<?xml version="1.0" encoding="utf-8"?><FictionBook xmlns="http://www.gribuser.ru/xml/fictionbook/2.0" xmlns:l="http://www.w3.org/1999/xlink"><description><title-info><genre>sf_fantasy</genre><author><first-name>Robert</first-name><last-name>Jordan</last-name></author><book-title>Die Feuer des Himmels</book-title><date>2010</date><coverpage><image l:href="#cover"/></coverpage><lang>de</lang><src-lang>en</src-lang><translator><first-name>Uwe</first-name><last-name>Luserke</last-name></translator><sequence name="Das Rad der Zeit" number="5"/></title-info><src-title-info><genre>sf_fantasy</genre><author><first-name>Robert</first-name><last-name>Jordan</last-name></author><book-title>The Fires of Heaven</book-title><date>1993</date><lang>en</lang></src-title-info><document-info><author><nickname>N/A</nickname></author><program-used>None, fb2cut 2.5.4, fb2cut 2.6.2</program-used><date value="2012-07-02">2012</date><src-ocr>Menolly, Tinstar, Zerwas</src-ocr><id>E769A325-8339-4097-9282-131FB767D927</id><version>1.0</version></document-info></description><body><title><p>Robert Jordan</p><p>Die Feuer des Himmels</p></title><epigraph><p>F�r Harriet</p><p>Das Strahlen ihrer Augen ist mein Licht.</p></epigraph><section><image l:href="#1"/><empty-line/></section><section><cite><p>Mit seinem Kommen werden auch die grauenhaften Feuer wiedergeboren. Die H�gel brennen, und das Land verdorrt. Die Gezeiten des Menschen verrinnen, und die Stunden schwinden.</p><p>Die Mauer wird durchsto�en und der Schleier des Abschieds gel�ftet. Gewitter toben jenseits des Horizonts, und die Feuer des Himmels s�ubern die Erde. Es gibt keine Rettung ohne Zerst�rung und keine Hoffnung auf dieser Seite des Todes.</p><text-author>Fragment aus den <emphasis>Prophezeiungen des Drachen</emphasis></text-author><text-author>vermutlich �bersetzt von N'DELIA BASOLAINE,</text-author><text-author>der Ersten Magd und Schwertgeschworenen des Raidhen von Hol Cuchone,</text-author><text-author>um 400 NZ</text-author></cite></section><section><title><p>PROLOG</p><p>Die ersten Funken fliegen</p></title><p>Elaida do Avriny a'Roihan tastete geistesabwesend nach der langen, in sieben Farben gestreiften Stola, die �ber ihre Schultern hing, der Stola, die den Rang des Amyrlin-Sitzes repr�sentierte, w�hrend sie hinter ihrem breiten Schreibtisch sa�. Auf den ersten Blick h�tten viele sie f�r sch�n gehalten, aber ein genaueres Hinsehen machte doch klar, da� die Strenge in ihrem alterslosen Aes-Sedai-Gesicht keiner momentanen Laune entsprach. Heute lag noch etwas mehr H�rte in ihren Z�gen als sonst. In ihren dunklen Augen gl�hte der Zorn. Doch es war niemand da, der das h�tte bemerken k�nnen.</p><p>Sie lauschte kaum dem, was die Frauen sagten, die vor ihr aufgereiht auf St�hlen sa�en. Bei ihren Kleidern war jede Farbe vertreten, von Wei� bis zum dunkelsten Rot, und sie waren aus Seide oder Wolle gefertigt, wie es dem Geschmack jeder dieser Frauen entsprach, doch alle au�er einer trugen ihre offiziellen Stolen, in der Farbe ihrer jeweiligen Ajah gehalten und mit der Wei�en Flamme von Tar Valon bestickt, ganz so, als sei dies eine offizielle Sitzung des Burgsaals. Sie besprachen Berichte und Ger�chte �ber weltliche Ereignisse, bem�hten sich, die Wahrheit aus den wild ausgeschm�ckten Geschichten herauszufiltern, sich zu entscheiden, wie die Burg auf das eine oder andere reagieren solle, aber sie sahen nur selten die Frau hinter dem Schreibtisch an, die Frau, der sie Gehorsam geschworen hatten. Elaida war nicht in der Lage, ihnen ihre ganze Aufmerksamkeit zu widmen. Sie wu�ten nicht, was wirklich wesentlich war. Oder besser, sie wu�ten es wohl, scheuten sich aber, davon zu sprechen.</p><p>�Offensichtlich ist in Schienar etwas im Gange.� Das war Danelle, eine zierliche Frau, die sich oft in ihren Tr�umen zu verlieren schien, die einzige Braune Schwester in der Runde. Auch von den Gr�nen und Gelben war jeweils nur eine Schwester anwesend, und dar�ber war keine der drei Ajahs besonders erfreut. Die Blauen waren gar nicht vertreten. Der Blick aus Danelles gro�en blauen Augen war nachdenklich nach innen gerichtet. Ihre Wange zierte ein unbemerkter Tintenklecks, und ihr dunkelgraues Wollkleid war zerknittert. �Es gibt Ger�chte �ber Scharm�tzel. Nicht mit den Trollocs und auch nicht mit den Aiel, obwohl deren Raubz�ge �ber die Niamh-P�sse zuzunehmen scheinen. Nein, zwischen den Schienarern selbst. Das ist in den Grenzlanden etwas Ungew�hnliches. Die k�mpfen doch sonst kaum jemals untereinander.�</p><p>�Falls sie vorhaben, einen B�rgerkrieg anzufangen, dann haben sie den richtigen Zeitpunkt daf�r gew�hlt�, sagte Alviarin k�hl. Sie war hochgewachsen und schlank, ganz in wei�e Seide gekleidet und die einzige hier ohne die Stola ihrer Ajah. Daf�r trug sie jene der Beh�terin der Chronik in Wei�, so da� man die Ajah daran erkennen konnte, aus der heraus sie auf ihre neue Position erhoben worden war. Sie war also im Gegensatz zur Tradition keine Rote, wie Elaida vor ihrer Wahl. Und Wei�e zeigten niemals auch nur eine Gef�hlsregung. �Die Trollocs k�nnten genausogut v�llig verschwunden sein. Die ganze F�ule erscheint so friedlich, da� zwei Bauern und eine Novizin als W�chter ausreichen k�nnten.�</p><p>Teslyns knochige Finger spielten mit den Papieren auf ihrem Scho�; sie sah aber gar nicht hin. Sie war eine von vier anwesenden Roten Schwestern � mehr als von jeder anderen Ajah. Au�erdem kam sie an Strenge ihres gesamten Ausdrucks fast Elaida gleich; nur h�tte sie im Gegensatz zu Elaida niemand jemals f�r sch�n gehalten. �Vielleicht besser, wenn es nicht sein so ruhig�, sagte Teslyn. Ihr Illianer Dialekt war heute besonders deutlich zu h�ren. �Ich haben heute morgen eine Nachricht erhalten, da� der Generalmarschall von Saldaea ein Heer in Marsch gesetzt haben. Nicht zur F�ule hin, sondern in die entgegengesetzte Richtung. Nach S�dost. Er h�tten das niemals getan, wenn es nicht so ruhig in der F�ule sein.�</p><p>�Die Nachrichten in bezug auf Mazrim Taim sickern langsam durch.� Bei Alviarin klang das nicht anders, als spreche sie �ber das Wetter oder die Teppichpreise, statt von einer potentiellen Katastrophe. Es hatte einiges an M�he gekostet, Taim gefangenzunehmen, und ebensoviel, seine Flucht zu verschleiern. Es w�rde dem Ruf der Wei�en Burg nicht gerade zutr�glich sein, wenn alle Welt erfuhr, da� sie nicht in der Lage waren, einen falschen Drachen in Gefangenschaft zu halten, nachdem sie ihn einmal hatten. �Und es scheint, da� entweder K�nigin Tenobia oder Davram Bashere oder beide uns nicht mehr f�r vertrauensw�rdig halten und uns nicht mehr zutrauen, ihn wieder einzufangen.�</p><p>Bei der Erw�hnung Taims breitete sich Totenstille aus. Der Mann konnte die Macht lenken. Er hatte sich auf dem Weg nach Tar Valon befunden, um einer D�mpfung unterzogen und damit f�r immer von der Wahren Quelle abgeschnitten zu werden, als er befreit worden war. Aber diese Tatsache war es nicht, die nun ihre Zungen l�hmte. Die Existenz eines Mannes, der mit der Einen Macht umgehen konnte, war einst ihr schlimmstes Trauma gewesen. Solche M�nner zu jagen und dingfest zu machen war der Hauptgrund daf�r, da� es die Roten Ajah �berhaupt gab, und die anderen Ajah halfen kr�ftig mit. Aber jetzt rutschten die meisten Frauen am Tisch nerv�s auf ihren St�hlen umher und vermieden es, einander anzusehen, denn ein Gespr�ch �ber Taim brachte sie einem anderen Thema zu nahe, und davon wollten sie nicht sprechen. Selbst Elaida sp�rte, wie sich ihr Magen bei dem Gedanken zusammenzog.</p><p>Offensichtlich aber hatte Alviarin keinerlei Hemmungen in dieser Hinsicht. Lediglich einer ihrer Mundwinkel zuckte kurz. Es war nicht ablesbar, ob sie l�cheln oder einfach den Mund verziehen wollte, aber es dauerte auch nur einen kurzen Augenblick. �Ich werde unsere Anstrengungen verdoppeln, Taim wieder einzufangen. Und ich schlage vor, da� wir eine Schwester an den Hof von K�nigin Tenobia senden, um sie zu beraten. Es m��te jemand sein, die mit der halsstarrigen Verbohrtheit dieser jungen Frau fertigwerden kann.�</p><p>Nun fielen auch andere in das Gespr�ch mit ein, um das l�hmende Schweigen zu �berbr�cken.</p><p>Joline r�ckte ihre Stola mit den gr�nen Fransen daran auf den schmalen Schultern zurecht und l�chelte ein wenig gezwungen. �Ja. Sie braucht einfach eine Aes Sedai neben sich. Eine, die auch mit Bashere fertig wird. Er hat einen enormen Einflu� auf Tenobia. Er mu� sein Heer zur�ckziehen, damit es eingesetzt werden kann, sobald die F�ule wieder erwacht.� Ihr Ausschnitt gab den Blick auf entschieden zuviel Busen frei, und das hellgr�ne Seidenkleid sa� zu eng und betonte ihren K�rper zu stark. Und sie l�chelte zuviel f�r Elaidas Geschmack. Besonders, wenn M�nner in der N�he waren. Das war typisch f�r die Gr�nen.</p><p>�Das Letzte, was wir im Moment gebrauchen k�nnen, ist ein weiteres Heer auf dem Marsch�, warf Shemerin, die Gelbe Schwester, ein. Sie war eine etwas mollige Frau, die es irgendwie niemals fertiggebracht hatte, sich die typische �u�erliche Ruhe der Aes Sedai anzugew�hnen. Um ihre Augen lag h�ufig etwas Gehetztes, Nerv�ses, und in letzter Zeit hatte sich das noch verst�rkt.</p><p>�Und wir m�ssen jemanden nach Schienar schicken�, f�gte Javindhra hinzu, eine andere Rote. Trotz der glatten Wangen wirkte ihr Gesicht so hart, als k�nne man damit N�gel in die Wand treiben. Ihre Stimme klang rauh. �Diese Art von Problemen in den Grenzlanden pa�t mir nicht. Das Letzte, was wir brauchen, ist ein so geschw�chtes Schienar, da� ein Trolloc-Heer am Ende noch durchbrechen k�nnte.�</p><p>�Vielleicht.� Alviarin nickte nachdenklich. �Aber wir haben Agenten in Schienar � Rote, da bin ich sicher, und vielleicht auch andere� � die vier Roten Schwestern nickten, wenn auch unwillig �, �die uns warnen k�nnen, falls diese kleinen Zusammenst��e zu etwas Besorgniserregendem eskalieren.�</p><p>Es war ein offenes Geheimnis, da� alle Ajah mit Ausnahme der Wei�en, die sich ganz auf Fragen der Logik und Philosophie beschr�nkten, ihre Beobachter und Spione in allen L�ndern verteilt hatten. Lediglich das Spionagenetz der Gelben galt als �u�erst d�rftig. Von denen, die nicht mit der Macht umzugehen wu�ten, konnten sie ja auch nichts in bezug auf das Heilen von Krankheiten und Verletzungen lernen. Einige Schwestern hatten auch ihre eigenen Augen-und-Ohren in anderen L�ndern und h�teten dieses Geheimnis noch intensiver, als das bei den Ajah der Fall war. Die Blauen hatten das gr��te Agentennetz von allen, sowohl, was die offiziellen der Ajahs betraf, wie auch privat.</p><p>�Was Tenobia und Davram Bashere betrifft�, fuhr Alviarin fort, �sind wir uns wohl einig, da� wir Schwestern dorthin schicken m�ssen?� Sie wartete kaum auf das Kopfnicken der anderen. �Gut. Das wird erledigt. Memara ist am besten geeignet. Sie wird sich von Tenobia nicht auf der Nase herumtanzen lassen, aber nie offensichtlich die F�hrung �bernehmen. Etwas anderes. Hat jemand Neuigkeiten aus Arad Doman oder Tarabon? Wenn wir nicht bald dort eingreifen, werden wir demn�chst die Situation vorfinden, da� Pedron Niall mit seinen Wei�m�nteln von Bandar Eban bis zur Schattenk�ste die Oberhand gewinnt. Evanellein, habt Ihr etwas?� Arad Doman und Tarabon wurden von B�rgerkriegen und noch Schlimmerem zerrissen. Nirgendwo mehr Gesetz und Ordnung. Elaida war �berrascht, da� sie dieses Thema anschnitten.</p><p>�Nur ein Ger�cht�, erwiderte die Graue Schwester. Ihr Seidenkleid in der Farbe der Fransen an ihrer Stola war von feinem Schnitt und am Hals recht tief ausgeschnitten. Oft hatte Elaida sich schon gedacht, da� diese Frau eher zu den Gr�nen geh�ren sollte, bei ihrem Aussehen und ihrer Putzsucht. �Fast alle in diesen armen L�ndern sind mittlerweile zu Fl�chtlingen geworden, diejenigen eingeschlossen, die uns Nachrichten �bermitteln sollten. Die Panarchin Amathera ist offensichtlich verschwunden, und wie es scheint, k�nnte eine Aes Sedai darin verwickelt sein... �</p><p>Elaidas Hand verkrampfte sich um ihre Stola. Ihr Gesichtsausdruck �nderte sich nicht, aber ihre Augen gl�hten. Die Sache mit dem Heer aus Saldaea war erledigt. Wenigstens war Memara eine Rote, und das �berraschte sie. Doch sie hatten sie nicht einmal nach ihrer Meinung gefragt. Nun, man hatte einfach entschieden. Die �berraschende M�glichkeit, da� eine Aes Sedai am Verschwinden der Panarchin beteiligt gewesen sein k�nnte � falls das nicht wieder eines dieser unm�glichen Ger�chte war, die von der Westk�ste her�berkamen �, konnte Elaida nicht dar�ber hinwegbringen. Aes Sedai waren �berall, vom Aryth-Meer bis zum R�ckgrat der Welt, und wenigstens die Blauen mochten etwas unternehmen. Vor weniger als zwei Monaten hatten sie noch alle vor ihr gekniet und ihr als der Verk�rperung der Wei�en Burg Gehorsam geschworen, und nun trafen sie eine Entscheidung, ohne sie auch nur eines Blickes zu w�rdigen.</p><p>Das Arbeitszimmer der Amyrlin lag nur wenige Stockwerke hoch im Hauptgeb�ude � dem Turm � der Wei�en Burg, doch es war das Herz der Burg, genau wie diese selbst das Herz der gro�en Inselstadt Tar Valon darstellte, die zwischen den Armen des Erinin eingebettet lag. Und Tar Valon war � oder sollte es zumindest sein �das Herz der Welt. Der Raum erz�hlte von der Macht, die eine lange Reihe von Frauen von hier aus ausge�bt hatten. Der Fu�boden bestand aus hochgl�nzendem Sandstein aus den Verschleierten Bergen, der hohe Kamin war aus goldenem Kandori-Marmor, die Wandt�felung aus einem seltsam gemaserten Holz, in das man vor mehr als tausend Jahren wundervolle, fremdartige V�gel und andere Tiere geschnitzt hatte. Die hohen Bogenfenster waren mit einem Stein eingefa�t, der glitzerte wie tausend Perlen und den man einst in einer namenlosen Stadt gefunden hatte, die w�hrend der Zerst�rung der Welt vom Meer der St�rme verschlungen worden war. Niemand kannte diese Art von Stein. Dahinter lag der Balkon, von dem aus man in den privaten Garten der Amyrlin blicken konnte. Der Raum str�mte Macht aus � ein Abglanz der Amyrlins, die fast dreitausend Jahre lang K�nige und K�niginnen am G�ngelband gef�hrt hatten. Und sie wollten noch nicht einmal ihre Meinung h�ren.</p><p>Solchen Kr�nkungen war sie zu oft ausgesetzt. Und was am schlimmsten war: Das alles untergrub ihre Autorit�t, ohne da� sie auch nur einen Gedanken daran verschwendeten. Sie wu�ten, wie sie an die Stola gekommen war und da� sie das nur ihrer Hilfe zu verdanken hatte. Ihr war das selbst nur zu bewu�t. Doch sie gingen einfach zu weit. Bald w�rde es an der Zeit sein, sie eines Besseren zu belehren. Noch aber war es zu fr�h.</p><p>Sie hatte dem Raum ihre eigene Pers�nlichkeit aufgepr�gt, so gut das eben ging: ein Schreibtisch, in den als Ornament dreifach verbundene Ringe eingeschnitzt waren, und ein schwerer Stuhl, auf dessen hoher Lehne �ber Kopfh�he eine mit Elfenbein eingelegte Flamme von Tar Valon wie eine gro�e, wei�e Tr�ne prangten. Drei lackierte Holzk�stchen aus Altara standen auf dem Tisch, s�uberlich angeordnet, jedes im gleichen Abstand von den anderen; in einem befanden sich die feinsten St�cke aus ihrer Sammlung von geschnitzten Miniaturen. Eine wei�e Vase auf einem einfachen Sockel an einer Wand war mit roten Rosen gef�llt, die den Raum mit ihrem s��en Duft erf�llten. Es hatte keinen Regen mehr gegeben, seit sie zur Amyrlin erhoben worden war, aber mit Hilfe der Macht konnte sie st�ndig f�r frische Bl�ten sorgen, und Blumen hatte sie immer schon geliebt. Man konnte sie so leicht beschneiden und aufpfropfen und daf�r sorgen, da� sie Sch�nes hervorbrachten.</p><p>Zwei Gem�lde hingen so, da� sie sie im Sitzen bequem sehen konnte. Die anderen vermieden es, sie anzusehen. Von allen Aes Sedai, die in Elaidas Arbeitszimmer kamen, warf h�chstens Alviarin einmal einen Blick auf die Bilder.</p><p>�Gibt es irgend etwas Neues von Elayne?� fragte Andaya sch�chtern. Die anwesende zweite Graue wirkte kaum wie eine Vermittlerin, so d�nn und vogel�hnlich, wie sie war, und so scheu, trotz ihrer Aes-Sedai-Gesichtsz�ge, aber sie war eine der besten, die man finden konnte. In ihrer Stimme war noch ein wenig von ihrer Abstammung aus Tarabon zu h�ren. �Oder von Galad? Wenn Morgase herausfindet, da� wir ihren Stiefsohn aus den Augen verloren haben, f�ngt sie m�glicherweise an, unbequeme Fragen �ber den Aufenthaltsort ihrer Tochter zu stellen, ja? Und wenn sie erf�hrt, da� die Tochter-Erbin weg ist, wird uns Andor ebenso verschlossen sein wie Amadicia.�</p><p>Ein paar der Frauen sch�ttelten die K�pfe. Es gab nichts Neues. Javindhra sagte: �Im k�niglichen Palast befindet sich ja eine Rote Schwester. Sie ist erst k�rzlich zur Schwester erhoben worden und sieht deshalb noch nicht so offensichtlich nach einer Aes Sedai aus.� Sie meinte damit, da� die Gesichtsz�ge der Frau noch nicht die typische Alterslosigkeit zeigten, die vom langen Gebrauch der Macht herr�hrte. Wenn jemand das Alter der Frauen in diesem Arbeitszimmer h�tte sch�tzen wollen, er h�tte sich wohl in einem Spielraum von mindestens zwanzig Jahren bewegt, und in manchem Fall h�tte er sich vielleicht sogar um das Doppelte vertan. �Sie ist gut ausgebildet und ziemlich stark und au�erdem eine gute Beobachterin. Morgase ist ganz damit besch�ftigt, ihren Anspruch auf den Thron von Cairhien zu rechtfertigen.� Mehrere Frauen rutschten nerv�s auf ihrem St�hlen herum, und Javindhra fuhr schnell fort, als sei ihr klargeworden, da� sie sich auf gef�hrlichem Boden bewegte: �Und ansonsten scheint ihr neuer Liebhaber, Lord Gaebril, sie sehr zu besch�ftigen.� Ihr schmaler Mund verzog sich etwas. �Sie ist total verschossen in diesen Mann.�</p><p>�Er sorgt daf�r, da� sie sich auf Cairhien konzentriert�, sagte Alviarin. �Die Lage dort ist beinahe genauso schlimm wie in Tarabon und Arad Doman. Jedes Adelshaus streitet sich mit den anderen um die Nachfolge auf dem Sonnenthron, und �berall herrscht Hungersnot. Morgase will die Ordnung wiederherstellen, aber sie wird einige Zeit brauchen, bis sie den Thron wirklich sicher hat. Bis es soweit ist, wird sie nicht viel Energie f�r andere Dinge �brig haben, auch nicht f�r die Tochter-Erbin. Und ich habe eine Sekret�rin angewiesen, ihr von Zeit zu Zeit Briefe zu schicken. Die Frau kann Elaynes Handschrift recht gut imitieren. Morgase kann warten, bis wir sie wieder richtig unter Kontrolle haben.�</p><p>�Wenigstens haben wir ihren Sohn noch immer in der Hand.� Joline l�chelte.</p><p>�Gawyn sich wohl kaum in unserer Hand befindet�, sagte Teslyn in scharfem Tonfall. �Die J�nglinge, die ihm folgen, mit den Wei�m�nteln st�ndig sich liefern Gefechte auf beiden Seiten von Flu�. Er machen, was er wollen, und nicht nur uns folgen.�</p><p>�Er wird wieder unter Kontrolle gebracht�, versprach Alviarin. Elaida sp�rte, wie diese st�ndige K�hle und Beherrschtheit der Wei�en sie langsam, aber sicher in Rage brachte.</p><p>�Wenn wir schon die Wei�m�ntel erw�hnen�, warf Danelle ein, �dann noch etwas. Wie es scheint, f�hrt Pedron Niall Geheimverhandlungen, in denen er sich bem�ht, Altara und Murandy dazu zu bringen, da� sie Land an Illian abtreten, damit der Rat der Neun davon absieht, eines von ihnen oder auch beide L�nder anzugreifen.�</p><p>Nachdem sie das heikle Thema gl�cklich hinter sich gebracht hatten, plapperten die Frauen auf der anderen Seite des Tisches gesch�ftig weiter und bem�hten sich, zu entscheiden, ob die Verhandlungen des kommandierenden Lordhauptmanns den Kindern des Lichts zuviel Einflu� verschaffen w�rden. Vielleicht sollte man sogar die Verhandlungen st�ren und daf�r sorgen, da� die Wei�e Burg dort die Rolle Nialls �bernahm.</p><p>Elaida verzog den Mund. Die Burg war in ihrer langen Geschichte oft sehr vorsichtig vorgegangen, einfach aus der Notwendigkeit heraus. Zu viele Menschen f�rchteten die Aes Sedai oder mi�trauten ihnen. Doch noch nie hatten sie selbst sich vor etwas oder vor jemandem <emphasis>gef�rchtet.</emphasis> Und jetzt hatten sie Angst.</p><p>Ihr Blick wanderte zu den Gem�lden hin�ber. Das eine bestand aus drei Holztafeln, die Bonwhin zeigten. Sie war die letzte Rote gewesen, die zum Amyrlin-Sitz erhoben worden war, vor �ber tausend Jahren, und sie war auch der Grund daf�r, da� seither keine Rote mehr die Stola getragen hatte. Bis jetzt. Bis zu Elaida. Bonwhin, hochgewachsen und stolz, die den Aes Sedai befohlen hatte, Artur Falkenfl�gel zu manipulieren. Bonwhin, trotzig, auf der Wei�en Mauer von Tar Valon, das von Falkenfl�gels Heer belagert wurde. Noch einmal Bonwhin, dem�tig auf den Knien vor dem Burgrat, als sie ihr die Stola und den Stab abnahmen, weil sie beinahe die Burg zerst�rt hatte.</p><p>Viele fragten sich, wieso Elaida das Triptychon aus dem Lager hatte holen lassen, wo es von einer dicken Staubschicht bedeckt gelegen hatte. Keine sprach sie wohl darauf an, doch sie h�rte das Getuschel. Sie verstanden nicht, warum es notwendig war, sich st�ndig daran zu erinnern, welchen Preis man f�r sein Versagen zu entrichten hatte.</p><p>Das zweite Gem�lde entsprach der augenblicklichen Mode. Es war die Kopie der Skizze eines K�nstlers aus dem fernen Westen, auf Leinwand, die man �ber einen Rahmen gespannt hatte. Es l�ste noch mehr Unbehagen unter den Aes Sedai aus, die es zu Gesicht bekamen. Zwei M�nner k�mpften in den Wolken miteinander, hoch droben am Himmel, mit Blitzen bewaffnet. Einer hatte ein Gesicht aus Feuer. Der andere war gro� und jung und hatte r�tliches Haar. Es war der J�ngling, der das Unbehagen ausl�ste und der Elaida immer wieder dazu brachte, die Z�hne zusammenzubei�en. Sie wu�te selbst nicht genau, ob es aus Zorn geschah oder um ein Zittern zu unterdr�cken. Doch mit der Furcht konnte und mu�te sie fertigwerden. Selbstbeherrschung war alles.</p><p>�Dann sind wir also fertig�, sagte Alviarin und erhob sich geschmeidig von ihrem Hocker. Die anderen taten es ihr nach, gl�tteten ihre R�cke und r�ckten die Stolen zurecht, um w�rdevoll hinausschreiten zu k�nnen. �In drei Tagen erwarte ich... �</p><p>�Habe ich Euch erlaubt, zu gehen, T�chter?� Das waren die ersten Worte, die Elaida sprach, seit sie die anderen aufgefordert hatte, sich zu setzen. Sie blickten sie vollkommen �berrascht an. Einige gingen zu ihren Hockern zur�ck, doch ohne jede Eile. Und ohne ein Wort der Entschuldigung! Sie hatte das zu lange durchgehen lassen. �Da Ihr nun schon steht, werdet Ihr so lange stehen bleiben, bis ich fertig bin.� Diejenigen, die schon beinahe wieder sa�en, richteten sich verwirrt und unsicher auf. �Ich habe nicht geh�rt, da� jemand die Suche nach dieser Frau und ihren Begleitern erw�hnte.�</p><p>Nicht notwendig, den Namen <emphasis>dieser Frau</emphasis> zu erw�hnen, Elaidas Vorg�ngerin. Sie wu�ten, wen sie meinte, und Elaida fiel es mit jedem Tag schwerer, auch nur an den Namen der fr�heren Amyrlin zu denken. Alle ihre augenblicklichen Probleme � alle! � gingen auf <emphasis>diese Frau</emphasis> zur�ck.</p><p>�Das ist schwierig�, sagte Alviarin gelassen, �da wir ja das Ger�cht ausgestreut haben, sie sei hingerichtet worden.� Die Frau hatte Eis statt Blut in den Adern. Elaida blickte ihr fest in die Augen, bis sie ein versp�tetes �Mutter� hinzuf�gte. Doch auch das klang unterk�hlt und beinahe nebens�chlich.</p><p>Elaidas Blick wanderte zu den anderen hin�ber, und sie bem�hte sich, in st�hlernem Tonfall zu sprechen: �Joline, Ihr seid verantwortlich f�r diese Suche und f�r die Untersuchung der n�heren Umst�nde ihrer Flucht. In beiden F�llen h�re ich immer wieder nur von Schwierigkeiten.</p><p>Vielleicht wird eine t�gliche Bu�e Euren Eifer f�rdern, Tochter. Schreibt auf, was Ihr passend f�ndet, und dann reicht es bei mir ein. Sollte ich es... f�r etwas zu sanft halten, werde ich es verdreifachen.�</p><p>Jolines allgegenw�rtiges L�cheln verflog auf der Stelle. Sie �ffnete den Mund und schlo� ihn dann unter Elaidas entschlossenem Blick wieder. Schlie�lich knickste sie tief. �Wie Ihr befehlt, Mutter.� Die Worte klangen gezwungen wie auch ihre Demut, aber f�r den Augenblick gen�gte es.</p><p>�Und wie steht es mit dem Versuch, diejenigen zur�ckzuholen, die geflohen sind?� Wenn �berhaupt m�glich, klang Elaidas Stimme noch h�rter. Die R�ckkehr der Aes Sedai, die geflohen waren, als man <emphasis>diese Frau</emphasis> abgesetzt hatte, w�rde bedeuten, da� sich wieder Blaue in der Burg befanden. Sie war sich nicht sicher, da� sie jemals einer Blauen w�rde trauen k�nnen. Aber andererseits konnte sie wohl sowieso keiner mehr trauen, die davongelaufen war, anstatt ihre Thronbesteigung freudig zu begr��en. Doch die Burg mu�te wieder geschlossen auftreten.</p><p>Javindhra war f�r diese Aufgabe zust�ndig. �Es gibt auch hier Schwierigkeiten.� Ihre Gesichtsz�ge blieben genauso ernst wie sonst, doch sie fuhr sich hastig mit der Zunge �ber die Lippen, als sie den Sturm wahrnahm, der lautlos auf Elaidas Gesicht aufzog. �Mutter.�</p><p>Elaida sch�ttelte den Kopf. �Ich will nichts von Schwierigkeiten h�ren, Tochter. Morgen werdet Ihr mir eine Liste vorlegen, was Ihr bisher alles unternommen habt, und das schlie�t Eure Ma�nahmen ein, jegliche Uneinigkeit in der Wei�en Burg vor der Welt zu verbergen.� Das war lebenswichtig. Es gab wohl eine neue Amyrlin, doch die Welt mu�te die Burg f�r genauso stark und einig halten wie bisher. �Solltet Ihr nicht genug Zeit f�r die Aufgaben haben, die ich Euch zuteile, w�re es vielleicht besser, Euren Platz als Sitzende f�r die Roten im Saal aufzugeben. Ich werde mir das �berlegen.�</p><p>�Das wird nicht notwendig sein, Mutter�, sagte die Frau mit dem harten Gesicht schnell. �Ihr werdet den Bericht morgen erhalten. Ich bin sicher, da� viele bald zur�ckkehren werden.�</p><p>Elaida war da nicht so sicher, obwohl sie es ja w�nschte, denn die Burg <emphasis>mu�te</emphasis> stark sein, aber sie hatte ihren Standpunkt klargemacht. In aller Augen, von Alviarin abgesehen, stand besorgte Nachdenklichkeit. Wenn Elaida bereit war, mit einer Angeh�rigen ihrer eigenen fr�heren Ajah so umzuspringen und eine Gr�ne, die vom ersten Tag an auf ihrer Seite gestanden hatte, noch h�rter anzufassen, hatten sie vielleicht einen Fehler gemacht, sie nur als Strohmann zu betrachten. Vielleicht hatten sie alle geholfen, Elaida auf den Amyrlin-Sitz zu heben, doch nun war sie eben die Amyrlin. Sie w�rde an den kommenden Tagen noch ein paar Exempel statuieren, und dann sollte die Lektion sitzen. Wenn notwendig, w�rde sie jeder Anwesenden Strafen aufb�rden, bis sie um Gnade bettelten.</p><p>�In Cairhien befinden sich nicht nur Soldaten aus Tear, sondern auch aus Andor�, fuhr sie fort, wobei sie die abgewandten Blicke einfach ignorierte. �Soldaten aus Tear, die von dem Mann geschickt wurden, der den Stein eroberte.� Shemerin rang die dicken H�nde, und Teslyn zuckte zusammen. Nur Alviarin blieb unger�hrt wie ein zugefrorener Teich. Elaida streckte eine Hand aus und deutete auf das Gem�lde mit den beiden M�nnern, die sich gegenseitig mit Blitzen bek�mpften. �Seht hin! Schaut! Oder ich lasse jede einzelne von Euch auf den Knien den Fu�boden schrubben! Wenn Ihr noch nicht einmal genug R�ckgrat besitzt, um ein Gem�lde zu betrachten, wo werdet Ihr dann den Mut f�r das hernehmen, was auf uns zukommt? Die Burg kann keine Feiglinge gebrauchen!�</p><p>Langsam hoben sich die Blicke. Sie traten von einem Fu� auf den anderen wie nerv�se M�dchen und nicht wie Aes Sedai. Nur Alviarin sah gelassen hin, und sie schien als einzige von dem allen unber�hrt. Shemerin rang wieder die H�nde, und in ihren Augen standen tats�chlich Tr�nen. Sie w�rde etwas in bezug auf diese Frau unternehmen m�ssen.</p><p>�Rand al'Thor. Ein Mann, der die Macht ben�tzen kann.� Die Worte kamen aus Elaidas Mund wie Peitschenhiebe. Ihr eigener Magen verkrampfte sich, bis sie f�rchtete, sich �bergeben zu m�ssen. Irgendwie brachte sie es aber fertig, ihr Gesicht nicht zu verziehen, und dann fuhr sie fort, pre�te die Worte aus sich heraus, schleuderte sie den anderen entgegen wie Steine aus einem Katapult. �Ein Mann, dessen Schicksal es sein wird, wahnsinnig zu werden und vor seinem Tod mit der Macht unvorstellbar Schlimmes anzurichten. Aber da ist noch mehr. Seinetwegen herrscht heller Aufruhr in Arad Doman und Tarabon und allen Gebieten dazwischen. Wenn man ihm vielleicht auch nicht den B�rgerkrieg und die Hungersnot in Cairhien ankreiden kann, beschw�rt er doch auf jeden Fall einen gro�en Krieg zwischen Tear und Andor herauf, und das zu einer Zeit, wo die Burg Frieden ben�tigt! In Ghealdan predigt ein verr�ckter Schienarer von ihm und hat einen derartigen Zulauf, da� selbst Alliandres Heer nichts ausrichten kann. Die gr��te Gefahr, der die Burg jemals gegen�berstand, die gr��te Bedrohung aller Zeiten f�r die ganze Welt, und Ihr bringt es nicht einmal fertig, von ihm zu sprechen? Ihr k�nnt nicht einmal sein Bild ansehen?�</p><p>Ihre Antwort war betretenes Schweigen. Alle au�er Alviarin standen da, als sei ihnen die Zunge eingefroren. Die meisten blickten wie hypnotisiert den jungen Mann auf dem Gem�lde an.</p><p>�Rand al'Thor.� Der Name rief einen bitteren Geschmack auf Elaidas Zunge hervor. Einst hatte sie den jungen Mann, der so unschuldig wirkte, direkt vor ihrer Nase gehabt. Und sie hatte nicht gemerkt, was er war. Ihre Vorg�ngerin hatte Bescheid gewu�t, das Licht wu�te, wie lange schon, und hatte ihn frei herumlaufen lassen. <emphasis>Diese Frau</emphasis> hatte ihr vieles gesagt, bevor sie entkam, hatte unter scharfer Befragung Dinge gesagt, die Elaida einfach nicht glauben wollte � falls die Verlorenen wirklich frei waren, war wohl alles verloren �, aber auf irgendeine Art hatte sie es fertiggebracht, einigen Fragen auszuweichen. Und dann war sie entkommen, bevor man sie erneut verh�ren konnte. <emphasis>Diese Frau</emphasis> und Moiraine. <emphasis>Diese Frau</emphasis> und die Blaue hatten es die ganze Zeit gewu�t. Elaida mu�te beide unbedingt wieder in der Burg zur�ckhaben. Sie w�rden jede Einzelheit preisgeben, die sie kannten. Sie w�rden sie auf den Knien um den Tod anflehen, bevor sie mit ihnen fertig war.</p><p>Sie zwang sich zum Weitersprechen, obwohl ihr die Worte im Mund gefroren: �Rand al'Thor ist der Wiedergeborene Drache, T�chter.� Sheremins Knie gaben nach, und sie setzte sich hart auf den Boden. Einige der anderen schienen ebenfalls weiche Knie zu haben. Elaidas Blick strafte sie mit Verachtung. �Es kann keinen Zweifel geben. Er ist derjenige, von dem die Prophezeiungen berichten. Der Dunkle K�nig ist dabei, sich aus seinem Gef�ngnis zu befreien, die Letzte Schlacht kommt und der Wiedergeborene Drache mu� ihm gegen�bertreten, sonst ist die Welt f�r alle Zeiten dem Feuer und der Zerst�rung ausgesetzt. Und er ist frei, T�chter. Wir wissen nicht, wo er sich befindet. Wir wissen von einem Dutzend Orten, an denen er sich nicht befindet. Er ist nicht mehr in Tear. Er ist auch nicht hier in der Burg und sicher abgeschirmt, wie es sein sollte. Er bringt einen Wirbelsturm �ber die Welt, und wir m�ssen das verhindern, wenn wir eine Chance haben wollen, Tarmon Gai'don zu �berleben. Wir m�ssen ihn in die Hand bekommen und daf�r sorgen, da� er in dieser Letzten Schlacht k�mpft. Oder glaubt eine von Euch, da� er freiwillig in den vorhergesagten Tod gehen wird, um die Welt zu retten? Ein Mann, der schon jetzt dabeisein d�rfte, dem Wahnsinn zu verfallen? Wir m�ssen ihn unter unsere Kontrolle bekommen!�</p><p>�Mutter�, begann Alviarin in dieser irritierenden Gef�hllosigkeit, aber Elaidas wilder Blick lie� sie verstummen.</p><p>�Rand al'Thor in die Hand zu bekommen ist um vieles wichtiger als Scharm�tzel in Schienar oder die Frage, ob die F�ule friedlich ist, wichtiger noch, als Elayne oder Galad zu finden, wichtiger sogar als Mazrim Taim. Ihr werdet ihn finden! Auf jeden Fall! Wenn ich Euch das n�chste Mal empfange, wird jede von Euch darauf vorbereitet sein, mir in allen Einzelheiten zu berichten, was Ihr unternommen habt, um dieses Ziel zu erreichen. Nun d�rft Ihr mich verlassen, T�chter.�</p><p>Eine Welle unsicherer Knickse durchlief die Ansammlung. Sie hauchten eingesch�chtert: �Wie Ihr befehlt, Mutter�, und dann rannten sie beinahe hinaus. Joline half Shemerin, mit weichen Knien aufzustehen. An der Gelben Schwester konnte sie am besten das n�chste Exempel statuieren. Es war notwendig, um sicherzugehen, da� keine in den alten, lethargischen Zustand zur�ckfiel, und die Gelbe war einfach zu schwach, um einen Platz in diesem Rat verdient zu haben. Nat�rlich w�rde auch dieser Rat nicht mehr allzu lange Bestand haben, daf�r mu�te sie sorgen. Der Saal w�rde ihre Worte h�ren und springen.</p><p>Alle bis auf Alviarin gingen.</p><p>Nachdem sich die T�r geschlossen hatte, sahen sich die beiden Frauen eine ganze Weile lang in die Augen. Alviarin war die erste, die allererste gewesen, die die Anklagen gegen Elaidas Vorg�ngerin geh�rt und ihnen zugestimmt hatte. Und Alviarin wu�te sehr wohl, warum sie die Stola der Beh�terin der Chronik trug und nicht irgendeine Rote. Die Roten Ajah hatten einstimmig hinter Elaida gestanden, aber die Wei�en nicht, und ohne die volle Unterst�tzung der Wei�en h�tten sich viele andere nicht �berzeugen lassen. Die Folge w�re gewesen, da� Elaida nun in einer Zelle s��e anstatt auf dem Amyrlin-Sitz. Falls nicht die �berreste ihres Kopfes auf einer Pike steckten, damit die Raben etwas zum Spielen h�tten. Alviarin lie� sich nicht so schnell einsch�chtern wie die anderen; falls man sie �berhaupt einsch�chtern konnte. In Alviarins festem Blick lag ein beunruhigender Anflug von Ebenb�rtigkeit.</p><p>Das Klopfen an die T�r klang durch die Stille besonders laut.</p><p>�Herein!� fauchte Elaida.</p><p>Eine der Aufgenommenen, ein blasses, schlankes M�dchen, trat z�gernd in den Raum und knickste sofort so lief, da� ihr wei�er Rock mit den sieben Farbstreifen am Saum um sie ausgebreitet am Boden lag. Aus ihren weit aufgerissenen Augen und dem zu Boden gewandten Blick konnte man schlie�en, da� sie wohl die Stimmung unter den Frauen, die den Saal verlie�en, wahrgenommen hatte. Ein Ort, den Aes Sedai zitternd verlie�en, mu�te auf eine Aufgenommene ausgesprochen gef�hrlich wirken. �M-Mutter, Meister F-Fain ist hier. Er sagte, Ihr w-w�rdet ihn um d-diese Stunde empfangen.� Das M�dchen wankte in ihrer geb�ckten Haltung und fiel vor blanker Furcht beinahe um.</p><p>�Dann schickt ihn herein, M�dchen, statt ihn warten zu lassen�, grollte Elaida, aber sie h�tte dem M�dchen die Haut bei lebendigem Leibe abgezogen, wenn sie den Mann gleich mitgebracht h�tte. Der Zorn, den sie Alviarin gegen�ber nicht zu zeigen wagte, und sie wollte gar nicht daran denken, da� sie nicht wagte, ihn herauszulassen, dieser Zorn quoll nun in ihr hoch. �Und wenn Ihr nicht lernen k�nnt, mit uns zu sprechen, wie es sich geh�rt, ist vielleicht die K�che ein besserer Ort f�r Euch als das Vorzimmer der Amyrlin. Also? Werdet Ihr jetzt tun, was Euch befohlen wurde? Bewegt Euch, M�dchen! Und richtet der Herrin der Novizinnen aus, da� sie Euch lehren soll, unverz�glich Euren Befehlen nachzukommen!�</p><p>Das M�dchen quiekste etwas, das sehr wohl eine korrekte Antwort sein mochte, und scho� hinaus.</p><p>Elaida beherrschte sich mit M�he. Es war ihr gleich, ob Silviana, die neue Herrin �ber die Novizinnen, das M�dchen bis zur Bewu�tlosigkeit pr�gelte oder es lediglich mit einem Vortrag bewenden lie�. Sie sah kaum jemals die Novizinnen oder die Aufgenommenen, au�er sie kamen direkt zu ihr, und sie waren ihr auch gleichg�ltig. Sie wollte viel lieber Alviarin dem�tigen und auf den Knien liegen sehen.</p><p>Doch nun war also Fain da. Sie tippte sich mit dem Zeigefinger auf die Lippen. Ein knochiger, kleiner Mann mit einer gro�en Nase, der erst vor ein paar Tagen in verschmutzter, einst guter, aber viel zu gro�er Kleidung in der Burg eingetroffen war. Er benahm sich einmal arrogant und dann wieder kriecherisch, als er um eine Audienz bei der Amyrlin nachsuchte. Abgesehen von denen, die in der Burg arbeiteten, kamen nur wenige M�nner hierher, nur unter gro�er Belastung oder in gr��ter Not, und selbst von denen bat keiner um eine Audienz bei der Amyrlin. Auf gewisse Art mu�te er wohl ein Narr sein oder vielleicht ein Verr�ckter. Er behauptete, aus Lugard in Murandy zu kommen, sprach aber mit wechselnden Akzenten. Manchmal �nderte er den Dialekt mitten im Satz. Doch es schien ihr, als k�nne er durchaus n�tzlich sein.</p><p>Alviarin sah sie immer noch an, eisig ruhig, und nur eine Andeutung all der Fragen, die ihr Fains wegen durch den Kopf gehen mu�ten, fand sich in ihrem Blick. Elaidas Z�ge verh�rteten sich. Beinahe h�tte sie nach <emphasis>Saidar</emphasis> gegriffen, der weiblichen H�lfte der Wahren Quelle, um die Frau mit Hilfe der Macht zu lehren, wo sie in der Rangfolge der Burg stand. Aber so ging das nicht. Alviarin w�rde vielleicht sogar k�mpfen, und sich wie ein Bauernm�dchen im H�hnerhof herumzupr�geln war nicht die richtige Methode, um ihre Autorit�t als Amyrlin durchzusetzen. Aber Alviarin w�rde auch noch das Gehorchen lernen, genauso wie alle anderen. Der erste Schritt dazu war, Alviarin nichts �ber Meister Fain wissen zu lassen, oder wie er sonst hei�en mochte.</p><p>Padan Fain verga� die hektische junge Aufgenommene, als er in das Arbeitszimmer der Amyrlin trat. Sie war wohl ein s��es Ding, und er hatte es gern, wenn sie wie kleine V�gel in seiner Hand flatterten, aber er mu�te sich jetzt auf andere Dinge konzentrieren. Er rang die H�nde und neigte den Kopf, wie es sich geh�rte, aber die beiden, die ihn erwarteten, schienen seine Anwesenheit zun�chst gar nicht zu bemerken, so vertieft standen sie sich Auge in Auge gegen�ber. Er mu�te sich zwingen, nicht seine Hand auszustrecken, um die Spannung zwischen den Frauen zu ertasten. �berall in der Wei�en Burg herrschte nerv�se Spannung und Uneinigkeit. Das war auch gut so. Anspannung konnte man verst�rken und Uneinigkeit ausn�tzen, wie man es gerade f�r n�tig befand.</p><p>Er war �berrascht gewesen, Elaida auf dem Amyrlin-Sitz vorzufinden. Doch das war noch besser, als er erwartet hatte. Auf gewisse Art war sie nicht so hartn�ckig wie die Frau, die vor ihr die Stola getragen hatte. Das hatte man ihm jedenfalls erz�hlt. H�rter, ja, und grausamer, aber auch zerbrechlicher. Wahrscheinlich schwieriger, sie seinem Willen gef�gig zu machen, aber leichter zu zerbrechen, falls das eine oder das andere notwendig werden sollte. Trotzdem war es ihm im Prinzip gleich, welche Aes Sedai, welche Amyrlin er vor sich hatte. Alles N�rrinnen. Gef�hrliche N�rrinnen, sicher, aber auch manchmal n�tzlich ihrer Leichtgl�ubigkeit wegen.</p><p>Schlie�lich jedoch bemerkten sie seine Anwesenheit.</p><p>Die Amyrlin zog die Augenbrauen hoch, weil sie offensichtlich �berrascht worden war, w�hrend sich die Beh�terin der Chronik nichts anmerken lie�. �Ihr d�rft jetzt gehen, Tochter�, sagte Elaida entschlossen, wobei sie das �jetzt� leicht, aber doch h�rbar betonte. O ja. Die Spannungen zwischen ihnen, die Risse im Machtgef�ge. Risse, in die man Samen setzen konnte. Fain ertappte sich dabei, da� er beinahe gekichert h�tte.</p><p>Alviarin z�gerte und knickste dann ganz leicht. Als sie aus dem Zimmer rauschte, streifte ihn ihr Blick, ausdruckslos und doch verwirrend. Unwillk�rlich zog er den Kopf ein und schob die Schultern sch�tzend nach vorn. Seine Oberlippe bebte. Fast h�tte er ihre schlanke R�ckenpartie angeknurrt. Er hatte das Gef�hl, wenn auch nur einen Augenblick lang, da� sie zuviel �ber ihn wisse. Doch er wu�te nicht einmal, wieso er das empfand. Ihr k�hles Gesicht und ihr k�hler Blick ver�nderten sich nie. Zu solchen Anl�ssen h�tte er sie nur zu gern ge�ndert. Furcht. Schmerz. Betteln. Er h�tte bei diesem Gedanken fast gelacht. Sinnlos nat�rlich. Sie konnte nichts wissen. Geduld, dann w�rde er bald mit ihr und ihren immer gleich blickenden Augen fertigwerden.</p><p>In den Schatzkammern der Burg ruhten viele Dinge, die ein wenig Geduld wert waren. Das Horn von Valere war dort, das sagenhafte Horn, mit dem man tote Helden aus den Gr�bern zur Letzten Schlacht zur�ckrufen konnte. Selbst die meisten Aes Sedai wu�ten das nicht, aber er war in der Lage, solche Dinge zu wittern. Der Dolch befand sich dort. Er sp�rte seine Anziehung von dem Fleck aus, auf dem er stand. Er h�tte darauf zeigen k�nnen. Er geh�rte ihm, war ein Teil seiner selbst, das ihm von den Aes Sedai gestohlen und hier beschmutzt und versteckt worden war. Den Dolch zu besitzen w�rde so vieles wiedergutmachen, was er verloren hatte. Er wu�te wohl nicht genau, auf welche Weise, aber er war sich da ganz sicher. F�r das verlorene Aridhol. Zu gef�hrlich, nach Aridhol zur�ckzukehren und vielleicht wieder dort gefangen zu sein. Er zitterte. So lange war er dort gefangen gewesen. Nicht noch einmal.</p><p>Nat�rlich wurde es jetzt nicht mehr Aridhol genannt, sondern Shadar Logoth. Wo der Schatten Wartet. Ein passender Name. Soviel hatte sich ge�ndert. Selbst er. Padan Fain. Mordeth. Ordeith. Manchmal war er sich nicht sicher, welcher Name wirklich zu ihm geh�rte, wer er wirklich war. Eines war aber sicher: Er war nicht das, was die anderen glaubten. Diejenigen, die sich einbildeten, ihn zu kennen, irrten sich gewaltig. Er war jetzt verkl�rt. Er war nun selbst eine Macht und stand jenseits aller anderen M�chte. Sie w�rden es noch merken.</p><p>Mit einemmal wurde ihm bewu�t, da� die Amyrlin etwas gesagt hatte, und er fuhr zusammen. Er suchte in seinem Ged�chtnis und fand die Antwort: �Ja, Mutter, das Wams steht mir sehr gut.� Er strich mit der Hand �ber den schwarzen Samt, um zu zeigen, wie sch�n er den Stoff fand, als spielte Kleidung irgendeine Rolle. �Ist ein sehr gutes Wams. Herzlichen Dank, Mutter.� Er war darauf vorbereitet, noch mehr Komplimente �ber sich ergehen lassen zu m�ssen, damit er sich �entspannte�, bereit, niederzuknien und ihren Ring zu k�ssen, doch diesmal kam sie geradewegs zur Sache: �Berichtet mir, was Ihr noch �ber Rand al'Thor wi�t, Meister Fain.�</p><p>Fains Blick glitt hin�ber zu dem Gem�lde mit den beiden M�nnern, und w�hrend er es betrachtete, richtete er sich kerzengerade auf. Al'Thors Portrait wurmte ihn beinahe genauso wie der Mann selbst, lie� ihm Wut und Ha� durch die Adern schie�en. Wegen dieses jungen Mannes hatte er Schmerzen jenseits aller Vorstellung erdulden m�ssen, Schmerzen, an die er sich gar nicht erinnern wollte. Und er hatte noch Schlimmeres als Schmerzen ertragen m�ssen. Al'Thors wegen war er zerbrochen und war wieder ins Leben gerufen worden. Nat�rlich gab ihm diese Wiedergeburt auch die Mittel zu seiner Rache in die Hand, aber das war nicht das Entscheidende. Neben seinem Wunsch, al'Thor zu vernichten, verbla�te alles andere.</p><p>Als er sich wieder der Amyrlin zuwandte, war ihm nicht klar, da� sein Verhalten genauso beherrschend wirken mu�te wie das ihre. Er blickte ihr geradewegs in die Augen. �Rand al'Thor ist gerissen und schlau. Er k�mmert sich nicht um andere. Bei ihm steht nur die eigene Macht im Mittelpunkt.� N�rrische Frau. �Er ist keiner, der tut, was Ihr von ihm erwartet.� Doch wenn sie ihm al'Thor in die H�nde spielte... �Er ist schwer zu f�hren � sehr schwer �, aber ich glaube, man kann es fertigbringen. Zuerst m��t Ihr einen der wenigen an die Leine nehmen, denen er traut...� Wenn sie ihm al'Thor �bergab, w�rde er sie vielleicht sogar am Leben lassen, obwohl sie ja eine Aes Sedai war. Wenn er hier fertig war.</p><p>Rahvin l�mmelte in Hemds�rmeln auf einem vergoldeten Sessel, ein Bein mitsamt Stiefel �ber die gepolsterte Lehne gelegt, und l�chelte, als die Frau vor dem Kamin wiederholte, was er ihr gesagt hatte. Ihre gro�en, braunen Augen wirkten ein wenig glasig. Sie war eine junge, h�bsche Frau. Das sah man sogar trotz des einfachen, grauen Wollstoffs, den sie als Verkleidung trug. Doch das war es nicht, was ihn an ihr interessierte.</p><p>Durch die hohen Fenster des Raums drang kein Hauch frischer Luft. Schwei� rann der jungen Frau beim Sprechen �ber das Gesicht, und auch auf dem schmalen Gesicht des anderen anwesenden Mannes standen Schwei�perlen. Der Mann trug einen feinen Kurzmantel aus roter Seide, reich mit Gold verziert obendrein, und trotzdem stand er in Habachtstellung da wie ein Diener. Das war er allerdings auf gewisse Weise auch, aber im Gegensatz zu der Frau war er es freiwillig. Und nat�rlich war er im Augenblick taub und blind.</p><p>Rahvin spielte leicht mit den Str�ngen aus Luft, die er um das Paar gewebt hatte. Es w�re unn�tig, wertvolle Diener zu verletzen.</p><p>Selbstverst�ndlich schwitzte er selbst nicht; die br�tende Sommerhitze ber�hrte ihn nicht einmal. Er war ein hochgewachsener Mann, kr�ftig, dunkelhaarig und gutaussehend, trotz der bereits grauen Schl�fen. Die Anwendung von Zwang hatte ihm bei dieser Frau keine Schwierigkeiten eingebracht.</p><p>Sein Gesicht verzog sich unwillig. Bei einigen hatte es Schwierigkeiten gegeben. Ein paar, wenn auch nur wenige, hatten die innere Kraft besessen, sich unbewu�t gegen ihn zu wehren, Schlupfwinkel zu suchen, um ihm zu entgehen. Es war sein Pech, da� er eine solche noch ben�tigte. Man konnte sie schon anleiten, aber sie versuchte st�ndig zu entkommen, obwohl sie gar nicht wu�te, da� sie in seiner Falle zappelte. Irgendwann w�rde er sie nat�rlich nicht mehr ben�tigen. Dann mu�te er sich entscheiden, ob er sie ihres Weges ziehen lassen oder sie auf etwas dauerhaftere Weise loswerden wollte. Beides barg Gefahren in sich. Sicher, es konnte f�r ihn nicht bedrohlich werden, aber er war ein vorsichtiger und gewissenhafter Mann. Kleine Gefahren wuchsen gew�hnlich, wenn man sie nicht beachtete, und er w�hlte meist den Weg des geringsten Risikos. Sie t�ten oder bei sich behalten?</p><p>Als die Frau zu sprechen aufh�rte, wurde er aus seinen �berlegungen gerissen. �Wenn du hier hinausgehst�, sagte er zu ihr, �dann wirst du dich nicht an Einzelheiten deines Besuchs erinnern. Du wirst dich nur daran erinnern, da� du deinen �blichen Morgenspaziergang gemacht hast.� Sie nickte eifrig, um ihm zu Gefallen zu sein, und er l�ste sanft die Str�nge aus Geist, damit sie aus ihrem Verstand verdunsten konnten, kurz nachdem sie die Stra�e erreichen w�rde. Wenn er sie h�ufig unter Druck setzte, gehorchte sie wohl eher, solange der Druck anhielt, doch es bestand die Gefahr, da� jemand den Gebrauch der Macht sp�rte.</p><p>Als das vollbracht war, lie� er auch Elegars Verstand frei. Lord Elegar. Von niedrigerem Adel, aber treu und gehorsam, wie er es geschworen hatte. Er leckte sich nerv�s die d�nnen Lippen und blickte zu der Frau hin�ber. Dann fiel er aber sofort vor Rahvin auf ein Knie nieder. Freunde der Dunkelheit � heutzutage nannte man sie Schattenfreunde � hatten angefangen, zu begreifen, wie strikt sie sich an ihre Eide halten mu�ten, jetzt, da Rahvin und die anderen befreit waren.</p><p>�Bringt sie hinten hinaus auf die Stra�e�, sagte Rahvin, �und la�t sie dort laufen. Sie soll nicht gesehen werden.�</p><p>�Wie Ihr befehlt, Gro�er Meister�, sagte Elegar und verbeugte sich im Knien. Dann erhob er sich und ging r�ckw�rts unter weiteren Verbeugungen hinaus, wobei er die Frau an einem Arm mitzog. Nat�rlich ging sie gehorsam mit, die Augen noch immer etwas glasig. Elegar w�rde ihr keine Fragen stellen. Er wu�te genug, um sicherzugehen, da� er sich f�r bestimmte Dinge eben nicht zu interessieren hatte.</p><p>�Eines deiner h�bschen Spielzeuge?� fragte eine Frauenstimme hinter ihm, als sich die geschnitzte Holzt�r geschlossen hatte. �Bist du jetzt dazu �bergegangen, sie in diesem Stil einzukleiden?�</p><p>Er ri� <emphasis>Saidin</emphasis> an sich, f�llte sich mit der Macht, wobei die Verderbnis der m�nnlichen H�lfte der Wahren Quelle am Schutz seiner Bindungen und Eide abprallte. Diese Bindungen fesselten ihn an eine Macht, die er f�r gr��er hielt als die des Lichts oder selbst die des Sch�pfers.</p><p>Mitten im Raum schwebte �ber dem rotgoldenen Teppich ein Tor, eine �ffnung, die an irgendeinen anderen Ort f�hrte. Ganz kurz blickte er in ein Zimmer mit schneewei�en seidenen Wandbeh�ngen, doch dann verschwand das Tor, und zur�ck blieb eine ganz in Wei� gekleidete Frau mit einem aus Silberf�den gewebten G�rtel. Ein leichtes Prickeln auf seiner Haut, wie eine ferne Ahnung von K�lte, war alles, was ihn davor warnte, da� sie die Macht einsetzte. Hochgewachsen und schlank war sie genauso sch�n wie er auf seine m�nnliche Art. Ihre dunklen Augen waren unergr�ndliche Seen, und ihr Haar, mit silbernen Sternen und Halbmonden besteckt, fiel in ebenm��igen Wellen auf ihre Schultern herab. Den meisten M�nnern h�tte bei ihrem Anblick vor Begehren die Stimme versagt.</p><p>�Sag mal, wieso schleichst du dich so an, Lanfear?� fragte er grob. Er lie� die Macht nicht fahren, sondern bereitete sicherheitshalber ein paar hinterh�ltige �berraschungseffekte vor, falls es notwendig w�rde. �Wenn du mit mir sprechen willst, dann schicke einen Boten, und ich werde entscheiden, wann und wo wir uns treffen. Und ob �berhaupt.�</p><p>Lanfear zeigte dieses s��e, tr�gerische L�cheln. �Du warst schon immer ein Schwein, Rahvin, aber zumindest kein Narr. Diese Frau ist eine Aes Sedai. Was ist, wenn sie vermi�t wird? Schickst du auch Herolde aus, um zu verk�nden, wo du dich aufh�ltst?�</p><p>�Sie k�nnte au�erdem die Macht ben�tzen?� h�hnte er. �Sie ist nicht stark genug, um sie ohne Kinderm�dchen auf die Stra�e zu lassen. Man nennt unausgebildete Kinder heutzutage Aes Sedai, obwohl die H�lfte ihres Wissens aus kleinen Tricks besteht, die sie sich selbst beigebracht haben, und die andere H�lfte kaum die Oberfl�che ankratzt.�</p><p>�W�rst du immer noch so ruhig, wenn diese unausgebildeten Kinder einen Kreis von dreizehn um dich legten?� Ihre k�hle, sp�ttische Stimme traf ihn tief, aber er zeigte keine Reaktion.</p><p>�Ich treffe meine eigenen Vorkehrungen, Lanfear. Und sie ist keines meiner �h�bschen Spielzeuge�, wie du das nennst, sondern die Spionin der Burg hier. Jetzt wird sie genau das berichten, was ich will, und sie ist auch noch ganz begierig darauf. Diejenigen in der Burg, die den Auserw�hlten dienen, haben mir genau gesagt, wo ich sie finden k�nne.� Bald w�rde der Tag kommen, an dem die Welt die Bezeichnung �Verlorene� aufgab und vor den �Auserw�hlten� auf die Knie fiel. Das war ihnen vor so langer Zeit versprochen worden. �Warum bist du hier, Lanfear? Bestimmt doch nicht, um schwachen Frauen zu helfen.�</p><p>Sie zuckte lediglich die Achseln. �Was mich betrifft, kannst du soviel herumspielen, wie du willst. Da du mir nicht einmal etwas anbietest, Rahvin, wirst du mir wohl verzeihen...� Eine silberne Kanne schwebte von Rahvins Nachttisch hoch und neigte sich, um Rotwein in einen goldgerandeten Pokal zu gie�en. Als die Kanne wieder stand, schwebte der Pokal zu Lanfears Hand her�ber. Er f�hlte nat�rlich nichts als ein leichtes Prickeln und sah auch keine gewebten Str�nge. Das hatte ihm noch nie gepa�t. Es tr�stete ihn auch kaum, da� sie von seinen Str�ngen genausowenig sehen konnte.</p><p>�Warum?� fragte er noch einmal.</p><p>Sie nippte seelenruhig an ihrem Wein, bevor sie antwortete: �Da du den Rest von uns meidest, werden ein paar der Auserw�hlten hierher zu dir kommen. Ich bin als erste gekommen, damit du nicht glaubst, es sei ein Angriff.�</p><p>�Andere? Ist das einer deiner Pl�ne? Ich habe es doch nicht n�tig, mich nach den Pl�nen anderer zu richten!� Pl�tzlich lachte er. Es war ein tiefes, hallendes Lachen. �Also ist es kein Angriff, oder doch? Du bist ja niemand, der andere offen angreifen w�rde, ja? Vielleicht nicht so schlimm wie Moghedien, aber du hast immer am liebsten die Flanken und von hinten her angegriffen. Ich werde dir diesmal trauen, jedenfalls lange genug, um zu h�ren, was du zu bieten hast. Solange ich dich genau im Auge habe.� Wer Lanfear traute, wenn sie sich hinter ihm befand, war selbst schuld, wenn er ein Messer in den R�cken bekam.</p><p>Nicht, da� sie besonders vertrauensw�rdig gewesen w�re, selbst wenn man sie im Auge hatte. Man konnte bei ihr nie sicher sein, ob sie nicht einen Wutanfall bekommen w�rde. �Wer soll denn noch an dieser Aktion beteiligt sein?�</p><p>Diesmal war die Warnung eindeutiger, denn es war ein Mann, der sich n�herte. Ein weiteres Tor �ffnete sich. Dahinter zeigten sich Marmorarkaden vor einem breiten Steinbalkon, und in einem wolkenlos blauen Himmel kreisten kreischende M�wen. Schlie�lich erschien ein Mann und trat hindurch. Der Torweg schlo� sich hinter ihm.</p><p>Sammael war ein kr�ftig gebauter Mann, der gr��er erschien, als er tats�chlich war. Sein Schritt war schnell und energiegeladen, und sein Auftreten wirkte schroff. Mit seinen blauen Augen, dem goldenen Haar, dem sauber und eckig geschnittenen Bart h�tte er vielleicht �berdurchschnittlich gut ausgesehen, doch den Eindruck st�rte eine schr�g verlaufende, lange Narbe, als h�tte ein gl�hender Sch�rhaken seine Spur vom Haaransatz bis zum Kinn hinunter gezogen. Er h�tte sie ja durchaus entfernen k�nnen, kaum, da� er die Verwundung erlitten hatte, vor so langer Zeit, doch er hatte sich dagegen entschieden.</p><p>Er war genauso eng wie Rahvin mit <emphasis>Saidin</emphasis> verbunden. Aus dieser N�he konnte Rahvin es sogar sp�ren, wenn auch nur schwach. Sammael musterte ihn mi�trauisch. �Ich habe Dienerinnen und T�nzerinnen hier erwartet, Rahvin. Hattest du nach all diesen Jahren endlich die Nase voll von deinem Lieblingsvergn�gen?� Lanfear lachte leise in ihren Wein hinein.</p><p>�Hat jemand das Wort �Vergn�gen� erw�hnt?�</p><p>Rahvin hatte das dritte Tor noch gar nicht bemerkt, hinter dem ein gro�er Saal voller Brunnen und kannelierter S�ulen, voller fast nackter Akrobaten und Diener, die noch weniger Kleidung trugen, zu sehen war. Seltsam, da� ein hagerer alter Mann in verknittertem Wams verloren zwischen den Akrobaten herumsa�. Ein Dienerpaar in durchscheinenden, winzigen Kleidungsst�cken � der eine ein muskul�ser Mann mit einem Tablett aus geh�mmertem Goldblech und sie eine �ppige Frau, die mit zitternden H�nden Wein aus einer Kristallkaraffe in einen dazu passenden Becher auf dem Tablett go� � folgte dem eigentlichen Neuank�mmling, bevor die T�r�ffnung verschwand.</p><p>In jeder anderen Gesellschaft als der ausgerechnet Lanfears h�tte Graendal durch ihre reife und �ppige Sch�nheit den gesamten Raum beherrscht. Ihr gr�nseidenes Kleid war tief ausgeschnitten. Zwischen ihren Br�sten hing ein Rubin von H�hnereigr��e, und auf ihrem langen Haar von der Farbe der Sonne ruhte ein Diadem, das mit weiteren Rubinen besetzt war. Neben Lanfear wirkte sie aber lediglich mollig und h�bsch. Falls sie der unvermeidliche Vergleich st�rte, lie� sie sich das aber nicht anmerken und l�chelte lediglich am�siert.</p><p>Goldene Armreifen klapperten, als sie mit einer stark beringten Hand nach hinten zu winkte. Ihre Dienerin reichte ihr schnell den gef�llten Kristallbecher und l�chelte dabei unterw�rfig, genau wie der Mann. Graendal beachtete es nicht. �Also�, sagte sie heiter. �Beinahe die H�lfte der �berlebenden Auserw�hlten befinden sich am gleichen Ort. Und keiner versucht, den anderen umzubringen. Wer h�tte das erwartet, und noch bevor der Gro�e Herr der Dunkelheit zur�ckkehrt? Ishamael hat es eine Weile lang fertiggebracht, uns davon abzuhalten, da� wir uns gegenseitig an die Kehlen gehen, aber jetzt...�</p><p>�Sprichst du immer so offen vor deinen Dienern?� fragte Sammael mit leicht verzogenem Gesicht.</p><p>Graendal ri� die Augen auf und blickte das Paar an, als habe sie die beiden vergessen gehabt. �Sie plaudern schon nicht. Sie verehren mich doch. Oder?� Die beiden fielen auf die Knie nieder und beteuerten fieberhaft ihre anbetungsvolle Liebe zu ihr. Es klang echt: Sie liebten sie wirklich. Jetzt. Nach einem Augenblick des Zuh�rens runzelte sie ganz leicht die Stirn, und die Diener erstarrten mit offenen M�ndern. �Sie reden wirklich ein bi�chen viel. Na ja, nun werden sie dich wohl nicht mehr st�ren. Habe ich recht?�</p><p>Rahvin sch�ttelte den Kopf. Er fragte sich, wer sie wohl seien oder gewesen waren. �u�erliche Sch�nheit reichte Graendal bei ihren Dienern nicht aus; sie mu�ten auch Macht besitzen und hochstehende Pers�nlichkeiten gewesen sein. Einen fr�heren Lord als Lakai und eine Lady, die ihr das Bad richtete, so etwas gefiel Graendal. Sich damit zu am�sieren war ja auch sch�n und gut, doch sie verschwendete zuviel gutes Material. Wenn man sie richtig manipulierte, konnte dieses Paar von gro�em Nutzen sein, aber Graendal verlangte solche Hingabe von ihnen, da� sie nun wenig mehr als blo�e Dekoration waren. Der Frau fehlte echtes Fingerspitzengef�hl.</p><p>�Sollte ich mehr erwarten, Lanfear?� grollte er. �Hast du Demandred davon �berzeugt, da� er doch nicht der Alleinerbe des Gro�en Herrn ist?�</p><p>�Ich bezweifle, da� er derart arrogant ist�, antwortete Lanfear verbindlich. �Er sieht ja, was das Ishamael eingebracht hat. Und das ist auch das Wesentliche. Graendal hat das vor einiger Zeit treffend ausgedr�ckt. Einst waren wir dreizehn Unsterbliche. Nun sind vier tot und einer hat uns verraten. Wir vier sind alle, die heute zusammentreffen, und das mu� eben reichen.�</p><p>�Bist du sicher, da� Asmodean zum �berl�ufer geworden ist?� wollte Sammael wissen. �Er hatte doch sonst nicht den Mut, ein Risiko einzugehen. Woher hat er nun die Entschlossenheit, sich einer zum Scheitern verurteilten Sache anzuschlie�en?�</p><p>Lanfears kurzes L�cheln wirkte ausgesprochen am�siert. �Er hatte den Mut, einen Hinterhalt zu legen, der ihn im Falle eines Erfolgs �ber uns alle gestellt h�tte. Und als er vor der Wahl stand, entweder zu sterben, oder sich einer zum Scheitern verurteilten Sache anzuschlie�en, war nicht mehr viel Mut notwendig, um sich f�r letztere zu entscheiden.�</p><p>�Und er hat es sich wohl auch kaum lange �berlegen m�ssen, wette ich.� Die Narbe lie� Sammaels h�hnische Grimasse noch bei�ender erscheinen. �Wenn du nahe genug warst, um das alles zu wissen, warum hast du ihn dann am Leben gelassen? Du h�ttest ihn t�ten k�nnen, bevor er �berhaupt wu�te, da� du in der N�he warst.�</p><p>�Ich t�te nicht so schnell wie du. Es ist zu endg�ltig, ausweglos, und f�r gew�hnlich gibt es andere und profitablere L�sungen. Au�erdem, um es in deiner Sprache auszudr�cken, wollte ich keinen Frontalangriff auf �berlegene Kr�fte beginnen.�</p><p>�Ist er wirklich so stark?� fragte Rahvin leise. �Dieser Rand al'Thor. H�tte er dich in offener Auseinandersetzung �berw�ltigen k�nnen?� Nicht, da� er oder Sammael das nicht gekonnt h�tten, obwohl sich bei einem Versuch ihrerseits Graendal vermutlich Lanfear angeschlossen h�tte. Was das betraf, waren beide Frauen h�chstwahrscheinlich bis zum Bersten mit der Macht angef�llt und bereit, beim geringsten Verdacht sofort gegen einen der M�nner loszuschlagen. Oder auch gegeneinander. Aber dieser Bauernbursche. Ein unausgebildeter Schafhirte! Unausgebildet, au�er, falls Asmodean sich nun darum bem�hte.</p><p>�Er ist der wiedergeborene Lews Therin Telamon�, sagte Lanfear genauso leise, �und Lews Therin war ebenso stark.� Sammael rieb sich geistesabwesend die Narbe in seinem Gesicht. Die hatte er Lews Therin zu verdanken. Das war mehr als dreitausend Jahre her, vor der Zerst�rung der Welt, bevor der Gro�e Herr in den Kerker gesperrt wurde, vor so schrecklich langer Zeit, doch Sammael verga� so etwas nie.</p><p>�Na so etwas�, stellte Graendal fest, �da w�ren wir doch tats�chlich bei dem Thema angelangt, das wir hier besprechen wollten.�</p><p>Rahvin zuckte leicht ver�rgert zusammen. Die beiden Diener waren immer noch erstarrt � oder vielleicht auch wieder. Sammael knurrte etwas in sich hinein.</p><p>�Wenn dieser Rand al'Thor wirklich der wiedergeborene Lews Therin Telamon ist�, fuhr Graendal fort, wobei sie sich auf den R�cken des hinter ihr auf allen vieren knienden Mannes setzte, als sei er eine Sitzbank, �dann bin ich �berrascht, da� du nicht versucht hast, ihn in dein Bett zu locken, Lanfear. Oder ist das vielleicht gar nicht so einfach? Ich erinnere mich dunkel daran, da� Lews Therin dich an der Nase herumgef�hrt hat, und nicht du ihn. Hat deine kleinen Wutanf�lle abgew�rgt und dich daf�r durch die Gegend gescheucht, wenn man so will.� Sie stellte ihr Weinglas auf das Tablett, das ihre blicklos am Boden kniende Dienerin immer noch steif in der Hand hielt. �Du warst so besessen von ihm, da� du dich am Boden ausgestreckt h�ttest, wenn er nur das Wort �Bettvorleger� ausgesprochen h�tte.�</p><p>Lanfears dunkle Augen glitzerten einen Moment lang gef�hrlich, doch dann hatte sie sich wieder unter Kontrolle. �Er mag ja der wiedergeborene Lews Therin sein, aber er ist nicht Lews Therin selbst.�</p><p>�Woher wei�t du das?� fragte Graendal und l�chelte, als sei alles nur ein Scherz. �Es kann durchaus sein, wie viele glauben, da� alle geboren und wiedergeboren werden, wie sich das Rad dreht, aber ich habe nie davon gelesen, da� so etwas schon einmal geschehen w�re. Ein ganz bestimmter Mann, der nach einer Weissagung wiedergeboren wird. Wer wei�, was er tats�chlich ist?�</p><p>Lanfear grinste abwertend. �Ich habe ihn genau beobachtet. Er ist nicht mehr als der Schafhirte, der er immer war, und ein ziemlich naiver dazu.� Die Verachtung verflog, und ihre Miene wurde wieder ernst. �Aber jetzt hat er Asmodean, so schwach ein solcher Verb�ndeter auch sein mag. Und auch schon vor der Sache mit Asmodean sind vier der Auserw�hlten gestorben, als sie sich ihm zum Kampf stellten.�</p><p>�La�t ihn doch weiterhin abgestorbene �ste abs�gen�, sagte Sammael m�rrisch. Er webte Str�nge aus Luft, um einen Stuhl �ber den Teppich heranzuziehen, und dann lie� er sich darauf fallen, die an den Kn�cheln gekreuzten Beine �ber eine Lehne gelegt, und einen Arm lie� er nach hinten �ber die R�ckseite baumeln. Jeder, der jedoch geglaubt h�tte, er habe sich entspannt, w�re ein Narr gewesen. Sammael hatte seine Feinde immer schon get�uscht, indem er sie glauben machte, man k�nne ihn leicht �berraschen. �So werden wir �briggebliebenen am Tag der R�ckkehr eben mehr bekommen. Oder glaubst du, er k�nne etwa Tarmon Gai'don gewinnen, Lanfear? Selbst wenn er Asmodean wieder R�ckgrat einfl��t, hat er doch diesmal nicht die Hundert Gef�hrten zur Verf�gung. Mit Asmodean oder allein: Der gro�e Herr wird ihn ausl�schen wie eine zerbrochene Sar-Lampe.�</p><p>Der Blick, den ihm Lanfear zuwarf, triefte vor Verachtung. �Wie viele von uns werden noch am Leben sein, wenn der Gro�e Herr endlich befreit ist? Vier sind bereits von uns gegangen. Wird er sich als n�chsten dich vornehmen, Sammael? Das w�rde dir vielleicht gefallen. Wenn du ihn besiegst, kannst du endlich diese Narbe loswerden. Aber ich verga�: Wie viele Male hast du ihm im Krieg um die Macht gegen�bergestanden? Hast du jemals gesiegt? Ich kann mich irgendwie nicht daran erinnern.� Ohne innezuhalten, fuhr sie �ber Graendal her: �Oder du k�nntest an der Reihe sein. Aus irgendeinem Grund z�gert er, Frauen etwas anzutun, aber du w�rst nicht einmal in der Lage, Asmodeans Entscheidung nachzuvollziehen. Du kannst ihm nicht mehr beibringen als ein Stein dem anderen. Es sei denn, er entschl�sse sich, dich als Spielzeug zu behalten. Das w�re doch einmal eine Abwechslung, oder? Anstatt dir zu �berlegen, welcher deiner h�bschen Gespielen dir am besten gef�llt, w�rst du es, die zu gefallen lernen mu�.�</p><p>Graendals Gesicht verzerrte sich, und Rahvin bereitete sich darauf vor, sich gegen alles abzuschirmen, was die Frauen einander entgegenschleudern k�nnten. Er war sogar bereit, schnell ein Fluchttor zu �ffnen oder ein klein wenig Baalsfeuer zu schleudern. Dann sp�rte er, wie Sammael von der Macht durchstr�mt wurde, sp�rte auch einen Unterschied darin. Sammael h�tte wohl dazu gesagt, er wolle nur einen taktischen Vorteil ergreifen. Er beugte sich schnell vor und packte den anderen Mann am Arm. Sammael sch�ttelte ihn zornig ab, doch der richtige Augenblick war vor�ber. Nun blickten die beiden Frauen zur Abwechslung sie an. Keine konnte wissen, was sich beinahe abgespielt h�tte, aber sicher war etwas zwischen Rahvin und Sammael gewesen, was sie mi�trauisch dreinblicken lie�.</p><p>�Ich m�chte h�ren, was Lanfear zu sagen hat.� Er sah Sammael nicht an, aber es war f�r ihn bestimmt. �Es mu� doch mehr dran sein als ein n�rrischer Versuch, uns Angst einzujagen.� Sammael ruckte mit dem Kopf, was sowohl ein zustimmendes Nicken sein konnte wie auch blo�e Ungeduld. Das w�rde reichen.</p><p>�Aber sicher, obwohl ein wenig Angst durchaus angebracht w�re.� In Lanfears dunklen Augen war immer noch Mi�trauen zu sehen, doch ihre Stimme war klar wie kristallen sprudelndes Wasser. �Ishamael versuchte, ihn unter seine Kontrolle zu bringen, und er scheiterte. Als er ihn schlie�lich zu t�ten versuchte, scheiterte er erneut. Aber Ishamael hat es mit Druck und Angst versucht, und Druck wirkt bei Rand al'Thor nicht.�</p><p>�Ishamael war doch schon mehr als zur H�lfte wahnsinnig�, knurrte Sammael, �und weniger als zur H�lfte noch Mensch.�</p><p>�Aber wir sind es?� Graendal zog eine Augenbraue hoch. �Einfach nur menschlich? Sicher sind wir doch etwas mehr. Das hier ist menschlich.� Sie streichelte mit einem Finger �ber die Wange der Frau, die neben ihr kniete. �Man wird einen neuen Ausdruck pr�gen m�ssen, um uns zu beschreiben.�</p><p>�Was wir auch sein m�gen�, sagte Lanfear, �uns kann auf jeden Fall gelingen, woran Ishamael scheiterte.� Sie hatte sich leicht vorgebeugt, als wolle sie den Worten Nachdruck verleihen. Lanfear zeigte selten Anspannung. Warum dann jetzt?</p><p>�Warum nur wir vier?� fragte Rahvin. Seine andere Frage w�rde noch warten m�ssen.</p><p>�Warum sollten wir mehr sein?� gab Lanfear zur Antwort. �Wenn wir es schaffen, am Tag der R�ckkehr dem Gro�en Herrn den Wiedergeborenen Drachen auf Knien zu pr�sentieren, warum sollten wir dann die Ehre �und die Belohnung � mit anderen teilen, wenn es nicht unbedingt notwendig ist? Und vielleicht kann man ihn sogar dazu ben�tzen, um � wie hast du das ausgedr�ckt, Sammael? � um abgestorbene �ste abzus�gen...�</p><p>Das war die Art von Antwort, die bei Rahvin ankam. Nicht, da� er ihr oder den anderen vertraut h�tte, ganz gewi� nicht, aber f�r Ehrgeiz hatte er Verst�ndnis. Die Auserw�hlten hatten gegeneinander intrigiert bis zu dem Tag, an dem Lews Therin sie mit dem Gro�en Herrn in dessen Kerker gesperrt hatte. Und dann hatten sie am Tag ihrer Befreiung wieder damit begonnen. Er mu�te eben nur sichergehen, da� Lanfears Plan nicht seine eigenen durcheinanderbrachte. �Sprich weiter�, sagte er zu ihr.</p><p>�Zuerst einmal: Irgend jemand anders bem�ht sich, ihn unter Kontrolle zu bringen. M�glicherweise, um ihn zu t�ten. Ich habe Moghedien oder Demandred im Verdacht. Moghedien hat immer versucht, aus dem Schatten heraus zu arbeiten, und Demandred hat Lews Therin schon immer geha�t.� Sammael l�chelte oder zog vielmehr eine Grimasse. Sein Ha� verbla�te vor demjenigen Demandreds, obwohl er den gewichtigeren Grund hatte.</p><p>�Woher wei�t du, da� es keiner von uns hier ist?� fragte Graendal schlagfertig.</p><p>Lanfears L�cheln entbl��te genauso viele Z�hne wie das der anderen Frau und verstr�mte genauso wenig W�rme. �Weil ihr drei euch erst einmal eure eigenen Pfr�nde erworben und eure Machtpositionen gesichert habt, w�hrend die anderen nur aufeinander losgegangen sind. Und aus anderen Gr�nden. Ich sagte euch ja, da� ich Rand al'Thor genau �berwache.�</p><p>Was sie �ber die anderen gesagt hatte, stimmte durchaus. Rahvin selbst bevorzugte Diplomatie und geheime Manipulationen einem offenen Konflikt gegen�ber, obwohl er ihn nicht scheute, wenn er notwendig war. Sammael dagegen hatte immer am liebsten Heere zur Eroberung eingesetzt. Er w�rde sich Lews Therin, nicht einmal dem als Schafhirten wiedergeborenen, auf keinen Fall n�hern, bevor er sich seines Sieges nicht sicher war. Auch Graendal zog die Eroberung vor, aber ihre Methoden hatten nichts mit Soldaten zu tun. Obwohl sie sich st�ndig mit ihren menschlichen Spielzeugen besch�ftigte, tat sie normalerweise einen sicheren Schritt nach dem anderen. Ganz offen, was die Auserw�hlten eben als offen betrachteten, aber sie wagte sich bei keinem Schritt zu weit vor.</p><p>�Ihr wi�t ja, da� ich ihn unbemerkt im Auge behalten kann�, fuhr Lanfear fort, �aber ihr anderen m��t euch von ihm fernhalten, denn sonst riskiert ihr die Entdeckung. Wir m�ssen ihn zur�ckholen... �</p><p>Graendal beugte sich interessiert vor, und Sammael begann zu nicken, als sie weitersprach. Rahvin enthielt sich noch seiner Meinung. Es k�nnte so funktionieren. Falls nicht, sah er mehrere M�glichkeiten, durch ein paar kleine �nderungen Vorteile zu erlangen. Das Ganze k�nnte sich wirklich gut entwickeln.</p></section><section><title><p>1</p><p>Das Feuer wird entfacht</p></title><p>Das Rad der Zeit dreht sich, und die Zeitalter kommen und gehen, hinterlassen Erinnerungen, die zu Legenden werden, verblassen zu blo�en Mythen und sind l�ngst vergessen, wenn das Zeitalter wiederkehrt, das diese Legende einst gebar. In einem Zeitalter, von einigen das Dritte genannt, einem Zeitalter, das noch kommen wird und das schon lange vorbei ist, erhob sich ein Wind im gro�en Wald, den man den Braem-Forst nannte. Der Wind stand nicht am Anfang. Es gibt weder Anfang noch Ende, wenn sich das Rad der Zeit dreht. Aber es war <emphasis>ein</emphasis> Anfang.</p><p>Nach S�dwesten wehte der Wind unter einer Sonnenscheibe aus geschmolzenem Gold. Im Land unter dem Wind hatte es wochenlang nicht mehr geregnet, und die Hitze dieses Sp�tsommers wuchs von Tag zu Tag. Zu fr�h braun verf�rbte Bl�tter sprenkelten einen Teil der B�ume, und blanke Steine wurden von der Sonne gebacken, wo B�che flie�en sollten. Auf einer offenen Fl�che, von der das Gras l�ngst verschwunden war und deren d�nne Krume nur von den Wurzeln d�rrer, verwitterter Str�ucher festgehalten wurde, begann der Wind, lange begrabene Steine freizulegen. Auch sie waren verwittert und von der Zeit gezeichnet. Kein menschliches Auge h�tte darin die �berreste einer Stadt zu erkennen vermocht, die, l�ngst vergessen, zum Stoff von Legenden geworden war.</p><p>Vereinzelt tauchten D�rfer auf, bevor der Wind �ber die Grenze nach Andor fegte. Auf den Feldern pfl�gten besorgte Bauern trockene Furchen. Der Wald war zu blo�en Dickichten geschrumpft, als der Wind schlie�lich den Staub �ber die einzige Stra�e eines Dorfes namens Korequellen wirbelte. Selbst die Quellen hier begannen diesen Sommer zu versiegen. Ein paar Hunde lagen schwer schnaufend in der dr�ckenden Schw�le, und zwei Jungen mit blo�en Oberk�rpern rannten hinter einer luftgef�llten Rindsblase her, die sie mit St�cken �ber den Boden trieben. Sonst r�hrte sich nichts, au�er nat�rlich dem Wind und dem Staub und dem knarrend einherschwingenden Schild �ber dem Eingang der Schenke, die wie jedes andere Geb�ude an der Stra�e aus rotem Backstein erbaut und mit einem strohgedeckten Dach versehen war. Mit zwei Stockwerken war es aber das h�chste und auch ansonsten gr��te Geb�ude in Korequellen, einem sauberen und ordentlich wirkendem kleinen Dorf. Die gesattelten Pferde, die vor den Schenke angebunden waren, zuckten kaum mit den Schweifen. Das geschnitzte Wirtshausschild gab den Namen als �Der Guten K�nigin Recht� an.</p><p>Min blinzelte in den Staub hinein und pre�te ihr Gesicht wieder gegen die grobe Holzwand des Schuppens, damit sie mit einem Auge durch einen Spalt schielen konnte. Sie konnte gerade noch die Schulter des Wachtpostens an der Schuppent�r erkennen, doch ihre Aufmerksamkeit galt ganz und gar der Schenke weiter unten an der Stra�e. Sie w�nschte, der Name w�rde nicht gar so gut als Omen auf ihre Situation passen. Ihr Richter, der hier regierende Lord, war offensichtlich vor einiger Zeit angekommen, aber sie hatte ihn nicht zu sehen bekommen. Zweifellos h�rte er sich jetzt die Anklagen der Bauern an. Admer Nem, zusammen mit seinen Br�dern und Cousins und all ihren Frauen, hatte ja daf�r gestimmt, sie schnell aufzuh�ngen, bevor einer aus dem Gefolge des Lords vorbeikam. Sie fragte sich, welche Strafe einen hier erwartete, wenn man eine Scheune samt den darin stehenden Milchk�hen niederbrannte. Nat�rlich unfreiwillig, aber sie glaubte, das z�hle wahrscheinlich nicht viel, nachdem sie ja unerlaubt das Land des Besitzers betreten hatten.</p><p>Logain war in der allgemeinen Verwirrung entkommen und hatte sie verlassen. Das sah ihm �hnlich � verdammter Kerl! Sie wu�te nicht einmal, ob sie dar�ber froh sein sollte oder nicht. Es war er gewesen, der Nem zu Boden gesto�en hatte, als er sie kurz vor Sonnenaufgang entdeckte. Dabei fiel die Laterne des Mannes ins Stroh. Wenn �berhaupt, dann war es seine Schuld. Manchmal fiel es ihm schwer, das zu beachten, was er selbst sagte. Vielleicht war es gut, da� er weg war.</p><p>Sie drehte sich um und lehnte sich an die Wand. Dann wischte sie sich den Schwei� vom Gesicht, aber gleich rollten die n�chsten Tropfen �ber ihre Stirn. Im Inneren des Schuppens war es unmenschlich hei�, doch ihre beiden Begleiterinnen schienen das gar nicht zu bemerken. Siuan lag auf dem R�cken ausgestreckt. Sie trug ein dunkles, wollenes Reitkleid, �hnlich dem Mins, und sie blickte hoch zum Dach des Schuppens, wobei sie mit einem Strohhalm gelangweilt auf ihr Kinn klopfte. Leane mit der kupferfarbenen Haut, gertenschlank und gro� wie ein Mann, sa� im Schneidersitz am Boden, nur im Unterhemd, und arbeitete mit Nadel und Faden an ihrem Kleid. Man hatte ihnen ihre Satteltaschen gelassen, nachdem man sie nach Schwertern oder �xten oder anderen Dingen abgesucht hatte, die ihnen bei einer Flucht behilflich sein k�nnten.</p><p>�Wie bestraft man in Andor das Niederbrennen einer Scheune?� fragte Min. �Wenn wir Gl�ck haben�, antwortete Siuan unger�hrt, �dann pr�gelt man uns auf dem Dorfplatz. Wenn unser Gl�ck nicht reicht, peitscht man uns richtig aus.�</p><p>�Licht!� hauchte Min. �Wie k�nnt Ihr so etwas als Gl�ck bezeichnen?�</p><p>Siuan drehte sich auf die Seite und st�tzte sich auf einen Ellbogen. Sie war eine kr�ftige Frau, nicht sch�n, aber immerhin gutaussehend, und sie wirkte h�chstens ein paar Jahre �lter als Min, doch diese scharfen, blauen Augen verstr�mten eine Autorit�t, wie sie so gar nicht zu einer jungen Frau pa�te, die in einem Hinterw�ldlerschuppen auf ihre Verurteilung wartete. Manchmal war Siuan genauso schlimm wie Logain, wenn sie sich verga�, oder vielleicht noch schlimmer. �Wenn man verpr�gelt wird�, sagte sie in einem �Red-keinen-Unsinn-und-bleib-auf-dem-Teppich�-Tonfall, �dann ist es schnell vorbei, und wir k�nnen uns wieder auf den Weg machen. Dabei vers�umen wir weniger Zeit, als bei jeder anderen Strafe, die ich mir vorstellen kann. Erheblich weniger als durch H�ngen, beispielsweise. Aber ich glaube nicht, da� es dazu kommen wird, jedenfalls, soweit ich die Gesetze in Andor kenne.�</p><p>Min wurde einen Augenblick lang von Lachen durchgesch�ttelt, aber sonst w�re sie vermutlich in Tr�nen ausgebrochen. �Zeit? Wo wir hingehen, haben wir alle Zeit der Welt. Ich schw�re, da� wir jedes Dorf zwischen Tar Valon und dem hier abgeklappert haben, und doch haben wir nichts gefunden. Keinen Schimmer, nicht einmal ein Ger�cht. Ich glaube nicht, da� es tats�chlich einen Treffpunkt gibt. Und wir sind jetzt auch noch zu Fu�. Nach dem zu schlie�en, was ich aufschnappen konnte, hat Logain die Pferde mitgenommen. Zu Fu�, in einen Schuppen gesperrt, und dann noch auf das Licht wei� was warten m�ssen!�</p><p>�Sprecht keine Namen aus!� fl�sterte Siuan scharf. Sie warf einen warnenden Blick in Richtung der grob gezimmerten T�r, hinter der ein W�chter wartete. �Eine lose Zunge, und Ihr zappelt selbst im Netz anstatt des Fisches.�</p><p>Min verzog das Gesicht, teils, weil sie die Fischerweisheiten Siuans aus ihrer tairenischen Heimat langsam nicht mehr h�ren konnte, teils, weil die Frau auch noch dazu recht hatte. Bisher waren sie schneller gewesen als m�gliche Berichte �ber sie, die sie in Verlegenheit bringen konnten � nun ja, t�dliche Berichte, um ehrlich zu sein �, aber es gab eben Dinge, die irgendwie an einem Tag hundert Meilen zur�cklegen konnten. Siuan war als �Mara� gereist, Leane als �Amaena�, und Logain hatte den Namen �Dalyn� angenommen, nachdem ihn Siuan davon �berzeugt hatte, da� �Guaire� absolut n�rrisch gewesen w�re. Min glaubte nach wie vor, niemand werde ihren richtigen Namen herausfinden, doch Siuan bestand darauf, sie �Serenla� zu nennen. Selbst Logain kannte ihre wirklichen Namen nicht.</p><p>Das Schlimmste war, da� Siuan nicht daran dachte, aufzugeben. Wochenlang nichts als Mi�erfolge, und nun das, aber wenn sie auch nur Tear erw�hnte � das vern�nftigste Ziel �, dann explodierte sie und sch�chterte selbst Logain durch ihre Heftigkeit ein. Je l�nger sie suchten, ohne zu finden, was immer Siuan zu finden hoffte, desto schlimmer wurden deren Launen. <emphasis>Na ja, vorher war sie auch schon schlimm genug.</emphasis> Min war aber klug genug, so etwas nicht auszusprechen.</p><p>Leane beendete endlich die Arbeit an ihrem Kleid, zog es sich �ber den Kopf und fa�te dann mit beiden H�nden nach hinten, um es zuzukn�pfen. Min begriff nicht, warum sie sich soviel M�he damit machte; sie selbst ha�te die Stopferei oder �berhaupt alle Handarbeiten. Der Ausschnitt war jetzt ein wenig tiefer und zeigte etwas von Leanes Busen. Au�erdem sa� das Kleid jetzt ein bi�chen enger an der Brust wie um die H�ften. Aber was wollte sie ausgerechnet hier damit erreichen? In diesem Backofen von Schuppen w�rde niemand sie zum Tanzen auffordern.</p><p>Leane kramte in Mins Satteltaschen herum und zog schlie�lich das Holzk�stchen mit Farbstoffen und Pudern und allen m�glichen Kosmetika heraus, das Laras Min noch aufgedr�ngt hatte, bevor sie aufbrachen. Min hatte es die ganze Zeit �ber wegwerfen wollen, aber irgendwie hatte sie sich dann doch nie dazu durchringen k�nnen. In dem Deckel des K�stchens war ein kleiner Spiegel angebracht, und nach wenigen Augenblicken machte sich Leane mit kleinen Pinseln aus Kaninchenfell an ihrem Gesicht zu schaffen. Zuvor hatte sie sich nie f�r so etwas interessiert. Jetzt schien sie sich sogar aufzuregen, weil nur eine Ebenholz-Haarb�rste vorhanden war und dazu ein kleiner Elfenbeinkamm. Und sie knurrte emp�rt, weil es keine M�glichkeit gab, den Lockenstab zu erhitzen! Ihr dunkles Haar war ein ganzes St�ck gewachsen, seit Siuan ihre Suche begonnen hatte, doch es hatte ihre Schultern noch nicht erreicht.</p><p>Nachdem sie eine Weile zugesehen hatte, fragte Min: �Was habt Ihr vor, Le... Amaena?� Sie mied es, Siuan anzublicken. Sie hielt ja sonst wirklich den Mund. Aber hier eingesperrt zu sein und lebendig gebacken zu werden, und dazu noch auf eine Gerichtsverhandlung warten zu m�ssen... Aufgeh�ngt oder �ffentlich verpr�gelt zu werden! Tolle Alternativen! �Habt Ihr euch entschlossen, mit jemandem zu flirten?� Sie hatte es als Scherz gemeint, um etwas Heiterkeit zu verbreiten, doch die sonst immer so n�chterne und t�chtige Frau �berraschte sie.</p><p>�Ja�, antwortete Leane knapp. Sie blickte mit weit ge�ffneten Augen in den Spiegel, w�hrend sie sorgf�ltig an ihren Augenbrauen arbeitete. �Und wenn ich mit dem richtigen Mann flirte, m�ssen wir uns vielleicht keine Sorgen mehr �ber Pr�gelstrafe oder �hnliches machen. Zumindest kommen wir dann aber vielleicht etwas leichter weg.�</p><p>Min hatte die Hand halb erhoben, um sich das Gesicht wieder abzuwischen, doch nun schnappte sie nach Luft. Das war, als ob eine Eule verk�ndete, sie werde ab jetzt zum Kolibri werden. Siuan jedoch setzte sich lediglich zurecht und warf Leane einen durchdringenden Blick zu. �Was hat das denn ausgel�st?� fragte sie.</p><p>H�tte Siuan sie so angesehen, dann h�tte Min vermutlich alles zugegeben, was sie schon l�ngst vergessen glaubte. Wenn sich Siuan so auf jemanden konzentrierte, dann ertappte man sich dabei, wie man knickste und sprang, um schnell jedem Auftrag nachzukommen, bevor es einem selbst klar wurde. Das passierte meistens sogar Logain. Au�er, da� er bestimmt nicht knickste.</p><p>Leane tupfte sich gelassen mit einem winzigen Pinselchen �ber die Backenknochen und musterte das Ergebnis in dem kleinen Spiegel. Sie blickte kurz zu Siuan hin�ber, aber was sie dort auch immer gesehen haben mochte, jedenfalls antwortete sie im gleichen knappen Ton wie sonst: �Meine Mutter war eine H�ndlerin, wie Ihr wi�t. Sie verkaufte vor allem Felle und Holz. Ich habe einmal beobachtet, wie sie den Verstand eines Lords aus Saldaea so verwirrte, da� er ihr seinen ganzen Jahresbestand an Holz zum halben Preis verkaufte, und ich bezweifle, da� ihm das klar wurde, bevor er wieder zu Hause war. Wenn �berhaupt. Sp�ter hat er ihr einen Armreif aus Mondstein geschickt. Der Ruf der Domani-Frauen mag �bertrieben sein, da er haupts�chlich von pr�den alten Jungfern erfunden wurde, die sie auch nur vom H�rensagen kannten, aber einiges daran ist zumindest nicht ganz falsch. Das habe ich bei meiner Mutter und meinen Tanten und nat�rlich meinen Schwestern und Cousinen gesehen.�</p><p>Sie blickte an sich herunter, sch�ttelte den Kopf und fuhr seufzend fort, w�hrend sie flei�ig weiterpinselte: �Doch ich f�rchte, ich war bereits an meinem vierzehnten Namenstag so gro� wie heute. Nur Knie und Ellbogen, die an mir auffielen, wie bei einem Fohlen, das zu schnell gewachsen ist. Und nicht lange, nachdem ich gelernt hatte, durch ein Zimmer zu schreiten, ohne dabei wenigstens zweimal zu stolpern� � sie atmete erst einmal tief durch �, �erfuhr ich, da� mein Leben mich sowieso in eine ganz andere Richtung f�hren werde und nicht wie die anderen zum Handel. Nun ja, das ist nun auch schon wieder vor�ber. Es wird Zeit, da� ich ein wenig von dem verwende, was man mir vor so vielen Jahren beigebracht hat. Unter den gegebenen Umst�nden k�nnte ich mir keinen besseren Zeitpunkt und Ort daf�r vorstellen.�</p><p>Siuan musterte sie einen Augenblick lang absch�tzend. �Das ist aber nicht der wahre Grund. Jedenfalls nicht alles. Heraus damit!�</p><p>Leane warf einen kleinen Pinsel vehement in das K�stchen und fuhr w�tend auf: �Der ganze Grund? Ich kenne den ganzen Grund selbst nicht. Ich wei� nur, da� ich etwas brauche, das in meinem Leben den Platz einnimmt, der fr�her... was eben jetzt nicht mehr da ist. Ihr habt mir doch selbst gesagt, da� nur darin die Hoffnung auf ein �berleben liege. F�r mich reicht Rache als Motivation einfach nicht aus. Ich wei�, da� Eure Sache notwendig ist und vielleicht sogar wertvoll, aber das Licht helfe mir: es reicht nicht aus. Ich kann darin nicht so aufgehen wie Ihr. Vielleicht bin ich damals schon zu alt gewesen. Ich werde bei Euch bleiben, aber Euer Feldzug ist mir eben nicht genug.�</p><p>Ihr Zorn verrauchte, als sie begann, die Tiegel und R�hrchen wieder zu verschlie�en und zur�ckzulegen. Allerdings tat sie es etwas heftiger als eigentlich notwendig. Die feinste Andeutung von Rosenduft umgab sie. �Ich wei�, da� man die Leere nicht durch Flirten ausf�llen kann, aber wenigstens kann es den Augenblick doch etwas versch�nern. Vielleicht reicht es, wenn ich einfach diejenige bin, als die ich geboren wurde. Ich wei� es eben nicht. Das ist auch kein neuer Einfall. Ich wollte immer wie meine Mutter und meine Tanten sein. Ich habe manches Mal noch davon getr�umt, als ich l�ngst erwachsen war.�</p><p>Leane wurde sichtlich nachdenklich und packte die letzten Gegenst�nde nun vorsichtiger in das K�stchen ein. �Ich glaube, ich hatte immer schon das Gef�hl, mich hinter der Maske einer ganz anderen Person zu verbergen, einer Maske, die ich so sorgf�ltig formte, bis sie mir zur zweiten Natur wurde. Es galt, ernsthafte Dinge zu vollbringen, gewi� Wichtigeres, als eine Kauffrau zu tun hat, und als mir endlich klar wurde, da� es auch so einen Ausweg gegeben h�tte, sa� die Maske viel zu fest, um sie wieder abzunehmen. Nun, das ist ja nun alles vor�ber, und die Maske f�llt jetzt. Ich habe sogar vor einer Woche noch daran gedacht, mit Logain den Anfang zu machen � nur zur �bung nat�rlich. Allerdings bin ich au�er �bung, und er ist die Sorte von Mann, die vielleicht mehr nimmt, als ihr geboten wird.� Ihre Lippen wurden mit einemmal von einem leichten L�cheln umspielt. �Meine Mutter sagte immer, falls so etwas geschehe, habe man sich b�se verrechnet. Falls es keinen Ausweg mehr gibt, mu� man entweder alle W�rde aufgeben und davonlaufen, oder den Preis bezahlen und es als Lehrstunde betrachten.� Das L�cheln wirkte pl�tzlich ausgesprochen spitzb�bisch. �Tante Resara meinte allerdings, man solle den Preis bezahlen und genie�en.�</p><p>Min konnte da nur den Kopf sch�tteln. Es war, als sei aus Leane eine ganz andere Frau geworden. So �ber etwas zu sprechen, das...! Sie konnte kaum glauben, was sie geh�rt hatte. Und noch dazu sah Leane nun auch tats�chlich ver�ndert aus. Trotz aller Kosmetika, die sie ben�tzt hatte, entdeckte Min auf ihrem Gesicht keine Spur von Puder oder Farbe, und doch wirkten ihre Lippen voller, die Backenknochen h�her und die Augen gr��er. Sie war schon immer eine mehr als nur h�bsche Frau gewesen, doch jetzt war sie mindestens f�nfmal sch�ner als zuvor.</p><p>Siuan war aber noch nicht ganz fertig mit ihr. �Und wenn dieser Landedelmann genauso wie Logain ist?� fragte sie leise. �Was werdet Ihr dann tun?�</p><p>Leane richtete sich steif auf die Knie auf und schluckte erst einmal, bevor sie antwortete. Dann klang ihre Stimme wieder vollkommen beherrscht: �Wenn Ihr die Wahl h�ttet, was w�rdet Ihr dann tun?�</p><p>Keine zuckte mit der Wimper, und die Stille dehnte sich.</p><p>Bevor Siuan antworten konnte, falls sie das �berhaupt vorhatte, und Min h�tte einiges daf�r gegeben, diese Antwort zu h�ren, rasselte die Kette auf der anderen Seite der T�r, und ein Schl�ssel klapperte am Schlo�.</p><p>Die anderen beiden Frauen standen langsam auf und griffen gelassen nach ihren Satteltaschen, doch Min fuhr hastig hoch und w�nschte sich ihr Messer zur�ck. <emphasis>Bl�dsinnig, sich ausgerechnet so etwas zu w�nschen,</emphasis> dachte sie. <emphasis>Das w�rde mich in noch gr��ere Schwierigkeiten bringen. Ich bin doch keine verdammte Heldin aus irgendeiner Legende. Selbst wenn ich den W�chter �berrumpelte...</emphasis></p><p>Die T�r �ffnete sich, und ein Mann mit einer langen Lederweste �ber dem Hemd f�llte die gesamte �ffnung aus. Er war kein Typ, wie ihn junge Frauen angreifen w�rden, nicht einmal mit einem Messer. Vielleicht noch nicht einmal mit einer Axt. Breit gebaut war er und dick. Die wenigen �briggebliebenen Haare auf seinem Kopf waren mehr oder weniger wei�, aber trotz allem wirkte er so hart wie ein alter Eichenstumpf. �Zeit f�r Euch, M�dels, dem Lord vorgef�hrt zu werden�, sagte er m�rrisch. �Geht Ihr mit, oder m�ssen wir Euch wie Getreides�cke schleppen? Ihr werdet auf jeden Fall hingebracht, aber bei dieser Hitze m�chte ich Euch nicht gern schleppen.�</p><p>Min sp�hte an ihm vorbei und sah zwei weitere M�nner dort warten, grauhaarig, doch genauso hart, wenn auch nicht ganz so gro�. �Wir gehen mit�, sagte Siuan trocken zu ihm.</p><p>�Gut. Dann kommt. Beeilt Euch. Lord Gareth wird es nicht besonders gefallen, wenn er warten mu�.�</p><p>Obgleich sie versprochen hatten, mitzukommen, wurde jede von ihnen von einem der M�nner mit festem Griff am Arm gepackt. Dann gingen sie die staubige Stra�e hinauf. Die Hand des beinahe kahlk�pfigen Mannes umschlo� Mins Arm wie eine Handschelle. <emphasis>Na ja, vergessen wir das Wegrennen,</emphasis> dachte sie bitter. Sie �berlegte, ob sie ihm gegen ein gestiefeltes Bein treten solle, in der Hoffnung, er werde dann den Griff lockern, aber er wirkte so massiv, da� sie vermutete, es werde ihr lediglich einen kaputten Zeh einbringen und dann w�rde er sie wohl den Rest des Weges hinter sich herschleifen.</p><p>Leane schien gedankenverloren. Sie gestikulierte ein wenig mit ihrer freien Hand und bewegte lautlos die Lippen, als probe sie, was sie sagen wolle, doch immer wieder sch�ttelte sie den Kopf und begann erneut. Auch Siuans Blick war nach innen gerichtet, doch sie hatte ganz offen besorgt die Stirn gerunzelt und kaute auf ihrer Unterlippe herum. Siuan zeigte doch sonst nicht solche Nervosit�t! Alles in allem half der Anblick der beiden Min gewi� nicht, mehr Mut zu gewinnen.</p><p>Der Schankraum von �Der Guten K�nigin Recht� mit seinen m�chtigen Deckenbalken tat ein �briges, ihr Herz weiter sinken zu lassen. Admer Nem, mit str�hnigem Haar und einer gelblich angelaufenen Schwellung um das eine Auge, stand an der einen Seite, zusammen mit einem halben Dutzend genauso kr�ftiger Br�der und Cousins und ihren Frauen, alle mit dem besten Wams und die Frauen mit wei�en Sch�rzen angetan. Die Bauern musterten die drei Gefangenen mit einer Mischung aus Zorn und Befriedigung, die Min den Magen umdrehte. Allerdings waren die Blicke der Bauersfrauen schlimmer als die der M�nner: Purer Ha� schlug ihnen da entgegen. An den �brigen W�nden des Schankraums standen die Dorfbewohner in Sechserreihen, alle zur Arbeit gekleidet, die sie unterbrochen hatten, um hier zu erscheinen. Der Schmied trug noch seinen Lederschurz und einige der Frauen hatten die �rmel hochgekrempelt, und an ihren Armen klebte noch Mehl. Der Raum war erf�llt von ihrem Schwatzen. Die Alten redeten mindestens genausoviel wie die wenigen anwesenden Kinder, und aller Blicke waren genau wie die der Nems auf die drei Frauen gerichtet. Min hatte das Gef�hl, sie seien in etwa die gr��te Sensation, die Korequellen jemals erlebt hatte. Einmal schon hatte sie eine Menschenmenge in diesem Erregungszustand erlebt. Das war bei einer Hinrichtung gewesen.</p><p>Man hatte alle Tische entfernt, bis auf einen, der vor dem gro�en, gemauerten Kamin stand. Hier sa� ein breitgesichtiger, st�mmiger Mann mit dicken grauen Str�hnen im Haar und einem gutgeschnittenen Wams aus gr�ner Seide bekleidet und blickte sie, die H�nde vor sich auf der Tischplatte gefaltet, an. Daneben stand eine schlanke Frau, etwa gleichen Alters in einem vornehmen grauen Wollkleid, dessen Halsausschnitt mit wei�en Blumenstickereien eingefa�t war. Wohl der Herr dieser Gegend mit seiner Gattin, vermutete Min � Landadel, der meist nicht besser wu�te, was in der Welt vor sich ging, als die P�chter und Kleinbauern.</p><p>Die W�chter f�hrten sie vor den Tisch des Lords und traten dann in die Zuschauermenge zur�ck. Die grau gekleidete Frau trat vor und das Gemurmel erstarb.</p><p>�Alle hier Anwesenden, h�rt und leiht mir Euer Ohr�, verk�ndete die Frau, �denn heute wird Lord Gareth Bryne Gerechtigkeit walten lassen. Gefangene, Ihr wurdet gerufen, um das Urteil von Lord Bryne zu empfangen.� Also war sie zumindest nicht Lady Bryne, sondern vielleicht nur irgendeine Beamtin. Gareth Bryne? Soweit sich Min noch erinnerte, war er Generalhauptmann der K�niglichen Garde in Caemlyn gewesen; falls dies derselbe Mann war. Sie blickte zu Siuan hin�ber, doch die hatte den Blick auf die breiten Holzbohlen des Fu�bodens gesenkt und blickte nicht auf. Wer er auch sei, dieser Bryne jedenfalls wirkte m�de.</p><p>�Ihr werdet beschuldigt�, fuhr die Frau in Grau fort, �nachts unerlaubt fremdes Eigentum betreten zu haben, dazu der Brandstiftung, der Zerst�rung eines Geb�udes und dessen, was es enthielt, der T�tung von wertvollem Viehbestand, des k�rperlichen Angriffs auf die Person von Admer Nem und des Diebstahls einer B�rse, die Gold und Silberm�nzen enthalten haben soll. Es wird angenommen, da� der Angriff und der Diebstahl das Werk Eures entflohenen Begleiters waren, aber unter dem Gesetz seid auch Ihr drei gleicherma�en verantwortlich und m��t daf�r belangt werden.�</p><p>Sie legte eine Pause ein, damit auch alle ihre Worte begriffen, und Min tauschte einen bedauernden Blick mit Leane. Logain mu�te auch unbedingt etwas stehlen, um das Durcheinander noch zu vergr��ern! Er war wohl mittlerweile auf halbem Weg nach Murandy, wenn nicht noch weiter weg.</p><p>Einen Augenblick sp�ter begann die Frau von neuem: �Eure Ankl�ger befinden sich hier, um Euch gegen�berzutreten.� Sie deutete auch die Gruppe der Nems. �Admer Nem, Ihr werdet nun Eure Aussage machen.�</p><p>Der kr�ftige Mann schob sich vorw�rts, einerseits aufgeblasen vor Wichtigtuerei, andererseits aber sichtlich nerv�s. Er zupfte an seinem Wams herum, dessen Holzkn�pfe mit M�he seinen Bauch zur�ckhielten, und dann fuhr er sich mit den H�nden durch sein d�nnes Haar, das ihm immer wieder ins Gesicht fiel. �Wie ich schon sagte, Lord Gareth, war es also so...�</p><p>Er berichtete einigerma�en klar und ohne Abschweifungen, wie er sie auf dem Heuboden entdeckt und zum Gehen aufgefordert hatte. Allerdings machte er Logain beinahe einen Fu� gr��er, als er tats�chlich war, und aus dem einzigen Schlag des Mannes machte er eine Rauferei, in der er � Nem � genausoviel ausgeteilt wie abbekommen habe. Die Laterne fiel um, das Heu brannte lichterloh, und der Rest der Familie st�rzte aus dem Bauernhaus in die beginnende D�mmerung hinaus. Man packte die Gefangenen, und die Scheune brannte bis zum Grund ab. Dann entdeckte man den Verlust der B�rse, die sich im Haus befunden hatte. Er streifte den Teil des Berichts lediglich ganz kurz, als der Dienstmann Lord Brynes vorbeigeritten war, w�hrend einige Familienmitglieder gerade Seile geholt und die �ste der umstehenden B�ume pr�fend be�ugt hatten.</p><p>Als er schlie�lich erneut bei der Rauferei landete und diesmal gar zu gewinnen schien, unterbrach ihn Bryne: �Das gen�gt schon, Meister Nem. Ihr k�nnt zur�cktreten.�</p><p>Statt dessen trat jedoch eine der Nemfrauen � typisch rundes Gesicht und etwa gleichalt wie Nem, vermutlich seine Frau � zu ihm hin. Rund war ihr Gesicht wohl, doch es wirkte nicht weich: rund wie eine Bratpfanne oder ein Flu�kiesel und rot vor Zorn. �La�t nur diese Schlampen t�chtig auspeitschen, Lord Gareth, ja? La�t sie t�chtig auspeitschen und dann r�dern, bis sie nach Jornhill gerollt sind!�</p><p>�Niemand hat Euch zu sprechen aufgerufen, Maigan�, sagte die schlanke Frau in Grau in scharfem Ton. �Das hier ist eine Gerichtsverhandlung, und Petitionen sind hier nicht erw�nscht! Admer und Ihr werdet jetzt zur�cktreten. Sofort!� Sie gehorchten; Admer eine wenig eifriger als Maigan. Die graugekleidete Frau wandte sich nun Min und ihren Gef�hrtinnen zu. �Wenn Ihr w�nscht, eine Aussage zu machen, ob zu Eurer Verteidigung oder um Strafmilderung zu erbitten, dann d�rft Ihr jetzt sprechen.� In ihrer Stimme schwang keinerlei Sympathie mit, aber auch sonst kein Gef�hl.</p><p>Min erwartete, da� sich Siuan nun �u�ern werde, denn sie �bernahm ja auch sonst die F�hrung und sprach f�r die anderen, doch die r�hrte sich nicht und blickte nicht einmal auf. Statt dessen trat Leane zum Tisch hin und sah den Mann dahinter an.</p><p>Sie stand so gerade aufgerichtet da wie immer. Normalerweise bewegte sie sich durchaus grazi�s, wenn auch nicht weiter auff�llig, doch nun war aus ihrem Schritt ein Dahingleiten geworden, mit einem leicht angedeuteten H�ftschwung dazu. Irgendwie wirkten ihre H�ften und ihr Busen auff�lliger als sonst. Nicht, da� sie etwas �berm��ig betonte; man wurde sich dessen lediglich etwas mehr bewu�t als f�r gew�hnlich. �Mein Lord, wir sind drei hilflose Frauen, Fl�chtlinge vor den St�rmen, die �ber die Welt fegen.� Ihr knapper, gesch�ftsm��iger Tonfall war verschwunden. Nun klang ihre Stimme wie eine samtige Liebkosung. In ihren dunklen Augen leuchtete etwas wie eine unterschwellige Herausforderung. �Mittellos und verirrt suchten wir Unterschlupf in Meister Nems Scheune. Ich wei�, da� es nicht gut war, aber wir f�rchteten die Nacht.� Eine kleine Geste nur � halb erhobene H�nde, die Innenseiten ihrer Handgelenke Bryne zugewandt � lie� sie einen Moment lang v�llig hilflos erscheinen. Allerdings nur einen Moment lang. �Der Mann Dalyn war an sich ein Fremder f�r uns, ein Mann, der uns seinen Schutz anbot. Heutzutage m�ssen alleinstehende Frauen einen Besch�tzer haben, mein Lord, doch ich f�rchte, wir haben eine schlechte Wahl getroffen.� Ihre Augen weiteten sich. Ein hilfesuchender Blick sagte ihm, er sei ein weit besserer Besch�tzer f�r sie. �Er hat tats�chlich Meister Nem angegriffen, mein Lord. Wir w�ren ansonsten geflohen oder h�tten zur Bezahlung unserer n�chtlichen Unterkunft gearbeitet.� Sie ging um den Tisch herum und kniete grazi�s neben Brynes Stuhl nieder. Die Finger ihrer einen Hand ruhten auf seinem Unterarm, w�hrend sie zu ihm aufblickte. Ein leichtes Beben schlich sich in ihre Stimme ein, doch ihr angedeutetes L�cheln w�rde wohl den Herzschlag jedes Mannes beschleunigen. �Mein Lord, wir sind eines winzig kleinen Verbrechens schuldig, aber keineswegs all dessen, wessen wir beschuldigt werden. Wir unterwerfen uns Eurer Gnade. Ich bitte Euch, mein Lord, habt Mitleid mit uns und sch�tzt uns.�</p><p>Einen langen Augenblick �ber sah ihr Bryne in die Augen. Dann r�usperte er sich laut, schob seinen Stuhl nach hinten und ging auf der anderen Seite des Tisches herum nach vorn. Unruhe breitete sich unter den Dorfbewohnern und Bauern aus. Die M�nner r�usperten sich wie ihr Lord zuvor, und die Frauen schwatzten leise vor sich hin. Bryne blieb vor Min stehen. �Wie hei�t Ihr, M�dchen?�</p><p>�Min, mein Lord.� Sie vernahm einen ged�mpften Laut aus Siuans Richtung und f�gte hastig hinzu: �Serenla Min. Jeder nennt mich nur Serenla, Lord.�</p><p>�Eure Mutter mu� eine Vorahnung gehabt haben�, murmelte er l�chelnd. Er war nicht der erste, der auf diesen Namen so reagierte. �Habt Ihr irgendeine Aussage zu machen, Serenla?�</p><p>�Nur, da� es mir sehr leid tut, Lord Gareth, und da� es wirklich nicht unsere Schuld war. Dalyn hat alles getan. Ich bitte um Gnade, Lord.� Das schien sehr schwach, verglichen mit Leanes Vorstellung, doch die war so gut gewesen, da� einfach alles daneben verblassen mu�te. Ihr fiel nichts Besseres ein. Ihr Mund war ebenso trocken wie die Stra�e drau�en. Was, wenn er sich entschlo�, sie aufzuh�ngen?</p><p>Er nickte und trat vor Siuan hin, die immer noch den Fu�boden betrachtete. So fa�te er mit der Hand unter ihr Kinn und hob ihren Kopf an, damit er in ihre Augen sehen konnte. �Und wie hei�t Ihr, M�dchen?�</p><p>Mit einem Ruck entzog Siuan ihr Kinn seinem Griff und trat einen Schritt zur�ck. �Mara, mein Lord�, fl�sterte sie. �Mara Tomanes.�</p><p>Min st�hnte leise. Siuan hatte offensichtlich Angst, und doch starrte sie gleichzeitig den Mann trotzig an. Beinahe h�tte sie erwartet, da� Siuan im n�chsten Moment von Bryne verlangte, er solle sie auf der Stelle laufen lassen. Er fragte sie statt dessen, ob sie eine Aussage machen wolle, und sie lehnte es mit einem weiteren zittrigen Fl�stern ab. Dabei sah sie ihn die ganze Zeit �ber an, als trage sie hier die Verantwortung. Ihre Zunge hatte sie unter Kontrolle, ihre Augen aber ganz gewi� nicht.</p><p>Nach einer Weile wandte sich Bryne ab. �Nehmt wieder Euren Platz bei Euren Freundinnen ein, M�dchen�, sagte er zu Leane, als er zu seinem Stuhl zur�ckkehrte. Sie schlo� sich den beiden anderen mit offener Entt�uschung im Blick an. Auch ein wenig Gereiztheit schien Min in diesem Blick zu liegen.</p><p>�Ich habe meine Entscheidung getroffen�, sagte Bryne in den Raum hinein, ohne jemanden direkt anzusprechen. �Die Verbrechen sind ernst zu nehmen, und nichts von dem, was ich geh�rt habe, �ndert etwas daran. Wenn sich drei M�nner in das Haus eines anderen einschleichen, um seine Kerzenhalter zu stehlen, und einer davon greift auch noch den Eigent�mer an, dann sind alle drei in gleichem Ma�e schuldig. Es mu� eine Entsch�digung geben. Meister Nem, ich werde Euch die Kosten ersetzen, damit Ihr eure Scheune wieder aufbauen k�nnt, und dazu noch den Preis von sechs Milchk�hen.� Die Augen des kr�ftigen Bauern begannen zu strahlen, bis Bryne hinzuf�gte: �Caralin wird Euch auszahlen, sobald sie sich von den Kosten und Preisen �berzeugt hat. Einige Eurer K�he gaben keine Milch mehr, wie ich h�rte.� Die schlanke Frau in Grau nickte befriedigt. �F�r die Beule an Eurem Kopf gew�hre ich Euch eine Silbermark. Beklagt Euch nicht�, sagte er streng, als Nem den Mund �ffnete. �Maigan hat Euch schon schlimmere Beulen geschlagen, weil Ihr zuviel getrunken habt.� Gel�chter machte sich unter den Zuschauern breit, und das wurde auch durch Nems teils schuldbewu�tes, aber zorniges Funkeln nicht ged�mpft. Ja, der Blick, den Maigan ihrem Mann zuwarf, sorgte wom�glich noch f�r mehr Heiterkeit. �Ich werde auch den Betrag in der gestohlenen B�rse ersetzen. Sobald Caralin unwiderruflich festgestellt hat, wieviel darin war.� Nem und seine Frau erschienen diesmal in gleichem Ma�e ver�rgert, aber sie hielten den Mund. Es war eindeutig, da� er ihnen soviel zuerkannt hatte, wie es ihm richtig erschien, und nichts mehr hinzuf�gen werde. In Min keimte wieder Hoffnung auf.</p><p>Bryne st�tzte die Ellbogen auf den Tisch und wandte seine Aufmerksamkeit Min und den anderen beiden zu. Seine bed�chtigen Worte verursachten ihr Magenkr�mpfe. �Ihr drei werdet f�r mich arbeiten, und zwar zum normalen Lohn f�r die Euch zugewiesenen Arbeiten, bis der von mir angeordnete Betrag wieder zur�ckverdient ist. Haltet mich nicht f�r milde. Falls Ihr einen Eid ablegt, der mich zufriedenstellt, k�nnt Ihr unbewacht in meinem Herrenhaus arbeiten. Falls nicht, bedeutet das f�r Euch Feldarbeit, wo Euch immer jemand im Auge hat. Die L�hne daf�r sind niedriger, aber Ihr habt die Wahl.�</p><p>Verzweifelt zerbrach sie sich den Kopf nach dem schw�chsten Eid, mit dem sie hier noch durchk�me. Sie ha�te normalerweise, ihr Wort zu brechen, aber sie hatte vor, davonzulaufen, sobald sich eine passende Gelegenheit b�te. Allerdings wollte sie auch keinen zu schlimmen Meineid auf dem Gewissen haben.</p><p>Auch Leane schien nach einer L�sung zu suchen, aber Siuan z�gerte kaum. Sie kniete nieder und faltete die H�nde �ber dem Herz. Ihr Blick ruhte fest in dem Brynes, und die Herausforderung darin war kein bi�chen schw�cher geworden. �Beim Licht und bei meiner Hoffnung auf Rettung und Wiedergeburt schw�re ich, Euch auf jede Art zu dienen, wie Ihr es f�r notwendig haltet und solange Ihr es verlangt, sonst soll der Sch�pfer auf ewig sein Antlitz von mir wenden und die Dunkelheit meine Seele verschlingen.� Sie sprach schwer atmend und im Fl�sterton, doch ihre Worte riefen Totenstille hervor. Es gab keinen st�rkeren Eid, au�er h�chstens demjenigen, mit dem eine Frau zur Aes Sedai gemacht wurde und an den die Eidesrute sie band, als sei er ein Teil ihrer selbst.</p><p>Leane starrte Siuan an. Dann lag auch sie auf den Knien. �Beim Licht und meiner Hoffnung auf Rettung und Wiedergeburt... �</p><p>Min dachte krampfhaft nach und suchte nach einem Ausweg. Wenn sie einen weniger bedeutsamen Eid schwor als die anderen, w�rde sie bestimmt auf die Felder geschickt. Dann stand sie dauernd unter Beobachtung. Aber dieser Eid... Man hatte sie gelehrt, da� in diesem Fall ein Meineid nicht viel weniger bedeutete als ein Mord. Doch sie fand einfach keinen Ausweg. Entweder dieser Eid, oder vielleicht jahrelang den ganzen Tag �ber auf dem Feld schuften und nachts m�glicherweise auch noch eingeschlossen werden. So sank sie neben den beiden anderen Frauen auf die Knie und murmelte die Eidesformel. In ihr war alles aufgew�hlt. <emphasis>Siuan, du bist v�llig verr�ckt geworden! Wo hast du mich jetzt hineingezogen?</emphasis></p><p><emphasis>Ich kann nicht hierbleiben! Ich mu� zu Rand! Oh, Licht, hilf mir!</emphasis></p><p>�Also�, hauchte Bryne, als das letzte Wort gefallen war, �das hatte ich nicht erwartet. Aber es reicht ganz sicher aus. Caralin, w�rdet Ihr euch mit Meister Nem zusammensetzen und herausfinden, wie hoch er seinen Verlust beziffert? Und la�t alle bis auf diese drei nun aus dem Raum entfernen, bitte. K�nnt Ihr auch daf�r sorgen, da� man sie zum Herrenhaus bringt? Unter diesen Umst�nden halte ich eine Bewachung f�r �berfl�ssig.�</p><p>Die schlanke Frau warf ihm einen frustrierten Blick zu, doch nach kurzer Zeit hatte sie die Menschenmenge dazu gebracht, den Raum in einem wilden Durcheinander zu verlassen. Admer Nem und seine m�nnliche Verwandtschaft hielten sich bei ihr auf und warteten. Auf seinem Gesicht stand ganz deutlich die Gier geschrieben. Die Nemfrauen wirkten ein bi�chen weniger raffgierig, aber sie warfen daf�r Min und den anderen beiden, die nach wie vor am Boden knieten, noch ein paar b�se Blicke zu. Min glaubte ohnehin, da� ihre Beine sie nicht mehr tragen w�rden, so schwach f�hlte sie sich. In ihrem Verstand drehte sich alles um die gleichen S�tze: <emphasis>Oh, Siuan, warum nur? Ich kann doch nicht hierbleiben! Ich kann nicht!</emphasis></p><p>�Wir haben hier nicht viele Fl�chtlinge zu sehen bekommen�, sagte Bryne, als die letzten der Dorfbewohner weg waren. Er lehnte sich auf seinem Stuhl zur�ck und musterte sie. �Und ganz sicher kein so eigenartiges Trio wie Euch. Eine Domani. Eine aus Tear?� Siuan nickte knapp. Sie und Leane erhoben sich. Die schlanke Frau mit der kupferfarbenen Haut strich sich sanft den Staub von den Knien, w�hrend Siuan einfach dastand. Min schaffte es schlie�lich, ebenfalls aufzustehen, aber mit sehr weichen Knien. �Und Ihr, Serenla.� Wieder stand auf seinem Gesicht ein Anflug von L�cheln, als er ihren Namen aussprach. �Irgendwo aus dem Westen Andors, wenn ich Euren Dialekt richtig einordne.�</p><p>�Baerlon�, stammelte sie und bi� sich zu sp�t auf die Zunge. Vielleicht wu�te jemand, da� Min aus Baerlon stammte.</p><p>�Ich habe aus dem Westen doch gar nichts Beunruhigendes geh�rt, was die Menschen zum Fliehen bringen k�nnte�, kommentierte er in erstauntem Ton. Als sie aber schwieg, lie� er es damit bewenden. �Nachdem Ihr eure Schuld abgearbeitet habt, k�nnt Ihr gern in meinen Diensten verbleiben. Das Leben ist oft sehr schwer f�r Menschen, die ihr Heim verloren haben, und selbst der Schlafplatz einer Dienstmagd ist noch besser, als unter einem Busch schlafen zu m�ssen.�</p><p>�Vielen Dank, Eure Lordschaft�, sagte Leane einschmeichelnd, und sie machte einen so grazi�sen Knicks, da� es selbst bei ihrem grobgewebten Reitkleid wirkte, als sei es Teil eines Tanzes. Mins Echo klang bleiern und sie vertraute ihrer Standfestigkeit nicht genug, um einen Knicks zu wagen. Siuan stand da, sah ihn an und sagte nichts.</p><p>�Wie schade, da� Euer Begleiter die Pferde mitgenommen hat. Vier Pferde w�rde Eure Schulden um einiges reduzieren.�</p><p>�Er war ein Fremder und ein Schurke dazu�, sagte Leane zu ihm, und ihre Stimme klang, als sage sie ihm etwas sehr Intimes. �Was mich betrifft, bin ich nur zu froh, Euren Schutz gegen den Seinen zu tauschen, mein Lord.�</p><p>Bryne betrachtete sie � anerkennend, wie Min meinte �, doch alles, was er sagte, war: �Zumindest werdet Ihr im Herrenhaus vor den Nems sicher sein.�</p><p>Er bekam keine Antwort darauf. Min dachte sich, da� der Unterschied nicht gerade gro� sei, ob man nun in Brynes Herrenhaus den Fu�boden schrubbte oder im Bauernhaus der Nems. <emphasis>Wie komme ich hier nur heraus? Licht, wie blo�?</emphasis></p><p>Das Schweigen dehnte sich. Lediglich das Ger�usch von Brynes Fingern war zu h�ren, mit denen er auf den Tisch trommelte. Man h�tte glauben k�nnen, er wisse einfach nicht, was er sagen sollte, doch Min glaubte nicht, da� dieser Mann je aus dem Gleichgewicht kam. Eher war er leicht erz�rnt dar�ber, da� au�er Leane keine von ihnen Dankbarkeit zeigte. Sie sch�tzte, von seiner Warte aus gesehen h�tte das Urteil durchaus viel strenger ausfallen k�nnen. Vielleicht hatten sich Leanes hei�e Blicke und ihre stimmlichen Streicheleinheiten doch ausgewirkt, aber Min w�nschte sich trotzdem, die Frau w�re dieselbe geblieben wie vorher. An den Armen auf dem Dorfplatz aufgeh�ngt zu werden w�re noch besser als dies jetzt.</p><p>Endlich kehrte Caralin zur�ck, wobei sie in sich hineingrollte. Es klang �u�erst spitz, als sie Bryne berichtete: �Es wird Tage dauern, aus den Nems ehrliche Antworten herauszukriegen, Lord Gareth. Admer h�tte am liebsten f�nf neue Scheunen und f�nfzig K�he, wenn ich ihm freie Hand lie�e. Ich glaube wohl, da� da tats�chlich eine Geldb�rse war, aber wieviel sich drin befand... � Sie sch�ttelte den Kopf und seufzte. �Ich werde es schon noch herausfinden. Joni ist jedenfalls bereit, diese M�dchen zum Herrenhaus zu bringen, falls Ihr mit ihnen fertig seid.�</p><p>�Bringt sie weg, Caralin�, sagte Bryne und erhob sich. �Wenn Ihr sie weggebracht habt, kommt zu mir in die Ziegelei.� Er klang nun wieder ersch�pft. �Dieser Haren sagt, er brauche mehr Wasser, wenn er weiterhin Ziegel machen soll, und das Licht allein wei�, woher ich ihm das besorgen kann.� Er schritt aus dem Schankraum, als habe er die drei Frauen vergessen, die eben erst geschworen hatten, ihm zu dienen.</p><p>Joni stellte sich als der breit gebaute Mann mit der Halbglatze heraus, der sie aus dem Schuppen geholt hatte. Er wartete vor der Schenke neben einem hochr�drigen, mit einer Zeltplane bedeckten Karren und einem mageren braunen Pferd zwischen den Deichseln. Ein paar Dorfbewohner standen herum, um ihre Abfahrt zu beobachten, aber die meisten schienen wieder nach Hause gegangen zu sein, um sich nicht l�nger als notwendig dieser Hitze auszusetzen. Gareth Bryne befand sich bereits ein gutes St�ck weiter unten auf der Lehmstra�e.</p><p>�Joni wird Euch sicher zum Herrenhaus bringen�, sagte Caralin. �Tut, was man Euch auftr�gt, und Ihr werdet sehen, da� Euer Leben keineswegs schwer sein wird.� Einen Augenblick lang musterte sie die drei absch�tzend. Ihre dunklen Augen blickten beinahe so scharf drein wie die Siuans. Dann nickte sie zufrieden und eilte hinter Bryne her.</p><p>Joni hielt ihnen die Plane am hinteren Ende des Karrens hoch, half ihnen aber nicht beim Hineinklettern. Sie suchten sich ihre Sitzpl�tze auf dem Holzboden des Gef�hrts. Es war nicht einmal eine Handvoll Stroh zum Auspolstern vorhanden, und unter der schweren Plane staute sich die Hitze. Er sagte kein Wort. Der Karren schaukelte, als er auf den Bock kletterte. Die Plane war vorn geschlossen und deshalb konnten sie ihn nicht sehen. Min h�rte, wie er dem Pferd zuschnalzte, und dann setzte sich das Gef�hrt schlingernd in Bewegung. Die R�der quietschten leicht, wenn sie gelegentlich �ber Schlagl�cher fuhren.</p><p>Der Spalt in der Plane hinten war gerade breit genug, da� Min beobachten konnte, wie sich hinter ihnen das Dorf entfernte, bis es ihrem Blick schlie�lich entschwand. Es wurde ersetzt durch Reihen von Hecken und eingez�unte Felder. Sie war immer noch zu bet�ubt, um mit den anderen zu sprechen. Siuans gro�artige Lebensaufgabe endete damit, da� sie T�pfe und Fu�b�den schrubbten. Sie h�tte dieser Frau niemals helfen oder sie gar begleiten d�rfen. Statt dessen h�tte sie bei der ersten Gelegenheit nach Tear reiten sollen.</p><p>�Na also�, sagte Leane mit einemmal, �das hat sich heute ja gar nicht so schlecht entwickelt.� Sie sprach wieder in dem �blichen knappen Tonfall, doch etwas Erregung � freudige Erregung! � schwang darin mit, und ihre Wangen waren ger�tet. �Es h�tte besser laufen k�nnen, aber mit mehr �bung klappt das schon.� Ihr leises Lachen klang schon beinahe wie Kichern. �Es war mir �berhaupt nicht klar, wieviel Spa� so etwas machen kann. Als ich sp�rte, wie sich sein Pulsschlag beschleunigte... � Einen Augenblick hielt sie ihre Hand genauso, wie sie sie auf Brynes Unterarm gelegt hatte. �Ich habe mich wohl noch nie so lebendig, so wach gef�hlt. Tante Resara hat ja immer behauptet, die Jagd auf M�nner mache mehr Spa� als die Falkenbeiz, aber das hatte ich bis heute nie richtig verstanden.�</p><p>Min hielt sich m�hsam fest, um das Schwanken des Karrens auszugleichen, und blickte Leane mit gro�en Augen an. �Ihr m��t verr�ckt geworden sein�, sagte sie schlie�lich. �F�r wie viele Jahre haben wir unseren Diensteid geschworen? Zwei? F�nf? Ich sch�tze, Ihr hofft, da� Ihr sie mehr oder weniger auf Gareth Brynes Scho� verbringen werdet? Also, ich hoffe ja, er wird Euch statt dessen �bers Knie legen! Und zwar jeden Tag!� Leanes �berraschter Gesichtsausdruck reichte nicht, um ihre Laune zu verbessern. Erwartete sie von Min, da� sie alles genauso ruhig hinnehmen werde wie sie selbst? Aber eigentlich war Min ja nicht auf Leane so w�tend. So drehte sie sich zur Seite und funkelte Siuan zornig an. �Und Ihr! Wenn Ihr euch entschlie�t, aufzugeben, dann tut Ihr das wohl in ganz gro�em Stil! Dann spielt Ihr gleich das Schlachtopfer. Warum habt Ihr ausgerechnet <emphasis>diesen</emphasis> Eid gew�hlt? Licht, warum?�</p><p>Siuan entgegnete: �Weil genau der der einzige Eid war, bei dem ich sicher sein konnte, da� man uns danach nicht Tag und Nacht unter Bewachung halten w�rde, ob wir nun im Herrenhaus sind oder woanders.� Sie streckte sich auf den rauhen Planken des Karrenbodens ein wenig aus und lie� alles so selbstverst�ndlich klingen, als sei es das Einfachste auf der Welt. Und Leane schien vollkommen mit ihr �bereinzustimmen.</p><p>�Ihr habt vor, meineidig zu werden�, sagte Min nach einem Augenblick des erschrockenen �berlegens. Es kam als ver�ngstigtes Fl�stern heraus, und dabei blickte sie noch besorgt die Plane an, hinter der Joni verborgen sa�. Sie glaubte aber nicht, da� er es geh�rt haben konnte.</p><p>�Ich werde tun, was sein mu߫, sagte Siuan mit fester Stimme, wenn auch leise. �In zwei oder drei Tagen, wenn ich sicher sein kann, da� sie uns auch wirklich nicht mehr kontrollieren, fliehen wir. Ich f�rchte, wir m�ssen Pferde stehlen, da unsere eigenen weg sind. Bryne d�rfte gute Stallungen haben. Das werde ich bedauern.� Und Leane sa� einfach nur da wie eine Katze mit Sahne auf den Schnurrbarthaaren. Ihr mu�te dieser Plan von Anfang an klargewesen sein. Deshalb hatte sie nicht gez�gert, den Eid abzulegen.</p><p>�Ihr w�rdet es bedauern, Pferde zu stehlen?� fragte Min heiser und sarkastisch. �Ihr plant, einen Eid zu brechen, den jeder bis auf einen Schattenfreund einhalten w�rde, und dann bedauert Ihr es, Pferde zu stehlen? Ich kann Euch beiden einfach nicht folgen. Ich <emphasis>kenne</emphasis> Euch beide ja �berhaupt nicht!�</p><p>�Wollt Ihr im Ernst hierbleiben und T�pfe auskratzen?� fragte Leane mit ebenso leiser Stimme. �Und das, obwohl Rand dort drau�en ist und Euer Herz in der Tasche tr�gt?�</p><p>Min starrte schweigend und zornig vor sich hin. Sie w�nschte, die beiden h�tten niemals herausbekommen, da� sie Rand al'Thor liebte. Manchmal w�nschte sie sich, ihr selbst w�re das niemals klar geworden. Ein Mann, dem kaum bewu�t war, da� es sie gab! Was er jetzt nicht mehr war, schien ihr genauso bedeutungsvoll, wie die Tatsache, da� er sie nie richtig beachtet hatte. Es pa�te wirklich alles zusammen. Sie h�tte gern gesagt, sie werde sich an ihren Eid halten und Rand vergessen, bis sie die Schuld abgearbeitet habe. Nur brachte sie den Mund nicht auf, um die Worte auszusprechen. <emphasis>Seng ihn! Wenn ich ihn niemals kennengelernt h�tte, w�re ich jetzt nicht in dieser Klemme!</emphasis></p><p>Als sich das Schweigen zwischen ihnen viel zu lange gehalten hatte, was Min unangenehm ber�hrte, und nur das rhythmische Quietschen der R�der und das ged�mpfte Hufegeklapper des Pferdes zu h�ren war, sagte Siuan schlie�lich: �Ich habe vor, zu tun, was ich geschworen habe. Nachdem ich das erledigt habe, was ich zuerst in Angriff nehmen <emphasis>mu�.</emphasis> Ich habe nicht geschworen, ihm jetzt sofort zu dienen. Ich habe mir M�he gegeben, das nicht einmal in Worten anzudeuten. Ich wei�, das ist nur eine Spitzfindigkeit, die Gareth Bryne m�glicherweise nicht einsehen wird, aber es stimmt trotzdem.�</p><p>Min sackte erschlagen in sich zusammen und lie� sich widerstandslos vom Karren durchsch�tteln. �Ihr habt vor, davonzulaufen, und dann wollt Ihr in ein paar Jahren wieder auftauchen und Euch Bryne ausliefern? Der Mann wird Eure Haut an eine Gerberei verkaufen! Unsere Haut!� Erst nachdem sie das ausgesprochen hatte, wurde ihr bewu�t, da� sie Siuans L�sung akzeptiert hatte. Weglaufen, und dann zur�ckkommen und... <emphasis>Das kann ich nicht! Ich liebe Rand. Und er w�rde es nicht einmal bemerken, falls mich Gareth Bryne den Rest meines Lebens �ber in seiner K�che schuften l��t!</emphasis></p><p>�Kein Mann, dessen Zorn man erregen sollte, da stimme ich Euch zu�, seufzte Siuan. �Ich bin ihm schon einmal begegnet. Ich hatte furchtbare Angst, da� er heute meine Stimme erkennen k�nnte. Gesichter m�gen sich �ndern, aber Stimmen nicht.� Sie ber�hrte staunend ihr eigenes Gesicht. Das war eine Angewohnheit bei ihr, die sie offensichtlich gar nicht bemerkte. �Gesichter ver�ndern sich�, murmelte sie. Dann klang ihre Stimme wieder entschlossen. �Ich habe bereits einen hohen Preis f�r das bezahlt, was ich tun mu�te, und ich werde auch diesen zahlen. Irgendwann einmal. Wenn Ihr die Wahl habt, entweder zu ertrinken oder auf einem Hai zu reiten, dann reitet Ihr eben und hofft, es werde gut gehen. Mehr ist da nicht dran, Serenla.�</p><p>�Ich w�rde eine Zukunft als Dienerin nicht gerade freiwillig erw�hlen�, sagte Leane, �aber es liegt nun einmal in der Zukunft, und wer wei�, was bis dahin alles geschieht? Ich kann mich noch zu gut daran erinnern, da� ich glaubte, ich h�tte �berhaupt keine Zukunft.� Ein leichtes L�cheln umspielte ihre Lippen, sie schlo� die Augen halb, und ihre Stimme klang wie Samt: �Au�erdem glaube ich nicht, da� er unsere Haut zu Markte tragen wird. La�t mich ein paar Jahre �bung haben und gebt mir dann wenige Minuten mit Lord Gareth Bryne. Dann wird er uns mit offenen Armen empfangen und uns in seinen besten Zimmern einquartieren. Er wird uns mit Seide bedecken und uns seine Kutsche anbieten, um damit zu fahren, wohin wir nur wollen.�</p><p>Min lie� ihr diesen Traum. Manchmal glaubte sie, die beiden anderen Frauen lebten in Traumwelten. Dann fiel ihr etwas anderes ein. Nur eine Kleinigkeit, doch es begann, sie zu irritieren. �Ach, Mara, sagt mir bitte etwas. Ich habe bemerkt, da� manche Leute l�cheln, wenn Ihr mich mit meinem Namen ansprecht. Serenla. Bryne hat gel�chelt und er sagte etwas davon, da� meine Mutter wohl eine Vorahnung gehabt habe. Warum?�</p><p>�In der Alten Sprache�, antwortete Siuan, �bedeutet das �halsstarrige Tochter�. Euch haftete ja auch eine gewisse Sturheit an, als wir uns kennenlernten. Eine ziemlich gro�e Portion sogar.� Und das von Siuan! Siuan, die sturste Frau der ganzen Welt! Ihr L�cheln war beinahe so breit wie ihr Gesicht. �Aber nat�rlich scheint es, als h�ttet Ihr gelernt. Vielleicht ben�tzt Ihr im n�chsten Dorf den Namen Chalinda. Das hei�t �s��es M�dchen�. Oder vielleicht...�</p><p>Pl�tzlich schlingerte der Karren schlimmer als je zuvor, und dann wurde er schneller, als galoppiere das Pferd kr�ftig los. Sie wurden wie Getreidek�rner auf dem Spreusieb auf und nieder geschleudert. �berrascht sahen sich die drei Frauen an. Dann stemmte sich Siuan hoch und zog die Zeltplane zur Seite, hinter der sich der Bock befand. Joni war weg. Siuan warf sich auf den Bock und griff nach den Z�geln. Sie straffte sie und brachte mit einiger M�he das Pferd zum Stehen. Min warf die Zeltplane hoch, um sich umzusehen.</p><p>Die Stra�e verlief durch ein Dickicht, beinahe schon einen kleinen Wald mit Eichen, Ulmen, Kiefern und Lederblattb�umen. Der Staub, den ihr kurzer Galopp aufgewirbelt hatte, legte sich gerade langsam. Einiges davon fiel auf Joni, der mehr als sechzig Schritt entfernt neben der harten Lehmstra�e leblos auf dem Boden lag. Instinktiv sprang Min hinunter und rannte zu ihm hin. Sie kniete neben dem gro�en, kr�ftigen Mann nieder. Er atmete wohl, aber seine Augen waren geschlossen, und um eine blutende Kopfwunde an der Seite schwoll die Haut bereits zu einer dunkelroten Beule an.</p><p>Leane schubste sie beiseite und betastete mit selbstbewu�ter Geste seinen Kopf. �Er wird es �berleben�, sagte sie knapp. �Er scheint sich nichts gebrochen zu haben, aber wenn er aufwacht, wird er noch tagelang Kopfschmerzen haben.� Sie setzte sich auf die Fersen zur�ck, faltete die H�nde und sagte mit trauriger Stimme: �Ich kann ohnehin nichts f�r ihn tun. Verdammt, ich hatte mir doch vorgenommen, deshalb nicht mehr zu weinen.�</p><p>�Die Frage ist...� Min mu�te schlucken und begann noch einmal: �Die Frage ist, ob wir ihn auf den Karren laden und zum Herrenhaus bringen, oder ob wir... fliehen?� <emphasis>Licht, ich bin auch nicht besser als Siuan!</emphasis></p><p>�Wir k�nnten ihn bis zum n�chsten Bauernhof bringen�, schlug Leane bed�chtig vor.</p><p>Siuan kam zur�ck und f�hrte das Pferd, als habe sie Angst, von dem friedlichen Tier gebissen zu werden. Ein Blick auf den Mann am Boden, und sie runzelte die Stirn. �Die Wunde stammt nicht von einem Sturz vom Kutschbock. Ich sehe hier weder eine Wurzel, noch einen Stein, der das verursacht haben k�nnte.� Sie begann, den Wald in ihrer Umgebung abzusuchen, und da ritt auch schon ein Mann auf einem gro�en, schwarzen Hengst unter den B�umen hervor. Er f�hrte drei Stuten an der Leine, eine davon zerzaust und um zwei Handbreit kleiner als die anderen.</p><p>Es war ein hochgewachsener Mann in einem blauen Seidenwams, dunkel im Teint und gut aussehend, wenn sein Gesicht auch eine H�rte aufwies, als habe ihn ein Ungl�ck tief verbittert. Und er war der allerletzte, den Min zu sehen erwartet hatte.</p><p>�Ist das Euer Werk?� wollte Siuan von ihm wissen.</p><p>Logain l�chelte, als er sein Pferd neben dem Karren zum Stehen brachte. Es lag allerdings wenig Heiterkeit in diesem L�cheln. �Eine Schleuder ist etwas sehr N�tzliches, Mara. Ihr habt Gl�ck, da� ich hier bin. Ich hatte erwartet, da� Ihr erst in ein paar Stunden das Dorf verla�t und dann wohl kaum zu Gehen imstande w�rt. Der hiesige Lord war also nachsichtig, wie es scheint.� Mit einemmal wurde sein Gesichtsausdruck noch d�sterer, und seine Stimme klang rauh und steinern. �Habt Ihr geglaubt, ich w�rde Euch eurem Schicksal �berlassen? Vielleicht h�tte ich das tun sollen. Ihr habt mir einiges versprochen, Mara. Ich will die Rache, die Ihr mir verspracht. Ich bin Euch auf dieser Suche auf dem halben Weg zum Meer der St�rme gefolgt, obwohl Ihr mir den Zweck dieser Reise nicht verratet. Ich habe Euch nicht gefragt, wie Ihr es anstellen wollt, mir zu geben, was Ihr verspracht. Aber eines sage ich Euch jetzt: Eure Zeit l�uft langsam ab. Beendet Eure Suche bald und haltet Eure Versprechen, sonst gehe ich und lasse Euch allein weitersuchen. Ihr werdet schnell herausfinden, da� die meisten Dorfbewohner wenig Sympathie f�r mittellose Fremde empfinden. Drei h�bsche Frauen ganz allein? Dieser Anblick...� � er ber�hrte dabei das Schwert an seiner H�fte � �... hat Eure Sicherheit schon �fter gew�hrleistet, als Euch klar ist. Findet bald, was Ihr sucht, Mara.�</p><p>Zu Anfang ihrer Reise war er nicht so arrogant gewesen. Damals war er ganz dem�tig und dankbar f�r <emphasis>ihre</emphasis> Hilfe gewesen � jedenfalls so dem�tig, wie ein Mann von der Art Logains sein konnte. Es schien, da� die Zeit und der Mangel an Ergebnissen seine Dankbarkeit gemindert habe.</p><p>Siuan aber wich vor seinem Blick keineswegs zur�ck. �Ich hoffe doch�, sagte sie entschlossen. �Doch wenn Ihr zu gehen w�nscht, dann la�t unsere Pferde da und geht! Wenn Ihr nicht rudern wollt, dann springt aus dem Boot und schwimmt allein weiter. Seht nur zu, wie weit Ihr allein mit Euren Rachepl�nen kommt.�</p><p>Logains gro�e H�nde verkrampften sich um die Z�gel, bis Min h�rte, wie seine Gelenke vor Anstrengung knackten. Er bebte, weil er sich so beherrschen mu�te. �Ich bleibe noch eine Weile bei Euch, Mara�, sagte er schlie�lich. �Eine kleine Weile noch.�</p><p>Vor Mins Augen flammte einen Augenblick lang um seinen Kopf eine Aura auf, eine strahlende Krone in Gold und Blau. Siuan und Leane sahen nat�rlich nichts, obwohl sie wu�ten, wozu Min f�hig war. Manchmal hatte sie Visionen bei Menschen entweder Bilder oder solche Auren. Und manchmal wu�te sie sogar, was sie zu bedeuten hatten. Diese Frau w�rde heiraten. Dieser Mann w�rde sterben. Kleinigkeiten oder auch gro�e Ereignisse, ob gut oder schlimm, aber nie hatte sie eine Ahnung, bei wem, wo und wann sie etwas sehen w�rde. Aes Sedai und Beh�ter hatten immer eine Aura um sich; die meisten anderen Menschen niemals. Das Wissen um solche Schicksale machte sie nicht immer gl�cklich.</p><p>Sie hatte Logains Aura schon fr�her gesehen und wu�te, was sie bedeutete: kommenden Ruhm. Aber bei ihm, vielleicht noch mehr als bei allen anderen M�nnern, ergab das keinen rechten Sinn. Sein Pferd, das Schwert und das Wams hatte er beim W�rfelspiel gewonnen, aber Min war nicht sicher, wie ehrlich diese Spiele gewesen waren. Er besa� sonst nichts und hatte keine Zukunft vor sich, au�er in Siuans Versprechungen, und wie wollte sie die jemals halten? Sein Name bedeutete mit hoher Wahrscheinlichkeit auch sein Todesurteil. Es ergab einfach keinen Sinn.</p><p>Logains Humor kehrte ebenso schnell zur�ck, wie er vorher verflogen war. Er zog eine pralle, grobgewebte Geldb�rse aus seiner G�rteltasche und hielt sie ihnen entgegen. �Ich bin �ber ein paar M�nzen gestolpert. Wir m�ssen die n�chste Zeit �ber nicht mehr in Scheunen schlafen.�</p><p>�Wir haben davon geh�rt�, sagte Siuan trocken. �Ich sch�tze, ich h�tte von Euch nichts Besseres erwarten sollen.�</p><p>�Nehmt es als Beitrag f�r Eure Suche.� Sie streckte die Hand nach der B�rse aus, aber er packte sie zur�ck in seine G�rteltasche, wobei er sp�ttisch grinste. �Ich will Eure Hand nicht mit gestohlenem Geld beschmutzen, Mara. Au�erdem kann ich so wenigstens sicher sein, da� <emphasis>Ihr</emphasis> nicht weglauft und <emphasis>mich</emphasis> verla�t.� Siuan sah aus, als wolle sie Eisenn�gel zerbei�en, sagte aber nichts. Logain stellte sich in die Steigb�gel und sp�hte die Stra�e hinunter in Richtung Korequellen. �Ich sehe eine Schafherde in unsere Richtung kommen. Zwei Jungen sind dabei. Es wird Zeit, da� wir reiten. Sie werden von dem hier berichten, und wenn sie noch so schnell rennen m�ssen.� Er setzte sich wieder in den Sattel und blickte auf Joni hinunter, der immer noch bewu�tlos am Boden lag. �Und sie werden dem Burschen da Hilfe bringen. Ich glaube nicht, da� ich ihn wirklich schwer verletzt habe. Dazu habe ich ihn nicht hart genug getroffen.�</p><p>Min sch�ttelte den Kopf. Der Mann �berraschte sie immer wieder. Sie h�tte nicht gedacht, da� er auch nur einen Gedanken an den Mann verschwenden werde, dem er gerade noch eins auf den Sch�del verpa�t hatte.</p><p>Siuan und Leane verloren keine Zeit. Sie kletterten in ihre hochgezogenen S�ttel � Leane auf die graue Stute, der sie den Namen Mondblume gegeben hatte, Siuan auf Bela, die kleine, zottige Stute. Bei Siuan mu�te man eher von �hinaufkrabbeln� reden. Sie war keine Reiterin. Nach Wochen im Sattel behandelte sie die friedliche Bela immer noch wie ein feuriges Schlachtro�. Leane ging m�helos und elegant mit Mondblume um. Min wu�te, da� sie selbst irgendwo dazwischen lag. So erkletterte sie Wildrose, ihre braune Stute, mit erheblich mehr Grazie als Siuan, wenn auch nicht so gewandt wie Leane.</p><p>�Glaubt Ihr, da� er uns verfolgen wird?� fragte Min, als sie in Richtung S�den lostrabten, weg von Korequellen. Sie hatte Siuan gefragt, doch Logain antwortete: �Der hiesige Lord? Ich bezweifle, da� er Euch f�r wichtig genug erachtet. Sicher wird er wohl einen Dienstmann aussenden und Eure Beschreibungen weitergeben lassen. Wir reiten eben, so weit wir k�nnen, bevor wir lagern, und morgen genauso.� Wie es schien, hatte er die F�hrung �bernommen.</p><p>�Wir sind gewi� nicht wichtig genug�, sagte Siuan, die ungeschickt in ihrem Sattel auf und ab h�pfte. Sie hatte vielleicht noch Angst vor Bela, doch der Blick, den sie Logains R�cken zuwarf, sagte, da� diese Bedrohung ihrer Autorit�t nicht lange anhalten werde.</p><p>Was sie betraf, hoffte Min inst�ndig, da� Bryne sie wirklich f�r unwichtig erachten werde. Jedenfalls solange er ihre wirklichen Namen nicht erfuhr. Logain lie� den Hengst schneller traben, und sie gab Wildrose ihre Fersen zu sp�ren, um mit ihm Schritt zu halten. Ihre Gedanken richtete sie auf die Zukunft und nicht auf die Vergangenheit.</p><p>Gareth Bryne steckte seine Handschuhe in den Schwertg�rtel und nahm seinen Samthut mit der hoch gestellten Krempe vom Schreibtisch. Der Hut entsprach der neuesten Mode in Caemlyn. Caralin hatte daf�r gesorgt. Ihm waren Moderichtungen v�llig egal, aber sie war der Meinung, er m�sse sich seinem Rang entsprechend kleiden, und deshalb legte sie morgens Samt und Seide f�r ihn bereit.</p><p>Als er den hohen Hut aufsetzte, bemerkte er sein verschwommenes Spiegelbild in einem der Fenster seines Arbeitszimmers. Es pa�te, da� es so verschwommen und d�nn wirkte. Und wenn er noch so sehr blinzelte � der graue Hut und das graue Seidenwams mit den silbernen Dekorationen an den �rmeln und am Kragen konnten einfach Helm und R�stung nicht ersetzen, an die er gew�hnt war. Doch das war nun vorbei und erledigt. Und dies jetzt... Es war nur eine Besch�ftigung f�r die unausgef�llten Stunden. Das war alles.</p><p>�Seid Ihr sicher, da� Ihr das tun wollt, Lord Gareth?�</p><p>Er wandte sich vom Fenster ab und Caralin zu, die neben ihrem eigenen Schreibtisch stand, dem seinen gegen�ber. Vor ihr lag ein ganzer Stapel von B�chern mit Abrechnungen und �hnlichem. Sie hatte in all den Jahren seiner Abwesenheit seine G�ter verwaltet, und zweifellos tat sie das viel besser, als er es vermochte.</p><p>�Wenn Ihr sie zu Admer Nem geschickt h�ttet, um ihre Schuld abzuarbeiten, wie es das Gesetz verlangt�, fuhr sie fort, �w�re das jetzt �berhaupt nicht mehr Eure Angelegenheit.�</p><p>�Aber das habe ich nicht�, sagte er zu ihr. �Und ich w�rde es nicht tun, wenn ich erneut vor derselben Entscheidung st�nde. Ihr wi�t doch genau wie ich, da� Nem und seine m�nnliche Verwandtschaft Tag und Nacht versuchen w�rden, die M�dchen zu bel�stigen. Und Maigan und die anderen Frauen w�rden ihnen das Leben zur H�lle machen, wenn nicht gar alle drei M�dchen auf einmal zuf�llig in einen Brunnen fielen und ums Leben k�men.�</p><p>�Selbst Maigan w�rde dazu keinen Brunnen benutzen�, sagte Caralin trocken, �jedenfalls nicht bei dem Wetter, das wir gerade erleben. Ja, ich sehe es ein, Lord Gareth. Aber sie haben jetzt fast einen Tag und eine Nacht lang Zeit gehabt, um in jedwede Richtung davonzulaufen. Wohin sie geflohen sind, k�nnt Ihr genauso schnell erfahren, wenn Ihr Boten aussendet. Falls sie �berhaupt auffindbar sind.�</p><p>�Thad kann sie aufsp�ren.� Thad war �ber siebzig, aber er konnte immer noch den Wind von gestern bei Mondschein �ber eine Steinebene verfolgen. Er war mehr als gl�cklich gewesen, die Ziegelei seinem Sohn zu �berlassen.</p><p>�Wenn Ihr meint, Lord Gareth.� Sie kam mit Thad nicht gut aus. �Nun ja, wenn Ihr sie zur�ckbringt, kann ich ganz sicher ihre Hilfe im Haus gebrauchen.�</p><p>Etwas an ihrem Tonfall, so nebens�chlich alles auch klang, erregte seine Aufmerksamkeit. Praktisch vom ersten Tag nach seiner R�ckkehr an hatte Caralin eine schier endlose Reihe h�bscher Dienstm�dchen und Bauernt�chter ins Herrenhaus geschleppt, die gewillt und eifrig waren, dem Lord zu helfen, sein Elend zu vergessen. �Sie sind Meineidige, Caralin. Ich f�rchte, sie m�ssen auf den Feldern schuften.�</p><p>Ein kurzes, frustriertes Anspannen ihrer Mundpartie best�tigte seinen Verdacht, doch sie behielt ihren nichtssagenden Tonfall bei. �Die anderen beiden vielleicht, Lord Gareth, aber die Sch�nheit des Domani-M�dchens w�re auf den Feldern verschwendet, w�hrend sie gut hierher passen w�rde, um bei Tisch zu bedienen. Eine au�ergew�hnlich h�bsche junge Frau. Nun, es wird selbstverst�ndlich so geschehen, wie Ihr es w�nscht.�</p><p>Also die hatte Caralin erw�hlt. Tats�chlich eine au�ergew�hnlich h�bsche junge Frau. Wenn auch auf eigenartige Weise anders als die Domanifrauen, die er kennengelernt hatte. Ein wenig z�gerlich hier, ein wenig �berhastet dort. Beinahe, als probiere sie ihre Kunst zum erstenmal. Das war nat�rlich unm�glich. Domanifrauen lehrten ihre T�chter beinahe von der Wiege an, wie man M�nner um den Finger wickelt. Sie hatte damit auch durchaus Erfolg gehabt, gab er innerlich zu. Falls Caralin sie mit den Bauernm�dchen bei ihm eingef�hrt h�tte... Bemerkenswert h�bsch.</p><p>Warum aber hatte er nicht dieses Gesicht vor Augen? Warum dachte er statt dessen an ein blaues Augenpaar? Es forderte ihn heraus, als w�nsche sie, ein Schwert in H�nden zu halten, angsterf�llt, und doch weigerte sie sich, der Angst nachzugeben. Mara Tomanes. Er war sich so sicher gewesen, da� zumindest sie ihr Wort halten werde, auch ohne einen Eid. �Ich hole sie zur�ck�, murmelte er in sich hinein. �Ich werde erfahren, warum sie meineidig wurde.�</p><p>�Wie Ihr meint, mein Lord�, sagte Caralin. �Ich hatte daran gedacht, sie als Euer Zimmerm�dchen einzusetzen. Sela wird langsam ein bi�chen zu alt, um die Treppen auf und ab zu rennen, wenn Ihr nachts etwas braucht.�</p><p>Bryne blickte sie mit gro�en Augen an. Was? Ach so. Das Domani-M�dchen. Er sch�ttelte den Kopf �ber Caralins Torheit. Aber war er selbst nicht genauso t�richt? Er war der Lord hier und sollte auch hierbleiben, um sich um das Wohlergehen seiner Untertanen zu k�mmern. Doch Caralin hatte das in all den langen Jahren viel besser getan als er, w�hrend er weg gewesen war. Er wu�te nur von Lagern und Soldaten und Feldz�gen und vielleicht ein wenig um die Intrigen am Hof. Sie hatte recht. Er sollte sein Schwert abschnallen, diesen idiotischen Hut abnehmen und Caralin ihre Beschreibungen aufschreiben lassen, um sie...</p><p>Statt dessen sagte er: �Behaltet Admer Nem und seine Familie gut im Auge. Sie werden versuchen, Euch �bers Ohr zu hauen, wie sie nur k�nnen.�</p><p>�Wie Ihr w�nscht, mein Lord.� Die Worte waren absolut respektvoll gesprochen, doch der Tonfall sagte ihm, er solle gehen und seinem Gro�vater beibringen, wie man Schafe schert. Er schmunzelte in sich hinein, als er nach drau�en ging.</p><p>Das Herrenhaus war in Wirklichkeit nicht viel mehr als ein �bergro� geratenes Bauernhaus: zwei breit ausgelegte Stockwerke aus Backstein und Naturstein unter einem Schieferdach, an die Generationen von Brynes immer wieder angebaut hatten. Das Haus Bryne besa� dieses Land � oder war von diesem Land besessen worden �, seit Andor vor tausend Jahren aus den Tr�mmern von Artur Falkenfl�gels Reich entstanden war. In all diesen Jahren seither hatte es seine S�hne ausgesandt, um in den Kriegen f�r Andor zu k�mpfen. Er w�rde keine Schlachten mehr schlagen, aber f�r das Haus Bryne war es zu sp�t. Es hatte zu viele Kriege, zu viele Schlachten gegeben. Er war der letzte von seinem Blut. Keine Frau, kein Sohn, keine Tochter. Bei ihm endete der Stammbaum. Alles mu�te einmal zu Ende sein; das Rad der Zeit drehte sich.</p><p>Zwanzig Mann warteten neben gesattelten Pferden auf dem gepflasterten Hof vor dem Herrenhaus. Zumeist waren die M�nner noch grauhaariger als er, falls sie �berhaupt noch Haare aufwiesen. Alle waren erfahrene Soldaten, fr�here Gardisten, Gruppenf�hrer und Bannertr�ger, die irgendwann im Laufe seiner Karriere unter ihm gedient hatten. Joni Shagrin, einst rangh�chster Bannertr�ger der Garde, befand sich an der Spitze. Er trug eine Bandage um die Schl�fen. Dabei wu�te Bryne ganz genau, da� seine T�chter ihre Kinder als Wachen eingestellt hatten, damit er im Bett blieb und sich erholte. Er war einer der wenigen mit Familie. Die meisten hatten sich entschlossen, lieber wieder unter Gareth Bryne zu dienen, als ihre Pension zu versaufen und dabei in Erinnerungen zu schwelgen, die sowieso nur ein anderer alter Soldat h�ren wollte.</p><p>Alle hatten Schwertg�rtel �ber die M�ntel geschnallt, und ein paar trugen lange Lanzen mit Stahlspitzen, die bis zu diesem Morgen jahrelang an einer Wand gehangen hatten. Hinter jedem Sattel war eine pralle Deckenrolle festgemacht, und die Satteltaschen beulten sich aus. Dazu hingen noch T�pfe oder Kessel und volle Wasserschl�uche daran, als h�tten sie vor, auf einen langen Feldzug zu gehen und nicht blo� eine Woche wegzureiten, um drei Frauen einzufangen, die eine Scheune in Brand gesteckt hatten. Sie sahen darin eben eine Chance, die alten Tage wiederzuerleben oder zumindest so zu tun.</p><p>Er fragte sich, ob er nicht aus dem gleichen Gef�hl heraus aufbrach. Er war doch eigentlich zu alt, um loszureiten wegen des h�bschen Augenpaars einer Frau, die jung genug war, um seine Tochter zu sein. Vielleicht sogar seine Enkelin. <emphasis>Ich bin doch kein so gro�er Narr,</emphasis> sagte er sich ganz entschlossen. Caralin konnte alles besser erledigen, wenn er ihr nicht st�ndig im Weg stand.</p><p>Ein magerer brauner Wallach kam die Eichenallee entlanggaloppiert, die bis zur Stra�e f�hrte, und der Reiter warf sich aus dem Sattel, noch bevor das Tier richtig zum Stehen gekommen war. Der Mann stolperte fast, schaffte es aber noch, die Faust zum milit�rischen Gru� ans Herz zu heben. Barim Halle, der vor Jahren unter ihm als Obergruppenf�hrer gedient hatte, war ein harter und drahtiger Mann, dessen Kopf wie ein Lederei wirkte und dessen wei�e Augenbrauen den Verlust seiner �brigen Kopfhaare vergessen machten. �Seid Ihr nach Caemlyn zur�ckgerufen worden, Generalhauptmann?� schnaufte er.</p><p>�Nein�, antwortete Bryne in etwas zu scharfem Ton. �Was soll denn das bedeuten, da� Ihr hier hereinreitet, als sei Euch die ganze Kavallerie von Cairhien auf den Fersen?� Einige der anderen Pferde begannen, herumzut�nzeln, von der Nervosit�t des Braunen angesteckt.</p><p>�Solch einen harten Ritt habe ich nur hinter mich gebracht, wenn wir <emphasis>ihnen</emphasis> auf den Fersen waren, mein Lord.� Barims Grinsen verflog, als er sah, da� der Angesprochene keineswegs lachte.</p><p>�Ja, also, mein Lord, ich habe die Pferde gesehen und ich dachte mir...� Der Mann riskierte einen weiteren Blick auf Brynes Miene und lie� das Thema sein. �Also, ich meine, ich habe auch ein paar Neuigkeiten. Ich war dr�ben in Neubr�m, um meine Schwester zu besuchen, und da habe ich eine Menge vernommen.�</p><p>Neubr�m war �lter als Andor. Das �alte� Br�m war w�hrend der Trolloc-Kriege zerst�rt worden, tausend Jahre vor Artur Falkenfl�gel. In Neubr�m konnte man immer die allerletzten Neuigkeiten und Ger�chte erfahren. Es war eine mittelgro�e Grenzstadt weit im Osten seiner G�ter an der Stra�e von Caemlyn nach Tar Valon. Trotz Morgases augenblicklicher Zur�ckhaltung Tar Valon gegen�ber war die Stra�e durch die vielen Kaufleute stark belebt. �Nun, heraus damit, Mann. Wenn es Neuigkeiten gibt, dann la�t sie h�ren!�</p><p>�Ach, ich wei� gar nicht, wo ich anfangen soll, mein Lord.� Barim richtete sich unbewu�t gerade auf, als liefere er einen Rapport ab. �Ich denke, die wichtigste Neuigkeit ist, da� Tear gefallen sei. Aielm�nner haben den Stein eingenommen, und das Unber�hrbare Schwert ist nun halt doch ber�hrt worden. Jemand hat es herausgezogen, wird behauptet.�</p><p>�Ein Aielmann hat es gezogen?� fragte Bryne ungl�ubig. Ein Aiel w�rde lieber sterben, als ein Schwert zu ber�hren. Das hatte er selbst w�hrend des Aielkriegs erlebt. Obwohl man ja sagte, <emphasis>Callandor</emphasis> sei �berhaupt kein richtiges Schwert. Was das nun wieder zu bedeuten hatte...</p><p>�Das haben sie nicht behauptet, mein Lord. Ich h�rte Namen, am h�ufigsten Ran oder wie der auch hei�en mag. Aber sie haben es als Tatsache weitergegeben, nicht als Ger�cht. Als ob jedermann Bescheid wisse.�</p><p>Bryne runzelte besorgt die Stirn. Falls etwas daran war, war es mehr als nur beunruhigend. Falls <emphasis>Callandor</emphasis> herausgezogen worden war, war der Drache wiedergeboren. Den Prophezeiungen nach bedeutete das, das man sich der Letzten Schlacht n�herte und der Dunkle K�nig bald freikommen werde. Der Wiedergeborene Drache werde die Welt wohl retten, war geweissagt worden, aber sie auch zerst�ren. Allein schon diese �berlegungen waren es wert gewesen, da� sich Halle so beeilte, falls ihm das klar war.</p><p>Aber der wettergegerbte Bursche war noch nicht fertig. �Die Nachricht, die aus Tar Valon heruntergekommen ist, steht der anderen nicht viel nach, mein Lord. Sie sagen, es gebe eine neue Amyrlin dort. Elaida, Lord Gareth, die Ratgeberin der K�nigin.� Halle zuckte selbst kurz zusammen, weil er dieses Thema ber�hrt hatte, und fuhr dann schnell fort. Morgase durfte nicht erw�hnt werden. Das wu�te jeder auf den G�tern, obwohl Bryne es nie verboten hatte. �Sie behaupten, die alte Amyrlin, Siuan Sanche, sei einer D�mpfung unterzogen und hingerichtet worden. Und Logain sei ebenfalls gestorben. Dieser falsche Drache, den sie letztes Jahr gefangen und auch einer D�mpfung unterzogen hatten. Sie haben so dar�ber gesprochen, als sei es wahr, mein Lord. Ein paar von ihnen haben behauptet, sie seien in Tar Valon gewesen, als alles geschah.�</p><p>Das mit Logain war nicht so wichtig, obwohl er ja in Ghealdan einen Krieg ausgel�st hatte, als er behauptete, der Wiedergeborene Drache zu sein. Es hatte in den letzten Jahren mehrere falsche Drachen gegeben. Allerdings beherrschte er die Macht. Das war eine unbestreitbare Tatsache � bis ihn die Aes Sedai der D�mpfung unterzogen. Nun ja, er war wirklich nicht der erste Mann, den man gefangen und dem man seine Kr�fte genommen hatte, damit er nie wieder die Macht lenken konnte. Man sagte, da� solche M�nner, ob sie nun falsche Drachen waren oder nur arme Narren, die den Roten Ajah in die H�nde gefallen waren, fast niemals mehr lange lebten. Es hie�, sie wollten danach einfach nicht mehr leben.</p><p>Mit Siuan Sanche war das etwas ganz anderes. Er hatte sie vor fast drei Jahren einmal kennengelernt. Eine Frau, die absoluten Gehorsam verlangte und keinem Rechenschaft ablegte. So z�h wie ein alter Stiefel, mit einer Zunge wie einer Feile und einer Laune wie die eines B�ren mit einem eiternden Zahn. Er h�tte eigentlich von ihr erwartet, da� sie jeden Empork�mmling mit blo�en H�nden in der Luft zerri�, bevor sie sich �bert�lpeln lie�. Da� eine Frau der D�mpfung unterzogen wurde, war viel seltener als bei M�nnern. Und bei einer Amyrlin erst recht. In dreitausend Jahren war das nur zwei Amyrlins widerfahren, soweit die Burg es zugab, wenn es nat�rlich auch m�glich war, da� sie dabei einiges verschwiegen hatten. Die Burg beherrschte es, unerw�nschte Dinge zu verschweigen. Doch eine Exekution, nachdem man sie bereits der D�mpfung unterzogen hatte, schien etwas �bertrieben. Es hie� ja schlie�lich, da� Frauen die D�mpfung genauso selten lange �berlebten wie M�nner.</p><p>Das alles stank zum Himmel. Jeder wu�te, da� die Burg m�chtige Partner hatte, da� ihre F�den bis hin zu Thronen verliefen und sie m�chtige Lords und Ladies als Marionetten benutzten. Wenn eine neue Amyrlin auf diese Weise an die Macht gekommen war, w�rde bestimmt bald irgend jemand ausprobieren, ob die Aes Sedai immer noch so genau hinsahen wie bisher. Und sobald dieser Kerl in Tear allen Widerstand niedergekn�ppelt hatte � nicht, da� sich viel Widerstand regen w�rde, wenn er wirklich den Stein in der Hand hatte �, w�rde er losschlagen, entweder gegen Illian oder gegen Cairhien. Die Frage war nur, wie schnell er ins Feld ziehen konnte. W�rden zuerst die Heere gegen ihn stehen, oder war er schneller? Er mu�te der echte Wiedergeborene Drache sein, aber die H�user konnten sich so oder so entscheiden, und die V�lker ebenfalls. Und wenn dann auch noch kleine Streitigkeiten �berall ausbrachen, weil die Burg...</p><p>�Alter Narr�, knurrte er. Als er sah, da� Barim zusammenzuckte, f�gte er hinzu: �Nicht Ihr. Ein anderer alter Narr.� Nichts von alledem ging ihn noch etwas an. Au�er nat�rlich, da� er zu entscheiden hatte, wem sich das Haus Bryne anschlo�, wenn es an der Zeit war. Nicht, da� dies irgend jemanden k�mmern w�rde. Lediglich wollten sie wissen, ob sie ihn angreifen sollten oder nicht. Bryne war noch nie ein sehr m�chtiges oder gro�es Adelshaus gewesen.</p><p>�Eh, Lord Gareth?� Barim blickte hin�ber zu den M�nnern, die mit ihren Pferden auf Bryne warteten. �Glaubt Ihr, da� Ihr mich gebrauchen k�nnt, mein Lord?�</p><p>Er fragte nicht einmal, warum und wohin es gehe. Er war nicht der einzige, den das Landleben langweilte. �Seht, da� Ihr uns einholt, wenn Ihr eure Ausr�stung beieinander habt. Wir werden uns zun�chst auf der Stra�e nach Vier K�nige in Richtung S�den bewegen.� Barim salutierte und scho� los. Das Pferd zerrte er am Z�gel hinter sich her.</p><p>Bryne kletterte in den Sattel und deutete wortlos nach vorn. Die M�nner schlossen sich ihm in einer Doppelreihe an, als er die Eichenallee hinunterritt. Er wollte Antworten erhalten. Und wenn er diese Mara beim Genick packen und durchsch�tteln mu�te, um Antworten zu erhalten.</p><p>Hochlady Alteima entspannte sich, als sich das Tor zum K�niglichen Palast von Andor �ffnete und ihre Kutsche hineinrollte. Sie war nicht sicher gewesen, ob sie eingelassen w�rde. Es hatte schon lange genug gedauert, einen Brief hineinzubringen, und noch l�nger, eine Antwort zu erhalten. Ihre Dienerin, ein mageres M�dchen, das sie hier in Caemlyn aufgelesen hatte, machte gro�e Augen und h�pfte beinahe auf dem gegen�berliegenden Sitz vor Aufregung auf und ab, weil sie nun in den Palast hineinkamen.</p><p>Alteima klappte ihren Spitzenf�cher auf und bem�hte sich, ein wenig k�hlenden Luftstrom zu erzeugen. Es war noch nicht einmal Mittagszeit, und die Hitze w�rde noch erheblich schlimmer werden. Und sie hatte Andor immer f�r ein k�hles Land gehalten! Schnell ging sie im Geist noch einmal durch, was sie alles vorbringen wollte. Sie war eine h�bsche Frau, und das wu�te sie auch ganz genau, mit gro�en, braunen Augen, die andere glauben machten, sie sei ein unschuldiges, sogar harmloses Wesen. Sie war keines von beiden, aber es pa�te ihr sehr wohl, wenn andere das von ihr glaubten. Besonders hier und heute. Diese Kutsche hatte sie beinahe ihr letztes Gold gekostet, das sie auf ihrer Flucht aus Tear mitnehmen konnte. Wenn sie wieder hochkommen wollte, ben�tigte sie zuerst einmal m�chtige Freunde, und in Andor gab es niemand mit mehr Macht als die Frau, die sie nun besuchen durfte.</p><p>Die Kutsche blieb in der N�he eines Brunnens in einem von S�ulen umringten Innenhof stehen und ein Diener in roter und wei�er Livree eilte heran und �ffnete die T�r. Alteima w�rdigte den Diener und den Hof kaum eines Blickes. Sie war ganz auf das vor ihr liegende Zusammentreffen konzentriert. Schwarzes Haar fiel unter einer Haube aus Zuchtperlen bis zur Mitte ihres R�ckens herab, und die feinen F�ltchen an ihrem hochgeschlossenen, wassergr�nen Seidenkleid wurden ebenfalls durch Perlenreihen hervorgehoben. Sie hatte Morgase einmal kurz kennengelernt, und zwar anl��lich eines Staatsbesuchs vor f�nf Jahren. Morgase war eine Frau, die Macht ausstrahlte, dabei reserviert und w�rdevoll war, wie es sich f�r eine K�nigin geziemte, und von schicklichem Benehmen, was die andoranische Auffassung betraf. In anderen Worten: altj�ngferlich. Die Ger�chte in der Stadt, sie habe einen Liebhaber, wie es schien, einen recht unbeliebten Mann, pa�ten nat�rlich nicht zu diesem Bild. Aber Alteimas Erinnerungen nach sollte das hochgeschlossene, altmodische Kleid Morgase eigentlich gefallen.</p><p>Sobald Alteimas Schuhe sicher auf den Pflastersteinen ruhten, sprang auch die Dienerin, Cara, herunter und begann sich an ihrem Kleid zu schaffen zu machen. Allerdings verlor Alteima schnell die Geduld, klappte ihren F�cher zu und lie� ihn auf den Unterarm des M�dchens klatschen. Der Innenhof war nicht der richtige Ort f�r so etwas. Cara � was f�r ein t�richter Name � zuckte zur�ck und hielt sich den Arm mit dem Blick eines verwundeten Rehs und Tr�nen in den Augen.</p><p>Alteima pre�te irritiert die Lippen aufeinander. Das M�dchen konnte noch nicht einmal einen milden Tadel vertragen. Sie hatte sich get�uscht: Es hatte mit diesem M�dchen keinen Zweck. Sie war zu offensichtlich unausgebildet. Doch eine Lady mu�te ihre Zofe haben, besonders, wenn sie sich von der Masse der Fl�chtlinge in Andor abheben wollte. Sie hatte M�nner und Frauen in den �berresten zweifellos adliger Kleidung aus Cairhien im gl�henden Sonnenschein schuften oder sogar betteln sehen. Sie glaubte, den einen oder anderen erkannt zu haben. Vielleicht sollte sie jemanden aus diesen Kreisen in Dienst nehmen. Wer kannte die Pflichten der Zofe einer Lady besser als eine Lady selbst? Wenn sie schon so tief gesunken waren, mit ihren eigenen H�nden zu arbeiten, sollten sie eigentlich eine solche Chance beim Schopf ergreifen. Es k�nnte sich als am�sant erweisen, eine fr�here �Freundin� zur Dienerin zu haben. Heute aber war es daf�r zu sp�t. Und eine unausgebildete Zofe, ein M�dchen aus dem Ort noch dazu, sagte etwas zu deutlich aus, da� Alteima an der Grenze ihrer Mittel angelangt war, nur einen Schritt von den Bettlern entfernt.</p><p>Sie bem�hte sich, besorgt und sanft dreinzuschauen. �Habe ich dir weh getan, Cara?� fragte sie in s��lichem Tonfall. �Bleib nur hier in der Kutsche und pflege deinen Arm. Ich bin sicher, jemand wird dir k�hles Wasser zu trinken bringen.� Die hirnlose Dankbarkeit auf der Miene des M�dchens war �berw�ltigend.</p><p>Die livrierten M�nner, offensichtlich gut ausgebildet, standen da und blickten ins Leere. Trotzdem w�rde sich die Kunde von Alteimas Freundlichkeit verbreiten, falls sie etwas von Dienern verstand.</p><p>Ein hochgewachsener junger Mann im roten Wams mit wei�em Kragen und auf Hochglanz poliertem Harnisch, der Uniform der K�niglichen Garde, erschien vor ihr und verbeugte sich mit einer Hand am Schwertgriff. �Ich bin Gardeleutnant Tallanvor, Hochlady. Wenn Ihr mich begleiten w�rdet, bringe ich Euch zu K�nigin Morgase.� Er bot ihr seinen Arm. Sie ergriff ihn, obwohl sie sich ansonsten seiner kaum bewu�t war. Sie war nicht an Soldaten unterhalb der R�nge eines Generals und eines Lords interessiert.</p><p>W�hrend er sie durch breite Korridore f�hrte, auf denen gesch�ftiges Treiben herrschte � die livrierten M�nner und Frauen gaben sich selbstverst�ndlich alle M�he, sie nicht zu behindern oder aufzuhalten �, betrachtete sie heimlich die sch�nen Wandbeh�nge, die mit Elfenbein eingelegten Truhen und Kommoden, die Schalen und Vasen mit Goldoder Silberauflage oder das feine Porzellan aus der Fertigung des Meervolks. Der K�nigliche Palast protzte nicht mit Reicht�mern wie der Stein von Tear, aber Andor war immer noch ein reiches Land, vielleicht sogar genauso reich wie Tear. Ein �lterer Lord w�rde ihr vollkommen ausreichen, der sich von einer immer noch jungen Frau um den Finger wickeln lie�. Vielleicht sollte er schon etwas schw�chlich und senil sein, aber mit gro�en G�tern ausgestattet. Das w�re ein guter Beginn, w�hrend sie herausfand, wo genau die F�den der Macht in Andor verliefen. Die paar Worte, die sie vor einigen Jahren mit Morgase gewechselt hatte, taugten nicht viel als Einf�hrung, aber sie hatte das, was eine m�chtige K�nigin wollte und brauchte: Informationen.</p><p>Schlie�lich lie� Tallanvor sie vor sich in ein gro�es Empfangszimmer treten. Die hochgew�lbte Decke war mit Vogel-, Wolken- und Himmelsmotiven bemalt. Kunstvoll geschnitzte und vergoldete St�hle standen vor einem gl�nzend wei�en Marmorkamin. Ein Teil von Alteimas Verstand registrierte am�siert, da� der breite rotwei�e Teppich aus Tear stammte. Der junge Mann fiel auf ein Knie nieder. �Meine K�nigin�, sagte er mit pl�tzlich rauher Stimme, �wie Ihr befohlen habt, bringe ich Euch die Hochlady Alteima aus Tear.�</p><p>Morgase schickte ihn mit einem Wink fort. �Ihr seid willkommen, Alteima. Es ist sch�n, Euch wiederzusehen. Nehmt Platz und wir k�nnen plaudern.�</p><p>Alteima brachte einen Knicks zustande und murmelte ihren Dank, bevor sie auf einem der St�hle Platz nahm. Der Neid stieg in ihr auf. Sie hatte Morgase als sch�ne Frau in Erinnerung, doch die goldhaarige Wirklichkeit zeigte ihr, wie bla� diese Erinnerung war. Morgase war eine Rose in voller Bl�te, in der Lage, jede andere Blume in den Schatten zu stellen. Alteima hatte Verst�ndnis f�r den jungen Soldaten, als er auf dem Weg zur T�r gestolpert war. Davon abgesehen war sie froh, da� er sich nicht mehr hier befand und sie beide zusammen sehen und vergleichen konnte.</p><p>Aber es hatte sich auch einiges ver�ndert. Eine Menge sogar. Morgase, von der Gnade des Lichts K�nigin von Andor, Verteidigerin des Reichs, Besch�tzerin des Volks, Hochsitz des Hauses Trakand, so reserviert und w�rdevoll und schicklich, trug eine Robe aus schimmernder wei�er Seide, die genug Busen zeigte, um jede Serviererin im Mauleviertel zu schockieren. An H�fte und Schenkeln lag sie so eng an, da� sie auch einem Flittchen aus Tarabon angestanden h�tte. Die Ger�chte entsprachen eindeutig der Wahrheit. Und da� sie sich so stark ver�ndert hatte, zeigte auch ganz klar eines: Sie wollte diesem Gaebril gefallen und nicht etwa ihn dazu bringen, ihr zu gefallen. Von Morgase ging noch immer dieses Gef�hl von Macht aus, und ihre Pr�senz schien den Raum auszuf�llen, aber das Kleid verwandelte beides in etwas Niederes.</p><p>Alteima war nun doppelt froh, da� sie ein hochgeschlossenes Kleid angezogen hatte. Eine Frau, die sich derart unter dem Einflu� eines Mannes befand, konnte bei der geringsten Provokation vor blinder Eifersucht zuschlagen. Manchmal auch ohne jede Provokation. Falls sie Gaebril kennenlernte, w�rde sie ihm mit soviel Gleichg�ltigkeit gegen�bertreten, wie es die H�flichkeit gerade noch zulie�. Selbst der geringste Verdacht, selbst der blo�e Gedanke, da� sie Morgases Liebhaber wegnehmen wolle, k�nnte ihr einen Strick um den Hals einbringen anstatt eines alten Tattergreises als Ehemann. Sie h�tte es selbst nicht anders gemacht.</p><p>Eine Frau in Rot und Wei� brachte Wein, einen ausgezeichneten Murandiner, und go� ihn in Kristallbecher, in die der sich aufb�umende L�we von Andor eingraviert war. Als Morgase einen Becher in die Hand nahm, bemerkte Alteima ihren Ring in der Form einer goldenen Schlange, die ihren eigenen Schwanz verschlang. Der Gro�e Schlangenring wurde von einigen Frauen getragen, die in der Wei�en Burg ausgebildet worden waren, so wie Morgase, auch ohne den Rang einer Aes Sedai, und dann sowieso von allen Aes Sedai. Tausend Jahre alt war die Tradition, die sp�tere K�nigin von Andor in der Burg ausbilden zu lassen. Aber �berall gingen nun die Ger�chte �ber den Bruch zwischen Morgase und Tar Valon um. Die Anti-Aes-Sedai-Ausbr�che auf den Stra�en h�tte Morgase leicht unterdr�cken k�nnen, wenn sie es w�nschte. Warum trug sie den Ring immer noch? Alteima w�rde sich sehr gut �berlegen, was sie sagte, bis sie die Antwort kannte.</p><p>Die livrierte Dienerin zog sich an das gegen�berliegende Ende des Raums zur�ck, au�er H�rweite, doch nahe genug, um zu sehen, wann sie die Becher nachf�llen mu�te.</p><p>Morgase nippte an ihrem und sagte: �Es ist lange her, da� wir uns kennenlernten. Geht es Eurem Mann gut? Ist er auch hier in Caemlyn?�</p><p>Schnell �nderte Alteima ihre Pl�ne. Ihr war nicht klargewesen, da� Morgase von ihrem Ehemann wu�te, aber sie war ja immer geistig beweglich gewesen. �Tedosian ging es gut, als ich ihn zuletzt sah.� Das Licht gebe, da� er bald das Zeitliche segnen m�ge. Aber nun mu�te sie weitermachen, was nun einmal angefangen war. �Er hatte einige Zweifel daran, ob er diesem Rand al'Thor dienen solle, und das war ein gef�hrlicher Abgrund, an dessen Kante er da stand. Licht, selbst Lords sind dort aufgeh�ngt worden wie gew�hnliche Kriminelle.�</p><p>�Rand al'Thor�, sagte Morgase nachdenklich. �Ich habe ihn einmal getroffen. Er wirkte nicht wie einer, der sich zum Wiedergeborenen Drachen ausrufen lassen w�rde. Ein ver�ngstigter Schafhirte, der sich bem�hte, die Angst nicht zu zeigen. Wenn ich so zur�ckdenke, m�chte ich beinahe sagen, da� er nach einem... Ausweg suchte.� Ihre blauen Augen blickten nach innen. �Elaida hat mich vor ihm gewarnt.� Sie schien gar nicht zu bemerken, da� sie das Letztere laut ausgesprochen hatte.</p><p>�Elaida war damals Eure Ratgeberin?� fragte Alteima vorsichtig. Sie wu�te es ja, und das lie� die Ger�chte �ber den Bruch zwischen beiden noch unwahrscheinlicher klingen. Sie mu�te einfach wissen, was daran war. �Habt Ihr sie durch eine andere ersetzt, jetzt, da sie die Amyrlin ist?�</p><p>Morgases Blick kl�rte sich wieder. �Habe ich nicht!� Im n�chsten Moment wurde ihre Stimme jedoch wieder sanfter. �Meine Tochter Elayne ist zur Ausbildung in der Burg. Sie ist bereits zur Aufgenommenen erhoben worden.�</p><p>Alteima wedelte mit ihrem F�cher und hoffte, da� sich auf ihrer Stirn kein Schwei� zeigte. Falls Morgase sich �ber die eigenen Gef�hle der Burg gegen�ber nicht im klaren war, konnte sie selbst im Grunde �berhaupt nichts sagen, ohne sich in Gefahr zu bringen. Mit ihrem Plan stand sie gef�hrlich nah am Rande eines Abgrunds.</p><p>Dann rettete Morgase sie und den Plan. �Ihr sagt, Euer Mann sei geteilter Meinung in bezug auf Rand al'Thor gewesen? Und wie steht es mit Euch?�</p><p>Sie h�tte fast vor Erleichterung aufgeseufzt. Morgase mochte sich ja diesem Gaebril gegen�ber wie ein verliebtes Bauernm�dchen benehmen, aber sie behielt doch wohl klaren Kopf, was ihre Machtanspr�che und die m�glichen Gefahren f�r ihren Herrschaftsbereich betraf. �Ich habe ihn nat�rlich im Stein genau beobachtet.� Das sollte eigentlich den Keim pflanzen, falls es noch notwendig war. �Er kann die Macht lenken, und einen Mann, der das beherrscht, mu� man in jedem Fall f�rchten. Aber er ist der Wiedergeborene Drache. Daran gibt es keinen Zweifel. Der Stein fiel, und <emphasis>Callandor</emphasis> ruhte in seiner Hand, als das geschah. Die Prophezeiungen... Ich f�rchte, ich mu� die Entscheidung dar�ber, was man in bezug auf den Wiedergeborenen Drachen unternehmen mu�, weiseren �berlassen, als ich es bin. Ich wei� nur, da� ich Angst davor habe, dort zu bleiben, wo er regiert. Selbst eine Hochlady von Tear kann nicht den Mut der K�nigin von Andor aufbringen.�</p><p>Die goldhaarige Frau warf ihr einen so scharfen Blick zu, da� sie schon f�rchtete, die Schmeichelei �bertrieben zu haben. Manche mochten solch offene Schmeicheleien nicht. Doch Morgase lehnte sich lediglich auf ihrem Stuhl zur�ck und nippte wieder an ihrem Wein. �Erz�hlt mir von ihm, von dem Mann, der uns angeblich retten und dabei vernichten wird.�</p><p>Erfolg. Oder zumindest ein Anfangserfolg. �Er ist � �ber die Frage der Einen Macht hinaus � ein gef�hrlicher Mann. Ein L�we scheint faul und schl�frig, bis er pl�tzlich angreift. Dann ist er mit einemmal ungeheuer schnell und kraftvoll. Rand al'Thor scheint unschuldig, nicht faul, und naiv, aber nicht schl�frig, doch wenn er angreift... Er hat �berhaupt nicht den n�tigen Respekt vor Pers�nlichkeit und Rang. Ich habe nicht �bertrieben, als ich sagte, er habe selbst Lords aufh�ngen lassen. Er ist ein Born der Anarchie. In Tear kann durch seine neuen Gesetze selbst ein Hochlord oder eine Hochlady vor den Magistrat geladen und dort zu Geldstrafen oder noch Schlimmerem verurteilt werden, und das auf die Anklage des gemeinsten Bauern oder Fischers hin. Er...