein Blick, als h�tte Rand sich gerade erst wieder daran erinnert, da� Mat da war. Das machte Mat unruhig. Was auch immer Daerid und die restliche Horde dachten � er bem�hte sich sehr, sich aus K�mpfen herauszuhalten. Manchmal jedoch stand <emphasis>Ta'veren</emphasis> seinem Gl�ck entgegen. So sah er es. Er glaubte, da� Rand etwas damit zu tun hatte. Er war st�rker <emphasis>Ta'veren,</emphasis> manchmal ausreichend stark, da� Mat fast ein Ziehen versp�rte. Wenn Rand die Finger im Spiel hatte, w�re Mat nicht �berrascht, sich pl�tzlich inmitten eines Kampfes wiederzufinden, wenn er in einer Scheune schliefe. �Noch ein paar Tage, dann werde ich in Tear sein. Die F�hren werden die Horde �ber den Flu� bringen, so da� wir in einigen Tagen bei Weiramon sein werden. Es ist, verdammt noch mal, zu sp�t, noch etwas zu �ndern...�</p><p>�Ich m�chte, da� du Elayne nach ... Caemlyn bringst�, unterbrach ihn Rand. �Ich m�chte, da� du sie sicher in Caemlyn unterbringst, ganz gleich was geschieht. Weiche ihr nicht von der Seite, bis sie den L�wenthron bestiegen hat.� Aviendha r�usperte sich. �Ja�, sagte Rand. Aus irgendeinem Grund wurde seine Stimme ebenso kalt und hart wie sein Gesicht. Aber brauchte er andererseits Gr�nde, wenn er wahnsinnig wurde? �Aviendha begleitet dich. Das halte ich f�r das beste.�</p><p>�Das h�ltst <emphasis>du</emphasis> f�r das beste?� fragte sie aufgebracht. �Wenn ich nicht rechtzeitig aufgewacht w�re, h�tte ich niemals erfahren, da� du sie gefunden hast. Du schickst mich nirgendwohin, Rand al'Thor. Ich mu� aus ... pers�nlichen Gr�nden mit Elayne sprechen.�</p><p>�Ich bin sehr froh, da� du Elayne gefunden hast�, sagte Mat vorsichtig. Wenn er Rand w�re, w�rde er die Frau belassen, wo immer sie war. Licht, Aviendha w�re besser! Zumindest gingen Aiel-Frauen nicht mit in die Luft gereckten Nasen umher oder erwarteten, da� man sprang, nur weil sie es sagten. Nat�rlich spielten sie teilweise rauhe Spiele, und sie hatten die Angewohnheit, einen hin und wieder t�ten zu wollen. �Ich verstehe einfach nicht, warum du mich brauchst. Spring durch eines deiner Tore, k�sse sie, nimm sie auf den Arm und spring zur�ck.� Aviendha bedachte ihn mit einem zornigen Blick. Man h�tte denken k�nnen, er h�tte vorgeschlagen, <emphasis>sie</emphasis> zu k�ssen.</p><p>Rand entrollte das Pergament auf dem Tisch und benutzte die Lampen, um die Ecken zu beschweren. �Sie befindet sich hier.� Es war eine Landkarte, ein Teil des Flu�laufes des Eldar und ungef�hr f�nfzig Meilen Land zu jeder Seite. Ein Pfeil war in blauer Tinte eingezeichnet, der in einen Wald zeigte. <emphasis>Salidar</emphasis> stand neben dem Pfeil. Rand tippte auf den �stlichen Rand der Karte. Auch hier befand sich �berwiegend Wald. �Hier gibt es eine gro�e Lichtung. Du kannst sehen, da� das n�chstgelegene Dorf fast zwanzig Meilen n�rdlich liegt. Ich werde f�r dich und die Horde ein Tor zu der Lichtung er�ffnen.�</p><p>Mat gelang es, seinen erschreckten Gesichtsausdruck in ein Grinsen zu verwandeln. �Schau, wenn ich es unbedingt sein mu� � warum dann nicht nur ich? Er�ffne dein Tor zu diesem Salidar, ich werde sie auf ein Pferd hieven und dann...� Und dann was? W�rde Rand auch ein Tor von Salidar nach Caemlyn er�ffnen? Es war ein langer Ritt von Eldar nach Caemlyn. Ein sehr langer Ritt, wenn man nur eine hochn�sige Adlige und eine Aiel als Begleitung hatte.</p><p>�Die Horde, Mat�, fauchte Rand. �Du und die ganze Horde! � Er atmete tief und zitternd ein, und seine Stimme wurde sanfter. Sein Gesicht blieb jedoch genauso starr wie zuvor, und seine Augen gl�nzten noch immer fiebrig. Mat mu�te fast annehmen, da� er krank sei oder Schmerzen habe. �Es sind Aes Sedai in Salidar, Mat. Ich wei� nicht, wie viele. Hunderte, habe ich geh�rt, aber ich w�re nicht �berrascht, wenn es eher f�nfzig w�ren. So wie sie in der Burg umherwandeln, heil und rein, bezweifle ich, da� man mehr sehen w�rde. Ich beabsichtige dich in zwei oder drei Tagen Entfernung zu platzieren, so da� sie von deiner Ankunft erfahren k�nnen. Wir wollen sie nicht �berraschen � sonst k�nnten sie einen Angriff der Wei�m�ntel vermuten. Sie lehnen sich gegen Elaida auf und sind wahrscheinlich ausreichend ver�ngstigt, da� du nur ein wenig auftrumpfen und sagen mu�t, da� Elayne in Caemlyn gekr�nt werden soll, damit sie sie gehen lassen. Wenn du glaubst, da� man ihnen vertrauen kann, biete ihnen deinen Schutz an. Und auch meinen. Sie sollten auf meiner Seite stehen, und sie w�ren inzwischen vielleicht sogar �ber meinen Schutz froh. Dann begleitest du Elayne � und so viele Aes Sedai, wie mitkommen m�chten � �ber Altara und Murandy nach Caemlyn. Wenn du meine Banner zeigst und ank�ndigst, was du tust, dann glaube ich nicht, da� die Altarener oder Murandianer gro�e Schwierigkeiten machen, solange du weiterziehst. Wenn du unterwegs auf Drachenverschworene st��t, schlie�e sie dir ebenfalls an. Die meisten werden wahrscheinlich zu Banditen werden, wenn ich sie nicht bald an mich binde � ich habe bereits ger�chteweise davon geh�rt �, aber du wirst sie einziehen, l��t meine Banner flattern.� Er grinste pl�tzlich, was aber die gl�nzenden Augen unber�hrt lie�, �Wie viele V�gel mit einem Stein, Mat? Du reitest mit sechstausend Mann und mit dem Drachenschwert hinter dir durch Altara und Murandy und kannst mir vielleicht beide L�nder �bergeben.�</p><p>Dieser Plan beinhaltete so vieles, was Mat widerstrebte, da� es ihn nicht mehr k�mmerte, welche Sorgen Rand hatte. Er sollte die Aes Sedai glauben lassen, er wollte sie angreifen? Bestimmt nicht. Und er sollte f�nfzig von ihnen einsch�chtern? Aes Sedai �ngstigten ihn nicht, vielleicht nicht einmal f�nf oder sechs zusammen, aber f�nfzig? Er ber�hrte erneut den Fuchskopf unter seinem Hemd. Er k�nnte vielleicht genausogut herausfinden, wieviel Gl�ck er wirklich hatte. Er konnte sich jetzt vorstellen, durch Altara und Murandy zu reiten. Jeder Adlige, dessen Land er passieren w�rde, w�rde sich wie ein eitler Pfau aufplustern und ihn in dem Moment zu hacken versuchen, in dem er ihm den R�cken kehrte. Wenn dieser <emphasis>Ta'veren-</emphasis>Wahnsinn ins Spiel kam, w�rde er wahrscheinlich einen Lord oder eine Lady entdecken, die unmittelbar vor seiner Nase ein Heer erh�ben.</p><p>Er unternahm noch einen Versuch. �Rand, glaubst du nicht, dies k�nnte Sammaels Aufmerksamkeit auf den Norden ziehen? Du willst, da� er sich ostw�rts wendet. Darum bin ich hier, erinnerst du dich? Um seine Aufmerksamkeit hierher zu lenken.�</p><p>Rand sch�ttelte nachdr�cklich den Kopf. �Er wird nur eine Ehrengarde sehen, welche die K�nigin von Andor nach Caemlyn geleitet, und das auch nur, wenn er davon erf�hrt, bevor du Caemlyn erreichst. Wie schnell kannst du bereit sein?�</p><p>Mat �ffnete den Mund, gab es aber dann auf. Er w�rde den Mann nicht �berzeugen k�nnen. �Zwei Stunden.� Die Horde konnte schneller angezogen sein und gesattelt haben, aber er war nicht in Eile, und das letzte, was er wollte, war, da� die Horde glaubte, sie starteten einen Angriff.</p><p>�Gut. Ich brauche selbst auch ungef�hr eine Stunde.� Er sagte nicht wof�r. �Bleib nahe bei Elayne, Mat. Sorge f�r ihre Sicherheit. Ich meine ... das Ganze hat keinen Sinn, wenn sie nicht lebend zu ihrer Kr�nung nach Caemlyn gelangt.� Glaubte Rand, er w��te nichts davon, da� er und Elayne in jedem Winkel des Steins herumgeknutscht hatten, als sie das letzte Mal zusammen waren?</p><p>�Ich werde sie wie meine eigene Schwester behandeln.� Seine Schwestern hatten ihr M�glichstes getan, ihm das Leben schwerzumachen. Nun, er erwartete von Elayne dasselbe, nur auf eine andere Art. Vielleicht w�re Aviendha wirklich ein wenig besser. �Ich werde sie nicht aus den Augen lassen, bis ich sie im K�niglichen Palast abgeliefert habe.� <emphasis>Und wenn sie zu oft zu schmollen versucht, werde ich sie, verdammt noch mal, treten!</emphasis></p><p>Rand nickte. �Das erinnert mich an etwas. Bodewhin ist in Caemlyn. Mit Verin und Alanna und einigen weiteren Zwei-Fl�sse-M�dchen. Sie wollen sich zu Aes Sedai ausbilden lassen. Ich bin nicht sicher, ob sie es tun werden. So wie die Dinge im Moment stehen, werde ich sie sicherlich nicht zur Burg ziehen lassen. Vielleicht wird sich die Aes Sedai, die du zur�ckbringst, darum k�mmern.�</p><p>Mat sperrte den Mund auf. Seine Schwester, eine Aes Sedai? Bode, die gew�hnlich loslief und ihrer Mutter sofort erz�hlte, wann immer er etwas zum Vergn�gen tat?</p><p>�Noch etwas�, fuhr Rand fort. �Egwene wird vielleicht vor dir in Salidar sein. Sie haben anscheinend irgendwie herausgefunden, da� sie sich eine Aes Sedai nennt. Tu, was du kannst, um sie dort herauszubekommen. Sage ihr, da� ich sie so bald wie m�glich zu den Weisen Frauen zur�ckbringe. Sie wird wahrscheinlich mehr als bereit sein, mit dir zu gehen. Vielleicht aber auch nicht. Du wei�t, wie eigensinnig sie immer gewesen ist. Aber am wichtigsten ist Elayne. Denk daran, weiche nicht von ihrer Seite, bis sie Caemlyn erreicht hat.�</p><p>�Ich verspreche es�, murmelte Mat. Wie, unter dem Licht, konnte Egwene irgendwo auf dem Eldar sein? Er war sich sicher, da� sie in Cairhien gewesen war, als er Maerone verlie�. Es sei denn, sie h�tte Rands Trick mit den Toren herausgefunden. In diesem Fall konnte sie jederzeit zur�ckkehren. Oder nach Caemlyn gelangen und gleichzeitig ein Tor f�r ihn und die Horde er�ffnen. �Mach dir auch um Egwene keine Sorgen. Ich werde sie aus welchen Schwierigkeiten auch immer befreien, egal, wie starrsinnig sie sich verh�lt.� Es w�re nicht das erste Mal, da� er f�r sie die Kastanien aus dem Feuer holte. Sehr wahrscheinlich w�rde er auch diesesmal keinen Dank daf�r bekommen. <emphasis>Bode</emphasis> sollte eine Aes Sedai werden? <emphasis>Blut und verdammte Asche!</emphasis></p><p>�Gut�, sagte Rand. �Gut.� Aber er betrachtete angestrengt die Karte. Dann ri� er den Blick los, und Mat dachte einen Moment, er wollte etwas zu Aviendha sagen. Aber statt dessen wandte er sich br�sk von ihr ab. �Thom Merrilin sollte bei Elayne sein.� Rand zog einen gefalteten und versiegelten Brief aus der Tasche. �Sorge daf�r, da� er dies bekommt.� Er reichte Mat den Brief und verlie� eilig das Zelt.</p><p>Aviendha ging ihm einen Schritt nach, eine Hand halbwegs erhoben und die Lippen zum Sprechen ge�ffnet. Aber sie schlo� den Mund ebenso schnell wieder, verschr�nkte die H�nde in ihren R�cken und schlo� fest die Augen. Also kam der Wind aus dieser Richtung? <emphasis>Und sie will mit Elayne sprechen.</emphasis> Wie konnte Rand jemals in diese unangenehme Lage geraten? Rand war immer derjenige gewesen, der mit Frauen umzugehen wu�te, Rand und Perrin.</p><p>Aber es ging ihn nichts an. Er drehte den Brief in den H�nden. Thoms Name war mit weiblicher Handschrift darauf geschrieben. Das Siegel kannte er nicht: ein sich weit ausbreitender, eine Krone tragender Baum. Welche Adlige w�rde einem verwitterten alten Mann wie Thom schreiben? Auch das ging ihn nichts an. Er warf den Brief auf den Tisch und nahm seine Pfeife und den Tabaksbeutel. �Olver�, sagte er, w�hrend er sich die Pfeife stopfte, �bitte Talmanes, Nalesean und Daerid zu mir.�</p><p>Vor dem Zelteingang erklang ein erschreckter Laut und dann: �Ja, Mat�, und das Ger�usch davoneilender F��e.</p><p>Aviendha sah ihn an und kreuzte mit entschlossenem Gesichtsausdruck die Arme.</p><p>Er kam ihr zuvor. �Solange Ihr mit der Horde reist, untersteht Ihr meinem Befehl. Ich will keinen �rger und erwarte, da� Ihr daf�r sorgt, da� es keinen gibt.�</p><p>Sollte sie irgend etwas anzetteln, w�rde er sie Elayne auf einen Packsattel geschn�rt �bergeben, und wenn zehn M�nner n�tig w�ren, sie dort festzubinden.</p><p>�Ich wei� zu gehorchen, Schlachtf�hrer.� Sie unterstrich diese Anrede mit einem scharfen Schnauben. �Aber Ihr solltet wissen, da� nicht alle Frauen so verweichlicht sind wie die Feuchtl�nder. Wenn Ihr eine Frau auf ein Pferd zu setzen versucht, obwohl sie nicht gehen will, k�nnte sie Euch vielleicht ein Messer zwischen die Rippen sto�en.�</p><p>Mat lie� fast seine Pfeife fallen. Er wu�te, da� Aes Sedai nicht Gedanken lesen konnten � wenn sie es k�nnten, hinge sein Fell schon lange an einer Wand in der Wei�en Burg �, aber vielleicht konnten Weise Frauen der Aiel... <emphasis>Nat�rlich nicht. Es ist nur einer jener Tricks,</emphasis></p><p><emphasis>�ber die Frauen verf�gen.</emphasis> Wenn er dar�ber nachdachte, konnte er sich vorstellen, wie sie es tat. Aber er machte sich einfach nicht die M�he, dar�ber nachzudenken.</p><p>Er r�usperte sich, steckte sich die kalte Pfeife zwischen die Lippen und beugte sich herab, um die Karte eingehend zu betrachten. Die Horde w�rde die Entfernung von der Lichtung nach Salidar wahrscheinlich in einem Tag bew�ltigen, wenn er sie vorantrieb, selbst in diesem bewaldeten Gebiet, aber er beabsichtigte, zwei oder sogar drei Tage einzuplanen. Die Aes Sedai sollten ausreichend vorgewarnt sein. Er wollte sie nicht noch mehr beunruhigen, als sie es bereits waren. Eine beunruhigte Aes Sedai war fast ein Widerspruch in sich. Er war, selbst wenn er das Medaillon trug, nicht erpicht darauf zu erfahren, zu was eine beunruhigte Aes Sedai in der Lage w�re.</p><p>Er sp�rte Aviendhas Blick im Nacken und h�rte ein schabendes Ger�usch. Sie sa� mit �berkreuzten Beinen an der Zeltwand, zog ihr G�rtelmesser �ber einen Schleifstein und beobachtete ihn.</p><p>Als Nalesean mit Daerid und Talmanes eintrat, begr��te er sie mit den Worten: �Wir werden einige Aes Sedai unter dem Kinn kitzeln, einen Dickkopf retten und ein eigenwilliges M�dchen auf den Thron bringen. O ja. Das ist Aviendha. Seht sie nicht schief an, sonst wird sie Euch die Kehle durchschneiden und ihre eigene wahrscheinlich aus Versehen ebenfalls.� Die Frau lachte, als h�tte er einen der besten Scherze der Welt gemacht. Sie hielt jedoch nicht mit dem Messersch�rfen inne.</p><p>Einen Moment konnte Egwene nicht verstehen, warum der Schmerz nicht st�rker geworden war. Dann erhob sie sich von dem Teppich in ihrem Zelt und schluchzte so stark, da� sie zitterte. Sie hatte das dringende Bed�rfnis, sich die Nase zu putzen. Sie wu�te nicht, wie lange sie schon so heftig weinte. Sie wu�te nur, da� sie von den H�ften bis zu den Kniekehlen entbrannt zu sein schien. Es gelang ihr kaum stillzustehen. Das Hilfsmittel, das sie als geringen Schutz hatte benutzen wollen, war schon vor einiger Zeit unbrauchbar geworden. Tr�nen liefen ihr Gesicht hinab, und sie stand da und schluchzte.</p><p>Sorilea, Amys und Bair beobachteten sie ausdruckslos; sie waren nicht die einzigen, obwohl die meisten anderen auf Kissen sa�en oder sich ausgestreckt hatten, plauderten und den von einer schlanken <emphasis>Gai'shain</emphasis> servierten Tee genossen. Eine Frau, dem Licht sei Dank. Alle waren Frauen, Weise Frauen und Lehrlinge, Frauen, denen Egwene erz�hlt hatte, sie sei eine Aes Sedai. Sie war dankbar, da� es sie nur glauben zu lassen nicht z�hlte. Sonst h�tte sie es nicht �berleben k�nnen! Das Behaupten, die ausgesprochene L�ge z�hlte, aber es hatte �berraschungen gegeben, Cosain, eine hagere, gelbhaarige R�ckgrat-Miagoma, hatte m�rrisch gesagt, Egwene habe ihr gegen�ber kein <emphasis>Toh,</emphasis> aber sie w�rde zum Tee bleiben. Und Estair ebenfalls. Aeron wiederum schien sie vernichten zu wollen, und Surandha ..</p><p>Egwene versuchte den Tr�nenschleier fortzublinzeln und schaute dann zu Surandha. Sie sa� mit drei Weisen Frauen zusammen, unterhielt sich und schaute gelegentlich in Egwenes Richtung. Surandha war erbarmungslos gewesen. Nicht da� eine von ihnen gn�dig mit ihr umgegangen w�re. Der G�rtel, den Egwene in einer der Kisten gefunden hatte, war d�nn und fein gearbeitet, aber zweimal so breit wie ihre Hand, und diese Frauen hatten alle starke Arme. Ungef�hr ein halbes Dutzend Schl�ge von jeder der Frauen summierten sich.</p><p>Egwene hatte sich noch niemals in ihrem Leben so gesch�mt wie jetzt Nicht weil sie nackt war, ein ger�tetes Gesicht hatte und wie ein Baby weinte. Nun, das Weinen war ein Grund. Und auch nicht, da� sie alle bei ihrer Z�chtigung zusahen, ohne selbst Hand an sie zu legen. Sie sch�mte sich, weil sie es so schwergenommen hatte. Sogar ein Aiel-Kind w�re gleichm�tiger gewesen. Nun, ein Kind w�re dem niemals ausgesetzt worden, aber es ging um das Prinzip einfacher Wahrheit.</p><p>�Ist es vorbei?� Geh�rte diese belegte, unsichere Stimme wirklich ihr? Wie diese Frauen lachen w�rden, wenn sie w��ten, wie sorgf�ltig sie ihren Mut zusammengenommen hatte.</p><p>�Nur Ihr kennt den Wert Eurer Ehre�, sagte Amys tonlos. Sie lie� den G�rtel an der Seite baumeln und benutzte die breite Schnalle als Griff. Die leisen Unterhaltungen hatten aufgeh�rt.</p><p>Egwene atmete zwischen ihren Schluchzern tief und zitternd ein. Sie brauchte nur zu sagen, da� es vorbei war, und es w�re vorbei. Sie h�tte nach einem Schlag von jeder Frau sagen k�nnen, es sei vorbei. Sie h�tte...</p><p>Sie kniete sich hin und streckte sich dann erneut auf den Teppichen aus. Sie bewegte die H�nde unter Bairs R�cke, um durch die weichen Stiefel ihre mageren Kn�chel zu umklammern. Dieses Mal <emphasis>w�rde</emphasis> sie allen Mut zusammennehmen. Dieses Mal w�rde sie nicht aufschreien. Dieses Mal w�rde sie nicht treten oder um sich schlagen oder... Der G�rtel hatte sie noch nicht getroffen. Sie hob den Kopf und sah die Frauen blinzelnd an. �Worauf wartet Ihr?� Ihre Stimme zitterte noch immer, aber sie klang jetzt auch zornig. Sie zu allem anderen noch <emphasis>warten</emphasis> zu lassen! �Ich mu� heute abend eine Reise antreten, falls Ihr es vergessen habt. Macht weiter.�</p><p>Amys warf den G�rtel neben Egwenes Kopf. �Diese Frau hat mir gegen�ber kein <emphasis>Toh.�</emphasis></p><p>�Diese Frau hat mir gegen�ber kein <emphasis>Toh.�</emphasis> Das war Bairs leise Stimme.</p><p>�Diese Frau hat mir gegen�ber kein <emphasis>Toh�,</emphasis> sagte Sorilea eindringlich. Sie beugte sich herab und strich Egwene das feuchte Haar aus dem Gesicht. �Ich wu�te, da� Ihr im Herzen eine Aiel seid. Aber seid jetzt nicht zu stolz, M�dchen. Ihr seid Eurem <emphasis>Toh</emphasis> gegen�bergetreten. Steht auf, bevor wir glauben, da� Ihr frohlockt.�</p><p>Sie halfen ihr hoch, umarmten sie, wischten ihr die Tr�nen fort und hielten schlie�lich auch ein Taschentuch f�r sie bereit, damit sie sich die Nase putzen konnte.</p><p>Die anderen Frauen versammelten sich um sie, und jede verk�ndete, da� diese Frau ihnen gegen�ber kein <emphasis>Toh</emphasis> habe, bevor sie Egwene nacheinander umarmten und anl�chelten. Das L�cheln war der gr��te Schock. Surandha strahlte sie so freundlich an wie immer. Aber nat�rlich! <emphasis>Toh</emphasis> existierte nicht mehr, wenn man ihm gegen�bergetreten war. Was auch immer es bewirkt hatte, h�tte genausogut nicht geschehen sein k�nnen. Ein kleiner, nicht in das <emphasis>Ji'e'toh</emphasis> eingebundener Teil Egwenes glaubte, da� ihre Worte wie auch die Tatsache, da� sie sich zun�chst wieder hingelegt hatte, vielleicht letztendlich gewirkt hatten. Vielleicht war sie am Anfang nicht gleichm�tig gewesen, aber zumindest am Ende � darin hatte Sorilea recht. Sie war in ihrem Herzen eine Aiel. Sie glaubte, da� sie in einem Teil ihres Herzens stets eine Aiel sein w�rde.</p><p>Die Weisen Frauen und die Lehrlinge zerstreuten sich allm�hlich. Anscheinend h�tten sie die ganze Nacht bleiben und mit Egwene lachen und reden sollen, aber das war nur ein Brauch, nicht <emphasis>Ji'e'toh,</emphasis> und mit Sorileas Hilfe konnte sie sie davon �berzeugen, da� sie nicht die Zeit daf�r hatte. Letztendlich blieben nur sie, Sorilea und die beiden Traumg�ngerinnen im Zelt. Die Umarmungen und das L�cheln hatten ihre Tr�nen fast versiegen lassen, und auch wenn ihre Lippen noch immer zitterten, konnte sie doch schon wieder l�cheln. In Wahrheit h�tte sie gern erneut geweint, wenn auch aus einem anderen Grund. Zum Teil aus einem anderen Grund.</p><p>�Ich werde Euch alle sehr vermissen.�</p><p>�Unsinn.� Sorilea schnaubte nachdr�cklich. �Wenn Ihr Gl�ck habt, werden sie Euch sagen, da� Ihr jetzt keine Aes Sedai mehr werden k�nnt. Dann k�nnt Ihr zu uns zur�ckkehren. Ihr werdet mein Lehrling sein. In drei oder vier Jahren werdet Ihr Eure eigene Feste haben. Ich wei� sogar schon, welcher Ehemann f�r Euch in Frage kommt: der j�ngste Enkel meiner Enkelin Amaryn, Taric. Er wird, glaube ich, eines Tages Clanh�uptling sein, also werdet Ihr nach einer Schwester-Frau als seine Dachherrin Ausschau halten m�ssen.�</p><p>�Danke.� Egwene lachte. Anscheinend gab es etwas, worauf sie zur�ckgreifen konnte, wenn der Saal in Salidar sie fortschickte.</p><p>�Und Amys und ich werden Euch in <emphasis>Tel'aran'rhiod</emphasis> treffen�, sagte Bair, �und Euch von den Ereignissen hier und mit Rand al'Thor berichten. Ihr werdet in der Welt der Tr�ume jetzt Euren eigenen Weg gehen, aber wenn Ihr wollt, werde ich Euch noch immer lehren.�</p><p>�Das will ich.� Wenn der Saal sie irgendwo in die N�he von <emphasis>Tel'aran'rhiod</emphasis> lie�. Aber andererseits konnten sie sie nicht davon fernhalten. Was auch immer sie tun w�rden � <emphasis>das</emphasis> konnten sie nicht tun. �Bitte behaltet ein wachsames Auge auf Rand und die Aes Sedai. Ich wei� nicht, was er vorhat, aber ich bin sicher, da� es gef�hrlicher ist, als er glaubt.�</p><p>Amys erw�hnte nat�rlich nichts mehr �ber weiteres Lernen. Sie hatte ihr Wort gegeben, sich ihr gegen�ber auf bestimmte Weise zu verhalten, und selbst die Begegnung mit dem <emphasis>Toh</emphasis> konnte daran nichts �ndern.</p><p>Statt dessen sagte sie: �Ich wei�, da� Rhuarc es bedauern wird, heute abend nicht hier zu sein. Er ist in den Norden gegangen, um die Shaido selbst zu sehen. F�rchtet nicht, da� Euer <emphasis>Toh</emphasis> ihm gegen�ber ungekl�rt bleibt. Er wird Euch die Gelegenheit geben, wenn Ihr Euch das n�chste Mal seht.�</p><p>Egwene war �berrascht und verbarg es, indem sie sich zum anscheinend zehnten Mal die Nase putzte. Sie hatte Rhuarc ganz vergessen. Nat�rlich besagte nichts, da� sie ihre Verpflichtung ihm gegen�ber auf dieselbe Art erf�llen <emphasis>mu�te.</emphasis> Vielleicht war sie im Herzen zumindest zum Teil eine Aiel, aber einen Moment suchte ihr Geist verzweifelt nach einer anderen M�glichkeit. Es mu�te eine andere M�glichkeit geben. Und sie w�rde viel Zeit haben, sie zu ersinnen, bevor sie ihm wieder begegnete. �Ich w�re sehr dankbar daf�r�, sagte sie leise. Und da war auch noch Melaine. Und Aviendha. Licht! Sie hatte gedacht, es sei erledigt. Ihre F��e bewegten sich weiterhin unruhig, egal wie sehr sie diese auch stillzuhalten versuchte. Es mu�te eine andere M�glichkeit geben.</p><p>Bair �ffnete den Mund, aber Sorilea kam ihr zuvor. �Wir m�ssen sie sich ankleiden lassen. Sie mu� sich auf die Reise begeben.� Bairs d�nner Hals erstarrte, und Amys' Mundwinkel sanken herab. Ihnen allen mi�fiel offensichtlich, was sie vorhatte, und zwar noch mehr als zuvor.</p><p>Vielleicht wollten sie bleiben und es ihr ausreden, aber Sorilea murmelte nur leise etwas �ber Narren, die eine Frau davon abzuhalten versuchten, das zu tun, was sie tun zu m�ssen glaubte. Die beiden J�ngeren richteten ihre Stolen � Bair mu�te siebzig oder achtzig Jahre alt sein, aber sie war noch immer j�nger als Sorilea �, umarmten Egwene ein letztes Mal und verlie�en das Zelt mit einem gemurmelten: �M�get Ihr stets Wasser und Schatten finden.�</p><p>Sorilea verharrte noch einen Moment l�nger. �Denkt an Taric. Ich h�tte ihn zum Dampfzelt bitten sollen, damit Ihr ihn h�ttet kennenlernen k�nnen. Bis dahin erinnert Euch an Folgendes: Wir haben stets mehr Angst, als uns lieb ist, aber wir k�nnen stets auch tapferer sein, als wir erwarten. Bleibt Euch selbst treu, dann k�nnen die Aes Sedai nicht verletzen, was Euch wirklich ausmacht � Euer Herz. Sie stehen nicht ann�hernd so weit �ber uns, wie wir geglaubt haben. M�get Ihr stets Wasser und Schatten finden, Egwene. Und Euch stets Eures Mutes entsinnen.�</p><p>Als Egwene schlie�lich allein war, stand sie eine Weile nur da, starrte ins Leere und dachte nach. Ihr Mut. Vielleicht hatte sie mehr Mut, als sie dachte. Sie hatte getan, was sie hier hatte tun m�ssen. Sie war eine Aiel gewesen. In Salidar w�rde sie das brauchen. Die Methoden der Aes Sedai unterschieden sich in mancherlei Beziehung von denen der Weisen Frauen, aber sie w�rden es ihr nicht leichtmachen, wenn sie wu�ten, da� sie sich eine Aes Sedai genannt hatte. Wenn sie es wu�ten. Sie konnte sich nicht vorstellen, warum man sie sonst so streng berufen h�tte, aber Aiel ergaben sich nicht vor dem Kampf.</p><p>Sie kam ruckartig wieder zu sich. <emphasis>Wenn ich mich</emphasis></p><p><emphasis>nicht vor dem Kampfergeben will,</emphasis> dachte sie, <emphasis>kann ich mich vielleicht genausogut auf den Kampf einlassen.</emphasis></p></section><section><title><p>34</p><p>Die Reise nach Salidar</p></title><p>Egwene wusch sich das Gesicht. Zweimal. Dann packte sie ihre Satteltaschen. Sie steckte Elfenbeinkamm, B�rste, Spiegel, N�hk�stchen � ein zart vergoldetes K�stchen, das wahrscheinlich einst den Schmuck einer adligen Dame enthalten hatte � und schlie�lich ein wei�es St�ck Seife mit Rosenduft saubere Str�mpfe, Nachthemden, Taschent�cher und eine Menge anderer Dinge ein, bis die Lederseiten ausgebeult waren und sie die Taschen kaum noch schlie�en konnte. Sie mu�te mehrere Kleider und Umh�nge und eine Aiel-Stola zu einem ordentlichen B�ndel verschn�ren. Als dies getan war, sah sie sich noch nach anderen Dingen um, die sie vielleicht mitnehmen wollte. Alles geh�rte ihr. Sogar das Zelt war ihr geschenkt worden, aber es war zu sperrig, wie auch die Teppiche und Kissen. Ihr Kristallwaschbecken war wundersch�n, aber viel zu schwer. Dasselbe galt f�r die Kisten, obwohl mehrere davon mit wundervollen Schnitzereien versehen waren.</p><p>Erst als sie �ber die Kisten nachdachte, erkannte sie, da� sie ihre Abreise zu verz�gern suchte. �Mut�, sagte sie trocken. �Der Mut einer Aiel.�</p><p>Es gelang ihr, die Str�mpfe anzuziehen, ohne sich hinzusetzen, indem sie herumh�pfte. Feste Schuhe folgten, die geeignet w�ren, falls sie weit laufen m��te, ein seidenes, wei�es, weiches Gewand und dann das dunkelgr�ne Reitgewand mit den engen, geteilten Rocken. Leider spannte es �ber den H�ften so stark, da� sie daran erinnert wurde, da� sie eine Weile nicht w�rde bequem sitzen k�nnen.</p><p>Es w�re nicht gut, jetzt hinauszugehen. Bair und Amys hielten sich zwar wahrscheinlich in ihren Zelten auf, aber sie hatte nicht die Absicht zu riskieren, da� sie ihnen hierbei vielleicht zusehen k�nnten. Es w�re f�r sie wie ein Schlag ins Gesicht. Wenn es funktionierte, war es das tats�chlich. Wenn nicht, hatte sie einen sehr langen Ritt vor sich.</p><p>Sie rieb nerv�s mit den Fingern �ber ihre Handfl�chen, umarmte <emphasis>Saidar</emphasis> und lie� sich davon erf�llen. Und regte die F��e. <emphasis>Saidar</emphasis> bewirkte, da� man sich allem bewu�t wurde, einschlie�lich des eigenen K�rpers, den sie in diesem Moment aber genausogut h�tte entbehren k�nnen. Sie versuchte etwas Neues, etwas, was noch niemand anderer jemals zuvor versucht hatte und was, wie sie wu�te, langsam und vorsichtig getan werden sollte. Sie lenkte energisch die Macht und wob ganz einfach Str�nge aus Geist.</p><p>Die Luft schimmerte inmitten des Zeltes an ihrem Gewebe entlang und h�llte die andere Seite in Dunst. Wenn sie recht hatte, dann hatte sie gerade einen Ort geschaffen, an dem das Innere ihres Zeltes seinem Spiegelbild in <emphasis>Tel'aran'rhiod</emphasis> vollkommen gleich war.</p><p>Eines <emphasis>war</emphasis> das andere. Aber es gab nur einen Weg, sich dessen wirklich zu versichern.</p><p>Sie schlang sich die Satteltaschen �ber die Schultern, nahm das B�ndel unter den Arm, trat durch das Gewebe hindurch und lie� <emphasis>Saidar</emphasis> fahren.</p><p>Sie war in <emphasis>Tel'aran'rhiod.</emphasis> Sie konnte es allein schon daran erkennen, da� die angez�ndeten Lampen nicht mehr brannten und doch eine Art Licht vorhanden war. Die Dinge bewegten sich zwischen zwei Blicken leicht, das Waschbecken, eine Kiste. Sie war leibhaftig in <emphasis>Tel'aran'rhiod.</emphasis> Es f�hlte sich nicht anders an, als wenn sie es im Traum betrat.</p><p>Sie trat geduckt hinaus. Ein Dreiviertelmond schien auf die Zelte herab, zwischen denen kein Feuer brannte und sich niemand bewegte, auf ein Cairhien, das seltsam entr�ckt und schattenumw�lkt wirkte. Jetzt mu�te sie nur noch einen Weg finden, tats�chlich nach Salidar zu gelangen. Sie hatte dar�ber nachgedacht. Es hing zum gro�en Teil davon ab, ob sie leibhaftig genausoviel Kontrolle besa� wie in der Welt der Tr�ume.</p><p>Sie konzentrierte sich auf das, was sie vorfinden w�rde, trat um das Zelt herum � und l�chelte. Dort stand Bela, die kleine, struppige Stute, auf der sie vor einer Lebenszeit von den Zwei Fl�ssen fortgeritten war. Nur eine Traum-B ela, aber die st�mmige Stute stupste sie mit der Nase an und wieherte bei ihrem Anblick.</p><p>Egwene lie� ihr Gep�ck fallen und schlang die Arme um den Hals des Pferdes. �Ich freue mich auch, dich wiederzusehen�, fl�sterte sie. Das dunkle, klare Auge, das sie ansah, geh�rte <emphasis>tats�chlich</emphasis> Bela, ob sie nun lediglich ein Spiegelbild war oder nicht.</p><p>Bela trug auch den Sattel mit dem hohen Hinterzwiesel, den sie sich vorgestellt hatte. Er war f�r einen langen Ritt bequem, wenn auch nicht weich. Egwene betrachtete ihn zweifelnd und fragte sich, wie er gepolstert aussehen w�rde. Und dann hatte sie eine Idee. Man konnte in <emphasis>Tel'aran'rhiod</emphasis> alles ver�ndern, wenn man wu�te wie � sogar sich selbst. Wenn sie, solange sie leibhaftig hier war, gen�gend Kontrolle besa�, um Bela... Sie konzentrierte sich auf sich selbst.</p><p>Dann befestigte sie l�chelnd die Satteltaschen und das B�ndel hinter dem Sattel, stieg auf und machte es sich bequem. �Es hat nichts mit Betr�gen zu tun�, belehrte sie die Stute. �Sie w�rden nicht von mir erwarten, da� ich den ganzen Weg nach Salidar reite.� Nun, wenn sie dar�ber nachdachte, erwarteten sie es vielleicht doch. Aber selbst wenn, und egal ob sie Aielmut besa� oder nicht � es gab Grenzen. Sie wandte Bela um und trat ihr sanft in die Flanken. �Ich mu� so schnell wie m�glich vorankommen, so da� du wie der Wind laufen mu�t�</p><p>Bevor sie Zeit hatte, �ber die Vorstellung der st�mmigen Bela, die wie der Wind lief, zu kichern, tat die Stute es bereits. Die Landschaft verschwamm und scho� vorbei. Einen Moment klammerte sich Egwene an den Sattelknauf, und ihr Mund stand offen. Es war, als w�rde jeder Schritt Belas sie Meilen voranbringen. Beim ersten Schritt hatte sie einen Moment Zeit und blickte sich um; sie befanden sich an einem Ufer unterhalb der Stadt, wo Schiffe zwischen Streifen Mondlicht auf das dunkle Wasser hinausfuhren, und gerade als sie die Z�gel anziehen wollte, um Bela daran zu hindern, �berst�rzt in den Flu� zu laufen, brachte sie ein weiterer Schritt in die dickichtbewachsenen H�gel.</p><p>Egwene warf den Kopf zur�ck und lachte. Das war phantastisch! Bis auf das Verschwimmen der Landschaft merkte sie die Geschwindigkeit kaum. Ihr Haar konnte im Luftstrom kaum zur�ckflattern, bevor er auch schon vor�ber war, nur um einen Moment sp�ter zur�ckzukehren. Belas Gangart f�hlte sich genauso an, wie sie es in Erinnerung hatte, und das pl�tzliche Vor�berziehen von allem um sie herum war anregend. In einem Moment eine Dorfstra�e, nachtschwarz und still, im n�chsten eine Landstra�e, die sich durch H�gel wand, und wiederum im n�chsten Moment eine Wiese mit Heu, das Egwene fast bis zu den Schultern reichte. Egwene hielt nur hin und wieder inne, um sich zu orientieren � was mit dieser gro�artigen Landkarte in ihrem Kopf, welche die Frau mit Siuans Namen gestaltet hatte, �berhaupt nicht schwierig war � und lie� Bela ansonsten freien Lauf. D�rfer und St�dte tauchten auf und verschwanden im Handumdrehen wieder � in einer Stadt glaubte sie Caemlyn zu erkennen, dessen Mauern in der Nacht silbrigwei� wirkten �, und einmal ragten in den bewaldeten H�geln Kopf und Schultern einer gro�en Statue aus der Erde, ein �berbleibsel eines in der Geschichte verlorenen Landes. Sie erschien so pl�tzlich mit verwittertem Gesicht neben Bela, da� Egwene fast aufgeschrien h�tte, nur da� die Statue schon wieder verschwunden war, bevor sie es tun konnte. Der Mond bewegte sich zwischen den einzelnen Spr�ngen nicht und auch kaum, w�hrend sie dahineilten. Einen oder zwei Tage bis Salidar? Das hatte Sheriam gesagt. Die Weisen Frauen hatten recht. Jedermann hatte so lange geglaubt, die Aes Sedai w��ten alles, da� die Aes Sedai es auch glaubten. Sie w�rde heute nacht beweisen, da� sie unrecht hatten, aber es war wenig wahrscheinlich, da� sie ihren Beweis wirklich zur Kenntnis nehmen w�rden. Sie <emphasis>wu�ten</emphasis> es einfach.</p><p>Nach einiger Zeit, als sie sicher war, da� sie sich bereits seit l�ngerem in Altara befanden, lie� sie Bela allm�hlich kleinere Spr�nge vollf�hren, z�gelte sie h�ufiger und ritt sogar ein Weilchen in normalem Tempo, besonders wenn ein Dorf in der N�he war. Manchmal war ein von der Nacht eingeh�lltes Gasthaus nach dem entsprechenden Dorf benannt: <emphasis>Marella Gasthaus</emphasis> oder <emphasis>Ionin-Quelle Gasthaus,</emphasis> und da das Mondlicht noch zu dem merkw�rdigen Lichtempfinden in <emphasis>Tel'aran'rhiod</emphasis> beitrug, waren die Wirtshausschilder leicht zu lesen. Sie gewann nach und nach an Sicherheit, wo sie sich im Verh�ltnis zu Salidar befand, und verringerte die Spr�nge weiter, bis sie Bela schlie�lich in normalem Tempo durch den Wald laufen lie�, in dem hohe B�ume das Unterholz verdr�ngt und den Rest erstickt hatten.</p><p>Dennoch war sie �berrascht, als pl�tzlich ein verh�ltnism��ig gro�es Dorf auftauchte, das still und dunkel im Mondschein lag. Es mu�te aber der richtige Ort sein.</p><p>Egwene stieg am Rande strohgedeckter H�user ab und nahm ihre Habe an sich. Es war sp�t, aber die Menschen in der wachen Welt waren vielleicht noch munter. Es bestand keine Notwendigkeit, sie zu erschrecken, indem sie pl�tzlich aus der Luft auftauchte. Wenn eine Aes Sedai das s�he und mi�deutete, wer sie war, bek�me sie vielleicht keine Chance, dem Saal gegen�berzutreten.</p><p>�Du bist wie der Wind gelaufen�, murmelte sie, w�hrend sie Bela ein letztes Mal umarmte. �Ich w�nschte, ich k�nnte dich mit mir nehmen.� Es war nat�rlich ein sinnloser Wunsch. Was in <emphasis>Tel'aran'rhiod</emphasis> geschaffen wurde, konnte nur dort existieren. Dies war nicht wirklich Bela. Auch wenn Egwene leises Bedauern versp�rte, als sie ihr den R�cken wandte �sie w�rde nicht aufh�ren, sich Bela vorzustellen, sie so lange wie m�glich existieren lassen � und ihren schillernden Vorhang aus Geist wob. Sie trat mit hocherhobenem Kopf hindurch, bereit, sich allem zu stellen, was auf ihr Aielherz zukommen mochte.</p><p>Sie tat diesen Schritt und tauchte mit einem kurzen, mit weit ge�ffneten Augen gehauchten �Oh!� auf. Die Ver�nderungen, denen sie sich in <emphasis>Tel'aran'rhiod</emphasis> unterzogen hatte, existierten in der realen Welt genauso wenig weiter wie Bela. Die Flammen kehrten schlagartig zur�ck, und es schien fast so, als spr�che Sorilea zu ihr. <emphasis>Wenn Ihr �berlegt, was Ihr getan habt, um Eurem</emphasis> Toh <emphasis>zu begegnen und es so zu bereinigen, da� es genausogut niemals geschehen sein k�nnte, wie seid Ihr dann dem</emphasis> Toh <emphasis>begegnet? Erinnert Euch Eures Aielmutes, M�dchen.</emphasis></p><p>Ja. Sie w�rde sich daran erinnern. Sie war hier, um zu k�mpfen, ob die Aes Sedai es wu�ten oder nicht, bereit, f�r das Recht zu k�mpfen, eine Aes Sedai zu sein, bereit, sich dem zu stellen... Licht, was eigentlich?</p><p>Menschen befanden sich auf den Stra�en, einige wenige, die zwischen H�usern einhergingen, deren beleuchtete Fenster goldene Teich bildeten. Egwene ging ein wenig schneller und n�herte sich einer drahtigen Frau mit wei�er Sch�rze und verheertem Gesichtsausdruck. �Verzeihung. Mein Name ist Egwene al'Vere. Ich bin eine Aufgenommene� � die Frau betrachtete kritisch ihr Reitgewand � �und bin gerade erst angekommen. K�nnt Ihr mir den Weg zu Sheriam Sedai weisen? Ich mu� sie finden.� Sehr wahrscheinlich schlief Sheriam bereits, aber wenn dem so war, beabsichtigte Egwene, sie zu wecken. Man hatte ihr befohlen, so bald wie m�glich zu kommen, und Sheriam w�rde erfahren, da� sie hier war.</p><p>�Jeder kommt zu mir�, murrte die Frau. �Tut irgend jemand etwas allein? Nein, sie wollen, da� Nildra es tut. Ihr Aufgenommenen seid die schlimmsten von allen. Nun, ich habe nicht die ganze Nacht Zeit. Folgt mir, wenn Ihr wollt. Wenn nicht, m��t Ihr sie selbst finden.� Nildra schritt mit nur einem kurzen Blick zur�ck davon.</p><p>Egwene folgte ihr schweigend. Sie bef�rchtete, da� sie der Frau die Meinung sagen w�rde, wenn sie den Mund aufmachte, und das w�re kaum die richtige Art, ihren Aufenthalt in Salidar zu beginnen, wie kurz auch immer er sein mochte. Sie w�nschte, ihr Aielmut und ihr Zwei-Fl�sse-Verstand k�nnten zusammenkommen.</p><p>Sie gingen nur ein kurzes St�ck die festgetretene Stra�e hinauf und um eine Biegung in eine andere, schmalere Stra�e. Lachen erklang aus einigen H�usern. Nildra blieb vor einem stillen Haus stehen, obwohl auch hier aus dem vorderen Raum Licht auf die Stra�e fiel.</p><p>Sie hielt gerade ausreichend lange inne, um an die T�r zu klopfen, und trat dann ein, bevor eine Antwort erklang. Sie vollf�hrte einen vollkommenen, wenn auch schnellen Hofknicks und sprach in etwas respektvollerem Tonfall als zuvor. �Aes Sedai, dieses M�dchen sagt, ihr Name sei Egwene, und sie...� Mehr konnte sie nicht �u�ern.</p><p>Sie waren alle da, die Sieben aus dem Herzen des Steins, und keine von ihnen wirkte bereit, schlafen zu gehen, obwohl sie alle, au�er der jungen Frau mit Siuans Namen, Nachtgew�nder trugen. Aus der Anordnung ihrer Stuhle schlo� Egwene, da� sie in eine Besprechung geraten war. Sheriam sprang als erste auf und bedeutete Nildra zu gehen. �Licht, Kind! Schon?�</p><p>Niemand beachtete Nildras Hofknicks oder ihren gespielten Widerwillen zu gehen.</p><p>�Das h�tten wir niemals erwartet�, sagte Anaiya und ergriff mit herzlichem L�cheln Egwenes Arme. �Nicht so bald. Willkommen, Kind. Willkommen.�</p><p>�Habt Ihr irgendwelchen Schaden davongetragen?� fragte Morvrin. Sie war nicht aufgestanden und Carlinya und die junge Aes Sedai auch nicht, aber Morvrin beugte sich aufmerksam vor. Die Gew�nder aller anderen waren aus Seide verschiedener Schattierungen gearbeitet, einige mit Metallf�den durchwirkt oder bestickt. Ihres jedoch bestand aus einfacher brauner Wolle, obwohl es weich und gut gearbeitet schien. �Sp�rt Ihr irgendwelche Ver�nderungen durch diese Erfahrung? Wir hatten bisher herzlich wenig Anhaltspunkte. Ich bin, ehrlich gesagt, �berrascht, da� es funktioniert hat.�</p><p>�Wir werden es unmittelbar erleben m�ssen, um erkennen zu k�nnen, wie gut es funktioniert.� Beonin hielt inne, um einen Schluck Tee zu trinken, und stellte Tasse und Teller dann auf einem zerbrechlich wirkenden Beistelltisch ab. Die Tasse und der Teller pa�ten nicht zusammen, aber andererseits pa�ten auch s�mtliche M�bel nicht zusammen, und die meisten wirkten genauso schief wie der Tisch. �Wenn es Sch�digungen gibt, kann sie geheilt werden, so da� sie wieder vergehen werden.�</p><p>Egwene trat schnell von Anaiya fort und stellte ihre Habe neben der T�r ab. �Nein, es geht mir gut. Wirklich.� Sie h�tte z�gern k�nnen. Anaiya h�tte sie sehr wohl fraglos heilen k�nnen. Aber das w�re Betrug gewesen.</p><p>�Sie erscheint ausreichend gesund�, sagte Carlinya k�hl. Ihr Haar war wirklich kurz geschnitten, so da� die dunklen Locken kaum ihre Ohren bedeckten. Es war nichts, was sie in <emphasis>Tel'aran'rhiod</emphasis> getan hatte. Sie trug nat�rlich Wei�. Sogar die Stickerei war wei�. �Wir k�nnen sie sp�ter gr�ndlich von einer der Gelben untersuchen lassen, um sicherzugehen, wenn es sein mu�.�</p><p>�La�t sie erst einmal zu sich kommen�, sagte Myrelle lachend. �ppige Blumen in Gelb und Rot bedeckten ihr Gewand derart, da� kaum noch Gr�n zu sehen war. �Sie ist gerade in einer Nacht tausend Meilen gereist. Innerhalb von Stunden.�</p><p>�Es ist keine Zeit, sie zu sich kommen zu lassen�, wandte die junge Aes Sedai bestimmt ein. Sie wirkte in ihrem gelben Gewand mit den blau geschlitzten R�cken und dem tiefen, runden, blau bestickten Halsausschnitt wirklich fehl am Platz. Deshalb und aufgrund der Tatsache, da� sie die einzige war, der man m�glicherweise ein Alter zuordnen konnte. �Wenn der Morgen graut, wird sich der Saal um sie scharen. Wenn sie nicht bereit ist, wird Romana sie ausweiden wie einen fetten Karpfen.�</p><p>Egwene sperrte den Mund auf. Diese Stimme dr�ckte mehr aus als nur die Worte. �Ihr seid Siuan Sanche. Nein, das ist unm�glich!�</p><p>�Oh, es ist sehr wohl m�glich�, erwiderte Anaiya trocken und warf der jungen Frau einen geduldigen Blick zu.</p><p>�Siuan ist wieder eine Aes Sedai.� Myrelles Blick wirkte eher gereizt als geduldig.</p><p>Es mu�te stimmen � sie <emphasis>hatten</emphasis> es gesagt �, aber Egwene konnte es kaum glauben, selbst als Sheriam es ihr erkl�rte. Nynaeve hatte <emphasis>Ged�mpftes</emphasis> geheilt? Sah Siuan deshalb nicht �lter als Nynaeve aus, weil sie <emphasis>ged�mpft</emphasis> gewesen war? Siuan war stets eine Herrin der Pflichten mit lederartigem Gesicht gewesen, und auch mit lederartigem Herzen und nicht so h�bsch wie jetzt mit ihren zart angehauchten Wangen und einem fast sch�n geschwungenen Mund.</p><p>Egwene beobachtete Siuan, w�hrend Sheriam sprach. Diese blauen Augen waren doch noch die gleichen. Wie konnte sie diesen Blick gesehen haben, der N�gel eintreiben konnte, und es nicht gewu�t haben? Nun, der Gesichtsausdruck war Antwort genug. Siuan hatte sich stets um die Macht bem�ht. Wenn ein M�dchen die Macht auszuprobieren begann, mu�te gepr�ft werden, wie stark sie sein w�rde, aber sie hatte diese St�rke nicht ein einziges Mal erreicht. Egwene wu�te jetzt genug, um eine andere Frau innerhalb von Momenten einzusch�tzen. Sheriam war, au�er Egwene selbst, eindeutig die st�rkste Frau im Raum. Myrelle kam als n�chste, obwohl man dessen kaum sicher sein konnte. Alle anderen schienen, au�er Siuan, nahe beieinander zu liegen. Siuan war bei weitem die Schw�chste.</p><p>�Dies ist wahrhaftig Nynaeves. bemerkenswerteste Entdeckung�, sagte Myrelle. �Die Gelben benutzen, was sie benutzt hat, und gestalten ihre eigenen Wunder, aber sie hat damit begonnen. Setzt Euch, Kind. Die Geschichte ist zu lang, um sie sich im Stehen anzuh�ren.�</p><p>�Danke, aber ich <emphasis>m�chte</emphasis> lieber stehen bleiben.� Egwene betrachtete den Stuhl mit der hohen R�ckenlehne und dem Holzsitz, auf den Myrelle gedeutet hatte, und konnte nur mit M�he ein Schaudern unterdr�cken. �Was ist mit Elayne? Geht es ihr gut? Ich m�chte alles �ber sie und Nynaeve h�ren.� Nynaeves <emphasis>bemerkenswerteste</emphasis> Entdeckung? Das besagte, da� sie mehr als eine gemacht hatte. Es schien, da� sie bei den Weisen Frauen in R�ckstand geraten war. Sie w�rde hart daran arbeiten m�ssen, es aufzuholen. Zumindest glaubte sie jetzt, da� es ihr gestattet w�rde. Sie h�tten sie kaum so herzlich begr��t, wenn sie sie in Ungnade fortschicken wollten. Sie hatte keinen Hofknicks vollf�hrt oder eine der Frauen auch nur einmal Aes Sedai genannt � eher weil sie keine Gelegenheit dazu bekam, als aus einem anderen Grund; man sollte Aes Sedai nicht mit Trotz begegnen �, und doch hatte niemand sie ger�gt. Vielleicht wu�ten sie es doch noch nicht. Aber warum hatten sie sie dann gerufen?</p><p>�Es geht ihr, bis auf kleinere Reibereien, die sie und Nynaeve im Moment mit T�pfen haben, ausreichend gut�, begann Sheriam, aber Siuan unterbrach sie grob.</p><p>�Warum plappert Ihr alle daher wie geistlose Kinder? Es ist zu sp�t, sich zu f�rchten weiterzumachen. Es hat begonnen. Ihr habt es begonnen. Entweder Ihr beendet es, oder Romanda wird Euch neben diesem M�dchen zum Trocknen in die Sonne h�ngen, und Delana und Faiselle und der restliche Saal werden dort sein, um Euch zu strecken.�</p><p>Sheriam und Myrelle wandten sich fast gleichzeitig zu ihr um. Alle Aes Sedai taten dies, wobei sich Morvrin und Carlinya auf ihren St�hlen umwandten. Kalte Aes-Sedai-Augen blickten aus kalten Aes-Sedai-Gesichtern.</p><p>Zuerst begegnete Siuan den Blicken herausfordernd, genauso sehr Aes Sedai wie sie, wenn auch scheinbar viel j�nger. Dann sank ihr Mut ein wenig, und rote Flecke erschienen auf ihren Wangen. Sie erhob sich mit gesenkten Augen. �Ich habe �bereilt gesprochen�, sagte sie leise. Die Blicke ver�nderten sich nicht �vielleicht bemerkten die Aes Sedai es nicht, aber Egwene sah es �, und doch sah dies Siuan nicht �hnlich.</p><p>Egwene erkannte aber auch, da� sie nicht wu�te, was hier �berhaupt vor sich ging. Siuan war nicht lammfromm, das am wenigsten. Was hatten sie begonnen? Warum w�rde <emphasis>sie</emphasis> zum Trocknen aufgeh�ngt, wenn sie innehielten?</p><p>Die Aes Sedai wechselten so unlesbare Blicke, wie es Aes Sedai nur m�glich war. Morvrin nickte als erste.</p><p>�Ihr seid aus einem sehr speziellen Grund hierhergerufen worden, Egwene�, sagte Sheriam ernst.</p><p>Egwenes Herz schlug schneller. Sie wu�ten nichts �ber sie. Sie wu�ten es nicht. Aber worum ging es dann?</p><p>�Ihr�, sagte Sheriam, �werdet der n�chste Amyrlin-Sitz.�</p></section><section><title><p>35</p><p>Der Saal entscheidet</p></title><p>Egwene starrte Sheriam an und fragte sich, ob sie lachen sollte. Vielleicht hatte sie w�hrend ihrer Zeit mit den Aiel vergessen, was bei den Aes Sedai als Humor galt. Sheriam sah sie mit diesem zeitlosen, gelassenen Gesicht an, und die schr�gstehenden gr�nen Augen blinzelten nicht einmal. Egwene schaute zu den anderen. Sieben ausdruckslose, abwartende Gesichter. Siuan l�chelte vielleicht fl�chtig, aber dieses L�cheln konnte genausogut der nat�rliche Schwung ihrer Lippen sein. Das flackernde Lampenlicht lie� ihrer aller Gesichtsz�ge auf einmal fremd und unmenschlich erscheinen.</p><p>Egwenes Kopf f�hlte sich leicht und ihre Knie schwach an. Ohne nachzudenken, sank sie auf den Stuhl mit der hohen R�ckenlehne. Und stand sofort wieder auf. Das hatte ihren Geist zumindest ein wenig gekl�rt. �Ich bin nicht einmal eine Aes Sedai�, sagte sie atemlos. Es mu�te eine Art Scherz oder ... oder ... oder <emphasis>etwas</emphasis> sein.</p><p>�Das kann umgangen werden�, sagte Sheriam entschlossen und zog ihre hellblaue Sch�rpe nachdr�cklich fester.</p><p>Beonins honigfarbene Zopfe schwangen, als sie best�tigend nickte. �Der Amyrlin-Sitz <emphasis>ist</emphasis> eine Aes Sedai � das Gesetz ist recht klar; es steht an mehreren Stellen geschrieben �der Amyrlin-Sitz der Aes Sedai�, aber nirgendwo wird gesagt, da� man eine Aes Sedai sein mu�, um die Amyrlin zu werden.� Jede Aes Sedai war mit dem Burgrecht vertraut, aber die Grauen mu�ten als Vermittler die Gesetze jedes Landes kennen, und Beonin nahm einen belehrenden Tonfall an, als wollte sie etwas erkl�ren, wor�ber niemand so gut Bescheid w��te wie sie. �Das Gesetz, das bestimmt, wie die Amyrlin gew�hlt werden soll, beinhaltet nur �die Frau, die berufen wird� oder �sie, die vor dem Saal steht� oder �hnliches. Die Worte �Aes Sedai� werden von Anfang bis Ende nicht einmal erw�hnt. Niemals. Manche m�gen sagen, da� die Absicht der Begr�nder des Gesetzes bedacht werden m�sse, aber es ist eindeutig, da�, was auch immer die Absicht der Frauen, die das Gesetz geschrieben haben, gewesen sein mag...� Sie runzelte die Stirn, als Carlinya sie unterbrach.</p><p>�Sie glaubten zweifellos, es w�rde soweit verstanden, da� keine Festschreibung notwendig sei. Folgerichtig bedeutet ein Gesetz jedoch, was es den Buchstaben nach besagt, was auch immer seine Begr�nder im Sinn hatten.�</p><p>�Gesetze haben selten etwas mit Folgerichtigkeit zu tun�, sagte Beonin bissig. �In diesem Fall jedoch�, r�umte sie kurz darauf ein, �habt Ihr vollkommen recht.� Und an Egwene gewandt, f�gte sie hinzu:</p><p>�Und der Saal sieht es auch so.�</p><p>Sie meinten es alle ernst, sogar Anaiya, als sie sagte: �Ihr werdet eine Aes Sedai sein, Kind, ebenso bald, wie Ihr zum Amyrlin-Sitz erhoben werdet. Kurzum.� Sogar Siuan, trotz dieses leichten L�chelns, das wirklich ein L�cheln war.</p><p>�Ihr k�nnt die Drei Eide leisten, sobald wir wieder in der Burg sind�, belehrte Sheriam sie. �Wir hatten �berlegt, sie Euch jetzt schon leisten zu lassen, aber ohne die Eidesrute k�nnten sie vielleicht als ung�ltig angesehen werden. Also sollten wir besser warten.�</p><p>Egwene h�tte sich fast wieder hingesetzt, bevor sie sich fing. Vielleicht hatten die Weisen Frauen recht gehabt. Vielleicht hatte das leibhaftige Reisen durch <emphasis>Tel'aran'rhiod</emphasis> ihrem Geist geschadet. �Das ist verr�ckt�, wehrte sie sich. �Ich kann nicht die Amyrlin werden. Ich bin ... ich bin...� Ihr lagen viele Einw�nde auf der Zunge, aber sie brachte nichts hervor. Sie war zu jung. Siuan war schon die j�ngste Amyrlin gewesen, die jemals ernannt wurde, und sie war damals bereits drei�ig. Sie hatte ihre Ausbildung kaum begonnen, egal was sie �ber die Welt der Tr�ume wu�te. Amyrlins waren klug und erfahren. Und sie sollten sicherlich weise sein. Alles, was sie empfand, war wirr und durcheinander. Die meisten Frauen verbrachten zun�chst zehn Jahre als Novizinnen und weitere zehn Jahre als Aufgenommene. Es stimmte, da� einige schneller vorangingen, sogar weitaus schnellen Aber sie war erst seit weniger als einem Jahr Novizin und noch k�rzer eine Aufgenommene.</p><p>�Es ist unm�glich!� brachte sie schlie�lich m�hsam hervor.</p><p>Morvrins Schnauben erinnerte sie an Sorilea. �Beruhigt Euch, Kind, oder ich werde daf�r sorgen. Dies ist nicht der richtige Zeitpunkt, nerv�s zu werden oder in Ohnmacht zu fallen.�</p><p>�Aber ich w��te gar nicht, was ich tun sollte! Nicht einmal, wie ich anfangen sollte!� Egwene atmete tief ein. Das beruhigte ihr rasendes Herz zwar nicht wirklich, aber es half dennoch. Ein wenig. Aielmut. Was auch immer sie taten � sie w�rde nicht zulassen, da� sie sie einsch�chterten. Sie betrachtete Morvrins vorget�uscht hartes Gesicht und f�gte im Geiste hinzu: <emphasis>Sie kann mich h�uten, aber sie kann mich nicht einsch�chtern.</emphasis> �Es ist l�cherlich. Ich werde mich nicht vor allen zum Narren machen. Wenn der Saal mich deshalb berufen hat, dann lehne ich ab.�</p><p>�Ich f�rchte, diese M�glichkeit habt Ihr nicht�, seufzte Anaiya, w�hrend sie ihr Gewand gl�ttete, ein erstaunlich gekr�useltes Kleidungsst�ck aus rosa Seide mit elfenbeinfarbener Spitze an jedem Saum. �Ihr k�nnt eine Berufung zur Amyrlin ebensowenig verweigern, wie Ihr eine Berufung vor Gericht verweigern k�nntet. Sogar die Formulierung der Berufungen ist die gleiche.� <emphasis>Das</emphasis> war ermutigend. O ja, das war es.</p><p>�Jetzt hat der Saal die Wahl.� Myrelle klang ein wenig traurig, was Egwene auch nicht half.</p><p>Sheriam legte, pl�tzlich l�chelnd, einen Arm um Egwenes Schultern. �Macht Euch keine Sorgen, Kind. Wir werden Euch helfen und Euch anleiten. Darum sind wir hier.�</p><p>Egwene schwieg. Sie wu�te keine Antwort. Vielleicht hatte es nichts mit Einsch�chterung zu tun, wenn sie dem Gesetz gehorchte, aber es f�hlte sich sehr �hnlich an. Sie deuteten ihr Schweigen als Einverst�ndnis, und sie vermutete, da� es das auch war. Siuan wurde unverz�glich fortgeschickt und grollte, weil ihr die Aufgabe �bertragen wurde, die Sitzenden pers�nlich aufzuwecken und ihnen mitzuteilen, da� Egwene eingetroffen war.</p><p>Unruhe entstand, bevor Siuan aus der T�r war. Egwenes Reitgewand wurde Gegenstand einer heftigen Debatte � an der sie keineswegs teilhatte �, und eine rundliche Dienerin wurde aus ihrem Schlaf auf einem Stuhl im Hinterzimmer aufgeschreckt und mit der Ermahnung fortgeschickt, da� sie nur ja kein Wort �ber ihren Auftrag verlauten lassen sollte, alle Gew�nder von Aufgenommenen zu besorgen, die sie finden konnte und die Egwene vielleicht passen k�nnten. Egwene probierte in dem vorderen Raum acht Gew�nder an, bevor sie eines fand, das einigerma�en pa�te. Es war oben herum zu eng, aber wenigstens an den H�ften ausreichend weit. Die ganze Zeit �ber, w�hrend die Dienerin Gew�nder hereinbrachte und Egwene sie anprobierte, belehrten Sheriam und die anderen sie abwechselnd dar�ber, was geschehen w�rde, was sie tun und sagen m��te.</p><p>Sie lie�en sie alles wiederholen. Die Weisen Frauen dachten, da� es gen�gte, etwas einmal zu sagen, und wehe dem Lehrling, der nicht zuh�rte und ihre Worte nicht mitbekam. Egwene erinnerte sich von einer Novizinnen-Unterrichtsstunde in der Burg an einiges von dem, was sie jetzt sagen sollte, und sie wiederholte es schon beim ersten Mal Wort f�r Wort richtig, aber die Aes Sedai lie�en sie es wieder und immer wieder nachsprechen. Egwene konnte das nicht verstehen. Bei allen anderen als Aes Sedai h�tte sie behauptet, es gesch�he aus Nervosit�t, auch wenn ihre Gesichter Ruhe ausstrahlten. Sie begann sich zu fragen, ob sie irgend etwas falsch machte, und fing an, verschiedene Worte zu betonen.</p><p>�Sagt die Worte so, wie es Euch gelehrt wird�, fauchte Carlinya, und Myrelle, die kaum weniger kalt klang, sagte: �Ihr k�nnt Euch keinen Fehler leisten, Kind. Nicht einen einzigen!�</p><p>Sie lie�en sie die Worte noch f�nf weitere Male wiederholen, und als sie einwandte, sie habe jedes Wort richtig wiedergegeben, habe genau erkl�rt, wer wo stehen w�rde und wer was sagen w�rde, dachte sie, Morvrin w�rde sie ohrfeigen, wenn Beonin oder Carlinya es nicht zuerst taten. Auf jeden Fall wirkte ihr Stirnrunzeln wie Schl�ge, und Sheriam sah sie an, als sei sie eine trotzige Novizin. Egwene seufzte und fing wieder von vorne an. �Ich gehe mit dreien von Euch als Begleitung hinein...�</p><p>Es war eine stille Prozession, die durch die fast menschenleeren, vom Mond beschienenen Stra�en zog. Wenige der vereinzelten Menschen, die sich noch hier aufhielten, sahen sie auch nur an. Sechs Aes Sedai mit einer Aufgenommenen in ihrer Mitte waren hier vielleicht � oder vielleicht auch nicht � ein gewohnter Anblick, aber sicherlich war es nicht ausreichend seltsam, um Aufmerksamkeit zu bewirken. Ehemals beleuchtete Fenster lagen jetzt im Dunkeln, und Ruhe hatte sich auf die Stadt gesenkt, so da� ihre Schritte auf dem festgetretenen Erdboden weit zu h�ren waren. Egwene betastete den Gro�en Schlangenring, der wieder fest an ihrer linken Hand steckte. Ihre Knie zitterten.</p><p>Sie blieben vor einem rechteckigen, dreist�ckigen Geb�ude stehen. Alle Fenster waren dunkel, aber es wirkte im Mondlicht wie ein Gasthaus. Carlinya, Beonin und Anaiya sollten hierbleiben, und zumindest die beiden Erstgenannten waren nicht sehr erfreut dar�ber. Sie beschwerten sich nicht, was sie auch zuvor in dem Haus nicht getan hatten, aber sie richteten unn�tigerweise ihre R�cke, hielten den Kopf starr erhoben und sahen Egwene nicht an.</p><p>Anaiya strich Egwene beruhigend �bers Haar. �Es wird gut werden, Kind.� Sie trug ein B�ndel unter dem Arm � das Gewand, das Egwene anziehen w�rde, wenn alles vor�ber w�re. �Ihr habt schnell gelernt.�</p><p>Ein vollt�nender Gong erklang einmal, zweimal und dann noch ein drittes Mal im Inneren des Geb�udes. Egwene zuckte beinahe zusammen. Einen Herzschlag lang herrschte Stille, und dann h�rte sie erneut den metallischen Klang des Gongs. Myrelle gl�ttete unbewu�t ihr Gewand. Erneut herrschte Stille, die von dem dreifachen Ruf durchbrochen wurde.</p><p>Sheriam �ffnete die T�r, und Egwene folgte ihr mit Myrelle und Morvrin hinein. Egwene dachte unwillk�rlich, da� sie sie wie W�chter umstanden, die sichergehen wollten, da� sie nicht davonlief.</p><p>Der gro�e Raum mit der hohen Decke im Inneren war beileibe nicht dunkel. Lampen s�umten die vier breiten Kamine, und weitere s�umten die zum n�chsten Stockwerk f�hrende Treppe und den mit einem Gel�nder versehenen Wandelgang, von dem aus man den Raum �berblicken konnte. Je eine gro�e, verzweigte Stehlampe, die gespiegelt wurde, um das Licht noch zu verst�rken, stand in jeder Ecke des Raums. Vor den Fenstern h�ngende Decken hielten alles Licht im Inneren.</p><p>Neun St�hle waren zu beiden Seiten des Raums in je einer Reihe aufgestellt, denen innen jeweils drei weitere St�hle gegen�berstanden. Die Frauen, die diese Pl�tze eingenommen hatten, die Sitzenden der sechs in Salidar vertretenen Ajahs, trugen Stolen und Gew�nder in den Farben ihrer Ajahs. Sie wandten die K�pfe Egwene <emphasis>zu,</emphasis> und ihre Gesichter zeigten nur ruhige Gelassenheit.</p><p>Am anderen Ende des Raums stand ein weiterer Stuhl auf einem kleinen Podest: Ein hoher, schwerer Stuhl, dessen Beine spiralf�rmig geschnitzt waren und der dunkelgelb gestrichen war, um den Eindruck von Gold zu erwecken. Eine Stola lag �ber den Armlehnen, die siebenfarbig gestreift war. Egwene schien Meilen von diesem Stuhl entfernt zu stehen.</p><p>�Wer tritt vor den Saal der Burg?� fragte Romanda mit hoher, klarer Stimme. Sie sa� unmittelbar unter dem goldenen Stuhl den drei Blauen Schwestern gegen�ber. Sheriam trat lautlos zur Seite und gab den Blick auf Egwene frei.</p><p>�Jemand, der ergeben im Licht wandelt�, sagte Egwene. Ihre Stimme h�tte zittern sollen. Sie w�rden das doch sicherlich nicht wirklich tun.</p><p>�Wer tritt vor den Saal der Burg?� fragte Romanda erneut.</p><p>�Jemand, der bescheiden im Licht wandelt.� Dies w�rde jeden Moment zu der Verhandlung ihres Vergehens werden, sich als Aes Sedai ausgegeben zu haben. Nein, das nicht. Dann h�tten sie sie einfach abgeschirmt und solange eingesperrt. Aber sicherlich...</p><p>�Wer tritt vor den Saal der Burg?�</p><p>�Jemand, der auf den Ruf des Saales hin kommt, ergeben und bescheiden im Licht wandelt und nur darum bittet, den Willen des Saales annehmen zu d�rfen.�</p><p>Eine dunkle schlanke Frau erhob sich bei den Grauen unter Romanda. Als j�ngste Sitzende sprach Kwamesa die rituelle Frage aus, die auf die Zerst�rung der Welt zur�ckdatierte. �Ist jemand au�er Frauen anwesend?�</p><p>Romanda schlug ihre Stola zur�ck und lie� sie �ber der R�ckenlehne ihres Stuhls liegen, als sie aufstand. Sie w�rde als �lteste zuerst antworten. Sie schlug auch ihr Gewand zur�ck und lie� es mit dem Unterkleid zusammen bis zur Taille hinabgleiten. �Ich bin eine Frau�, verk�ndete sie.</p><p>Kwamesa legte ihre Stola sorgf�ltig �ber den Stuhl und zog sich ebenfalls bis zur Taille aus. �Ich bin eine Frau�, sagte sie.</p><p>Dann erhoben sich auch die anderen, entbl��ten sich und verk�ndeten, nachdem sie den Beweis geliefert hatten, sie seien Frauen. Egwene hatte ein wenig mit dem Gewand der Aufgenommenen mit dem engen Leibchen zu k�mpfen, das man ihr besorgt hatte, und brauchte Myrelles Hilfe bei den Kn�pfen, aber sie war bald genauso entbl��t wie alle anderen.</p><p>�Ich bin eine Frau�, sagte Egwene zusammen mit den anderen.</p><p>Kwamesa ging langsam im Raum umher, hielt vor jeder Frau mit einem fast beleidigend direkten Blick inne, blieb dann wieder vor ihrem eigenen Stuhl stehen und verk�ndete, da� nur Frauen anwesend seien. Die Aes Sedai setzten sich, und die meisten zogen sich wieder an. Nicht eigentlich eilig, aber doch nur wenige verschwendeten viel Zeit. Egwene h�tte fast den Kopf gesch�ttelt. Sie konnte sich erst im sp�teren Verlauf der Zeremonie wieder bedecken. Vor langer Zeit h�tte Kwamesas Frage weitere Beweise erfordert. In jenen Zeiten wurden formelle Zeremonien �in Licht gekleidet� durchgef�hrt. Was w�rden diese Frauen aus einem Aiel-Dampfzelt oder einem shienarischen Bad machen?</p><p>Es war keine Zeit zum Nachdenken.</p><p>�Wer erhebt sich f�r diese Frau�, fragte Romanda, �und bittet f�r sie, Herz f�r Herz, Seele f�r Seele, Leben f�r Leben?� Sie sa� aufrecht und wirkte h�chst w�rdevoll, obwohl ihr rundlicher Busen entbl��t blieb.</p><p>�Ich bitte f�r sie�, sagte Sheriam bestimmt, kurz darauf nacheinander von den lauten Stimmen Morvrins und Myrelles gefolgt.</p><p>�Tretet vor, Egwene al'Vere�, befahl Romanda br�sk. Egwene trat drei Schritte vor und kniete sich hin. Sie f�hlte sich wie erstarrt. �Warum seid Ihr hier, Egwene al'Vere?�</p><p>Sie war wirklich erstarrt. Sie f�hlte nichts in ihrem Inneren. Sie konnte sich auch nicht mehr an die Antworten erinnern, aber irgendwie l�sten sie sich dennoch von ihrer Zunge. �Ich wurde vom Saal der Burg gerufen.�</p><p>�Was wollt Ihr, Egwene al'Vere?�</p><p>�Der Wei�en Burg dienen, nicht mehr und nicht weniger.� Licht, sie w�rden es <emphasis>wirklich</emphasis> tun!</p><p>�Wie w�rdet Ihr dienen, Egwene al'Vere?�</p><p>�Mit meinem Herzen und meiner Seele und meinem Leben im Licht wandelnd. Ohne Angst oder Begehren im Licht wandelnd.�</p><p>�Wo w�rdet Ihr dienen, Egwene al'Vere?�</p><p>Egwene atmete tief ein. Sie <emphasis>konnte</emphasis> diesem Wahnsinn noch Einhalt gebieten. Sie war sicherlich noch nicht soweit, um wirklich... �Auf dem Amyrlin-Sitz, wenn es dem Saal der Burg richtig erscheint.� Ihr Atem gefror. Jetzt war es zu sp�t zur Umkehr. Vielleicht war es schon im Herzen des Steins zu sp�t gewesen.</p><p>Delana stand als erste auf, dann Kwamesa und Janya und weitere, bis neun Sitzende vor ihren St�hlen standen und Annahme signalisierten. Romanda sa� noch fest auf ihrem Platz. Neun von achtzehn. Die Annahme mu�te einstimmig erfolgen � der Saal strebte stets nach �bereinstimmung, und letztendlich geschahen alle Abstimmungen einstimmig, obwohl es oft vieler Gespr�che bedurfte, bis es gelang �, aber heute abend g�be es au�er den zeremoniellen S�tzen keinerlei Gespr�che, und dies war eine regelrechte, wenn auch knappe Ablehnung. Sheriam und die anderen hatten sie wegen ihres Einwandes ausgelacht, da� dies geschehen k�nnte, und das so bereitwillig, da� sie sich vielleicht Sorgen gemacht h�tte, wenn die ganze Sache nicht so l�cherlich gewesen w�re, aber sie hatten sie andererseits auch fast beil�ufig davor gewarnt, da� dies geschehen k�nnte. Keine Ablehnung, sondern die Feststellung, da� die Sitzenden, die sich nicht erhoben hatten, keine Scho�hunde sein wollten. Laut Sheriam nur eine Geste, ein Zeichen, aber als sie Romandas und Lelaines starre Gesichter betrachtete, war sich Egwene dessen keineswegs sicher. Sie hatten auch gesagt, es w�rden vielleicht nur drei oder vier sein.</p><p>Die stehenden Frauen setzten sich schweigend wieder hin. Niemand sprach, aber Egwene wu�te, was sie tun mu�te. Ihre Erstarrung war gewichen.</p><p>Sie erhob sich und trat auf die n�chste Sitzende zu, eine Gr�ne mit strengen Gesichtsz�gen namens Samalin, die sich nicht erhoben hatte. W�hrend Egwene sich vor Samalin wieder hinkniete, kniete sich Sheriam mit einer weiten Waschsch�ssel in H�nden neben sie. Die Oberfl�che des Wassers kr�uselte sich. Sheriam wirkte k�hl und n�chtern, w�hrend Egwene zu schwitzen begann, aber Sheriams H�nde zitterten. Morvrin kniete sich ebenfalls hin und reichte Egwene ein Tuch, w�hrend Myrelle mit Handt�chern �ber dem Arm neben ihr wartete, Myrelle schien aus irgendeinem Grund ver�rgert.</p><p>�Bitte erlaubt mir zu dienen�, sagte Egwene. Strikt geradeaus schauend, raffte Samalin ihre R�cke bis zu den Knien. Sie war barfu�. Egwene wusch und trocknete beide F��e und trat dann zu der n�chsten Gr�nen, einer etwas rundlichen Frau namens Malind. Sheriam und die anderen hatten ihr die Namen aller Sitzenden genannt. �Bitte erlaubt mir zu dienen.� Malind hatte ein h�bsches Gesicht mit vollen Lippen und dunklen Augen, aber sie l�chelte nicht. Sie war eine derjenigen, die aufgestanden waren, aber auch sie war barfu�.</p><p>Alle Sitzenden im Raum waren barfu�. W�hrend Egwene all diese F��e wusch, fragte sie sich, ob die Sitzenden gewu�t hatten, wie viele sich nicht erheben w�rden. Sie hatten eindeutig gewu�t, da� einige es tun w�rden, da� dieser Dienst n�tig sein w�rde.</p><p>Sie wusch und trocknete den letzten Fu� � er geh�rte Janya, die die Stirn runzelte, als d�chte sie an etwas v�llig anderes, aber zumindest war sie aufgestanden �, lie� das Tuch in die Waschsch�ssel fallen, kehrte zu ihrem Platz am Anfang der Reihe zur�ck und kniete sich wieder hin. �Bitte erlaubt mir zu dienen.� Noch eine Chance.</p><p>Delana erhob sich erneut als erste, aber Samalin tat es ihr dieses Mal sofort nach. Niemand sprang auf, aber sie erhoben sich doch eine nach der anderen, bis nur noch Lelaine und Romanda sitzen geblieben waren und einander, nicht Egwene, ansahen. Schlie�lich zuckte Lelaine kaum merklich die Achseln, zog gem�chlich ihr Leibchen hoch und stand ebenfalls auf. Romanda wandte den Kopf und sah Egwene an. Sie lie� ihren Blick so lange auf ihr ruhen, bis Egwene Schwei� zwischen ihren Br�sten hinab und an den Rippen entlang rinnen sp�rte. Aber zumindest zog Romanda sich dann betont langsam an und folgte dem Beispiel der anderen. Egwene h�rte ein erleichtertes Keuchen hinter sich, wo Sheriam und die anderen warteten.</p><p>Aber es war noch nicht vorbei. Romanda und Lelaine kamen zusammen zu ihr, um sie dann zu dem gelb bemalten Stuhl zu f�hren. Sie stand davor, w�hrend sie ihr das Leibchen hochzogen und die Stola des Amyrlin-Sitzes um ihre Schultern drapierten, wobei sie und alle anderen Sitzenden sagten: �Ihr werdet im Glanz des Lichts zum Amyrlin-Sitz erhoben, auf da� die Wei�e Burg ewig bestehen m�ge. Egwene al'Vere, die H�terin der Siegel, die Flamme von Tar Valon, der Amyrlin-Sitz.� Lelaine nahm Egwene den Gro�en Schlangenring von der linken Hand und gab ihn Romanda, die ihn dann an Egwenes rechte Hand steckte. �M�ge das Licht den Amyrlin-Sitz und die Wei�e Burg erleuchten.�</p><p>Egwene lachte. Romanda blinzelte, Lelaine sah sie verwirrt an, und sie waren nicht die einzigen. �Ich habe mich nur gerade an etwas erinnert�, sagte sie und f�gte dann hinzu: �T�chter.� So nannte die Amyrlin die Aes Sedai. Sie hatte sich an das erinnert, was als n�chstes k�me. Sie konnte nicht umhin, es als Gegenleistung f�r die Erleichterung ihres Weges durch <emphasis>Tel'aran'rhiod</emphasis> anzusehen. Egwene al'Vere, der H�terin der Siegel, der Flamme von Tar Valon, dem Amyrlin-Sitz, gelang es, sich angemessen und ohne zur�ckzuschrecken auf diesem harten, h�lzernen Stuhl niederzulassen. Sie betrachtete beides als Sieg des Willens.</p><p>Sheriam, Myrelle und Morvrin traten vor � welche von ihnen gekeucht hatte, war an ihren ernsten Gesichtern nicht zu erkennen �, und die Sitzenden bildeten hinter ihnen eine Reihe, die sich bis zur T�r erstreckte. Sie stellten sich dem Alter nach auf, so da� Romanda ganz am Ende der Reihe zu stehen kam.</p><p>Sheriam vollf�hrte einen tiefen Hofknicks. �Bitte erlaubt mir zu dienen, Mutter.�</p><p>�Ihr d�rft der Burg dienen, Tochter�, erwiderte Egwene so ernst wie m�glich. Sheriam k��te ihren Ring und trat beiseite, w�hrend Myrelle einen Hofknicks vollf�hrte.</p><p>Die Reihe wurde fortgef�hrt. Es gab bei der Durchf�hrung einige �berraschungen. Keine der Sitzenden war trotz ihrer Aes Sedai-Gesichter wirklich jung. Die hellhaarige Delana, die Egwene f�r fast so alt wie Romanda gehalten hatte, stand ungef�hr in der Mitte der Reihe, w�hrend Lelaine und Janya, beide recht h�bsche Frauen ohne eine Spur Grau im dunklen Haar, erst unmittelbar vor der wei�haarigen Gelben kamen. Jede vollf�hrte einen Hofknicks, k��te Egwenes Ring mit vollkommen ausdruckslosem Gesicht � obwohl einige Egwenes gestreiften Saum ansahen � und verlie� den Raum schweigend durch eine Hintert�r. Normalerweise w�re die Zeremonie noch nicht zu Ende gewesen, aber der Rest w�rde bis zum Morgen warten m�ssen.</p><p>Schlie�lich war Egwene mit den drei Frauen allein, die f�r sie gebeten hatten. Sie war sich noch immer nicht sicher, was das bedeutete. �Was w�re geschehen, wenn Rowanda nicht aufgestanden w�re?� Vermutlich h�tte sie noch eine Gelegenheit bekommen � eine weitere Runde F��e waschen und um die Erlaubnis bitten, dienen zu d�rfen �, aber sie war sich sicher, da� sie auch noch eine dritte Chance bekommen h�tte, wenn Romanda sie zum zweiten Mal abgelehnt h�tte.</p><p>�Dann w�re sie sehr wahrscheinlich in wenigen Tagen selbst zur Amyrlin ernannt worden�, erwiderte Sheriam. �Sie oder Lelaine.�</p><p>�Das habe ich nicht gemeint�, sagte Egwene. �Was w�re mit mir geschehen? W�re ich wieder eine Aufgenommene gewesen?� Anaiya und die anderen eilten l�chelnd zu ihr, und Myrelle half Egwene aus dem gestreiften wei�en Gewand in ein hellgr�nes Seidengewand, das sie nur bis zum Schlafengehen tragen w�rde. Es war schon sp�t, aber die Amyrlin konnte nicht im Gewand einer Aufgenommenen umhergehen.</p><p>�Sehr wahrscheinlich�, antwortete Morvrin kurz darauf. �Ich wei� nicht, ob es gut w�re oder nicht, eine Aufgenommene zu sein, von der jede Sitzende w��te, da� sie um ein Haar den Amyrlin-Sitz innegehabt h�tte.�</p><p>�Das ist erst selten geschehen�, sagte Beonin, �aber eine Frau, welcher der Amyrlin-Sitz verweigert wird, wird �blicherweise verbannt. Der Saal strebt nach Harmonie, und sie w�re unweigerlich eine Quelle der Unruhe.�</p><p>Sheriam sah Egwene wie zur Betonung ihrer Worte direkt in die Augen. �Wir w�ren sicherlich verbannt worden. Myrelle, Morvrin und ich bestimmt, da wir aufgestanden sind und f�r Euch gebeten haben, und Carlinya, Beonin und Anaiya ebenfalls.� Pl�tzlich l�chelte sie. �Aber es ist anders gekommen. Die neue Amyrlin soll ihre erste Nacht eigentlich in nachdenklicher Betrachtung und im Gebet verbringen, aber wenn Myrelle mit diesen Kn�pfen fertig ist, w�re es vielleicht besser, wenn wir wenigstens einen Teil der Zeit damit verbr�chten, Euch �ber die Lage in Salidar aufzukl�ren.�</p><p>Alle sahen sie an. Myrelle stand hinter ihr und schlo� den letzten Knopf, aber sie konnte den Blick der Frau sp�ren. �Ja, ich glaube, das w�re vielleicht das beste.�</p></section><section><title><p>36</p><p>Zur Amyrlin erhoben</p></title><p>Egwene hob den Kopf von den Kissen, sah sich um und war einen Moment �berrascht, sich in einem Himmelbett in einem gro�en Raum zu befinden. Das fr�he Morgenlicht drang durch die Fenster, und eine vollendet h�bsche Frau in einem einfachen grauen Wollgewand stellte gerade einen gro�en wei�en Krug mit hei�em Wasser auf dem Waschtisch ab. Chesa war ihr letzte Nacht als ihr Dienstm�dchen vorgestellt worden. Das Dienstm�dchen der Amyrlin. Ein verdecktes Tablett stand bereits neben Kamm und B�rste auf einem kleinen Tisch unter einem Spiegel mit Silberrahmen. Der Duft frischen Brotes und ged�nsteter Birnen schwebte in der Luft.</p><p>Anaiya hatte den Raum f�r Egwenes Ankunft vorbereitet. Die M�bel pa�ten nicht zueinander, aber es waren die besten M�bel, die Salidar zu bieten hatte, von dem bequemen Armsessel der mit gr�ner Seide aufgepolstert war, bis zu dem Standspiegel in der Ecke mit der makellosen Vergoldung und dem mit Holzschnitzereien verzierten Kleiderschrank, in dem jetzt ihre Habe hing. Leider schien Anaiya Spitze und R�schen sehr zu m�gen. Beides war in �bertriebenem Ma�e am Betthimmel und den zur�ckgezogenen Bettvorh�ngen zu finden, und die einen oder anderen Spitzen oder R�schen zierten auch die Tische und den Stuhl, die Armlehnen des gepolsterten Sessels, die Bettdecke, die Egwene auf den Boden geworfen hatte, und das d�nne Seidenlaken, das dieser gefolgt war. Auch die Vorh�nge an den Fenstern wiesen Spitze auf.</p><p>Egwene lie� den Kopf wieder sinken. Auch das Kissen war von Spitze ges�umt. Der Raum vermittelte ihr das Gef�hl, in Spitze zu ertrinken.</p><p>Es war viel gesprochen worden, nachdem Sheriam und die anderen sie in die, wie sie es nannten, Kleine Burg gebracht hatten, die fast ganz auf ihrer Seite stand. Sie waren nicht wirklich an ihren Vermutungen interessiert, was Rand vorhatte oder was Coiren und die anderen vielleicht wollten. Eine Abordnung unter Merana, die nach Caemlyn ziehen wollte, hielt sich hier auf, und sie wu�ten, was zu tun war, obwohl sie sich nicht n�her dar�ber �u�erten. Sie �bernahmen den gr��ten Teil der Gespr�che, w�hrend sie zuh�rte, und lie�en ihre Fragen unbeachtet. Die Antworten auf einige dieser Fragen waren im Moment ohne Belang, wurde ihr gesagt. Nur einige wurden schnell beantwortet, bevor wichtigere Dinge besprochen wurden. Abordnungen waren zu jedem Herrscher entsandt worden, die nacheinander benannt wurden. Dabei wurde erkl�rt, warum er oder sie f�r Salidars Zwecke absolut lebenswichtig war, was anscheinend f�r alle galt. Sie sagten nicht direkt, da� alles fehlschlagen w�rde, wenn sich auch nur ein Herrscher gegen sie stellte, aber die Art, wie jeder einzelne Herrscher ausdr�cklich erw�hnt wurde, sprach daf�r. Gareth Bryne erhob gerade ein Heer, das ausreichend stark w�re, ihre Anspr�che gegen Elaida einzuklagen, wenn es dazu k�me. Sie glaubten es anscheinend nicht, trotz Elaidas Forderung, in die Burg zur�ckkehren zu wollen. Sie glaubten anscheinend, da� die Aes Sedai zu Egwene al'Vere kommen w�rden, wenn sich die Nachricht ihrer Ernennung zum Amyrlin-Sitz verbreitet h�tte, sogar einige der zur Zeit in der Burg befindlichen Aes Sedai, ausreichend viele, da� Elaida der Forderung zur�ckzutreten nachgeben m��te. Die Wei�m�ntel drehten aus irgendeinem Grund den Daumen, so da� es in Salidar gegenw�rtig so sicher wie �berall war. Da� Logain genauso geheilt worden war wie Siuan � und Leane, die nat�rlich geheilt worden w�re, wenn sie dagewesen w�re; es war schlicht �berraschend, als man herausfand, da� sie tats�chlich da war �, wurde fast beil�ufig erw�hnt.</p><p><emphasis>�Es gibt dort nichts, wor�ber Ihr Euch sorgen m��tet�, sagte Sheriam tr�stend. Sie stand �ber Egwene, die in dem gepolsterten Armsessel sa�, w�hrend die anderen im Kreis um sie herumstanden. �Der Saal wird dar�ber streiten, ob man ihn wieder bes�nftigen soll, bis das hohe Alter uns von dieser Sorge befreit.�</emphasis></p><p><emphasis>Egwene versuchte, ein weiteres G�hnen zu unterdr�cken � es war schon sp�t �, und Anaiya sagte: �Wir m�ssen sie schlafen lassen. Der morgige Tag ist fast genauso wichtig, wie es der heutige Abend warf Kind.� Pl�tzlich lachte sie leise in sich hinein. �Mutter. Der morgige Tag ist auch wichtig, Mutter. Wir werden Chesa herschicken, damit sie Euch hilft. Euch f�rs Bett fertigzumachen.�</emphasis></p><p>Sie konnte, selbst nachdem sie gegangen waren, noch nicht einfach zu Bett gehen. W�hrend Chesa noch Egwenes Kleid �ffnete, erschien Romanda mit einer Reihe von Vorschl�gen f�r die Amyrlin, die mit fester, ernster Stimme vorgetragen wurden, und sie ging nicht eher, als bis Lelaine kam, als h�tte die Blaue Sitzende auf den Weggang der Gelben gewartet. Lelaine wu�te auch hilfreichen Rat, den sie der aufrecht im Bett sitzenden Egwene mitteilte, nachdem Chesa sanft, aber bestimmt aus dem Raum geschickt worden war. Ihre Ratschl�ge glichen denen Romandas in keiner Weise � und auch Sheriams nicht sehr � und wurden mit herzlichem, sogar g�tigen L�cheln dargebracht, aber auch mit genauso viel Sicherheit, da� Egwene in den ersten Monaten ein wenig Anleitung brauchen w�rde. Keine der Frauen sprach deutlicher aus als Sheriam, da� sie Egwene zu dem hinf�hren w�rde, was das beste f�r die Burg war, oder da� Sheriam und ihr kleiner Kreis vielleicht in zu viele Richtungen zu gehen versuchten, oder da� sie vielleicht schlechten Rat erteilen w�rden, aber Andeutungen waren deutlich erkennbar. Romanda und Lelaine deuteten auch beide an, da� die jeweils andere vielleicht ihre eigenen Schwerpunkte h�tte, die zweifellos nicht genannte Verwicklungen bewirken w�rden.</p><p>Als Egwene die letzte Lampe durch das Lenken der Macht l�schte, erwartete sie einen Schlaf voller Alptr�ume. Tats�chlich erinnerte sie sich am n�chsten Morgen aber nur an zwei. In einem war sie die Amyrlin � eine Aes Sedai, aber ohne die Eide geleistet zu haben �, und alles, was sie tat, f�hrte ins Ungl�ck. Sie erwachte bei diesem Traum ruckartig, um davonzukommen, war sich aber dennoch sicher, da� es ein Traum ohne Bedeutung war. Er hatte einer ihrer Erfahrungen im <emphasis>Ter'angreal</emphasis> ge�hnelt, wo sie gepr�ft worden war, um eine Aufgenommene zu werden. Soweit jedermann wu�te, hatten sie keinen Bezug zur Realit�t. Nicht zu dieser Realit�t. Der andere Traum war so t�richt wie erwartet. Sie wu�te genug �ber ihre Tr�ume, um das zu erkennen, selbst wenn sie sich letztendlich aufwecken mu�te, um auch diesem zu entrinnen. Sheriam hatte ihr die Stola von den Schultern gerissen, und dann hatten alle sie ausgelacht und auf die N�rrin gezeigt, die tats�chlich geglaubt hatte, ein kaum achtzehnj�hriges M�dchen k�nnte die Amyrlin sein. Nicht nur die Aes Sedai hatte gelacht, sondern auch alle Weise Frauen und Rand und Perrin und Mat und Nynaeve und Elayne, fast alle, denen sie jemals begegnet war, w�hrend sie nackt dort stand und verzweifelt versuchte, das Gewand einer Aufgenommenen anzuziehen, das vielleicht einem zehnj�hrigen Kind gepa�t h�tte.</p><p>�Nun, Ihr k�nnt nicht den ganzen Tag im Bett liegen bleiben, Mutter.�</p><p>Egwene �ffnete die Augen.</p><p>Chesas Gesicht zeigte einen Ausdruck gespielter Strenge, aber mit einem Zwinkern in den Augen. Sie war mindestens in Egwenes Alter. Bei ihrer ersten Begegnung war sie sofort in eine respektvolle und auch vertraute Haltung verfallen, die man von einer erfahrenen Dienerin erwarten konnte. �Der Amyrlin-Sitz darf keine Langschl�ferin sein, gerade heute nicht.�</p><p>�Daran w�rde ich zuletzt denken.� Egwene kletterte steif aus dem Bett und streckte sich, bevor sie ihr verschwitztes Nachtgewand auszog. Sie konnte nicht warten, bis sie die Macht lange genug angewandt h�tte, um nicht mehr zu schwitzen. �Ich werde das blaue Seidengewand mit den wei�en Morgensternen am Halsausschnitt tragen.� Sie bemerkte, da� Chesa bewu�t nicht hinsah, w�hrend sie ihr ein frisches Hemd reichte. Die Wirkung ihrer Begegnung mit dem <emphasis>Toh</emphasis> hatte ein wenig nachgelassen, aber sie schien noch immer leicht zerschlagen zu sein. �Ich hatte einen Unfall, bevor ich hierherkam�, sagte sie und zog sich das frische Hemd eilig �ber den Kopf.</p><p>Chesa nickte pl�tzlich verstehend. �Pferde sind b�sartige, wenig vertrauensw�rdige Ungeheuer. Ihr w�rdet mich niemals auf ein Pferd bekommen, Mutter. Ein guter, robuster Karren ist weitaus sicherer. Wenn ich von einem Pferd fiele, w�rde ich es niemals jemandem erz�hlen. Nildra w�rde es tun, und Kaylin... Oh, Ihr w�rdet niemals glauben, was Frauen manchmal sagen, sobald man den R�cken wendet. Beim Amyrlin-Sitz ist es nat�rlich anders, aber das w�rde ich tun.� Sie hielt die Schrankt�r auf und warf Egwene einen Seitenblick zu, um zu sehen, ob sie verstand.</p><p>Egwene l�chelte ihr zu. �Menschen sind Menschen, ob hoch- oder tiefgestellt�, sagte sie ernst.</p><p>Chesa strahlte einen Moment, bevor sie das blaue Gewand zutage f�rderte. Sheriam hatte sie vielleicht ausgesucht, aber sie war das Dienstm�dchen des Amyrlin-Sitzes und hielt dem Amyrlin-Sitz die Treue. Uns sie hatte auch recht damit, da� der heutige Tag sehr wichtig war.</p><p>Egwene a� schnell � trotz Chesas gemurmelten Bemerkungen, da� es dem Magen schade, das Essen hinunterzuschlingen, auch wenn die warme Milch mit Honig und Gew�rzen immerhin geeignet sei, einen nerv�sen Magen wieder zu beruhigen � putzte sich die Z�hne und wusch sich, lie� Chesa einige Male mit der B�rste durch ihr Haar fahren und zog sich so schnell an, wie die Frau ihr die blaue Seide �ber den Kopf ziehen konnte. Sie drapierte die Stola mit den sieben Streifen um ihre Schultern und hielt dann inne, um sich im Spiegel zu betrachten. Stola oder nicht � sie sah nicht wie ein Amyrlin-Sitz aus. <emphasis>Aber ich bin es. Dies ist kein Traum.</emphasis></p><p>Unten im gro�en Raum waren die Tische noch genauso leer wie in der Nacht. Nur die Sitzenden befanden sich dort, die ihre Stolen trugen und nach Ajahs geordnet zusammensa�en. Nur Sheriam war allein. Sie verstummten, als Egwene die Treppe herunterkam, und vollf�hrten einen Hofknicks. Romanda und Lelaine be�ugten sie kritisch, wandten sich dann ab, vermieden es ganz offensichtlich, Sheriam anzusehen, und nahmen ihre Unterhaltungen wieder auf. Als Egwene still blieb, taten es die anderen ihr nach. Gelegentlich schaute eine von ihnen zu ihr. Ihre Stimmen klangen sogar noch im Fl�sterton zu laut. Drau�en war es �u�erst ruhig. Egwene nahm ihr Taschentuch aus dem �rmel und tupfte ihr Gesicht ab. <emphasis>Sie</emphasis> schwitzten �berhaupt nicht.</p><p>Sheriam trat neben sie. �Es wird gutgehen�, sagte sie leise. �Erinnert Euch einfach an das, was Ihr sagen m��t.� Auch das hatten sie letzte Nacht in allen Einzelheiten durchgesprochen. Egwene mu�te heute morgen eine Rede halten.</p><p>Egwene nickte. Es war seltsam. Ihr Magen h�tte sich umst�lpen und ihre Knie h�tten zittern sollen. Beides war nicht der Fall, und sie konnte es nicht verstehen.</p><p>�Ihr braucht Euch nicht zu sorgen.� Sheriam klang, als glaubte sie, Egwene sei �ngstlich, und wollte sie tr�sten, aber bevor sie erneut etwas sagen konnte, erhob Romanda die Stimme.</p><p>�Es ist Zeit.�</p><p>Die Sitzenden stellten sich mit raschelnden R�cken dem Alter nach in einer Reihe auf, wobei Romanda dieses Mal voranging, und marschierten hinaus. Egwene n�herte sich der T�r. Noch immer kein Magenflattern. Vielleicht hatte Chesa mit der warmen Milch recht gehabt.</p><p>Es herrschte noch immer Stille, aber dann erklang erneut Romandas von Natur aus laute Stimme. �Wir haben einen Amyrlin-Sitz.�</p><p>Egwene trat in eine Hitze hinaus, die sie erst sp�ter am Tag erwartet h�tte. Als ihr Fu� aus der Vorhalle trat, landete er auf einer aus Luft gewobenen Plattform. Die Reihen der Sitzenden erstreckten sich drau�en zu beiden Seiten, und jede Sitzende schimmerte im Lichte <emphasis>Saidars.</emphasis></p><p>�Egwene al'Vere�, sagte Romanda in feierlichem Tonfall, w�hrend ihre Stimme von den Str�ngen der Macht getragen wurde, �die H�terin der Siegel, die Flamme von Tar Valon, der Amyrlin-Sitz.�</p><p>Sie hoben sie hoch, w�hrend Romanda sprach, erhoben die Amyrlin wahrhaftig, bis sie unmittelbar unter dem Strohdach stand, auf d�nner Luft stand, wie es jedermann erscheinen mu�te, aber eine Frau, die die Macht lenken konnte.</p><p>Es waren viele Menschen dort, die sie, von der aufgehenden Sonne umrissen, sahen. Ein zweites Gewebe lie� das Licht zu einem schimmernden Kokon um sie herum werden. M�nner und Frauen bev�lkerten die Stra�e. Die Menge erstreckte sich bis um die H�userecken. Jeder Eingang, jedes Fenster und jedes Dach au�er dem der Kleinen Burg selbst war von Menschen erf�llt. L�rm erklang, der Romanda beinahe �bert�nt h�tte, Wogen von Hochrufen, die �ber das Dorf hinwegrollten. Egwene betrachtete die Menge, suchte nach Nynaeve und Elayne, aber sie konnte sie in diesem Meer aufw�rts gewandter Gesichter nicht finden. Ein ganzes Zeitalter schien vergangen zu sein, bevor es wieder still genug wurde, da� sie sprechen konnte. Das Gewebe hatte ihr Romandas Stimme zugetragen.</p><p>Sheriam und die anderen hatten ihre Rede vorbereitet, eine ernste Ermahnung, die sie vielleicht ohne Err�ten h�tte �u�ern k�nnen, wenn sie doppelt �oder, noch besser, dreimal � so alt gewesen w�re, wie sie tats�chlich war. Sie hatte selbst einige �nderungen angebracht. �Wir haben uns hier auf der Suche nach Wahrheit und Gerechtigkeit versammelt, die nicht enden wird, bis die falsche Amyrlin Elaida von dem Platz vertrieben ist, den sie sich widerrechtlich angeeignet hat. Als Amyrlin werde ich euch bei dieser Suche leiten, und ich werde nicht schwanken, wie ihr es, wie ich wei�, tun werdet.� Und das war genug Ermahnung. Sie hatte keinesfalls die Absicht, lange genug hier oben zu bleiben, um alles zu wiederholen, was die Aes Sedai sie sagen h�ren wollten. Es w�re auch nur auf das hinausgelaufen, was sie ohnehin bereits gesagt hatte. �Ich ernenne Sheriam Bayanar als meine Beh�terin der Chroniken.�</p><p>Hierauf erklangen weitaus weniger Hochrufe. Eine Beh�terin war immerhin keine Amyrlin. Egwene schaute hinab und wartete, bis sie Sheriam herauseilen sah, w�hrend sie noch die Stola der Beh�terin um ihre Schultern drapierte, die als Zeichen daf�r, da� sie der Blauen Ajah entstammte, blau war. Es war beschlossen worden, keinen zweiten Amyrlin-Stab zu gestalten, der von einer goldenen Flamme gekr�nt wurde und den die Beh�terin trug. Bis der echte Stab von der Wei�en Burg zur�ckerlangt werden konnte, w�rde es ohne ihn gehen m�ssen. Sheriam hatte weitaus mehr Unterst�tzung erwartet, und sie sah Egwene ver�rgert an. Romanda und Lelaine, die in der Reihe der Sitzenden standen, zeigten ausdruckslose Gesichter. Sie hatten beide ihre eigenen sehr nachdr�cklichen Vorschl�ge zur Ernennung der Beh�terin gemacht, und bei beiden war es, wie nicht erw�hnt werden mu�, nicht Sheriam gewesen.</p><p>Egwene atmete tief ein und wandte sich wieder an die wartende Menge. �Um diesen Tag zu ehren, verf�ge ich hiermit, da� allen Aufgenommenen und Novizinnen alle Bu�en und Strafen erlassen werden.� Das war �blich und bewirkte erfreute Ausrufe von wei� gekleideten M�dchen und einigen wenigen unbeherrschten Aufgenommenen. �Um diesen Tag zu ehren, verf�ge ich hiermit, da� Theodrin Dabei, Faolain Grande, Nynaeve al'Meara und Elayne Trakand von diesem Moment an als vereidigte Schwestern und Aes Sedai zur Stola erhoben werden.� Ein fragendes Schweigen lastete auf der Menge, und nur hier und da erklang ein Murmeln. Das war absolut nicht �blich. Es war weit davon entfernt, �blich zu sein. Aber es war gesagt worden, und es war gut, da� Morvrin zuf�llig Theodrin und Faolain mit einbezogen hatte. Es war Zeit, sich wieder an das zu halten, was sie f�r sie aufgeschrieben hatten. �Ich verf�ge hiermit, da� der heutige Tag ein Tag der Festlichkeit und des Feierns sei. Es sollen nur Arbeiten ausgef�hrt werden, die f�r das Vergn�gen notwendig sind. M�ge das Licht euch alle bescheinen, und die Hand des Sch�pfers euch besch�tzen.� Die letzten Worte wurden von einem tumultartigen Gebr�ll �bert�nt, das selbst das Gewebe niederdr�ckte, das ihre Worte getragen hatte. Einige Leute begannen an Ort und Stelle auf der Stra�e zu tanzen, obwohl kaum genug Platz war.</p><p>Die aus Luft gestaltete Plattform sank vielleicht ein wenig schneller, als sie aufgestiegen war. Die Sitzenden sahen sie an, als sie herabtrat und das Schimmern <emphasis>Saidars</emphasis> begann unter ihnen zu verblassen, fast bevor sie den Boden ber�hrt hatte.</p><p>Sheriam eilte heran, nahm Egwenes Arm und l�chelte den Sitzenden mit den starren Gesichtern zu. �Ich mu� der Amyrlin ihr Studierzimmer zeigen. Entschuldigt uns.� Egwene h�tte nicht direkt behauptet, da� Sheriam sie hineindr�ngte, aber andererseits h�tte sie auch nicht widersprochen, da� sie es tat. Sie glaubte nicht, da� Sheriam sie tats�chlich hineinzerren w�rde, aber es schien ratsamer, mit der freien Hand ihre R�cke zu raffen und gr��ere Schritte zu machen, um es nicht herausfinden zu m�ssen.</p><p>Ihr Studierzimmer an der R�ckseite des Aufenthaltsraums war etwas kleiner als ihr Schlafzimmer und wies zwei Fenster, einen Schreibtisch, einen Stuhl mit hoher R�ckenlehne dahinter und zwei weitere St�hle davor auf. Sonst nichts. Die mit einem Klopfholz mit Vertiefungen versehenen Wandpaneele waren poliert, so da� sie matt gl�nzten, aber die Tischplatte war leer.</p><p>Ein Blumenteppich lag auf dem Boden.</p><p>�Verzeiht, wenn ich br�sk war, Mutter�, sagte Sheriam, w�hrend sie ihren Arm loslie�, �aber ich dachte, wir sollten allein miteinander reden, bevor Ihr mit einer der Sitzenden sprecht. Sie haben alle an Eurer Rede mitgearbeitet, und...�</p><p>�Ich wei�, ich habe einige �nderungen angebracht�, sagte Egwene mit strahlendem L�cheln, �aber ich hatte solche Bedenken, als ich dort oben stand und all das sagen sollte.� Sie <emphasis>alle</emphasis> hatten daran mitgearbeitet? Kein Wunder, da� es wie die schw�lstige Rede einer alten Frau geklungen hatte, die nicht aufh�ren konnte zu reden. Sie mu�te fast lachen. �Wie dem auch sei �ich habe gesagt was zu sagen war, im Kern jedenfalls. Elaida mu� vertrieben werden, und ich werde die Menschen dabei f�hren.�</p><p>�Ja�, sagte Sheriam z�gernd, �aber es wird vielleicht einige Fragen bez�glich der einen oder anderen ... �nderung geben. Theodrin und Faolain werden sicherlich zu Aes Sedai erhoben werden, sobald wir die Burg und die Eidesrute zur�ckerlangt haben, und sehr wahrscheinlich auch Elayne, aber Nynaeve kann noch immer keine Kerze anz�nden, ohne vorher vor allen Leuten an ihrem Zopf zu ziehen.�</p><p>�Genau das wollte ich ansprechen�, sagte Romanda, die hereinkam, ohne anzuklopfen. �Mutter�, f�gte sie nach einer betonten Pause hinzu. Lelaine schlo� die T�r hinter ihnen, fast vor den Nasen mehrerer anderer Sitzender.</p><p>�Es schien notwendig�, sagte Egwene mit geweiteten Augen. �Der Gedanke kam mir in der letzten Nacht. Ich wurde zur Aes Sedai erhoben, ohne gepr�ft zu werden oder die Drei Eide zu leisten, und wenn ich die einzige w�re, w�rde das nur auf mich aufmerksam machen. Wenn weitere vier Frauen genauso erhoben werden, wird es bei mir nicht mehr so seltsam erscheinen, zumindest nicht den hier lebenden Menschen. Elaida k�nnte vielleicht falsche Schl�sse daraus ziehen, wenn sie es h�rt, aber die meisten Leute haben nur so geringe Kenntnisse �ber die Aes Sedai, da� sie ohnehin nicht wissen werden, was sie glauben sollen. Die Menschen hier sind am wichtigsten. Sie m�ssen Vertrauen zu mir haben.�</p><p>Jeder andere au�er den Aes Sedai h�tte sie mit offenem Mund angestarrt. Tats�chlich stotterte auch Romanda fast.</p><p>�Vielleicht�, begann Lelaine streng und zog br�sk an ihrer Stola, hielt aber dann inne. Es war so. Und au�erdem � der Amyrlin-Sitz hatte jene Frauen �ffentlich zu Aes Sedai erkl�rt. Der Saal konnte sie vielleicht auf der Stufe von Aufgenommenen halten �oder was auch immer in diesem Fall Theodrin und Faolain waren �, aber der Saal konnte keine Erinnerungen ausl�schen, und er w�rde das Wissen aller nicht zunichte machen k�nnen, da� sie sich an ihrem ersten Tag gegen die Amyrlin gestellt hatten.</p><p>�Ich hoffe, Mutter�, sagte Romanda mit angespannter Stimme, �da� Ihr beim n�chsten Mal zuerst den Saal zu Rate ziehen werdet. Gegen die Gebr�uche zu handeln, kann unerwartete Folgen zeitigen.�</p><p>�Gegen die Gebr�uche zu handeln, kann ungl�ckliche Folgen zeitigen�, sagte Lelaine barsch und f�gte ein versp�tetes �Mutter� hinzu. Das war Unsinn, oder doch beinahe. Es war richtig, da� die Bedingungen, zur Aes Sedai erhoben zu werden, gesetzlich festgelegt waren, aber die Amyrlin konnte nahezu alles verfugen, was sie wollte. Dennoch ging eine weise Amyrlin nicht bereitwillig Auseinandersetzungen mit dem Saal ein, wenn es vermeidbar war.</p><p>�Oh, ich werde den Saal in Zukunft zu Rate ziehen�, versprach Egwene ernst. �Aber es schien mir richtig zu sein. W�rdet Ihr mich jetzt bitte entschuldigen? Ich mu� wirklich mit der Beh�terin sprechen.�</p><p>Sie bebten f�rmlich. Sie vollf�hrten fl�chtige Hofknickse, ihre Abschiedsworte vollkommen korrekt, soweit es nur die Worte betraf, aber bei Romanda klangen sie m�rrisch und bei Lelaine messerscharf.</p><p>�Ihr habt das sehr gut gehandhabt�, sagte Sheriam, als sie fort waren. Sie klang �berrascht. �AberIhrm��t im Ged�chtnis behalten, da� der Saal jeder Amyrlin Schwierigkeiten machen kann. Einer der Gr�nde, warum ich Eure Beh�terin bin, ist der, da� ich Euch raten und Euch von dieser Art Schwierigkeiten fernhalten kann. Ihr solltet mich fragen, bevor Ihr irgend etwas verf�gt. Und wenn ich nicht in der N�he bin, dann fragt Myrelle und Morvrin und die anderen. Wir sind hier, um Euch zu helfen, Mutter.�</p><p>�Ich verstehe, Sheriam. Ich verspreche Euch, sorgf�ltig auf Eure Worte zu achten. Ich w�rde Nynaeve und Elayne gern sehen, wenn es m�glich ist.�</p><p>�Es sollte m�glich sein�, sagte Sheriam l�chelnd, �obwohl ich Nynaeve vielleicht leibhaftig von einer Gelben fortzerren mu�. Siuan wird Euch �ber das Zeremoniell belehren, das eine Amyrlin beherrschen mu� � es gibt vieles dar�ber zu lernen �, aber ich werde ihr sagen, da� sie erst etwas sp�ter kommen soll.�</p><p>Egwene schaute zur T�r, nachdem auch Sheriam gegangen war. Dann wandte sie sich um und betrachtete den Tisch. Er war vollkommen leer. Es gab keine Berichte zu lesen und keine Aufzeichnungen zu betrachten. Nicht einmal ein Federhalter oder Tinte waren vorhanden, um eine Nachricht und erst recht keine Verf�gung festzuhalten. Und Siuan w�rde sie �ber das Zeremoniell belehren.</p><p>Als es sch�chtern an der T�r klopfte, stand sie noch immer am selben Fleck. �Kommt herein�, rief sie und fragte sich, ob es Siuan oder vielleicht ein Diener mit Honigkuchen war, der bereits in mundgerechte St�cke geschnitten war.</p><p>Nynaeve streckte z�gernd den Kopf ins Zimmer und wurde dann von Elayne hineingeschoben. Sie vollf�hrten Seite an Seite perfekte Hofknickse, breiteten dabei die wei�en, mit Streifen versehenen R�cke aus und murmelten: �Mutter.�</p><p>�Bitte tut das nicht�, sagte Egwene. Tats�chlich war es eher ein St�hnen. �Ihr seid meine einzigen Freundinnen, und wenn ihr anfangt...� Licht, sie w�rde gleich weinen!</p><p>Elayne erreichte sie um Haaresbreite zuerst und schlang ihre Arme um sie. Nynaeve schwieg und spielte nerv�s mit einem schmalen Silberarmband. �Wir sind noch immer deine Freundinnen, Egwene, aber du <emphasis>bist</emphasis> der Amyrlin-Sitz. Licht, erinnere dich, da� ich dir gesagt habe, du w�rdest eines Tages die Amyrlin sein, als ich...� Elayne verzog leicht das Gesicht. �Nun, auf jeden Fall <emphasis>bist</emphasis> du es. Wir k�nnen nicht einfach zur Amyrlin spazieren und fragen: �Egwene, macht mich dieses Kleid dick?� Es w�re nicht angemessen.�</p><p>�Das stimmt�, best�tigte Egwene tapfer. �Nun, wenn wir allein sind�, gestand sie kurz darauf ein, <emphasis>�m�chte</emphasis> ich, da� ihr mir sagt, wenn mich ein Kleid dick macht, oder ... oder was immer ihr wollt.� Sie l�chelte Nynaeve an und zog sanft an ihrem dicken Zopf. Nynaeve schrak zusammen. �Und ich m�chte, da� du das wieder tust, wenn dir danach zumute ist. Ich brauche jemanden, der Egwenes Freundin ist und nicht st�ndig diese ... diese <emphasis>verdammte</emphasis> Stola sieht, sonst werde ich verr�ckt. Da wir gerade von Kleidern sprechen � warum tr�gst du dieses noch? Ich dachte, du k�nntest dich jetzt sicherlich umziehen.�</p><p>Da zog Nynaeve tats�chlich an ihrem Zopf. �Diese Nisao sagte mir, es m�sse ein Irrtum sein, und zerrte mich davon. Sie sagte, sie w�rde ihre Zeit nicht f�r eine Feier verschwenden.� Drau�en waren erste Kl�nge dieser Feier zu h�ren, ein allgemeines Summen, das gerade laut genug war, die Steinmauern zu durchdringen, und leise Musik.</p><p>�Nun, es war kein Irrtum�, sagte Egwene. Nisao hatte etwas anderes vor? Nun, sie w�rde nicht jetzt danach fragen. Nynaeve war nicht gl�cklich dar�ber, und Egwene wollte, da� dies ein m�glichst fr�hliches Zusammensein w�rde. Sie zog den Stuhl hinter dem Tisch hervor, sah zwei Kissen darauf liegen und l�chelte. Chesa. �Wir werden uns hierher setzen und miteinander reden, und dann werde ich euch helfen, die beiden sch�nsten Kleider in Salidar zu finden. Erz�hlt mir von euren Entdeckungen. Anaiya erw�hnte sie, und Sheriam ebenfalls, aber ich konnte sie nicht lange genug aufhalten, da� sie mir Einzelheiten h�tten berichten k�nnen.�</p><p>Die beiden Frauen hielten fast gleichzeitig in ihrer Bewegung inne, sich hinsetzen zu wollen, und wechselten Blicke. Unerkl�rlicherweise schienen sie nur widerwillig von Nynaeves Heilung Siuans und Leanes � Nynaeve wiederholte drei Mal sehr besorgt, da� die Heilung Logains ein Versehen gewesen sei �und Elaynes Arbeit mit dem <emphasis>Ter'angreal</emphasis> sprechen zu wollen.</p><p>Es waren bemerkenswerte Erfolge, besonders Nynaeves Wirken, aber mehr wollten sie nicht sagen. Egwene konnte ihnen noch so oft erkl�ren, wie gro�artig das war, was sie getan hatten, und wie sehr sie sie beneidete. Egwene hatte nicht lange versucht, selbst Heilung zu bewirken. Sie hatte kein richtiges Gef�hl daf�r und besonders nicht f�r dieses komplizierte Muster, das Nynaeve ohne nachzudenken wob, und obwohl sie gut mit Metallen zurechtkam und sowohl Feuer als auch Erde gut beherrschte, verlor sie sie fast augenblicklich wieder. Nat�rlich wollten sie wissen, wie das Leben unter den Aiel war. Dem erstaunten Blinzeln und j�h abbrechenden Lachen nach zu urteilen, war sich Egwene nicht sicher; ob sie glaubten, was sie ihnen erz�hlte, und sie erz�hlte sicherlich nicht alles. Das Thema Aiel f�hrte nat�rlich auch zum Thema Rand. Beide Frauen lauschten ihrer Wiedergabe seines Treffens mit den Aes Sedai aufmerksam. Sie stimmten ihr zu, da� er sich in gr��ere Gefahr begab, als ihm bewu�t war, und jemanden brauchte, der ihn anleitete, bevor er in eine Falle geriet. Elayne glaubte, Min k�nnte dabei hilfreich sein, wenn die Abordnung Caemlyn erst erreicht h�tte � Egwene h�rte jetzt zum ersten Mal, da� Min zu der Abordnung geh�rte oder �berhaupt in Salidar gewesen war �, obwohl sie in Wahrheit eher halbherzig bei der Sache war. Und sie �u�erte etwas h�chst Eigenartiges, als sei dies eine Wahrheit, die sie nicht h�ren wollte.</p><p>�Min ist besser als ich.� Aus irgendeinem Grund bewirkte dies einen mitf�hlenden Blick von Nynaeve. �Ich w�nschte, <emphasis>ich</emphasis> w�re dort�, fuhr Elayne mit kr�ftigerer Stimme fort. �Ich meine, um ihn anzuleiten.� Sie schaute von Egwene zu Nynaeve, und ihre Wangen r�teten sich. �Nun, auch das.� Nynaeve und Egwene mu�ten so sehr lachen, da� sie beinahe von ihren St�hlen fielen, und Elayne schlo� sich ihnen fast augenblicklich an.</p><p>�Es gibt eine gute Nachricht, Elayne�, sagte Egwene atemlos, w�hrend sie sich noch immer zu fassen versuchte. Dann erkannte sie pl�tzlich, was sie im Begriff war zu sagen und warum sie es sagen wollte. Licht, in welch eine Lage war sie da geraten, und sie lachte noch! �Es tut mir leid wegen deiner Mutter, Elayne. Du wei�t nicht, wie sehr ich mir w�nschte, ich h�tte dir mein Beileid fr�her aussprechen k�nnen.� Elayne wirkte verst�ndlicherweise verwirrt. �Die Sache ist die, da� Rand dir den L�wenthron <emphasis>und</emphasis> den Sonnenthron �bergeben will.� Elayne setzte sich zu ihrer �berraschung ruckartig auf.</p><p>�Tut er das, tut er das?� fragte sie mit beherrschter, tonloser Stimme. �Er beabsichtigt, mir beide Throne zu �bergeben.� Sie reckte leicht das Kinn. �Ich habe einigen Anspruch auf den Sonnenthron, und wenn ich ihn einnehmen will, dann werde ich ihn allein einnehmen, weil ich das Recht dazu habe. Und was den L�wenthron betrifft � Rand al'Thor hat kein Recht, �berhaupt kein Recht, mir zu <emphasis>geben,</emphasis> was mir bereits geh�rt.�</p><p>�Ich bin sicher, da� er es nicht so gemeint hat�, wandte Egwene ein. <emphasis>Wirklich nicht?</emphasis> �Er liebt dich, Elayne. Ich wei�, da� er dich liebt.�</p><p>�Wenn es doch nur so einfach w�re�, murmelte Elayne, was auch immer das bedeuten sollte.</p><p>Nynaeve schnaubte. �M�nner behaupten stets, sie meinten es nicht so. Man k�nnte glauben, sie spr�chen eine andere Sprache.�</p><p>�Wenn ich ihn wieder in die Finger bekomme�, sagte Elayne bestimmt, �werde ich ihn lehren, sich richtig auszudr�cken. Sie mir <emphasis>geben!�</emphasis></p><p>Es kostete Egwene M�he, nicht erneut zu lachen. Wenn Elayne das n�chste Mal Rand in die Finger bekam, w�rde sie zu sehr damit besch�ftigt sein, einen abgeschiedenen Platz zu finden, um ihn etwas zu lehren. Es war genau wie in alten Zeiten. �Jetzt, wo du eine Aes Sedai bist, kannst du zu ihm gehen, wann immer du willst. Niemand kann dich aufhalten.� Die beiden wechselten schnell einen Blick.</p><p>�Der Saal l��t niemanden einfach gehen�, sagte Nynaeve. �Und selbst wenn sie einfach so gehen k�nnte, w�rden wir mit Sicherheit etwas Wichtigeres finden.�</p><p>Elayne nickte heftig. �Das glaube ich auch. Ich gebe zu, da� ich, als ich geh�rt habe, da� du zur Amyrlin ernannt worden bist, zuerst dachte, Nynaeve und ich k�nnten es jetzt vielleicht wirklich finden. Nun, es war wohl eher der zweite Gedanke; zuerst empfand ich eine Art benommener Freude.�</p><p>Egwene blinzelte verwirrt. �Ihr habt etwas gefunden? Aber jetzt m��t ihr es wirklich finden?� Sie beugten sich auf ihren St�hlen vor und antworteten eifrig und einander fast �bert�nend.</p><p>�Wir haben es gefunden�, sagte Elayne, �aber nur in <emphasis>Tel'aran'rhiod.�</emphasis></p><p>�Wir haben die Notwendigkeit benutzt�, f�gte Nynaeve hinzu. �Wir ben�tigten sicherlich <emphasis>etwas.�</emphasis></p><p>�Es ist eine Schale�, fuhr Elayne fort, �ein</p><p><emphasis>Ter'angreal,</emphasis> und ich denke, da� sie vielleicht ausreichend stark sein k�nnte, das Wetter zu ver�ndern.�</p><p>�Aber die Schale befindet sich irgendwo in Ebou Dar, in einem schrecklichen Gewirr von Stra�en ohne Hinweise oder irgend etwas, das uns helfen k�nnte. Der Saal hat Merilille einen Brief gesandt, aber sie wird ihn niemals finden.�</p><p>�Besonders weil sie K�nigin Tylin nachdr�cklich davon �berzeugen soll, da� sich die <emphasis>wahre</emphasis> Wei�e Burg hier befindet.�</p><p>�Wir haben ihnen gesagt, da� beim Lenken der Macht ein Mann ben�tigt wird.� Nynaeve seufzte. �Das war nat�rlich vor Logain, obwohl ich nicht glaube, da� sie ihm vertrauen w�rden.�</p><p>�Es wird nicht wirklich ein Mann ben�tigt�, erkl�rte Elayne. �Wir wollten sie einfach �berzeugen, da� sie Rand brauchen. Ich wei� nicht, wie viele Frauen n�tig sein werden, aber vielleicht ein vollst�ndiger Kreis von dreizehn Frauen.�</p><p>�Elayne sagte, die Schale sei sehr m�chtig, Egwene. Sie k�nnte das Wetter wieder regeln. Mir w�re es recht, wenn mein Wettersinn wieder funktionierte.�</p><p>�Die Schale kann es <emphasis>tats�chlich</emphasis> wieder regeln, Egwene.� Elayne wechselte begl�ckte Blicke mit Nynaeve. �Du mu�t uns nur nach Ebou Dar schicken.�</p><p>Der Redeflu� versiegte, und Egwene lehnte sich auf ihrem Stuhl zur�ck. �Ich werde tun, was ich kann. Vielleicht wird es keine Einw�nde geben, da ihr jetzt Aes Sedai seid.� Aber sie hatte das Gef�hl, da� es doch Einw�nde geben w�rde. Sie zu Aes Sedai zu ernennen, war als k�hner Streich erschienen, aber sie begann allm�hlich zu glauben, da� es doch nicht so einfach war.</p><p>�Was du kannst?� fragte Elayne ungl�ubig. �Du bist der Amyrlin-Sitz, Egwene. Du befiehlst, und die Aes Sedai springen.� Sie grinste fl�chtig. �Sag �spring�, und ich beweise es dir.�</p><p>Egwene verzog das Gesicht. �Ich bin die Amyrlin, aber... Elayne, Sheriam mu� nicht allzu scharf nachdenken, um sich einer Novizin namens Egwene zu erinnern, die alles mit gro�en Augen betrachtete und geschickt wurde, die Wege im Neuen Garten zu harken, weil sie nach dem Zubettgehen �pfel gegessen hatte. Sie will mich an der Hand f�hren oder am Genick vorw�rtsschieben. Romanda und Lelaine wollten beide Amyrlin werden, und sie sehen noch immer diese Novizin in mir. Sie beabsichtigen genauso sehr wie Sheriam, mich in meine Schranken zu weisen.�</p><p>Nynaeve runzelte besorgt die Stirn, aber Elayne verk�rperte die reine Emp�rung. �Du kannst es ihnen nicht durchgehen lassen, da� sie dich zu ... zu tyrannisieren versuchen. Du bist die <emphasis>Amyrlin.</emphasis> Die Amyrlin sagt dem Saal, was er tun soll, nicht umgekehrt. Du mu�t dich erheben und sie den Amyrlin-Sitz <emphasis>erkennen</emphasis> lassen.�</p><p>Egwene lachte ein wenig verbittert. War es erst gestern abend gewesen, da� sie sich heftig dagegen ausgesprochen hatte, tyrannisiert zu werden? �Es wird ein wenig Zeit brauchen, Elayne. Ich verstehe letztendlich, warum sie mich erw�hlt haben. Ich glaube, da� es mit Rand zu tun hat. Vielleicht glauben sie, er wird zug�nglicher sein, wenn er mich die Stola tragen sieht. Ein anderer Grund ist, <emphasis>da�</emphasis> sie sich der Novizin erinnern. Eine Frau � nein: ein M�dchen! �, die so sehr daran gew�hnt ist zu tun, was man ihr sagt, wird keine Schwierigkeiten machen und leicht zu beeinflussen sein.� Sie griff nach der gestreiften Stola um ihren Hals. �Nun, was auch immer die Gr�nde sind � sie haben mich zur Amyrlin gew�hlt, und da sie es getan haben, will ich die Amyrlin <emphasis>sein,</emphasis> aber ich mu� vorsichtig sein, zumindest vorerst. Vielleicht hat Siuan den Saal springen lassen, wann immer sie die Stirn runzelte� � sie fragte sich, ob das jemals der Wahrheit entsprochen hatte �, �aber wenn ich das versuchte, k�nnte ich genausogut die erste Amyrlin werden, die am Tag nach ihrer Ernennung abgesetzt wurde.�</p><p>Elayne wirkte verbl�fft, aber Nynaeve nickte z�gernd. Vielleicht hatte ihr die Tatsache, da� sie eine Waise und zu Hause mit dem Frauenzirkel zusammengewesen war, tiefere Einblicke darein gew�hrt, wie der Amyrlin-Sitz und der Saal der Burg tats�chlich zusammenarbeiteten, als Elayne w�hrend ihrer ganzen Vorbereitung zur K�nigin erlangt hatte.</p><p>�Elayne, wenn sich die Nachricht erst verbreitet und die Herrscher von mir wissen, kann ich den Saal allm�hlich zu der Erkenntnis f�hren, da� sie eine Amyrlin und keine Marionette erw�hlt haben, aber bis dahin k�nnten sie mir diese Stola tats�chlich genauso schnell wieder nehmen, wie sie diese mir gegeben haben. Ich meine, wenn ich nicht wirklich die Amyrlin bin, ist es nicht schwer, mich beiseite zu schieben. Es w�rde vielleicht einige Proteste geben, aber ich bezweifle nicht, da� sie sie leicht beiseite r�umen k�nnten. Wenn jemand au�erhalb Salidars jemals h�rte, da� eine junge Frau namens Egwene al'Vere zur Amyrlin erhoben wurde, w�re es nur wieder eines dieser seltsamen Ger�chte, die um die Aes Sedai entstehen.�</p><p>�Was wirst du tun?� fragte Elayne leise. �Du wirst das nicht dem�tig hinnehmen.� Das lie� Egwene aufrichtig l�cheln. Es war keine Frage, sondern eine nachdr�ckliche Feststellung.</p><p>�Nein, das werde ich nicht tun.� Sie hatte vielen Lektionen �ber das Spiel der H�user gelauscht, die Moiraine Rand erteilt hatte. Damals hatte sie das Spiel f�r widersinnig und �u�erst hinterh�ltig gehalten. Jetzt hoffte sie nur noch, sich an alles erinnern zu k�nnen, was sie damals geh�rt hatte. Die Aiel sagten stets: Gebrauche die dir zur Verf�gung stehenden Waffen. �Vielleicht hilft es mir, da� sie mich auf drei verschiedene Marionettenf�den vorzubereiten versuchen. Ich kann vorgeben, von dem einen oder anderen beeinflu�t zu werden, abh�ngig davon, welches meinem Streben gerade eher entspricht. Ab und zu kann ich einfach tun, was ich will, so wie ich euch beide ernannt habe, aber nicht mehr sehr h�ufig.� Sie straffte die Schultern und begegnete ihren Blicken mit Gelassenheit. �Ich w�rde gerne sagen, da� ich euch ernannt habe, weil ihr es verdient habt, aber die Wahrheit ist, da� ich es getan habe, weil ihr meine Freundinnen seid und weil ich hoffe, da� ihr mir als vereidigte Schwestern helfen k�nnt. Ich wei� einfach nicht, wem au�er euch beiden ich vertrauen kann. Ich werde euch so bald wie m�glich nach Ebou Dar schicken, aber davor und danach kann ich mit euch �ber alles reden. Ich wei�, da� ihr mir die Wahrheit sagen werdet. Diese Reise nach Ebou Dar dauert vielleicht nicht so lange, wie ihr glaubt. Ihr beide habt alle m�glichen Entdeckungen gemacht, wie ich h�rte, aber wenn ich einiges herausfinden kann, werde ich vielleicht auch meine eigene Entdeckung machen.�</p><p>�Das wird wundervoll sein�, sagte Elayne, aber sie klang fast abwesend.</p></section><section><title><p>37</p><p>Der Kampf beginnt</p></title><p>Es herrschte ein sehr eigenartiges Schweigen, was Egwene �berhaupt nicht verstehen konnte. Elayne sah Nynaeve an, und dann schauten beide auf Nynaeves schmales Silberarmband. Nynaeve blickte kurz mit geweiteten Augen zu Egwene und dann schnell zu Boden.</p><p>�Ich mu� dir etwas gestehen�, fl�sterte Nynaeve kaum h�rbar. Ihre Stimme blieb leise, aber die Worte str�mten eilig hervor. �Ich habe Moghedien gefangengenommen.� Ohne den Blick zu heben, hielt sie das Handgelenk mit dem Armband hoch. �Dies ist ein <emphasis>A'dam.</emphasis> Wir halten sie gefangen, und niemand wei� etwas davon. Au�er Siuan und Leane und Birgitte. Und jetzt du.�</p><p>�Wir mu�ten es tun�, sagte Elayne und beugte sich eifrig vor. �Sie h�tten sie hingerichtet, Egwene. Ich wei�, da� sie es verdient, aber sie besitzt so gro�es Wissen, Dinge, die wir uns kaum im Traum vorstellen k�nnen. Daher stammen alle unsere <emphasis>Entdeckungen �</emphasis>au�er Nynaeves Heilung Siuans und Leanes und Logains und mein <emphasis>Ter'angreal.</emphasis> Sie h�tten sie get�tet, ohne zu versuchen, etwas von ihr zu lernen.�</p><p>Fragen wirbelten in Egwenes verwirrtem Kopf umher. Sie hatten eine der Verlorenen gefangengenommen? Wie? Elayne hatte ein <emphasis>A'dam</emphasis> erlangt? Egwene zitterte und konnte das Armband kaum ansehen. Er �hnelte in keiner Weise dem <emphasis>A'dam,</emphasis> den sie nur zu gut kannte. Wie hatten sie es geschafft, eine Verlorene unter so vielen Aes Sedai verborgen zu halten? Eine der Verlorenen war eine Gefangene. Nicht verurteilt und hingerichtet. Rand war so mi�trauisch geworden, da� er Elayne niemals wieder vertrauen w�rde, wenn er das herausf�nde.</p><p>�Bringt sie her�, brachte sie schlie�lich tonlos hervor. Nynaeve sprang auf und lief davon. Der Klang der Feierlichkeiten, Lachen und Musik und Gesang, schwoll einen Moment an, bevor sich die T�r wieder hinter ihr schlo�. Egwene rieb sich �ber die Schl�fen. Eine der Verlorenen. �Das mu� vollkommen geheim bleiben.�</p><p>Elayne err�tete. Warum, unter dem Licht... Nat�rlich.</p><p>�Elayne, ich habe nicht die Absicht, nach ... jemandem zu fragen, �ber den ich nichts wissen sollte.�</p><p>Die Frau mit dem goldenen Haar sprang auf. �Ich ... ich kann es dir vielleicht erkl�ren. Sp�ter. Morgen vielleicht. Egwene, du mu�t mir versprechen, nichts zu verraten � niemandem! �, es sei denn, ich sage es. Egal, was du ... was du siehst�</p><p>�Wenn du es so willst.� Egwene verstand nicht, warum die andere Frau so aufgeregt war. Nicht wirklich. Elayne hatte ein Geheimnis, das Egwene teilte, nur da� Egwene es zuf�llig herausgefunden hatte, und nun gaben sie beide vor, da� es noch immer Elaynes alleiniges Geheimnis sei. Sie hatte in <emphasis>Tel'aran'rhiod</emphasis> Birgitte getroffen, die Heldin aus der Legende, und vielleicht tat sie es noch immer. Warte, Nynaeve hatte es gesagt. Birgitte wu�te von Moghedien. Meinte sie, da� die Frau in <emphasis>Tel'aran'rhiod</emphasis> darauf wartete, da� das Horn von Valere sie zur�ckrief? Kannte <emphasis>Nynaeve</emphasis> das Geheimnis, das Elayne Egwene gegen�ber nicht hatte eingestehen wollen, als sie ertappt wurde? Nein. Dies w�rde nicht auf gegenseitiges Beschuldigen und Leugnen hinauslaufen.</p><p>�Elayne, ich bin die Amyrlin � wirklich die Amyrlin �, und ich habe Pl�ne. Die Weisen Frauen, die die Macht lenken, gehen mit einem gro�en Teil ihrer Gewebe anders um als die Aes Sedai.� Elayne wu�te bereits von den Weisen Frauen, obwohl Egwene, wenn sie dar�ber nachdachte, sich nicht sicher war, ob das auch f�r die Aes Sedai galt. Jetzt die anderen Aes Sedai. �Manchmal handeln sie komplizierter oder grober, aber manchmal ist es auch einfacher, als man es uns in der B�rg gelehrt hat, und es funktioniert genausogut.�</p><p>�Du willst, da� Aes Sedai und Weise Frauen gemeinsam lernen?� Elayne verzog belustigt den Mund. �Egwene, dem werden sie <emphasis>niemals</emphasis> zustimmen, in tausend Jahren nicht. Sie werden jedoch vermutlich Aiel-M�dchen auf ihre Eignung zur Novizin pr�fen wollen, wenn sie es herausfinden.�</p><p>Egwene z�gerte. Aes Sedai, die mit Weisen Frauen gemeinsam lernten. Als Lehrlinge? Das w�rde niemals geschehen, aber Romanda und Lelaine k�nnten besonderen Nutzen aus ein wenig <emphasis>Ji'e'toh</emphasis> ziehen. Und Sheriam und Myrelle und... Sie setzte sich bequemer hin und gab ihre Hirngespinste auf. �Ich bezweifle, da� die Weisen Frauen Aiel-M�dchen als Novizinnen akzeptieren w�rden.� Sie h�tten es vielleicht fr�her getan, aber heute sicherlich nicht mehr. Jetzt konnte Egwene nur noch erwarten, da� sie h�flich mit Aes Sedai umgingen. �Ich dachte an eine Art B�ndnis. Elayne, es gibt weniger als tausend Aes Sedai. Und wenn du jene Weisen Frauen mit einbeziehst, die in der W�ste bleiben, gibt es, glaube ich, mehr Weise Frauen, die die Macht lenken k�nnen, als Aes Sedai. Vielleicht viel mehr. Wie dem auch sei, ihnen entgeht niemand mit dem Talent.� Wie viele Frauen waren auf dieser Seite der Drachenmauer gestorben, weil sie pl�tzlich die Macht lenken konnten, ohne vielleicht zu wissen, was sie �berhaupt taten, oder jemanden zu haben, der sie lehren konnte? �Ich will mehr Frauen einbringen, Elayne. Was ist mit Frauen, die lernen k�nnen, welche die Aes Sedai aber nicht finden, bevor sie als zu alt erachtet werden, um Novizinnen zu werden? Ich sage, wenn sie lernen wollen, sollen sie es versuchen, selbst wenn sie vierzig oder f�nfzig sind oder ihre Enkel wiederum Enkel haben.�</p><p>Elayne schlang lachend die Arme um sich. <emphasis>�Oh,</emphasis> Egwene, die Aufgenommenen werden es lieben, <emphasis>jene</emphasis> Novizinnenklassen zu unterrichten.