�</p><p>Sie hielt sich genau an die Wahrheit, wie sie die Dinge sah. Wenn es n�tig war, sagte sie die Wahrheit ebenso unverbl�mt, wie sie bei Bedarf log. Morgase schl�rfte ihren Wein und lauschte. Alteima h�tte glauben k�nnen, sie s��e lediglich unaufmerksam da, aber an ihren Augen konnte sie ablesen, da� die Frau jedes Wort h�rte und aufnahm. �Ihr m��t verstehen�, schlo� Alteima also, �da� ich damit nur die Oberfl�che gestreift habe. Rand al'Thor und was er in Tear getan hat, sind der Stoff f�r stundenlange Berichte.�</p><p>�Die Stunden werdet Ihr haben�, sagte Morgase und Alteima l�chelte innerlich. Erfolg. �Ist es wahr�, fuhr die K�nigin fort, �da� er Aiel mit zum Stein brachte?�</p><p>�O ja. Gro�e Wilde, deren Gesichter die H�lfte der Zeit �ber verschleiert sind, und selbst die Frauen sind allzeit bereit, eher zu t�ten als zuerst zu fragen. Sie folgten ihm wie Hunde, haben alle terrorisiert und aus dem Stein mitgenommen, was sie wollten.�</p><p>�Ich hatte das nur f�r ein wildes Ger�cht gehalten�, �berlegte Morgase laut. �Es hat ja letztes Jahr schon Ger�chte dar�ber gegeben, aber sie sind zwanzig Jahre lang nicht aus ihrer W�ste hervorgekommen, nicht mehr seit dem Aielkrieg. Die Welt kann es nicht gerade gebrauchen, da� dieser Rand al'Thor die Aiel wieder �ber sie bringt.� Ihr Blick wurde wieder sch�rfer. �Ihr sagtet �mitgenommen�. Sind sie nicht mehr dort?�</p><p>Alteima nickte. �Kurz bevor ich Tear verlie�. Und er ist mitgegangen.�</p><p>�Mitgegangen!� rief Morgase erstaunt. �Ich f�rchtete, er sei jetzt in Cairhien...�</p><p>�Hast du einen Gast, Morgase? Man h�tte es mir sagen sollen, damit ich sie begr��e.�</p><p>Ein gro�er Mann schlenderte in den Raum, hochgewachsen, mit einem goldbestickten roten Seidenmantel angetan, der sich um seine breiten Schultern und den m�chtigen Brustkorb spannte. Alteima mu�te nicht erst den bewundernden Blick Morgases bemerken, um zu wissen, da� es sich um Lord Gaebril handelte. Die Selbstsicherheit, mit der er die K�nigin unterbrochen hatte, sprach B�nde. Er hob einen Finger, und die Dienerin knickste und ging schnell hinaus. Er bat auch nicht erst um Morgases Erlaubnis, ihre Diener wegzuschicken. Er sah mit seinem dunklen Teint sehr gut aus, unwahrscheinlich gut sogar. Seine Schl�fen waren wie wei�e Fl�gel.</p><p>Alteima bem�hte sich, ein nichtssagendes Gesicht zu machen und ein mehr oder weniger freundliches L�cheln aufzusetzen, wie man einen �ltlichen Onkel ohne Macht, Reichtum und Einflu� begr��te. Er mochte wohl ein prachtvolles Exemplar von Mann sein, aber selbst wenn er nicht zu Morgase geh�rte, w�re er doch nicht der Typ, den sie zu manipulieren versuchen w�rde, es sei denn, es m��te unbedingt sein. Um ihn lag eine Ausstrahlung von Macht, die jene Morgases noch �bertraf.</p><p>Gaebril blieb neben Morgase stehen und legte seine Hand mit einer vertrauten Geste auf ihre nackte Schulter. Sie h�tte wohl beinahe ihre Wange an seinen Handr�cken geschmiegt, doch sein Blick ruhte auf Alteima. Sie war daran gew�hnt, von M�nnern gemustert zu werden, aber dieser Blick machte sie nerv�s. Er war viel zu durchdringend und sah viel zuviel.</p><p>�Ihr kommt aus Tear?� Der Klang seiner tiefen Stimme jagte ihr einen Schauer �ber den R�cken; ihre Haut, ja selbst ihre Knochen, gaben ihr das Gef�hl, in eisig kaltes Wasser getaucht zu werden. Doch seltsamerweise verschwand ihre kurz aufgeflammte Furcht augenblicklich wieder.</p><p>Es war Morgase, die ihm antwortete. Alteima brachte den Mund nicht auf, w�hrend er sie so musterte. �Darf ich dir die Hochlady Alteima vorstellen, Gaebril? Sie hat mir von dem Wiedergeborenen Drachen berichtet. Sie befand sich im Stein von Tear, als er erobert wurde. Gaebril, es waren wirklich Aiel...� Ein Druck seiner Hand lie� sie verstummen. �rger blitzte in ihren Augen auf, doch verschwand diese Regung blitzartig, und statt dessen strahlte sie ihn von unten her an.</p><p>Sein Blick, der immer noch auf Alteima ruhte, lie� sie wieder erschauern, und diesmal schnappte sie h�rbar nach Luft. �Soviel zu reden mu� dich doch erm�det haben, Morgase�, sagte er, ohne den Blick von Alteima zu wenden. �Du arbeitest zuviel. Geh in dein Schlafgemach und schlafe ein wenig. Geh nur jetzt gleich. Ich werde dich aufwecken, wenn du genug geruht hast.�</p><p>Morgase stand augenblicklich auf, wobei sie ihn weiterhin hingebungsvoll anl�chelte. �Ja, ich bin m�de. Ich werde mich ein wenig hinlegen und schlafen, Gaebril.�</p><p>Sie schl�pfte ohne einen weiteren Blick auf Alteima aus dem Raum, doch deren Aufmerksamkeit galt ohnehin nur Gaebril. Ihr Herzschlag beschleunigte sich, und das Atmen fiel ihr schwer. Er war auf jeden Fall der bestaussehende Mann, den sie je erblickt hatte. Der tollste, st�rkste, m�chtigste... Superlative �berschwemmten ihren Verstand und ertr�nkten ihn.</p><p>Gaebril beachtete Morgases Abgang genausowenig wie sie. Er nahm sich den Stuhl, auf dem die K�nigin gesessen hatte, und setzte sich bequem darauf zurecht, die Beine ausgestreckt. �Erz�hlt mir, warum Ihr nach Caemlyn gekommen seid, Alteima.� Wieder durchlief sie ein Beben. �Die absolute Wahrheit, aber macht es kurz. Ihr k�nnt mir sp�ter noch Einzelheiten berichten, wenn ich sie brauchen sollte.�</p><p>Sie z�gerte nicht. �Ich habe versucht, meinen Mann zu vergiften, und mu�te fliehen, bevor Tedosian und diese Schlampe Estanda mich statt dessen umbringen oder noch Schlimmeres mit mir anstellen konnten. Rand al'Thor wollte es ihnen gestatten, um ein Exempel zu statuieren.� Beim Erz�hlen kr�mmte sie sich unwillk�rlich zusammen. Das aber nicht, weil es ein so wohlbeh�tetes Geheimnis gewesen war � nein, mehr als alles auf der Welt wollte sie ihm eine Freude machen, und sie f�rchtete, er werde sie wegschicken. Doch er wollte die Wahrheit von ihr. �Ich habe Caemlyn zum Ziel genommen, weil ich Illian nicht ertragen kann, und obwohl Andor auch nicht viel besser ist, wurde Cairhien beinahe ganz zerst�rt. In Caemlyn kann ich einen reichen Mann finden, oder einen, der meinen Besch�tzer spielen m�chte, wenn es notwendig ist, und dann seine Macht ben�tzen, um... �</p><p>Er unterbrach sie mit einer Handbewegung und schmunzelte dabei. �Eine hinterh�ltige kleine Katze, aber h�bsch. Vielleicht h�bsch genug, um dich zu behalten, wenn ich dir vorher die Z�hne und Klauen ziehe.� Pl�tzlich wurde sein Gesichtsausdruck eindringlicher. �Berichte mir alles, was du wei�t, �ber Rand al'Thor und besonders �ber seine Freunde, falls er welche hat, seine Begleiter und Verb�ndete.�</p><p>So berichtete sie, sprach, bis ihr die Kehle austrocknete und ihre Stimme rauh und ersch�pft klang. Sie hob ihren Becher solange nicht, bis er ihr sagte, sie solle trinken. Dann kippte sie den Wein herunter und sprach weiter. Sie w�rde es ihm ganz bestimmt recht machen. Sie w�rde ihm mehr Befriedigung verschaffen, als es Morgase im Traum einfiel.</p><p>Die Zofen, die Morgases Bettgemach herrichteten, knicksten hastig und �berrascht, sie mitten am Vormittag hier anzutreffen. Sie winkte sie aus dem Raum und legte sich voll angezogen auf ihr Bett. Eine Weile lag sie nur da und betrachtete die vergoldeten Schnitzereien an den Bettpfosten. Hier waren nicht die L�wen von Andor zu sehen, sondern Rosen. Sie standen f�r die Rosenkrone von Andor, und �berhaupt hatte sie mehr f�r Rosen �brig als f�r L�wen.</p><p>Sei nicht so stur, befahl sie sich selbst, und dann fragte sie sich, warum. Sie hatte Gaebril gesagt, sie sei m�de, und... Oder hatte er das zu ihr gesagt? Unm�glich. Sie war die K�nigin von Andor, und kein Mann befahl ihr etwas. <emphasis>Gareth.</emphasis> Warum mu�te sie ausgerechnet jetzt an Gareth Bryne denken? Er hatte ihr bestimmt nie etwas befohlen; der Generalhauptmann der K�niglichen Garde gehorchte der K�nigin und nicht umgekehrt. Aber stur war er schon gewesen, hatte sich manchmal gegen ihre Entscheidungen gestemmt, bis sie schlie�lich ihre Meinung ge�ndert hatte. <emphasis>Warum mu� ich an ihn denken? Ich w�nschte, er sei hier.</emphasis> Das war doch l�cherlich. Sie hatte ihn fortgeschickt, weil er ihren Befehlen zuwiderhandelte. Sie wu�te nicht mehr genau, worum es gegangen war, aber das war nicht so wichtig. Er hatte sich gegen sie gestellt. Sie konnte sich nur vage an ihre Gef�hle ihm gegen�ber erinnern, als sei er schon jahrelang weg. So lange konnte es doch noch nicht her sein? <emphasis>Sei nicht so stur!</emphasis> Ihre Augen schlossen sich, und sie schlief augenblicklich ein. Ihr Schlaf wurde durch rastlose Tr�ume gest�rt, in denen sie vor etwas davonlief, was sie nicht sehen konnte.</p></section><section><title><p>2</p><p>Rhuidean</p></title><p>Hoch droben in der Stadt Rhuidean blickte Rand al'Thor aus einer der gro�en Fenster�ffnungen. Das Glas, oder was auch immer einst in das Fenster eingesetzt gewesen war, war schon lange nicht mehr da. Die Schatten tief unter ihm zeigten nach Osten. Im Zimmer hinter ihm klimperte leise die Harfe eines Barden. Der Schwei� an seiner Stirn verdunstete beinahe so schnell, wie er auf seine Haut trat. Sein rotseidener Mantel � zwischen den Schulterbl�ttern feucht vom Schwei� � stand offen wie eine vergebliche Einladung f�r jeden Luftzug, und das Hemd hatte er bis weit auf die Brust hinunter aufgebunden. Die Nacht in der Aiel-W�ste w�rde bei�end kalt werden, doch w�hrend des Tages brachte nicht einmal eine leichte Brise die geringste K�hlung.</p><p>Er hatte die H�nde gehoben und hielt sich damit an dem glatten, steinernen Fensterrahmen fest. Die �rmel seines Mantels waren heruntergerutscht und entbl��ten so die Vorderteile der Figuren, die sich um seine Unterarme zogen: goldm�hnige, schlangenartige Gesch�pfe mit Augen wie die Sonne, mit roten und goldenen Schuppen und f�nf goldenen Klauen an jedem Fu�. Das waren keine T�towierungen, sondern sie waren Teil seiner Haut, glitzerten metallisch wie wertvollste Edelsteine und schienen im Schein der Sp�tnachmittagssonne wie zum Leben erwacht.</p><p>Sie zeichneten ihn. F�r das Volk auf dieser Seite der Bergkette, die man sowohl als Drachenmauer wie als das R�ckgrat der Welt bezeichnete, bedeuteten sie, da� er derjenige war, Der Mit Der Morgend�mmerung Kommt. Und zusammen mit den in seine Handfl�chen eingebrannten Reihern machten sie ihn f�r jene, die jenseits der Drachenmauer lebten, zum Wiedergeborenen Drachen, wie es geweissagt worden war. Und f�r sie alle gleicherma�en war prophezeit worden, er werde sie einen, retten � und vernichten.</p><p>Auf diese Namen h�tte er nur zu gern verzichtet, aber dazu war es viel zu sp�t, wenn es �berhaupt je eine Chance daf�r gegeben hatte, und so dachte er gar nicht mehr daran. Oder wenn doch, was selten genug der Fall war, dann tat er es mit dem vagen Bedauern eines Mannes, der sich an einen t�richten Kindertraum erinnert. Als sei er seiner Kindheit nicht noch immer nahe genug, um eigentlich jeden Moment daran zu denken. Statt dessen bem�hte er sich, nur an die vor ihm liegenden Aufgaben zu denken. Schicksal und Pflicht hielten ihn wie straffe Z�gel auf dem Weg, und doch hatte man ihn oft als stur und halsstarrig bezeichnet. Er mu�te das Ende der Stra�e erreichen, aber wenn er das auf einem anderen, eigenen Weg schaffen konnte, war es vielleicht gar nicht das Ende. Eine kleine Hoffnung nur. Er hatte mit Sicherheit kaum eine Chance. Die Prophezeiungen verlangten nach seinem Blut.</p><p>Rhuidean erstreckte sich unter ihm, von einer gnadenlosen Sonne versengt, die langsam zu den zerkl�fteten Gipfeln heruntersank, den kahlen Bergen, auf denen kaum ein Anzeichen einer Vegetation zu sehen war. Dieses rauhe, zerkl�ftete Land, in dem sich Menschen gegenseitig get�tet hatten, nur wegen eines Wasserlochs, das sie mit einem Schritt �berqueren konnten, war der letzte Ort auf der Welt, an dem man eine gro�e Stadt erwartete. Ihre Erbauer hatten ihre vor langer, langer Zeit begonnene Arbeit niemals beendet. �berall standen unm�glich hohe Geb�ude, abgestufte oder aus m�chtigen Platten erbaute Pal�ste, die manchmal nach acht oder sogar zehn Stockwerken abrupt ohne Dach endeten, gew�hnlich mit dem Rohbau eines weiteren halbfertigen Stockwerks. Die T�rme ragten noch h�her auf, endeten aber meist genauso abrupt und unregelm��ig. Ein gutes Viertel der gro�en Geb�ude mit ihren massiven S�ulen und enormen Fenstern aus buntem Glas lagen zu Schutthaufen zerfallen auf den breiten Stra�en, die in der Mitte jeweils einen Streifen blo�en Erdbodens aufwiesen, auf dem aber niemals die B�ume gepflanzt worden waren, die dorthin geh�rten. Die pr�chtigen Brunnen standen verstaubt und trocken da, wie seit Jahrhunderten und Aberjahrhunderten. All diese Arbeit war umsonst gewesen. Die Erbauer waren gestorben, ohne sie vollenden zu k�nnen. Doch manchmal glaubte Rand, der Bau der Stadt sei nur deshalb begonnen worden, damit er sie eines Tages finden konnte.</p><p><emphasis>Zu stolz,</emphasis> dachte er. <emphasis>Ein Mann mu� schon wenigstens halb �bergeschnappt sein, um solchen Stolz zu entwickeln.</emphasis> Er konnte nicht anders, als leise in sich hineinzulachen. Es waren auch Aes Sedai bei den M�nnern und Frauen gewesen, die vor so langer Zeit hierhergekommen waren, und sie hatten den <emphasis>Karaethon-Zyklus</emphasis> sehr wohl gekannt, die �Prophezeiungen des Drachen�. Oder vielleicht hatten sie diese auch selbst geschrieben? <emphasis>Um das Zehnfache zu stolz.</emphasis></p><p>Gleich unter ihm lag ein riesiger Platz, der bereits zur H�lfte von den langgezogenen Schatten verdunkelt wurde. Er war �bers�t mit den Tr�mmerst�cken von Statuen und kristallenen St�hlen, eigenartigen Gegenst�nden und verdrehten Formen aus Metall oder Glas oder Stein, Dinge, f�r die er keine Bezeichnungen fand und die in unregelm��igen Schutthaufen dort lagen, als habe ein Sturm sie angeweht.</p><p>Auch im Schatten war es nur k�hl, wenn man es mit dem Sonnenschein verglich. M�nner in grober Kleidung � keine Aiel � luden schwitzend Dinge auf Wagen, die eine kleine, schlanke Frau in reinster blauer Seide ausgew�hlt hatte. Hoch aufgerichtet glitt sie von einem Punkt zum n�chsten, als mache ihr die Hitze keineswegs soviel aus wie all den anderen. Trotzdem, selbst sie trug ein feuchtes, wei�es Tuch um die Schl�fen und beherrschte sich lediglich, um die Auswirkungen der Hitze nicht so deutlich zu zeigen. Rand h�tte von hier oben aus wetten k�nnen, da� sie nicht einmal schwitze.</p><p>Der Vorarbeiter war ein dunkler, massiger Mann namens Hadnan Kadere, angeblich ein fahrender H�ndler, der ganz in beige Seide gekleidet war. Heute allerdings war seine Kleidung schwei�durchn��t. Er wischte sich st�ndig mit einem gro�en Taschentuch �bers Gesicht und schrie den M�nnern � seinen Wagenfahrern und Leibw�chtern �Fl�che zu, doch er sprang genauso schnell und packte mit zu wie die anderen, wenn die schlanke Frau auf etwas deutete, ob gro� oder klein. Aes Sedai mu�ten nicht gro� sein, um anderen ihren Willen aufzuzwingen, aber Rand glaubte, Moiraine w�rde das auch fertigbringen, wenn sie niemals in der Wei�en Burg gewesen w�re.</p><p>Zwei der M�nner versuchten gerade, einen Gegenstand aufzuladen, der wie ein seltsam verdrehter T�rrahmen aus Sandstein wirkte. Die Ecken stimmten irgendwie nicht �berein, und das Auge weigerte sich, den scheinbar geraden senkrechten Linien zu folgen. Das Ganze blieb immer aufrecht. Sie konnten es drehen, wie sie wollten, doch kippen lie� es sich nicht, damit sie es leichter beim Aufladen gehabt h�tten. Dann rutschte einer der beiden M�nner aus und st�rzte bis zur H�fte in die T�r�ffnung hinein. Rand verkrampfte sich. Einen Augenblick lang schien der Oberk�rper des Mannes nicht mehr zu existieren, und seine Beine zuckten in wilder Panik. Bis Lan, ein hochgewachsener Mann, in unauff�llige Gr�nschattierungen gekleidet, heranschritt und ihn am G�rtel wieder heraushievte. Lan war Moiraines Beh�ter, durch einen Eid, dessen Wirkungsweise Rand nicht ganz verstand, an die Aes Sedai gebunden. Er war ein harter Mann, der sich wie ein Aiel bewegte, wie ein jagender Wolf. Das Schwert an seiner H�fte schien nicht nur ein Teil von ihm zu sein, es <emphasis>war</emphasis> ein Teil seiner selbst. Er lie� den Arbeiter mit dem Hinterteil zuerst auf die Pflastersteine fallen und dort sitzen. Die angsterf�llten Schreie des Burschen drangen d�nn und klagend bis zu Rand hinauf, und sein Kamerad war wohl auf dem Sprung, einfach wegzulaufen. Mehrere von Kaderes M�nnern, die nahe genug gewesen waren, um alles zu beobachten, blickten sich gegenseitig an und wogen wohl ihre Chancen ab.</p><p>Moiraine stand jedoch derart schnell zwischen ihnen, als habe sie die Macht dazu ben�tzt, sich unter sie zu begeben, und bewegte sich elegant von einem zum anderen. Von ihren Gesten konnte Rand beinahe ablesen, welche k�hlen, beherrschenden Anweisungen sie den M�nnern gab, so erf�llt von dem sicheren Bewu�tsein, sie w�rden ihnen nachkommen, da� �berhaupt kein Zweifel daran aufkommen konnte. So kn�ppelte sie jeden Widerspruch nieder, zerstampfte alle Einw�nde und jagte jeden einzelnen zur�ck an seine Arbeit. Das Paar mit dem T�rrahmen zerrte und schob bald wieder wie vorher, wenn sie auch gelegentlich Moiraine Seitenblicke zuwarfen, in Momenten, wo sie glaubten, sie sehe nicht her. Auf ihre Art war sie sogar noch h�rter als Lan.</p><p>Soweit Rand wu�te, waren all diese Artefakte entweder <emphasis>Angreal</emphasis> oder <emphasis>Sa'Angreal</emphasis> oder <emphasis>Ter'Angreal,</emphasis> die vor der Zerst�rung der Welt angefertigt worden waren, um die Eine Macht zu verst�rken oder auf verschiedene Arten zu ben�tzen. Sicher hatte man sie mit Hilfe der Macht angefertigt, aber selbst die Aes Sedai wu�ten heute nicht mehr, wie man solche Dinge herstellt. Bei dem verdrehten T�rrahmen wu�te er ja �ber den Gebrauch Bescheid � eine T�r in eine andere Welt �, aber was die anderen betraf, hatte er keine Ahnung. Keiner wu�te das. Deshalb arbeitete Moiraine so hart, um so viele davon wie m�glich zur Wei�en Burg zu schaffen, damit man sie dort untersuchen konnte. Es war durchaus m�glich, da� sich selbst in der Burg nicht so viele <emphasis>Angreal</emphasis> befanden, wie hier auf dem Platz verstreut lagen, obwohl doch dort angeblich die gr��te Sammlung der Welt aufbewahrt wurde. Und auch bei denen wu�ten die Aes Sedai nur von einigen wenigen, wie sie zu gebrauchen seien.</p><p>Was sich bereits in den Wagen befand oder auf dem Pflaster verstreut herumlag, interessierte Rand nicht. Er hatte das, was er brauchen konnte, bereits in Sicherheit gebracht. Auf gewisse Weise hatte er sogar mehr mitgenommen, als er wollte.</p><p>Im Mittelpunkt des Platzes, nahe den verbrannten �berresten eines gro�en, hundert Fu� hohen Baums, stand ein kleiner Wald aus Glass�ulen, jede beinahe so hoch wie der Baum und so schlank, da� es schien, der erste Windsto� m�sse sie alle zum Umst�rzen bringen. Obwohl der Rand des Schattens sie bereits ber�hrte, fingen und reflektierten sie den Sonnenschein glitzernd und funkelnd. Ungez�hlte Jahre lang hatten Aielm�nner diesen gl�sernen Wald betreten und waren wie Rand gezeichnet daraus hervorgekommen, doch nur an einem Arm und damit als Clanh�uptlinge best�tigt. Sie kamen gezeichnet zur�ck, oder sie kehrten �berhaupt nicht wieder. Auch Aielfrauen hatten sich in diese Stadt begeben, um Weise Frauen zu werden. Sonst niemand. Kein anderer h�tte es �berlebt. <emphasis>Ein Mann kann ein einziges Mal nach Rhuidean gehen, eine Frau zweimal; mehr w�rde den Tod bringen.</emphasis> Das hatten die Weisen Frauen behauptet, und damals entsprach es der Wahrheit. Nun konnte jeder Rhuidean betreten.</p><p>Hunderte von Aiel gingen auf den Stra�en einher, und eine st�ndig anwachsende Zahl wohnte sogar in den Geb�uden. Jeden Tag konnte er beobachten, wie auf immer gr��eren Fl�chen der Erdstreifen in der Mitte der Stra�e Bohnen sprossen, oder K�rbisse oder <emphasis>Zemai,</emphasis> die sorgf�ltig und sparsam aus Tongef��en gegossen wurden. Das Wasser holte man aus dem gro�en neuen See, der das S�dende des Tals ausf�llte � dem einzigen solchen Gew�sser im ganzen Land. Tausende lagerten an den umliegenden H�ngen, selbst am Chaendaer, zu dem sie vorher nur zu gro�en Zeremonien gepilgert waren, um von dort aus einen einzelnen Mann oder eine einzelne Frau nach Rhuidean zu schicken.</p><p>Wohin er auch ging, �berall brachte Rand Ver�nderungen und Zerst�rungen mit sich. Diesmal hoffte er trotz allem, da� die Ver�nderung Gutes gebracht hatte. Es konnte doch immer noch alles gut werden. Der verbrannte Baum sprach allerdings seinen Bem�hungen Hohn: <emphasis>Avendesora,</emphasis> der legend�re �Baum des Lebens�. Die Legenden erw�hnten nie, wo er sich befand, und es war eine gro�e �berraschung gewesen, ihn hier vorzufinden. Moiraine behauptete, es sei immer noch Leben in ihm und er werde wieder sprie�en, doch bisher sah er nur geschw�rzte Rinde und kahle �ste.</p><p>Seufzend wandte er sich vom Fenster ab dem gro�en Raum zu, der wohl nicht der gr��te in Rhuidean war, aber mit seinen hohen Fenstern auf beiden Seiten und mit der Kuppeldecke, die als Mosaik mit Bildern von gefl�gelten Menschen und Tieren ausgelegt war, wirkte er doch sehr ger�umig. Die meisten in der Stadt zur�ckgebliebenen M�bel waren selbst in dieser trockenen Luft der Zeit zum Opfer gefallen, und das wenige, was noch �brig war, war wurmstichig und wimmelte von K�fern. Nur auf der gegen�berliegenden Seite des Raums stand ein solider, vollst�ndig erhaltener Stuhl mit hoher Lehne, sogar mit kaum abgebl�tterter Vergoldung. Er pa�te allerdings nicht zu dem davorstehenden Tisch, einer breiten Holzfl�che, deren Beine und Ecken durch Schnitzereien in Blumenform verziert waren. Jemand hatte das Holz mit Bienenwachs poliert, bis es trotz seines Alters matt schimmerte. Die Aiel hatten diese M�belst�cke f�r ihn aufgesp�rt und die K�pfe gesch�ttelt ob solcher Verschwendung. Es gab in der W�ste nur wenige B�ume, von denen die langen, geraden H�lzer stammen konnten, aus denen der Stuhl gebaut war, und schon gar keine, die dem Tisch Pate gestanden h�tten.</p><p>Das waren bereits s�mtliche M�belst�cke, die er als solche betrachtete. Im Mittelpunkt des Raums lag auf den dunkelroten Bodenfliesen ein sch�ner Teppich illianischer Handarbeit, ganz in Blau und Gold gehalten, der wohl nach einer lang vergessenen Schlacht als Beutest�ck mitgebracht worden war. �berall lagen Kissen aus bunter Seide und mit Fransen auf dem Boden verstreut. Sie wurden von den Aiel statt St�hlen ben�tzt, wenn sie nicht gerade nur einfach auf den Fersen hockten, was f�r sie genauso bequem war wie ein Polstersessel.</p><p>Sechs M�nner sa�en auf den Kissen auf dem Teppich. Sechs Clanh�uptlinge, und sie vertraten die Clans, die bisher erschienen waren, um Rands Ruf Folge zu leisten. Oder genauer, um demjenigen, Der Mit Der Morgend�mmerung Kommt, Folge zu leisten. Nicht immer gern. Er nahm an, da� Rhuarc, ein breitschultriger, blau�ugiger Mann mit kr�ftigen wei�en Str�hnen im dunkelroten Haar f�r ihn Freundschaft empfand, aber die anderen gewi� nicht. Und es waren nur sechs von den zw�lf Clans.</p><p>Rand mi�achtete den Stuhl und setzte sich mit �bergeschlagenen Beinen den Aiel gegen�ber hin. Au�erhalb Rhuideans waren die einzigen St�hle in der ganzen W�ste die der Clanh�uptlinge, die nur von ihnen und nur aus drei Gr�nden ben�tzt wurden: um zum Clanh�uptling ausgerufen zu werden, um die ehrenvolle Unterwerfung eines Gegners entgegenzunehmen oder um Gericht zu halten. Wenn er vor diesen M�nnern jetzt den Stuhl ben�tzte, w�rde das hei�en, einer dieser drei Gr�nde tr�fe zu. Sie trugen alle den <emphasis>Cadin'sor,</emphasis> Wams und Hose in verschiedenen Grau- und Braunschattierungen, deren Farbe dem Boden in der W�ste angepa�t war, und weiche, bis zum Knie geschn�rte Stiefel. Selbst hier und bei einem Treffen mit dem Mann, den sie selbst zum <emphasis>Car'a'carn,</emphasis> zum H�uptling aller H�uptlinge, ausgerufen hatten, hatte jeder ein Messer mit breiter, schwerer Klinge am G�rtel und die graubraune Schufa wie ein Halstuch umgeh�ngt. Falls ein Mann sein Gesicht mit dem schwarzen Schleier verh�llte, der ein Teil der Schufa war, hie� das, er sei zum T�ten bereit. Und das war keineswegs ausgeschlossen. Diese M�nner hatten in einem nie endenden Zyklus von �berf�llen und Schlachten und Fehden gegeneinander gek�mpft. Sie beobachteten ihn, warteten auf ihn, aber die Wartehaltung eines Aiel sprach immer von Kampfbereitschaft, von schnellem und t�dlichem Zuschlagen.</p><p>Bael, der gr��te Mann, den Rand je gesehen hatte, und Jheran, schlank wie eine Klinge und schnell wie eine Natter, lagen so weit wie �berhaupt auf dem Teppich m�glich voneinander entfernt. Zwischen Baels Goshien und Jherans Shaarad herrschte Blutfehde. Sie war wohl durch die Anwesenheit des <emphasis>Car'a'carn</emphasis> ausgesetzt, aber keineswegs vergessen. Und vielleicht hielt auch noch der Friede von Rhuidean, trotz allem, was geschehen war. Dennoch bildeten die lieblichen Kl�nge der Harfe einen harten Kontrast zu der Weigerung Baels und Jherans, einander auch nur anzublicken. Sechs Augenpaare, blau oder gr�n oder grau, in sonnenverbrannten Gesichtern; neben den Aiel wirkte selbst ein Habicht noch zahm.</p><p>�Was mu� ich tun, um Reyn f�r mich zu gewinnen?� fragte er. �Ihr wart doch sicher, da� er kommen werde, Rhuarc.�</p><p>Der H�uptling der Taardad blickte ihn gelassen an. Sein Gesicht war so ausdruckslos, da� es h�tte aus Stein gemei�elt sein k�nnen. �Wartet. Einfach nur warten. Dhearic wird sie herbringen. Nach einer Weile.�</p><p>Der wei�haarige Han, der neben Rhuarc sa�, verzog den Mund, als wolle er ausspucken. Sein wettergegerbtes Gesicht zeigte wie immer einen s�uerlichen Ausdruck. �Dhearic hat schon bei zu vielen M�nnern und T�chtern des Speers zusehen m�ssen, wie sie tagelang dasa�en und in die Luft starrten und dann ihre Speere wegwarfen. Weggeworfen haben sie sie!�</p><p>�Und dann sind sie weggelaufen�, f�gte Bael leise hinzu. �Ich habe selbst welche gesehen unter den Goshien, sogar aus meiner eigenen Septime, die wegliefen. Genau wie du, Han, unter den Tomanelle. Wir alle haben zuschauen m�ssen, wie das geschah. Ich glaube nicht, da� ihnen klar ist, wohin sie rennen oder wovor sie weglaufen.�</p><p>�Feige Schlangen�, fauchte Jheran. Sein hellbraunes Haar war bereits mit Grau durchsetzt. Es gab keine jungen M�nner unter den Clanh�uptlingen der Aiel. �Stinkottern, die sich vor den eigenen Schatten davonwinden.� Ein Seitenblick zum gegen�berliegenden Ende des Teppichs machte klar, da� er damit die Goshien meinte und nicht nur diejenigen, die ihre Speere weggeworfen hatten. Bael machte Anstalten, sich zu erheben, wobei sich sein Gesicht wom�glich noch mehr verh�rtete, aber sein Nebenmann legte ihm beruhigend eine Hand auf den Arm. Bruan von den Nakai war gro� und stark genug f�r zwei Grobschmiede, doch er hatte eine ruhige und friedliche Natur, die gar nicht zu den Aiel zu passen schien. �Wir alle haben T�chter und M�nner weglaufen sehen.� Wie er es sagte, klang es beinahe schl�frig, genau wie seine grauen Augen dreinblickten, doch Rand wu�te es besser. Selbst Rhuarc betrachtete Bruan als einen t�dlichen Gegner und einen gewiegten Taktiker. Gl�cklicherweise war er neben Rhuarc Rands wichtigste St�tze. Oder besser: er folgte Ihm, Der Mit Der Morgend�mmerung Kommt, w�hrend er Rand al'Thor kaum kannte. �Genau wie du, Jheran. Du wei�t, wie schwer es war, dem ins Gesicht zu sehen, was sie in Konflikte brachte. Wenn du diejenigen nicht als Feiglinge bezeichnest, die starben, weil sie sich diesem Wissen nicht stellen wollten, dann kannst du doch wohl diejenigen nicht Feiglinge nennen, die aus dem gleichen Grund weglaufen, oder?�</p><p>�Sie h�tten es nie erfahren sollen�, knurrte Han und grub die H�nde in sein blaues Fransenkissen, als sei es die Kehle eines Feindes. �Das war nur f�r die bestimmt, die Rhuidean betreten und �berleben konnten.�</p><p>Er sprach zu niemandem bestimmten, aber nat�rlich waren die Worte f�r Rands Ohren gedacht. Es war Rand gewesen, der allen enth�llt hatte, was ein Mann erfuhr, wenn er den Wald der Glass�ulen auf dem gro�en Platz betrat, der genug enth�llt hatte, da� die H�uptlinge und die Weisen Frauen sich schlie�lich nicht weigern konnten, auch den Rest zu erz�hlen. Falls es jetzt noch in der W�ste einen Aiel gab, der die Wahrheit nicht wu�te, dann mu�te er bereits einen Monat lang mit keiner Menschenseele mehr gesprochen haben.</p><p>Die Aiel trugen keineswegs, wie die meisten geglaubt hatten, das Erbe ruhmreicher Schlachten in sich, sondern sie hatten ihre Geschichte als hilflose Fl�chtlinge nach der Zerst�rung der Welt begonnen. Nat�rlich war damals jeder �berlebende zum Fl�chtling geworden, aber die Aiel hatten sich nie als hilflos angesehen. Noch schlimmer: Sie waren Anh�nger des �Wegs des Blattes� gewesen und hatten sich somit geweigert, Gewalt anzuwenden, sogar zur Verteidigung des eigenen Lebens. Aiel hie� in der Alten Sprache �hingegeben�, und sie hatten sich dem Frieden hingegeben. Diejenigen, die sich heute Aiel nannten, waren die Nachkommen solcher, die den Schwur unz�hliger Generationen gebrochen hatten. Von der alten Lehre war nur noch ein kleiner Rest geblieben: Ein Aiel w�rde lieber sterben, als ein Schwert in die Hand nehmen. Das hatten sie immer als Teil ihres Stolzes angesehen, etwas, das sie von den anderen unterschied, die au�erhalb der W�ste lebten.</p><p>Er hatte Aiel sagen h�ren, da� sie eine S�nde begangen haben mu�ten, f�r die sie in die unwegsame W�ste verbannt worden waren. Jetzt wu�ten sie, was der Grund gewesen war. Die M�nner und Frauen, die Rhuidean erbaut hatten und hier gestorben waren, die man die Jenn Aiel genannt hatte oder den �Clan, den es nicht gab�, wenn man �berhaupt von ihnen sprach, waren diejenigen gewesen, die den Aes Sedai aus der Zeit vor der Zerst�rung die Treue gehalten hatten. Es war schwer, mit dem konfrontiert zu werden, was man immer f�r eine L�ge gehalten hatte.</p><p>�Es mu�te gesagt werden�, sagte Rand. <emphasis>Sie hatten ein Recht darauf, es zu erfahren. Ein Mensch sollte nicht eine L�ge leben m�ssen. Ihre eigene Weissagung behauptete, ich w�rde sie zerst�ren. Und ich h�tte sowieso nicht anders handeln k�nnen.</emphasis> Die Vergangenheit war vergangen und vorbei; jetzt mu�te er sich �ber die Zukunft Gedanken machen. <emphasis>Einigen dieser M�nner bin ich unsympathisch, andere hassen mich, weil ich nicht als einer von ihnen geboren wurde, aber sie folgen mir. Ich brauche sie alle.</emphasis> �Wie steht es mit den Miagoma?�</p><p>Erim, der zwischen Rhuarc und Han lag, sch�ttelte den Kopf. Sein einstmals leuchtend rotes Haar war zur H�lfte wei�, aber seine gr�nen Augen blickten genauso lebhaft drein wie die eines jungen Mannes. Seine gro�en H�nde, breit, lang und hart, zeigten, da� auch seine Arme noch stark sein mu�ten. �Timolan l��t seine F��e nicht wissen, wohin er springen wird, bis er bereits gesprungen ist.�</p><p>�Als Timolan noch ein junger H�uptling war�, sagte Jheran, �versuchte er, die Clans zu vereinen, und scheiterte. Es wird ihm nicht leichtfallen, anzuerkennen, da� nun endlich einer gekommen ist, der schafft, woran er scheiterte.�</p><p>�Er wird kommen�, sagte Rhuarc. �Timolan hat sich selbst nie f�r Ihn gehalten, Der Mit Der Morgend�mmerung kommt. Und Janwin wird die Shiande bringen. Aber sie warten noch. Sie m�ssen erst ihre innere Zerrissenheit beherrschen lernen.�</p><p>�Sie m�ssen damit fertigwerden, da� Er, Der Mit Der Morgend�mmerung Kommt, ein Feuchtl�nder ist�, wetterte Han. �Nichts f�r ungut, <emphasis>Car'a'carn.�</emphasis> In seiner Stimme schwang keinerlei Unterw�rfigkeit mit; ein H�uptling war zwar kein K�nig, aber der H�uptling aller H�uptlinge eben auch nicht. Im besten Fall war er der Erste unter Gleichen.</p><p>�Ich glaube, auch die Daryne und die Codarra werden schlie�lich kommen�, sagte Bruan ruhig. Und schnell, damit aus seinem Schweigen kein Grund erwachsen konnte, den Tanz der Speere zu tanzen. Im besten Fall der Erste unter Gleichen. �Sie haben mehr als alle anderen Clans an die Trostlosigkeit verloren.� Die Aiel hatten sich angew�hnt, die lange Periode so zu nennen, in denen jemand ins Leere starrte, bevor er oder sie vor der Tatsache wegzulaufen versuchte, ein Aiel zu sein. �Im Augenblick sind Mandelain und Indirian damit besch�ftigt, ihre Clans zusammenzuhalten, und beide werden die Drachen an Euren Armen selbst begutachten wollen, deshalb werden sie kommen.�</p><p>Damit blieb nur noch ein Clan unerw�hnt, den keiner der H�uptlinge ins Spiel bringen wollte. �Was gibt es Neues von Couladin und den Shaido?� fragte Rand schlie�lich von sich aus.</p><p>Schweigen folgte seinen Worten, nur durchbrochen von den leisen, getragenen Kl�ngen der Harfe im Hintergrund. Jeder wartete darauf, da� der andere spr�che, und alle zeigten � soweit man das einem Aiel ansehen konnte �etwas wie Unbehagen. Jheran blickte finster seinen Daumennagel an, und Bruan spielte mit einer der silbernen Fransen an seinem gr�nen Sitzkissen. Selbst Rhuarc betrachtete interessiert den Teppich.</p><p>In Wei� geh�llte M�nner und Frauen mit eleganten Bewegungen f�llten die Stille, indem sie Wein in geh�mmerte Silberbecher gossen, die neben jedem Mann standen. Sie brachten dazu noch kleine Silberschalen mit Oliven, die in der W�ste eine Seltenheit darstellten, wei�en Schafsk�se und die hellen, gerunzelten N�sse, die man bei den Aiel <emphasis>Pecara</emphasis> nannte. Die Aielgesichter unter den wei�en Kapuzen wirkten ungewohnt dem�tig. Den Blick hatten sie meist zu Boden gesenkt.</p><p>Ob sie nun nach einer Schlacht gefangengenommen oder bei einem �berfall geraubt worden waren, hatten die <emphasis>Gai'schain</emphasis> schw�ren m�ssen, ein Jahr und einen Tag lang gehorsam zu dienen, keine Waffe zu ber�hren, keine Gewalt zu gebrauchen, und nach Ablauf dieser Frist durften sie zum eigenen Clan und der eigenen Septime zur�ckkehren, als sei nichts geschehen. Ein eigenartiges Echo, sicher auch noch vom Weg des Blattes ausgel�st. <emphasis>Ji'e'toh,</emphasis> Ehre und Pflicht, verlangten es so, und <emphasis>Ji'e'toh</emphasis> zu brechen war wohl das Schlimmste, was ein Aiel tun konnte. Es war durchaus m�glich, da� einige dieser M�nner und Frauen den eigenen Clanh�uptling bedienten, aber niemand w�rde das auch nur durch ein Wimpernzucken zeigen, solange er oder sie noch als <emphasis>Gai'schain</emphasis> dienen mu�te � nicht einmal ein Sohn oder eine Tochter w�rde hier den eigenen Vater begr��en.</p><p>Mit einemmal kam Rand der Gedanke, da� hier auch der wahre Grund zu suchen sei, warum einige Aiel das, was er ihnen enth�llt hatte, so schwer nahmen. Ihnen mu�te es vorkommen, als h�tten ihre Vorfahren einen Eid als <emphasis>Gai'schain</emphasis> abgelegt, der nicht nur f�r sie selbst, sondern f�r alle k�nftigen Generationen galt. Und diese Generationen � alle, bis zum heutigen Tag � hatten gegen <emphasis>Ji'e'toh</emphasis> versto�en, indem sie den Speer aufnahmen. Hatten die M�nner, die jetzt vor ihm sa�en und lagen, diesen Gedanken ebenfalls durchgespielt? <emphasis>Ji'e'toh</emphasis> war f�r die Aiel eine sehr ernste Angelegenheit.</p><p>Die <emphasis>Gai'schain</emphasis> schl�pften auf weichen Sohlen fast lautlos hinaus. Keiner der Clanh�uptlinge jedoch ber�hrte den Wein oder die Speisen.</p><p>�Gibt es Anla� zur Hoffnung, da� Couladin sich mit mir zu Verhandlungen trifft?� Rand war klar, da� es keine Hoffnung gab. Er hatte aufgeh�rt, Boten mit der Aufforderung zu einem Zusammentreffen hinzuschicken, als er erfuhr, da� Couladin den Boten bei lebendigem Leib die Haut abziehen lie�. Aber auf diese Weise wollte er die anderen zum Sprechen bringen.</p><p>Han schnaubte. �Das einzige, was wir von ihm h�rten, war, da� er beim n�chsten Zusammentreffen Euch die Haut abziehen will. Klingt das, als sei er zum Verhandeln bereit?�</p><p>�Kann ich ihm die Shaido abspenstig machen?�</p><p>�Sie folgen ihm�, sagte Rhuarc. �Er ist nicht einmal H�uptling, aber sie nehmen es ihm ab.� Couladin war niemals zwischen jene Glass�ulen getreten. Vielleicht glaubte er sogar, so wie er behauptete, da� alles, was Rand gesagt hatte, blo�e L�ge sei. �Er sagt, er sei der <emphasis>Car'a'carn,</emphasis> und auch das glauben sie ihm. Die T�chter des Speers von den Shaido kamen ausschlie�lich ihrer Gemeinschaft wegen hierher, denn die <emphasis>Far Dareis Mai</emphasis> bewahrten Eure Ehre. Die anderen werden nicht kommen.�</p><p>�Wir schicken Kundschafter, um sie unter Beobachtung zu halten�, sagte Bruan, �und die Shaido t�ten sie, wenn sie k�nnen. Couladin ist dabei, ein halbes Dutzend verschiedener Blutfehden auszul�sen. Doch wenigstens gibt es noch kein Anzeichen daf�r, da� er uns hier angreifen will. Ich habe geh�rt, er behaupte, wir h�tten Rhuidean entweiht, und wenn er uns jetzt angreift, w�rde das nur die Entweihung verschlimmern.�</p><p>Erim knurrte etwas und verlagerte sein Gewicht auf dem Kissen. �Er meint damit, hier bef�nden sich gen�gend Speere, um jeden seiner Shaido zweimal zu t�ten und noch mehr.� Er schob sich einen Brocken wei�en K�se in den Mund und grollte noch: �Die Shaido waren schon immer Feiglinge und Diebe.�</p><p>�Ehrlose Hunde�, sagten Bael und Jheran im Chor, und dann sahen sie sich an, als f�rchteten sie, der andere habe sie irgendwie zu dieser Aussage verf�hrt.</p><p>�Ehrlos oder nicht�, warf Bruan beruhigend ein, �Couladins Heer w�chst jedenfalls.� So ruhig er auch klang, er mu�te doch erst einen tiefen Zug aus seinem Becher nehmen, bevor er weitersprach: �Ihr wi�t alle, wovon ich spreche. Einige von denen, die nach der Trostlosigkeit weglaufen, werfen ihre Speere nicht fort. Statt dessen vereinigen sie sich mit denen aus ihrer Gemeinschaft unter den Shaido.�</p><p>�Kein Tomanelle hat jemals seinen Clan verlassen�, rief Han zornig.</p><p>Bruan blickte an Rhuarc und Erim vorbei den H�uptling der Tomanelle an und sagte betont: �Das ist in jedem Clan mittlerweile vorgekommen.� Ohne auf einen weiteren Widerspruch zu warten, legte er sich auf seinem Kissen zur�ck. �Man kann das auch nicht so sehen, da� sie ihren Clan verlie�en. Sie schlie�en sich ihrer Kriegergemeinschaft an. Wie die T�chter des Speers von den Shaido, die hierher zu ihrem Dach gekommen sind.�</p><p>Es gab ein wenig Gemurre, doch diesmal widersprach keiner. Die Regeln in bezug auf die Kriegergemeinschaften der Aiel waren kompliziert, und auf gewisse Weise f�hlten sich ihre Mitglieder genauso an sie gebunden wie an ihren Clan. So k�mpften beispielsweise Mitglieder der gleichen Gemeinschaft nicht gegeneinander, auch wenn ihre Clans eine Blutfehde ausfochten. Einige M�nner heirateten eine Frau nicht, wenn sie zu eng mit einem Mitglied der eigenen Kriegergemeinschaft verwandt war, als sei sie dadurch eine eigene Blutsverwandte. �ber die Sitten der <emphasis>Far Dareis Mai,</emphasis> der T�chter des Speers, wollte Rand lieber erst gar nicht nachdenken.</p><p>�Ich mu� wissen, was Couladin vorhat�, sagte er zu ihnen. Couladin war wie ein Stier mit einer Biene im Ohr �er konnte in jeder m�glichen Richtung losst�rmen. Rand z�gerte. �W�rde es die Ehre verletzen, wenn wir Leute aussenden, die sich den Mitgliedern ihrer Gemeinschaften bei den Shaido anschlie�en?� Er mu�te sich nicht ausf�hrlicher erkl�ren. Alle versteiften sich auf ihren Kissen und starrten ihn voller K�lte an, als wollten sie die Hitze aus dem Raum vertreiben.</p><p>�Auf diese Weise zu spionieren� � Erim verzog den Mund bei dem Ausdruck �spionieren�, als sei das blo�e Wort schon eine Beleidigung � �w�re genauso, als verrate man die Geheimnisse der eigenen Septime. Niemand mit Ehre im Leib w�rde so etwas tun!�</p><p>Rand verkniff es sich, zu fragen, ob man vielleicht jemanden mit einem etwas lockereren Ehrbegriff finden k�nne. Der Humor bei den Aiel war eine eigenartige Sache, oftmals sogar grausam, aber es gab F�lle, in denen verstanden sie absolut keinen Spa�.</p><p>Um das Thema zu wechseln, fragte er: �Gibt es irgendwelche Nachrichten von jenseits des Drachenwalls?� Er kannte die Antwort, denn diese Art von Neuigkeiten sprach sich selbst bei der Anzahl von Aiel schnell herum, wie sie hier vor Rhuidean versammelt war.</p><p>�Nichts Nennenswertes�, antwortete Rhuarc. �Bei den Streitigkeiten unter den Baumm�rdern kommen nur wenige H�ndler ins Dreifache Land.� So nannten die Aiel ihre W�ste: zum einen Bu�e f�r ihre S�nde, dann als Ort, an dem sie ihren Mut beweisen mu�ten, und schlie�lich als Ambo�, auf dem sie zurechtgeschmiedet wurden. Als Baumm�rder bezeichneten sie die Bewohner Cairhiens. �Das Drachenbanner weht noch �ber dem Stein von Tear. Die Taierener sind nach Norden marschiert, wie Ihr angeordnet hattet, und haben unter den Baumm�rdern Lebensmittel verteilt. Sonst nichts.�</p><p>�Ihr h�ttet die Baumm�rder verhungern lassen sollen�, brummte Bael, und Jheran schlo� eiligst den Mund. Rand vermutete, er habe gerade dasselbe sagen wollen.</p><p>�Die Baumm�rder sind zu nichts anderem gut, als entweder get�tet oder wie Vieh in Shara verkauft zu werden�, sagte Erim zornig. Das waren zwei der Strafen, die bei den Aiel �blich waren, wenn man uneingeladen in die W�ste kam. Nur Gaukler, H�ndler und Kesselflicker hatten uneingeschr�nkt Zugang, obwohl die Aiel die Kesselflicker mieden wie die Pest. Shara nannten sie die L�nder jenseits der W�ste. Nicht einmal die Aiel wu�ten viel �ber sie.</p><p>Aus dem Augenwinkel sah Rand zwei Frauen, die erwartungsvoll gerade innerhalb des hohen T�rbogens standen. Jemand hatte einen Vorhang aus mit bunten Glasperlen beh�ngten Schn�ren angebracht, rot und blau, um die fehlende T�r zu ersetzen. Eine der Frauen war Moiraine. Einen Augenblick lang �berlegte er sich, ob er sie warten lassen solle. Moiraine hatte wieder diesen aufreizenden Kommandoblick an sich und erwartete offensichtlich, da� sie alles unterbr�chen, um sie anzuh�ren. Andererseits war aller Diskussionsstoff ohnehin verbraucht, und sie sah wohl auch den M�nnern an, da� sie keine Lust zum Plaudern hatten. Nicht jetzt, wo man gerade an die Trostlosigkeit und die Shaido denken mu�te.</p><p>Seufzend stand er auf, und die H�uptlinge taten es ihm nach. Alle au�er Han waren genauso gro� oder noch gr��er als er. Wo Rand aufgewachsen war, h�tte man Hans Gr��e als durchschnittlich oder sogar etwas �berdurchschnittlich betrachtet, w�hrend er unter den Aiel als klein galt. �Ihr wi�t, was Ihr zu tun habt. Holt die restlichen Clans her und behaltet die Shaido im Auge.� Er schwieg einen Moment lang und f�gte dann hinzu: �Es wird schon gut ausgehen. So gut f�r die Aiel, wie ich es nur fertigbringe.�</p><p>�Es wurde geweissagt, da� Ihr uns vernichten werdet�, sagte Han m�rrisch, �und Ihr habt gut damit begonnen. Und doch werden wir Euch folgen. Bis der Schatten verflogen�, zitierte er, �bis das Wasser versickert ist, in den Schatten hinein mit gebleckten Z�hnen, bis zum letzten Atemzug Widerspruch schreiend, um am Letzten Tag dem Sichtblender ins Auge zu spucken.� Sichtblender war eine der Aielbezeichnungen f�r den Dunklen K�nig.</p><p>Rand blieb nichts anderes �brig, als eine geziemende Antwort zu geben. Einst hatte er sie nicht gekannt. �Bei meiner Ehre und dem Licht wird mein Leben zum Dolch im Herzen des Sichtblenders werden.�</p><p>�Bis zum Letzten Tag�, beendete der Aiel die zeremoniellen S�tze, �und zum Shayol Ghul selbst.� Der Harfner spielte friedlich weiter. Die H�uptlinge dr�ngten sich an den beiden Frauen vorbei, wobei sie Moiraine mit respektvollen Blicken bedachten. Sie hatten aber offensichtlich keine Angst vor ihr. Rand w�nschte, er bes��e ebensoviel Selbstsicherheit. Moiraine hatte zu viele Pl�ne f�r ihn, zu viele M�glichkeiten, ihn als Marionette zu ben�tzen, ohne da� er es �berhaupt bemerkte.</p><p>Die beiden Frauen traten ein, sobald die H�uptlinge weg waren. Moiraine wirkte so k�hl und elegant wie immer: eine kleine, h�bsche Frau, ob mit oder ohne die typische Alterslosigkeit der Aes Sedai. Sie hatte das feuchte Tuch zur K�hlung ihrer Schl�fen abgelegt. Statt dessen hing auf ihrer Stirn an einer feinen goldenen Kette, die in ihrem dunklen Haar befestigt war, ein kleiner blauer Edelstein. Es h�tte aber auch nichts bedeutet, wenn sie an dieser Stelle das Tuch belassen h�tte; nichts konnte ihre k�nigliche Haltung mindern. Sie erschien allen f�r gew�hnlich einen Fu� gr��er, als sie tats�chlich war, und in ihren Augen standen Selbstvertrauen und �berlegenheit.</p><p>Die andere Frau war gr��er, wenn sie ihm auch nicht bis an die Schulter reichte, und jung, also keineswegs alterslos. Es war Egwene, mit der er aufgewachsen war. Nun konnte sie sich fast, wenn man die gro�en, dunklen Augen mi�achtete, als Aielfrau ausgeben, und das nicht nur ihres sonnenverbrannten Gesichts und der H�nde wegen. Sie trug den bei den Aiel �blichen Rock aus brauner Wolle und eine lose h�ngende wei�e Bluse aus einer Pflanzenfaser, die <emphasis>Algode</emphasis> genannt wurde. <emphasis>Algode</emphasis> war weicher als selbst die feinstgesponnene Wolle. Falls er je die Aiel dazu bringen konnte, w�re das eine hervorragende Handelsware. Um Egwenes Schultern hing ein graues Dreieckstuch, und sie hatte sich einen ebenfalls grauen Schal zusammengerollt und um die Stirn gebunden, der ihr schulterlanges, dunkles Haar zur�ckhielt. Anders als die Aielfrauen trug sie aber nur einen Armreif aus Elfenbein, in Form eines Flammenringes geschnitzt, und nur eine einzige Halskette aus Gold mit Elfenbeinperlen. Und noch etwas: einen Gro�en Schlangenring an der linken Hand.</p><p>Egwene hatte sich von einigen Weisen Frauen der Aiel ausbilden lassen. Rand wu�te nicht genau, worin, er vermutete aber, es m�sse um Tr�ume gehen. Egwene und die Aielfrauen h�llten sich in Schweigen, wenn es um dieses Thema ging. Vorher aber hatte sie auch in der Wei�en Burg studiert. Sie war dort eine der Aufgenommenen und auf dem Weg, eine Aes Sedai zu werden. Und zumindest hier und in Tear hatte sie sich bereits als fertige Aes Sedai ausgegeben. Manchmal zog er sie deshalb auf, doch sie vertrug seine Scherze in dieser Beziehung offensichtlich nicht.</p><p>�Die Wagen werden bald bereit sein, nach Tar Valon zu fahren�, sagte Moiraine. Ihre Stimme klang kristallklar und melodi�s.</p><p>�Schickt eine starke Bewachung mit�, sagte Rand, �sonst bringt Kadere sie vielleicht nicht dorthin, wo Ihr sie haben wollt.� Er wandte sich wieder den Fenstern zu, weil er hinausblicken und �ber Kadere nachdenken wollte. �Ihr habt mich ja auch zuvor nicht gebraucht, um Euer H�ndchen zu halten oder Euch eine Erlaubnis zu erteilen.�</p><p>Pl�tzlich schien ihn etwas von hinten auf die Schulter zu treffen, wie ein Schlag mit einem dicken Hickorystock. Nur eine leichte G�nsehaut, so unwahrscheinlich das bei dieser Hitze war, sagte ihm, da� eine der Frauen soeben die Macht ben�tzt hatte.</p><p>Er drehte sich schnell zu ihnen hin, griff gleichzeitig nach <emphasis>Saidin</emphasis> und f�llte sich mit der Einen Macht. Es war ein Gef�hl, als wachse das Leben selbst in ihm, als lebte er mit einem Mal zehnfach, hundertfach. Auch die Verderbnis des Dunklen K�nigs f�llte ihn mit Tod und Verwesung, als krabbelten Maden in seinem Mund. Der ganze Strom drohte ihn wegzuschwemmen. Er mu�te jeden Augenblick gegen die rei�ende Flut ank�mpfen. Er war inzwischen schon fast daran gew�hnt, und doch w�rde er sich nie daran gew�hnen k�nnen. Er wollte sich f�r alle Ewigkeit an der S��e <emphasis>Saidins</emphasis> festklammern, und doch h�tte er sich fast �bergeben. Und die ganze Zeit �ber bem�hte sich diese Sintflut, ihn bis auf die Knochen zu entbl��en und auch noch die Knochen selbst zu Asche zu verbrennen.</p><p>Die Verderbnis w�rde ihn eines Tages in den Wahnsinn treiben, falls ihn die Macht nicht schon vorher ausbrannte. Es war wie ein Wettrennen zwischen beiden. Der Wahnsinn war jedem Mann zum Verh�ngnis geworden, der seit dem Beginn der Zerst�rung der Welt die Macht ben�tzt hatte, seit dem Tag, an dem Lews Therin Telamon, der Drache, und seine Hundert Gef�hrten das Gef�ngnis des Dunklen K�nigs im Shayol Ghul versiegelt hatten. Der letzte R�cksto� der Macht bei dieser Versiegelung hatte die m�nnliche H�lfte der Wahren Quelle vergiftet, und M�nner, die mit der Macht umgehen konnten, Wahnsinnige, die die Macht lenkten, hatten die Welt entzweigefetzt.</p><p>Er f�llte sich mit der Macht... Und er wu�te trotzdem nicht, welche der beiden Frauen das getan hatte. Beide blickten ihn voller Unschuld an, jede mit beinahe gleicherma�en fragend hochgezogener Augenbraue, unschuldig, doch leicht am�siert. Eine von ihnen oder sogar beide f�llten sich vielleicht in diesem Augenblick mit der Macht aus der weiblichen H�lfte der Wahren Quelle, aber er konnte das nicht feststellen.</p><p>Sicher, ein Stockschlag �ber die Schultern war nicht Moiraines Stil. Sie fand gew�hnlich andere Wege, um zu bestrafen, subtilere, die am Ende dann um so schmerzhafter waren. So war er sich einigerma�en sicher, da� es Egwene gewesen war, aber er unternahm nichts. Beweise. Der Gedanke glitt an der Au�enwand des Nichts entlang, w�hrend er drinnen schwebte, in der Leere, in der alle Gedanken und Gef�hle, selbst sein Zorn, weit weg waren. <emphasis>Ich werde nichts ohne Beweise unternehmen. Diesmal lasse ich mich nicht zu einer Reaktion verf�hren.</emphasis> Sie war ja auch nicht mehr die alte Egwene, mit der er aufgewachsen war. Seit Moiraine sie hingesandt hatte, war sie ein Teil der Burg geworden. Wieder Moiraine. Immer Moiraine. Manchmal w�nschte er, er k�nne Moiraine loswerden. <emphasis>Nur manchmal?</emphasis></p><p>Er konzentrierte sich auf sie. �Was wollt Ihr von mir?� Seine Stimme klang gepre�t und kalt in den eigenen Ohren. Die Macht raste in ihm. Egwene hatte ihm erz�hlt, da� die Ber�hrung <emphasis>Saidars,</emphasis> der weiblichen H�lfte der Wahren Quelle, wie eine Umarmung sei. Bei einem Mann dagegen war es immer ein gnadenloser Kampf. �Und erw�hnt die Wagen nicht mehr, kleine Schwester. Gew�hnlich erfahre ich erst, was Ihr vorhabt, lange nachdem Ihr es getan habt.�</p><p>Die Aes Sedai runzelte die Stirn, und das war ja auch kein Wunder. Sie war bestimmt nicht daran gew�hnt, so genannt zu werden, von keinem Mann, auch nicht dem Wiedergeborenen Drachen. Er hatte selbst keine Ahnung, wie er auf dieses �kleine Schwester� gekommen war. In letzter Zeit tauchten immer wieder ungewollt Worte in seinem Verstand auf. Vielleicht war das ein Anflug des Wahnsinns. Er lag oftmals nachts stundenlang im Bett und konnte nicht schlafen, weil er dar�ber nachgr�belte. Innerhalb des Nichts schien es, als m�sse sich ein ganz anderer dar�ber Gedanken machen.</p><p>�Wir sollten allein miteinander sprechen.� Sie warf dem Harfner einen k�hlen Blick zu.</p><p>Jasin Natael, wie er sich hier nannte, lag halb ausgestreckt auf Kissen an einer der fensterlosen W�nde und spielte leise auf der Harfe, die er auf ein Knie gest�tzt hatte. Der obere Arm des Instruments war so geschnitzt und vergoldet, da� er den Gesch�pfen auf Rands Unterarmen glich. Drachen, wie die Aiel sie nannten. Rand konnte nur vermuten, woher Natael das Ding hatte. Er war ein dunkelhaariger Mann, der au�erhalb der Aiel-W�ste sicher als hochgewachsen gegolten h�tte, und von mittleren Jahren. Wams und Hose bestanden aus dunkelblauer Seide, die gut an einen K�nigshof gepa�t h�tte bei dieser Qualit�t, und waren mit kunstvollen Goldstickereien an Kragen und Manschetten verziert. Er hatte seine Kleidung trotz der Hitze bis obenhin zugekn�pft und �gebunden. Die feinen Kleider pa�ten nicht zu seinem Gauklerumhang, der neben ihm ausgebreitet lag. Es war ein durchaus fester Umhang, aber mit Hunderten von Flicken in beinahe ebenso vielen Farben geschm�ckt, die so aufgen�ht waren, da� sie beim kleinsten Luftzug flatterten. Dieser Umhang bedeutete, da� man es mit einem fahrenden Gaukler zu tun hatte, einem Jongleur und Akrobaten, Musiker und Geschichtenerz�hler, der von Dorf zu Dorf wanderte. Und das war ja wohl kein Mann, der Seide tragen w�rde. Der Mann war offensichtlich eitel. Er schien im Moment ganz in seiner Musik aufzugehen.</p><p>�Ihr k�nnt alles, was Ihr wollt, vor Natael sagen�, gab ihr Rand zur Antwort. �Er ist schlie�lich der pers�nliche Gaukler des Wiedergeborenen Drachen.� Falls die Geheimhaltung in diesem Fall wirklich so wichtig war, w�rde sie darauf bestehen, und er w�rde Natael wegschicken, obwohl er den Mann nicht gern aus den Augen verlor.</p><p>Egwene schnaubte vernehmlich und r�ckte die Stola auf ihren Schultern zurecht. �Dein Kopf ist geschwollen wie eine �berreife Melone, Rand al'Thor.� Sie sagte das emotionslos wie eine klare Feststellung.</p><p>Zorn stieg au�erhalb des Nichts empor. Nicht, weil sie das gesagt hatte; schon als sie Kinder waren, hatte sie ihn immer wieder zurechtgestutzt, ob er es verdient hatte oder nicht. Aber in letzter Zeit hatte sie sich angew�hnt, Hand in Hand mit Moiraine zu arbeiten, ihn aus dem Gleichgewicht zu bringen, damit ihn die Aes Sedai dann herumschubsen konnte, wie sie wollte. Als sie j�nger waren, bevor sie erfuhren, was er war, hatten Egwene und er immer erwartet, eines Tages zu heiraten. Und nun schlug sie sich gegen ihn auf die Seite Moiraines.</p><p>Mit hartem Gesichtsausdruck sprach er grober, als er eigentlich wollte: �Sagt mir, was Ihr w�nscht, Moiraine. Sagt es mir hier und jetzt, oder wartet damit, bis ich Zeit f�r Euch habe. Ich bin sehr besch�ftigt.� Das war eine glatte L�ge. Die meiste Zeit �ber �bte er sich mit Lan im Schwertkampf oder mit Rhuarc im Umgang mit dem Speer, oder er lernte von beiden, wie man nur mit H�nden und F��en k�mpft. Aber wenn er heute mit Grobheit etwas erreichen konnte, dann nur zu. Natael konnte ruhig alles h�ren. Fast alles. Solange Rand nur immer wu�te, wo er sich gerade aufhielt.</p><p>Moiraine und Egwene machten b�se Mienen, doch die echte Aes Sedai schien schlie�lich einzusehen, da� er diesmal nicht nachgeben werde. Sie warf Natael einen Blick zu und verzog leicht den Mund. Der Mann schien nach wie vor in seiner Musik aufzugehen. Dann zog sie ein dickes, in graue Seide gewickeltes B�ndel aus ihrer Tasche.</p><p>Sie wickelte es auf und legte den Inhalt auf den Tisch: eine Scheibe von der Gr��e einer M�nnerhand, zur H�lfte matt schwarz und die andere H�lfte reinstes Wei�. Die beiden Farben trafen sich in einer Schlangenlinie genau in der Mitte und bildeten so zwei aneinandergef�gte Tr�nen. Das war vor der Zerst�rung der Welt das Symbol der Aes Sedai gewesen, doch diese Scheibe war mehr als das. Nur sieben davon waren jemals angefertigt worden � als Siegel auf dem Gef�ngnis des Dunklen K�nigs. Oder genauer: Jede war ein Brennpunkt f�r eines der Siegel. Sie zog ihr Messer vom G�rtel. Mit der scharfen Klinge kratzte Moiraine vorsichtig an der Kante der Scheibe. Und ein d�nner, tiefschwarzer Splitter sprang ab.</p><p>Selbst in der Blase des Nichts geborgen schnappte Rand nach Luft. Die Leere bebte, und einen Augenblick lang h�tte ihn fast die Macht �berw�ltigt. �Ist das eine Kopie? Eine F�lschung?�</p><p>�Ich habe es unten auf dem Platz gefunden�, sagte Moiraine. �Es ist tats�chlich echt. Das eine, das ich von Tear mitgebracht habe, ist genau gleich.� So wie sie es sagte, h�tte sie auch �ber Erbsensuppe zum Mittagessen sprechen k�nnen. Egwene andererseits hatte ihre Stola zusammengezogen, als fr�re sie.</p><p>Rand sp�rte, wie sich auch in ihm die Angst breitmachte und �ber die Oberfl�che des Nichts rann. Es kostete M�he,</p><p><emphasis>Saidin</emphasis> fahren zu lassen, doch er zwang sich dazu. Falls seine Konzentration zu sehr gest�rt wurde, w�rde ihn die Macht auf der Stelle ausbrennen, und er brauchte seine ganze Aufmerksamkeit f�r das vor ihm auf dem Tisch liegende Problem. Trotzdem und obwohl er froh war, die Verderbnis nicht mehr zu sp�ren, war es f�r ihn wie ein schwerer Verlust.</p><p>Dieser Splitter, der jetzt auf der Tischfl�che schimmerte, war eine Unm�glichkeit. Diese Scheiben waren aus <emphasis>Cuendillar</emphasis> angefertigt, Herzstein, und nichts aus diesem Material konnte zerbrechen. Nicht einmal mit Hilfe der Einen Macht konnte man es zerst�ren. Welche Kraft auch immer dagegen eingesetzt wurde, machte es nur immer st�rker. Das Geheimnis der Anfertigung von Herzstein war w�hrend der Zerst�rung der Welt verlorengegangen, aber was auch im Zeitalter der Legenden daraus angefertigt worden war, existierte noch immer, selbst die zerbrechlichste Vase, selbst, wenn es durch die Zerst�rung auf den tiefsten Meeresgrund versunken oder unter einem Berg begraben worden war. Sicher, drei der sieben Siegel waren bereits erbrochen, aber dazu hatte ganz gewi� etwas mehr geh�rt als ein Messer.</p><p>Davon abgesehen wu�te er auch nicht, wie diese drei wirklich erbrochen worden waren. Wenn au�er dem Sch�pfer selbst nichts Herzstein zerbrechen konnte, dann sollte das doch unm�glich sein.</p><p>�Wie?� fragte er und war �berrascht, da� seine Stimme genauso fest klang wie zu der Zeit, als ihn das Nichts umgeben hatte.</p><p>�Ich wei� es nicht�, sagte Moiraine mit derselben �u�erlichen Ruhe. �Aber Ihr seht, wo das Problem liegt?</p><p>Das hier k�nnte durch einen blo�en Fall vom Tisch zerbrechen. Falls die anderen, wo sie sich auch befinden m�gen, im gleichen Zustand sind, k�nnten vier M�nner mit H�mmern das Loch im Gef�ngnis des Dunklen K�nigs wieder aufbrechen. Und wer wei�, wie wirksam sie in diesem Zustand �berhaupt noch sind?�</p><p>Das sah Rand ein. <emphasis>Ich bin noch nicht bereit.</emphasis> Er war nicht sicher, ob er jemals bereit sein w�rde, aber jetzt war es ganz sicher zu fr�h. Egwene sah aus, als blicke sie in ihr eigenes offenes Grab.</p><p>Moiraine wickelte die Scheibe wieder ein und steckte sie in die Tasche zur�ck. �Vielleicht f�llt mir eine M�glichkeit ein, bevor ich das nach Tar Valon bringe. Wenn wir wissen, wie das geschah, finden wir vielleicht eine M�glichkeit, etwas dagegen zu tun.� Ihn packte die Vision, wie der Dunkle K�nig wieder vom Shayol Ghul aus nach der Welt griff, schlie�lich wieder ganz in Freiheit war... In seiner Vorstellung bedeckten Feuer und Dunkelheit die Welt, Flammen, die verschlangen und dennoch kein Licht warfen; Schw�rze, so fest wie Stein, die selbst die Luft erdr�ckte. Mit diesem Bild im Kopf dauerte es einen Augenblick, bis er aufnahm, was Moiraine gerade gesagt hatte. �Ihr wollt selbst hinreisen?� Er hatte geglaubt, sie werde weiter an ihm kleben wie Moos an einem Felsblock. <emphasis>Willst du das nicht auch?</emphasis></p><p>�Irgendwann�, erwiderte Moiraine leise. �Irgendwann werde ich hingehen, denn schlie�lich mu� ich Euch einmal verlassen. Was sein wird, mu� sein.� Rand glaubte zu bemerken, da� sie bebte, doch es geschah zu schnell, und er konnte es sich auch eingebildet haben. Im n�chsten Moment war sie wieder vollkommen sicher und beherrscht.</p><p>�Ihr m��t bereit sein.� Das weckte unangenehme Erinnerungen an seine eigenen Zweifel. �Wir sollten �ber Eure Planung sprechen. Ihr k�nnt hier nicht viel l�nger herumsitzen. Selbst wenn die Verlorenen gar nicht planen, Euch zu verfolgen, sind sie doch dort drau�en und vergr��ern ihre Macht. Die Aiel zusammenzurufen wird Euch nicht viel n�tzen, wenn Ihr anschlie�end herausfindet, da� alles Land jenseits des R�ckgrats der Welt in ihren H�nden ist.�</p><p>Schmunzelnd lehnte sich Rand an den Tisch. Also war dies auch wieder nur einer ihrer Winkelz�ge; wenn er nicht wollte, da� sie ging, w�rde er m�glicherweise eher auf sie h�ren und k�nnte leichter gelenkt werden. Sie konnte nat�rlich nicht l�gen; jedenfalls nicht direkt. Daf�r sorgte einer der ber�hmten Drei Eide: Sie konnte kein unwahres Wort �ber die Lippen bringen. Doch er hatte erfahren, da� dies noch immer reichlich Ellbogenfreiheit lie�. Sie w�rde ihn jedenfalls irgendwann allein lassen. Zweifellos nach seinem Tod.</p><p>�Ihr wollt also �ber <emphasis>meine</emphasis> Planung sprechen�, sagte er trocken. Er zog eine kurzstielige Pfeife und einen ledernen Tabaksbeutel aus der Tasche, stopfte die Pfeife mit dem Daumen und ber�hrte ganz kurz <emphasis>Saidin,</emphasis> um eine kleine Flamme �ber dem Tabak tanzen zu lassen. �Warum? Es sind <emphasis>meine</emphasis> Pl�ne.� Er paffte gem�tlich und wartete, trotz Egwenes w�tender Miene.</p><p>Der Gesichtsausdruck der Aes Sedai �nderte sich nicht, aber ihre gro�en, dunklen Augen schienen zu gl�hen. �Was habt Ihr angerichtet, als Ihr Euch geweigert habt, Euch meiner F�hrung anzuvertrauen?� Ihre Stimme klang genauso k�hl, wie ihr Gesicht wirkte, doch die Worte kamen wie Peitschenhiebe heraus. �Wo immer Ihr hinkamt, habt Ihr Tod, Zerst�rung und Krieg hinterlassen.�</p><p>�In Tear nicht�, sagte er ein wenig zu schnell. Und zu schuldbewu�t. Er durfte sich nicht von ihr aus dem Gleichgewicht bringen lassen. Entschlossen und langsam paffte er an seiner Pfeife.</p><p>�Nein�, gab sie zu, �in Tear nicht. Zum erstenmal hattet Ihr eine Nation hinter Euch, ein Volk, und was habt Ihr damit gemacht? Mehr Gerechtigkeit nach Tear zu bringen war lobenswert. Ihr habt Beifall verdient, weil Ihr in Cairhien wieder die Ordnung herstellen lie�t und die Hungrigen gespeist habt. Zu jeder anderen Zeit w�rde ich Euch daf�r loben.� Sie stammte selbst aus Cairhien. �Aber das alles hilft Euch nicht, wenn der Tag von Tarmon Gai'don naht.� Die Frau wich nicht von ihrer Richtung ab, und alles andere lie� sie kalt, selbst ihr eigenes Land. Sollte er nicht genauso zielbewu�t handeln?</p><p>�Was h�tte ich denn Eurer Meinung nach tun sollen? Einen nach den anderen unter den Verlorenen jagen und zur Strecke bringen?� Wieder zwang er sich, vor dem Weitersprechen langsam an seiner Pfeife zu ziehen, obwohl es ihn M�he kostete. �Wi�t Ihr �berhaupt, wo sie sich aufhalten? Oh, Sammael befindet sich in Illian � das wissen wir �, aber die anderen? Was wird, wenn ich Sammael angreife, wie Ihr es wohl w�nscht, und statt dessen treffe ich zwei oder drei oder vier von ihnen auf einmal an? Oder gar alle neun?�</p><p>�Ihr h�ttet dreien oder vieren gegen�bertreten k�nnen, vielleicht sogar allen neun �berlebenden�, sagte sie eisig, �h�ttet Ihr nicht <emphasis>Callandor</emphasis> in Tear zur�ckgelassen. In Wirklichkeit rennt Ihr vor ihnen davon. Ihr habt �berhaupt keinen Plan, jedenfalls keinen, um Euch auf die Letzte Schlacht vorzubereiten. Ihr rennt von einem Ort zum anderen und hofft, da� sich irgendwie alles zum Besten entwickeln wird. Ihr hofft lediglich, weil Ihr nicht wi�t, was Ihr sonst tun sollt. Wenn Ihr meinen Rat beherzigt, dann h�ttet Ihr wenigstens...� Er unterbrach sie mit einer scharfen Geste mit der Pfeife, ohne die w�tenden Blicke zu beachten, die beide Frauen ihm zuwarfen.</p><p>�Ich habe einen Plan.� Wenn sie es wissen wollten, dann sollten sie. Er wollte verdammt sein, wenn er auch nur ein Wort �nderte. �Zuerst habe ich vor, die Kriege und das T�ten zu beenden, ob ich sie nun ausgel�st habe oder nicht. Wenn Menschen unbedingt t�ten m�ssen, dann sollen sie Trollocs t�ten und nicht sich gegenseitig. Im Aielkrieg haben vier Clans die Drachenmauer �berquert und konnten sich mehr als zwei Jahre lang ziemlich ungehindert bewegen. Sie haben Cairhien gepl�ndert und niedergebrannt und jedes Heer besiegt, das gegen sie ausgesandt wurde. Wenn sie gewollt h�tten, dann h�tten sie auch Tar Valon eingenommen. Die Burg h�tte sie Eurer Drei Eide wegen nicht aufhalten k�nnen.� Sie durften die Macht nicht als Waffe verwenden, es sei denn gegen Schattenwesen oder Schattenfreunde oder in Selbstverteidigung, so lautete einer der Eide, und die Aiel hatten die Burg selbst nicht bedroht. Nun hatte ihn der Zorn fest im Griff. Wegrennen und hoffen, was? �Vier Clans haben das fertiggebracht. Was geschieht, wenn ich elf Clans �ber das R�ckgrat der Welt f�hre?� Es w�rde sich auf elf beschr�nken m�ssen; die Shaido w�rde er wohl kaum mitbringen k�nnen. �Wenn die L�nder so weit sind, da� sie an eine Vereinigung denken, wird es bereits zu sp�t sein.</p><p>Sie werden meinen Frieden annehmen, oder ich will im Can Breat begraben werden.� Die Harfe gab einen schrillen Mi�ton von sich, und Natael beugte sich kopfsch�ttelnd �ber das Instrument. Einen Augenblick sp�ter erklangen die beruhigenden T�ne wieder.</p><p>�Keine Melone k�nnte so anschwellen wie dein Kopf�, knurrte Egwene und faltete die Arme unter der Brust. �Und kein Stein k�nnte sturer sein. Moiraine versucht doch nur, dir zu helfen! Warum kannst du das nicht einsehen?�</p><p>Die Aes Sedai strich ihren Seidenrock glatt, ohne da� er es n�tig hatte. �Die Aiel �ber die Drachenmauer zu f�hren k�nnte sich als das Schlimmste erweisen, was Ihr �berhaupt anstellen k�nnt.� Ihre Stimme klang hart vor �rger oder Entt�uschung. Wenigstens wurde ihr langsam klar, da� er keine Marionette war. �Zu dieser Zeit wird die Amyrlin n�mlich Kontakt mit allen Herrschern jeder Nation herstellen, die noch einen Herrscher besitzt, und ihnen die Beweise vorlegen, da� Ihr der Wiedergeborene Drache seid. Sie kennen die Prophezeiungen, und sie wissen, f�r welche Aufgabe Ihr geboren wurdet. Sobald sie davon �berzeugt sind, wer und was Ihr seid, akzeptieren sie Euch aus der reinen Notwendigkeit heraus. Die Letzte Schlacht kommt n�her, und Ihr seid ihre einzige Hoffnung, die einzige Hoffnung der Menschheit.�</p><p>Rand lachte schallend los. Es war allerdings ein bitteres Lachen. Er steckte wieder die Pfeife zwischen die Z�hne, dr�ckte sich hoch und setzte sich im Schneidersitz auf den Tisch. Dann sah er sie wieder an. �Also glaubt Ihr und Siuan Sanche immer noch, Ihr w��tet alles, was es Wissenswertes gibt.� Das Licht gebe, da� sie bei weitem nicht alles �ber ihn wu�ten und den Rest auch niemals herausfinden w�rden. �Ihr seid beide N�rrinnen.�</p><p>�Zeige gef�lligst etwas Respekt!� grollte Egwene, aber Rand beachtete sie gar nicht und sprach weiter: �Die Hochlords in Tear kennen die Prophezeiungen ebenfalls, und sie wu�ten, wer ich bin, sobald sie das Unber�hrbare Schwert in meiner Hand erblickten. Die H�lfte von ihnen erwartet, da� ich ihnen Macht oder Ruhm oder beides verschaffe, w�hrend die andere H�lfte mir am liebsten ein Messer in den R�cken rennen m�chte und dann versuchen, zu vergessen, da� sich der Wiedergeborene Drache jemals in Tear befunden hat. <emphasis>So</emphasis> werden die L�nder den Wiedergeborenen Drachen begr��en. Es sei denn, ich unterdr�cke das von Anfang an, genauso wie in Tear. Wi�t Ihr, warum ich <emphasis>Callandor</emphasis> in Tear zur�ckgelassen habe? Um sie an mich zu erinnern! Jeden Tag, an dem ihnen bewu�t ist, da� es da ist und im Herzen des Steins steckt, wissen sie auch, da� ich zur�ckkommen werde, um es zu holen. Das ist es, was sie an mich bindet.� Das war <emphasis>ein</emphasis> Grund daf�r, warum er das Schwert, Das Kein Schwert Ist, zur�ckgelassen hatte. Er dachte nicht gern an den anderen.</p><p>�Seid sehr vorsichtig�, mahnte ihn Moiraine nach kurzer �berlegung. Nicht mehr, und das mit einer in Ruhe erstarrten Stimme. Er h�rte den warnenden Unterton in diesen Worten. Einmal hatte sie ihm im gleichen Tonfall gesagt, sie werde eher daf�r sorgen, da� er st�rbe, als ihn dem Schatten zu �berlassen. Eine harte Frau.</p><p>Sie blickte ihn einen langen Augenblick schweigend an. Ihre Augen waren wie dunkle Seen, die ihn zu verschlingen drohten. Dann machte sie einen perfekten Knicks. �Mit Eurer Genehmigung, Lord Drache, werde ich nun Meister Kadere anweisen, wo er morgen zu arbeiten hat.�</p><p>Niemand h�tte an ihren Bewegungen und Worten auch nur den geringsten Anflug von Spott ablesen k�nnen, doch Rand sp�rte ihn deutlich. Sie versuchte aber auch alles, um ihn aus dem Gleichgewicht zu bringen und ihn durch Schuld- oder Schamgef�hle oder Unsicherheit oder was sonst noch ihrem Willen gef�gig zu machen. Er sah ihr nach, bis die klickenden Perlen im T�rvorhang ihren Abgang verdeckten.</p><p>�Es ist gar nicht n�tig, solch eine finstere Miene zu machen, Rand al'Thor.� Egwenes Stimme war leise, ihr Blick gereizt, und sie umklammerte ihre Stola, als wolle sie ihn damit erw�rgen. �Lord Drache � da� ich nicht lache! Was du sonst auch sein magst: Du bist ein unh�flicher Klotz mit schlechten Manieren. Du h�ttest erheblich mehr verdient gehabt. Es w�rde dich nicht umbringen, wenn du dich zur Abwechslung anst�ndig ben�hmst!�</p><p>�Also warst du es doch�, fuhr er sie an, aber zu seiner �berraschung sch�ttelte sie bereits halb den Kopf, bis sie sich fing. Moiraine war es gewesen, soviel wu�te er nun. Wenn die Aes Sedai aber solche Launen zeigte, mu�te ihr schon etwas den letzten Nerv rauben. Wahrscheinlich war er daran schuld. Vielleicht sollte er sich entschuldigen. <emphasis>Ich sch�tze, es w�re wirklich nicht so schlimm, einmal wieder h�flich zu sein.</emphasis> Andererseits sah er nicht ein, warum er gute Manieren zeigen sollte, w�hrend die Aes Sedai versuchte, ihn an die Leine zu legen.</p><p>Doch wenn er selbst daran dachte, sich mehr H�flichkeit anzugew�hnen, tat Egwene dies keineswegs. Falls gl�hende Kohlen dunkelbraun w�ren, h�tten sie genauso ausgesehen wie Egwenes Augen. �Du bist ein wollk�pfiger Narr, Rand al'Thor, und ich h�tte niemals Elayne sagen d�rfen, da� du gut genug f�r sie seist! Du bist nicht einmal gut genug f�r ein Wiesel! Nimm die Nase herunter! Ich erinnere mich daran, wie du geschwitzt und versucht hast, dich aus Sachen herauszureden, in die dich Mat hineingezogen hatte. Ich erinnere mich daran, wie dich Nynaeve verhauen hat, bis du am Heulen warst und ein Kissen brauchtest, um den Rest des Tages �berhaupt noch sitzen zu k�nnen. Und das ist noch gar nicht so viele Jahre her. Ich sollte Elayne sagen, da� sie dich vergessen kann! Wenn sie w��te, wie du dich entwickelt hast...�</p><p>Er starrte sie mit offenem Mund an, als ihre Tirade weiterging. Sie war w�tender als je, seit sie den Raum durch den Perlenvorhang betreten hatte. Dann traf es ihn unvermittelt. Dieses leichte und ganz sicher unbeabsichtigte Kopfsch�tteln, mit dem sie ihn wissen lie�, da� es Moiraine gewesen sei, die ihm mit Hilfe der Macht eines verpa�t hatte. Egwene bem�hte sich so sehr, alles, was sie anpackte, richtig und fehlerfrei zu tun. Sie lernte bei den Weisen Frauen, und so trug sie Aielkleidung. Es konnte durchaus sein, da� sie auch andere Sitten der Aiel hier f�r sich annahm. Das s�he ihr �hnlich. Aber die ganze Zeit �ber arbeitete sie hart daran, eine richtige Aes Sedai zu werden, obwohl sie ja erst zu den Aufgenommenen geh�rte. Aes Sedai beherrschten sich im allgemeinen eisern und verrieten sich nie, wenn sie etwas verbergen oder verschleiern wollten.</p><p><emphasis>Ilyena hat es mich nie so sp�ren lassen, wenn sie auf sich selbst b�se war. Wenn sie mich durch die Mangel gedreht hat, dann nur...</emphasis> Einen Moment lang erstarrte sein Verstand. Er hatte in seinem ganzen Leben noch nie eine Frau namens Ilyena kennengelernt. Und doch konnte er ihr Gesicht aus seiner Erinnerung heraufbeschw�ren, tr�b jedenfalls: ein h�bsches Gesicht, Haut wie Milch, goldenes Haar genau wie das Elaynes. Das mu�te einfach der beginnende Wahnsinn sein. Sich an eine eingebildete Frau zu erinnern! Vielleicht w�rde er sich eines Tages mit Leuten unterhalten, die gar nicht da waren.</p><p>Egwenes Gardinenpredigt endete in einem besorgten Blick. �Geht es dir gut, Rand?� Der Zorn war aus ihrer Stimme gewichen, als habe er nie existiert. �Stimmt etwas nicht? Soll ich Moiraine zur�ckholen, damit sie dich... �</p><p>�Nein!� sagte er, und fast im gleichen Moment bes�nftigte nun auch er seinen Tonfall. �Sie kann das nicht heilen...� Selbst eine Aes Sedai konnte einen wahnsinnig gewordenen Verstand nicht heilen. Niemand konnte ihn von dem heilen, woran er krankte. �Geht es Elayne gut?�</p><p>�Es geht ihr gut.� Trotz ihres ganzen Wortschwalls von vorher schwang nun doch etwas Sympathie in ihrer Stimme mit. Das war alles, was er erwarten durfte. Alles au�er dem, was er sowieso schon bei Elaynes Abreise aus Tear wu�te, ging nur die Aes Sedai an und nicht ihn. Das hatte ihm Egwene schon mehr als einmal gesagt, und Moiraine genauso. Die drei Weisen Frauen, die Traumg�ngerinnen, von denen Egwene ausgebildet wurde, hatten noch weniger gesagt. Sie hatten ihre eigenen Gr�nde daf�r, warum sie mit seiner Handlungsweise nicht einverstanden waren.</p><p>�Ich sollte am besten nun auch gehen�, fuhr Egwene fort und legte sich die Stola wieder �ber die Oberarme. �Du bist m�de.� Dann runzelte sie leicht die Stirn und fragte: �Rand, was bedeutet es, im Can Breat begraben zu sein?�</p><p>Er wollte sie schon fragen, wovon beim Licht sie eigentlich sprach, doch dann erinnerte er sich daran, diese Bezeichnung ben�tzt zu haben. �Nur etwas, das ich mal geh�rt habe�, log er. Er hatte genausowenig Ahnung, was es bedeutete, wie davon, woher er das hatte.</p><p>�Ruh dich aus, Rand�, sagte sie und klang, als sei sie zwanzig Jahre �lter und nicht zwei j�nger. �Versprich es mir. Du brauchst es.� Er nickte. Sie blickte einen Moment lang forschend sein Gesicht an, als suche sie darin die Wahrheit, und dann ging sie zur T�r.</p><p>Rands silberner Becher schwebte vom Teppich empor und zu ihm her�ber. Hastig schnappte er ihn aus der Luft, bevor sich Egwene noch einmal nach hinten umsah.</p><p>�Vielleicht sollte ich dir das gar nicht sagen�, brachte sie z�gernd heraus. �Elayne hat mir das nicht als Botschaft f�r dich anvertraut, aber... Sie sagte, da� sie dich liebt. Vielleicht ist dir das ja schon klar, wenn aber noch nicht, dann solltest du dar�ber nachdenken.� Damit war sie drau�en, und die Perlen klickten leise, als die Vorhangschn�re zur�ckschwangen.</p><p>Rand sprang vom Tisch, schleuderte den Becher von sich, da� der Wein �ber die Bodenfliesen spritzte, und fuhr w�tend Jasin Natael an.</p></section><section><title><p>3</p><p>Bleiche Schatten</p></title><p>Rand griff nach <emphasis>Saidin,</emphasis> lenkte die Macht und wob damit Str�nge aus Luft, die Natael von seinen Kissen hochrissen. Die vergoldete Harfe polterte auf die dunkelroten Fliesen, w�hrend der Mann gegen die Wand gepre�t wurde, so da� er seinen K�rper vom Hals bis zu den Waden nicht mehr bewegen konnte. Seine F��e hingen einen halben Schritt �ber dem Fu�boden in der Luft. �Ich habe Euch gewarnt! Gebraucht nie die Macht, wenn jemand anders zugegen ist! Niemals!�</p><p>Natael hielt den Kopf auf seine typische Weise schr�g, als wolle er Rand von der Seite her ansehen oder ihn beobachten, ohne da� es bemerkt wurde. �Wenn sie es gesehen h�tte, dann h�tte sie doch geglaubt, Ihr w�rt es selbst gewesen.� In seiner Stimme lag keine Entschuldigung, keine Unterw�rfigkeit, aber auch keine Herausforderung. Er schien es einfach f�r eine vern�nftige Erkl�rung zu halten. �Au�erdem habt Ihr durstig gewirkt. Ein Hofbarde mu� seinem Herrn die W�nsche an den Augen ablesen.� Das war eine seiner kleinen Eitelkeiten, die sich immer wieder einschlichen: Wenn Rand schon der Lord Drache war, dann mu�te er der Hofbarde sein und nicht nur ein einfacher Gaukler.</p><p>Rand war w�tend auf sich selbst, genau wie auf den Mann. Er l�ste das Gewebe auf und lie� ihn fallen. Ihn so hart anzupacken war dasselbe, als provoziere er Streit mit einem zehnj�hrigen Jungen. Er konnte die Abschirmung nicht sehen, die den anderen Mann von <emphasis>Saidin</emphasis> abschnitt, da sie das Werk einer Frau war, aber er wu�te, sie war vorhanden. Jetzt waren die Kr�fte Nataels darauf beschr�nkt, h�chstens einmal wie eben einen Becher zum Schweben zu bringen. Gl�cklicherweise war die Abschirmung auch f�r die Wahrnehmung von Frauen unsichtbar. Natael bezeichnete so etwas als �invertieren�, aber er schien auch nicht in der Lage zu sein, es n�her zu erkl�ren. �Und wenn sie mein Gesicht beobachtet h�tte und mi�trauisch geworden w�re? Ich war so �berrascht, als w�re der Becher pl�tzlich von allein losgeflogen!� Er steckte die Pfeife wieder in den Mund und paffte drauflos, da� dicke Rauchschwaden seinen Kopf umgaben.</p><p>�Sie wird trotzdem nicht draufkommen.� Der andere Mann lie� sich wieder auf seine Kissen sinken und nahm die Harfe auf. Er zupfte eine Melodie, die irgendwie falsch klang. �Wie k�nnte denn jemand mi�trauisch werden? Ich glaube das alles ja selbst kaum.� Lag da etwas Bitterkeit in seinem Tonfall? Rand konnte es nicht sagen.</p><p>Er konnte die ganze Lage ja auch kaum glauben, obwohl er hart genug daran gearbeitet hatte, es soweit kommen zu lassen. Der Mann vor ihm, Jasin Natael, trug eigentlich einen anderen Namen: Asmodean.</p><p>Wie er so gelangweilt auf der Harfe klimperte, wirkte Asmodean �berhaupt nicht wie einer der gef�rchteten Verlorenen. Er sah sogar recht gut aus, und Rand fand, er wirke bestimmt anziehend auf Frauen. Es schien ja oftmals eigenartig, da� B�ses �u�erlich nicht zu erkennen war. Jedenfalls war er einer der Verlorenen, und anstatt ihn zu t�ten, verbarg Rand seine wirkliche Pers�nlichkeit vor Moiraine und allen anderen. Er ben�tigte einen Lehrer.</p><p>Wenn das auch f�r M�nner galt, was f�r die Frauen zutraf, die von den Aes Sedai als �Wilde� bezeichnet wurden, dann �berlebte einer von Vieren den Versuch, den Gebrauch der Macht allein und ohne richtige Anleitung zu erlernen. Und dabei rechnete er die Gefahr des Wahnsinnigwerdens gar nicht mit ein. Sein Lehrer mu�te ein Mann sein. Moiraine und andere hatten ihm oft genug erkl�rt, da� ein Vogel einem Fisch nicht beibringen k�nne, wie man fliegt, und der Fisch dem Vogel nicht, wie man schwimmt. Und sein Lehrer mu�te �ber Erfahrung verf�gen, mu�te bereits all das kennen, was er lernen mu�te. Da die Aes Sedai jeden Mann einer D�mpfung unterzogen, den man beim Gebrauch der Macht ertappte �und jedes Jahr wurden weniger gefunden �, hatte er keine andere Wahl. Ein Mann, der lediglich diese F�higkeit zum Gebrauch der Macht an sich entdeckt hatte, wu�te auch nicht mehr als er selbst. Ein falscher Drache, der mit der Macht umgehen konnte � falls Rand einen aufsp�rte, der noch nicht gefangen und der D�mpfung unterzogen war �, w�rde kaum seine eigenen Tr�ume vom Ruhm f�r einen anderen aufgeben, der ebenfalls behauptete, der Wiedergeborene Drache zu sein. Was blieb da noch, an wen sollte er sich halten, wenn nicht an einen der Verlorenen?</p><p>Asmodean spielte einige freie Akkorde, w�hrend sich Rand ihm gegen�ber auf ein Kissen setzte. Es war wichtig, sich immer daran zu erinnern, da� der Mann sich nicht ge�ndert hatte, innerlich jedenfalls nicht, seit dem Tag vor so langer Zeit, als er seine Seele dem Schatten verschworen hatte. Was er jetzt tat, geschah nur unter Zwang. Er hatte sich nicht zum Licht bekehrt. �Denkt Ihr gelegentlich daran, zur�ckzukehren, Natael?� Er achtete immer darauf, diesen Namen zu ben�tzen. Eine Andeutung von �Asmodean�, und Moiraine w�re sicher, da� er selbst zum Schatten �bergelaufen sei. Moiraine, und andere vielleicht auch. Das w�rden sowohl er wie auch Asmodean vermutlich nicht �berleben.</p><p>Die H�nde des Mannes an den Saiten erstarrten; sein Gesicht blieb jedoch v�llig ausdruckslos. �Zur�ckkehren? Demandred, Rahvin, jeder von ihnen w�rde mich jetzt augenblicklich t�ten. Falls ich Gl�ck habe. Alle au�er vielleicht Lanfear, und Ihr werdet verstehen, da� ich sie auch nicht gern auf die Probe stellen m�chte. Semirhage k�nnte einen Felsblock dazu bringen, da� er sie um Gnade bittet und ihr f�r den Tod noch dankt. Und was den Gro�en Herrn...�</p><p>�Den Dunklen K�nig�, unterbrach ihn Rand in scharfem Ton, ohne die Pfeife aus dem Mund zu nehmen. Die Schattenfreunde nannten den Dunklen K�nig den �Gro�en Herrn der Dunkelheit�. Die Schattenfreunde und die Verlorenen.</p><p>Asmodean neigte kurz und gehorsam den Kopf. �Wenn der Dunkle K�nig freikommt...� Vorher war sein Gesicht ausdruckslos gewesen, doch nun zeigte sich vollkommene Niedergeschlagenheit auf seinen Z�gen. �Es wird gen�gen, wenn ich Euch sage, da� ich in diesem Falle Semirhage aufsuche und mich in ihre H�nde gebe, bevor ich mich der Strafe des... des Dunklen K�nigs f�r meinen Verrat stelle.�</p><p>�Dann ist es ja gut, wenn Ihr Euch hier befindet und mich weiter ausbildet.�</p><p>Trauermusik erklang von der Harfe, erz�hlte von Verlust und Tod. ��Der Todesmarsch��, erkl�rte Asmodean beim Spielen, �der letzte Satz des <emphasis>Gro�en Passionszyklus,</emphasis> der etwa dreihundert Jahre vor dem Krieg um die Macht komponiert wurde, ich glaube, von...�</p><p>Rand schnitt ihm das Wort ab: �Ihr unterrichtet mich nicht sehr gut.�</p><p>�So gut, wie man es unter diesen Bedingungen erwarten kann. Mittlerweile k�nnt Ihr jedesmal <emphasis>Saidin</emphasis> erreichen, wenn Ihr es versucht, und auch einen Strang vom anderen unterscheiden und sie auseinanderhalten. Ihr k�nnt Euch abschirmen, und die Macht tut, was Ihr wollt.� Er h�rte mit dem Harfespielen auf und runzelte die Stirn, sah aber Rand nicht an. �Glaubt Ihr, Lanfear wollte, da� ich Euch wirklich alles beibringe? Wenn sie das beabsichtigt h�tte, w�re sie hiergeblieben damit sie uns verkn�pfen h�tte k�nnen. Sie will, da� Ihr �berlebt, Lews Therin, aber diesmal will sie die st�rkere von Euch beiden sein.�</p><p>�Nennt mich nicht so!� fuhr ihn Rand an, aber Asmodean schien nicht hinzuh�ren.</p><p>�Falls Ihr das gemeinsam geplant habt � mir eine Falle zu stellen...� Rand sp�rte, wie etwas in Asmodean anschwoll, als �berpr�fe der Verlorene die Abschirmung, die Lanfear um ihn gewoben hatte. Frauen, die die Macht lenken konnten, sahen einen Lichtschein um eine andere Frau, die gerade Verbindung mit <emphasis>Saidar</emphasis> hatte, und f�hlten auch ganz deutlich, wie sie wob, doch er sah niemals Asmodean etwas an und sp�rte nur wenig. �Falls Ihr das zusammen geplant habt, dann habt Ihr euch von ihr auf mehr als nur einer Ebene �berlisten lassen. Ich habe Euch doch gesagt, da� ich kein sehr guter Lehrer bin, besonders ohne eine Verkn�pfung. Ihr habt das doch gemeinsam geplant, oder?� Jetzt blickte er Rand an, wohl von der Seite her, aber doch sehr eindringlich. �An wieviel erinnert Ihr euch? An Euer Leben als Lews Therin, meine ich. Sie behauptete, Ihr erinnert Euch an gar nichts, aber sie k�nnte auch den Gr... den Dunklen K�nig selbst bel�gen.�</p><p>�Diesmal hat sie die Wahrheit gesagt.� Er setzte sich auf dem Kissen zurecht und lie� mit Hilfe der Macht einen von den H�uptlingen unber�hrten Silberbecher heranschweben. Selbst eine so kurze Ber�hrung <emphasis>Saidins</emphasis> war ein erhebendes Gef�hl � und schmutzig. Und es war schwer, wieder loszulassen. Er wollte nicht von Lews Therin sprechen. Er hatte genug davon, da� Menschen glaubten, er sei Lews Therin. Bei der Pafferei war der Kopf seiner Pfeife ganz hei� geworden, also hielt er sie am Stiel und gestikulierte damit. �Wenn das Verkn�pfen Euch dabei hilft, mich zu unterweisen, warum tun wir's dann nicht?�</p><p>Asmodean sah ihn an, als habe er ihn gefragt, warum er keine Steine ��e, und sch�ttelte dann den Kopf. �Ich vergesse immer, wie wenig Ihr tats�chlich wi�t. Ihr und ich, wir k�nnen uns nicht verkn�pfen. Nicht ohne eine Frau als Bindeglied. Ihr k�nntet vielleicht Moiraine darum bitten, sch�tze ich, oder das M�dchen Egwene. Eine von ihnen findet vielleicht die richtige Methode heraus. Falls Ihr nichts dagegen habt, da� sie herausfinden, wer ich bin.�</p><p>�L�gt mich nicht an, Natael�, grollte Rand. Lange bevor er Natael kennenlernte, hatte er erfahren, da� sich das Weben der Macht bei M�nnern und Frauen so unterschied, wie eben M�nner und Frauen unterschiedlich waren, aber er stellte alles, was der Mann sagte, lieber erst einmal in Frage. �Ich habe geh�rt, wie Egwene und andere dar�ber sprachen, da� Aes Sedai ihre Kr�fte miteinander verkn�pfen. Wenn sie das k�nnen, warum dann nicht Ihr und ich?�</p><p>�Weil wir das eben nicht k�nnen.� Asmodeans Tonfall sprach von Frustration. �Fragt einen Philosophen, wenn Ihr wissen wollt, warum das so ist. Warum k�nnen Hunde nicht fliegen? Vielleicht gleicht das Muster auf diese Art aus, da� M�nner im allgemeinen st�rker sind als Frauen? Wir k�nnen uns ohne ihre Hilfe nicht verkn�pfen, aber sie k�nnen es ohne uns. Jedenfalls bis zu dreizehn von ihnen. Ein kleiner Trost, denn dar�ber hinaus ben�tigen sie doch wieder M�nner, um den Kreis zu erweitern.�</p><p>Rand war diesmal sicher, ihn bei einer L�ge ertappt zu haben. Moiraine hatte gesagt, da� im Zeitalter der Legenden M�nner und Frauen gleich stark im Gebrauch der Macht gewesen seien, und sie konnte nicht l�gen. Das sagte er ihm und f�gte noch hinzu: �Die F�nf M�chte sind gleichwertig.�</p><p>�Erde, Feuer, Luft, Wasser und Geist.� Natael lie� f�r jede einen Akkord erklingen. �Sie sind gleichwertig, das stimmt, und es ist auch wahr, da� alles, was ein Mann mit einer davon erreichen kann, auch von einer Frau erreicht werden kann. Jedenfalls Entsprechendes. Aber das hat nichts damit zu tun, da� M�nner st�rker sind. Was Moiraine f�r wahr h�lt, das berichtet sie als Tatsache, ob es nun eine ist oder nicht. Das ist eine von tausend Schw�chen an diesen n�rrischen Eiden.� Er spielte etwas, das wirklich ziemlich n�rrisch klang. �Einige Frauen haben st�rkere Arme als einige M�nner, aber im allgemeinen verh�lt es sich andersherum. Dasselbe gilt f�r die St�rke im Umgang mit der Macht, und zwar etwa im gleichen Verh�ltnis.�</p><p>Rand nickte bed�chtig. Es ergab schon einen Sinn � auf gewisse Weise. Elayne und Egwene hielt man f�r zwei der st�rksten Frauen, die in den letzten tausend Jahren oder mehr in der Burg ausgebildet wurden. Er hatte einmal seine Kr�fte an ihnen ausprobiert, und Elayne hatte ihm sp�ter gestanden, sie habe sich gef�hlt wie ein K�tzchen, das von einem Kampfhund gepackt wird.</p><p>Asmodean war noch nicht fertig. �Wenn sich zwei Frauen verkn�pfen, verdoppeln sie ihre Kraft, obwohl das Verkn�pfen nicht so einfach ist, da man nicht blo� die Kr�fte der einzelnen zusammenwerfen kann. Doch wenn sie stark genug sind, k�nnen sie es mit einem Mann aufnehmen. Und wenn sie gar einen Kreis von dreizehn bilden, m��t Ihr euch in acht nehmen. Dreizehn Frauen k�nnten es verkn�pft wohl auch mit dem st�rksten Mann aufnehmen, selbst wenn sie noch kaum die Macht beherrschen. Die dreizehn schw�chsten Frauen in der Burg k�nnten Euch oder jeden anderen Mann �berw�ltigen und k�men dabei nicht einmal au�er Atem. Ich habe in Arad Doman einmal ein Sprichwort geh�rt: Je mehr Frauen in der N�he sind, desto unauff�lliger verh�lt sich der weise Mann. Es w�re vielleicht gut, Euch sp�ter daran zu erinnern.�</p><p>Rand schauderte und dachte zur�ck an die Zeit, als er sich unter weit mehr als dreizehn Aes Sedai aufgehalten hatte. Sicher, die meisten von ihnen hatten nicht gewu�t, wer er war. Falls sie das geahnt h�tten... <emphasis>Wenn Egwene und Moiraine sich verkn�pften...</emphasis> Er wollte nicht glauben, da� sich Egwene so weit der Burg gen�hert und sich von ihrer Freundschaft entfernt hatte. <emphasis>Was sie auch tut, unternimmt sie von ganzem Herzen, und sie will eine Aes Sedai werden. Genau wie Elayne.</emphasis></p><p>Er trank lange, doch auch der halbe Becher Wein konnte den Gedanken nicht wegsp�len. �Was k�nnt Ihr mir noch von den Verlorenen berichten?� Er war sicher, diese Frage schon hundertmal gestellt zu haben, aber er hoffte immer, es erg�be sich noch irgendeine Kleinigkeit, die auszugraben sich lohnte. Besser, als daran zu denken, da� sich Egwene und Moiraine verkn�pften, um...</p><p>�Ich habe Euch alles gesagt, was ich wei�.� Asmodean seufzte schwer. �Wir waren selbst im besten Fall kaum so etwas wie Freunde. Glaubt Ihr, ich verberge Euch etwas? Ich wei� nicht, wo sich die anderen aufhalten, falls es das ist, was Ihr h�ren wollt. Au�er bei Sammael, und Ihr wu�tet bereits, da� er sich in Illian auf den K�nigsthron gesetzt hat, bevor ich es Euch sagte. Graendal befand sich eine Zeitlang in Arad Doman, aber ich denke, sie wird wohl mittlerweile weg sein. Ihr ist ein bequemes Leben lieber. Ich glaube, da� sich Moghedien ebenfalls irgendwo im Westen aufh�lt oder zumindest eine Zeitlang dort war, aber niemand kann die Spinne aufsp�ren, wenn sie sich nicht finden lassen will. Rahvin hat eine K�nigin unter seinen kleinen Geliebten, aber ich wei� genausowenig wie Ihr, welches Land sie f�r ihn regiert. Und das ist alles, was ich wei�, um Euch zu helfen, sie ausfindig zu machen.�</p><p>Rand hatte das alles schon geh�rt. Ihm schien, Asmodean habe alles, was er �ber die Verlorenen wu�te, bestimmt schon f�nfzigmal wiederholt. So oft, da� es ihm manchmal schien, er habe schon immer gewu�t, was ihm der Mann berichtete. Manches davon h�tte er lieber gar nicht erfahren, wie beispielsweise die Dinge, die Semirhage am�sant fand, und einiges ergab auch keinen Sinn. Demandred sollte zum Schatten �bergelaufen sein, weil er Lews Therin Telamon beneidete? Rand konnte sich nicht vorstellen, da� man jemanden derart beneidete, um etwas dagegen zu unternehmen, und wenn, dann ganz bestimmt nicht ausgerechnet das! Asmodean behauptete, ihn habe der Gedanke an Unsterblichkeit, an endlose Zeitalter voller Musik, dazu verf�hrt. Er sei auch vorher schon ein bekannter Komponist gewesen. Sinnlos. Und doch konnte in dieser F�lle von oftmals grauenhaften Informationen der Schl�ssel zu finden sein, wie er Tarmon Gai'don �berlebte. Was er auch Moiraine erz�hlte: Er wu�te, er w�rde sich ihnen sp�testens dann, vielleicht aber fr�her, zum Kampf stellen m�ssen. So leerte er seinen Becher und stellte ihn auf den Boden. Mit dem Wein konnte er die Wirklichkeit nicht wegsp�len.</p><p>Der Vorhang aus Perlenschn�ren klickte heftig, und er sah sich nach hinten um. <emphasis>Gai'schain</emphasis> kamen herein, in Wei� geh�llt und schweigend, wie immer. W�hrend ein paar begannen, die Speisen und Getr�nke abzur�umen, die sie f�r ihn und die H�uptlinge aufgetragen hatten, trug ein anderer, ein Mann, ein gro�es Silbertablett zum Tisch. Darauf standen bedeckte Sch�sseln, ein Silberbecher und zwei gro�e, gr�ngestreifte Steingutkr�ge. Im einen befand sich bestimmt Wein und im anderen Wasser. Eine <emphasis>Gai'schain</emphasis>-Frau brachte eine bereits angez�ndete vergoldete Lampe herein und stellte sie neben das Tablett. Durch die Fenster sah er, da� der Himmel sich im Sonnenuntergang gelbr�tlich f�rbte. W�hrend dieser kurzen Zeitspanne zwischen Glut und Eisesk�lte war die Luft tats�chlich von einer angenehmen Temperatur.</p><p>Rand stand auf, als die <emphasis>Gai'schain</emphasis> hinausgingen, ging aber noch nicht hin�ber. �Was haltet Ihr von meinen Chancen, wenn die Letzte Schlacht kommt, Natael?�</p><p>Asmodean, der gerade rotblaugestreifte Wolldecken hinter den Sitzkissen hervorzog, z�gerte und blickte zu ihm auf. Den Kopf hielt er auf seine typische Art etwas geneigt. �Ihr habt... etwas gefunden... auf dem Platz, als wir dort zusammentrafen.�</p><p>�Verge�t es�, sagte Rand mit harter Stimme. Es waren au�erdem zwei gewesen und nicht nur einer. �Ich habe es sowieso zerst�rt.� Er glaubte, Asmodeans Schultern ein wenig herabsacken zu sehen.</p><p>�Dann wird � der Dunkle K�nig � Euch lebendig verschlingen. Was mich betrifft, beabsichtige ich, mir in der Stunde, in der ich erfahre, er sei frei, die Pulsadern aufzuschneiden. Ein schneller Tod ist besser als das, was ich sonst finden werde.� Er warf die Decken zur Seite und setzte sich, wobei er tr�bselig ins Leere starrte. �Besser als wahnsinnig zu werden. Jetzt bin ich dem ja genauso ausgeliefert wie Ihr. Ihr habt die Bande zerrissen, die mich davor bewahrten.� Es lag keine Bitterkeit in seinem Tonfall; nur Hoffnungslosigkeit.</p><p>�Was ist, wenn es noch eine andere M�glichkeit gibt, sich gegen die Verderbnis zu sch�tzen?� wollte Rand wissen. �Was, wenn es irgendwie entfernt werden kann? W�rdet Ihr euch dann auch noch umbringen?�</p><p>Asmodeans hartes Lachen wirkte absolut �tzend. �Der Schatten soll mich holen! Ihr m��t wohl langsam glauben, Ihr w�rt der verdammte Sch�pfer selbst! Wir sind tot! Beide. Tot! Seid Ihr zu blind vor Stolz, um das einzusehen? Oder seid Ihr einfach zu schwer von Begriff, Ihr hoffnungsloser Schafhirte?�</p><p>Rand lie� sich nicht provozieren. �Warum macht Ihr dann nicht zu und beendet Euer Leben?� fragte er mit tonloser Stimme. <emphasis>Ich war nicht so blind, da� ich nicht gemerkt h�tte, was du und Lanfear vorhattet. Ich war nicht schwer genug von Begriff, um sie zu �berlisten und dich in die Falle zu locken.</emphasis> �Wenn es keine Hoffnung gibt, keine Chance, nicht einmal die kleinste... warum seid Ihr dann noch am Leben?�</p><p>Asmodean blickte ihn immer noch nicht an und rieb sich daf�r den einen Nasenfl�gel. �Ich habe einst einen Mann gesehen, der an einer Klippe hing�, sagte er nachdenklich. �Die Kante ist unter seinen Fingern abgebr�ckelt, und alles, woran er sich festhalten konnte, war ein Grasb�schel, nur ein paar lange Halme, deren Wurzeln sich m�hsam an den Felsen klammerten. Das war die einzige Chance, die er besa�, um wieder auf die Klippe hochzuklettern. Also hat er zugepackt.� In seinem pl�tzlichen leisen Auflachen schwang keinerlei Freude mit. �Er mu� gewu�t haben, da� sich das Grasb�schel l�sen w�rde.�</p><p>�Habt Ihr ihn gerettet?� fragte Rand, doch Asmodean antwortete nicht.</p><p>Als Rand zur T�r gehen wollte, erklang hinter ihm wieder die Melodie des �Todesmarsches�.</p><p>Die Perlenschn�re fielen hinter ihm zu, und die f�nf T�chter des Speers, die in dem breiten, leeren Flur gewartet hatten, standen leichtf��ig auf, nachdem sie offenbar die ganze Zeit �ber auf den hellblauen Fliesen gehockt hatten. Alle bis auf eine waren sehr gro� f�r Frauen, allerdings nicht unbedingt nach Aielma�st�ben. Ihrer Anf�hrerin, Adelin, fehlte kaum mehr als eine Handbreit, um ihm in die Augen sehen zu k�nnen. Die Ausnahme, ein feuriger Rotschopf namens Enaila, war nicht gr��er als Egwene und au�erordentlich empfindlich ihrer geringen Gr��e wegen.</p><p>Wie bei den Clanh�uptlingen waren ihre Augen alle blau oder grau oder gr�n und ihr Haar hellbraun oder blond oder rot. Das Haar hatten sie kurz geschnitten bis auf eine Art von Pferdeschwanz. Auf der einen Seite ihrer G�rtel hingen gef�llte K�cher und auf der anderen lange Messer. Auf dem R�cken trugen sie in Futterale gesteckte Hornb�gen. Jede hielt drei oder vier kurze Speere mit langen, blattf�rmigen Spitzen in der Hand und hatte am Arm einen runden Schild aus Stierleder. Aielfrauen, die Herd und Kinder ablehnten, hatten ihre eigene Kriegergemeinschaft: <emphasis>Far Dareis Mai,</emphasis> die T�chter des Speers.</p><p>Er begr��te sie mit einer leichten Verbeugung, was sie zum L�cheln brachte. Es war keine Aielsitte, jedenfalls nicht auf diese Art und Weise, wie man sie ihm beigebracht hatte. �Ich sehe Euch, Adelin�, sagte er. �Wo ist Joinde? Ich dachte, sie sei vorher bei Euch gewesen? Ist sie krank geworden?�</p><p>�Ich sehe Euch, Rand al'Thor�, antwortete sie. Ihr hellblondes Haar erschien noch bleicher da es ein sonnengebr�untes Gesicht umrahmte. �ber eine Wange verlief eine d�nne, wei�e Narbe. �Auf gewisse Weise. Sie hat den ganzen Tag schon Selbstgespr�che gef�hrt, und vor nicht einmal einer Stunde ging sie los, um Garan von den Jhirad-Goshien einen Brautkranz vor die F��e zu legen.� Ein paar der anderen sch�ttelten die K�pfe. Zu heiraten bedeutete auch, den Speer aufgeben zu m�ssen. �Morgen ist sein letzter Tag als ihr <emphasis>Gai'schain.</emphasis> Joinde geh�rt zu den Schwarzfelsen-Shaarad�, f�gte sie in bedeutungsvollem Tonfall hinzu. Es hatte auch seine Bedeutung, denn obwohl es �fters vorkam, da� M�nner oder Frauen heirateten, die als <emphasis>Gai'schain</emphasis> dienen mu�ten, geschah das nur selten zwischen Clans, die eine Blutfehde ausfochten, auch wenn diese gerade ausgesetzt war.</p><p>�Das ist eine Krankheit, die sich im Augenblick ausbreitet�, stellte Enaila hitzig fest. Ihre Stimme klang gew�hnlich so rotgl�hend, wie ihr Haar war. �Jeden Tag, seit wir nach Rhuidean kamen, flechten ein oder zwei T�chter des Speers Brautkr�nze.�</p><p>Rand nickte und hoffte, sie w�rden es als Sympathiekundgebung auffassen. Dabei war alles seine Schuld. Doch wenn er ihnen das sagte, m��te er sich fragen, wie viele noch riskieren w�rden, in seiner N�he zu bleiben. Vielleicht alle, denn die Ehre verlangte es von ihnen, und Angst hatten sie genausowenig wie die Clanh�uptlinge. Zumindest drohten bisher nur Hochzeiten, und selbst die T�chter des Speers w�rden eine Heirat dem vorziehen, was andere schon erlebt hatten. Vielleicht �oder? �Ich werde gleich gehen, nur einen Moment noch�, sagte er zu ihnen.</p><p>�Wir werden geduldig warten�, sagte Adelin. Es sah aber kaum geduldig aus, wie sie alle dastanden, katzengleich, bereit, im n�chsten Augenblick zu springen.</p><p>Er brauchte wirklich nur einen Moment, um zu tun, was er sich vorgenommen hatte. Er verwob Str�nge von Geist und Feuer um den gesamten Raum herum und nabelte sie ab, damit das Gewebe von allein hielt. Jeder konnte den Raum betreten oder verlassen � au�er einem Mann, der die Macht ben�tzen konnte. Wenn er selbst oder Asmodean eintr�ten, w�re das, als durchschritten sie eine massive Flammenmauer. Er hatte dieses Gewebe durch Zufall entdeckt, und auch, da� Asmodean, so abgeschirmt wie er jetzt war, zu schwach war, um sich mit Hilfe der Macht daraus zu befreien. Wahrscheinlich w�rde niemand die Aktivit�ten eines Gauklers in Frage stellen, aber falls doch, dann hatte Jasin Natael es eben vorgezogen, so weit wie in Rhuidean m�glich von den Aiel entfernt zu schlafen. Das war etwas, das ihm zumindest Hadnan Kaderes Fahrer und W�chter nachf�hlen konnten. Und auf diese Weise wu�te Rand genau, wo sich der Mann bei Nacht aufhielt. Die T�chter stellten ihm keine Fragen.</p><p>Er wandte sich ab. Die T�chter folgten ihm, bildeten einen sch�tzenden F�cher um ihn, als erwarteten sie jeden Moment einen Angriff, und das sogar hier. Asmodean spielte immer noch seine Totenklage.</p><p>Mat Cauthon hatte die Arme nach beiden Seiten ausgestreckt und schritt damit �ber die breite wei�e Umrandung des trockenen Brunnens, wobei er den M�nnern vorsang, die ihm im schw�cher werdenden Tageslicht zusahen.</p><p><emphasis>Wir trinken den Wein, bis der Becher geleert,</emphasis></p><p><emphasis>und k�ssen das M�dchen, bis es sich nicht mehr wehrt.</emphasis></p><p><emphasis>Wir w�rfeln um alles, was des W�rfelns wert, und dann tanzen wir mit dem Schwarzen Mann.</emphasis></p><p>Nach der Hitze des Tages schien die Luft richtig kalt, und er dachte kurz daran, seinen feinen gr�nseidenen Mantel mit den goldenen Stickereien zuzukn�pfen, doch dieses von den Aiel <emphasis>Oosquai</emphasis> genannte Getr�nk lie� seinen Kopf schwimmen, und so verflog der Gedanke wieder. Auf einem kleinen Sockel im staubigen Brunnenbecken standen wei�e Steinfiguren in Form von drei Frauen, zwanzig Fu� hoch und unbekleidet. Jede hatte eine Hand erhoben, w�hrend die andere einen m�chtigen Steinkrug auf der Schulter festhielt. Die Kr�ge waren geneigt, um ihr Wasser in das Becken zu gie�en. Bei einer fehlten der Kopf und die erhobene Hand, und bei einer anderen war der Krug zersprungen.</p><p><emphasis>Wir tanzen und unsre F��e sind blo�. Dann springen die M�dchen uns auf den Scho�. Am Morgen erst lassen wir sie wieder los, und dann tanzen wir mit dem Schwarzen Mann.</emphasis></p><p>�Ein sch�nes Lied, und dann auch noch �ber den Tod!� rief einer der Wagenfahrer im Lugarder Dialekt. Kaderes M�nner hielten sich eng zusammengedr�ngt an einer Seite des Brunnens auf, so weit wie m�glich von den Aielm�nnern entfernt. Es waren wohl alles kampferprobte M�nner mit harten Gesichtern, aber jedem von ihnen war klar, da� jeder einzelne der Aiel ihnen bei einem falschen Blick die Kehle aufschlitzen k�nne. Und ganz unrecht hatten sie damit nicht. �Ich habe meine alte Gro�mutter vom Schwarzen Mann erz�hlen h�ren�, fuhr der Lugarder mit den abstehenden Ohren fort. �Ich find's nicht richtig, so �ber den Tod zu singen.�</p><p>Mat �berlegte mit trunkenem Hirn, wie er auf dieses Lied gekommen war. Er verzog das Gesicht. Keiner hatte �Tanz mit dem Schwarzen Mann� mehr geh�rt, seit Aldeschar erobert wurde. In seinem Kopf erklang immer noch das trotzige Lied, das die Goldenen L�wen bei ihrem letzten vergeblichen Angriff auf das Heer Artur Falkenfl�gels gesungen hatten, als sie bereits eingeschlossen waren. Na, wenigstens hatte er nicht wieder in der Alten Sprache geplappert. Er war auch nicht halb so betrunken, wie er nun wirken mochte, aber nat�rlich hatte er schon ein paar Becher <emphasis>Oosquai</emphasis> zuviel getrunken. Das Zeug sah aus und schmeckte auch wie braunes Wasser, aber man bekam davon einen Schlag, als ob einen ein Maultier vor den Kopf trat. <emphasis>Moiraine wird mich doch noch in die Burg verfrachten, wenn ich nicht vorsichtig bin. Na, das w�rde mich zumindest von Rand und der W�ste wegbringen.</emphasis> Vielleicht war er doch trunkener, als er selbst glaubte, wenn er das schon f�r einen guten Tausch hielt. So nahm er sich ein anderes Lied vor, den �Kesselflicker in der K�che�.</p><p><emphasis>Kesselflicker in der K�che, schaff nur, schaff geschwind.</emphasis></p><p><emphasis>Die Hausfrau zieht sich oben aus, denn fort sind Mann und Kind.</emphasis></p><p><emphasis>Sie tanzt die Trepp herab und l�st dabei den Zopf. �Kesselflickerjunge, ach, flickst du mir noch einen Topf?�</emphasis></p><p>Einige von Kaderes M�nnern gr�lten mit, w�hrend er zu dem Fleck zur�cktanzte, an dem er begonnen hatte. Die Aiel sangen nicht mit, denn bei ihnen sangen M�nner ausschlie�lich Schlachtenges�nge oder Totenklagen f�r die Gefallenen, und die T�chter des Speers sangen auch nur, wenn sie allein beieinander waren.</p><p>Zwei Aielm�nner sa�en auf dem Brunnenrand und zeigten keinerlei Anzeichen der Wirkung des <emphasis>Oosquai,</emphasis> den sie konsumiert hatten. H�chstens wirkten ihre Augen ein ganz klein wenig glasig. Er w�re so gern wieder in Gegenden gelangt, wo diese hellen Augen eine Seltenheit waren. Wo er aufgewachsen war, hatte er � von Rand abgesehen � nur braune oder schwarze Augen gesehen.</p><p>Ein paar Holzst�cke, meist wurmstichige Beine oder Armlehnen von St�hlen, lagen auf den breiten Pflastersteinen herum. Dort standen keine Zuschauer. Ein leeres rotes Tongef�� lag neben dem Brunnenrand, und dazu eines, das noch etwas <emphasis>Oosquai</emphasis> enthielt. Auch ein silberner Becher lag dabei. Diese Dinge dienten einem Spiel. Man mu�te in einem Zug trinken und dann mit dem Messer ein in die Luft geworfenes Ziel treffen. Keiner von Kaderes M�nnern und nur wenige Aiel wollten noch mit ihm w�rfeln, da er so oft gewann, und Karten spielten sie nicht. Messerwerfen galt dagegen als etwas ganz anderes, besonders, wenn auch noch der <emphasis>Oosquai</emphasis> im Spiel war. Er hatte nicht so oft gewonnen wie beim W�rfeln, aber im Becken unter seinem Platz am Brunnenrand lagen ein halbes Dutzend geh�mmerter Goldbecher, ein paar Armreifen und Halsketten mit Rubinen, Mondsteinen oder Saphiren, und auch noch ein kleiner Stapel M�nzen. Neben seinen Gewinnen lagen noch sein flacher Hut und ein eigenartiger Speer mit einem schwarzen Schaft. Einige der Gegenst�nde waren sogar von Aiel selbst hergestellt worden, wie man sah. Normalerweise zahlten sie lieber mit Beutest�cken als mit M�nzen, wenn sie verloren hatten.</p><p>Corman, einer der beiden Aiel auf der Umrandung, blickte zu ihm auf, als er mit Singen innehielt. Schr�g �ber seine Nase verlief eine wei�e Narbe. �Ihr seid beinahe genauso gut mit dem Messer wie beim W�rfeln, Matrim Cauthon. Sollen wir Schlu� machen? Die Sonne geht unter.�</p><p>�Es ist doch noch hell genug.� Mat blinzelte zum Himmel empor. Bleiche Schatten bedeckten alles hier im Tal von Rhuidean, doch gegen den Himmel konnte man immer noch sehen, wie sich die Geb�ude abzeichneten. �Bei dem Licht konnte auch meine Gro�mutter noch ihr Ziel treffen. Ich k�nnte es mit verbundenen Augen schaffen.�</p><p>Jenric, der andere der beiden Aiel, sah sich nach den Zuschauern um. �Sind hier auch Frauen zugegen?� Er war wie ein B�r gebaut und hielt sich f�r geistreich. �So redet ein Mann doch nur, wenn er Frauen beeindrucken will.� Die unter den Zuschauern verstreuten T�chter des Speers lachten genauso wie die anderen M�nner, wenn nicht noch schallender.</p><p>�Glaubt Ihr etwa, ich kann das nicht?� knurrte Mat und zog sich das dunkle Halstuch ab, mit dem er immer die Narbe verbarg, wo man ihn aufgeh�ngt hatte. �Schrei einfach �Jetzt�, wenn du es hochwirfst, Corman.� Schnell band er sich das Halstuch �ber die Augen und zog eines seiner Messer aus dem �rmel. Das lauteste Ger�usch, das er h�ren konnte, war das schwere Atmen der Zuschauer. <emphasis>Nicht betrunken? Ich mu� doch stockbesoffen sein!</emphasis> Und doch f�hlte er pl�tzlich sein Gl�ck aufsteigen, diesen eigenartigen Schwall, wie sonst, wenn er wu�te, wie viele Augen die W�rfel zeigen w�rden, sobald sie still lagen. Sein Kopf schien dadurch sogar ein wenig klarer zu werden. �Werf schon�, murmelte er gelassen.</p><p>�Jetzt!� rief Corman, und Mats Arm bog sich zur�ck und schnellte dann nach vorn.</p><p>In der Stille klang der wuchtige Aufschlag von Stahl in Holz genauso laut wie das Klappern des Ziels auf das Pflaster.</p><p>Keiner sprach ein Wort, als er sich das Tuch wieder um den Hals schlang. Auf der offenen Fl�che lag ein St�ck von einer Stuhllehne, nicht gr��er als seine Hand. Sein Messer steckte tief und genau in der Mitte. Corman hatte, wie es schien, auch noch ein viel kleineres Ziel geworfen als �blich. Nun, er hatte ja kein bestimmtes Ziel mit ihm abgesprochen. Mit einem Mal wurde ihm klar, da� er nicht einmal gewettet hatte.</p><p>Schlie�lich stie� einer von Kaderes M�nnern hervor: �Das Gl�ck des Dunklen K�nigs war das!�</p><p>�Das Gl�ck ist wie jedes andere Pferd. Man kann darauf reiten�, sagte Mat leise, mehr zu sich selbst. Gleich, wo es herr�hrte. Er hatte ja auch keine Ahnung, wieso er solches Gl�ck hatte, doch ausn�tzen wollte er es, so gut es �berhaupt m�glich war.</p><p>So leise er auch gesprochen hatte: Jenric sah ihn mit gerunzelter Stirn an. �Was habt Ihr da gesagt, Matrim Cauthon?�</p><p>Mat �ffnete den Mund, um seine Worte zu wiederholen, doch dann schlo� er ihn wieder, als er die Worte klar vor sich sah: <emphasis>Sene sovya caba'donde ain dovienya.</emphasis> Die Alte Sprache. �Ach, nichts�, murmelte er. �Ich f�hre nur Selbstgespr�che.� Die Zuschauer zerstreuten sich nun langsam. �Ich denke, nun ist es wirklich langsam zu dunkel, um weiterzumachen.�</p><p>Corman stellte einen Fu� auf das Holzst�ck, um Mats Messer herauszuziehen, und brachte es ihm zur�ck. �Irgendwann einmal wieder, Matrim Cauthon.</p><p>Irgendwann.� So dr�ckten sich die Aiel aus, wenn sie �nie� meinten, es aber nicht aussprechen wollten.</p><p>Mat nickte, als er die Klinge in eine der Scheiden in seinem �rmel zur�cksteckte. Es war das gleiche wie damals, als er dreiundzwanzigmal hintereinander sechs Sechser gew�rfelt hatte. Er konnte es ihnen kaum �belnehmen. Aber Gl�ck zu haben war doch noch keineswegs alles. Mit etwas Neid stellte er fest, da� keiner der Aiel auch nur im geringsten schwankte, als er sich der sich zerstreuenden Menge anschlo�.</p><p>Mat fuhr sich mit der Hand durchs Haar und setzte sich schwerf�llig auf den Brunnenrand. Die fremden Erinnerungen, die einst wie die Rosinen im Kuchen in seinem Verstand eingebettet gelegen hatten, verschwammen nun mit seinen eigenen. Mit einem Teil seines Verstands wu�te er, da� er vor zwanzig Jahren im Gebiet der Zwei Fl�sse geboren worden war, aber andererseits erinnerte er sich auch deutlich daran, wie er den Fl�gelangriff geleitet hatte, der die Trollocs bei Maighande zur�ckgeschlagen hatte, oder daran, wie er am Hof von Tarmandewin getanzt hatte, und an hundert, ja tausend andere Dinge. Zumeist an Schlachten. Er erinnerte sich daran, �fter gestorben zu sein, als ihm lieb war. Es gab keine deutlichen Nahtstellen mehr zwischen den Leben. Er konnte nur noch mit �u�erster Konzentration die eigenen Erinnerungen von den fremden unterscheiden.</p><p>Er fa�te nach hinten und setzte sich den breitkrempigen Hut auf. Dann holte er den eigenartigen Speer nach vorn und legte ihn sich �ber die Knie. Statt einer normalen Speerspitze wies er etwas auf, das wie eine zwei Fu� lange Schwertklinge aussah, mit einem Paar eingravierter Raben darauf. Lan sagte, diese Klinge sei w�hrend des Kriegs um die Macht, des Schattenkriegs, mit Hilfe der Einen Macht geschmiedet worden. Der Beh�ter behauptete, sie m�sse niemals gesch�rft werden und w�rde nie brechen. Mat hatte nicht vor, darauf zu vertrauen, au�er er war dazu gezwungen. Sie hatte ja dreitausend Jahre �berdauert, doch er traute der Einen Macht recht wenig. Am schwarzen Schaft zog sich eine kursiv geschriebene Textzeile entlang, die an beiden Seiten jeweils in einem Raben endete. Das Ganze war in einem Metall eingelegt, das noch dunkler als das Holz selbst war. In der Alten Sprache, aber die konnte er nat�rlich jetzt lesen.</p><p><emphasis>Somit ist unser Vertrag festgelegt und die Vereinbarung geschlossen. Der Gedanke ist der Pfeil der Zeit;</emphasis></p><p><emphasis>die Erinnerung verbla�t niemals. Was verlangt worden war, wurde gegeben. Der Preis ist bezahlt.</emphasis></p><p>Etwa eine halbe Meile entfernt die breite Stra�e hinunter befand sich ein Platz, den man in jeder anderen Stadt als gro� bezeichnet h�tte. Die Aielh�ndler waren zur Nacht verschwunden, aber ihre Buden standen noch da. Sie bestanden aus einer Art graubrauner Wolle, wie sie die Aiel f�r ihre Zelte verwendeten. Hunderte von H�ndlern aus allen Teilen der W�ste waren nach Rhuidean gekommen. So war der gr��te Markt entstanden, den die Aiel jemals erlebt hatten, und es kamen jeden Tag noch immer mehr an. Die H�ndler hatten zu den ersten geh�rt, die sich tats�chlich in der Stadt fest niedergelassen hatten und nun hier wohnten.</p><p>In die andere Richtung wollte Mat gar nicht schauen. Dort befand sich der gro�e Platz. Er konnte dort die Umrisse von Kaderes Wagen ausmachen, die morgen weiter beladen w�rden. Heute nachmittag hatte man in einen davon etwas eingeladen, was wie ein verdrehter Sandstein-T�rrahmen wirkte. Moiraine hatte sich besondere M�he gegeben, ihn so festzurren zu lassen, wie sie es f�r richtig hielt.</p><p>Ihm war nicht klar, was sie dar�ber wu�te, und er w�rde sie ganz bestimmt nicht danach fragen. Es war besser, sie verga�, da� es ihn �berhaupt noch gab, obwohl er diesbez�glich nicht viel Hoffnung hatte. Was sie auch �ber den T�rrahmen wissen mochte, er wu�te jedenfalls mehr dar�ber. Er war hindurchgetreten � ein Narr, der nach Antworten suchte. Was er statt dessen bekommen hatte, war ein Kopf voll Erinnerungen anderer M�nner. Toter M�nner. Er zog das Tuch enger um seinen Hals zusammen. Und noch zwei andere Dinge. Ein silbernes Medaillon in Form eines Fuchskopfes, das er unter dem Hemd trug, und die Waffe auf seinen Knien. Eine d�rftige Entsch�digung. Er fuhr mit den Fingern sanft die Schriftzeichen nach. <emphasis>Die Erinnerung verbla�t niemals.</emphasis> Sie hatten einen Sinn f�r Humor, der zu den Aiel pa�te, die Leute auf der anderen Seite der T�r.</p><p>�Schafft Ihr das eigentlich jedesmal?�</p><p>Er ri� den Kopf herum und erblickte eine Tochter des Speers, die sich gerade neben ihn gesetzt hatte. Sie war selbst f�r eine Aielfrau gro�, m�glicherweise gr��er als er, ihr Haar war wie gesponnenes Gold und die Augen von der Farbe des klaren Morgenhimmels. Sie war �lter als er, vielleicht um zehn Jahre, aber das hatte ihn noch nie abgeschreckt. Allerdings war sie eben eine <emphasis>Far Dareis Mai.</emphasis></p><p>�Ich hei�e Melindhra�, fuhr sie fort, �und geh�re zur Jumai-Septime. Schafft Ihr das wirklich jedesmal?�</p><p>Nun erst wurde ihm bewu�t, da� sie vom Messerwerfen sprach. Sie nannte ihre Septime, aber keinen Clan. Das taten die Aiel fast nie. Aber... Sie mu�te eine der Shaido-T�chter sein, die gekommen waren, um sich Rand anzuschlie�en. Er verstand all das Zeug mit den Kriegergemeinschaften nicht so ganz, aber was die Shaido betraf, erinnerte er sich nur zu gut daran, wie sie ihn mit Speeren hatten spicken wollen. Couladin konnte niemanden leiden, der mit Rand irgendwie verbunden war, und was Couladin ha�te, ha�ten auch die Shaido. Andererseits war Melindhra hierher nach Rhuidean gekommen. Eine Tochter des Speers. Und nun l�chelte sie ihn leicht an. In ihrem Blick funkelte etwas Einladendes.</p><p>�Meistens, ja�, antwortete er wahrheitsgem��. Auch wenn er es nicht direkt sp�rte, hatte er noch Gl�ck, und wenn er es aufwallen f�hlte, konnte �berhaupt nichts schiefgehen. Sie schmunzelte. Ihr L�cheln wurde breiter, als halte sie ihn f�r einen Angeber. Frauen schienen sich immer schon entschieden zu haben, ob man log oder nicht, bevor sie auch nur einen Beweis gesehen hatten. Auf der anderen Seite war es so: Wenn sie einen mochten, dann war es ihnen entweder egal oder sie fielen ins andere Extrem und hielten dann auch seine dickste L�ge f�r wahr.</p><p>T�chter des Speers konnten unabh�ngig von ihrem Clan gef�hrlich werden, doch das traf, wie er aus eigener Erfahrung wu�te, auf alle Frauen zu. Jedenfalls hatte Melindhra nicht nur Augen f�r ihn allein.</p><p>Also kramte er in seinen Gewinnen und zog eine Halskette mit vielen Goldspiralen heraus, in deren Zentrum jeweils ein tiefblauer Saphir befestigt war. Der gr��te hatte immerhin die Gr��e seines Daumennagels. Er erinnerte sich noch an eine Zeit � diesmal in seiner eigenen Erinnerung �, als ihn der kleinste dieser Steine noch zum Schwitzen gebracht h�tte.</p><p>�Die passen wundersch�n zu Euren Augen�, sagte er und legte das schwere Kollier in ihre H�nde. Er hatte wohl noch nie gesehen, da� eine der T�chter Halsschmuck trug, doch seiner Erfahrung nach hatte jede Frau Schmuck gern. Und seltsamerweise gefielen ihnen allen auch Blumen fast genauso wie Schmuck. Er verstand das wohl nicht, aber er gab sowieso zu, da� er Frauen noch weniger verstand als sein Gl�ck oder das, was auf der anderen Seite des verdrehten T�rrahmens geschehen war.</p><p>�Sehr sch�ne Arbeit�, sagte sie, als sie es hochgehalten und gemustert hatte. �Ich nehme Euer Angebot an.� Die Halskette verschwand in ihrer G�rteltasche und sie beugte sich her�ber, um ihm den Hut aus dem Gesicht zu schieben. �Du hast h�bsche Augen. Wie dunkle, hochgl�nzende Tigeraugen, falls du die Steine kennst.� Sie drehte sich ein wenig um und zog die Beine auf den Brunnenrand empor. Dann schlang sie die Arme um die Beine, sa� einfach so da und musterte ihn eindringlich. �Meine Speerschwestern haben mir von dir erz�hlt.�</p><p>Mat r�ckte seinen Hut wieder zurecht und beobachtete sie mi�trauisch unter der Krempe hervor. Was hatten sie ihr erz�hlt? Und welches �Angebot�? Es war doch nur eine Halskette. Die Einladung war aus ihrem Blick verschwunden. Nun wirkte sie wie eine Katze, die eine Maus betrachtet. Das war eben das Problem bei diesen T�chtern des Speers. Manchmal konnte man kaum unterscheiden, ob sie mit dir tanzen, dich k�ssen oder dich t�ten wollten.</p><p>Die Stra�e leerte sich, die Schatten wurden tiefer, aber er erkannte Rand trotzdem, der ein St�ckchen weiter unten schr�g �ber die Stra�e ging, die Pfeife zwischen den Z�hnen. Er war der einzige Mann in Rhuidean, der immer mit einem Schwarm von <emphasis>Far Dareis Mai</emphasis> herumlief. <emphasis>Sie sind immer bei ihm,</emphasis> dachte Mat. <emphasis>Sie beh�ten ihn wie ein Rudel W�lfinnen und springen, sobald er ein Wort sagt.</emphasis> Einige M�nner w�rden ihn deshalb vielleicht beneiden. Nicht so Mat. Wenn es allerdings ein Rudel M�dchen vom Typ Isendres w�re...</p><p>�Entschuldige mich einen Moment�, sagte er schnell zu Melindhra. Er lehnte seinen Speer an die niedrige Br�stung vor dem Brunnen, sprang auf und rannte los. In seinem Kopf summte es immer noch, wenn auch nicht mehr so stark, und er wankte nicht. Er machte sich keine Sorgen um seine Gewinne. Die Aiel hatten ganz klare Ansichten in bezug auf das, was erlaubt war und was nicht. W�hrend eines Kriegszugs Beute zu machen war absolut legitim, Diebstahl aber nicht. Kaderes M�nner hatten schnell gelernt, die H�nde in den Taschen stecken zu lassen, nachdem einer von ihnen beim Stehlen erwischt worden war. Man hatte ihn verpr�gelt, da� er von den Schultern bis zu den Fersen von Striemen bedeckt war, und dann hatte man ihn weggeschickt. Der einzige Wasserschlauch, den sie ihm mitgegeben hatten, d�rfte wohl bei weitem nicht gereicht haben, um die Drachenmauer zu erreichen, selbst in bekleidetem Zustand, doch sie hatten ihn ja nackt davongejagt. Jetzt hoben Kaderes M�nner noch nicht einmal eine M�nze auf, wenn sie herrenlos auf der Stra�e lag.</p><p>�Rand?� Der andere Mann schritt von seiner weiblichen Eskorte umgeben weiter. �Rand?� Rand war noch nicht einmal zehn Schritt entfernt, doch er zeigte kein Anzeichen des Erkennens. Nur ein paar der T�chter des Speers blickten sich um, nicht aber Rand. Mat fror pl�tzlich, und das hatte nichts mit dem Einbruch der Nacht zu tun. Er leckte sich die Lippen und sprach noch einmal, aber nicht sehr laut: �Lews Therin.� Und Rand drehte sich um. Mat w�nschte fast, er h�tte sich auch jetzt nicht umgewandt.</p><p>Eine Weile lang blickten sie sich im Zwielicht des Abends schweigend an. Mat z�gerte, n�her heranzutreten. Er versuchte, sich einzureden, das sei wegen der T�chter des Speers. Adelin war eine von denen gewesen, die ihn ein sogenanntes Spiel gelehrt hatten, das man den �Ku� der Jungfrau� nannte. Das w�rde er niemals mehr vergessen und auch niemals mehr spielen, soweit es in seiner Macht lag. Und Enailas Blick fuhr ihm wie ein Bohrer in den Sch�del. Wer erwartete denn auch, da� eine Frau gleich hochging wie ein Feuerwerksk�rper, weil man ihr sagt, sie sei die h�bscheste kleine Blume, die man je gesehen hat?</p><p>Und dann Rand. Er und Rand waren zusammen aufgewachsen. Sie und dazu Perrin, der Gehilfe des Schmieds zu Hause in Emondsfeld, hatten zusammen gejagt, gefischt, waren gemeinsam durch die Sandh�gel gewandert bis zum Rand der Verschleierten Berge, hatten unter dem Sternenzelt kampiert. Rand war sein Freund. Nur war er jetzt ein Freund, der einem vielleicht den Kopf einschlagen w�rde, ohne es zu wollen. Und Perrin war m�glicherweise Rands wegen tot.</p><p>Er zwang sich dazu, auf Armesl�nge an den anderen Mann heranzutreten. Rand war beinahe einen Kopf gr��er, und im Zwielicht dieses fr�hen Abends wirkte er sogar noch gr��er. K�lter, als er gewesen war. �Ich habe nachgedacht, Rand.� Mat w�nschte, seine Stimme kl�nge nicht so heiser. Er hoffte, Rand werde diesmal auf seinen richtigen Namen reagieren. �Ich war lange von zu Hause weg.�</p><p>�Wir beide�, sagte Rand leise. �Lange Zeit.� Pl�tzlich lachte er auf, nicht laut, doch beinahe wie der alte Rand. �F�ngst du an, dich danach zu sehnen, da� du die K�he deines Vaters melken kannst?�</p><p>Mat kratzte sich am Ohr und grinste ein wenig. �Das nicht gerade.� Wenn er niemals mehr eine Scheune von innen sah, war ihm das nur zu recht. �Aber ich dachte daran, mitzufahren, wenn Kadere mit seinen Wagen aufbricht.�</p><p>Rand schwieg. Als er wieder sprach, war der Anflug von Heiterkeit vorbei. �Den ganzen Weg nach Tar Valon?�</p><p>Nun war die Reihe, zu z�gern, wieder an Mat. <emphasis>Er w�rde mich doch nicht an Moiraine verraten? Oder doch?</emphasis> �Vielleicht�, sagte er, als sei es nebens�chlich. �Ich wei� noch nicht. Dort w�rde Moiraine mich ja sowieso am liebsten hinbringen. Vielleicht finde ich auch eine M�glichkeit, zu den Zwei Fl�ssen zur�ckzukehren. Mal sehen, ob zu Hause alles in Ordnung ist.� <emphasis>Nachsehen, ob Perrin noch am Leben ist. Und meine Schwestern und Mutter und Pa.</emphasis></p><p>�Wir alle m�ssen tun, was sein mu�, Mat. Nicht das, was wir gern wollen. Jedenfalls nicht oft. Was wir m�ssen.�</p><p>F�r Mat klang das wie eine Entschuldigung, als bitte ihn Rand um sein Verst�ndnis. Nur, da� auch er selbst einige Male getan hatte, was er mu�te. <emphasis>Ich kann ihn nicht f�r Perrin verantwortlich machen, nicht ihn selbst. Und niemand hat mich verdammt noch mal gezwungen, Rand wie ein blutiges Scho�h�ndchen hinterherzulaufen.</emphasis> Aber auch das stimmte nicht. Er war gezwungen gewesen. Nur eben nicht von Rand. �Du wirst... mich nicht aufhalten, wenn ich weg will?�</p><p>�Ich versuche gar nicht erst, dir zu sagen, ob du kommen oder gehen sollst, Mat�, sagte Rand m�de. �Das Rad webt das Muster, und nicht ich. Und das Rad webt, wie es will.� Ausgerechnet er sprach schon wie eine verdammte Aes Sedai! Rand wandte sich schon halb zum Gehen, f�gte aber dann noch hinzu: �Traue Kadere nicht, Mat. Auf gewisse Art ist er einer der gef�hrlichsten M�nner, die du je kennengelernt hast. Vertraue ihm kein bi�chen, oder jemand schneidet dir vielleicht die Kehle durch. Du und ich w�ren nicht die einzigen, die das bedauern w�rden.� Damit war er weg, die Stra�e hinunter in die tiefer sinkende D�mmerung hinein. Die T�chter des Speers umgaben ihn wie ein Rudel W�lfe.</p><p>Mat sah ihm nach. Dem H�ndler vertrauen? <emphasis>Ich w�rde Kadere nicht trauen, und wenn er gefesselt in einem Sack steckte.</emphasis> Also webte nicht Rand das Muster? Aber er kam dem doch ziemlich nahe! Bevor noch jemals einer von ihnen erfahren hatte, da� die Prophezeiungen ausgerechnet mit ihnen zu tun hatten, hatten sie erfahren, da� Rand ein <emphasis>Ta'veren</emphasis> war, einer jener seltenen Menschen, die nicht willk�rlich in das Muster hineingewoben wurden, sondern statt dessen das Muster zwangen, sich um sie herum zu gestalten. Mat wu�te wohl, was es hie�, ein <emphasis>Ta'veren</emphasis> zu sein, denn er war selbst einer, wenn auch nicht so stark wie Rand. Manchmal konnte Rand das Leben anderer Menschen beeinflussen, seinen Lauf �ndern, nur, weil er sich im gleichen Ort aufhielt. Auch Perrin war ein <emphasis>Ta'veren,</emphasis> oder war es vielleicht gewesen. Moiraine hatte es f�r bedeutsam gehalten, da� sie gleich drei junge M�nner aus dem gleichen Dorf aufgesp�rt hatte, deren Schicksal sie zu <emphasis>Ta'veren</emphasis> werden lie�. Sie hatte auf jeden Fall vor, sie alle in ihre Pl�ne einzubeziehen, was sie auch sein mochten.</p><p>Es sollte ja angeblich eine ganz tolle Sache sein. Alle <emphasis>Ta'veren,</emphasis> von denen Mat jemals geh�rt hatte, waren M�nner wie Artur Falkenfl�gel gewesen oder Frauen wie Mabriam en Shereed, von der die Legenden behaupteten, sie habe nach der Zerst�rung der Welt den Pakt der Zehn Nationen begr�ndet. Aber keine Legende berichtete, was geschah, wenn sich ein <emphasis>Ta'veren</emphasis> so nahe bei einem anderen und noch dazu so starken wie Rand befand. Man f�hlte sich dann wie ein Blatt in einem Mahlstrom.</p><p>Melindhra trat an seine Seite und reichte ihm den Speer und einen schweren, grob gewebten Sack, in dem es klapperte. �Ich habe deine Gewinne hineingetan, ja?� Sie war tats�chlich gr��er als er � eine gute Handbreit. Sie blickte Rand hinterher. �Ich hatte geh�rt, da� du ein Beinahe-Bruder von Rand al'Thor seist.�</p><p>�Wenn man so will�, sagte er trocken.</p><p>�Es spielt keine Rolle�, tat sie es ab und konzentrierte sich auf ihn. Die F�uste hatte sie auf die H�ften gestemmt. �Du hast mein Interesse erregt, Mat Cauthon, noch bevor du mir diese Aufmerksamkeit gabst. Nat�rlich werde ich deshalb nicht den Speer f�r dich aufgeben, aber ich habe dich schon seit Tagen im Auge. Du hast ein L�cheln an dir, wie ein Junge, der gleich etwas anstellen wird. Das gef�llt mir. Und diese Augen.� Im versagenden Tageslicht schien ihm ihr L�cheln bed�chtig und breit � und warm. �Mir gefallen deine Augen wirklich.�</p><p>Mat r�ckte den Hut gerade, obwohl er gar nicht schief gesessen hatte. Vom Verfolger zum Verfolgten, vom J�ger zum Gejagten, und das innerhalb eines Wimpernschlags. Solches konnte einem bei den Aielfrauen passieren. Besonders bei den T�chtern des Speers. �Sagt dir die Bezeichnung �Tochter der Neun Monde� irgend etwas?� Die Frage hatte er schon ein paarmal Frauen gestellt. Die falsche Antwort w�rde ihn noch heute Abend aus Rhuidean vertreiben, und wenn er zu Fu� durch die ganze W�ste marschieren m��te.</p><p>�Nein, nichts�, sagte sie. �Aber es gibt Sachen, die ich gern bei Mondschein unternehme.�</p><p>Sie legte ihm einen Arm um die Schultern, nahm seinen Hut ab und begann, ihm etwas ins Ohr zu fl�stern. Nach kurzer Zeit grinste er sehr viel breiter als sie zuvor.</p></section><section><title><p>4</p><p>Zwielicht</p></title><p>Mit seiner Eskorte von <emphasis>Far Dareis Mai</emphasis> n�herte sich Rand dem Dach der T�chter des Speers in Rhuidean. Wei�e Treppen �ber die ganze Breite des gro�en Geb�udes, jede Stufe einen Schritt tief, f�hrten hinauf zu m�chtigen, zwanzig Schritt hohen S�ulen, die im D�mmerlicht schwarz wirkten, aber bei Tag ein strahlendes Blau zeigten, und deren Mantel in Spiralen gearbeitet war. Die Au�enw�nde des Geb�udes bestanden aus einem Mosaik glasierter Fliesen, wei� und blau, deren Spiralmuster dem Augen endlos erschien. Ein riesiges Fenster gleich �ber den S�ulen wies ein farbiges Glasmosaik auf. Es zeigte eine f�nfzehn Fu� hohe, schwarzhaarige Frau. Sie trug ein faltenreiches, blaues Gewand und hatte die rechte Hand erhoben, entweder um zu segnen oder um Einhalt zu gebieten. Ihr Gesicht wirkte w�rdevoll und streng zugleich. Wer sie auch gewesen sein mochte, eine Aiel war sie jedenfalls nicht, bei der blassen Haut und diesen dunklen Augen. Vielleicht eine Aes Sedai. Er klopfte die Pfeife am Absatz seines Stiefels aus und steckte sie in die Manteltasche, bevor er die Treppe hinaufging.</p><p>Au�er den <emphasis>Gai'schain</emphasis> durfte eigentlich kein Mann unter ein Dach der T�chter des Speers treten, kein einziger Mann und in keiner Festung der ganzen W�ste. Selbst ein H�uptling oder der Blutsverwandte einer der T�chter k�nnte den Tod erleiden, sollte er es versuchen, aber nat�rlich dachte kein Aielmann auch nur an so etwas. Das galt �brigens f�r alle Kriegergemeinschaften; nur Mitglieder und die <emphasis>Gai'schain</emphasis> durften hineingehen.</p><p>Die beiden T�chter, die an der hohen Bronzet�r Wache hielten, unterhielten sich und sahen nur kurz zu ihm her�ber, als er zwischen den S�ulen hindurchschritt. Dann tauschten sie ein leichtes Grinsen. Er w�nschte, er w��te, was sie gesagt hatten. Selbst in einem so trockenen Land wie der W�ste lief Bronze mit der Zeit an und wurde blind, doch <emphasis>Gai'schain</emphasis> hatten diese T�rfl�gel poliert, bis sie wie neu gl�nzten. Sie standen nun weit offen, und die beiden W�chterinnen machten keine Anstalten, ihn am Hineingehen zu hindern, mit Adelin und den anderen auf den Fersen.</p><p>Die breiten, wei�gefliesten Korridore und die gro�fl�chigen Zimmer waren voll von T�chtern des Speers. Sie sa�en auf bunten Kissen, tratschten, pflegten ihre Waffen, spielten Fingerspiele oder Brettspiele oder �Tausend Blumen�, ein Aielspiel, bei dem man mit flachen Spielsteinen, die anscheinend hundert verschiedene Symbole zeigten, Muster legen mu�te. Nat�rlich glitten unz�hlige <emphasis>Gai'schain</emphasis> mit eleganten Schritten durch das Geb�ude, gingen ihren Aufgaben nach, putzten, bedienten, reparierten, f�llten die �llampen auf, von denen man eine gro�e Bandbreite sah: von einfachen, glasierten Tonlampen bis zu vergoldeten Beutest�cken von irgendwoher, und den hohen Stehlampen, die man in der Stadt vorgefunden hatte. In den meisten Zimmern bedeckten bunte Teppiche und leuchtende Wandbeh�nge B�den und W�nde. Man sah beinahe so viele Muster und Stilformen, wie Teppiche und Gobelins vorhanden waren. Dar�ber hinaus zeigten die W�nde und Decken detaillierte Mosaikarbeiten in Form von W�ldern und Fl�ssen und Himmeln, wie man sie in der W�ste niemals sah.</p><p>Ob jung oder alt: die T�chter l�chelten ihn an, wenn sie seiner gewahr wurden, und einige nickten ihm vertraut zu oder klopften ihm sogar auf die Schulter. Andere sprachen ihn an, fragten nach seinem Befinden, ob er schon gegessen habe, ob er wolle, da� ihm die <emphasis>Gai'schain</emphasis> Wein oder Wasser br�chten. Er erwiderte das meiste mit einem L�cheln. Es gehe ihm gut, und er habe weder Hunger noch Durst. Er ging weiter und verlangsamte seinen Schritt nicht, wenn er ihnen antwortete. Wenn er langsamer ging, w�rde das unweigerlich dazu f�hren, da� er bei ihnen stehenblieb, und das war ihm heute abend zuviel.</p><p>Die <emphasis>Far Dareis Mai</emphasis> hatten ihn auf gewisse Weise adoptiert. Einige behandelten ihn wie ihren Sohn, andere wie einen Bruder. Das Alter schien dabei keine Rolle zu spielen. Frauen mit wei�en Str�hnen im Haar tranken Tee mit ihm und sprachen mit ihm wie mit einem Bruder, w�hrend T�chter, die kaum ein Jahr �lter waren als er, ihn bemutterten, indem sie ihm sagten, was er bei dieser Hitze an Kleidung zu tragen habe. Dieses Bemuttern lie� sich nicht vermeiden. Sie verhielten sich einfach so, und er wu�te auch nicht, wie er es verhindern konnte, ohne die Eine Macht gegen sie alle auf einmal einzusetzen.</p><p>Er hatte daran gedacht, vielleicht eine andere Kriegergemeinschaft zu seinem eigenen Schutz einzusetzen, die <emphasis>Shae'en M'taal</emphasis> zum Beispiel, die Steinhunde, oder die <emphasis>Aethan Dor,</emphasis> die Roten Schilde � Rhuarc hatte zu den Roten Schilden geh�rt, bevor er H�uptling wurde �, nur, welche Begr�ndung konnte er ihnen daf�r liefern? Sicherlich nicht die Wahrheit. Wenn er nur daran dachte, Rhuarc und den anderen das zu erkl�ren, wurde er nerv�s. Bei dem eigenartigen Humor der Aiel w�rde ihm vielleicht sogar der griesgr�mige alte Han vor Lachen die Rippen brechen. Au�erdem w�rde wahrscheinlich jeder m�gliche Grund die Ehre jeder einzelnen Tochter des Speers verletzen. Wenigstens bemutterten sie ihn selten au�erhalb, nur unter ihrem Dach, wenn niemand anders zusehen konnte als h�chstens die <emphasis>Gai'schain,</emphasis> und die wu�ten es besser, als irgendwo herumzuerz�hlen, was hier geschehen war. �Die T�chter�, hatte er selbst einmal gesagt, �tragen meine Ehre.� Daran erinnerte sich wohl jeder, und die T�chter waren genauso stolz darauf, als habe er sie auf einen Thron gesetzt. Doch wie es schien, trugen sie seine Ehre auf eine Art und Weise, die sie selbst bestimmten.</p><p>Adelin und die anderen vier verlie�en ihn und schlossen sich ihren Freundinnen an, doch er war deshalb nicht allein, als er die breiten wei�en Wendeltreppen emporstieg. Er mu�te die gleichen Fragen praktisch auf jeder Stufe beantworten. Nein, er habe keinen Hunger. Ja, er wisse, da� er sich noch nicht an die Hitze gew�hnt hatte, und nein, er hatte nicht zuviel Zeit in der prallen Sonne verbracht. Er ertrug alles geduldig, aber er stie� einen Seufzer der Erleichterung aus, als er den zweiten Stock �ber dem riesigen Fenster erreicht hatte. Hier waren keine T�chter und keine <emphasis>Gai'schain</emphasis> mehr zu sehen, weder in den breiten G�ngen, noch auf der Treppe nach weiter oben. Die kahlen W�nde und leeren Zimmer betonten noch die Abwesenheit der Menschen, aber nach all dem Trubel drunten war die Einsamkeit ein Segen f�r ihn.</p><p>Sein Schlafzimmer war eine fensterlose Kammer nahe dem Mittelpunkt des Geb�udes, einer der wenigen R�ume, die nicht riesengro� waren, wenn auch mit einer sehr hohen Decke. Die H�he war das ausgepr�gteste Merkmal dieses Zimmers. Er hatte keine Ahnung, wof�r es urspr�nglich vorgesehen gewesen war. Den einzigen Schmuck stellte ein Rankenmosaik um den kleinen Kamin dar. Er h�tte ja gesagt, es sei das Zimmer eines Dieners gewesen, aber die Zimmer von Dienern wiesen wohl kaum eine bronzeverkleidete, wenn auch einfach gestaltete T�r auf. Er schob sie fast ganz zu. <emphasis>Gai'schain</emphasis> hatten die Metallfl�che poliert, so da� sie jetzt matt gl�nzte. Auf den blauen Fu�bodenfliesen lagen ein paar gefranste Sitzkissen verstreut, und zum Schlafen hatte man ihm auf mehrere bunte L�ufer eine dicke Steppdecke gelegt. Nahe diesem �Bett� standen ein einfacher, blauglasierter Krug mit Wasser und ein dunkelgr�ner Becher. Das war alles, bis auf zwei bereits entz�ndete dreibeinige Stehlampen und einen schritthohen Stapel von B�chern in einer Ecke. Mit einem ersch�pften Aufseufzen legte er sich, immer noch in Mantel und Stiefeln, auf die Steppdecke. Wie er sich auch drehte und wendete, es war auch nicht viel weicher als der blanke Fu�boden.</p><p>Die K�hle der Nacht drang bereits in die Kammer, aber er machte sich nicht die M�he, den getrockneten Kuhmist im Kamin zu entz�nden. Ihm war die K�lte lieber als der Gestank. Asmodean hatte ihm einen einfachen Trick gezeigt, um den Raum warmzuhalten; einfach, doch etwas, das der Mann nun selbst nicht mehr fertigbrachte, weil ihm dazu die Kraft fehlte. Das einzige Mal, als Rand ihn ausprobiert hatte, war er mitten in der Nacht aufgewacht und hatte nach Luft geschnappt, w�hrend die Kanten der L�ufer bereits von der Hitze des Fu�bodens entz�ndet glimmten. Danach hatte er keinen weiteren Versuch mehr unternommen.</p><p>Er hatte dieses Geb�ude als Quartier ausgew�hlt, weil es unbesch�digt war und nahe dem gro�en Platz lag. Die hohen Decken lie�en selbst am hei�esten Tag noch etwas wie K�hle erahnen, und die dicken W�nde hielten bei Nacht die schlimmste K�lte ab. Nat�rlich war es anfangs nicht das Dach der T�chter des Speers gewesen. Eines Morgens war er aufgewacht und hatte das Geb�ude einfach besetzt vorgefunden: T�chter in jedem Zimmer der ersten beiden Stockwerke und ihre W�chterinnen an seiner T�r. Er hatte eine Weile gebraucht, bis ihm klar wurde, da� sie dieses Geb�ude als Dach f�r ihre Gemeinschaft hier in Rhuidean in Anspruch genommen hatten und doch erwarteten, da� er weiterhin darin wohnte. Tats�chlich w�ren sie bereit gewesen, ihr Dach �berallhin zu verlegen, wo er sich aufhielt. Deshalb hatte er sich an einem anderen Ort mit den Clanh�uptlingen treffen m�ssen. Wenigstens hatte er es fertiggebracht, sie zu �berzeugen, unterhalb des Stockwerks zu bleiben, in dem er selbst schlief. Das hatte sie unwahrscheinlich erheitert. <emphasis>Selbst der</emphasis> Car'a'carn <emphasis>ist kein K�nig,</emphasis> rief er sich trocken ins Ged�chtnis zur�ck. Zweimal bereits war er nach weiter oben umgezogen, als sich die Anzahl der T�chter st�ndig erh�hte. Gelangweilt versuchte er auszurechnen, wie viele noch ankommen m��ten, bis er schlie�lich auf dem Dach schlief.</p><p>Das war besser, als immer daran denken zu m�ssen, wie er sich wieder von Moiraine hatte provozieren lassen. Er hatte sie eigentlich �ber seinen Plan im Ungewissen lassen wollen bis zu dem Tag, an dem er mit den Aiel ausr�ckte.</p><p>Sie wu�te eben genau, wie sie seine Gef�hle manipulieren konnte, wie sie ihn so w�tend machen konnte, da� er mehr sagte, als ihm lieb war. <emphasis>Ich bin doch fr�her nie so w�tend geworden. Warum habe ich solche Schwierigkeiten, mich zu beherrschen?</emphasis> Nun, sie konnte jedenfalls nichts unternehmen, um ihn zur�ckzuhalten. Er glaubte zumindest nicht, da� es eine M�glichkeit gab. Er mu�te aber n�chstens rechtzeitig daran denken, bei ihr einfach vorsichtiger zu sein. Seine st�ndig wachsenden F�higkeiten lie�en ihn ihr gegen�ber leichtsinnig werden, doch wenn er auch viel st�rker war, hatte sie viel mehr Erfahrung, und die konnte ihn Asmodean nicht lehren.</p><p>Auf gewisse Weise war es weniger wichtig, wenn er Asmodean seine Pl�ne wissen lie�, als sein Vorhaben der Aes Sedai zu enth�llen. <emphasis>F�r Moiraine bin ich immer noch ein Schafhirte, den sie zum Besten der Burg ben�tzen kann, aber f�r Asmodean bin ich der einzige Ast, an dem er sich in der rasenden Flut festklammern kann.</emphasis> Seltsam, wenn er bedachte, da� er einem der Verlorenen wahrscheinlich eher vertrauen konnte als Moiraine. Andererseits, er konnte wohl beiden nicht gerade weitgehend trauen. Asmodean. Wenn seine Bindung an den Dunklen K�nig ihn gegen die Verderbnis <emphasis>Saidins</emphasis> hatte sch�tzen k�nnen, dann mu�te es auch eine andere M�glichkeit geben, das zu erreichen. Oder <emphasis>Saidin</emphasis> zu reinigen.</p><p>Das Problem war, da� die Verlorenen vor ihrem �berlaufen zum Schatten zu den m�chtigsten Aes Sedai im Zeitalter der Legenden geh�rt hatten, als Dinge noch selbstverst�ndlich waren, von denen heutzutage die Wei�e Burg nur tr�umen konnte. Wenn Asmodean nicht wu�te, wie man <emphasis>Saidin</emphasis> reinigte, dann ging es vielleicht �berhaupt nicht. <emphasis>Aber es mu� einen Weg geben! Irgend etwas kann das vollbringen. Ich werde nicht blo� dasitzen und darauf warten, wahnsinnig zu werden und zu sterben.</emphasis></p><p>Das war doch alles einfach idiotisch. Die Prophezeiung hatte ihm ein Zusammentreffen am Shayol Ghul vorhergesagt. Wann, das wu�te er nicht, aber hinterher w�rde er sich keine Gedanken mehr dar�ber machen m�ssen, ob er nun wahnsinnig w�rde oder nicht. Er schauderte und wollte schon seine Decken �ber sich ziehen.</p><p>Das leise Ger�usch von Schritten im Flur lie� ihn hochfahren. Ich habe es ihnen doch gesagt! Wenn sie nicht...! Die Frau, die nun die T�r aufdr�ckte und mit Armen voll von dicken Wolldecken in den Raum trat, war keine, die er hier erwartet h�tte.</p><p>Aviendha blieb gleich hinter der T�r stehen und betrachtete ihn mit k�hlen, blaugr�nen Augen. Sie war eine mehr als nur h�bsche Frau, etwa gleich alt wie er, einst eine Tochter des Speers, doch dann hatte sie den Speer aufgegeben, um eine Weise Frau zu werden. Das war noch gar nicht lange her. Ihr dunkelrotes Haar reichte ihr noch nicht ganz bis auf die Schultern, und das gefaltete braune Tuch, das sie um den Kopf gebunden hatte, war eigentlich unn�tig, denn die Haare konnten ihr noch nicht ins Gesicht fallen. Sie schien, was das Tuch betraf, ein wenig ungeschickt, und mit ihrem weiten grauen Rock ziemlich ungeduldig.</p><p>Die Eifersucht versetzte ihm einen kleinen Stich, als er die silberne Halskette entdeckte, die sie heute trug; kunstvoll aneinandergereihte geh�mmerte Scheiben, von denen jede anders verziert war. <emphasis>Wer hat ihr das gegeben?</emphasis></p><p>Sie hatte es bestimmt nicht selbst ausgew�hlt, denn sie schien Schmuck nicht zu m�gen. Das einzige andere Schmuckst�ck, das sie trug, war ein breiter ElfenbeinArmreif, der mit kunstvoll geschnitzten Rosen verziert war. Den hatte er ihr geschenkt, und er war sich nicht sicher, ob sie ihm das bereits verziehen habe. Au�erdem war es sowieso dumm von ihm, eifers�chtig zu sein.</p><p>�Ich habe Euch schon zehn Tage lang nicht mehr gesehen�, sagte er. �Ich hatte damit gerechnet, da� Euch die Weisen Frauen an meinem Arm festbinden, sobald ihnen klar wurde, da� ich meine Tr�ume gegen sie abgeschirmt hatte.� Asmodean hatte sich �ber diese erste Sache am�siert, nach der er ihn gefragt hatte, und dann war er entt�uscht gewesen, weil Rand so lange gebraucht hatte, um das Abschirmen zu erlernen.</p><p>�Ich mu� in meiner Ausbildung vorankommen, Rand al'Thor.� Sie w�rde eine jener wenigen Weisen Frauen werden, die mit der Macht arbeiten konnten. Das war ein Teil der Gr�nde, weshalb sie ausgebildet wurde. �Ich bin keine von Euren Feuchtl�nderfrauen, die nur herumstehen, da� Ihr sie ansehen k�nnt, wann immer Ihr w�nscht.� Obwohl sie ja Egwene und letzten Endes auch Elayne kannte, hatte sie eine eigenartig falsche Vorstellung von dem, was sie �Feuchtl�nderfrauen� nannte, und au�erdem von den Feuchtl�ndern im allgemeinen. �Es hat ihnen nicht gefallen, was Ihr getan habt.� Sie sprach von Amys, Bair und Melaine, den drei Weisen Frauen und Traumg�ngerinnen, die sie ausbildeten und versuchten, ihn zu �berwachen. Aviendha sch�ttelte bedauernd den Kopf. �Vor allem waren sie nicht erfreut dar�ber, da� ich Euch davon erz�hlte, wie sie in Euren Tr�umen wandelten.�</p><p>Er starrte sie an. �Habt Ihr ihnen das erz�hlt? Aber Ihr habt eigentlich gar nichts gesagt. Ich habe mir das selbst �berlegt, und auch wenn Euch keine Andeutung entschl�pft w�re, w�re ich von allein draufgekommen. Aviendha, sie haben mir ja selbst gesagt, da� sie im Traum mit Menschen sprechen k�nnten. Von da aus war es doch nur einen Schritt weiter.�</p><p>�Wollt Ihr, da� ich mich selbst noch weiter entehre?� Ihre Stimme klang wohl beherrscht, aber ihr Blick h�tte beinahe das Brennmaterial im Kamin entz�ndet. �Ich werde mich nicht entehren, weder f�r Euch, noch f�r einen anderen Mann! Ich zeigte Euch den Weg, dem Ihr folgen mu�tet, und ich werde meine Schande nicht ableugnen. Ich h�tte Euch erfrieren lassen sollen.� Und damit warf sie ihm die Decken an den Kopf.</p><p>Er befreite sich von ihnen und legte sie neben die Steppdecke, w�hrend er �berlegte, was er ihr sagen konnte. Das war wieder einmal <emphasis>Ji'e'toh.</emphasis> Die Frau hatte ein Gem�t wie ein Dornbusch. Angeblich hatte man ihr die Aufgabe anvertraut, ihn �ber die Sitten und Br�uche der Aiel aufzukl�ren, aber er kannte ihre wahre Aufgabe, n�mlich f�r die Weisen Frauen zu spionieren. Welche Schande das Spionieren auch f�r die Aiel darstellen mochte, f�r die Weisen Frauen galt das offensichtlich nicht. Sie wu�ten, da� er Bescheid wu�te, aber aus irgendeinem Grund k�mmerte sie das nicht, und solange sie die Dinge so belie�en, wie sie lagen, war es ihm auch recht. Zum einen war Aviendha keine gute Spionin. Sie versuchte fast nie ernsthaft, etwas herauszufinden, und ihr eigenes Temperament verhinderte immer wieder, da� sie ihn zu Wutausbr�chen provozierte, wie Moiraine das tat. Zum anderen war sie manchmal wirklich eine angenehme Gesellschafterin, wenn sie verga�, die Krallen auszufahren. Wenigstens wu�te er, wen Amys und die anderen zu seiner �berwachung abgestellt hatten. Wenn nicht sie, w�re es eine andere, und er m��te sich st�ndig fragen, wer. Au�erdem wurde sie bei ihm niemals mi�trauisch.</p><p>Mat, Egwene und sogar Moiraine warfen ihm manchmal Blicke zu, als s�hen sie nur den Wiedergeborenen Drachen in ihm oder zumindest die Gefahr, die von einem Mann ausging, der die Macht gebrauchen konnte. Die Clanh�uptlinge und die Weisen Frauen sahen in ihm Ihn, Der Mit Der Morgend�mmerung Kommt, den Mann, von dem geweissagt worden war, er werde die Aiel zerbrechen wie trockenes Reisig. Wenn sie ihn auch vielleicht nicht f�rchteten, behandelten sie ihn trotzdem manchmal wie eine giftige W�stenschlange, mit der sie notgedrungen leben mu�ten. Was auch Aviendha in ihm sehen mochte, es hinderte sie nicht daran, ihn anzugreifen, wann immer ihr danach zumute war, und das war meistens der Fall.</p><p>Das war schon ein eigenartiger R�ckhalt f�r ihn, doch verglichen mit dem Rest, war es tats�chlich eine Art von R�ckhalt. Sie hatte ihm gefehlt. Er hatte sogar Blumen f�r sie gepfl�ckt � die Bl�ten, die in der Umgebung Rhuideans auf Dornb�schen wuchsen � und sich dabei blutige Finger geholt, bis er begriff, da� er es mit Hilfe der Macht einfacher tun konnte. Er hatte sie ihr bringen lassen; ein halbes Dutzend Mal. T�chter des Speers hatten sie �berbracht, weil er sie nicht den <emphasis>Gai'schain</emphasis> anvertrauen wollte. Nat�rlich hatte sie niemals irgendein Anzeichen von Dankbarkeit ge�u�ert.</p><p>�Danke sch�n�, sagte er schlie�lich, wobei er auf die Decken deutete. Das schien ihm wenigstens ein neutrales Gespr�chsthema. �Ich sch�tze, bei den N�chten hier kann man gar nicht genug davon haben.�</p><p>�Enaila hat mich gebeten, sie Euch zu bringen, als sie herausfand, da� ich Euch besuchen wollte.� Ihre Lippen zuckten und sie begann, am�siert zu l�cheln. �Einige der Speerschwestern waren besorgt dar�ber, da� es Euch nicht warm genug sein k�nne. Ich soll daf�r sorgen, da� Ihr heute Feuer macht; letzte Nacht habt Ihr das nicht getan.�</p><p>Rand sp�rte, wie er rot anlief. Sie wu�te Bescheid. <emphasis>Na ja, ist ja eigentlich klar. Die verdammten T�chter erz�hlen ihr heutzutage vielleicht nicht mehr alles, aber sie bem�hen sich auch nicht, irgend etwas vor ihr zu verbergen.</emphasis> �Warum wolltet Ihr mich sehen?�</p><p>Zu seiner �berraschung verschr�nkte sie die Arme unter der Brust und ging zweimal nachdenklich durch den Raum, bevor sie stehenblieb und ihn anfunkelte. �Das hier war nicht als Geschenk gedacht, um Aufmerksamkeit zu erregen�, sagte sie anschuldigend, wobei sie ihr Armband in seine Richtung sch�ttelte. �Das habt Ihr praktisch zugegeben.� Das entsprach der Wahrheit, doch hatte er gef�rchtet, sie werde ihm ein Messer in die Rippen rennen, wenn er keinen R�ckzieher machte. �Es war einfach ein n�rrisches Geschenk von einem unwissenden Mann, dem v�llig egal war, was meine... was die Speerschwestern davon halten w�rden. Also, dann hat dies auch keine Bedeutung.� Sie zog etwas aus ihrer G�rteltasche und warf es auf die Steppdecke neben ihn. �Jetzt hebt eben das eine das andere auf.�</p><p>Rand hob auf, was sie ihm hingeworfen hatte, und drehte es in seinen H�nden hin und her. Es war eine G�rtelschnalle in Gestalt eines Drachen, kunstvoll aus gutem Stahl getrieben und mit Gold eingelegt. �Danke sch�n. Es ist sch�n. Aviendha, es gibt nichts, was Ihr damit aufheben oder wiedergutmachen m��tet.�</p><p>�Wenn Ihr es nicht gegen meine Schuld aufwiegen wollt�, sagte sie mit fester Stimme, �dann werft es weg. Ich werde auch etwas anderes finden, um meine Schulden zu begleichen. Es ist nur eine Nichtigkeit.�</p><p>�Wohl kaum eine Nichtigkeit. Das habt Ihr extra anfertigen lassen.�</p><p>�Glaubt ja nicht, da� es irgendeine Bedeutung hat, Rand al'Thor. Als ich... den Speer aufgab, meine Speere, meine Messer� � unbewu�t ber�hrte sie mit der Hand ihren G�rtel, wo gew�hnlich ein Messer mit langer Klinge gehangen hatte �, �nahm man mir sogar die Pfeilspitzen ab und gab sie einem Schmied, um daraus einfache Dinge zum Verschenken zu machen. Das meiste habe ich Freundinnen gegeben, aber die Weisen Frauen zwangen mich, ihnen die drei M�nner und die drei Frauen zu nennen, die ich am meisten hasse, und sie sagten mir, ich solle jedem davon pers�nlich ein aus meinen Waffen angefertigtes Geschenk geben. Bair sagt, daraus lerne man Demut.� Hochaufgerichtet und mit funkelnden Augen und so, wie sie die Worte f�rmlich ausspuckte, war sie keineswegs ein Abbild von Demut. �Damit Ihr nicht glaubt, es bedeute etwas.�</p><p>�Es bedeutet also nichts�, sagte er und nickte traurig. Nicht, da� er dem Geschenk gern eine Bedeutung beigemessen h�tte, wirklich nicht, aber es w�re ja doch sch�n gewesen, glauben zu k�nnen, da� sie in ihm langsam einen Freund sah. Es war absolut idiotisch, ihretwegen eifers�chtig zu werden. <emphasis>Wer mag ihr das gegeben haben?</emphasis> �Aviendha? War ich einer von denen, die Ihr so ha�t?�</p><p>�Ja, Rand al'Thor.� Mit einemmal klang ihre Stimme heiser. Einen Moment lang wandte sie ihr Gesicht ab, hatte die Augen geschlossen und ihre Lider bebten sichtlich. �Ich hasse Euch von ganzem Herzen. So ist es. Und ich werde Euch immer hassen.�</p><p>Er fragte nicht erst, warum. Einmal hatte er sie gefragt, warum sie ihn nicht leiden k�nne, und sie h�tte ihm beinahe die Nase abgebissen. Aber sie hatte ihm keinen Grund genannt. Diesmal war es allerdings mehr als nur ein Nicht-Leiden-K�nnen, das sie manchmal ohnehin verga�. �Wenn Ihr mich wirklich ha�t�, sagte er z�gernd, �bitte ich die Weisen Frauen, mir eine andere als Lehrerin zu schicken.�</p><p>�Nein!�</p><p>�Aber wenn Ihr...�</p><p>�Nein!� Wenn �berhaupt, dann war ihre Ablehnung nun noch heftiger als zuvor. Sie stemmte energisch die F�uste in die H�ften und hielt ihm einen Vortrag, als wolle sie ihm jedes Wort einzeln ins Herz rammen: �Selbst wenn mir die Weisen Frauen gestatteten, damit aufzuh�ren, dann habe ich doch noch <emphasis>Toh,</emphasis> Pflicht und Schuldigkeit, meiner N�chstschwester Elayne gegen�ber, auf Euch aufzupassen. Ihr geh�rt zu ihr, Rand al'Thor. Zu ihr und sonst keiner Frau. Denkt daran!�</p><p>Er hatte das Gef�hl, abwehrend die H�nde heben zu m�ssen. Wenigstens beschrieb sie ihm diesmal nicht in allen Einzelheiten, wie Elayne ausgezogen aussehe. An manche Aielsitten konnte er sich noch schwerer gew�hnen als an andere. Er fragte sich manches Mal auch, ob sie und Elayne diese �Beobachtung� miteinander abgesprochen h�tten. Er glaubte es nicht, aber andererseits benahmen sich auch Frauen, die keineswegs Aiel waren, oftmals recht eigenartig. Und dar�ber hinaus fragte er sich auch, gegen wen ihn Aviendha eigentlich besch�tzen solle. Au�er den T�chtern und den Weisen Frauen betrachteten ihn die �brigen Aielfrauen als etwas wie eine fleischgewordene Prophezeiung und sahen keinen Menschen in ihm. Er mu�te wohl auf sie wirken, wie eine Giftschlange, die sich in ihr Kinderzimmer eingeschlichen hatte. Die Weisen Frauen waren fast genauso schlimm wie Moiraine, wenn es darum ging, ihn dazu zu bringen, da� er tat, was sie wollten, nun, und �ber die T�chter des Speers wollte er lieber gar nicht erst nachdenken. Das Ganze machte ihn w�tend.</p><p>�Jetzt h�rt mir gef�lligst einmal zu! Ich habe Elayne gerade ein paarmal gek��t, und ich glaube, es hat ihr genauso gut gefallen wie mir, aber deshalb bin ich keineswegs irgend jemandem versprochen. Ich bin noch nicht einmal sicher, ob sie mich immer noch mag.� Innerhalb von wenigen Stunden hatte sie ihm zwei Briefe geschrieben. Im einen nannte sie ihn den Sonnenschein ihres Herzens, und der Rest hatte ihn zutiefst err�ten lassen, w�hrend sie ihn im zweiten als kaltherzigen Miesling bezeichnet hatte, den sie nie wieder sehen wolle, und dann hatte sie ihn in der Luft zerrissen, schlimmer noch als dies Aviendha je vermocht h�tte. Frauen waren wirklich eigenartige Gesch�pfe. �Ich habe sowieso keine Zeit, an Frauen zu denken. Das einzige, was ich jetzt im Kopf habe, ist das Problem, die Aiel zu vereinigen und selbst die Shaido einzuschlie�en, falls ich das vermag.</p><p>Ich...� Er brach mit einem St�hnen ab, als die allerletzte Frau, die er hier sehen wollte, in den Raum schwebte, begleitet vom Klimpern ihres Schmucks. Sie trug ein Silbertablett mit einer Glaskaraffe voll Wein und zwei silbernen Bechern.</p><p>Das durchscheinende rote Seidentuch, das sich Isendre um den Kopf gewickelt hatte, verdeckte keineswegs ihr blasses, sch�nes, herzf�rmiges Gesicht. Ihre vollen, leicht schmollenden Lippen waren zu einem einladenden L�cheln verzogen � bis sie Aviendha erblickte. Dann wurde aus dem L�cheln ein kr�nkelnder Gesichtsausdruck. Au�er dem Tuch trug sie noch ein Dutzend oder mehr Halsketten aus Gold und Elfenbein, einige davon mit Perlen oder gl�nzenden Edelsteinen verziert. Genausoviele Armreifen beschwerten jeden Unterarm, und selbst um die Kn�chel ihrer wohlgeformten Beine trug sie noch weitere. Und das war alles, weiter trug sie nichts. Er bem�hte sich krampfhaft, nur ihr Gesicht anzusehen, aber auch so hatte er hei�e Wangen.</p><p>Aviendha sah aus wie eine Gewitterwolke, aus der im n�chsten Augenblick Blitze hervorbrechen w�rden, Isendre dagegen wie eine Frau, die gerade erfahren hat, da� man sie bei lebendigem Leib kochen werde. Rand w�nschte sich in den Schlund des Verderbens am Shayol Ghul oder sonstwohin, nur nicht hierher. Trotzdem stand er auf, denn er besa� mehr Autorit�t, wenn er auf sie herabblickte, als umgekehrt. �Aviendha�, begann er, doch sie beachtete ihn gar nicht.</p><p>�Hat Euch jemand mit dem Tablett geschickt?� fragte sie kalt.</p><p>Isendre �ffnete den Mund, und auf ihrem Gesicht stand ganz klar die beabsichtigte L�ge zu lesen, doch dann schluckte sie und fl�sterte: �Nein.�</p><p>�Ihr seid vor so etwas gewarnt worden, <emphasis>Sorda.�</emphasis> Eine <emphasis>Sorda</emphasis> war eine Art von Ratte, sehr schlau, den Erz�hlungen der Aiel nach, und zu absolut nichts zu gebrauchen. Ihr Fleisch schmeckte so ranzig, da� selbst die Katzen sie kaum jemals fra�en, wenn sie sie erlegt hatten. �Adelin dachte, das letzte Mal h�tte Euch gereicht.�</p><p>Isendre zuckte zusammen und wankte, als falle sie gleich in Ohnmacht.</p><p>Rand raffte sich auf. �Aviendha, ob sie nun geschickt wurde oder nicht, spielt keine Rolle. Ich habe ein wenig Durst, und wenn sie so freundlich war, mir Wein zu bringen, dann sollte man ihr auch danken.� Aviendha blickte die beiden Becher k�hl an und zog die Augenbrauen hoch. Er atmete tief durch. �Sie sollte nicht bestraft werden, nur weil sie mir etwas zu trinken bringt.� Er vermied es betont, das Tablett anzusehen. �Die H�lfte der T�chter unter diesem Dach d�rften gefragt haben, ob ich... �</p><p>�Sie wurde von den T�chtern gefangengesetzt, weil sie T�chter bestohlen hatte, Rand al'Thor.� Aviendhas Stimme klang noch k�lter als vorher der anderen Frau gegen�ber. �Ihr habt Euch bereits viel zuviel in die Angelegenheiten der <emphasis>Far Dareis Mai</emphasis> eingemischt, mehr, als Euch gestattet sei. Nicht einmal der <emphasis>Car'a'carn</emphasis> kann sich der Gerechtigkeit in den Weg stellen. Das hier geht Euch nichts an.�</p><p>Er verzog das Gesicht und belie� es dabei. Was die T�chter auch mit ihr machen w�rden, Isendre hatte es jedenfalls verdient. Nicht nur f�r das eben. Sie war mit Hadnan Kadere in die W�ste gekommen, aber Kadere hatte sich nicht gerade vor Kummer umgebracht, als die T�chter des Speers sie gefangennahmen, weil sie den Schmuck gestohlen hatte, den sie ihr jetzt als einzige Bekleidung lie�en. Rand hatte alle H�nde voll zu tun gehabt, da� sie sie nicht wie eine Ziege gefesselt nach Shara geschickt hatten, oder sie nackt zur Drachenmauer laufen lie�en, nur mit einem Wassersack ausger�stet. Als er sie um Gnade bitten h�rte, sobald ihr klar wurde, was die T�chter mit ihr vorhatten, konnte er nicht einfach abseits bleiben und schweigen. Einmal hatte er eine Frau get�tet, die allerdings ihn t�ten wollte, doch diese Erinnerung verursachte ihm immer noch Schmerzen. Er glaubte nicht, da� er jemals wieder zu so etwas f�hig sein werde, selbst wenn sein Leben auf dem Spiel stand. Das war wohl sehr t�richt, da ihm immerhin weibliche Verlorene ans Leben wollten oder noch Schlimmeres, aber so war es eben. Und wenn er schon keine Frau t�ten konnte, wie konnte er dann denebenstehen und eine Frau umkommen lassen? Obwohl sie es vielleicht verdiente?</p><p>Das war nat�rlich der springende Punkt. In jedem Land westlich der Drachenmauer m��te Isendre bei allem, was er von ihr wu�te, entweder den Galgen oder die Enthauptung erwarten. Sie und auch Kadere und m�glicherweise die meisten Bediensteten des H�ndlers, wenn nicht alle. Sie waren Schattenfreunde. Und er konnte sie nicht blo�stellen. Es war ihnen auch gar nicht klar, da� er Bescheid wu�te.</p><p>Falls einer von ihnen als Schattenfreund entlarvt wurde... Isendre erduldete alles, so gut sie konnte. Es war immer noch besser, als Dienerin und nackt zu arbeiten, als an H�nden und F��en gefesselt in der Sonnenglut zu verderben. Doch wenn Moiraine sie einmal in die Finger bekam, w�rde niemand mehr schweigen. Die Aes Sedai kannten ebensowenig Gnade mit Schattenfreunden wie alle anderen. Sie w�rde ihre Zungen schon l�sen. Und auch Asmodean war mit dem H�ndlerzug in die W�ste gekommen. Soweit Kadere und die anderen informiert waren, war er nur ein weiterer Schattenfreund, aber immerhin einer, der etwas zu sagen hatte. Zweifellos glaubten sie, er habe sich dem Wiedergeborenen Drachen auf Befehl einer h�heren Macht angeschlossen. Um seinen Lehrer behalten zu k�nnen und Moiraine davon abzuhalten, sie m�glicherweise beide umbringen zu wollen, mu�te Rand ihr Geheimnis wahren.</p><p>Gl�cklicherweise fragte niemand danach, warum die Aiel dem H�ndler und seinen M�nnern so genau auf die Finger sahen. Moiraine hielt es f�r das �bliche Mi�trauen der Aiel gegen�ber Au�enseitern in der W�ste, verst�rkt durch ihren Aufenthalt in Rhuidean. Sie hatte all ihre �berzeugungskraft gebraucht, um die Aiel dazu zu bringen, da� Kadere und seine Wagen �berhaupt in die Stadt durften. Das Mi�trauen war da; wahrscheinlich h�tten auch Rhuarc und die anderen H�uptlinge den H�ndlerzug unter Bewachung gestellt, wenn Rand das nicht schon von allein angeordnet h�tte. Und Kadere schien lediglich froh dar�ber zu sein, da� er keinen Speer in die Rippen bekam.</p><p>Rand hatte keine Ahnung, wie er dieses Problem angehen sollte. Oder ob es �berhaupt l�sbar sei. Es war ein tolles Durcheinander. In den Geschichten der Gaukler wurden immer nur die B�sewichte in ein solches Dilemma verwickelt.</p><p>Sobald sie sicher war, da� er sich nicht weiter einmischen werde, wandte Aviendha ihre Aufmerksamkeit wieder der anderen Frau zu. �Ihr k�nnt den Wein hinstellen.�</p><p>Isendre beugte anmutig die Knie und stellte das Tablett neben sein Lager. Ihr Gesichtsausdruck dabei kam Rand eigenartig vor. Er brauchte aber ein paar Augenblicke, um zu begreifen, da� sie versuchte, ihn anzul�cheln, ohne es die Aielfrau sehen zu lassen.</p><p>�Und nun lauft Ihr zur ersten Tochter des Speers, die ihr finden k�nnt�, fuhr Aviendha fort, �und sagt ihr, was Ihr getan habt. Lauft, <emphasis>Sorda!�</emphasis> Isendre st�hnte und rang die H�nde, aber sie rannte doch unter gro�em Geklapper ihres Schmucks davon. Sobald sie aus dem Zimmer war, fuhr Aviendha ihn an: �Ihr geh�rt zu Elayne! Ihr habt kein Recht, eine Frau herzulocken, und ganz besonders nicht diese!�</p><p>�Sie?� Rand schnappte nach Luft. �Glaubt Ihr etwa...? Glaubt mir, Aviendha, und wenn sie die letzte Frau auf der Welt w�re, w�rde ich immer noch so schnell ich k�nnte davonrennen, um nicht bei ihr sein zu m�ssen.�</p><p>�Das behauptet Ihr vielleicht.� Sie schnaubte. �Sie ist bereits siebenmal � siebenmal! � ausgepeitscht worden, weil sie versucht hat, sich in Euer Bett einzuschleichen. Sie w�rde nicht so darauf beharren, wenn Ihr sie nicht ermutigen w�rdet. Sie steht unter der Gerichtsbarkeit der <emphasis>Far Dareis Mai</emphasis> und geht nicht einmal den <emphasis>Car'a'carn</emphasis> etwas an. Nehmt das als Eure heutige Lektion in bezug auf unsere Sitten. Und denkt daran, da� Ihr zu meiner N�chstschwester geh�rt!� Ohne ihn auch nur ein Wort herausbringen zu lassen, stolzierte sie hinaus. Er hatte das Gef�hl, Isendre werde ein erneutes Zusammentreffen mit Aviendha m�glicherweise nicht �berleben.</p><p>Er atmete heftig aus und stand auf, nur um das Tablett mit dem Wein in eine Ecke der Kammer zu stellen. Er w�rde nichts trinken, was ihm Isendre gebracht hatte.</p><p><emphasis>Siebenmal hat sie versucht, zu mir durchzukommen?</emphasis> Sie mu�te mitbekommen haben, da� er zu ihren Gunsten eingegriffen hatte. Bei ihrem Denken lag die �berlegung nah: Wenn er das schon f�r einen Schlafzimmerblick und ein L�cheln getan hatte, was w�rde er dann f�r eingehendere �Dienste� tun? Er schauderte bei diesem Gedankengang genauso wie der wachsenden K�lte wegen. Lieber noch ein Skorpion im Bett. Wenn die T�chter sie nicht endg�ltig von solchen Ideen abbrachten, w�rde er ihnen vielleicht doch erz�hlen m�ssen, was er �ber sie wu�te. Das w�rde dann jedem ihrer Pl�ne ein Ende bereiten.</p><p>So blies er die Lampen aus und kroch im Dunklen auf sein Lager, immer noch voll angezogen und in Stiefeln. Er langte um sich herum, bis er endlich s�mtliche Decken �ber sich gezogen hatte. Ohne ein Feuer im Kamin w�rde er vermutlich Aviendha bis zum Morgen ehrlich dankbar sein. Die Abschirmung aus dem Element Geist zu errichten, die jedes Eindringen in seine Tr�ume verhinderte, war ihm mittlerweile fast schon zur zweiten Natur geworden, und trotzdem schmunzelte er dabei. Er h�tte ja eigentlich auch ins Bett gehen und dann erst die Lampen mit Hilfe der Macht l�schen k�nnen. An die einfachsten Dinge im Gebrauch der Macht dachte er f�r gew�hnlich nicht.</p><p>Eine Weile lang lag er da und wartete darauf, da� seine K�rperw�rme das Innere der Deckenschicht erw�rmte. Er verstand einfach nicht, wie es am gleichen Ort bei Tag so hei� und bei Nacht so kalt sein konnte. Er steckte eine Hand unter sein Hemd und f�hlte nach der halb zugeheilten Narbe an seiner Seite. Diese Wunde, die selbst Moiraine bei all ihrer Kunst nicht heilen konnte, w�rde ihn eines Tages umbringen. Da war er sicher. Sein Blut auf den Felsen des Shayol Ghul. Das hatten die Prophezeiungen f�r ihn auf Lager.</p><p><emphasis>Aber heute nacht nicht. Heute nacht werde ich nicht daran denken. Ich habe schon noch etwas Zeit. Doch wenn man jetzt die Siegel mit einem Messer absplittern kann, halten sie dann noch lange...? Nein. Heute nacht nicht.</emphasis></p><p>Unter den Decken wurde es ein wenig w�rmer, und er w�lzte sich herum, im vergeblichen Versuch, eine bequemere Haltung beim Liegen einzunehmen. Das Lager war einfach zu hart. <emphasis>Ich h�tte mich noch waschen sollen,</emphasis> dachte er schl�frig. Egwene befand sich wahrscheinlich jetzt gerade in einem sch�nen, warmen Dampfzelt und schwitzte. Fast jedesmal, wenn er eines benutzen wollte, versuchte eine ganze Schar von T�chtern des Speers, mit ihm hineinzugehen. Wenn er darauf bestand, da� sie drau�enblieben, kugelten sie sich fast vor Lachen. Und dann war es schlimm genug, wenn er sich erst drinnen im Dampf ausziehen und sp�ter wieder anziehen mu�te.</p><p>Schlie�lich �bermannte ihn der Schlaf und damit auch sichere, gut besch�tzte Tr�ume, sicher vor den Weisen Frauen und wer wei�, wem noch. Allerdings nicht sicher vor seinen eigenen Gr�beleien. St�ndig tauchten drei Frauen darin auf. Nicht Isendre, obwohl auch sie in einem kurzen Alptraum erschien, der ihn fast aufgeweckt h�tte. Nacheinander tr�umte er von Elayne und Min und Aviendha, nacheinander, aber auch von allen zusammen. Nur Elayne hatte ihn bisher als Mann angesehen, aber alle drei sahen ihn als Person und nicht als das, was er war. Abgesehen von dem Alptraum waren es angenehme Tr�ume.</p></section><section><title><p>5</p><p>Bei den weisen Frauen</p></title><p>Egwene stand so dicht wie m�glich bei dem kleinen Feuer in der Mitte des Zeltes. Trotzdem zitterte sie vor K�lte, als sie Wasser aus dem gro�en Teekessel in eine weite, blaugestreifte Sch�ssel go�. Sie hatte die Seitenw�nde des Zeltes heruntergelassen, aber dennoch kam die K�lte durch die Schichten bunter L�ufer auf dem Boden hindurch, w�hrend die ganze W�rme des Feuers zum Rauchabzug in der Mitte des Zeltdaches aufzusteigen schien. Zur�ck blieb nur der Gestank nach brennendem Kuhmist. Ihre Z�hne klapperten.</p><p>Selbst der Wasserdampf verflog bereits wieder. Sie griff einen Augenblick lang nach <emphasis>Saidar</emphasis> und lenkte etwas vom Element Feuer in das Wasser, um es weiter zu erhitzen. Amys und Bair h�tten sich wahrscheinlich nur mit kaltem Wasser gewaschen, aber daf�r genossen sie auch st�ndig Dampfb�der. <emphasis>Ich bin nicht so abgeh�rtet wie die beiden. Ich bin auch nicht in der W�ste aufgewachsen. Ich mu� ja nicht halb erfrieren und mich dann noch kalt waschen, wenn ich nicht will.</emphasis> Sie empfand aber trotzdem Schuldgef�hle, als sie mit einem St�ck Lavendelseife, das sie von Hadnan Kadere gekauft hatte, �ber ihren Waschlappen fuhr. Die Weisen Frauen hatten ihr nie gesagt, sie solle es anders machen, aber irgendwie hatte sie das Gef�hl, sie zu hintergehen.</p><p>Als sie die Wahre Quelle wieder loslie�, seufzte sie bedauernd. Und dann lachte sie, obwohl sie vor K�lte zitterte, �ber ihre eigene Torheit. Das herrliche Gef�hl, von der Macht gef�llt zu werden, dieser wundervolle Schwall von Leben und Bewu�tsein, barg seine eigenen Gefahren. Je mehr von <emphasis>Saidar</emphasis> man an sich zog, desto mehr wollte man noch an sich rei�en, und ohne die n�tige Selbstdisziplin f�llte man sich irgendwann mit mehr Energie, als man ertragen konnte, und dann starb man entweder oder erlebte eine Selbstd�mpfung. Und das war ganz gewi� nicht mehr lachhaft.</p><p><emphasis>Das ist einer deiner gr��ten Fehler,</emphasis> hielt sie sich selbst energisch vor. <emphasis>Du willst immer mehr tun, als man von dir erwartet. Du solltest dich mit kaltem Wasser waschen � das lehrt dich Selbstdisziplin.</emphasis> Nur gab es eben soviel zu lernen, und manchmal schien ihr, ein ganzes Leben sei zu kurz daf�r. Ihre Lehrerinnen waren auch immer �bervorsichtig. Ob es nun Weise Frauen oder die Aes Sedai in der Burg waren: Es war so schwer, sich immer bremsen zu m�ssen, obwohl sie wu�te, da� sie ihnen in vieler Hinsicht bereits �berlegen war. <emphasis>Ich kann mehr vollbringen, als ihnen klar ist.</emphasis></p><p>Ein eiskalter Luftstrom traf sie. Der Rauch des Feuers wurde im Zelt umhergewirbelt. Dann sagte eine Frauenstimme: �Wenn es Euch recht ist... �</p><p>Egwene fuhr hoch und jaulte schrill auf, bevor sie hervorstie�: �Macht das wieder zu!� Sie schlang ihre Arme um sich, damit sie nicht vor K�lte hin und her tanzte. �Kommt herein oder geht heraus, aber macht das Zelt zu!� All die M�he, um sich warm zu halten, und nun hatte sie von Kopf bis Fu� wieder eine G�nsehaut!</p><p>Die wei�gekleidete Frau rutschte auf den Knien in das Zelt hinein und lie� hinter sich die Zeltklappe fallen. Sie schlug die Augen nieder und faltete dem�tig die H�nde. Sie h�tte das gleiche getan, wenn Egwene sie geschlagen h�tte und nicht nur einfach angeschrien. �Wenn es Euch recht ist�, sagte sie leise, �hat mich die Weise Frau Amys geschickt, um Euch zum Dampfzelt zu bringen.�</p><p>Egwene st�hnte und w�nschte, sie k�nne sich mitten ins Feuer stellen. <emphasis>Das Licht senge Bair und ihre Sturheit!</emphasis> Wenn es nicht immer nach der wei�haarigen, alten Weisen Frau ginge, k�nnten sie in der Stadt in richtigen Zimmern wohnen anstatt in Zelten hier drau�en am Stadtrand. <emphasis>Ich k�nnte ein Zimmer mit einem sch�nen Kamin haben. Und mit einer T�r.</emphasis> Sie h�tte wetten k�nnen, da� Rand nicht st�ndig mit Leuten zu tun hatte, die einfach zu ihm hereinkamen, wie sie wollten. <emphasis>Rand, der verdammte al'Thor, schnippt mit den Fingern und die T�chter springen wie Zofen um ihn herum. Ich wette, sie haben ein richtiges Bett f�r ihn aufgetrieben, anstatt eines Lagers auf dem Boden.</emphasis> Und sie war sicher, da� er jeden Abend ein hei�es Bad geno�. <emphasis>Die T�chter schleppen wahrscheinlich das hei�e Wasser eimerweise hinauf zu seinen Gem�chern. Ich wette, sie haben auch noch eine echte Kupferbadewanne f�r ihn besorgt.</emphasis></p><p>Amys und sogar Melaine hatten Egwenes Vorschlag durchaus annehmbar gefunden, aber Bair hatte sich dagegengestellt, und sie gehorchten wie <emphasis>Gai'schain.</emphasis> Egwene glaubte, da Rand schon so viele Ver�nderungen gebracht hatte, wolle Bair an m�glichst vielen Traditionen festhalten, aber es w�re ihr lieber gewesen, wenn sich die alte Frau daf�r etwas anderes ausgesucht h�tte, woran sie sich klammern konnte.</p><p>Kein Gedanke, sich einfach zu weigern. Sie hatte den Weisen-Frauen versprochen, zu vergessen, da� sie eine Aes Sedai war � was ihr leicht fiel, da sie ja keine war � und genau das zu machen, was man ihr sagte. Und das fiel ihr schwer. Sie war schon so lange nicht mehr in der Burg gewesen, da� sie sich wieder ganz als ihr eigener Herr f�hlte. Doch Amys hatte ihr entschieden erkl�rt, das Traumwandeln sei gef�hrlich, sogar nachdem man schlie�lich genau wu�te, was man tat, und vorher sowieso. Wenn sie in der Welt der Wirklichkeit nicht gehorchte, konnten sie von ihr erst recht nicht erwarten, da� sie in der Welt der Tr�ume gehorchen werde. Daf�r wollten sie keine Verantwortung �bernehmen. Also erledigte sie zusammen mit Aviendha niedrige Arbeiten, akzeptierte auch Strafen so gefa�t sie konnte und h�pfte, wenn Amys oder Melaine oder Bair nur Frosch sagten. Oder so �hnlich. Keine von ihnen hatte jemals einen Frosch gesehen. <emphasis>Vermutlich soll ich ihnen blo� wieder den Tee servieren oder dergleichen.</emphasis> Nein, heute abend war Aviendha mit dem Bedienen dran.</p><p>Sie dachte kurz daran, Str�mpfe anzuziehen, doch dann b�ckte sie sich lediglich, um in die Schuhe zu schl�pfen. Es waren feste Schuhe, wie man sie in der W�ste gut gebrauchen konnte. Trotzdem sehnte sie sich nach den Seidenpantoffeln, die sie in Tear getragen hatte. �Wie hei�t Ihr?� fragte sie in dem Bem�hen, freundlicher zu sein.</p><p>�Cowinde�, kam die unterw�rfige Antwort.</p><p>Egwene seufzte. Sie bem�hte sich st�ndig um ein freundschaftliches Verh�ltnis zu den <emphasis>Gai'schain,</emphasis> doch diese reagierten nie darauf. Das einzige, woran sie sich bisher noch nicht hatte gew�hnen k�nnen, waren Diener, obwohl nat�rlich die <emphasis>Gai'schain</emphasis> nicht direkt Diener waren.</p><p>�Wart Ihr eine Tochter des Speers?�</p><p>Ein kurzes, stolzes Aufleuchten in den tiefblauen Augen zeigte ihr, da� sie den Nagel auf den Kopf getroffen hatte, doch der Blick wurde genauso schnell wieder gesenkt. �Ich bin <emphasis>Gai'schain.</emphasis> Vorher und nachher sind nicht jetzt, und nur das Jetzt existiert.�</p><p>�Zu welcher Septime und welchem Clan geh�rt Ihr denn?� Gew�hnlich mu�te man danach gar nicht erst fragen, selbst bei den <emphasis>Gai'schain.</emphasis></p><p>�Ich diene der Weisen Frau Melaine aus der Jhirad-Septime der Goshien Aiel.�</p><p>W�hrend sie sich zwischen zwei Umh�ngen nicht entscheiden konnte, einem aus dicker, brauner Wolle und einem aus blauer Seide mit gestepptem Futter, den sie von Kadere gekauft hatte � der H�ndler hatte den kompletten Inhalt seiner Wagen zu sehr g�nstigen Preisen verkauft, um Platz f�r Moiraines Fracht zu schaffen �, blickte sie die Frau kurz mit gerunzelter Stirn an. Das war keine korrekte Antwort gewesen. Sie hatte aber geh�rt, da� manche <emphasis>Gai'schain</emphasis> nach dem Jahr und Tag ihres Dienstes ebenfalls von einer Art der Trostlosigkeit befallen wurden und sich strikt weigerten, ihr Gewand abzulegen. �Wann ist Eure Dienstzeit vor�ber?� fragte sie.</p><p>Cowinde duckte sich noch ein wenig mehr, so da� sie fast �ber ihre Knie gebeugt da hockte. �Ich bin <emphasis>Gai'schain.�</emphasis></p><p>�Aber wann werdet Ihr wieder zu Eurer eigenen Septime in Eure eigene Festung zur�ckkehren d�rfen?�</p><p>�Ich bin <emphasis>Gai'schain�,</emphasis> sagte die Frau heiser zu den L�ufern, auf die sie hinabblickte. �Wenn Euch die Antwort nicht zufriedenstellt, bestraft mich, aber ich kann Euch keine andere geben.�</p><p>�Stellt Euch nicht so an�, sagte Egwene in scharfem Ton. �Und richtet Euch auf. Ihr seid doch keine Kr�te.�</p><p>Die wei�gekleidete Frau gehorchte augenblicklich und hockte aufgerichtet auf ihren Fersen, wobei sie ergeben auf den n�chsten Befehl wartete. Dieses kurze Aufblitzen von Trotz oder Stolz war schon gar nicht mehr wahr.</p><p>Egwene atmete tief durch. Die Frau hatte sich offensichtlich auf ihre eigene Weise mit der Trostlosigkeit arrangiert. Es war wohl t�richt, aber sie konnte nichts daran �ndern. Au�erdem erwartete man von ihr, da� sie sich auf dem Weg zum Dampfzelt befand und nicht mit Cowinde schwatzte.</p><p>Dann erinnerte sie sich an den kalten Luftzug und z�gerte. Der eiskalte Windsto� hatte dazu gef�hrt, da� sich zwei gro�e wei�e Bl�ten in einer flachen Schale mit Wasser zum Teil geschlossen hatten. Sie stammten von einer Pflanze, die hier Segade genannt wurde, einem fleischigen, blattlosen, ledrigen Ding, das vor Dornen starrte. Sie hatte heute morgen Aviendha getroffen, die auf diese Bl�ten in ihren H�nden herabgeblickt hatte. Die Aielfrau war zusammengezuckt, als sie ihrer gewahr wurde, und dann hatte sie Egwene die Bl�ten in die Hand gedr�ckt und behauptet, sie habe sie f�r sie gepfl�ckt. Ihrer Ansicht nach war Aviendha immer noch zu sehr eine Tochter des Speers, um zuzugeben, da� sie Blumen mochte. Obwohl � ja, sie hatte eigentlich schon bemerkt, da� eine Tochter durchaus eine Bl�te im Haar oder am Mantel trug.</p><p><emphasis>Du versuchst nur, deinen Abgang hinauszuz�gern, Egwene al'Vere. H�r jetzt auf, dich wie ein n�rrischer</emphasis></p><p><emphasis>Wollkopf zu benehmen. Du bist genauso t�richt wie Cowinde.</emphasis> �Geht voraus�, sagte sie und hatte gerade noch genug Zeit, den wollenen Umhang um ihre Nacktheit zu h�llen, bevor die Frau die Zeltklappe f�r sie aufri� und sie in die k�lteklirrende Nacht entlie�.</p><p>�ber ihr standen die Sterne als klar umrissene Lichtpunkte in der Dunkelheit, und der dreiviertelvolle Mond schien hell. Das Lager der Weisen Frauen bestand aus einer Gruppe von zwei Dutzend niedrigen Erhebungen, keine hundert Schritt entfernt vom Ende einer der gepflasterten Stra�en Rhuideans. Sie endete dort in hartem, gesprungenem Lehm, mit Steinen durchsetzt. Die vor dem Mondschein fl�chtenden Schatten machten aus der Stadt ein Gebirge dr�uender Klippen und tiefdunkler Schluchten. Bei jedem Zelt waren die Klappen geschlossen, und die Luft war erf�llt vom Duft der Feuer und siedenden Speisen.</p><p>Die anderen Weisen Frauen kamen fast t�glich zu Beratungen her, doch sie verbrachten die N�chte bei ihren eigenen Septimen. Ein paar schliefen aber tats�chlich mittlerweile in Rhuidean. Bair allerdings nicht. Sie befanden sich jetzt so nah an Rhuidean, wie Bair �berhaupt der Stadt kommen wollte. Wenn Rand nicht hiergewesen w�re, h�tte sie zweifellos darauf bestanden, ihr Lager in den Bergen aufzuschlagen.</p><p>Egwene hielt ihren Umhang mit beiden H�nden geschlossen und ging, so schnell sie nur konnte. Eisige Windfinger krochen unter dem Saum des Umhangs hindurch, jedesmal, wenn ihre nackten Beine einen Spalt darin �ffneten. Cowinde mu�te ihr wei�es Gewand beim Gehen um die Knie raffen, um vor ihr zu bleiben. Egwene ben�tigte die F�hrung der <emphasis>Gai'schain</emphasis> keineswegs, aber da die Frau ausgesandt worden war, um sie hinzubringen, w�re sie besch�mt und wahrscheinlich auch beleidigt, wenn sie ihr das nicht gestattete. So bi� sie die Z�hne zusammen, um sie am Klappern zu hindern, und w�nschte, die Frau w�rde laufen.</p><p>Das Dampfzelt sah aus wie jedes andere, niedrig und breit, die Klappen auf allen Seiten heruntergelassen, aber den Rauchabzug hatte man abgedeckt. Gleich daneben war ein Feuer bereits bis auf die letzte Glut heruntergebrannt, die �ber ein paar m�nnerkopfgro�e Steine verteilt war. Der Lichtschein reichte nicht aus, um die kleinere dunkle Erhebung neben dem Zelteingang genau erkennen zu k�nnen, aber sie wu�te, da� sie aus sauber zusammengelegter Frauenkleidung bestand.</p><p>Sie atmete noch einmal tief die eiskalte Luft ein, trat sich die Schuhe von den F��en, lie� den Umhang fallen und hechtete beinahe in das Zelt hinein. Ein Augenblick der bei�enden K�lte, dann fiel die Klappe hinter ihr zu und die dampfende Hitze umschlo� sie. Innerhalb eines Moments trieb ihr die Hitze den Schwei� aus den Poren, obwohl sie noch nach Luft schnappte und zitterte.</p><p>Die drei Weisen Frauen, die sie im Traumwandeln unterwiesen, sa�en unbeteiligt schwitzend drinnen. Ihre h�ftlangen Haare hingen glatt und feucht herunter. Bair unterhielt sich mit Melaine, deren gr�n�ugige Sch�nheit mit dem dazugeh�rigen rotgoldenen Haar einen harten Kontrast zum ledrigen Gesicht und den langen wei�en Str�hnen der �lteren Frauen bildete. Auch Amys hatte wei�e Haare � oder so hellblond, da� sie wei� erschienen �, doch sie wirkte nicht alt. Sie und Melaine konnten mit der Macht umgehen, und das war nicht bei sehr vielen Weisen Frauen der Fall. Beide hatten etwas wie die typische Alterslosigkeit der Aes Sedai an sich. Moiraine, die neben den anderen schm�chtig und klein wirkte, sa� ebenfalls v�llig unber�hrt da, obwohl der Schwei� �ber ihre blasse Nacktheit rann und ihr Haar na� an der Kopfhaut klebte. Ihre w�rdevolle Haltung machte vergessen, da� sie unbekleidet war. Die Weisen Frauen ben�tzten schmale, gekr�mmte Bronzeschaber, <emphasis>Staera</emphasis> genannt, um sich den Schwei� und den Schmutz des Tages abzustreichen.</p><p>Aviendha hockte verschwitzt neben dem gro�en, schwarzen Kessel mit hei�en, verru�ten Steinbrocken in der Mitte des Zelts und holte vorsichtig mit einer Art Zange einen letzten Stein aus einem kleineren Kessel, um ihn in den gro�en zu legen. Anschlie�end spritzte sie Wasser aus einem ausgeh�hlten K�rbis auf die Steine, so da� zischend neuer Dampf aufstieg. Wenn sie zu wenig Dampf erzeugte, w�rde man sie in scharfem Ton zurechtweisen oder vielleicht sogar bestrafen. Beim n�chsten Zusammentreffen der Weisen Frauen im Dampfzelt war wieder Egwene an der Reihe, sich um die Steine zu k�mmern.</p><p>Egwene setzte sich vorsichtig neben Bair. Statt der �blichen Schichten von L�ufern sa� sie hier nur auf dem blanken Felsboden � unangenehm hei�, hart und unregelm��ig und dar�ber hinaus nat�rlich feucht. Erschrocken wurde ihr klar, da� Aviendha verpr�gelt worden sein mu�te, und zwar erst k�rzlich. Als sich die Aielfrau schlie�lich neben sie setzte, war ihr Gesicht so steinern wie der Felsboden, doch das kurze Zusammenzucken konnte sie nicht ganz verbergen.</p><p>Das war etwas, was Egwene nicht erwartet hatte. Die Weisen Frauen f�hrten wohl ein strenges Regiment, strenger sogar als die Wei�e Burg, und das sollte etwas hei�en, doch Aviendha arbeitete wirklich hart und mit grimmiger Entschlossenheit daran, den Gebrauch der Macht zu erlernen. Sie konnte nicht Traumwandeln, aber sie gab sich die gleiche M�he, jedes bi�chen K�nnen aufzuschnappen, das ihr die Weisen Frauen vermittelten, wie zuvor, um als Tochter des Speers den Gebrauch der Waffen zu erlernen. Sicher, als sie gestanden hatte, da� sie Rand erz�hlt hatte, wie die Weisen Frauen ihn im Traum �berwachten, hatten diese sie drei Tage lang schultertiefe L�cher graben und sie dann wieder auff�llen lassen, doch das war eine der ganz wenigen Gelegenheiten gewesen, bei denen Aviendha offensichtlich ins Fettn�pfchen getreten war. Amys und die anderen beiden hatten sie so oft Egwene als Musterbeispiel f�r blinden Gehorsam und geb�hrende innere St�rke vorgehalten, da� sie manchmal am liebsten geschrien h�tte, obwohl Aviendha ihre Freundin war.</p><p>�Ihr habt Euch viel Zeit gelassen, hierher zu kommen�, kommentierte Bair m�rrisch, w�hrend Egwene noch auf der Suche nach einer bequemeren Sitzposition umherrutschte. Ihre Stimme war d�nn und schrill, aber eisenhart. Sie schabte sich weiter die Arme mit einer <emphasis>Staera</emphasis> ab.</p><p>�Es tut mir leid�, sagte Egwene. Also, das war ja wohl dem�tig genug.</p><p>Bair schnaubte. �Jenseits der Drachenmauer seid Ihr eine Aes Sedai, aber hier seid Ihr lediglich eine Sch�lerin, und Sch�lerinnen haben nicht zu tr�deln. Wenn ich nach Aviendha rufe oder sie irgendwohin schicke, dann rennt sie, auch wenn ich nur eine Nadel brauche. Ihr w�rdet besser daran tun, Euch an ihr ein Beispiel zu nehmen.�</p><p>Err�tend bem�hte sich Egwene um einen unterw�rfigen Tonfall. �Ich werde mir M�he geben, Bair.� Das war das erste Mal, da� eine Weise Frau vor all den anderen diesen Vergleich gebraucht hatte. Sie warf Aviendha einen schnellen Seitenblick zu und war �berrascht, sie so nachdenklich zu sehen. Manchmal w�nschte sie, ihre �N�chstschwester� w�re nicht immer so vorbildlich.</p><p>�Das M�dchen wird es lernen oder auch nicht, Bair�, warf Melaine ungeduldig ein. �Unterrichte sie sp�ter in bezug auf P�nktlichkeit, wenn es dann noch n�tig ist.� Sie war kaum zehn oder zw�lf Jahre �lter als Aviendha und machte immer den Eindruck, eine Hummel unter dem Rock zu haben. Vielleicht sa� sie ja auf einem scharfkantigen Stein. �Ich sage es Euch noch einmal, Moiraine Sedai: Die Aiel folgen Ihm, Der Mit Der Morgend�mmerung Kommt, und nicht der Wei�en Burg.�</p><p>Offensichtlich sollte Egwene lauschen, um im Lauf der Unterhaltung mitzubekommen, worum es ging.</p><p>�Es mag ja sein�, sagte Amys mit beherrschter Stimme, �da� die Aiel einst wieder den Aes Sedai dienen werden, doch diese Zeit ist noch nicht gekommen, Moiraine Sedai.� Sie hielt in ihrem Schaben kaum inne, w�hrend sie gelassen die Aes Sedai anblickte.</p><p>Egwene wu�te, da� einiges nun, da Moiraine sich �ber die Eigenschaften einiger Weiser Frauen in bezug auf das Lenken der Macht im klaren war, unvermeidlich kommen mu�te. Aes Sedai w�rden sich in die W�ste begeben, um M�dchen zu finden, die man ausbilden konnte, und sie w�rden mit gro�er Sicherheit versuchen, auch jede Weise Frau mit dem Talent zur Burg zur�ckzubringen. Einst hatte sie bef�rchtet, da� man die Weisen Frauen vielleicht geistig niedergekn�ppelt und geknechtet wegschaffen w�rde, ob sie wollten oder nicht, denn die Aes Sedai lie�en keine Frau lange frei herumlaufen, die mit der Macht umgehen konnte. Jetzt sorgte sie sich nicht mehr, obwohl sich die Weisen Frauen selbst ihre Gedanken zu machen schienen. Amys und Melaine w�rden es in einem Wettstreit der Willenskr�fte mit jeder Aes Sedai aufnehmen. Das zeigte sich jeden Tag, wenn sie mit Moiraine sprachen. Bair k�nnte es wahrscheinlich fertigbringen, selbst Siuan Sanche durch einen Reifen springen zu lassen, und dabei konnte Bair noch nicht einmal die Macht gebrauchen.</p><p>Und Bair war wohl noch immer nicht die willensst�rkste aller Weisen Frauen. Diese Ehre geb�hrte einer noch �lteren Frau, Sorilea aus der Jarra-Septime der Chareen Aiel. Die Weise Frau der Schendefestung konnte noch weniger die Macht ben�tzen als die meisten Novizinnen, aber sie h�tte es wohl fertiggebracht, selbst eine andere Weise Frau als <emphasis>Gai'schain</emphasis> auf Boteng�nge zu schicken. Und sie w�ren gesprungen! Nein, es gab keinen Grund, sich dar�ber Sorgen zu machen, da� man die Weisen Frauen einsch�chtern k�nnte.</p><p>�Es ist verst�ndlich, da� Ihr euren L�ndern diesen Kriegszug ersparen m�chtet�, warf Bair ein, �aber Rand al'Thor hat offensichtlich nicht vor, uns in einer Strafaktion dorthin zu f�hren. Keinem, der sich Ihm, Der Mit Der Morgend�mmerung Kommt und den Aiel unterwirft, wird etwas angetan werden.� Also darauf lief es hinaus. Klar.</p><p>�Ich will nicht nur Leben bewahren und L�nder retten.� Moiraine wischte sich mit einer k�niglichen Geste mit einem Finger den Schwei� aus dem Gesicht, doch ihre Stimme klang beinahe genauso nerv�s wie die Melaines. �Wenn Ihr das zula�t, werden die Folgen katastrophal sein. Jahrelange Planungen sollen nun Fr�chte tragen, und er will das alles zunichte machen.�</p><p>�Das sind die Pl�ne der Wei�en Burg�, sagte Amys so unverbindlich, da� es auch Zustimmung bedeuten konnte. �Diese Pl�ne haben jedoch nichts mit uns zu tun. Wir und die anderen Weisen Frauen m�ssen uns danach richten, was f�r die Aiel das Beste ist. Und wir werden daf�r sorgen, da� die Aiel tun, was f�r die Aiel das Beste ist.�</p><p>Egwene fragte sich, was die Clanh�uptlinge dazu sagen w�rden. Nat�rlich beklagten sie sich gelegentlich, da� sich die Weisen Frauen in Dinge einmischten, die sie nichts angingen, also w�rde es sie wohl nicht �berraschen. Die H�uptlinge schienen allesamt willensstarke, intelligente M�nner zu sein, aber sie glaubte nicht, da� sie mehr Chancen gegen die vereinigten Weisen Frauen h�tten als zu Hause der Rat der Gemeinde der Versammlung der Frauen gegen�ber.</p><p>Diesmal allerdings gab sie Moiraine recht.</p><p>�Wenn Rand...�, begann Egwene, aber Bair lie� sie gar nicht erst zu Wort kommen.</p><p>�Wir werden uns sp�ter anh�ren, was Ihr zu sagen habt, M�dchen. Euer Wissen �ber Rand al'Thor ist wertvoll, aber Ihr werdet jetzt Ruhe geben und lauschen, bis Ihr nach Eurer Meinung gefragt werdet. Und h�rt auf, so zu schmollen, oder ich werde Euch mit Blaurippentee eindecken.�</p><p>Egwene verzog angewidert das Gesicht. Respekt, den man den Aes Sedai als Gleichgestellten entgegenbrachte, bezog sich leider nicht auf eine Sch�lerin, obwohl sie ja von ihr annahmen, sie sei wirklich auch eine Aes Sedai. Sie zog es vor, zu schweigen. Bair war imstande, sie loszuschicken, um ihre Kr�uterbeutel zu holen und sie zu beauftragen, diesen unglaublich bitteren Tee zu brauen und dann selbst zu trinken. Er erf�llte eigentlich keinen Zweck als eben den, jemand vom Schmollen oder von m�rrischem Gehabe zu heilen, oder was auch immer eine Weise Frau sonst noch auszusetzen hatte. Der Geschmack allein war daf�r Heilmittel genug. Aviendha t�tschelte ihr beruhigend den Arm.</p><p>�Glaubt Ihr, da� es f�r die Aiel keine katastrophalen Folgen haben wird?� Es mu�te schwierig sein, so k�hl wie ein Gebirgsbach im Winter zu sprechen, wenn man von Kopf bis Fu� vor Dampf und vor Schwei� gl�nzte, doch Moiraine bereitete das offensichtlich keine Schwierigkeiten. �Es wird eine Wiederholung des Aielkriegs geben. Ihr werdet t�ten und niederbrennen und St�dte pl�ndern wie damals, bis Ihr jeden Mann und jede Frau gegen Euch aufgebracht habt.�</p><p>�Der f�nfte Teil steht uns zu, Aes Sedai�, sagte Melaine und warf ihr langes Haar �ber die Schulter nach hinten, damit sie sich mit einer <emphasis>Staera</emphasis> den Schwei� von der zarten Haut ihrer Schulter schaben konnte. Obwohl es schwer und feucht herunterhing, gl�nzte ihr Haar wie Seide. �Wir haben selbst den Baumm�rdern nicht mehr abgenommen.� Der Blick, den sie Moiraine dabei zuwarf, war zu nichtssagend, als da� er keine Bedeutung gehabt h�tte. Sie wu�ten, da� Moiraine aus Cairhien stammte. �Eure K�nige und K�niginnen nehmen Euch genausoviel als Steuern ab.�</p><p>�Und wenn sich die L�nder gegen Euch wenden?� Moiraine gab nicht nach. �Im Aielkrieg warfen Euch die vereinigten L�nder schlie�lich zur�ck. Das kann und wird wieder geschehen, und auf beiden Seiten werden die Verluste gro� sein.�</p><p>�Niemand hier f�rchtet sich vor dem Tod, Aes Sedai�, sagte Amys zu ihr und l�chelte dabei so sanft, als erkl�re sie das einem Kind. �Das Leben ist ein Traum, aus dem wir alle erwachen m�ssen, bevor wir wieder tr�umen k�nnen. Au�erdem �berquerten unter Janduin nur vier Clans die Drachenmauer. Nun sind bereits sechs hier, und Ihr sagtet ja selbst, da� Rand al'Thor vorhat, alle unsere Clans hinzuf�hren.�</p><p>�Die Prophezeiung von Rhuidean sagt, da� er uns zerbrechen wird.� Das Funkeln in Melaines gr�nen Augen konnte Moiraine gelten, oder aber sagte es aus, da� sie keineswegs so resigniert hatte, wie ihre Worte klangen. �Was spielt es schon f�r eine Rolle, ob das hier geschieht oder jenseits der Drachenmauer?�</p><p>�Ihr werdet ihn so der Unterst�tzung jeder Nation westlich der Drachenmauer berauben�, sagte Moiraine. Sie sah so ruhig aus wie immer, doch eine gewisse H�rte in ihrer Stimme zeigte, da� sie bereit war, auch Steine zu kauen. �Er braucht aber ihre Unterst�tzung!�</p><p>�Er hat die Unterst�tzung der Aiel-Nation�, sagte Bair mit dieser zerbrechlichen, unnachgiebigen Stimme zu ihr. Sie unterstrich ihre Aussage durch eine kurze Bewegung mit der schmalen Metallklinge. �Die Clans sind noch nie eine Nation gewesen, aber jetzt schwei�t er uns zu einer zusammen.�</p><p>�Wir werden Euch nicht dabei behilflich sein, ihn in dieser Sache umzustimmen, Moiraine Sedai�, f�gte Amys genauso entschlossen hinzu.</p><p>�Ihr k�nnt uns jetzt verlassen, Aes Sedai, wenn es Euch recht ist�, sagte Bair. �Wir haben das Thema, �ber das Ihr zu sprechen w�nschtet, so lange diskutiert, wie wir heute abend konnten.� Das war wohl h�flich ausgedr�ckt, aber trotzdem eine Art von Hinauswurf.</p><p>�Ich werde Euch jetzt verlassen�, erwiderte Moiraine, wieder ganz getragene Ruhe. Es klang, als stammten der Vorschlag und die Entscheidung von ihr. Mittlerweile hatte sie sich auch daran gew�hnt, da� die Weisen Frauen immer wieder deutlich machten, sie st�nden nicht unter dem Befehl der Burg. �Ich mu� mich um andere Angelegenheiten k�mmern.�</p><p>Das d�rfte denn auch der Wahrheit entsprechen. Wahrscheinlich Angelegenheiten, die mit Rand zu tun hatten. Egwene h�tete sich jedoch, danach zu fragen. Wenn Moiraine es sie wissen lassen wollte, w�rde sie es ihr sagen, und wenn nicht... Wenn nicht, bek�me sie wieder die typische Ausweichantwort einer Aes Sedai zu h�ren, knapp an einer L�ge vorbei, oder sie w�rde ihr auch ganz plump ins Gesicht sagen, da� es sie nichts angehe. Moiraine wu�te Bescheid �ber ihre L�ge, als sie sich als �Egwene Sedai von den Gr�nen Ajah� ausgegeben hatte. In der �ffentlichkeit tolerierte sie das, doch ansonsten stutzte sie Egwene bei jeder Gelegenheit auf ihren wirklichen Rang zurecht.</p><p>Sobald Moiraine in einem kalten Luftzug gegangen war, sagte Amys: �Aviendha, schenk uns Tee ein.�</p><p>Die junge Aielfrau fuhr �berrascht zusammen und �ffnete zweimal z�gernd den Mund, bevor sie mit schwacher Stimme herausbrachte: �Ich mu� ihn erst br�hen.� Damit wuselte sie auf allen vieren aus dem Zelt. Der zweite Schwall kalter Luft von drau�en lie� weiteren Dampf verschwinden.</p><p>Die Weisen Frauen tauschten Blicke, die beinahe genauso �berrascht waren wie der Aviendhas zuvor. Und der Egwenes, davon abgesehen, denn Aviendha war sonst �beraus p�nktlich und ordentlich, was solche Aufgaben betraf, wenn sie auch nicht immer willig wirkte. Irgend etwas mu�te ihr sehr zu schaffen machen, um sogar die Zubereitung des Tees zu vergessen. Die Weisen Frauen tranken immer ihren Tee.</p><p>�Mehr Dampf, M�dchen�, sagte Melaine.</p><p>Das galt, nachdem Aviendha weg war, ihr, wurde Egwene klar. Hastig spritzte sie mehr Wasser auf die Steine, gebrauchte ein wenig der Macht, um diese und den Kessel weiter zu erhitzen, bis sie h�rte, wie die Steine knackten und der Kessel selbst Hitze wie ein Ofen ausstrahlte. Die Aiel waren vielleicht daran gew�hnt, einmal im eigenen Saft zu schmoren und dann gleich wieder zu erfrieren, sie aber nicht. Hei�e, dichte Wolken quollen auf und f�llten das Zelt. Amys nickte zustimmend; sie und Melaine sahen nat�rlich das Gl�hen <emphasis>Saidars</emphasis> um Egwene herum, auch wenn sie selbst das nicht erkennen konnte. Melaine fuhr gelassen fort, sich mit ihrer <emphasis>Staera</emphasis> zu schaben.</p><p>Sie lie� die Wahre Quelle los, setzte sich wieder und beugte sich zu Bair hin�ber, damit sie ihr ins Ohr fl�stern konnte: �Hat Aviendha etwas sehr Schlimmes angestellt?� Sie wollte Aviendha lieber nicht selbst fragen und auch den betroffenen K�rperteil aus R�cksicht auf die Freundin nicht erw�hnen, um sie nicht zu besch�men, nicht einmal hinter ihrem R�cken.</p><p>Bair hatte da keine Hemmungen. �Wegen der Striemen?� fragte sie in ganz normaler Lautst�rke. �Sie kam zu mir und sagte, sie habe heute zweimal gelogen, erw�hnte aber nicht, was und wen sie belogen hatte. Das ist nat�rlich auch ihre eigene Angelegenheit, solange sie keine Weise Frau anl�gt. Doch sie meinte, ihre Ehre verlange danach, einem <emphasis>Toh</emphasis> Geltung zu verschaffen.�</p><p>�Sie hat Euch gebeten, sie zu...� Egwene schnappte nach Luft und konnte den Satz nicht beenden.</p><p>Bair nickte, als sei das etwas absolut Normales. �Ich habe ihr ein paar Streiche mehr versetzt, weil sie mich damit bel�stigte. Wenn es um <emphasis>Ji</emphasis> geht, besteht ihre Schuld nicht mir gegen�ber. Sehr wahrscheinlich waren ihre sogenannten L�gen wieder einmal etwas, das h�chstens eine <emphasis>Far Dareis Mai</emphasis> als solche empfindet. Die T�chter, selbst die ehemaligen, sind manchmal genauso pedantisch wie die M�nner.� Amys warf ihr einen strafenden Blick zu, der sogar im dichten Dampf erkennbar war. Wie Aviendha war auch Amys eine <emphasis>Far Dareis Mai</emphasis> gewesen, bevor sie zur Weisen Frau wurde.</p><p>Egwene hatte noch nie einen oder eine Aiel kennengelernt, die nicht pedantisch in bezug auf <emphasis>Ji'e'toh</emphasis> gewesen w�ren, so wie sie es sah. Aber so etwas! Diese Aiel waren ja wirklich verr�ckt!</p><p>Offensichtlich hatte Bair dieses Thema bereits wieder abgehakt. �Es halten sich mehr Verirrte im Dreifachen Land auf, als jemals zuvor, soweit ich mich erinnern kann�, sagte sie in die Runde. So bezeichneten die Aiel die Kesselflicker oder Tuatha'an.</p><p>�Sie fliehen vor den Unruhen jenseits der Drachenmauer.� Der Hohn in Melaines Stimme war nicht zu �berh�ren.</p><p>�Ich habe geh�rt�, sagte Amys bed�chtig, �da� einige derer, die durch die Trostlosigkeit zum Weglaufen getrieben werden, sich zu den Verirrten begeben haben und darum baten, bei ihnen aufgenommen zu werden.� Dieser Feststellung folgte langes Schweigen. Sie wu�ten mittlerweile, da� die Tuatha'an von gleicher Abstammung waren wie sie selbst und sich von ihnen abgespaltet hatten, bevor die Aiel �ber das R�ckgrat der Welt in die W�ste gewandert waren. Doch wenn dieses Wissen �berhaupt eine Wirkung hinterlassen hatte, dann h�chstens eine noch tiefere Abneigung.</p><p>�Er bringt Ver�nderung mit sich�, fl�sterte Melaine rauh in den Dampf.</p><p>�Ich glaubte, Ihr h�ttet Euch mit den Ver�nderungen abgefunden, die er der Welt bringt�, sagte Egwene mit viel Sympathie in der Stimme. Es mu�te schon sehr schwer sein, wenn das ganze Leben auf den Kopf gestellt wurde. Sie erwartete beinahe, ihr werde wieder befohlen, den Mund zu halten, doch keine �u�erte sich dazu.</p><p>�Abgefunden�, sagte Bair schlie�lich, als drehe sie das Wort pr�fend im Mund herum. �Es w�re besser zu sagen, wir ertr�gen sie, so gut wir k�nnen.�</p><p>�Er wandelt alles um.� Amys klang besorgt. �Rhuidean. Die Verirrten. Die Trostlosigkeit, weil er sagte, was nicht gesagt werden sollte.� Den Weisen Frauen � eigentlich allen Aiel � bereitete es noch immer gro�e Schwierigkeiten, �ber diese Angelegenheit zu sprechen.</p><p>�Die T�chter h�ngen sich an ihn, als verdankten sie ihm mehr als ihren eigenen Clans�, f�gte Bair hinzu. �Zum erstenmal �berhaupt gestatten sie einem Mann, sich unter einem Dach der T�chter aufzuhalten.� Einen Augenblick lang schien es, als wolle Amys etwas sagen, aber was sie auch �ber das Innenleben der <emphasis>Far Dareis Mai</emphasis> wu�te, teilte sie dann doch mit niemandem au�er eben jenen, die selbst T�chter des Speers waren oder gewesen waren. �Die H�uptlinge h�ren nicht mehr so auf uns wie fr�her�, murrte Melaine. �O ja, sie bitten uns nach wie vor um Rat, da aus ihnen ja nicht pl�tzlich komplette Narren geworden sind, aber Bael erz�hlt mir nicht mehr, was er zu Rand al'Thor gesagt hat oder dieser zu ihm. Er sagt, ich m�sse Rand al'Thor fragen, der mir wiederum sagt, ich solle mich an Bael wenden. Ich kann ja nichts gegen den Willen des <emphasis>Car'a'carn</emphasis> tun, aber bei Bael... Er war schon immer ein sturer Mann, der mich in Rage bringen konnte, aber jetzt ist er au�er Rand und Band. Manchmal m�chte ich ihm am liebsten einen Stock �ber den Sch�del schlagen.� Amys und Bair schmunzelten, als sei das ein guter Witz gewesen. Vielleicht wollten sie auch nur ihre Unruhe �ber all diese Ver�nderungen damit �berspielen.</p><p>�Es gibt nur drei Dinge, die man mit einem solchen Mann anfangen kann�, gluckste Bair am�siert. �Sich entweder von ihm fernhalten, oder ihn t�ten oder ihn heiraten.�</p><p>Melaines versteifte sich und ihr sonnengebr�untes Gesicht f�rbte sich rot. Einen Augenblick lang glaubte Egwene, die goldhaarige Weise Frau wolle eine hitzige Antwort loswerden, doch dann k�ndete ein bei�end kalter Luftschwall von Aviendhas R�ckkehr. Sie trug ein geh�mmertes Silbertablett, auf dem eine gelb glasierte Teekanne stand, feine Tassen aus dem goldenem Porzellan des Meervolks und ein Steintiegel mit Honig.</p><p>Sie schauderte noch, als sie den Tee eingo�. Zweifellos hatte sie sich nicht die M�he gemacht, dort drau�en etwas anzuziehen. Schnell teilte sie Tassen und Honig aus. Nat�rlich go� sie sich selbst und Egwene erst ein, als Amys es ihr erlaubte.</p><p>�Mehr Dampf�, sagte Melaine. Die kalte Luft schien ihren Zorn abgek�hlt zu haben. Aviendha stellte ihre Tasse unber�hrt weg und krabbelte eiligst zu dem K�rbis hin�ber. Sie versuchte wirklich alles, um ihren Fehler von vorher wiedergutzumachen. �Egwene�, sagte Amys und nippte an ihrem Tee, �wie w�rde es Rand al'Thor hinnehmen, wenn Aviendha ihn darum b�te, in seinem Schlafgemach zu schlafen?� Aviendha erstarrte mit dem Wasserk�rbis in H�nden. �In seinem...?� Egwene schnappte nach Luft. �So etwas k�nnt Ihr nicht von ihr verlangen! Das k�nnt Ihr nicht!�</p><p>�T�richtes M�dchen�, schimpfte Bair. �Wir verlangen ja nicht, da� sie sein Lager teilt. Aber wird er das glauben, wenn sie ihn fragt? Wird er es ihr erlauben? M�nner sind im besten Fall schon eigenartige Gesch�pfe, und da er nicht bei uns aufgewachsen ist, ist er noch seltsamer.�</p><p>�Das w�rde er ganz bestimmt nicht glauben�, sprudelte Egwene heraus, und dann fuhr sie etwas langsamer fort: �Ich glaube nicht, da� er es falsch verstehen w�rde. Aber es entspricht nicht den guten Sitten. Es darf einfach nicht sein.�</p><p>�Ich bitte darum, da� Ihr das nicht von mir verlangt�, sagte Aviendha, und es klang dem�tiger, als Egwene jemals von ihr erwartet h�tte. Sie spritzte mit fahrigen Bewegungen Wasser auf die Steine und lie� immer dichtere Dampfwolken aufsteigen. �Ich habe in den letzten Tagen eine Menge gelernt, da ich keine Zeit mit ihm verbringen mu�te. Seit Ihr gestattet habt, da� Egwene und Moiraine Sedai mir beim Gebrauch der Macht helfen, lerne ich immer schneller. Nat�rlich sind sie deshalb keine besseren Lehrerinnen als Ihr�, f�gte sie dann hastig hinzu. �Aber ich m�chte so gern lernen.�</p><p>�Ihr werdet gewi� weiterlernen�, sagte Melaine zu ihr. �Ihr m��t nicht jede Stunde mit ihm verbringen. Solange Ihr Euch M�he gebt, wird Euer Unterricht kaum langsamer vonstatten gehen. Ihr lernt schlie�lich nicht, w�hrend Ihr schlaft.�</p><p>�Ich kann nicht�, murmelte Aviendha mit �ber den K�rbis gesenktem Kopf. Dann sagte sie noch entschlossener: �Ich werde das nicht tun.� Sie hob den Kopf, und in ihren Augen leuchtete blaugr�nes Feuer. �Ich werde nicht dabeisein, wenn er wieder diesen Bettw�rmer Isendre an sein Lager bestellt!�</p><p>Egwene sah sie mit offenem Mund an. �Isendre!� Sie hatte bemerkt � mit Abscheu �brigens �, wie die T�chter diese Frau gezwungen hatten, nackt herumzulaufen. Aber dies! �Ihr k�nnt doch nicht wirklich glauben, da� er...�</p><p>�Schweigt!� Bairs Stimme klang wie ein Peitschenhieb. Der Blick aus ihren blauen Augen h�tte Steine in die Flucht geschlagen. �Beide! Ihr seid beide jung, aber selbst die T�chter sollten wissen, da� M�nner Narren sein k�nnen, besonders, wenn sie keine Frau zur Seite haben, die sie f�hrt.�</p><p>�Ich bin froh�, sagte Amys trocken, �zu bemerken, da� Ihr eure Gef�hle nicht mehr in dem Ma�e unterdr�ckt wie vorher, Aviendha. Die T�chter sind genauso t�richt wie M�nner, was das betrifft. Ich erinnere mich noch gut daran, und es besch�mt mich noch heute. Wenn man sich gehen l��t, tr�bt das die Urteilsf�higkeit einen Augenblick lang, doch wenn man seine Gef�hle unterdr�ckt, tr�bt es die Urteilsf�higkeit immerzu. Geht nur sicher, da� Ihr Euch nicht zu oft gehen la�t oder gerade dann, wenn Ihr Euch unter Kontrolle haben solltet.�</p><p>Melaine beugte sich auf die H�nde gest�tzt vor, bis beinahe der von ihrem Gesicht tropfende Schwei� in den hei�en Kessel fiel. �Ihr kennt Eure Zukunft, Aviendha. Ihr werdet eine Weise Frau von gro�er Kraft und Autorit�t sein, und dar�ber hinaus noch mehr. Ihr besitzt die notwendige Kraft und tragt sie in Euch. Durch sie habt Ihr die erste Pr�fung bestanden, und sie wird Euch auch helfen, dies zu bestehen.�</p><p>�Meine Ehre...�, sagte Aviendha heiser. Dann schluckte sie und war nicht in der Lage, fortzufahren. Sie hockte lediglich da und umschlo� den Wasserbeh�lter, als enthielte er die Ehre, die sie beh�ten wollte.</p><p>�Das Muster enth�lt kein <emphasis>Ji'e'toh�,</emphasis> sagte Bair zu ihr. Es schwang etwas wie eine Andeutung von Sympathie in ihrer Stimme mit. �Nur das, was sein mu� und sein wird. M�nner und T�chter des Speers k�mpfen noch gegen das Schicksal an, wenn l�ngst klar ist, da� das Muster trotz all ihrer Bem�hungen weiterwebt, doch Ihr seid keine <emphasis>Far Dareis Mai</emphasis> mehr. Ihr m��t lernen, dem Schicksalsfaden zu folgen. Nur, wenn Ihr Euch dem Muster ergebt, werdet Ihr in der Lage sein, zumindest ein wenig Kontrolle �ber den Verlauf Eures eigenen Lebens auszu�ben. Wenn Ihr dagegen ank�mpft, wird Euch das Muster doch bezwingen, und Ihr erlebt nur Elend, wo Ihr statt dessen Erf�llung h�ttet finden k�nnen.�</p><p>In Egwenes Ohren klang das ganz nach dem, was man sie in der Burg �ber die Eine Macht gelehrt hatte. Um <emphasis>Saidar</emphasis> zu beherrschen, mu�te man sich ihm zuerst ergeben. Wenn man dagegen ank�mpfte, w�rde es unkontrolliert �ber einen herfallen oder einen �berw�ltigen. Ergab man sich dagegen und lenkte <emphasis>Saidar</emphasis> ganz sanft, dann tat es, was man w�nschte. Doch das erkl�rte nicht, warum sie Aviendha so etwas zumuteten. Deshalb fragte sie noch einmal und f�gte gleich hinzu: �Es ist nicht schicklich.�</p><p>Statt zu antworten, sagte Amys: �Wird ihr Rand al'Thor die Erlaubnis verweigern? Wir k�nnen ihn nicht dazu zwingen.� Bair und Melaine blickten Egwene genauso eindringlich an wie Amys.</p><p>Sie w�rden ihr den Grund nicht nennen. Es war leichter, einen Stein zum Reden zu bringen, als aus einer Weisen Frau etwas gegen ihren Willen herauszuquetschen. Aviendha musterte m�rrischresignierend ihre Zehen. Sie wu�te: Die Weisen Frauen w�rden bekommen, was sie wollten, ganz gleich wie.</p><p>�Ich wei� es nicht�, sagte Egwene nachdenklich. �Ich kenne ihn nicht mehr so gut wie fr�her.� Sie bedauerte das, doch es war so vieles geschehen. Davon abgesehen war ihr mittlerweile klargeworden, da� sie ihn lediglich wie einen Bruder liebte, aber nicht mehr. Ihre Ausbildung, sowohl in der Burg wie auch hier, hatte vieles ge�ndert, genauso wie die Tatsache, da� er der Wiedergeborene Drache war. �Wenn Ihr ihm einen stichhaltigen Grund liefert, macht er es vielleicht. Ich glaube, er mag Aviendha.� Die junge Aielfrau stie� einen schweren Seufzer aus, ohne dabei aufzublicken.</p><p>�Einen guten Grund�, schnaubte Bair. �Als ich ein M�dchen war, w�re jeder Mann �bergl�cklich gewesen, wenn eine junge Frau solches Interesse an ihm zeigt. Er w�re losgelaufen und h�tte pers�nlich die Blumen f�r ihren Brautkranz gepfl�ckt.� Aviendha zuckte zusammen und funkelte die Weisen Frauen mit einem Teil ihres fr�heren Temperaments an. �Nun, wir werden schon einen Grund finden, den sogar jemand akzeptieren kann, der als Feuchtl�nder aufgewachsen ist.�</p><p>�Es sind noch mehrere N�chte bis zu Eurem vereinbarten Zusammentreffen in <emphasis>Tel'aran'rhiod�,</emphasis> sagte Amys. �Diesmal mit Nynaeve.�</p><p>�Die k�nnte eine Menge lernen�, warf Bair ein, �wenn sie nicht so halsstarrig w�re.�</p><p>�Eure N�chte bis dahin sind frei von Aufgaben�, sagte Melaine. �Das hei�t, wenn Ihr nicht ohne uns und heimlich <emphasis>Tel'aran'rhiod</emphasis> besucht.�</p><p>Egwene dachte sich, was nun kommen w�rde. �Nat�rlich nicht�, erwiderte sie. Sie war nur ein ganz klein wenig hineingegangen. Ein bi�chen mehr, und sie w�rden es ganz sicher merken.</p><p>�Habt Ihr es geschafft, Nynaeves oder Elaynes Tr�ume aufzusp�ren?� fragte Amys ganz nebenhin, als sei es nur eine Kleinigkeit.</p><p>�Nein, Amys.�</p><p>Die Tr�ume eines bestimmten Menschen zu finden war viel schwieriger, als <emphasis>Tel'aran'rhiod</emphasis> zu betreten, die Welt der Tr�ume, besonders, wenn sich dieser Mensch auch noch in gro�er Entfernung befand. Es wurde mit geringerer Entfernung leichter, und auch dann, wenn man diesen Menschen besonders gut kannte. Die Weisen Frauen verlangten immer noch von ihr, da� sie <emphasis>Tel'aran'rhiod</emphasis> jedesmal in Begleitung wenigstens einer von ihnen betrat, aber die Tr�ume einer anderen Person zu betreten beschwor ganz eigene Gefahren herauf. In <emphasis>Tel'aran'rhiod</emphasis> beherrschte sie sich selbst und alles in ihrer Umgebung in hohem Ma�e, es sei denn, eine der Weisen Frauen beschlo�, selbst die F�hrung zu �bernehmen. Sie lernte immer besser, mit der Welt der Tr�ume umzugehen, doch konnte sie es noch nicht mit ihnen aufnehmen � bei ihrer Erfahrung. Im Traum eines anderen Menschen aber war sie ein Teil des Traums. Dann mu�te man alle Kraft aufbringen, um sich nicht so zu verhalten, wie es das Unterbewu�tsein des Tr�umers verlangte. Durch das Betreten des Traums wurde man ver�ndert, und manchmal konnte man sich nicht dagegen wehren. Die Weisen Frauen hatten es bei der Beobachtung von Rands Tr�umen sorgsam vermieden, ganz in sie hineingezogen zu werden. Trotzdem bestanden sie darauf, da� Egwene es ebenfalls erlernte. Wenn sie ihr schon das Traumwandeln beibrachten, dann sollte sie ihr ganzes Wissen erhalten und nicht nur einen Teil.</p><p>Sie wollte eigentlich auch nicht z�gern, aber die wenigen Male, als sie mit ihnen und einmal auch mit Rhuarc �ben durfte, hatten sie ern�chtert. Die Weisen Frauen beherrschten ihre eigenen Tr�ume in hohem Ma�e, und das, was sich dort abgespielt hatte � um ihr die Gefahren deutlich zu machen, wie sie sagten �, war alles ihr Werk gewesen. Doch sie war erschrocken, als ihr klar wurde, da� Rhuarc in ihr wenig mehr als ein Kind sah, wie eine seiner j�ngsten T�chter. Da war ihre Selbstbeherrschung ins Wanken geraten, wenn auch nur f�r einen einzigen fatalen Moment. Danach war sie wenig mehr als ein Kind <emphasis>gewesen.</emphasis> Sie konnte den Mann nicht mehr ansehen, ohne daran denken zu m�ssen, wie er ihr eine Puppe geschenkt hatte, weil sie so flei�ig im Lernen war. Und sie hatte sich genauso �ber das Geschenk wie �ber sein Lob gefreut. Amys war gekommen und hatte sie vom fr�hlichen Spielen mit der Puppe weggerissen. Da� Amys Bescheid wu�te, war schlimm genug, aber sie vermutete stark, da� sich auch Rhuarc an einiges davon erinnerte.</p><p>�Ihr m��t es immer wieder versuchen�, sagte Amys. �Ihr habt die Kraft, sie zu erreichen, sogar �ber diese Entfernung hinweg. Und es wird Euch nicht schaden, zu erfahren, wie sie Euch sehen.�</p><p>Da war sie sich nicht so sicher. Elayne war eine Freundin, aber Nynaeve war die meiste Zeit ihrer Jugend �ber die Seherin von Emondsfeld gewesen. Sie f�rchtete, Nynaeves Tr�ume k�nnten f�r sie schlimmer werden als die Rhuarcs. �Heute nacht werde ich ein St�ck entfernt von den Zelten schlafen�, fuhr Amys fort. �Nicht weit. Ihr solltet leicht in der Lage sein, mich zu finden, wenn Ihr Euch M�he gebt. Falls ich nicht von Euch tr�ume, haben wir morgen etwas zu besprechen.�</p><p>Egwene unterdr�ckte ein St�hnen. Amys hatte sie in Rhuarcs Tr�ume gef�hrt und war selbst nur einen Augenblick lang dort geblieben, kaum lange genug, um festzustellen, da� Rhuarc sie unver�ndert als die junge Frau sah, die er geheiratet hatte, und die Weisen Frauen hatten sich bisher wenigstens immer im gleichen Zelt mit ihr befunden, wenn sie einen Versuch unternahm.</p><p>�Also�, sagte Bair und rieb sich die H�nde, �wir haben alles geh�rt, was sein mu�te. Ihr anderen k�nnt ja hierbleiben, wenn ihr wollt, aber ich f�hle mich sauber genug f�r mein Lager. Ich bin nun mal nicht mehr so jung wie ihr.� Jung oder nicht, wahrscheinlich konnte sie jede von ihnen in Grund und Boden rennen und sie dann den Rest des Weges tragen.</p><p>Als Bair aufstand, sprach Melaine sie an, und � ganz ungew�hnlich bei ihr � sie klang z�gernd und unsicher. �Ich brauche... Ich mu� Euch um Hilfe bitten, Bair. Und auch Euch, Amys.� Die �ltere Frau setzte sich wieder hin, und beide blickten Melaine erwartungsvoll an. �Ich... ich m�chte Euch bitten, f�r mich mit Dorindha zu sprechen.� Die letzten Worte sprudelten pl�tzlich heraus. Amys l�chelte breit, und Bair gackerte laut los. Auch Aviendha schien zu verstehen und zeigte �berraschung. Nur Egwene sa� verst�ndnislos da.</p><p>Dann lachte Bair. �Ihr habt immer gesagt, Ihr braucht keinen Ehemann und wollt auch keinen haben. Ich habe schon drei begraben und h�tte nichts gegen einen weiteren einzuwenden. Sie sind sehr n�tzlich, wenn die N�chte kalt sind.�</p><p>�Eine Frau kann doch ihre Meinung �ndern.� Melaines Stimme klang wohl fest genug, doch das tiefe Err�ten ihrer Wangen strafte diese Standhaftigkeit L�gen. �Ich kann mich nicht von Bael fernhalten, und ich kann ihn nicht t�ten. Falls Dorindha mich als Schwesterfrau akzeptiert, werde ich meinen Brautkranz flechten und Bael zu F��en legen.�</p><p>�Und was ist, wenn er darauf tritt, anstatt ihn zu nehmen?� wollte Bair wissen. Amys lie� sich nach hinten sacken, lachte schallend und klatschte sich auf die Schenkel.</p><p>Egwene hielt diese Gefahr f�r �u�erst gering, jedenfalls ihren Kenntnissen der Aielsitten gem��. Wenn Dorindha beschlo�, Melaine als Schwesterfrau zu akzeptieren, w�rde Bael in dieser Sache nicht viel zu sagen haben. Es schockierte sie jedenfalls nicht mehr, da� ein Mann zwei Frauen haben konnte. Na ja, nicht sehr jedenfalls. <emphasis>Andere L�nder � andere Sitten,</emphasis> redete sie sich entschlossen ein. Sie hatte es noch nicht fertiggebracht, danach zu fragen, aber ihrer Ansicht nach war es nicht unwahrscheinlich, da� es auch Aielfrauen mit zwei Ehem�nnern gab. Das war schon ein seltsames Volk.</p><p>�Ich bitte Euch, in diesem Fall als meine Erstschwestern zu handeln. Ich glaube, da� mich Dorindha gut genug leiden kann.�</p><p>Sobald Melaine ausgeredet hatte, �nderte sich die Heiterkeit der anderen Frauen. Sie lachten wohl immer noch, aber sie umarmten sie und sagten ihr, wie gl�cklich sie f�r sie seien und wie gut sie es mit Bael haben werde. Amys und Bair zumindest nahmen Dorindhas Zustimmung f�r gegeben hin. Die drei duckten sich fast Arm-in-Arm aus dem Zelt und lachten oder kicherten immer noch wie kleine M�dchen. Zuvor befahlen sie Egwene und Aviendha allerdings noch, das Zelt aufzur�umen.</p><p>�Egwene, k�nnte eine Frau aus deinem Land eine Schwesterfrau akzeptieren?� fragte Aviendha und ben�tzte einen Stock, um den Deckel vom Rauchabzug zu sto�en.</p><p>Egwene w�nschte, sie h�tte sich das bis zum Schlu� aufgehoben, denn die W�rme begann sofort zu verfliegen. �Ich wei� nicht�, sagte sie und r�umte schnell die Tassen und den Honigtopf auf das Tablett, zusammen mit den <emphasis>Staera.</emphasis> �Ich glaube eigentlich nicht. Vielleicht, wenn es eine enge Freundin ist�, f�gte sie eiligst hinzu, denn sie wollte ja die Aielsitten nun nicht gerade herabw�rdigen.</p><p>Aviendha knurrte nur und begann, die Seitenw�nde des Zelts hochzuziehen.</p><p>Egwenes Z�hne klapperten ebenso laut wie die Teetassen und die Bronzeklingen auf dem Tablett. So hastete sie nach drau�en. Die Weisen Frauen kleideten sich ohne Eile an, als sei dies eine laue Nacht und sie bef�nden sich in den Schlafgem�chern irgendeiner Festung. Eine in Wei� geh�llte Gestalt, die im Mondschein bla� schimmerte, nahm ihr das Tablett ab, und sie machte sich schnell auf die Suche nach ihrem Umhang und den Schuhen. Sie befanden sich aber nirgends unter den �briggebliebenen Kleidungsst�cken am Boden.</p><p>�Ich habe Eure Sachen zu Eurem Zelt bringen lassen�, sagte Bair, die gerade die B�ndel ihrer Bluse zuschn�rte. �Ihr werdet sie noch nicht ben�tigen.�</p><p>Egwene sank das Herz. Sie h�pfte auf dem Fleck auf und ab und schlug die Arme um sich in der vergeblichen Hoffnung auf ein wenig W�rme. Wenigstens befahlen sie ihr nicht, aufzuh�ren. Mit einemmal wurde ihr bewu�t, da� die schneewei� gekleidete Gestalt, die das Tablett wegtrug, viel zu gro� selbst f�r eine Aielfrau war. Sie knirschte mit den Z�hnen und funkelte die Weisen Frauen an, denen es v�llig egal zu sein schien, ob sie auf und ab h�pfend den K�ltetod starb. Den Aielfrauen mochte es gleichg�ltig sein, ob ein Mann sie unbekleidet gesehen hatte, zumindest, wenn er <emphasis>Gai'schain</emphasis> war, doch ihr war es ganz und gar nicht gleich!</p><p>Nach einem Augenblick schlo� sich Aviendha ihr an, allerdings ohne wildes Herumh�pfen. Sie gab sich gar nicht erst M�he, ihre Kleider zu suchen. Die K�lte schien sie genausowenig zu beeindrucken, wie das bei den Weisen Frauen der Fall war.</p><p>�Also�, sagte Bair und legte sich ihren Schal um die Schultern. �Ihr, Aviendha, seid nicht nur so halsstarrig wie ein Mann, nein, Ihr erinnert Euch noch nicht einmal an eine einfache Aufgabe, die Ihr bereits viele Male erledigt habt. Ihr, Egwene, seid genauso stur wie sie, und Ihr glaubt immer noch, Ihr k�nntet in Eurem Zelt herumtr�deln, obwohl ihr herbeigerufen wurdet. La�t uns hoffen, da� f�nfzig Runden um das Lager Eure Sturheit etwas d�mpfen, Euren Verstand kl�ren und Euch daran erinnern, wie Ihr auf einen Befehl oder eine Arbeit zu reagieren habt. Lauft schon los!�</p><p>Wortlos und augenblicklich begann Aviendha, zum Rand des Lagerplatzes zu rennen. Sie wich leichtf��ig den durch die Dunkelheit gespannten Zeltschn�ren aus. Egwene z�gerte nur einen Moment und folgte ihr dann. Die Aielfrau lief langsam genug, damit Egwene sie einholen konnte. Die Nachtluft lie� sie vor K�lte erstarren, und der steinige Lehmboden unter ihren F��en war genauso kalt und versuchte st�ndig, sie zum Straucheln zu bringen. Aviendha lief mit der m�helosen Leichtigkeit langer �bung.</p><p>Als sie am letzten Zelt vorbeikamen und sich nach S�den wandten, sagte Aviendha: �Wei�t du, warum ich mir soviel M�he beim Lernen gebe?� Weder K�lte noch Anstrengung machten sich in ihrer Stimme bemerkbar.</p><p>Egwene zitterte beim Rennen so stark, da� sie kaum sprechen konnte: �Nein. Warum?�</p><p>�Weil Bair und die anderen dich mir immer vorhalten, weil sie mir sagen, wie leicht du lernst und da� man dir niemals etwas zweimal erkl�ren m�sse. Sie sagen, ich solle mehr wie du sein.� Sie warf Egwene einen Blick aus den Augenwinkeln zu, und Egwene ertappte sich dabei, wie sie gemeinsam mit Aviendha beim Weiterlaufen kicherte. �Das ist jedenfalls ein Teil der Begr�ndung. Die Dinge, deren Gebrauch ich erlernen will...� Aviendha sch�ttelte den Kopf, und selbst im Mondschein war ihr Erstaunen leicht zu erkennen. �Und dann die Macht selbst. Ich habe mich noch nie zuvor so gef�hlt. So lebendig. Ich kann die schw�chsten Ger�che noch wahrnehmen und die leichteste Luftbewegung sp�ren!�</p><p>�Es ist aber gef�hrlich, zu lange daran festzuhalten oder zuviel der Macht an sich zu ziehen�, sagte Egwene. Das Laufen schien ihren K�rper ein wenig zu erw�rmen, doch von Zeit zu Zeit �berlief sie immer noch ein Schaudern. �Ich habe dir das schon fr�her gesagt, und ich wei�, da� dich auch die Weisen Frauen gewarnt haben.�</p><p>Aviendha schnaubte lediglich. �Glaubst du, ich w�rde mir mit einem Speer in den eigenen Fu� stechen?�</p><p>Eine Weile rannten sie schweigend nebeneinander her.</p><p>�Hat Rand wirklich...?� begann Egwene schlie�lich stockend. Die K�lte hatte nichts mit ihren Schwierigkeiten zu tun, die richtigen Worte zu finden. Sie begann auf der Stelle wieder zu schwitzen. �Ich meine... Isendre?� Sie konnte sich nicht dazu bringen, es deutlicher zu sagen.</p><p>Schlie�lich sagte Aviendha bed�chtig: �Ich glaube nicht, da� er es getan hat.� Es klang zornig. �Aber warum ignoriert sie st�ndig s�mtliche Peitschenhiebe, wenn er kein Interesse an ihr gezeigt hat? Sie ist eine Feuchtl�nderSchlampe, die nur darauf wartet, da� die M�nner ihr zulaufen. Ich habe gesehen, wie er sie angeschaut hat, obwohl er versuchte, es zu verbergen. Ihm hat es recht gut gefallen, sie anzusehen.�</p><p>Egwene fragte sich, ob ihre Freundin jemals auch von ihr als einer Feuchtl�nder-Schlampe dachte. Wahrscheinlich nicht, sonst w�ren sie keine Freundinnen. Doch Aviendha hatte niemals gelernt, sich zu fragen, ob das, was sie sagte, jemandem weh tun k�nne. Sie w�re wom�glich �u�erst �berrascht, zu erfahren, da� Egwene auch nur daran dachte, sich durch ihre Bemerkungen verletzt zu f�hlen.</p><p>�So ausgezogen, wie die T�chter sie herumlaufen lassen�, gab Egwene z�gernd zu, �w�rde jeder Mann hinschauen.� Was sie daran erinnerte, da� auch sie sich gerade ohne jedes Kleidungsst�ck im Freien befand. Sie stolperte und w�re fast gest�rzt, als sie sich �ngstlich umsah. Soweit sie erkennen konnte, war die Nacht menschenleer. Selbst die Weisen Frauen waren mittlerweile in ihre Zelte zur�ckgekehrt. Und lagen kuschlig warm unter ihren Decken. Sie dagegen schwitzte, doch die Tropfen zeigten die Tendenz, gleich bei ihrem Austreten zu Eis zu gefrieren.</p><p>�Er geh�rt Elayne�, sagte Aviendha energisch.</p><p>�Ich gebe ja zu, da� ich eure Sitten noch nicht ganz kenne, aber eure sind nicht die gleichen wie bei uns. Er ist nicht mit Elayne verlobt.� <emphasis>Warum nehme ich ihn in Schutz? Er ist derjenige, der verpr�gelt geh�rt!</emphasis> Doch die Ehrlichkeit lie� sie fortfahren: �Selbst eure Aielm�nner haben das Recht, nein zu sagen, wenn man sie fragt.�</p><p>�Du und sie, ihr seid doch N�chstschwestern wie wir beide�, protestierte Aviendha. Sie verlangsamte ihren Schritt etwas, nahm aber dann doch ihr altes Tempo wieder auf. �Hast du mich nicht selbst gebeten, f�r Elayne auf ihn aufzupassen? Willst du nicht, da� sie ihn bekommt?�</p><p>�Nat�rlich will ich das. Wenn er sie will.� Das stimmte allerdings nicht ganz. Sie w�nschte Elayne alles Gl�ck der Welt, und so verliebt, wie sie in den Wiedergeborenen Drachen war, w�rde sie so ziemlich alles tun, um daf�r zu sorgen, da� Elayne bekam, was sie wollte. Fast war sie gewillt, ihn an Armen und Beinen zu fesseln, damit er Elayne nicht fortlaufen konnte. Fast. Wenn es notwendig war? Aber das zuzugeben, war eine ganz andere Sache. Aielfrauen waren da viel offener, als sie es fertigbrachte. �Sonst w�re es nicht recht.�</p><p>�Er geh�rt ihr�, beharrte Aviendha stur.</p><p>Egwene seufzte. Aviendha verstand einfach keine anderen Sitten als die ihren. Die Aielfrau war immer noch erstaunt dar�ber, da� Elayne Rand nicht gefragt hatte, ob er sie heiraten wolle, und da� statt dessen ein Mann diese Frage stellen konnte. �Ich bin sicher, die Weisen Frauen werden morgen der Vernunft wieder zug�nglich sein. Sie k�nnen dich nicht zwingen, im Zimmer eines Mannes zu schlafen.�</p><p>Die andere Frau blickte sie in offen gezeigter �berraschung an. Einen Augenblick lang verschwand die Eleganz ihrer Bewegungen, und sie stie� mit einem Zeh ziemlich hart gegen eine Unebenheit am Boden. Das Mi�geschick rief einige Fl�che hervor, denen selbst Kaderes Wagenfahrer mit Interesse gelauscht h�tten. Bair h�tte bestimmt sofort zum Blaurippentee gegriffen. Sie lief jedoch ohne Unterbrechung weiter.</p><p>�Ich verstehe nicht, warum du dich dar�ber so aufregst�, sagte sie, als der letzte Fluch verklungen war. �Ich habe auf Kriegsz�gen viele Male neben einem Mann geschlafen und selbst mit ihm die Decken geteilt, wenn die Nacht sehr kalt war. Aber wenn es dich so beunruhigt, dann schlafe ich eben zehn Schritt entfernt von ihm. Ist das ein Teil eurer Sitten? Mir ist auch aufgefallen, da� du nicht mit den M�nnern zusammen im Dampfzelt baden willst. Vertraust du Rand al'Thor nicht? Oder bin ich es, der du nicht vertraust?� Am Ende erklang ihre Stimme nur noch in einem besorgten Fl�sterton.</p><p>�Nat�rlich vertraue ich dir�, protestierte Egwene hitzig. �Und ihm. Es ist eben nur so, da�...� Sie lie� den Satz unbeendet, weil sie nicht sicher war, was sie eigentlich weiter sagen sollte. Manchmal waren die Aielregeln in bezug auf das, was schicklich war und was nicht, sehr viel strenger als die, mit denen sie aufgewachsen war, aber bei anderen dieser Ansichten wieder h�tte die Versammlung der Frauen zu Hause vor der Entscheidung gestanden, entweder geschlossen in Ohnmacht zu fallen oder zu einem kr�ftigen Stock zu greifen. �Aviendha, wenn es irgendwie um deine Ehre gehen sollte... � Sie bewegte sich auf schl�pfrigem Boden. �Wenn du das den Weisen Frauen erkl�rst, werden sie dich doch sicherlich nicht gegen deine Ehre handeln lassen.�</p><p>�Es gibt da nichts zu erkl�ren�, stellte die andere Frau kategorisch fest.</p><p>�Ich wei� ja, da� ich <emphasis>Ji'e'toh</emphasis> nicht verstehe...�, begann Egwene, doch Aviendha lachte nur.</p><p>�Du sagst, du verst�ndest es nicht, Aes Sedai, und doch richtest du dich in deinem Leben danach.� Egwene bereute, die L�ge selbst ihr gegen�ber aufrechterhalten zu haben. Es war ihr danach schwergefallen, Aviendha dazu zu bringen, sie einfach als Egwene anzureden, und manchmal beging sie einen R�ckfall. Aber sie mu�te allen gegen�ber dabei bleiben, damit es glaubhaft wirkte. �Du bist eine Aes Sedai und stark genug in der Beherrschung der Macht, da� du Amys und Melaine gemeinsam �berw�ltigen k�nntest�, fuhr Aviendha fort, �aber du hast versprochen, zu gehorchen. Also kratzt du die T�pfe aus, wenn sie sagen, du solltest T�pfe auskratzen, und du rennst, wenn sie dir befehlen, zu rennen. Du kennst <emphasis>Ji'e'toh</emphasis> vielleicht nicht, aber du h�ltst dich daran.�</p><p>Nat�rlich war es keineswegs dasselbe. Sie bi� die Z�hne aufeinander und machte, was man von ihr wollte, weil es die einzige M�glichkeit f�r sie darstellte, das Traumwandeln zu erlernen, und sie wollte es lernen, sie wollte alles dar�ber lernen, mehr als �ber alles andere, was sie sich auf der Welt vorstellen konnte. �berhaupt nur daran zu denken, sie k�nne nach den Regeln dieses t�richten <emphasis>Ji'e'toh</emphasis> leben, war einfach dumm. Sie tat, was sein mu�te, und nur wenn es sein mu�te, und weil sie halt dazu gezwungen war.</p><p>Sie n�herten sich wieder dem Ausgangspunkt ihrer Laufstrecke. Als sie �ber den gleichen Fleck lief, an dem sie begonnen hatten, sagte Egwene: �Das w�re die erste Runde�, und rannte weiter durch die Dunkelheit, obwohl niemand au�er Aviendha sie beobachten konnte und niemand au�er Aviendha h�tte petzen k�nnen, wenn sie jetzt zu ihrem Zelt zur�ckgegangen w�re. Aviendha h�tte bestimmt nichts gesagt, aber Egwene kam �berhaupt nicht auf den Gedanken, vor dem Ende der f�nfzigsten Runde aufzuh�ren.</p></section><section><title><p>6</p><p>Tore</p></title><p>Rand erwachte in v�lliger Finsternis, lag unter seinen Decken und gr�belte dar�ber nach, was ihn wohl geweckt habe. Irgend etwas mu�te da gewesen sein. Nicht der Traum; da hatte er Aviendha das Schwimmen beigebracht in einem Teich im Wasserwald zu Hause im Gebiet der Zwei Fl�sse. Etwas anderes. Da kam es wieder � wie ein schwacher Hauch einer fauligen Ausd�nstung, der unter der T�r hindurchgedrungen war. Nicht einmal ein wirklicher Geruch, sondern eher wie ein Gef�hl der Andersartigkeit. Ja, so hatte er es empfunden. Ranzig, wie etwas Totes, das schon eine Woche lang im stillen Wasser eines T�mpels ruhte. Es verflog wieder, doch diesmal nicht vollst�ndig.</p><p>So schlug er die Decken zur Seite, stand auf und h�llte sich in <emphasis>Saidin.</emphasis> Innerhalb des Nichts und von der Macht erf�llt sp�rte er wohl noch, wie sein K�rper zitterte, doch die K�lte schien sich an einem anderen Ort zu befinden und nicht dort, wo er sich aufhielt. Vorsichtig �ffnete er die T�r und trat hinaus. Mondschein drang durch die Fensterb�gen zu beiden Enden des Korridors. Nach der Pechschw�rze in seinem Zimmer kam ihm das beinahe wie Tageslicht vor. Nicht r�hrte sich, doch er sp�rte... etwas... das sich n�herte. Etwas B�ses. Beinahe wie die Verderbnis von <emphasis>Saidin,</emphasis> die ihn mit der Macht durchstr�mte.</p><p>Er steckte eine Hand in die Tasche seines Mantels und erfa�te die kleine geschnitzte Figur eines rundlichen kleinen Mannes, der ein Schwert �ber seinen Knien trug. Ein <emphasis>Angreal;</emphasis> damit konnte er mehr Macht an sich binden und ben�tzen, als selbst er sonst ohne Hilfe schaffte. Sehr wahrscheinlich w�rde er ihn gar nicht ben�tigen. Wer auch immer f�r diesen Angriff auf ihn verantwortlich war, wu�te nicht, mit wem er oder sie es jetzt zu tun hatte. Sie h�tten ihn niemals aufwachen lassen d�rfen.</p><p>Einen Augenblick lang z�gerte er. Er konnte durchaus den Kampf mit dem, was gegen ihn ausgesandt worden war, von sich aus aufnehmen, aber er hatte das Gef�hl, es befinde sich noch ein St�ck unter ihm; dort, wo dem Schweigen nach zu schlie�en die T�chter noch friedlich schliefen. Wenn sie Gl�ck hatten, w�rden sie nicht behelligt, es sei denn, er eilte hinunter, um mitten unter ihnen zu k�mpfen. Das w�rde sie auf jeden Fall aufwecken, und sie w�rden auch nicht gerade danebenstehen und zuschauen. Lan sagte immer, er solle sich das richtige Gel�nde zum K�mpfen m�glichst selbst ausw�hlen und den Feind zwingen, zu ihm zu kommen. L�chelnd rannte er mit trommelnden Stiefelsohlen die n�chste Wendeltreppe nach oben und immer weiter, bis er sich im obersten Gescho� befand. Dieses Stockwerk bestand aus einem einzigen gro�en Raum mit leicht gew�lbter Decke und verstreut stehenden schlanken, spiralf�rmig gearbeiteten S�ulen. Der durch die glaslosen Bogenfenster einfallende Mondschein erhellte jede Ecke. Im Staub und Schmutz und Sand auf dem Fu�boden waren noch immer die Abdr�cke seiner eigenen Stiefel undeutlich zu sehen. Die waren bei der einzigen Gelegenheit entstanden, zu der er sich hier oben aufgehalten hatte. Sonst war offensichtlich niemand dagewesen. Es war der perfekte Ort.</p><p>Er schritt zur Mitte des Raums und stellte sich auf das Mosaik, das auf zehn Fu� Durchmesser das uralte Symbol der Aes Sedai darstellte. Hier pa�te einfach alles. �Unter diesem Zeichen wird er erobern.� So hatte es die Prophezeiung von Rhuidean von ihm behauptet. Er stand �ber der trennenden Schlangenlinie, einen Fu� auf der schwarzen Tr�ne, die man nun als den Drachenfang bezeichnete und die f�r das B�se stand, den anderen auf dem wei�en Teil, den man heutzutage die �Flamme von Tar Valon� nannte. Einige Menschen behaupteten, sie st�nde f�r das Licht. Also ein wirklich passender Ort, zwischen Licht und Dunkelheit, um sich dem erwarteten Angriff zu stellen.</p><p>Das ekelhafte Gef�hl verst�rkte sich, und der Gestank brennenden Schwefels f�llte die Luft. Pl�tzlich bewegte sich etwas, l�ste sich wie Mondschatten von der Treppe und glitt au�en um den Raum herum. Langsam traten die Umrisse deutlicher hervor, und Rand erblickte drei schwarze Hunde, dunkler als die Nacht und so gro� wie Ponys. Mit silbrig gl�nzenden Augen umkreisten sie ihn wachsam. Durch die Macht in ihm konnte er ihre Herzen wie tiefe Ba�trommeln schlagen h�ren. Doch ihren Atem h�rte er nicht; vielleicht atmeten sie auch gar nicht.</p><p>Er verwebte ein wenig der Macht, und in seinen H�nden lag ein Schwert, dessen leicht gekr�mmte, mit einem Reiher gekennzeichnete Klinge aus Flammen geschmiedet zu sein schien. Er hatte Myrddraal erwartet oder etwas noch Schlimmeres als die Augenlosen, aber f�r Hunde, selbst aus dem Schatten geborene Hunde, w�rde das Schwert ausreichen. Wer immer sie auch ausgesandt hatte, kannte ihn nicht. Lan hatte ihm gesagt, er besitze mittlerweile beinahe das K�nnen eines echten Schwertmeisters, und der Beh�ter geizte sonst mit Lob, so da� er annehmen konnte, diese Stufe wirklich erreicht zu haben.</p><p>Die Hunde knurrten, als zermalmten sie Knochen zwischen ihren m�chtigen Kiefern, und jagten von drei Seiten her auf ihn los, schneller als galoppierende Pferde.</p><p>Er bewegte sich nicht, bis sie ihn schon fast ber�hrten. Dann glitt er, eins mit dem Schwert, von einer Fechtposition in die andere, als tanze er lediglich. Innerhalb eines Wimpernschlags wurde aus der Figur, die man den �Wirbelwind auf dem Berg� nannte, die n�chste � �Der Wind weht �ber die Mauer� � und die n�chste �Den F�cher �ffnen�. Gro�e, schwarze K�pfe wurden von schwarzen K�rpern abgetrennt. Ihre geifernden F�nge, wie polierter Stahl gl�nzend, waren noch gefletscht, als sie �ber den Boden rollten. Er trat bereits aus dem Mosaik heraus, als die dunklen Gestalten zu zuckenden, blutigen Massen auf dem Boden zusammenbrachen.</p><p>Er lachte in sich hinein und lie� das Schwert verschwinden, hielt aber an <emphasis>Saidin</emphasis> fest, an der tobenden Macht, der S��e und der Verderbnis. Verachtung glitt �ber die Blase des Nichts. Hunde. Schattenabk�mmlinge, sicher, aber trotzdem nur... Das Lachen erstarb.</p><p>Langsam schmolzen die toten Hunde und ihre K�pfe, wurden zu Pf�tzen fl�ssigen Schattens, die leicht bebten, als lebten sie noch. Ihr Blut, �ber den Boden verschmiert, zitterte empor. Pl�tzlich flossen die kleineren Pf�tzen wie b�sartige Rinnsale zusammen und verschmolzen mit den gr��eren, schwappten von dem Mosaik hinweg und bildeten einen immer h�her werdenden Klumpen, bis wieder drei riesige schwarze Hunde dort standen, geiferten und knurrten, w�hrend sich ihre m�chtigen Beinmuskeln zum Sprung spannten.</p><p>Er wu�te nicht, wieso er eigentlich �berrascht war. Er sp�rte es nur ganz vage, drau�en vor der Leere. Hunde, ja, aber eben Schattenabk�mmlinge. Wer sie ausgesandt hatte, war doch nicht so leichtsinnig gewesen, wie er angenommen hatte. Aber sie kannten ihn trotzdem immer noch nicht.</p><p>Statt erneut nach dem Schwert zu greifen, lenkte er die Macht auf eine Weise, an die er sich von vor l�ngerer Zeit her erinnerte. Einmal schon hatte er sie so ben�tzt. Heulend sprangen die riesigen Hunde hoch, und ein dicker Balken wei�en Lichts scho� aus seinen H�nden, wie geschmolzener Stahl, wie fl�ssiges Feuer. Er schwenkte den Strahl �ber die springenden Gesch�pfe, und einen Augenblick lang wurden sie zu seltsam verzerrten Schatten ihrer selbst, alle Farben ins Gegenteil verkehrt, und dann bestanden sie nur noch aus glitzernden Lichtflecken, die auseinanderdrifteten, kleiner und kleiner wurden und ganz verschwanden, bevor sie den Boden erreichten.</p><p>Er lie� das, was er da erzeugt hatte, wieder fahren, und w�hrend er grimmig l�chelte, zog sich noch ein rotgl�hender Lichtbalken als flimmerndes Nachbild durch sein Gesichtsfeld.</p><p>Auf der anderen Seite des gro�en Raums krachte ein Teil einer der S�ulen auf die Fu�bodenfliesen herab. Wo dieser Lichtstrahl aufgetroffen war � oder was es halt gewesen war; kein richtiges Licht nat�rlich �, hatte er glatte St�cke sauber aus den S�ulen herausgeschnitten. Die halbe Wandbreite hinter den S�ulen wies einen klaffenden Schnitt auf.</p><p>�Hat Euch einer von ihnen gebissen, oder wurdet Ihr nur von ihren Blutspritzern getroffen?�</p><p>Er fuhr herum, als Moiraines Stimme erklang. Er war so auf das konzentriert gewesen, was er getan hatte, da� er nicht geh�rt hatte, wie sie die Treppe heraufkam. Sie stand da, ihre H�nde in den Rock verkrampft, das Gesicht im Schatten fast verborgen, und musterte ihn. Sie hatte bestimmt die Wesen genau wie er gesp�rt, aber um so schnell hierher zu kommen, mu�te sie sich m�chtig beeilt haben. �Haben Euch die T�chter durchgelassen? Seid Ihr jetzt auch eine <emphasis>Far Dareis Mai</emphasis> geworden, Moiraine?�</p><p>�Sie gew�hren mir einige der Privilegien einer Weisen Frau�, sagte sie hastig. Die blanke Ungeduld schwang in ihrer sonst so melodi�sen Stimme mit. �Ich habe den W�chterinnen gesagt, da� ich dringend mit Euch zu sprechen h�tte. Antwortet mir aber jetzt! Haben die Schattenhunde Euch gebissen oder ihr Blut auf Euch verspritzt? Hat ihr Speichel Euch ber�hrt?�</p><p>�Nein�, antwortete er bed�chtig. Schattenhunde. Das wenige, was er �ber sie wu�te, stammte aus alten M�rchen, wie man sie in den S�dl�ndern benutzte, um Kinder damit zu erschrecken. Manche Erwachsenen glaubten auch daran. �Warum macht Ihr euch �ber einen Bi� Gedanken? Ihr k�nntet ihn doch mit Hilfe der Macht heilen. Soll das vielleicht bedeuten, der Dunkle K�nig sei frei?� So im Nichts eingebettet, war selbst die Angst nur ein ferner Schatten dieses Gef�hls.</p><p>In den Geschichten, die man sich so erz�hlte, rannten die Schattenhunde nachts in der Wilden Jagd mit. Der J�ger war der Dunkle K�nig selbst. Auch auf dem weichsten Untergrund hinterlie�en sie keine Fu�spuren, aber daf�r auf Stein, und sie gaben ihre Jagd nicht auf, bevor man sich ihnen nicht gestellt und sie besiegt hatte oder �ber flie�endes Wasser entkommen war. Kreuzwege waren angeblich ein besonders gef�hrlicher Ort f�r ein Zusammentreffen mit ihnen, und dazu die Zeit gerade nach Sonnenuntergang oder kurz vor Sonnenaufgang. Er hatte mittlerweile schon so viele Legenden Wirklichkeit werden sehen, da� er geneigt war, diese Geschichten zu glauben.</p><p>�Nein, das nicht, Rand.� Sie schien wieder ihre Selbstbeherrschung erlangt zu haben, denn nun klang ihre Stimme wieder glockenklar, ruhig und k�hl. �Sie sind nur eine andere Art von Schattenwesen, eine, die niemals h�tte gezeugt werden d�rfen. Doch ihr Bi� ist der sichere Tod, wie ein Dolch im Herzen, und ich glaube nicht, da� ich eine solche Wunde heilen k�nnte, bevor Ihr daran sterbt. Ihr Blut und sogar ihr Speichel ist pures Gift. Ein Tropfen auf der Haut kann schon t�ten, langsam, und am Ende unter gro�en Schmerzen. Ihr hattet Gl�ck, da� es nur drei waren. Oder habt Ihr noch mehr get�tet, bevor ich eintrat? Ihre Meuten sind f�r gew�hnlich gr��er, oftmals zehn oder zw�lf, wie die wenigen Berichte aus dem Schattenkrieg besagen.�</p><p>Gr��ere Meuten. Er war nicht das einzige Ziel in Rhuidean f�r einen der Verlorenen...</p><p>�Wir m�ssen dar�ber reden, was Ihr gebraucht habt, um sie zu t�ten�, begann Moiraine, doch da war er bereits auf und davon, so schnell er nur konnte. Er ignorierte ihre Rufe, wo er denn hinwolle und warum.</p><p>Die Treppenfluchten hinunter und durch dunkle Korridore, in denen ihm schlaftrunkene T�chter des Speers, die von seinen h�mmernden Stiefelschritten in ihren mondscheindurchfluteten Zimmern geweckt worden waren, verwirrt nachblickten. Durch den Vordereingang, an dem Lan unruhig mit zwei W�chterinnen zusammenstand, den farbver�ndernden Umhang der Beh�ter um die Schultern gelegt, so da� Teile seines K�rpers in die Nacht �berzugehen schienen.</p><p>�Wo ist Moiraine?� schrie er, als Rand an ihm vorbeihetzte, doch Rand sprang bereits die breiten Treppen hinunter, nahm immer zwei Stufen auf einmal, und antwortete nicht.</p><p>Die halbverheilte Wunde an seiner Seite zog sich zusammen wie eine Faust. Er war sich im Nichts der Schmerzen nur vage bewu�t, als er schlie�lich das gesuchte Geb�ude erreichte. Es stand am Stadtrand von Rhuidean, weit von dem gro�en Platz entfernt, so weit entfernt wie m�glich von dem Lager, das sich Moiraine mit den Weisen Frauen teilte, und dennoch in der Stadt. Die oberen Stockwerke waren zu einem Schutthaufen zusammengebrochen, der sich bis hinaus auf den rissigen Erdboden jenseits der gepflasterten Stra�e erstreckte. Nur die beiden unteren Stockwerke waren intakt geblieben. Er wehrte sich mit aller Macht gegen den aufsteigenden Schmerz und jagte, noch immer in vollem Lauf, hinein.</p><p>Einst war der gro�e Vorraum, der von einem Steinbalkon umrahmt wurde, bereits hoch gewesen, doch nun war er noch h�her, nach oben offen unter dem Nachthimmel, und der helle Steinboden war mit Schutt �bers�t. In den Schatten, die der mondbeschienene Balkon warf, standen drei Schattenhunde auf den Hinterbeinen und kratzten und geiferten an einer bronzeverkleideten T�r, die unter ihrem Ansturm bebte. Der Gestank nach brennendem Schwefel hing dick in der Luft. Rand dachte daran, was vorher geschehen war, und lief zur Seite, w�hrend er bereits die Macht verwob. So zielte der Strahl fl�ssigen Feuers, mit dem er die Schattenhunde vernichtete, an der T�r vorbei. Er hatte sich diesmal bem�ht, weniger Energie zu verwenden und so die Zerst�rung auf die Schattenhunde zu beschr�nken, doch die dicke Wand am gegen�berliegenden Ende des Saals wies trotzdem ein in Schatten geh�lltes Loch auf. Aber sie war offenbar nicht vollst�ndig durchbrochen, auch wenn es schwer war, das beim Mondschein zu erkennen. Er w�rde einfach seine Beherrschung dieser Waffe verfeinern m�ssen.</p><p>Die Bronzeverkleidung der T�r war zerbeult und rissig, als h�tten die Z�hne und Krallen der Schattenhunde tats�chlich aus Stahl bestanden. Durch eine Anzahl kleinerer L�cher schimmerte der Lichtschein einer Lampe. Auf den Bodenfliesen waren Abdr�cke der Pranken zu sehen, aber doch �berraschend wenige. Er lie� <emphasis>Saidin</emphasis> fahren und suchte sich eine Stelle, wo er sich nicht die H�nde verschrammen w�rde, und dort h�mmerte er laut gegen die T�r. Mit einemmal war der Schmerz an seiner Seite wieder sehr real und gegenw�rtig. Er holte tief Luft und bem�hte sich, ihn zu vergessen. �Mat? Ich bin es, Rand! Mach auf, Mat!�</p><p>Einen Moment sp�ter �ffnete sich die T�r einen Spalt breit, und Lampenschein fiel heraus. Mat blinzelte fragend aus dem Spalt, und dann zog er die T�r weiter auf und lehnte sich an den T�rrahmen, als habe er zehn Meilen mit einer Ladung Steine auf dem R�cken hinter sich. Bis auf ein silbernes Medaillon in Form eines Fuchskopfes mit einem Auge, das genau wie jenes uralte Symbol der Aes Sedai geformt war, an einer Kette um seinen Hals war er v�llig nackt. Bei Mats Empfindungen den Aes Sedai gegen�ber wunderte es Rand, da� der Freund das Ding nicht schon lange verkauft hatte. Weiter drinnen im Zimmer wickelte gerade eine hochgewachsene, goldhaarige Frau eine Decke um ihren K�rper. Da Speere und Schild zu ihren F��en lagen, nahm Rand an, es handle sich um eine Tochter des Speers.</p><p>Rand wandte schnell den Blick ab und r�usperte sich. �Ich wollte nur sichergehen, da� alles mit dir in Ordnung ist.�</p><p>�Uns geht's gut.� Nerv�s blickte sich Mat im Vorraum um. �Jetzt jedenfalls. Hast du es umgebracht oder so �hnlich? Ich will gar nicht wissen, was es war, solange es nur weg ist. Manchmal ist es schon verdammt schwer f�r einen Mann, dein Freund zu sein.�</p><p>Nicht nur ein Freund. Ein anderer <emphasis>Ta'veren,</emphasis> und vielleicht der Schl�ssel zum Sieg in Tarmon Gai'don. Jeder, der Rand schlagen wollte, hatte einen Grund, Mat genauso anzugreifen. Doch der bem�hte sich immer, beides abzuleugnen. �Sie sind weg, Mat. Schattenhunde. Drei St�ck.�</p><p>�Ich habe dir doch gesagt, ich wolle es nicht wissen�, st�hnte Mat. �Jetzt also Schattenhunde. Ich kann ja nicht behaupten, da� es bei dir keine Abwechslung g�be. Man langweilt sich gewi� nicht, und das bis zum Tag, an dem man stirbt. Wenn ich nicht gerade auf den Beinen gewesen w�re, um einen Schluck Wein zu trinken, als sich die T�r zu �ffnen begann...� Er sprach nicht weiter, sondern begann zu zittern und kratzte sich einen roten Fleck am rechten Arm. Dabei betrachtete er die zerfetzte Metallverkleidung. �Wei�t du, es ist schon komisch, welche Streiche einem die eigene Wahrnehmung spielt. Als ich mit aller Kraft versuchte, die T�r zuzudr�cken, h�tte ich schw�ren k�nnen, da� einer davon ein richtiges Loch darin aufgerissen hat. Ich konnte den verdammten Kopf sehen. Und die Z�hne. Melindhras Speer hat ihn nicht einmal angekratzt.�</p><p>Diesmal war Moiraines Ankunft etwas spektakul�rer. Sie hastete mit hochgerafftem Rock schnaufend und sch�umend vor Wut herein. Lan folgte ihr mit gezogenem Schwert und Gewitterwolken auf dem steinernen Gesicht, und gleich dahinter kam eine ganze Schar von <emphasis>Far Dareis Mai,</emphasis> die bis auf die Stra�e hinaus standen. Einige der T�chter des Speers trugen lediglich Unterw�sche, doch jede hatte die Speere kampfbereit in der Hand und den schwarzen Schleier hochgezogen als Zeichen der Bereitschaft zu t�ten. Nur ihre Augen waren �ber den Schleiern sichtbar. Moiraine und Lan wenigstens wirkten erleichtert, als sie ihn dastehen und gelassen mit Mat sprechen sahen, wenn auch die Aes Sedai aussah, als wolle sie ihm einiges an den Kopf werfen. Bei den Aielfrauen konnte man der Schleier wegen nicht erraten, was sie dachten.</p><p>Mat jaulte laut auf und scho� in sein Zimmer zur�ck, wo er hastig eine Hose anzog. Dabei h�pfte er herum, weil er gleichzeitig an der Hose zu rei�en und seinen Arm zu kratzen versuchte. Die goldhaarige Tochter beobachtete ihn mit einem breiten Grinsen, als w�rde sie am liebsten schallend loslachen.</p><p>�Was ist mit deinem Arm los?� fragte Rand.</p><p>�Ich habe dir doch gesagt, da� einem die eigene Wahrnehmung komische Streiche spielt�, sagte Mat, der immer noch gleichzeitig zu ziehen und zu kratzen versuchte. �Als ich glaubte, das Ding habe die T�r durchgebissen, glaubte ich auch, es sabbere auf meinen ganzen Arm, und nun brennt das Ding tats�chlich wie Feuer. Sieht sogar wie eine Verbrennung aus.�</p><p>Rand �ffnete den Mund, doch Moiraine stie� ihn bereits zur Seite. Mat ri� die Augen auf, als er sie kommen sah, und st�rzte, weil er so verzweifelt versuchte, seine Hose ganz hochzubekommen. Sie kniete neben ihm nieder und legte trotz seines Protests beide H�nde um seinen Kopf. Rand war von ihr fr�her schon mehrmals mit Hilfe der Macht geheilt worden und hatte auch bei anderen zugesehen, aber statt so zu reagieren, wie erwartet, schauderte Mat lediglich und hob das Medaillon an seiner Lederschnur so hoch, da� es an seiner Hand baumelte und diese ber�hrte.</p><p>�Das verdammte Ding ist pl�tzlich kalt wie Eis�, knurrte er. �Was macht Ihr da, Moiraine? Wenn Ihr etwas tun wollt, dann heilt mich von diesem Brennen. Der ganze Arm brennt jetzt schon.� Sein rechter Arm war vom Handgelenk bis zur Schulter krebsrot und begann anzuschwellen.</p><p>Moiraine blickte ihn so entgeistert an, wie Rand das bei ihr noch nie erlebt hatte. Vielleicht nur dieses einzige Mal. �Das werde ich�, sagte sie bed�chtig. �Wenn das Medaillon kalt ist, dann nehmt es doch ab.�</p><p>Mat runzelte die Stirn, zog dann aber doch endlich die Schnur �ber seinen Kopf und legte es neben sich. Wieder nahm sie seinen Kopf in die H�nde, und er br�llte auf, als habe sie ihn mit dem Kopf voran in blankes Eis gesteckt. Seine Beine wurden steif, und der R�cken kr�mmte sich.</p><p>Seine Augen starrten ins Leere, und er hatte sie so weit aufgerissen, wie es nur ging. Als Moiraine die H�nde wegnahm, sackte er zusammen und sog gierig Luft ein. R�tung und Schwellung waren verschwunden. Er setzte dreimal an, bevor er sprechen konnte: �Blut und Asche! Mu� es jedes verdammte Mal so verflucht unangenehm sein? Es war doch nur so ein idiotisches Jucken!�</p><p>�H�tet Eure Zunge mir gegen�ber�, mahnte ihn Moiraine beim Aufstehen, �oder ich suche Nynaeve und �bergebe Euch ihr.� Doch es war nicht sehr ernst gemeint; sie sprach eher wie im Schlaf. Dazu mied sie den Blick auf den Fuchskopf, den sich Mat wieder um den Hals h�ngte. �Ihr werdet Ruhe brauchen�, sagte sie geistesabwesend. �Bleibt morgen im Bett, wenn Ihr euch danach f�hlt.�</p><p>Die in die Decke geh�llte Tochter des Speers �Melindhra? � kniete neben Mat nieder, legte ihm die H�nde auf die Schultern und sah Moiraine �ber seinen Kopf hinweg an. �Ich werde daf�r sorgen, da� er sich an Eure Weisung h�lt, Aes Sedai.� Mit pl�tzlichem Grinsen strich sie ihm durchs Haar. �Er ist jetzt mein kleiner Nichtsnutz.� Mats entsetztem Blick nach zu schlie�en, h�tte er gern all seine Kraft zusammengenommen und w�re am liebsten davongelaufen.</p><p>Rand wurde bewu�t, da� hinter ihm leises, unterdr�cktes Lachen erklang. Die T�chter, die ihre Schufas und Schleier wieder um die Schultern gelegt hatten, hatten sich hereingedr�ngt und sahen sich im Zimmer um.</p><p>�Bring ihm doch das Singen bei, Speerschwester�, sagte Adelin, und die anderen T�chter kr�mmten sich vor Lachen.</p><p>Rand fuhr sie energisch an. �La�t dem Mann seine Ruhe. Sollten sich einige von Euch nicht langsam ankleiden?� Z�gernd machten sie Platz, versuchten aber immer noch, die Vorg�nge im Zimmer zu beobachten, bis Moiraine herauskam.</p><p>�W�rdet Ihr uns bitte verlassen?� sagte die Aes Sedai, w�hrend die demolierte T�r hinter ihr zukrachte. Sie warf einen Seitenblick �ber die Schulter, wobei sich ihr Mund irritiert verzog. �Ich mu� mit Rand al'Thor allein sprechen.� Die Aielfrauen nickten und gingen zur T�r. Einige rissen noch Witze dar�ber, ob Melindhra � wie es schien eine Shaido; Rand wu�te nicht, ob das Mat klar sei � Mat das Singen beibringen werde. Was immer das auch bedeuten mochte.</p><p>Rand hielt Adelin mit einer Hand auf ihrem nackten Arm zur�ck. Andere bemerkten das und blieben auch stehen. So wandte er sich an sie alle: �Wenn Ihr nicht geht, wenn ich es Euch sage, was tut Ihr dann, wenn ich Euch in die Schlacht f�hren mu�?� Er hatte das nicht vor, falls es sich vermeiden lie�. Er wu�te wohl, da� sie wilde Kriegerinnen waren, doch man hatte ihn in dem Glauben gro�gezogen, da� ein Mann sich im Notfall f�r eine Frau t�ten lassen m�sse. Die Logik lie� das vielleicht t�richt erscheinen, besonders, wenn es um Frauen wie diese ging, aber so empfand er eben. Allerdings durfte er ihnen das nicht sagen. �Werdet Ihr das dann f�r einen Scherz halten oder Euch einfach entschlie�en, zu k�mpfen, wann es Euch pa�t?�</p><p>Sie blickten ihn so konsterniert an wie jemanden, der nicht einmal die einfachsten Dinge zu verstehen in der Lage war. �Im Tanz der Speere�, sagte Adelin zu ihm, �folgen wir Euren Anweisungen, aber hier handelt es sich nicht um den Tanz. Au�erdem habt Ihr uns nicht befohlen, zu gehen.�</p><p>�Selbst der <emphasis>Car'a'carn</emphasis> ist kein Feuchtl�nder-K�nig�, f�gte eine grauhaarige Tochter hinzu. Sie wirkte trotz ihres Alters sehnig und hart und trug nur ein kurzes Unterhemd und ihre Schufa. Von diesem Spruch hatte er so langsam die Nase voll.</p><p>Die T�chter nahmen ihr Scherzen wieder auf, als sie ihn mit Moiraine und Lan allein lie�en. Endlich steckte der Beh�ter sein Schwert weg und wirkte wieder so entspannt, wie das bei ihm nur der Fall sein konnte. Das hie�, so reglos und ruhig wie sein Gesicht, das im Mondschein wie aus Stein gemei�elt erschien, doch mit einer Haltung, als k�nne er jeden Moment explodieren. Sogar die Aiel wirkten zahm dagegen. Eine geflochtene Lederschnur hielt Lans an den Schl�fen ergrautes Haar zur�ck. Sein Blick h�tte einem blau�ugigen Falken gut gestanden.</p><p>�Ich mu� mit Euch �ber...�, begann Moiraine.</p><p>�Wir k�nnen uns morgen unterhalten�, schnitt ihr Rand das Wort ab. Lans Gesichtsausdruck verh�rtete sich noch mehr, falls das �berhaupt m�glich war. Beh�ter waren allzeit darauf eingestellt, ihre Aes Sedai � sowohl deren Rang wie auch deren Person � noch aufmerksamer zu besch�tzen als sich selbst. Rand beachtete Lan aber nicht. Er h�tte sich am liebsten noch immer der Schmerzen an seiner Seite wegen zusammengekr�mmt, doch es gelang ihm, sich aufrecht zu halten. Er wollte ihr gegen�ber keine Schw�che zeigen. �Falls Ihr glaubt, ich werde Euch helfen, Mat diesen Fuchskopf abzuluchsen, habt Ihr euch get�uscht.� Irgendwie hatte das Medaillon ihr Machtgewebe abgeblockt. Oder zumindest hatte es verhindert, da� ihr Gebrauch der Macht Mat beeinflu�te, w�hrend es ihn ber�hrte. �Er hat einen bitteren Preis daf�r bezahlt, Moiraine, und es geh�rt ihm.� Er mu�te daran denken, wie sie ihm mit Hilfe der Macht einen Schlag auf die Schulter versetzt hatte, und so f�gte er trocken hinzu: �Vielleicht frage ich ihn, ob er es mir borgen kann.� Er wandte sich von ihr ab. Er mu�te sich noch um jemand anderen k�mmern, obwohl es jetzt so oder so nicht mehr dringlich war, denn mittlerweile durften die Schattenhunde wohl ihre Aufgabe erf�llt haben.</p><p>�Bitte, Rand�, sagte Moiraine, und das offene Flehen in ihrem Tonfall lie� ihn auf der Stelle stehenbleiben. So etwas hatte er noch niemals von ihr vernommen.</p><p>Der Tonfall schien Lan aufzuregen. �Ich dachte, aus Euch sei ein Mann geworden�, sagte der Beh�ter grob. �Benimmt sich ein Mann so? Ihr verhaltet Euch wie ein arroganter L�mmel.� Lan �bte st�ndig mit ihm den Schwertkampf � und er mochte ihn, wie Rand glaubte �, doch wenn Moiraine es befahl, w�rde der Beh�ter sein Bestes geben, ihn zu t�ten.</p><p>�Ich werde schlie�lich nicht immer bei Euch bleiben�, sagte Moiraine eindringlich. Ihre H�nde hatte sie derart in den Rock verkrampft, da� sie zitterten. �Ich k�nnte doch schon beim n�chsten Angriff sterben. Ich k�nnte vom Pferd st�rzen und mir den Hals brechen oder den Pfeil eines Schattenfreunds ins Herz bekommen, und vom Tod kann mich niemand heilen. Ich habe mein ganzes Leben der Suche nach Euch gewidmet, Euch zu finden und zu helfen. Ihr kennt Eure eigene St�rke immer noch nicht und Ihr wi�t in der H�lfte aller F�lle nicht, was Ihr tut. Ich... bitte Euch... inst�ndigst um Verzeihung f�r alles, was ich Euch angetan habe.� Diese Worte � Worte, die er nie von ihr zu h�ren erwartet hatte � brachte sie schleppend und z�gernd heraus, doch sie sprach sie aus, und sie konnte nicht l�gen. �La�t mich Euch helfen, so gut ich kann, solange ich noch die M�glichkeit dazu habe. Bitte.�</p><p>�Es f�llt schwer, Euch zu vertrauen, Moiraine.� Er achtete nicht auf Lan, der sich im Mondschein leicht bewegte, und all seine Aufmerksamkeit galt ihr. �Ihr habt mich wie eine Marionette gef�hrt, mich tanzen lassen, wie es Euch gefiel, vom Tage an, als wir uns kennenlernten. Die einzigen Gelegenheiten, bei denen ich frei von Euch war, ergaben sich entweder, wenn Ihr fern von mir wart oder wenn ich Euch einfach ignorierte. Und selbst das macht Ihr mir sehr schwer.�</p><p>Ihr Lachen klang so silbern wie der Mond am Himmel, doch es war von Bitterkeit getr�bt. �Es war eher wie ein Ringkampf mit einem B�ren, als die F�den an einer Marionette zu ziehen. Wollt Ihr meinen Eid, da� ich Euch nicht zu manipulieren versuche? Ich leiste ihn f�r Euch.� Ihre Stimme verh�rtete sich zu Kristall. �Ich schw�re sogar, Euch zu gehorchen wie eine der T�chter � wie eine der <emphasis>Gai'schain,</emphasis> wenn Ihr das verlangt � aber Ihr m��t...� Sie unterbrach sich, atmete tief durch und begann erneut, diesmal leiser: �Ich <emphasis>bitte</emphasis> Euch inst�ndig, mir zu gestatten, Euch zu helfen.�</p><p>Lan sah sie mit gro�en Augen an, und Rand hatte das Gef�hl, ihm selbst fielen fast die Augen aus dem Kopf. �Ich werde Eure Hilfe annehmen�, sagte er dann bed�chtig. �Und ich bitte Euch um Verzeihung f�r all meine Grobheit und Unh�flichkeit.� Er hatte immer noch das Gef�hl, manipuliert zu werden, denn er hatte gute Gr�nde f�r seine Grobheit gehabt, wenn er sich dazu hinrei�en lie�, aber sie konnte nicht l�gen.</p><p>Ihre innere Anspannung lie� sp�rbar nach. Sie trat n�her an ihn heran und blickte zu ihm auf. �Was Ihr ben�tzt habt, um die Schattenhunde zu t�ten, nennt man Baalsfeuer. Ich kann die Reste immer noch hier drinnen f�hlen.� Er auch. Es war wie der langsam verfliegende Duft nach einem Apfelauflauf, der bereits aus dem Zimmer getragen worden war, oder die Erinnerung an etwas, das gerade au�er Sicht gekommen war. �Der Gebrauch von Baalsfeuer ist schon seit der Zeit vor der Zerst�rung der Welt verboten. Die Wei�e Burg verbietet uns sogar, es auch nur zu erlernen. Im Krieg um die Macht haben selbst die Verlorenen und die Schattenverschworenen das Baalsfeuer nur z�gernd angewandt.�</p><p>�Verboten?� sagte Rand mit einem Stirnrunzeln. �Ich habe aber gesehen, wie Ihr es einmal ben�tzt habt.� Er konnte sich im blassen Mondschein nicht ganz sicher sein, glaubte aber zu sehen, wie sich ihre Wangen flammend rot �berzogen. Dieses eine Mal hatte er sie wohl aus dem Gleichgewicht gebracht, ertappt.</p><p>�Manchmal ist es notwendig, etwas Verbotenes zu tun.� Falls sie sich ertappt f�hlte, zeigte sich das nicht in ihrer Stimme. �Wenn etwas mit Baalsfeuer zerst�rt wird, h�rt es bereits <emphasis>vor</emphasis> dem Augenblick der Zerst�rung auf zu existieren, wie ein Faden, der von der Stelle verbrennt, an der ihn die Flamme ber�hrt hat. Je st�rker das Baalsfeuer, desto weiter r�ckw�rts in der Zeit h�rt das Ziel zu existieren auf. Das St�rkste, was ich fertigbringe, entfernt nur ein paar Sekunden aus dem Muster. Ihr seid viel st�rker. Sehr viel st�rker.�</p><p>�Aber wenn es nicht existiert, <emphasis>bevor</emphasis> Ihr es vernichtet...� Rand fuhr sich verwirrt mit den Fingern durchs Haar.</p><p>�So beginnt Ihr nun, die Probleme und die Gefahren zu sehen? Mat erinnert sich daran, wie einer der Schattenhunde durch die T�r bi�, aber es gibt kein Loch mehr. H�tte der so stark auf ihn gegeifert, wie er in seiner Erinnerung glaubt, w�re er tot gewesen, bevor ich ihn erreichte. Denn in dem Moment, als Ihr die Bestie vernichtet habt, existierte nichts mehr von dem, was im gleichen Augenblick geschehen war. Nur die Erinnerungen daran sind noch da bei denen, die es sahen oder am eigenen Leib erlebten. Nur das, was es zuvor angerichtet hatte, ist auch jetzt noch Wirklichkeit. Ein paar Zahnl�cher in der T�r und ein Tropfen Speichel auf Mats Arm.�</p><p>�Das klingt doch ganz gut�, sagte er. �Mat lebt aus diesem Grunde noch.�</p><p>�Es ist schrecklich, Rand.� Ihre Stimme wurde noch eindringlicher. �Warum, glaubt Ihr, hatten selbst die Verlorenen Angst davor, es zu ben�tzen? Denkt an die Wirkung auf das Muster, wenn man aus nur einem einzigen Faden, dem Leben eines Menschen, Stunden oder Tage entfernt, die bereits gewoben wurden, als ziehe man Teile eines Fadens aus einem St�ck Stoff heraus. Bruchst�cke von Manuskripten aus dem Krieg um die Macht sagen aus, da� mehrere St�dte mit Baalsfeuer vollst�ndig vernichtet wurden, bevor beiden Seiten die Gefahr bewu�t wurde. Hunderttausende von F�den wurden aus dem Muster gerissen, alles ausradiert, was in den letzten Tagen mit ihnen geschehen war. Was diese Menschen getan hatten, war nun pl�tzlich nicht mehr getan, und keinem n�tzte mehr, was andere vollbracht hatten. Die Erinnerungen blieben, aber nicht die Handlungen. Die Wellen im Muster waren nicht mehr vorausberechenbar. Das ganze Muster h�tte sich beinahe aufgetrennt. Das h�tte die Vernichtung alles Bestehenden verursachen k�nnen: der Welt, der Zeit, selbst der Sch�pfung.�</p><p>Rand schauderte, und das hatte nichts mit der K�lte zu tun, die durch seinen Mantel drang. �Ich kann Euch nicht versprechen, da� ich es nicht mehr ben�tze, Moiraine. Ihr habt selbst gesagt, es gebe Zeiten, da es notwendig sei, das Verbotene zu tun.�</p><p>�Ich habe auch nicht geglaubt, da� Ihr das versprechen w�rdet�, sagte sie k�hl. Ihre Erregung verflog, und ihr seelisches Gleichgewicht war wiederhergestellt. �Aber Ihr m��t extrem vorsichtig sein.� Nun war sie wieder bei diesem �m��t� angelangt. �Mit Hilfe eines <emphasis>Sa'Angreal</emphasis> wie <emphasis>Callandor</emphasis> k�nntet Ihr eine ganze Stadt mit Baalsfeuer ausl�schen. Das Muster k�nnte auf Jahre hinaus gest�rt sein. Wer wei� schon, ob sich dann das Muster immer noch um Euch herum bilden w�rde, <emphasis>Ta'veren</emphasis> oder nicht, bis es sich wieder beruhigte? Doch gerade die Eigenschaft, ein <emphasis>Ta'veren</emphasis> zu sein und ein so starker noch dazu, k�nnte selbst in der Letzten Schlacht zum entscheidenden Vorteil werden.�</p><p>�Vielleicht wird es das�, sagte er d�ster. In ungez�hlten Heldenepen behauptete der Held, er wolle entweder den Sieg oder den Tod, aber nichts anderes. Wie es schien, war das Beste, das er sich erhoffen konnte, der Sieg <emphasis>und</emphasis> sein Tod. �Ich mu� nach jemandem sehen�, fuhr er ruhig fort. �Wir treffen uns am Morgen wieder.� So sammelte er die Macht in sich, Leben und Tod in wirbelnden Schichten, �ffnete ein Loch in der Luft, gr��er als er selbst war, einen Durchstieg in eine Dunkelheit, die den Mondschein wie helles Tageslicht erscheinen lie�. Ein Tor, wie Asmodean es einfach nannte.</p><p>�Was ist das?� Moiraine schnappte nach Luft.</p><p>�Sobald ich etwas einmal vollbracht habe, erinnere ich mich sp�ter daran, wie ich es anstellen mu�. Meistens jedenfalls.� Das war keine Antwort, aber es wurde Zeit, Moiraines Schw�re auf die Probe zu stellen. Sie konnte wohl nicht l�gen, aber eine Aes Sedai konnte selbst in einem Stein noch Schlupfl�cher finden. �Ihr werdet Mat heute nacht in Ruhe lassen. Und Ihr werdet nicht versuchen, ihm das Medaillon abzunehmen.�</p><p>�Es geh�rt in die Burg, um dort untersucht zu werden, Rand. Es mu� ein <emphasis>Ter'Angreal</emphasis> sein, aber man hat noch nie einen gefunden, der... �</p><p>�Was es auch sein mag�, sagte er energisch, �es geh�rt jedenfalls ihm. Ihr werdet es ihm lassen.�</p><p>Einen Augenblick lang schien sie mit sich zu ringen. Ihr R�cken versteifte sich, und sie hob den Kopf, um ihn trotzig anzublicken. Sie war es bestimmt nicht gewohnt, von jemand anderem au�er Siuan Sanche Befehle entgegenzunehmen, und Rand h�tte wetten k�nnen, da� sie auch der Amyrlin nicht ohne Widerstand gehorcht hatte. Schlie�lich nickte sie und machte sogar die Andeutung eines Knickses. �Wie Ihr w�nscht, Rand. Es geh�rt ihm. Seid bitte vorsichtig, Rand. Wenn man ganz allein etwas wie Baalsfeuer anzuwenden lernen will, kann das Selbstmord sein, und vom Tod kann man Euch nicht heilen.� Diesmal schwang kein Spott darin. �Bis zum Morgen.� Lan folgte ihr, als sie ging. Der Beh�ter warf Rand einen undurchschaubaren Blick zu. Ihm pa�te diese Wende im Verhalten Moiraines sicher nicht.</p><p>Rand trat durch das Tor, und es verschwand.</p><p>Er stand auf einer Scheibe, einer Kopie jenes uralten Symbols der Aes Sedai mit einem Durchmesser von sechs Fu�. Selbst die schwarze H�lfte schien allerdings heller zu sein als die endlose Dunkelheit, die ihn umgab, oben wie unten. Er war sich sicher: Fiele er, dann w�rde er f�r alle Ewigkeit fallen. Asmodean behauptete, es g�be eine schnellere Methode, einfach Reisen genannt, sich mit Hilfe der Tore fortzubewegen, aber er war nicht in der Lage gewesen, ihn darin zu unterweisen, teils, weil er durch Lanfears Abschirmung einfach nicht die Kraft dazu aufbringen konnte, ein Tor zu �ffnen. Auf jeden Fall war es beim Reisen dieser Art wichtig, seinen Ausgangspunkt ganz genau zu kennen. Ihm erschien es eigentlich logischer, da� man sein Ziel besonders gut kennen mu�te, aber Asmodean schien zu glauben, das sei, als ob man frage, warum die Luft nicht aus Wasser sei. Es gab eine ganze Menge, was Asmodean einfach f�r gegeben hinnahm. Jedenfalls war auch das Scheibenreiten schnell genug.</p><p>Sobald seine Stiefel festen Halt hatten, bewegte sich die Scheibe vielleicht einen Fu� weit vor und hielt an. Ein neues Tor �ffnete sich vor ihm. Schnell genug also, besonders bei einer solch geringen Entfernung. Rand trat in den Flur au�erhalb des Raums, in dem sich Asmodean aufhielt.</p><p>Der Mondschein, der durch die Fenster an beiden Endes des Flurs drang, war die einzige Beleuchtung. Asmodeans Lampe brannte nicht mehr. Die Str�nge, die er um das Zimmer verwoben hatte, waren noch da und fest verkn�pft.</p><p>Nichts r�hrte sich, aber der schwache Gestank nach brennendem Schwefel lag noch in der Luft. Er trat nahe an den Perlenvorhang heran und sp�hte durch den offenen Eingang. Mondschatten f�llten den Raum, aber einer davon war Asmodean, der sich in seinen Decken herumw�lzte. Ins Nichts geh�llt f�hlte Rand den Herzschlag des Verlorenen und roch den Schwei� beunruhigter Tr�ume. Er b�ckte sich und betrachtete die hellblauen Bodenfliesen und die Fu�abdr�cke darin.</p><p>Er hatte als Junge das Spurensuchen gelernt, und hier bereitete es ohnehin keine Schwierigkeiten. Drei oder vier Schattenhunde waren hiergewesen. Sie hatten sich einer nach dem anderen dem Eingang gen�hert. Wie es schien, war jeder beinahe in die Fu�stapfen des anderen getreten. Hatte sie dann das um den Raum gewebte Netz zur�ckgehalten? Oder waren sie lediglich ausgesandt worden, um zu beobachten und zu berichten? Es war beunruhigend, sich vorzustellen, da� sogar blo�e Schattenwesen wie diese eine solche Intelligenz besitzen sollten. Aber andererseits benutzten Myrddraal Raben und Ratten als Spione, und auch andere Tiere, die irgendwie mit dem Tod zu tun hatten. Schattenaugen nannten die Aiel solche Tiere.</p><p>Er webte d�nne Str�nge aus dem Element Erde, gl�ttete die Bodenfliesen und verwischte die Spuren. So gelangte er schlie�lich wieder hinaus auf die leere, nachtverh�llte Stra�e, und erst etwa hundert Schritt von dem hohen Geb�ude entfernt h�rte er auf. Am Morgen w�rde jeder die Spuren hier enden sehen, und niemand w�rde vermuten, da� sich die Schattenhunde Asmodean auch nur gen�hert hatten. Schattenhunde konnten ja wohl kein Interesse an Jasin Natael, dem Gaukler, haben.</p><p>Wahrscheinlich war mittlerweile jede Tochter des Speers in der Stadt aufgewacht. Unter dem Dach der T�chter schlief jedenfalls mit Sicherheit niemand mehr. Er schuf ein neues Tor gleich �ber der Stra�e, tiefere Dunkelheit als selbst in dieser Nacht, und lie� sich von der Scheibe zum eigenen Zimmer zur�cktragen. Er fragte sich, wieso er sich gerade f�r das uralte Symbol entschieden hatte. Nat�rlich war es, wenn auch unbewu�t, seine Entscheidung gewesen. Bei anderen Gelegenheiten war es eine Treppenstufe gewesen oder ein St�ck des Fu�bodens. Die Schattenhunde waren vor diesem Zeichen zerflossen, bevor sie sich neu bildeten. <emphasis>Unter diesem Zeichen wird er erobern.</emphasis></p><p>Er stand in seinem pechschwarzen Schlafgemach und ben�tzte die Macht, um die Lampen zu entz�nden. <emphasis>Saidin</emphasis> lie� er nicht fahren. Statt dessen ben�tzte er die Macht weiter, wenn auch vorsichtig, um keine der eigenen Fallen auszul�sen, und ein Teil der einen Wand verschwand. Dahinter befand sich eine Nische, die er selbst dort geschaffen hatte.</p><p>In der kleinen Nische standen zwei jeweils einen Fu� hohe Figuren, ein Mann und eine Frau, jede mit flie�enden Gew�ndern angetan und mit ernstem Gesichtsausdruck, und jede hielt eine Kristallkugel mit einer Hand empor. Er hatte Asmodean in bezug auf die beiden angelogen.</p><p>Es waren <emphasis>Angreal</emphasis> wie der rundliche kleine Mann in Rands Manteltasche, und <emphasis>Sa'Angreal</emphasis> wie <emphasis>Callandor,</emphasis> die die Energiemenge erheblich vergr��ern konnten, wenn er das brauchte. Mit einem davon beherrschte man soviel mehr der Macht einem <emphasis>Angreal</emphasis> gegen�ber, wie mit diesem einem Menschen gegen�ber, der allein die Macht lenken mu�te. Beides war sehr selten zu finden und �u�erst begehrt bei den Aes Sedai, obwohl sie nur diejenigen identifizieren konnten, die mit Frauen und damit <emphasis>Saidar</emphasis> verbunden waren. Diese beiden kleinen Standbilder waren allerdings etwas anderes, nicht ganz so selten, aber genauso wertvoll. Man hatte <emphasis>Ter'Angreal</emphasis> angefertigt, um mit ihrer Hilfe die Macht zu ben�tzen und nicht zu verst�rken, und zwar auf ganz bestimmte Weise zu ben�tzen. Die Aes Sedai kannten die richtige Anwendung der meisten in der wei�en Burg gesammelten <emphasis>Ter'Angreal</emphasis> nicht. Ein paar ben�tzten sie, aber sie wu�ten dabei noch nicht einmal, ob der Zweck, den sie damit verfolgten, auf irgendeine Weise dem urspr�nglich vorgesehenen glich. Rand jedenfalls kannte die Funktion dieser beiden.</p><p>Die m�nnliche Figur konnte ihn an die eigene riesenhafte Nachbildung anschlie�en, den m�chtigsten jemals geschaffenen <emphasis>Sa'Angreal,</emphasis> selbst wenn er sich auf der anderen Seite des Aryth-Meeres befand. Er war erst fertiggestellt worden, nachdem man das Gef�ngnis des Dunklen K�nigs wieder versiegelt hatte � <emphasis>Woher wei� ich das?</emphasis> �, und dann verborgen worden, bevor einer der m�nnlichen Aes Sedai ihn von seinem Wahn umnachtet finden konnte. Die weibliche Figur tat dasselbe f�r eine Frau und schlo� sie an das weibliche �quivalent der gro�en Statue an, von der er hoffte, da� sie immer noch in Cairhien fast ganz unter der Erde verborgen sei. Mit soviel Macht... Moiraine hatte behauptet, vom Tod k�nne man niemanden heilen.</p><p>Ungebeten und unerw�nscht tauchte wieder die Erinnerung an das vorletzte Mal in ihm auf, als er gewagt hatte, <emphasis>Callandor</emphasis> zu ben�tzen. Die Bilder schwebten jenseits des Nichts.</p><p>Der K�rper des dunkelhaarigen M�dchens, wenig mehr als ein Kind, lag ausgestreckt und mit weit aufgerissenen, starren, zur Decke gerichteten Augen vor ihm. �ber der Brust war ihr Kleid schwarz von Blut, wo sie der Trolloc durchbohrt hatte. Die Macht erf�llte ihn. <emphasis>Callandor</emphasis> glei�te und er war die Macht. Er lenkte sie, lie� Str�nge in den K�rper des Kindes gleiten, suchte, probierte, unbeholfen... Sie zuckte hoch, kam auf die Beine. Arme und Beine waren unnat�rlich steif und bewegten sich nur ruckartig.</p><p>�Rand, das k�nnt Ihr nicht tun!� schrie Moiraine. �Nicht!�</p><p>Atmen. Sie mu�te atmen. Die Brust des M�dchens hob und senkte sich. Herz. Mu�te schlagen. Blut, bereits z�hfl�ssig und dunkel, quoll aus der Wunde in ihrer Brust. <emphasis>Lebe, verdammt noch mal!</emphasis> heulte sein Verstand auf. <emphasis>Ich wollte nicht zu sp�t kommen!</emphasis> Ihre Augen starrten ihn an, glasig, die in ihm tobende Macht mi�achtend. Leblos. Tr�nen rannen ihm unbeachtet �ber die Wangen.</p><p>Er schob die Erinnerungen grob beiseite. Selbst in das Nichts eingeh�llt schmerzten sie. Mit soviel Macht... Mit soviel Macht konnte man ihm nicht mehr trauen. �Ihr seid nicht der Sch�pfer�, hatte ihm Moiraine gesagt, als er sich �ber dieses Kind beugte. Doch mit Hilfe dieser m�nnlichen Figur, mit lediglich der H�lfte deren Macht, hatte er einmal sogar die Berge bewegt. Mit viel weniger, nur mit <emphasis>Callandor</emphasis> allein, war er sicher gewesen, das Rad zur�ckdrehen zu k�nnen und ein totes Kind wieder zum Leben zu erwecken. Nicht nur die Eine Macht selbst war verf�hrerisch, nein, auch die blo�e Energie darin verf�hrte schon. Er sollte eigentlich beide Figuren vernichten. Statt dessen verwob er die Str�nge wieder und aktivierte die Fallen erneut.</p><p>�Was machst du da?� fragte eine Frauenstimme, als die Wand offensichtlich wieder vollst�ndig war.</p><p>Er band die Str�nge hastig ab und auch den Knoten, der seine eigenen t�dlichen �berraschungen barg, sog die Macht in sich auf und drehte sich um.</p><p>Neben Lanfear in Silber und Wei� w�rden selbst Elayne, Min oder Aviendha eher unauff�llig wirken. Ihre dunklen Augen allein k�nnten einen Mann dazu bringen, seine Seele daf�r zu geben. Bei ihrem Anblick verkrampfte sich sein Magen, als m�sse er sich �bergeben.</p><p>�Was w�nscht Ihr?� wollte er wissen. Einmal hatte er sowohl Egwene wie auch Elayne gleichzeitig von der Wahren Quelle abgeschirmt, aber er erinnerte sich nicht mehr daran, wie er das fertiggebracht hatte. Solange Lanfear die Quelle ber�hren konnte, hatte er nicht mehr Chancen, sie gefangenzunehmen, als den Wind mit den H�nden einzufangen. <emphasis>Ein Strahl Baalsfeuer, und...</emphasis> Er brachte es nicht fertig. Sie war eine der Verlorenen, aber die Erinnerung an den Kopf einer Frau, der �ber den Boden rollte, l�hmte ihn.</p><p>�Du hast zwei davon�, sagte sie schlie�lich. �Ich glaubte, sie gesehen zu haben... Die eine ist eine Frau, nicht wahr?� Ihr L�cheln konnte einem Mann das Herz stillstehen lassen, und er w�re dabei noch gl�cklich gewesen. �Du f�ngst an, dich mit meinem Plan anzufreunden, ja? Mit diesen beiden zusammen werden die anderen Auserw�hlten zu unseren F��en knien. Wir k�nnen selbst den Gro�en Herrn damit herausfordern, vielleicht sogar den Sch�pfer. Wir...�</p><p>�Du warst immer schon ehrgeizig, Mierin.� Seine Stimme klang h��lich in den eigenen Ohren. �Warum glaubst du, habe ich dich verlassen? Es war nicht Ilyenas Schuld, was du auch glauben willst. Du warst nicht mehr in meinem Herzen, lange bevor ich sie kennenlernte. Du bestehst nur aus Ehrgeiz. Macht ist alles, was du willst. Du ekelst mich an!�</p><p>Sie starrte ihn an, beide H�nde mit aller Kraft auf die Magengegend gepre�t, und ihre dunklen Augen waren noch gr��er als sonst schon. �Graendal sagte...�, begann sie mit schwacher Stimme. Sie schluckte und fing noch einmal an: �Lews Therin? Ich liebe dich, Lews Therin. Ich habe dich immer geliebt und ich werde dich immer lieben. Das wei�t du. Du mu�t es wissen!�</p><p>Rands Gesicht war wie ein Steinblock; er hoffte, die steinerne Miene werde sein Erschrecken verbergen. Er hatte keine Ahnung, woher diese Worte gekommen waren, aber ihm schien, er k�nne sich von fr�her an sie erinnern. Eine blasse Erinnerung von fr�her her. <emphasis>Ich bin nicht Lews Therin Telamon!</emphasis> �Ich bin Rand al'Thor!� sagte er mit rauher Stimme.</p><p>�Nat�rlich bist du das.� Sie musterte ihn und nickte bed�chtig in sich hinein. Ihre k�hle Beherrschtheit kehrte zur�ck. �Nat�rlich. Asmodean hat dir Sachen erz�hlt �ber den Krieg um die Macht und �ber mich. Er l�gt. Du hast mich geliebt. Bis diese blondhaarige Schlampe Ilyena dich mir gestohlen hat.� Einen Augenblick lang verzerrte die Wut ihr Gesicht. Er glaubte nicht, da� sie sich �berhaupt dar�ber im klaren sei. �Hast du gewu�t, da� Asmodean seine eigene Mutter von der Macht abgeschnitten hat? Was man jetzt als D�mpfung bezeichnet. Hat sie ausgebrannt und dann schreiend von Myrddraal wegschleifen lassen. Kannst du einem solchen Mann trauen?�</p><p>Rand lachte laut los. �Nachdem ich ihn gefangen hatte, habt Ihr mir geholfen, ihn zu fesseln, damit er mich unterrichtet. Und jetzt sagt Ihr, ich k�nne ihm nicht trauen?�</p><p>�Was das Unterrichten angeht, schon.� Sie schnaubte ver�chtlich. �Er spielt mit, weil er wei�, da� er endg�ltig auf dich angewiesen ist. Selbst wenn er die anderen davon �berzeugen kann, da� er lediglich ein Gefangener war, w�rden sie ihn immer noch zerrei�en, und das ist ihm klar. Das ist nun mal das Schicksal des schw�chsten Hundes in der Meute. Au�erdem �berwache ich manchmal seine Tr�ume. Er tr�umt davon, da� du den Gro�en Herrn besiegst und ihn auf einen hohen Rang neben dich erhebst. Manchmal tr�umt er auch von mir.� Ihr L�cheln sagte, da� diese Tr�ume angenehm f�r sie gewesen waren, aber nicht unbedingt f�r Asmodean. �Aber er wird versuchen, dich gegen mich aufzuhetzen.�</p><p>�Warum seid Ihr hier?� fragte er. Gegen sie aufhetzen? Zweifellos war sie im Moment �bervoll mit der Macht gef�llt und bereit, ihn sofort abzublocken, falls sie den Verdacht hatte, er wolle ihr etwas tun. Das hatte sie zuvor schon mit ern�chternder Leichtigkeit fertiggebracht.</p><p>�So gef�llst du mir. Arrogant und stolz und deiner eigenen St�rke bewu�t.�</p><p>Einst hatte sie gesagt, er gefalle ihr, wenn er unsicher sei, denn Lews Therin sei zu arrogant gewesen. �Warum seid Ihr hier?�</p><p>�Rahvin hat dir heute abend seine Schattenhunde geschickt�, sagte sie gelassen und faltete die H�nde auf H�fth�he. �Ich w�re fr�her gekommen, um dir zu helfen, aber ich kann die anderen noch nicht wissen lassen, da� ich auf deiner Seite bin.�</p><p>Auf seiner Seite. Eine der Verlorenen liebte ihn, oder besser, liebte den Mann, der er vor dreitausend Jahren gewesen war, und alles, was sie von ihm wollte, war, seine Seele dem Schatten zu verschreiben und die Welt zusammen mit ihr zu regieren. Oder zumindest eine Stufe unter ihr. Das, nun ja, und dann sollten sie noch den Dunklen K�nig und den Sch�pfer selbst verdr�ngen. War sie denn vollkommen verr�ckt geworden? Oder k�nnte es wirklich sein, da� diese beiden riesigen <emphasis>Sa'Angreal</emphasis> eine solche Macht ausstr�mten? Nein, in diese Richtung wollte er nicht weiterdenken.</p><p>�Warum sollte mich Rahvin ausgerechnet jetzt angreifen? Asmodean sagt, er verfolge seine eigenen Interessen und da� er sich, wenn er kann, sogar noch in der Letzten Schlacht zur�ckhalten und abwarten werde, bis mich der Dunkle K�nig vernichtet. Warum nicht Sammael oder Demandred? Asmodean meint, sie ha�ten mich.� <emphasis>Nicht mich. Sie hassen Lews Therin.</emphasis> Aber f�r die Verlorenen war es das gleiche. <emphasis>Bitte, Licht, ich bin Rand al'Thor.</emphasis> Er schob die pl�tzliche Erinnerung zur Seite, wie er diese Frau in seinen Armen hielt, wie sie beide jung gewesen waren und gerade gelernt hatten, was sie alles mit Hilfe der Macht erreichen konnten. <emphasis>Ich bin Rand al'Thor!</emphasis> �Warum nicht Semirhage oder Moghedien oder Graen...?�</p><p>�Aber jetzt stehst du in offenem Konflikt mit seinen Interessen.� Sie lachte. �Wei�t du nicht, wo er sich aufh�lt? In Andor, in Caemlyn selbst. Er regiert dort praktisch, wenn auch nicht offiziell. Morgase himmelt ihn an und tanzt f�r ihn � sie und noch ein halbes Dutzend andere.� Sie verzog angewidert den Mund. �Er l��t Stadt und Land von M�nnern nach weiteren h�bschen Spielzeugen absuchen.�</p><p>Einen Augenblick l�hmte ihn der Schreck. Elaynes Mutter in den H�nden eines der Verlorenen. Doch er wagte nicht, seine Anteilnahme zu zeigen. Lanfear hatte mehr als einmal vor Eifersucht gekocht. Sie war f�hig, Elayne zu suchen und zu t�ten, falls sie auch nur glaubte, er hege tiefere Gef�hle f�r sie. <emphasis>Was empfinde ich eigentlich f�r sie?</emphasis> Von dem allem abgesehen, blieb eine harte Tatsache au�erhalb des Nichts, kalt und grausam und gleichwohl wahr. Er w�rde nicht zuschlagen und Rahvin angreifen, auch wenn das stimmte, was Lanfear sagte. <emphasis>Vergib mir, Elayne, aber ich kann nicht.</emphasis> Vielleicht log sie ja auch. Sie w�rde keinem Verlorenen eine Tr�ne nachweinen, den er t�tete, denn alle standen ja ihren eigenen Pl�nen im Weg. Auf jeden Fall hatte er genug davon, auf das zu reagieren, was andere taten. Wenn er schon reagierte, dann sollten sie r�tseln, was er vorhatte. Dann sollten sie ruhig auf ihn reagieren und genauso �berrascht werden wie Lanfear und Asmodean.</p><p>�Glaubt Rahvin etwa, ich w�rde hineilen und Morgase verteidigen?� sagte er. �Ich habe sie gerade einmal im Leben gesehen. Die Zwei Fl�sse sind der Landkarte nach ein Teil Andors, aber ich habe dort noch nie einen Soldaten Andors gesehen. Da war generationenlang keiner mehr. Sagt einem Mann von den Zwei Fl�ssen, da� Morgase seine K�nigin sei, und er wird Euch m�glicherweise f�r verr�ckt halten.�</p><p>�Ich bezweifle, da� Rahvin glaubt, du w�rdest eilen, um dein Heimatland zu verteidigen�, sagte Lanfear trocken, �aber er d�rfte von dir erwarten, da� du deine ehrgeizigen Ziele verteidigst. Er will ja auch, da� Morgase auf dem Sonnenthron Cairhiens sitzt, damit er sie dort als Marionette ben�tzen kann, bis die Zeit kommt, da er offen die Macht �bernimmt. Jeden Tag r�cken mehr andoranische Soldaten in Cairhien ein. Und du hast Soldaten aus Tear nach Norden gesandt, um deine eigenen Anspr�che auf dieses Land zu sichern. Kein Wunder, da� er dich angriff, sobald er erfuhr, wo du dich aufh�ltst.�</p><p>Rand sch�ttelte den Kopf. Es war ganz und gar nicht so gewesen, wie sie sagte, als er die Tairener ausgesandt hatte, aber er konnte nicht erwarten, da� sie das verstand. Sie w�rde es auch nicht glauben, wenn er es ihr erkl�rte. �Ich danke Euch f�r die Warnung.� H�flichkeit einer der Verlorenen gegen�ber! Nat�rlich konnte er nichts anderes tun als hoffen, da� einiges von dem stimmte, was sie ihm gesagt hatte. <emphasis>Ein guter Grund, sie nicht zu t�ten. Sie wird dir mehr erz�hlen, als sie eigentlich will, wenn du nur richtig zuh�rst.</emphasis> Er hoffte, das sei sein ureigener Gedanke, auch wenn er kalt und zynisch war.</p><p>�Du schirmst deine Tr�ume gegen mich ab.�</p><p>�Gegen jeden.� Das war die simple Wahrheit, obwohl sie mindestens ebenso der Grund daf�r war wie die Neugier der Weisen Frauen.</p><p>�Tr�ume sind meine Angelegenheit. Du und deine Tr�ume ganz besonders.� Ihr Gesicht blieb unver�ndert, doch ihre Stimme wurde h�rter. �Ich kann deine Abschirmung durchbrechen. Das w�rde dir nicht gefallen.�</p><p>Um zu zeigen, wie wenig ihn das beeindruckte, setzte er sich auf das untere Ende seines Lagers, die Beine �bereinandergeschlagen und die H�nde auf den Knien. Er glaubte, sein Gesichtsausdruck sei bestimmt genauso ruhig wie der ihre. In ihm wallte die Macht auf. Er hielt Str�nge aus Luft bereit, um sie zu fesseln, und dazu Str�nge aus Geist. Die konnte man verwenden, um jemanden von der Wahren Quelle abzuschneiden. Er zermarterte sein Hirn, um darauf zu kommen, wie man das machte � au�erhalb der Blase des Nichts �, aber er w�rde sich sowieso nicht daran erinnern. Ohne das eine war das andere nutzlos. Sie konnte alles, was er webte, auseinandernehmen oder durchtrennen, auch wenn sie es nicht einmal sah. Asmodean bem�hte sich, ihm das auch beizubringen, aber das war sehr schwierig, wenn man keine Frau dabei hatte, an deren Gewebe man �ben konnte.</p><p>Lanfear musterte ihn leicht irritiert. Ein Stirnrunzeln minderte ihre Sch�nheit. �Ich habe die Tr�ume der Aielfrauen �berwacht. Dieser sogenannten Weisen Frauen. Sie k�nnen sich nicht sehr gut dagegen abschirmen. Ich k�nnte sie ja so erschrecken, da� sie nie wieder zu tr�umen wagen und ganz bestimmt nicht mehr daran denken, in deine Tr�ume einzudringen.�</p><p>�Ich dachte, Ihr wolltet mir nicht offen zur Hilfe kommen?� Er wagte nicht, ihr zu sagen, sie solle die Weisen Frauen in Ruhe lassen. Sonst unternahm sie vielleicht mit Absicht etwas gegen seinen Willen. Sie hatte ihm von Anfang an klargemacht, wenn auch nicht in Worten, da� sie ihnen gegen�ber die F�hrung nicht aus der Hand geben wolle. �W�rde das nicht das Risiko erh�hen, da� einer der anderen Verlorenen das herausfindet? Ihr seid nicht die einzige, die wei�, wie man sich in die Tr�ume anderer einschleicht.�</p><p>�Die Auserw�hlten�, verbesserte sie ihn geistesabwesend. Einen Moment lang kaute sie auf ihrer vollen Unterlippe herum. �Ich habe auch die Tr�ume des M�dchens beobachtet. Egwene. Ich hatte einst geglaubt, du hegtest Gef�hle f�r sie. Wei�t du, von wem sie tr�umt? Von Morgases Sohn und Stiefsohn. Am h�ufigsten von ihrem Sohn Gawyn.� L�chelnd spielte sie die Schockierte: �Man sollte ja nicht glauben, da� ein M�dchen vom Land solche Tr�ume hat!�</p><p>Sie wollte nur auf den Busch klopfen, ob er eifers�chtig sei, das war ihm klar. Sie glaubte am Ende wirklich, er verberge seine Tr�ume vor ihr, weil er von einer anderen Frau tr�umte! �Die T�chter des Speers bewachen mich gut�, sagte er d�ster. �Wenn Ihr wissen wollt, wie gut, dann seht Euch Isendres Tr�ume an.�</p><p>Rote Flecke erbl�hten auf ihren Wangen. Nat�rlich. Sie erwartete nicht, da� er durchschaute, was sie versuchte. Au�erhalb des Nichts wogte Verwirrung. Oder glaubte sie etwa...? Isendre? Lanfear wu�te, da� sie zu den Schattenfreunden geh�rte. Lanfear hatte Kadere und die Frau selbst in die W�ste geschickt. Und sie hatte Isendre den meisten Schmuck untergeschoben, dessen Diebstahls wegen die Frau verurteilt worden war. Selbst in Kleinigkeiten war Lanfears Rachsucht grausam. Doch wenn sie glaubte, er k�nne sie lieben, war die Tatsache, da� Isendre zu den Schattenfreunden geh�rte, in ihren Augen kein Hindernis.</p><p>�Ich h�tte sie wegschicken lassen sollen, damit sie versucht, die Drachenmauer zu erreichen�, sagte er, und es klang nebens�chlich. �Aber wer wei�, was sie ausgesagt h�tte, um sich zu retten? Ich mu� sie und Kadere in einem gewissen Ma�e decken, damit Asmodean sicher ist.�</p><p>Die R�te ihrer Wangen verflog, doch als sie gerade den Mund �ffnete, um zu antworten, klopfte es an die T�r.</p><p>Rand sprang auf. Niemand w�rde Lanfear erkennen, aber wenn man eine Frau in seinem Gemach entdeckte, noch dazu eine, die keine der T�chter ins Haus hatte hineingehen gesehen, w�rde man Fragen stellen, auf die er keine Antwort wu�te.</p><p>Lanfear hatte jedoch bereits ein Tor ge�ffnet. Dahinter war ein Raum voller wei�er Seidenbeh�nge und Silber sichtbar. �Denk daran, da� ich deine einzige echte Hoffnung aufs �berleben darstelle, mein Liebster.� Ihre Stimme klang allerdings schon ein wenig k�hl f�r eine solche Liebesbezeugung. �An meiner Seite hast du nichts zu bef�rchten. An meiner Seite kannst du herrschen � �ber alles, was ist oder was sein wird.� Sie hob ihren schneewei�en Rock an, trat hindurch, und das Tor verschwand augenblicklich.</p><p>Das Klopfen erklang erneut, bevor er in der Lage war, <emphasis>Saidin</emphasis> fahren zu lassen und die T�r aufzurei�en. Enaila blickte mi�trauisch an ihm vorbei und knurrte: �Ich dachte, da� vielleicht Isendre...� Sie blickte ihn anklagend an. �Die Speerschwestern suchen �berall nach Euch. Niemand sah Euch zur�ckkehren.� Kopfsch�ttelnd streckte sie sich. Sie bem�hte sich immer, so aufrecht wie m�glich zu gehen, um gr��er zu wirken. �Die H�uptlinge sind gekommen, um mit dem <emphasis>Car'a'carn</emphasis> zu sprechen�, sagte sie dann ganz f�rmlich. �Sie warten unten.�</p><p>Sie warteten unter den Arkaden, wie sich herausstellte. Sie waren ja M�nner und durften nicht hereinkommen. Der Himmel war noch dunkel, aber der erste Schimmer der Morgend�mmerung lie� die Umrisse der Berge im Osten hervortreten. Falls sie ob der beiden T�chter, die zwischen ihnen und dem hohen Tor standen, Ungeduld empfanden, zeigte sich das zumindest nicht auf ihren schattendunklen Gesichtern.</p><p>�Die Shaido r�cken aus�, platzte Han heraus, kaum da� Rand erschien. �Und die Reyn, die Miagoma, die Shiande... Jeder Clan!�</p><p>�Schlie�en sie sich Couladin an oder mir?� wollte Rand wissen.</p><p>�Die Shaido marschieren zum Jangai-Pa߫, sagte Rhuarc. �Bei den anderen ist es noch zu fr�h, um etwas Sicheres sagen zu k�nnen. Aber sie marschieren mit jedem Speer, den sie nicht brauchen, um die Festungen und die Herden zu verteidigen.�</p><p>Rand nickte nur. All seine Entschlossenheit, sich von niemandem etwas aufzwingen zu lassen, und nun dies. Was auch die anderen Clans im Schilde f�hrten � bei Couladin war klar, da� er den �bergang nach Cairhien plante. Da gingen nun seine hochfliegenden Pl�ne den Bach hinunter, den L�ndern den Frieden aufzuzwingen, falls die Shaido Cairhien noch weiter verw�steten, w�hrend er in Rhuidean sa� und auf die �brigen Clans wartete.</p><p>�Dann r�cken wir auch zum Jangai aus�, sagte er schlie�lich.</p><p>�Wir k�nnen ihn nicht einholen, falls er ihn �berqueren will�, warf Erim ein, und Han f�gte m�rrisch hinzu: �Wenn sich welche von den anderen ihm anschlie�en, werden wir zerquetscht wie eine Kette Blindw�rmer unter einem Stiefel.�</p><p>�Ich werde nicht hier herumsitzen, bis ich das sicher wei߫, sagte Rand. �Wenn ich Couladin schon nicht einholen kann, will ich doch wenigstens gleich hinter ihm nach Cairhien kommen. Weckt die Speere. Wir brechen so kurz nach Tagesanbruch auf, wie Ihr es erm�glichen k�nnt.�</p><p>Die H�uptlinge verbeugten sich auf diese eigenartige Weise, wie das die Aiel bei offiziellen Anl�ssen zu tun pflegten, der eine Fu� voraus und eine Hand ausgestreckt, und gingen dann. Nur Han sagte noch etwas: �Zum Shayol Ghul selbst.�</p></section><section><title><p>7</p><p>Ein Aufbruch</p></title><p>Egwene g�hnte in den grauenden Morgen hinein und zog sich m�de auf ihre nebelfarbene Stute hinauf. Sofort hatte sie M�he, ihr nerv�s t�nzelndes Reittier zu beruhigen. Das Tier war wochenlang nicht mehr geritten worden. Die Aiel bevorzugten nicht nur die eigenen Beine, sondern vermieden es fast immer, reiten zu m�ssen, obwohl sie Packpferde und Maultiere als Lastentr�ger ben�tzten. H�tten sie auch genug Holz besessen, um Wagen damit zu bauen, w�re trotzdem das Gel�nde in der W�ste nicht gerade f�r Wagenr�der geeignet. Das hatte schon mehr als ein H�ndler mit seinem Wagenzug zum eigenen Leidwesen erfahren m�ssen.</p><p>Sie freute sich nicht gerade auf den langen Ritt nach Westen. Die Berge hielten jetzt noch die Sonnenstrahlen zur�ck, aber die Hitze w�rde st�ndlich steigen, wenn die Sonne erst einmal �ber dem Horizont stand, und diesmal w�rde es kein sch�tzendes Zelt geben, in das sie nach Sonnenuntergang schl�pfen konnte. Sie war auch nicht sicher, ob die Aielkleidung f�r einen langen Ritt geeignet war. Der Schal, den sie um den Kopf gewickelt trug, hielt die dr�ckende Sonnenhitze �berraschend gut ab, aber wenn sie nicht vorsichtig war, w�rde dieser bauschige Rock beim Reiten st�ndig bis an ihre Schenkel hochrutschen. Dabei beunruhigte sie der Gedanke an die unvermeidlichen Brandblasen und den Sonnenbrand mindestens ebenso sehr wie die Tatsache, da� ihre Beine unanst�ndig entbl��t w�rden. <emphasis>Auf der einen Seite die Sonne, und...</emphasis> Ein Monat nicht mehr im Sattel h�tte nicht dazu f�hren d�rfen, da� sie derart verweichlichte. Hoffentlich war dem nicht so, denn sonst w�rde dies eine <emphasis>�u�erst</emphasis> lange Reise.</p><p>Sobald sie ihre Stute beruhigt hatte und sich umsah, bemerkte sie, da� Amys zu ihr her�berblickte. Sie tauschte ein kurzes L�cheln mit der Weisen Frau. Der Grund f�r ihre M�digkeit lag nicht in der Rennerei der vergangenen Nacht. Das hatte ihr h�chstens zu einem besseren Schlaf verholfen. Nein, sie hatte tats�chlich die Tr�ume dieser Frau letzte Nacht gefunden, und um das zu feiern, hatten sie im Traum in der Kaltfelsenfestung Tee miteinander getrunken, an einem fr�hen Abend, als die Kinder auf den Gartenterrassen spielten und eine angenehme Brise unter der sinkenden Sonne durch das Tal wehte.</p><p>Nat�rlich h�tte auch das nicht ausgereicht, um ihr den Rest der Nachtruhe zu rauben, aber als sie Amys' Traum verlie�, war sie in einer solchen Hochstimmung gewesen, da� sie nicht aufh�ren wollte, nicht aufh�ren konnte, gleich, was Amys dazu gesagt h�tte. �berall war sie von Tr�umen umgeben gewesen, obwohl sie bei den meisten nicht wissen konnte, wer sie eigentlich tr�umte. Bei den meisten, aber nicht bei allen. Melaine hatte davon getr�umt, ein Kind an der Brust zu stillen, und Bair von einem ihrer verstorbenen Ehem�nner, die beide einst jung und blond gewesen waren. Sie hatte sich allerdings besondere M�he gegeben, nicht in diese Tr�ume einzudringen, denn die Weisen Frauen h�tten sofort einen Eindringling erkannt, und sie schauderte, dachte sie daran, was sie mit ihr gemacht h�tten, bevor sie sie wieder zur�ckgeschickt h�tten.</p><p>Rands Tr�ume hatten nat�rlich eine Herausforderung dargestellt, und der konnte sie nicht widerstehen. Nach dem sie jetzt schon von Traum zu Traum flattern konnte, warum nicht versuchen, was die Weisen Frauen nicht geschafft hatten? Nur, der Versuch, seine Tr�ume zu betreten, war so ausgegangen, als renne sie mit voller Wucht, den Kopf voraus, gegen eine unsichtbare Mauer. Sie wu�te, da� auf der anderen Seite seine Tr�ume lagen, und sie war sicher, einen Weg hindurch finden zu k�nnen, aber sie hatte keinen Anhaltspunkt gefunden, nichts, was ihr eine L�cke ge�ffnet h�tte. Eine Mauer aus Nichts. Das war ein Problem, in das sie sich verbi�. Sie wollte es schaffen und w�rde bis dahin nicht aufgeben. Wenn sie sich einmal etwas vorgenommen hatte, war sie so hartn�ckig wie ein Dachs beim H�hlenbau.</p><p>Um sie herum huschten die <emphasis>Gai'schain</emphasis> und luden das gesamte Lager der Weisen Frauen auf die Mulis. In kurzer Zeit w�rde nur noch ein Aiel oder jemand, der genauso geschickt im Spurenlesen war, �berhaupt feststellen k�nnen, da� auf diesem Fleck sonnenverbrannten Lehmbodens Zelte gestanden hatten. Auch auf den sie umgebenden Abh�ngen spielte sich das gleiche ab, und das Durcheinander hatte selbst die Stadt erfa�t. Nicht jeder w�rde mitgehen, aber immerhin Tausende. Aiel dr�ngten sich auf den Stra�en, und Meister Kaderes Wagenzug stand in langer Reihe auf dem gro�en Platz, mit Moiraines ausgew�hlten St�cken beladen. Den Schlu� des Zugs bildeten die drei wei�gestrichenen Wasserwagen. Wie riesige F�sser auf R�dern standen sie hinter Maultiergespannen mit jeweils zwanzig Zugtieren. Kaderes eigener Wohnwagen an der Spitze der Karawane war ein kleines wei�es Haus auf R�dern mit Stufen an der R�ckseite und einem metallenen Schornsteinrohr, das aus dem flachen Dach aufragte. Der dicke H�ndler mit der Adlernase, heute in elfenbeinfarbene Seide gekleidet, nahm mit gro�er Geste seinen unglaublich zerbeulten Hut ab, als sie vorbeiritt. Seine dunklen, schr�ggestellten Augen teilten das breite L�cheln nicht, das er ihr zuwarf.</p><p>Sie ignorierte ihn kalt. Seine Tr�ume waren entschieden zu d�ster und unangenehm, wenn nicht auch noch l�stern. <emphasis>Man sollte seinen Kopf in ein ganzes Fa� mit Blaurippentee tauchen,</emphasis> dachte sie grimmig.</p><p>Sie n�herte sich dem Dach der T�chter und suchte sich ihren Weg zwischen den gesch�ftig umhereilenden <emphasis>Gai'schain</emphasis> und den geduldig dastehenden Mulis. Zu ihrer �berraschung trug eine der Gestalten, die das Gep�ck der T�chter des Speers aufluden, ein schwarzes Gewand anstatt eines wei�en. Der Gr��e nach mu�te es eine Frau sein. Sie wankte unter dem Gewicht eines gut verschn�rten B�ndels auf ihrem R�cken. Sie b�ckte sich im Vorbeireiten, um einen Blick unter die Kapuze der Frau werfen zu k�nnen, und erblickte Isendres verh�rmtes Gesicht. Schwei� rann der Frau bereits jetzt �ber die Wangen. Sie war froh, da� die T�chter ihr erspart hatten, mehr oder weniger nackt nach drau�en zu gehen, aber es erschien ihr auch unn�tig grausam, sie in Schwarz zu kleiden. Wenn sie jetzt schon derart schwitzte, w�rde sie beinahe umkommen, wenn die Hitze des Tages erst richtig zuschlug.</p><p>Trotzdem, die Angelegenheiten der <emphasis>Far Dareis Mai</emphasis> gingen sie nichts an. Das hatte ihr Aviendha sanft, aber entschieden beigebracht. Adelin und Enaila w�ren fast grob geworden deshalb, und eine drahtige, wei�haarige Tochter des Speers namens Sulin hatte ihr tats�chlich gedroht, sie an den Ohren zu den Weisen Frauen zur�ckzuschleifen. Trotz ihrer Anstrengungen, Aviendha davon abzuhalten, sie st�ndig als Aes Sedai anzureden, hatte es sie aufgeregt, da� sich nach einer Weile der Unsicherheit ihr gegen�ber der Rest der T�chter entschlossen hatte, sie lediglich als eine weitere Sch�lerin der Weisen Frauen zu behandeln. Sie lie�en sie noch nicht einmal ihr Dach betreten, wenn sie nicht behauptete, einen Auftrag erledigen zu m�ssen.</p><p>Die Schnelligkeit, mit der sie ihr Pferd weiter durch die Menge lenkte, hatte nichts damit zu tun, da� sie den Urteilsspruch der <emphasis>Far Dareis Mai</emphasis> akzeptierte oder mit dem kribbelnden Bewu�tsein, von den T�chtern beobachtet zu werden, zweifellos bereit, ihr einen Vortrag zu halten, falls sie sich h�tte einmischen wollen. Es hatte nicht einmal sehr viel mit ihrer Abneigung Isendre gegen�ber zu tun. Sie wollte gar nicht erst an den kurzen Eindruck von den Tr�umen dieser Frau denken, den sie empfand, bevor Cowinde kam, um sie zu wecken. Das waren Alptr�ume gewesen von Folter, von Dingen, die man dieser Frau antat und vor denen Egwene entsetzt floh, mit etwas Dunklem und B�sem im Hintergrund, das sich am�sierte, als sie davor weglief. Kein Wunder, da� Isendre abgeh�rmt wirkte. Egwene war so schnell aus dem Schlaf hochgeschreckt, da� Cowinde, die ihr eine Hand auf die Schulter legen wollte, erschrocken zur�ckgesprungen war.</p><p>Rand stand auf der Stra�e vor dem Dach der T�chter. Er trug bereits die Schufa als Sonnenschutz und einen blauseidenen Kurzmantel mit genug Goldstickerei, um in jeden Palast zu passen. Allerdings hatte er ihn vorn halb offen gelassen. Sein G�rtel wies eine neue Schnalle auf, ein kunstvoll geschmiedetes Ding in Form eines Drachen. Er fing wirklich an, sich etwas auf sich selbst einzubilden, das war offensichtlich. Er stand neben Jeade'en, seinem Apfelschimmelhengst, und unterhielt sich mit den Clanh�uptlingen und ein paar der Aielh�ndler, die in Rhuidean verbleiben w�rden.</p><p>Jasin Natael, der beinahe auf Rands Fersen trat, die Harfe auf dem R�cken und die Z�gel des gesattelten Maultiers, das er von Meister Kadere gekauft hatte, in der Hand, war sogar noch prachtvoller gekleidet. Silberstickereien bedeckten sein schwarzes Wams fast vollst�ndig, und an Kragen und Manschetten quollen jeweils wei�e Spitzen hervor. Selbst die Stiefel waren silberbeschlagen, wo sie am Knie heruntergeschlagen waren. Der Gauklerumhang mit seinen Flicken verdarb den Eindruck ein wenig, aber Gaukler waren eben ein seltsames Volk.</p><p>Die M�nner unter den H�ndlern trugen die <emphasis>Cadin'sor,</emphasis> und obwohl die Messer an ihren G�rteln k�rzer waren als bei den Kriegern, wu�te Egwene, da� sie alle gut mit dem Speer umzugehen wu�ten, wenn es notwendig war. Sie hatten etwas an sich von der t�dlichen Eleganz ihrer Br�der, die den Speer trugen. Die Frauen unter ihnen waren leichter von ihren k�mpfenden Schwestern zu unterscheiden, weil sie lose h�ngende, wei�e Blusen aus <emphasis>Algode</emphasis> und lange Wollr�cke trugen, dazu Kopft�cher und Schals. Abgesehen von den T�chtern und den <emphasis>Gai'schain</emphasis> �und Aviendha � sah man bei allen Aielfrauen unz�hlige Armreifen und Halsgeh�nge aus Gold und Elfenbein, Silber und Edelsteinen, manches davon aus der eigenen Herstellung, manches gekauft und viele als Beutest�cke mitgebracht. Diejenigen unter den Aielh�ndlern allerdings trugen noch mindestens doppelt soviel Schmuck wie die anderen Frauen.</p><p>Sie schnappte einen Teil dessen auf, was Rand den H�ndlern zu sagen hatte.</p><p>�... la�t den Steinmetzen der Ogier freie Hand, zumindest f�r einen Teil dessen, was sie erbauen. Soviel wie m�glich solltet Ihr selbst neu erschaffen. Es hat keinen Zweck, lediglich die Vergangenheit zu erhalten.�</p><p>Also lie� er sie Boten zum <emphasis>Stedding</emphasis> schicken, um Ogier f�r den Wiederaufbau Rhuideans zu gewinnen. Das war gut so. Vieles in Tar Valon war das Werk von Ogiern, und wo man es ihrem eigenen Urteil �berlie�, entstanden atemberaubende Bauwerke.</p><p>Mat sa� schon auf seinem Wallach Pips, hatte den breitrandigen Hut heruntergezogen und den Schaft seines eigenartigen Speers auf einen Steigb�gel gest�tzt. Wie �blich wirkte sein hochgeschlossener gr�ner Mantel, als habe er darin geschlafen. Sie hatte seine Tr�ume gemieden. Eine der T�chter, eine sehr gro�e Frau mit goldenem Haar, grinste Mat so spitzb�bisch an, da� es ihm offensichtlich peinlich war. Und das sollte es wohl auch sein; sie war viel zu alt f�r ihn. Egwene schnaubte. <emphasis>Ich wei� sehr wohl, wovon er tr�umte, danke sch�n!</emphasis> Sie lie� nur deshalb ihr Pferd neben seinem stehenbleiben, weil sie sich nach Aviendha umsah.</p><p>�Er hat ihr gesagt, sie solle ruhig sein, und sie hat ihm tats�chlich gehorcht�, sagte er, als ihre Stute stehenblieb. Er nickte in Richtung Moiraine und Lan. Sie war in hellblaue Seide gekleidet und hielt die Z�gel ihrer wei�en Stute fest in der Hand, und Lan stand in seinen Beh�terumhang geh�llt neben seinem gro�en, schwarzen Schlachtro�. Lan beobachtete Moiraine eindringlich, wie immer mit ausdrucksloser Miene, w�hrend sie aussah, als wolle sie vor Ungeduld platzen, und dabei Rand anfunkelte. �Sie hat angefangen, ihm zu erkl�ren, da� dies alles v�llig falsch sei. In meinen Ohren klang das, als habe sie es ihm schon hundertmal gesagt. Und er sagte einfach: �Ich habe die Entscheidung getroffen, Moiraine. Bleibt dort dr�ben und schweigt, bis ich Zeit f�r Euch habe.� Als erwarte er von ihr, da� sie gehorche. Und tats�chlich hat sie gehorcht! Ist das Dampf, was ihr aus den Ohren kommt?�</p><p>Sein schnaubendes Lachen klang so erfreut und so selbstgef�llig, da� sie beinahe <emphasis>Saidar</emphasis> ergriffen und ihm offen vor jedermann eine Lektion erteilt h�tte. Statt dessen schnaubte sie vernehmlich, laut genug jedenfalls, um ihm zu verstehen zu geben, da� es ihm galt und seinem �geistvollen� Humor. Er warf ihr einen am�sierten Seitenblick zu und schmunzelte erneut, was ihre Laune nicht gerade verbesserte.</p><p>Einen Augenblick lang sah sie erstaunt zu Moiraine hin�ber. Die Aes Sedai hatte getan, was Rand wollte? Ohne zu protestieren? Das war genauso, als gehorche eine der Weisen Frauen oder als gehe die Sonne um Mitternacht auf. Sie hatte nat�rlich von dem Angriff geh�rt. �berall waren heute morgen Ger�chte �ber riesige Hunde umgegangen, die ihre Fu�spuren auf Steinen hinterlie�en. Sie sah allerdings nicht ein, was das mit dem hier zu tun haben sollte, doch von den Nachrichten �ber die Shaido abgesehen war das das einzig wirklich Neue, und es reichte doch wohl nicht, um eine solche Reaktion hervorzurufen. <emphasis>Nichts</emphasis> von alledem, was ihr einfiel, w�rde Moiraine derart ver�ndern. Zweifellos w�rde sie ihr wieder sagen, es gehe sie nichts an, aber auf die eine oder andere Weise w�rde sie der Sache schon auf den Grund kommen. Es pa�te ihr nicht, Dinge nicht zu verstehen.</p><p>Sie entdeckte Aviendha, die auf der obersten Stufe der Treppe zum Dach der T�chter stand, und lenkte daraufhin ihr Pferd zur anderen Seite der Gruppe in Rands Umgebung. Die Aielfrau musterte ihn genauso eindringlich wie die Aes Sedai, doch in ihrem Gesicht stand nicht der geringste erkennbare Ausdruck. Sie drehte st�ndig an dem elfenbeinernen Armreif um ihr Handgelenk, spielte offensichtlich daran herum, ohne sich dessen bewu�t zu sein. Auf irgendeine Weise hatte dieser Armreif mit den Schwierigkeiten zu tun, die Aviendha mit Rand hatte. Egwene verstand das alles nicht. Aviendha weigerte sich, dar�ber zu sprechen, und jemand anderen konnte sie nicht dazu befragen, nicht, wenn es ihrer Freundin peinlich w�re. Ihr eigenes flammenverziertes Elfenbeinarmband war ein Geschenk von Aviendha, um ihren Bund als N�chstschwestern zu besiegeln. Als Gegengeschenk hatte sie der anderen Frau die silberne Halskette gegeben, die sie jetzt trug. Kadere hatte behauptet, sie sei nach einem Muster aus Kandor gearbeitet, das man als Schneeflocken bezeichnete. Sie hatte Moiraine um Geld daf�r bitten m�ssen, doch es war ihr passend erschienen f�r eine Frau, die niemals Schnee kennenlernen w�rde. Oder ihn nicht kennengelernt h�tte, w�rde sie jetzt nicht die W�ste verlassen. Sie w�rden wohl kaum vor Anbruch des Winters hierher zur�ckkehren. Was das Armband auch zu bedeuten hatte, Egwene vertraute ihrer Hartn�ckigkeit, herauszufinden, was es damit auf sich hatte.</p><p>�Geht es dir gut?� fragte sie. Als sie sich aus dem vorn und hinten hochgezogenen Sattel beugte, rutschte ihr Rock hoch, bis ihre Beine sichtbar waren, doch sie war so mit ihrer Freundin besch�ftigt, da� sie es kaum bemerkte.</p><p>Sie mu�te ihre Frage wiederholen, bevor Aviendha zusammenzuckte und zu ihr aufblickte. �Gut? Ja, sicher.�</p><p>�La� mich mit den Weisen Frauen sprechen, Aviendha. Ich bin sicher, ich kann sie �berzeugen, da� sie dich nicht einfach...� Sie brachte es nicht fertig, weiterzusprechen, jedenfalls nicht hier drau�en, wo jeder aus der Menge ihre Worte aufschnappen k�nnte.</p><p>�Machst du dir <emphasis>dar�ber</emphasis> immer noch Gedanken?� Aviendha r�ckte ihren grauen Schal zurecht und sch�ttelte leicht den Kopf. �Eure Sitten sind mir immer noch unverst�ndlich.� Ihr Blick wanderte zu Rand hin�ber wie Eisenfeilsp�ne, die von einem Magneten angezogen werden.</p><p>�Du mu�t keine Angst vor ihm haben.�</p><p>�Ich f�rchte �berhaupt keinen Mann�, fauchte die Freundin, und in ihren Augen blitzte gr�nes Feuer. �Ich will keinen Streit mit dir, Egwene, aber du solltest so etwas nicht sagen.�</p><p>Egwene seufzte. Freundin oder nicht, Aviendha war durchaus f�hig, ihr eins hinter die Ohren zu geben, wenn sie beleidigt genug war. Jedenfalls mochte es schon sein, da� auch sie so etwas nicht zugegeben h�tte. Aviendhas Traum war zu schmerzhaft gewesen, um lange darin zu verweilen. Nackt bis auf diesen elfenbeinernen Armreif, der an ihr zog, als w�ge er hundert Pfund, war Aviendha gerannt, so schnell sie ihre Beine �ber die rissige, festgebackene Lehmebene trugen. Und hinter ihr war Rand her, ein Gigant, zweimal so gro� wie ein Ogier, auf einem riesigen Jeade'en sitzend, und er holte langsam aber unaufhaltsam auf.</p><p>Doch man konnte einer Freundin nicht einfach sagen, da� sie l�ge. Egwenes Gesicht r�tete sich leicht. Besonders dann nicht, wenn man ihr sagen m��te, woher man das wu�te. <emphasis>Dann w�rde sie mir mit Sicherheit eins aufs Ohr geben. Ich mache es auch nicht wieder. In den Tr�umen anderer Menschen herumst�bern. Jedenfalls nicht in Aviendhas Tr�umen.</emphasis> Es war nicht recht, die Tr�ume einer Freundin auszuspionieren. Nun, es war eigentlich kein Spionieren, aber trotzdem...</p><p>Die Gruppe um Rand begann, sich aufzul�sen. Er schwang sich leichtf��ig in den Sattel, und Natael machte es ihm prompt nach. Eine der H�ndlerinnen, eine Frau mit breitem Gesicht und Feuerhaaren, die ein kleines Verm�gen an Goldschmiedearbeiten, Edelsteinen und Elfenbeinschnitzereien mit sich herumtrug, verharrte allerdings. <emphasis>�Car'a'carn,</emphasis> wollt Ihr das Dreifache Land f�r immer verlassen? Ihr habt gesprochen, als w�rdet Ihr niemals zur�ckkehren.�</p><p>Die anderen blieben bei diesen Worten stehen und wandten sich um. Stille breitete sich auf einer Welle des Gemurmels aus, weil jeder dem anderen schnell die Worte wiederholte. Auch Rand schwieg einen Moment lang und blickte sich unter den ihm zugewandten Gesichtern um. Schlie�lich sagte er: �Ich hoffe, zur�ckzukehren, aber wer wei� schon, was geschehen wird? Das Rad webt, wie es dem Rad gef�llt.� Er z�gerte. Aller Augen waren auf ihn gerichtet. �Aber ich werde Euch etwas zur�cklassen, das Euch an mich erinnern wird�, versprach er und steckte eine Hand in seine Manteltasche.</p><p>Mit einem Mal erwachte ein Brunnen nahe dem Dach der T�chter zum Leben. Wasser rauschte aus den M�ulern von auf ihren Schw�nzen stehenden Delphinen. Jenseits dieses Brunnens stand eine Statue von einem jungen Mann mit einem zum Himmel erhobenen Horn, und aus diesem scho� pl�tzlich eine Wasserfont�ne. Dann sprudelte Wasser aus den H�nden von zwei steinernen Frauen ein St�ck dahinter. In verbl�fftem Schweigen sahen die Aiel zu, wie aus allen Brunnen Rhuideans wieder Wasser str�mte.</p><p>�Das h�tte ich schon lange tun sollen.� Rands Murmeln war sicher nur f�r ihn selbst bestimmt gewesen, aber in dieser Stille konnte Egwene es ganz deutlich h�ren. Das einzige andere Ger�usch war das Sprudeln Hunderter von Brunnen. Natael zuckte die Achseln, als habe er nicht weniger erwartet.</p><p>Doch Egwene sah Rand an und nicht die Brunnen. Ein Mann, der die Macht ben�tzen konnte. <emphasis>Rand. Trotz allem ist er immer noch der alte Rand.</emphasis> Doch jedesmal, wenn sie ihn beim Gebrauch der Macht sah, war es, als werde ihr zum erstenmal klar, was er vollbringen konnte. Als sie aufwuchs, hatte man ihr beigebracht, da� man nur den Dunklen K�nig selbst mehr f�rchten m�sse als einen Mann, der mit der Macht umgehen konnte. <emphasis>Vielleicht hat Aviendha recht, wenn sie sich vor ihm f�rchtet.</emphasis></p><p>Aber als sie auf Aviendha niederblickte, strahlten offenes Staunen und Freude aus ihren Z�gen. Soviel Wasser entz�ckte eine Aielfrau genauso, wie das feinste Seidenkleid Egwene entz�ckt h�tte, oder ein Garten, voll der wunderbarsten Blumen.</p><p>�Es ist Zeit zum Abmarsch�, verk�ndete Rand, und er lenkte seinen Apfelschimmel westw�rts. �Jeder, der noch nicht fertig ist, wird uns sp�ter einholen m�ssen.� Natael folgte dicht hinter ihm auf seinem Muli. Warum erlaubte es Rand einem solchen Kriecher, in seiner N�he zu verweilen?</p><p>Die Clanh�uptlinge gaben augenblicklich Befehle aus, und das Gewirr verst�rkte sich um das Zehnfache. T�chter des Speers und Wassersucher eilten voraus, und weitere <emphasis>Far Dareis Mai</emphasis> schlossen als Ehrengarde einen Ring um Rand, der zuf�llig nun auch Natael einschlo�. Aviendha schritt neben Jeade'en gleich an Rands Steigb�gel und hielt leichtf��ig trotz ihres bauschigen Rocks mit dem Hengst Schritt.</p><p>Egwene ritt neben Mat und hinter Rand und seiner Eskorte mit. Sie runzelte die Stirn. Ihre Freundin blickte wieder so grimmig entschlossen drein, als m�sse sie ihren Arm in eine Schlangengrube legen. <emphasis>Ich mu� etwas unternehmen, um ihr zu helfen.</emphasis> Egwene gab kein Problem verloren, wenn sie sich einmal darin verbissen hatte.</p><p>Moiraine setzte sich im Sattel zurecht und t�tschelte Aldiebs stolz gekr�mmten Hals mit einer handschuhbedeckten Hand. Doch sie folgte Rand nicht sofort. Hadnan Kadere lie� nun seine Wagen auf die Stra�e hinausrumpeln. Er fuhr den F�hrungswagen selbst. Sie h�tte ihn zwingen sollen, auch den Aufbau dieses Wagens abzurei�en und statt dessen Ladung zu �bernehmen, genau wie bei dem zweiten Wohnwagen. Der Mann f�rchtete sie, f�rchtete die Aes Sedai, genug, um das tats�chlich zuzulassen. Der <emphasis>Ter'Angreal</emphasis> in Form eines T�rrahmens war im Wagen gleich hinter Kadere gut festgezurrt worden. Sie hatten eine Zeltplane so fest dar�bergezogen, da� nicht wieder jemand durch Zufall hineinfallen konnte. Eine lange Reihe von Aiel � <emphasis>Seia Doon,</emphasis> Schwarzaugen � schritt zu beiden Seiten der Wagenkarawane entlang.</p><p>Kadere verbeugte sich vom Kutschbock aus zu ihr hin und l�ftete seinen Hut, doch ihr Blick wanderte die ganze Reihe der Wagen entlang bis nach hinten zu dem gro�en Platz, der diesen Wald schlanker Glass�ulen umgab, die bereits im Morgensonnenschein glitzerten. Sie h�tte gern alles von diesem Platz mitgenommen und nicht nur den kleinen Bruchteil, der auf die Wagen pa�te. Einige St�cke waren zu gro�, wie beispielsweise die drei mattgrauen Metallringe, jeder mehr als zwei Schritt im Durchmesser, die auf der Kante standen und in der Mitte zusammengef�gt waren. Um sie herum hatte man ein geflochtenes Lederseil gespannt, um alle zu warnen, da� man diesen Bereich nur mit Genehmigung der Weisen Frauen betreten d�rfe. Nicht, da� irgend jemand es �berhaupt versuchen w�rde. Nur die Clanh�uptlinge und die Weisen Frauen betraten �berhaupt diesen Platz ohne Angst, und nur die Weisen Frauen ber�hrten irgend etwas dort, und das auch nur mit der geb�hrenden Ehrfurcht.</p><p>Ungez�hlte Jahre lang war es die zweite Pr�fung f�r eine Aielfrau gewesen, die zur Weisen Frau erhoben werden wollte, diese Anordnung funkelnder Glass�ulen zu betreten und dort genau dasselbe zu sehen wie die M�nner. Die Frauen �berlebten das h�ufiger als die M�nner. Bair sagte, Frauen seien einfach z�her, w�hrend Amys der Meinung war, da� bei den Frauen bereits vorher eine strengere Auslese getroffen worden sei. Aber sicher war das alles keineswegs. Diejenigen, die �berlebten, trugen keine besonderen Kennzeichen davon. Die Weisen Frauen behaupteten, nur M�nner ben�tigten sichtbare Zeichen. Einer Frau reichte es, �berlebt zu haben.</p><p>Die erste Pr�fung und damit die erste Auslese, bevor sie �berhaupt ausgebildet wurden, war gewesen, durch einen dieser drei Ringe zu treten. Es war gleich, durch welchen, oder vielleicht war es auch das Schicksal, das dar�ber entschied. Dieser Schritt f�hrte sie wieder und wieder durch ihr eigenes Leben. Ihre Zukunft lag ausgebreitet vor ihr, all die m�glichen Zuk�nfte, die von jeder Entscheidung abhingen, die sie den Rest ihres Lebens �ber traf. Auch der Tod war hier durchaus m�glich; manche Frauen konnten der Zukunft nicht ins Auge sehen, und manche nicht ihrer Vergangenheit. Nat�rlich war es f�r einen menschlichen Verstand zuviel, alle m�glichen Zukunftslinien zu behalten. Die meisten verschwammen miteinander und verblichen dann, aber eine Frau gewann doch einen gewissen �berblick �ber Dinge, die in ihrem Leben geschehen konnten, die geschehen w�rden oder auch mu�ten. F�r gew�hnlich war aber auch das verborgen, bis der Augenblick des Geschehens herannahte. Allerdings nicht immer. Moiraine war durch diese Ringe getreten.</p><p><emphasis>Ein L�ffel voll Hoffnung und ein Becher voll Verzweiflung,</emphasis> dachte sie.</p><p>�Es gef�llt mir nicht, Euch so zu sehen�, sagte Lan. Sowieso schon hochgewachsen und dann noch auf Mandarbs R�cken, blickte er auf sie herab, und Unruhe vertiefte die F�ltchen um seine Augen. Das bedeutete bei ihm mindestens soviel wie Tr�nen der Verzweiflung bei einem anderen Mann.</p><p>Aiel str�mten zu beiden Seiten an ihren Pferden vorbei und dazu <emphasis>Gai'schain</emphasis> mit Packtieren. Moiraine war �berrascht, zu bemerken, da� Kaderes Wasserwagen ebenfalls schon vorbeigerumpelt sein mu�ten. Es war ihr nicht bewu�t gewesen, da� sie so in den Anblick des Platzes versunken gewesen war.</p><p>�So? Was meint Ihr damit?� fragte sie, wobei sie ihre Stute wenden lie�, um sich dem Strom der Menschen anzuschlie�en. Rand und seine Eskorte hatten bereits die Grenze der Stadt �berschritten.</p><p>�Besorgt�, sagte er geradeheraus, und auf seinem aus Stein gemei�elten Gesicht zeigte sich kein Ausdruck mehr. �Voller Angst. Ich habe noch nie gesehen, da� Ihr vor etwas Angst hattet, auch nicht, als wir von Trollocs und Myrddraal �berrannt wurden, nicht einmal, als Ihr erfuhrt, da� die Verlorenen frei seien und Sammael uns beinahe schon erreicht hatte. Naht das Ende nun?�</p><p>Sie zuckte zusammen und verw�nschte das im selben Augenblick. Er blickte wohl �ber den Kopf seines Hengstes hinweg geradeaus nach vorn, doch dem Mann entging niemals etwas. Manchmal glaubte sie, er bemerke sogar ein Blatt, das hinter ihm vom Baum fiel. �Meint Ihr Tarmon Gai'don? Ein Rotkehlchen in Seleisin wei� genausoviel dar�ber wie ich. Das Licht gebe, da� es noch nicht soweit ist, da� noch immer alle Siegel halten.� Das paar Siegel, da� sie nunmehr in Besitz hatte, befand sich ebenfalls auf Kaderes Wagen, jedes einzeln verpackt in einer mit Wolle ausgestopften Kiste. Es war ein anderer Wagen als der mit dem Sandstein-T�rrahmen; darauf hatte sie pers�nlich geachtet.</p><p>�Was k�nnte ich sonst wohl meinen?� fragte er bed�chtig. Er sah sie noch immer nicht an, und sie h�tte sich auf die Zunge bei�en m�gen. �Ihr seid so... ungeduldig geworden. Ich erinnere mich daran, wie Ihr wochenlang auf eine einzige kleine Information gewartet habt, ein Wort nur, ohne auch nur mit der Wimper zu zucken, aber jetzt...� Nun blickte er sie an, und dieser Blick aus seinen blauen Augen h�tte die meisten Frauen eingesch�chtert. Und die meisten M�nner ebenso. �Der Eid, den Ihr dem Jungen geschworen habt, Moiraine. Was beim Licht hatte Euch da gepackt?�</p><p>�Er hat sich immer weiter von mir entfernt, Lan, und ich mu� ihm nahe sein. Er ben�tigt jedes bi�chen F�hrung, das ich ihm geben kann, und ich werde alles tun, au�er sein Bett mit ihm zu teilen, um ihm diese F�hrung zu geben.� Die Ringe hatten ihr gesagt, da� das zur Katastrophe f�hren w�rde. Nicht, da� sie jemals auch nur daran gedacht h�tte � selbst der blo�e Gedanke schockierte sie �, aber in den Ringen geh�rte es zu den Dingen, die sie sich in der Zukunft �berlegen k�nnte oder w�rde. Das war zweifellos ein sicheres Zeichen ihrer wachsenden Verzweiflung, und in den Ringen hatte sie gesehen, da� sie damit alles ruinieren w�rde � alles. Sie w�nschte, sie k�nne sich daran erinnern, auf welche Weise. In allem, was sie �ber Rand al'Thor in Erfahrung bringen konnte, lag ein weiterer Schl�ssel zu seiner Person. Doch nur die einfache Tatsache des drohenden Verh�ngnisses war ihr im Ged�chtnis geblieben.</p><p>�Vielleicht wird es Euch helfen, noch dem�tiger zu werden, wenn er Euch seine Pantoffeln holen und seine Pfeife anz�nden l��t.�</p><p>Sie blickte ihn mit gro�en Augen an. Sollte das ein Scherz gewesen sein? Wenn ja, am�sierte es sie �berhaupt nicht. Sie hatte noch niemals festgestellt, da� Demut in irgendeiner Situation half. Siuan behauptete, da� die Jugend im Sonnenpalast von Cairhien Moiraine einen tiefsitzenden Hochmut mitgegeben habe, den sie selbst �berhaupt nicht sehen k�nne � was diese energisch bestritt �, und schlie�lich war Siuan die Tochter eines Fischers aus Tear, die jeder K�nigin ins Auge blicken konnte und f�r die der Hochmut anderer lediglich Widerstand gegen ihre eigenen Pl�ne bedeutete.</p><p>Falls Lan tats�chlich zu scherzen versucht hatte, wenn auch nur ansatzweise und am Ziel vorbei, dann �nderte er sich offensichtlich. Beinahe zwanzig Jahre lang war er ihr gefolgt und hatte ihr Leben �fter gerettet, als sie noch z�hlen konnte, und das oft unter Einsatz seines eigenen Lebens. Immer hatte er sein eigenes Leben nur gering geachtet und nur deshalb f�r wertvoll, weil sie ihn brauchte. Manche behaupteten, er umwerbe den Tod wie ein Br�utigam die Braut. Sie hatte nie sein Herz besessen und war auch nie auf die Frauen eifers�chtig gewesen, die sich ihm zu F��en zu werfen schienen. Oft hatte er von sich gesagt, er habe kein Herz. Aber im vergangenen Jahr hatte er herausgefunden, da� er doch eines besa�, als eine Frau es an eine Schnur band und sich um den Hals h�ngte.</p><p>Er leugnete das nat�rlich ab. Nicht seine Liebe zu Nynaeve al'Vere, der ehemaligen Seherin aus dem Gebiet der Zwei Fl�sse und jetzigen Aufgenommenen in der Wei�en Burg, wohl aber, da� er sie jemals besitzen k�nne. Er besa� zwei Dinge, sagte er: ein Schwert, das nicht zerbrach, und einen Krieg, der nicht enden konnte. Niemals w�rde er diese Dinge einer Braut anbieten. Moiraine hatte da allerdings einiges bereinigt, doch er w�rde das nicht erfahren, bis alles vorbei war. Wenn er es erf�hre, w�rde er sehr wahrscheinlich versuchen, die Dinge zu �ndern, weil er eben ein so sturer Narr von Mann war.</p><p>�Dieses ausgetrocknete Land scheint daf�r gesorgt zu haben, da� die Demut in Euch verdorrt, al'Lan Mandragoran. Ich mu� Wasser auftreiben, damit sie wieder bl�ht.�</p><p>�Meine Demut hat eine rasiermesserscharfe Kante�, gab er trocken zur�ck. �Ihr habt sie nie stumpf werden lassen.� Er befeuchtete einen wei�en Schal aus seiner ledernen Wasserflasche und reichte ihr das nasse Tuch. Sie band es kommentarlos um ihre Stirn. Die Sonne stieg bereits �ber die Berge hinter ihnen, ein sengender Ball aus geschmolzenem Gold.</p><p>Die breite Kolonne wand sich die unfruchtbaren H�nge des Chaendaer empor. Das Ende der Kolonne befand sich noch in Rhuidean, als die Spitze bereits den Kamm �berquerte und sich hinunter in eine zerkl�ftete, h�gelige Ebene bewegte, auf der hier und da Felsnadeln und abgeflachte Spitzkegel standen. Die vorherrschenden Farben waren Rot und Ockergelb, dazu Grau und Braun. Die Luft war so klar, da� Moiraine viele Meilen weit sehen konnte, auch dann noch, als sie die H�nge des Chaendaer l�ngst verlassen hatten. Gro�e, von der Natur geformte Felstore ragten vor ihnen auf, und in jeder Himmelsrichtung griffen gezackte Berge mit wilden Fingern nach dem Himmel. Ausgetrocknete Wasserl�ufe und Senken spalteten ein Land, auf dem nur gelegentlich niedrige Dornb�sche und blattlose, d�rre Gew�chse auftauchten. Die seltenen B�ume waren wie verkr�ppelt, duckten sich am Boden und wiesen zumeist ebenfalls Dornen auf. Die Sonne verwandelte alles in einen Backofen. Ein hartes Land, das ein hartes Volk hervorgebracht hatte. Aber Lan war nicht der einzige, der sich �nderte oder der ver�ndert wurde. Sie w�nschte, sie k�nne vorhersehen, was Rand am Ende aus den Aiel machen w�rde. Sie alle hatten noch eine lange Reise vor sich.</p></section><section><title><p>8</p><p>Uber die Grenze</p></title><p>Nynaeve hielt sich krampfhaft mit einer Hand auf ihrem Platz im hinteren Teil des heftig schaukelnden Wagens fest, und mit der anderen sicherte sie ihren Strohhut, w�hrend sie zur�ckblickte, wo der tobende Staubsturm sich in der Ferne verlor. Die breite Krempe warf Schatten auf ihr Gesicht und sch�tzte sie gegen die morgendliche Hitze, doch der Fahrtwind, den der eilig dahinrumpelnde Karren erzeugte, h�tte ausgereicht, ihr den Hut vom Kopf zu wehen, und das trotz des dunkelroten Schals, den sie dar�bergezogen und unter ihrem Kinn verknotet hatte. Niedrige, grasbewachsene H�gel, auf denen hier und da etwas Gestr�pp dem Auge Halt bot, zogen an ihr vor�ber. Das Gras lag d�rr und sp�rlich unter der Hitze des Sp�tsommers. Der von den Wagenr�dern aufgewirbelte Staub nahm ihr gelegentlich etwas die Sicht und reizte sie zum Husten. Die wei�en Wolken am Himmel trogen. Es hatte schon seit der Zeit vor ihrer Abreise aus Tanchico nicht mehr geregnet, und das lag Wochen zur�ck. Es mu�te auch einige Zeit hersein, seit zuletzt Wagen �ber die breite, fr�her einmal vom Verkehr fest ausgefahrene Stra�e gerumpelt waren.</p><p>Kein Reiter tauchte aus diesem wie fest gemauerten Braun auf, und das konnte ihr nur recht sein. Ihr Zorn auf die Stra�enr�uber, die sie so kurz vor dem Verlassen des Wahnsinns, der sich in Tarabon abspielte, aufgehalten hatten, war verflogen, und solange sie nicht zornig war, konnte sie die Wahre Quelle nicht erreichen und somit die Macht nicht ben�tzen. Sie war allerdings selbst davon �berrascht worden, wie sie bei allem Zorn einen derartigen Sturm hatte erzeugen k�nnen. Sobald sie ihn einmal hochgepeitscht und mit ihrem Zorn erf�llt hatte, hatte er wie von selbst weitergew�tet. Auch Elayne war von dem Ausma� des Sturms �berrascht worden, aber dankenswerterweise hatte sie das Thom und Juilin gegen�ber nicht zugegeben. Doch trotz des st�ndigen Anwachsens ihrer Kraft, wie es ihre Lehrerinnen in der Burg vorhergesagt hatten, und von denen war keine stark genug, um so wie sie mit einem der Verlorenen fertigzuwerden, trotz dieser Steigerung also war sie noch immer auf ihren Zorn angewiesen und somit eingeschr�nkt. W�ren jetzt weitere Banditen aufgetaucht, h�tte Elayne ihnen allein gegen�bertreten m�ssen, und das wollte sie nicht. So war wohl ihr fr�herer Zorn verflogen, aber sie bem�hte sich, die n�chste Gef�hlsaufwallung vorzubereiten.</p><p>Sie kletterte m�hsam �ber die Zeltplane, die �ber eine ganze Ladung F�sser gespannt war, und langte hinunter nach einem der Wasserf�sser, die au�en an den Seitenw�nden des Wagens zusammen mit den Kisten, in denen sich ihre Habseligkeiten und Vorr�te befanden, festgezurrt waren. Sofort verrutschte ihr der Hut wieder, schob sich auf den Hinterkopf, wo er nur noch von dem Schal festgehalten wurde. Ihre Fingerspitzen ber�hrten gerade noch den Deckel des Fasses. Wenn sie das Seil, an dem sie sich mit der anderen Hand festklammerte, loslie�e, k�nnte sie das Wasserfa� erreichen, doch bei der Schaukelei w�rde sie vermutlichen den Halt verlieren und auf die Nase fallen.</p><p>Juilin Sandar lenkte den knochigen braunen Wallach, den er ritt � er hatte ihm den unpassenden Namen �Schmoller� verliehen � n�her an den Wagen heran und langte hin�ber, um ihr einen der ledernen Wasserbeh�lter zu reichen, die er an seinem Sattel befestigt hatte. Dankbar trank sie, wenn auch nicht gerade manierlich. Sie hing da wie eine Traube an einer vom Wind weggeblasenen Rebe und versch�ttete beinahe die H�lfte Wasser auf ihr gutes graues Kleid.</p><p>Es war ein passendes Kleid f�r eine H�ndlerin, hochgeschlossen, von feiner Webart und feinem Schnitt, aber doch einfach. Die Brosche auf ihrer Brust, ein kleiner goldener Ring mit Granatsteinen besetzt, war vielleicht etwas �bertrieben f�r eine H�ndlerin, aber es war ein Geschenk der Panarchin von Tarabon gewesen, zusammen mit anderem, viel prachtvollerem Schmuck, der in einem Fach unter dem Fahrersitz weggeschlossen war. Sie trug die Brosche, um immer daran zu denken, da� man selbst Frauen, die auf einem Thron sa�en, von Zeit zu Zeit einmal beim Genick packen und durchsch�tteln mu�te. Jetzt, da sie mit Amathera zu tun gehabt hatte, hatte sie auch etwas mehr Verst�ndnis f�r die Art und Weise, wie die Burg K�nige und K�niginnen manipulierte.