�</p><p>�Sie werden es lernen m�ssen�, sagte Egwene bestimmt. Sie hielt es f�r durchf�hrbar. Die Aes Sedai hatten stets gesagt, man k�nne zwar zu alt sein, um Novizin zu werden, aber wenn man lernen wolle... Sie hatten ihre Meinung bereits teilweise ge�ndert. Sie hatte in der Menge Gesichter gesehen, die �lter als Nynaeves Gesicht �ber dem Novizinnen-Wei� gewesen waren. �Die Burg hat ihre Aufgabe, Menschen auszuschlie�en, stets ernst genommen, Elayne. Wenn du nicht stark genug bist, wirst du fortgeschickt Weigere dich, dich einer Pr�fung zu unterziehen, und du wirst fortgeschickt. Versage bei einer Pr�fung, und du mu�t fort. Sie sollten bleiben d�rfen, wenn sie es wollen.�</p><p>�Aber die Pr�fungen sollen sicherstellen, da� man stark genug ist�, widersprach Elayne. �Nicht nur in bezug auf die Eine Macht, sondern auch in sich selbst. Du willst doch sicherlich keine Aes Sedai, die zerbrechen, wenn sie zum ersten Mal unter Druck geraten? Oder Aes Sedai, die kaum die Macht lenken k�nnen?�</p><p>Egwene schnaubte. Sorilea w�re aus der Burg verwiesen worden, ohne jemals einer Eignungspr�fung zur Aufgenommenen unterzogen zu werden. �Vielleicht k�nnen sie keine Aes Sedai werden, aber das bedeutet nicht, da� sie nutzlos sind. Man traut ihnen immerhin zu, die Macht nach zumindest ann�hernd eigenem Gutd�nken zu gebrauchen, sonst w�rden sie nicht in die Welt hinausgeschickt. Mein Traum besteht darin, da� jede Frau, die die Macht lenken kann, irgendwie mit der Burg verbunden sein sollte. Jede einzelne.�</p><p>�Auch die Windsucherinnen?� Elayne zuckte zusammen, als Egwene nickte.</p><p>�Du hast sie nicht verraten, Elayne. Ich kann nicht glauben, da� sie ihr Geheimnis so lange bewahrt haben.�</p><p>Elayne seufzte tief. �Nun, was geschehen ist, ist geschehen. Du kannst nichts ungeschehen machen. Aber wenn deine Aiel besonderen Schutz erhalten, sollte er dem Meervolk auch zugestanden werden. La� die Windsucherinnen ihre M�dchen lehren. Keine MeervolkFrau mehr, die gegen ihren Willen von Aes Sedai vertrieben wird.�</p><p>�In Ordnung.� Egwene spie auf ihre Handfl�che und streckte die Hand dann aus, und kurz darauf spie auch Elayne auf ihre Hand und grinste, als sie sich die H�nde gaben, um den Handel zu besiegeln.</p><p>Dann schwand das Grinsen langsam. �Hat dies etwas mit Rand und seinem Straferla� zu tun, Egwene?�</p><p>�Teilweise. Elayne, wie konnte der Mann so...?� Sie mochte die Frage nicht zu Ende stellen. Es gab ohnehin keine Antwort darauf. Die andere Frau nickte ein wenig traurig, weil sie verstand oder ihr zustimmte oder beides.</p><p>Die T�r wurde ge�ffnet, und eine st�mmige Frau in dunklem Tuch kam mit einem Silbertablett mit drei Silberbechern und einem hohen, silbernen Weinkrug herein. Ihr Gesicht wirkte verbraucht � das Gesicht einer Landfrau �, aber ihre dunklen Augen gl�nzten, als sie Egwene und Elayne nacheinander genau betrachtete. Egwene konnte sich nur kurz dar�ber wundern, da� die Frau trotz ihres groben Gewandes eine silberne Halskette trug, denn hinter ihr betrat Nynaeve den Raum und schlo� die T�r. Sie mu�te wie der Wind gelaufen sein, weil sie auch noch Zeit gefunden hatte, das Gewand der Aufgenommenen gegen ein dunkelblaues, am Halsausschnitt und am Saum mit goldenen Verzierungen besticktes Seidengewand einzutauschen. Es war nicht ann�hernd so tief ausgeschnitten wie Berelains Gewand, aber noch immer erheblich tiefer, als Egwene es bei Nynaeve zu sehen erwartet hatte.</p><p>�Dies ist Marigan�, sagte Nynaeve und warf ihren Zopf mit ge�bter Bewegung �ber die Schulter. Der Gro�e Schlangenring schimmerte an ihrer rechten Hand golden.</p><p>Egwene wollte gerade fragen, warum sie den Namen so ausdr�cklich betonte, erkannte aber dann j�h, da� deren Halskette zu dem Armband an Nynaeves Handgelenk pa�te. Sie konnte nicht umhin, die Frau anzustarren. Sie sah sicherlich nicht ann�hernd so aus, wie sich Egwene eine Verlorene vorgestellt h�tte. Sie sprach es aus, und Nynaeve lachte.</p><p>�Sieh her, Egwene.�</p><p>Sie schaute nicht nur hin � sie sprang fast von ihrem Stuhl auf und umarmte tats�chlich <emphasis>Saidar.</emphasis> Als Nynaeve zu sprechen begann, hatte das Schimmern auch Marigan umh�llt, nur einen Augenblick lang, und bevor es wieder schwand, hatte sich die Frau in dem einfachen Wollkleid vollkommen ver�ndert. Es waren eigentlich nur kleine Ver�nderungen, aber sie bewirkten, da� die Frau v�llig anders aussah, eher h�bsch als sch�n, aber �berhaupt nicht mehr verbraucht �eine stolze, sogar stattliche Frau. Nur die Augen waren gleich geblieben, gl�nzten noch immer. Egwene konnte jetzt glauben, da� diese Frau Moghedien war.</p><p>�Wie?� fragte sie nur Sie h�rte aufmerksam zu, w�hrend Nynaeve und Elayne erkl�rten, wie man Verkleidungen wob und Gewebe umkehrte, aber sie betrachtete dabei Moghedien. Sie <emphasis>war</emphasis> stolz, von sich selbst erf�llt, und ruhte fest in sich.</p><p>�Bringt sie zur�ck�, sagte Egwene, als die Erl�uterungen geendet hatten. Wieder blieb das Schimmern <emphasis>Saidars</emphasis> nur kurz bestehen, und es waren keine sichtbaren Gewebe mehr erkennbar, als es verging. Moghedien war erneut eine einfache und verbrauchte Frau, eine Landfrau, die ein hartes Leben gef�hrt hatte und �lter aussah, als sie war. Die schwarzen Augen blitzten Egwene ha�erf�llt und vielleicht auch voller Abscheu vor sich selbst an.</p><p>Als Egwene erkannte, da� sie <emphasis>Saidar</emphasis> noch immer festhielt, f�hlte sie sich einen Moment t�richt. Weder Nynaeve noch Elayne hatten die Quelle umarmt. Aber andererseits trug Nynaeve dieses Armband. Egwene erhob sich, ohne ihren Blick von Moghedien abzuwenden, und streckte die Hand aus. Nynaeve schien bestrebt, das Armband von ihrem Handgelenk loszuwerden, was Egwene gut verstehen konnte.</p><p>Nynaeve gab ihr das Armband und sagte: �Stellt das Tablett auf den Tisch, Marigan. Und benehmt Euch gut. Egwene hat bei den Aiel gelebt.�</p><p>Egwene drehte das Silberarmband in den H�nden und versuchte, nicht zu erschaudern. Eine h�bsche Arbeit, so geschickt in Abschnitte geteilt, da� es fast massiv wirkte. Sie hatte sich einst am anderen Ende eines <emphasis>A'dam</emphasis> befunden. Ein Seanchan-Gegenstand, mit einem Silberband, das die Halskette und das Armband verband, aber dennoch das gleiche war. Ihr Magen rebellierte, wie er es nicht mehr getan hatte, seit sie dem Saal gegen�bergestanden hatte. Sie schlo� das Silber bed�chtig um ihr Handgelenk. Sie hatte eine ungef�hre Vorstellung davon, was zu erwarten war, aber sie w�re dennoch beinahe zusammengezuckt. Die Empfindungen der anderen Frau, und auch ihr k�rperlicher Zustand, lagen in einem abgeschiedenen Winkel ihres Geistes vor Egwene ausgebreitet. Sie sah haupts�chlich bebende Angst, und der Abscheu vor sich selbst, den sie zu erkennen geglaubt hatte, war in fast ebenso starkem Ma�e vorhanden. Moghedien gefiel ihre gegenw�rtige Erscheinung nicht. Vielleicht gefiel sie ihr besonders nach der kurzen R�ckkehr in ihre eigene Gestalt nicht mehr.</p><p>Egwene dachte daran, wen sie ansah � eine der Verlorenen, eine Frau, deren Name jahrhundertelang benutzt worden war, um Kinder zu erschrecken, eine Frau, deren Verbrechen hundert Mal den Tod verdienten. Sie dachte an das Wissen in diesem Kopf. Sie l�chelte. Es war kein sch�nes L�cheln. Sie wollte es nicht so geraten lassen, aber sie glaubte auch nicht, da� sie es anders hatte gestalten k�nnen, wenn sie es versucht h�tte. �Sie haben recht. Ich habe bei den Aiel gelebt. Wenn Ihr also von mir erwartet, da� ich genauso sanft mit Euch umgehe wie Nynaeve und Elayne, dann schlagt Euch das aus dem Kopf. Macht mir gegen�ber nur einen Fehler, und ich werde Euch um den Tod betteln lassen. Nur da� ich Euch nicht t�ten werde. Ich werde einen Weg finden, damit Ihr dieses Gesicht f�r immer behalten m��t. Wenn Ihr mir gegen�ber jedoch mehr als einen Fehler macht...� Sie l�chelte jetzt breiter, bis es nur noch ein Z�hnezeigen war.</p><p>Die Angst nahm so stark zu, da� sie alles andere erstickte. Moghedien stand vor dem Tisch, umklammerte ihre R�cke so fest, da� die Kn�chel wei� hervortraten, und zitterte sichtbar. Nynaeve und Elayne sahen Egwene an, als h�tten sie sie noch niemals zuvor gesehen. Licht, erwarteten sie von ihr, da� sie einer der Verlorenen gegen�ber h�flich war? Sorilea w�rde die Frau drau�en in der Sonne pf�hlen, um sie in ihre Schranken zu verweisen, wenn sie ihr nicht gleich die Kehle durchschnitt.</p><p>Egwene trat n�her an Moghedien heran. Die andere Frau war gr��er, aber sie dr�ckte sich nach hinten an den lisch, warf die Weinbecher auf dem Tablett um und lie� den Krug schwanken. Egwenes Stimme nahm einen kalten Tonfall an. Es w�rde nicht lange dauern. �Der Tag, an dem ich Euch bei einer L�ge ertappe, ist der Tag, an dem ich Euch eigenh�ndig hinrichte. Also, ich habe erwogen, von einem Ort zum anderen zu reisen, indem ich von hier nach dort eine �ffnung schaffe. Eine �ffnung durch das Muster, so da� keine Entfernung zwischen dem einen und dem anderen Ende liegt. W�rde das funktionieren?�</p><p>�Bei Euch und jeder anderen Frau �berhaupt nicht�, antwortete Moghedien atemlos und schnell.</p><p><emphasis>Die</emphasis> sich in ihr steigernde Angst war jetzt auch auf ihrem Gesicht deutlich erkennbar. �So Reisen nur M�nner.� Es war eindeutig, was gemeint war. Sie sprach von einem der verlorenen Talente. �Wenn Ihr es versucht, werdet Ihr hineingesogen werden... Ich wei� nicht, was es ist. Vielleicht der Raum zwischen den Str�ngen des Musters. Ich glaube nicht, da� Ihr sehr lange leben w�rdet. Ich wei�, da� Ihr niemals zur�ckk�mt.�</p><p>�Reisen�, murrte Nynaeve angewidert. �Wir haben niemals ans Reisen gedacht!�</p><p>�Nein, das haben wir nicht getan.� Elayne klang nicht zufriedener. �Ich frage mich, an was wir sonst noch nicht gedacht haben.�</p><p>Egwene achtete nicht auf sie. �Gibt es einen anderen Weg?� fragte sie wohlwollend. Es war stets besser, die Stimme ruhig zu halten, als jemanden anzuschreien.</p><p>Moghedien zuckte zusammen, als h�tte Egwene sie doch angeschrien. �Ihr la�t die beiden Orte im Muster identisch werden. Ich kann Euch zeigen wie. Es ist ein wenig m�hsam, wegen der ... der Halskette, aber ich kann... �</p><p>�So?� fragte Egwene, umarmte <emphasis>Saidar</emphasis> und wob Str�nge aus Geist. Dieses Mal versuchte sie nicht, die Welt der Tr�ume anzur�hren, aber sie erwartete etwas sehr �hnliches, wenn es funktionieren w�rde. Doch sie bekam etwas v�llig anderes.</p><p>Der d�nne Vorhang, den sie wob, schimmerte nicht und bestand nur einen Moment, bevor er ruckartig zu einer senkrechten Linie zusammenfiel, die dann pl�tzlich zu einem Schlitz aus silbrig blauem Licht wurde. Das Licht weitete sich schnell � oder kehrte sich um, wie es ihr schien � zu ... etwas aus. Dort, mitten auf dem Fu�boden, entstand ein ... ein Eingang, der �berhaupt nicht so verschwommen wirkte, wie es bei dem Blick aus ihrem Zelt auf <emphasis>Tel'aran'rhiod</emphasis> gewesen war, ein Eingang, der sich in ein von der Sonne versengtes Land �ffnete, das sogar die schlimmste D�rre hier fruchtbar wirken lie�. Felsspitzen und scharfe Klippen ragten �ber einer staubigen, tongelben Ebene auf, durch die Risse verliefen und die nur wenige verk�mmerte B�sche aufwies, die sogar aus der Entfernung dornig wirkten.</p><p>Egwene sah gebannt hin. Es war die auf halbem Weg zwischen der Kaltfelsenfestung und dem Tal des Rhuidean gelegene Aiel-W�ste, ein Ort, an dem wohl kaum jemand zu sehen sein oder verletzt w�rde; Rands Vorsichtsma�nahmen mit seinem besonderen Raum im Sonnenpalast hatten sie auf den Gedanken gebracht, ebenfalls Vorsichtsma�nahmen zu ergreifen �, aber sie hatte nur gehofft, es zu erreichen, und sie war sich sicher gewesen, da� es durch einen schimmernden Vorhang zu sehen w�re.</p><p>�Licht!� keuchte Elayne. �Wei�t du, was du getan hast, Egwene? Wei�t du es? Ich glaube, ich kann es auch tun. Wenn du das Gewebe wiederholst, werde ich mich bestimmt erinnern.�</p><p>�An was erinnern?� jammerte Nynaeve fast. �Wie hat sie es gemacht? Oh, verflucht sei diese <emphasis>verdammte</emphasis> Blockierung! Elayne, tritt mir gegen den Kn�chel.</p><p>Bitte!�</p><p>Moghediens Gesicht war sehr ruhig geworden. Fast genauso viel Unsicherheit wie Angst wurde jetzt durch das Armband vermittelt. Gef�hle zu lesen, �hnelte kaum dem Lesen von W�rtern auf einer Buchseite, aber diese beiden Empfindungen waren deutlich erkennbar. �Wer...?� Moghedien leckte sich die Lippen. �Wer hat Euch das gelehrt?�</p><p>Egwene l�chelte, wie sie Aes Sedai hatte l�cheln sehen. Sie hoffte zumindest, da� es geheimnisvoll wirkte. �Seid niemals zu sicher, da� ich die Antwort nicht vielleicht schon kenne�, sagte sie k�hl. �Erinnert Euch. Bel�gt mich nur einmal.� Pl�tzlich fiel ihr auf, wie das f�r Nynaeve und Elayne klingen mu�te. Sie hatten die Frau gefangengenommen, hielten sie unter den unm�glichsten Umst�nden fest und holten alle m�glichen Informationen aus ihr heraus. Sie wandte sich zu ihnen um und lachte kurz auf. �Es tut mir <emphasis>wirklich</emphasis> leid. Ich wollte das nicht einfach �bernehmen.�</p><p>�Warum sollte es dir leid tun?� Egwene l�chelte breit. �Du <emphasis>sollst</emphasis> es �bernehmen.�</p><p>Nynaeve zog an ihrem Zopf und betrachtete ihn dann. �Nichts scheint zu funktionieren! Warum kann ich nicht w�tend werden? Oh, was mich betrifft, so kannst du sie f�r immer hierbehalten. Wir k�nnten sie ohnehin nicht mit nach Ebou Dar nehmen. <emphasis>Warum</emphasis> kann ich nicht w�tend werden? Oh, Blut und blutige Asche!� Ihre Augen weiteten sich, als sie erkannte, was sie gesagt hatte, und sie schlug sich die Hand vor den Mund.</p><p>Egwene sah Moghedien an. Die Frau stellte eifrig die Weinbecher wieder auf und go� Wein ein, der nach s��en Gew�rzen duftete, aber w�hrend Nynaeve gesprochen hatte, war etwas anderes durch das Armband zu sp�ren gewesen. Vielleicht Erschrecken? Vielleicht w�rde sie die ihr vertrauten Herrinnen denjenigen vorziehen, die sie fast beim ersten Atemzug mit dem Tode bedrohten.</p><p>Ein festes Klopfen erklang an der T�r, und Egwene lie� <emphasis>Saidar</emphasis> eilig fahren. Die �ffnung zur W�ste verschwand. �Kommt herein.�</p><p>Siuan trat einen Schritt in das Arbeitszimmer, blieb stehen und bemerkte Moghedien, das Armband an Egwenes Handgelenk und Nynaeve und Elayne. Sie schlo� die T�r und vollf�hrte einen fl�chtigen Hofknicks, der an Romanda und Lelaine erinnerte. �Mutter, ich bin gekommen, um Euch in das Zeremoniell einzuweisen, aber wenn es Euch lieber w�re, wenn ich sp�ter wiederkomme...?� Sie hob fragend die Augenbrauen.</p><p>�Geht�, befahl Egwene Moghedien. Wenn Nynaeve und Elayne sie bereitwillig ungehindert umhergehen lie�en, mu�te das <emphasis>A'dam</emphasis> sie einschr�nken, wenn niemand sie st�ndig im Auge behielt. Sie betastete das Armband � sie ha�te dieses Ding, aber sie beabsichtigte es Tag und Nacht zu tragen � und f�gte hinzu: �Aber haltet Euch verf�gbar. Ich werde einen Fluchtversuch genauso ahnden wie eine L�ge.� Angst str�mte durch das <emphasis>A'dam,</emphasis> w�hrend Moghedien hinauseilte. Das konnte bedrohlich werden. Wie hatten Nynaeve und Elayne mit einem solchen Ansturm an Furcht leben k�nnen? Aber das w�rde sie sp�ter kl�ren m�ssen.</p><p>Sie wandte sich Siuan zu und verschr�nkte die Arme vor der Brust. �Das wird nichts n�tzen, Siuan. Ich wei� alles, Tochter.�</p><p>Siuan neigte den Kopf. �Manchmal bietet Wissen dennoch keinen Vorteil. Manchmal bedeutet es nur, die Gefahr zu teilen.�</p><p>�Siuan!� sagte Elayne halbwegs erschrocken und halbwegs warnend, und zu Egwenes �berraschung tat Siuan etwas, was sie bei ihr niemals erwartet h�tte. Sie err�tete.</p><p>�Ihr k�nnt nicht von mir erwarten, �ber Nacht jemand anderer zu werden�, murrte die Frau verdrie�lich.</p><p>Egwene vermutete, da� Nynaeve und Elayne ihr bei dem helfen k�nnten, was sie tun mu�te, aber wenn sie wirklich die Amyrlin sein wollte, mu�te sie es allein tun. �Elayne, ich wei�, da� du dieses Gewand einer Aufgenommenen loswerden willst. Warum tust du es also nicht? Und dann sieh, was du �ber die verlorenen Talente herausfinden kannst. Nynaeve, f�r dich gilt das gleiche.�</p><p>Sie wechselten einen Blick, sahen dann Siuan an, erhoben sich schlie�lich und vollf�hrten vollendete Hofknickse, w�hrend sie respektvoll murmelten: �Wie Ihr befehlt, Mutter.� Siuan schien das nicht zu beeindrucken. Sie stand da und beobachtete Egwene mit verzerrtem Gesichtsausdruck, w�hrend Nynaeve und Elayne gingen.</p><p>Egwene umarmte <emphasis>Saidar</emphasis> erneut, nur kurz, um ihren Stuhl wieder auf seinen Platz hinter dem Tisch gleiten zu lassen, richtete dann ihre Stola und setzte sich hin. Sie betrachtete Siuan einen langen Moment schweigend. �Ich brauche Euch�, sagte sie schlie�lich. �Ihr wi�t, was es bedeutet, die Amyrlin zu sein, und was die Amyrlin tun kann und was nicht. Ihr kennt die Sitzenden, Ihr wi�t, wie sie denken, was sie wollen. Ich brauche Euch, und ich will Euch haben. Sheriam und Romanda und Lelaine glauben vielleicht, da� ich unter dieser Stola noch immer das Wei� der Novizinnen trage � vielleicht glauben es alle �, aber Ihr werdet mir helfen, ihnen zu zeigen, da� dem nicht so ist. Ich bitte Euch nicht, Siuan. Ich ... werde ... Eure ... Hilfe ... bekommen.� Nun brauchte sie nur noch abzuwarten.</p><p>Siuan betrachtete sie, sch�ttelte dann leicht den Kopf und lachte leise. �Sie haben einen gro�en Fehler begangen, nicht wahr? Ich habe ihn nat�rlich zuerst begangen. Das unbeholfene h��liche Entlein entpuppt sich zu einem selbstbewu�ten stolzen Schwan.� Sie breitete bei einem tiefen Hofknicks ihre R�cke weit aus und beugte den Kopf. �Mutter, bitte erlaubt mir, Euch zu dienen und zu beraten.�</p><p>�Solange Ihr Euch bewu�t seid, da� es nur eine Beratung ist, Siuan. Ich habe bereits zu viele Menschen um mich herum, die glauben, sie k�nnten mich als Marionette benutzen. Das werde ich von Euch nicht dulden.�</p><p>�Das werde ich genauso wenig versuchen, wie ich mich selbst als Marionette benutzen w�rde�, sagte Siuan trocken. �Ihr wi�t, da� ich Euch niemals wirklich mochte. Vielleicht weil ich in Euch zu vieles von mir selbst wiedergefunden habe.�</p><p>�In diesem Fall�, erwiderte Egwene in gleicherma�en trockenem Tonfall, �k�nnt Ihr mich Egwene nennen. Wenn wir allein sind. Und nun setzt Euch und erz�hlt mir, warum der Saal noch immer hier sitzt und wie ich sie in Bewegung bringen kann.�</p><p>Siuan zog einen der St�hle heran, bevor sie sich erinnerte, da� sie ihn jetzt mit <emphasis>Saidar</emphasis> bewegen konnte. �Sie sitzen noch, weil sich die Wei�e Burg spalten wird, wenn sie sich erst regen. Und wenn ich Euch raten soll, wie Ihr sie in Bewegung bringen k�nnt...� Es folgte ein sehr ausf�hrlicher Ratschlag. Einiges davon bewegte sich in Bahnen, an die Egwene auch schon gedacht hatte, und alles schien vern�nftig.</p><p>In ihrem Zimmer in der Kleinen Burg go� Romanda Pfefferminztee f�r drei weitere Schwestern ein; nur eine von ihnen war eine Gelbe. Der Raum befand sich an der R�ckseite der Burg, aber die Ger�usche der Festlichkeiten drangen dennoch bis hierher. Romanda mi�achtete sie gewissenhaft. Diese drei waren bereit gewesen, sie bei der Einnahme des Amyrlin-Sitzes zu unterst�tzen. F�r das M�dchen zu stimmen, war eine genauso gute M�glichkeit wie jede andere gewesen, Lelaines Ernennung zu verhindern. Lelaine w�rde toben, wenn sie jemals davon erf�hre. Auch jetzt, wo Sheriam ihre Kind-Amyrlin eingesetzt hatte, waren diese drei noch immer bereit zuzuh�ren.</p><p>Besonders nachdem sie durch Verf�gung zur Stola erhoben worden waren. Das mu�te Sheriams Werk gewesen sein. Sie und ihre kleine Gruppe hatten alle vier bef�rdert. Ihr Vorschlag war es gewesen, Theodrin und Faolain �ber die anderen Aufgenommenen zu erheben, und sie hatte dies gleichzeitig f�r Elayne und Nynaeve vorgeschlagen. Sie fragte sich stirnrunzelnd, was Delana aufhielt, aber sie begann dennoch zu sprechen, nachdem sie den Raum gegen Lauscher in <emphasis>Saidar</emphasis> geh�llt hatte. Delana w�rde sich einfach anschlie�en m�ssen, wenn sie kam. Wichtig war, da� Sheriam einsah, da� sie nicht soviel Macht erlangt hatte, wie sie glaubte, indem sie die Aufgabe der Beh�terin an sich gerissen hatte.</p><p>In einem Haus auf halber Strecke durch Salidar hindurch servierte Lelaine vier Sitzenden, von denen nur eine ihrer eigenen Blauen Ajah angeh�rte, gerade Eiswein. <emphasis>Saidar</emphasis> schirmte den Raum gegen Lauscher ab. Der Klang der Festlichkeiten lie� sie l�cheln. Die vier Frauen, die hier bei ihr waren, hatten vorgeschlagen, da� sie sich selbst um den Amyrlin-Sitz bem�hen sollte, und sie hatte es bereitwillig getan, aber eine Niederlage h�tte bedeutet, da� statt dessen Romanda ernannt worden w�re, was Lelaine genauso geschmerzt h�tte wie eine Verbannung. Wie w�rde Romanda mit den Z�hnen knirschen, wenn sie jemals erf�hre, da� sie alle f�r das Kind gestimmt hatten, nur damit Romanda nicht die Stola um die Schultern legen konnte. Aber jetzt waren sie zusammengekommen, um dar�ber zu sprechen, wie sie Sheriams Einflu� zur�ckdr�ngen konnten, nachdem sie sich die Stola der Beh�terin angeeignet hatte. Diese L�cherlichkeit, Aufgenommene durch die Verf�gung des M�dchens zu Aes Sedai zu erheben! Sheriam mu�te wahnsinnig geworden sein. W�hrend sie weitersprachen, begann sich Lelaine zu fragen, wo Delana war. Sie h�tte dabeisein sollen.</p><p>Delana sa� in ihrem Zimmer und betrachtete Halima, die auf Delanas Bettkante kauerte. Der Name Aran'gar durfte niemals benutzt werden. Delana f�rchtete, da� Halima es bemerken w�rde, wenn sie den Namen auch nur dachte. Sie hatten nur einen kleinen, lediglich sie beide umgebenden Schutzwall gegen Lauscher errichtet. �Das ist verr�ckt�, brachte sie schlie�lich hervor.</p><p>�Versteht Ihr nicht? Wenn ich weiterhin versuche, jede Zwietracht zu unterst�tzen, werden sie mich fr�her oder sp�ter ertappen!�</p><p>�Jeder mu� gewisse Risiken eingehen.� Die Bestimmtheit in Halimas Stimme strafte das L�cheln um ihren �ppigen Mund L�gen. �Und Ihr werdet weiterhin darauf dr�ngen, da� Logain wieder einer D�mpfung unterzogen wird. Andernfalls mu� er get�tet werden.� Die Frau wirkte tats�chlich ein wenig h�bscher, als sie das Gesicht leicht verzog. �Wenn sie ihn jemals aus diesem Haus herausgelangen lie�en, w�rde ich mich selbst um die Angelegenheit k�mmern.�</p><p>Delana konnte es sich vorstellen, aber sie w�rde ihre Zweifel der Frau gegen�ber erst dann �u�ern, wenn sie versagte. �Ich verstehe nicht, warum Ihr solche Angst vor einem Mann habt, den sechs Schwestern Tag und Nacht abschirmen.�</p><p>Halimas gr�ne Augen blitzten, als sie aufsprang. �Ich habe keine Angst! Behauptet das nie wieder! Ich will, da� Logain abgesondert oder get�tet wird, und mehr braucht Ihr nicht zu wissen. Habt Ihr mich verstanden?�</p><p>Delana dachte nicht zum ersten Mal daran, die andere Frau zu t�ten, aber sie war sich insgeheim sicher, da� sie dann diejenige w�re, die sterben w�rde. Halima wu�te irgendwie, wann sie <emphasis>Saidar</emphasis> umarmte, auch wenn Halima selbst nicht die Macht lenken konnte. Die schlimmste Vorstellung war aber, da� Halima sie nicht t�ten w�rde, weil sie sie brauchte. Delana wu�te nicht, was sie statt dessen tun w�rde, aber allein das unbestimmte Gef�hl einer Bedrohung lie� sie bereits erschaudern. Sie sollte f�hig sein, die Frau genau hier und jetzt zu t�ten. �Ja, Halima�, sagte sie dem�tig und ha�te sich daf�r.</p><p>* * * �Das ist nett von Euch�, murmelte Siuan und hielt Lelaine ihren Becher hin, damit sie dem Tee einen Spritzer Branntwein hinzuf�gen konnte. Die Sonne sank bereits und verlieh dem Licht einen r�tlichen Schimmer, aber drau�en auf den Stra�en ging es noch immer hoch her. �Ihr habt keine Vorstellung davon, wie erm�dend es ist, diesem M�dchen das Zeremoniell beizubringen. Sie scheint zu glauben, da� alles gutgehen w�rde, solange sie sich wie eine <emphasis>Weise</emphasis> aus ihrer Heimat ben�hme. Der Saal soll der Frauenkreis oder etwas �hnliches werden.�</p><p>Lelaine bekundete ihr Mitgef�hl. �Ihr sagt, sie habe sich �ber Romanda beklagt?�</p><p>Siuan zuckte die Achseln. �Sie sagte etwas dar�ber, da� Romanda darauf best�nde, wir sollten hierbleiben, anstatt nach Tar Valon zu gehen, soweit ich es verstanden habe. Licht, das M�dchen hat ein Temperament wie ein Reiher in der Paarungszeit. Ich h�tte sie am liebsten an den Schultern gepackt und gesch�ttelt, aber sie tr�gt jetzt nat�rlich die Stola. Nun, wenn ich meine Lehrstunden beendet habe, werde ich nichts mehr mit ihr zu tun haben. Erinnert Ihr Euch...?�</p><p>Siuan l�chelte innerlich und beobachtete, wie Lelaine mit dem Tee auch alles andere schluckte. Nur der erste Satz war wirklich wichtig gewesen. Die Bemerkung �ber das Temperament hatte sie selbst hinzugef�gt, aber diese Worte w�rden die Sitzenden vielleicht veranlassen, Egwene etwas vorsichtiger zu behandeln. Au�erdem hegte sie den Verdacht, da� es stimmen k�nnte. Sie w�rde niemals wieder selbst die Amyrlin sein, und sie war sich ziemlich sicher, da� der Versuch, Egwene zu beeinflussen, genauso nutzlos w�re, wie es der Versuch, sich selbst zu beeinflussen, gewesen war � und genauso schmerzhaft �, aber eine Amyrlin lehren, eine Amyrlin zu sein... Sie freute sich darauf mehr als auf irgend etwas anderes in letzter Zeit. Egwene al'Vere w�rde eine Amyrlin sein, die drei Throne zum Zittern brachte.</p><p>�Aber was ist mit meiner Blockierung?� fragte Nynaeve, und Romanda sah sie stirnrunzelnd an. Sie befanden sich in Romandas Raum in der Kleinen Burg, und es war der Zeitpunkt, an dem Romanda sie nach dem Zeitplan der Gelben haben sollte. Die Musik und das Lachen drau�en schienen die Gelbe zu st�ren.</p><p>�Ihr wart fr�her nicht so eifrig. Ich h�rte, da� Ihr Dagdara gesagt habt, Ihr w�rt auch eine Aes Sedai und sie solle sich einen See suchen und sich ertr�nken.�</p><p>Nynaeve err�tete. Man konnte sich darauf verlassen, da� sich ihr Temperament ihr in den Weg stellte. �Vielleicht hatte ich erkannt, da� ich die Macht nicht leichter als zuvor lenken kann, nur weil ich eine Aes Sedai bin.�</p><p>Romanda schnaubte. �Aes Sedai. Bis dahin habt Ihr noch einen langen Weg zur�ckzulegen... Also gut. Etwas, was wir bisher noch nicht versucht haben. H�pft auf einem Fu� auf und ab. Und sprecht dabei.� Sie setzte sich, noch immer stirnrunzelnd, in einen geschnitzten Sessel nahe dem Bett. �Ich glaube, es ist nur Geschw�tz. Plauderei. Was sagte Lelaine noch, wor�ber die Amyrlin mit mir sprechen wollte?�</p><p>Nynaeve sah sie einen Moment emp�rt an. Auf einem Fu� h�pfen? Das war l�cherlich! Aber sie war ohnehin nicht wirklich wegen ihrer Blockierung hier. Sie raffte ihre R�cke und begann zu h�pfen. �Egwene ... die Amyrlin ... hat nicht viel gesagt. Nur etwas dar�ber, in Salidar bleiben zu m�ssen...� Dies sollte besser funktionieren, sonst w�rde Egwene einige ausgew�hlte Worte zu h�ren bekommen, ob sie nun die Amyrlin war oder nicht.</p><p>�Ich denke, dies wird besser wirken, Sheriam�, sagte Elayne und reichte der anderen einen gedrehten, blauroten Ring aus dem, was heute morgen noch Gestein gewesen war. In Wahrheit unterschied er sich von keinem anderen, den sie gefertigt hatte. Sie standen abseits von der Menge, am Eingang einer engen Gasse, die von der roten Sonne beleuchtet wurde. Hinter ihnen klagten Fiedeln und sangen Fl�ten.</p><p>�Danke, Elayne.� Sheriam steckte den <emphasis>Ter'angreal</emphasis> in ihre G�rteltasche, ohne ihn auch nur anzusehen. Elayne hatte Sheriam in einer Tanzpause abgefangen, ihr Gesicht unter all der k�hlen Aes-Sedai-Gelassenheit ein wenig ger�tet, aber der klare Blick aus den gr�nen Augen, der Elaynes Knie als Novizin zum Zittern gebracht hatte, war auf ihr Gesicht gerichtet. �Warum habe ich das Gef�hl, da� das nicht Euer einziger Grund war, mich aufzusuchen?�</p><p>Elayne verzog das Gesicht und drehte den Gro�en Schlangenring an ihrer rechten Hand. Die rechte Hand. Sie mu�te in Erinnerung behalten, da� sie jetzt eine Aes Sedai war. �Es geht um Egwene. Um die Amyrlin, sollte ich vermutlich sagen. Sie ist besorgt, Sheriam, und ich hatte gehofft, da� Ihr ihr helfen k�nntet. Ihr seid die Beh�terin, und ich wu�te <emphasis>wirklich</emphasis> nicht, zu wem ich sonst gehen sollte. Ich wei� noch nicht genau, worum es geht. Ihr kennt Egwene. Sie w�rde sich nicht einmal beklagen, wenn ihr der <emphasis>Fu�</emphasis> abgeschnitten w�rde. Ich glaube, Romanda ist der Grund, obwohl sie nur von Lelaine sprach. Ich glaube, eine der beiden oder sogar beide haben sie bedr�ngt, hier in Salidar zu bleiben und nicht fortzugehen, weil es zu gef�hrlich sei.�</p><p>�Das ist ein guter Rat�, sagte Sheriam z�gerlich. �Ich wei� nichts von einer Gefahr, aber diesen Rat w�rde ich ihr auch selbst geben.�</p><p>Elayne spreizte hilflos die H�nde. �Ich wei�. Sie hat es mir erz�hlt, aber... Sie hat es nicht eigentlich <emphasis>gesagt,</emphasis> aber ich glaube, da� sie ein wenig Angst vor den beiden hat. Ich <emphasis>wei�,</emphasis> da� sie jetzt die Amyrlin ist, aber ich denke, sie geben ihr das Gef�hl, noch eine Novizin zu sein. Ich glaube, da� sie Angst hat, da� sie, wenn sie ihren Rat befolgt � selbst wenn es <emphasis>tats�chlich</emphasis> ein guter Rat ist � von ihr erwarten werden, da� sie es beim n�chsten Mal wieder tut. Ich denke ... Sheriam, sie hat Angst, da� sie beim n�chsten Mal nicht nein sagen <emphasis>kann,</emphasis> wenn sie jetzt ja sagt. Und ... und ich bef�rchte das auch. Sheriam, sie ist der Amyrlin-Sitz. Sie sollte nicht von Romanda oder Lelaine oder irgend jemandem sonst beherrscht werden. Ihr seid die <emphasis>einzige,</emphasis> die ihr helfen kann. Ich wei� nicht wie, aber ihr <emphasis>seid</emphasis> es.�</p><p>Sheriam schwieg so lange, da� Elayne zu glauben begann, die andere Frau w�rde ihr sagen, jedes ihrer Worte sei l�cherlich. �Ich werde tun, was ich kann�, sagte Sheriam schlie�lich.</p><p>Elayne unterdr�ckte ein erleichtertes Seufzen, bevor sie erkannte, da� es nichts ausgemacht h�tte.</p><p>Egwene beugte sich vor, st�tzte die Arme auf den Rand der Kupferwanne und lie� Chesas Geplapper �ber sich ergehen, w�hrend die Dienerin ihr den R�cken schrubbte. Sie hatte von einem richtigen Bad getr�umt, aber tats�chlich in dem Seifenwasser zu sitzen, das mit einem Bl�ten�l versetzt war, f�hlte sich nach den Dampfzelten der Aiel seltsam an. Sie hatte erste Schritte als Amyrlin unternommen, ihr in der Minderheit befindliches Heer ordnungsgem�� aufgestellt und den Angriff begonnen. Sie erinnerte sich an Rhuarcs Worte, da� ein Schlachtf�hrer keinerlei echte Kontrolle mehr �ber die Ereignisse hatte, wenn die Schlacht erst begonnen hatte. Sie konnte jetzt nur noch abwarten. �Obwohl ich glaube, da� die Weisen Frauen stolz w�ren�, sagte sie leise.</p></section><section><title><p>38</p><p>Eine �berraschung</p></title><p>Die flammende Sonne stieg hinter ihm h�her auf, und Mat war froh, da� ihm sein breitkrempiger Hut ein wenig Schatten spendete. Der altarenische Wald war winterkahl und braun, mit Pinien und Lederblattb�umen und anderen immergr�nen B�umen, die verdorrt und aschfarben und blo� wirkten. Es war noch nicht Mittag, weshalb die schlimmste Hitze erst noch kommen w�rde, aber der Tag war bereits jetzt bruthei�. Mat hatte seinen Umhang �ber die Satteltaschen gelegt, aber der Schwei� lie� sein Leinenhemd dennoch an der Haut kleben. Pips' Hufe knirschten auf toten Farnen und dichtem herabgefallenen Laub, und die Horde ritt ebenfalls ger�uschvoll �ber den Waldboden. Einige wenige V�gel tauchten auf, schnelle Blitze zwischen den Zweigen, aber kein einziges Eichh�rnchen. Es gab jedoch Fliegen und Stechm�cken, als bef�nde man sich mitten im Sommer und nicht einen Monat vor dem Lichterfest. Tats�chlich gab es hier nichts anders als das, was er in Erinin gesehen hatte, aber er f�hlte sich unbehaglich, hier dieselben Bedingungen vorzufinden. W�rde die ganze Welt tats�chlich ausbrennen?</p><p>Aviendha schritt neben Pips einher, ihr B�ndel auf dem R�cken, von sterbenden B�umen oder Stechm�cken offensichtlich unbeeintr�chtigt, und verursachte trotz ihrer R�cke erheblich weniger Ger�usche als das Pferd. Sie suchte mit ihren Blicken die umstehenden B�ume ab, als traue sie den Kundschaftern und W�chtern der Horde nicht zu, einen Hinterhalt zu erkennen. Sie hatte das angebotene Pferd nicht angenommen, was er ohnehin nicht erwartet hatte, nachdem er erkannt hatte, wie Aiel dem Reiten gegen�ber empfanden, aber sie hatte auch keine Schwierigkeiten gemacht, au�er da� die Tatsache, da� sie bei jedem Halt ihr Messer sch�rfte, als Herausforderung angesehen werden konnte. Gewi�, da war der Zwischenfall mit Olver gewesen. Er ritt den hochtrabenden Grauen, den Mat unter den Ersatzpferden f�r ihn gefunden hatte, und behielt sie wachsam im Auge. Er hatte in der zweiten Nacht versucht, sie mit seinem G�rtelmesser zu t�ten, wobei er etwas �ber Aiel schrie, die seinen Vater umgebracht h�tten. Sie nahm ihm das Messer nat�rlich nur ab, aber selbst nachdem Mat ihn zurechtgewiesen und ihm den Unterschied zwischen Shaido und anderen Aiel zu erkl�ren versucht hatte � etwas, wovon Mat keineswegs sicher war, da� er es selbst verstand �, behielt Olver sie st�ndig im Auge. Er mochte die Aiel nicht. Aviendha f�hlte sich in Olvers Gegenwart anscheinend unbehaglich, was Mat �berhaupt nicht verstand.</p><p>Die B�ume waren ausreichend hoch, da� sich eine Brise unter dem sp�rlichen Baldachin �ber ihnen h�tte regen k�nnen, aber das Banner der Roten Hand hing schlaff herab, wie auch die beiden Banner, die er hervorgeholt hatte, nachdem Rand sie durch das Tor auf eine nachtgesch�tzte Wiese gelassen hatte � ein Drachenbanner, dessen rotgoldenes Symbol in wei�en Falten verborgen war, sowie eines der Horde, das al'Thors Banner genannt wurde und dessen uraltes Aes-Sedai-Symbol dankenswerterweise auch nach innen geschlagen war. Ein grauhaariger, rang�lterer Bannertr�ger hielt die Rote Hand, ein Bursche mit schmalen Augen und mehr Narben als Daerid, der tats�chlich darauf bestand, das Banner einen Teil des Tages selbst zu tragen, was nur wenige Bannertr�ger taten. Talmanes und Daerid hatten f�r die beiden anderen Banner Unterf�hrer besorgt, junge M�nner mit frischen Gesichtern, die sich als ausreichend standhaft erwiesen hatten, ein wenig Verantwortung zu �bernehmen.</p><p>Drei Tage lang waren sie durch Altara gezogen, drei Tage im Wald, ohne einem einzigen Drachenverschworenen zu begegnen � oder sonst jemandem �, und Mat hoffte, da� sich ihr Alleinsein zumindest noch �ber diesen vierten Tag erstrecken w�rde, bevor sie Salidar erreichten. Abgesehen von den Aes Sedai mu�te man auch noch Aviendha von Elaynes Kehle fernhalten. Er hegte kaum Zweifel dar�ber, warum sie st�ndig dieses Messer sch�rfte. Die Klinge glitzerte bereits wie Edelsteine. Er bef�rchtete stark, da� er die Aiel-Frau letztendlich unter Bewachung nach Caemlyn bringen m��te, w�hrend die verdammte Tochter- Erbin auf jedem Schritt des Weges von ihm verlangte, jene zu h�ngen. Rand und seine verdammten Frauen! Mats Ansicht nach war alles n�tzlich, was die Horde verlangsamte und ihn von dem abhielt, was ihn in Salidar erwartete. Es war hilfreich, fr�h anzuhalten und sp�t aufzubrechen. Das galt f�r die den Zug beschlie�enden Proviantwagen, die im Wald nur langsam vorankamen. Aber auch die Horde konnte nur langsam voranreiten. Vanin war sich sicher, nur zu bald etwas zu finden.</p><p>Wie auf ein Stichwort tauchte der dicke Kundschafter mit vier weiteren Reitern vor ihnen zwischen den B�umen auf. Er war vor der D�mmerung mit sechs M�nnern losgeritten.</p><p>Mat hob eine geballte Faust und gab so das Zeichen zum Anhalten. Murmeln erklang in der Schlange. Sein erster Befehl, nachdem sie das Tor zur�ckgelassen hatten, hatte �keine Trommeln, keine Trompeten, keine Fl�ten und kein verdammtes Singen� gelautet, und wenn zun�chst einige verdrie�liche Gesichter zu sehen gewesen waren, widersprach nach dem ersten Tag in dem Waldgebiet, in dem man niemals mehr als hundert Schritte voraus sehen konnte, niemand mehr.</p><p>Mat legte seinen Speer quer �ber den Sattel, wartete, bis Vanin herankam, und runzelte unbewu�t die Stirn. �Ihr habt sie gefunden?�</p><p>Der kahl werdende Mann beugte sich im Sattel zur Seite, um durch eine Zahnl�cke auszuspeien. Er schwitzte so stark, da� er zu schmelzen schien. �Ich habe sie gefunden. Acht oder zehn Meilen westlich. In den W�ldern befinden sich Beh�ter. Ich habe gesehen, wie einer von ihnen einen M�r gefangengenommen hat. Kam einfach in einem dieser Umh�nge aus dem Nichts und ri� ihn aus dem Sattel. Ich habe ihm erheblich zugesetzt, aber ich habe ihn nicht get�tet. Ich vermute, da� Ladwin aus demselben Grund nicht wieder aufgetaucht ist.�</p><p>�Also wissen sie, da� wir hier sind.� Mat atmete heftig durch die Nase. Er erwartete nicht, da� die M�nner etwas �ber die Beh�ter zur�ckhalten w�rden, und noch viel weniger �ber die Aes Sedai. Aber andererseits mu�ten auch die Aes Sedai es fr�her oder sp�ter erfahren. Er h�tte sich nur gew�nscht, da� es erst sp�ter geschehen w�rde. Er schlug nach einer Stechm�cke, aber sie summte davon und hinterlie� einen Blutfleck an seinem Handgelenk. <emphasis>�Wie</emphasis> viele?�</p><p>Vanin spie erneut aus. �Mehr als ich jemals erwartet h�tte. Ich bin zu Fu� ins Dorf gelangt und habe dort �berall Aes-Sedai-Gesichter gesehen. Vielleicht zwei- oder dreihundert. Vielleicht auch vierhundert. Ich wollte nicht zu offensichtlich z�hlen.� Bevor Mat diesen Schock verdauen konnte, lieferte der Mann schon den n�chsten. �Sie haben auch ein Heer. Es lagert n�rdlich des Dorfes. Mehr M�nner, als Ihr habt. Vielleicht doppelt so viele.�</p><p>Talmanes, Nalesean und Daerid waren w�hrenddessen schwitzend und nach Stechm�cken schlagend herangeritten. �Habt Ihr es geh�rt?� fragte Mat, und sie nickten betr�bt. Er hatte zwar stets Gl�ck im Kampf, aber zwei zu eins in der Minderheit zu sein, mit Hunderten darin verwickelten Aes Sedai, konnte jedes Gl�ck �berstrapazieren. �Wir sind nicht hier, um zu k�mpfen�, erinnerte er sie, aber ihr Gesichtsausdruck blieb betr�bt. Er selbst f�hlte sich durch seine Bemerkung auch nicht besser. Es z�hlte nur, ob die Aes Sedai <emphasis>ihr</emphasis> Heer in den Kampf schicken wollten.</p><p>�Die Horde soll sich auf einen Angriff vorbereiten�, befahl er. �Legt soviel Fl�che wie m�glich frei, und benutzt die Baumst�mme f�r Barrikaden.� Talmanes verzog das Gesicht fast genauso stark wie Nalesean. Sie k�mpften lieber im Sattel. �Denkt daran, vielleicht beobachten uns Beh�ter auch jetzt.� Er war �berrascht, Vanin nicken und vielsagend nach rechts blicken zu sehen. �Wenn sie sehen, da� wir uns auf die Verteidigung vorbereiten, werden sie erkennen, da� wir offensichtlich nicht angreifen wollen. Das k�nnte sie vielleicht �berzeugen, uns in Ruhe zu lassen, aber wenn nicht, dann sind wir wenigstens bereit.� Talmanes verstand seine Gedankeng�nge eher als Nalesean. Daerin hatte von Anfang an zu seinen Worten genickt.</p><p>Nalesean zwirbelte seinen ge�lten Bart und murrte: �Was habt Ihr vor? Einfach dazusitzen und auf sie zu warten?�</p><p>�Genau das�, best�tigte Mat ihm. <emphasis>Der verdammte Rand und seine vielleicht f�nfzig Aes Sedai�! Verdammt seien er und sein drohe ein wenig; sch�chtere sie ein�!</emphasis> Es schien eine sehr gute Idee, hier zu warten, bis jemand aus dem Dorf herauskam, um zu fragen, wer sie seien und was sie hier wollten. Dieses Mal ohne verkehrendes <emphasis>Ta'veren.</emphasis> Jeglicher Kampf w�rde zu ihm gelangen m�ssen. Er w�rde nicht hineinspazieren.</p><p>�Sind sie dort?� fragte Aviendha und deutete in eine bestimmte Richtung. Ohne auf eine Antwort zu warten, r�ckte sie ihr B�ndel auf dem R�cken zurecht und schritt gen Westen.</p><p>Mat sah ihr nach. <emphasis>Verdammte Aiel.</emphasis> Irgendein Beh�ter w�rde sie vermutlich auch gefangenzunehmen versuchen � und seinen Kopf bekommen. Oder vielleicht auch nicht, wenn man Beh�ter kannte. Wenn sie einen von ihnen mit dem Messer zu t�ten versuchte, w�rde er sie vielleicht nur verletzen. Aber wenn sie zu Elayne gelangte und sich mit ihr �ber Rand stritt oder noch schlimmer, <emphasis>sie</emphasis> mit dem Messer t�tete... Sie bewegte sich schnell voran, bestrebt, Salidar zu erreichen. <emphasis>Blut und blutige Asche!</emphasis></p><p>�Talmanes, Ihr �bernehmt das Kommando, bis ich zur�ckkomme, aber Ihr regt Euch nicht, es sei denn, jemand springt die Horde mit beiden Beinen gleichzeitig an. Diese vier M�nner werden Euch erkl�ren, was Euch m�glicherweise bevorsteht. Vanin, Ihr geht mit mir. Olver, bleib dicht bei Daerid, falls er Botschaften senden mu�. Du kannst ihm das Schlangen-und-F�chse-Spiel beibringen�, f�gte er mit einem Grinsen zu Daerid hinzu. �Er hat mir gesagt, er w�rde es gern lernen.� Daerids Kinn sank herab, aber Mat war bereits gegangen. Es w�re verheerend, wenn er letztendlich mit einer Beule am Kopf von einem Beh�ter nach Salidar verschleppt w�rde. Wie konnte er das verhindern? Sein Blick fiel auf die Banner. �Ihr bleibt hier�, erkl�rte er dem grauhaarigen Bannertr�ger.</p><p>�Ihr anderen beiden kommt mit mir. Und rollt die Banner zusammen.�</p><p>Seine seltsame kleine Gruppe holte Aviendha rasch ein. Wenn etwas die Beh�ter �berzeugen k�nnte, sie ungehindert durchzulassen, dann sollte ein Blick gen�gen. Eine Frau und vier M�nner, die sich offensichtlich nicht bem�hten, unbemerkt zu bleiben und keine Banner trugen, bedeuteten keine Bedrohung. Er �berpr�fte die Unterf�hrer. Es war noch immer windstill, aber sie hielten die Banner ohnehin an die St�be gedr�ckt. Ihre Gesichter waren angespannt. Nur ein Narr w�rde zwischen Aes Sedai reiten und sie erschrecken wollen.</p><p>Aviendha sah ihn von der Seite an und versuchte dann, seinen Stiefel aus dem Steigb�gel zu schieben. �La�t mich hinauf�, befahl sie kurz angebunden.</p><p>Warum, unter dem Licht, wollte sie jetzt reiten? Nun, er w�rde sie nicht allein aufsteigen und ihn dabei sehr wahrscheinlich aus dem Sattel sto�en lassen. Er hatte ein- oder zweimal Aiel auf ein Pferd steigen sehen.</p><p>Er schlug nach einer weiteren M�cke, beugte sich dann herab und ergriff ihre Hand. �Haltet Euch fest�, sagte er und hob sie brummend hinter sich. Sie war fast so gro� wie er und au�erdem kr�ftig. �Legt Euren Arm einfach um meine Taille.� Sie sah ihn nur an und drehte sich unbeholfen, bis sie rittlings sa� und beide Beine bis �ber die Knie entbl��t waren, was sie aber nicht st�rte. H�bsche Beine, aber er w�rde sich nicht noch einmal mit einer Aiel-Frau einlassen, selbst wenn sie nicht von Rand besessen war.</p><p>Nach einiger Zeit sagte sie hinter ihm: �Der Junge, Olver � haben die Shaido seinen Vater get�tet?�</p><p>Mat nickte, ohne sich umzusehen. W�rde er Beh�ter �berhaupt bemerken, bevor es zu sp�t war? Vanin ritt, wie immer wie ein Mehlsack zusammengesunken, voraus, aber er beobachtete seine Umgebung genau.</p><p>�Und seine Mutter ist verhungert?� fragte Aviendha.</p><p>�Entweder das, oder sie ist an einer Krankheit gestorben.� Beh�ter trugen jene Umh�nge, die mit allem verschmolzen. Man konnte an einem Beh�ter vor�bergehen, ohne ihn zu sehen. �Olver hat es nicht so genau erz�hlt, und ich habe ihn nicht bedr�ngt. Er hat sie selbst begraben. Glaubt Ihr, Ihr schuldet ihm etwas, weil Aiel seine Familie auf dem Gewissen haben?�</p><p>�Etwas schulden?� Sie klang best�rzt. �Ich habe die beiden nicht get�tet, und ich h�tte es nur getan, wenn sie Baumm�rder gewesen w�ren. Wie k�nnte ich dann <emphasis>Toh</emphasis> haben?� Sie fuhr ohne Pause fort, als w�rde sie das gleiche Thema weiterverfolgen. �Ihr k�mmert Euch nicht richtig um ihn, Mat Cauthon. Ich wei�, da� M�nner nichts von Kindererziehung verstehen, aber er ist zu jung, um seine ganze Zeit mit erwachsenen M�nnern zu verbringen.�</p><p>Mat sah sie an und blinzelte. Sie hatte ihr Kopftuch abgenommen und lie� einen gl�nzenden Gr�nsteinKamm eifrig durch ihr dunkles, r�tliches Haar gleiten. Das schien ihre ganze Aufmerksamkeit zu erfordern �und das Bem�hen, nicht vom Pferd zu fallen. Sie hatte sich au�erdem eine fein gearbeitete Silberkette und ein breites Armband aus geschnitztem Elfenbein umgelegt.</p><p>Er sch�ttelte den Kopf und beobachtete dann weiterhin den Wald. Aiel oder nicht � in mancherlei Beziehung waren sich alle gleich. <emphasis>Eine Frau wird auch d�nn noch Zeit finden, sich die Haare zu richten, wenn die Welt untergeht. Eine Frau wird einem Mann auch dann noch sagen, da� er falsch gehandelt hate wenn die Welt untergeht.</emphasis> Er h�tte sicherlich leise gelacht, wenn er nicht so sehr damit besch�ftigt gewesen w�re, sich zu fragen, ob die Beh�ter ihn gerade jetzt beobachteten.</p><p>Die Sonne hatte den Zenit bereits �berschritten, als der Wald pl�tzlich endete. Weniger als hundert Schritte gerodetes Gel�nde trennten den Wald vom Dorf, und es sah so aus, als sei der Boden noch nicht sehr lange gerodet. Salidar selbst war ein beachtliches Dorf aus grauen Steingeb�uden mit Strohd�chern, dessen Stra�en bev�lkert waren. Mat zuckte in seinem Umhang aus gr�nem, an den �rmeln und am Halsausschnitt mit Goldf�den bestickten Stoff die Achseln. Er sollte gen�gen, um Aes Sedai angemessen zu begegnen. Er lie� ihn jedoch offenstehen. Er w�rde selbst f�r Aes Sedai nicht vor Hitze umkommen.</p><p>Niemand versuchte sie aufzuhalten, w�hrend sie ins Dorf ritten, aber die Menschen blieben stehen, und aller Blicke wandten sich ihm und seiner seltsamen kleinen Gruppe zu. Gut, sie wu�ten es. Jedermann wu�te es. Bei der Zahl F�nfzig gab er es auf, die Aes-Sedai-Gesichter weiterhin zu z�hlen, da diese Zahl beunruhigend schnell erreicht war. In der Menge waren keine Soldaten zu sehen, es sei denn, man rechnete die Beh�ter dazu, von denen einige in den die Farbe ver�ndernden Umh�ngen darunter waren und die nach ihrem Schwertheft tasteten, w�hrend sie sie vor�berziehen sahen. Wenn keine Soldaten im Dorf waren, bedeutete das nur, da� sie sich in den Lagern aufhielten, die Vanin erw�hnt hatte. Und wenn alle Soldaten in den Lagern waren, bedeutete das, da� sie bereit waren zu handeln. Mat hoffte, da� sich Talmanes an seine Anweisungen hielt. Talmanes war nicht dumm, aber genauso schnell wie Nalesean bereit, loszust�rmen und jemanden anzugreifen. Er h�tte lieber Daerid seine Aufgabe �bertragen � Daerid hatte zu viele K�mpfe gesehen, um zum Kampf bereit zu sein �, aber der Adlige h�tte niemals dazu gestanden. In Salidar schien es auch keine M�cken zu geben. <emphasis>Vielleicht wissen sie etwas, was ich nicht wei�.</emphasis></p><p>Eine Frau zog seinen Blick auf sich, eine h�bsche Frau in merkw�rdiger Kleidung � eine weite gelbe Hose und ein kurzer wei�er Mantel � und das goldene Haar bis zur Taille kunstvoll geflochten. Sie trug einen Bogen bei sich. Nicht viele Frauen f�hlten sich f�r den Bogen berufen. Sie bemerkte seinen Blick und verschwand in einer schmalen Gasse. Etwas an ihr erweckte seine Erinnerung, aber er konnte nicht sagen, was es war. Das war der Haken an diesen alten Erinnerungen. Er sah stets Menschen, die ihn an jemanden erinnerten, der, wie sich herausstellte, wenn es ihm wieder einfiel, bereits seit tausend Jahren tot war. Vielleicht hatte er sogar einmal wirklich jemand gekannt, der dieser Frau �hnlich sah. Jene L�cken in der Erinnerung an sein eigenes Leben waren von Verschwommenem umgeben. <emphasis>Wahrscheinlich ein weiterer J�ger des Horns,</emphasis> dachte er verwirrt und verdr�ngte den Gedanken an die Frau.</p><p>Es hatte keinen Sinn umherzureiten, bis jemand sie ansprach, weil es anscheinend niemand tun w�rde. Mat z�gelte sein Pferd und nickte einer d�nnen, dunkelhaarigen Frau zu, die gelassen zu ihm hochsah. Sie war h�bsch, aber f�r seinen Geschmack selbst ohne dieses alterslose Gesicht zu hager. Wer wollte schon bei jeder Umarmung gestochen werden? �Mein Name ist Mat Cauthon�, sagte er ruhig. Wenn sie Huldigungen erwartete, w�rde sie entt�uscht werden, aber es w�re auch t�richt, ihre Feindschaft zu erwecken. �Ich suche Elayne Trakand und Egwene al'Vere. Und auch Nynaeve al'Meara.� Rand hatte sie nicht erw�hnt, aber Mat wu�te, da� sie mit Elayne fortgegangen war.</p><p>Die Aes Sedai blinzelte �berrascht, fa�te sich aber augenblicklich wieder. Sie betrachtete ihn und die anderen einen nach dem anderen, hielt bei Aviendha inne und betrachtete auch die Unterf�hrer dann so lange, da� Mat sich fragte, ob sie den Drachen und die schwarzwei�e Scheibe durch die Falten des Stoffes hindurch sehen konnte. �Folgt mir�, sagte sie schlie�lich. �Ich werde nachsehen, ob der Amyrlin-Sitz Euch empfangen kann.� Sie raffte ihre R�cke und eilte die Stra�e hinauf.</p><p>W�hrend Mat Pips hinter ihr herf�hrte, lie� Vanin seinen Grauen zur�ckfallen und murrte: �Aes Sedai nach etwas zu fragen, ist niemals gut. Ich h�tte Euch den Weg zeigen k�nnen.� Mat wandte den Kopf einem dreist�ckigen, kubusf�rmigen Steingeb�ude zu. �Sie nennen es die Kleine Burg.�</p><p>Mat zuckte unbehaglich die Achseln. Die Kleine Burg? Und hier gab es jemanden, den sie den Amyrlin-Sitz nannten? Er bezweifelte, da� die Frau Elaida gemeint hatte. Rand hatte sich erneut geirrt. Diese Leute hatten keine Angst. Sie waren zu stolzgeschwellt und verr�ckt, um Angst zu haben.</p><p>Vor dem kubusf�rmigen Steingeb�ude sagte die hagere Aes Sedai herrisch: �Wartet hier.� Sie verschwand im Inneren.</p><p>Aviendha glitt vom Pferd, und Mat tat es ihr schnell nach, bereit, sie zu ergreifen, falls sie fliehen wollte. Auch wenn es ihm in der Seele weh tat, w�rde er sie nicht davonlaufen und Elayne die Kehle aufschlitzen lassen, bevor er auch nur die Gelegenheit gehabt hatte, mit dieser sogenannten Amyrlin zu sprechen. Aber sie stand nur da und starrte mit �ber der Taille verschr�nkten H�nden und der um die Ellenbogen geschlungenen Stola vor sich hin. Sie wirkte vollkommen gelassen, aber er dachte, da� sie vielleicht dennoch schreckliche Angst hatte. Wenn sie Verstand h�tte, w�rde sie sich f�rchten. Sie hatten eine Menschenmenge angezogen.</p><p>Aes Sedai hatten sich versammelt, schlossen sie vor der Kleinen Burg ein und beobachteten Mat schweigend, w�hrend der Halbkreis der Frauen immer dichter wurde, je l�nger er dort stand. Tats�chlich schienen sie Aviendha genauso zu beobachten wie ihn, aber er sp�rte all jene k�hlen, unlesbaren Blicke. Er konnte sich kaum beherrschen, den silbernen Fuchskopf unter seinem Hemd zu ber�hren.</p><p>Eine Aes Sedai mit klaren Gesichtsz�gen bahnte sich ihren Weg zur vordersten Reihe der Menge und f�hrte eine schlanke junge Frau in Wei� mit sich. Sie erinnerte ihn vage an Anaiya, aber sie schien kaum an ihm interessiert. �Seid Ihr sicher, Kind?� fragte sie die Novizin.</p><p>Die junge Frau pre�te den Mund leicht zusammen, aber ihre Stimme klang fest. �Er scheint noch immer zu leuchten oder zu strahlen. Ich sehe es wirklich. Ich wei� nur nicht warum.�</p><p>Anaiya l�chelte sie erfreut an. �Er ist <emphasis>Ta'veren,</emphasis> Nicola. Ihr habt Euer erstes Talent entdeckt. Ihr k�nnt <emphasis>Ta'veren</emphasis> sehen. Und jetzt zur�ck zum Unterricht. Schnell. Ihr wollt doch nichts vers�umen.� Nicola vollf�hrte einen Hofknicks und verschwand mit einem letzten Blick auf Mat in der Menge der sie umgebenden Aes Sedai.</p><p>Dann sah Anaiya ihn an, mit einem jener Aes Sedai-Blicke, die einen Mann beunruhigen sollten. Er beunruhigte ihn tats�chlich ausreichend. Nat�rlich wu�ten einige Aes Sedai etwas �ber ihn � einige wu�ten mehr, als ihm lieb war, und wenn er dar�ber nachdachte, erinnerte er sich daran, da� Anaiya dazugeh�rte �, aber wenn die Dinge so verk�ndet wurden, vor das Licht wu�te wie vielen Frauen mit jenen k�hlen Aes Sedai-Augen... Er strich mit der Hand �ber das geschnitzte Heft seines Schwertes. Fuchskopf oder nicht, sie waren ausreichend viele, da� sie einfach Hand an ihn legen und ihn davontragen k�nnten. <emphasis>Verdammte Aes Sedai! Verdammter Rand!</emphasis></p><p>Aber Anaiyas Aufmerksamkeit galt nur kurz ihm. Sie trat zu Aviendha und sagte: �Und wie hei�t Ihr, Kind?� Ihre Stimme klang freundlich, erwartete aber unverz�glich eine Antwort.</p><p>Aviendha sah sie offen an. Sie war einen Kopf gr��er und nutzte auch jeden Zentimeter dieser Gr��e. �Ich bin Aviendha, von der Neun-T�ler-Septime der Taardad-Aiel.� Anaiya verzog den Mund zu der Andeutung eines L�chelns, als sie den trotzigen Unterton bemerkte.</p><p>Mat fragte sich, wer bei diesem Duell der Blicke wohl siegen w�rde, aber bevor er sich eine Meinung dar�ber bilden konnte, trat eine weitere Aes Sedai zu ihnen, eine Frau, deren knochiges Gesicht trotz glatter Wangen und gl�nzendem braunen Haar den Eindruck von Alter vermittelte. �Seid Ihr Euch bewu�t, da� Ihr die Macht lenken k�nnt, Kind?�</p><p>�Ja�, antwortete Aviendha kurz und schlo� j�h den Mund, als beabsichtige sie von jetzt ab zu schweigen. Sie konzentrierte sich darauf, ihre Stola zu richten, aber sie hatte schon genug gesagt. Aes Sedai dr�ngten zu ihr heran und schoben Mat beiseite.</p><p>�Wie alt seid Ihr, Kind?�</p><p>�Ihr habt viel Kraft entwickelt, aber Ihr k�nntet als Novizin noch vieles dazulernen.�</p><p>�Sterben viele Aiel-M�dchen in j�ngerem Alter als Eurem an Abzehrung?�</p><p>�Wie lange habt Ihr...�</p><p>�Ihr k�nntet...�</p><p>�Ihr solltet wirklich...�</p><p>�Ihr m��t...�</p><p>Nynaeve erschien so pl�tzlich im Eingang, da� sie sich aus der Luft materialisiert zu haben schien. Sie stemmte die F�uste in die H�ften und sah Mat an. �Was tust du hier, Matrim Cauthon? Wie bist du hierhergelangt? Vermutlich wird meine Hoffnung entt�uscht, da� du etwas mit diesem Heer der Drachenverschworenen zu tun hast, das hierherkornmen soll.�</p><p>�Tats�chlich�, sagte er trocken, �bin ich der Befehlshaber.�</p><p>�Du...!� Nynaeve stand mit offenem Mund da, ri� sich dann aber zusammen und zupfte an ihrem blauen Gewand, als sei es in Unordnung gewesen. Es war tiefer ausgeschnitten als jedes andere Gewand, an das er sich bei ihr von fr�her erinnern konnte, tief genug, um Einblick zu gew�hren, mit gelben Ornamenten an Halsausschnitt und Saum. �Nun, dann komm mit�, sagte sie scharf. �Ich bringe dich zur Amyrlin.�</p><p>�Mat Cauthon�, rief Aviendha ein wenig atemlos. Sie suchte ihn �ber die K�pfe der Aes Sedai hinweg. �Mat Cauthon.� Mehr nicht, aber sie wirkte f�r Aiel-Verh�ltnisse au�er sich.</p><p>Die sie umgebenden Aes Sedai sprachen mit ruhigen Stimmen �berlegt, aber unaufh�rlich weiter.</p><p>�F�r Euch w�re es das beste, wenn...�</p><p>�Ihr m��t bedenken...�</p><p>�Das allerbeste... �</p><p>�Ihr k�nnt wohl kaum erw�gen...�</p><p>Mat grinste. Sie w�rde wohl jeden Moment ihr Messer ziehen, aber er bezweifelte, da� es ihr in dieser Menschenmenge viel n�tzen w�rde. Sie w�rde Elayne nicht so bald erwischen, das war sicher. Mit der �berlegung, ob er sie bei seiner R�ckkehr in einem wei�en Gewand vorfinden w�rde, machte er Vanin mit dem Speer ein Zeichen. �Geh voraus, Nynaeve. La� uns dieser <emphasis>Amyrlin</emphasis> begegnen.�</p><p>Sie sah ihn finster stirnrunzelnd an, f�hrte ihn aber in das Geb�ude, w�hrend sie an ihrem Zopf zog und halb zu sich selbst murrte: �Dies ist Rands Werk, nicht wahr? Ich wei� es. Irgendwie ist es das. Jedermann vor Angst halbwegs in den Wahnsinn zu treiben! Achte darauf, wo du hintrittst, <emphasis>Lordhauptmann</emphasis> Cauthon, oder ich schw�re, da� du dir w�nschen wirst, ich h�tte dich nur wieder beim Blaubeerenstehlen erwischt. Menschen zu �ngstigen! Selbst ein Mann sollte mehr Verstand haben! H�r auf zu grinsen, Mat Cauthon. Ich wei� nicht, wie sie hierauf reagieren wird.�</p><p>An den Tischen im Inneren sa�en Aes Sedai � der Raum schien ein Aufenthaltsraum zu sein, auch wenn diese Aes Sedai, die schrieben oder Befehle ausgaben, sorgf�ltig plaziert wirkten �, aber sie beachteten ihn und Nynaeve kaum, w�hrend sie den Raum durchquerten. Es verdeutlichte nur einmal mehr, eine wie armselige Vorf�hrung sie hier boten. Eine Aufgenommene stolzierte durch den Raum, wobei sie etwas vor sich hinmurmelte, aber keine der Aes Sedai sagte etwas. Er hatte sich nur so kurz wie m�glich in der Burg aufgehalten, aber er wu�te, da� Aes Sedai sonst nicht so reagierten.</p><p>Nynaeve �ffnete eine T�r an der R�ckseite des Raumes, die schon bessere Zeiten gesehen hatte. Alles hier schien schon bessere Zeiten gesehen zu haben. Mat folgte ihr hindurch � und blieb j�h stehen. Elayne befand sich in dem Raum, sehr h�bsch mit diesem goldenen Haar, aber sie spielte in ihrer gr�nen Seide mit einem hohen Spitzenkragen, mit dieser herablassenden Art zu l�cheln und den hochgezogenen Augenbrauen die gro�e Dame. Egwene befand sich ebenfalls dort, sie sa� mit fragendem L�cheln hinter einem Tisch. Und mit einer Stola mit sieben Streifen �ber ihrem hellgelben Gewand. Mat sp�hte schnell nach drau�en und schob dann die T�r zu, bevor eine der Aes Sedai hereinsehen konnte.</p><p>�Vielleicht h�ltst du das f�r spa�ig�, grollte er und trat sofort zu ihr, �aber sie werden dich erwischen, wenn sie es herausfinden. Sie werden dich, verdammt, <emphasis>niemals</emphasis> gehen lassen, keine von euch, wenn sie...� Er ri� Egwene die Stola von den Schultern und zog sie eilig aus dem Sessel � und der silberne Fuchskopf auf seiner Brust wurde eiskalt.</p><p>Er schob Egwene ein kleines St�ck vom Tisch fort und sah sie alle an. Egwene wirkte nur verwirrt, aber Elayne schienen die gro�en blauen Augen fast aus dem Kopf zu fallen. Eine von ihnen hatte versucht, bei ihm die Macht anzuwenden. Das einzig gute Ergebnis seiner Reise in jenes <emphasis>Ter'angreal</emphasis> war das FuchskopfMedaillon gewesen. Er vermutete, da� es ebenfalls ein <emphasis>Ter'angreal</emphasis> sein mu�te, aber er war gleichzeitig auch dankbar daf�r. Solange es seine Haut ber�hrte, konnte die Eine Macht ihn nicht beeintr�chtigen. Und <emphasis>Saidar</emphasis> ohnehin nicht. Er hatte mehr Beweise daf�r bekommen, als ihm lieb war. Aber es wurde kalt, wenn jemand es versuchte.</p><p>Er warf die Stola und seinen Hut auf den Tisch, setzte sich hin, sprang dann wieder auf, zog einige Kissen hervor und warf sie auf den Boden. Er legte einen Fu� auf die Tischkante und betrachtete die t�richten Frauen. �Ihr werdet diese Kissen brauchen, wenn die sogenannte Amyrlin von eurem kleinen Scherz erf�hrt.�</p><p>�Mat�, begann Egwene mit fester Stimme, aber er unterbrach sie.</p><p>�Nein! Wenn du reden wolltest, h�ttest du statt dessen lieber dar�ber reden sollen, da� du mit deiner verdammten Macht um dich schlagen wolltest. Jetzt kannst du zuh�ren.�</p><p>�Wie hast du...?� fragte Elayne verwundert. �Die Str�nge sind einfach ... verschwunden.�</p><p>Fast im selben Augenblick sagte Nynaeve in drohendem Tonfall: �Mat Cauthon, du begehst den gr��ten... �</p><p>�Ich sagte <emphasis>zuh�ren!�</emphasis> Er deutete mit einem Finger auf Elayne. �Dich nehme ich mit zur�ck nach Caemlyn, wenn ich Aviendha davon abhalten kann, dich umzubringen. Wenn du nicht willst, da� man dir deine h�bsche Kehle durchschneidet, solltest du in meiner N�he bleiben und tun, was ich dir sage!� Jetzt wurde der Finger auf Egwene gerichtet. �Rand sagt, da� er dich zu den Weisen Frauen zur�ckbringt, wann immer du willst, und wenn das, was ich bisher gesehen habe, in irgendeiner Weise ein Hinweis darauf ist, wie du hier enden wirst, rate ich dir, ihn <emphasis>jetzt</emphasis> beim Wort zu nehmen! Anscheinend kannst du Schnell Reisen� �Egwene zuckte leicht zusammen �, �also kannst du f�r die Horde ein Tor nach Caemlyn er�ffnen. Ich will keinen Streit, Egwene! Und du, Nynaeve! Ich sollte dich hierlassen, aber wenn du mitkommen willst, steht es dir frei. Aber ich warne dich. Ziehst du nur einmal an diesem Zopf, dann schw�re ich dir, da� ich dir die Kehrseite verbleuen werde!�</p><p>Sie starrten ihn an, als w�ren ihm wie einem Trolloc H�rner gewachsen, aber zumindest hielten sie den Mund. Vielleicht hatte er ihnen ein wenig Verstand eingegeben. Nicht da� sie ihm jemals daf�r danken w�rden, da� er ihre Haut gerettet hatte. O nein, sie nicht. Sie w�rden, wie �blich, behaupten, da� sie es auch allein geschafft h�tten, obwohl sie daf�r ein wenig l�nger gebraucht h�tten. Wenn eine Frau sogar sagte, man h�tte sich eingemischt, wenn man sie aus einem Kerker befreit � was w�rde sie dann nicht sagen?</p><p>Er atmete tief ein. �Also, wenn die arme blinde N�rrin, die sie zur Amyrlin erw�hlt haben, hierherkommt, werde ich das Reden �bernehmen. Sie kann nicht sehr klug sein, sonst h�tten sie sie niemals zu dieser Aufgabe dr�ngen k�nnen. Amyrlin-Sitz f�r ein verdammtes Dorf inmitten des verdammten Nichts! Haltet den Mund und vollf�hrt angemessene Hofknickse, dann werde ich wieder einmal f�r euch die Kohlen aus dem Feuer holen.� Sie sahen ihn nur an. Gut. �Ich wei� alles �ber ihr Heer, aber ich besitze ebenfalls eines. Wenn sie verr�ckt genug ist zu glauben, sie kann Elaida die Burg nehmen... Nun, sie w�rde wahrscheinlich keine Verluste riskieren, nur um euch drei festzuhalten. Egwene, du er�ffnest dieses Tor, und ich werde euch morgen, sp�testens �bermorgen, in Caemlyn sehen. Und diese verr�ckten Frauen k�nnen davonlaufen und sich von Elaida t�ten lassen. Vielleicht werdet ihr Begleitung haben. Sie k�nnen nicht alle verr�ckt sein. Rand ist bereit, Zuflucht zu gew�hren. Ein Hofknicks, ein kurzer Treueschwur � und er wird Elaida daran hindern, ihre K�pfe in Tar Valon aufzuspie�en. Etwas Besseres k�nnen sie nicht verlangen. Nun? Gibt es irgend etwas zu sagen?� Sie blinzelten nicht einmal, soweit er es erkennen konnte. �Ein einfaches �Danke, Mat� w�rde gen�gen.� Kein Wort. Kein Blinzeln.</p><p>Ein leises Klopfen erklang an der T�r, und eine Novizin trat ein, ein h�bsches, gr�n�ugiges M�dchen, das ehrf�rchtig einen tiefen Hofknicks vollf�hrte. �Ich soll Euch fragen, ob Ihr irgend etwas braucht, Mutter. F�r den ... f�r den Lordhauptmann, meine ich. Wein, oder ... oder...�</p><p>�Nein, Tabitha.� Egwene zog die gestreifte Stola unter Mats Hut hervor und legte sie sich um die Schultern. �Ich m�chte noch ein wenig l�nger mit <emphasis>Lordhauptmann Cauthon allein sprechen. Sagt Sheriam, da� ich in K�rze nach ihr schicken werde, damit sie mich ber�t.�</emphasis></p><p>�Mach den Mund zu, bevor dir Fliegen hineingeraten, Mat�, riet Nynaeve in zutiefst zufriedenem Tonfall.</p></section><section><title><p>39</p><p>M�glichkeiten</p></title><p>Egwene richtete ihre Stola, w�hrend sie Mat betrachtete. Sie h�tte erwartet, da� er sich wie ein in die Enge getriebener B�r verhalten w�rde, aber er war nur leicht aus dem Gleichgewicht geraten. Sie wollte ihn so vieles fragen � wie konnte Rand von Salidar wissen? Wie konnte er �berhaupt wissen, da� sie das Schnelle Reisen herausgefunden hatte? Was hatte Rand vor? �, aber sie w�rde diese Fragen nicht stellen. Mat und seine Horde der Roten Hand verwirrten sie. Vielleicht hatte Rand ihr ein Geschenk des Himmels gemacht.</p><p>�Mein Stuhl?� sagte sie ruhig. Sie hoffte, er habe bemerkt, da� weder sie noch Elayne noch Nynaeve schwitzten. Nynaeve schwitzte ohnehin nur selten. Siuan hatte den Trick verraten, der �berhaupt nichts mit der Macht zu tun hatte, sondern nur dadurch gelang, da� man sich auf bestimmte Weise konzentrierte. Nynaeve war recht ver�rgert gewesen, was kaum �berraschend war, da� Siuan es ihnen nicht schon fr�her verraten hatte, aber Siuan hatte nur ruhig erwidert, der Trick sei Aes Sedai vorbehalten, nicht Aufgenommenen. Bisher hatte Egwene ihre Gedanken angemessen beisammenhalten k�nnen, wenn Schwestern in der N�he waren, und ein k�hles anstatt ein schwitzendes Gesicht schien einigerma�en hilfreich zu sein, um Haltung zu bewahren. Einige von ihnen. Bei Mat sollte es Wunder wirken. Wenn er jemals aufh�ren w�rde zu starren und es erkannte. �Mat? Mein Stuhl?�</p><p>Er zuckte zusammen, erhob sich dann und trat beiseite, w�hrend er schweigend von ihr zu Elayne und dann zu Nynaeve schaute, als w�ren sie eine Art R�tsel. Nun, Nynaeve und Elayne sahen ihn fast genauso an, und sie hatten sicherlich einen besseren Grund dazu.</p><p>Sie sch�ttelte die Kissen aus, bevor sie sie mit einem wohl wollenden Gedanken an Chesa wieder auf den Stuhl legte. Nach zwei Tagen brauchte sie sie eigentlich nicht mehr, aber entweder gab sie das Baden auf oder sie nahm die Kissen in Kauf, bis nichts mehr von den Quetschungen zu sehen war. Chesa w�rde die Kissen fortnehmen, wenn Egwene es befahl. Aber ob sie nun schwitzte oder nicht � Egwene war der Amyrlin-Sitz, vor dem sich K�nige verbeugten und K�niginnen Hofknickse vollf�hrten, auch wenn es bisher noch nicht geschehen war. Wer w�rde Elaida verurteilen und kurz darauf hinrichten lassen und diese Sache mit der Wei�en Burg und somit mit der Welt in Ordnung bringen? Chesa w�rde es tun, bedachte Egwene aber mit solch verletzten, vorwurfsvollen Blicken, weil ihr nicht erlaubt wurde, sich um sie zu k�mmern, da� es weitaus einfacher zu ertragen war, die Kissen auf dem Stuhl zu belassen.</p><p>Sie setzte sich mit gefalteten H�nden an den lisch. �Mat...� Aber er unterbrach sie sofort.</p><p>�Wei�t du, das ist wirklich verr�ckt�, sagte er leise, aber sehr bestimmt. �Du wirst letztendlich hingerichtet werden, Egwene. Ihr alle werdet hingerichtet werden. Man wird euch ... die K�pfe ... abschneiden.�</p><p>�Mat�, sagte sie lauter, aber er fuhr einfach fort.</p><p>�H�r zu, du kannst noch immer hier herausgelangen. Wenn sie glauben, du seist die Amyrlin, kannst du mit mir hinausgehen, um die Horde zu inspizieren. Du er�ffnest ein Tor, und wir werden verschwunden sein, bevor diese Horde Wahnsinniger auch nur blinzeln kann.�</p><p>Nynaeve hatte <emphasis>Saidar</emphasis> um ihn herum versagen sehen, aber sie hatte schon lange, bevor sie die Macht zu lenken lernte, mit st�rrischen M�nnern zu tun gehabt. Mit einem grollend gemurmelten �Mir die Kehrseite verbleuen?�, das, wie Egwene glaubte, nicht f�r andere Ohren bestimmt war, raffte Nynaeve geschickt ihre R�cke und trat Mat so fest in <emphasis>seine</emphasis> Kehrseite, da� er bis zur Wand taumelte, bevor er sich mit einer Hand abfing. Elayne brach in Gel�chter aus und unterdr�ckte es genauso schnell wieder, aber sie bebte weiterhin mit funkelnden Augen.</p><p>Egwene mu�te sich auch auf die Lippen bei�en, um nicht zu lachen. Es war wirklich komisch. Mat wandte langsam und mit vor Emp�rung geweiteten Augen den Kopf zu Nynaeve. Dann senkte er die Brauen, zupfte an seinem Umhang, wie um ihn zurechtzuziehen, und schritt langsam auf sie zu. Langsam, weil er hinkte. Egwene hielt sich den Mund zu. Es w�re wirklich nicht gut zu lachen.</p><p>Nynaeve erhob sich starr. Vielleicht wurde ihr jetzt einiges klar. Sie war vielleicht zornig genug, um die Macht lenken zu k�nnen, aber <emphasis>Saidar</emphasis> war bei ihm offensichtlich nutzlos. Mat war gro� f�r einen ZweiFl�sse-Mann, erheblich gr��er als sie und erheblich st�rker, und in seinen Augen war ein entschieden gef�hrliches Glitzern erkennbar. Sie schaute zu Egwene, strich dann ihr Gewand glatt und versuchte, das starre Gesicht beizubehalten. Mat trat mit drohendem Ausdruck noch n�her heran. Ein weiterer hastiger und allm�hlich auch besorgter Seitenblick � und sie trat einen kleinen Schritt zur�ck.</p><p>�Mat�, sagte Egwene ruhig. Er blieb nicht stehen. �Mat, h�r auf, dich zum Narren zu machen. <emphasis>Du</emphasis> befindest dich in einer recht unangenehmen Lage, aber ich sollte dich daraus befreien k�nnen, wenn du Vernunft zug�nglich bist.�</p><p>Schlie�lich hielt er doch inne. Nach einem weiteren drohenden Blick wandte er ihr schlie�lich den R�cken und stemmte die F�uste auf den Tisch. <emphasis>�Bin</emphasis> ich in einer unangenehmen Lage? Egwene, du rennst blind in dein Ungl�ck und glaubst, alles sei in Ordnung, nur weil du noch nicht angekommen bist!�</p><p>Sie l�chelte ihn gelassen an. �Mat, nicht viele hier in Salidar denken gut �ber die Drachen verschworenen. Lord Bryne sicherlich nicht, und seine Soldaten auch nicht. Wir haben einige sehr beunruhigende Geschichten geh�rt. Und auch einige wirklich �ble Geschichten.�</p><p>�Drachenverschworene!� schrie er. �Was habe ich damit zu tun? Ich bin kein verdammter Drachenverschworener!�</p><p>�Nat�rlich bist du das, Mat.� Sie lie� es wie das Offensichtlichste auf der Welt klingen. Was es auch war, wenn man nur dar�ber nachdachte. �Du gehst dahin, wo Rand dich hinschickt. Was bist du also sonst, wenn kein Drachenverschworener? Aber wenn du mir zuh�rst, kann ich verhindern, da� <emphasis>dein</emphasis> Kopf auf einem Spie� landet. Tats�chlich glaube ich nicht, da� Lord Bryne einen Spie� benutzen w�rde � er beklagt sich stets dar�ber, da� er nicht genug h�tte �, aber ich bin sicher, da� er eine andere Idee h�tte.�</p><p>Mat schaute zu den beiden anderen Frauen, und Egwene pre�te einen Moment die Lippen zusammen. Sie dr�ckte sich deutlich aus, aber er schien dennoch einen Hinweis auf das zu suchen, was sie meinte. Elayne l�chelte ihn angespannt an und nickte nachdr�cklich. Sie erkannte vielleicht nicht, was Egwene vorhatte, aber sie wu�te, da� sie ihre Worte nicht ohne Grund w�hlte. Nynaeve, die sich noch immer um einen ernsten Gesichtsausdruck bem�hte und an ihrem Zopf zog, sah ihn nur an, aber das war vielleicht auch besser so, obwohl sie zu schwitzen begann. Nynaeve konnte sich nicht mehr konzentrieren, wenn sie zornig wurde.</p><p>�H�r zu, Egwene�, sagte Mat, wenn auch vielleicht keinerlei Erwiderung ausreichte. Es gelang ihm, in einem sowohl vern�nftigen als auch h�chst beleidigenden Tonfall zu sprechen. �Wenn du dich Amyrlin nennen willst, kannst du dich Amyrlin nennen. Rand w�rde dich in Caemlyn mit offenen Armen empfangen, auch wenn du ihm nicht alle diese Aes Sedai bringst, aber ich wei�, da� er �bergl�cklich sein wird, wenn du es tust. Welchen Streit auch immer du mit Elaida hast �er kann ihn beenden. Sie wei�, da� er der Wiedergeborene Drache ist. Licht, du erinnerst dich doch an ihren Brief. Nun, deine Wei�e Burg wird vollkommen wiederhergestellt sein, bevor du auch nur blinzeln kannst. Keine Schlachten. Kein Blutvergie�en. Du wei�t, da� du kein Blutvergie�en willst, Egwene.�</p><p>Das wollte sie tats�chlich nicht. Wenn das erste Blut zwischen Salidar und Tar Valon vergossen w�re, w�rde es schwer sein, die Burg wiederherzustellen. Wenn das erste Aes-Sedai-Blut vergossen w�re, w�rde es vielleicht unm�glich sein. Dennoch mu�te Elaida vernichtet werden, und Egwene w�rde tun, was sie tun mu�te. Es gefiel ihr nur nicht. Und es gefiel ihr nicht, da� Mat ihr sagte, was sie wu�te, und sie mochte es um so weniger, als es stimmte. Es kostete sie wirklich M�he, die H�nde auf dem Tisch stillzuhalten, denn sie wollte aufstehen und ihn ohrfeigen.</p><p>�Wie auch immer ich mit Rand umgehe�, verk�ndete sie k�hl, �du kannst sicher sein, da� ich die Aes Sedai nicht dr�ngen werde, ihm oder irgendeinem anderen Mann die Treue zu schw�ren.� K�hl und �berhaupt nicht streits�chtig. Eine ruhige Feststellung einfacher Tatsachen. �Und es ist meine Sache, wie ich mit Elaida verfahre, nicht deine. Wenn du auch nur ein wenig Verstand hast, Mat, wirst du den Mund halten, solange du dich in Salidar aufh�ltst. Wenn du den Aes Sedai in dem Moment, in dem sie das Knie vor Rand beugen, erz�hlst was er vorhat, k�nnten dir die Antworten vielleicht nicht gefallen. Rede davon, mich oder Nynaeve oder Elayne fortzubringen, und du wirst <emphasis>sehr</emphasis> froh dar�ber sein, von keinem Schwert durchbohrt zu werden.�</p><p>Er richtete sich j�h auf und starrte sie an. �Ich werde wieder mit dir sprechen, wenn du bereit bist, auf den Verstand zu h�ren, Egwene. Ist Thom Merrilin hier?� Sie nickte kurz. Was wollte er von Thom? Wahrscheinlich in Wein versinken. Nun, viel Gl�ck bei der Suche nach einem Gasthaus in Salidar. �Wenn du bereit bist, zuzuh�ren�, wiederholte er grimmig und stolzierte hinkend zur T�r.</p><p>�Mat�, sagte Elayne, �ich w�rde nicht zu gehen versuchen, wenn ich du w�re. Nach Salidar hineinzugelangen, ist entschieden einfacher, als wieder hinauszugelangen.�</p><p>Er grinste sie �berheblich an, und bei der Art, wie er sie von Kopf bis Fu� betrachtete, konnte er von Gl�ck sagen, da� Elayne ihm keinen so harten Schlag versetzte, da� er alle Z�hne verlor. �Dich, meine edle Lady, nehme ich mit zur�ck nach Caemlyn, auch wenn ich dich zu einem Paket verschn�ren mu�, um dich Rand zu �bergeben, aber ich will verdammt sein, wenn ich es nicht tue. Und ich werde, verflucht noch mal, gehen, wann ich will.� Er verbeugte sich sp�ttisch vor Elayne und Egwene. Nynaeve wurde nur ein finsterer Blick und ein Drohen mit dem Zeigefinger zugedacht.</p><p>�Wie <emphasis>kann</emphasis> Rand solch einen gemeinen, unertr�glichen Kerl zum Freund haben?� fragte Elayne niemand Besonderen, bevor sich die T�r noch ganz hinter Mat geschlossen hatte.</p><p>�Mit seiner Ausdrucksweise ist es sicherlich bergab gegangen�, murrte Nynaeve d�ster und warf den Kopf zur�ck, so da� der Zopf �ber ihre Schulter schwang. Egwene dachte, sie bef�rchtete vielleicht, ihn samt den Haarwurzeln auszuziehen, wenn sie ihn nicht au�er Reichweite brachte.</p><p>�Ich h�tte ihn nach seinem Gutd�nken handeln lassen sollen, Nynaeve. Du mu�t daran denken, da� du jetzt eine Aes Sedai bist. Du kannst nicht umhergehen und Leute treten oder ohrfeigen oder sie mit St�cken schlagen.� Nynaeve starrte sie an und verzog den Mund, w�hrend sich ihr Gesicht immer st�rker r�tete. Elayne betrachtete aufmerksam den Teppich.</p><p>Egwene faltete die gestreifte Stola seufzend zusammen und legte sie auf eine Seite des Tisches. So stellte sie sicher, da� Elayne und Nynaeve sich daran erinnerten, da� sie allein waren. Manchmal veranla�te die Stola sie, zum Amyrlin-Sitz anstatt zu Egwene al'Vere zu sprechen. Es funktionierte, wie immer. Nynaeve atmete tief durch.</p><p>Bevor sie jedoch sprechen konnte, sagte Elayne: �Willst du dich ihm und seiner Horde der Roten Hand zu Gareth Bryne anschlie�en?�</p><p>Egwene sch�ttelte den Kopf. Die Beh�ter sagten, Mats Horde best�nde jetzt aus sechs- oder siebentausend Mann, mehr als sie von Cairhien her in Erinnerung hatte. Das war eine erhebliche Anzahl, wenn auch nicht ann�hernd so viele, wie die beiden Gefangenen behauptet hatten, aber Brynes Soldaten w�rden Drachenverschworenen wirklich nicht freundlich begegnen. Au�erdem hatte sie ihren eigenen Plan, den sie den beiden anderen Frauen erkl�rte, w�hrend sie sich St�hle zum Tisch zogen. Es war, als s��e man plaudernd in der K�che. Sie schob die Stola noch weiter beiseite.</p><p>�Das ist hervorragend.� Elaynes Grinsen bewies, da� sie ihre Worte ehrlich meinte. Aber andererseits sagte Elayne stets, was sie meinte. �Ich habe bei dem anderen Plan eigentlich nicht geglaubt, da� er funktionieren w�rde, aber dieser hier ist wirklich <emphasis>hervorragend.�</emphasis></p><p>Nynaeve schnaubte ver�rgert. �Warum glaubst du, da� Mat aufh�ren wird? Er wird dir nur aus Spa� Steine in den Weg legen.�</p><p>�Ich denke, er hat ein Versprechen gegeben�, erwiderte Egwene nur, und Nynaeve nickte. Z�gernd und widerwillig, aber sie nickte. Elayne wirkte nat�rlich verwirrt denn sie kannte ihn nicht. �Elayne, Mat tut genau das, was er tun will. Das war schon immer so.�</p><p>�Egal, wie schwierig es war�, f�gte Nynaeve m�rrisch hinzu, �oder wie oft er auf die Nase fiel.�</p><p>�Ja, das ist Mat�, seufzte Egwene. Er war der verantwortungsloseste Junge in Emondsfeld und vielleicht sogar in den Zwei Fl�ssen gewesen. �Aber wenn er sein Wort gibt, dann h�lt er es auch. Und ich glaube, er hat Rand versprochen, dich nach Caemlyn zur�ckzubringen, Elayne. Erinnere dich, da� er mir gegen�ber ausgewichen ist, es �in gewisser Weise� getan zu haben, aber er wird dir kein Haar kr�mmen. Ich denke, er wird versuchen, dir m�glichst nahe zu bleiben. Aber wir werden ihn dich nicht einmal sehen lassen, bis er tut, was wir wollen.� Sie hielt inne. �Elayne, wenn du mit ihm gehen willst, dann kannst du das tun. Zu Rand, meine ich. Sobald wir von Mat und seiner Horde alles Wissenswerte herausbekommen haben.�</p><p>Elayne sch�ttelte ohne Z�gern heftig den Kopf. �Nein, Ebou Dar ist zu wichtig.� Dieser Sieg war �berraschenderweise nur durch einen Vorschlag errungen worden. Elayne und Nynaeve w�rden sich Merilille an Tylins Hof anschlie�en. �Wenn er in der N�he bliebe, h�tte ich vielleicht wenigstens einige Zeit, den <emphasis>Ter'angreal</emphasis> zu betrachten, den er tr�gt. Es mu� ein <emphasis>Ter'angreal</emphasis> sein, Egwene. Nichts sonst w�rde es erkl�ren.�</p><p>Egwene konnte ihr nur zustimmen. Sie hatte ihn an Ort und Stelle in Luft einh�llen wollen, nur als sanfte Erinnerung daran, wen er schlecht zu behandeln versuchte, aber die Str�nge ber�hrten ihn und zerschmolzen. Dies war die einzig m�gliche Erkl�rung. Die Str�nge zerschmolzen, wenn sie ihn ber�hrten. Sie sp�rte diesen Schreckensmoment in der Erinnerung noch immer, und sie erkannte, da� sie nicht die einzige war, die pl�tzlich R�cke richtete, die nicht gerichtet werden mu�ten.</p><p>�Wir k�nnten ihm von einigen Beh�tern die Taschen leeren lassen.� Nynaeve klang bei dieser Vorstellung �beraus zufrieden. �Dann werden wir sehen, wie Meister Cauthon das gef�llt.�</p><p>�Wenn wir ihm etwas fortnehmen�, sagte Egwene geduldig, �meinst du nicht, da� er dann mi�trauisch wird, wenn wir ihm sagen, was er tun soll?� Mat hatte Befehle noch niemals bereitwillig angenommen, und seine �bliche Reaktion auf Aes Sedai und die Eine Macht bestand darin, bei erster Gelegenheit zu verschwinden. Vielleicht w�rde sein Rand gegebenes Versprechen es verhindern � es <emphasis>mu�te</emphasis> dieses Versprechen gegeben haben; nichts sonst k�nnte sein Verhalten erkl�ren �, aber sie w�rde das Risiko nicht eingehen. Nynaeve nickte eher widerwillig.</p><p>�Vielleicht...� Elayne tippte mit den Fingern auf den Tisch und blickte einen Moment nachdenklich ins Leere. �Vielleicht k�nnten wir ihn mit nach Ebou Dar nehmen. Auf diese Weise h�tte ich eine bessere Chance, das <emphasis>Ter'angreal</emphasis> zu betrachten. Obwohl ich, wenn es <emphasis>Saidar</emphasis> aufh�lt, nicht erkennen kann, wie ich es <emphasis>jemals</emphasis> betrachten k�nnen soll.�</p><p>�Diesen jungen Grobian mitnehmen!� Nynaeve setzte sich j�h auf. �Das kannst du nicht ernst meinen, Elayne. Er w�rde uns jeden Tag verleiden. Darin ist er sehr gut. Er wird niemals tun, was man ihm sagt. Au�erdem wird er daf�r niemals Zeit verschwenden. Er ist so von seiner Aufgabe erf�llt, dich nach Caemlyn zu bringen, da� ihn keine zehn Pferde davon abbringen.�</p><p>�Aber wenn er mich im Auge behalten will, bis Caemlyn erreicht ist�, belehrte Elayne sie, �wird er keine andere Wahl haben, als mitzugehen.�</p><p>�Es ist vielleicht keine schlechte Idee�, warf Egwene ein, w�hrend Nynaeve nach weiteren Einw�nden suchte. Es schien noch immer richtig, die Schale zu holen, aber je mehr sie dar�ber nachdachte, wo sie suchen m��ten, desto besorgter wurde sie. �Einige Soldaten w�ren vielleicht gut zu eurem Schutz, es sei denn, du hast ohne mein Wissen bereits Beh�ter ausgesucht. Es ist vollkommen in Ordnung, Thom und Juilin und Birgitte mitzunehmen, aber ihr sucht einen rauhen Ort auf.�</p><p><emphasis>�Einige</emphasis> Soldaten w�ren vielleicht gut�, sagte Elayne, aber dann entstand eine deutliche Pause, bevor sie gereizt den Kopf sch�ttelte. �Wir werden wohl kaum Duelle ausfechten, Egwene, wie empfindlich diese Ebou Dari auch sein m�gen. Thom und Juilin werden durchaus gen�gen. Ich denke, da� alle diese Geschichten, die wir geh�rt haben, uns nur entmutigen sollen.� Sie alle hatten Geschichten �ber Ebou Dar geh�rt, seit bekannt geworden war, da� sie dorthin ziehen wollten. Chesa hatte verschiedene Geschichten geh�rt, von denen jede schrecklicher war als die vorige: da� Fremde wegen eines schiefen Blicks get�tet w�rden, bevor sie blinzeln k�nnten, Frauen wegen eines falschen Wortes zu Witwen und Kinder zu Waisen gemacht w�rden und <emphasis>Frauen</emphasis> auf den Stra�en mit Messern k�mpften. �Nein, wenn wir Tanchico nur mit Thom und Juilin und Liandrin und einigen ihrer Schwarzen Schwestern �berleben konnten, werden wir in Ebou Dar auch ohne Mat Cauthon oder irgendwelche Soldaten sehr gut zurechtkommen. Mat als Befehlshaber von Soldaten! Er hat niemals auch nur daran gedacht, die K�he seines Vaters zu melken, wenn er nicht auf den Schemel gesetzt wurde und den Eimer in die Hand gedr�ckt bekam.�</p><p>Egwene seufzte leise. Jede Erw�hnung Birgittes hatte diese Wirkung. Sie begannen herumzualbern und stotterten dann entweder herum oder fuhren fort, als sei sie gar nicht erw�hnt worden. Ein Blick hatte Egwene davon �berzeugt, da� die Frau, die Elayne und Nynaeve �berallhin folgte � aus irgendeinem Grund besonders Elayne � dieselbe Frau war, die sie in <emphasis>Tel'aran'rhiod</emphasis> gesehen hatte. Birgitte der Legenden, die Bogensch�tzin, die ihr Ziel niemals verfehlte, eine der toten Heldinnen, die auf den Ruf des Horns von Valere warteten. Eine tote Heldin, keine lebende Frau, die in den Stra�en Salidars wandelte, aber dennoch dieselbe Frau. Elayne hatte noch immer keine Erkl�rung abgegeben, nur ein vorsichtiges, verlegenes Gemurmel, da� sie nicht dar�ber reden k�nnte. Birgitte selbst, die Heldin der Legenden, kehrte um oder ging die Stra�e hinab, wenn sie Egwene kommen sah. Es stand au�er Frage, die Frau in ihr Arbeitszimmer zu beordern und eine Erkl�rung von ihr zu verlangen. Sie hatte immerhin ein Versprechen gegeben, egal, wie t�richt sie sich in der Situation f�hlte. Wie dem auch sei � es schien wohl kaum zu schaden. Sie w�nschte nur, sie w��te warum. Und wie.</p><p>Sie verdr�ngte die Gedanken an Birgitte und beugte sich �ber den Tisch zu Nynaeve. �Vielleicht k�nnen wir Mat nicht dazu bringen, Befehle auszuf�hren, aber w�re es nicht gut, ihn bei der Aufgabe als dein Leibw�chter schmoren zu sehen?�</p><p>�Das w�re sicherlich der M�he wert�, sagte Elayne nachdenklich, �wenn Rand ihn wirklich zum Lordhauptmann ernannt hat. Mutter sagte oft, auch die besten M�nner n�hmen nur widerwillig Befehle entgegen, und es w�re immer gut, sie zu belehren. Ich kann Mat nicht als einen der Besten ansehen � Lini sagt �Narren h�ren nur sich selbst zu� �, aber wenn wir ihn in so ausreichendem Ma�e belehren k�nnen, da� er keinen <emphasis>vollst�ndigen</emphasis> Narren aus sich macht, werden wir Rand einen gro�en Gefallen erweisen. Au�erdem brauche ich <emphasis>Zeit,</emphasis> wenn ich dieses <emphasis>Ter'angreal</emphasis> betrachten soll.�</p><p>Egwene unterdr�ckte ein L�cheln. Elayne begriff stets sehr schnell. Andererseits w�rde sie Mat wahrscheinlich sogar zu belehren versuchen, wie man aufrecht sitzt. Das bliebe abzuwarten. Sie mochte Elayne und bewunderte ihre St�rke, aber sie w�rde bei diesem Wettstreit auf Mat setzen.</p><p>Nynaeve gab widerwillig etwas Boden auf. Mat war verbohrt. Er w�rde aus reiner Boshaftigkeit �hinunter� sagen, wenn sie �hinauf� sagten. Er konnte selbst dann noch Schwierigkeiten verursachen, wenn er in ein Fa� eingenagelt wurde. Sie w�rden ihn st�ndig aus Tavernen und Spielh�hlen herauszerren m�ssen. Letztendlich dachte sie nur noch, Mat w�rde Elayne wahrscheinlich zwicken, sobald sie ihm zum ersten Mal den R�cken wandte, aber Egwene wu�te, da� sie ihre Einw�nde �berwinden w�rden. Mat verbrachte sicherlich viel Zeit damit, hinter Frauen herzujagen, was Egwene kaum guthei�en konnte, aber Nynaeve wu�te sicher genauso gut wie sie, da� er, auch wenn er zum falschen Zeitpunkt und auf die falsche Art Ausschau hielt, mit unheimlicher Zielgenauigkeit jene Frauen erw�hlte, die erw�hlt werden wollten, auch wenn es die unwahrscheinlichsten Frauen waren. Leider k�ndete ein Klopfen an der T�r Sheriam in dem Moment an, als sie glaubte, Nynaeve w�rde nachgeben.</p><p>Sheriam wartete nicht auf die Erlaubnis, eintreten zu d�rfen. Das tat sie niemals. Sie hielt in ihrer blauen Stola mit k�hlem Blick inne, um Nynaeve und Elayne zu betrachten. Auch wenn die Beh�terin nach der Amyrlin an zweiter Stelle stand, hatte sie keine wirklichen Befugnisse �ber Aes Sedai, au�er der, die die Amyrlin ihr zugedachte, und sie besa� sicherlich keine Berechtigung, jemanden aus der Gegenwart der Amyrlin zu entlassen, obwohl ihr Blick genau das ausdr�cken sollte.</p><p>Elayne erhob sich anmutig und vollf�hrte einen tiefen, formvollendeten Hofknicks vor Egwene. �Wenn Ihr mich entschuldigen wollt, Mutter, werde ich Aviendha aufsuchen.�</p><p>Nynaeve aber hielt Sheriams Blick stand, bis Egwene sich r�usperte und die gestreifte Stola um ihre Schulter legte.</p><p>Nynaeve err�tete und sprang auf. �Ich sollte auch gehen. Janya sagte, sie wollte mit mir �ber die verlorenen Talente sprechen.�</p><p>Die Wiedererlangung jener Talente erwies sich nicht als so einfach, wie Egwene gehofft hatte. Die Schwestern waren sehr gespr�chsbereit, aber die Schwierigkeit bestand darin, da� Moghedien verstehen mu�te, was mit einer ungenauen Beschreibung oder manchmal nur einem Namen gemeint war, und dann blieb noch zu hoffen, da� sie wirklich etwas wu�te. Es war beispielsweise recht gut zu wissen, da� Metalle verst�rkt wurden, wenn man die Grundmasse abglich, aber die Frau wu�te weniger von Metallen als vom Heilen, und was, unter dem Licht, waren Wirbelndes Erdfeuer oder, um bei solchen Dingen zu bleiben, Milchige Tr�nen?</p><p>Moghedien schien bereitwillig helfen zu wollen, verzweifelt helfen zu wollen, besonders seit Siuan den Trick verraten hatte, wie man nicht schwitzte. Sie hatte Nynaeve und Elayne diesbez�glich offenbar belogen. �berzeugt davon, da� Egwene dies f�r ihre eine L�ge halten w�rde, war die Frau auf den Knien gekrochen, hatte mit klappernden Z�hnen geweint und gebettelt und ihren Rocksaum gek��t. Aber ob sie nun bereitwillig half oder nicht � es hatte die Angst gr��er werden lassen. Das best�ndige, widerw�rtige Rieseln wehleidigen Schreckens war einfach zuviel. Das <emphasis>A'dam-</emphasis> Armband befand sich jetzt, trotz ihrer Absichten, in Egwenes Tasche. Sie h�tte es Nynaeve gegeben � und w�re froh gewesen, es los zu sein �, aber es vor anderen hin- und herzureichen, w�rde fr�her oder sp�ter Gerede hervorrufen.</p><p>Statt dessen sagte sie: �Nynaeve, du solltest Mat besser aus dem Weg gehen, bis er sich wieder beruhigt hat.� Sie war sich nicht sicher, da� Mat seine Drohung wirklich wahr machen w�rde, aber wenn jemand ihn dazu aufstacheln konnte, dann sicherlich Nynaeve, und danach w�re sie nicht mehr zu �berzeugen. �Oder versichere dich wenigstens, da� du nur mit ihm sprichst, wenn viele Leute in der N�he sind. Vielleicht auch einige Beh�ter.�</p><p>Nynaeve �ffnete den Mund und schlo� ihn dann nach einem Moment wieder. Ihre Wangen erbla�ten ein wenig, und sie schluckte. Sie verstand, was Egwene meinte. �Ja, ich glaube, das w�re das beste, Mutter.�</p><p>Sheriam beobachtete mit leicht gerunzelter Stirn, wie sich die T�r schlo�, und wandte sich dann mit demselben Gesichtsausdruck zu Egwene um. �Das waren harte Worte, Mutter.�</p><p>�Es war nur das, was man erwarten kann, wenn alte Freunde sich nach langer Zeit wiederbegegnen. Nynaeve hat Mat noch als Lausbub in Erinnerung, aber er ist nicht mehr zehn Jahre alt und nimmt das �bel.� Durch den Eid daran gebunden, nicht zu l�gen, hatten die Aes Sedai die Halbl�ge, die Viertell�ge und die Andeutung zur Kunstform erhoben. Egwenes Ansicht nach waren dies n�tzliche Fertigkeiten. Besonders bei Aes Sedai. Die Drei Eide nutzten niemandem, und den Aes Sedai am wenigsten.</p><p>�Es ist manchmal schwer einzusehen, da� sich die Menschen ver�ndern.� Sheriam setzte sich, ohne zu fragen, und richtete sorgf�ltig ihre blauen Seidenr�cke. �Ich nehme an, da� derjenige, wer auch immer die Drachenverschworenen befehligt, Mat mit einer Botschaft von Rand al'Thor hierhergesandt hat? Ich hoffe. Ihr habt nichts gesagt, was er als Versprechen auffassen k�nnte, Mutter. Ein Heer von Drachenverschworenen keine zehn Meilen entfernt stellt uns vor eine heikle Situation. Es wird nicht sehr hilfreich sein, wenn ihr Befehlshaber glaubt, wir w�rden Versprechungen nicht einhalten.�</p><p>Egwene betrachtete die Frau einen Moment. Nichts ber�hrte Sheriam. Zumindest lie� sie es niemanden erkennen. Sheriam wu�te viel �ber Mat, wie auch einige andere Schwestern in Salidar. Konnte das benutzt werden, um ihn in die gew�nschte Richtung zu dr�ngen, oder w�rde er sich dann davonmachen? <emphasis>Zu Mat kommen wir sp�ter,</emphasis> dachte sie entschlossen. <emphasis>Und jetzt zu Sheriam.</emphasis> �W�rdet Ihr wohl jemanden bitten, Tee zu bringen, Sheriam? Ich bin ein wenig durstig.�</p><p>Sheriams Gesichtsausdruck �nderte sich nur wenig, nur eine leichte Anspannung um jene schr�gstehenden Augen, die ihre anscheinende Gelassenheit kaum st�rte. Egwene konnte die hervordr�ngende Frage jedoch fast sehen. Was hatte sie zu Mat gesagt, wor�ber sie nicht sprechen wollte? Welche Versprechen hatte sie gegeben, vor deren Erf�llung Sheriam sie w�rde retten m�ssen, ohne Romanda und Lelaine gegen�ber Boden zu verlieren?</p><p>Sheriam sagte zu jemandem drau�en nur wenige Worte, und als sie sich wieder hinsetzte, gab Egwene ihr gar nicht erst die Gelegenheit zu sprechen. Statt dessen versetzte sie ihr sozusagen einen Schlag mitten ins Gesicht. �Anscheinend ist Mat der Befehlshaber, Sheriam, und in gewisser Weise ist das Heer die Botschaft. Anscheinend m�chte Rand, da� wir alle zu ihm nach Caemlyn kommen. Es war die Rede von Treueschw�ren.�</p><p>Sheriam hob mit geweiteten Augen ruckartig den Kopf. Allerdings waren ihre Z�ge angesichts dieses Vorschlags nur teilweise von Zorn gepr�gt. Sie zeigten entschieden ... nun, bei jeder anderen als einer Aes Sedai h�tte Egwene es Angst genannt. Es w�re sehr verst�ndlich, wenn dem so w�re. Wenn sie das versprochen h�tte � und sie <emphasis>stammte</emphasis> aus demselben Dorf; einer der Gr�nde, warum sie die Amyrlin war, bestand darin, da� sie mit Rand aufgewachsen war �, w�re es eine Grube ohne Boden, aus der man erst wieder herausgelangen m��te. Die Nachricht w�rde sich verbreiten, gleichg�ltig, was Sheriam untern�hme. Einige Angeh�rige des Saals k�nnten ihr sehr wohl die Schuld daf�r geben oder es immerhin als Vorwand benutzen. Romanda und Lelaine waren nicht die einzigen Sitzenden, die Egwene davor gewarnt hatten, Sheriams Rat ohne R�cksprache mit dem Saal zu folgen. Delana war in Wahrheit die einzige, die Sheriam wirklich vollkommen zu unterst�tzen schien, aber sie riet ebenfalls, auch auf Romanda und Lelaine zu h�ren, als sei es tats�chlich m�glich, gleichzeitig in drei verschiedene Richtungen zu gehen. Und selbst wenn man mit dem Saal zurechtk�me � wenn die Nachricht �ber das Versprechen und das Zur�cknehmen des Versprechens Rand erreichte, w�rde er noch zehnmal schwerer zu lenken sein. Hundert Mal.</p><p>Egwene wartete nur, bis sich Sheriams Lippen teilten, und sprach dann zuerst. �Nat�rlich habe ich ihm gesagt, das sei l�cherlich.�</p><p>�Nat�rlich.� Sheriams Stimme war nicht mehr ganz so ruhig wie vorher. Sehr gut.</p><p>�Aber Ihr habt ganz recht. Die Situation ist heikel. Es ist zu schade. Euer Rat, wie mit Romanda und Lelaine umzugehen sei, war gut, aber ich glaube nicht, da� verst�rkte Vorbereitungen zum Aufbruch jetzt noch gen�gen werden.�</p><p>Romanda hatte sie in die Enge getrieben und grimmig dar�ber belehrt, da� Hast Unheil anrichtete. Gabriel Brynes Heer mu�te gro� genug werden, da� die Nachricht seiner Gr��e Elaida einsch�chtern w�rde. Und im �brigen konnte Romanda gar nicht nachdr�cklich genug betonen, da� die Abordnungen zu den Herrschern zur�ckgerufen werden <emphasis>mu�ten.</emphasis> Nur Aes Sedai sollte es erlaubt sein, von mehr Schwierigkeiten in der Burg zu erfahren als vermeidbar. Lelaine k�mmerten weder Lord Brynes Heer noch die Herrscher � beide waren unwichtig �, obwohl sie zu Vorsicht und abwartender Haltung riet. Die richtige Ann�herung an die noch in der Burg befindlichen Aes Sedai w�rde sicherlich Vorteile bringen. Elaida konnte auf eine Weise vom Amyrlin-Sitz vertrieben werden und Egwene ihn einnehmen, da� nur einige wenige Schwestern jemals sicher w��ten, was tats�chlich geschehen war. Mit der Zeit w�rde die Tatsache, da� die Wei�e Burg jemals gespalten gewesen war, nur als eine Geschichte vom Lande angesehen. Es h�tte vielleicht sogar funktioniert, wenn sie genug Zeit gehabt h�tten. Wenn das Abwarten Elaida nicht ebensoviel Gelegenheit gegeben h�tte, auf die Schwestern hier einzuwirken.</p><p>Der Unterschied bei Lelaine war, da� sie alles mit einem L�cheln ge�u�ert hatte, das sehr gut einer gehorsamen Novizin oder einer Aufgenommenen h�tte gelten k�nnen, auf die sie sehr stolz war. Egwenes Wiederentdeckung des Schnellen Reisens veranla�te viele Aes Sedai zu l�cheln, obwohl nur eine Handvoll von ihnen stark genug waren, ein gr��eres Tor zu gestalten, als ihr Arm ben�tigte, und die meisten brachten nicht einmal das zustande. Romanda wollte Tore benutzen, um die Eidesrute und bestimmte andere Gegenst�nde aus der Burg fortzuschaffen �Egwene wurde nicht gesagt, was genau �, damit sie in Salidar wahre Aes Sedai sein konnten, w�hrend sie Elaida der F�higkeit beraubten. Sicherlich wollte Egwene eine wahre Aes Sedai sein. Darin stimmte Lelaine mit Romanda �berein, nicht aber darin, Tore in die Burg zu benutzen. Die Gefahr der Entdeckung war zu gro�, und wenn jene in der Burg das Schnelle Reisen erlernten, ginge zuviel Vorteil verloren. Diese Einw�nde waren vom Saal schwer gewichtet worden, was Romanda �berhaupt nicht gefiel.</p><p>Sheriam hatte ebenfalls gel�chelt, weil Lelaine mit etwas einverstanden gewesen war, aber jetzt l�chelte sie nicht. �Mutter, ich bin nicht sicher, da� ich das verstehe�, sagte sie viel zu duldsam. �Die Vorbereitungen reichen sicherlich aus, dem Saal zu zeigen, da� Ihr Euch nicht einsch�chtern la�t. Es k�nnte sich als verh�ngnisvoll erweisen, wenn wir aufbrechen, bevor alles geregelt ist.�</p><p>Egwene gelang ein verschlagener Gesichtsausdruck. �Ich verstehe, Sheriam. Ich wei� nicht, was ich ohne Euren Rat tun w�rde.� Wie sehr sie sich auf den Tag freute, an dem sie damit aufh�ren konnte. Sheriam w�rde eine sehr gute Beh�terin abgeben � sie w�re vielleicht sogar eine gute Amyrlin gewesen �, aber Egwene w�rde den Tag genie�en, an dem sie die Frau dar�ber belehren k�nnte, da� sie die <emphasis>Beh�terin</emphasis> war und nicht die Amyrlin. Sheriam <emphasis>und</emphasis> den Saal. �Es ist nur so, da� Mat jetzt dieses Heer Drachenverschworener an unsere Schwelle gef�hrt hat. Was wird Lord Bryne tun? Oder was werden einige seiner Soldaten auf eigene Faust tun? Jedermann spricht dar�ber, da� er M�nner aussenden wolle, diese Drachenverschworenen zu jagen, die D�rfer niederbrennen. Ich wei�, da� man ihm befohlen hat, sie hart im Zaum zu halten, aber...�</p><p>�Lord Gareth wird genau das tun, was wir � was Ihr �befehlt, und nicht mehr.�</p><p>�Vielleicht.� Er war nicht so gl�cklich mit diesem harten Zaum, wie Sheriam glaubte. Siuan verbrachte viel Zeit mit Gareth Bryne, obwohl sie �ber den Mann schimpfte, und er erz�hlte ihr gewisse Dinge. Egwene konnte es sich jedoch nicht leisten, Siuans Treue zu verraten. �Ich hoffe, dasselbe kann man von jedem seiner Soldaten behaupten. Wir k�nnen nicht westw�rts nach Amadicia gehen, aber ich dachte, wir k�nnten vielleicht flu�abw�rts ziehen, nach Ebou Dar. Vielleicht durch ein Tor. Dort sind Aes Sedai sicherlich willkommen. Lord Bryne k�nnte au�erhalb der Stadt lagern. Wenn wir aufbrechen, zeigen wir damit, da� wir Rands Angebot nicht annehmen werden, wenn man es �berhaupt so nennen kann. Und wenn wir weitere Vorbereitungen treffen wollen, bin ich sicher, da� wir dies in einer gro�en Stadt mit Stra�en und einem Hafen wesentlich leichter bewerkstelligen k�nnen.�</p><p>Sheriam verlor erneut soweit die Kontrolle, da� ihre Stimme leicht atemlos klang. �Ebou Dar ist nicht sehr gastfreundlich, Mutter. Und wenige Schwestern unterscheiden sich sehr von mehreren Hundert, die ein Heer hinter sich wissen. Mutter, schon ein Hinweis darauf k�nnte Tylin zu dem Glauben f�hren, wir wollten die Stadt einnehmen. Tylin und auch viele altarenische Adlige, denen nichts lieber w�re als ein Vorwand daf�r, sie st�rzen und den Thron der Winde selbst einnehmen zu k�nnen. Eine solche Verwicklung w�rde unser Verh�ltnis zu allen Herrschern verderben. Nein, Mutter, das steht eigentlich au�er Frage.�</p><p>�Aber k�nnen wir es wagen hierzubleiben? Mat wird nichts unternehmen, aber was geschieht, wenn nur eine Handvoll von Lord Brynes Soldaten beschlie�en, die Angelegenheit in die Hand zu nehmen?� Egwene betrachtete stirnrunzelnd ihre R�cke, gl�ttete sie dann, als sorge sie sich, und seufzte. �Je l�nger wir herumsitzen und nichts tun, w�hrend uns ein Heer Drachenverschworener beobachtet, desto schlimmer wird es werden. Ich w�re nicht �berrascht, von Ger�chten zu erfahren, da� sie uns angreifen wollen, und Leute sagen zu h�ren, wir sollten ihnen zuvorkommen.� Wenn dies nicht funktionierte, w�rde es in der Tat Ger�chte geben. Nynaeve und Elayne und Siuan und Leane w�rden daf�r sorgen. Es w�re gef�hrlich, aber sie konnte eine M�glichkeit ersinnen, Mat zum R�ckzug zu bewegen, bevor die Funken flogen � wenn es dazu k�me. �Nun, so wie sich Ger�chte verbreiten, w�rde es mich nicht wundern, wenn halb Altara in weniger als einem Monat glaubte, <emphasis>wir</emphasis> seien Drachenverschworene.� Das war ein Ger�cht, dem sie gern Einhalt geboten h�tte, wenn sie gewu�t h�tte wie. Der Saal f�hrte Logain zwar keinen Adligen mehr vor, seit er geheilt war, aber Brynes Werbungsoffiziere zogen noch immer hinaus, und Gruppen von Aes Sedai suchten neue Novizinnen, und M�nner nahmen mit ihren Karren und Wagen die lange Reise zu den n�chstgelegenen D�rfern auf sich, um Vorr�te zu kaufen. Dieses Ger�cht konnte also auf hundert verschiedenen Wegen verbreitet werden, obwohl nur einer n�tig war. �Sheriam, ich kann mich des Gef�hls nicht erwehren, da� wir eingeschlossen sind, und wenn wir nicht hinausgelangen, wird nichts Gutes dabei herauskommen. �berhaupt nichts Gutes.�</p><p>�Die L�sung liegt darin, die Drachenverschworenen fortzuschicken�, sagte Sheriam jetzt nicht mehr so duldsam wie zuvor. �Ich bedaure es, Mat wieder entwischen lassen zu m�ssen, aber ich f�rchte, es ist nicht zu verhindern. Ihr habt ihm gesagt, da� das <emphasis>Angebot</emphasis> abgelehnt wird. Nun sagt ihm, er soll gehen.�</p><p>�Ich w�nschte, es w�re so einfach. Ich glaube nicht, da� er gehen wird, wenn ich es ihm sage, Sheriam. Er hat angedeutet, da� er genau dort abwarten soll, wo er sich jetzt befindet, bis etwas geschieht. Er erwartet vielleicht Befehle von Rand oder sogar dessen Ankunft. In Cairhien kursierte ein Ger�cht, da� er mit einigen M�nnern, die er um sich versammelt hat, das Schnelle Reisen �bt. Mit denjenigen, die er die Macht zu lenken lehrt? Ich wei� nicht, was wir tun sollen, wenn das geschieht.�</p><p>Sheriam starrte sie an, wobei sie f�r ihren ruhigen Gesichtsausdruck recht schwer atmete.</p><p>Ein Klopfen an der T�r, und Tabitha betrat mit einem Silbertablett den Raum. Sie bemerkte die Stimmung nicht und machte sich mit der gr�nen Porzellanteekanne und Bechern, dem silbernen Honigtopf, einem kleinen Krug Sahne und spitzenges�umten Leinenmundt�chern zu schaffen, bis Sheriam sie schlie�lich so heftig anfuhr, sie solle endlich fertig werden, da� Tabitha aufschrie, mit geweiteten Augen einen Hofknicks vollf�hrte, bei dem ihr Kopf fast den Boden ber�hrte, und davonlief.</p><p>Sheriam besch�ftigte sich einen Moment damit, ihre R�cke glattzustreichen, w�hrend sie ihre Haltung wiedererlangte. �Vielleicht�, sagte sie schlie�lich widerwillig, �m�ssen wir Salidar doch verlassen. Eher, als ich es mir w�nschen w�rde.�</p><p>�Aber der einzig m�gliche Weg f�hrt nach Norden.� Egwene sah Sheriam mit gro�en Augen an. Licht, wie sie das ha�te! �Es wird so aussehen, als z�gen wir nach Tar Valon.�</p><p>�Das wei� ich�, erwiderte Sheriam fast bissig. Sie atmete tief durch und d�mpfte ihre Stimme. �Vergebt mir, Mutter. Ich f�hle mich ein wenig... Ich mag es nicht, zu etwas gezwungen zu werden, und ich f�rchte, Rand al'Thor setzt uns unter Druck, bevor wir bereit sind.�</p><p>�Ich werde ein ernstes Gespr�ch mit ihm f�hren, wenn ich ihn sehe�, versprach Egwene. �Ich kann mir kaum vorstellen, wie ich ohne Euren Rat zurechtk�me.� Vielleicht konnte sie eine M�glichkeit ersinnen Sheriam als Lehrling zu den Weisen Frauen zu schicken. Der Gedanke an Sheriam nach ungef�hr einem halben Jahr mit Sorilea lie� sie l�cheln, so da� Sheriam tats�chlich zur�ckl�chelte. �S�� oder herb?� fragte Egwene und nahm die Teekanne hoch.</p></section><section><title><p>40</p><p>Drei Frauen</p></title><p>Ihr m��t mir helfen, ihnen Verstand einzutrichtern�, sagte Mat um seine Pfeife herum. �Thom, h�rt Ihr mir zu?�</p><p>Sie sa�en im sp�rlichen Schatten eines zweist�ckigen Geb�udes auf umgedrehten F�ssern und rauchten ihre Pfeifen. Der schlaksige alte Feuerwerker schien mehr daran interessiert, den Brief zu betrachten, den Rand ihm gesandt hatte. Jetzt steckte er ihn mit dem noch ungebrochenen Baum-und-Krone-Siegel in die Manteltasche. Das Raunen von Stimmen und das Quietschen von Achsen von der Stra�e am Ende der Gasse schienen weit entfernt. Schwei� tropfte von ihren Gesichtern. Zumindest um eines mu�te er sich im Moment nicht k�mmern. Mat hatte, als er die Kleine Burg verlie�, festgestellt, da� eine Gruppe Aes Sedai Aviendha irgendwohin verschleppt hatten. Sie w�rde nicht so bald jemanden mit dem Messer durchbohren.</p><p>Thom nahm die Pfeife aus dem Mund. Es war eine langstielige Pfeife, die �ber und �ber mit Eichenbl�ttern und Eicheln beschnitzt war. �Ich habe einmal versucht, eine Frau zu retten, Mat. Laritha war eine knospende Rose und in einem Dorf, in dem ich meine Reise f�r einige Tage unterbrach, mit einem finsteren Rohling von Stiefelmacher verheiratet. Ein Rohling. Er schrie sie an, wenn das Essen nicht dann fertig war, wenn er sich zu Tisch setzen wollte, und schlug sie, wenn er sah, da� sie mehr als zwei Worte mit einem anderen Mann wechselte.�</p><p>�Thom, was, um alles in der Welt, hat das damit zu tun, da� wir diesen t�richten Frauen Verstand eintrichtern m�ssen?�</p><p>�H�r einfach zu, Junge. Es war in dem Dorf allgemein bekannt, wie er sie behandelte, aber Laritha hat es mir auch selbst erz�hlt, w�hrend sie unentwegt jammerte, wie sehr sie w�nschte, da� jemand sie retten w�rde. Ich hatte Gold und eine vornehme Kutsche, einen Kutscher und einen Diener bei mir. Ich war jung und sah gut aus.� Thom rieb mit den Kn�cheln �ber seinen wei�en Schnurrbart und seufzte. Es war schwer zu glauben, da� dieses ledrige Gesicht jemals gut ausgesehen hatte. Mat blinzelte. Eine Kutsche? Wann hatte ein Feuerwerker jemals eine Kutsche besessen? �Mat, die Lage der Frau zerri� mir das Herz. Und ich will nicht leugnen, da� ich sie auch mochte. <emphasis>Wie</emphasis> ich bereits sagte � ich war jung. Ich dachte, ich sei verliebt und ein Held aus den Geschichten. Also bot ich ihr eines Tages, als wir unter einem bl�henden Apfelbaum �weit au�er Reichweite des Hauses des Stiefelmachers � sa�en, an, sie fortzubringen. Ich w�rde ihr ein Dienstm�dchen und ein eigenes Haus geben und sie mit Liedern und Versen umwerben. Als sie schlie�lich verstand, trat sie mir so fest vors Knie, da� ich einen Monat lang hinkte, und schlug mich au�erdem noch.�</p><p>�Anscheinend treten sie alle gern�, murrte Mat, w�hrend er sein Gewicht auf dem Fa� verlagerte. �Sie hat Euch vermutlich nicht geglaubt, und wer k�nnte es ihr vorwerfen?�</p><p>�Oh, sie hat mir geglaubt. Aber sie war w�tend, da� ich dachte, sie w�rde ihren geliebten Ehemann jemals verlassen. Ihr Wort: geliebt. Sie lief zu dem Mann zur�ck, so schnell ihre F��e sie trugen, und ich hatte die Wahl, ihn entweder zu t�ten oder in meine Kutsche zu springen. Ich mu�te fast alles zur�cklassen, was mir geh�rte. Vermutlich lebt sie immer noch mit ihm zusammen. Sie wird die Geldb�rse fest verschlossen halten und ihm den Kopf mit was auch immer bereitliegt einschlagen, wann immer er auf ein Bier in einem Gasthaus haltmacht. Wie sie es schon immer getan hat, wie ich sp�ter, nach einigen heimlichen Erkundigungen, erfuhr.� Er steckte sich die Pfeife wieder zwischen die Z�hne, als h�tte er seinen Standpunkt ausreichend verdeutlicht.</p><p>Mat kratzte sich am Kopf. �Ich verstehe nicht, was das hiermit zu tun hat.�</p><p>�Es bedeutet einfach, da� man nicht glauben soll, die ganze Geschichte zu kennen, wenn man erst einen Teil davon geh�rt hat. Wei�t du, da� Elayne und Nynaeve in ungef�hr einem Tag nach Ebou Dar aufbrechen werden? Juilin und ich sollen sie begleiten.�</p><p>�Ebou...� Mat konnte seine Pfeife gerade noch auffangen, bevor sie in das tote Laub fiel, das die Gasse bedeckte. Nalesean hatte irgend etwas �ber einen Besuch Ebou Dars erz�hlt, und selbst wenn man ber�cksichtigte, wie h�ufig er �bertrieb, wenn es um Frauen ging, die er gekannt, und um K�mpfe, an denen er teilgenommen hatte, klang es nach einem rauhen Ort. Also glaubten sie, sie k�nnten Elayne von ihm fortbringen. �Thom, Ihr m��t mir helfen...�</p><p>�Wie?� wandte Thom ein. �Sie dem Stiefelmacher stehlen?� Er stie� eine blaue Rauchwolke aus. �Das werde ich nicht tun, Junge. Du kennst noch immer nicht die ganze Geschichte. Was empfindest du Egwene und Nynaeve gegen�ber? Oder, wenn ich es mir recht �berlege, nur Egwene gegen�ber?�</p><p>Mat runzelte die Stirn und fragte sich, ob der Mann glaubte, er k�nnte alles verwirren, wenn er nur lange genug im Kreis herumginge. �Ich mag Egwene. Ich... Verdammt, Thom, sie ist Egwene. Das sagt schon genug. Darum versuche ich, ihren t�richten Hals zu retten.�</p><p>�Sie vor dem Stiefelmacher zu retten, meinst du�, murmelte Thom, aber Mat sprach einfach weiter.</p><p>�Ihren und auch Elaynes Hals, und sogar Nynaeves � wenn ich mich davon abhalten kann, sie eigenh�ndig zu erw�rgen. Licht! Ich will ihnen doch nur helfen. Au�erdem wird Rand <emphasis>mir</emphasis> den Hals brechen, wenn Elayne etwas zust��t�</p><p>�Hast du jemals daran gedacht, ihnen bei dem zu helfen, was <emphasis>sie</emphasis> wollen, anstatt darauf zu beharren, was <emphasis>du</emphasis> willst? Wenn ich du w�re, w�rde ich Elayne auf ein Pferd setzen und nach Andor reiten. Aber sie hat anderes zu tun � ich glaube, sie <emphasis>mu�</emphasis> es �, also werde ich in ihrer N�he bleiben und Tag und Nacht bef�rchten, da� es jemandem gelingen k�nnte, sie zu t�ten, bevor ich es verhindern kann. Sie wird erst nach Caemlyn ziehen, wenn sie dazu bereit ist.� Er sog selbstzufrieden an seiner Pfeife, aber seine Stimme hatte am Ende ein wenig unsicher geklungen, als gefielen ihm seine Worte nicht so sehr, wie er vorgab.</p><p>�Mir scheint, als wollten sie sich Elaida ausliefern.� Also w�rde Thom dieses t�richte M�dchen auf ein Pferd setzen? Ein Feuerwerker, der die Tochter-Erbin verschleppt, damit sie gekr�nt wird! Thom hielt viel von sich.</p><p>�Du bist kein Narr, Mat�, sagte Thom ruhig. �Du wei�t es besser. Egwene ... es ist schwer, sich dieses Kind als Amyrlin vorzustellen...� Mat brummte �rgerlich. Thom achtete nicht auf ihn. �...und doch glaube ich, da� sie gen�gend R�ckgrat hat. Es ist zu fr�h, um sagen zu k�nnen, ob gewisse Dinge nur Zufall sind, aber ich fange an zu glauben, da� sie auch den Verstand daf�r hat. Die Frage ist aber: Ist sie z�h genug? Wenn nicht, werden sie sie lebendig verspeisen � mit R�ckgrat, Verstand und allem anderen.�</p><p>�Wer wird das tun? Elaida?�</p><p>�Oh, sie ohnehin. Wenn sie die Gelegenheit dazu bekommt. Sie ist ausreichend z�h. Aber die Aes Sedai, die sich hier aufhalten, sehen Egwene kaum als Aes Sedai an. Vielleicht als Amyrlin, aber nicht als Aes Sedai, wenn das auch schwer zu glauben ist.� Thom sch�ttelte den Kopf. �Ich verstehe es nicht, aber es stimmt. Das gleiche gilt f�r Elayne und Nynaeve. Sie versuchen, es f�r sich zu behalten, aber selbst Aes Sedai k�nnen nicht alles verbergen, wenn man sie genau beobachtet und seinen Verstand gebraucht.� Er zog erneut den Brief hervor, drehte ihn aber nur in den H�nden, ohne ihn zu betrachten. �Egwene wandelt an einem Abgrund, Mat, und drei Gruppen hier in Salidar � ich bin mir sicher, da� es drei sind � k�nnten sie hinabsto�en, wenn sie nur einen falschen Schritt tut. Elayne wird ihr folgen, wenn das geschieht, und Nynaeve ebenfalls. Oder vielleicht werden sie die beiden zuerst hinabsto�en, damit sie Egwene mit hinabziehen.�</p><p>�Hier in Salidar�, wiederholte Mat vollkommen tonlos. Thom nickte ruhig, und Mat konnte nicht verhindern, da� seine Stimme lauter wurde. �Und Ihr wollt, da� ich sie hierlasse?�</p><p>�Ich will, da� du aufh�rst zu glauben, du k�nntest sie dazu <emphasis>bringen,</emphasis> etwas zu tun. Sie haben bereits beschlossen, was sie tun werden, und du kannst es nicht �ndern. Aber vielleicht � nur vielleicht � kannst du mir helfen, ihr Leben zu retten.�</p><p>Mat sprang auf. Er sah vor seinem geistigen Auge das Bild einer Frau mit einem Messer zwischen den Br�sten. Es war keine der geborgten Erinnerungen. Er trat gegen das Fa�, auf dem er gesessen hatte, so da� es die Gasse hinunterrollte. Einem <emphasis>Feuerwerker</emphasis> helfen, ihr Leben zu retten? Eine schwache Erinnerung regte sich, eine Erinnerung an Basel Gill, einen Wirt in Caemlyn, der etwas �ber Thom gesagt hatte, aber sie war nur fl�chtig und verschwand, sobald er sie festhalten wollte. �Von wem ist der Brief, Thom? Von einer weiteren Frau, die Ihr gerettet habt? Oder habt Ihr sie dort gelassen, wo sie ihr Leben verlieren konnte?�</p><p>�Ich habe sie dort gelassen�, sagte Thom leise. Er stand auf und ging wortlos davon.</p><p>Mat streckte halb die Hand aus, um ihn aufzuhalten, und wollte etwas sagen. Aber ihm fiel nichts ein. <emphasis>Verr�ckter alter Mann!</emphasis> Nein, er war nicht verr�ckt. Egwene war stur wie ein Maultier, und Nynaeve lie� sie f�gsam wirken. Noch schlimmer �beide w�rden auf einen Baum klettern, um die Blitze besser sehen zu k�nnen. Und was Elayne betraf, so hatte die Adlige noch nie genug Verstand besessen, um aus dem Regen herauszutreten, und dann war sie emp�rt, wenn sie na� wurde.</p><p>Er klopfte seine Pfeife aus, trat die Glut mit dem Stiefelabsatz aus, bevor das trockene Laub Feuer fangen konnte, hob seinen Hut vom Boden auf und hinkte auf die Stra�e hinaus. Er brauchte Informationen aus einer besseren Quelle als von einem Feuerwerker, der dadurch, da� er mit diesem anma�enden jungen Ding von Tochter-Erbin herumlief, unter Gr��enwahn litt. Zu seiner Linken sah er Nynaeve aus der Kleinen Burg kommen und beobachtete sie, w�hrend sie sich ihren Weg zwischen von Ochsen oder Pferden gezogenen Karren hindurch bahnte. Sie konnte ihm sagen, was er wissen mu�te. Wenn sie es wollte. Ein Schmerz durchzuckte seine H�fte. <emphasis>Verdammt, sie schuldet mir einige Antworten.</emphasis></p><p>In diesem Augenblick sah Nynaeve ihn und erstarrte sichtbar. Sie beobachtete einen Moment, wie er herankam, und eilte dann in entgegengesetzter Richtung davon. Sie versuchte ihm offensichtlich aus dem Weg zu gehen. Sie schaute zweimal �ber die Schulter, bevor Menschen und Karren sie verbargen.</p><p>Mat blieb stirnrunzelnd stehen und zog sich den Hut tief in die Stirn. Zuerst trat die Frau ihn ohne Grund, und jetzt wollte sie nicht mit ihm sprechen. Sie und Egwene wollten ihn schmoren lassen, bis er sanftm�tig davontrottete, wenn sie ihn verwiesen. <emphasis>Nun, sie haben sich, verdammt noch mal, den Falschen f�r ihr Spiel ausgesucht!</emphasis></p><p>Vanin und die anderen standen vor einem Stall neben einem Steingeb�ude, das sicherlich einmal ein Gasthaus gewesen war. Jetzt str�mten Aes Sedai dort hinein und hinaus. Pips und die anderen Pferde waren festgebunden, und Vanin und die beiden Kundschafter, die gefangengenommen worden waren, kauerten an der Wand. M�r und Ladwin waren so verschieden, wie M�nner nur sein konnten. Der eine war gro� und schlaksig und hatte ein rauhes Gesicht, der andere war klein, st�mmig und sanftm�tig, aber beide wirkten sehr verwirrt, als Mat herankam. Sie waren noch nicht dar�ber hinweggekommen, wie leicht sie gefangengenommen worden waren. Die beiden Unterf�hrer standen steif auf, w�hrend sie noch immer die Banner fest an die St�be dr�ckten, als w�re das jetzt wichtig. Sie wirkten �u�erst wachsam. Eine Schlacht war eine Sache, aber alle diese Aes Sedai waren eine ganz andere Sache. Im Kampf hatte ein Mann eine Chance. Zwei Beh�ter beobachteten sie. Nicht offensichtlich, sondern �ber den Stallhof hinweg. Sie hatten sich diesen Standort in der prallen Sonne nicht nur ausgesucht, um sich zu unterhalten.</p><p>Mat streichelte Pips' Nase und kontrollierte dann die Augen des Pferdes. Ein Bursche in einer Lederweste trat aus dem Stall und schob eine Mistkarre die Stra�e hinauf. Vanin trat her�ber, um Pips ebenfalls in die Augen zu sehen. Ohne ihn anzuschauen, fragte Mat: �K�nntet Ihr die Horde erreichen?�</p><p>�Vielleicht.� Vanin runzelte die Stirn und hob eines von Pips Augenlidern an. �Mit ein wenig Gl�ck vielleicht. Aber ich hasse es, mein Pferd zur�ckzulassen.�</p><p>Mat nickte und betrachtete Pips' Auge noch genauer. �Sagt Talmanes, da� ich Stillhalten befehle. Ich bleibe vielleicht noch einige Tage hier und will keinerlei blutigen Rettungsversuch erleben. Kommt danach m�glichst wieder hierher. Ohne gesehen zu werden, wenn es Euch gelingt.