</p><p>Sie vermutete, Amatheras Geschenke seien mehr oder weniger als Bestechung gemeint gewesen, damit sie ja Tanchico schnell verlie�en. Die Frau war sogar gewillt gewesen, ein Schiff zu kaufen, da� sie keine Stunde l�nger als notwendig bleiben mu�ten, aber niemand war in der Lage gewesen, eines zu verkaufen. Auf den wenigen Schiffen, die im Hafen von Tanchico verblieben und geeignet waren, nicht nur die K�ste entlangzusegeln, dr�ngten sich die Fl�chtlinge. Au�erdem war ein Schiff zu offensichtlich, da es den schnellsten Weg darstellte, auf dem man Tanchico und Tarabon verlassen konnte. Nach allem, was geschehen war, hielten die Schwarzen Ajah vermutlich nach ihr und Elayne Ausschau. Sie waren ausgesandt worden, um Aes Sedai aufzusp�ren, die dem Schatten dienten, und sich nicht umgekehrt von ihnen einfangen zu lassen. Deshalb also der Wagen und die lange Fahrt durch ein von B�rgerkrieg und Anarchie zerrissenes Land. Sie fing allm�hlich an, zu bereuen, da� sie sich gegen ein Schiff ausgesprochen hatte. Das w�rde sie allerdings den anderen gegen�ber niemals zugeben.</p><p>Als sie sich bem�hte, Juilin den Wasserbeh�lter zur�ckzugeben, winkte der ab. Er war ein z�her, harter Mann, schien wie aus dunklem Holz geschnitzt und f�hlte sich auf dem R�cken eines Pferdes nicht sehr wohl. In ihren Augen wirkte er sogar l�cherlich, nicht, weil er so unsicher im Sattel sa�, sondern wegen dieses d�mmlichen roten Taraboner Huts, den er auf seinem glatten, schwarzen Haar trug, ohne Krempe, kegelf�rmig, hoch und mit abgeflachter Spitze. Er pa�te �berhaupt nicht zu seinem dunklen Halbmantel aus Tear, der an der H�fte eng war und darunter ausgestellt. Sie war nicht der Meinung, da� er �berhaupt zu etwas passe. F�r sie sah es aus, als trage er einen Kuchen auf dem Kopf.</p><p>Unbeholfen krabbelte sie weiter nach vorn, in der einen Hand den Lederbeh�lter und mit flatterndem Hut, und fluchte dabei leise vor sich hin, auf den tairenischen Diebf�nger � <emphasis>kein Diebf�nger � der doch nicht!</emphasis> �, auf Thom Merrilin � <emphasis>aufgeblasener Gaukler!</emphasis> � und auf Elayne aus dem Hause Trakand, die Tochter-Erbin von Andor, die man auch mal am Genick packen sollte!</p><p>Sie hatte sich auf den h�lzernen Kutschbock zwischen Thom und Elayne hinabgleiten lassen wollen, aber das M�dchen mit dem goldenen Haar hatte sich eng an Thom gedr�ckt. Ihr eigener Strohhut hing ihr auf dem R�cken. Sie klammerte sich an den Arm des alten Narren mit dem wei�en Schnurrbart, als f�rchte sie, herunterzufallen. Mit verzogenem Mund mu�te sich Nynaeve mit Elaynes anderer Seite begn�gen. Sie war froh, das Haar wieder zu einem richtigen Zopf geflochten tragen zu k�nnen, der ihr armdick bis zur H�fte hinabhing. So konnte sie daran ziehen, anstatt Elayne eins aufs Ohr zu geben. Das M�dchen hatte sich ja anfangs recht vern�nftig angestellt, aber in Tanchico schien ihr irgend etwas den Verstand geraubt zu haben.</p><p>�Sie verfolgen uns nicht mehr�, verk�ndete Nynaeve und zog sich den Hut wieder zurecht. �Ihr k�nnt dieses Ding nun langsamer fahren lassen, Thom.� Das h�tte sie ihnen auch von hinten aus zurufen k�nnen, ohne �ber die F�sser zu klettern, aber hinten herumgebeutelt zu werden und ihnen zuzurufen, sie sollten langsamer fahren, w�re ihr auch nicht recht gewesen, denn dann h�tte sie den anderen gegen�ber ein Zeichen von Schw�che gezeigt. Und das war ihr zuwider. �Setz deinen Hut auf�, sagte sie zu Elayne. �Deiner blassen Haut tut dieser Sonnenschein nicht lange gut.�</p><p>Wie sie schon beinahe erwartet hatte, ignorierte das M�dchen ihren freundlichen Ratschlag. �Ihr fahrt so wunderbar�, s�uselte sie, als Thom die Z�gel raffte und das Vierergespann im Schritt gehen lie�. �Ihr habt keine Minute lang die Kontrolle verloren.�</p><p>Der hochgewachsene, drahtige Mann blickte auf sie hinunter. Seine buschigen wei�en Augenbrauen zuckten leicht, doch er sagte lediglich: �Vor uns wartet weitere Gesellschaft, Kind.� Nun, vielleicht war er doch kein solch arger Narr.</p><p>Nynaeve hielt Ausschau und sah die in Schneewei� gekleidete Kolonne �ber die n�chste niedrige Erhebung auf sie zukommen. Es waren vielleicht f�nfzig Mann in auf Hochglanz polierten R�stungen und gl�nzenden, kegelf�rmigen Helmen, die etwa genauso viele schwerbeladene Wagen begleiteten. Kinder des Lichts. Sie war sich mit einemmal der Lederschnur um ihren Hals sehr bewu�t, an der unter ihrem Kleid zwischen den Br�sten zwei Ringe baumelten. Lans schwerem goldenen Siegelring, dem Ring der K�nige aus dem l�ngst verlorenen Malkier, w�rden die Wei�m�ntel keine Bedeutung beimessen, aber falls sie den Ring mit der Gro�en Schlange sahen...</p><p><emphasis>T�richte Frau! Den bekommen sie wohl kaum zu sehen, es sei denn, du entschlie�t dich, dich vor ihnen auszuziehen!</emphasis></p><p>Schnell musterte sie ihre Begleiter. Elayne konnte man nicht davon abhalten, sch�n auszusehen, und nun, da sie Thoms Arm losgelassen hatte und den gr�nen Schal wieder umband, der ihren Hut festhielt, wirkten ihre Gesten wieder so edel, da� sie eher in einen Thronsaal pa�ten, als auf einen H�ndlerkarren. Doch ihr Kleid unterschied sich nur in der Farbe � es war blau � von dem Nynaeves. Sie trug keinen Schmuck. Amatheras Geschenke hatte sie als �protzig� abgetan. Es w�rde schon gehen, so, wie es seit Tanchico schon f�nfzigmal glattgegangen war. Knapp jedenfalls. Nur war dies ihr erstes Zusammentreffen mit Wei�m�nteln. Thom in seiner groben braunen Wollkleidung konnte einer von tausend knorrigen, wei�haarigen M�nnern sein, die auf den Handelsstra�en arbeiteten. Und Juilin war eben Juilin. Er wu�te genau, wie er sich verhalten mu�te, obwohl er aussah, als bef�nde er sich viel lieber auf dem sicheren Boden als auf einem Pferd. Er trug seinen �blichen Stab und am G�rtel einen geschlitzten Schwertbrecher.</p><p>Thom lenkte das Gespann an die eine Stra�enseite und hielt an, als mehrere Wei�m�ntel sich aus der Spitze der Kolonne l�sten und herangaloppierten. Nynaeve setzte ein einladendes L�cheln auf. Sie hoffte, die Wei�m�ntel h�tten nicht gerade eben festgestellt, da� sie noch einen weiteren Wagen ben�tigten.</p><p>�Das Licht sei mit Euch, Hauptmann�, sagte sie zu dem Mann mit dem schmalen Gesicht, der anscheinend ihr Anf�hrer war, der einzige, der keine Lanze mit Stahlspitze trug. Sie hatte keine Ahnung, welcher Rang mit den beiden goldenen Knoten auf der Vorderseite seines Umhangs verbunden war, direkt unter der strahlenden Sonne, die bei allen aufgestickt war, aber ihrer Erfahrung nach waren alle M�nner Schmeicheleien zug�nglich. �Wir sind sehr froh, Euch hier anzutreffen. Ein paar Meilen zur�ck haben uns Banditen �berfallen wollen, doch zum Gl�ck kam wie ein Wunder ein Staubsturm auf. Wir sind gerade noch ent...�</p><p>�Ihr seid Kaufleute? Seit einiger Zeit kommen nur noch wenige Kaufleute aus Tarabon.� Die Stimme des Mannes klang so hart, wie sein Gesicht aussah, und das wirkte, als habe man alle Lebensfreude herausgekocht, bevor er noch die Wiege verlie�. Mi�trauen stand in seinen dunklen, tiefliegenden Augen. Nynaeve bezweifelte nicht, da� auch dieser Ausdruck von Dauer war. �Wohin wollt Ihr und welche Fracht f�hrt Ihr?�</p><p>�Ich bef�rdere Textilfarben, Hauptmann.� Sie hatte M�he, unter diesem stetigen, starren Blick ihr L�cheln zu wahren. Es war eine Erleichterung, als dieser Blick kurz die anderen �berflog. Thom brachte es ausgezeichnet fertig, gelangweilt zu wirken wie ein Fahrer, der ohnehin bezahlt wurde, ob er nun anhielt oder weiterfuhr, und Juilin hatte wohl diesen l�cherlichen Hut nicht abgenommen, wie er das fr�her getan h�tte, aber zumindest schien auch er nur fl�chtig interessiert � ein angeworbener Mann, der nichts zu verbergen hatte. Als der Blick des Wei�mantels auf Elayne fiel, sp�rte Nynaeve, wie die sich versteifte, und so fuhr sie hastig fort: �Textilfarben aus Tarabon. Die besten auf der Welt. Ich kann f�r sie in Andor einen guten Preis erzielen.�</p><p>Auf ein Zeichen des Hauptmanns hin � oder was er sonst sein mochte � trieb ein anderer Wei�mantel sein Pferd an und ritt zum Heck des Wagens. Mit seinem Dolch durchschnitt er eines der Halteseile und zog ein Ende der Zeltplane weg. Darunter wurden drei oder vier F�sser sichtbar. �Sie zeigen das Brandzeichen von Tanchico, Leutnant. Auf diesem hier steht �Karminrot�. Wollt Ihr, da� ich ein paar davon �ffne?�</p><p>Nynaeve hoffte, da� der Wei�mantel-Offizier die Sorge auf ihrer Miene richtig deutete, also so, wie sie es wollte. Ohne sie anblicken zu m�ssen, konnte sie fast k�rperlich sp�ren, wie Elayne drauf und dran war, den Soldaten seiner Manieren wegen zu schelten, aber was sie betraf, w�rde sich jede richtige Kauffrau Sorgen machen, wenn ihre Farbstoffe offen dem Wetter ausgesetzt wurden. �Wenn Ihr mir zeigen wolltet, welche Ihr ge�ffnet haben wollt, Hauptmann, dann w�re ich nur zu froh, sie selbst f�r Euch zu �ffnen.� Der Mann zeigte �berhaupt keine Reaktion, weder auf Schmeicheleien, noch auf die Bereitschaft zur Zusammenarbeit. �Seht Ihr, die F�sser wurden versiegelt, damit kein Staub und kein Wasser hineinkommt. Wenn der Deckel eines Fasses aufgebrochen wird, bin ich nicht mehr in der Lage, ihn wieder ganz mit Wachs zu verschlie�en.�</p><p>Der Rest der Kolonne schlo� zu ihnen auf und begann sich in einer Staubwolke an ihnen vorbeizuschieben. Die Wagenfahrer waren grob gekleidete, unauff�llige M�nner, aber die Soldaten ritten steif aufgerichtet, die langen Lanzen mit den Stahlspitzen alle im pr�zise gleichen Winkel erhoben. Selbst so verschwitzt und mit Staub bedeckt wirkten sie wie harte M�nner. Nur die Fahrer sahen Nynaeve und die anderen neugierig an.</p><p>Der Leutnant der Wei�m�ntel wedelte sich mit einer im Kampfhandschuh steckenden Hand den Staub vor dem Gesicht weg und befahl dann dem Mann, sich von ihrem Wagen zu entfernen. Sein Blick verlie� dabei Nynaeve nicht. �Ihr kommt aus Tanchico?�</p><p>Nynaeve nickte, ganz ein Bild von Hilfsbereitschaft und Offenheit. �Ja, Hauptmann. Aus Tanchico.�</p><p>�Was k�nnt Ihr mir von der Stadt berichten? Es hat Ger�chte gegeben.�</p><p>�Ger�chte, Hauptmann? Als wir abfuhren, war von Gesetz und Ordnung nicht mehr viel �briggeblieben. Die Stadt war voll von Fl�chtlingen, und auf dem Land tummeln sich Rebellen und Banditen. Der Handel ist fast zum Erliegen gekommen.� Das war die simple Wahrheit, klar ausgesprochen. �Deshalb werden diese Farbstoffe besonders gute Preise erzielen. Es werden bestimmt lange Zeit keine Textilfarben mehr aus Tarabon angeboten werden, glaube ich.�</p><p>�Fl�chtlinge, Handel oder Farbstoffe sind mir gleich, H�ndlerin�, sagte der Offizier mit nichtssagender Stimme. �Sa� Andric noch auf dem Thron?�</p><p>�Ja, Hauptmann.� Offensichtlich hatte es Ger�chte gegeben, jemand habe Tanchico eingenommen und den K�nig verdr�ngt. Vielleicht war das mittlerweile tats�chlich geschehen. Aber wer? Einer der aufst�ndischen Lords, die sich untereinander genauso energisch bek�mpften wie den K�nig, oder die Drachenverschworenen, die sich dem Wiedergeborenen Drachen angeschlossen hatten, ohne ihn jemals gesehen zu haben? �Andric war immer noch K�nig und Amathera war Panarchin, als wir abfuhren.�</p><p>Seine Augen sagten, da� sie vielleicht log. �Man sagt, die Hexen aus Tar Valon seien darin verwickelt. Habt Ihr Aes Sedai dort gesehen oder von ihnen geh�rt?�</p><p>�Nein, Hauptmann�, sagte sie schnell. Der Gro�e Schlangenring brannte ihr auf der Haut. F�nfzig Wei�m�ntel um sie herum. Diesmal konnte ihnen kein Sandsturm helfen, und au�erdem empfand sie, auch wenn sie das vor sich selbst leugnete, mehr Angst als Zorn. �Einfache Kauffrauen wollen mit der Sorte nichts zu tun haben.� Er nickte und sie riskierte selbst eine Frage. Alles, um schnell das Thema zu wechseln. �Wenn Ihr so freundlich sein w�rdet, Hauptmann: Haben wir bereits Amadicia erreicht?�</p><p>�Die Grenze befindet sich f�nf Meilen weit im Osten�, betonte er. �Wenigstens f�r den Augenblick. Das erste Dorf, das Ihr antreffen werdet, ist Mardecin. Haltet Euch an das Gesetz, und es wird Euch nichts geschehen. Dort befindet sich eine Garnison der Kinder.� Es klang, als habe die Garnison nichts anderes zu tun, als dar�ber zu wachen, da� sie sich an die Gesetze hielten.</p><p>�Seid Ihr gekommen, um die Grenze zu verschieben?� fragte Elayne mit einemmal k�hl. Nynaeve h�tte sie erw�rgen k�nnen.</p><p>Der Blick aus diesen tiefliegenden, mi�trauischen Augen wanderte zu Elayne hin�ber, und Nynaeve sagte hastig: �Vergebt Ihr, mein Lordhauptmann. Sie ist die Tochter meiner �ltesten Schwester. Sie glaubt, sie h�tte als Lady geboren werden sollen, und au�erdem kann sie die Finger nicht von den Jungen lassen. Deshalb hat ihre Mutter sie zu mir geschickt.� Elaynes w�tendes Nach-Luft-Schnappen pa�te perfekt. Es stimmte ja auch alles. Nynaeve h�tte vielleicht nicht unbedingt das mit den Jungen anf�gen m�ssen, aber es schien so gut zu passen.</p><p>Der Wei�mantel starrte sie noch einen Augenblick lang an und sagte dann: �Der kommandierende Lordhauptmann schickt Lebensmittel nach Tarabon. Sonst k�me bald dieses Taraboner Ungeziefer �ber die Grenze geschlichen und w�rde alles stehlen, was man kauen kann. Wandelt unter dem Licht�, f�gte er hinzu, und dann wendete er sein Pferd und galoppierte zur�ck an die Spitze der Kolonne. Es hatte aber weder wie ein Vorschlag noch wie ein Segenswunsch geklungen.</p><p>Thom lie� den Wagen weiterrollen, sobald der Offizier weg war, doch alle sa�en schweigend da und h�stelten h�chstens einmal, bis sie weit von den letzten Soldaten entfernt und aus der Staubwolke ihrer Wagen herausgefahren waren.</p><p>Nynaeve befeuchtete ihre Kehle mit ein wenig Wasser und dr�ckte den Beh�lter dann Elayne in die H�nde. �Was hast du denn eigentlich dort hinten vorgehabt? Was hast du dir dabei gedacht?� fuhr sie sie an. �Wir befinden uns doch nicht im Thronsaal deiner Mutter, und die w�rde solche Fragen gar nicht zulassen!�</p><p>Elayne leerte zuerst den Wasserbeh�lter bis zur Neige, bevor sie ihr die Gnade einer Antwort gew�hrte. �Du bist vor ihm gekrochen, Nynaeve.� Sie verstellte ihre Stimme und fl�tete s��lich und unterw�rfig: �Ich will sehr lieb und folgsam sein, Hauptmann. Darf ich Eure Stiefel k�ssen, Hauptmann?�</p><p>�Wir versuchen, Kaufleute zu spielen und keine K�niginnen, die inkognito reisen!�</p><p>�Kaufleute m�ssen deshalb noch lange keine Speichellecker sein! Du hattest Gl�ck, da� er nicht glaubte, wir versuchten etwas zu verbergen, so unterw�rfig hast du getan!�</p><p>�Sie behandeln Wei�m�ntel in einer St�rke von f�nfzig Lanzen auch nicht gerade von oben herab! Oder hast du geglaubt, wir k�nnten sie alle mit Hilfe der Macht �berw�ltigen, falls es notwendig sei?�</p><p>�Warum hast du ihm gesagt, ich k�nne die Finger nicht von den Jungen lassen? Das war h�chst �berfl�ssig, Nynaeve!�</p><p>�Ich war bereit, ihm alles m�gliche zu sagen, damit er wegritt und uns in Frieden lie�. Und du...!�</p><p>�Ihr beide haltet jetzt den Mund!� fauchte Thom pl�tzlich dazwischen, �sonst kommen sie am Ende noch zur�ck und sehen nach, welche von Euch die andere umbringt!�</p><p>Nynaeve drehte sich tats�chlich auf der harten Holzbank um, bevor ihr klar wurde, da� die Wei�m�ntel schon viel zu weit entfernt waren, um sie geh�rt zu haben. Sie h�tten sogar schreien k�nnen, ohne noch von ihnen geh�rt zu werden. Vielleicht hatten sie ja auch geschrien. Da� Elayne mit gleicher M�nze geantwortet hatte, half auch nicht weiter.</p><p>Nynaeve packte ihren Zopf ganz fest und funkelte Thom b�se an, w�hrend sich Elayne an seinen Arm schmiegte und in beinahe verliebtem Ton s�uselte: �Ihr habt recht, Thom. Es tut mir leid, da� ich die Stimme erhoben habe.� Juilin beobachtete sie von der Seite her, obwohl er so tat, als gehe ihn das alles nichts an, doch er war klug genug, sein Pferd nicht n�her heranzutreiben, um nicht auch noch hineingezogen zu werden.</p><p>Nynaeve lie� ihren Zopf los, bevor sie sich die Haarwurzeln ausri�, r�ckte ihren Hut zurecht und setzte sich steif hin, so da� sie geradeaus �ber das Gespann hinwegblickte. Was auch in das M�dchen gefahren war, es war h�chste Zeit, ihr das wieder auszutreiben.</p><p>Lediglich eine hohe Steins�ule auf jeder Stra�enseite markierte die Grenze zwischen Tarabon und Amadicia. Au�er ihnen gab es keinerlei Verkehr auf der Stra�e. Die H�gel wurden langsam etwas h�her, ansonsten aber blieb das Land ziemlich unver�ndert: braunes Gras und Str�ucher mit nur wenigen gr�nen Bl�ttern und dazu gelegentlich ein paar Kiefern oder Lederblattb�ume oder andere immergr�ne Gew�chse. Die Felder waren mit Steinm�uerchen eingegrenzt und hier und da standen Bauernh�user mit Strohd�chern an den H�ngen oder in den Senken, doch sie wirkten verlassen. Kein Rauch quoll aus den Schornsteinen, es arbeitete niemand auf den Feldern, und auf den Weiden waren weder K�he noch Schafe zu sehen. Manchmal sahen sie ein paar H�hner, die auf einem der H�fe in der N�he der Stra�e scharrten, doch sie flohen, wenn sich der Wagen n�herte. Offensichtlich waren sie verwildert. Wei�mantel-Garnison hin oder her, offensichtlich wagte niemand hier in der N�he der Grenze zu bleiben, wo jederzeit ein �berfall durch die Banditen aus Tarabon erfolgen konnte.</p><p>Als Mardecin von der Spitze einer kleinen Anh�he aus in Sicht kam, mu�te die Sonne immer noch ein gutes St�ck steigen, um den Zenit zu erreichen. Die Ansiedlung vor ihnen wirkte zu gro�, um sie noch als Dorf bezeichnen zu k�nnen. Sie ma� bestimmt eine Meile im Durchmesser und lag zwischen zwei H�geln an einer Br�cke �ber ein kleines Fl��chen. Man sah dort sowohl Ziegeld�cher wie strohgedeckte, und auf den breiten Stra�en herrschte einiges Gedr�nge.</p><p>�Wir m�ssen neue Vorr�te kaufen�, sagte Nynaeve, �aber es sollte schnell geschehen. Vor Sonnenuntergang k�nnen wir noch eine betr�chtliche Strecke zur�cklegen.�</p><p>�Langsam aber sicher packt uns die Ersch�pfung, Nynaeve�, sagte Thom. �Von Sonnenaufgang bis Sonnenuntergang, jeden Tag, beinahe einen Monat lang. Ein Tag Rast wird keinen gro�en Unterschied machen, wenn wir Tar Valon erreichen.� Er klang aber keineswegs ersch�pft. Wahrscheinlich hatte er blo� vor, in einer der Tavernen Harfe oder Fl�te zu spielen und sich von den M�nnern zum Wein einladen zu lassen.</p><p>Juilin hatte nun endlich sein Pferd neben den Wagen gelenkt und f�gte hinzu: �Ich w�re auch gern mal wieder einen Tag auf den eigenen Beinen. Ich wei� nicht, was schlimmer ist � dieser Sattel oder der Kutschbock.�</p><p>�Ich glaube auch, da� wir nach einer Schenke suchen sollten�, sagte Elayne und blickte zu Thom auf. �Ich habe wahrlich genug davon, unter diesem Wagen zu schlafen, und ich w�rde Euch gern wieder einmal lauschen, wenn Ihr im Schankraum Eure Geschichten erz�hlt.�</p><p>�Kaufleute mit nur einem Wagen sind nicht viel mehr als fahrende H�ndler�, sagte Nynaeve in scharfem Ton. �Sie k�nnen sich keine Zimmer in den Schenken einer Stadt wie dieser leisten.�</p><p>Sie wu�te nicht, ob das wirklich der Wahrheit entsprach, aber trotz ihrer eigenen Sehnsucht nach einem Bad und sauberen Bett�chern w�rde sie das M�dchen nicht so einfach davonkommen lassen. So etwas Thom vorzuschlagen und nicht ihr! Erst, als sie die Worte ausgesprochen hatte, wurde ihr mit einemmal klar, da� sie damit praktisch Thom und Juilin nachgegeben hatte. <emphasis>Ein Tag wird nicht schaden. Es ist noch ein langer Weg nach Tar Valon.</emphasis></p><p>Sie w�nschte, sie h�tte auf einem Schiff bestanden. Auf einem schnellen Schiff, beispielsweise einem Klipper des Meervolks, h�tten sie Tear in einem Drittel der Zeit erreicht, die sie ben�tigt hatten, um Tarabon zu durchqueren. Solange g�nstige Winde herrschten und bei der richtigen Windsucherin der Atha'an Miere w�re das kein Problem gewesen. Davon abgesehen h�tten sie oder Elayne das schon im Griff gehabt. Die Tairener ihrerseits wu�ten, da� sie und Elayne mit Rand befreundet waren, und sie erwartete, da� diese Leute immer noch ins Schwitzen kamen aus Furcht, sie k�nnten den Wiedergeborenen Drachen erz�rnen. Sie h�tten dort bestimmt eine Kutsche mit Eskorte bekommen, um bis nach Tar Valon zu reisen.</p><p>�Sucht uns einen passenden Lagerplatz dort unten�, sagte sie schlie�lich z�gernd. Sie h�tte wirklich auf einer Schiffspassage bestehen sollen! Vielleicht w�ren sie dann jetzt schon wieder in der Wei�en Burg.</p></section><section><title><p>9</p><p>Ein Signal</p></title><p>Nynaeve mu�te zugeben, da� Thom und Juilin sich auf einen sehr guten Lagerplatz geeinigt hatten, in einem sp�rlichen Dickicht an einem Osthang, kaum eine Meile von Mardecin entfernt. Alles war mit welkem Laub bedeckt und gepolstert. Einige verstreute S��holzb�sche und niedrige Weiden, deren Zweige bis tief �ber dem Boden hingen, verdeckten den Wagen sowohl von der Stra�e wie auch vom Ort aus, und ein zwei Fu� breites B�chlein quoll unter einem Felsvorsprung nahe der Spitze der Anh�he hervor und rann durch ein Bett aus trockenem Schlamm, das etwa doppelt so breit war. F�r ihre Zwecke reichte das Wasser allemal. Es war sogar recht k�hl unter den B�umen, nicht zuletzt dank einer leichten und angenehmen Brise.</p><p>Sobald die M�nner die Pferde mit Wasser versorgt und ihnen dann Fu�fesseln angelegt hatten, damit sie am Hang grasen konnten, warfen sie eine M�nze, um zu entscheiden, wer von ihnen auf dem d�rren Wallach nach Mardecin reiten w�rde, um dort einzukaufen, was sie ben�tigten. Das M�nzwerfen war ein Ritual, auf das sie sich seit einiger Zeit geeinigt hatten. Thom, dessen geschickte Finger so manchen Zaubertrick beherrschten, gewann jedesmal, wenn er die M�nze warf, also besorgte Juilin das nun immer.</p><p>Thom gewann aber wieder, und w�hrend er Schmoller sattelte, steckte Nynaeve den Kopf unter den Kutschbock und hob mit ihrem Messer eines der Bodenbretter an. Neben zwei kleinen vergoldeten Beh�ltern, in denen sich der Schmuck, den Amathera ihnen geschenkt hatte, befand, lagen in dem Fach noch mehrere prall mit M�nzen gef�llte Lederbeutel. Die Panarchin war mehr als gro�z�gig gewesen in ihrem Wunsch, sie m�glichst schnell nur noch von hinten zu sehen. Im Vergleich dazu wirkten einige andere Gegenst�nde unbedeutend: ein kleines, dunkles Holzk�stchen, gl�nzend, aber ohne jede schm�ckende Schnitzerei, und eine Waschledertasche, die ganz unten lag und eine Scheibe in ihrem Inneren erahnen lie�. Das K�stchen enthielt die beiden <emphasis>Ter'Angreal,</emphasis> die sie den Schwarzen Ajah wieder abgejagt hatten � beide hatten mit Tr�umen zu tun �, und in der Tasche... Das war das Wichtigste, was sie aus Tanchico mitgenommen hatten: eines der Siegel zum Gef�ngnis des Dunklen K�nigs.</p><p>So gern sie auch herausgefunden h�tte, wohin Siuan Sanche sie als n�chstes auf der Suche nach Schwarzen Ajah schicken wolle, war doch das Siegel der Grund daf�r, da� sie es so eilig hatte, nach Tar Valon zur�ckzukehren. Sie holte aus einem der prallen Geldbeutel einige M�nzen heraus und vermied dabei, die bewu�te Tasche auch nur zu ber�hren. Je l�nger sie das bei sich hatte, desto st�rker ihr Wunsch, es der Amyrlin zu �bergeben und so loszuwerden. Manchmal, wenn sie sich dem Ding n�herte, hatte sie das Gef�hl, sie k�nne den Dunklen K�nig dort drinnen f�hlen, wie er auszubrechen versuchte.</p><p>Sie schickte Thom mit einer Tasche voll Silber und der ernsten Ermahnung los, Obst und Gem�se zu besorgen. Wenn sie das einem der M�nner selbst �berlie�, kaufte er h�chstwahrscheinlich nur wieder Fleisch und Bohnen und sonst nichts. Thoms Hinken, als er das Pferd am Z�gel hinter sich her zur Stra�e zog, lie� sie das Gesicht schmerzhaft verziehen. Eine alte Verletzung, f�r die man jetzt nichts tun k�nne, hatte Moiraine gesagt. Das stank genauso wie das Hinken selbst. Nichts zu machen...</p><p>Als sie die Zwei Fl�sse verlassen hatte, geschah das, um junge Menschen aus ihrem Dorf zu besch�tzen, die des Nachts von einer Aes Sedai einfach mitgenommen worden waren. Sie hatte die Hoffnung, diese Menschen beh�ten zu k�nnen, auch noch zur Wei�en Burg mitgetragen und dazu das Vorhaben, Moiraine zur Strafe f�r ihr Werk zu Fall zu bringen. Seither hatte sich die Welt ge�ndert. Oder vielleicht sah sie jetzt die Welt in einem anderen Licht. <emphasis>Nein, ich bin es nicht, die sich ge�ndert hat. Ich bin die gleiche, nur alles andere ist jetzt anders.</emphasis></p><p>Jetzt hatte sie alle H�nde voll zu tun, um sich selbst zu sch�tzen. Rand war, was er eben war, und da gab es kein Zur�ck mehr. Egwene ging voller Begeisterung ihren eigenen Weg und lie� sich durch nichts und niemanden davon abhalten, selbst wenn der Weg �ber eine Klippe f�hrte. Mat hatte sich angew�hnt, an nichts weiter als an Frauen zu denken, an sein Vergn�gen und an das Spielen. Es widerte sie ja selbst an, aber manchmal mu�te sie Moiraine insgeheim recht geben. Wenigstens Perrin war mittlerweile nach Hause zur�ckgekehrt, wie sie von Egwene geh�rt hatte; vielleicht befand er sich in Sicherheit.</p><p>Die Schwarzen Ajah zu verfolgen war ja gut und sch�n und auch befriedigend � allerdings auch furchteinfl��end. Sicher versuchte sie, ihre Angst zu verbergen, denn sie war ja schlie�lich eine erwachsene Frau und kein kleines M�dchen mehr, das sich hinter der Sch�rze der Mutter versteckt. Doch das war alles nicht der Hauptgrund daf�r, da� sie gewillt war, weiterhin mit dem Kopf gegen eine Wand zu rennen und immer weiter zu versuchen, den Gebrauch der Macht zu erlernen, obwohl sie die meiste Zeit �ber genausowenig damit anfangen konnte wie Thom. Der Grund lag in dem Talent zum Heilen. Als Seherin von Emondsfeld war sie immer h�chst zufrieden gewesen, wenn sie die Versammlung der Frauen von der Richtigkeit ihrer Anschauungen hatte �berzeugen k�nnen, vor allem, weil die meisten Mitglieder alt genug waren, um ihre Mutter sein zu k�nnen. Sie war ja nur ein paar Jahre �lter als Elayne und damit die j�ngste Seherin aller Zeiten an den Zwei Fl�ssen. Noch besser hatte ihr gefallen, wenn sie den Rat der Gemeinde dazu brachte, zu tun, was eben ihrer Meinung nach sein mu�te � diese sturen alten M�nner. Doch die allergr��te Befriedigung hatte sie immer darin gefunden, die richtige Kombination von Heilkr�utern herauszubekommen, um eine Krankheit heilen zu k�nnen. Und dann erst mit Hilfe der Einen Macht heilen zu k�nnen... Sie hatte es bereits fertiggebracht, unbeholfen freilich, um zu kurieren, was sie nicht mit Hilfe der Kr�uter schaffte. Allein die Freude daran reichte aus, um sie zu Tr�nen zu r�hren. Eines Tages wollte sie Thom heilen und ihn wieder tanzen sehen. Eines Tages w�rde sie selbst die Wunde an Rands Seite heilen. Es konnte doch einfach nichts geben, was man nicht zu heilen imstande war, jedenfalls nicht, wenn sich die Frau mit den heilenden Kr�ften genug anstrengte und nie aufgab.</p><p>Als sie sich vom Anblick Thoms losri�, sah sie, da� Elayne den Eimer gef�llt hatte, der normalerweise unter dem Wagen hing, und jetzt niederkniete, um sich H�nde und Gesicht zu waschen. Sie hatte sich ein Handtuch um die Schultern gelegt, damit ihr Kleid nicht na� wurde. Das war etwas, was sie auch unbedingt tun wollte. Bei dieser Hitze war das Angenehmste und Erfrischendste, sich mit dem k�hlen Wasser eines Bachs waschen zu k�nnen. Oft genug hatten sie nur das aus den F�ssern, die seitlich an den Wagen gebunden waren, und das ben�tigte man dringender zum Trinken und Kochen als zum Waschen.</p><p>Juilin sa� mit dem R�cken gegen eines der Wagenr�der gelehnt. Sein daumendicker Stock aus hellem, seltsam gegliederten Holz stand neben ihm. Den Kopf hatte er gesenkt, und dieser idiotische Hut war ihm nach vorn fast �ber die Augen gerutscht, aber sie h�tte nicht darauf wetten wollen, da� selbst ein Mann um diese Zeit am Morgen schlief. Es gab ja Dinge, die er und Thom nicht einmal ahnten, Dinge, von denen sie besser nie erfuhren.</p><p>Der dicke Teppich aus welken Bl�ttern raschelte, als sie sich neben Elayne setzte. �Glaubst du, da� Tanchico wirklich erobert wurde?� Elayne fuhr sich langsam und gen��lich mit einem seifigen Waschlappen �ber das Gesicht und antwortete nicht. Also versuchte sie es noch mal: �Ich glaube, die Aes Sedai, die jener Wei�mantel erw�hnt hat, das waren wir.�</p><p>�Vielleicht.� Elaynes Stimme klang k�hl, ihre Augen bestanden aus blauem Eis. Sie blickte Nynaeve nicht direkt an. �Und vielleicht haben sich Berichte �ber das, was wir taten, mit anderen Ger�chten vermischt. Es k�nnte durchaus sein, da� Tarabon mittlerweile einen neuen K�nig und einen neuen Panarchen hat.�</p><p>Nynaeve beherrschte sich und griff nicht einmal nach ihrem Zopf. Statt dessen packte sie energisch ihre Knie. <emphasis>Du versuchst, sie wieder zu vers�hnen. Also h�te deine Zunge!</emphasis> �Amathera war kein leichter Fall, aber ich m�chte trotzdem nicht, da� ihr etwas zust��t. Was meinst du?�</p><p>�Eine h�bsche Frau�, sagte Juilin, �vor allem im Kleid einer Taraboner Kellnerin und mit einem netten L�cheln auf dem Gesicht. Ich glaube, sie...� Er bemerkte, da� Elayne und sie ihn anblickten, und zog schnell den Hut wieder herab im Bem�hen, Schlaf vorzut�uschen. Sie tauschte einen Blick mit Elayne und wu�te, da� die andere den gleichen Gedanken hatte wie sie: <emphasis>M�nner!</emphasis> �Was auch mit Amathera geschehen sein mag, Nynaeve, das liegt nun hinter uns.� Jetzt klang Elayne wieder etwas normaler. Ihre Bewegungen beim Waschen wurden langsamer. �Ich w�nsche ihr Gl�ck, aber vor allem hoffe ich, da� die Schwarzen Ajah nicht hinter uns her sind. Uns verfolgen, meine ich.�</p><p>Juilin bewegte sich unruhig, ohne den Kopf zu heben. Ihm fiel es immer noch schwer, sich damit abzufinden, da� es die Schwarzen Aes Sedai wirklich gab und sie nicht nur ein blo�es Ger�cht waren.</p><p><emphasis>Er sollte froh und gl�cklich sein, da� er nicht wei�, was wir wissen.</emphasis> Nynaeve mu�te zugeben, da� dieser Gedankengang nicht ganz logisch war, aber h�tte er gewu�t, da� die Verlorenen frei waren, dann h�tte selbst Rands t�richte Anweisung, <emphasis>auf sie und Elayne aufzupassen,</emphasis> ihn nicht vom Davonlaufen abhalten k�nnen. Aber trotzdem war er gelegentlich sehr n�tzlich. Er, genau wie Thom. Es war Moiraine gewesen, die ihnen Thom aufgeladen hatte, und f�r einen gew�hnlichen Gaukler wu�te der Mann eine ganze Menge �ber die Welt und was in ihr vorging.</p><p>�Wenn sie uns folgten, h�tten sie uns bestimmt mittlerweile eingeholt.� Das entsprach der Wahrheit, wenn man an die Geschwindigkeit des m�hsam dahinrumpelnden Karrens dachte. �Wenn wir Gl�ck haben, wissen sie immer noch nicht, wer wir eigentlich sind.�</p><p>Elayne nickte, wohl grimmig, aber doch wieder ganz die alte, und wusch sich noch einmal das Gesicht. Sie konnte fast genauso energisch und stur ein Ziel verfolgen wie die Frauen der Zwei Fl�sse. �Liandrin und die meisten ihrer Genossinnen d�rften wohl aus Tanchico entkommen sein. Vielleicht sogar alle. Und wir wissen immer noch nicht, wer eigentlich die Schwarzen Ajah in der Burg befehligt. Wie Rand sagen w�rde: Wir m�ssen das noch erledigen, Nynaeve.�</p><p>Unwillk�rlich fuhr Nynaeve zusammen. Sicher, sie hatten eine Liste mit elf Namen, aber sobald sie sich wieder in der Burg befanden, konnte beinahe jede Aes Sedai, mit der sie sprachen, insgeheim eine Schwarze Ajah sein. Oder auch jede, die sie auf der Stra�e antrafen. Davon abgesehen konnte ja auch jeder, den sie �berhaupt kennenlernten, ein Schattenfreund sein, doch das war nicht dasselbe; bei weitem nicht.</p><p>�Noch mehr als �ber die Schwarzen Ajah�, fuhr Elayne fort, �mache ich mir Gedanken �ber Mo...� Nynaeve legte ihr blitzschnell die Hand auf den Arm und nickte leicht in Richtung Juilin. Elayne hustete und fuhr fort, als sei sie nur durch das Husten unterbrochen worden. ��ber Mutter. Sie hat keinen Grund, dich in die Arme zu schlie�en, Nynaeve. Ganz im Gegenteil.�</p><p>�Sie ist doch weit weg.� Nynaeve war froh, da� ihre Stimme nicht zitterte. Sie sprachen nicht von Elaynes Mutter, sondern von der Verlorenen, die sie besiegt hatten. Mit einem Teil ihres Verstandes hoffte sie flehentlich, da� Moghedien sich weit entfernt befinde. Sehr weit.</p><p>�Und wenn nicht?�</p><p>�Bestimmt�, sagte Nynaeve �berzeugt, doch sie zog dabei immer noch unsicher die Schultern ein. Sie erinnerte sich noch zu gut daran, wie sie von Moghedien gedem�tigt worden war und h�tte nichts lieber gehabt, als die Frau wieder vor sich zu haben und sie wieder zu besiegen, aber diesmal endg�ltig. Nur, was geschah, wenn Moghedien sie �berraschte und sie angriff, wenn sie gerade nicht zornig genug war, um die Macht gebrauchen zu k�nnen? Das gleiche galt nat�rlich f�r alle Verlorenen oder auch jede Schwarze Schwester, doch nach ihrem Zusammensto� in Tanchico hatte Moghedien allen Grund, sie ganz pers�nlich zu hassen. Nicht gerade ein angenehmer Gedanke, da� eine der Verlorenen ihren Namen kannte und h�chstwahrscheinlich ihren Kopf wollte. <emphasis>Das ist doch einfach nur Feigheit!</emphasis> sagte sie sich energisch. <emphasis>Du bist aber kein Feigling und wirst es nie sein!</emphasis> Das lie� aber dieses Jucken zwischen ihren Schulterbl�ttern nicht vergehen, jedesmal, wenn sie an Moghedien denken mu�te, als f�hle sie den Blick dieser Frau in ihrem R�cken.</p><p>�Ich sch�tze, mich immerzu nach hinten umzusehen wegen der Banditen hat mich nerv�s gemacht�, sagte Elayne so nebenher und tupfte sich das Gesicht mit dem Handtuch ab. �Also, wenn ich in letzter Zeit tr�ume, habe ich oft das Gef�hl, da� mich jemand beobachtet.�</p><p>Nynaeve fuhr leicht zusammen, als sie dieses Echo ihrer eigenen Gedanken h�rte, aber dann wurde ihr die Betonung auf dem Wort �tr�ume� bewu�t. Damit waren nicht irgendwelche Tr�ume gemeint, sondern <emphasis>Tel'aran'rhiod.</emphasis> Noch eine Sache, von der die M�nner nicht wu�ten. Sie hatte jedenfalls das gleiche Gef�hl gehabt, aber andererseits sp�rte man in der Welt der Tr�ume oftmals unsichtbare Augen. Das konnte nat�rlich unangenehm sein, aber sie hatten dar�ber schon �fters miteinander gesprochen.</p><p>Sie bem�hte sich, in heiterem Tonfall zu sprechen: �Na ja, wenigstens sehen wir deine Mutter nicht in unseren Tr�umen, Elayne, sonst w�rde sie uns vermutlich beide an den Ohren packen.� Moghedien w�rde sie wahrscheinlich foltern, bis sie um die Gnade des Todes bettelten. Oder einen Kreis von dreizehn Schwarzen Schwestern und dreizehn Myrddraal zusammenholen. Damit konnte man jeden gegen den Willen zum Schatten bekehren und an den Dunklen K�nig binden. Vielleicht konnte Moghedien das sogar allein fertigbringen... <emphasis>Mach dich nicht l�cherlich, Frau! Wenn sie das k�nnte, hatte sie es getan. Du hast sie besiegt, wei�t du noch?</emphasis></p><p>�Ich hoffe nicht�, antwortete die andere Frau n�chtern.</p><p>�Wirst du mir auch eine Gelegenheit geben, mich zu waschen?� fragte Nynaeve leicht ver�rgert. Sie wieder zu beruhigen war ja in Ordnung, aber man sollte doch etwas weniger von Moghedien sprechen. Die Verlorene mu�te sich irgendwo weit entfernt befinden, denn wenn sie w��te, wo sie sich aufhielten, h�tte sie sie doch nicht unbehelligt umherziehen lassen. <emphasis>Das Licht gebe, da� es auch stimmt!</emphasis></p><p>Elayne leerte den Eimer selbst aus und f�llte ihn wieder f�r Nynaeve. Sie war an sich ein sehr nettes M�dchen, wenn sie daran dachte, da� sie sich nicht im k�niglichen Palast in Caemlyn befand. Und wenn sie sich nicht zum Narren machte. Aber daf�r w�rde Nynaeve schon sorgen, wenn Thom zur�ck war.</p><p>Nachdem Nynaeve es genossen hatte, sich ausgiebig zu s�ubern, machte sie sich daran, das Lager zu richten und lie� Juilin abgestorbene �ste von den umstehenden B�umen abbrechen, um ein Feuer vorzubereiten. Als Thom mit zwei gef�llten Weidenk�rben zur�ckkehrte, die er dem Wallach �bergeh�ngt hatte, lagen ihre und Elaynes Decken unter dem Wagen bereit und die der beiden M�nner unter den weit herunterh�ngenden Zweigen einer der zwanzig Fu� hohen Weiden, ein ordentlicher Stapel Feuerholz war aufgeschichtet, ein Teekessel stand zum Abk�hlen neben der Asche eines kleinen Feuers auf einer kleinen, von Bl�ttern ges�uberten und geschw�rzten Fl�che, und die dicken Steinguttassen waren abgewaschen. Juilin knurrte m�rrisch in sich hinein, als er Wasser in dem winzigen B�chlein auffangen mu�te, um die F�sser wieder aufzuf�llen. Nach dem, was Nynaeve davon aufschnappen konnte, war sie froh, da� er das meiste zu leise brummte, um es verstehen zu k�nnen. Elayne hatte sich auf eine der Deichseln gesetzt und gab sich wenig M�he, ihr Interesse an dem, was er so brummte, zu verbergen. Sowohl sie wie auch Nynaeve hatten sich hinter dem Wagen verborgen umgezogen und dabei zuf�llig genau die Farben ihrer Kleider vertauscht. In den sauberen, frischen Kleidern f�hlten sie sich erheblich wohler.</p><p>Nachdem Thom dem Wallach die Fu�fesseln angelegt hatte, hob er die schweren Tragek�rbe problemlos herunter und begann mit dem Auspacken. �Mardecin ist nicht so wohlhabend, wie es aus der Entfernung wirkt.� Er legte ein Netz voll kleiner �pfel auf den Boden und ein weiteres, gef�llt mit dunkelgr�nen, gro�bl�ttrigen Kohlk�pfen. �Der Handel nach Tarabon hinein ist praktisch tot, und darunter leidet die Stadt.� Der Rest schien nur aus S�cken mit getrockneten Bohnen und Zwiebeln zu bestehen, und dazu in Pfeffer eingelegtes Fleisch und scharf ger�ucherte Schinken. Und eine graue, mit Wachs verschlossene Steingutflasche, von der Nynaeve sicher war, da� sie Branntwein enthielt. Die beiden M�nner hatten sich bereits beklagt, sie h�tten gar nichts zu trinken, wenn sie abends ihre Pfeifen schmauchten. �Man kann kaum sechs Schritte tun, ohne einem oder zwei Wei�m�nteln zu begegnen. Die Garnison umfa�t ungef�hr f�nfzig Mann Besatzung. Das Lager liegt auf der anderen H�gelseite jenseits des Flusses hinter dem Ort. Es ist um vieles gr��er, aber wie es scheint, zieht Pedron Niall aus allen Richtungen die Wei�m�ntel in Amador zusammen.� Er strich sich den langen Schnurrbart und blickte einen Augenblick lang sehr nachdenklich drein. �Ich kann mir nicht vorstellen, was er eigentlich vorhat.� Thom war nicht der Mann, dem so etwas gepa�t h�tte. F�r gew�hnlich reichten ihm ein paar Stunden Aufenthalt an einem Ort, um herauszubekommen, was sich zwischen den Adelsh�usern und den Kaufleuten abspielte, wer mit wem verb�ndet war, welche Intrigen und Gegenintrigen abliefen, eben alles, was dieses sogenannte �Spiel der H�user� ausmachte. �Den Ger�chten nach versucht Niall, einen Krieg zwischen Illian und Altara zu verhindern, oder vielleicht zwischen Illian und Murandy. Da h�tte er aber keinen Grund, sein Heer zu mobilisieren. Aber ich sage Euch eines: Was der Leutnant auch gesagt hat, die Lebensmittel, die nach Tarabon gebracht werden, werden durch eine k�niglich erlassene Steuer bezahlt, und das gef�llt den Menschen hier �berhaupt nicht. Sie wollen alles andere als die Taraboner durchf�ttern.�</p><p>�K�nig Ailron und der kommandierende Lordhauptmann gehen uns nichts an�, sagte Nynaeve und musterte seine Eink�ufe. Drei gesalzene und ger�ucherte Schinken! �Wir werden so schnell und unauff�llig wie m�glich durch Amadicia fahren. Vielleicht haben Elayne und ich mehr Gl�ck dabei als Ihr, Gem�se aufzutreiben. Kommst du mit spazieren, Elayne?�</p><p>Elayne stand sofort auf, strich ihren grauen Rock glatt und nahm ihren Hut vom Wagen. �Das w�re sehr sch�n nach dem harten Kutschbock. Es k�nnte ja anders sein, wenn Thom und Juilin mich etwas �fter auf Schmoller reiten lassen w�rden.� Ausnahmsweise einmal warf sie dem alten Gaukler keinen koketten Blick zu, und das wollte schon etwas hei�en.</p><p>Thom und Juilin tauschten einen Blick, und der tairenische Diebf�nger zog eine M�nze aus seiner Manteltasche. Doch Nynaeve lie� ihm gar nicht die Zeit, um sie zu werfen. �Wir k�nnen durchaus allein bleiben. Was soll uns schon passieren, wenn hier so viele Wei�m�ntel Recht und Ordnung wahren?� Sie setzte sich den Hut auf, band den Schal dr�ber, verknotete ihn unter dem Kinn und sah sie herausfordernd an. �Au�erdem m�ssen all diese Sachen, die Thom gekauft hat, noch verstaut werden.� Beide M�nner nickten, bed�chtig und z�gernd zwar, aber sie stimmten zu. Manchmal nahmen sie ihre Rolle als angebliche Besch�tzer doch etwas zu ernst.</p><p>Sie und Elayne kamen an die leere Stra�e und schlenderten am Stra�enrand entlang, auf einem Streifen d�nnen Grases, wo sie keinen Staub aufwirbelten.</p><p>Schlie�lich hatte sie sich entschieden, wie sie sagen w�rde, was sie auf dem Herzen hatte. Doch bevor sie sprechen konnte, sagte Elayne: �Du willst offensichtlich allein mit mir sprechen, Nynaeve. �ber Moghedien vielleicht?�</p><p>Nynaeve ri� kurz die Augen auf und warf der anderen einen Seitenblick zu. Man sollte immer daran denken, da� Elayne alles andere als begriffsstutzig war. Sie hatte sich nur ein wenig d�mmlich benommen. So beschlo� Nynaeve, sich zu beherrschen, denn dies w�rde schon schwierig werden und konnte leicht in eine wilde Schreierei ausarten. �Nein, nicht dar�ber, Elayne.� Das M�dchen war der Meinung, sie sollten Moghedien in ihre Suche einschlie�en. Sie erkannte offensichtlich nicht den Unterschied zwischen einer der Verlorenen und beispielsweise Liandrin oder Chesmal. �Ich dachte, wir sollten uns einmal dar�ber unterhalten, wie du dich Thom gegen�ber verh�ltst.�</p><p>�Ich wei� nicht, was du willst�, sagte Elayne, wobei sie stur geradeaus zur Stadt hin blickte. Doch die roten Flecken auf ihren Wangen straften ihre Worte L�gen.</p><p>�Er ist nicht nur alt genug, um dein Vater � ja, dein Gro�vater zu sein, sondern...�</p><p>�Er ist <emphasis>nicht</emphasis> mein Vater!� fauchte Elayne. �Mein Vater war Taringail Damodred, ein Prinz von Cairhien und der Erste Prinz des Schwerts von Andor!� Unn�tigerweise r�ckte sie ihren Hut gerade und fuhr dann in sanfterem Tonfall � wenn auch nicht sehr gem��igt � fort: �Es tut mir leid, Nynaeve. Ich wollte nicht schreien.�</p><p><emphasis>Launen,</emphasis> mahnte sich Nynaeve selbst. �Ich dachte, du liebst Rand�, sagte sie und bem�hte sich, sanft zu sprechen. Das fiel ihr nicht leicht. �Das ging jedenfalls aus den Briefen hervor, die du durch mich Egwene f�r ihn mitgegeben hast. Ich erwartete eigentlich, da� du ihr das gleiche gesagt hast.�</p><p>Die Wangen der anderen r�teten sich noch st�rker. �Ich liebe ihn, aber... Er ist sehr weit weg, Nynaeve. In der W�ste, und von tausend T�chtern des Speers umgeben, die springen, wenn er etwas will. Ich kann ihn nicht sehen, nicht sprechen und ihn nicht ber�hren.� Am Ende fl�sterte sie nur noch.</p><p>�Du kannst doch wohl nicht glauben, da� er sich einer Tochter des Speers zuwenden wird�, sagte Nynaeve ungl�ubig. �Er ist ein Mann, aber doch nicht so wetterwendisch, und au�erdem w�rde eine von denen ihm einen Speer in den Leib rennen, wenn er sie nur schief anblickte, ob er nun dieser Morgend�mmerung oder wie auch immer ist oder auch nicht. Dar�ber hinaus sagt Egwene doch, da� Aviendha f�r dich auf ihn aufpa�t.�</p><p>�Ich wei�, aber... Ich h�tte sichergehen sollen, da� ihm meine Liebe wirklich bewu�t ist.� Elaynes Stimme klang sehr entschlossen. Und besorgt. �Ich h�tte es ihm selbst sagen sollen.�</p><p>Nynaeve hatte sich vor Lan eigentlich noch nie f�r einen Mann interessiert, aber sie hatte als Seherin nat�rlich viel gesehen und erfahren. Und ihrer Erfahrung nach gab es keinen besseren Weg, um einen Mann sofort zum Davonlaufen zu bringen. Nein, <emphasis>er</emphasis> mu�te es zuerst sagen.</p><p>�Ich glaube, Min hatte eine Vision�, fuhr Elayne fort. �Von mir und auch von Rand. Sie hat immer dar�ber gescherzt, da� ich ihn mit anderen teilen m�sse, doch ich glaube, es war gar kein Scherz und sie konnte sich einfach nicht �berwinden, zu sagen, was sie wirklich gesehen hat.�</p><p>�Das ist doch l�cherlich.� Und das war es auch. Obwohl � in Tear hatte ihr Aviendha von einer abscheulichen Sitte bei den Aiel berichtet... <emphasis>Du teilst Lan mit Moiraine,</emphasis> fl�sterte eine kleine Stimme in ihr. <emphasis>Das ist absolut nicht dasselbe!</emphasis> antwortete sie knapp. �Bist du sicher, da� es eine von Mins Visionen war?�</p><p>�Ja. Zuerst war ich mir nicht dar�ber im klaren, aber je mehr ich dar�ber nachdenke, desto sicherer bin ich. Sie hat das zu oft im Scherz erw�hnt, als da� es irgend etwas anderes bedeuten k�nnte.�</p><p>Nun, was Min auch gesehen haben mochte, Rand war jedenfalls kein Aiel. Oh, er mochte ja von Aiel abstammen, wie die Weisen Frauen behaupteten, aber er war in den Zwei Fl�ssen aufgewachsen und sie w�rde sowieso nicht dastehen und zusehen, wie er solch verruchte Aielsitten annahm. Sie bezweifelte auch sehr, da� Elayne sich dem beugen w�rde. �Hast du dich deshalb� � sie wollte nicht sagen: <emphasis>an ihn herangeschmissen</emphasis> � �so mit Thom abgegeben?�</p><p>Elayne blickte sie von der Seite her an, und das Rot kehrte auf ihre Wangen zur�ck. �Zwischen uns liegen tausend Wegstunden, Nynaeve. Glaubst du, da� Rand keine anderen Frauen ansieht? �Ein Mann ist ein Mann, ob auf einem Thron oder im Schweinestall.�� Sie hatte einen ganzen Vorrat solcher Sprichw�rter auf Lager, die sie von ihrer ehemaligen Amme hatte, einer urvern�nftigen Frau namens Lini, von der Nynaeve hoffte, sie k�nne sie eines Tages kennenlernen.</p><p>�Also, ich sehe ja nicht ein, da� du unbedingt flirten mu�t, nur weil du glaubst, Rand t�te das vielleicht auch.� Sie unterlie� es, noch einmal Thoms Alter zu erw�hnen. <emphasis>Lan ist alt genug, um dein Vater zu sein,</emphasis> murmelte diese kleine Stimme wieder. <emphasis>Ich liebe Lan. Wenn ich nur einen Weg finden k�nnte, ihn von Moiraine wegzubringen... Aber das ist jetzt nicht das Thema.</emphasis> �Thom ist ein Mann mit Geheimnissen, Elayne. Denk daran, da� ihn Moiraine uns mitgegeben hat. Was er auch sein mag, ein einfacher Gaukler vom Land ist er jedenfalls nicht.�</p><p>�Er war ein gro�er Mann�, sagte Elayne leise. �Er h�tte noch gr��er sein k�nnen, wenn nicht die Liebe gewesen w�re.�</p><p>Das brachte Nynaeves Zorn zum �berkochen. Sie fuhr auf die andere los und packte sie an den Schultern. �Dieser Mann wei� nicht, ob er dich �bers Knie legen soll oder... oder... auf einen Baum klettern!�</p><p>�Ich wei�.� Elayne entwich ein hilfloses Seufzen. �Aber ich wei� nicht, was ich sonst tun soll.�</p><p>Nynaeve knirschte mit den Z�hnen, so sehr mu�te sie an sich halten, um Elayne nicht zu kr�ftig durchzusch�tteln. �Wenn deine Mutter davon erf�hre, w�rde sie Lini herschicken, um dich ins Kinderzimmer zur�ckzuschleifen!�</p><p>�Ich bin kein Kind mehr, Nynaeve.� Elaynes Stimme klang gestre�t und die R�te ihrer Wangen r�hrte jetzt nicht mehr von Verlegenheit her. �Ich bin genauso eine Frau wie meine Mutter.�</p><p>Nynaeve beschleunigte ihren Schritt und packte dabei ihren Zopf so fest, da� ihre Kn�chel schmerzten.</p><p>Nach ein paar Schritten hatte Elayne sie eingeholt. �Sollen wir wirklich Gem�se einkaufen?� Ihre Miene war beherrscht und ihr Tonfall heiter.</p><p>�Hast du gesehen, was Thom mitgebracht hat?� sagte Nynaeve mit gepre�ter Stimme.</p><p>Elayne schauderte �bertrieben. �Drei Speckseiten. Und dieses furchtbare in Pfeffer eingelegte Rindfleisch. Essen M�nner �berhaupt etwas anderes als Fleisch, wenn man es ihnen nicht direkt vor die Nase stellt?�</p><p>Nynaeves Laune besserte sich, als sie weitergingen und dabei �ber die Schw�chen des schw�cheren Geschlechts �nat�rlich der M�nner � und andere �hnlich einfache Dinge plauderten. Nat�rlich verrauchte ihr Zorn nicht ganz, aber immerhin. Sie mochte Elayne und geno� ihre Gesellschaft. Zuzeiten schien es, als sei das M�dchen tats�chlich Egwenes Schwester. Manchmal hatten sich die beiden ja auch gegenseitig so bezeichnet � wenn Elayne nicht gerade das Flittchen spielte. Thom h�tte dem nat�rlich entgegenwirken k�nnen, aber der alte Narr best�tigte Elayne noch, indem er sie behandelte wie ein wohlwollender Vater seine Lieblingstochter, selbst wenn er nicht wu�te, ob er h�h oder hott sagen sollte. Wie auch immer, sie w�rde dem auf den Grund gehen. Nicht Rands wegen, sondern weil Elayne einfach zu gut f�r so etwas war. Es war, als habe sie sich ein fremdartiges Fieber eingefangen. Nynaeve hatte allerdings vor, sie davon zu heilen.</p><p>Die Stra�en von Mardecin waren mit Granitplatten gepflastert, die von Generationen von F��en und Wagenr�dern ausgefahren und ausgetreten worden waren, und die Geb�ude waren alle aus Backsteinen oder Naturstein erbaut. Allerdings stand eine ganze Anzahl davon leer, sowohl Gesch�fte wie auch Wohnh�user. Manchmal stand sogar die Vordert�r offen, so da� Nynaeve in die leeren R�ume dahinter blicken konnte. Sie sah drei Schmieden, von denen zwei aufgegeben worden waren, w�hrend in der dritten der Schmied gerade seine Werkzeuge halbherzig mit �l pflegte. Die Essen waren kalt. Vor einer Schenke mit einem Schieferdach sa�en die G�ste verdrie�lich auf B�nken im Freien. Ein Teil der Fenster war zerbrochen, und bei einer anderen Schenke hing die T�r zum danebenstehenden Stallgeb�ude schief in den Angeln. Eine verstaubte Kutsche stand im Stallhof. Auf dem Kutschbock br�tete einsam eine Henne. Im Schankraum spielte jemand auf der Zither den �Reiherflug�, doch selbst diese Melodie klang irgendwie mutlos und halbherzig. Die Eingangst�r einer dritten Schenke war mit zwei rissigen Brettern vernagelt.</p><p>Die Menschen dr�ngten sich in den Stra�en, doch sie bewegten sich tr�ge, von der Hitze erschlagen. Tr�be Mienen sagten deutlich aus, da� sie eigentlich � au�er der Gewohnheit � eigentlich gar keinen Grund hatten, sich zu bewegen. Viele Frauen trugen gro�e, breitkrempige H�te, die ihre Gesichter fast ganz verbargen, und die S�ume ihrer Kleider waren ausgefranst. Genauso ausgefranst wie die Kr�gen oder Manschetten an den knielangen M�nteln vieler M�nner.</p><p>Tats�chlich waren auf den Stra�en einige Wei�m�ntel zu sehen, und wenn es vielleicht nicht so viele waren, wie sie nach Thoms Bericht erwartet hatten, waren es immer noch genug. Nynaeve stockte jedesmal der Atem, wenn sie bemerkte, da� ein Mann in jungfr�ulich wei�em Umhang und gl�nzendem Harnisch sie anblickte. Sie wu�te wohl, da� sie keinesfalls lange genug mit der Macht gearbeitet hatte, um die typische Alterslosigkeit der Aes Sedai anzunehmen, aber bei diesen M�nnern war durchaus zu erwarten, da� sie eine Hexe aus Tar Valon, die sich nicht in Amadicia aufhalten durfte, t�ten w�rden, selbst wenn sie sie nur einer Verbindung zur Wei�en Burg verd�chtigten.</p><p>Sie schritten durch die Menschenmenge und schienen die offensichtliche Armut ihrer Umgebung �berhaupt nicht wahrzunehmen. Die Menschen machten ihnen respektvoll Platz und erhielten zur Antwort manchmal ein dankendes Nicken und oft ein strengbigottes �Wandelt unter dem Licht�.</p><p>So ignorierte sie die Kinder des Lichts, so gut es m�glich war, und machte sich daran, frisches Gem�se aufzutreiben. Doch als die Sonne ihren h�chsten Punkt am Himmel erreicht hatte, hatten Elayne und sie getrennt zu beiden Seiten der Br�cke den gesamten Ort abgegrast und lediglich ein kleines B�ndel S��erbsen aufgegabelt, ein paar winzige Rettiche, mehrere harte Birnen und einen Korb, in dem sie alles zur�cktragen wollten. Vielleicht hatte sich Thom wirklich nach Gem�se umgesehen. Zu dieser Jahreszeit h�tten die Karren und Verkaufsst�nde voll sein m�ssen mit der Ernte des Sommers, aber was sie hier sahen, waren meist Kartoffeln und Zwiebeln, die auch schon bessere Tage gesehen hatten. Wenn sie an all die verlassenen Bauernh�fe dachte, die sie auf dem Weg hierher passiert hatten, dann fragte sich Nynaeve, wie diese Menschen den Winter �berstehen sollten. Sie schlenderte weiter.</p><p>Neben der T�r eines strohgedeckten Hauses, das den Laden einer N�herin beherbergte, hing ein Pflanzenb�ndel, das beinahe wie Besenkraut aussah. Winzige gelbe Bl�ten befanden sich daran, und die Stiele waren ganz mit wei�en B�ndern umwickelt. Alles hatte man mit einem gelben Band zusammengebunden. Das konnte wohl der schwache Versuch einer Frau sein, in harten Zeiten ein wenig freundlichen Schmutz anzubringen, doch sie war eigentlich sicher, da� es eine andere Bedeutung haben mu�te.</p><p>Sie blieb neben einem leeren Laden stehen, auf dessen Schild �ber der T�r ein Messer geschnitzt war, tat so, als suche sie einen Stein in ihrem Schuh und betrachtete derweil den Laden der N�herin ganz genau. Die T�r stand offen, und in den Fenstern mit ihren kleinen Butzenscheiben sah sie bunte Stoffballen stehen. Doch es ging niemand hinein und keiner kam heraus.</p><p>�Kannst du ihn nicht finden, Nynaeve? Nimm doch den Schuh ab.�</p><p>Nynaeves Kopf fuhr herum, denn sie hatte beinahe vergessen gehabt, da� auch Elayne da war. Keiner achtete auf sie, und es war wohl auch niemand nahe genug, um sie zu belauschen. Trotzdem senkte sie die Stimme: �Dieses B�ndel Besenkraut an der Ladent�r. Das ist ein Signal der gelben Ajah, ein Notsignal von einem der Augen-und-Ohren der Gelben.�</p><p>Sie mu�te Elayne nicht sagen, da� sie nicht auff�llig hin�bersehen sollte. Der Blick des M�dchens schien den Laden kaum zu streifen. �Bist du sicher?� fragte sie leise. �Und woher wei�t du das?�</p><p>�Klar bin ich sicher. Es stimmt genau; sogar das gelbe Band, das herunterh�ngt, ist in drei Enden aufgeschnitten.� Sie schwieg einen Moment lang und holte tief Luft. Wenn sie sich nicht ganz und gar irrte, hatte dieses unbedeutende B�ndel Kr�uter eben doch eine Bedeutung als Notsignal. Falls sie im Unrecht war, machte sie sich zum Narren, und das ha�te sie. �Ich habe mich in der Burg sehr h�ufig mit Gelben unterhalten.� Der wichtigste Lebenszweck der Gelben war das Heilen von Krankheiten und Verletzungen. Sie legten wohl nicht viel Wert auf Kr�uter, aber die ben�tigte man auch kaum, wenn man mit Hilfe der Macht heilen konnte. �Eine von ihnen hat mir das erz�hlt. Sie hat es nicht f�r einen besonders relevanten Versto� gegen die Vorschriften gehalten, da sie sicher war, da� aus mir eine Gelbe wird. Au�erdem ist dieses Signal seit beinahe dreihundert Jahren nicht mehr ben�tzt worden. Elayne, selbst in jeder Ajah wissen nur wenige Frauen �berhaupt, wer die Augen-und-Ohren ihrer eigenen Ajah sind, aber ein B�ndel gelber Bl�ten, das so wie dieses zusammengebunden und aufgeh�ngt wurde, sagt jeder Gelben Schwester, da� sich hier eine befindet und etwas zu berichten wei�, das wichtig genug ist, um daf�r sogar die Entdeckung zu riskieren.�</p><p>�Wie werden wir herausfinden, worum es geht?�</p><p>Das gefiel Nynaeve. Nicht: �Was sollen wir tun?� Das M�dchen hatte R�ckgrat.</p><p>�Folge mir einfach nur�, sagte sie und ergriff ihren Korb mit fester Hand, w�hrend sie sich aufrichtete. Sie hoffte, sich noch an alles erinnern zu k�nnen, was ihr Shemerin gesagt hatte. Sie hoffte auch, da� Shemerin ihr wirklich alles gesagt hatte. Die mollige Gelbe war f�r eine Aes Sedai schon recht geschw�tzig.</p><p>Das Innere des Ladens war nicht sehr gro�, und jedes bi�chen Wandfl�che wurde von Regalen eingenommen. Da lagen dann Ballen aus Seide oder feingewebter Wolle, Spulen mit F�den oder S�umen, und dazu B�nder und Spitzen jeder Breite und Sorte. Schneiderpuppen standen in den Ecken, auf denen sowohl halbfertige, wie auch fertig gen�hte Kleidungsst�cke hingen � von einem Tanzkleid aus besticktem gr�nen Wollstoff bis zu einem grauen Seidengewand, die sich auch an einem Hof gut ausgenommen h�tte. Auf den ersten Blick strahlte der Laden Gesch�ftigkeit und Wohlstand aus, doch Nynaeves scharfe Augen entdeckten eine feine Staubschicht auf einer hohen Halskrause aus feinster Solindespitze und auf einer gro�en Samtschleife um die Taille eines anderen Kleides. Im Laden befanden sich zwei dunkelhaarige Frauen. Die eine, jung und mager, wischte sich st�ndig mit dem Handr�cken die laufende Nase, w�hrend sie einen Ballen hellroter Seide �ngstlich an den Busen dr�ckte. Ihr Haar fiel in einer gro�en Anzahl langer Korkenzieherlocken auf ihre Schultern, wie das in Amadicia Mode war, doch gegen�ber der ordentlichen Frisur der anderen Frau wirkte es verfilzt. Diese andere war von mittleren Jahren und sah recht gut aus. Sie mu�te ganz bestimmt die N�herin sein, denn an einem Handgelenk trug sie ein gro�es, mit Nadeln gespicktes Nadelkissen. Ihr Kleid war aus gr�ner Wolle guter Qualit�t gefertigt, sch�n geschnitten, und sicher trug sie es, um ihre Kunst auf diese Art gleich vorzuf�hren. Um den hohen Kragen herum war es allerdings nur mit wenigen Stickereien in Form wei�er Blumen geschm�ckt, sicher, um ihre Kundinnen nicht in den Schatten zu stellen.</p><p>Als Nynaeve und Elayne eintraten, rissen beide Frauen die Augen auf, als sei seit dem letzten Jahr niemand mehr hereingekommen. Die N�herin fing sich zuerst und musterte sie mit ernster W�rde, w�hrend sie einen leichten Knicks andeutete. �Wie kann ich Euch behilflich sein? Ich hei�e Ronde Macura. Mein Gesch�ft steht Euch zu Diensten.�</p><p>�Ich m�chte ein Kleid, das am Brustteil mit gelben Rosen bestickt ist�, sagte Nynaeve zu ihr. �Aber bitte ohne Dornen�, f�gte sie lachend hinzu. �Ich heile nicht so schnell.� Was sie sagte, spielte keine Rolle, solange die Worte �gelb� und �heilen� darin vorkamen. Wenn jetzt nur nicht dieses Kr�uterb�ndel reiner Zufall war! Falls es so w�re, m��te sie eine Ausrede finden, warum sie doch kein Kleid mit Rosen kaufen wolle. Und einen Ausweg, damit Elayne nicht die ganze ungl�ckliche Angelegenheit br�hwarm Thom und Juilin auftischte.</p><p>Frau Macura blickte sie einen Augenblick lang mit ihren dunklen Augen an und wandte sich dann zu dem M�dchen. Sie schob sie in den hinteren Teil dieses Geb�udes. �Geh in die K�che Richtung Luci, und bereite eine Kanne Tee f�r diese guten Damen. Aus der blauen Dose. Das Wasser ist bereits hei�, dem Licht sei Dank. Geh nur, M�dchen. Leg das hin und h�r mit der Gafferei auf. Schnell, schnell. Die blaue Dose, vergi� es nicht! Mein bester Tee�, sagte sie, als sie sich wieder Nynaeve zuwandte, w�hrend das M�dchen durch die Hintert�r verschwand. �Ich wohne �ber dem Laden, und meine K�che befindet sich hinten.� Sie strich nerv�s ihren Rock glatt, wobei Daumen und Zeigefinger ihrer rechten Hand einen Kreis andeuteten. F�r den Ring der Gro�en Schlange. Sie w�rde, wie es schien, keine Ausrede des Kleides wegen ben�tigen.</p><p>Nynaeve erwiderte das Zeichen, und nach einem Augenblick tat es ihnen auch Elayne nach. �Ich hei�e Nynaeve, und das ist Elayne. Wir haben Euer Signal gesehen.�</p><p>Die Frau bebte wie ein Vogel, der wegfliegen m�chte. �Das Signal? Ach ja. Nat�rlich.�</p><p>�Also�, sagte Nynaeve. �Wie lautet Eure dringende Botschaft.�</p><p>�Wir sollten hier drau�en nicht dar�ber sprechen... �h...</p><p>Frau Nynaeve. Es k�nnte jemand hereinkommen.� Das bezweifelte Nynaeve. �Ich werde es Euch bei einer sch�nen Tasse Tee berichten. Mein bester Tee, hatte ich das erw�hnt?�</p><p>Nynaeve tauschte einen Blick mit Elayne. Wenn Frau Macura so z�gerte, ihre Botschaft loszuwerden, mu�te sie wohl wirklich schlimm sein.</p><p>�Wenn wir einfach nach hinten gehen�, sagte Elayne, �wird uns niemand h�ren.� Ihr vornehmes Auftreten lie� die N�herin vor Ehrfurcht erstarren. Einen Augenblick lang hoffte Nynaeve, es werde ihre Nervosit�t lindern, doch im n�chsten Moment plapperte die t�richte Frau wieder los.</p><p>�Der Tee wird sofort fertig sein. Das Wasser ist bereits hei�. Wir haben sonst immer Tee aus Tarabon hier hereinbekommen. Deshalb bin ich ja wohl auch hier. Nat�rlich nicht wegen des Tees. All der Handel vorher und all die Neuigkeiten, die man von beiden Seiten her durch die H�ndler und ihre Angestellten erfuhr. Sie... Ihr werdet vor allem an Ausbr�chen von Epidemien oder an neuen Krankheiten interessiert sein, und das interessiert mich auch. Ich besch�ftige mich ein wenig mit...� Sie hustete, und es sprudelte weiter aus ihr heraus. H�tte sie dabei ihr Kleid noch ein wenig fester gegl�ttet, dann w�re es vermutlich bald verschlissen. �Es gibt nat�rlich auch einiges von den Kindern des Lichts, aber sie... Ihr... seid daran wohl kaum sehr interessiert.�</p><p>�Die K�che, Frau Macura!� mahnte Nynaeve, als die Frau einmal Luft holte. Wenn die Nachricht dieser Frau sie derartig versch�chtert hatte, dann w�rde Nynaeve kein Z�gern mehr dulden. Sie mu�te wissen, worum es ging.</p><p>Die Hintert�r �ffnete sich, und Lucis �ngstliches Gesicht erschien. �Alles ist fertig, Frau Macura�, verk�ndete sie atemlos.</p><p>�Hier entlang, Frau Nynaeve�, sagte die N�herin, die immer noch �ber die Vorderseite ihres Rocks strich. �Frau Elayne.�</p><p>Ein kurzer Flur f�hrte an einer engen Treppe vorbei in eine gem�tliche K�che mit dicken Deckenbalken. Auf dem Herd stand ein dampfender Wasserkessel. �berall an den W�nden befanden sich hohe Schr�nke. Zwischen dem Hintereingang und einem Fenster, aus dem man in einen kleinen, von einem hohen Holzzaun umgebenen Hof sah, hingen kupferne Kocht�pfe. Auf dem kleinen Tisch in der Mitte des Raums standen eine leuchtend gelbe Teekanne, ein gr�ner Honigtopf, drei nicht zusammenpassende Tassen in genauso vielen Farben und eine viereckige, blaue Keramikdose, deren Deckel daneben lag. Frau Macura schnappte sich die Dose, legte den Deckel auf und stellte sie hastig in einen Schrank, in dem weitere Dosen in zwei Dutzend verschiedenen Farben und Schattierungen standen.</p><p>�Setzt Euch bitte�, sagte sie und go� ihnen Tee ein. �Bitte sehr.�</p><p>Nynaeve setzte sich auf einen Stuhl mit Sprossenr�cklehne neben Elayne, und die N�herin stellte die Tassen vor sie hin und eilte zu einem der Schr�nke, um Zinnl�ffel hervorzuholen.</p><p>�Die Botschaft?� forderte Nynaeve, als sich die Frau ihnen gegen�ber hinsetzte. Frau Macura war zu nerv�s, um die eigene Tasse zu ber�hren, also r�hrte Nynaeve ein wenig Honig in ihre und nippte daran. Er war hei�, schmeckte aber irgendwie k�hl und erfrischend wie Pfefferminz. Hei�er Tee w�rde vielleicht die Nerven der Frau beruhigen, falls man sie zum Trinken brachte.</p><p>�Ein angenehmer Geschmack�, murmelte Elayne �ber den Rand ihrer Tasse hinweg. �Welche Sorte Tee ist das denn?�</p><p><emphasis>Gutes M�dchen,</emphasis> dachte Nynaeve.</p><p>Doch die Hand der N�herin zitterte lediglich neben der Tasse. �Ein Tee aus Tarabon. Aus der N�he der Schattenk�ste.�</p><p>Seufzend nahm Nynaeve einen weiteren Schluck, um ihren eigenen Magen zu beruhigen. �Eure Botschaft�, sagte sie eindringlich. �Ihr habt dieses Signal ja nicht hinausgeh�ngt, um uns zum Tee einzuladen. Was sind denn nun Eure dringenden Neuigkeiten?�</p><p>�Ach ja.� Frau Macura fuhr sich mit der Zunge �ber die Lippen, musterte sie beide, und dann sagte sie bed�chtig: �Das ist vor beinahe einem Monat durchgekommen und damit auch der Auftrag, es jeder Schwester unter allen Umst�nden mitzuteilen, die hier im Ort auftaucht.� Sie befeuchtete erneut ihre Lippen. �Alle Schwestern werden gebeten, zur Wei�en Burg zur�ckzukehren. Die Burg mu� vollst�ndig besetzt und stark sein.�</p><p>Nynaeve wartete auf den Rest, aber die andere Frau schwieg. Und das sollte die dringende Nachricht sein? Sie blickte zu Elayne hin�ber, doch das M�dchen schien unter der Hitze zu leiden. Sie sa� zusammengesackt auf ihrem Stuhl und betrachtete ihre auf dem Tisch liegenden H�nde. �Ist das alles?� wollte Nynaeve wissen und war �berrascht, als sie sich beim G�hnen ertappte. Die Hitze machte wohl jetzt auch ihr zu schaffen.</p><p>Die N�herin beobachtete sie nur eindringlich.</p><p>�Ich sagte�, begann Nynaeve, doch pl�tzlich war ihr Kopf einfach zu schwer f�r ihren Hals. Elaynes Kopf war auf die Tischplatte gesunken, wie ihr noch bewu�t wurde. Das M�dchen hatte die Augen geschlossen und ihre Arme hingen schlaff herab. Nynaeve blickte in pl�tzlichem Erschrecken die Tasse in ihren H�nden an. �Was habt Ihr uns gegeben?� fragte sie mit schwerer Zunge. Der Pfefferminzgeschmack war immer noch zu sp�ren, doch ihre Zunge schien angeschwollen zu sein. �Sagt es mir!� Sie lie� die Tasse fallen und st�tzte sich auf den Tisch. Ihre Knie bebten. �Das Licht soll Euch versengen. Was war es?�</p><p>Frau Macura schob ihren Stuhl zur�ck und trat aus ihrer Reichweite. Aus der fr�heren Nervosit�t war jetzt ein Blick voll gelassener Zufriedenheit geworden.</p><p>Schw�rze rollte �ber Nynaeve hinweg. Das letzte, was sie h�rte, war die Stimme der N�herin: �Fang sie auf, Luci!�</p></section><section><title><p>10</p><p>Feigen und M�use</p></title><p>Elayne wurde schwach bewu�t, da� man sie an Schultern und Fu�gelenken die Treppe hinauftrug. Sie �ffnete die Augen und konnte auch sehen, doch der Rest ihres K�rpers h�tte genauso zu jemand anderem geh�ren k�nnen, so wenig Kontrolle besa� sie �ber ihn. Selbst ihr Wimpernschlag war langsam und m�hevoll. Ihr Gehirn schien wie mit Federn gef�llt.</p><p>�Sie ist wach, Herrin!� kreischte Luci und lie� fast ihre Beine fallen. �Sie schaut mich an!�</p><p>�Ich habe dir doch gesagt, du brauchst dir keine Sorgen machen.� Frau Macuras Stimme ert�nte von irgendwo �ber ihr. �Sie kann die Macht nicht gebrauchen und noch nicht einmal mit einem Muskel zucken. Nicht mit Spaltwurzeltee im Magen. Ich habe das nur durch einen Zufall bemerkt, aber es hat sich gewi� als n�tzlich erwiesen.�</p><p>Es stimmte. Elayne hing schlaff wie eine Puppe, der man die halbe F�llung herausgerissen hat, zwischen ihnen. Ihr Hinterteil stie� immer wieder gegen die Stufen, und sie konnte weder laufen noch die Macht gebrauchen. Sie sp�rte wohl die Wahre Quelle, aber der Versuch, sie zu ergreifen, war etwa so vergeblich, wie mit k�ltestarrenden Fingern eine Nadel von einem Spiegel aufheben zu wollen. Panik wallte in ihr auf, und eine Tr�ne rollte �ber ihre Wange.</p><p>Vielleicht wollten diese Frauen sie den Wei�m�nteln zur Exekution �bergeben, aber andererseits konnte sie kaum glauben, da� die Wei�m�ntel Frauen ben�tzten, um eine solche Falle zu stellen, in der Hoffnung, eine Aes Sedai k�nne hineintappen. Das lie� auf die Schattenfreunde schlie�en und darauf, da� sie neben den Gelben auch den Schwarzen Ajah dienten. Man w�rde sie bestimmt den Schwarzen Ajah ausliefern, falls Nynaeve nicht doch entkommen war. Doch wollte sie selbst entkommen, konnte sie auf niemand anderen z�hlen. Und sie konnte sich weder bewegen noch die Macht ben�tzen. Mit einemmal wurde ihr bewu�t, da� sie zu schreien versuchte, aber heraus kam nur ein d�nnes, gurgelndes Winseln. Das zu unterbinden kostete sie den Rest ihrer Kraft.</p><p>Nynaeve wu�te doch alles, was Kr�uter betraf. Zumindest behauptete sie das. Warum hatte sie nicht erkannt, welcher Tee das war? <emphasis>H�r auf zu winseln!</emphasis> Die kleine, feste Stimme in ihrem Hinterkopf h�rte sich erstaunlich genau wie die Linis an. <emphasis>Ein Ferkel, das unter einen Zaun geraten ist und quiekt, lockt damit nur den Fuchs an, statt sich zu befreien und wegzurennen.</emphasis> Verzweifelt machte sie sich daran, <emphasis>Saidar</emphasis> auf irgendeine Weise wieder zu erreichen. Es war doch so einfach gewesen, aber jetzt schien es genauso unm�glich, wie <emphasis>Saidin</emphasis> zu ergreifen. Trotzdem gab sie nicht auf. Es war das einzige, was sie unternehmen konnte.</p><p>Frau Macura jedenfalls schien keine Sorge mehr zu haben. Sobald sie Elayne auf das schmale Bett in einer kleinen Kammer mit nur einem Fenster hatten fallenlassen, eilte sie ohne Blick zur�ck mit Luci wieder hinaus. Elaynes Kopf lag so, da� sie ein weiteres enges Bett und eine hohe Kommode mit stark angelaufenen Messingkn�pfen an den Schubladen erkennen konnte. Die Augen konnte sie bewegen, doch der Kopf blieb wie gel�hmt.</p><p>Nach wenigen Minuten kehrten die beiden Frauen schwer atmend zur�ck, schleppten Nynaeve herein und wuchteten sie auf das andere Bett. Ihr Gesicht war schlaff und gl�nzte feucht vor Tr�nen, doch ihre dunklen Augen... Zorn erf�llte diese und auch ein wenig Angst. Elayne hoffte, der Zorn werde den Sieg davontragen. Nynaeve war st�rker als sie, wenn sie gerade f�hig war, die Macht zu ben�tzen. Vielleicht schaffte Nynaeve, woran sie ein ums andere Mal erb�rmlich scheiterte. Das mu�ten Tr�nen der Wut sein.</p><p>Frau Macura befahl dem M�dchen dazubleiben, w�hrend sie erneut hinauseilte. Diesmal kam sie mit einem Tablett zur�ck, das sie auf die Kommode stellte. Darauf standen die gelbe Teekanne, eine Tasse, ein Trichter und eine gro�e Sanduhr. �Also, Luci, denke daran, da� du jedesmal, wenn die Sanduhr abgelaufen ist, jeder von beiden zwei Unzen eintrichterst. Sobald sie abgelaufen ist, nicht vergessen!�</p><p>�Warum geben wir es ihnen nicht schon jetzt, Frau Macura?� jammerte das M�dchen h�nderingend. �Ich m�chte, da� sie wieder einschlafen. Ich mag es nicht, wenn sie mich ansehen.�</p><p>�Dann w�rden sie wie die Toten schlafen, M�dchen, w�hrend wir sie so hochbekommen k�nnen, um selbst zu gehen, wenn es notwendig ist. Ich werde sie schon st�rker bet�uben, wenn die Zeit gekommen ist, sie von hier wegzuschaffen. Sie werden Kopfschmerzen bekommen und auch Magenkr�mpfe, aber wahrscheinlich verdienen sie es nicht besser.�</p><p>�Aber wenn sie doch die Macht gebrauchen k�nnen, Frau Macura? Was ist, wenn es doch geht? Sie schauen mich so an!�</p><p>�H�r auf mit dem Gejammere, M�dchen�, sagte die �ltere Frau in scharfem Ton. �Wenn sie k�nnten, glaubst du dann etwa, sie h�tten es nicht schon l�ngst getan? Sie sind hilflos wie die K�tzchen im Sack. Und das wird so bleiben, solange du ihnen immer wieder eine Dosis verabreichst. Jetzt tu, was ich dir sage, verstanden? Ich mu� weg und dem alten Avi sagen, er soll eine seiner Tauben losschicken. Dann werde ich ein paar Vorbereitungen treffen und zur�ckkommen, sobald ich kann. Du solltest vielleicht noch eine weitere Kanne Spaltwurzeltee vorbereiten; sicher ist sicher. Ich gehe hinten raus. Schlie�e den Laden. Sonst kommt vielleicht doch jemand herein, und das k�nnen wir jetzt nicht gebrauchen.�</p><p>Nachdem Frau Macura weg war, stand Luci eine Weile da und betrachtete sie. Sie rang immer noch die H�nde. Schlie�lich eilte auch sie hinaus. Ihr Schniefen verklang, als sie die Treppe hinunterstieg.</p><p>Elayne konnte erkennen, wie Schwei� auf Nynaeves Stirn trat. Sie hoffte, das r�hre von der Anstrengung her und nicht von der Hitze. <emphasis>Streng dich an, Nynaeve!</emphasis> Auch sie versuchte wieder, nach der Wahren Quelle zu greifen. Sie schob sich ungeschickt durch die Schichten von Wolle, die in ihren Kopf gepackt worden waren, griff daneben, versuchte es wieder, griff wieder ins Leere... <emphasis>Oh, Licht, streng dich an, Nynaeve! Versuch es!</emphasis></p><p>Die Sanduhr faszinierte sie; sie konnte nichts anderes anblicken. Der Sand glitt hinunter, jedes K�rnchen ein weiteres Versagen ihrerseits. Das letzte K�rnchen fiel. Und Luci kam nicht. Elayne strengte sich noch mehr an, um sich zu bewegen, um die Quelle zu erreichen. Nach kurzer Zeit zuckten die Finger ihrer linken Hand. <emphasis>Ja!</emphasis> Noch ein paar Minuten, und sie konnte die Hand heben. Nur ein paar lumpige Fingerbreit, doch sie hatte sich gehoben. Mit gro�er M�he drehte sie den Kopf.</p><p>�K�mpf dagegen an�, murmelte Nynaeve mit belegter Stimme, z�h und kaum verst�ndlich. Ihre H�nde hatten die Bettdecke unter ihr fest gepackt. Sie schien sich aufrichten zu wollen. Doch noch nicht einmal ihr Kopf hob sich. Immerhin bem�hte sie sich.</p><p>�Tu ich doch�, versuchte Elayne zu antworten, aber in ihren eigenen Ohren klang es mehr wie ein Murmeln.</p><p>Langsam, ganz langsam brachte sie es fertig, die Hand zu heben, so da� sie sie sehen konnte, und sie auch dort zu halten. Triumph stieg in ihr auf. <emphasis>Du darfst dich weiter vor uns f�rchten, Luci. Bleib noch ein Weilchen unten in der K�che und...</emphasis></p><p>Die T�r schlug auf, und sie wurde von entt�uschtem Schluchzen durchgesch�ttelt, als Luci hereinscho�. Sie war so nahe dran gewesen. Das M�dchen warf einen Blick auf sie und eilte mit einem erschreckten Quieken zur Kommode hin�ber.</p><p>Elayne versuchte, sie aufzuhalten, doch so mager sie auch war, schlug Luci doch m�helos ihre zittrigen H�nde weg und zwang den Trichter genauso leicht zwischen ihre Z�hne. Das M�dchen schnaufte, als renne sie. Kalter, bitterer Tee f�llte Elaynes Mund. Sie blickte in Panik zu dem M�dchen auf, aber die gleiche Panik zeigte sich auf deren Gesicht. Dann schlo� Lucis Hand Elaynes Mund, und sie streichelte ihre Kehle in grimmiger, wenn auch angsterf�llter Entschlossenheit, bis sie endlich schluckte.</p><p>Dunkelheit �berw�ltigte Elayne. Sie h�rte aber noch Nynaeves Protest und glucksende Laute.</p><p>Als sich ihre Augen wieder �ffneten, war Luci weg, und der Sand lief wieder durch das Stundenglas. Nynaeves dunkle Augen quollen heraus, ob vor Furcht oder Zorn, das konnte Elayne nicht entscheiden. Nein, Nynaeve w�rde nicht nachgeben. Das war eines der Dinge, die sie an der anderen Frau bewunderte. Selbst wenn ihr Kopf schon auf dem Richtblock l�ge, w�rde Nynaeve nicht aufgeben. <emphasis>Unsere K�pfe liegen ja auch schon auf dem Richtblock!</emphasis></p><p>Sie sch�mte sich, soviel schw�cher als Nynaeve zu sein. Eines Tages sollte sie schlie�lich K�nigin von Andor werden, und dabei h�tte sie jetzt am liebsten vor Angst geweint. Doch das tat sie nicht, noch nicht einmal im Geist, und statt dessen versuchte sie wieder, mit aller Macht ihre Gliedma�en zu bewegen und <emphasis>Saidar</emphasis> zu ber�hren. Wie konnte sie jemals K�nigin sein, wenn sie so schwach war? Wieder griff sie nach der Quelle. Wieder. Noch einmal. Ein Wettlauf gegen die Sandk�rner. Wieder.</p><p>Noch einmal rann der letzte Sand durchs Stundenglas, ohne da� Luci erschien. Ganz, ganz langsam erreichte sie das Stadium, in dem sie ihre Hand wieder heben konnte. Und dann den Kopf, auch wenn er sofort zur�cksackte. Sie h�rte Nynaeve etwas in sich hineinknurren und verstand sogar die meisten W�rter.</p><p>Wieder schlug die T�r auf. Elayne hob den Kopf, um verzweifelt hinzusehen, und dann ri� sie Augen und Mund auf. Thom Merrilin stand da wie der Held einer seiner eigenen Erz�hlungen. Mit der einen Hand hatte er Lucis Hals gepackt, und in der anderen hielt er ein Messer wurfbereit. Das M�dchen schien der Ohnmacht nahe.</p><p>Elayne lachte gl�cklich, auch wenn es sich mehr nach einem Kr�chzen anh�rte.</p><p>Grob stie� er das M�dchen in eine Ecke. �Du bleibst hier, oder ich ziehe dir dieses Messer �ber die Haut!� Mit zwei Schritten war er an Elaynes Seite, strich ihr �ber das Haar und auf seinem ledrigen Gesicht stand die Sorge. �Was hast du ihnen gegeben, M�dchen? Sag es mir, oder... �</p><p>�Sie nicht�, murmelte Nynaeve. �Andere Frau. Ging weg. Hilf mir hoch. Mu� gehen.�</p><p>Thom verlie� ihre Seite z�gernd, wie Elayne zu erkennen glaubte. Er zeigte Luci noch einmal drohend das Messer, worauf sie sich �ngstlich niederkauerte, als wolle sie sich nie mehr r�hren, und lie� es dann in einem Wimpernschlag im �rmel verschwinden. Er zog Nynaeve auf die Beine und begann, sie auf und ab zu f�hren, soweit es die kleine Kammer gestattete. Sie lehnte sich ersch�pft an ihn und schlurfte mit.</p><p>�Ich bin froh, zu erfahren, da� Ihr euch nicht gerade von dieser ver�ngstigten kleinen Katze in eine Falle habt locken lassen�, sagte er. �Wenn sie diejenige gewesen w�re...� Er sch�ttelte den Kopf. Zweifellos w�rde er auch nicht mehr von ihnen halten, falls ihm Nynaeve die Wahrheit berichtete. Elayne hatte das aber gewi� nicht vor. �Ich habe sie erwischt, als sie die Treppe hinaufraste, so in Panik, da� sie mich nicht hinter sich h�rte. Ich bin aber nicht so gl�cklich dar�ber, da� eine zweite entkommen konnte, ohne von Juilin gesehen zu werden. Wird sie m�glicherweise noch andere mitbringen?�</p><p>Elayne w�lzte sich auf die andere Seite. �Ich glaube nicht, Thom�, brachte sie m�hsam heraus. �Sie kann nicht... zu viele Leute... wissen lassen, was sie ist.� Noch eine Minute, dann konnte sie sich vielleicht aufsetzen. Sie sah Luci ins Gesicht. Das M�dchen zuckte zusammen und dr�ckte sich an die Wand. �Die Wei�m�ntel... w�rden sie... genauso schnell wie uns... gefangennehmen.�</p><p>�Juilin?� fragte Nynaeve. Ihr Kopf wackelte, als sie zornig zu dem Gaukler aufblickte. Aber sie hatte keine Schwierigkeiten mit dem Sprechen mehr. �Ich habe Euch beiden gesagt, Ihr solltet beim Wagen bleiben.�</p><p>Thom pustete irritiert seinen Schnurrbart vom Mund. �Ihr habt uns gesagt, wir sollten die Lebensmittel wegr�umen, aber dazu braucht man keine zwei M�nner. Juilin folgte Euch, und als niemand zur�ckkehrte, habe ich mich nach ihm umgesehen.� Er schnaubte wieder. �Er hatte keine Ahnung, ob hier nicht ein Dutzend M�nner warteten, aber er war bereit, Euch allein hinterherzugehen. Jetzt bindet er gerade Schmoller im Hof an. Gut, da� ich mich entschlo�, hierher zu reiten. Ich glaube, wir brauchen das Pferd, um Euch beide hier herauszubringen.�</p><p>Elayne stellte fest, da� sie gerade so eben sitzen konnte. Sie zog sich Hand um Hand an der Bettdecke hoch, doch ein Versuch, zu stehen, h�tte sie beinahe wieder niedergeworfen. <emphasis>Saidar</emphasis> war genauso unerreichbar wie zuvor. Ihr Kopf vermittelte ihr immer noch das Gef�hl, ein mit G�nsedaunen gestopftes Kissen zu sein. Nynaeve fing an, sich etwas gerader aufgerichtet zu bewegen und die F��e beim Gehen zu heben, doch sie klammerte sich immer noch an Thom.</p><p>Minuten sp�ter trat Juilin ein und schob mit Hilfe seines Messers Frau Macura vor sich her. �Sie ist durch ein Tor hinten im Zaun hereingekommen. Glaubte, ich sei ein Dieb. Es schien mir am besten, sie herzubringen.�</p><p>Bei ihrem Anblick war die N�herin totenbla� geworden, so da� ihre Augen noch dunkler erschienen und ihr beinahe aus dem Kopf quollen. Sie leckte sich die Lippen und strich unaufh�rlich ihren Rock glatt. Dazu warf sie immer wieder schnelle Seitenblicke auf Juilins Messer, als frage sie sich, ob es nicht besser sei, davonzulaufen. In erster Linie aber sah sie Elayne und Nynaeve an. Elayne konnte nicht entscheiden, ob die Frau als n�chstes in Tr�nen ausbrechen oder in Ohnmacht fallen werde.</p><p>�La�t sie dort hin�bergehen�, sagte Nynaeve und nickte in Richtung der Ecke, in der Luci immer noch zitternd kauerte, die Arme um die Knie geschlungen, �und helft Elayne. Ich habe noch nie etwas von Spaltwurzeltee geh�rt, aber Gehen scheint zu helfen, die Wirkung aufzuheben. Man kann sich die meisten Dinge vom Hals laufen.�</p><p>Juilin wies mit dem Messer in die Ecke, und Frau Macura hastete hin�ber und setzte sich neben Luci, wobei sie sich st�ndig �ngstlich die Lippen befeuchtete. �Ich... h�tte nicht getan... was ich getan habe... aber, ich... hatte Befehle. Das m��t Ihr doch verstehen. Ich hatte Befehle erhalten.�</p><p>Juilin half Elayne sanft auf die Beine und st�tzte sie beim Gehen. Sie konnten ja nur wenige Schritte in jeder Richtung zur�cklegen und kreuzten dabei st�ndig den Weg des anderen Paares. Sie w�re lieber an Thoms Seite gegangen. Juilins Arm um ihre Taille war ihr viel zu vertraulich.</p><p>�Von wem stammen diese Befehle?� fuhr Nynaeve Frau Macura an. �Wem in der Burg schickt Ihr eure Berichte?�</p><p>Die N�herin sah aus, als sei ihr schlecht, doch sie hielt entschlossen den Mund.</p><p>�Wenn Ihr nicht redet�, sagte ihr Nynaeve mit finsterer Miene, ��berlasse ich Euch Juilin. Er ist ein Diebf�nger aus Tear, und er wei�, wie er genauso schnell wie ein Folterknecht der Wei�m�ntel ein Gest�ndnis aus Euch herausbringt. Oder nicht, Juilin?�</p><p>�Ein St�ck Seil, um sie zu fesseln�, sagte er mit einem so schurkischen Grinsen, da� Elayne beinahe einen Schritt von ihm weggetreten w�re, �einen Lumpen, um sie solange zu knebeln, bis sie bereit ist, zu reden, ein wenig Oliven�l und Salz...� Sein Lachen lie� Elayne das Blut gefrieren. �Sie wird alles ausplaudern, verla�t Euch darauf.� Frau Macura lehnte steif an der Wand und starrte ihn mit weit aufgerissenen Augen an. Luci sah ihn an, als habe er sich soeben in einen Trolloc verwandelt, acht Fu� gro� und mit H�rnern bewehrt.</p><p>�Sehr gut�, sagte Nynaeve nach einem Augenblick des Wartens. �Ihr solltet alles, was Ihr ben�tigt, in der K�che finden, Juilin.� Elaynes erstaunter Blick wanderte von ihr zu dem Diebf�nger und zur�ck. Sicher hatten sie doch nicht wirklich vor...? Doch nicht Nynaeve!</p><p>�Narenwin Barda�, keuchte die N�herin pl�tzlich. Nun �berschlugen sich die Worte beinahe, so sprudelte sie los: �Ich habe meine Berichte an Narenwin Barda geschickt in eine Schenke in Tar Valon. Sie hei�t �Zum Dammweg�. Avi Shendar h�lt f�r mich am Stadtrand einige Brieftauben. Er wei� nicht, wem ich meine Botschaften schicke oder woher ich sie beziehe, und es ist ihm auch gleich. Seine Frau hatte die Fallsucht, und...� Ihre Worte verklangen, und sie schauderte, als sie Juilin anblickte.</p><p>Elayne kannte Narenwin oder hatte sie zumindest in der Burg kennengelernt. Eine schm�chtige, kleine Frau, die so ruhig war, da� man ihre Anwesenheit glatt �bersehen konnte. Und freundlich dazu. An einem Wochentag lie� sie regelm��ig Kinder ihre Haustiere auf das Gel�nde der Burg bringen, um sie zu heilen. Kaum die Art von Frau, die man bei den Schwarzen Ajah erwartete. Andererseits war auch eine der Frauen auf der Liste der Schwarzen Marillin Gemalphin, und die liebte Tiere �ber alles und nahm jede streunende Katze auf, die sie entdeckte.</p><p>�Narenwin Barda�, stellte Nynaeve grimmig fest. �Ich will weitere Namen h�ren, innerhalb und au�erhalb der Burg.�</p><p>�Ich... ich kenne keine anderen�, sagte Frau Macura eingesch�chtert.</p><p>�Das werden wir ja sehen. Wie lange geh�rt Ihr schon zu den Schattenfreunden? Wie lange dient Ihr den Schwarzen Ajah?�</p><p>Luci entschl�pfte ein emp�rter Aufschrei: �Wir sind keine Schattenfreunde!� Sie blickte Frau Macura an und schob sich ein St�ck von ihr weg. �Ich bin jedenfalls keine! Ich wandle unter dem Licht! Ganz bestimmt!�</p><p>Die Reaktion der anderen Frau war keine Spur schw�cher. Ihr fielen vor Schreck fast die Augen aus dem Kopf. �Die Schwarzen...! Soll das hei�en, da� es sie wirklich gibt? Aber die Burg hat das immer abgestritten... Ich habe doch Narenwin danach gefragt, an dem Tag, als sie mich f�r ihre Augen-und-Ohren ausw�hlte, und ich konnte erst am n�chsten Morgen mit Weinen aufh�ren und wieder aus dem Bett kriechen. Ich geh�re nicht � nicht! �zu den Schattenfreunden! <emphasis>Niemals!</emphasis> Ich diene der Gelben Ajah! Den <emphasis>Gelben!�</emphasis></p><p>Elayne hing noch an Juilins Arm und tauschte von dort einen fragenden Blick mit Nynaeve. Nat�rlich w�rde jeder Schattenfreund das abstreiten, aber in den Stimmen der Frauen schien doch etwas Wahres mitzuschwingen. Ihre Emp�rung �ber die Anschuldigung schien sogar ihre Angst zu �bertreffen. So, wie Nynaeve nun z�gerte, empfand sie wohl das gleiche.</p><p>�Wenn Ihr den Gelben dient�, sagte sie bed�chtig, �warum habt Ihr uns dann bet�ubt?�</p><p>�Es war wegen Ihr�, antwortete die N�herin und deutete mit dem Kopf auf Elayne. �Ich habe vor einem Monat ihre Beschreibung erhalten, bis hin zu der Art, wie sie manchmal ihr Kinn h�lt, so da� sie auf jeden herabzusehen scheint. Narenwin sagte, sie ben�tze m�glicherweise den Namen Elayne und behaupte sogar, aus einem Adelshaus zu stammen.� Mit jedem Wort schien ihr Zorn dar�ber, als Schattenfreund bezeichnet worden zu sein, st�rker zu werden. �Ihr seid vielleicht eine Gelbe Schwester, aber sie ist keine Aes Sedai � nur eine geflohene Aufgenommene! Narenwin schrieb, ich solle sofort �ber ihre Anwesenheit berichten und wer bei ihr sei. Und sie aufhalten, wenn ich kann. Oder sie sogar festhalten. Und jede in ihrer Begleitung. Wie sie es sich vorstellten, da� ich eine Aufgenommene einfangen sollte, wei� ich nicht � ich glaube nicht, da� selbst Narenwin �ber meinen Spaltwurzeltee etwas wei� �, aber so lauteten meine Befehle! Ich sollte sogar die Entdeckung riskieren, wenn es notwendig sei, und das hier, wo sie meinen Tod bedeuten w�rde! Wartet nur, bis Euch die Amyrlin in die H�nde bekommt, junge Frau! Euch alle!�</p><p>�Die Amyrlin!� rief Elayne. �Was hat sie denn damit zu tun?�</p><p>�Es geschah auf ihren Befehl. Auf Befehl des Amyrlin-Sitzes, so stand es geschrieben. Es hie�, da� die Amyrlin selbst befohlen habe, jedes Mittel einzusetzen, ohne Euch gleich t�ten zu m�ssen. Ihr werdet Euch w�nschen, Ihr w�rt tot, wenn Euch die Amyrlin in die Finger bekommt!� Ihr scharfes Nicken war erf�llt von w�tender Befriedigung.</p><p>�Denkt daran, da� wir uns noch nicht in den H�nden irgendeiner Person befinden�, sagte Nynaeve trocken. �Aber Ihr in unseren.� Doch ihre Augen blickten genauso erschrocken drein wie die Elaynes. �Wurde irgendein Grund genannt?�</p><p>Nachdem sie der Frau in Erinnerung gerufen hatte, da� sie eine Gefangene sei, erlahmte deren Widerstand. Sie lehnte sich gegen Luci, und so st�tzte eine die andere. �Nein. Manchmal nennt Narenwin einen Grund, aber diesmal nicht.�</p><p>�Hattet Ihr vor, uns einfach bet�ubt hier festzuhalten, bis jemand kam, um uns abzuholen?�</p><p>�Ich wollte Euch in alte Kleider stecken und mit einem Karren wegschaffen lassen.� Kein bi�chen Widerstand war mehr im Tonfall der Frau zu sp�ren. �Ich schickte eine Taube los, um Narenwin mitzuteilen, da� Ihr euch hier befindet und was ich unternommen habe. Therin Lugay schuldet mir noch einen gro�en Gefallen, und ich wollte ihm genug Spaltwurzeltee mitgeben, da� es bis Tar Valon gereicht h�tte, falls Narenwin nicht inzwischen Schwestern ausschickte, um Euch fr�her abzuholen. Er glaubt, Ihr seid krank und nur der Tee k�nne Euch am Leben halten, bis eine Aes Sedai Euch heilt. In Amadicia mu� eine Frau vorsichtig sein, wenn sie mit Heilmitteln umgeht. Wenn man zu viele heilt und zu nachhaltig, dann fl�stert irgend jemand �Aes Sedai�, und im n�chsten Augenblick brennt einem das Haus �ber dem Kopf. Oder es passiert noch Schlimmeres. Therin kann den Mund halten �ber alles, was er...�</p><p>Nynaeve bedeutete Thom, ihr etwas n�her heranzuhelfen, so da� sie auf die N�herin herabblicken konnte. �Und die Botschaft? Die wirkliche Botschaft? Ihr habt doch das Signal nicht herausgeh�ngt, nur um uns anzulocken.�</p><p>�Ich habe Euch die richtige Botschaft mitgeteilt�, sagte die Frau innerlich ersch�pft. �Ich glaubte, es k�nne nicht schaden. Ich verstehe es auch nicht, und ich... bitte...� Mit einemmal schluchzte sie und hielt sich an Luci genauso fest, wie die j�ngere Frau an ihr, und beide jammerten: �Bitte, la�t ihn kein Salz bei mir ben�tzen! Bitte! Kein Salz! Oh, bitte!�</p><p>�Fesselt sie�, sagte Nynaeve angewidert nach einem kurzen Augenblick, �und wir gehen hinunter, wo wir uns unterhalten k�nnen.� Thom half ihr dabei, sich auf die Kante des am n�chsten stehenden Bettes zu setzen, und dann schnitt er schnell Streifen aus der anderen Bettdecke.</p><p>Nach kurzer Zeit waren die beiden Frauen aneinandergefesselt, R�cken an R�cken, die H�nde der einen an die F��e der anderen gebunden, und im Mund hatten sie dick zusammengelegte Stoffstreifen als Knebel. Das P�rchen war immer noch am Weinen, als Thom Nynaeve aus der Kammer half.</p><p>Elayne w�nschte, sie k�nne bereits wieder so gut laufen wie Nynaeve, doch sie ben�tigte eben noch Juilin als St�tze, damit sie nicht die Treppe hinunterfiel. Sie empfand fast so etwas wie Eifersucht, als sie beobachtete, wie Thom seinen Arm hilfreich um Nynaeve gelegt hatte. <emphasis>Du bist doch ein t�richtes kleines M�dchen,</emphasis> sagte Linis Stimme in ihr tadelnd. <emphasis>Ich bin eine erwachsene Frau,</emphasis> antwortete sie mit einer Entschlossenheit, wie sie sie selbst jetzt ihrer alten Kinderschwester gegen�ber nie gezeigt h�tte. <emphasis>Ich liebe Rand wirklich, aber er ist weit weg und Thom ist abgekl�rt und intelligent und...</emphasis> Das klang zu sehr nach Ausrede, das sah sogar sie ein. Lini h�tte nur kurz geschnaubt, und das h�tte dann bedeutet, da� sie diese Dummheiten unterbinden werde.</p><p>�Juilin�, fragte sie z�gernd, �was h�ttet Ihr mit dem Salz und dem �l angefangen? Nicht so genau, bitte�, f�gte sie dann noch schnell hinzu, �nur so allgemein.�</p><p>Er sah sie kurz an. �Ich wei� nicht. Aber sie ebenfalls nicht. Das ist doch der Trick dabei: Ihr eigener Verstand erfindet dazu viel schlimmere Dinge, als ich das k�nnte. Ich habe einmal einen wirklich harten Mann aufgeben sehen, weil ich einen Korb mit Feigen und ein paar M�use bringen lie�. Aber man mu� schon vorsichtig sein. Manche werden alles gestehen, ob es stimmt oder nicht, nur um dem zu entgehen, was sie sich vorstellen. Doch ich glaube, bei den beiden war das nicht der Fall.�</p><p>Das glaubte sie auch nicht. Trotzdem konnte sie ein Schaudern nicht unterdr�cken. <emphasis>Was konnte jemand mit Feigen und M�usen anfangen?</emphasis> Sie hoffte, dar�ber nicht so lange nachgr�beln zu m�ssen, bis sie Alptr�ume hatte.</p><p>Als sie die K�che erreichten, stolperte Nynaeve bereits ohne Hilfe umher und begann sofort, in dem Schrank voll bunter Dosen zu st�bern. Elayne ben�tigte einen der St�hle. Die blaue Dose stand auf dem Tisch und dazu eine gef�llte gr�ne Teekanne, doch sie mied jeden Blick darauf. Sie konnte die Macht immer noch nicht lenken. Wohl konnte sie mittlerweile <emphasis>Saidar</emphasis> ber�hren, doch es entschl�pfte ihr immer wieder. Wenigstens war sie nun sicher, bald wieder die Macht ben�tzen zu k�nnen. Die Alternative war zu schrecklich, um dar�ber nachzudenken, und sie hatte das bisher auch vermieden.</p><p>�Thom�, sagte Nynaeve und hob die Deckel von einigen der Beh�lter, um hineinzusp�hen. �Juilin.� Sie setzte wieder ab, holte tief Luft, sah die M�nner immer noch nicht an und fuhr dann fort: �Ich danke Euch. Ich sehe allm�hlich ein, warum die Aes Sedai Beh�ter haben. Ich danke Euch sehr.�</p><p>Nicht alle Aes Sedai hatten Beh�ter. Die Roten beispielsweise betrachteten alle M�nner als befleckt, der Schuld wegen, die jene M�nner auf sich geladen hatten, die mit der Macht umgehen konnten. Ein paar hatten auch gar kein Interesse daran, weil sie die Burg nie verlie�en oder einfach einen verstorbenen Beh�ter nicht mehr ersetzten. Die Gr�nen gestatteten es als einzige Ajah, mehr als einen Beh�ter an sich zu binden. Elayne wollte eine Gr�ne werden. Nat�rlich nicht aus diesem Grund, sondern weil die Gr�nen sich selbst als die Kampf-Ajah bezeichneten. Wo die Braunen nach verlorengegangenem Wissen forschten und die Blauen sich immer f�r irgendeine gute Sache einsetzten, da hielten sich die Gr�nen Schwestern f�r die Letzte Schlacht bereit, in der sie wie im Trolloc-Krieg ausr�cken w�rden, um neue Schattenlords zu bek�mpfen.</p><p>Die beiden M�nner blickten sich in unverhohlenem Erstaunen an. Sie waren mit Sicherheit darauf vorbereitet gewesen, von Nynaeve wie �blich gescholten zu werden.</p><p>Elayne war allerdings fast genauso verbl�fft, denn Nynaeve sch�tzte es nicht weniger, Hilfe zu ben�tigen wie etwa im Unrecht zu sein. Beides machte sie so w�tend, wie �berhaupt m�glich. Nat�rlich behauptete sie immer, ein Muster an reiner �berzeugungskraft und Vernunft zu sein.</p><p>�Eine Seherin.� Nynaeve nahm eine Prise Pulver aus einer der Dosen und schnupperte daran. Dann ber�hrte sie es sogar mit der Zungenspitze. �Oder wie man das hier auch immer nennen mag.�</p><p>�Sie haben hier keine Bezeichnung daf�r�, sagte Thom. �In Amadicia betreiben nicht viele Frauen Eure alte Kunst. Zu gef�hrlich. Und die meisten von denen machen das auch nur so nebenher.�</p><p>Nynaeve zog einen kleinen Lederbeutel aus der untersten Schublade und begann, aus dem Inhalt einiger Dosen kleine B�ndel in T�cher einzuwickeln. �Und zu wem gehen sie, wenn sie krank sind? Zu einem Quacksalber?�</p><p>�Ja�, sagte Elayne. Es machte ihr immer Spa�, Thom zu beweisen, da� auch sie einiges �ber die Welt um sie herum wu�te. �In Amadicia sind es die M�nner, die Kr�uter sammeln und gebrauchen.�</p><p>Nynaeve runzelte mit ver�chtlicher Miene die Stirn. �Was kann ein Mann schon �ber das Heilen von Krankheiten wissen? Da kann ich mir ja gleich ein neues Kleid beim Hufschmied bestellen.�</p><p>Mit einemmal wurde es Elayne bewu�t, da� sie an alles andere gedacht hatte, aber nicht an Frau Macuras Aussage. <emphasis>Wenn du nicht mehr an den Dorn denkst, tut dein Fu� deshalb noch lange nicht weniger weh.</emphasis> Einer der Lieblingsspr�che Linis. �Nynaeve, was glaubst du, hat die Botschaft zu bedeuten? Alle Schwestern werden gebeten, zur Burg zur�ckzukehren? Das ergibt doch keinen Sinn.� Eigentlich hatte sie etwas anderes sagen wollen, doch dies kam immerhin nahe genug.</p><p>�Die Burg hat ihre eigenen Regeln�, sagte Thom. �Was die Aes Sedai tun, unternehmen sie aus ihren ganz eigenen Gr�nden, und oft sind das nicht diejenigen, die sie anderen gegen�ber nennen. Soweit sie �berhaupt einen Grund nennen.� Er und Juilin wu�ten nat�rlich, da� sie lediglich Aufgenommene waren, und das war wenigstens zum Teil der Grund daf�r, da� sie nicht immer genau das taten, was ihnen aufgetragen wurde.</p><p>An Nynaeves Miene konnte man deutlich sehen, wie sie mit sich k�mpfte. Sie hatte es nicht gern, wenn man sie unterbrach oder wenn andere f�r sie antworteten. Es gab wirklich eine Menge Dinge, die Nynaeve nicht pa�ten. Doch es war erst einen Augenblick her, da� sie sich bei Thom bedankt hatte. Es war wohl nicht ganz einfach, nun einen Mann herunterzuputzen, der sie gerade davor bewahrt hatte, wie ein Sack Kartoffeln davongekarrt zu werden. �Die meiste Zeit �ber ergibt nur sehr Weniges in der Burg einen Sinn�, sagte sie s�uerlich. Elayne vermutete, diese Spitze gelte sowohl der Burg wie auch Thom.</p><p>�Glaubst du, was sie gesagt hat?� Elayne holte tief Luft. �Da� die Amyrlin befohlen hat, ich solle mit allen Mitteln zur�ckgeholt werden?�</p><p>In dem kurzen Blick, den ihr Nynaeve zuwarf, schwang Sympathie mit. �Ich wei� es nicht, Elayne.�</p><p>�Sie hat die Wahrheit gesagt.� Juilin drehte einen der St�hle um und setzte sich rittlings darauf. Seinen Stab stellte er an die Lehne. �Ich habe gen�gend Diebe und M�rder verh�rt, um zu wissen, wenn jemand die Wahrheit sagt. Einen Teil der Zeit �ber war sie zu ver�ngstigt, um zu l�gen, und dann war sie zu w�tend.�</p><p>�Ihr beiden...� Nynaeve atmete erst einmal tief durch, warf den Beutel auf den Tisch und verschr�nkte die Arme, um nicht in Versuchung zu kommen, wieder ihren Zopf zu packen. �Ich f�rchte, Juilin hat m�glicherweise recht, Elayne.�</p><p>�Aber die Amyrlin wei� doch, was wir tun. Sie hat uns doch schlie�lich von der Burg ausgesandt!�</p><p>Nynaeve schnaubte vernehmlich. �Bei Siuan Sanche glaube ich alles. Ich h�tte sie gern einmal eine Stunde in den Fingern, wenn sie die Macht nicht ben�tzen kann. Dann w�rde ich sehen, aus welchem Holz sie wirklich geschnitzt ist.�</p><p>Elayne glaubte nicht daran, da� das einen Unterschied machen w�rde. Wenn sie an diesen beherrschenden Blick aus den blauen Augen der Amyrlin dachte, kam ihr h�chstens der Verdacht, Nynaeve w�rde sich eine ganze Menge einhandeln, falls ihr Wunsch einmal in Erf�llung ging. �Aber was sollen wir nun deshalb unternehmen? Wie es scheint, haben die Ajahs �berall ihre Augen-und-Ohren. Und auch die Amyrlin selbst. Es kann uns passieren, da� uns auf dem ganzen Weg nach Tar Valon irgendwelche Frauen Drogen ins Essen zu mischen versuchen.�</p><p>�Nicht, wenn wir ganz anders aussehen, als sie erwarten.� Nynaeve hob einen gelben Krug aus dem Schrank und stellte ihn auf den Tisch neben die Teekanne. �Das ist wei�es Hennenkraut. Es beruhigt, wenn man Zahnschmerzen hat, aber es f�rbt auch die Haare schwarz wie die Nacht.� Elaynes Hand fuhr erschrocken an ihre rotgoldenen Locken. Sie konnte wetten, da� Nynaeve damit <emphasis>ihr</emphasis> Haar gemeint hatte! Aber so sehr ihr der Gedanke mi�fiel, n�tzlich war er schon. �Ein paar der Kleider im Laden drau�en umn�hen, und wir sind keine Kauffrauen mehr, sondern zwei vornehme Damen, die mit ihren Dienern durch das Land reisen.�</p><p>�Auf einer Wagenladung von Farben?� fragte Juilin.</p><p>Ihr gefahrverhei�ender Blick sagte deutlich aus, da ihre Dankbarkeit nun ersch�pft sei. �In einem Hof auf der anderen Seite der Br�cke steht eine Kutsche. Ich denke, der Besitzer wird sie gern verkaufen. Falls ihr zu unserem Wagen zur�ckkommt, bevor ihn jemand stiehlt � ich wei� �berhaupt nicht, was in Euch gefahren ist, ihn einfach so stehenzulassen, da� jeder herankann, der vorbeikommt! �, falls er also noch dort steht, k�nnt Ihr eine der Geldb�rsen nehmen... �</p><p>Ein paar Nachbarn machten gro�e Augen, als Noy Torvalds Kutsche vor Ronde Macuras Laden vorfuhr, von einem Vierergespann gezogen, mit Reisekoffern auf dem Dach und einem gesattelten Pferd, das hinten angebunden war. Noy hatte alles verloren, als der Handel mit Tarabon zusammengebrochen war. Jetzt fristete er m�hsam ein k�rgliches Leben, indem er kleinere Arbeiten f�r die Witwe Teran ausf�hrte. Niemand, der an dieser Stra�e wohnte, hatte den Kutscher jemals gesehen, einen hochgewachsenen, z�h wirkenden Burschen mit einem langen, wei�en Schnurrbart und kalten, �berlegenen Augen, oder den dunklen Lakaien mit seinem harten Gesicht unter einem Taraboner Hut, der geschmeidig zu Boden sprang und die T�r der Kutsche �ffnete. Einige Stimmen wurden laut, als zwei Frauen mit B�ndeln auf den Armen aus dem Laden rauschten. Die eine trug ein Kleid aus gr�ner Seide, die andere eines aus einfacher blauer Wolle. Beide hatten Kopft�cher auf, so da� keine einzige Locke ihres Haars sichtbar war. Fast waren sie mit einem Satz in der Kutsche verschwunden.</p><p>Zwei der Kinder des Lichts schlenderten heran, um sich zu erkundigen, wer die Fremden seien, aber w�hrend der Lakai noch auf den Kutschbock kletterte, lie� der Kutscher bereits seine lange Peitsche knallen und schrie etwas von Platzmachen f�r eine Lady. Ihr Name ging v�llig unter, da die Kinder des Lichts aus dem Weg springen mu�ten und auf die staubige Stra�e taumelten. Die Kutsche rumpelte im Galopp der Stra�e nach Amador zu.</p><p>Die Zuschauer gingen ins Gespr�ch vertieft nach Hause zur�ck. Offensichtlich hatte eine geheimnisvolle Lady mit ihrer Zofe bei Ronde Macura Eink�ufe get�tigt und war dann vor den Kindern des Lichts gefl�chtet. In letzter Zeit passierte in Mardecin sowieso schon wenig genug, und dieser Zwischenfall lieferte nun Gespr�chsstoff f�r die n�chsten Tage. Die Kinder des Lichts klopften sich w�tend den Staub von der Kleidung, entschlossen sich aber dann, den Zwischenfall nicht weiter zu melden, da sie keine gerade r�hmliche Rolle darin gespielt hatten. Au�erdem konnte ihr Hauptmann Adlige nicht leiden. Er w�rde sie m�glicherweise losschicken, um die Kutsche zur�ckzuholen, und das w�re ein langer, erm�dender Ritt bei dieser Hitze, nur um irgendeine arrogante vornehme G�re verh�ren zu k�nnen. Falls sie dann keine Anklage vorbringen konnten, und das war immer ein schwieriges Unterfangen Adligen gegen�ber, w�rde bestimmt nicht der Hauptmann den Kopf hinhalten m�ssen. So hofften sie, da� sich ihre Dem�tigung nicht herumsprechen werde. Sie dachten �berhaupt nicht daran, Ronde Macura zu verh�ren.</p><p>Kurze Zeit sp�ter lenkte Therin Lugay seinen Karren in den Hof hinter dem Laden. Proviant f�r die lange Reise hatte er bereits unter der gew�lbten Zeltplane geladen. Tats�chlich hatte ihn Ronde Macura von einer Fiebererkrankung geheilt, an der im letzten Winter dreiundzwanzig Menschen gestorben waren, doch nicht die Dankbarkeit allein, sondern vor allem ein z�nkisches Weib und eine herrschs�chtige Schwiegermutter lie�en ihn froh dar�ber sein, die lange Reise antreten zu k�nnen bis dorthin, wo die Hexen wohnten. Ronde hatte allerdings gesagt, es k�nne geschehen, da� ihn jemand schon unterwegs treffen werde, wenn sie auch nicht wu�te, wer das sein k�nne, aber er hoffte trotzdem, bis nach Tar Valon zu kommen.</p><p>Er klopfte sechsmal an die K�chent�r, bevor er eintrat, aber er fand niemanden vor, bis er die Treppe hochstieg und oben nachsah. Im hinteren Schlafzimmer lagen Ronde und Luci angekleidet und leicht zerknittert ausgestreckt auf den Betten und schliefen fest, obwohl die Sonne noch am Himmel stand. Keine der Frauen erwachte, als er sie sch�ttelte. Das verstand er nicht. Genausowenig verstand er, wieso eine der Bettdecken am Boden lag, teilweise zerschnitten und in Streifen verknotet, oder warum in der Kammer zwei leere Teekannen standen, aber nur eine Tasse, oder weshalb auf Rondes Kopfkissen ein Trichter lag. Allerdings hatte er schon immer gewu�t, da� es auf der Welt eine ganze Menge gab, was er nicht verstand. So kehrte er zu seinem Karren zur�ck, dachte �ber den Proviant nach, den er mit Rondes Geld erstanden hatte, dachte an seine Frau und seine Schwiegermutter und beschlo� schlie�lich, als er das Pferd in Trab setzte, da� er sich doch einmal in Altara umschauen wolle oder vielleicht sogar in Murandy.</p><p>Wie auch immer, es dauerte jedenfalls eine ganze Weile, bis eine ziemlich zerzauste Ronde Macura zu Avi Shendars Haus schlurfte und eine Taube losschickte, eine d�nne Knochenr�hre an ein Bein gebunden. Der Vogel flog pfeilgerade nach Nordosten in Richtung Tar Valon. Nachdem sie eine Weile nachgedacht hatte, fertigte Ronde eine Kopie des schmalen Streifens aus d�nnem Pergament an und befestigte sie am Bein eines Vogels aus einem anderen Schlag. Dieser flog nach Westen, denn sie hatte versprochen, Duplikate all ihrer Nachrichten dorthin zu schicken. In diesen schweren Zeiten mu�te eine Frau schon sehen, wo sie blieb, und es konnte ja auch nicht schaden, jedenfalls nicht die Art von Bericht, wie sie ihn Narenwin sandte. Sie fragte sich, ob sie den Geschmack des Spaltwurzeltees jemals wieder los w�rde. Es h�tte ihrer Meinung nach aber bestimmt nicht geschadet, wenn der Bericht mit daf�r sorgte, da� diejenige, die sich Nynaeve nannte, bestraft w�rde.</p><p>Avi arbeitete wie gew�hnlich in seinem Garten und achtete nicht darauf, was Ronde machte. Und ebenfalls wie gew�hnlich wusch er die H�nde, sobald sie weg war, und ging hinein. Sie hatte ein gr��eres Pergamentblatt als Schreibunterlage verwandt. Als er es gegen den Schein der Nachmittagssonne hielt, konnte er lesen, was sie geschrieben hatte. Bald darauf war eine dritte Taube auf dem Weg, die wiederum in eine ganz andere Richtung flog.</p></section><section><title><p>11</p><p>�Zum Neunergespann�</p></title><p>Ein breitrandiger Strohhut warf seinen Schatten auf Siuans Gesicht, als sie sich von Logain unter der brennenden Sonne des Sp�tnachmittags durch das Scheilientor nach Lugard hineinf�hren lie�. Die hohe, graue Au�enmauer der Stadtbefestigung befand sich in recht schlechtem Zustand. An zwei verschiedenen Stellen, die sie von hier aus einsehen konnte, hatten Einst�rze die Mauer auf nicht viel mehr als einen hohen Zaun reduziert. Min und Leane ritten gleich hinter ihr. Beide waren m�de von dem strammen Tempo, zu dem sie der Mann in den Wochen seit Korequellen st�ndig angetrieben hatte. Er wollte die F�hrung ihrer Gruppe behaupten, und dazu brauchte es nicht viel. Wenn er den Zeitpunkt ihres Aufbruchs am Morgen bestimmte oder Zeitpunkt und Ort ihres Nachtlagers, wenn er ihr Geld verwaltete, und selbst wenn er von ihnen verlangte, da� sie nicht nur das Essen kochten, sondern es ihm auch noch servierten, dann focht sie das keineswegs an. Alles in allem tat er ihr sogar leid. Er hatte keine Ahnung, was sie in bezug auf ihn plante. <emphasis>Ein gro�er Fisch als K�der f�r einen noch gr��eren,</emphasis> dachte sie grimmig.</p><p>Dem Namen nach war Lugard die Hauptstadt von Murandy und der Sitz K�nig R�drans, doch die Lords in Murandy leisteten wohl ihren Treueeid, zahlten dann aber einfach keine Steuern und taten auch sonst kaum etwas von dem, was R�dran befahl.</p><p>Die einfachen Menschen machten es ihnen nat�rlich nach. Murandy war nur noch dem Namen nach ein Staat. Das Volk wurde kaum durch die vordergr�ndige Anbindung an K�nig oder K�nigin zusammengehalten. Der Thron wechselte sowieso h�ufig den Besitzer. Nur die Angst, von Andor oder Illian geschluckt zu werden, wirkte au�erdem noch als verbindendes Element.</p><p>Kreuz und quer durch die Stadt verliefen weitere Mauern, meist allerdings in noch schlechterem Zustand als die gro�e Stadtmauer. Lugard war im Laufe der Jahrhunderte ganz unregelm��ig und planlos gewachsen und war mehrfach durch sich befehdende Adelsparteien gespalten worden. Es war eine schmutzige Stadt. Viele der breiten Stra�en waren ungepflastert und staubig. Die M�nner trugen meist hohe H�te und die Frauen Sch�rzen �ber R�cken, die ihre Kn�chel zeigten. Sie mu�ten sich zwischen schwerf�llig dahinrumpelnden Wagenz�gen hindurchzw�ngen. In den tiefen Furchen spielten Kinder. Der Handel ern�hrte Lugard, Handel von Illian und Ebou Dar herauf, von Ghealdan im Westen und von Andor im Norden. �berall in der Stadt sah man gro�e kahle Fl�chen, auf denen die Planwagen Rad an Rad abgestellt waren. Bei vielen zeichnete sich unter den heruntergelassenen Segeltuchplanen eine volle Ladung ab, w�hrend andere leer waren und auf Ladung warteten. An den Hauptstra�en waren ungez�hlte Schenken zu finden, daneben Pferdest�lle und Koppeln. Ihre Anzahl �bertraf beinahe die der grauen Steinh�user und L�den, die alle mit glasierten Ziegeln in Rot oder Blau oder Violett oder Gr�n gedeckt waren. Staub und L�rm erf�llten die Luft, das H�mmern aus den Schmieden, das Rumpeln der Wagen, das Fluchen der Fahrer oder das schallende Gel�chter aus den Schenken. Die Sonne brannte auf ihrem Weg zum Horizont auf Lugard hernieder, und die Luft vermittelte ein Gef�hl, als werde es nie mehr regnen.</p><p>Als Logain endlich in einen Stallhof einbog und hinter einer Schenke mit gr�nem Dach und dem Namen �Zum Neunergespann� abstieg, kletterte Siuan dankbar von Belas R�cken und t�tschelte der zerzausten Stute ein wenig �ngstlich die Nase, da sie deren Gebi� immer noch f�rchtete. Ihrer Meinung nach war es einfach keine Art, Reisen auf dem R�cken eines Tieres zur�ckzulegen. Ein Boot fuhr in die Richtung, in die man es steuerte, aber ein Pferd k�nnte ja auf die Idee kommen, seiner eigenen Wege zu gehen. Boote bissen auch nicht. Sicher, Bela hatte das bislang auch nicht getan, aber sie war f�hig dazu. Wenigstens waren diese furchtbaren Tage vor�ber, an denen ihr Kreuz derart schmerzte, da� sie abends im Lager nur noch steif umherhumpeln und auch noch sicher sein konnte, da� Min und Leane hinter ihrem R�cken �ber sie grinsten. Nach einem vollen Tag im Sattel f�hlte sie sich immer noch, als habe man sie gr�ndlich verpr�gelt, aber jetzt schaffte sie es, ihre Gef�hle wenigstens zu verbergen.</p><p>Sobald Logain anfing, mit dem Stallmeister zu verhandeln, einem schlacksigen, alten Burschen mit unz�hligen Sommersprossen, einer Lederweste und ansonsten nacktem Oberk�rper, schob sich Siuan dicht an Leane heran. �Wenn Ihr eure Verf�hrungsk�nste �ben wollt�, sagte sie leise, �dann �bt die n�chste Stunde �ber mit Dalyn.� Leane warf ihr einen zweifelnden Blick zu. Sie hatte in einigen D�rfern seit Korequellen ihr L�cheln und verhei�ungsvolle Blicke an Dorfbewohnern ausprobiert, doch Logain hatte von ihr kaum einmal einen direkten Blick abbekommen. Dann seufzte sie und nickte. Sie atmete tief durch und glitt in anmutigem, herausforderndem Gang vorw�rts, ihren stolzen Grauen am Z�gel, wobei sie Logain bereits anl�chelte. Siuan war nicht klar, wie sie das anstellte. Es war, als seien ihre Knochen pl�tzlich nicht mehr so steif wie vorher.</p><p>Anschlie�end trat sie nahe an Min heran und sprach genauso leise mit ihr: �In dem Moment, wenn Dalyn mit dem Stallmeister fertig ist, sagt Ihr ihm, Ihr ginget mit zu mir hinein, und eilt los. Haltet Euch von ihm und Amaena fern, bis ich zur�ck bin.� Dem aus der Schenke dringenden L�rm nach war die Menge drinnen gro� genug f�r eine ganze Armee. Ganz sicher also gro� genug, um die Abwesenheit einer einzelnen Frau zu verbergen. Mins Miene nahm wieder einmal einen st�rrischen Ausdruck an, und sie �ffnete den Mund, h�chstwahrscheinlich, um nach dem Grund zu fragen, doch Siuan kam ihr zuvor: �Tut nur einfach, was ich Euch sage, Serenla. Oder ich werde Euch nicht nur sein Essen servieren lassen, sondern auch noch seine Stiefel putzen.� Der st�rrische Blick blieb, aber Min nickte m�rrisch.</p><p>Siuan dr�ckte Belas Z�gel der anderen in die Hand, eilte aus dem Hof und ging die Stra�e hinunter. Sie hoffte, sie habe die richtige Richtung eingeschlagen. Sie wollte ja nicht die gesamte Stadt absuchen, jedenfalls nicht bei dieser Hitze und dem ewigen Staub.</p><p>Schwere Wagen mit Sechser-, Achter- oder sogar Zehnergespannen nahmen fast die ganze Stra�enbreite ein. Die Fahrer lie�en ihre langen Peitschen knallen und fluchten zu gleichen Teilen �ber die Pferde und �ber die Leute, die zwischen den Wagen hindurchhasteten. Grobgekleidete M�nner mit den typischen langen M�nteln der Wagenlenker dr�ngten sich mit durch die Menge und machten manchmal vorbeigehenden Frauen lachend zweideutige Angebote. Die Frauen mit ihren bunten Sch�rzen und leuchtenden Kopft�chern blickten stur geradeaus, als h�rten sie nichts. Andere Frauen, die keine Sch�rzen trugen und deren Haar ihnen offen auf die Schultern hing �ihre R�cke so skandal�s kurz, da� sie manchmal einen Fu� oder mehr �ber dem Boden endeten �, schrien gelegentlich noch ordin�rere Bemerkungen zur�ck.</p><p>Siuan fuhr zusammen, als ihr bewu�t wurde, da� einige Bemerkungen dieser M�nner an ihre Adresse gerichtet waren. Sie wurde nicht w�tend deshalb, denn irgendwie schien es ihr nicht, da� sie dadurch getroffen werden k�nne, nur �berrascht war sie. Sie hatte sich noch immer nicht auf die �nderungen in bezug auf die eigene Person eingestellt. Da� M�nner sich zu ihr hingezogen f�hlten... ? Ihr Spiegelbild in dem schmutzigen Fenster einer Schneiderei fiel ihr auf: das etwas verschwommene Abbild eines M�dchens mit blasser Haut und einem Strohhut auf dem Kopf. Sie war jung. Soweit sie feststellen konnte, erschien sie nicht nur �u�erlich jung, nein, sie war es. Nicht viel �lter als Min. Wie es ihr von der Warte all jener Jahre aus erschien, die sie bereits erlebt hatte, konnte man sie wirklich als M�dchen bezeichnen.</p><p><emphasis>Wenigstens ein Gutes hatte diese D�mpfung also,</emphasis> sagte sie sich. Sie hatte Frauen kennengelernt, die jeden Preis daf�r gezahlt h�tten, um wieder f�nfzehn oder zwanzig Jahre j�nger zu sein. Denen w�re selbst der Preis recht gewesen, den sie hatte zahlen m�ssen. Sie ertappte sich �fter dabei, wie sie solche Vorteile im Geist auflistete und sich selbst davon zu �berzeugen versuchte, da� es sich gelohnt hatte. Sie war nun nicht mehr an die Drei Eide gebunden und konnte l�gen, wann es ihr pa�te. Und ihr eigener Vater h�tte sie nun nicht mehr erkannt. Sie sah nicht so aus wie einst als junge Frau. Die Ver�nderungen, die mit wachsender Reife gekommen waren, waren immer noch zu sehen, aber durch die sanften Z�ge der Jugend abgemildert. Wenn sie kalt und objektiv urteilte, dann war sie jetzt etwas h�bscher als zu ihrer M�dchenzeit, und das gr��te Kompliment, das sie damals geh�rt hatte, war, sie sei h�bsch. H�ufiger allerdings hatte man sie lediglich als apart bezeichnet. Irgendwie konnte sie keine echte Verbindung von diesem Gesicht zu ihr, zu Siuan Sanche, herstellen. Tief im Innern war sie dieselbe und in ihrem Verstand ruhte nach wie vor alles Wissen. Nur dort, in ihrem Kopf, war alles gleich geblieben.</p><p>Einige der Schenken und Tavernen in Lugard trugen Namen wie �Zum Schmiedehammer�, oder �Zum Tanzb�r�, oder �Zum silbernen Schwein�. Manchmal waren die Schilder dazu genauso schreiend auff�llig wie die Namen selbst. Andere f�hrten sogar Namen, die man nicht h�tte genehmigen d�rfen. Der �anst�ndigste� unter jenen war noch �Der Ku� des Domanim�dchens�. Dazu geh�rte die Abbildung einer Frau mit kupferfarbener Haut und Schmollmund, die bis zur H�fte nackt war! Siuan fragte sich, wie Leane das aufnehmen w�rde, aber so, wie sich die Frau jetzt benahm, f�hlte sie sich vielleicht noch davon angeregt.</p><p>Schlie�lich durchschritt sie von einer Seitenstra�e aus, die genauso breit war wie die Hauptstra�e, eine �ffnung in einer der halb eingest�rzten Innenmauern und fand dort die Schenke, nach der sie gesucht hatte. Drei aus grobem Naturstein erbaute Stockwerke trugen ein Dach mit lila Ziegeln. Auf dem Schild �ber dem Eingang war eine unwahrscheinlich �ppige Frau abgebildet, die nur ihr langes Haar trug und mehr oder weniger alles zeigte. Sie ritt ohne Sattel auf einem Pferd. Den Namen �berging sie schnell, kaum da� sie ihn gelesen und wiedererkannt hatte.</p><p>Der Schankraum drinnen war blau vom Tabaksqualm und voll von ausgelassenen M�nnern, die tranken und wild lachten und versuchten, die Bedienungen ins Hinterteil zu kneifen. Die wichen aus, so gut es ging, und antworteten mit m�degeduldigem L�cheln. �ber dem L�rm war die Musik kaum h�rbar. Eine Zither und eine Fl�te begleiteten den Gesang einer jungen Frau, die auf einem Tisch ganz am Ende des langen Raums tanzte. Gelegentlich lie� sie dabei den Rock so hoch wirbeln, da� die ganze L�nge ihrer nackten Beine sichtbar wurde. Was Siuan vom Text ihres Liedes verstehen konnte, lie� sie w�nschen, dem M�dchen den Mund mit Seife auszuwaschen. Warum sollte eine Frau unbekleidet herumlaufen? Warum sollte eine Frau einem Haufen betrunkener Kerle dar�ber noch vorsingen? Sie hatte sich noch nie in einer solchen Umgebung befunden. So beschlo� sie, den Besuch hier so kurz wie m�glich zu gestalten.</p><p>Die Eigent�merin der Schenke war unschwer zu erkennen: eine gro�e, schwere Frau in einem roten Seidenkleid, das teilweise zu gl�hen schien, dazu kunstvoll gedrehte und gef�rbte Locken � die Natur hatte diesen Rotton niemals hervorgebracht und bestimmt auch nicht in Verbindung mit solch dunklen Augen �, doch ihr Kinn stand hervor, und die Mundpartie war ausgesprochen hart. Sie rief den Bedienungen immer wieder Anweisungen zu, und dazwischen blieb sie an diesem oder jenem Tisch stehen, sprach hier ein paar Worte oder klatschte einem Gast auf die Schultern oder lachte mit ihnen.</p><p>Siuan bewegte sich dagegen steif und bem�hte sich, die absch�tzenden Blicke der M�nner zu ignorieren, w�hrend sie sich der Frau mit den hochroten Haaren n�herte. �Frau Tharne?� Sie mu�te den Namen dreimal wiederholen, und jedesmal lauter, bis die Wirtin sie endlich anblickte. �Frau Tharne, ich brauche eine Anstellung als S�ngerin. Ich kann... �</p><p>�Tats�chlich, k�nnt Ihr das?� Die massige Frau lachte. �Tja, ich habe wohl eine S�ngerin, aber ich kann durchaus noch eine gebrauchen, um ihr eine Pause zu g�nnen. La�t mich mal Eure Beine sehen.�</p><p>�Ich kann das �Lied der Drei Fische� singen�, sagte Siuan laut. Das mu�te doch wohl die richtige Frau sein, oder? Sicher hatten keine zwei Frauen in der gleichen Stadt Haare wie diese und trugen den richtigen Namen in der richtigen Schenke?</p><p>Frau Tharne lachte noch schallender und klatschte einem der M�nner am n�chsten Tisch so auf die Schulter, da� es ihn beinahe von der Sitzbank warf. �Das wird hier ziemlich selten gew�nscht, eh, Pel?� Pel, der gro�e Zahnl�cken aufwies und eine Kutscherpeitsche um die Schulter gewickelt hatte, gackerte mit ihr um die Wette.</p><p>�Und ich kann auch noch �Blauer Morgenhimmel�.�</p><p>Die Frau wurde richtiggehend durchgesch�ttelt, und sie mu�te sich die Tr�nen aus den Augen wischen, so sehr lachte sie. �Tats�chlich? Oh, ich bin sicher, das wird den Burschen gefallen. Jetzt la� mich deine Beine sehen. Deine Beine, M�dchen, sonst kannst du gleich wieder gehen!�</p><p>Siuan z�gerte, aber Frau Tharne blickte sie lediglich erwartungsvoll an. Genau wie ein st�ndig wachsende Zahl von M�nnern. Das <emphasis>mu�te</emphasis> einfach die richtige Frau sein. Langsam zog sie ihren Rock bis an die Knie hoch. Die gro�e Frau gestikulierte ungeduldig. So schlo� Siuan die Augen und raffte ihrem Rock weiter und weiter. Sie sp�rte, wie ihr Gesicht immer dunkler anlief.</p><p>�Auch noch versch�mt�, gluckste Frau Tharne am�siert. �Aber falls diese Lieder alles sind, was du singen kannst, mu�t du eben viel Bein zeigen, um die M�nner zum Toben zu bringen. Na ja, wenn diese Wollstr�mpfe weg sind, kann man vielleicht mehr sagen, eh, Pel? Also komm mal mit nach hinten. Vielleicht hast du ja eine gute Stimme, aber hier drinnen kann ich sie bei diesem L�rm nichts h�ren. Los, M�dchen. Beweg deinen Arsch!�</p><p>Siuan ri� die Augen auf und wollte sie zornig anfunkeln, doch die gro�e Frau schritt bereits zur Hintert�r des Schankraums. Siuan lie� den Rock fallen und folgte ihr, steif wie eine Eisenstange, wobei sie die grinsenden M�nner zu ignorieren versuchte, deren l�sterne Bemerkungen ihr bis hinaus folgten. Ihre Miene war steinern, doch innerlich war sie aufgew�hlt und schwankte zwischen Sorge und Zorn.</p><p>Bevor sie zur Amyrlin erhoben worden war, hatte sie bei den Blauen das Agentennetz der Augen-und-Ohren geleitet und einige von ihnen, wie auch sp�ter noch, als ihre ganz pers�nlichen Spitzel eingesetzt. Sie mochte zwar nicht mehr die Amyrlin sein und nicht einmal mehr eine Aes Sedai, doch diese Agenten kannte sie alle noch recht gut.</p><p>Duranda Tharne hatte bereits f�r die Blauen gearbeitet, als sie damals das Netz �bernahm, und sie hatte immer p�nktlich und pr�zise berichtet. Augen-und-Ohren konnte man nicht �berall finden, und ihre Zuverl�ssigkeit schwankte oft. Es hatte eigentlich zwischen Tar Valon und Lugard nur eine einzige wirklich zuverl�ssige Agentin gegeben � in Vier K�nige im Lande Andor �, aber die war verschwunden. Gerade hier in Lugard konnte man durch die Wagenz�ge der Kaufleute eine Unmenge an Informationen erhalten, seien es nun wahre Berichte oder auch nur Ger�chte. Bestimmt waren auch die Augen-und-Ohren anderer Ajahs hier am Werk, das sollte sie sich immer wieder ins Ged�chtnis zur�ckrufen. <emphasis>Vorsicht bringt das Boot sicher zum Hafen,</emphasis> dachte sie unwillk�rlich.</p><p>Die Frau entsprach genau der Beschreibung von Duranda Tharne, und sicherlich trug keine andere Schenke einen so abscheulichen Namen. Doch warum hatte sie so reagiert, als sich Siuan ihr gegen�ber als Agentin der Blauen identifiziert hatte? Sie mu�te das Risiko eingehen. Min und Leane wurden langsam genauso ungeduldig wie Logain. Vorsicht brachte wohl das Boot sicher zum Hafen, aber manchmal brachte einem ein wenig K�hnheit eine volle Ladung ein. Im schlimmsten Fall mu�te sie eben der Frau irgend etwas �ber den Sch�del schlagen und durch die Hintert�r fliehen. Zweifelnd be�ugte sie die Gr��e und K�rperf�lle der Frau und auch die kr�ftigen Arme. Hoffentlich war sie dazu imstande.</p><p>Eine einfache Holzt�r im Korridor zur K�che f�hrte in ein sp�rlich eingerichtetes Zimmer. Ein Schreibtisch und ein einzelner Stuhl standen auf einem blauen L�ufer, an einer Wand hing ein gro�er Spiegel und �berraschenderweise an einer anderen ein B�cherbrett mit einigen B�chern. Sobald sich die T�r hinter ihnen geschlossen hatte und der L�rm aus dem Schankraum nur noch ged�mpft zu ihnen drang, fuhr die m�chtige Frau mit auf die breiten H�ften gest�tzten F�usten Siuan heftig an: �Also, was ist? Was wollt Ihr von mir? Nennt mir ja keinen Namen; ich will ihn nicht wissen, ob es nun Euer richtiger ist oder nicht!�</p><p>Siuan verlor ein wenig von ihrer Anspannung. Der Zorn jedoch blieb. �Ihr hattet kein Recht, mich dort drau�en so zu behandeln! Was habt Ihr euch dabei gedacht, mich zu zwingen... �</p><p>�Ich hatte jedes Recht dazu�, fauchte Frau Tharne, �und es war notwendig! Wenn Ihr bei �ffnung oder zu der Zeit gekommen w�rt, wenn ich schlie�e, wie es normal w�re, h�tte ich Euch schnell hereingeholt, ohne da� es jemand aufgefallen w�re. Ist Euch nicht klar, da� einige der M�nner dort drau�en Fragen gestellt h�tten, wenn ich Euch wie eine lange verschollene Freundin nach hinten gef�hrt h�tte? Ich kann es mir nicht leisten, auf irgendeine Weise aufzufallen. Ihr habt Gl�ck gehabt, da� ich Euch nicht wirklich an Susus Stelle f�r ein oder zwei Lieder auf den Tisch geholt habe! Und achtet gef�lligst auf Eure Manieren, wenn Ihr mit mir sprecht!� Sie hob drohend eine breite, schwielige Hand. �Ich habe verheiratete T�chter, die �lter sind als Ihr, und wenn ich sie besuche, benehmen sie sich anst�ndig und korrekt. Wenn Ihr bei mir die Frau Schnippisch spielen wollt, dann werdet Ihr einiges lernen m�ssen. Niemand dort drau�en wird Euch h�ren, wenn Ihr jault, und wenn, dann w�rden sie trotzdem nicht eingreifen.� Mit einem scharfen Nicken, als sei damit alles Notwendige gesagt, stemmte sie wieder die F�uste in die H�ften. �Also, was wollt Ihr?�</p><p>Mehrmals hatte Siuan in die Gardinenpredigt eingreifen wollen, doch die Frau �berrollte sie einfach wie eine Flutwelle. An so etwas war sie nicht gew�hnt. Als Frau Tharne ausgesprochen hatte, bebte sie vor Zorn. Beide H�nde hatte sie so in ihren Rock verkrampft, da� die Kn�chel vor Anstrengung wei� waren. Sie bem�hte sich, so sehr sie nur konnte, an sich zu halten und nicht selbst loszulegen. <emphasis>Sie nimmt ja von mir an, ich sei lediglich eine andere Agentin,</emphasis> sagte sie sich entschlossen. <emphasis>Nicht mehr die Amyrlin, sondern nur eine andere Agentin.</emphasis> Au�erdem hegte sie den Verdacht, die Frau k�nne wirklich ihre Drohung wahrmachen. Auch das war ihr eine vollkommen neue Erfahrung, da� sie sich vor jemandem in acht nehmen mu�te, weil die gr��er und st�rker war.</p><p>�Man gab mir eine Nachricht f�r eine Versammlung derjenigen mit, denen wir dienen.� Sie hoffte, Frau Tharne werde die sichtliche Anspannung in ihrem Tonfall als �ngstlichkeit oder Demut deuten, nachdem sie so von ihr heruntergeputzt worden war. Die Frau war ihr vielleicht eher behilflich, wenn sie glaubte, Siuan ordentlich eingesch�chtert zu haben. �Sie befanden sich aber nicht dort, wo ich sie antreffen sollte. Ich kann nur hoffen, da� Ihr etwas wi�t, was mir hilft, sie zu finden.�</p><p>Frau Tharne verschr�nkte die Arme unter einem m�chtigen Busen und musterte sie. �Ihr wi�t also doch, Euch zu beherrschen, wenn es besser ist, eh? Gut. Was ist in der Burg eigentlich geschehen? Und versucht gar nicht erst, zu verleugnen, da� Ihr von dort kommt, mein feines, stolzes Frauenzimmer. Euch steht das Wort Kurier aufs Gesicht geschrieben, und dieses hochn�sige Getue habt Ihr nicht in einem Dorf gelernt.�</p><p>Siuan holte tief Luft, bevor sie antwortete: �Man hat Siuan Sanche einer D�mpfung unterzogen.� Sie war stolz darauf, da� ihre Stimme nicht bebte, als sie das sagte. �Elaida a'Roihan ist die neue Amyrlin.� Das klang nun allerdings doch ein wenig bei�end.</p><p>Auf Frau Tharnes Gesicht zeigte sich keine Reaktion. �Nun ja, das erkl�rt einige der Befehle, die ich erhalten habe. Ein paar jedenfalls. Eine D�mpfung also, ja? Ich hatte geglaubt, sie werde f�r immer und ewig Amyrlin bleiben. Ich habe sie einmal vor Jahren in Caemlyn gesehen. Aus der Entfernung. Sie wirkte, als verspeiste sie Lederriemen zum Fr�hst�ck.� Diese unm�glich roten Locken schwangen hin und her, als sie den Kopf sch�ttelte. �Na ja, das ist nun vorbei. Die Ajah bek�mpfen sich jetzt also gegenseitig, oder? Nur so l��t sich das alles erkl�ren �meine Befehle und die D�mpfung dieses alten Geiers. Die Burg ist gespalten, und die Blauen laufen davon.�</p><p>Siuan knirschte mit den Z�hnen. Sie versuchte mit aller Gewalt, sich einzureden, da� diese Frau den Blauen Ajah gegen�ber loyal sei, wenn das auch nicht ihr selbst galt, aber es half nicht. <emphasis>Alter Geier? Sie ist alt genug, um meine Mutter zu sein. Aber wenn sie das w�re, w�rde ich ins Wasser gehen.</emphasis> Mit M�he brachte sie es fertig, dem�tig zu klingen: �Meine Botschaft ist wichtig. Ich mu� mich so schnell wie m�glich auf den Weg machen. K�nnt Ihr mir helfen?�</p><p>�Wichtig, ja? Also, das m�chte ich ja bezweifeln. Das Dumme ist blo�, da� ich Euch wohl etwas sagen kann, aber die Bedeutung m��t Ihr selber herausfinden. Wollt Ihr es h�ren?� Die Frau wollte ihr die Sache nicht einfacher machen.</p><p>�Ja, bitte!�</p><p>�Sallie Daera. Ich wei� nicht, wer sie ist oder war, aber man befahl mir, jeder Blauen, die herkam und verloren wirkte, wenn man so sagen will, diesen Namen zu nennen. Ihr seid vielleicht keine der Schwestern, aber Ihr tragt die Nase hoch genug daf�r, also sollt Ihr es wissen. Sallie Daera. Macht daraus, was Ihr wollt.�</p><p>Siuan unterdr�ckte einen Schauer der Erregung und bem�hte sich, entt�uscht zu wirken. �Ich habe auch noch nie von ihr geh�rt. Ich mu� wohl einfach weitersuchen.�</p><p>�Wenn Ihr sie findet, sagt Aeldene Sedai, da� ich weiterhin loyal bleibe, gleich, was geschieht. Ich habe so lange schon f�r die Blauen gearbeitet, da� ich gar nicht w��te, was ich sonst anfangen sollte.�</p><p>�Das richte ich ihr aus�, sagte Siuan. Sie hatte nicht gewu�t, da� Aeldene sie ersetzt hatte und nun die Augen-und-Ohren der Blauen leitete. Die Amyrlin geh�rte ja unabh�ngig von ihrer urspr�nglichen Ajah keiner der Parteien mehr an. �Ich sch�tze, Ihr braucht einen Grund, warum Ihr mich nicht einstellt. Ich kann wirklich nicht singen. Das sollte doch reichen.�</p><p>�Als ob das f�r diese Kerle drau�en eine Rolle spielte.� Die gro�e Frau zog eine Augenbraue hoch und grinste auf eine Weise, die Siuan gar nicht gefiel. �Ich werde mir etwas einfallen lassen, mein Frauenzimmerchen. Und ich werde Euch einen Rat geben: Wenn Ihr nicht ein wenig von Eurem hohen Ro� herunterkommt, wird Euch irgendwann eine Aes Sedai zurechtstutzen. Es �berrascht mich, da� das noch nicht geschehen ist. Jetzt geht aber.</p><p>Raus hier.�</p><p><emphasis>F�rchterliche Frau,</emphasis> grollte Siuan innerlich. <emphasis>Wenn es nur eine M�glichkeit g�be, w�rde ich sie zum Strafdienst verdonnern, bis sie nicht mehr kann!</emphasis> Die Frau glaubte, da� man ihr mehr Respekt entgegenbringen m�sse, ja? �Danke f�r Eure Hilfe�, sagte sie k�hl und vollf�hrte einen Knicks, der jeder Hofdame Ehre gemacht h�tte. �Ihr wart zu gn�dig.�</p><p>Sie befand sich drei Schritte weit im Schankraum, als Frau Tharne hinter ihr erschien und laut lachend durch den L�rm schrie: �Eine sch�chterne Maid, die da! Beine, die wei� und schlank genug sind, um Euch alle zum Lechzen zu bringen, und sie jammerte wie eine Jungfrau, als ich ihr sagte, sie m�sse sie Euch auch zeigen! Setzte sich einfach auf den Fu�boden und heulte! Und das bei den runden H�ften und...!�</p><p>Siuan stolperte, als eine Welle des Gel�chters �ber sie hereinbrach, was aber die Stimme der Frau keineswegs zum Schweigen brachte. Mit puterrotem Gesicht brachte sie noch drei Schritte fertig, aber dann rannte sie fluchtartig aus dem Raum.</p><p>Auf der Stra�e blieb sie erst einmal stehen, um wieder zu Atem zu kommen. Ihr Herzschlag beruhigte sich langsam. <emphasis>Diese schreckliche alte Vettel! Ich sollte...!</emphasis> Es spielte keine Rolle, was sie tun sollte; diese widerliche Frau hatte ihr alles gesagt, was sie ben�tigte. Nicht Sallie Daera allerdings, denn das war �berhaupt keine Frau. Nur eine Blaue konnte das wissen oder auch nur vermuten. Salidar. Der Geburtsort von Deane Aryman, der Blauen Schwester, die als Nachfolgerin von Bonwhin Amyrlin geworden war und die Burg vor dem Ruin gerettet hatte, auf den Bonwhin sie zugesteuert hatte. Salidar. Einer der letzten Orte, an denen man nach einer Aes Sedai suchen w�rde, au�er vielleicht in Amadicia.</p><p>Zwei M�nner in schneewei�en Umh�ngen und auf Hochglanz polierten R�stungen ritten die Stra�e entlang auf sie zu. Nur z�gernd lie�en sie ihre Pferde zur Seite treten, um die Planwagen durchzulassen. Kinder des Lichts. Heutzutage tauchten sie �berall auf. Sie neigte den Kopf und beobachtete die Wei�m�ntel mi�trauisch unter dem Rand ihres Hutes hervor. Erschreckt dr�ckte sie sich an die blaugr�ne Vorderfront der Schenke. Sie blickten sie kurz im Vorbeireiten an � harte Gesichter unter gl�nzenden, kegelf�rmigen Helmen � und verloren sich in der Menge.</p><p>Siuan bi� sich auf die Unterlippe. Sie hatte wahrscheinlich ihre Aufmerksamkeit auf sich gelenkt, weil sie vor ihnen zur�ckgeschreckt war. Und wenn sie ihr Gesicht gesehen hatten...? Aber das machte ja �berhaupt nichts. Die Wei�m�ntel w�rden vielleicht eine Aes Sedai t�ten, wenn sie sie allein und hilflos antrafen, doch ihr Gesicht wies ja nicht mehr die typischen Z�ge einer Aes Sedai auf. Andererseits hatten sie gesehen, wie sie sich vor ihnen zu verstecken suchte. H�tte Duranda Tharne sie nicht so durcheinandergebracht, dann h�tte sie auch nicht einen so t�richten Fehler begangen. Sie erinnerte sich an Zeiten, wo eine solche Kleinigkeit wie Frau Tharnes Bemerkungen sie bestimmt nicht aus dem Tritt gebracht h�tte. Damals h�tte dieses �bergro�e, bunt schillernde Fischerweib nicht gewagt, auch nur ein Wort zu sagen. <emphasis>Wenn diesem Hausdrachen meine Manieren nicht passen, dann werde ich...</emphasis> Was sie nun aber tat, war, einfach mit dem weiterzumachen, was sie vorgehabt hatte, und Erleichterung dar�ber zu empfinden, von Frau Tharne nicht so verpr�gelt worden zu sein, da� sie in keinen Sattel mehr pa�te. Manchmal war es schwierig, sich daran zu erinnern, da� die Tage vor�ber waren, an denen sie sogar K�nige und K�niginnen herbeizitieren konnte.</p><p>Als sie die Stra�e entlangschritt, machte sie ein so b�ses Gesicht, da� sich einige der Wagenfahrer ihre Kommentare verbissen, die sie einer allein daherkommenden jungen Frau ansonsten zugeworfen h�tten. Nur ein paar von ihnen konnten es nicht lassen.</p><p>Min sa� auf einer Bank an der Wand des vollen Schankraums im Neunergespann und beobachtete einen Tisch, um den M�nner herumstanden, manche mit eingerollten Peitschen, andere mit Schwertern an den H�ften, die unschwer erkennen lie�en, da� es sich um die Leibw�chter und Begleiter der Wagenz�ge handelte. Sechs weitere Personen hockten Schulter an Schulter um den Tisch. Sie konnte gerade noch Logain und Leane erkennen, die an der gegen�berliegenden Seite sa�en. Er machte eine m�rrische Miene, w�hrend die anderen M�nner verz�ckt jedem Wort der l�chelnden Leane lauschten.</p><p>Die Luft war von Pfeifenrauch erf�llt und einem Geschnatter, in dem die Musik einer Fl�te, eines Tambourins und der Gesang eines M�dchens unterging, das auf einem Tisch in der Mitte zwischen den beiden gro�en Kaminen tanzte. Ihr Lied handelte von einer Frau, die sechs M�nner davon �berzeugte, da� jeder von ihnen der einzige Mann in ihrem Leben sei. Min fand es interessant, auch wenn sie beim Zuh�ren einige Male rot wurde. Die S�ngerin warf von Zeit zu Zeit eifers�chtige Blicke zu dem umlagerten Tisch hin�ber. Oder genauer �sie warf sie Leane zu.</p><p>Die hochgewachsene Domanifrau hatte Logain bereits am G�ngelband gef�hrt, als sie den Schankraum betraten, und sie hatte weitere M�nner wie Honig die Fliegen angelockt mit ihrem H�ftschwung und den verhei�ungsvoll gl�henden Augen. Es hatte sogar schon fast eine Auseinandersetzung zwischen Logain und den Leibw�chtern gegeben. H�nde hatten nach den Schwertern gegriffen, und Messer waren gezogen worden. Der kr�ftige Wirt und zwei muskul�se Burschen mit Kn�ppeln waren herbeigest�rzt. Doch Leane hatte das Feuer ebenso schnell gel�scht, wie sie es entfacht hatte: ein L�cheln hier, ein paar nette Worte dort, ein T�tscheln auf eine Wange... Selbst der Wirt war noch eine Weile bei ihnen stehengeblieben und hatte st�ndig wie ein Narr gegrinst, bis ihn seine Kundschaft weglockte. Und Leane glaubte, sie ben�tige �bung! Es war einfach nicht fair.</p><p><emphasis>Wenn ich das nur bei einem bestimmten Mann fertigbringen w�rde, dann w�re ich hochzufrieden. Vielleicht bringt sie es mir bei � Licht, was denke ich da?</emphasis> Sie war sich immer selbst treu geblieben, und jeder andere konnte sie entweder so akzeptieren, oder eben nicht. Nun dachte sie daran, sich zu �ndern, und das eines Mannes wegen. Es war schon schlimm genug, da� sie sich hinter einem Rock verstecken mu�te, statt Mantel und Hose zu tragen, wie sie es fr�her immer gehalten hatte. <emphasis>In einem Kleid mit tiefem Ausschnitt w�rde er dich bestimmt bemerken. Du hast doch mehr vorzuzeigen als Leane, und sie... H�r auf damit!</emphasis></p><p>�Wir m�ssen nach S�den�, sagte pl�tzlich Siuan an ihrer Seite, und Min fuhr geh�rig zusammen. Sie hatte die andere nicht hereinkommen sehen. �Und zwar sofort.� Siuans blaue Augen gl�nzten. Offensichtlich hatte sie etwas in Erfahrung gebracht. Ob sie es ihr anvertrauen w�rde, stand auf einem anderen Blatt. Die Frau schien sich die meiste Zeit �ber immer noch f�r die Amyrlin zu halten.</p><p>�Wir k�nnen aber vor Sonnenuntergang keinen anderen Ort mit einer Schenke erreichen�, sagte Min. �Genausogut k�nnen wir uns hier f�r heute Zimmer suchen.� Es war so angenehm, wieder in einem Bett zu schlafen, statt unter Hecken und in Heustadeln, auch wenn sie ein Bett zwischendurch meist mit Siuan und Leane teilen mu�te. Logain war ja gewillt, ihnen Einzelzimmer zu beschaffen, aber Siuan war selbst dann noch geizig, wenn Logain das Geld verwaltete.</p><p>Siuan sah sich um, aber jeder im Raum, der nicht gerade Leane anstarrte, lauschte der S�ngerin. �Das ist nicht m�glich. Ich... ich glaube, da� vielleicht ein paar Wei�m�ntel nach mir fragen k�nnten.�</p><p>Min pfiff leise durch die Z�hne. �Das wird Dalyn nicht gerade gefallen.�</p><p>�Dann erz�hlt es ihm nicht.� Siuan sch�ttelte den Kopf, als sie die Versammlung um Leane bemerkte. �Sagt lediglich Amaena, da� wir gehen m�ssen. Er kommt schon nach. Hoffentlich kommen aber nicht all die anderen auch mit.�</p><p>Min grinste. Siuan behauptete zwar, es sei ihr gleich, da� Logain � Dalyn � die F�hrung �bernommen hatte, und tat, als ob nichts sei, wenn sie wieder einmal vergeblich versuchte, ihn dazu zu bringen, ihr zu folgen; doch sie war immer noch entschlossen, ihn wieder unter Kontrolle zu bringen.</p><p>�Was ist eigentlich ein Neunergespann?� fragte Min im Aufstehen. Sie war zuvor kurz hinausgegangen, um vielleicht irgendwo eine Andeutung zu entdecken, aber das Schild �ber der T�r trug lediglich diesen Namen. �Ich habe Achtergespanne gesehen und Zehner, aber niemals eines mit neun Pferden.�</p><p>�In dieser Stadt�, sagte Siuan knapp, �ist es besser, keine Fragen zu stellen.� Jedoch begannen dabei ihre Wangen zu gl�hen, so da� Min glaubte, sie wisse durchaus Bescheid. �Geht und holt sie herbei. Wir haben einen langen Weg vor uns und d�rfen keine Zeit verlieren. Und la�t die anderen nicht h�ren, was Ihr ihnen mitteilt.�</p><p>Min schnaubte leise. Solange Leane derart l�chelte, w�rde keiner der M�nner sie �berhaupt bemerken. Sie h�tte zu gern gewu�t, wie Siuan die Aufmerksamkeit der Wei�m�ntel erregt hatte. Das war nun wirklich das Letzte, was sie brauchen konnten, und es sah Siuan �berhaupt nicht �hnlich, Fehler zu begehen. Sie h�tte auch zu gern gewu�t, wie sie Rand dazu bringen k�nnte, sie so anzusehen, wie diese M�nner Leane anstarren. Wenn sie schon die ganze Nacht durch reiten mu�ten, und sie f�rchtete, es werde darauf hinauslaufen, dann w�rde ihr Leane vielleicht doch ein paar Tips geben.</p></section><section><title><p>12</p><p>Eine alte Pfeife</p></title><p>Ein Windsto� wirbelte Staub �ber die schmutzige Stra�e in Lugard und erfa�te auch Gareth Brynes Samthut. Er wurde ihm vom Kopf gefegt und rollte direkt unter einen der schwerf�llig heranrumpelnden Planwagen. Ein eisenbereiftes Rad zermalmte den Hut und walzte ihn in den harten Lehmbelag der Stra�e. Zur�ck blieb nur ein platter, schmutziger, zerfetzter Rest. Einen Augenblick lang stand er da und betrachtete die �berbleibsel, und dann ging er weiter. Er war ja nicht mehr der neueste, sagte er sich. Auch sein seidener Kurzmantel war schon ganz verstaubt gewesen, bevor sie Murandy erreichten. B�rsten half da nicht mehr, falls er sich �berhaupt die M�he machte. Er wirkte jetzt eher braun als grau. Vielleicht sollte er ohnehin etwas Einfacheres kaufen, denn schlie�lich war er ja nicht auf dem Weg zu einem Ball. Er schl�pfte zwischen den Wagen hindurch, die die ausgefahrene Stra�e entlangrollten, �berh�rte die Fl�che der Fahrer, die ihm folgten � jeder anst�ndige Soldat konnte noch im Schlaf besser fluchen �, und fl�chtete schlie�lich in eine Schenke mit rotem Dach, die sich �Zum Kutschbock� nannte. Das Bild auf dem Schild interpretierte den Namen allerdings auf ganz eigene und �u�erst zweideutige Art und Weise.</p><p>Der Schankraum glich jedem anderen, den er in Lugard gesehen hatte. Wagenlenker und Leibw�chter oder Begleitsoldaten sa�en dichtgedr�ngt neben Stallburschen, Schmieden, Tagel�hnern, eben M�nnern jeder Art, und alle unterhielten sich oder lachten, so laut sie konnten, w�hrend eine Hand nach dem Becher griff und die andere nach den M�dchen grabschte, die sie bedienten. Damit unterschied er sich kaum von allen Schankr�umen und Tavernen in vielen anderen St�dten, auch wenn es in den meisten etwas weniger wild zuging. Eine junge Frau mit gro�em Busen, der beinahe ihre Bluse sprengte, tanzte und sang auf einem Tisch an einem Ende des Raums, im L�rm fast unh�rbar begleitet von zwei Fl�ten und einer zw�lfseitigen Zither.</p><p>Er war nicht sehr musikalisch, doch blieb er einen Augenblick stehen, um ihrem Lied zu lauschen. Sie h�tte noch in jedem Soldatenlager f�r Aufsehen gesorgt. Andererseits w�re sie nicht weniger bewundert worden, wenn sie kein bi�chen h�tte singen k�nnen. Mit dieser Bluse am Leib h�tte sie innerhalb k�rzester Zeit einen Ehemann gefunden.</p><p>Joni und Barim befanden sich bereits hier. Jonis m�chtige Gestalt hatte ihnen trotz seines d�nnen Haars und der Bandage um die Schl�fen einen Tisch f�r sie allein verschafft. Sie lauschten ebenfalls dem Lied des M�dchens. Oder starrten sie einfach an � schwer zu sagen. Er ber�hrte jeden der beiden an der Schulter und nickte in Richtung einer Seitent�r, die zum Stallhof f�hrte, wo ihnen ein m�rrischer, schielender Stallbursche gegen drei Silberpfennige ihre Pferde �bergab. Vor etwa einem Jahr noch h�tte Bryne f�r ein ordentliches Pferd nicht mehr zahlen m�ssen. Die Auseinandersetzungen im Westen und in Cairhien hatten den Handel gr�ndlich durcheinandergebracht und die Preise ins Uferlose steigen lassen.</p><p>Niemand sprach, bis sie das Stadttor passiert hatten und sich auf einer wenig benutzten Stra�e befanden, die sich nach Norden zum Stornflu� hin schl�ngelte. Es war kaum mehr als ein Feldweg. Dann sagte Barim: �Sie waren gestern noch hier, Lord Gareth.�</p><p>Das hatte Bryne selbst auch in Erfahrung gebracht. Drei h�bsche junge Frauen zusammen, offensichtlich Ausl�nderinnen, kamen nicht durch eine Stadt wie Lugard, ohne aufzufallen. Jedenfalls den M�nnern.</p><p>�Sie und ein breitschultriger Bursche�, fuhr Barim fort. �Klingt, als sei vielleicht dieser Dalyn bei ihnen, derselbe wie bei dem Brand von Nems Scheune. Ist egal, wer er auch sein mag, aber sie waren eine Weile im �Neunergespann�. Sie tranken was und gingen dann wieder. Dieses Domani-M�dchen, haben mir die Kerle erz�hlt, die h�tte beinahe einen Aufstand hervorgerufen mit ihrem L�cheln und diesem aufreizenden Gang. Wie die ihren Arsch schwenken kann, o Mann! Dann hat sie aber alle wieder auf die gleiche Weise beruhigt. Verdammich, ich h�tte auch gern so ein Domani-M�dchen.�</p><p>�Hast du geh�rt, in welcher Richtung sie weiterzogen, Barim?� fragte Bryne geduldig. Das hatte er nicht in Erfahrung bringen k�nnen.</p><p>�Ach, leider nicht, mein Lord. Aber ich h�rte, da� eine Menge Wei�m�ntel hier durchziehen, alle nach Westen zu. Glaubt Ihr, da� der alte Pedron Niall irgend etwas im Schilde f�hrt? Vielleicht in Altara?�</p><p>�Das geht uns nichts mehr an, Barim.� Bryne war sich bewu�t, da� seine Ungeduld diesmal nicht zu �berh�ren war, aber Barim war ein so alter Hase, da� er wu�te, er habe sich an seine Aufgabe zu halten und sonst nichts. �Ich wei�, wohin sie zogen, mein Lord�, sagte Joni. �Nach Westen auf der Stra�e nach Jehannah, und meinen Informationen nach hatten sie es sehr eilig.� Es klang besorgt. �Mein Lord, ich habe zwei von den Wagenbegleitern getroffen, die fr�her Mitglieder unserer Garde waren, und wir haben zusammen was getrunken. Zuf�llig waren die beiden in einer Spelunke namens �Zum guten Nachtritt�, als dieses M�dchen Mara hereinkam und eine Stellung als S�ngerin haben wollte. Sie hat sie nicht bekommen, weil sie ihre Beine nicht so zeigen wollte, wie die S�ngerinnen in den meisten Kneipen hier, und wer k�nnte ihr daraus einen Vorwurf machen, und dann ist sie wieder gegangen. Wenn das stimmt, was Barim berichtet, sind sie kurz danach nach Westen aufgebrochen. Das gef�llt mir nicht, mein Lord. Sie ist nicht die Art von M�dchen, die in einer solchen Spelunke arbeiten will. Ich glaube eher, sie versucht, von diesem Kerl Dalyn wegzulaufen.�</p><p>Seltsamerweise hegte Joni trotz der dicken Beule an seinem Kopf keine feindseligen Gef�hle diesen drei jungen Frauen gegen�ber. Seiner Meinung nach, und das hatte er �fters kundgetan, seit sie das Herrenhaus verlassen hatten, befanden sich die M�dchen in irgendeiner schlimmen Lage und mu�ten gerettet werden. Bryne vermutete, wenn er sie einholte und auf seine G�ter zur�ckbrachte, w�rde ihn Joni zu �berreden versuchen, sie seinen T�chtern zur Betreuung zu �bergeben, damit sie von denen bemuttert w�rden.</p><p>Barim teilte die Gef�hle seines Kameraden nicht. �Ghealdan.� Er machte eine finstere Miene. �Oder vielleicht Altara oder Amadicia. Wir werden noch den Dunklen K�nig k�ssen, um sie zur�ckzubekommen. Ist wohl kaum all diesen �rger wert, wo doch blo� eine Scheune und ein paar K�he draufgingen.�</p><p>Bryne sagte gar nichts. Sie waren den M�dchen bis hierher gefolgt, und Murandy war ein schlechter Aufenthaltsort f�r Menschen aus Andor. Es hatte �ber die Jahre hinweg zu viele Grenzstreitigkeiten gegeben. Nur ein Narr w�rde Meineidige �ber die Grenze hinweg nach Murandy verfolgen. Was f�r ein Narr erst mu�te derjenige sein, der ihnen um die halbe Welt herum folgte?</p><p>�Diese Jungs, mit denen ich sprach�, sagte Joni sch�chtern, �mein Lord, die erz�hlten... Es scheint, da� viele der alten Jungs, die... die unter Euch dienten, entlassen und weggeschickt werden.� Durch Brynes Schweigen ermutigt, fuhr er fort: �Viele neue Leute werden angeworben. 'ne Menge. Die Jungs sagten, f�r jeden Entlassenen werben sie mindestens vier oder f�nf neue an. Die Sorte, die eher Schl�gereien anzettelt, als sie zu unterbinden. Es gibt welche, die nennen sich die Wei�en L�wen und gehorchen nur diesem Gaebril� � er spuckte aus, um zu zeigen, was er von dem Manne hielt �, �und ein Haufen anderer, die gar nicht zur richtigen Garde geh�ren. Keine aus dem Aufgebot der H�user. Soweit sie es beurteilen konnten, hat Gaebril zehnmal so viele M�nner, wie es Gardesoldaten gibt, und sie haben den Eid auf den Thron von Andor abgelegt, aber nicht auf die K�nigin.�</p><p>�Auch das geht uns nichts mehr an�, sagte Bryne kurz angebunden. Barim fuhr mit der Zunge in seiner Wange herum, wie er es immer tat, wenn er etwas wu�te, das er nicht sagen wollte, oder wenn er sich nicht sicher war, da� es wichtig genug sei. �Was ist los, Barim? Heraus damit, Mann!�</p><p>Der Mann mit dem wettergegerbten Gesicht blickte ihn verwundert an. Barim hatte nie herausbekommen, woher Bryne immer wu�te, wenn er etwas zur�ckhielt. �Also, mein Lord, ein paar der Leute, mit denen ich sprach, haben mir erz�hlt, da� einige dieser Wei�m�ntel gestern Fragen gestellt haben. �ber ein M�dchen, auf das die Beschreibung dieser Mara pa�t. Wollten wissen, wer sie sei und wohin sie ging. Einfach so. Ich h�rte, da� sie erst richtig interessiert waren, als sie h�rten, sie sei weg. Wenn die hinter ihr her sind, wird sie vielleicht geh�ngt, bevor wir sie finden. Wenn sie sich schon die M�he machen m�ssen, sie zu verfolgen, werden sie m�glicherweise nicht mehr lange fragen, ob sie wirklich zu den Schattenfreunden geh�rt. Oder was es auch sein mag, weswegen sie hinter ihr her sind.�</p><p>Bryne runzelte die Stirn. Wei�m�ntel? Was wollten denn die Kinder des Lichts von Mara? Er glaubte auf keinen Fall, da� sie zu den Schattenfreunden geh�rte. Aber andererseits hatte er in Caemlyn erlebt, da� man einen milchgesichtigen jungen Burschen als Schattenfreund h�ngte, weil er den Kindern auf der Stra�e vom Glanz des Dunklen K�nigs erz�hlt hatte. Den �Gro�en Herrn der Dunkelheit� hatte er ihn genannt. Der Bursche hatte im Laufe von drei Jahren mindestens neun Kinder ermordet, soweit man das noch feststellen konnte, als man ihn endlich erwischte. <emphasis>Nein. Das M�dchen geh�rt nicht zu den Schattenfreunden, darauf verwette ich mein Leben.</emphasis> Die Wei�m�ntel mi�trauten jedem. Und falls sie sich in den Kopf gesetzt hatten, da� sie aus Lugard floh, um ihnen zu entkommen...</p><p>Er gab seinem Pferd die Fersen zu sp�ren, so da� es in einen gleichm��igen Galopp verfiel. Der braune Wallach mit der gro�en Nase war nicht gerade eine Sch�nheit, aber er besa� Ausdauer und Mut. Die anderen beiden holten ihn schnell wieder ein, aber da sie seine Stimmung wohl erkannten, hielten sie den Mund.</p><p>Etwa zwei Meilen von Lugard entfernt bog er in ein Dickicht mit Eichen und Lederblattb�umen. Hier hatte der Rest seiner M�nner ein notd�rftiges Lager aufgeschlagen. Unter den dicken, weit ausgebreiteten �sten einer alten Eiche gab es Platz genug. Mehrere kleine rauchlose Feuer brannten. Sie n�tzten jede Gelegenheit, um sich hei�en Tee zu bereiten. Einige d�sten, denn Schlafen war auch etwas, das ein alter Soldat bei jeder Gelegenheit tat.</p><p>Die Wachgebliebenen versetzten den anderen einen Tritt, um sie aufzuwecken, und alle blickten erwartungsvoll zu ihm auf. Einen Augenblick lang blieb er im Sattel und musterte sie. Graues Haar und Glatzk�pfe und faltige, alte Gesichter. Immer noch hart und gut in Form, aber trotzdem... Er war ein Narr, da� er das Risiko einging, sie nach Murandy zu f�hren, nur weil er wissen wollte, warum eine Frau meineidig geworden war. Und vielleicht auch noch die Wei�m�ntel im Nacken hatte. Man konnte nicht einmal sagen, wie weit und wie lange es noch gehen werde, bis die Suche vorbei war. Wenn er jetzt zur�ckkehrte, w�ren sie bereits mehr als einen Monat unterwegs, bevor sie wieder nach Korequellen kamen. Wenn er weiterzog, hatte er keine Garantie, da� die Suche vor Erreichen des Arythmeers vorbei sein werde. Er sollte diese M�nner eigentlich nach Hause f�hren und so auch selbst heimkehren. Sollte er. Eigentlich. Er hatte kein Recht dazu, ihnen zu befehlen, diese M�dchen aus den H�nden von Wei�m�nteln zu befreien. Er konnte Mara der Rechtsprechung der Wei�m�ntel �berlassen.</p><p>�Wir ziehen nach Westen�, verk�ndete er, und sofort sprangen die M�nner auf, l�schten die Feuer mit Tee und befestigten die Kannen an den S�tteln. �Wir werden uns sehr beeilen m�ssen. Wenn ich kann, will ich sie in Altara erwischen, aber falls nicht, kann ich auch nicht sagen, wohin uns die Suche noch f�hren wird. Ihr werdet vielleicht Jehannah oder Amador oder Ebou Dar zu sehen bekommen, bevor alles vor�ber ist.� Er lachte gezwungen. �Ihr werdet selbst herausfinden, welch harte M�nner Ihr noch seid, falls wir bis Ebou Dar kommen. Dort haben sie Tavernen, wo die Barm�dchen Illianern die Haut abziehen und Wei�m�ntel zum Vergn�gen aufspie�en.�</p><p>Sie lachten lauter, als es der Scherz wert war.</p><p>�Wir machen uns keine Sorgen, solange Ihr bei uns seid, Lord Gareth�, gackerte Thad, der gerade seinen Blechnapf in die Satteltasche steckte. Sein Gesicht war runzlig wie rissiges Leder. �Ich habe geh�rt, da� Ihr sogar einen Zusammensto� mit der Amyrlin selbst hattet, und...� Jar Silvin trat ihm gegen das Bein, und daraufhin fuhr er mit geballter Faust auf den j�ngeren Mann los � grauhaarig, aber immer noch j�nger als er. �Warum hast du das gemacht, Silvin? Willst du, da� ich dir den Sch�del einschlage, oder was?� Schlie�lich kamen ihm die bedeutungsvollen Blicke Silvins und einiger anderer M�nner zu Bewu�tsein. �Oh. O ja.� Er besch�ftigte sich mit einemmal ganz konzentriert damit, die Schnallen an seinem Sattel festzuziehen, aber jetzt lachte keiner mehr.</p><p>Bryne zwang sich, sein steinernes Gesicht zu entspannen. Es wurde h�chste Zeit, da� er die Vergangenheit als vergangen hinnahm. Nur, weil eine Frau, die einst das Bett mit ihm geteilt hatte � und mehr, wie er glaubte �, nur weil diese Frau ihn jetzt ansah, als habe sie ihn noch nie gesehen, hatte er keinen Grund, ihren Namen nicht mehr auszusprechen. Nur weil sie ihn � unter Androhung des Todes � aus Caemlyn verbannt hatte, weil er sie beraten hatte, wie sein Eid es verlangte... Wenn sie unvermittelt vor diesem Lord Gaebril kroch, der so pl�tzlich in Caemlyn aufgetaucht war, dann ging ihn das nichts mehr an. Sie hatte ihm mit eisiger Stimme mitgeteilt, da� sein Name im Palast niemals mehr ausgesprochen werden d�rfe und da� nur seine lange Dienstzeit sie davon abhielt, ihn wegen Verrats zum Henker zu schicken. Verrat! Er mu�te in bessere Stimmung kommen, besonders dann, wenn diese Jagd sich l�nger hinziehen sollte.</p><p>Er hakte sein Knie am Sattelhorn ein, nahm seine Pfeife heraus und stopfte sie mit Tabak. Der Kopf war in Form eines wilden Bullen geschnitzt, um dessen Hals die Rosenkrone von Andor als Geschirr lag. Das war seit tausend Jahren das Wappen des Hauses Bryne gewesen: St�rke und Mut im Dienst der K�nigin. Er brauchte eine neue Pfeife, denn diese hier war alt.</p><p>�Das habe ich nicht so gut �berstanden, wie Ihr anscheinend geh�rt habt.� Er beugte sich herunter und lie� sich von einem der M�nner einen kleinen Zweig aus einem der Feuer reichen, der immer noch glimmte. Dann richtete er sich auf und paffte an seiner Pfeife, bis sie richtig brannte. �Das war vor ungef�hr drei Jahren. Die Amyrlin veranstaltete eine Prozession von Cairhien �ber Tear, Illian und schlie�lich nach Caemlyn, bevor sie nach Tar Valon zur�ckkehrte. Zu der Zeit hatten wir Probleme mit den Grenzlords von Murandy � wie gew�hnlich.� Gel�chter erscholl; sie hatten alle zu der oder jener Zeit Dienst an der Grenze nach Murandy gemacht. �Ich hatte einige Gardisten hinuntergeschickt, um den Leutchen in Murandy klarzumachen, wem die Schafe und Rinder auf unserer Seite der Grenze geh�rten. Ich erwartete von der Amyrlin keineswegs, da� sie sich f�r diese Angelegenheit interessiere.� Alle lauschten ihm aufmerksam; wohl bereiteten sie noch immer den Aufbruch vor, doch sie lie�en es langsam angehen.</p><p>�Siuan Sanche und Elaida zogen sich mit Morgase zur�ck� � da, jetzt hatte er ihren Namen wieder ausgesprochen und es tat �berhaupt nicht weh � �und als sie herauskamen, war Morgase in Gewitterstimmung. Ihre Augen schleuderten Blitze. Sie sah aus, als sei sie gerade zehn Jahre alt und von ihrer Mutter versohlt worden, weil sie Honigkuchen stahl. Sie ist ja eine harte Frau, aber zwischen Elaida und der Amyrlin...� Er sch�ttelte den Kopf, und sie schmunzelten. Mit den Aes Sedai auszukommen, das �berlie�en sie alle lieber den Lords und Herrschern, und keiner beneidete sie darum. �Sie befahl mir, alle Truppen sofort von der Grenze nach Murandy zur�ckzuziehen. Ich bat sie, das unter vier Augen mit ihr besprechen zu d�rfen, und dann ging Siuan Sanche richtig auf mich los! Vor dem halben Hofstaat machte sie mich zur Schnecke wie einen gr�nen Rekruten. Sagte, wenn ich nicht tun wolle, was man mir auftr�gt, werde sie mich als K�der zum Angeln ben�tzen.� Er hatte sie vielmals um Entschuldigung bitten m�ssen � nat�rlich immer noch vor allen anderen �, weil er getan hatte, was zu tun er geschworen hatte. Es war v�llig �berfl�ssig gewesen, das von ihm zu verlangen. Bis zum Ende war er nicht sicher gewesen, ob sie Morgase nicht sogar dazu bringen werde, ihn enthaupten zu lassen, oder es sogar selbst besorgte.</p><p>�Mu� aber einen m�chtig gro�en Fisch im Auge gehabt haben � bei dem K�der!� lachte jemand, und andere fielen ein.</p><p>�Das Ergebnis war, da� ich mir die Finger verbrannt hatte und die Garde von der Grenze zur�ckgerufen wurde. Also, wenn Ihr jetzt glaubt, ich k�nne Euch in Ebou Dar besch�tzen, dann denkt immer daran, da� diese Barm�dchen sogar die Amyrlin aufh�ngen w�rden, um sie neben uns auf der Leine zu trocknen.� Nun gr�lten sie vor Vergn�gen.</p><p>�Habt Ihr je herausgefunden, worum es damals eigentlich ging, Lord Gareth?� wollte Joni wissen.</p><p>Bryne sch�ttelte den Kopf. �Aes-Sedai-Angelegenheiten, sch�tze ich. Leuten wie Euch und mir binden sie nicht auf die Nase, was sie vorhaben.� Das brachte ihm noch mal einige Lacher ein.</p><p>Sie stiegen mit einer Behendigkeit auf, die ihre Jahre L�gen strafte. <emphasis>Ein paar von ihnen sind nicht �lter als ich,</emphasis> dachte er trocken. Zu alt, um hinter einem h�bschen Augenpaar herzurennen, dessen Besitzerin jung genug war, um seine Tochter oder sogar seine Enkelin zu sein. <emphasis>Ich will ja nur wissen, warum sie meineidig wurde,</emphasis> sagte er sich energisch. <emphasis>Nicht mehr als das.</emphasis></p><p>So hob er die Hand und gab das Zeichen zum Losreiten, und sie zogen nach Westen. Hinter ihnen erhob sich eine Staubspur. Sie hatten einen harten Ritt vor sich, wollten sie die M�dchen einholen. Aber er hatte es fest vor. Ob in Ebou Dar oder im Krater des Verderbens: er w�rde sie finden.</p></section><section><title><p>13</p><p>Ein kleines Zimmer in Sienda</p></title><p>Elayne klammerte sich fest, weil die Kutsche in ihrer ledernen Aufh�ngung heftig hin und her schaukelte. Sie bem�hte sich, Nynaeves d�stere Miene ihr gegen�ber nicht weiter zu beachten. Die Vorh�nge standen auf, obwohl gelegentlich der Staub durch die Fenster hereinwirbelte, doch der leichte Fahrtwind lie� die Hitze des Sp�tnachmittags ertr�glicher werden. Sanfte, bewaldete H�gel zogen an ihnen vor�ber. Der Wald wurde an manchen Stellen durch einen kurzen Streifen Ackerlands unterbrochen. Das Herrenhaus eines Lords, ganz im Stil Amadicias gehalten, kr�nte einen der H�gel ein paar Meilen von der Stra�e: ein m�chtiger Steinsockel, f�nfzig Fu� hoch, trug obenauf ein verwinkeltes Holzgeb�ude mit kunstvoll verzierten Balkonen und rotgedeckten D�chern. Einst h�tte man das alles aus Stein erbaut, aber es waren schon viele Jahre vergangen, seit ein Lord in Amadicia eine richtige Festung ben�tigte. Mittlerweile gab es einen k�niglichen Erla�, da� nur Holzbauten gestattet seien. Kein aufst�ndischer Adliger konnte so dem K�nig lange widerstehen. Nat�rlich waren die Kinder des Lichts von diesem Erla� ausgenommen. Eine ganze Reihe der Gesetze Amadicias galten nicht f�r sie. Sie hatte von klein auf einiges �ber die Br�uche und Gesetze anderer L�nder lernen m�ssen, was ihr jetzt manchmal zugute kam.</p><p>Auch abgeerntete Felder waren wie braune Flecken auf einem sonst gr�nen Tuch auf den fernen H�geln zu sehen. Die dort arbeitenden Menschen kamen ihr wie Ameisen vor. Alles wirkte ausgetrocknet; ein Blitz k�nnte ein Feuer entflammen, das auf viele Wegstunden alles vernichten w�rde. Doch Blitze bedeuteten im allgemeinen auch Regen, und daf�r waren die wenigen Wolken zu hoch. Gelangweilt stellte sie sich vor, sie k�nne Regen erzeugen. Sie hatte ja schon eine ganze Menge dar�ber gelernt, wie man das Wetter beeinflu�te. Trotzdem war es sehr schwierig, wenn die Voraussetzungen fehlten.</p><p>�Langweilt sich meine Lady?� fragte Nynaeve bei�end. �So, wie meine Lady die Landschaft anblickt � so richtig von oben herab �, glaube ich, meine Lady m�chte lieber etwas schneller vorankommen.� Sie fa�te hoch �ber ihren Kopf, zog eine kleine Klappe auf und schrie: �Schneller, Thom. Widersprecht mir nicht! Ihr haltet auch den Mund, Juilin Diebf�nger! Schneller, habe ich gesagt!�</p><p>Die Holzklappe knallte zu, aber Elayne konnte immer noch vernehmen, wie Thom laut grollte. Wahrscheinlich fluchte er kr�ftig. Nynaeve hatte schon den ganzen Tag �ber die M�nner in diesem Ton angefahren. Einen Augenblick sp�ter knallte seine Peitsche, und die Kutsche rumpelte noch schneller dahin. Sie schaukelte so heftig, da� beide Frauen auf den goldfarbenen Seidenbez�gen der Sitze auf und ab h�pften. Die Seide hatte man gr�ndlich gereinigt, als Thom die Kutsche erwarb, doch die Polsterung selbst war alt und hart. Aber so sehr sie auch durchgesch�ttelt wurde, die Kinnhaltung Nynaeves sagte deutlich aus, sie werde Thom keineswegs befehlen, wieder langsamer zu fahren, nachdem sie ihn einmal zum Schnellerfahren aufgefordert hatte.</p><p>�Bitte, Nynaeve�, sagte Elayne. �Ich...�</p><p>Die andere lie� sie gar nicht weiter zu Wort kommen. �Ist es meiner Lady unbequem? Ich wei�, da� Ladies an Bequemlichkeit gew�hnt sind. Eine arme Zofe kennt so etwas eben nicht. Aber sicher m�chte meine Lady doch vor Anbruch der Dunkelheit den n�chsten Ort erreichen? Damit die Zofe meiner Lady ihr das Abendessen servieren und ihr Bett bereiten kann?� Ihre Kiefer schlugen aufeinander, als sie hochgeworfen wurde und wieder auf das harte Polster zur�ckprallte. Daraufhin funkelte sie Elayne w�tend an, als sei es ihre Schuld gewesen.</p><p>Elayne seufzte tief auf. Damals in Mardecin hatte Nynaeve alles eingesehen. Eine Lady reiste nie ohne ihre Zofe, und zwei Ladies w�rden normalerweise auch zwei Zofen dabeihaben. Dann m��ten sie aber Thom oder Juilin � jedenfalls einen von beiden � in ein Frauenkleid stecken. Nynaeve hatte auch eingesehen, da� Elayne mehr davon verstand, wie sich eine Lady benahm. Sie hatte es sehr zartf�hlend ausgedr�ckt, und Nynaeve wu�te gew�hnlich recht genau, was der vern�nftigste Weg war. Gew�hnlich. Aber das war in Frau Macuras Laden gewesen, nachdem sie den beiden Frauen ihr eigenes schreckliches Gebr�u eingefl��t hatten.</p><p>Sie hatten Mardecin verlassen und waren bis Mitternacht durchgefahren, um schlie�lich ein kleines Dorf mit einer Schenke zu finden. Deren Wirt hatten sie aus dem Bett geworfen, damit er ihnen zwei enge Zimmer mit schmalen Betten herrichtete. Noch vor Sonnenaufgang waren sie aufgestanden, um weiterzufahren. Sie hatten ein paar Meilen entfernt Amador umgangen. Man w�rde keine von ihnen auf den ersten Blick f�r etwas anderes halten, als sie vorgeben wollten, doch sie f�hlten sich alles andere als wohl bei dem Gedanken, eine Stadt voll von Wei�m�nteln durchfahren zu m�ssen. In Amador befand sich die Festung des Lichts. Elayne hatte wohl geh�rt, der K�nig regiere Amadicia, doch in Wirklichkeit regierte Pedron Niall.</p><p>Die Schwierigkeiten hatten am letzten Abend begonnen, und zwar in einem Ort namens Bellon an einem schlammigen Fl��chen, das den stolzen Namen Gaeanflu� trug, etwa zwanzig Meilen abseits der Hauptstadt. Die �Furtschenke� in Bellon war gr��er als ihre erste Bleibe, und Frau Alfara, die Wirtin, bot Lady Morelin sogar ein eigenes Speisezimmer an. Das konnte Elayne wohl kaum abschlagen. Frau Alfara war der �berzeugung gewesen, da� nur die Zofe Lady Morelins, Nana, sie auch korrekt bedienen k�nne, denn Ladies wollten alles so haben, wie sie es gewohnt waren, und das sei ja auch ihr gutes Recht. Ihre eigenen M�dchen seien nicht daran gew�hnt, mit Ladies umzugehen, meinte die Frau. Nana wu�te auch ganz genau, wie sie Lady Morelins Bett herrichten solle und w�rde ihr auch ein erfrischendes Bad bereiten, nachdem sie einen so hei�en Reisetag hinter sich hatten. Die Liste der Dinge, die nur Nana ihrer Herrin recht machen k�nne, schien endlos.</p><p>Elayne war nicht sicher, ob der Adel Amadicias soviel erwartete, oder ob Frau Alfara lediglich statt der eigenen die Dienstbotin einer Ausl�nderin ausn�tzen wollte. Sie hatte sich bem�ht, Nynaeve das meiste zu ersparen, doch die Frau hatte genauso wie die Wirtin immer ein �Wie Ihr w�nscht, meine Lady� und �Meine Lady ist sehr eigenwillig� auf Lager gehabt. Sie h�tte t�richt dagestanden, oder zumindest h�tte es eigenartig gewirkt, wenn sie Nynaeve alles abgenommen h�tte. Und sie wollten ja keine unn�tige Aufmerksamkeit erregen.</p><p>Solange sie sich in Bellon aufgehalten hatte, war Nynaeve in der �ffentlichkeit als die vollkommene Zofe aufgetreten. Wenn sie allein miteinander waren, war das allerdings etwas anderes. Elayne w�re es so viel lieber gewesen, h�tte sich die Frau dann einfach wie normal benommen, statt sie wie etwas Absto�endes aus der Gro�en F�ule st�ndig niederzukn�ppeln. Auf Entschuldigungen bekam sie ein �Meine Lady ist zu g�tig� zu h�ren, oder sie wurden einfach ignoriert. <emphasis>Ich werde mich nicht noch einmal entschuldigen,</emphasis> dachte sie zum f�nfzigsten Mal. <emphasis>Nicht f�r etwas, das letzten Endes nicht meine Schuld ist.</emphasis></p><p>�Ich habe nachgedacht, Nynaeve.� Sie packte einen herunterh�ngenden Halteriemen und f�hlte sich dennoch wie ein Ball in einem Kinderspiel namens Hopf, das in Andor sehr beliebt war. Man mu�te dabei einen bunten Holzball mit einem Schl�ger immer wieder hochprellen lassen und abfangen. Aber sie verlangte nicht, da� die Kutsche langsamer fahren solle. Sie konnte es genauso lang aushalten wie Nynaeve. Diese Frau war so etwas von stur! �Ich will ja nach Tar Valon und herausfinden, was dort eigentlich los ist, aber...�</p><p>�Meine Lady haben nachgedacht? Meine Lady mu� ja Kopfschmerzen haben von dieser Anstrengung! Ich werde meiner Lady einen feinen Tee aus Schafszungenwurzel und roten G�nsebl�mchen bereiten, sobald... �</p><p>�Halt den Mund, Nana!� sagte Elayne ruhig, aber mit Entschlossenheit in der Stimme. Sie imitierte ihre Mutter, so gut sie nur konnte. Nynaeve blieb der Mund offenstehen. �Wenn du wieder an deinem Zopf rei�t, kannst du beim Gep�ck auf dem Dach mitfahren.� Nynaeve gab einen erstickten Laut von sich. Sie versuchte, etwas zu sagen, aber sie brachte nichts heraus. Sehr zufriedenstellend. �Manchmal scheinst du zu glauben, ich sei immer noch ein Kind, dabei benimmst du dich wie ein Kind. Ich habe dich nicht darum gebeten, mir den R�cken zu waschen, aber ich h�tte dir einen Ringkampf liefern m�ssen, um dich davon abzuhalten. Erinnere dich bitte daran, da� ich dir angeboten habe, dasselbe f�r dich zu tun. Und ich habe dir angeboten, auf dem Klappbett zu schlafen. Statt dessen bist du aufgestiegen und warst nicht mehr herunterzubekommen. H�r mit der Schmollerei auf! Wenn du willst, spiele ich in der n�chsten Schenke deine Zofe.� Das w�re m�glicherweise eine komplette Katastrophe. Nynaeve w�rde vermutlich in der �ffentlichkeit Thom anschreien oder jemanden ohrfeigen. Doch was tat man nicht f�r ein wenig Ruhe und Frieden. �Wir k�nnen gleich anhalten und im Wald die Kleider tauschen.�</p><p>�Wir haben Kleider ausgesucht, die dir am besten passen�, murmelte die andere einen Augenblick sp�ter. Dann �ffnete sie die Klappe wieder und rief: �Langsamer! Wollt Ihr uns umbringen? T�richte M�nner!�</p><p>Oben herrschte Totenstille, als sich die Geschwindigkeit der Kutsche auf ein vern�nftiges Ma� verringerte, aber Elayne h�tte wetten k�nnen, da� sich die beiden M�nner nun emp�rt unterhielten. Sie richtete ihr Haar her, so gut sie es ohne einen Spiegel vermochte. Es �berraschte sie immer noch, diese schimmernden schwarzen Locken zu sehen, wenn sie sich erblickte. Die gr�ne Seide mu�te auch wieder einmal gr�ndlich ausgeb�rstet werden.</p><p>�Wor�ber hast du nachgedacht, Elayne?� fragte Nynaeve. Auf ihren Wangen standen hochrote Flecke. Zumindest war ihr klar, da� Elayne recht hatte, aber nachzugeben war das H�chste an Entschuldigung, was sie je herausbrachte.</p><p>�Wir reisen so schnell wir k�nnen nach Tar Valon zur�ck, aber wissen wir �berhaupt, was uns in der Burg erwartet? Falls die Amyrlin wirklich diese Befehle ausgegeben hat... Ich glaube es eigentlich nicht und kann es auch nicht verstehen, aber ich habe nicht vor, die Burg zu betreten, bis ich wirklich Bescheid wei�. �Nur eine N�rrin steckt ihre Hand in einen hohlen Baum, ohne zu wissen, was drinnen ist.��</p><p>�Eine weise Frau, diese Lini�, sagte Nynaeve. �Vielleicht finden wir mehr heraus, wenn ich wieder ein B�ndel gelber Blumen mit den K�pfen nach unten irgendwo h�ngen sehe, aber bis dahin sollten wir uns meiner Meinung nach verhalten, als beherrschten die Schwarzen Ajah die Burg.�</p><p>�Frau Macura hat bestimmt mittlerweile eine weitere Taube zu Narenwin geschickt: mit einer Beschreibung dieser Kutsche und der Kleider, die wir mitnahmen, und h�chstwahrscheinlich auch einer Beschreibung Juilins und Thoms.�</p><p>�Das l��t sich nicht �ndern. Das Ganze w�re nicht geschehen, wenn wir nicht durch ganz Tarabon getr�delt w�ren. Wir h�tten ein Schiff nehmen sollen.� Elayne ri� Augen und Mund auf, weil Nynaeve so anklagend geklungen hatte, und Nynaeve besa� soviel Anstand, wenigstens rot zu werden. �Na ja, was vorbei ist, ist vorbei. Moiraine kennt Siuan Sanche. Vielleicht kann Egwene sie darum bitten... �</p><p>Pl�tzlich schlingerte die Kutsche und kam abrupt zum Stehen. Elayne wurde nach vorn geschleudert und fiel auf Nynaeve. Sie h�rte die Pferde wiehern und sp�rte, wie die Tiere sich aufb�umten und ausschlugen, w�hrend sie sich von Nynaeve zu l�sen versuchte, wobei diese kr�ftig schiebend nachhalf.</p><p>Sie griff nach <emphasis>Saidar</emphasis> und steckte den Kopf aus dem Fenster. Dann lie� sie die Macht jedoch erleichtert wieder ihrem Griff entgleiten. Das war etwas, was sie bereits mehr als einmal durch Caemlyn ziehen gesehen hatte. Ein kleiner Reisezoo � eine Menagerie � lagerte im Schatten der B�ume am Rand einer gro�en Lichtung nahe der Stra�e. Ein gro�er L�we mit schwarzer M�hne lag d�send in einem K�fig, der die gesamte R�ckseite eines der Wagen in Anspruch nahm, w�hrend seine beiden Weibchen in einem anderen auf und ab schritten. Ein dritter K�fig stand offen. Davor �bte eine Frau mit zwei gro�en Schwarzb�ren mit wei�en Gesichtern, wie sie auf gro�en roten Kugeln balancieren mu�ten, um nicht herunterzufallen. In einem weiteren K�fig lag etwas, das wie ein m�chtiger, haariger Keiler wirkte, aber daf�r war seine Schnauze etwas zu spitz und an den Zehen sa�en kr�ftige Klauen. Sie wu�te, da� dieses Tier aus der Aiel-W�ste stammte und dort Capar genannt wurde. Andere K�fige enthielten weitere Tiere und leuchtend bunte V�gel, doch im Gegensatz zu jeder anderen solchen Menagerie, die sie je gesehen hatte, arbeiteten hier auch Menschen an Vorf�hrungen. Beispielsweise jonglierten zwei M�nner gerade mit B�ndern umwickelte Reifen, die zwischen ihnen hin und her flogen. Vier Akrobaten �bten an einer Pyramide, und eine Frau f�tterte zur Belohnung ein Dutzend Hunde, die auf den Hinterbeinen liefen und auf ihr Kommando �berschl�ge r�ckw�rts vollf�hrten. Im Hintergrund errichteten einige weitere M�nner zwei hohe Masten. Sie hatte keine Ahnung, wof�r die bestimmt waren.</p><p>Allerdings war es nichts von alledem gewesen, was die Pferde zum Scheuen und fast zum Ausbrechen gebracht hatte, und das trotz Thoms K�nnen als Gespannf�hrer. Die L�wen konnte sogar sie riechen, aber die Pferde starrten mit wild rollenden Aug�pfeln drei riesige, runzlige, graue Tiere an. Zwei waren genauso hoch wie die Kutsche, hatten gro�e Ohren und m�chtige gekr�mmte Hauer, und die Nase, die dazwischen hing, war so lang, da� sie bis auf den Boden reichte. Das dritte war etwas kleiner als die Pferde, wirkte allerdings genauso schwer wie diese und hatte keine Hauer. Sie hielt es f�r ein Junges. Eine Frau mit hellblondem Haar kratzte dieses �Kleintier� mit einem schweren Stachelstock, der am Ende einen Haken aufwies, hinter dem Ohr. Elayne hatte bereits Gesch�pfe wie diese gesehen, aber niemals erwartet, sie nun hier wiederzusehen.</p><p>Ein gro�er, dunkelhaariger Mann kam ihnen aus dem Lager entgegen. Er trug ausgerechnet bei dieser Hitze einen roten Seidenumhang, den er bei seiner eleganten Verbeugung mit gro�er Geste spreizte. Er sah gut aus, bewegte sich geschmeidig und war sich dessen nur zu bewu�t. �Vergebt mir, gute Lady, wenn die riesigen Keilerpferde Eure Tiere erschreckt haben.� Als er sich aufrichtete, winkte er zwei seiner M�nner heran, um beim Beruhigen der Pferde zu helfen, wandte sich dann wieder Elayne zu und musterte sie eingehend. Dann murmelte er: �Schweig still, mein Herz.� Es war gerade laut genug, da� Elayne es h�rte, und das war ja wohl beabsichtigt gewesen. �Ich hei�e Valan Luca, Lady, K�nstler der au�ergew�hnlichen Unterhaltung. Eure Anwesenheit �berw�ltigt mich.� Er verbeugte sich erneut und wom�glich noch kunstvoller als beim ersten Mal.</p><p>Elayne tauschte einen Blick mit Nynaeve und fand auf deren Gesicht ein genauso am�siertes L�cheln vor, wie sie selbst es zur Schau trug. Ein sehr von sich eingenommener Mann, dieser Valan Luca. Seine M�nner schienen aber im Umgang mit Tieren einige Erfahrung zu haben, denn die Pferde hatten sich wirklich weitgehend beruhigt. Sie schnaubten wohl noch und stampften mit den Hufen, doch sie rollten nicht mehr mit den Augen und schienen lediglich etwas nerv�s. Thom und Juilin starrten die fremdartigen Tiere beinahe genauso erschrocken an, wie die Pferde es getan hatten. �Keilerpferde, Meister Luca?� fragte Elayne. �Wo kommen diese Tiere denn her?�</p><p><emphasis>�Riesige</emphasis> Keilerpferde, Lady�, kam die schnelle Antwort, �aus dem sagenhaften Schara. Ich selbst f�hrte eine Expedition in eine Wildnis voller eigenartiger Zivilisationen und noch fremdartigerer Sehensw�rdigkeiten, um sie zu fangen. Ich w�rde Euch zu gern mehr dar�ber erz�hlen. Riesenhafte Menschen, zweimal so gro� wie die Ogier.� Er begleitete seine Erz�hlung mit schwungvollen Gesten. �Kopflose Gesch�pfe. V�gel, so gro�, da� sie einen ausgewachsenen Stier davontragen k�nnen. Schlangen, die in der Lage sind, einen Menschen zu verschlingen. St�dte, aus massivem Gold erbaut. Steigt nur herab, Lady, und la�t mich Euch berichten.�</p><p>Elayne zweifelte nicht daran, da� Luca nur zu gern seine Geschichten zum besten geben w�rde, aber sie bezweifelte doch sehr stark, da� diese Tiere aus Schara stammten. Zum einen sahen selbst die Meerleute nicht mehr von Schara als die ummauerten H�fen, auf die sie sich beschr�nken mu�ten, denn niemand, der diese Mauern passierte, wurde jemals wieder gesehen. Die Aiel wu�ten wenig mehr zu berichten. Zum anderen hatten Nynaeve und sie Gesch�pfe wie diese in Falme gesehen, w�hrend der Invasion durch die Seanchan. Die Seanchan setzten sie als Arbeitstiere und im Krieg ein.</p><p>�Ich glaube nicht, Meister Luca�, entgegnete sie ihm.</p><p>�Dann la�t uns vor Euch auftreten�, sagte er darauf schnell. �Wie Ihr seht, ist dies keine gew�hnliche wandernde Menagerie, sondern etwas ganz Neuartiges. Eine Privatvorf�hrung f�r Euch. Akrobaten, Jongleure, dressierte Tiere, der st�rkste Mann der Welt... Sogar Feuerwerk haben wir. Einer aus der Gilde der Feuerwerker zieht mit uns durchs Land. Wir sind auf dem Weg nach Ghealdan, und morgen ziehen wir ganz geschwind wieder ab. Es w�rde Euch nur eine Kleinigkeit ko...�</p><p>�Meine Herrin hat doch bereits abgelehnt�, unterbrach Nynaeve seinen Redeflu�. �Sie gibt ihr Geld f�r bessere Dinge aus, als lediglich Tiere anzusehen.� In Wirklichkeit verwaltete sie �u�erst geizig ihr gesamtes Verm�gen und r�ckte nur ungern �berhaupt etwas heraus. Sie schien zu glauben, da� alles eigentlich nur soviel kosten sollte wie damals daheim bei ihr in den Zwei Fl�ssen.</p><p>�Warum wollt Ihr nach Ghealdan reisen, Meister Luca?� fragte Elayne. Die andere ging grob mit den Leuten um und �berlie� es ihr, die Wogen wieder zu gl�tten. �Wie ich h�rte, herrschen dort Unruhen. Das Heer war anscheinend nicht in der Lage, einen Mann zu niederzuhalten, der sich als Prophet bezeichnet und vom Wiedergeborenen Drachen predigt. Sicher wollt Ihr doch nicht mitten in b�rgerkriegs�hnliche Zust�nde hineinziehen.�</p><p>�Das ist alles stark �bertrieben, meine Lady. Stark �bertrieben. Wo sich gro�e Volksmengen befinden, wollen sie auch unterhalten werden. Und wo die Menschen unterhalten werden wollen, ist meine Truppe immer willkommen.� Luca z�gerte und trat dann noch n�her an die Kutsche heran. Verlegenheit zeigte sich auf seinem Gesicht, als er zu Elaynes Augen hochblickte. �Lady, in Wirklichkeit w�rdet Ihr mir einen gro�en Gefallen tun, wenn Ihr mir gestattet, f�r Euch eine Vorf�hrung zu veranstalten. Es ist so, da� uns eines der Keilerpferde in der n�chstgelegenen Stadt in Schwierigkeiten gebracht hat. Es war nur ein Unfall�, f�gte er hastig hinzu, �das versichere ich Euch. Es sind sanfte Gesch�pfe. �berhaupt nicht gef�hrlich. Aber die Einwohner von Sienda waren nicht gewillt, uns unsere K�nste vorf�hren zu lassen oder auch nur eine Vorf�hrung hier drau�en zu besuchen... Nun, es hat mich all mein Geld gekostet, Schadenersatz und Bu�e zu bezahlen.� Er verzog schmerzhaft das Gesicht. �Besonders die Geldbu�e war hoch. Wenn Ihr mir erlauben w�rdet, Euch zu unterhalten � es w�rde wirklich nicht viel kosten �, w�rde ich �berall auf der Welt, wohin wir auch kommen, Euren Namen als unsere gro�e G�nnerin nennen und den Ruhm Eurer Gro�mut verbreiten, Lady...?�</p><p>�Morelin�, sagte sie. �Lady Morelin aus dem Hause Samared.� Mit ihrem gef�rbten Haar konnte sie nun durchaus aus Cairhien stammen. Sie hatte keine Zeit, seine Vorstellung anzusehen, auch wenn sie sich zu einer anderen Zeit sehr dar�ber freuen w�rde, sagte sie ihm, und sie f�gte hinzu: �Doch ich will Euch ein wenig helfen, wenn Ihr kein Geld habt. Gib ihm etwas, Nana, um ihm auf seinem Weg nach Ghealdan weiterzuhelfen.� Das letzte, was sie jetzt gebrauchen konnte, war, da� er �ihren Namen als G�nnerin �berall nannte�, aber den Armen und Bed�rftigen zu helfen, wenn sie die Mittel dazu hatte, war eine Pflicht, die sie �u�erst ernst nahm, auch in einem fremden Land.</p><p>M�rrisch holte Nynaeve eine Geldb�rse aus ihrer G�rteltasche und kramte darin. Dann beugte sie sich aus der Kutsche, legte etwas in Lucas Hand und dr�ckte diese um ihre Gabe zu. Er blickte �berrascht drein, als sie sagte: �Wenn Ihr eine anst�ndige Arbeit annehmt, braucht Ihr nicht zu betteln. Fahrt weiter, Thom!�</p><p>Thoms Peitsche knallte und Elayne wurde auf ihren Sitz zur�ckgeworfen. �Du h�ttest nicht so unh�flich sein m�ssen�, sagte sie. �Und so pl�tzlich abfahren. Was hast du ihm gegeben?�</p><p>�Einen Silberpfennig�, antwortete Nynaeve gelassen, wobei sie die B�rse in ihre Tasche zur�cksteckte. �Mehr, als er verdient.�</p><p>�Nynaeve�, st�hnte Elayne. �Der Mann glaubt wahrscheinlich, wir wollten uns �ber ihn lustig machen.�</p><p>Nynaeve schnaubte: �Bei diesen Schultern w�rde ihn ein Tag richtig harter Arbeit bestimmt nicht umbringen.�</p><p>Elayne hielt den Mund, obwohl sie anderer Meinung war. Jedenfalls nicht ganz der gleichen. Sicher w�rde dem Mann eine richtige Arbeit nicht schaden, aber sie glaubte nicht, da� es viele solcher Arbeitspl�tze gab. <emphasis>Vor allem glaube ich nicht, da� Meister Luca eine Arbeit annehmen w�rde, bei der er diesen Umhang nicht tragen kann.</emphasis> Wenn sie aber weiter auf dieser Sache herumritt, w�rde Nynaeve wahrscheinlich widersprechen. Selbst wenn sie ganz zart Dinge andeutete, von denen Nynaeve nichts verstand, beschuldigte diese sie m�glicherweise der Arroganz oder da� sie sich als Lehrerin aufspiele. Valan Luca war wohl kaum eine neue Auseinandersetzung wert, nachdem sie gerade erst die letzte begraben hatten.</p><p>Die Schatten wurden l�nger, als sie schlie�lich Sienda erreichten, ein gro�es Dorf mit strohgedeckten Steingeb�uden und zwei Schenken. Die erste, �Des K�nigs Pikeur�, wies ein klaffendes Loch auf, wo sich die Eingangst�r befunden hatte, und eine ganze Anzahl von Zuschauern beobachtete die Handwerker, die mit der Reparatur besch�ftigt waren. Vielleicht hatte Meister Lucas �Keilerpferd� das Schild nicht gefallen, das nun neben dem Loch an der Wand lehnte und das einen angreifenden Soldaten mit gesenkter Lanze zeigte. Es schien irgendwie heruntergerissen worden zu sein.</p><p>�berraschenderweise waren auf den belebten Lehmstra�en hier mehr Wei�m�ntel zu sehen als in Mardecin, viel mehr, und au�erdem noch andere Soldaten, ger�stet und mit kegelf�rmigen Helmen auf den K�pfen. Ihre blauen Umh�nge trugen Stern und Distel, das Wappen Amadicias. Es mu�ten wohl Lager in der N�he sein. Die M�nner des K�nigs und die Wei�m�ntel schienen nicht viel f�reinander �brig zu haben. Entweder liefen sie aneinander vorbei, als existierten die anderen �berhaupt nicht, oder sie blickten sich herausfordernd an, als fehle nicht viel, und sie w�rden die Schwerter ziehen. Einige der in Wei� geh�llten M�nner trugen hinter der strahlenden Sonnenscheibe einen roten Hirtenstab auf ihren Umh�ngen.</p><p>Die Hand des Lichts nannte sich ihre Organisation, die Hand, die nach der Wahrheit sucht, aber jeder andere nannte sie nur die �Zweifler� oder bezeichnete sie hinter der hohlen Hand als Folterknechte. Selbst die anderen Wei�m�ntel hielten sich von ihnen fern.</p><p>Alles in allem reichte es, um Elayne Magenschmerzen zu verursachen. Aber gl�cklicherweise w�rde die Sonne in etwa einer Stunde untergehen, den langen Sommerabend eingerechnet. Und wenn sie die halbe Nacht weiterf�hren, h�tten sie doch keine Garantie, da� sie auf eine weitere Schenke sto�en w�rden, aber Aufsehen w�rde eine solche Nachtfahrt bestimmt erregen. Dazu gab es noch einen Grund, fr�hzeitig haltzumachen.</p><p>Sie tauschte einen Blick mit Nynaeve, und nach einem Augenblick des �berlegens nickte die andere und sagte: �Wir m�ssen Halt machen.�</p><p>Als die Kutsche vor der Schenke �Zum Licht der Wahrheit� anhielt, sprang Juilin schnell vom Bock und ri� die T�r auf. Nynaeve wartete mit nichtssagendem Blick, bis er Elayne herausgeholfen hatte. Allerdings l�chelte sie Elayne kurz zu, als Zeichen, da� sie nicht wieder vorhabe zu schmollen. Die Ledertasche, die sie �ber die Schulter geh�ngt hatte, wirkte ein wenig auff�llig, aber Elayne hoffte, da� es sich in Grenzen halten werde. Nachdem Nynaeve nun wieder �ber einen Vorrat von Kr�utern und Tinkturen verf�gte, lie� sie diese einfach nicht mehr aus den Augen.</p><p>Sie hatte einen ersten Blick auf das Schild �ber dem Eingang dieser Schenke geworfen und gew�nscht, das �Keilerpferd� h�tte lieber dieses Haus verw�stet und nicht das andere, denn das Schild zeigte eine strahlende, goldene Sonnenscheibe, wie sie die Wei�m�ntel auf den Umh�ngen trugen. Wenigstens stand dahinter kein Hirtenstab. Die H�lfte der M�nner, die den Schankraum f�llten, war in schneewei�e Umh�nge geh�llt. Die Helme hatten sie vor sich auf die Tische gelegt. Sie atmete tief durch und mu�te sich gewaltig beherrschen, um nicht auf dem Fu�e kehrtzumachen und hinauszulaufen.</p><p>Von den Soldaten abgesehen war es eine angenehme Schenke mit hohen Deckenbalken und dunkler, gl�nzend polierter T�felung. Die kalten Feuerstellen der beiden gro�en Kamine waren mit frisch geschnittenen gr�nen �sten dekoriert, und aus der K�che drangen D�fte der verschiedensten Speisen. Die Dienerinnen in ihren wei�en Sch�rzen schienen alle gut gelaunt, als sie mit ihren Tabletts mit Weinkr�gen und Bier und Essen zwischen den Tischen umhereilten.</p><p>Die Ankunft einer Lady erregte so nahe der Hauptstadt nicht viel Aufsehen. Oder vielleicht auch dieses Herrenhauses wegen. Ein paar der M�nner sahen sie an, und andere musterten interessiert ihre �Zofe�, doch als Nynaeve bemerkte, da� sie angestarrt wurde, blickte sie so streng drein, da� sich die M�nner lieber wieder schnell ihrem Wein zuwandten. Nynaeve schien die Blicke der M�nner f�r ein Verbrechen zu halten, obwohl sie nichts gesagt und noch nicht einmal frech hergeschaut hatten. Elayne fragte sich, warum Nynaeve nicht einfach unauff�lligere Kleidung trug, wenn sie so etwas vermeiden wollte. Statt dessen hatte sie hart arbeiten m�ssen, um das einfach geschnittene graue Kleid ganz genau auf Nynaeves Figur umzuarbeiten. Nynaeve selbst war ein hoffnungsloser Fall, wenn es an feinere Handarbeiten ging.</p><p>Die Wirtin, Frau Jharen, war eine mollige Frau mit langen grauen Locken, einem warmen L�cheln und durchdringenden dunklen Augen. Elayne hatte den Verdacht, sie k�nne einen ausgefransten Saum oder eine leere B�rse auf zehn Schritt Entfernung entdecken. Sie bestanden offensichtlich die Musterung, denn sie knickste tief, wobei sie ihren grauen Rock weit ausbreitete, und hie� sie ausf�hrlich willkommen. Sie wollte wissen, ob die Lady auf dem Weg nach Amador sei oder von dort komme.</p><p>�Von dort�, antwortete Elayne voll tr�ger Arroganz. �Die B�lle in der Stadt waren wohl sehr, sehr sch�n und K�nig Ailron sieht wirklich so gut aus, wie man es ihm nachsagt, was nicht gerade bei jedem K�nig der Fall ist, doch ich mu� auf meine G�ter zur�ckkehren. Ich brauche ein Zimmer f�r mich und Nana und etwas f�r meinen Lakaien und den Kutscher.� Dabei fielen ihr Nynaeve und das primitive Klappbett wieder ein, und so f�gte sie hinzu: �Und es sollten zwei richtige Betten im Zimmer stehen. Ich brauche Nana bei mir, aber wenn sie nur ein kleines Notbett hat, h�lt sie mich mit ihrem Schnarchen vom Schlafen ab.� Nynaeves respektvolle Miene verflog, wenn auch nur einen Augenblick lang, aber es stimmte durchaus. Sie hatte furchtbar geschnarcht.</p><p>�Selbstverst�ndlich, meine Lady�, sagte die mollige Wirtin. �Ich habe gerade das Richtige f�r Euch. Aber Eure M�nner werden sich mit einem Schlafplatz im Stall bescheiden m�ssen � auf dem Heuboden. Wie Ihr seht, ist mein Haus ziemlich voll. Eine Vagabundentruppe hat gestern ein paar schreckliche gro�e Tiere ins Dorf mitgebracht und eines davon h�tte fast �Des K�nigs Pikeur� zerst�rt. Der arme Sim hat die H�lfte oder mehr von seinen G�sten nach dem Schreck verloren, und die sind alle hierher gekommen.� Frau Jharens L�cheln dr�ckte eher Befriedigung aus denn Mitgef�hl. �Ich habe aber noch ein Zimmer �brig.�</p><p>�Ich bin sicher, das wird unseren Anspr�chen gen�gen. Wenn Ihr uns eine kleine Erfrischung und etwas Wasser zum Waschen bringen w�rdet? Ich denke, ich werde mich heute sehr fr�h zur�ckziehen.� Durch die Fenster drang noch Sonnenschein, aber sie hielt grazi�s eine Hand vor den Mund, als unterdr�cke sie ein G�hnen.</p><p>�Selbstverst�ndlich, meine Lady. Wir Ihr w�nscht. Hier entlang, bitte.�</p><p>Frau Jharen schien zu glauben, sie m�sse Elayne andauernd unterhalten, w�hrend sie die beiden in den zweiten Stock f�hrte. Die ganze Zeit �ber plapperte sie, wie �berf�llt die Schenke sei und was f�r ein Wunder es sei, da� sie noch ein Zimmer �brig habe, �ber die Vagabunden mit ihren Tieren und wie man sie aus dem Ort gejagt habe und da� es dem Pack recht geschehe, �ber all die Adligen, die sich im Laufe der Jahre in ihrem Etablissement aufgehalten hatten und da� einmal sogar der kommandierende Lordhauptmann der Kinder des Lichts hier �bernachtet habe. Obendrein sei erst gestern ein J�ger des Horns durchgekommen. Er sei auf dem Weg nach Tear, denn man behauptete, irgendein falscher Drache habe den Stein von Tear erobert. War das nicht schrecklich, da� M�nner solche schlimmen Dinge anrichteten? �Ich hoffe, sie finden es niemals.� Die grauen Locken der Wirtin flogen, als sie den Kopf sch�ttelte.</p><p>�Das Horn von Valere?� fragte Elayne. �Warum sollen sie es nicht finden?�</p><p>�Aber, Lady, wenn sie es finden, bedeutet es doch, da� die Letzte Schlacht nahe ist. Und der Dunkle K�nig bricht aus.� Frau Jharen schauderte. �Das Licht gebe, da� man das Horn niemals findet. Auf die Weise kann es doch auch nicht zur Letzten Schlacht kommen, oder?� Auf diese Art von Logik gab es wohl kaum eine schl�ssige Antwort.</p><p>Das Zimmer war recht gem�tlich, wenn auch ein bi�chen eng. Zwei schmale Betten mit gestreiften Bettdecken standen zu beiden Seiten eines Fensters, aus dem man auf die Stra�e hinausblickte. Zwischen den Betten und bis zu den wei�get�nchten W�nden blieben allerdings nur wenige Schritte. Unter dem Fenster stand ein kleiner Tisch mit einer Lampe und einer Zunderschachtel, auf dem Boden lag ein winziger, gebl�mter L�ufer, und den Rest des Mobiliars stellte ein Waschtisch mit einem kleinen Spiegel dar�ber dar. Alles war jedoch sauber und in bestem Zustand.</p><p>Die Wirtin sch�ttelte die Kissen auf und strich die Bettdecke glatt. Sie sagte, die Matratzen seien mit den besten G�nsedaunen gef�llt und die Bediensteten der Lady w�rden ihre Koffer die Hintertreppe heraufbringen und alles werde sehr gem�tlich, und wenn die Lady das Fenster �ffnete und die T�r einen Spaltbreit offenlie�, w�rde es angenehm k�hl durchziehen bei Nacht. Als werde sie bei ge�ffneter T�r schlafen, wenn sich drau�en ein jedem zug�nglicher Flur befand! Zwei M�dchen mit Sch�rzen schleppten einen gro�en, blauen Krug mit dampfendhei�em Wasser und ein gro�es, lackiertes und mit einem wei�en Tuch abgedecktes Tablett herein, bevor Elayne es endlich schaffte, Frau Jharen loszuwerden. Unter dem Tuch zeichneten sich auf der einen Seite die Umrisse eines Weinkrugs und zweier Becher ab.</p><p>�Ich denke, sie glaubte, wir k�nnten doch eventuell in �Der K�nigin Pikeur� ausweichen, trotz des Lochs in der Wand dort�, sagte Elayne, sobald sich die T�r ganz geschlossen hatte. Sie sah sich im Zimmer um und verzog das Gesicht. Es gab kaum genug Platz f�r sie und ihr Gep�ck. �Vielleicht sollten wir es sogar versuchen.�</p><p>�Ich schnarche nicht�, sagte Nynaeve mit leiser Stimme.</p><p>�Sicher nicht. Aber ich mu�te doch irgend etwas sagen.�</p><p>Nynaeve r�usperte sich laut, doch alles, was sie sagte, war: �Ich bin froh, da� ich m�de genug bin, um jetzt schon ins Bett zu gehen. Von dieser Spaltwurzel abgesehen, habe ich keinerlei Schlafmittel unter den Dingen entdeckt, die diese Macura gesammelt hat.�</p><p>Thom und Juilin mu�ten dreimal gehen, bis sie die eisenbeschlagenen Koffer oben hatten. Sie brummten die ganze Zeit vor sich hin, wie es bei M�nnern so �blich ist, weil sie das Gep�ck die enge Hintertreppe der Schenke hinaufwuchten mu�ten. Und sie meckerten auch dar�ber, da� sie im Stall schlafen mu�ten, w�hrend sie den ersten Koffer zu zweit hereinschleppten. Er hatte blattf�rmige Scharniere, und in ihm befand sich das meiste ihres Geldes und ihrer sonstigen Wertsachen, den wiedergefundenen <emphasis>Ter'Angreal</emphasis> eingeschlossen. Dann jedoch sahen sie sich im Zimmer um, warfen sich einen Blick zu und schwiegen. In bezug auf ihre Klagen jedenfalls.</p><p>�Wir werden runtergehen und sehen, was wir im Schankraum in Erfahrung bringen k�nnen�, sagte Thom, sobald die letzte Truhe hereingezw�ngt war. Sie hatten gerade noch genug Platz, um den Waschtisch zu erreichen.</p><p>�Vielleicht sehen wir uns auch im Ort um�, f�gte Juilin hinzu. �Wenn etwas sie so erregt hat, wie wir das bei unserer Ankunft sahen, dann reden M�nner sehr gern.�</p><p>�Das ist ausgezeichnet�, sagte Elayne. Sie legten offensichtlich gr��ten Wert darauf, mehr zu tun, als nur Dinge zu schleppen. Gut, in Tanchico hatten sie wirklich ganz andere Aufgaben gehabt � und in Mardecin nat�rlich auch �, und das kam bestimmt auch wieder, aber hier war ja wohl nichts los. �Nehmt Euch aber gut in acht, da� Ihr keine Schwierigkeiten mit den Wei�m�nteln bekommt!� Sie tauschten einen leidenden Blick, als habe sie nicht bemerkt, wie sie von ihren �Informationsg�ngen� verschrammt und mit blutenden Gesichtern zur�ckgekehrt waren, doch sie verzieh ihnen und l�chelte Thom an. �Ich kann es gar nicht erwarten, zu h�ren, was Ihr in Erfahrung bringt.�</p><p>�Morgen fr�h�, sagte Nynaeve entschieden. Sie vermied so betont jeden Blick in Richtung Elayne, da� sie sie genausogut h�tte anfunkeln k�nnen. �Falls Ihr uns vorher st�rt und nicht wenigstens Trollocs zu vermelden habt, werdet Ihr es bereuen.�</p><p>Der Blick, den die beiden M�nner tauschten, sprach B�nde. Nynaeve zog bereits die Augenbrauen hoch, aber dann entschlo� sie sich doch z�gernd, ihnen ein paar M�nzen in die Hand zu dr�cken, worauf sie versprachen, die Frauen ungest�rt schlafen zu lassen.</p><p>�Wenn ich noch nicht einmal mit Thom sprechen kann...�, begann Elayne, kaum, da� die M�nner drau�en waren, doch Nynaeve schnitt ihr das Wort ab.</p><p>�Ich werde nicht zulassen, da� sie hereinspazieren, wenn ich im Hemd daliege.� Sie kn�pfte sich bereits ungeschickt ihr Kleid am R�cken auf. Elayne wollte ihr helfen, doch sie sagte: �Ich schaffe es schon. Hol du den Ring f�r mich heraus.�</p><p>Elayne schnaubte und hob dann ihren Rock an, damit sie die kleine Tasche erreichen konnte, die sie �ber dem Saum innen eingen�ht hatte. Sollte sich doch Nynaeve gereizt anstellen; sie w�rde nicht darauf eingehen, selbst wenn sie wieder w�tend loslegte. In der Tasche lagen zwei Ringe. Sie lie� den goldenen mit der Gro�en Schlange, den sie bei ihrer Erhebung zur Aufgenommenen bekommen hatte, wo er war und nahm den Steinring heraus.</p><p>�berall Flecken und Streifen in Rot und Blau und Braun, zu gro�, um auf einen Finger zu passen, abgeflacht und verdreht: ein eigenartiger Ring. Au�erdem hatte er nur eine Kante. Wenn man mit dem Finger an der Kante entlangfuhr, kam man ganz von selbst nach innen und wieder heraus, bis man den Anfangspunkt wieder erreichte. Er war ein <emphasis>Ter'Angreal</emphasis> und gestattete der Tr�gerin den Zugang nach <emphasis>Tel'aran'rhiod,</emphasis> der Welt der Tr�ume. Das galt sogar f�r diejenigen, die nicht �ber das Talent Egwenes und der Aiel-Traumg�ngerinnen verf�gten. Alles, was man tun mu�te, war, mit dem Ring auf der Haut einzuschlafen. Im Gegensatz zu den beiden <emphasis>Ter'Angreal,</emphasis> die sie sich von den Schwarzen Ajah zur�ckgeholt hatten, war es hier nicht notwendig, die Macht zu ben�tzen. Soweit Elayne es �berblicken konnte, war es m�glich, da� auch ein Mann den Ring zum gleichen Zweck gebrauchen konnte.</p><p>Nur mit ihrem leinenen Hemd angetan, h�ngte Nynaeve den Ring an die Lederkordel neben Lans Siegelring und ihren eigenen Gro�en Schlangenring, verknotete die Kordel wieder und schlang sie sich um den Hals. Dann legte sie sich auf eines der Betten. Sorgf�ltig schob sie die Ringe zurecht, damit der Steinring auf ihrer Haut lag, und legte den Kopf bequem zur�ck auf ihr Kopfkissen.</p><p>�Ist noch Zeit, bis Egwene und die Weisen Frauen ankommen?� fragte Elayne. �Ich komme nie darauf, welche Zeit es gerade in der W�ste ist.�</p><p>�Es ist noch Zeit, au�er, sie k�me verfr�ht, was ich nicht glaube. Die Weisen Frauen halten sie ziemlich kurz an der Leine. Aber auf die Dauer gesehen tut ihr das gut. Sie war schon immer so eigensinnig.� Nynaeve �ffnete die Augen und sah sie geradewegs an � ausgerechnet sie! �, als gelte das auch f�r ihr Gegen�ber.</p><p>�Denk daran, Egwene zu sagen, sie solle Rand wissen lassen, da� ich an ihn denke!� Sie w�rde es jetzt nicht wieder zu einem Krach mit Nynaeve kommen lassen. �Sag ihr, sie soll ihm sagen, da� ich ihn liebe � nur ihn.� So. Jetzt war es heraus.</p><p>Nynaeve rollte die Augen, als st�nde sie weit �ber solchen Dingen. �Wenn du willst�, bemerkte sie sp�ttisch und machte es sich auf dem Bett noch ein wenig bequemer.</p><p>Als sich die Atemz�ge der anderen langsam beruhigten, schob Elayne eine der Reisekisten vor die T�r und setzte sich darauf. Sie ha�te diese Warterei. Es gesch�he Nynaeve recht, wenn sie statt dessen in den Schankraum hinunter ging. Thom befand sich wahrscheinlich noch unten, und... Und gar nichts. Er galt als ihr Kutscher. Sie fragte sich, ob Nynaeve das im Sinne gehabt hatte, als sie sich einverstanden erkl�rte, ihre Zofe zu spielen. Seufzend lehnte sie sich an die T�r. Wie sie dieses Warten ha�te!</p></section><section><title><p>14</p><p>Begegnungen</p></title><p>Die Auswirkungen des ringf�rmigen <emphasis>Ter'Angreal</emphasis> �berraschten Nynaeve mittlerweile nicht mehr. Sie befand sich an dem Ort, an den sie gedacht hatte, als der Schlaf sie �berw�ltigte, n�mlich in der gro�en Halle in Tear, die man das Herz des Steins nannte, mitten in der enormen Festung des Steins von Tear. Die vergoldeten Lampen auf den hohen St�ndern waren nicht entz�ndet, aber von �berall her und doch aus keiner erkennbaren Quelle wurde die Halle von einem fahlen Lichtschein erf�llt, der einfach da war, um sie herum, und in der Ferne zu tr�ben Schatten verbla�te. Wenigstens war es nicht hei�. In <emphasis>Tel'aran'rhiod</emphasis> schien es niemals kalt oder hei� zu sein.</p><p>In jeder Richtung erstreckten sich Reihen riesiger Sandsteins�ulen. Die Kuppeldecke war so hoch, da� sie sich in den Schatten verlor. An goldenen Ketten hingen weitere vergoldete Lampen aus der H�he herab. Die hellen Steinfliesen unter ihren F��en waren ausgetreten. Wohl waren die Hochlords von Tear � nat�rlich in der Welt der Wirklichkeit � nur hierher gekommen, wenn Gesetz und Brauch es verlangten, aber sie kamen immerhin seit der Zerst�rung der Welt in diesen Saal. In der Mitte unter der Kuppel befand sich <emphasis>Callandor,</emphasis> ein glitzerndes, scheinbar ganz aus: Kristall gefertigtes Schwert, das zur H�lfte in den Steinboden hineingetrieben worden war. So, wie Rand es hinterlassen hatte.</p><p>Sie n�herte sich <emphasis>Callandor</emphasis> nicht. Rand hatte behauptet, er habe mit Hilfe <emphasis>Saidins</emphasis> Fallen darumherum gewoben, Fallen, die keine Frau sehen k�nne. Sie vermutete, da� es wohl ziemlich hinterh�ltige Fallen sein mu�ten, denn auch der beste aller M�nner konnte gemein werden, wenn er mit gezinkten Karten spielen mu�te, und sie w�rden vermutlich eine Frau genau wie jeden Mann treffen, der diesen <emphasis>Sa'Angreal</emphasis> ben�tzen wollte. Er hatte es vor den Aes Sedai der Wei�en Burg im gleichen Ma�e sch�tzen wollen wie vor den Verlorenen. Abgesehen von Rand selbst w�rde wahrscheinlich jeder sterben, der <emphasis>Callandor</emphasis> ber�hrte, oder es w�rde ihm noch Schlimmeres zusto�en als der Tod.</p><p>Das war eine der Eigenschaften <emphasis>Tel'aran'rhiods.</emphasis> Was sich in der Welt der Wirklichkeit befand, fand man auch hier, aber umgekehrt galt das nicht immer. Die Welt der Tr�ume, die Unsichtbare Welt, war ein Spiegel der Welt des Wachens. Doch dieser Spiegel verzerrte manchmal das Bild auf eigenartige Weise, und manchmal reflektierten sich in ihm auch noch andere Welten. Verin Sedai hatte Egwene erkl�rt, da� es ein Muster aus Welten gebe, gewoben aus unserer eigenen und anderen Wirklichkeiten, so wie das Gewebe menschlicher Leben das Muster der Zeitalter ergab. <emphasis>Tel'aran'rhiod</emphasis> ber�hrte all diese Welten, doch nur wenige konnten es betreten, die meisten davon unfreiwillig und nur f�r kurze, unbewu�te Augenblicke, wenn sie ihre irdischen Tr�ume tr�umten. Es waren allerdings gef�hrliche Augenblicke f�r diese Tr�umer, auch wenn ihnen das nicht klar wurde, es sei denn, sie hatten extremes Pech. Denn eine weitere Eigenheit <emphasis>Tel'aran'rhiods</emphasis> war die Tatsache, da� alles, was hier einem Tr�umer zustie�, auch in der wachenden Welt mit ihm geschah. In der Welt der Tr�ume zu sterben bedeutete, auch in der Wirklichkeit den Tod zu erleiden.</p><p>Sie hatte das Gef�hl, aus der D�sternis zwischen den S�ulen heraus beobachtet zu werden, aber das beunruhigte sie nicht weiter. Es war auf keinen Fall Moghedien. <emphasis>Von der Phantasie erschaffene Augen. Es gibt keine Beobachter. Ich habe Elayne gesagt, sie solle es ignorieren, und jetzt habe ich selbst...</emphasis> Moghedien w�rde bestimmt mehr tun als nur beobachten. Trotzdem h�tte sie lieber Zorn gesp�rt, um so die Macht benutzen zu k�nnen. Nat�rlich f�rchtete sie sich nicht, nur war sie eben auch nicht zornig genug. Angst jedoch hatte sie eindeutig nicht.</p><p>Der verdrehte Steinring f�hlte sich so leicht an, als wolle er aus ihrem Hemd emporschweben. Er erinnerte sie daran, da� sie nichts anderes an Kleidung trug. Doch sobald sie daran dachte, hatte sie auch schon ein Kleid an. Das war etwas an <emphasis>Tel'aran'rhiod,</emphasis> was ihr gefiel. Oftmals war es unn�tig, die Macht einzusetzen, denn sie konnte hier Dinge vollbringen, die wohl kaum jemals eine Aes Sedai mit Hilfe der Macht schaffen w�rde. Allerdings hatte sie nun nicht das Kleid aus guter, kr�ftiger Wolle von den Zwei Fl�ssen an, das sie erwartet hatte. Statt dessen reichte ihr der hohe, mit Jaerecruz-Spitze besetzte Stehkragen bis unter das Kinn, und darunter war sie in hellgelbe Seide geh�llt, die sich erregend an ihren K�rper schmiegte. Wie viele Male hatte sie die typischen Taraboner Kleider wie dieses als unz�chtig bezeichnet, als sie eines trug, um in Tanchico nicht so aufzufallen? Wie es schien, hatte sie sich besser daran gew�hnt, als ihr bewu�t geworden war.</p><p>Sie zog hart an ihrem Zopf, um sich f�r ihre gedankliche Abschweifung zu bestrafen, lie� aber das Kleid, wie es war. Es mochte nicht ganz das sein, was sie wollte, doch sie war keine oberfl�chliche G�re, die deshalb Theater machte. <emphasis>Ein Kleid ist ein Kleid.</emphasis> Sie w�rde es tragen, wenn Egwene kam und diejenige der Weisen Frauen, die sie diesmal begleitete, und falls eine von ihnen auch nur ein Wort sagte... <emphasis>Ich bin doch nicht so fr�h gekommen, um mich ausgerechnet mit Kleidern zu besch�ftigen!</emphasis></p><p>�Birgitte?� Schweigen war ihre Antwort, und so erhob sie die Stimme, obwohl das hier gar nicht notwendig sein sollte. In dieser Welt sollte diese bestimmte Frau ihren Namen h�ren, auch wenn sie sich auf der anderen Seite <emphasis>Tel'aran'rhiods</emphasis> befand. �Birgitte?�</p><p>Eine Frau trat unter den S�ulen hervor. Ihre blauen Augen blickten ruhig und mit stolzem Selbstvertrauen her�ber, und ihr goldenes Haar war zu einem langen, noch kunstvolleren Zopf als dem Nynaeves geflochten. Ihr kurzer, wei�er Mantel und die bauschige, gelbe Seidenpumphose, die an den Kn�cheln �ber den kurzen Stiefeletten mit ihren hohen Abs�tzen zugebunden war, waren eigentlich Kleidungsst�cke einer Moderichtung von vor zweitausend Jahren, die ihr eben besonders gefiel. Die Pfeile in dem K�cher an ihrer Seite schienen aus Silber zu bestehen, genau wie der Bogen, den sie trug.</p><p>�Ist Gaidal auch hier?� fragte Nynaeve. Er befand sich f�r gew�hnlich in Birgittes N�he, und er machte Nynaeve nerv�s, da er sich standhaft weigerte, ihre Anwesenheit wahrzunehmen, und immer ein finsteres Gesicht machte, wenn Birgitte mit ihr sprach. Zuerst was es ja so etwas wie ein Schock gewesen, Gaidal Cain und Birgitte in <emphasis>Tel'aran'rhiod</emphasis> vorzufinden � lange verstorbene Helden, die in so vielen Sagen eine gemeinsame Rolle spielten. Doch, wie Birgitte selbst es ausgedr�ckt hatte, welcher Ort konnte f�r Helden, die an das Rad der Zeit gebunden waren, besser geeignet sein als ein Traum, um auf ihre Wiedergeburt zu warten? Ein Traum, der genauso alt war wie das Rad selbst. Sie waren es � Birgitte und Gaidal Cain und Rogosch Adlerauge und Artur Falkenfl�gel und all die anderen �, die das Horn von Valere zur�ckrufen w�rde, um in Tarmon Gai'don zu k�mpfen.</p><p>Birgittes Zopf schwang herum, als sie den Kopf sch�ttelte. �Ich habe ihn schon einige Zeit nicht mehr gesehen. Ich glaube, das Rad hat ihn wieder hinausgeworfen in die Welt der Wirklichkeit. Das geschieht ja immer wieder.� Erwartung und Sorge mischten sich in ihrer Stimme.</p><p>Falls Birgitte recht hatte, war irgendwo auf der Welt ein Knabe geboren worden, ein fr�hlich kr�hendes Kind, das keine Ahnung hatte, wer es war, und dem doch bestimmt war, dereinst gro�e Abenteuer und Heldentaten zu bestehen und neue Sagen entstehen zu lassen. Das Rad verwob die Helden ins Muster, wann immer sie gebraucht wurden, um dieses Muster zu ver�ndern. Wenn sie starben, kehrten sie nach hier zur�ck und warteten wieder. So war es, wenn man an das Rad gebunden war. Auch neue Helden konnten sich genauso gebunden wiederfinden, M�nner und Frauen, deren Mut und deren Erfolge sie weit �ber die gew�hnlichen Menschen hinaushob. Doch einmal gebunden, konnten sie dem Rad nie mehr entkommen.</p><p>�Wie lange m��t Ihr noch warten?� fragte Nynaeve. �Bestimmt doch noch Jahre.� Birgitte war immer mit Gaidal verbunden, durch eine Sage nach der anderen hindurch, in Zeitalter auf Zeitalter, in einem fortlaufenden Abenteuer und einer Liebe gefangen, die auch das Rad der Zeit nicht zerbrach. Sie wurde immer nach Gaidal wiedergeboren; ein Jahr sp�ter, f�nf Jahre, zehn, aber immer nach ihm.</p><p>�Ich wei� nicht, Nynaeve. Die Zeit l�uft hier nicht wie in der wachenden Welt ab. Ich habe Euch hier vor zehn Tagen zuletzt getroffen, wie es mir scheint, und Elayne nur einen Tag zuvor. Wie war das bei Euch?�</p><p>�Vier Tage und dann drei�, murmelte Nynaeve. Sie und Elayne waren so oft wie m�glich hergekommen, um mit Birgitte zu sprechen, aber es war nicht so oft m�glich gewesen, da ja Thom und Juilin sich mit im Lager befanden und sich als Nachtwachen abwechselten. Birgitte erinnerte sich tats�chlich noch an den Krieg um die Macht, jedenfalls an ein ganzes Leben w�hrend dieses Kriegs, und an die Verlorenen. Ihre vergangenen Leben waren wie B�cher, an die man sich aus alter Zeit gern noch erinnert. Die ferneren waren nat�rlich in der Erinnerung getr�bt, aber die Verlorenen hatte sie noch klar im Ged�chtnis. Besonders Moghedien.</p><p>�Seht Ihr, Nynaeve? Hier kann sich der Strom der Zeit sogar in weit h�herem Ma�e verschieben. Es kann Monate dauern, bis ich wiedergeboren werde, aber auch nur Tage. F�r mich hier. In der wachenden Welt dagegen kann es noch Jahre dauern bis zu meiner Geburt.�</p><p>Mit M�he unterdr�ckte Nynaeve ihren Verdru�. �Dann d�rfen wir keine Zeit mehr verschwenden! Habt Ihr irgendwelche von ihnen gesehen, seit wir uns zuletzt trafen?� Es war nicht notwendig, zu erw�hnen, wen sie meinte.</p><p>�Zu viele. Lanfear befindet sich nat�rlich oft in</p><p><emphasis>Tel'aran'rhiod,</emphasis> aber ich habe auch Rahvin, Sammael und Graendal gesehen. Demandred. Und Semirhage.� Bei der Erw�hnung des letzten Namens klang Birgittes Stimme ausgesprochen nerv�s. Selbst Moghedien, die sie ha�te, lie� bei ihr �u�erlich keine Angst aufkommen, doch Semirhage war ein anderer Fall.</p><p>Auch Nynaeve schauderte. Die goldhaarige Frau hatte ihr schon zuviel �ber diese Verlorene erz�hlt. Dann wurde ihr bewu�t, da� sie pl�tzlich einen dicken Wollumhang trug und eine tiefe Kapuze �ber den Kopf gezogen hatte, um ihr Gesicht zu verbergen. Err�tend lie� sie sie verschwinden.</p><p>�Hat Euch keine von ihnen bemerkt?� fragte sie �ngstlich. Birgitte war auf viele verschiedene Arten leichter verwundbar als sie, und das trotz ihrer Kenntnisse in bezug auf <emphasis>Tel'aran'rhiod.</emphasis> Sie besa� nicht die F�higkeit, mit der Macht umzugehen. Jede der Verlorenen konnte sie vernichten, als zertrete sie eine Ameise, ohne auch nur im Schritt innezuhalten. Und sollte sie hier get�tet werden, k�nnte sie auch niemals mehr wiedergeboren werden.</p><p>�Ich bin nicht so unerfahren oder t�richt, um das zuzulassen.� Birgitte st�tzte sich auf ihren Silberbogen. Die Legende berichtete, sie verfehle mit diesem Bogen und ihren silbernen Pfeilen niemals ihr Ziel. �Sie besch�ftigen sich mit ihren Eifers�chteleien untereinander und achten sonst auf niemanden. Ich habe Rahvin und Sammael gesehen, Graendal und Lanfear, und jeder beobachtete ungesehen die anderen. Und Demandred und Semirhage beschatteten ebenfalls die anderen. Seit ihrer Befreiung habe ich sie allerdings nicht mehr so oft hier gesehen.�</p><p>�Sie haben irgend etwas vor.� Nynaeve bi� sich frustriert auf die Unterlippe. �Aber was nur?�</p><p>�Ich kann es noch nicht sagen, Nynaeve. Im Schattenkrieg haben sie auch immer Pl�ne geschmiedet, genauso gegeneinander wie miteinander, aber ihr Werk hat noch nie etwas Gutes zu bedeuten gehabt, weder f�r die Welt der Tr�ume noch f�r die der Wirklichkeit.�</p><p>�Versucht es herauszufinden, Birgitte, jedenfalls soviel Ihr nur in Erfahrung bringen k�nnt, ohne Euch in Gefahr zu bringen. Riskieren d�rft Ihr nichts.� Der Gesichtsausdruck der anderen �nderte sich nicht, aber Nynaeve glaubte, in ihren Augen Erheiterung zu entdecken. Diese t�richte Frau achtete genausowenig auf Gefahren wie Lan. Sie h�tte so gern nach der Wei�en Burg gefragt und was Siuan wohl plante, doch Birgitte konnte die wachende Welt weder sehen noch ber�hren, es sei denn, sie wurde durch das Horn dorthin gerufen. <emphasis>Du versuchst nur, deine eigentliche Frage zu vermeiden!</emphasis> �Habt Ihr Moghedien gesehen?�</p><p>�Nein�, seufzte Birgitte, �aber ich habe es oft genug versucht. Normalerweise kann ich jeden finden, der wei�, da� er sich in der Welt der Tr�ume befindet. Da ist so ein Gef�hl, als ob sich Wellen durch die Luft ausbreiten. Oder vielleicht von seinem Bewu�tsein aus. Ich wei� es einfach nicht. Ich bin Soldatin und keine Gelehrte. Entweder ist sie nicht nach <emphasis>Tel'aran'rhiod</emphasis> gekommen, seit Ihr sie besiegt habt, oder...� Sie z�gerte, und Nynaeve wollte sie daran hindern, auszusprechen, was als n�chstes kommen mu�te, doch Birgitte war zu stark, um vor unangenehmen M�glichkeiten die Augen zu schlie�en. �Oder sie wei�, da� ich nach ihr Ausschau gehalten habe. Die kann sich sehr gut verbergen. Man nennt sie nicht umsonst die Spinne.� Das war, was im Zeitalter der Legenden eine</p><p><emphasis>Moghedien</emphasis> gewesen war: eine winzige Spinne, die ihr Netz im Verborgenen webte, aber mit einem so giftigen Bi�, da� er ein Opfer innerhalb weniger Herzschl�ge t�tete.</p><p>Mit einemmal war sich Nynaeve wieder der unsichtbaren Augen nur zu bewu�t, und sie schauderte. Es war kein Zittern vor Angst. Nur ein Schaudern, kein Zittern. Trotzdem hielt sie bewu�t an dem Taraboner Kleid fest, damit sie sich nicht pl�tzlich in einer R�stung wiederf�nde. Es war schon peinlich genug, wenn ihr so etwas allein passierte, aber unter den k�hlen blauen Augen einer so heldenhaften Frau, da� sie Gaidal Cain gleichkam, w�re es noch viel peinlicher.</p><p>�K�nnt Ihr sie aufsp�ren, obwohl sie verborgen bleiben will, Birgitte?� Das war mehr als nur eine einfache Bitte, falls Moghedien wu�te, da� sie gesucht wurde. Es war, als suche man im hohen Gras nach einem L�wen, obwohl man nur mit einem Stock bewaffnet war.</p><p>Birgitte z�gerte nicht. �Vielleicht. Ich werde es versuchen.� Sie nahm ihren Bogen auf und f�gte hinzu: �Ich mu� jetzt gehen. Ich will nicht riskieren, von den anderen gesehen zu werden, wenn sie kommen.�</p><p>Nynaeve legte ihr eine Hand auf den Arm, um sie aufzuhalten. �Es w�re eine Hilfe, wenn Ihr mich ihnen alles berichten lie�et. So k�nnte ich mich �ber das, was Ihr mir �ber die Verlorenen gesagt habt, mit Egwene und den Weisen Frauen beraten, und sie k�nnten es Rand berichten. Birgitte, er mu� doch erfahren... �</p><p>�Ihr habt mir Euer Wort gegeben, Nynaeve.� Diese strahlend blauen Augen blickten unnachgiebig wie Eis. �Die Anweisungen besagen, wir d�rfen niemanden wissen lassen, da� wir uns in <emphasis>Tel'aran'rhiod</emphasis> aufhalten. Ich habe schon genug Vorschriften gebrochen, indem ich mit Euch dar�ber sprach, und noch mehr, wenn ich Euch half, denn ich kann nicht unt�tig herumstehen und Euch zusehen, wie Ihr gegen den Schatten k�mpft. Diese Schlacht habe ich schon in mehr Leben geschlagen, als ich mich erinnern kann. Doch ich werde mich an so viele Vorschriften wie m�glich halten. Ihr m��t Euer Versprechen ebenfalls halten.�</p><p>�Nat�rlich werde ich das�, sagte sie eingeschnappt, �es sei denn, Ihr befreit mich davon. Und ich bitte Euch um... �</p><p>�Nein.�</p><p>Damit war Birgitte verschwunden. Im ersten Moment ruhte Nynaeves Hand noch auf einem wei�en �rmel, im n�chsten jedoch nur noch in der leeren Luft. Eine Reihe von Fl�chen gingen ihr durch den Kopf, die sie bei Thom und Juilin geh�rt hatte. Nat�rlich h�tte sie Elayne gescholten, wenn sie sie beim Belauschen derartiger Fl�che ertappt h�tte oder gar dabei da� sie diese schmutzigen Ausdr�cke auch noch ben�tzte. Es hatte keinen Zweck, Birgitte noch einmal zu rufen. Sie w�rde wahrscheinlich nicht kommen. Nynaeve konnte nur hoffen, sie werde beim n�chsten Mal, wenn sie oder Elayne nach ihr riefen, doch wieder erscheinen. �Birgitte! Ich werde mein Versprechen halten, Birgitte!�</p><p>Das hatte sie bestimmt geh�rt. Vielleicht wu�te sie bei ihrem n�chsten Treffen etwas �ber Moghediens Unternehmungen. Fast hoffte Nynaeve allerdings, sie werde nichts in Erfahrung bringen. Denn sollte sie etwas wissen, bedeutete das, Moghedien lauere ebenfalls in <emphasis>Tel'aran'rhiod.</emphasis></p><p><emphasis>T�richte Frau! Wenn du nicht nach Schlangen Ausschau h�ltst, kannst du dich auch nicht beklagen, falls dich eine bei�t. �</emphasis> Sie h�tte wirklich gern Elaynes Lini eines Tages kennengelernt.</p><p>Die Leere der riesigen Halle bedr�ckte sie. All diese gro�en, schimmernden Sandsteins�ulen und dieses Gef�hl, aus der D�sternis dazwischen beobachtet zu werden. <emphasis>Falls wirklich jemand da ist, h�tte es Birgitte gewu�t.</emphasis></p><p>Sie ertappte sich dabei, wie sie das Seidenkleid an den H�ften glattstrich, und um sich von den Augen abzulenken, die gar nicht da waren, konzentrierte sie sich auf das Kleid. Als Lan sie kennengelernt hatte, trug sie ein gutes Wollkleid von den Zwei Fl�ssen, und als er ihr seine Liebe gestand, ein einfaches, besticktes Kleid. Doch sie w�nschte, er k�nne sie in einem Kleid wie diesem sehen. Es w�re ja nicht unz�chtig, wenn er derjenige war, der sie darin sah.</p><p>Ein hoher Spiegel in einem St�nder erschien vor ihr. Sie musterte ihr Spiegelbild, w�hrend sie sich hin und her drehte und sogar nach hinten �ber ihre Schulter blickte. Der gelbe Stoff lag eng an und deutete mehr an, als er verbarg. Die Versammlung der Frauen in Emondsfeld h�tte sie bestimmt bei dem Anblick zu einem ernsthaften, internen Gespr�ch bestellt, ob sie nun die Seherin war oder nicht. Aber es war wirklich sch�n. Hier und ganz im stillen konnte sie zugeben, da� sie sich nicht nur einfach daran gew�hnt hatte, so etwas in der �ffentlichkeit zu tragen. <emphasis>Du hast es genossen,</emphasis> schalt sie sich. <emphasis>Du bist mindestens ein ebenso schlimmes Flittchen wie Elayne in letzter Zeit geworden ist!</emphasis> Aber es war einfach sch�n. Und vielleicht auch nicht ganz so unkeusch, wie sie immer behauptet hatte. Es hatte ja keinen Ausschnitt bis zu den Knien wie bei dieser Ersten von Mayene beispielsweise. Nun, vielleicht war er auch bei Berelain nicht so tief, aber immer noch viel tiefer als ihrem Ansehen eigentlich zutr�glich.</p><p>Sie hatte davon geh�rt, was die Domanifrauen so alles trugen. Selbst die Taraboner bezeichneten das als unanst�ndig. Bei diesem Gedanken wandelte sich der gelbe Seidenstoff zu etwas Weiterem, Flie�enden, mit einem schmalen G�rtel aus verwebten Goldf�den. Und d�nn war dieser Stoff! Sie lief rot an. Sehr d�nn. Man konnte das nicht einmal mehr durchscheinend nennen. Dieses Kleid deutete nicht nur an. Falls Lan sie darin sah, w�rde er nichts mehr davon herausbringen, da� seine Liebe zu ihr hoffnungslos sei und da� er ihr keinen Witwenschleier als Brautgeschenk bringen wolle. Ein Blick, und sein Blut w�rde Feuer fangen. Er w�rde...</p><p>�Was unter dem Licht hast du denn da an, Nynaeve?� fragte Egwene in emp�rtem Tonfall.</p><p>Nynaeve sprang vor Schreck hoch, drehte sich dabei noch, und als sie wieder sicher stand, sah sie sich Egwene und Melaine gegen�ber. Es mu�te ausgerechnet Melaine sein, obwohl ihr auch die anderen Weisen Frauen in diesem Augenblick nicht lieber gewesen w�ren. Doch der Spiegel war weg, und sie trug ein dunkles Wollkleid im Stil der Zwei Fl�sse, dick genug f�r den tiefsten Winter. Zu Tode erschrocken, da� sie sich so hatte �berraschen lassen � das war tats�chlich der Hauptgrund �, �nderte sie sofort das Kleid wieder ab, kehrte ohne nachzudenken zu dem durchsichtigen Domanikleid zur�ck und genauso schnell wieder zu dem gelben Kleid im Taraboner Stil.</p><p>Ihr Gesicht gl�hte. Sie hielten sie wahrscheinlich nun f�r eine komplette Idiotin. Und das vor Melaine. Die Weise Frau war eine Sch�nheit mit dem langen, rotgoldenen Haar und den klaren, gr�nen Augen. Nicht, da� es sie auch nur im geringsten interessierte, wie die Frau aussah. Aber Melaine war auch bei ihrem letzten Zusammentreffen mit Egwene zugegen gewesen und hatte sie Lans wegen geneckt. Nynaeve war deshalb beinahe explodiert. Egwene hatte wohl behauptet, das sei kein Necken gewesen, nicht unter den Aielfrauen, aber Melaine hatte doch tats�chlich Lans Schultern bewundert, seine H�nde und seine Augen. Mit welchem Recht betrachtete diese gr�n�ugige Katze Lans Schultern? Nicht, da� sie an seiner Treue zweifelte. Aber er war ein Mann und fern von ihr und Melaine war in seiner N�he und... Entschlossen beendete sie diesen Gedankengang.</p><p>�Ist Lan...?� Sie glaubte, ihr Gesicht m�sse verschmoren. <emphasis>Kannst du denn den Mund nicht halten, Frau?</emphasis> Aber nun wollte � konnte � sie nicht mehr zur�ck, nicht, wenn Melaine vor ihr stand. Egwenes nachdenkliches L�cheln war schon schlimm genug, aber Melaine wagte es doch tats�chlich, verst�ndnisvoll dreinzublicken! �Geht es ihm gut?� Sie bem�hte sich um k�hle Beherrschtheit, aber ihre Stimme klang trotzdem belegt.</p><p>�Es geht ihm bestens�, sagte Egwene. �Er macht sich Sorgen um deine Sicherheit.�</p><p>Nynaeve atmete langgezogen aus. Es war ihr nicht einmal bewu�t gewesen, da� sie die Luft angehalten hatte. Die W�ste war ein gef�hrlicher Ort. Dazu brauchte es nicht einmal Leute wie Couladin und die Shaido. Au�erdem kannte der Mann die Bedeutung des Wortes �Vorsicht� �berhaupt nicht. Er machte sich Sorgen um ihre Sicherheit? Glaubte dieser Narr, sie k�nne nicht auf sich selbst aufpassen?</p><p>�Wir haben endlich Amadicia erreicht�, sagte sie schnell, um von sich abzulenken. <emphasis>Ein loses Mundwerk und dann noch seufzen! Der Mann hat mich um den Verstand gebracht!</emphasis> Den Gesichtern der anderen konnte sie leider nicht ansehen, ob ihr Ablenkungsman�ver erfolgreich gewesen war. �Ein Dorf namens Sienda, �stlich von Amador. �berall Wei�m�ntel, aber sie interessieren sich nicht weiter f�r uns. Es sind andere, �ber die wir uns Gedanken machen m�ssen.� Vor Melaine mu�te sie vorsichtig sein und hier und da die Wahrheit ein wenig �abwandeln �, doch sie berichtete ihnen nun von Ronde Macura und ihrer eigenartigen Botschaft und wie sie versuchte, sie und Elayne zu bet�uben. �Versuchte�, denn sie brachte es nicht fertig, vor Melaine zuzugeben, da� die Frau es tats�chlich geschafft hatte. <emphasis>Licht, was stelle ich nur an? Ich habe Egwene noch nie im Leben belogen!</emphasis></p><p>Der eigentliche Grund, n�mlich eine weggelaufene Aufgenommene zur Burg zur�ckzubringen, durfte hier nat�rlich nicht erw�hnt werden; nicht vor einer Weisen Frau. Sie hielten Elayne und sie ja f�r vollwertige Aes Sedai. Aber sie mu�te Egwene wissen lassen, worum es eigentlich ging. �Es k�nnte irgendwie mit einer Intrige gegen Andor zu tun haben, aber Elayne und du und ich haben einiges miteinander gemein, Egwene, so da� ich glaube, wir sollten uns genauso in acht nehmen wie Elayne.� Das M�dchen nickte bed�chtig. Sie wirkte wohl h�chst �berrascht, was verst�ndlich war, aber sie schien verstanden zu haben. �Gut, da� mich der Geschmack des Tees mi�trauisch gemacht hat. Stellt Euch vor: Jemandem Spaltwurzel andrehen zu wollen, der sich so gut mit Kr�utern auskennt wie ich!�</p><p>�Komplotte �ber Komplotte�, murmelte Melaine. �Der Gro�e Schlangenring ist ein passendes Abzeichen f�r die Aes Sedai, glaube ich. Eines Tages verschlingt Ihr euch durch Zufall noch selbst.�</p><p>�Wir haben auch Neuigkeiten�, sagte Egwene.</p><p>Nynaeve sah den Grund f�r die Hast des M�dchens nicht ein. <emphasis>Ich werde mich ganz bestimmt nicht von der Frau dazu provozieren lassen, die Nerven zu verlieren. Und ich �rgere mich �berhaupt nicht, wenn sie die Burg beleidigt.</emphasis> Sie nahm die Hand von ihrem Zopf. Was Egwene zu berichten hatte, lie� ihren aufsteigenden Zorn sofort verfliegen.</p><p>Da� Couladin �ber das R�ckgrat der Welt zog, war allerdings eine ernste Sache, genau wie die Tatsache, da� Rand ihm folgte. Er trieb seine Truppen zum Jangai-Pa�, lie� sie vom ersten Tageslicht an bis nach Einbruch der Dunkelheit marschieren, und Melaine sagte, sie k�men bald dort an. Die Lebensbedingungen in Cairhien waren schon hart genug. Dort konnte man nicht auch noch einen Krieg unter den Aiel gebrauchen, der auf dem Territorium Cairhiens ausgefochten wurde. Und ganz sicher drohte ohnehin ein neuer Aielkrieg, falls er seinen wahnsinnigen Plan in die Tat umsetzen wollte. Verr�ckt. Nun, noch nicht ganz. Irgendwie mu�te er seine geistige Gesundheit noch wahren.</p><p><emphasis>Wie lange ist es her, als ich mir noch Gedanken darum machte, ihn zu besch�tzen?</emphasis> fragte sie sich bitter. <emphasis>Und jetzt will ich nur noch, da� er normal bleibt, um die Letzte Schlacht ausfechten zu k�nnen.</emphasis> Nicht nur aus diesem Grund, aber eben auch deswegen. Er war, was er war. <emphasis>Licht, verschlinge mich, ich bin schon genauso schlimm wie Siuan Sanche oder die anderen!</emphasis></p><p>Doch das, was Egwene �ber Moiraine zu sagen hatte, schockierte sie noch mehr als alles Bisherige. �Sie gehorcht ihm?� fragte sie ungl�ubig.</p><p>Egwene nickte lebhaft. Sie hatte immer noch diesen l�cherlichen Aielschal um den Kopf gewickelt. �Letzten Abend haben sie sich gestritten, denn sie will ihn immer noch davon abhalten, die Drachenmauer zu �berqueren, und schlie�lich befahl er ihr, hinauszugehen und zu warten, bis sie sich abgek�hlt habe. Sie sah aus, als wolle sie die eigene Zunge verschlingen, aber sie gehorchte. Jedenfalls blieb sie eine geschlagene Stunde drau�en in der kalten Nacht.�</p><p>�Es ist nicht richtig so�, sagte Melaine und r�ckte resolut ihren Schal zurecht. �M�nner haben kein Recht dazu, Aes Sedai herumzukommandieren, genausowenig wie sie Weisen Frauen Befehle erteilen k�nnen. Das gilt sogar f�r den <emphasis>Car'a'carn.�</emphasis></p><p>�Das haben sie allerdings nicht�, stimmte ihr Nynaeve zu. Fast w�re ihr ob der eigenen Worte der Mund offen stehen geblieben. <emphasis>Was geht es mich an, ob er sie nach seiner Pfeife tanzen l��t? Wir haben alle oft genug nach ihrer tanzen m�ssen.</emphasis> Aber es war wirklich nicht recht. <emphasis>Ich will doch gar keine Aes Sedai werden � nur mehr �ber das Heilen lernen! Ich will bleiben, wer ich bin. La� ihn ihr doch Befehle erteilen!</emphasis> Trotzdem, richtig war es nicht.</p><p>�Wenigstens spricht er jetzt mit ihr�, sagte Egwene. �Vorher verwandelte er sich in einen Eisblock, wenn sie sich ihm auf zehn Schritt n�herte. Nynaeve, er wird mit jedem Tag hochm�tiger.�</p><p>�Damals, als ich noch glaubte, du w�rdest meine Nachfolgerin als Seherin�, entgegnete ihr Nynaeve trocken, �habe ich dir beigebracht, wie du jemanden wieder zur�ckstutzen kannst. Es ist das Beste f�r ihn, wenn du genau das machst, obwohl er mittlerweile zum Leitbullen auf der Weide geworden ist. Wahrscheinlich hat er es gerade deshalb so n�tig. Mir scheint, K�nige und K�niginnen k�nnen sich zum Narren machen, wenn sie vergessen, was sie sind, und nur danach handeln, wer sie sind. Aber es ist noch schlimmer, wenn sie vergessen, wer sie sind, und sich nur danach verhalten, was sie sind. Die meisten h�tten es n�tig, jemanden neben sich zu haben, der sie daran erinnert, da� sie essen und schwitzen und weinen wie jeder Bauer.�</p><p>Melaine zog ihren Schal enger zusammen und konnte offensichtlich nicht entscheiden, ob sie zustimmen solle oder nicht, doch Egwene sagte: �Ich bem�he mich schon, aber manchmal ist er gar nicht er selbst, und auch wenn er normal erscheint, ist seine Arroganz derart, da� man nicht zu ihm durchdringt.�</p><p>�Du mu�t eben dein Bestes geben. Ihm zu helfen, sich selbst treu zu bleiben, k�nnte wirklich das Beste sein, was man ihm antun kann. F�r ihn und f�r den Rest der Welt.�</p><p>Schweigen trat ein. Sie und Egwene hatten nicht vor, �ber die M�glichkeit zu sprechen, da� Rand dem Wahnsinn verfallen k�nne, und Melaine d�rfte das Thema genausowenig gefallen.</p><p>�Ich habe noch etwas Wichtiges, das ich Euch sagen wollte�, fuhr sie nach einer kurzen Pause fort. �Ich glaube n�mlich, die Verlorenen f�hren irgend etwas im Schilde.� Das war nicht dasselbe, als h�tte sie ihnen von Birgitte berichtet. Sie lie� es so erscheinen, als habe sie selbst Lanfear und die anderen gesehen. In Wirklichkeit war Moghedien die einzige, die sie erkennen konnte, ja, und vielleicht noch Asmodean, obwohl sie den nur einmal und auf einige Entfernung gesehen hatte. Sie hoffte, keine der anderen werde auf die Idee kommen, sie zu fragen, woran sie denn die einzelnen erkannt hatte oder wieso sie glaube, da� Moghedien sich hier irgendwo herumtrieb. Tats�chlich lag das Problem, mit dem sie es nun zu tun hatte, ganz woanders.</p><p>�Habt Ihr etwa die Welt der Tr�ume durchforscht?� Melaines Augen schimmerten wie gr�nes Eis.</p><p>Nynaeve erwiderte gelassen ihren Blick, obwohl Egwene bedauernd den Kopf sch�ttelte. �Ich h�tte wohl kaum Rahvin und die anderen sehen k�nnen, wenn ich nicht hiergewesen w�re, oder?�</p><p>�Aes Sedai, Ihr wi�t wenig und Ihr wagt zuviel. Man h�tte Euch die wenigen Dinge, die Ihr wi�t, nicht beibringen sollen. Was mich betrifft, so bedaure ich manchmal, da� wir diesen Treffen hier zustimmten. Man sollte keine unge�bten Frauen nach <emphasis>Tel'aran'rhiod</emphasis> lassen.�</p><p>�Ich habe mir selbst mehr beigebracht, als Ihr mich jemals lehrtet.� Nynaeve behielt mit einiger M�he den k�hlen Tonfall bei. �Ich habe allein gelernt, die Macht zu lenken, und ich sehe nicht ein, warum es bei <emphasis>Tel'aran'rhiod</emphasis> anders verlaufen sollte.� Nur aus Halsstarrigkeit und Zorn heraus sagte sie diese Dinge. Sicher hatte sie sich selbst das Lenken der Macht beigebracht, aber da hatte sie nicht einmal gewu�t, was sie �berhaupt tat, und sie hatte auch keineswegs alles richtig gelernt. Vor der Wei�en Burg hatte sie manchmal Menschen mit Hilfe der Macht geheilt, aber unbewu�t, bis Moiraine ihr die Augen ge�ffnet hatte.</p><p>Ihre Lehrerinnen in der Burg hatten gesagt, genau hier liege der Grund daf�r, da� sie zornig sein mu�te, um die Macht anwenden zu k�nnen: Sie hatte ihre F�higkeiten vor sich selbst verborgen gehalten, hatte sich davor gef�rchtet, und durch diese Mauer der Angst konnte sie nur mit Hilfe ihres Zorns brechen.</p><p>�Also seid Ihr eine von denen, die von den Aes Sedai �Wilde� genannt werden.� Es lag eine Andeutung in diesem Wort, ob es nun Verachtung war oder Mitleid, die Nynaeve nicht gefiel. Die Bezeichnung wurde in der Burg auch meist nicht gerade als Kompliment empfunden. Nat�rlich gab es unter den Aiel keine Wilden. Die Weisen Frauen, die mit der Macht umgehen konnten, fanden jedes M�dchen, das mit diesem Funken geboren wurde und fr�her oder sp�ter diese F�higkeit entwickeln w�rde, auch wenn sie gar nicht versuchte, es zu erlernen. Sie behaupteten au�erdem, auch jedes M�dchen aufzusp�ren, dem dieses Talent wohl nicht angeboren war, das aber sp�ter unter entsprechender Anleitung das Lenken der Macht erlernen konnte. Kein Aielm�dchen starb, weil sie das ganz allein zu lernen versuchte. �Ihr kennt doch die Gefahren, wenn man ohne F�hrung den Gebrauch der Macht lernen will, Aes Sedai. Glaubt ja nicht, die Gefahren des Traums seien geringer! Sie sind genauso gro�, und f�r diejenigen, die ohne das notwendige Wissen den Traum betreten, sind sie vielleicht noch gr��er.�</p><p>�Ich bin schon vorsichtig�, sagte Nynaeve mit angespannter Stimme. Sie war nicht hergekommen, um sich von diesem sonnenhaarigen Drachen von Aielfrau Vortr�ge halten zu lassen. �Ich wei�, was ich tue, Melaine.�</p><p>�Ihr wi�t gar nichts. Ihr seid genauso halsstarrig wie die hier, als sie zu uns kam.� Die Weise Frau warf Egwene ein L�cheln zu, das tats�chlich wohlwollend schien. �Wir haben ihre �bersch�ssige Energie in die richtigen Bahnen geleitet, und nun lernt sie rasch. Obwohl sie noch immer viele Fehler hat.� Egwene verging das geschmeichelte Grinsen wieder. Nynaeve vermutete, nur dieses Grinsens wegen habe Melaine das Letztere hinzugef�gt. �Wenn Ihr im Traum wandeln wollt�, fuhr die Aielfrau fort, �dann kommt zu uns. Wir werden Euren Eifer ebenfalls d�mpfen und Euch unterweisen.�</p><p>�Danke sehr, aber ich ben�tige keine Z�hmung�, sagte Nynaeve mit h�flichem L�cheln.</p><p><emphasis>�Aan'allain</emphasis> wird sterben an dem Tag, an dem er erf�hrt, da� Ihr tot seid.�</p><p>Eine Klinge aus Eis bohrte sich in Nynaeves Herz. <emphasis>Aan'allain</emphasis> war die Bezeichnung der Aiel f�r Lan. Der �Eine Mann� bedeutete das in der Alten Sprache, oder �Ein Mann Allein�, oder �Der Mann, der ein ganzes Volk ist�. Es war oft schwierig, Ausdr�cke aus der Alten Sprache genau zu �bersetzen. Die Aiel brachten Lan gro�en Respekt entgegen, dem Mann, der seinen Kampf gegen den Schatten nicht aufgeben wollte, gegen den Feind, der sein Land zerst�rt hatte. �Ihr k�mpft mit schmutzigen Waffen�, knurrte sie.</p><p>Melaine zog eine Augenbraue hoch. �K�mpfen wir denn? Falls ja, dann solltet Ihr wissen, da� es in einem Kampf nur Gewinner und Verlierer gibt. Regeln, die verbieten, jemanden zu verletzen, gelten nur in Spielen. Ich will Euer Versprechen, da� Ihr nichts im Traum unternehmt, ohne es zuvor mit uns abgesprochen zu haben.</p><p>Ich wei�, da� Aes Sedai nicht l�gen k�nnen, also will ich es von Euch ausgesprochen h�ren.�</p><p>Nynaeve knirschte mit den Z�hnen. Es w�re ja leicht, die Worte auszusprechen. Sie mu�te sich nicht daran halten, weil sie ja nicht an die Drei Eide gebunden war. Aber es w�rde trotzdem bedeuten, Melaine recht zu geben. Sie glaubte ihr jedoch nicht und w�rde ihr dieses Versprechen nicht geben.</p><p>�Sie wird es nicht versprechen, Melaine�, sagte Egwene schlie�lich. �Wenn sie diesen st�rrischen Blick an sich hat, kommt sie nicht einmal aus dem Haus, wenn Ihr beweist, da� ihr Dach in Flammen steht.�</p><p>Nynaeve bedachte auch sie mit einem w�tenden Blick. St�rrisch, ja? Wenn alles, was sie wollte, darin bestand, sich nicht wie eine Puppe herumschubsen zu lassen.</p><p>Das Schweigen zog sich in die L�nge, und dann seufzte Melaine. �Also gut. Aber es w�re gut f�r Euch, Aes Sedai, wenn Ihr im Ged�chtnis behaltet, da� Ihr in <emphasis>Tel'aran'rhiod</emphasis> nur ein Kind seid. Kommt, Egwene, wir m�ssen gehen.� Ein am�siertes Zucken �berflog noch Egwenes Gesicht, w�hrend die beiden verbla�ten und schlie�lich verschwanden.</p><p>Mit einem Mal wurde Nynaeve bewu�t, da� sie schon wieder die Kleidung gewechselt hatte. Oder da� sie ge�ndert worden war, denn die Weisen Frauen wu�ten genug von <emphasis>Tel'aran'rhiod,</emphasis> um auch Dinge an anderen abzuwandeln und nicht nur an sich selbst. Sie trug nun eine wei�e Bluse und einen dunklen Rock, aber im Gegensatz zu den R�cken der beiden Frauen, die gerade aus dem Traum gegangen waren, reichte ihr Rock nicht einmal bis zu den Knien. Ihre Schuhe und Str�mpfe waren weg und ihr Haar zu zwei Z�pfen geflochten, einem �ber jedem Ohr, in die gelbe B�nder eingebunden waren. Neben ihren blo�en F��en lag eine Stoffpuppe mit geschnitztem und bemaltem Gesicht. Sie konnte tats�chlich h�ren, wie ihre Z�hne knirschten. Das war schon einmal zuvor geschehen, und sie hatte von Egwene erfahren, da� dies die Kleidung der kleinen Aielm�dchen war.</p><p>W�tend kehrte sie zu dem gelben Taraboner Seidenkleid zur�ck, das diesmal noch enger anlag, und gab der Puppe einen Tritt. Sie flog davon und verschwand in der Luft. Diese Melaine hatte wahrscheinlich ein Auge auf Lan geworfen. Die Aiel schienen ihn sowieso f�r eine Art Helden zu halten. Aus dem hohen Stehkragen wurde ein breiter Spitzenkragen, und der tiefe, enge Ausschnitt lie� die Ans�tze ihrer Br�ste deutlich sichtbar werden. Wenn diese Frau ihn auch nur anl�chelte...! Wenn er...! Pl�tzlich bemerkte sie, da� der Ausschnitt ihres Kleids immer tiefer wurde und die Schultern immer freier. Hastig zog sie das Kleid wieder hoch, nicht ganz, aber genug, um nicht err�ten zu m�ssen. Das Kleid war mittlerweile so eng, da� sie sich kaum r�hren konnte. Auch das �nderte sie wieder ab.</p><p>Also sollte sie <emphasis>um Erlaubnis bitten,</emphasis> ja? Zu den Weisen Frauen marschieren und betteln, bevor sie etwas unternahm? Hatte sie nicht Moghedien besiegt? Damals waren sie geb�hrend beeindruckt gewesen, aber nun schienen sie das vergessen zu haben.</p><p>Falls sie Birgitte nicht dazu ben�tzen konnte, herauszufinden, was sich in der Burg abspielte, gab es vielleicht einen Weg, das selbst zu erledigen.</p></section><section><title><p>15</p><p>Was man aus Tr�umen lernen kann</p></title><p>Sorgf�ltig lie� Nynaeve in ihrer Vorstellungskraft ein Bild des Arbeitszimmers der Amyrlin erstehen, so, wie sie sich vor dem Einschlafen das Herz des Steins vorgestellt hatte. Nichts geschah, und so runzelte sie die Stirn. Sie sollte sich nun eigentlich in der Wei�en Burg befinden, in dem Raum, den sie sich vorgestellt hatte. Wieder versuchte sie es und sah vor ihrem geistigen Auge einen Raum, den sie schon viel �fter besucht hatte, wenn auch meist mit mulmigem Gef�hl.</p><p>Nun wurde aus dem Herzen des Steins das Arbeitszimmer der Herrin der Novizinnen, ein relativ kleines Zimmer mit dunkler T�felung und einfachen, robusten M�beln, die von Generationen von Frauen benutzt worden waren, die diesen Posten innehatten. Wenn die Verfehlungen einer Novizin mehr Strafe verlangten, als nur zus�tzliches Bodenschrubben oder Gartenarbeit, wurde sie hierher geschickt. Wenn eine Aufgenommene herbestellt wurde, mu�te sie allerdings schon Schlimmeres angestellt haben, doch sie kam immer noch mit bleiernen F��en her, weil sie wu�te, da� das Ergebnis genauso schmerzhaft sein w�rde wie bei einer Novizin, ja, vielleicht sogar noch schmerzhafter.</p><p>Sheriam hatte sie bei ihren unz�hligen Besuchen hier als vors�tzlich stur bezeichnet. Nun wollte Nynaeve das Zimmer gar nicht sehen, und doch ertappte sie sich dabei, wie sie in den Spiegel blickte, in den die Novizinnen und Aufgenommenen immer schauen mu�ten, um ihre eigenen tr�nen�berstr�mten Gesichter zu beobachten, w�hrend sie Sheriams Vortrag �ber Vorschriften oder den geb�hrenden Respekt oder was auch immer lauschten. Nynaeve hatte sich immer daran gesto�en, da� sie die Regeln anderer einhalten und diesen anderen den geb�hrenden Respekt erweisen sollte. Die verbla�ten Reste einstiger Vergoldung am geschnitzten Spiegelrahmen zeigten, da� er bestimmt schon seit dem Hundertj�hrigen Krieg hier hing, oder vielleicht sogar seit der Zerst�rung der Welt.</p><p>Das Taraboner Kleid war wundersch�n, aber jeder, der sie darin erblickte, w�rde mi�trauisch werden. Selbst die Domanifrauen zogen sich weniger auff�llig an, wenn sie die Burg besuchten, und sie konnte sich nicht vorstellen, da� eine Frau davon tr�ume, sich in die Burg zu begeben, ohne ihr bestes Benehmen zur Schau tragen zu wollen. Es war allerdings kaum wahrscheinlich, da� sie hier irgend jemanden anders antraf. H�chstens tr�umte sich ein anderer f�r ein paar Augenblicke nach <emphasis>Tel'aran'rhiod</emphasis> und in die Burg hinein. Vor Egwene hatte es in der Burg vierhundert Jahre lang � seit Corianin Nedeal � keine Frau mehr gegeben, die ohne Hilfe, aber bewu�t, die Welt der Tr�ume betreten konnte. Andererseits waren es von den aus der Burg gestohlenen <emphasis>Ter'Angreal,</emphasis> die sich noch in der Hand Liandrins und ihrer Mitverschw�rer befanden, insgesamt elf, die zuletzt gerade von Corianin untersucht worden waren. Die beiden anderen von Corianin erprobten, die sich in ihrer und Elaynes Hand befanden, gestatteten beiden den Zutritt zu <emphasis>Tel'aran'rhiod.</emphasis> So war es am besten, wenn sie annahm, die �brigen bes��en die gleiche Eigenschaft. Es war unwahrscheinlich, da� sich Liandrin oder eine der anderen ausgerechnet in die Burg zur�cktr�umten, aus der sie geflohen waren, aber selbst diese geringe M�glichkeit barg das Risiko, da� man ihr auflauere. Dar�ber hinaus war sie auch nicht sicher, wie viele weitere <emphasis>Ter'Angreal,</emphasis> �ber die gestohlenen hinaus, Corianin noch untersucht hatte. Die schriftlichen Aufzeichnungen wurden oft ziemlich ungenau, wenn es an <emphasis>Ter'Angreal</emphasis> ging, die niemand verstand, und weitere konnten sich durchaus in den H�nden anderer Schwarzer Schwestern befinden, die sich vielleicht noch in der Burg aufhielten.</p><p>Das Kleid �nderte sich vollst�ndig. Nun war es aus wei�er Wolle gefertigt, weich, aber nicht von besonders guter Qualit�t, und ums�umt mit sieben farbigen Streifen, einem f�r jede Ajah. Falls sie jemand sah, die nicht nach ein paar Augenblicken wieder verschwand, w�rde sie sich schnell nach Sienda zur�ckbegeben, damit die andere glaubte, sie sei nur eine der Aufgenommenen, die im Traum <emphasis>Tel'aran'rhiod</emphasis> ber�hrte. Nein. Nicht in die Schenke, sondern in Sheriams Arbeitszimmer. Jede andere mu�te eine der Schwarzen Ajah sein, und schlie�lich sollte sie diese jagen.</p><p>Sie vervollst�ndigte ihre Verkleidung, packte ihren pl�tzlich rotgoldenen Zopf und schnitt Melaines Gesicht im Spiegel eine Grimasse. Das war nun eine Frau, die sie nur zu gern Sheriam �bergeben w�rde.</p><p>Das Arbeitszimmer der Herrin �ber alle Novizinnen befand sich in der N�he derer Quartiere, und in den breiten, gekachelten G�ngen flackerte immer wieder Bewegung auf, als sie an den kunstvoll gewebten Wandbeh�ngen und den unbeleuchteten Lampenst�ndern vorbeiging. Sie sah die Gesichter ver�ngstigter M�dchen im Wei� der Novizinnen aufleuchten und wieder verschwinden. In unz�hligen Alptr�umen dieser Novizinnen w�rde Sheriam eine gro�e Rolle spielen. Sie ignorierte alle im Vorbeihasten. Sie befanden sich nicht lange genug in der Welt der Tr�ume, um sie wahrzunehmen, und wenn, dann w�rden sie sie f�r einen Teil des eigenen Traums halten.</p><p>Es war nur ein kurzer Weg die breite Treppe hoch bis zum Arbeitszimmer der Amyrlin. Als sie sich der T�r n�herte, war da pl�tzlich Elaida vor ihr. Ihr Gesicht schien verschwitzt, sie trug eine blutrote Robe und hatte sich die Stola der Amyrlin um die Schultern gelegt. Nein, es war nur beinahe die der Amyrlin, denn sie wies keinen blauen Streifen auf.</p><p>Diese strengen, dunklen Augen richteten sich auf Nynaeve. �Ich bin die Amyrlin, M�dchen! Wei�t du nicht, wie man mir Respekt zollt? Ich werde dich...� Mitten im Satz war sie verschwunden.</p><p>Nynaeve atmete erleichtert auf. Elaida als Amyrlin, das war tats�chlich ein Alptraum. <emphasis>Vielleicht ist es ihr sch�nster Wunschtraum,</emphasis> dachte sie trocken. <emphasis>Es wird in Tear schneien, bevor sie jemals so weit kommt.</emphasis></p><p>Der Vorraum war genauso, wie sie ihn in Erinnerung hatte: ein breiter Tisch und ein Stuhl dahinter f�r die Beh�terin der Chronik. An der Wand standen ein paar St�hle f�r Aes Sedai bereit, die mit der Amyrlin sprechen wollten. Novizinnen und Aufgenommene warteten im Stehen. Die Ordnung, die auf dem Tisch herrschte � ein sauberer Stapel von Papieren, gebundene Schriftrollen und gro�e Pergamentb�gen mit Brief und Siegel, alles sauber angeordnet �, sah allerdings Leane nicht �hnlich. Nicht, da� sie unordentlich war, ganz im Gegenteil, aber Nynaeve war der Meinung gewesen, da� sie abends grunds�tzlich alles wegr�umte und nicht auf dem Tisch liegenlie�.</p><p>Sie schob die T�r zum inneren Raum auf, doch sie z�gerte, ehe sie hineinging. Kein Wunder, da� sie nicht in der Lage gewesen war, sich hier hereinzutr�umen. Der Raum glich nicht mehr dem, an den sie sich erinnerte. Dieser schwere, kunstvoll geschnitzte Tisch mit dem hohen, thron�hnlichen Stuhl dahinter! Die Hocker mit ihren in Form von Reben geschnitzten Beinen, die in einem perfekten Halbkreis vor dem Tisch standen, keiner auch nur um eine Handbreit verschoben! Siuan Sanche bevorzugte einfache M�bel, als gebe sie vor, immer noch nur die Tochter eines Fischers zu sein, und sie hatte nur einen einzigen Stuhl ins Zimmer gestellt, den sie keineswegs immer Besuchern anbot. Und dann diese wei�e Vase mit Rosen darin, die wie ein Denkmal auf einem Sockel stand! Siuan mochte Blumen, aber sie bevorzugte bunte Str�u�e, bunt wie eine Wiese mit all den wild wachsenden Blumen. �ber dem Kamin hatte eine einfache Zeichnung gehangen, die Fischerboote im hohen Schilf zeigte. Nun hingen dort zwei Gem�lde, von denen Nynaeve eines erkannte: Rand, wie er gegen den Verlorenen k�mpfte, der sich Ba'alzamon genannt hatte, hoch droben in den Wolken �ber Falme. Das andere Gem�lde bestand aus drei Holztafeln. Sie konnte sich nicht erinnern, die darauf dargestellten Szenen jemals gesehen oder von ihnen geh�rt zu haben.</p><p>Die T�r �ffnete sich, und Nynaeve erschrak fast zu Tode. Eine rothaarige Aufgenommene, die sie noch nie gesehen hatte, trat ein und sah sie an. Sie verschwand keineswegs wieder. Gerade, als Nynaeve sich entschlo�, in Sheriams Arbeitszimmer zur�ckzuspringen, sagte die rothaarige Frau: �Nynaeve, wenn Melaine w��te, da� du ihr Gesicht ben�tzt, w�rde sie mehr anstellen, als dich nur in ein Kinderkleid zu stecken!� Und genauso pl�tzlich war sie Egwene in ihrer Aielkleidung.</p><p>�Du hast mich so erschreckt, da� ich beinahe zehn Jahre �lter geworden w�re�, knurrte Nynaeve. �Haben sich die Weisen Frauen endlich entschlossen, dich kommen und gehen zu lassen, wie es dir pa�t? Oder steckt Melaine dahin... �</p><p>�Du solltest auch Angst bekommen�, fauchte Egwene, und ihre Wangen verf�rbten sich. �Du bist doch wohl n�rrisch, Nynaeve! Ein Kind, das in der Scheune mit einer brennenden Kerze spielt!�</p><p>Nynaeve blieb der Mund offen stehen. <emphasis>Egwene</emphasis> schalt <emphasis>sie?</emphasis> �H�r mal her, Egwene al'Vere! Das lasse ich mir nicht von Melaine sagen, und von dir schon...�</p><p>�Du solltest es dir aber von irgend jemandem sagen lassen, bevor du dich selbst umbringst in deinem Leichtsinn!�</p><p>�Ich... �</p><p>�Ich sollte dir diesen Steinring wegnehmen! Ich h�tte ihn Elayne geben und ihr sagen sollen, da� sie ihn dir auf keinen Fall �berlassen darf!�</p><p>�Elayne sagen, da�...!�</p><p>�Glaubst du etwa, Melaine habe �bertrieben?� fragte Egwene streng und hob mahnend ihren Finger, beinahe so wie Melaine. �Hat sie nicht, Nynaeve. Die Weisen Frauen haben dir immer wieder nichts als die Wahrheit �ber <emphasis>Tel'aran'rhiod</emphasis> gesagt, aber du h�ltst sie anscheinend f�r vollkommene N�rrinnen. Du solltest eigentlich eine erwachsene Frau sein und kein dummes kleines Kind. Ich schw�re dir, was immer du einst an Vernunft besessen hast, scheint mittlerweile verpufft zu sein! Du solltest dich schleunigst wieder besinnen, Nynaeve!� Sie schnaubte laut und r�ckte den Schal um ihre Schultern zurecht. �Gerade jetzt versuchst du, mit den h�bschen Flammen im Kamin zu spielen, zu t�richt, um zu erkennen, da� du dir die Finger verbrennen k�nntest.�</p><p>Nynaeve starrte sie verbl�fft an. Sie stritten sich ja oft genug, aber Egwene hatte sie noch nie behandelt wie ein kleines M�dchen, das man gerade mit den Fingern im Honigtopf erwischt hat. Nie! Das Kleid. Es mu�te daran liegen, da� sie das Kleid einer Aufgenommenen trug und das Gesicht einer anderen. Sie �nderte alles schnell ab und wurde wieder sie selbst, angetan mit einem blauen Wollkleid, das sie oft bei Zusammenk�nften des Frauenzirkels getragen hatte und im Gemeinderat, wenn sie den M�nnern kr�ftig den Kopf wusch. So f�hlte sie sich in all ihre fr�here Autorit�t als Seherin geh�llt. �Es ist mir durchaus klar, was ich alles nicht wei߫, sagte sie beherrscht, �doch diese Aiel... �</p><p>�Ist dir eigentlich klar, da� du dich in etwas hineintr�umen kannst, aus dem du nicht mehr entkommst? Hier sind die Tr�ume wirklich. Wenn du dich in einen Wunschtraum hineintreiben l��t, kann er dir zur Falle werden. Du w�rdest dich selbst in die Falle locken. Solange, bis du stirbst.�</p><p>�W�rdest du...?�</p><p>�Es gibt lebendige Alptr�ume in <emphasis>Tel'aran'rhiod,</emphasis> Nynaeve!�</p><p>�W�rdest du mich bitte zu Wort kommen lassen?� fauchte Nynaeve. Oder vielmehr, sie bem�hte sich, die Worte zu fauchen. Doch es klang viel zu sehr wie eine dem�tige Bitte, um ihr zu gefallen. Nichts lag ihr ferner, als zu betteln.</p><p>�Nein, w�rde ich nicht�, sagte Egwene ganz entschieden. �Solange nicht, bis du etwas zu sagen hast, was es wert ist zu h�ren. Ich sprach von Alptr�umen, und ich meinte damit Alptr�ume, Nynaeve! Wenn jemand einen Alptraum hat, w�hrend er oder sie sich in <emphasis>Tel'aran'rhiod</emphasis> befindet, dann wird er hier zur Realit�t. Und manchmal bleibt er bestehen, obwohl der Tr�umer l�ngst weg ist. Das ist dir nicht klargewesen, oder?�</p><p>Mit einemmal packten grobe H�nde Nynaeve an den Armen. Ihr Kopf schlug von einer Seite zur anderen, und die Augen quollen ihr heraus. Zwei riesige, zerlumpte M�nner hoben sie empor. Ihre Gesichter waren Fratzen rohen Fleisches, und die triefenden M�uler wiesen Reihen spitzer gelber Z�hne auf. Sie versuchte, die beiden verschwinden zu lassen. Wenn das eine Traumg�ngerin der Weisen Frauen konnte, konnte sie es auch � und einer von ihnen ri� ihr das Kleid vorne von oben bis unten wie Papier auf. Der andere nahm ihr Kinn in eine schwielige, mit Hornhaut �berzogene Hand und drehte ihr Gesicht mit Gewalt zu sich herum. Sein Kopf neigte sich ihr zu, und er �ffnete den Mund. Sie wu�te nicht, ob er sie k�ssen oder bei�en wolle, doch sie wollte lieber sterben, als eines von beiden zulassen. Sie griff nach <emphasis>Saidar</emphasis> und fand nichts. Panische Angst erf�llte sie statt des notwendigen Zorns. Scharfe Fingern�gel bohrten sich in ihre Wangen und hielten ihren Kopf fest. Irgendwie war Egwene daf�r verantwortlich. �Bitte, Egwene!� Es kam wie ein ver�ngstigtes Quieken heraus, doch sie war so sehr von Furcht erf�llt, da� ihr das gleichg�ltig war. �Bitte!�</p><p>Die M�nner � Kreaturen � verschwanden, und ihre F��e trafen auf dem Boden auf. Einen Moment lang konnte sie nur dastehen, schaudern und schluchzen. Dann zog sie hastig ihr Kleid wieder zurecht, doch die Kratzer von den langen Fingern�geln blieben auf ihren Wangen und �ber den Br�sten. Kleidung konnte man in <emphasis>Tel'aran'rhiod</emphasis> problemlos reparieren, aber was auch immer einem Menschen selbst geschah... Ihre Knie zitterten so stark, da� sie alle Kraft ben�tigte, um wenigstens auf den Beinen zu bleiben.</p><p>Sie erwartete beinahe von Egwene, da� sie sie tr�sten werde, und diesmal w�re sie dar�ber mehr als nur froh gewesen. Aber die andere sagte lediglich: �Es gibt Schlimmeres hier, doch die Alptr�ume sind schon schlimm genug. Ich habe die beiden erschaffen und wieder verschwinden lassen, aber selbst ich habe meine Schwierigkeiten mit jenen, die ich bereits hier vorfinde. Und ich habe nicht versucht, die beiden zu halten, Nynaeve. H�ttest du gewu�t, wie man sie wieder los wird, dann h�ttest du das jederzeit tun k�nnen.�</p><p>Nynaeve warf zornig den Kopf in den Nacken. �Ich h�tte mich wegtr�umen k�nnen. In Sheriams Arbeitszimmer oder zur�ck in mein Bett.� Es klang keineswegs schmollend. Nat�rlich nicht, oder?</p><p>�Wenn du nicht viel zuviel Angst gehabt h�ttest, um �berhaupt daran zu denken�, sagte Egwene trocken. �Ach, schminke dir diese m�rrische Miene ab. Das sieht t�richt aus.�</p><p>Sie funkelte die andere an, aber das zeigte nicht die �bliche Wirkung. Anstatt mit ihr Streit anzufangen, zog Egwene lediglich eine Augenbraue hoch. �Nichts von alledem sieht irgendwie Siuan Sanche �hnlich�, sagte Nynaeve, um das Thema zu wechseln. Was war nur in dieses M�dchen gefahren?</p><p>�Stimmt�, stellte Egwene nach einem Rundblick fest. �Jetzt wei� ich, warum ich den Umweg �ber mein altes Zimmer im Novizinnenquartier machen mu�te, um hierher zu kommen. Andererseits lieben manche Leute eben auch ein wenig Abwechslung.�</p><p>�Was ich meine, ist folgendes�, sagte Nynaeve geduldig zu ihr. Sie hatte �berhaupt nicht beleidigt geklungen und keineswegs m�rrisch dreingeblickt. Er war einfach l�cherlich. �Die Frau, die dieses Zimmer einrichtete, sieht die Welt ganz anders als die Frau, die das ausw�hlte, was sich vorher hier befand. Schau dir diese Gem�lde an. Ich wei� nicht, was dieses dreifache Ding zeigt, aber das andere erkennst du genauso schnell wie ich.� Sie waren beide bei diesem Ereignis dabeigewesen.</p><p>�Bonwhin, w�rde ich sagen�, meinte Egwene nachdenklich. �Du hast niemals beim Unterricht richtig zugeh�rt. Das ist ein Triptychon.�</p><p>�Was auch immer, das andere ist das Wichtigere.� Sie hatte den Gelben jedenfalls genug abgelauscht. Alles andere war oft genug nutzloser Unsinn. �Mir scheint, die Frau, die dies aufh�ngen lie�, m�chte sich st�ndig daran erinnern, wie gef�hrlich Rand ist. Falls sich Siuan Sanche aus irgendeinem Grund gegen Rand gestellt hat... Egwene, das k�nnte sich als viel schlimmer erweisen, als lediglich Elayne in die Burg zur�ckzuholen.�</p><p>�Vielleicht�, sagte Egwene unentschlossen. �M�glicherweise verraten uns die Papiere mehr. Du suchst hier drinnen. Wenn ich mit Leanes Schreibtisch fertig bin, helfe ich dir.�</p><p>Nynaeve blickte ungehalten hinter Egwene her, als die den Raum verlie�. <emphasis>Du suchst hier drinnen � pah!</emphasis> Egwene hatte kein Recht, sie herumzukommandieren. Eigentlich sollte sie ihr sofort hinterhermarschieren und sie kr�ftig zurechtsto�en. <emphasis>Warum stehst du dann noch hier wie angewurzelt?</emphasis> fragte sie sich �rgerlich. Die Papiere durchzusehen war eine gute Idee, und ob sie das hier drinnen erledigte oder drau�en, kam aufs Gleiche heraus. Der Schreibtisch der Amyrlin w�rde vielleicht sogar wichtigere Informationen herausr�cken. So knurrte sie in sich hinein, was sie alles tun wolle, um Egwene den Kopf zurechtzur�cken, stolzierte zu dem reich beschnitzten Tisch hin�ber und schob bei jedem Schritt w�tend ihren Rocksaum zur Seite.</p><p>Auf dem Tisch standen lediglich drei kunstvoll bemalte K�sten, peinlich sauber angeordnet. Sie erinnerte sich an die Arten von Fallen, die man an solchen K�sten anbringen konnte, wenn niemand den Inhalt sehen sollte, und so lie� sie in ihrer Hand erst einmal einen langen Stock entstehen, mit dem sie den Deckel des ersten anhob. Der Kasten war gr�n und golden lackiert und mit watenden Reihern geschm�ckt. Es war ein Schreibkasten, wie sich herausstellte, und er enthielt Feder, Tinte und Sand. Im gr��ten der K�sten, auf dem sich rote Rosen durch goldene Runen rankten, befanden sich mehr als zwanzig fein gearbeitete Figuren aus Elfenbein und T�rkis � Menschen und Tiere �, die auf hellgrauem Samtfutter lagen.</p><p>Als sie den Deckel des dritten Kastens anhob � goldene Falken, die an einem blauen Himmel unter Wolken miteinander k�mpften �, bemerkte sie, da� die ersten beiden wieder geschlossen waren. Solche Dinge geschahen hier st�ndig; alles wies eine Tendenz auf, so bleiben zu wollen, wie in der wirklichen Welt, und au�erdem konnte es geschehen, wenn man einen Moment lang weggeschaut hatte, da� sich dann Einzelheiten ge�ndert hatten.</p><p>In dem dritten Kasten lagen Dokumente. Der Stock verschwand, und sie hob vorsichtig das oberste Pergament heraus. Offiziell mit �Joline Aes Sedai� gezeichnet, war es eine dem�tige Bitte um Bestrafung, und zwar derart, da� Nynaeve unwillk�rlich zusammenzuckte, obwohl sie den Text nur �berflog. Nichts davon war wichtig, au�er f�r Joline. An den unteren Rand hatte jemand in eckiger Schrift das Wort �Bef�rwortet� gekritzelt. Als sie das Blatt weglegen wollte, verschwamm es und verschwand, und der Kasten war ebenfalls wieder geschlossen.</p><p>Seufzend �ffnete sie ihn wieder. Die Papiere drinnen sahen anders aus. Sie hielt den Deckel offen, hob eines nach dem anderen heraus und �berflog sie schnell. Oder versuchte es jedenfalls. Manchmal verschwanden die Briefe und Berichte, w�hrend sie sie gerade in die Hand nahm, manchmal aber auch w�hrend des Lesens. Wenn eine Anrede darauf stand, dann meist einfach: �Mutter, mit respektvollen Gr��en�. Einige waren von Aes Sedai unterschrieben, andere von Frauen mit verschiedenen Titeln, Adligen gew�hnlich, oder auch ganz ohne Erw�hnung eines Ehrentitels. Keines davon schien mit den im Augenblick brennenden Fragen zu tun zu haben. Der Generalfeldmarschall von Saldaea und sein Heer waren unauffindbar, und K�nigin Tenobia weigerte sich, mit der Burg zusammenzuarbeiten... Sie schaffte es, diesen Bericht bis zum Ende durchzulesen, aber er setzte voraus, die Leserin wisse, warum der Mann sich nicht in Saldaea aufhielt und in welcher Sache die K�nigin mit der Burg zusammenarbeiten sollte. Von den Augen-und-Ohren der Ajahs in Tanchico war bereits seit drei Wochen kein Bericht mehr eingetroffen. Weiter kam sie bei diesem Blatt nicht. Die Streitigkeiten zwischen Illian und Murandy schienen sich zu beruhigen, und Pedron Niall behauptete, es sei sein Verdienst. Selbst aus diesen wenigen Zeilen, die sie zu Gesicht bekam, konnte sie ablesen, da� die Schreiberin mit den Z�hnen geknirscht haben mu�te. Die Briefe waren zweifellos alle sehr wichtig, sowohl diejenigen, die sie zu �berfliegen Gelegenheit hatte, wie auch die anderen, die vorher verschwanden, aber ihr n�tzten sie gar nichts. Sie hatte gerade mit einem Bericht �ber ein verd�chtiges � dieses Wort wurde tats�chlich ben�tzt � Zusammentreffen Blauer Schwestern begonnen, als aus dem �u�eren Raum ein verzweifeltes �Oh, Licht, nein!� erscholl.</p><p>Sie rannte zur T�r und lie� dabei einen kr�ftigen Holzkn�ppel in ihrer Hand erscheinen, dessen Kopf vor Dornen starrte. Doch als sie hineinhastete und erwartete, Egwene m�sse sich gegen irgend etwas verteidigen, stand diese nur am Tisch der Beh�terin und blickte versunken ins Leere. Entsetzen zeigte sich auf ihrer Miene, doch ihr selbst war nichts passiert, und soweit Nynaeve das beurteilen konnte, wurde sie durch nichts bedroht.</p><p>Egwene fuhr bei ihrem Anblick zusammen, raffte sich dann aber sichtlich auf, und sagte mit zittriger Stimme:</p><p>�Nynaeve, Elaida ist die Amyrlin.�</p><p>�Sei kein Narr�, schalt Nynaeve. Und doch � dieser andere Raum, der Siuan Sanche so gar nicht �hnlich sah... �Das bildest du dir nur ein. Ganz bestimmt.�</p><p>�Ich hatte ein Pergament in der Hand, Nynaeve, das die Unterschrift trug: �Elaida do Avriny a'Roihan, Bewahrer der Siegel, Flamme von Tar Valon, der Amyrlin-Sitz�, und gesiegelt war es mit dem Siegel der Amyrlin.�</p><p>Nynaeves Magen begann sich umzudrehen. �Aber wie? Was ist mit Siuan geschehen? Egwene, die Burg setzt keine Amyrlin ab, es sei denn aus irgendeinem wirklich schwerwiegenden Grund. Es ist in fast dreitausend Jahren nur zweimal geschehen.�</p><p>�Vielleicht war Rand dieser schwerwiegende Grund.� Egwenes Stimme klang beherrscht, doch ihre Augen hatte sie weit aufgerissen. �Vielleicht litt sie an einer Krankheit, die von den Gelben nicht geheilt werden konnte, oder sie ist die Treppe hinuntergest�rzt und hat sich das Genick gebrochen? Wichtig ist nur, da� Elaida jetzt Amyrlin ist. Ich glaube nicht, da� sie Rand so wie Siuan unterst�tzen wird.�</p><p>�Moiraine�, murmelte Nynaeve. �So sicher, da� Siuan ihn mit der Burg hinter sich unterst�tzen werde.� Sie konnte sich nicht vorstellen, da� Siuan tot war. Sie hatte die Frau oftmals geha�t und hatte sie auch gelegentlich ein wenig gef�rchtet � das gab sie jetzt wenigstens sich selbst gegen�ber zu �, doch sie hatte sie auch respektiert. Sie hatte wirklich geglaubt, es werde Siuan ewig geben. �Elaida! Licht! Sie ist so hinterh�ltig wie eine Schlange und so grausam wie eine Katze. Ich kann gar nicht ermessen, was sie alles anstellen k�nnte.�</p><p>�Ich f�rchte, ich habe einen Hinweis auf diese Angelegenheit.� Egwene pre�te beide H�nde auf ihren Bauch, als wolle sie Schmerzen unterdr�cken. �Es war ein ganz kurzes Dokument. Ich habe es gerade noch geschafft, es ganz zu lesen. �Alle loyalen Schwestern werden hiermit aufgefordert, den Aufenthaltsort der Frau Moiraine Damodred bekanntzugeben. Sie mu�, wenn irgend m�glich, festgehalten werden, welche Mittel auch dazu notwendig seien, und zur Wei�en Burg gebracht werden, um dort des Hochverrats angeklagt zu werden.� Die gleichen Formulierungen wie vermutlich auch in Elaynes Fall.�</p><p>�Wenn Elaida will, da� man Moiraine festnimmt, dann bedeutet das, sie hat gewu�t, da� Moiraine Rand unterst�tzt, und es pa�t ihr nicht.� Dar�ber sprechen tat gut. Das Sprechen hielt sie davon ab, sich zu �bergeben. Verrat. Daf�r unterzogen sie Frauen einer D�mpfung. Sie hatte ja Moiraine zu Fall bringen wollen. Nun erledigte Elaida das f�r sie. �Sie wird Rand ganz gewi� nicht helfen.�</p><p>�Genau.�</p><p>�Loyale Schwestern. Egwene, das pa�t zu der Botschaft dieser Macura. Was auch mit Siuan geschehen ist, die Ajah haben sich �ber der Frage von Elaida als Amyrlin aufgespalten. So mu� es gewesen sein.�</p><p>�Ja, nat�rlich. Sehr gut, Nynaeve. Daran hatte ich nicht gedacht.�</p><p>Ihr L�cheln war so erfreut, da� Nynaeve zur�ckl�chelte. �Auf Siu... auf dem Tisch der Amyrlin liegt ein Bericht �ber ein Zusammentreffen der Blauen. Ich habe gerade darin gelesen, als ich dich schreien h�rte. Ich wette, die Blauen haben Elaida nicht gew�hlt.� Selbst zu besten Zeiten herrschte zwischen der Blauen und der Roten Ajah nur eine Art bewaffneten Friedens, und in schlechten Zeiten gingen sie sich fast an die Kehlen.</p><p>Doch als sie in den inneren Raum zur�ckkehrten, konnten sie den Bericht nicht mehr finden. Es lagen eine Menge Dokumente herum, wie beispielsweise Jolines wieder aufgetauchter Brief, der Egwene ein Stirnrunzeln entlockte, nachdem sie ihn �berflogen hatte, aber nicht der, den sie suchten.</p><p>�Kannst du dich erinnern, was darin stand?� fragte Egwene.</p><p>�Ich hatte erst ein paar Zeilen gelesen bis zu deinem Schrei, und... ich kann mich einfach nicht erinnern.�</p><p>�Versuche es, Nynaeve. Tu dein Bestes!�</p><p>�Mach' ich ja, Egwene, aber es kommt nichts. Ich bem�he mich wirklich.�</p><p>Dann traf Nynaeve die Erkenntnis, was sie da trieb, wie ein Hammerschlag. Sie entschuldigte sich! Und das Egwene gegen�ber, einem M�dchen, dem sie noch vor nicht einmal zwei Jahren den Hintern versohlt hatte, weil sie einen Wutanfall gehabt hatte. Und einen Augenblick vorher war sie so stolz wie eine Henne neben dem frisch gelegten Ei gewesen, weil Egwene sie gelobt hatte! Sie erinnerte sich noch deutlich an den Tag, an dem sich das Gleichgewicht zwischen ihnen zum erstenmal verschoben hatte. Da waren sie nicht mehr die Seherin und das M�dchen, das sprang, wenn die Seherin es von ihr verlangte, sondern einfach nur zwei Frauen, die sich fern von zu Hause befanden. Wie es schien, hatte sich nun das Gleichgewicht noch weiter verlagert, und das pa�te ihr �berhaupt nicht. Sie w�rde etwas unternehmen m�ssen, um den alten Zustand wiederherzustellen.</p><p>Die L�ge. Sie hatte heute zum erstenmal Egwene bewu�t belogen. Deshalb war ihre moralische Autorit�t dahin, deshalb war sie so ins Schwimmen gekommen und konnte sich nicht richtig verst�ndlich machen. �Ich habe den Tee getrunken, Egwene.� Sie zwang jedes Wort aus sich heraus. Sie mu�te sich wirklich zwingen. �Den Spaltwurzeltee dieser Macura. Sie und Luci haben uns nach oben geschleppt wie Mehls�cke. Wir hatten auch nicht mehr Kraft als eben solche. Wenn Thom und Juilin nicht gekommen w�ren und uns am Kragen herausgezogen h�tten, bef�nden wir uns vermutlich heute noch dort. Oder auf dem Weg zur Burg und so mit Spaltwurzel angef�llt, da� wir wom�glich erst dort wieder aufgewacht w�ren.� Sie atmete tief durch und bem�hte sich um einen festen und sicheren Tonfall, doch das war schwer, da sie gerade erst gestanden hatte, eine komplette Idiotin gewesen zu sein. Was herauskam, klang viel zaghafter, als ihr lieb war. �Wenn du den Weisen Frauen davon erz�hlst �insbesondere Melaine �, gebe ich dir eins aufs Ohr.�</p><p>Etwas an ihren Worten h�tte eigentlich Egwenes Widerstandsgeist wecken sollen. Es schien seltsam, einen Streit bewu�t vom Zaun brechen zu wollen, aber das war immer noch besser als dieser Zustand. Bei ihren Streitigkeiten ging es gew�hnlich darum, da� Egwene keine Vernunft annehmen wollte, und sie endeten meist unerfreulich, denn das M�dchen hatte sich angew�hnt, sich st�ndig zu weigern, etwas einzusehen. Und diesmal �l�chelte Egwene sie lediglich an. Es war ein am�siertes L�cheln. Ein <emphasis>herablassendes</emphasis> und am�siertes L�cheln!</p><p>�Ich hatte das schon angenommen, Nynaeve. Du hast sonst Tag und Nacht von Kr�utern gepredigt, aber dabei niemals eine Pflanze namens Spaltwurzel erw�hnt. Ich war sicher, da� du noch nie davon geh�rt hattest, bis diese Frau es erw�hnte. Du hast ja immer versucht, die Dinge zu besch�nigen. Wenn du mal mit dem Kopf voran in einen Schweinestall f�llst, wirst du noch versuchen, jedem weiszumachen, da� es Absicht war. Nun � was wir jetzt zu entscheiden haben... �</p><p>�So etwas mache ich nicht!� Nynaeve spuckte Gift und Galle.</p><p>�Aber sicher doch. Das sind klare Tatsachen. Du kannst genausogut mit dem Winseln aufh�ren und mir helfen, einen Entschlu�... �</p><p>Winseln! Das entwickelte sich ganz anders, als sie geplant hatte. �Das sind gar keine! Keine Tatsachen, meine ich. Ich bin noch nie so gewesen, wie du behauptest!�</p><p>Einen Augenblick lang sah Egwene sie schweigend an. �Du kannst nicht damit aufh�ren, was? Also gut. Du hast mich angelogen... �</p><p>�Das war keine L�ge�, murmelte sie. �Jedenfalls nicht direkt.�</p><p>Die andere �berging ihren Einwurf. �... und du bel�gst dich selbst. Erinnerst du dich, was du mir zu trinken gegeben hast, als ich dich das letzte Mal anlog?� Pl�tzlich hatte sie eine Tasse in der Hand, gef�llt mit einem giftgr�nen, z�hen Gebr�u. Es sah aus, als habe man es aus einem schmutzigen, stehenden Gew�sser abgesch�pft. �Das <emphasis>einzige</emphasis> Mal, da� ich dich je angelogen hatte. Die Erinnerung an diesen Geschmack hat mir sehr geholfen, nie wieder zu l�gen. Wenn du nicht einmal die Wahrheit vor dir selbst zugeben willst...�</p><p>Nynaeve trat einen Schritt zur�ck, bevor sie sich wieder im Griff hatte. Gekochter Katzenfarn mit zersto�enem Asblatt; bei dem blo�en Gedanken daran schrumpfte ihr die Zunge. �Ich habe doch gar nicht richtig gelogen.� Warum suchte sie eigentlich nach Entschuldigungen? �Ich habe nur nicht die ganze Wahrheit gesagt.� <emphasis>Ich bin die Seherin! Ich war die Seherin, und das sollte doch immer noch etwas z�hlen!</emphasis> �Du kannst doch wohl nicht glauben...� <emphasis>Sag's ihr doch! Du bist hier doch nicht das Kind, und das wirst du ganz bestimmt nicht trinken.</emphasis> �Egwene, ich...� Egwene hielt ihr die Tasse direkt unter die Nase, so da� sie den �tzenden Geruch deutlich wahrnahm. �In Ordnung�, sagte sie schnell. <emphasis>Das kann doch alles nicht wahr sein!</emphasis> Doch sie konnte den Blick nicht von der Br�he in der Tasse wenden, und sie konnte die Worte nicht mehr zur�ckhalten, die aus ihr herausbrachen: �Manchmal versuche ich, die Dinge f�r mich selbst zu besch�nigen. Manchmal. Aber nie, wenn es wirklich wichtig war. Ich habe niemals � in bezug auf etwas Wichtiges � gelogen. Niemals, das schw�re ich! Nur kleine Sachen.� Die Tasse verschwand, und Nynaeve seufzte tief und erleichtert auf. <emphasis>T�richte, t�richte Frau! Sie h�tte dich nicht zum Trinken zwingen k�nnen! Was stimmt eigentlich nicht mit dir?</emphasis></p><p>�Was wir entscheiden m�ssen�, sagte Egwene, als sei �berhaupt nichts gewesen, �ist, wem wir es sagen sollen. Moiraine mu� es nat�rlich wissen, und Rand auch, aber wenn jeder davon erf�hrt... Die Aiel stellen sich immer so an, was die Aes Sedai betrifft, genau wie alles andere. Ich denke, sie werden Rand als Dem, Der Mit Der Morgend�mmerung Kommt, weiterhin folgen, gleich, was geschehen ist, aber sobald sie erfahren, da� sich die Wei�e Burg gegen ihn stellt, l��t ihr Eifer m�glicherweise nach.�</p><p>�Sie werden es fr�her oder sp�ter erfahren�, murmelte Nynaeve. <emphasis>Sie h�tte mich bestimmt nicht zum Trinken zwingen k�nnen!</emphasis></p><p>�Lieber sp�ter als fr�her, Nynaeve. Also platze bitte nicht bei unserem n�chsten Treffen vor den Weisen Frauen damit heraus, wenn du auf sie sauer bist. Es w�re sogar viel besser, wenn du diesen Besuch in der Burg �berhaupt nicht erw�hntest. Dann kannst du es vielleicht geheimhalten.�</p><p>�Ich bin doch keine N�rrin�, sagte Nynaeve steif, und dann sp�rte sie, wie ihre Wangen schon wieder brannten, als Egwene eine Augenbraue hochzog. Sie w�rde ganz sicher diesen Besuch nicht vor den Weisen Frauen erw�hnen. Nicht, da� es leichter war, sie hinter dem R�cken zu mi�achten. Keineswegs. Und sie versuchte gewi� diesmal nicht, etwas zu besch�nigen. Es war einfach nicht fair, da� Egwene in <emphasis>Tel'aran'rhiod</emphasis> herumspringen konnte, wie sie wollte, w�hrend sie selbst sich Lektionen und diese Herumschubserei gefallen lassen mu�te.</p><p>�Das wei� ich�, sagte Egwene. �Es sei denn, du l��t dich von deiner Wut dazu hinrei�en. Du mu�t dich einfach besser beherrschen und klaren Verstand bewahren, wenn du in bezug auf die Verlorenen wirklich recht hast, besonders was Moghedien betrifft.� Nynaeve funkelte sie an und �ffnete den Mund, um zu beteuern, da� sie sich sehr wohl beherrschen k�nne, und wenn sie es nicht glaube, werde sie Egwene eins auf Ohr geben, doch die lie� ihr gar keine Chance. �Wir m�ssen diese Versammlung der Blauen Schwestern aufsp�ren, Nynaeve. Wenn sie sich gegen Elaida stellen, werden sie vielleicht � vielleicht � Rand so unterst�tzen wie Siuan vorher. Wurde eine Stadt erw�hnt oder ein Dorf? Wenigstens ein Land?�</p><p>�Ich glaube... nein, ich kann mich nicht daran erinnern.� Sie k�mpfte mit sich, um diesen defensiven Tonfall abzumildern. <emphasis>Licht, ich habe doch alles zugegeben, habe mich zum Narren gemacht, und jetzt ist es nur noch schlimmer!</emphasis> �Ich werde es weiterhin versuchen.�</p><p>�Gut. Wir m�ssen sie finden, Nynaeve.� Einen Augenblick lang musterte Egwene sie, w�hrend sie sich selbst davon abhielt, sich zu wiederholen. �Nynaeve, sei bitte vorsichtig, was Moghedien betrifft. Leg nicht los wie ein B�r im Fr�hling, nur weil sie dir in Tanchico entwischt ist.�</p><p>�Ich bin keine N�rrin, Egwene�, sagte Nynaeve in gem��igtem Ton. Es fiel ihr schwer, sich so zur�ckhalten zu m�ssen, aber andererseits wollte sie doch nicht als ein noch gr��erer Dickkopf dastehen.</p><p>�Ich wei�. Das hast du schon gesagt. Erinnere dich aber bitte daran, wenn es ernst wird. Sei vorsichtig!� Diesmal wurde Egwene nicht zuerst durchscheinend, sondern verschwand auf der Stelle, genauso schnell wie Birgitte.</p><p>Nynaeve starrte den Fleck an, an dem sie sich befunden hatte, und ging im Kopf noch einmal alles durch, was sie h�tte sagen sollen. Schlie�lich wurde ihr klar, da� sie die ganze Nacht noch hier stehen k�nne, denn sie wiederholte sich nur, und au�erdem war die Chance, all das zu sagen, ja sowieso vorbei. So grollte sie leise vor sich hin und trat aus <emphasis>Tel'aran'rhiod</emphasis> heraus und geradewegs zur�ck in ihr Bett in Sienda.</p><p>Egwene �ffnete die Augen in v�lliger Dunkelheit, nur durch ein wenig Mondschein unterbrochen, der durch den Rauchabzug hereinfiel. Sie war froh, unter einem ganzen Deckenstapel zu liegen, denn das Feuer war erloschen, und eisige K�lte erf�llte das Zelt. Ihr Atem stand als Nebelhauch vor ihrem Mund. Ohne den Kopf zu heben, suchte sie das Zeltinnere ab. Keine Weisen Frauen. Sie war noch allein.</p><p>Davor hatte sie bei ihren einsamen Ausfl�gen nach <emphasis>Tel'aran'rhiod</emphasis> am meisten Angst: da� sie bei ihrer R�ckkehr Amys oder eine der anderen bereits im Zelt erwarten k�nnte. Nun, vielleicht war es nicht das Allerschlimmste; schlie�lich waren die Gefahren in der Welt der Tr�ume wirklich so, wie sie sie Nynaeve geschildert hatte. Doch nicht die Strafe war es, vor der sie sich f�rchtete, jedenfalls nicht die Art von Bestrafung, wie sie gew�hnlich durch Bair ausgesprochen wurde. Das h�tte sie gern akzeptiert, wenn sie erwachen und eine der Weisen Frauen vorfinden w�rde, aber Amys hatte ihr gleich zu Beginn gesagt, falls sie ohne eine von ihnen als Begleitschutz <emphasis>Tel'aran'rhiod</emphasis> betr�te, w�rde man sie wegschicken. Sie w�rden sich weigern, sie noch weiter zu unterrichten. Davor zitterte sie viel mehr als vor allen m�glichen Strafen. Trotzdem mu�te sie vorw�rtskommen. So schnell die Weisen Frauen sie auch unterwiesen � es war nicht schnell genug. Sie wollte auf der Stelle alles wissen, alles.</p><p>Sie griff nach der Macht, entz�ndete ihre Lampe und lie� Flammen aus der Feuergrube hervorz�ngeln. Es war wohl kein Brennstoff mehr vorhanden, aber sie verknotete das Gewebe und lie� es weiterbrennen. Dann lag sie da, beobachtete ihren Nebelatem und wartete darauf, da� es warm genug wurde, um sich anzuziehen. Es war wohl sp�t, aber vielleicht war Moiraine trotzdem noch wach.</p><p>Was mit Nynaeve geschehen war, verbl�ffte sie immer noch. <emphasis>Ich glaube, sie h�tte das Zeug wirklich getrunken, wenn ich sie gezwungen h�tte.</emphasis> Sie hatte solche Angst ausgestanden, Nynaeve k�nne herausbekommen, da� sie keineswegs die Erlaubnis der Weisen Frauen hatte, allein die Welt der Tr�ume zu durchforschen. Sie war sicher gewesen, ihr Err�ten habe sie verraten, und deshalb hatte sie Nynaeve einfach vom Sprechen abhalten m�ssen, damit sie keine peinlichen Fragen stellte und vielleicht die Wahrheit herausfand. Weil sie sich so lebhaft vorgestellt hatte, wie Nynaeve trotz allem die Wahrheit erfuhr � und die Frau war imstande, sie zu verraten und dann noch zu behaupten, es sei zu ihrem eigenen Besten �, hatte sie immer weiter geredet und nicht lockergelassen, �ber Nynaeves eigene Fehler zu sprechen, sie in die Enge zu treiben. Ganz gleich, wie sie sich auch �ber Nynaeve aufregte: sie hatte es nicht fertiggebracht, sie auch nur einmal anzuschreien. Und mit dieser Taktik hatte sie tats�chlich die Oberhand gewonnen!</p><p>Wenn sie es recht bedachte, dann erhob Moiraine nur selten ihre Stimme, und wenn sie es tat, war es nicht so wirkungsvoll, und sie erreichte meist nicht, was sie eigentlich wollte. Das war schon so gewesen, bevor sie sich Rand gegen�ber so eigenartig zu benehmen begann. Die Weisen Frauen schrien auch niemals jemanden an �h�chstens gelegentlich sich gegenseitig �, und trotz all ihrer Beschwerden, da� die H�uptlinge nicht mehr auf sie h�rten, schienen sie doch zumeist zu bekommen, was sie wollten. Es gab da ein altes Sprichwort, das sie fr�her nie richtig verstanden hatte: �Er bem�ht sich, ein Fl�stern zu h�ren, obwohl er sich weigert, einen Schrei wahrzunehmen. � Sie w�rde Rand nicht mehr anschreien. Eine ruhige, feste, frauliche Stimme, das war das Richtige. Und was das betraf, w�rde sie auch Nynaeve k�nftig nicht mehr anschreien, denn sie war eine Frau und kein kleines M�dchen mehr, das noch Trotzanf�lle bekam.</p><p>Sie ertappte sich beim Kichern. Gerade bei Nynaeve sollte sie die Stimme nicht mehr erheben, wenn doch die ruhige Art solche Resultate hervorbrachte.</p><p>Das Zelt erschien ihr endlich warm genug, und so kroch sie unter den Decken hervor, um sich anzukleiden. Nachdem sie sich mit fast zu Eis gefrorenem Wasser den Schlaf aus dem Gesicht gewaschen hatte, legte sie sich den dunklen Wollumhang um und l�ste die Str�nge aus Feuer, denn Feuer war zu gef�hrlich, wenn man es unbeaufsichtigt gebunden zur�cklie�. Als die Flammen verschwanden, duckte sie sich und trat aus dem Zelt. Die K�lte umschlo� sie wie eine eisige Hand, w�hrend sie durch das Lager eilte.</p><p>Nur die n�chstgelegenen Zelte waren zu sehen. Die schattenhaften Umrisse h�tten auch ein Teil der h�geligen Landschaft sein k�nnen, doch das Lager erstreckte sich meilenweit nach allen Seiten in das Bergland hinein. Die hohen, zerkl�fteten Gipfel waren jedoch noch nicht das R�ckgrat der Welt; das war viel h�her und lag noch Tage weit entfernt im Westen.</p><p>Z�gernd n�herte sie sich Rands Zelt. Die Klappe stand ein klein wenig offen, und Licht fiel heraus. Als sie n�her kam, schien eine Tochter des Speers aus dem Boden hervorzuwachsen. Auf ihrem R�cken hing ein Hornbogen, der K�cher an der H�fte, und in den H�nden hielt sie Schild und Speere. Egwene konnte keine weiteren mehr in der Dunkelheit ausmachen, aber sie wu�te, da� noch mehr W�chterinnen das Zelt umstanden, selbst hier in einem Lager von sechs Clans, die alle dem <emphasis>Car'a'carn</emphasis> Treue geschworen hatten. Die Miagoma befanden sich irgendwo im Norden und marschierten parallel zu ihnen. Timolan sagte noch nicht, was er beabsichtigte. Rand schien es gleich zu sein, wo sich die �brigen Clans aufhielten. Seine ganze Aufmerksamkeit galt dem Wettlauf zum Jangai-Pa�.</p><p>�Ist er wach, Enaila?� fragte sie.</p><p>Mondschatten schoben sich �ber das Gesicht der Tochter, als sie nickte. �Er schl�ft nicht genug. Auch ein Mann kann doch nicht ohne Schlaf auskommen.� Ausgerechnet sie klang wie eine Mutter, die sich Sorgen um den Sohn macht.</p><p>Ein Schatten neben dem Zelt r�hrte sich und wurde zu Aviendha. Sie hatte sich den Schal umgewickelt. Die K�lte schien ihr nichts auszumachen, wohl aber die sp�te Stunde. �Ich w�rde ihm ein Schlaflied singen, wenn ich glauben k�nnte, da� es wirkte. Ich habe davon geh�rt, da� Frauen eines Kindes wegen die ganze Nacht durchwachen m�ssen, aber ein erwachsener Mann sollte eigentlich wissen, da� andere lieber schlafen m�chten.� Sie und Enaila lachten leise.</p><p>Egwene sch�ttelte den Kopf �ber das seltsame Aiel-Gebaren und b�ckte sich, um durch den Spalt zu sp�hen. Mehrere Lampen beleuchteten das Innere. Er war nicht allein. Nataels dunkle Augen wirkten abgespannt, und er unterdr�ckte ein G�hnen. Er zumindest sehnte sich nach Schlaf. Rand lag ausgestreckt neben einem der vergoldeten Lampenst�nder und las in einem zerfleddert wirkenden ledergebundenen Buch. Die eine oder andere �bersetzung der Prophezeiungen des Drachen, falls sie ihn noch gut genug kannte. Mit einemmal bl�tterte er zur�ck, las und lachte lauthals. Sie versuchte, sich einzureden, da� an diesem Lachen nichts Wahnsinniges festzustellen sei, h�chstens Bitterkeit. �Ein sch�ner Witz�, sagte er zu Natael, klappte das Buch zu und warf es dem Gaukler hin�ber. �Lest einmal Seite zweihundertsiebenundachtzig und dann Seite vierhundert und sagt mir, ob Ihr der gleichen Meinung seid.�</p><p>Egwene verzog den Mund, als er sich aufrichtete. Er sollte wirklich etwas schonender mit einem Buch umgehen. Sie konnte jetzt nicht mit ihm sprechen; nicht vor dem Gaukler. Es war eine Schande, da� er einen Mann brauchte, den er kaum kannte, um ihm Gesellschaft zu leisten. Nein. Er hatte doch Aviendha und oft genug die H�uptlinge, und jeden Tag Lan und manchmal auch Mat. �Warum gehst du nicht zu ihnen hinein, Aviendha? Wenn du drinnen w�rst, w�rde er vielleicht auch einmal �ber etwas anderes reden als �ber dieses Buch.�</p><p>�Er wollte aber mit dem Gaukler reden, Egwene, und das tut er nur selten vor mir oder anderen. Wenn ich nicht gegangen w�re, dann h�tte er mit Natael das Zelt verlassen.�</p><p>�Kinder machen einem gro�e Sorgen, habe ich geh�rt�, lachte Enaila. �Und S�hne sind am schlimmsten. Du findest m�glicherweise die Wahrheit dessen auch f�r mich mit heraus, ja, nachdem du nun den Speer aufgegeben hast.� Auf Aviendhas mondbeleuchteter Stirn zeigte sich ein kritisches Runzeln, und sie stolzierte wie eine beleidigte Katze zur�ck an ihren Platz an der Seite des Zelts. Enaila hielt das wohl auch wieder f�r lustig. Sie hielt sich vor Lachen die Seiten.</p><p>Egwene knurrte etwas vom typischen Humor der Aiel in sich hinein, den sie sowieso nicht verstand, und machte sich zu Moiraines Zelt auf, das unweit von dem Rands aufgeschlagen worden war. Auch hier entdeckte sie einen schmalen Lichtstreifen an der �ffnung und wu�te, da� die Aes Sedai noch wach war. Moiraine benutzte gerade die Macht, wohl nur in winzigen Mengen, doch es reichte, um f�r Egwene sp�rbar zu sein. Lan lag schlafend neben dem Zelt. Er war in seinen Beh�terumhang geh�llt, und abgesehen von seinem Kopf und den Stiefeln verschmolz sein K�rper mit der Nacht, war ein Teil von ihr. Sie raffte ihren Umhang enger zusammen, hob den Rock und ging auf Zehenspitzen vorbei, um ihn nicht zu wecken.</p><p>Seine Atmung �nderte den Rhythmus nicht, aber irgend etwas lie� sie noch einmal auf ihn herabblicken. Der Mondschein glitzerte in seinen ge�ffneten Augen, mit denen er sie beobachtete. Als sie sich wieder abwandte, bemerkte sie noch, wie sich seine Augen wie der schlossen. Kein Muskel regte sich ansonsten bei ihm, als sei er �berhaupt nicht aufgewacht. Manchmal machte der Mann sie einfach nerv�s. Was Nynaeve in ihm sah, konnte sie nicht nachvollziehen.</p><p>Sie kniete sich neben den Zelteingang und sp�hte hinein. Moiraine sa� da, von der gl�henden Aura <emphasis>Saidars</emphasis> umgeben. Der kleine blaue Edelstein, der normalerweise auf ihrer Stirn hing, baumelte direkt vor ihrem Gesicht an seiner Kette in ihrer erhobenen Hand. Auch er gl�hte und f�gte sein kleines Licht dem der einzigen Lampe im Zelt hinzu. In der Feuergrube lag nur Asche, und selbst der Geruch des Feuers war verflogen.</p><p>�Darf ich hereinkommen?�</p><p>Sie mu�te die Frage wiederholen, bis Moiraine antwortete: �Nat�rlich.� Das Gl�hen <emphasis>Saidars</emphasis> verflog, und die Aes Sedai befestigte die d�nne Goldkette mit dem Stein wieder in ihrem Haar.</p><p>�Habt Ihr Rand wieder belauscht?� Egwene setzte sich neben die andere. Hier im Zelt war es genauso kalt wie drau�en. Sie entz�ndete mit Hilfe der Macht Flammen �ber der Asche in der Feuergrube und verknotete den Strang. �Ihr habt doch versprochen, da� Ihr es nicht wieder tut.�</p><p>�Ich sagte, da die Weisen Frauen ja seine Tr�ume �berwachen k�nnen, sollten wir ihm etwas mehr Privatleben g�nnen. Sie haben mich nicht mehr um meine Hilfe gebeten, seit er sie abgeblockt hat, und ich habe sie ihnen nicht angeboten. Denkt daran, da� sie ihre eigenen Ziele haben, die nicht unbedingt mit denen der Burg �bereinstimmen m�ssen.�</p><p>So schnell waren sie also zu dem richtigen Thema gekommen. Egwene war sich noch unsicher, wie sie berichten konnte, was sie erfahren hatte, ohne sich den Weisen Frauen gegen�ber zu verraten. Wahrscheinlich war die einzige M�glichkeit, alles zu erz�hlen und dann nach Gef�hl zu handeln. �Elaida ist jetzt Amyrlin, Moiraine. Ich wei� nicht, was mit Siuan passiert ist.�</p><p>�Woher wi�t Ihr das?� fragte Moiraine leise. �Habt Ihr beim Traumwandeln etwas in Erfahrung gebracht? Oder ist Euer Talent als Tr�umer endlich durchgebrochen?�</p><p>Das war ihr Ausweg. Einige der Aes Sedai in der Burg glaubten, sie k�nne ein Tr�umer werden, eine Frau, deren Tr�ume die Zukunft vorhersagten. Sie hatte auch tats�chlich Tr�ume, bei denen sie wu�te, da� sie bedeutsam waren, aber sie auslegen zu lernen war eine ganz andere Sache. Die Weisen Frauen sagten einfach, die notwendigen Kenntnisse m��ten aus ihr selbst heraus erwachsen, und keine der Aes Sedai war ihr eine Hilfe gewesen. Rand, der auf einem Stuhl sa�, und irgendwie wu�te sie, da� die Besitzerin des Stuhls unglaublich zornig war, weil er ihren Stuhl genommen hatte. Doch ansonsten war die Tatsache, da� die Eigent�merin des Stuhls eben eine Frau war, das einzige, was sie aus dem Traum ablesen konnte. Mehr wu�te sie nicht dar�ber. Manchmal waren die Tr�ume recht komplex: Perrin, der mit Faile auf dem Scho� dasa� und sie k��te, w�hrend sie mit dem kurzgeschnittenen Bart spielte, den er in ihrem Traum trug. Hinter ihnen flatterten zwei Flaggen: ein roter Wolfskopf und ein karmesinfarbener Adler. Ein Mann in einem leuchtend gelben Kurzmantel stand gleich neben Perrins Schulter. Er hatte ein Schwert auf den R�cken geschnallt, aber trotzdem wu�te sie, da� er ein Kesselflicker war. Doch kein Kesselflicker w�rde je ein Schwert ber�hren. Und jede Einzelheit an diesem Traum bis auf den Bart erschien ihr wichtig. Die Flaggen, da� Faile Perrin k��te, sogar der Kesselflicker. Jedesmal, wenn er etwas n�her an Perrin heranr�ckte, war es, als durchdringe eine eisige Weltuntergangsahnung alles. Ein anderer Traum: Mat warf die W�rfel mit blut�berstr�mtem Gesicht. Er hatte die breite Hutkrempe tief heruntergezogen, so da� sie seine Wunde nicht sehen konnte. Daneben steckte Thom Merrilin seine Hand in ein Feuer, um daraus den kleinen blauen Stein hervorzuziehen, der nun auf Moiraines Stirn hing. Oder sie tr�umte von einem Gewitter: M�chtige dunkle Wolken t�rmten sich ganz ohne Wind oder Regen, w�hrend gezackte Blitze � alle identisch � die Erde aufwarfen. Sie hatte die richtigen Tr�ume, doch bisher war sie als Tr�umer eine Versagerin gewesen.</p><p>�Ich sah einen Steckbrief, in dem Ihr gesucht wurdet, Moiraine, unterzeichnet von Elaida als Amyrlin. Und es war kein gew�hnlicher Traum.� Das stimmte ja auch. Es war nur nicht die ganze Wahrheit. Sie war mit einemmal froh, da� sich Nynaeve nicht hier befand. <emphasis>Wenn sie hier w�re, dann w�rde diesmal ich in die Tasse blicken.</emphasis></p><p>�Das Rad webt, wie das Rad es eben w�nscht. Vielleicht spielt es nun doch keine so gro�e Rolle mehr, ob Rand die Aiel �ber die Drachenmauer f�hrt. Ich bezweifle, da� Elaida deshalb mit den einzelnen Herrschern verhandelt, selbst wenn sie wei�, da� Siuan es getan hat.�</p><p>�Ist das alles, was Ihr zu sagen habt? Ich glaubte, Siuan sei einst Eure Freundin gewesen, Moiraine. K�nnt Ihr um sie keine Tr�ne vergie�en?�</p><p>Die Aes Sedai blickte sie an, und dieser k�hle, w�rdevolle Blick sagte ihr, wie weit sie selbst noch kommen m�sse, um diesen Titel ebenfalls verdient zu haben. Im Sitzen war Egwene beinahe um einen Kopf gr��er, und sie war um einiges st�rker, was den Gebrauch der Macht betraf, doch es war mehr an einer Aes Sedai als nur die Kraft. �Ich habe keine Zeit f�r Tr�nen, Egwene. Die Drachenmauer liegt nun nur noch wenige Tagesreisen entfernt, und die Alguenya... Siuan und ich waren einst Freundinnen. In ein paar Monaten werden es insgesamt einundzwanzig Jahre, seit wir unsere Suche nach dem Wiedergeborenen Drachen begannen. Nur wir beide waren es damals, zwei, die gerade erst zu Aes Sedai erhoben worden waren. Kurz danach wurde Sierin Vayu zur Amyrlin erw�hlt, eine Graue, die mehr als nur ein bi�chen von den Roten beeinflu�t war. H�tte sie erfahren, was wir vorhatten, dann h�tten wir den Rest unseres Lebens damit verbracht, Strafdienst zu leisten, w�hrend uns Rote Schwestern selbst noch im Schlaf bewachten. Es gibt ein Sprichwort in Cairhien, das ich allerdings auch schon weit entfernt in Tarabon und Saldaea geh�rt habe: �Nimm, was du willst, und zahle daf�r.� Siuan und ich schlugen den Pfad ein, den wir nehmen wollten, und es war uns klar, da� wir irgendwann daf�r bezahlen m��ten.�</p><p>�Ich verstehe trotzdem nicht, wie Ihr so ruhig sein k�nnt. Siuan k�nnte tot sein oder vielleicht sogar einer D�mpfung unterzogen. Elaida wird entweder Rand ganz und gar feindlich gegen�berstehen oder versuchen, ihn bis Tarmon Gai'don irgendwo festzusetzen. Ihr wi�t, sie wird niemals einen Mann frei herumlaufen lassen, der die Macht lenken kann. Wenigstens stehen nicht alle hinter Elaida. Einige der Blauen Ajah versammeln sich irgendwo � ich wei� noch nicht, an welchem Ort �, und ich glaube, auch andere haben die Burg verlassen. Nynaeve berichtet, sie habe eine Botschaft erhalten, da� alle Schwestern gebeten werden, zur Burg zur�ckzukehren. Eine der Augen-und-Ohren der Gelben sagte ihr das. Wenn die Blauen und Gelben beide weg sind, sind bestimmt auch noch andere geflohen. Und wenn sie sich gegen Elaida stellen, werden sie m�glicherweise Rand unterst�tzen.�</p><p>Moiraine seufzte leise. �Erwartet Ihr von mir, da� ich froh dar�ber bin, wenn sich die Burg gespalten hat? Ich bin eine Aes Sedai, Egwene. Ich habe mein Leben der Burg geweiht, lange bevor ich auch nur vermutete, da� der Drache noch zu meinen Lebenszeiten wiedergeboren werde. Die Burg war dreitausend Jahre lang unser Bollwerk gegen den Schatten. Sie hat Herrscher zu weisen Ratschl�ssen gef�hrt, Kriege beendet, bevor sie begannen, und andere, nachdem sie begonnen hatten. Da� sich die Menschheit �berhaupt an das Warten des Dunklen K�nigs auf seine Befreiung und an die bevorstehende Letzte Schlacht erinnert, verdankt sie der Burg. Der vollst�ndigen, vereinigten Kraft der Burg. Ich w�nschte fast, alle Schwestern h�tten Elaida die Treue geschworen, was auch mit Siuan geschehen sein mag.�</p><p>�Und Rand?� Egwene sprach mit genauso ruhiger, beherrschter Stimme. Die Flammen begannen endlich, die Luft im Zelt etwas zu erw�rmen, aber Moiraine hatte dem auf ihre eigene Art eine innere K�lte hinzugef�gt. �Der Wiedergeborene Drache. Ihr habt selbst gesagt, da� er nicht f�r Tarmon Gai'don ger�stet sein kann, wenn man ihm nicht Freiheit gestattet, Freiheit zu lernen und die Welt zu beeinflussen. Die vereinigten Kr�fte der Burg k�nnten ihn trotz aller Aiel in der W�ste gefangenhalten.�</p><p>Moiraine l�chelte ein klein wenig. �Ihr lernt gut. K�hle Vernunft ist immer besser als hitzige Worte. Aber Ihr verge�t, da� nur dreizehn miteinander verkn�pfte Schwestern einen Mann vor <emphasis>Saidin</emphasis> abschirmen k�nnen, und selbst wenn sie nicht wissen, wie man die Str�nge abbindet, gen�gen weniger, um die Abschirmung dann aufrecht zu erhalten.�</p><p>�Ich wei�, Ihr gebt nicht auf, Moiraine. Was habt Ihr vor?�</p><p>�Ich habe vor, so zu handeln, wie es sich ergibt, solange ich noch kann. Wenigstens wird es nun etwas leichter, bei Rand zu bleiben, nachdem ich ihn nicht mehr von dem abhalten mu�, was er will. Ich mu� mich wohl gl�cklich sch�tzen, da� er mich nicht als seine Bedienung bei Tisch einsetzt. Er h�rt ja auch meistens zu, l��t aber f�r gew�hnlich nicht erkennen, was er von dem h�lt, was ich ihm sage.�</p><p>�Ich werde es Euch �berlassen, ihm von Siuan und den Ereignissen in der Burg zu berichten.� Damit vermied sie unangenehme Fragen, denn Rand mit seinem geschwollenen Kopf w�rde vielleicht mehr �ber ihre F�higkeiten als Tr�umer wissen wollen, als sie erfinden konnte. �Dann ist da noch etwas. Nynaeve hat Verlorene in <emphasis>Tel'aran'rhiod</emphasis> beobachtet. Sie hat alle erw�hnt, die noch am Leben sind, bis auf Asmodean und Moghedien. Einschlie�lich Lanfear. Sie glaubt, die Verlorenen planten irgend etwas, m�glicherweise sogar gemeinsam.�</p><p>�Lanfear�, sagte Moiraine nach kurzem Schweigen.</p><p>Sie wu�ten beide, da� Lanfear Rand in Tear besucht hatte und vielleicht auch noch weitere Male, von denen er ihnen nicht erz�hlt hatte. Keiner wu�te viel �ber die Verlorenen, au�er den Verlorenen selbst nat�rlich, denn in der Burg waren nur noch Bruchst�cke von Bruchst�cken aller �berlieferungen vorhanden, doch war allgemein bekannt, da� Lanfear Lews Therin Telamon geliebt hatte. Sie beide und Rand wu�ten: Sie liebte ihn immer noch.</p><p>�Mit etwas Gl�ck�, fuhr die Aes Sedai fort, �m�ssen wir uns �ber Lanfear keine Gedanken machen. Die �brigen, die Nynaeve sah, sind ein ganz anderer Fall. Ihr und ich, wir m�ssen so genau aufpassen, wie �berhaupt nur m�glich. Ich w�nschte, mehr von den Weisen Frauen k�nnten die Macht lenken.� Sie lachte ein wenig. �Aber genausogut k�nnte ich mir w�nschen, sie w�ren alle in der Burg ausgebildet worden, oder ich h�tte das ewige Leben. In bezug auf eine ganze Menge Dinge sind sie ja sehr stark, aber bei anderen Dingen versagen sie eben.�</p><p>�St�ndig aufzupassen ist ja sch�n und gut, aber was sonst noch? Wenn ihn sechs Verlorene auf einmal angreifen, braucht er jedes bi�chen Hilfe, das wir ihm geben k�nnen.�</p><p>Moiraine beugte sich vor und legte ihr eine Hand auf den Arm. Sie blickte dabei schon fast liebevoll drein. �Wir k�nnen ihn nicht immer an der Hand halten, Egwene. Er hat das Laufen gelernt. Und er lernt auch das Davonlaufen. Wir k�nnen nur hoffen, er lernt es rechtzeitig, bevor ihn seine Feinde fassen. Und nat�rlich werden wir ihn weiterhin beraten. Ihn f�hren, wenn er es uns gestattet.� Sie richtete sich auf, streckte sich und unterdr�ckte hinter der vorgehaltenen Hand ein G�hnen. �Es ist sp�t, Egwene. Und ich rechne damit, da� uns Rand in ein paar Stunden bereits wieder aufscheucht, auch wenn er selbst kaum zum Schlafen kommt. Ich w�rde aber gern wenigstens soviel Schlaf bekommen, da� ich nachher nicht vom Pferd falle.�</p><p>Egwene stand auf, um zu gehen, aber eine Frage mu�te sie vorher noch loswerden: �Moiraine, warum habt Ihr begonnen, alles zu tun, was Euch Rand befiehlt? Selbst Nynaeve h�lt das nicht f�r richtig.�</p><p>�So, sie h�lt es nicht f�r richtig?� murmelte Moiraine schl�frig. �Sie wird schon auch eine Aes Sedai, was sie auch sonst w�nschen mag. Warum? Weil ich mich daran erinnert habe, wie man <emphasis>Saidar</emphasis> beherrscht.�</p><p>Nach einem Augenblick nickte Egwene. Um <emphasis>Saidar</emphasis> zu beherrschen, mu�te man sich ihm zuerst ergeben.</p><p>Erst, als sie vor K�lte zitternd zu ihrem eigenen Zelt zur�ckging, wurde ihr bewu�t, da� Moiraine zu ihr wie zu einer Gleichgestellten gesprochen hatte. Vielleicht war sie dem Zeitpunkt, an dem sie ihre Ajah w�hlen mu�te, doch n�her, als sie selbst geglaubt hatte.</p></section><section><title><p>16</p><p>Ein unerwartetes Angebot</p></title><p>Sonnenschein, der durch das Fenster auf ihr Gesicht fiel, weckte Nynaeve. Einen Moment lang lag sie bequem ausgestreckt auf der gestreiften Bettdecke. Elayne lag schlafend im anderen Bett. Es war bereits warm an diesem fr�hen Morgen, und in der Nacht war es nicht viel besser gewesen, doch das war nicht der Grund daf�r, warum Nynaeves Hemd verknittert und verschwitzt war. Sie hatte keine guten Tr�ume gehabt, nachdem sie das Erfahrene mit Elayne besprochen hatte. In den meisten dieser Tr�ume war sie wieder in der Burg gewesen und vor die Amyrlin gezerrt worden. Manchmal war Elaida Amyrlin und manchmal Moghedien. In ein paar Tr�umen hatte Rand wie ein Hund neben dem Schreibtisch der Amyrlin gelegen, mit Halsband, Leine und Maulkorb. Auf gewisse Weise waren auch die Tr�ume von Egwene so schlimm gewesen, denn gekochter Katzenfarn und zersto�ene Asbl�tter darin schmeckten im Traum genauso schlecht wie im wachen Zustand.</p><p>Sie schlich m�de zum Waschtisch, s�uberte ihr Gesicht und putzte die Z�hne mit Salz und Soda. Das Wasser war wohl nicht hei�, k�hl konnte man das aber auch nicht nennen. Das durchn��te Hemd zog sie aus und zog aus einem der Reisekoffer ein frisches hervor, zusammen mit einer Haarb�rste und einem Spiegel. Als sie ihr eigenes Spiegelbild musterte, bereute sie bereits, den Zopf aufgeflochten zu haben, damit sie bequemer schlafen konnte. Es hatte nicht geholfen, und nun hing ihr Haar verfilzt bis an die H�fte herunter. So setzte sie sich auf einen Koffer und l�ste m�hsam die verfilzten Stellen, bevor sie es ausgiebig b�rstete.</p><p>Sie hatte drei lange Kratzer, die vom Hals her bis unter ihr Hemd verliefen. Sie waren nicht so stark ger�tet, wie sie bef�rchtet hatte, dank einer Tinktur � einem wahren Allheilmittel �, die sie von dieser Macura mitgenommen hatte. Elayne hatte sie erz�hlt, sie habe sich an Brombeerstr�uchern aufgekratzt. T�richt, denn sie vermutete, Elayne habe das so oder so f�r unwahr gehalten. Sie hatte ihr wohl erz�hlt, sie habe sich nach Egwenes Abgang noch auf dem Burggel�nde umgesehen, aber w�re sie nicht so verwirrt gewesen, h�tte sie eine solche Ausrede gar nicht erfunden. Mehrmals hatte sie die andere w�tend angefahren, obwohl sie keinen Grund dazu gehabt hatte. Sie regte sich lediglich �ber die unfaire Behandlung durch Melaine und Egwene auf. <emphasis>Nicht, da� es ihr nicht gut t�te, gelegentlich daran erinnert zu werden, da� sie hier nicht die Tochter-Erbin ist!</emphasis> Trotzdem war das M�dchen nicht schuld gewesen, und sie w�rde es wiedergutmachen m�ssen.</p><p>Im Spiegel beobachtete sie, wie Elayne aufstand und sich zu waschen begann. �Ich glaube nach wie vor, da� mein Plan der beste ist�, sagte das M�dchen, w�hrend sie ihr Gesicht abrieb. Ihr rabenschwarz gef�rbtes Haar schien keine einzige verfilzte Stelle aufzuweisen, und das trotz ihrer Locken. �Wir k�nnten auf meinem Weg viel schneller in Tear sein.�</p><p>Ihr Plan bestand darin, die Kutsche stehenzulassen, sobald sie den Eldar erreichten. Das w�rde in einem kleinen Dorf geschehen, wo sich wahrscheinlich nicht viele Wei�m�ntel aufhielten und, genauso wichtig, auch kaum Augen-und-Ohren f�r die Burg zu finden sein w�rden. Dann sollten sie auf einem Flu�kahn hinunter nach Ebou Dar fahren und von dort aus mit einem Schiff nach Tear. Sie bezweifelten beide nicht mehr, da� sie sich nach Tear begeben mu�ten. Tar Valon w�rden sie unter allen Umst�nden meiden.</p><p>�Wie lange kann es dauern, bis ein Flu�kahn dort anlegt, wo wir den Eldar erreichen?� fragte Nynaeve geduldig. Sie hatte die Diskussion f�r beendet gehalten, als sie sich schlafen legten. Ihrer Meinung nach war jedenfalls alles klar gewesen. �Du hast doch selbst gesagt, da� vielleicht nicht jeder Kahn dort anlegt. Und wie lange m�ssen wir in Ebou Dar warten, bis wir ein Schiff nach Tear finden?� Sie legte die B�rste weg und begann, ihren Zopf zu flechten.</p><p>�Die Dorfbewohner h�ngen eine Fahne auf, wenn sie wollen, da� ein Kahn anlegt, und das tun dann auch die meisten. Und in einem Hafen von der Gr��e Ebou Dars finden sich immer Schiffe nach allen Richtungen.�</p><p>Als w�re das M�dchen jemals in einem gr��eren Hafen gewesen, bevor sie die Burg mit Nynaeve verlie�! Elayne glaubte immer, alles, was sie nicht schon als Tochter-Erbin von Andor gelernt hatte, habe sie dann in der Burg erlernt, obwohl so vieles ihr bewies, da� das Gegenteil der Fall war. Und wie konnte sie es wagen, in diesem frechen Ton mit ihr zu sprechen? �Wir werden diesen Treffpunkt der Blauen wohl kaum auf einem Schiff finden, Elayne.�</p><p>Ihrem eigenen Plan zufolge sollten sie weiter mit der Kutsche reisen, den Rest Amadicias durchqueren, dann Altara und Murandy, bis nach Far Madding in den H�geln von Kintara und weiter �ber die Ebenen von Maredo nach Tear. Das w�rde sicher l�nger dauern, aber abgesehen von der M�glichkeit, diese Versammlung doch unterwegs aufzusp�ren, gingen Kutschen sehr selten unter. Sie konnte wohl schwimmen, aber sie f�hlte sich ganz und gar nicht wohl, wenn kein Land mehr in Sicht war.</p><p>Elayne tupfte sich das Gesicht trocken, wechselte ihr Unterhemd und kam her�ber, um ihr beim Flechten des Zopfes zu helfen. Nynaeve lie� sich nicht t�uschen; sie w�rde sp�ter wieder mit dem Gerede �ber Schiffe anfangen. Ihr Magen vertrug keine Schiffe. Nat�rlich hatte das ihre Entscheidung keineswegs beeinflu�t. Wenn sie Aes Sedai daf�r gewinnen konnte, Rand zu helfen, w�re das ganz bestimmt die l�ngere Reisezeit wert.</p><p>�Hast du dich endlich an den Namen erinnert?� fragte Elayne mit Nynaeves Haarstr�hnen in den H�nden.</p><p>�Wenigstens habe ich mich daran erinnert, da� ein Name erw�hnt wurde. Licht, gib mir mehr Zeit!� Sie war sicher, einen Namen gelesen zu haben. Es war vermutlich eine Kleinstadt, vielleicht sogar eine gr��ere. Sie hatte aber bestimmt keinen L�ndernamen gelesen und dann wieder vergessen. Nun holte sie erst einmal tief Luft und beherrschte ihre Ungeduld, um dann in milderem Tonfall fortzufahren: �Ich werde mich schon daran erinnern, Elayne. Gib mir nur etwas Zeit.�</p><p>Elayne gab einen nichtssagenden Laut von sich und flocht flei�ig weiter. Nach einer Weile sagte sie: �War es wirklich klug, Birgitte hinter Moghedien herzusenden?�</p><p>Nynaeve runzelte die Stirn und warf der jungen Frau einen finsteren Seitenblick zu, der allerdings von ihr ablief wie Wasser von einge�lter Seide. Wenn schon das Thema gewechselt werden mu�te, dann nicht gerade so. �Besser, wir finden sie als sie uns.�</p><p>�Das mag wohl sein. Aber was tun wir, wenn wir sie gefunden haben?�</p><p>Darauf hatte sie keine Antwort parat. Doch es war immer besser, der J�ger zu sein als der Gejagte, und wenn es noch so hart zur Sache ging. Das hatte sie aus der Jagd nach den Schwarzen Ajah gelernt.</p><p>Der Schankraum war nicht sehr voll, als sie hinuntergingen, doch selbst zu dieser fr�hen Stunde war unter den G�sten viel Wei� zu sehen. Meist waren es diesmal �ltere Wei�m�ntel � alles Offiziere. Zweifellos zogen sie das Fr�hst�ck aus der K�che der Schenke dem vor, was ihre eigenen K�che im Lager auf den Tisch brachten. Nynaeve h�tte am liebsten wieder vom Tablett gegessen, aber ihr kleines Zimmer war denn doch zu sehr wie ein enger K�fig. Die M�nner waren alle ganz auf ihr Fr�hst�ck konzentriert, die Wei�m�ntel nicht weniger als die anderen. Sicherlich konnten sie gefahrlos hier essen. Ger�che von Gekochtem erf�llten die Luft. Offensichtlich wollten diese M�nner selbst am Morgen schon Rind- oder Hammelfleisch zu essen.</p><p>Kaum hatte Elaynes Fu� die letzte Stufe verlassen, da eilte auch schon Frau Jharen herbei und bot ihnen, oder besser �Lady Morelin�, ein getrenntes Speisezimmer an. Nynaeve warf Elayne keinen Blick zu, doch die sagte: �Ich glaube, wir essen hier. Ich habe selten Gelegenheit, in einer Schankstube zu essen, und es w�rde mir bestimmt Spa� machen. La�t uns bitte von einem Eurer M�dchen etwas Erfrischendes bringen. Wenn es jetzt schon so warm ist, werden wir wohl zerlaufen, bevor wir das n�chste Mal anhalten, f�rchte ich.�</p><p>Nynaeve wunderte sich immer wieder, da� sie f�r dieses hochn�sige Getue nicht auf die Stra�e gesetzt wurden. Sie hatte mittlerweile genug Lords und Ladies kennengelernt, um zu wissen, da� sich fast alle so benahmen, aber trotzdem. Sie h�tte das keine Minute lang geduldet. Die Wirtin jedoch knickste l�chelnd, rang die H�nde ein wenig und f�hrte sie dann an einen Tisch in der N�he eines Fensters zur Stra�e hin. Sodann huschte sie davon, um Elaynes Auftrag auszuf�hren. Vielleicht war das ihre Rache an dem M�dchen. Sie sa�en wohl allein und weit genug von den M�nnern an den anderen Tischen entfernt, doch jeder, der eintrat, konnte sie anstarren, und falls ihr Essen doch hei� war, was sie nicht hoffte, sa�en sie so weit von der K�che entfernt wie �berhaupt m�glich � zu weit, um sich ohne gr��ere Umst�nde beschweren zu k�nnen.</p><p>Als sie bedient wurden, bestand das Fr�hst�ck aus w�rzigen Teigst�cken, die in ein wei�es Tuch gewickelt und noch warm waren, aber trotzdem gut schmeckten, gelben Birnen, blauen Trauben, die ein wenig verschrumpelt wirkten, und irgendwelchen roten Fr�chten, die von der Serviererin als �Erdbeeren� bezeichnet wurden, obwohl sie keiner Beere �hnlich sahen, die Nynaeve jemals gesehen hatte. Sie schmeckten auch nicht gerade nach Erde, besonders mit geschlagener Sahne obenauf. Elayne behauptete, schon von ihnen geh�rt zu haben, aber das war ja typisch f�r sie. Zusammen mit einem leicht gew�rzten Wein, der angeblich im Quellhaus gek�hlt worden war �die Quelle konnte aber nicht sehr k�hl sein, stellten sie nach einem Nippen fest �, ergab das ein erfrischendes Morgenmahl.</p><p>Der n�chste Mann sa� drei Tische entfernt und trug einen dunkelblauen Wollmantel. Vielleicht war er ein wohlhabender Kaufmann. Sie unterhielten sich trotzdem nicht. Genug Zeit zum Unterhalten, wenn sie sich wieder auf der Stra�e befanden und keine Lauscher mehr in der N�he waren. Nynaeve war erheblich fr�her als Elayne mit dem Essen fertig. So, wie sich das M�dchen Zeit lie�, um eine Birne aufzuschneiden, konnte man denken, sie h�tten den ganzen Tag �ber Zeit, am Tisch zu sitzen.</p><p>Pl�tzlich ri� Elayne die Augen vor Schreck weit auf, und das kurze Obstmesser fiel klappernd auf den Tisch. Nynaeve fuhr herum und sah, da� ein Mann auf der gegen�berliegenden Bank an ihrem Tisch Platz nahm.</p><p>�Ich dachte mir doch, da� du das bist, Elayne, nur hat mich das Haar zun�chst etwas verwirrt.�</p><p>Nynaeve starrte Galad an, Elaynes Halbbruder. Anstarren war der passende Ausdruck daf�r. Hochgewachsen und schlank wie eine Stahlfeder, dunkelhaarig und dunkel�ugig, war er der bestaussehende Mann, den sie je kennengelernt hatte. Gutaussehend war noch zu schwach ausgedr�ckt: Er sah phantastisch aus. Sie hatte gesehen, wie sich in der Burg die Frauen um ihn dr�ngten, sogar Aes Sedai, und alle hatten Augen gemacht wie die Mondk�lber. Sie h�rte bei dem Gedanken an die anderen sofort mit L�cheln auf. Doch sie konnte nichts gegen die Beschleunigung ihres Herzschlags unternehmen oder wenigstens wieder gleichm��ig atmen. Sie empfand nicht das Geringste f�r ihn, aber er war derart sch�n! <emphasis>Beherrsche dich, Frau!</emphasis></p><p>�Was macht Ihr denn hier?� Sie war froh, da� es sich nicht wie erstickt anh�rte. Es war nicht fair, da� ein Mann so gut aussah.</p><p>�Und wieso tr�gst du <emphasis>so etwas?�</emphasis> Elaynes Stimme war leise, aber trotzdem bei�end.</p><p>Nynaeve ri� noch einmal die Augen auf, denn erst jetzt wurde ihr bewu�t, da� er einen hochgl�nzenden Harnisch trug und dazu einen wei�en Umhang mit zwei goldenen Rangknoten unter der strahlenden Sonnenscheibe. Sie sp�rte, wie ihr die R�te in die Wangen stieg. Einen Mann so fasziniert anzustarren, da� sie noch nicht einmal seine Kleidung bemerkte! Sie h�tte vor Scham am liebsten ihr Gesicht verborgen.</p><p>Er l�chelte, und Nynaeve mu�te tief Luft holen. �Ich bin hier, weil ich zu den Kindern geh�re, die aus dem Norden zur�ckgerufen wurden. Und ich geh�re zu den Kindern des Lichts, weil es der richtige Weg zu sein schien. Elayne, als du und Egwene verschwunden wart, haben Gawyn und ich nicht lange gebraucht, um herauszufinden, da� ihr keineswegs Strafdienst auf einem Bauernhof leisten mu�tet, auch wenn man uns das weismachen wollte. Sie hatten kein Recht, dich in ihre Intrigen einzubeziehen, Elayne. Keine von Euch.�</p><p>�Ihr scheint sehr schnell einen Offiziersrang erreicht zu haben�, sagte Nynaeve. War dem t�richten Mann nicht klar, da� dieses Geschw�tz von den Intrigen der Aes Sedai ihnen beiden hier ganz leicht den Tod einbringen konnte?</p><p>�Eamon Valda schien zu glauben, da� meine Erfahrung es rechtfertige, gleich, wo ich sie gewonnen hatte.� Sein Achselzucken lie� den Rang als unwichtig erscheinen. Es war, genau gesprochen, keine Bescheidenheit, aber auch kein Vorwand. Er war unter den Sch�lern der Beh�ter in der Burg der beste Schwertk�mpfer gewesen, aber auch sehr gut in Strategie und Kampftaktik, doch Nynaeve konnte sich nicht daran erinnern, da� er je mit seinen F�higkeiten angegeben h�tte, noch nicht einmal im Scherz. Das Erreichte bedeutete ihm nichts, vielleicht, weil es ihm so leicht fiel.</p><p>�Wei� Mutter davon?� wollte Elayne wissen, immer noch mit gef�hrlich leiser Stimme. Ihre Miene h�tte allerdings auch einem wilden Keiler Angst eingejagt.</p><p>Galad rutschte nur ein ganz klein wenig nerv�s auf der Bank umher. �Ich hatte noch gar keine Zeit, ihr zu schreiben. Aber sei nicht so sicher, da� sie etwas dagegen haben wird, Elayne. Sie steht nicht mehr auf so gutem Fu�e mit dem Norden wie fr�her. Ich h�rte sogar, da� ein gesetzlicher Bannspruch im Gespr�ch sei.�</p><p>�Ich habe ihr einen Brief mit Erkl�rungen geschrieben.� Elaynes zorniges Funkeln hatte einem fragenden Blick platzgemacht. �Sie mu� es doch verstehen. Sie wurde doch selbst auch in der Burg ausgebildet.�</p><p>�Sprich leiser�, sagte er mit leiser und harter Stimme. �Vergi� nicht, wo du dich befindest.� Elayne lief dunkelrot an, aber Nynaeve wu�te nicht, ob aus �rger oder Verlegenheit.</p><p>Mit einemmal wurde ihr bewu�t, da� er genauso leise wie sie gesprochen hatte und sich auch vorsichtig ausdr�ckte. Er hatte nicht ein einziges Mal die Burg erw�hnt oder die Aes Sedai.</p><p>�Ist Egwene bei Euch?� fuhr er fort.</p><p>�Nein�, erwiderte sie, und er seufzte tief.</p><p>�Ich hatte gehofft... Gawyn war beinahe au�er sich vor Sorge, als sie verschwand. Ihm liegt auch viel an ihr. Sagt Ihr mir, wo sie sich aufh�lt?�</p><p>Nynaeve bemerkte das �auch� sehr wohl. Der Mann war wohl ein Wei�mantel geworden, aber �ihm lag viel� an einer Frau, die eine Aes Sedai werden wollte. M�nner waren so seltsam, da� sie ihr manchmal kaum menschlich vorkamen.</p><p>�Das werden wir nicht�, sagte Elayne mit fester Stimme. Das Rot wich langsam aus ihren Wangen. �Ist Gawyn auch hier? Ich will nicht glauben, da� er...� Sie senkte die Stimme noch weiter, sprach es aber trotzdem aus: �... ein Wei�mantel geworden ist!�</p><p>�Er bleibt im Norden, Elayne.� Nynaeve vermutete, er meine damit Tar Valon, aber sicher war Gawyn doch von dort weggegangen. Er konnte doch wohl nicht Elaida unterst�tzen. �Du kannst ja nicht wissen, was dort alles geschehen ist, Elayne�, fuhr er fort. �All die Verderbtheit und B�sartigkeit an diesem Ort ist schlie�lich an die Oberfl�che gekommen. Das mu�te wohl so kommen. Die Frau, die Euch wegschickte, wurde beseitigt.� Er sah sich um und senkte die Stimme bis zu einem Fl�stern, obwohl sich niemand nahe genug befand, um sie zu belauschen. �Einer D�mpfung unterzogen und dann hingerichtet.� Er holte tief Luft und gab einen angewiderten Laut von sich. �Das war nie der richtige Ort f�r dich. Oder f�r Egwene. Ich bin noch nicht lange bei den Kindern des Lichts, aber ich bin sicher, mein Hauptmann gibt mir die Genehmigung, meine Schwester heimzugeleiten. Dort solltest du dich befinden, bei Mutter. Sag mir, wo Egwene ist, und ich werde daf�r sorgen, da� auch sie nach Caemlyn gebracht wird. Dort seid ihr beide in Sicherheit.�</p><p>Nynaeves Gesicht war aschfahl. D�mpfung. Und hingerichtet. Also kein Unfall und keine Krankheit. Da� sie auch diese M�glichkeit in Erw�gung gezogen hatte, machte den Schock nicht geringer. Rand mu�te der Grund daf�r sein. Falls es je eine schwache Hoffnung gegeben hatte, da� sich die Burg doch nicht gegen ihn stellen werde, war die nun gestorben. Elayne blickte ausdruckslos drein. Ihre Augen blickten ins Leere.</p><p>�Wie ich sehe, hat Euch meine Neuigkeit ersch�ttert�, sagte er mit leiser Stimme. �Ich wei� nicht, wie tief diese Frau Euch in ihre Intrige mit eingesponnen hatte, aber jetzt seid Ihr sie endlich los. La�t mich Euch sicher nach Caemlyn geleiten. Niemand mu� erfahren, da� Ihr weitergehende Kontakte zu ihr hattet als die anderen M�dchen, die zum Lernen dorthin gingen. Keine von Euch.�</p><p>Nynaeve zeigte ihm die Z�hne, in der Hoffnung, es wirke wie ein L�cheln. Es war immerhin nett, endlich mit eingeschlossen zu werden. Sie h�tte ihm eine kleben k�nnen. Wenn er nur nicht so gut auss�he.</p><p>�Ich werde dar�ber nachdenken�, sagte Elayne bed�chtig. �Was du sagst, ist wohl vern�nftig, aber du mu�t mir Zeit zum Nachdenken geben. Ich mu� einfach nachdenken.�</p><p>Nynaeve starrte sie entgeistert an. Das sollte vern�nftig sein? Das M�dchen plapperte baren Unsinn.</p><p>�Ich kann dir ein wenig Zeit geben�, sagte er, �aber ich habe nicht viel, wenn ich noch um Genehmigung bitten soll. Es kann sein, da� wir ganz schnell Order erhal...�</p><p>Pl�tzlich klatschte ein schwarzhaariger Wei�mantel mit kantigem Gesicht Galad auf die Schulter und grinste breit. Er war �lter und trug dieselben beiden Rangknoten auf dem Umhang. �Na, junger Galad, Ihr k�nnt doch nicht alle h�bschen Frauen ganz f�r Euch beanspruchen. Jedes M�dchen im Ort seufzt, wenn Ihr vorbeigeht, und die meisten ihrer M�tter sind nicht anders. Stellt mich vor.�</p><p>Galad schob seine Bank nach hinten und stand auf. �Ich... glaubte, da� ich sie kenne, als sie herunterkamen, Trom. Aber welchen Charme ich auch Eurer Meinung nach verspr�he, so scheint er doch auf diese Lady nicht zu wirken. Sie mag mich nicht, und ich glaube, sie wird auch keinen meiner Freunde m�gen. Wenn Ihr heute nachmittag mit mir Schwertfechten �bt, k�nnt Ihr vielleicht auch eine oder zwei anlocken.�</p><p>�Niemals, wenn Ihr dabei seid�, grollte Trom gutm�tig. �Und ich w�rde lieber dem Grobschmied gestatten, mir seinen Hammer �ber den Kopf zu ziehen, als gegen Euch �bungsk�mpfe auszufechten.� Aber er lie� sich von Galad zur T�r schieben; wobei er den beiden Frauen lediglich einen bedauernden Blick zuwarf.</p><p>Kaum waren sie au�er Sicht, da stand Elayne auf. �Nana, ich brauche dich oben.� Frau Jharen tauchte an ihrer Seite auf und fragte, ob ihnen das Fr�hst�ck geschmeckt habe, worauf Elayne lediglich sagte: �Ich ben�tige sofort meinen Kutscher und den Lakaien. Nana wird die Rechnung bezahlen.� Sie war bereits unterwegs zur Treppe, als sie noch nicht einmal ausgesprochen hatte.</p><p>Nynaeve blickte hinter ihr her, kramte dann ihre Geldb�rse hervor und bezahlte die Frau. Sie versicherte ihr auch, da� ihre Herrin keinerlei Klagen habe. Bei dem Preis zuckte sie aber doch leicht zusammen. Sobald sie die Frau los war, eilte sie hinauf. Elayne stopfte bereits ihre Sachen in die Koffer, gleich, wo sie landeten. Sogar die schwei�nassen Hemden, die sie zum Trocknen auf die Bettgestelle geh�ngt hatten, wanderten mit hinein.</p><p>�Elayne, was ist los?�</p><p>�Wir m�ssen sofort weg, Nynaeve. Sofort.� Sie blickte nicht auf, bevor nicht das letzte Gep�ckst�ck verstaut war. �Genau in dieser Minute, wo er jetzt auch sein mag, knobelt Galad an einem Problem herum, wie es ihm noch nie untergekommen ist. Zwei Dinge, die beide rechtens sind, sich aber vollkommen widersprechen. Seinem Verst�ndnis nach ist es richtig, mich notfalls auf ein Packpferd zu binden und zu Mutter zu schleppen, um sowohl ihre Sorgen zu lindern, wie auch mich davor zu <emphasis>bewahren,</emphasis> eine Aes Sedai zu werden, ob ich nun will oder nicht. Und es ist auch richtig, uns auszuliefern, entweder den Wei�m�nteln oder dem k�niglichen Heer oder beiden. Das ist Gesetz in Amadicia und auch Gesetz bei den Wei�m�nteln. Aes Sedai sind hier ge�chtet, genau wie jede Frau, die in der Burg ausgebildet wurde. Mutter ist einst mit Ailron zusammengetroffen, um einen Handelsvertrag zu unterzeichnen, und das mu�ten sie in Altara tun, weil Mutter Amadicia nicht betreten durfte. Ich habe nach <emphasis>Saidar</emphasis> gegriffen, sobald ich ihn erblickte, und ich werde nicht davon lassen, bis wir weit weg von ihm sind.�</p><p>�Du �bertreibst doch sicher, Elayne. Er ist dein Bruder!�</p><p>�Er ist <emphasis>nicht</emphasis> mein Bruder!� Elayne holte tief Luft und atmete dann langsam wieder aus. �Wir hatten den gleichen Vater�, sagte sie mit ruhigerer Stimme, �aber er ist nicht mein Bruder. Ich erkenne ihn nicht an. Nynaeve, ich habe dir das immer wieder gesagt, doch du willst es nicht begreifen. Galad tut, was richtig und rechtens ist. Immer. Er l�gt niemals. Hast du geh�rt, was er diesem Burschen Trom gesagt hat? Er hat nicht gesagt, er wisse nicht, wer wir sind. Jedes Wort, das er sprach, entsprach auch der Wahrheit. Er tut, was <emphasis>recht</emphasis> ist, gleich, wen er dabei verletzt, und wenn er selbst der betroffene ist. Oder ich. Er hat Gawyn und mich immer verpetzt, bei jeder Gelegenheit, und er hat sogar sich selbst verpetzt. Wenn er die falsche Entscheidung trifft, warten die Wei�m�ntel bereits auf uns, bevor wir den Rand des Dorfes erreicht haben.�</p><p>An der T�r ert�nte ein Klopfen und Nynaeve hielt unwillk�rlich die Luft an. Sicher w�rde doch Galad nicht... Elayne machte eine entschlossene, kampfbereite Miene.</p><p>Z�gernd �ffnete Nynaeve die T�r einen Spaltbreit. Es waren Thom und Juilin. Letzterer trug diesen n�rrischen Hut in der Hand. �Die Lady w�nschte uns zu sehen?� fragte Thom mit einem Hauch jener Unterw�rfigkeit, die jeder zuf�llige Zuh�rer erwartet h�tte.</p><p>Sie war wieder zu atmen in der Lage, und jetzt war ihr ganz gleich, wer lauschte. Sie ri� die T�r vollends auf. �Herein mit Euch, Ihr beiden!� Sie hatte langsam genug davon, da� jeder erst einmal den anderen anblickte, wenn sie mit ihnen sprach.</p><p>Bevor sie die T�r auch nur geschlossen hatte, sagte Elayne: �Thom, wir m�ssen sofort abfahren.� Ihre Miene wirkte nun nicht mehr so entschlossen, sondern eher �ngstlich. So klang auch ihre Stimme. �Galad ist hier. Ihr erinnert Euch bestimmt daran, welches Ungeheuer er schon als Kind war. Also, jetzt ist er keineswegs besser, und au�erdem ist er nun ein Wei�mantel geworden. Er k�nnte...� Die Worte schienen ihr im Hals steckenzubleiben. Sie blickte Thom an. Ihr Mund bewegte sich, doch es kam nichts heraus. Er blickte sie allerdings mit genauso weit aufgerissenen Augen an wie sie ihn.</p><p>Er lie� sich auf eine der Reisekisten fallen, wandte aber den Blick nicht von Elayne. �Ich...� Er r�usperte sich erst einmal laut und fuhr fort: �Ich glaubte, ihn gesehen zu haben, wie er die Schenke beobachtete. Ein Wei�mantel. Doch er sah aus wie der Mann, der einst aus dem Jungen werden k�nnte. Ich denke, es sollte uns gar nicht wundern, da� er zu einem Wei�mantel heranwuchs.�</p><p>Nynaeve ging zum Fenster. Elayne und Thom schienen kaum wahrzunehmen, da� sie zwischen ihnen hindurchging. Auf der Stra�e wurde der Verkehr langsam lebhaft. Bauern mit ihren Karren und Dorfbewohner vermischten sich mit Wei�m�nteln und Soldaten. Auf der gegen�berliegenden Seite sa� ein Wei�mantel auf einem umgekippten Fa�. Das makellose Gesicht war unverkennbar.</p><p>�Hat er...?� Elayne schluckte. �Hat er Euch erkannt?�</p><p>�Nein. F�nfzehn Jahre ver�ndern einen Mann st�rker als einen Jungen. Elayne, ich glaubte, Ihr h�ttet es vergessen.�</p><p>�Ich habe mich in Tanchico wieder daran erinnert, Trom.� Mit unsicherem L�cheln streckte Elayne ihre Hand aus und zupfte ihn an einem Ende seines langen Schnurrbarts. Thom l�chelte beinahe genauso unsicher zur�ck. Er wirkte, als �berlege er, ob er sich aus dem Fenster st�rzen solle.</p><p>Juilin kratzte sich am Kopf, und Nynaeve w�nschte, sie h�tte eine Ahnung, wovon die beiden eigentlich sprachen, doch es gab wirklich wichtigere Dinge im Moment. �Wir m�ssen trotzdem abreisen, bevor er uns die ganze Garnison auf den Hals hetzt. Es wird nicht leicht, wenn er die Schenke beobachtet. Ich habe keinen anderen Gast gesehen, der aussah, als besitze er eine Kutsche.�</p><p>�Unsere ist die einzige, die im Hof steht�, sagte Juilin.</p><p>Thom und Elayne blickten sich immer noch gegenseitig an und h�rten offensichtlich kein Wort.</p><p>Mit geschlossenen Vorh�ngen abzufahren war also auch keine L�sung. Nynaeve h�tte wetten k�nnen, da� Galad bereits genau erfahren hatte, wie sie nach Sienda gekommen waren. �Gibt es einen Hinterausgang vom Stallhof aus?�</p><p>�Eine T�r, die breit genug ist, da� immer gerade einer von uns durch kann�, sagte Juilin trocken. �Und auf der anderen Seite befindet sich sowieso auch nur eine Art von schmaler Gasse. Es gibt in diesem Dorf nicht mehr als zwei oder drei Stra�en, die breit genug sind, um mit der Kutsche durchzukommen.� Er betrachtete diesen zylindrischen Hut, den er in den H�nden hin und her drehte. �Ich k�nnte nahe genug an ihn herankommen, um ihm eins �ber den Sch�del zu verpassen. Wenn Ihr bereit seid, k�nnt Ihr dann in der allgemeinen Verwirrung wegfahren. Ich kann Euch dann sp�ter auf der Stra�e wieder einholen.�</p><p>Nynaeve schnaubte laut. �Wie denn? Auf Schmoller hinterhergaloppieren? Selbst wenn Ihr nicht innerhalb einer Meile aus dem Sattel fallen w�rdet, glaubt Ihr doch nicht im Ernst, Ihr w�rdet �berhaupt noch ein Pferd erreichen, nachdem Ihr einen Wei�mantel auf offener Stra�e angegriffen habt?� Galad befand sich nach wie vor an seinem Platz dort dr�ben, und Thom hatte sich ihm angeschlossen. Das Paar plauderte anscheinend angeregt. Sie beugte sich vor und ri� kr�ftig an Thoms Schnurrbart. �Habt Ihr irgend etwas hinzuzuf�gen? Einen brillanten Plan vielleicht? Ihr h�rt doch immer auf alle Ger�chte. Hat sich da etwas ergeben, was uns helfen k�nnte?�</p><p>Er schlug eine Hand vors Gesicht und warf ihr einen beleidigten Blick zu. �Nichts, au�er Ihr haltet die Tatsache f�r hilfreich, da� Ailron Anspruch auf irgendein Grenzdorf in Altara erhebt. Einen Landstrich, der sich die ganze Grenze entlangzieht, von Salidar nach So Eban und bis Mosra. Kann das irgendwie helfen, Nynaeve? Tats�chlich? Versucht, einem Mann den Schnurrbart aus dem Gesicht zu rei�en! Jemand sollte zur Abwechslung Euch einmal eins hinter die Ohren geben.�</p><p>�Warum will Ailron einen ganzen Landstreifen an der Grenze haben, Thom?� fragte Elayne. Vielleicht interessierte sie sich wirklich daf�r, denn sie schien immer an jeder t�richten Wendung in Politik und Diplomatie interessiert, vielleicht versuchte sie aber auch nur, einen Streit zu verhindern. Sie hatte die ganze Zeit �ber die Wogen gegl�ttet, bis sie begann, mit Thom zu flirten.</p><p>�Es ist nicht der K�nig, Kind.� Seine Stimme klang im Gespr�ch mit ihr viel sanfter. �Es ist Pedron Niall. Ailron macht gew�hnlich, was man ihm sagt, obwohl er und Niall so tun, als sei er ganz selbst�ndig. Die meisten dieser D�rfer stehen seit dem Wei�mantelkrieg leer. Die Kinder bezeichnen den immer als �Auseinandersetzung�. Niall war zu der Zeit der Oberkommandierende des Heeres, und ich bezweifle, da� er den Gedanken jemals aufgegeben hat, Altara zu erobern. Falls er beide Ufer des Eldar beherrscht, kann er den Flu�handel nach Ebou Dar abschn�ren, und wenn er dann Ebou Dar erst in der Hand hat, f�llt ihm der Rest Altaras zu wie eine reife Frucht.�</p><p>�Das ist ja alles sch�n und gut�, warf Nynaeve entschlossen ein, bevor er oder das M�dchen noch etwas sagen konnte. Irgend etwas an seinen Worten hatte in ihrem Ged�chtnis eine Glocke l�uten lassen, doch sie konnte nicht sagen, was oder warum. Jedenfalls hatten sie keine Zeit f�r Unterrichtsstunden �ber die Beziehungen zwischen Amadicia und Altara, wenn drau�en Galad und Trom standen und den Eingang der Schenke beobachteten. Das sagte sie denn auch und f�gte noch hinzu: �Wie steht es mit Euch, Juilin? Ihr bewegt Euch doch oft in der Unterwelt.� Der Diebf�nger suchte sich immer die Taschendiebe und Einbrecher und Stra�enr�uber in einer Stadt als Gesellschaft aus, denn er behauptete, sie w��ten mehr von dem, was wirklich vorging, als alle Stadtbeamten. �Gibt es hier Schmuggler, die wir bestechen k�nnen, damit sie uns heimlich hinausbringen, oder... oder... Na ja, Ihr wi�t doch genau, was wir jetzt brauchen, Mann.�</p><p>�Ich habe nur wenig herausbekommen. In Amadicia halten sich die Diebe gut versteckt, Nynaeve. Bei der ersten Verurteilung werden sie gebrandmarkt, bei der zweiten verlieren sie die rechte Hand und bei der dritten werden sie aufgeh�ngt, gleich, ob sie die K�nigskrone gestohlen haben oder einen Laib Brot. In einem Ort von dieser Gr��e gibt es nicht viele Diebe, jedenfalls solche, die damit ihren Lebensunterhalt verdienen� � er verachtete Amateurdiebe �, �und die wollten meistens nur �ber zwei Dinge sprechen: ob der Prophet tats�chlich nach Amadicia kommt, wie die Ger�chte besagen, und ob die Stadtv�ter klein beigeben und diese Reisemenagerie doch in den Ort lassen, um ihre Vorf�hrung zu veranstalten. Sienda liegt zu weit von der Grenze entfernt, als da� Schmuggler...�</p><p>Sie unterbrach ihn h�chst befriedigt: �Das ist es! Die Menagerie!� Sie blickten sie alle an, als sei sie verr�ckt geworden.</p><p>�Selbstverst�ndlich�, sagte Thom in betont sanftem Tonfall. �Wir bringen Luca dazu, seine Keilerpferde hierherzuf�hren, und dann fliehen wir, w�hrend sie noch etwas mehr vom Ort zerst�ren. Ich wei� nicht, was Ihr ihm gegeben habt, Nynaeve, aber er hat uns einen Stein hinterhergeworfen, als wir wegfuhren.�</p><p>Ausnahmsweise einmal vergab ihm Nynaeve den Sarkasmus, so milde er auch gewesen war. Und auch seine Unf�higkeit, zu sehen, was sie sah. �Das mag ja alles sein, Thom Merrilin, aber Meister Luca braucht einen Geldgeber, und Elayne und ich werden seine G�nnerinnen. Wir m�ssen ja trotzdem die Kutsche und das Gespann zur�cklassen und durch den Hinterausgang hinausschleichen.� Das tat weh, denn f�r den Preis der Kutsche und des Gespanns h�tten sie zu Hause an den Zwei Fl�ssen ein gem�tliches Haus bauen k�nnen. Sie klappte den Deckel des Koffers mit den blattf�rmigen Scharnieren auf und kramte zwischen Kleidern und Decken und T�pfen und all dem anderen herum, das sie nicht bei dem Wagen mit den Farbstoffen hatte zur�cklassen wollen. Sie hatte daf�r gesorgt, da� die M�nner alles einpackten bis auf das Pferdegeschirr. Dann fand sie die vergoldeten Schatullen und die Geldb�rsen. �Thom, Ihr geht mit Juilin zur Hintert�r hinaus und sucht uns irgendeinen Wagen und ein Gespann. Kauft auch etwas Proviant und trefft uns dann an der Stra�e zur�ck zu Lucas Lager.� Mit bedauernder Miene f�llte sie Thoms Hand mit Goldst�cken und machte sich noch nicht einmal die M�he, nachzuz�hlen. Sie hatte keine Ahnung, was das alles kosten w�rde, und sie wollte nicht, da� er ihre Zeit mit langem Feilschen verschwendete.</p><p>�Das ist eine tolle Idee�, sagte Elayne grinsend. �Galad wird nach zwei Frauen Ausschau halten und nicht nach einer Truppe von Jongleuren und Tieren. Und er w�rde niemals glauben, da� wir nach Ghealdan ziehen.�</p><p>Daran hatte Nynaeve noch gar nicht gedacht. Sie hatte vorgehabt, Luca geradewegs nach Tear ziehen zu lassen. Eine Menagerie, wie er sie zusammengestellt hatte, mit Akrobaten und Jongleuren und au�erdem sowieso den Tieren, konnte �berall gut verdienen, da war sie sicher. Doch falls Galad nach ihnen suchte oder jemanden hinter ihnen herschickte, w�rde er sich bestimmt nach Osten wenden. Und er war vielleicht wirklich schlau genug, um auch in einer Menagerie nach ihnen zu suchen. M�nner zeigten manchmal tats�chlich Gehirn, gew�hnlich dann, wenn man es am wenigsten erwartete. �Daran habe ich nat�rlich gleich gedacht, Elayne.� Sie ignorierte den pl�tzlich auftauchenden schwachen Geschmack in ihrem Mund, eine �tzende Erinnerung an gekochten Katzenfarn mit zersto�enen Asbl�ttern.</p><p>Thom und Juilin protestierten heftig. Die Idee an sich war ihnen recht, aber sie schienen zu glauben, wenn einer von ihnen zur�ckblieb, k�nne er sie und Elayne vor Galad und jeder m�glichen Anzahl Wei�m�ntel besch�tzen. Ihnen schien �berhaupt nicht der Gedanke zu kommen, da� sie mit Hilfe der Macht zehnmal soviel wie sie beide vollbringen konnten. Sie lie�en sich auch kaum �berzeugen, doch schlie�lich brachte sie es fertig, beide mit strenger Stimme hinauszuschicken: �Und wagt es nicht, hierher zur�ckzukehren. Wir treffen Euch an der Stra�e.�</p><p>�Wenn es dazu kommt, da� wir die Macht anwenden m�ssen�, sagte Elayne leise, als die T�r wieder geschlossen war, �werden wir uns sehr bald der gesamten Garnison von Wei�m�nteln gegen�berfinden und m�glicherweise auch noch s�mtlichen regul�ren Soldaten hier. Die Macht l��t uns nicht unbesiegbar werden. Alles, was n�tig ist, sind zwei Pfeile.