�</p><p>Vanin spie in den Staub unter Pips. �Wenn sich ein Mann mit Aes Sedai einl��t, z�umt er sich selbst auf und legt sich den Sattel auf den R�cken. Ich werde zur�ckkommen, wenn ich kann.� <emphasis>Er</emphasis> schritt kopfsch�ttelnd in die Menge davon, ein beleibter, runzliger Mann mit rollendem Gang, dem niemand zutrauen w�rde, da� er sich anschleichen k�nnte.</p><p>Einer der Unterf�hrer r�usperte sich z�gernd und trat dann n�her heran. �Mein Lord, ist alles...? Hattet Ihr es so geplant, mein Lord?�</p><p>�Vollkommen, Verdin�, sagte Mat und t�tschelte Pips. Er stak mit dem Kopf zuerst im Sack, und die Schnur war zugezogen. Er hatte Rand versprochen, Elayne sicher nach Caemlyn zu bringen, und konnte daher nicht ohne sie gehen. Und er konnte auch nicht gehen und Elayne ihren Kopf auf den Hackblock legen lassen. Vielleicht � Licht, wie das schmerzte! �k�nnte es sein, da� er Thoms Rat annehmen m��te zu versuchen, die verdammten K�pfe dieser verdammten Frauen auf ihren Schultern zu belassen, indem er ihnen half, diesen verr�ckten, unm�glichen Plan tats�chlich durchzuf�hren. Und nebenbei noch zu versuchen, auch seinen eigenen Hals zu retten. Und dazu geh�rte nicht, Aviendha von Elaynes Kehle fernzuhalten. Nun, er konnte zumindest in der N�he sein, um sie fortzubringen, wenn alles zusammenbrach. Das war ein geringer Trost. �Alles ist einfach verdammt gut.�</p><p>Elayne erwartete, Aviendha im Aufenthaltsraum oder vielleicht auch drau�en vorzufinden, aber sie mu�te genau zuh�ren, um herauszufinden, warum sie an beiden Orten nicht war. Es gab zwei Gespr�chsthemen bei den anderen Aes Sedai, und alle sprachen durcheinander, w�hrend Papiere unbeachtet auf den Tischen lagen. Mat war das Hauptgespr�chsthema. Sogar die Dienerinnen und Novizinnen, die gesch�ftig im Aufenthaltsraum umherliefen, hielten in ihren Boteng�ngen inne, um aufgeregt �ber ihn zu sprechen. Er war <emphasis>Ta'veren.</emphasis> War es ratsam, einen <emphasis>Ta'veren</emphasis> in Salidar bleiben zu lassen? War er wirklich in der Burg gewesen und hatte man ihm tats�chlich erlaubt, einfach wieder zu gehen? Stimmte es, da� er das Heer der Drachenverschworenen befehligte? W�rde er f�r die Greueltaten, von denen sie geh�rt hatten, eingesperrt werden? Stimmte es, da� er aus demselben Dorf stammte wie der Wiedergeborene Drache und die Amyrlin? Es gab im Zusammenhang mit dem Wiedergeborenen Drachen Ger�chte �ber zwei <emphasis>Ta'veren.</emphasis> Wer war der zweite, und wo war er zu finden? Vielleicht wu�te Mat Cauthon es. Es gab anscheinend genauso viele Meinungen wie Menschen, die sie �u�ern konnten.</p><p>Elayne erwartete zwei Fragen zu h�ren, aber sie h�rte sie nicht: Was wollte Mat in Salidar, und wie hatte Rand wissen k�nnen, wohin er ihn schicken mu�te? Niemand stellte diese Fragen, aber hier richtete eine Aes Sedai pl�tzlich ihre Stola, als friere sie oder erschrak, wenn sie bemerkte, da� jemand sie angesprochen hatte, und dort starrte eine Dienerin ins Leere, bevor sie zitternd zu sich kam, oder eine Novizin warf den Schwestern �ngstliche Blicke zu. Mat war nicht die Katze zwischen den Tauben, aber es kam dem sehr nahe. Die blo�e Tatsache, da� Rand wu�te, wo sie sich befanden, schien zu gen�gen, ihnen eine G�nsehaut zu verursachen.</p><p>Die Schwestern sprachen auch �ber Aviendha und das nicht nur, um das Thema zu wechseln. Es geschah nicht jeden Tag, da� eine Wilde einfach auf ihren eigenen zwei Beinen erschien, besonders eine mit solch bemerkenswerter Kraft, die noch dazu eine Aiel war. Letzteres faszinierte die Schwestern wirklich.</p><p>Keine Aiel war jemals in der Burg ausgebildet worden, und nur wenige Aes Sedai hatten jemals die Aiel-W�ste betreten.</p><p>Eine einzige Frage gen�gte, um zu erfahren, wo sie gefangengehalten wurde. Nicht wirklich gefangengehalten, aber Elayne wu�te, wie Aes Sedai sein konnten, wenn sie wollten, da� eine Frau Novizin wurde.</p><p>�Sie wird bei Einbruch der Nacht Wei� tragen�, sagte Akatrin zuversichtlich. Sie war eine schlanke Braune, die bei jedem Wort nachdr�cklich nickte. Die beiden bei ihr stehenden Schwestern nickten ebenso nachdr�cklich.</p><p>Elayne eilte mit leisem <emphasis>Tsking</emphasis> auf die Stra�e hinaus. Vor sich konnte sie Nynaeve f�rmlich laufen und so h�ufig �ber die Schulter blicken sehen, da� sie Menschen umrannte. Elayne dachte daran, sie einzuholen � sie h�tte nichts gegen Gesellschaft einzuwenden �, aber sie hatte keine Lust, in dieser Hitze zu laufen, ob sie nun Konzentration besa� oder nicht, und das schien die einzige M�glichkeit. Dennoch raffte sie leicht die R�cke und beeilte sich.</p><p>Bevor sie auch nur f�nfzig Schritte getan hatte, sp�rte sie Birgitte n�her kommen, drehte sich um und sah sie die Stra�e hinablaufen. Areina war bei ihr, aber sie blieb ein kleines St�ck weiter stehen und kreuzte mit einem Stirnrunzeln die Arme. Die Frau war eine unm�gliche kleine, bedauernswerte Person, die ihre Meinung dar�ber, da� Elayne jetzt wirklich eine Aes Sedai war, sicherlich nicht ge�ndert hatte.</p><p>�Ich dachte, Ihr solltet es wissen�, sagte Birgitte ruhig. �Ich habe gerade geh�rt, da� Vandene und Adeleas ebenfalls mitkommen, wenn wir nach Ebou Dar ziehen.�</p><p>�Ich verstehe�, murmelte Elayne. Vielleicht w�rde das Paar Merilille aus irgendeinem Grund begleiten, obwohl bereits drei Aes Sedai an Tyrins Hof waren, oder vielleicht hatten sie in Ebou Dar eine eigene Mission zu erf�llen. Sie glaubte beides nicht. Areina hatte ihre feste Meinung, und der Saal ebenfalls. Elayne und Nynaeve sollten von zwei <emphasis>wahren</emphasis> Aes Sedai als Anstandsdamen begleitet werden. �Sie begreift <emphasis>tats�chlich,</emphasis> da� <emphasis>sie</emphasis> nicht gehen wird.�</p><p>Birgitte schaute in die Richtung, in die Elayne blickte, zu Areina, und zuckte die Achseln. �Sie begreift es. Sie ist nicht gl�cklich dar�ber. Ich selbst kann es kaum erwarten aufzubrechen.�</p><p>Elayne z�gerte nur einen Moment. Sie hatte versprochen, die Geheimnisse zu bewahren, was ihr nicht gefiel, aber sie hatte nicht versprochen, die andere Frau nicht weiterhin davon zu �berzeugen zu wollen, da� es nicht n�tig und sinnlos war, �Birgitte, Egwene... �</p><p>�Nein!�</p><p>�Warum nicht?� Elayne hatte Birgitte noch nicht lange als Beh�terin, als sie beschlo�, da� sie Rand, wenn sie sich mit ihm verb�nde, irgendwie das Versprechen abringen k�nnte zu tun, was ihm gesagt wurde, zumindest wenn es wichtig war. In letzter Zeit hatte sie sich auf andere Ma�nahmen verlegt. Er w�rde ihre Fragen beantworten m�ssen. Birgitte antwortete, wenn sie es wollte, wich aus, wenn sie es wollte, und nahm manchmal einfach einen sturen Gesichtsausdruck an, wie sie es auch jetzt tat. �Sagt mir, warum nicht, und wenn es ein guter Grund ist, werde ich niemals wieder fragen.�</p><p>Zun�chst sah Birgitte sie nur finster an, aber dann nahm sie Elaynes Arm und dr�ngte sie fast zum Eingang einer Gasse. Niemand der Vor�bergehenden gew�hrte ihnen einen zweiten Blick, und Areina blieb, wo sie war, wenn ihr Gesicht auch d�sterer wirkte als zuvor, aber Birgitte sah sich dennoch vorsichtig um und sprach im Fl�sterton. �Wann immer mich das Rad herausschleuderte, wurde ich geboren, lebte und starb, ohne jemals zu wissen, da� ich an das Rad gebunden war. Ich wu�te es nur zwischendrin, in <emphasis>Tel'aran'rhiod.</emphasis> Manchmal wurde ich bekannt, sogar ber�hmt, aber ich war wie alle anderen, niemand aus einer Legende. Dieses Mal wurde ich herausgerissen, nicht herausgeschleudert. Da ich zum ersten Mal in Fleisch und Blut bin, wei� ich, wer ich bin. Und zum ersten Mal werden es auch andere Menschen erkennen. Thom und Juilin erkennen es. Sie sagen nichts, aber ich bin mir sicher. Sie sehen mich nicht auf die gleiche Weise an wie andere Menschen. Wenn ich sagte, ich w�rde einen Glasberg erklimmen und mit blo�en H�nden einen Riesen t�ten wollen, w�rden sie mich nur fragen, ob ich unterwegs Hilfe brauchte, und nicht erwarten, da� dem so w�re.�</p><p>�Ich verstehe nicht�, sagte Elayne z�gernd, und Birgitte seufzte und lie� den Kopf h�ngen.</p><p>�Ich wei� nicht, ob ich dem gerecht werden kann. In anderen Leben tat ich, was ich tun mu�te, was richtig zu sein schien, was f�r Maerion oder Joana oder jede andere Frau gen�gte. Jetzt bin ich <emphasis>Birgitte</emphasis> aus den Geschichten. Jedermann, der das wei�, wird <emphasis>Erwartungen</emphasis> haben. Ich f�hle mich wie ein Federt�nzer, der in eine Geheimversammlung der Tovan ger�t.�</p><p>Elayne fragte nicht nach. Wenn Birgitte Dinge aus fr�heren Leben erw�hnte, waren Erkl�rungen meist verwirrender als Unwissenheit. �Das ist Unsinn�, erwiderte sie bestimmt und umfa�te die Arme der anderen Frau. <emphasis>�Ich</emphasis> wei� es, und <emphasis>ich</emphasis> erwarte sicherlich nicht von Euch, da� Ihr irgendwelche Riesen t�tet. Egwene auch nicht. Und sie wei� es <emphasis>ebenfalls.�</emphasis></p><p>�Solange ich es nicht eingestehe�, murmelte Birgitte, �ist es, als w��te sie es nicht. Macht Euch nicht die M�he, mir zu sagen, da� es Unsinn ist. Ich wei�, da� es das ist, aber das �ndert nichts.�</p><p>�Was ist dann damit? Sie ist die Amyrlin, und ihr seid eine Beh�terin. Sie verdient Euer Vertrauen, Birgitte. Sie braucht es.�</p><p>�Seid Ihr immer noch nicht mit ihr fertig?� fragte Areina aus einem Schritt Entfernung. �Wenn Ihr schon fortgeht und mich zur�ckla�t, k�nntet Ihr mir wenigstens beim Bogenschie�en helfen, wie Ihr es gesagt habt.�</p><p>�Ich werde dar�ber nachdenken�, sagte Birgitte ruhig zu Elayne. Dann wandte sie sich zu Areina um und ergriff weit oben ihren Zopf. �Wir werden �ber das Bogenschie�en sprechen�, sagte sie, w�hrend sie Areina zur Stra�e schob, �aber zun�chst werden wir �ber Manieren sprechen.�</p><p>Elayne sch�ttelte den Kopf, erinnerte sich pl�tzlich Aviendhas und eilte davon. Das Haus war nicht weit entfernt.</p><p>Sie brauchte einen Moment, um Aviendha wiederzuerkennen. Elayne war ihren Anblick im <emphasis>Cadin'sor</emphasis> gew�hnt, das dunkle, r�tliche Haar kurz geschnitten, und nicht in Rock und Bluse und Stola, das Haar bis �ber die Schultern gewachsen und mit einem gefalteten Tuch nach hinten genommen. Sie schien zumindest auf den ersten Blick nicht in Schwierigkeiten zu sein. Sie sa� eher unbeholfen auf einem Stuhl �Aiel waren nicht an St�hle gew�hnt � und schien mit f�nf Schwestern in einem Kreis im Wohnraum sitzend gem�tlich Tee zu trinken. H�user, die Aes Sedai sch�tzten, besa�en Wohnr�ume, obwohl Elayne und Nynaeve noch immer in ihrem beengten kleinen Raum hausten. Auf den zweiten Blick sah man jedoch, da� Aviendha die Aes Sedai �ber den Rand ihrer Teetasse hinweg gehetzt ansah. F�r einen dritten Blick blieb keine Zeit. Aviendha sprang beim Eintreten Elaynes auf und lie� ihre Tasse auf den sauber gefegten Boden fallen. Elayne hatte au�er im Stein von Tear erst wenige Aiel gesehen, aber sie wu�te, da� sie ihre Empfindungen verbargen, was Aviendha normalerweise auch ausgezeichnet gelang. Nur jetzt war blanke Qual auf ihrem Gesicht erkennbar.</p><p>�Es tut mir leid�, sagte Elayne an den ganzen Raum gewandt, �aber ich mu� sie Euch eine Weile entf�hren. Vielleicht k�nnt Ihr sp�ter mit ihr sprechen.�</p><p>Mehrere der Schwestern hielten nur m�hsam ihren Widerspruch zur�ck, obwohl es keinen h�tte geben sollen. Sie war, bis auf Aviendha, eindeutig bei weitem die St�rkste in diesem Raum, und keine der Aes Sedai war eine Sitzende oder geh�rte zu Sheriams Konzil. Sie war sehr froh, da� Myrelle nicht anwesend war, die in diesem Haus lebte. Elayne hatte die Gr�ne Ajah erw�hlt und war angenommen worden, ohne zu wissen, da� Myrelle das Oberhaupt der Gr�nen Ajah in Salidar war. Myrelle, die noch keine f�nfzehn Jahre Aes Sedai war. Aus Gespr�chen wu�te Elayne, da� es in Salidar Gr�ne gab, welche die Stola schon mindestens f�nfzig Jahre lang trugen, obwohl keine davon ein graues Haar besa�. W�re Myrelle hiergewesen, h�tte Elaynes ganze Kraft nichts gez�hlt, wenn das Oberhaupt ihrer Ajah Aviendha h�tte hierbehalten wollen. Aber jetzt �ffnete nur Shana, eine glotz�ugige Wei�e, die Elayne an einen Fisch erinnerte, den Mund ein St�ck weiter, schlo� ihn aber dann wieder, wenn auch eher st�rrisch, als Elayne sie mit hochgezogener Augenbraue ansah.</p><p>Die f�nf machten �u�erst verkniffene Gesichter, aber Elayne ignorierte die Anspannung. �Danke�, sagte sie mit einem L�cheln, nach dem ihr nicht zumute war.</p><p>Aviendha schlang sich ein dunkles B�ndel �ber den R�cken, z�gerte aber dann, bis Elayne sie tats�chlich aufforderte mitzukommen. Auf der Stra�e sagte Elayne: �Ich entschuldige mich hierf�r. Ich werde daf�r sorgen, da� es nicht wieder geschieht.� Sie war sich sicher, da� ihr das gelingen w�rde. Oder Egwene. �Ich f�rchte, es gibt nicht viele Orte, an denen man ungest�rt reden kann. In meinem Raum ist es zu dieser Tageszeit sehr hei�. Wir k�nnten uns einen schattigen Platz suchen oder einen Tee nehmen, wenn sie Euch noch nicht damit �bers�ttigt haben.�</p><p>�Euer Zimmer.� Es wurde eigentlich nicht barsch ge�u�ert, aber Aviendha wollte eindeutig nicht reden, noch nicht. Sie sprang j�h auf einen vor�berfahrenden, mit Brennholz beladenen Karren zu und ri� einen Ast heraus, der l�nger als ihr Arm und dicker als ihr Daumen war. Dann trat sie wieder zu Elayne und begann den Zweig mit ihrem G�rtelmesser abzusch�len. Die scharfe Klinge beseitigte kleinere �stchen m�helos. Ihr gequ�lter Gesichtsausdruck war gewichen. Sie schien jetzt entschlossen.</p><p>Elayne sah sie von der Seite an, w�hrend sie weitergingen. Sie konnte nicht glauben, da� Aviendha ihr schaden wollte, was auch immer dieser t�lpelhafte Mat Cauthon sagte. Aber andererseits... Sie wu�te nur wenig von <emphasis>Ji'e'toh.</emphasis> Aviendha hatte es ihr teilweise erkl�rt, als sie zusammen im Stein gewesen waren. Vielleicht hatte Rand etwas gesagt oder getan. Vielleicht zwang dieses verwirrende Labyrinth aus Ehre und Verpflichtung Aviendha zu... Es schien nicht m�glich. Aber vielleicht...</p><p>Als sie ihr Zimmer erreichten, beschlo� sie, das Thema zuerst anzusprechen. Sie stellte sich der anderen Frau gegen�ber � umarmte <emphasis>Saidar</emphasis> ganz bewu�t nicht �und sagte: �Mat behauptet, Ihr w�rt hierhergekommen, um mich zu t�ten.�</p><p>Aviendha blinzelte. �Feuchtl�nder verstehen immer alles falsch�, sagte sie verwundert. Sie legte den Stock auf das Fu�ende von Nynaeves Bett und legte das G�rtelmesser sorgf�ltig daneben. �Meine N�chstschwester Egwene bat mich, Rand al'Thor f�r Euch zu bewachen, was ich zu tun versprach.� B�ndel und Stola wurden auf den Boden neben der T�r gelegt. �Ich habe ihr gegen�ber <emphasis>Toh,</emphasis> aber Euch gegen�ber ein noch gr��eres.� Sie schn�rte ihre Bluse auf, zog sie �ber den Kopf und �ffnete ihr Hemd dann bis �ber die Taille herunter. �Ich liebe Rand al'Thor, und ich habe es mir einmal erlaubt, mit ihm zu schlafen. Ich habe <emphasis>Toh,</emphasis> und ich bitte Euch darum, mir zu helfen, dem gegen�berzutreten.� Sie wandte Elayne den R�cken und kniete sich auf den wenigen verbliebenen Raum. �Ihr k�nnt den Stock oder das Messer benutzen, wie Ihr wollt. Ich habe <emphasis>Toh,</emphasis> und Ihr habt die Wahl.� Sie reckte das Kinn und streckte den Nacken. Ihre Augen waren geschlossen. �Was immer Ihr erw�hlt � ich werde es annehmen.�</p><p>Elayne glaubte, ihr w�rden die Knie versagen. Min hatte gesagt, die dritte Frau w�re gef�hrlich, aber Aviendha? <emphasis>Warte! Sie sagte, sie... Mit Rand!</emphasis> Ihre Hand zuckte zu dem Messer auf dem Bett, und sie kreuzte schnell die Arme und hielt ihre H�nde gefangen. �Steht auf. Und zieht Eure Bluse wieder an. Ich werde Euch <emphasis>nicht</emphasis> schlagen...� Nur ein paar Mal?</p><p>Sie kreuzte ihre Arme noch st�rker, um die H�nde an ihrem Platz zu halten. �...und ich werde <emphasis>sicherlich</emphasis> dieses Messer nicht anr�hren. Bitte steckt es fort.� Sie h�tte es der anderen Frau gereicht, aber sie wu�te nicht, ob es in dem Moment geraten gewesen w�re, eine Waffe zu ber�hren. �Ihr habt mir gegen�ber kein <emphasis>Toh.�</emphasis> Es klang wie eine Phrase. �Ich liebe Rand, aber es k�mmert mich nicht, da� Ihr ihn auch liebt.� Die L�ge verbrannte ihr die Zunge. Aviendha hatte wirklich mit ihm <emphasis>geschlafen?</emphasis></p><p>Aviendha wandte sich auf Knien stirnrunzelnd um, �Ich bin nicht sicher, da� ich Euch verstanden habe. Wollt Ihr damit vorschlagen, da� wir ihn uns teilen sollen? Elayne, ich glaube, wir sind Freunde, aber wir m�ssen wie Erst-Schwestern sein, wenn wir SchwesterFrauen sein wollen. Es wird Zeit brauchen herauszufinden, ob wir das sein k�nnen.�</p><p>Elayne merkte, da� ihr Mund offenstand, und sie schlo� ihn rasch wieder.</p><p>�Das stimmt vermutlich�, sagte sie tonlos. Min sagte stets, sie w�rden ihn sich teilen, aber sicherlich nicht auf diese Art! Allein der Gedanke daran war ungeh�rig! �Es ist ein wenig komplizierter, als Ihr wissen k�nnt. Es gibt noch eine dritte Frau, die ihn liebt.�</p><p>Aviendha sprang auf. �Wie hei�t sie?� Ihre gr�nen Augen blitzten, und das Messer lag in ihrer Hand.</p><p>Elayne mu�te fast lachen. <emphasis>In einem Moment spricht sie davon zu teilen und im n�chsten Moment ist sie so verbissen wie ... wie... So verbissen wie ich,</emphasis> beendete sie diesen Gedanken, der ihr �berhaupt nicht gefiel. Dies h�tte schlimmer sein k�nnen, viel schlimmer. Es h�tte Berelain sein k�nnen. Da es irgend jemand sein mu�te, konnte es genausogut Aviendha sein. <emphasis>Und ich k�nnte es genausogut in Angriff nehmen, anstatt wie ein Kind mit dem Fu� aufzustampfen.</emphasis> Sie setzte sich aufs Bett, die gefalteten H�nde im Scho�. �Steckt dieses Messer ein und setzt Euch hin, Aviendha. Und bitte zieht Eure Bluse wieder an. Ich habe Euch viel zu erz�hlen. Es gibt eine Frau � meine Freundin, meine N�chstschwester � namens Min...�</p><p>Aviendha zog sich wieder an, aber es dauerte einige Zeit, bis sie sich hinsetzte, und noch mehr Zeit, bis Elayne sie davon �berzeugen konnte, da� sie bez�glich Min keine falschen Schl�sse ziehen durfte. Das sah sie schlie�lich ein und sagte widerwillig: �Ich mu� sie kennenlernen. Ich werde ihn mit keiner Frau teilen, die ich nicht als Erst-Schwester lieben kann.� Diese Worte wurden mit einem pr�fenden Blick zu Elayne ge�u�ert, die seufzte.</p><p>Aviendha w�rde erw�gen, ihn mit ihr zu teilen. Und Min war auch bereit, ihn mit ihr zu teilen. War sie die einzige von ihnen dreien, die nicht verr�ckt war? Laut des Plans unter ihrer Matratze sollte Min bald in Caemlyn eintreffen, oder vielleicht war sie schon dort. Sie wu�te nicht, was dort geschehen sollte, nur da� Min ihre Visionen gebrauchen sollte, um ihm zu helfen. Was bedeutete, da� Min ihm nahe bleiben mu�te. W�hrend Elayne nach Ebou Dar zog.</p><p>�Ist irgend etwas im Leben jemals einfach, Aviendha?�</p><p>�Nicht, wenn Menschen einbezogen sind.� Elayne war sich nicht sicher, was sie mehr �berraschte: die Erkenntnis, da� <emphasis>sie</emphasis> lachte, oder da� Aviendha es tat.</p></section><section><title><p>41</p><p>Bedrohung</p></title><p>Min, die unter einer br�tenden Sp�tmorgensonne durch Caemlyn ritt, sah in Wahrheit nur wenig von der Stadt. Sie bemerkte die Menschen und S�nften, Wagen und Kutschen kaum, welche die Stra�en verstopften, sondern f�hrte ihre kastanienbraune Stute nur darum herum. Einer ihrer Tr�ume war es stets gewesen, in einer gro�en Stadt zu leben und an fremde Orte zu reisen, aber heute zogen die farbenreichen, mit gl�nzenden Ziegeln belegten T�rme und der weite Blick, der sich ihr bot, als sich die Stra�e um einen H�gel herumwand, fast unbemerkt an ihr vor�ber. Sie beobachtete die Gruppen von Aiel, die durch die sich vor ihnen teilende Menge schritten, und auch die aus hakennasigen, h�ufig b�rtigen Reitern bestehenden Patrouillen, aber nur weil sie Min an die Geschichten erinnerten, die sie geh�rt hatten, als sie noch in Murandy weilten. Merana hatten diese Geschichten ver�rgert, und auch die verkohlten Beweise der Drachenverschworenen, auf die sie zwei Mal gesto�en waren, aber Min glaubte, da� sich einige der anderen Aes Sedai sorgten. Je weniger dar�ber gesprochen wurde, was sie von Rands Straferla� hielten, um so besser.</p><p>Sie verhielt Wildrose am Rande des Platzes vor dem K�niglichen Palast und tupfte ihr Gesicht sorgf�ltig mit einem spitzenges�umten Taschentuch ab, das sie dann wieder in ihren Umhang�rmel steckte. Nur wenige Menschen sprenkelten das gro�e Oval, vielleicht weil Aiel die ge�ffneten Tore des Palastes bewachten. Weitere Aiel standen auf Marmorbalkonen oder streiften wie Leoparden durch hohe S�uleng�nge. Der Wei�e L�we von Andor wehte �ber der h�chsten Palastkuppel im Wind. Eine weitere karmesinrote Flagge flatterte auf einer der ein wenig tiefer gelegenen Dachspitzen und wurde durch die Brise gerade weit genug ausgebreitet, da� das uralte schwarzwei�e Symbol der Aes Sedai erkennbar war.</p><p>Diese Aiel bewirkten, da� sie froh war, das Angebot zweier Beh�ter als Eskorte abgelehnt zu haben. Nun, es war eigentlich kein Angebot gewesen, und sie hatte abgelehnt, indem sie eine Stunde vor der angegebenen Zeit auf der Uhr auf dem Kaminsims des Gasthauses davongeschlichen war. Merana stammte aus Caemlyn, und als sie vor der D�mmerung angekommen waren, hatte sie Min geradewegs zu dem, wie sie sagte, vornehmsten Gasthaus in der Neustadt gef�hrt.</p><p>Jedoch waren nicht die Aiel der Grund, warum Min dort war. Nicht ganz, obwohl sie alle m�glichen Arten schrecklicher Geschichten �ber schwarz verschleierte Aiel geh�rt hatte. Ihre Jacke und Hose waren aus der feinsten, weichsten Wolle, die in Salidar zu finden war, in einem hellen Rotton mit winzigen blauwei�en aufgestickten Blumen an den Aufschl�gen und an der Au�enseite der Hosenbeine. Ihr Hemd war ebenfalls wie das eines Mannes geschnitten, aber es war aus cremefarbener Seide. In Baerlon hatten ihre Tanten nach dem Tod ihres Vaters versucht, sie zu einer, wie sie es nannten, richtigen, anst�ndigen Frau zu machen, obwohl ihre Tante Miren vielleicht begriffen hatte, da� es, nachdem sie zehn Jahre lang in Jungenkleidung herumgelaufen war, vielleicht zu sp�t war, sie in Kleider zu stecken. Sie hatten es dennoch versucht, und sie hatte sich genauso eigensinnig gewehrt, wie sie sich geweigert hatte, n�hen zu lernen. Abgesehen von jener ungl�ckseligen Episode im <emphasis>Bergarbeiters Ruh</emphasis> � einem rauhen Ort, an dem sie aber nicht lange geblieben war; Rana, Jan <emphasis>und</emphasis> Miren hatten energisch daf�r gesorgt, als sie es herausfanden, und es war dabei unwichtig, da� sie damals bereits zwanzig Jahre alt gewesen war �, abgesehen von diesem einen Mal hatte sie niemals freiwillig ein Kleid getragen. Jetzt dachte sie, da� sie sich vielleicht eines anstatt dieser Jacke und Hose h�tte anfertigen lassen sollen. Ein Seidengewand mit engem Leibchen und tief ausgeschnitten und...</p><p><emphasis>Er wird mich so nehmen m�ssen, wie ich bin,</emphasis> dachte sie und ri� ver�rgert an den Z�geln. <emphasis>Ich werde mich f�r keinen Mann �ndern.</emphasis> Nur w�re ihre Kleidung vor noch gar nicht allzu langer Zeit so einfach wie die eines Bauern gewesen, und ihr Haar h�tte nicht gelockt bis fast auf die Schultern gereicht. Eine leise Stimme fl�sterte: <emphasis>Du wirst so sein wollen, wie er dich haben will.</emphasis> Sie wehrte das genauso ab, wie sie stets jeden Stallburschen abgewehrt hatte, der anz�glich werden wollte, und trieb Wildrose kaum sanfter an. Sie ha�te allein schon den Gedanken, da� Frauen schwach sein k�nnten, wenn es um M�nner ging. Sie w�rde jetzt sehr bald herausfinden, wie es sich wirklich verhielt.</p><p>Sie stieg vor den Palasttoren ab, t�tschelte die Stute, um ihr zu zeigen, da� sie sie nicht hatte treten wollen, und be�ugte unbehaglich die Aiel. Die H�lfte von ihnen waren Frauen, alle au�er einer erheblich gr��er als sie. Die meisten M�nner ragten in die H�he wie Rand, und einige sogar noch h�her. Jedermann beobachtete sie � nun, sie schienen alles zu beobachten, aber sie ganz entschieden auch � und sie sah niemanden blinzeln. Mit diesen Speeren und Schilden, den Bogen auf ihren R�cken und K�chern an den H�ften und den schweren Messern waren sie bereit zu t�ten. Diese schwarzen Stoffstreifen, die bis auf ihre Brust reichten, mu�ten die Schleier sein. Sie hatte geh�rt, da� Aiel niemanden t�teten, ohne ihr Gesicht zu verh�llen. <emphasis>Hoffentlich stimmt das.</emphasis></p><p>Sie sprach die kleinste der Frauen an. Ihr gebr�untes, wie aus Holz geschnitzt wirkendes Gesicht wurde von hellrotem Haar umrahmt, das genauso kurz geschnitten war wie Mins, aber sie war ein wenig kleiner als diese. �Ich bin gekommen, um Rand al'Thor zu sehen�, sagte Min. �Den Wiedergeborenen Drachen.� Blinzelte niemand von ihnen jemals? �Mein Name ist Min. Er kennt mich, und ich habe eine wichtige Nachricht f�r ihn.�</p><p>Die rothaarige Frau wandte sich zu den anderen Aiel um und gestikulierte heftig mit der freien Hand. Die anderen Frauen lachten, als sie sich wieder umwandte. �Ich werde Euch zu ihm bringen, Min. Aber wenn er Euch nicht kennt, werdet Ihr weitaus schneller wieder hinausgelangen, als Ihr hineingekommen seid.� Einige der Aielfrauen lachten auch dar�ber. �Ich bin Enaila.�</p><p>�Er kennt mich�, sagte Min err�tend. Sie trug in den Jacken�rmeln zwei Messer bei sich, deren Handhabung Thom Merrilin ihr beigebracht hatte, aber sie hatte das Gef�hl, als k�nnte diese Frau sie ihr fortnehmen und sie damit h�uten. �ber Enailas Kopf flammte ein Bild auf und verschwand wieder. Eine Art Kranz. Min hatte keine Ahnung, was das bedeutete. �Soll ich mein Pferd auch mit hineinnehmen? Ich glaube nicht, da� Rand es sehen will.� Zu ihrer �berraschung kicherten einige der Aiel, M�nner und Frauen, und Enaila verzog die Lippen, als wollte sie ebenfalls kichern.</p><p>Ein Mann kam heran, um ihr Wildrose abzunehmen � Min hielt ihn, trotz der gesenkten Augen und des wei�en Gewandes, auch f�r einen Aiel �, und sie folgte Enaila durch die Tore, �ber einen weiten Hof und dann in den Palast selbst. Sie war ein wenig erleichtert, als sie Diener in rotwei�er Livree durch die von Wandteppichen ges�umten G�nge eilen sah, die die ebenfalls umhergehenden Aiel wachsam be�ugten, aber nicht anders, als sie einen merkw�rdigen Hund be�ugen w�rden. Sie hatte schon geglaubt, sie w�rde in dem Palast nur Aiel und Rand in ihrer Mitte vorfinden, der vielleicht Umhang und Hose in allen Schattierungen von Braun und Grau und Gr�n trug, und sie ansah, ohne zu blinzeln.</p><p>Enaila blieb vor hohen, breiten T�ren stehen, die mit L�wenschnitzereien versehen und ge�ffnet waren, und machte den wachhabenden Aiel schnell ein Zeichen. Es waren alles Frauen. Eine flachshaarige Frau, die erheblich gr��er war als die meisten M�nner, vollf�hrte ebenfalls Handzeichen. �Wartet hier�, befahl Enaila und ging hinein.</p><p>Min tat einen Schritt hinter ihr her, aber die flachshaarige Frau hielt ihr wie zuf�llig einen Speer in den Weg. Oder vielleicht auch nicht zuf�llig, aber das k�mmerte Min nicht. Sie konnte Rand sehen.</p><p>Er sa� in einem roten, �ppig mit Gold bestickten Umhang auf einem gro�en goldverzierten Thron, der vollkommen aus Drachen gestaltet zu sein schien, und hielt eine mit gr�nen und wei�en Quasten geschm�ckte Speerspitze in der Hand. Ein weiterer Thron stand auf einem hohen Podest hinter ihm, ebenfalls goldverziert, aber mit einem in wei�en Edelsteinen auf rotem Grund gestalteten L�wen. Der L�wenthron, wie die Ger�chte besagten. In diesem Moment h�tte er ihretwegen auch einen Schemel benutzen k�nnen. Er wirkte m�de. Er war so eindrucksvoll, da� ihr Herz schmerzte. Bilder tanzten best�ndig um ihn. Bei Aes Sedai und Beh�tern versuchte sie dieser Flut zu entgehen. Sie erkannte bei ihnen nicht h�ufiger, was sie bedeuteten, als bei irgend jemand anderem, aber sie waren <emphasis>st�ndig</emphasis> da. Bei Rand mu�te sie sich zwingen, sie zu betrachten, weil sie ihm sonst st�ndig ins Gesicht gestarrt h�tte. Eines dieser Bilder hatte sie jedes Mal vor Augen, wenn sie ihn gesehen hatte. Unz�hlige Tausende funkelnder Lichter, wie Sterne oder Gl�hw�rmchen, rauschten in eine gro�e Schw�rze und versuchten sie auszuf�llen, rauschten hinein und wurden verschluckt. Es schien jetzt mehr Lichter zu geben, als sie jemals zuvor gesehen hatte, aber die Dunkelheit verschluckte sie auch in gr��erer Anzahl. Und da war noch <emphasis>etwas,</emphasis> etwas Neues, eine gelbe und braune und purpurfarbene Aura, die ihr Magenkr�mpfe verursachte.</p><p>Sie versuchte, die ihm gegen�berstehenden Adligen zu erkennen � sicherlich waren sie mit all diesen edel bestickten Umh�ngen und �ppigen Seidengew�ndern Adlige �, aber es war nichts zu erkennen. So war es die meiste Zeit bei den meisten Menschen, und wenn sie etwas erkannte, hatte sie nur allzu h�ufig keine Ahnung, was es bedeutete. Dennoch verengte sie ihre Augen und strengte sich an. Wenn sie nur ein Bild erkennen w�rde, eine Aura, k�nnte es ihm vielleicht helfen. Den Geschichten nach, die sie geh�rt hatte, seit sie Andor betreten hatte, konnte er alle Hilfe gebrauchen, die er finden konnte.</p><p>Schlie�lich gab sie es mit einem tiefen Seufzen auf. Zu blinzeln und sich anzustrengen, n�tzte nichts, es sei denn, es gab von vornherein etwas zu sehen.</p><p>Pl�tzlich bemerkte sie, da� sich die Adligen zur�ckzogen. Rand war aufgestanden, und Enaila winkte ihr zu und bedeutete ihr einzutreten. Rand l�chelte. Min dachte, das Herz w�rde ihr aus der Brust springen. So f�hlte es sich also f�r all jene Frauen an, �ber die sie gelacht hatte, die sich zu F��en eines Mannes warfen. Nein. Sie war kein n�rrisches M�dchen. Sie war �lter als er. Sie hatte ihren ersten Ku� schon bekommen, als er noch glaubte, da� das gr��te Vergn�gen auf der Welt darin bestand, aus der Aufgabe des Schafeh�tens auszubrechen. Sie... <emphasis>Licht, bitte, la� meine Knie nicht nachgeben.</emphasis></p><p>Rand legte das Drachenszepter achtlos auf den Platz, auf dem er gesessen hatte, sprang mit einem Satz vom Podest und eilte die Gro�e Halle entlang. Sobald er Min erreicht hatte, ergriff er sie unter den Armen und schwang sie im Kreis durch die Luft, bevor Dyelin und die anderen gegangen waren. Einige der Adligen starrten ihn an, aber es k�mmerte ihn nicht. �Licht, Min, es tut gut, dich zu sehen�, sagte er lachend. Das war erheblich besser als Dyelins oder Elloriens versteinerte Gesichter. Aber wenn Aemlyn und Arathelle und Pelivar und Luan und alle anderen jeden Tag ihrer Freude dar�ber Ausdruck verliehen h�tten, da� sich Elayne auf dem Weg nach Caemlyn befand, anstatt ihn zweifelnd oder mit einem Blick, mit dem man einen L�gner bedachte, anzusehen, w�re er genauso �bergl�cklich gewesen, Min zu sehen.</p><p>Als er sie wieder auf den Boden stellte, sank sie an seine Brust, umfa�te seine Arme und atmete schwer. �Es tut mir leid�, sagte er. �Ich wollte nicht, da� dir schwindelig wird. Es ist nur so, da� ich wirklich froh bin, dich zu sehen.�</p><p>�Nun, mir ist schwindelig, du wollk�pfiger Schafhirte�, murmelte sie an seiner Brust. Dann trat sie zur�ck und sah ihn unter langen Wimpern hervor an. �Ich habe einen sehr langen Ritt hinter mir. Ich bin mitten in der Nacht angekommen, und du wirbelst mich herum wie einen Sack Hafer. Hast du niemals Manieren gelernt?�</p><p>�Wollkopf�, sagte er leise lachend. �Min, du kannst mich einen L�gner nennen, aber ich habe es tats�chlich vermi�t, nicht mehr diese Bezeichnung zu h�ren.� Sie bezeichnete ihn jetzt als gar nichts mehr. Sie sah ihn nur an, und das Funkeln war vollkommen vergangen. Ihre Wimpern schienen l�nger, als er sie in Erinnerung hatte.</p><p>Als ihm bewu�t wurde, wo sie sich befanden, nahm er ihre Hand. Ein Thronraum war kein geeigneter Ort, um alten Freunden zu begegnen. �Komm mit, Min. Wir k�nnen in meinem Wohnraum einen Becher gew�rzten Wein nehmen. Somara, ich gehe in meine R�ume. Ihr k�nnt alle fortschicken.�</p><p>Somara schien nicht gl�cklich dar�ber, aber sie entlie� alle T�chter des Speers bis auf Enaila. Somara und Enaila wirkten ein wenig verdrie�lich, was er nicht verstand. Er hatte Somara zun�chst erlaubt, so viele T�chter des Speers im Palast zu versammeln, weil Cyelin und die anderen kamen. Bashere befand sich aus demselben Grund in seinem Reiterlager n�rdlich der Stadt. Die T�chter des Speers als Erinnerung, Bashere, weil es zu viele Erinnerungen geben konnte. Er hoffte, da� die beiden T�chter des Speers nicht vorhatten, ihn zu bemuttern. Sie wechselten sich im �berma� als seine W�chter ab, wie ihm schien, aber Nandera war genauso unnachgiebig, wie Sulin es gewesen war, als er bestimmt hatte, wer im einzelnen was tun sollte. Er konnte <emphasis>Far Dareis Mai</emphasis> befehligen, aber er war keine Tochter des Speers, so da� ihn das andere nichts anging.</p><p>Min betrachtete die Wandteppiche, w�hrend er sie an der Hand den Gang entlangf�hrte. Sie bemerkte kostbare Truhen und Tische, goldene Schalen und in Nischen hohe Vasen aus Meervolk-Porzellan. Sie begutachtete Enaila und Somara drei Mal von Kopf bis Fu�. Aber sie sah Rand weder an, noch richtete sie ein Wort an ihn. Seine Hand umschlang ihre, und er konnte den rasenden Puls an ihrem Handgelenk sp�ren. Er hoffte, da� sie nicht wirklich ver�rgert dar�ber war, da� er sie herumgewirbelt hatte.</p><p>Zu seiner gro�en Erleichterung nahmen Somara und Enaila ihre Pl�tze zu beiden Seiten seiner T�r ein, obwohl sie ihn fragend ansahen, als er um gew�rzten Wein bat und er seinen Wunsch noch einmal wiederholen mu�te. Im Wohnraum zog er den Umhang aus und warf ihn �ber einen Stuhl. �Setz dich, Min. Setz dich. Ruh dich aus und entspanne dich. Der Wein wird gleich kommen. Du mu�t mir alles erz�hlen. Wo du gewesen bist, wie du hierhergelangt bist, warum du in der Nacht angekommen bist. Es ist nicht ungef�hrlich, nachts zu reisen, Min. Jetzt weniger denn je. Ich werde dir die sch�nsten R�ume im Palast � nun, die zweitsch�nsten, da dies die sch�nsten sind � und eine Aiel-Eskorte zuweisen, die dich �berall hinbringen kann. Und wehe dem, der dir nicht aus dem Weg geht.�</p><p>W�hrend sie dort an der T�r stand, dachte sie einen Moment, sie m��te lachen, aber statt dessen atmete sie tief ein und nahm einen Brief aus ihrer Tasche. �Ich kann dir nicht sagen, wo ich hergekommen bin �ich habe es versprochen, Rand �, aber Elayne befindet sich dort, und...�</p><p>�Salidar�, sagte er und l�chelte dar�ber, da� sich ihre Augen weiteten. �Ich wei� ein paar Dinge, Min. Vielleicht mehr, als manche Menschen glauben.�</p><p>�Ich ... merke, da� du das tust�, sagte sie schwach. Sie �bergab ihm den Brief und trat dann wieder zur�ck. Ihre Stimme klang wieder fester, als sie hinzuf�gte: �Ich habe geschworen, da� ich ihn dir sofort �bergeben w�rde. Also lies ihn schon.�</p><p>Er erkannte das Siegel, eine Lilie in dunkelgelbem Wachs, und er erkannte bei seinem Namen Elaynes fl�ssige Handschrift und z�gerte, bevor er den Brief �ffnete. Klare Br�che waren das beste, und er hatte einen solchen Bruch vollzogen, aber da er den Brief in H�nden hielt, konnte er nicht umhin. Er las ihn, setzte sich dann auf seinen Umhang und las ihn erneut. Er war sehr kurz gehalten.</p><p><emphasis>Rand,</emphasis></p><p><emphasis>ich habe Dir meine Gef�hle erkl�rt. Du sollst wissen, da� sie sich nicht ge�ndert haben. Ich hoffe, da� Du f�r mich empfindest, was ich f�r Dich empfinde. Min kann Dir helfen, wenn Du ihr nur zuh�ren willst. Ich liebe sie wie eine Schwester und hoffe, da� Du sie genauso liebst wie ich.</emphasis></p><p><emphasis>Elayne Ihr mu�te die Tinte ausgegangen sein, denn die letzten Zeilen waren eilig dahingekritzelt und nicht mehr so zierlich geschrieben wie der Anfang. Min hatte sich herangestohlen und den Kopf gedreht und versucht, den Brief zu lesen, ohne da� es zu offensichtlich wurde, aber als er sich schlie�lich erhob, um den Umhang unter sich hervorzuziehen �das</emphasis><emphasis>Angreal</emphasis> in Form eines fetten kleinen Mannes steckte in der Tasche �, hastete sie wieder r�ckw�rts. �Versuchen Frauen <emphasis>alle,</emphasis> einen Mann in den Wahnsinn zu treiben?� murrte er. �Was!�</p><p>Er starrte auf den Brief, w�hrend er halbwegs zu sich selbst sprach. �Elayne ist so sch�n, da� ich sie ansehen mu�, aber die H�lfte der Zeit wei� ich nicht, ob sie will, da� ich sie k�sse oder da� ich mich vor ihr hinknie. Um die Wahrheit zu sagen, wollte ich mich manchmal vor ihr hinknien ... um sie anzubeten, das Licht helfe mir. Sie schreibt, ich w��te, wie sie empfindet. Sie hat mir schon vorher zwei Briefe geschickt, einer voller Liebesbezeugungen und der andere mit dem Inhalt, da� sie mich niemals Wiedersehen wollte. Wie oft habe ich dagesessen und mir gew�nscht, der erste w�re die Wahrheit und der zweite ein Scherz oder Versehen oder... Und Aviendha. Sie ist auch wundersch�n, aber jeder Tag mit ihr war ein Kampf. Von ihr bekomme ich keine K�sse mehr, und sie l��t keinen Zweifel dar�ber, wie sie mir gegen�ber empfindet. Sie war sogar gl�cklicher dar�ber, von mir fortzukommen, als ich dar�ber, sie gehen zu sehen. Aber ich erwarte sie zu sehen, wenn ich mich umdrehe, und wenn sie nicht da ist, ist es, als fehle in mir etwas. Ich vermisse den Kampf tats�chlich, und es gibt Momente, in denen ich mich bei dem Gedanken ertappe, da� es �Dinge gibt, die des K�mpfens wert sind�.� Etwas an Mins Schweigen lie� ihn aufschauen. Sie sah ihn so ausdruckslos an wie eine Aes Sedai.</p><p>�Hat dir niemand jemals beigebracht, da� es unh�flich ist, einer Frau gegen�ber von einer anderen Frau zu sprechen?� Ihre Stimme klang vollkommen tonlos. �Und noch viel weniger von zwei Frauen.�</p><p>�Min, du bist eine Freundin�, protestierte er. �Ich sehe dich nicht als Frau an.� Es war falsch, das zu sagen. Er wu�te es, sobald er es ausgesprochen hatte.</p><p>�So?� Sie schlug ihren Umhang zur�ck und stemmte die H�nde in die H�ften. Es war nicht die nur zu vertraute ver�rgerte Pose. Ihre Handgelenke waren gedreht, so da� die Finger nach oben zeigten, und das machte es irgendwie anders. Sie stand mit einem gebeugten Knie da, und das... Er sah sie zum ersten Mal wirklich. Nicht einfach Min, sondern so, wie sie aussah. Nicht in der �blichen einfachen braunen Jacke und Hose, sondern in Hellrot und mit Stickereien an der Kleidung. Nicht mit dem �blichen grobgeschnittenen Haar, das kaum ihre Ohren bedeckte, sondern mit Locken, die bis in den Nacken reichten. �Sehe ich wie ein Junge aus?�</p><p>�Min, ich... �</p><p>�Sehe ich wie ein Mann aus? Oder wie ein Pferd?� Sie erreichte ihn mit einem schnellen Schritt und setzte sich auf seinen Scho�.</p><p>�Min�, keuchte er erschrocken, �was tust du?�</p><p>�Dich davon �berzeugen, da� ich eine Frau bin, Wollkopf. Sehe ich nicht wie eine Frau aus? Rieche ich nicht wie eine Frau?� Sie duftete schwach nach Blumen, jetzt, wo er es bemerkte. �F�hle ich mich nicht...? Nun, genug davon. Beantwortet die Frage, Schafhirte.�</p><p>Es waren die Worte �Schafhirte� und �Wollkopf�, die ihn beruhigten. Die Wahrheit war, da� sie sich auf seinem Scho� bemerkenswert gut anf�hlte. Aber sie war Min, die ihn f�r einen unvern�nftigen Jungen vom Lande mit Heu im Haar hielt. �Licht, Min, ich wei�, da� du eine Frau bist. Ich wollte dich nicht beleidigen. Und du bist auch eine Freundin. Ich f�hle mich einfach in deiner Gesellschaft wohl. Bei dir ist es egal, wenn ich mich zum Narren mache. Ich kann dir Dinge sagen, die ich niemandem sonst sagen w�rde, nicht einmal Mat oder Perrin. Wenn ich mit dir zusammen bin, l�st sich alles. Ich sp�re die Angespanntheit meiner Schultern nicht einmal mehr, bis sie vergeht. Verstehst du, Min? Ich mag es, mit dir zusammenzusein. Ich habe dich vermi�t.�</p><p>Sie kreuzte die Arme und sah ihn stirnrunzelnd von der Seite an. Ihre Beine zuckten. Wenn ihr Fu� den Boden erreicht h�tte, h�tte sie aufgestampft. �Alles das �ber Elayne. Und diese ... Aviendha? Wer ist sie �brigens? Mir scheint, da� du sie beide liebst. Oh, h�r auf, herumzuzappeln. Du schuldest mir einige Antworten. Zu sagen, ich w�re nicht... Antworte mir einfach: Liebst du sie beide?�</p><p>�Vielleicht tue ich das�, sagte er z�gernd. �Das Licht helfe mir, ich glaube, vielleicht tue ich das. Macht mich das zum W�stling, Min, oder nur zu einem begierigen Narren?� Sie �ffnete den Mund und schlo� ihn wieder. Sie warf �rgerlich den Kopf zur�ck und pre�te die Lippen zusammen. Er fuhr eilig fort, bevor sie ihm sagen konnte, welches von beidem ihrer Meinung nach zutraf. Er wollte es nicht wirklich von ihr h�ren. �Es ist jetzt ohnehin nicht noch wichtig. Es ist vorbei. Ich habe Aviendha fortgeschickt, und ich werde sie nicht zur�ckkommen lassen. Ich werde zu ihr und Elayne eine Meile Abstand halten, oder wenn m�glich zehn Meilen.�</p><p>�Bei der Liebe von...! Warum, Rand? Was gibt dir das Recht, eine solche Wahl f�r sie zu treffen?�</p><p>�Min, verstehst du nicht? Ich bin ein Ziel. Jede Frau, die ich liebe, wird auch zum Ziel. Selbst wenn der Pfeil mir gilt, k�nnte er auch sie treffen. Er k�nnte sogar auf sie abgezielt sein.� Er atmete ger�uschvoll aus und lehnte sich zur�ck, die Arme auf die mit Rosenschnitzereien versehenen Armlehnen des Sessels gest�tzt. Sie drehte sich ein wenig und betrachtete ihn mit dem ernstesten Gesichtsausdruck, den er jemals bei ihr gesehen hatte. Min l�chelte stets und war immer ein wenig belustigt �ber alles. Aber jetzt war sie nicht belustigt.</p><p>Er selbst war auch vollkommen ernst. �Lan hat mir gesagt, er und ich seien uns in mancherlei Weise �hnlich, und das stimmt. Er sagte, es g�be M�nner, die Tod ausstrahlen. Er selbst. Ich. Wenn sich ein solcher Mann verliebt, ist das gr��te Geschenk, das er machen kann, so viel Entfernung zwischen sich und die Geliebte zu legen wie m�glich. Das verstehst du doch, oder?�</p><p>�Ich verstehe nur...� Sie schwieg einen Moment. �Nun gut. Ich bin deine Freundin, und ich bin froh, da� du dir dessen bewu�t bist, aber glaube ja nicht, da� ich aufgeben werde. Ich werde dich davon �berzeugen, da� ich kein Mann und kein Pferd bin.�</p><p>�Min, ich sagte, ich...�</p><p>�O nein, Schafhirte. Nicht deutlich genug.� Sie wand sich derart auf seinem Scho�, da� er sich r�uspern mu�te, und setzte dann einen Finger auf seine Brust. �Ich will Tr�nen in deinen Augen sehen, wenn du es sagst. Ich will Speichel an deinem Kinn sehen und ein Stottern in deiner Stimme h�ren. Du mu�t nicht denken, da� ich dich nicht bezahlen lassen wollte.�</p><p>Rand konnte nicht umhin zu lachen. �Min, es tut wirklich gut, dich hierzuhaben. Du siehst nur einen Jungen aus den Zwei Fl�ssen mit schmutzigen F��en in mir.�</p><p>Ihre Stimmung ver�nderte sich blitzartig. �Ich sehe dich, Rand�, sagte sie seltsam ruhig. �Ich sehe dich.� Sie r�usperte sich, zupfte ihre Kleidung geziert zurecht und legte die H�nde auf die Knie. Wenn sie �berhaupt geziert sitzen konnte. �Ich kann also genausogut mit dem fortfahren, weshalb ich gekommen bin. Offensichtlich wei�t du von Salidar. Das wird einiges Stirnrunzeln bewirken, das kann ich dir versprechen. Was du wahrscheinlich nicht wei�t, ist, da� ich nicht allein hier bin. Eine Abordnung aus Salidar ist nach Caemlyn gekommen, um dich aufzusuchen.�</p><p>Lews Therin murrte, ein entferntes Grollen. Die Erw�hnung von Aes Sedai regte ihn seit Alanna und der Verbindung stets auf, wenn auch nicht so sehr wie Taims N�he.</p><p>Rand mu�te, trotz Lews Therins Grollen, beinahe l�cheln. Er hatte das vermutet, seit Min ihm den Brief von Elayne ausgeh�ndigt hatte. Die Best�tigung glich fast einem Beweis daf�r, da� sie �ngstlich waren, wie er es sich schon gedacht hatte. Was sonst konnten sie sein � Aufr�hrer, die dazu getrieben wurden, sich am Rande der Wei�m�ntel-Macht zu verbergen? Und sehr wahrscheinlich wollten sie auch wissen, wie sie in die Wei�e Burg zur�ckkriechen konnten, um fingern�gelkauend dar�ber nachzudenken, wie sie Elaidas Gunst zur�ckerlangen k�nnten. Nach dem, was er �ber Elaida wu�te, hatten sie wenig Grund zur Hoffnung, und das mu�ten sie noch besser wissen als er. Wenn sie eine Abordnung zum Wiedergeborenen Drachen gesandt hatten, zu einem Mann, der die Macht lenken konnte, mu�ten sie �beraus bereit sein, seinen Schutz anzunehmen. Das sah Elaida nicht �hnlich, die offensichtlich glaubte, er w�re k�uflich und k�nnte wahrscheinlich wie ein Singspatz in einem Weidenk�fig gehalten werden. Egwenes unklare Versprechen, da� Aes Sedai ihn unterst�tzen w�rden, standen vor ihrer Erf�llung.</p><p>�Wer ist mit dir gekommen?� fragte er. �Vielleicht kenne ich sie.� Es stimmte, da� er keine anderen Aes Sedai au�er Moiraine kannte, die tot war, aber er war zumindest einigen anderen begegnet. Wenn sie eine jener war, w�rde es vielleicht noch etwas schwieriger. Damals war er wirklich Mins Junge vom Lande gewesen, der bereitwillig zur�ckzuckte, wenn eine Aes Sedai ihn ansah.</p><p>�Es ist nicht nur eine, Rand. Tats�chlich sind es neun.� Er zuckte zusammen, und sie fuhr eilig fort: �Es ist als Ehrenbezeugung gedacht, Rand. Die dreifache Anzahl derer, die sie zu K�nigen oder K�niginnen senden. Merana � sie leitet die Gruppe und geh�rt der Grauen Ajah an � wird heute nachmittag allein herkommen, und es wird dir jeweils nicht mehr als eine Aes Sedai nahekommen, es sei denn, du f�hlst dich in Gegenwart mehrerer wohl. Sie haben sich in der <emphasis>Rosenkrone</emphasis> in der Neustadt Zimmer genommen. Sie haben es mit all den Beh�tern und Dienern so gut wie �bernommen. Merana hat mich vorausgeschickt weil ich dich kenne, um ihnen den Weg zu ebnen. Sie wollen dir nicht schaden, Rand, Dessen bin ich mir sicher.�</p><p>�Eine Vision, Min, oder deine Meinung?� Es erschien ihm seltsam, eine solch ernste Unterhaltung mit einer Frau zu f�hren, die auf seinem Scho� sa�, aber es war immerhin Min. Das machte einen Unterschied. Er mu�te sich nur daran erinnern.</p><p>�Meine Meinung�, gab sie widerwillig zu. �Rand, ich habe jede einzelne von ihnen jeden Tag beobachtet, den ganzen langen Weg von Salidar bis hierher. Wenn sie dir irgendwie schaden wollten, h�tte ich etwas bemerken m�ssen. Ich kann nicht glauben, da� sich in dieser Zeit nichts gezeigt h�tte.� Sie regte sich und sah ihn mit einem besorgten Blick an, der schnell zu einem Ausdruck bestimmter Entschlossenheit wurde. �Ich k�nnte dir eigentlich auch noch etwas anderes erz�hlen, wenn ich schon dabei bin. Ich habe im Thronraum eine Aura um dich herum gesehen. Aes Sedai werden dich verletzen. Und Frauen, die die Macht lenken k�nnen, ohnehin. Alles war wirr. Ich bin, was die Aes Sedai betrifft, nicht sicher. Aber es k�nnte mehr als einmal geschehen. Ich glaube, deshalb schien alles durcheinander.� Er betrachtete sie schweigend, und sie l�chelte. �Das mag ich an dir, Rand. Du akzeptierst, was ich tun und was ich nicht tun kann. Du fragst mich nicht, ob ich sicher bin oder wann es geschehen wird. Du fragst niemals nach mehr, als ich wei�.�</p><p>�Nun, ich werde eines fragen, Min. Kannst du sicher sein, da� diese Aes Sedai in deiner Vision nicht die Aes Sedai sind, mit denen du hergekommen bist?�</p><p>�Nein�, sagte sie schlicht. Das war eines der Dinge, die er an <emphasis>ihr</emphasis> mochte: Sie versuchte niemals auszuweichen.</p><p><emphasis>Ich mu� vorsichtig sein,</emphasis> fl�sterte Lews Therin eindringlich. <emphasis>Sogar diese erst halbwegs ausgebildeten M�dchen k�nnen zu neunt gef�hrlich sein. Ich mu�...</emphasis></p><p><emphasis>Ich mu�,</emphasis> dachte Rand bestimmt. Lews Therin wirkte einen Moment verwirrt und floh dann in seinen umschatteten Schlupfwinkel zur�ck. Er tat dies jetzt stets, wenn Rand zu ihm sprach. Das einzige Problem bestand darin, da� Lews Therin mehr zu sehen und zu h�ren schien als er und demgem�� zu handeln beabsichtigte. Es hatte einen weiteren Zwischenfall gegeben, wo er <emphasis>Saidin</emphasis> zu ergreifen versuchte, aber Rand war jetzt vorsichtig. Der Mann wollte Rands Geist und K�rper f�r sich, obwohl sie Rand geh�rten, und wenn es ihm nur einmal gel�nge, die Kontrolle zu erlangen, war Rand sich nicht sicher, da� es nicht so k�me, da� Lews Therin Telamon umherging und sprach, w�hrend Rand al'Thor nur eine Stimme in seinem Kopf war.</p><p>�Rand�, sagte Min �ngstlich, �sieh mich nicht so an. Ich bin auf deiner Seite, wenn es dazu kommt, da� ich Partei ergreifen mu�. Es k�nnte vielleicht soweit kommen. Sie denken, da� ich ihnen erz�hlen werde, was du sagst. Aber das werde ich nicht tun, Rand. Sie wollen lediglich wissen, wie sie mit dir umgehen sollen, was sie von dir zu erwarten haben, aber ich werde ihnen nicht ein Wort sagen, wenn du es nicht willst, und wenn du mich bittest zu l�gen, werde ich es tun. Sie wissen nichts von meinen Visionen. Sie geh�ren dir, Rand. Du wei�t, da� ich alle, einschlie�lich Merana und den anderen, ergr�nden werde.�</p><p>Er bem�hte sich, nicht grimmig dreinzuschauen und seine Stimme sanft zu halten. �Beruhige dich, Min. Ich wei�, da� du auf meiner Seite bist.� Das war die einfache Wahrheit. Wenn er Min mi�traute, w�re das, als w�rde er sich selbst mi�trauen. Lews Therin war im Moment unter Kontrolle. Es war an der Zeit, auch diese Merana und ihre Abordnung unter Kontrolle zu bekommen. �Sage ihnen, da� sie jeweils zu dritt kommen k�nnen.� Das hatte ihm Lews Therin in Cairhien geraten: nicht mehr als drei auf einmal. Der Mann glaubte offenbar, er k�nnte drei Aes Sedai bezwingen. Er schien �beraus wenig von jenen zu halten, die sich jetzt Aes Sedai nannten. Aber was in Cairhien eine Beschr�nkung gewesen war, war hier anders. Merana wollte, da� er ruhig und bes�nftigt war, bevor ihm auch nur eine Aes Sedai nahekam. Sollten sie sich �ber die Einladung, zu dritt zu kommen, wundern und dar�ber nachdenken, was es bedeuten k�nnte. �Abgesehen davon darf ohne meine Erlaubnis keine von ihnen die Innere Stadt betreten. Und sie d�rfen in meiner N�he keinen Versuch unternehmen, die Macht zu lenken. Sage ihnen das, Min. Ich werde es sofort erkennen, wenn sie die Quelle anr�hren, und ich werde nicht erfreut sein. Sage ihnen das.�</p><p>�Sie werden auch nicht sehr erfreut sein, Schafhirte�, erwiderte sie trocken. �Aber ich werde es ihnen mitteilen.�</p><p>Ein Krachen lie� Rand ruckartig den Kopf wenden.</p><p>Sulin stand in ihrem rotwei�en Gewand direkt hinter der T�r, und ihr Gesicht war derart ger�tet, da� die Narbe auf ihrer Wange noch heller hervorstach als gew�hnlich. Ihr wei�es Haar war gewachsen, seit sie die Livree trug, aber es war noch immer k�rzer als das Haar jeder anderen Dienerin. Frau Harfor hatte es zu einer dichten Lockenkappe gestalten lassen. Sulin ha�te das. Zu ihren F��en lag ein silbernes, mit einem Goldrand versehenes Tablett, und vergoldete Zinnbecher lagen daneben. Der Weinkrug drehte sich gerade ein letztes Mal, als Rand hinsah, und richtete sich dann wundersamerweise auf, obwohl genausoviel gew�rzter Wein auf das Tablett und den Teppich gelaufen zu sein schien, wie sich noch in dem Krug befinden konnte.</p><p>Min war schon halbwegs aufgestanden, als er sie um die Taille fa�te und wieder hinabzog. Zeit genug und noch mehr Zeit, sie f�r sich zu gewinnen, jetzt wo er mit Aviendha auseinander war, und Min w�rde bereitwillig helfen. Tats�chlich lehnte sie sich nach einem Moment des Widerstands gegen ihn und legte den Kopf an seine Brust.</p><p>�Sulin�, sagte er, �eine gute Dienerin wirft nicht mit Tabletts umher. Hebt es jetzt auf und erf�llt Eure Aufgabe.� Sie sah ihn finster, aber wortlos an.</p><p>Es war fast brillant gewesen, wie er sie ihrem <emphasis>Toh</emphasis> hatte gegen�bertreten lassen, w�hrend er gleichzeitig zumindest einen Teil seiner Verpflichtung ihr gegen�ber losgeworden war. Sulin k�mmerte sich jetzt um die R�ume und bediente ihn. Sie ha�te es nat�rlich, besonders weil er sie jeden Tag dabei beobachtete, aber sie mu�te nicht mehr den R�cken kr�mmen, um im ganzen Palast die B�den zu schrubben oder endlose Str�me schwerer Wassereimer f�r die W�sche heranzuschleppen. Er vermutete, da� es ihr lieber gewesen w�re, wenn jede Aiel diesseits der Drachenmauer ihre Schande gesehen h�tte, als ihn Zeuge dessen werden zu lassen, aber er hatte ihr die Arbeit und damit auch sein Gewissen dadurch erheblich erleichtert, und wenn sie, weil sie f�r ihn arbeiten mu�te, der Meinung war, ihr <emphasis>Toh</emphasis> sei fr�her erledigt, dann war es auch gut. Sulin geh�rte in einen <emphasis>Cadin'sor,</emphasis> mit einem Speer in der Hand, nicht in eine Livree und Bettw�sche faltend.</p><p>Sie hob das Tablett auf, stolzierte durch den Raum und stellte es hart auf einen Tisch mit Elfenbeinintarsien. Als sie sich wieder abwenden wollte, sagte er: �Dies ist Min, Sulin. Sie ist meine Freundin. Sie kennt sich mit der Aiel-Art nicht aus, und ich w�rde es �belnehmen, wenn ihr Schlechtes widerf�hre.� Es war ihm gerade in den Sinn gekommen, da� die T�chter des Speers vielleicht ihre eigene Ansicht dar�ber hatten, da� er Aviendha fortgeschickt hatte und eine andere Frau im Arm hielt, kaum da� sie gegangen war. �Tats�chlich w�rde ich es pers�nlich nehmen, wenn sie Schaden erlitte.�</p><p>�Warum sollte jemand au�er Aviendha dieser Frau Schaden zuf�gen wollen?� fragte Sulin grimmig. �Sie hat zuviel Zeit mit Tr�umen von Euch verbracht und nicht genug Zeit, Euch zu lehren, was Ihr wissen solltet.� Sie erschauderte und f�gte grollend hinzu: �Mein Lord Dache.� Er glaubte, es sei nicht f�r ihn bestimmt gewesen. Sie fiel bei ihrem Hofknicks beinahe zwei Mal hin, bevor sie wieder aufrecht stand, und schlug dann die T�r beim Hinausgehen fest zu.</p><p>Min wandte den Kopf und sah zu ihm hoch. �Ich glaube nicht, da� ich jemals eine Dienerin wie... Rand, ich glaube, sie h�tte dich erdolcht, wenn sie ein Messer gehabt h�tte.�</p><p>�Sie h�tte mich vielleicht getreten�, lachte er, �aber niemals erdolcht. Sie glaubt, ich sei ihr lange vermi�ter Bruder.� Mins Augen tr�bten sich verwirrt. Er konnte hundert Fragen darin aufsteigen sehen. �Das ist eine lange Geschichte. Ich werde sie dir ein anderes Mal erz�hlen.� Einen Teil davon w�rde er ihr erz�hlen. Niemand w�rde jemals erfahren, was er von Enaila und Somara und ein paar anderen ertragen mu�te. Nun, die T�chter des Speers wu�ten es bereits alle, aber niemand sonst.</p><p>Melaine trat auf Aiel-Art ein, was bedeutete, da� sie ihren Kopf durch die T�r streckte, sich umsah und dann ihren restlichen K�rper folgen lie�. Er hatte noch nicht herausgefunden, was eine Aiel zu dem Entschlu� bringen k�nnte, nicht hereinzukommen. H�uptlinge, Weise Frauen und T�chter des Speers waren sogar zu ihm hereinspaziert, wenn er unschicklich bekleidet, im Bett oder im Bad gewesen war. Die sonnenhaarige Weise Frau trat n�her, setzte sich einige Schritte von ihm entfernt mit gekreuzten Beinen und klingenden Armb�ndern auf den Teppich und richtete sorgf�ltig ihre R�cke. Gr�ne Augen betrachteten Min unbeteiligt.</p><p>Dieses Mal versuchte Min nicht aufzustehen. Tats�chlich war er sich nach der <emphasis>Art,</emphasis> wie sie an ihm lehnte, den Kopf auf seine Brust gepre�t und langsam atmend, nicht sicher, da� sie nicht eingeschlafen war. Sie hatte immerhin gesagt da� sie Caemlyn erst in der Nacht erreicht hatte. Pl�tzlich wurde er sich bewu�t, da� seine Hand noch auf ihrer Taille lag, und er legte sie statt dessen auf die Armlehne. Sie seufzte fast bedauernd und schmiegte sich an ihn. Sie war zweifellos fast eingeschlafen.</p><p>�Ich habe Neuigkeiten�, sagte Melaine, �und ich vermag nicht zu sagen, welche die wichtigste ist. Egwene hat die Zelte verlassen. Sie zieht zu einem Ort namens Salidar, wo sich Aes Sedai befinden. Es sind Aes Sedai, die Euch vielleicht unterst�tzen werden. Wir haben Euch auf ihre Bitte hin nicht eher dar�ber unterrichtet, aber jetzt teile ich Euch mit, da� sie eigensinnig, undiszipliniert, streits�chtig und jenseits aller Vernunft von sich eingenommen sind.� Sie hatte die letzten Worte erregt ausgesto�en und den Kopf vorgereckt.</p><p>Also hatte eine der Traumg�ngerinnen in Melaines Tr�umen mit ihr gesprochen. Das war in etwa alles, was er �ber die F�higkeiten der Traumg�nger wu�te, und obwohl es h�tte n�tzlich sein k�nnen, waren sie selten gewillt, ihm ihre F�higkeiten zur Verf�gung zu stellen. Ungew�hnlich war die Aussage, da� sie eigensinnig und �hnliches seien. Die meisten Aiel benahmen sich, als glaubten sie, Aes Sedai k�nnten sie schlagen, und da sie glaubten, sie h�tten es verdient, wenn es geschah, nahmen sie den Schlag klaglos hin. Sogar Weise Frauen sprachen, wenn �berhaupt, nur respektvoll �ber Aes Sedai. Einige Dinge hatten sich offensichtlich ver�ndert. Aber er sagte nur: �Ich wei�.� Wenn Melaine die Absicht hatte, ihm den Grund f�r die Ver�nderung zu nennen, w�rde sie es tun, und wenn sie es nicht tat, w�rde fragen auch nichts n�tzen. �Von Egwene, und auch von Salidar. Gerade jetzt halten sich neun Aes Sedai in Caemlyn auf. Min kam mit ihnen her.� Min regte sich an seiner Brust und murmelte etwas. Lews Therin grollte erneut, aber zu leise, um seine Worte verstehen zu k�nnen, und Rand war froh dar�ber. Min f�hlte sich ... gut. Sie w�re sehr verletzt, wenn sie es w��te. Andererseits w�rde sie vielleicht auch lachen, wenn man ihr Versprechen bedachte, ihn zahlen zu lassen. Vielleicht. Sie konnte manchmal sehr unberechenbar sein.</p><p>Melaine �berraschte sein Wissen nicht. Sie richtete nicht einmal ihre Stola. Seit sie Bael geheiratet hatte, schien sie � �ruhiger� war nicht ganz das richtige Wort; es war f�r Melaine viel zu milde � weniger reizbar geworden zu sein. �Das war meine zweite Neuigkeit. Ihr m��t Euch vor ihnen in acht nehmen, Rand al'Thor, und eine feste Hand walten lassen. Sie werden nichts anderes respektieren.� Es hatte sich ganz entschieden etwas ver�ndert.</p><p>�Ihr werdet zwei T�chter haben�, murmelte Min. �Zwillinge wie Spiegelbilder.�</p><p>Wenn Melaine zuvor nicht �berrascht war, holte sie es jetzt nach. Ihre Augen weiteten sich, und sie schrak so heftig zusammen, da� es sie fast vom Boden hob. �Wie konntet Ihr...?� begann sie ungl�ubig, hielt dann inne und fa�te sich wieder. Aber dann fuhr sie mit atemloser Stimme fort: �Ich war bis heute selbst noch nicht sicher, ob ich schwanger bin. Wie konntet Ihr das wissen?�</p><p>Min richtete sich auf und sah Rand mit einem Blick an, den er nur zu gut kannte. Es war aus irgendeinem Grund seine Schuld, obwohl auch sie nicht v�llig ohne Fehler war, wenn es auch nur kleine waren. Sie machte sich an ihrem Umhang zu schaffen und sah �berall hin, au�er zu Melaine, und als ihr Blick wieder auf ihn fiel, wirkte er anders. Er hatte sie in diese Lage gebracht. Jetzt war es an ihm, ihr wieder herauszuhelfen.</p><p>�Es ist in Ordnung, Min�, sagte er. �Sie ist eine Weise Frau und wei� vermutlich Dinge, die dir die Haare zu Berge stehen lassen w�rden. Ich bin sicher, da� sie versprechen wird, dein Geheimnis zu wahren, und du kannst ihrem Versprechen trauen.� Melaine verhaspelte sich fast bei ihrem eiligen Versprechen.</p><p>Rand wurde ein weiterer dieser gewissen Blicke zugedacht, bevor sich Min neben Melaine setzte. Vielleicht war es ein vorwurfsvoller Blick gewesen, aber wie <emphasis>sollte</emphasis> er sie, ihrer Meinung nach, aus dieser Lage befreien? Melaine w�rde es nicht vergessen, weil er sie darum bat, aber sie w�rde ein Versprechen halten und ein Geheimnis wahren. Sie hatte gen�gend Geheimnisse von ihm gewahrt.</p><p>Min begann, wenn auch widerwillig, eine weitaus umfangreichere Erkl�rung abzugeben, als sie ihm jemals eine gew�hrt hatte, wobei vielleicht die best�ndigen Fragen und die ver�nderte Haltung der anderen Frau halfen. Es war, als h�tte Melaine das Gef�hl, da� Mins F�higkeit sie ihr in gewisser Weise gleichstellte, so da� sie gar keine Feuchtl�nderin mehr war.</p><p>�Es ist bemerkenswert�, sagte Melaine schlie�lich. �Als w�rde man einen Traum deuten, ohne zu tr�umen. Zwei, sagt Ihr? Und beides M�dchen? Bael wird sich sehr freuen. Dorindha hat ihm drei S�hne geschenkt, aber wir wissen beide, da� er gern eine Tochter h�tte.� Min blinzelte und sch�ttelte den Kopf. Nat�rlich � sie konnte nichts von Schwester-Frauen wissen.</p><p>Von diesem Ausgangspunkt kamen die beiden Frauen schnell zum Thema Geburt selbst. Keine hatte jemals ein Kind geboren, aber beide hatten schon Hebammen geholfen.</p><p>Rand r�usperte sich ger�uschvoll. Es war nicht so, da� ihn die Einzelheiten gest�rt h�tten. Er hatte bei Schafen, Stuten und K�hen bei der Geburt geholfen. Es �rgerte ihn nur, da� sie dasa�en und die K�pfe zusammensteckten, als g�be es ihn gar nicht mehr. Keine der Frauen sah sich um, bis er sich erneut und ausreichend laut r�usperte, da� er sich fragte, ob er sich eine Zerrung zugezogen hatte.</p><p>Melaine beugte sich n�her zu Min und sprach in einem Fl�sterton, den man noch im n�chsten Raum h�tte h�ren k�nnen. �M�nner fallen dabei immer in Ohnmacht.�</p><p>�Und immer zum ung�nstigsten Zeitpunkt�, stimmte Min ihr im gleichen Tonfall zu.</p><p>Was w�rden sie denken, wenn sie Mat in der Scheune seines Vaters gesehen h�tten � bis zu den Schultern mit Blut und Geburtsfl�ssigkeit verschmiert und mit drei gebrochenen Rippen, weil die Stute ihn getreten hatte, da sie noch niemals zuvor geboren hatte und ver�ngstigt war? Ein h�bsches Fohlen war es gewesen, und beim n�chsten Mal hatte die Stute nicht mehr ausgekeilt.</p><p>�Bevor ich ohnm�chtig werde�, bemerkte er trocken, w�hrend er sich zu ihnen auf den Teppich setzte, �k�nnte mir eine von Euch etwas mehr �ber die Aes Sedai berichten?� Er w�re schon fr�her aufgestanden oder h�tte sich zu Melaine auf den Teppich gesetzt, wenn sein Scho� nicht besetzt gewesen w�re. Unter den Aiel besa�en nur H�uptlinge St�hle, und der Stuhl eines H�uptlings wurde nur bei der Verk�ndung von Urteilen oder bei der Unterwerfung eines Feindes benutzt.</p><p>Beide Frauen f�hlten sich ausreichend ger�gt. Keine sagte etwas, aber sie zupften ausf�hrlich an ihren Stolen, richteten ihre Umh�nge und mieden seinen Blick. Alles das verging, als sie dann erneut sprachen. Min hielt beharrlich an ihrer Meinung fest, da� die Aes Sedai aus Salidar Rand nicht schaden wollten, sondern ihm vielleicht sogar helfen w�rden, wenn man es richtig anging, was voraussetzte, da� sie ihm in jeder Hinsicht alles berichtete, was sie h�rte. �Ich werde nicht zur Verr�terin, versteht Ihr, Melaine? Ich kannte Rand schon vor jeder Aes Sedai, au�er Moiraine nat�rlich, und die Wahrheit ist, da� er sich meiner Treue schon seit lange vor ihrem Tode gewi� sein kann.�</p><p>Melaine hielt Min nicht f�r eine Verr�terin, ganz im Gegenteil, und schien nur um so besser �ber sie zu denken. Weise Frauen hatten ihre eigene Version der Aiel-Ansicht �ber Spione. Aber sie meinte, da� man Aes Sedai � mit betr�chtlichen Ausnahmen � genauso weit wie Shaido trauen konnte, was bedeutete, nicht eher, als bis sie gefangengenommen und zu <emphasis>Gai'shain</emphasis> gemacht worden waren. Sie schlug nicht wirklich vor, die Aes Sedai in der <emphasis>Rosenkrone</emphasis> gefangenzunehmen, aber es kam dem nahe. �Wie k�nnt Ihr ihnen trauen, Rand al'Thor? Ich glaube, sie haben keine Ehre, au�er Egwene al'Vere, und sie...� Melaine r�ckte erneut ihre Stola zurecht. �Wenn eine Aes Sedai mir zeigt, da� sie soviel Ehre wie Egwene besitzt, werde ich ihr vertrauen, und nicht eher.�</p><p>Rand h�rte mehr zu, als da� er sprach, sagte nicht mehr als ungef�hr ein Dutzend Worte und lernte eine ganze Menge. Indem sie Melarnes Einw�nde konterte, ging Min die Namen der Abordnung einen nach dem anderen durch, z�hlte auf, welche Frau was �ber die Unterst�tzung Rands gesagt hatte, und gab wahrhaftig zu, da� eigentlich nicht alles zum besten stand. Merana Ambrey und Kairen Stang, eine Blaue, waren beide Andoraner, und auch wenn Aes Sedai vermutlich aller Treue entsagten � au�er der zur Wei�en Burg, vielleicht weil sie von der Burg ferngehalten wurden �, machte es sie besorgt, da� Rand in Caemlyn sa� und vielleicht Morgase get�tet hatte. Rafela Cindal, ebenfalls eine Blaue, w�re �ber die Ver�nderungen vielleicht erfreut gewesen, die Rand in Tear durchlaufen hatte, wo das Lenken der Macht einst verp�nt gewesen war und ein M�dchen, das dies lernen konnte, aus dem Land gejagt wurde, aber sie sagte nur wenig. Und Morgase gab Min ebenfalls Anla� zur Sorge. Seonid Traighan, eine Gr�ne, gr�belte �ber jedes Ger�cht ihrer heimischen Cairhiener nach und behielt ihre Meinung f�r sich, und Faeldrin Harella, die zweite Gr�ne Schwester, verglich die Greueltaten der Drachenverschworenen in Altara und Murandy manchmal mit dem, was die Drachenverschworenen in Tarabon getan hatten, wo sie sich sogar geweigert hatten, �ber die Tatsache zu reden, da� der B�rgerkrieg ihr Land schon zerrissen hatte, bevor sich dort der erste Mann dem Drachen verschworen hatte. Gleichg�ltig, wie sehr Melaine jedoch dr�ngte � Min beharrte darauf, da� alle diese Aes Sedai Rand als Wiedergeborenen Drachen anerkannten und sie w�hrend der ganzen Reise von Salidar hierher sehr vorsichtig befragt hatten, wie er sei und wie man sich ihm am besten ann�hern k�nnte, ohne ihn zu kr�nken oder zu �ngstigen.</p><p>Rand brummte bei diesen Worten � da� sie sich darum sorgten, ihn �ngstigen zu k�nnen �, und Melaine vertrat beharrlich die Meinung, da� man, wenn die meisten Frauen der Abordnung so viel Grund hatten, gegen Rand zu sein, der Abordnung als Ganzes sicherlich nicht einmal soweit trauen konnte, sie Dung f�rs Feuer holen zu lassen. Min ersparte ihm einen entschuldigenden Gesichtsausdruck, indem sie eilig fortfuhr. Arad Doman hatte von den Drachenverschworenen genauso viel gesehen wie von Tarabon, und auch von seinem B�rgerkrieg, aber Demira Eriff von der Braunen Ajah sprach tats�chlich nur von zwei Dingen: davon, Rand zu begegnen, und von dem Ger�cht, da� er in Cairhien eine Schule gegr�ndet habe. Niemand, der eine Schule gr�ndete, konnte in Demiras Augen ganz schlecht sein. Berenicia Morsad, eine Gelbe Schwester aus Shienar, hatte von Shienarern in Salidar geh�rt, Rand sei in Fal Dara von dem gro�en Lordhauptmann Agelmar Jagad empfangen worden, eine Ehrender sie erhebliches Gewicht beizumessen schien.</p><p>Lord Agelmar h�tte wohl kaum einen Schurken, einen Narren oder einen Schuft empfangen. Und f�r Masuri Sokawa wog es fast ebenso schwer. Sie war eine Braune aus Arafel, was an Shienar angrenzte. Und schlie�lich war da noch Valinde Nathenos, die laut Min eine f�r die Wei�e Ajah untypische Ungeduld zeigte, da� Rand Sammael aus Illian vertreiben sollte. Wenn das versprochen wurde oder nur der Versuch gemacht wurde, es zu versprechen, w�re Min nicht �berrascht, Valinde Rand gegen�ber einen Treueschwur leisten zu h�ren. Melaine �u�erte Unglauben und rollte sogar mit den Augen. Sie hatte noch niemals eine Aes Sedai mit soviel Verstand erlebt, eine Haltung, die Rand �beraus �berraschte, wenn man bedachte, da� sie ihm wahrscheinlich ins Gesicht lachen w�rde, wenn er sie zu einem solchen Schwur aufforderte. Min blieb jedoch dabei, da� es wahr sei, was auch immer die andere Frau sagte.</p><p>�Ich werde ihnen soviel Respekt wie m�glich erweisen, ohne mich hinknien zu m�ssen�, sagte Rand zu Min, als sie schlie�lich geendet hatte. Und an Melaine gewandt f�gte er hinzu: �Und bis sie einen Beweis f�r ihre guten Absichten liefern, werde ich ihnen kein Jota trauen.� Er glaubte, das m�sse sie beide zufriedenstellen, da beide bekamen, was sie gewollt hatten, aber dem jeweiligen Stirnrunzeln nach zu urteilen, war dem doch nicht so.</p><p>Nach all der Streiterei erwartete er halbwegs, da� sie einander an die Kehle gehen w�rden, aber anscheinend hatten Melaines Schwangerschaft und Mins Visionen einen Bund gekn�pft. Als sich die Frauen erhoben, l�chelten sie und umarmten sich, und Melaine sagte: �Ich h�tte nicht geglaubt, da� ich Euch m�gen w�rde, Min, aber ich mag Euch, und ich werde eines der M�dchen nach Euch benennen, weil Ihr zuerst von ihr wu�tet. Ich mu� es Bael erz�hlen, damit er nicht eifers�chtig darauf wird, da� Rand al'Thor es vor ihm erfahren hat. M�get Ihr stets Wasser und Schatten finden, Min.� Und an Rand gewandt f�gte sie hinzu: �Beobachtet diese Aes Sedai genau, Rand al'Thor, und gew�hrt Min Euren Schutz, wenn sie ihn ben�tigt. Sie werden ihr Schaden zuf�gen, wenn sie erfahren, da� sie Euch verschworen ist.� Sie ging genauso, wie sie gekommen war.</p><p>Er war wieder mit Min allein, was ihm jetzt aus irgendeinem Grund unangenehm war.</p></section><section><title><p>42</p><p>Die Schwarze Burg</p></title><p>Rand und Min standen da, sahen einander an und regten sich nicht, bis er schlie�lich sagte: �M�chtest du mit mir zum Gut hinauskommen?�</p><p>Sie schrak beim Klang seiner Stimme zusammen. �Zum Gut?�</p><p>�Eigentlich ist es eher eine Schule. F�r die M�nner, die wegen des Straferlasses kommen.�</p><p>Min erbla�te. �Nein, ich glaube nicht... Merana wird erwarten, von mir zu h�ren. Und ich sollte sie deine Regeln so bald wie m�glich wissen lassen. Jede Aes Sedai k�nnte unwissentlich die Innere Stadt betreten, und du w�rdest nicht wollen... Ich mu� wirklich gehen.�</p><p>Er verstand es nicht. Sie hatte Angst vor den Sch�lern, ohne auch nur einem von ihnen jemals begegnet zu sein, M�nner, die die Macht lenken konnten, M�nner, die die Macht lenken wollten. Bei jedem anderen w�re es verst�ndlich, aber auch er konnte die Macht lenken, und sie war bereit, ihm das Haar zu zausen, ihn in die Rippen zu knuffen und ihn offen mit allen m�glichen Bezeichnungen zu belegen. �M�chtest du auf dem Weg zur�ck zur <emphasis>Rosenkrone</emphasis> eine Eskorte haben? Hier treiben wahrhaftig sogar bei Tage Stra�enr�uber ihr Unwesen. Nicht viele, aber ich m�chte nicht, da� dir etwas zust��t.�</p><p>Sie lachte ein wenig unsicher. Die Geschichte mit dem Gut regte sie wirklich auf. �Ich habe schon selbst auf mich aufgepa�t, als du noch Schafe geh�tet hast, Bauernjunge.� Pl�tzlich hatte sie in jeder Hand ein Messer. Ein Aufblitzen, und sie wurden wieder in die �rmel geschoben, wenn auch nicht ganz so glatt, wie sie herausgelangt waren. Sie sagte, jetzt in weitaus n�chternerem Tonfall: �Du mu�t auf dich aufpassen, Rand. Ruh dich aus. Du siehst m�de aus.� Sie stellte sich �berraschenderweise auf die Zehenspitzen, reckte den Kopf und k��te ihn fl�chtig auf die Lippen. �Es hat gutgetan, dich zu sehen, Schafhirte.� Und mit einem weiteren, dieses Mal frohen Lachen verlie� sie den Raum.</p><p>Rand zog, vor sich hin murmelnd, seinen Umhang wieder an und ging ins Schlafzimmer, um sein Schwert aus dem Schrank zu holen, ein dunkler, mit geschnitzten Rosen verzierter Schrank, der ausreichend hoch und breit war, um die Kleidung von vier M�nnern aufzunehmen. Er entwickelte sich wirklich zu einem eitlen Pfau. Min hatte ihren Spa� daran. Er fragte sich, wie lange sie ihn nur wegen eines Versprechers noch aufziehen wollte.</p><p>Ein angemessen gro�er Stoffbeutel, der klimperte, als er ihn aus einer Kommode mit Lapislazuli-Einlegearbeiten unter seinen Socken hervornahm, wanderte in die Tasche seines Umhangs, und ein viel kleinerer Samtbeutel wanderte auf sein <emphasis>Angreal</emphasis> hinterher. Der Silberschmied, der den Inhalt des gr��eren Beutels gestaltet hatte, war �beraus gl�cklich gewesen, f�r den Wiedergeborenen Drachen arbeiten zu d�rfen, und wollte aus Ehrgr�nden jegliche Bezahlung ablehnen. Der Goldschmied, der das Einzelst�ck in dem anderen Beutel angefertigt hatte, hatte vier Mal nachgefragt, welchen Wert Bashere der Arbeit zuma�, und zwei T�chter des Speers hatten bei ihm gewartet, bis es gekl�rt war.</p><p>Rand hatte bereits seit einiger Zeit erwogen, diese Reise zum Gut zu unternehmen. Er mochte Taim nicht, und Lews Therin w�rde sich wegen ihm wieder aufregen, aber er konnte den Ort nicht st�ndig meiden. Besonders jetzt nicht. Soweit er wu�te, hatte Taim seine Aufgabe, die Sch�ler aus der Stadt fernzuhalten, gut erf�llt � zumindest hatte Rand nichts von Zwischenf�llen geh�rt �, aber die Neuigkeiten von Merana und der Abordnung w�rden vielleicht bis zum Gut durchdringen, und so wie sich Ger�chte verbreiteten, w�rden aus den neun Aes Sedai neun Rote Schwestern oder neunzig J�ger werden, die bes�nftigt werden m��ten. Einerlei, ob das Ergebnis w�re, da� Sch�ler bei Nacht davonliefen oder Sch�ler nach Caemlyn kamen, um den ersten Schlag zu f�hren � er mu�te es rechtzeitig verhindern.</p><p>Es gab in Caemlyn schon jetzt zu viele Ger�chte, ein weiterer Grund, warum er fortzugehen plante. Alanna und Verin und die Zwei-Fl�sse-M�dchen befanden sich dem Gerede auf den Stra�en zufolge schon halbwegs in der Burg, und auch viele andere Geschichten �ber Aes Sedai schlichen sich in die Stadt, schlichen bei Nacht durch die Tore. Eine Geschichte einer Aes Sedai, die streunende Katzen heilte, war so weit verbreitet, da� er sie schon fast selbst glaubte, aber alle Bem�hungen Basheres, den Ursprung der Geschichte herauszubekommen, f�rderte genauso viel Wahres zutage wie die Geschichte, da� zwei Frauen, die den Wiedergeborenen Drachen �berallhin begleiteten, in Wahrheit verkleidete Aes Sedai seien.</p><p>Rand wandte sich unbewu�t um und schaute auf den Fries wei�er L�wen- und Rosenreliefs an der Wand, blickte durch ihn hindurch. Alanna war nicht mehr in Culain's Hund. Sie war gereizt. W�re sie keine Aes Sedai gewesen, h�tte er gesagt, ihre Nerven seien zum Zerrei�en gespannt. In der letzten Nacht war er einmal aufgewacht und sicher gewesen, da� sie weinte. Das Gef�hl war sehr stark gewesen. Manchmal merkte er, da� er ihre Anwesenheit fast verga� �, bis etwas geschah, wie zum Beispiel, da� sie ihn weckte. Er vermutete, da� man sich wirklich an alles gew�hnen konnte.</p><p>Heute morgen war Alanna auch ... eifrig gewesen. Eifrig schien die beste Bezeichnung. Er h�tte ganz Caemlyn verwettet, da� der auslotende Blick von seinen zu ihren Augen geradewegs zur <emphasis>Rosenkrone</emphasis> verlief. Er w�rde ebenfalls darauf wetten, da� Verin bei ihr war. Nicht neun Aes Sedai. Elf.</p><p>Lews Therin murmelte unbehaglich etwas. Es klang nach einem Mann, der sich fragte, ob er mit dem R�cken zur Wand stand. Rand fragte sich das auch.</p><p>Elf, und dreizehn k�nnten ihn so leicht gefangennehmen, wie sie ein Kind hochheben konnten. Wenn er ihnen die Gelegenheit dazu gab. Lews Therin begann leise zu lachen, eine rauhe, trauernde Art zu lachen. Er wurde vertrieben.</p><p>Rand dachte einen Moment �ber Somara und Enaila nach und er�ffnete dann unmittelbar �ber dem in Blau und Gold gemusterten Teppich in seinem Schlafzimmer ein Tor. So m�rrisch, wie sie heute morgen waren, w�rde sicherlich eine von ihnen etwas ausplaudern, bevor die Reise zum Gut vollbracht war, und wenn er sich an seine fr�heren Besuche erinnerte, wollte er nicht, da� sich die Sch�ler aus Angst vor ungef�hr zwanzig T�chtern des Speers st�ndig umsahen. Diese Art Dinge trugen wenig zum Vertrauen eines Mannes bei, und sie brauchten Vertrauen, wenn sie �berleben sollten.</p><p>Taim hatte in einem Punkt recht: Wenn ein Mann <emphasis>Saidin</emphasis> festhielt, wu�te er, da� er lebte, und es bedeutete mehr als nur eine Verst�rkung der Sinne. Trotz des Makels des Dunklen, trotz des Gef�hls, da� schmieriger Abfall die Knochen beschmutzte, wenn die Macht einen schmelzen wollte, wo man gerade stand, einen erstarren lassen wollte, bis man zersprang, wenn ein falscher Schritt oder ein Moment der Schw�che den Tod bedeutete � Licht, man wu�te, da� man lebte. Dennoch schob er die Quelle beiseite, sobald er das Tor durchschritten hatte, und das nicht nur, um sich von dem Makel zu befreien, bevor sich sein Magen entleerte. Es schien schlimmer denn je, noch absto�ender, wenn das �berhaupt m�glich war. Sein wahrer Grund, die Macht abzulegen, war, da� er glaubte, nicht wagen zu k�nnen, Taim mit <emphasis>Saidin</emphasis> in seinem K�rper und Lews Therin in seinem Kopf entgegenzutreten.</p><p>Die Lichtung war brauner, als er sie in Erinnerung hatte, mehr Laub knackte unter seinen Stiefeln, und weniger Laub war an den B�umen zu sehen. Einige der Pinien waren vollkommen gelb, und eine Anzahl Lederb�ume stand leblos, grau und kahl da. Aber wenn sich die Lichtung schon ver�ndert hatte, dann hatte sich das Gut so sehr ver�ndert, da� es fast nicht wiederzuerkennen war.</p><p>Das Gutshaus schien mit dem neuen Strohdach in weitaus besserem Zustand, und die Scheune war offensichtlich vollkommen neu aufgebaut worden. Sie war viel gr��er als vorher und �berhaupt nicht mehr schief. Pferde standen in einem gro�en Pferch neben der Scheune, und die Pferche der K�he und Schafe waren weiter entfernt errichtet worden. Die Ziegen waren jetzt ebenfalls eingepfercht, und saubere Reihen Ausl�ufe beherbergten die H�hner. Der Wald war weiter abgeholzt worden. Mehr als ein Dutzend l�ngliche wei�e Zelte bildeten jenseits der Scheune eine Reihe, und daneben standen die Ger�ste zweier Geb�ude, die viel gr��er w�rden als das Gutshaus und vor denen eine Gruppe n�hender Frauen sa�, die mit dem Ball und mit Puppen spielende Kinder beaufsichtigten. Aber die gr��te Ver�nderung waren die Sch�ler, die meisten in eng anliegenden schwarzen Jacken mit hohen Kragen, von denen nur wenige schwitzten. Es mu�ten weit �ber hundert in allen Altersstufen sein. Rand hatte nicht geahnt, da� Taims Erhebungsreisen so erfolgreich gewesen waren. Das Gef�hl von <emphasis>Saidar</emphasis> schien die Luft zu erf�llen. Einige M�nner �bten Gewebe, setzten Baumst�mpfe in Brand, zerschmetterten Steine oder fingen einander mit Luftstr�ngen ein. Andere lenkten die Macht, um Wasser heranzuschleppen oder um Dungkarren aus der Scheune zu schieben oder Feuerholz aufzuschichten. Nicht alle lenkten die Macht Henre Haslin beaufsichtigte eine Reihe M�nner mit nacktem Oberk�rper, die den Schwertkampf �bten. Henre mit der knolligen roten Nase besa� nur noch einen Kranz Haare und schwitzte mehr als seine Sch�ler und w�nschte sich zweifellos seinen Wein herbei, aber er beobachtete und verbesserte genauso streng, als w�re er der Schwertmeister der Garde der K�nigin. Saeric, ein grauhaariger Rotwasser Goshien, dem die rechte Hand fehlte, beaufsichtigte mit strengem Blick zwei Reihen M�nner mit ebenfalls nackten Oberk�rpern. Einer der M�nner trat in Kopfh�he zu, drehte sich und trat erneut zu, drehte sich wieder und trat dann mit dem anderen Fu� zu und dann das Ganze noch einmal. Die anderen boxten, so schnell sie konnten, vor sich in die Luft. Alles in allem war dieser Anblick weit von der j�mmerlichen Handvoll M�nner entfernt, die Rand beim letzten Mal gesehen hatte.</p><p>Ein Mann in einer schwarzen Jacke, der bald sein mittleres Lebensalter erreicht haben w�rde, pflanzte sich vor Rand auf. Er hatte eine scharf geschnittene Nase und einen h�hnisch verzogenen Mund. �Und wer seid Ihr?� fragte er mit Taraboner Akzent. �Ihr seid vermutlich zum Lernen zur Schwarzen Burg gekommen? Ihr h�ttet in Caemlyn auf den Wagen warten sollen, der Euch hergebracht h�tte, und das Stadtleben noch einen Tag l�nger genie�en k�nnen.�</p><p>�Ich bin Rand al'Thor�, sagte Rand ruhig und leise, damit kein Zornausbruch erfolgte. H�flichkeit kostete nichts, und wenn dieser Narr nicht bald beschlo�, es ebenso zu sehen...</p><p>Aber der h�hnische Ausdruck verst�rkte sich noch. �Also seid Ihr es, hm?� Er betrachtete Rand unversch�mt von oben bis unten. �Ihr wirkt auf mich nicht so gro�artig. Ich glaube, ich k�nnte selbst...� Ein Luftstrang verdichtete sich, unmittelbar bevor er ihn unter dem Ohr erwischte und er zusammensackte.</p><p>�Manchmal brauchen wir strenge Disziplin�, sagte Taim, der sich �ber den auf dem Boden liegenden Mann stellte. Seine Stimme klang fast fr�hlich, aber seine dunklen, schr�gstehenden Augen funkelten den Mann todbringend an, den er niedergeschlagen hatte. �Ihr k�nnt einem Mann nicht sagen, da� er die Macht hat, die Erde zu ersch�ttern, und dann von ihm erwarten, bescheiden zu sein.� Die Drachen, welche die �rmel seines schwarzen Gewandes zierten, gl�nzten im Sonnenlicht. Goldf�den bewirkten dies bei einem der Drachen �, aber was lie� den blauen Drachen so gl�nzen? Er hob j�h die Stimme. �Kisman! Rochaid! Bringt Tolvar fort und taucht ihn ins Wasser, bis er wieder zu sich kommt. Aber keine Heilung. Kopfschmerzen werden ihn vielleicht lehren, seine Zunge im Zaum zu halten.�</p><p>Zwei M�nner in schwarzen Umh�ngen, die j�nger als Rand waren, eilten herbei, beugten sich �ber Tolvar, z�gerten dann und schauten zu Taim. Kurz darauf sp�rte Rand, wie <emphasis>Saidar</emphasis> sie erf�llte. Luftstr�nge hoben den leblosen Tolvar an, und die beiden trotteten mit seinem schwebenden K�rper zwischen sich davon.</p><p><emphasis>Ich h�tte ihn schon vor langer Zeit t�ten sollen,</emphasis> schnaubte Lews Therin. <emphasis>Ich h�tte es tun sollen... Ich h�tte...</emphasis> Etwas streckte sich nach der Quelle aus.</p><p><emphasis>Nein, verdammt!</emphasis> dachte Rand. <emphasis>Nein, das tust du nicht! Du bist nur eine verdammte Stimme!</emphasis> Lews Therin floh mit verklingendem Jammern.</p><p>Rand atmete langsam ein. Taim sah ihn mit diesem Fast-L�cheln an. �Ihr lehrt sie zu heilen?�</p><p>�Zun�chst nur das wenige, was ich selbst wei�. Und noch bevor ich sie lehre, sich in dieser Hitze nicht zu Tode zu schwitzen. Eine Waffe verliert ihren Nutzen, wenn sie bei der ersten Verletzung abgelegt wird.</p><p>Tats�chlich habe ich zugelassen, da� ein Mann sich selbst t�tete, als er sich zu tief ausstreckte, und drei weitere brannten sich aus, aber es ist noch niemand im Schwertkampf umgekommen.� Es gelang ihm, das Wort �Schwert� sehr ver�chtlich klingen zu lassen.</p><p>�Ich verstehe�, sagte Rand nur. Einer tot und drei ausgebrannt. Verloren die Aes Sedai in der Burg auch so viele? Aber andererseits gingen sie langsamer vor. Sie konnten es sich leisten, langsamer vorzugehen. �Was ist diese Schwarze Burg, von der dieser Bursche gesprochen hat? Mir gef�llt der Klang dieses Namens nicht, Taim.� Lews Therin murrte und klagte erneut, sagte aber noch nichts.</p><p>Der hakennasige Mann zuckte die Achseln und lie� seinen Blick mit Besitzerstolz �ber den Hof und die Sch�ler gleiten. �Ein Name, den die Sch�ler benutzen. Man konnte dies nicht einfach weiterhin nur �das Gut� nennen. Sie hatten wohl das Gef�hl, das sei nicht richtig. Sie wollten mehr. Die Schwarze Burg als Gegenst�ck zur Wei�en Burg.� Er neigte den Kopf und sah Rand von der Seite an. �Ich kann dem Einhalt gebieten, wenn Ihr es w�nscht. Man kann einem Mann leicht verbieten, bestimmte Worte nicht mehr zu sagen.�</p><p>Rand z�gerte. Man konnte ihnen vielleicht verbieten, diese Worte nicht mehr zu sagen, aber man konnte sie nicht aus ihren K�pfen verbannen. Die Schule mu�te einen Namen haben. Er hatte nicht daran gedacht. Warum nicht <emphasis>Schwarze Burg?</emphasis> Als er jedoch das Gutshaus und die Ger�ste � gr��er, aber nur aus Holz � betrachtete, mu�te er �ber den Namen l�cheln. �La�t ihn bestehen.� Vielleicht hatte die Wei�e Burg genauso bescheiden angefangen. Nicht da� die Schwarze Burg jemals Zeit haben w�rde, zu einer Konkurrenz f�r die Wei�e Burg anzuwachsen. Rands L�cheln verbla�te, und er betrachtete die Kinder traurig. Er betrog sich genauso sehr wie sie, gab vor, es best�nde eine Chance, etwas Best�ndiges aufzubauen. �Versammelt die Sch�ler, Taim. Ich habe ihnen einiges zu sagen.�</p><p>Er war in der Erwartung gekommen, sie um sich zu scharen, aber als er dann ihre Anzahl gesehen hatte, hatte er �berlegt, von der Plattform des klapprigen Wagens aus zu sprechen, der jetzt aber anscheinend verschwunden war. Taim besa� jedoch ein Rednerpodest, ein einfacher schwarzer Steinblock, der so glatt poliert war, da� er im Sonnenlicht wie ein Spiegel schimmerte und in dessen R�ckseite zwei Stufen geschnitten waren. Er stand auf freiem Gel�nde jenseits des Gutshauses. Der den Block umgebende Boden war flach und festgetreten. Die Frauen und Kinder versammelten sich auf einer Seite, um ihn zu sehen und ihm zuzuh�ren.</p><p>Von dem Block aus konnte Rand erkennen, wie weit Taims Erhebungsreise ihn gef�hrt haben mu�te. Jahar Narishma, den Taim besonders erw�hnt hatte, der junge Mann mit dem Talent, hatte m�dchenhaft gro�e dunkle Augen, ein blasses vertrauensvolles Gesicht und trug das Haar in zwei langen Z�pfen mit Silberglocken an den Enden. Taim hatte gesagt, er stamme aus Arafel. Rand erkannte bei einem anderen Mann den rasierten Kopf und das Haarb�schel eines Shienarers. Zwei M�nner trugen durchscheinende Schleier, die in Tarabon h�ufig von M�nnern und Frauen gleicherma�en getragen wurden. Er sah die schr�gstehenden Augen aus Saldaea und hellh�utige, kleine Burschen aus Cairhien. Ein alter Mann trug einen ge�lten und fast in der f�r einen tairenischen Lord typischen Art geschnittenen Bart, und nicht weniger als drei M�nner trugen Barte, bei denen die Oberlippe freiblieb. Er hoffte, da� Taim nicht Sammaels Interesse erweckt hatte, indem er Illianer eingezogen hatte. Er hatte haupts�chlich j�ngere M�nner erwartet, aber frische Gesichter wie die Ebens und Fedwins waren lediglich in gleichem Ma�e vertreten wie graue oder kahlwerdende K�pfe, deren einige noch ergrauter waren als Damer. Als Rand jetzt dar�ber nachdachte, erschien es ihm nicht mehr r�tselhaft. Es gab keinen Grund, warum nicht genauso viele Gro�v�ter wie Jungen hiersein sollten, die gelehrt werden konnten.</p><p>Er war kein gro�er Redner, aber er hatte lange und angestrengt �ber das nach gedacht, was er sagen wollte. Nicht �ber den ersten Teil seiner Rede, der mit etwas Gl�ck am schnellsten abgehandelt sein w�rde. �Ihr habt wahrscheinlich alle Geschichten dar�ber geh�rt, da� die Burg � die Wei�e Burg � sich gespalten hat. Nun, es ist wahr. Es gibt einige aufr�hrerische Aes Sedai, die mir vielleicht folgen wollen, und sie haben eine Abordnung gesandt. Neun von ihnen befinden sich gerade in Caemlyn und erwarten meine Gunst. Wenn Ihr also von Aes Sedai in Caemlyn h�rt, glaubt keinen Ger�chten. Ihr wi�t, warum sie dort sind, und k�nnt Burschen, die Ger�chte verbreiten, ins Gesicht lachen.�</p><p>Keine Reaktion erfolgte. Sie standen einfach da und starrten zu ihm hoch, wobei sie kaum zu blinzeln schienen. Taim wirkte wenig einverstanden, sehr wenig einverstanden. Rand ber�hrte den gr��eren Beutel in seiner Tasche und fuhr mit dem Teil seiner Rede fort, den er genau ausgearbeitet hatte.</p><p>�Ihr braucht einen Namen. Aes Sedai bedeutet in der Alten Sprache �Diener aller� oder doch etwas sehr �hnliches. Die Alte Sprache ist nicht leicht zu �bersetzen.� Er kannte selbst nur wenige Worte, einige von Asmodean, eine Handvoll von Moiraine und einige, die von Lews Therin durchgesickert waren. Zudem hatte ihn Bashere mit den notwendigsten Worten versorgt. �Ein anderes Wort in der Alten Sprache lautet <emphasis>Asha'man.</emphasis> Es bedeutet �W�chter� oder �Verteidiger� und vielleicht noch ein paar andere Dinge. Ich sagte Euch bereits: Die Alte Sprache ist sehr dehnbar. Aber �W�chter� scheint mir die beste �bersetzung. Aber es bezeichnet nicht einfach jeden Verteidiger oder W�chter. Man k�nnte keinen Mann als <emphasis>Asha'man</emphasis> bezeichnen, der eine ungerechte Sache verficht, und niemals einen schlechten Menschen. Ein <emphasis>Asha'man</emphasis> war ein Mann, der f�r jedermann Wahrheit und Gerechtigkeit und Recht verteidigte. Ein W�chter, der nicht aufgab, selbst wenn die Hoffnung erloschen war.� Das Licht wu�te es: Die Hoffnung w�rde erl�schen, wenn Tarmon Gai'don k�me, wenn nicht schon vorher. �Das sollt Ihr hier werden. Wenn Ihr Eure Ausbildung beendet habt, werdet Ihr <emphasis>Asha'man</emphasis> sein.�</p><p>Murmeln erhob sich wie Bl�tter, die im Wind raschem, und der Name wurde wiederholt, aber es wurde auch schnell wieder still. Aufmerksame Gesichter sp�hten zu ihm hoch. Er konnte die Ohren fast auf die n�chsten Worte lauschen sehen. Zumindest war das etwas besser als der vorherige Gleichmut. Der Stoffbeutel klimperte leise, als er ihn aus der Tasche nahm.</p><p>�Aes Sedai beginnen als Novizinnen, werden dann Aufgenommene und schlie�lich vollwertige Aes Sedai. Ihr werdet auch verschiedene Grade durchlaufen, aber nicht die gleichen Grade wie sie. Es wird unter uns keinen Ausschlu� und kein Davonschicken geben.� Davonschicken? Licht, er w�rde fast alles tun, au�er ihnen die H�nde und F��e zu fesseln, um jedermann festzuhalten, wenn er die Macht auch nur ein wenig lenken konnte. �Wenn ein Mann zur Schwarzen Burg kommt...�, dieser Name gefiel ihm nicht, �...wird er Soldat genannt werden, weil es das ist, was er wird, wenn er sich uns anschlie�t, das, was Ihr alle wurdet: ein Soldat, der den Schatten bek�mpfen soll, und nicht nur den Schatten, sondern jedermann, der sich der Gerechtigkeit in den Weg stellt oder die Schwachen unterdr�ckt. Wenn ein Soldat gewisse Fertigkeiten erreicht, wird er Geweihter genannt werden und dies tragen.� Er nahm eines der Abzeichen, die der Silberschmied angefertigt hatte, aus dem Stoffbeutel: ein kleines, schimmerndes Silberschwert, das mit seinem langen Heft und der leicht gebogenen Klinge perfekt gestaltet war. �Taim.�</p><p>Taim schritt starr zum Block, und Rand beugte sich herab, um das Silberschwert am hohen Kragen seiner Jacke zu befestigen. Es schien vor dem schwarz gef�rbten Tuch noch st�rker zu schimmern. Taims Gesicht war genauso ausdruckslos wie der Stein unter Rands Stiefeln. Rand reichte ihm den Beutel und fl�sterte: �Gebt diese denjenigen, von denen Ihr glaubt, da� sie daf�r geeignet sind. Aber versichert Euch, da� sie es wirklich wert sind.�</p><p>Er richtete sich auf und hoffte, da� es gen�gend viele Abzeichen waren. Er hatte wirklich nicht ann�hernd so viele M�nner erwartet. �Geweihte, die ihre F�higkeiten ausreichend verbessern, werden <emphasis>Asha'man</emphasis> genannt werden, und sie werden dies tragen.� Er nahm den kleinen Samtbeutel aus seiner Tasche und hielt den Inhalt hoch. Das Sonnenlicht funkelte auf kunstvoll gearbeitetem Gold und �ppigem roten Emaille: eine sich windende Gestalt, genau wie diejenige auf dem Drachenbanner. Rand befestigte auch dies, auf der anderen Seite, an Taims Kragen, so da� Schwert und Drache neben seiner Kehle schimmerten. �Ich war vermutlich der erste <emphasis>Asha'man�,</emphasis> belehrte Rand die Sch�ler, �aber Mazrim Taim ist der zweite.� Taims Gesicht lie� einen Stein noch weich wirken. Was stimmte mit diesem Mann nicht? �Ich hoffe, da� Ihr letztendlich alle <emphasis>Asha'man</emphasis> sein werdet, aber ob dies gelingt oder nicht � erinnert Euch daran, da� wir alle Soldaten sind. Viele K�mpfe stehen uns bevor, vielleicht nicht immer die erwarteten, und schlie�lich die Letzte Schlacht. Das Licht sende sie letztendlich. Wenn das Licht auf uns scheint, werden wir siegen. Wie werden siegen, weil wir siegen m�ssen.�</p><p>Als er geendet hatte, h�tten Hochrufe erklingen sollen. Er hielt sich nicht f�r die Art Redner, der M�nner dazu bringen konnte, aufzuspringen und Hochrufe auszusto�en, aber diese M�nner wu�ten, warum sie hier waren. Ihnen zu sagen, da� sie siegen w�rden, h�tte etwas bewirken sollen, wie schwach auch immer es gewesen w�re. Aber da war nur Schweigen.</p><p>Rand sprang von dem Steinblock herab, und Taim bellte: �Verteilt euch auf eure Unterrichtsstunden und Aufgaben.� Die Sch�ler � die Soldaten � gingen fast genauso schweigend davon, wie sie dagestanden hatten. Nur leises Murmeln war zu h�ren. Taim deutete auf das Gutshaus. Er hielt den Beutel mit den Abzeichen so fest, da� es ein Wunder war, da� er nicht durch den Stoff gestochen wurde, �Wenn mein Lord Drache Zeit f�r einen Becher Wein hat?�</p><p>Rand nickte. Er wollte dem hier auf den Grund gehen, bevor er in den Palast zur�ckkehrte.</p><p>Der vordere Raum des Gutshauses stellte sich genauso dar, wie man es wohl erwarten sollte: ein blanker, makellos sauber gefegter Fu�boden, nicht zueinander passende St�hle mit leiterf�rmigen Stuhllehnen, die vor einem sauberen, roten Ziegelsteinkamin standen, der es unm�glich erscheinen lie�, da� jemals ein Feuer darin gebrannt hatte. Ein wei�es Tischtuch mit aufgestickten Blumen bedeckte einen kleinen Tisch. Sora Grady betrat schweigend den Raum und stellte ein h�lzernes Tablett mit einem blauen Krug Wein und zwei wei�en glasierten Bechern darauf.</p><p>Rand hatte gedacht, ihr Blick w�rde nach all dieser Zeit nicht mehr schmerzen, aber die Anklage in ihren Augen bewirkte, da� er froh war, als sie wieder ging. Er hatte gesehen, da� sie geschwitzt hatte. Taim warf den Beutel auf das Tablett und go� den ganzen Inhalt des Kruges in die Becher.</p><p>�Lehrt Ihr die Frauen nicht, wie man sich konzentriert?� fragte Rand. �Es ist grausam, sie schwitzen zu lassen, w�hrend ihre M�nner nicht schwitzen.�</p><p>�Die meisten wollen nichts damit zu tun haben�, antwortete Taim kurz angebunden. �Ihre Ehem�nner und Geliebten wollen es sie lehren, aber die meisten weigern sich, auch nur zuzuh�ren. Es hat vielleicht mit <emphasis>Saidar</emphasis> zu tun, versteht Ihr?�</p><p>Rand betrachtete den dunklen Wein in seinem Becher. Er mu�te behutsam vorgehen. Er durfte nicht aufbrausen, nur weil ihn Ver�rgerung antrieb. �Es freut mich zu sehen, da� die Erhebung so erfolgreich war. Ihr sagtet, Ihr w�rdet es der Burg ... der Wei�en Burg...� Wei�e Burg, Schwarze Burg. Was w�rden die Geschichten daraus machen? �...in weniger als einem Jahr gleichtun, und wenn Ihr so weitermacht, wird Euch das gelingen. Ich verstehe nicht, wie Ihr so viele M�nner finden konntet.�</p><p>�Siebt genug Sand�, sagte Taim steif, �und Ihr werdet schlie�lich einige Goldk�rner finden. Ich �berlasse das jetzt anderen, bis auf eine oder zwei Reisen, die ich noch selbst unternehme. Damer, Grady � es gibt ein Dutzend M�nner, denen ich einen Tag lang vertrauen kann. Sie sind alt genug, nichts T�richtes zu tun, und es gibt gen�gend junge M�nner mit der n�tigen Kraft, ein Tor zu er�ffnen � wenn nicht viel mehr �, die die �lteren geleiten k�nnen, die nicht dazu in der Lage sind. Ihr werdet Eure tausend Mann noch vor Jahresende zur Verf�gung haben. Was ist mit jenen, die ich nach Caemlyn schicke? Habt Ihr sie schon zu einem Heer vereint?�</p><p>�Das �berlasse ich Bashere�, erwiderte Rand ruhig. Taim verzog sp�ttisch den Mund, und Rand stellte den Weinbecher ab, bevor er in seinem Griff zerbrach. Bashere tat sein M�glichstes mit den M�nnern, in einem Lager irgendwo westlich der Stadt. Sein M�glichstes, wenn man bedachte, da� sie, wie die Saldaeaner es darlegten, eine Ansammlung mittelloser Bauern, davongelaufener Lehrlinge und erfolgloser Handwerker waren, die niemals ein Schwert in H�nden gehalten oder ein gesatteltes Pferd geritten hatten oder mehr als f�nf Meilen von ihrem Geburtsort entfernt gewesen waren. Rand hatte sich um zu vieles zu k�mmern, als da� er sich �ber solche Leute Gedanken gemacht h�tte. Er hatte Bashere gesagt, was er mit ihnen tun sollte und da� er ihn nur behelligen sollte, wenn sie aufbegehrten.</p><p>Er sah Taim an, der sich keineswegs bem�hte, seine Verachtung zu verhehlen, barg die H�nde hinter dem R�cken und ballte sie zu F�usten. Lews Therin grollte in der Ferne, ein Echo seines eigenen Zorns. �Was ist in Euch gefahren? Ihr seid verstimmt, seit ich Euch diese Abzeichen angesteckt habe. Hat es etwas damit zu tun? Wenn dem so ist, verstehe ich es nicht. Die M�nner werden ihre Abzeichen h�her sch�tzen, wenn sie sehen, da� Ihr Eures vom Wiedergeborenen Drachen bekommen habt. Zudem werden sie auch Euch h�her sch�tzen. Vielleicht braucht Ihr die Disziplin nicht mehr aufrechtzuerhalten, indem Ihr M�nnern mit der Keule auf den Kopf schlagt. Nun, was habt Ihr dazu zu sagen?� Er hatte angemessen begonnen, in ruhigem, wenn auch nicht nachsichtigem Tonfall � er hatte nicht beabsichtigt, nachsichtig zu sein �, aber w�hrend des Sprechens wurde seine Stimme fester und lauter. Er schrie nicht, und doch klang diese letzte Frage wie ein Peitschenhieb.</p><p>Der andere Mann ver�nderte sich auf die bemerkenswerteste Weise. Taim zitterte sichtbar � vor Zorn, h�tte Rand behauptet, nicht aus Angst �, aber als das Zittern aufh�rte, war er wieder sein altes Selbst. Sicherlich nicht freundlich, ein wenig sp�ttisch, aber sehr entspannt und beherrscht. �Da Ihr es wissen wollt � die Aes Sedai machen mir Sorgen, und Ihr. Neun Aes Sedai in Caemlyn, und zwei weitere macht elf. Dann k�nnten vielleicht genausogut noch eine oder zwei mehr dort sein. Ich habe sie noch nicht finden k�nnen, aber... �</p><p>�Ich habe Euch gesagt, Ihr sollt der Stadt fernbleiben�, unterbrach Rand ihn tonlos.</p><p>�Ich habe einige M�nner gefunden, die f�r mich Fragen stellen.� Taims Stimme klang staubtrocken. �Ich bin der Stadt nicht n�her gekommen, als ich es jetzt bin, seit ich Euch vor dem Grauen Mann gerettet habe.�</p><p>Rand sagte nichts dazu. Die Stimme in seinem Kopf war zu leise, um sie verstehen zu k�nnen, aber sie klang eiskalt. �Sie werden eher mit den H�nden Rauch auffangen als Ger�chte.� Er sagte dies mit all der Verachtung, die er empfand � Taim hatte ihn <emphasis>gerettet?</emphasis> �, und der Mann zuckte zusammen. �u�erlich schien er noch immer ruhig, aber seine Augen gl�nzten dunkel.</p><p>�Und wenn sie sich den Roten Aes Sedai anschlie�en?� Seine Stimme klang k�hl und belustigt, aber seine Augen funkelten. �Auf dem Land halten sich Rote Schwestern auf. In den letzten Tagen sind mehrere Gruppen von ihnen eingetroffen. Sie versuchen, M�nner daran zu hindern hierherzukommen.�</p><p><emphasis>Ich werde ihn t�ten,</emphasis> schrie Lews Therin, und Rand sp�rte dieses tastende Ausstrecken nach <emphasis>Saidar.</emphasis></p><p><emphasis>Geh weg,</emphasis> sagte er fest. Das Tasten blieb, und auch die Stimme.</p><p><emphasis>Ich werde zuerst ihn t�ten und dann sie. Sie m�ssen ihm dienen. Es ist offensichtlich: Sie m�ssen ihm dienen.</emphasis></p><p><emphasis>Geh weg,</emphasis> schrie Rand wortlos zur�ck. <emphasis>Du bist nur eine Stimme!</emphasis> Er streckte sich nach der Quelle aus.</p><p><emphasis>Oh, Licht, ich habe sie alle get�tet. Alle, die ich geliebt habe. Wenn ich auch ihn get�tet habe, wird es jedoch gut sein. Ich kann es wiedergutmachen, wenn ich ihn letztendlich t�te. Nein, nichts kann es wiedergutmachen, aber ich mu� ihn dennoch t�ten. Sie alle t�ten. Ich mu� es tun. Ich mu� es tun.</emphasis></p><p><emphasis>Nein!</emphasis> schrie Rand in seinem Kopf. <emphasis>Du bist tot, Lews</emphasis></p><p><emphasis>Therin. Ich lebe, verdammt seist du, und du bist tot! Du bist tot!</emphasis></p><p>Er erkannte pl�tzlich, da� er am Tisch lehnte und sich mit schwachen Knien abst�tzte. Leise murmelte er: �Du bist tot! Ich lebe, und du bist tot!� Aber er hatte <emphasis>Saidar</emphasis> nicht ergriffen. Und Lews Therin auch nicht. Er sah Taim zitternd an und war �berrascht keine Sorge auf dem Gesicht des Mannes zu sehen.</p><p>�Ihr m��t fest bleiben�, sagte Taim sanft. �Wenn Ihr Euch die geistige Gesundheit bewahren wollt, m��t Ihr es tun. Der Preis f�r ein Versagen ist zu hoch.�</p><p>�Ich werde nicht versagen�, sagte Rand und stie� sich wieder hoch. Lews Therin schwieg. In seinem Kopf schien nichts au�er ihm selbst zu sein. Und das Bewu�tsein von Alannas Anwesenheit nat�rlich. �Haben diese Roten schon jemanden gefangengenommen?�</p><p>�Nicht da� ich w��te.� Taim beobachtete ihn vorsichtig, als erwarte er einen weiteren Ausbruch. �Die meisten der Sch�ler kommen jetzt durch Tore, und bei all den Menschen auf den Stra�en d�rfte es nicht leicht sein, einen Mann herauszupicken, der hierhereilt es sei denn, er redet zuviel.� Er hielt inne. �Auf jeden Fall k�nnte man sie nur zu leicht loswerden.�</p><p>�Nein.� War Lews Therin wirklich fort? Er w�nschte es sich, und wu�te doch, da� er ein Narr war, wenn er es glaubte. �Wenn sie M�nner gefangennehmen, werde ich etwas tun m�ssen, aber im Moment bedeuten sie auf dem Land keine Bedrohung. Und glaubt mir � niemand, den Elaida schickt, wird sich jenen Aes Sedai in der Stadt anschlie�en. Beide Gruppen w�rden eher Euch als einander willkommen hei�en.�</p><p>�Was ist mit jenen, die sich nicht auf dem Land aufhalten? Elf? Einige Unf�lle k�nnten diese Anzahl auf ein weitaus sichereres Ma� reduzieren. Wenn Ihr Euch nicht selbst die H�nde schmutzig machen wollt, bin ich bereit...�</p><p>�Nein! Wie oft mu� ich nein sagen! Wenn ich in Caemlyn einen Mann die Macht lenken sp�re, werde ich Euch holen kommen. Ich schw�re, da� ich es tun werde. Und glaubt nicht, da� Ihr weit genug vom Palast entfernt bleiben und Euch in Sicherheit wiegen k�nntet, da� ich es nicht sp�ren w�rde. Wenn eine jener Aes Sedai tot umf�llt, werde ich wissen, wen ich daf�r zur Rechenschaft ziehen mu�. Nehmt Euch vor mir in acht!�</p><p>�Ihr steckt weite Grenzen�, sagte Taim trocken. �Wenn Sammael oder Demandred beschlie�en, Euch mit einigen toten Aes Sedai auf Eurer Schwelle zu verh�hnen, mu� ich bluten?�</p><p>�Sie haben es bis jetzt nicht getan, und Ihr solltet hoffen, da� sie nicht damit anfangen. Ich rate Euch: Nehmt Euch vor mir in acht.�</p><p>�Ich habe meinen Lord Drache geh�rt und gehorche nat�rlich.� Der hakennasige Mann verbeugte sich leicht. �Aber ich sage dennoch, da� elf Aes Sedai eine gef�hrliche Anzahl sind.�</p><p>Rand mu�te wider Willen lachen. �Taim, ich beabsichtige, sie nach meiner Fl�te tanzen zu lehren.� Licht, wie lange hatte er schon keine Fl�te mehr gespielt? Wo <emphasis>war</emphasis> seine Fl�te? Er h�rte Lews Therin leise kichern.</p></section><section><title><p>43</p><p>Die Rosenkrone</p></title><p>Meranas Mietkutsche fuhr gem�chlich durch die dicht bev�lkerten Stra�en auf die <emphasis>Rosenkrone</emphasis> zu. Sie wirkte �u�erlich ruhig, eine dunkelhaarige Frau mit k�hlen, haselnu�braunen Augen und friedlich auf ihren hellgrauen Seidenr�cken verschr�nkten H�nden. Innerlich war sie nicht so friedlich gestimmt. Vor achtunddrei�ig Jahren war sie durch Zufall an diesem Ort gewesen, um �ber einen Vertrag zwischen Arad Doman und Tarabon zu verhandeln, der dem Streit um die Ebene von Almoth ein Ende setzen sollte, wo Domani und Taraboner hinter jeder Ecke lauerten und bereits drei Mal w�hrend der Verhandlungen beinahe einen Krieg begonnen h�tten, w�hrend sie unentwegt l�chelte und scheinbar guten Willen zeigten. Als die Unterschriften getrocknet waren, hatte sie sich gef�hlt, als w�re sie in einem Fa� voller Splitter �ber rauhe H�gel gerollt worden. Und nach alledem war der Vertrag nicht das Papier wert, auf dem er stand. Sie hoffte, da� das, was sie heute nachmittag im K�niglichen Palast begonnen hatte, besser enden w�rde � es mu�te besser enden �, aber sie f�hlte sich tief innerlich, als w�re sie gerade einem weiteren Fa� entstiegen.</p><p>Min setzte sich mit geschlossenen Augen zur�ck. Die junge Frau machte anscheinend jedesmal, wenn gerade keine Aes Sedai mit ihr sprach, ein Nickerchen. Die anderen beiden Schwestern in der Kutsche warfen dem M�dchen gelegentlich hastige Blicke zu. Seonid wirkte in ihrer Brokatkleidung k�hl und verschlossen. Masuri, schlank und mit lustigen Augen, trug Braun, das um den Saum mit bl�henden Ranken bestickt war. Sie waren mit ihren Stolen und Ajah-Farben alle f�rmlich gekleidet.</p><p>Merana war sich sicher, da� die anderen dasselbe dachten wie sie, als sie Min ansahen. Seonid sollte sicherlich begreifen, obwohl... Wer konnte schon sicher sein? Seonid war ihren Beh�tern gegen�ber sehr sachlich eingestellt, fast wie eine Frau mit zwei hochgelobten Wolfshunden, f�r die sie eine gewisse Vorliebe empfand. Masuri verstand vielleicht. Sie tanzte und sch�kerte gerne, obwohl sie jeden armen Mann schnell wieder verga�, wenn sie ein Ger�cht �ber eine alte, verborgene Urschrift h�rte. Merana selbst war seit einiger Zeit vor diesem F�nften Vertrag von Falme nicht mehr verliebt gewesen, aber sie erinnerte sich an dieses Gef�hl, und nur ein Blick auf Min, wie sie al'Thor ansah, hatte gen�gt, um eine Frau zu erkennen, die bar jeder Vernunft ihrem Herzen die Z�gel schie�en lie�.</p><p>Es gab keine Beweise daf�r, da� Min die zahlreichen Vorsichtsma�nahmen mi�achtet, ihr Versprechen gebrochen und al'Thor alles erz�hlt hatte, aber er wu�te von Salidar. Er wu�te, da� Elayne dort war, und war �ber ihr Entkommen belustigt �belustigt! Abgesehen von der Ungewi�heit, ob Min das Vertrauen mi�braucht hatte � Sorgfalt w�re bei allem vonn�ten, was von nun an in ihrer Gegenwart gesagt wurde �, war sie �u�erst beunruhigt. Merana war es nicht gewohnt, sich zu f�rchten. In dem Jahr nach Basans Tod hatte sie oft Furcht empfunden und hatte sich danach, weil sie dies nie wieder durchmachen wollte und auch weil sie einfach zu besch�ftigt war, um den richtigen Mann zu erw�hlen, niemals wieder mit einem anderen Beh�ter verbunden. Die Sache mit Basan war vor dem Aiel-Krieg die letzte Begebenheit gewesen, bei der sie mehr als Besorgnis empfunden hatte. Jetzt hatte sie Angst, und das gefiel ihr nicht. Noch konnte alles gut ausgehen, nichts wirklich Verheerendes war geschehen, aber der Gedanke an al'Thor lie� ihre Knie weich werden.</p><p>Die Mietkutsche kam im Stallhof der <emphasis>Rosenkrone</emphasis> ruckartig zum Stehen, und Stallburschen mit bestickten Westen eilten heran, um die T�ren der Kutsche zu �ffnen und die Pferde anzuschirren.</p><p>Der Schankraum des dreist�ckigen wei�en Geb�udes war mit dunkel gl�nzendem Holz vert�felt und besa� zwei gegen�berliegende hohe Marmorkamine. Auf einem Kaminsims stand eine gro�e Uhr mit Stundenschlag und einigen wenigen Goldverzierungen. Die Schankm�dchen trugen blaue Gew�nder und wei�e, mit einem Kranz aus Rosen bestickte Sch�rzen. Sie l�chelten und waren h�flich und t�chtig, und diejenigen, die nicht h�bsch waren, waren zumindest ansehnlich. Die <emphasis>Rosenkrone</emphasis> war das bevorzugte Gasthaus der Adligen im ganzen Land, die in Caemlyn keine eigenen Herrenh�user besa�en, aber jetzt waren die Tische nur von Beh�tern besetzt. Alanna und Verin sa�en an der R�ckseite des Raumes. H�tte Merana W�nsche �u�ern k�nnen, h�tte sie lieber bei den Dienern in der K�che gewartet. Die �brigen Schwestern befanden sich alle drau�en. Es durfte keine Zeit verschwendet werden.</p><p>�Wenn es Euch nichts ausmacht�, sagte Min, �w�rde ich gerne ein wenig umherwandern und mir Caemlyn ansehen, bevor es dunkel wird.�</p><p>Merana gab ihr Einverst�ndnis, wechselte, als die junge Frau nach drau�en eilte, Blicke mit Seonid und Masuri, und fragte sich, wie lange Min brauchen w�rde, um zum Palast zur�ckzukehren.</p><p>Herrin Cinchonine erschien sofort. Sie war genauso rundlich wie jede andere Wirtin, die Merana jemals gesehen hatte, verbeugte sich tief und knetete ihre r�tlichen H�nde. �Kann ich etwas f�r Euch tun, Aes Sedai? Darf ich Euch etwas bringen?� Sie hatte Merana schon h�ufig und gut bewirtet und das nicht erst, nachdem sie erfahren hatte, da� Merana eine Aes Sedai war.</p><p>�Hagebuttentee�, antwortete Merana l�chelnd. �Oben im Privatraum.� Das L�cheln verging, als die Wirtin davoneilte und eines der Schankm�dchen rief. Merana bedeutete Alanna und Verin unmi�verst�ndlich, ihr zur Treppe zu folgen, und die f�nf Frauen stiegen schweigend hinauf.</p><p>Die Fenster des Privatraums boten demjenigen, der es w�nschte, einen guten Blick auf die Stra�e, was Merana eigentlich nicht im Sinn hatte. Sie schlo� die Fenster, um den Stra�enl�rm zu d�mpfen. Sie wandte den anderen den R�cken zu. Seonid und Masuri hatten sich hingesetzt. Alanna und Verin blieben zwischen den beiden anderen stehen. Verins dunkles Gewand wirkte ein wenig zerknittert, und sie hatte einen Tintenfleck auf der Nase, aber ihre Augen blickten wie die eines Vogels scharf und aufmerksam. Auch Alannas Augen gl�nzten, aber h�chstwahrscheinlich nur vor Ver�rgerung, und ihre H�nde zitterten hin und wieder leicht, wenn sie die R�cke ihres blauen Seidengewandes mit dem gelben Leibchen umfa�te. Ihr Gewand wirkte ebenfalls, als h�tte sie darin geschlafen, was aber nur zum Teil entschuldbar war.</p><p>�Ich kann noch nicht absehen, Alanna�, sagte Merana bestimmt, �ob deine Handlungsweise Schaden angerichtet hat. Er hat nicht erw�hnt, da� du ihn �gegen seinen Willen � an dich gebunden hast, aber er war wachsam, sehr wachsam, und...�</p><p>�Hat er uns weitere Beschr�nkungen auferlegt?� unterbrach Verin sie und neigte leicht den Kopf. �Mir scheint alles gut zu verlaufen. Er ist nicht geflohen, als er von Eurer Anwesenheit erfuhr. Er hat drei von uns empfangen � zumindest ann�hernd h�flich, denn sonst w�rt Ihr zornig. Er furchtet uns ein wenig, was nur von Vorteil ist, sonst h�tte er keine Grenzen errichtet, aber wir haben noch immer genauso viel Freiraum wie zuvor. Wir d�rfen ihn vor allem nicht zu sehr �ngstigen.�</p><p>Es erschwerte ihre Aufgabe, da� Verin und Alanna nicht zu Meranas Abordnung geh�rten. Sie besa� ihnen gegen�ber keinerlei Autorit�t. Sie hatten die Neuigkeiten von Logain und den Roten Ajah geh�rt und zugestimmt, da� Elaida den Amyrlin-Sitz nicht weiterhin innehaben durfte, aber das bedeutete nichts. Alanna bot allerdings nur m�glicherweise Anla� zur Sorge. Sie und Merana waren sich, was ihre Kr�fte anbetraf, so �hnlich, da� nur ein Wettkampf h�tte erweisen k�nnen, wer st�rker war � aber dies taten nur Novizinnen, bis sie ertappt wurden. Alanna war sechs Jahre lang Novizin gewesen, Merana nur f�nf, aber wichtiger war, da� Merana bereits seit zehn Jahren Aes Sedai war, als die Hebamme Alanna erst an die Brust ihrer Mutter gelegt hatte. Das war wirklich wesentlich. Merana hatte Vorrechte. Zun�chst dachte niemand so, bis dann eine von ihnen darauf kam, aber sie wu�ten es beide und pa�ten sich dem ganz selbstverst�ndlich an. Alanna w�rde keine Befehle annehmen, aber die instinktive Achtung w�rde sie sicherlich bis zu einem gewissen Grad im Zaum halten � und das Wissen um das, was sie getan hatte.</p><p>Das eigentliche Problem stellte Verin dar. Sie hatte Merana auf diesen Gedanken gebracht. Merana lie� sich mit der Macht erneut auf die Kraft der anderen Frau ein, obwohl sie nat�rlich wu�te, was sie vorfinden w�rde. Es war nicht festzustellen, welche von beiden st�rker war. Beide waren f�nf Jahre lang Novizinnen und sechs Jahre lang Aufgenommene gewesen. Das wu�te jede Aes Sedai �ber jede andere Aes Sedai, auch wenn sie sonst nichts wu�te. Der Unterschied lag darin, da� Verin �lter war, vielleicht fast genauso viel, wie Merana �lter war als Alanna. Die Spur Grau in Verins Haar unterstrich es. W�re Verin Teil der Abordnung gewesen, h�tte es �berhaupt keine Schwierigkeiten gegeben, aber das war sie nicht, und Merana merkte, da� Verin aufmerksam zuh�rte und ohne nachzudenken abwartete. Merana hatte sich am Vormittag zweimal in Erinnerung rufen m�ssen, da� Verin nicht ihrem Befehl unterstand. Das einzige, was die Situation ertr�glich machte, war der Umstand, da� Verin offensichtlich das Gef�hl hatte, Anteil an Alannas Schuld zu haben. Andernfalls h�tte sie sich zweifellos genauso bald wie jede andere hingesetzt und st�nde jetzt nicht neben Alanna. Wenn man sie nur irgendwie dazu bringen k�nnte, Tag und Nacht im Gasthof <emphasis>Culains Jagdhund</emphasis> zu bleiben, um �ber diese wunderbaren M�dchen aus den Zwei Fl�ssen zu wachen.</p><p>Sie setzte sich so hin, da� sie mit Seonid und Masuri das Paar einrahmte, und richtete sorgf�ltig ihre R�cke und ihre Stola. Es bedeutete eine gewisse moralische �berlegenheit, da� sie sa�en, w�hrend die anderen stehen blieben. In ihren Augen war das, was Alanna getan hatte, fast ein Vergehen. �Tats�chlich hat er uns eine weitere Beschr�nkung auferlegt. Es ist sch�n und gut, da� Ihr beide seine <emphasis>Schule</emphasis> ausfindig gemacht habt, aber jetzt rate ich Euch nachdr�cklich, aller Gedanken zu entsagen, die Ihr vielleicht in dieser Richtung hegt. Er hat ... von uns gefordert, da� wir seinen M�nnern ... fernbleiben.� Sie konnte ihn noch immer vor sich sehen, wie er sich auf diesem eindrucksvollen Thron vorgebeugt hatte mit dem Drachenszepter in der Faust.</p><p><emphasis>�H�rt mich an, Merana Sedai�, sagte er freundlich, aber bestimmt. �Ich will keinen Streit zwischen Aes Sedai und Asha'man. Ich habe den Soldaten gesagt, sie sollen sich von Euch fernhalten, aber ich will auch nicht, da� sie von Aes Sedai herausgefordert werden. Wenn Ihr an der Schwarzen Burg auf die Jagd geht, k�nntet Ihr selbst zur Beute werden. Das wollen wir doch beide vermeiden.�</emphasis></p><p>Merana war schon lange genug Aes Sedai, um nicht jedesmal zu erschaudern, wenn solche Andeutungen gemacht wurden, aber diesmal war sie nahe daran gewesen. Asha'man. Die Schwarze Burg. Mazrim Taim! Wie hatte es so weit kommen k�nnen? Aber Alanna war sich sicher, da� sie �ber mehr als hundert Mann verf�gten, obwohl sie nat�rlich keine Einzelheiten dar�ber preisgab, woher sie es wu�te. Keine Schwester gab freiwillig ihre Augen-und-Ohren preis. Es war nicht wichtig. �Wenn du zwei Hasen gleichzeitig verfolgst, werden dir beide entkommen�, besagte ein altes Sprichwort, und al'Thor war wichtiger als alle anderen.</p><p>�Ist er noch immer hier, oder ist er schon wieder fort?� Verin und Alanna schienen es sehr ruhig aufzunehmen, da� al'Thor offensichtlich das Schnelle Reisen beherrschte. Das machte Merana ein wenig mi�mutig. Was hatte er sich noch beigebracht, was die Aes Sedai vergessen hatten? �Alanna? Alanna!�</p><p>Die Gr�ne Schwester schrak zusammen und fa�te sich rasch wieder. Sie schien recht h�ufig abzuschweifen. �Er ist in der Stadt. Im Palast, glaube ich.� Sie klang noch immer ein wenig vertr�umt. �Es war... Er hat eine Wunde an der Seite. Eine alte Wunde, die aber erst halbwegs verheilt ist. Ich k�nnte jedesmal weinen, wenn ich nur daran denke. Wie kann er damit leben?�</p><p>Seonid sah sie aufmerksam an. Jede Frau, die einen Beh�ter hatte, sp�rte seine Verletzungen. Und sie wu�te, was Alanna durchmachte, da sie Owein verloren hatte. Daher klang ihre Stimme, als sie sprach, fast sanft. �Nun, Teryl und Furen haben Verletzungen erlitten, die mich fast in eine Ohnmacht getrieben haben, auch wenn wir diese Verletzungen nur leicht sp�ren. Aber es wurde niemals weniger. Niemals.�</p><p>�Ich glaube�, sagte Masuri ruhig, �wir schweifen ab.� Sie sprach stets ruhig, aber auch immer, im Gegensatz zu vielen anderen Braunen, sehr �berlegt.</p><p>Merana nickte. �Ja. Ich habe erwogen, Moraines Platz bei ihm einzunehmen...�</p><p>Es klopfte an der T�r, und eine Frau mit einem Teetablett trat ein. Darauf standen eine silberne Teekanne und Porzellantassen. Die <emphasis>Rosenkrone</emphasis> war an Adel gew�hnt. Als die Frau das Tablett abgestellt hatte und wieder gegangen war, tr�umte Alanna nicht mehr. Ihre dunklen Augen blitzten mit einer Leidenschaft, die Merana niemals zuvor darin gesehen hatte. Gr�ne waren besonders eifers�chtig auf ihre Beh�ter, und al'Thor geh�rte jetzt ihr, wie auch immer sie sich ihm zugeschworen hatte. Die Achtung verlor sich, wenn es darum ging. Merana wartete noch, bis der Hagebuttentee eingegossen war und jedermann wieder sa�. Sie befahl sogar Verin und Alanna, sich hinzusetzen. Vielleicht kam ihre Handlungsweise einem Vergehen doch nicht so nahe.</p><p>�Ich habe es erw�gen�, fuhr sie schlie�lich fort, �und wieder verworfen. Ich h�tte es vielleicht getan, wenn Ihr nicht nach Eurem Gutd�nken gehandelt h�ttet, Alanna, aber er ist den Aes Sedai gegen�ber jetzt so mi�trauisch, da� er mir vielleicht sehr wohl ins Gesicht lachen k�nnte, wenn ich es ihm vorschl�ge.�</p><p>�Er ist genauso hochm�tig wie jeder andere K�nig�, sagte Seonid ver�chtlich.</p><p>�Er ist alles, was Elayne und Nynaeve gesagt haben, und mehr�, f�gte Masuri kopfsch�ttelnd hinzu. �Er behauptet zu wissen, wann eine Frau die Macht lenkt. Ich h�tte <emphasis>Saidar</emphasis> fast umarmt, um ihm zu zeigen, da� er sich irrt, aber nat�rlich h�tte ich ihn zu sehr beunruhigen k�nnen.�</p><p>�Alle diese Aiel.� Seonids Stimme klang angespannt. Sie war <emphasis>wahrhaftig</emphasis> Cairhienerin. �M�nner <emphasis>und</emphasis> Frauen. Ich denke, sie h�tten uns aufzuspie�en versucht, wenn wir auch nur zu schnell geblinzelt h�tten. Eine blonde Frau, die zumindest R�cke trug, gab sich keine M�he, ihre Abneigung zu verbergen.�</p><p>Manchmal, dachte Merana, erkannte Seonid gar nicht, da� al'Thor selbst in Gefahr sein k�nnte.</p><p>Alanna kaute unbewu�t wie ein Kind auf der Unterlippe. Es war gut, da� Verin sich um sie k�mmerte. Sie war in ihrem Zustand noch nicht f�hig, allein zurechtzukommen. Verin trank nur ihren Tee und beobachtete. Verins Blicke konnten h�chst beunruhigend sein.</p><p>Merana merkte, da� sie nachgiebiger wurde. Sie erinnerte sich zu gut an das zerbrechliche Nervenb�ndel, das sie nach Barans Tod gewesen war. �Gl�cklicherweise scheint sein Mi�trauen auch etwas Gutes zu haben. Er hat in Cairhien eine Abordnung Elaidas empfangen. Er hat recht offen dar�ber gesprochen. Das Mi�trauen wird ihn gewi� dazu veranlassen, sie auf Abstand zu halten.�</p><p>Seonid stellte ihre Tasse ab. �Er will uns gegeneinander ausspielen.�</p><p>�Und das k�nnte er noch immer tun�, sagte Masuri trocken, �aber wahrscheinlich wissen wir mehr �ber ihn als Elaida. Ich denke, sie hat ihre Gesandten zu einem Schafhirten geschickt, wenn auch zu einem Schafhirten im Seidengewand. Was auch immer er ist � ein Schafhirte ist er jedenfalls nicht mehr. Moiraine hat ihn anscheinend gut unterrichtet.�</p><p>�Wir waren vorgewarnt�, sagte Merana. �Ich halte es f�r unwahrscheinlich, da� sie es auch waren.�</p><p>Alanna blinzelte sie an. �Dann habe ich nicht alles verdorben?� Alle drei Frauen nickten, und sie atmete tief durch und gl�ttete dann stirnrunzelnd ihre R�cke, als h�tte sie die Falten gerade erst bemerkt. �Ich k�nnte ihn immer noch dazu bringen, mich anzunehmen.� Alannas Stimme wurde mit jedem Wort ruhiger und zuversichtlicher. �Was seinen Straferla� betrifft, so sollten wir jegliche Pl�ne im Moment ruhen lassen, aber das bedeutet nicht, da� wir uns nicht vorbereiten sollten.�</p><p>Merana bedauerte bereits ihre Nachgiebigkeit. Die Frau hatte einem Mann <emphasis>das</emphasis> angetan, und das einzige, was sie k�mmerte, war, ob es ihren Erfolg gef�hrdete. Sie mu�te jedoch auch widerwillig zugeben, da� sie ebenfalls alles au�er acht gelassen h�tte, wenn es al'Thor f�gsam gemacht h�tte. �Zuerst m�ssen wir uns al'Thor gef�gig machen. Die Pl�ne werden so lange wie n�tig ruhen, Alanna.� Alanna bi� die Z�hne zusammen, aber kurz darauf nickte sie ergeben. Oder zumindest zustimmend.</p><p>�Und wie machen wir ihn uns gef�gig?� fragte Verin. �Er mu� vorsichtig behandelt werden. Er ist wie ein Wolf an einer d�nnen Leine.�</p><p>Merana z�gerte. Sie hatte nicht ihr ganzes Wissen mit diesen beiden teilen wollen, die dem Saal in Salidar nur eine �u�erst d�rftige Treue entgegenbrachten. Sie f�rchtete, was geschehen w�rde, und wenn Verin die Macht zu �bernehmen versuchte, wenn es ihr tats�chlich gel�nge. Sie wu�te, wie man damit umgehen mu�te. Sie war auserw�hlt worden, weil sie ihr ganzes Leben damit verbracht hatte, bei Streitigkeiten zu vermitteln und Vertr�ge auszuhandeln, wenn der Ha� unvers�hnlich schien. Solche Vereinbarungen wurden gelegentlich gebrochen, und nicht eingehaltene Vertr�ge lagen in der Natur des Menschen, und doch war der F�nfte Vertrag von Falme in sechsundvierzig Jahren ihr einziger wirklicher Fehlschlag gewesen. Sie wu�te das, aber alle jene Jahre hatten auch ein gewisses Gesp�r tief in ihr verwurzelt. �Wir treten an einige Adlige heran, die sich mit etwas Gl�ck jetzt in Caemlyn aufhalten... �</p><p>�Meine Sorge gilt Elayne�, sagte Dyelin bestimmt. Und um so bestimmter, da sie mit einer Aes Sedai allein in dem Privatraum war. Eine Aes Sedai konnte eine andere Frau hart bedr�ngen, wenn sie Schw�che zeigte oder allein war. Besonders wenn niemand sonst wu�te, da� diejenige mit ihr allein war.</p><p>Kairen Sedai l�chelte, aber weder das L�cheln noch die k�hlen blauen Augen gaben etwas preis. �Es ist durchaus m�glich, da� die Tochter-Erbin noch immer den L�wenthron einnehmen k�nnte, auch wenn manchen die Widerst�nde vielleicht un�berwindlich erscheinen.�</p><p>�Der Wiedergeborene Drache sagt...�</p><p>�M�nner sagen vieles, Lady Dyelin, aber Ihr wi�t, da� ich nicht l�ge.�</p><p>Luan t�tschelte den grauen Hals des tairenischen Hengstes, blickte in beide Richtungen, ob einer der Pferdeknechte in den Stall k�me, und konnte nur knapp einem heimt�ckischen Bi� ausweichen. Rafelas Beh�ter w�rde sie warnen, aber Luan hegte in letzter Zeit seine Zweifel, ob er noch jemandem vertrauen konnte. Gewi� nicht einem Besucher dieser Art. �Ich bin nicht sicher, ob ich das verstehe�, sagte er kurz angebunden.</p><p>�Einigkeit ist besser als Aufspaltung�, sagte Rafela, �Frieden besser als Krieg und Geduld besser als der Tod.� Luan hob bei dieser seltsamen letzten Bemerkung ruckartig den Kopf, und die rundgesichtige Aes Sedai l�chelte. �W�re Andor nicht besser dran, wenn Rand al'Thor das Land in Frieden vereint lie�e, Lord Luan?�</p><p>Ellorien hielt ihr Gewand geschlossen und sah die Aes Sedai an, die es geschafft hatte, sie in ihrem Bad anzutreffen, ohne angek�ndigt worden zu sein. Wom�glich war sie nicht einmal gesehen worden. Die Frau mit der kupferfarbenen Haut erwiderte ihren Blick von dem Stuhl auf der anderen Seite der mit Wasser gef�llten Marmorbadewanne, als sei dies ganz selbstverst�ndlich. �Wer sollte den L�wenthron dann innehaben, Demira Sedai?� fragte Ellorien schlie�lich.</p><p>�Das Rad webt, wie das Rad es w�nscht�, lautete die Erwiderung, und Ellorien wu�te, da� sie keine andere Antwort bekommen w�rde.</p></section><section><title><p>44</p><p>Die Eigenschaft Vertrauen</p></title><p>Als Vanin gegangen war, um die Horde anzuweisen, sich ruhig zu verhalten, stellte Mat fest, da� es in Salidar kein Gasthaus mehr gab, das nicht von Aes Sedai �bernommen worden war, und auch die f�nf St�lle waren alle brechend voll. Und doch r�umte der schmalgesichtige Stallknecht die Hafers�cke und Strohballen aus einem ummauerten Hof, der f�r sechs Pferde ausreichte, als er ihm eine kleine Silberm�nze zusteckte. Er wies Mat und den �brigen vier M�nnern der Horde Schlafpl�tze auf dem Heuboden zu, wo es kaum k�hler war als anderswo.</p><p>�Bittet um nichts�, belehrte Mat seine M�nner, w�hrend er seine restlichen M�nzen unter ihnen aufteilte. �Bezahlt f�r alles, und nehmt keine Geschenke an. Die Horde wird hier niemandem etwas schuldig sein.�</p><p>Seine vorget�uschte Zuversicht �bertrug sich auf sie, und sie z�gerten keine Sekunde, als er ihnen befahl, die Banner au�en an der T�r des Heubodens zu befestigen, so da� sie f�r jedermann gut sichtbar vor dem Stall herabhingen � das karmesinrotwei�e Banner, die schwarzwei�e Scheibe und der Drache. Aber die Augen des Stallknechts traten hervor, und er verlangte sehr erregt zu wissen, was Mat da tat.</p><p>Mat grinste nur und warf dem Burschen eine Goldm�nze zu. �Ich will nur jedermann deutlich machen, wer hier Quartier genommen hat.� Er wollte Egwene unmi�verst�ndlich zeigen, da� er sich nicht herumschubsen lassen w�rde, und manchmal mu�te man sich wie ein Narr verhalten, wenn man Menschen dies verdeutlichen wollte.</p><p>Leider zeitigten die Banner aber kaum Wirkung. Oh, jedermann, der vor�berging, sperrte den Mund auf und deutete darauf, und eine Anzahl Aes Sedai kamen nur, um sie mit k�hlem und ausdruckslosem Blick anzuschauen. Mat erwartete die emp�rte Aufforderung, die Banner abzunehmen, aber nichts dergleichen geschah. Als er zur Kleinen Burg zur�ckkehrte, r�ckte eine Aes Sedai, die trotz glatter, altersloser Wangen verh�rmt wirkte, ihre braun ges�umte Stola zurecht und belehrte ihn mit �u�erster Deutlichkeit, der Amyrlin-Sitz sei besch�ftigt, und sie k�nne ihn vielleicht in ein oder zwei Tagen empfangen. Vielleicht. Elayne schien verschwunden zu sein und Aviendha ebenso, aber noch schrie niemand Mord. Er vermutete, da� die Aiel ihr irgendwo ein wei�es Gewand �ber den Kopf gezogen hatten. Das machte f�r ihn keinen Unterschied, wenn der Frieden gewahrt wurde. Er wollte nicht derjenige sein, der Rand sagen mu�te, da� einer den anderen get�tet h�tte. Er erblickte Nynaeve kurz, aber sie verschwand um eine Ecke und war fort, als er dort ankam.</p><p>Er verbrachte den gr��ten Teil des Nachmittags mit der Suche nach Thom und Juilin. Einer der beiden konnte ihm sicherlich mehr �ber das erz�hlen, was vor sich ging, und au�erdem mu�te er sich bei Thom f�r seine Bemerkungen �ber diesen Brief entschuldigen. Leider schien auch �ber ihren Aufenthaltsort niemand etwas zu wissen. Er beschlo� bereits lange vor Einbruch der Nacht, da� man sie von ihm fernhielt. Egwene wollte ihn hinhalten, aber er beabsichtigte, sie erkennen zu lassen, da� er nicht einmal ungehalten war. Um diesem Eindruck nachzuhelfen, ging er tanzen.</p><p>Anscheinend dauerten die Feiern zu Ehren einer neuen Amyrlin einen Monat lang, und obwohl jedermann in Salidar den ganzen Tag zu arbeiten schien, wurden an jeder Stra�enecke bei Anbruch der Dunkelheit Freudenfeuer entz�ndet, und Fiedeln und Fl�ten und sogar eine oder zwei Zimbeln wurden hervorgeholt. Musik und Lachen erf�llten die Luft, und bis zur Schlafenszeit herrschte Ausgelassenheit. Er sah Aes Sedai auf den Stra�en mit Kutschern und Stallknechten tanzen, die noch ihre Arbeitskleidung trugen, und Beh�ter mit Schankm�dchen und K�chinnen, die ihre Sch�rzen abgelegt hatten. Aber Egwene war nicht zu sehen. Der verdammte Amyrlin-Sitz w�rde nicht auf den Stra�en tanzen. Und auch Elayne und Nynaeve waren nirgends zu sehen und ebensowenig Thom und Juilin. Thom h�tte selbst mit zwei gebrochenen Beinen keinen Tanz vers�umt, es sei denn, man hinderte ihn daran. Mat st�rzte sich ins Vergn�gen, um jedermann zu zeigen, da� ihn nichts auf der Welt bek�mmerte. Es verlief nicht ganz so, wie er es sich gew�nscht hatte.</p><p>Er tanzte kurze Zeit mit der wundersch�nsten Frau, die er je gesehen hatte und die alles �ber Mat Cauthon wissen wollte. Das war sehr schmeichelhaft, besonders als sie ihn fragte, ob sie den Tanzboden verlassen wollten. Aber nach einer Weile merkte er, da� Halima ihn st�ndig auf gewisse Art streifte, sich auf gewisse Art vorbeugte, um etwas zu betrachten, so da� er nicht umhin konnte, ihr in den Ausschnitt zu blicken. Er h�tte es vielleicht genossen, wenn sie ihm nicht jedesmal mit aufmerksamem Blick und belustigtem L�cheln ins Gesicht gesehen h�tte. Sie war auch keine sehr gute T�nzerin � sie versuchte, ihn zu f�hren �, so da� er sich schlie�lich entschuldigte.</p><p>Es h�tte keine gro�e Sache sein sollen, aber bevor er nur zehn Schritte gegangen war, wurde der Fuchskopf auf seiner Brust eiskalt. Er fuhr wild herum und suchte nach einer Ursache. Aber dort war nur Halima, die ihn im Feuerschein ansah. Es dauerte nur einen Moment, bis sie den Arm eines gro�en Beh�ters ergriff und auf die Tanzfl�che zur�ckwirbelte, aber er war sich sicher, auf diesem wundersch�nen Gesicht Entsetzen gesehen zu haben.</p><p>Die Fiedeln spielten eine klagende Melodie, die er erkannte. Zumindest galt dies f�r eine seiner alten Erinnerungen, die sich nicht sehr ver�ndert hatten, wenn man das Verstreichen eines Zeitraums von �ber eintausend Jahren in Betracht zog. Die gesungene Weise mu�te sich jedoch vollkommen ver�ndert haben, denn diese alten Worte, die in seinem Kopf widerhallten, h�tten hier niemals Geh�r gefunden.</p><p><emphasis>Vertrau mir, sagte die Aes Sedai. Ich trage den Himmel auf meinen Schultern. Vertrau mir, da� ich wei� und tue, was das beste ist, und ich werde mich um den Rest k�mmern. Aber Vertrauen ist die Eigenschaft dunklen, wachsenden Korns</emphasis></p><p><emphasis>Vertrauen ist die Eigenschaft von Herzblut. Vertrauen ist die Eigenschaft des letzten Atemzugs einer Seele.</emphasis></p><p><emphasis>Vertrauen ist die Eigenschaft des Todes.</emphasis></p><p>�Aes Sedai?� erwiderte eine unf�rmige junge Frau ver�chtlich auf seine Frage. Sie war h�bsch, und unter anderen Umst�nden h�tte er vielleicht versucht, sie zu k�ssen und zu umarmen. �Halima ist nur Delanas Schreiberin. Sie neckt die M�nner stets. Wie ein Kind mit einem neuen Spielzeug. Sie neckt, nur um auszuprobieren, ob sie es kann. Sie h�tte schon h�ufig in Schwierigkeiten gesteckt, wenn Delana sie nicht sch�tzen w�rde.�</p><p><emphasis>Vertrau mir, sagte die K�nigin auf ihrem Thron, denn ich mu� die B�rde ganz allein tragen. Vertrau mir die F�hrung und Beurteilung und Regentschaft an,</emphasis></p><p><emphasis>und niemand wird dich f�r einen Narren halten. Aber Vertrauen ist der Klang des am Grab heulenden Hundes.</emphasis></p><p><emphasis>Vertrauen ist der Klang des geheimen Treubruchs.</emphasis></p><p><emphasis>Vertrauen ist der Klang des letzten Atemzugs einer</emphasis></p><p><emphasis>Seele.</emphasis></p><p><emphasis>Vertrauen ist der Klang des Todes.</emphasis></p><p>Vielleicht hatte er sich geirrt. Vielleicht war sie nur dar�ber entsetzt gewesen, da� er fortging. Nicht viele M�nner w�rden eine Frau verlassen, die so h�bsch war, egal ob sie ihn geneckt oder schlecht getanzt hatte. Das mu�te es sein. Aber damit blieb seine Frage noch immer unbeantwortet. Wer und Warum? Er sah sich um, betrachtete die T�nzer und die Menschen, die am Rande der Schatten zusahen und warteten, bis sie an der Reihe waren. Der blonde J�ger des Horns, der ihm vertraut erschienen war, wirbelte mit einer besonders grobknochigen Frau vorbei, deren Zopf fast senkrecht hinter ihr abstand. Mat konnte Aes Sedai an ihren Gesichtern erkennen � die meisten jedenfalls �, aber er konnte nicht feststellen, welche versucht hatte ... was auch immer sie versucht hatte.</p><p>Er schlenderte die Stra�e zum n�chsten Freudenfeuer hinab, nicht nur um von diesem Lied fortzukommen, bevor es mit �Der K�nig von der H�he� und �Die Lady und der Lord� bis zu �Die Liebe deines Lebens� in seinem Kopf weiterging. Bei dieser alten Erinnerung kam ihm wieder in den Sinn, da� er dieses Lied f�r die Liebe seines Lebens geschrieben hatte. <emphasis>Vertrauen ist der Geschmack des Todes.</emphasis> An der n�chsten Stra�enecke spielten ein Mann mit einer Fiedel und eine Frau mit einer Fl�te etwas, was wie �Plustere dich auf� klang � ein passendes Lied f�r einen Volkstanz.</p><p>Wie weit konnte er Egwene trauen? Sie war jetzt eine Aes Sedai. Sie mu�te eine sein, wenn sie die Amyrlin war, wenn auch eine Amyrlin aus dem einfachen Volk. Nun, was auch immer sie war, sie war Egwene. Er konnte nicht glauben, da� sie ihn so unvorbereitet angreifen w�rde. Nynaeve k�nnte es nat�rlich tun, aber nicht, um ihn wirklich zu verletzen, obwohl seine H�fte noch immer schmerzte. Und nur das Licht wu�te, wozu eine Frau wie Elayne f�hig war. Er entschied, da� sie ihn noch immer vertreiben wollten. Er mu�te wahrscheinlich mit weiteren Versuchen rechnen. Er sollte am besten nicht darauf achten. Er hoffte fast, da� sie es erneut versuchen w�rden. Sie konnten ihn nicht mit der Macht ber�hren, und je st�rker sie sich bem�hten und es mi�lang � nun, desto klarer w�rde ihnen, da� er nicht zu vertreiben war.</p><p>Myrelle trat hinter ihn und beobachtete die T�nzer. Er erinnerte sich vage an sie. Er glaubte nicht, da� sie etwas Gef�hrliches �ber ihn wu�te. Er glaubte es nicht. Sie war nat�rlich nicht so sch�n wie Halima, aber immer noch ausgesprochen h�bsch. Flackernde Schatten huschten �ber ihr Gesicht, so da� er fast verga�, da� sie eine Aes Sedai war.</p><p>�Eine warme Nacht�, sagte sie l�chelnd und sprach dann so beil�ufig weiter, w�hrend er ihren Anblick geno�, da� er einige Zeit brauchte, bis er erkannte, was sie vorhatte.</p><p>�Das finde ich nicht�, erwiderte er h�flich, als sie ihn schlie�lich zu Wort kommen lie�. Das hatte man davon, wenn man verga�. Aes Sedai waren Aes Sedai.</p><p>Sie l�chelte nur. �Es h�tte viele Vorteile, und ich w�rde Euch nicht zu stark einschr�nken. Es h�tte sehr viele Vorteile. Ihr habt ein gef�hrliches Leben erw�hlt, oder es wurde f�r Euch erw�hlt. Ein Beh�ter h�tte vielleicht bessere Aussichten zu �berleben.�</p><p>�Das glaube ich wirklich nicht. Nein, aber danke f�r das Angebot.�</p><p>�Denkt dar�ber nach, Mat. Es sei denn... Hat die Amyrlin sich Euch zugeschworen?�</p><p>�Nein.� Das w�rde Egwene nicht tun. Oder doch? Sie konnte es nicht tun, solange er das Medaillon trug, aber w�rde sie es tun, wenn er es nicht mehr bes��e? �Wenn Ihr mich entschuldigen w�rdet?� Er verbeugte sich knapp und ging schnell davon, zu einer h�bschen, blau�ugigen jungen Frau, die im Takt der Musik mit dem Fu� wippte. Sie hatte einen h�bschen Mund, genau richtig zum K�ssen, und er wollte sich am�sieren. �Ich habe Eure Augen gesehen und konnte nicht umhin, hierher zu eilen. M�chtet Ihr tanzen?�</p><p>Er sah den Gro�en Schlangenring an ihrer rechten Hand zu sp�t, und dann �ffnete sich der h�bsche Mund, und eine ihm bekannte Stimme sagte trocken: �Ich habe Euch einmal gefragt, ob Ihr dasein w�rdet, wenn das Haus brennt, mein Junge, aber anscheinend macht Ihr es Euch zur Gewohnheit, ins Feuer hineinzuspringen. Jetzt geht und sucht Euch eine andere zum Tanzen.�</p><p>Siuan Sanche! Sie war ged�mpft und tot! Sie sah ihn mit dem Gesicht einer jungen Frau an, das sie gestohlen hatte, und trug einen Aes-Sedai-Ring! Er hatte <emphasis>Siuan Sanche</emphasis> um einen Tanz gebeten!</p><p>W�hrend er sich umschaute, wirbelte eine geschmeidige junge Domani-Frau in einem hellgr�nen Gewand vorbei, das so d�nn war, da� ihre Gestalt vorn Freudenfeuer durch den Stoff abgezeichnet wurde. Sie gew�hrte Siuan einen frostigen Blick, den diese mit Interesse erwiderte, und ri� ihn fast aus den Reihen der T�nzer heraus. Sie war so gro� wie eine Aiel. Ihre dunklen Augen lagen ein wenig h�her als seine eigenen. �Ich bin �brigens Leane�, sagte sie mit einer honigs��en Stimme, �falls Ihr mich nicht erkannt habt.� Ihr tiefes Lachen war fast eine Liebkosung.</p><p>Er zuckte zusammen und verdarb fast die erste Drehung. Auch sie trug den Ring. Er bewegte sich rein mechanisch. Sie lag trotz ihrer Gr��e wie eine Feder in seinen Armen, wie ein dahinschwebender Schwan, aber das konnte sicherlich die Frage nicht verdr�ngen, die wie ein Feuerwerk in seinem Kopf dr�hnte: Wie? Wie, unter dem Licht? Um das alles noch zu �berbieten, sagte sie, als der Tanz vor�ber war, mit dieser streichelnden Stimme: �Ihr seid ein sehr guter T�nzer.� Und dann k��te sie ihn fast vollendeter, als er jemals zuvor gek��t worden war. Er war so erschrocken, da� er sich ihr nicht einmal zu entziehen versuchte. Sie t�tschelte ihm seufzend die Wange. �Ein sehr guter T�nzer. Denkt daran, wenn Ihr es das n�chste Mal versucht, und Ihr werdet besser sein.� Lachend ging sie davon und tanzte erneut mit irgendeinem Burschen aus der Zuschauermenge.</p><p>Mat beschlo�, da� er so viel erlebt hatte, wie ein Mann in einer Nacht ertragen konnte. Er ging zum Stall zur�ck und legte sich schlafen, wobei er seinen Sattel als Kissen benutzte. Seine Tr�ume w�ren erfreulicher gewesen, wenn sie nicht Myrelle und Siuan und Leane und Halima mit einbezogen h�tten. Ein Mann konnte Tr�ume von Natur aus nicht deuten.</p><p>Der n�chste Tag mu�te besser werden, dachte er, als sich in der D�mmerung Vanins Gestalt auf dem Heuboden abzeichnete, der ebenfalls auf seinem Sattel schlief. Talmanes verstand und w�rde die Stellung halten. Beh�ter hatten die Vorbereitungen der Horde verfolgt, wollten zweifellos gesehen werden, aber niemand hatte sich der Horde gen�hert. Eine weniger erfreuliche �berraschung war die Entdeckung von Olvers Grauem im Hof hinter dem Stall, w�hrend Olver selbst in seine Decken gerollt in einer Ecke lag.</p><p>�Ihr braucht jemanden, der Euch den R�cken freih�lt�, belehrte er Mat d�ster. �Man kann ihr nicht trauen.� Er brauchte Aviendhas Namen nicht zu erw�hnen.</p><p>Olver hatte kein Interesse daran, mit den Kindern im Dorf zu spielen, so da� Mat den Jungen ertragen mu�te, w�hrend er ihm in Salidar �berallhin nachging, sein Bestes tat, den schwebenden Gang eines Beh�ters nachzuahmen und st�ndig nach Aviendha Ausschau hielt, die noch immer nirgends zu sehen war, genauso wenig wie Elayne und Nynaeve. Und die Amyrlin war noch immer besch�ftigt. Thom und Juilin waren ebenfalls besch�ftigt. Vanin gelang es, einiges aufzuschnappen, aber es war nichts dabei, was Mat gl�cklich gemacht h�tte. Wenn Nynaeve sowohl Siuan als auch Leane wirklich geheilt hatte, w�re sie jetzt unertr�glicher denn je. Sie hatte schon immer viel von sich gehalten, und wenn sie vollbracht hatte, was nicht vollbracht werden konnte, w�re ihr Kopf wohl gr��er als eine Wassermelone. Aber das war noch das wenigste. Die Erw�hnung Logains und der Roten Ajah machte Mat Sorgen. Das klang wie etwas, was keine Aes Sedai verzeihen w�rde. Wenn Gareth Bryne ihr Heer anf�hrte, ging es nicht um Bauernp�bel und das Leerfegen der Stra�en mit wenigen Beh�tern zur Verst�rkung. Wenn man dazu noch bedachte, da� Vanin gesehen hatte, wie Lebensmittel eingewickelt und f�r unterwegs in F�sser verpackt wurden, dann klang das nach Schwierigkeiten. Die schlimmsten Schwierigkeiten, die er sich vorstellen konnte, fast so schlimm, wie einen der Verlorenen gegen�ber am Tisch sitzen zu haben, wenn ein Dutzend Trollocs zur T�r hereinkommt. Nichts von alledem machte sie zu geringeren Narren. Es machte sie zu sehr gef�hrlichen Narren. Wenn Thom jemals aus seinem Versteck k�me, k�nnte er einer seiner Geschichten vielleicht auch einmal ein �Wie� entnehmen.</p><p>Abends sprach Myrelle ihn erneut an, ob er ein Beh�ter werden wolle, und wurde ein wenig �rgerlich, als er ihr sagte, ihres sei bereits das f�nfte Angebot, das er seit Sonnenaufgang abgelehnt habe. Er war sich nicht sicher, ob sie ihm glaubte. Sie st�rmte so beleidigt davon, wie er es noch nie zuvor bei einer Aes Sedai erlebt hatte. Aber es stimmte. Das allererste Angebot war, als er noch zu fr�hst�cken versucht hatte, von jener Delana gekommen, f�r die Halima arbeitete, eine st�mmige, hellhaarige Frau mit w�sserigen blauen Augen, die ihn heftig bedr�ngte. An diesem Abend hielt er sich vom Tanzboden fern und legte sich mit Musik und Lachen in den Ohren schlafen. Aber beides klang jetzt bitter.</p><p>Es war sp�t am Nachmittag seines zweiten Tages in Salidar, als ein M�dchen in einem wei�en Gewand erschien, h�bsch, mit Sommersprossen und sehr um frostige W�rde bem�ht, was ihr beinahe gelang. �Ihr werdet sofort vor der Amyrlin erscheinen.� Punktum, und kein Wort mehr. Mat bedeutete ihr, sie solle vorausgehen. Es schien angemessen, und offenbar gefiel es ihr.</p><p>Alle waren sie in dem Raum in der Kleinen Burg: Egwene und Nynaeve und Elayne und Aviendha, obwohl er zweimal hinsehen mu�te, um die Aielfrau in einem Blauen Gewand aus edlem Stoff mit Spitzenkragen und Manschetten zu erkennen. Zumindest versuchten weder Aviendha noch Elayne einander zu erw�rgen, aber sie zeigten beide versteinerte Gesichter, worin sie sich von Egwene und Nynaeve nicht unterschieden. Alle vier Gesichter waren vollkommen ausdruckslos, und aller Augen waren auf ihn gerichtet. Es gelang ihm, den Mund zu halten, w�hrend Egwene seine M�glichkeiten aufz�hlte, wie sie diese sah, w�hrend sie mit einer gestreiften Stola um die Schultern hinter dem Tisch sa�.</p><p>�Solltest du glauben, da� du nichts von alledem zustande bringen kannst�, beendete sie ihre Rede, �dann erinnere dich, da� ich dich jederzeit auf dein Pferd binden und zur Horde zur�ckbringen lassen kann. In Salidar ist kein Platz f�r Faulpelze und Dr�ckeberger. Das werde ich nicht dulden. Du hast die Wahl: Entweder gehst du mit Elayne und Nynaeve nach Ebou Dar, oder du gehst fort und siehst zu, wen du mit deinen Flaggen und Bannern beeindrucken kannst.�</p><p>Wodurch ihm tats�chlich �berhaupt keine Wahlm�glichkeit blieb. Als er dies sagte, ver�nderte sich niemandes Gesichtsausdruck. Wenn �berhaupt eine Regung zu erkennen war, nahm Nynaeves Gesicht allenfalls noch einen versteinerteren Ausdruck an. Und Egwene sagte nur: �Ich bin froh, da� dies gekl�rt ist, Mat. Und jetzt habe ich tausend Dinge zu erledigen. Ich werde versuchen, dich noch einmal zu sehen, bevor du gehst.� Er wurde wie ein Stallbursche entlassen. Die Amyrlin war besch�ftigt. Sie h�tte ihm wenigstens eine Kupferm�nze zuwerfen k�nnen.</p><p>An seinem dritten Morgen in Salidar fand sich Mat unmittelbar au�erhalb davon wieder, auf freiem Feld zwischen dem Dorf und dem Wald. �Sie k�nnen hier warten, bis ich zur�ckkomme�, belehrte er Talmanes, w�hrend er �ber die Schulter zu den Pferden schaute. Sie w�rden bald kommen, und er wollte nicht, da� Egwene irgend etwas hiervon erfuhr, denn sie w�rde es nach M�glichkeit zu verhindern versuchen. �Ich hoffe es jedenfalls. Wenn sie sich regen, folgt ihnen, wohin auch immer sie gehen, aber niemals so nahe, da� sie sich �ngstigen. Und wenn eine junge Frau namens Egwene auftaucht, stellt ihr keine Fragen, sondern nehmt sie einfach mit und reitet nach Caemlyn, und wenn ihr durch Gareth Bryne hindurchreiten m��t.� Sie k�nnten sehr wohl vorhaben, nach Caemlyn zu ziehen. Die M�glichkeit bestand durchaus. Er bef�rchtete jedoch, da� ihr Ziel Tar Valon sein k�nnte. Tar Valon und die Axt des Henkers. �Und nehmt Nerim mit Euch.�</p><p>Talmanes sch�ttelte den Kopf. �Wenn Ihr Nalesean mitnehmt, wird es als Beleidigung aufgefa�t werden, wenn Ihr mich nicht meinen Mann mitschicken la�t, damit er sich um Eure Belange k�mmert.� Mat w�nschte, Talmanes w�rde hin und wieder l�cheln. Es w�re hilfreich zu erkennen, wann er etwas ernst meinte.</p><p>Nerim stand mit Pips ein St�ck entfernt, und seine kleine, unf�rmige braune Stute sowie zwei Packpferde mit bis obenhin vollgestopften Weidenk�rben ragten �ber ihm auf. Naleseans Mann, ein st�mmiger Bursche namens Lopin, f�hrte au�er seinem Wallach und Naleseans gro�em schwarzen Hengst nur ein Packpferd mit sich.</p><p>Das war noch nicht die ganze Gruppe. Niemand schien bereit, ihm mehr zu sagen, als wo und wann er sich einfinden sollte, aber mitten in einem weiteren Gespr�ch �ber die Beh�ter hatte Myrelle ihn wissen lassen, es sei jetzt in Ordnung, wenn er sich mit der Horde in Verbindung setzte, solange er sie nicht n�her an Salidar heranzubringen versuchte. Das w�re ihm als letztes in den Sinn gekommen. Vanin war heute morgen hier, weil er die Lage des Landes auskundschaften konnte, sowie ein Dutzend wegen ihrer breiten Schultern und ihrer in Maerone als Rotwaffen erwiesenen Disziplin aus der Horde auserw�hlte Reiter. Nalesean meinte, schnelle F�uste und Keulen sollten jegliche Ungelegenheit abwehren k�nnen, in die Nynaeve und Elayne geraten mochten, zumindest ausreichend lange, um sie fortzubringen. Das letzte Mitglied der Gruppe war Olver auf seinem Grauen, den er �Wind� genannt hatte, was das langbeinige Tier vielleicht sogar verdiente. Bei Olver hatte es Bedenken gegeben. Die Horde k�nnte sehr wohl auf Schwierigkeiten sto�en, wenn sie diesem Haufen verr�ckter Frauen tats�chlich folgen mu�ten. Vielleicht keine Schwierigkeiten mit Bryne, aber es w�rden sich gen�gend viele Adlige �ber zwei Heere erz�rnen, die ihre L�ndereien durchquerten, was n�chtliche Angriffe auf die Pferde und aus jedem zweiten Dickicht hervorfliegende Pfeile bedeutete.</p><p>Noch immer war kein Anzeichen der Aes Sedai zu erkennen, als die Sonne bereits �ber die Baumwipfel stieg.</p><p>Mat ri� sich ver�rgert den Hut vom Kopf. �Nalesean kennt Ebou Dar, Talmanes.� Der Tairener grinste und nickte. Talmanes' Gesichtsausdruck �nderte sich nicht.</p><p>�Oh, das ist schon in Ordnung. Nerim kommt mit.� Talmanes neigte den Kopf. Vielleicht hatte er es ernst gemeint.</p><p>Schlie�lich regte sich im Dorf etwas � eine berittene Gruppe Frauen kam heran, die Packpferde mit sich f�hrten. Es waren nicht nur Elayne und Nynaeve, obwohl er niemanden sonst erwartet hatte. Aviendha trug ein graues Reitgewand, aber sie wirkte auf ihrer hageren, grauen Stute �u�erst unbeholfen. Die J�gerin mit dem blonden Zopf wirkte auf ihrem breitkruppigen, mausgrauen Wallach zuversichtlicher und schien Aviendha gerade von irgend etwas, das ihre Stute betraf, �berzeugen zu wollen. Was wollten die beiden dort? Auch zwei Aes Sedai waren dabei � weitere Aes Sedai au�er Nynaeve und Elayne, sollte er vermutlich sagen �, schlanke Frauen mit wei�em Haar, was er bei einer Aes Sedai noch niemals zuvor gesehen hatte. Ein alter Bursche folgte ihnen zu Pferde und mit einem Packtier, ein sehniger Mann mit sch�tterem grauen Haar. Mat brauchte einen Moment, um zu erkennen, da� er ein Beh�ter war, da einer dieser die Farben ver�ndernden Umh�nge seinen R�cken herabhing. Das bedeutete es, ein Beh�ter zu sein: Aes Sedai bearbeiteten sie, bis ihnen das Haar ausfiel, und bearbeiteten dann wahrscheinlich auch noch ihre Knochen, wenn sie tot waren.</p><p>Thom und Juilin folgten dichtauf, und auch sie f�hrten ein Packpferd mit sich. Die Frauen blieben mit ihrem betagten Beh�ter ungef�hr f�nfzig Schritte zur Linken stehen und sahen Mat und seine M�nner kaum an. Der Gaukler betrachtete Nynaeve und die anderen und sprach dann mit Juilin, woraufhin sie ihre Pferde auf Mat zuf�hrten, aber dann j�h stehenblieben, als w�ren sie nicht sicher, willkommen zu sein. Mat ging zu ihnen.</p><p>�Ich mu� mich entschuldigen, Mat�, sagte Thom und zupfte an seinem Schnurrbart. �Elayne hatte bestimmt, da� ich nicht mehr mit dir sprechen durfte. Sie hat diesen Befehl erst heute morgen aufgehoben. Ich versprach ihr in einem schwachen Moment vor mehreren Monaten, ihren Befehlen zu folgen, und auf diesem Versprechen beharrt sie zu den ungelegensten Zeiten. Sie war nicht sehr erfreut dar�ber, da� ich soviel gesagt hatte.�</p><p>�Nynaeve hat mir gedroht, mir ein blaues Auge zu verpassen, wenn ich mich dir n�hern w�rde�, sagte Juilin verdrie�lich, w�hrend er sich auf seinen Bambusstock lehnte. Er trug die rote Kappe der Taraboner, die nicht viel Schutz vor der Sonne gew�hrte, und selbst sie wirkte verdrie�lich.</p><p>Mat betrachtete die Frauen. Nynaeve sp�hte �ber den Sattel hinweg zu ihm, aber als sie bemerkte, da� er sie ansah, duckte sie sich hinter den Hals ihrer unf�rmigen braunen Stute. Er h�tte geglaubt, da� nicht einmal Nynaeve Juilin �berlegen w�re, aber der dunkle Diebef�nger war nur noch ein Schatten des Mannes, den er in Tear kennengelernt hatte. Jener Juilin war zu allem bereit gewesen. Jetzt runzelte Juilin st�ndig die Stirn und schien niemals aufzuh�ren, sich zu sorgen. �Wir werden ihr auf dieser Reise Manieren beibringen, Juilin. Thom, ich bin derjenige, der sich entschuldigen mu� � wegen dem, was ich �ber den Brief gesagt habe. Die Hitze und die Sorge um die t�richten Frauen waren schuld. Ich hoffe, der Brief enthielt gute Nachrichten.� Er erinnerte sich zu sp�t an Thoms Worte. Er hatte die Frau, die diesen Brief geschrieben hatte, sterbend zur�ckgelassen.</p><p>Aber Thom zuckte nur die Achseln. Mat wu�te nicht, wie er ihn ohne seinen Gauklerumhang nehmen sollte. �Gute Neuigkeiten? Das habe ich noch nicht in Erfahrung bringen k�nnen. Oft wei� man nicht, ob eine Frau eine Freundin, eine Feindin oder eine Geliebte ist, bis es zu sp�t ist. Manchmal ist sie alles zugleich.� Mat erwartete ein Lachen, aber Thom runzelte nur die Stirn und seufzte. �Frauen scheinen sich gern geheimnisvoll zu geben, Mat. Ich kann dir ein Beispiel nennen. Erinnerst du dich an Aludra?�</p><p>Mat dachte nach. �Die Feuerwerkerin, die wir in Aringill davor bewahrt haben, da� ihr die Kehle durchgeschnitten wurde?�</p><p>�Genau die. Juilin und ich trafen sie auf unseren Reisen, und sie kannte mich nicht... Nicht da� sie mich nicht <emphasis>wiedererkannt</emphasis> h�tte. Man redet mit Fremden, mit denen man reist, um sie kennenzulernen. Aludra wollte nicht mit mir reden, und auch wenn ich nicht wei� warum, sah ich keinen Grund, Eindruck zu schinden. Ich traf sie als Fremde und verlie� sie als Fremde. W�rdest du sie als eine Freundin oder eine Feindin bezeichnen?�</p><p>�Vielleicht eine Geliebte�, antwortete Mat trocken. Er h�tte nichts dagegen, Aludra wiederzubegegnen. Sie hatte ihm einige sehr n�tzliche Anregungen gegeben. �Wenn du etwas �ber Frauen wissen willst, dann frage Perrin, nicht mich. Ich wei� �berhaupt nichts. Ich habe immer gedacht, Rand w��te etwas dar�ber, aber bei Perrin bin ich mir dessen sicher.� Elayne sprach unter den wachsamen Blicken der J�gerin mit den beiden wei�haarigen Aes Sedai. Eine von ihnen schaute nachdenklich in Mats Richtung. Sie verhielten sich genau wie Elayne, k�hl wie K�niginnen auf ihrem verdammten Thron. �Nun, vielleicht brauche ich mich nicht lange mit ihnen aufzuhalten�, murmelte er zu sich selbst. �Mit etwas Gl�ck wird ihr Vorhaben nicht allzu lange dauern, und wir k�nnen in f�nf oder zehn Tagen zur�cksein.� Mit etwas Gl�ck w�re er vielleicht zur�ck, bevor die Horde die unvern�nftigen Frauen unbemerkt zu beschatten begann. Zwei Heere zu verfolgen w�re nat�rlich genauso leicht, wie einen Kuchen zu stehlen, aber er wollte nicht mehr Zeit in Elaynes Gegenwart verbringen als n�tig. �Zehn Tage?� sagte Thom. �Mat, selbst mit diesem <emphasis>Wegetor</emphasis> wird es schon f�nf oder sechs Tage dauern, bis wir Ebou Dar erreichen. Das ist zwar besser als ein Ritt von zwanzig Tagen, aber...�</p><p>Mat h�rte nicht mehr zu. Der ganze �rger, der sich aufgebaut hatte, seit er Egwene zum ersten Mal gesehen hatte, brach sich j�h Bahn. Er ri� sich den Hut vom Kopf und n�herte sich Elayne und den anderen Frauen. Es war schon schlimm genug, ihn im ungewissen zu lassen � wie sollte er sie vor Gefahr sch�tzen, wenn sie ihm nichts sagten? �, aber dies war l�cherlich. Nynaeve sah ihn kommen und fl�chtete hinter ihre Stute.</p><p>�Es wird ein Erlebnis sein, mit einem <emphasis>Ta'veren</emphasis> zu reisen�, bemerkte eine der wei�haarigen Aes Sedai. Mat konnte auch aus der N�he ihr Alter nicht bestimmen, aber irgendwie vermittelte ihr Gesicht den Eindruck hohen Alters. Es mu�te an ihrem Haar liegen. Die andere Aes Sedai h�tte ihr Spiegelbild sein k�nnen. Vielleicht waren sie tats�chlich Schwestern. �Ich bin Vandene Namelle.�</p><p>Mat war nicht in der Stimmung, dar�ber zu sprechen, da� er ein <emphasis>Ta'veren</emphasis> war. Er war niemals in dieser Stimmung, aber jetzt ganz sicher nicht. �Was ist das f�r ein Unsinn, da� wir f�nf oder sechs Tage bis Ebou Dar brauchen?� Der alte Beh�ter richtete sich auf und sah ihn scharf an, und Mat taxierte auch ihn neu. Er war zwar sehnig, aber auch hart wie alte Wurzeln, was man seiner Stimme nicht anmerkte. �Ihr k�nnt in Sichtweite Ebou Dars ein Wegetor er�ffnen. Wir sind kein verdammtes Heer, das jemanden �ngstigen will, und was das Erscheinen aus dem Nichts betrifft, so seid Ihr Aes Sedai. Die Menschen erwarten von Euch, da� Ihr aus dem Nichts erscheint und durch Mauern geht.�</p><p>�Ich f�rchte, Ihr sprecht die Falsche an�, sagte Vandene. Er betrachtete die andere wei�haarige Frau, die den Kopf sch�ttelte, w�hrend Vandene hinzuf�gte: �Ich f�rchte, Adeleas ist auch nicht die Richtige. Es scheint, da� wir einigen der neuen Dinge nicht gewachsen sind.�</p><p>Mat z�gerte, zog dann seinen Hut in die Stirn und wandte sich Elayne zu.</p><p>Sie reckte das Kinn empor. �Anscheinend wei�t du noch weniger, als du zu wissen glaubst, Mat Cauthon�, sagte sie k�hl. Er sah, da� sie nicht schwitzte, nicht mehr als die beiden anderen Aes Sedai. Die J�gerin sah ihn herausfordernd an. �Es gibt in hundert Meilen Umkreis um Ebou Dar D�rfer und Bauernh�fe�, fuhr Elayne fort, einem Narren das Offensichtliche erkl�rend. �Ein Wegetor ist nicht ungef�hrlich. Ich m�chte nicht die Schafe oder K�he irgendeines armen Mannes t�ten, und noch viel weniger den armen Mann selbst�</p><p>Er ha�te ihren Tonfall. Sie hatte recht, aber er w�rde nicht zugeben, da� sie recht hatte, nicht ihr gegen�ber, und w�hrend er nach einem Ausweg suchte, sah er Egwene mit zwei Dutzend oder mehr Aes Sedai aus dem Dorf herankommen, von denen die meisten mit Fransen besetzte Stolen trugen. Oder genauer gesagt: Egwene kam, und die anderen folgten ihr. Den Kopf hoch erhoben, schaute sie strikt geradeaus, die gestreifte Stola um den Hals gelegt. Die anderen schritten in kleinen Gruppen hinter ihr einher. Sheriam, welche die blaue Stola der H�terin trug, sprach mit Myrelle und einer Aes Sedai mit gutm�tigem Gesicht, die m�tterlich wirkte. Mat erkannte als einzige Aes Sedai Delana. Alle sprachen miteinander, ohne auf die Frau zu achten, die sie zur Amyrlin ernannt hatten. Egwene h�tte genausogut allein sein k�nnen. Und sie wirkte allein. Da er sie kannte, wu�te er, da� sie sich sehr bem�hte, ihrer Ernennung gerecht zu werden, und sie lie�en sie, f�r jedermann sichtbar, allein gehen.</p><p><emphasis>In den Krater des Verderbens mit ihnen, wenn sie glauben, sie k�nnten eine Frau aus den Zwei Fl�ssen so behandeln,</emphasis> dachte Mat grimmig.</p><p>Er trat auf Egwene <emphasis>zu,</emphasis> nahm den Hut vom Kopf und verbeugte sich so ehrerbietig wie m�glich, und er konnte es gut, wenn es sein mu�te. �Guten Morgen, Mutter, das Licht m�ge auf Euch scheinen�, sagte er laut genug, da� er auch im Dorf geh�rt wurde. Er kniete sich hin, ergriff ihre rechte Hand und k��te ihren Gro�en Schlangenring. Ein schneller Blick und eine Grimasse zu Talmanes und den anderen lie� sie alle eilig hinknien und rufen: �Das Licht bescheine Euch, Mutter.� Sogar Thom und Juilin.</p><p>Egwene wirkte zuerst best�rzt, obwohl sie es rasch verbarg. Dann l�chelte sie und sagte weich: �Danke, Mat.�</p><p>Er sah einen Moment zu ihr hoch, r�usperte sich dann, erhob sich und klopfte sich den Staub von den Knien. Sheriam und alle anderen hinter Egwene sahen ihn an. �Ich habe dich nicht hier erwartet�, sagte er leise, �aber andererseits scheint es hier vieles zu geben, was ich nicht erwartet habe. Ist es �blich, da� die Amyrlin Reisende verabschiedet? Du wirst mir doch jetzt nicht etwa erz�hlen wollen, worum es bei alledem geht, oder?�</p><p>Sie h�tte es vielleicht im ersten Moment getan, aber dann bi� sie die Z�hne zusammen und sch�ttelte leicht den Kopf. �Ich werde Freunde immer verabschieden, Mat. Ich h�tte schon fr�her mit dir gesprochen, wenn ich nicht so besch�ftigt gewesen w�re. Mat, halte dich in Ebou Dar von Schwierigkeiten fern.�</p><p>Er sah sie entr�stet an. Hier kniete er sich hin und k��te Ringe, und sie sagte <emphasis>ihm,</emphasis> er solle sich von Schwierigkeiten fernhalten, wenn er doch nur das Ziel verfolgte, Elayne und Nynaeve mit heiler Haut davonkommen zu lassen. �Ich werde es versuchen, Mutter�, sagte er mit etwas verzerrter Stimme. Vielleicht waren Sheriam und einige der anderen nahe genug, ihn zu h�ren. �Wenn Ihr mich entschuldigen wollt � ich mu� mich um meine M�nner k�mmern.�</p><p>Eine weitere Verbeugung, und er ging einige Schritte r�ckw�rts, bevor er zu der Stelle trat, wo Talmanes und die anderen noch immer knieten. �Wollt ihr so verharren, bis ihr Wurzeln schlagt?� grollte er. �Steigt auf.� Alle au�er Talmanes stiegen in die S�ttel.</p><p>Egwene wechselte einige Worte mit Elayne und Nynaeve, w�hrend Vandene und Adeleas zu Sheriam traten, um mit ihr zu sprechen. Und dann war die Zeit, nach allem Tr�deln, doch sehr schnell gekommen. Mat erwartete irgendeine Art von Zeremonie, da Egwene in ihrer Stola dabei war, aber sie und die anderen, die nicht mit fortgingen, zogen sich nur ein kleines St�ck zur�ck. Elayne trat vor, und pl�tzlich erschien vor ihr ein Blitzstrahl, der sich zu einer �ffnung erweiterte. Was durch diese �ffnung zu sehen war � anscheinend ein niedriger, mit braunem Gras bedeckter H�gel � kam aus einer Drehbewegung heraus zum Stillstand. Genauso wie bei Rand. Fast zumindest �Steigt ab�, befahl Mat. Elayne wirkte sehr zufrieden mit sich, aber ob dem so war oder nicht, das Wegetor war nicht so gro� wie dasjenige, das Rand f�r die Horde geschaffen hatte. Nat�rlich waren sie nicht ann�hernd so viele Personen wie die Horde, aber sie h�tte es wenigstens so hoch gestalten k�nnen, da� man h�tte hindurchreiten k�nnen.</p><p>Auf der anderen Seite erstreckten sich niedrige, wogende, mit braunem Gras bewachsene H�gel, so weit Mat sehen konnte, auch als er wieder auf Fips' R�cken stieg, obwohl eine dunkle Fl�che im S�den Wald vermuten lie�. Sandfarbene H�gel.</p><p>�Wir d�rfen die Pferde nicht zu hart vorantreiben�, sagte Adeleas, w�hrend sie ihre rundliche, graue Stute m�helos umwandte, sobald das Wegetor verschwunden war.</p><p>�Oh, nat�rlich nicht�, sagte Vandene. Ihr Pferd war ein gro�er, schlanker schwarzer Wallach. Vandene und Adeleas brachen gen S�den auf und bedeuteten den anderen, ihnen zu folgen. Der alte Beh�ter ritt rechts hinter ihnen.</p><p>Nynaeve und Elayne wechselten ver�rgerte Blicke, gruben ihren Stuten aber dann die Fersen in die Seiten, um die �lteren Frauen einzuholen, wobei die Pferdehufe Staub aufwirbelten, bis sie auf gleicher H�he waren. Die blonde J�gerin blieb ihnen genauso beharrlich auf den Fersen wie der Beh�ter den anderen beiden.</p><p>Mat l�ste seufzend das schwarze Tuch um seinen Hals und band es sich �ber Nase und Mund. So sehr es ihm vielleicht auch gefiel, wenn die �lteren Aes Sedai diesen beiden Vernunft beibrachten, so w�nschte er sich doch nur einen ereignislosen Ritt, einen kurzen Aufenthalt in Ebou Dar und eine schnelle R�ckkehr nach Salidar, bevor Egwene etwas T�richtes tat, das nicht wiedergutzumachen war. Frauen machten ihm stets Schwierigkeiten. Er verstand es nicht.</p><p>Als das Wegetor verbla�te, seufzte Egwene. Vielleicht konnten Elayne und Nynaeve gemeinsam verhindern, da� Mat in zu gro�e Schwierigkeiten geriet. Ihn vollst�ndig davon fernzuhalten, war wahrscheinlich zuviel verlangt. Sie empfand Bedauern dar�ber, da� sie ihn benutzte, aber er war dort, wo er sich jetzt befand, vielleicht von Nutzen, und er hatte von der Horde getrennt werden m�ssen. Au�erdem verdiente er es. Vielleicht w�rde Elayne ihm <emphasis>tats�chlich</emphasis> ein paar Manieren beibringen.</p><p>Sie wandte sich zu den anderen um, zum Saal und Sheriam und ihrem Kreis. �Jetzt m�ssen wir unsere Aufgabe weiterf�hren.�</p><p>Aller Augen wandten sich dem Cairhiener im dunklen Umhang zu, der in der N�he des Waldes gerade auf sein Pferd stieg. Talmanes, dachte Egwene, hatte Mat ihn genannt. Sie hatte es nicht gewagt, zu viele Fragen zu stellen. Er betrachtete sie alle einen Moment und sch�ttelte den Kopf, bevor er in den Wald hineinritt.</p><p>�Ein Mann, der nichts Gutes verhei�t, wenn ich schon jemals einen solchen Mann gesehen habe�, sagte Romanda.</p><p>Lelaine nickte. �Es wird besser sein, Abstand zwischen uns und M�nner wie ihn bringen.�</p><p>Egwene erlaubte sich kein L�cheln. Mats Horde hatte vorerst ihren Zweck erf�llt, aber vieles hing jetzt davon ab, welche Befehle Mat diesem Talmanes hinterlassen hatte. Sie glaubte, dabei auf Mat z�hlen zu k�nnen. Siuan sagte, da� dieser Vanin schon Dinge bereinigt hatte, bevor sie auch nur eine Gelegenheit gehabt hatte, sie ihm unter die Nase zu reiben. Und wenn sie schutzsuchend zur Horde laufen wollte, m��te die Horde ihr nahe sein. �Wollen wir zu unseren Pferden gehen?� fragte sie. �Wenn wir jetzt losreiten, sollten wir Lord Bryne noch vor Sonnenuntergang einholen.�</p></section><section><title><p>45</p><p>Ein bitterer Gedanke</p></title><p>Als Vilnar seinen berittenen Sp�htrupp durch die Stra�en der Neustadt f�hrte, nicht weit von der hohen �u�eren Stadtmauer entfernt, deren graue Quader in der Mittagssonne wie von silbernen und wei�en Streifen durchzogen wirkte, dachte er dar�ber nach, sich seinen Bart abzurasieren. Einige andere hatten dies bereits getan. Wenn jedermann sagte, diese Hitze sei unnat�rlich, mu�te es in Saldaea k�hler gewesen sein. Er f�hlte sich ausreichend sicher, um seine Gedanken umherschweifen zu lassen. Er konnte sein Pferd im Schlaf f�hren, und nur der tollk�hnste Taschendieb w�rde es wagen, in der N�he von zehn Saldaeanern zu stehlen. Sie ritten fast ziellos voran, damit die Burschen nicht wu�ten, wo sie in Sicherheit waren. In Wahrheit sperrten sie h�ufiger einfach nur diejenigen ein, die zu ihnen kamen, als da� sie Diebe fangen mu�ten, denn auch der hartgesottenste Maulheld in Caemlyn w�rde zu den Saldaeanern gelaufen kommen, damit sie ihn festn�hmen, bevor die Aiel es tun konnten. Also hielt Vilnar nur ein Auge auf die Stra�e gerichtet und lie� seine Gedanken schweifen. Er dachte �ber das M�dchen zu Hause in Mehar nach, die er gerne heiraten w�rde. Teryanes Vater war ein H�ndler und w�nschte sich vielleicht mehr einen Krieger zum Schwiegersohn, als Teryane sich einen zum Ehemann w�nschte. Er dachte �ber das Spiel nach, das diese Aielfrauen vorgeschlagen hatten: �Der Ku� der Tochter des Speers� klang harmlos, aber da war ein Glitzern in ihren Augen gewesen, dem er nicht ganz traute. Aber haupts�chlich dachte er �ber die Aes Sedai nach.</p><p>Vilnar hatte sich stets gew�nscht, einer Aes Sedai zu begegnen, und sicherlich konnte es in diesen Zeiten keinen geeigneteren Ort geben als Caemlyn, es sei denn, er ginge eines Tages nach Tar Valon. Offensichtlich waren �berall in Caemlyn Aes Sedai. Er war zum <emphasis>Culains Jagdhund</emphasis> geritten, wo den Ger�chten nach hundert von ihnen sein sollten, aber er hatte sich im letzten Moment doch nicht �berwinden k�nnen hineinzugehen. Ein Schwert in H�nden, ein Pferd zwischen den Knien und M�nner oder Trollocs vor sich gaben ihm Zuversicht, aber der Gedanke an Aes Sedai machte ihn befangen. Au�erdem h�tte das Gasthaus keine hundert Frauen bewirten k�nnen, und die M�dchen, die er sah, waren wahrscheinlich keine Aes Sedai. Er war auch zur <emphasis>Rosenkrone</emphasis> gegangen, hatte das Gasthaus von der anderen Stra�enseite aus beobachtet, aber er war sich nicht sicher, da� auch nur eine der Frauen, die er gesehen hatte, eine Aes Sedai war, und das machte ihn sicher, da� sie es nicht waren.</p><p>Er blinzelte einer d�nnen Frau mit breiter Nase zu, die aus einem gro�en, wohl einem Kaufmann geh�renden Haus trat. Sie blieb zun�chst stirnrunzelnd auf der Stra�e stehen, bevor sie einen breitkrempigen Strohhut aufsetzte und davoneilte. Vilnar sch�ttelte den Kopf. Er h�tte ihr Alter nicht benennen k�nnen, aber das allein gen�gte nicht. Er wu�te, wie man eine Aes Sedai erkennt. Jidar hatte behauptet, sie seien so wundersch�n, da� sie einen Mann mit einem L�cheln t�ten k�nnten, und Rissen beharrte darauf, da� sie einen Fu� gr��er w�ren als jeder Mann. Vilnar wu�te, da� man sie am Gesicht erkennen konnte, an dem alterslosen Gesicht einer Unsterblichen. Man w�rde sich unm�glich t�uschen k�nnen.</p><p>Als der Sp�htrupp gegen�ber dem mit T�rmen versehenen, gew�lbten Wei�br�cken-Tor ankam, verga� Vilnar die Aes Sedai. Vor dem Tor erstreckte sich die Stra�e entlang einer der Bauernm�rkte, lange, offene Marktst�nde, die mit roten oder purpurfarbenen Ziegeln gedeckt waren, Pferche voller K�lber und Schweine und Schafe, H�hner und Enten und G�nse und St�nde, an denen von Bohnen bis R�ben alles verkauft wurde. Solche M�rkte waren �blicherweise eine Kakophonie von Geschrei, aber jetzt herrschte bis auf die Ger�usche der Tiere Stille, die die seltsamste Prozession begleitete, die Vilnar je gesehen hatte.</p><p>Es war eine lange Reihe Bauern, die jeweils zu viert auf Pferden nebeneinanderritten, anscheinend noch von Wagen gefolgt. Es waren mit Sicherheit Bauern, da sie grobe Umh�nge trugen, aber jeder einzelne von ihnen hatte einen Langen Bogen �ber den R�cken geschlungen, einen gef�llten K�cher an einer H�fte und ein Langmesser oder ein Kurzschwert an der anderen. Angef�hrt wurde die Prozession von einem wei�en, rot ger�nderten und mit einem roten Wolfskopf versehenen Banner vor einer Ansammlung von Menschen, die genauso seltsam anmutete wie die ganze Prozession. Drei Aiel waren dort, nat�rlich zu Fu�, zwei davon T�chter des Speers, und ein Bursche, dessen hellgr�n gestreifter Umhang und grell gelbe Hose ihn als Kesselflicker auswies, nur da� er ein Schwert auf dem R�cken trug. Er f�hrte ein Pferd mit sich, das genauso gro� wie ein Nashun-Zugpferd war, mit einem f�r einen Riesen bestimmten Sattel. Der Anf�hrer schien ein breitschultriger Bursche mit struppigem Haar, einem kurz gestutzten Bart und einer eindrucksvollen Streitaxt am G�rtel zu sein, und neben ihm ritt eine Saldaeanerin mit dunklen, engen, geteilten R�cken, die unentwegt mit �u�erst entz�cktem Blick zu ihm aufsah...</p><p>Vilnar beugte sich im Sattel vor. Er erkannte jene Frau. Er dachte an Lord Bashere, der sich gerade im K�niglichen Palast aufhielt. Und er dachte weiterhin an Lady Deira, und sein Herz sank. Sie befand sich ebenfalls im Palast. Wenn einige Aes Sedai diese Prozession mit einer Handbewegung in Trollocs verwandelt h�tten, w�re Vilnar �bergl�cklich gewesen. Vielleicht war dies der Preis f�r Tagtr�umerei. H�tte er sich auf seine Pflichten besonnen, w�re sein Sp�htrupp hier schon l�ngst vorbei gewesen. Aber er hatte seine Befehle.</p><p>W�hrend er sich fragte, ob Lady Deira seinen Kopf als Ball benutzen w�rde, postierte er seine M�nner im Tor.</p><p>Perrin lie� seinen grauen Hengst bis zehn Schritte hinter das Stadttor gehen, bevor er die Z�gel anzog. Stepper war froh, anhalten zu k�nnen. Er mochte die Hitze nicht. Die berittenen M�nner, die das Tor abschirmten, waren, den k�hnen Nasen und schr�gstehenden Augen nach zu urteilen, Saldaeaner. Einige trugen gl�nzende schwarze Barte, einige dichte Schnurrb�rte und einige waren glatt rasiert. Alle M�nner au�er einem hatten eine Hand am Schwertheft. Die Luft bewegte sich nur durch sie, da nicht einmal eine Brise wehte. Sie roch nicht nach Furcht. Perrin sah Faile an, aber sie hatte sich �ber den gew�lbten Hals ihrer schwarzen Stute gebeugt und machte sich am Zaumzeug zu schaffen. Sie roch schwach nach Seife und Angst. Sie hatten w�hrend der letzten gut zweihundert Meilen ihrer Reise die Neuigkeit geh�rt, da� Saldaeaner in Caemlyn seien, vermutlich angef�hrt von Failes Vater. Das schien Faile nicht weiter zu beunruhigen, und sie war sicher, da� auch ihre Mutter in Caemlyn sein w�rde. Sie sagte, auch das mache sie nicht besorgt. �Wir brauchen die Bogensch�tzen nicht einmal�, sagte Aram ruhig, w�hrend er �ber sein Schwertheft strich. Seine dunklen Augen funkelten begierig. �Sie sind nur zehn. Wir beide k�nnten sie allein �berw�ltigen.� Gaul hatte sich verschleiert, und auch Bain und Chiad hatten dies, auf Failes anderer Seite, sicherlich getan.</p><p>�Keine Bogensch�tzen und kein �berw�ltigen�, sagte Perrin. �Und keine Speere, Gaul.� Er sagte nichts zu Bain oder Chiad. Sie h�rten ohnehin nur auf Faile, die nicht bereit schien, allzu bald aufzuschauen oder etwas zu sagen. Gaul senkte nur achselzuckend seinen Schleier. Aram runzelte entt�uscht die Stirn.</p><p>Perrin behielt einen freundlichen Gesichtsausdruck bei, w�hrend er sich wieder den Saldaeanern zuwandte. Goldgelbe Augen machten einige Menschen nerv�s. �Mein Name ist Perrin Aybara. Ich denke, Rand al'Thor wird mich sehen wollen.�</p><p>Der b�rtige Bursche, der sein Schwertheft nicht ber�hrt hatte, verbeugte sich leicht im Sattel �Ich bin Vilnar Barada, Lord Aybara, Unterleutnant und dem Schwert Lord Davram Basheres verschworen.� Er sagte dies sehr laut, und wenn er dar�ber nachdachte, hatte er es wohl bewu�t vermieden, Faile anzusehen. Sie seufzte bei der Erw�hnung ihres Vaters und sah Barada stirnrunzelnd an, um so mehr, als er sie weiterhin nicht beachtete. �Lord Basheres Befehle lauten�, fuhr der Mann fort, �da� kein Adliger Caemlyn mit mehr als zwanzig bewaffneten M�nnern oder f�nfzig Dienern betreten darf.�</p><p>Aram regte sich auf seinem Pferd, aber, dank dem Licht, w�rde er sein Schwert erst ziehen, wenn Perrin es sagte.</p><p>Perrin sprach �ber die Schulter. �Dannil, bringt alle zu der Wiese zur�ck, an der wir vor ungef�hr drei Meilen vorbeigekommen sind, und lagert dort. Wenn sich ein Bauer beschwert, gebt ihm etwas Gold und bes�nftigt ihn. La�t ihn wissen, da� er f�r jeglichen Verlust entsch�digt wird. Aram, Ihr geht mit ihnen.�</p><p>Dannil Lewin, eine Bohnenstange von einem Mann mit einem dichten Schnurrbart, der seinen Mund fast verbarg, klopfte sich gegen die Stirn, obwohl ihm Perrin wiederholt gesagt hatte, ein einfaches �in Ordnung� w�rde gen�gen, und befahl sofort die Umkehr. Aran erstarrte nat�rlich � es gefiel ihm nie, weit von Perrin entfernt zu sein �, aber er schwieg. Manchmal dachte Perrin, er h�tte sich in Gestalt des ehemaligen Kesselflickers einen Wolfshund eingehandelt. Diese Einstellung war nicht gut f�r einen Mann, aber er wu�te nicht, was er dagegen tun sollte.</p><p>Er erwartete, da� Faile einiges dazu sagen w�rde, da� er alle zur�ckschickte � er erwartete von ihr eine Bemerkung �ber seinen sogenannten Rang und da� sie darauf beharren w�rde, die zwanzig von Barada erw�hnten M�nner mit hineinzunehmen, und soweit m�glich auch noch f�nfzig Diener �, aber sie beugte sich nur aus dem Sattel herab, um leise mit Bain und Chiad zu sprechen. Er gab vor, nicht zuzuh�ren, obwohl er doch einen Teil der Worte verstand. Sie sagte etwas �ber M�nner, und es klang belustigt. Frauen schienen stets entweder belustigt oder ver�rgert, wenn sie �ber M�nner sprachen. Faile war der Grund, warum er alle diese Leute bei sich hatte, und obendrein das Banner, obwohl er noch nicht herausgefunden hatte, wie sie das geschafft hatte. Hinten in den Wagen waren <emphasis>Diener,</emphasis> M�nner und Frauen, die die <emphasis>Livree</emphasis> mit dem Wolfskopf auf der Schulter trugen. Selbst die Zwei-Fl�sse-Leute hatten sich nicht beklagt. Sie schienen genauso stolz darauf wie jeder der Fl�chtlinge.</p><p>�Zufrieden?� fragte er Barada. �Ihr k�nnt uns jetzt zu Rand begleiten, wenn Ihr uns nicht ungehindert herumlaufen lassen wollt.�</p><p>�Ich denke...� Baradas dunkle Augen schossen zu Faile und wieder fort. �Ich denke, das w�re das beste.�</p><p>Als Faile sich wieder aufrichtete, gingen Bain und Chiad zur Reihe der Reiter und dr�ngten hindurch, als w�ren sie nicht da. Die Saldaeaner wirkten nicht einmal �berrascht, aber andererseits m��ten sie an Aiel gew�hnt sein. Alle Ger�chte besagten, Caemlyn sei bereits voller Aiel.</p><p>�Ich mu� meine Speer-Br�der suchen�, sagte Gaul pl�tzlich. �M�get Ihr stets Wasser und Schatten finden, Perrin Aybara.� Und damit eilte er hinter den Frauen her. Faile verbarg ihr belustigtes L�cheln hinter einer grau behandschuhten Hand.</p><p>Perrin sch�ttelte den Kopf. Gaul wollte, da� Chiad ihn heiratete, aber nach Aielbrauch mu�te sie ihn fragen, und obwohl sie, wie Faile glaubte, bereit war, seine Geliebte zu werden, wollte sie den Speer nicht wegen einer Heirat aufgeben. Er schien genauso verletzt, wie es auch ein Zwei-Fl�sse-M�dchen unter den gleichen Umst�nden gewesen w�re. Bain schien irgendwie auch Teil davon zu sein. Perrin verstand nicht, warum Faile beteuerte, es ebenfalls nicht zu wissen, wenn auch ein wenig zu schnell, und Gaul wurde m�rrisch, wenn man ihn danach fragte. Ein seltsames V�lkchen.</p><p>Die Saldaeaner bahnten sich ihren Weg durch die Menge, aber Perrin achtete kaum auf die Menschen oder die Stadt. Er hatte Caemlyn bereits schon einmal gesehen, zumindest einen Teil davon, und er mochte St�dte nicht mehr sehr. W�lfe kamen selten nahe an eine Stadt heran. Er hatte seit ein oder zwei Tagen keinen mehr ersp�rt. Er beobachtete seine Frau mit Seitenblicken und versuchte, es sie nicht merken zu lassen, aber er h�tte sie genausogut anstarren k�nnen. Sie ritt stets aufrecht, aber jetzt sa� sie starr im Sattel und blickte auf Baradas R�cken. Die Schultern des Mannes waren gebeugt, als k�nne er ihren Blick sp�ren. Ein Falke blickte weniger durchdringend wie Faile.</p><p>Perrin nahm an, da� sie dasselbe dachte wie er, obwohl vielleicht nicht auf die gleiche Art. Ihr Vater. Sie h�tte vielleicht einige Erkl�rungen abzugeben � sie war immerhin davongelaufen, um eine J�gerin des Horns zu werden �, aber Perrin war derjenige, der dem Herrn von Bashere, Tyr und Sidona gegen�bertreten und ihm sagen mu�te, da� ein Schmied seine Tochter und Erbin geheiratet hatte. Darauf freute Perrin sich nicht. Er hielt sich nicht f�r ausgesprochen tapfer � zu tun, was man tun mu�te, war nicht tapfer �, aber er hatte bisher niemals geglaubt, er k�nnte ein Feigling sein. Der Gedanke an Failes Vater lie� seinen Mund austrocknen. Vielleicht sollte er sich um das Lager k�mmern. Ein an Lord Bashere gesandter Brief k�nnte alles erkl�ren. Ein sorgf�ltig aufgesetztes Schreiben k�nnte zwei oder drei Tage Zeit erfordern. Vielleicht auch mehr. Er war nicht wortgewandt.</p><p>Ein Blick auf das tr�ge �ber dem K�niglichen Palast wehende karmesinrote Banner brachte ihn schlagartig in die Gegenwart zur�ck. Er hatte bereits davon geh�rt. Perrin wu�te, da� es nicht das Drachenbanner war, was auch immer die Ger�chte behaupteten �einige Leute sagten, es bedeute, da� die Aes Sedai Rand dienten; andere meinten, da� er ihnen diente �, und er fragte sich, warum Rand nicht das Drachenbanner hi�te. Rand. Er konnte Rand noch immer an ihm zerren sp�ren, ein h�herer <emphasis>Ta'veren,</emphasis> der an einem niedriger gestellten <emphasis>Ta'veren</emphasis> zog. Er wu�te aber nicht, wo Rand sich aufhielt. Es war nicht diese Art von Ziehen. Er hatte die Zwei Fl�sse in der Erwartung verlassen, nach Tear oder nur das Licht wu�te wohin auch immer zu reiten, und nur ein Ger�chtestrom und Geschichten, die westlich durch Andor zogen, hatten ihn hierhergebracht. Einige sehr beunruhigende Ger�chte und Geschichten. Nein, was er versp�rte, war eher das Bed�rfnis, Rand nahe zu sein, oder vielleicht Rands Wunsch, ihn zu sehen, wie ein Jucken an einer Stelle zwischen den Schulterbl�ttern, an der er sich nicht kratzen konnte. Jetzt w�rde sie bald gekratzt, und er w�nschte fast, es w�re nicht so. Er hatte einen Traum gehabt, einen, �ber den Faile mit ihrer Abenteuerlust lachen w�rde. Er hatte davon getr�umt, mit ihr in einem kleinen Haus zu leben, irgendwo auf dem Lande, weit von St�dten und allem Zwist entfernt. Es gab in Rands N�he stets Auseinandersetzungen. Aber Rand brauchte ihn, und er w�rde tun, was er tun mu�te.</p><p>In einem gro�en, von S�ulen umgebenen Hof, der von Giebeln �berragt wurde, schwang Perrin seinen G�rtel mit dem schweren Gewicht der Streitaxt auf den Sattel � es war eine Erleichterung, dieses Gewicht eine Weile ablegen zu k�nnen �, und ein Mann in einem wei�en Gewand und eine Frau �bernahmen die Pferde. Mit nur wenigen Worten verwies Barada ihn und Faile an Aielm�nner mit kaltem Blick, die scharlachrote Stirnb�nder mit der schwarzwei�en Scheibe trugen und sie in den Palast geleiteten, und mit noch weniger Worten wurden sie T�chtern des Speers �bergeben, die sich genauso k�hl verhielten. Perrin kannte keine von ihnen vom Stein her, und seinen Bem�hungen, eine Unterhaltung zu beginnen, ernteten nur ausdruckslose Blicke. Ihre H�nde flogen in der Zeichensprache der T�chter, und eine von ihnen wurde auserw�hlt, ihn und Faile tiefer in den Palast hineinzuf�hren, eine hagere, blonde Frau, die ungef�hr in Failes Alter sein mu�te. Sie stellte sich als Lerian vor und ermahnte sie, nicht umherzuwandern. Er w�nschte, Bain oder Chiad w�ren hier. Ein vertrautes Gesicht w�re erfreulich gewesen. Faile schritt die G�nge erhobenen Hauptes entlang, und doch schaute sie an jedem Quergang schnell in beide Richtungen. Sie wollte offensichtlich nicht von ihrem Vater �berrascht werden.</p><p>Schlie�lich erreichten sie eine Doppelt�r, deren jede einen geschnitzten L�wen aufwies, und vor der sich zwei weitere T�chter aus ihrer hockenden Haltung erhoben. Weitere Worte wurden in der Zeichensprache ausgetauscht, bevor die blonde Tochter des Speers ohne anzuklopfen hineinging.</p><p>Perrin fragte sich, ob es in Rands N�he jetzt immer so zuging, als pl�tzlich die T�ren aufflogen und Rand in Hemds�rmeln dastand.</p><p>�Perrin! Faile! M�ge das Licht an eurem Hochzeitstag geschienen haben�, sagte er lachend und k��te Faile fl�chtig. �Ich w�nschte, ich h�tte dabeisein k�nnen.� Sie wirkte genauso verwirrt, wie Perrin sich f�hlte.</p><p>�Woher wei�t du es?� rief er aus, und Rand lachte erneut und schlug ihm auf die Schulter.</p><p>�Bode ist hier, Perrin. Bode und Janacy und all die anderen. In Caemlyn ohnehin. So weit haben Verin und Alanna sie gebracht, bevor sie von der Burg h�rten.� Er wirkte m�de, seine Augen �beranstrengt, obwohl sein Lachen nicht so klang. �Licht, Perrin, was sie mir alles �ber dich erz�hlt haben! Lord Perrin von den Zwei Fl�ssen. Was sagt Herrin Luhhan zu alledem?�</p><p>�Sie nennt mich auch Lord Perrin�, murmelte Perrin verzerrt. Elsbet Luhhan hatte ihm in seiner Kindheit h�ufiger eine Tracht Pr�gel verabreicht als seine Mutter. �Sie vollf�hrt tats�chlich einen Hofknicks vor mir, Rand.� Faile sah ihn fragend an. Sie behauptete stets, er bringe Menschen in Verlegenheit, wenn er all die Verbeugungen und das Knicksen beenden wollte. Und zu seinem Unbehagen dar�ber, wenn sie dies taten, bemerkte sie, das sei ein Teil des Preises, den er bezahlen m��te.</p><p>Die T�chter des Speers, die hineingegangen waren, dr�ngten sich jetzt an Rand vorbei wieder hinaus, und er zuckte zusammen. �Licht, ich lasse euch hier in der T�r stehen. Kommt herein, kommt herein. Lerian, sagt Sulin, da� ich noch gew�rzten Wein brauche. Und sagt ihr, sie solle sich beeilen.� Aus irgendeinem Grund lachten die drei T�chter, als h�tte Rand etwas Lustiges gesagt.</p><p>Nach einem Schritt in den Raum hinein verriet ein Blumenduft Perrin, da� noch eine Frau da war. Als er sie dann erblickte, war er �berrascht. �Min?� Das Haar war zu kurzen Locken gestutzt. Das ges�umte Gewand und die Hose schienen falsch, aber das Gesicht stimmte. �Min, du bist es!� Er umarmte sie lachend. �Wir sind fast alle versammelt, stimmt's? Faile, dies ist Min. Ich habe dir von ihr erz�hlt.�</p><p>In diesem Moment erkannte er, was er an seiner Frau wahrnahm, und er wandte sich von Min ab, w�hrend sie ihn noch angrinste. Er war sich pl�tzlich der Tatsache bewu�t, da� Mins Hose die Form ihrer Beine sehr gut nachzeichnete. Faile hatte nur sehr wenige Fehler, aber sie neigte ein wenig zu Eifersucht. Er sollte eigentlich nicht wissen, da� sie Calle Coplin eine halbe Meile weit mit einem Strick gejagt hatte � als w�rde er jemals einen zweiten Blick auf eine andere Frau werfen, wenn er doch sie besa�.</p><p>�Faile?� sagte Min und streckte beide H�nde aus. �Jede Frau, die es lange genug mit diesem nichtsnutzigen Tolpatsch aushalten kann, um ihn zu heiraten, verdient meine volle Bewunderung. Vermutlich gibt er einen guten Ehemann ab, wenn man ihn erst gez�hmt hat.�</p><p>Faile ergriff l�chelnd Mins H�nde, verstr�mte aber diesen bei�enden, rauhen Geruch. �Ich hatte mit dem Z�hmen noch keinen Erfolg, Min, aber ich beabsichtige ihn zumindest solange zu behalten, bis es gelingt.�</p><p>�Herrin Luhhan vollf�hrt den Hofknicks?� Rand sch�ttelte ungl�ubig den Kopf. �Das mu� ich sehen, bevor ich es glaube. Wo ist Loial? Ist er mitgekommen? Ihr habt ihn doch nicht drau�en gelassen?�</p><p>�Er ist mitgekommen�, sagte Perrin und versuchte, Faile im Auge zu behalten, ohne da� es zu offensichtlich wurde, �aber nicht den ganzen Weg. Er sagte, er sei m�de und brauche ein <emphasis>Stedding,</emphasis> also erz�hlte ich ihm von einem, das verlassenen n�rdlich des Weges von Wei�br�cke liegt, und er ist zu Fu� dorthin aufgebrochen. Er sagte, er w�rde es sp�ren k�nnen, wenn er auf ungef�hr zehn Meilen herangekommen w�re.�</p><p>�Du kennst Rand und Perrin vermutlich sehr gut?� fragte Faile, und Min schaute zu Rand.</p><p>�Schon eine ganze Weile. Ich bin ihnen unmittelbar nach ihrem Aufbruch von den Zwei Fl�ssen begegnet. Sie hielten Baerlon f�r eine gro�e Stadt.�</p><p>�Zu Fu�?� echote Rand.</p><p>�Ja�, sagte Perrin z�gernd. Failes Duft ver�nderte sich, die stechende Eifersucht schwand dahin. Warum? �Er benutzt lieber seine F��e. Er hat mit mir um ein Goldst�ck gewettet, da� er nicht sp�ter als zehn Tage nach uns hier in Caemlyn eintreffen w�rde.� Die beiden Frauen sahen einander an, Faile l�chelnd und Min leicht err�tend. Min roch ein wenig verlegen, Faile erfreut. Und �berrascht obwohl der Ausdruck auf ihrem Gesicht nur schwach zu erkennen war. �Ich wollte ihm nicht sein Geld abnehmen � er hatte noch f�nfzig Meilen oder mehr vor sich �, aber er beharrte darauf. Er wollte die Strecke in f�nf Tagen schaffen.�</p><p>�Loial hat schon immer behauptet, er k�nnte bei einem Rennen gegen ein Pferd gewinnen�, sagte Rand lachend, aber dann entstand Schweigen. Das Lachen erstarb. �Ich hoffe, er kommt heil an�, sagte er ernster. Er <emphasis>war</emphasis> m�de und irgendwie beeintr�chtigt. Der Rand, den Perrin zuletzt in Tear gesehen hatte, war weit davon entfernt gewesen, weich zu sein, aber dieser Rand hier lie� jenen wie einen unschuldigen Bauernjungen wirken. Er blinzelte nicht h�ufig genug, als k�nnte ein Blinzeln verbergen, was er sehen mu�te. Perrin kannte diesen Ausdruck. Er hatte ihn nach den Trolloc-Angriffen, nach dem f�nften, nach dem zehnten, auf den Gesichtern von Zwei-Fl�sse-Menschen bemerkt, wenn scheinbar alle Hoffnung geschwunden war, man aber weiterk�mpfte, weil der Preis f�r die Aufgabe zu hoch war.</p><p>�Mein Lord Drache�, sagte Faile, womit sie Perrin aufschreckte. Sie hatte ihn zuvor stets Rand genannt, obwohl sie den Titel schon seit Wei�br�cke h�rten, �bitte vergebt mir, aber ich mu� ein Wort mit meinem Ehemann wechseln, bevor ich Euch beide verlasse, damit Ihr miteinander reden k�nnt�</p><p>Sie wartete kaum Rands �berraschte Zustimmung ab, bevor sie nahe an Perrin herantrat und ihn umwandte, so da� sie mit dem R�cken zu Rand standen. �Ich werde nicht weit fortgehen, mein liebes Herz. Min und ich werden uns ebenfalls unterhalten, �ber Dinge, die dich sehr wahrscheinlich langweilen w�rden.� Sie machte sich an seinen Rockaufschl�gen zu scharfen, w�hrend sie eilig leise weitersprach, so leise, da� jedermann sich h�tte anstrengen m�ssen, um sie zu verstehen. Manchmal erinnerte sie sich seines guten H�rverm�gens. �Denk daran, da� er nicht mehr dein Freund aus Kindertagen ist, Perrin. Er ist der Wiedergeborene Drache, der Lord Drache. Aber du bist der Herr der Zwei Fl�sse. Ich wei�, da� du f�r dich selbst und f�r die Zwei Fl�sse eintreten wirst.� Sie l�chelte ihn liebevoll und aufmunternd an. Er h�tte sie am liebsten auf der Stelle gek��t. �So�, sagte sie mit lauter Stimme. �Jetzt bist du wieder ordentlich.� Sie gab keinerlei eifers�chtige Duftstoffe mehr ab.</p><p>Sie vollf�hrte einen anmutigen Hofknicks vor Rand, murmelte �Mein Lord Drache� und streckte Min dann eine Hand hin. �Komm mit, Min.� Mins Hofknicks fiel erheblich ungeschickter aus und lie� Rand aufschrecken.</p><p>Bevor sie die T�r erreichten, wurde ein T�rfl�gel schwungvoll ge�ffnet, und eine Frau in Livree trat mit einem Silbertablett mit Bechern und einem Krug ein, der den Geruch von Wein und Honigmelonensaft verstr�mte. Perrin starrte die Frau fast an. Sie h�tte trotz des rotwei�en Gewandes Chiads Mutter sein k�nnen oder mit diesem kurzgeschnittenen, lockigen wei�en Haar seine Gro�mutter. Sie sah den enteilenden Frauen stirnrunzelnd nach und trat dann zum n�chststehenden Tisch, um das Tablett abzustellen, wobei ihr Gesicht eine erstarrte Maske der Demut war. �Man sagte mir, Ihr brauchtet vier Becher, mein Lord Drache�, bemerkte sie in seltsamem Tonfall. Perrin dachte, sie versuche sich vielleicht respektvoll zu geben, habe aber ein Kratzen im Hals. �Also brachte ich vier.� Ihr Hofknicks lie� Mins im nachhinein anmutig wirken, und sie schlug die T�r beim Hinausgehen zu.</p><p>Perrin sah Rand an. �Hast du Frauen schon jemals f�r ... seltsam gehalten?�</p><p>�Warum fragst du mich das? Du bist doch derjenige, der verheiratet ist.� Rand f�llte einen Silberbecher mit gew�rztem Wein und reichte ihn Perrin. �Wenn du es nicht wei�t, wirst du Mat fragen m�ssen. Ich wei� jeden Tag weniger.�</p><p>�Ich ebenso�, seufzte Perrin. Der gew�rzte Wein war erfrischend, obwohl Rand �berhaupt nicht zu schwitzen schien. �Wo ist Mat �berhaupt? Wenn ich raten sollte, w�rde ich sagen, in der n�chstgelegenen Schenke, und ich k�nnte wetten, da� er einen W�rfelbecher in H�nden oder ein M�dchen auf den Knien hat.�</p><p>�Er sollte besser nicht im Wirtshaus sein�, sagte Rand grimmig, w�hrend er seinen unber�hrten Becher Wein abstellte. �Er hat den Auftrag, Elayne hierherzubringen, damit sie gekr�nt werden kann. Und hoffentlich auch Egwene und Nynaeve. Licht, es gibt noch so vieles zu tun, bevor sie hier eintrifft.� Er wandte den Kopf wie ein in die Enge getriebenes wildes Tier und sah dann Perrin an. �W�rdest du f�r mich nach Tear gehen?�</p><p>�Nach Tear! Rand, ich bin seit �ber zwei Monaten im Sattel.�</p><p>�Ich kann dich heute nacht dorthin bringen. Du kannst im Zelt eines Feldherrn schlafen und S�tteln so lange fernbleiben, wie du willst.�</p><p>Perrin sah ihn an. Der Mann schien es ernst zu meinen. Pl�tzlich merkte er, da� er sich fragte, wie Rand sich seine geistige Gesundheit bewahrte. Licht, er mu�te sie sich bewahren, zumindest bis Tarmon Gai'don. Er trank einen gro�en Schluck gew�rzten Wein, um den bitteren Geschmack in seinem Mund fortzusp�len. Wie konnte er so �ber einen Freund denken. �Rand, auch wenn du mich jetzt sofort im Stein von Tear absetzen k�nntest w�rde ich dennoch ablehnen. Ich mu� hier in Caemlyn mit jemandem reden. Und ich w�rde gern Bode und die anderen treffen.�</p><p>Rand schien nicht zuzuh�ren. Er warf sich in einen der vergoldeten Sessel und sah Perrin ausdruckslos an. �Erinnerst du dich, wie Thom immer mit all diesen B�llen jonglierte und es so leicht aussehen lie�? Nun, ich jongliere jetzt mit allem, wof�r ich stehe, und es ist <emphasis>nicht</emphasis> leicht. Sammael in Illian, und nur das Licht wei�, wo die restlichen Verlorenen sind. Manchmal glaube ich nicht einmal mehr, da� sie die schlimmste Bedrohung sind. Aufr�hrer, die glauben, ich sei ein falscher Drache. Drachenverschworene, die glauben, D�rfer in meinem Namen anz�nden zu k�nnen. Hast du von dem Propheten geh�rt, Perrin? Egal, er ist auch nicht schlimmer als alle anderen. Ich habe Verb�ndete, die einander hassen, und der beste Feldherr, den ich gegen die Illianer finden kann, hat nichts Besseres zu tun, als einen Angriff zu unternehmen und sich t�ten zu lassen. Elayne sollte mit etwas Gl�ck in ungef�hr eineinhalb Monaten hier sein, aber ich mu� mich hier unmittelbar davor vielleicht um einen Aufstand k�mmern. Licht, ich will ihr Andor vollst�ndig �bergeben. Ich dachte daran, sie selbst herzuholen, aber das w�re das Schlimmste, was ich tun k�nnte.� Er rieb sich mit beiden H�nden �bers Gesicht. �Das Allerschlimmste.�</p><p>�Was sagt Moiraine?�</p><p>Rands H�nde senkten sich weit genug, da� er dar�ber hinwegblicken konnte. �Moiraine ist tot, Perrin. Sie hat Lanfear get�tet und ist gestorben, und das ist das Ende der Geschichte.�</p><p>Perrin setzte sich hin. Moiraine? Es schien nicht m�glich. �Wenn Alanna und Verin hier sind...� Er drehte seinen Becher in den H�nden. Er konnte sich nicht dazu �berwinden, einer der beiden Frauen zu trauen. �Hast du sie um Rat gefragt?�</p><p>�Nein!� Rand machte eine heftige Handbewegung. �Sie bleiben mir fern, Perrin. Das habe ich verlangt.�</p><p>Perrin beschlo�, Faile zu bitten herauszufinden, was von Alanna oder Verin zu erwarten war. Die beiden Aes Sedai verursachten ihm h�ufig Unbehagen, aber Faile schien gut mit ihnen zurechtzukommen. �Rand, du wei�t genauso gut wie ich, da� es gef�hrlich ist, Aes Sedai zu ver�rgern. Moiraine hat sich um uns gek�mmert � um dich ohnehin �, aber manchmal dachte ich, sie w�re bereit, Mat, mich <emphasis>und</emphasis> dich zu t�ten.� Rand schwieg, aber er schien zumindest zuzuh�ren. �Wenn auch nur ein Zehntel der Geschichten halbwegs stimmt, die ich seit Baerlon geh�rt habe, k�nnte dies der ung�nstigste Zeitpunkt sein, den Zorn der Aes Sedai auf sich zu ziehen. Ich behaupte nicht zu wissen, was in der Burg vor sich geht, aber...�</p><p>Rand sch�ttelte den Kopf und beugte sich dann vor. �Die Burg ist bis ins Innerste gespalten, Perrin. Die eine H�lfte glaubt, ich sei ein auf dem Markt k�ufliches Schwein, und die andere H�lfte... Ich wei� nicht, was sie genau denken. Ich habe drei Tage hintereinander Mitglieder ihrer Abordnung getroffen. Ich soll heute nachmittag wieder welche treffen, und ich kann sie noch immer nicht einsch�tzen. Sie stellen weitaus mehr Fragen, als sie beantworten, und scheinen nicht sehr erfreut dar�ber, da� ich ihnen auch nicht mehr Antworten geben will. Zumindest Elaida � sie ist die neue Amyrlin, falls du es noch nicht geh�rt hast � zumindest sagen ihre Leute etwas, auch wenn sie anscheinend glauben, ich w�re von den Hofknickse vollf�hrenden Aes Sedai so beeindruckt, da� ich nicht zu tief graben w�rde.�</p><p>�Licht!� keuchte Perrin. �Willst du damit sagen, da� sich ein Teil der Aes Sedai aufgelehnt hat und du dich zwischen die Burg und die Aufr�hrer gestellt hast? Zwei kampfbereite B�ren, und du pfl�ckst zwischen ihnen Beeren! Hattest du niemals das Gef�hl, bereits genug �rger mit den Aes Sedai zu haben? Bei Siuan Sanche haben sich meine Zehen in den Stiefeln gebogen. Du hast wenigstens gewu�t, wie du zu ihr standest, aber mir gab sie das Gef�hl, ein Pferd zu sein, bei dem sie zu entscheiden versuchte, ob es f�r einen langen, harten Ritt geeignet w�re, aber sie hat zumindest klargemacht, da� sie mich nicht selbst satteln wollte.�</p><p>Rands Lachen klang zu rauh, um fr�hlich zu wirken. �Glaubst du wirklich, Aes Sedai w�rden mich in Ruhe lassen, nur weil ich sie in Ruhe gelassen habe? Mich? Wenn sich die Burg aufspaltet, ist es das beste, was mir passieren kann. Sie sind zu sehr damit besch�ftigt, einander zu beobachten, als da� sie mir ihre volle Aufmerksamkeit zuwenden k�nnten. Andernfalls w�rden sich zwanzig Aes Sedai stets in meiner N�he aufhalten. Oder f�nfzig. Ich habe Tear und Cairhien hinter mir, auf gewisse Weise, und hier einen Halt. Ohne die Aufspaltung w�rde immer jemand sagen, wenn ich den Mund aufmachte: �Ja, aber die Aes Sedai...� Perrin, Moiraine hat ihr Bestes getan, mich festzubinden, bis ich sie zwang, damit aufzuh�ren. Und um die Wahrheit zu sagen, bin ich nicht sicher, da� sie wirklich aufgeh�rt hat. Wenn eine Aes Sedai sagt, da� sie dich beraten, aber dich entscheiden lassen will, meint sie, da� sie wei�, was du tun solltest, und dich nach allen Kr�ften dazu bringen wird.� Er hob seinen Becher und trank einen gro�en Schluck. Als er den Becher wieder senkte, schien er ruhiger. �Wenn die Burg sich einig w�re, w�rde ich inzwischen von so vielen Str�ngen gebunden, da� ich ohne die Erlaubnis von sechs Aes Sedai keinen Finger mehr r�hren k�nnte.�</p><p>Perrin mu�te fast selbst lachen, und es klang nicht fr�hlicher als bei Rand. �Also denkst du, es sei besser, die aufr�hrerischen Aes Sedai gegen die Burg auszuspielen? �Spende dem Bullen Beifall, oder spende dem B�ren Beifall. Spende beiden Beifall, und du wirst zertreten und gefressen werden.��</p><p>�So einfach ist es nicht Perrin, obwohl sie das nicht wissen�, sagte Rand selbstgef�llig und sch�ttelte den Kopf. �Es gilt noch eine dritte Seite zu bedenken, die mich in die Knie zwingen will. Wenn sie erneut Kontakt aufnehmen. Licht! Wir sollten unsere erste gemeinsame Stunde nach so langer Zeit nicht damit verbringen, �ber Aes Sedai zu reden. Emondsfeld, Perrin.� Sein Gesichtsausdruck wurde fast wieder so weich wie fr�her, und er l�chelte freudig. �Ich habe nur kurze Zeit mit Bode und den anderen verbracht, aber sie erw�hnten alle m�glichen Ver�nderungen. Sage mir, was sich ver�ndert hat, Perrin, und sage mir, was gleich geblieben ist.�</p><p>Sie sprachen einige Zeit �ber die Fl�chtlinge und all die neuen Dinge, die sie mit sich gebracht hatten, neue Bohnensorten und K�rbisse, neue Sorten Birnen und �pfel, das Weben edler Stoffe und auch Teppiche, das Herstellen von Mauer- und Dachziegeln und verspielte Steinmetzarbeiten und M�bel, wie man sie noch nie zuvor gesehen hatte. Perrin hatte sich an die vielen Menschen gew�hnt, die �ber die Verschleierten Berge gekommen waren, aber Rand schien betroffen zu sein. Die Mauer, die einige Leute um Emondsfeld und die anderen D�rfer ziehen wollten, war heftig umstritten, wie auch die Frage, ob es eine Steinmauer oder eine Holzpalisade sein sollte. Manchmal schien Rand wieder er selbst zu sein, lachte dar�ber, da� alle Frauen anfangs auf die Gew�nder der Taraboner oder Domani geschimpft hatten und jetzt aufgespalten waren in jene, die nichts anderes als gute, feste Zwei-Fl�sseKleidung trugen, und jene, die ihre ganze bisherige Kleidung zu Teppichen zerschnitten hatten. Oder dar�ber, da� sich eine Anzahl junger M�nner Schnurrb�rte wie Taraboner oder Domani wachsen lie�en, was den t�richten Barttr�ger aussehen lie�, als h�tte sich ein kleines Tier unter seiner Nase festgesetzt. Perrin machte sich nicht die M�he hinzuzuf�gen, da� Barte wie seiner noch beliebter waren.</p><p>Aber es erschreckte ihn, als Rand verdeutlichte, er beabsichtige das Lager nicht zu besuchen, obwohl dort viele M�nner waren, die er kannte. �Ich kann dich oder Mat nicht besch�tzen�, sagte er leise, �aber sie.�</p><p>Danach versiegte die Unterhaltung nat�rlich, bis sogar Rand erkannte, da� er sie erstickt hatte. Schlie�lich stand er seufzend auf, fuhr sich mit den H�nden durchs Haar und sah sich verdrie�lich um. �Du wirst dich sicher ausruhen wollen, Perrin. Ich sollte dich nicht davon abhalten. Ich werde R�ume f�r dich vorbereiten lassen.� Er f�hrte Perrin zur T�r und f�gte dann pl�tzlich hinzu: �Du wirst doch �ber Tear nachdenken, Perrin? Ich brauche dich dort. Es ist keine Gefahr damit verbunden. Ich werde dir alles erkl�ren, wenn du dich dazu entschlie�t. Du wirst erst der vierte sein, der von dem wahren Plan erf�hrt.� Rands Gesicht nahm wieder einen h�rteren Ausdruck an. �Du mu�t das f�r dich behalten, Perrin. Erz�hle es nicht einmal Faile.�</p><p>�Ich kann schweigen�, sagte Perrin steif und ein wenig traurig. Der neue Rand war zur�ckgekehrt. �Und ich werde �ber Tear nachdenken.�</p></section><section><title><p>46</p><p>Jenseits des Wegetors</p></title><p>Perrin h�rte kaum zu, als Rand einer Tochter des Speers Anweisungen erteilte. �Sagt Sulin, sie soll R�ume f�r Perrin und Faile vorbereiten und ihnen gehorchen, wie sie mir gehorchen w�rde.� Die beiden Aielfrauen fa�ten dies wohl als einen gro�artigen Scherz auf, denn sie lachten und schlugen sich auf die Oberschenkel. Perrin betrachtete einen schlanken Mann, der ein St�ck den mit Wandteppichen versehenen Gang hinab stand. Er bezweifelte keinen Moment, da� dieser Mann Davram Bashere war. Nicht nur, da� er Saldaeaner war und Faile mit seinem von Grau durchsetzten und fast bis �ber den Mund reichenden Schnurrbart sicherlich �berhaupt nicht �hnlich sah. Er war auch nicht gr��er als Faile, vielleicht sogar ein wenig kleiner, aber die Art, wie er dastand, mit gekreuzten Armen, das Gesicht einem Falken �hnlich, der in einen H�hnerhof hinabsp�ht, machte Perrin sicher. Der Mann wu�te. Das war ebenfalls gewi�.</p><p>Perrin verabschiedete sich noch einmal von Rand, atmete tief durch und ging den Gang entlang. Er merkte, da� er sich seine Streitaxt herbeiw�nschte. Bashere trug sein Schwert. �Lord Bashere?� Perrin verbeugte sich, was nicht erwidert wurde. Der Mann roch nach kalter Wut. �Ich bin Perrin Aybara.�</p><p>�Wir werden reden�, sagte Bashere knapp und wandte sich auf dem Absatz um. Perrin hatte keine andere Wahl, als ihm zu folgen und trotz seiner l�ngeren Beine schneller auszuschreiten.</p><p>Nach zwei Biegungen betrat Bashere einen kleinen Wohnraum und schlo� die T�r hinter ihnen. Hohe Fenster lie�en viel Licht herein. Zwei gepolsterte St�hle mit Schneckenornamenten verzierten Lehnen standen einander gegen�ber. Ein Silberkrug mit hohem Hals und zwei Silberbecher standen auf einem Tablett mit Einlegearbeiten. Es war diesmal kein gew�rzter Wein. Es war, dem Geruch nach, starker Wein.</p><p>Bashere f�llte die Becher und reichte Perrin einen davon. Er l�chelte hinter seinem Schnurrbart, aber die kalten Augen und das L�cheln h�tten zwei verschiedenen M�nnern geh�ren k�nnen. �Zarine hat dir vermutlich von meinen L�ndereien erz�hlt, bevor du ... sie geheiratet hast. Alles �ber die Zerbrochene Krone. Sie war schon immer schwatzhaft wie ein Kind.�</p><p>Der Mann blieb stehen. Die Zerbrochene Krone? Faile hatte niemals irgendeine Zerbrochene Krone erw�hnt. �Zun�chst hat sie mir erz�hlt, Ihr w�rt ein Fellh�ndler. Oder vielleicht war es zuerst ein Holzkaufmann und dann der Fellh�ndler. Und Ihr habt auch Pfefferschoten verkauft.� Bashere zuckte zusammen und wiederholte ungl�ubig: �Ein Fellh�ndler?� �Ihre Geschichte wandelte sich�, fuhr Perrin fort, �aber sie wiederholte einmal zu oft etwas, was Ihr �ber das Verhalten eines Feldherrn gesagt habt, so da� ich sie geradeheraus fragte...� Er sp�hte in seinen Weinbecher und zwang sich dann, den Blick des anderen Mannes zu erwidern. �Als ich herausfand, wer Ihr seid, h�tte ich meine Meinung �ber unsere Heirat fast ge�ndert, nur da� Faile bereits entschlossen war, und wenn Faile sich einmal etwas in den Kopf gesetzt hat, kann man sie genauso wenig umstimmen wie eine Herde Maultiere, die alle auf einmal beschlossen haben, sich hinzusetzen. Au�erdem liebe ich sie.�</p><p>�Faile?� bellte Bashere. �Wer, im Krater des Verderbens, ist Faile? Wir sprechen �ber meine Tochter Zarine und was du ihr angetan hast!�</p><p>�Sie hat den Namen Faile angenommen, als sie eine J�gerin des Horns wurde�, erkl�rte Perrin geduldig. Er mu�te einen guten Eindruck auf diesen Mann machen. Mit seinem Schwiegervater im Streit zu liegen, war fast genauso schlimm, wie mit seiner Schwiegermutter im Streit zu liegen. �Das war, bevor sie mir begegnet ist.�</p><p>�Eine J�gerin?� Stolz schwang in der Stimme des Mannes mit, und dann grinste er pl�tzlich. Der Geruch der Wut schwand fast augenblicklich. �Die kleine Range hat mir niemals ein Wort davon erz�hlt. Ich mu� sagen, Faile pa�t besser zu ihr als Zarine. Das war die Idee ihrer Mutter, und ich...� Er sch�ttelte sich pl�tzlich und warf Perrin einen mi�trauischen Blick zu. Die Wut war erneut zu riechen. �Versuch nicht, das Thema zu wechseln, Junge. Wir reden �ber dich und meine Tochter und diese geplante Hochzeit.�</p><p>�Geplant?� Perrin war stets gut darin gewesen, sein Temperament zu z�geln. Herrin Luhhan hatte sogar behauptet, er h�tte niemals eines besessen. Wenn man gr��er und st�rker war als die anderen heranwachsenden Jungen und jedermann versehentlich verletzen konnte, lernte man, sein Temperament zu z�geln. Im Moment fiel es ihm jedoch nicht leicht. �Die Seherin hat die Zeremonie durchgef�hrt � genauso wie jedermann in den Zwei Fl�ssen seit Menschengedenken verheiratet wurde.�</p><p>�Junge, und wenn du die Worte von einem Ogier-�ltesten und sechs Aes Sedai als Zeugen sprechen lassen w�rdest � Zarine ist <emphasis>dennoch</emphasis> nicht alt genug, ohne die Erlaubnis ihrer Mutter zu heiraten, um die sie niemals gebeten und die sie noch viel weniger erhalten hat. Sie ist jetzt bei Deira, und wenn sie ihre Mutter nicht davon �berzeugt, da� sie alt genug ist, verheiratet zu werden, kehrt sie zum Lager zur�ck und wird wahrscheinlich Pflichten f�r ihre Mutter erf�llen m�ssen. Und dich...� Bashere strich mit dem Finger �ber sein Schwertheft, obwohl er sich dessen nicht bewu�t zu sein schien. �Dich�, sagte er in fast vergn�gtem Tonfall, �werde ich t�ten lassen.�</p><p>�Faile geh�rt mir�, grollte Perrin. Wein schwappte �ber sein Handgelenk, und er betrachtete �berrascht den Becher, den er in seiner Faust zerdr�ckt hatte. Er legte das verbogene Silber vorsichtig neben den Krug auf den Tisch, aber seine Stimme war ungez�gelt. �Niemand kann sie mir nehmen. Niemand! Bringt Sie in Euer Lager zur�ck � oder sonstwohin! �, und ich werde sie zur�ckholen.�</p><p>�Ich habe neuntausend M�nner bei mir�, sagte der andere Mann in �berraschend sanftem Tonfall.</p><p>�Sind sie schwerer zu t�ten als Trollocs? Versucht sie mir zu nehmen � versucht es! �, und wir werden es herausfinden!� Perrin erkannte, da� er zitterte, die H�nde so fest zu F�usten geballt, da� sie schmerzten. Das erschreckte ihn. Er war schon so lange nicht mehr zornig, wirklich zornig, gewesen, da� er sich nicht mehr daran erinnern konnte, wie es war.</p><p>Bashere betrachtete ihn von oben bis unten und sch�ttelte dann den Kopf. �Vielleicht w�re es schade, dich zu t�ten. Wir brauchen frisches Blut. Es wird in diesem Hause allm�hlich d�nn. Mein Gro�vater pflegte zu sagen, wir verweichlichten alle, und er hatte recht. Ich bin nur halbwegs von seinem Schlag, und auch wenn ich mich sch�men mu�, das zu sagen � Zarine ist schrecklich weich. Nicht schwach, keinesfalls...� Er runzelte die Stirn und nickte, als er erkannte, da� Perrin nicht behaupten wollte, Faile sei schwach, �...aber sie ist weich, was fast dasselbe ist.�</p><p>Perrin war derart ersch�ttert, da� er sich hinsetzte, bevor er merkte, da� er zu einem Stuhl getreten war. Er verga� beinahe seinen Zorn. War dieser Mann verr�ckt, da� er so j�h das Thema wechselte? Und war Faile? Sie konnte manchmal entz�ckend weich sein, das stimmte, aber jeder Mann, der sie f�r weich hielt, w�rde wahrscheinlich gek�pft werden. Er selbst eingeschlossen.</p><p>Bashere ergriff den zerdr�ckten Weinbecher, betrachtete ihn, legte ihn dann zur�ck und setzte sich auf den anderen Stuhl. �Zarine hat mir einiges �ber dich erz�hlt, bevor sie mit ihrer Mutter ging, alles �ber Lord Perrin von den Zwei Fl�ssen, T�ter von Trollocs. Das ist eine gute Sache. Ich mag M�nner, die einem Trolloc gegen�bertreten k�nnen, ohne zur�ckzuweichen. Jetzt m�chte ich wissen, was f�r ein Mann du bist.� Er wartete angespannt, w�hrend er seinen Wein trank.</p><p>Perrin w�nschte, da� sein Becher unbesch�digt w�re. Seine Kehle war ausgetrocknet. Er wollte einen guten Eindruck erwecken, aber er mu�te mit der Wahrheit beginnen. �Tatsache ist, da� ich kein vornehmer Herr bin. Ich bin ein Schmied. Seht Ihr, als die Trollocs kamen...� Er brach ab, weil Bashere so heftig lachte, da� ihm Tr�nen in den Augen standen.</p><p>�Junge, der Sch�pfer hat die H�user niemals erschaffen. Einige vergessen es gern, aber geh in der Geschichte jedes einzelnen Hauses ausreichend weit zur�ck, und du wirst einen einfachen Mann finden, der ungewohnten Mut gezeigt oder k�hlen Kopf bewahrt und angegriffen hat, wenn alle anderen wie gerupfte G�nse kopflos umherliefen. Und eine andere Tatsache, die viele gern vergessen, ist, da� der Abstieg genauso schnell erfolgen kann wie der Aufstieg. In Tyr gibt es zwei unverheiratete Frauen, die Ladies w�ren, wenn ihre Vorfahren vor zweihundert Jahren nicht Toren gewesen w�ren, denen nicht einmal ein Narr gefolgt w�re. Und es gibt in Sidona einen Holzf�ller, der behauptet, seine Vorfahren seien vor Artur Falkenfl�gel K�nige und K�niginnen gewesen. Vielleicht sagt er die Wahrheit. Er ist ein guter Holzf�ller. Es f�hren genauso viele Wege nach unten wie nach oben, und die hinabf�hrenden Wege sind genauso glatt wie die anderen.� Bashere schnaubte so heftig, da� sein Schnurrbart zitterte. �Ein Narr st�hnt, wenn das Schicksal ihn niederwirft, und nur ein wahrer Narr st�hnt, wenn das Schicksal ihn erhebt. Ich will von dir wissen, was du warst, aber auch, wie du innerlich bist. Wenn meine Frau Zarine unversehrt l��t und ich dich nicht t�ten lasse... Wei�t du, wie man eine Frau behandelt? Wie man sie gut behandelt?�</p><p>Da Perrin sich der Tatsache bewu�t war, einen guten Eindruck erwecken zu m�ssen, beschlo� er, nicht zu erw�hnen, da� er viel lieber wieder ein Schmied w�re. �Ich behandle Faile so gut ich es vermag�, sagte er vorsichtig.</p><p>Bashere schnaubte erneut. �So gut du es vermagst!� Seine Stimme wurde zu einem Grollen. �Du solltest es lieber ausreichend gut k�nnen, Junge, oder ich werde... Du hast meine Worte geh�rt. Eine Frau ist kein Soldat, der l�uft, wenn du br�llst. Eine Frau ist in gewisser Weise wie eine Taube. Du h�ltst sie halb so fest, wie du es f�r n�tig h�ltst, um sie nicht zu verletzen. Du willst Zarine nicht verletzen. Hast du mich verstanden?� Er grinste pl�tzlich beunruhigt, und seine Stimme wurde fast freundlich. �Du bist vielleicht ein sehr guter Schwiegersohn, Aybara, aber wenn du sie ungl�cklich machst...�</p><p>�Ich werde alles tun, um sie gl�cklich zu machen�, sagte Perrin ernst. �Ich will sie keinesfalls unterdr�cken.�</p><p>�Gut. Denn es w�re das letzte, was du tun w�rdest, Junge.� Auch das wurde mit einem Grinsen ge�u�ert, aber Perrin bezweifelte nicht, da� Bashere jedes Wort ernst meinte. �Ich denke, es ist an der Zeit, dich zu Deira zu bringen. Wenn sie und Zarine ihre Unterhaltung inzwischen noch nicht beendet haben, schreiten wir besser ein, bevor eine von ihnen die andere t�tet. Sie haben sich bei Streitigkeiten schon immer ein wenig vergessen, und Zarine ist inzwischen zu gro�, als da� Deira die Auseinandersetzung noch mit einer Ohrfeige beenden k�nnte.� Bashere stellte seinen Becher auf den Tisch und sprach weiter, w�hrend sie zur T�r gingen.</p><p>�Einer Sache mu�t du dir bewu�t sein: Nur weil eine Frau sagt, da� sie etwas glaubt mu� es noch nicht stimmen. Oh, sie wird es glauben, aber etwas mu� nicht unbedingt stimmen, nur weil eine Frau es f�r wahr h�lt. Erinnere dich daran.�</p><p>�Das werde ich.� Perrin glaubte zu verstehen, was der Mann meinte. Manchmal war sich Faile der Wahrheit nur vor�bergehend bewu�t. Es ging niemals um etwas Wichtiges, aber wenn sie etwas zu tun versprach, was sie nicht tun wollte, schaffte sie es stets, sich ein Hintert�rchen offenzulassen, um ihr Versprechen umgehen zu k�nnen, lie� das Versprechen sozusagen bestehen, w�hrend sie genau das tat, was sie wollte. Aber er verstand nicht, was das mit Failes Mutter zu tun haben sollte.</p><p>Es war ein langer Weg durch den Palast, S�uleng�nge entlang und Treppen hinauf und hinunter. Es waren nicht viele Saldaeaner zu sehen, aber viele Aielm�nner und T�chter des Speers, ganz zu schweigen von rotwei� livrierten Dienern, die sich verbeugten oder Knickse vollf�hrten, und wei�gewandeten M�nnern und Frauen wie jene, welche die Pferde �bernommen hatten. Sie eilten mit Tabletts oder Armen voller Handt�cher umher, die Augen gesenkt, und schienen niemanden zu bemerken, Perrin erkannte best�rzt, da� einige von ihnen dasselbe scharlachrote Stoffband um die Stirn gebunden hatten, das viele Aielm�nner trugen. Sie mu�ten also auch Aiel sein. Und er bemerkte noch eine Kleinigkeit. Genauso viele Frauen wie M�nner in wei�en Gew�ndern trugen das Stirnband, und auch M�nner in den graubraunen Umh�ngen und Hosen, aber keine T�chter des Speers. Gaul hatte ihm ein wenig �ber die Aiel erz�hlt, aber die Stirnb�nder hatte er nie erw�hnt.</p><p>Als er und Bashere einen Vorraum mit reichverzierten St�hlen und kleinen Tischen auf einem rot und gold und gr�n gemusterten Teppich betraten, fingen Perrins Ohren den ged�mpften Klang von Frauenstimmen auf. Er konnte die Worte durch die dicke T�r nicht verstehen, aber zweifellos war eine der Frauen Faile. Pl�tzlich dr�hnte ein Schlag, gefolgt von einem weiteren, und er zuckte zusammen. Nur ein vollkommener Wollkopf stellte sich zwischen seine Frau und deren Mutter, wenn sie miteinander stritten � nach seinen bisherigen Erfahrungen gingen sie beide auf den armen Tor los, der zu vermitteln versuchte, und er wu�te sehr wohl, da� Faile sich unter normalen Umst�nden behaupten konnte. Aber andererseits hatte er auch schon starke Frauen erlebt, selbst M�tter und sogar Gro�m�tter, die sich von ihren eigenen M�ttern wie Kinder behandeln lie�en.</p><p>Er straffte die Schultern und schritt auf die innere T�r <emphasis>zu,</emphasis> aber Bashere war vor ihm da und klopfte seelenruhig an die T�r, als h�tten sie alle Zeit der Welt. Bashere konnte nat�rlich nicht h�ren, was f�r Perrin wie zwei Katzen in einem Sack klang. Nasse Katzen.</p><p>Basheres Klopfen unterbrach den Streit j�h. �Herein�, rief eine gelassene Stimme.</p><p>Perrin mu�te sich beherrschen, um sich nicht an Bashere vorbeizudr�ngen, und als er den Raum betrat, suchte sein Blick hastig Faile, die in einem breiten Sessel sa�, den das Licht von den Fenstern weniger erhellte. Der Teppich war �berwiegend von einem dunklen Rot, das Perrin an Blut denken lie�, und einer der kleinen Wandbeh�nge zeigte eine Frau auf einem Pferd, die mit dem Speer einen Leoparden t�tete. Ein zweiter Wandbehang zeigte einen heftigen Kampf, der um ein Wei�es L�wenbanner herum tobte. Faile roch nach einer Mischung aus Empfindungen, die er nicht entwirren konnte, und ihre linke Wange zeigte einen roten Handabdruck, aber sie l�chelte ihm zu, wenn auch schwach.</p><p>Beim Anblick von Failes Mutter mu�te Perrin blinzeln. Nach Basheres Bemerkung �ber die Tauben hatte er eine zarte Frau erwartet, aber Lady Deira war deutlich gr��er als ihr Mann und wirkte ... statuenhaft. Sie wirkte nicht so wuchtig wie Herrin Luhhan, die rundlich war, oder wie Daise Congar, von der man glauben k�nnte, sie w�rde einem. Schmied den Hammer aus der Hand nehmen. Sie war kr�ftig gebaut, was ein Mann bei seiner Schwiegermutter sicher nicht erwartete, und er konnte erkennen, von wem Faile ihre Sch�nheit geerbt hatte. Failes Gesicht war das Abbild des Gesichts ihrer Mutter, aber ohne den Streifen Wei� im dunklen Schl�fenhaar. Wenn Faile so aussah, wenn sie �lter w�rde, durfte er sich sehr gl�cklich sch�tzen. Andererseits verlieh die k�hne Nase Lady Deira das Aussehen eines Adlers, als sich jene dunklen, schr�gstehenden Augen auf Perrin hefteten � ein glut�ugiger Adler, der seine Krallen tief in einen besonders unversch�mten Hasen versenken wollte. Sie roch nach Zorn und Verachtung. Die wahre �berraschung war jedoch der dunkelrote Handabdruck auf ihrer Wange.</p><p>�Vater, wir haben gerade von dir gesprochen�, sagte Faile mit liebevollem L�cheln, w�hrend sie zu ihm trat und seine H�nde nahm. Sie k��te seine Wangen, und Perrin �rgerte sich pl�tzlich. Ein Vater verdiente das nicht, wenn der Ehemann dabei war und nur mit einem kurzen L�cheln abgespeist wurde.</p><p>�Sollte ich davonreiten und mich verstecken, Zarine?� fragte Bashere leise lachend. Oh, es war ein sehr herzliches Lachen. Der Mann schien nicht einmal zu sehen, da� seine Frau und seine Tochter einander geschlagen hatten!</p><p>�Sie wird lieber Faile genannt, Davram�, sagte Lady Deira ver�chtlich. Die Arme unter ihrem stattlichen Busen verschr�nkt, begutachtete sie Perrin von Kopf bis Fu�, ohne sich die M�he zu machen, es zu verbergen.</p><p>Er h�rte Faile ihrem Vater zufl�stern: �Es h�ngt jetzt von ihm ab.�</p><p>Das hatte Perrin bereits vermutet, da sie und ihre Mutter sich geschlagen hatten. Er straffte die Schultern und bereitete sich darauf vor, Lady Deira zu erkl�ren, er werde Faile so liebevoll wie ein K�tzchen behandeln und selbst so sanft wie ein Lamm sein. Letzteres w�re nat�rlich eine L�ge � Faile w�rde einen sanften Mann anspeien und zum Abendessen r�sten �, aber der Frieden mu�te gewahrt werden. Au�erdem wollte er wirklich versuchen, liebevoll mit ihr umzugehen. Vielleicht war Lady Deira der Grund, weshalb Bashere �ber Sanftheit gesprochen hatte. Niemand h�tte den Mut, diese Frau anders zu behandeln.</p><p>Bevor er jedoch den Mund �ffnen konnte, ergriff Failes Mutter das Wort: �Gelbe Augen machen noch keinen Wolf aus. Bist du stark genug f�r meine Tochter, junger Mann? Nach dem, was sie mir erz�hlt, bist du ein Weichling, der ihr jede Laune nachsieht und sich von ihr um den Finger wickeln l��t, wann immer sie das Fingerfadenspiel spielen will.�</p><p>Perrin sah sie an. Bashere hatte den Platz eingenommen, auf dem Faile gesessen hatte, und betrachtete selbstzufrieden seine Stiefel, deren einer auf die Spitze des anderen aufgesetzt war. Faile, die auf der breiten Armlehne des Sessels ihres Vaters sa�, sah ihre Mutter ungehalten die Stirn runzelnd an und blickte dann mit all der Zuversicht zu Perrin, die sie auch gezeigt hatte, als sie ihm gesagt hatte, er solle zu Rand stehen.</p><p>�Ich glaube nicht, da� sie mich um den Finger wickelt�, bemerkte er vorsichtig. Sie versuchte es zwar, aber er glaubte nicht, da� er es jemals zugelassen hatte. Au�er hin und wieder, um ihr eine Freude zu machen.</p><p>Lady Deiras Schnauben sprach B�nde. �Schw�chlinge glauben das nie. Eine Frau will einen Mann, der st�rker ist als sie.� Sie stie� ihm mit dem Finger so fest vor die Brust, da� er st�hnte. �Ich werde niemals vergessen, wie Davram mich das erste Mal am Genick packte und mir zeigte, da� er der St�rkere von uns beiden war. Es war gro�artig!� Perrin blinzelte. Das war f�r ihn ein unvorstellbares Bild. �Wenn eine Frau st�rker ist als ihr Mann, wird sie ihn irgendwann verachten. Sie hat die Wahl, ihm entweder auf der Nase herumzutanzen oder sich selbst zu erniedrigen, um ihn nicht zu erniedrigen. Ist der Mann jedoch stark genug...� Sie stie� ihn erneut mit dem Finger an, diesmal sogar noch fester. �...darf sie so stark sein, wie sie ist, so stark, wie sie werden kann. Du wirst Faile beweisen m�ssen, da� du stark bist.� Ein weiterer Sto�, noch ein wenig fester. �Die Frauen in meiner Familie sind Leoparden. Wenn du ihnen nicht beibringen kannst, auf deinen Befehl zu jagen, wird Faile dich so biegen, wie du es verdienst. Bist du ausreichend stark?� Dieses Mal dr�ngte ihr Finger Perrin einen Schritt zur�ck.</p><p>�Wollt Ihr wohl damit aufh�ren?� grollte er. Er versagte es sich, �ber seine Brust zu reiben. Faile half ihm nicht, sondern l�chelte ihm nur ermutigend zu. Bashere beobachtete ihn mit gesch�rzten Lippen und einer hochgezogenen Augenbraue. �Wenn ich ihr manchmal etwas nachsehe, dann nur, weil ich es will. Ich sehe sie gerne l�cheln. Wenn Ihr von mir erwartet, da� ich sie mit F��en trete, k�nnt Ihr es vergessen.� Vielleicht hatte er mit diesen Worten verloren. Failes Mutter sah ihn auf h�chst eigenartige Weise an, und sie roch nach einer Mischung, die er nicht bestimmen konnte, obwohl noch immer Zorn dabei war und auch eiskalte Verachtung. Aber ob er nun einen guten Eindruck machte oder nicht � er w�rde nicht mehr versuchen, das zu sagen, was Bashere und seine Frau h�ren wollten. �Ich liebe sie, und sie liebt mich, und das ist, soweit es mich betrifft, alles.�</p><p>�Er sagte�, berichtete Bashere langsam, �da� er unsere Tochter zur�ckholen wird, wenn du sie fortbringst. Er scheint zu glauben, da� neuntausend saldaeanische Reiter wenigen hundert Bogensch�tzen von den Zwei Fl�ssen nicht standhalten k�nnen.�</p><p>Seine Frau sah Perrin nachdenklich an, ri� sich dann sichtbar zusammen und reckte den Kopf empor. �Das ist alles sch�n und gut, aber jeder Mann kann ein Schwert f�hren. Ich will wissen, ob er sie z�hmen kann, diese eigenwillige, sture, ungehorsame... �</p><p>�Genug, Deira�, unterbrach Bashere sie sanft. �Da du offensichtlich beschlossen hast, da� unsere Tochter kein Kind mehr ist, denke ich, da� Perrin f�r sie gen�gen wird.�</p><p>Zu Perrins �berraschung beugte Basheres Frau sanftm�tig den Kopf. �Wie du willst, mein Herz.� Dann sah sie Perrin wenig sanftm�tig an, als wollte sie sagen, da� ein Mann seine Frau genau so behandeln sollte.</p><p>Bashere murmelte leise etwas �ber Enkelkinder und die neuerliche St�rkung des Blutes. Und Faile? Sie l�chelte Perrin mit einem Ausdruck zu, den er niemals zuvor auf ihrem Gesicht gesehen hatte, ein Ausdruck, bei dem er sich entschieden unbehaglich f�hlte. Mit den gefalteten H�nden, den verschr�nkten Fu�kn�cheln und dem zu einer Seite geneigten Kopf gelang es ihr irgendwie ... unterw�rfig auszusehen, Faile! Vielleicht hatte er in eine Familie eingeheiratet, in der <emphasis>alle</emphasis> verr�ckt waren.</p><p>Rand schlo� die T�r hinter Perrin, trank seinen Becher gew�rzten Wein leer und lie� sich dann nachdenklich in einen Sessel sinken. Er hoffte, da� Perrin mit Bashere gut zurechtkam. Aber andererseits w�re Perrin Tear vielleicht zugeneigter, wenn sie sich stritten. Er brauchte entweder Perrin oder Mat in Tear, um Sammael davon zu �berzeugen, da� dies der wahre Angriff war. Der Gedanke lie� ihn leise und verbittert lachen. Licht, welch eine Art, �ber einen Freund zu denken. Lews Therin kicherte und murmelte etwas Undeutliches �ber Freunde und Verrat. Rand w�nschte sich, er k�nnte ein Jahr lang schlafen.</p><p>Min trat ein, nat�rlich ohne anzuklopfen. Die T�chter des Speers beobachteten sie manchmal auf eigent�mliche Art, aber was auch immer Sulin oder vielleicht auch Melaine gesagt hatten � Min war eine derjenigen, die ungeachtet dessen, was auch immer er gerade tat, am h�ufigsten hereingeschickt wurden. Aber sie zog auch ihren Vorteil daraus. Sie hatte sogar schon einmal darauf bestanden, sich einen Stuhl neben seine Badewanne zu stellen und dort mit ihm zu reden, als sei daran �berhaupt nichts Ungew�hnliches. Jetzt hielt sie nur kurz inne, um sich einen Becher gew�rzten Wein einzugie�en, und setzte sich dann schwungvoll auf seinen Scho�. Ein leichter Schwei�film gl�nzte auf ihrem Gesicht. Es war ihr gleichg�ltig, wie man die Hitze unbeachtet lie�, sie lachte nur und sagte, sie sei keine Aes Sedai und habe auch nicht vor, eine zu werden. Er war bei diesen Besuchen anscheinend zu ihrem Lieblingssessel geworden, aber er war sich sicher, da� sie ihr Spiel fr�her oder sp�ter aufgeben w�rde, wenn er einfach vorgab, es nicht zu bemerken. Darum hatte er sich auch so gut wie m�glich in seinem Badewasser verborgen, anstatt sie mit Luft zu verblenden. Wenn sie erst wu�te, da� sie ihn ber�hrte, w�rde sie niemals mit diesem Schabernack aufh�ren. Au�erdem f�hlte es sich gut an, ein M�dchen auf den Knien zu haben, so sehr er sich auch sch�mte, das Min gegen�ber zuzugeben. Er war nicht aus Holz gemacht.</p><p>�Hattest du ein erfreuliches Gespr�ch mit Faile?� erkundigte sich Rand.</p><p>�Es hat nicht lange gedauert. Ihr Vater kam sie holen, und sie war zu stark damit besch�ftigt, ihm die Arme um den Hals zu werfen, um mich noch zu bemerken. Anschlie�end bin ich ein wenig spazierengegangen.�</p><p>�Du magst sie nicht?� fragte Rand, und Mins Augen weiteten sich, wobei die langen Wimpern sie noch gr��er scheinen lie�en. Frauen erwarteten nie, da� ein Mann etwas erkannte oder verstand, da� er nicht erkennen oder verstehen sollte.</p><p>�Es ist nicht so, da� ich sie nicht mag�, sagte sie z�gernd. �Es ist nur so... Nun, sie will, was sie will, wenn sie es will, und sie akzeptiert kein Nein. Der arme Perrin tut mir leid, weil er mit ihr verheiratet ist. Wei�t du, was sie von mir wollte? Sie wollte sich versichern, da� ich kein Auge auf ihren kostbaren Mann geworfen habe. Du hast es vielleicht nicht bemerkt... M�nner sehen solche Dinge nie...� Sie brach ab und schaute durch lange Wimpern mi�trauisch zu ihm hoch. Er hatte bewiesen, da� er immerhin doch einiges bemerkte. Als sie zufrieden feststellte, da� er nicht lachen w�rde, fuhr sie fort. �Ich konnte auf den ersten Blick erkennen, da� er in sie vernarrt ist, der arme Tor. Und sie in ihn, was auch immer ihm das n�tzen wird. Ich glaube nicht, da� er eine andere Frau auch nur ein zweites Mal ansehen w�rde, aber sie glaubt es, zumal wenn die andere Frau den ersten Blick riskiert. Er hat seinen Falken gefunden, und ich w�re nicht �berrascht, wenn sie ihn t�ten w�rde, wenn der Jagdfalke durchbricht.� Sie hielt inne, schaute erneut zu ihm hoch und trank dann von ihrem gew�rzten Wein.</p><p>Sie w�rde ihm sagen, was sie meinte, wenn er sie danach fragte. Er erinnerte sich, da� sie nichts von ihren Visionen erz�hlte, wenn sie ihn nicht betrafen, aber wenn es so war, hatte sie sich aus irgendeinem Grund ge�ndert. Sie w�rde jedermann pr�fen, wenn er sie jetzt darum b�te, und ihm alles sagen, was sie sah. Aber sie f�hlte sich unbehaglich dabei.</p><p><emphasis>Halt den Mund!</emphasis> schrie er Lews Therin an. <emphasis>Geh weg! Du bist tot!</emphasis> Es wirkte nicht. Das war jetzt h�ufig der Fall. Diese Stimme murmelte weiter, vielleicht dar�ber, von Freunden verraten zu werden, vielleicht dar�ber, sie selbst zu verraten.</p><p>�Hast du irgend etwas gesehen, was mich betrifft?� fragte er.</p><p>Min lehnte sich mit einem dankbaren L�cheln bequem an seine Brust � nun, wahrscheinlich wollte sie es sich bequem machen, aber andererseits auch wieder nicht � und begann zwischen Schlucken gew�rztem Wein zu sprechen. �Als ihr beide zusammen wart, sah ich jene Gl�hw�rmchen und eine dichtere Dunkelheit denn je. Hm, ich mag gew�rzten Melonenwein. Aber als ihr beide im gleichen Raum wart, hielten sich die Gl�hw�rmchen f�r sich, anstatt schneller gefressen zu werden, als sie ausschw�rmen konnten, so wie sie es auch tun, wenn du allein bist. Und ich sah noch etwas, als ihr zusammen wart. Er wird zweimal dort sein m�ssen, oder du...� Sie schaute in ihren Becher, so da� er ihr Gesicht nicht sehen konnte. �Wenn nicht, wird dir etwas Schlimmes zusto�en.� Ihre Stimme klang verzagt und ver�ngstigt. �Etwas sehr Schlimmes.�</p><p>So gern er auch mehr erfahren h�tte � zum Beispiel �ber das Wann und Wo und Wie �, sie h�tte es ihm bereits gesagt, wenn sie es gewu�t h�tte. �Dann werde ich ihn einfach in der N�he behalten m�ssen�, sagte er so heiter wie m�glich. Er mochte es nicht, wenn Min ver�ngstigt war.</p><p>�Ich glaube nicht, da� das gen�gen wird�, murmelte sie in ihren Becher. �Es <emphasis>wird</emphasis> geschehen, wenn er nicht da ist, aber nichts, was ich gesehen habe, besagt, da� es nicht geschehen wird, weil er da ist. Es wird sehr schlimm werden, Rand. Allein an diese Vision zu denken, macht mich...�</p><p>Er hob ihr Gesicht an und war �berrascht, Tr�nen in ihren Augen zu sehen. �Min, ich wu�te nicht, da� diese Visionen dich verletzen k�nnen�, sagte er sanft. �Es tut mir leid.�</p><p>�Du wei�t gar nichts, Schafhirte.� Murrend zog sie ein spitzenbesetztes Taschentuch aus dem �rmel und tupfte sich die Augen ab. �Es war nur Staub. Du l��t Sulin hier drinnen nicht oft genug staubwischen.� Das Taschentuch wurde schwungvoll wieder eingesteckt. �Ich sollte zur <emphasis>Rosenkrone</emphasis> zur�ckgehen. Ich mu�te dir einfach sagen, was ich �ber Perrin gesehen habe.�</p><p>�Min, sei vorsichtig. Vielleicht solltest du nicht so oft kommen. Ich glaube nicht, da� Merana gut auf dich zu sprechen w�re, wenn sie entdeckt, was du tust.�</p><p>Sie l�chelte wieder wie fr�her, und ihr Blick wirkte belustigt, auch wenn die Augen noch immer vor Tr�nen gl�nzten. ��berla� sie mir, Schafhirte. Sie denken, da� mich der Anblick Caemlyns wie jeden anderen Dummkopf vom Lande �berw�ltigt. Wenn ich nicht jeden Tag k�me � w��test du dann, da� sie sich mit den Adligen treffen?� Sie hatte das gestern auf ihrem Weg zum Palast zuf�llig beobachtet. Merana war einen Moment an einem Fenster eines Palastes erschienen, der Lord Pelivar geh�rte. Es bestand ebenso die M�glichkeit, da� Pelivar und seine G�ste die einzigen waren, wie auch die M�glichkeit, da� Merana dorthin gegangen war, um Pelivar zu helfen.</p><p>�Sei vorsichtig�, beharrte er. �Ich will nicht, da� du verletzt wirst, Min.�</p><p>Sie betrachtete ihn einen Moment schweigend und richtete sich dann ausreichend weit auf, um ihn leicht auf die Lippen zu k�ssen. Zumindest... Nun, es war wirklich nur ein leichter Ku�, aber dies war ein t�gliches Ritual, wenn sie ging, und er hatte das Gef�hl, da� diese K�sse jeden Tag etwas weniger leicht wurden.</p><p>�Ich w�nschte, du w�rdest das nicht tun.� Sie auf seinen Knien sitzen zu lassen, war eine Sache, aber K�sse trieben den Scherz zu weit.</p><p>�Keine Tr�nen mehr, Bauernjunge�, sagte sie l�chelnd. �Kein Gestammel.� Sie zauste ihm das Haar, als w�re er ein zehnj�hriger Junge, und ging dann zur T�r, aber sie bewegte sich auf anmutig schwingende Art, die vielleicht keine Tr�nen und Gestammel bewirken w�rde, ihn aber sicherlich dazu brachte, sie anzusehen, wie sehr er sich auch dagegen wehrte. Sein Blick zuckte zu ihrem Gesicht, als sie sich umwandte. �Deine Wangen sind ger�tet, Schafhirte. Ich dachte, die Hitze k�nnte dir nichts mehr anhaben. Aber mach dir nichts draus. Ich wollte dir nur noch sagen, da� ich vorsichtig sein werde. Ich sehe dich morgen. Denk daran, frische Socken anzuziehen.�</p><p>Rand atmete tief aus, nachdem sich die T�r fest hinter ihr geschlossen hatte. Frische Socken? Er zog jeden Tag welche an! Es gab nur zwei M�glichkeiten. Er konnte weiterhin so tun, als h�tte sie keinerlei Wirkung auf ihn, bis sie aufgab, oder er konnte sich dem Gestammel hingeben. Oder vielleicht dem Bitten. Sie w�rde vielleicht aufh�ren, wenn er sie darum bat, aber dann konnte sie ihn damit necken, und Min neckte gerne. Die einzige andere M�glichkeit � ihre gemeinsame Zeit zu beschr�nken und sich kalt und abweisend zu verhalten � stand au�er Frage. Sie war eine Freundin. Er k�nnte sich genauso gut kalt verhalten gegen�ber... Aviendha und Elayne kamen ihm in den Sinn, aber das pa�te nicht. Gegen�ber Mat oder Perrin. Das einzige, was er nicht verstand, war, warum er sich in ihrer N�he immer noch so behaglich f�hlte. Es h�tte nicht so sein sollen, da sie ihn auf diese Art verspottete, aber er tat es.</p><p>Lews Therins Gefasel war von dem Moment an, in dem die Aes Sedai erw�hnt wurden, lauter geworden, und jetzt sagte er ganz deutlich: <emphasis>Wenn sie mit den Adligen zusammen Pl�ne schmieden, mu� ich etwas</emphasis></p><p><emphasis>gegen sie unternehmen.</emphasis></p><p><emphasis>Geh weg,</emphasis> befahl Rand ihm.</p><p><emphasis>Neun sind zu gef�hrlich, selbst wenn sie nicht ausgebildet sind. Zu gef�hrlich. Kann sie nicht gew�hren lassen. Nein. O nein.</emphasis></p><p><emphasis>Geh weg, Lews Therin!</emphasis></p><p><emphasis>Ich bin nicht tot!</emphasis> heulte die Stimme. <emphasis>Ich verdiene den Tod, aber ich lebe! Ich lebe! Ich lebe!</emphasis></p><p><emphasis>Du bist tot!</emphasis> schrie Rand in seinem Kopf zur�ck. <emphasis>Du bist tot, Lews Therin!</emphasis></p><p>Die Stimme verklang, und das heulend ausgesto�ene <emphasis>Ich lebe!</emphasis> verbla�te.</p><p>Rand stand zitternd auf, f�llte seinen leeren Becher und trank den gew�rzten Wein in einem Zug aus. Schwei� tropfte von seinem Gesicht, und sein Hemd klebte an ihm. Es kostete ihn M�he, sich wieder zu konzentrieren. Lews Therin wurde beharrlicher. Eines war sicher: Wenn Merana mit den Adligen R�nke schmiedete, besonders mit den Adligen, die zum Aufstand bereit waren, und wenn er Elayne nicht bald heranschaffte, um sie zufriedenzustellen, dann mu�te er etwas unternehmen. Leider hatte er keine Ahnung, was dies sein k�nnte.