�</p><p>�Dar�ber machen wir uns Gedanken, wenn es soweit ist�, entgegnete ihr Nynaeve. Sie hoffte, die M�nner h�tten daran nicht gedacht. Falls doch, w�rde sich h�chstwahrscheinlich einer in der N�he herumtreiben und Galads Verdacht auf sich ziehen, wenn er nicht sehr vorsichtig war. Sie w�rde ihre Hilfe nat�rlich annehmen, wenn sie gebraucht wurde, das hatte sie durch Ronde Macura gelernt, auch wenn es ihr immer noch sauer aufstie�, da� man sie wie die K�tzchen aus dem Brunnen herausgeholt hatte, aber ob es notwendig war oder nicht, das bestimmte sie und nicht die M�nner.</p><p>Nynaeve ging schnell hinunter und sp�rte Frau Jharen auf. Ihre Lady habe sich nun doch anders entschieden. Sie wolle nicht so schnell wieder Hitze und Staub der Reise ertragen und statt dessen lieber ein Nickerchen machen. Sie wolle nicht gest�rt werden, bis sie ein sp�tes Abendessen bestellte. Hier sei die Bezahlung f�r eine weitere Nacht. Die Wirtin hatte gro�es Verst�ndnis f�r die zarte Natur einer adligen Lady und die Wankelm�tigkeit ihrer Bed�rfnisse. Nynaeve hatte das Gef�hl, Frau Jharen w�rde f�r alles Verst�ndnis haben, was nicht gerade nach Mord aussah, solange man daf�r bezahlte.</p><p>Nynaeve verlie� die mollige Frau und schnappte sich ganz kurz eine der Bedienungen. Ein paar Silberpfennige wechselten die Besitzerin, und das M�dchen eilte mit ihrer Sch�rze angetan weg, um ihnen zwei der breitrandigen H�te zu besorgen, von denen Nynaeve behauptete, sie wirkten so schattenspendend und k�hl. Nat�rlich sei so etwas nichts f�r eine Lady, aber ihr w�rde es gut stehen.</p><p>Als sie in ihr Zimmer zur�ckkehrte, hatte Elayne die vergoldeten Schatullen zusammen mit dem dunklen, gl�nzenden K�stchen, in dem der wiedergewonnene <emphasis>Ter'Angreal</emphasis> lag, und den Waschlederbeutel mit dem Siegel auf eine Decke gelegt. Auf dem anderen Bett lagen die dicken Geldb�rsen neben Nynaeves Kr�utertasche. Elayne faltete die Decke und schn�rte das B�ndel mit einem kr�ftigen Strick aus einem ihrer Koffer zu. Nynaeve hatte wirklich alles aufgehoben.</p><p>Sie bedauerte, nun doch so vieles zur�cklassen zu m�ssen. Es ging ihr nicht nur darum, da� es teure Sachen gewesen waren. Das war nicht der einzige Grund. Man wu�te schlie�lich nie, wann man etwas gebrauchen konnte. Beispielsweise die beiden Wollkleider, die Elayne auf ihrem Bett ausgebreitet hatte. Sie waren nicht fein genug f�r eine Lady, jedoch wieder zu gut f�r eine blo�e Zofe. H�tten sie die beiden in Mardecin zur�ckgelassen, wie Elayne vorgehabt hatte, dann w�ren sie jetzt in Schwierigkeiten, was die Kleidung betraf.</p><p>Kniend durchw�hlte Nynaeve einen anderen Koffer. Ein paar Unterhemden und zwei weitere Wollkleider zum Wechseln. Die beiden gu�eisernen Bratpfannen in einem Segeltuchbeutel waren ausgezeichnet, aber zu schwer, und die M�nner w�rden bestimmt daran denken, sie durch andere zu ersetzen. Das N�hzeug in dem ordentlichen K�stchen mit sch�ner Einlegearbeit mu�te mit, denn sie w�rden niemals darauf kommen, auch nur eine Stecknadel zu kaufen. Doch nur mit einem Teil ihres Verstands traf sie diese Auswahl.</p><p>�Du hast Thom schon fr�her gekannt?� fragte sie so ganz nebens�chlich. Sie hoffte jedenfalls, da� es so klinge. Dabei beobachtete sie Elayne aus dem Augenwinkel, w�hrend sie so tat, als konzentriere sie sich darauf, Str�mpfe einzurollen.</p><p>Das M�dchen hatte damit begonnen, ihre eigenen Kleider herauszuholen. Sie seufzte, als sie die Seidenkleider beiseitelegte. Bei der Frage erstarrte sie mit den H�nden tief in einer der Reisetruhen, sah aber Nynaeve nicht an. �Er war Hofbarde in Caemlyn, als ich noch klein war�, sagte sie ruhig.</p><p>�Aha.� Das sagte ihr nicht viel. Wie wurde aus einem Mann, einem Hofbarden, der die K�nigsfamilie zu unterhalten hatte und nicht weit von einem Adelstitel entfernt war, ein Gaukler, der von Dorf zu Dorf wanderte?</p><p>�Er war Mutters Liebhaber, nachdem Vater gestorben war.� Elayne war wieder mit Ausw�hlen besch�ftigt und sagte das so selbstverst�ndlich, da� Nynaeve Augen und Mund aufri�.</p><p>�Deiner Mutter...�</p><p>Die andere blickte sie trotzdem noch immer nicht an. �Ich habe mich bis Tanchico nicht mehr an ihn erinnert. Ich war noch sehr klein. Es war sein Schnurrbart, als ich nahe genug vor ihm stand und zu seinem Gesicht aufblickte, w�hrend er St�cke aus der <emphasis>Gro�en Jagd nach dem Horn</emphasis> rezitierte. Er glaubte, ich h�tte es wieder vergessen.� Ihr Gesicht lief ein wenig rot an. �Ich... trank zuviel Wein, und am n�chsten Tag gab ich vor, ich k�nne mich an nichts mehr erinnern.�</p><p>Nynaeve konnte nur noch den Kopf sch�tteln. Sie erinnerte sich an den Abend, als dieses t�richte M�dchen sich mit Wein hatte vollaufen lassen. Wenigstens hatte sie es dann nie wieder getan; der Zustand ihres Kopfes am n�chsten Tag hatte sie wohl unwiderruflich davon geheilt. Nun war ihr klar, wieso sich das M�dchen Thom gegen�ber so verhielt. Sie hatte zu Hause an den Zwei Fl�ssen ein paarmal �hnliches beobachtet. Ein M�dchen, das gerade alt genug war, um sich selbst als Frau zu f�hlen. An wem sonst konnte sie sich messen als an ihrer Mutter? Mit wem sonst konnte sie in Wettbewerb treten, um zu beweisen, da� sie eine Frau war? Gew�hnlich f�hrte das h�chstens dazu, da� sie versuchte, alles besser zu machen, vom Kochen bis zum N�hen, oder da� sie auf harmlose Art mit ihrem Vater flirtete, aber im Falle einer Witwe hatte Nynaeve zusehen m�ssen, wie sich die beinahe erwachsene Tochter zum Narren machte, als sie versuchte; sich den Mann zu angeln, den ihre Mutter heiraten wollte. Das Problem war, da� Nynaeve keine Ahnung hatte, was sie gegen Elaynes Torheit unternehmen solle. Trotz ernsthafter Mahnungen und noch mehr aus dem Frauenzirkel, hatte sich Sari Ayellin nicht beruhigt, bis schlie�lich ihre Mutter wieder verheiratet war und sie selbst ebenfalls einen Ehemann gefunden hatte.</p><p>�Ich sch�tze, er mu� wie ein zweiter Vater f�r dich gewesen sein�, sagte Nynaeve r�cksichtsvoll. Sie tat so, als konzentriere sie sich auf das Packen. So hatte jedenfalls Thom das M�dchen auch betrachtet. Und das erkl�rte soviel.</p><p>�Ich betrachte ihn aber nicht als solchen.� Elayne schien zu �berlegen, wie viele Seidenhemden sie mitnehmen solle, doch sie blickte traurig drein. �Ich kann mich an meinen Vater wirklich nicht mehr erinnern. Ich war nur ein Baby, als er starb. Gawyn sagt, da� er sich die ganze Zeit mit Galad besch�ftigte. Lini versuchte, das Beste daraus zu machen, aber ich wei�, da� er niemals ins Kinderzimmer kam, um Gawyn und mich zu besuchen. Ich wei�, er h�tte das getan, wenn wir alt genug gewesen w�ren, da� er uns h�tte unterrichten k�nnen, so wie Galad. Aber er starb, bevor das der Fall war.�</p><p>Nynaeve probierte es noch einmal: �Zumindest ist Thom f�r einen Mann in seinem Alter k�rperlich sehr gut beieinander. Wir w�ren ganz sch�n in der Klemme, wenn er bereits unter steifen Gelenken litte. Das ist doch oft bei alten M�nnern der Fall.�</p><p>�Er k�nnte immer noch einen �berschlag r�ckw�rts machen, wenn nicht sein Hinken w�re. Und mir ist es gleich, ob er hinkt oder nicht. Er ist intelligent und weltgewandt und kennt sich �berall gut aus. Er ist auch sanftm�tig, und ich f�hle mich ziemlich sicher bei ihm. Ich glaube aber nicht, da� ich ihm das sagen sollte. Er versucht auch so schon genug, mich zu besch�tzen.�</p><p>Seufzend gab Nynaeve auf. Jedenfalls f�r den Augenblick. Thom mochte ja Elayne als Tochter betrachten, aber wenn das M�dchen so weitermachte, w�rde er sich vielleicht irgendwann daran erinnern, da� sie das nicht war, und dann sa� Elayne im Einmachglas. �Thom mag dich sehr gern, Elayne.� Zeit, das Thema zu wechseln. �Bist du sicher in bezug auf Galad? Elayne? Bist du sicher, da� uns Galad vielleicht ausliefert?�</p><p>Die andere fuhr zusammen, und die Falten auf ihrer Stirn verschwanden. �Was? Galad? Ich bin ganz sicher, Nynaeve. Und wenn er erf�hrt, da� wir nicht vorhaben, uns von ihm nach Caemlyn bringen zu lassen, wird ihm das diese Entscheidung nur noch erleichtern.�</p><p>Nynaeve knurrte etwas in sich hinein und zog ein seidenes Reitkleid aus ihrem Koffer. Manchmal glaubte sie, der Sch�pfer habe die M�nner nur erschaffen, um den Frauen Schwierigkeiten zu bereiten.</p></section><section><title><p>17</p><p>Nach Westen</p></title><p>Als das Stubenm�dchen mit den H�ten kam, lag Elayne ausgestreckt auf einem der Betten, nur mit einem wei�en Seidenhemd angetan, und hatte sich ein feuchtes Tuch �ber die Augen gelegt. Nynaeve tat so, als n�he sie etwas am Saum des hellgr�nen Kleides, das Elayne getragen hatte. Sie stach sich beinahe bei jedem zweiten Stich in den Daumen. Sie h�tte das anderen gegen�ber niemals zugegeben, aber sie hatte kein Geschick f�r Handarbeiten. Sie trug nat�rlich ihr Kleid, denn Zofen l�mmelten sich nicht so herum wie Ladies, aber ihr Haar hing lose herunter. Offensichtlich hatte sie nicht die Absicht, das Zimmer in n�chster Zeit zu verlassen. Sie dankte dem M�dchen im Fl�sterton, um ihre Lady nicht aufzuwecken, und dr�ckte ihr einen weiteren Silberpfennig in die Hand. Dazu gab sie ihr die Anweisung, die Lady d�rfe auf gar keinen Fall gest�rt werden.</p><p>Sobald die T�r hinter ihr ins Schlo� gefallen war, sprang Elayne auf und begann, ihre B�ndel unter dem Bett hervorzuziehen. Nynaeve warf das Seidenkleid zur Seite und langte sich auf den R�cken, um ihr Kleid aufzukn�pfen. Im Handumdrehen waren sie fertig, Nynaeve in gr�ne Wolle gekleidet und Elayne in blaue. Die B�ndel trugen sie auf dem R�cken. Nynaeve hatte sich die Tasche mit den Kr�utern und dem Geld umgeh�ngt, und Elayne schleppte die in die Decke geh�llten Schatullen. Die breiten, am �u�eren Rand nach unten gezogenen Hutkrempen verbargen ihre Gesichter so gut, da� Nynaeve glaubte, sie k�nnten geradewegs an Galad vorbeilaufen, ohne da� er sie erkannte. Dazu trug sie das Haar offen, und er erinnerte sich bestimmt an ihren Zopf. Frau Jharen allerdings w�rde m�glicherweise zwei fremde Frauen aufhalten, die mit dicken B�ndeln ihre Treppe herunterkamen.</p><p>Die Hintertreppe f�hrte au�en an der Schenke hinab. Die schmalen Steinstufen schmiegten sich an die Mauer. Nynaeve empfand einen Augenblick lang Mitgef�hl mit Thom und Juilin, die solch schwere Koffer und Kisten diese Treppe hinaufgeschleppt hatten, aber vor allem achtete sie auf den Hof und den schiefergedeckten Steinbau des Stalls. Ein gelber Hund lag im Schatten unter der Kutsche, vor der bereits st�rker werdenden Hitze gesch�tzt, doch alle Stallburschen befanden sich drinnen. Von Zeit zu Zeit konnte sie hinter der ge�ffneten Stallt�r Bewegung wahrnehmen, doch niemand trat heraus. Schlie�lich war es drinnen ja auch schattig.</p><p>Sie liefen rasch �ber den Hof zu der kleinen Gasse zwischen dem Stall und einer hohen Steinmauer. Ein vollbeladener Mistkarren, fast genauso breit wie die Gasse und von einem Schwarm Fliegen begleitet, rumpelte vorbei. Nynaeve vermutete, da� Elayne vom Gl�hen <emphasis>Saidars</emphasis> umgeben sei, obwohl sie es nicht wahrnehmen konnte. Was sie betraf, hoffte sie vor allem, der Hund werde nicht zu bellen anfangen und niemand k�me aus K�che oder Stall heraus. Wenn Elayne die Macht ben�tzen mu�te, konnten sie sich nicht mehr unauff�llig davonschleichen, und auch wenn sie nur in Gespr�che verwickelt wurden, hinterlie� so etwas eine deutliche Spur f�r Galad.</p><p>Das grobgezimmerte Holztor am Ende der Gasse wies nur einen Kippriegel auf, und die enge Stra�e dahinter war bis auf eine Handvoll Jungen leer. Die Jungen spielten zwischen den einfachen Steinh�usern mit meist strohgedeckten D�chern ein Spiel, bei dem sie sich offensichtlich mit einem ausgestopften Bohnensack schlagen mu�ten. Der einzige Erwachsene, den sie erblickten, war ein Mann, der auf einem gegen�berliegenden Dach mit Kopf und Schultern aus einer Luke ragte und die Tauben in einem Schlag f�tterte. Weder er noch die Jungen beachteten sie weiter, als sie das Tor schlossen und die gewundene Stra�e entlangschlenderten, als geh�rten sie hierher.</p><p>Sie waren schon gut f�nf Meilen von Sienda aus nach Westen die staubige Stra�e entlangmarschiert, als Thom und Juilin sie einholten. Thom fuhr etwas, das aussah wie der Wagen einer Kesselflickerfamilie, nur war er einfarbig in einem tristen Gr�n gestrichen, und die Farbe bl�tterte �berall in gro�en Flecken ab. Nynaeve war froh, als sie ihre B�ndel unter den Kutschbock schieben und neben Thom auf den Sitz klettern konnte. Weniger gefiel ihr, da� Juilin wieder Schmoller ritt. �Ich sagte Euch doch, Ihr solltet nicht wieder zur Schenke zur�ckkehren�, rief sie ihm zu und schwor innerlich, sie werde ihm den n�chstbesten Gegenstand �ber den Sch�del schlagen, falls er wieder zuerst Thom anblickte, bevor er antwortete.</p><p>�Ich bin nicht zur�ckgegangen�, sagte er, ohne sich dar�ber im klaren zu sein, da� er sich soeben eine dicke Beule erspart hatte. �Ich habe dem Stallmeister erkl�rt, meine Lady wolle ganz frische Beeren vom Land haben und Thom und ich sollten sie holen. Das ist doch der �bliche Unsinn, den die Adli... � Er brach ab und r�usperte sich, als Elayne ihm einen k�hlen und ausdruckslosen Blick von Thoms anderer Seite her zuwarf. Manchmal verga� er, da� sie ja auch dem Hochadel angeh�rte.</p><p>�Wir mu�ten doch irgendeinen Grund nennen, warum wir die Schenke und den Stall verlie�en�, sagte Thom und lie� die Peitsche knallen, um die Pferde anzutreiben. �Ich glaubte zu h�ren, da� Ihr beiden sagtet, Ihr wolltet Euch oben in Eurem Zimmer etwas hinlegen, oder zumindest Lady Morelin erleide �fters Ohnmachtsanf�lle, aber die Stallburschen h�tten sich trotzdem gewundert, wieso wir bei dieser Hitze im Ort umherspazieren, anstatt uns faul und bequem in den sch�n k�hlen Heustadel zu legen, vielleicht noch mit einem Krug Bier dazu. So werden wir hoffentlich kein Gerede ausl�sen.�</p><p>Elayne warf Thom einen kritischen Blick zu, vermutlich wegen der Ohnmachtsanf�lle, den er nicht zu bemerken vorgab. Vielleicht bemerkte er ihn auch tats�chlich nicht. M�nner waren oftmals blind, wenn es ihnen gerade pa�te. Nynaeve schnaubte vernehmlich; das konnte er nicht �berh�ren. Daraufhin lie� er die Peitsche noch etwas lauter knallen, um die F�hrpferde anzutreiben. Das war doch alles nur eine Ausrede, damit sie wechselweise reiten konnten. Das war auch typisch an den M�nnern: Sie gebrauchten Ausreden, um genau das tun zu k�nnen, was sie wollten. Wenigstens zog Elayne diesmal kritisch die Augenbrauen hoch und himmelte ihn nicht wieder an.</p><p>�Es gibt noch etwas, das ich gestern abend in Erfahrung bringen konnte�, fuhr Thom nach einer kurzen Pause fort. �Pedron Niall versucht, die L�nder gegen Rand zu vereinigen.�</p><p>�Nicht, da� ich Euch nicht glaubte, Thom�, sagte Nynaeve, �aber wie konntet Ihr das erfahren? Ich kann nicht glauben, da� irgendein Wei�mantel Euch das so einfach anvertraute.�</p><p>�Zu viele Leute sagten genau das gleiche, Nynaeve. In Tear halte sich ein falscher Drache auf. Ein falscher Drache wohlbemerkt, aber kein Wort von der Eroberung des Steins von Tear und von <emphasis>Callandor.</emphasis> Dieser Bursche sei gef�hrlich, und die L�nder sollten sich zusammenschlie�en, genauso wie im Aielkrieg. Und wer k�nnte sie wohl besser gegen diesen falschen Drachen f�hren als Pedron Niall? Wenn so viele das gleiche sagen, dann stammt dieser Gedanke von weiter oben, und in Amadicia �u�ert noch nicht einmal Ailron eine Idee, ohne vorher Niall um Erlaubnis zu bitten.�</p><p>Der alte Gaukler schien immer alles zusammenzuwerfen � Ger�chte, was die Leute sich hinter vorgehaltener Hand zufl�sterten �, und in mehr als der H�lfte aller F�lle zog er daraus die richtigen Schl�sse. Nein, eigentlich war er ja kein Gaukler; das mu�te sie im Kopf behalten. Was er auch behaupten mochte, er war jedenfalls Hofbarde gewesen und hatte m�glicherweise die �blichen Hofintrigen immer vor Augen gehabt und hautnah erlebt. Vielleicht hatte er selbst manchmal seine Finger im Spiel gehabt, wenn er schon Morgases Liebhaber gewesen war. Sie beobachtete ihn von der Seite her: das ledrige Gesicht mit den buschigen, wei�en Augenbrauen und dem langen Schnurrbart, der genauso schneewei� war wie das Haar auf seinem Kopf. �ber den Geschmack mancher Frauen konnte sie sich nur wundern.</p><p>�So etwas h�tten wir ja schon lange erwarten m�ssen.�</p><p>Sie hatte es nicht erwartet. Aber sie h�tte es erwarten sollen.</p><p>�Mutter wird Rand unterst�tzen�, sagte Elayne. �Das wei� ich gewi�. Sie kennt die Prophezeiungen. Und sie hat genausoviel Einflu� wie Pedron Niall.�</p><p>Thoms leichtes Kopfsch�tteln galt wohl zumindest dem Letzteren. Morgase regierte ein reiches Land, doch die Wei�m�ntel gab es in jedem Land, und sie kamen ja auch aus aller Herren L�nder. Nynaeve wurde klar, da� sie k�nftig Thom mehr Aufmerksamkeit schenken mu�te. Vielleicht wu�te er wirklich so viel, wie er vorgab. �Denkt Ihr also jetzt, wir h�tten uns doch von Galad nach Caemlyn begleiten lassen sollen?�</p><p>Elayne beugte sich vor, um ihr an Thom vorbei einen entschlossenen Blick zuzuwerfen. �Ganz gewi� nicht. Zum einen gibt es keine Garantie daf�r, da� er sich tats�chlich gerade so entscheiden w�rde. Und zum anderen...� Sie richtete sich auf und wurde dadurch von dem Mann verdeckt. Nun schien sie mit sich selbst zu sprechen, sich etwas ins Ged�chtnis zur�ckzurufen: �Falls sich zum anderen meine Mutter wirklich nun gegen die Burg stellt, will ich mit ihr f�r den Augenblick nur brieflich verkehren. Sie ist dazu f�hig, uns beide zu unserem Besten, wie sie meint, im Palast festzuhalten. Sie ist wohl nicht in der Lage, die Macht zu lenken, aber ich will mich auch nicht gegen sie stellen, solange ich keine volle Aes Sedai bin. Wenn �berhaupt.�</p><p>�Eine starke Frau�, sagte Thom im Plauderton. �Morgase w�rde Euch sehr schnell Manieren beibringen, Nynaeve.� Sie gab ihm ein weiteres lautes Schnauben zur Antwort. Dieses ganze lose Haar, das ihr �ber die Schultern hing, konnte man einfach nicht richtig packen. Doch der alte Narr grinste sie nur an.</p><p>Die Sonne stand hoch am Himmel, als sie die Menagerie erreichten, die immer noch am gleichen Platz lagerte, wo sie sie verlassen hatten � auf der Lichtung an der Stra�e. In der stehenden Luft und der Gluthitze wirkten selbst die Eichen ein wenig welk. Au�er den Pferden und den gro�en, grauen Keilerpferden befanden sich alle Tiere wieder in den K�figen, und auch die Menschen waren nirgends zu entdecken. Zweifellos hatten sie sich vor der Hitze in ihren Wohnwagen verkrochen, die dem ihren recht �hnlich sahen. Nynaeve und die anderen waren bereits herabgeklettert, als schlie�lich Valan Luca erschien, noch immer in dieses l�cherliche rotseidene Cape geh�llt.</p><p>Diesmal gab es keine blumige Ansprache und keine Verbeugungen mit gespreiztem Cape. Er ri� die Augen auf, als er Thom und Juilin erkannte, und zog sie wieder zusammen beim Anblick des schachtel�hnlichen Wohnwagens hinter ihnen. Dann b�ckte er sich und sp�hte unter ihre Hutkrempen. Sein L�cheln war diesmal nicht angenehm anzusehen. �So, sind wir mittlerweile etwas heruntergekommen, <emphasis>Lady</emphasis> Morelin? Oder vielleicht waren wir auch niemals oben? Habt eine Kutsche und die Kleider gestohlen, was? Na ja, es w�re eine Schande, wenn solch eine h�bsche Stirn ein Brandzeichen erhielte. Das ist hier �blich, falls Ihr das nicht wu�tet, wenn nicht sogar Schlimmeres. Da Ihr, wie es scheint, entdeckt worden seid, und warum solltet Ihr auch sonst davonlaufen, w�rde ich Euch empfehlen, so schnell Ihr k�nnt, weiterzufahren. Falls Ihr euren verdammten Pfennig zur�ckhaben wollt, liegt er irgendwo dort oben an der Stra�e. Ich habe ihn hinter Euch hergeworfen, und dort kann er meinetwegen bis Tarmon Gai'don liegenbleiben.�</p><p>�Ihr wolltet einen G�nner haben�, sagte Nynaeve, als er sich abwandte. �Wir k�nnen Eure G�nnerinnen werden.�</p><p>�Ihr?� h�hnte er. Aber er blieb immerhin stehen. �Auch wenn ein paar M�nzen, die Ihr aus der B�rse irgendeines Lords gestohlen habt, helfen w�rden, werde ich doch kein gestohlenes... �</p><p>�Wir bezahlen Eure gesamten Kosten, Meister Luca�, unterbrach ihn Elayne in diesem k�hlarroganten Tonfall, den sie oft an sich hatte, �und au�erdem noch hundert Goldmark, wenn wir mit Euch nach Ghealdan reisen k�nnen und Ihr einverstanden seid, vor der Grenze nicht mehr anzuhalten.� Luca blickte sie unverwandt an und fuhr sich mit der Zunge �ber die Lippen.</p><p>Nynaeve st�hnte leise. Hundert Mark, und noch dazu in Gold! Hundert Silbermark w�rden seine Ausgaben leicht decken, bis Ghealdan und noch weiter, gleich, was diese sogenannten Keilerpferde fra�en.</p><p>�Habt Ihr soviel gestohlen?� fragte Luca vorsichtig. �Wer ist hinter Euch her? Ich riskiere nichts mit den Wei�m�nteln oder dem k�niglichen Heer. Die w�rden uns alle ins Gef�ngnis werfen und wahrscheinlich die Tiere t�ten.�</p><p>�Mein Bruder�, erwiderte Elayne, bevor Nynaeve zornig bestreiten konnte, da� sie etwas gestohlen h�tten. �Wie es scheint, hat man eine Heirat vorbereitet, w�hrend ich abwesend war, und man hat meinen Bruder geschickt, um mich zu holen. Ich habe nicht die Absicht, nach Cairhien zur�ckzukehren und einen Mann zu heiraten, der einen Kopf kleiner ist, dreimal soviel wiegt und dreimal so alt ist wie ich.� Ihre Wangen r�teten sich leicht. Sie bem�hte sich vergeblich, Erbitterung vorzut�uschen. Ihr R�uspern klang da schon besser. �Mein Vater tr�umt davon, den Sonnenthron f�r sich zu beanspruchen, falls er genug Unterst�tzung gewinnen kann. In meinen Tr�umen dagegen gibt es einen rothaarigen Mann aus Andor, den ich heiraten <emphasis>werde,</emphasis> was mein Vater auch sagen mag. Und das, Meister Luca, ist alles, was Ihr �ber mich wissen m��t � eigentlich auch schon zuviel.�</p><p>�Vielleicht seid Ihr wirklich, wer zu sein Ihr behauptet�, sagte Luca bed�chtig, �und vielleicht auch nicht. Zeigt mir einiges von diesem Geld, das Ihr mir angeblich geben wollt. F�r Versprechungen bekommt man nur einen kleinen Becher Wein.�</p><p>W�tend kramte Nynaeve in ihrer Tasche nach dem prallsten Geldbeutel und hielt ihn dem Mann vor die Nase. Doch als er danach greifen wollte, steckte sie ihn sofort wieder weg. �Ihr bekommt, was Ihr braucht, sobald Ihr es braucht. Und die hundert Mark, wenn wir Ghealdan erreicht haben.� Hundert Goldmark! Sie w�rden einen Bankier aufsuchen m�ssen und ihm einen dieser Kreditbriefe Elaynes �bergeben, falls die so weitermachte.</p><p>Luca knurrte entt�uscht. �Ob Ihr das nun gestohlen habt oder nicht, jedenfalls lauft Ihr trotzdem vor jemandem davon. Ich riskiere doch meine Vorstellungen nicht Euretwegen, ob es nun das Heer ist oder irgendein Lord aus Cairhien, der auf der Suche nach Euch hierherkommt. Der Lord k�nnte wom�glich der Schlimmere sein, wenn er glaubt, ich h�tte seine Schwester entf�hrt. Ihr m��t unauff�llig bleiben und Euch uns anpassen.� Dieses hinterh�ltige L�cheln stand wieder auf seinem Gesicht. Er verga� diesen Silberpfennig bestimmt nicht. �Jeder, der mit mir reist, arbeitet auch bei mir, und das mu� auch f�r Euch gelten, wenn Ihr nicht auffallen wollt. Falls die anderen erfahren, da� Ihr lediglich gegen Bezahlung mitkommt, wird es Gerede geben, und das wollt Ihr ja wohl nicht. Ihr m��t also zumindest K�fige reinigen, denn die Pferdepfleger beklagen sich immer dar�ber, da� sie das zus�tzlich erledigen m�ssen. Ich gehe daf�r sogar los und hole Euren Pfennig wieder, damit ich ihn Euch als Bezahlung geben kann. La�t niemanden sagen, Valan Luca sei nicht gro�z�gig.�</p><p>Nynaeve hatte schon vor, ihm �berdeutlich klarzumachen, da� sie nicht bezahlen und dann auch noch arbeiten w�rden, als ihr Thom eine Hand auf den Arm legte. Wortlos b�ckte er sich, hob Kieselsteine vom Boden auf und begann, mit ihnen zu jonglieren. Sechs Steine flogen im Kreis durch die Luft.</p><p>�Ich habe bereits Jongleure�, sagte Luca. Aus den sechs Steinen wurden acht, dann zehn, dann ein Dutzend. �Ihr seid nicht schlecht.� Aus dem einen Kreis wurden zwei ineinander verschlungene. Luca rieb sich �berlegend das Kinn. �Vielleicht kann ich Euch gebrauchen.�</p><p>�Ich kann auch Feuer schlucken�, sagte Thom und lie� die Steine fallen, �mit Messern arbeiten�, wobei er die leeren H�nde spreizte und dann scheinbar aus Lucas Ohr einen Kieselstein hervorzog, �und noch ein paar andere Sachen machen.�</p><p>Luca unterdr�ckte sein erfreutes Grinsen. �Damit w�re f�r Euch gesorgt, aber wie steht es mit dem Rest?� Er schien sich �ber sich selbst zu �rgern, weil er einen Moment lang etwas wie Begeisterung oder auch nur Zustimmung gezeigt hatte.</p><p>�Was ist das?� fragte Elayne und deutete nach vorn.</p><p>Die beiden hohen Masten, �ber die sich Nynaeve schon gewundert hatte, als sie errichtet wurden, waren jetzt mit Seilen festgezurrt worden, jede trug obenauf eine kleine Plattform und zwischen ihnen war ein etwa drei�ig Schritt langes Seil straff gespannt. Von jeder Plattform hing eine Strickleiter herunter.</p><p>�Das ist Sedrins Gestell�, antwortete Luca und sch�ttelte den Kopf. �Sedrin der Seilg�nger, der in zehn Schritt H�he auf einem d�nnen Seil wahre Kunstst�cke vollbringt. Der Narr.�</p><p>�Ich kann auch darauf laufen�, sagte Elayne daraufhin zu ihm. Thom fa�te nach ihrem Arm, als sie den Hut abnahm und losging, doch nach einem L�cheln und einem leichten Kopfsch�tteln ihrerseits lie� er sie gehen.</p><p>Luca versperrte ihr allerdings den Weg. �H�rt mal, Morelin oder wie Ihr sonst hei�en m�gt, Eure Stirn mag vielleicht zu h�bsch sein, um ein Brandzeichen zu tragen, aber Euer Hals ist ganz gewi� zu h�bsch, um ihn Euch zu brechen. Sedrin wu�te, was er tat, und wir haben ihn vor kaum einer Stunde begraben. Deshalb befinden sich alle in ihren Wagen. Sicher, er hat letzten Abend zuviel getrunken, nachdem man uns aus Sienda verjagt hatte, aber ich habe ihn schon auf dem Seil laufen sehen, obwohl er mit Schnaps gef�llt war wie ein Fa�. Ich sage Euch etwas. Ihr m��t die K�fige nicht reinigen. Ihr zieht zu mir in meinen Wagen und ich sage allen, Ihr w�rt meine Geliebte. Nur einer Erkl�rung wegen nat�rlich.� Sein verschmitztes L�cheln sagte deutlich, da� er auf mehr als nur eine Erkl�rung hoffte.</p><p>Elaynes L�cheln dagegen h�tte ihn eigentlich vor K�lte erstarren lassen sollen. �Ich danke Euch vielmals f�r Euer Angebot, Meister Luca, aber wenn Ihr nun freundlicherweise zur Seite treten w�rdet...� Uns blieb keine Wahl.</p><p>Juilin zerkn�llte den zylindrischen Hut mit beiden H�nden und dann rammte er ihn sich wieder auf den Kopf, als sie gerade begann, eine der Strickleitern zu erklimmen. Sie hatte ein wenig Probleme mit ihrem Rock. Nynaeve wu�te, was das M�dchen vorhatte. Den M�nnern sollte es an sich auch klar sein, wenigstens Thom, aber er wirkte immer noch sprungbereit, als wolle er hin�berlaufen und sie auffangen, falls sie st�rzte. Luca trat ebenfalls n�her heran, als gehe ihm der gleiche Gedanke durch den Kopf.</p><p>Einen Augenblick lang stand Elayne auf der Plattform und strich sich den Rock glatt. Jetzt, da sie oben stand, wirkte die Plattform viel kleiner und viel h�her. Dann raffte sie grazi�s ihren Rock ein wenig h�her, als schreite sie durch Schlamm, und trat hinaus auf das d�nne Seil. Sie h�tte genausogut �ber eine Stra�e gehen k�nnen. Nynaeve wu�te, da� dieser Vergleich sogar auf gewisse Weise zutraf. Sie konnte das Gl�hen <emphasis>Saidars</emphasis> nicht erkennen, wu�te aber wohl, da� Elayne zwischen den beiden Plattformen eine Br�cke, zweifellos aus dem Element Luft, gewebt hatte, die ebenso hart war wie Stein.</p><p>Pl�tzlich streckte Elayne die H�nde hinunter und schlug zweimal hintereinander ein Rad. Das rabenschwarze Haar wirbelte und die seidenbestrumpften Beine blitzen im Sonnenschein auf. Einen winzigen Augenblick lang, als sie sich gerade aufrichtete, schien ihr Rock �ber eine unsichtbare Fl�che zu streifen doch dann hatte sie ihn schon wieder hochgerafft. Zwei weitere Schritte brachten sie zu der anderen Plattform. �Hat Meister Sedrin so etwas fertiggebracht, Meister Luca?�</p><p>�Er hat �berschl�ge gemacht� rief er zur�ck. Viel leiser f�gte er hinzu: �Aber er hatte keine solchen Beine. Eine Lady! Ha!�</p><p>�Ich bin nicht die einzige, die das kann�, rief Elayne. �Juilin und� � Nynaeve sch�ttelte wild den Kopf. Mit Hilfe der Macht oder nicht � ihr Magen w�rde oben auf dem Seil genauso rebellieren wie bei einem Sturm auf See � �und ich haben das schon oft gemacht. Kommt rauf, Juilin. Zeigt es ihm.�</p><p>Der Diebf�nger blickte drein, als w�rde er lieber mit blo�en H�nden die K�fige reinigen. Die L�wenk�fige mitsamt den L�wen drinnen. Er schlo� die Augen, formte mit den Lippen ein lautloses Gebet und kletterte die Strickleiter empor wie ein Mann, der das Schafott besteigt. Oben angekommen, blickte er von Elayne zu dem Seil und wieder zur�ck, ganz konzentriert und doch voller Angst. Mit einemmal trat er hinaus, ging schnell weiter, die Arme nach beiden Seiten ausgestreckt, den Blick auf Elayne gerichtet und mit einem weiteren Gebet auf den Lippen. Sie kletterte ein St�ck hinunter, um ihm auf der Plattform Platz zu machen, und dann mu�te sie ihm helfen, die Sprossen mit den F��en zu finden. So geleitete sie ihn herunter.</p><p>Thom grinste sie stolz an, als sie zur�ck war und ihren Hut aus Nynaeves H�nden entgegennahm. Juilin sah aus, als habe man ihn in hei�em Wasser getr�nkt und dann ausgewrungen.</p><p>�Das war gut�, sagte Luca und rieb sich nachdenklich das Kinn. �Nicht so gut wie Sedrin, das m��t Ihr wissen, aber gut. Mir gef�llt es besonders, wie leicht Ihr es erscheinen la�t, w�hrend � Juilin? � Juilin so tut, als ob er sich zu Tode �ngstige. Das wird sehr sch�n r�berkommen.� Juilin grinste den Mann gequ�lt an. Sein L�cheln hatte etwas von einem spitzen Messer an sich. Luca wirbelte tats�chlich sein rotes Cape elegant durch die Luft, als er sich zu Nynaeve umwandte. Er wirkte �u�erst zufrieden. �Und Ihr, meine liebe Nana? Welches �berraschende Talent besitzt Ihr? Seid Ihr vielleicht eine Akrobatin? Oder schluckt Ihr Schwerter?�</p><p>�Ich teile das Geld aus�, sagte sie zu ihm und klopfte auf ihre Tasche. �Es sei denn, Ihr m�chtet <emphasis>mir</emphasis> Euren Wagen anbieten?� Sie warf ihm ein L�cheln zu, das seines ersterben lie�. Au�erdem trat er zwei Schritte zur�ck.</p><p>Der ganze L�rm hatte die Leute aus den Wagen gelockt, und alle versammelten sich nun um Luca, der die neuen Artisten der Truppe vorstellte. Bei Nynaeve dr�ckte er sich sehr vage aus und nannte das, was sie angeblich vorf�hrte, lediglich ��berraschend�. Sie w�rde sich mit ihm ernsthaft unterhalten m�ssen.</p><p>Die �Pferdepfleger�, wie Luca die M�nner nannte, die kein Talent als Artisten aufwiesen, waren im allgemeinen eine schmuddelige und m�rrische Gruppe, vielleicht, weil sie schlechter bezahlt wurden. Es waren allerdings auch nicht sehr viele, verglichen mit der Anzahl der Wagen. Tats�chlich stellte sich heraus, da� alle bei der Arbeit Hand anlegten, auch, was das Fahren der Wagen betraf. Man konnte sowieso in einer fahrenden Menagerie wie dieser nicht viel Geld verdienen. Die �brigen waren ein buntgemischtes V�lkchen.</p><p>Petra, der starke Mann der Truppe, war der gr��te Mensch, den Nynaeve je gesehen hatte. Nicht so hochgewachsen, daf�r aber breit. Aus seiner Lederweste ragten Arme in der Gr��e von Baumst�mmen. Er war mit Clarine verheiratet, der molligen Frau mit den braunen Wangen, die die Hunde dressierte. Neben ihm wirkte sie schm�chtig. Latelle, die mit den B�ren arbeitete, war eine dunkel�ugige Frau mit kurzem Haar und strengem Gesicht. Um ihre Lippen spielte anscheinend dauernd ein ver�chtliches L�cheln. Aludra, die schlanke Frau, die angeblich der Gilde der Feuerwerker angeh�rte, war m�glicherweise sogar echt. Sie trug ihr Haar nicht zu Taraboner Z�pfen geflochten, was nicht �berraschte, wenn man die vorherrschenden Gef�hle in Amadicia diesem Land gegen�ber bedachte, aber ihr Akzent stimmte, und wer wu�te schon, was mit der Gilde der Feuerwerker tats�chlich geschehen war? Ihr Gildehaus in Tanchico war auf jeden Fall geschlossen worden. Die Akrobaten andererseits behaupteten, alles Br�der zu sein und Chavana zu hei�en. Doch obwohl sie alle untersetzte, kr�ftige M�nner waren, unterschieden sie sich doch gewaltig. Das ging von dem gr�n�ugigen Taeric, dessen hohe Backenknochen und Hakennase deutlich die Abstammung aus Saldaea verk�ndeten, bis zu Barit, der dunkelh�utiger als Juilin war und typische T�towierungen der Meerleute auf den Handr�cken hatte, wenn er auch keine Ohrringe trug.</p><p>Alle bis auf Latelle begr��ten die Neuank�mmlinge warm. Weitere Artisten bedeuteten eine gr��ere Attraktivit�t der Vorf�hrungen und letzten Endes mehr Geld. Die beiden Jongleure, Bari und Kin � wie sich herausstellte, waren sie wirklich Br�der �, verwickelten Thom gleich in eine Fachsimpelei, sobald sie herausfanden, da� er nicht das gleiche vollf�hrte wie sie. Mehr Publikum anzulocken war eine Sache, Konkurrenzkampf eine ganz andere. Doch es war vor allem die hellhaarige Frau, die sich um die Keilerpferde k�mmerte, die Nynaeves sofortiges Interesse erweckte. Cerandin stand steif abseits und sagte kaum etwas. Luca behauptete, sie sei mit den Tieren aus Schara gekommen. Aber ihre weiche, schleppende Aussprache lie� Nynaeve die Ohren spitzen.</p><p>Es kostete ein wenig Zeit, ihren Wagen bei den anderen einzureihen. Thom und Juilin schienen mehr als nur froh zu sein, da� sie die Hilfe der Pferdepfleger bei ihrem Gespann in Anspruch nehmen konnten, auch wenn diese nur m�rrisch gegeben wurde, w�hrend Nynaeve und Elayne gleich Einladungen erhielten. Petra und Clarine baten sie zum Tee, sobald sie sich eingerichtet h�tten. Die Chavanas wollten die beiden Frauen zum Abendessen einladen, genau wie Kin und Bari, was aus Latelles ver�chtlichem L�cheln eine finstere Miene werden lie�. Diese Einladungen lehnten sie freundlich ab; Elayne vielleicht ein wenig freundlicher als Nynaeve. Diese erinnerte sich immer noch nur zu gut an die Kuhaugen, die sie Galad gemacht hatte, und so brachte sie im Moment M�nnern gegen�ber nicht mehr als ein Mindestma� an H�flichkeit zustande. Luca hatte auch eine Einladung ausgesprochen, doch nur Elayne gegen�ber, als Nynaeve nicht zuh�rte. Dies brachte ihm eine Ohrfeige ein, und Thom lie� drohend Messer erscheinen, die �ber seine H�nde rollten, bis sich der Mann knurrend trollte und dabei noch seine Wange rieb.</p><p>Nynaeve verlie� Elayne, die ihre Sachen im Wagen verstaute � sie warf sie nur zornig hinein und knurrte dabei die ganze Zeit �ber �, und ging in Richtung der Stelle, wo die Keilerpferde angepflockt waren. Die riesenhaften grauen Tiere schienen ja durchaus friedlich, aber wenn sie sich an das Loch in der Wand von �Des K�nigs Pikeur� erinnerte, kamen ihr doch Zweifel am Wert der Lederschn�re, die ihre massiven Vorderbeine aneinanderfesselten. Cerandin kratzte gerade den gro�en Bullen mit dem bronzebeschlagenen Stachelstock.</p><p>�Wie nennt man sie eigentlich richtig?� Vorsichtig t�tschelte Nynaeve die lange Nase oder Schnauze, oder was auch immer, des Bullen. Diese Sto�z�hne hatten einen Umfang wie ihr Bein und waren gut drei Schritt lang und trotzdem nur wenig l�nger als die der Kuh. Die Schnauze schn�ffelte an ihrem Rock, und sie trat hastig zur�ck.</p><p><emphasis>�S'redit�,</emphasis> sagte die Frau mit den bleichen Haaren. �Es sind <emphasis>S'redit,</emphasis> aber Meister Luca hielt einen leichter aussprechbaren Namen f�r vorteilhafter.� Diese schleppende Aussprache war unverkennbar.</p><p>�Gibt es viele <emphasis>S'redit</emphasis> in Seanchan?�</p><p>Der Stachelstock hielt einen Moment lang inne und setzte dann das Kratzen fort. �Seanchan? Wo ist das? Diese <emphasis>S'redit</emphasis> stammen aus Schara, genau wie ich. Ich habe noch nie von... �</p><p>�Vielleicht habt Ihr Schara gesehen, Cerandin, aber ich bezweifle es. Ihr seid eine Seanchan. Wenn ich mich nicht irre, wart Ihr an der Invasion auf der Toman-Halbinsel beteiligt und wurdet nach Falme dort zur�ckgelassen.�</p><p>�Daran besteht gar kein Zweifel�, sagte Elayne, die in diesem Augenblick neben sie trat. �Wir haben den Akzent der Seanchan in Falme geh�rt, Cerandin. Wir werden Euch nichts antun.�</p><p>Das war mehr, als Nynaeve zu versprechen bereit war. Ihre Erinnerungen an die Seanchan waren alles andere als angenehm. Und doch... <emphasis>Eine Seanchan half dir, als du Hilfe brauchtest. Sie sind nicht alle b�se. Nur eben die meisten.</emphasis></p><p>Cerandin atmete tief aus und sackte ein wenig in sich zusammen. Es war, als wiche eine Anspannung endlich aus ihr, die so lange schon vorhanden gewesen war, da� sie sich ihrer gar nicht mehr bewu�t war. �Nur wenige Menschen, die ich kennengelernt habe, wissen etwas, das auch nur ann�hernd der Wahrheit �ber Die R�ckkehr oder Falme entspr�che. Ich habe hundert Geschichten geh�rt, jede wilder als die andere, aber noch nie die Wahrheit. Was f�r mich durchaus g�nstig war. Ich wurde tats�chlich zur�ckgelassen, genau wie viele der <emphasis>S'redit.</emphasis> Diese drei waren alle, die ich zusammentreiben konnte. Ich wei� nicht, was mit den anderen geschehen ist. Der Bulle hei�t Mer, die Kuh Sanit und das Kalb Nerin. Es stammt aber nicht von <emphasis>Sanit.�</emphasis></p><p>�Habt Ihr das vorher auch schon getan?� fragte Elayne. <emphasis>�S'redit</emphasis> dressiert?�</p><p>�Oder wart Ihr eine <emphasis>Sul'dam?�</emphasis> f�gte Nynaeve hinzu, bevor die andere antworten konnte.</p><p>Cerandin sch�ttelte den Kopf. �Ich wurde wie alle M�dchen �berpr�ft, aber ich brachte nichts mit dem <emphasis>A'dam</emphasis> zustande. Ich war froh, f�r die Arbeit mit den <emphasis>S'redit</emphasis> ausgew�hlt zu werden. Das sind prachtvolle Tiere. Ihr wi�t aber eine Menge, wenn Ihr sogar �ber die <emphasis>Sul'dam</emphasis> und die <emphasis>Damane</emphasis> Bescheid wi�t. Ich bin zuvor noch nie auf jemanden gesto�en, der davon etwas wu�te.� Sie zeigte keinerlei Furcht. Oder vielleicht war ihre ganze Furcht einfach ausgebrannt, seit sie sich allein in einem fremden Land zur�ckgelassen fand. Andererseits konnte sie auch l�gen.</p><p>Die Seanchan verhielten sich Frauen gegen�ber, die mit der Macht arbeiten konnten, genauso schlimm oder noch schlimmer wie die Leute in Amadicia. Sie schickten sie nicht fort oder t�teten sie, nein, bei ihnen wurden sie gefangengehalten und ben�tzt. Mit Hilfe einer Vorrichtung, die man einen <emphasis>A'dam</emphasis> nannte und bei dem Nynaeve sicher war, da� es sich um eine Art von <emphasis>Ter'Angreal</emphasis> handelte, wurde eine Frau mit der F�higkeit, die Eine Macht zu ben�tzen, von einer anderen Frau v�llig beherrscht. Diese andere nannte man <emphasis>Sul'dam,</emphasis> und sie zwang die <emphasis>Damane</emphasis> dazu, ihr Talent so einzusetzen, wie es die Seanchan w�nschten, sogar als Waffe. Eine <emphasis>Damane</emphasis> war nicht mehr als ein Tier wenn auch ein wohlgepflegtes. Und sie machten jede, absolut jede Frau mit der F�higkeit, die Macht zu lenken oder auch nur mit den Ans�tzen dieser F�higkeit zur <emphasis>Damane.</emphasis> So hatten die Seanchan auch die Toman-Halbinsel gr�ndlicher abgesucht, als sich die Burg jemals tr�umen lie�. Bei dem blo�en Gedanken an <emphasis>A'dam</emphasis> und <emphasis>Sul'dam</emphasis> und <emphasis>Damane</emphasis> drehte sich Nynaeve schon der Magen um.</p><p>�Wir wissen ein wenig�, sagte sie zu Cerandin, �aber wir wollen mehr erfahren.� Die Seanchan waren fort, von Rand vertrieben, aber das hie� ja nicht, da� sie nicht eines Tages wiederkehren w�rden. Es war eine ferne Gefahr, die da �ber ihnen schwebte, wenn man alles andere bedachte, was an Hindernissen in ihrem Weg lag, aber nur, weil man bereits einen Dorn im Fu� hatte, hie� das ja nicht, da� sich der Kratzer am Arm nicht entz�nden und eitern w�rde. �Es w�re gut f�r Euch, wenn Ihr unsere Fragen immer wahrheitsgem�� beantwortet.� Auf der Reise nach Norden war Zeit genug f�r Fragen.</p><p>�Ich verspreche Euch, das Euch nichts geschehen wird�, f�gte Elayne hinzu. �Ich werde Euch besch�tzen, wenn es notwendig ist.�</p><p>Der Blick der Frau mit dem offensichtlich gebleichten Haar wanderte von einer zur anderen, und mit einemmal warf sie sich zu Nynaeves �berraschung vor Elayne auf den Boden. �Ihr seid eine Hochlady dieses Landes, genau wie Ihr Luca gesagt habt. Ich hatte das nicht erkannt. Vergebt mir, Hochlady. Ich unterwerfe mich Euch.� Und damit k��te sie den Boden vor Elaynes F��en. Elayne fielen fast die Augen aus dem Kopf.</p><p>Nynaeve war sich sicher, auch nicht gerade kl�ger dreinzublicken. �Steht auf�, zischte sie und sah sich verzweifelt um, ob irgend jemand sie beobachtete. Luca nat�rlich, verdammt sei der Mann, und Latelle, die nach wie vor finster wirkte, aber da konnte man nichts machen. �Steht auf!� Die Frau r�hrte sich nicht.</p><p>�Steht nun auf, Cerandin�, sagte Elayne. �In diesem Land verlangt niemand so etwas von anderen Menschen. Nicht einmal ein Herrscher.� Als Cerandin sich aufrappelte, f�gte sie hinzu: �Ich werde Euch beibringen, wie man sich hier richtig verh�lt, wenn Ihr mir daf�r meine Fragen beantwortet.�</p><p>Die Frau verbeugte sich mit den H�nden auf den Knien und gesenktem Kopf. �Ja, Hochlady. Es wird geschehen, wie Ihr sagt. Ich geh�re Euch.�</p><p>Nynaeve seufzte tief. Das w�rde eine sch�ne Reise nach Ghealdan werden.</p></section><section><title><p>18</p><p>Die Schattenj�gerin</p></title><p>Liandrin lenkte ihr Pferd durch die belebten Stra�en Amadors. Ihr ver�chtlich verzogener Schmollmund wurde durch die breite, heruntergezogene Krempe ihres Huts verborgen. Sie hatte nur �u�erst ungern ihre vielen kleinen Z�pfe aufgegeben und konnte auch die absurde Mode dieses grotesken Landes absolut nicht ausstehen: Der rotgelbe Hut und das dazu passende Reitkleid mochten ja noch angehen, aber doch nicht die langen Samtschleifen an beidem! Nun, wenigstens verbarg der Hut ihre Augen, denn zusammen mit dem honigblonden Haar h�tten braune Augen augenblicklich ihrer Herkunft aus Tarabon verraten, und das war momentan in Amadicia keine Empfehlung. Und au�erdem verbarg die Hutkrempe etwas noch viel Gef�hrlicheres: ihr typisches Aes-Sedai-Gesicht. Wohlbeh�tet konnte sie die Wei�m�ntel heimlich angrinsen, und das war so etwa jeder f�nfte Mann auf der Stra�e. Nicht, da� die Soldaten, die ein weiteres F�nftel der Passanten ausmachten, besser gewesen w�ren. Nat�rlich kam keiner von ihnen auf den Gedanken, unter ihren Hut zu sp�hen. Aes Sedai waren hier nun einmal ge�chtet, und das bedeutete, es gab hier keine.</p><p>Trotzdem f�hlte sie sich etwas erleichtert, als sie an dem kunstvollen schmiedeeisernen Tor vor Jorin Arenes Haus einbog. Ein weiterer erfolgloser Ritt auf der Suche nach Neuigkeiten aus der Wei�en Burg. Sie hatte nichts mehr in Erfahrung bringen k�nnen, seit Elaida glaubte, die Herrschaft in der Burg erlangt zu haben, und seit man diese Sanchefrau beseitigt hatte. Sicher, Siuan war entkommen, aber jetzt war sie ein nutzloser Haufen Lumpen.</p><p>Der Garten hinter der grauen Steinmauer stand voller Pflanzen, die sich auf Grund der D�rre braun f�rbten. Sie waren wundersch�n zurechtgeschnitten in Form von W�rfeln und Kugeln, und ein Busch war sogar wie ein galoppierendes Pferd geformt. Nur einer nat�rlich. Kaufleute wie Arene imitierten h�ufig den Adel, aber sie wagten nicht, dabei zu weit zu gehen, damit niemand auf den Einfall kam, sie seien �berehrgeizig und vielleicht gef�hrlich. An dem gro�en Holzhaus waren kunstvolle Balkone angebaut. Das Dach war mit roten Ziegeln gedeckt, und im Eingangsbereich stand sogar eine Reihe behauener S�ulen, doch anders als in einem adligen Herrenhaus wirkte alles wie eine Kopie. Das Steinfundament war dementsprechend auch kaum zehn Fu� hoch. Ein l�cherlicher Versuch, es wie das Herrenhaus eines Adligen erscheinen zu lassen.</p><p>Der drahtige, grauhaarige Mann, der unterw�rfig heraneilte, ihren Steigb�gel hielt, w�hrend sie abstieg, und dann die Z�gel �bernahm, war ganz in Schwarz gekleidet. Solche Kleidung wurde von den Menschen auf der Stra�e naser�mpfend als �Kaufmannslivree� bezeichnet. Liandrin verachtete den schwarzen Mantel des Burschen genauso wie Arenes Haus und Arene selbst. Eines Tages w�rde sie ein wirkliches Herrenhaus besitzen. Ganze Pal�ste. Das war ihr versprochen worden und auch die Macht, die so etwas mit sich brachte.</p><p>Sie streifte die Reithandschuhe ab und schritt die l�cherliche Rampe hinauf, die sich entlang des Fundaments bis zum rankenbeschnitzten Tor hinzog. Die befestigten Herrenh�user der Lords wiesen solche Rampen auf, und da konnte sich ja ein Kaufmann, der etwas auf sich hielt, nicht mit blo�en Stufen zufriedengeben. Eine in Schwarz gekleidete junge Zofe nahm ihr im runden Foyer Handschuhe und Hut ab. Viele T�ren f�hrten von hier ins Haus hinein, die S�ulen waren pr�chtig geschnitzt und bunt bemalt, und rundherum zog sich ein Balkon. Die Decke war einem Mosaik �hnlich bemalt: Sterne innerhalb gr��erer Sterne, alle in Gold und Schwarz. �Ich werde in einer Stunde mein Bad nehmen�, sagte sie zu der Frau. �Diesmal wird das Wasser aber die richtige Temperatur haben, ja?� Die Zofe wurde bla�, knickste schnell, stammelte etwas Best�tigendes, und dann huschte sie davon.</p><p>Amellia Arene, Jorins Frau, kam, in die Unterhaltung mit einem fetten Glatzkopf in bl�tenwei�er Sch�rze vertieft, durch eine der T�ren herein. Liandrin schnaubte ver�chtlich. Die Frau hielt sich f�r etwas Besseres, und doch sprach sie pers�nlich mit dem Koch und brachte den Mann aus seiner K�che mit hierher, um �ber die Speisenfolge am Tisch zu sprechen. Sie behandelte den Dienstboten wie � wie einen Freund!</p><p>Der fette Evon entdeckte sie zuerst und schluckte schwer. Seine Schweins�ugelchen blickten sofort in eine andere Richtung. Sie mochte es nicht, von M�nnern angesehen zu werden, und so hatte sie ihm das bereits am ersten Tag in scharfem Ton erkl�rt, nachdem sein Blick etwas zu lange auf ihr geruht hatte. Er bestritt das zwar, aber sie kannte ja die schmutzigen Angewohnheiten der M�nner. Ohne darauf zu warten, da� ihn seine Herrin entlie�, lief Evon schnell wieder hinaus.</p><p>Die leicht ergraute Gattin des Kaufmanns war schon eine Frau mit strengem, ernstem Gesicht gewesen, als Liandrin und die anderen hier eintrafen. Nun leckte sie sich die Lippen und strich sich das mit Schleifen verzierte gr�nseidene Kleid �berfl�ssigerweise glatt. �Oben ist jemand bei den anderen, meine Lady�, sagte sie unterw�rfig. Am ersten Tag hatte sie noch geglaubt, sie k�nne so einfach Liandrins Namen benutzen. �Im vorderen Ruheraum. Ich glaube, sie kommt aus Tar Valon.�</p><p>Liandrin fragte sich, wer das sein k�nne, und ging zur n�chsten Wendeltreppe. Sie kannte nat�rlich nur wenige der anderen Schwarzen Ajah. Das war aus Sicherheitsgr�nden notwendig, denn was andere nicht wu�ten, konnten sie auch nicht verraten. In der Burg hatte sie nur die zw�lf gekannt, die mitkamen, als sie fortging. Zwei der zw�lf waren tot, und sie wu�te, wem sie das zu verdanken hatte: Egwene al'Vere, Nynaeve al'Meara und Elayne Trakand. Und in Tanchico war alles so schiefgegangen, da� sie beinahe h�tte glauben k�nnen, diese drei Empork�mmlinge unter den Aufgenommen seien dortgewesen, aber sie waren ja t�richt genug gewesen, gleich zweimal seelenruhig geradewegs in ihre Fallen zu laufen. Da� sie entkommen waren, spielte keine weitere Rolle. H�tten sie sich in Tanchico befunden, w�ren sie ihr todsicher in die H�nde gefallen, gleich, was Jeaine gesehen zu haben glaubte. Beim n�chsten Zusammentreffen w�rden sie nicht mehr in der Lage sein, ihr jemals wieder zu entwischen. Sie w�rde dieses Kapitel beenden, obwohl ihre Befehle anders lauteten.</p><p>�Meine Lady�, stammelte Amellia, �mein Mann, Lady. Jorin. Bitte, kann eine von Euch ihm helfen? Er hat es nicht b�se gemeint, Lady. Er hat seine Lektion ja erhalten.�</p><p>Liandrin blieb mit einer Hand auf dem geschnitzten Gel�nder stehen und blickte zu ihr zur�ck. �Er h�tte nicht glauben d�rfen, sein Eid dem Gro�en Herrn gegen�ber k�nne so einfach mi�achtet werden, oder?�</p><p>�Er hat es begriffen, meine Lady. Bitte. Er liegt den ganzen Tag unter Decken vergraben und zittert trotz der Hitze. Er weint, sobald ihn jemand ber�hrt oder lauter spricht, als im Fl�sterton.�</p><p>Liandrin tat so, als m�sse sie �berlegen, und dann nickte sie huldvoll. �Ich werde Chesmal bitten, zu sehen, was sie f�r ihn tun kann. Aber Ihr d�rft nicht glauben, da� ich irgend etwas verspreche.� Die unsicheren Dankbezeugungen der Frau folgten ihr nach oben, aber sie achtete nicht darauf. Temaile hatte sich etwas hinrei�en lassen. Sie war eine Graue Ajah gewesen, bevor sie zu den Schwarzen �berging, und sie hatte immer Wert darauf gelegt, den Schmerz gleichm��ig zu verteilen, wenn sie vermittelte. So war sie als Vermittlerin sehr erfolgreich gewesen, denn es machte ihr Spa�, Schmerz zuzuf�gen. Chesmal meinte, er werde in ein paar Monaten wieder soweit sein, da� er kleinere Auftr�ge erf�llen k�nne, solange sie nicht zu schwierig waren und niemand ihn anschrie. Da sie unter den Gelben eine der besten Heilerinnen seit Generationen gewesen war, sollte sie es wissen.</p><p>Als sie den vorderen Ruheraum betrat, wurde sie doch �berrascht. Neun der zehn Schwarzen Schwestern, die mit ihr gekommen waren, standen an der geschnitzten und bemalten Wandt�felung, obwohl doch auf dem Teppich mit den Goldfransen gen�gend mit Seidenkissen ausgestattete St�hle standen. Die zehnte, Temaile Kinderode, reichte gerade einer dunkelhaarigen und auf maskuline Art gutaussehenden Frau in einem bronzefarbenen, langen Kleid unbekannten Schnitts eine d�nne Porzellantasse mit Tee. Die Sitzende kam ihr irgendwie bekannt vor, obwohl sie keine Aes Sedai war. Offensichtlich n�herte sie sich den mittleren Jahren, und trotz der straffen Haut ihrer Wangen hatte sie nichts von der f�r Aes Sedai typischen Alterslosigkeit an sich.</p><p>Die im Raum herrschende Stimmung machte Liandrin mi�trauisch. Temaile wirkte t�uschend zerbrechlich mit ihren gro�en, blauen Kinderaugen, die sofort das Vertrauen der Menschen erweckten. Diese Augen blickten nun besorgt drein oder zumindest beunruhigt, und die Tasse klapperte ein wenig auf der Untertasse, bevor die andere sie ihr abnahm. Alle Gesichter blickten unruhig drein, au�er dem dieser auf so eigenartige Weise bekannt wirkenden Frau. Jeaine Caide mit der kupferfarbenen Haut in einem dieser widerlichen Domanikleider, das sie hier im Haus trug, hatte sogar noch ein paar glitzernde Tr�nen auf den Wangen. Sie war einst eine Gr�ne gewesen und stellte sich noch lieber als die meisten Gr�nen den M�nnern zur Schau. Rianna Andomeran, einst eine Wei�e und sogar dann noch arrogant und kalt, wenn sie jemand t�tete, ber�hrte immer wieder nerv�s die helle Str�hne �ber dem linken Ohr in ihrem ansonsten schwarzen Haar. Ihre Arroganz schien einen D�mpfer erhalten zu haben.</p><p>�Was ist denn hier passiert?� wollte Liandrin wissen. �Wer seid Ihr und was...?� Pl�tzlich durchzuckte sie eine Erinnerung. Eine der Schattenfreunde, eine Dienerin aus Tanchico, die sich dauernd danebenbenommen hatte. �Gyldin!� fauchte sie. Diese Dienerin war ihnen offensichtlich irgendwie gefolgt und gab sich jetzt wohl als Kurier der Schwarzen aus. Wahrscheinlich hatte sie eine schlimme Nachricht �berbracht. �Diesmal seid Ihr entschieden zu weit gegangen.� Sie griff nach <emphasis>Saidar,</emphasis> doch im gleichen Augenblick umgab das typische Gl�hen die andere Frau, und Liandrins Versuch endete an einer dicken, unsichtbaren Wand, die sie von der Wahren Quelle abschirmte. Die Quelle hing qu�lend und unerreichbar wie die Sonne au�erhalb ihres Zugriff.</p><p>�H�r auf, mich so anzustarren, Liandrin�, sagte die Frau gelassen. �Du siehst aus wie ein Fisch auf dem Trockenen. Ich bin nicht Gyldin, sondern Moghedien. In diesen Tee mu� mehr Honig, Temaile.� Die schlanke Frau mit dem Fuchsgesicht eilte schwer atmend herbei, um die Tasse entgegenzunehmen.</p><p>Es mu�te stimmen. Wer sonst k�nnte die anderen derart beherrschen? Liandrin sah sie an, wie sie �ngstlich an die Wand gedr�ckt dastanden. Eldrith Jhondar mit dem runden Gesicht wirkte diesmal gar nicht geistesabwesend, trotz des Tintenflecks auf ihrer Nase. Sie nickte lebhaft. Die anderen hatten wohl sogar Angst, sich �berhaupt zu r�hren. Warum sich eine der Verlorenen � die Bezeichnung durften sie eigentlich gar nicht verwenden, taten es aber, wenn sie unter sich waren �, warum sich also Moghedien hinter der Maske einer Dienerin verborgen hatte, war ihr unverst�ndlich. Die Frau hatte alles oder konnte zumindest alles haben, was sie wollte. Nicht nur die Beherrschung der Einen Macht in einem Ma�e, von dem sie selbst nur tr�umen konnte, sondern vor allem Macht. Macht �ber andere, Macht �ber die Welt. Und Unsterblichkeit. Macht f�r ein ganzes Leben, das niemals enden w�rde. Sie und ihre Schwestern hatten bereits �ber Unstimmigkeiten zwischen den Verlorenen diskutiert. Befehle hatten sich widersprochen, und Befehle anderen Schattenfreunden gegen�ber hatten wiederum ganz anders gelautet. Vielleicht hatte sich Moghedien vor den �brigen Verlorenen versteckt gehalten?</p><p>Liandrin breitete ihr geteiltes Reitkleid so gut sie konnte aus, w�hrend sie tief knickste. �Wir hei�en Euch willkommen, Herrin. Wenn uns die Auserw�hlten f�hren, werden wir ganz sicher triumphieren, bevor der Tag der Wiederkehr des Gro�en Herrn kommt.�</p><p>�H�bsch ausgedr�ckt�, sagte Moghedien trocken und nahm die Tasse wieder von Temaile entgegen. �Ja, nun schmeckt er entschieden besser.� Temaile wirkte auf absurde Weise dankbar und erleichtert. Was hatte Moghedien mit ihnen angestellt?</p><p>Pl�tzlich kam Liandrin ein Gedanke, und der war ihr nicht gerade willkommen. Sie hatte eine der Auserw�hlten als Dienerin betrachtet und behandelt. �Gro�e Herrin, in Tanchico wu�te ich nicht, da� Ihr... �</p><p>�Nat�rlich wu�tet Ihr das nicht�, sagte Moghedien gereizt. �Was n�tzte es, meine Zeit im Schatten verborgen zu verbringen, wenn Ihr und diese anderen von mir w��ten?� Mit einemmal umspielte ein leichtes L�cheln ihre Lippen. Ihr �briges Gesicht blieb davon unber�hrt. �Macht Ihr euch Sorgen wegen der vielen Male, die Ihr Gyldin zum Koch schicktet, um sich verpr�geln zu lassen?� Auf Liandrins Gesicht standen pl�tzlich Schwei�perlen. �Glaubt Ihr im Ernst, ich h�tte das zugelassen? Zweifellos hat Euch der Mann Bericht erstattet, aber er berichtete nur, woran er sich erinnerte woran sich zu erinnern ich ihm gestattete. Ihm tat Gyldin wirklich leid, da sie von ihrer Herrin so mi�handelt wurde.� Das schien sie sehr zu am�sieren. �Er gab mir einige der Desserts, die er f�r Euch bereitet hatte. Es w�rde mich freuen, wenn er noch lebte.�</p><p>Liandrin atmete erleichtert auf. Sie w�rde also nicht sterben. �Gro�e Herrin, es ist �berfl�ssig, mich abzuschirmen. Ich diene doch genauso dem Gro�en Herrn. Ich leistete meinen Eid als Schattenfreund, bevor ich noch in die Wei�e Burg kam. Ich suchte von dem Tage an die Schwarzen Ajah, an dem ich erfuhr, da� ich die Macht lenken k�nne.�</p><p>�Also seid Ihr dann wohl die einzige in diesem schlecht gef�hrten Rudel, die nicht erst lernen mu�, wer ihre Herrin ist?� Moghedien zog eine Augenbraue hoch. �Das h�tte ich gar nicht von Euch erwartet.� Das Gl�hen um sie herum verschwand. �Ich habe Aufgaben f�r Euch. F�r Euch alle. Ihr werdet vergessen, was immer Ihr zu tun vorhattet. Wie in Tanchico bewiesen wurde, seid Ihr eine unf�hige Meute. Mit meiner Hand an der Peitsche werdet Ihr vielleicht erfolgreicher jagen.�</p><p>�Wir erwarten Befehle aus der Burg, Gro�e Herrin�, sagte Liandrin. Unf�hig! Sie hatten doch beinahe gefunden, was sie in Tanchico gesucht hatten, doch dann explodierte die Stadt f�rmlich in Unruhen und sie waren denkbar knapp der Vernichtung durch Aes Sedai entgangen, die ihrem Plan irgendwie in die Quere gekommen waren. H�tte sich Moghedien dort zu erkennen gegeben oder vielleicht sogar zu ihren Gunsten eingegriffen, dann h�tten sie sicher triumphiert. Wenn ihr Versagen auf einen Fehler einer Seite zur�ckzuf�hren war, dann auf Moghedien selbst. Liandrin griff nach der Wahren Quelle, nicht, um die Macht an sich zu ziehen, sondern um nachzupr�fen, ob die Abschirmung nicht nur einfach vernabelt worden war. Sie war weg. �Man hat uns gro�e Verantwortung anvertraut, gro�e Werke, die wir durchzuf�hren haben, und sicher wird man uns anweisen, weiter damit fort...�</p><p>Moghedien unterbrach sie in scharfem Tonfall: �Ihr dient jedem der Auserw�hlten, der oder die Euch gerade brauchen kann. Wer Euch auch von der Wei�en Burg her Befehle schickt, nimmt nun selbst ihre befehle von uns entgegen und kriecht dabei vermutlich auf dem Bauch. Ihr werdet mir dienen, Liandrin, verla�t Euch darauf.�</p><p>Moghedien wu�te also nicht, wer die Schwarzen Ajah anf�hrte. Das war eine Offenbarung. Moghedien wu�te doch nicht alles. Liandrin hatte die Verlorenen immer f�r nahezu allm�chtig gehalten, weit jenseits aller gew�hnlichen Sterblichen. Vielleicht war die Frau in Wirklichkeit auf der Flucht vor den anderen Verlorenen. Sie ihnen zu �bergeben w�rde ihr dann bestimmt eine hohe F�hrungsposition einbringen. Sie k�nnte sogar eine von ihnen werden. Sie hatte da einen Trick, den sie aus ihrer Kindheit kannte. Und sie konnte die Wahre Quelle ber�hren. �Gro�e Herrin, wir dienen dem Gro�en Herrn genau wie Ihr. Auch uns versprach man ewiges Leben und Macht, wenn der Gro�e Herr zur... �</p><p>�Glaubt Ihr, da� Ihr mir ebenb�rtig seid, kleine Schwester?� Moghedien verzog angewidert das Gesicht. �Habt Ihr im Krater des Verderbens gestanden, als Ihr Eure Seele dem Gro�en Herrn verschwort? Habt Ihr die S��e des Triumphes bei Paaran Disen geschmeckt oder die bittere Asche am Asar Don? Ihr seid ein schlecht erzogener Welpe und nicht die Leith�ndin der Meute, und Ihr werdet springen, wohin ich zeige, bis ich der Meinung bin, Euch geh�re ein besserer Platz. Auch diese anderen glaubten, mehr zu sein, als sie sind. Wollt Ihr Eure Kraft mit der meinen messen?�</p><p>�Selbstverst�ndlich nicht, Gro�e Herrin.� Nicht, wenn sie gewarnt war und bereit zum Zuschlagen. �Ich...�</p><p>�Ihr werdet es aber fr�her oder sp�ter probieren, und ich ziehe es vor, so etwas gleich hinter mich zu bringen, jetzt, zu Beginn. Warum wohl, glaubt Ihr, blicken Eure Begleiterinnen so fr�hlich drein? Ich habe jeder von ihnen heute bereits die gleiche Lehre erteilt. Ich werde nicht darauf warten, bis ich dazu bei Euch ebenfalls gezwungen bin. Das erledige ich jetzt auf der Stelle. Versucht es.�</p><p>Liandrin fuhr sich �ngstlich mit der Zunge �ber die Lippen und blickte sich unter den Frauen um, die so steif an der Wand standen. Nur Asne Zaremene wagte es, sich zu r�hren: Sie sch�ttelte ganz leicht den Kopf. Asnes schr�gstehende Augen, hohe Backenknochen und kr�ftige Nase zeigten deutlich, da� sie aus Saldaea stammte, und sie besa� all die K�hnheit, die man den Menschen dieses Landes nachsagte. Wenn selbst sie abriet, wenn in ihren dunklen Augen ein Hauch von Furcht stand, dann war es am besten, zu kriechen, bis Moghedien zufriedengestellt war und in ihrer Aufmerksamkeit nachlie�. Und doch war da dieser kleine Trick.</p><p>Sie fiel mit gesenktem Kopf auf die Knie nieder. Dann blickte sie mit einer Furcht zu der Verlorenen auf, die nur teilweise geheuchelt war. Moghedien sa� entspannt auf dem Stuhl und nippte an ihrem Tee. �Gro�e Herrin, ich bitte Euch, mir zu vergeben, wenn ich hochm�tig war. Ich wei�, da� ich nur wie ein Wurm unter Eurem Fu� bin. Ich bitte Euch als eine, die Eure treue Jagdh�ndin sein m�chte, um Gnade f�r diesen verlorenen Welpen.� Moghedien blickte in ihre Tasse, und blitzschnell, w�hrend sie noch diese Worte stammelte, ri� Liandrin die Macht an sich und lenkte sie auf Moghedien, suchte den Ri� im Selbstvertrauen der Verlorenen, den Ri�, den jede Fassade von Kraft und St�rke aufwies.</p><p>Im gleichen Augenblick, als sie losschlug, war die andere Frau vom Gl�hen <emphasis>Saidars</emphasis> umgeben, und Schmerz h�llte Liandrin ein. Sie brach auf dem Teppich zusammen und versuchte, laut zu heulen, doch eine Qual jenseits aller Schmerzen, die sie jemals gef�hlt hatte, lie� ihren weit aufgerissenen Mund verstummen. Ihre Augen wollten ihr aus dem Kopf bersten; ihre Haut wollte in Streifen abrei�en. Eine Ewigkeit lang zuckte sie, und als es ebenso pl�tzlich aufh�rte, wie es begonnen hatte, konnte sie nur noch daliegen, zittern und mit offenem Mund weinen.</p><p>�Fangt Ihr nun zu begreifen an?� fragte Moghedien gelassen und reichte Temaile die leere Tasse mit einem im Plauderton gesprochenen: �Das war sehr gut. N�chstesmal m�chte ich ihn aber etwas st�rker.� Temaile sah aus, als werde sie gleich in Ohnmacht fallen. �Ihr seid nicht schnell genug, Liandrin, Ihr seid nicht stark genug, und Ihr wi�t nicht genug. Dieser armselige Angriff, mit dem Ihr mich �berraschen wolltet. M�chtet Ihr sehen, wie das wirklich ist?� Sie wob die Macht.</p><p>Liandrin blickte bewundernd zu ihr auf. Sie kroch �ber den Fu�boden und stammelte zwischen den Schluchzern, die sie nicht unterdr�cken konnte: �Vergebt mir, Gro�e Herrin.� Diese prachtvolle Frau war wie ein Stern am Himmel, wie ein Komet, und sie stand noch �ber allen K�nigen und K�niginnen, so wundervoll war sie. �Bitte vergebt�, bettelte sie und k��te immer wieder den Saum von Moghediens Rock. Dazwischen stammelte sie weiter: �Vergebt mir. Ich bin eine H�ndin, ein Wurm.� Sie sch�mte sich zu Tode, weil sie diese Dinge vorher wohl gesagt, aber nicht ernst gemeint hatte. Dabei stimmte das alles. Vor dieser Frau entsprach alles der Wahrheit. �La�t mich Euch dienen, Gro�e Herrin. Gestattet mir, Euch zu dienen. Bitte. Bitte.�</p><p>�Ich bin nicht Graendal�, sagte Moghedien und stie� sie mit einem Fu� im Samtpantoffel grob zur Seite.</p><p>Mit einemmal war diese Verehrung wie weggeblasen. Liandrin lag weinend wie ein H�ufchen Ungl�ck am Boden und erinnerte sich deutlich daran, wie sie diese Frau h�ndisch verehrt hatte. Sie starrte die Verlorene angsterf�llt an.</p><p>�Seid Ihr jetzt �berzeugt, Liandrin?�</p><p>�Ja, Gro�e Herrin�, brachte sie heraus. Sie war �berzeugt. �berzeugt davon, nicht mehr an einen Angriff denken zu d�rfen, bis ihr der Erfolg sicher war. Ihr Trick war nur ein schwacher Abklatsch dessen, was Moghedien fertiggebracht hatte. Wenn sie das nur erlernen k�nnte...</p><p>�Wir werden ja sehen. Ich glaube, Ihr geh�rt zu denen, die eine solche Lehre ein zweites Mal ben�tigen. Betet darum, da� es nicht notwendig wird, Liandrin, denn beim zweiten Mal reagiere ich mit gr��ter H�rte. Nehmt jetzt Euren Platz bei den anderen ein. Ihr werdet sehen, da� ich einige der mit der Macht behafteten Gegenst�nde aus Eurem Zimmer entfernt habe; die restlichen Spielzeuge k�nnt Ihr behalten. Bin ich nicht gut zu Euch?�</p><p>�Die Gro�e Herrin ist so gut zu uns�, pflichtete ihr Liandrin abgehackt und unter gelegentlichem Schluchzen bei, das sie noch immer nicht unterdr�cken konnte.</p><p>Ersch�pft und schlaff taumelte sie hoch und ging hin�ber, wo sie sich neben Asne stellte. Die Wandt�felung an ihrem R�cken half ihr, aufrecht stehen zu bleiben. Sie sah, wie Str�nge aus Luft verwoben wurden, nur aus Luft, doch sie zuckte zusammen, als sie ihren Mund verschlossen und jeden Laut von ihren Ohren fernhielten. Ganz sicher versuchte sie nicht, sich dem entgegenzustemmen. Sie lie� noch nicht einmal einen Gedanken an <emphasis>Saidar</emphasis> bei sich aufkommen. Wer wu�te schon, was eine der Verlorenen alles vollbringen konnte? Vielleicht sogar ihre Gedanken lesen? Dieser Gedankengang lie� sie beinahe fl�chten. Aber nein. Wenn Moghedien ihre Gedanken kannte, dann w�re sie jetzt schon tot. Oder l�ge noch immer schreiend auf dem Boden. Oder k��te Moghediens F��e und bettelte darum, dienen zu d�rfen. Liandrin zitterte unwillk�rlich wieder. H�tte das Luftgewebe ihren Mund nicht geknebelt, dann h�tten jetzt ihre Z�hne geklappert.</p><p>Moghedien webte die gleichen Fesseln um sie alle bis auf Rianna. Die holte sie mit einem Wink ihres Fingers zu sich heran und lie� sie vor sich niederknien. Nach kurzer Zeit stand Rianna wieder auf und ging. Nun wurde Marillin Gemalphin von ihren Knebeln erl�st und herangerufen.</p><p>Von ihrem Standpunkt aus konnte Liandrin ihre Gesichter sehen, auch wenn sich ihre M�nder f�r sie v�llig lautlos bewegten. Eindeutig empfing jede Frau nun Befehle, von denen die anderen nichts wissen sollten. Den Gesichtern war aber kaum etwas abzulesen. Rianna lauschte lediglich mit einer Andeutung von Erleichterung im Blick. Dann neigte sie den Kopf in schweigender Zustimmung und verlie� den Raum. Marillin blickte erst �berrascht und dann eifrig drein, aber sie war eben eine Braune gewesen, und die Braunen konnten sich f�r alles begeistern, was ihnen eine Gelegenheit verschaffte, irgendein verschimmeltes Fragment verlorenen Wissens auszugraben. Jeaine Caides Gesicht wandelte sich langsam zu einer Maske unverhohlenen Schreckens. Zuerst sch�ttelte sie den Kopf und versuchte, sich und dieses widerlich durchscheinende Kleid mit den H�nden zu verdecken, doch dann verh�rtete sich Moghediens Miene, und Jeaine nickte hastig und floh, nicht ganz so von Eifer erf�llt wie Marillin, aber genauso schnell. Berylla Naron, so mager, da� sie fast schwinds�chtig wirkte, aber eine der kl�gsten Intrigantinnen, die es gab, und Falion Bhoda mit ihrem langen und trotz ihrer offensichtlichen Furcht kalt wirkenden Gesicht zeigten genausowenig Ausdruck wie Rianna zuvor. Ispan Shefar, die wohl dunkelhaarig war, aber genau wie Liandrin aus Tarabon kam, k��te sogar Moghediens Rocksaum, bevor sie sich wieder erhob.</p><p>Dann wurden die Str�nge um Liandrin gel�st. Sie dachte sich, jetzt sei sie an der Reihe, mit einem der Schatten wu�te wie auch immer gearteten Auftrag losgeschickt zu werden. Doch dann sah sie, da� auch die Bande um die anderen verbliebenen Frauen gleichzeitig gel�st wurden. Moghediens Finger winkte herrisch, und Liandrin kniete zwischen Asne und Chesmal Emry, einer hochgewachsenen, gutaussehenden Frau mit dunklem Haar und dunklen Augen nieder. Chesmal, die ehemalige Gelbe, konnte mit gleicher Leichtigkeit heilen wie t�ten, doch so eindringlich und konzentriert, wie sie nun Moghedien anblickte, und so, wie sie die H�nde in ihren Rock verkrampfte, wu�te Liandrin, da� sie jetzt nur noch an Gehorsam dachte.</p><p>Sie w�rde sehr genau beobachten und sich an solche Beobachtungen auch halten m�ssen, �berlegte Liandrin. Falls sie einer der anderen sagte, sie glaube, eine Belohnung erhalten zu k�nnen, wenn sie Moghedien den anderen Verlorenen �bergab, konnte sich das m�glicherweise katastrophal auswirken, denn vielleicht hatte sich die Angesprochene ja daf�r entschieden, da� es in ihrem Interesse l�ge, Moghediens Scho�h�ndchen zu werden und wiederum sie zu verraten. Bei dem Gedanken an eine zweite �Belehrung� dieser Art h�tte sie beinahe gewimmert.</p><p>�Euch werde ich bei mir behalten�, erkl�rte die Verlorene nun, �und zwar f�r die wichtigste Aufgabe �berhaupt. Was die anderen zu tun haben, mag ja s��e Fr�chte tragen, aber f�r mich werdet Ihr die wichtigste Ernte einbringen. Eine ganz pers�nliche Ernte. Es gibt da eine Frau namens Nynaeve al'Meara.� Liandrins Kopf ruckte hoch, und der Blick aus Moghediens dunklen Augen wurde sch�rfer. �Wi�t Ihr von ihr?�</p><p>�Ich verachte sie�, erwiderte Liandrin der Wahrheit entsprechend. �Sie ist eine schmutzige Wilde, die man niemals zur Burg h�tte zulassen d�rfen.� Sie verabscheute alle Wilden. W�hrend sie davon tr�umte, eine Schwarze Ajah zu werden, hatte sie sich ein ganzes Jahr lang bem�ht, den Gebrauch der Macht allein zu erlernen, bevor sie zur Burg ging, aber nat�rlich war sie deshalb auf keinen Fall eine Wilde.</p><p>�Sehr gut. Ihr f�nf werdet sie f�r mich suchen. Ich will sie lebend haben. O ja, ich brauche sie lebendigen Leibs.� Moghediens L�cheln lie� Liandrin schaudern. Ihr Nynaeve und die beiden anderen zu �bergeben mochte sich als ausgesprochen vorteilhaft erweisen. �Vorgestern befand sie sich in einem Dorf namens Sienda, etwa sechzig Meilen �stlich von hier, zusammen mit einer anderen jungen Frau, an der ich m�glicherweise Interesse habe, doch dann sind sie verschwunden. Ihr werdet...�</p><p>Liandrin lauschte hingebungsvoll. Was diese Sache betraf, w�rde sie eine zuverl�ssige J�gerin sein. Was die andere betraf, mu�te sie sich in Geduld h�llen und abwarten.</p></section><section><title><p>19</p><p>Erinnerungen</p></title><p>Meine K�nigin?� Morgase blickte von dem Buch auf ihrem Scho� auf. Sonnenschein fiel schr�g durch das Fenster des Gemachs gleich neben ihrem Schlafzimmer. Es war bereits hei�, und nicht einmal eine leichte Brise kam auf. Ihr Gesicht war feucht vom Schwei�. Bald war Mittagszeit, und sie hatte den Raum bisher nicht verlassen. Das sah ihr gar nicht �hnlich; sie erinnerte sich aber nicht mehr, warum sie beschlossen hatte, faul mit einem Buch den ganzen Vormittag �ber liegenzubleiben. In letzter Zeit hatte sie sich nicht mehr richtig auf das Lesen konzentrieren k�nnen. Der goldenen Uhr auf dem Kaminsims nach war schon eine Stunde vergangen, seit sie zum letztenmal umgebl�ttert hatte. Sie konnte sich auch nicht an den Inhalt erinnern. Das mu�te wohl an der Hitze liegen.</p><p>Der junge Gardeoffizier im roten Kurzmantel, der vor ihr kniete und dabei eine Faust auf den rotgoldenen Teppich st�tzte, schien ihr irgendwie vertraut. Einst hatte sie den Namen jedes einzelnen Gardesoldaten gekannt, der zum Dienst im Palast abgestellt wurde. Vielleicht lag es an all diesen neuen Gesichtern. �Tallanvor�, sagte sie und war selbst �berrascht dar�ber. Er war ein hochgewachsener und gutgebauter junger Mann, doch sie wu�te nicht zu sagen, warum sie sich gerade an ihn erinnert hatte. Hatte er nicht vor langer Zeit jemanden zu ihr gef�hrt? Vor langer Zeit? �Gardeleutnant Martyn Tallanvor.�</p><p>Er sah sie mit �berraschend aufgew�hltem Blick an, bevor er wieder die Augen niederschlug. �Meine K�nigin, vergebt mir, aber ich bin best�rzt, da� Ihr trotz der Neuigkeiten von heute morgen hiergeblieben seid.�</p><p>�Welche Neuigkeiten?� Es w�re gut, einmal etwas anderes zu erfahren als lediglich Alteimas Klatsch vom Hof von Tear. Manchmal war ihr, als h�tte sie der Frau eigentlich eine Frage stellen wollen, doch dann klatschten die anderen wieder blo�, was fr�her gar nicht ihre Art gewesen war. Gaebril schien es zu gefallen, wenn er ihnen zuh�rte. Dann sa� er mit �bergeschlagenen Beinen auf dem Sessel mit der hohen Lehne gleich vor dem Kamin, l�chelte zufrieden und lauschte. Alteima hatte in letzter Zeit begonnen, ziemlich gewagte Kleider zu tragen; Morgase w�rde wohl ein ernstes W�rtchen mit ihr sprechen m�ssen. Dunkel erinnerte sie sich daran, dasselbe fr�her schon gedacht zu haben. <emphasis>Unsinn. H�tte ich daran gedacht, dann w�re das auch schon geschehen.</emphasis> Sie sch�ttelte den Kopf, und dann wurde ihr bewu�t, da� sich ihre Gedanken ganz von dem jungen Offizier abgewandt hatten. Er hatte zu sprechen begonnen und dann wieder aufgeh�rt, als er sah, da� sie gar nicht zuh�rte. �Sagt es mir noch einmal. Ich war abgelenkt. Und steht auf dabei.�</p><p>Er erhob sich mit zorniger Miene. Sein Blick brannte f�rmlich auf ihr, bevor er erneut die Augen niederschlug. Sie sah an sich hinunter, um festzustellen, wohin er vorher gestarrt hatte, und dann err�tete sie, denn ihr Kleid war extrem tief ausgeschnitten. Doch Gaebril gefiel es, wenn sie solche Gew�nder trug. Bei diesem Gedanken war es ihr v�llig gleichg�ltig, da� sie halbnackt vor einem ihrer Offiziere stand.</p><p>�Fa�t Euch kurz�, sagte sie knapp. <emphasis>Wie kann er es nur wagen, mich so anzusehen? Ich sollte ihn auspeitschen lassen.</emphasis> �Welche Neuigkeiten sind denn so wichtig, da� Ihr deswegen in mein Gemach kommt, als sei es der Schankraum einer Taverne?� Sein Gesicht lief noch dunkler an, aber sie wu�te nicht, ob aus angemessener Verlegenheit, oder ob sich lediglich sein Zorn noch gesteigert hatte. <emphasis>Wie kann er es nur wagen, auf seine K�nigin zornig zu sein? Glaubt der Mann, ich h�tte nichts anderes zu tun, als ihm zuzuh�ren?</emphasis></p><p>�Eine Rebellion, meine K�nigin�, sagte er mit ausdrucksloser Stimme, und alle Gedanken an Zorn und freche Blicke waren mit einemmal fortgewischt.</p><p>�Wo?�</p><p>�An den Zwei Fl�ssen, meine K�nigin. Jemand hat dort die alte Flagge von Manetheren gehi�t, den Roten Adler. Ein Bote kam heute morgen aus Wei�br�cke.�</p><p>Morgase trommelte mit den Fingern auf dem Buch, und ihre Gedanken waren, wie ihr schien, klarer als je zuvor. Irgend etwas mit den Zwei Fl�ssen nagte in ihr, aber sie kam noch nicht darauf, was es war. Diese Region war ja kaum ein richtiger Teil Andors, und das war schon seit Generationen so gewesen. Sie hatte genau wie die drei K�niginnen vor ihr Schwierigkeiten gehabt, die Minenarbeiter und Schmelzer in den Verschleierten Bergen auch nur halbwegs unter Kontrolle zu halten. Und selbst das w�re nicht zu schaffen gewesen, wenn es einen anderen Weg gegeben h�tte, die Metalle auszuf�hren, als eben ausgerechnet mitten durch Andor, wo die Handelsstra�en verliefen. Die Wahl, entweder weiterhin die Hand auf Gold, Eisen und die anderen Metalle aus den Bergwerken zu halten, oder statt dessen den Handel mit Wolle und Tabak von den Zwei Fl�ssen zu beherrschen, war ihr nicht schwergefallen. Aber ein Aufstand, mit dem sie nicht fertig wurde, obschon in einem Teil des Landes, den sie wohl nur der Landkarte nach regierte, konnte zum Fl�chenbrand werden und sich auf Teile des Landes ausbreiten, die nun wirklich f�r sie wichtig waren. Manetheren, das w�hrend der Trolloc-Kriege zerst�rt worden war, spukte noch immer vielen Menschen im Kopf herum. Au�erdem <emphasis>geh�rten</emphasis> ihr die Zwei Fl�sse! Auch wenn sie lange Zeit sich selbst �berlassen gewesen waren, geh�rten sie doch zu ihrem Herrschaftsbereich.</p><p>�Wurde Lord Gaebril informiert?� Nat�rlich nicht. Sonst w�re er mit dieser Neuigkeit zu ihr gekommen und h�tte Vorschl�ge mitgebracht, wie sie damit fertig werden k�nne. Seine Vorschl�ge und Anregungen waren immer zutreffend. <emphasis>Vorschl�ge?</emphasis> Irgendwie schien es ihr, als erinnere sie sich daran, da� er ihr gesagt hatte, was sie tun solle. Aber das war nat�rlich unm�glich.</p><p>�Er wurde informiert, meine K�nigin.� Tallanvors Stimme klang immer noch unbeteiligt, im Gegensatz zu seinem Gesicht, das nach wie vor zornrot gl�hte. �Er lachte. Er sagte, die Zwei Fl�sse br�chten ja wohl st�ndig Unruhen hervor, und eines Tages werde er sich ernsthaft damit besch�ftigen m�ssen. Und er meinte, dieses unwesentliche �rgernis m�sse im Moment hinter andere, wichtigere Probleme zur�cktreten.�</p><p>Das Buch fiel zu Boden, als sie aufsprang, und sie glaubte, auf Tallanvors Miene grimmige Befriedigung zu entdecken, w�hrend sie an ihm vorbeirauschte. Eine Dienerin sagte ihr, wo sie Gaebril finden k�nne, und so marschierte sie geradewegs zu dem von S�ulen umgebenen Innenhof mit dem Marmorbrunnen, in dessen Becken Fische und Wasserlilien schwammen. Hier war es k�hler und sogar ein wenig schattig.</p><p>Gaebril sa� auf dem breiten, wei�en Brunnenrand, und um ihn herum standen Lords und Ladies des Hofstaats. Sie erkannte nur weniger als die H�lfte von ihnen. Da war der dunkelhaarige Jarid aus dem Hause Sarand mit seinem kantigen Gesicht und neben ihm seine z�nkische, blonde Frau Elenia. Diese affektierte Arymilla aus dem Hause Marne, die ihre braunen Rehaugen immer in vorget�uschtem Interesse so weit aufri�, dazu das Bocksgesicht des knochigen Masin aus dem Hause Caeren, der trotz seines d�nnen wei�en Haars noch mit jeder Frau ins Bett ging, die er dazu bringen konnte. Naean aus dem Hause Arawn, bei der wie gew�hnlich ein h�hnisches L�cheln die bleiche Sch�nheit minderte, und Lir aus dem Hause Baryn, ein sehniger, energiegeladener Mann, der heute ausgerechnet ein Schwert an der Seite trug, und Karind aus dem Hause Anschar, von der man sagte, ihr giftiger Blick habe bereits drei Ehem�nner ins Grab gebracht. Die anderen kannte sie nicht, und das war schon einigerma�en eigenartig. Aber diese paar, die sie erkannte, hatte sie au�er zu gro�en Anl�ssen niemals in den Palast hereingelassen. Jeder von ihnen hatte sich w�hrend des Streits um die Thronfolge gegen sie gestellt. Elenia und Naean hatten selbst Anspruch auf den L�wenthron erhoben. Was dachte sich Gaebril dabei, wenn er sie jetzt tats�chlich herbeiholte?</p><p>�... die Gr��e unserer G�ter in Cairhien, mein Lord�, sagte Arymilla gerade und beugte sich fast �ber Gaebril, als Morgase sich ihnen n�herte. Keiner von ihnen beachtete sie sonderlich. Als sei sie eine Dienerin, die Wein brachte!</p><p>�Ich will mit dir �ber das Problem mit den Zwei Fl�ssen sprechen, Gaebril. Unter vier Augen.�</p><p>�Das wurde bereits erledigt, meine Liebe�, sagte er gelangweilt und lie� seine Finger ins Wasser h�ngen. �Ich besch�ftige mich gerade mit anderen Dingen. Ich glaubte, du wolltest w�hrend der Hitze des Tages lesen? Du solltest in deine Gem�cher zur�ckkehren, bis die K�hle des Abends hereinbricht, soweit man bei diesem Wetter davon sprechen kann.�</p><p>Meine Liebe. Er hatte sie vor diesen Eindringlingen �meine Liebe� genannt! So sehr sie das mochte, wenn sie allein miteinander waren... Elenia verbarg ihren Mund hinter der vorgehaltenen Hand. �Ich denke nicht, das ich das tun werde, Lord Gaebril�, sagte Morgase in eisigem Tonfall. �Ihr werdet jetzt mit mir kommen. Und diese anderen hier werden sich bei meiner R�ckkehr nicht mehr im Palast befinden, sonst verbanne ich sie ganz aus Caemlyn.�</p><p>Mit einemmal war er auf den Beinen; ein gro�er Mann, der �ber ihr aufragte. Sie schien nicht mehr in der Lage, auf etwas anderes zu blicken als in seine dunklen Augen. Ihre Haut brannte, als wehe ein eisiger Wind durch den kleinen Hof. �Du gehst jetzt und wartest auf mich, Morgase.� Seine Stimme war wie ein fernes Dr�hnen, das alles andere �bert�nte. �Ich habe alles angeordnet, was erledigt werden mu�te. Heute abend komme ich zu dir. Jetzt geh! Du wirst jetzt gehen.�</p><p>Sie hatte eine Hand erhoben, um die T�r ihres Gemachs zu �ffnen, als ihr klar wurde, wo sie sich befand. Und was geschehen war. Er hatte ihr befohlen, zu gehen, und sie war gegangen. Entsetzt blickte sie die T�r an, sah vor sich das freche Grinsen der M�nner und das offene Lachen einiger Frauen. <emphasis>Was ist mit mir passiert? Wie konnte ich bei einem Mann derart schwach werden?</emphasis> Sie sp�rte immer noch den Drang, hineinzugehen und auf ihn zu warten.</p><p>Wie vor den Kopf geschlagen, zwang sie sich, umzukehren und wegzugehen. Es kostete sie viel M�he. Innerlich wand sie sich vor Schmerz, als sie sich Gaebrils Entt�uschung vorstellte, wenn er sie nicht dort vorfand, wo er sie zu finden erwartete, und als sie sich dieses Gedankens bewu�t wurde, verursachte ihr das noch gr��ere Schmerzen.</p><p>Zuerst hatte sie keine Ahnung, warum und wohin sie ging, nur da� sie nicht so einfach gehorsam warten w�rde, nicht auf Gaebril und im �brigen auf keinen Mann oder keine Frau dieser Welt. Immer wieder kam ihr dieser Innenhof mit dem Brunnen in den Sinn, wie er ihr befohlen hatte, zu gehen, und diese ha�erf�llten und gleichzeitig am�sierten Blicke der Beobachter. Ihr Verstand war nach wie vor benebelt. Sie verstand nicht, wie und warum das alles hatte geschehen k�nnen. Sie mu�te sich zwingen, an etwas zu denken, das sie verstand, mit dem sie fertig werden konnte. An Jarid Sarand und die anderen.</p><p>Als sie den Thron damals bestiegen hatte, hatte sie eine Amnestie erlassen f�r alles, was w�hrend des Thronnachfolgestreits vorgefallen war, und diese Amnestie galt f�r alle, die sich gegen sie gestellt hatten. Es schien der beste Weg zu sein, alle Feindseligkeiten zu begraben, bevor sie zu einem schwelenden Brand von Intrigen und Gegenintrigen f�hrten, wie es in so vielen L�ndern der Fall war.</p><p>Man nannte es das �Spiel der H�user� � <emphasis>Daes Dae'mar</emphasis> �oder auch das Gro�e Spiel, und es f�hrte zu endlosen, verwickelten Fehden zwischen den Adelsfamilien und gar zum Sturz von Herrschern. Das Gro�e Spiel stand im Mittelpunkt des B�rgerkriegs in Cairhien und hatte zweifellos seinen Teil zu dem Aufruhr in Arad Doman und Tarabon beigetragen. Die Amnestie hatte damals alle betreffen m�ssen, um zu verhindern, da� auch in Andor <emphasis>Daes Dae'mar</emphasis> in Gang kam; doch h�tte sie einige davon ausgenommen, w�ren es auf jeden Fall gerade jene sieben gewesen.</p><p>Das wu�te Gaebril. In der �ffentlichkeit hatte sie sich ihre Abneigung nicht anmerken lassen, doch privat war dies durchaus zur Sprache gekommen. Man hatte ihnen den Mund zwangsweise �ffnen m�ssen, damit sie ihren Treueeid leisteten, und sie konnte die L�ge von ihren Lippen ablesen. Jeder von ihnen w�rde die Chance beim Schopf ergreifen, sie zu st�rzen, und alle sieben zusammen...</p><p>Es gab eigentlich nur einen Schlu�, den sie aus all dem ziehen konnte: Gaebril hatte sich gegen sie gestellt. Aber bestimmt nicht, um statt ihrer Elenia oder Naean auf den Thron zu setzen. <emphasis>Nicht, wenn er mich schon hat,</emphasis> dachte sie bitter, <emphasis>und ich mich wie sein Scho�h�ndchen verhalte.</emphasis> Wahrscheinlich wollte er sie endg�ltig verdr�ngen und sich zum ersten K�nig machen, den Andor je gehabt hatte. Und trotzdem versp�rte sie noch immer den Wunsch, zu ihrem Buch zur�ckzukehren und auf ihn zu warten. Selbst jetzt sehnte sie sich noch nach seiner Ber�hrung.</p><p>Erst als sie die gealterten Gesichter im Gang bemerkte, die runzligen Wangen und meist gebeugten R�cken, wurde ihr bewu�t, wo sie sich befand: im Quartier der Pension�re. Einige Diener kehrten zu ihren Familien zur�ck, wenn sie in die Jahre kamen, aber andere hatten so lange Zeit im Palast zugebracht, da� sie sich ein anderes Leben nicht mehr vorstellen konnten. Hier hatten sie ihre eigenen kleinen Wohnungen, ihren eigenen schattigen Garten und einen gro�en Hof. Wie jede K�nigin vor ihr half sie ihnen, ihre kleine Pension aufzubessern, indem sie ihnen gestattete, in der Hofk�che Lebensmittel unter Preis zu erwerben, und in der Krankenstube des Palastes wurden ihre Wehwehchen behandelt. M�hsame Verbeugungen und unsichere Knickse folgten ihr, und dazu Gemurmel wie: �Das Licht leuchte Euch, meine K�nigin�, oder �Das Licht segne Euch, meine K�nigin�, und �Das Licht sch�tze Euch, meine K�nigin�. Sie dankte geistesabwesend. Nun wu�te sie, wohin sie ging.</p><p>Linis T�r sah aus wie jede andere in dem gr�ngefliesten Korridor, mit einem sich aufb�umenden L�wen von Andor als einziger Verzierung. Sie dachte nicht daran anzuklopfen, bevor sie eintrat, denn sie war die K�nigin und das war ihr Palast. Ihr altes Kinderm�dchen war nicht da, aber der �ber einem kleinen Feuer im Backsteinkamin dampfende Teekessel sagte ihr, da� es nicht lang dauern k�nne, bis sie zur�ckkehrte.</p><p>Die beiden gem�tlichen Zimmer waren ordentlich eingerichtet, das Bett war perfekt gemacht, die beiden St�hle haargenau vor dem Tisch ausgerichtet, auf dem exakt in der Mitte eine blaue Vase mit ein wenig Gr�nzeug stand. Lini hatte immer penibel auf Ordnung geachtet. Morgase h�tte wetten k�nnen, da� selbst im Kleiderschrank im Schlafzimmer jedes Kleid im gleichen Abstand vom n�chsten hing, so wie die Kocht�pfe im Schrank neben dem Kamin dieses Zimmers. Auf dem Kaminsims bildeten sechs auf Elfenbein gemalte Portraits in kleinen Holzst�ndern eine gerade Linie. Wie Lini sich die von ihrem Gehalt als Kinderm�dchen hatte leisten k�nnen, konnte sich Morgase nach wie vor nicht vorstellen, aber nat�rlich war es ihr schlecht m�glich, eine solche Frage zu stellen. Paarweise betrachtet, stellten sie drei junge Frauen dar und die gleichen drei als Babies. Elayne war dabei und auch sie selbst. Sie nahm das Portrait herunter, das sie mit vierzehn zeigte, ein schlankes F�llen von einem M�dchen, und konnte kaum glauben, da� sie einmal so unschuldig ausgesehen hatte. Sie hatte dieses elfenbeinfarbene Seidenkleid an dem Tag getragen, als sie zur Wei�en Burg abreiste. Zu der Zeit hatte sie nicht einmal davon getr�umt, einst K�nigin zu werden. Lediglich die vage Hoffnung darauf, zur Aes Sedai erhoben zu werden, hatte sie damals motiviert.</p><p>Geistesabwesend spielte sie an dem Ring der Gro�en Schlange an ihrer linken Hand herum. Den hatte sie sich, genaugenommen, nicht verdient, denn Frauen, die die Macht nicht lenken konnten, bekamen eigentlich einen solchen Ring nicht verliehen. Doch sie war kurz vor ihrem sechzehnten Namenstag zur�ckgekehrt, um im Namen des Hauses Trakand den Kampf um die Rosenkrone aufzunehmen, und als sie knapp zwei Jahre sp�ter den Thron tats�chlich bestieg, hatte man ihr den Ring �berreicht. Es war Tradition, da� die Tochter-Erbin von Andor immer in der Wei�en Burg ausgebildet wurde, und so gab man ihr in Anerkennung der langen und treuen Unterst�tzung der Burg durch Andor den Ring als Geschenk, ob sie nun die Macht ben�tzen konnte oder nicht.</p><p>Sie stellte ihr Portrait zur�ck und nahm dasjenige ihrer Mutter herunter, die zu der Zeit vielleicht zwei Jahre �lter gewesen war. Lini war das Kinderm�dchen von drei Generationen der Trakand-Frauen gewesen. Maighdin Trakand war auf dem Bild bereits eine sch�ne Frau. Morgase erinnerte sich noch an dieses L�cheln und wie daraus ein stolzes m�tterliches Strahlen geworden war. Maighdin h�tte eigentlich der L�wenthron geb�hrt. Doch ein Fieber hatte sie ihr entrissen, und so war ein junges M�dchen pl�tzlich zum Hochsitz des Hauses Trakand geworden, mitten in einer Auseinandersetzung um den Thron und lediglich unterst�tzt von den Vasallen ihres Hauses und ihrem Hofbarden. <emphasis>Ich habe den L�wenthron gewonnen. Ich werde ihn nicht aufgeben und nicht zulassen, da� ein Mann ihn besteigt. Tausend Jahre lang ist Andor von K�niginnen regiert worden, und das wird jetzt nicht anders werden!</emphasis></p><p>�Pfuschst du wieder an meinen Sachen herum, Kind?�</p><p>Die Stimme l�ste lange vergessen geglaubte Reflexe aus. Morgase hatte die Miniatur schon hinter dem R�cken verborgen, bevor sie sich dessen bewu�t wurde. Dann sch�ttelte sie schuldbewu�t den Kopf und stellte das Portrait in seinen St�nder auf dem Kaminsims zur�ck. �Ich bin nicht mehr das M�dchen aus dem Kinderzimmer, Lini. Daran mu�t du denken, sonst wirst du eines Tages etwas sagen, was ich nicht durchgehen lassen darf.�</p><p>�Mein Hals ist mager und alt�, sagte Lini und legte ein Netz mit Karotten und Zwiebeln auf den Tisch. Sie wirkte zerbrechlich in ihrem sauberen grauen Kleid. Das wei�e Haar hatte sie zu einem Knoten gebunden, und die Haut spannte sich wie Pergament �ber ihr schmales Gesicht.</p><p>Doch sie ging hoch aufgerichtet, ihre Stimme war klar und fest, und ihre dunklen Augen blickten so scharf wie immer drein. �Wenn du ihn einem Henker oder einem Scharfrichter �bergeben willst, dann nur zu. Ich bin sowieso bald am Ende. �Ein verknorzter alter Zweig macht die Klinge stumpf, die den jungen Trieb durchschneidet.��</p><p>Morgase seufzte. Lini w�rde sich nie �ndern. Sie machte nicht einmal einen Knicks, wenn der ganze Hofstaat zuschaute. �Du wirst h�chstens noch z�her durch das Alter. Ich bin nicht sicher, ob der Scharfrichter eine Axt findet, die scharf genug ist f�r deinen Hals.�</p><p>�Du hast mich lange nicht besucht, also nehme ich an, dich besch�ftigt irgend etwas. Als du noch in meinem Kinderzimmer warst und auch sp�ter, bist du immer zu mir gekommen, wenn du mit einem Problem nicht fertig wurdest. Soll ich uns eine Kanne Tee bereiten?�</p><p>�Lange nicht besucht, Lini? Ich besuche dich doch jede Woche, und das ist ein Wunder, so, wie du mit mir umgehst. Ich w�rde die h�chststehende Lady Andors ins Exil schicken, wenn sie nur halb soviel sagte wie du.�</p><p>Lini sah sie gelassen an. �Du hast meine Zimmer seit dem Fr�hling nicht mehr betreten. Und ich rede so wie immer; ich bin jetzt zu alt, um mich noch zu �ndern. M�chtest du Tee?�</p><p>�Nein.� Morgase fa�te sich verwirrt an den Kopf. Sie besuchte Lini doch jede Woche. Sie erinnerte sich deutlich, da� sie... Nein, sie konnte sich nicht daran erinnern. Gaebril hatte ihre Stunden so vollst�ndig ausgef�llt, da� es ihr manchmal schwerfiel, sich an etwas anderes als ihn zu erinnern. �Nein, ich m�chte keinen Tee. Ich wei� selbst nicht, warum ich herkam. Du kannst mir bei meinem Problem sowieso nicht helfen.�</p><p>Ihr altes Kinderm�dchen schnaubte, doch irgendwie brachte sie es fertig, da� selbst dieses Ger�usch noch fein und damenhaft wirkte. �Dein Problem ist Gaebril, oder? Nur sch�mst du dich, mir das zu sagen. M�dchen, ich habe dir in der Wiege die Windeln gewechselt, ich habe dich gepflegt, wenn du krank warst und dein Magen rebelliert hat, und ich habe dir alles beigebracht, was du �ber die M�nner wissen mu�test. Du hast dich nie gesch�mt, mit mir �ber etwas zu sprechen, und jetzt ist nicht der rechte Zeitpunkt f�r solche Neuerungen.�</p><p>�Gaebril?� Morgase ri� die Augen auf. �Das wei�t du? Woher denn?�</p><p>�O Kind�, sagte Lini traurig, �jeder wei� das, aber niemand hat den Mut, es dir zu sagen. Ich h�tte es getan, wenn du dich nicht von mir ferngehalten h�ttest, aber ich konnte ja mit so etwas nicht zu dir gerannt kommen, oder? Das ist eben so eine Sache, die eine Frau nicht glauben kann, bis sie es von selbst herausfindet.�</p><p>�Wovon sprichst du eigentlich?� wollte Morgase wissen. �Es war deine Pflicht, zu mir zu kommen, wenn du etwas wu�test, Lini. Es w�re jedermanns Pflicht gewesen! Licht, ich bin wohl die letzte, die etwas erf�hrt, und nun ist es vielleicht zu sp�t, um noch etwas zu �ndern!�</p><p>�Zu sp�t?� fragte Lini ungl�ubig. �Warum sollte es zu sp�t sein? Werft doch einfach Gaebril aus dem Palast und aus Andor hinaus, und schickt gleich Alteima und die anderen hinterher, dann ist die Sache erledigt. Zu sp�t �da� ich nicht lache!�</p><p>Einen Augenblick lang verschlug es Morgase die Sprache. �Alteima�, brachte sie schlie�lich heraus, �und... die anderen?�</p><p>Lini sah sie mit gro�en Augen an und sch�ttelte dann angewidert den Kopf. �Ich bin eine t�richte alte N�rrin. Mein Verstand ist ja wohl ausgetrocknet. Na ja, jetzt wei�t du Bescheid. �Wenn der Honig erst aus der Wabe ist, kann man ihn nicht zur�ckgie�en. �� Ihre Stimme klang nun sanfter und doch gleichzeitig knapp und sachlich. So hatte sie mit Morgase gesprochen, als sie ihr sagte, ihr Pony habe sich das Bein gebrochen und m�sse get�tet werden. �Gaebril verbringt wohl die meisten N�chte mit dir, aber er widmet Alteima beinahe genauso viel Zeit wie dir. F�r die anderen sechs bleibt ihm dann kaum mehr Zeit, aber immerhin. F�nf davon haben Zimmer im Palast, damit er schneller zu ihnen kommt. Eine, ein junges Ding mit ganz gro�en Augen, schmuggelt er herein und wieder hinaus, und selbst bei dieser Hitze mu� sie sich immer in eine lange Robe h�llen. Vielleicht hat sie einen Ehemann. Es tut mir ja leid, M�dchen, aber das ist nun mal die Wahrheit. �Besser, sich dem B�ren zu stellen, als davor wegzurennen.��</p><p>Morgase bekam weiche Knie, und wenn ihr Lini nicht ganz schnell einen Stuhl untergeschoben h�tte, w�re sie wohl zu Boden gegangen. Alteima. Nun erschien es ihr in einem anderen Licht, da� er sie so gern beim Tratschen miteinander beobachtete. Ein Mann, der gen��lich seinen beiden Lieblingskatzen beim Spielen zusah. Und dann noch <emphasis>sechs</emphasis> andere! Zorn kochte in ihr hoch, ein Zorn, wie er nicht dagewesen war, als sie lediglich glaubte, er sei hinter ihrem Thron her. Da hatte sie noch kalt und n�chtern �berlegen k�nnen, so gut das ihr eben in letzter Zeit m�glich gewesen war. Das war eine Gefahr gewesen, der man mit k�hlem Kopf entgegentreten konnte. Aber nun dieses! Der Mann hatte seine Geliebten in ihrem Palast eingenistet! Er hatte sie zu nichts weniger gemacht als zu eben einem seiner Flittchen! Sie wollte seinen Kopf haben. Sie w�nschte, da� man ihm bei lebendigem Leib die Haut abzog. Das Licht sei ihr gn�dig, aber sie sehnte sich nach seiner Ber�hrung. <emphasis>Ich werde wahnsinnig!</emphasis></p><p>�Das wird zusammen mit allem anderen abgehandelt werden�, sagte sie eisig. Viel hing jetzt davon ab, wer sich gerade in Caemlyn befand und wer sich auf den Landg�tern aufhielt. �Wo ist Lord Pelivar? Lord Abelle? Lady Arathelle?� Sie f�hrten starke H�user und hatten viele Vasallen.</p><p>�Im Exil�, sagte Lini bed�chtig und warf ihr dabei einen eigenartigen Blick zu. �Du hast sie im letzten Fr�hjahr aus der Stadt verbannt.�</p><p>Morgase erwiderte den Blick mit gro�en Augen. Sie konnte sich an nichts erinnern. Erst jetzt kam ihr eine ganz vage und dunkle Erinnerung. �Lady Ellorien?� fragte sie in schleppendem Ton. �Lady Aemlyn und Lord Luan?� Weitere starke H�user. Es waren H�user, die bereits hinter ihr gestanden hatten, bevor sie den Thron bestieg.</p><p>�Im Exil�, antwortete Lini genauso bed�chtig. �Ihr habt Ellorien auspeitschen lassen, weil sie nach dem Grund fragte.� Sie b�ckte sich und strich Morgase die Haare aus dem Gesicht. Ihre schwieligen Finger streichelten kurz ihre Wange wie fr�her, wenn sie nachf�hlte, ob Morgase Fieber habe. �F�hlst du dich wohl, M�dchen?�</p><p>Morgase nickte dumpf, vor allem weil sie sich nun undeutlich erinnerte. Ellorien, wie sie vor Emp�rung geschrien hatte, als man ihr das Kleid hinten herunterri�.</p><p>Das Haus Traemane war das allererste gewesen, das Trakand unterst�tzt hatte, gef�hrt von einer molligen, h�bschen Frau, die nur ein paar Jahre �lter war als Morgase. Gef�hrt von Ellorien, die nun zu ihren engsten Freunden geh�rte. Oder besser, geh�rt hatte. Elayne war nach Elloriens Gro�mutter benannt worden. Dunkel erinnerte sie sich daran, da� andere die Stadt verlassen hatten, sich von ihr abgewandt hatten, wie es jetzt wohl offensichtlich war. Und die Verbliebenen? Entweder waren es H�user, die zu schwach waren, um jetzt von Nutzen zu sein, oder es waren sowieso Kriecher. Sie schien sich daran zu erinnern, da� sie unz�hlige Dokumente unterzeichnet und damit neue Adelstitel geschaffen hatte, die ihr von Gaebril vorgelegt worden waren. Gaebrils Speichellecker und ihre Feinde �und das waren alle, bei denen man davon ausgehen konnte, da� sie in Caemlyn noch Macht besa�en.</p><p>�Es ist mir gleich, was du da behaupten magst�, sagte Lini mit Entschlossenheit im Tonfall. �Du hast kein Fieber, aber mit dir stimmt trotzdem etwas nicht. Du brauchst eine Heilerin von den Aes Sedai, das ist ganz klar.�</p><p>�Keine Aes Sedai.� Morgases Stimme klang noch h�rter. Sie ber�hrte kurz ihren Ring. Ihr war bewu�t, da� ihre Feindseligkeit der Burg gegen�ber in einem inzwischen v�llig unvern�nftigen Ma�e gewachsen war, aber sie konnte sich einfach nicht dazu zwingen, jemandem zu trauen, der versuchte, ihre eigene Tochter vor ihr zu verbergen. Auf ihren Brief an die neue Amyrlin, in dem sie Elaynes R�ckkehr forderte � niemand <emphasis>forderte</emphasis> etwas von einer Amyrlin, doch sie hatte das getan �, hatte sie noch keine Antwort erhalten. Er mochte wohl auch Tar Valon gerade erst erreicht haben. Auf jeden Fall war es f�r sie eine schlichte Tatsache, da� sie keine Aes Sedai in ihrer N�he dulden w�rde. Und doch konnte sie gleichzeitig nicht an Elayne denken, ohne einen gewissen Stolz zu empfinden. Nach so kurzer Zeit bereits zur Aufgenommenen erhoben zu werden! Elayne w�rde m�glicherweise einst die erste Frau auf dem Thron von Andor sein, die zugleich eine vollwertige Aes Sedai war und nicht nur eine in der Burg Ausgebildete. Es ergab keinen Sinn, im selben Augenblick so gegens�tzliche Empfindungen zu sp�ren, aber zur Zeit ergab �berhaupt nichts mehr einen Sinn. Und ihre Tochter w�rde niemals den L�wenthron besteigen, wenn ihn ihre Mutter nicht f�r sie sicherte.</p><p>�Ich sagte, keine Aes Sedai, Lini, also brauchst du mich gar nicht mehr so anschauen. Diesmal bringst du mich nicht dazu, irgendeine schlechtschmeckende Medizin zu schlucken. Au�erdem glaube ich nicht, da� man zur Zeit in Caemlyn eine Aes Sedai, gleich welcher Farbe, finden k�nnte.� Ihre alten Gefolgsleute waren weg, durch ihre eigene Unterschrift verbannt, und wahrscheinlich waren sie jetzt zu unvers�hnlichen Feinden geworden, so, wie sie Ellorien mitgespielt hatte. Neue Lords und Ladies in ihrem Palast. Neue Gesichter bei der Garde. Wieviel Loyalit�t ihr gegen�ber war noch geblieben? �Kennst du einen Gardeleutnant namens Tallanvor, Lini?� Als die andere Frau rasch nickte, fuhr sie fort: �Suche ihn bitte f�r mich und bringe ihn hierher. Und sollte jemand nach mir fragen, dann sage allen im Quartier der Pension�re, da� ich nicht da bin.�</p><p>�An diesem Gaebril und seinen Frauen ist doch noch mehr dran, oder?�</p><p>�Geh nur, Lini. Und beeil dich. Wir haben nicht viel Zeit.� Den Schatten nach zu schlie�en, die sie im dicht mit B�umen bestandenen Garten hinter dem Fenster erkennen konnte, hatte die Sonne den Zenit �berschritten. Der Abend w�rde nur zu bald hereinbrechen. Der Abend, und dann w�rde Gaebril nach ihr suchen.</p><p>Als Lini ging, blieb Morgase steif auf dem Stuhl sitzen. Sie wagte nicht, aufzustehen. Wohl waren ihre Knie wieder kr�ftiger, doch sie f�rchtete, wenn sie aufst�nde und sich zu bewegen beg�nne, w�rde sie nicht mehr aufh�ren k�nnen, bis sie sich wieder in ihrem Gemach bef�nde und auf Gaebril wartete. So stark war der Drang, besonders jetzt, da sie allein war. Und sobald er sie anblickte, sobald er sie ber�hrte, w�rde sie ihm zweifellos wieder alles vergeben. Vielleicht w�rde sie sogar alles vergessen, wenn sie bedachte, wie verschwommen und unvollst�ndig ihre Erinnerungen an die letzte Zeit waren. W��te sie es nicht besser, h�tte sie auf den Gedanken kommen k�nnen, er habe auf irgendeine Weise die Eine Macht bei ihr eingesetzt, doch kein Mann mit dieser Gabe �berlebte lange genug, um sein Alter zu erreichen.</p><p>Lini hatte oftmals gesagt, f�r jede Frau gebe es einen Mann auf der Welt, bei dem sie sich wie eine hirnlose N�rrin benimmt, aber sie hatte nie gedacht, da� das auch f�r sie gelte. Nun, sie hatte noch nie viel Gl�ck bei der Wahl ihrer M�nner gehabt, auch wenn ihr das anfangs so erschienen sein mochte.</p><p>Taringail Damodred hatte sie aus politischen Gr�nden geheiratet. Er war vorher mit Tigraine verheiratet gewesen, der Tochter-Erbin, deren Verschwinden den ganzen Streit um die Thronfolge nach Modrelleins Tod ausgel�st hatte. Die Heirat mit ihm hatte eine Verbindung zur alten K�nigin hergestellt und damit die meisten ihrer Gegner bes�nftigt. Au�erdem, was noch wichtiger gewesen war, hatte sie damit den Pakt wahren k�nnen, der die endlosen Kriege mit Cairhien beendet hatte. Aus solchen Gr�nden w�hlten K�niginnen eben ihre Ehem�nner aus. Taringail war ein kalter, unnahbarer Mann gewesen, und trotz zweier wunderbarer Kinder war nie Liebe zwischen ihnen aufgekommen. Es war schon beinahe eine Erleichterung gewesen, als er bei einem Jagdunfall ums Leben kam.</p><p>Thomdril Merrilin, Hausbarde und dann Hofbarde, war zuerst die reinste Freude f�r sie gewesen, so intelligent und geistreich, wie er war, ein lachender Mann, der die Tricks des Spiels der H�user ben�tzte, um ihr zum Thron zu verhelfen und, sobald sie ihn innehatte, Andor zu st�rken. Er war damals doppelt so alt wie sie gewesen, und doch h�tte sie ihn vielleicht geheiratet � Heiraten mit B�rgerlichen waren in Andor nicht so ungew�hnlich �, wenn er nicht wortlos verschwunden und mit ihr anschlie�end das Temperament durchgegangen w�re. Sie hatte nie erfahren, warum er eigentlich gegangen war, aber das spielte keine Rolle. Als er schlie�lich zur�ckkehrte, h�tte sie bestimmt den Haftbefehl gegen ihn zur�ckgenommen, doch statt wie sonst ihren Zorn sanft, aber bestimmt aufzufangen, hatte er ihre harten Worte erwidert und Dinge gesagt, die sie ihm niemals vergeben konnte. Ihre Ohren brannten jetzt noch, wenn sie daran dachte, da� er sie ein verw�hntes Kind genannt hatte und eine Marionette Tar Valons. Er hatte sie tats�chlich handfest gesch�ttelt � seine K�nigin!</p><p>Dann war die Zeit Gareth Brynes gekommen, eines starken und f�higen Mannes, so schroff wie sein Gesicht und genauso stur wie sie. Doch er hatte sich als verr�terischer Narr erwiesen. Er hatte keinen Platz mehr in ihrem Leben. Es schien Jahre her zu sein, da� sie ihn das letzte Mal gesehen hatte, und nicht erst wenig mehr als ein halbes Jahr.</p><p>Und schlie�lich Gaebril. Die Krone auf ihrer Liste von Fehlschl�gen. Wenigstens hatten die anderen nicht versucht, sie vom Thron zu verdr�ngen und sich selbst an diese Stelle zu bringen.</p><p>Nicht so viele M�nner f�r das Leben einer Frau, und doch waren es zu viele. Etwas anderes, das Lini oftmals sagte, war, da� M�nner eigentlich nur gut f�r drei Dinge seien, in diesen F�llen allerdings schon sehr gut. Sie hatte auf dem Thron gesessen, bevor Lini sie f�r alt genug hielt, ihr diese drei Dinge zu nennen. <emphasis>Wenn ich mich nur ans Tanzen gehalten h�tte,</emphasis> dachte sie trocken, <emphasis>h�tte ich mir einiges ersparen k�nnen.</emphasis></p><p>Die Schatten im Garten jenseits des Fensters waren um ungef�hr eine Stunde weitergewandert, als Lini endlich mit dem jungen Tallanvor zur�ckkehrte, der schon auf ein Knie niedersank, als sie noch die T�r schlo�. �Zuerst wollte er gar nicht mitkommen�, sagte sie. �Vor f�nfzig Jahren, sch�tze ich, h�tte ich ihm einiges von dem gezeigt, was du der Welt zur Schau stellst, und er w�re mir bestimmt schnell hinterhergelaufen, aber heutzutage mu� ich mich auf Vernunftgr�nde beschr�nken.�</p><p>Tallanvor wandte den Kopf und blickte mit saurer Miene zu ihr auf. �Ihr habt mir gedroht, mich mit einem Stock hierherzutreiben, wenn ich nicht mitk�me. Ihr hattet Gl�ck, da� ich mich fragte, was Euch so wichtig sein k�nne, anstatt Euch von jemandem in die Krankenstube schleppen zu lassen.� Ihr strenges Schnauben st�rte ihn nicht im geringsten. Sein �tzender Blick wurde zornig, als er sich wieder Morgase zuwandte. �Wie ich sehe, ist Euer Zusammentreffen mit Gaebril nicht positiv verlaufen, meine K�nigin. Ich hatte... auf mehr gehofft.�</p><p>Er sah ihr geradewegs in die Augen, doch Linis Kommentar hatte sie wieder auf das Kleid aufmerksam gemacht, das sie trug. Sie hatte das Gef�hl, gl�hende Pfeile zeigten auf ihren entbl��ten Busen. Es kostete sie M�he, die H�nde ruhig in ihrem Scho� zu halten. �Ihr seid ein scharfsinniger Bursche, Tallanvor. Und loyal, wie ich glaube, sonst w�rt Ihr nicht mit den Nachrichten �ber die Zwei Fl�sse zu mir gekommen.�</p><p>�Ich bin kein junger Bursche mehr�, fuhr er sie an und richtete sich im Knien ganz steif auf. �Ich bin ein Mann, der sein Leben dem Dienst f�r seine K�nigin verschworen hat.�</p><p>Sie lie� ihre Beherrschung fahren und fauchte zur�ck: �Wenn Ihr ein Mann seid, dann benehmt Euch wie einer. Steht auf und beantwortet die Fragen Eurer K�nigin wahrheitsgem��. Und denkt immer daran, da� ich Eure K�nigin <emphasis>bin,</emphasis> junger Tallanvor. Was auch Eurer Meinung nach geschehen sein mag: Ich bin die K�nigin von Andor.�</p><p>�Vergebt mir, meine K�nigin. Ich h�re und gehorche.� Die Worte entsprachen den Vorschriften, wenn sie auch nicht gerade reum�tig klangen, doch er stand mit hoch erhobenem Kopf vor ihr und blickte sie so trotzig an wie immer. Licht, der Mann war genauso halsstarrig wie einst Gareth Bryne.</p><p>�Wie viele loyale M�nner habe ich noch unter den Gardesoldaten im Palast? Wie viele werden ihrem Eid gehorsam bleiben und mir folgen?�</p><p>�Ich�, sagte er leise und mit einemmal war all sein Zorn verflogen, obwohl er ihr immer noch eindringlich in die Augen sah. �Was den Rest betrifft... Wenn Ihr treue M�nner finden wollt, m��t Ihr nach ihnen in den entfernten Garnisonen suchen, vielleicht sogar bis Wei�br�cke hin. Einige aus Caemlyn wurden mit den ausgehobenen Truppen nach Cairhien geschickt, doch die anderen hier in der Stadt sind bis zum letzten Mann Gaebrils Leute. Ihr neuer... Ihr neuer Eid wird auf den Thron und das Gesetz geleistet, aber nicht mehr auf die K�nigin.�</p><p>Es war schlimmer, als sie bef�rchtet hatte, aber sie hatte das schon halbwegs erwartet. Was immer er sein mochte, ein Narr war Gaebril jedenfalls nicht. �Dann mu� ich woandershin gehen, um die Regierung wieder in meine H�nde zu nehmen.� Es w�rde schwierig werden, die H�user zur�ckzugewinnen, nach all den Verbannungen, nach Ellorien, aber es mu�te sein. �Gaebril wird vielleicht versuchen, mich am Verlassen des Palastes zu hindern.� Dabei kam ihr eine verschwommene Erinnerung an zwei Gelegenheiten, da sie zu gehen versucht hatte, und jedesmal hatte Gaebril sie davon abgehalten. �Also werdet Ihr uns zwei Pferde besorgen und auf der Stra�e hinter den s�dlichen Stallungen auf mich warten. Ich werde Euch dort treffen, f�r einen Ausritt gekleidet.�</p><p>�Zu �ffentlich�, sagte er. �Und zu nahe. Gaebrils M�nner erkennen Euch m�glicherweise, wie Ihr euch auch verkleiden m�gt. Ich kenne einen Mann... W�rdet Ihr eine Schenke finden, die �Der K�nigin Segen� hei�t, im westlichen Teil der Neustadt?� Die Neustadt war nur neu gemessen an der Innenstadt, die sie wie ein Ring umgab.</p><p>�Das kann ich.� Sie hatte es allerdings nicht gern, wenn man ihr widersprach, sogar dann, wenn es Hand und Fu� hatte. Bryne hatte das auch getan. Es w�rde ihr ein Vergn�gen sein, diesem jungen Mann zu zeigen, wie gut sie sich verkleiden konnte. Sie hatte die Angewohnheit, wenigstens einmal im Jahr wie eine ganz normale B�rgerin gekleidet durch die Stra�en zu schlendern und den Pulsschlag der Stadt zu f�hlen. Dieses Jahr hatte sie das noch gar nicht getan, fiel ihr bei diesem Gedankengang auf. Jedenfalls war sie niemals erkannt worden. �Aber kann man diesem Mann trauen, junger Tallanvor?�</p><p>�Basel Gill ist Euch genauso treu ergeben wie ich.� Er z�gerte, und Pein stand kurz auf seinem Gesicht geschrieben, wurde jedoch schnell wieder vom Zorn verdr�ngt. �Warum habt Ihr so lange gewartet? Ihr m��t es doch gewu�t haben, gesehen haben, und doch habt Ihr gewartet, bis Gaebril seine H�nde um den Hals Andors gelegt hatte. Warum habt Ihr nur gewartet?�</p><p>Aha. Das war ehrlicher Zorn und aus einem ehrenhaften Grund, und er verdiente eine ehrliche Antwort. Nur wu�te sie keine Antwort, jedenfalls keine, die sie ihm geben konnte. �Es steht Euch nicht zu, die Entscheidungen Eurer K�nigin in Frage zu stellen, junger Mann�, sagte sie sanft, aber entschieden. �Ein loyaler Untertan, so treu ergeben, wie Ihr seid, dient, ohne zu fragen.�</p><p>Er atmete langgezogen aus. �Ich werde im Stall von �Der K�nigin Segen� auf Euch warten, meine K�nigin.� Und mit einer Verbeugung, die jedem Staatsbesuch Ehre gemacht h�tte, war er verschwunden.</p><p>�Warum redest du ihn immer als �jung� an?� wollte Lini wissen, sobald die T�r geschlossen war. �Das macht ihn st�rrisch. �Nur eine N�rrin steckt eine Klette unter den Sattel, bevor sie losreitet.��</p><p>�Er <emphasis>ist</emphasis> doch jung, Lini. Jung genug, um mein Sohn zu sein.�</p><p>Lini schnaubte, und diesmal klang es gar nicht mehr damenhaft. �Er ist ein paar Jahre �lter als Galad, und Galad ist zu alt, um dein Sohn zu sein. Du hast noch mit Puppen gespielt, als Tallanvor geboren wurde, und damals hast du geglaubt, die Babies k�men auf die gleiche Art wie Puppen auf die Welt.�</p><p>Seufzend fragte sich Morgase, ob die Frau wohl auch ihre Mutter schon so behandelt habe. Wahrscheinlich. Und falls Lini lang genug lebte, um Elayne auf dem Thron zu erleben, und daran zweifelte sie �berhaupt nicht � Lini war f�r die Ewigkeit geschaffen �, w�rde sie Elayne wahrscheinlich auch nicht anders behandeln. Das setzte allerdings voraus, da� es noch einen Thron gab, den Elayne erben konnte. �Die Frage ist nur, ist er wirklich so loyal, wie es scheint, Lini? Ein einziger treuer Gardesoldat, obwohl alle anderen loyalen M�nner weggeschickt wurden? Das erscheint mir pl�tzlich zu sch�n, um wahr zu sein.�</p><p>�Er hat den neuen Eid abgelegt.� Morgase �ffnete den Mund, doch Lini kam ihr zuvor. �Ich habe ihn hinterher gesehen, allein hinter den Stallungen. Deshalb wu�te ich auch, wen du meinst, denn ich hatte nach seinem Namen gefragt. Mich hat er damals nicht gesehen. Er lag auf den Knien und Tr�nen liefen ihm �bers Gesicht. Er hat abwechselnd Entschuldigungen dir gegen�ber gestammelt und den alten Eid wiederholt. Nicht einfach auf �die K�nigin von Andor�, sondern auf �K�nigin Morgase von Andor�. Er hat auf die alte Art geschworen, auf sein Schwert n�mlich, und damit hat er sich in den Arm geschnitten, um zu zeigen, da� er lieber den letzten Blutstropfen vergie�en werde als meineidig zu werden. Ich habe einige Erfahrung mit M�nnern, M�dchen. Der da wird dir folgen, auch wenn er mit blo�en H�nden einem ganzen Heer gegen�bersteht.�</p><p>Es tat gut, das zu h�ren. Wenn sie ihm nicht vertrauen konnte, m��te sie demn�chst sogar an Lini zweifeln. Nein, bestimmt nicht an Lini. Er hatte also auf die alte Art geschworen? Das war mittlerweile eigentlich der Stoff von Legenden. Ihre Gedanken schweiften schon wieder ab. Sicherlich tr�bte doch Gaebril nun ihren Verstand nicht mehr, bei allem, was sie jetzt wu�te. Warum w�nschte sich ein Teil ihrer selbst dann immer noch, in ihr Gemach zur�ckzugehen und auf ihn zu warten? Sie mu�te sich konzentrieren. �Ich brauche ein einfaches Kleid, Lini. Eines, das nicht zu gut sitzt. Ein bi�chen Ru� aus dem Kamin dazu, und... �</p><p>Lini bestand darauf mitzukommen. Morgase h�tte sie auf einem Stuhl festbinden m�ssen, um sie zur�ckzulassen. Sie hatte wohl immer schon zerbrechlich gewirkt, war aber kr�ftiger, als sie aussah. Als sie aus dem kleinen Seitenausgang schl�pften, sah Morgase sich selbst kaum noch �hnlich. Ein wenig Ru� hatte ihr rotgoldenes Haar dunkel gef�rbt, ihm den Glanz genommen, so da� es jetzt str�hnig und ungepflegt wirkte. Der Schwei�, der �ber ihr Gesicht rann, tat ein �briges. Niemand glaubte, da� K�niginnen schwitzten. Ein sackartiges Kleid aus grober und sehr rauher grauer Wolle mit einem Hosenrock vollendete die Verkleidung. Selbst ihr Unterhemd und die Str�mpfe waren aus grober Wolle gefertigt. Sie sah aus wie eine Bauersfrau, die mit ihrem Zugpferd zum Markt geritten war und sich nun noch ein wenig in der Stadt umsehen wollte. Lini sah aus wie immer, mit steifem Kreuz und strenger Miene. Sie hatte ein Reitkleid aus gr�ner Wolle an, das wohl gut geschnitten war, aber etwa zehn Jahre hinter der Mode herhinkte.</p><p>Morgase unterdr�ckte den Wunsch, sich zu kratzen, und verw�nschte die andere, weil sie ihren Wunsch, da� das Kleid nicht gut sitzen solle, so w�rtlich genommen hatte. Ihr altes Kinderm�dchen hatte das tief ausgeschnittene Kleid unter das Bett gestopft und etwas geknurrt von �Waren zeigen, die sie gar nicht verkaufen wolle�. Als Morgase behauptete, den Spruch habe sie wohl gerade selber erfunden, gab sie ihr zur Antwort: �Wenn ich in meinem Alter etwas erfinde, ist es immer noch eine alte Redensart.� Morgase hegte den leisen Verdacht, dieses kratzige, sackartige Kleid sei die Bestrafung f�r das tief ausgeschnittene, das sie vorher getragen hatte.</p><p>Die Innenstadt war auf H�geln erbaut, und die Stra�en folgten den nat�rlichen Hanglinien, so da� sie pl�tzliche Ausblicke auf Parks mit unz�hligen B�umen und Denkmalen gew�hrten, oder auf mit glasierten Ziegeln geschm�ckte T�rme, die im Sonnenschein in hundert verschiedenen Farben schimmerten. Pl�tzliche Anh�hen gaben dann den Blick auf die gesamte Stadt Caemlyn frei und auf die sanfte Ebene und die W�lder in der Ferne. Morgase beachtete nichts davon, als sie sich durch die Menschenmenge auf den Stra�en dr�ngte. Normalerweise h�tte sie sich bem�ht, den Gespr�chen zu lauschen, um die Stimmung im Volk einsch�tzen zu k�nnen. Diesmal h�rte sie jedoch nur das Stimmengewirr einer gro�en Stadt. Sie dachte auch nicht daran, einen Versuch zu unternehmen, das Volk in eine Rebellion zu f�hren. Tausende von meist nur mit Steinen und ihrem Zorn bewaffneten M�nnern konnten durchaus die Wachen am K�nigspalast �berw�ltigen, doch sp�testens bei den Ausschreitungen im Fr�hjahr, durch die sie auf Gaebril aufmerksam geworden war, und die gerade noch niedergeschlagenen Aufst�nde im Jahr zuvor hatte sie gesehen, was eine w�tende Volksmenge anrichten konnte. Sie wollte wieder in Caemlyn regieren und nicht statt dessen die Stadt niederbrennen.</p><p>Jenseits der wei�en Mauer um die Innenstadt zeigte die Neustadt ihre eigene Sch�nheit. Hohe, schlanke T�rme und in Wei� und Gold schimmernde Kuppeln, riesige Fl�chen roter Ziegeld�cher und dahinter die m�chtige Stadtmauer in blassem Grau mit silberner und wei�er Marmorierung und ihren vielen T�rmchen. Breite Prachtstra�en mit gras- und baumbewachsenen Mittelstreifen waren von Menschen und Wagen und Kutschen verstopft. Morgase bemerkte am Rande, da� das Gras wegen der Trockenheit abstarb, doch ansonsten konzentrierte sie sich auf das, was sie suchte.</p><p>Sie nutzte die Erfahrung ihrer fr�heren j�hrlichen Stadtausfl�ge und w�hlte sorgf�ltig die Leute, die sie nach dem Weg fragte. Meist waren es M�nner. Sie wu�te, wie sie auf M�nner wirkte, selbst mit Ru� im Haar, und einige Frauen w�rden ihr aus Eifersucht die falsche Richtung sagen. M�nner andererseits zerbrachen sich den Kopf, um ja die richtige Richtung zu weisen und sie so zu beeindrucken. Keiner mit einer zu selbstgef�lligen Miene und keiner mit zu grobem Gesicht. Die ersteren waren oft beleidigt, wenn man sie ansprach, als gingen sie nicht selbst auch zu Fu� durch die Stadt, und die anderen glaubten m�glicherweise, eine Frau, die sie nach dem Weg fragte, habe etwas ganz anderes im Sinn. Ein Bursche mit einem Kinn, das zu gro� war, um in sein Gesicht zu passen, und der N�hzeug aus einem Bauchladen feilbot, grinste sie an und sagte: �Hat Euch schon mal jemand gesagt, da� Ihr der K�nigin �hnlich seht? Sie hat uns wohl ganz sch�n in die Klemme gebracht, aber eine h�bsche Frau ist sie allemal.�</p><p>Sie lachte geschmeichelt und herausfordernd, was ihr einen strengen Blick von Lini einbrachte. �Spart Euch die Schmeichelei f�r Eure Frau. An der zweiten Kreuzung nach links, habt Ihr gesagt? Ich danke Euch. Und auch f�r das Kompliment.� W�hrend sie sich weiter durch die Menge schob, verfinsterte sich ihr Gesicht. Sie hatte zuviel in dieser Art zu h�ren bekommen. Nicht, da� sie wie die K�nigin aussehe, sondern da� Morgase ein schlimmes Durcheinander angerichtet habe. Gaebril hatte, wie es schien, die Steuern drastisch erh�ht, um Geld f�r sein Heer zu haben, aber das lastete man ihr an, und nat�rlich zurecht. Die Verantwortung lag bei der K�nigin. Genauso waren andere Gesetze aus dem Palast erlassen worden, die wenig Sinn ergaben, aber den Menschen das Leben schwerer machten. Sie h�rte, wie man heimlich �ber sie klatschte, und da� Andor wohl lange genug von K�niginnen regiert worden sei. Es war nur Geschw�tz, aber was ein Mann im Fl�sterton auszusprechen wagte, das dachten zehn andere genauso. Vielleicht w�re es doch nicht so leicht gewesen, die Volksmenge gegen Gaebril auf die Stra�en zu bringen, wie sie geglaubt hatte.</p><p>Schlie�lich fand sie ihr Ziel, ein breites Steingeb�ude mit einem Schild �ber dem Eingang, auf dem ein Mann vor einer Frau mit goldenen Haaren unter der Rosenkrone kniete. Die Frau hatte ihm eine Hand auf den Kopf gelegt. �Der K�nigin Segen.� Falls es sie darstellen sollte, war es nicht sehr �hnlich. Die Wangen waren zu fett.</p><p>Erst als sie vor der Schenke stehenblieb, wurde ihr bewu�t, da� Lini ersch�pft keuchte. Sie war zu schnell gegangen und die Frau war nun wirklich nicht mehr die j�ngste. �Lini, es tut mir leid. Ich h�tte nicht so schnell...�</p><p>�Wenn ich nicht mit dir schritthalten kann, M�dchen, wie soll ich dann in der Lage sein, mich um Elaynes Babys zu k�mmern? Willst du hier Wurzeln schlagen? �Schlurfende F��e werden einen Weg niemals beenden.� Er sagte, er werde im Stall warten.�</p><p>Die wei�haarige Frau stolzierte knurrend weiter, und Morgase folgte ihr um die Schenke herum. Bevor sie in das Steingeb�ude des Stalls trat, hob sie die Hand an die Stirn und blickte zur Sonne auf. Keine zwei Stunden mehr bis zum Einbruch der D�mmerung. Sp�testens dann w�rde Gaebril nach ihr suchen, wenn nicht schon jetzt.</p><p>Tallanvor war nicht allein in dem von Boxen ges�umten Stall. Als er auf dem strohbedeckten Boden vor ihr auf ein Knie niedersank, in einen gr�nen Wollmantel geh�llt, �ber den er das Schwert geg�rtet hatte, da knieten neben ihm zwei M�nner und eine Frau, wenn auch ein wenig unsicher, wahrscheinlich ihrer Verkleidung wegen. Der dickliche Mann mit dem rosigen Gesicht und der Halbglatze mu�te Basel Gill sein, der Wirt. Er hatte sich einen alten Lederharnisch �bergezogen, auf den Stahlplatten gen�ht waren und der sich gewaltig um seinen Bauch spannte, und auch er trug ein Schwert an der H�fte.</p><p>�Meine K�nigin�, sagte Gill, �ich habe schon jahrelang kein Schwert mehr getragen � seit dem Aielkrieg nicht mehr �, aber ich betrachtete es als eine Ehre, wenn ich Euch folgen d�rfte.� Es h�tte eigentlich l�cherlich wirken sollen, war es aber nicht.</p><p>Morgase musterte die anderen beiden, einen kr�ftig gebauten Mann im groben, grauen Mantel, die Nase oftmals gebrochen, wie sie deutlich sehen konnte, wie geschwollen wirkende Augenlider und Narben im Gesicht, und dazu eine kleine, h�bsche Frau von noch nicht ganz mittleren Jahren. Sie schien zu diesem Stra�enschl�ger zu geh�ren, doch ihr hochgeschlossenes blaues Wollkleid war von zu feiner Machart, um von einem wie ihm zu stammen.</p><p>Trotz seines tr�gen Blicks schien der Kerl ihre Zweifel wahrzunehmen. �Ich hei�e Lamgwin, meine K�nigin, und ich bin ein treuer Gefolgsmann meiner K�nigin. Was geschehen ist, das war nicht recht, und es mu� ge�ndert werden. Ich m�chte ebenfalls mit Euch gehen. Breane und ich, wir beide wollen mit Euch kommen.�</p><p>�Erhebt Euch�, sagte sie zu ihnen. �Es kann noch einige Tage dauern, bis Ihr mich �ffentlich als Eure K�nigin ansprechen k�nnt. Ich akzeptiere Eure Begleitung sehr gern, Meister Gill. Und auch Eure, Meister Lamgwin, doch es wird sicherer f�r Eure Frau sein, wenn sie hier in Caemlyn bleibt. Es stehen uns harte Zeiten bevor.�</p><p>Breane wischte Strohhalme von ihrem Rock und warf ihr und Lini dabei einen scharfen Blick zu. �Ich habe schon schwere Zeiten mitgemacht�, sagte sie im Dialekt Cairhiens. Wenn sich Morgase nicht irrte, war sie von adliger Herkunft; vielleicht eine der Fl�chtlinge. �Und ich habe nicht gewu�t, was ein guter Mann ist, bis ich Lamgwin fand. Oder bis er mich fand. Die Loyalit�t und Liebe, die er f�r Euch empfindet, die empfinde ich ihm gegen�ber noch zehnmal so stark. Er folgt Euch, doch ich folge ihm. Ich werde nicht zur�ckbleiben.�</p><p>Morgase atmete tief durch und nickte dann zustimmend. Die Frau schien sowieso nicht davon abzubringen zu sein. Ein pr�chtiger Grundstock f�r das Heer, das ihren Thron zur�ckgewinnen sollte: ein junger Soldat, der st�ndig an ihr herumkritisierte, ein fast kahlk�pfiger Wirt, der wirkte, als habe er zwanzig Jahre lang nicht mehr auf einem Pferd gesessen, ein Stra�enschl�ger, der aussah, als schlafe er beinahe ein, und dazu eine geflohene Adlige aus Cairhien, die ihr klargemacht hatte, da� ihre Loyalit�t lediglich ihm gegen�ber bestand. Und nat�rlich Lini. Lini, die sie behandelte, als geh�re sie noch immer ins Kinderzimmer. In der Tat, das war wirklich ein pr�chtiger Grundstock!</p><p>�Wohin gehen wir, meine K�nigin?� fragte Gill, w�hrend er die bereits gesattelten Pferde aus ihren Boxen holte. Lamgwin bewegte sich �berraschend schnell und geschmeidig, um einen weiteren an beiden Seiten hochgezogenen Damensattel f�r Lini um den Bauch eines Pferdes zu g�rten. Morgase bemerkte erschrocken, da� sie daran �berhaupt nicht gedacht hatte. <emphasis>Licht, Gaebril kann mir doch wohl nicht derart den Verstand geraubt haben!</emphasis> Dabei sp�rte sie nach wie vor den Drang, in ihr Gemach zur�ckzukehren. Es lag nicht an ihm. Sie hatte sich bereits darauf konzentrieren m�ssen, den Palast zu verlassen und hierher zu kommen. Einst w�re sie zuerst zu Ellorien geflohen, aber Pelivar oder Arathelle sollten es auch tun. Sobald sie einen Weg gefunden hatte, ihnen zu erkl�ren, wieso sie sie damals ins Exil geschickt hatte.</p><p>Bevor sie den Mund aufbekam, sagte Tallanvor: �Wir m�ssen zu Gareth Bryne gehen. Unter den Gro�en H�usern bestehen Euch gegen�ber einige Ressentiments, meine K�nigin, aber wenn Bryne Euch folgt, werden sie Euch wieder Gefolgschaft geloben, wenn auch nur, weil sie wissen, da� Bryne jede Schlacht gewinnen wird.�</p><p>Sie bi� sich fast auf die Zunge, damit sie sich nicht augenblicklich weigerte. Bryne war ein Verr�ter. Aber er war auch einer der besten Heerf�hrer dieses Zeitalters. Seine Gegenwart w�rde tats�chlich �berzeugend wirken, wenn sie Pelivar und die anderen vergessen machen wollte, was sie ihnen angetan hatte. Also gut. Zweifellos w�rde er die Chance beim Schopf ergreifen, wieder Generalhauptmann der K�niglichen Garde zu werden. Und wenn nicht, k�me sie auch ohne ihn aus.</p><p>Als die Sonne den Horizont k��te, befanden sie sich bereits f�nf Meilen au�erhalb Caemlyns und ritten stramm in Richtung Korequellen.</p><p>In der Nacht f�hlte sich Padan Fain am wohlsten. Als er durch die mit Wandbeh�ngen geschm�ckten G�nge der Wei�en Burg schlich, schien es ihm, als bilde die Dunkelheit drau�en eine Tarnkappe, die ihn vor seinen Feinden verbarg, und das, obwohl die vergoldeten Spiegellampen ihr Licht in die Korridore warfen. Das Gef�hl trog, soviel wu�te er. Er hatte viele Feinde, und sie waren �berall. Gerade jetzt in diesem Augenblick, so wie immer im wachen Zustand, konnte er Rand al'Thor f�hlen. Er sp�rte nicht, wo sich al'Thor befand, aber da� er irgendwo dort drau�en noch am Leben war. Immer noch. Diese Gabe, dieses Bewu�tsein von der Existenz al'Thors, hatte er im Shayol Ghul erhalten, im Krater des Verderbens.</p><p>Sein Verstand schreckte vor den Erinnerungen an das zur�ck, was ihm dort angetan worden war. Da war er destilliert worden und neu geschaffen. Aber sp�ter dann, in Aridhol, war er wiedergeboren worden. Wiedergeboren, um alte und neue Feinde zu vernichten.</p><p>Noch etwas konnte er sp�ren, w�hrend er lauernd durch die nachtleeren G�nge der Burg schlich, etwas, das ihm geh�rte, das ihm gestohlen worden war. In diesem Moment trieb ihn ein gierigeres Verlangen vorw�rts als sein Wunsch, al'Thor sterben zu sehen oder die Burg zu zerst�ren, oder sich an seinem uralten Gegner zu r�chen. Es war das hungrige Verlangen, endlich wieder ganz zu sein, vollst�ndig.</p><p>Die schwere, get�felte Holzt�r hatte dicke Scharniere und Eisenb�gel, und das schwarze Eisenschlo� war beinahe so gro� wie sein Kopf. Nur wenige T�ren in der Burg wurden jemals abgeschlossen, denn wer w�rde es wagen, mitten unter den Aes Sedai zu stehlen; doch ein paar Dinge in der Burg wurden als so gef�hrlich eingesch�tzt, da� sie nicht einfach jedem zug�nglich sein durften. Und die gef�hrlichsten �berhaupt befanden sich hinter dieser T�r, von einem kr�ftigen Schlo� beh�tet.</p><p>Er kicherte leise und nahm zwei d�nne, gekr�mmte Metallstifte aus der Manteltasche. Dann f�hrte er sie in das Schl�sselloch ein, dr�ckte ein wenig, suchte, drehte. Mit einem leisen Klicken schnappte der Riegel zur�ck. Einen Augenblick lang lehnte er sich mit heiserem Auflachen an die T�r. Von einem kr�ftigen Schlo� beh�tet. Von der Macht der Aes Sedai umgeben und durch einfaches Metall gesch�tzt. Zu dieser Stunde sollten selbst die Diener und die Novizinnen ihre Arbeit beendet haben, aber es k�nnte immer noch jemand wach sein und vielleicht vorbeikommen. Gelegentliche Wellen von Heiterkeit durchbebten ihn, als er die Dietriche in seine Tasche zur�cksteckte und eine dicke Bienenwachskerze herausholte. Den Docht entz�ndete er an einer St�nderlampe in der N�he.</p><p>Er hielt die Kerze hoch und schlo� die T�r hinter sich. Nun konnte er sich umsehen. An den W�nden standen Regale, auf deren Brettern einfache Schachteln wie auch kunstvoll eingelegte K�sten aller m�glichen Formen und Gr��en lagen, kleine Figuren aus Knochen oder Elfenbein oder einem dunkleren Material, und dazu Gegenst�nde aus Metall und Glas und Kristall, die im Kerzenschein funkelten und glitzerten. Nichts, was irgendwie gef�hrlich wirkte. Alles war mit Staub bedeckt. Selbst die Aes Sedai kamen nur selten hierher und anderen gestatteten sie das Betreten dieses Raums sowieso nicht. Das, was er suchte, zog ihn magisch an.</p><p>Auf einem in H�fth�he angebrachten Brett stand ein dunkler Metallkasten. Er �ffnete ihn und enth�llte so drei Finger breite Bleiw�nde, die im Innern gerade noch Platz lie�en f�r einen gekr�mmten Dolch in einer goldenen Scheide, in dessen Heft ein gro�er Rubin eingesetzt war. Weder das Gold noch der blutrot schimmernde Rubin interessierten ihn. Hastig go� er ein wenig Wachs neben den Kasten und setzte die Kerze darauf, damit sie nicht umkippte, und dann hob er den Dolch heraus.</p><p>Er seufzte, als er ihn ber�hrte, und streckte sich genie�erisch. Er war wieder vollst�ndig, eins mit dem, was ihn vor so langer Zeit an sich gebunden hatte, eins mit dem, was ihm auf ganz reale Art und Weise Leben verliehen hatte.</p><p>Eisenscharniere knarrten schwach, und er huschte zur T�r, wobei er die gekr�mmte Klinge entbl��te. Die blasse junge Frau, die gerade die T�r �ffnete, hatte gerade noch Zeit, Augen und Mund aufzurei�en und zu versuchen, sich durch einen Sprung nach hinten in Sicherheit zu bringen, doch schon schnitt er sie in die Wange. Aus der gleichen Bewegung heraus lie� er die Scheide fallen und packte ihren Arm, damit er sie an sich vorbei in den Lagerraum zerren konnte. Er steckte noch einmal den Kopf hinaus und sp�hte den Gang hinauf und hinunter. Er war leer.</p><p>Er nahm sich Zeit damit, seinen Kopf zur�ckzuziehen und die T�r wieder zu schlie�en. Er wu�te, was er vorfinden w�rde. Die junge Frau lag sich windend auf dem Steinboden, bem�hte sich, zu schreien, und brachte doch nichts heraus. Ihre H�nde krallten nach einem Gesicht, das bereits schwarz und bis zur Unkenntlichkeit angeschwollen war. Die dunkle Schwellung verbreitete sich wie z�h herunterflie�endes �l bis zu ihren Schultern. Ihr schneewei�er Rock mit den Farbstreifen am Saum wurde von ihren hin und her zuckenden Beinen zerfetzt. Er leckte einen Blutspritzer von seinem Handr�cken und kicherte, w�hrend er die Scheide wieder aufhob.</p><p>�Ihr seid ein Narr.�</p><p>Er wirbelte mit dem Dolch in der Hand herum, doch die Luft in seiner unmittelbaren Umgebung verfestigte sich urpl�tzlich und schlo� ihn vom Hals bis an die Sohlen seiner Stiefel wie eine harte Schale ein. Da hing er nun. Die F��e ber�hrten den Boden nur noch mit den Ballen, der Dolch war ausgestreckt, zum Zustechen bereit, und er starrte Alviarin an, die die T�r schlo� und sich dagegen lehnte, um ihn zu mustern. Diesmal hatte sie nicht geknarrt.</p><p>Das leise Scharren der Pantoffeln an den F��en des sterbenden M�dchens auf dem Fu�boden konnte ihre Ger�usche nicht �berdeckt haben. Er blinzelte, als pl�tzlich Schwei� in seinen Augen brannte.</p><p>�Habt Ihr wirklich geglaubt�, fuhr die Aes Sedai fort, �dieser Raum bliebe unbewacht, ohne eine einzige W�chterin? Das Schlo� wurde durch ein Machtgewebe gesichert. Diese t�richte junge Frau war heute abend an der Reihe, das Gewebe zu �berwachen. H�tte sie genau das getan, was man von ihr erwartete, dann st�nden jetzt ein Dutzend Beh�ter und genauso viele Aes Sedai vor dieser T�r. Sie zahlt den Preis f�r ihre Dummheit.�</p><p>Die Ger�usche hinter ihm verstummten und er kniff die Augen zusammen. Alviarin war wohl keine Gelbe Ajah, doch sie h�tte wenigstens einen Versuch machen k�nnen, die junge Frau zu heilen. Und sie hatte auch keinen Alarm gegeben, wie es die Aufgenommene bereits h�tte tun sollen, sonst st�nde sie jetzt nicht allein hier. �Ihr seid eine Schwarze Ajah�, fl�sterte er.</p><p>�Eine gef�hrliche Anschuldigung�, sagte sie gelassen. Es war allerdings nicht klar, f�r wen sie gef�hrlich sei. �Siuan Sanche versuchte, zu behaupten, es g�be die Schwarzen Ajah wirklich, als sie unter Folter befragt wurde. Sie bettelte f�rmlich darum, uns von ihnen berichten zu d�rfen. Elaida wollte nicht darauf h�ren und wird es auch weiterhin nicht. Geschichten von angeblichen Schwarzen Ajah sind lediglich b�sartige Verleumdungen, die gegen die Burg gerichtet sind.�</p><p>�Ihr seid eine Schwarze Ajah�, sagte er mit erhobener Stimme.</p><p>�Ihr wolltet das hier stehlen?� Es klang, als habe er �berhaupt nichts gesagt. �Der Rubin ist es nicht wert, Fain. Oder wie Ihr auch wirklich hei�en m�gt. Diese Klinge ist vergiftet, und nur ein Narr w�rde sie mit etwas anderem als einer Zange ber�hren oder sich ihr l�nger als notwendig n�hern. Ihr seht ja, was sie Verine angetan hat. Also, warum seid ihr hergekommen und habt geradewegs das ergriffen, von dem Ihr nicht einmal h�ttet wissen sollen, da� es sich hier befindet? Ihr k�nnt nicht genug Zeit gehabt haben, um alles zu durchsuchen.�</p><p>�Ich k�nnte Elaida f�r Euch beseitigen. Eine Ber�hrung damit, und selbst die Macht kann sie nicht mehr retten.� Er versuchte, mit dem Dolch zu gestikulieren, aber er konnte ihn nicht um Haaresbreite bewegen. H�tte er damit zusto�en k�nnen, w�re Alviarin mittlerweile nicht mehr am Leben. �Ihr k�nntet die Erste in der Burg sein und nicht nur die Zweite.�</p><p>Sie lachte ihn aus. Es klang wie k�hle, ver�chtlich bimmelnde Gl�ckchen. �Glaubt Ihr, ich k�nnte nicht die Erste werden, wenn ich es wollte? Der Rang der Zweiten ist mir gerade recht. La�t doch Elaida behaupten, ihr geb�hre die Ehre f�r das, was sie Erfolge nennt, und la�t sie auch ihrer Fehler wegen ins Schwitzen kommen. Ich wei�, wo die wahre Macht liegt. Nun beantwortet mir meine Fragen, sonst findet man morgen hier zwei Leichen anstatt nur einer.�</p><p>Es w�rde in jedem Fall zwei geben, ob er nun mit brauchbaren L�gen antwortete oder nicht, denn sie hatte nicht vor, ihn am Leben zu lassen. �Ich habe Thakan'dar gesehen.� Das zu gestehen tat weh, denn die Erinnerungen, die es mit sich brachte, waren solche purer Agonie. Er vermied es, zu wimmern, zwang statt dessen die Worte heraus: �Das gro�e Nebelmeer, das lautlos gegen die schwarzen Klippen anrollt und hochbrandet, die Feuer der Schmieden, die darunter rot gl�hen, und die Blitze, die aus einem Himmel herabsto�en, der einen Menschen zum Wahnsinn treiben kann.� Er wollte nicht weitersprechen, zwang sich aber dazu. �Ich habe den Weg hinunter zum Bauch des Shayol Ghul genommen, den langen Weg, auf dem steinerne F�nge von oben her meinen Kopf ber�hrten, bis zum Ufer eines Sees aus Flammen und zerschmolzenem Fels...� � <emphasis>Nein, nicht noch einmal!</emphasis> �, �in dessen endlosen Tiefen der Gro�e Herr der Dunkelheit gefangen ist. Der Himmel �ber Shayol Ghul ist schon zur Mittagszeit schwarz von seinem Atem.�</p><p>Alviarin stand jetzt hoch aufgerichtet da und hatte die Augen aufgerissen. Nicht vor Angst, aber doch beeindruckt. �Ich habe geh�rt...�, begann sie leise, sch�ttelte sich aber dann und blickte ihn durchdringend an. �Wer seid Ihr? Warum seid Ihr hier? Hat Euch einer der Ver... der Auserw�hlten gesandt? Warum wurde ich nicht informiert?�</p><p>Er warf den Kopf in den Nacken und lachte. �D�rfen Euresgleichen die Aufgaben kennen, die mir und meinesgleichen auferlegt werden?� Sein Dialekt aus Lugard war wieder deutlich zu h�ren; in gewisser Weise war es ja auch seine Heimatstadt. �Vertrauen Euch die Auserw�hlten etwa alles an?� Etwas in ihm schien ihm zuzurufen, das sei nicht die richtige Art und Weise, aber er ha�te die Aes Sedai, und dieses Etwas in ihm ha�te sie ebenso. �Seid vorsichtig, h�bsche kleine Aes Sedai, oder sie �bergeben Euch einem Myrddraal als Spielzeug.�</p><p>Ihr Blick traf seine Augen wie ein Eiszapfen. �Wir werden ja sehen, Meister Fain. Ich werde dieses Durcheinander beseitigen, das Ihr angerichtet habt, und dann werden wir feststellen, wer von uns bei den Auserw�hlten der Angesehenere ist.� Sie be�ugte kurz den Dolch und schob sich r�ckw�rts durch die T�r. Die Luft, die ihn fest einschlo�, l�ste ihre Klammer um ihn erst, als sie bereits eine volle Minute weg war.</p><p>Lautlos knurrte er in sich hinein. Narr. Das Spiel der Aes Sedai mitspielen, vor ihnen zu kriechen, und dann alles in einem Augenblick des Zorns aufs Spiel zu setzen. Er steckte den Dolch in die Scheide zur�ck, wobei er sich leicht ritzte. Unbewu�t leckte er die kleine Wunde, bevor er die Waffe unter seinem Mantel verbarg. Er war keineswegs, was sie von ihm glaubte. Sicher, einst war er ein Schattenfreund gewesen, doch jetzt war er weit davon entfernt. Entfernt, und er stand dar�ber. Er war etwas anderes. Mehr als zuvor. Falls sie es fertigbrachte, mit einem der Verlorenen Kontakt aufzunehmen, bevor er sie beseitigen konnte... Besser, das gar nicht erst zu versuchen. Keine Zeit mehr, das Horn von Valere aufzusp�ren. Er hatte Anh�nger, die ihn au�erhalb der Stadt erwarteten. Sie sollten jedenfalls immer noch dort warten. Er hatte ihnen schlie�lich reichlich Angst eingejagt. Er hoffte, da� ein paar der Menschen noch am Leben seien.</p><p>Bevor die Sonne aufging, befand er sich nicht mehr in der Burg und hatte die Insel von Tar Valon verlassen. Al'Thor war irgendwo dort drau�en. Und <emphasis>er</emphasis> war nun wieder vollst�ndig.</p></section><section><title><p>20</p><p>Der Jangai-Pa�</p></title><p>Unter dem hoch aufragenden R�ckgrat der Welt lenkte Rand Jeade'en den steinigen Abhang empor, der sich vom Fu� der Vorh�gel hinaufzog in Richtung des Jangai-Passes. Die Drachenmauer stach tief in den Himmel hinein und lie� alle anderen Berge zwergenhaft erscheinen. Ihre schneebedeckten Gipfel widerstanden der gl�henden Nachmittagssonne. Der h�chste erhob sich ein gutes St�ck �ber die Wolken, die die W�ste mit ihrer Verhei�ung von Regen verspotteten, der noch niemals gekommen war. Rand konnte sich nicht denken, warum ein Mann einen solchen Berg erklimmen wolle, aber man erz�hlte sich, da� es solche M�nner gab, die dann aber umgekehrt waren, weil sie dort oben keine Luft bekamen und von panischer Angst gepackt worden waren. Er konnte sich allerdings gut vorstellen, da� ein Mann vor Angst keine Luft mehr bekam, wenn er so hoch kletterte.</p><p>�... und obwohl die Adligen Cairhiens mit dem Spiel der H�user besch�ftigt sind�, sagte Moiraine hinter ihm, �werden sie Euch folgen, solange sie wissen, da� Ihr stark seid. Geht streng mit ihnen um, aber ich bitte Euch auch, sie anst�ndig zu behandeln. Ein Herrscher, der wirklich Gerechtigkeit walten l��t... �</p><p>Er bem�hte sich, sie zu ignorieren, genau wie die anderen Reiter und genau wie das Quietschen und Rumpeln der Wagen Kaderes, die ihnen schwerf�llig folgten. Die zerrissenen Kl�fte und Schr�nde der W�ste lagen hinter ihnen, aber diese unregelm��ig geformten, steilen H�gel, fast genauso kahl wie die W�ste selbst, machten das Fahren f�r die Planwagen nicht gerade leichter. Niemand sonst hatte in den letzten zwanzig Jahren diesen Weg genommen.</p><p>Moiraine redete von Sonnenaufgang bis Sonnenuntergang auf ihn ein, solange er es zulie�. Sie belehrte ihn �ber kleine Dinge, wie beispielsweise die h�fischen Sitten in Cairhien und Saldaea oder anderswo, oder �ber wichtige: den politischen Einflu� der Wei�m�ntel oder �ber die Einfl�sse des Warenhandels auf die Entscheidungen von Herrschern, in den Krieg zu ziehen oder nicht. Es war, als wolle sie ihm eine gr�ndliche Ausbildung zuteil werden lassen, so, wie es einem Adligen geb�hrte oder f�r ihn notwendig war, bevor er noch die andere Seite der Berge erreichte. Er war �berrascht, wie h�ufig das, was sie sagte, dem entsprach, was man zu Hause in Emondsfeld einfach dem gesunden Menschenverstand zugeschrieben h�tte. Aber oftmals war es dann doch wieder ganz anders.</p><p>Manchmal r�ckte sie auch mit �berraschungen heraus. So sagte sie ihm beispielsweise, da� er keiner Frau in der Burg trauen solle au�er ihr selbst, Egwene, Elayne und Nynaeve, oder sie teilte ihm beil�ufig mit, da� Elaida nunmehr Amyrlin sei. Ob sie nun einem Eid Folge leisten mu�te oder nicht, jedenfalls gab sie nicht preis, wie sie an diese Neuigkeit gekommen war. Sie erw�hnte lediglich, da� ihm jemand anders dar�ber Auskunft erteilen m�sse, falls sie dies w�nschte. Es sei das Geheimnis dieser anderen Person, und es stehe ihr nicht zu, dieses Geheimnis zu l�ften. Er hatte die Traumg�ngerinnen unter den Weisen Frauen im Verdacht, obwohl sie ihm auf seine Frage hin in die Augen gesehen und weder ja noch nein gesagt hatten. Er w�nschte sich, sie genauso wie Moiraine einen Eid schw�ren lassen zu k�nnen. Dauernd mischten sie sich ein, wenn er mit den H�uptlingen verhandelte, als wollten sie ihn zwingen, die Clanh�uptlinge nur durch sie als Mittler anzusprechen.</p><p>Doch in dieser Minute nun wollte er nicht an Elaida oder die Weisen Frauen denken und auch nicht Moiraines Lektionen lauschen. Jetzt wollte er den vor ihm liegenden Pa� genauer betrachten, einen tiefen Einschnitt zwischen den Bergen, doch gewunden und zerkl�ftet, als habe eine stumpfe Axt wieder und wieder versucht, den Berg zu spalten, es jedoch niemals geschafft. Ein paar Minuten scharfen Ritts, und er k�nnte ihn erreicht haben.</p><p>Auf der einen Seite des Zugangs zum Pa� hatte man eine beinahe senkrechte Felswand auf einer Breite von mehr als hundert Schritt gegl�ttet und ein Bild hineingehauen � eine von Wind und Wetter gegerbte Schlange, die sich um einen gut dreihundert Spannen hohen Stab wand. War es nun ein Denk- oder Mahnmal, oder gar das Siegel eines Herrschers? Jedenfalls mu�te es von einer schon lange in den Abgr�nden der Zeit verschwundenen Nation stammen, noch �lter als das Reich Artur Falkenfl�gels, war vielleicht sogar noch vor den Trolloc-Kriegen entstanden. Er hatte schon �fters �berreste solcher L�nder angetroffen, deren Spuren l�ngst verweht waren. Oftmals kannte selbst Moiraine ihre Bedeutung und Herkunft nicht.</p><p>Hoch droben auf der anderen Seite, so hoch, da� er sich nicht sicher war, ob es wirklich das war, was er zu sehen glaubte, gerade unterhalb der Schneegrenze, stand etwas noch Eigenartigeres. Etwas, das aus dem ein paar tausend Jahre alten Monument ein ganz gew�hnliches Ding werden lie�. Er h�tte schw�ren k�nnen, da� sich dort die �berreste zerst�rter Geb�ude befanden, hellgrau von dem dunkleren Fels des Berges abgesetzt, und noch seltsamer: etwas, das aussah wie eine Schiffsanlegestelle aus dem gleichen Material, die schief am Steilhang lehnte. Falls er sich das alles nicht nur einbildete, mu�te das aus der Zeit vor der Zerst�rung der Welt stammen. In jenen Jahren war das Antlitz der gesamten Welt vollkommen ver�ndert worden. Das hier k�nnte durchaus einmal ein Meeresboden gewesen sein. Er w�rde Asmodean ausfragen m�ssen. Doch h�tte er auch genug Zeit daf�r gehabt, so hatte er nicht vor, zu dieser H�he emporzuklettern, um selbst nachzusehen.</p><p>Am Fu� der riesigen Schlange lag Taien, eine mittelgro�e Stadt mit hohen Mauern, und ebenfalls ein �berbleibsel aus der Zeit, als man Cairhien noch gestattete, Karawanen in das Dreifache Land zu entsenden. Damals war Reichtum von Schara aus �ber die Seidenstra�e nach Westen geflossen. �ber der Stadt schienen V�gel zu schweben, und die graue Stadtmauer wies in regelm��igen Abst�nden dunkle Flecken auf. Mat stand in Pips' Steigb�geln, sp�hte unter dem Schatten der breiten Hutkrempe den Pa� hinauf und runzelte die Stirn. Lans hartes Gesicht zeigte keinerlei Regung, doch er schien genauso eindringlich und aufmerksam hinaufzublicken. Ein Windsto�, der hier etwas K�hle mit sich brachte, wickelte seinen farbver-�ndernden Umhang um seine Gestalt, und einen Augenblick lang verschwand er fast von den Schultern bis an die Stiefelsch�fte, weil er farblich mit dem steinigen Abhang und den sp�rlich Dornb�schen verschmolz.</p><p>�H�rt Ihr mir �berhaupt zu?� fragte Moiraine pl�tzlich und lenkte ihre wei�e Stute n�her zu ihm heran. �Ihr m��t...!� Sie atmete tief durch. �Bitte, Rand. Es gibt soviel, das ich Euch sagen mu�, soviel, was Ihr wissen m��t.�</p><p>Die Andeutung einer Bitte in ihrem Tonfall lie� ihn aufblicken und sie ansehen. Er erinnerte sich noch an die Zeit, da er von ihrer Gegenwart und Pers�nlichkeit �berw�ltigt gewesen war. Nun erschien sie ihm trotz ihres wahrhaft k�niglichen Benehmens recht klein. Eine Dummheit, wenn er jetzt ihr gegen�ber auch noch Besch�tzergef�hle entwickelte. �Wir haben noch genug Zeit daf�r, Moiraine�, sagte er sanft. �Ich glaube bestimmt nicht, genauso viel �ber unsere Welt zu wissen wie Ihr. Ich will Euch von jetzt an immer nahe bei mir wissen.� Ihm war nur entfernt bewu�t, welch gro�e Ver�nderung das darstellte, nachdem <emphasis>sie</emphasis> vorher <emphasis>ihn</emphasis> nahe bei sich halten wollte. �Aber gerade jetzt habe ich etwas anderes im Sinn.�</p><p>�Selbstverst�ndlich.� Sie seufzte. �Wie Ihr w�nscht. Wir haben noch genug Zeit.�</p><p>Rand trieb den Apfelschimmel zum Trab an, und die anderen folgten seinem Beispiel. Auch die Planwagen beschleunigten ihre Fahrt, wenn sie ihm auch am Hang nicht mehr folgen konnten. Asmodeans � Jasin Nataels �flickenbedeckter Gauklerumhang flatterte hinter ihm wie das Banner, dessen Stock er auf den Steigb�gel gest�tzt hatte: leuchtend rot, mit dem schwarzwei�en Emblem der fr�heren Aes Sedai in der Mitte. Er machte allerdings eine m�rrische Miene, denn es war ihm �berhaupt nicht recht, zum Bannertr�ger erw�hlt zu werden. Die Weissagung von Rhuidean sagte aus, da� er unter diesem Zeichen seine Eroberung antreten werde, und vielleicht w�rde es auch die Menschen nicht so erschrecken wie die Drachenflagge, das Banner Lews Therins, die er �ber dem Stein von Tear flatternd zur�ckgelassen hatte. Dieses Wappen hier w�rden nur wenige auf Anhieb erkennen.</p><p>Die dunklen Flecken an der Stadtmauer Taiens waren Leichen, im Todeskampf gekr�mmt, in der Sonne aufgedunsen. Sie waren in einer Reihe, die die ganze Stadt zu umspannen schien, aufgeh�ngt worden. Die V�gel waren Raben mit tiefschwarz schimmerndem Gefieder, und dazu Geier mit blutbesudelten K�pfen und H�lsen. Einige Raben hatten sich an Leichen festgekrallt und fra�en, ohne sich von den Neuank�mmlingen st�ren zu lassen. Der s��liche Verwesungsgestank verpestete die trockene Luft. Auch bei�ender Rauch hing noch dazwischen. Eisenbeschlagene Tore standen offen und gaben den Blick auf ein wahres Tr�mmerfeld frei, auf ru�geschw�rzte Steingeb�ude und eingest�rzte D�cher. Nichts r�hrte sich dort au�er den V�geln.</p><p><emphasis>Genau wie Mar Ruois.</emphasis> Er bem�hte sich, diesen Gedanken abzusch�tteln, doch im Geist sah er diese m�chtige Stadt nach ihrer R�ckeroberung, wie sich die riesenhaften Turmbauten schwarz f�rbten und zusammenbrachen, wie an jeder Stra�enkreuzung die �berreste gro�er Feuer schwelten. Dort hatte man diejenigen gefesselt und lebendig hineingeworfen, die sich geweigert hatten, dem Schatten Gefolgschaft zu schw�ren. Er wu�te, aus wessen Erinnerungen diese Bilder stammten, auch wenn er dar�ber nicht mit Moiraine gesprochen hatte. <emphasis>Ich bin Rand al'Thor. Lews Therm Telamon ist seit dreitausend Jahren tot. Ich bin eine eigenst�ndige Person!</emphasis> Diese Schlacht wollte er auf jeden Fall gewinnen. Wenn er schon am Shayol Ghul sterben sollte, dann als er selbst. Er zwang sich, an etwas anderes zu denken.</p><p>Ein halber Monat war vergangen, seit er Rhuidean verlassen hatte. Ein halber Monat, und das, obwohl die Aiel zu Fu� von Sonnenaufgang bis Sonnenuntergang ein Tempo vorgelegt hatten, das selbst die Pferde auslaugte. Doch Couladin war bereits eine Woche, bevor er es erfuhr, hierher marschiert. Falls sie es nicht geschafft hatten, einigen Vorsprung aufzuholen, h�tte er ebenso lang Zeit, um Cairhien mit Krieg zu �berziehen, bevor Rand dorthin kam. L�nger sogar, denn dort mu�te er erst einmal die Shaido zum Kampf stellen. Kein viel gl�cklicherer Gedanke.</p><p>�Von diesen Felsen zur Linken aus beobachtet uns jemand�, sagte Lan leise. Er schien vollkommen damit besch�ftigt, die Ruinen Taiens zu mustern. �Kein Aiel, sonst h�tte ich ihn h�chstwahrscheinlich nie entdeckt.�</p><p>Rand war froh, da� er Egwene und Aviendha bei den Weisen Frauen zur�cklassen hatte. Der Zustand dieser Stadt lieferte ihm einen weiteren Grund daf�r, doch der Beobachter pa�te in seinen urspr�nglichen Plan, als er noch gehofft hatte, Taien sei davongekommen. Egwene trug nach wie vor die gleiche Aielkleidung wie Aviendha, und in Taien w�ren Aiel nun nicht gerade sehr willkommen. Bei den �berlebenden sicher noch weniger als zuvor.</p><p>Er blickte zur�ck zu den Wagen, die ein kurzes St�ck unterhalb am Hang einer nach dem anderen stehenblieben. Erregt klingende Gespr�chsfetzen drangen von den Fahrern her an seine Ohren, nun, da sie die Stadt und die Mauerdekorationen klar erkennen konnten. Kadere, dessen massige Gestalt heute wieder in Wei� geh�llt war, wischte sich das Gesicht mit der m�chtigen Hakennase mit einem gro�en Taschentuch ab. Er schien �berhaupt nicht verst�rt und sch�rzte lediglich nachdenklich die Lippen.</p><p>Rand erwartete, da� sich Moiraines neue Fahrer w�rde suchen m�ssen, sobald sie einmal �ber den Pa� waren. Kadere und seine Leute w�rden h�chstwahrscheinlich bei der ersten Gelegenheit verschwinden. Und er mu�te sie ziehen lassen. Es war nicht richtig und widersprach seinem Gerechtigkeitsgef�hl, doch es war notwendig, um Asmodean zu sch�tzen. Wie lange schon hatte er tun m�ssen, was notwendig war, und verdr�ngen, was eigentlich richtig gewesen w�re? In einer gerechten Welt h�tte beides �bereingestimmt. Der Gedanke brachte ihn zum Lachen. Es klang eher wie ein heiseres Keuchen. Er war schon lange nicht mehr der Dorfjunge von einst, aber manchmal schlich sich dieser Junge doch in seine Gef�hle ein. Die anderen blickten ihn an, und es dr�ngte ihn, diesen Menschen zu erkl�ren, da� er noch nicht auf der Stra�e zum Wahnsinn sei.</p><p>Lange Minuten verstrichen, bis zwei M�nner in Hemds�rmeln und eine Frau aus den Felsformationen hervortraten. Alle drei wirkten zerlumpt, schmutzig und liefen barfu�. Sie kamen z�gernd n�her, die K�pfe nerv�s gesenkt und mit Blicken, die �ngstlich von Reiter zu Reiter huschten, zu den Wagen und zur�ck, als w�ren sie bereit, jeden Moment zu fliehen. Eingefallene Wangen und wankende Schritte erz�hlten von Hunger und Ersch�pfung.</p><p>�Dem Licht sei Dank�, sagte der eine Mann schlie�lich. Er war grauhaarig. Keiner der drei war jung. Sein Gesicht wies tiefe Furchen auf. Sein Blick ruhte einen Augenblick lang auf Asmodean mit seinen Spitzenr�schen an Kragen und Manschetten, doch der Anf�hrer dieser Karawane w�rde bestimmt keinen Maulesel reiten und eine Flagge tragen. Schlie�lich klammerte sich der Mann �ngstlich an Rands Steigb�gel. �Dem Licht sei Dank, da� Ihr unversehrt diesem schrecklichen Land entronnen seid, Lord!� Es mochte an Rands blauem Seidenmantel liegen, der auf den Schulterst�cken mit Gold bestickt war, oder an der Flagge, oder es handelte sich einfach um Schmeichelei. Der Mann hatte jedenfalls keinen Grund, sie f�r etwas anderes als Kaufleute zu halten, wenn auch f�r besonders gut gekleidete. �Diese mordenden Wilden haben sich wieder erhoben. Ein neuer Aielkrieg ist im Gang. Sie waren w�hrend der Nacht bereits �ber die Stadtmauer geklettert, bevor man sie bemerkte, und sie t�teten jeden, der die Hand gegen sie erhob, und stahlen alles, was nicht festgemauert war.�</p><p>�W�hrend der Nacht?� fragte Mat in scharfem Ton. Mit heruntergezogener Hutkrempe musterte er immer noch die zerst�rte Stadt. �Haben Eure Wachen geschlafen? Ihr habt doch wohl Wachen aufgestellt, so nahe bei Euren Feinden? Selbst die Aiel h�tten Schwierigkeiten, Euch zu �berrumpeln, wenn Ihr gut Wache haltet.� Lan warf ihm einen beif�lligen Blick zu.</p><p>�Nein, mein Lord.� Der grauhaarige Mann sah wohl Mat mit gro�en Augen an, seine Antwort galt jedoch Rand. Mats gr�ner Mantel war gut genug f�r einen Lord, aber er stand offen und sah aus, als habe Mat darin geschlafen. �Wir... Wir hatten an jedem Tor nur einen W�chter. Es ist schon so lange her, da� jemand einen der Wilden zu Gesicht bekam. Aber diesmal... Was sie nicht stahlen, das verbrannten sie, und uns haben sie hinausgetrieben, um dort zu verhungern. Schmutzige Tiere! Dem Licht sei Dank, da� Ihr gekommen seid, uns zu retten, Lord, oder wir w�ren hier allesamt gestorben. Ich hei�e Tal Nethin. Ich bin � oder war � Sattler. Ein guter, mein Lord. Das hier sind meine Schwester Aril und ihr Mann, Ander Corl. Er fertigt sch�ne Stiefel an.�</p><p>�Sie haben auch Menschen verschleppt, mein Lord�, sagte die Frau mit rauher Stimme. Sie war etwas j�nger als ihr Bruder und mochte wohl einst h�bsch gewesen sein, doch nackte Angst und Not hatten Furchen in ihr Gesicht gegraben, die, wie Rand vermutete, nie mehr daraus verschwinden w�rden. Ihr Mann hatte etwas Verlorenes in seinem Blick, als sei ihm nicht ganz klar, wo er sich befand. �Meine Tochter, Lord, und meinen Sohn. Sie haben alle jungen Leute mitgenommen, jeden �ber sechzehn und manche, die auch schon doppelt so alt waren oder mehr. Sagten, sie seien jetzt Gai... irgend etwas, rissen ihnen auf offener Stra�e die Kleider vom Leib und trieben sie fort. Mein Lord, k�nnt Ihr...?� Sie lie� ihre Worte verklingen und schlo� die Augen, �berw�ltigt von der Unm�glichkeit dieses Unterfangens, und wankte. Die Chancen, da� sie ihre Kinder je wiedersehen w�rde, waren gering.</p><p>Moiraine war blitzschnell aus dem Sattel und an Arils Seite. Die ausgezehrte Frau keuchte laut auf, als die H�nde der Aes Sedai sie ber�hrten. Sie bebte bis an die Zehenspitzen. Ihr staunender Blick stellte Moiraine eine offene Frage, doch die hielt sie nur fest, als wolle sie sie st�tzen.</p><p>Der Ehemann der Frau ri� pl�tzlich Augen und Mund auf, als er Rands vergoldete G�rtelschnalle entdeckte, das Geschenk Aviendhas. �Seine Arme trugen die gleichen Zeichen! Genau wie die. Rundherum gewunden, wie eine Klippschlange.�</p><p>Tal blickte unsicher zu Rand auf. �Der Anf�hrer der Wilden, Lord. Er � er hatte Zeichen wie diese an den Armen. Er trug diese eigenartige Kleidung, die sie immer anhaben, aber er hatte sich die �rmel abgeschnitten, und er sorgte daf�r, da� alle die Zeichen sehen konnten.�</p><p>�Ein Geschenk, das ich in der W�ste erhielt�, sagte Rand. Er bem�hte sich, die H�nde ruhig am Sattelhorn zu halten, denn bis auf die K�pfe wurden seine eigenen Drachen von den Mantel�rmeln verborgen. Die K�pfe allerdings waren f�r jeden sichtbar, der seine Handr�cken genauer betrachtete. Aril hatte ganz vergessen, Moiraine zu fragen, was sie eigentlich mit ihr angestellt habe, und alle drei schienen, als wollten sie jeden Augenblick wieder wegrennen. �Wie lange sind sie schon weg?�</p><p>�Sechs Tage, mein Lord�, antwortete Tal nerv�s. �Was sie anrichteten, geschah innerhalb einer Nacht und eines Tages. Am n�chsten waren sie wieder verschwunden. Wir w�ren ja auch geflohen, aber was, wenn wir ihnen auf ihrem R�ckweg in die Arme gelaufen w�ren? Bestimmt wurden sie doch in Selean zur�ckgeworfen?� Das war die Stadt an der anderen Seite des Passes. Rand bezweifelte, da� sich Selean mittlerweile in einem anderen Zustand befand als Taien.</p><p>�Wie viele �berlebende gibt es noch au�er Euch dreien?�</p><p>�Vielleicht hundert, mein Lord. Vielleicht mehr. Niemand hat sie gez�hlt.�</p><p>Urpl�tzlich stieg Zorn in ihm auf, obwohl er sich zu beherrschen versuchte. �Hundert von Euch?� Seine Stimme klang wie rostiges Eisen. �Und sechs Tage? Warum sind dann Eure Toten immer noch den Raben �berlassen? Warum h�ngen noch immer die Leichen an der Stadtmauer? Das ist Euer Volk, dessen Verwesungsgestank Eure Nasen f�llt!� Die drei schoben sich dichter aneinander und wichen vor seinem Pferd zur�ck.</p><p>�Wir hatten Angst, mein Lord�, sagte Tal heiser. �Sie gingen wohl weg, aber sie k�nnten zur�ckkehren. Und er befahl uns... Der mit den Zeichen an den Armen sagte uns, wir d�rften nichts ber�hren.�</p><p>�Eine Botschaft�, sagte Ander mit leiser Stimme. �Er w�hlte willk�rlich diejenigen, die geh�ngt werden sollten, holte einfach welche heraus, bis es genug waren, um die ganze Mauer mit ihren Leichen zu schm�cken. M�nner, Frauen � es war ihm gleich.� Sein Blick war auf Rands G�rtelschnalle gerichtet. �Er sagte, sie stellten eine Botschaft an einen Mann dar, der ihm folgen werde. Er sagte, er wolle diesen Mann wissen lassen... wissen lassen, was sie auf der anderen Seite des R�ckgrats der Welt tun w�rden. Er sagte... Er sagte, er werde mit diesem Mann Schlimmeres anstellen.�</p><p>Aril ri� pl�tzlich die Augen auf, und die drei starrten mit offenen M�ndern einen Augenblick lang an Rand vorbei. Dann wirbelten sie schreiend herum und rannten davon. Schwarz verschleierte Aiel erhoben sich hinter den Felsen, von wo die drei gekommen waren, und so jagten die Fliehenden verzweifelt in eine andere Richtung. Doch auch dort erschienen verschleierte Aiel, und schlie�lich brachen die drei schluchzend zusammen und klammerten sich weinend aneinander, w�hrend man sie umstellte. Moiraines Miene wirkte k�hl und beherrscht, doch ihr Blick flammte.</p><p>Rand wandte sich im Sattel um. Rhuarc und Dhearic kamen den Hang herauf, nahmen ihre Schleier ab und wickelten sich die Schufas von den K�pfen. Dhearic war dicker als Rhuarc, hatte eine vorstehende Nase und hellere Str�hnen im ansonsten goldenen Haar. Er hatte Rand die Reyn Aiel zugef�hrt, wie Rhuarc es vorausgesagt hatte.</p><p>Timolan und seine Miagoma waren drei Tage lang im Norden parallel zu ihnen dahingezogen, hatten gelegentliche Botschaften ausgetauscht, aber ansonsten nichts von ihren Absichten kundgetan. Die Codarra, die Shiande und die Daryne befanden sich ein St�ck weit im Osten und folgten ihnen, wenn auch langsam, wie Amys und die anderen nach Traumgespr�chen mit ihren Weisen Frauen berichteten. Diese Weisen Frauen hatten genausowenig eine Ahnung von den Absichten ihrer Clanh�uptlinge wie Rand von denen Timolans.</p><p>�War das notwendig?� fragte er, als die beiden H�uptlinge zu ihm traten. Er hatte diesen Menschen wohl zuerst Angst eingejagt, doch aus gutem Grund, und er hatte sie nicht glauben gemacht, sie m��ten sterben.</p><p>Rhuarc zuckte einfach die Achseln, und Dhearic sagte: �Wir haben Speere unsichtbar um diese Festung herum aufgestellt, wie Ihr w�nschtet, und es schien keinen Grund mehr zum Warten zu geben, da hier bestimmt niemand mehr ist, der den Tanz der Speere mit uns tanzen k�nnte. Au�erdem sind das doch nur Baumm�rder.�</p><p>Rand atmete tief durch. Er hatte ja gewu�t, da� dies zu einem m�glicherweise genauso gro�en Problem werden k�nnte wie Couladin, jedenfalls auf gewisse Weise. Vor fast f�nfhundert Jahren hatten die Aiel Cairhien einen Sch��ling des <emphasis>Avendesora-Baums</emphasis> zum Geschenk gemacht und damit auch gleichzeitig ein Recht, das keiner anderen Nation zuteil wurde, n�mlich, durch die W�ste hindurch bis Schara Handel zu treiben. Sie hatten keinen Grund daf�r genannt, denn f�r die Feuchtl�nder hatten sie, vorsichtig ausgedr�ckt, nichts �brig, aber <emphasis>Ji'e'toh</emphasis> hatte das von den Aiel gefordert. W�hrend der langen Wanderjahre, die sie schlie�lich in die W�ste gef�hrt hatten, gab es nur ein Volk, das sie nie angegriffen hatte und das sie alles Wasser haben lie�, was sie brauchten, obwohl die Welt langsam auszutrocknen schien. Und endlich hatten sie die Nachkommen dieses Volks ausfindig gemacht: die Menschen aus Cairhien.</p><p>F�nfhundert Jahre lang waren so mit der Seide und dem Elfenbein Reicht�mer nach Cairhien geflossen. F�nfhundert Jahre, und <emphasis>Avendoraldera</emphasis> gedieh in Cairhien. Und dann lie� K�nig Laman den Baum f�llen, um sich daraus einen Thron anfertigen zu lassen. Die L�nder kannten den Grund, aus dem die Aiel vor zwanzig Jahren das R�ckgrat der Welt �berquert hatten. �Lamans S�nde� nannten sie es, und �Lamans Stolz�, aber nur wenige wu�ten, da� es f�r die Aiel gar kein Krieg gewesen war. Lediglich vier Clans waren aufgebrochen, um einen Meineidigen zu stellen, und als sie ihn get�tet hatten, waren sie ins Dreifache Land zur�ckgekehrt. Doch ihre Verachtung f�r die Baumm�rder, die Meineidigen, hatte sich nie gelegt. Die Tatsache, da� Moiraine eine Aes Sedai war, lie� die Aiel ihre Cairhiener Herkunft vergessen, doch in welchem Ma�e, dar�ber war sich Rand auch nicht ganz im klaren.</p><p>�Diese Menschen haben niemals einen Eid gebrochen�, sagte er zu ihnen. �Sucht die anderen. Der Sattler meint, es seien an die hundert. Und geht sanft mit ihnen um. Falls welche von ihnen die anderen beobachtet haben, fl�chten sie vielleicht mittlerweile geradewegs in die Berge.� Die beiden Aiel wandten sich schon um, da f�gte er noch hinzu: �Habt Ihr geh�rt, was sie mir sagten? Was haltet Ihr von dem, was Couladin hier getan hat?�</p><p>�Sie haben mehr get�tet, als notwendig war�, sagte Dhearic, wobei er den Kopf angewidert sch�ttelte. �Wie die schwarzen Frettchen, wenn sie in einer Schlucht �ber ein Nest von Bergh�hnern herfallen.� T�ten war genauso leicht wie Sterben, sagten die Aiel; jeder Narr konnte das.</p><p>�Und das andere? Menschen gefangennehmen? <emphasis>Gai'schain?�</emphasis></p><p>Rhuarc und Dhearic tauschten einen kurzen Blick, und Dhearic verzog den Mund. Offensichtlich hatten sie davon geh�rt und f�hlten sich keineswegs wohl bei dem Gedanken. Es bedeutete schon einiges, wenn sich ein Aiel so wand.</p><p>�Es kann nicht angehen�, sagte Rhuarc schlie�lich. �Falls es stimmt... <emphasis>Gai'schain</emphasis> sind eine Frage der Ehre, des <emphasis>Ji'e'toh.</emphasis> Niemand kann zum <emphasis>Gai'schain</emphasis> gemacht werden, der nicht den Weg des <emphasis>Ji'e'toh</emphasis> geht. Sonst sind sie lediglich menschliches Vieh, wie es die Shaarad halten.�</p><p>�Couladin hat den Weg des <emphasis>Ji'e'toh</emphasis> verlassen.� Bei Dhearic klang das, als behaupte er, aus Steinen seien Fl�gel gewachsen.</p><p>Mat lenkte Pips durch einen kurzen Schenkeldruck n�her heran. Er war nie ein mehr als durchschnittlicher Reiter gewesen, aber manchmal, wenn er an etwas ganz anderes dachte, ritt er, als sei er auf dem R�cken eines Pferdes geboren. ��berrascht Euch das?� sagte er. �Nach allem, was er bereits getan hat? Der Mann w�rde noch die eigene Mutter beim W�rfeln betr�gen.�</p><p>Sie blickten ihn eisig an. Ihre Augen wirkten wie blaue Gemmen. Auf gewisse Weise <emphasis>waren</emphasis> die Aiel <emphasis>Ji'e'toh.</emphasis> Und was Couladin auch sein mochte, in ihren Augen war er noch immer ein Aiel. Die Septime stand �ber dem Clan, der Clan �ber allen Au�enseitern, und die Aiel �ber allen Feuchtl�ndern.