</p><p><emphasis>Ich t�te sie,</emphasis> fl�sterte Lews Therin. <emphasis>Neun sind zu gef�hrlich, aber wenn ich einige t�te, wenn ich sie verjage ... sie t�te ... sie dazu bringe, mich zu f�rchten... Ich will nicht wieder sterben... Ich verdiene den Tod, aber ich will leben...</emphasis> Er begann zu weinen, aber das leise Fl�stern erklang weiterhin.</p><p>Rand f�llte seinen Becher erneut und versuchte, nicht zuzuh�ren.</p><p>Als das Origan-Tor in die Innere Stadt in Sicht kam, verlangsamte Demira Eriff ihr Tempo. Einige M�nner auf der bev�lkerten Stra�e betrachteten sie bewundernd, w�hrend sie sich an ihr vorbeidr�ngten, und sie merkte sich ungef�hr zum tausendsten Mal im Geiste vor, da� sie aufh�ren sollte, die freiz�gigen Gew�nder ihrer Heimat Arad Doman zu tragen, verga� es aber auch zum tausendsten Mal sofort wieder. Kleidung war wohl kaum wichtig � sie lie� sich seit Jahren dieselben sechs Gew�nder nachfertigen �, und wenn ein Mann, der sie nicht als Aes Sedai erkannte, unversch�mt wurde, war es nicht schwer, ihm deutlich zu machen, wem gegen�ber er sich unversch�mt verhielt. Das schaffte ihr die M�nner zumeist schnell vom Hals, normalerweise so schnell sie laufen konnten.</p><p>Im Moment interessierte sie nur das Origan-Tor, ein gro�er wei�er Marmorbogen in der schimmernden wei�en Mauer, und der Strom der Menschen, Karren und Wagen, die unter den Augen von einem Dutzend Aielm�nnern hindurchgelangten und die Demira f�r nicht so abgelenkt hielt, wie sie auf den ersten Blick schienen. Sie erkannten eine Aes Sedai vielleicht, wenn sie eine sahen. Erstaunliche Menschen taten dies zuweilen. Au�erdem war sie seit der <emphasis>Rosenkrone</emphasis> verfolgt worden. Jene Umh�nge und Hosen, die mit Felsen und B�schen verschmelzen konnten, fielen auf einer belebten Stra�e auf. Selbst dann h�tte sie nicht die Innere Stadt betreten und Meranas Zorn riskiert, indem sie die Stadt betreten h�tte, ohne zuerst um al'Thors Erlaubnis zu bitten, wenn sie es gewollt h�tte. Wie sehr es sie verbitterte, da� eine Aes Sedai die <emphasis>Erlaubnis</emphasis> eines Mannes erbitten mu�te. Sie wollte nur kurz einen gewissen Milam Harnder sehen, den Zweiten Bibliothekar der Bibliothek im K�niglichen Palast und seit fast drei�ig Jahren ihr Vermittler.</p><p>Die Bibliothek im hiesigen Palast konnte sich sicher nicht mit derjenigen in der Wei�en Burg oder mit der K�niglichen Bibliothek in Cairhien oder der Terhana-Bibliothek in Bandar Eban messen, aber der Wunsch, fliegen zu k�nnen, war genauso unsinnig wie der Wunsch, zu einer von diesen Einla� zu bekommen. Dennoch � wenn ihre Nachricht Milam erreicht hatte, w�rde er nach den B�chern suchen, die sie haben wollte. Die Palast-Bibliothek konnte sehr wohl Hinweise �ber die Siegel am Gef�ngnis des Dunklen K�nigs enthalten und vielleicht sogar Quellen auflisten, obwohl das vielleicht eine zu gro�e Hoffnung war. In den meisten Bibliotheken fanden sich in den Ecken herumliegende B�nde, die schon vor langer Zeit h�tten katalogisiert werden sollen, aber irgendwie hundert oder f�nfhundert oder noch mehr Jahre lang unbeachtet geblieben waren. Die meisten Bibliotheken enthielten Sch�tze, die sogar die Bibliothekare selbst nicht dort vermuteten.</p><p>Sie wartete geduldig, lie� die Menge an sich vor�berflie�en und achtete nur auf die Menschen, die aus dem Tor herauskamen, aber sie sah Milams kahlen Kopf und rundes Gesicht nicht Schlie�lich seufzte sie. Er hatte ihre Nachricht offensichtlich nicht erhalten. Andernfalls h�tte er jede nur m�gliche Ausrede benutzt, die notwendig gewesen w�re, um zur angegebenen Zeit hier zu sein. Sie w�rde jetzt warten m�ssen, bis sie Merana zum Palast begleiten konnte, und hoffen m�ssen, da� der junge al'Thor ihr die Erlaubnis gew�hrte � wieder die Erlaubnis! �, selbst in der Bibliothek zu suchen.</p><p>Als sie sich vom Tor abwandte, begegnete ihr Blick zuf�llig dem eines gro�en Burschen mit hagerem Gesicht, der die Weste eines Fuhrmannes trug und sie viel zu bewundernd ansah. Er blinzelte sogar, als sich ihre Blicke begegneten!</p><p>Sie w�rde sich das nicht den ganzen Weg zum Gasthaus zur�ck gefallen lassen. <emphasis>Ich mu� wirklich daran denken, mir einige einfache Gew�nder anfertigen zu lassen,</emphasis> gr�belte sie und fragte sich, warum sie es nicht l�ngst getan hatte. Gl�cklicherweise war sie vor einigen Jahren schon einmal in Caemlyn gewesen. Stevan w�rde in der <emphasis>Rosenkrone</emphasis> warten, ein F�hrer, dessen Dienste sie in Anspruch nehmen konnte, wenn es soweit war. Sie glitt in die schmale, schartige Gasse zwischen dem Gesch�ft eines Scherenschleifers und einer Schenke.</p><p>Die engen Stra�en von Caemlyn waren bei ihrem letzten Besuch schlammig gewesen, aber selbst jetzt, da sie trocken waren, wurde der Geruch immer unertr�glicher, je tiefer sie in das Gewirr eindrang. Die fensterlosen Mauern wirkten abweisend, und nur selten gab es eine schmale T�r, die schon lange nicht mehr ge�ffnet worden zu sein schien. Magere Katzen beobachteten sie von F�ssern und Hinterhofmauern, und streunende Hunde mit hervorstehenden Rippen legten die Ohren an und knurrten manchmal, bevor sie einen Querlauf hinabschlichen, wie Gassen hier genannt wurden. Sie hatte keine Angst gekratzt oder gebissen zu werden. Katzen schienen die Aura der Aes Sedai zu sp�ren. Sie hatte noch nie geh�rt, da� eine Aes Sedai auch von der wildesten Katze nur gekratzt worden w�re. Hunde waren ihnen feindlich gesinnt, das stimmte, fast als glaubten sie, <emphasis>sie</emphasis> seien Katzen, aber Hunde schlichen fast immer davon, nachdem sie sich ein wenig aufgespielt hatten.</p><p>Es waren weitaus mehr Hunde und Katzen in den Querl�ufen, als sie in Erinnerung hatte, und sie waren magerer als fr�her, aber es waren weitaus weniger Menschen zu sehen. Sie hatte �berhaupt niemanden gesehen, bis sie eine Ecke umrundete und f�nf oder sechs Aielm�nner auf sich zukommen sah, die lachten und miteinander sprachen. Sie schienen erschreckt, sie zu sehen.</p><p>�Verzeihung, Aes Sedai�, murmelte einer von ihnen, und sie dr�ngten sich an die Seite des Querlaufs, obwohl gen�gend Platz war.</p><p>W�hrend sie sich fragte, ob dies dieselben M�nner waren, die ihr gefolgt waren � eines der Gesichter schien ihr bekannt, ein untersetzter Bursche mit boshaften Augen �, nickte sie und murmelte im Vor�bergehen ihren Dank.</p><p>Der Speer, der sie in die Seite traf, war solch ein Schock, da� sie nicht einmal aufschrie. Sie griff panisch nach <emphasis>Saidar,</emphasis> aber noch etwas bohrte sich in ihre Seite, und sie sank zu Boden. Das ihr bekannt erschienene Gesicht n�herte sich dem ihren, die schwarzen Augen sp�ttisch, und der Mann stie� grollend etwas hervor, worauf sie nicht achtete, w�hrend sie <emphasis>Saidar</emphasis> anzur�hren versuchte, w�hrend sie versuchte... Dunkelheit umh�llte sie.</p><p>Als die endlose Unterhaltung Perrins und Failes mit deren Eltern vor�ber war, wartete diese seltsame Dienerin, Sulin, im Gang auf sie. Perrin war schwei�gebadet, was sich an dunklen Flecken auf seinem Umhang zeigte, und er f�hlte sich, als w�re er zehn Meilen weit gelaufen, w�hrend er bei jedem Schritt geschlagen wurde. Faile l�chelte und h�pfte. Sie wirkte �bergl�cklich, wundersch�n und so stolz auf sich, als h�tte sie die Wachh�gel-M�nner gerade in dem Moment herangebracht, als die Trollocs Emondsfeld �berrennen wollten. Sulin vollf�hrte jedesmal einen Hofknicks, wenn einer von ihnen sie ansah, und fiel fast immer dabei um. Das ledrige Gesicht mit der Narbe �ber der Wange trug ein unterw�rfiges L�cheln, das in einem Atemzug vergehen zu k�nnen schien. Vorbeigehende T�chter unterhielten sich in der Zeichensprache, und Sulin vollf�hrte auch vor ihnen einen Hofknicks, obwohl sie laut genug mit den Z�hnen knirschte, da� Perrin es deutlich h�ren konnte. Sogar Faile beobachtete sie jetzt wachsam.</p><p>Als die Frau sie zu ihren R�umen gef�hrt hatte � ein Wohnzimmer und ein Schlafzimmer mit einem Himmelbett, das zehn Menschen h�tte beherbergen k�nnen, sowie ein langer Marmorbalkon auf einen Hof mit Springbrunnen �, beharrte sie darauf, ihnen alles zu erkl�ren oder zu zeigen, selbst das, was sie selbst sehen konnten. Ihre Pferde waren in den Stall gef�hrt und abgerieben worden. Ihre Satteltaschen waren ausgepackt und hingen zusammen mit Perrins Streitaxtg�rtel im Schrank, und der sp�rliche Inhalt lag in den Schubladen einer Doppelkommode. Perrins Streitaxt stand neben dem grauen Marmorkamin, als sollte Feuerholz damit gehackt werden. Einer der beiden Silberkr�ge, die durch feine Wassertropfen glitzerten, enthielt k�hlen, mit Minze gew�rzten Tee und der andere gew�rzten Pflaumenwein. Zwei goldgerahmte Spiegel hingen an der Wand, einer �ber einem Tisch, auf dem Failes Elfenbeinkamm und ihre B�rste lagen, der andere war ein gro�er Standspiegel mit geschnitzten St�tzen, den nicht einmal ein Blinder h�tte �bersehen k�nnen.</p><p>W�hrend Sulin noch immer Erkl�rungen �ber das zu bringende Badewasser und Kupferwannen abgab, dr�ckte Perrin ihr eine Goldm�nze in die Hand. �Danke�, sagte er, �aber wenn Ihr uns jetzt allein lassen w�rdet...� Er dachte einen Moment, sie w�rde ihm das Goldst�ck ins Gesicht werfen, aber statt dessen wurde ihm ein weiterer schwankender Hofknicks gew�hrt, woraufhin sie den Raum ger�uschvoll verlie�.</p><p>�Vermutlich beherrscht derjenige, der die Diener ausbildet seine Aufgabe nicht besonders gut�, sagte Faile. �Das war �brigens hervorragend. H�flich, aber bestimmt. Wenn du so nur auch mit <emphasis>unseren</emphasis> Dienern umgehen w�rdest.� Als sie ihm ihren schlanken R�cken zuwandte, verklang ihre Stimme zu einem Murmeln. �W�rdest du mir die Kn�pfe �ffnen?�</p><p>Er f�hlte sich stets unbeholfen, wenn er die kleinen Kn�pfe �ffnen sollte, weil er halbwegs bef�rchtete, sie abzurei�en oder ihr Gewand zu besch�digen. Andererseits gefiel es ihm, seine Frau auszuziehen. F�r gew�hnlich half ihr eine Dienerin dabei, seiner Meinung nach sicherlich wegen der verlorengegangenen Kn�pfe. �Hast du irgend etwas von dem Unsinn ernst gemeint, den du deiner Mutter erz�hlt hast?�</p><p>�Hast du mich nicht gez�hmt, mein Ehemann�, fragte sie, ohne ihn anzusehen, �und mich gelehrt, dir zur Verf�gung zu stehen, wenn du mich rufst? Bem�he ich mich nicht, dich zu erfreuen? Gehorche ich nicht deiner kleinsten Geste?� Sie roch belustigt. Und sicherlich klang sie belustigt. Nur klang es auch, als wollte sie es so, genauso wie es auch geklungen hatte, als sie ihrer Mutter mit hocherhobenem Kopf und so stolz sie nur konnte fast dasselbe gesagt hatte. Frauen waren schlichtweg seltsam, das war alles. Und ihre Mutter...! Und ihr Vater!</p><p>Vielleicht sollte er das Thema wechseln. Was hatte Bashere noch erw�hnt? �Faile, was ist eine Zerbrochene Krone?� Er war sicher, da� es das gewesen war.</p><p>Sie verzog das Gesicht und roch pl�tzlich aufgebracht.</p><p>�Rand hat den Palast verlassen, Perrin.�</p><p>�Und wenn schon?� Er beugte sich herab, um einen winzigen Perlmuttknopf besser sehen zu k�nnen, und runzelte hinter ihrem R�cken die Stirn. �Woher wei�t du das?�</p><p>�Von den T�chtern des Speers. Bain und Chiad haben mir ein wenig von der Zeichensprache beigebracht. Du darfst mich nicht verraten, Perrin. So wie sie sich auff�hrten, als sie h�rten, da� Aiel hier sind, glaube ich, da� sie es lieber nicht getan h�tten. Aber es k�nnte n�tzlich sein zu verstehen, was die T�chter des Speers sagen, ohne da� sie etwas davon wissen. Sie scheinen sich mit Rand gut zu vertragen.� Sie drehte sich um, sah ihn schelmisch an und streichelte seinen Bart. �Diesen T�chtern, die wir trafen, gefielen deine Schultern, aber sie machen sich nicht viel daraus. Aielfrauen erkennen keinen sch�nen Bart, wenn sie einen sehen.�</p><p>Er sch�ttelte den Kopf, wartete, da� sie sich wieder umdrehen w�rde, und steckte dann hastig den Knopf in die Tasche, der bei ihrer Drehung abgerissen war. Vielleicht w�rde sie es nicht merken. Er war eine Woche lang mit einem an seinem Umhang fehlenden Knopf herumgelaufen und hatte es nicht gemerkt, bis sie ihn darauf hinwies. Und was Barte betraf, so waren Aiel, nach dem, was Gaul erz�hlte, stets glattrasiert. Bain und Chiad hatten sich �ber seinen Bart mehr als einmal lustig gemacht. Er hatte bei dieser Hitze schon oft daran gedacht, ihn abzurasieren. Aber Faile mochte ihn. �Was ist mit Rand? Warum sollte es von Bedeutung sein, da� er den Palast verlassen hat?�</p><p>�Nur insofern, als du wissen solltest, was er hinter deinem R�cken tut. Du hast offensichtlich nicht gewu�t, da� er fortgegangen ist. Denk daran, da� er der Wiedergeborene Drache <emphasis>ist.</emphasis> Damit steht er fast einem K�nig gleich, einem K�nig der K�nige, und K�nige verletzen manchmal sogar Freunde, aus Versehen und absichtlich.�</p><p>�Das w�rde Rand niemals tun. Worauf willst du �berhaupt hinaus? Da� ich ihn ausspionieren soll?�</p><p>Er hatte dies als Scherz gemeint, aber sie erwiderte: �Nicht <emphasis>du,</emphasis> mein Lieber. Das ist die Aufgabe einer Frau.�</p><p>�Falle!� Er richtete sich so j�h auf, da� er fast einen weiteren Knopf abgerissen h�tte, ergriff ihre Schultern und wandte sie zu sich um. �Du wirst Rand nicht ausspionieren, hast du mich verstanden?� Sie nahm einen widerspenstigen Gesichtsausdruck an, die Mundwinkel herabgezogen, die Augen verengt � sie strahlte geradezu Hartn�ckigkeit aus �, aber er konnte auch hartn�ckig sein. �Faile, ich m�chte etwas von dem Gehorsam sehen, dessen du dich ger�hmt hast.� Soweit er bisher erkennen konnte, tat sie, was er sagte, wenn sie ihm gut gesonnen und zufrieden war, und sonst nicht, gleichg�ltig, ob er im Recht war oder nicht. �Ich meine es ernst, Faile. Ich will dein Versprechen. Ich werde nicht teilhaben an jemandes...�</p><p>�Ich verspreche es dir, mein Herz�, sagte sie und legte ihre Finger �ber seinen Mund. �Ich verspreche, da� ich Rand nicht ausspionieren werde. Du siehst, ich gehorche meinem Herrn Gemahl. Erinnerst du dich, wie viele Enkelkinder meine Mutter erwartet?�</p><p>Der pl�tzliche Richtungswechsel �berraschte ihn. Aber sie hatte es versprochen. Das war das wichtigste. �Sechs, glaube ich. Ich habe aufgeh�rt mitzuz�hlen, als sie erkl�rte, welches Jungen und welches M�dchen werden sollten.� Lady Deira hatte einige best�rzend unverbl�mte Ratschl�ge parat gehabt, wie dies zu erreichen sei. Dankenswerterweise hatte er das meiste davon verpa�t, weil er sich st�ndig gefragt hatte, ob er den Raum verlassen sollte, bis sie fertig w�re. Faile hatte zu den Worten ihrer Mutter nur genickt, als sei es das Nat�rlichste von der Welt, da� ihr Vater und ihr Ehemann dabei waren.</p><p>�Mindestens sechs�, sagte sie mit wahrhaft verruchtem L�cheln. �Perrin, sie wird uns �ber die Schulter sehen, bis ich ihr sagen kann, da� sie bald das erste Enkelkind erwarten darf, und ich dachte, wenn es dir jemals gel�nge, meine restlichen Kn�pfe zu �ffnen...� Sie err�tete nach Monaten der Ehe noch immer, aber dieses L�cheln schwand nicht. �Ein richtiges Bett nach so vielen Wochen erf�llt mich mit einer Vorfreude wie ein Bauernm�dchen zur Ernte.�</p><p>Manchmal wunderte er sich �ber ihre st�ndige Erw�hnung dieser saldaeanischen Bauernm�dchen. Ob mit oder ohne Err�ten � wenn sie nur halb so direkt wie Faile waren, wenn er mit ihr allein war, w�rde in Saldaea niemals eine Ernte eingebracht. Er ri� beim Versuch, sie auszukleiden, zwei weitere Kn�pfe ab, und es k�mmerte sie nicht im geringsten. Tats�chlich zerri� sie ihm sogar das Hemd.</p><p>Demira war �berrascht, da� sie die Augen �ffnen konnte, �berrascht, da� sie auf dem Bett in ihrem Zimmer in der <emphasis>Rosenkrone</emphasis> lag. Sie hatte erwartet, tot zu sein und nicht entkleidet unter einem Leinenlaken zu liegen. Stevan sa� auf einem Stuhl am Fu�ende des Bettes, und es gelang ihm, gleichzeitig erleichtert, besorgt und streng dreinzublicken. Ihr schlanker cairhienischer Beh�ter war einen Kopf kleiner als sie und fast zwanzig Jahre j�nger, auch wenn Grau sein Schl�fenhaar durchzog, aber manchmal f�hrte er sich wie ein Vater auf, der behauptete, sie k�nne nicht selbst auf sich aufpassen, wenn er nicht ihre Hand hielte. Sie f�rchtete sehr, da� dieser Zwischenfall ihm in diesem Kampf auf Monate hinaus Oberwasser verschaffen w�rde. Merana stand mit ernstem Gesicht auf der einen und Berenicia auf der anderen Seite des Bettes. Die rundliche Gelbe Schwester war ohnehin stets ernst, aber jetzt wirkte sie vollkommen finster.</p><p>�Wie?� gelang es Demira zu fragen. Licht, sie f�hlte sich schwach. Das kam vom Heilen, aber es war schon eine Anstrengung, die Arme unter dem Laken hervorzunehmen. Sie mu�te dem Tode sehr nahe gewesen sein. Das Heilen hinterlie� keine Narben, aber die Erinnerungen und die Schw�che gen�gten vollkommen.</p><p>�Ein Mann kam in den Schankraum�, erz�hlte Stevan, �und verlangte ein Bier. Er sagte, er h�tte gesehen, wie Aiel einer Aes Sedai gefolgt seien � er beschrieb Euch genau � und meinte, sie wollten sie t�ten. Sobald er das erz�hlt hatte, sp�rte ich...� Er verzog vielsagend das Gesicht.</p><p>�Stevan bat mich mitzukommen�, sagte Berenicia. �Er hat mich sozusagen mitgezerrt � und wir rannten den ganzen Weg. Ich war ehrlich gesagt nicht sicher, da� wir rechtzeitig gekommen waren, bis Ihr gerade eben die Augen �ffnetet.�</p><p>�Nat�rlich�, sagte Merana mit tonloser Stimme, �hatten beide Anteil an der Falle � und an der Warnung. Die Aiel und der Mann. Es ist eine Schande, da� wir ihn entkommen lie�en, aber wir waren so um Euch besorgt, da� er entwischen konnte, bevor jemand daran dachte, ihn aufzuhalten.�</p><p>Demira hatte an Milam gedacht und daran, wie dies die Suche in der Bibliothek beeinflussen w�rde, daran, wie lange es dauern w�rde, Stevan zu beruhigen, und Meranas Worte drangen nur langsam zu ihr vor. �Ihn festhalten? Eine Warnung? Wovon sprecht Ihr, Merana?� Berenicia murmelte etwas dar�ber, da� sie es vielleicht verstehen w�rde, wenn sie es ihr schwarz auf wei� zeigten. Berenicia konnte manchmal sehr bissig sein.</p><p>�Habt Ihr jemanden den Schankraum betreten sehen, um etwas zu trinken, seit wir eingetroffen sind, Demira?� fragte Merana geduldig.</p><p>Es stimmte � sie hatte niemanden gesehen. Eine oder auch zwei Aes Sedai fielen unter den G�sten einer Schenke in Caemlyn kaum auf, aber bei neun Aes Sedai war es schon etwas anderes. Herrin Cinchonine hatte k�rzlich offen dar�ber gesprochen. �Dann wollte man Euch absichtlich wissen lassen, da� Aiel mich get�tet h�tten. Vielleicht, damit ich gefunden w�rde, bevor ich tot w�re.� Sie hatte sich gerade an das gr��liche Gesicht des Burschen erinnert, der sie drohend angesprochen hatte. �Ich sollte Euch alle auffordern, Euch von al'Thor fernzuhalten. Jemand sagte w�rtlich: �Richtet den anderen Hexen aus, sie sollen sich vorn Wiedergeborenen Drachen fernhalten.� Diese Nachricht h�tte ich wohl kaum tot �berbringen k�nnen... Wo war ich verletzt?�</p><p>Stevan regte sich auf seinem Stuhl und warf ihr einen gequ�lten Blick zu. �Es wurde in beiden F�llen keines der Organe getroffen, deren Verletzung t�dlich gewesen w�re, aber Euer immenser Blutverlust...�</p><p>�Was sollen wir jetzt tun?� unterbrach Demira ihn, die Frage an Merana gerichtet, bevor Stevan damit fortfahren konnte, ihr vorzuwerfen, wie t�richt sie gewesen war, sich auf diese Art erwischen zu lassen.</p><p>�Ich denke, wir sollten die verantwortlichen Aiel suchen�, sagte Berenicia bestimmt, �und an ihnen ein Exempel statuieren.� Sie kam aus den Grenzgebieten Shienars, und �berf�lle der Aiel waren in ihrer Kindheit �blich gewesen. �Seonid ist meiner Meinung.�</p><p>�O nein!� widersprach Demira. �Ich werde mir die erste Gelegenheit, Aiel zu beobachten, nicht entgehen lassen. Es war immerhin mein Blut. Au�erdem scheint mir offensichtlich, da� sie auf Befehl gehandelt haben, wenn der Mann, der Euch gewarnt hat, nicht auch ein Aiel war. Und ich glaube, es gibt nur einen Mann in Caemlyn, der Aiel befehligt.�</p><p>�Wir anderen�, sagte Merana, w�hrend sie Berenicia fest ansah, �stimmen mit Euch �berein, Demira. Ich m�chte nichts mehr davon h�ren, Zeit und Kr�fte zu verschwenden, um unter Hunderten ein Rudel Jagdhunde ausfindig zu machen, w�hrend sich der Mann, der sie zur Jagd aufgefordert hat, ins F�ustchen lacht.� Berenicia murrte ein wenig, bevor sie den Kopf beugte, aber das tat sie stets.</p><p>�Wir m�ssen al'Thor zumindest zeigen, da� er Aes Sedai nicht auf diese Art behandeln kann�, bemerkte Berenicia scharf. Ein Blick von Merana m��igte sie, obwohl sie nicht gl�cklich dar�ber klang. �Aber nat�rlich auch nicht so deutlich, da� es alle unsere Pl�ne gef�hrden w�rde.�</p><p>Demira tippte sich mit den Fingern an die Lippen und seufzte. Sie f�hlte sich schwach. �Mir f�llt gerade etwas ein. Wenn wir ihm offen vorhalten, was er getan hat, wird er alles abstreiten, und wir k�nnen ihm nichts beweisen. Nicht nur das � er w�re vielleicht sogar so klug zu verk�nden, da� er sich berechtigt f�hlt, Aes Sedai wie Hasen zu jagen.� Merana und Berenicia wechselten Blicke und nickten verst�ndig. Der arme Stevan runzelte zornig die Stirn. Er hatte niemals jemanden ungestraft gelassen, der sie verletzt hatte. �W�re es nicht besser stillzuhalten? Das w�rde ihn sicherlich zum Nachdenken bringen. Warum haben wir nichts gesagt? Was werden wir unternehmen? Ich wei� nicht, wieviel wir tun k�nnen, aber wir k�nnen ihm zumindest Angst einjagen.�</p><p>�Ein stichhaltiges Argument�, sagte Verin vom Eingang her. �Al'Thor mu� die Aes Sedai respektieren, sonst wird es keine Zusammenarbeit geben.� Sie bedeutete Stevan zu gehen � er wartete nat�rlich, bis Demira ihr Einverst�ndnis gab � und nahm dann seinen Platz ein. �Ich dachte, da� Ihr das Ziel wart...� Sie sah Merana und Berenicia stirnrunzelnd an. �Wollt Ihr Euch nicht setzen? Ich m�chte keine Genickstarre bekommen, weil ich st�ndig zu Euch aufschauen mu�.� Verin fuhr bereits fort, w�hrend sie noch St�hle neben das Bett stellten. �Da Ihr das Ziel wart, Demira, solltet Ihr bei der Entscheidung mitreden, wie Meister al'Thor seine Lektion lernen soll. Und anscheinend habt Ihr bereits damit begonnen.�</p><p>�Ich denke...�, setzte Merana an, aber Verin unterbrach sie.</p><p>�Gleich, Merana. Demira hat das Recht, zuerst Vorschl�ge zu machen.�</p><p>Demira hielt den Atem an, w�hrend sie auf den Ausbruch wartete. Merana schien ihre Entscheidungen stets von Verin billigen lassen zu wollen, was unter den gegebenen Umst�nden nur allzu verst�ndlich, wenn auch ungeschickt war, aber dies war das erste Mal, da� Verin die Sache in die Hand nahm. Zumindest das erste Mal vor anderen. Und doch sah Merana Verin einen Moment nur mit zusammengepre�ten Lippen an und beugte dann den Kopf. Demira fragte sich, ob das bedeutete, da� Merana die Abordnung Verin �berlassen w�rde. Sie schien jetzt keine andere Wahl mehr zu haben. Aller Augen wandten sich abwartend Demira zu. Verins Blick war besonders eindringlich.</p><p>�Wenn wir wollen, da� er sich wegen unserer n�chsten Unternehmungen sorgt, schlage ich vor, da� heute niemand zum Palast geht. Vielleicht ohne jegliche Erkl�rung, und wenn das zu hart ist, dann mit einer Erkl�rung, die er durchschaut.� Merana nickte. Und was nach der neuesten Entwicklung noch wichtiger war � Verin nickte ebenfalls. Demira beschlo�, ein wenig mehr zu wagen. �Vielleicht sollten wir sogar mehrere Tage lang niemanden hinschicken, um ihn schmoren zu lassen. Ich bin sicher, da� wir es erfahren werden, sollte er h�bsch aufgebracht sein, wenn wir Min beobachten...� Was auch immer sie zu unternehmen beschlossen � sie wollte Anteil daran haben. Es <emphasis>war</emphasis> immerhin ihr Blut gewesen, und nur das Licht wu�te, wie lange sie jetzt ihre Nachforschungen in der Bibliothek unterbrechen mu�te. Letzteres war fast ein genauso triftiger Grund, al'Thor eine Lektion zu erteilen, wie sein Vergessen, wer die Aes Sedai waren.</p></section><section><title><p>47</p><p>Die Wanderin</p></title><p>Mat w�nschte sich einen ruhigen Ritt nach Ebou Dar, und in gewisser Weise wurde sein Wunsch erf�llt. Aber es �rgerte ihn dennoch sehr, mit sechs Frauen zu reisen, von denen vier noch dazu Aes Sedai waren.</p><p>Sie erreichten den fernen Wald am ersten Tag, als die Sonne noch hoch am Himmel stand, und ritten mehrere Stunden unter einem hohen Baldachin �berwiegend kahler �ste dahin, w�hrend totes Laub und trockene Zweige unter den Pferdehufen knirschten, bis sie unmittelbar vor Sonnenuntergang in der N�he eines Stromes, der nur wenig Wasser f�hrte, ihr Lager errichteten. Harnan, der Anf�hrer der Rotte mit dem t�towierten Falken auf der Wange, sorgte daf�r, da� die Reiter der Horde versorgt, die Pferde gestriegelt und angepflockt, Wachen aufgestellt und Feuer entz�ndet wurden. Nerim und Lopin liefen umher und jammerten dar�ber, da� sie keine Zelte mitgenommen hatten. Woher sollte ein Mann wissen, da� sie n�chtelang auf dem Boden schlafen w�rden, wenn sein Herr nichts sagte. Und wenn sein Herr sich bei irgend etwas den Tod holte, w�re es nicht seine Schuld. Hager und kr�ftig, klangen sie wie Echos. Vanin k�mmerte sich nat�rlich um sich selbst, obwohl er auch auf Olver achtete und Winds Hals striegelte, den der Junge nicht erreichen konnte, selbst wenn er den Sattel als Hocker benutzte. Jedermann k�mmerte sich um Olver.</p><p>Die Frauen teilten das Lager in einer Weise auf, da� ihr Bereich so abgeschieden war, als w�re er f�nfzig Fu� entfernt. Eine unsichtbare Linie schien das Lager in zwei H�lften zu spalten, mit unsichtbaren Zeichen, die den Reitern bedeuteten, da� sie diese Linie nicht �bertreten durften. Nynaeve und Elayne und die beiden wei�haarigen Frauen hatten sich mit Aviendha und der blonden J�gerin um ihr eigenes Feuer versammelt und schauten selten dorthin, wo Mat und seine M�nner ihre Decken ausbreiteten. Bei der leisen Unterhaltung ging es, soweit Mat sie verstehen konnte, um Vandenes und Adeleas' Sorge, da� Aviendha ihr Pferd den ganzen Weg nach Ebou Dar f�hren wollte, anstatt zu reiten. Thom versuchte, ein Wort mit Elayne zu wechseln, und erhielt einen fl�chtigen Schlag auf die Wange, bevor er zu Juilin und Jaem, dem sehnigen alten Beh�ter, zur�ckgeschickt wurde, der zu Vandene geh�rte und seine ganze Zeit mit dem Sch�rfen seines Schwertes zu verbringen schien.</p><p>Mat hatte keine Einw�nde dagegen, da� die Frauen sich abseits hielten. Sie waren von einer Anspannung umgeben, die ihm unverst�ndlich war. Zumindest Nynaeve und Elayne, aber auch die J�gerin schien davon beeinflu�t. Sie sahen die Aes Sedai manchmal ein wenig zu unverwandt an � die anderen Aes Sedai; er war sich nicht sicher, ob er sich jemals daran gew�hnen w�rde, Nynaeve und Elayne als Aes Sedai zu betrachten �, obwohl Vandene und Adeleas dies genauso wenig zu bemerken schienen wie Aviendha. Was auch immer der Grund daf�r war � Mat wollte nichts damit zu tun haben. Es roch nach einem unterschwelligen Streit, der jeden Moment ausbrechen konnte, und egal ob er ausbrach oder weiterhin nur schwelte, sollte sich ein kluger Mann von Frauengez�nk fernhalten. Und ein kluger Mann sollte sich sehr weit entfernen, wenn diese Frauen noch dazu Aes Sedai waren.</p><p>Dies war ein wenig �rgerlich, wie auch eine weitere Sache, an der er selbst die Schuld trug. Das Essen. Der Duft von Lamm und Suppe schwebte vom Feuer der Aes Sedai heran. Da er schnell in Ebou Dar anzukommen erwartet hatte, hatte er Vanin und den anderen gegen�ber nichts von Essen erw�hnt, was bedeutete, da� sie nur ein wenig getrocknetes Fleisch und hartes Fladenbrot in ihren Satteltaschen hatten. Mat hatte kaum einen Vogel oder ein Eichh�rnchen gesehen, ganz zu schweigen von Wild, so da� eine Jagd au�er Frage stand. Als Nerim einen kleinen Falttisch und einen Stuhl f�r Mat aufstellte � Lopin stellte derweil einen weiteren Tisch und Stuhl f�r Nalesean auf �, befahl Mat ihm auszuteilen, was er in den K�rben der Packpferde verstaut hatte. Das Ergebnis war nicht so erfreulich, wie er gehofft hatte.</p><p>Nerim stand an Mats Tisch und go� Wasser aus einem Silberkrug, als w�re es Wein, w�hrend er d�ster beobachtete, wie die feineren Sachen in die Kehlen der Reiter wanderten. �Eingelegte Wachteleier, Mylord�, verk�ndete er mit Grabesstimme. �Sie w�ren sehr gut f�r Mylords Fr�hst�ck in Ebou Dar geeignet gewesen.� Und: �Die allerfeinste ger�ucherte Zunge, Mylord. Wenn Mylord nur w��te, was ich durchgemacht habe, um in diesem armseligen Dorf in Honig ger�ucherte Zunge zu bekommen, ohne die Zeit zu haben, etwas anderes zu suchen, wobei uns das beste bereits von den Aes Sedai weggeschnappt wurde.� Gr��ten Kummer schien ihm aber zu bereiten, da� Lopin f�r Nalesean gekochte Lerchen gefunden hatte. Jedesmal, wenn Nalesean eine davon zwischen seinen Z�hnen zermahlte, wurde Lopins selbstgef�lliges L�cheln noch breiter und Nerims Gesicht noch l�nger. Was das Essen betraf, war un�bersehbar, da� die M�nner lieber ein St�ck Lammfleisch und eine Schale Suppe bekommen h�tten als noch so viel in Honig ger�ucherte Zunge oder G�nseleberpastete. Olver sah sehnsuchtsvoll zum Feuer der Frauen.</p><p>�M�chtest du mit ihnen essen?� fragte Mat ihn. �Es ist in Ordnung, wenn du das m�chtest.�</p><p>�Ich mag ger�ucherten Aal�, antwortete Olver tapfer. Und dann f�gte er in d�sterem Tonfall hinzu: �Sie k�nnte vielleicht etwas hineintun.� Sein Blick folgte Aviendha bei jeder Bewegung, und er schien auch gegen die J�gerin eingenommen, vielleicht weil sie viel Zeit mit freundlichem Geplauder mit den Aielfrauen verbrachte. Aviendha mu�te den Blick des Jungen gesp�rt haben, weil sie ihn schlie�lich ansah und die Stirn runzelte.</p><p>Mat wischte sich �bers Kinn, schaute zum Feuer der Aes Sedai und bemerkte, da� Jaem nicht da war. Vanin murrte, weil er noch einmal hinausgeschickt wurde, aber Mat tat dies aus demselben Grund, weshalb er den Mann den Tag �ber, obwohl Jaem das gleiche tat, hatte vorausgehen und die Gegend erkunden lassen. Er wollte sich nicht auf das verlassen, was die Aes Sedai ihm mitzuteilen beliebten. Er h�tte Nynaeve vielleicht vertraut � er glaubte nicht, da� sie ihn tats�chlich bel�gen w�rde; Nynaeve war als Seherin auf L�gner stets schlecht zu sprechen gewesen �, aber sie sp�hte st�ndig auf sehr mi�trauische Art �ber Adeleas' Schulter zu ihm hin�ber.</p><p>Zu seiner �berraschung erhob sich Elayne, sobald sie ihre Mahlzeit beendet hatte, und glitt �ber die unsichtbare Linie. Einige Frauen schienen einfach �ber den Boden zu schweben. �Wollt Ihr mich begleiten, Meister Cauthon?� fragte sie k�hl. Nicht wirklich h�flich, aber auch nicht grob.</p><p>Er bedeutete ihr vorauszugehen, und sie schwebte in den mondbeschienenen Wald jenseits der Wachen. Das goldene Haar fiel um ihre Schultern, umrahmte ein Gesicht, das jeden Mann anzog, und das Mondlicht d�mpfte ihre Anma�ung. Wenn sie etwas anderes gewesen w�re, als sie war... Und er meinte damit nicht, da� sie eine Aes Sedai war oder da� sie zu Rand geh�rte. Dann begann Elayne zu sprechen, und er verga� alles andere.</p><p>�Ihr besitzt ein <emphasis>Ter'angreal�,</emphasis> sagte sie ohne lange Vorrede und ohne ihn anzusehen. Sie schwebte einfach dahin, lie� die Bl�tter auf dem Boden rascheln, als erwarte sie von ihm, da� er ihr wie ein Jagdhund folgte. �Einige glauben, da� <emphasis>Ter'angreals</emphasis> rechtm��ig den Aes Sedai geh�ren, aber ich verlange nicht von Euch, es mir auszuh�ndigen. Niemand wird es Euch nehmen. Diese Dinge m�ssen jedoch �berpr�ft werden. Daher m�chte ich, da� Ihr mir das <emphasis>Ter'angreal</emphasis> jeden Abend �berla�t, wenn wir rasten. Ich werde es Euch jeden Morgen wiedergeben, bevor wir aufbrechen.�</p><p>Mat sah sie von der Seite an. Sie meinte es zweifellos ernst. �Es ist sehr freundlich von Euch, da� Ihr mir lassen wollt, was mir geh�rt. Aber was f�hrt Euch zu dem Glauben, da� ich eines besitze, eines dieser ... wie habt Ihr es genannt? Ein Ter-sowieso?�</p><p>Oh, sie erstarrte bei diesen Worten tats�chlich und sah ihn argw�hnisch an. Er war �berrascht, keine Funken aus ihren Augen spr�hen zu sehen, die die Nacht erleuchteten. Aber ihre Stimme war reinstes, kristallklares Eis. �Ihr wi�t sehr <emphasis>wohl,</emphasis> was ein <emphasis>Ter'angreal</emphasis> ist, Meister Cauthon. Ich h�rte Moiraine im Stein von Tear mit Euch dar�ber sprechen.�</p><p>�Im Stein?� fragte er sanft. �Ja, ich erinnere mich an den Stein. Wir hatten dort alle eine sch�ne Zeit. Erinnert Ihr Euch an etwas, das Euch ein Recht gibt, Forderungen an mich zu stellen? Ich nicht. Ich bin nur hier, um Euch und Nynaeve davor zu bewahren, in Ebou Dar Schaden zu erleiden. Ihr k�nnt Rand nach dem <emphasis>Ter'angreal</emphasis> fragen, wenn ich Euch seiner Obhut �bergebe.�</p><p>Sie sah ihn einen langen Moment an, als wollte sie ihn mit Willenskraft niederstrecken, wandte sich dann aber wortlos auf dem Absatz um. Er folgte ihr zum Lager zur�ck und war �berrascht, sie die Reihe der angepflockten Pferde entlanggehen zu sehen. Sie begutachtete die Feuer und die ausgelegten Decken und sch�ttelte beim Anblick der Essensreste der Reiter den Kopf. Er hatte keine Ahnung, was sie vorhatte, bis sie mit hocherhobenem Kinn zu ihm zur�ckkam.</p><p>�Eure M�nner haben ihre Sache sehr gut gemacht, Meister Cauthon�, sagte sie so laut, da� jedermann sie h�ren konnte. �Ich bin ganz allgemein �beraus zufrieden. Aber wenn Ihr richtig vorausgeplant h�ttet, m��ten die M�nner keine Nahrung herunterschlingen, die sie heute nacht wachhalten wird. Dennoch � Ihr habt Eure Aufgabe insgesamt gut erf�llt. Und sicherlich werdet Ihr in Zukunft vorausdenken.� Sie kehrte so k�hl, wie man es sich nur vorstellen konnte, zu ihrem Feuer zur�ck, bevor er ein Wort sagen konnte, so da� er ihr nur hinterherstarrte.</p><p>Aber w�re das alles gewesen � da� die verdammte Tochter-Erbin ihn f�r einen ihrer Untergebenen hielt und Nynaeve und sie selbst Vandene und Adeleas gegen�ber verschlossen waren �, dann h�tte er einen Freudentanz aufgef�hrt. Aber unmittelbar nach Elaynes Weggang wurde der Fuchskopf, noch bevor Mat �berhaupt seine Decken erreichen konnte, kalt.</p><p>Er war so erschrocken, da� er am Fleck stehenblieb und auf seine Brust hinabstarrte, bevor er auch nur daran dachte, zum Feuer der Aes Sedai zu schauen.</p><p>Sie standen, einschlie�lich Aviendha, an der unsichtbaren Linie aufgereiht. Elayne murmelte etwas Unverst�ndliches, und die beiden wei�haarigen Aes Sedai nickten, w�hrend Adeleas unaufh�rlich einen Federhalter in ein Tintenfa� an ihrem G�rtel tauchte und in einem kleinen Buch Notizen machte. Nynaeve zog an ihrem Zopf und murmelte vor sich hin.</p><p>Es dauerte nur wenige Augenblicke. Dann verging die K�lte, und die Frauen kehrten, leise miteinander sprechend, zu ihrem Feuer zur�ck. Hin und wieder schaute eine von ihnen in seine Richtung, bis er sich schlie�lich hinlegte.</p><p>Am zweiten Tag gelangten sie auf eine Stra�e, und Jaem legte seinen die Farbe ver�ndernden Umhang ab. Die Stra�e bestand aus festgetretener Erde, durch die manchmal alte Pflastersteine hindurchschimmerten, aber sie kamen auch hier nicht wesentlich schneller voran, da sich die Stra�e durch eine zunehmend h�geligere Waldlandschaft schl�ngelte. Einige jener H�gel verdienten es, zumindest als kleine Berge bezeichnet zu werden, gezackte Erhebungen mit kahlen Klippen und aus dem Wald herausragenden felsigen Spitzen. Ein schmaler, aber best�ndiger Strom von Menschen eilte in beide Richtungen, haupts�chlich Gruppen verwahrloster Gestalten mit ausdruckslosen Gesichtern, die kaum genug Verstand zu haben schienen, dem hochr�drigen Ochsenkarren eines Bauern aus dem Weg zu gehen, und noch viel weniger einem H�ndlerzug mit seinen Planwagen, die, von sechs oder acht Pferden gezogen, eilig dahinfuhren. Bauernh�fe und Scheunen aus hellem Stein klebten an den H�ngen der H�gel, und am Mittag des dritten Tages sahen sie das erste Dorf mit wei� verputzten H�usern, deren flache D�cher mit r�tlichen Ziegeln gedeckt waren.</p><p>Aber die Nadelstiche blieben. Elayne behielt ihre abendlichen Besichtigungen bei. Als er sarkastisch bemerkte, er sei froh, da� sie zufrieden sei � es war in der zweiten Nacht, in der sie seitlich der Stra�e lagerten �, l�chelte sie eines dieser bewu�t erhabenen L�cheln und sagte: �Das solltet Ihr auch sein, Meister Cauthon�, wodurch der Eindruck erweckt wurde, er habe jedes Wort ernst gemeint!</p><p>Als sie in Gasth�fen rasteten, besichtigte sie die Pferde in den St�llen <emphasis>und</emphasis> die Schlafpl�tze der Reiter auf den Heub�den. Die Bitte an sie, dies nicht mehr zu tun, brachte ihm nur eine k�hl gew�lbte Augenbraue, aber keine Antwort ein. Der Befehl, es nicht mehr zu tun, brachte ihm nicht einmal die gew�lbte Augenbraue ein. Sie ignorierte ihn einfach vollkommen. Sie forderte ihn auf, Dinge zu tun, die er bereits selbst zu tun beschlossen hatte � wie, zum Beispiel, beim ersten Gasthof, wo es einen Hufschmied gab, alle Pferdehufe �berpr�fen zu lassen. Noch schmerzlicher war, da� sie ihn auch aufforderte, Dinge zu tun, um die er sich gek�mmert h�tte, wenn er vor ihr davon gewu�t h�tte. Mat konnte sich nicht vorstellen, wie sie herausbekommen hatte, da� Tad Kandel einen Furunkel an seinem Ges�� zu verbergen versuchte, oder da� Lawdrin Mendair nicht weniger als f�nf Flaschen Brandy in seinen Satteltaschen versteckte. Er war mehr als ver�rgert, Dinge tun zu m�ssen, nachdem sie ihn dazu aufgefordert hatte, aber Kandels Furunkel mu�te herausgeschnitten und Mendairs Brandy ausgegossen werden, und noch ein Dutzend andere Dinge mu�ten erledigt werden.</p><p>Mat betete inst�ndig, da� sie ihm einmal etwas auftrug, was nicht getan werden mu�te, nur einmal, damit er es ihr verweigern konnte. Nachdr�cklich, vollkommen verweigern konnte! Die Herausgabe des <emphasis>Ter'angreals</emphasis> abermals zu fordern, w�re der kr�nende H�hepunkt gewesen, aber sie erw�hnte es niemals wieder. Er erkl�rte den Reitern, da� sie nicht verpflichtet seien, ihr zu gehorchen, aber sie begannen erfreut zu l�cheln, wenn sie ihnen Komplimente dar�ber machte, wie gut sie sich um ihre Pferde k�mmerten, und streckten die Brust heraus, wenn sie ihnen sagte, sie machten einen guten Eindruck auf sie. An jenem Tag, an dem er Vanin vor ihr die Hand an die Stirn legen sah und ihn ohne die leiseste Spur von Ironie �Vielen Dank, Mylady� murmeln h�rte �, an diesem Tag verschluckte Mat sich fast an seiner Zunge.</p><p>Er versuchte, freundlich zu sein, aber keine der Frauen reagierte darauf. Aviendha belehrte ihn, da� er keine Ehre bes��e, und wenn er Elayne nicht mehr Respekt erweisen k�nne, w�rde sie es selbst �bernehmen, ihn Respekt zu lehren. Aviendha! Die Frau, der er noch immer unterstellte, da� sie nur auf eine Gelegenheit wartete, Elayne die Kehle durchzuschneiden! Sie nannte Elayne ihre N�chst-Schwester! Vandene und Adeleas starrten ihn an, als w�re er ein seltener, auf ein Brett aufgespie�ter K�fer. Er erbot sich, mit der J�gerin Schie��bungen zu veranstalten � der Bogen, den sie trug, mu�te ihre Phantasie angeregt haben; ihr Name als J�gerin war Birgitte �, aber sie sah ihn nur sehr eigenartig an und lehnte h�flich ab. Danach mied sie ihn. Sie hing wie ein M�hlstein an Elayne, au�er wenn diese in seine N�he kam. Und Nynaeve...</p><p>Sie mied ihn schon den ganzen Weg seit Salidar, als w�rde er schlecht riechen. Am dritten Abend ihrer Reise, der ersten in einem Gasthaus, einem kleinen Haus namens <emphasis>Der Hochzeitsdolch,</emphasis> sah Mat sie im Stall eine verschrumpelte M�hre an ihre gedrungene Stute verf�ttern, und er beschlo�, da� er mit ihr zumindest �ber Bode sprechen k�nnte. Nicht jeden Tag ging die Schwester eines Mannes davon, um eine Aes Sedai zu werden, und Nynaeve w�rde wissen, was Bode zu bew�ltigen hatte. �Nynaeve�, sagte er, w�hrend er auf sie zuging, �ich m�chte mit Euch reden...� Aber weiter kam er nicht.</p><p>Sie sprang nahezu senkrecht in die Luft und kam mit geballter Faust wieder zum Stehen, obwohl sie sie sofort in den Falten ihrer R�cke verbarg. �La�t mich in Ruhe, Mat Cauthon�, sagte sie deutlich h�rbar. �H�rt Ihr mich? La�t mich in Ruhe!� Und sie floh, zw�ngte sich an ihm vorbei und bewegte sich derma�en starr, da� er erwartete, ihr Zopf w�rde wie ein Katzenschwanz senkrecht in die Luft ragen. Ihrem Verhalten nach roch er nicht nur schlecht, sondern hatte bestimmt irgendeine Krankheit, die sowohl ekelerregend als auch ansteckend war. Wenn er auch nur in ihre N�he zu kommen versuchte, versteckte sie sich hinter Elayne und starrte ihn �ber die Schulter hinweg an, beinahe so, als wollte sie ihm die Zunge herausstrecken. Frauen waren schlichtweg verr�ckt.</p><p>Zumindest waren Thom und Juilin bereit, den Tag �ber neben ihm zu reiten, wann immer Elayne nicht ihre Aufmerksamkeit forderte. Manchmal tat sie es, einfach um sie von ihm fernzuhalten, dessen war Mat sich sicher, obwohl er nicht ergr�nden konnte warum. Wenn sie ein Gasthaus gefunden hatten, teilten die beiden am Abend sehr gerne einen oder zwei Kr�ge Bier oder gew�rzten Wein mit ihm und Nalesean. Es waren l�ndliche, ruhige Schankr�ume mit Ziegelsteinw�nden, wo das einzige Vergn�gen darin bestand, eine Tigerkatze zu beobachten, und die Wirtin selbst am Tisch bediente � unvermeidlicherweise eine Frau mit H�ften, die den Eindruck erweckten, als w�rde sich ein Mann bei dem Versuch hineinzukneifen die Finger brechen. Sie sprachen haupts�chlich �ber Ebou Dar, wovon Thom einiges wu�te, obwohl er niemals dortgewesen war. Nalesean war jederzeit bereit, so oft von seinem dortigen Besuch zu erz�hlen, wie es gew�nscht wurde, obwohl er sich lieber auf die Duelle und Pferdewetten beschr�nkt h�tte, die er dort erlebt hatte. Juilin wu�te Geschichten von M�nnern zu erz�hlen, die wiederum M�nner kannten, die dort gewesen waren, Geschichten, die unglaublich klangen, bis Thom oder Nalesean sie best�tigten. M�nner fochten in Ebou Dar Duelle um Frauen aus, und <emphasis>Frauen</emphasis> um <emphasis>M�nner,</emphasis> und in beiden F�llen wurde der Preis � dieser Begriff wurde genannt � dem Sieger zugesprochen. M�nner schenkten Frauen einen Dolch, wenn sie heirateten, und baten diese, sie damit zu t�ten, wenn sie ihnen mi�fielen � <emphasis>ihnen mi�fielen!</emphasis> �, und eine Frau, die einen Mann t�tete, wurde als dazu berechtigt angesehen, es sei denn, es erwies sich etwas anderes. In Ebou Dar behandelten die M�nner die Frauen mit Vorsicht und zwangen sich, �ber Dinge zu l�cheln, derentwegen sie einen anderen Mann get�tet h�tten. <emphasis>Elayne</emphasis> w�rde es gefallen. Und Nynaeve ebenfalls.</p><p>Noch etwas anderes erwies sich bei diesen Gespr�chen. Mat hatte sich Nynaeves und Elaynes Mi�fallen �ber Vandene und Adeleas nicht eingebildet, wie sehr sie es auch zu verbergen versuchten. Nynaeve begn�gte sich anscheinend damit, zu schauen und leise zu murmeln. Elayne runzelte auch nicht die Stirn und murrte nicht aber sie versuchte st�ndig, die F�hrung zu �bernehmen. Sie schien zu glauben, sie sei bereits K�nigin von Andor. Wie viele Jahre die Gesichter der Aes Sedai auch verbergen mochten �Vandene und Adeleas waren gewi� alt genug, um die M�tter, wenn nicht die Gro�m�tter der j�ngeren Frauen sein zu k�nnen. Mat w�re nicht �berrascht gewesen zu erfahren, da� sie bereits Aes Sedai waren, als Nynaeve und Elayne geboren wurden. Selbst Thom konnte die Anspannung nicht ergr�nden, obwohl er f�r einen einfachen Gaukler viele Dinge verstand. Elayne war Thom �ber den Mund gefahren und hatte ihm <emphasis>gesagt,</emphasis> da� er nichts verst�nde, als er versuchte, ihr sanft zu widersprechen. Anscheinend waren die beiden �lteren Aes Sedai bemerkenswert duldsam. Adeleas schien h�ufig nicht zu bemerken, wenn Elayne Befehle gab, und Vandene schien �berrascht, wenn sie es bemerkte.</p><p>�Vandene sagte: �Nun, wenn Ihr wirklich wollt, Kind, werden wir es nat�rlich tun��, murmelte Juilin in sein Bier, als er einen Zwischenfall schilderte. �Man k�nnte glauben, ein M�dchen, das noch vor wenigen Tagen nur eine Aufgenommene war, w�re dar�ber erfreut. Aber Elaynes Augen erinnerten mich an einen Wintersturm. Und Nynaeve bi� so fest die Z�hne zusammen, da� ich dachte, sie w�rden zerbrechen.�</p><p>Sie sa�en im Schankraum des <emphasis>Hochzeitsdolchs.</emphasis> Vanin und Harnan und andere besetzten die B�nke anderer Tische, zusammen mit einer Anzahl Einheimischer. Die M�nner trugen lange Westen � oft ohne Hemd �, von denen einige so prachtvoll wie die eines Kesselflickers waren. Die Frauen trugen helle, tief ausgeschnittene Gew�nder und hatten ihre R�cke bis �ber die Knie gerafft um ausreichend bunte Unterr�cke zu zeigen, da� die Westen dagegen verbla�ten. Viele der M�nner und alle Frauen trugen gro�e Ohrringe und an den H�nden gew�hnlich drei oder vier vor gef�rbtem Glas schillernde Ringe. M�nner und Frauen tasteten gleicherma�en hin und wieder nach langen, gebogenen Dolchen, die in ihren G�rteln steckten, und betrachteten finster die Fremden. Zwei H�ndlerz�ge aus Amadicia hatten im <emphasis>Hochzeitsdolch</emphasis> haltgemacht, aber die H�ndler a�en in ihren Zimmern, und ihre Kutscher blieben bei den Wagen. Elayne und Nynaeve und die �brigen Frauen hielten sich ebenfalls oben auf.</p><p>�Frauen sind ... anders�, bemerkte Nalesean lachend und als Antwort auf Juilin, obwohl er an Mat gewandt sprach, w�hrend er an seinem Bart zupfte. Er war Fremden gegen�ber sonst nicht so zur�ckhaltend, aber Juilin war ein tairenischer B�rgerlicher, und das schien einen Unterschied zu machen. �In Tear sagt ein Bauer: �Eine Aes Sedai sind zehn Frauen in einer Haut.� Bauern sind manchmal sehr weise. Ich will verdammt sein, wenn sie es nicht sind.�</p><p>�Zumindest hat niemand etwas, sagen wir, Ungeb�hrliches unternommen�, sagte Thom, �obwohl ich dachte, da� es nahe daran war, als Elayne damit herausplatzte, sie habe Birgitte zu ihrer ersten Beh�terin gemacht.�</p><p>�Die J�gerin?� rief Mat aus. Mehrere der Einheimischen sahen ihn strafend an, und er senkte seine Stimme wieder. �Sie ist auch eine Beh�terin? Elaynes Beh�terin?� Das erkl�rte sicherlich einiges.</p><p>Thom und Juilin wechselten �ber den Rand ihrer Becher hinweg Blicke.</p><p>�Sie wird erfreut sein zu erfahren, da� du herausgefunden hast, da� sie eine J�gerin des Horns ist�, sagte Thom, w�hrend er sich Bier aus dem Schnurrbart wischte. �Ja, das ist sie, und das h�tte beinahe einen richtigen Wettstreit ausgel�st. Jaem mochte sie sofort wie eine j�ngere Schwester, aber Vandene und Adeleas...� Er seufzte tief. �Sie waren beide nicht sehr erfreut dar�ber, da� sie bereits einen Beh�ter erw�hlt hatte �offensichtlich brauchen die meisten Jahre, bis sie einen geeigneten Beh�ter finden �, und sie waren besonders betroffen dar�ber, da� sie eine Frau erw�hlt hat. Und ihr Mi�fallen �rgert Elayne noch mehr.�</p><p>�Sie m�gen anscheinend nicht gerne Dinge, die niemals zuvor getan wurden�, f�gte Juilin hinzu.</p><p>�Ein weiblicher Beh�ter�, murrte Nalesean. �Ich wu�te, da� sich mit dem Wiedergeborenen Drachen alles �ndern w�rde, aber ein weiblicher Beh�ter?�</p><p>Mat zuckte die Achseln. �Sie wird ihre Aufgabe vermutlich zur Gen�ge erf�llen, solange sie diesen Bogen handhaben kann... Verschluckt?� fragte er Juilin, der nach einem Schluck Bier zu w�rgen begonnen hatte. �Ich ziehe einen guten Bogen einem Schwert jederzeit vor. Noch besser ist ein langer, dicker Stock, aber ein Bogen ist genauso gut. Ich hoffe nur, da� sie mir nicht in die Quere zu kommen versucht, wenn es soweit ist, Elayne zu Rand zu bringen.�</p><p>�Ich glaube, sie kann damit umgehen.� Thom beugte sich �ber den Tisch, um Juilin auf den R�cken zu schlagen. �Ich glaube, sie kann es, Mat.�</p><p>Aber wenn Nynaeve und die anderen daran dachten, sich zu pr�geln � und Mat wollte, ob mit oder ohne Fuchskopf, mindestens zehn Meilen davon entfernt sein �, zeigten sie es ihm gegen�ber nicht. Er sah nur eine einheitliche Front und weitere Versuche, ihm gegen�ber die Macht zu lenken, die begannen, als er am Morgen nach dem ersten Versuch Pips sattelte. Gl�cklicherweise war er gerade damit besch�ftigt sich Nerims zu erwehren, der glaubte, es sei seine Aufgabe, Mats Pferd zu satteln, und andeutete, er k�nnte es besser. Der K�lteblitz dauerte nur einen Moment, so da� Mat �u�erlich nicht zeigte, �berhaupt etwas bemerkt zu haben. Das, so beschlo� er, w�re seine Antwort. Keine Blicke, keine Vorw�rfe. Er w�rde sie ignorieren und in ihrem eigenen Saft schmoren lassen.</p><p>Er hatte reichlich Gelegenheit, sie zu ignorieren. Das Silbermedaillon wurde zwei weitere Male kalt, bevor sie die Stra�e fanden, dann mehrere weitere Male w�hrend des Tages, am Abend, und jeden Tag und Abend danach. Manchmal kam und ging es w�hrend zwei Lidschl�gen, und manchmal war er sicher, da� es eine Stunde lang anhielt. Er konnte nat�rlich niemals sagen, welche von ihnen daf�r verantwortlich war. Einmal jedoch, als die Hitze ihm am R�cken einen Ausschlag beschert hatte und das Tuch um seinen Hals ihm die Kehle abzuschn�ren schien, ertappte er Nynaeve, wie sie ihn ansah, als das Medaillon kalt wurde. Sie betrachtete ihn mit derma�en stark gerunzelter Stirn, da� ein vorbeigehender Bauer, der seinen Ochsen mit einem Stock antrieb, sie �ber die Schulter ansah, als f�rchte er, dieser Blick k�nne sich jeden Moment auf ihn richten oder vielleicht seinen Ochsen in der Karrendeichsel t�ten. Erst als Mat ihr Stirnrunzeln erwiderte, zuckte sie zusammen und fiel fast aus dem Sattel, und die K�lte schwand. Ansonsten konnte er es einfach nicht sagen. Manchmal sah er vielleicht, wie zwei oder drei von ihnen beisammen standen und ihn beobachteten, einschlie�lich Aviendha, die noch immer zu Fu� ging und ihr Pferd nur mit sich f�hrte. Andere sprachen miteinander, wenn er sie ertappte, oder betrachteten einen am wolkenlosen Himmel schwebenden Adler oder einen gro�en Schwarzb�r, eineinhalb mal so gro� wie ein Mensch, der in Sichtweite der Stra�e an einem steilen Hang zwischen den B�umen stand. Das einzig wahrhaft Gute an alledem war, da� er den Eindruck gewann, Elayne sei nicht froh. Er wu�te nicht warum, und es k�mmerte ihn auch nicht. Seine M�nner besichtigen. Ihm den Kopf t�tscheln und Komplimente machen. Wenn er zu J�hzorn geneigt h�tte, h�tte er sie getreten.</p><p>In Wahrheit begann er jedoch in nicht geringem Ma�e selbstgef�llig zu werden. Was immer sie taten �es hatte keine Wirkung auf ihn, die durch eine von Nerims auf seine Brust geriebenen Salben nicht geheilt werden konnte. Die Selbstgef�lligkeit hielt bis zum vierten Nachmittag an. Er kam gerade aus dem Stall, wo er Pips untergebracht hatte, ein schmuddeliges Geb�ude aus wei� verputzten Ziegelsteinen in einem schmuddeligen Dorf mit wei� verputzten Ziegelsteinen und So Tehar genannten Einsp�nnern, als ihn etwas Weiches genau zwischen die Schulterbl�tter traf. Er fuhr herum, bereit, einen Stallburschen oder einen der m�rrisch dreinblickenden Tolpatsche der So Tehars niederzumachen, egal ob sie einen Dolch besa�en oder nicht. Aber es war kein Stallbursche und kein Tolpatsch zu sehen. Nur Adeleas, die eifrig etwas in ihr kleines Buch kritzelte und vor sich hin nickte. Ihre H�nde waren vollkommen sauber.</p><p>Mat betrat das Gasthaus und bestellte gew�rzten Wein, �nderte seine Meinung dann aber und lie� sich statt dessen einen Brandy bringen, eine tr�be Fl�ssigkeit, von der die Wirtin beharrlich behauptete, sie sei aus Zwetschgen gemacht, die aber wie Essig schmeckte. Juilin begn�gte sich damit, daran zu schnuppern, und Thom wollte nicht einmal das tun. Sogar Nalesean nahm nur einen Schluck, bevor er gew�rzten Wein bestellte, und Nalesean trank sonst alles. Mat verlor den �berblick, wie viele der kleinen Zinnbecher er leerte, aber wie viele auch immer es waren � Nerim und Lopin mu�ten ihn ins Bett bringen. Er hatte sich niemals erlaubt, dar�ber nachzudenken, ob der Fuchskopf Beschr�nkungen unterlag. Er hatte gen�gend Beweise daf�r erhalten, da� er St�dter aufhalten konnte, aber wenn sie nur mit Hilfe ihrer Macht etwas aufheben und auf ihn werfen konnten... <emphasis>Besser als nichts,</emphasis> sagte er sich immerzu, w�hrend er auf seiner schweren Matratze lag und die Mondschatten �ber die Decke kriechen sah. <emphasis>Erheblich besser als nichts.</emphasis> Aber wenn er in der Lage gewesen w�re, auf eigenen F��en zu stehen, w�re er hinuntergegangen, um noch mehr Brandy zu trinken.</p><p>Am n�chsten Tag f�hlte er sich wie ger�dert. Seine Zunge schien mit Federn belegt zu sein, in seinem Kopf spielten Trommler, und durch die �ber ihm stehende Sonne lief ihm der Schwei� das Gesicht herab, als die Stra�e am f�nften Tag auf einen H�gelkamm f�hrte und den Blick auf das sich darunter ausbreitende, sich am Ufer des breiten Flusses Eldar mit seinem jenseitigen gro�en Hafen erstreckende Ebou Dar freigab.</p><p>Sein erster Eindruck der Stadt war Wei�. Wei�e Geb�ude, wei�e Pal�ste, wei�e T�rme und Giebel. Kuppeln wie spitze wei�e R�ben oder Birnen trugen karmesinrote, blaue oder goldene B�nder, aber die Stadt war haupts�chlich wei� und reflektierte das Sonnenlicht, bis es ihn fast in den Augen schmerzte. Das Tor, auf das die Stra�e zuf�hrte, war ein breiter, hoher Spitzbogen in einer wei� verputzten Mauer, die so dick war, da� er zwanzig Schritte im Schatten ritt, bevor er wieder in den Sonnenschein eintauchte. Ebou Dar schien eine Stadt der Pl�tze und Kan�le und Br�cken zu sein, gro�e bev�lkerte Pl�tze mit Springbrunnen oder Statuen in der Mitte, breite und schmale Kan�le mit flachen Lastschiffen darauf, Br�cken in allen Gr��en, einige niedrig, einige hoch gebogen und einige ausreichend gro�, da� L�den sie s�umten. Pal�ste mit breiten S�uleng�ngen standen neben Gesch�ften, in denen Teppiche und Stoffe ausgestellt waren, und vierst�ckige H�user mit gro�en Bogenfenstern hinter schr�ggestellten Fensterl�den standen neben L�den von Scherenschleifern und Fischh�ndlern.</p><p>In einem jener Viertel verhielt Vandene ihr Pferd, um sich mit Adeleas zu beraten, w�hrend Nynaeve sie stirnrunzelnd beobachtete und Elayne sie anstarrte, als hingen ihr Eiszapfen von Nase und Kinn herab. Auf Elaynes Dr�ngen hin war Aviendha zum Einzug in die Stadt auf ihr Pferd geklettert, aber jetzt stieg sie genauso unbeholfen wieder <emphasis>ab,</emphasis> wie sie aufgestiegen war. Sie sah sich fast ebenso neugierig wie Olver um, der schon mit weit ge�ffneten Augen einherritt, seit sie der Stadt ansichtig geworden waren. Birgitte versuchte, Elayne dichtauf zu folgen.</p><p>Mat ergriff die Gelegenheit, sich mit seinem Hut Luft zuzuf�cheln und sich umzusehen.</p><p>Der gr��te Palast, den er je gesehen hatte, nahm eine ganze Seite des Platzes ein und bestand drei bis vier Stockwerke hoch ganz aus Balkonen, Erkern und S�uleng�ngen. Die anderen drei Seiten des Platzes boten eine Mischung aus gro�en H�usern mit Gasth�fen und L�den dar, deren jedes genauso wei� wie das n�chste war. Die Statue einer Frau in flie�enden Gew�ndern, gr��er als ein Ogier, stand auf einem noch gr��eren Sockel inmitten des Platzes, einen Arm erhoben und s�dlich zum Meer weisend. Nur wenige Menschen schlenderten �ber die hellen Pflastersteine, was bei der Hitze nicht verwunderlich war. Einige wenige nahmen auf der untersten Stufe des Statuensockels ihre Mittagsmahlzeit ein, und Tauben und M�wen hatten sich um sie versammelt und k�mpften um Krumen. Es war ein Bild der Ruhe. Mat verstand nicht, warum er pl�tzlich den W�rfel in seinem Kopf rollen sp�rte.</p><p>Er kannte dieses Gef�hl gut. Manchmal empfand er es, wenn er eine Gl�cksstr�hne beim Spiel hatte. Es war immer da, wenn ein Kampf zu erwarten war. Und es schien sich anzuk�ndigen, wenn eine lebenswichtige Entscheidung zu treffen war, die Art Entscheidung, bei der die falsche Wahl ihn sehr wohl den Kopf kosten konnte.</p><p>�Wir werden jetzt hineingehen, durch eines der kleineren Tore�, verk�ndete Vandene. Adeleas nickte zustimmend. �Merilille wird uns Zimmer besorgen, damit wir uns ausruhen k�nnen.�</p><p>Das mu�te bedeuten, da� dies der Tarasin-Palast war, wo Tylin Quintara vom Hause Mitsobar auf dem Thron der Winde sa�, in Wahrheit aber nur vielleicht hundert Meilen um Ebou Dar herum regierte. Eines der wenigen Dinge, die er �ber diese Reise hatte in Erfahrung bringen k�nnen, war, da� die Aes Sedai in dem Palast eine der ihren treffen sollten, und nat�rlich Tylin. Aes Sedai w�rden die K�nigin treffen. Mat betrachtete die gewaltige Masse schimmernden Marmors und wei�er Pflastersteine, und er dachte, wie es wohl w�re, dort drinnen zu wohnen. Er mochte Pal�ste normalerweise. Zumindest mochte er �rtlichkeiten mit Dienern und Gold, und Federbetten waren auch nicht schlecht. Aber ein k�niglicher Palast verhie� Adlige, wo immer man hinschaute. Mat zog die Anwesenheit nur weniger Adliger auf einem Haufen vor. Nalesean allein konnte ihn schon ver�rgern. Ein Palast dieser Gr��e bedeutete, da� er sich entweder st�ndig fragen m��te, wo sich Nynaeve und Elayne aufhielten, oder Posten beziehen und sie st�ndig im Auge behalten m��te. Er war sich nicht sicher, was schlimmer w�re: wenn sie ihn dort drinnen als Leibw�chter duldeten oder wenn sie es ablehnten. Er konnte Elayne schon mit dieser k�hlen Stimme sagen h�ren: <emphasis>Bitte findet irgendeine Unterkunft f�r Meister</emphasis></p><p><emphasis>Cauthon und meine M�nner. Sorgt daf�r, da� sie zu essen und zu trinken bekommen.</emphasis> Das w�rde sie gewi� tun. Sie w�rde zu ihren Besichtigungen hereinplatzen und ihm sagen, da� er tun sollte, was er schon l�ngst vorgehabt hatte. Und doch k�nnten sie und Nynaeve vor Schwierigkeiten nirgends sicherer sein als im Palast einer K�nigin. Au�erdem wollte er nur irgendwo die F��e hochlegen und mit einem M�dchen auf den Knien gew�rzten Wein trinken, um das Pochen in seinen Schl�fen zu bes�nftigen. Feuchte Handt�cher w�ren auch gut. Sein Kopf schmerzte. Die bereitwillige Lektion, die Elayne heute morgen �ber das �bel des Trinkens erteilt hatte, klang ihm noch in den Ohren. Das war ein weiterer Grund daf�r, warum er wieder Halt finden mu�te. Er war zu schwach gewesen, um etwas zu erwidern. Er war einfach nur aus dem Bett geschlichen und hatte sich gefragt, ob er sich auf Pips hieven k�nnte.</p><p>All das ging ihm in der Zeit durch den Sinn, die Vandene brauchte, um ihr Pferd zum Palast umzuwenden. �Ich werde f�r meine M�nner in einem der Gasth�user Zimmer besorgen�, sagte er laut. �Wenn Ihr oder Elayne ausgehen wollt, Nynaeve, k�nnt Ihr eine Nachricht schicken, und ich werde Euch einige M�nner zur Begleitung mitgeben.� Sie w�rden es wahrscheinlich nicht tun � niemand vermochte eine Frau zu bevormunden, die sich in einer B�rengrube mit blo�en H�nden verteidigen zu k�nnen glaubte �, aber er h�tte darauf gewettet, da� Vanin eine M�glichkeit w��te herauszufinden, wann sie ausgingen. Und wenn nicht er, dann Juilin. Ein Diebef�nger sollte wissen, wie man das anstellte. �Das dort wird gen�gen.� Er deutete zuf�llig auf ein gro�es Geb�ude jenseits des Platzes. �ber dem Bogeneingang schwang ein Schild, das er nicht erkennen konnte.</p><p>Vandene schaute zu Adeleas. Elayne schaute zu Nynaeve. Und Aviendha sah ihn stirnrunzelnd an.</p><p>Er gab jedoch keiner von ihnen die Gelegenheit zu einer Erwiderung. �Thom, Juilin, was haltet ihr von einigen Bechern gew�rztem Wein?� Vielleicht w�re Wasser besser. Er hatte niemals zuvor in seinem Leben soviel getrunken.</p><p>Thom sch�ttelte den Kopf. �Vielleicht sp�ter, Mat. Ich m�chte in der N�he bleiben, falls Elayne mich braucht.� Das fast v�terliche L�cheln, das er ihr zugedachte, schwand, als er sah, da� sie Mat verdutzt ansah. Juilin l�chelte nicht � er l�chelte nur noch selten �, aber auch er meinte, er wolle in der N�he bleiben und w�rde vielleicht sp�ter mitkommen.</p><p>�Wie ihr wollt�, sagte Mat und setzte sich seinen Hut wieder auf. �Vanin. Vanin!� Der dicke Mann schrak zusammen und unterbrach seine Anbetung Elaynes. Tats�chlich err�tete er! Licht, die Frau �bte einen schlechten Einflu� auf ihn aus.</p><p>Als Mat Pips umwandte, erklang Elaynes Stimme in seinem R�cken, die noch bereitwilliger klang als am Morgen. �Ihr werdet sie nicht zuviel trinken lassen, Meister Cauthon. Einige M�nner wissen nicht, wann sie aufh�ren m�ssen. Und Ihr solltet sicherlich nicht zulassen, da� ein kleiner Junge betrunkene M�nner sieht.�</p><p>Er knirschte mit den Z�hnen und ritt weiter �ber den Platz, ohne zur�ckzuschauen. Olver sah ihn an. Er w�rde die M�nner warnen m�ssen, sich nicht vor dem Jungen zu betrinken, besonders Mendair. Licht, wie er es ha�te, wenn sie ihm sagte, was er tun sollte!</p><p>Das Gasthaus hie� Die <emphasis>Wanderin,</emphasis> aber das Schild �ber der T�r und der Schankraum versprachen alles, wonach es Mat verlangte. In dem Raum mit der hohen Decke und den breiten Bogenfenstern war es sicherlich k�hler als drau�en. Die L�den wiesen anscheinend mehr L�cher als Holz auf, aber sie spendeten dem Raum dennoch Schatten. Fremde sa�en zwischen Einheimischen, ein schlaksiger Murandianer mit gedrehtem Schnurrbart, ein gedrungener Kandori mit zwei Silberketten �ber der Vorderseite seines Umhangs und andere, die Mat nicht sofort erkannte. Schwacher Pfeifendunst erf�llte die Luft, und zwei Frauen, die auf schrillen Fl�ten spielten und ein Bursche mit einer Trommel zwischen den Knien boten eine seltsame Musik dar. Das beste war aber, da� die Schankm�dchen h�bsch waren und an vier Tischen M�nner w�rfelten. Der Kandori-H�ndler spielte Karten.</p><p>Die stattliche Wirtin stellte sich als Setalle Anan vor, obwohl sie mit ihren haselnu�braunen Augen niemals in Ebou Dar geboren sein konnte. �Mylords.� Gro�e goldene Ringe in ihren Ohren schwangen mit, als sie vor Mat und Nalesean den Kopf beugte. �Darf Die <emphasis>Wanderin</emphasis> Euch bescheidene Unterkunft bieten?�</p><p>Sie war trotz einer Spur Grau im Haar h�bsch, aber Mat beobachtete ihre Augen. An einer engen Halskette trug sie einen Hochzeitsdolch, dessen Heft mit roten und wei�en Steinen sich zwischen ihre �ppigen Br�ste schmiegte, und auch an ihrem G�rtel steckte einer jener gebogenen Dolche. Er konnte dennoch nicht umhin zu grinsen. �Herrin Anan, ich habe das Gef�hl, nach Hause gekommen zu sein.�</p><p>Das Seltsame war, da� der W�rfel in seinem Kopf aufgeh�rt hatte umherzurollen.</p></section><section><title><p>48</p><p>Auf dem Dolch ausruhen</p></title><p>Nynaeve kletterte aus der gro�en Kupferwanne, ein wei�es Handtuch um den Kopf geschlungen, und trocknete sich langsam ab. Die rundliche, grauhaarige Dienerin wollte ihr beim Anziehen helfen, aber Nynaeve schickte sie fort, achtete nicht auf best�rzte Blicke und Einw�nde, sondern zog sich selbst mit gro�er Sorgfalt an und betrachtete sich in dem dunkelgr�nen Gewand mit dem breiten Kragen aus heiler Merada-Spitze in dem hohen, schmalen Standspiegel. Lans schwerer goldener Ring ruhte in ihrer Tasche �sie sollte besser nicht daran denken � zusammen mit dem gewundenen Ring<emphasis>-Ter'angreal,</emphasis> und die Gro�e Schlange schimmerte golden um den dritten Finger ihrer rechten Hand. Ihre rechte Hand. Sie sollte auch daran besser nicht denken.</p><p>Die hohe Decke war mit einem blauen Himmel und wei�en Wolken h�bsch bemalt, und auch wenn die M�bel auf beunruhigend gro�en vergoldeten L�wenf��en standen und die schmalen Bettpfosten und Stuhlbeine f�r ihren Geschmack zu viele Verzierungen und Gold aufwiesen, war dies dennoch ein behaglicherer Raum, als sie ihn seit langer Zeit bewohnt hatte. Ein freundlicher Raum. Angenehm k�hl. Sie versuchte, sich zu beruhigen.</p><p>Es gelang ihr nat�rlich nicht. Sie hatte die Gewebe <emphasis>Saidars</emphasis> gesp�rt, und sobald sie aus ihrem Schlafzimmer trat, bemerkte sie den unsichtbaren Schutzschirm erneut, den Elayne geschaffen und um das Wohnzimmer gelegt hatte. Birgitte und Aviendha waren ebenfalls bereits dort, alle frisch gebadet und mit sauberer Kleidung.</p><p>In einer, wie Birgitte behauptete, eher zuf�lligen Anordnung flankierten vier Schlafr�ume den Wohnraum, der ebenfalls eine mit Himmel und Wolken bemalte Decke aufwies. Vier hohe Bogenfenster f�hrten auf einen breiten Balkon mit einem wei� gestrichenen schmiedeeisernen Gitter, das so verschlungen gearbeitet war, da� sie ungesehen vom Balkon auf den Mol Hara-Platz vor dem Palast hinabsp�hen konnten. Eine schwache Brise wehte durch die Fenster herein, die den salzigen Geruch des Meeres und verwunderlicherweise auch ein wenig K�hle mit sich brachte. Ver�rgerung st�rte Nynaeves Konzentration. Sie hatte die Hitze schon kurz nach ihrer Ankunft im Tarasin-Palast gesp�rt.</p><p>Thom und Juilin war ein Raum irgendwo bei den Quartieren der Diener zugewiesen worden, was Elayne tats�chlich mehr zu ver�rgern schien als einen der M�nner. Thom hatte wahrhaftig dar�ber gelacht. Aber er konnte es sich auch leisten.</p><p>�Probiere einmal diesen ausgezeichneten Tee, Nynaeve�, sagte Elayne und legte eine wei�e Servierte �ber blau schimmernde Seidenr�cke. Wie alles andere in dem Wohnraum wies auch ihr breiter Sessel vergoldete F��e sowie weitere Vergoldungen an der �ber ihrem Kopf aufragenden R�ckenlehne auf. Aviendha sa� neben ihr auf dem Boden, die Beine unter einem hochgeschlossenen Gewand eingeschlagen, das fast zu den hellgr�nen Fliesen pa�te. Ihre verschlungene silberne Halskette pa�te sehr gut zu dem Gewand. Nynaeve glaubte nicht, da� sie die Aielfrau auch nur einmal in einem Sessel sitzen gesehen hatte. Sie war in den beiden Gasth�usern sicherlich angestarrt worden.</p><p>�Minze und Schellbeeren�, f�gte Birgitte Elaynes Aufforderung hinzu, w�hrend sie eine weitere zart vergoldete Porzellantasse f�llte. Birgitte trug eine weite graue Hose und eine kurze blaue Jacke. Sie trug gelegentlich auch Kleider, aber bei ihrem Geschmack war Nynaeve froh, da� sie es nur selten tat. Alle drei hatten sich sorgf�ltig zurechtgemacht aber niemand wollte sie.</p><p>Der Silberkrug schimmerte matt, und der Tee war angenehm kalt und erfrischend. Nynaeve bewunderte Elaynes k�hles und trockenes Gesicht. Sie selbst f�hlte sich trotz der leichten Brise schon wieder verschwitzt. �Ich mu� sagen�, murmelte sie, �da� ich einen anderen Empfang erwartet hatte.�</p><p>�Tats�chlich?� fragte Elayne. �Nach der Behandlung durch Vandene und Adeleas?�</p><p>Nynaeve seufzte. �Also gut, ich hatte es gehofft. Ich bin endlich eine wahre Aes Sedai, aber niemand scheint es zu glauben. Ich hatte wirklich gehofft, da� es anders w�rde, wenn wir Salidar erst einmal verlassen h�tten.�</p><p>Ihr Treffen mit Merilille Ceandevin war nicht gut verlaufen � vor allem, wie man sie ihr vorgestellt hatte. Vandene hatte sich dieser Aufgabe �u�erst oberfl�chlich entledigt, und dann wurden sie entlassen, fortgeschickt, damit sich die wahren Aes Sedai unterhalten konnten. Merilille hatte gemeint, sie w�rden sich sicherlich erfrischen wollen, aber es war eine Entlassung, die ihnen die Wahl gelassen hatte, entweder wie gehorsame Aufgenommene zu gehen oder sich wie launische Kinder zu weigern. Schon die Erinnerung nahm Nynaeve jegliche Ruhe. Schwei� begann ihr Gesicht herabzulaufen.</p><p>In der Tat war es nicht das Schlimmste gewesen, fortgeschickt worden zu sein. Merilille war eine schlanke, durchscheinend zarte Cairhienerin mit gl�nzendem schwarzen Haar und gro�en klaren Augen, eine Graue, die den Anschein erweckte, als habe nichts sie jemals �berrascht und als w�rde sie auch in Zukunft niemals etwas aus der Ruhe bringen. Nur hatten sich jene dunklen Augen geweitet, als sie erfuhr, da� Nynaeve und Elayne Aes Sedai waren, und sie hatten sich noch st�rker geweitet, als sie h�rte, da� Egwene der Amyrlin-Sitz war. Birgitte als Beh�terin verbl�ffte sie eindeutig auch, obwohl es ihr zu dem Zeitpunkt schon wieder gelang, den Ausdruck ihrer �berraschung auf einen Blick und ein kurzes Zusammenpressen der Lippen zu beschr�nken. Aviendha kam am leichtesten davon. Merilille gew�hrte ihr nur eine kaum h�rbare Bemerkung dar�ber, wie sehr es ihr gefallen w�rde, eine Novizin zu sein. Dann kam die Entlassung und der Vorschlag � der eher wie ein Befehl klang �, da� sie sich einige Tage lang von den <emphasis>H�rten</emphasis> ihrer Reise <emphasis>erholen</emphasis> sollten.</p><p>Nynaeve zog ihr Taschentuch aus dem �rmel und f�chelte sich mit dem spitzenbesetzten Tuch vergeblich Luft zu. �Ich glaube noch immer, da� sie etwas verbergen.�</p><p>�Also wirklich, Nynaeve�, meinte Elayne kopfsch�ttelnd. �Mir gef�llt es auch nicht besser als dir, wie wir behandelt werden, aber du machst aus einer M�cke einen Elefanten. Wenn Vandene und Adeleas Fl�chtlinge suchen wollen, dann la� sie doch. W�re es dir lieber, sie w�rden die Schale suchen?� Sie hatten das <emphasis>Ter'angreal,</emphasis> das sie suchten, w�hrend der ganzen Reise kaum erw�hnt, aus Angst, da� die beiden anderen genau das tun w�rden, was Elayne gerade heraufbeschworen hatte.</p><p>Ob sie es getan h�tten oder nicht � Nynaeve glaubte noch immer, da� sie etwas verbargen, Elayne wollte es einfach nicht zugeben. Adeleas hatte nicht gemerkt, da� Nynaeve diese Bemerkung �ber die Suche nach Fl�chtlingen belauscht hatte, und als Nynaeve fragte, ob sie wirklich welche zu finden erwarteten, erwiderte Vandene ein wenig zu schnell, da� sie stets mit einem Auge Ausschau nach jungen Frauen hielten, die aus der Burg davongelaufen waren. Das ergab keinen Sinn. Niemand war aus Salidar geflohen, aber Novizinnen liefen mitunter davon � das Leben war hart, besonders wenn einem Jahre des Gehorsams bevorstanden, ehe man auch nur daran denken konnte, allein zu entscheiden � und gelegentlich stahl sich auch eine Aufgenommene davon, die daran zu zweifeln begonnen hatte, die Stola jemals zu erlangen, aber dennoch wu�te sogar Nynaeve, da� es nur wenigen gelang, von der Insel Tar Valon zu fliehen, und fast alle zur�ckgeholt wurden. Man konnte jederzeit fortgeschickt werden, weil man nicht stark genug war weiterzumachen, weil man die Pr�fung zur Aufgenommenen oder die Pr�fung zur Aes Sedai, die sie und Elayne umgangen hatten, verweigerte oder dabei versagte, aber niemand konnte selbst entscheiden zu gehen, es sei denn, man trug die Stola.</p><p>Wenn also nur so wenigen die Flucht gelang � warum glaubten Vandene und Adeleas in Ebou Dar Fl�chtlinge zu finden, und warum hatten sie sich wie Muscheln verschlossen, als Nynaeve sie gefragt hatte? Sie f�rchtete die Antwort auf letzteres ohnehin zu wissen. Sie mu�te sich zusammenrei�en, um nicht an ihrem Zopf zu ziehen. Sie glaubte sich in dieser Hinsicht zu bessern.</p><p>�Zumindest hat Mat letztendlich begriffen, da� wir Aes Sedai sind�, grollte sie. Nynaeve konnte zumindest mit ihm jetzt zurechtkommen. Sollte er irgend etwas versuchen, w�rde er erkennen, wie es ist, mit allem geschlagen zu werden, worum sie einen Strang wickeln konnte. �Er sollte es besser begriffen haben.�</p><p>�Seid Ihr ihm deshalb aus dem Weg gegangen wie ein Cheltaner dem Steuereintreiber?� fragte Birgitte grinsend, und Nynaeve sp�rte, wie sie err�tete. Sie dachte, sie h�tte ihre Gef�hle besser verborgen.</p><p>�Er ist selbst f�r einen Mann sehr l�stig�, murmelte Aviendha. �Ihr m��t weit gereist sein, Birgitte. Ihr sprecht h�ufig von Orten, von denen ich noch niemals geh�rt habe. Ich w�rde gerne eines Tages die Feuchtlande bereisen und alle diese fernen Orte besuchen. Wo liegt dieses Cheltan? Oder Chelta?�</p><p>Birgittes Grinsen verschwand augenblicklich. Wo immer es lag, es mochte schon seit tausend Jahren oder sogar seit einem fr�heren Zeitalter verschwunden sein. Sie und ihre entgleitenden uralten St�tten und Dinge, die sie stets ins Gespr�ch brachte... Nynaeve w�nschte, sie h�tte miterlebt, wie sie Egwene gegen�ber zugegeben hatte, was Egwene bereits wu�te. Egwene war w�hrend ihrer Zeit mit den Aiel beeindruckend stark geworden und nahm nur weniges hin, was sie f�r Unsinn hielt. Birgitte hatte tats�chlich gedem�tigt gewirkt, als sie zur�ckkam.</p><p>Dennoch mochte Nynaeve Birgitte lieber als Aviendha, deren starrer Blick und blutr�nstiges Gerede ihr manchmal ein sehr unbehagliches Gef�hl vermittelte. Aber wie l�stig Birgitte auch sein mochte � Nynaeve hatte versprochen, ihr zu helfen, ihr Geheimnis zu bewahren.</p><p>�Mat ... hat mich bedroht�, sagte sie hastig. Es war die erste M�glichkeit, die ihr in den Sinn kam, um Aviendha abzulenken, und das letzte, was sie jedermann wissen lassen wollte. Ihre Wangen r�teten sich erneut. Elayne l�chelte wahrhaftig, obwohl sie gen�gend Takt besa�, dieses L�cheln hinter ihrer Teetasse zu verbergen.</p><p>�Nicht so�, f�gte Nynaeve hinzu, als Aviendha die Stirn runzelte und nach ihrem G�rtelmesser tastete. Die Aielfrau glaubte anscheinend, eine drohende Haltung sei die richtige Antwort auf alles. �Es war nur...� Aviendha und Birgitte sahen sie an und h�rten ihr aufmerksam zu. �Er hat nur gesagt...� So wie sie Birgitte gerettet hatte, rettete Elayne jetzt sie.</p><p>�Ich glaube wirklich, da� wir jetzt genug �ber Meister Cauthon gesprochen haben�, erkl�rte Elayne nachdr�cklich. �Er ist nur hier, damit er Egwene nicht in die Quere kommt. Und ich kann sp�ter herausfinden, was wegen des <emphasis>Ter'angreals</emphasis> geschehen soll.� Sie pre�te einen Moment die Lippen zusammen. Sie war nicht gl�cklich gewesen, als Vandene und Adeleas begonnen hatten, Mat gegen�ber ganz nebenbei die Macht zu lenken, und sie war es noch weniger dar�ber, da� er in dieses Gasthaus entkommen war. Aber sie hatte nichts dagegen tun k�nnen. Sie behauptete, da� sie ihn an Befehle gew�hnen k�nnte, indem sie ihm nur das auftrug, was er ohnehin tun mu�te. �Er ist der unwichtigste Teil dieser Reise�, sagte sie noch bestimmter.</p><p>�Ja.� Nynaeve bem�hte sich, ihre Erleichterung nicht offen zu zeigen. �Ja, die Schale ist wichtiger.�</p><p>�Ich schlage vor, da� ich zun�chst die Stadt auskundschafte�, sagte Birgitte. �Ebou Dar scheint rauher, als ich es in Erinnerung hatte, und die Gegend, die Ihr beschrieben habt, k�nnte noch rauher sein als...� Sie sah Aviendha kaum an. �...als die restliche Stadt�, beendete sie ihren Satz seufzend.</p><p>�Wenn es etwas auszukundschaften gibt�, wandte Aviendha eifrig ein, �m�chte ich daran teilhaben. Ich habe einen <emphasis>Cadin'sor.�</emphasis></p><p>�Ein Kundschafter mu� sich einf�gen�, sagte Elayne sanft. �Ich denke, wir sollten hiesige Kleidung f�r uns <emphasis>alle</emphasis> besorgen. Dann k�nnen wir von Anfang an alle zusammen suchen, und keine von uns wird ausgeschlossen... Obwohl Nynaeve es am leichtesten von uns haben wird�, f�gte sie mit einem Birgitte und Aviendha zugewandten L�cheln hinzu. Die Ebou Dari, die sie bisher gesehen hatten, hatten alle dunkles Haar, und die meisten schienen fast schwarze Augen zu haben.</p><p>Aviendha stie� verdrie�lich den Atem aus, und Nynaeve h�tte es ihr am liebsten gleichgetan, als sie an jene tiefen Ausschnitte dachte, die sehr tief, wenn auch schmal waren. Birgitte grinste wahrhaftig. Die Frau besa� �berhaupt kein Schamgef�hl.</p><p>Bevor die Debatten noch weitergehen konnten, trat eine Frau mit kurzem schwarzen Haar in der Livree des Hauses Mitsobar ohne anzuklopfen ein, was Nynaeve als unh�flich empfand. Sie trug ein wei�es Gewand, den Rock auf der linken Seite bis zum Knie umgen�ht, so da� ein gr�ner Unterrock zu sehen war, sowie ein enganliegendes Leibchen, das �ber der linken Brust einen gr�nen Anker und ein Schwert aufwies. Rundlich und in mittlerem Alter, z�gerte die Frau, vollf�hrte dann einen Hofknicks und wandte sich schlie�lich an sie alle. �K�nigin Tylin w�nscht die drei Aes Sedai zu sehen, wenn es ihnen beliebt.�</p><p>Nynaeve wechselte verwunderte Blicke mit Elayne und den anderen.</p><p>�Nur zwei von uns sind Aes Sedai�, erkl�rte Elayne z�gernd. �Vielleicht wolltet Ihr Merilille aufsuchen?�</p><p>�Ich wurde angewiesen, diese R�ume aufzusuchen ... Aes Sedai.� Die Pause war kaum zu bemerken gewesen, und die Frau vermied es nur knapp, die Anrede als Frage zu gestalten.</p><p>Elayne erhob sich und gl�ttete ihre R�cke. Ein Fremder h�tte nicht vermutet, da� dieses ausdruckslose Gesicht Zorn verbarg, aber an ihren Mundwinkeln war Anspannung zu erkennen. �Wollen wir gehen? Nynaeve? Aviendha? Birgitte?�</p><p>�Ich bin keine Aes Sedai, Elayne�, sagte Aviendha, und die Dienerin warf hastig ein: �Mir wurde gesagt, nur die Aes Sedai.�</p><p>�Aviendha und ich k�nnten uns in der Stadt umsehen, w�hrend Ihr die K�nigin aufsucht�, sagte Birgitte, bevor Elayne den Mund �ffnen konnte. Aviendhas Gesicht erstrahlte.</p><p>Elayne sah sie beide scharf an und seufzte dann. �Nun, seid wenigstens vorsichtig. Nynaeve, kommst du mit, oder willst du dir auch die Stadt ansehen?� Letzteres hatte sie in trockenem Tonfall und mit einem weiteren Blick zu Birgitte ge�u�ert.</p><p>�Oh, ich m�chte den Besuch nicht verpassen�, belehrte Nynaeve sie. �Es wird guttun, endlich jemandem zu begegnen, der glaubt...� Sie konnte ihren Satz nicht beenden, solange die Dienerin im Raum war. �Wir sollten die K�nigin nicht warten lassen.�</p><p>�O nein�, sagte die Dienerin. �Das w�rde mich die Ohren kosten.�</p><p>Wieviel auch immer ihre Ohren wert waren � es dauerte einige Zeit, durch die Palastg�nge zu wandern. Als sollte die �u�ere Eint�nigkeit aufgewogen werden, war der Palast innen voller Farben. In einem Gang waren die Decke gr�n und die W�nde blau bemalt in einem anderen die W�nde gelb und die Decke bla�rosa. Die Bodenfliesen zeigten rotschwarzwei�e oder blaugelbe Rauten oder andere Zusammenstellungen in allen Schattierungen. Es gab nur sehr wenige Wandteppiche, �blicherweise Meer-Szenen, aber viele hohe Vasen aus vergoldetem Meervolk-Porzellan standen in Nischen und auch viele Arbeiten aus geschliffenem Kristall, Statuetten und Vasen und Schalen, die sowohl Elaynes als auch Nynaeves Blicke auf sich zogen.</p><p>Nat�rlich eilten �berall Diener umher. Die Livree der M�nner bestand aus einer wei�en Hose und einer langen gr�nen Weste �ber einem wei�en Hemd mit weiten �rmeln, aber bevor sie allzu weit gegangen waren, sah Nynaeve jemanden auf sie zuschreiten, der sie veranla�te, stehenzubleiben und Elaynes Arm zu ergreifen. Es war Jaichim Carridin. Sie wandten den Blick nicht von dem gro�en, bereits ergrauenden Mann ab, als er in seinem wei�en Umhang an ihnen vor�berging, jene grausamen, tiefliegenden Augen best�ndig von ihnen abgewandt. Schwei�perlen bedeckten sein Gesicht, aber das mi�achtete er genauso, wie er sie mi�achtet hatte.</p><p>�Was macht er hier?� fragte Nynaeve. Dieser Mann hatte in Tanchico ein Blutbad ausgel�st, und nur das Licht wu�te, wo sonst noch.</p><p>Die Dienerin sah sie fragend an. �Auch die Kinder des Lichts haben schon vor Monaten eine Abordnung gesandt. Die K�nigin ... Aes Sedai?� Erneut dieses Z�gern.</p><p>Elayne gelang es, huldvoll zu nicken, aber Nynaeve vermochte die Schroffheit nicht aus ihrer Stimme zu verbannen. �Dann sollten wir sie nicht warten lassen.�</p><p>Merilille hatte �ber diese Tylin unter anderem ge�u�ert, da� sie eine kleinliche, sehr gewissenhafte Frau war. Aber wenn sie daran zu zweifeln beg�nne, da� sie Aes Sedai waren, war Nynaeve gerade in der richtigen Stimmung, es ihr zu beweisen.</p><p>Die Dienerin verlie� sie in einem gro�en Raum mit einer hellblauen Decke und gelben W�nden, wo eine Reihe hoher Fenster den Blick auf einen breiten Balkon freigaben und eine angenehme, salzige Brise hereinlie�en. Elayne und Nynaeve vollf�hrten ihre Hofknickse vor der K�nigin so, wie es von Aes Sedai gegen�ber einem Herrscher angemessen war � ein leichtes Vorn�berneigen und ein leichtes Beugen des Kopfes.</p><p>Tylin war eine �u�erst beeindruckende Frau. Nicht gr��er als Nynaeve, stand sie in einer k�niglichen Haltung da, die Elayne sich sogar an ihrem besten Tag nur m�hsam h�tte zu eigen machen k�nnen. Sie h�tte gleicherma�en auf ihre Ehrerbietung antworten m�ssen, aber sie tat es nicht. Statt dessen betrachteten ihre gro�en schwarzen Augen sie mit zwingender Eindringlichkeit.</p><p>Nynaeve hielt ihrem Blick so gut wie m�glich stand. Wogen gl�nzenden schwarzen Haars, an den Schl�fen leicht ergraut, reichten bis weit unterhalb Tylins Schultern und umrahmten ein Gesicht, das h�bsch, wenn auch nicht mehr vollkommen glatt war. Erschreckenderweise befanden sich zwei Narben auf den Wangen der Frau, haarfein und so alt, da� sie fast verschwunden waren. Nat�rlich stak einer jener gebogenen Dolche in einem G�rtel aus gewobenem Gold, dessen Heft und Scheide mit Edelsteinen besetzt waren. Nynaeve war sicher, da� dies nur eine Prunkwaffe war, und auch Tylins blaues Seidengewand war sicherlich nicht f�r einen Kampf geeignet. Schneewei�e Spitzenfalten h�tten fast ihre Finger verborgen, wenn sie die Arme gesenkt h�tte, und die R�cke waren vorn bis �ber die Knie gerafft und gaben gr�nwei�e Seidenunterr�cke frei, die einen Schritt oder mehr hinter ihr her schleiften. Das mit der gleichen Spitze geschm�ckte Leibchen lag so eng an, da� Nynaeve nicht wu�te, ob es unbequemer w�re, darin zu sitzen oder zu stehen. Ein Kragen aus gewobenem Gold um den Hals der Frau st�tzte einen in einer wei�en Scheide steckenden Hochzeitsdolch, der mit nach unten gerichtetem Heft in dem ovalen Ausschnitt hing.</p><p>�Ihr beide m��t Elayne und Nynaeve sein.� Tylin lie� sich auf einem gold�berzogenen Stuhl nieder und richtete sorgf�ltig ihre R�cke, ohne den Blick von ihnen abzuwenden. Ihre Stimme klang tief, melodisch und gebieterisch. �Ich h�rte, es sei noch eine dritte dabei. Aviendha?�</p><p>Nynaeve und Elayne wechselten Blicke. Sie waren nicht aufgefordert worden, sich hinzusetzen. Nicht einmal eine Augenbewegung in Richtung eines Stuhles war erfolgt. �Sie ist keine Aes Sedai�, begann Elayne ruhig.</p><p>Tylin unterbrach sie, bevor sie mehr sagen konnte. �Und Ihr seid es? Ihr seid bestenfalls achtzehn Jahre alt, Elayne. Und Ihr, Nynaeve, die Ihr mich anseht wie eine Katze, die man am Schwanz festh�lt, wie alt seid Ihr? Zweiundzwanzig? Vielleicht dreiundzwanzig? G�tiger Himmel! Ich besuchte einst Tar Valon und die Wei�e Burg. Ich bezweifle, da� jemals eine Frau Eures Alters diesen Ring an ihrer rechten Hand getragen hat.�</p><p>�Sechsundzwanzig!� fauchte Nynaeve. Da ein gro�er Teil der Frauen, die sie f�r zu jung hielten, um eine Seherin zu sein, in Emondsfeld zur�ckgeblieben waren, hatte sie sich angew�hnt, mit jedem Namensgebungstag zu prahlen, den sie beanspruchen konnte. �Ich bin sechsundzwanzig und eine Aes Sedai der Gelben Ajah.� Sie erschauerte bei diesen Worten noch immer vor Stolz. �Elayne mag vielleicht erst achtzehn sein, aber sie ist ebenfalls eine Aes Sedai, eine Aes Sedai der Gr�nen Ajah. Glaubt Ihr, da� Merilille oder Vandene uns diese Ringe nur zum Vergn�gen tragen lie�en? Viele Dinge haben sich ge�ndert, Tylin. Der Amyrlin-Sitz, Egwene al'Vere, ist nicht �lter als Elayne.�</p><p>�Tats�chlich?� fragte Tylin mit tonloser Stimme. �Das hat man mir nicht gesagt. Die Aes Sedai, die mich seit dem Tag meiner Kr�nung ber�t und vor mir auch schon meinen Vater beraten hat, ist ohne Erkl�rung zur Burg aufgebrochen. Ich erfahre, da� die Ger�chte, die Burg w�rde sich spalten, der Wahrheit entsprechen. Drachenverschworene scheinen aus dem Boden zu wachsen scheinen. Eine Amyrlin wird gew�hlt, um sich Elaida und einem versammelten Heer unter einem der gro�artigsten Befehlshaber in Altara entgegenzustellen, bevor ich davon erfahre. Wenn all das geschieht, k�nnt Ihr nicht von mir erwarten, von �berraschungen begeistert zu sein.�</p><p>Nynaeve hoffte, da� ihr Gesichtsausdruck ihr Gef�hl der �belkeit nicht preisgab. Warum konnte sie nicht lernen, gelegentlich den Mund zu halten? Sie erkannte j�h, da� sie die Wahre Quelle nicht mehr sp�rte. Zorn und Verlegenheit pa�ten nicht gut zusammen. Aber es war vermutlich besser so. Wenn sie die Macht lenken k�nnte, w�rde sie vielleicht einen noch gr��eren Narren aus sich machen.</p><p>Elayne versuchte sogleich, die Dinge wieder geradezubiegen, �Ich wei�, da� Ihr dies schon zuvor geh�rt habt�, belehrte sie Tylin, �aber la�t mich nach Merilille und den anderen auch meine Entschuldigungen aussprechen. Ohne Erlaubnis ein Heer innerhalb Eurer Grenzen zu erheben, war unvern�nftig. Ich kann nur sagen, da� die Ereignisse schnell voranschritten und wir in Salidar aufgehalten wurden, aber das ist keine wirkliche Entschuldigung. Ich schw�re Euch, Altara sollte kein Schaden zugef�gt und der Thron der Winde nicht beleidigt werden. Noch w�hrend wir miteinander sprechen, f�hrt Gareth Bryne das Heer im Norden aus Altara hinaus.�</p><p>Tylin sah sie unbewegt an. �Ich habe zuvor kein Wort der Entschuldigung geh�rt. Aber jeder Herrscher Altaras mu� lernen, Beleidigungen von gr��eren M�chten ohne Murren hinzunehmen.� Sie atmete tief ein und vollf�hrte mit schwingenden Spitzen eine Handbewegung. �Setzt Euch, setzt Euch. Ihr beide. Ruht Euch auf Eurem Dolch aus und la�t Eurer Zunge freien Lauf.� Ihr pl�tzliches L�cheln kam einem Grinsen sehr nahe. �Ich wei� nicht, wir Ihr es in Andor ausdr�ckt. F�hlt Euch wie zu Hause und sagt Eure Meinung frei heraus.�</p><p>Nynaeve war froh, da� Elaynes blaue Augen sich �berrascht weiteten, da sie selbst laut nach Luft rang. Dies war die Frau, von der Merilille behauptet hatte, sie brauche in polierten Marmor gehauenes Zeremoniell? Nynaeve war �beraus froh, sich hinsetzen zu d�rfen. Wenn sie an alle die verborgenen Str�mungen in Salidar dachte, fragte sie sich, ob Tylin versuchte, sie zu ... zu was? Sie war zu der Auffassung gelangt, da� jedermann, der kein enger Freund war, sie zu benutzen versuchte. Elayne sa� starr auf der Stuhlkante.</p><p>�Ich meine, was ich sage�, erkl�rte Tylin. �Was auch immer Ihr �u�ert, werde ich nicht als Beleidigung auffassen.� Die Art, wie ihre Finger auf das edelsteinbesetzte Heft an ihrer Taille tippten, h�tte jedoch eher allgemeines Schweigen bewirken k�nnen.</p><p>�Ich bin nicht sicher, wie ich beginnen soll�, sagte Nynaeve vorsichtig. Sie w�nschte, Elayne h�tte bei diesen Worten nicht genickt. Elayne sollte wissen, wie man mit K�nigen und K�niginnen umging. Weshalb sagte sie nichts?</p><p>�Mit dem Warum�, sagte die K�nigin ungeduldig. �Warum kommen vier weitere Aes Sedai aus Salidar nach Ebou Dar? Der Grund kann nicht sein, Elaidas Abordnung in den Schatten stellen zu wollen � Teslyn nennt sie nicht einmal eine Abordnung, und sie besteht auch nur aus ihr und Joline... Das wu�tet Ihr nicht?� Sie sank in ihren Sessel zur�ck, lachte und pre�te die Finger einer Hand auf ihre Lippen. �Wi�t ihr von den Wei�m�nteln? Ja?� Mit der freien Hand vollf�hrte sie eine Schlagbewegung, und ihre Heiterkeit begann langsam abzuflauen. �Soviel zu den Wei�m�nteln! Aber ich mu� allen zuh�ren, die um meine Gunst buhlen, dem Lord Inquisitor Carridin genauso wie allen anderen.�</p><p>�Aber warum?� fragte Nynaeve. �Ich bin froh, da� Ihr die Wei�m�ntel nicht m�gt, aber warum m��t Ihr Euch dann auch nur ein Wort von dem anh�ren, was Carridin �u�ert? Der Mann ist ein Schl�chter.� Sie wu�te, da� sie einen weiteren Fehler begangen hatte. Die Art, wie Elayne pl�tzlich den gro�en wei�en Kamin betrachtete, dessen breiter Sturz in hoch aufragenden Wogen gehauen war, zeigte es ihr, noch bevor der letzte Rest von Tylins Lachen erstarb.</p><p>�Ihr nehmt mich beim Wort�, sagte die K�nigin ruhig. �Ich sagte, la�t Eurer Zunge freien Lauf...� Sie richtete die dunklen Augen auf die Fliesen und schien sich zu sammeln.</p><p>Nynaeve schaute in der Hoffnung auf irgendeinen Hinweis darauf, was sie falsch gemacht hatte, oder besser, wie sie es wiedergutmachen konnte, zu Elayne, aber Elayne sah sie nur einmal von der Seite an und sch�ttelte kaum merklich den Kopf, bevor sie ihre Betrachtung der Marmorwogen wieder aufnahm. Vielleicht sollte sie Tylin auch nicht ansehen. Und doch zog die Frau ihren Blick an. Tylin strich mit einer Hand �ber das Heft ihres gebogenen Dolches und betastete mit der anderen das kleinere Heft zwischen ihren Br�sten.</p><p>Der Hochzeitsdolch sagte eine ganze Menge �ber Tylin aus. Vandene und Adeleas hatten zu bereitwillig einiges �ber Ebou Dar erkl�rt, �blicherweise Dinge, welche die Stadt f�r jedermann unsicher erscheinen lie�en, der nicht von einem Dutzend Bewaffneter umgeben war. Die wei�e Scheide bedeutete, da� die K�nigin verwitwet war und nicht wieder heiraten wollte. Die vier Perlen und ein in das goldumwickelte Heft eingelassener Feuertropfen besagten, da� sie vier S�hne und eine Tochter geboren hatte. Die in wei�ern Emaille gehaltene Fassung des Feuertropfens und die in rotem Emaille gehaltenen Fassungen dreier Perlen besagten, da� nur ein Sohn �berlebt hatte. Die anderen Kinder waren zum Zeitpunkt ihres Todes mindestens sechzehn Jahre alt gewesen, und sie waren in K�mpfen gestorben, sonst w�ren die Fassungen schwarz gewesen.</p><p>Wie es wohl sein mu�te, st�ndig eine solche Erinnerung mit sich herumzutragen? Nach Vandenes Frauen eine rote oder wei�e Fassung als Quelle des Stolzes, egal ob die Steine Perlen oder Feuertropfen oder Buntglas waren. Viele Frauen in Ebou Dari entfernten angeblich die Steine ihrer Kinder �ber sechzehn, die einen Kampf verweigerten, und erkannten sie niemals wieder an.</p><p>Schlie�lich hob Tylin den Kopf. Ihr Gesicht zeigte einen freundlichen Ausdruck, und ihre linke Hand belie� den Dolch im G�rtel, aber sie betastete weiterhin wie in Gedanken den Hochzeitsdolch. �Ich m�chte, da� mein Sohn mir auf den Thron der Winde folgt�, sagte sie sanft. �Beslan ist in Eurem Alter, Elayne. In Andor w�re das selbstverst�ndlich, obwohl er dann eine Frau sein m��te...� Sie l�chelte wahrhaftig und schien wirklich belustigt. �Und es w�re auch in jedem anderen Land au�er Murandy selbstverst�ndlich, wenn die Dinge genauso l�gen wie hier in Altara. In den tausend Jahren seit Artur Falkenfl�gels Zeit hat nur ein Haus den Thron f�nf Generationen lang innegehabt, und Anarinas Niedergang erfolgte so j�h, da� das Haus Todande bis zum heutigen Tage f�r jeden, der es will, leicht zu beeinflussen ist. Kein anderes Haus hat jemals wieder zwei Regenten in Folge gestellt.</p><p>Als mein Vater den Thron �bernahm, besa�en andere H�user einen gr��eren Anteil an der Stadt als Mitsobar selbst. H�tte er diesen Palast ohne W�chter verlassen, w�re er in einen Sack mit Steinen gesteckt und in den Flu� geworfen worden. Als er starb, hinterlie� er mir, was ich jetzt besitze. Es ist, verglichen mit anderen Reichen, nicht viel. Ein Mann mit frischen Pferden k�nnte das andere Ende meines Hoheitsgebietes in einem harten Tagesritt erreichen. Ich war jedoch nicht unt�tig. Als die Nachricht des Wiedergeborenen Drachen kam, zweifelte ich nicht daran, da� ich Beslan zweimal soviel �bergeben k�nnte, wie ich selbst besitze, und dar�ber hinaus einige Verb�ndete. Aber der Stein von Tear und <emphasis>Callandor</emphasis> haben alles ge�ndert. Jetzt bin ich Pedron Niall dankbar, wenn er es bewerkstelligen kann, da� Illian ein hundert Meilen langes Band von Altara �bernimmt, anstatt dort einzufallen. Ich h�re Jaichim Carridin zu, und ich spucke ihm nicht ins Gesicht, wie viele Altaraner auch immer im Wei�m�ntel-Krieg gestorben sind. Ich h�re Carridin und Teslyn und Merilille zu, und ich bete darum, da� ich meinem Sohn �berhaupt noch etwas �bergeben kann, anstatt an dem Tag, an dem Beslan einen Jagdunfall erleidet, ertr�nkt in meiner Badewanne gefunden zu werden.�</p><p>Tylin atmete tief ein. Der freundliche Gesichtsausdruck blieb, aber ihre Stimme nahm einen scharfen Unterton an. �Nun, ich habe mich Euch offenbart. Nun beantwortet meine Frage. Warum erweisen mir vier weitere Aes Sedai die Ehre?�</p><p>�Wir sind hier, um ein <emphasis>Ter'angreal</emphasis> zu suchen�, sagte Elayne, und w�hrend Nynaeve verwundert aufschaute, erz�hlte sie alles von <emphasis>Tel'aran'rhiod</emphasis> bis zum Staub in dem Raum, in dem sich die Schale befand.</p><p>�Es w�re ein wunderbarer Segen, das Wetter wieder berichtigen zu k�nnen�, sagte Tylin z�gernd, �aber das Viertel, das Ihr beschreibt, scheint mir der Rahad jenseits des Flusses zu sein. Sogar der B�ttel tritt dort nur leise auf. Verzeiht � ich wei�, da� Ihr Aes Sedai seid �, aber im Rahad k�nntet Ihr ein Messer im R�cken haben, bevor Ihr es merkt. Wenn man edle Kleidung tr�gt, benutzen sie eine sehr schmale Klinge, damit nur wenig Blut flie�t. Vielleicht solltet Ihr diese Suche Vandene und Adeleas �berlassen. Ich glaube, sie haben solche Orte schon h�ufiger gesehen als Ihr.�</p><p>�Sie haben Euch von der Schale erz�hlt?� fragte Nynaeve stirnrunzelnd, aber die K�nigin sch�ttelte den Kopf.</p><p>�Sie haben nur erz�hlt, da� sie hierhergekommen seien, um etwas zu suchen. Aes Sedai erz�hlen niemals mehr, als sie unbedingt erz�hlen m�ssen.� Erneut erstrahlte Tylins L�cheln. Es wirkte recht heiter, obwohl dadurch die Narben als d�nne Linien auf den Wangen sichtbar wurden. �Bis auf Euch beide zumindest. M�ge die Zeit Euch nicht allzu sehr ver�ndern. Ich w�nschte mir oft, Cavandra w�re nicht in die Burg zur�ckgekehrt. Mit ihr konnte ich ebenfalls so offen reden.� Sie erhob sich, bedeutete ihnen aber, sitzen zu bleiben, und schlug einen Silbergong an. �Ich werde nach k�hlem Minztee schicken, und wir werden uns unterhalten. Ihr werdet mir erz�hlen, wie ich Euch helfen kann, und vielleicht k�nnt Ihr mir dann auch erkl�ren, warum sich so viele Meervolk-Schiffe in der Bucht befinden, die weder anlegen noch Handel treiben... �</p><p>Bei Tee und Gespr�chen verging die Zeit auf angenehme Weise. Dann wurde Beslan hereingef�hrt, ein leise sprechender Junge, der sich respektvoll verbeugte und sie mit wundersch�nen schwarzen Augen ansah, die wohl Erleichterung zeigten, als seine Mutter ihn schlie�lich wieder entlie�. Er hatte offensichtlich keinen Moment bezweifelt, da� sie Aes Sedai waren. Sp�ter kehrten Elayne und Nynaeve durch die leuchtend bemalten G�nge in ihre R�ume zur�ck.</p><p>�Also wollen sie selbst die Suche �bernehmen�, murmelte Nynaeve, w�hrend sie sich umsah, um sicherzugehen, da� keiner der livrierten Diener nahe genug war, sie h�ren zu k�nnen. Tylin hatte zu bald zu vieles �ber sie gewu�t. Und auch wenn sie gel�chelt hatte, war sie doch wegen der Aes Sedai in Salidar aufgebracht. �Elayne, glaubst du, es war klug, ihr alles zu erz�hlen? Sie k�nnte zu dem Schlu� kommen, da� sie ihrem Sohn den Thron sichern k�nnte, wenn sie uns die Schale finden l��t und es dann Teslyn erz�hlt.� Sie erinnerte sich nur ungenau an Teslyn. Sie war eine Rote und eine unangenehme Frau.</p><p>�Ich wei�, wie meine Mutter �ber Aes Sedai dachte, die Andor bereisten und sie niemals wissen lie�en, was sie taten. Ich wei�, wie ich mich an Tylins Stelle f�hlen w�rde. Au�erdem erinnerte ich mich jetzt daran, was dieses Sprichwort bedeutet � sich auf dem Dolch ausruhen und so weiter. Die einzige M�glichkeit, jemanden zu beleidigen, der dies zu dir sagt, besteht darin, ihn anzul�gen.� Elayne hob leicht das Kinn an. �Was Vandene und Adeleas betrifft, so <emphasis>glauben</emphasis> sie nur, sie h�tten die Suche �bernommen. Dieser Rahad mag zwar gef�hrlich sein, aber ich kann mir nicht vorstellen, da� er schlimmer ist als Tanchico, und wir brauchen uns den Kopf nicht mehr �ber die Schwarze Ajah zu zerbrechen. Ich wette, da� wir die Schale in zehn Tagen haben werden. Und dann werde ich wissen, was es mit Mats <emphasis>Ter'angreal</emphasis> auf sich hat. Wir werden wieder zu Egwene unterwegs sein, w�hrend er sich vor die Stirn schl�gt und Vandene und Adeleas mit Merilille <emphasis>und</emphasis> Teslyn herauszufinden versuchen, was geschehen ist.�</p><p>Nynaeve konnte nicht umhin, laut aufzulachen. Ein schlaksiger Diener, der eine gro�e Porzellanvase verr�ckte, sah sie an, und sie streckte ihm die Zunge heraus. Er lie� die Vase beinahe fallen. �Ich nehme die Wette nur bez�glich Mat an. Zehn Tage gelten.�</p></section><section><title><p>49</p><p>Der Spiegel der Nebel</p></title><p>Rand zog zufrieden an seiner Pfeife, w�hrend er in Hemds�rmeln mit dem R�cken an einer der schlanken wei�en S�ulen lehnte, die den kleinen Hof umgaben, und beobachtete das aufspr�hende Wasser im Springbrunnen, das im Sonnenlicht wie Edelsteine funkelte. W�hrend des Vormittags lag dieser Teil des Hofes noch im Schatten. Sogar Lews Therin verhielt sich ruhig. �Bist du sicher, da� du nicht noch einmal �ber Tear nachdenken willst?�</p><p>An der n�chsten S�ule lehnend und ebenfalls ohne Umhang, blies Perrin zwei Rauchringe in die Luft, bevor er seine Pfeife wieder in den Mund steckte, eine reich mit Wolfsk�pfen verzierte Pfeife. �Was ist mit Mins Vision?�</p><p>Rands Versuch, selbst einen Rauchring in die Luft zu blasen, wurde durch ein ungehaltenes Brummen verdorben, so da� nur noch ein Rauchw�lkchen hervordrang. Min hatte kein Recht gehabt, dieses Thema in Perrins Gegenwart anzusprechen. �Willst du wirklich an mich gebunden sein, Perrin?�</p><p>�Anscheinend z�hlt das, was ich will, nicht mehr viel, seit wir Moiraine in Emondsfeld wiederbegegnet sind�, erwiderte Perrin trocken. Er seufzte. �Du bist, wer du bist, Rand. Wenn du scheiterst, scheitert alles.� Pl�tzlich beugte er sich vor und blickte stirnrunzelnd zu einem breiten Eingang hinter den S�ulen zu ihrer Linken.</p><p>Etwas sp�ter h�rte Rand aus dieser Richtung Schritte, die f�r einen Menschen zu wuchtig klangen.</p><p>Die breite Gestalt, die geb�ckt durch den Eingang in den Hof trat, war mehr als doppelt so gro� wie die Dienerin, die fast laufen mu�te, um mit den Schritten des Ogiers mithalten zu k�nnen.</p><p>�Loial!� rief Rand aus, w�hrend er sich eilig erhob. Rand und Perrin erreichten den Ogier zusammen. Das Grinsen um Loials breiten Mund schien sein Gesicht in zwei H�lften zu spalten, und sein langer Umhang, der sich �ber herabgerollte kniehohe Stiefel breitete, war von der Reise staubbedeckt. Seine gro�en Taschen beulten sich eckig aus. Wo Loial war, waren B�cher nie weit. �Geht es dir gut, Loial?�</p><p>�Du siehst m�de aus�, sagte Perrin und dr�ngte den Ogier auf den Springbrunnen zu. �Setz dich auf die Umrandung.�</p><p>Loial lie� sich hinf�hren, aber seine langen, herabbaumelnden Augenbrauen stiegen in die H�he, und seine Pinselohren zitterten verwirrt, w�hrend er von einem zum anderen sah. Er war im Sitzen noch genauso gro� wie Perrin im Stehen. �Gut? M�de?� Seine Stimme klang wie das Rumpeln bei Erdverschiebungen. �Nat�rlich geht es mir gut. Und m�de bin ich nur, weil ich einen langen Weg gegangen bin.</p><p>Ich mu� sagen, es f�hlte sich gut an, wieder auf den eigenen F��en zu laufen. Man wei� immer, wohin die F��e einen tragen, w�hrend man bei einem Pferd niemals sicher sein kann. Au�erdem sind meine F��e schneller.� Er lachte j�h und polternd. �Du schuldest mir ein Goldst�ck, Perrin. Du und deine zehn Tage. Ich verwette ein weiteres Goldst�ck darauf, da� ihr nicht l�nger als f�nf Tage vor mir hier wart.�</p><p>�Du bekommst dein Goldst�ck.� Perrin lachte. Dann f�gte er als Nebenbemerkung zu Rand, die Loials Ohren erz�rnt erbeben lie�, hinzu: �Gaul hat ihn vollkommen verdorben. Er w�rfelt jetzt und wettet bei Pferderennen, obwohl er kaum ein Pferd vom anderen unterscheiden kann.�</p><p>Rand grinste. Loial hatte Pferde schon immer mi�trauisch betrachtet, was nicht sehr verwunderlich war, wenn man bedachte, da� seine Beine l�nger als ihre waren. �Geht es dir auch bestimmt gut, Loial?�</p><p>�Hast du dieses verlassene <emphasis>Stedding</emphasis> gefunden?� fragte Perrin um seinen Pfeifenstiel herum.</p><p>�Bist du ausreichend lange geblieben?�</p><p>�Wovon sprecht ihr beiden?� Loials unsicheres Stirnrunzeln lie� die Enden seiner Augenbrauen bis auf die Wangen sinken. �Ich wollte einfach nur einmal wieder ein <emphasis>Stedding</emphasis> sehen, eines sp�ren. Jetzt bin ich f�r weitere zehn Jahre bereit.�</p><p>�Deine Mutter hat etwas anderes gesagt�, bemerkte Rand ernst.</p><p>Loial war aufgesprungen, bevor Rand noch zu Ende gesprochen hatte, und blickte mit zur�ckgelegten Ohren wild in alle Richtungen. �Meine Mutter? Sie ist hier?�</p><p>�Nein, sie ist nicht hier�, sagte Perrin, und Loials Ohren erschlafften fast augenblicklich wieder. �Sie ist anscheinend im Gebiet der Zwei Fl�sse. Oder zumindest war sie vor einem Monat noch dort. Rand hat irgendeine Art von Herumspringen benutzt, um sie und Eider Haman... Was ist los?�</p><p>Loial erstarrte bei dem Namen Eider Haman mitten in der Bewegung. Dann setzte er sich mit geschlossenen Augen langsam hin. �Eider Haman�, murmelte er und rieb sich mit einer dickfingrigen Hand �bers Gesicht. �Eider Haman und meine Mutter.� Er sah zu Perrin. Er sah zu Rand. Und dann fragte er mit leiser und viel zu beil�ufiger Stimme: �War noch jemand bei ihnen?� Nun, zumindest klang seine Stimme f�r einen Ogier leise � wie eine gro�e Hummel, die in einem Wasserkrug umherbrummte.</p><p>�Ja, eine junge Ogierfrau namens Erith�, erz�hlte Rand ihm. �Du...� Weiter kam er nicht.</p><p>Loial sprang st�hnend wieder auf. Diener streckten ihre K�pfe zu T�ren und Fenstern heraus, um zu sehen, was dieser gewaltige L�rm bedeutete, und verschwanden wieder, als sie Rand sahen. Loial begann hin- und herzugehen, die Augenbrauen so tief herabh�ngend, da� sie fast zu schmelzen schienen. �Eine Frau�, murmelte er. �Es kann nichts anderes bedeuten, nicht bei Mutter und Eider Haman. Eine Frau. Ich bin zu jung, um zu heiraten!� Rand f�hrte eine Hand zum Mund, um sein L�cheln zu verbergen. Loial war vielleicht f�r einen Ogier jung, aber in seinem Fall bedeutete das immerhin schon ein Alter von �ber neunzig Jahren. �Sie wird mich zum Stedding Shangtai zur�ckschleppen. Ich wei�, da� sie mich nicht mit euch ziehen lassen wird, und ich habe noch nicht ann�hernd genug Notizen f�r mein Buch. Oh, l�chele du nur, Perrin. Faile tut, was immer du sagst.� Perrin verschluckte sich an seiner Pfeife und hustete, bis Rand ihm auf den R�cken schlug. �Bei uns ist das anders�, fuhr Loial fort. �Es wird als unmanierlich angesehen, nicht zu tun, was deine Frau sagt. Als sehr unmanierlich. Ich wei�, sie wird mich zwingen, mich auf etwas Solides und Angesehenes zu verlegen, wie das Baumsingen oder...� Er runzelte j�h die Stirn und blieb stehen. �Sagtest du <emphasis>Erith?�</emphasis> Rand nickte. Perrin schien wieder zu Atem zu kommen, aber er sah Loial mit boshafter Belustigung an. �Erith, Tochter von Iva Tochter von Alar?� Rand nickte erneut, und Loial sank wieder auf seinen Platz auf der Brunnenumrandung. �Aber ich kenne sie. Du erinnerst dich bestimmt auch an sie, Rand. Wir sind ihr im Stedding Tsofu begegnet.�</p><p>�Das habe ich dir zu sagen versucht�, erkl�rte Rand ihm geduldig. Und auch erheblich belustigt. �Sie war diejenige, die gesagt hat, du seist stattlich. Und die dir eine Blume �berreichte, soweit ich mich erinnere.�</p><p>�Vielleicht hat sie das gesagt�, murrte Loial abwehrend. �Vielleicht hat sie das getan. Ich kann mich nicht daran erinnern.� Aber eine Hand schlich sich zu seiner Umhangtasche voller B�cher, wo diese Blume, wie Rand h�tte wetten m�gen, sorgf�ltig gepre�t aufbewahrt wurde. Der Ogier r�usperte sich, was wie ein tiefes Rumpeln klang. �Erith ist sehr sch�n. Ich habe niemals zuvor eine so sch�ne Frau gesehen. Und sie ist intelligent. Sie hat sehr aufmerksam zugeh�rt, als ich ihr Serdens Theorie erkl�rte � Serden, Sohn von Kolom Sohn von Radiin; er schrieb sein Werk vor ungef�hr sechshundert Jahren �, als ich seine Theorie dar�ber erkl�rte, wie die Wege...� Er brach ab, als h�tte er gerade ihr Grinsen bemerkt. �Nun, sie hat zugeh�rt. Aufmerksam. Sie war sehr interessiert.�</p><p>�Bestimmt war sie das�, sagte Rand zur�ckhaltend. Die Erw�hnung der Wege machte ihn nachdenklich. Die meisten der Wegetore befanden sich in der N�he von <emphasis>Steddings,</emphasis> und wenn man Loials Mutter und Eider Haman glauben durfte, war das <emphasis>Stedding</emphasis> das, was Loial brauchte. Nat�rlich konnte er Loial nur bis zum Rand eines <emphasis>Stedding</emphasis> bringen. Man konnte die Macht genauso wenig in einen <emphasis>Stedding</emphasis> hineinlenken, wie man sie in einem Stedding lenken konnte. �H�r zu, Loial. Ich m�chte Wachen an allen Wegetoren postieren, und ich brauche jemanden, der die Wegetore nicht nur finden kann, sondern auch mit den �ltesten sprechen und ihre Erlaubnis einholen kann.�</p><p>�Licht�, grollte Perrin angewidert. Er klopfte seine Pfeife aus und zerdr�ckte den Tabakrest mit dem Stiefelabsatz auf den Pflastersteinen des Hofes. �Licht! Du schickst Mat fort, um Aes Sedai gegen�berzutreten, du willst mich mit nur wenigen hundert M�nnern von den Zwei Fl�ssen, von denen du kaum jemanden kennst, mitten in einem Krieg gegen Sammael einsetzen, und jetzt willst du auch Loial davonschicken, obwohl er gerade erst angekommen ist. Verdammt, Rand, sieh ihn dir an! Er braucht Ruhe. Gibt es irgend jemanden, den du nicht benutzen w�rdest? Vielleicht willst du noch, da� Faile Moghedien oder Semirhage jagt. Licht!�</p><p>Wut wallte mit einer Heftigkeit in Rand auf, die ihn erzittern lie�. Diese gelben Augen sahen ihn grimmig an, aber er erwiderte den Blick zornerf�llt. �Ich werde jeden benutzen, den ich benutzen mu�. Du hast es selbst gesagt � ich bin, wer ich bin. Und ich brauche mich auch selbst auf, Perrin, weil ich es tun mu�. Genauso wie ich jeden aufbrauchen werde, den ich sonst noch aufbrauchen mu�. Wir haben keine Wahl mehr. Ich nicht, du nicht, niemand!�</p><p>�Rand, Perrin�, murmelte Loial bek�mmert. �Seid still, seid ruhig. Streitet euch nicht. Nicht ihr.� Eine Hand von der Gr��e eines Schinkens t�tschelte beide unbeholfen auf die Schultern. �Ihr solltet euch beide in einem <emphasis>Stedding</emphasis> ausruhen. <emphasis>Steddings</emphasis> sind sehr friedlich, sehr tr�stlich.�</p><p>Rand sah Perrin an, der wiederum ihn ansah. Der Zorn w�tete noch in Rand, entz�ndete st�rmische Blitze, die nicht vollkommen weichen wollten. Lews Therins Murren polterte unregelm��ig in weiter Ferne. �Es tut mir leid�, murmelte er und meinte es auf sie beide gem�nzt.</p><p>Perrin vollf�hrte eine beil�ufige Geste, die vielleicht bedeuten sollte, da� es nichts gab, wof�r Rand sich entschuldigen m��te, vielleicht aber auch, da� er die Entschuldigung annahm, aber er selbst entschuldigte sich nicht Statt dessen wandte er den Kopf wieder den S�ulen zu und der T�r, durch die Loial den Hof betreten hatte. Erneut vergingen einige Momente, bevor Rand eilige Schritte vernahm.</p><p>Min kam in den Hof gelaufen. Ohne Loial und Perrin zu beachten, ergriff sie Rands Arm. �Sie kommen�, keuchte sie. �Sie sind gerade auf dem Weg.�</p><p>�Langsam, Min�, sagte Rand. �Beruhige dich. Ich habe schon geglaubt, sie w�ren alle im Bett geblieben wie � wie, sagtest du, hei�t sie? Demira?� In Wahrheit war er erleichtert, obwohl Lews Therins Grollen und pfeifendes Lachen bei der Erw�hnung der Aes Sedai lauter wurden. Drei Tage lang war Merana so regelm��ig wie das perfekteste Uhrwerk jeden Nachmittag mit zwei Schwestern erschienen, aber die Besuche hatten vor f�nf Tagen ohne ein Wort der Erkl�rung pl�tzlich aufgeh�rt. Min wu�te auch nicht, warum. Er hatte sich Sorgen gemacht, da� seine Regeln sie so sehr beleidigt haben k�nnten, da� sie gegangen w�ren.</p><p>Min sah mit gequ�ltem Gesicht zu ihm hoch. Er erkannte, da� sie zitterte. �H�r mir zu! Es sind sieben, nicht drei, und sie haben mich nicht geschickt, um dich um Erlaubnis zu bitten oder es dich wissen zu lassen oder sonst etwas. Ich bin ihnen vorausgeeilt und habe Wildrose den ganzen Weg galoppieren lassen. Sie wollen den Palast betreten, bevor du merkst, da� sie hier sind. Ich habe Merana und Demira bei einem Gespr�ch belauscht, als sie nicht merkten, da� ich da war. Sie wollen die Gro�e Halle vor dir erreichen, damit du zu ihnen kommen mu�t.�</p><p>�Glaubst du, das ist deine Vision?� fragte er ruhig. Frauen, welche die Macht lenken konnten, waren in der Lage, ihn schwer zu verletzen, hatte sie gesagt. <emphasis>Sieben!</emphasis> fl�sterte Lews Therin rauh. <emphasis>Nein! Nein! Nein!</emphasis> Rand achtete nicht auf ihn.</p><p>�Ich wei� es nicht�, antwortete Min mit verzweifelter Stimme. Rand erkannte best�rzt, da� das Schimmern in ihren Augen von ungeweinten Tr�nen kam. �Glaubst du, ich w�rde es dir nicht sagen, wenn ich es w��te? Ich wei� nur, da� sie kommen, und...�</p><p>�Und da� es nichts gibt, wovor man Angst haben m��te�, unterbrach er sie bestimmt. Die Aes Sedai mu�ten sie wirklich erschreckt haben, da� sie den Tr�nen so nahe war. <emphasis>Sieben,</emphasis> st�hnte Lews Therin. <emphasis>Ich kann nicht mit sieben umgehen, nicht auf einmal Nicht sieben.</emphasis> Rand dachte an den <emphasis>Angreal</emphasis> in Form eines fetten, kleinen Mannes, und die Stimme verbla�te zu einem Murmeln. Sie klang jedoch immer noch unbehaglich. Zumindest war Alanna nicht bei ihnen. Rand konnte sie in einiger Entfernung sp�ren. Sie bewegte sich nicht, und sicherlich nicht in seine Richtung. Er war nicht sicher, ob er es wagte, ihr wieder von Angesicht zu Angesicht gegen�berzutreten. �Wir d�rfen keine Zeit verschwenden. Jalani?�</p><p>Die pausb�ckige junge Tochter des Speers tauchte so pl�tzlich hinter einer S�ule auf, da� Loials Ohren kerzengerade in die H�he schossen. Min schien den Ogier und Perrin erst jetzt zu bemerken. Auch sie erschrak.</p><p>�Jalani�, sagte Rand, �unterrichtet Nandera, da� ich zur Gro�en Halle gehe, wo ich in K�rze Aes Sedai erwarte.�</p><p>Sie versuchte, ein ausdrucksloses Gesicht beizubehalten, aber ein selbstzufriedenes L�cheln lie� ihre Wangen noch pausb�ckiger erscheinen. �Beralna ist bereits auf dem Weg zu Nandere, <emphasis>Car'a'carn.�</emphasis> Loials Ohren zuckten bei der Anrede �berrascht.</p><p>�W�rdet Ihr Sulin dann sagen, sie soll mich mit meinem Umhang bei den Ankleider�umen hinter der Gro�en Halle treffen? Und mit dem Drachenszepter.�</p><p>Jalanis L�cheln wurde noch breiter. �Sulin ist in ihrem Feuchtl�nder-Gewand bereits so schnell wie ein graunasiger Hase auf einem <emphasis>Segade-R�cken</emphasis> losgerannt.�</p><p>�In diesem Fall�, sagte Rand, �k�nnt Ihr mein Pferd zur Gro�en Halle bringen.� Das Kinn der jungen Tochter des Speers sank herab, besonders als Perrin und Loial sich vor Lachen kr�mmten.</p><p>Mins F�uste in Rands Rippen lie�en ihn st�hnen. �Das ist kein Spa�, du dicksch�deliger Schafhirte! Merana und die anderen haben sich in ihre Stolen geh�llt, als h�tten sie eine R�stung angelegt. Jetzt h�r mir zu. Ich werde mich hinter die S�ulen stellen, damit du mich sehen kannst, sie aber nicht, und wenn ich etwas bemerke, werde ich dir ein Zeichen geben.�</p><p>�Du wirst mit Loial und Perrin hierbleiben�, belehrte er sie. �Ich wei� nicht, welches Zeichen du geben k�nntest, das ich verstehen w�rde, und wenn sie dich sehen, werden sie wissen, da� du mich gewarnt hast.� Sie stemmte die F�uste in die H�ften und sah ihn durch ihre Wimpern verstockt an. �Min?�</p><p>Zu seiner �berraschung seufzte sie und sagte sanft: �Ja, Rand.� Ein solches Verhalten machte ihn genauso mi�trauisch, wie er es bei Elayne oder Aviendha gewesen w�re, aber er hatte jetzt keine Zeit nachzuhaken, wenn er vor Merana in der Gro�en Halle sein wollte. Er nickte und hoffte, da� er nicht so unsicher wirkte, wie er sich f�hlte.</p><p>W�hrend er sich noch fragte, ob er Perrin und Loial h�tte bitten sollen, sie dortzubehalten � es h�tte ihnen gefallen �, legte er mit Jalani auf den Fersen, die sich murmelnd fragte, ob die Bemerkung mit dem Pferd ein Scherz gewesen sei, den Weg bis zu den Ankleider�umen hinter der Gro�en Halle zur�ck. Sulin befand sich bereits mit einem goldbestickten roten Umhang und dem Drachenszepter dort. Die Speerspitze wurde mit einem anerkennenden Brummen bedacht, obwohl sie diese zweifellos ohne die gr�nwei�e Quaste, mit einem angemessen langen Schaft und ohne Schnitzereien f�r passender erachtet h�tte. Rand tastete in seiner Tasche nach dem <emphasis>Angreal. Es</emphasis> war da, und er atmete daraufhin leichter, obwohl Lews Therin anscheinend noch immer �ngstlich schnaufte.</p><p>Als Rand durch einen der mit L�wenpaneelen versehenen Ankleider�ume in die Gro�e Halle eilte, entdeckte er, da� alle anderen genauso schnell wie Sulin gewesen waren. Bael ragte mit verschr�nkten Armen zu einer Seite des Thronpodests auf, w�hrend Melaine auf der anderen Seite stand und ruhig ihre dunkle Stola richtete. Hundert oder mehr T�chter des Speers s�umten, auf ein Knie gesunken und unter den wachsamen Blicken Nanderas, den Weg von den T�ren � mit Speeren und Schilden, �ber den R�cken geh�ngten Bogen und gef�llten K�chern an den H�ften ausger�stet. Nur ihre Augen waren �ber den schwarzen Schleiern zu sehen. Jalani f�gte sich eilig in eine der Reihen ein. Hinter ihnen hatten sich noch mehr Aiel zwischen den dicken S�ulen versammelt, M�nner und weitere T�chter des Speers, obwohl niemand von ihnen, von den Dolchen mit den schweren Klingen abgesehen, bewaffnet zu sein schien. Aber sie stellten eine gute Anzahl grimmiger Gesichter. Der Gedanke an eine Auseinandersetzung mit den Aes Sedai konnte ihnen nicht gefallen, und das nicht aus Angst vor der Macht. Wie auch immer Melaine und die anderen Weisen Frauen inzwischen �ber die Aiel sprachen, hatte sich dieses uralte Versagen der Aiel doch fest in den K�pfen der meisten von ihnen verankert.</p><p>Bashere war nat�rlich nicht da � er und seine Frau befanden sich in einem seiner Ausbildungslager �, und auch die andoranischen Adligen, die sich rund um den Palast zusammengeschart hatten, waren nicht da. Rand war �berzeugt, da� Naen und Elenia und Lir und sie alle von dieser Versammlung erfahren haben w�rden, sobald sie begann. Sie verpa�ten niemals eine Thronaudienz, es sei denn, er schickte sie fort. Ihre Abwesenheit konnte nur bedeuten, da� sie auf ihrem Weg zur Gro�en Halle auch den Grund f�r diese Versammlung erfahren hatten, und das wiederum bedeutete, da� sich die Aes Sedai bereits im Palast befanden.</p><p>Kaum hatte sich Rand mit dem Drachenszepter auf den Knien auf dem Drachenthron niedergelassen, als Mistress Harfor aufgeregt � was f�r sie recht ungew�hnlich war � in die Gro�e Halle eilte. W�hrend sie ihn und alle Aiel gleicherma�en �berrascht betrachtete, sagte sie: �Ich habe Diener �berall hingeschickt, um Euch zu suchen. Aes Sedai sind...� Weiter kam sie nicht, als sieben Aes Sedai im breiten Eingang erschienen.</p><p>Rand sp�rte, da� Lews Therin sich nach <emphasis>Saidin</emphasis> ausstreckte, als er das <emphasis>Angreal</emphasis> ber�hrte, aber er k�mmerte sich selbst darum und hielt den w�tenden Feuer- und Eisstrom genauso fest im Griff wie die Seanchan-Speerspitze.</p><p><emphasis>Sieben,</emphasis> murmelte Lews Therin d�ster. <emphasis>Ich habe ihnen gesagt, sie sollten drei schicken, und sieben kommen. Ich mu� vorsichtig sein. Ja. Vorsichtig.</emphasis></p><p>Ich <emphasis>sagte drei,</emphasis> antwortete Rand der Stimme barsch. <emphasis>Ich! Rand al'Thor!</emphasis> Lews Therin wurde still, aber dann begann das ferne Murren erneut.</p><p>Nachdem Mistress Harfor von Rand zu den sieben Frauen mit ihren fransenversehenen Stolen geschaut �hatte, beschlo� sie anscheinend, da� dazwischen kein guter Standplatz war. Sie vollf�hrte zun�chst den Aes Sedai, dann Rand gegen�ber einen Hofknicks und trat dann mit angemessener Ruhe an eine Seite des Eingangs. Als die Aes Sedai eintraten, alle in einer Reihe nebeneinander, schl�pfte sie mit kaum wahrnehmbarer Eile hinter ihnen hinaus.</p><p>Bei jedem ihrer drei Besuche hatte Merana andere Aes Sedai mitgebracht, und Rand erkannte jetzt alle au�er einer, von Faeldrin Harella auf der Rechten, deren dunkles Haar mit gl�nzenden Perlen zu vielen kleinen Z�pfen geflochten war, bis zur beleibten Valinde Nathenos auf der Linken in ihrer mit wei�en Fransen versehenen Stola und dem wei�en Gewand. Sie waren alle in ihre Ajah-Farben gekleidet. Er wu�te, wer diejenige sein mu�te, die er nicht wiedererkannte. Die kupferfarbene Haut wies die anmutige, wundersch�ne Frau in dunkel bronzefarbener Seide als Demira Eriff aus, die Braune Schwester, �ber die Min berichtet hatte, da� sie im Bett geblieben war. Aber jetzt stand sie in der Mitte der Reihe, einen Schritt vor den anderen, w�hrend Merana zwischen Faeldrin und der untersetzten, pausb�ckigen Rafela Cindal stand, die heute noch ernster wirkte, als sie es vor sechs Tagen gewesen war. Sie wirkten alle sehr ernst.</p><p>Sie blieben einen Moment stehen, sahen ihn ruhig an, ignorierten die Aiel und gingen dann weiter, zuerst Demira, dann Seonid und Rafela, dann Merana und Masuri, wobei sie alle zusammen eine auf Rand gerichtete Pfeilspitze bildeten. Das schwache Kribbeln auf seiner Haut w�re nicht n�tig gewesen, ihm zu zeigen, da� sie Saidar umarmt hatten. Mit jedem Schritt schien jede der Frauen deutlich gr��er als vorher.</p><p><emphasis>Sie denken, da� sie mich beeindrucken k�nnen, indem sie den Spiegel der Nebel weben?</emphasis> Lews Therins ungl�ubiges Lachen verbla�te zu einem wahnsinnigen Kichern. Rand brauchte die Erkl�rung des Mannes nicht. Er hatte Moiraine etwas Derartiges schon einmal tun sehen. Asmodean hatte es ebenfalls <emphasis>Spiegel der Nebel</emphasis> genannt, aber auch Blendwerk.</p><p>Melaine ordnete ver�rgert ihre Stola und schnaubte laut, und Bael wirkte pl�tzlich, als st�nde er ganz allein Hunderten gegen�ber. Er wollte sich dem stellen, aber er erwartete keinen gl�cklichen Ausgang. Dementsprechend regten sich auch einige der T�chter des Speers, bis Nandera sie �ber ihren Schleier hinweg ansah, aber das vermochte das Ger�usch schabender F��e von den Aiel zwischen den S�ulen nicht zu unterbinden.</p><p>Demira Eriff begann zu sprechen � auch sie lenkte eindeutig die Macht. Sie schrie nicht, aber ihre Stimme f�llte die Gro�e Halle dennoch aus und schien von �berall her zu kommen. �Unter den gegebenen Umst�nden wurde beschlossen, da� ich f�r alle sprechen soll. Wir wollen Euch keinen Schaden zuf�gen, aber wir m�ssen die Beschr�nkungen, die wir bisher erduldet haben und die bewirken sollten, da� Ihr Euch sicher f�hltet, jetzt zur�ckweisen. Ihr habt offensichtlich niemals gelernt, Aes Sedai den geb�hrenden Respekt zu erweisen. Jetzt m��t Ihr es lernen. Von jetzt an werden wir kommen und gehen, wie es uns beliebt, wobei wir das selbst entscheiden werden. Wenn wir mit Euch zu sprechen w�nschen, werden wir Euch auch in Zukunft vorher benachrichtigen. Eure Aiel-W�chter rund um unser Gasthaus m�ssen abgezogen werden, und niemand darf uns beobachten oder folgen. Jede zuk�nftige Beleidigung unserer W�rde wird bestraft werden, obwohl jene, die wir bestrafen m�ssen, wie Kinder sind, so da� Ihr f�r deren Schmerz verantwortlich sein werdet. So mu� es sein. So wird es sein. Wisset, da� wir Aes Sedai sind.�</p><p>Als diese breite Pfeilspitze vor dem Thron haltmachte, bemerkte Rand, da� Melaine ihn ansah und sich zweifellos fragte, ob er beeindruckt war. W�re er von den Geschehnissen �berrascht worden, w�re er es gewesen. Er war sich auch jetzt nicht sicher, ob er <emphasis>nicht</emphasis> beeindruckt war. Die sieben Aes Sedai waren doppelt so gro� wie Loial, die K�pfe auf halber H�he des Raumes mit der gew�lbten Decke mit den Buntglasfenstern. Demira schaute auf ihn herab, k�hl und leidenschaftslos, als erw�ge sie, ihn mit einer Hand hochzuheben, wozu sie durch ihre Gr��e in der Lage schien.</p><p>Rand zwang sich dazu, sich gelassen zur�ckzulehnen, wobei er die Lippen zusammenpre�te, als er erkannte, da� es ihn M�he kostete, wenn auch keine sehr gro�e M�he. Lews Therin schimpfte und schrie in der Ferne, er solle nicht warten, sondern jetzt zuschlagen. Demira hatte gewisse Worte mit besonderem Nachdruck ge�u�ert, als sollte er die Wichtigkeit begreifen. Welche Umst�nde meinte sie? Und bisher hatten sie die Beschr�nkungen doch akzeptiert � warum verweigerten sie ihm auf einmal den Respekt? Warum beschlossen sie pl�tzlich, da� sie � weit davon entfernt, ihm das Gef�hl vermitteln zu m�ssen, da� er wirklich sicher sei � ihm drohen k�nnten? �Die Abordnung der Burg in Cairhien akzeptiert die gleichen Beschr�nkungen wie Ihr und scheint nicht gekr�nkt.� Nun, zumindest nicht sehr gekr�nkt. �Statt vager Drohungen bieten sie Geschenke an.�</p><p>�Sie sind nicht wie wir. Sie sind auch nicht hier. Wir werden Euch nicht kaufen.�</p><p>Die Verachtung in Demiras Stimme traf Rand. Seine Kn�chel schmerzten von dem festen Griff um das Drachenszepter. Sein Zorn fand in Lews Therin ein Echo, und er erkannte pl�tzlich, da� der Mann sich erneut nach der Quelle auszustrecken versuchte.</p><p><emphasis>Verdammt!</emphasis> Rand wollte sie abschirmen, aber Lews Therin sprach, der Panik nahe und fast atemlos.</p><p><emphasis>Nicht stark genug. Selbst mit dem Angreal, vielleicht nicht stark genug, nicht um sieben standzuhalten. Du Narr! Du hast zu lange gewartet! Zu gef�hrlich!</emphasis></p><p>Jedermann abzuschirmen, kostete erhebliche Kraft. Rand war sicher, da� er mit dem <emphasis>Angreal</emphasis> sieben Schilde bilden konnte, obwohl sie <emphasis>Saidar</emphasis> bereits umarmt hatten, aber wenn nur eine von ihnen diesen Schild durchbrechen konnte... Oder mehr als eine. Er wollte sie mit seiner Kraft beeindrucken, nicht ihnen eine M�glichkeit geben, diese zu �berw�ltigen. Aber es gab noch einen anderen Weg. Indem er einfach Geist, Feuer und Erde verwob, gab er vor, abschirmen zu wollen.</p><p>Der Spiegel der Nebel zerbarst. Pl�tzlich standen nur sieben normale Frauen mit best�rzten Gesichtern vor ihm. Ihre Verbl�ffung wurde jedoch augenblicklich von vorgeblicher Gelassenheit beherrscht.</p><p>�Ihr habt unsere Forderungen geh�rt�, sagte Demira mit normaler, aber herrischer Stimme, als sei �berhaupt nichts geschehen. �Wir erwarten, da� sie erf�llt werden.�</p><p>Rand sah sie wider Willen ungl�ubig an. Was mu�te er noch tun, um ihnen zu zeigen, da� er sich nicht einsch�chtern lie�? <emphasis>Saidin</emphasis> w�tete in ihm � ein brodelnder Zorn. Er wagte es nicht, ihn ausbrechen zu lassen. Lews Therin schrie jetzt wie rasend und versuchte, ihm die Quelle aus der Hand zu rei�en. Er konnte nur festhalten. Er erhob sich langsam. Durch die zus�tzliche H�he des Podests ragte er jetzt �ber ihnen auf. Sieben unbewegte Aes Sedai-Gesichter sahen zu ihm hoch. �Die Beschr�nkungen bleiben bestehen�, sagte er ruhig. �Und ich f�ge dem noch eine Forderung hinzu. Von jetzt an erwarte ich, von Euch den Respekt zu erfahren, den ich verdiene. Ich bin der Wiedergeborene Drache. Ihr k�nnt jetzt gehen. Die Audienz ist beendet.�</p><p>Ungef�hr zehn Herzschl�ge lang standen sie nur da und blinzelten nicht einmal, als wollten sie zeigen, da� sie sich auf seinen Befehl keinen Schritt r�hren w�rden. Dann wandte sich Demira ohne die leiseste Andeutung eines Hofknickses um. Als sie an Seonid und Rafela vorbeiging, schlossen diese sich ihr an und die anderen ebenso. Sie glitten alle m�helos, ohne Eile, �ber die rotwei�en Fliesen aus der Gro�en Halle hinaus.</p><p>Rand trat vom Podest herab, als sie im Gang verschwanden.</p><p>�Der <emphasis>Car'a'carn</emphasis> ist geschickt mit ihnen umgegangen�, sagte Melaine laut genug, um in jedem Winkel geh�rt zu werden. �Man mu� sie am Genick packen und sie Respekt lehren, auch wenn es sie schmerzt.� Bael konnte sein Unbehagen nicht ganz verbergen, als er Melaine so �ber die Aes Sedai reden h�rte.</p><p>�Vielleicht sollte man auch die Weisen Frauen so behandeln�, bemerkte Rand mit einem L�cheln.</p><p>Melaine senkte ihre Stimme und richtete nachdr�cklich ihre Stola. �Seid kein vollkommener Narr, Rand al'Thor.�</p><p>Bael kicherte, obwohl seine Frau ihn ansah. Zumindest hatte er ein Kichern zustande gebracht. Rand konnte den Humor jedoch nicht nachempfinden, und das nicht wegen der D�mpfung des Nichts. Er w�nschte fast, er h�tte Min mitkommen lassen. Es gab hier zu viele Unterstr�mungen, die er nicht verstand, und er bef�rchtete, da� noch mehr da waren, die er nicht einmal erkennen konnte. Was wollten sie wirklich?</p><p>Min schlo� die schmale T�r des Ankleideraums, lehnte sich an ein dunkles Wandpaneel zur�ck und atmete tief ein. Faile hatte Perrin abgeholt, und so sehr Loial auch darauf beharrt hatte, Rand wolle, da� Min zur�ckbleibe, hatte er doch vor der einfachen Wahrheit kapituliert, da� Rand kein Recht hatte, sie irgendwo festzuhalten. Wenn Loial nat�rlich eine Ahnung gehabt h�tte, was sie vorhatte, h�tte er sie sich vielleicht unter den Arm geklemmt � sehr sacht nat�rlich �, sich dort in den Hof gesetzt und ihr etwas vorgelesen.</p><p>Min hatte alles geh�rt, aber sie hatte nicht viel mehr gesehen als Aes Sedai, die �ber dem Podest mit dem Thron aufragten. Sie mu�ten die Macht gelenkt haben, wodurch Bilder und Auren verschwommen waren, aber sie war so verbl�fft <emphasis>gewesen,</emphasis> da� sie diese auch nicht erkannt h�tte, wenn welche deutlich zu sehen gewesen w�ren. Als sie sich wieder erholt hatte, hatten die Aes Sedai nicht mehr aufgeragt, und Demiras Stimme hatte nicht mehr aus jedem Winkel gedr�hnt.</p><p>Sie kaute auf ihrer Unterlippe und dachte w�tend nach. Ihrer Meinung nach gab es zwei Probleme. Zum einen Rand und seine Forderung nach Respekt, was auch immer er damit meinte. Wenn er erwartete, da� Merana einen tiefen Hofknicks vollf�hrte, w�rde er lange warten m�ssen, und in der Zwischenzeit ver�rgerte er sie sicherlich eifrig. Es mu�te eine M�glichkeit geben, dies zu verhindern, wenn sie nur w��te wie. Das zweite Problem waren die Aes Sedai. Rand schien zu glauben, sie w�ren in gewisser Weise erregt, was er beenden k�nnte, indem er auftrumpfte. Min war im Zweifel, ob die Aes Sedai erregt waren, aber wenn dem so war, handelte es sich gewi� um etwas Ernsthafteres. Der einzige Ort, wo man das herausfinden k�nnte, war jedoch die <emphasis>Rosenkrone.</emphasis></p><p>Sie holte Wildrose wieder aus dem Vorhofstall ab und ritt die kastanienbraune Stute im Schritt zum Gasthaus zur�ck, wo sie sie einem gro�ohrigen Stallburschen mit der Bitte �bergab, sie m�ge gut abgerieben und mit ein wenig Hafer gefuttert werden. Ihr scharfer Ritt zum Palast war anstrengend gewesen, und Wildrose verdiente eine Belohnung f�r ihre Unterst�tzung bei der Vereitelung von Meranas Plan. Dem kalten Zorn in Rands Stimme nach zu urteilen, war sie nicht sicher, was vielleicht geschehen w�re, wenn er pl�tzlich aus heiterem Himmel erfahren h�tte, da� sieben Aes Sedai ihn in der Gro�en Halle erwarteten.</p><p>Der Schankraum der <emphasis>Rosenkrone</emphasis> wirkte noch fast genauso wie zuvor, als sie durch eine der K�chen hinausgeeilt war. W�chter sa�en an den Tischen verteilt, von denen einige Domino oder M�hle spielten und andere w�rfelten. Sie schauten fast wie ein Mann auf, als sie eintrat, nahmen ihr Spiel aber wieder auf, als sie sie erkannt hatten. Herrin Cinchonine stand mit verschr�nkten Armen und ver�rgertem Gesichtsausdruck vor der T�r des Lagerraums. An den W�nden des Schankraums der <emphasis>Rosenkrone</emphasis> waren keine Weinf�sser aufgestapelt. Die W�chter waren die einzigen G�ste, und W�chter tranken in der Regel wenig und selten. Es standen jede Menge Zinnkr�ge und Becher auf den Tischen, aber Min konnte nicht erkennen, da� auch nur einer davon ber�hrt worden w�re. Aber sie erkannte einen Mann, der vielleicht bereit w�re, ihr etwas zu erz�hlen.</p><p>Mahiro Shukosa sa� allein an einem Tisch und besch�ftigte sich mit Geduldsspielen, die beiden Schwerter, die er gew�hnlich auf dem R�cken trug, in Reichweite an die Wand gelehnt. Mit seinen bereits ergrauenden Schl�fen und der edlen Nase wirkte er auf schlichte Art gutaussehend, obwohl ihn sicherlich nur eine verliebte Frau als sch�n bezeichnet hatte. In Kandor war er ein Herr. Er hatte die K�nigsh�fe fast jeden Landes besucht, reiste mit einer kleinen Bibliothek und gewann oder verlor beim Spiel mit unbek�mmertem L�cheln. Er konnte Gedichte rezitieren und Harfe spielen und traumhaft tanzen. Er war, kurz gesagt, au�er da� er auch Rafelas Beh�ter war, genau wie die M�nner, die sie gemocht hatte, bevor sie Rand begegnet war. Und die sie tats�chlich immer noch mochte, wenn sie sie in Erinnerung an Rand betrachtete. Mahiro sah sie auf eine Art an, von der Min glaubte, da� sie f�r Kandor eigent�mlich war � wie eine j�ngere Schwester, die gelegentlich jemanden zum Reden und einen Rat brauchte, damit sie nicht in Schwierigkeiten geriete. Er sagte ihr, da� sie h�bsche Beine h�tte, dachte aber niemals daran, sie zu ber�hren, und er w�rde jedem Mann den Hals umdrehen, der ohne ihre Erlaubnis daran d�chte.</p><p>Er schob die verwinkelten Eisenst�cke seines Geduldsspiels geschickt wieder zusammen, legte es auf einen Stapel bereits fertiggestellter und nahm ein weiteres von einem anderen Stapel, w�hrend sie sich ihm gegen�ber hinsetzte. �Also, Kohlkopf�, sagte er grinsend, �da bist du wieder, den Kopf noch auf den Schultern, nicht entf�hrt und nicht verheiratet.� Eines Tages w�rde sie ihn fragen, was das bedeutete, denn das sagte er immer.</p><p>�Ist irgend etwas geschehen, w�hrend ich fort war, Mahiro?�</p><p>�Du meinst, au�er da� die Schwestern anscheinend stark zerzaust vom Palast zur�ckgekehrt sind.� Das Geduldsspiel l�ste sich in seinen H�nden wie immer, fast, als w�re Magie im Spiel.</p><p>�Was hat sie aufgebracht?�</p><p>�Vermutlich al'Thor.� Das Geduldsspiel wurde genauso leicht wieder zusammengef�gt und auf den entsprechenden Stapel gelegt. Und sofort griff er nach einem weiteren. �Dieses habe ich schon vor Jahren geschafft�, vertraute er ihr an.</p><p>�Aber wie, Mahiro? Was ist geschehen?�</p><p>Dunkle Augen betrachteten sie. Leopardenaugen w�rden wie Mahrros wirken, wenn sie fast schwarz w�ren. �Min, einem J�hrling, der seinen Kopf in den falschen Bau steckt, k�nnten die Ohren abgebissen werden.�</p><p>Min zuckte zusammen. Das war nur zu wahr. Die t�richten Dinge, die eine Frau tat, weil sie verliebt war. �Genau das w�rde ich gerne vermeiden, Mahiro. Ich bin lediglich hier, um Nachrichten zwischen Merana und dem Palast zu vermitteln, aber ich gehe dort ohne eine Vorstellung davon hinein, was mir bevorsteht. Ich wei� nicht, warum die Schwestern aufgeh�rt haben, ihn jeden Tag aufzusuchen, oder warum sie zur�ckweichen oder warum heute eine ganze Handvoll von ihnen hingingen anstatt nur drei. Ich k�nnte mehr als nur die Ohren abgebissen bekommen, wenn ich es nicht wei�. Merana wird es mir nicht sagen. Sie sagt mir nichts au�er: �Geh hierhin und tu das.� Nur ein Hinweis, Mahiro. Bitte!�</p><p>Er betrachtete das Geduldsspiel angestrengt, aber sie erkannte dennoch, da� er nachdachte, weil er die miteinander verbundenen Teile des Geduldsspiels mit den Fingern umherschob, sich aber kein Teil l�ste.</p><p>Eine Bewegung an der R�ckseite des Schankraums zog Mins Blick auf sich. Sie wandte halbwegs den Kopf und erstarrte. Zwei Aes Sedai kamen, ihrem frisch gewaschenen Aussehen nach zu urteilen, aus den B�dern zur�ck. Sie hatte diese beiden vor Monaten zuletzt gesehen, bevor sie aus Salidar hinausgesandt wurden, weil Sheriam glaubte, Rand hielte sich irgendwo in der Aiel-W�ste auf. Dorthin waren Bera Harkin und Kiruna Nachiman geeilt. In die W�ste, nicht nach Caemlyn.</p><p>Bis auf ihr kantiges, altersloses Gesicht wirkte Bera mit ihrem kurzgeschnittenen braunen Haar wie eine B�uerin, aber im Moment zeigte dieses Gesicht grimmige Entschlossenheit. Kiruna, vornehm und statuenhaft, schien jeder Zoll genau das zu sein, was sie war �die Schwester des K�nigs von Arafel und eine rechtm��ige, m�chtige Lady. Ihre gro�en dunklen Augen glitzerten, als wolle sie eine Hinrichtung befehlen. Bilder und Auren flackerten um sie herum wie stets um Aes Sedai und Beh�ter. Eine Aura hielt Mins Blick fest, als sie schnell um beide Frauen gleichzeitig herumblitzte, br�unlich gelb und tief purpurfarben. Die Farben selbst bedeuteten nichts, aber diese Aura nahm Min den Atem.</p><p>Ihr Tisch stand nicht weit vom Fu� der Treppe entfernt, aber die beiden Frauen sahen Min nicht an, als sie sich umwandten, um hinaufzugehen. Sie hatten ihr auch in Salidar niemals mehr als zwei Blicke geg�nnt, und jetzt waren sie in ihre Unterhaltung vertieft.</p><p>�Alanna h�tte ihn schon lange in die Schranken weisen sollen.� Kirunas Stimme klang leise, aber dennoch fast zornig. �Ich h�tte es getan. Wenn sie kommt, werde ich es ihr sagen.�</p><p>�Er sollte an der Leine gef�hrt werden�, stimmte Bera ihr ausdruckslos zu, �bevor er Andor noch mehr Schaden zuf�gen kann.� Sie war Andoranerin. �Ich sage, je eher, desto besser.�</p><p>Als die beiden Aes Sedai die Treppe hinaufschwebten, merkte Min, da� Mahiro sie ansah. �Wie sind sie hierhergelangt?� fragte sie und war selbst �berrascht, da� ihre Stimme vollkommen normal klang. Kiruna und Bera erh�hten die Zahl auf dreizehn. Dreizehn Aes Sedai. Und da war diese Aura.</p><p>�Sie folgten einem Hinweis �ber al'Thor. Sie befanden sich bereits auf halbem Weg nach Cairhien, als sie h�rten, da� er hier sei. Ich w�rde einen weiten Bogen um sie machen, Min. Ihr Gaidin hat mir erz�hlt, da� beide nicht sehr gut gestimmt sind.� Kiruna hatte vier Beh�ter und Bera drei.</p><p>Min gelang es zu l�cheln. Sie wollte das Gasthaus sofort verlassen, aber das w�rde alle m�glichen Verd�chtigungen bewirken, sogar bei Mahiro. �Das klingt nach einem guten Rat. Was ist mit meinem Hinweis?�</p><p>Er z�gerte noch einen Moment und legte das Geduldsspiel zur Seite. �Ich werde nicht sagen, was ist oder nicht ist, aber ein an die richtige Person ge�u�ertes Wort... Vielleicht solltest du erwarten, da� al'Thor aufgebracht ist. Vielleicht solltest du sogar daran denken nachzufragen, ob jemand anderer m�gliche Nachrichten �berbringen kann, vielleicht einer von uns.� Er meinte die Beh�ter. �Vielleicht haben die Schwestern beschlossen, al'Thor eine kleine Lektion in Bescheidenheit zu erteilen. Und das, Kohlkopf, h�tte ich vielleicht nicht sagen sollen. Wirst du dar�ber nachdenken?�</p><p>Min wu�te nicht, ob unter der �kleine Lektion� das zu verstehen war, das im Palast geschehen war, oder etwas, was noch geschehen w�rde, aber es pa�te alles zusammen. Und diese Aura. �Das scheint mir ein guter Rat zu sein, Mahiro. Wenn Merana mich sucht, um mich eine Nachricht �berbringen zu lassen � wirst du ihr dann sagen, da� ich mir w�hrend der n�chsten Tage die Sehensw�rdigkeiten der Inneren Stadt ansehe?�</p><p>�Eine lange Reise�, stichelte er. �Du wirst noch einen Ehemann entf�hren, wenn du nicht vorsichtig bist.�</p><p>Der gro�ohrige Stallknecht starrte Min an, als sie darauf bestand, da� er Wildrose aus ihrer Box holen und wieder satteln sollte. Sie ritt im Schritt aus dem Stallhof hinaus, aber sobald die <emphasis>Rosenkrone</emphasis> au�er Sicht war, bohrte Min ihrer Stute die Fersen in die Seiten und hie� Menschen aus dem Weg springen, als sie, so schnell Wildrose sie tragen konnte, zum Palast galoppierte.</p><p>�Dreizehn�, sagte Rand tonlos, und allein es auszusprechen, gen�gte f�r Lews Therin bereits, erneut zu versuchen, ihm <emphasis>Saidar</emphasis> zu entrei�en. Es war ein schweigender Kampf mit einer fauchenden Bestie. Als Min das erste Mal erw�hnte, da� tats�chlich dreizehn Aes Sedai in Caemlyn seien, hatte Rand die Macht nur knapp vor Lews Therin ergreifen k�nnen. Schwei� lief Rands Gesicht hinab. Dunkle Flecken bildeten sich auf seinem Umhang. Er konnte sich nur auf eines konzentrieren. Er mu�te <emphasis>Saidar</emphasis> von Lews Therin fernhalten. Ein Muskel an seiner Wange zuckte vor Anstrengung. Seine rechte Hand zitterte.</p><p>Min h�rte auf, im Zimmer hin- und herzulaufen und wippte jetzt auf den Zehen. �Das ist noch nicht alles, Rand�, sagte sie atemlos. �Es ist die Aura. Blut, Tod, die Eine Macht, diese beiden Frauen und du �alle zur gleichen Zeit am gleichen Ort.� Ihre Augen schimmerten erneut, aber dieses Mal rannen Tr�nen ihre Wangen hinab. �Kiruna und Bera m�gen dich nicht, �berhaupt nicht! Erinnerst du dich, was ich um dich herum gesehen habe? Da� dich Frauen, welche die Macht lenken, verletzen. Es sind die Auren, und die dreizehn und alles, Rand. Es ist zuviel!�</p><p>Sie behauptete stets, da� sich ihre Visionen immer erf�llten, obwohl sie niemals sagen konnte, ob in einem Tag oder einem Jahr oder zehn Jahren, und Rand glaubte, wenn er in Caemlyn bliebe, k�nnte es in einem Tag geschehen. Auch wenn Lews Therin in seinem Kopf weiterhin nur knurrte, wu�te Rand doch, da� er Merana und die anderen angreifen w�rde, bevor sie ihn angreifen konnten. Dieser Gedanke beunruhigte Rand. Vielleicht war es nur ein Zufall, vielleicht hatte sich sein ver�ndertes <emphasis>Ta'veren</emphasis> gegen ihn gewandt, aber die Tatsache blieb bestehen, da� Merana genau an dem Tag beschlossen hatte, ihn herauszufordern, an dem die Anzahl der Aes Sedai dreizehn betrug.</p><p>Er erhob sich, ging in sein Schlafzimmer, nahm sein Schwert von der R�ckseite des Schr�nk�, band es sich um und schlo� die drachenf�rmige Schnalle. �Du kommst mit mir, Min�, belehrte er sie, w�hrend er das Drachenszepter ergriff und zur T�r eilte.</p><p>�Wohin?� fragte sie, w�hrend sie ihre Wangen mit einem Taschentuch abwischte, aber sie folgte ihm auf den Gang. Jalani sprang eine Spur schneller auf als Beralna, eine knochend�rre Rothaarige mit blauen Augen und einem wilden L�cheln.</p><p>Wenn nur T�chter des Speers in der N�he waren, sah Beralna ihn <emphasis>an,</emphasis> als �berlege sie, ob sie ihm die gro�e Gnade erweisen sollte zu tun, worum er sie bat, aber er sah sie ebenfalls scharf an. Das Nichts lie� seine Stimme abweisend und kalt klingen. Lews Therin wimmerte nur noch ged�mpft, aber Rand wagte es dennoch nicht, sich zu entspannen. Nicht in Caemlyn. Und nirgendwo in der N�he von Caemlyn. �Beralna, sucht Nandera und sagt ihr, sie soll mich mit so vielen T�chtern des Speers, wie ihr angemessen erscheint, in Perrins R�umen treffen.� Er konnte Perrin nicht zur�cklassen, und das nicht wegen irgendeiner Vision. Wenn Merana feststellte, da� Rand fort war, k�nnte eine der Aes Sedai Perrin sehr wohl so festhalten, wie Alanna es mit ihm getan hatte. �Ich komme vielleicht nicht wieder hierher zur�ck. Wenn jemand Perrin oder Faile oder Loial sieht, sagt ihnen, sie sollen mich ebenfalls dort treffen. Jalani, sucht Mistress Harfor. Sagt ihr, ich brauche eine Feder, Tinte und Papier.� Er mu�te noch Briefe schreiben, bevor er ging. Seine Hand zitterte erneut, und er f�gte hinzu: �Viel Papier. Nun? Geht! Geht!� Sie wechselten einen Blick und hasteten davon. Er eilte in die entgegengesetzte Richtung, wobei Min fast laufen mu�te, um Schritt zu halten.</p><p>�Rand, wohin gehen wir?�</p><p>�Nach Cairhien.� Da sich das Nichts um ihn geschlossen hatte, klangen seine Worte so hart wie ein Schlag ins Gesicht. �Vertrau mir, Min. Ich werde dich nicht verletzen. Ich w�rde mir eher den Arm abhacken, als dich zu verletzen.� Sie schwieg, und schlie�lich schaute er zu ihr herab und sah, da� sie mit seltsamem Gesichtsausdruck zu ihm hochblickte.</p><p>�Das ist gut zu h�ren, Schafhirte.� Ihre Stimme klang genauso seltsam, wie es ihr Gesichtsausdruck war. Der Gedanke an dreizehn Aes Sedai, die hinter ihm her waren, mu�te sie wirklich erschreckt haben, und das war kaum verwunderlich.</p><p>�Min, wenn es soweit kommt, da� ich ihnen gegen�bertreten mu�, verspreche ich dir, da� ich dich vorher in Sicherheit bringe.� Wie konnte irgendein Mann dreizehn Aes Sedai gegen�bertreten? Der Gedanke daran lie� Lews Therin erneut schreiend aufbrausen.</p><p>Zu seiner �berraschung zauberte sie m�helos zwei Dolche aus ihren Umhang�rmeln und �ffnete den Mund, lie� die Klingen aber genauso m�helos wieder zur�ckgleiten � sie mu�te es ge�bt haben �, bevor sie sprach. �Du kannst mich nach Cairhien oder sonstwohin f�hren, Schafhirte, aber du solltest besser noch einmal genau dar�ber nachdenken, mich �berhaupt irgendwo hinzuschicken.� Aus einem unbestimmten Grund glaubte er zu wissen, da� sie eigentlich etwas anderes hatte sagen wollen.</p><p>Als sie Perrins R�ume erreichten, fanden sie bereits eine ansehnliche Versammlung vor. Auf einer Seite des Wohnraums sa�en Perrin und Loial mit gekreuzten Beinen und in Hemds�rmeln auf dem blauen Teppich und rauchten mit Gaul, einem Steinsoldat, an den Rand sich vom Fall des Steins her erinnerte, ihre Pfeifen. Auf der anderen Seite des Raumes sa� Faile ebenfalls auf dem Boden, zusammen mit Bain und Chiad, die auch im Stein gewesen waren. Durch die sich zum anderen Raum hin �ffnende T�r konnte Rand Sulin die Bettlaken wechseln sehen, welche sie derma�en umherschleuderte, als wollte sie sie in Fetzen rei�en. Alle schauten auf, als Rand und Min den Raum betraten, und Sulin kam zur Schlafzimmert�r.</p><p>Es entstand erheblicher Aufruhr, nachdem Rand �ber die dreizehn Aes Sedai und auch �ber das berichtet hatte, was Min belauscht hatte. Er sagte jedoch nichts von den Visionen. Einige im Raum wu�ten davon, andere vielleicht nicht, und er w�rde niemandem davon erz�hlen, wenn sie es nicht tat. Und er sagte auch nichts von Lews Therin und da� er Angst davor hatte, was ihm in einer Stadt mit dreizehn Aes Sedai zusto�en k�nnte, selbst wenn sie auf ihren H�nden s��en. Sollten sie glauben, da� er in Panik geraten war, wenn sie wollten. Er war sich nicht sicher, da� dem nicht so war. Lews Therin war still geworden, aber Rand konnte ihn sp�ren, wie zornige Augen, die in der Nacht beobachteten. Zorn und Angst und vielleicht auch Panik krochen wie gro�e Spinnen aus dem Nichts.</p><p>Perrin und Faile begannen sofort hastig zu packen, und Bain und Chiad verst�ndigten sich zun�chst in der Zeichensprache, bevor sie verk�ndeten, da� sie Faile begleiten w�rden, woraufhin Gaul verk�ndete, er w�rde Perrin begleiten. Rand verstand nicht, was vor sich ging, aber es hatte viel damit zu tun, da� Gaul Bain und Chiad nicht ansah und sie ihn nicht ansahen. Loial lief davon, leise vor sich hin murmelnd, da� Cairhien noch viel weiter von den Zwei Fl�ssen entfernt sei als Caemlyn und da� seine Mutter eine ber�hmte Geherin sei. Als er zur�ckkam, trug er ein erst halbwegs fertiggepacktes B�ndel unter einem Arm und riesige Satteltaschen �ber der Schulter, und sein Hemd hing aus der Hose heraus. Loial war augenblicklich zum Aufbruch bereit. Sulin verschwand ebenfalls und kam mit einem B�ndel in den Armen zur�ck, das aus rotwei�en Gew�ndern zu bestehen schien. Sie fuhr Rand mit diesem unvereinbar sanften Gesichtsausdruck an, ihr sei befohlen worden, ihm <emphasis>und</emphasis> Perrin <emphasis>und</emphasis> Faile zu dienen, und nur eine von der Sonne verr�ckt gewordene Eidechse w�rde glauben, da� sie das in Caemlyn tun k�nnte, wenn sie alle in Cairhien w�ren. Sie f�gte sogar ein �Mylord Drache� hinzu, was wie ein Fluch klang, sowie einen Hofknicks, der erstaunlicherweise anstandslos ausgef�hrt wurde. Letzteres schien sie auch selbst zu erstaunen.</p><p>Nandera traf fast im gleichen Moment wie Mistress Harfor ein, die eine Schreibmappe mit mehreren Stahlfedern, sowie genug Papier und Tinte und Siegelwachs f�r f�nfzig Briefe mitgebracht hatte.</p><p>Perrin wollte Dannil Lewin eine Nachricht zukommen lassen, da� er ihm mit den restlichen M�nnern von den Zwei Fl�ssen folgen sollte � er beabsichtigte nicht, den Aes Sedai irgend jemanden zu �berlassen �, und er nahm erst Abstand davon, Dannil mitzuteilen, er solle auch Bode und die anderen M�dchen von <emphasis>Culains Jagdhund</emphasis> mitbringen, als Rand und Faile beide erkl�rten, die Aes Sedai w�rden sie erstens nicht gehen lassen und es sei zweitens sehr unwahrscheinlich, da� sie gehen wollten. Perrin und Faile waren beide mehr als einmal in dem Gasthaus gewesen, und sogar Perrin mu�te zugeben, da� die M�dchen ungeduldig darauf warteten, Aes Sedai zu werden.</p><p>Faile wollte auch selbst schnell noch Briefe schreiben � an ihre Mutter und an ihren Vater, damit sie sich keine Sorgen machten, wie sie sagte. Rand wu�te nicht, welcher Brief an wen gerichtet war, aber sie waren im Tonfall sehr unterschiedlich gehalten. Ein Brief war ein halbes Dutzend mal begonnen und dann zerrissen worden, wobei jedes Wort stirnrunzelnd �berlegt wurde, w�hrend der andere im Nu und unter L�cheln und Kichern fertiggestellt wurde. Er dachte, da� letzterer an ihre Mutter gerichtet sein m��te. Min schrieb einem Freund namens Mahiro in der <emphasis>Rosenkrone</emphasis> und erz�hlte Rand aus irgendeinem Grund, er sei ein alter Mann, obwohl sie bei diesen Worten err�tete. Sogar Loial nahm nach einigem Z�gern eine Feder zur Hand. Seine eigene Stahlfeder, denn eine f�r Menschen gefertigte Schreibfeder w�re in seinen gewaltigen H�nden verschwunden. Er versiegelte seine Nachricht und �bergab sie mit der sch�chternen Bitte, sie nach M�glichkeit pers�nlich zu �berbringen, Mistress Harfor. Ein Daumen vom Umfang einer dicken Wurst bedeckte fast den ganzen Namen des Empf�ngers sowohl in menschlicher als auch in Ogierschrift, aber mit seinen durch die Eine Macht gesch�rften Augen erkannte Rand den Namen �Erith�. Er schien jedoch nicht warten und ihn ihr selbst �bergeben zu wollen.</p><p>Rands Briefe waren genauso schwierig zu verfassen wie Failes, wenn auch aus anderen Gr�nden. Schwei�, der von seinem Gesicht tropfte, lie� die Tinte verlaufen, und seine Hand zitterte so sehr, da� er wegen Tintenklecksen mehr als einmal neu anfangen mu�te. Aber er wu�te genau, was er schreiben wollte. Taim lie� er eine Warnung wegen der dreizehn Aes Sedai und eine Wiederholung seiner Befehle, ihnen fernzubleiben, zukommen. Und Merana sollte eine andere Art Warnung erhalten, gewisserma�en eine Einladung. Es hatte keinen Zweck, wenn er sich zu verstecken versuchte. Alanna konnte ihn letztendlich �berall auf der Welt finden. Aber es sollte nach M�glichkeit zu seinen Bedingungen geschehen.</p><p>Als er seine Briefe schlie�lich versiegelt hatte � ein Gr�nsteinsiegel mit einem eingravierten Drachen brachte Mistress Harfor einen Blick ein, den sie �u�erst ausdruckslos erwiderte �, wandte sich Rand an Nandera.</p><p>�Warten Eure zwanzig T�chter des Speers drau�en?�</p><p>Nandera w�lbte die Augenbrauen. �Zwanzig? Eure Nachricht besagte, ich solle so viele mitnehmen, wie mir angemessen erschiene, und da� Ihr vielleicht nicht zur�ckkehren w�rdet Ich habe f�nfhundert und h�tte noch mehr, wenn ich dem nicht Einhalt geboten h�tte.�</p><p>Er nickte nur. In seinem Kopf herrschte Schweigen, aber er konnte Lews Therin in dem um ihn befindlichen Nichts <emphasis>sp�ren,</emphasis> der wie eine zusammengerollte Sprungfeder lauerte. Erst als er alle durch das Wegetor in den Raum in Cairhien gef�hrt hatte und die �ffnung wieder verschlossen war, womit er seine Verbindung zu Alanna auf den vagen Eindruck �irgendwo im Westen� reduziert hatte � erst da schien Lews Therin fortzugehen. Es war, als w�re der Mann, von den K�mpfen mit Rand ersch�pft, schlafen gegangen. Schlie�lich schob Rand <emphasis>Saidar</emphasis> fort, und erkannte erst jetzt, wie sehr auch ihn der Kampf ersch�pft hatte. Loial mu�te ihn zu seinen R�umen im Sonnenpalast tragen.</p><p>Merana sa� mit Rands Brief auf dem Scho� ruhig am Wohnraumfenster, den R�cken zur Stra�e gewandt. Sie kannte seinen Inhalt inzwischen auswendig.</p><p>Merana, begann er. Nicht Merana Aes Sedai, nicht einmal Merana Sedai.</p><p><emphasis>Merana,</emphasis></p><p><emphasis>ein Freund hat mir einmal gesagt, da� die Zahl</emphasis></p><p><emphasis>Dreizehn bei den meisten W�rfelspielen als fast so</emphasis></p><p><emphasis>unheilbringend angesehen wird wie das Augenrollen des Dunklen K�nigs. Ich glaube auch, da� die Dreizehn eine Ungl�ckszahl ist. Ich gehe nach Cairhien. Ihr m�gt mir, wenn Ihr wollt, mit nicht mehr als f�nf weiteren Schwestern folgen. Auf diese Weise steht Ihr mit der Abordnung der Wei�en Burg gleich. Ich werde verletzt sein, wenn Ihr mehr als f�nf weitere Schwestern mitbringt. Setzt mich nicht wieder unter Druck. Ich kann kaum noch vertrauen.</emphasis></p><p><emphasis>Rand al Thor Der Wiedergeborene Drache Am Ende des Briefes hatte er die Feder so stark aufgedr�ckt, da� das Papier beinahe zerrissen w�re. Die letzten beiden Zeilen schienen fast in einer anderen Handschrift als der restliche Brief geschrieben zu sein. Merana sa� ganz still. Sie war nicht allein. Die �brigen Mitglieder der Abordnung, wenn man sie noch so nennen konnte, sa�en verschiedener Stimmung entlang den W�nden in Sesseln. �rgerlicherweise sa� nur Berenicia genauso bescheiden da wie Merana, die plumpen H�nde im Scho� gefaltet, den Kopf leicht gebeugt und die ernsten Augen wachsam. Sie sagte kein Wort, wenn sie nicht angesprochen wurde. Faeldrin sa� recht stolz und aufrecht und redete, wann immer sie wollte � genau wie Masuri und Rafela. Seonid</emphasis><emphasis>war</emphasis> kaum weniger eifrig; sie hockte auf der Kante ihres Sessels und l�chelte entschlossen. Die anderen verhielten sich so gelassen wie Vandene. Au�er Verin und Alanna waren alle anwesend, und Gaidin waren ausgeschickt worden, die beiden zu suchen. Kiruna und Bera standen mitten im Raum.</p><p>�Es widert mich an, da� irgend jemand einer Aes Sedai einen solchen Brief schicken konnte.� Kiruna hatte nicht laut gesprochen, ihre Stimme klang gleichzeitig k�hl und ruhig und m�chtig. Aber ihre dunklen Augen spr�hten Feuer. �Demira, kann Euer Gew�hrsmann best�tigen, da� al'Thor nach Cairhien gegangen ist?�</p><p>�Das Schnelle Reisen�, murmelte Bera ungl�ubig. �Wer h�tte gedacht, da� er das wiederentdecken w�rde.�</p><p>Die bunten Ferien in Faeldrins Z�pfen klangen zusammen, als sie nickte. �Uns f�llt keine andere M�glichkeit ein. Wir sollten uns schleunigst vor Augen halten, da� er vielleicht sogar m�chtiger ist als Logain oder Mazrim Taim.�</p><p>�K�nnen wir wegen Taim nichts unternehmen?� Rafelas rundes Gesicht, das f�r gew�hnlich einen liebensw�rdigen Ausdruck zeigte, wirkte jetzt recht streng, und ihre sonst liebliche Stimme klang tonlos. �Es gibt keine zwanzig Meilen von uns entfernt mindestens einhundert M�nner, die die Macht lenken k�nnen �einhundert!� Kairen nickte energisch, schwieg aber.</p><p>�Sie m�ssen warten�, sagte Kiruna bestimmt �Licht und Ehre, ich wei� nicht, wie viele Schwestern n�tig sein werden, um mit so vielen fertig zu werden. Aber al'Thor ist das wichtigste, und mit ihm k�nnen wir zurechtkommen. Demira?�</p><p>Demira hatte nat�rlich abgewartet, bis die anderen gesprochen hatten. Dann sagte sie mit leicht gebeugtem Kopf: �Ich wei� nur, da� er tats�chlich fortgegangen ist, zweifellos mit einer gro�en Anzahl von Aiel und vielleicht auch mit Perrin Aybara.�</p><p>Verin hatte den Raum betreten, als Demira zu sprechen begonnen hatte, und f�gte jetzt hinzu: �Bez�glich Perrin kann kein Zweifel bestehen. Ich habe Tomas zum Lager der Leute von den Zwei Fl�ssen geschickt. Es scheint, als h�tten sie zwei M�nner zum Palast gesandt, um Perrins Pferd und das seiner Frau zu holen. Die anderen haben die Wagen und Diener zur�ckgelassen und sind bereits in Eile unterwegs nach Osten, hinter Perrins Wolfskopf und dem Roten Adler von Manetheren her.� Ein leichtes L�cheln �berzog ihre Lippen, als f�nde sie dies belustigend. Kairen fand dies offensichtlich nicht. Sie keuchte und pre�te die Lippen dann fest zusammen.</p><p>Merana war ebenfalls nicht belustigt, obwohl dies, verglichen mit allem anderen, nur eine unbedeutende Kleinigkeit war. Ein schwacher Hauch von etwas Versch�ttetem, wenn man bereits auf einem Schutthaufen sa�; ein Hund, der einen anknurrte, wenn W�lfe bereits an einem zerrten. Wenn sie nur daran dachte, wie sehr sie sich wegen Verin gesorgt und wie hart sie gek�mpft hatte. Verin hatte ihre Pl�ne kaum wirklich ber�hrt, au�er da� sie Demira dazu verleitet hatte, das heutige ungl�ckliche Zusammentreffen vorzuschlagen. Es war recht geschickt eingef�delt worden. Merana glaubte, da� keine andere als eine Graue es bemerkt h�tte. Und doch hatte sie selbst sogar <emphasis>dem</emphasis> zugestimmt. Sie h�tten Al'Thor zumindest einsch�chtern k�nnen.. Sie hatte sich wegen Verin gesorgt, und dann erschienen Kiruna und Bera, die beide nicht ihrer Autorit�t unterstanden und mindestens ebenso stark waren wie Masuri oder Faeldrin oder Rafela.</p><p>�Es ist eine verfahrene Geschichte�, murrte Bera. Kairen und einige der anderen nickten zustimmend.</p><p>�Eine etwas verfahrene Geschichte�, erwiderte Kiruna trocken. Fast alle nickten � au�er Merana und Verin. Merana seufzte nur leise. Verin beobachtete Kiruna mit ihrem vogel�hnlichen Blick und geneigtem Kopf. �Was h�lt Alanna fern?� fragte Kiruna niemanden im besonderen. �Ich m�chte nicht alles zweimal besprechen.�</p><p>Merana vermutete, da� sie selbst damit angefangen hatte, Verin nachzugeben. Sie war noch immer die Anf�hrerin der Abordnung, jedermann folgte noch immer ihren Befehlen, sogar Masuri und Rafela und Faeldrin. Aber sie alle wu�ten es. Sie konnte nicht sagen, ob Kiruna oder Bera das Kommando �bernommen hatte � da� die eine auf einem Bauernhof und die andere in einem Palast geboren war, z�hlte �berhaupt nichts; es hatte nichts damit zu tun, eine Aes Sedai zu sein �, aber in einem Punkt war sie sich sicher: Die Abordnung zerfiel um sie herum. Das w�re niemals geschehen, wenn die Wei�e Burg noch vollst�ndig gewesen w�re, wenn eine Gesandte die vollst�ndige Macht der Burg und den Amyrlin-Sitz hinter sich gewu�t h�tte, auch wenn sie drei�ig Jahre gebraucht hatte, um die Stola zu erlangen, und kaum genug Kraft hatte, um nicht fortgeschickt zu werden. Jetzt war es nur noch eine geringe Auswahl von Aes Sedai, die ihre jeweiligen Pl�tze einnahmen, ohne dar�ber nachzudenken.</p><p>Als w�re das Aussprechen ihres Namens einem Ruf gleichgekommen, erschien Alanna genau in dem Moment, als Bera den Mund �ffnete. Sie und Kiruna wandten sich gleichzeitig zu Alanna um. �Al'Thor behauptet, nach Cairhien gegangen zu sein�, sagte Bera k�hn. �K�nnt Ihr dem etwas hinzuf�gen?�</p><p>Alanna sah sie stolz und mit gef�hrlichem Glitzern in den dunklen Augen an. Sie sprachen immerhin von ihrem Beh�ter. �Er ist irgendwohin westlich gezogen. Mehr wei� ich nicht. Es k�nnte Cairhien sein.�</p><p>�Wenn Ihr schon einen Mann an Euch binden mu�tet, ohne ihn zu fragen�, rief Kiruna mit gebieterischer Stimme, �warum, beim allerheiligsten Licht, habt Ihr das Zugeschworensein dann nicht dazu benutzt, ihn Eurem Willen zu beugen? Verglichen mit dem anderen ist dies nur wie ein Klaps auf die Hand.�</p><p>Alanna hatte ihre Empfindungen noch einigerma�en unter Kontrolle. Tats�chlich r�teten sich ihre Wangen aber, ihren Augen nach zu urteilen vor Zorn und auch sicher, weil sie sich sch�mte. �Hat Euch niemand etwas davon gesagt?� fragte sie zu erregt. �Vermutlich will niemand dar�ber nachdenken. Ich sicherlich nicht.� Faeldrin und Seonid schauten zu Boden und nicht nur sie. �Ich habe ihn zu bezwingen versucht, kurz nachdem ich mich ihm zugeschworen hatte�, fuhr Alanna fort, als bemerkte sie nichts davon. �Habt Ihr jemals versucht, eine Eiche mit blo�en H�nden zu entwurzeln, Kiruna? Genauso war es.�</p><p>Kirunas einzige Regung war, da� sich ihre Augen langsam weiteten und sie tief einatmete. Bera murmelte jedoch: �Das ist unm�glich!�</p><p>Alanna warf den Kopf zur�ck und lachte. Die auf die H�ften gest�tzten H�nde lie�en dieses Lachen ver�chtlich erscheinen, weshalb Bera die Lippen zusammenpre�te und ein kalter Glanz in Kirunas Augen trat. Verin schaute zu ihnen hin�ber, was Merana unangenehm an eine W�rmer beobachtende Drossel erinnerte.</p><p>�Niemand hat sich jemals zuvor einem Mann zugeschworen, der die Macht lenken kann�, sagte Alanna, als ihre Heiterkeit verging. �Vielleicht hat es etwas damit zu tun.�</p><p>�Sei es, wie es sei�, erwiderte Bera bestimmt, und auch ihr Blick wirkte entschlossen. �Ihr k�nnt ihn noch immer ausfindig machen.�</p><p>�Ja�, sagte Kiruna. �Ihr werdet mit uns kommen, Alanna.� Alanna blinzelte, als k�me sie gerade zu sich. Sie beugte ergeben den Kopf.</p><p>Merana beschlo�, da� es an der Zeit war. Wenn sie die Abordnung zusammenhalten wollte, war dies ihre letzte Chance. Sie erhob sich, w�hrend sie al'Thors Brief zusammenfaltete, damit ihre H�nde besch�ftigt waren. �Als ich diese Abordnung nach Caemlyn brachte�, begann sie, um sie alle daran zu erinnern, da� sie <emphasis>tats�chlich</emphasis> die Anf�hrerin war, und dem Licht sei Dank, da� ihre Stimme fest klang, �wurde mir ein gro�er Spielraum gew�hrt, und doch schien offensichtlich, was getan werden sollte. Wir haben uns dieser Aufgabe mit der berechtigten Erwartung auf Erfolg gewidmet. Al'Thor sollte aus Caemlyn fortgelockt werden, damit wir Elayne zu ihrer Kr�nung zur�ckbringen k�nnten, wodurch Andor fest hinter uns gestanden h�tte. Al'Thor sollte allm�hlich dazu gebracht werden, uns zu vertrauen, da� wir ihm nicht schaden wollten. Und er w�re auch dazu gebracht worden, uns den angemessenen Respekt zu erweisen. Zwei oder drei sorgf�ltig unter uns ausgew�hlte Aes Sedai h�tten Moiraines Platz als seine Beraterin und F�hrerin eingenommen. Einschlie�lich Alanna nat�rlich.�</p><p>�Woher wollt Ihr wissen, da� er Moiraine nicht get�tet hat?� fragte Bera. �Schlie�lich wird auch behauptet, er habe bereits Morgase get�tet.�</p><p>�Wir haben �ber ihren Tod alle m�glichen Ger�chte geh�rt�, f�gte Kiruna hinzu. �Einige sagen sogar, sie sei im Kampf gegen Lanfear gestorben. Die meisten behaupten allerdings, sie sei mit al'Thor allein gewesen, als sie starb.�</p><p>Merana unterdr�ckte nur m�hsam eine Antwort. Wenn sie diese tief verwurzelten Instinkte auch nur einmal hervorbrechen lie�e, w�rden sie sie letztendlich alle �berrumpeln. �Alles verlief zu unserer Zufriedenheit�, fuhr sie fort, �als Ihr beide eintraft. Nur zuf�llig, wie ich wei�, und nur weil Ihr Euren Anweisungen gefolgt seid, aber Ihr habt unsere Anzahl dennoch auf dreizehn erh�ht. Welcher Mann von al'Thors Art w�rde nicht so schnell wie m�glich fliehen, wenn er h�rte, da� dreizehn Aes Sedai zusammengetroffen sind? Die einfache Wahrheit ist, da� jeglicher Schaden, der an unseren Pl�nen entstanden ist, Euch zuzuschreiben ist, Kiruna, und Euch, Bera.� Nun konnte sie nur noch abwarten. Wenn es ihr gelungen war, ein gewisses Ma� an moralischer �berlegenheit zu erlangen...</p><p>�Seid Ihr endlich fertig?� fragte Bera k�hl.</p><p>Kiruna war noch unverfrorener. Sie wandte sich an die anderen. �Faeldrin, Ihr k�nnt mit uns nach Cairhien kommen, wenn Ihr wollt. Und Ihr auch, Masuri und Rafela.�</p><p>Merana zitterte und zerkn�llte den zusammengefalteten Brief in ihren H�nden. �Erkennt Ihr es nicht?� rief sie. �Ihr redet, als k�nnten wir so weitermachen wie bisher. Eine Abordnung von Elaida, von der Wei�en Burg, ist in Cairhien. So mu� al'Thor es sehen. Wir brauchen ihn mehr, als er uns braucht, und ich f�rchte, er wei� das!�</p><p>Einen Moment lang zeigte sich auf allen Gesichtern Erschrecken. Nur Verin nickte nachdenklich und l�chelte ein kleines, verschwiegenes L�cheln. Einen Moment lang weiteten sich die Augen aller anderen verbl�fft. Die Worte schienen in der Luft nachzuklingen. <emphasis>Wir brauchen ihn mehr, als er uns braucht.</emphasis> Sie ben�tigten nicht die Drei Eide, um dies als Wahrheit zu erkennen.</p><p>Dann sagte Bera fest: �Setzt Euch, Merana, und beruhigt Euch.� Merana sa�, bevor sie es merkte. Sie zitterte heftig, wollte noch immer schreien, aber sie sa� mit um al'Thors Brief geklammerten H�nden nur da.</p><p>Kiruna wandte ihr bewu�t den R�cken zu. �Seonid, Ihr werdet selbstverst�ndlich auch mitkommen. Zwei weitere Gaidin sind immer n�tzlich. Und Verin, denke ich.� Verin nickte, als sei es eine Frage gewesen. �Demira�, fuhr Kiruna fort, �ich wei�, da� Ihr Groll gegen al'Thor hegt, aber wir wollen ihn nicht wieder in Furcht versetzen, und jemand mu� diese au�erordentliche Auswahl von M�dchen von den Zwei Fl�ssen nach Salidar f�hren. Ihr, Valinde, Kairen und Berenicia m��t Merana dabei helfen.�</p><p>Die anderen vier Genannten dr�ckten ohne jegliches Z�gern leise ihre Zustimmung aus, aber Merana f�hlte sich erstarren. Die Abordnung zerfiel nicht. Sie war zu Staub geworden.</p><p>�Ich...� Sie brach ab, als Beras und Kirunas Blicke zu ihr zur�ckkehrten. Und Masuris und Faeldrins und Rafelas Blicke ebenso. Zu Staub geworden � und ihre ganze Autorit�t ebenfalls. �Vielleicht ben�tigt Ihr eine Graue�, sagte sie schwach. �Es wird sicherlich Verhandlungen geben...� Sie brach erneut ab. Dies w�re <emphasis>niemals</emphasis> geschehen, wenn die Burg noch vollst�ndig w�re.</p><p>�Sehr gut�, sagte Bera schlie�lich in einem derartig abf�lligen Tonfall, da� Merana all ihre Selbstbeherrschung aufbieten mu�te, um nicht vor Scham zu err�ten.</p><p>�Demira, Ihr werdet die M�dchen nach Salidar bringen�, sagte Kiruna.</p><p>Merana sa� ganz still. Sie betete, da� der Saal inzwischen eine neue Amyrlin gew�hlt hatte. Eine sehr starke Amyrlin, in der Macht und in ihrem Herzen. Es w�rde eine weitere Deane, eine weitere Rashima n�tig sein, um sie wieder zu dem zu machen, was sie gewesen waren. Sie betete, da� Alanna sie zu al'Thor f�hren w�rde, bevor er beschlo�, Elaida anzuerkennen, denn dann k�nnte sie nicht einmal mehr eine weitere Rashima retten.</p></section><section><title><p>50</p><p>Dornen</p></title><p>Rand verbrachte den Rest des Tages in seinen R�umen im Sonnenpalast und lag die meiste Zeit auf dem Bett, einem riesigen Bett mit vier eckigen Schwarzholzpfosten, die dicker als sein Bein waren und poliert worden waren, bis sie zwischen den keilf�rmigen Elfenbein-Einlegearbeiten gl�nzten. Als sollten sie einen Gegensatz zu all dem Gold im Vorraum und im Wohnraum bilden, bestanden alle M�bel im Schlafraum aus Schwarzholz und Elfenbein, wenn sie auch nicht weniger kantig waren.</p><p>Sulin rauschte herein und eilte wieder hinaus, sch�ttelte seine Federbetten auf und richtete das Leinenlaken �ber ihm, wobei sie murmelte, Decken auf dem Boden seien ges�nder, brachte ihm Minztee, um den er nicht gebeten hatte, und gew�rzten Wein, den er nicht wollte, bis er ihr aufzuh�ren befahl. �Wie mein Lord Drache befiehlt�, grollte sie mit s��em L�cheln. Sie vollf�hrte ihren zweiten perfekten Hofknicks, schritt dann aber hinaus, als wollte sie sich nicht die M�he machen, die T�r zu �ffnen.</p><p>Min blieb ebenfalls bei ihm, sa� auf der Matratze, hielt seine Hand und runzelte die Stirn, bis er vermutete, da� sie glaubte, er w�rde sterben. Schlie�lich jagte er auch sie hinaus und legte ein dunkelgraues Seidengewand an, das er zuvor stets im Schrank belassen hatte. Er fand weit hinten im Schrank auch noch etwas anderes vor. Ein schmales, einfaches Holzk�stchen, das eine Fl�te enthielt, ein Geschenk von Thom Merrilin in scheinbar einem anderen Leben. Er setzte sich an eines der hohen Fenster und versuchte zu spielen. Nach so langer Zeit brachte er zun�chst nur mehr quiekende T�ne hervor. Diese seltsamen Ger�usche waren es, die Min wieder zu ihm f�hrten.</p><p>�Spiel f�r mich�, sagte sie erfreut und setzte sich lachend auf seine Knie, w�hrend er mit geringem Erfolg etwas einer Melodie Ahnliches hervorzubringen versuchte. In diesem Moment spazierten die Weisen Frauen zu ihm herein, Amys und Bair und Sorilea und ungef�hr ein Dutzend weitere. Min sprang schnell auf, err�tete und zog ihren Umhang energisch zurecht.</p><p>Bair und Sorilea standen bereits neben ihm, bevor er ein Wort sagen konnte.</p><p>�Schaut nach links�, befahl Sorilea, w�hrend sie sein Augenlid anhob und ihr ledriges Gesicht nahe an seines heranbrachte. �Schaut nach rechts.�</p><p>�Euer Puls schl�gt zu schnell�, murmelte Bair, die ihre knochigen Finger seitlich an seinen Hals hielt.</p><p>Anscheinend hatte Nandera eilig eine Tochter des Speers losgeschickt, sobald seine Knie nachgegeben hatten, und Sorilea hatte aus dem kleinen Heer von Weisen Frauen, das den Palast heimsuchen wollte, diese kleinere Horde ausgesondert. Offenbar wollte jede, ob mit oder ohne Sorilea, beim <emphasis>Car'a'carn</emphasis> an die Reihe kommen. Als sie und Bair fertig waren, wurde ihr Platz von Amys und Colirvda eingenommen, eine hagere Frau mit durchdringenden grauen Augen, die mittleren Alters zu sein schien, aber dennoch fast die gleiche starke Pr�senz bewies wie Sorilea. Aber das galt nat�rlich auch f�r Amys und viele andere von ihnen. Er wurde geknufft, gesto�en, angestarrt und starrk�pfig genannt, als er sich weigerte, auf und ab zu springen. Sie schienen wirklich zu erwarten, da� er es tun w�rde.</p><p>Die Weisen Frauen k�mmerten sich auch um Min, standen um sie herum und stellten ihr hundert Fragen �ber ihre Visionen. Mins Augen weiteten sich in �u�erstem Ma�e, und sie starrte die Weisen Frauen <emphasis>und</emphasis> Rand an, als frage sie sich, ob ihre Gedanken gelesen wurden. Amys und Bair erkl�rten es ihr �Melaine hatte die Neuigkeiten ihrer T�chter nicht f�r sich behalten k�nnen �, und anstatt da� sich Mins Augen noch mehr weiteten, was zu diesem Zeitpunkt wahrscheinlich auch gar nicht mehr m�glich gewesen w�re, quollen sie ihr fast aus dem Kopf. Sogar Sorilea schien Melaines Ansicht zu teilen, da� Mins F�higkeit sie auf gleiche Stufe mit ihnen stellte, aber da Weise Frauen Weise Frauen waren � fast genauso wie Aes Sedai Aes Sedai waren �, mu�te sie alles fast genauso oft wiederholen, wie Weise Frauen im Raum waren, weil jene, die um Rand herumwirbelten, sichergehen wollten, da� auch sie nichts verpa�t hatten.</p><p>Als Sorilea und die anderen widerwillig beschlossen, da� Rand nur Ruhe brauchte, und mit der Anweisung gingen, er solle daf�r sorgen, da� er diese Ruhe auch bek�me, machte es sich Min wieder auf seinem Scho� bequem. �Sie sprechen in <emphasis>Tr�umen?�</emphasis> fragte sie kopfsch�ttelnd. �Es scheint unm�glich, wie einem M�rchen entnommen.� Sie runzelte die Stirn. �Was glaubst du, wie alt Sorilea ist? Und diese Colinda. Ich habe gesehen... Nein, es hat nichts mit dir zu tun. Vielleicht beeintr�chtigt mich die Hitze. Wenn ich es wei�, dann wei� ich es <emphasis>immer.</emphasis> Es mu� die Hitze sein.� Ein schelmisches Leuchten trat in ihre Augen, und sie beugte sich langsam n�her zu ihm und sch�rzte die Lippen wie zu einem Ku�. �Wenn du deine Lippen auch so spitzen w�rdest�, murmelte sie, als ihre Lippen seine fast schon ber�hrten, �w�re das vielleicht hilfreich. In diesem letzten St�ck schienen S�tze aus �Der Pfau im Eukalyptusbaum� verwendet worden zu sein.� Es dauerte einen Moment, bis er verstand, w�hrend ihre Augen seine Vision widerspiegelten, aber als er verstand, mu�te sein Gesicht einen erstaunlichen Anblick geboten haben, weil sie lachend auf seine Brust sank.</p><p>Kurz darauf traf eine Nachricht von Coiren ein, die sich nach seinem Wohlbefinden erkundigte, ihm w�nschte, da� er nicht krank sei, und anfragte, ob sie ihn mit zweien ihrer Schwestern besuchen d�rfe. Sie bot das Heilen an, falls er es w�nschte. W�hrend Rand las, regte sich Lews Therin, als erwache er aus tiefern Schlaf, aber dieses vage unzufriedene Murren �hnelte kaum seinem in Caemlyn empfundenen Zorn, und er schien wieder einzuschlafen, als Rand den kurzen Brief niederlegte.</p><p>Dieser Brief stand in krassem Gegensatz zum Verhalten Meranas, und er erinnerte ihn daran, da� um die Mittagszeit im Sonnenpalast nichts geschah, �ber das Coiren nicht noch vor Sonnenuntergang �wenn nicht schon fr�her � umfassend unterrichtet war. Er antwortete mit einem h�flichen Dank f�r ihre guten W�nsche und einer ebenso h�flichen Absage. Er f�hlte sich noch immer m�de, und er wollte seinen Verstand beisammen haben, wenn er einer Aes Sedai gegen�bertrat. Das geh�rte dazu.</p><p>Mit dem gleichen Antwortschreiben bat er Gawyn um einen Besuch. Rand war Elaynes Bruder erst einmal begegnet, aber er mochte den Mann. Gawyn kam jedoch nicht und reagierte auch nicht auf die Aufforderung. Rand entschied traurig, da� Gawyn die Ger�chte �ber seine Mutter wohl glaubte. Es war nicht leicht, einen Menschen von dieser �berzeugung abzubringen. Diese Geschichte beeintr�chtigte Rands Stimmung derma�en, wann immer er daran dachte, da� selbst Min an der Aufgabe zu verzweifeln schien, ihn aufmuntern zu wollen. Weder Perrin noch Loial blieben bei ihm, wenn er in dieser Stimmung war.</p><p>Drei Tage sp�ter kam eine weitere Anfrage von Coiren, genauso h�flich gehalten, und eine dritte folgte wiederum Tage sp�ter, aber er beschied auch diese mit Ausfl�chten.</p><p>Alanna. Er sp�rte sie noch immer fern und nur vage, aber sie kam st�ndig n�her; was nicht �berraschend war. Er war �berzeugt gewesen, da� Merana sie als eine der sechs ausw�hlen w�rde. Er hatte nicht die Absicht, Alanna n�her als eine Meile und keinesfalls in Sichtweite an sich herankommen zu lassen, aber er hatte gesagt, er w�rde sie auf gleiche Stufe mit Coiren stellen, und er hatte es auch so gemeint. Also w�rde Coiren noch eine Weile geduldig ausharren m�ssen. Au�erdem war er in gewisser Weise besch�ftigt.</p><p>Ein Abstecher in die Schule in Barthanes ehemaligem Palast dauerte letztendlich l�nger als geplant. Idrien Tarsin wartete erneut an der T�r, um ihm alle Arten von Erfindungen und Entdeckungen zu zeigen, die oft unverst�ndlich waren, sowie die Werkst�tten, in denen jetzt verschiedene neue Pfl�ge und Eggen und M�hmaschinen zum Verkauf gefertigt wurden, aber das Problem war Herid Fei. Oder auch Min. Feis Gedanken wanderten wie �blich, seine Zunge wanderte ihnen hinterher, und er verga� einfach, da� Min dabei war. Er verga� sie etliche Male. Aber gerade als Rand den Mann darauf aufmerksam machen wollte, bemerkte Fei sie pl�tzlich zum ersten Mal wieder und erschrak sichtlich. Er entschuldigte sich bei ihr st�ndig f�r die halb angerauchte Pfeife, die er dennoch stets anzuz�nden verga�, klopfte sich beharrlich Asche von seinem dicken Bauch und gl�ttete immer wieder sein d�nnes graues Haar. Min schien es zu gefallen, obwohl Rand nicht ann�hernd verstand, wie Min Gefallen an einem Mann finden konnte, der ihre Anwesenheit verga�. Sie k��te Fei sogar auf den Kopf, als sie und Rand sich erhoben, um zu gehen, was den Mann wie erschlagen wirken lie�. Es half ihm allerdings nicht sehr dabei, von Fei zu erfahren, was er �ber die Siegel am Gef�ngnis des Dunklen K�nigs oder �ber die Letzte Schlacht herausgefunden hatte.</p><p>Am n�chsten Tag erreichte ihn eine auf ein abgerissenes St�ck Pergament gezw�ngte Nachricht.</p><p><emphasis>Glaube und Ordnung verleihen Kraft. Mu� den Schutt beseitigen, bevor Ihr bauen k�nnt. Werde es bei unserer n�chsten Begegnung erkl�ren. Bringt M�dchen nicht mit. Zu h�bsch!</emphasis></p><p>Die Nachricht war hastig dahingekritzelt, und die Unterschrift in die Ecke gequetscht worden, und sie ergab f�r Rand keinen Sinn. Als er Fei jedoch erneut zu erreichen versuchte, erfuhr er, da� der Mann zu Idrien gesagt hatte, er f�hle sich wieder jung und ginge fischen. Mitten in einer D�rre. Rand fragte sich, ob der alte Mann den Verstand verloren hatte. Min fand die Nachricht nat�rlich belustigend. Sie fragte, ob sie das Pergament haben k�nne, und er ertappte sie mehrere Male dabei, wie sie es l�chelnd betrachtete.</p><p>Ob mit oder ohne Verstand � Rand beschlo�, da� er Min beim n�chsten Mal zur�cklassen w�rde, aber in Wahrheit war es auch schwierig, sie in seiner N�he zu behalten, wenn er sie begehrte: Sie schien mehr Zeit mit den Weisen Frauen als mit ihm zu verbringen. Er konnte nicht verstehen, warum ihn das so �rgerte, aber er bemerkte, da� er geneigt war, andere eher zurechtzuweisen, wenn Min sich bei den Zelten aufhielt. Es war besser, da� sie nicht zu oft bei ihm war. Die Leute w�rden es merken, dar�ber reden und sich wundern. In Cairhien, wo sogar die Diener ihre Version des Spiels der H�user spielten, konnte es f�r Min gef�hrlich werden, wenn sich die Menschen fragten, ob sie wichtig war. Er versuchte, niemanden mehr zurechtzuweisen.</p><p>Nat�rlich wollte er von Min, da� sie die Adligen mit ihrer Gabe betrachtete, die nacheinander zu ihm kamen und nach seinem Wohlbefinden fragten � jene, die die Knie beugten, mu�ten die Ger�chte in Umlauf gebracht haben �, l�chelten und ihn fragten, wie lange er dieses Mal in Cairhien zu bleiben beabsichtigte, welche Pl�ne er h�tte, wenn sie fragen d�rften, noch st�rker l�chelten, immer l�chelten. Der einzige, der ihn nicht bewu�t anl�chelte, war Dobraine, der seinen Sch�del noch immer wie ein Soldat rasiert hatte und noch immer die Streifen auf dem durch den Brustharnisch zerschlissenen Umhang trug. Dobraine stellte so verdrie�lich genau dieselben Fragen, da� Rand �ber seinen Weggang fast gl�cklicher war als bei den anderen.</p><p>Min gelang es, bei jenen Anh�rungen dabeizusein, sich diese Zeit zu nehmen zwischen dem, was auch immer sie bei den Weisen Frauen tat. Rand hatte nicht die Absicht, sie danach zu fragen. Es war jedoch nicht so einfach, sie verborgen zu halten.</p><p>�Ich k�nnte doch vorgeben, deine Dirne zu sein�, schlug Min lachend vor. �Ich w�rde auf deinem Scho� posieren und dich mit Trauben f�ttern � nun, mit Rosinen; ich habe seit einiger Zeit keine Trauben mehr gesehen �, und du nennst mich deine kleine Honiglippe. Dann w�rde sich niemand fragen, warum ich hier w�re.�</p><p>�Nein�, fauchte er, und sie wurde ernst.</p><p>�Glaubst du wirklich, die Verlorenen w�rden mich nur deswegen verfolgen?�</p><p>�Vielleicht�, antwortete er genauso ernst. �Ein Schattenfreund wie Padan Fain w�rde es tun, wenn er noch lebt. Das will ich nicht riskieren, Min. Und ich will auf keinen Fall, da� diese Cairhiener oder auch die Tairener mit ihren schmutzigen Vorstellungen so von dir denken.� Die Aiel waren anders. Sie hielten ihre Neckereien f�r sehr spa�ig.</p><p>Min war sicherlich wankelm�tig. Ihr Gesichtsausdruck konnte sich schlagartig von purer Ernsthaftigkeit in ein Strahlen verwandeln, in ein vollkommenes L�cheln, das kaum einen Moment wich. Bis die Anh�rungen tats�chlich begannen.</p><p>Es mi�lang, Min in einer Ecke des Vorraums hinter einem Paneel aus vergoldetem Gitterwerk zu verbergen. Maringils dunkel schimmernde Augen vermieden es so angestrengt hinzusehen, da� Rand erkannte, da� der Mann den Sonnenpalast vollkommen auseinandernehmen w�rde, um herauszufinden, was sich hinter dem Paneel verbarg. Der Wohnraum erwies sich als bessere M�glichkeit, weil Min durch die rissigen T�ren in den Vorraum sp�hen konnte. Nicht jeder Besucher zeigte ihr w�hrend der Anh�rung seine Aura, aber was sie <emphasis>sah,</emphasis> war freudlos. Maringil, wei�haarig, messerscharf und kalt wie Eis, w�rde durch einen Dolch sterben. Colavaere, deren au�erordentlich h�bsches Gesicht ruhig und gefa�t war, als sie erfuhr, da� Aviendha dieses Mal nicht bei Rand war, w�rde durch den Strang sterben. Meilan mit dem Spitzbart und der tranigen Stimme w�rde durch Gift sterben. Die Zukunft forderte einen hohen Tribut von den edlen Herren von Tear. Aracome und Maraconn und Gueyam w�rden alle einen blutigen Tod in einer Schlacht sterben. Min sagte, sie h�tte noch niemals zuvor so h�ufig den Tod gesehen.</p><p>Als sie an ihrem f�nften Tag in Cairhien Blut auf Gueyams breitem Gesicht sah, f�hlte sie sich bei dem Gedanken so schlecht, da� Rand sie sich hinlegen hie� und Sulin feuchte T�cher brachte, die sie ihr auf die Stirn legte. Dieses Mal sa� <emphasis>er</emphasis> auf der Matratze und hielt <emphasis>ihre</emphasis> Hand. Sie klammerte sich daran fest.</p><p>Ihre Neckereien gab sie jedoch nicht auf. Die beiden Gelegenheiten, bei denen er sich ihrer Anwesenheit vollkommen sicher sein konnte, waren Schwert�bungen mit den besten tairenischen und cairhienischen Soldaten und Raufereien mit Rhuarc oder Gaul. Min lie� dann unausweichlich einen Finger �ber seine blo�e Brust gleiten und machte irgendeinen Scherz �ber Schafhirten, die nicht schwitzten, weil sie daran gew�hnt seien, genauso dicke Wolle wie ihre Schafe zu tragen. Manchmal ber�hrte sie auch die niemals ganz heilende Narbe an seiner Seite, diesen Kreis hellr�tlicher Haut, aber anders, sanfter. Dar�ber scherzte sie niemals. Sie kniff ihm ins Ges�� � best�rzenderweise mu�te man sagen, da� sie es zumindest tat, wenn andere Leute in der N�he waren; T�chter des Speers und Weise Frauen kr�mmten sich jedesmal vor Lachen, wenn er hochschrak �, schmiegte sich auf seinen Scho�, k��te ihn bei jeder Gelegenheit und drohte sogar damit, ihm in der Badewanne den R�cken zu schrubben. Als er so tat, als weine und stammele er, lachte sie und sagte, es sei nicht sehr �berzeugend.</p><p>Min lie� jedoch nur zu schnell von ihm ab, wenn eine Tochter des Speers den Kopf durch die T�r streckte, um jemanden anzuk�ndigen, besonders wenn es Loial war, der niemals lange blieb und unentwegt von der K�niglichen Bibliothek sprach, oder Perrin, der meist noch k�rzer blieb und aus irgendeinem Grund zunehmend ersch�pft wirkte. Aber am schnellsten sprang Min auf, wenn Faile zuf�llig dabei war. Die beiden Male, als das geschehen war, hatte sich Min hastig eines der B�cher genommen, die Rand in seinem Schlafraum aufbewahrte, hatte sich hingesetzt und vorgegeben zu lesen, wobei sie das Buch irgendwo in der Mitte aufgeschlagen hatte, als lese sie schon einige Zeit. Rand verstand die k�hlen Blicke nicht, welche die beiden Frauen wechselten. Es war nicht wirklich Feindseligkeit oder auch nur Unfreundlichkeit, aber Rand vermutete, da� der Name der jeweils anderen ganz oben st�nde, wenn beide eine liste derer anlegen sollten, mit denen sie lieber keine Zeit verbringen wollten.</p><p>Rand schmunzelte, als sich das Buch, das Min beim zweiten Mal gegriffen hatte, als ledergebundene Erstausgabe von Daria Gahands <emphasis>Abhandlungen �ber die Vernunft</emphasis> herausstellte, die er schwer verst�ndlich gefunden hatte und zur Bibliothek zur�ckschicken wollte, sobald Loial das n�chste Mal hereinschaute. Tats�chlich las Min noch eine Weile weiter, nachdem Faile gegangen war, und obwohl sie beim Lesen die Stirn runzelte und vor sich hin murmelte, nahm sie das Buch am Abend mit in ihre R�ume im G�stetrakt.</p><p>Wenn auch zwischen Min und Faile k�hle Gleichg�ltigkeit herrschte, war zwischen Min und Berelain keinerlei Feindseligkeit zu sp�ren. Als Somara am zweiten Nachmittag Berelain ank�ndigte, legte Rand seinen Umhang an, ging in den Vorraum und stellte den hohen, vergoldeten Stuhl aufs Podest, bevor er Somara befahl, sie hereinzulassen. Min begab sich jedoch nur widerwillig in den Wohnraum. Berelain rauschte herein, sch�n wie immer, in einem weichen blauen Gewand, das auch genauso tief ausgeschnitten war wie immer �und ihr Blick fiel auf Min in ihrem hellr�tlichen Umhang und der gleichfarbigen Hose. Mehrere lange Augenblicke h�tte Rand genausogut nicht vorhanden sein k�nnen. Berelain betrachtete Min offen von Kopf bis Fu�. Min verga� den Wohnraum; sie stemmte die H�nde in die H�ften, stand mit einem gebeugten Knie da und betrachtete Berelain genauso offen. Sie l�chelten einander an. Rand glaubte, ihm st�nden die Haare zu Berge, w�hrend sie dies taten. Er wurde an zwei fremde Katzen erinnert, die gerade entdeckt hatten, da� sie in demselben kleinen Raum eingesperrt waren und offensichtlich beschlossen hatten, da� es jetzt keinen Sinn mehr hatte, sich zu verstecken. Min ging � oder besser gesagt: schwebte; es gelang ihr tats�chlich, Berelains Gang wie den eines Jungen wirken zu lassen! � zu einem Sessel und setzte sich mit �bereinandergeschlagenen Beinen und noch immer l�chelnd hin. Licht, wie diese Frauen l�chelten.</p><p>Schlie�lich wandte sich Berelain zu Rand um, breitete ihre R�cke weit aus und vollf�hrte einen tiefen Hofknicks. Er h�rte Lews Therin in seinem Kopf brummen, der den Anblick einer au�erordentlich sch�nen Frau, die ihre Reize �beraus gro�z�gig darbot, geno�. Rand sch�tzte ebenfalls, was er sah, obwohl er sich fragte, ob er zumindest solange fortschauen sollte, bis sie sich wieder aufgerichtet h�tte, aber er hatte sich bereits aus einem bestimmten Grund auf das Podest gestellt. Er versuchte, seine Stimme sowohl vern�nftig als auch fest klingen zu lassen.</p><p>�Rhuarc hat angedeutet, da� Ihr Eure Pflichten vernachl�ssigt, Berelain. Anscheinend hieltet Ihr Euch tagelang in Euren R�umen verborgen, nachdem ich das letzte Mal hier war. Ich h�rte, da� ein ernsthaftes Gespr�ch notwendig war, um Euch wieder hervorzulocken.� Es waren nicht genau Rhuarcs Worte, aber Rand hatte diesen Eindruck gewonnen. Ihre Wangen f�rbten sich karmesinrot, wodurch Rand sich best�tigt f�hlte. �Ihr wi�t, warum Ihr hier die Befehlsgewalt habt. Ich kann keine Cairhiener gebrauchen, die sich auflehnen, weil sie glauben, ich h�tte ihnen einen Aiel vor die Nase gesetzt.�</p><p>�Ich war ... besorgt, mein Lord Drache.� Trotz des Z�gerns und der ger�teten Wangen klang ihre Stimme gefa�t. �Seit die Aes Sedai gekommen sind, sprie�en die Ger�chte. Darf ich fragen, wer hier, Eurer Meinung nach, <emphasis>tats�chlich</emphasis> regieren soll?�</p><p>�Elayne Trakand. Die Tochter-Erbin von Andor und jetzt die K�nigin von Andor.� Zumindest bald. �Ich wei� nicht, welche Ger�chte Ihr meint, aber k�mmert Euch besser darum, die Dinge in Cairhien in Ordnung zu bringen, und �berla�t mir die Aes Sedai. Elayne wird Euch dankbar daf�r sein, was Ihr hier leistet.� Min schnaubte ver�chtlich.</p><p>�Sie ist eine gute Wahl�, sagte Berelain nachdenklich. �Ich glaube, die Cairhiener werden sie anerkennen und vielleicht sogar auch die Aufst�ndischen in den Bergen.� Das war erfreulich zu h�ren. Berelain konnte Str�mungen im Land gut beurteilen, vielleicht genauso gut wie jede Cairhienerin. Sie atmete tief ein, woraufhin Lews Therin sein Gebrumm unterbrach. �Was die Aes Sedai betrifft � ein Ger�cht besagt, sie w�ren gekommen, um Euch zur Wei�en Burg zu geleiten.�</p><p>�Und <emphasis>ich</emphasis> sagte, �berla�t die Aes Sedai mir.� Es war nicht so, da� er Berelain mi�traute. Er traute ihr durchaus zu, Cairhien zu regieren, bis Elayne den Sonnenthron einnahm. Er traute ihr sogar zu, selbst keinerlei Ehrgeiz hinsichtlich des Throns zu hegen. Aber er wu�te auch: Je weniger Leute sich der Tatsache bewu�t waren, da� er Pl�ne mit den Aes Sedai hatte, desto geringer war die Gefahr, da� Coiren erf�hre, da� er �ber ihr Gold und ihre Edelsteine hinausdachte.</p><p>Sobald sich die T�ren hinter Berelain geschlossen hatten, schnaubte Min erneut. �Ich frage mich, warum sie sich die M�he macht, �berhaupt irgendwelche Kleider zu tragen. Nun, sie wird fr�her oder sp�ter eine Abfuhr erleiden. Ich habe nichts gesehen, was dir irgendwie von Nutzen sein k�nnte. Nur einen Mann in Wei�, der sie j�h zu Fall bringen wird. Einige Frauen besitzen �berhaupt kein Schamgef�hl!�</p><p>An eben jenem Nachmittag bat sie ihn um Geld, um einen ganzen Raum voller N�herinnen zu bestellen, da sie Caemlyn nur mit dem verlassen hatte, was sie auf dem Leibe trug, und sie begannen, mit Seide und Brokat einen unendlichen Strom von Umh�ngen und Hosen in allen Farben zu fertigen. Einige der Blusen schienen recht tief ausgeschnitten, selbst unter einem Umhang. Und bei einigen der Hosen war Rand sich nicht sicher, wie sie jemals hineingelangen sollte. Min �bte auch jeden Tag das Messerwerfen. Einmal sah er, wie Nandera und Enaila ihr die Kampftechnik mit H�nden und F��en zeigten, die sich erheblich von der unterschied, die M�nner aus�bten. Die T�chter des Speers mochten es nicht, wenn er zusah, und weigerten sich weiterzumachen, bevor er nicht gegangen w�re. Vielleicht h�tte Perrin das alles begriffen, aber Rand entschied zum tausendsten Mal, da� <emphasis>er</emphasis> die Frauen nicht verstand und auch niemals verstehen w�rde.</p><p>Rhuarc kam jeden Tag in Rands R�ume oder Rand ging ins Studierzimmer, das Rhuarc sich mit Berelain teilte. Rand war erfreut zu sehen, da� sie flei�ig an Berichten �ber die Verschiffung von Korn, die Wiederansiedlung von Fl�chtlingen und die Instandsetzung der im Zweiten Aiel-Krieg entstandenen Sch�den arbeiteten. Rhuarc behauptete, beschlossen zu haben, das <emphasis>Ji'e'toh-Spielen</emphasis> der Cairhiener zu ignorieren, obwohl er noch immer jedesmal vor sich hin grollte, wenn er eine cairhienische Frau mit einem Schwert oder ganz in Wei� gekleidete junge M�nner und Frauen sah. Die Aufr�hr er in den Bergen schienen noch immer abzuwarten, wobei ihre Anzahl im Steigen begriffen war, aber sie k�mmerten Rhuarc ebenfalls nicht. Ihn k�mmerten die Shaido und die Frage, wie viele Speere sich noch immer jeden Tag auf Tear zubewegten. Kundschafter, die zur�ckkehrten, berichteten, da� sich die Shaido in Bruderm�rders Dolch r�hrten. Es waren keinerlei Anzeichen erkennbar, in welche Richtung oder zu welcher Stunde sie sich fortzubewegen gedachten. Rhuarc berichtete von den Aiel, die noch immer der Trostlosigkeit fr�nten und ihre Speere niederstie�en, von denjenigen, die sich noch immer weigerten, das <emphasis>Gai'shain</emphasis>-Wei� abzulegen, wenn ihre Zeit vor�ber war, und selbst von jenen Verstreuten, die weiterhin nach Norden eilten, um sich den Shaido anzuschlie�en. Es war ein Zeichen seines Unbehagens. �berraschenderweise war Serana bei den Zelten und sogar in der Stadt selbst gewesen, aber am Tag nach Rands Ankunft wieder abgereist. Rhuarc erw�hnte es nur nebenbei.</p><p>�W�re es nicht besser gewesen, sie zu ergreifen?� fragte Rand. �Rhuarc, ich wei�, da� sie eine Weise Frau sein soll, aber meiner Meinung nach kann sie keine sein. Ich w�re nicht �berrascht, wenn die Shaido ohne sie vern�nftig w�rden.�</p><p>�Das bezweifle ich�, erwiderte Rhuarc trocken. Er sa� an der Wand des Studierzimmers auf einem seiner Kissen und rauchte eine Pfeife. �Amys und die anderen wechseln zwar hinter Sevannas R�cken Blicke, aber sie empfangen sie wie eine Weise Frau. Wenn die Weisen Frauen sagen, Sevanna sei eine von ihnen, dann ist sie es. Ich habe H�uptlinge erlebt, an die ich nicht einmal einen Wasserschlauch verschwenden w�rde, wenn ich zwischen zehn Teichen st�nde, aber sie waren dennoch H�uptlinge.�</p><p>Rand betrachtete seufzend die auf dem Tisch ausgebreitete Landkarte. Rhuarc schien sie in Wahrheit nicht zu brauchen. Ohne daraufzuschauen, konnte er alle auf der Karte verzeichneten Eigenheiten des Gebietes nennen. Berelain sa� auf der anderen Seite des Tisches in ihrem hochlehnigen Sessel, die F��e untergeschlagen und ein B�ndel Papiere auf dem Scho�. Sie hielt eine Feder in der Hand, und auf dem kleinen Tisch neben ihrem Sessel stand ein Tintenfa�. Sie sah Rand sehr h�ufig an, aber wann immer sie bemerkte, da� Rhuarc zu ihr schaute, beugte sie den Kopf wieder �ber die Berichte. Aus irgendeinem Grund runzelte Rhuarc jedesmal die Stirn, wenn er sie ansah, und sie err�tete stets und reckte trotzig das Kinn. Rhuarc wirkte manchmal mi�billigend, was keinen Sinn ergab, denn sie k�mmerte sich wieder um ihre Pflichten.</p><p>�Ihr werdet dem ein Ende machen m�ssen, da� Speere nach S�den geschickt werden�, sagte Rand schlie�lich. Es gefiel ihm nicht. Es war lebenswichtig, da� Sammael die gr��te Bedrohung der Welt auf sich zukommen sah, aber nicht zu dem Preis, da� man die Wurzeln der Shaido wieder aus Cairhien herausrei�en m��te. �Ich sehe keine andere M�glichkeit.�</p><p>Die Tage vergingen, und jeder Tag wurde irgendwie ausgef�llt. Rand erlebte l�chelnde Herren und Damen, die so herzlich miteinander umgingen, da� sie ohne Zweifel insgeheim R�nke gegeneinander schmiedeten. Weise Frauen berieten ihn, wie er mit den Aes Sedai umgehen solle, egal ob sie von der Burg oder aus Salidar kamen. Amys und Bair verhielten sich auf eine Weise, da� Melaine dagegen geradezu freundlich erschien. Sorilea lie� sein Blut zu Eis erstarren. Junge Cairhiener w�teten in den Stra�en gegen Rhuarcs Verbot, Duelle auszufechten. Rhuarc antwortete darauf, indem er ihnen einen Vorgeschmack von dem verschaffte, was es wirklich bedeutete, zum <emphasis>Gai'shain</emphasis> gemacht zu werden; den ganzen Tag unter Bewachung nackt in der Sonne zu sitzen, d�mpfte ihren Eifer ein wenig, aber Rhuarc w�rde nicht so weit gegen die Gebr�uche versto�en, da� er Feuchtl�nder in Wei� steckte, und jene, die die Roten Schilde gefangengenommen hatten, begannen der Angelegenheit zu gro�e Bedeutung zuzumessen. Rand belauschte, wie Selande einer anderen jungen Frau mit einem Schwert und kurzgeschnittenem Haar in eingebildetem Tonfall erz�hlte, da� die andere Frau <emphasis>Ji'e'toh</emphasis> niemals wirklich verstehen w�rde, bevor sie nicht eine Gefangene der Aiel gewesen sei. Es war erhebend, was immer das bedeuten mochte.</p><p>Aber trotz Shaido und Adligen, Weisen Frauen und Aufst�nden und trotz der Frage, ob Fei jemals vom Fischen zur�ckk�me, schienen jene Tage ... erfreulich. Erfrischend. Vielleicht empfand er nur so, weil er bei der Ankunft ersch�pft gewesen war. Und vielleicht wirkte es tats�chlich nur durch die letzten Stunden in Caemlyn so, als sei Lews Therin ruhiger geworden. Rand fand sogar Mins Neckereien vergn�glich, da� er sich ein oder zwei Mal in Erinnerung rufen mu�te, da� es nur Neckereien waren. Nach zehn Tagen in Cairhien dachte er, es w�re gar nicht so schlecht, den Rest seines Lebens auf diese Weise zu verbringen. Nat�rlich wu�te er, da� es nicht so bleiben konnte.</p><p>F�r Perrin waren diese zehn Tage �berhaupt nicht erfreulich. Es dauerte nicht lange, bis er Loials Gesellschaft suchte, aber Loial hatte in der K�niglichen Bibliothek sein Paradies gefunden, wo er den gr��ten Teil des Tages verbrachte. Perrin las gern, und er h�tte vielleicht auch Gefallen an diesen endlos gro�en R�umen voller B�cher bis zur gew�lbten Decke gefunden, aber eine Aes Sedai suchte diese R�ume heim, eine schlanke, dunkelhaarige Frau, die nur selten blinzelte. Sie schien ihn nicht zu bemerken, aber er hatte Aes Sedai auch schon vor den Ereignissen in Caemlyn nicht besonders getraut. Da ihm Loials Gesellschaft weitgehend verweigert blieb, ging Perrin h�ufig mit Gaul auf die Jagd, und einige Male auch mit Rhuarc, den er im Stein kennengelernt hatte und den er mochte. Perrins Problem war seine Frau. Oder vielleicht war es Berelain. Oder beide. W�re Rand nicht so besch�ftigt gewesen, h�tte Perrin ihn um Rat gebeten. Rand wu�te einiges �ber Frauen, aber es gab Dinge, �ber die M�nner nicht offen sprechen konnten.</p><p>Es begann an diesem allerersten Tag, als er gerade erst seine R�ume im Sonnenpalast gezeigt bekommen hatte. Faile erkundete mit Bain und Chiad den Palast. Perrin war bis zur Taille entkleidet und wusch sich gerade, als er pl�tzlich Parf�m roch, kein schweres Parf�m, aber er roch es sehr deutlich, und eine sinnliche Stimme hinter ihm sagte: �Ich habe schon immer gedacht, da� du einen wundervollen R�cken haben mu�t, Perrin.�</p><p>Er fuhr so hastig herum, da� er fast den Waschtisch umgesto�en h�tte. �Ich h�re, da� du mit einer ... Frau hergekommen bist?� Berelain stand l�chelnd in der T�r zum Wohnraum.</p><p>Ja, das stimmte, mit einer Frau, die nicht erfreut w�re, ihn allein und ohne Hemd mit einer anderen Frau in diesem Kleid anzutreffen. Besonders nicht mit der Ersten von Mayene. Er zog sich das Hemd �ber den Kopf, sagte ihr, da� Faile ausgegangen sei und er nicht w��te, wann sie zur�ckk�me und bereit w�re, Besucher zu empfangen, und bef�rderte <emphasis>sie</emphasis> so schnell er konnte in den Gang hinaus, allerdings ohne sie hochzuheben und hinauszuwerfen. Er glaubte, damit sei die Sache erledigt. Berelain war fort, und es war ihm gelungen, Faile in sechs S�tzen sechs Mal als seine Frau zu bezeichnen und zweimal zu sagen, wie sehr er sie liebte. Berelain wu�te jetzt, da� er verheiratet war, wu�te, da� er seine Frau liebte, und das h�tte gen�gen sollen.</p><p>Als Faile kurz darauf zur�ckkam, tat sie nur zwei Schritte in den Schlafraum hinein und begann sofort den stechenden, scharfen Geruch nach Eifersucht und Zorn auszustrahlen, eine Mischung, die seine Nase h�tte zum Bluten bringen m�ssen. Perrin verstand nicht. Er konnte Berelains Parf�m zwar noch immer riechen, aber sein Geruchssinn war fast genauso ausgepr�gt wie der eines Wolfs. Das galt f�r Faile mit Sicherheit nicht. Es war sehr seltsam. Faile l�chelte. Nicht ein unschickliches Wort kam �ber ihre Lippen. Sie war genauso liebevoll wie immer und noch leidenschaftlicher als sonst, als sie mit ihren Fingern�geln tiefe Furchen in seine Schultern grub, was sie noch niemals zuvor getan hatte.</p><p>Hinterher, als er die blutenden Male bei Lampenlicht betrachtete, knabberte sie � �berhaupt nicht z�rtlich �an seinem Ohr und lachte. �In Saldaea�, murmelte sie, �kerben wir einem Pferd die Ohren ein, aber ich glaube, dies wird gen�gen, um dich zu kennzeichnen.� Und die ganze Zeit �ber roch sie deutlich nach Eifersucht und Zorn.</p><p>W�re das alles gewesen, w�re die Angelegenheit erledigt gewesen. Failes Eifersucht flammte vielleicht auf wie ein Schmiedefeuer im Sturm, aber sie erstarb fast genauso schnell wieder, wenn sie erkannte, da� kein Anla� dazu bestand. Schon am n�chsten Morgen sah er sie jedoch im Gang mit Berelain sprechen, und beide l�chelten, um etwas zu �berspielen. Seine Ohren fingen Berelains letzte Worte auf, bevor sie sich abwandte. �Ich halte meine Versprechen immer.� Eine seltsame Bemerkung, die erneut diesen bei�enden, stechenden Geruch bei Faile ausl�ste.</p><p>Er fragte Faile, welche Versprechen Berelain gemeint hatte, und das war vielleicht ein Fehler. Sie blinzelte � sie verga� bisweilen sein au�ergew�hnliches H�rverm�gen � und sagte: �Ich kann mich wirklich nicht erinnern. Sie ist eine Frau, die alle m�glichen Versprechen gibt, die sie nicht halten kann.� Seine Schultern erhielten noch eine <emphasis>zweite</emphasis> Reihe blutige Furchen, und der Vormittag war noch kaum vorangeschritten!</p><p>Berelain machte sich beharrlich an ihn heran. Er erkannte es zun�chst nicht. Die Frau hatte einst im Stein von Tear auf sanfte Art mit ihm gesch�kert; danach hatte es nichts weiter bedeutet, und sie wu�te, da� er jetzt verheiratet war. Es waren anscheinend nur zuf�llige Begegnungen in den G�ngen, wenige harmlose Worte fast im Vor�bergehen. Aber nach einer Weile erkannte er, da� entweder sein <emphasis>Ta'veren-Sein</emphasis> die Begegnungen v�llig verzerrte oder Berelain sie arrangierte, so unwahrscheinlich das auch schien. Er versuchte sich einzureden, das sei l�cherlich, er m�sse sich wohl f�r so gutaussehend wie Wil al'Seen halten. Wil war der einzige Mann, bei dem Perrin jemals erlebt hatte, da� ihm Frauen hinterherjagten. Und Perrin Aybara waren sie sicherlich niemals hinterhergejagt. Jedoch gab es einfach zu viele dieser <emphasis>zuf�lligen</emphasis> Begegnungen.</p><p>Sie ber�hrte ihn stets. Nicht auff�llig, nur ihre Hand einen Moment auf seiner Hand, auf seinem Arm, auf seiner Schulter. Kaum der Beachtung wert. Am dritten Tag kam ihm ein Gedanke, der ihm die Haare zu Berge stehen lie�. Wenn man ein wildes Pferd z�hmte, begann man mit leichten Ber�hrungen, bis das Tier wu�te, da� die Ber�hrung nicht schmerzte, bis es unter der Hand stillhielt. Danach kam die Satteldecke und sp�ter der Sattel. Das Zaumzeug kam stets zuletzt.</p><p>Er begann den Duft von Berelains Parf�m zu f�rchten, wenn er um eine Ecke wehte. Beim ersten Hauch enteilte er in die entgegengesetzte Richtung, aber er konnte nicht ununterbrochen Ausschau nach ihr halten. Es schienen sehr viele gro�spurige junge Cairhiener im Palast ein- und auszugehen � die meisten von ihnen Frauen. Frauen mit Schwertern! Er mu�te um unz�hlige M�nner und Frauen herumgehen, die sich ihm bewu�t in den Weg stellten. Zweimal mu�te er Burschen niederschlagen, als die Dummk�pfe ihn einfach nicht um sich herumgehen lassen wollten, sondern st�ndig weiter vor ihm zur�ckt�nzelten. Er f�hlte sich deswegen schlecht � Cairhiener waren fast alle erheblich kleiner als er �, aber man durfte bei einem Mann, dessen Hand auf dem Schwertheft lag, kein Risiko eingehen. Einmal versuchte eine junge Frau es, und sie machte viel L�rm darum, als er ihr das Schwert abnahm, bis er es ihr wieder zur�ckgab, was sie anscheinend erschreckte, woraufhin sie hinter ihm herrief, er habe keine Ehre. Schlie�lich f�hrten einige T�chter des Speers sie davon, w�hrend sie heftig auf sie einsprachen.</p><p>Aber die Leute wu�ten, da� er Rands Freund war. Auch wenn er nicht mit Rand hier eingetroffen w�re, erinnerten sich doch einige der Aiel und der Tairener vom Stein her an ihn, und die Nachricht verbreitete sich. Herren und Herrinnen, die er niemals zuvor im Leben gesehen hatte, stellten sich ihm in den G�ngen vor, und Hohe Herren von Tairen, die ihm in Tear die kalte Schulter gezeigt hatten, sprachen ihn in Cairhien wie einen alten Freund an. Die meisten rochen nach Angst und etwas, was er nicht benennen konnte. Er erkannte, da� sie alle dasselbe von ihm wollten.</p><p>�Ich f�rchte, der Lord Drache zieht mich nicht immer in sein Vertrauen, Mylady�, sagte er h�flich zu einer kalt�ugigen Frau namens Colavaere, �und wenn er es t�te, w�rdet Ihr doch nicht von mir erwarten, sein Vertrauen zu mi�brauchen.� Sie schien aus gro�er H�he auf ihn herabzul�cheln. Sie fragte sich anscheinend, wie sich seine Haut als Scho�decke machen w�rde. Sie roch seltsam, streng und glatt und irgendwie ... erhaben.</p><p>�Ich wei� wirklich nicht, was Rand vorhat�, belehrte er auch Meilan. Der Mann wollte ihm fast wieder die kalte Schulter zeigen, auch wenn er beinahe ebenso stark l�chelte wie Colavaere. Aber er hatte den Geruch an sich, und auch genauso stark. �Vielleicht solltet Ihr ihn selbst fragen.�</p><p>�Wenn ich es w��te, w�rde ich es wohl kaum in der ganzen Stadt herumerz�hlen�, sagte er zu einem wei�haarigen Burschen namens Maringil. Er war der Versuche, ihn auszuhorchen, inzwischen m�de. Auch Maringil sonderte diesen Geruch ab, ebenso stark wie Colavaere oder Meilan.</p><p>Die drei verstr�mten diesen Geruch weitaus st�rker als irgend jemand sonst, ein gef�hrlicher Geruch, wie er tief in seinem Innern erkannte.</p><p>Wenn er Ausschau nach jungen Dummk�pfen hielt und diesen Geruch in der Nase hatte, konnte er Berelains Duft nicht ausmachen, bevor sie nicht nahe genug herangelangt war, um sich auf ihn zu st�rzen. Nun, um die Wahrheit zu sagen, glitt sie durch die G�nge wie ein Schwan auf einem Teich, aber sie vermittelte ihm dennoch das Gef�hl, als st�rze sie sich auf ihn.</p><p>Er erw�hnte Faile h�ufiger, als er z�hlen konnte, aber Berelain schien es nicht zu bemerken. Er bat sie aufzuh�ren. Berelain fragte ihn, was er damit meinte. Er sagte ihr, sie solle ihn in Ruhe lassen. Berelain lachte und t�tschelte seine Wange. Was nat�rlich genau in dem Moment geschah, als Faile aus dem Quergang trat, genau in dem Augenblick, <emphasis>bevor</emphasis> er zur�ckwich. Es mu�te f�r Faile so ausgesehen haben, da� er zur�ckgewichen war, weil er sie gesehen hatte. Faile wandte sich ohne einen Moment des Z�gerns geschmeidig um und ging gemessenen Schrittes in die Richtung, aus der sie gekommen war.</p><p>Er lief hinter ihr her, holte sie ein und ging dann in qu�lendem Schweigen neben ihr her. Ein Mann konnte kaum sagen, was er sagen mu�te, wenn andere zuh�rten. Faile l�chelte den ganzen Weg zur�ck zu ihren R�umen beinahe freundlich, aber oh, dieser stechende, stechende, stechende Geruch in seiner Nase.</p><p>�Es war nicht so, wie es aussah�, erkl�rte er, sobald sich die T�r hinter ihnen geschlossen hatte. Sie schwieg. Sie w�lbte nur fragend die Augenbrauen. �Nun, es war... Berelain hat mir die Wange get�tschelt... � Sie l�chelte noch immer, aber ihre Augenbrauen senkten sich jetzt finster, und Perrin roch zus�tzlich scharfen Zorn. �Sie hat es einfach getan. Ich habe sie nicht dazu ermutigt, Faile. Sie hat es einfach getan.� Er w�nschte, Faile w�rde etwas sagen, aber sie sah ihn nur an. Er dachte, da� sie wohl auf etwas wartete, aber worauf? Der Atem stockte ihm in der Kehle. �Faile, es tut mir leid.� Der Zorn wurde messerscharf sp�rbar.</p><p>�Ich verstehe�, sagte sie tonlos und verlie� den Raum.</p><p>Er hatte sich also vollkommen mi�verst�ndlich ausgedr�ckt, und er konnte nicht verstehen, wieso. Er hatte sich entschuldigt, obwohl er nicht einmal etwas getan hatte, wof�r er sich h�tte entschuldigen m�ssen.</p><p>An diesem Nachmittag belauschte er Bain und Chiad, die dar�ber berieten, ob sie Faile helfen sollten, ihn � ausgerechnet! � zu schlagen. Er wu�te nicht, ob Faile es vorgeschlagen hatte � sie war zornig, aber war sie so zornig? �, doch er vermutete, da� die beiden wollten, da� er ihr Gespr�ch h�rte, was <emphasis>ihn</emphasis> wiederum zornig machte. Faile besprach Angelegenheiten, die nur sie beide etwas angingen, offensichtlich mit den anderen Frauen, was ihn noch zorniger machte. �ber welche anderen Bereiche ihrer Ehe plauderte sie beim Tee noch? An diesem Abend zog Faile unter seinen erstaunten Blicken trotz der Hitze ein dickes, wollenes Nachtgewand an. Als er sie fast sch�chtern auf die Wange zu k�ssen versuchte, murmelte sie, da� sie einen anstrengenden Tag gehabt habe, und drehte ihm den R�cken zu. Sie roch w�tend, ausgesprochen w�tend.</p><p>Er konnte bei diesem Geruch nicht schlafen, und je l�nger er neben ihr lag und in der Dunkelheit die Decke anstarrte, desto zorniger wurde auch er. Warum tat sie das? Konnte sie nicht erkennen, da� er sie liebte? Hatte er ihr nicht immer wieder gezeigt, da� er sie, mehr als alles andere auf der Welt, f�r immer behalten wollte? Konnte man ihm einen Vorwurf daraus machen, da� eine t�richte junge Frau der Hafer stach und sie sch�kern wollte? Er sollte sie auf den Kopf stellen und ihr das Hinterteil verbleuen, bis sie wieder zur Vernunft kam. Nur hatte er das schon einmal getan, als sie glaubte, sie k�nne ihn mit der Faust schlagen, wann immer sie etwas durchsetzen wollte. Auf lange Sicht hatte es ihn mehr geschmerzt als sie. Ihm gefiel nicht einmal der Gedanke daran, da� Faile Schmerzen zugef�gt wurden. Er wollte Frieden mit ihr. Mit ihr und nur mit ihr.</p><p>Im ersten in den Fenstern widergespiegelten D�mmerlicht ihres sechsten Tages in Cairhien traf er eine Entscheidung. Berelain hatte im Stein mit einem Dutzend M�nnern gesch�kert, von denen er wu�te. Was auch immer sie dazu veranla�t hatte, ihn als ihre Beute zu erw�hlen, so w�rde sie sich doch auf jemand anderen verlegen, wenn er eine Weile unerreichbar w�re. Und wenn Berelain erst ein anderes Opfer erw�hlt h�tte, k�me Faile wieder zur Vernunft. Es schien ganz einfach.</p><p>Er kleidete sich so bald wie m�glich an und machte sich auf die Suche nach Loial, fr�hst�ckte mit ihm und begleitete ihn in die K�nigliche Bibliothek. Als er diese schlanke Aes Sedai sah und Loial ihm sagte, sie k�me jeden Tag hierher � Loial war in Gegenwart von Aes Sedai zwar sch�chtern, aber es st�rte ihn auch nicht, wenn f�nfzig von ihnen um ihn waren �, sp�rte Perrin Gaul auf und fragte ihn, ob er mit ihm auf die Jagd gehen wolle. Es gab nat�rlich nicht allzu viel Wild oder Hasen in den Bergen nahe der Stadt, und die wenigen Tiere litten genauso unter der D�rre wie die Menschen, und doch h�tte Perrins Nase die F�hrte jedes Tieres aufnehmen k�nnen. Er legte nicht ein einziges Mal einen Pfeil ein, aber er beharrte darauf, drau�en zu bleiben, bis Gaul ihn fragte, ob er im Licht des Halbmonds Flederm�use jagen wolle. Perrin verga� manchmal, da� andere Menschen nachts nicht so gut sehen konnten wie er. Am n�chsten Tag jagte er ebenfalls bis in die Dunkelheit, wie auch jeden weiteren Tag.</p><p>Sein einfacher Plan schien jedoch fehlzuschlagen. Als er in der ersten Nacht in den Sonnenpalast zur�ckkehrte, den nicht gespannten Bogen �ber der Schulter und angenehm m�de vom vielen Umherwandern, trug ein nur zuf�lliger Luftzug Berelains Parf�m gerade noch rechtzeitig an ihn heran, da� er die Haupteingangshalle des Palastes meiden konnte. Er bedeutete den Aiel-W�chtern, sich ruhig zu verhalten, und schlich sich zu einem Dienstboteneingang, wo er klopfen mu�te, um von einem Burschen mit tr�ben Augen eingelassen zu werden. In der n�chsten Nacht wartete Berelain im Gang vor seinen R�umen. Er mu�te sich die halbe Nacht hinter einer Ecke verbergen, bevor sie aufgab. Sie wartete jede Nacht irgendwo, als k�nnte sie eine zuf�llige Begegnung vort�uschen, wenn au�er einigen Dienern niemand sonst mehr wach war. Es war verr�ckt. Warum hatte sie sich nicht jemand anderem zugewandt? Und jede Nacht, wenn er sich schlie�lich mit den Stiefeln in der Hand in sein Schlafzimmer schlich, schlief Faile in diesem verdammten dicken Nachtgewand. Er war schon lange vor seiner sechsten schlaflosen Nacht hintereinander bereit zuzugeben, da� er sich geirrt hatte, obwohl er noch immer nicht verstand wieso. Es war ihm so verdammt einfach erschienen. Er wollte nur ein Wort von Faile h�ren, einen Hinweis darauf, was er sagen oder tun sollte. Aber er bekam nur das Ger�usch seines eigenen Z�hneknirschens in der Dunkelheit zu h�ren.</p><p>Am zehnten Tag erhielt Rand ein weiteres Bittschreiben Coirens um eine Anh�rung, das genauso h�flich abgefa�t war wie die ersten drei. Er sa� eine Zeitlang da, rieb das dicke, elfenbeinfarbene Pergament zwischen Daumen und Zeigefinger und dachte nach. Er konnte mit seinem Gesp�r f�r Alanna nicht genau bestimmen, wie weit sie noch entfernt war, aber wenn er verglich, wie stark dieses Gesp�r am ersten Tag gewesen war und wie stark es jetzt war, glaubte er, da� sie sich vielleicht auf halbem Weg nach Cairhien befand. Wenn dem so war, vergeudete Merana keine Zeit. Das war gut. Er wollte, da� sie besch�ftigt war. Auch ein wenig Reue w�re hilfreich, aber genausogut k�nnte er sich den Mond w�nschen. Sie war eine Aes Sedai. Es w�rden zehn weitere Tage vergehen, bis sie Cairhien erreichten, wenn sie in diesem Tempo weiterzogen, und das sollte ihnen m�glich sein. Rand hatte folglich gen�gend Zeit, sich noch zweimal mit Coiren zu treffen, so da� er jeder Gruppe drei Anh�rungen gew�hrt h�tte. Dar�ber sollte Merana nachdenken, wenn sie eintraf. Es bedeutete f�r sie keinen Vorteil, und sie brauchte nicht zu wissen, da� er ebensowenig in die N�he der Wei�en Burg gehen w�rde, wie er eine Hand in eine Schlangengrube stecken w�rde, besonders wenn Elaida die Amyrlin war. Noch zehn Tage, und er w�rde seine Stiefel verspeisen, wenn noch zehn weitere Tage vergingen, bevor Merana sich einverstanden erkl�rte, ihm Salidars Unterst�tzung anzubieten, ohne diesen Unsinn dar�ber, ihn begleiten und ihm den Weg zeigen zu wollen. Dann konnte er seine ganze Aufmerksamkeit endlich Sammael zuwenden.</p><p>W�hrend Rand dort sa� und an Coiren schrieb, da� sie morgen nachmittag zwei ihrer Schwestern mit zum Sonnenpalast bringen sollte, begann Lews Therin h�rbar zu murmeln. <emphasis>Ja. Sammael. Dieses Mal t�te ich ihn. Demandred und Sammael und sie alle, dieses Mal. Ja, das werde ich tun.</emphasis></p><p>Rand bemerkte es kaum.</p></section><section><title><p>51</p><p>Die Gefangennahme</p></title><p>Rand lie� Sulin seinen Umhang halten, damit er ihn anziehen konnte. Das geschah aus dem einfachen Grund, da� er ihn ihr h�tte aus den H�nden rei�en m�ssen, wenn er ihn selbst h�tte anziehen wollen. Sie versuchte ihm das Kleidungsst�ck, wie �blich ungeachtet solch unwichtiger Einzelheiten, wo beispielsweise seine Arme waren, umzulegen. Das Ergebnis war ein kleiner Tanz inmitten seines Schlafzimmers. Lews Therin kicherte mit einer Art verr�cktem Vergn�gen �gerade laut genug, um geh�rt zu werden. <emphasis>Sammael, o ja, aber zuerst Demandred. Zuallererst beseitige ich ihn, dann Sammael. O ja.</emphasis> Wenn der Mann H�nde gehabt h�tte, dann h�tte er sie sich gewi� schadenfroh gerieben. Rand achtete nicht auf ihn.</p><p>�Verhaltet Euch respektvoll�, murmelte Sulin leise. �Ihr habt den Aes Sedai in Caemlyn keinen Respekt erwiesen, und Ihr habt gesehen, was daraus entstanden ist. Die Weisen Frauen... Ich habe geh�rt, da� die Weisen Frauen Dinge sagen... Ihr m��t Euch respektvoll verhalten, mein Lord Drache�, brachte sie abschlie�end hervor.</p><p>Schlie�lich gelang es ihm, den Umhang vollst�ndig anzuziehen. �Ist Min schon gekommen?�</p><p>�Seht Ihr sie, mein Lord Drache?� Sie zupfte eine imagin�re Fussel von der roten Seide. Dann begann Sulin seine Kn�pfe zu schlie�en. Es ging schneller, wenn er seine Arme herabh�ngen und sie es tun lie�. �Min wird kommen, <emphasis>wenn</emphasis> sie kommt. Sorilea wird bei den Zelten mit ihr fertig sein, wenn sie mit ihr fertig ist.� Pl�tzlich sp�hte sie wachsam zu ihm hoch. �Was wollt Ihr von ihr? Ihr wollt Euch doch wohl kaum ins Ges�� kneifen lassen, wenn die Aes Sedai hier sind.� An diesem Nachmittag wurde ihm kein verstecktes L�cheln gew�hrt. �Mein Lord Drache.�</p><p>Es fiel ihm sehr schwer, nicht die Stirn zu runzeln. Alles verlief so gut ... und jetzt das. Sorilea wu�te, da� er Min heute dringender brauchte als bei jeder anderen Anh�rung. Man durfte die Gelegenheit, da� Min Coiren und zwei weitere Mitglieder der Abordnung Elaidas mit ihrer F�higkeit betrachtete, nicht ungenutzt lassen. Sorilea hatte versprochen, sie zur�ckzuschicken. Er trat wieder fort, aber Sulin folgte ihm und machte sich weiterhin an seinen Kn�pfen zu schaffen. �Sulin, ich m�chte, da� Ihr zu Sorileas Zelt geht. Sucht Min und bringt sie her. Keine Fragen, Sulin. Tut es einfach.�</p><p>Sie brachte ein L�cheln zustande, knirschte aber gleichzeitig mit den Z�hnen � ein bemerkenswerter Anblick. �Wie mein Lord Drache befiehlt.� Sie breitete ihre rotwei�en R�cke bei einem gekonnten Hofknicks weit aus und beugte den Kopf halbwegs bis zum Boden.</p><p>�Wie lange noch?� fragte er, als sie sich zum Gehen wandte. Es war nicht n�tig zu erkl�ren, was er meinte. Ihr Z�gern zeigte ihm, da� sie verstand.</p><p>Schlie�lich antwortete sie ruhig und bestimmt und ohne zu murren. �Bis meine Schmach der ihren entspricht.� Sie sah ihm einen Moment unverwandt in die Augen, die alte Sulin, wenn auch mit l�ngerem Haar, aber die Maske wurde auch genauso schnell wieder aufgesetzt. �Wenn mein Lord Drache mich entschuldigt � ich mu� mich beeilen, wenn ich seinen Befehl befolgen will.� Sulin raffte ihre Rocke bis zu den Knien und lief aus dem Raum. Rand sch�ttelte den Kopf und schlo� den letzten Knopf selbst.</p><p>Er hatte ein gutes Gef�hl, au�er was Min betraf nat�rlich. Sorilea hatte es versprochen. Min hatte es versprochen. Wenn er erst Coirens unausweichliche Fragen dar�ber abgewehrt h�tte, ob er beschlossen hatte, mit ihr nach Tar Valon zur�ckzukehren, w�rde er Min bitten, sich hinsetzen und dann... Er war sich noch im unklaren, was dann geschehen sollte. Aber Alanna war schon wieder eine Tagesreise n�her gekommen. Nur noch kurze Zeit, in der er Coiren zuh�ren mu�te, und er w�rde eine Stunde lang mit seinem Schwert �ben.</p><p><emphasis>Demandred,</emphasis> h�hnte Lews Therin. <emphasis>Er wollte Ilyena!</emphasis> Der Gedanke an Ilyena lie� ihn, wie �blich, entfernt jammern und klagen, <emphasis>Ilyena! Oh, Licht! Ilyena!</emphasis></p><p>Rand nahm das Drachenszepter mit in den Vorraum. W�hrend er sich fragte, wer Coiren hierher begleiten w�rde, setzte er sich auf den hohen Stuhl auf dem Podest, um nicht auf- und abschreiten zu m�ssen. Nicht wegen der Aes Sedai. Wegen Min. Sie wu�te, da� er sie brauchte. Sie wu�te es.</p><p>Schlie�lich �ffnete sich eine der T�ren gerade weit genug, da� eine Frau hindurchschl�pfen konnte, aber es war Chiad, nicht Min. �Die Aes Sedai sind hier, <emphasis>Car'a'carn.�</emphasis> Sie sprach den Titel schleppend aus, da sie sich wegen des H�uptlings der H�uptlinge noch immer nicht sicher war und auch nicht so recht wu�te, wie sie ihn als Sohn einer Tochter des Speers ansehen sollte.</p><p>Rand nickte, richtete sich gerade auf und stellte das Drachenszepter senkrecht auf seinem Knie auf. �Schickt sie herein.� Er w�rde mit Min ein ernstes Wort reden m�ssen. Ihre ganze Zeit den Weisen Frauen zu widmen!</p><p>Coiren schwebte wie ein rundlicher, eingebildeter Schwan herein, gefolgt von Galina und einer weiteren schwarzhaarigen, hart�ugigen Frau mit einem Aes-Sedai-Gesicht. Sie waren heute alle in Grau-Schattierungen gekleidet, vermutlich, weil man darauf den Staub nicht sah. Zu seiner �berraschung kamen hinter den Aes Sedai Dienerinnen mit leichten, �ber ihren R�cken h�ngenden Staubm�nteln herein, ein volles Dutzend, die sich mit dem Gewicht zweier messingbeschlagener Kisten abm�hten. Einige der jungen Frauen sahen ihn an, aber die meisten hielten die K�pfe gesenkt, weil sie sich mit ihrer Last abm�hten oder vielleicht auch aus Angst.</p><p>Rand sch�rzte beinahe die Lippen, bevor er es verhindern konnte. Sie glaubten tats�chlich, sie k�nnten ihn kaufen.</p><p>�Schade, da� Eure <emphasis>Gr�ne</emphasis> Schwester heute nicht hier ist�, bemerkte Galina.</p><p>Sein Blick peitschte von den Dienerinnen zu ihr. Alle drei Aes Sedai sahen ihn angespannt an. Wie konnte sie von Alanna wissen?</p><p>Aber es war keine Zeit f�r Fragen, denn fast im gleichen Augenblick begann seine Haut zu kribbeln.</p><p>Zorn sprang in ihm auf, und auch in Lews Therin. Rand ri� ihm <emphasis>Saidin</emphasis> aus den H�nden. Hei�er Zorn und Verachtung w�tete die Grenzen des Nichts entlang, w�hrend er Coiren und Galina und wer auch immer die dritte war ansah. Coirens weiches, rundliches Kinn war entschlossen emporgereckt. Die anderen beiden l�chelten tats�chlich, eifrig und keineswegs liebensw�rdig. Sie waren dieselben Narren wie Merana und ihresgleichen.</p><p>Der Schild, der sich zwischen ihn und die Wahre Quelle schob, wirkte wie das Schlie�en eines Schleusentores; der Flu� <emphasis>Saidins</emphasis> brach ab und lie� nur den schmutzigen Rest des Makels zur�ck. Die Luft, die sich von den Kn�cheln bis zum Kopf um ihn zu festigen schien, war wie Nichts. Der Schild lie� seine Augen hervortreten. Es war unm�glich! Drei Frauen konnten ihn doch nicht von der Quelle abblocken, wenn er <emphasis>Saidin</emphasis> erst ergriffen hatte, es sei denn, sie w�ren so stark wie Semirhage oder Mesaana oder... Er griff nach der Quelle und schlug fester und immer fester auf diesen Schild ein. Lews Therin knurrte wie ein Tier, schlug zu, krallte sich furchtsam fest. Einer von ihnen mu�te <emphasis>Saidin</emphasis> erreichen. Einer von ihnen mu�te nur einen von drei aufrechterhaltenen Puffern zerschlagen.</p><p>Der Block bestand erst wenige Augenblicke, als eine der Dienerinnen neben Galina trat, und Rand sp�rte alles Blut aus seinem Gesicht weichen. Vier Augenpaare in vier alterslosen Gesichtern pr�ften ihn.</p><p>�Es ist sehr schade, da� es soweit kommen mu�te.� Coiren h�tte in diesem ruhigen, rollenden Tonfall vielleicht besser eine ganze Versammlung angesprochen als einen einzelnen Mann. �Ich h�tte mir sehr gew�nscht, da� Ihr aus freiem Willen nach Tar Valon gekommen w�rt, aber offensichtlich wolltet Ihr uns nur vertr�sten. Vermutlich habt Ihr Kontakt mit jenen armen Narren gehabt, die flohen, nachdem die Sanche-Frau ged�mpft worden war. Habt Ihr wirklich geglaubt, sie k�nnten Euch irgend etwas bieten? Etwas, das der Wei�en Burg standhalten k�nnte?� Sie klang tats�chlich, als w�re sie von ihm entt�uscht.</p><p>Er konnte nur noch seine Augen bewegen. Sein Blick glitt zu den Dienerinnen hin�ber, die sich an einer der Kisten zu schaffen machten. Sie stand offen, und jetzt nahmen sie eine flache Schale heraus. Einige dieser Gesichter wirkten jung, aber die anderen... Erst jetzt erkannte er, da� sie alle Aes Sedai waren, aber die f�nf jungen Frauen waren es erst so kurz, da� ihre Gesichter die Alterslosigkeit noch nicht angenommen hatten, f�nf, die ihn ansahen und sein Mi�trauen beschwichtigten, w�hrend die anderen ihre Gesichter verbargen. F�nfzehn Aes Sedai. Dreizehn waren n�tig, um sich zu verbinden und ein Schild zu bilden, das kein Mensch zerbrechen konnte, und zwei waren n�tig, um ihn festzuhalten. Dreizehn waren n�tig, um... Lews Therin floh schreiend.</p><p>Galina nahm Rand kopfsch�ttelnd das Drachenszepter aus der Hand. �Jetzt �bernehme ich das Kommando, Coiren.� Sie sah ihn nicht einmal an. Er h�tte genausogut ein Teil des Stuhls sein k�nnen. �Wir haben vereinbart, da� die Rote Ajah das Kommando �bernehmen w�rde, wenn es hierzu k�me.� Sie reichte der anderen schwarzhaarigen Frau in Grau das Drachenszepter. �Hinterlege dies irgendwo, Katerine. Es k�nnte ein interessantes Andenken f�r die Amyrlin abgeben.�</p><p>Die Rote Ajah. Schwei� rann Rands Gesicht herab. Wenn jetzt nur die T�chter des Speers hereink�men oder die Weisen Frauen oder Sulin oder irgend jemand, der einen Warnruf aussto�en und den Palast aufr�tteln k�nnte. Dreizehn Aes Sedai, und die Rote Ajah hatte das Kommando. Wenn er den Mund h�tte �ffnen k�nnen, h�tte er wie ein Wolf geheult.</p><p>Bain schaute �berrascht auf, als sich die T�ren �ffneten � Rand al'Thor hatte die Aes Sedai erst vor kurzer Zeit empfangen � und wandte den Blick ab, als sie die Dienerinnen die Kisten herausbringen sah. Eine der schwarzhaarigen Aes Sedai pflanzte sich vor ihr auf, und Bain richtete sich eifrig von ihrem Lager an der T�r auf. Sie wu�te nicht, was sie von der Geschichte halten sollte, welche die anderen T�chter des Speers ihr in Caemlyn erz�hlt hatten, �ber die Dinge, die einst nur H�uptlinge und Weise Frauen gewu�t hatten, aber die dunklen Augen dieser Frau schienen alles dar�ber zu wissen, wie die Aiel seit so langer Zeit versagt hatten. Jene Augen hielten Bains Blick fest, bis sie sich der anderen dunkelhaarigen Aes Sedai, die Chiad gegen�berstand, und der eingebildeten Aes Sedai, die die anderen Frauen mit den Kisten den Gang hinab davonf�hrte, nur noch vage bewu�t war. Bain fragte sich, ob die Aes Sedai, die ihr gegen�berstand, sie f�r das Versagen der Aiel t�ten wollte. Bestimmt h�tten sie damit schon fr�her begonnen, wenn sie es beabsichtigten, und die dunklen Augen dieser Frau schimmerten mit einer H�rte, die den Tod anzuk�ndigen schien. Bain hatte keine Angst vor dem Sterben. Sie hoffte nur, da� sie noch Zeit genug h�tte, sich vorher zu verschleiern.</p><p>�Anscheinend ist der junge Herr al'Thor es gewohnt, nach Cairhien zu kommen und wieder zu gehen, wie er will�, sagte die Aes Sedai mit einer Stimme, die felsenhart klang. �Wir sind es nicht gewohnt, da� jemand einfach ungehobelt vor uns davonl�uft. Wenn er w�hrend der n�chsten Tage zum Palast zur�ckkommt, werden wir ebenfalls zur�ckkehren. Wenn nicht... Unsere Geduld ist nicht grenzenlos.� Sie schwebte davon, sie und die anderen, hinter den Frauen mit den Kisten her.</p><p>Bain wechselte schnell Blicke mit Chiad, und dann eilten sie in al'Thors R�ume.</p><p>�Was meint Ihr damit, da� er fort ist?� fragte Perrin, Loials Ohren zuckten in seine Richtung, aber der Ogier hielt den Blick genauso fest auf das Steinbrett gerichtet wie Faile. Sie roch... Perrin konnte in dem Gewirr der von ihr ausstr�menden Ger�che nichts Bestimmtes ausmachen. Dieses Gewirr machte ihn wahnsinnig.</p><p>Nandera zuckte nur die Achseln. �Er tut das manchmal.� Sie schien gelassen, die Arme verschr�nkt und das Gesicht ruhig, aber sie roch ver�rgert. �Er verschwindet, ohne da� auch nur eine Tochter des Speers ihn besch�tzt, manchmal sogar einen halben Tag lang. Er glaubt, wir merkten es nicht. Ich dachte, Ihr w�rdet vielleicht wissen, wo er hingegangen ist.� Etwas in ihrer Stimme f�hrte Perrin zu dem Glauben, da� sie Rand zu folgen beabsichtigte, wenn sie es herausf�nde.</p><p>�Nein�, seufzte er. �Ich habe keine Ahnung.�</p><p>�Achtet auf das Spiel, Loial�, murmelte Faile. �Ihr wolltet Euren Stein doch sicherlich nicht dort platzieren.�</p><p>Perrin seufzte erneut. Er hatte beschlossen, heute jeden Moment des Tages an Failes Seite zu bleiben. Sie w�rde fr�her oder sp�ter mit ihm sprechen m�ssen, und au�erdem w�rde Berelain ihn sicherlich in Ruhe lassen, wenn er bei seiner Frau war. Nun, Berelain hatte ihn wirklich in Ruhe gelassen, aber sobald Faile erkannte, da� er nicht wieder auf die Jagd gehen w�rde, hatte sie Loial aufgehalten, bevor er zur Bibliothek davonlaufen konnte, und seitdem spielten sie schweigend ihr Spiel endlos weiter. Perrin w�nschte sich dorthin, wo Rand war.</p><p>Rand lag auf dem R�cken auf einem Bett und starrte zu den dicken Kellersparren empor, ohne sie wirklich zu sehen. Das Bett war nicht gro�, aber es wies zwei Federmatratzen und Kissen und saubere Leint�cher auf. Es gab einen robusten Stuhl und einen kleinen Tisch, die beide einfach, aber gut gearbeitet waren. Seine Muskeln schmerzten noch vom Transport hierher in einer der Kisten. Die Macht hatte ihn leicht zusammengekr�mmt, den Kopf zwischen den Knien, und einfache Kordeln hatten gen�gt, ihn zu einem Paket zu verschn�ren.</p><p>Das Ger�usch von Metall auf Metall lie� ihn den Kopf wenden. Galina hatte mit einem gro�en Schl�ssel in dem Eisenk�fig, der Bett und Tisch und Stuhl umgab, eine Klappe ge�ffnet. Eine Frau mit bereits ergrauendem Haar und runzligem Gesicht streckte ihre Arme hastig in den K�fig, um ein mit einem Tuch abgedecktes Tablett auf den Tisch zu stellen, woraufhin sie sofort wieder zur�cksprang.</p><p>�Ich beabsichtige Euch bei guter Gesundheit in der Burg abzuliefern�, sagte Galina kalt, w�hrend sie die Klappe wieder verschlo�. �E�t, sonst werdet Ihr gefuttert.�</p><p>Rand wandte den Blick erneut den Sparren zu. Sechs Aes Sedai sa�en auf St�hlen um den K�fig herum und hielten den Schild gegen ihn aufrecht. Er behielt das Nichts bei, f�r den Fall, da� er ihnen entglitt, aber er sprang nicht mehr gegen die Barriere an. Als sie ihn in den K�fig gesto�en hatten, hatte er es versucht. Einige von ihnen hatten gelacht, diejenigen, die �berhaupt darauf achteten. Statt dessen streckte er sich jetzt lebhaft nach dem Zorn <emphasis>Saidins</emphasis> aus, ein Sturm aus Feuer und Eis, der jenseits seines Augenwinkels gerade au�er Sicht war. Er streckte sich aus, sp�rte, da� die unsichtbare Wand ihn von der Quelle abschnitt und glitt daran entlang, als versuche er, eine Kante zu finden. Er fand nur eine Stelle, an der sich diese Wand aus sechs einzelnen Barrieren zusammenzuf�gen schien. Sie hielten den Schild wirkungsvoll aufrecht.</p><p>Wie lange war er schon hier? Graue �de hatte sich �ber ihn gebreitet, die Zeit verdeckt, ihn in Teilnahmslosigkeit geh�llt. Er war schon lange genug hier, um hungrig zu sein, aber das Nichts lie� die Empfindungen fern scheinen, und sogar der Geruch des hei�en Eintopfs und des warmen Brotes, der dem abgedeckten Tablett entstr�mte, erweckte kein Interesse. Es schien zu m�hsam, sich zu erheben. Bisher hatten sich zw�lf Aes Sedai rund um den K�fig abgewechselt, und er hatte, bevor sie in diesen Keller kamen, keines der Gesichter jemals zuvor gesehen. Wie viele gab es in diesem Hause? Das k�nnte sp�ter wichtig werden. Wo war dieses Haus? Er hatte keine Ahnung, wie weit er in der Kiste transportiert worden war. Den gr��ten Teil des Weges war er in einem Wagen oder auf einem Karren durchger�ttelt worden. Warum hatte er Moiraines Rat vergessen? Vertraue keiner Aes Sedai, keinen Fingerbreit weit, keine Haaresbreite. Sechs Aes Sedai, die genug <emphasis>Saidar</emphasis> lenken konnten, um diesen Schild aufrechtzuhalten, m��ten von jeder Frau, die die Macht lenken konnte, schon drau�en er sp�rt werden k�nnen. Es w�rde gen�gen, wenn Amys oder Bair oder sonst jemand auf der Stra�e vorbeiginge und sich wunderte. Sie m��ten jetzt denken, er sei verschwunden, nachdem Coiren den Palast verlassen hatte. Wenn es hier drau�en eine Stra�e gab. Das w�rde gen�gen...</p><p>Er ersp�rte den Schild erneut, sanft, damit sie es nicht merkten. Sechs Barrieren, irgendwelche sechs nachgiebigen Stellen. Das mu�te etwas bedeuten. Er w�nschte, Lews Therin w�rde wieder zu ihm sprechen, aber der einzige Klang in seinem Kopf waren seine am Nichts entlanggleitenden Gedanken. Sechs Stellen.</p><p>Als Sorilea die staubbedeckte Stra�e vor dem gro�en Steingeb�ude entlangeilte, in dem sich die Aes Sedai aufhielten, konnte sie diese kaum sp�ren, bis sie die Macht nach innen lenkte. Sie konnte sie nur undeutlich sp�ren, weil sie die Macht nur vage lenken konnte, aber das war nicht der Grund daf�r, da� sie sie ignorierte. Sie hatten die Macht dort drinnen seit ihrer Ankunft Tag und Nacht gelenkt. Keine der Weisen Frauen verschwendete einen Gedanken daran, warum sie es noch immer taten. Sorilea hatte jetzt sicherlich an wichtigere Dinge zu denken. Die T�chter des Speers im Palast des Baumt�ters begannen wegen Rand al'Thor unruhig zu werden und murmelten, da� der <emphasis>Car'a'carn</emphasis> einiges zu erkl�ren h�tte, wenn er dieses Mal zur�ckkehrte. Sorilea lebte schon erheblich l�nger als die meisten anderen T�chter des Speers und sogar l�nger als jede andere Weise Frau, ob ihre Macht nun geschw�cht war oder nicht, und sie war beunruhigt. Wie die meisten M�nner verschwand Rand al'Thor, wann er wollte und wohin er wollte � M�nner waren in dieser Beziehung wie Katzen �, aber dieses Mal war zur gleichen Zeit auch Min irgendwo zwischen den Zelten und dem Palast verschwunden. Sorilea mochte keine Zuf�lle, egal wie viele den <emphasis>Car'a'carn</emphasis> auch umgaben. Sie wickelte ihre Stola gegen einen pl�tzlichen K�lteschauder in ihren Knochen fester um sich und eilte weiter auf die Zelte zu.</p></section><section><title><p>52</p><p>Gewebe der Macht</p></title><p>Die M�nner, die im Schankraum der <emphasis>Wanderin</emphasis> am Tisch sa�en, waren �berwiegend Einheimische. M�nner mit langen Westen trugen diese gerne aus farbenfroher Seide � oft auch mit Brokat � �ber heilen Hemden mit weiten �rmeln. Granate oder Perlen schm�ckten die Fingerringe, die Ohrkreolen waren nicht vergoldet, sondern aus massivem Gold, und Mondsteine und Saphire glitzerten auf den Kn�ufen gebogener, in den G�rteln steckender Dolche. Mehrere M�nner hatten Seidenumh�nge um die Schultern geschlungen, die mit einer Silber- oder Goldkette zwischen den mit Blumen oder Tieren bestickten schmalen Aufschl�gen befestigt waren. Die Umh�nge wirkten in der Tat seltsam � zu klein, um sie richtig anziehen zu k�nnen und nur als �berwurf gedacht �, aber die M�nner trugen zus�tzlich zu den gebogenen Dolchen auch noch lange, schmale Schwerter und schienen durchaus bereit, beides zu benutzen, wenn ein falsches Wort oder ein falscher Blick erfolgte oder weil sie sich zuf�llig danach f�hlten.</p><p>Es war eine bunte Menge: zwei murandianische H�ndler mit gedrehten Schnurrb�rten und jenen l�cherlichen kleinen Spitzb�rten, ein Domani mit Haaren bis �ber die Schultern und einem d�nnen Schnurrbart, der ein Goldarmband, eine eng anliegende goldene Halskette und eine gro�e Perle in seinem linken Ohr trug, ein dunkler Atha'an Miere in einem hellgr�nen Umhang mit t�towierten H�nden und zwei in einer Sch�rpe steckenden Dolche, ein Taraboner mit einem durchl�ssigen Schleier, der einen dichten, fast den Mund verbergenden Schnurrbart trug, sowie eine Anzahl Fremde, die von �berallher gekommen sein konnten. Aber alle M�nner hatten einen Stapel M�nzen vor sich aufgeschichtet, obwohl sich die jeweilige H�he unterschied. So nahe am Tarasin-Palast zog die <emphasis>Wanderin</emphasis> G�ste an, die Gold �brig hatten.