</p><p>Ein paar T�chter des Speers hatten sich ihnen gen�hert, Enaila, Jolien, Adelin und dazu die drahtige, wei�haarige Sulin, die man zur Dachherrin des Dachs der T�chter in Rhuidean gew�hlt hatte. Sie hatte den dort zur�ckgebliebenen T�chtern empfohlen, eine andere zu w�hlen, und f�hrte statt dessen nun die T�chter hier an. Sie sp�rten die lastende Stimmung und sagten nichts, steckten nur die Speere geduldig mit der Spitze nach unten in den Boden. Wenn ein Aiel die Geduld bewahren wollte, wirkten selbst die Felsbrocken in Eile.</p><p>Lan brach das Schweigen. �Wenn Couladin erwartet, da� Ihr ihm folgt, hat er vielleicht irgendwo auf dem Pa� eine �berraschung hinterlassen. Hundert Mann k�nnten an den engsten Stellen einem ganzen Heer trotzen. Tausend...�</p><p>�Also werden wir hier lagern�, entschied Rand, �und Kundschafter vorausschicken, um sicherzugehen, da� der Weg frei ist. <emphasis>Duadhe Mahdi'in?�</emphasis></p><p>�Wassersucher�, stimmte Dhearic erfreut zu. Das war seine Kriegergemeinschaft gewesen, bevor er zum Clanh�uptling erw�hlt worden war.</p><p>Sulin und die anderen T�chter warfen Rand mi�billigende Blicke zu, w�hrend der H�uptling der Reyn den Hang hinunterschritt. Die letzten drei Tage �ber hatte er immer Kundschafter aus anderen Kriegergemeinschaften vorgezogen, weil er bereits bef�rchtet hatte, was sie hier vorfinden w�rden, und er hatte das Gef�hl, sie w��ten sehr genau, da� er nicht einfach nur den anderen auch ihre Gelegenheit verschaffen wollte. Er bem�hte sich, ihre Blicke zu ignorieren. Bei Sulin war das besonders schwierig, denn mit diesen bla�blauen Augen h�tte die Frau wohl auch noch N�gel einschlagen k�nnen.</p><p>�Rhuarc, sorgt bitte daf�r, da� man diesen �berlebenden zu essen gibt, sobald man sie findet. Und da� man sie gut behandelt. Wir werden sie mitnehmen.� Sein Blick wanderte zur Stadtmauer hin�ber. Einige Aiel ben�tzten bereits ihre gekr�mmten Hornb�gen, um Raben abzuschie�en. Manchmal ben�tzten die Schattenabk�mmlinge Raben und andere aasfressende Tiere als Spione, Schattenaugen, wie es die Aiel nannten. Die hier hielten in ihrem gierigen Fressen kaum inne, bis sie von einem Pfeil durchbohrt herunterfielen. Ein kluger Mann ging in bezug auf Raben und Ratten eben kein Risiko ein. �Und sorgt daf�r, da� man die Toten bestattet.� Wenigstens in diesem Punkt stimmten Recht und Notwendigkeit �berein.</p></section><section><title><p>21</p><p>Eine Klinge zum Geschenk</p></title><p>Schnell wurde nun das Lager am Eingang des Jangai-Passes errichtet, doch soweit wie m�glich von Taien entfernt. Es zog sich bald �ber die Vorh�gel hinab. Die Zelte standen zwischen den verstreuten Dornb�schen und selbst noch an den Bergh�ngen. Allerdings war nicht viel davon sichtbar, au�er den innerhalb des Pa�eingangs befindlichen Zelten, denn die Aielzelte pa�ten sich farblich so gut der steinigen Erde an, da� man sie selbst dann oftmals nicht bemerkte, wenn man wu�te, was und wo man suchen mu�te. In den H�geln lagerten die Aiel nach Clans geordnet, aber die auf dem Pa� selbst formierten sich nach ihren Kriegergemeinschaften. Es waren vor allem T�chter des Speers, aber auch die Gemeinschaften der M�nner hatten ihre Vertreter hier, jeweils etwa f�nfzig, die ihre Zelte leicht voneinander abgesetzt �ber den Ruinen von Taien errichteten. Jedermann verstand, oder glaubte es zumindest, warum die T�chter sich Rands Ehre verpflichtet f�hlten, doch alle Gemeinschaften wollten den <emphasis>Car'a'carn besch�tzen.</emphasis></p><p>Moiraine und nat�rlich auch Lan gingen hinunter, wo Kaderes Wagen gleich unterhalb der Stadt angehalten hatten, um daf�r zu sorgen, da� dieses Wagenlager richtig aufgestellt wurde. Die Aes Sedai nahm den Inhalt dieser Wagen fast genauso wichtig wie Rand. Die Fahrer knurrten und fluchten �ber den von der Stadt her�ber ziehenden Gestank und vermieden jeden Blick zu den Aiel hin�ber, die die Leichen von der Mauer abschnitten. Doch nach Monaten in der W�ste schienen sie es beinahe zu genie�en, sich trotz der Ruinen in der N�he der Zivilisation zu befinden, oder was sie als solche betrachteten.</p><p><emphasis>Gai'schain</emphasis> errichteten die Zelte der Weisen Frauen jedenfalls die Bairs, Amys' und Melaines � ebenfalls unterhalb der Stadt direkt auf der verwitterten Fahrspur, die aus dem H�gelgebiet hinauf zum Pa� f�hrte. Rand war sicher, sie w�rden angeben, diesen Punkt ausgew�hlt zu haben, weil sie von dort aus f�r ihn genau wie f�r die unz�hligen Dutzend Weiser Frauen unterhalb gut erreichbar waren. Allerdings schien es ihm auch kein Zufall, wenn jeder, der von den H�geln aus zu ihm kommen wollte, zuerst durch ihr Lager oder um ihr Lager herumgehen mu�te. Er war ein wenig �berrascht, als er bemerkte, da� Melaine den wei�gekleideten Gestalten die notwendigen Anweisungen gab. Erst vor drei N�chten hatte sie Bael geheiratet. Die Zeremonie hatte sie zu dessen Frau und zur Schwesterfrau Dorindhas gemacht, seiner anderen Ehefrau. Dieser Teil war offensichtlich genauso wichtig gewesen wie die eigentliche Hochzeit. Aviendha hatte sich seiner �berraschung wegen ziemlich aufgeregt.</p><p>Als Egwene zusammen mit Aviendha auftauchte, die Aielfrau hinter sich auf der grauen Stute und die bauschigen R�cke bis �ber die Knie hochgeschoben, schienen sie gut zusammenzupassen, obwohl sie einen unterschiedlichen Teint aufwiesen und Aviendha gro� genug war, um Egwene bequem �ber die Schulter schauen zu k�nnen; beide trugen nur einen elfenbeinernen Armreif und eine Halskette. Die Arbeit, die Leichen der Gehenkten zu entfernen, hatte kaum begonnen. Die meisten Raben lagen tot auf dem Boden, darum ganze B�schel schwarzer Federn verstreut. Die anderen waren davongeflogen, doch Geier, die sich zu voll gefressen hatten, um sich in die Luft erheben zu k�nnen, watschelten noch durch die Asche innerhalb der Stadtmauer.</p><p>Rand w�nschte, er h�tte eine M�glichkeit, den beiden Frauen diesen Anblick zu ersparen, doch zu seiner �berraschung lief keine von beiden zur Seite, um sich zu �bergeben. Nun, bei Aviendha hatte er das ja auch nicht ernsthaft erwartet, denn sie hatte schon oft genug den Tod gesehen und ihn auch selbst ausgesandt, und so blieb ihr Gesicht auch jetzt ausdruckslos. Doch er hatte dieses reine Mitleid in Egwenes Augen wirklich nicht erwartet, als sie zusah, wie die aufgedunsenen Leichen heruntergenommen wurden.</p><p>Sie lenkte ihre Stute Nebel zu Jeade'en und beugte sich her�ber, um eine Hand auf seinen Arm zu legen. �Es tut mir so leid, Rand. Es gab keine M�glichkeit, da� du dies hier h�ttest verhindern k�nnen.�</p><p>�Ich wei߫, sagte er zu ihr. Er hatte noch nicht einmal gewu�t, da� es hier �berhaupt eine Stadt gab, bis Rhuarc sie vor f�nf Tagen ganz nebenbei erw�hnt hatte. In seinen Beratungen mit den H�uptlingen war es immer nur darum gegangen, ob sie an einem Tag noch gr��ere Entfernungen zur�cklegen k�nnten als zuvor und was Couladin vorhaben mochte, wenn er den Jangai �berschritten hatte. Doch zu dem Zeitpunkt waren die Shaido hier schon fertig gewesen und weitergezogen. Er hatte sich seither oft genug gescholten, aber an der Lage auch nichts �ndern k�nnen.</p><p>�Also, dann denke immer daran: Es war nicht deine Schuld.� Sie gab Nebel die Fersen zu sp�ren und begann, sich mit Aviendha zu unterhalten, obwohl sie noch nicht einmal au�er H�rweite waren. �Ich bin froh, da� er es so gut aufnimmt. Er hat sich angew�hnt, Schuldgef�hle zu entwickeln, obwohl er auf solche Dinge gar keinen Einflu� hat.�</p><p>�M�nner glauben immer, sie h�tten alles in ihrer Umgebung im Griff�, antwortete Aviendha. �Wenn sie merken, da� es nicht stimmt, glauben sie, versagt zu haben, anstatt einfach die Wahrheit hinzunehmen, die wir Frauen bereits kennen.�</p><p>Egwene kicherte. �Und <emphasis>das</emphasis> ist die Wahrheit. Sobald ich diese armen Menschen sah, f�rchtete ich, wir w�rden ihn irgendwo finden, wie er sich gerade �bergibt.�</p><p>�Hat er einen so schwachen Magen? Ich... �</p><p>Ihre Stimmen verklangen, als die Stute sich entfernte. Rand ri� sich zusammen und setzte sich kerzengerade aufgerichtet und mit knallrotem Gesicht im Sattel zurecht. Sie zu belauschen: Er benahm sich wie ein Idiot. Das hielt ihn aber nicht davon ab, ihnen mit gerunzelter Stirn nachzublicken. Er �bernahm schlie�lich nur die Verantwortung f�r Dinge, auf die er Einflu� hatte, und auch das nur innerlich. Nur f�r Dinge, die er �ndern konnte, wenn es ihm wichtig erschien. Und solche, die er eigentlich h�tte �ndern sollen. Es pa�te ihm nicht, wie sie �ber ihn sprachen, hinter seinem R�cken oder auch geradewegs ihm ins Gesicht. Das Licht allein mochte wissen, was sie noch �ber ihn sagten.</p><p>Er stieg ab und begab sich, Jeade'en f�hrend, auf die Suche nach Asmodean, der sich verlaufen zu haben schien. Nach so vielen Tagen im Sattel war es eine Wohltat, zu Fu� gehen zu k�nnen. Eine ganze Reihe von einzelnen Zeltgruppen erhob sich nun entlang des Pa�wegs. Die Bergh�nge und Felsw�nde bildeten wohl gewaltige Schutzmauern, doch die Aiel errichteten ihre Zelte nach einem Muster, das ihnen gestattete, selbst einem Angriff von oben trotzen zu k�nnen. Er hatte einmal versucht, neben den Aiel zu Fu� zu gehen, doch ein halber Tag reichte, um ihn wieder in den Sattel zur�ckzubringen. Es war schon schwer genug, reitend mit ihnen Schritt zu halten. Wenn es darauf ankam, waren die Pferde schneller erm�det als sie.</p><p>Auch Mat war abgestiegen und hockte am Boden, die Z�gel in einer Hand und diesen Speer mit schwarzem Schaft �ber die Knie gelegt, und so sp�hte er hin�ber zu den klaffenden Torfl�geln, musterte die zerst�rte Stadt, knurrte etwas in sich hinein, w�hrend Pips versuchte, an einem Dornbusch zu knabbern. Mat starrte nicht so einfach hin�ber, nein, er beobachtete und taxierte, was er sah. Woher hatte er das mit den Wachen gehabt? Mat gab neuerdings manchmal seltsame Sachen von sich � seit sie das erste Mal in Rhuidean gewesen waren. Rand h�tte es gern gehabt, wenn Mat �ber das dort Geschehene berichtete, aber er leugnete standhaft ab, da� �berhaupt etwas geschehen sei, und das trotz des Medaillons mit dem Fuchskopf, trotz des Speers und der Narbe rund um seinen Hals. Melindhra, die Shaido-Tochter des Speers, mit der er in letzter Zeit zusammen war, befand sich nur ein kleines St�ck entfernt und beobachtete ihrerseits Mat, bis Sulin herankam und sie mit irgendeinem Auftrag davonscheuchte. Rand fragte sich, ob Mat wisse, da� die T�chter bereits Wetten darauf abschlossen, ob Melindhra f�r ihn den Speer aufgeben werde. Und darauf, ob sie ihm auch das Singen beibringen werde; doch wenn Rand fragte, was das zu bedeuten habe, lachten sie immer nur.</p><p>Der Klang von Musik f�hrte ihn zu Asmodean, der sich mit der Harfe auf den Knien auf einen Granitvorsprung gesetzt hatte. Den Stock der roten Fahne hatte er tief in den lockeren Boden gesteckt und das Maultier daran festgebunden. �Wie Ihr seht, mein Lord Drache�, sagte er heiter, �h�lt sich Euer Bannertr�ger streng an seine Pflichten.� Dann �nderten sich Tonfall und Miene, und er sagte: �Wenn Ihr dieses Ding schon zeigen m��t, warum la�t Ihr es nicht von Mat tragen oder von Lan? Oder sogar von Moiraine? Sie w�re doch bestimmt froh, Euer Banner hochzuhalten und Eure Stiefel zu putzen. Nehmt Euch vor ihr in acht. Sie ist eine tr�gerische Frau. Wenn eine Frau freiwillig sagt, sie wolle Euch gehorchen, ist es an der Zeit, hellwach zu sein und Augen auch am R�cken zu haben.�</p><p>�Ihr m��t es tragen, weil Ihr auserw�hlt wurdet, Meister Jasin Natael.� Asmodean fuhr zusammen und blickte sich schnell um, obwohl alle anderen zu weit entfernt und zu besch�ftigt waren, um zu lauschen. Niemand au�er ihnen beiden h�tte es verstanden. �Was wi�t Ihr �ber diese Ruinen oben nahe der Schneegrenze? Sie stammen bestimmt aus dem Zeitalter der Legenden.�</p><p>Asmodean sah nicht einmal den Berg hinauf. �Diese Welt unterscheidet sich sehr von jener, in der ich... einschlief.� Es klang ersch�pft, und er schauderte leicht. �Was ich von dem wei�, was hier liegt, das habe ich auch erst seit dem Erwachen erfahren.� Seine Harfe lie� die traurigen Kl�nge des Todesmarsches erklingen. �Meines Wissens k�nnten das die �berreste der Stadt sein, in der ich geboren wurde. Schorelle war eine Hafenstadt.�</p><p>Es w�rde vielleicht noch eine Stunde dauern, bis die Sonne hinter dem R�ckgrat der Welt verborgen war. So nahe den hohen Bergen brach die Nacht fr�h herein. �Ich bin heute abend zu m�de f�r eines unserer �blichen Gespr�che.� So bezeichneten sie Asmodeans Unterrichtsstunden in der �ffentlichkeit, selbst wenn niemand zuh�rte. Wenn man sie zu den �bungsstunden mit Lan oder Rhuarc hinzuz�hlte, hatte ihm all dieser Unterricht seit der Abreise aus Rhuidean wenig Zeit zum Schlafen gelassen. �Geht nur zu Eurem Zelt, wenn Ihr soweit seid, und ich sehe Euch dann wieder am Morgen. Mit der Fahne.� Es gab niemanden anders, der das verdammte Ding tragen konnte. Vielleicht w�rde er in Cairhien jemanden f�r diese Aufgabe finden.</p><p>Beim Umdrehen zupfte Asmodean eine schrille Note und sagte: �Keine brennenden Netze um mein Zelt heute nacht? Fangt Ihr endlich an, mir zu vertrauen?�</p><p>Rand blickte noch einmal zu ihm hin. �Ich vertraue Euch wie einem Bruder. Bis zu dem Tag, an dem Ihr mich verratet. Ich habe Euch als Belohnung f�r das, was Ihr mich lehrt, begnadigt, und das ist mehr, als Ihr verdient, aber an dem Tag, an dem Ihr Euch gegen mich stellt, werde ich diese Begnadigung zerrei�en und mit Euch begraben.� Asmodean �ffnete den Mund, doch Rand kam ihm zuvor: �Ich bin es, der da spricht, Natael. Rand al'Thor. Die Menschen von den Zwei Fl�ssen m�gen Leute nicht, die versuchen, ihnen ein Messer in den R�cken zu rammen.�</p><p>Gereizt ri� er an den Z�geln des Apfelschimmels und ritt davon, bevor der Mann noch etwas erwidern konnte. Er war sich nicht sicher, ob Asmodean eine Ahnung davon hatte, da� ein toter Mann versuchte, seine Pers�nlichkeit zu �bernehmen, aber er sollte ihm auch gar keine Hinweise darauf geben. Asmodean war bereits davon �berzeugt, da� er einer verlorenen Sache diene. Falls er das Gef�hl bekam, Rand habe seinen eigenen Verstand nicht mehr im Griff und sei m�glicherweise bereits auf dem Weg in den Wahnsinn, w�rde der Verlorene ihn augenblicklich im Stich lassen, und es gab einfach noch zuviel, was Rand erst lernen mu�te.</p><p>Wei�gekleidete <emphasis>Gai'schain</emphasis> errichteten nach Aviendhas Anweisungen sein Zelt weit hinten am Eingang des Passes, direkt unter der hoch aufragenden Riesenschlange. Die <emphasis>Gai'schain</emphasis> hatten ihre eigenen Zelte, doch die w�rden nat�rlich erst als letzte aufgebaut. Adelin und ein Dutzend T�chter hockten in der N�he und beobachteten alles, warteten darauf, seinen Schlaf zu beh�ten. Obwohl jede Nacht mehr als tausend T�chter des Speers um ihn herum lagerten, bewachten sie sein Zelt immer noch.</p><p>Bevor er sich dem Zelt n�herte, griff er durch den <emphasis>Angreal</emphasis> in seiner Manteltasche nach <emphasis>Saidin.</emphasis> Es war nat�rlich gar nicht notwendig, den geschnitzten dicken kleinen Mann mit dem Schwert zu ber�hren. Eine Mischung aus Schmutz und S��e erf�llte ihn, dieser tobende Feuerstrom, diese erdr�ckende Lawine aus Eis. Er verwob die Macht wie jeden Abend, seit sie Rhuidean verlassen hatten, und legte wachsame Machtstr�nge um das gesamte Lager herum, nicht nur um die Zelte auf dem Pa�, sondern auch um alle in den H�geln darunter und an den Bergh�ngen. Er ben�tigte, um ein Wachgewebe dieser Gr��enordnung zu erschaffen, den <emphasis>Angreal,</emphasis> aber doch nur noch ein wenig. Fast h�tte er es allein geschafft. Er hatte sich ja vorher schon f�r stark gehalten, doch das, was ihm Asmodean beigebracht hatte, machte ihn st�rker. Kein Mensch und kein Tier, die diese Gewebe durchschritten, sp�rten etwas davon, aber sollte ein Schattenwesen sie ber�hren, w�rde ein Warnsignal erklingen, das jeder in den Zelten h�ren konnte. H�tte er das schon in Rhuidean getan, w�ren die Schattenhunde niemals eingedrungen, ohne da� er davon gewu�t h�tte.</p><p>Die Aiel w�rden selbst Wache halten m�ssen, was menschliche Gegner anging. Diese Wachgewebe waren komplexe Webformen und sehr d�nn dazu. Wenn man versuchte, von ihnen mehr als eine Aufgabe zu verlangen, w�rden sie nahezu unbrauchbar werden. Er h�tte es so weben k�nnen, da� es Schattenwesen t�tete, anstatt lediglich vor ihnen zu warnen, doch das h�tte wie ein Leuchtfeuer auf jeden m�nnlichen Verlorenen gewirkt, der vielleicht nach ihnen suchte, und auch jeder Myrddraal w�re gewarnt gewesen. Nicht notwendig, seine Feinde auch noch zu ihm zu f�hren, wenn sie endlich einmal nicht wu�ten, wo er sich befand. Dieses Gewebe w�rde auch einer der Verlorenen nicht bemerken, bis er sich direkt davor befand, und ein Myrddraal �berhaupt erst, wenn es zu sp�t war.</p><p><emphasis>Saidin</emphasis> wieder loszulassen war eine �bung in Selbstbeherrschung, trotz der F�ule der Verderbnis, trotz der alles mitrei�enden Macht, die ihn wie Sand in einem Flu�bett wegzuschwemmen drohte, ihn verbrennen, ausl�schen wollte. Er trieb durch die riesige Leere des Nichts, und doch konnte er jeden Luftzug an jedem einzelnen seiner Haare sp�ren, das Gewebe der Gew�nder der <emphasis>Gai'schain</emphasis> genau erkennen und Aviendhas warmen Duft wahrnehmen. Er wollte mehr. Doch er konnte auch die Aschenhaufen in Taien riechen und die verbrannten Leichen, die Verwesung derer, die noch nicht verbrannt worden waren, sogar der bereits beerdigten, und dazu noch vermischt mit dem Duft der trockenen Erde ihrer Gr�ber. Das half ihm. Eine Weile noch, nachdem er <emphasis>Saidin</emphasis> aufgegeben hatte, holte er tief Luft, sog die hei�e, trockene Luft in sich ein, aber im Vergleich zu vorher war der Gestank des Todes nicht mehr wahrzunehmen, und die Luft selbst war rein und wunderbar.</p><p>�Seht her, was vor uns hier wohnte�, sagte Aviendha, als er eine wei�gekleidete Frau mit unterw�rfiger Miene Jeade'en wegf�hren lie�. Sie hielt eine braune Schlange hoch, tot, so dick wie sein Unterarm und fast drei Schritt lang. Die Blutschlange hatte ihren Namen der Wirkung ihres Bisses zu verdanken, die das Blut innerhalb von Minuten gerinnen lie�. Wenn er sich nicht irrte, stammte die glatte Schnittwunde hinter ihrem Kopf von Aviendhas Messer. Adelin und die anderen T�chter blickten zustimmend zu ihr her�ber.</p><p>�Habt Ihr auch nur eine Sekunde lang daran gedacht, da� sie Euch h�tte bei�en k�nnen?� fragte er. �Habt Ihr nicht daran gedacht, die Macht zu gebrauchen, anstatt eines verdammten Messers? Warum habt Ihr sie nicht erst einmal gek��t? Ihr m��t ihr doch nahe genug gewesen sein!�</p><p>Sie richtete sich steif auf, und ihre gro�en gr�nen Augen h�tten beinahe die K�hle der Nacht verfr�ht herbeigezaubert. �Die Weisen Frauen sagen, es sei nicht gut, die Macht zu oft zu gebrauchen.� Die knappen Worte klangen genauso kalt, wie ihre Augen dreinblickten. �Sie sagen, es sei m�glich, zuviel der Macht an sich zu ziehen und sich damit selbst zu schaden.� Dann f�gte sie mit leicht gerunzelter Stirn hinzu, allerdings mehr an sich selbst gerichtet als an ihn: �Obwohl ich bei weitem noch nicht soviel aufgenommen habe, wie ich beherrschen kann. Da bin ich sicher.�</p><p>Er sch�ttelte den Kopf und duckte sich in das Zelt hinein. Die Frau war einfach keiner Vernunft zug�nglich.</p><p>Er hatte sich kaum gegen ein Seidenkissen in der N�he des noch nicht entz�ndeten Feuers gelehnt, da folgte sie ihm, gl�cklicherweise ohne die Blutschlange. Doch sie trug ganz vorsichtig etwas mit herein, das in eine dicke, graugestreifte Wolldecke eingewickelt war. �Ihr habt Euch um mich Sorgen gemacht�, sagte sie mit ausdrucksloser Stimme. Auch ihr Gesicht zeigte keinerlei Ausdruck.</p><p>�Nat�rlich nicht�, log er. <emphasis>T�richte Frau. Sie wird sich noch umbringen, weil sie so unvern�nftig ist und unvorsichtig, wenn Vorsicht angesagt w�re.</emphasis> �Ich h�tte mir um jeden anderen genauso Sorgen gemacht. Ich will nicht, da� irgend jemand von einer Blutschlange gebissen wird.�</p><p>Einen Augenblick lang sah sie ihn zweifelnd an, dann nickte sie schnell. �Gut. Solange Ihr nur mich nicht in den Mittelpunkt stellt.� Sie warf ihm das Deckenb�ndel vor die F��e und hockte sich auf der anderen Seite der Feuergrube nieder. �Ihr wolltet die G�rtelschnalle nicht akzeptieren, um eine Schuld zwischen uns zu begleichen...�</p><p>�Aviendha, es gibt keine Schuld zwischen uns.� Er hatte geglaubt, sie habe diese Sache endlich vergessen. Doch sie fuhr fort, als habe er gar nichts gesagt: �... aber dies hier wird sie nun vielleicht endg�ltig begleichen.�</p><p>Seufzend wickelte er die gestreifte Decke auf � vorsichtig, da sie das B�ndel viel nerv�ser in H�nden gehalten hatte als zuvor die Schlange, denn die hatte sie lediglich wie ein St�ck Stoff behandelt �, schlug die letzte Falte zur Seite und schnappte nach Luft. Drinnen lag ein Schwert. Die Scheide war mit so vielen Rubinen und Mondperlen besetzt, da� man das darunterliegende Gold kaum noch sehen konnte, au�er an einer Stelle, wo eine aufgehende Sonne mit vielen Strahlen eingelegt war. In das Elfenbeinheft, lang genug f�r zwei H�nde, hatte man eine weitere goldene aufgehende Sonne eingelegt, und unz�hlige kleinere verzierten die Querstreben. Das war nie f�r den Gebrauch geschaffen worden, sondern nur zum Ansehen. Zum Angaffen.</p><p>�Das mu� doch ein Verm�gen ge... Aviendha, wie habt Ihr das bezahlen k�nnen?�</p><p>�Es war billig�, sagte sie derart trotzig, da� sie genausogut ihre L�ge h�tte zugeben k�nnen.</p><p>�Ein Schwert. Wie seid Ihr nur an ein Schwert gekommen? Wie kann irgendein Aiel �berhaupt an ein Schwert kommen? Erz�hlt mir nicht, da� Kadere dies hier in einem seiner Wagen verborgen hatte.�</p><p>�Ich habe es in eine Decke eingewickelt und mitgenommen.� Nun klang sie noch empfindlicher und gereizter als zuvor in bezug auf den Preis. �Sogar Bair hat gesagt, das sei dann schon in Ordnung, solange ich es nicht wirklich ber�hre.� Sie zuckte nerv�s die Achseln und r�ckte immer wieder ihren Schal zurecht. �Es war das Schwert des Baumm�rders. Lamans Schwert. Man nahm es ihm ab, als Zeichen seines Todes, weil man seinen Kopf nicht mitnehmen konnte, ohne da� er verweste. Seitdem wurde es von einem zum anderen weitergegeben. Junge M�nner oder t�richte T�chter des Speers wollten den Beweis f�r seinen Tod besitzen. Nur fiel jedem nach einer Weile auf, was es ja wirklich war, und so verkaufte ein Narr es dem n�chsten. Der Preis ist stark gesunken, seit es das erste Mal verkauft wurde. Kein Aiel ber�hrt es; noch nicht einmal, um die Edelsteine herauszubrechen.�</p><p>�Also, es ist ja schon sehr sch�n�, sagte er so taktvoll wie m�glich. Nur ein echter Angeber w�rde etwas derart Protziges tragen. Und dieses Elfenbeinheft w�rde glitschig werden, wenn die Hand schwitzte oder voller Blut war. �Doch ich kann Euch das nicht...� Er hielt im Sprechen inne, als er gewohnheitsm��ig das Schwert ein St�ck aus der Scheide zog, um es genauer zu betrachten und die Sch�rfe der Klinge zu pr�fen. In den gl�nzenden Stahl war ein Reiher eingraviert, das Zeichen der Schwertmeister. Er hatte einst ein Schwert mit dieser Markierung getragen. Mit einemmal h�tte er wetten k�nnen, da� dieses Schwert genau dem anderen entsprach und auch der mit einem Raben gekennzeichneten Klinge auf Mats schwarzem Speer. Es war Metall, das mit Hilfe der Macht geschmiedet worden war und das nie splitterte oder gesch�rft werden mu�te. Die Schwerter der meisten Schwertmeister waren nur Kopien dieser Art von Klinge. Lan konnte das ganz sicher feststellen, doch insgeheim wu�te er bereits jetzt, ein solches Schwert vor sich zu haben.</p><p>Er zog es ganz aus der Scheide heraus und beugte sich �ber die Feuergrube, um ihr die Scheide zu F��en zu legen. �Ich nehme die Klinge an, um die Schuld zu begleichen, Aviendha.� Sie war lang, ein klein wenig gekr�mmt und hatte nur eine Schneide. �Nur die Klinge. Ihr k�nnt auch das Griffst�ck zur�ckhaben.� Er konnte sich in Cairhien ein neues Heft und eine neue Scheide anfertigen lassen. Vielleicht war sogar einer der �berlebenden aus Taien ein brauchbarer Schmied.</p><p>Sie blickte mit gro�en Augen von der Scheide zu ihm und wieder zur�ck. Ihr Mund stand offen, und zum erstenmal, seit er sie kannte, war sie v�llig �berrascht. �Aber diese Steine sind viel, viel mehr wert, als ich... Ihr versucht, mir wieder eine Schuld Euch gegen�ber aufzudr�ngen, Rand al'Thor.�</p><p>�Das stimmt nicht.� Wenn diese Klinge unber�hrt und ohne auch nur anzulaufen mehr als zwanzig Jahre lang in ihrer Scheide gesteckt hatte, mu�te sie das sein, wof�r er sie hielt. �Ich habe die Scheide nicht angenommen, also geh�rt sie nach wie vor Euch.� Er warf eines der Seidenkissen in die Luft und vollf�hrte die sitzende Version von �Ein leichter Wind erhebt sich�. Es regnete Federn, als die Klinge glatt hindurchschnitt. �Und ich akzeptiere auch das Heft nicht, also geh�rt auch dies Euch immer noch. Falls Ihr einen Gewinn erzielt habt, ist das Euer eigener Verdienst.�</p><p>Anstatt gl�cklich dreinzuschauen, ein so gutes Gesch�ft gemacht zu haben � er vermutete, sie habe all ihren Besitz f�r das Schwert hergeben m�ssen und nun k�nnte sie f�r die Scheide allein schon hundertmal soviel zur�ckbekommen �, anstatt also froh zu sein oder ihm zu danken, funkelte sie ihn durch die herunterschwebenden Federn hindurch an wie eine Hausfrau von den Zwei Fl�ssen, auf deren Fu�boden jemand Abfall geworfen hatte. Mit einer abrupten Bewegung klatschte sie in die H�nde, und eine der <emphasis>Gai'schain</emphasis> erschien, fiel sofort auf die Knie und begann damit, die Federn aufzusammeln.</p><p>�Es ist mein Zelt�, sagte er betont. Aviendha schnaubte, wobei sie Egwene perfekt imitierte. Diese beiden Frauen verbrachten entschieden zuviel Zeit miteinander.</p><p>Das Abendessen wurde bei Einbruch der Dunkelheit hereingebracht und bestand aus dem �blichen hellen Fladenbrot und einem w�rzigen Eintopf mit getrockneter Paprika, Bohnen und Brocken beinahe wei�en Fleisches. Er grinste sie lediglich an, als er erfuhr, da� es sich um das Fleisch der Blutschlange handle. Er hatte seit seiner Ankunft in der W�ste schon �fters Schlangen und Schlimmeres gegessen. Gara, diese giftige Eidechsenart, war seiner Meinung nach das Schlimmste gewesen, nicht des Geschmacks wegen, der dem eines Huhns �hnelte, sondern weil es eben eine Eidechse gewesen war. Manchmal schien es ihm, in der W�ste gebe es mehr giftige Dinge wie Schlangen, Eidechsen, Spinnen oder auch Pflanzen als in der ganzen �brigen Welt zusammen.</p><p>Aviendha schien entt�uscht, da� er nicht das Fleisch angeekelt wieder ausspie. Allerdings war es manchmal schon recht schwierig, ihrer Miene abzulesen, was sie empfand. Gelegentlich machte es ihr ausgesprochenen Spa�, ihn in Verlegenheit zu bringen. H�tte er jemals versucht, vorzugeben, da� er ein Aiel sei, so w�rde sie sich mit Sicherheit prompt bem�hen, ihm zu beweisen, da� er keiner sei.</p><p>Er war m�de und sehnte sich nach Schlaf. So zog er lediglich Mantel und Stiefel aus, bevor er unter die Decken kroch und Aviendha den R�cken zuwandte. Aielm�nner und �frauen mochten ja zusammen ins Dampfbad gehen, aber w�hrend seines kurzen Aufenthalts in Schienar, wo sie �hnliche Br�uche hatten, war er zu den �berzeugung gekommen, da� dies nichts f�r ihn war. Er w�rde vermutlich so rot werden, da� er daran starb. Er bem�hte sich auch, nicht dem Rascheln ihrer Kleidung zu lauschen, als sie sich unter ihren eigenen Decken auszog. Wenigstens zeigte sie in dieser Hinsicht Keuschheit, doch vorsichtshalber drehte er sich nicht nach ihr um.</p><p>Sie behauptete, bei ihm schlafen zu m�ssen, damit sie ihren Unterricht in Sitten und Gebr�uchen der Aiel fortsetzen konnte, da er am Tage soviel Zeit mit den H�uptlingen verbringe. Sie beide wu�ten, da� es eine L�ge war, obwohl er sich nicht vorstellen konnte, was die Weisen Frauen auf diese Art eigentlich herausfinden wollten. Sie �chzte hier und da ein wenig, als sie an etwas zog oder ri�, und dann knurrte sie in sich hinein.</p><p>Um die leisen Ger�usche zu �bert�nen und zu vergessen, was sie bedeuteten, sagte er: �Melaines Hochzeit war beeindruckend. Hat Bael wirklich nichts davon gewu�t, bis Melaine und Dorindha ihn aufkl�rten?�</p><p>�Nat�rlich nicht�, erwiderte sie ver�chtlich. Dann hielt sie inne und er glaubte, sie ziehe gerade einen Strumpf aus. �Warum sollte er es erfahren, bevor Melaine ihm den Brautkranz vor die F��e legte und ihr um seine Hand bat?� Unvermittelt lachte sie auf. �Melaine hat sich selbst und Dorindha beinahe verr�ckt gemacht, weil sie f�r den Brautkranz unbedingt Segadebl�ten haben wollte. So nahe an der Drachenmauer wachsen nicht viele.�</p><p>�Hat das irgendeine besondere Bedeutung? Segadebl�ten?� Die hatte er ihr auch bringen lassen, doch sie hatte nie ein Wort dar�ber verloren.</p><p>�Da� sie von Natur aus reizbar ist und auch so bleiben will.� Wieder legte sie eine Pause ein und murmelte lediglich etwas vor sich hin. �H�tte sie Bl�tter oder Blumen der S��wurzel gesandt, dann h�tte das bedeutet, da� sie einen s��en und lieben Charakter habe. Taubeere bedeutet dagegen, sie sei unterw�rfig, und... Es ist einfach zuviel, um es aufzuz�hlen. Ich w�rde Tage brauchen, Euch alle m�glichen Kombinationen beizubringen, und Ihr m��t sie auch gar nicht wissen. Ihr werdet keine Aiel zur Frau haben. Ihr geh�rt zu Elayne.�</p><p>Er h�tte sie beinahe gro� angeschaut, als sie das Wort �unterw�rfig� gebrauchte. Er konnte sich keinen Ausdruck vorstellen, der weniger zu einer Aielfrau gepa�t h�tte. <emphasis>Vielleicht hei�t das, sie warnt dich erst, bevor sie dich erdolcht.</emphasis></p><p>Am Ende hatte ihre Stimme leicht ged�mpft geklungen. Ihm wurde bewu�t, da� sie gerade ihre Bluse �ber den Kopf zog. Er w�nschte, die Lampen w�ren gel�scht. Aber nein, das h�tte es noch schlimmer gemacht. Doch andererseits hatte er das jede Nacht mitgemacht, seit sie Rhuidean verlassen hatten, und jede Nacht war es schwerer zu ertragen. Er mu�te dem ein Ende machen. Die Frau w�rde von nun an bei den Weisen Frauen schlafen, wo sie hingeh�rte. Er w�rde ja trotzdem von ihr lernen, was er nur konnte. Nun, die gleichen Gedanken waren ihm nun f�nfzehn N�chte hintereinander gekommen.</p><p>Er bem�hte sich, die Bilder aus seinem Kopf zu vertreiben, und sagte: �Das ganz am Ende. Nach den gegebenen Eheversprechen.� Kaum hatten n�mlich ein halbes Dutzend Weiser Frauen den Neuverm�hlten ihre Segensw�nsche ausgesprochen, da waren hundert Blutsverwandte Melaines herangest�rmt und hatten sie umringt. Alle waren mit Speeren bewaffnet gewesen. Auch Bael war von hundert seiner Verwandten umringt worden, und dann hatte er sich bis zu ihr durchk�mpfen m�ssen. Nat�rlich hatte niemand den Schleier angelegt, aber auf beiden Seiten war durchaus Blut geflossen. �Ein paar Minuten fr�her hatte Melaine geschworen, da� sie ihn liebe, aber als er sie erreichte, hat sie gek�mpft wie ein in die Enge getriebener Bergl�we.� Wenn Dorindha ihr nicht einen kr�ftigen Schlag in die untere Rippenpartie verpa�t h�tte, w�re Bael seiner Ansicht nach nicht in der Lage gewesen, sie schlie�lich doch �ber seine Schulter zu hieven und wegzutragen. �Er humpelt immer noch und hat ein blaues Auge, so, wie sie auf ihn losgetrommelt hat.�</p><p>�Sollte er denn ein Schw�chling sein?� fragte Aviendha schl�frig. �Er mu�te wissen, was sie wert ist. Sie ist doch kein billiges Anh�ngsel, das er so einfach in die Tasche stecken kann.� Sie g�hnte, und er h�rte, wie sie sich tiefer unter ihre Decken schob.</p><p>�Was bedeutet der Ausdruck �einem Mann das Singen beibringen�?� Aielm�nner sangen nicht, sobald sie einmal alt genug waren, einen Speer zu ben�tzen, au�er bei Schlachtges�ngen nat�rlich und Totenklagen.</p><p>�Denkt Ihr dabei an Mat Cauthon?� Sie kicherte doch tats�chlich. �Manchmal gibt ein Mann f�r eine Tochter den Speer auf.�</p><p>�Das erfindet Ihr doch. Ich habe noch nie davon geh�rt.�</p><p>�Na ja, es bedeutet auch nicht wirklich, den Speer aufzugeben.� Ihre Stimme klang jetzt benommen vor Ersch�pfung. �Manchmal m�chte ein Mann eine Tochter heiraten, die den Speer nicht f�r ihn aufgeben will, und er sorgt daf�r, da� sie ihn zum <emphasis>Gai'schain</emphasis> macht. Nat�rlich ist das t�richt. Keine Tochter des Speers w�rde einen <emphasis>Gai'schain</emphasis> auch nur beachten. Seine Hoffnungen werden entt�uscht. Er mu� hart arbeiten und sich allzeit gehorsam f�gen. Das erste, was man ihm beibringt, ist das Singen, um die Speerschwestern beim Essen zu unterhalten. �Sie wird ihm das Singen beibringen.� Das sagen die T�chter, wenn ein Mann sich wegen einer der Speerschwestern zum Narren macht.� Das war schon ein eigenartiges V�lkchen.</p><p>�Aviendha?� Er hatte ja behauptet, er werde ihr diese Frage nicht mehr stellen. Lan sagte, es sei eine typische Arbeit aus Kandor � ein Muster, das man als �Schneeflocken� bezeichnete. Vielleicht ein Beutest�ck aus einem �berfall oben im Norden. �Von wem habt Ihr diese Halskette?�</p><p>�Es war ein Freundschaftsgeschenk, Rand al'Thor. Wir sind heute weit gezogen, und Ihr werdet uns fr�h am Morgen wieder aufbrechen lassen. Schlaft gut und erwacht am Morgen wieder, Rand al'Thor.� Nur ein Aiel sagte einem gute Nacht, indem er w�nschte, man m�ge nicht im Schlaf sterben.</p><p>Er wob mit Hilfe der Macht ein viel kleineres, aber daf�r komplizierteres Wachgewebe f�r seine Tr�ume, l�schte die Lampen, ohne aufzustehen, und versuchte, Schlaf zu finden. Ein Freundschaftsgeschenk. Die Reyn waren aus dem Norden gekommen. Aber sie hatte die Halskette doch schon in Rhuidean gehabt. Warum machte er sich dar�ber �berhaupt Gedanken? Aviendhas langsame und gleichm��ige Atemz�ge schienen ihm �berlaut, bis er selbst einschlief. Dann tr�umte er einen wirren Traum von Min und Elayne, die ihm halfen, eine bis auf diese Halskette nackte Aviendha �ber seine Schulter zu legen, w�hrend sie ihm mit einem Brautkranz aus Segadebl�ten auf den Kopf hieb.</p></section><section><title><p>22</p><p>Gezwitscher in der Nacht</p></title><p>Mat lag mit geschlossenen Augen und dem Gesicht nach unten auf seinen Decken. Er geno� das Gef�hl von Melindhras Daumen, wie sie seinen R�cken massierten. Nichts war angenehmer als eine Massage nach einem langen Tag im Sattel. Nun gut, vielleicht gab es doch noch Besseres, aber in diesem Augenblick war ihm die Massage lieber.</p><p>�Du hast starke Muskeln f�r einen so kleinen Mann, Matrim Cauthon.�</p><p>Er �ffnete ein Auge und blickte zu ihr, wie sie auf seinen H�ften hockte. Sie hatte das Feuer doppelt so stark aufflammen lassen wie notwendig, und an ihrem K�rper lief der Schwei� herunter. Ihr d�nnes goldenes Haar, bis auf diesen f�r die Aiel typischen Pferdeschwanz im Nacken, klebte an ihrer Kopfhaut. �Wenn ich dir zu klein bin, kannst du dir ja einen anderen suchen.�</p><p>�F�r meinen Geschmack bist du keineswegs zu klein.� Sie lachte und zerzauste seine Haare. Die waren l�nger als ihre eigenen. �Und du bist au�erdem noch s��. Entspanne dich. Die Massage hilft dir nicht, wenn du verspannt bist.�</p><p>Zufrieden knurrend schlo� er die Augen wieder. S��? <emphasis>Licht!</emphasis> Und klein. Nur Aiel w�rden ihn als klein bezeichnen. In jedem anderen Land, das er bisher besucht hatte, war er gr��er als der Durchschnitt der M�nner, wenn auch nur ein wenig. Er erinnerte sich daran, hochgewachsen gewesen zu sein. Gr��er als Rand, damals, als er gegen Artur Falkenfl�gel ritt. Und eine Handbreit kleiner, als er neben Maecine gegen die Aelgari stritt. Er hatte sich mit Lan dar�ber unterhalten, wobei er behauptete, er habe einige Namen erw�hnen h�ren. Der Beh�ter sagte ihm, Maecine sei K�nig von Eharon gewesen, einer der Zehn Nationen � was Mat nicht neu war � vier- oder f�nfhundert Jahre vor den Trolloc-Kriegen. Lan bezweifelte, da� selbst die Braunen Ajah mehr dar�ber wu�ten. Viel Wissen war in den Trolloc-Kriegen untergegangen und noch mehr im Hundertj�hrigen Krieg. Von dort stammten die ersten und die zeitlich n�chstgelegenen jener Erinnerungen, die man ihm in den Kopf gepflanzt hatte. Nichts mehr sp�ter als Artur Paendrag Tanreall und nichts aus der Zeit vor Maecine von Eharon.</p><p>�Ist dir kalt?� fragte Melindhra ungl�ubig. �Du zitterst ja.� Sie kletterte von ihm herunter, und er h�rte, wie sie Holz nachlegte. Hier lagen genug vertrocknete Holzreste herum, die sie verbrennen konnten. Sie klatschte ihm hart auf den Po, bevor sie wieder auf ihn kletterte. Dabei murmelte sie: �Gute Muskulatur.�</p><p>�Wenn du so weitermachst�, knurrte er, �glaube ich bald, da� du mich zum Abendessen am Spie� braten willst, wie die Trollocs es machen.� Er geno� das Zusammenleben mit Melindhra ja sehr, solange sie nicht st�ndig darauf beharrte, da� sie gr��er sei als er, doch war ihm die Situation im Augenblick nicht ganz geheuer.</p><p>�Du bist nicht f�r den Spie� bestimmt, Matrim Cauthon.� Ihre Daumen gruben sich fest in seine Schulter. �Ist das nicht gut? Entspanne dich.�</p><p>Er hatte schon vor, eines Tages zu heiraten und h�uslich zu werden. Das war der richtige Weg. Eine Frau, ein Haus, eine Familie. Den Rest seines Lebens �ber an einen Fleck gebunden sein. <emphasis>Ich habe noch nie von einer Ehefrau geh�rt, die es gern hatte, wenn ihr Mann einen hebt oder am Spieltisch sitzen bleibt.</emphasis> Und dann war da ja etwas, das die eigenartigen Leute auf der anderen Seite jener T�r gesagt hatten, die ein <emphasis>Ter'Angreal</emphasis> war. Sein Schicksal sei es, die �Tochter der Neun Monde� zu heiraten. <emphasis>Na ja, fr�her oder sp�ter mu� ein Mann wohl heiraten.</emphasis> Aber er hatte ganz bestimmt nicht vor, eine Aielfrau zu ehelichen. Er wollte mit so vielen Frauen tanzen wie m�glich, und das, solange er nur konnte.</p><p>�Du bist nicht f�r den Spie� geschaffen, sondern um gro�en Ruhm zu erwerben, glaube ich�, sagte Melindhra leise.</p><p>�Das klingt doch schon mal gut.� Nur, da� er jetzt keine andere Frau dazu brachte, ihn auch nur anzusehen, weder die T�chter des Speers noch andere. Es war, als habe ihm Melindhra ein Schild umgeh�ngt, auf welchem stand:</p><p>EIGENTUM VON MELINDHRA AUS DER JUMAI-SEPTIME DER SHAIDO.</p><p>Nun, das letztere h�tte sie wohl hier und jetzt gerade nicht daraufgeschrieben. Aber wer wu�te schon, was ein Aiel tun w�rde und ganz besonders eine Tochter des Speers? Frauen dachten sowieso nicht wie M�nner, und Aielfrauen dachten �berhaupt nicht wie irgend jemand sonst auf der Welt.</p><p>�Es ist seltsam, da� du dich so im Hintergrund h�ltst und nicht mehr aus dir machst.�</p><p>�Mich im Hintergrund halten?� murmelte er. Ihre H�nde f�hlten sich gut an. Sie entfernten Knoten aus seinen Muskeln, die er nicht einmal geahnt hatte. �Wie denn?� Er fragte sich, ob es etwas mit der Halskette zu tun habe. Melindhra schien gro�e St�cke daraufzuhalten oder zumindest sehr stolz zu sein, sie von ihm erhalten zu haben. Nat�rlich trug sie das Ding nie. Das war bei den T�chtern nicht �blich. Aber sie trug sie in ihrer Tasche herum und zeigte sie jeder Frau, die sie sehen wollte. Und das waren wohl ziemlich viele.</p><p>�Du stellst dich in den Schatten Rand al'Thors.�</p><p>�Ich stehe in niemandes Schatten�, erwiderte er geistesabwesend. Es konnte nicht an der Halskette liegen. Er hatte auch schon anderen Frauen Schmuck geschenkt, T�chtern des Speers und anderen, denn er gab h�bschen Frauen gern h�bsche Dinge, auch wenn er daf�r manchmal nur ein L�cheln erhielt. Er erwartete auch gar nicht mehr. Wenn eine Frau K�ssen und Schmusen nicht so gern hatte wie er, was sollte es dann? Es gab ja andere.</p><p>�Nat�rlich liegt auch eine gewisse Ehre darin, im Schatten des <emphasis>Car'a'carn</emphasis> zu stehen. Um den M�chtigen nahe zu sein, mu�t du dich in ihren Schatten begeben.�</p><p>�Schatten�, stimmte Mat zu, der �berhaupt nicht hinh�rte. Manchmal akzeptierte eine Frau sein Geschenk und manchmal auch nicht, aber keine hatte deshalb so getan, als sei er ihr pers�nlicher Besitz. Das war es, was ihn wirklich an ihr st�rte. Er war nicht bereit, sich von irgendeiner Frau besitzen zu lassen, gleich, wie h�bsch sie war. Und gleich, wie gut ihre H�nde auch mit seinen verknoteten Muskeln fertig wurden.</p><p>�Deine Narben sollten ehrenvolle Narben sein, die du dir in deinem eigenen Namen verdient hast, nicht so wie diese.� Mit einem Finger fuhr sie die Narbe um seinen Hals nach, die der Henkerstrick zur�ckgelassen hatte. �Hast du die hier im Dienste des <emphasis>Car'a'carn</emphasis> empfangen?�</p><p>Er sch�ttelte ihre Hand ab, schob sich auf die Ellbogen hoch und drehte sich um, damit er sie ansehen konnte. �Bist du sicher, da� der Name �Tochter der Neun Monde� dir nichts sagt?�</p><p>�Das habe ich dir doch schon gesagt. Ich wei� nicht, was er bedeutet. Leg dich wieder hin.�</p><p>�Wenn du mich anl�gst, dann schw�re ich, werde ich Dir Striemen auf dein Hinterteil verpassen.�</p><p>Mit in die H�ften gest�tzten H�nden blickte sie ihn drohend von oben herab an. �Glaubst du, da� du... mir den Hintern wirklich versohlen kannst, Mat Cauthon?�</p><p>�Ich kann ja mein Bestes geben.� Sie w�rde ihm vermutlich einen Speer durch die Rippen sto�en. �Schw�rst du, da� du noch nie von der Tochter der Neun Monde geh�rt hast?�</p><p>�Ich habe nie davon geh�rt�, sagte sie bed�chtig. �Wer ist sie? Oder was ist sie? Leg dich hin und la� mich...�</p><p>Eine Amsel begann zu singen, anscheinend gleichzeitig im Zelt und auch drau�en, und einen Augenblick sp�ter ein Rotkehlchen. Gute V�gel von den Zwei Fl�ssen. Rand hatte seine Alarmsignale von dem ausgew�hlt, was er kannte, und das hier waren V�gel, die es in der W�ste nicht gab.</p><p>Melindhra sprang mit einem Satz von ihm herunter, wickelte sich die Schufa um den Kopf und zog den Schleier vor, w�hrend sie mit der anderen Hand Schild und Speere hochri�. Und so rannte sie aus dem Zelt.</p><p>�Blut und Asche, verdammt!� fluchte Mat und k�mpfte sich in seine Hose hinein. Ein Rotkehlchen bedeutete Gefahr aus dem S�den. Er hatte mit Melindhra ihr gemeinsames Zelt im S�den aufgebaut, bei den Chareen, so weit von Rand entfernt wie m�glich, doch ohne das Lager zu verlassen. Aber er rannte bestimmt nicht nackt hinaus zwischen diese Dornb�sche, so wie Melindhra. Die Amsel bedeutete Gefahr vom Norden her, wo die Shaarad lagerten. Also kamen sie gleichzeitig von zwei Seiten her.</p><p>Er stampfte, so gut es in dem niedrigen Zelt ging, die F��e in die Stiefel hinein und sah den silbernen Fuchskopf an, der neben seinen Decken lag. Drau�en wurden Schreie laut und das Klirren von Metall auf Metall. Er hatte endlich begriffen, da� dieses Medaillon Moiraine bei ihrem ersten Versuch daran gehindert hatte, ihn mit Hilfe der Macht zu heilen. Solange es ihn ber�hrt hatte, konnte das Machtgewebe ihn nicht beeinflussen. Er hatte noch nie von Schattenwesen geh�rt, die mit der Macht umgehen konnten, aber da waren ja noch immer die Schwarzen Ajah, wie Rand behauptete, und er glaubte es ihm, und nat�rlich bestand immer die M�glichkeit, da� einer der Verlorenen schlie�lich doch Rand offen anzugreifen wagte. Also zog er den Lederriemen �ber den Kopf, so da� sein Medaillon auf der Brust hing, packte den mit Raben gekennzeichneten Speer und duckte sich aus dem Zelt hinaus in den kalten Mondschein.</p><p>Er hatte keine Zeit, in der eisigen K�lte zu schaudern. Er war noch nicht einmal ganz aus dem Zelt heraus, da verlor er beinahe den Kopf durch ein sichelartiges Trolloc-Schwert. Die Klinge streifte sein Haar, w�hrend er sich nach vorn warf und abtauchte. Er wandte sich empor und hatte den Speer kampfbereit in den H�nden.</p><p>Auf den ersten Blick h�tte man bei dieser Dunkelheit den Trolloc f�r einen massigen, hochgewachsenen Mann halten k�nnen, der eben einen Aiel noch um die H�lfte �berragte, ganz in eine schwarze R�stung geh�llt, die an Ellbogen und Schultern Dornen aufwies. Am Helm waren Bocksh�rner angebracht; so schien es jedenfalls, doch die H�rner wuchsen aus diesem nur zu menschlichen Kopf heraus, und unter den Augen war die Schnauze eines Ziegenbocks zu sehen.</p><p>Fauchend schlug der Trolloc nach ihm, und dann heulte er Worte in einer harten Sprache, f�r die eine menschliche Zunge nicht geeignet schien. Mat wirbelte seinen Speer wie einen Bauernspie�, schlug die schwere, gekr�mmte Klinge zur Seite und rammte seine lange Speerspitze in die Bauchpartie der Kreatur. Unter dem mit Hilfe der Macht angefertigten Stahl spaltete sich das schwarze Metall der R�stung genauso leicht wie das Fleisch, das darunter lag. Der Trolloc mit der Bocksschnauze kr�mmte sich mit einem r�chelnden Schrei, und Mat zog seine Waffe heraus und sprang schnell zur Seite, als der schwere K�rper zu Boden sackte.</p><p>�berall in seiner Umgebung k�mpften teils unbekleidete, teils nur halb bekleidete Aiel, allerdings alle mit dem schwarzen Schleier vor dem Gesicht, gegen Trollocs mit hauerbewehrten Keilerschnauzen oder Wolfsrachen oder Adlerschn�beln. Einige der K�pfe wiesen H�rner auf, andere K�mme oder Federn. Alle schwangen sie diese seltsam gekr�mmten Schwerter und Dornen�xte, Dreizacke mit Widerhaken und Speere. Hier und da ben�tzte einer einen m�chtigen Bogen, um mit Haken versehene Pfeile abzuschie�en, die schon fast kurze Speere waren. Auch M�nner k�mpften Seite an Seite mit den Trollocs. Sie trugen grobe M�ntel, schwangen Schwerter und schrien genauso verzweifelt wie die anderen, wenn sie zwischen den Dornb�schen starben.</p><p>�Sammael!�</p><p>�Sammael und die Goldenen Bienen!�</p><p>Die Schattenfreunde starben schnell, meist schon dann, wenn sie einem Aiel gegen�bertraten, doch die Trollocs starben nicht ganz so leicht.</p><p>�Ich bin doch kein verdammter Held!� schrie Mat. Er wollte sich nicht irgend jemandem mitteilen, es mu�te nur einfach aus ihm heraus, w�hrend er gegen einen Trolloc mit B�renschnauze und haarigen Ohren k�mpfte. Es war sein dritter. Die Bestie schwang eine Axt mit langem Stiel, mit einem halben Dutzend Dornen und einer langen Schneide, die gro� genug war, um damit einen Baum zu spalten. Er fuchtelte damit herum, als sei sie in seinen gro�en, haarigen Pratzen lediglich ein Spielzeug. Es war einfach die N�he zu Rand, die Mat in solche Schwierigkeiten brachte. Alles, was er sich vom Leben erhoffte, waren guter Wein, ein W�rfelspiel und ein oder drei h�bsche M�dchen. �Ich will nicht in all das verwickelt werden!� Besonders dann nicht, wenn Sammael in der N�he war. �H�rt Ihr mich?�</p><p>Der Trolloc st�rzte mit aufgeschlitzter Kehle zu Boden und Mat fand sich pl�tzlich einem Myrddraal gegen�ber, der gerade zwei Aiel t�tete, die ihn gemeinsam angegriffen hatten. Der Halbmensch sah wie ein Mann aus, doch leichenbla�, und er trug einen Panzer aus sich �berlappenden schwarzen Schuppen wie die Haut einer Schlange. Er bewegte sich auch wie eine Schlange, fl�ssig, elegant und flink, als habe er keine Knochen. Sein nachtschwarzer Umhang hing immer schlaff herunter, gleich, wie er sich auch bewegte. Und er hatte keine Augen. Nur eine stumpfwei�e Hautfl�che, wo die Augen sein sollten.</p><p>Der augenlose Blick traf ihn, und er schauderte. Die Angst kroch ihm ins Knochenmark hinein. �Der Blick der Augenlosen bedeutet Angst�, sagte man in den Grenzlanden, wo sie es ja wissen mu�ten, und selbst die Aiel gaben zu, da� der Blick eines Myrddraal ihnen bis ins Innerste fahre. Das war die erste Waffe dieses Gesch�pfes. Der Halbmensch rannte mit flie�enden Bewegungen auf ihn zu.</p><p>Mit einem Aufbr�llen warf sich Mat ihm entgegen. Der Speer wirbelte wie ein Bauernspie� durch die Luft, stach zu, blieb immer in Bewegung. Das Ding trug ein Schwert, so schwarz wie sein Umhang, ein Schwert, das in den Essen von Thakan'dar geschmiedet worden war, und falls er davon eine Wunde empfing, war er so gut wie tot, es sei denn, Moiraine w�re zuf�llig in der N�he und w�rde ihn sofort mit Hilfe der Macht behandeln. Doch es gab nur einen sicheren Weg, einen Blassen zu besiegen. Man mu�-te auf Teufel komm raus angreifen und ihn �berw�ltigen, bevor er einen selbst erwischte. Jeder Gedanke an Verteidigung konnte zum Selbstmord werden. Er konnte sich auch keinen Seitenblick zur Schlacht hin leisten, die �berall in seiner Umgebung in der dunklen Nacht tobte.</p><p>Die Klinge des Myrddraals zuckte wie die Zunge einer Schlange, scho� wie ein schwarzer Blitz vor, aber nicht um anzugreifen, sondern um Mats Angriff zu parieren. Wenn der mit Raben gekennzeichnete und durch die Macht geschmiedete Stahl auf das Metall aus Thakan'dar traf, blitzte es blau auf und knisterte wie bei einem Fl�chenblitz.</p><p>Pl�tzlich traf Mats Speerhieb auf Haut. Das schwarze Schwert flog mitsamt einer blassen Hand weg. Die darauf folgende R�ckhandbewegung schlitzte dem Myrddraal die Kehle auf, doch Mat hielt nicht inne. Ein Sto� durch das Herz, dann erst die eine Ferse und dann die andere durchschneiden, alles blitzschnell. Erst dann trat er von diesem Ding zur�ck, das auf dem Boden noch zuckte und mit der �briggebliebenen Hand und dem Stumpf der anderen um sich schlug. Aus den Wunden flo� tintengleich dunkles Blut. Die Halbmenschen brauchten gew�hnlich sehr lange, bis sie eingestanden, tot zu sein, und sie starben meist erst endg�ltig nach Sonnenuntergang.</p><p>Mat sah sich um, und da wurde ihm bewu�t, da� der Angriff vor�ber war. Diejenigen Schattenfreunde und Trollocs, die noch am Leben waren, mu�ten inzwischen geflohen sein. Jedenfalls sah er niemanden au�er den Aiel, der noch auf den Beinen gewesen w�re. Einige von ihnen lagen aber ebenfalls am Boden. Er zog ein Tuch vom Hals eines toten Schattenfreundes, um das schwarze Blut des Myrddraal von seiner Speerspitze zu wischen. Wenn er es zu lange dort belie�, w�rde es das Metall ver�tzen.</p><p>Dieser n�chtliche Angriff ergab keinen Sinn. Den Leichen nach zu schlie�en, die er im Mondschein liegen sah ob menschlich oder ob von Trollocs, hatte es kaum einer bis hinter die erste Reihe der Zelte geschafft. Ohne zahlenm��ig viel st�rker zu sein, konnten sie wohl kaum gehofft haben, mehr zu erreichen.</p><p>�Was hast du da gerufen? <emphasis>Carai</emphasis> irgendwas? In der Alten Sprache?�</p><p>Er drehte sich um und blickte Melindhra an. Sie hatte den Schleier abgenommen und trug noch immer nicht mehr am Leib als ihre Schufa. Auch andere T�chter und M�nner in der n�heren Umgebung liefen mehr oder weniger nackt herum und gaben sich genauso selbstverst�ndlich. Die meisten aber schienen nun auf direktem Weg und ohne langes Z�gern zu ihren Zelten zur�ckzukehren. Sie kannten einfach keine Scham; daran lag es. Kein bi�chen Schamgef�hl. Sie schien noch nicht einmal die K�lte zu sp�ren, obwohl der Atem wie Nebel vor ihrem Mund stand. Er war genauso verschwitzt wie sie, und nun fror er gewaltig, da seine Gedanken nicht mehr dadurch abgelenkt wurden, da� er um sein Leben k�mpfen mu�te.</p><p>�Das habe ich mal geh�rt�, sagte er zu ihr. �Der Klang hat mir gefallen.� <emphasis>Carai an Caldazar!</emphasis> �Zur Ehre des Roten Adlers. � Der Schlachtruf von Manetheren. Die meisten seiner Erinnerungen stammten aus Manetheren. Ein paar davon hatte er bereits gekannt, bevor er diesen verdrehten T�rrahmen durchschritten hatte. Moiraine behauptete, das Alte Blut spr�che aus ihm. Nun, solange es nicht aus seinen Adern drang...</p><p>Sie legte ihm einen Arm um die Schultern, als er zum Zelt zur�ckging. �Ich habe dich mit dem Nachtl�ufer zusammen gesehen, Mat Cauthon.� Das war eine der Aielbezeichnungen f�r die Myrddraal. �Du bist so gro�, wie es einem Mann geziemt.�</p><p>Grinsend legte er einen Arm um ihre Taille, doch er konnte den Angriff nicht vergessen. Er wollte schon, da seine Gedanken viel zu sehr in den geborgten Erinnerungen verstrickt waren, aber er konnte nicht. Wieso hatte jemand einen solch hoffnungslosen Angriff gestartet? Niemand au�er einem Narren griff ohne Grund eine so offensichtliche �bermacht an. Diesen Gedanken wurde er einfach nicht los. Niemand griff grundlos an.</p><p>Das Vogelgezwitscher ri� Rand augenblicklich aus dem Schlaf, und noch als er die Decken zur Seite schlug und ohne Mantel in Str�mpfen hinauslief, griff er nach <emphasis>Saidin.</emphasis> Die Nacht war kalt, und der Mond schien hell. Schwacher Kampfesl�rm drang von den H�geln unterhalb des Passes an seine Ohren. Rund um ihn liefen die Aiel wie in einem aufgescheuchten Ameisenhaufen durcheinander und eilten dann in die Nacht hinaus, dorthin, wo hier auf dem Pa� ein Angriff erfolgen konnte. Das Wachgewebe w�rde wieder Alarm geben � diesmal w�rde ein Blaufink rufen, falls auf dem Pa� Schattenwesen auftauchten �, bis er es morgens wieder aufl�ste, aber es gab keinen Grund, irgendein t�richtes Risiko einzugehen.</p><p>Bald war es auf dem Pa� wieder ruhig. Die <emphasis>Gai'schain</emphasis> befanden sich in den Zelten, denn selbst jetzt war ihnen das F�hren von Waffen verboten, und die anderen Aiel lauerten an den Orten, die m�glicherweise verteidigt werden mu�ten. Sogar Adelin und die �brigen T�chter waren weg, als w��ten sie, da� er sie zur�ckgehalten h�tte, falls sie warteten. Er konnte leise Unterhaltungen von den Wagen nahe der Stadtmauer her vernehmen, aber weder die Fahrer noch Kadere zeigten sich. Er erwartete das auch nicht. Der leise Kampfesl�rm � Rufe, Todesschreie � kam von zwei Seiten her. Es spielte sich auf jeden Fall weiter unten und ein gutes St�ck entfernt ab. Auch vor den Zelten der Weisen Frauen herrschte Durcheinander. Wie es schien, blickten auch diese Aiel in Richtung der K�mpfe.</p><p>Ein Angriff dort unten ergab keinen Sinn. Es waren auch nicht die Miagoma, es sei denn, Timolan h�tte Schattenwesen in seinen Clan aufgenommen, und das war in etwa so wahrscheinlich wie Trollocs als neue Rekruten der Wei�m�ntel. Er wandte sich zu seinem Zelt zur�ck, und trotz der sch�tzenden H�lle des Nichts zuckte er zusammen.</p><p>Aviendha war heraus in den Mondschein getreten und hatte sich lediglich eine Decke um den K�rper gewickelt. Und ihr gegen�ber stand ein hochgewachsener Mann, der ganz in einen dunklen Umhang geh�llt war. Schatten trieben �ber ein viel zu blasses, hageres Gesicht. Die Augen waren viel zu gro�. Ein s��er Gesang erklang, und der Umhang �ffnete sich zu breiten, ledrigen Schwingen wie denen einer Fledermaus. Aviendha bewegte sich wie in Trance und glitt langsam auf die lockende Umarmung zu.</p><p>Rand lenkte die Macht, und ein fingerd�nner Strahl von Baalsfeuer, ein Pfeil aus fl�ssigem Licht, stach an ihr vorbei und traf den Draghkar am Kopf. Die Wirkung dieses d�nnen Strahls erfolgte langsamer, aber nicht weniger wirkungsvoll als bei den Schattenhunden. Das Gesch�pf ver�nderte seine Farbe, von Schwarz zu Wei�, von Wei� wieder zu Schwarz, und dann l�ste es sich in schimmernde Lichtflecken auf, die im Mondschein tanzten und vergingen.</p><p>Aviendha sch�ttelte sich, als der Gesang erstarb, und starrte die letzten Lichtpunkte an, bis sie verschwunden waren. Dann wandte sie sich Rand zu und raffte die Decke enger um sich zusammen. Ihre Hand hob sich und ein Feuerstrahl, so dick wie sein Kopf, fauchte auf ihn zu.</p><p>Selbst in die Leere des Nichts geh�llt, �berraschte ihn das. Er dachte gar nicht daran, die Macht zu verwenden, sondern warf sich unter den sich aufbl�henden Flammen hindurch zu Boden. Sie erstarben einen Augenblick sp�ter.</p><p>�Was macht Ihr denn da?� schrie er so zornig, so erschrocken, da� das Nichts zersprang und <emphasis>Saidin</emphasis> ihn verlie�. Er rappelte sich hoch und ging mit steifen Beinen auf sie zu. �Das ist doch die H�he an Undankbarkeit!� Er wollte sie sch�tteln, da� ihre Z�hne klapperten. �Ich habe gerade eben Euer Leben gerettet, falls Ihr es nicht bemerkt haben solltet, und falls ich dabei irgendeine verdammte Aielregel �berschritten habe, dann ist mir das...!�</p><p>�Beim n�chsten Mal�, fauchte sie zur�ck, �werde ich es dem gro�en <emphasis>Car'a'carn</emphasis> selbst �berlassen, mit allem fertig zu werden!� Ungeschickt packte sie die Decke noch fester und duckte sich vor Zorn steif ins Zelt hinein.</p><p>Zum erstenmal blickte er sich um. Und entdeckte einen weiteren Draghkar, der zusammengekr�mmt am Boden verschmorte. Er war so zornig gewesen, da� er weder geh�rt hatte, wie dieses Wesen in Flammen aufging, noch den ekligen Brandgeruch wahrgenommen hatte. Nicht einmal das abgrundtief B�se hatte er hinter sich gef�hlt. Ein Draghkar t�tete, indem er seinem Opfer zuerst die Seele aussog und dann das Leben. Er mu�te ganz nahe sein, damit es zu einer Ber�hrung kam, aber dieser hier lag tats�chlich nicht mehr als zwei Schritt von seinem urspr�nglichen Standort entfernt. Er wu�te nicht, ob das Singen und die Umarmung eines Draghkar die gleiche Wirkung auf jemanden hatte, der mit <emphasis>Saidin</emphasis> erf�llt war, doch er war froh, das nicht herausfinden zu m�ssen.</p><p>Er holte tief Luft und kniete sich neben die Zeltklappe. �Aviendha?� Er konnte nicht hineingehen. Drinnen brannte eine Lampe, und es konnte ja sein, da� sie nackt dort sa� und ihn im Geist zerri�, wie er es verdient hatte.</p><p>�Aviendha, es tut mir leid. Ich entschuldige mich. Ich war ein Narr, solche Worte zu gebrauchen, ohne nach dem Grund zu fragen. Ich sollte wissen, da� Ihr mir nichts antun w�rdet, und ich... ich... ich bin ein Narr�, schlo� er reichlich t�lpelhaft.</p><p>�Ihr wi�t wirklich eine Menge, Rand al'Thor�, kam die ged�mpfte Antwort. �Ihr seid tats�chlich ein Narr!�</p><p>Wie entschuldigte sich ein Aiel? Danach hatte er sie nie gefragt. Wenn er so an <emphasis>Ji'e'toh</emphasis> dachte, daran, M�nnern das Singen beizubringen und ihre Hochzeitsbr�uche, dann w�rde er sie wohl auch nie danach fragen. �Ja, das bin ich. Und ich bitte Euch um Verzeihung.� Diesmal kam keine Antwort. �Liegt Ihr unter Euren Decken?� Schweigen.</p><p>Er knurrte leise in sich hinein und stand auf. Seine nur in Str�mpfen steckenden Zehen bohrten sich in den eiskalten Boden. Er w�rde hier drau�en bleiben m�ssen, bis er sicher sein konnte, da� sie z�chtig bedeckt sei. Und das ohne Stiefel und Mantel. Er griff nach <emphasis>Saidin,</emphasis> Verderbnis und alles andere, nur um vor der bei�enden K�lte ins wohltuende Nichts entfliehen zu k�nnen.</p><p>Die drei Traumg�ngerinnen unter den Weisen Frauen rannten herbei und nat�rlich auch Egwene. Alle starrten den brennenden Draghkar an und umgingen ihn betont. Mit fast gleichen Bewegungen zogen sie ihre Schals fester um sich zusammen.</p><p>�Nur einer�, sagte Amys. �Dem Licht sei Dank, doch �berrascht es mich.�</p><p>�Es waren zwei�, berichtete ihr Rand. �Ich... vernichtete den anderen.� Warum z�gerte er eigentlich, nur, weil Moiraine ihn vor dem Gebrauch des Baalsfeuers gewarnt hatte? Es war eine Waffe wie jede andere. �Wenn Aviendha diesen hier nicht get�tet h�tte, h�tte er mich vielleicht erwischt.�</p><p>�Das Gef�hl, da� sie die Macht gebrauchte, hat uns hergerufen�, sagte Egwene. Sie musterte ihn von Kopf bis Fu�. Zuerst glaubte er, sie suche nach Verletzungen, doch sie widmete seinen bestrumpften F��en besondere Aufmerksamkeit und blickte anschlie�end zum Zelt hin�ber, wo durch einen offenstehenden Spalt der Zeltklappe Lampenschein drang. �Du hast sie schon wieder aus der Fassung gebracht, nicht wahr? Sie hat dein Leben gerettet, und du... M�nner!� Mit angewidertem Kopfsch�tteln schob sie sich an ihm vorbei ins Zelt hinein. Er h�rte bald leise Stimmen, konnte aber nicht verstehen, was dort drinnen gesprochen wurde.</p><p>Melaine zupfte an ihrem Schal. �Wenn Ihr uns nicht braucht, m�ssen wir unten nachsehen, was dort geschieht.� Sie eilte davon, ohne auf die beiden anderen zu warten.</p><p>Bair lachte meckernd, als sie und Amys ihr folgten. �Wollen wir wetten, bei wem sie zuerst nachschaut? Meine Amethyst-Halskette, die dir so gef�llt, gegen dein SaphirArmband?�</p><p>�Gemacht. Ich glaube, sie geht zuerst zu Dorindha.�</p><p>Die �ltere der Weisen Frauen gackerte wieder. �Sie hat immer noch nur Bael im Kopf. Eine Erstschwester ist eine Erstschwester, aber ein frischgebackener Ehemann...�</p><p>Sie gelangten au�er H�rweite, und er beugte sich zur Zeltklappe herunter. Er verstand nach wie vor nicht, was sie da drinnen sprachen. Er h�tte vielleicht sein Ohr an den offenen Spalt halten k�nnen, aber das w�rde er nicht tun. Sicher hatte sich Aviendha mittlerweile bedeckt, da ja schlie�lich Egwene bei ihr war. So wie sich Egwene inzwischen den Aielsitten angepa�t hatte, konnte es allerdings durchaus sein, da� sie statt dessen ebenfalls ihre Kleider abgelegt hatte.</p><p>Das leise Klatschen weicher Sohlen auf dem harten, kalten Boden k�ndete von der Ankunft Moiraines und Lans. Rand richtete sich auf. Obwohl er ihrer beider Atemz�ge h�rte, waren die Schritte des Beh�ters kaum h�rbar, nur die Moiraines. Ihr Haar hing ihr lose ins Gesicht, und sie hielt einen dunklen Morgenmantel, dessen Seide im Mondschein gl�nzte, vor ihrer Brust zusammen. Lan war vollst�ndig angekleidet, trug Stiefel und hatte die Waffen geg�rtet. Au�erdem war er in diesen Umhang geh�llt, der ihn zu einem Teil der Nacht werden lie�. Klar. Der Kampfesl�rm unten auf den H�geln verklang nun langsam.</p><p>�Ich bin �berrascht, da� Ihr nicht eher kamt, Moiraine.� Seine Stimme klang kalt; besser die Stimme als er selbst. Er hielt an <emphasis>Saidin</emphasis> fest, obwohl er dagegen ank�mpfen mu�te, doch die eisige K�lte der Nacht wurde dadurch von ihm ferngehalten. Er war sich ihrer bewu�t, sp�rte jedes H�rchen an seinen Armen, das sich der K�lte wegen unter seinen Hemds�rmeln aufstellte, aber sie ber�hrte ihn nicht. �Ihr kommt doch f�r gew�hnlich und seht nach mir, sobald Ihr Unheil auch nur wittert.�</p><p>�Ich habe noch nie alles erkl�rt, was ich tue oder lasse.� Ihre Stimme klang genauso k�hl und geheimnisvoll wie immer, doch selbst im Mondschein konnte Rand erkennen, da� sie err�tete. Lan blickte besorgt drein, obwohl das bei ihm schwer festzustellen war. �Ich kann nicht ewig Eure Hand halten. Irgendwann einmal m��t Ihr alleine laufen lernen.�</p><p>�Das habe ich heute abend, oder?� Verlegenheit glitt �ber die Oberfl�che des Nichts, denn es klang, als habe er alles allein vollbracht, und so f�gte er schnell hinzu: �Aviendha hat den hier beinahe schon von meinem R�cken weggebrannt.� Die Flammen aus dem K�rper des Draghkar waren fast niedergebrannt.</p><p>�Nur gut, da� sie sich hier befand�; sagte Moiraine gelassen. �Ihr habt mich also nicht ben�tigt.�</p><p>Sie hatte keine Angst versp�rt, dessen war er sich ganz sicher. Er hatte gesehen, wie sie mitten unter Schattenwesen gerannt war und die Macht so gel�ufig als Waffe verwendet hatte, wie Lan sein Schwert. Zu oft schon war das geschehen, als da� er nun glauben konnte, sie sei aus Angst nicht fr�her gekommen. Also, warum war sie dann nicht gekommen, als sie die Anwesenheit des Draghkar f�hlte? Sie mu�te ihn gesp�rt haben und Lan mit ihr, denn das war eine der Gaben, die ein Beh�ter durch die Bindung an seine Aes Sedai erhielt. Er k�nnte sie ja zur Rede stellen, sie durch ihren Eid ihm gegen�ber und ihre Unf�higkeit, unumwunden zu l�gen, in die Enge treiben. Nein, das brachte er nicht fertig. Das tat er niemandem an, der letzten Endes versuchte, ihm zu helfen.</p><p>�Wenigstens wissen wir jetzt, was der Angriff unten bezweckte�, sagte er. �Ich sollte glauben, dort geschehe etwas Wichtiges, w�hrend sich der Draghkar an mich heranschlich. Das haben sie schon in der Kaltfelsenfestung versucht, und dort hat es auch nicht geklappt.� Nur hatten sie damit diesmal beinahe Erfolg gehabt. Falls das �berhaupt die Absicht dahinter gewesen war. �Man sollte doch denken, da� sie diesmal etwas Neues ausprobieren w�rden.� Couladin befand sich vor ihm, und die Verlorenen waren, wie es schien, �berall zugleich. Warum konnte er sich nicht einem Gegner nach dem anderen stellen?</p><p>�Macht nicht den Fehler, die Verlorenen f�r dumm zu halten�, warnte Moiraine. �Das k�nnte sich als fatal erweisen.� Sie r�ckte fr�stelnd ihren Morgenmantel zurecht, als w�nsche sie, er sei dicker. �Es ist schon sp�t. Falls Ihr mich nicht weiter ben�tigt...?�</p><p>Aiel kamen langsam zur�ck, als sie und der Beh�ter gingen. Es gab einiges Erstaunen �ber den Draghkar, und man rief ein paar <emphasis>Gai'schain,</emphasis> um die Leiche wegzuschleifen, doch die meisten blickten nur kurz hin und begaben sich dann in ihre Zelte. Sie schienen in seiner Anwesenheit solche Vorkommnisse mittlerweile zu erwarten.</p><p>Als Adelin und die T�chter auftauchten, kamen sie mit schleppenden Schritten und offensichtlich bedr�ckt n�her. Sie betrachteten den Draghkar, wie er von wei�gekleideten M�nnern fortgeschleppt wurde, und sie tauschten lange Blicke, bevor sie sich zu Rand her�berwagten.</p><p>�Hier war nichts zu erwarten�, sagte Adelin z�gernd. �Der ganze Angriff spielte sich unten ab � Schattenfreunde und Trollocs.�</p><p>�Ich habe geh�rt, wie sie �F�r Sammael und die goldenen Bienen� schrien�, f�gte eine andere hinzu. Da sie die Schufa ganz um den Kopf gewickelt hatte, konnte Rand nicht erkennen, wer sie war. Es klang jung; einige der T�chter des Speers waren kaum �lter als sechzehn.</p><p>Adelin holte tief Luft und hielt Rand einen ihrer Speere waagrecht mit festem Griff hin. Die anderen taten es ihr nach � jede mit einem Speer. �Wir � ich � habe versagt�, sagte Adelin. �Wir h�tten hier sein sollen, als der Draghkar kam. Statt dessen sind wir wie die Kinder hinuntergerannt, um den Tanz der Speere zu tanzen.�</p><p>�Und was soll ich mit denen anstellen?� fragte Rand mit einem Blick auf die Speere, worauf Adelin ohne noch zu z�gern antwortete: �Was immer Ihr w�nscht, <emphasis>Car'a'carn.</emphasis> Wir sind bereit und werden keinen Widerstand leisten.�</p><p>Rand sch�ttelte den Kopf. <emphasis>Verdammte Aiel und verdammtes</emphasis> Ji'e'toh! �Ihr nehmt die Dinger wieder hoch und geht an Eure Pl�tze, mein Zelt zu bewachen. Also? Geht schon.� Sie sahen sich gegenseitig an, bevor sie gehorchten, und zwar genauso z�gernd, wie sie gekommen waren. �Und eine von Euch soll Aviendha sagen, da� ich hineinkommen werde, sobald ich zur�ck bin�, f�gte er hinzu. Er w�rde nicht die ganze Nacht �ber hier drau�en warten und sich fragen, ob er hereingehen d�rfe. Er stolzierte steif davon. Der Boden unter seinen blo�en Str�mpfen war sehr hart.</p><p>Asmodeans Zelt befand sich unweit des seinen. Von dort war kein Laut an sein Ohr gedrungen. Er schlug die Klappe zur Seite und duckte sich hinein. Asmodean sa� im Dunklen und kaute auf seiner Unterlippe. Er zuckte zusammen, als Rand erschien. Dann kam er ihm auch schon zuvor: �Ihr habt doch sicher nicht erwartet, da� ich eingreife, oder? Ich habe die Draghkar gesp�rt, aber mit denen konntet Ihr selbst fertigwerden, und das seid Ihr ja auch. Ich habe die Draghkar noch nie leiden k�nnen. Wir h�tten sie nicht erschaffen sollen. Sie haben weniger Hirn als ein Trolloc. Gebt ihnen einen Befehl, und sie t�ten manchmal trotzdem denjenigen, der ihnen am n�chsten ist. Wenn ich hinausgegangen w�re, etwas unternommen h�tte... Vielleicht h�tte mich jemand bemerkt? Was, wenn sie erkannt h�tten, da� nicht Ihr es wart, der die Macht lenkt? Ich... �</p><p>�Es war gut f�r Euch, da� Ihr nicht herauskamt�, unterbrach ihn Rand, der sich mit �bergeschlagenen Beinen in der Dunkelheit niedergesetzt hatte. �Wenn ich Euch heute abend von <emphasis>Saidin</emphasis> erf�llt dort drau�en gesp�rt h�tte, h�tte ich Euch m�glicherweise get�tet.�</p><p>Das Lachen des anderen klang etwas zittrig. �Daran hatte ich auch gedacht.�</p><p>�Es war Sammael, der uns heute abend die Angreifer auf den Hals schickte. Jedenfalls die Trollocs und die Schattenfreunde.�</p><p>�Es sieht Sammael gar nicht �hnlich, das Leben seiner M�nner so zu verschwenden�, sagte Asmodean bed�chtig. �Aber er riskiert andererseits auch zehntausend Tote oder sogar das Zehnfache, wenn es ihm etwas einbringt, das seiner Meinung nach die Opfer wert ist. Vielleicht will auch nur einer der anderen vort�uschen, es sei Sammael gewesen. Und wenn die Aiel auch Gefangene h�tten... Trollocs denken nicht viel, au�er an T�ten, und die Schattenfreunde glauben, was man ihnen sagt.�</p><p>�Er war es tats�chlich. Er hat schon einmal auf genau die gleiche Art versucht, mich zu k�dern � in Serendahar.� <emphasis>O Licht!</emphasis> Der Gedanke glitt �ber die Oberfl�che des Nichts. <emphasis>Ich sagte �mich�.</emphasis> Er hatte keine Ahnung, wo Serendahar gelegen oder was damals geschehen war, nur die eigenen Worte kannte er. Die Worte, die eben erst verklungen waren.</p><p>Nach langem Schweigen sagte Asmodean leise: �Das habe ich nicht gewu�t.�</p><p>�Was ich wissen m�chte, ist der Grund.� Rand w�hlte seine Worte sorgf�ltig und hoffte, da� es seine eigenen seien. Er erinnerte sich an Sammaels Gesicht. Er war ein Mann � <emphasis>Nicht meine. Es sind nicht meine Erinnerungen!</emphasis> �, ein untersetzter, kr�ftiger Mann mit kurzem, blondem Bart. Asmodean hatte ihm alle Verlorenen beschrieben, doch ihm war klar, da� dieses Bild in seinem Ged�chtnis nichts mit seiner Beschreibung zu tun hatte. Sammael hatte immer gr��er sein wollen und war frustriert gewesen, da� selbst die Macht das nicht vermochte. Das hatte ihm Asmodean aber nicht gesagt. �Nach allem, was Ihr mir berichtet habt, wird er mich wahrscheinlich nur dann offen bek�mpfen, wenn er sich des Sieges gewi� sein kann. Vielleicht noch nicht einmal dann. Ihr sagtet, wenn er k�nnte, w�rde er mich wahrscheinlich dem Dunklen K�nig selbst �berlassen. Also, warum ist er jetzt so siegessicher; warum will er, da� ich ihn verfolge?�</p><p>Sie diskutierten stundenlang in der Dunkelheit, ohne zu klaren Erkenntnissen zu gelangen. Asmodean blieb bei seiner Meinung, es sei einer der anderen gewesen, in der Hoffnung, Rand auf Sammael zu hetzen und damit wenigstens einen oder vielleicht auch beide loszuwerden. Zumindest behauptete Asmodean, er glaube das. Rand sp�rte immer wieder den fragenden Blick aus den dunklen Augen des Mannes. Seine Worte vorhin waren zu offensichtlich herausgerutscht, als da� er das h�tte vertuschen k�nnen.</p><p>Als er schlie�lich zu seinem eigenen Zelt zur�ckkehrte, sprangen Adelin und die anderen T�chter sofort auf. Alle wollten ihm auf einmal mitteilen, da� Egwene weg sei und Aviendha schon lange schlafe, und da� sie zornig auf ihn sei. Da� beide zornig seien. Sie erteilten ihm so viele unterschiedliche Ratschl�ge, wie man den Zorn der Frauen bes�nftigen k�nne, und dazu noch alle gleichzeitig, da� er �berhaupt nichts mehr verstand. Schlie�lich schwiegen sie aber doch, warfen sich bedeutungsschwangere Blicke zu, und schlie�lich sagte Adelin: �Wir m�ssen noch �ber die heutige Nacht sprechen. �ber das, was wir taten und was wir vers�umten. Wir... �</p><p>�Es war gar nichts�, erwiderte er, �und sollte es doch etwas Schlimmes gewesen sein, dann ist es vergeben und vergessen. Ich w�rde gern zur Abwechslung einmal ein paar Stunden Schlaf genie�en. Wenn Ihr weiter dar�ber reden wollt, dann geht zu Amys oder Bair. Ich bin sicher, sie verstehen viel besser als ich, worauf Ihr hinauswollt.� Das brachte sie �berraschenderweise wirklich zum Schweigen, und sie lie�en ihn hineingehen.</p><p>Aviendha lag unter ihren Decken. Ein schlankes, wei�es, unbedecktes Bein ragte heraus. Er bem�hte sich, weder das Bein noch sie selbst anzublicken. Sie hatte eine Lampe angelassen. Dankbar schob er sich unter seine Decken und l�schte die Lampe mit Hilfe der Macht. Dann lie� er <emphasis>Saidin</emphasis> los. Diesmal tr�umte er von Aviendha, wie sie Feuer schleuderte, allerdings nicht auf den Draghkar. Sammael sa� neben ihr und lachte.</p></section><section><title><p>23</p><p>�Euren f�nften Teil bekommt Ihr von mir�</p></title><p>Egwene lie� ihre Stute um eine grasbewachsene Anh�he herumtraben und beobachtete die Str�me von Aiel, die sich vom Jangai-Pa� herunterw�lzten. Durch den Sattel war ihr Rock wieder bis �bers Knie hochgerutscht, aber das bemerkte sie jetzt kaum. Sie konnte ihn nicht jede Minute wieder herunterziehen. Und sie trug ja Str�mpfe. Es war nicht so, als zeige sie nackte Beine.</p><p>Die Kolonnen der Aiel marschierten in schnellem Schritt unten an ihr vorbei. Sie waren streng nach Clan, Septime und Kriegergemeinschaft geordnet. Tausende und Abertausende kamen dort mit ihren Packpferden und Maultieren entlang; dazu die <emphasis>Gai'schain,</emphasis> die sich um das Lager k�mmerten, w�hrend die anderen in den Kampf zogen. Das Ganze erstreckte sich �ber eine Breite von mindestens einer Meile. Weitere Aiel befanden sich noch hinten auf dem Pa� oder so weit voraus, da� man sie bereits nicht mehr sehen konnte. Trotz des Fehlens ganzer Familien schien es, als befinde sich ein ganzes Volk auf dem Marsch. Die Stra�e hier war ein Teil der Seidenstra�e gewesen, ganze f�nfzig Schritt breit und mit gro�en, wei�en Steinplatten gepflastert. Sie schnitt sich geradewegs zwischen den H�geln hindurch. Man hatte sogar Hohlwege ausgehoben, damit die Stra�e gerade und auf einer Ebene verlaufen konnte. Viele Pflastersteine standen nun allerdings schief heraus, hatten sich an einer Ecke gehoben, an einer anderen gesenkt und zeigten deutlich das Alter der Stra�e. Es war bestimmt l�nger als zwanzig Jahre her, seit diese Stra�e mehr Verkehr erlebt hatte als die Karren der ortsans�ssigen Bauern oder gelegentlich ein paar Planwagen. Jedenfalls war sie unter den Massen der Aielf��e nur an wenigen Stellen sichtbar, obwohl die Aiel es ja vorzogen, mit ihren blo�en F��en auf dem Gras zu laufen.</p><p>Es war ein Erlebnis, endlich wieder B�ume zu sehen, richtige B�ume, hoch aufragende Eichen und Lederblattb�ume, die tats�chlich sogar in kleinen Hainen wuchsen, und nicht nur gelegentliche, vom Wind verformte, verkr�ppelte Karikaturen eines Baumes. Das hohe Gras wogte im leichten Wind auf den H�geln. Nach dem W�stenklima schien die Luft hier wunderbar k�hl und feucht, obwohl ihr die braunen Bl�tter und die gro�fl�chigen braunen Stellen im Gras deutlich machten, da� es hier doch wohl hei�er und trockener war, als sonst um diese Jahreszeit �blich. Trotzdem war die l�ndliche Gegend Cairhiens ein �ppiges Paradies, verglichen mit der anderen Seite der Drachenmauer.</p><p>Ein kleiner Bach wand sich unter einer niedrigen Br�cke hindurch nach Norden. Am Rand war der getrocknete Lehm eines viel breiteren Bettes sichtbar. In dieser Richtung, nicht zu viele Meilen entfernt, befand sich der Gaelin, ein etwas gr��erer Flu�. Sie fragte sich, wie sich die Aiel wohl verhalten w�rden, wenn sie den Flu� erreichten. Sie hatte schon einmal Aiel an einem Flu� beobachten k�nnen. Der arg geschrumpfte Wasserlauf sorgte f�r eine abrupte Unterbrechung im stetigen Strom der Menschen. M�nner und T�chter des Speers blieben stehen und sahen ihn erstaunt an, bevor sie hin�bersprangen.</p><p>Kaderes Wagen rumpelten auf der Stra�e an ihr vorbei. Die langen Maultiergespanne mu�ten hart arbeiten, blieben aber trotzdem langsam hinter den Aiel zur�ck. Sie hatten vier Tage gebraucht, um die unz�hligen Windungen und Kehren des Passes zu bew�ltigen, und Rand hatte offensichtlich vor, w�hrend der wenigen noch verbleibenden Stunden des Tageslichts so weit wie m�glich nach Cairhien hinein vorzusto�en. Moiraine und Lan ritten neben den Wagen her; nicht vorneweg und auch nicht neben Kaderes kleinem, wei�en, kastenf�rmigen Wohnwagen an der Spitze, sondern neben dem zweiten Wagen, wo der mit einer Segeltuchplane abgedeckte Umri� des t�r�hnlichen <emphasis>Ter'Angreal</emphasis> sich deutlich vom Rest der Ladung abhob. Viele der Frachtst�cke waren sorgf�ltig eingepackt oder in K�sten und F�ssern verstaut, die Kadere mit Waren angef�llt in die W�ste mitgebracht hatte. Andere St�cke hatte man einfach hineingesteckt, wo gerade Platz war �seltsam geformte Metall- und Glasgegenst�nde, einen roten Kristallstuhl, zwei kindergro�e Skulpturen, die einen nackten Mann und eine nackte Frau darstellten, St�be aus Knochen und Elfenbein und fremdartigen, schwarzen Materialien in allen m�glichen L�ngen und St�rken. Alle Arten von Gegenst�nden fanden sich hier, darunter einige, die Egwene kaum beschreiben konnte, so seltsam wirkten sie. Moiraine hatte jeden Fingerbreit Raum in s�mtlichen Wagen ausgenutzt.</p><p>Egwene h�tte nur zu gern gewu�t, wieso die Aes Sedai diesem einen Wagen so besondere Aufmerksamkeit schenkte. Vielleicht hatte au�er ihr niemand bemerkt, da� Moiraine sich mit ihm mehr besch�ftigte als mit allen anderen zusammengenommen. Es war unwahrscheinlich, da� sie das in n�chster Zeit herausfinden w�rde. Ihr neuer Rang, der sie gleich neben Moiraine stellte, war noch etwas unsicher. Das hatte sie festgestellt, als sie mitten auf dem Pa� diese Frage gestellt hatte und zur Antwort bekam, sie habe eine zu lebhafte Phantasie und wenn sie schon Zeit habe, einer Aes Sedai hinterherzuspionieren, dann sollte Moiraine vielleicht ein W�rtchen mit den Weisen Frauen sprechen, um ihre Ausbildung etwas zu intensivieren. Nat�rlich hatte sie sich vielmals entschuldigt, und das schien gewirkt zu haben. Amys und die anderen lie�en sie nicht mehr N�chte durcharbeiten als bisher.</p><p>Ungef�hr hundert <emphasis>Far Dareis Mai</emphasis> von den Taardad trabten auf ihrer Seite der Stra�e vorbei. Sie bewegten sich leichtf��ig. Die Schleier hingen herunter, doch immer bereit, blitzartig hochgezogen und befestigt zu werden. An den H�ften taumelten volle K�cher. Einige trugen ihre gekr�mmten Hornb�gen mit aufgelegten Pfeilen, w�hrend bei anderen die B�gen in Futteralen auf dem R�cken steckten. Die Speere und Schilde bewegten sich beim Laufen rhythmisch auf und ab. Hinter ihnen bem�hten sich ein Dutzend <emphasis>Gai'schain</emphasis> in ihren wei�en Gew�ndern mit den Packtieren, die sie am Z�gel f�hrten, einigerma�en Schritt zu halten. Eine nur trug Schwarz anstatt Wei�: Isendre. Sie arbeitete h�rter als alle anderen. Egwene erkannte Adelin unter ihnen und noch zwei oder drei andere, die w�hrend der Nacht des Angriffs Rands Zelt bewacht hatten. Jede hatte au�er ihren Waffen noch eine Puppe in der Hand. Die Puppen waren grob gefertigt und trugen R�cke und wei�e Blusen. Die T�chter des Speers wirkten noch verschlossener als sonst, machten steinerne Mienen und bem�hten sich, zu �berspielen, was sie da in H�nden hielten.</p><p>Sie war sich nicht sicher, was das zu bedeuten hatte. Die T�chter, die in jener Nacht Wache gestanden hatten, waren gemeinsam zu Bair und Amys gegangen, als ihre Wache vor�ber war, und hatten lange Zeit mit ihnen verbracht. Am n�chsten Morgen, als das Lager unter dem grauen Himmel kurz vor der D�mmerung abgebrochen wurde, hatten sie angefangen, diese Puppen anzufertigen. Nat�rlich hatte sie nicht direkt danach fragen k�nnen, aber sie hatte es einer von ihnen gegen�ber erw�hnt, einer rothaarigen Tomanelle aus der Serai-Septime namens Maira, und die Frau hatte ihr gesagt, die Puppe solle daran erinnern, da� man kein Kind mehr sei. Ihrem Tonfall war eindeutig zu entnehmen, da� sie nicht weiter dar�ber sprechen wollte. Eine der T�chter, die solche Puppen trugen, war nicht mehr als h�chstens sechzehn Jahre alt. Maira dagegen war mindestens ebenso alt wie Adelin. Es ergab kaum einen Sinn, und das machte ihr zu schaffen. Jedesmal, wenn Egwene glaubte, die Sitten und Br�uche der Aiel endlich zu verstehen, wurde ihr vorgef�hrt, da� sie gar nichts verstand.</p><p>Unwillk�rlich wurde ihr Blick noch einmal vom Ausgang des Passes angezogen. Die Pfahlreihen standen immer noch da, gerade an der Grenze des Sichtbaren. Sie erstreckten sich von einem steilen Berghang quer hin�ber zum anderen, au�er an ein paar Stellen, wo die Aiel sie umgerissen hatten. Couladin hatte ihnen eine weitere Botschaft hinterlassen: M�nner und Frauen, die er auf dem Weg hatte pf�hlen lassen, den sie nehmen mu�ten. Sieben Tage lang hatten sie tot auf ihren Pf�hlen gesteckt. Rechts vom Pa� ragte die hohe, graue Stadtmauer von Selean �ber den H�geln auf. Kein Dach, kein Turm war jedoch dahinter zu sehen. Moiraine behauptete, die Stadt sei nur noch ein schwacher Abklatsch ihres einstigen Glanzes gewesen, und doch hatte dort eine beachtliche Kleinstadt gestanden, viel gr��er als Taien. Nun war nichts mehr davon �brig. Es gab auch keine �berlebenden au�er jenen, die die Shaido entf�hrt hatten. Vielleicht hatten sich ein paar irgendwo in Sicherheit gebracht. Auf diesen H�geln hatten Bauernh�fe gestanden, aber nach dem Aielkrieg hatte man den �stlichen Teil Cairhiens gr��tenteils aufgegeben. Doch eine Stadt war auf Bauernh�fe angewiesen, die Lebensmittel liefern konnten. Nun erhoben sich dort nur noch ru�geschw�rzte Schornsteine aus den Ruinen der Bauernh�user. Hier waren ein paar verkohlte Dachbalken �ber einer aus Stein erbauten Scheune erhalten geblieben; dort waren sowohl Scheuer wie auch Wohnhaus in der Feuersglut zusammengebrochen. Der H�gel, auf dem sie sich befand, war eine Schafweide gewesen. In der N�he des Zauns drunten am Fu�e summten immer noch Fliegenschw�rme �ber den Resten der Schl�chterei. Kein einziges Tier stand jedoch auf der Weide und nicht einmal ein Huhn, das noch in einem Hof gescharrt h�tte. Von den erntereifen Feldern waren nur noch abgebrannte Stoppeln �brig.</p><p>Couladin und die Shaido waren Aiel. Aber auch Aviendha, Bair, Amys und Melaine waren Aiel und Rhuarc dazu, der ihr gesagt hatte, sie erinnere ihn an eine seiner T�chter. Wohl waren sie angewidert gewesen von dieser Pf�hlerei, doch sie schienen das andererseits gegen�ber Baumm�rdern f�r bestenfalls ein wenig �bertrieben zu halten. Vielleicht gab es nur einen Weg, um die Aiel wirklich kennenzulernen: als Aiel geboren zu werden.</p><p>Sie warf der zerst�rten Stadt einen letzten Blick zu und ritt dann langsam hinunter zu der aus unbehauenen Steinen errichteten Einfriedung. Sie �ffnete das Gatter und schlo� es aus reiner Gewohnheit hinter sich wieder mit der Lederschlaufe. Es war wie eine Ironie des Schicksals, da� Moiraine geglaubt hatte, Selean werde sich m�glicherweise Couladin anschlie�en. Unter den sich st�ndig verschiebenden Einfl�ssen von <emphasis>Daes Dae'mar</emphasis> und wenn man einen Aieleroberer gegen einen Mann aufwog, der die Tairener nach Cairhien geschickt hatte, dann konnten sich die Waagschalen nach jeder Seite neigen. Doch Couladin hatte ihnen keine Chance gelassen, sich selbst zu entscheiden.</p><p>Sie ritt die breite Stra�e entlang, bis sie fast zu Rand aufgeschlossen hatte. Heute hatte er seinen roten Kurzmantel an. Sie ritt dann mit Aviendha und Amys und vielleicht drei�ig oder mehr Weisen Frauen weiter, die sie bis auf die beiden Traumg�ngerinnen nicht n�her kannte. Alle folgten Rand in kurzem Abstand. Auch Mat mit seinem Hut und dem schwarzgesch�fteten Speer und Jasin Natael, den ledernen Harfenkasten auf dem R�cken und den Stock der roten Flagge in der Hand, die fr�hlich im Wind flatterte, sa�en auf ihren Reittieren, doch Rand f�hrte seinen Apfelschimmel am Z�gel und unterhielt sich im Gehen mit den Clanh�uptlingen. Die dahineilenden Aiel �berholten ihn inzwischen zu beiden Seiten. Rock hin oder her � die Weisen Frauen h�tten durchaus mit den vorbeihastenden Kolonnen Schritt halten k�nnen, aber sie klebten wie Harz an Rands Fersen. Sie w�rdigten Egwene kaum eines Blickes, so konzentriert beobachteten sie ihn und die sechs H�uptlinge.</p><p>�... und jeder, der noch nach Timolan durchkommt, mu� das gleiche erfahren�, sagte Rand in entschlossenem Tonfall gerade. Steinhunde, die in Taien als Beobachter zur�ckgeblieben waren, hatten berichtet, da� die Miagoma einen Tag nach ihnen den Pa� erreicht hatten. �Ich bin gekommen, um Couladin daran zu hindern, da� er dieses Land verheert, und nicht, um es auszupl�ndern.�</p><p>�Eine Botschaft, an der er zu kauen haben wird�, sagte Bael, �genau wie wir, wenn Ihr damit ausdr�cken wollt, da� wir diesmal nicht den f�nften Teil als Beute behalten k�nnen.� Han und der Rest nickten; sogar Rhuarc schlo� sich ihnen an.</p><p>�Euren f�nften Teil bekommt Ihr von mir.� Rand erhob keineswegs die Stimme, und doch klangen seine Worte, als triebe er damit N�gel in Holz. �Aber Lebensmittel geh�ren nicht zu Eurem Anteil! Wir leben von dem, was wir jagen oder kaufen � falls �berhaupt noch jemand Lebensmittel zu verkaufen hat �, bis ich die Tairener mehr aus Tear heraufschaffen lassen kann. Jeden Mann, der einen Pfennig �ber das F�nftel hinaus nimmt, der auch nur einen Laib Brot ohne Bezahlung mitgehen l��t oder auch nur eine Holzh�tte niederbrennt, weil sie einem Baumm�rder geh�rt, oder der einen Mann t�tet, obwohl er ihn gar nicht angegriffen hat, den werde ich aufh�ngen lassen, gleich, wer er sein mag!�</p><p>�Es ist schlimm, dem Clan so etwas mitteilen zu m�ssen�, sagte Dhearic mit beinahe ebenso versteinerter Miene. �Ich kam, um Ihm, Der Mit Der Morgend�mmerung Kommt, zu folgen und nicht, um Meineidige zu verh�tscheln.� Bael und Jheran �ffneten den Mund, als wollten sie ihm beipflichten, aber jeder bemerkte das vom anderen, und so schwiegen sie, als wollten sie sich lieber auf die Zunge bei�en.</p><p>�Merkt wohl, was ich Euch sage, Dhearic�, verk�ndete Rand. �Ich komme, dieses Land zu retten, und nicht, um es noch weiter zu verw�sten. Was ich befehle, gilt f�r jeden Clan einschlie�lich der Miagoma und anderer, die ihnen folgen m�gen. F�r jeden Clan! Merkt Euch das!� Diesmal sagte niemand mehr etwas, und er schwang sich wieder in Jeade'ens Sattel. Er trieb den Hengst zwischen den H�uptlingen im Schritt voran. Die Aielgesichter zeigten keine Regung.</p><p>Egwene holte tief Luft. Diese M�nner waren s�mtlich alt genug, um sein Vater oder sogar Gro�vater sein zu k�nnen, und sie waren Anf�hrer ihrer V�lker im Range von K�nigen, auch wenn sie das abstritten, und au�erdem kampferprobte Heerf�hrer. Es schien erst gestern, da� er noch ein Junge war, nicht nur des Alters wegen; ein J�ngling, der fragte und hoffte, statt zu kommandieren und zu erwarten, da� man ihm gehorche. Er �nderte sich schneller denn je, und sie konnte kaum gedanklich Schritt mit ihm halten. Es war aber schon eine gute Sache, wenn er diese M�nner davon abhielt, anderen St�dten das gleiche anzutun wie Couladin es Taien und Selean angetan hatte. Das redete sie sich jedenfalls ein. Sie w�nschte sich aber, er m�ge dabei nicht mehr und mehr Arroganz an den Tag legen. Wann w�rde er von ihr denselben Gehorsam verlangen wie von Moiraine? Oder von allen Aes Sedai? Sie hoffte, es sei lediglich Arroganz.</p><p>Sie wollte sich unterhalten, nahm also den einen Fu� vom Steigb�gel und hielt Aviendha die Hand hin, doch die Aielfrau sch�ttelte den Kopf. Sie ritt wirklich nicht gern. Und vielleicht z�gerte sie auch all dieser Weiser Frauen wegen, die dichtgedr�ngt mitgingen. Manche von ihnen w�rden nicht einmal dann reiten, wenn sie sich beide Beine gebrochen h�tten. Seufzend stieg Egwene ab und f�hrte Nebel am Z�gel, nachdem sie grollend ihren Rock zurechtgezogen hatte. Die weichen, kniehohen Aielstiefel, die sie trug, wirkten bequem und waren es auch, aber sie eigneten sich nicht f�r einen langen Fu�marsch auf hartem, unebenen Pflaster.</p><p>�Er hat sie wirklich alle im Griff�, sagte sie.</p><p>Aviendha nahm den Blick kaum von Rands R�cken. �Ich kenne ihn nicht genug. Ich kann ihn gar nicht genug kennen. Sieh dir das Ding an, das er tr�gt.�</p><p>Damit meinte sie nat�rlich das Schwert. Rand trug es eigentlich nicht; er hatte es an das Sattelhorn geh�ngt. Es steckte nun in einer einfachen schweinsledernen Scheide, und das lange Heft war ebenfalls mit Leder bezogen. Auch so ragte es bis zu seiner H�fte empor. Er hatte das Griffst�ck und die Scheide von einem Mann aus Taien w�hrend des Ritts �ber den Pa� anfertigen lassen. Egwene fragte sich, warum er daf�r solche M�hen auf sich nahm, obwohl er doch mit Hilfe der Macht jederzeit ein Schwert aus Feuer erscheinen lassen konnte und noch ganz andere Dinge fertigbrachte, gegen die ein echtes Schwert wie ein Spielzeug wirkte. �Du hast es ihm doch geschenkt, Aviendha.�</p><p>Ihre Freundin machte eine finstere Miene. �Er will mich �berreden, auch den Griff anzunehmen. Er hat es ben�tzt, und es geh�rt ihm! Hat es vor meiner Nase ben�tzt, als wolle er sich mit einem Schwert in der Hand �ber mich lustig machen.�</p><p>�Du bist nicht wegen des Schwertes so w�tend auf ihn.� Das glaubte sie jedenfalls nicht. Aviendha hatte es in jener Nacht in Rands Zelt mit keinem Wort erw�hnt. �Du bist nur immer noch so durcheinander, weil er dich so angefahren hat. Ich verstehe dich! Ich wei� aber auch, da� es ihm leid tut. Er spricht manchmal, ohne zu denken, aber wenn du seine Entschuldigung annimmst... �</p><p>�Ich will seine Entschuldigungen nicht h�ren�, murrte Aviendha. �Ich will nicht... Ich kann das alles nicht mehr ertragen. Ich kann nicht mehr in seinem Zelt schlafen.� Mit einemmal ergriff sie Egwenes Arm, und wenn es Egwene nicht besser gewu�t h�tte, h�tte sie glauben k�nnen, die Freundin sei den Tr�nen nah. �Du mu�t meinetwegen mit ihnen sprechen. Mit Amys und Bair und Melaine. Sie werden auf dich h�ren. Du bist eine Aes Sedai. Sie m�ssen mich zu ihren Zelten zur�ckkehren lassen. Sie m�ssen einfach!�</p><p>�Wer mu� was tun?� fragte Sorilea, die sich hatte zur�ckfallen lassen und nun neben ihnen herging. Die Weise Frau der Shende-Festung hatte d�nnes, wei�es Haar und eine Gesichtshaut, die sich wie Leder �ber ihren Sch�del spannte. Und klare gr�ne Augen, die ein Pferd auf zehn Schritt Entfernung umhauen konnten. So blickte sie normalerweise alle an. Wenn Sorilea zornig war, schwiegen die anderen Weisen Frauen sicherheitshalber und die Clanh�uptlinge suchten nach Ausreden, um schnell wegzugehen.</p><p>Melaine und eine andere Weise Frau, eine ergraute Schwarzwasser-Nakai, wollten sich ihnen ebenfalls anschlie�en, doch Sorilea sah sie auf ihre typische Art an.</p><p>�Wenn du nicht so damit besch�ftigt w�rst, Melaine, von diesem frischgebackenen Ehemann zu tr�umen, w�re dir klar, da� Amys mit dir sprechen will. Mit dir auch, Aerin.� Melaine lief hochrot an und wuselte zu den anderen zur�ck, aber die �ltere kam sogar noch vor ihr dort an. Sorilea beobachtete ihren Abgang und wandte dann ihre ungeteilte Aufmerksamkeit wieder Aviendha zu. �Nun k�nnen wir uns in aller Ruhe unterhalten. Also, du willst irgend etwas nicht tun, nat�rlich etwas, das dir befohlen wurde. Und du glaubst, diese kindliche Aes Sedai k�nne deinen Kopf aus der Schlinge ziehen.�</p><p>�Sorilea, ich...� Weiter kam Aviendha nicht.</p><p>�Zu meiner Zeit sprang ein M�dchen, wenn eine Weise Frau ihr zu springen befahl, und sie h�rte nicht damit auf, bevor man es ihr erlaubte. Da ich noch am Leben bin, ist es immer noch meine Zeit. Mu� ich mich noch deutlicher ausdr�cken?�</p><p>Aviendha atmete tief durch. �Nein, Sorilea�, sagte sie dem�tig.</p><p>Der Blick der �lteren Frau ruhte nun auf Egwene. �Und Ihr? Glaubt Ihr, da� Ihr dieser da etwas ersparen k�nnt?�</p><p>�Nein, Sorilea.� Egwene hatte das Gef�hl, sie m�sse einen Knicks machen.</p><p>�Gut�, sagte Sorilea. Es klang nicht befriedigt, sondern lediglich, als habe sie nichts anderes erwartet. Und so war es wohl. �Jetzt kann ich mit dir dar�ber sprechen, was ich wirklich wissen will. Wie ich h�rte, hat dir der <emphasis>Car'a'carn</emphasis> ein Geschenk gegeben, um dir sein Interesse an dir zu zeigen, wie man es noch nicht vernommen hat, mit Rubinen und Mondperlen.�</p><p>Aviendha zuckte zusammen, als sei eine Maus an ihrem Bein emporgeklettert. Nun, in einem solchen Fall w�rde sie wahrscheinlich nicht erschrecken, aber zumindest Egwene h�tte sich so verhalten. Die Aiel erkl�rte der Weisen Frau das mit Lamans Schwert und der Scheide so hastig, da� sich ihre Stimme beinahe �berschlug.</p><p>Sorilea r�ckte ihren Schal zurecht und knurrte einiges in sich hinein in bezug auf M�dchen, die ein Schwert ber�hrten, selbst wenn es in Decken gewickelt war, und �ber die �junge� Bair, mit der sie ein W�rtchen zu reden habe. �Also hast du doch kein Auge auf ihn geworfen? Schade. Das w�rde ihn an uns binden. Heutzutage betrachtet er zu viele V�lker als die seinen.� Einen Augenblick lang musterte sie Aviendha von Kopf bis Fu�. �Ich werde Feran auf dich aufmerksam machen. Sein Gro�vater ist mein Schwestersohn. Du hast andere Pflichten dem Volk gegen�ber, als zu lernen, eine Weise Frau zu werden. Diese H�ften sind f�r Kinder wie geschaffen.�</p><p>Aviendha stolperte �ber einen �berstehenden Pflasterstein und fing sich gerade noch vor einem Sturz. �Ich... Ich werde �ber ihn nachdenken, wenn ich Zeit daf�r habe�, sagte sie atemlos. �Ich mu� noch viel lernen, wie man eine Weise Frau wird, und Feran geh�rt zu den <emphasis>Seia Doon,</emphasis> den Schwarzaugen, die geschworen haben, weder unter einem Dach noch in einem Zelt zu schlafen, bis Couladin tot ist.� Couladin geh�rte ebenfalls zu den <emphasis>Seia Doon.</emphasis> Die Weise Frau mit dem ledrigen Gesicht nickte, als sei damit alles Notwendige besprochen. �Ihr, junge Aes Sedai. Ihr kennt den <emphasis>Car'a'carn</emphasis> gut, wie man sagt. Wird er machen, was er angedroht hat? Sogar einen Clanh�uptling h�ngen?�</p><p>�Ich glaube... vielleicht... wird er es tun.� Und etwas schneller f�gte Egwene dann hinzu: �Aber ich bin sicher, da� man ihn mit Vernunftgr�nden �berzeugen kann.� Sie war sich keineswegs sicher, nicht einmal, da� es Vernunftgr�nde g�be, doch seine Worte hatten auf ihre Weise schon gerecht geklungen. Andererseits w�rde ihm Gerechtigkeit nicht helfen, wenn sich dadurch au�er den Shaido noch andere gegen ihn stellten.</p><p>Sorilea blickte sie �berrascht an und warf dann den um Rands Pferd versammelten H�uptlingen einen Blick zu, der die ganze Gruppe eigentlich h�tte zu Boden werfen m�ssen. �Ihr mi�versteht mich. Er mu� diesem Pack r�udiger W�lfe beweisen, da� er der Leitwolf ist. Ein H�uptling mu� h�rter als andere M�nner sein, junge Aes Sedai, und der <emphasis>Car'a'carn</emphasis> h�rter als die anderen H�uptlinge. Jeden Tag werden einige weitere M�nner und sogar T�chter von Hoffnungslosigkeit �berw�ltigt, doch sie stellen nur die weiche �u�ere Rinde des Eisenholzbaums dar. Was bleibt, ist das harte Innere, und er mu� hart sein, um sie zu f�hren.� Egwene wurde bewu�t, da� sie sich selbst und die anderen Weisen Frauen nicht unter denen erw�hnt hatte, die gef�hrt werden mu�ten. Sorilea knurrte noch etwas von �r�udigen W�lfen� und hatte bald das Ohr aller Weisen Frauen gewonnen, die ihr beim Weitergehen lauschten. Was sie auch sagte, es war leider nicht bis zu ihr her�ber h�rbar.</p><p>�Wer ist dieser Feran?� fragte Egwene. �Ich habe dich nie von ihm erz�hlen h�ren. Wie sieht er aus?�</p><p>Aviendha blickte Sorilea, die nun zwischen den um sie herum versammelten Frauen beinahe verdeckt war, noch immer finster nach und antwortete geistesabwesend: �Er sieht �hnlich wie Rhuarc aus, nur ist er j�nger, gr��er und hat viel rotere Haare. Eigentlich sieht er noch besser aus als Rhuarc. Mehr als ein Jahr lang hat er versucht, Enailas Interesse zu gewinnen, aber ich glaube, eher wird sie ihm das Singen beibringen, als da� sie den Speer aufgibt.�</p><p>�Das verstehe ich nicht. Hast du vor, ihn dir mit Enaila zu teilen?� Es war immer noch ein eigenartiges Gef�hl, so n�chtern �ber diese Dinge zu sprechen.</p><p>Aviendha stolperte schon wieder und starrte sie dann an. �Ihn teilen? Ich will keinen Anteil an ihm. Sein Gesicht ist sch�n, aber er lacht wie ein bl�kendes Maultier, und er bohrt immer in seinen Ohren.�</p><p>�Aber so wie du mit Sorilea gesprochen hast, dachte ich... du h�ttest Gefallen an ihm gefunden. Warum hast du ihr nicht gesagt, was du mir gerade anvertraut hast?�</p><p>Das Lachen der anderen klang ein wenig gequ�lt. �Egwene, wenn sie glaubte, ich wolle mich in dieser Angelegenheit dr�cken, dann w�rde sie den Brautkranz pers�nlich flechten und Feran und mich am Kragen zur Hochzeit schleifen. Hast du je erlebt, da� jemand zu Sorilea nein sagte? Br�chtest du das fertig?�</p><p>Egwene �ffnete den Mund, um ihr zu sagen, da� sie das selbstverst�ndlich fertigbringe, doch dann schlo� sie ihn schnell wieder. Nynaeve so zu beeindrucken, da� sie einen Schritt zur�cktrat, war ja gut und sch�n. Aber dasselbe bei Sorilea tun...? Das w�re dasselbe, als st�nde sie genau auf der Spur eines Erdrutsches und wolle ihm befehlen, anzuhalten, bevor er sie erreichte.</p><p>Um das Thema zu wechseln, sagte sie: �Ich werde mit Amys und den anderen sprechen und sehen, ob sie in deinem Fall einsichtig sind.� Sie glaubte allerdings nicht, da� es etwas helfen werde. Der richtige Zeitpunkt w�re gewesen, bevor sie �berhaupt damit begonnen hatten.</p><p>Wenigstens sah Aviendha nun ein, wie unschicklich das Ganze wirklich war. Vielleicht... �Wenn wir zusammen zu ihnen gehen, werden sie bestimmt auf uns h�ren.�</p><p>�Nein, Egwene. Ich mu� den Weisen Frauen gehorchen. <emphasis>Ji'e'toh</emphasis> verlangt das von mir.� Gerade so, als habe sie nicht einen Moment vorher noch deswegen gejammert. Als habe sie nicht beinahe auf den Knien die Weisen Frauen angefleht, sie nicht in Rands Zelt schlafen zu lassen. �Aber warum entspricht die Pflicht meinem Volk gegen�ber niemals meinen eigenen W�nschen? Warum mu� es etwas sein, das ich auf keinen Fall tun m�chte?�</p><p>�Aviendha, niemand wird dich zwingen, zu heiraten oder Kinder zu bekommen. Nicht einmal Sorilea.� Egwene war sich bewu�t, da� letzeres ein wenig lahm geklungen hatte und nicht sehr �berzeugend.</p><p>�Das verstehst du nicht�, sagte die andere leise, �und ich kann es dir nicht erkl�ren.� Sie raffte den Schal um ihre Schultern und verlor kein Wort mehr dar�ber. Sie war bereit, �ber ihren Unterricht zu sprechen oder �ber die Frage, ob Couladin umkehren und sich der Schlacht stellen werde, oder wie die Heirat Melaine ver�ndert hatte � die mu�te sich mittlerweile schon fast dazu zwingen, so m�rrisch wie sonst zu erscheinen � alles andere eben au�er jenem, was sie nicht erkl�ren konnte oder wollte.</p></section><section><title><p>24</p><p>Eine Botschaft wird �bermittelt</p></title><p>Das Land ver�nderte sich, als die Sonne sank. Die H�gel wurden niedriger und die Geh�lze ausgedehnter. Oftmals sprossen auf den �berwachsenen Erhebungen ehemaliger Steinumz�unungen wild wuchernde Hecken. Solche alten Feldmauern zogen sich auch mitten durch lange Waldstreifen mit Eichen und Lederblattb�umen, Walnu�b�umen und Birken und anderen, die Egwene nicht kannte. Die wenigen Bauernh�user hatten keine D�cher mehr und drinnen wuchsen manchmal B�ume von zehn oder f�nfzehn Schritt H�he; kleine, von Mauern umschlossene W�ldchen, mit zwitschernden V�geln und Eichh�rnchen mit buschigen schwarzen Schw�nzen. Die gelegentlichen B�chlein hier riefen genausoviel Erstaunen bei den Aiel hervor wie die W�lder und das Gras. Sie hatten von den Feuchtl�ndern erz�hlen h�ren und in B�chern dar�ber gelesen, die sie von Kaufleuten und fahrenden H�ndlern wie Hadnan Kadere erworben hatten, aber nur wenige hatten diese L�nder seit der Suche nach Laman tats�chlich gesehen. Allerdings stellten sie sich schnell auf die neue Umgebung ein. Das Graubraun ihrer Zelte verschmolz mit dem Braun abgestorbener Bl�tter unter den B�umen und mit dem verdorrten Gras und Unkraut. Das Lager erstreckte sich �ber mehrere Meilen und wurde durch tausend kleine Feuer in der goldenen Abendd�mmerung erhellt.</p><p>Egwene war mehr als froh, in ihr Zelt kriechen zu k�nnen, nachdem die <emphasis>Gai'schain</emphasis> es endlich aufgebaut hatten. Drinnen flackerten die Lampen und in der Feuergrube loderte ein kleines Feuer. Sie schn�rte die weichen Stiefel auf, zog sie sich gleich mit den Wollstr�mpfen aus und streckte sich wohlig auf den bunten, dicken Decken aus. Aufseufzend bewegte sie ihre Zehen und w�nschte sich ein Wasserbecken herbei, um die F��e zu baden. Nat�rlich gab sie gar nicht erst vor, so widerstandsf�hig wie die Aielfrauen zu sein, aber wenn sich ihre F��e schon nach ein paar Stunden Wanderung anf�hlten, als seien sie auf die doppelte Gr��e angeschwollen, dann verweichlichte sie tats�chlich. Eigentlich stellte hier Wasser kein Problem mehr dar. Oder sollte es jedenfalls nicht. Dabei mu�te sie allerdings an den recht armseligen Bach denken. Doch wenigstens sollte es hier einmal wieder zu einem richtigen Bad reichen!</p><p>Cowinde, die in ihrem wei�en Gewand so dem�tig und still einherglitt, brachte ihr das Abendessen: etwas von diesem hellen Fladenbrot aus Zemaimehl und dicken Eintopf in einer rotgestreiften Sch�ssel, den sie ganz mechanisch herunterschlang, obwohl sie eigentlich gar nicht hungrig war, nur m�de. Sie kannte die getrockneten Paprikastreifen und die Bohnen, doch sicherheitshalber fragte sie nicht nach, welche Sorte von Fleisch das sei. <emphasis>Kaninchen,</emphasis> redete sie sich entschlossen ein und hoffte, es m�ge der Wahrheit entsprechen. Die Aiel a�en Dinge, bei deren Anblick sich ihre Haare aufstellten. Sie h�tte wetten k�nnen, da� Rand seine Speisen nicht einmal genau ansah; M�nner ekelten sich noch schneller als Frauen.</p><p>Sobald sie den Eintopf aufgegessen hatte, streckte sie sich neben einer kunstvoll geh�mmerten Silberlampe aus, deren Licht von einer auf Hochglanz polierten Reflektorscheibe verst�rkt wurde Sie hatte ein wenig Schuldgef�hle, da die meisten Aiel nachts au�er den kleinen Feuern �berhaupt kein Licht hatten. Nur wenige hatten Lampen und �l mitgenommen, lediglich die Weisen Frauen und die H�uptlinge von Clans oder Septimen. Aber nat�rlich w�re es sinnlos, im tr�ben Feuerschein herumzusitzen, wenn sie richtige Beleuchtung haben konnte. Das erinnerte sie an etwas anderes: Hier war der Temperaturunterschied von Tag und Nacht nicht mehr so kra� wie in der W�ste. Im Zelt war es jetzt bereits unangenehm warm.</p><p>Sie benutzte ganz kurz die Macht. Str�nge aus Luft erstickten das Feuer. Dann kramte sie in ihrer Satteltasche nach dem abgegriffenen Lederband, den sie von Aviendha ausgeliehen hatte. Es war ein kleines, dickes Buch, eng bedruckt und deshalb schwer zu lesen, au�er bei sehr guter Beleuchtung. Daf�r konnte sie es in jeder Tasche unterbringen. �Die Flamme, die Klinge und das Herz� lautete der Titel. Es war eine Geschichtensammlung �ber die Erlebnisse von Birgitte mit Gaidal Cain, Anselan und Barashelle, Rogosh Adlerauge und Dunsinin und einem Dutzend anderer. Aviendha behauptete, ihr gefiele das Buch der Abenteuer und Schlachten wegen, und das mochte stimmen, aber jede Geschichte beschrieb auch die Liebe eines Mannes zu einer Frau und umgekehrt. Egwene war bereit, zuzugeben, da� es grade das sei, was ihr so besonders gefiel: die manchmal st�rmischen und dann wieder sanften Wogen unsterblicher Liebe. Jedenfalls gab sie das sich selbst gegen�ber zu. Es war nat�rlich nichts, was eine nach au�en hin vern�nftige Frau mit klarem Kopf �ffentlich zugeben konnte.</p><p>In Wirklichkeit allerdings war ihr nicht mehr nach Lesen zumute als vorher nach Essen. Alles, was sie wirklich tun wollte, war baden und schlafen, wobei sie vermutlich sowieso auf das ersteres verzichten mu�te. Doch heute nacht waren Amys und sie in <emphasis>Tel'aran'rhiod</emphasis> mit Nynaeve verabredet. Wo sich Nynaeve auf ihrem Weg nach Ghealdan auch befinden mochte, w�rde die Nacht erst sp�ter hereinbrechen, und so mu�te sie notgedrungen wach bleiben.</p><p>Bei Elayne hatte das mit der Menagerie recht aufregend geklungen, als sie ihnen beim letzten Treffen davon erz�hlte. Allerdings fand sie nicht, da� Galads Anwesenheit Grund genug sei f�r eine solch �berst�rzte Flucht. Ihrer Meinung nach hatten Elayne und Nynaeve einfach Geschmack am Abenteuer gefunden. Die Sache mit Siuan war zu schade, denn die beiden h�tten eine feste Hand gebraucht, um sie allm�hlich erwachsen werden zu lassen. Seltsam, so �ber Nynaeve zu denken. Fr�her war gerade sie immer diejenige mit der festen Hand gewesen. Doch seit jenem Zusammentreffen in <emphasis>Tel'aran'rhiod</emphasis> war Nynaeve f�r sie nicht mehr diejenige, gegen die sie sich durchsetzen mu�te.</p><p>Schuldbewu�t erkannte sie beim Umbl�ttern, da� sie sich auf das Treffen mit Nynaeve diese Nacht freute. Nicht nur, weil Nynaeve eine Freundin war, sondern vor allem, weil sie erleben wollte, ob sich Nynaeves Haltung ihr gegen�ber best�tigen werde. Falls Nynaeve wieder an ihrem Zopf ri�, w�rde sie ihr einen k�hlen Blick zuwerfen und eine Augenbraue hochziehen und... <emphasis>Licht, ich hoffe nur, da� es anh�lt. Wenn sie irgend etwas �ber meinen heimliches Ausflug ausplaudert, werden mir Amys, Bair und Melaine abwechselnd die Haut abziehen, falls sie mich nicht einfach hinauswerfen.</emphasis></p><p>Immer wieder fielen ihr beim Lesen die Augen zu. So hatte sie den Eindruck verschwommener Tr�ume, wenn sie an diese Geschichten dachte. Sie konnte genauso stark sein wie all diese Frauen, genauso stark und tapfer wie Dunsinin oder Nerein oder Melisinde oder sogar Birgitte, so stark wie Aviendha. W�rde Nynaeve genug Vernunft besitzen, um vor Amys heute nacht den Mund zu halten? Der vage Gedanke schlich sich ein, da� sie Nynaeve am Nacken packen und durchsch�tteln werde. Wie dumm. Nynaeve war um Jahre �lter als sie. Die Augenbraue k�hl und �berheblich hochziehen, ha! Dunsinin. Birgitte. Genauso hart und stark wie eine Tochter des Speers.</p><p>Ihr Kopf sank vorn�ber auf das ge�ffnete Buch, und sie bem�hte sich noch, den kleinen Band unter ihrer Wange zu bergen, w�hrend ihr Atem immer ruhiger und gleichm��iger wurde und sie schlie�lich einschlummerte.</p><p>Sie zuckte �berrascht zusammen, als sie sich pl�tzlich unter den gro�en Sandsteins�ulen im Herzen des Steins wiederfand, im eigenartigen Lichtschein <emphasis>Tel'aran'rhiods,</emphasis> und dann wurde sie noch einmal �berrascht, denn sie trug den <emphasis>Cadin'sor.</emphasis> Amys w�rde es nicht gefallen, sie so gekleidet zu sehen; nein, es w�rde sie gewi� nicht am�sieren. Schnell bem�hte sie sich um neue Kleidung und wurde erneut �berrascht, denn ihre Gew�nder flimmerten und �nderten sich st�ndig. Einmal trug sie die Algodebluse und den bauschigen Wollrock der Weisen Frauen und dann wieder ein zartes Gewand aus blauer Seide mit Brokatstreifen. Schlie�lich blieb dann die Aielkleidung einschlie�lich ihres elfenbeinernen Flammen-Armreifs und ihrer aus Gold und Elfenbein gefertigten Halskette. Solche gedankliche Unentschlossenheit hatte sie schon lange nicht mehr an den Tag gelegt.</p><p>Einen Augenblick lang dachte sie daran, die Welt der Tr�ume wieder zu verlassen, doch sie vermutete, da� sie wohl in ihrem Zelt fest eingeschlafen war. H�chstwahrscheinlich w�rde sie lediglich in einen ihrer eigenen Tr�ume hineingleiten und da war sie sich der Traumnatur nicht immer bewu�t. Doch in einem solchen Fall konnte sie nicht mehr nach <emphasis>Tel'aran'rhiod</emphasis> zur�ckkehren. Sie w�rde bestimmt Amys nicht mit Nynaeve allein lassen. Wer wu�te schon, was Nynaeve dann alles ausplauderte, falls Amys sie herausforderte? Wenn die Weise Frau eintraf, w�rde sie einfach behaupten, sie sei ebenfalls gerade angekommen. Die Weisen Frauen waren bisher immer ein wenig schneller als sie gewesen oder zumindest zur selben Zeit eingetroffen, aber wenn Amys glaubte, sie sei diesmal nur eine Sekunde schneller gewesen, w�rde das bestimmt nichts ausmachen.</p><p>Sie hatte sich nun schon fast an den Eindruck unsichtbarer Augen in dieser riesigen Halle gew�hnt. <emphasis>Nur die S�ulen und die Schatten und dieser gro�e, leere Raum.</emphasis> Trotzdem hoffte sie, es werde nicht zu lange dauern, bis Amys und auch Nynaeve eintr�fen. Doch es w�rde mit Sicherheit noch eine Weile dauern. So seltsam die Zeit oftmals in <emphasis>Tel'aran'rhiod</emphasis> verlief, mu�te es doch noch eine gute Stunde bis zu ihrem vereinbarten Treffen dauern. Vielleicht gab ihr das genug Zeit, um...</p><p>Pl�tzlich wurde ihr bewu�t, da� sie Stimmen h�rte. Es klang wie ein fernes Fl�stern zwischen den S�ulen. Sie griff nach <emphasis>Saidar</emphasis> und ging vorsichtig in Richtung der Ger�usche auf den Ort zu, wo Rand <emphasis>Callandor</emphasis> unter der gro�en Kuppel zur�ckgelassen hatte. Die Weisen Frauen behaupteten, die F�higkeit, <emphasis>Tel'aran'rhiod</emphasis> unter Kontrolle zu halten, sei hier genauso m�chtig wie die Eine Macht, doch sie kannte sich im Gebrauch <emphasis>Saidars</emphasis> viel besser aus und vertraute ihren F�higkeiten. Hinter den dicken Sandsteins�ulen verborgen, blieb sie stehen und lie� ihren Blick schweifen.</p><p>Es waren keine Schwarzen Schwestern, wie sie bef�rchtet hatte, und auch nicht Nynaeve. Statt dessen stand Elayne in der N�he der glitzernden Klinge <emphasis>Callandors,</emphasis> die dort im Boden steckte, und sie war in ein Gespr�ch mit einer Frau vertieft, die wohl die eigenartigste Kleidung trug, die Egwene je gesehen hatte. Sie hatte einen wei�en Kurzmantel seltsamen Schnitts an und dazu eine weite gelbe Hose, deren Beine an den Kn�cheln jeweils in zahlreichen Falten zusammengebunden waren, gleich �ber kurzen Stiefeletten mit hohen Abs�tzen. Auf ihrem R�cken hing ein kunstvoll geflochtener blonder Zopf und in H�nden hielt sie einen Bogen, der wie Silber gl�nzte. Auch die Pfeile im K�cher gl�nzten silbern.</p><p>Egwene schlo� die Augen. Zuerst die Probleme mit ihrer Kleidung und nun das. Nur weil sie von Birgitte gelesen hatte � und der silberne Bogen lie� keinen anderen Schlu� zu �, war das noch kein Grund, sich einzubilden, sie sei wirklich hier. Birgitte wartete irgendwo auf den Ruf des Horns von Valere, das sie und die anderen Helden zur Letzten Schlacht rufen w�rde. Doch als Egwene die Augen wieder �ffnete, befanden sich Elayne und die seltsam gekleidete Frau immer noch dort. Sie konnte nicht ganz verstehen, was da gesprochen wurde, doch diesmal schenkte sie ihren Augen Glauben. Sie war entschlossen, hinzugehen und sich zu erkennen zu geben, als hinter ihr jemand sagte: �Habt Ihr beschlossen, fr�her zu kommen? Und allein?�</p><p>Egwene wirbelte herum und sah sich Amys gegen�ber. Ihr dunkelbraun gebranntes Gesicht schien zu jugendlich f�r das wei�e Haar. Neben ihr stand Bair mit ihren ledern wirkenden Wangen. Beide hatten die Arme vor der Brust verschr�nkt, und sogar die Art, wie sie die Schals eng zusammengezogen hatten, deutete auf Mi�billigung hin.</p><p>�Ich bin eingeschlafen�, sagte Egwene. Es war einfach zu fr�h, um ihre zurechtgelegte Geschichte vorzubringen. W�hrend sie noch erkl�rte, wie sie eingeschlummert war und warum sie nicht zur�ckkehrte � ohne zu erw�hnen, da� sie ein Gespr�ch unter vier Augen zwischen Nynaeve und Amys verhindern wollte �, war sie doch �berrascht von ihren eigenen Schuldgef�hlen, weil sie vorgehabt hatte zu l�gen, und �ber ihre Erleichterung, da� ihr das nun erspart geblieben war. Vielleicht w�rde die Wahrheit sie nicht vor Strafe bewahren. Wohl war Amys nicht so streng wie Bair � nicht ganz �, aber sie war durchaus f�hig, sie daf�r den Rest der Nacht �ber Steine aufstapeln zu lassen. Viele Weise Frauen glaubten an die strafende Wirkung v�llig nutzloser Arbeit. Man konnte sich ja dabei nicht einmal einreden, es sei etwas anderes als eben nur eine Strafe, w�hrend man beispielsweise Asche mit einem L�ffel vergrub. Und das setzte noch voraus, da� sie sich nicht einfach weigerten, sie weiter zu unterrichten. Dann zog sie doch lieber die Asche vor.</p><p>Sie konnte einen Seufzer der Erleichterung nicht unterdr�cken, als Amys nickte und sagte: �Das kann passieren. Aber beim n�chsten Mal kehrt Ihr zur�ck und tr�umt Eure eigenen Tr�ume. Ich h�tte auch allein anh�ren k�nnen, was Nynaeve zu sagen hat, und ihr mitteilen, was wir wissen. Wenn Melaine heute nacht nicht bei Bael und Dorindha w�re, w�re auch sie hier anwesend. Ihr habt Bair einen Schreck eingejagt. Sie ist stolz auf Eure Fortschritte, und wenn Euch etwas passiert...�</p><p>Bair aber wirkte gar nicht stolz. Sie schien im Gegenteil eine noch finsterere Miene zu machen als sonst, als Amys schwieg. �Ihr hattet Gl�ck, da� Cowinde Euch fand, als sie das Geschirr abr�umen wollte. Sie machte sich Sorgen, weil sie Euch nicht wecken konnte, um die Decken aufzusch�tteln. Falls ich geglaubt h�tte, Ihr w�rt schon l�nger als nur ein paar Minuten allein hier gewesen...� Ihr Blick wurde einen Augenblick lang drohend, und ihre Stimme klang mehr nach einem Grollen: �Ich glaube, nun m�ssen wir auf Nynaeve warten, und wenn wir damit nur verhindern, da� Ihr weiterhin bettelt, nicht zur�ckgeschickt zu werden. Wenn wir dableiben m�ssen, dann sei es so. Wir k�nnen die Zeit m�glicherweise anders nutzen. Konzentriert Euch auf... �</p><p>�Es ist nicht Nynaeve�, sagte Egwene schnell. Sie wollte gar nicht wissen, was ihr Bair antun k�nnte, wenn sie solche Laune hatte. �Es ist Elayne, und...� Ihre Worte verklangen, als sie sich umdrehte. Elayne in ihrem eleganten gr�nen Seidenkleid, das auf jeden Ball gepa�t h�tte, schritt unweit von <emphasis>Callandor</emphasis> auf und ab. Birgitte war nicht zu sehen. Ich habe sie mir aber nicht blo� eingebildet! �Sie befindet sich bereits hier?� fragte Amys und trat vor, so da� sie in die gleiche Richtung blicken konnte.</p><p>�Noch so ein t�richtes M�dchen�, knurrte Bair. �Die M�dchen heutzutage haben nicht mehr Gehirn als Ziegen.� Sie stolzierte vor Egwene und Amys her und pflanzte sich vor Elayne und <emphasis>Callandor</emphasis> gegen�ber mit in die H�ften gestemmten F�usten auf. �Ihr seid nicht meine Sch�lerin, Elayne von Andor, auch wenn Ihr genug von uns gelernt habt, um Euch hier nicht selbst umzubringen, wenn Ihr Vorsicht walten la�t. Aber wenn Ihr meine Sch�lerin w�rt, w�rde ich Euch von Kopf bis Fu� versohlen und Euch zu Eurer Mutter zur�ckschicken, bis Ihr alt genug seid, da� man Euch allein fortl��t. Das k�nnte meiner Meinung nach noch einmal so viele Jahre dauern, wie Ihr bereits hinter Euch erlebt habt. Ich wei�, da� Ihr allein in die Welt der Tr�ume gekommen seid, Ihr und Nynaeve. Ihr seid beide sehr t�richt, so etwas zu unternehmen!�</p><p>Elayne fuhr zusammen, als sie so pl�tzlich erschienen, doch als sie Bairs Tiraden vernahm, richtete sie sich hoch auf und wirkte durch ihre Kopfhaltung geradezu eisig. Ihr Kleid f�rbte sich rot und nahm einen noch feineren Glanz an. Die �rmel waren mit einemmal reich bestickt, genau wie das hochgezogene Oberteil des Kleids. Darauf waren auch die sich aufb�umenden wei�en L�wen und die goldenen Lilien ihres eigenen Wappens zu erkennen. Ein feines goldenes Diadem ruhte auf ihren rotgoldenen Locken, und ein einzelner L�we von Andor, aus Mondperlen geformt, hing ihr in die Stirn. Sie konnte solche Dinge nicht sehr gut kontrollieren. Vielleicht aber auch trug sie diesmal genau das, was sie beabsichtigt hatte? �Ich danke Euch f�r Eure F�rsorge�, sagte sie in wahrhaft k�niglichem Tonfall. �Doch es stimmt, da� ich nicht Eure Sch�lerin bin, Bair von den Haido Shaarad. Ich bin dankbar f�r Eure Unterweisung, aber ich mu� meinen eigenen Weg gehen und die Aufgaben erf�llen, die mir die Amyrlin auftrug.�</p><p>�Eine tote Frau�, sagte Bair kalt. �Ihr seid einer toten Frau gehorsam.� Egwene f�hlte fast greifbar, wie Bair die Haare vor Zorn zu Berge standen. Falls sie nicht eingriff, konnte es sein, da� Bair sich entschlo�, Elayne eine schmerzhafte Lektion zu erteilen. Das letzte, was sie ben�tigten, war diese Art von Auseinandersetzung.</p><p>�Was... warum bist du hier und nicht Nynaeve?� Sie hatte eigentlich fragen wollen, was Elayne hier zu tun habe, doch das h�tte Bair eine M�glichkeit zum Einhaken gegeben und au�erdem vielleicht so geklungen, als st�nde sie auf der Seite der Weisen Frauen. Was sie eigentlich fragen wollte, war, wieso Elayne hier herumgestanden und mit Birgitte gesprochen habe. <emphasis>Ich habe mir das doch nicht eingebildet!</emphasis> War es eine Frau gewesen, die tr�umte, sie sei Birgitte? Doch nur diejenigen, die bewu�t <emphasis>Tel'aran'rhiod</emphasis> betraten, konnten dort mehr als ein paar Minuten lang verbleiben, und Elayne h�tte sich mit einer anderen bestimmt nicht unterhalten. Wo warteten Birgitte und die anderen eigentlich?</p><p>�Nynaeve hat starke Kopfschmerzen.� Das Diadem verschwand, und Elaynes Kleid verwandelte sich in ein einfacheres mit lediglich ein paar goldenen Stickereien auf dem Oberteil.</p><p>�Ist sie krank?� fragte Egwene besorgt.</p><p>�Sie hat nur Kopfschmerzen und ein oder zwei Schrammen.� Elayne kicherte und verzog gleichzeitig schmerzhaft das Gesicht. �O Egwene, das glaubst du einfach nicht. Alle vier Chavanas sind zu uns zum Essen gekommen. In Wirklichkeit nat�rlich, um mit Nynaeve zu flirten. Die ersten paar Tage lang haben sie versucht, mit mir zu flirten, aber Thom hat dann eine kleine Unterhaltung mit ihnen gef�hrt. Danach gaben sie's auf. Dabei hatte er gar kein Recht dazu. Nicht, da� ich unbedingt mit ihnen flirten wollte, wei�t du? Na ja, jedenfalls waren sie da und flirteten mit Nynaeve. Zumindest versuchten sie es, aber sie hat sie so wenig beachtet wie ein paar l�stige Fliegen. Dann kam Latelle herbei und fing an, Nynaeve mit einem Stock zu schlagen und ihr alle Arten von gemeinen Schimpfw�rtern zuzuwerfen.�</p><p>�Wurde sie verletzt?� Egwene war gar nicht sicher, wen sie damit meinte. Wenn Nynaeve einmal richtig w�tend wurde...</p><p>�Sie nicht. Die Chavanas bem�hten sich, sie von Latelle wegzuzerren und Taeric wird wahrscheinlich noch tagelang humpeln, von Brughs geschwollener Lippe ganz zu schweigen. Petra mu�te Latelle in ihren Wagen schleppen, und ich bezweifle, da� sie in den n�chsten Tagen ihre Nase noch einmal hinaussteckt.� Elayne sch�ttelte den Kopf. �Luca wu�te nicht, wem er die Schuld geben sollte. Einer seiner Akrobaten mit lahmem Bein, und seine B�rendompteurin liegt heulend im Bett... Also hat er jeden beschuldigt, und ich glaubte schon, Nynaeve werde ihm einiges um die Ohren hauen. Wenigstens hat sie die Macht nicht ben�tzt. Ein- oder zweimal habe ich geglaubt, es sei soweit, bis sie Latelle unter sich am Boden hatte.�</p><p>Amys und Bair tauschten einen undurchschaubaren Blick. Dieses Benehmen erwartete man von einer Aes Sedai gewi� nicht.</p><p>Egwene war auch ein wenig verwirrt, aber vor allem der vielen Namen und Leute wegen, von denen sie bisher nur ganz kurz geh�rt hatte. Seltsame Leute, die da mit L�wen, Hunden und B�ren herumreisten. Und ein Feuerwerker dazu. Sie konnte nicht glauben, da� diese Petra so stark war, wie Elayne behauptete. Nun gut, Thom konnte auch sowohl Feuerschlucken wie Jonglieren, und was Elayne und Juilin taten, klang schon ebenso eigenartig, obwohl sie ja die Macht ben�tzte.</p><p>Wenn Nynaeve nahe daran gewesen war, die Macht zu ben�tzen... Elayne hatte wohl das Gl�hen <emphasis>Saidars</emphasis> um sie herum entdeckt. Ob sie nun wirklich einen stichhaltigen Grund hatten, sich zu verbergen oder nicht, sie w�rden bestimmt nicht lange unentdeckt bleiben, falls eine von ihnen die Macht gebrauchte und andere das bemerkten. Die Augen-und-Ohren der Burg w�rden es auf jeden Fall h�ren, denn diese Art von Neuigkeiten sprach sich schnell herum, besonders, wenn sie sich noch in Amadicia befanden.</p><p>�Richte Nynaeve von mir aus, da� sie sich gef�lligst zur�ckhalten soll, sonst werde ich ein paar W�rtchen mit ihr reden, die ihr gewi� nicht schmecken.� Elayne blickte verbl�fft drein, denn Nynaeve hatte ihr bestimmt nicht erz�hlt, was zwischen ihnen vorgefallen war. So f�gte Egwene hinzu: �Wenn sie die Macht gebraucht, kannst du sicher sein, da� Elaida davon erf�hrt, so schnell nur eine Taube nach Tar Valon kommt.� Mehr konnte sie nicht sagen, denn auch das bereits zog wieder einen Blickeaustausch zwischen Amys und Bair nach sich. Was sie wirklich von einer gespaltenen Burg hielten und einer Amyrlin, die � soweit man das beurteilen konnte � den Befehl ausgegeben hatte, Aes Sedai mit Drogen zu bet�uben, hatten sie noch nicht wissen lassen. Wenn sie nicht wollten, wirkte Moiraine gegen sie wie eine Klatschtante. �Eigentlich h�tte ich ganz gern euch beide allein vor mir. Ich h�tte euch so einiges zu sagen!�</p><p>Elayne versteifte ihre Haltung und schien wieder so k�hl und beherrscht wie vorher bei Bair. �Das kannst du mir sagen, wann immer du w�nscht.�</p><p>Hatte sie verstanden? Allein, ohne die Gegenwart der Weisen Frauen. In der Burg. Egwene konnte es nur hoffen. Am besten wechselte sie jetzt das Thema und w�nschte sich, die Weisen Frauen w�rden nicht genauso sorgf�ltig �ber ihre Worte nachdenken, wie sie das von Elayne hoffte. �Wird es dieser Auseinandersetzung mit Latelle wegen Probleme geben?� Was hatte sich Nynaeve nur dabei gedacht? Zu Hause h�tte sie jede Frau in ihrem Alter, die einen Streit vom Zaun brach, so schnell vor der Versammlung der Frauen gehabt, da� ihr die Augen herausgefallen w�ren. �Ihr m��t euch doch mittlerweile schon bald in Ghealdan befinden.�</p><p>�Noch drei Tage, sagt Luca, wenn wir Gl�ck haben. Die Menagerie kommt nicht so schnell vorw�rts.�</p><p>�Vielleicht solltet ihr sie jetzt verlassen.�</p><p>�M�glicherweise�, sagte Elayne bed�chtig. �Ich w�rde wirklich gern einmal auf dem Seil tanzen, und das vor... � Mit einem Kopfsch�tteln blickte sie zu <emphasis>Callandor</emphasis> hin�ber. Ihr Ausschnitt wurde pl�tzlich gef�hrlich tief, schob sich dann aber schnell wieder zu sittsamer H�he hinauf. �Ich wei� nicht, Egwene. Wir k�nnten allein auch nicht viel schneller vorankommen, und wir wissen �berdies noch nicht genau, wohin wir uns eigentlich wenden sollen.� Das bedeutete, Nynaeve hatte sich nicht daran erinnert, wo sich die Blauen versammelt hatten; falls Elaidas Bericht der Wahrheit entsprach. �Ganz zu schweigen davon, da� Nynaeve vermutlich vor Wut platzt, wenn wir den Wagen zur�cklassen und neue Reitpferde kaufen oder gar eine neue Kutsche. Au�erdem erfahren wir so eine ganze Menge �ber die Seanchan. Cerandin hat am Hof der Neun Monde als S'redit-Dompteurin gearbeitet, dort, wo die Kaiserin der Seanchan sitzt. Gestern hat sie uns Sachen gezeigt, die sie mitnahm, als sie aus Falme floh. Egwene, stell dir vor, sie hatte sogar einen <emphasis>A'dam!�</emphasis></p><p>Egwene trat vor, und ihr Rock streifte beinahe <emphasis>Callandor.</emphasis> Rands Fallen waren nicht physischer Natur, was auch Nynaeve zu glauben schien. �Kannst du sicher sein, da� sie keine <emphasis>Sul'dam</emphasis> war?� Ihre Stimme bebte vor Zorn.</p><p>�Da bin ich sicher�, sagte Elayne beruhigend. �Ich habe ihr selbst den <emphasis>A'dam</emphasis> angelegt, und sie zeigte keine Reaktion.�</p><p>Da lag ein kleines Geheimnis, das selbst die Seanchan nicht kannten oder, falls doch, �ngstlich wahrten. Ihre <emphasis>Damane</emphasis> waren Frauen, die mit dem Talent geboren wurden und irgendwann einmal die Macht gebrauchen konnten, ob man es sie lehrte oder nicht. Doch die <emphasis>Sul'dam,</emphasis> diejenigen, die alle <emphasis>Damane</emphasis> befehligten, waren die Frauen, denen man den Gebrauch der Macht durch Schulung beibringen konnte. Die Seanchan hielten Frauen, die mit der Macht umgehen konnten, f�r gef�hrliche Tiere und r�umten doch, ohne es zu wissen, vielen von ihnen eine gehobene Stellung in ihrer Gesellschaft ein.</p><p>�Ich verstehe dieses Interesse an den Seanchan �berhaupt nicht.� Amys sprach die Bezeichnung ungeschickt aus; sie hatte von ihnen noch nie geh�rt, bis Elayne bei ihrem letzten Treffen davon sprach. �Was sie tun, ist sicher schrecklich, aber sie sind ja fort. Rand al'Thor hat sie besiegt, und sie sind geflohen.�</p><p>Egwene wandte ihr den R�cken zu und starrte die riesigen, gl�nzenden S�ulen an, die sich weit in die Schatten hineinzogen. �Fort hei�t nicht, da� sie nicht wiederkommen werden.� Sie wollte nicht, da� die anderen ihr Gesicht sahen; nicht einmal Elayne. �Wir m�ssen alles in Erfahrung bringen, was m�glich ist, f�r den Fall, da� sie jemals wiederkommen.� Man hatte ihr in Falme einen <emphasis>A'dam</emphasis> angelegt. Man hatte vorgehabt, sie �ber das Arythmeer nach Seanchan zu senden, um dort den Rest ihres Lebens wie ein Hund an der Leine zu verbringen. Jedesmal, wenn sie daran dachte, stieg der Zorn in ihr hoch. Und auch die Angst. Die Angst, es k�nne ihnen gelingen, sie bei ihrer R�ckkehr erneut zu ergreifen und diesmal f�r immer festzusetzen. Das wollte sie sich vor den anderen nicht anmerken lassen: das blanke Entsetzen, von dem sie wu�te, da� es in ihren Augen stand. Elayne legte ihr eine Hand auf den Arm. �Wir werden auf sie vorbereitet sein, wenn sie zur�ckkehren�, sagte sie mit sanfter Stimme. �Sie werden uns nicht noch einmal �berraschen und unwissend vorfinden.� Egwene t�tschelte ihre Hand, h�tte sich aber lieber an sie geklammert. Elayne verstand sie besser, als ihr manchmal lieb war, doch das war andererseits auch sehr beruhigend.</p><p>�La�t uns das beenden, weshalb wir herkamen�, sagte Bair kurz angebunden. �Ihr braucht nun wirklich Euren Schlaf, Egwene.�</p><p>�Wir haben Euch von den <emphasis>Gai'schain</emphasis> entkleiden und unter Eure Decken legen lassen.� �berraschenderweise klang das bei Amys genauso sanft wie bei Elayne. �Wenn Ihr in Euren K�rper zur�ckkehrt, k�nnt Ihr gleich bis zum Morgen weiterschlafen.�</p><p>Egwenes Wangen liefen rot an. Da sie die Aielbr�uche kannte, war es durchaus wahrscheinlich, da� einige dieser <emphasis>Gai'schain</emphasis> M�nner gewesen waren. Sie w�rde einmal mit ihnen dar�ber sprechen m�ssen; vorsichtig nat�rlich, denn sie w�rden es nicht verstehen, und sie f�hlte sich alles andere als wohl, wenn sie mit ihnen dar�ber sprechen mu�te.</p><p>Ihr wurde bewu�t, da� ihre Angst verflogen war. <emphasis>Anscheinend habe ich mehr Angst vor meiner eigenen Scham als vor den Seanchan.</emphasis> Das stimmte nicht ganz, aber sie hielt sich gern an diesem Gedanken fest.</p><p>Es gab wirklich nur wenig, was sie Elayne berichten konnte. Da� sie sich endlich in Cairhien befanden, da� Couladin Selean verw�stet und das umliegende Land gebrandschatzt hatte, da� ihnen die Shaido immer noch um Tage voraus waren und nach Westen zogen. Die Weisen Frauen wu�ten mehr als sie. Sie hatten sich nicht gleich in ihre Zelte begeben. Abends hatte es kleinere Scharm�tzel gegeben, nur wenige wohl, mit berittenen Gegnern, die schnell geflohen waren, und mit anderen Berittenen, die schon geflohen waren, bevor es zum Kampf kam. Man hatte keine Gefangenen gemacht. Moiraine und Lan schienen die Gegner f�r Banditen zu halten oder f�r Anh�nger des einen oder anderen Adelshauses, das sich um den Sonnenthron schlug. Alle hatten jedenfalls einen gleich zerlumpten Eindruck gemacht. Wer sie auch gewesen sein mochten � es w�rde sich bald herumsprechen, da� sich nunmehr noch weitere Aiel in Cairhien aufhielten.</p><p>�Sie mu�ten es ja wohl fr�her oder sp�ter erfahren�, war Elaynes lakonischer Kommentar.</p><p>Egwene beobachtete Elayne, als sie selbst und die Weisen Frauen verschwanden. Es wirkte auf sie, als werde Elayne und das Herz des Steins durchscheinend und immer blasser. Doch ihre Freundin mit dem goldenen Haar lie� sich nicht anmerken, ob sie die Botschaft verstanden hatte oder nicht.</p></section><section><title><p>25</p><p>Tr�ume von Galad</p></title><p>Statt in ihren eigenen K�rper zur�ckzukehren, schwebte Egwene durch die Dunkelheit. Sie selbst schien aus Dunkelheit zu bestehen und ohne feste Substanz zu sein. Ob ihr K�rper nun �ber oder unter oder neben ihr lag, wu�te sie nicht, denn hier gab es keine Richtung. Doch sie wu�te, da� er sich in der N�he befand und da� sie sich leicht in ihn hineinbegeben konnte. �berall in ihrer Umgebung in dieser Dunkelheit schienen Gl�hw�rmchen zu flimmern. Es war ein riesiger Schwarm, der sich in unfa�barer Entfernung verlor. Das waren Tr�ume, die Tr�ume der Aiel im Lager, Tr�ume von M�nnern und Frauen �berall in Cairhien, �berall auf der Welt, die hier auf einmal glitzerten.</p><p>Mittlerweile war sie in der Lage, einige der nahegelegenen auszuw�hlen und den Tr�umer zu identifizieren. Auf gewisse Weise �hnelten sich diese Lichtpunkte tats�chlich wie Gl�hw�rmchen, und das hatte ihr anf�nglich auch solche Schwierigkeiten bereitet, doch auf andere Weise schienen sie ihr nun doch so individuell wie die Gesichter von Menschen. Rands Tr�ume und die Moiraines erschienen ged�mpft, getr�bt von den Wachgeweben, die sie darum gelegt hatten. Die von Amys und Bair leuchteten hell und pulsierten regelm��ig. Offensichtlich hatten sie sich an die eigenen Ratschl�ge gehalten. H�tte sie die jetzt nicht entdeckt, w�re sie augenblicklich wieder in ihren K�rper zur�ckgeschl�pft. Die beiden durchforschten diese Dunkelheit mit viel gr��erer Leichtigkeit als sie selbst. Sie h�tte nichts gemerkt, bis sie ihr pl�tzlich im Nacken s��en. Wenn sie je lernte, Elayne und Nynaeve auf dieselbe Weise zu identifizieren, w�rde sie die Freundinnen �berall in diesem Sternchenmeer finden, gleich, wo sie sich auf der Welt befanden. Aber heute nacht hatte sie nicht vor, irgendeinen Traum zu beobachten.</p><p>Sorgf�ltig formte sie ein wohlbekanntes Bild in ihrem Geist, und sie befand sich wieder in <emphasis>Tel'aran'rhiod,</emphasis> und zwar in jenem kleinen, fensterlosen Raum in der Burg, wo sie als Novizin gewohnt hatte. Ein schmales Bett stand an einer wei�get�nchten Wand. Gegen�ber der T�r befand sich ein kleiner Waschtisch mit einem dreibeinigen Hocker, und an den Wandhaken hingen die Kleider und die wei�en, wollenen Hemden der jetzigen Bewohnerin. Es h�tte genauso sein k�nnen, da� der Raum jetzt unbewohnt stand, denn seit vielen Jahren hatte die Burg nicht mehr die Quartiere der Novizinnen f�llen k�nnen. Der Fu�boden war beinahe genauso wei� wie W�nde und Kleidung. Jeden Tag schrubbte die hier wohnende Novizin auf H�nden und Knien diesen Boden. Genauso hatte es Egwene gemacht und Elayne im Zimmer neben ihr. Wenn eine K�nigin kam, um sich in der Burg ausbilden zu lassen, fing sie in einem ganz �hnlichen Zimmer an und schrubbte den Boden.</p><p>Die Kleider hingen anders dort, als sie erneut hinblickte, aber das ignorierte sie. Sie war bereit, innerhalb eines Herzschlags nach <emphasis>Saidar</emphasis> zu greifen, und so �ffnete sie die T�r gerade weit genug, um den Kopf hinausstecken zu k�nnen. Dann atmete sie erleichtert auf, als Elaynes Kopf genauso z�gernd aus der n�chsten T�r auftauchte. Egwene hoffte, da� sie selbst nicht auch so sch�chtern und unsicher wirkte. Sie deutete schnell nach hinten, und Elayne huschte in das Wei� einer Novizin gekleidet her�ber. Aus dem Wei� wurde ein hellgraues, seidenes Reitkleid, als sie in das Zimmer schl�pfte. Egwene ha�te graue Kleider, denn das trugen die <emphasis>Damane.</emphasis></p><p>Sie verblieb noch einen Augenblick l�nger drau�en und suchte die von Gel�ndern gesch�tzten Rundbalkone des Novizinnenquartiers mit Blicken ab. Einer �ber dem anderen, so erhoben sie sich �ber ihr, und genauso zogen sie sich nach unten zu bis zum Hof der Novizinnen. Sie erwartete wohl nicht, Liandrin oder noch schlimmere dort drau�en zu sehen, aber etwas Vorsicht konnte nicht schaden.</p><p>�Ich dachte mir, da� du das gemeint hast�, sagte Elayne, als sie die T�r schlo�. �Hast du eine Ahnung, wie schwierig es ist, sich daran zu erinnern, was ich vor wem nicht erw�hnen darf? Manchmal w�nsche ich mir, ich k�nnte den Weisen Frauen endlich alles berichten. Ihnen sagen, da� wir nur Aufgenommene sind. Dann w�re die Heimlichtuerei zu Ende.�</p><p>�Und du h�ttest deine Ruhe�, sagte Egwene aufgebracht. �Aber ich schlafe zuf�llig keine zwanzig Schritt von ihnen entfernt.�</p><p>Elayne schauderte. �Diese Bair. Sie erinnert mich an Lini, wenn ich etwas kaputt gemacht hatte, was ich gar nicht h�tte anfassen d�rfen.�</p><p>�Warte nur ab, bis ich dich Sorilea vorstelle.� Elayne warf ihr einen zweifelnden Blick zu, aber Egwene war sich nicht sicher, ob sie selbst jemanden wie Sorilea f�r m�glich gehalten h�tte, bevor sie diese Frau dann kennenlernte. Nun, es gab keine elegante L�sung, also mu�te sie einfach beginnen. Sie r�ckte ihren Schal zurecht. �Erz�hle mir von deinem Treffen mit Birgitte. Es war doch Birgitte, oder?�</p><p>Elayne taumelte, als habe man ihr einen Schlag in die Magengrube versetzt. Sie schlo� ihre blauen Augen einen Moment lang und atmete so tief ein, da� die Luft sie wohl bis zu den Zehen hinunter f�llte. �Ich kann mit dir dar�ber nicht sprechen.�</p><p>�Was meinst du damit, da� du nicht sprechen kannst? Du hast doch eine Zunge. War es nun Birgitte?�</p><p>�Ich <emphasis>kann nicht,</emphasis> Egwene. Das mu�t du mir glauben. Wenn ich k�nnte, w�rde ich sprechen, aber es geht nicht. Vielleicht... kann ich darum bitten...� W�re Elayne die Art von Frau gewesen, die gelegentlich die H�nde verzweifelt ringt, dann h�tte sie es jetzt getan. Sie �ffnete den Mund und schlo� ihn wortlos wieder. Ihr Blick irrte durch das Zimmer, als suche sie verzweifelt nach einer Inspiration oder nach Hilfe in dem spartanisch eingerichteten Raum. Erneut atmete sie tief durch und blickte Egwene mit ihren blauen Augen eindringlich an. �Alles, was ich sage, ist ein Vertrauensbruch jemand anderem gegen�ber. Und sogar das war schon einer. Bitte, Egwene. Du mu�t mir vertrauen. Und du darfst <emphasis>niemandem</emphasis> erz�hlen, was du... glaubst, gesehen zu haben.�</p><p>Egwene zwang sich, nicht mehr ganz so streng dreinzublicken. �Ich vertraue dir.� Wenigstens wu�te sie nun genau, da� sie sich nichts eingebildet hatte. <emphasis>Birgitte? Licht!</emphasis> �Ich hoffe, eines Tages wirst du genug Vertrauen zu mir haben, um mir alles zu erz�hlen.�</p><p>�Ich vertraue dir doch, aber...� Elayne sch�ttelte den Kopf und setzte sich auf die Bettkante. Das Bett war sehr ordentlich gemacht. �Wir haben viel zu viele Geheimnisse, Egwene, aber manchmal gibt es einen Grund daf�r.�</p><p>Nach einem Augenblick des �berlegens nickte Egwene und setzte sich neben sie. �Dann eben, wenn du kannst�, war ihr ganzer Kommentar, und die Freundin dr�ckte sie erleichtert.</p><p>�Ich hatte mir ja geschworen, da� ich diese Frage nicht stellen w�rde, Egwene. Wenigstens einmal wollte ich etwas anderes im Kopf haben als ihn.� Aus ihrem Reitkleid wurde ein schimmerndes gr�nes Abendkleid. Elayne war sich wohl selbst nicht bewu�t, wie tief der Ausschnitt war. �Aber... geht es Rand gut?�</p><p>�Er lebt und ist unversehrt, falls es das ist, worauf du hinaus wolltest. Ich glaubte schon in Tear, er sei hart geworden, aber heute habe ich geh�rt, wie er M�nnern drohte, er werde sie h�ngen lassen, wenn sie seinen Befehlen nicht folgten. Nicht, da� es schlechte Befehle w�ren, denn er will, da� niemand ohne Bezahlung Nahrungsmittel nimmt oder Menschen umbringt, aber trotzdem. Sie waren die ersten, die ihm als Dem, Der Mit Der Morgend�mmerung Kommt, huldigten, und sie sind ihm ohne Z�gern aus der W�ste hierher gefolgt. Und dann bedrohte er sie. Er ist so hart wie kalter Stahl.�</p><p>�Das war keine Drohung, Egwene. Er ist ein K�nig, was du oder er selbst oder sonst jemand auch sagen mag, und ein K�nig oder eine K�nigin mu� Gerechtigkeit walten lassen, ohne Feinde zu f�rchten oder Freunden einen Gefallen zu tun. Wer so handelt, der mu� hart sein. Mutter gegen�ber erscheint mir manchmal die Stadtmauer noch weich.�</p><p>�Aber er mu� nicht gleich so hochfahrend sein�, sagte Egwene verbindlich. �Nynaeve sagte, ich solle ihn daran erinnern, da� auch er nur ein Mann sei. Ich habe nur noch keine Gelegenheit dazu gefunden.�</p><p>�Sicher mu� er sich selbst sagen, da� er nur ein Mann ist. Aber er hat ein Recht darauf, zu erwarten, da� man ihm gehorcht.� Elaynes Stimme klang irgendwie rauchig und vielleicht ein klein wenig stolz, als sie das sagte. Dann blickte sie an sich hinunter, und ihr Gesicht lief puterrot an. Mit einemmal hatte ihr gr�nes Abendkleid einen hochgeschlossenen Spitzenkragen. �Glaubst du nicht auch, da� man das leicht mit Arroganz verwechseln kann?� fragte sie mit erstickter Stimme.</p><p>�Er ist so �berheblich wie ein Schwein im Erbsenacker.� Egwene verlagerte ihr Gewicht auf dem Bett. Sie hatte es als hart in Erinnerung, doch die d�nne Matratze war immer noch weicher als das, worauf sie im Zelt geschlafen hatte. Sie wollte nicht von Rand reden. �Bist du sicher, da� diese Auseinandersetzung nicht noch mehr Probleme nach sich ziehen wird?� Eine offene Fehde mit dieser Latelle w�rde das Weiterziehen nicht gerade vereinfachen.</p><p>�Ich glaube nicht. Latelle war lediglich auf Nynaeve w�tend, weil sie nicht mehr alle ungebundenen M�nner in der Truppe f�r sich hatte und w�hlen konnte. Manche Frauen denken eben so. Aludra bleibt gew�hnlich f�r sich, und Cerandin h�tte sich nicht einmal getraut, von allein einen der M�nner anzusprechen, bevor ich ihr ein wenig Selbstvertrauen eingab. Clarine ist mit Petra verheiratet. Aber Nynaeve hat nun allen klargemacht, da� sie jedem Mann eins �berbraten wird, der auch nur daran denkt, mit ihr zu flirten, und au�erdem hat sie sich bei Latelle entschuldigt. Also kann man hoffen, da� die Sache somit erledigt ist.�</p><p>�Sie hat sich <emphasis>entschuldigt?�</emphasis></p><p>Die andere nickte. Sie schien genauso erstaunt dar�ber wie Egwene. �Ich glaubte wohl, sie w�rde Streit mit Luca anfangen, als er ihr sagte, sie m�sse sich entschuldigen � er glaubt �brigens, ihre Einschr�nkung gelte ihm gegen�ber <emphasis>nicht</emphasis> �, aber sie hat es getan, nachdem sie eine Stunde lang herumgeknurrt hatte. Hat immer wieder etwas von dir gemurmelt.� Sie z�gerte und sah Egwene von der Seite her an. �Hast du ihr bei eurem letzten Treffen irgend etwas gesagt? Sie ist seither... so anders... und manchmal f�hrt sie Selbstgespr�che. Sie streitet sich mit sich selber. Und aus dem wenigen, was ich verstehen kann, schlie�e ich, da� es um dich geht.�</p><p>�Ich habe nur gesagt, was gesagt werden mu�te.� Also hatte die Wirkung dessen, was sich zwischen ihnen ergeben hatte, doch angehalten. Oder Nynaeve staute ihre ganze Wut f�r ihr n�chstes Zusammentreffen auf. Jedenfalls nahm sie die Launen dieser Frau nicht mehr in Kauf, besonders jetzt, da sie wu�te, da� es nicht sein mu�te. �Richte ihr von mir aus, da� sie zu alt daf�r ist, um sich mit einer anderen zu balgen. Wenn sie das noch einmal macht, werde ich ein wenig ernstere Worte mit ihr zu reden haben. Richte ihr das bitte w�rtlich aus. Es wird ihr sonst schlecht ergehen.� Daran sollte Nynaeve bis zum n�chstenmal kauen. Entweder wurde sie lammfromm... oder Egwene w�rde ihre Drohung in die Tat umsetzen m�ssen. Nynaeve war vielleicht st�rker, was den Gebrauch der Macht betraf, wenn sie gerade in der Lage war, sie zu ben�tzen, aber hier war Egwene die St�rkere. Wie auch immer, sie war jedenfalls langsam der Wutanf�lle Nynaeves �berdr�ssig.</p><p>�Ich werde es ausrichten�, sagte Elayne. �Du hast dich aber auch ge�ndert. An dir scheint etwas von Rands Haltung h�ngenzubleiben.�</p><p>Egwene brauchte einen Augenblick, um zu begreifen, was Elayne damit meinte. Und dazu auch noch dieses s�ffisante L�cheln! �Rede keinen Unsinn!�</p><p>Elayne lachte schallend und umarmte sie wieder. �O Egwene, eines Tages bist du die Amyrlin und ich K�nigin von Andor.�</p><p>�Falls es dann noch eine Burg gibt�, meinte Egwene zweifelnd, und Elaynes Lachen verstummte.</p><p>�Elaida kann die Wei�e Burg nicht zerst�ren, Egwene. Was sie auch anstellt, die Burg bleibt bestehen. Vielleicht wird sie auch nicht Amyrlin bleiben. Sobald sich Nynaeve an den Namen dieser Stadt erinnert, wette ich, da� wir dort eine Burg im Exil vorfinden, in der jede Ajah au�er der Roten vertreten ist.�</p><p>�Ich hoffe es.� Egwene war sich der Tatsache bewu�t, da� ihre Worte traurig klangen. Sie wollte, da� die Aes Sedai Rand unterst�tzten und sich gegen Elaida stellten, aber das hie� auch mit Sicherheit, die Wei�e Burg zu spalten, und vielleicht konnte man diesen Ri� nie wieder kitten.</p><p>�Ich mu� zur�ck�, sagte Elayne. �Nynaeve besteht darauf, da� diejenige von uns, die nicht nach <emphasis>Tel'aran'rhiod</emphasis> geht, wach bleibt, und bei ihrem Brummsch�del braucht sie unbedingt einen ihrer Kr�utertees und viel Schlaf. Ich wei� auch nicht, warum sie darauf besteht. Wer auch wacht, kann ja doch nichts helfen, und wir beide wissen genug, um hier mittlerweile ganz sicher zu sein.� Ihr gr�nes Kleid verwandelte sich f�r einen kurzen Augenblick in Birgittes wei�en Mantel und die gelben Pumphosen. �Sie sagte, ich solle dir gegen�ber nichts davon erw�hnen, aber sie glaubt, Moghedien sei auf der Suche nach uns. Nach ihr und mir.�</p><p>Egwene stellte ihr die offensichtlichste Frage nicht. Sicher hatte ihnen Birgitte irgend etwas mitgeteilt. Warum hielt Elayne das nur so hartn�ckig geheim? <emphasis>Weil sie es versprochen hat. Elayne hat in ihrem Leben noch kein Versprechen gebrochen.</emphasis> �Sag ihr nur, sie soll vorsichtig sein.� Nynaeve w�rde wohl kaum herumsitzen und warten, wenn sie glaubte, eine der Verlorenen sei hinter ihr her. Sie dachte bestimmt daran, wie sie schon einmal mit dieser Frau fertig geworden war, und sie hatte schon immer mehr Mut als Vernunft an sich. �Die Verlorenen kann man nun wirklich nicht auf die leichte Schulter nehmen. Genausowenig wie die Seanchan, auch wenn sie angeblich nur als Dompteure t�tig sind. Sag ihr das bitte.�</p><p>�Ich glaube nicht, da� du auf mich h�rst, wenn ich dir sage, du sollst auch vorsichtig sein.�</p><p>Sie warf Elayne einen �berraschten Blick zu. �Ich bin immer vorsichtig. Das wei�t du doch.�</p><p>�Sicher.� Das letzte, was Egwene wahrnahm, als die andere verschwand, war deren �u�erst am�siert wirkendes L�cheln.</p><p>Egwene verlie� aber die Welt der Tr�ume noch nicht. Wenn sich Nynaeve auch nicht daran erinnern konnte, wo sich die Blauen treffen sollten, konnte sie es vielleicht hier herausfinden. Das war nat�rlich kein neuer Einfall, denn sie war seit ihrem letzten Treffen mit Nynaeve keineswegs zum erstenmal in der Burg. Sie imitierte wieder Elaidas Gesicht und das flammendrote Haar, das ihr bis auf die Schultern fiel, dann das Kleid einer Aufgenommenen mit dem vielfarbigen Saum, und schlie�lich stellte sie sich Elaidas so reichhaltig eingerichtetes Arbeitszimmer vor.</p><p>Es war so wie zuvor, obwohl bei jedem Besuch weniger rebenverzierte St�hle im Bogen um den breiten Schreibtisch standen. Die Gem�lde hingen nach wie vor �ber dem Kamin. Egwene schritt schnurstracks zum Tisch und schob den thron�hnlichen Stuhl mit der in Elfenbein eingelegten Flamme von Tar Valon zur Seite, damit sie nach dem lackierten Briefk�stchen greifen konnte. Sie hob den Deckel mit seinen k�mpfenden Habichten und Wolken und begann, alle Papiere zu �berfliegen, so schnell sie nur konnte. Trotzdem schmolzen einige davon, bevor sie sie zur H�lfte gelesen hatte, und andere ver�nderten sich. Es gab keine M�glichkeit, im voraus festzustellen, was wichtig war und was nicht.</p><p>Die meisten Briefe berichteten von Fehlschl�gen. Es gab noch keine Nachricht dar�ber, wohin der Lord von Bashere sein Heer gef�hrt hatte, und zwischen den Zeilen klang etwas wie Niedergeschlagenheit und Sorge an. Der Name kam ihr bekannt vor, doch sie hatte keine Zeit zu verschwenden, schob ihn im Geist weg und griff nach dem n�chsten Blatt. Auch keine Neuigkeiten �ber den Aufenthaltsort Rands, sagte ein unterw�rfiger Bericht, aus dem aufkommende Panik klang. Es war gut, das zu wissen, und allein deshalb schon hatte sich das Risiko gelohnt, herzukommen. Mehr als ein Monat war seit dem letzten Bericht aus Tanchico vergangen, den die Augen-und-Ohren irgendeiner Ajah gesandt hatten, und andere in Tarabon schwiegen nun ebenfalls. Die Schreiberin sah die Gr�nde daf�r in der zunehmenden Anarchie im Lande. Ger�chte, jemand habe Tanchico eingenommen, konnten nicht best�tigt werden. Doch die Schreiberin deutete an, Rand selbst k�nne darin verwickelt sein. Das war ja noch besser! Elaida suchte in der falschen Richtung, und das gleich um tausend Wegstunden zu weit. Ein verwirrter Bericht besagte, eine Rote Schwester in Caemlyn habe Morgase anl��lich einer �ffentlichen Audienz gesehen, aber die Spione verschiedener Ajahs berichteten ansonsten �bereinstimmend, die K�nigin habe sich schon seit Tagen v�llig zur�ckgezogen. Auseinandersetzungen in den Grenzlanden, m�gliche kleinere Aufst�nde in Schienar und Arafel... Das Pergamentblatt war verschwunden, bevor sie zur Begr�ndung kam. Pedron Niall rief die Wei�m�ntel nach Amadicia zur�ck, um sie m�glicherweise nach Altara in Marsch zu setzen. Nur gut, da� sich Elayne und Nynaeve lediglich noch etwa drei Tage dort aufhalten mu�ten.</p><p>Im n�chsten Bericht ging es um Elayne und Nynaeve. Zuerst riet die Schreiberin, die Spionin nicht zu bestrafen, der sie entkommen waren. Das hatte Elaida aber mit Schwung durchgestrichen, und an den Rand hatte sie geschrieben: �Ein Exempel statuieren!� Und dann, gerade als die Schreiberin detailliert von der Suche nach den beiden in Amadicia berichtete, wurde aus dem einzelnen Blatt ein ganzes B�ndel, in dem es um die Sch�tzungen von Baumeistern und Maurern ging, die eine private Residenz f�r die Amyrlin auf dem Gel�nde der Burg planten. So dick, wie dieses B�ndel war, mu�te es sich eher um einen Palast handeln.</p><p>Sie lie� das Bl�tterb�ndel fallen, und sie verschwanden, bevor sie sich auf dem Tisch verteilen konnten. Das lackierte K�stchen war wieder geschlossen. Sie wu�te, sie k�nnte den Rest ihres Lebens hier verbringen und es w�rden immer neue Papiere in diesem K�stchen liegen und die wiederum w�rden sich st�ndig �ndern. Je kurzlebiger etwas in der wachenden Welt war � ein Brief, ein Kleidungsst�ck, eine Sch�ssel, die man h�ufig an einen anderen Platz stellte �, desto fl�chtiger war auch sein Spiegelbild in <emphasis>Tel'aran'rhiod.</emphasis> Sie konnte nicht zu lange hier verbleiben. Der Schlaf war, w�hrend man sich in der Welt der Tr�ume aufhielt, nicht so tief und erholsam wie der normale ungest�rte Schlaf.</p><p>Sie eilte hinaus in das Vorzimmer und wollte gerade nach dem ordentlichen Stapel von Schriftrollen und Pergamenten, einige davon versiegelt, greifen, der auf dem Schreibtisch der Beh�terin der Chronik lag, als der gesamte Raum zu verschwimmen begann. Bevor sie �berlegen konnte, was das zu bedeuten habe, �ffnete sich die T�r, und Galad trat l�chelnd ein. Sein brokatbesetzter blauer Mantel stand ihm geradezu perfekt, und in der bequemen Hose zeichnete sich die Form seiner strammen Waden deutlich ab.</p><p>Sie atmete tief durch, und in ihrem Magen flatterten Schmetterlinge. Es war einfach nicht fair, wenn ein Mann ein so sch�nes Gesicht hatte.</p><p>Er trat n�her und zwinkerte mit seinen dunklen Augen. Dann strich er mit seinen Fingern �ber ihre Wange. �Kommst du mit mir in den Wassergarten spazierengehen?� fragte er leise.</p><p>�Wenn Ihr beiden schmusen wollt�, sagte eine Frauenstimme knapp, �dann aber nicht hier.�</p><p>Egwene wirbelte mit weit aufgerissenen Augen herum und starrte Leane an, die mit der Stola der Beh�terin um die Schultern und einem wohlwollenden L�cheln auf dem kupferfarbenen Gesicht hinter ihrem Schreibtisch sa�. Die T�r zum Arbeitszimmer der Amyrlin war offen, und drinnen stand Siuan neben ihrem einfachen, hochgl�nzenden Schreibtisch und las, was auf einem langen Pergamentbogen geschrieben stand. Sie trug die gestreifte Stola ihres Amtes auf den Schultern. Das war der helle Wahnsinn!</p><p>Sie floh, ohne zu �berlegen, welches Bild sie im Geist als Ziel formen wolle, und dann fand sie sich schwer atmend auf dem Anger von Emondsfeld wieder. Um sie herum standen die vertrauten strohgedeckten H�user, und der Weinquellenbach ergo� sich von seinem Felsvorsprung auf die breite Grasfl�che. In der N�he des flinken, sich schnell verbreiternden Baches stand die kleine Schenke ihres Vaters, das untere Stockwerk aus Naturstein erbaut und das �berstehende Obergescho� wei� get�ncht. �Das einzige Dach dieser Art in den ganzen Zwei Fl�ssen�, hatte Bran al'Vere oftmals von diesen roten Ziegeln behauptet. Die m�chtigen Grundmauern mit der riesigen Eiche im Mittelpunkt, die sich in der N�he der Weinquellenschenke erhoben, waren viel �lter als die Schenke selbst. Manche Leute erz�hlten sich ja, irgendeine Art von Schenke habe schon seit mehr als zweitausend Jahren dort neben dem Weinquellenbach gestanden.</p><p><emphasis>N�rrin.</emphasis> Nachdem sie Nynaeve so eindringlich vor den Gefahren <emphasis>Tel'aran'rhiods</emphasis> gewarnt hatte, h�tte sie sich nun beinahe in einem ihrer eigenen Tr�ume fangen lassen. Aber warum ausgerechnet mit Galad? Sicher tr�umte sie auch gelegentlich von ihm. Ihre Wangen r�teten sich. Sie war gewi� nicht in ihn verliebt, konnte ihn noch nicht einmal sonderlich gut leiden, aber er war sch�n, und in diesen Tr�umen war er viel mehr gewesen, als sie sich in Wirklichkeit von ihm w�nschte. Viel h�ufiger tr�umte sie aber von seinem Bruder Gawyn, und das war genauso t�richt. Was Elayne auch behaupten mochte, er hatte ihr gegen�ber jedenfalls nie solche Gef�hle gezeigt.</p><p>Es lag an diesem idiotischen Buch mit all jenen Liebesgeschichten. Sobald sie morgen erwachte, w�rde sie Aviendha das Ding zur�ckgeben. Und ihr sagen, sie nehme ihr das nicht ab, da� sie es nur der Abenteuer wegen gelesen habe.</p><p>Trotzdem verlie� sie diesen Traum nur ungern. Zu Hause. Emondsfeld. Der letzte Ort, an dem sie sich noch wirklich sicher gef�hlt hatte. Mehr als eineinhalb Jahre war es nun her, da� sie die Heimat das letzte Mal gesehen hatte. Doch alles schien noch so, wie sie es in Erinnerung hatte. Nein, nicht alles. Auf dem Anger standen zwei hohe Masten mit gro�en Flaggen daran. Auf der einen war ein roter Adler zu sehen und auf der anderen ein genauso roter Wolfskopf. Hatte Perrin irgend etwas damit zu tun? Sie konnte sich das eigentlich nicht vorstellen. Aber er war nach Hause zur�ckgekehrt, hatte Rand gesagt, und sie hatte mehr als einmal von ihm im Zusammenhang mit W�lfen getr�umt.</p><p>Genug des unt�tigen Herumstehens. Es wurde Zeit...</p><p><emphasis>Flackern.</emphasis></p><p>Ihre Mutter trat aus der Schenke. Den ergrauten Zopf hatte sie �ber eine Schulter nach vorn gelegt. Marin al'Vere war eine schlanke Frau, sah immer noch gut aus und war �berdies die beste K�chin an den Zwei Fl�ssen. Egwene h�rte ihren Vater im Schankraum lachen, wo er sich wohl mit dem Rest des Rates der Gemeinde zusammengesetzt hatte. �Bist du immer noch drau�en, Kind?� fragte ihre Mutter mit sanfter Mi�billigung und leichter Heiterkeit zugleich in der Stimme. �Du bist doch schon lange genug verheiratet, um zu wissen, da� du deinen Mann nicht merken lassen darfst, wie sehr du ihn vermi�t.� Mit einem Kopfsch�tteln lachte sie auf. �Zu sp�t. Da kommt er schon.�</p><p>Egwene wandte sich eifrig um und blickte an den auf dem Anger spielenden Kindern vorbei zur Br�cke hin. Deren Balken erzitterten und dr�hnten, als Gawyn hin�bergaloppierte. Vor ihr schwang er sich aus dem Sattel. Hochgewachsen und gerade aufgerichtet, im goldverzierten Kurzmantel, mit den gleichen rotgoldenen Locken wie bei seiner Schwester, so stand er da, und sie blickte in seine wundervollen dunkelblauen Augen. Er sah nat�rlich nicht ganz so gut aus wie sein Halbbruder, doch ihr Herz schlug schneller f�r ihn, als es je f�r Galad geschlagen hatte � <emphasis>Was? F�r Galad?</emphasis> � und sie dr�ckte beide H�nde auf ihren Unterleib, um diese riesigen Schmetterlinge im Bauch zu unterdr�cken.</p><p>�Habe ich dir gefehlt?� fragte er l�chelnd.</p><p>�Ein wenig.� <emphasis>Warum habe ich dabei an Galad gedacht? Als h�tte ich ihn erst vor ein paar Augenblicken gesehen.</emphasis> �Von Zeit zu Zeit, wenn ich gerade nichts Besseres zu tun hatte. Und du? Hast du mich vermi�t?�</p><p>Zur Antwort zog er sie an sich und k��te sie. Sie nahm kaum etwas anderes wahr, bis er sie wieder auf die F��e stellte. Ihre Beine h�tten beinahe nachgegeben. Die Flaggen waren weg. <emphasis>Welche Flaggen?</emphasis></p><p>�Hier ist er�, sagte ihre Mutter, die sich mit einem Baby in Windeln n�herte. �Hier ist euer Sohn. Er ist ein lieber Junge. Er weint �berhaupt nicht.�</p><p>Gawyn lachte, nahm das Kind in die Arme und hielt es hoch. �Er hat deine Augen, Egwene. Eines Tages werden ihm die M�dchen hinterherrennen.�</p><p>Egwene trat von ihnen zur�ck und sch�ttelte den Kopf. Es waren Flaggen dagewesen, der rote Adler und ein roter Wolfskopf. Und sie hatte Galad gesehen. In der Burg. <emphasis>�Neeeeein!�</emphasis></p><p>Sie floh. Schnell sprang sie aus <emphasis>Tel'aran'rhiod</emphasis> in ihren eigenen K�rper. Ihr Bewu�tsein hielt gerade lange genug an, um sich zu fragen, wieso sie so dumm gewesen war, sich beinahe von den eigenen Einbildungen einfangen zu lassen. Dann befand sie sich tief in einem eigenen, sicheren Traum. Gawyn galoppierte �ber die Wagenbr�cke und schwang sich vom Pferd...</p><p>Moghedien trat hinter einem strohgedeckten Haus hervor und fragte sich gelangweilt, wo sich dieses kleine Dorf wohl befinden mochte. Es war nicht gerade die Art von Ort, an dem sie Flaggen vermutet h�tte, die im Wind flatterten. Das M�dchen war st�rker gewesen, als sie geglaubt hatte, da� sie ihrem Gewebe in <emphasis>Tel'aran'rhiod</emphasis> entfliehen konnte. Selbst Lanfear war hier nicht in der Lage, ihre F�higkeiten zu �bertreffen, was sie auch von sich behaupten mochte. Allerdings war das M�dchen f�r sie nur deshalb von Interesse gewesen, weil sie mit Elayne Trakand gesprochen hatte, die sie wiederum zu Nynaeve al'Meara f�hren k�nnte. Der einzige Grund, sie in eine Falle zu locken, war der gewesen, jemanden loszuwerden, der sich frei in <emphasis>Tel'aran'rhiod</emphasis> bewegen konnte. Es war schon schlimm genug, die Welt der Tr�ume mit Lanfear teilen zu m�ssen.</p><p>Doch diese Nynaeve al'Meara. Diese Frau sollte noch einmal darum betteln, ihr dienen zu d�rfen. Sie w�rde sie in ihrer fleischlichen Gestalt einfangen, vielleicht sogar den Gro�en Herrn bitten, ihr Unsterblichkeit zu gew�hren, damit Nynaeve f�r alle Ewigkeit Zeit hatte, zu bereuen, da� sie sich gegen Moghedien gestellt hatte. Sie und Elayne planten etwas zusammen mit Birgitte, ja? Das war noch eine, bei der sie Grund genug hatte, sie zu bestrafen. Birgitte hatte einst nicht einmal gewu�t, wer Moghedien war, vor so langer Zeit im Zeitalter der Legenden, als sie Moghediens sorgf�ltig gesponnenen Plan vereitelte, Lews Therin zu Fall zu bringen. Aber Moghedien hatte sie erkannt. Nur war Birgitte � oder Teadra, wie sie sich zu der Zeit nannte � gestorben, bevor sie sich ernsthaft mit ihr besch�ftigen konnte. Der Tod war keine Strafe, kein Ende, wenn er lediglich bedeutete, da� sie hier weiterleben konnte.</p><p>Nynaeve al'Meara, Elayne Trakand und Birgitte � diese drei w�rde sie aufsp�ren und mit ihnen fertig werden. Aus dem Schatten heraus, damit sie nichts bemerkten, bis es zu sp�t war. Alle drei, ohne Ausnahme.</p><p>Sie verschwand, und die Flaggen flatterten im leichten Wind <emphasis>Tel'aran'rhiods</emphasis> weiter.</p></section><section><title><p>26</p><p>Mit offenen Armen?</p></title><p>Die Aura von Ruhm und Gr��e, blau und golden, flackerte unregelm��ig um Logains Kopf, obwohl er in sich zusammengesunken im Sattel hing. Min verstand nicht, wieso sie in letzter Zeit immer h�ufiger erschienen war. Er machte sich noch nicht einmal mehr die M�he, den Blick von dem Unkraut vor den Hufen seines Pferdes zu heben und die niedrigen, bewaldeten H�gel zu betrachten, die sie auf allen Seiten umgaben.</p><p>Die beiden anderen Frauen ritten ein St�ckchen vor ihr. Siuan hing so ungeschickt wie immer auf Bela, w�hrend Leane ihre graue Stute mit sicherer Hand lenkte, mehr durch Schenkeldruck als mit dem Z�gel. Nur ein unnat�rlich gerade verlaufender Streifen von gro�en Farnen, der sich �ber den von Bl�ttern bedeckten Waldboden zog, deutete darauf hin, da� es hier jemals eine Stra�e gegeben hatte. Die zerfransten Farne welkten deutlich, und die Bl�tterschicht raschelte und knisterte trocken unter den Pferdehufen. Die dichten �ste gew�hrten ein wenig Schutz vor der Mittagssonne, doch k�hl war es deshalb noch lange nicht. Schwei� rann �ber Mins Gesicht, und das trotz der gelegentlich auffrischenden Brise, die von hinten wehte.</p><p>F�nfzehn Tage lang waren sie nun schon von Lugard aus nach S�dwesten geritten, nur von Siuans Hartn�ckigkeit geleitet, die steif und fest behauptete, sie wisse genau, wohin sie sich begeben mu�ten. Nat�rlich sagte sie ihr nichts dar�ber. Siuan und Leane waren so verschlossen wie eine ausgel�ste B�renfalle. Min war sich nicht einmal sicher, ob Leane Bescheid wu�te. F�nfzehn Tage, und die D�rfer und St�dte wurden immer seltener, die Abst�nde zwischen ihnen immer gr��er, bis schlie�lich gar keine mehr kamen. Von Tag zu Tag waren Logains Schultern ein wenig mehr eingesunken, und Tag f�r Tag erschien diese Aura immer h�ufiger. Zuerst hatte er nur geknurrt, sie liefen hinter Irrlichtern her, doch Siuan hatte die F�hrung ohne Widerspruch von seiner Seite erneut an sich gerissen, w�hrend er immer mehr nach innen gekehrt erschien. Die letzten sechs Tage �ber schien er nicht mehr �ber die Energie zu verf�gen, Interesse an ihrem Ziel zu bekunden oder auch nur zu fragen, ob sie es jemals erreichen w�rden.</p><p>Siuan und Leane unterhielten sich leise. Min konnte lediglich ein kaum h�rbares Murmeln wahrnehmen, das m�glicherweise der Wind in den Bl�ttern verursacht hatte. Und wenn sie sich bem�hte, n�her an die beiden heranzureiten, sagten sie ihr lediglich, sie solle ein Auge auf Logain haben, oder sie sahen sie nur schweigend an, bis auch die letzte N�rrin verstanden h�tte, da� sie ihre Nase nicht in die Angelegenheiten anderer stecken solle. Das hatten sie bereits des �fteren praktiziert. Allerdings drehte sich Leane von Zeit zu Zeit im Sattel um und sah selbst nach Logain.</p><p>Schlie�lich nahm Leane Mondblume zur�ck und ritt neben seinem schwarzen Hengst einher. Die Hitze schien ihr nichts auszumachen. Nicht einmal ein leichter Glanz von Schwei� machte sich auf ihrem kupferfarbenen Gesicht bemerkbar. Min lenkte Wildrose zur Seite, um ihr Platz zu machen.</p><p>�Es dauert jetzt nicht mehr lang�, sagte Leane mit rauchiger Stimme zu ihm. Er blickte nicht auf. Sie beugte sich n�her zu ihm hin�ber und hielt sich an seinem Arm fest, um nicht das Gleichgewicht zu verlieren. Sie dr�ckte ihn regelrecht. �Noch eine kleine Weile, Dalyn. Ihr werdet Gelegenheit zu Eurer Rache bekommen.� Sein Blick war starr auf den Weg gerichtet.</p><p>�Selbst ein toter Mann w�rde noch besser aufpassen�, sagte Min, und das meinte sie auch fast w�rtlich. Sie hatte sich alles gemerkt, was Leane tat, und abends hatte sie sich mit ihr ausf�hrlich unterhalten und sie ausgefragt, ohne ihr zu sagen, warum. Sie w�rde sich nie so wie Leane bewegen k�nnen � <emphasis>es sei denn, ich trinke soviel, da� ich nicht mehr klar denken kann</emphasis> �, aber ein paar Fingerzeige k�nnten doch n�tzlich sein. �Vielleicht solltet Ihr ihn k�ssen?