</p><p>Mat sch�ttelte die f�nf W�rfel in dem Lederbecher und lie� sie dann auf den Tisch rollen. Sie blieben mit zwei Kronen, zwei Sternen und einem Becher auf den Oberfl�chen liegen. Ein guter Wurf, h�tte nicht besser sein k�nnen. Sein Gl�ck verlief wellenf�rmig, und im Moment schien die Welle ihren Tiefpunkt erreicht zu haben, was bedeutete, da� er nur h�chstens bei der H�lfte seiner W�rfe gewann. Gerade hatte er bei zehn W�rfen in Folge verloren, ein f�r ihn eigentlich ungew�hnlicher Verlauf. Mat reichte den W�rfelbecher an einen blau�ugigen Fremden weiter, ein Mann mit einem harten, hageren Gesicht, der trotz seines einfachen braunen Umhangs anscheinend viele M�nzen zur Verf�gung hatte.</p><p>Vanin beugte sich herab, um Mat etwas ins Ohr zu fl�stern. �Sie sind wieder drau�en. Thom sagt, er wei� immer noch nicht, wie.� Mat schnitt dem dicken Mann eine Grimasse, woraufhin er sich schneller aufrichtete, als man es einem Mann seiner Statur zugetraut h�tte.</p><p>Mat trank seinen Silberbecher gew�rzten Wein halb leer und blickte stirnrunzelnd auf den Tisch hinab. Wieder! Der blau�ugige Mann lie� die W�rfel auf den Tisch rollen, und sie blieben mit drei Kronen, einer Rose und einem Zepter auf der Oberfl�che liegen. Der Sieg wurde rund um den Tisch murmelnd gew�rdigt.</p><p>�Blut und Asche�, murrte Mat. �Als n�chstes wird die Tochter der Neun Monde hereinspazieren und mich fordern.� Der blau�ugige Bursche verschluckte sich an seinem Siegestrunk. �Kennt Ihr den Namen?� fragte Mat.</p><p>�Mir ist nur der Wein in die falsche Kehle geraten�, antwortete der Mann mit einem schleppenden Akzent, den Mat nicht kannte. �Welcher Name war es?�</p><p>Mat machte eine beschwichtigende Geste. Er hatte Streitigkeiten schon aus weniger guten Gr�nden entstehen sehen. Er schob das Gold und Silber in seine B�rse zur�ck und steckte sie in die Umhangtasche, w�hrend er aufstand. �Ich h�re auf. Das Licht m�ge alle hier segnen.� Die M�nner am Tisch erwiderten den Segen, sogar die Fremden. Die Menschen in Ebou Dar waren sehr h�flich.</p><p>Obwohl es noch fr�h am Tag war, war der Schankraum recht gut besetzt, und ein weiteres W�rfelspiel trug zu Gel�chter und St�hnen bei. Zwei der j�ngeren S�hne von Herrin Anan halfen den Schankm�dchen, das Fr�hst�ck zu servieren. Die Wirtin selbst sa� in der N�he der gel�nderlosen wei�en Steintreppe an der R�ckseite des Raumes und behielt alles im Auge. Neben ihr sa� eine junge, h�bsche Frau, deren schwarze Augen lustig zwinkerten, als kenne sie einen Witz, den niemand sonst kannte. Ihr Gesicht war ein von gl�nzendem schwarzen Haar umgebenes, vollkommenes Oval, und der tiefe Ausschnitt ihres mit einem roten G�rtel versehenen, grauen Gewandes gab einen qu�lenden Anblick frei. Die Belustigung in ihren Augen verst�rkte sich noch, als sie Mat anl�chelte.</p><p>�Bei Eurem Gl�ck, Lord Cauthon�, sagte Herrin Anan, �sollte mein Mann Euch fragen, wohin er seine Fischerboote schicken soll.� Ihr Tonfall klang aus irgendeinem Grund sehr n�chtern.</p><p>Mat akzeptierte den Titel ohne Verwunderung. In Ebou Dar w�rden au�er Lords selbst nur wenige einen Lord herausfordern. Es war f�r ihn eine einfache Rechnung. Es gab erheblich weniger Lords als B�rgerliche, wodurch sich die Gefahr verringerte, da� jemand versuchen w�rde, ein Messer in ihn zu versenken. Aber er hatte dennoch w�hrend der letzten zehn Tage drei M�nnern den Kopf einschlagen m�ssen. �Ich f�rchte, mein Gl�ck erstreckt sich nicht auf solche Dinge, Herrin.�</p><p>Olver tauchte wie aus dem Nichts neben ihm auf. �K�nnen wir am Pferderennen teilnehmen, Mat?� fragte er eifrig.</p><p>Frielle, Herrin Anans mittlere Tochter, kam heran und nahm den Jungen bei den Schultern. �Verzeiht, Lord Cauthon�, sagte sie besorgt. �Er ist mir gerade entwischt. Bei der Wahrheit des Lichts, das hat er getan.� Da sie bald verheiratet werden sollte � die eng anliegende Silberhalskette f�r ihren Hochzeitsdolch umgab bereits ihren schlanken Hals �, hatte sie sich freiwillig erboten, sich um Olver zu k�mmern, und dabei lachend erw�hnt, da� sie selbst sechs S�hne haben wollte. Mat vermutete, da� sie jetzt auf T�chter zu hoffen begann.</p><p>Nalesean, der die Treppe herunterkam, fing Mats Blick auf, der streng genug ausfiel, um den Tairener mitten im Schritt innehalten zu lassen. Nalesean hatte Wind mit Olver als Reiter � es ritten nur Jungen � f�r zwei Rennen eingetragen, und Mat hatte nichts davon gewu�t, bis es geschehen war. Da� sich Wind als so schnell erwiesen hatte, wie sein Name hoffen lie�, verbesserte die Sache dennoch nicht. Zwei Siege verschafften Olver den Geschmack auf mehr. �Es ist nicht Euer Fehler�, beruhigte Mat Frielle. �Steckt ihn mit meinem Segen in ein Fa�, wenn es sein mu�.�</p><p>Olver sah ihn vorwurfsvoll an, aber kurz darauf sauste er schon wieder herum und bedachte Frielle mit einem unversch�mten Grinsen, das er irgendwo abgeschaut hatte. Es wirkte bei seinen gro�en Ohren und dem breiten Mund seltsam. Er w�rde niemals ein gutaussehender Bursche werden. �Ich werde still sitzen, wenn ich Eure Augen betrachten darf. Ihr habt wundersch�ne Augen.�</p><p>Frielle trug viel von ihrer Mutter in sich, und das nicht nur bez�glich ihres Aussehens. Sie lachte melodisch und t�tschelte Olver, woraufhin er err�tete. Ihre Mutter und die gro��ugige junge Frau blickten l�chelnd auf die Tischplatte.</p><p>Mat stieg kopfsch�ttelnd die Treppe hinauf. Er mu�te mit dem Jungen reden. Er konnte nicht einfach jede Frau, die er sah, so angrinsen. Und einer Frau zu sagen, da� sie wundersch�ne Augen h�tte! In diesem Alter! Mat wu�te nicht, wo Olver das herhatte.</p><p>Als er neben Nalesean trat, sagte der Mann: �Sie sind erneut entkommen, stimmt's?� Es war keine richtige Frage, und als Mat nickte, zog er an seinem Spitzbart und fluchte. �Ich werde die M�nner zusammenrufen, Mat.�</p><p>Nerim machte sich in Mats Quartier zu schaffen, wischte den Tisch mit einem Tuch ab, als h�tten die T�chter des Speers heute morgen nicht bereits staubgewischt. Er teilte sich nebenan einen kleineren Raum mit Olver und verlie� die <emphasis>Wanderin</emphasis> nur selten. Ebou Dar war z�gellos und unzivilisiert, behauptete er.</p><p>�Geht mein Lord aus?� fragte Nerim in klagendem Tonfall, als Mat seinen Hut hochnahm. �In diesem Umhang? Ich f�rchte, auf Eurer Schulter befindet sich ein Weinfleck von letzter Nacht. Ich h�tte ihn schon entfernt, wenn Mylord den Umhang heute morgen nicht so eilig umgelegt h�tte, und au�erdem hat der �rmel einen Ri� � von einem Messer, glaube ich �, den ich gen�ht h�tte.�</p><p>Mat lie� sich von ihm eine graue Jacke mit Stickereien auf den Manschetten und dem hohen Kragen bringen und gab ihm statt dessen den goldverzierten Umhang.</p><p>�Ich vertraue darauf, da� Mylord heute zumindest versuchen wird, sich keinen Blutfleck einzutragen. Blut ist sehr schwer zu entfernen.�</p><p>Sie hatten sich auf diesen Kompromi� geeinigt. Mat fand sich mit Nerims d�sterem Gesicht und seinen tr�ben Ansichten ab und lie� den Mann Dinge verrichten, die er ebenso leicht selbst h�tte erledigen k�nnen. Im Gegenzug stimmte Nerim widerwillig <emphasis>zu,</emphasis> nicht ernsthaft zu versuchen, ihn tats�chlich anzuziehen.</p><p>Er �berpr�fte die Dolche, die unter seiner Jacke in den �rmeln und in den herabgezogenen Sch�ften seiner Stiefel steckten, lie� den Speer und den Bogen ohne Sehne aber in der Ecke lehnen, ging dann hinab und trat vor das Gasthaus. Der Speer schien Dummk�pfe zum Kampf zu reizen.</p><p>Trotz seines Hutes perlte, unmittelbar nachdem er aus der vergleichsweisen K�hle des Gasthauses herausgetreten war, Schwei� auf Mats Gesicht. Die Morgensonne h�tte in normalen Zeiten bereits den Eindruck der Mittagszeit im Hochsommer erweckt, und der Mol-Hara-Platz war noch dazu dicht bev�lkert. Mat blieb zun�chst stirnrunzelnd am Tarasin-Palast stehen. Wie konnten sie ungesehen entkommen, wo doch Thom im Inneren und Vanin drau�en wachten? Sie gingen fast an jedem Tag aus. Nachdem dies drei Mal geschehen war, hatte Mat daf�r gesorgt, da� jede T�r dieser Masse wei�en Gesteins bewacht wurde, wobei die W�chter ihre Pl�tze schon vor der D�mmerung einnahmen. Es waren mit ihm und Nalesean eigentlich ausreichend viele Wachen. Niemand hatte irgend etwas gesehen, und doch kam Thom unmittelbar vor der Mittagszeit heraus und verk�ndete, da� die Frauen irgendwie hinausgelangt seien. Der alte Gaukler schien fast au�er sich und bereit, sich den Schnurrbart auszurei�en. Mat wu�te, was vor sich ging. Sie taten es gerade ihm zum Trotz.</p><p>Nalesean und die anderen warteten m�rrisch und schwitzend und standen dicht zusammengedr�ngt. Nalesean betastete sein Schwertheft, als w�nschte er sich heute eine Gelegenheit, es zu benutzen.</p><p>�Wir werden heute auf die andere Seite des Flusses gehen�, sagte Mat. Mehrere der Rotwaffen wechselten unbehagliche Blicke. Sie hatten die Geschichten geh�rt.</p><p>Vanin sch�ttelte den Kopf. �Zeitverschwendung�, sagte er tonlos. �Lady Elayne w�rde niemals an einen solchen Ort gehen. Die Aiel-Frauen vielleicht oder Birgitte, aber nicht Lady Elayne.�</p><p>Mat schlo� einen Moment die Augen. Wie hatte Elayne es geschafft, einen guten Mann in so kurzer Zeit zu verderben? Er hoffte noch immer, da� Vanin mit der Zeit und fern ihres Einflusses wieder vern�nftig w�rde, aber allm�hlich verlor er diese Hoffnung. Licht, wie er adlige Frauen verachtete! �Nun, wenn wir sie heute nicht sehen, k�nnen wir den Rahad vergessen �sie werden dort auffallen wie eine bemalte Lerche in einer Schar Drosseln �, aber ich beabsichtige sie auch dann zu finden, wenn sie sich unter einem Bett im Krater des Verderbens verbergen. Macht euch wie immer zu zweit auf die Suche und gebt einander R�ckendeckung. Jetzt treibt einige Bootsf�hrer auf, die uns hin�berbringen k�nnen. Verdammt, ich hoffe, da� sie nicht alle hinausgefahren sind, um den MeervolkSchiffen Obst zu verkaufen.�</p><p>F�r Elayne sahen die Stra�en genauso aus wie in <emphasis>Tel'aran'rhiod,</emphasis> f�nf- bis sechsst�ckige Ziegelsteingeb�ude, teilweise mit einer d�nnen Schicht M�rtel bedeckt, die eng zusammenstanden und �ber dem unebenen Stra�enpflaster aufragten. Jegliche Schatten schwanden zu dieser Tageszeit, wenn die goldene Sonne �ber den K�pfen brannte, vollst�ndig aus den schmalen Gassen. Fliegen summten �berall umher. Die einzigen Unterschiede zur Welt der Tr�ume waren die vor den Fenstern h�ngende W�sche, die Menschen � obwohl sich in der Mittagshitze nicht viele Leute drau�en aufhielten �und der Geruch, ein �u�erst stechender, kr�nklicher Geruch nach Verfall, der sie veranla�te, nicht zu tief atmen zu wollen. Leider �hnelten sich alle Stra�en im Rahad.</p><p>Sie legte Birgitte eine Hand auf den Arm und hie� sie anhalten, als sie ein grobes Ziegelsteingeb�ude erblickte, bei dem vor einigen Fenstern schmuddelige W�sche hing. Das leise Weinen eines Babys drang von irgendwo dort drinnen heraus. Das Geb�ude hatte die richtige Anzahl Stockwerke � sechs. Sie war sicher, da� es sechs gewesen waren. Nynaeve beharrte darauf, da� es nur f�nf waren.</p><p>�Ich glaube nicht, da� wir hier stehenbleiben und das Haus anstarren sollten�, sagte Birgitte leise. �Die Leute schauen schon.�</p><p>Das stimmte nicht ganz, in Wahrheit sorgte sich Birgitte nur um sie. M�nner ohne Hemden und h�ufig in zerrissenen Westen stolzierten die Stra�e entlang, wobei das Sonnenlicht auf ihren Messingkreolen und den mit Buntglas geschm�ckten Ringen glitzerte, oder sie schlichen wie K�ter dahin. Die Frauen taten es ihnen in �blicherweise abgetragenen Kleidern und mit billigem Schmuck gleich. Alle trugen einen gebogenen Dolch im G�rtel und h�ufig auch ein einfach gearbeitetes Messer.</p><p>In Wahrheit g�nnte niemand ihr und Birgitte einen zweiten Blick, obwohl Birgittes gealtertes Gesicht h�ufig herausfordernd wirkte und sie selbst f�r eine Ebou Dari gro� war. Als Elayne Birgitte ansah, erblickte sie eine Frau mit feinen F�ltchen in den Augenwinkeln und von Grau durchzogenem schwarzen Haar. Die Verkleidungen waren leichter zu durchschauen, je n�her man dem blieb, wie ein Mensch wirklich war. Daher war auch Birgittes Haar, das ihr in vier dicken, mit gr�nen B�ndern befestigten Flechten �ber den R�cken hing, erheblich l�nger, als jede Ebou Dari es trug, aber auch Elayne hatte ihr Haar nicht geschnitten, und niemand schien es zu beachten. Es war eine perfekte Verkleidung. Sie w�nschte nur, sie m��te nicht auch schwitzen. Mit dem komplizierteren Gewebe aus Geist, das die F�higkeit der Frauen, die Macht zu lenken, verbarg, war Elayne heute morgen auf ihrem Weg aus dem Palast direkt an Merilille vorbeigegangen. Sie trug es auch jetzt noch. Sie hatten Vandene und Adeleas mehr als einmal auf dieser Seite des Flusses gesehen.</p><p>Ihre Kleidung war nat�rlich nicht Teil des Gewebes, sondern es waren abgetragene Wollgew�nder mit ausgefranster Stickerei an den �rmeln und um den Halsausschnitt. Auch ihre Str�mpfe waren aus Wolle und zumindest Elaynes juckten. Tylin hatte sie mit den Kleidungsst�cken, verschiedenen Ratschl�gen und den in Scheiden steckenden Hochzeitsdolchen versorgt. Anscheinend wurden verheiratete Frauen seltener herausgefordert als unverheiratete, und Witwen, die eine weitere Heirat ablehnten, am seltensten. Auch ihre betagte Erscheinung war hilfreich. Niemand forderte eine grauhaarige Gro�mutter heraus, auch wenn sie jemanden herausfordern k�nnte.</p><p>�Wir sollten hineingehen�, sagte Elayne, und Birgitte ging voraus, eine Hand auf dem Dolch in ihrem rauhen, braunen Wollg�rtel, um die ungestrichene T�r aufzusto�en. Innen erwartete sie ein d�sterer, von groben T�ren ges�umter Gang, und an der entgegengesetzten Seite war eine steile, enge Treppe aus Ziegelsteinen zu sehen. Elayne unterdr�ckte ein erleichtertes Seufzen.</p><p>Ob man nun eine wei�e Scheide mit sich f�hrte oder nicht � ein Geb�ude zu betreten, in das man nicht hineingeh�rte, konnte sehr wohl bedeuten, dort in eine Messerstecherei zu geraten. Auch das Fragenstellen oder Neugier konnten dies bewirken. Tylin hatte davon abgeraten, aber sie hatten bereits am ersten Tag nur durch blaue T�ren gekennzeichnete Wirtsh�user betreten, um zu behaupten, sie kauften Sachen aus alten Lagerr�umen auf, um sie auszubessern und weiterzuverkaufen.</p><p>Sie war mit Birgitte zusammen losgegangen und hatte Nynaeve mit Aviendha arbeiten lassen, damit sie mehr erledigen k�nnten. Die Schankr�ume waren finstere, schmutzige Orte, und bei zwei Gelegenheiten hatte Birgitte sie wieder hinausgedr�ngt, beide mit den Dolchen in der Hand und gerade noch rechtzeitig, bevor sie in ernsthafte Schwierigkeiten gerieten. Beim zweiten Mal mu�te Elayne die Macht lenken, von zwei Frauen ertappt, die nach ihnen auf die Stra�e traten, und Birgitte war sich sicher, da� ihnen <emphasis>tats�chlich</emphasis> den restlichen Tag �ber jemand gefolgt war. Nynaeve und Aviendha hatten die gleichen Schwierigkeiten, nur da� ihnen niemand folgte. Nynaeve hatte in der Tat eine andere Frau mit einem Stuhl getroffen. So wurde sogar von harmlosen Fragen abgesehen, und sie hofften nur, da� sie nicht durch eine T�r in einen Dolch hineinspazierten.</p><p>Birgitte ging die steile Treppe hinauf voran. K�chenger�che vermischten sich auf �belkeit erregende Weise mit dem allgemeinen Gestank des Rahad. Das Baby h�rte auf zu weinen, aber daf�r begann irgendwo in dem Geb�ude eine Frau zu schreien. Im dritten Stockwerk �ffnete ein breitschultriger Mann mit entbl��tem Oberk�rper eine T�r, als sie gerade auf gleicher H�he waren. Birgitte sah ihn stirnrunzelnd an, und er hob beide H�nde, die Handfl�chen ihnen zugewandt, wich aus dem Flur wieder zur�ck und trat die T�r hinter sich zu. Im obersten Stockwerk, wo sich der Lagerraum h�tte befinden sollen, wenn dies das richtige Geb�ude war, sa� eine hagere Frau in einem groben Leinenhemd auf einem Stuhl im Eingang und geno� den leisen Luftzug, w�hrend sie ihren Dolch sch�rfte. Sie drehte ihnen den Kopf zu, und die Klinge wurde nicht mehr �ber den Schleifstein gezogen. Sie wandte den Blick nicht von ihnen ab, w�hrend sie die Treppe langsam wieder hinuntergingen, und das leise Kratzen von Metall auf Stein begann erst wieder, als sie die unterste Stufe erreicht hatten. In diesem Moment atmete Elayne erleichtert aus.</p><p>Sie war �beraus froh, da� Nynaeve ihre Wette nicht angenommen hatte. Zehn Tage. Sie war eine blau�ugige N�rrin gewesen. Dies war bereits der elfte Tag seit ihrer gro�spurigen Behauptung � elf Tage, in denen sie manchmal glaubte, abends in derselben Stra�e zu stehen wie am Morgen, elf Tage ohne einen Hinweis auf die Schale. Manchmal waren sie im Palast geblieben, einfach um ihre Gedanken zu kl�ren. Alles war sehr entt�uschend. Wenigstens hatten Vandene und Adeleas ebensowenig Gl�ck. Soweit Elayne es erkennen konnte, w�rde niemand im Rahad bereitwillig zwei Worte mit Aes Sedai wechseln. Die Leute entschwanden, sobald sie erkannten, mit wem sie es zu tun hatten. Sie hatte zwei Frauen beobachtet, die Adeleas erstechen wollten, zweifellos um die N�rrin auszurauben, die im Rahad in Seidengew�ndern umherging, aber als die Braune Schwester die beiden auf Str�ngen aus Luft emporhob und durch ein Fenster im zweiten Stockwerk steckte, war niemand sonst in Sicht. Nun, sie w�rde nicht zulassen, da� die beiden die Schale f�nden und sie ihr vor der Nase wegschnappten.</p><p>Als sie wieder auf der Stra�e standen, wurde Elayne noch durch etwas anderes daran erinnert, da� es im Rahad schlimmere Dinge gab als Entt�uschung. Genau vor ihr sprang ein schlanker Mann mit blutverschmierter Brust und einem Dolch in der Hand aus einem Eingang und wirbelte sofort wieder herum, um sich einem anderen Mann entgegenzustellen, der ihm folgte. Der zweite war gr��er und schwerer und blutete an einer Wange. Sie umkreisten einander, die Blicke ineinander verschr�nkt und die ausgestreckten Klingen blitzend und sich vortastend. Eine kleine Menschenmenge versammelte sich wie aus dem Boden gewachsen, um zuzusehen. Niemand kam angelaufen, aber es ging auch niemand vorbei.</p><p>Elayne und Birgitte traten auf eine Seite der Stra�e, aber sie gingen nicht weiter. Das h�tte im Rahad Aufmerksamkeit erregt � das letzte, was sie wollten. Elayne gelang es, an den beiden M�nnern vorbei dorthin zu blicken, wo nur vage, verschwommene, schnelle Bewegung erkennbar war, bis sich die Bewegung pl�tzlich verlangsamte. Sie blinzelte und zwang sich, wieder hinzusehen. Der Mann mit der blutverschmierten Brust stolzierte umher, grinste und fuchtelte mit seiner bluttriefenden Klinge herum. Der gr��ere Mann lag keine zwanzig Schritte entfernt mit dem Gesicht nach unten auf der Stra�e und keuchte schwach.</p><p>Elayne trat instinktiv n�her � ihre nicht sehr ausgepr�gte F�higkeit zu Heilen war besser als nichts, wenn ein Mann verblutete, und zum Krater des Verderbens mit dem, was jedermann hier �ber Aes Sedai dachte �, jedoch kniete sich, bevor sie einen zweiten Schritt tun konnte, eine andere Frau neben den Mann. Sie war vielleicht ein wenig �lter als Nynaeve und trug ein blaues Gewand mit rotem G�rtel, das in etwas besserem Zustand war als die meisten Gew�nder im Rahad. Elayne glaubte zun�chst, sie sei die Geliebte des Mannes. Niemand machte Anstalten zu gehen. Jedermann beobachtete schweigend, wie die Frau den Mann auf den R�cken drehte.</p><p>Elayne zuckte zusammen, als die Frau, statt dem Mann sanft das Blut von den Lippen zu wischen, eine Handvoll Kr�uter aus ihrer Tasche nahm und ihm einige davon hastig in den Mund steckte. Bevor sie ihre Hand zur�ckzog, umh�llte sie das Schimmern <emphasis>Saidars,</emphasis> und sie begann die Heilenden Str�nge geschickter zu weben, als Elayne es vermocht h�tte. Der Mann keuchte so heftig, da� er die meisten Kr�uterbl�tter wieder ausstie�, erschauderte � und lag dann still, die halb ge�ffneten Augen der Sonne zugewandt.</p><p>�Es war anscheinend zu sp�t.� Die Frau erhob sich und stellte sich vor den hageren Burschen. �Ihr m��t Masics Frau sagen, da� Ihr ihren Mann get�tet habt, Baris.�</p><p>�Ja, Asra�, erwiderte Baris dem�tig.</p><p>Asra wandte sich ohne ein weiteres Wort ab, und die kleine Menschenmenge teilte sich vor ihr. Als sie in nur wenigen Schritten Entfernung an Elayne und Birgitte vorbeiging, bemerkte Elayne zwei Dinge an ihr. Das eine war ihre Kraft. Elayne sp�rte ihr bewu�t nach. Sie erwartete ein hinreichendes Ma� an Kraft vorzufinden, aber Asra w�re wahrscheinlich nicht einmal gestattet worden, den Test zur Aufgenommenen zu machen. Das Heilen mu�te ihr st�rkstes Talent sein � vielleicht ihr einziges, da sie eine Wilde sein mu�te �und vom Gebrauch ausgezeichnet gesch�rft. Vielleicht glaubte sie sogar, da� diese Kr�uter n�tig w�ren. Und als zweites bemerkte Elayne das Gesicht der Frau. Es war nicht sonnengebr�unt, wie sie zun�chst vermutet hatte. Asra war h�chstwahrscheinlich eine Domani. Was, unter dem Licht, tat eine Domani-Wilde im Rahad?</p><p>Elayne w�re der Frau gefolgt, aber Birgitte zog sie in die entgegengesetzte Richtung. �Ich kenne diesen Ausdruck in Euren Augen, Elayne.� Birgitte suchte die Stra�e ab, als erwarte sie, da� einer der Vor�bergehenden sie belauschte. �Ich wei� nicht, warum Ihr dieser Frau hinterherjagen wollt, aber sie scheint geachtet zu sein. Kommt <emphasis>Ihr</emphasis> dieser Frau zu nahe, sehen wir uns vielleicht mehr Klingen gegen�ber, als wir zusammen bew�ltigen k�nnen.�</p><p>Das war schlicht die Wahrheit, und sie waren auch nicht nach Ebou Dar gekommen, um Domani-Wilde zu suchen.</p><p>Sie ber�hrte Birgittes Arm und deutete auf zwei M�nner, die gerade vor ihnen um die Ecke traten. In seinem Satinumhang sah Nalesean jeder Zoll wie ein tairenischer Lord aus. Sein Reiseumhang war bis zum Hals geschlossen, und sein verschwitztes Gesicht gl�nzte fast ebenso wie sein ge�lter Bart. Er starrte jedermann, der ihn auch nur ansah, derma�en an, da� er unweigerlich in einen Kampf verwickelt w�re, und er liebkoste sein Schwertheft so, als w�rde er einen solchen Kampf ersehnen. Mat stolzierte einher, und abgesehen von seinem verstimmten Ausdruck h�tte man glauben k�nnen, er am�siere sich. Mit dem ge�ffneten Umhang, dem tief in die Stirn gezogenen Hut und dem Tuch um den Hals wirkte er, als h�tte er die Nacht damit verbracht, durch Wirtsh�user zu ziehen, was sehr gut m�glich war. Elayne erkannte zu ihrer �berraschung, da� sie seit Tagen nicht an ihn gedacht hatte. Es dr�ngte sie, Hand an sein <emphasis>Ter'angreal</emphasis> zu legen, aber die Schale war unendlich wichtiger.</p><p>�Es ist mir niemals zuvor aufgefallen�, murmelte Birgitte, �aber ich glaube, Mat ist der Gef�hrlichere von den beiden. A N'Shar in Mameris. Ich frage mich, was sie auf dieser Seite des Eldar tun.�</p><p>Elayne starrte sie an. Wovon sprach Birgitte? �Sie haben wahrscheinlich alle Weinf�sser auf der anderen Seite leergetrunken. Wirklich, Birgitte, ich w�nschte, Ihr w�rdet Eure Gedanken auf das richten, weshalb wir hier sind.� Dieses Mal w�rde sie <emphasis>nicht</emphasis> fragen.</p><p>Als Mat und Nalesean an ihnen vorbeigeschlendert waren, verbannte Elayne sie wieder aus ihrem Geist und �berpr�fte die Stra�e. Es w�re wundervoll, wenn sie die Schale heute f�nden, weil sie bei einem n�chsten Versuch gemeinsam mit Aviendha suchen m��te. Sie fing an, sie zu m�gen � trotz ihrer �u�erst sonderbaren Vorstellungen von Rand und ihr; �u�erst sonderbar! �, aber sie neigte dazu, Frauen zu ermutigen, die bereit waren, einen Dolch zu ziehen. Aviendha schien sogar entt�uscht, wenn M�nner den Blick senkten, wenn sie sie anstarrte, anstatt eine Klinge zu ziehen, so wie Frauen es tun w�rden!</p><p>�Dort entlang�, sagte Elayne und deutete in die entsprechende Richtung. Nynaeve konnte mit den f�nf Stockwerken nicht recht haben. Oder? Elayne hoffte, da� Egwene einen Weg gefunden h�tte.</p><p>Egwene wartete geduldig, w�hrend Logain noch mehr Wasser trank Sein Zelt war nicht so ger�umig wie seine R�ume in Salidar, aber es war immer noch gr��er als die meisten anderen im Lager. Es mu�te Platz f�r sechs Schwestern, und somit sechs St�hle, vorhanden sein, die den Schild gegen ihn aufrechterhielten. Egwenes Vorschlag, ihn abzubinden, war mit Ungl�ubigkeit und fast ver�chtlich aufgenommen worden. Niemand war bereit, dies zu unterst�tzen, besonders jetzt nicht, da sie erst vor kurzem vier Frauen ohne Pr�fung oder die Eidesrute zu Aes Sedai erhoben hatte, und vielleicht niemals. Siuan hatte gesagt, sie w�rden es nicht tun. Der Brauch forderte sechs, obwohl ihn, wenn er so geschw�cht war, lediglich drei Schwestern h�tten festhalten k�nnen. Eine einzige Lampe lieferte angemessene Beleuchtung. Egwene und Logain sa�en auf den am Boden ausgelegten Decken.</p><p>�La�t es mich noch einmal wiederholen�, sagte Logain, als er den Zinnbecher senkte. �Ihr wollt wissen, was <emphasis>ich</emphasis> von al'Thors Straferla� halte?� Einige der Schwestern regten sich auf ihren St�hlen, vielleicht weil er es unterlassen hatte, sie �Mutter� zu nennen, aber noch wahrscheinlicher, weil ihnen das Thema mi�fiel.</p><p>�Ich m�chte wissen, was Ihr denkt. Ihr m��t doch sicherlich eine Meinung haben. Wenn Ihr mit ihm in Caemlyn w�rt, h�ttet Ihr wahrscheinlich einen Ehrenplatz erhalten. Hier m��t Ehr jeden Tag ged�mpft werden. Nun, Ihr habt den Wahnsinn f�nf Jahre lang aufgehalten, behauptet Ihr. Wie gro� ist Eurer Ansicht nach die Chance, da� jeder andere, der zu ihm kommt, das auch tun k�nnte?�</p><p>�Soll ich wirklich wieder ged�mpft werden?� Seine Stimme klang leise, sein Tonfall verletzt und w�tend. �Ich habe Euch alles gegeben. Ich habe alles getan, was Ihr verlangt habt. Ich habe Euch angeboten, jeden Eid zu schw�ren, den Ihr fordert.�</p><p>�Der Saal wird bald entscheiden. Einigen w�re es recht, wenn Ihr bequemerweise bald sterben w�rdet.</p><p>Alle wissen, da� Aes Sedai nicht l�gen k�nnen, wenn sie Eure Geschichte erz�hlen. Aber ich glaube nicht, da� Ihr das f�rchten m��t. Ihr habt uns zu gut gedient, als da� ich zulassen k�nnte, da� Ihr Schaden erleidet. Und was auch geschehen mag � Ihr k�nnt noch immer Euer Amt erf�llen und daf�r sorgen, da� die Rote Ajah nach Eurem Belieben bestraft wird.�</p><p>Logain richtete sich ruckartig auf, und sie umarmte <emphasis>Saidar</emphasis> und h�llte ihn innerhalb eines Herzschlags in sichere Str�nge aus Luft. Die Schwestern, die ihn abschirmten, hielten all ihre Kraft darauf konzentriert � ein weiterer Brauch; man mu� seine ganze Kraft einsetzen, um einen Menschen abzuschirmen �, aber mehrere konnten ihre Gewebe teilen, und eine k�nnte einen Teil zu ihm abgeleitet haben, wenn sie glaubten, er wollte ihr vielleicht Schaden zuf�gen. Sie wollte nicht riskieren, da� er verletzt w�rde.</p><p>Die Str�nge hielten ihn auf den Knien fest, aber er schien sie nicht zu beachten. �Ihr wollt wissen, was ich von al'Thors Straferla� halte? Ich w�nschte, ich w�re jetzt bei ihm! Verdammt seid Ihr alle! Ich habe alles getan, was Ihr verlangt habt! Das Licht verbrenne Euch alle!�</p><p>�Beruhigt Euch, Meister Logain.� Egwene war �berrascht, da� ihre Stimme so ruhig klang. Ihr Herz raste, wenn auch sicherlich nicht aus Angst vor ihm. �Ich schw�re Euch, ich werde Euch niemals Schaden zuf�gen oder zulassen, da� Euch von irgend jemandem aus meinem Gefolge ein Leid geschieht, wenn ich es verhindern kann, es sei denn, Ihr wendet Euch gegen uns.� Der Zorn war aus seinem Gesicht gewichen und wurde durch Ausdruckslosigkeit ersetzt. H�rte er noch zu? �Aber der Saal wird seinen Beschl�ssen folgen. Habt Ihr Euch jetzt wieder beruhigt?� Er nickte ersch�pft, und sie lie� die Str�nge fahren. Er sank wieder zu Boden, ohne sie anzusehen. �Ich werde erneut mit Euch �ber den Straferla� sprechen, wenn Ihr wieder gefa�ter seid. Vielleicht in ein oder zwei Tagen.� Er nickte noch einmal kurz, sah sie aber noch immer nicht an.</p><p>Als sie in die Abendd�mmerung hinaustrat, verbeugten sich die beiden Beh�ter, die drau�en wachten, vor ihr. Zumindest k�mmerte es die Gaidin nicht, da� sie erst achtzehn Jahre alt und als Aufgenommene nur dadurch eine Aes Sedai geworden war, da� man sie zur Amyrlin erhoben hatte. F�r die Beh�ter war eine Aes Sedai eine Aes Sedai, und die Amyrlin war die Amyrlin. Dennoch wagte sie erst auszuatmen, als sie weit genug fort war, so da� die beiden es nicht mehr h�ren konnten.</p><p>Das Lager war ziemlich gro�, Zelte f�r Hunderte von Aes Sedai und f�r Aufgenommene, Novizinnen und Diener. Karren und Wagen und Pferde breiteten sich �berall im Wald aus. Die Essensger�che der Abendmahlzeit hingen schwer in der Luft. Rundum erstreckten sich die Herdfeuer von Gareth Brynes Heer. Die meisten seiner M�nner w�rden nicht in Zelten, sondern auf dem Boden schlafen. Die sogenannte Horde der Roten Hand lagerte nicht mehr als zehn Meilen s�dlich. Talmanes �nderte diesen Abstand niemals um mehr oder weniger als eine Meile, am Tag oder bei Nacht, �ber zweihundert Meilen weit. Sie hatten bereits einen Teil ihres Planes ausgef�hrt, wie Siuan und Leane es vorgeschlagen hatten.</p><p>Gareth Brynes Streitmacht war in den sechzehn Tagen, seit sie Salidar verlassen hatten, angewachsen. Zwei Heere, die langsam nordw�rts durch Altara marschierten und einander eindeutig nicht freundlich gesonnen waren, erweckten Aufmerksamkeit. Adlige str�mten mit ihren Gefolgsleuten heran, um sich mit dem st�rkeren der beiden Heere zu verb�nden. Keiner jener Herren h�tte die Schw�re geleistet, die sie geleistet hatten, wenn sie gewu�t h�tten, da� kein gro�er Kampf auf ihren eigenen L�ndereien stattfinden w�rde. Tats�chlich w�re jeder, h�tte er die freie Wahl gehabt, in dem Moment davongeritten, als sie erkannten, da� Egwenes Ziel Tar Valon war und nicht ein Heer der Drachenverschworenen. Aber sie <emphasis>hatten</emphasis> jene Schw�re geleistet zumindest <emphasis>einer</emphasis> Amyrlin gegen�ber � vor den Aes Sedai, die sich den Saal der Burg nannten, und Hunderten weiteren Zuschauern. Diese Schw�re zu brechen, w�rde sie ihr Leben lang verfolgen. Au�erdem glaubte keiner von ihnen, da� Elaida die geleisteten Eide vergessen w�rde, selbst wenn Egwenes Kopf auf einem Spie� in der Wei�en Burg endete. Sie waren vielleicht in dem Bund gefangen und unterlagen der Treuepflicht, aber sie w�rden zu ihren gl�hendsten Helfern z�hlen. Ihr einziger Ausweg, ihren Hals heil aus dieser Schlinge zu retten, bestand darin, daf�r zu sorgen, da� Egwene in Tar Valon die Stola trug.</p><p>Siuan und Leane waren dar�ber aufgebracht. Egwene war sich ihrer Empfindungen nicht sicher. Wenn es eine M�glichkeit gegeben h�tte, Elaida zu vertreiben, ohne einen Tropfen Blut zu vergie�en, h�tte sie sofort zugegriffen. Sie glaubte jedoch nicht, da� diese M�glichkeit bestand.</p><p>Nach einer kleinen Mahlzeit aus Ziegenfleisch, Steckr�ben und etwas, das sie nicht n�her erfragte, zog Egwene sich in ihr Zelt zur�ck. Es war nicht das gr��te Zelt im Lager, aber sicherlich das gr��te, das nur von einer Person bewohnt wurde. Chesa befand sich bereits dort und wartete darauf, Egwene beim Auskleiden zu helfen, wobei sie unbedingt die Neuigkeit loswerden mu�te, da� sie vom Dienstm�dchen einer altaranischen Lady ein wenig des feinsten vorstellbaren Leinens erworben hatte, zarter Stoff, der die unvorstellbar k�hlsten Unterhemden ergeben w�rde. Egwene lie� Chesa h�ufig in ihrem Zelt schlafen, obwohl das Lager aus Decken kaum Chesas eigenem Bett gleichkam. Heute abend schickte sie die Frau jedoch fort, als sie bereit zum Schlafengehen war. Die Amyrlin zu sein, beinhaltete gewisse Sonderrechte. Beispielsweise bekam ihre Dienerin ein eigenes Zelt zugewiesen, und sie konnte nachts allein schlafen, wenn sie es wollte.</p><p>Egwene war noch nicht m�de genug, um schlafen zu k�nnen, aber das war unerheblich. Es war einfach, sich in Schlaf zu versetzen. Sie war von Aiel-Traumg�ngern ausgebildet worden. Sie betrat <emphasis>Tel'aran'rhiod...</emphasis></p><p><emphasis>...</emphasis>und stand in dem Raum, der in der Kleinen Burg f�r kurze Zeit ihr Arbeitszimmer gewesen war. Der Tisch und die St�hle waren nat�rlich geblieben. Man nahm keine M�bel mit, wenn man mit einem Heer aufbrach. In der Welt der Tr�ume f�hlte sich jeder Ort leer an, bis auf jene, die wirklich mehr als die meisten anderen bedeuteten. Die Kleine Burg f�hlte sich bereits ... hohl an.</p><p>Sie erkannte j�h, da� die Stola der Amyrlin um ihren Hals gelegt war. Sie lie� sie gerade noch rechtzeitig verschwinden. Einen Moment sp�ter waren Nynaeve und Elayne da, Nynaeve genauso k�rperlich wie sie, Elayne eher nebelhaft. Siuan hatte nur widerwillig von dem echten <emphasis>Ring-Ter'angreal</emphasis> abgelassen. Ein ausdr�cklicher Befehl war notwendig gewesen. Elayne trug ein gr�nes Gewand mit Spitzenmanschetten und einem erstaunlich tiefen, spitzenbesetzten Ausschnitt, der einen kleinen, von einer eng anliegenden goldenen Kette herabh�ngenden Dolch freigab, dessen Heft sich als Ansammlung von Perlen und Feuertropfen zwischen ihre Br�ste schmiegte. Elayne schien stets �berall, wo sie sich aufhielt, die �rtlichen Gepflogenheiten zu �bernehmen. Nynaeve trug erwartungsgem�� die einfache und robuste Kleidung der Zwei Fl�sse.</p><p>�Hattet ihr Erfolg?� fragte Egwene hoffnungsvoll.</p><p>�Noch nicht, aber wir werden Erfolg haben.� Elayne klang so zuversichtlich, da� Egwene erstaunt war. Sie sollte sich bem�hen, ebenso zu klingen.</p><p>�Es wird gewi� nicht mehr lange dauern�, sagte Nynaeve, die sogar noch hoffnungsvoller klang.</p><p>Egwene seufzte. �Vielleicht solltet ihr euch mir wieder anschlie�en. Ich bin sicher, da� ihr die Schale in wenigen weiteren Tagen finden k�nntet, aber ich denke st�ndig an alle diese Geschichten.� Sie waren in der Lage, auf sich selbst aufzupassen. Sie wu�te das, und es w�re gut, diesen Gedanken an ihren Gr�bern zu hegen. Aber Siuan behauptete, da� <emphasis>keine</emphasis> der Geschichten, die sie erz�hlt hatten, �bertrieben waren.</p><p>�O nein, Egwene�, widersprach Nynaeve. �Die Schale ist zu wichtig. Du wei�t es. Alles wird stillstehen, wenn wir sie nicht finden.�</p><p>�Und au�erdem�, f�gte Elayne hinzu, �in welche Schwierigkeiten k�nnten wir schon geraten? Wir schlafen jede Nacht im Tarasin-Palast, falls du das vergessen hast, und wenn Tylin uns auch nicht gerade zudeckt, ist sie doch immer bereit, mit uns zu reden.� Ihr Gewand sah jetzt anders aus, der Schnitt war unver�ndert, aber der Stoff war jetzt rauh und abgetragen. Nynaeve trug ann�hernd dasselbe Gewand, aber ihr Dolch wies nur neun oder zehn Glasperlen am Heft auf. Diese Kleidung war kaum f�r irgendeinen Palast geeignet. Und was noch schlimmer war � sie versuchte, unschuldig zu wirken. Darin hatte Nynaeve keine �bung.</p><p>Egwene schwieg dazu. Die Schale war <emphasis>tats�chlich</emphasis> wichtig, sie konnten <emphasis>tats�chlich</emphasis> auf sich selbst aufpassen, und sie wu�te sehr gut, da� der Tarasin-Palast nicht �berwacht wurde. �Ihr benutzt Mat, richtig?�</p><p>�Wir...� Elayne wurde sich j�h ihres Gewandes bewu�t und zuckte zusammen. Aus irgendeinem Grund schien jedoch der kleine Dolch das zu sein, was sie wahrhaft erschreckte. Ihre Augen traten hervor, sie umklammerte das Heft, eine Ansammlung gro�er roter und wei�er Glasperlen, und ihr Gesicht wurde vollkommen karmesinrot. Einen Moment sp�ter steckte sie in einem hochgeschlossenen andoranischen Gewand aus gr�ner Seide.</p><p>Nynaeve erkannte nur einen Herzschlag nach Elayne, was sie trug, und reagierte genauso; au�er vielleicht, da� Nynaeve doppelt so stark err�tete. Sie trug wieder die Kleidung der Zwei Fl�sse, bevor Elayne ihr Gewand ver�ndert hatte.</p><p>Elayne r�usperte sich und hauchte: �Ich bin sicher, da� Mat uns von Nutzen sein kann, aber wir d�rfen nicht zulassen, da� er sich uns in den Weg stellt, Egwene. Du wei�t, wie er ist. Aber sei versichert, da� wir ihn und alle seine Soldaten, wenn wir etwas Gef�hrliches tun, ganz in unserer N�he halten werden.� Nynaeve schwieg und schien ver�rgert. Vielleicht erinnerte sie sich an Mats Drohung.</p><p>�Nynaeve, ihr werdet Mat nicht zu hart bedr�ngen, nicht wahr?�</p><p>Elayne lachte. �Egwene, sie bedr�ngt ihn �berhaupt nicht�</p><p>�Das ist die einfache Wahrheit�, warf Elayne schnell ein. �Ich habe kein Wort mit ihm gesprochen, seit wir in Ebou Dar angekommen sind.�</p><p>Egwene nickte langsam. Sie k�nnte der Sache auf den Grund gehen, aber es w�rde viel Zeit... Sie schaute an sich herab, um sich zu versichern, da� die Stola nicht wieder aufgetaucht war, und sah nur ein Flackern, da� selbst sie nicht erkennen konnte.</p><p>�Egwene�, sagte Elayne, �hast du schon mit den Traumg�ngern gesprochen?�</p><p>�Ja�, sagte Nynaeve. �Wissen sie, wo das Problem liegt?�</p><p>�Ich habe mit ihnen gesprochen.� Egwene seufzte. �Sie wissen es nicht, nicht wirklich.�</p><p>Es war eine seltsame Begegnung gewesen, erst vor wenigen Tagen, als sie Bairs Tr�ume gesucht hatte. Bair und Melaine hatten sie im Stein von Tear getroffen. Amys hatte gesagt, sie w�rde Egwene nicht mehr lehren, und kam nicht. Zuerst hatte sich Egwene befangen gef�hlt. Sie konnte sich nicht �berwinden, ihnen zu sagen, da� sie eine Aes Sedai war, und noch viel weniger, da� sie die Amyrlin war, aus Angst, sie k�nnten es f�r eine weitere L�ge halten. Es w�re sicherlich nicht schwierig gewesen, die Stola zu dem Zeitpunkt erscheinen zu lassen. Aber da war auch noch ihr <emphasis>Toh</emphasis> gegen�ber Melaine. Sie erw�hnte es, w�hrend sie unaufh�rlich dar�ber nachdachte, wie viele Meilen sie am n�chsten Tag in einem Sattel verbringen m��te, aber Melaine war so voller Freude dar�ber, da� sie T�chter bekommen w�rde � sie schw�rmte von Mins Vision �, da� sie nicht nur geradeheraus verk�ndete, Egwene habe ihr gegen�ber kein <emphasis>Toh</emphasis> mehr, sondern auch sagte, sie w�rde eines der M�dchen Egwene nennen. Das war eine kleine Freude in einer Nacht voller Nichtigkeiten und Ver�rgerung gewesen.</p><p>�Sie sagten�, fuhr Egwene fort, �da� sie niemals von jemandem geh�rt h�tten, der etwas erneut dringend zu finden versuchte, nachdem er es bereits gefunden hatte. Bair dachte, es w�re so, als w�rde man versuchen, denselben ... Apfel zweimal zu essen.� Bair hatte denselben <emphasis>Motai</emphasis> gesagt. Ein <emphasis>Motai</emphasis> war eine in der W�ste zu findende Raupe. Sehr s�� und knusprig � bis Egwene herausfand, was sie da a�.</p><p>�Du meinst, wir <emphasis>k�nnen</emphasis> nicht in den Lagerraum zur�ckkehren?� Elayne seufzte. �Ich hatte gehofft, da� wir etwas falsch angefangen h�tten. Oh, wir werden sie trotzdem finden.� Sie z�gerte, und ihr Gewand ver�nderte sich erneut, obwohl sie es nicht zu bemerken schien. Es war noch immer andoranisch, aber jetzt rot, mit den Wei�en L�wen von Andor geschm�ckt, die die �rmel hinaufkletterten und �ber das Leibchen wanderten. Das Gewand einer K�nigin, auch ohne da� die Rosenkrone auf ihren rotgoldenen Locken prangte. Das Gewand einer K�nigin, aber mit einem eng anliegenden Leibchen, das vielleicht mehr preisgab, als eine andoranische K�nigin preisgeben w�rde. �Egwene, haben sie etwas �ber Rand gesagt?�</p><p>�Er ist in Cairhien und macht sich im Sonnenpalast eine sch�ne Zeit.� Egwene gelang es nur m�hsam, nicht zusammenzuzucken. Weder Bair noch Melaine waren sehr entgegenkommend, aber Melaine murmelte d�ster etwas �ber Aes Sedai, w�hrend Bair sagte, da� sie alle gez�chtigt werden sollten. Was auch immer Sorilea sagte � eine einfache Z�chtigung sollte gen�gen. Egwene bef�rchtete insgeheim, da� Merana falsch gehandelt hatte. Zumindest vertr�stete er die Abgesandten Elaidas. Sie glaubte nicht, da� er auch nur ann�hernd so geschickt mit ihnen umgehen konnte, wie er selbst es glaubte. �Perrin ist bei ihm und dessen Frau. Perrin hat Faile geheiratet!� Das bewirkte erstaunte Ausrufe. Nynaeve sagte, Faile sei viel zu gut f�r ihn, aber sie �u�erte es mit einem breiten L�cheln. Elayne meinte, sie hoffe, da� sie gl�cklich w�rden, aber sie klang aus irgendeinem Grund skeptisch. �Loial ist auch dort. Und Min. Also fehlen nur noch Mat und wir drei.�</p><p>Elayne bi� sich auf die Unterlippe. �Egwene, w�rdest du eine ... Nachricht f�r Min an die Weisen Frauen weitergeben? Sie sollen ihr sagen... � Sie z�gerte und bi� sich nachdenklich auf die Lippen. �Sie sollen ihr sagen, da� ich hoffe, da� sie Aviendha mit der Zeit genauso m�gen wird wie mich. Ich wei�, da� das seltsam klingt�, f�gte sie lachend hinzu. �Es ist eine pers�nliche Angelegenheit zwischen uns.� Nynaeve sah Elayne genauso merkw�rdig an, wie sie selbst dreinschaute.</p><p>�Nat�rlich w�rde ich es tun. Aber andererseits m�chte ich f�r l�ngere Zeit nicht wieder mit ihnen sprechen.� Es hatte nicht viel Sinn, wenn sie so wenig �ber Rand preisgeben wollten. Und wenn sie den Aes Sedai gegen�ber so feindselig gestimmt waren.</p><p>�Oh, es ist gut�, sagte Elayne schnell. �Es ist wirklich nicht wichtig. Nun, wenn wir die Not nicht benutzen k�nnen, dann m�ssen wir die F��e benutzen, und in Ebou Dar schmerzen meine gerade. Wenn es euch nichts ausmacht, werde ich zu meinem K�rper zur�ckkehren und eine Weile richtig schlafen.�</p><p>�Geh du vor�, sagte Nynaeve. �Ich bleibe noch eine Weile.� Als Elayne verschwunden war, wandte sie sich zu Egwene um. Ihr Gewand hatte sich ebenfalls ver�ndert, und Egwene glaubte sehr gut zu wissen, warum. Es war jetzt zartblau und tief ausgeschnitten. Blumen steckten in ihrem Haar und B�nder durchzogen ihren Zopf, wie es bei ihrer Hochzeit zu Hause w�re. Egwenes Herz flog ihr zu. �Hast du etwas von Lan geh�rt?� fragte Nynaeve leise.</p><p>�Nein, Nynaeve, ich habe nichts von ihm geh�rt. Es tut mir so leid. Ich w�nschte, ich k�nnte dir etwas Besseres sagen. Ich wei�, da� er noch lebt, Nynaeve, und da� er dich genauso liebt, wie du ihn liebst.�</p><p>�Nat�rlich lebt er�, sagte Nynaeve bestimmt. �Ich w�rde nichts anderes zulassen. Ich beabsichtige, ihn mir zu nehmen. Er <emphasis>geh�rt</emphasis> mir, und ich werde nicht zulassen, da� er stirbt.�</p><p>Als Egwene erwachte, sa� Siuan neben ihrem Bett, in der Dunkelheit kaum zu sehen. �Ist es vollbracht?� fragte Egwene.</p><p>Ein Schimmern umgab Siuan, als sie ein kleines Wachgewebe gegen Lauscher um sie beide wob. �Von den sechs Schwestern, die seit Mitternacht wachen, haben nur drei Beh�ter, und jene Gaidin werden drau�en Wache halten. Sie werden sich Minztee bringen lassen, mit einem kleinen Zusatz, den sie nicht bemerken sollten.�</p><p>Egwene schlo� einen Moment die Augen. �Tue ich das Richtige?�</p><p>�Das fragt Ihr <emphasis>mich?�</emphasis> keuchte Siuan. �Ich habe Befehle ausgef�hrt, Mutter. Ich w�rde diesem Mann auf keinen Fall zur Flucht verhelfen, wenn es mir �berlassen bliebe.�</p><p>�Sie werden ihn d�mpfen, Siuan.� Egwene hatte dies bereits alles mit ihr besprochen, aber sie mu�te es f�r sich selbst erneut aussprechen, um sich davon zu �berzeugen, da� sie keinen Fehler beging. �Sogar Sheriam h�rt Carlinya nicht mehr zu, und Lelaine und Romanda dr�ngen darauf. Wom�glich wird sogar jemand tats�chlich tun, was Delana angedeutet hat. Ich werde keinen Mord zulassen! Wenn wir einen Mann nicht pr�fen und hinrichten k�nnen, haben wir kein Recht, seinen Tod zu <emphasis>vereinbaren.</emphasis> Ich werde ihn nicht ermorden lassen, und ich kann auch nicht zulassen, da� er ged�mpft wird. Wenn Merana Rand wirklich den R�cken gest�rkt hat, hei�t das �l aufs Feuer zu gie�en. Ich w�nschte nur, ich h�tte Gewi�heit, da� er zu Rand geht und sich ihm anschlie�t, anstatt das Licht wei� wohin zu laufen, um nur das Licht wei� was zu tun. Zumindest best�nde auf diese Weise eine gewisse M�glichkeit zu ahnen, was er unternimmt.� Sie h�rte, wie Siuan sich in der Dunkelheit regte.</p><p>�Ich dachte immer, die Stola w�ge genauso viel wie drei gute M�nner�, sagte Siuan ruhig. �Die Amyrlin hat ein paar leichte Entscheidungen zu treffen, und noch weniger, bei denen sie Gewi�heit haben kann. Tut, was Ihr tun m��t, und bezahlt den Preis, wenn Ihr Euch irrt. Und manchmal auch, wenn Ihr richtig entschieden habt.�</p><p>Egwene lachte leise. �Mir scheint, als h�tte ich das schon einmal geh�rt.� Nach einer Weile erstarb ihr Frohsinn. �Versichert Euch, da� er niemanden verletzt, wenn er geht, Siuan.�</p><p>�Wie Ihr befehlt, Mutter.�</p><p>�Das ist schrecklich�, murrte Nisao. �Wenn es bekannt wird, wird die Mi�billigung gen�gen, Euch ins Exil zu treiben, Myrelle. Und mich mit Euch. Vor vierhundert Jahren w�re es vielleicht allt�glich gewesen, aber heute wird niemand mehr so denken. Einige werden es als ein Verbrechen bezeichnen.�</p><p>Myrelle war froh, da� der Mond bereits untergegangen war. So blieb ihr Gesichtsausdruck verborgen. Sie konnte selbst Heilen, aber Nisao hatte sich mit der Heilung des Geistes besch�ftigt, Dinge, welche die Macht nicht ber�hren konnte. Myrelle w�rde alles versuchen, was vielleicht Erfolg haben k�nnte. Nisao konnte sagen, was sie wollte. Myrelle wu�te, da� sie sich eher die eigene Hand abhacken als diese Chance zur Weiterbildung verpassen w�rde.</p><p>Sie konnte ihn dort drau�en in der Nacht n�her kommen sp�ren. Sie waren noch ein gutes St�ck von den Zelten entfernt, ein gutes St�ck jenseits der Soldaten, und nur vereinzelte B�ume umgaben sie. Sie hatte ihn von dem Moment an gesp�rt, als seine bindende Kraft auf sie �berging, das Verbrechen, �ber das sich Nisao aufregte. Die bindende Kraft eines Beh�ters ging ohne sein Einverst�ndnis von einer Aes Sedai auf eine andere �ber. In einem Punkt hatte Nisao recht: Sie w�rden dieses Geheimnis so lange wie m�glich bewahren m�ssen. Myrelle konnte seine Verletzungen sp�ren, von denen einige bereits fast geheilt, andere aber noch frisch waren. Und einige waren stark entz�ndet. Er w�re nicht vom Weg abgewichen, um den Kampf zu suchen. Er mu�te so unausweichlich zu ihr kommen, wie ein Fels einen Berg hinunterrollen mu�te, wenn man ihn hinabkippte. Er w�re auch nicht zu Fu� marschiert, um dem Kampf fernzubleiben. Sie hatte sein Schnelles Reisen in der Ferne im Blut gesp�rt, in seinem Blut. Durch Cairhien und Andor, Murandy und jetzt Altara, durch von Aufr�hrern und Schurken, Stra�enr�ubern und Drachenverschworenen heimgesuchte L�nder, auf sie fixiert wie ein auf das Ziel zufliegender Speer, der sich seinen Weg durch jeden bewaffneten Mann bohrte, der ihm im Weg stand. Sogar er konnte das nicht unbeschadet tun. Sie z�hlte seine Verletzungen im Geiste auf und wunderte sich, da� er noch lebte.</p><p>Sie h�rte das Ger�usch von Pferdehufen zuerst, ein steter Klang, und erst jetzt bemerkte sie das gro�e schwarze Pferd in der Nacht. Auch der Reiter schien die Nacht zu sein. Er w�rde seinen Umhang tragen. Das Pferd blieb gut f�nfzig Schritte von ihr entfernt stehen.</p><p>�Ihr h�ttet Nuhel und Croi nicht ausschicken sollen, mich zu suchen�, rief der unsichtbare Reiter mit rauher Stimme. �Ich h�tte sie beinahe get�tet, bevor ich erkannte, wer sie waren. Avar, Ihr k�nnt unbesorgt hinter diesem Baum hervorkommen.� Die Nacht schien zur Rechten in Bewegung zu geraten. Avar trug ebenfalls seinen Umhang und hatte nicht erwartet, gesehen zu werden.</p><p>�Das ist verr�ckt�, murmelte Nisao.</p><p>�Sei still�, zischte Myrelle. Dann rief sie mit lauterer Stimme: �Kommt zu mir.� Das Pferd r�hrte sich nicht. Ein Wolfshund, der seine tote Herrin beklagte, kam nicht bereitwillig zu einer neuen Herrin. Sie wob geschickt Geist und ber�hrte den Teil von ihm, der ihre bindende Kraft enthielt. Es mu�te geschickt geschehen, sonst w�rde er es merken, und nur der Sch�pfer wu�te, welche Ersch�tterung daraus entstehen w�rde. �Kommt zu mir.�</p><p>Dieses Mal ging das Pferd vorw�rts, und der Mann schwang sich herab und kam die letzten Meter zu Fu� heran, ein gro�er Mann, dessen kantiges Gesicht im Mondlicht wie aus Stein gemei�elt schien. Dann stand er vor ihr, stand �ber ihr, und sie schaute in Lan Mandragorans kalte blaue Augen, und sie sah den Tod. Das Licht helfe ihr. Wie sollte sie ihn jemals lange genug am Leben erhalten?</p></section><section><title><p>53</p><p>Das Lichterfest</p></title><p>Die in den Stra�en von Cairhien tanzenden Menschen �rgerten Perrin. Es war fast unm�glich hindurchzugelangen. Im Schreittanz schl�ngelte sich eine Kette Tanzender hinter einem gro�nasigen Burschen mit einer Fl�te und ohne Hemd hinter ihm vorbei. Als letzte in der Reihe t�nzelte eine rundliche kleine Frau, die fr�hlich lachte und eine Hand von der Taille des Mannes vor ihr nahm, um zu versuchen, Perrin hinter sich in die Reihe zu ziehen. Er sch�ttelte den Kopf, und entweder erschreckten sie seine gelben Augen oder sein Gesichtsausdruck wirkte so grimmig, wie er es auch selbst empfand, denn sie verlor ihre Fr�hlichkeit und sah ihn �ber die Schulter an, bis die Menge sie verbarg. Eine bereits ergrauende, aber immer noch h�bsche Frau in einem dunklen, fast bis zur Taille mit farbigen Schlitzen versehenen Seidengewand schlang Perrin die schlanken Arme um den Hals und reckte den Mund hungrig zu ihm empor. Sie wirkte best�rzt, als er sie sanft unter den Armen ergriff und aus dem Weg hob. Eine Gruppe von M�nnern und Frauen in seinem Alter, die zu Trommelkl�ngen tanzten, stie�en gegen ihn, lachten lebhaft und zupften an seinem Umhang. Sie mi�achteten sein Kopfsch�tteln, bis er einen der M�nner schlie�lich heftig von sich stie� und die anderen mit dem Knurren eines Leitwolfs bedachte. Das Lachen wich einem Moment offenen Erstaunens, aber dann lachten sie erneut und versuchten, sein Knurren nachzuahmen, bevor sie fr�hlich in die Menge entschwanden.</p><p>Es war der erste Tag des Lichterfests, der k�rzeste Tag des Jahres, der letzte Tag des Jahres, und die Stadt feierte auf eine Art, wie es sich Perrin niemals h�tte vorstellen k�nnen. In den Zwei Fl�ssen w�rden sie auch tanzen, aber so... Die Cairhiener schienen entschlossen, ein Jahr gesetzte Verhaltenheit an zwei Festtagen wieder wettzumachen. Aller Anstand war dahin und damit jede Barriere zwischen den B�rgern und den Adligen � zumindest in der �ffentlichkeit. Schwitzende Frauen in einfachen, rauhen Wollgew�ndern ergriffen schwitzende M�nner in farbig gestreifter dunkler Seide und zogen sie in den Tanz. M�nner in den Jacken der Fuhrm�nner oder den Westen der Stallknechte wirbelten Frauen herum, deren Gew�nder bis zur Taille farbig geschlitzt waren. M�nner mit nacktem Oberk�rper begossen sich und alle anderen um sich herum mit Wein. Offensichtlich durfte jeder Mann jede Frau und jede Frau jeden Mann k�ssen, und sie taten dies sehr ungezwungen, wohin auch immer Perrin blickte. Er bem�hte sich, nicht zu genau hinzusehen. Einige der adligen Frauen mit kunstvoll aufget�rmtem gelockten Haar waren unter leichten Umh�ngen, die geschlossen zu halten sie sich kaum bem�hten, bis zur Taille nackt. Unter den B�rgerlichen bem�hten sich nur wenige Frauen, die ihre Blusen abgelegt hatten, ihren K�rper mit mehr als ihrem Haar zu bedecken, und auch das nur selten ausreichend lange. Sie begossen sich selbst und jedermann sonst ausgelassen mit Wein. Ungest�mes Gel�chter k�mpfte gegen tausend verschiedene Melodien von Fl�ten und Trommeln, H�rnern und Zithern und Zimbeln an.</p><p>Der Frauenkreis in Emondsfeld h�tte hier hysterisch geschrien, und die d�rfliche Ratsversammlung w�re vom Schlag getroffen worden, aber das verderbte Treiben war nicht vergleichbar mit Perrins Ver�rgerung. Nur einige Stunden, hatte Nandera gesagt, aber Rand war jetzt schon sechs Tage fort. Min war entweder mit ihm gegangen oder hielt sich bei den Aiel auf. Niemand schien etwas zu wissen. Bis auf Sorilea gaben die Weisen Frauen genauso ausweichende Antworten wie jede Aes Sedai, wenn es Perrin einmal gelang, eine von ihnen in die Enge zu treiben. Sorilea belehrte ihn offen, er solle sich um seine Frau k�mmern und seine Nase aus Dingen heraushalten, die Feuchtl�nder nichts angingen. Er hatte keine Ahnung, woher Sorilea von den Schwierigkeiten zwischen Faile und ihm wu�te, aber es k�mmerte ihn nicht. Er konnte Rands Not wie ein Kribbeln �berall unter der Haut sp�ren, und es wurde jeden Tag st�rker. Jetzt kam er gerade aus Rands Schule � eine letzte Zuflucht �, aber dort war jedermann genauso mit Trinken, Tanzen und Ausschweifungen besch�ftigt wie im �brigen Cairhien.</p><p>Eine Frau namens Idrien war ihm als Leiterin der Schule benannt worden, aber nachdem es ihm unter einigen Schwierigkeiten und mit nicht unerheblicher Verlegenheit gelungen war, sie beim K�ssen eines jungen Mannes, der ihr Sohn h�tte sein k�nnen, lange genug zu st�ren, um seine Frage zu stellen, konnte sie ihm nur sagen, da� vielleicht ein Mann namens Fei etwas w��te, und Fei erwies sich als jemand, der mit drei Frauen tanzte, die seine Enkelinnen h�tten sein k�nnen. Mit allen dreien auf einmal! Er schien kaum in der Lage, sich an seinen eigenen Namen zu erinnern, was unter den gegebenen Umst�nden nicht �berraschend war. Verdammter Rand! Er war ohne ein Wort davongegangen, obwohl er Mins Vision kannte und auch sehr wohl wu�te, da� er Perrin verzweifelt brauchen w�rde. Sogar die Aes Sedai waren offensichtlich emp�rt gewesen. Perrin hatte gerade an diesem Morgen erfahren, da� sie bereits seit drei Tagen auf dem R�ckweg nach Tar Valon waren. Sie hatten gesagt, es mache keinen Sinn mehr zu bleiben. Was hatte Rand vor? Dieses Kribbeln machte Perrin zornig. Als er den Sonnenpalast erreichte, waren alle Lampen entz�ndet, und Kerzen brannten �berall, wo man welche hinstellen konnte. Die G�nge schimmerten wie Edelsteine in der Sonne. In den Zwei Fl�ssen w�rde bis zum Sonnenaufgang am �bern�chsten Morgen auch jedes Haus mit jeder verf�gbaren Lampe und Kerze beleuchtet sein. Die meisten der Palastdiener befanden sich auf den Stra�en, und die wenigen Verbliebenen schienen genauso viel zu lachen, zu tanzen und zu singen wie zu arbeiten. Selbst hier waren manche Frauen barbusig, M�dchen, die kaum alt genug waren, da� sie in den Zwei Fl�ssen ihr Haar h�tten flechten d�rfen, und grauhaarige Gro�m�tter gleicherma�en. Die Aiel in den G�ngen wirkten angewidert, wenn sie es bemerkten, und das kam bei ihnen tats�chlich nicht allzu h�ufig vor. Besonders die T�chter des Speers schienen zornig, obwohl Perrin vermutete, da� ihr Unmut nichts mit den entbl��ten cairhienischen Frauen zu tun hatte. Die T�chter des Speers wurden, seit Rand fortgegangen war, Katzen immer �hnlicher, die aufgeregt mit dem Schwanz schlugen.</p><p>Perrin schlenderte auf der Suche nach Abwechslung durch die G�nge. Fast w�nschte er sich, Berelain w�rde sich auf ihn st�rzen. In seinem Geist flammte das Bild auf, wie er seine Z�hne in ihren Nacken schlug und sie sch�ttelte, bis sie bereitwilligst davonlief. Vielleicht war es ein Gl�ck, da� er seine R�ume erreichte, ohne auch nur ein Haar von ihr zu sehen.</p><p>Faile h�tte fast von ihrem Brettspiel aufgeschaut, als er hereinkam. Noch immer schwebte der Geruch von Eifersucht von ihr heran, aber es war nicht der st�rkste Geruch im Raum. Ihr Zorn roch noch sch�rfer, wenn auch nicht im schlimmsten Ma�e, aber am deutlichsten war ein fader, milder Geruch, den er als Entt�uschung erkannte. Warum war sie von ihm entt�uscht? Warum wollte sie nicht mit ihm reden? Ein Wort, das auch nur andeutungsweise daran erinnert h�tte, wie es gewesen war � und er l�ge auf den Knien, um die Schuld f�r alles auf sich zu nehmen, was sie ihm anlasten wollte. Aber sie setzte nur einen schwarzen Stein und murmelte: �Ihr seid an der Reihe, Loial. Loial?�</p><p>Loials Ohren drehten sich unbehaglich, und seine langen Augenbrauen sanken herab. Der Ogier besa� vielleicht keinen nennenswerten Geruchssinn � nun, man konnte sagen, da� er nicht ausgepr�gter war als Failes �, aber Loial konnte Stimmungen ersp�ren, wo kein menschliches Wesen etwas bemerken w�rde. Wenn sich Perrin und Faile im gleichen Raum aufhielten, schien Loial zum Heulen zumute zu sein. Gerade jetzt seufzte er wie ein durch eine H�hle fegender Wind und setzte einen wei�en Stein an eine Stelle, von der aus er einen gro�en Teil von Failes Steinen festsetzen konnte, wenn sie nicht aufpa�te. Aber wahrscheinlich w�rde sie es bemerken. Sie und Loial waren ebenb�rtige und weitaus bessere Spieler als Perrin.</p><p>Sulin kam mit einem Kissen in den Armen zur Schlafzimmert�r und sah Faile und Perrin stirnrunzelnd an. Ihr Geruch erinnerte Perrin an eine W�lfin, die das st�rmische Spiel ihrer Jungen mit ihrem Schwanz w�rdig ertrug. Sie roch aber auch besorgt und seltsamerweise �ngstlich. Obwohl Perrin nicht verstand, warum es seltsam sein sollte, da� eine wei�haarige Dienerin �selbst eine mit Sulins vernarbtem, ledrigem Gesicht ��ngstlich roch.</p><p>Er nahm ein Buch mit goldgepr�gtem Ledereinband hoch, setzte sich in einen Sessel und schlug den Band auf. Aber er las nicht, noch sah er das Buch deutlich genug, um zu wissen, welches er in der Hand hielt. Er atmete tief ein und schlo� alles au�er Faile aus. Entt�uschung, Zorn, Eifersucht und darunter, auch noch unter dem ganz schwachen frischen Kr�utergeruch ihrer Seife, war sie. Perrin atmete sie gierig ein. Ein Wort, mehr brauchte sie nicht zu sagen.</p><p>Als es an der T�r klopfte, stolzierte Sulin aus dem Schlafraum hervor, schwenkte ihre rotwei�en R�cke und sah Perrin und Faile und Loial an, als frage sie sich, warum nicht einer von ihnen auf das Klopfen reagierte. Sie zeigte ihren Hohn recht offen, als sie Dobraine erblickte � sie schien dies h�ufig zu tun, seit Rand fort war �, aber dann atmete sie tief durch, als st�hle sie sich, und zwang sich sichtlich zu fast kriecherischer Sanftmut. Ihr tiefer Hofknicks w�re eines K�nigs w�rdig gewesen, der Gefallen daran fand, sein eigener Scharfrichter zu sein, und so verharrte sie, das Gesicht fast am Boden. Pl�tzlich begann sie zu zittern. Der Geruch ihres Zornes wich, und selbst die Sorge wurde von einem Geruch wie tausend haarfeine, nadelscharfe Splitter �berwogen. Perrin hatte schon fr�her Scham gerochen, aber dieses Mal h�tte er behauptet, da� sie daran sterben k�nnte. Er roch die bittere S��e, die Frauen ausstr�mten, wenn sie aus Gef�hl weinten.</p><p>Nat�rlich sah Dobraine sie nicht einmal an. Statt dessen betrachteten seine tiefliegenden Augen Perrin, das Gesicht unter seiner rasierten und gepuderten Stirn ernst, beinahe d�ster. Dobraine roch noch nicht einmal schwach nach Alkohol und wirkte kaum, als h�tte er getanzt. Als Perrin ihm das bisher einzige Mal zuvor begegnet war, hatte er gedacht, der Mann r�che wachsam, als laufe er durch ein Dickicht voller Giftschlangen. Dieser Geruch war heute noch zehnmal st�rker. �Seid gegr��t, Lord Aybara�, sagte Dobraine und neigte den Kopf. �Kann ich Euch allein sprechen?�</p><p>Perrin legte das Buch auf den Boden neben seinen Sessel und deutete auf den Sessel gegen�ber. �M�ge das Licht Euch bescheinen, Lord Dobraine.� Wenn der Mann f�rmlich sein wollte, konnte auch Perrin f�rmlich sein. Aber es gab Grenzen. �Was auch immer Ihr zu sagen habt � meine Frau kann es ruhig h�ren. Ich habe keine Geheimnisse vor ihr. Und Loial ist mein Freund.�</p><p>Er konnte Failes auf sich gerichteten Blick sp�ren. <emphasis>Ihr</emphasis> pl�tzlicher Geruch �berw�ltigte ihn fast. Aus irgendeinem Grund verband er ihn damit, da� sie ihn liebte. Wenn sie in ihrer z�rtlichsten Stimmung war oder ihn �u�erst wild k��te, �berw�ltigte ihn dieser Duft auch beinahe. Er dachte daran, Dobraine zum Gehen aufzufordern � und Loial und Sulin ebenfalls. Wenn Faile so roch, konnte er sicherlich alles wieder irgendwie in Ordnung bringen �� aber der Cairhiener sa� bereits.</p><p>�Ein Mann, der seiner Frau vertrauen kann, Lord Aybara, ist unendlich reich beschenkt.� Dennoch betrachtete Dobraine sie noch einen Moment, bevor er fortfuhr. �Cairhien hat heute zwei Schicksalsschl�ge erlitten. Heute morgen wurde Lord Maringil tot in seinem Bett gefunden, allem Anschein nach vergiftet. Und nur kurze Zeit sp�ter wurde Hochlord Meilan auf der Stra�e offenbar das Opfer der Klinge eines Stra�enr�ubers. H�chst ungew�hnlich w�hrend des Lichterfests.�</p><p>�Warum erz�hlt Ihr mir das?� fragte Perrin z�gernd.</p><p>Dobraine spreizte die H�nde. �Ihr seid der Freund des Lord Drache, und er ist nicht hier.� Er z�gerte, und als er fortfuhr, schien es, als m�sse er sich zu den Worten zwingen. �Gestern abend speiste Colavaere mit G�sten aus einer Anzahl kleiner H�user: Daganred, Chuliandred, Annallin, Osiellin und andere. Jedes einzelne Haus klein, aber insgesamt zahlreich. Sie besprachen das B�ndnis mit dem Hause Saighan und die Unterst�tzung Colavaeres f�r den Sonnenthron. Colavaere gab sich kaum M�he, das Treffen geheimzuhalten.� Er hielt erneut inne und ma� Perrin mit seinen Blicken. Was auch immer Dobraine sah � er schien zu glauben, da� weitere Erkl�rungen n�tig seien. �Das ist h�chst seltsam, weil sowohl Maringil als auch Meilan den Thron einnehmen wollten, und beide h�tten sie mit ihren eigenen Kissen erstickt, wenn sie davon erfahren h�tten.�</p><p>Schlie�lich verstand Perrin, obwohl er nicht begriff, warum der Mann so um den hei�en Brei herumreden mu�te. Er w�nschte, Faile w�rde etwas dazu sagen. Sie war in diesen Dingen viel geschickter als er. Er konnte aus den Augenwinkeln sehen, wie sie den Kopf �ber das Spielbrett beugte und ihn ebenfalls aus den Augenwinkeln betrachtete. �Wenn Ihr glaubt, da� Colavaere ein Verbrechen begangen hat, Lord Dobraine, solltet ihr zu ... Rhuarc gehen.� Er hatte eigentlich Berelain sagen wollen, aber in dem Moment hatte die Eifersucht in Failes Geruch leicht zugenommen.</p><p>�Der Aiel-Wilde?� schnaubte Dobraine. �Dann sollte ich wohl besser zu Berelain gehen, und auch das w�re nicht gut. Ich gebe zu, da� dieses Mayene-M�dchen wei�, wie man eine Stadt regiert, aber sie glaubt, jeder Tag w�re ein Lichterfest. Colavaere wird sie in St�cke schneiden und herzhaft zubereiten lassen. Ihr seid der Freund des Wiedergeborenen Drachen. Colavaere hingegen...� Diesmal hielt er inne, weil er bemerkt hatte, da� Berelain den Raum ohne anzuklopfen betreten hatte, und etwas Langes, Schmales, in eine Decke Geh�lltes in den Armen hielt.</p><p>Perrin hatte den T�rriegel geh�rt, und bei ihrem Anblick, den Busen halb entbl��t, sp�lte Zorn fast alles andere aus seinen Gedanken fort. Die Frau kam <emphasis>hierher,</emphasis> um vor seiner <emphasis>Frau</emphasis> mit ihm zu sch�kern? Die Wut trieb ihn hoch, und er schlug die H�nde mit einem Donnerkrachen zusammen. �Raus! Sofort! Raus, jetzt! Oder ich werde Euch so weit hinauswerfen, da� Ihr zweimal aufschlagt!�</p><p>Berelain erschrak bei seinem ersten Ton so sehr, da� sie ihre Last fallen lie� und mit geweiteten Augen einen Schritt zur�cktrat, obwohl sie nicht ging. Beim letzten Wort erkannte Perrin, da� alle ihn ansahen. Dobraines Gesicht schien unger�hrt, aber er roch vollkommen erstaunt Loials Ohren standen aufrecht, und sein Kinn ruhte auf seiner Brust. Und Faile, die jenes k�hle L�cheln zeigte ... verstand Perrin �berhaupt nicht. Er erwartete die Gewebe der Eifersucht, da Berelain hier im Raum stand, aber warum roch sie genauso stark nach Schmerz?</p><p>Pl�tzlich sah Perrin, was Berelain fallen gelassen hatte. Die Decke hatte sich ge�ffnet und Rands Schwert und G�rtel mit der Drachenschnalle freigegeben. H�tte Rand seinen Schwertgurt zur�ckgelassen? Perrin durchdachte Dinge gerne gr�ndlich. Wenn man eilig handelte, konnte man unwillentlich Menschen verletzen. Aber dieses Schwert auf dem Boden wirkte wie ein Blitz. Eile war bei Schmiedearbeiten t�richt, denn dann wurden sie ungenau, aber Perrins Nackenhaare stellten sich auf, und ein Grollen drang tief aus seiner Kehle.</p><p>�Sie haben ihn gefangengenommen!� wimmerte Sulin pl�tzlich. Den Kopf zur�ckgeworfen, die Augen fest zusammengepre�t, klagte sie zur Decke gewandt, und der Klang ihrer Stimme lie� Perrin erschaudern. �Die Aes Sedai haben meinen Erst-Bruder gefangengenommen!� Ihre Wangen gl�nzten vor Tr�nen.</p><p>�Beruhigt Euch, gute Frau�, sagte Berelain fest. �Geht nach nebenan und beruhigt Euch.� An Perrin und Dobraine gewandt f�gte sie hinzu: �Wir d�rfen nicht zulassen, da� sie die Nachricht verbreitet...�</p><p>�Ihr erkennt mich nicht�, unterbrach Sulin sie wild, �in diesem Gewand und mit den l�ngeren Haaren. Sprecht erneut �ber mich, als w�re ich nicht hier, und ich werde Euch geben, was Rhuarc Euch, wie ich geh�rt habe, im Stein von Tear gegeben hat und auch weiterhin h�tte geben sollen.�</p><p>Perrin wechselte verwirrte Blicke mit Dobraine und Loial und auch mit Faile, bevor diese ihren Blick j�h abwandte. Berelain aber wurde abwechselnd bla� und karmesinrot. Sie roch nach reiner Dem�tigung.</p><p>Sulin war zur T�r geschritten und hatte sie aufgerissen, bevor sie irgend jemand daran hindern konnte. Dobraine versuchte es wenigstens, aber eine junge, blonde Tochter des Speers, die vor�berging, hatte Sulin bereits gesehen und grinste belustigt. �Wischt Euch das Gesicht ab, Luaine�, fauchte Sulin. Luaines Grinsen war daraufhin tats�chlich wie weggewischt. �Sagt Nandera, sie soll sofort herkommen. Und Rhuarc. Und bringt mir den <emphasis>Cadin'sor</emphasis> und eine Schere, um mir das Haar angemessen zu schneiden. Lauft, Frau! Seid Ihr eine <emphasis>Far Dareis Mai</emphasis> oder eine <emphasis>Shae'en M'taal?�</emphasis> Die blonde Tochter des Speers scho� davon, und Sulin wandte sich zufrieden nickend wieder um und schlug die T�r zu. Faile sperrte den Mund auf.</p><p>�Dem Licht sei Dank�, grollte Dobraine. �Sie hat der Aiel nichts erz�hlt. Die Frau mu� verr�ckt sein. Wir k�nnen entscheiden, was wir ihnen sagen wollen, sobald wir sie gefesselt und geknebelt haben.� Er vollf�hrte eine Bewegung, als wolle er es tats�chlich tun, und zog sogar ein gr�nes Tuch aus seiner Jackentasche, aber Perrin ergriff seinen Arm.</p><p>�Sie ist eine Aiel, Dobraine�, sagte Berelain. �Eine Tochter des Speers. Ich verstehe es nicht, warum sie diese Livree tr�gt.� �berraschenderweise erhielt Berelain einen warnenden Blick von Sulin.</p><p>Perrin atmete langsam aus; er wollte die wei�haarige alte Frau vor Dobraine sch�tzen. Der Cairhiener sah ihn fragend an und hob die Hand mit dem Tuch ein wenig. Er bevorzugte anscheinend immer noch das Fesseln und Knebeln. Perrin trat zwischen die beiden und nahm Rands Schwert auf.</p><p>�Ich will Gewi�heit� Pl�tzlich erkannte er, da� ihn seine Schritte sehr nahe an Berelain herangebracht hatten. Sie blickte unbehaglich zu Sulin und trat noch n�her zu ihm, als suche sie Schutz, aber sie roch entschlossen, nicht �ngstlich. Sie roch wie ein J�ger. �Ich mag keine �bereilten Entscheidungen�, sagte er und trat neben Failes Stuhl. Nicht eilig, nur wie ein Mann, der sich neben seine Frau stellt. �Dieses Schwert allein beweist nichts.� Faile erhob sich und umrundete den Tisch, um das Spielbrett �ber Loials Schulter zu betrachten. Nun, eher �ber seinen Ellenbogen. Berelain kam wieder auf Perrin zu. Sie warf noch immer �ngstliche Blicke zu Sulin, ohne im geringsten nach Angst zu riechen, und dann hob sie die Hand, als wollte sie seinen Arm ergreifen. Er folgte Faile und versuchte, es zuf�llig wirken zu lassen. �Rand sagte, drei Aes Sedai k�nnten ihm keinen Schaden zuf�gen, wenn er wachsam w�re.� Faile trat um die andere Seite des Tisches herum wieder zu ihrem Stuhl. �Ich habe geh�rt, da� er niemals mehr als drei in seine N�he gelassen hat.� Berelain folgte ihm und sah Sulin besorgt an. �Man hat mir gesagt, da� an dem Tag, an dem er fortging, auch nur drei zu ihm kamen.� Er folgte Faile jetzt ein wenig eiliger. Sie sprang wieder von ihrem Stuhl auf und trat erneut an Loials Seite. Loial hatte den Kopf in die H�nde gelegt und st�hnte leise. Berelain schlich Perrin mit geweiteten Augen nach � das vollkommene Bild einer schutzsuchenden Frau. Licht, sie roch entschlossen!</p><p>Perrin wirbelte zu ihr herum und stie� die starren Finger so fest gegen ihre Brust, da� sie aufschrie. �H�rt sofort auf!� Er erkannte j�h, wo genau seine Finger lagen und ri� sie zur�ck, als h�tte er sich verbrannt Es gelang ihm jedoch, einen harten Tonfall beizubehalten. �Bleibt hier stehen!� Er wich vor ihr zur�ck und sah sie mit einem Blick an, der eine Mauer h�tte bersten lassen k�nnen. Er konnte verstehen, warum ihm Failes Eifersucht wie eine Wolke in die Nase stieg, aber warum nur roch sie noch verletzter als zuvor?</p><p>�Nur wenige M�nner k�nnen mir Gehorsam abverlangen�, sagte Berelain leise lachend, �aber ich glaube, Ihr geh�rt dazu.� Ihr Gesicht und Tonfall � und noch wichtiger: ihr Geruch � wurden ernst. �Ich habe in den R�umen des Lord Drache nachgesehen, weil ich mir Sorgen machte. Jedermann wu�te, da� die Aes Sedai gekommen waren, um ihn nach Tar Valon zu geleiten, und ich konnte nicht verstehen, warum sie aufgegeben hatten. Ich erhielt selbst nicht weniger als zehn Besuche von verschiedenen Schwestern, die mich anwiesen, was ich tun sollte, wenn er mit ihnen zur Burg zur�ckkehren w�rde. Sie schienen sich ihrer Sache sehr sicher zu sein.� Sie z�gerte, und obwohl sie Faile nicht ansah, gewann Perrin den Eindruck, da� sie �berlegte, ob sie etwas Bestimmtes in ihrer Gegenwart sagen sollte. Und auch in Dobraines Gegenwart, aber vor allem in Failes. �Man hat mir sehr deutlich gemacht, da� ich nach Mayene zur�ckkehren sollte, und da� ich, wenn ich es nicht t�te, sehr wohl dorthin geleitet werden k�nnte.�</p><p>Sulin murrte leise etwas, aber Perrins Ohren konnten es deutlich verstehen. �Rhuarc ist ein Narr. Wenn sie wirklich seine Tochter w�re, h�tte er keine Zeit mehr f�r etwas anderes, weil er sie st�ndig schlagen m��te.�</p><p>�Zehn?� fragte Dobraine. �Ich erhielt nur einen Besuch. Ich dachte, sie sei entt�uscht, als ich ihr deutlichmachte, da� ich dem Lord Drache Treue geschworen hatte. Aber ob zehn Besuche oder keiner � Colavaere ist der Schl�ssel. Sie wei� genauso gut wie jeder andere, da� der Lord Drache den Sonnenthron f�r Elayne Trakand bestimmt hat.� Er verzog das Gesicht. �Elayne Damodred sollte sie sein. Taringail h�tte darauf bestehen sollen, da� sie in das Haus Damodred einheiratet, anstatt in Trakand einzuheiraten. Sie brauchte ihn so sehr, da� sie es getan hatte. Nun, Elayne Trakand oder Elayne Damodred � sie hat genauso viel Anspruch auf den Thron wie jeder andere und einen weitaus gr��eren Anspruch als Colavaere, und doch bin ich davon �berzeugt, da� Colavaere Maringil und Meilan t�ten lie�, um sich ihren Weg zum Thron zu sichern. Das h�tte sie niemals gewagt, wenn sie geglaubt h�tte, da� der Lord Drache zur�ckkehrt.�</p><p>�Darum also.� Berelain runzelte beunruhigt die Stirn. �Ich habe Beweise daf�r, da� sie einen Diener angewiesen hat, Gift in Maringils Wein zu geben � sie war sorglos, und ich hatte zwei gute Diebef�nger bei mir �, aber ich wu�te nicht warum.� Sie beugte leicht den Kopf und zeigte sich damit f�r Dobraines bewundernden Blick erkenntlich. �Sie wird daf�r h�ngen, wenn es eine M�glichkeit gibt, den Lord Drache zur�ckzuholen. Wenn nicht, f�rchte ich, da� wir alle sehen m�ssen, wie wir am Leben bleiben.�</p><p>Perrins Hand krampfte sich um die Schwertscheide. �Ich werde ihn zur�ckholen�, grollte er. Dannil und die beiden anderen M�nner von den Zwei Fl�ssen konnten noch nicht weiter als auf halbem Weg nach Cairhien sein, da sie die Wagen mit sich f�hrten. Und da waren die W�lfe. �Und wenn ich allein gehen mu� � ich werde ihn zur�ckholen.�</p><p>�Nicht allein�, sagte Loial, und es klang wie aufeinander mahlende Steine. �Niemals allein, wenn ich hier bin, Perrin.� Seine Ohren drehten sich pl�tzlich verlegen. Er schien stets verlegen zu werden, wenn jemand merkte, da� er mutig war. �Immerhin wird mein Buch kein allzu gutes Ende finden, wenn Rand in der Burg gefangen ist. Und ich kann kaum �ber seine Rettung schreiben, wenn ich nicht dabei bin.�</p><p>�Ihr werdet nicht allein gehen, Ogier�, sagte Dobraine. �Ich kann bis morgen f�nfhundert M�nner ausheben, denen ich vertraue. Ich wei� nicht, was wir gegen sechs Aes Sedai ausrichten k�nnen, aber ich halte mich an meinen Eid.� Er sah Sulin an und betastete das Tuch, das er noch immer in H�nden hielt. �Aber k�nnen wir den Wilden trauen?�</p><p>�K�nnen wir den Baumt�tern trauen?� fragte Sorilea mit einer Stimme, die genauso ledrig und z�h wirkte wie sie selbst, nachdem sie ohne anzuklopfen eingetreten war. Ein grimmig riechender Rhuarc war bei ihr, und Amys, deren allzu jugendliches Gesicht in diesem unpassenden Rahmen wei�en Haars so k�hl wirkte wie das Gesicht jeder Aes Sedai, sowie Nandera, die ein graubraungr�nes B�ndel mit sich trug und nach t�dlichem Zorn roch.</p><p>�Ihr wi�t es bereits?� fragte Perrin ungl�ubig.</p><p>Nandera schob Sulin das B�ndel zu. �Es war l�ngst an der Zeit, da� Ihr Euer <emphasis>Toh</emphasis> als erledigt betrachtet. Fast eineinhalb Monate. Sogar die <emphasis>Gai'shain</emphasis> sagen, Euer Stolz sei zu ausgepr�gt.� Die beiden Frauen zogen sich in den Schlafraum zur�ck.</p><p>Von Faile war ein verwirrender Geruch herangeschwebt, als Perrin gesprochen hatte. �Die Zeichensprache der T�chter�, murmelte sie so leise, da� nur Perrin sie verstehen konnte. Er sah sie dankbar an, aber sie schien sich auf das Spielbrett zu konzentrieren. Warum nahm sie nicht Anteil? Sie konnte gut beraten, und er w�re f�r jeden Rat dankbar gewesen, den sie ihm h�tte gew�hren wollen. Sie setzte einen Stein und sah dann Loial stirnrunzelnd an, der auf Perrin und die anderen achtete.</p><p>Perrin unterdr�ckte ein Seufzen und sagte tonlos: �Es k�mmert mich nicht, wer wem traut. Rhuarc, seid Ihr bereit, Eure Aiel gegen die Aes Sedai zu f�hren? Gegen sechs Aes Sedai. Einhunderttausend Aiel k�nnten sie jedoch au�er Gefecht setzen.� Die von ihm genannte Anzahl erstaunte ihn � zehntausend Mann bildeten bereits ein nicht unerhebliches Heer �, aber es waren die Zahlen, von denen Rand gesprochen hatte, und was Perrin von den Aiellagern in den H�geln gesehen hatte, lie� ihn daran glauben. Rhuarc roch zu seiner �berraschung z�gerlich.</p><p>�So viele sind nicht m�glich�, sagte der Stammesh�uptling bed�chtig und hielt inne, bevor er weitersprach. �Heute morgen kamen Boten. Es steht fest, da� die Shaido von Bruderm�rders Dolch s�dw�rts ins Herz von Cairhien ziehen. Ich habe vielleicht genug M�nner, um sie aufzuhalten � sie scheinen nicht alle hierherzukommen �, aber wenn ich so viele Speere aus diesem Land abziehe, wird alles, was wir erreicht haben, erneut getan werden m�ssen. Zumindest werden die Shaido diese Stadt, lange bevor wir zur�ckkehren, gepl�ndert haben. Wer wei�, wie weit sie gezogen sein werden � vielleicht sogar in andere L�nder � und wie viele Verschleppte <emphasis>Gai'shain zu</emphasis> sein behaupten.� Ein strenger Geruch nach Verachtung str�mte von ihm aus, aber Perrin verstand nichts von alledem. Welche Bedeutung hatte <emphasis>es,</emphasis> wieviel Land zur�ckerobert werden m��te � oder auch wie viele Menschen starben, obwohl dieser Gedanke widerwillig und schmerzlich war �, wenn man Rand befreien wollte, den Wiedergeborenen Drachen, der in Tar Valon gefangengehalten wurde?</p><p>Sorilea hatte Perrin beobachtet. Unter den Blicken der Weisen Frauen f�hlte er sich oft genauso wie unter denen der Aes Sedai � als w�rde er abgewogen und vermessen. �Erz�hlt ihm alles, Rhuarc�, befahl sie barsch.</p><p>Amys legte eine Hand auf Rhuarcs Arm. �Er hat ein Recht, es zu erfahren, Schatten meines Herzens. Er ist Rand al'Thors N�chstbruder.� Ihre Stimme klang sanft, obwohl sie entschlossen roch.</p><p>Rhuarc sah die Weisen Frauen angestrengt und daraufhin Dobraine ver�chtlich an. Schlie�lich richtete er sich zu seiner vollen Gr��e auf. �Ich kann nur T�chter des Speers und <emphasis>Siswai'aman</emphasis> mitnehmen.� Seinem Tonfall und Geruch nach zu schlie�en, h�tte er wohl lieber einen Arm verloren, als diese Worte auszusprechen. �Zu viele der anderen wollen nicht in den Speerkampf mit den Aes Sedai eintreten.� Dobraine sch�rzte ver�chtlich die Lippen.</p><p>�Wie viele Cairhiener werden gegen Aes Sedai k�mpfen?� fragte Perrin ruhig. �Sechs Aes Sedai, und wir haben nur Stahl.� Wie viele der T�chter des Speers und dieser Sis-sowieso k�nnte Rhuarc versammeln? Egal, da waren immer noch die W�lfe. Wie viele W�lfe w�rden sterben?</p><p>Dobraines Lippen gl�tteten sich wieder. �Ich werde k�mpfen, Lord Aybara�, sagte er steif. �Ich und meine f�nfhundert Mann, und wenn es sechzig Aes Sedai w�ren.�</p><p>Sogar Sorileas h�hnisches Lachen wirkte ledern. �F�rchtet die Aes Sedai nicht, Baumt�ter.� Pl�tzlich tanzte eine winzige blaue Flamme vor ihr in der Luft. Sie konnte die Macht lenken!</p><p>Sie lie� die Flamme verschwinden, als sie Pl�ne schmiedeten, aber in Perrins Gedanken blieb sie bestehen. Klein und schwach flackernd, schien sie irgendwie eine st�rkere Kriegserkl�rung als Trompeten, einen Kampf bis aufs Messer zu liefern.</p><p>�Wenn Ihr mit uns zusammenarbeitet�, sagte Galina leutselig, �wird Euer Leben erfreulicher sein.�</p><p>Das M�dchen erwiderte ihren Blick m�rrisch und regte sich auf ihrem Stuhl, wobei sie noch immer leichte Schmerzen empfand. Sie schwitzte heftig, obwohl sie die Jacke ausgezogen hatte. In dem Zelt mu�te es hei� sein. Galina verga� die Temperatur manchmal vollkommen. Sie wunderte sich nicht zum ersten Mal �ber diese Min, oder Elmindreda oder wie auch immer sie in Wirklichkeit hie�. Als Galina ihr zum ersten Mal begegnet war, war sie wie ein Junge gekleidet gewesen und hatte sich in Begleitung Nynaeve al'Mearas und Egwene al'Veres befunden. Elayne Trakand war auch dabeigewesen, aber nur die anderen beiden waren mit al'Thor verbunden. Beim zweiten Mal hatte sich Elmindreda als die Art Frau erwiesen, die Galina ha�te, schwierig und schmachtend und so sehr unter dem pers�nlichen Schutz Siuan Sanches stehend, da� es keinen Unterschied machte. Galina konnte nicht verstehen, wie Elaida jemals so t�richt sein konnte, ihr zu erlauben, die Burg zu verlassen. Welches Wissen schlummerte im Geist dieses M�dchens? Vielleicht w�rde Elaida sie nicht sofort wiederbekommen. Wenn das M�dchen in der Burg richtig eingesetzt w�rde, k�nnte sie es Galina sogar erm�glichen, Elaida wie eine Schwalbe zu fangen. Dank Alviarin war Elaida eine dieser starken, f�higen Amyrlins geworden, die jeden Z�gel fest in die eigene Hand nahmen. Sie gefangenzusetzen, w�rde Alviarin sicherlich schw�chen. Wenn sie genau jetzt richtig eingesetzt w�rde...</p><p>Eine Ver�nderung der Str�nge, die sie gesp�rt hatte, lie�en Galina sich j�h aufrichten. �Ich werde erneut mit Euch sprechen, wenn Ihr Zeit zum Nachdenken hattet, Min. �berlegt Euch sorgf�ltig, wie viele Tr�nen ein Mann wert ist.�</p><p>Als Galina drau�en war, fauchte sie den wachhabenden Beh�ter an. �Bewacht sie dieses Mal besser.� Carilo war w�hrend des Zwischenfalls in der letzten Nacht nicht auf seinem Posten gewesen, aber die Gaidin waren verweichlicht. Wenn sie �berhaupt eine Daseinsberechtigung hatten, sollten sie wie Soldaten behandelt werden und nicht wie H�hergestellte.</p><p>Sie ignorierte seine Verbeugung und entfernte sich auf der Suche nach Gawyn vom Zelt. Dieser junge Mann war in sich gekehrt und viel zu still, seit al'Thor gefangengenommen worden war. Sie w�rde ihn nicht alles dadurch verderben lassen, da� er seine Mutter zu r�chen versuchte. Kurz danach sah sie Gawyn am Rande des Lagers auf seinem Pferd sitzen und sich mit der Gruppe Jungen unterhalten, die sich �die J�nglinge� nannten.</p><p>Sie hatten heute unvermeidlicherweise fr�h angehalten, und die Nachmittagssonne lie� die Zelte und Wagen neben der Stra�e lange Schatten werfen. Wogende Ebenen und niedrige H�gel umgaben das Lager, und nur wenige vereinzelte Dickichte waren zu sehen, die zumeist karg und niedrig waren. Dreiunddrei�ig Aes Sedai und ihre Diener � und Beh�ter; neun waren Gr�ne, nur dreizehn Rote und der Rest Wei�e, Alviarins fr�here Ajah � bildeten bereits ein Lager erheblichen Ausma�es, auch wenn man Gawyn und seine Soldaten nicht mit hinzurechnete. Einige Schwestern standen vor ihren Zelten oder schauten hinaus, da sie dasselbe wie Galina empfunden hatten. Im Mittelpunkt der Aufmerksamkeit waren sieben Aes Sedai, von denen sechs auf St�hlen rund um eine messingbeschlagene Kiste sa�en, die dort stand, wo sie alle noch verbliebene Kraft der Sonne aufnehmen konnte. Die siebte Aes Sedai war Erian. Sie hatte sich kaum von der Kiste entfernt, seit al'Thor gestern abend wieder hineingesteckt worden war. Er hatte einmal herauskommen d�rfen, als sie Cairhien verlassen hatten, aber Galina vermutete, da� Erian ihn f�r den Rest der Reise in die Kiste einsperren wollte.</p><p>Die Gr�ne wandte sich zu ihr um, sobald sie in ihre N�he kam. Erian war f�r gew�hnlich recht h�bsch, ihr Gesicht ein blasses, fein gemei�eltes Oval, � aber jetzt �berzog Karmesinrot ihre Wangen, und ihre sch�nen dunklen Augen waren rot ger�ndert. �Er hat den Schild erneut zu durchbrechen versucht, Galina.� Zorn vermischte sich mit Verachtung f�r die Torheit des Mannes und lie� ihre Stimme barsch klingen. �Er mu� erneut bestraft werden. Ich will diejenige sein, die ihn bestraft.�</p><p>Galina z�gerte. Es w�re viel besser, Min zu bestrafen. Das w�rde al'Thor bezwingen. Er hatte gestern abend sicherlich getobt, als er gesehen hatte, wie sie f�r ihren Ausbruch bestraft worden war, der wiederum dadurch bedingt gewesen war, da� sie gesehen hatte, wie er bestraft wurde. Der Zwischenfall hatte begonnen, als al'Thor entdeckt hatte, da� Min im Lager war, nachdem einer der Beh�ter ihr sorglos erlaubt hatte, in der Dunkelheit umherzuspazieren, anstatt sie sicher verwahrt in ihrem Zelt zu halten. Wer h�tte gedacht, da� al'Thor, abgeschirmt und eingekreist, so reagieren w�rde? Nicht nur, da� er versucht hatte, den Schild zu durchbrechen, er hatte auch einen Beh�ter mit blo�en H�nden get�tet und einen weiteren mit dem Schwert des toten Mannes so ernstlich verletzt, da� dieser beim Heilen ebenfalls starb. Und alles das innerhalb eines Augenblicks, den die Schwestern brauchten, um ihr Entsetzen zu �berwinden und ihn mit der Macht zu binden.</p><p>Galina h�tte, wenn es nach ihr gegangen w�re, schon vor Tagen die anderen Roten Schwestern versammelt und al'Thor ged�mpft. Da dies aber verboten war, h�tte sie ihn genausogut unbehandelt zur Burg gebracht, solange er vern�nftig war. Sie dachte daran, da� es n�tzlich w�re, Min hier herauszubringen und ihn h�ren zu lassen, wie sie wieder jammerte und weinte, und ihn wissen zu lassen, da� er der Grund f�r ihre Qual war. Aber zuf�llig geh�rten die beiden toten Beh�ter zu Erian. Die meisten der Schwestern w�rden der Ansicht sein, da� sie das Recht zur Bestrafung h�tte. Und Galina wollte selbst auch, da� die puppen�hnliche, illianische Gr�ne sich sobald wie m�glich von ihrer Wut befreite. Es w�re weit besser, den restlichen Weg zur�ckzulegen, wenn man auf diesem porzellanartigen Gesicht einen gelassenen Ausdruck bewundern konnte.</p><p>Galina nickte.</p><p>Rand blinzelte, als pl�tzlich Licht in seine Kiste str�mte. Unwillk�rlich zuckte er zur�ck. Er wu�te, was k�me. Lews Therin wurde still. Rand hielt das Nichts an einem Fingernagel, doch er war sich der verkrampften Muskeln, die murrten, als er hochgezogen wurde, nur allzu bewu�t. Er bi� die Z�hne zusammen und versuchte, nicht gegen die Helligkeit anzublinzeln. Die Luft schien wunderbar frisch. Sein durchn��tes Hemd klebte an seiner Haut und troff vor Schwei�. Er war nicht gefesselt, aber er h�tte auch keinen Schritt tun k�nnen, wenn es um sein Leben gegangen w�re. H�tte man ihn nicht mit Hilfe der Macht aufrecht gehalten, w�re er hingefallen. Bis er sah, wie tief die Sonne stand, hatte er keine Ahnung, wie lange er in einer Schwei�pf�tze und mit dem Kopf zwischen den Knien in der Kiste gesessen hatte.</p><p>Sein Blick streifte die Sonne jedoch nur kurz. Dann wanderte er unfreiwillig zu Erian, kurz bevor sie sich direkt vor ihn stellte. Die kleine, schlanke Frau sp�hte zu ihm hinauf, die dunklen Augen zornerf�llt, und er zuckte fast erneut zur�ck. Anders als gestern abend schwieg sie.</p><p>Der erste unsichtbare Schlag traf ihn �ber die Schultern, der zweite auf die Brust und der dritte auf die Oberschenkel. Das Nichts zerbrach. Luft. Nur Luft. So klang es sanfter. Jeder Schlag f�hlte sich wie ein Peitschenhieb an, von einem Arm gef�hrt, der st�rker war als der eines jeden Mannes. Bevor sie richtig begann, �berzogen ihn bereits von den Schultern bis zu den Knien kreuz und quer blaue Striemen. Er war sich ihrer bewu�t gewesen, und nicht so dumpf, wie er es sich vielleicht gew�nscht h�tte. Er hatte sogar im Nichts weinen wollen. Nachdem das Nichts zerbrochen war, wollte er schreien.</p><p>Statt dessen bi� er die Z�hne zusammen. Manchmal entschl�pfte ihm ein Laut, und wenn dies geschah, verst�rkte Erian ihre Anstrengungen, als wollte sie mehr h�ren. Er weigerte sich, es ihr zu gew�hren. Er konnte es nicht verhindern, bei jedem Schlag dieser unsichtbaren Peitsche zu erschaudern, aber mehr w�rde er ihr nicht zeigen. Er richtete seine Augen auf ihre und weigerte sich, fortzuschauen oder auch nur zu blinzeln.</p><p><emphasis>Ich habe meine Ilyena get�tet.</emphasis> Lews Therin st�hnte jedesmal auf, wenn ein Schlag traf.</p><p>Rand hatte seine eigene Litanei. Schmerz drosch auf seine Brust ein. <emphasis>Das kommt davon, wenn man den Aes Sedai traut.</emphasis> Feuer peitschte seinen R�cken. <emphasis>Niemals wieder; keinen Fingerbreit; nicht eine Haaresbreite.</emphasis> Wie mit einer Rasierklinge. <emphasis>Das kommt davon, wenn man Aes Sedai traut.</emphasis></p><p>Sie glaubten, sie k�nnten ihn zerbrechen, ihn dazu bringen, zu Elaida zu kriechen! Er zwang sich, das Schwerste zu tun, was er jemals in seinem Leben getan hatte. Er l�chelte. Sicherlich ber�hrte dieses L�cheln nur seine Lippen, aber er blickte Erian dennoch in die Augen, und er l�chelte. Ihre Augen weiteten sich, und sie zischte etwas. Dann schienen Peitschenhiebe von �berallher gleichzeitig zu kommen.</p><p>Die Welt bestand aus Schmerz und Feuer. Er konnte nicht sehen, nur f�hlen. Marter und H�lle. Aus irgendeinem Grund war er sich der Tatsache bewu�t, da� seine H�nde in unsichtbaren Fesseln heftig zitterten, aber er konzentrierte sich darauf, die Z�hne zusammenzubei�en. <emphasis>Das kommt von... Ich werde nicht aufschreien! Ich werde nicht auf...! Niemals wieder; keinen Finger...! Keinen Fingerbreit; keine Haaresbreite! Niemals wie... ! Ich werde es nicht tun! Niemals ein...! Niemals! Niemals! NIEMALS!</emphasis></p><p>Zuerst war da die Wahrnehmung zu atmen. Luft, gierig durch die Nase eingesaugt. Sein ganzer K�rper pochte � er war eine pulsierende Flamme <emphasis>-,</emphasis> aber die Schl�ge hatten aufgeh�rt. Es traf ihn fast wie ein Schock, als er es erkannte. Das Ende von etwas, das niemals zu enden schien. Er schmeckte Blut, und sein Kiefer schmerzte fast genauso wie sein restlicher K�rper. Gut. Er hatte nicht aufgeschrien. Seine Gesichtsmuskeln waren vollkommen verkrampft. Es w�rde M�he kosten, den Mund zu �ffnen, selbst wenn er es wollte.</p><p>Als letztes kehrte das Sehverm�gen zur�ck, und als es geschah, fragte er sich, ob ihm der Schmerz Halluzinationen bescherte. Zwischen den Aes Sedai stand eine Gruppe Weise Frauen, die an ihren Stolen zupften und die Aes Sedai mit aller ihnen verf�gbaren Anma�ung ansahen. Als er entschied, da� sie real waren � es sei denn, es entspr�nge auch seiner Phantasie, da� Galina mit einer seiner Einbildungen sprach �, war sein erster Gedanke Rettung. Irgendwie hatten die Weisen Frauen... Es war unm�glich, aber irgendwie w�rden sie... Dann erkannte er die Frau, mit der Galina sprach.</p><p>Sevanna schlenderte auf ihn zu, ein L�cheln um den prallen, gierigen Mund. Die hellgr�nen Augen sp�hten aus diesem sch�nen, von Haaren wie aus gesponnenem Gold umrahmten Gesicht zu ihm hoch. Rand h�tte genauso gerne einem tollw�tigen Wolf in die Augen geschaut. Etwas an ihrer Haltung war seltsam. Sie stand leicht vorn�bergebeugt, die Schultern zur�ckgenommen. Sie beobachtete seine Augen. Er versp�rte pl�tzlich, trotz seiner Schmerzen, das Bed�rfnis zu lachen. Und er h�tte es getan, wenn er h�tte sicher sein k�nnen, welcher Laut seinem Mund entschl�pft w�re. Hier stand er, ein Gefangener, fast zu Tode gepr�gelt und eine Frau, die ihn ha�te, dessen war er sich sicher, und die ihn wahrscheinlich f�r den Tod ihres Geliebten verantwortlich machte, versuchte zu erkennen, ob er ihr in die Bluse schauen w�rde!</p><p>Sie lie� gem�chlich einen Fingernagel seine Kehle entlangstreifen � tats�chlich soweit um seinen Hals herum, wie sie ihn erreichen konnte �, als stelle sie sich vor, ihm den Kopf abzuschneiden. Sehr passend, wenn man Couladins Schicksal bedachte. �Ich habe ihn gesehen�, sagte sie mit einem zufriedenen Seufzen. �Ihr habt Euren Teil des Handels eingehalten, und ich habe meinen eingehalten.�</p><p>Dann sicherten ihn die Aes Sedai erneut und dr�ngten ihn wieder mit dem Kopf zwischen den Knien in die Kiste, wo er sich abermals in diese Schwei�pf�tze kauern mu�te. Der Deckel wurde geschlossen, und Dunkelheit h�llte ihn ein.</p><p>Erst da lie� sich sein Kiefer wieder bewegen, bis er den Mund �ffnen konnte und einen langen, zitternden Atemzug ausstie�. Licht, wie er brannte!</p><p>Was tat Sevanna hier? Um welchen Handel ging es? Sch�n und gut zu wissen, da� ein Handel zwischen der Burg und den Shaido bestand, aber dar�ber w�rde er sich sp�ter sorgen. Jetzt mu�te er an Min denken. Er mu�te sich befreien. Sie hatten Min verletzt. Dieser Gedanke war so schlimm, da� er fast den Schmerz d�mpfte. Fast.</p><p>Um das Nichts wieder anzunehmen, mu�te er einen Sumpf heftigen Schmerzes durchwaten, aber schlie�lich war er von Nichts umgeben und streckte sich nach <emphasis>Saidin</emphasis> aus... Nur um Lews Therin dort ebenso schnell vorzufinden, wie ein Paar H�nde, die nach etwas griffen, das nur ein Mensch festhalten konnte.</p><p><emphasis>Verdammt seist du!</emphasis> grollte Rand in Gedanken. <emphasis>Verdammt seist du! Wenn du doch nur einmal mit mir zusammenarbeiten w�rdest, anstatt gegen mich zu handeln!</emphasis></p><p><emphasis>Du sollst mit mir zusammenarbeiten!</emphasis> fauchte Lews Therin zur�ck.</p><p>Rand verlor vor Entsetzen beinahe das Nichts. Diesmal konnte es kein Mi�verst�ndnis geben. Lews Therin hatte ihn geh�rt und ihm geantwortet. Wir <emphasis>k�nnten zusammenarbeiten, Lews Therin.</emphasis> Er wollte nichts mit dem Mann zu tun haben. Er wollte ihn aus seinem Kopf vertrieben wissen. Aber da war Min. Und nur noch begrenzte Zeit bis Tar Valon. Er wu�te instinktiv, da� keine Chance mehr bestand, wenn sie ihn so weit br�chten. Niemals. � Ein unsicheres, furchtsames Lachen antwortete ihm. Dann: <emphasis>Zusammen?</emphasis> Ein weiteres Lachen, diesmal vollkommen wahnsinnig. <emphasis>Zusammen. Wer auch immer du bist.</emphasis> Und Stimme und Gegenwart verschwanden.</p><p>Rand erschauderte. Dort kniete er, w�hrend sich die Schwei�pf�tze um ihn vergr��erte.</p><p>Er griff erneut vorsichtig nach <emphasis>Saidin...</emphasis> Und traf nat�rlich auf den Schild. Das, was er gesucht hatte. Langsam, unendlich vorsichtig, tastete er sich bis zu einer Stelle daran entlang, wo eine harte Fl�che pl�tzlich zu sechs nachgiebigen Stellen wurde.</p><p><emphasis>Weich,</emphasis> sagte Lews Therin keuchend. <emphasis>Weil sie dort sind. Sie halten den Puffer aufrecht. Er ist hart, wenn sie ihn verkn�pfen. Mit Zeit.</emphasis> Er hielt so lange inne, da� Rand glaubte, er sei wieder fort, aber dann fl�sterte er: <emphasis>�Bist du real?�</emphasis> Und dann war er wirklich fort.</p><p>Rand tastete sich erneut behutsam den Schild entlang bis zu den sechs nachgiebigen Stellen vor. Zu den sechs Aes Sedai. <emphasis>Mit Zeit?</emphasis> Wenn sie ihn verkn�pften, was sie bisher nicht getan hatten, in ... wie lange war es? Sechs Tage? Sieben? Acht? Egal. Er konnte es sich nicht leisten, zu lange zu warten. Jeder neue Tag bedeutete, Tar Valon einen Tag n�her gekommen zu sein. Morgen w�rde er wieder versuchen, die Barriere zu durchbrechen. Es hatte sich angef�hlt, als h�tte er mit den H�nden gegen Stein geschlagen, aber er hatte dennoch mit all seiner Kraft dagegengeschlagen. Wenn Erian ihn morgen z�chtigte � er war sich sicher, da� sie es sein w�rde �, w�rde er sie abermals anl�cheln, und wenn sich der Schmerz aufbaute, w�rde er die Schreie herauslassen. Am n�chsten Tag w�rde er den Schild nur streifen, vielleicht fest genug, da� sie es merkten, aber nur das, und dann nicht wieder, bis er wu�te, ob sie ihn bestraften oder nicht. Vielleicht w�rde er um Wasser bitten. Sie hatten ihm in der Morgend�mmerung etwas zu trinken gegeben, aber er war wieder durstig. Selbst wenn sie ihn mehr als einmal am Tag etwas trinken lie�en, w�rde es keinen Argwohn erregen, wenn er um Wasser bat. Wenn er sich dann noch immer in der Kiste befand, k�nnte er auch darum bitten, herausgelassen zu werden. Er glaubte, da� es so sein w�rde. Es bestand nur eine geringe Chance, da� sie ihn f�r l�ngere Zeit herauslie�en, bevor sie nicht �berzeugt waren, da� er seine Lektion gelernt hatte. Die verkrampften Muskeln zuckten bei dem Gedanken an zwei oder drei weitere, hier drinnen zu verbringende Tage. Es war kein Platz, irgend etwas zu bewegen, aber sein K�rper versuchte es. Zwei oder drei Tage, und sie w�ren sicher, da� er gebrochen war. Er w�rde furchtsam wirken und aller Blicke meiden. Ein armer Kerl, den sie aus der Kiste herauslassen konnten.</p><p>Und was noch wichtiger war: ein armer Kerl, den sie nicht mehr so genau bewachen mu�ten. Und dann w�rden sie vielleicht beschlie�en, da� nicht mehr sechs Aes Sedai n�tig w�ren, den Schild aufrechtzuerhalten, oder da� sie ihn losbinden k�nnten, oder ... oder irgend etwas. Er brauchte eine Chance!</p><p>Es war ein verzweifelter Gedanke, aber er erkannte, da� er lachte und nicht mehr aufh�ren konnte. Er konnte auch nicht damit aufh�ren, die Barriere zu ertasten, ein Blinder, der seine Finger verzweifelt �ber glattes Glas gleiten l��t.</p><p>Galina blickte stirnrunzelnd hinter den Aiel-Frauen her, bis diese eine H�gelspitze erreichten und schlie�lich auf der anderen Seite verschwanden. Jede einzelne dieser Frauen au�er Sevanna selbst hatte die Macht lenken k�nnen, und mehrere sogar recht stark. Sevanna hatte sich von ungef�hr einem Dutzend Wilden umgeben zweifellos sicherer gef�hlt. Ein belustigender Gedanke. Diese Wilden waren ein unzuverl�ssiger Haufen. Sie w�rde sie in wenigen Tagen wieder benutzen, beim zweiten Teil von Sevannas �Handel� � beim bedauerlichen Tod von Gawyn Trakand und dem gr��ten Teil seiner J�nglinge.</p><p>Sie kehrte ins Lager zur�ck und fand Erian noch immer �ber die Kiste gebeugt vor, in der sich al'Thor befand.</p><p>�Er weint wahrhaftig, Galina�, stie� sie heftig hervor. �Kannst du ihn h�ren? Er weint...� Pl�tzlich rannen Tr�nen Erians Gesicht hinab. Sie stand einfach da und schluchzte leise, die zu F�usten geballten H�nde in ihre R�cke geklammert.</p><p>�Kommt mit in mein Zelt�, sagte Galina mitf�hlend.</p><p>�Ich habe guten Blaubeertee, und ich werde Euch ein k�hles, feuchtes Tuch auf die Stirn legen.�</p><p>Erian l�chelte durch die Tr�nen hindurch. �Danke, Galina, aber ich kann nicht. Rashan und Bartol werden schon auf mich warten. Ich f�rchte, sie leiden noch st�rker als ich. Sie sp�ren nicht nur mein Leid, sondern leiden auch, weil sie <emphasis>wissen,</emphasis> da� ich leide. Ich mu� sie tr�sten.� Sie dr�ckte Galina dankbar die Hand und ging dann davon.</p><p>Galina betrachtete stirnrunzelnd die Kiste. Al'Thor schien tats�chlich zu weinen... Oder er lachte, und das bezweifelte sie sehr. Sie sah Erian nach, die gerade im Zelt ihres Beh�ters verschwand. Al'Thor w�rde noch oft weinen. Sie brauchten noch mindestens zwei weitere Wochen bis Tar Valon, und Elaida hatte einen triumphalen Einzug geplant. Ja, mindestens zwanzig weitere Tage. Von jetzt an, ob Erian es wollte oder nicht, w�rde er jeden Tag am Morgen und in der Abendd�mmerung bestraft werden. Wenn sie ihn in die Wei�e Burg brachten, w�rde er Elaidas Ring k�ssen, antworten, wenn man ihn ansprach und in einer Ecke knien, wenn er nicht gebraucht wurde. Sie schritt mit starrem Blick zu ihrem Zelt, um den Blaubeertee selbst zu trinken.</p><p>* * * Als sie den dichten Wald betraten, wandte sich Sevanna zu den anderen um und dachte, wie bemerkenswert es war, da� sie die B�ume so wenig beachtete. Bevor sie die Drachenmauer �berquert hatten, hatte sie noch nie so viele B�ume gesehen. �Habt Ihr alle die Mittel erkannt, mit denen sie ihn festhalten?� fragte sie und lie� es so klingen, als h�tte sie �auch� statt �alle� gesagt.</p><p>Therava sah die anderen an, die nickten. �Wir k�nnen alles genauso weben wie sie�, antwortete Therava.</p><p>Sevanna bef�hlte den kleinen Steinkubus mit den komplizierten Gravuren in ihrer Tasche. Der seltsame Feuchtl�nder, der ihr den Stein gegeben hatte, hatte gesagt, sie solle ihn benutzen, wenn al'Thor gefangen sei. Sie hatte es vorgehabt, bis sie ihn tats�chlich gesehen hatte. Jetzt beschlo� sie, den Kubus wegzuwerfen. Sie war die Witwe eines H�uptlings, der in Rhuidean gewesen war, und eines Mannes, der H�uptling genannt worden war, ohne diesen Besuch durchgef�hrt zu haben. Jetzt w�rde sie die Frau des <emphasis>Car'a'carn</emphasis> selbst werden. Jeder Aiel-Speer w�rde f�r sie gesenkt werden. Sie konnte noch immer al'Thors Hals an den Fingern sp�ren, wo sie die Linie nachgezogen hatte, an der sie ihm das eiserne Halsband anlegen w�rde.</p><p>�Es ist an der Zeit, Desaine�, sagte sie.</p><p>Desaine blinzelte nat�rlich �berrascht, und dann hatte sie nur noch Zeit zu schreien, bevor die anderen mit ihrer Arbeit begannen. Desaine hatte sich damit begn�gt, �ber Sevannas Stellung zu murren. Aber Sevanna hatte ihre Zeit besser genutzt. Bis auf Desaine stand jede Frau hier entschlossen hinter ihr und noch mehr neben ihr.</p><p>Sevanna beobachtete sehr genau, was die anderen Weisen Frauen taten. Die Eine Macht faszinierte sie, alle jene Dinge, die so wundersam entstanden, so m�helos, und es war sehr wichtig, da� daf�r gesorgt w�rde, da� das, was mit Desaine gesch�he, nur mit der Macht geschehen sein konnte. Sie hielt es f�r ziemlich erstaunlich, da� ein menschlicher K�rper mit nur so wenig Blutvergie�en zerteilt werden konnte.</p></section><section><title><p>54</p><p>Die �bermittlung</p></title><p>Die aufgehende Sonne war erst ein d�nnes, schwaches Schimmern am Horizont, aber die Stra�en Cairhiens waren am zweiten Tag des Lichterfests bereits von Zechern bev�lkert. Tats�chlich hatten viele die Nacht durchgezecht. Die Festlichkeiten waren von Begeisterung begleitet und nur wenige g�nnten dem Mann mit dem lockigen Bart, dem grimmigen Gesicht und der Streitaxt an der H�fte, der einen gro�en Kastanienbraunen die pfeilgeraden Stra�en auf den Flu� zu f�hrte, mehr als einen Blick. Einige betrachteten jedoch seine Begleiter. Ein Aielmann war inzwischen ein gewohnter Anblick, obwohl sie die Stra�en mieden, seit die Feierlichkeiten begonnen hatten, aber man sah nicht jeden Tag einen Ogier, der gr��er war als ein Mann zu Pferde, und insbesondere keinen Ogier, der eine Streitaxt trug, deren Griff fast so lang wie er gro� war. Der Ogier lie� den b�rtigen Mann leutselig wirken.</p><p>Die Schiffe auf dem Alguenya hatten alle ihre Laternen angez�ndet, einschlie�lich der MeervolkSchiffe, die viele Ger�chte bewirkten, weil sie so lange vor Anker blieben, ohne nennenswerte Kontakte mit dem Ufer zu halten. Den Ger�chten nach, die Perrin geh�rt hatte, mi�billigte das Meervolk die Vorg�nge in der Stadt noch mehr als die Aiel, und er dachte, Gaul w�rde vor Schreck sterben, wann immer er einen Mann und eine Frau sich k�ssen sah. Ob die Frau eine Bluse trug oder nicht, schien Gaul weitaus weniger zu k�mmern als die Tatsache, da� sie sich in aller �ffentlichkeit k��ten.</p><p>Lange Steinpiere ragten zwischen hohen, flankierenden Mauern in den Flu� hinein, und Schiffe jeglicher Gr��e und Bauart hatten angelegt, einschlie�lich F�hren, die nur ein einziges bis hin zu f�nfzig Pferden aufnehmen konnten, aber Perrin sah auf keiner der F�hren mehr als einen Mann. Er z�gelte seinen Kastanienbraunen, als er zu einem breiten Schiff ohne Masten von einigen sechs oder sieben Spann L�nge kam, das an Steinpfosten befestigt war. Seine Rampe zum Pier war an ihrem Platz. Ein dicker, grauhaariger Mann mit blo�em Oberk�rper sa� an Deck auf einem umgedrehten Fa�, und eine grauhaarige Frau mit einem halben Dutzend leuchtenden Schlitzen am Oberteil ihres dunklen Gewandes sa� auf seinen Knien.</p><p>�Wir wollen �bersetzen�, sagte Perrin laut und versuchte, nur soweit hinzusehen, da� er erkennen konnte, ob die beiden sich loslie�en. Sie taten es nicht. Perrin warf ein andoranisches Goldst�ck auf die F�hre, und der Klang der auf das Deck prallenden gro�en Goldm�nze lie� den Burschen den Kopf wenden. �Wir wollen �bersetzen�, wiederholte Perrin und legte ein zweites Goldst�ck auf seine Handfl�che. Kurz darauf legte er noch ein weiteres dazu.</p><p>Der F�hrmann leckte sich die Lippen. �Ich werde Ruderer suchen m�ssen�, murrte er mit einem Blick auf Perrins Hand.</p><p>Perrin nahm seufzend zwei weitere Goldst�cke aus seiner B�rse. Er konnte sich noch gut daran erinnern, wie ihm selbst beinahe die Augen aus dem Kopf gefallen waren, weil er eine solche M�nze haben wollte.</p><p>Der F�hrmann sprang auf, lie� die Adlige schwungvoll auf ihr Hinterteil plumpsen und kletterte die Rampe hinauf, wobei er keuchend hervorbrachte, es w�rde nur Augenblicke dauern, Mylord, nur Augenblicke. Die Frau sah Perrin �u�erst vorwurfsvoll an und entschwebte mit einer W�rde die Pier hinab, die nur dadurch ein wenig beeintr�chtigt wurde, da� sie sich das Ges�� rieb. Bald jedoch raffte sie ihre R�cke und schlo� sich eilig einer Gruppe von T�nzern an, die am Ufer entlangh�pften. Perrin konnte ihr Lachen h�ren.</p><p>Es dauerte l�nger als nur Augenblicke, aber anscheinend gen�gte das Versprechen des Goldes, denn in nicht allzu langer Zeit hatte der F�hrmann gen�gend Burschen versammelt, so da� die meisten Ruderb�nke besetzt werden konnten. Perrin stand da und streichelte die Nase des Kastanienbraunen, w�hrend das Schiff auf den Flu� hinausfuhr. Er hatte sich noch nicht f�r einen Namen entschieden. Das Tier stammte aus den St�llen des Sonnenpalasts und bot einen pr�chtigen Anblick, obwohl es nicht mit Stepper zu vergleichen war.</p><p>Sein Bogen von den Zwei Fl�ssen war auf einer Seite durch den Sattelgurt geschoben, und ein ordentlich eingeh�lltes B�ndel war hinten am Sattel befestigt. Rands Schwert. Faile hatte das Paket selbst verschn�rt und es Perrin wortlos �bergeben. Sie hatte etwas gesagt, nachdem er sich abgewandt hatte, als er erkannte, da� er einen Ku� bekommen w�rde.</p><p><emphasis>�Wenn du umkommst�,</emphasis> hatte sie gefl�stert, <emphasis>�werde ich dein Schwert aufnehmen.�</emphasis></p><p>Er war sich nicht sicher, ob er ihre Worte hatte h�ren sollen oder nicht. Ihr Geruch war solch ein Durcheinander gewesen, da� er nichts Bestimmtes hatte ausmachen k�nnen.</p><p>Er wu�te, da� er �ber sein Vorhaben nachdenken sollte, aber stets schlich sich Faile wieder behutsam in seinen Geist. Er hatte bereits damit gerechnet, da� sie ank�ndigen w�rde, mit ihm zu gehen, und sein Herz hatte sich bei dem Gedanken verkrampft. Wenn sie es getan h�tte, w�re er kaum in der Lage gewesen, es ihr zu verweigern � das nicht und auch nichts anderes, nach all dem Leid, das er ihr zugef�gt hatte �, aber vor ihnen befanden sich sechs Aes Sedai und Blut und Tod.</p><p>Perrin wu�te, da� er wahnsinnig w�rde, wenn Faile st�rbe. Das Thema war aufgekommen, als Berelain sagte, sie w�rde ihre Befl�gelte Wache von Mayene bei dieser Jagd anf�hren. Gl�cklicherweise war dieser Moment schnell vergangen, wenn auch auf seltsame Weise.</p><p><emphasis>�Wenn Ihr die Stadt verla�t, die Rand al'Thor Euch als seiner Stellvertreterin �bergeben hat�, sagte Rhuarc ruhig, �wie viele Ger�chte werden dann daraus entstehen? Wenn Ihr alle Eure Speere ausschickt, wie viele Ger�chte werden dann daraus entstehen? Und was wird aus jenen Geschichten erwachsen?� Es klang nach einem Rat, aber andererseits auch wieder nicht.</emphasis></p><p><emphasis>Berelain sah ihn an und roch dabei eigensinnig und hochm�tig. Der eigensinnige Geruch verging allm�hlich, und sie murmelte zu sich selbst: �Manchmal glaube ich, es gibt zu viele M�nner, die... � Nur Perrin konnte es h�ren. Dann sagte sie l�chelnd und in bemerkenswert erhabenem Tonfall mit lauter Stimme: �Das ist ein guter Rat, Rhuarc. Ich denke, ich werde ihn befolgen.�</emphasis></p><p>Das Erstaunlichste war jedoch, wie sich Rhuarcs und ihr Geruch miteinander verbanden. Perrin gewann den Eindruck eines Wolfs und eines fast erwachsenen, weiblichen Wolfsjungen. Ein nachsichtiger Vater, der Freude an seiner Tochter hatte und sie an ihm, obwohl er sie manchmal noch immer scharf zurechtweisen mu�te, damit sie sich angemessen benahm. Aber wichtig war, da� Perrin die Absicht aus Failes Blick schwinden sehen konnte. Was sollte er tun, wenn er am Leben blieb und sie wiedersah?</p><p>Zu Anfang machten die grob gekleideten Ruderer mit nacktem Oberk�rper raune Scherze, nicht allzu unfreundlich, aber sie machten deutlich, da� jeglicher Goldbetrag kaum aufwog, was ihnen fehlte. Sie lachten, w�hrend sie sich in die Ruder legten, und ein jeder behauptete, schon einmal eine Adlige gek��t zu haben. Ein schlaksiger Bursche mit grobem Kinn behauptete sogar, er h�tte eine <emphasis>tairenische</emphasis> Adlige auf seinen Knien sitzen gehabt, bevor er auf Manals Ruf herauskam, aber niemand glaubte ihm. Perrin sicherlich auch nicht. Die tairenischen M�nner hatten die Vorg�nge nur eines Blickes gew�rdigt und sich dann kopf�ber in die Feierlichkeiten gest�rzt und die tairenischen Frauen hatten die Vorg�nge nur eines Blickes gew�rdigt und sich dann mit W�chtern vor der T�r in ihren Zimmern eingeschlossen.</p><p>Die Sp��e und das Gel�chter hielten nicht lange an. Gaul stand soweit wie m�glich in der Mitte des Bootes, den leicht gehetzt wirkenden Blick auf das jenseitige Ufer gerichtet und auf Zehen stehend, als w�re er bereit zu springen. Er f�rchtete nat�rlich all das Wasser um ihn herum, aber das konnten die Ruderer nicht wissen. Loial, der auf seiner langstieligen Axt lehnte, die er im Sonnenpalast gefunden hatte und die reich verzierte Gravuren aufwies, stand still wie eine Statue. Sein breites Gesicht schien wie aus Granit gehauen. Der F�hrleute versanken in Schweigen und zogen die Ruder so hart wie m�glich durch, wobei sie ihre Passagiere kaum anzusehen wagten. Als die F�hre schlie�lich am Westufer des Alguenya anlegte, gab Perrin dem Besitzer � wenn er dar�ber nachdachte, hoffte er zumindest, da� der Mann der Besitzer war �das versprochene Gold und au�erdem eine Handvoll Silber f�r seine Leute, um sie f�r die Angst vor Loial und Gaul zu entsch�digen. Der dicke Mann zuckte zur�ck, nachdem er das Gold genommen hatte, und verbeugte sich trotz seines wuchtigen K�rpers so tief, da� sein Kopf fast die Knie ber�hrte. Vielleicht hatten Gaul und Loial nicht als einzige furchterregende Gesichter.</p><p>Gro�e, fensterlose Geb�ude standen von Holzger�sten umgeben da, die Mauern geschw�rzt und vielerorts zerfallen. Die Getreidespeicher waren vor einiger Zeit bei Aufst�nden angez�ndet worden, und erst jetzt wurden Reparaturen vorgenommen, aber es war keine Menschenseele auf den von Getreidespeichern und St�llen, Lagerh�usern und Stallh�fen ges�umten Stra�en zu sehen. Alle, die hier arbeiteten, hielten sich jetzt in der Stadt auf. Es war niemand in Sicht bis zwei M�nner aus einer Seitenstra�e herausritten.</p><p>�Wir sind bereit, Lord Aybara�, sagte Havien Nurelle eifrig. Der junge Mann mit den rosigen Wangen, der erheblich gr��er war als sein Begleiter, trug einen roten Brustharnisch und einen Helm mit einer einzigen schmalen roten Feder. Er roch sogar eifrig, und jung.</p><p>�Ich fing schon an zu glauben, Ihr w�rdet nicht kommen�, sagte Perrin, w�hrend er den Kastanienbraunen umwandte. Was sollte er nur wegen Faile tun? Rands Not drang unter seine Haut. �Sie sind uns jetzt vier Tage voraus.� Er bohrte dem Pferd leicht die Fersen in die Flanken und trieb es zu gleichm��igem Schritttempo an. Eine lange Jagd. Es h�tte keinen Zweck, die Pferde zu erm�den. Weder Loial noch Gaul fiel es schwer, Schritt zu halten.</p><p>Die breiteste der geraden Stra�en wurde unvermittelt zu Cairhiens Stra�e von Tar Valon � es gab auch noch andernorts Stra�en mit dem gleichen Namen �, ein breites Band festgetretener Erde, das sich durch waldbestandene H�gel, die niedriger waren als jener, auf dem die Stadt erbaut worden war, nach Westen und Norden wand. Nachdem sie eine Meile durch den Wald geritten waren, schlossen sich ihnen zweihundert Befl�gelte Wachen von Mayene und f�nfhundert Waffentr�ger des Hauses Taborwin an, die alle die besten verf�gbaren Pferde ritten.</p><p>Die Mayener trugen rote Brustharnische und Helme wie mit R�ndern versehene T�pfe, die bis �ber den Nacken reichten, und ihre Speere wiesen rote Streifen auf. Viele von ihnen schienen fast genauso eifrig wie Nurelle. Die kleineren Cairhiener trugen einfache Brustharnische und Helme wie abgeschnittene Glocken, die harte Gesichter freigaben, wobei Helme und Brustharnische oft gleicherma�en verbeult waren. Ihre Speere waren ungeschm�ckt, obwohl hier und da Dobraines <emphasis>Con</emphasis> zu sehen war, ein kleines Viereck auf einem kurzen Stab, blau mit zwei wei�en Edelsteinen, das Offiziere oder niedriger gestellte Lords des Hauses Taborwin kennzeichnete. Von ihnen wirkte niemand eifrig, nur grimmig. Sie hatten alle schon K�mpfe erlebt. In Cairhien nannten sie es �den Wolf sehen�.</p><p>Das brachte Perrin fast zum Lachen. Die Zeit der W�lfe war noch nicht gekommen.</p><p>Gegen Mittag trabte eine kleine Gruppe Aiel aus dem Wald und den Hang zur Stra�e hinab. Neben Rhuarc ritten zwei T�chter des Speers � Nandera und, wie Perrin nach einem Moment erkannte, Sulin. Sie sah im <emphasis>Cadin'sor</emphasis> ganz anders aus, das wei�e Haar bis auf den Zopf am Hinterkopf kurz geschnitten. Sie wirkte ... nat�rlich, was in Livree niemals der Fall gewesen war. Amys und Sorilea kamen hinter ihnen. Die Stolen um die Arme geschlungen, die Halsketten und Armb�nder aus Gold und Elfenbein klimpernd, hielten sie ihre bauschigen R�cke am Hang gerafft, aber sie taten es den anderen in jeder Beziehung gleich.</p><p>Perrin schwang sich vom Pferd, um allen anderen voraus mit ihnen zu gehen. �Wie viele?� fragte er nur.</p><p>Rhuarc schaute zu Gaul und Loial zur�ck, die vor der Kolonne neben Dobraine und Nurelle hergingen. Sie waren sogar f�r Perrins feines Geh�r zu weit entfernt, um �ber das Hufgetrappel, das Klingen des Zaumzeugs und das Knirschen der S�ttel hinweg etwas verstehen zu k�nnen, aber Rhuarc sprach dennoch leise. �F�nftausend Mann aus verschiedenen Gemeinschaften, etwas mehr als f�nf. Ich konnte nicht viele mitbringen. Timolan war mi�trauisch, weil ich nicht mit ihm gegen die Shaido gezogen bin. Wenn allgemein bekannt wird, da� Aes Sedai den <emphasis>Car'a'carn</emphasis> gefangenhalten, f�rchte ich, da� die Trostlosigkeit uns alle verschlingen wird.� Nandera und Sulin husteten gleichzeitig laut. Die beiden Frauen sahen einander an, und Sulin wandte den Blick schlie�lich err�tend ab. Rhuarc sah sie kurz an � er roch ver�rgert � und murrte: �Ich habe auch fast eintausend T�chter des Speers versammelt H�tte ich nicht durchgegriffen, w�re mir jede einzelne von ihnen mit einer Fackel in der Hand nachgerannt um der Welt mitzuteilen, da� Rand al'Thor in Gefahr ist.� Seine Stimme wurde pl�tzlich h�rter. �Jede Tochter des Speers, die uns folgen will, wird lernen m�ssen, da� ich meine, was ich sage.�</p><p>Sulin und Nandera wurden beide rot, was auf ihren sonnengebr�unten Gesichtern verbl�ffte.</p><p>�Ich...�, begannen beide im gleichen Augenblick. Abermals wurden jene Blicke gewechselt, und Sulin wandte schlie�lich mit wom�glich noch st�rker ger�tetem Gesicht den Blick ab. Perrin konnte sich von Bain und Chiad her � die einzigen beiden T�chter, die er wirklich kannte � nicht an all dieses Err�ten erinnern. �Ich habe es versprochen�, sagte Nandera steif, �und auch jede andere Tochter hat es feierlich versprochen. Wir werden den Befehlen des H�uptlings folgen.�</p><p>Perrin versagte sich die Frage, was die Trostlosigkeit sei, ebenso wie er nicht nachfragte, wie Rhuarc die Aiel ohne F�hren �ber den Alguenya gebracht hatte, da doch Wasser � �ber das sie nicht gehen konnten �das einzige war, was Aiel aufzuhalten vermochte. Er hatte es gerne gewu�t, aber die Antworten waren unwichtig. Sechstausend Aiel, f�nfhundert von Dobraines Waffentr�gern und zweihundert Befl�gelte Wachen. Gegen sechs Aes Sedai, ihre Beh�ter und einige f�nfhundert W�chter � das sollte gen�gen. Aber die Aes Sedai hielten Rand fest. W�rde irgend jemand die Hand gegen sie zu erheben wagen, wenn sie ihm ein Messer an die Kehle legten?</p><p>�Da sind auch noch vierundneunzig Weise Frauen�, sagte Amys. �Sie beherrschen die Eine Macht am besten.� Sie �u�erte letzteres nur widerwillig � er erinnerte sich daran, da� Aielfrauen nicht gern zugaben, da� sie die Macht lenken konnten �, aber sie sprach weiter. �Wir h�tten nicht so viele mitgebracht, aber sie wollten alle mitkommen.� Sorilea r�usperte sich, und jetzt err�tete Amys. Er w�rde Gaul danach fragen m�ssen. Aiel waren allen anderen Menschen, denen er jemals begegnet war, so un�hnlich. Vielleicht err�teten sie erst, wenn sie �lter wurden. �Sorilea f�hrt uns an�, schlo� Amys, und die �ltere Frau schnaubte h�chst zufrieden. Und sicherlich roch sie zufrieden.</p><p>Perrin unterdr�ckte nur m�hsam ein Kopfsch�tteln. Sein Wissen �ber die Eine Macht h�tte, noch zusammen mit einem dicken Daumen, in einen Fingerhut gepa�t, aber er hatte erlebt, wozu Verin und Alanna imstande waren, und er hatte die Flamme gesehen, die Sorilea geschaffen hatte. Wenn sie eine derjenigen unter den Weisen Frauen war, welche die Macht am besten f�hren konnten, war er sich nicht sicher, da� sechs Aes Sedai sie nicht alle vierundneunzig zu einem B�ndel verschn�ren konnten. Daf�r h�tte er jedoch nicht die Hand ins Feuer gelegt.</p><p>�Sie m�ssen siebzig oder achtzig Meilen vor uns sein�, erkl�rte er. �Vielleicht auch hundert, wenn sie ihre Wagen vorantreiben. Wir werden uns beeilen m�ssen.� W�hrend er wieder in den Sattel stieg, trabten Rhuarc und die anderen bereits weiter und den H�gel hinauf. Perrin hob die Hand, und Dobraine bedeutete den Reitern den Aufbruch. Es kam Perrin keinen Augenblick in den Sinn, sich zu fragen, warum M�nner und Frauen, die alt genug waren, um seine Eltern sein zu k�nnen und die es gewohnt waren zu befehlen, ihm folgten.</p><p>Allerdings fragte er sich, wie schnell sie vorankommen w�rden. Aiel im <emphasis>Cadin'sor</emphasis> konnten mit den Pferden mithalten, aber er sorgte sich vor allem um die Weisen Frauen, von denen einige vielleicht bereits so alt wie Sorilea waren. Aber ob sie nun R�cke trugen oder nicht und ihr Haar wei� war oder nicht � die Weisen Frauen kamen genauso schnell voran wie alle anderen und hielten mit den Pferden mit, w�hrend sie sich in Gruppen ruhig unterhielten.</p><p>Die Stra�e wand sich weit sichtbar vor ihnen. Niemand begab sich w�hrend des Lichterfests auf die Reise und auch nur wenige in den Tagen davor, es sei denn, ihre Angelegenheit war so dringend wie seine. Die Sonne stieg h�her, die H�gel wurden niedriger, und als sie in der D�mmerung ihr Lager errichteten, sch�tzte Perrin, da� sie vielleicht f�nfunddrei�ig Meilen zur�ckgelegt hatten. Ein gutes Tagespensum. Ausgezeichnet f�r eine so gro�e Gruppe Menschen, aber andererseits auch nur halb soviel, wie die Aes Sedai bew�ltigen konnten, es sei denn, sie wollten ihre Zugtiere t�ten. Er sorgte sich nicht mehr darum, ob er sie noch vor Tar Valon einholen k�nnte, sondern nur darum, was er tun konnte, wenn es soweit w�re.</p><p>Perrin lag auf seinen Decken, den Kopf auf dem Sattel, und blickte l�chelnd zur Mondsichel hinauf. Wenn Wolken dagewesen w�ren, w�re die Nacht nicht ann�hernd so hell gewesen. Es war eine gute Nacht zum Jagen. Eine Gute Nacht f�r W�lfe.</p><p>Ein Bild gestaltete sich in seinem Geist: ein junger wilder Stier mit gelocktem Fell, stolz und mit in der Morgensonne schimmernden H�rnern. Perrin strich mit dem Daumen �ber die neben ihm liegende Streitaxt mit ihrer gef�hrlich gebogenen Klinge und dem scharfen Dorn. Die Stahlh�rner von Junger Stier, wie ihn die W�lfe nannten.</p><p>Er lie� seinen Geist auf die Suche gehen, sandte das Bild in die Nacht hinaus. Dort w�rden W�lfe sein, und sie w�rden von Junger Stier wissen. Die Nachricht von einem Menschen, der mit W�lfen sprechen konnte, w�rde sich wie ein Lauffeuer im Land verbreiten. Perrin mu�te nur zwei W�lfe treffen. Der eine ein Freund, der andere ein armer Teufel, der das Menschsein nicht hatte bewahren k�nnen. Er hatte die Geschichten �ber die Fl�chtlinge geh�rt, die in die Zwei Fl�sse einsickerten. Sie erz�hlten alte Geschichten von M�nnern, die sich in W�lfe verwandelten, Geschichten, die nur wenige wirklich glaubten und die erz�hlt wurden, um Kinder zu unterhalten. Drei behaupteten, M�nner gekannt zu haben, die W�lfe wurden und verwildert waren, und wenn Perrin die Einzelheiten auch falsch erschienen waren, so war die Art, wie die beiden seine gelben Augen unbehaglich gemieden hatten, doch eine Best�tigung. Jene beiden, eine Frau aus Tarabon und ein Mann aus der Ebene von Almoth, w�rden nachts nicht nach drau�en gehen. Sie schenkten ihm aus irgendeinem Grund Knoblauch, das er mit gro�em Genu� a�. Aber er versuchte nicht mehr, andere seiner Art zu finden.</p><p>Er sp�rte W�lfe, und ihre Namen kamen zu ihm.</p><p><emphasis>Zwei Monde</emphasis> und <emphasis>Feuersturm</emphasis> und <emphasis>Alter Hirsch</emphasis> und Dutzende weitere st�rzten auf seinen Geist ein. Es waren eigentlich nicht wirklich Namen, sondern eher Bilder und Empfindungen. Junger Stier war ein einfaches Bild, um einen Wolf zu benennen. Zwei Monde war in Wahrheit ein von der Nacht verh�llter Teich, in einem Augenblick glatt wie Eis, bevor eine Brise die Oberfl�che kr�uselte, Herbstgeruch in der Luft lag, ein Vollmond am Himmel stand und ein weiterer Mond so vollkommen von der Wasseroberfl�che reflektiert wurde, da� es schwierig war zu bestimmen, welcher der wirkliche Mond war. Und das ber�hrte tief.</p><p>Eine Zeitlang war da nur der Austausch von Namen und Ger�chen. Dann dachte er: <emphasis>Ich suche Menschen, die sich vor mir befinden. Aes Sedai und M�nner mit Pferden und Wagen.</emphasis> Nat�rlich dachte er nicht genau das, nicht mehr als Zwei Monde wirklich zwei Monde war. Menschen waren �Zweibeiner� und Pferde �Vierbeiner�. Aes Sedai waren �zweibeinige Weibchen, die den Wind ber�hren, der die Sonne bewegt, und Feuer heraufbeschw�ren�. W�lfe mochten Feuer nicht, und sie h�teten sich vor den Aes Sedai noch mehr als vor anderen Menschen. Es erstaunte sie, da� er eine Aes Sedai nicht erkennen konnte. Sie hielten diese F�higkeit f�r genauso selbstverst�ndlich, wie er die F�higkeit f�r selbstverst�ndlich hielt, ein wei�es Pferd in einer Herde schwarzer Pferde zu finden, was sicherlich nicht erw�hnenswert war. Und sicherlich nichts, was man deutlich erkl�ren mu�te.</p><p>Der Nachthimmel schien in seinem Kopf umherzuwirbeln und bedeckte pl�tzlich ein Lager mit Wagen und Zelten und Lagerfeuern. Sie waren nicht sehr deutlich zu sehen � W�lfe k�mmerten sich kaum um Menschliches, also erschienen die Wagen und Zelte nur vage, die Lagerfeuer schienen gef�hrlich zu br�llen und die Pferde wirkten recht schmackhaft �, und dieses Bild wurde von Wolf zu Wolf weitergegeben, bis es ihn erreichte. Das Lager war gr��er, als Perrin erwartet hatte, aber Feuersturm hegte keinerlei Zweifel. Ihr Rudel schlich gerade am Rande dieses Lagers entlang, in dem sich die �zweibeinigen Weibchen, die den Wind ber�hren, der die Sonne bewegt, und Feuer heraufbeschw�ren� befanden. Perrin versuchte zu erfahren, wie viele es waren, aber W�lfe hatten keine Vorstellung von Zahlen. Sie stellten fest, wie viele Dinge es von etwas gab, indem sie zeigten, wie viel sie gesehen hatten, und als Feuersturm und ihr Rudel die Aes Sedai erst ersp�rt hatten, hatten sie nicht die Absicht, noch wesentlich n�her heranzugehen.</p><p>Die Frage <emphasis>Wie weit?</emphasis> wurde erheblich genauer beantwortet, wieder von Wolf zu Wolf weitergegeben, wenn die Antwort auch erst entschl�sselt werden mu�te. Feuersturm sagte, sie k�nne zu dem H�gel gehen, wo ein m�rrischer R�de namens Halbschwanz sein Rudel an Rotwild herangef�hrt hatte, w�hrend der Mond so und so weit �ber den Himmel gewandert war, in einem bestimmten Winkel. Halbschwanz konnte wiederum Hasennase erreichen � offensichtlich ein junger und sehr wilder R�de �, w�hrend der Mond so und so weit wanderte, in einem anderen Winkel. Und so ging es weiter, bis Zwei Monde erreicht wurde. Zwei Monde bewahrte w�rdiges Schweigen, was f�r einen alten R�den mit �berwiegend wei�er Schnauze angemessen war. Er und sein Rudel waren nicht viel weiter als eine Meile von Perrin entfernt, und der Gedanke, da� Perrin den Standort der Aes Sedai nicht genau kannte, w�re eine Beleidigung gewesen.</p><p>Perrin dachte so gr�ndlich wie m�glich �ber die erhaltenen Angaben nach und kam auf sechzig oder siebzig Meilen. Morgen w�rde er wissen, wie schnell sie sich ihnen n�herten.</p><p><emphasis>Warum?</emphasis> Das war Halbschwanz, der kenntlich an seinem Geruch vor�berzog.</p><p>Perrin z�gerte mit der Antwort. Er hatte diese Frage bef�rchtet. Er empfand den W�lfen gegen�ber genau wie den Leuten von den zwei Fl�ssen gegen�ber. <emphasis>Sie haben Schattent�ter gefangengesetzt,</emphasis> dachte er schlie�lich. So nannten die W�lfe Rand, aber er wu�te nicht, ob ihnen Rand wichtig war.</p><p>Das Entsetzen, das seinen Geist erf�llte, gen�gte als Antwort, und Geheul erf�llte die Nacht, nah und fern, ein mit Wut und Angst durchsetztes Geheul. Die Pferde im Lager wieherten erschreckt und stampften mit den Hufen, w�hrend sie an den Pflockseilen zerrten. M�nner liefen hin, um sie zu beruhigen, und andere sp�hten in die Dunkelheit, als erwarteten sie, da� ein gro�es Rudel W�lfe die Pferde angreifen w�rde.</p><p><emphasis>Wir kommen,</emphasis> antwortete Halbschwanz schlie�lich.</p><p>Nur das, und dann antworteten auch die anderen, Rudel, mit denen Perrin gesprochen hatte, und auch Rudel, die dem Zweibeiner, der wie die W�lfe sprechen konnte, schweigend zugeh�rt hatten. <emphasis>Wir kommen.</emphasis> Nicht mehr.</p><p>Perrin drehte sich zur Seite, schlief ein und tr�umte, er sei ein Wolf, der �ber endlose H�gel lief. Am n�chsten Morgen war kein Zeichen von W�lfen zu sehen � nicht einmal die Aiel berichteten, einen gesehen zu haben �, aber Perrin konnte sie sp�ren, mehrere hundert und mehr W�lfe auf dem Weg.</p><p>W�hrend der n�chsten vier Tage flachte das Land zu wogenden Ebenen ab, deren h�chste Erhebungen im Vergleich zu den Bergen am Alguenya kaum den Namen H�gel verdienen. Der Wald wurde lichter und machte Weideland Platz, braun und versengt, mit sich weit erstreckenden Dickichten. Die Fl�sse und B�che, die sie �berquerten, ben��ten kaum die Hufe der Pferde und bewirkten auch sonst nicht viel mehr, bevor sie im von der Sonne geh�rteten Schlamm versickerten. Jede Nacht teilten die W�lfe Perrin mit, was sie von den vorauseilenden Aes Sedai in Erfahrung bringen konnten, was aber nicht viel war. Feuersturms Rudel folgte ihnen unbemerkt, wenn auch in gro�em Abstand. Eines wurde deutlich: Perrin legte jeden Tag die gleiche Strecke zur�ck wie am ersten Tag, und jeden Tag kam er den Aes Sedai um zehn Meilen n�her. Aber was w�rde er tun, wenn er sie einholte?</p><p>Bevor sich die W�lfe in jeder Nacht meldeten, sa� Perrin in leiser Unterhaltung mit Loial versunken, w�hrend sie zusammen eine Pfeife rauchten. Perrin wollte �ber den Ernstfall reden. Dobraine schien zu glauben, sie sollten einfach angreifen und bei dem Versuch, ihr Bestes zu tun, sterben. Rhuarc sagte nur, da� sie abwarten m��ten, was der morgige Tag bringen w�rde, und da� alle M�nner aus dem Traum erwachen m��ten, was nicht allzu weit von Dobraines Sicht der Dinge entfernt war. Loial war zwar f�r einen Ogier noch jung, aber er war dennoch bereits �ber neunzig. Perrin vermutete, da� Loial mehr B�cher gelesen hatte, als er selbst jemals gesehen hatte, und er verf�gte �ber ein erstaunliches Wissen �ber die Aes Sedai.</p><p>�Es gibt mehrere B�cher �ber Aes Sedai, die sich mit Menschen befassen, die die Macht lenken k�nnen.� Loial blickte stirnrunzelnd um seine Pfeife herum, deren blattf�rmiger Kopf so gro� wie Perrins beide F�uste war. �Elora, Tochter von Amar Tochter von Coura, schrieb w�hrend der fr�hen Regentschaft Artur Falkenfl�gels <emphasis>M�nner aus Feuer und Frauen aus Luft.</emphasis> Und Ledar, Sohn von Shandin Sohn von Koimal, schrieb erst vor ungef�hr dreihundert Jahren <emphasis>Eine Betrachtung �ber M�nner, Frauen und die Eine Macht unter Menschen.</emphasis> Ich denke, das sind die beiden besten Werke. Besonders das von Elora. Sie schrieb im Stil von... Nein. Ich werde es kurz machen.� Perrin bezweifelte das. Sich kurz und pr�zise auszudr�cken, geh�rte nicht zu den Tugenden Loials, wenn er �ber B�cher sprach. Der Ogier r�usperte sich. �Nach Burgrecht mu� ein Mann zum Verh�r zur Burg gebracht werden, bevor er ged�mpft werden kann.� Loials Ohren zuckten einen Moment heftig, und seine langen Augenbrauen sanken grimmig nach unten, aber er klopfte Perrin tr�stlich auf die Schulter. �Ich kann nicht glauben, da� sie das vorhaben, Perrin. Ich habe geh�rt, da� sie dar�ber sprachen, ihm Ehre zu erweisen, schlie�lich ist er der Wiedergeborene Drache.�</p><p>�Ehre?� erwiderte Perrin ruhig. �Vielleicht betten sie ihn auf Seide, aber ein Gefangener ist noch immer ein Gefangener.�</p><p>�Ich bin zuversichtlich, da� sie ihn gut behandeln, Perrin.� Aber der Ogier klang nicht �berzeugt, und sein Seufzen klang hohl. �Und er ist sicher, bis er Tar Valon erreicht. Elora und Ledar � und mehrere andere Schriftsteller ebenso � stimmen darin �berein, da� dreizehn Aes Sedai n�tig sind, um einen Mann zu d�mpfen. Ich kann nur nicht verstehen, wie sie ihn gefangennehmen konnten.� Loial wurde mit einemmal nachdenklich. �Perrin, sowohl Elora als auch Ledar schreiben, da� die Aes Sedai, wenn sie einen Menschen mit gro�er Macht finden, stets dreizehn von ihresgleichen versammeln, um ihn gefangenzunehmen. Oh, sie erz�hlen auch Geschichten, in denen es nur vier oder f�nf sind, und beide erw�hnen Caraighan � sie brachte einen Mann fast zweitausend Meilen weit allein zur Burg, nachdem er ihre beiden Beh�ter get�tet hatte �, aber... Perrin, sie schrieben von Yurian Steinbogen und Guaire Amalasan. Und ebenso von Kaolin Darksbane und Davian, aber es sind die anderen, die mir Sorgen machen.� Damit meinte er vier der M�chtigsten unter den M�nnern, die sich als der Wiedergeborene Drache bezeichnet hatten, aber dies alles war vor langer Zeit, vor Artur Falkenfl�gel, geschehen. �Sechs Aes Sedai haben versucht, Steinbogen zu �berw�ltigen, und er hat drei get�tet und die anderen gefangengenommen. Sechs versuchten, Amalasan gefangenzunehmen. Er hat eine get�tet und zwei weitere ged�mpft. Rand ist sicherlich genauso stark wie Steinbogen und Amalasan. Befinden sich wirklich nur sechs Aes Sedai vor uns? Es w�rde vieles erkl�ren.�</p><p>Vielleicht tat es das, aber es lag kein Trost darin. Dreizehn Aes Sedai k�nnten jeden Angriff Perrins abwehren, auch ohne ihre Beh�ter und W�chter. Dreizehn Aes Sedai konnten damit drohen, Rand zu d�mpfen, wenn Perrin angriff. Sicherlich w�rden sie es nicht tun � sie wu�ten, da� Rand der Wiedergeborene Drache war; sie wu�ten, da� er bei der Letzten Schlacht dabeisein mu�te �, aber durfte Perrin das riskieren? Wer wu�te, warum die Aes Sedai irgend etwas taten? Er hatte sich niemals dazu �berwinden k�nnen, auch nur jenen Aes Sedai zu trauen, die sich als Freunde zu erweisen versucht hatten. Sie bewahrten stets ihre Geheimnisse, und wie durfte ein Mann jemals sicher sein, wenn sie sich hinter seinem R�cken regten, wie sehr sie ihm auch ins Gesicht l�chelten? Wer konnte ahnen, was die Aes Sedai tun w�rden?</p><p>Tats�chlich wu�te Loial nicht viel, das hilfreich w�re, wenn der Tag kam, und au�erdem war er weitaus mehr daran interessiert, �ber Erith zu sprechen. Perrin wu�te, da� er zwei Briefe bei Faile hinterlassen hatte, einer an seine Mutter und der andere an Erith gerichtet, die Faile �berbringen sollte, wenn die Dinge ung�nstig verliefen. Loial hatte ihr �u�erst nachdr�cklich versichert, da� dies nicht gesch�he. Er sorgte sich immer schrecklich darum, jemand anderen besorgt zu machen. Perrin hatte ebenfalls einen Brief f�r Faile hinterlegt. Amys hatte ihn den Weisen Frauen im Aiellager zur Aufbewahrung gebracht.</p><p>�Sie ist so wundersch�n�, murmelte Loial, der in die Nacht starrte, als s�he er sie. �Ihr Gesicht wirkt so zart und doch gleichzeitig so stark. Wenn ich ihr in die Augen sehe, scheint es, als k�nnte ich nichts anderes mehr wahrnehmen. Und ihre Ohren!� Seine eigenen Ohren zitterten pl�tzlich heftig, und er verschluckte sich an seiner Pfeife. �Bitte�, keuchte er, �vergi�, da� ich das gesagt habe... Ich h�tte nicht davon sprechen sollen... Du wei�t, da� ich nicht ungehobelt bin, Perrin.�</p><p>�Ich habe es bereits vergessen�, sagte Perrin schwach. Ihre <emphasis>Ohren?</emphasis></p><p>Loial wollte wissen, wie es war, verheiratet zu sein. Nicht da� er die Absicht h�tte, Erith zu heiraten, wie er hastig hinzuf�gte. Er war zu jung und mu�te sein Buch beenden, und er war noch nicht bereit, sich in einem Leben einzurichten, bei dem er das <emphasis>Stedding</emphasis> niemals wieder verlassen k�nnte, au�er wenn er ein anderes <emphasis>Stedding</emphasis> besuchte, worauf eine Frau sicherlich bestehen w�rde. Er war einfach neugierig. Nichts weiter.</p><p>Also sprach Perrin von seinem Leben mit Faile, wie sie seine Wurzeln verpflanzt hatte, bevor er es gemerkt hatte. Einst waren die Zwei Fl�sse seine Heimat gewesen, und jetzt war seine Heimat dort, wo Faile war. Der Gedanke daran, da� sie auf ihn wartete, beschleunigte seine Schritte. Ihre Gegenwart erhellte einen Raum, und bei ihrem L�cheln verflog jeder Kummer. Nat�rlich konnte er nicht dar�ber sprechen, wie der Gedanke an sie sein Blut zum Wallen brachte oder ihr Anblick sein Herz schneller schlagen lie� � es w�re nicht schicklich gewesen �, und er hatte sicherlich nicht die Absicht, den Kummer zu erw�hnen, den sie in sein Herz gepflanzt hatte. Was sollte er tun? Er war wirklich bereit, auf Knien zu ihr zu kriechen, aber ein eigensinniger, harter Kern in ihm forderte zuerst dieses eine Wort von ihr. Wenn sie nur einfach sagen w�rde, da� alles wieder so sein sollte wie vorher.</p><p>�Was ist mit ihrer Eifersucht?� fragte Loial, und jetzt verschluckte sich Perrin. �Sind Ehefrauen alle so?�</p><p>�Eifers�chtig?� fragte Perrin beherzt. �Faile ist nicht eifers�chtig. Wie kommst du darauf? Sie ist vollkommen.�</p><p>�Nat�rlich ist sie das�, sagte Loial schwach, w�hrend er in seinen Pfeifenkopf blickte. �Hast du noch Tabak von den Zwei Fl�ssen? Ich habe jetzt nur noch ein wenig scharfen cairhienischen Tabak.�</p><p>W�re alles so verlaufen, w�re es in gewisser Weise eine friedliche Reise gewesen, soweit man eine Jagd so bezeichnen konnte. Das Land zog vor�ber, ohne da� sie jemandem begegneten. Wenn die Sonne wie geschmolzenes Gold und die Luft wie in einen Backofen war, kreisten Falken am wolkenlosen blauen Himmel. Aber es gab ein altes Sprichwort: �Der einzige wirklich friedvolle Mann ist ein Mann ohne Mittelpunkt.�</p><p>Die Cairhiener f�hlten sich in Gegenwart der Aiel nat�rlich nicht wohl, betrachteten sie h�ufig stirnrunzelnd oder verh�hnten sie offen. Mehr als einmal murmelte Dobraine etwas dar�ber, zw�lf zu eins in der Minderheit zu sein. Er respektierte ihr Kampfverm�gen, aber nur auf die Art, wie man gef�hrliche Eigenschaften bei einem Rudel w�tender W�lfe respektiert. Die Aiel schauten nicht und h�hnten auch nicht. Sie machten einfach nur deutlich, da� die Cairhiener nicht beachtenswert waren. Perrin w�re nicht �berrascht gewesen zu sehen, wie einer von ihnen durch einen Cairhiener hindurchging, weil er sich weigerte zuzugeben, da� er vorhanden war. Rhuarc glaubte, es g�be keinen �rger, solange die Baumt�ter nicht damit beg�nnen. Dobraine wiederum glaubte, es g�be keinen �rger, solange ihm die Wilden aus dem Weg blieben. Perrin w�nschte, er k�nnte sicher sein, da� sie einander nicht t�teten, bevor sie die Aes Sedai, die Rand gefangenhielten, auch nur zu Gesicht bekamen.</p><p>Er hegte die leise Hoffnung, da� die Mayener eine Br�cke zwischen den beiden schlagen k�nnten, obwohl er manchmal auch merkte, da� er es bedauerte. Die M�nner mit den roten Brustharnischen verstanden sich gut mit den kleineren M�nnern in den einfacheren Harnischen � es hatte niemals einen Krieg zwischen Mayene und Cairhien gegeben �, und die Mayener verstanden sich auch mit den Aiel gut. Abgesehen vom Aiel-Krieg hatte Mayene niemals Aiel bek�mpft. Dobraine ging recht freundlich mit Nurelle um, teilte oft die Abendmahlzeit, und Nurelle gew�hnte es sich an, eine Pfeife mit verschiedenen Aiel zu rauchen. Besonders mit Gaul. Daher r�hrte das Bedauern.</p><p>�Ich habe mit Gaul gesprochen�, sagte Nurelle sch�chtern. Es war am vierten Tag ihrer Reise, und er war neben Perrin am Anfang der Truppe geritten. Perrin horte nur halbwegs zu. Feuersturm hatte einem der j�ngeren R�den ihres Rudels erlaubt, nahe heranzuschleichen, als die Aes Sedai am Morgen aufgebrochen waren, aber er hatte Rand nicht gesehen. Anscheinend wu�te jeder Wolf, wie Schattent�ter aussah. Alle Wagen bis auf einen schienen, trotz aller Unvollkommenheit dessen, was Morgenwolke gesehen hatte, eine Plane �ber dem Aufbau aufzuweisen. Rand befand sich wahrscheinlich in einem dieser Wagen und hatte es im Schatten erheblich bequemer als Perrin, dem der Schwei� in den Nacken lief. �Er hat mir von der Schlacht von Emondsfeld berichtet�, fuhr Nurelle fort, �und von Eurem Feldzug bei den Zwei Fl�ssen. Lord Aybara, ich w�rde mich sehr geehrt f�hlen, wenn Ihr mir selbst von Euren Schlachten erz�hlen w�rdet.�</p><p>Perrin setzte sich j�h im Sattel auf und sah den Jungen an. Nein, kein Junge, trotz der rosigen Wangen und diesem offenen Gesicht. Nurelle war sicherlich genauso alt wie er selbst. Aber der Geruch des Mannes, sehr aufgeweckt und leicht zitternd... Perrin st�hnte beinahe. Er kannte diesen Geruch von kleinen Jungen in seiner alten Heimat, aber von einem Mann seines Alters wie ein Held verehrt zu werden, war fast mehr, als er ertragen konnte.</p><p>W�re das jedoch das Schlimmste gewesen, h�tte es ihn nicht gest�rt. Er erwartete, da� die Aiel und die Cairhiener sich nicht mochten. Er h�tte auch erwarten sollen, da� ein junger Mann, der noch niemals an einem Kampf teilgenommen hatte, zu jemandem aufschauen w�rde, der gegen Trollocs gek�mpft hatte. Die Unw�gbarkeiten, die er nicht hatte voraussehen k�nnen, machten ihn besorgt. Das Unvorhergesehene konnte einen zu Fall bringen, wenn man es am wenigsten erwartete und es sich am wenigsten leisten konnte, beunruhigt zu sein.</p><p>Au�er Gaul und Rhuarc hatte jeder Aielmann einen Streifen karmesinroten Stoff mit einer schwarzwei�en Scheibe um die Stirn gebunden. Perrin hatte sie schon in Cairhien und in Caemlyn gesehen, aber als er jetzt Gaul und dann Rhuarc fragte, ob sie das als die <emphasis>Siswai'aman</emphasis> kennzeichne, von denen Rhuarc gesprochen hatte, versuchten beide M�nner vorzugeben, sie w��ten nicht, wor�ber er spr�che, als k�nnten sie die roten Stirnb�nder bei den f�nftausend M�nnern nicht sehen. Perrin fragte sogar den Mann, der unter Rhuarc anscheinend die Befehlsgewalt hatte und den Perrin schon vor langer Zeit kennengelernt hatte, aber Urien schien auch nicht zu verstehen. Nun, Rhuarc hatte gesagt, er k�nne nur <emphasis>Siswai'aman</emphasis> erheben, also hielt Perrin sie daf�r, selbst wenn er nicht wu�te, was es bedeutete.</p><p>Er wu�te nur, da� es zwischen den <emphasis>Siswai'aman</emphasis> und den T�chtern des Speers �rger geben k�nnte. Wenn einige jener M�nner die T�chter des Speers ansahen, streifte Perrin ein Hauch Eifersucht. Wenn eine der T�chter die <emphasis>Siswai'aman</emphasis> ansah, erinnerte ihn der Geruch an eine �ber dem Kadaver eines Wildes kauernde W�lfin, die keinem der anderen des Rudels einen Bissen g�nnte, auch wenn ,sie erstickte, wenn sie alles allein fra�. Er fand keinerlei Erkl�rung daf�r, aber es war deutlich erkennbar.</p><p>W�hrend der ersten zwei Tage nach Verlassen der Stadt taten sich Sulin und Nandera beide hervor, wann immer Rhuarc etwas �ber die T�chter des Speers sagte. Sulin zuckte jedesmal err�tend zur�ck, aber sie war beim n�chsten Mal wieder bei ihm. Am zweiten Abend, als das Lager errichtet war, versuchten sie einander mit blo�en H�nden zu t�ten.</p><p>Zumindest hatte Perrin den Eindruck, als sie aufeinander eintraten, sich mit F�usten schlugen, einander zu Boden warfen und sich die Arme derma�en verdrehten, da� er meinte, die Knochen m��ten brechen. Rhuarc hinderte ihn daran einzugreifen und wirkte �berrascht, da� er �berhaupt daran gedacht hatte. Viele der Cairhiener und Mayener fanden sich ein, um zuzusehen und Wetten zu plazieren, aber kein Aiel sah sich den Kampf auch nur an und auch nicht die Weisen Frauen.</p><p>Schlie�lich dr�ckte Sulin Nandera mit dem Gesicht in den Staub, einen Arm schmerzhaft nach hinten verdreht, packte Nanderas Haare und schlug ihren Kopf auf den Boden, bis sie leblos dalag. Die �ltere Frau stand lange Zeit da und betrachtete die Unterlegene. Dann hob Sulin die bewu�tlose Nandera auf ihre Schultern und schwankte mit ihr davon.</p><p>Perrin nahm an, da� Sulin von jetzt an das Reden �bernehmen w�rde, aber das war nicht der Fall. Sie war noch immer stets gegenw�rtig, aber eine blau verf�rbte Nandera beantwortete Rhuarcs Fragen und nahm seine Befehle entgegen, w�hrend sich eine gleicherma�en blau verf�rbte Sulin ruhig verhielt, und als Nandera Sulin um etwas bat, tat sie es ohne zu z�gern. Perrin kratzte sich nur am Kopf und fragte sich, ob er den Kampf tats�chlich so hatte ausgehen sehen, wie es der Fall gewesen war.</p><p>Die Weisen Frauen gingen stets in Gruppen unterschiedlicher Anzahl und wechselnder Zusammensetzung die Stra�e entlang. Am Ende des ersten Tages erkannte Perrin, da� sich alle diese Ver�nderungen in Wirklichkeit nur um zwei Frauen herum vollzogen, Sorilea und Amys. Am Ende des zweiten Tages war er sicher, da� die beiden auf sehr unterschiedlichen Ansichten beharrten. Es gab zu viele Blicke und zu h�ufiges Stirnrunzeln. Amys wich langsamer zur�ck und err�tete weitaus seltener. Rhuarc roch manchmal schwach �ngstlich, wenn er seine Frau ansah, aber das war das einzige Zeichen daf�r, da� er �berhaupt etwas merkte. Beim dritten Lager ihrer Reise erwartete Perrin halbwegs, Sulins und Nanderas Kampf zwischen den Weisen Frauen wiederholt zu sehen.</p><p>Statt dessen nahmen die beiden Frauen einen Wasserschlauch und entfernten sich ein St�ck, wo sie sich allein auf den Boden setzten und die gefalteten T�cher abnahmen, die ihr Haar hielten. Er beobachtete sie bis zur mondbeschienenen Dunkelheit und hielt sich weit genug zur�ck, da� er nicht zuf�llig etwas aufschnappte, bis er ins Bett ging, aber sie tranken nur Wasser und redeten. Am n�chsten Morgen wechselten die anderen Weisen ebenfalls von Gruppe zu Gruppe, aber bevor die Truppe drei Meilen zur�ckgelegt hatte, erkannte Perrin, da� sich jetzt alles um Sorilea drehte. Hin und wieder traten sie und Amys allein an den Stra�enrand und redeten miteinander, aber es gab keine weiteren Blicke. W�ren sie W�lfe gewesen, h�tte Perrin gesagt, da� eine Herausforderung an den Rudelf�hrer abgeschlagen worden war, aber ihrem Geruch nach zu urteilen, akzeptierte Sorilea Amys jetzt als fast gleichgestellt, was bei W�lfen niemals der Fall w�re.</p><p>Am siebten Tag seit ihrem Aufbruch von Cairhien, w�hrend sie unter einer br�tenden Morgensonne einherritten, sorgte er sich dar�ber, welche �berraschung die Aiel ihm als n�chstes bescheren w�rden, ob die Aiel und die Cairhiener sich nicht eines Tages gegenseitig an die Kehle gehen w�rden und was er tun sollte, wenn er die Aes Sedai in drei oder vier Tagen einholte.</p><p>Alles das verbla�te bei einer �bermittlung von Halbschwanz. Eine gro�e Gruppe Menschen � vielleicht Frauen; W�lfe hatten manchmal ihre Schwierigkeiten, m�nnliche Menschen von weiblichen zu unterscheiden �befand sich nur wenige Meilen westlich und ritt schnell in die gleiche Richtung, in die Perrin eilte. Es war das fl�chtige Bild der zwei hinterherreitenden Bannertr�ger, das Perrin anzog.</p><p>Er war schnell von Dobraine und Nurelle, Rhuarc und Urien, Nandera und Sulin, Sorilea und Amys umgeben. �Reitet weiter�, befahl er und wandte sein Pferd gen Westen. �Vielleicht schlie�en sich uns einige Freunde an, aber wir wollen auf keinen Fall Zeit verlieren.�</p><p>Sie ritten weiter, als er sich entfernte, aber sie lie�en ihn nicht allein gehen. Bevor er eine Viertelmeile zur�ckgelegt hatte, folgten ihm ein Dutzend M�nner der Befl�gelten Wache und genauso viele Cairhiener, mindestens zwanzig von Sulin angef�hrte T�chter des Speers und eine gleiche Anzahl <emphasis>Siswai'aman</emphasis> hinter einem grauhaarigen Mann mit gr�nen Augen und einem zerfurchten Gesicht. Perrin war nur �berrascht, da� nicht auch eine oder zwei Weise Frauen dabei waren.</p><p>�Freunde�, murmelte Sulin vor sich hin, w�hrend sie neben seinem Steigb�gel hertrabte. �Freunde, die ohne Vorwarnung auftauchen, und er wei� pl�tzlich einfach, da� sie da sind.� Sie sah zu ihm hoch und sprach lauter. �Ich m�chte Euch nicht wieder stolpern und auf die Nase fallen sehen.�</p><p>Perrin sch�ttelte den Kopf und fragte sich, welche anderen Waffen er ihr noch in die H�nde gegeben hatte, w�hrend sie als Dienerin verkleidet gewesen war. Aiel waren seltsam.</p><p>Er ritt fast eine Stunde lang in gl�hender Hitze, von den W�lfen so sicher geleitet wie ein Pfeil zum Ziel, und als er die Kuppe einer kleinen Anh�he erreichte, war er �ber den Anblick ungef�hr zwei Meilen voraus nicht �berrascht: Berittene M�nner in einer langen Zweierreihe, M�nner von den Zwei Fl�ssen mit seinem eigenen Roten Wolfskopf-Banner, das am Anfang der Reihe in einer leichten Brise flatterte. Ihn �berraschte nur, da� auch Frauen dabei waren � er z�hlte neun � und eine Anzahl M�nner, bei denen er sicher war, da� sie nicht zu seinem Volk geh�rten. Das zweite Banner lie� ihn die Kiefer zusammenpressen. Der Rote Adler von Manetheren. Er wu�te nicht, wie oft er sie angewiesen hatte, jene nicht aus den Zwei Fl�ssen herauszubringen. Aber dies war eines der wenigen Dinge, die er zu Hause nicht einfach hatte unterbinden k�nnen, indem er vom Hissen dieses Banners abriet. Die unvollkommene �bermittlung der W�lfe hatte ihn vorbereitet.</p><p>Sie bemerkten ihn und seine Begleiter nat�rlich sofort. In dieser Horde gab es gute Augen. Sie kamen heran und warteten ab, w�hrend Perrin einige schu�bereite Bogen bemerkte, die gro�en Zwei-Fl�sse-Bogen, die einen Mann auf dreihundert und mehr Schritte Entfernung t�ten konnten.</p><p>�Bleibt alle hinter mir�, sagte Perrin. �Sie werden nicht schie�en, wenn sie mich erkennen.�</p><p>�Gelbe Augen k�nnen anscheinend weit sehen�, bemerkte Sulin tonlos. Einige der anderen sahen ihn seltsam an.</p><p>�Bleibt einfach hinter mir�, seufzte Perrin.</p><p>Als er n�her an die Spitze dieser seltsamen Gesellschaft heranritt, wurden die erhobenen Bogen gesenkt und die Pfeile wieder herausgenommen. Sie hatten Stepper bei sich, wie Perrin erfreut erkannte, und Swallow, wie er weniger erfreut erkannte. Faile w�rde es ihm niemals verzeihen, wenn er zulie�, da� ihre schwarze Stute verletzt w�rde. Es w�re ein gutes Gef�hl, seinen Grauen wieder zu reiten, aber vielleicht w�rde er auch Steher, wie er sein neues Pferd genannt hatte, behalten. Ein Lord konnte zwei Pferde besitzen. Auch ein Lord, der vielleicht nur noch vier Tage zu leben hatte.</p><p>Dannil ritt aus der Reihe der Leute von den Zwei Fl�ssen heraus, zupfte an seinem dichten Schnurrbart, und Aram und die Frauen ritten mit ihm. Perrin erkannte alterslose Aes Sedai-Gesichter, noch bevor er Verin und Alanna erkannte, die beide hinter den Frauen ritten. Er kannte keine der anderen, aber er wu�te sofort, wer sie waren, wenn es auch ein R�tsel war, wie sie hierhergelangt waren. Neun. Neun Aes Sedai k�nnten in drei oder vier Tagen sehr n�tzlich sein, aber wie weit konnte er ihnen trauen? Sie waren neun, und Rand hatte ihnen gesagt, da� nur sechs ihm folgen d�rften. Er fragte sich, welche Merana, die Anf�hrerin, war. Eine Aes Sedai mit kantigem Gesicht, die unter ihrer Alterslosigkeit wie eine B�uerin wirkte, sprach, bevor Dannil das Wort an ihn richten konnte. Ihr Pferd war eine robuste, braune Stute. �Also Ihr seid Perrin Aybara. Lord Perrin, sollte ich wohl sagen. Wir haben schon viel von Euch geh�rt.�</p><p>�Es �berrascht uns, Euch hier in solch seltsamer Begleitung anzutreffen�, bemerkte eine hochn�sige, wenn auch wundersch�ne Frau k�hl. Sie ritt einen dunklen Wallach mit lebhaften Augen. Perrin h�tte wetten k�nnen, da� das Tier als Kampfro� ausgebildet war. �Wir glaubten, da� Ihr uns weit voraus w�rt.�</p><p>Perrin achtete nicht auf sie, sondern sah Dannil an. �Nicht da� es mir mi�fiele, aber wie seid Ihr hierhergelangt?�</p><p>Dannil schaute zu den Aes Sedai und strich sich heftig den Schnurrbart, �Wir sind so aufgebrochen, wie Ihr gesagt hattet, Lord Perrin, und zwar so schnell wie m�glich. Ich meine, wir haben die Wagen und alles andere zur�ckgelassen, da wir annahmen, da� Ihr einen Grund hattet so �bereilt abzureisen. Dann holten uns Kiruna Sedai und Bera Sedai und die anderen ein, und sie sagten, Alanna k�nne Rand finden � den Lord Drache, meine ich �, und da Ihr mit ihm gegangen wart, vermuten wir, Ihr w�rt, wo immer er w�re, und nichts gab uns zu erkennen, ob Ihr Cairhien verlassen hattet, und...� Er atmete tief durch. �Wie dem auch sei, anscheinend hatten sie recht, nicht wahr, Lord Perrin?�</p><p>Perrin runzelte die Stirn und fragte sich, wie Alanna ihn hatte finden k�nnen. Aber sie hatte es fertiggebracht, sonst w�ren Dannil und die anderen nicht hier. Alanna und Verin sahen ihn weiterhin an, ebenso wie eine schlanke Frau mit haselnu�braunen Augen, die h�ufig seufzte.</p><p>�Ich bin Bera Harkin�, sagte die Frau mit dem kantigen Gesicht, �und dies ist Kiruna Nachiman.� Sie deutete auf ihre hochm�tige Begleiterin. Anscheinend sollten die anderen erst sp�ter vorgestellt werden. �Wollt Ihr uns sagen, warum Ihr hier seid, obwohl sich der junge al'Thor � der Lord Drache � mehrere Tage n�rdlich befindet?�</p><p>Er brauchte nicht lange zu �berlegen. Wenn diese neun sich mit den vor ihnen befindlichen Aes Sedai zusammenschlie�en wollten, konnte er nur wenig tun, um sie daran zu hindern. Aber neun Aes Sedai auf seiner Seite... �Er wird gefangengehalten. Eine Aes Sedai namens Coiren und mindestens f�nf weitere bringen ihn nach Tar Valon. Zumindest ist das ihre Absicht. Und ich habe vor, sie aufzuhalten.� Diese Nachricht bewirkte erhebliches Entsetzen. Dannils Augen weiteten sich, und die Aes Sedai sprachen alle gleichzeitig. Aram schien als einziger nicht betroffen zu sein, aber andererseits schien ihn nichts sonderlich betroffen zu machen, au�er Perrin und sein Schwert. Die Ger�che der Aes Sedai k�ndeten trotz ihrer unbewegten Gesichter von Zorn und Angst.</p><p>�Wir m�ssen sie aufhalten, Bera�, rief eine Frau, die ihr Haar zu Z�pfen geflochten und auf tarabonische Art mit Perlen geschm�ckt hatte, w�hrend eine blasse Cairhienerin auf einer schmalen, kastanienbraunen Stute sagte: �Wir d�rfen ihn Elaida nicht �berlassen, Bera.�</p><p>�Sechs?� fragte die Frau mit den haselnu�braunen Augen ungl�ubig. �Sechs k�nnten ihn nicht gefangennehmen, dessen bin ich mir sicher.�</p><p>�Ich habe Euch doch gesagt, da� er verletzt ist.� Alanna war den Tr�nen nahe. Perrin kannte ihren Geruch gut genug, um ihn zu erkennen. Sie roch nach Qual. �Ich habe es Euch gesagt.� Verin verhielt sich ruhig, aber sie roch zornig � und �ngstlich.</p><p>Kiruna lie� ihre dunklen Augen ver�chtlich �ber Perrins Begleiter schweifen. �Ihr wollt die Aes Sedai mit diesen Leuten aufhalten, junger Mann? Verin hat mir nicht gesagt, da� Ihr ein Narr w�rt.�</p><p>�Ich habe noch einige M�nner mehr auf der Stra�e nach Tar Valon�, sagte er trocken. Perrin konnte nicht verstehen, warum Kirunas Haltung ihm so zuwider war, aber jetzt war keine Zeit, das zu ergr�nden. �Ich habe auch dreihundert Bogensch�tzen von den Zwei Fl�ssen bei mir, die ich mit zur�ck zur Stra�e nehmen will.� Wie konnte Alanna wissen, da� Rand verletzt war? �Ihr Aes Sedai k�nnt gerne mitkommen.�</p><p>Das gefiel ihnen sicherlich nicht. Sie ritten ein Dutzend Schritte zur Seite und berieten sich � sogar seine Ohren konnten nichts aufnehmen; sie mu�ten irgendwie die Macht benutzt haben �, und Perrin dachte eine Weile, sie w�rden allein weiterreiten.</p><p>Letztendlich kamen sie mit, aber Bera und Kiruna ritten den ganzen Weg zur Stra�e zur�ck rechts und links neben ihm, w�hrend sie ihm abwechselnd erz�hlten, wie gef�hrlich und verfahren diese Situation sei, und da� er nichts tun d�rfe, was den jungen al'Thor gef�hrde. Bera dachte zumindest manchmal daran, Rand den Wiedergeborenen Drachen zu nennen. Sie machten Perrin recht deutlich klar, da� er den anderen nicht vorauseilen sollte, ohne sie vorher zu fragen. Bera schien allm�hlich ein wenig beunruhigt dar�ber, da� er sich vielleicht nicht an ihre Worte erinnern w�rde. Kiruna hingegen sah sie als verpflichtend an. Perrin fragte sich allm�hlich, ob er einen Fehler gemacht hatte, als er sie aufgefordert hatte mitzukommen.</p><p>Wenn die Aes Sedai von der Ansammlung von Aiel, Mayenern und Cairhienern, welche die Stra�e entlangmarschierten, beeindruckt waren, so verzogen sie doch keine Miene. Sie trugen jedoch ihren geringen Teil zur allgemeinen Unruhe bei. Die Mayener und Cairhiener schien das Auftauchen von neun Aes Sedai und sechzehn Beh�tern sehr zu ermutigen, und sie verbeugten sich fast, wann immer eine der Frauen sich ihnen n�herte. Andererseits sahen die T�chter des Speers und die <emphasis>Siswai'aman</emphasis> die Aes Sedai ungl�cklich an, wenn diese nicht hinsahen, als erwarteten sie, da� die Frauen sie zertreten w�rden. Die Weisen Frauen hielten ihre Gesichter genauso ausdruckslos wie die Aes Sedai, aber Perrin roch bei ihnen das Aufwallen reinen Zorns. Bis auf eine Braune namens Masuri ignorierten die Aes Sedai die Weisen Frauen zun�chst vollkommen, aber nachdem Masuri w�hrend der n�chsten Tage mindestens zwei Dutzend Mal abgewiesen worden war � sie war beharrlich, aber die Weisen Frauen mieden die Aes Sedai so gekonnt, da� Perrin dachte, sie t�ten es instinktiv �, beobachteten Bera und Kiruna und alle anderen die Weisen Frauen st�ndig und sprachen hinter einer unsichtbaren Schranke miteinander, die verhinderte, da� Perrin ihre Worte belauschte.</p><p>Er h�tte es getan, wenn es m�glich gewesen w�re. Sie verbargen mehr als nur ihre Gespr�che �ber die Aiel-Frauen. Zun�chst weigerte sich Alanna, ihm zu sagen, woher sie von Rands Aufenthaltsort wu�te �<emphasis>�Es gibt Wissen, das jeden Geist au�er dem der Aes Sedai versengen w�rde�, belehrte sie ihn k�hl und geheimnisvoll aber sie roch recht stark nach Angst und Qual</emphasis> �, und sie wollte nicht einmal zugeben, gesagt zu haben, er sei in irgendeiner Weise verletzt. Verin sprach kaum mit ihm, sondern beobachtete nur alles mit jenen dunklen, vogel�hnlichen Augen und einem kleinen, geheimen L�cheln, und doch strahlte sie Entt�uschung und Zorn aus. Vom Geruch her h�tte Perrin vermutet, da� entweder Bera oder Kiruna die Anf�hrerin war. Von Bera glaubte er es, obwohl der Geruch begrenzt war und manchmal zeitweise in die andere Richtung zu deuten schien. Es war schwer, es anders zu beurteilen, obwohl die eine oder andere jeden Tag eine gute Stunde lang neben ihm ritt und Variationen ihres urspr�nglichen �Rates� wiederholte, und er nahm schlie�lich an, da� sie beide die Befehlsgewalt hatten. Nurelle schien dies auch zu glauben, da sie ihre Befehle entgegennahm, ohne Perrin auch nur anzusehen, und Dobraine schaute zun�chst nur. Eineinhalb Tage lang vermutete Perrin, da� Merana in Caemlyn geblieben sei, und er war schockiert, als er h�rte, wie die schlanke Frau mit den haselnu�braunen Augen mit diesem Namen angesprochen wurde. Rand hatte gesagt, sie f�hre die Abordnung aus Salidar, aber auch wenn die Aes Sedai oberfl�chlich betrachtet gleich schienen, erkannte Perrin sie als niedriger gestellten Wolf im Rudel. Sie roch nach dumpfer Ergebenheit und Angst. Es war nat�rlich keine �berraschung, da� Aes Sedai Geheimnisse bewahrten, aber er beabsichtigte Rand von Coiren und den anderen, die ihnen vorausritten, zu erretten, und er w�re f�r einen Hinweis dankbar gewesen, ob er ihn dann auch vor Kiruna und ihren Freundinnen erretten m��te.</p><p>Zumindest war es gut, wieder mit Dannil und den anderen vereint zu sein, auch wenn sie sich mit den Aes Sedai fast genauso geb�rdeten wie die Mayener und die Cairhiener. Die M�nner von den Zwei Fl�ssen waren so froh, ihn zu sehen, da� nur wenige murrten, als er ihnen befahl, den Roten Adler einzurollen. Er w�rde wieder gehi�t werden, dessen war Perrin sich gewi�, aber Dannils Cousin Ban, der bis auf eine Hakennase und einen langen Schnurrbart in der Art der Domani fast genauso aussah wie Dannil, steckte ihn sorgf�ltig gefaltet in seine Satteltasche. Sie ritten nat�rlich nicht ohne Banner weiter. Einerseits war da sein eigener Roter Wolfskopf. Sie h�tten seinen Befehl, auch ihn einzurollen, vielleicht mi�achtet, und au�erdem erweckte Kirunas k�hler, ver�chtlicher Blick in ihm aus irgendeinem Grund den Wunsch, ihn zu zeigen. Aber neben seinem eigenen Banner zeigten auch Dobraine und Nurelle ihre Banner, da ohnehin bereits eines gehi�t war. Aber es waren nicht die Aufgehende Sonne von Cairhien oder der Goldene Falke von Mayene. Beide hatten eine von Rands Standarten hervorgeholt, das Rot und Gold auf Wei� des Drachen und die schwarzwei�e Scheibe auf Karmesinrot. Die Aiel schien dies alles nicht zu st�ren, und die Aes Sedai wurden sehr abweisend, aber es schienen passende Banner zu sein, um ihnen zu folgen.</p><p>Am zehnten Tag, als die Sonne auf halbem Weg zum Zenit stand, empfand Perrin trotz der Banner und der M�nner von den Zwei Fl�ssen und seinem vertrauten Pferd Stepper unter sich Groll. Sie w�rden die Wagen der Aes Sedai nicht lange nach Mittag einholen, aber er wu�te noch immer nicht, was er dann tun sollte. In diesem Moment kam die �bermittlung von den W�lfen: <emphasis>Kommt jetzt. Viele Zweibeiner. Viele, viele, viele! Kommt jetzt!</emphasis></p></section><section><title><p>55</p><p>Die Brunnen Dumais</p></title><p>Gawyn lie� seinen Blick �ber die Landschaft schweifen, w�hrend er der Truppe vorausritt. Das leicht gewellte Gel�nde mit den vereinzelten B�umen war gerade ausreichend flach, um den Eindruck zu erwecken, da� man weit sehen konnte, auch wenn diese gelegentlichen langen Bodenwellen und niedrigen H�gel nicht ganz so niedrig waren, wie sie schienen. Der Wind fegte dichte Staubwolken auf, und auch Staub konnte eine Menge verh�llen. Dumais Brunnen lagen unmittelbar rechts neben der Stra�e, drei Steinbrunnen in einem kleinen Geh�lz. Es dauerte mindestens vier Tage bis zur n�chsten sicheren Wasserversorgung, wenn die Alianelle-Quelle nicht ausgetrocknet war, aber Galina hatte befohlen, nicht anzuhalten. Gawyn versuchte, seine Aufmerksamkeit dorthin zu richten, wo sie sein sollte, aber es gelang ihm nicht.</p><p>Er wandte sich hin und wieder im Sattel um und betrachtete die lange Wagenkolonne auf der Stra�e, neben der die Aes Sedai und Beh�ter einherritten und Diener, die sich nicht in den Wagen aufhielten, einhergingen. Die meisten der J�nglinge befanden sich am Ende der Schlange, wohin Galina sie befohlen hatte.</p><p>Er konnte den einen Wagen in der Mitte neben dem st�ndig sechs Aes Sedai ritten und der keine Plane aufwies, nicht sehen. Er h�tte al'Thor get�tet, wenn er gekonnt h�tte, aber dieser Gedanke verursachte ihm �belkeit. Sogar Erian hatte sich nach dem zweiten Tag geweigert, noch weiter mitzumachen, und das Licht wu�te, da� sie Grund dazu hatte. Aber Galina blieb hart.</p><p>Den Blick fest nach vorn gerichtet, ber�hrte er Egwenes Brief in seiner Jackentasche, wo er sorgf�ltig in Seide eingeh�llt ruhte. Es waren nur wenige Worte, um ihm zu sagen, da� sie ihn liebte und da� sie gehen m�sse. Nicht mehr. Er hatte ihn f�nf oder sechs Mal am Tag gelesen. Sie erw�hnte sein Versprechen nicht. Nun, er hatte keine Hand gegen al'Thor erhoben. Er war erstaunt gewesen zu erfahren, da� der Mann schon seit Tagen ein Gefangener war, als er davon erfuhr. Das mu�te er ihr irgendwie begreiflich machen. Er hatte ihr versprochen, seine Hand nicht gegen den Mann zu erheben, und er w�rde es auch nicht tun, wenn er daf�r sterben m��te, aber er w�rde auch keine Hand erheben, um ihm zu helfen. Das mu�te Egwene verstehen. Licht, sie mu�te es verstehen.</p><p>Schwei� rann sein Gesicht hinab, und er wischte sich mit dem �rmel �ber die Wangen. Was Egwene betraf, konnte er nichts anderes tun als beten. Aber f�r Min konnte er etwas tun. Es mu�te ihm irgendwie gelingen. Sie verdiente es nicht, als Gefangene zur Burg gebracht zu werden. Er wollte es nicht glauben. Wenn die Beh�ter ihre Bewachung nur lockern w�rden, k�nnte er...</p><p>Pl�tzlich bemerkte Gawyn ein Pferd, anscheinend reiterlos, das durch Staubwolken hindurch zu den Wagen zur�ckgaloppierte. �Jisao�, befahl er, �sagt dem Wagenlenker, da� er anhalten soll. Hai, gebt Rajar Bescheid, da� er die J�nglinge bereithalten soll.� Sie rissen ihre Pferde wortlos herum und preschten davon. Gawyn wartete.</p><p>Es war Benji Dalfors stahlstaubfarbener Wallach, und als er n�her kam, konnte Gawyn Benji gebeugt sitzen und sich an die M�hne des Wallachs klammern sehen. Das Pferd war schon fast vor�ber, als Gawyn die Z�gel zu fassen bekam.</p><p>Benji wandte den Kopf, ohne sich aufzurichten, und sah Gawyn aus glasigen Augen an. Um seinen Mund war Blut zu sehen, und er hatte einen Arm fest auf den Bauch gedr�ckt, als wollte er sich zusammenhalten. �Aiel�, murmelte er. �Tausende. Ich glaube, von allen Seiten.� Pl�tzlich l�chelte er. �Es ist kalt heute, nicht...� Blut scho� aus seinem Mund, und er fiel auf die Stra�e und starrte ausdruckslos in die Sonne.</p><p>Gawyn ri� seinen Hengst herum und galoppierte auf die Wagen zu. Um Benji konnte er sich sp�ter k�mmern, wenn dann noch irgend jemand von ihnen lebte.</p><p>Galina ritt ihm mit flatterndem Staubmantel entgegen, die dunklen Augen zornerf�llt. Sie war st�ndig zornig, seit al'Thor zu entkommen versucht hatte. �Was glaubt Ihr, wer Ihr seid, da� Ihr die Wagen anhalten la�t?� herrschte sie ihn an.</p><p>�Tausende von Aiel schlie�en zu uns auf, Aes Sedai.� Er schaffte es, einen h�flichen Tonfall beizubehalten. Die Wagen hatten schlie�lich angehalten, und die J�nglinge formierten sich, aber die Wagenlenker spielten ungeduldig mit den Z�geln, die Diener sahen sich um, w�hrend sie sich Luft zuf�chelten, und die Aes Sedai berieten sich mit den Beh�tern.</p><p>Galina sch�rzte ver�chtlich die Lippen. �Ihr Narr. Das sind zweifellos die Shaido. Sevanna sagte, sie w�rden uns begleiten. Aber wenn Ihr es nicht glaubt, dann nehmt Eure J�nglinge und seht selbst nach. Diese Wagen werden weiter auf Tar Valon zuhalten. Es wird Zeit, da� Ihr lernt, da� ich hier die Befehle gebe, nicht... �</p><p>�Und wenn es nicht Eure friedlichen Aiel sind?� Es war nicht das erste Mal w�hrend der letzten paar Tage, da� sie vorgeschlagen hatte, er solle selbst einen Sp�htrupp �bernehmen. Er vermutete, da� er, wenn er es t�te, Aiel auffinden w�rde � und zwar keine friedlichen Aiel. �Wer auch immer sie sind � sie haben einen meiner M�nner get�tet.� Mindestens einen, denn sechs Kundschafter waren noch drau�en. �Vielleicht solltet Ihr die M�glichkeit erw�gen, da� dies al'Thors Aiel sein k�nnten, die gekommen sind, um ihn zu retten. Wenn sie uns angreifen, wird es zu sp�t sein.�</p><p>Erst da erkannte er, da� er schrie, aber Galinas Zorn wich tats�chlich. Sie blickte die Stra�e zu der Stelle hinauf, wo Benji lag, und nickte dann z�gernd. �Vielleicht w�re es nicht unklug, dieses eine Mal vorsichtig zu sein.�</p><p>Rand rang nach Atem. Die Luft in seiner Brust f�hlte sich dicht und hei� an. Gl�cklicherweise konnte er es nicht mehr riechen. Sie �berg�ssen ihn jede Nacht mit einem Eimer Wasser, aber das war wohl kaum einem Bad gleichzusetzen, und nachdem sie jeden Morgen den Deckel �ber ihm geschlossen und ihn verriegelt hatten, griff der durch einen weiteren der prallen Sonne ausgesetzten Tag hinzugef�gte Gestank seine Nase erneut an. Es kostete ihn M�he, das Nichts zu halten. Er bestand nur noch aus Striemen. Es gab von den Schultern bis zu den Knien keinen Fingerbreit Haut, der nicht brannte, noch bevor Schwei� daran geriet, und jene zehntausend Flammen flackerten an den Grenzen des Nichts und versuchten es zu vereinnahmen. Die erst halbwegs verheilte Wunde an seiner Seite pochte dumpf, aber die Leere um ihn herum erzitterte bei jedem Pochen. Alanna. Er konnte Alanna sp�ren. Nahe... Nein... Er durfte keine Zeit damit verschwenden, an sie zu denken. Selbst wenn sie ihnen gefolgt war, k�nnten sechs Aes Sedai ihn doch nicht befreien. Wenn sie nicht entschieden, sich Galina anzuschlie�en. Kein Vertrauen. Er w�rde niemals wieder irgendeiner Aes Sedai vertrauen. Vielleicht bildete er es sich ohnehin nur ein. Manchmal bildete er sich hier drinnen Dinge ein wie k�hle Brisen und da� er umhergehen k�nnte. Manchmal verlor er den Bezug zu allem anderen und stellte sich vor, vollkommen frei herumzulaufen. Einfach zu gehen.</p><p>Er rang nach Atem und ertastete sich dann erneut seinen Weg �ber die eisglatte Barriere, die ihn von der Quelle abschnitt. Wieder und wieder tastete er sich zu jenen sechs nachgiebigen Stellen.</p><p>Nachgiebig. Er konnte nicht aufh�ren. Das Tasten war wichtig.</p><p><emphasis>Dunkel,</emphasis> st�hnte Lews Therin tief in seinem Kopf. <emphasis>Nicht mehr dunkel. Nicht mehr.</emphasis> Wieder und immer wieder. Aber nicht allzu schlimm. Rand ignorierte ihn.</p><p>Pl�tzlich keuchte er. Die Kiste bewegte sich, knirschte laut �ber den Boden des Wagens. War es bereits Nacht? Die geschundene Haut zuckte unwillk�rlich. Es w�rden weitere Schl�ge erfolgen, bevor er gef�ttert und mit Wasser begossen und zum Schlafen wie eine Gans verschn�rt w�rde. Aber er w�rde aus der Kiste hinausgelangen. Die Dunkelheit um ihn herum war unvollst�ndig, eher ein tiefdunkles Grau. Der winzige Ri� im Deckel lie� einen schwachen Lichtschimmer ein, obwohl er mit dem Kopf zwischen den Knien nichts sehen konnte, und seine Augen brauchten jeden Tag so lange, um etwas anderes als Schw�rze zu erkennen, wie seine Nase brauchte, um unempfindlich zu werden. Dennoch mu�te es Nacht sein.</p><p>Er konnte ein St�hnen nicht unterdr�cken, als sich die Kiste neigte. Es war nicht genug Platz, da� er h�tte wegrutschen k�nnen, aber er wurde bewegt, wodurch die mehr als wunden Muskeln erneut schmerzten. Sein winziges Gef�ngnis schlug hart auf dem Boden auf. Bald w�rde sich der Deckel �ffnen. Wie viele Tage in der br�tenden Sonne? Wie viele N�chte? Er hatte den Anschlu� verloren. Wer w�rde es diesmal sein? Gesichter wirbelten durch seinen Kopf. Er hatte sich jede Frau gemerkt, die seine Z�chtigung �bernahm. Jetzt gerieten sie durcheinander. Sich zu erinnern, welche wo oder wann zu ihm gekommen war, schien unm�glich. Aber er wu�te, da� Galina und Erian und Katerine ihn am h�ufigsten geschlagen hatten, die einzigen, die es mehr als einmal getan hatten. Ihre Gesichter loderten in seinem Geist in einem barbarischen Licht auf. Wie oft wollten sie ihn noch schreien h�ren?</p><p>Pl�tzlich fiel ihm auf, da� die Kiste schon h�tte ge�ffnet werden sollen. Sie beabsichtigten, ihn die ganze Nacht hier drinnen zu belassen, und morgen w�rde wieder die Sonne scheinen und... Muskeln, die zu zerschlagen und wund waren, um sich zu regen, zuckten panisch. �La�t mich raus!� schrie Rand heiser. Die Finger scharrten hinter seinem R�cken schmerzhaft und nutzlos. �La�t mich raus!� schrie er. Er glaubte, eine Frau lachen zu h�ren.</p><p>Er weinte einige Zeit, aber dann trockneten die Tr�nen in gl�hendem Zorn. <emphasis>Hilf mir,</emphasis> knurrte er Lews Therin an.</p><p><emphasis>Hilf mir,</emphasis> st�hnte der Mann. <emphasis>Das Licht helfe mir.</emphasis></p><p>D�ster vor sich hinmurmelnd, tastete sich Rand wieder blind �ber jene glatte Fl�che zu den sechs nachgiebigen Stellen. Fr�her oder sp�ter w�rden sie ihn herauslassen. Fr�her oder sp�ter w�rden sie in ihrer Wachsamkeit nachlassen. Und wenn das geschah... Er merkte es nicht einmal, als er rauh zu lachen begann.</p><p>Perrin kroch auf dem Bauch den sanften H�gel hinauf und betrachtete vom Kamm aus eine Szene aus den Tr�umen des Dunklen K�nigs. Die W�lfe hatten ihm eine ungef�hre Vorstellung davon vermittelt was ihn erwarten w�rde, aber diese Vorstellung verbla�te neben der Realit�t. Vielleicht eine Meile von der Stelle entfernt, wo er in der Mittagssonne lag, umschlo� eine ungeheure, erdr�ckende Anzahl Shaido vollkommen, was ein Kreis Wagen und Menschen zu sein schien, die sich nicht weit von der Stra�e in einem kleinen Geh�lz zusammendr�ngten. Mehrere Wagen waren Scheiterhaufen aus tanzenden Flammen. Feuerkugeln, klein wie eine Faust und gro� wie Felsbrocken, prallten in die Aiel, Feuerklumpen loderten und verwandelten ein Dutzend von ihnen gleichzeitig in Fackeln. Blitze fielen aus einem wolkenlosen Himmel und schleuderten Erde und in den <emphasis>Cadin'sor</emphasis> gekleidete Gestalten in die Luft. Aber silberne Lichtblitze trafen auch die Wagen, und Feuer sprang von den Aiel auf. Ein gro�er Teil der Feuer erstarb pl�tzlich oder explodierte kurz vor einem Ziel, und viele der Lichtblitze wurden j�h gestoppt, aber auch wenn die Aes Sedai sich noch mit allen Mitteln zu erwehren schienen, mu�te sich die reine �bermacht der Shaido letztendlich als �berw�ltigend erweisen.</p><p>�Dort unten m�ssen zwei- oder dreihundert Frauen sein, die die Macht lenken k�nnen, wenn nicht mehr.� Kiruna, die neben ihm lag, wirkte beeindruckt. Sorilea, auf der anderen Seite der Gr�nen Schwester, war sicherlich beeindruckt. Die Weise Frau roch besorgt; nicht �ngstlich, aber beunruhigt. �Ich habe noch niemals so viele Gewebe auf einmal gesehen�, fuhr die Aes Sedai fort. �Ich glaube, es befinden sich mindestens drei�ig Schwestern in dem Lager. Ihr habt uns zu einem brodelnden Hexenkessel gef�hrt, junger Aybara.�</p><p>�Vierzigtausend Shaido�, murmelte Rhuarc grimmig auf Perrins anderer Seite. Er roch sogar grimmig. �Mindestens vierzigtausend, und es ist kaum befriedigend zu wissen, warum sie nicht mehr nach S�den gesandt haben.�</p><p>�Der Lord Drache ist dort unten?� fragte Dobraine und schaute zu Rhuarc hin�ber. Perrin nickte. �Und Ihr wollt ihn aus diesem Hexenkessel herausbringen?� Perrin nickte erneut, und Dobraine seufzte. Er roch ergeben, nicht �ngstlich. �Wir werden hineinmarschieren, Lord Aybara, aber ich glaube nicht, da� wir wieder herauskommen werden.� Jetzt nickte Rhuarc.</p><p>Kiruna betrachtete die M�nner. �Ihr erkennt sicher, da� wir zu wenig sind. Neun. Selbst wenn Eure Weisen Frauen die Macht tats�chlich mit irgendeiner Wirkung zu lenken verm�gen, so k�nnen wir uns dem doch nicht entgegenstellen.� Sorilea schnaubte laut, aber Kiruna behielt die Szene im Blick.</p><p>�Dann dreht um und reitet s�dw�rts�, befahl Perrin. �Ich werde dieser Elaida Rand nicht �berlassen.�</p><p>�Gut�, erwiderte Kiruna l�chelnd. �Denn ich werde es auch nicht tun.� Er w�nschte, ihr L�cheln w�rde ihm keine G�nsehaut verursachen. Aber sicherlich h�tte sie ebenfalls eine G�nsehaut bekommen, wenn sie Sorileas feindseligen Blick auf ihren Hinterkopf gesehen h�tte.</p><p>Perrin gab denen, die am Fu� des H�gels zur�ckgeblieben waren, ein Zeichen, und Sorilea und die Gr�ne krochen wieder hinab, bis sie sich aufrichten konnten, und eilten dann in entgegengesetzte Richtungen davon.</p><p>Sie hatten keinen richtigen Plan. Es lief darauf hinaus, irgendwie an Rand heranzukommen, ihn zu befreien und dann zu hoffen, da� er nicht zu schwer verletzt war, um ein Wegetor f�r all die Menschen zu gestalten, die mit ihm entkommen wollten, bevor es den Shaido oder den Aes Sedai in dem Lager gelang, sie zu t�ten. Zweifellos geringere Probleme f�r den Helden einer Geschichte oder einen fahrenden S�nger, aber Perrin w�nschte, es w�re Zeit f�r einen regelrechten Plan gewesen und nicht nur f�r das, was er und Dobraine und Rhuarc mit dem Stammesh�uptling, der so schnell er konnte zwischen ihren Pferden einherlief, grob zusammengezimmert hatten. Aber Zeit war eines der vielen Dinge, die sie nicht hatten. Und man konnte nicht wissen, ob die Aes Sedai der Burg die Shaido noch eine weitere Stunde abwehren konnten.</p><p>Zuerst gingen die Leute von den Zwei Fl�ssen und die Befl�gelten Wachen voran, in zwei Gruppen aufgeteilt, von denen die eine die zu Fu� gehenden Weisen Frauen und die andere die berittenen Aes Sedai und Beh�ter umschlo�. Sie �berquerten den H�gelkamm zu beiden Seiten. Dannil hatte sie den Roten Adler wieder hissen lassen, zus�tzlich zum Roten Wolfskopf. Rhuarc schaute nicht einmal in die Richtung, wo Amys nicht weit von Kirunas dunklem Wallach einherschritt, aber Perrin h�rte ihn murmeln: �M�gen wir die Sonne zusammen aufgehen sehen, Schatten meines Herzens.�</p><p>Letztendlich sollten die Mayener und die Leute von den Zwei Fl�ssen den R�ckzug der Weisen Frauen und der Aes Sedai decken, oder vielleicht w�rde es auch anders herum geschehen. Der Plan schien Bera und Kiruna jedoch nicht zu behagen. Sie wollten am liebsten dort sein, wo Rand war.</p><p>�Seid Ihr sicher, da� Ihr nicht reiten wollt, Lord Aybara?� fragte Dobraine vorn Sattel herab. Ihm war die Vorstellung, zu Fu� zu k�mpfen, verha�t.</p><p>Perrin klopfte gegen die an seiner H�fte h�ngende Streitaxt. �Sie ist vom Pferder�cken aus nicht sehr n�tzlich.� Das entsprach der Wahrheit, aber er wollte auch Stepper oder Steher nicht in den bevorstehenden Kampf mit einbeziehen. Menschen konnten sich entscheiden, ob sie sich inmitten von Stahl und Tod begeben wollten. Heute hatte er f�r seine Pferde entschieden. �Vielleicht leiht Ihr mir einen Steigb�gel, wenn es soweit kommt.� Dobraine blinzelte � Cairhiener setzten nur selten Fu�soldaten ein �, aber er verstand offenbar und nickte.</p><p>�Es w�re an der Zeit, da� die Fl�tenspieler zum Tanz aufspielen�, sagte Rhuarc und hob seinen schwarzen Schleier, aber heute w�rden keine Fl�tenspieler zu h�ren sein, was einigen Aiel nicht gefiel. Viele der T�chter des Speers mochten die erforderlichen roten Stoffstreifen um ihre Arme nicht, die sie f�r die Feuchtl�nder von den Shaido-T�chtern des Speers unterscheidbar machen sollten. Sie schienen zu glauben, jeder sollte es auf den ersten Blick sehen.</p><p>Schwarz verschleierte T�chter des Speers und <emphasis>Siswai'aman</emphasis> stiegen den Hang in einer dichten Reihe hinauf, und Perrin ging mit Dobraine dorthin, wo Loial bereits an der Spitze der Cairhiener stand, seine Streitaxt mit beiden H�nden umfassend und die Ohren zur�ckgelegt. Aram war auch dort, zu Fu� und das Schwert blankgezogen. Der ehemalige Kesselflicker l�chelte d�ster und vorahnungsvoll. Dobraine befahl mit einem Winken seines Arms den Vormarsch, hinter Rands Zwillingsbannern her, und S�ttel knirschten, als ein kleiner Wald aus f�nfhundert Speeren neben den Aiel aufstieg.</p><p>Nichts hatte sich in dem Kampf ge�ndert, was Perrin �berraschte, bis er erkannte, da� eigentlich nur Momente vergangen waren, seit er zuletzt hingesehen hatte. Die Zeit war ihm viel l�nger erschienen. Die gro�e Anzahl von Shaido dr�ngte noch immer nach innen. Wagen brannten nieder, vielleicht noch mehr als zuvor. Blitze zuckten noch immer aus dem Himmel, und Feuer sprang in Kugeln und Wellen auf.</p><p>Die Leute von den Zwei Fl�ssen hatten ihre Stellung mit den Mayenern, den Aes Sedai und den Weisen Frauen fast erreicht und bewegten sich beinahe gem�chlich �ber die wogende Ebene. Perrin h�tte sie weiter zur�ckgehalten, um ihnen eine bessere M�glichkeit zur Flucht zu verschaffen, wenn es soweit w�re, aber Dannil beharrte darauf, da� sie auf mindestens dreihundert Schritt herangehen m��ten, damit ihre Bogen wirkungsvoll eingesetzt werden k�nnten, und Nurelle war genauso bestrebt gewesen, nicht zur�ckzubleiben. Sogar die Aes Sedai, bei denen Perrin vermutete, da� sie nur nahe genug herangelangen wollten, um besser sehen zu k�nnen, hatten darauf beharrt. Keiner der Shaido hatte sich bisher umgesehen. Zumindest deutete niemand auf die langsam in ihrem R�cken auf sie zukommende Bedrohung. Niemand wirbelte herum, um sich ihr zu stellen. Alle schienen darauf konzentriert, den Wagenkreis anzugreifen, vor Feuer und Blitzen zur�ckzuweichen und dann erneut anzugreifen. Nur ein Blick zur�ck w�re notwendig gewesen, aber das Inferno vor ihnen hielt sie davon ab.</p><p>Achthundert Schritte. Siebenhundert. Die Leute von den Zwei Fl�ssen stiegen ab und nahmen ihre Bogen in die Hand. Sechshundert. F�nfhundert. Vierhundert.</p><p>Dobraine zog sein Schwert und hielt es hoch in die Luft. �Der Lord Drache, Taborwin und Sieg!� rief er, und der Ruf wurde von f�nfhundert Kehlen aufgenommen, w�hrend die Speere bereitgehalten wurden.</p><p>Perrin hatte gerade noch genug Zeit, Dobraines Steigb�gel zu packen, bevor der Cairhiener vorw�rts preschte. Loials lange Beine pa�ten sich bei jedem Schritt an. W�hrend Perrin sich von dem Pferd in gro�en Spr�ngen voranziehen lie�, sandte er seinen Geist aus. Kommt.</p><p>Der mit braunem Gras bedeckte Boden, der unbelebt schien, brachte pl�tzlich eintausend W�lfe hervor, schlanke braune einfache W�lfe und einige dunklere, schwerere Waldbr�der, die geduckt voranliefen und sich dann mit zuschnappendem Kiefer auf die R�cken der Shaido warfen, unmittelbar bevor die ersten langen Speere vom Himmel regneten. Ein zweiter Schwarm Speere beschrieb bereits einen hohen Bogen. Neuerliche Blitze zuckten mit den Speeren zusammen aus dem Himmel, und neue Feuer sprangen auf. Verschleierte Shaido, die sich umwandten, um die W�lfe zu bek�mpfen, hatten nur Augenblicke Zeit zu erkennen, da� sie nicht die einzige Bedrohung bedeuteten, bevor sie ein wuchtiger Speer eines Aiel oder eines cairhienischen Speertr�gers traf.</p><p>Perrin ri� seine Streitaxt frei, streckte einen ihm im Weg stehenden Shaido nieder und sprang �ber den Mann, als er zu Boden sank. Sie mu�ten Rand erreichen, alles hing davon ab. Neben ihm hob Loial seine Streitaxt an, lie� sie niedersausen, schwenkte sie erneut und k�mpfte so einen Weg frei. Aram schien mit seinem Schwert zu tanzen und lachte, w�hrend er alle, die ihm im Weg standen, niederm�hte. Es war keine Zeit, an jemand anderen zu denken. Perrin schwang seine Streitaxt mechanisch. Er zerhackte Holz, nicht Leiber. Er versuchte, das umherspritzende Blut zu ignorieren, selbst als ihm Karmesinrot ins Gesicht spr�hte. Er mu�te Rand erreichen. Er schlug sich einen Weg durch Dornengestr�pp.</p><p>Er konzentrierte sich nur jeweils auf den Mann vor ihm � er betrachtete sie als M�nner, auch wenn ihre Gr��e zuweilen darauf schlie�en lie�, da� es manchmal auch eine Tochter des Speers sein k�nnte; er war sich nicht sicher, da� er diese rottropfende halbmondf�rmige Klinge noch schwingen k�nnte, wenn er den Gedanken zulie�, es k�nnte eine Frau sein, gegen die er sie hob �, er konzentrierte sich, aber andere Dinge schwebten in sein Sichtfeld, w�hrend er sich den Weg frei hieb. Ein silbriger Lichtblitz schleuderte mit dem <emphasis>Cadin'sor</emphasis> bekleidete Gestalten in die Luft, von denen einige das scharlachrote Stirnband trugen und andere nicht. Ein weiterer Blitz ri� Dobraine vom Pferd. Der Cairhiener m�hte sich wieder hoch und lie� das Schwert einen Moment ruhen. Feuer umschlo� ein Gewirr von Cairhienem und Aiel, verwandelte Menschen und Pferde in schreiende Fackeln, zumindest jene, die noch schreien konnten.</p><p>All dies geschah vor seinen Augen, aber er erlaubte sich nicht, es zu sehen. Nur die Dornengestr�ppe vor ihm mu�ten mit seiner und Loials Streitaxt und Arams Schwert aus dem Weg ger�umt werden. Dann sah er etwas, das seine Konzentration durchdrang. Ein sich aufb�umendes Pferd, ein taumelnder Reiter, der aus dem Sattel gerissen wurde, als Aiel-Speere ihn durchbohrten. Ein Reiter mit einem roten Brustharnisch. Und noch ein Befl�gelter W�chter und weitere von ihnen, die ihre Speere reckten, w�hrend Nurelles Feder �ber seinem Helm schwankte. Kurz darauf sah er Kiruna, das Gesicht heiter und unbesorgt, die wie eine K�nigin der Schlachten den von drei Beh�tern f�r sie freigehauenen Weg entlangschritt, und die Feuer, die ihren H�nden entsprangen. Und da war Bera und weiter seitlich Faeldrin und Masuri und... Was, unter dem Licht, taten sie alle hier? Was taten sie �berhaupt alle? Sie sollten bei den Weisen Frauen sein!</p><p>Von irgendwo �ber ihm erklang ein hohles Dr�hnen, wie ein Donnerschlag, der durch den L�rm der Schreie und Rufe hindurchschnitt. Kurz darauf erschien keine zwanzig Schritte vor ihm ein Lichtblitz und schnitt wie eine riesige Klinge durch mehrere Menschen und ein Pferd hindurch, w�hrend er sich zu einem Wegetor erweiterte. Ein Mann in schwarzem Umhang mit einem Schwert in H�nden sprang daraus hervor und ging mit einem Shaido-Speer im Leib zu Boden, aber kurz darauf sprangen acht oder neun weitere M�nner durch das Wegetor, w�hrend es verschwand, und bildeten mit ihren Schwertern einen Kreis um den gefallenen Mann. Mit mehr als Schwertern. Einige der Shaido, die sie angriffen, fielen nicht durch eine Klinge, sondern gingen einfach in Flammen auf. Die K�pfe, die wie Melonen zerbarsten, fielen aus der H�he auf das Gestein. Vielleicht hundert Schritte hinter ihnen glaubte Perrin einen weiteren Kreis von M�nnern in schwarzen Umh�ngen zu erkennen, die von Feuer und Tod umgeben waren, aber er hatte keine Zeit, sich dar�ber zu wundern. Shaido schlossen sich auch um ihn.</p><p>Er stellte sich mit dem R�cken zu Loial und Aram und schlug und hackte verzweifelt um sich. Jetzt gab es kein Vorankommen mehr. Er konnte nur noch die Stellung halten. Das Blut pochte in seinen Ohren, und er h�rte, wie er nach Atem rang. Er konnte auch Loial h�ren, der wie ein gro�er Blasebalg keuchte. Perrin wehrte einen zusto�enden Speer mit seiner Streitaxt ab, traf im R�ckschwung mit der Spitze einen weiteren Aiel, ergriff eine Speerspitze mit der Hand, ungeachtet der klaffenden Wunde, die sie verursachte, und zerteilte ein schwarz verschleiertes Gesicht. Er glaubte nicht, da� sie noch viel l�nger standhalten k�nnten. Sein ganzes Sein konzentrierte sich darauf, noch einen Herzschlag l�nger am Leben zu bleiben. Fast sein ganzes Sein. Ein Winkel seines Geistes hielt ein Bild von Faile aufrecht und den traurigen Gedanken, da� er sich nicht daf�r entschuldigen k�nnte, da� er nicht zu ihr zur�ckkam.</p><p>Rand rang mit verdoppeltem Schmerz in der Brust um Luft und betastete hastig den Schild zwischen ihm und der Quelle. St�hnen schwebte �ber das Nichts, und wilder Zorn und sengende Angst kroch an ihr entlang. Er konnte nicht mehr unterscheiden, was von ihm und was von Lews Therin kam. Pl�tzlich gefror sein Atem. Sechs Stellen, aber eine war jetzt unnachgiebig. Nicht mehr nachgiebig, sondern unnachgiebig. Und dann eine zweite. Eine dritte. Rauhes Lachen erf�llte seine Ohren. Es war sein Lachen, wie er kurz darauf erkannte. Eine vierte Stelle wurde unnachgiebig. Er wartete, versuchte in sich zu ersticken, was wie irres Kichern klang. Die letzten beiden Stellen blieben nachgiebig. Das erstickte Kichern erstarb.</p><p><emphasis>Sie werden es sp�ren,</emphasis> st�hnte Lews Therin verzweifelt. <emphasis>Sie werden es sp�ren und die anderen zur�ckrufen.</emphasis></p><p>Rand leckte sich mit seiner trockenen Zunge �ber die aufgesprungenen Lippen. Alle Feuchtigkeit in ihm schien mit dem Schwei� entschwunden zu sein, der seine Haut �berzog und in seinen Wunden brannte. Wenn er es versuchte und es mi�lang, w�rde es niemals eine zweite Chance geben. Er konnte nicht mehr warten. Es g�be ohnehin vielleicht niemals eine zweite Chance.</p><p>Vorsichtig, blind, ertastete er die vier unnachgiebigen Stellen. Dort war nichts, nicht mehr, als der Schild selbst f�r ihn ersp�rbar oder sichtbar war, aber irgendwie konnte er <emphasis>um</emphasis> dieses Nichts <emphasis>herumsp�ren,</emphasis> eine Form sp�ren. Wie Knoten. In einem Knoten war stets Platz zwischen den F�den, wie fest er auch gezogen war, Spalte, feiner als ein Haar, wo nur Luft hindurchgelangte. Langsam, so sehr langsam, tastete er sich in einen dieser Spalte vor, dr�ckte durch �u�erst winzige Risse zwischen etwas, das anscheinend �berhaupt nicht vorhanden war. Langsam. Wie lange w�rde es dauern, bis die anderen zur�ckkehrten? Wenn sie wieder anfingen, bevor er einen Weg durch dieses gewundene Labyrinth gefunden hatte... Langsam. Und pl�tzlich konnte er die Quelle sp�ren, als h�tte er sie mit einem Fingernagel gestreift. Nur mit dem �u�eren Rand eines Fingernagels. <emphasis>Saidin</emphasis> war noch jenseits von ihm � der Schild war noch immer da �, aber er konnte in Lews Therin Hoffnung aufwallen sp�ren. Hoffnung und Verzagtheit. Zwei Aes Sedai hielten noch immer an der Barriere fest, waren sich immer noch bewu�t, was sie festhielten.</p><p>Rand h�tte nicht erkl�ren k�nnen, was er als n�chstes tat, obwohl Lews Therin erkl�rt hatte, wie er es tun mu�te, zwischen einzelnen Ausfl�gen in seine eigenen verr�ckten Vorstellungen, zwischen hoch aufbrausendem Zorn und Wehklagen �ber seine verlorene Ilyena, zwischen Geplapper, da� er zu sterben verdiene, und Schreien, da� er nicht zulassen w�rde, da� sie ihn zerbrachen. Es war, als beuge er, was er durch den Knoten ausgestreckt hatte, als beuge er es, so sehr er konnte. Der Knoten widerstand. Er erzitterte. Und dann brach er auf. Da waren nur noch f�nf. Die Barriere wurde d�nner. Er konnte sp�ren, wie sie schw�cher wurde. Eine unsichtbare Wand, die jetzt nur noch f�nf anstatt sechs Ziegelsteine dick war. Die beiden Aes Sedai w�rden es auch gesp�rt haben, obwohl sie vielleicht nicht genau verstanden, was geschehen war. Bitte, Licht, nicht jetzt. Noch nicht.</p><p>Schnell, fast hektisch, griff er die verbliebenen Knoten nacheinander an. Ein zweiter �ffnete sich � der Schild wurde d�nner. Es ging jetzt schneller, mit jedem ein wenig mehr, als lerne er den Weg hindurch, wenn es auch jedesmal anders war. Der dritte Knoten war gel�st. Und eine dritte unnachgiebige Stelle erschien. Vielleicht wu�ten die Aes Sedai nicht, was er tat, aber sie w�rden nicht einfach dasitzen, w�hrend der Schild immer schw�cher wurde. Hektisch warf sich Rand auf den vierten Knoten. Er mu�te ihn l�sen, bevor sich eine vierte Schwester in den Schild einbrachte. Vier k�nnten in der Lage sein, ihn zu halten, was immer er tat. Den Tr�nen nahe, k�mpfte er sich durch die ver�stelten Windungen, glitt zwischen Nichts. Er beugte es in Panik, und der Knoten platzte. Der Schild blieb, wurde aber jetzt nur noch von dreien gehalten. Wenn er sich nur schnell genug bewegen konnte.</p><p>Als er nach <emphasis>Saidin</emphasis> griff, war die unsichtbare Barriere noch immer da, aber sie schien nicht mehr aus Stein oder Ziegeln zu bestehen. Sie gab nach, als er dagegenpre�te, neigte sich unter seinem Druck, neigte sich, neigte sich. Pl�tzlich ri� sie vor ihm entzwei wie zerschlissener Stoff. Die Macht erf�llte ihn, und er ergriff jene drei nachgiebigen Stellen und zerschmetterte sie unbarmherzig mit F�usten aus Geist. Abgesehen davon vermochte er noch immer nur dort die Macht zu lenken, wo er etwas sah, und alles, was er jetzt schwach erkennen konnte, war das Innere der Kiste, soweit er sie mit dem Kopf zwischen den Knien sehen konnte. Bevor er seine Arbeit mit den F�usten aus Geist auch nur beendet hatte, lenkte er die Macht Luft. Die Kiste platzte mit lautem Knall von ihm ab.</p><p><emphasis>Frei,</emphasis> keuchte Lews Therin, und es war ein Echo Rands eigener Gedanken. <emphasis>Frei.</emphasis> Oder vielleicht anders herum.</p><p><emphasis>Sie werden bezahlen,</emphasis> grollte Lews Therin. <emphasis>Ich bin der Herr des Morgens.</emphasis></p><p>Rand wu�te, da� er sich jetzt noch schneller bewegen mu�te, schnell und heftig bewegen mu�te, aber zun�chst k�mpfte er darum, sich �berhaupt bewegen zu k�nnen. Da die Muskeln jeden Tag seit wer wei� wie langer Zeit mi�handelt worden waren, als er jeden Tag in die Kiste gepfercht worden war, schrien sie auf, als er sich mit zusammengebissenen Z�hnen behutsam auf H�nde und Knie aufrichtete. Es war ein ferner Schrei, der Schmerz eines anderen, aber er konnte diesen K�rper nicht dazu bringen, sich schneller zu bewegen, wie stark er sich auch durch <emphasis>Saidin</emphasis> f�hlte. Leere d�mpfte die Empfindungen, aber etwas der Panik �hnliches versuchte, Ranken in das Nichts zu winden.</p><p>Er befand sich in einem gro�en Dickicht, in dem breite Strahlen Sonnenlicht durch die fast laublosen B�ume drangen. Es erschreckte ihn, da� es noch Tag war, vielleicht sogar erst Mittag. Er mu�te sich regen. Weitere Aes Sedai w�rden kommen. Zwei lagen in seiner N�he auf dem Boden, offensichtlich bewu�tlos, und eine hatte eine h��liche, klaffende Wunde an der Stirn. Eine dritte, eine Frau mit kantigem Gesicht, kauerte auf den Knien, starrte ins Leere, umklammerte ihren Kopf mit beiden H�nden und schrie. Sie schien von all den Splittern und Kistenst�cken unber�hrt. Er erkannte keine von ihnen. Er empfand sofort Bedauern, da� es nicht Galina oder Erian waren, die er ged�mpft hatte � er konnte nicht mit Bestimmtheit sagen, da� er das beabsichtigt hatte; Lews Therin hatte lang und breit erkl�rt, wie er jede einzelne jener zerbrechen wollte, die ihn eingesperrt hatten; Rand hoffte, es w�re seine eigene Idee gewesen, wie �bereilt auch immer sie war. Dann sah er unter Kistenteilen eine weitere Gestalt auf dem Boden ausgestreckt. Eine Gestalt in r�tlichem Umhang und r�tlicher Hose.</p><p>Die Frau mit dem kantigen Gesicht sah ihn nicht an und h�rte auch nicht auf zu schreien, als er sie gegen die niedrige Steinkr�nung eines Brunnens stie�, w�hrend er vor�berkroch. Er fragte sich verzweifelt, warum auf ihre Schreie hin niemand kam. Auf halbem Weg zu Min bemerkte er aus dem Himmel schie�ende Lichtblitze und �ber ihm explodierende Feuerkugeln. Er roch brennendes Holz, h�rte M�nner schreien und rufen, das Aufeinanderschlagen von Metall und den Mi�klang der Schlacht. Es k�mmerte ihn nicht, ob es Tarmon Gai'don war. Wenn er Min get�tet hatte... Er wandte sie sanft um.</p><p>Dunkle Augen sahen zu ihm auf. �Rand�, hauchte sie. �Du lebst. Ich hatte Angst nachzusehen. Es gab einen furchtbaren Knall, und �berall flogen Holzst�cke herum, und ich erkannte einen Teil der Kiste und...� Tr�nen rannen ihre Wangen hinab. �Ich dachte, sie h�tten... Ich hatte Angst, du w�rst...� Sie rieb sich mit zusammengebundenen H�nden �bers Gesicht und atmete tief durch. Auch ihre Fu�kn�chel waren gefesselt. �Wirst du meine Fesseln l�sen, Schafhirte, und ein Wegetor von hier fort er�ffnen? Oder erspare dir die M�he, die Fesseln zu l�sen. Wirf mich einfach �ber deine Schulter und geh.�</p><p>Er f�hrte geschickt Feuer und trennte damit ihre Fesseln. �Es ist nicht so einfach, Min.� Er kannte diesen Ort nicht. Ein Wegetor, das von hier aus er�ffnet wurde, mochte �berall hinf�hren, wenn es �berhaupt er�ffnet werden konnte. Wenn er �berhaupt eines er�ffnen konnte. Schmerz und Ersch�pfung streifte die R�nder des Nichts. Er wu�te nicht, wieviel Macht er beanspruchen konnte. Pl�tzlich sp�rte er, wie <emphasis>Saidin</emphasis> in alle Richtungen gelenkt wurde. Durch die B�ume, jenseits brennender Wagen, sah er Aiel gegen Beh�ter k�mpfen und die mit gr�nen Umh�ngen bekleideten Soldaten Gawyns, die vom Feuer und den Blitzen der Aes Sedai zur�ckgedr�ngt wurden, aber erneut angriffen. Irgendwie hatte Taim ihn gefunden und Asha'man-Soldaten und Aiel mitgebracht. �Ich kann noch nicht gehen. Ich glaube, einige Freunde sind gekommen, um mich zu retten. Mach dir keine Sorgen. Ich werde dich besch�tzen.�</p><p>Ein gezackter Silberblitz zerteilte einen Baum am Rande des Dickichts, nahe genug, da� Rands Haare verwehten. Min schrak zusammen. �Freunde�, murrte sie und rieb sich die Handgelenke.</p><p>Er bedeutete ihr zu bleiben, wo sie war � abgesehen von diesem einen fehlgeleiteten Blitz schien das Dickicht unber�hrt �, aber als er aufstehen wollte, war sie sofort da und st�tzte ihn auf einer Seite. W�hrend er zu der sp�rlichen Baumreihe stolperte, war er f�r ihre Hilfe dankbar, aber dann zwang er sich dazu, sich aufzurichten und sich nicht mehr auf sie zu st�tzen. Wie konnte sie glauben, da� er sie besch�tzen w�rde, wenn er sie brauchte, um nicht hinzufallen? Eine Hand am zerschmetterten Stamm des vom Blitz getroffenen Baumes half. Rauchf�den stiegen von dem Baum auf, aber er hatte kein Feuer gefangen.</p><p>Die Wagen bildeten einen gro�en Kreis um die B�ume. Einige der Diener versuchten, die Pferde zusammenzuhalten � die Gespanne befanden sich noch immer im Geschirr �, aber die meisten hatten sich irgendwo in der Hoffnung hingekauert, dem von oben kommenden Zorn zu entgehen. Tats�chlich schienen alle Blitze au�er jenem einen auf die Wagen und die k�mpfenden M�nner gerichtet gewesen zu sein. Vielleicht auch auf die Aes Sedai. Jede hielt ihr Pferd ein St�ck von dem Gewirr der Speere und Schwerter und Flammen zur�ck, aber nicht allzu weit, und stellte sich manchmal in den Steigb�geln auf, um besser sehen zu k�nnen.</p><p>Rand entdeckte Erian schnell, schlank und dunkelhaarig, auf einer hellgrauen Stute. Lews Therin grollte, und Rand schlug fast ohne nachzudenken zu. Er sp�rte unterdessen die Entt�uschung des anderen Mannes. Geist, um sie abzuschirmen, mit einem leisen Widerstand, der anzeigte, da� er durch ihre Verbindung mit <emphasis>Saidar</emphasis> hindurchschnitt, und sobald dies geschehen war, schleuderte sie eine Keule aus Luft bewu�tlos aus dem Sattel. Wenn er beschlo�, sie zu d�mpfen, wollte er sie wissen lassen, wer es tat und warum. Eine der Aes Sedai rief, da� sich jemand um Erian k�mmern sollte, aber niemand schaute in Richtung der B�ume. Niemand dort drau�en konnte <emphasis>Saidin</emphasis> sp�ren. Sie dachten, sie sei von den Angreifern gef�llt worden.</p><p>Sein Blick suchte die anderen berittenen Frauen ab, hielt bei Katerine inne, die ihren langbeinigen, kastanienbraunen Wallach hin und her ri�, w�hrend Feuer aufflammte, wohin auch immer sie unter den Aiel schaute. Geist und Luft, und sie fiel schlaff zu Boden, ein Fu� noch im Steigb�gel verfangen.</p><p><emphasis>Ja,</emphasis> rief Lews Therin lachend aus. <emphasis>Und jetzt Galina. Sie will ich besonders am Boden sehen.</emphasis></p><p>Rand pre�te die Augen zusammen. Lews Therin wollte diese drei so sehr st�rzen sehen, da� er an nichts anderes denken konnte. Rand wollte ihnen das heimzahlen, was sie ihm angetan hatten, aber der Kampf wurde noch fortgef�hrt, und Menschen starben, w�hrend er bestimmte Aes Sedai jagte. Zweifellos starben auch T�chter des Speers.</p><p>Er griff die n�chste Aes Sedai, zwanzig Schritte links von Katerine, mit Geist und Luft an, trat dann zu einem anderen Baum und brachte Sarene Nemdahl, bewu�tlos und abgeschirmt, zu Fall. Er stolperte m�hsam am Rand des Dickichts entlang und schlug immer wieder wie ein Taschendieb zu. Min st�tzte ihn nicht mehr, obwohl sie ihre H�nde noch erhoben hatte, bereit, ihn aufzufangen.</p><p>�Sie werden uns sehen�, murrte sie. �Eine von ihnen wird sich umsehen und uns entdecken.�</p><p><emphasis>Galina,</emphasis> grollte Lews Therin. Wo <emphasis>ist sie?</emphasis></p><p>Rand ignorierte ihn, und Min. Coiren fiel zu Boden, sowie zwei weitere, deren Namen er nicht kannte. Er mu�te tun, was ihm m�glich war.</p><p>Die Aes Sedai vermochten nicht zu ergr�nden, was vor sich ging. Schwestern fielen entlang der Kreismauer aus Wagen eine nach der anderen von ihren Pferden. Jene, die noch bei Bewu�tsein waren, streckten sich weiter aus und versuchten, den ganzen Umkreis zu bedecken, w�hrend pl�tzlich Angst ihre Handhabung der Pferde bestimmte. Es mu�te etwas von au�erhalb sein, aber Aes Sedai fielen, und sie wu�ten nicht wie oder warum.</p><p>Ihre Anzahl schrumpfte, und das begann Wirkung zu zeigen. Weniger Lichtblitze erloschen mitten in der Luft und trafen jetzt h�ufiger Beh�ter und Soldaten. Weniger Feuerb�lle verschwanden pl�tzlich oder explodierten, bevor sie die Wagen erreichten. Aiel begannen sich durch die L�cken zwischen den Wagen zu dr�ngen. Wagen wurden umgeworfen. Innerhalb weniger Momente waren �berall schwarz verschleierte Aiel, und Chaos herrschte. Rand sah erstaunt zu.</p><p>Beh�ter und Soldaten in gr�nen Umh�ngen k�mpften in Gruppen gegen Aiel, und Aes Sedai umgaben sich mit Feuerregen. Aber es k�mpften auch Aiel gegen Aiel. M�nner mit dem scharlachroten <emphasis>Siswai'aman-</emphasis>Stirnband und T�chter des Speers mit den um ihre Arme gebundenen roten Tuchstreifen bek�mpften andere Aiel. Cairhienische Speerk�mpfer mit glockenf�rmigen Helmen und Mayener mit roten Brustharnischen befanden sich pl�tzlich zwischen den Wagen und k�mpften sowohl gegen Aiel als auch gegen Beh�ter. War er doch noch wahnsinnig geworden? Er war sich Mins bewu�t, die sich an seinen R�cken dr�ngte und zitterte. Sie war real. Also mu�te das, was er sah, auch real sein.</p><p>Ungef�hr ein Dutzend Aielm�nner, jeder so gro� wie er oder gr��er, kamen auf ihn zu. Sie trugen kein Rot. Er beobachtete sie neugierig, bis einer von ihnen einen Schritt vor Rand einen Speer wie eine Keule umgedreht anhob. Rand lenkte die Macht, und Feuer schien �berall aus dem Dutzend zu schie�en. Verkohlte und verdrehte K�rper st�rzten zu seinen F��en.</p><p>Pl�tzlich verhielt Gawyn seinen kastanienbraunen Wallach keine Zehn Schritte vor ihm, ein Schwert in der Hand und zwanzig oder mehr M�nner in gr�nen Umh�ngen auf Pferden hinter ihm. Sie sahen einander einen Moment an, und Rand betete, da� er Elaynes Bruder nicht verletzen m��te.</p><p>�Min�, sagte Gawyn z�hneknirschend, �ich kann dich hier herausbringen.�</p><p>Sie sp�hte �ber Rands Schulter hinweg und sch�ttelte den Kopf. Sie hielt sich so sehr an ihm fest, da� er glaubte, er k�nnte sie nicht einmal losbrechen, wenn er es gewollt h�tte. �Ich bleibe bei ihm, Gawyn. Elayne liebt ihn.�</p><p>Von der Macht erf�llt, konnte Rand die Kn�chel des Mannes um das Schwertheft wei� werden sehen. �Jisao�, sagte er tonlos. �Versammelt die J�nglinge. Wir k�mpfen uns hier heraus.� Wenn seine Stimme schon vorher tonlos geklungen hatte, wirkte sie jetzt vollkommen abgestorben. �Al'Thor, eines Tages werde ich Euch sterben sehen.� Er bohrte seinem Pferd die Fersen in die Flanken und galoppierte davon, wobei er und die anderen lauthals �J�nglinge!� schrien und sich weitere M�nner in gr�nen Umh�ngen einen Weg bahnten, um sich ihnen anzuschlie�en.</p><p>Ein Mann in einem schwarzen Umhang trat blitzschnell vor Rand und sah hinter Gawyn her. Der Boden brach in Klumpen aus Feuer und Erde auf, die ein halbes Dutzend Pferde zum St�rzen brachten, als sie die Wagen erreichten. Gawyn schwankte einen Augenblick im Sattel, bevor er den Mann im schwarzen Umhang mit einer Keule aus Luft niederschlug. Rand kannte den hartgesichtigen jungen Mann nicht, der ihn anknurrte, aber der Bursche trug Schwert und Drachen an seinem hohen Kragen und war von <emphasis>Saidin</emphasis> erf�llt.</p><p>Taim war im Handumdrehen da und blickte auf den Burschen herab. An seinem Kragen war keine Nadel zu sehen. �Ihr w�rdet doch den Wiedergeborenen Drachen nicht angreifen, Gedwyn�, sagte Taim gleichzeitig sanft und stahlhart, und der hartgesichtige Mann rappelte sich hoch und salutierte mit der Faust �ber dem Herzen.</p><p>Rand schaute zu der Stelle, wo Gawyn gewesen war, aber er konnte nur eine gro�e Gruppe M�nner mit einem Wei�en Keiler-Banner sehen, die sich ihren Weg weiter durch die Aiel bahnten, w�hrend weitere gr�n gewandete M�nner darum k�mpften, sich ihnen anzuschlie�en.</p><p>Taim wandte sich mit diesem unmerklichen L�cheln auf den Lippen an Rand. �Unter den gegebenen Umst�nden vertraue ich darauf, da� Ihr es mir nicht vorhalten werdet, indem Ihr Euer Kommando �ber sich bek�mpfende Aes Sedai entweiht. Ich hatte Grund, Euch in Cairhien aufzusuchen...� Er zuckte die Achseln. �Ihr seht mitgenommen aus. Ihr werdet mir erlauben...� Das leichte Verziehen seiner Lippen gl�ttete sich wieder, als Rand vor seiner ausgestreckten Hand zur�cktrat und Min mit sich zog. Sie klammerte sich fester an ihn denn je.</p><p>Lews Therin hatte begonnen, �ber das T�ten zu schwadronieren, wie er es stets tat, wenn Taim auftauchte, redete weitschweifig auf wahnsinnige Art �ber die Verlorenen und dar�ber, jedermann zu t�ten, aber Rand h�rte nicht mehr zu, sondern schirmte ihn soweit ab, da� seine Worte nur noch wie das Summen einer Fliege klangen. Es war ein Trick, den er in der Kiste erlernt hatte, als nichts anderes zu tun war, als den Schild zu ertasten und einer Stimme in seinem Kopf zu lauschen, die immer h�ufiger von Wahnsinn zeugte. Gleichwohl wollte er auch ohne Lews Therin nicht von dem Mann geheilt werden. Er glaubte, da� er ihn t�ten w�rde, wenn Taim ihn jemals � wie unschuldig auch immer � mit der Macht ber�hrte.</p><p>�Wie Ihr wollt�, sagte der Mann mit der Hakennase verzerrt. �Ich glaube, da� ich das Lager zur Gen�ge gesichert habe.�</p><p>Das schien nur zu wahr. K�rper bedeckten den Boden, und nur an wenigen Stellen k�mpften innerhalb des Wagenkreises noch einige M�nner. Pl�tzlich bedeckte eine Luftkuppel das ganze Lager, und der Rauch von den Feuern stieg zu einer �ffnung links oben in der Kuppel auf. Es war kein solides Gewebe aus <emphasis>Saidin.</emphasis> Rand konnte sehen, wo einzelne Gewebe aneinandergesto�en waren, um es zu bilden. Er glaubte, da� sich vielleicht zweihundert schwarzgewandete Menschen unter der Kuppel befanden. Ein Blitzhagel und Feuer trafen auf diese Barriere auf und explodierten, ohne Schaden anzurichten. Der Himmel schien zu knistern und zu brennen. Ein best�ndiges Br�llen erf�llte die Luft. T�chter des Speers mit roten Stoffstreifen um die Arme und <emphasis>Siswai'aman</emphasis> standen entlang der f�r sie nicht sichtbaren Mauer, zusammen mit Mayenern und Cairhienern, von denen viele ebenfalls zu Fu� waren. Auf der anderen Seite starrte eine gewaltige Menge Shaido die unsichtbare Barriere an, die sie von ihren Feinden fernhielt, hieben hin und wieder mit ihren Speeren darauf ein oder warfen sich leibhaftig dagegen. Die Speere zerbrachen, und die K�rper prallten zur�ck.</p><p>Innerhalb der Kuppel erstarben die letzten K�mpfe, noch w�hrend Rand hinsah. Unter den Augen weniger rot gekennzeichneter M�nner und T�chter des Speers legten die entwaffneten Shaido mit steinernen Gesichtern ihre Gew�nder ab. Im Kampf gefangengenommen, w�rden sie das <emphasis>Gai'shain</emphasis>-Wei� ein Jahr und einen Tag lang tragen, selbst wenn es den Shaido irgendwie gel�nge, das Lager zu �berrennen. Cairhiener und Mayener stellten Wachen f�r eine gro�e Ansammlung von zornigen Beh�tern und J�nglingen sowie �ngstlichen Dienern auf. Es waren letztendlich fast genauso viele Bewacher wie Gefangene. Fast ein Dutzend Aes Sedai wurden von einer gleichen Anzahl Asha'man mit Schwertern und dem Drachen abgeschirmt. Die Aes Sedai sahen elend und ver�ngstigt aus. Rand erkannte drei, obwohl Nesune die einzige war, die er mit Namen benennen konnte. Er erkannte keine ihrer Asha'man-Gefangenenw�rter. Mehrere der Frauen, die Rand abgeschirmt und bewu�tlos gemacht hatten, wurden zu jenen Gefangenen gebracht. Einige von ihnen begannen sich zu regen, w�hrend schwarzgewandete Soldaten und Geweihte mit dem Silberschwert am Kragen <emphasis>Saidin</emphasis> benutzten, um andere �ber den Boden zu ziehen und jenen ersten hinzuzugesellen. Einige von ihnen brachten die beiden bewu�tlosen Aes Sedai und die Frau mit dem kantigen Gesicht aus dem Dickicht heraus. Sie schrie noch immer. Als sie der Menschenansammlung zugef�hrt worden waren, wandten sich einige der Aes Sedai j�h ab und �bergaben sich.</p><p>Es waren auch noch andere Aes Sedai anwesend, von Beh�tern umgeben und von schwarzgewandeten M�nnern bewacht, wenn auch nicht abgeschirmt, die die Asha'man genauso unbehaglich betrachteten wie die bewachten Frauen. Sie sahen auch Rand an und w�ren mit Sicherheit zu ihm gekommen, wenn die Asha'man nicht gewesen w�ren. Rand erwiderte ihre Blicke. Alanna war dort. Er hatte nicht halluziniert. Er erkannte nicht alle ihre Begleiter, aber ausreichend viele. Sie waren insgesamt neun. Neun. J�her Zorn st�rmte aus dem Nichts heran, und Lews Therins Fliegengesumm wurde lauter.</p><p>Zu diesem Zeitpunkt �berraschte es Rand �berhaupt nicht mehr, Perrin heranstolpern zu sehen, Gesicht und Bart blutverschmiert, gefolgt von einem humpelnden Loial mit einer riesigen Streitaxt und einem hell�ugigen Burschen, der in seinem rot gestreiften Umhang wie ein Kesselflicker wirkte, nur da� er ein Schwert trug, dessen Klinge von einem Ende zum anderen dunkelrot verf�rbt war. Rand h�tte sich fast umgeschaut, um nachzusehen, ob Mat auch irgendwo dort war. Er sah auch Dobraine, zu Fu� und mit einem Schwert in der einen und Rands Banner in der anderen Hand.</p><p>Nandera schlo� sich Perrin an und lie� ihren Schleier sinken, sowie eine weitere Tochter des Speers, die Rand zun�chst fast nicht erkannt h�tte. Es war gut, Sulin wieder im <emphasis>Cadin'sor</emphasis> zu sehen.</p><p>�Rand�, keuchte Perrin, �dem Licht sei Dank, da� du noch lebst. Wir hatten gehofft, da� du uns ein Wegetor zur Flucht erschaffst, aber alles geriet durcheinander. Rhuarc und die meisten der Aiel sind noch immer drau�en unter den Shaido und die Mehrzahl der Mayener und Cairhiener ebenso, und ich wei� nicht, was mit den Leuten von den Zwei Fl�ssen geschehen ist oder mit den Weisen Frauen. Die Aes Sedai sollten bei ihnen bleiben, aber...� Er stellte seine Streitaxt auf den Boden und lehnte sich keuchend auf den Stiel. Er wirkte, als w�rde er ohne diese St�tze umfallen.</p><p>Berittene M�nner erschienen entlang der Barriere sowie Aielm�nner mit roten Stirnb�ndern und T�chter des Speers mit roten Stoffb�ndern um die Arme. Die Barriere hielt auch sie au�erhalb. Wo auch immer sie auftauchten, schw�rmten Shaido auf sie ein und umzingelten sie.</p><p>�La� die Kuppel fahren�, befahl Rand. Perrin seufzte vor Erleichterung. Hatte er geglaubt, Rand w�rde sein eigenes Volk niedermetzeln lassen? Aber auch Loial seufzte. Licht, was dachten sie von ihm? Min begann ihm den R�cken zu reiben und murmelte leise, um ihn zu beruhigen. Aus irgendeinem Grund sah Perrin sie �berrascht an.</p><p>Taim war vielleicht auch �berrascht, aber er war sicherlich nicht erleichtert. �Mein Lord Drache�, sagte er mit angespannter Stimme, �dort drau�en sind noch immer mehrere hundert Shaido-Frauen, von denen einige nicht unwichtig sind. Ganz zu schweigen von einigen Tausend Shaido mit Speeren. Falls Ihr nicht herausfinden wollt, ob Ihr unsterblich seid, schlage ich vor, einige Stunden abzuwarten, bis wir diesen Ort gut genug kennen, um Wegetore zu erschaffen, von denen wir mit einiger Sicherheit wissen, wo sie hinf�hren werden. Es gab im Kampf Verluste. Ich habe heute mehrere Soldaten verloren, neun M�nner, die schwerer zu ersetzen sein werden als jegliche Anzahl abtr�nniger Aiel. Wer auch immer dort drau�en stirbt, stirbt f�r den Wiedergeborenen Drachen.� H�tte er auch nur ein wenig auf Nandera und Sulin geachtet, h�tte er seinen Ton vielleicht gem��igt und seine Worte sorgf�ltiger gew�hlt. Sie verst�ndigten sich in der Zeichensprache. Sie schienen bereit, ihn auf der Stelle anzugreifen.</p><p>Perrin richtete sich auf, die gelben Augen gleichzeitig entschlossen und �ngstlich auf Rand gerichtet. �Rand, selbst wenn Dannil und die Weisen Frauen dort zur�ckgeblieben sind, wo sie bleiben sollten, werden sie nicht gehen, solange sie dies sehen.� Er deutete auf die Kuppel �ber ihnen, auf die Feuer und Blitze einen best�ndigen Lichtteppich legten. �Wenn wir stundenlang hier bleiben, werden sich die Shaido fr�her oder sp�ter gegen sie wenden, wenn sie es nicht bereits getan haben. Licht, Rand! Dannil und Ban und Wil und Teil... Auch Amys ist dort drau�en und Sorilea und... Verdammt seist du, Rand, es sind bereits mehr gestorben, als du wei�t!� Perrin atmete tief durch. �La� zumindest mich hinaus. Wenn ich zu ihnen durchkomme, kann ich sie wissen lassen, da� du lebst, und sie werden sich zur�ckziehen, bevor sie get�tet werden.�</p><p>�Zwei von uns werden hinausgehen�, bemerkte Loial ruhig und hob die riesige Streitaxt. �Zwei haben eine bessere Chance.� Der Kesselflicker l�chelte nur, aber fast eifrig.</p><p>�Ich werde eine Stelle in der Barriere �ffnen lassen�, begann Taim, aber Rand unterbrach ihn scharf.</p><p>�Nein!� Nicht f�r die Leute von den Zwei Fl�ssen. Er durfte nicht den Eindruck erwecken, er w�rde sich um sie mehr sorgen als um die Weisen Frauen. Vielmehr mu�te er den Eindruck erwecken, als w�rde er sich um sie weniger sorgen. Amys war dort drau�en? Die Weisen Frauen nahmen niemals am Kampf teil. Sie schritten unber�hrt durch K�mpfe und Blutfehden. Sie hatten den Brauch, wenn nicht ein Gesetz gebrochen, um ihn zu retten. Er w�rde Perrin genauso wenig in diesen Mahlstrom zur�ckkehren lassen, wie er sie im Stich lassen w�rde. Aber es durfte nicht f�r die Weisen Frauen oder die Leute von den Zwei Fl�ssen sein. �Sevanna will meinen Kopf, Taim. Sie dachte offensichtlich, ihn mir heute nehmen zu k�nnen.� Das Nichts verlieh seiner Stimme einen ausdruckslosen Tonfall. Aber er schien Min besorgt zu machen. Sie streichelte seinen R�cken, als wollte sie ihn beruhigen. �Ich beabsichtige, sie ihren Irrtum erkennen zu lassen. Ich befahl Euch, Waffen zu gestalten, Taim. Zeigt mir jetzt, wie t�dlich sie sind. Zerstreut die Shaido. Vernichtet sie.�</p><p>�Wie Ihr befehlt.� Hatte Taim schon zuvor steif gewirkt, so schien er jetzt versteinert.</p><p>�Hi�t Eure Standarte, wo sie sie sehen k�nnen�, befahl Rand. Das w�rde zumindest jedermann dort drau�en zeigen, wer das Lager hielt. Vielleicht w�rden sich die Weisen Frauen und die Leute von den Zwei Fl�ssen zur�ckziehen, wenn sie es sahen.</p><p>Loials Ohren drehten sich unbehaglich, und Perrin ergriff Rands Arm, als Taim davonging. �Ich habe gesehen, was sie tun, Rand. Es ist...� Er klang trotz seines blutverschmierten Gesichts und seiner blutigen Streitaxt angewidert.</p><p>�Was willst du von mir?� fragte Rand. �Was kann ich denn anderes tun?�</p><p>Perrin senkte seine Hand und seufzte. �Ich wei� es nicht. Aber es mu� mir trotzdem nicht gefallen.�</p><p>�Grady, hi�t das Banner des Lichts!� rief Taim, und die Macht lie� seine Stimme dr�hnen. Jur Grady hob das karmesinrote Banner auf Str�ngen aus Luft aus den H�nden eines �berraschten Dobraine an und lie� es durch die �ffnung in der Kuppel aufsteigen. Feuer loderte um es herum auf, und Blitze zuckten, w�hrend sich strahlendes Rot mitten in dem Rauch erhob, der von den brennenden Wagen aufstieg. Rand erkannte einige der schwarzgewandeten M�nner, aber er wu�te au�er Jurs nur wenige Namen. Damer und Fedwin und Eben, Jahar und Torvil. Von jenen trug nur Torvil den Drachen am Kragen.</p><p>�Asha'man, bildet eine Kampflinie!� dr�hnte Taim.</p><p>Schwarzgewandete M�nner eilten herbei, um sich zwischen die Barriere und alle anderen zu stellen, alle au�er Jur und jenen, welche die Aes Sedai bewachten. Au�er Nesune, die alles aufmerksam verfolgte, waren die Aes Sedai der Burg teilnahmslos auf die Knie gesunken und sahen die M�nner nicht einmal an, die sie abschirmten, und sogar Nesune wankte, als w�rde sie jeden Moment aufgeben. Die meisten der Gruppe aus Salidar sahen die sie bewachenden Asha'man kalt an, obwohl sie ihre eisigen Blicke auch hin und wieder Rand zuwandten. Alanna fixierte Rand, der merkte, da� seine Haut leicht kribbelte. Da er es auf diese Entfernung sp�ren konnte, mu�ten alle neun <emphasis>Saidar</emphasis> umarmen. Er hoffte, sie bes��en genug Verstand, die Macht nicht zu lenken. Die versteinerten M�nner, die ihnen gegen�berstanden, waren bis zum Bersten von <emphasis>Saidin</emphasis> erf�llt, und sie wirkten genauso angespannt wie die ihre Schwerter umklammernden Beh�ter.</p><p>�Asha'man, hebt die Barriere zwei Spann an!� Auf Taims Befehl hin hoben sich die R�nder der Kuppel ringsum an. �berraschte Shaido, die gegen das Unsichtbare angegangen waren, stolperten vorw�rts. Sie erholten sich sofort wieder von ihrer Verbl�ffung, eine schwarz verschleierte, vorw�rtsst�rmende Masse, aber sie konnten vor Taims n�chstem Ruf nur noch einen Schritt tun. �Asha'man, t�tet!�</p><p>Die vordere Reihe der Shaido explodierte. Anders konnte man es nicht nennen. In den <emphasis>Cadin'sor</emphasis> gekleidete Gestalten zerplatzten auf und verspr�hten Blut und Hautfetzen. Str�nge <emphasis>Saidins</emphasis> erstreckten sich durch diesen dichten Nebel, schossen im Handumdrehen von Gestalt zu Gestalt, und die n�chste Reihe Shaido starb, und dann die n�chste und die n�chste, als liefen sie in einen gewaltigen Fleischwolf. Rand beobachtete das Gemetzel und schluckte. Perrin beugte sich zur Seite, um sich zu �bergeben, und Rand konnte ihn vollkommen verstehen. Eine weitere Reihe Shaido starb. Nandera legte eine Hand �ber die Augen, und Sulin wandte der Szene den R�cken zu. Die blutigen �berreste menschlicher Wesen t�rmten sich allm�hlich zu einem Wall.</p><p>Niemand konnte dem standhalten. Zwischen einem Todessturm und dem n�chsten k�mpften sich die Shaido in der ersten Reihe pl�tzlich in die andere Richtung, zw�ngten sich r�ckw�rts in die k�mpfende Masse, um zu entkommen. Dann begann auch das mahlende Gewirr in sich zu explodieren, und alle fielen zur�ck. Nein, liefen zur�ck. Der Regen aus Feuer und Blitzen gegen die Kuppel versiegte.</p><p>�Asha'man�, dr�hnte Taims Stimme, �der zermalmende Ring aus Erde und Feuer!�</p><p>Unter den F��en der den Wagen am n�chsten stehenden Shaido brach die Erde pl�tzlich in Flammen- und Erdfont�nen auf und schleuderte die Menschen in alle Richtungen. W�hrend die K�rper noch in der Luft hingen, br�llten weitere Feuerklumpen aus dem Boden in einem sich ausbreitenden Ring rund um die Wagen herum und verfolgten die Shaido f�nfzig, einhundert, zweihundert Schritte weit. Nur Panik und Tod waren jetzt noch dort drau�en. Speere und Schilde wurden beiseite geworfen, und Rauch stieg von den brennenden Wagen in die deutlich erkennbare Kuppel.</p><p>�Halt!� Das Dr�hnen der Explosionen verschluckte Rands Ruf ebenso leicht wie die Schreie der Menschen. Er wob die Str�nge, die auch Taim benutzt hatte. �Macht dem ein Ende, Taim!� Seine Stimme krachte wie Donner.</p><p>Ein weiterer Ring von Eruptionen, und dann rief Taim: �Asha'man, haltet ein!�</p><p>Einen Moment schien bet�ubende Stille die Luft zu erf�llen. Rands Ohren klangen. Dann h�rte er Schreie und St�hnen. Verwundete erhoben sich aus den Haufen Toten. Shaido liefen davon und lie�en verstreute Ansammlungen von <emphasis>Siswai'aman</emphasis> und T�chtern des Speers mit roten Stoffstreifen, Cairhiener und Mayener, einige noch zu Pferde, hinter sich. Fast z�gernd begannen sich jene auf die Wagen zuzubewegen, und einige Aiel senkten ihre Schleier. Mit Hilfe der Macht, die sein Sehverm�gen steigerte, konnte Rand Rhuarc ausmachen, der hinkte und dessen einer Arm herabhing, der aber aufrecht ging. Ein gutes St�ck hinter ihm befand sich eine gro�e Gruppe Frauen in dunklen, weiten R�cken und hellen Blusen, mit einer Eskorte von M�nnern in der Kleidung seiner Heimat, die lange Bogen trugen. Sie waren zu weit entfernt, als da� er Gesichter h�tte erkennen k�nnen, aber der Art nach zu urteilen, wie zumindest die Leute von den Zwei Fl�ssen den fliehenden Shaido hinterhersahen, waren sie genauso bet�ubt wie alle anderen.</p><p>Unendliche Erleichterung durchstr�mte Rand, obwohl sie nicht gen�gte, das Rumoren in seinem Magen zu bes�nftigen. Min pre�te ihr Gesicht an sein Hemd. Sie weinte. Er streichelte ihr Haar. �Asha'man� �er war noch niemals froher dar�ber gewesen als jetzt, da� das Nichts seine Stimme aller Empfindungen beraubte �, �Ihr habt Eure Sache gut gemacht. Ich gratuliere Euch, Taim.� Er wandte sich ab, damit er das Blutbad nicht mehr ansehen mu�te, und h�rte die Hochrufe �Lord Drache!� und �Asha'man!� kaum, die von den schwarzgewandeten M�nnern erschollen.</p><p>Als er sich umwandte, sah er Aes Sedai. Merana war noch recht weit zur�ck, aber Alanna stand fast von Angesicht zu Angesicht vor ihm, neben zwei Aes Sedai, die er nicht erkannte.</p><p>�Ihr habt Eure Sache gut gemacht�, sagte diejenige mit dem kantigen Gesicht. Eine B�uerin mit alterslosem Gesicht und nur m�hsam gelassenem Blick, die die Asha'man um sich herum offensichtlich ignorierte. �Ich bin Bera Harkin, und dies ist Kiruna Nachiman. Wir sind gekommen, um Euch zu retten � mit Alannas Hilfe...� Letzteres war zweifellos auf Alannas pl�tzliches Stirnrunzeln hinzugef�gt worden. �...Obwohl es scheint, als h�ttet Ihr uns kaum gebraucht. Dennoch, die Absicht z�hlt, und...�</p><p>�Euer Platz ist bei ihnen�, sagte Rand und deutete auf die abgeschirmten Aes Sedai unter Bewachung. Er z�hlte dreiundzwanzig, und Galina war nicht bei ihnen. Das Gesumm Lews Therins schwoll an, aber Rand weigerte sich zuzuh�ren. Jetzt war nicht die Zeit f�r wahnsinniges W�ten.</p><p>Kiruna richtete sich stolz auf. Was auch immer sie war, sie war gewi� keine B�uerin. �Ihr verge�t, wer wir sind. Sie haben Euch vielleicht mi�handelt, aber...�</p><p>�Ich vergesse nichts, Aes Sedai�, erwiderte Rand kalt. �Ich sagte, sechs sollten kommen, aber ich z�hle neun. Ich sagte, Ihr st�ndet auf gleicher Ebene mit den Aes Sedai der Burg, und weil ihr neun mitgebracht habt, wird es auch so sein. Sie knien, Aes Sedai. Also kniet Euch ebenfalls hin!�</p><p>Kalte Augen sahen ihn an. Er sp�rte, wie die Asha'man Schilde aus Geist vorbereiteten. Auf Kirunas und Beras Gesicht und auf den Gesichtern anderer wurde Trotz sichtbar. Zwei Dutzend schwarzgekleidete M�nner bildeten einen Kreis um Rand und die Aes Sedai.</p><p>Taims Miene kam einem L�cheln n�her, als Rand es jemals zuvor bei ihm gesehen hatte. �Kniet nieder und verschw�rt Euch dem Lord Drache�, sagte er sanft, �sonst wird man Euch auf die Knie zwingen.�</p><p>Wie es bei Geschichten �blich ist, verbreitete sich auch diese Geschichte in Windeseile �ber Cairhien und n�rdlich und s�dlich davon, durch die Z�ge der Kaufleute und durch H�ndler und einfaches Gerede der Reisenden in den Gasth�usern. Wie es bei Geschichten �blich ist, �nderte sich auch diese Geschichte bei jedem neuerlichen Erz�hlen. Die Aiel hatten den Wiedergeborenen Drachen angegriffen und ihn get�tet, bei den Quellen Dumais oder anderswo. Aes Sedai hatten ihn get�tet � nein, ihn ged�mpft �nein, ihn nach Tar Valon gebracht, wo er in einem Verlies unter der Wei�en Burg dahinsiecht. Oder auch, wo der Amyrlinsitz vor ihm niederkniet. F�r Geschichten un�blich war allerdings, da� am h�ufigsten geglaubt wurde, was der Wahrheit am n�chsten kam.</p><p>An einem Tag voller Feuer und Blut wehte ein zerrissenes Banner �ber den Quellen von Dumai, mit dem uralten Symbol der Aes Sedai.</p><p>An einem Tag voller Feuer und Blut und der Einen Macht beugte die makellose, gespaltene Burg, wie es die Prophezeiung vorausgesagt hatte, das Knie vor dem vergessenen Zeichen.</p><p>Die ersten neun Aes Sedai schworen dem Wiedergeborenen Drachen Treue, und die Welt war f�r immer ver�ndert.</p></section><section><title><p>Epilog</p><p>Die Antwort</p></title><p>Der Mann hielt gerade lange genug inne, um seine Hand auf die T�r der S�nfte zu legen, und war sofort verschwunden, als Falion die Nachricht entgegengenommen hatte. Ihr Klopfen lie� die beiden Tr�ger fast schon wieder loslaufen, bevor der Bursche in der Livree des Tarasin-Palastes in die Menge auf dem Platz zur�ckgetreten war.</p><p>Es stand nur ein Wort auf dem kleinen Zettel. <emphasis>Fort.</emphasis> Sie zerkn�llte das Papier in der Faust. Irgendwie waren sie wieder hinausgelangt, ohne da� ihre Leute drinnen es bemerkt hatten. Monate nutzloser Suche hatten sie davon �berzeugt, da� es kein <emphasis>Angreal</emphasis>-Versteck gab, was auch immer Moghedien glaubte. Sie hatte sogar erwogen, einer oder zwei Weisen Frauen diese Frage vorzutragen. Vielleicht wu�te eine von ihnen, wo es zu finden war, wenn es existierte. Und Pferde konnten vielleicht fliegen. Das einzige, was sie noch in dieser armseligen Stadt hielt, war die schlichte Tatsache, da� man dem Befehl einer Auserw�hlten solange gehorchte, bis der Befehl ge�ndert wurde. Alles andere war ein kurzer Weg zu einem schmerzvollen Tod. Aber wenn Elayne und Nynaeve hier waren...</p><p>Sie hatten in Tanchico alles verdorben. Ob sie nun Vollschwestern waren oder nicht � so unm�glich das auch schien �, w�rde Falion ihre Anwesenheit nicht als Zufall ansehen. Vielleicht gab es ein Versteck. Sie war zum ersten Mal froh, da� Moghedien nicht mehr auf sie geachtet hatte, seit sie ihr vor so vielen Monaten in Amadicia ihre Befehle erteilt hatte. Was ihr wie eine Preisgabe erschienen war, mochte sich vielleicht als eine Gelegenheit erweisen, in den Augen der Auserw�hlten voranzukommen. Diese beiden k�nnten sie zu dem Versteck f�hren, und wenn nicht, wenn es kein Versteck gab... Moghedien hatte anscheinend Interesse an Elayne und Nynaeve selbst gehabt. Sie vorzuweisen, w�re sicherlich besser als ein nicht existierender <emphasis>Angreal.</emphasis></p><p>Sie lehnte sich zur�ck und lie� sich von dem leichten Schwingen der S�nfte beruhigen. Sie ha�te diese Stadt � sie war als Fl�chtling hierhergekommen, als sie Novizin war �, aber vielleicht w�rde dieser Besuch dennoch erfreulich enden.</p><p>Herid sa� in seinem Arbeitszimmer, sp�hte in seine Pfeife und fragte sich, ob er etwas zum Anz�nden bei der Hand hatte, als sich der Gholam unter der T�r hindurchdr�ckte. Nat�rlich h�tte Fei es, selbst wenn er aufgepa�t h�tte, nicht f�r m�glich gehalten, und wenn der Gholam erst im Raum war, hatten nur wenige Menschen eine Chance.</p><p>Als Idrien sp�ter in Feis Arbeitszimmer kam, starrte sie gebannt auf das, was nicht allzu ordentlich auf dem Boden neben dem Schreibtisch aufgestapelt war. Sie brauchte einen Moment, um <emphasis>zu</emphasis> erkennen, was es war, und als sie es erkannte, fiel sie in Ohnmacht, bevor sie schreien konnte. Wie viele Erz�hlungen sie auch geh�rt hatte, wie einem Menschen die Glieder vom Leib abgetrennt wurden, so hatte sie es doch niemals zuvor gesehen.</p><p>Der Reiter wandte sein Pferd auf dem H�gelkamm um und warf einen letzten Blick auf Ebou Dar, das in der Sonne wei� schimmerte. Eine gute Stadt zum Pl�ndern, und nach dem zu urteilen, was er �ber die Einheimischen geh�rt hatte, w�rden sie widerstehen, so da� das Blut die Pl�nderung erlaubte. Sie w�rden widerstehen, aber er hoffte, da� die anderen Spione Berichte �ber Uneinigkeit bringen w�rden, wie er sie erlebt hatte. Der Widerstand w�rde dort, wo eine sogenannte K�nigin einen winzigen Flecken Land regierte, nicht lange anhalten, und das vereinigte die besten M�glichkeiten. Er ri� sein Pferd herum und ritt gen Westen. Wer konnte es wissen? Vielleicht war die Bemerkung dieses Burschen ein Omen gewesen. Vielleicht w�rde die Wiederkehr bald erfolgen und die Tochter der Neun Monde ebenfalls zur�ckkommen. Sicherlich w�re das das beste Omen f�r den Sieg.</p><p>Moghedien lag in der n�chtlichen Dunkelheit auf dem R�cken und blickte zum Dach des kleinen Zeltes hinauf, das ihr als einer der Dienerinnen der Amyrlin gestattet war. Sie knirschte ab und zu mit den Z�hnen, aber sie lie� sofort wieder davon ab, sobald sie es merkte, sich der eng anliegenden <emphasis>A'dam</emphasis>-Kette um ihren Hals deutlich bewu�t. Diese Egwene al'Vere war h�rter, als Elayne oder Nynaeve gewesen waren. Sie sah weniger nach und forderte mehr. Und wenn sie das Armband an Siuan oder Leane weitergab, besonders Siuan... Moghedien erschauderte. So mu�te es sein, wenn Birgitte das Armband tragen konnte.</p><p>Der Zelteingang wurde zur Seite geschoben und lie� gerade genug Mondlicht ein, da� sie eine Frau geb�ckt eintreten sehen konnte.</p><p>�Wer seid Ihr?� fragte Moghedien heiser. Wenn sie in der Nacht nach ihr schickten, brachte der Bote stets eine Laterne mit sich.</p><p>�Nennt mich Aran'gar, Moghedien�, antwortete eine belustigte Stimme, und eine kleine Lichtquelle brach im Zelt auf.</p><p>Ihr Name lie� Moghediens Zunge am Gaumen kleben. Dieser Name bedeutete hier den Tod. Sie bem�hte sich zu sprechen, zu sagen, ihr Name sei Marigan, als sie sich des Lichts pl�tzlich wirklich bewu�t wurde. Eine kleine, leuchtende, wei�e, helle Kugel, die nahe bei ihrem Kopf in der Luft hing. Da sie das <emphasis>A'dam</emphasis> trug, konnte sie ohne Erlaubnis nur an <emphasis>Saidar</emphasis> denken, aber sie konnte noch immer sp�ren, da� es gelenkt wurde, und die Gewebe sehen. Dieses Mal sp�rte sie nichts, sah nichts. Nur eine winzige Kugel reinen Lichts.</p><p>Sie sah die Frau an, die sich Aran'gar genannt hatte, und erkannte sie jetzt. Halima, dachte sie. Schreiberin einer der Sitzenden, wie sie glaubte. Aber sicherlich eine Frau, wenn auch eine, die den Eindruck erweckte, als h�tte sie ein Mann sein sollen. Eine Frau. Aber diese Lichtkugel mu�te <emphasis>Saidin</emphasis> sein! �Wer seid Ihr?� Moghediens Stimme zitterte leicht, und sie war �berrascht, da� sie so beherrscht klang.</p><p>Die Frau l�chelte sie an � ein sehr belustigtes L�cheln �, w�hrend sie sich neben dem Bett niederlie�. �Ich sagte es Euch bereits, Moghedien. Mein Name ist Aran'gar. Ihr werdet diesen Namen in Zukunft kennenlernen, wenn Ihr Gl�ck habt. Und jetzt h�rt mir aufmerksam zu und stellt keine weiteren Fragen. Ich werde Euch sagen, was Ihr wissen m��t. Gleich werde ich Euch Eure unbedeutende Halskette abnehmen. Wenn ich das getan habe, werdet Ihr so schnell und leise verschwinden, wie Logain es getan hat. Wenn Ihr Euch weigert, werdet Ihr hier sterben. Und das w�re eine Schande, da Ihr noch heute zum Shayol Ghul gerufen werdet.�</p><p>Moghedien leckte sich �ber die Lippen. Zum Shayol Ghul gerufen zu werden, k�nnte die Ewigkeit im Krater des Verderbens oder Unsterblichkeit beim Regieren der Welt oder irgend etwas dazwischen bedeuten. Es bestand nur eine geringe Chance, da� es die Ernennung zum Nae'blis bedeuten k�nnte, nicht, wenn der Gro�e Herr genug dar�ber wu�te, da� sie die letzten Monate damit verbracht hatte, nach jemandem zu schicken, der sie befreien w�rde. Und dennoch war es ein Ruf, den sie nicht mi�achten durfte. Und er bedeutete endlich ein Ende f�r das Tragen des <emphasis>A'dam.</emphasis> �Ja.</p><p>Nehmt es mir ab. Ich werde sofort gehen.� Es hatte ohnehin keinen Zweck zu z�gern. Sie war st�rker als jede andere Frau im Lager, aber sie beabsichtigte nicht, einem Kreis von dreizehn Aes Sedai eine Gelegenheit zu bieten, ihr zu schaden.</p><p>�Ich dachte mir schon, da� Ihr es so sehen w�rdet.� Halima � oder Aran'gar � kicherte heftig. Sie ber�hrte die Halskette und zuckte leicht zusammen, und Moghedien wunderte sich erneut dar�ber, da� eine Frau, die offensichtlich <emphasis>Saidin</emphasis> lenken konnte, anscheinend �wie schwach auch immer � verletzt wurde, wenn sie etwas ber�hrte, bei dessen Ber�hrung eigentlich nur ein Mann, der die Macht lenken konnte, verletzt werden konnte. Dann war die Halskette gel�st und wurde von der Frau schnell in die Tasche gesteckt. �Geht, Moghedien. Geht, jetzt.�</p><p>Als Egwene mit einer Laterne das Zelt erreichte und den Kopf hineinstreckte, fand sie nur zerw�hlte Decken vor. Sie zog sich z�gernd wieder zur�ck.</p><p>�Mutter�, rief Chesa hinter ihr besorgt, �Ihr solltet in der Nachtluft nicht drau�en sein. Nachtluft ist schlechte Luft. Wenn Ihr Marigan sehen wolltet, h�tte ich sie holen k�nnen.�</p><p>Egwene sah sich um. Sie hatte gesp�rt, wie die Halskette abgenommen worden war, und sie hatte auch das schmerzhafte Aufblitzen gesp�rt, das bedeutete, da� ein Mann, der die Macht lenken konnte, die Verbindung gestreift hatte. Die meisten Leute schliefen bereits, aber einige wenige sa�en noch um niedrige Feuer vor ihren Zelten und einige auch nicht weit entfernt. Es k�nnte m�glich sein herauszufinden, welcher Mann zu �Marigans� Zelt gekommen war.</p><p>�Ich glaube, sie ist davongelaufen, Chesa�, sagte sie. Chesas ver�rgertes Murmeln �ber Frauen, die ihren Herrinnen davonliefen, folgte ihr bis zu ihrem Zelt zur�ck. Es konnte doch nicht Logain gewesen sein? Er w�re nicht zur�ckgekommen, h�tte es nicht wissen k�nnen. Oder doch?</p><p>Demandred kniete im Krater des Verderbens und k�mmerte sich nicht darum, da� Shaidar Haran sein Zittern mit diesem blinden, unbeteiligten Blick beobachtete. �Habe ich es nicht gut gemacht, Gro�er Herr?�</p><p>Das Gel�chter des Gro�en Herrn hallte in Demandreds Sch�del.</p><empty-line/><cite><poem><stanza><v>Die makellose Burg zerbricht und beugt das Knie</v><v>vor dem vergessenen Zeichen.</v><v>Das Meer tobt, und Gewitterwolken sammeln sich unbemerkt.</v><v>Jenseits des Horizonts steigen verborgene Feuer auf,</v><v>und Schlangen nisten sich an ihrem Busen ein.</v><v>Was erhoben wurde, ist niedergeworfen.</v><v>Was niedergeworfen wurde, ist erhoben.</v><v>Die Ordnung verbrennt, um ihm den Weg zu ebnen.</v></stanza></poem><text-author>Aus den <emphasis>Prophezeiungen des Drachen</emphasis></text-author><text-author>�bersetzt von Jeorad Manyard,</text-author><text-author>Statthalter der Provinz Andor</text-author><text-author>f�r den Hochk�nig, Artur Paendrag Tanreall</text-author></cite></section></body><binary id="cover" 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