�</p><p>Leane warf ihr einen Blick zu, der einen rei�enden Bach zum Gefrieren gebracht h�tte, doch Min erwiderte ihn kaum. Sie hatte Leane gegen�ber noch nie solche Probleme gehabt wie bei Siuan, oder jedenfalls nicht so viele, und die paar Unstimmigkeiten waren immer seltener geworden, seit die andere die Burg verlassen hatte. Und sie waren seltener geworden, seit sie begonnen hatten, sich �ber die M�nner zu unterhalten. Wie k�nnte man sich von einer Frau einsch�chtern lassen, die einem todernst versicherte, es gebe genau einhundertundsieben verschiedene Arten zu k�ssen und dreiundneunzig Arten, das Gesicht eines Mannes mit der Hand zu ber�hren? Leane schien diese Dinge aber tats�chlich zu glauben.</p><p>Min hatte den Vorschlag mit dem Ku� wirklich nicht als Neckerei aufgefa�t. Leane hatte ihre Flirtk�nste an ihm erprobt, hatte ihn angel�chelt, da� ihm der Dampf aus den Ohren str�men sollte, und das seit jenem Tag, als sie ihn zum erstenmal aus den Decken holen mu�ten. Vorher war er immer als erster drau�en gewesen und hatte die anderen als Sp�taufsteher gescholten. Min wu�te nicht, ob Leane wirklich etwas f�r den Mann empfand, konnte aber schwerlich daran glauben, oder ob sie ihn lediglich vom Aufgeben abhalten und ihn damit am Leben halten wolle, damit Siuan ihre Pl�ne mit ihm verwirklichen konnte.</p><p>Leane hatte es gewi� nicht aufgegeben, mit anderen au�er ihm zu flirten. Sie hatte offensichtlich mit Siuan abgesprochen, da� die sich um die Frauen k�mmern werde und Leane um die M�nner. Das war seit Lugard so gelaufen. Ihr L�cheln und ihre Blicke hatten ihnen zweimal Zimmer zum �bernachten eingebracht, obwohl die Wirtin behauptet hatte, es seien keine frei, hatte dort und in drei weiteren Schenken ihre Rechnung erheblich gesenkt und ihnen in zwei N�chten wenigstens jeweils einen Schlafplatz in einer Scheune besorgt anstatt der B�sche am Stra�enrand. Andererseits waren sie deshalb einmal von einer Bauersfrau mit einer Mistgabel verjagt worden, und eine andere hatte ihnen den kalten Haferbrei nachgeworfen, der von ihrem Fr�hst�ck �briggeblieben war. Leane hatte diese Vorkommnisse erheiternd gefunden, die anderen jedoch nicht. Im Verlauf der letzten Tage aber hatte Logain aufgeh�rt, genauso auf sie zu reagieren wie jeder andere Mann, der sich mehr als zwei Minuten in ihrer N�he aufhielt. Er hatte aufgeh�rt, auf �berhaupt irgend etwas zu reagieren.</p><p>Siuan nahm Bela steif und mit ausgestellten Ellbogen zur�ck. Sie brachte es fertig, auszusehen, als werde sie jeden Moment vom Pferd fallen. Die Hitze schien sie nicht zu ber�hren. �Habt Ihr heute schon etwas um ihn gesehen?� Sie blickte nicht einmal zu Logain hin�ber.</p><p>�Es ist dasselbe wie immer�, sagte Min geduldig. Siuan weigerte sich, das Ganze zu verstehen oder zu glauben, so oft sie es ihnen auch sagte. Leane ging es genauso. Es h�tte ja alles keine Rolle gespielt, wenn sie nicht diese Aura immer wieder gesehen h�tte seit jenem ersten Mal in Tar Valon. Aber wenn Logain nun auch im Todeskampf r�chelnd auf der Stra�e gelegen h�tte, h�tte sie doch gewettet, da� er sich auf wundersame Weise wieder erholen werde. Vielleicht w�rde eine Aes Sedai erscheinen und ihn heilen. Irgend etwas. Was sie an Visionen sah, stellte sich immer als richtig heraus. Und es geschah auch immer. Sie wu�te das, genauso wie sie beim ersten Mal, als sie Rand al'Thor sah, gewu�t hatte, sie w�rde sich hoffnungslos in ihn verlieben. Genauso hatte sie von Anfang an gewu�t, da� sie ihn mit zwei anderen Frauen w�rde teilen m�ssen. Logain ging einem Ruhm entgegen, von dem nur wenige M�nner auch nur jemals getr�umt hatten.</p><p>�Sprecht nicht in diesem Ton mit mir�, mahnte Siuan, und der Blick aus ihren blauen Augen war scharf. �Es ist schon schlimm genug, da� wir diesen gro�en, haarigen Karpfen f�ttern m�ssen, damit er �berhaupt etwas i�t. Da m��t Ihr nicht auch noch schmollen wie ein Kormoran im Winter. Mit ihm mu� ich mich vielleicht abfinden, M�dchen, aber wenn Ihr mir auch noch Schwierigkeiten macht, werdet Ihr es schnell bereuen. Ist das klar genug?�</p><p>�Ja, Mara.� <emphasis>Wenigstens h�ttet Ihr es etwas sarkastisch klingen lassen k�nnen,</emphasis> dachte sie abf�llig. <emphasis>Du mu�t nicht gerade so folgsam wie eine Gans herumhocken. Leane hast du doch auch Kontra gegeben.</emphasis> Die Domanifrau hatte vorgeschlagen, sie solle das, was sie besprochen hatten, im letzten Dorf an einem Hufschmied ausprobieren. Er war ein hochgewachsener, gutaussehender Mann mit starken H�nden und einem bed�chtigen L�cheln, aber trotzdem... �Ich werde mich bem�hen, nicht zu schmollen.� Das Schlimmste daran war, da� ihr klar wurde, da� sie es ernst gemeint hatte. Siuan hatte eine solche Wirkung auf andere. Min konnte sich nicht im geringsten vorstellen, da� Siuan einmal fragen w�rde, wie man einen Mann am erfolgversprechendsten anl�chelte. Siuan sah einem Mann in die Augen, befahl ihm, was er zu tun habe und erwartete, da� er dem auch prompt nachkam. So machte sie es grunds�tzlich immer. Falls sie es doch einmal anders machte, so wie im Fall von Logain, dann nur, weil es ohnehin keine gro�e Rolle spielte.</p><p>�Es ist nicht mehr sehr weit, oder?� mischte sich Leane resolut ein. Den anderen Tonfall hatte sie f�r M�nner reserviert. �Mir gef�llt sein Zustand nicht, und wenn wir eine weitere Nacht lang drau�en bleiben m�ssen... Na ja, wenn er noch weniger mithilft als heute morgen, wei� ich nicht, ob wir ihn �berhaupt noch einmal in den Sattel bekommen.�</p><p>�Nicht sehr, wenn die Ausk�nfte richtig waren, die ich zuletzt erhielt.� Siuan machte einen nerv�sen Eindruck. Sie hatte im letzten Dorf vor zwei Tagen noch gefragt. Min hatte nat�rlich nicht lauschen d�rfen, und Logain hatte keinerlei Interesse gezeigt. Jedenfalls pa�te es Siuan nicht, wenn sie daran erinnert wurde. Min hatte keine Ahnung, warum. Siuan konnte ja wohl nicht glauben, da� Elaida hinter ihnen her sei.</p><p>Auch sie hoffte, da� ihr Ziel nahe sei. Sie konnten nicht wissen, wie weit sie seit der Stra�e nach Jehannah nach S�den abgekommen waren. Die meisten Dorfbewohner hatten selbst keine rechte Ahnung, wo sich ihr Dorf in bezug auf andere Orte au�er gerade einmal der n�chsten Kleinstadt befand, aber als sie den Manetherendrelle in Richtung Altara �berquerten, kurz bevor Siuan sie die belebte Stra�e verlassen hie�, hatte der ergraute, alte F�hrmann aus irgendeinem Grund eine zerfledderte Landkarte studiert, die den gesamten Bereich bis zu den Verschleierten Bergen zeigte. Wenn sie sich nicht v�llig versch�tzte, mu�ten sie nach wenigen Meilen auf einen weiteren breiten Flu� sto�en. Entweder war das der Boern, was bedeuten w�rde, da� sie sich bereits in Ghealdan befanden, wo sich auch der Prophet und seine Anh�nger aufhielten, oder es war der Eldar, auf dessen gegen�berliegender Seite Amadicia und die Wei�m�ntel auf sie warteten.</p><p>Sie tippte jedenfalls auf Ghealdan, Prophet hin oder her, und selbst das war eine �berraschung, falls sie sich wirklich so nahe an der Grenze befanden. Nur ein Narr erwartete eine Versammlung von Aes Sedai n�her an Amadicia, als unbedingt notwendig war, und Siuan war nun wirklich keiner. Doch ob sie nun nach Ghealdan kamen oder nach Altara � in jedem Fall war Amadicia nicht allzu viele Meilen weit entfernt.</p><p>�Da� diese D�mpfung ihn ausgerechnet jetzt wieder voll erwischen mu�te�, knurrte Siuan. �Wenn er nur noch ein paar Tage aush�lt...� Min hielt den Mund. Wenn die Frau sowieso nicht auf sie h�rte, war Reden nutzlos.</p><p>Siuan sch�ttelte den Kopf und lie� Bela wieder die F�hrung �bernehmen. Sie klammerte sich an die Z�gel, als f�rchte sie, da� die lammfromme Stute im n�chsten Moment mit ihr durchging. Leane begann wieder mit seidiger Stimme Logain zu beschwatzen und seelisch aufzurichten. Vielleicht empfand sie ja wirklich etwas f�r ihn; das w�re auch nicht eigenartiger als Mins eigene Liebesgeschichte.</p><p>Bewaldete H�gel glitten an ihren Augen vor�ber. Nichts �nderte sich an dieser Landschaft, die nur aus B�umen, verfilzten Kr�utern und Dornb�schen zu bestehen schien. Die Farnreihe, wo einst die alte Stra�e gewesen war, zog sich pfeilgerade hin. Leane hatte gesagt, die Beschaffenheit der Erde sei anders, wo die Stra�e einst verlaufen war. Woher sollte Min das wissen? Manchmal keckerten ihnen Eichh�rnchen mit Haarb�scheln an den Ohren von irgendeinem Ast aus zu, und gelegentlich sang ein Vogel. Min hatte keine Ahnung, welche Arten von V�geln das sein konnten. Baerlon war vielleicht keine richtige Stadt, wenn man es mit Caemlyn oder Illian oder Tear verglich, aber sie war eben eine Stadtbewohnerin, und ein Vogel war nur ein Vogel f�r sie. Au�erdem war ihr v�llig gleichg�ltig, auf welcher Art von Boden Farne wuchsen.</p><p>Wieder traten Zweifel an die Oberfl�che ihres Bewu�tseins. Das war ihr seit Korequellen immer wieder passiert, aber anfangs war es noch leichter gewesen, sie zu unterdr�cken. Doch seit Lugard waren sie st�ndig st�rker geworden, und sie ertappte sich dabei, wie sie Siuan in einem ganz anderen Licht betrachtete als fr�her. Nicht, da� sie es gewagt h�tte, Siuan tats�chlich damit zu konfrontieren � nat�rlich nicht! Aber das bereits �rgerte sie, auch wenn sie es nur vor sich selbst im stillen zugab. Aber vielleicht hatte Siuan ja wirklich keine Ahnung, wohin sie eigentlich zogen? Sie konnte ja nun l�gen, denn einer D�mpfung unterzogen zu werden hie� auch, von den Drei Eiden entbunden zu sein. Vielleicht hoffte sie lediglich, eine fortgesetzte Suche werde sie endlich auf die Spur dessen bringen, wonach sie so verzweifelt suchte. Auf gewisse Weise, und ganz gewi� auf eine sehr eigenartige, hatte Leane damit begonnen, ihr eigenes Leben zu f�hren, losgel�st von den Banden der Politik, der Einen Macht und Rands. Sie hatte diese Dinge wohl nicht ganz aufgegeben, aber im Falle Siuans glaubte Min, da� diese �berhaupt nichts anderes habe, woran sie sich klammern konnte. Die Wei�e Burg und der Wiedergeborene Drache hatten ihr ganzes Leben ausgef�llt, und daran w�rde sie festhalten, auch wenn sie sich selbst bel�gen mu�te.</p><p>�bergangslos gelangten sie aus dem Wald heraus zu einem gro�en Dorf. Min blickte ganz verbl�fft drein. S��holz und Eichen und ein paar k�mmerliche Kiefern �diese Baumarten kannte sie immerhin � standen bis auf f�nfzig Schritt Entfernung von den strohgedeckten H�usern, erbaut aus rundgeschliffenen Flu�steinen, die sich an niedrige H�gel schmiegten. Sie h�tte darauf wetten k�nnen, da� sich vor nicht allzu langer Zeit der Wald noch durch das ganze Dorf hindurchgezogen hatte. Zwischen einigen der H�user standen n�mlich tats�chlich noch kleine Baumgruppen, teilweise direkt an den Hausw�nden, und hier und da sah sie frische Baumst�mpfe vor den H�usern stehen. Die Stra�en wirkten auch noch wie frisch angelegt. Ihre Oberfl�che war noch nicht von Generationen von F��en hartgetreten. M�nner in Hemds�rmeln deckten gerade drei gro�e Steinw�rfel mit Strohb�ndeln ab. Das mu�ten wohl Schenken sein. Bei einer hing sogar noch ein verbla�tes, verwittertes Schild �ber dem Eingang, aber sie konnte nirgendwo Reste fr�herer Strohd�cher entdecken. Wenn man es an der Anzahl der sichtbaren M�nner ma�, befanden sich viel zu viele Frauen drau�en, und wiederum an deren Zahl gemessen, spielten zu wenige Kinder auf der Stra�e. Das einzig Normale an diesem Ort war der Geruch nach Mittagessen, der in der Luft lag.</p><p>Wenn schon der erste Anblick Min �berrascht hatte, dann w�re sie bei n�herem Hinsehen beinahe aus dem Sattel gefallen. Die j�ngeren Frauen, die aus den Fenstern Decken aussch�ttelten oder mit irgendeinem Auftrag unterwegs waren, trugen einfache Wollkleider, aber sie hatte noch nie in einem Dorf derart viele Frauen in Reitkleidern aus Seide oder feinster Wolle gesehen, in jeder m�glichen Farbe und jedem Schnitt. Um diese Frauen herum und auch um die meisten M�nner flackerten Auren, und Bilder schwammen in ihr Blickfeld hinein, �nderten sich st�ndig... Bei den meisten Menschen konnte sie kaum jemals so etwas sehen, doch Aes Sedai und Beh�ter boten ihrem inneren Auge dauernd und h�chstens mit kurzen Unterbrechungen Visionen. Die Kinder mu�ten den Dienern geh�ren, die wohl aus der Burg mitgekommen waren. Es gab nur wenige verheiratete Aes Sedai, aber wie sie diese kannte, hatten sie jede Anstrengung unternommen, ihre Diener mitsamt deren Familien mitzunehmen, wenn sie selbst sich zur Flucht entschlossen hatten. Siuan hatte tats�chlich die geflohenen Aes Sedai gefunden!</p><p>Es herrschte eine unheimliche Stille, als sie in das Dorf einritten. Niemand sprach ein Wort. Die Aes Sedai standen bewegungslos da und beobachteten sie, genauso wie die j�ngeren Frauen und M�dchen, die wahrscheinlich Aufgenommene oder gar erst Novizinnen waren. M�nner, die sich noch einen Moment zuvor mit der Grazie eines Wolfs bewegt hatten, standen nun erstarrt da, eine Hand im Stroh verborgen oder in einen offenen Eingang gestreckt, wo sie zweifellos Waffen versteckt hatten. Die Kinder verschwanden, schnell von den Erwachsenen, wahrscheinlich Dienern, verscheucht. Unter all diesen starren Blicken stellten sich Mins Nackenh�rchen auf.</p><p>Leane schien nerv�s und sah immer wieder zur Seite hin auf die Menschen, an denen sie vorbeiritten, doch Siuan verzog keine Miene und f�hrte sie ganz ruhig geradewegs zu der gr��ten der Schenken hin, jener mit dem nicht mehr lesbaren Schild. Sie stieg ab und band Belas Z�gel an den eisernen Ring an einem der Haltepfosten, die anscheinend erst k�rzlich aufgestellt worden waren. Min half Leane dabei, Logain vom Pferd zu holen. Siuan bot ihnen niemals ihre Hilfe an, wenn sie ihn hinauf- oder herunterbringen mu�ten. Dann blickte sie sich hastig um. Alle starrten sie an, und niemand r�hrte sich. �Ich habe ja nicht erwartet, wie eine lange verschollene Tochter begr��t zu werden�, murmelte sie, �aber warum sagt denn niemand wenigstens guten Tag?�</p><p>Bevor Leane antworten konnte, falls sie es denn vorgehabt hatte, sagte Siuan: �Also, h�rt nicht mit Rudern auf, bevor die K�ste erreicht ist. Bringt ihn herein.� Sie verschwand nach drinnen, w�hrend Min und Leane immer noch damit besch�ftigt waren, Logain zur T�r zu f�hren. Er ging brav mit, doch sobald sie ihn loslie�en, machte er nur noch einen Schritt und blieb stehen.</p><p>Der Schankraum unterschied sich nun doch von jedem, den Min jemals gesehen hatte. Die Kamine waren nat�rlich kalt und wiesen L�cken auf, wo einzelne Steine herausgefallen waren, die Gipsdecke wirkte br�chig, und es waren kopfgro�e L�cher darin zu sehen, wo die Deckenverschalung durchschien. Die Tische von jeder nur denkbaren Gr��e und Form pa�ten �berhaupt nicht zueinander, und der Fu�boden war altersschwach und abgesplittert. Mehrere M�dchen waren gerade am Kehren. Frauen mit alterslosen Gesichtern sa�en an den Tischen, lasen in Dokumenten, gaben den Beh�tern Befehle, von denen einige ihre farbver�ndernden Umh�nge trugen, oder gaben anderen Frauen Auftr�ge, die wohl Aufgenommene oder Novizinnen sein mu�ten. Andere waren zu alt daf�r, zur H�lfte schon ergraut, und sie zeigten deutlich ihre fortgeschrittenen Jahre. Es gab auch M�nner, die keine Beh�ter sein konnten. Sie eilten davon, als �berbr�chten sie Botschaften, oder holten Papiere oder Becher mit Wein f�r die Aes Sedai. Das Gewusel wirkte ganz so, als w�rde hier einiges getan. Auren und Bilder tanzten durch den Raum und umkr�nzten K�pfe, so viele, da� sie sich bem�hen mu�te, alle zu ignorieren, bevor sie von dieser Masse �berw�ltigt wurde. Das war nicht leicht, aber sie hatte dieses Geschick entwickeln m�ssen, seit sie sich jeweils unter einer Handvoll oder noch mehr Aes Sedai gleichzeitig befunden hatte.</p><p>Vier Aes Sedai kamen nach vorn und begr��ten die Neuank�mmlinge. In ihren Hosenr�cken und mit ihren eleganten Bewegungen waren sie ganz unterk�hlte Grazie. F�r Min war der Anblick ihrer vertrauten Gesichter ein Gef�hl, als kehre sie nach langer Irrfahrt nach Hause zur�ck.</p><p>Sheriams schr�gstehende gr�ne Augen richteten sich sofort auf Mins Gesicht. Silberne und blaue Strahlen flimmerten �ber ihren feuerroten Haar auf, und ein sanfter goldener Schein lag dar�ber. Min wu�te nicht, was das bedeutete. Die �ltere Frau wirkte in ihrem dunkelblauen Seidenkleid ein wenig mollig und war im Moment au�erordentlich ernst. �Ich w�re gl�cklicher, Euch hier vorzufinden, Kind, wenn ich w��te, wie Ihr von unserer Gegenwart hier erfahren habt, und wenn ich eine Ahnung h�tte, wieso Ihr auf die idiotische Idee kamt, ihn hierher mitzubringen.� Ein halbes Dutzend Beh�ter war herangekommen, die H�nde an den Schwertern und die scharfen Blicke auf Logain gerichtet. Er schien sie �berhaupt nicht zu sehen.</p><p>Min stand mit offenem Mund da. Warum fragte sie ausgerechnet sie? �Meine idio...?� Sie hatte keine Gelegenheit, mehr herauszubringen.</p><p>�Es w�re viel besser gewesen�, warf Carlinya mit den bleichen Wangen in eisigem Tonfall ein, �wenn er gestorben w�re, wie es die Ger�chte besagten.� Es war nicht das Eis des Zorns, sondern der kalten Vernunft. Sie war eine Wei�e Ajah. Ihr elfenbeinfarbenes Kleid wirkte, als habe es schwere Zeiten gesehen. Einen Augenblick lang sah Min das Abbild eines Raben neben ihrem dunklen Haar � mehr die Zeichnung dieses Vogels als der Vogel selbst. Sie hielt es f�r eine T�towierung, doch die Bedeutung kannte sie nicht. Sie konzentrierte sich auf die Gesichter und versuchte, sonst nichts zu sehen. �Er scheint ja sowieso ziemlich tot�, fuhr Carlinya fort, wobei sie kaum Luft holte. �Was Ihr euch auch dabei gedacht haben m�gt, so habt Ihr eure M�he doch verschwendet. Aber auch ich w�rde gern wissen, wie Ihr nach Salidar kamt.�</p><p>Siuan und Leane standen da und tauschten am�sierte Blicke, w�hrend die anderen weiterhin Min schlachteten. Keine sah die beiden auch nur an.</p><p>Myrelle, eine dunkle Sch�nheit in gr�ner Seide, das Oberteil mit schr�g verlaufenden goldenen Strahlen geschm�ckt, das Gesicht ein perfektes Oval, l�chelte oft so damenhaft und �berlegen, da� sie es mit Leanes neu erlernten Tricks aufnehmen konnte. Jetzt allerdings l�chelte sie nicht und hieb sofort in die gleiche Kerbe wie ihre Wei�e Schwester. �Sagt etwas, Min. Steht nicht mit offenem Mund herum.� Sie war ihres feurigen Temperaments wegen verschrien, sogar bei den Gr�nen.</p><p>�Ihr m��t es uns sagen�, f�gte Anaiya mit sanfterer Stimme hinzu, auch wenn Entt�uschung hindurchklang. Die Frau hatte nichtssagende Gesichtsz�ge und wirkte m�tterlich trotz der f�r die Aes Sedai typischen Gl�tte ihrer Wangen. Im Augenblick strich sie ihren hellgrauen Rock glatt und wirkte noch mehr wie eine Mutter, die sich zur�ckhalten mu�te, zur Rute zu greifen. �Wir werden schon einen Platz f�r Euch und diese beiden anderen M�dchen finden, aber Ihr m��t uns verraten, wie Ihr hierherkamt.�</p><p>Min sch�ttelte sich und schlo� den Mund. Nat�rlich. Diese beiden anderen M�dchen. Sie hatte sich so an den neuen Zustand der beiden gew�hnt, da� sie gar nicht mehr daran dachte, wie sehr sie sich ver�ndert hatten. Sie bezweifelte, da� eine der anwesenden Frauen sie seit jener Zeit gesehen hatten, als sie in das Verlie� unter der Wei�en Burg gebracht worden waren. Leane schien gleich loslachen zu wollen, und Siuan sch�ttelte beinahe den Kopf �ber soviel Unachtsamkeit der Aes Sedai.</p><p>�Ich bin nicht diejenige, mit der Ihr sprechen solltet�, sagte Min zu Sheriam. <emphasis>La� sie zur Abwechslung diese �beiden anderen M�dchen so kalt anstarren.</emphasis> �Fragt statt dessen Siuan oder Leane.� Sie sahen sie an, als sei sie verr�ckt geworden, bis sie in Richtung ihrer beiden Begleiterinnen nickte.</p><p>Vier Aes-Sedai-Augenpaare richteten sich auf die beiden Angesprochenen, doch erkannten sie sie nicht sofort. Sie musterten die Frauen und tauschten Blicke untereinander. Keiner der Beh�ter wandte den Blick von Logain oder nahm auch nur die Hand vom Schwertgriff.</p><p>�Eine D�mpfung k�nnte solche Resultate hervorbringen�, murmelte Myrelle schlie�lich. �Ich habe Berichte gelesen, die so etwas andeuten.�</p><p>�Die Gesichter sind auf viele Arten �hnlich�, sagte Sheriam bed�chtig. �Man k�nnte Frauen gesucht haben, die ihnen so �hnlich sehen, aber warum?�</p><p>Siuan und Leane wirkten nun nicht mehr so �berlegen. �Wir sind, wer wir sind�, sagte Leane knapp. �Befragt uns. Keine Doppelg�ngerin k�nnte wissen, was wir wissen.�</p><p>Siuan wartete nicht auf die Fragen. �Mein Gesicht mag sich ver�ndert haben, aber wenigstens wei� ich, was ich tue und warum. Ich wette, das ist mehr, als man von Euch behaupten kann.�</p><p>Min st�hnte ob ihres strengen Tonfalls, aber Myrelle nickte und sagte: �Das ist die Stimme Siuan Sanches. Sie ist es.�</p><p>�Stimmen kann man nachmachen�, sagte Carlinya, immer noch k�hl und beherrscht.</p><p>�Aber inwieweit kann man sich Erinnerungen anderer einpr�gen?� Anaiya runzelte ernst die Stirn. �Siuan falls Ihr das wirklich seid �, wir haben uns an Eurem zweiundzwanzigsten Namenstag gestritten, Ihr und ich. Wo geschah das und was kam dabei heraus?�</p><p>Siuan l�chelte die m�tterliche Frau selbstbewu�t an. �Das war w�hrend Eurer Unterrichtsstunde bei den Aufgenommenen, und Ihr habt erkl�rt, warum so viele der aus Artur Falkenfl�gels Reich hervorgegangenen Nationen nicht �berleben konnten. �brigens bin ich nach wie vor nicht in allen Punkten Eurer Meinung. Es ging so aus, da� ich zwei Monate lang t�glich drei Stunden in der K�che gearbeitet habe. �In der Hoffnung, da� die Hitze Euren �bereifer bremsen und abbauen m�ge�, habt Ihr, glaube ich, gesagt.�</p><p>Falls sie geglaubt hatte, diese eine Antwort werde den anderen reichen, hatte sie sich geirrt. Anaiya hatte weitere Fragen an beide Frauen auf Lager, genau wie Carlinya und Sheriam, die offensichtlich zur gleichen Zeit Novizinnen und Aufgenommene gewesen waren. In den Fragen ging es immer um Dinge, die keine Doppelg�ngerin wissen konnte, Streitigkeiten, in die sie verwickelt gewesen war, erfolgreiche oder weniger erfolgreiche Streiche, ihre Meinung und die allgemein vertretenen Meinungen �ber bestimmte Aes-Sedai-Lehrerinnen. Min konnte kaum glauben, da� die Frauen, aus denen sp�ter die Amyrlin und die Beh�terin der Chronik geworden waren, so oft ins Fettn�pfchen getreten waren, und dabei hatte sie noch das Gef�hl, das Geh�rte sei nur die Spitze des Eisbergs gewesen, und wie es schien, war ihnen Sheriam auch noch ziemlich nahe gekommen. Myrelle, die j�ngste von ihnen, beschr�nkte sich auf am�sierte Kommentare, bis Siuan etwas von einer Forelle erw�hnte, die jemand in Saroiya Sedais Bad geworfen hatte, und von einer Novizin, die daraufhin ein halbes Jahr lang Strafdienst tun mu�te. Nicht, da� Siuan viele Gelegenheiten hatte, �ber andere zu sprechen, die f�r einen Streich bestraft worden waren. Hatte sie tats�chlich als Novizin die Hemden einer Aufgenommenen mit Juckpulver bestreut? Hatte sie sich aus der Burg geschlichen, um zu angeln? Selbst die Aufgenommenen ben�tigten eine Erlaubnis, um sich � au�er zu bestimmten Stunden � vom Burggel�nde zu entfernen. Siuan und Leane hatten sogar gemeinsam gewagt, einen Eimer Wasser so abzuk�hlen, da� es beinahe gefroren w�re, und dann hatten sie den Eimer so plaziert, da� eine Aes Sedai die Dusche abbekam, die sie vorher, ungerechtfertigt, wie sie glaubten, hatte verpr�geln lassen. Dem Glitzern in Anaiyas Augen nach zu schlie�en, war es gut f�r sie gewesen, da� man sie damals nicht erwischt hatte. Mins Kenntnissen der Regeln f�r die Ausbildung der Novizinnen und der Aufgenommenen zufolge konnten sich diese Frauen gl�cklich sch�tzen, da� man ihnen gestattete, lange genug zu bleiben, um Aes Sedai zu werden, und das auch noch mit heiler Haut.</p><p>�Ich bin zufrieden�, sagte die m�tterliche Frau schlie�lich, wobei sie die anderen anblickte.</p><p>Myrelle nickte, nachdem Sheriam zugestimmt hatte, aber Carlinya sagte: �Da ist ja immer noch die Frage, was wir mit ihnen machen sollen.� Sie blickte Siuan unverwandt an, und die anderen schienen pl�tzlich unsicher zu werden. Myrelle sch�rzte die Lippen, und Anaiya betrachtete intensiv den Fu�boden. Sheriam strich ihr Kleid glatt und schien �berhaupt jeden Blick auf die Neuank�mmlinge zu vermeiden.</p><p>�Wir haben immer noch all unsere Kenntnisse von vorher�, sagte ihnen Leane. Ihr pl�tzliches Stirnrunzeln entsprang wohl zum Teil der Sorge. �Wir k�nnen n�tzlich sein.�</p><p>Siuans Gesicht war dunkel verf�rbt. Leane hatte sich wohl �ber ihre jugendlichen Missetaten und Strafen am�siert, aber Siuan hatte das ganz und gar nicht gepa�t. Doch im Gegensatz zu ihrem beinahe w�tenden Blick klang ihre Stimme nur ein wenig hart: �Ihr wolltet wissen, wie wir Euch fanden. Ich habe mich mit einer meiner Agentinnen in Verbindung gesetzt, die auch f�r die Blauen arbeitet, und sie hat mir von Sallie Daera erz�hlt.�</p><p>Min verstand das mit Sallie Daera �berhaupt nicht. Wer war sie? Aber Sheriam und die anderen nickten sich gegenseitig zu. Siuan hatte etwas anderes getan, als ihnen einfach zu sagen, wie sie es angestellt hatte, wurde Min jetzt klar. Sie hatte die anderen auch wissen lassen, da� sie immer noch Zugang zu ihren Augen-und-Ohren hatte, die ihr schon als Amyrlin gedient hatten.</p><p>�Setzt Euch hier dr�ben hin, Min�, sagte Sheriam zu ihr und deutete auf den einzigen unbesetzten Tisch in einer Ecke. �Oder seid Ihr immer noch Elmindreda? Und bleibt bitte bei Logain.� Sie und die drei anderen f�hrten Siuan und Leane zum hinteren Teil des Schankraums. Zwei weitere Frauen in Reitkleidern schlossen sich ihnen an, bevor sie durch eine ganz neu aus rohen Brettern gezimmerte T�r verschwanden.</p><p>Seufzend nahm Min Logains Arm und f�hrte ihn an den Tisch, setzte ihn einfach auf eine rauhe Bank und nahm sich selbst einen Stuhl mit hoher Rippenlehne. Zwei der Beh�ter postierten sich in der N�he. Sie lehnten wachsam an der Wand. Wohl schienen sie Logain gar nicht zu beobachten, aber Min kannte die Gaidin. Sie sahen alles und sie konnten selbst im Schlaf noch innerhalb eines Herzschlags ihr Schwert ziehen.</p><p>Also waren sie doch nicht mit offenen Armen empfangen worden, obwohl sie Siuan und Leane schlie�lich erkannt hatten. Nun, was hatte sie eigentlich erwartet? Siuan und Leane waren die beiden m�chtigsten Frauen der Wei�en Burg gewesen. Nun waren sie nicht einmal mehr Aes Sedai. Die anderen wu�ten h�chstwahrscheinlich �berhaupt nicht, wie sie sich ihnen gegen�ber verhalten sollten. Und dann erschienen sie auch noch mit einem falschen Drachen, den man der D�mpfung unterzogen hatte. Siuan sollte besser nicht l�gen oder sich w�nschen, sie habe einen konkreten Plan f�r ihn bereit. Min glaubte nicht, da� Sheriam und die anderen soviel Geduld beweisen w�rden wie Logain.</p><p>Und zumindest Sheriam hatte sie erkannt. Wieder stand sie auf und sp�hte durch ein Fenster mit einem Sprung in der Scheibe auf die Stra�e hinaus. Ihre Pferde standen noch an den Haltepfosten, aber einer der Beh�ter, die so taten, als beobachteten sie sie gar nicht, w�rde sie erwischen, bevor sie auch nur Wildroses Z�gel losgebunden h�tte. Beim letzten Mal, damals in der Burg, hatte sich Siuan gro�e M�he gegeben, sie zu verkleiden. Wie es schien, war das sinnlos gewesen. Allerdings glaubte sie nicht, da� eine von ihnen etwas von ihren Visionen wu�te. Siuan und Leane hatten dieses Geheimnis �ngstlich geh�tet. Min konnte sich gl�cklich sch�tzen, wenn das so blieb. Falls diese Aes Sedai davon erfuhren, w�rden sie sie sofort in ihre Machenschaften verwickeln, genau wie Siuan zuvor, und sie w�rde Rand niemals erreichen. Sie w�rde ihm niemals beweisen k�nnen, was sie von Leane gelernt hatte, wenn sie hier an der Leine hing.</p><p>Siuan zu helfen, diese Versammlung hier aufzusp�ren, die Aes Sedai Rand zu Hilfe zu bringen, das war alles sch�n und gut, aber sie hatte immer noch ihr ganz pers�nliches Ziel: einen Mann, der ihr noch niemals auch nur einen zweiten Blick geschenkt hatte, dazu bringen, da� er sich in sie verliebte, bevor er dem Wahnsinn verfiel. Vielleicht war sie schon genauso verr�ckt, wie er es seinem angeblichen Schicksal nach werden mu�te. �Dann passen wir wenigstens zusammen�, murmelte sie in sich hinein.</p><p>Ein gr�n�ugiges M�dchen mit Sommersprossen, wahrscheinlich eine Novizin, blieb an ihrem Tisch stehen. �M�chtet Ihr etwas zu essen oder zu trinken? Es gibt Hirschragout mit Birnen. Vielleicht ist auch noch etwas K�se da.� Sie gab sich solche M�he, Logain nicht anzusehen, da� sie ihn genausogut neugierig h�tte anstarren k�nnen.</p><p>�Birnen und K�se klingen schon ganz hervorragend�, sagte Min zu ihr. Die letzten beiden Tage �ber hatten sie hungern m�ssen. Siuan hatte es wohl fertig gebracht, ein paar Fische in einem Bach zu fangen, aber vorher war eben doch Logain ihr J�ger gewesen, wenn sie nicht in einer Schenke oder auf einem Bauernhof eine Mahlzeit bekamen. Ihrer Meinung nach konnte man getrocknete Bohnen nicht als Mahlzeit betrachten. �Und etwas Wein, wenn Ihr welchen habt. Aber zuerst h�tte ich gern eine Auskunft. Wo befinden wir uns hier, falls das nicht auch ein Geheimnis ist? Hei�t dieses Dorf Salidar?�</p><p>�In Altara befinden wir uns. Der Eldar liegt etwa eine Meile westlich. Auf der anderen Seite liegt Amadicia.� Das M�dchen bem�hte sich um eine schwache Nachahmung der typischen Geheimnistuerei der Aes Sedai. �Welcher Ort w�re besser geeignet, um sich zu verstecken als einer, an dem niemand jemals nach Aes Sedai suchen w�rde?�</p><p>�Wir sollten uns �berhaupt nicht verstecken m�ssen!� fauchte eine junge Frau mit dunklem Teint und einem Lockenkopf, die neben ihr stehengeblieben war. Min erkannte sie: eine Aufgenommene namens Faolain. Sie h�tte erwartet, da� diese Frau in der Burg geblieben w�re. Faolain hatte niemals Zuneigung zu irgend jemandem oder irgend etwas empfunden, soweit Min das beurteilen konnte, und hatte oft davon gesprochen, sich nach ihrer Erhebung den Roten Ajah anzuschlie�en. Eine perfekte Anh�ngerin f�r Elaida. �Warum seid Ihr hergekommen? Und noch dazu mit <emphasis>ihm?</emphasis> Warum ist <emphasis>sie</emphasis> gekommen?� Es gab keinen Zweifel daran, wen sie meinte. �Es ist ihre Schuld, da� wir uns verbergen m�ssen. Ich habe nicht geglaubt, da� sie Mazrim Taim geholfen hat zu entkommen, aber wenn sie mit <emphasis>ihm</emphasis> im Schlepptau hier erscheint, dann ist alles m�glich.�</p><p>�Das reicht dann wohl, Faolain�, sagte eine schlanke Frau mit schwarzem Haar, das ihr bis zur H�fte herunterreichte, zu der Aufgenommenen mit dem runden Gesicht. Min glaubte, die Frau in ihrem dunkelgoldenem Reitkleid zu erkennen. Edesina. Eine Gelbe, wie sie vermutete. �Geht wieder an Eure Arbeit�, sagte Edesina. �Und wenn Ihr vorhabt, das Essen zu bringen, Tabiya, dann tut es gef�lligst.� Edesina beachtete Faolains m�rrischen Knicks nicht. Die Novizin machte es besser und huschte dann davon. Doch Edesina legte Logain eine Hand auf den Kopf. Sein Blick ruhte auf dem Tisch, und er schien es nicht zu bemerken.</p><p>In Mins Blickfeld erschien pl�tzlich ein silbernes Halsband, das genau um den Hals der Frau pa�te, und genauso pl�tzlich schien es dann zu zerspringen. Min schauderte. Sie mochte Visionen nicht, die mit den Seanchan zusammenhingen. Wenigstens w�rde Edesina auf irgendeine Art davonkommen. Doch selbst wenn Min gewillt gewesen w�re, sich zu offenbaren, h�tte eine Warnung der Frau nichts gen�tzt, denn sie w�rde gar nichts �ndern.</p><p>�Es liegt an der D�mpfung�, sagte die Aes Sedai nach einem Augenblick. �Ich denke, er hat einfach aufgegeben, leben zu wollen. Ich kann nichts f�r ihn tun. Ich bin auch nicht sicher, da� ich etwas f�r ihn tun sollte, falls er es wollte.� Der Blick, den sie Min im Weggehen zuwarf, war alles andere als freundlich.</p><p>Eine elegante, kr�ftig gebaute Frau in rostbrauner Seide blieb ein paar Schritte entfernt kurz stehen und musterte Min und Logain mit k�hlen und ausdruckslosen Augen. Kiruna war eine Gr�ne und f�r ihr edles Benehmen bekannt. Wie Min geh�rt hatte, war sie die Schwester des K�nigs von Arafel, aber sie hatte sich in der Burg Min gegen�ber sehr freundlich verhalten. Min l�chelte, doch diese gro�en, dunklen Augen blickten, ohne sie zu erkennen, �ber sie hinweg. Dann glitt Kiruna aus der Schenke, vier Beh�ter, ganz unterschiedliche M�nner, aber alle mit dieser t�dlichen Grazie in der Bewegung, im Gefolge.</p><p>Min wartete auf ihr Essen und hoffte, da� Siuan und Leane einen freundlicheren Empfang erlebten.</p></section><section><title><p>27</p><p>Zur�ckhaltung kann man �ben</p></title><p>Ihr seid f�hrungslos�, sagte Siuan zu den sechs Frauen, die ihr auf sechs verschiedenen Arten von St�hlen gegen�bersa�en. Der Raum war ein einziges Durcheinander. Auf zwei gro�en K�chentischen, die man an die Wand geschoben hatte, lagen Schreibfedern, Tintenf�sser und Sandflaschen sauber angeordnet. Lampen, die gar nicht zueinander pa�ten, manche aus glasierter Keramik und andere wiederum vergoldet, und dazu Kerzen jeder Dicke und L�nge standen und lagen bereit, um beim Einbruch der Dunkelheit f�r das notwendige Licht zu sorgen. Ein kleiner Illianer L�ufer aus Seide, in kr�ftigem Blau, Rot und Gold gehalten, lag auf den rauhen, verwitterten Bodenbrettern. Sie und Leane hatte man jenseits des L�ufers den anderen gegen�ber plaziert, und zwar so, da� sie im Brennpunkt aller Augen sa�en. Offenstehende Fensterfl�gel, deren Scheiben teilweise gesprungen oder durch �lseide ersetzt worden waren, lie�en einen leichten Luftzug ein, aber nicht genug, um die Hitze ernsthaft zu mildern. Siuan redete sich ein, sie beneide diese Frauen nicht um ihre F�higkeit, die Macht zu benutzen, denn dar�ber war sie doch wohl hinweg, aber sie beneidete sie, weil sie �berhaupt nicht schwitzten. Ihr eigenes Gesicht war reichlich feucht. �All diese Gesch�ftigkeit dort drau�en ist lediglich Besch�ftigungstherapie und Schau. Ihr t�uscht Euch vielleicht gegenseitig und m�glicherweise sogar die Gaidin, obwohl ich an Eurer Stelle darauf nicht z�hlen w�rde, aber mich k�nnt Ihr nicht t�uschen.�</p><p>Sie w�nschte, Morvrin und Beonin w�ren nicht zu dieser Gruppe gesto�en. Morvrin zweifelte grunds�tzlich an allem, trotz ihres gelassenen, manchmal auch leicht abwesenden Aussehens. Sie war ein kr�ftige, untersetzte Braune mit grauen Str�hnen im Haar, die mindestens sechs Beweisst�cke verlangte, bevor sie endlich glaubte, da� ein Fisch tats�chlich Schuppen habe. Und verglichen mit Beonin, einer h�bschen Grauen mit Haar wie dunkler Honig und so gro�en blaugrauen Augen, da� sie st�ndig leicht �berrascht wirkte, verglichen mit Beonin also schien Morvrin noch leicht zu beeinflussen.</p><p>�Elaida regiert die Burg mit eiserner Faust, und Ihr wi�t, da� sie Rand al'Thor gegen�ber Fehler begehen wird�, sagte Siuan beinahe ver�chtlich. �Wir brauchen schon eine Menge Gl�ck, damit sie nicht in Panik ausbricht und ihn noch vor Tarmon Gai'don einer D�mpfung unterzieht. Ihr wi�t, wenn Ihr schon einen Mann f�rchtet, der mit der Macht umgehen kann, dann tun das die Roten zehnmal. Die Wei�e Burg ist auf dem Tiefpunkt ihrer Macht, und das gerade zu der Zeit, da sie auf dem H�hepunkt stehen sollte, und in der Hand einer N�rrin, wenn geschickte F�hrung notwendig w�re.� Sie kr�uselte die Nase und blickte einer nach der anderen in die Augen. �Und Ihr sitzt hier und treibt mit gerefften Segeln dahin. Oder k�nnt Ihr mich davon �berzeugen, da� Ihr mehr tut, als D�umchen zu drehen und Seifenblasen nachzublicken?�</p><p>�Seid Ihr der gleichen Meinung wie Siuan, Leane?� fragte Anaiya friedlich. Siuan war nie in der Lage gewesen, zu begreifen, warum Moiraine diese Frau so gut leiden konnte. Wenn man versuchte, sie zu etwas zu bringen, was sie nicht tun wollte, war das, als schlage man auf einen Sack voll Federn ein. Sie hielt nicht dagegen oder stritt gar, nein, sie weigerte sich einfach nur schweigend, irgend etwas zu unternehmen. Sogar sitzend und mit gefalteten H�nden wirkte sie eher wie eine Frau, die gleich Teig durchkneten will, als eine Aes Sedai.</p><p>�Zum Teil ja�, antwortete Leane. Siuan warf ihr einen scharfen Blick zu, den sie aber nicht beachtete. �Was Elaida betrifft, sicher. Elaida wird Rand al'Thor mi�brauchen, so sicher wie sie die Burg mi�braucht. Was den Rest betrifft, so wei� ich, da� Ihr hart daran gearbeitet habt, so viele Schwestern hier zusammenzuholen, und ich denke, Ihr arbeitet genauso hart daran, etwas gegen Elaida zu unternehmen.�</p><p>Siuan schnaubte laut. Auf dem Weg durch den Schankraum hatte sie ein paar Blicke auf einige dieser Dokumente werfen k�nnen, die hier so sorgf�ltig studiert wurden. Es waren Listen von Proviant, �ber die Zuteilung von Bauholz f�r Reparaturen, die Einteilung zum Holzf�llen, zur Hausreparatur und zum S�ubern der Quellen. Sonst nichts. Nichts, was auch im mindesten wie ein Bericht �ber die Aktivit�ten Elaidas aussah. Sie planten, hier zu �berwintern. Es mu�te nur eine Blaue in Gefangenschaft geraten, die von Salidar erfahren hatte, nur eine Frau, die man dazu befragte, und wenn Alviarin diese Befragung durchf�hrte, w�rde sie nicht viel zur�ckhalten, und Elaida w��te ganz genau, wo sie sie ins Netz bekommen konnte. W�hrenddessen machten sie sich Gedanken dar�ber, wie man Gem�seg�rten anlegt und ob sie genug Feuerholz zusammenbek�men, bevor der erste Frost kam.</p><p>�Dann ist das ja wohl erledigt�, sagte Carlinya k�hl. �Ihr scheint nicht zu verstehen, da� Ihr nicht mehr Amyrlin und Beh�terin seid. Ihr seid noch nicht einmal mehr Aes Sedai.� Einige hatten die G�te, verlegen dreinzublicken. Nicht so Morvrin oder Beonin, aber wohl die anderen. Keine Aes Sedai sprach gern �ber die D�mpfung, noch lie� sie sich gern daran erinnern. Sie mu�ten das als besonders hart empfunden haben, da es ausgerechnet angesichts dieser beiden gesagt worden war. �Ich sage das nicht, um grausam zu erscheinen. Wir glauben die Anklagen gegen Euch nicht, trotz Eures Reisegenossen, sonst w�ren wir nicht hier. Aber Ihr k�nnt auch nicht Eure alten Positionen unter uns wieder einnehmen. Das ist eine unumst��liche Tatsache.�</p><p>Siuan konnte sich noch gut an Carlinya als Novizin und Aufgenommene erinnern. Einmal im Monat hatte sie damals etwas angestellt, nichts Bedeutendes, eine Kleinigkeit, die ihr ein oder zwei Stunden Extraarbeit eingebracht hatten. Genau einmal im Monat. Sie hatte sich vor den anderen nicht wie eine Streberin anstellen wollen. Das waren ihre einzigen Verst��e gegen die Regeln gewesen. Ansonsten �bertrat sie nie ein Verbot und machte keinen einzigen falschen Schritt, denn das w�re ja unlogisch gewesen. Deshalb hatte sie auch nie verstanden, warum die anderen sie trotzdem f�r den Liebling der Lehrerin gehalten hatten. Eine ganze Menge Logik, aber kein gesunder Menschenverstand: das war Carlinya.</p><p>�W�hrend das, was man Euch antat, genau den Buchstaben des Gesetzes entsprach�, sagte Sheriam mit sanfter Stimme, �waren wir immer der Meinung, da� es b�sartig und ungerecht sei und den Sinn der Gesetze vollkommen verdrehte.� Die Stuhllehne hinter ihrem feuerroten Kopf war wenig �berzeugend in Form einer k�mpfenden und sich windenden Masse von Schlangen geschnitzt. �Was auch die Ger�chte besagen mochten, die meisten Anklagepunkte gegen Euch waren so d�nn und durchsichtig, da� man nur dar�ber lachen konnte.�</p><p>�Aber nicht die Anschuldigung, sie habe von Rand al'Thor gewu�t und sich mit anderen verschworen, seine Existenz vor der Burg geheimzuhalten�, unterbrach Carlinya in scharfem Ton.</p><p>Sheriam nickte. �Wie dem auch sei, selbst das reichte nicht aus f�r einen solchen Schuldspruch. Au�erdem h�tte man Euch nicht im geheimen verurteilen d�rfen, ohne jede M�glichkeit, Euch zu verteidigen. F�rchtet nicht, da� wir Euch den R�cken zuwenden werden. Wir werden daf�r sorgen, da� es Euch beiden gutgeht.�</p><p>�Ich danke Euch�, sagte Leane mit sanfter und fast bebender Stimme.</p><p>Siuan verzog das Gesicht. �Ihr habt mich noch nicht einmal zu den Augen-und-Ohren befragt, die mir immer noch zur Verf�gung stehen.� Sie hatte Sheriam gern gehabt, als sie noch gemeinsam studierten, doch die Jahre hatten eine Kluft zwischen ihnen ge�ffnet. �Gutgeht�, ha! �Ist Aeldene hier?� Anaiya setzte schon an, den Kopf zu sch�tteln, als sie sich doch beherrschte. �Ich habe es vermutet, sonst w��tet Ihr mehr von den Vorg�ngen dort drau�en. Ihr habt sie einfach zur�ckgelassen, und nun schicken sie ihre Berichte immer noch zur Burg.� Langsam d�mmerten ihnen diese Erkenntnisse. Sie hatten von Aeldenes Aufgaben nichts gewu�t. �Ich habe das Netz der Augen-und-Ohren der Blauen Ajah geleitet, bevor ich zur Amyrlin erhoben wurde.� Weitere �berraschung. �Mit ein bi�chen M�he werden alle Spioninnen der Blauen und auch diejenigen, die mir als Amyrlin direkt dienten, k�nftig ihre Berichte an Euch senden, und zwar auf Wegen, die ihnen gar nicht bewu�t machen, wo ihre Berichte tats�chlich landen.� Das w�rde erheblich mehr als nur ein bi�chen M�he machen, aber das meiste hatte sie sich schon im Kopf zurechtgelegt, und mehr mu�ten sie im Moment sowieso nicht erfahren. �Und sie k�nnen weiterhin Berichte an die Burg senden, die das enthalten, was... Ihr Elaida glauben machen m�chtet.� Beinahe h�tte sie das Wort �wir� gebraucht. Sie mu�te ihr Mundwerk im Zaum halten.</p><p>Es gefiel ihnen nat�rlich �berhaupt nicht. Die Frauen, die in diesem Netz arbeiteten, mochten wohl nur wenigen bekannt sein, aber sie waren allesamt Aes Sedai. Es waren immer Aes Sedai gewesen. Doch das war ihr einziger Hebel, den sie ansetzen konnte, um in die Kreise hineinzukommen, in denen die Entscheidungen fielen. Ansonsten w�rden sie wahrscheinlich Leane und sie auf irgendeinen abgelegenen Bauernhof stecken, ihnen eine Dienerin mitgeben, um sie zu versorgen, nun, und vielleicht k�me von Zeit zu Zeit eine Aes Sedai zu Besuch, die Frauen nach einer D�mpfung untersuchen wollte. Und so weiter, bis sie starben. Unter diesen Umst�nden w�rden sie recht fr�h sterben.</p><p><emphasis>Licht, vielleicht verheiraten sie uns auch einfach!</emphasis> Manche glaubten, ein Ehemann und Kinder w�rden eine Frau in gen�gendem Ma�e besch�ftigen, um die Eine Macht in ihrem Leben zu ersetzen. Mehr als eine Frau, die sich selbst einer D�mpfung unterzogen hatte, weil sie zuviel Macht an sich gerissen hatte und ihre F�higkeiten ausbrannte, oder durch einen Unfall beim Erproben eines <emphasis>Ter'Angreals,</emphasis> hatte sich pl�tzlich potentiellen Ehem�nnern gegen�bergefunden. Da aber diejenigen, die tats�chlich heirateten, meist so weit wie �berhaupt m�glich von der Burg fortzogen, blieb die Theorie unbewiesen.</p><p>�Es sollte keine gro�en Schwierigkeiten machen�, sagte Leane in nebens�chlichem Tonfall, �mich in Verbindung mit denjenigen zu setzen, die meine eigenen Augen-und-Ohren waren, bevor ich Beh�terin der Chronik wurde. Und was noch wichtiger ist: als Beh�terin hatte ich selbst in Tar Valon Spione.� Ein paar rissen die Augen �berrascht auf, nur die Carlinyas zogen sich zu schmalen Schlitzen zusammen. Leane rutschte unruhig auf ihrem Stuhl hin und her und l�chelte schwach. �Ich hatte es immer f�r t�richt gehalten, mehr Aufmerksamkeit der politischen Stimmung in Ebou Dar oder Bandar Eban zu widmen als der Stimmung in unserer eigenen Stadt.� Sie mu�ten den Wert von Augen-und-Ohren in Tar Valon doch wohl erkennen.</p><p>�Siuan.� Morvrin beugte sich auf ihrem Stuhl mit den dicken Armlehnen vor und sprach den Namen betont aus, wohl um ihr klarzumachen, da� sie sie nicht mehr als �Mutter� anredete. Jetzt wirkte ihr rundes Gesicht eher halsstarrig als gelassen, und ihr kr�ftiger K�rper machte einen drohenden Eindruck. Als Siuan noch Novizin gewesen war, hatte Morvrin anscheinend die Streiche der M�dchen in ihrer Umgebung nicht bemerkt, doch wenn sie sie zur Kenntnis nahm, hatte sie die Dinge in die eigene Hand genommen, und zwar so, da� keine sich in den n�chsten Tagen mehr zu r�hren wagte. �Warum sollten wir Euch gestatten, zu tun, was Ihr wollt? Man hat Euch einer D�mpfung unterzogen, Frau. Was Ihr vorher auch wart, jetzt seid Ihr keine Aes Sedai mehr. Wenn wir die Namen dieser Agentinnen wissen wollen, werdet Ihr beiden sie uns nennen.� Das klang klar und deutlich; sie w�rden sie ihnen nennen � so oder so. Wenn diese Frauen es w�nschten, hatten sie keine andere M�glichkeit.</p><p>Leane schauderte sichtlich, doch Siuans Stuhl knarrte, als sie sich steif aufsetzte. �Ich wei�, da� ich nicht mehr die Amyrlin bin. Glaubt Ihr etwa, mir sei nicht bewu�t, da� ich einer D�mpfung unterzogen wurde? Mein Gesicht ist ver�ndert, aber nicht mein Inneres. Alles, was ich je wu�te, habe ich immer noch im Kopf. Ben�tzt es! Aus Liebe zum Licht � ben�tzt mich!� Sie atmete tief durch, um sich zu beruhigen � <emphasis>Seng mich, wenn ich mich von ihnen beiseiteschieben lasse, bis ich verrotte!</emphasis> �, und Myrelle sprach in das Schweigen hinein: �Das Temperament einer jungen Frau, wie es zum Gesicht einer jungen Frau pa�t.� L�chelnd sa� sie auf der Kante eines Sessels mit Holzlehne, wie er vor den Kamin eines Bauernhauses gepa�t h�tte, falls es dem Bauern egal gewesen w�re, da� die Farbe abbl�tterte. Doch das L�cheln war nicht ihr �bliches, tr�ge und wissend zugleich. Ihre dunklen Augen, beinahe so gro� wie die Beonins, waren jetzt voller Mitgef�hl. �Ich bin sicher, niemand will, da� Ihr Euch nutzlos f�hlt, Siuan. Und ich bin sicher, wir alle wollen Euer Wissen voll und ganz ausn�tzen. Was Ihr wi�t, wird uns au�erordentlich hilfreich sein.�</p><p>Siuan legte keinen Wert auf ihre Sympathie. �Ihr scheint Logain vergessen zu haben und den Grund, warum ich ihn den ganzen Weg von Tar Valon hierher mitgeschleppt habe.� Sie hatte dieses Thema eigentlich gar nicht selbst ansprechen wollen, aber wenn sie es �berhaupt nicht beachteten... �Meine �idiotische� Idee?�</p><p>�Also gut, Siuan�, sagte Sheriam. �Warum?�</p><p>�Der erste Schritt zur Entmachtung Elaidas wird sein, wenn Logain der Burg und n�tig der ganzen Welt enth�llt, da� ihn die Roten Ajah als falschen Drachen eingef�hrt haben, damit man ihn dann st�rzen konnte.� Jetzt hatte sie wirklich ihre ganze Aufmerksamkeit gewonnen. �Er wurde in Ghealdan von den Roten aufgesp�rt, mindestens ein Jahr, bevor er sich zum Drachen ausrief. Doch anstatt ihn zur D�mpfung nach Tar Valon zu bringen, haben sie ihm die Idee in den Kopf gesetzt, sich zum Wiedergeborenen Drachen auszurufen.�</p><p>�Seid Ihr da ganz sicher?� fragte Beonin ruhig in ihrem Taraboner Dialekt. Sie sa� bewegungslos auf ihrem hohen Flechtstuhl und beobachtete alles gr�ndlich.</p><p>�Er wei� nicht, wer Leane und ich sind. Er hat auf der Reise manchmal mit uns gesprochen, sp�t in der Nacht, als Min schlief und er noch keine Ruhe fand. Er hat vorher nie etwas dar�ber gesagt, weil er glaubte, die gesamte Burg st�nde hinter dem Plan, aber er wu�te, da� es Rote Schwestern waren, die ihn abschirmten und ihm vom Wiedergeborenen Drachen erz�hlten.�</p><p>�Warum?� wollte Morvrin wissen, und Sheriam nickte.</p><p>�Ja, warum? Jede von uns w�rde alles unternehmen, um einen Mann wie ihn einer D�mpfung zu unterziehen, aber die Roten Ajah leben ja nur daf�r. Warum sollten sie einen falschen Drachen in die Welt setzen?�</p><p>�Logain wu�te es nicht�, antwortete sie ihnen. �Vielleicht glaubten sie, sie h�tten mehr davon, wenn sie einen falschen Drachen fingen, anstatt einen armen Burschen der D�mpfung zu unterziehen, der vielleicht gerade ein Dorf terrorisiert hatte. M�glicherweise hatten sie einen Grund daf�r, noch mehr Aufruhr anzustiften.�</p><p>�Wir wollen damit nicht sagen, sie h�tten etwas mit Mazrim Taim oder einem der anderen zu tun gehabt�, f�gte Leane schnell hinzu. �Zweifellos wird Elaida in der Lage sein, Euch alle Fragen zu beantworten.�</p><p>Siuan beobachtete, wie sie alle schweigend daran zu kauen hatten. Sie dachten gar nicht daran, da� sie vielleicht l�gen k�nnte. <emphasis>Ein Vorteil, wenn man die D�mpfung hinter sich hat.</emphasis> Sie schienen �berhaupt nicht auf den Gedanken zu kommen, da� die D�mpfung alle Bande an die Drei Eide zerrissen hatte. Nat�rlich studierten manche Aes Sedai Frauen, die man dieser Tortur unterzogen hatte, aber eben nur �bervorsichtig und z�gernd. Keine wollte gern daran erinnert werden, was ihr selbst geschehen k�nnte.</p><p>Was Logain betraf, machte sich Siuan keine Sorgen. Nicht, solange Min weiterhin das sah, was immer sie auch sehen mochte. Er w�rde auf jeden Fall lange genug leben, um das zu enth�llen, was Siuan von ihm h�ren wollte. Sie mu�te nur einmal richtig mit ihm reden. Sie hatte vorher nicht zu riskieren gewagt, da� er sich vielleicht entschlo�, seiner eigenen Wege zu gehen, und das h�tte er sicherlich getan, h�tte sie schon verfr�ht mit ihm dar�ber gesprochen. Doch nun bekam er seine einzige Gelegenheit zur Rache an jenen, die ihn der D�mpfung ausgeliefert hatten, jetzt, da er wieder ganz von Aes Sedai umstellt war. Rache nat�rlich nur an den Roten Ajah, das verstand sich von selbst, aber damit mu�te er sich abfinden. Besser einen Fisch im Boot als einen Schwarm im Wasser.</p><p>Sie blickte zu Leane hin�ber, die ein schwaches L�cheln andeutete. Das war gut. Leane hatte es nicht gepa�t, da� sie sie bis an diesem Morgen �ber ihren Plan, Logain betreffend, im Unklaren gelassen hatte, aber Siuan hatte einfach zu lange die Geheimnisvolle gespielt, als da� sie nun mir nichts, dir nichts selbst einer Freundin gegen�ber auspacken konnte. Sie hielt jedenfalls die Idee, die Roten Ajah k�nnten auch mit den anderen falschen Drachen zu tun haben, f�r ausgezeichnet. Die Roten hatten die Rebellion gegen sie angezettelt. Wenn dies alles vor�ber war, gab es vielleicht keine Roten Ajah mehr.</p><p>�Das �ndert eine ganze Menge�, sagte Sheriam nach einer Weile. �Wir k�nnen unm�glich einer Amyrlin folgen, die so etwas tut.�</p><p>�Ihr folgen?� rief Siuan, die zum erstenmal wirklich verbl�fft war. �Habt Ihr ernsthaft in Erw�gung gezogen, zu Elaidas Ring zur�ckzukehren? Obwohl Ihr wi�t, was sie getan hat und noch unternehmen wird?� Leane bebte auf ihrem Stuhl, als platze sie fast aus allen N�hten, aber sie hatten sich geeinigt, da� Siuan diejenige sein solle, die die Nerven verlor.</p><p>Sheriam wirkte ein wenig verlegen, und Myrelles dunkle Wangen wiesen rote Flecke auf, doch die anderen nahmen es so gelassen hin wie den Sonnenschein.</p><p>�Die Burg mu� stark sein�, sagte Carlinya mit einer Stimme, die so hart klang wie Stein im Winter. �Der Drache wurde wiedergeboren, die Letzte Schlacht naht, und die Burg mu� eine Einheit sein.�</p><p>Anaiya nickte. �Wir verstehen Eure Gr�nde daf�r, Elaida abzulehnen, sie sogar zu hassen. Wir verstehen Euch wirklich, aber wir m�ssen auch an die Burg denken und an die Welt. Ich gebe zu, da� ich selbst Elaida auch nicht ausstehen kann. Doch ich habe auch Siuan nie besonders gemocht. Es ist nicht notwendig, die Amyrlin zu m�gen. Ihr m��t nicht so b�se schauen, Siuan. Ihr habt seit Eurer Zeit als Novizin eine Feile statt einer Zunge im Mund gehabt, und mit der Zeit ist sie immer rauher geworden. Und als Amyrlin habt ihr die Schwestern herumgeschubst, wie ihr wolltet, und ihr habt selten Eure Gr�nde auch nur erw�hnt. Beides sind keine angenehmen Eigenschaften, und schon gar nicht zusammen genommen.�</p><p>�Ich will mich bem�hen, meine Zunge... zu gl�tten�, sagte Siuan trocken. Erwartete die Frau, die Amyrlin werde jede Schwester wie eine Freundin aus ihrer Kindheit behandeln? �Aber ich hoffe, was ich Euch mitgeteilt habe, wird Eure Absicht �ndern, Elaida zu F��en zu liegen?�</p><p>�Wenn das bereits die neugewonnene Gl�tte Eurer Zunge war�, sagte Myrelle l�ssig, �mu� ich sie vielleicht doch noch selbst etwas abschleifen f�r den Fall, da� wir Euch gestatten, Eure Augen-und-Ohren f�r uns zu leiten.�</p><p>�Wir k�nnen nat�rlich jetzt nicht zur Burg zur�ckkehren�, sagte Sheriam. �Wir wu�ten das alles ja nicht. Wir m��ten erst in der Lage sein, Elaida abzusetzen.�</p><p>�Was sie auch getan hat, die Roten werden sie trotzdem unterst�tzen.� Beonin stellte das als klare Tatsache fest und nicht als Einwand. Es war kein Geheimnis: Die Roten waren mit der Tatsache nicht fertig geworden, da� es seit Bonwhin keine Amyrlin mehr aus ihrer Ajah gegeben hatte.</p><p>Morvrin nickte lebhaft. �Auch andere werden sie unterst�tzen. Diejenigen, die sich ganz und gar hinter Elaida gestellt haben, werden glauben, keine andere Wahl mehr zu haben. Andere unterst�tzen jede, die an der Macht ist, gleich, wie b�sartig sie handelt. Und dazu noch ein paar, die glauben, wir wollten die Burg spalten, wo um jeden Preis Einigkeit herrschen sollte.�</p><p>�Man kann mit allen au�er den Roten sprechen�, sagte Beonin vern�nftigerweise, �und verhandeln.� Vermittlung und Verhandlungen waren der Grund f�r die Existenz ihrer Ajah.</p><p>�Wie es scheint, werden wir Eure Agentinnen gebrauchen k�nnen, Siuan.� Sheriam blickte sich unter den anderen um. �Es sei denn, jemand glaubt immer noch, wir sollten sie ihr wegnehmen?� Morvrin war die letzte, die den Kopf sch�ttelte, aber immerhin tat sie es schlie�lich, nachdem sie Siuan so durchdringend gemustert hatte, da� diese sich richtiggehend nackt f�hlte, abgewogen und gemessen.</p><p>Sie konnte dennoch einen Seufzer der Erleichterung nicht unterdr�cken. Kein kurzes Leben auf einem einsamen Bauernhof, sondern ein Leben, das einem Zweck diente. Es konnte trotzdem ein kurzes Leben werden, denn niemand wu�te ann�hernd, wie lange eine Frau in ihrem Zustand �berleben konnte, wenn sie einen Ersatz f�r die Eine Macht in ihrem Leben fand; aber mit einem richtigen Lebenszweck w�re es in jedem Fall lange genug. Also wollte Myrelle ihre spitze Zunge abschleifen, war es nicht so? <emphasis>Ich werde es dieser Gr�nen mit ihren Fuchsaugen schon zeigen! Ich werde den Mund halten und froh sein, wenn sie nicht mehr macht, als mich strafend anzusehen. So mache ich's. Ich wu�te ja, wohin das f�hren w�rde. Verdammt noch mal, ich hab's gewu�t!</emphasis></p><p>�Ich danke Euch, Aes Sedai�, sagte sie so dem�tig, wie sie nur konnte. Sie so anzusprechen tat weh. Es war ein weiterer Bruch und erinnerte sie erneut daran, was sie nicht mehr war. �Ich werde mich bem�hen, mein Bestes f�r Euch zu leisten.� Myrelle h�tte nun wirklich nicht so zufrieden nicken m�ssen. Siuan ignorierte eine kleine Stimme in ihrem Innern, die ihr sagte, an Myrelles Stelle h�tte sie das gleiche oder noch mehr getan.</p><p>�Falls ich einen Vorschlag machen darf�, warf Leane ein, �dann reicht es nicht aus, zu warten, bis Ihr genug Unterst�tzung im Burgsaal habt, um Elaida zu st�rzen.� Siuan sah sie interessiert an, als h�re sie das zum erstenmal. �Elaida sitzt in Tar Valon in der Wei�en Burg, und f�r die ganze Welt ist sie die Amyrlin. Im Augenblick seid Ihr nur eine Herde Abtr�nnige. Sie kann Euch als Rebellen oder Volksverhetzer bezeichnen, und da es von der Amyrlin kommt, wird die Welt es glauben.�</p><p>�Wir k�nnen sie wohl kaum davon abhalten, Amyrlin zu sein, bevor sie abgesetzt ist�, sagte Carlinya und rutschte mit eisiger Verachtung im Blick auf ihrem Stuhl umher. H�tte sie ihre Stola mit den wei�en Fransen getragen, dann h�tte sie die jetzt vermutlich um sich gewickelt.</p><p>�Ihr k�nnt der Welt doch eine wirkliche Amyrlin geben.� Leane richtete ihre Worte nicht an die Wei�e Schwester, sondern an alle zugleich. Sie sah eine nach der anderen an, selbstsicher, doch so, als gebe sie ihnen lediglich eine Anregung, von der sie hoffte, sie w�rden sie aufgreifen. Es war Siuan gewesen, die ihr zugeredet hatte, da� die Methoden, die sie erfolgreich bei M�nnern anwandte, durchaus auch abgewandelt bei Frauen hilfreich seien. �Ich habe Aes Sedai aus s�mtlichen Ajah au�er der Roten im Schankraum und drau�en auf der Stra�e gesehen.</p><p>La�t sie hier einen neuen Burgsaal w�hlen und la�t dann diesen Saal die neue Amyrlin k�ren. Danach k�nnt Ihr euch der Welt als die wahre Wei�e Burg pr�sentieren, die ins Exil gehen mu�te, weil Elaida die Macht an sich ri�. Wenn man noch Logains Enth�llungen hinzuf�gt, gibt es wohl keine Zweifel mehr daran, wen die Welt als die wahre Amyrlin anerkennen wird.�</p><p>Die Idee war bei ihnen angekommen. Siuan sah deutlich, wie sie sie im Geist von allen Seiten betrachteten. Was die anderen auch denken mochten, es war jedenfalls nur Sheriam, die widersprach: �Das bedeutet aber, da� die Burg wirklich gespalten wird�, sagte die Frau mit den gr�nen Augen traurig.</p><p>�Sie ist bereits gespalten�, sagte Siuan schnippisch zu ihr und w�nschte sich fast im gleichen Moment, sie h�tte den Mund gehalten. Alle sahen sie an.</p><p>Sie sollten annehmen, das Ganze sei allein Leanes Einfall, da sie selbst den Ruf einer Frau hatte, die st�ndig bei anderen die F�den zog, und so w�rden sie ihren Vorschl�gen gegen�ber mi�trauisch sein. Deshalb auch hatte sie begonnen, in ihrem fr�her �blichen harten Tonfall mit ihnen zu sprechen, denn h�tte sie etwas mit ruhigen, sanften Worten eingebracht, keine h�tte ihr geglaubt. Sie mu�te sie behandeln, als sei sie immer noch Amyrlin und wolle sie zurechtweisen. Im Vergleich dazu sollte Leane eher kooperativ wirken und nur das Wenige ins Gespr�ch einbringen, was ihr einfiel. Dann w�rden sie wahrscheinlich auf sie h�ren. Es war Siuan nicht schwergefallen, ihre Rolle zu spielen, bis sie gezwungen war, die anderen um etwas zu bitten. In diesem Moment h�tte sie am liebsten alle zum Trocknen in die Sonne geh�ngt. Hier sitzen m�ssen und nichts tun k�nnen!</p><p><emphasis>Du h�ttest dir keine Gedanken dar�ber machen m�ssen, ob sie dir mi�trauen. Sie halten dich f�r ein geknicktes Schilfrohr.</emphasis> Falls alles gutging, w�rden sie auch weiterhin so �ber sie denken. Ein n�tzlicher Schilfhalm, aber schwach, den man schnell wieder vergessen konnte. Es tat schon weh, sich so darstellen zu m�ssen, doch Duranda Tharne hatte ihr in Lugard die Notwendigkeit einer solchen Maske vor Augen gef�hrt. Sie w�rden sie nur zu ihren Bedingungen aufnehmen, und das bedeutete, sie mu�te versuchen, das Beste daraus zu machen.</p><p>�Ich w�nschte, ich w�re selbst auf diese Idee gekommen�, fuhr sie fort. �Aber jetzt, da ich es von Leane h�re, finde ich, es gibt Euch eine Gelegenheit, die Burg neu zu errichten, ohne sie vorher ganz und gar einrei�en zu m�ssen.�</p><p>�Es gef�llt mir trotzdem absolut nicht.� Sheriams Stimme klang wieder entschlossener. �Doch was sein mu�, mu� sein. Das Rad webt, wie das Rad es w�nscht, und so das Licht es will, wird es Elaida aus ihrer Stola herausweben.�</p><p>�Wir werden mit den Schwestern verhandeln m�ssen, die in der Burg verblieben sind�, �berlegte Beonin laut. �Die von uns erw�hlte Amyrlin mu� geschickt verhandeln k�nnen, oder?�</p><p>�Sie mu� auf jeden Fall klar denken�, warf Carlinya ein. �Die neue Amyrlin mu� eine Frau von k�hlem Verstand und glasklarer Logik sein.�</p><p>Morvrins Schnauben war laut genug, da� alle auf ihren St�hlen zusammenzuckten. �Sheriam ist die H�chste unter uns, und sie hat uns zusammengehalten, wo wir ansonsten in zehn verschiedene Richtungen davongelaufen w�ren.�</p><p>Sheriam sch�ttelte lebhaft den Kopf, doch Myrelle gab ihr keine Gelegenheit zu sprechen. �Sheriam ist eine ausgezeichnete Wahl. Ich kann bereits jetzt zusagen, da� jede Gr�ne Schwester hier f�r sie stimmen wird.� Anaiya �ffnete den Mund, und an ihrer Miene konnte man ihre Zustimmung ablesen.</p><p>Es war Zeit, dem einen Riegel vorzuschieben, bevor sie die F�den aus der Hand verlor. �Darf ich etwas vorschlagen?� Siuan glaubte, vornehme Zur�ckhaltung liege ihr viel besser als offene Demut. Es war nur ein Strohhalm, aber sie mu�te das einfach �ben, damit sie es besser beherrschen lernte. <emphasis>Myrelle ist nicht die einzige, die versuchen wird, mich ich den Kielraum zu sperren, woran sie glaubt, ich habe meine Grenzen �berschritten. Oder was auch sonst.</emphasis> Nur w�rden sie es nicht versuchen, sie w�rden etwas gegen sie unternehmen! Aes Sedai erwarteten � nein, verlangten � den geb�hrenden Respekt von jenen, die nicht zu ihnen geh�rten. �Mir scheint, wen immer Ihr auch w�hlt, sie sollte nicht zu denjenigen geh�ren, die sich in der Burg aufhielten, als man mich... mich absetzte. W�re es nicht am besten, die Frau, die die Wei�e Burg wieder vereint, sei eine, die niemand beschuldigen kann, sie habe an jenem Tag der einen oder anderen Seite angeh�rt?� Wenn sie so weitermachen mu�te, w�rde sie irgendwann einmal aus den N�hten platzen.</p><p>�Eine, die besonders stark ist, was die Eine Macht betrifft�, f�gte Leane hinzu. �Je st�rker sie ist, desto besser kann sie f�r alles eintreten, was die Burg bedeutet. Oder wieder bedeuten wird, wenn Elaida weg ist.�</p><p>Siuan h�tte ihr am liebsten einen Tritt versetzt. Sie hatten mit diesem Gedankengang einen vollen Tag lang warten und ihn erst dann einwerfen wollen, wenn es tats�chlich um Namen ging. Sie und Leane zusammen wu�ten genug �ber jede einzelne Schwester, um irgendeine Schw�che bei ihr aufzudecken, einen subtilen Zweifel zu s�en, was ihre Qualit�ten als m�gliche Amyrlin betraf. Sie w�rde lieber nackt durch einen Schwarm von Piranhas schwimmen, als diesen Frauen zu erkennen geben, da� sie versuchte, sie zu manipulieren.</p><p>�Eine Schwester, die sich nicht in der Burg befand�, sagte Sheriam und nickte dazu. �Das w�re �u�erst sinnvoll, Siuan. Sehr gut.� Wie leicht ihr diese Rolle fiel und wie schnell sie bereit war, ihren Kopf zur Belohnung zu t�tscheln.</p><p>Morvrin spitzte die Lippen. �Es wird aber nicht leicht werden, eine zu finden, die wir w�hlen k�nnen.�</p><p>�Die erforderliche St�rke engt die Auswahlm�glichkeiten sehr ein.� Anaiya blickte sich unter den anderen um. �Es wird sie nicht nur zu einer besseren Leitfigur machen, jedenfalls f�r die anderen Schwestern, sondern da ist noch etwas anderes: St�rke im Umgang mit der Macht bedeutet oft auch Willensst�rke, und diejenige, die wir w�hlen, wird ganz sicher eine Menge Willenskraft ben�tigen.�</p><p>Carlinya und Beonin waren die letzten, die schlie�lich in die Diskussion eingriffen.</p><p>Siuan verzog keine Miene und l�chelte nur innerlich. Das Zerbrechen der Burg hatte viele Dinge ge�ndert und nicht nur ihre eigenen Gedankeng�nge. Diese Frauen hatten die hier versammelten Schwestern angef�hrt, und nun diskutierten sie dar�ber, wen sie dem neuen Burgsaal als Amyrlin pr�sentieren sollten, als sei das nicht ganz allein Sache dieser Versammlung selbst. Es w�rde nicht allzu schwerfallen, sie ganz behutsam auf die Idee zu bringen, die neue Amyrlin solle eine sein, die sich von ihnen f�hren lie�. Und ohne da� sie es merkten, w�rden sowohl sie wie auch diese Amyrlin � der Ersatz f�r sie selbst � von <emphasis>ihr</emphasis> gesteuert werden. Sie und Moiraine hatten zu lange daran gearbeitet und zuviel von ihrem eigenen Leben daf�r gegeben, Rand al'Thor zu finden und auf sein Schicksal vorzubereiten, als da� sie jetzt riskieren konnte, da� jemand anders nun alles falsch anpackte.</p><p>�Darf ich noch einen weiteren Vorschlag machen?� Zur�ckhaltung lag ihr einfach nicht. Sie mu�te etwas anderes finden. So wartete sie z�hneknirschend, bis Sheriam nickte und sie fortfahren durfte: �Elaida wird versuchen, herauszubekommen, wo sich Rand al'Thor aufh�lt. Je weiter nach S�den ich kam, desto h�ufiger wurden die Ger�chte, er habe Tear verlassen. Ich glaube das auch, und ich denke, ich habe die richtige Vorstellung, wohin er von dort aus ging.�</p><p>Es war nicht notwendig zu sagen, da� sie ihn finden mu�ten, bevor Tar Valon ihn fand. Das verstand sich von selbst. Elaida w�rde ihn nicht nur sowieso falsch f�hren, nein, sollte sie ihn in die Finger bekommen und ihn den Menschen abgeschirmt und unter ihrer Kontrolle vorf�hren, w�re das ein solcher Prestigegewinn, da� es keine Hoffnung mehr g�be, sie st�rzen zu k�nnen. Denn Herrscher kannten f�r gew�hnlich den Inhalt der Prophezeiungen, wenn auch ihr Volk normalerweise nicht viel dar�ber wu�te. Doch in einem solchen Fall w�rden sie ihr auch ein Dutzend falsche Drachen vergeben.</p><p>�Wohin?� fuhr Morvrin sie an, um Haaresbreite schneller als Sheriam, Anaiya und Myrelle gemeinsam.</p><p>�In die Aiel-W�ste.�</p><p>Einen Augenblick herrschte Schweigen, und dann sagte Carlinya: �Das ist doch l�cherlich.�</p><p>Siuan verbi� sich eine zornige Erwiderung und l�chelte � wie sie hoffte � entschuldigend. �Vielleicht, aber ich habe einiges �ber die Aiel nachgelesen, als ich noch Aufgenommene war. Gitara Moroso glaubte, da� einige der Weisen Frauen der Aiel in der Lage sein k�nnten, die Macht zu ben�tzen.� Gitara war zu der Zeit Beh�terin der Chronik gewesen. �In einem der B�cher, die sie mir zu lesen gab, einem alten Band aus der staubigsten Ecke der Bibliothek, wurde behauptet, die Aiel bezeichneten sich selbst als das Volk des Drachen. Ich habe mich nicht mehr daran erinnert, bis ich versuchte, herauszubekommen, wohin Rand verschwunden ist. In den Prophezeiungen steht, der Stein von Tear werde erst dann fallen, wenn das Volk des Drachen kommt, und die Aiel waren an der Eroberung des Steins beteiligt. Das wird durch alle Ger�chte und Berichte best�tigt.�</p><p>Morvrin schien pl�tzlich ins Leere zu blicken. �Ich erinnere mich an Spekulationen �ber die Weisen Frauen, als ich gerade die Stola erhalten hatte. Falls es der Wahrheit entspricht, w�re das sicher faszinierend, doch die Aiel behandeln Aes Sedai nicht besser als jeden, der ihre W�ste betritt, und bei ihren Weisen Frauen gibt es offensichtlich irgendein Gesetz oder eine Tradition, die verhindert, da� sie mit Fremden sprechen, wie ich h�rte. Das macht es extrem schwer, sich einer weit genug zu n�hern, um festzustellen, ob sie...� Mit einemmal sch�ttelte sie sich und blickte Siuan und Leane vorwurfsvoll an, als seien sie an ihrer gedanklichen Abschweifung schuld. �Ein d�nner Halm, zu d�nn, um daraus einen Korb zu flechten, wenn es um etwas aus einem Buch geht, dessen Schreiberin vermutlich niemals einen Aiel gesehen hat.�</p><p>�Ein sehr d�nner Strohhalm�, best�tigte Carlinya.</p><p>�Aber vielleicht doch wert, jemanden in die W�ste zu entsenden?� Es bereitete ihr M�he, daraus eine Frage zu machen anstatt eines Befehls. Siuan hielt es allm�hlich f�r m�glich, da� sie sich zu Tode schwitzen werde, falls sie nicht irgendeine andere Form des Umgangs mit ihnen finden konnte. Normalerweise hatte sie sich gen�gend im Griff, um der Hitze zu widerstehen, aber jetzt nicht, wenn sie versuchen mu�te, die anderen mitzuziehen, ohne sie sp�ren zu lassen, da� sie sie an den Haaren zog. �Ich glaube nicht, da� die Aiel einer Aes Sedai etwas zuleide t�ten.� Nicht, wenn sie schnell genug reagierte und ihnen bewies, da� sie eine Aes Sedai war. Siuan glaubte jedenfalls nicht an eine Gefahr von dieser Seite. Man mu�te es eben riskieren. �Und wenn er sich in der W�ste aufh�lt, wissen es die Aiel. Denkt an diese Aiel im Stein.�</p><p>�M�glicherweise�, sagte Beonin bed�chtig. �Die W�ste ist gro�. Wie viele m��ten wir aussenden?�</p><p>�Falls sich der Wiedergeborene Drache in der W�ste aufh�lt�, sagte Anaiya, �wird es auch der erste Aiel wissen, den wir dort antreffen. Dieser Rand al'Thor zieht die Ereignisse nach sich, das steht fest. Er k�nnte nicht einmal im Meer schwimmen gehen, ohne ein Klatschen, das in jeder Ecke der Welt h�rbar ist.�</p><p>Myrelle l�chelte. �Es sollte eine Gr�ne sein. Keine von Euch anderen l��t sich mehr als einen Beh�ter zuschw�ren, und in der W�ste k�nnten zwei oder drei Gaidin sehr n�tzlich sein, jedenfalls bis die Aiel wissen, da� es sich um eine Aes Sedai handelt. Ich habe schon immer einmal einen Aiel kennenlernen wollen.� W�hrend des Aielkriegs war sie Novizin gewesen und hatte die Burg nicht verlassen d�rfen. Nat�rlich hatte sowieso keine Aes Sedai �ber das Heilen Verwundeter hinaus an den K�mpfen teilgenommen. Die Drei Eide hatten das verhindert, es sei denn, Tar Valon oder sogar die Wei�e Burg selbst w�rden angegriffen. Doch in diesem Krieg war der Flu� nicht �berschritten worden.</p><p>�Ihr geht nicht�, sagte Sheriam zu ihr, �und auch kein anderes Mitglied dieser Ratsversammlung. Ihr habt zugestimmt, dies alles mit uns gemeinsam durchzustehen, Myrelle, als ihr einverstanden wart, mit uns im Rat zu sitzen, und da k�nnt Ihr Euch nicht so einfach zum Vergn�gen herumtreiben, weil Ihr euch langweilt. Ich f�rchte, es wird bis zum Ende noch mehr Aufregung geben, als wir uns je w�nschen k�nnten.� Unter anderen Umst�nden w�re sie eine herausragende Amyrlin geworden, jetzt aber war sie zu stark und zu selbstsicher. �Aber eine Gr�ne... Ja, dem stimme ich zu. Oder zwei?� Der Blick aus ihren gr�nen Augen �berflog sie alle. �Um sicher zu gehen?�</p><p>�Kiruna Nachiman?� schlug Anaiya vor, und Beonin f�gte hinzu: �Bera Harkin?� Die anderen au�er Myrelle nickten. Sie zog nur gereizt die Schultern ein. Aes Sedai schmollten nicht, aber sie kam dem immerhin ziemlich nahe.</p><p>Siuan atmete zum zweiten Mal erleichtert auf. Sie war sicher, da� ihre Argumente stichhaltig seien. Er war irgendwohin verschwunden, und h�tte er sich zwischen dem R�ckgrat der Welt und dem Aryth-Meer aufgehalten, dann h�tten sich die Ger�chte �berschlagen. Und wo immer er sich auch aufhalten mochte, Moiraine war ja bei ihm und hatte ihn an der Leine. Kiruna und Bera w�rden bestimmt nichts dagegen haben, einen Brief an Moiraine zu �berbringen, und zusammen hatten sie sieben Beh�ter, die ihnen wohl die Aiel vom Leib halten konnten.</p><p>�Wir wollen Euch und Leane nicht zu sehr erm�den�, fuhr Sheriam fort. �Ich werde eine der Gelben Schwestern bitten, sich um Euch zu k�mmern. Vielleicht kann sie Euch in irgendeiner Weise helfen oder Euer Los erleichtern. Ich werde Euch Zimmer besorgen lassen, wo Ihr ruhen k�nnt.�</p><p>�Wenn Ihr die Leiterin unserer Augen-und-Ohren werden sollt�, f�gte Myrelle besorgt hinzu, �braucht Ihr Eure ganze Kraft.�</p><p>�Ich bin keineswegs so gebrechlich, wie ihr zu denken scheint�, protestierte Siuan. �Wenn dem so w�re, h�tte ich Euch dann beinahe zweitausend Meilen weit folgen k�nnen? Welche Schw�che sich bei mir nach der D�mpfung auch zeigte, glaubt mir, das ist vor�ber!� In Wahrheit hatte sie nun wieder ein echtes Machtzentrum gefunden und wollte es nicht verlassen; aber das konnte sie ihnen wohl kaum sagen. All diese besorgten Blicke auf sie und Leane. Nun, bei Carlinya war das anders, aber die �brigen! <emphasis>Licht! Sie werden uns noch von einer Novizin ins Bett stecken lassen, um ein Mittagsschl�fchen zu halten!</emphasis></p><p>Nach kurzem Anklopfen trat Arinvar, Sheriams Beh�ter, ein. Er stammte aus Cairhien, war nicht sehr gro�, dazu noch schlank, doch trotz der ergrauten Schl�fen hatte er ein hartes Gesicht und bewegte sich wie ein lauernder Leopard. �Im Osten kommen etwas mehr als zwanzig Berittene�, sagte er ohne gro�e Vorrede.</p><p>�Keine Wei�m�ntel wohl�, sagte Carlinya, �sonst h�ttet Ihr das vermutlich gleich gesagt.�</p><p>Sheriam warf ihr einen Blick zu. Viele Schwestern konnten giftig werden, wenn sich jemand in irgendeiner Weise zwischen sie und ihren Gaidin dr�ngten. �Wir k�nnen ihnen nicht gestatten, weiterzureiten und vielleicht von unserer Gegenwart zu berichten. K�nnt Ihr sie gefangennehmen, Arinvar? Ich z�ge das vor, anstatt sie zu t�ten.�</p><p>�Beides mag uns schwer werden�, erwiderte er. �Machan sagt, sie seien bewaffnet und wirkten wie Kriegsveteranen. Die w�ren wohl zehnmal soviel wert wie junge M�nner.�</p><p>Morvrin gab einen verbl�fften Laut von sich. �Wir m�ssen aber das eine oder das andere tun. Vergebt mir, Sheriam. Arinvar, k�nnen die Gaidin ein paar der behenderen Schwestern unbemerkt in ihre N�he f�hren, so da� sie Str�nge aus Luft um sie weben k�nnten?�</p><p>Er sch�ttelte leicht den Kopf. �Machan berichtet, sie h�tten m�glicherweise ein paar der Beh�ter gesehen, die dort Wache stehen. Sie w�rden es auf jeden Fall bemerken, wenn wir mehr als ein oder zwei von Euch in ihre N�he br�chten. Sie n�hern sich aber trotzdem noch weiter.�</p><p>Siuan und Leane waren nicht die einzigen, die daraufhin erstaunte Blicke tauschten. Nur wenige M�nner entdeckten einen Beh�ter, der nicht gesehen werden wollte, selbst wenn er nicht einmal den Gaidinumhang trug.</p><p>�Dann m��t Ihr nach eigenem Gutd�nken handeln�, sagte Sheriam. �Wenn m�glich, nehmt sie gefangen. Aber keiner darf entkommen und uns verraten.�</p><p>Bevor Arinvar noch mit seiner Verbeugung fertig war, die Hand am Heft seines Schwertes, stand bereits ein anderer Mann neben ihm, ein d�sterer B�r von Mann, gro� und breitschultrig, dessen Haar ihm bis auf die Schultern reichte und dessen kurzgeschnittener Bart die Oberlippe frei lie�. Bei ihm wirkten die flie�enden Bewegungen eines Beh�ters fehl am Platz. Er zwinkerte Myrelle, seiner Aes Sedai, zu und sagte dabei im Illianer Dialekt: �Die meisten Reiter angehalten haben, aber einer kommen immer noch weiter her. Wenn meine alte Mutter sagen etwas anderes, ich doch nennen ihn Gareth Bryne nach Blick, den ich auf ihn werfen.�</p><p>Siuan starrte ihn an. Ihre H�nde und F��e waren urpl�tzlich kalt. Es gab glaubhafte Ger�chte, Myrelle habe tats�chlich diesen Nuhel und ihre anderen beiden Beh�ter geheiratet, und das gegen alle Konventionen und Gesetze in allen L�ndern, die Siuan kannte. Das war die Art von unzusammenh�ngenden Gedanken, die einem durch den Kopf gingen, wenn man v�llig bet�ubt war, und im Moment f�hlte sie sich, als sei ihr ein Mast auf den Kopf gefallen. Bryne hier? <emphasis>Das ist unm�glich! Es ist der helle Wahnsinn!</emphasis> Dieser Mann konnte ihnen doch nicht den ganzen langen Weg �ber gefolgt sein, weil... <emphasis>O ja, er k�nnte und w�rde so etwas tun. Der schon.</emphasis> W�hrend der Reise hatte sie sich gesagt, da� es nur vern�nftig sei, keinerlei Spuren zu hinterlassen, denn Elaida wu�te, da� sie nicht tot waren, und sie w�rde nicht aufh�ren, sie suchen zu lassen, bis man sie gefunden hatte oder Elaida gest�rzt war. Siuan hatte sich ge�rgert, da� sie irgendwann doch einmal nach dem Weg fragen mu�te, aber der Gedanke, der wie ein Hai nach ihr geschnappt hatte, war nicht der, Elaida k�nne irgendwie einen Hufschmied in einem kleinen Dorf in Altara aufsp�ren, sondern der, dieser Hufschmiede wirke wie ein gemaltes Hinweisschild f�r Gareth Bryne. <emphasis>Hast dir selbst eingeredet, das sei t�richt, ja? Und jetzt ist er da.</emphasis></p><p>Sie erinnerte sich noch zu gut an die Auseinandersetzung mit ihm, als sie ihm bei dieser Sache in Murandy ihren Willen aufzwingen mu�te. Das war, als m�sse sie eine dicke Eisenstange biegen oder eine riesige Feder, die sofort zur�ckschnellen w�rde, wenn sie nur f�r einen Augenblick locker lie�. Sie hatte alle Kraft aufwenden und ihn �ffentlich dem�tigen m�ssen, um ganz sicher zu gehen, da� er solange ihrem Willen unterworfen blieb, wie es notwendig war. Er konnte schwerlich dem zuwiderhandeln, was er auf Knien geschworen hatte, als er sie um Verzeihung bat, und das in Gegenwart von f�nfzig Adligen. Morgase war schon schwierig genug gewesen, und Siuan wollte nicht, da� Bryne Morgase auch noch eine Ausrede lieferte, gegen ihre eigenen Befehle zu handeln. Eigenartig, da� sie damals mit Elaida zusammengearbeitet hatte, um Morgase gef�gig zu machen.</p><p>Sie mu�te sich zusammenrei�en. Sie war tats�chlich wie bet�ubt und dachte an alles andere als das Notwendige. <emphasis>Konzentriere dich! Das ist nicht der richtige Zeitpunkt, in Panik auszubrechen.</emphasis> �Ihr m��t ihn wegschicken. Oder ihn t�ten.�</p><p>Sie wu�te, da� sie einen Fehler begangen hatte, noch w�hrend sie diese Worte sprach, und das auch noch so dringlich, als sei es ein Notfall. Sogar die Beh�ter sahen sie an, und die Aes Sedai... Sie hatte keine Ahnung gehabt, was das f�r ein Gef�hl war, wenn man selbst die Macht nicht benutzen konnte, aber die Blicke jener anderen pl�tzlich auf sich ruhen sp�rte. Sie f�hlte sich nackt. Ihr Verstand war entbl��t. Obwohl sie ja wu�te, da� Aes Sedai keine Gedanken lesen konnten, h�tte sie am liebsten alles gestanden, bevor sie ihr s�mtliche L�gen und andere Delikte vorwerfen konnten. Sie hoffte nur, ihr Gesicht wirke nicht genauso wie das Leanes � mit hochroten Wangen und weit aufgrissenen Augen.</p><p>�Ihr wi�t, warum er hier ist.� Sheriams Stimme klang durchaus ruhig. �Ihr beide. Und Ihr wollt ihm nicht gegen�bertreten. So sehr, da� es Euch lieber w�re, wir t�teten ihn f�r Euch.�</p><p>�Es sein ein paar gro�e Heerf�hrer, die noch leben.� Nuhel z�hlte sie an seinen in den Kampfhandschuhen steckenden Fingern ab. �Agelmar Jagad und Davram Bashere nicht werden verlassen die Grenze zur F�ule, glaube ich, und Pedron Niall bestimmt nicht sein n�tzlich f�r Euch. Wenn Rodel Ituralde noch leben, dann er verwickelt sein in was noch �brig von Arad Doman.� Er hob seinen dicken Daumen. �Und dann sein da noch Gareth Bryne.�</p><p>�Glaubt Ihr also, da� wir einen gro�en Heerf�hrer ben�tigen werden?� fragte Sheriam leise.</p><p>Nuhel und Arinvar blickten einander nicht an, doch Siuan hatte trotzdem das Gef�hl, sie tauschten einen Blick. �Es ist Eure Entscheidung, Sheriam�, antwortete Arinvar genauso leise, �Eure und die Eurer Schwestern, aber solltet Ihr vorhaben, zur Burg zur�ckzukehren, k�nnten wir ihn brauchen. Falls Ihr hierbleiben wollt, bis Elaida nach Euch schickt, brauchen wir ihn nicht.� Myrelle blickte Nuhel fragend an, und der nickte.</p><p>�Wie es scheint, habt Ihr recht gehabt, Siuan�, sagte Anaiya trocken. �Wir haben die Gaidin nicht get�uscht.�</p><p>�Die Frage ist nur, ob er zustimmt, uns zu dienen�, sagte Carlinya, worauf Morvrin nickte und hinzuf�gte: �Wir m�ssen unsere Gr�nde ihm gegen�ber so darstellen, da� er uns freiwillig dienen m�chte. Es wird uns bestimmt nicht weiterhelfen, wenn bekannt w�rde, da� wir einen solch herausragenden Mann get�tet oder eingesperrt haben, bevor unser Kampf �berhaupt richtig begann.�</p><p>�Ja�, stimmte Beonin zu, �und wir m�ssen ihm eine Belohnung anbieten, die ihn fest an uns bindet.�</p><p>Sheriam richtete ihren Blick auf die beiden M�nner. �Wenn Lord Bryne das Dorf erreicht, sagt ihm nichts, sondern bringt ihn zu uns.� Sobald sich die T�r hinter den Beh�tern geschlossen hatte, wurde ihr Blick grimmig. Siuan kannte das; dieser Blick aus den gr�nen Augen lie� den Novizinnen die Knie schlottern, bevor auch nur ein Wort gesprochen worden war. �Also. Ihr werdet uns berichten, warum Gareth Bryne hier ist.�</p><p>Sie hatte keine Wahl. Falls sie sie bei der allerkleinsten L�ge ertappten, w�rden sie beginnen, alles in Frage zu stellen. So holte sie noch einmal tief Luft. �Wir sind eines Nachts in einer Scheune in der N�he von Korequellen untergeschl�pft, dr�ben in Andor. Bryne ist der dort herrschende Lord, und... �</p></section><section><title><p>28</p><p>In der Falle</p></title><p>Ein Beh�ter in einem graugr�nen Wams n�herte sich Bryne, sobald er an den ersten Steingeb�uden des Dorfes vorbeiritt. Bryne h�tte den Mann �berall als Beh�ter identifizieren k�nnen. Es gen�gte, ihn auch nur zwei Schritte gehen zu sehen. Der vielen Aes-Sedai-Gesichter, die ihn auf der Stra�e anblickten, h�tte es gar nicht bedurft. Was im Namen des Lichts taten so viele Aes Sedai gleich an der Grenze von Amadicia? Ger�chte, die er in den letzten D�rfern vernommen hatte, besagten, Ailron habe vor, dieses Ufer des Eldar zu besetzen, was nichts anderes bedeutete, als da� die Wei�m�ntel herkommen w�rden. Die Aes Sedai konnten sich wohl sehr gut verteidigen, aber wenn Niall eine ganze Legion �ber den Flu� schicken w�rde, m��ten doch viele dieser Frauen sterben. Falls er noch in der Lage war, einzusch�tzen, wie lange ein Baumstumpf der Luft ausgesetzt gewesen war, war dieser Ort hier noch vor zwei Monaten im tiefen Wald begraben gewesen. Wo war Mara denn nun wieder hineingeraten? Er war sicher, sie hier vorzufinden. Die M�nner in den D�rfern hatten sich sehr wohl an drei h�bsche, junge Frauen erinnert, die gemeinsam weiterzogen, und ganz besonders, da eine von ihnen nach dem Weg zu einem seit dem Wei�mantelkrieg verlassenen Ort gefragt hatte.</p><p>Der Beh�ter, ein gro�er Mann mit breitem Gesicht, dem Bart nach aus Illian stammend, pflanzte sich auf der Stra�e vor Brynes braunem Wallach auf und verbeugte sich. �Lord Bryne? Ich hei�en Nuhel Dromand. Wenn Ihr mit mir kommen? Es warten welche auf Euch, die sprechen wollen Euch.�</p><p>Bryne stieg langsam ab, zog die Handschuhe aus und steckte sie hinten in den Schwertgurt, w�hrend er sich im Ort umsah. Der einfache br�unliche Mantel, den er nun trug, war viel besser f�r eine Reise dieser Art geeignet als der grauseidene, mit dem er losgeritten war. Er hatte ihn weggegeben. Aes Sedai, Beh�ter und andere beobachteten ihn schweigend, doch selbst jene, die bestimmt nur Diener waren, wirkten nicht �berrascht. Und Dromand kannte seinen Namen. Sein Gesicht war ihnen nicht unbekannt, doch er vermutete noch mehr dahinter. Falls Mara eine �falls <emphasis>sie</emphasis> Agentinnen der Aes Sedai waren, �nderte das nichts an dem Eid, den sie geleistet hatten. �Geht voran, Nuhel Gaidin.� Falls Nuhel �ber diese Anrede �berrascht war, zeigte er das jedenfalls nicht.</p><p>Die Schenke, in die ihn Dromand f�hrte � oder was von einer Schenke �briggeblieben war �, wirkte eher wie das Hauptquartier f�r einen Feldzug, soviel Gesch�ftigkeit herrschte hier. Zumindest, falls jemals ein Feldzug von Aes Sedai geleitet wurde. Er entdeckte Serenla, bevor sie ihn sah. Sie sa� mit einem gro�en Mann zusammen in einer Ecke. Das war wahrscheinlich Dalyn. Als sie ihn sah, klappte ihre Kinnlade herunter, und sie pre�te die Augen zusammen, als glaube sie ihnen nicht. Dalyn schien mit offenen Augen zu schlafen. Er blickte ins Leere. Keine der Aes Sedai und der Beh�ter nahm von ihm Notiz, als Dromand ihn durch den Raum f�hrte, aber Bryne h�tte sein Herrenhaus und seine L�ndereien verwettet, da� jeder von ihnen zehnmal soviel Einzelheiten entdeckt hatte als alle glotzenden Diener zusammengenommen. Er h�tte umdrehen und wegreiten sollen, als ihm klargeworden war, wer sich in diesem Dorf aufhielt.</p><p>Er musterte seine Gegen�ber sehr sorgf�ltig und merkte sich alles, w�hrend er sich bei der Vorstellung durch den Beh�ter vor den sechs am Tisch sitzenden Aes Sedai verbeugte, denn nur ein Narr benahm sich in Gegenwart von Aes Sedai unvorsichtig. Aber seine Gedanken galten den beiden jungen Frauen, die an der Wand neben dem frisch ausgefegten Kamin standen und einen bedr�ckten Eindruck machten. Das kleine Domanibiest mit dem biegsamen K�rper l�chelte ihn ausnahmsweise einmal eher zitternd als verf�hrerisch an. Auch Mara wirkte ver�ngstigt, beinahe zu Tode erschrocken, h�tte er sogar gesagt, aber diese blauen Augen blickten trotzdem noch trotzig in die seinen. Das M�dchen hatte den Mut eines L�wen.</p><p>�Wir sind erfreut, Euch zu sehen, Lord Bryne�, sagte die Aes Sedai mit dem Flammenhaar. Nur ein wenig mollig und mit schr�gstehenden Augen war sie h�bsch genug, um jeden Mann genauer hinsehen zu lassen, und das trotz des Ringes der Gro�en Schlange an ihrem Finger. �W�rdet Ihr uns bitte mitteilen, was Euch hierherf�hrt?�</p><p>�Nat�rlich, Sheriam Sedai.� Nuhel stand gleich neben ihm, aber Bryne konnte sich nicht vorstellen, welche Art von Frauen weniger Schutz vor einem alten Soldaten ben�tigten als diese hier. Er war sicher, da� sie den Grund bereits kannten, und als er ihre Mienen beobachtete, w�hrend er die Geschichte erz�hlte, sah er das auch best�tigt. Aes Sedai lie�en sich nichts anmerken, wenn sie das nicht wollten, aber zumindest eine von ihnen h�tte eine Regung gezeigt, als er den Eid erw�hnte, wenn sie nicht schon vorher Bescheid gewu�t h�tten.</p><p>�Eine schlimme Geschichte, die Ihr da erz�hlt, Lord Bryne.� Das war diese Anaiya. Alterslose Z�ge oder nicht, sie sah jedenfalls wie eine gl�ckliche, wohlhabende Bauersfrau aus und nicht wie eine Aes Sedai. �Und doch �berrascht es mich, da� Ihr sie so weit verfolgt habt, auch wenn es sich um Meineidige handelt.� Maras zarte Wangen r�teten sich stark vor Zorn. �Sicher, es war ein starker Eid, der nicht gebrochen werden sollte.�</p><p>�Ungl�cklicherweise�, sagte Sheriam, �k�nnen wir sie Euch jetzt noch nicht �bergeben.�</p><p>Also waren sie Agentinnen der Aes Sedai. �Ein starker Eid, der nicht gebrochen werden sollte, und trotzdem wollt Ihr sie davon abhalten, ihn zu erf�llen?�</p><p>�Sie werden ihn erf�llen�, sagte Myrelle mit einem Seitenblick zu dem P�rchen am Kamin hin�ber, der die beiden veranla�te, noch ein bi�chen steifer dazustehen, �und Ihr k�nnt sicher sein, da� sie bereits bereuen, hinterher davongelaufen zu sein.� Diesmal lief Amaena rot an, w�hrend Mara aussah, als wolle sie Steine zerbei�en. �Doch wir k�nnen das jetzt noch nicht gestatten.� Sie hatten ihre Ajah nicht erw�hnt, aber er glaubte, die dunkelhaarige, h�bsche Frau m�sse eine Gr�ne sein, und die kr�ftige mit dem runden Gesicht namens Morvrin war garantiert eine Braune. Vielleicht lag es an dem L�cheln, das Myrelle Dromand zugeworfen hatte, als er ihn hereinbrachte, und bei Morvrin hatte er den Eindruck, als sei sie mit den Gedanken ganz woanders. �Sie haben ja auch nicht geschworen, wann sie ihren Dienst antreten w�rden, und wir brauchen sie im Moment.�</p><p>Das war alles so t�richt. Er sollte sich daf�r entschuldigen, da� er sie gest�rt hatte, und dann gehen. Und das war nat�rlich auch t�richt. Schon bevor Dromand ihn auf der Stra�e angesprochen hatte, war ihm klargewesen, da� er h�chstwahrscheinlich Salidar nicht lebendig verlassen w�rde. Allein schon in dem Wald, in dem er seine M�nner zur�ckgelassen hatte, befanden sich mindestens f�nfzig Beh�ter, wenn nicht sogar hundert. Joni und die anderen w�rden sich gut zur Wehr setzen, aber er hatte sie nicht hierhergebracht, damit sie nun auf diese Weise starben. Doch er war schon ein rechter Narr, sich von einem Augenpaar in diese Falle locken zu lassen. Also konnte er genausogut fortfahren.</p><p>�Brandstiftung und Diebstahl und K�rperverletzung, Aes Sedai. Das waren ihre Delikte. Sie wurden vor Gericht gestellt, verurteilt und unter Eid genommen. Aber ich habe nichts dagegen, hierzubleiben und zu warten, bis Ihr mit ihnen fertig seid. Mara kann als Bursche f�r mich arbeiten, wenn Ihr sie gerade nicht braucht. Ich werde die Stunden ihrer Arbeit f�r mich abz�hlen und mit ihrer Dienstverpflichtung verrechnen.�</p><p>Mara �ffnete zornig den Mund, aber so, als h�tten die Frauen geahnt, da� sie protestieren wolle, richteten sich sechs Aes-Sedai-Augenpaare warnend auf sie. Sie zog die Schultern ein, klappte den Mund zu und blickte ihn w�tend und mit geballten F�usten an. Er war froh, da� sie kein Messer zur Hand hatte.</p><p>Myrelle schien m�hsam ein Lachen verbergen zu m�ssen. �Nehmt daf�r lieber die andere, Lord Bryne. So, wie sie Euch anschaut, wird sie viel... williger f�r Euch arbeiten.�</p><p>Er erwartete fast, da� Amaena nun rot w�rde, doch sie blieb ganz gelassen und musterte ihn � absch�tzend. Sie und Myrelle l�chelten sich sogar zu. Nun, sie war schlie�lich eine Domani, und das heute mehr denn je, wenn er an ihr letztes Zusammentreffen dachte.</p><p>Carlinya, gegen deren K�lte die anderen warmherzig erschienen, beugte sich vor. Er mi�traute ihr und der mit den gro�en Augen, die sie Beonin nannten. Er war nicht einmal sicher, warum. Wenn er sich hier mitten in einem Schachzug des Spiels der H�user bef�nde, w�rde er sagen, beide Frauen trieften vor Ehrgeiz. Und vielleicht war er ja tats�chlich nun in etwas sehr �hnliches verwickelt.</p><p>�Ihr solltet Euch allerdings dar�ber im klaren sein�, sagte Carlinya k�hl, �da� die Frau, die Ihr als Mara kennt, in Wirklichkeit Siuan Sanche ist, die fr�here Amyrlin. Und Amaena ist in Wirklichkeit Leane Sharif, die einstige Beh�terin der Chronik.�</p><p>Er mu�te an sich halten, um nicht mit offenem Mund dazustehen wie ein Bauernt�lpel. Jetzt, da er Bescheid wu�te, sah er die �hnlichkeit auf Maras � Siuans � Z�gen, diesem Gesicht, das ihn zu einem R�ckzieher gezwungen hatte und das nun wieder die Weichheit der Jugend aufwies. �Wie das?� war alles, was er herausbrachte. Mehr kam ihm nicht �ber die Lippen.</p><p>�Es gibt Dinge, die ein Mann besser nicht wei߫, erwiderte Sheriam k�hl, �und die meisten Frauen ebensowenig.�</p><p>Mara � nein, jetzt sollte er sie wohl auch in Gedanken beim richtigen Namen nennen � Siuan war einer D�mpfung unterzogen worden. Soviel wu�te er. Es mu�te etwas mit den Folgen der D�mpfung zu tun haben. Und wenn diese Domani mit dem Schwanenhals Beh�terin gewesen war, dann w�rde er darauf wetten, da� auch sie einer D�mpfung unterzogen worden war. Doch in Gegenwart von Aes Sedai �ber die Wirkung einer D�mpfung zu sprechen konnte einem schlecht bekommen. Au�erdem war es ja so, da� man von einer Aes Sedai, die unbedingt geheimnisvoll tun wollte, nicht einmal dann eine richtige Antwort bekam, wenn man fragte, ob der Himmel blau sei.</p><p>Sie waren verdammt gut, diese Aes Sedai. Erst hatten sie ihn eingelullt und dann zugeschlagen, als er nicht mehr auf der Hut war. Er hatte das dumpfe Gef�hl, er ahne, worauf sie damit hinauswollten, wof�r sie ihn weichpr�gelten. Es w�re interessant, festzustellen, ob er in die richtige Richtung dachte. �Das �ndert nichts an dem Eid, den sie leisteten. Und w�ren sie noch immer Amyrlin und Beh�terin, jedes Gesetz w�rde sie zwingen, diesem Eid Folge zu leisten, sogar das Gesetz von Tar Valon.�</p><p>�Da Ihr ja nichts dagegen habt, hierzubleiben�, sagte Sheriam, �k�nnt Ihr Siuan als Eure Leibdienerin haben, wenn wir sie gerade nicht brauchen. Wenn Ihr w�nscht, k�nnt Ihr auch alle drei haben, Min eingeschlossen, die Ihr offensichtlich als Serenla kennt, und sie sogar die ganze Zeit �ber.� Aus irgendeinem Grund schien das Siuan genauso zu �rgern wie das, was sie selbst betroffen hatte. Sie knurrte in sich hinein, aber nicht laut genug, um es zu verstehen. �Und da Ihr wohl kaum Einw�nde haben werdet, Lord Bryne, gibt es auch w�hrend Eurer Anwesenheit hier etwas, das Ihr f�r uns tun k�nnt.�</p><p>�Die Dankbarkeit der Aes Sedai ist nicht unbetr�chtlich�, sagte Morvrin.</p><p>�Ihr werdet dem Licht und der Gerechtigkeit dienen, wenn Ihr uns dient�, f�gte Carlinya hinzu.</p><p>Beonin nickte und sprach in betont ernstem Tonfall: �Ihr habt Morgase und Andor treu gedient. Dient uns genauso gut, und am Ende wird f�r Euch kein neues Exil stehen. Nichts von dem, was wir von Euch verlangen, wird Eurer Ehre zuwiderstehen. Und nichts von dem, was wir verlangen, wird Andor schaden.�</p><p>Bryne verzog das Gesicht. Er befand sich mitten im Spiel der H�user, das stand fest. Er glaubte manchmal, die Aes Sedai h�tten <emphasis>Daes Dae'mar</emphasis> erfunden. Sie schienen es noch im Schlaf zu spielen. Der offene Kampf war sicherlich blutiger, aber er war auch ehrlicher. Wenn sie bei ihm die F�den ziehen wollten, dann sollten sie eben � auf die eine oder andere Art erreichten sie immer, was sie wollten �, aber es war Zeit, ihnen zu beweisen, da� er keine hirnlose Marionette war.</p><p>�Die Wei�e Burg ist gespalten�, sagte er tonlos. Die Augen dieser Aes Sedai weiteten sich, aber er gab ihnen keine Gelegenheit zum Sprechen. �Die Ajah sind untereinander zerstritten. Nur aus diesem Grund seid Ihr alle hier. Ihr habt sicher kein weiteres Schwert an Eurer Seite n�tig� � er blickte zu Dromand hin�ber und bekam ein Nicken zur�ck �, �also kann der einzige Dienst, den Ihr von mir erwartet, nur der sein, ein Heer zu f�hren. Zuerst eines zu sammeln, es sei denn, Ihr habt weitere Lager mit viel mehr M�nnern, als ich hier zu sehen bekam. Und das hei�t, Ihr wollt Elaida bek�mpfen.� Sheriam blickte verbl�fft drein, Anaiya besorgt und Carlinya, als wolle sie etwas sagen, doch er fuhr fort. Sie sollten einmal zuh�ren, denn er erwarte, in den n�chsten Monaten sehr viel bei ihnen zuh�ren zu m�ssen. �Also gut. Ich habe Elaida noch nie leiden k�nnen, und ich kann nicht glauben, da� sie eine gute Amyrlin ist. Noch wichtiger: Ich kann ein Heer aufstellen, das Tar Valon einnimmt. Solange Euch bewu�t ist, da� dieser Kampf lang und blutig wird.�</p><p>�Aber ich habe einige Bedingungen.� Sie alle richteten sich bei diesen Worten steif auf, sogar Siuan und Leane. M�nner stellten Aes Sedai einfach keine Bedingungen. �Erstens bin ich der Oberkommandierende. Ihr sagt mir, was ich tun soll, aber ich entscheide, wie ich das erreiche. Ihr erteilt mir Befehle, und ich erteile sie den Soldaten, die unter mir dienen, aber nicht Ihr. Es sei denn, ich h�tte dem vorher zugestimmt.� Mehrere M�nder �ffneten sich, zuerst die von Carlinya und Beonin, aber er fuhr unger�hrt fort: �Ich teile die M�nner ein, ich bef�rdere und bestrafe sie. Nicht Ihr. Zweitens: Wenn ich Euch mitteile, da� etwas nicht geht, dann werdet Ihr Euch sorgf�ltig �berlegen, wie das ge�ndert werden kann. Ich will Eure Autorit�t nicht untergraben� � das w�rden sie wohl kaum zulassen �, �aber ich will auch keine Menschenleben verschwenden, weil Ihr nichts von Kriegf�hrung versteht.� Es w�rde nat�rlich trotzdem geschehen, aber mit Gl�ck h�chstens einmal. �Drittens: Wenn Ihr das anfangt, dann zieht es auch konsequent durch. Ich werde meinen Kopf in eine Schlinge stecken, genau wie jeder Mann, der mir folgt, und solltet Ihr in einem halben Jahr pl�tzlich entscheiden, da� Elaida als Amyrlin doch noch besser sei als ein langer Krieg, zieht Ihr damit die Schlinge um den Hals jedes Mannes zu, den man erwischen wird. Die anderen L�nder werden sich aus einem B�rgerkrieg um die Burg heraushalten, aber wenn Ihr uns im Stich la�t, werden sie uns nicht am Leben lassen. Daf�r wird Elaida sorgen.</p><p>Wenn Ihr diese Bedingungen nicht annehmt, sehe ich keine M�glichkeit, Euch zu dienen. Ob Ihr mich dann mit Hilfe der Macht bindet, damit Dromand hier mir die Kehle aufschlitzt, oder ob ich verurteilt und aufgeh�ngt werde, kommt auf dasselbe heraus � tot bin ich dann allemal.�</p><p>Die Aes Sedai sagten nichts. Eine Weile blickten sie ihn nur an, bis er sich des Juckens zwischen seinen Schulterbl�ttern wegen schon fragte, ob ihm Nuhel gleich einen Dolch in den R�cken sto�en werde. Dann erhob sich Sheriam, und die anderen folgten ihr an die Fenster. Er sah, wie sich ihre Lippen bewegten, h�rte aber nichts. Wenn sie ihre Absichten hinter der Einen Macht verbergen wollten, warum nicht. Er war sich nicht sicher, wieviel er ihnen von dem, was er w�nschte, abringen k�nne. Wenn sie vern�nftig waren, alles, aber bei Aes Sedai galten manchmal schon seltsame Dinge als �vern�nftig�. Was sie auch entscheiden mochten, er w�rde es wohl oder �bel mit Anstand hinnehmen m�ssen. Er hatte sich selbst in die perfekte Falle gelockt.</p><p>Leane warf ihm einen Blick und ein L�cheln zu, das ihm ganz deutlich sagte, er werde niemals erfahren, was ihm entgangen war. Nun, sie hatten ihn vermutlich mit Worten durch die Mangel gezogen, und er war wahrscheinlich nicht gut dabei weggekommen. Diese Domanifrauen versprachen immer nur die H�lfte dessen, was man ihnen zutraute, gaben immer nur das, was sie wollten und �nderten ihre Meinung und Absicht jeden Moment aufs neue.</p><p>Der K�der in seiner Falle sah ihn geradewegs an und schritt dann auf ihn zu, bis sie ihm so nahe war, da� sie sich den Hals verrenken mu�te, um zu ihm aufzublicken.</p><p>Sie sprach mit leiser, zornbebender Stimme: �Warum habt Ihr das getan? Warum seid Ihr uns gefolgt? Einer Scheune wegen?�</p><p>�Eines Eides wegen.� Eines blauen Augenpaars wegen. Siuan Sanche konnte kaum zehn Jahre j�nger sein als er, aber es fiel schwer, sich daran zu erinnern, da� sie Siuan Sanche war, bei einem Gesicht, das eher drei�ig Jahre j�nger wirkte. Die Augen aber waren dieselben, tiefblau und so stark, wie sie dreinblickten. �Eines Eides wegen, den Ihr mir geleistet und gebrochen habt. Daf�r sollte ich Eure Dienstzeit verdoppeln.�</p><p>Ihr Blick fiel von ihm ab, und sie verschr�nkte die Arme unter den Br�sten und grollte: �Das wurde bereits erledigt.�</p><p>�Wollt Ihr damit sagen, da� sie Euch des Meineids wegen bestraft haben? Falls sie Euch deshalb den Hintern versohlt haben, geht das mich trotzdem nichts an, solange ich es nicht selbst tue.�</p><p>Dromands leises Lachen klang ziemlich entr�stet. Der Mann hatte bestimmt noch damit zu k�mpfen, wer Siuan in Wirklichkeit war. Bryne selbst war noch keineswegs dar�ber hinweg. Ihr Gesicht verf�rbte sich, bis er f�rchtete, sie sei einem Erstickungsanfall nahe. �Meine Dienstzeit wurde bereits verdoppelt, wenn nicht noch mehr, Ihr stinkender Haufen fauliger Fischabf�lle! Ihr und Eure Art, Stunden abzurechnen! Keine Arbeitsstunde z�hlt, bevor wir nicht alle drei wieder in Eurem Herrenhaus sind, und wenn ich auch zwanzig Jahre lang Euer... Euer Leibbursche sein mu�, was immer das auch sein mag!�</p><p>Also hatten sie auch das geplant gehabt, Sheriam und die anderen. Er blickte hin�ber, wo sie an den Fenstern standen und sich berieten. Sie schienen sich in zwei feindliche Lager geteilt zu haben: Sheriam, Anaiya und Myrelle auf einer Seite, Morvrin und Carlinya auf der anderen. Beonin stand wohl dazwischen. Sie waren also bereit gewesen, ihm Siuan und Leane und � Min? � als eine Art Schmiergeld zu �berlassen, bevor er sich �berhaupt hier befand. Sie mu�ten verzweifelt sein, und das bedeutete, er befand sich auf der schw�cheren Seite; aber vielleicht waren sie verzweifelt genug, ihm Mittel in die Hand zu geben, die ihm eine Chance auf den Sieg er�ffneten.</p><p>�Das macht Euch auch noch Spa�, oder?� sagte Siuan emp�rt, als sich sein Blick wieder ihr zuwandte. �Ihr Bussard. Verdammt sollt Ihr alter Narr mit Eurem Karpfenhirn sein! Jetzt, da Ihr wi�t, wer ich bin, gef�llt es Euch, wenn ich mich vor Euch beugen und knicksen mu�, ja?� Im Augenblick sah sie ganz und gar nicht danach aus. �Warum? Wollt Ihr Rache, weil ich Euch Murandys wegen damals zum R�ckzug gezwungen habe? Seid Ihr ein so kleinm�tiger Mensch, Gareth Bryne?�</p><p>Sie versuchte, ihn zu provozieren, weil sie bereits zuviel gesagt hatte und ihm keine Zeit lassen wollte, dar�ber nachzudenken. Vielleicht war sie ja keine Aes Sedai mehr, aber das Manipulieren lag ihr im Blut.</p><p>�Ihr wart die Amyrlin�, erwiderte er gelassen, �und selbst ein K�nig k��t den Ring der Amyrlin. Ich kann nicht behaupten, da� mir gefiel, was Ihr mit mir gemacht habt, und irgendwann sollten wir uns vielleicht in aller Ruhe dar�ber unterhalten, ob es notwendig war, das in Gegenwart des halben Hofstaats zu tun. Aber erinnert Euch bitte daran, da� ich Mara Tomanes hierher gefolgt bin, und es war Mara Tomanes, die ich haben wollte. Nicht Siuan Sanche. Da Ihr immer nach dem Grund fragt, la�t mich dasselbe tun. Warum war es so wichtig, da� ich die Grenz�berf�lle aus Murandy nicht aufhielt?�</p><p>�Weil Euer Eingreifen wichtige Pl�ne zunichte gemacht h�tte�, sagte sie angespannt und betonte das alles noch, als sei jedes Wort von Bedeutung. �Genau wie Euer Eingreifen jetzt! Die Burg hatte einen jungen Grenzlord namens Dulain als den Mann identifiziert, der eines Tages Murandy mit unserer Hilfe wirklich vereinigen k�nnte. Ich konnte nicht zulassen, da� Eure Soldaten ihn zuf�llig get�tet h�tten. Ich habe hier wertvolle Arbeit zu leisten, <emphasis>Lord</emphasis> Bryne. La�t sie mich in Ruhe vollbringen, dann erlebt Ihr vielleicht auch den Sieg. Mischt Euch aus Rachsucht ein, und Ihr werdet alles ruinieren.�</p><p>�Welche Arbeit Ihr auch hier zu verrichten habt, so bin ich doch sicher, Sheriam und die anderen werden daf�r sorgen, da� Ihr dazu kommt. Dulain? Nie von ihm geh�rt. Er kann in der Rangordnung noch nicht hoch genug stehen, um die Nachfolge anzutreten.� Seiner Meinung nach w�rde Murandy ein in unz�hlige Herrschaftsbereiche unabh�ngiger Lords und Ladies zerfallenes Flickwerk bleiben, bis sich das Rad drehte und ein neues Zeitalter anbrach. Die Menschen in Murandy waren schon Lugarder oder Mindeaner oder was sonst noch gewesen, bevor ein Staat dort �berhaupt entstanden war; wenn man das denn einen Staat nennen konnte. Aber ein Lord, der sie wirklich einen k�nnte und dabei Siuans Halsband und Leine trug, konnte eine nicht unbetr�chtliche Anzahl M�nner f�r sein Heer stellen.</p><p>�Er... starb.� Rote Flecken erschienen auf ihren Wangen, und sie schien mit sich selbst zu k�mpfen. �Einen Monat nachdem ich Caemlyn verlie߫, knurrte sie leiser, �hat irgendein andoranischer Bauer ihm einen Pfeil durch die Brust geschossen, weil seine Schafe geraubt werden sollten.�</p><p>Er konnte sich das Lachen nicht verkneifen. �Also h�tte Ihr die Bauern dazu bringen sollen, dort zu knien anstatt meiner. Na ja, jetzt m��t Ihr euch mit solchen Dingen nicht mehr besch�ftigen.� Das stimmte auf jeden Fall. Welche Aufgabe die Aes Sedai auch f�r sie hatten, sie w�rden ihr keinesfalls mehr Macht und Entscheidungen anvertrauen. Er bedauerte sie. Er konnte sich nicht vorstellen, da� diese Frau aufgab und starb, aber sie hatte alles verloren bis auf ihr Leben. Andererseits pa�te es ihm nicht, wenn sie ihn einen Bussard nannte oder ihn als Haufen stinkender Fischabf�lle bezeichnete. Wie war das noch gewesen? Karpfenhirn? �Von nun an k�nnt Ihr euch darauf beschr�nken, meine Stiefel sauberzuhalten und mein Bett zu machen.�</p><p>Ihre Augen zogen sich zu schmalen Schlitzen zusammen. �Falls es das ist, was Ihr w�nscht, <emphasis>Lord</emphasis> Gareth Bryne, solltet Ihr Leane erw�hlen. Sie k�nnte t�richt genug sein.�</p><p>Er konnte sich gerade noch zur�ckhalten, um nicht Augen und Mund aufzurei�en. Die Wege eines weiblichen Verstands lie�en ihn immer noch staunen. �Ihr habt geschworen, mir zu dienen, gleich, wie ich mich entscheide�, brachte er mit einem Schmunzeln heraus. Warum verhielt er sich so? Er wu�te doch, wer sie war und was sie war. Aber diese Augen verfolgten ihn immer noch. Sie stellten eine Herausforderung dar, obwohl sie offensichtlich glaubte, ihm keine Hoffnung machen zu k�nnen, so wie sie jetzt gerade dreinblickten. �Ihr werdet schon feststellen, welche Sorte von Mann ich bin, Siuan.� Er hatte sie nach seinem Scherz mit diesen Worten bes�nftigen wollen, aber so, wie sie ihre Schultern einzog, empfand sie es wohl als Drohung.</p><p>Mit einemmal wurde ihm bewu�t, da� er die Aes Sedai h�ren konnte. Leises Stimmengemurmel erklang, verstummte aber sofort wieder. Sie standen zusammen und blickten ihn mit ausdruckslosen Mienen an. Nein, Siuan blickten sie an. Ihre Blicke folgten ihr, als sie dorthin zur�ckschritt, wo Leane stand. Als f�hle sie den Druck dieser Blicke, wurde jeder Schritt ein wenig schneller als der vorhergehende. Als sie sich am Kamin wieder umwandte, war ihr Gesicht genauso ausdruckslos wie die der anderen. Eine bemerkenswerte Frau. Er war nicht sicher, ob er das an ihrer Stelle geschafft h�tte.</p><p>Die Aes Sedai warteten darauf, da� er vor sie trat. Er tat es, und Sheriam sagte: �Wir erkennen Eure Bedingungen ohne Einschr�nkung an, Lord Bryne, und verpflichten uns, sie einzuhalten. Sie sind �u�erst vern�nftig.�</p><p>Carlinya zumindest machte nicht den Eindruck, als hielte sie sie f�r vern�nftig, aber das war ihm gleich. Er war darauf vorbereitet gewesen, in allen Punkten au�er dem letzten nachzugeben; nur im Stich lassen durften sie ihn nicht.</p><p>Er kniete auf der Stelle nieder, pre�te die rechte Faust auf den kleinen L�ufer, und sie stellten sich um ihn herum auf, und nacheinander legte ihm jede eine Hand auf das gebeugte Haupt. Es war ihm gleich, ob sie die Macht ben�tzten, ihn an seinen Eid zu binden, oder um die Wahrheit herauszufinden. Er war nicht einmal sicher, ob sie eines von beiden oder beides vollbringen konnten; wer wu�te schon wirklich, wozu eine Aes Sedai f�hig war? Und falls sie etwas anderes erreichen wollten, konnte er es auch nicht verhindern. Von einem Augenpaar gefangen und in die Falle gelockt wie ein verliebter Bauernt�lpel. Er hatte wirklich das Hirn eines Karpfens. �Ich verspreche und schw�re, Euch treu zu dienen, bis die Wei�e Burg Euer ist...�</p><p>Er schmiedete bereits Pl�ne. Thad und vielleicht ein oder zwei Beh�ter mu�ten die Grenze �berschreiten und nachsehen, was die Wei�m�ntel planten. Joni, Barim und noch ein paar w�rde er nach Ebou Dar hinunterschicken. Das w�rde Joni davon abhalten, doch noch einmal seine eigene Zunge zu verschlucken, wenn er �Mara� und �Amaena� anblickte. Und jeder Mann, den er aussandte, w�rde �ber genug Erfahrung verf�gen, Leute anzuwerben.</p><p>�... Euer Heer aufzubauen und zu f�hren, so gut das meine F�higkeiten zulassen... �</p><p>Als das leise Gemurmel der Unterhaltungen im Schankraum verstummte, blickte Min von den Mustern auf, die sie gelangweilt mit einem in Wein gestippten Finger auf die Tischfl�che gemalt hatte. Auch Logain r�hrte sich erstaunlicherweise, aber er sah dann doch nur die Leute im Raum an oder starrte durch sie hindurch; das lie� sich schwer feststellen.</p><p>Gareth Bryne und der gro�e Beh�ter aus Illian kamen zuerst aus dem Hinterzimmer zur�ck. In die gespannte Stille hinein sagte Bryne: �Sagt ihnen, die Bedienung aus einer Taverne in Ebou Dar habe Euch geschickt, sonst stecken sie Euren Kopf auf eine Stange.�</p><p>Der Illianer lachte schallend. �Eine gef�hrliche Stadt, Ebou Dar.� Er zog die Lederhandschuhe aus seinem Schwertgurt und marschierte auf die Stra�e hinaus, w�hrend er sie anzog.</p><p>Die Gespr�che begannen wieder, als Siuan auftauchte. Min verstand nicht, was Bryne zu ihr sagte, aber sie trat �offensichtlich kochend vor Wut � hinter dem Beh�ter hinaus. Min hatte das flaue Gef�hl, die Aes Sedai h�tten entschieden, diesen t�richten Eid, auf den Siuan so stolz gewesen war, tats�chlich anzuerkennen, und zwar ab sofort. Falls sie sich einreden konnte, die beiden Beh�ter, die so entspannt an der Wand lehnten, w�rden es nicht bemerken, k�nnte sie ja wie der Blitz aus der T�r huschen und in Wildroses Sattel springen.</p><p>Schlie�lich kamen auch Sheriam und die anderen Aes Sedai mit Leane heraus. Myrelle setzte sich mit Leane an einen der Tische und redete auf sie ein, w�hrend die �brigen durch den Raum schritten und sich mit jeder anwesenden Aes Sedai kurz unterhielten. Was sie ihnen auch sagten, die Reaktionen waren jedenfalls unterschiedlich � vom offenen Schreck bis zum zufriedenen L�cheln, und das alles trotz der ansonsten w�rdevollen Beherrschung einer Aes Sedai.</p><p>�Bleibt hier�, sagte Min zu Logain und schob ihren Korbstuhl zur�ck. Sie hoffte, er werde keine Schwierigkeiten machen. Er blickte eines der Aes-Sedai-Gesichter nach dem anderen an und schien wieder mehr wahrzunehmen als in den letzten Tagen. �Bleibt bitte hier an diesem Tisch, bis ich zur�ck bin, Dalyn.� Sie konnte sich noch nicht wieder daran gew�hnen, sich unter Menschen zu befinden, die seinen richtigen Namen kannten. �Bitte.�</p><p>�Sie hat mich an Aes Sedai verkauft.� Sie erschrak, als er pl�tzlich nach so langem Schweigen wieder sprach. Er schauderte und nickte dann. �Ich werde warten.�</p><p>Min z�gerte, aber wenn ihn zwei Beh�ter nicht von Dummheiten abhalten konnten, dann wenigstens ein ganzer Raum voller Aes Sedai. Als sie zur T�r kam, wurde gerade ein kr�ftiger brauner Wallach von einem Mann weggef�hrt, der wie ein Stallbursche auf sie wirkte. Sie nahm an, es sei Brynes Pferd. Ihre eigenen konnte sie nirgends entdecken. Das war's dann also mit dem schnellen Wegreiten. <emphasis>Ich werde dieses verdammte Ding einhalten. Bestimmt! Aber sie k�nnen mich nicht l�nger von Rand fernhalten. Ich habe getan, was Siuan wollte. Sie m�ssen mich zu ihm lassen.</emphasis> Das einzige Problem war nur, da� f�r gew�hnlich die Aes Sedai ihre eigenen Entscheidungen trafen und meistens auch noch gleich f�r andere mit entschieden.</p><p>Siuan h�tte sie beinahe �ber den Haufen gerannt, als sie mit finsterer Miene hereineilte, eine Deckenrolle unter dem Arm und Satteltaschen �ber die Schulter geh�ngt. �Behaltet gef�lligst Logain im Auge�, zischte sie ihr zu, ohne den Schritt zu verlangsamen. �La�t ihn mit niemandem sprechen.� Sie marschierte zur Treppe hin�ber, wo eine grauhaarige Frau, sicher eine Dienerin, gerade Bryne hinauff�hren wollte, und schlo� sich den beiden an. So, wie sie den R�cken des Mannes fixierte, konnte er froh sein, wenn sie nicht zu ihrem Messer griff.</p><p>Min l�chelte den hochgewachsenen, schlanken Beh�ter an, der ihr zur T�r gefolgt war. Er stand zehn Fu� entfernt und sah kaum zu ihr her�ber, doch sie machte sich keine Illusionen. �Wir sind jetzt G�ste. Freunde.� Er erwiderte das L�cheln nicht. <emphasis>Verdammte M�nner mit Euren</emphasis></p><p><emphasis>Steinmienen!</emphasis> Warum konnten sie einem nicht wenigstens ein bi�chen zu verstehen geben, was sie dachten?</p><p>Logain musterte immer noch die Aes Sedai, als sie zum Tisch zur�ckkam. Ausgerechnet jetzt wollte Siuan, da� er nichts sagte, wo er doch endlich wieder Lebenszeichen von sich gab. Sie mu�te unbedingt mit Siuan sprechen. �Logain�, sagte sie leise in der Hoffnung, keiner der an die Wand gelehnt dastehenden Beh�ter k�nne die Worte verstehen. Sie hatten sich ja kaum ger�hrt, seit sie ihre Beobachtung �bernommen hatten, au�er demjenigen, der ihr an die T�r gefolgt war. �Ich glaube, Ihr solltet nichts sagen, bis Mara Euch mitteilt, was sie plant. Niemandem.�</p><p>�Mara?� Er l�chelte sie h�hnisch an. �Ihr meint wohl Siuan Sanche?� Also erinnerte er sich an das, was er im Tran geh�rt hatte. �Sieht hier irgend jemand so aus, als wolle er oder sie mit mir sprechen?� Er widmete sich wieder seinen finsteren Beobachtungen.</p><p>Niemand machte den Eindruck, mit einem ausgebrannten falschen Drachen reden zu wollen. Au�er den beiden Beh�tern schien �berhaupt niemand sie auch nur zu beachten. W��te sie es nicht besser, h�tte sie gesagt, unter den Aes Sedai im Raum herrsche Aufregung. Sie hatten auch vorher bestimmt keinen tr�gen, uninteressierten Eindruck auf sie gemacht, doch nun schien eine unsichtbare Energie alle gepackt zu haben. Sie standen in kleinen Gruppen zusammen und diskutierten oder gaben den Beh�tern knappe, zielbewu�te Anweisungen. Die Papiere, auf die sie sich vorher so konzentriert hatten, lagen jetzt zumeist vergessen herum. Sheriam und die anderen, die Siuan zu sich geholt hatten, waren in das Hinterzimmer zur�ckgekehrt, aber Leane sa� nun mit zwei Helferinnen an einem Tisch, und die beiden Frauen machten sich Notizen, so schnell sie nur konnten. Au�erdem kamen immer wieder neue Aes Sedai in die Schenke, verschwanden hinter dieser grobgezimmerten Brettert�r und kamen nicht mehr heraus. Was dort drinnen auch geschehen sein mochte, Siuan hatte einiges in Bewegung gesetzt.</p><p>Min w�nschte sich Siuan an ihren Tisch herbei, oder besser noch irgendwo, wo sie f�nf Minuten lang allein miteinander sprechen k�nnten. Zweifellos schlug sie in diesem Moment Bryne die eigenen Satteltaschen um die Ohren. Nein, zu solchen Mitteln w�rde Siuan vielleicht doch nicht greifen, trotz ihrer zornerf�llten Blicke. Bryne war nicht wie Logain, der einen �bermenschlichen Eindruck erweckte, dessen Bewegungen, Gesten, Gef�hlsausdr�cke jeden beeindruckten und beherrschten. Logain hatte es eine Weile lang geschafft, Siuan durch seine enorme Ausstrahlung zu �berw�ltigen. Bryne dagegen war ruhig, reserviert, bestimmt kein kleiner Mann, aber nicht so beherrschend. Sie wollte sich den Mann, an den sie sich noch gut von Korequellen her erinnerte, nicht zum Feind machen, aber andererseits glaubte Min nicht, da� Bryne sich lange gegen Siuans Pers�nlichkeit halten k�nne. M�glicherweise glaubte er, sie werde dem�tig ihre Zeit als seine Dienerin abarbeiten, doch Min hatte wenig Zweifel, wer am Ende das tun werde, was der andere wollte. Sie mu�te nur jetzt mit dieser Frau �ber ihn sprechen.</p><p>Als habe sie Mins Gedanken gelesen, kam Siuan die Treppe mit einem B�ndel wei�er W�sche unter dem Arm heruntergestampft. Oder stolziert, das kam der Bewegung n�her. H�tte sie einen Schwanz, dann h�tte sie mit diesem vermutlich hinund hergeschlagen. Sie blieb einen Augenblick lang stehen und sah Min und Logain an, bevor sie entschlossen Richtung K�chent�r marschierte.</p><p>�Bleibt hier�, warnte Min noch einmal Logain. �Und bitte, sprecht nicht, bis... Siuan eine Gelegenheit hat, mit Euch zu reden.� Sie mu�te sich erst wieder daran gew�hnen, die Menschen bei ihren richtigen Namen zu nennen. Er blickte sie nicht einmal an.</p><p>Sie holte Siuan im Flur gleich vor der K�che ein. Das Klappern und Klatschen der T�pfe und Teller, die dort abgewaschen wurden, drang laut durch die Spalten, die entstanden waren, als die frischen Bretter der K�chent�r trockneten. Siuan ri� erschrocken die Augen auf. �Warum habt Ihr ihn allein gelassen? Lebt er noch?�</p><p>�Soweit ich erkennen kann, wird er wohl ewig leben. Siuan, niemand will mit ihm sprechen. Aber ich mu� mit Euch sprechen.� Siuan dr�ckte ihr das wei�e B�ndel einfach in die Hand. �Was ist das?�</p><p>�Gareth des verdammten Brynes verfluchte W�sche�, fauchte die andere Frau. �Da Ihr ja auch eine seiner <emphasis>Dienerinnen</emphasis> seid, k�nnt Ihr sie waschen. Ich mu� mit Logain sprechen, bevor es jemand anders tut.�</p><p>Min packte sie am Arm, als sie sich vorbeizudr�cken versuchte. �Ihr k�nnt mir ganz gut eine Minute lang zuh�ren. Als Bryne hereinkam, hatte ich eine Vision. Eine Aura und einen Stier, der Rosen wegri�, die er um den Hals trug, und... Keines davon spielt aber eine Rolle au�er der Aura. Ich habe es nicht genau verstanden, aber immerhin mehr als alles andere.�</p><p>�Wieviel konntet Ihr verstehen?�</p><p>�Wenn Ihr am Leben bleiben wollt, solltet Ihr immer in seiner N�he bleiben.� Trotz der Hitze schauderte Min. Sie hatte bisher nur eine Vision erlebt, die einen solchen Unsicherheitsfaktor enthielt, und die hatte eine t�dliche Gefahr beinhaltet. Es war manchmal ja schon schlimm genug, zu wissen, was auf jeden Fall geschehen werde, aber zu wissen, was eventuell <emphasis>m�glich</emphasis> war...? �Ich wei� nur folgendes: Wenn er in Eurer N�he bleibt, �berlebt Ihr. Wenn er sich zu lange Zeit zu weit entfernt, sterbt Ihr. Ihr beide. Ich wei� nicht, wieso ich in seiner Aura etwas �ber Euch gesehen habe, aber Ihr wart offensichtlich ein Teil davon.�</p><p>Siuans L�cheln h�tte eine Birne ganz ohne Messer sch�len k�nnen. �Ich w�rde lieber in einem verrotteten Wrack segeln, das eine Ladung Aale vom letzten Monat bef�rdert.�</p><p>�Ich h�tte nie gedacht, da� er uns folgen w�rde. Werden sie uns wirklich zwingen, mit ihm zu kommen?�</p><p>�O nein, Min. Er wird unser Heer zum Sieg f�hren. Und mir das Leben zur H�lle machen! Also wird er mir das Leben retten, ja? Ich wei� nicht, ob es das wert ist.� Sie atmete tief durch und strich ihren Rock glatt. �Wenn Ihr die Sachen gewaschen und geb�gelt habt, bringt sie mir wieder. Ich werde sie zu ihm hinauftragen. Ihr k�nnt noch seine Stiefel putzen, bevor Ihr heute abend ins Bett geht. Wir haben ein Zimmer � eine Rumpelkammer � ganz in seiner N�he, damit er uns rufen kann, um sein verdammtes Kopfkissen aufzusch�tteln!� Sie war weg, bevor Min protestieren konnte.</p><p>Sie blickte auf das B�ndel W�sche hinunter und wu�te genau, wer k�nftig Gareth Brynes W�sche waschen durfte, und es war nicht Siuan Sanche. <emphasis>Rand verdammter al'Thor!</emphasis> Verlieb dich in einen Mann, und es endet damit, da� du W�sche waschen mu�t, selbst wenn es die eines anderen ist. Als sie in die K�che marschierte, um einen Waschzuber und hei�es Wasser zu holen, war sie genauso w�tend wie Siuan.</p></section><section><title><p>29</p><p>Erinnerungen an Saldaea</p></title><p>Kadere lag in Hemds�rmeln im Dunkel auf seinem Bett und zwirbelte gelangweilt an einem seiner gro�en Taschent�cher. Die offenen Wagenfenster lie�en wohl den Mondschein herein, aber kaum ein Lufthauch drang bis zu ihm. Wenigstens war es in Cairhien k�hler als in der W�ste. Eines Tages, so hoffte er, w�rde er nach Saldaea zur�ckkehren und wieder in dem Garten spazierengehen, in dem ihm seine Schwester Teodora einst die Grundz�ge des Schreibens und Rechnens beigebracht hatte. Er vermi�te sie genauso wie Saldaea mit seinen strengen Wintern, wo die B�ume im harten Frost aufplatzten und man sich nur mit Skiern oder Schneeschuhen vorw�rtsbewegen konnte. In diesen s�dlichen Gefilden hatte er das Gef�hl, schon der Fr�hling sei wie ein Sommer und der Sommer hei� wie der Krater des Verderbens. Der Schwei� str�mte ihm st�ndig �ber das Gesicht und den K�rper.</p><p>Mit einem tiefen Seufzer schob er die Finger in einen kleinen Spalt hinter dem Bett, wo es an der Wand des Wagens befestigt war. Das zusammengefaltete St�ck Pergament raschelte. Er lie� es dort stecken. Den Inhalt kannte er auswendig.</p><p><emphasis>�Ihr seid nicht allein unter Fremden.</emphasis></p><p><emphasis>Ein Weg wurde auserw�hlt.� Nicht mehr als das, und nat�rlich ohne Unterschrift. Er hatte es gefunden, als er sich f�r die Nacht zur�ckzog. Jemand hatte es unter der T�r durchgeschoben. Eine kleine Stadt lag weniger als eine Viertelmeile entfernt � Eianrod �, doch selbst wenn dort noch ein weiches Bett frei gewesen w�re, h�tten ihm die Aiel wohl kaum gestattet, eine Nacht au�erhalb seines Wagens zu verbringen. Auch diese Aes Sedai w�rde es ihm untersagen. Im Augenblick stimmten seine Pl�ne ja auch durchaus mit denen Moiraines �berein. Vielleicht w�rde er sogar Tar Valon wiedersehen, f�r einen wie ihn wohl ein gef�hrlicher Ort, aber die Arbeit dort war immer wichtig und wirkte irgendwie auch belebend auf ihn.</emphasis></p><p>Er konzentrierte sich wieder auf die zugespielte Nachricht, die er allerdings viel lieber ignoriert h�tte. An dem Wort �auserw�hlt� erkannte er, da� sie mit Sicherheit von einem anderen Schattenfreund stammte. Das �berraschende daran war, da� er sie jetzt erhielt, nachdem sie schon durch halb Cairhien gekommen waren. Vor beinahe zwei Monaten hatte er einen ersten Fingerzeig erhalten, gleich, nachdem sich Jasin Natael, aus welchen Gr�nden auch immer, Rand al'Thor angeschlossen hatte. Dazu war seine neue Partnerin Keille Shaogi verschwunden. Er vermutete, sie liege, nach einem Messerstich Nataels, irgendwo in der W�ste begraben, und er war froh, sie los zu sein. Bald darauf war er von einer der Auserw�hlten besucht worden, und zwar von keiner Geringeren als Lanfear selbst. Sie hatte ihm Anweisungen erteilt.</p><p>Automatisch griff er sich an die Brust und tastete durch den Stoff des Hemdes hindurch nach den Brandnarben. Er wischte sich mit dem Tuch �ber das Gesicht. Ein Teil seines Verstands best�tigte ihm mit kalter Logik, da� diese Narben ihm eindeutig bewiesen, da� es sich nicht um einen normalen Traum gehandelt habe. Einen normalen Alptraum. Ein anderer Teil seiner Selbst wimmerte innerlich fast vor Erleichterung, da� sie seither nicht zur�ckgekehrt war.</p><p>Die zweite �berraschung an der Nachricht war die Handschrift gewesen. Es war eine Frauenschrift, wenn er sich nicht vollkommen irrte, und einige der Buchstaben entsprachen der typischen Schrift der Aiel. Natael hatte ihm gesagt, es m�sse unter den Aiel auch Schattenfreunde geben, denn die gab es in jedem Land und bei jedem Volk, doch er hatte nie den Wunsch versp�rt, in der W�ste Br�der zu suchen. Aiel t�teten schnell, ohne mit der Wimper zu zucken, und man konnte sie schon in Rage bringen, wenn man nur zu laut atmete.</p><p>Alles in allem roch die Nachricht nach Verh�ngnis. Wahrscheinlich hatte Natael einem Schattenfreund unter den Aiel gesagt, wer er sei. Er zwirbelte �rgerlich das Tuch zu einem langen, d�nnen Strick und zerri� es dann. H�tten der Gaukler und Keille nicht unwiderlegbar beweisen k�nnen, da� sie hochstehende Mitglieder in den Ratsversammlungen der Schattenfreunde waren, dann h�tte er sie beide get�tet, bevor sie sich der W�ste auch nur n�herten. Die andere M�glichkeit lag ihm allerdings noch schwerer im Magen. �Ein Weg wurde auserw�hlt.� Vielleicht hatte man ihm auf diese Art nur das Wort �auserw�hlt� zuspielen wollen, und das k�nnte bedeuten, da� einer der Auserw�hlten beschlossen hatte, ihn zu benutzen. Die Nachricht stammte jedenfalls nicht von Lanfear, denn die w�re ihm statt dessen einfach wieder im Traum erschienen.</p><p>Trotz der Hitze schauderte er, mu�te sich aber gleichzeitig wieder den Schwei� vom Gesicht wischen. Lanfear war eine durchaus eifers�chtige Herrin, aber was, wenn ein anderer der Auserw�hlten ihn zum Diener haben wollte? Er h�tte wohl keine andere Wahl. Obwohl man ihm als Junge bei seiner Vereidigung eine Menge Versprechungen gemacht hatte, gab er sich keinen Illusionen hin. In einem Konflikt zwischen zwei der Auserw�hlten w�rde er plattgewalzt wie ein K�tzchen unter einem Wagenrad, und sie w�rden es so wenig bemerken wie das Rad sein Opfer. Er w�re so gern zu Hause in Saldaea gewesen. Er h�tte Teodora so gern wiedergesehen.</p><p>Ein Kratzen an der T�r lie� ihn hochfahren und aufspringen. Trotz seines massigen K�rpers war er beweglicher, als er sich vor anderen den Anschein gab. Er wischte sich wieder Gesicht und Hals mit einem neuen Tuch ab, w�hrend er an dem kleinen Backsteinofen, den er hier gewi� nicht ben�tigte, und an den Kommoden mit ihren kunstvoll geschnitzten und bemalten Vorderseiten vorbeiging. Als er die T�r �ffnete, huschte eine schlanke, ganz in Schwarz geh�llte Gestalt an ihm vorbei nach drinnen. Er blickte sich ganz kurz in der mondbeschienenen Dunkelheit um, weil er sichergehen wollte, da� niemand zugesehen hatte, und dann schlo� er die T�r schnell wieder. Die Fahrer schnarchten alle friedlich unter den anderen Wagen, und die Aielwachen kamen niemals direkt zu den Wagen heran.</p><p>�Es mu� dir doch hei� sein, Isendre�, schmunzelte er. �Zieh doch dieses Gewand aus und mach es dir bequem.�</p><p>�Danke, nein�, sagte sie in bitterem Tonfall aus dem Schatten unter ihrer Kapuze heraus. Sie stand steif da und zuckte nur von Zeit zu Zeit. Die Wolle ihres Gewands schien heute abend noch mehr zu kratzen als sonst.</p><p>Er schmunzelte wieder. �Wie du w�nschst.� Unter diesem Gewand durfte sie, dem Befehl der T�chter des Speers entsprechend, nichts tragen, bestenfalls den gestohlenen Schmuck. Seit man sie den T�chtern ausgeliefert hatte, war sie geradezu pr�de geworden. Er konnte sich immer noch nicht vorstellen, wieso die Frau dumm genug gewesen war, zu stehlen. Er hatte nat�rlich keine Einw�nde erhoben, als man sie kreischend an den Haaren aus dem Wagen gezerrt hatte. Damals war er nur froh gewesen, da� man nicht glaubte, er sei darin verwickelt. Ihre Habgier hatte seine Arbeit allerdings erheblich erschwert. �Kannst du mir irgend etwas von al'Thor oder Natael berichten?� Ein wichtiger Teil von Lanfears Anweisungen hatte darin bestanden, diese beiden genau zu beobachten, und er kannte keine bessere Methode, einen Mann im Auge zu behalten, als ihm eine Frau ins Bett zu schicken. Jeder Mann erz�hlte seiner Bettgenossin Dinge, die er geheimzuhalten geschworen hatte, prahlte mit seinen Pl�nen und enth�llte ihr seine Schw�chen, selbst wenn er der Wiedergeborene Drache war, dieser Morgend�mmerungsmensch oder wie ihn die Aiel nannten.</p><p>Sie schauderte sichtlich. �Zumindest Natael kann ich mich n�hern.� Sich ihm n�hern? Als die T�chter sie einmal dabei erwischten, wie sie in das Zelt dieses Mannes schl�pfte, hatten sie Isendre jede Nacht praktisch mit Gewalt zu ihm hineingesto�en. Sie war eine wahre Meisterin im Sch�nreden. �Nicht, da� er mir irgend etwas erz�hlen w�rde. Warte. Hab Geduld. Sei still. Finde dich mit dem Schicksal ab, was das auch bedeuten mag. Das sagt er jedesmal, wenn ich ihm eine Frage zu stellen versuche. Meistens will er blo� Musik spielen, wie ich sie noch nie geh�rt habe, und dann will er mich lieben.� Mehr hatte sie noch nie �ber den Gaukler zu berichten gewu�t. Zum hundertstenmal fragte er sich, warum Lanfear wollte, da� er Natael �berwache. Der Mann stand doch angeblich so hoch in Schattenfreundeskreisen, wie es �berhaupt nur ging, nur einen kleinen Schritt unterhalb der Auserw�hlten selbst.</p><p>�Wie ich das verstehe, hast du es immer noch nicht fertig gebracht, in al'Thors Bett zu schl�pfen?� fragte er und schob sich an ihr vorbei, um sich auf das Bett zu setzen.</p><p>�Nein.� Sie wand sich wieder unter ihrem Gewand.</p><p>�Dann mu�t du dich eben noch mehr anstrengen, ja? Ich habe langsam genug von Versagern, Isendre, und unsere Herren sind nicht so geduldig wie ich. Er ist auch nur ein Mann, gleich, welche Titel er f�hren mag.� Sie hatte oft vor ihm geprahlt, sie k�nne jeden Mann haben, den sie wollte, und ihn dazu bringen, da� er auch noch machte, was sie wollte. Sie hatte ihm sogar bewiesen, wie sehr diese Prahlerei der Wahrheit entsprach. Sie h�tte es �berhaupt nicht n�tig gehabt, Schmuck zu stehlen, denn er h�tte ihr alles gekauft, was sie sich w�nschte. Er hatte ihr bereits mehr gekauft, als er sich leisten konnte. �Die verdammten T�chter k�nnen ihn nicht jede Sekunde bewachen, und wenn du einmal in seinem Bett liegst, l��t er es nicht mehr zu, da� sie dir etwas tun.� Einmal mit ihr im Bett w�rde ausreichen. �Ich habe volles Vertrauen in deine F�higkeiten.�</p><p>�Nein.� Das klang noch entschlossener als zuvor.</p><p>Er rollte nerv�s das Tuch auf und zwirbelte es anschlie�end wieder. ��Nein� ist ein Wort, das unsere Herren gar nicht gern h�ren, Isendre.� Damit meinte er die Lords unter den Schattenfreunden, die keineswegs alle auch in der normalen Gesellschaft Lords oder Ladies waren. Bei ihnen konnte durchaus ein Diener einer Lady Befehle erteilen oder ein Bettler einem Ratsherren. Doch diese Befehle wurden mindestens genauso streng durchgesetzt wie die jedes Adligen, gew�hnlich sogar noch strenger. �Und kein Wort, das unsere Herrin gern h�ren wird.�</p><p>Isendre schauderte. Sie hatte ihm seine Geschichte nicht abgenommen, bis er ihr die Brandmale auf seiner Brust zeigte, aber seither hatte eine Erw�hnung Lanfears gereicht, um jeden Widerstand ihrerseits zu ersticken. Diesmal begann sie zu weinen. �Ich kann nicht, Hadnan. Als wir heute abend anhielten, glaubte ich, in einer Stadt h�tte ich eine bessere Chance als in einem Zeltlager, doch sie fingen mich, bevor ich mich ihm auf weniger als zehn Schritt n�hern konnte.� Sie schob ihre Kapuze zur�ck und er schnappte nach Luft, als sich der Mondschein auf einer Glatze spiegelte. Sogar ihre Augenbrauen waren verschwunden. �Sie haben mich rasiert, Hadnan. Adelin und Enaila und Jolien haben mich festgehalten und mir jedes einzelne Haar abrasiert. Und sie haben mich mit Brennesseln ausgepeitscht, Hadnan.� Sie wankte wie ein Sch��ling im rauhen Wind und schluchzte. Ihr Fl�stern war kaum noch h�rbar: �Es brennt von Kopf bis Fu� und es tut so weh, da� ich mich nicht zu kratzen traue. Sie sagten, wenn sie mich erwischten, wie ich ihn auch nur anschaue, w�rden sie daf�r sorgen, da� ich ein Gewand aus Brennesseln bek�me! Das haben sie ernst gemeint, Hadnan. Wirklich! Sie sagten, sie w�rden mich Aviendha �bergeben und was die dann mit mir anstellen werde. Ich kann nicht, Hadnan. Nicht noch einmal. Ich kann nicht.�</p><p>Wie bet�ubt starrte er sie an. Sie hatte solch sch�nes, dunkles Haar gehabt. Und doch war sie so sch�n, da� ihr Kopf, kahl wie ein Ei, sie selbst jetzt eher exotisch wirken lie�, trotz ihres Weinens und des tr�nennassen Gesichts. Wenn sie doch nur eine einzige Nacht in al'Thors Bett schl�pfen k�nnte... Aber das w�rde nun nicht geschehen. Die T�chter des Speers hatten sie gebrochen. Er selbst hatte Menschen gebrochen und erkannte die Anzeichen. Eifer, um weitere Bestrafung zu vermeiden, wurde zum unbedingten Gehorsam. Der Verstand wollte nie zugeben, da� er sich vor etwas dr�ckte, also w�rde sie sich bald einreden, sie wolle tats�chlich gehorchen und habe nur noch im Sinn, den T�chtern zu gefallen.</p><p>�Was hat denn Aviendha damit zu tun?� knurrte er. Wann w�rde Isendre anfangen, auch noch all ihre S�nden zu gestehen?</p><p>�Al'Thor ist seit Rhuidean mit ihr ins Bett gegangen, du Narr! Sie verbringt jede Nacht mit ihm. Die T�chter glauben, sie werde ihn heiraten.� Selbst durch ihr Schluchzen hindurch h�rte er ihren aufgestauten Zorn. Es gefiel ihr bestimmt nicht, da� eine andere geschafft hatte, was ihr versagt geblieben war. Zweifellos hatte sie ihm deshalb nicht fr�her Bescheid gesagt.</p><p>Aviendha war trotz ihres wilden Blicks eine sch�ne Frau mit volleren Br�sten, als bei den T�chtern �blich, und doch w�rde er Isendre ihr vorziehen, wenn nur... Isendre stand mit h�ngenden Schultern im Mondschein, der durch die Fenster drang, zitterte von Kopf bis Fu�, schluchzte mit offenem Mund und machte sich nicht einmal mehr die M�he, die Tr�nen abzuwischen, die ihr �ber die Wangen liefen. Sie w�rde auf dem Bauch kriechen, wenn Aviendha sie nur einmal b�se anschaute.</p><p>�Also gut�, sagte er sanft. �Wenn du nicht kannst, dann eben nicht. Dann holst du eben aus Natael heraus, was du nur kannst. Ich wei�, da� du dazu in der Lage bist.� Er erhob sich und nahm sie bei den Schultern, um sie zur T�r zu schieben.</p><p>Sie zuckte unter seiner Ber�hrung, wandte sich aber nicht um. �Natael wird mich die n�chsten Tage �ber nicht ansehen�, sagte sie ungeduldig und schniefend. Einen Schluckauf hatte sie nun auch noch. Jeden Moment konnte sie erneut in Tr�nen ausbrechen, aber sein Tonfall schien sie doch etwas beruhigt zu haben. �Ich bin rot, Hadnan. So rot, als h�tte ich einen ganzen Tag lang nackt in der Sonne gelegen. Und mein Haar. Es wird ewig dauern, bis es wieder nachw�...�</p><p>W�hrend sie gleichzeitig nach der T�r langte und auf die Klinke blickte, hatte er blitzschnell das Tuch zu einer Schnur zusammengerollt und ihr von hinten um den Hals gelegt. Er zog es zusammen und bem�hte sich, ihr Gurgeln und R�cheln und das verzweifelte Schaben ihrer F��e auf dem Boden zu ignorieren. Ihre Finger krallten sich in seine H�nde, doch er blickte stur geradeaus. Selbst mit offenen Augen sah er Teodora vor sich, wie immer, wenn er eine Frau t�tete. Er hatte seine Schwester geliebt, doch sie entdeckte, was er war, und sie h�tte den Mund nicht gehalten. Isendres Fersen trommelten wild auf den Boden, aber nach einer gewissen Zeit, die ihm wie eine Ewigkeit vorkam, wurden die Bewegungen langsamer und erstarben dann ganz. Ihr Gewicht lag schlaff in seinen Armen. Er hielt die Schnur noch straff, bis er auf sechzig gez�hlt hatte, und dann lie� er sie zu Boden sinken. Sie h�tte sehr bald alles gestanden. Gestanden, zu den Schattenfreunden zu geh�ren. Und mit dem Finger auf ihn gezeigt.</p><p>Er tastete in den Kommoden herum und zog schlie�lich ein Fleischermesser hervor. Eine ganze Leiche loszuwerden war ein schwieriges Unterfangen, aber zum Gl�ck bluteten Tote nicht so stark, und das bi�chen Blut w�rde von diesem Gewand aufgesaugt werden. Vielleicht konnte er die Frau aufsp�ren, die ihm die Nachricht unter der T�r durchgeschoben hatte. Falls sie nicht h�bsch genug war, hatte sie bestimmt Freundinnen, die auch zu den Schattenfreunden geh�rten. Natael w�rde es gleich sein, ob er von einer Aielfrau besucht wurde, obwohl Kadere lieber mit einer Giftschlange das Bett geteilt h�tte, so gef�hrlich, wie ihm die Aiel vorkamen. Vielleicht h�tte eine Aielfrau auch bessere Chancen als Isendre, was Aviendha betraf. Er kniete nieder und summte leise ein Lied bei der Arbeit, ein Schlaflied, das ihm Teodora beigebracht hatte.</p></section><section><title><p>30</p><p>Eine Wette</p></title><p>Ein sanfter Abendwind strich �ber die kleine Stadt Eianrod und legte sich schnell wieder. Rand sa� auf der Steinbr�stung der breiten, niedrigen Br�cke im Stadtzentrum. Der Wind schien hei� zu sein, doch nach all der Zeit in der W�ste hatte er kein Gef�hl mehr daf�r. Der Abend war sicher warm, aber nicht einmal warm genug, da� er sein rotes Wams aufgekn�pft h�tte. Der unter ihm schimmernde Flu� war noch nie sehr breit gewesen und jetzt sogar noch auf die H�lfte seines �blichen Bettes zusammengeschrumpft, aber er geno� es trotzdem, das Wasser nach Norden flie�en zu sehen. Die Schatten schnell dahineilender Wolken, die den Mond immer wieder verdeckten, spielten �ber die glitzernde, dunkle Wasseroberfl�che. Deshalb befand er sich mitten in der Nacht hier drau�en, nur um zur Abwechslung einmal wieder flie�endes Wasser zu sehen. Seine Wachgewebe waren aktiviert und umgaben das Aiellager, das wiederum die Stadt umgab. Die Aiel hielten au�erdem noch so scharf Wache, da� kaum ein Sperling unbemerkt hindurchschl�pfen w�rde. Er konnte es sich leisten, eine Stunde zu verschwenden, indem er sich von der Str�mung eines Flusses einlullen lie�.</p><p>Das war auf jeden Fall besser als ein weiterer Abend, an dem er Moiraine praktisch hinauswerfen mu�te, um mit Asmodean zu lernen. Sie hatte es sich sogar angew�hnt, ihm das Essen zu bringen und mit ihm zu sprechen, w�hrend er a�, als wolle sie ihm wirklich alles in den Kopf hineinstopfen, was sie wu�te, bevor sie die Stadt Cairhien erreichten. Er brachte es nicht fertig, ihr ins Gesicht zu blicken, wenn sie ihn wieder darum bat � sie bettelte schon fast! �, bei ihm bleiben zu d�rfen, wie sie es letzten Abend getan hatte. F�r eine Frau wie Moiraine war dieses Verhalten so unnat�rlich, da� er fast ja gesagt h�tte, nur um sie davon abzuhalten. Wahrscheinlich war genau das ihre Absicht gewesen. Es war viel angenehmer, eine Stunde lang dem leisen Pl�tschern des Flusses zu lauschen. Mit etwas Gl�ck w�rde sie ihn f�r diese Nacht in Ruhe lassen.</p><p>Die Schlammschicht an beiden Ufern, die das Wasser vom Schilf trennte, vielleicht acht oder zehn Schritt breit, war ausgetrocknet und gesprungen. Er sp�hte zu den Wolken hoch, die vor dem Mond vorbeitrieben. Er k�nnte ja versuchen, diese Wolken zum Abregnen zu bringen. Die beiden Brunnen im Ort waren ausgetrocknet, und in einem Drittel aller noch nicht restlos verseuchten Wasserl�cher fand sich nur Staub. Versuchen war allerdings der richtige Ausdruck. Er hatte schon einmal Regen erzeugt, aber das Schwierige war eben, sich noch daran zu erinnern, wie er das fertig gebracht hatte. Gelang es ihm, konnte er als n�chstes versuchen, aus dem Regen keine allesverschlingende Flut zu machen und ihn diesmal auch nicht von einem b�umezerfetzenden Sturm begleiten zu lassen.</p><p>Asmodean konnte ihm nicht helfen, denn wie es schien, verstand er nicht viel vom Wetter. Bei allem, was er ihm beibrachte, tauchten gleich zwei neue Fragen auf, bei denen Asmodean hilflos die H�nde hob oder sich geschlagen gab und ihm versprach, sich damit zu besch�ftigen.</p><p>Einst hatte er die Verlorenen f�r allwissend, f�r beinahe allm�chtig gehalten. Aber wenn die anderen wie Asmodean waren, dann hatten sie wohl alle ihre Schw�chen und Wissensl�cken. Es konnte sogar sein, da� er bereits jetzt �ber manche Dinge mehr wu�te als sie. Oder jedenfalls mehr als einige von ihnen. Das Problem war nur, herauszufinden, wem er auf welchem Gebiet �berlegen war. Semirhage beispielsweise konnte mit dem Wetter fast genausowenig anfangen wie Asmodean.</p><p>Ihn fror, als befinde er sich im Dreifachen Land mit seinen kalten N�chten. Asmodean hatte ihm nie etwas �ber solche Dinge berichtet. Besser, dem Wasser zu lauschen und nicht nachzudenken, damit er heute nacht �berhaupt Schlaf fand.</p><p>Sulin n�herte sich ihm. Sie hatte sich die Schufa um die Schultern geh�ngt und ihr kurzgeschnittenes wei�es Haar entbl��t. So lehnte sie sich ans Br�ckengel�nder. Die drahtige Tochter des Speers war voll ger�stet mit Pfeil und Bogen, Speeren, Messer und Schild. Sie hatte heute abend das Kommando �ber seine Leibwache �bernommen. Zwei Dutzend oder noch mehr <emphasis>Far Dareis Mai</emphasis> hockten etwa zehn Schritt entfernt ganz entspannt auf der Br�cke. �Eine seltsame Nacht�, sagte sie. �Wir haben gespielt, aber mit einemmal hat jede nur noch Sechser gew�rfelt.�</p><p>�Es tut mir leid�, erwiderte er ohne nachzudenken, und sie warf ihm einen eigenartigen Blick zu. Nat�rlich hatte sie keine Ahnung; er hatte nichts weitererz�hlt. Die Wellen, die von ihm als <emphasis>Ta'veren</emphasis> ausgingen, breiteten sich nicht regelm��ig, sondern oft scheinbar dem Zufall gehorchend aus. Wenn sie Bescheid w��ten, w�rden sich selbst die Aiel nicht mehr n�her als zehn Meilen bei ihm aufhalten wollen. Heute war der Boden unter drei Steinhunden pl�tzlich zusammengebrochen, und sie waren in eine Schlangengrube gest�rzt, doch die vielen Dutzend Bisse hatten stets nur die Kleidung getroffen. Ihm war klar, da� der Grund daf�r in ihm lag und in der Art und Weise, wie er den Zufall beeinflu�te. Tal Nethin, der Sattler, hatte Taien �berlebt, aber diesen Mittag war er �ber einen Stein gestolpert und hatte sich beim Sturz auf dem ebenen, grasbewachsenen Boden das Genick gebrochen. Rand f�rchtete, auch das sei seine Schuld gewesen. Andererseits hatten Bael und Jheran endlich die Blutfehde zwischen den Shaarad und den Goshien beendet, w�hrend er gemeinsam mit ihnen im Gehen ein Mittagsmahl einnahm � das �bliche Trockenfleisch. Sie konnten sich deshalb noch immer nicht leiden und verstanden selbst wohl kaum, was sie da getan hatten, aber es war vollbracht, ganz korrekt mit Versprechen und Wassereid, wobei jeder der beiden M�nner dem anderen den Becher zum Trinken hingehalten hatte. Bei den Aiel galt ein Wassereid mehr als jeder andere. Es mochte Generationen dauern, bis sich Shaarad und Goshien wieder einmal �berfielen, um sich gegenseitig Schafe oder Ziegen oder Rinder zu stehlen.</p><p>Er hatte sich oft gefragt, ob diese Zuf�lligkeiten jemals auch zu seinen Gunsten wirken w�rden. Vielleicht war diesmal schon das �u�erste erreicht. Was heute sonst noch alles geschehen sein mochte, das ihm zuzuschreiben war, wu�te er nicht. Er fragte auch nicht danach und wollte nichts h�ren. Die Baels und Jherans konnten den Tod Tal Nethins auch nicht wiedergutmachen.</p><p>�Ich habe Enaila und Adelin schon tagelang nicht mehr gesehen�, sagte er. Jeder Themenwechsel war ihm recht.</p><p>Und diese beiden hatten sonst ihre Pl�tze als Leibw�chterinnen an seiner Seite besonders eifers�chtig verteidigt. �Sind sie krank?�</p><p>Wenn �berhaupt, war der darauf folgende Blick Sulins noch eigenartiger. �Sie werden zur�ckkehren, wenn sie gelernt haben, nicht mehr mit Puppen zu spielen, Rand al'Thor.�</p><p>Er �ffnete den Mund und schlo� ihn gleich wieder. Die Aiel waren ein seltsames Volk, das wurde ihm durch Aviendhas Unterricht immer deutlicher, aber dies war nun l�cherlich. �Nun, dann sagt ihnen einfach, sie seien erwachsene Frauen und sollten sich auch so verhalten.�</p><p>Selbst im tr�ben Mondschein konnte er erkennen, da� sie erfreut l�chelte. �Es soll sein, wie es der <emphasis>Car'a'carn</emphasis> w�nscht.� Was hatte das nun wieder zu bedeuten? Sie blickte ihn einen Augenblick lang an und sch�rzte nachdenklich die Lippen. �Ihr habt heute abend noch nicht gegessen. Es gibt noch genug f�r alle, und Ihr werdet niemandem den Bauch f�llen, indem Ihr selbst nichts e�t. Wenn Ihr nicht e�t, werden sich die Leute Sorgen machen, da� Ihr krank sein k�nntet. Und Ihr werdet krank!�</p><p>Er lachte leise. Es klang eher wie heiseres Keuchen. In einer Minute noch der <emphasis>Car'a'carn,</emphasis> und in der n�chsten... Wenn er sich nicht selbst etwas zum Essen besorgte, w�rde ihm Sulin vermutlich etwas bringen. Und ihn auch noch zu f�ttern versuchen wie ein Kleinkind. �Ich werde schon essen. Moiraine sollte jetzt langsam in ihren Decken liegen.� Diesmal befriedigte ihn ihr eigenartiger Blick. Zur Abwechslung einmal hatte er etwas gesagt, das sie nicht verstand.</p><p>Als er von der Br�stung sprang, h�rte er Hufgeklapper von der gepflasterten Stra�e her, die zur Br�cke f�hrte. S�mtliche T�chter waren augenblicklich auf den Beinen, hatten das Gesicht verschleiert, und einige hatten bereits Pfeile aufgelegt. Instinktiv fuhr seine Hand an die H�fte, doch das Schwert hing nicht da. Den Aiel war es schon unangenehm genug, da� er auf einem Pferd ritt und das Ding am Sattel h�ngen hatte. Er mu�te sie nicht noch mehr vor den Kopf sto�en, indem er es st�ndig mit sich herumtrug. Au�erdem waren es nicht viele Pferde, und sie n�herten sich im Schritt.</p><p>Als die Reiter erschienen, von mehr als f�nfzig Aiel umringt, sah er, da� es weniger als zwanzig waren und sie ersch�pft in ihren S�tteln hingen. Die meisten trugen Helme mit R�ndern, tairenische Kurzm�ntel mit gestreiften Puff�rmeln und dazu Harnische. Die beiden Anf�hrer allerdings trugen kunstvoll vergoldete R�stungen und hatten an der Vorderseite ihrer Helme lange, wei�e Federn befestigt. Die eingesetzten Streifen an ihren �rmeln schimmerten wie Satin im Mondschein. Ein halbes Dutzend M�nner am Ende der Gruppe waren kleiner und schlanker als die Tairener. Zwei von ihnen hatten kleine Fahnen, <emphasis>Con</emphasis> genannt, an kurzen St�cken auf dem R�cken festgeschnallt. Dazu trugen sie dunkle M�ntel und glockenf�rmige Helme, die das Gesicht freilie�en. In Cairhien war es �blich, mit Hilfe dieser <emphasis>Cons</emphasis> die Offiziere im Kampf leichter kenntlich zu machen. Au�erdem kennzeichnete man so auch die pers�nlichen Gefolgsm�nner eines Lords.</p><p>Die mit Federn geschm�ckten Tairener rissen die Augen auf, als sie ihn sahen, tauschten schnell erstaunte Blicke, stiegen von den Pferden und knieten vor ihm nieder, die Helme unter die Arme geklemmt. Sie waren jung, nicht viel �lter als er selbst, und hatten beide ihre dunklen B�rte spitz zugeschnitten, wie es beim Adel Tears die Mode war. Die Harnische wiesen Dellen auf und die Vergoldung war teilweise abgesprungen. Irgendwo waren sie in K�mpfe verwickelt gewesen. Keiner w�rdigte die Aiel eines Blickes, als verschw�nden sie, wenn man sie nur nicht beachtete. Die T�chter nahmen die Schleier ab, schienen aber immer noch bereit, jederzeit einem der knienden M�nner einen Speer in den Leib zu sto�en oder ihn mit einem Pfeil zu durchbohren.</p><p>Rhuarc folgte den Tairenern zusammen mit einem grau�ugigen Aiel, der etwas j�nger und gr��er als er selbst war, und blieb hinter der Gruppe stehen. Mangin geh�rte zu den Jindo Taardad und war einer derjenigen, die damals mit zum Stein von Tear gekommen waren. Die Reiter waren von Jindo hereinbegleitet worden.</p><p>�Mein Lord Drache�, sagte der feiste Adlige mit den rosigen Wangen. �Seng meine Seele, aber haben sie auch <emphasis>Euch</emphasis> zum Gefangenen gemacht?� Sein Begleiter, der mit seinen abstehenden Henkelohren und der Knollennase trotz des Spitzbarts eher wie ein Bauer wirkte, wischte sich nerv�s immer wieder Haarstr�hnen aus der Stirn. �Sie sagten, sie w�rden uns zu irgendeinem Morgend�mmerungsburschen f�hren. Dem <emphasis>Car'a'carn.</emphasis> Hat wohl was mit H�uptlingen zu tun, falls mich die Erinnerung an das nicht t�uscht, was mein Hauslehrer gesagt hat. Vergebt mir, Lord Drache. Ich bin Edorion aus dem Hause Selorna, und das hier ist Estean aus dem Hause Andiama.�</p><p>�Ich bin Er, Der Mit Der Morgend�mmerung Kommt�, sagte Rand ruhig zu ihnen. �Und der <emphasis>Car'a'carn.�</emphasis> Jetzt hatte er sie eingeordnet: junge Lords, die ihre Zeit mit Trinken, Spielen und der Sch�rzenjagd verplempert hatten, als er sich im Stein aufhielt. Estean fielen beinahe die Augen aus dem Kopf. Edorion blickte auch einen Moment lang verbl�fft drein, nickte aber dann nachdenklich, als habe er jetzt durchschaut, was sich hier abspielte. �Steht auf. Wer sind Eure Begleiter? Sie kommen doch aus Cairhien, oder?� Es w�re interessant, ein paar Einheimische kennenzulernen, die nicht vor den Shaido und s�mtlichen Aiel, denen sie begegneten, fortliefen. Au�erdem k�nnten es, wenn sie sich schon bei Edorion und Estean befanden, seine ersten Anh�nger sein, die er in diesem Land antraf; falls die V�ter der beiden Tairener seinen Befehlen Folge geleistet hatten. �Bringt sie her.�</p><p>Estean blinzelte noch erstaunt, w�hrend er sich aufrichtete, aber Edorion z�gerte nicht und schrie: �Meresin! Daricain! Kommt her!� Als riefe er nach seinen Hunden. Die F�hnchen der Offiziere aus Cairhien schwankten auf und ab, als sie langsam von den Pferden stiegen.</p><p>�Mein Lord Drache.� Estean z�gerte und leckte sich die Lippen, als habe er Durst. �Habt Ihr... Habt Ihr die Aiel gegen Cairhien in den Kampf geschickt?�</p><p>�Also haben sie die Stadt angegriffen?�</p><p>Rhuarc nickt und Mangin sagte: �Wenn man diesen hier Glauben schenken kann, dann h�lt die Stadt bisher noch stand. Jedenfalls noch vor drei Tagen.� Er lie� kaum einen Zweifel daran, da� er nicht glaubte, da� sie dem Angriff noch immer standhielte, und noch weniger daran, da� ihm eine Stadt der Baumm�rder vollkommen gleichg�ltig sei.</p><p>�Ich habe sie nicht geschickt, Estean�, sagte Rand, als sich die beiden Offiziere aus Cairhien zu ihnen gesellten. Die zwei knieten nieder und nahmen die Helme ab. Sie waren wohl etwa so alt wie Estean und Edorion, hatten die Haare bis auf Ohrh�he geschnitten und blickten mi�trauisch drein. �Diejenigen, die Eure Stadt angreifen, sind meine Feinde, die Shaido. Ich habe vor, Cairhien zu retten, wenn das noch m�glich ist.�</p><p>Wieder mu�te er den beiden aus Cairhien befehlen, sich zu erheben. Seine Zeit bei den Aiel hatte ihn beinahe die Br�uche auf dieser Seite des R�ckgrats der Welt vergessen lassen, diese Verbeugerei und das Niederknien, mal mit dem linken und mal mit dem rechten Knie. Er mu�te auch erst nach ihren Namen fragen, bevor sie sich vorstellten: Leutnant Lord Meresin aus dem Hause Daganred � sein <emphasis>Con</emphasis> zeigte senkrechte rote und wei�e Wellenlinien � und Leutnant Lord Daricain aus dem Hause Annallin, dessen <emphasis>Con</emphasis> mit kleinen roten und schwarzen Quadraten ausgef�llt war. Es �berraschte ihn, da� sie ebenfalls Lords waren. In Cairhien befehligten die Lords nat�rlich Soldaten und f�hrten sie in den Kampf, doch sie lie�en sich f�r gew�hnlich nicht die Haare schneiden und zu gew�hnlichen Soldaten machen. Jedenfalls fr�her nicht. Offensichtlich hatte sich doch manches ge�ndert.</p><p>�Mein Lord Drache.� Meresin hatte Schwierigkeiten, das herauszubringen. Er und Daricain waren beide hellh�utige, schlanke M�nner mit schmalen Gesichtern und langen Nasen, doch er war ein wenig kr�ftiger gebaut. Keiner von beiden sah aus, als habe er in letzter Zeit besonders viel zu essen bekommen. Meresin fuhr so schnell fort, als bef�rchte er, unterbrochen zu werden. �Mein Lord Drache, Cairhien kann ihnen widerstehen.</p><p>Bestimmt noch tagelang, zehn oder zw�lf vielleicht, aber wenn Ihr es retten wollt, m��t Ihr schnell kommen.�</p><p>�Deshalb kamen wir ja her�, sagte Estean und warf Meresin einen d�steren Blick zu. Die beiden aus Cairhien erwiderten den Blick, doch ihr Trotz war mit Resignation gemischt. Estean strich sich das str�hnige Haar aus der Stirn. �Um Hilfe zu suchen. Kleine Truppen wurden in alle Richtungen ausgesandt, Lord Drache.� Er schauderte, obwohl ihm Schwei� auf der Stirn stand. Seine Stimme klang nun dumpf und wie aus der Ferne. �Als wir aufbrachen, waren wir noch mehr. Ich sah Baran schreiend mit einem Speer im Bauch fallen. Er wird nie mehr beim Wendespiel eine Karte umdrehen. Ich k�nnte einen Krug starken Schnaps gebrauchen.�</p><p>Edorion drehte seinen Helm in den von Kampfhandschuhen gesch�tzten H�nden und machte eine finstere Miene. �Lord Drache, die Stadt kann sich zwar noch eine Weile halten, aber selbst wenn diese Aiel hier gegen die anderen k�mpfen, frage ich mich, wie Ihr sie rechtzeitig dorthin bringen wollt? Ich glaube, zehn oder zw�lf Tage sind ein wenig �bertrieben. Ich kam in Wirklichkeit nur mit, weil ich lieber mit einem Speer im Leib sterben m�chte, als in Gefangenschaft zu geraten, wenn sie einmal �ber die Mauer sind. Die Stadt ist mit Fl�chtlingen �berf�llt, die sich vor den Aiel retten wollten. In der ganzen Stadt ist kein Hund und keine Taube mehr zu finden, und ich glaube nicht, da� es dort bald noch Ratten geben wird. Das einzig Gute an der ganzen Sache ist, da� keiner mehr danach zu fragen scheint, wer den Sonnenthron besteigen wird, seit dieser Couladin vor den Toren steht.�</p><p>�Am zweiten Tag hat er uns aufgefordert, uns Dem zu �bergeben, Der Mit Der Morgend�mmerung Kommt�, warf Daricain ein, was ihm einen scharfen Blick Edorions einbrachte.</p><p>�Couladin veranstaltet Menschenjagden mit den Gefangenen�, sagte Estean. �Au�er Reichweite der Bogensch�tzen, aber so, da� jeder auf der Mauer zusehen kann. Man kann sie sogar schreien h�ren. Das Licht senge meine Seele, ich wei� nicht, ob er einfach unsere Moral untergraben will oder ob es ihm Spa� macht. Manchmal lassen sie Bauern zur Stadt hin rennen, und dann, wenn sie fast in Sicherheit sind, spicken sie die armen Leute mit Pfeilen. Soweit Cairhien irgend jemandem Sicherheit bieten kann. Zwar sind es nur Bauern, aber...� Er verstummte und schluckte schwer, als habe er sich gerade daran erinnert, was Rand von der Bemerkung �nur Bauern� hielt. Rand blickte ihn einfach nur an, aber er schien unter diesem Blick zu schrumpfen und murmelte nur etwas von Schnaps vor sich hin.</p><p>Edorion sprach in die pl�tzliche Stille hinein: �Mein Lord Drache, der springende Punkt ist doch, da� sich die Stadt halten kann, bis Ihr kommt, falls Ihr schnell kommt. Wir haben die erste Angriffswelle nur zur�ckgeschlagen, weil das Vortor in Flammen aufging...�</p><p>�Das Feuer h�tte beinahe die gesamte Stadt erfa�t�, warf Estean ein. Das Vortor, eine Stadt f�r sich au�erhalb der Stadtmauer Cairhiens, war zumeist aus Holz erbaut gewesen, wie sich Rand erinnerte. �Es w�re zur Katastrophe gekommen, wenn der Flu� nicht w�re.�</p><p>Der andere Tairener redete einfach weiter: �... aber Lord Meilan hat die Verteidigung gut organisiert, und die Leute aus Cairhien scheinen im Moment auch den Mut nicht zu verlieren.� Das brachte ihm finstere Blicke von Meresin und Daricain ein, die er entweder nicht bemerkte oder aber nicht zu bemerken vorgab. �Mit Gl�ck sieben Tage, vielleicht auch h�chstens acht. Wenn Ihr...� Ein tiefer Seufzer lie� Edorions rundliche Figur einen Moment lang schlanker erscheinen. �Ich habe aber kein einziges Pferd gesehen�, sagte er mehr zu sich selbst. �Die Aiel reiten nicht. Ihr werdet niemals in der Lage sein, ein Heer zu Fu� in so kurzer Zeit hinzuf�hren.�</p><p>�Wie lange?� fragte Rand Rhuarc.</p><p>�Sieben Tage�, war die Antwort. Mangin nickte, und Estean lachte.</p><p>�Seng meine Seele, so lange haben wir gebraucht, um herzureiten! Wenn Ihr glaubt, den Weg zu Fu� genauso schnell zur�cklegen zu k�nnen, m��t Ihr...� Er wurde sich der Blicke der Aiel bewu�t, die auf ihm ruhten, und so strich er sich wieder nerv�s die Haare aus dem Gesicht. �Gibt es in dieser Stadt irgendwo Schnaps?� murrte er.</p><p>�Wichtig ist nicht, wie schnell wir den Weg zur�cklegen�, sagte Rand ruhig, �sondern wie schnell Ihr das k�nnt, wenn wir ein paar Eurer M�nner zu Fu� mitnehmen und die anderen deren Pferde zum Wechseln ben�tzen k�nnen. Ich will Meilan und Cairhien wissen lassen, da� Hilfe auf dem Weg ist. Doch diejenigen, die das unternehmen, m�ssen sicher sein, da� sie den Mund halten k�nnen, falls die Shaido sie gefangennehmen. Ich will Couladin nicht mehr wissen lassen, als er von selbst herausbekommen kann.� Estean wurde noch bleicher als die beiden aus Cairhien.</p><p>Meresin und Daricain lagen beide wieder auf den Knien, und jeder umfa�te eine von Rands H�nden, um sie zu k�ssen. Er lie� es mit soviel Geduld zu, wie er eben aufbringen konnte. Einer von Moiraines Ratschl�gen, die wirklich vern�nftig gewesen waren, hatte besagt, er solle m�glichst nicht gegen die Sitten der Menschen versto�en, wie eigenartig und absto�end sie ihm auch scheinen mochten, es sei denn, es w�re unbedingt notwendig, und selbst dann sollte er es sich zweimal �berlegen.</p><p>�Wir werden gehen, Lord Drache�, versicherte Meresin atemlos. �Ich danke Euch, Lord Drache. Danke. Beim Licht schw�re ich, da� ich eher sterben will, als auch nur ein Wort zu verraten, au�er nat�rlich meinem Vater und dem Hochlord Meilan.�</p><p>�Das Licht sei Euch gn�dig, mein Lord Drache�, f�gte der andere hinzu. �Das Licht sei Euch gn�dig und erleuchte Euch f�r immer. Ich bin Euer Mann bis zum Tod!� Rand lie� auch Meresin noch beteuern, er sei sein Mann, bevor er energisch die H�nde zur�ckzog und ihnen befahl, aufzustehen. Es gefiel ihm nicht, wie sie ihn ansahen. Edorion hatte sie wie Hunde herbeigerufen, aber M�nner sollten niemanden so ansehen, als seien sie Hunde, die zu ihrem Herrn aufblicken.</p><p>Edorion atmete tief ein, blies die rosigen Wangen auf und lie� die Luft langsam wieder aus. �Ich sch�tze, wenn ich ohne weiteres hierher gekommen bin, kann ich es auch zur�ck schaffen. Mein Lord Drache, vergebt mir, wenn ich Euch erz�rnen sollte, aber w�rdet Ihr eine Wette annehmen, sagen wir, tausend Goldkronen, da� Ihr wirklich in sieben Tagen dort seid?�</p><p>Rand starrte ihn sprachlos an. Der Mann war ja genauso schlimm wie Mat. �Ich habe nicht einmal hundert Silberkronen, geschweige denn tausend in... �</p><p>Sulin unterbrach ihn. �Er hat genug, Tairener�, sagte sie energisch. �Er wird Eure Wette annehmen, wenn Ihr zehntausend annehmt.�</p><p>Edorion lachte. �Gemacht, Aiel. Und es ist mir jede einzelne Kupferm�nze wert, wenn ich verliere. Wenn ich es richtig sehe, werde ich allerdings meinen Gewinn nicht mehr abholen k�nnen, sollte ich wirklich die Wette gewinnen. Kommt, Meresin, Daricain.� Es h�rte sich immer noch so an, als rufe er seine Hunde zur Jagd. �Wir reiten.�</p><p>Rand wartete ab, bis die drei sich verbeugt hatten und halbwegs wieder bei ihren Pferden waren, bevor er die wei�haarige Tochter des Speers anfuhr: �Was meint Ihr denn damit, ich h�tte tausend Goldkronen? Ich habe noch niemals tausend Goldkronen <emphasis>gesehen,</emphasis> geschweige denn zehntausend!�</p><p>Die T�chter tauschten Blicke, als hielten sie ihn f�r senil, und Rhuarc und Mangin schauten nicht anders drein. �Ein F�nftel der Sch�tze aus dem Stein von Tear geh�ren denjenigen, die den Stein einnahmen, und sie werden beansprucht, sobald man sie wegschaffen kann.� Sulin sprach mit ihm wie mit einem Kind, das man �ber die einfachsten Dinge des Lebens aufkl�rt. �Als H�uptling und F�hrer in der Schlacht dort steht Euch ein Zehntel dieses F�nftels zu. Tear hat sich Euch als dem H�uptling nach dem Fall des Steins ergeben, also geh�rt Euch auch ein Zehntel der Beute aus Tear. Und Ihr habt gesagt, wir k�nnten uns das F�nftel in diesen L�ndern nehmen, als... Steuer, wie Ihr es nanntet.� Sie hatte Schwierigkeiten mit dem Ausdruck, denn die Aiel kannten keine Steuern.</p><p>�Auch davon geb�hrt Euch der zehnte Teil als <emphasis>Car'a'carn.�</emphasis></p><p>Rand sch�ttelte den Kopf. Bei all seinen Gespr�chen mit Aviendha war er nie auf den Gedanken gekommen, sie zu fragen, inwieweit das mit dem f�nften Teil auf ihn zutreffe. Er war kein Aiel, ob <emphasis>Car'a'carn</emphasis> oder nicht, und es schien nichts mit ihm zu tun zu haben. Nun, es war vielleicht keine richtige Steuer, aber er konnte es genausogut verwenden wie ein K�nig die Steuergelder. Ungl�cklicherweise hatte er nur wenig Ahnung davon, wie sie die Steuern verwendeten. Er w�rde Moiraine fragen m�ssen. Das war etwas, was er bisher von ihr nicht gelernt hatte. Vielleicht hielt sie das f�r so offensichtlich, da� es jeder wissen m�sse.</p><p>Elayne wu�te bestimmt, wozu man Steuern verwendete. Es hatte schon erheblich mehr Spa� gemacht, sich von ihr beraten zu lassen als von Moiraine. Er h�tte so gern gewu�t, wo sie sich aufhielt. Wahrscheinlich immer noch in Tanchico. Egwene hatte ihm wenig mehr ausgerichtet als immer wieder Gr��e. Zu gern h�tte er Elayne vor sich gehabt und von ihr eine Erkl�rung f�r diese beiden Briefe geh�rt. Ob Tochter des Speers oder Tochter-Erbin von Andor: Frauen waren schon eigenartig. Au�er vielleicht Min. Sie hatte ihn ausgelacht, aber bei ihr hatte er nie das Gef�hl sie spreche eine andere Sprache als er. Jetzt w�rde sie nicht mehr lachen. Falls er sie je wiedersah, w�rde sie wohl auf und davon laufen vor ihm, dem Wiedergeborenen Drachen.</p><p>Edorion lie� alle seine M�nner absitzen, nahm eines der Pferde und lie� die anderen zusammen mit demjenigen Esteans an einer langen Leine festmachen. Zweifellos hielt er sein eigenes f�r das letzte St�ck durch das Shaidoheer hindurch zur�ck. Meresin und Daricain machten es mit ihren M�nnern genauso. Obwohl das bedeutete, da� jedem der Cairhiener ganze zwei Ersatzpferde blieben, schien niemand auch nur daran zu denken, bei den Tairenern um Pferde zu bitten. Dann trabten sie, begleitet von einigen Jindo, in westlicher Richtung davon.</p><p>Estean gab sich M�he, niemandem in die Augen zu sehen, und ging langsam zu den Soldaten hin�ber, die nerv�s und von Aiel eingekreist am Fu� der Br�cke zusammenstanden. Mangin packte ihn am rotgestreiften �rmel. �Ihr k�nnt uns �ber die Lebensbedingungen in Cairhien berichten, Feuchtl�nder.� Der Mann mit dem plumpen Gesicht wirkte, als wollte er im n�chsten Moment in Ohnmacht fallen.</p><p>�Ich bin sicher, er wird alle Fragen beantworten, die Ihr ihm stellt�, sagte Rand scharf, wobei er das Wort �Fragen� betonte.</p><p>�Er wird lediglich gefragt werden�, sagte Rhuarc und packte den Tairener am anderen Arm. Er und Mangin schienen den viel kleineren Mann zwischen sich aufrecht zu halten. �Die Verteidiger der Stadt vorzuwarnen ist ja sch�n und gut, Rand al'Thor�, fuhr Rhuarc fort, �aber wir sollten Kundschafter aussenden. Wenn sie laufen, k�nnen sie genauso schnell dort sein wie die Reiter, und wenn sie zur�ckkommen, k�nnen sie uns berichten, wie Couladin die Shaido postiert hat.�</p><p>Rand f�hlte die Blicke der T�chter auf sich ruhen, aber er blickte nur Rhuarc an. �Donnerg�nger?� schlug er vor.</p><p><emphasis>�Sha'mad Conde�,</emphasis> stimmte Rhuarc zu. Er und Mangin drehten Estean einfach um � sie hielten ihn tats�chlich aufrecht! � und gingen zu den anderen Soldaten hin�ber.</p><p>�Fragt ihn!� rief Rand ihnen nach. �Er ist Euer Verb�ndeter und mein Vasall.�</p><p>Er hatte keine Ahnung, ob man Estean als solchen bezeichnen konnte oder nicht � das war auch etwas, wonach er Moiraine fragen mu�te; er wu�te noch nicht einmal, inwieweit er tats�chlich ein Verb�ndeter war, denn sein Vater, Hochlord Torean, hatte gen�gend Intrigen gegen Rand geschmiedet, aber er w�rde nichts zulassen, das Couladins Methoden glich.</p><p>Rhuarc wandte den Kopf und nickte.</p><p>�Ihr behandelt Eure Untertanen gut, Rand al'Thor.� Sulins Stimme klang so ausdruckslos wie ein gehobeltes Brett.</p><p>�Ich bem�he mich�, antwortete er ihr. Er w�rde ihr nicht auf den Leim gehen. Wer auch als Kundschafter zu den Shaido gesandt w�rde � einige von ihnen w�rden nicht zur�ckkehren, das war alles. �Ich denke, ich werde jetzt etwas essen. Und dann schlafen.� Es waren bestimmt nicht viel mehr als zwei Stunden bis Mitternacht, und zu dieser Jahreszeit ging die Sonne noch recht fr�h auf. Die T�chter folgten ihm und beobachteten mi�trauisch jeden Schatten, als erwarteten sie einen Angriff. Dabei unterhielten sie sich allerdings lebhaft. Aber schlie�lich schienen die Aiel immer einen Angriff zu erwarten.</p></section><section><title><p>31</p><p>Der erste Schnee</p></title><p>Die Stra�en Eianrods verliefen schnurgerade und trafen sich im rechten Winkel. Wo es notwendig war, durchschnitten sie als Hohlwege die ansonsten terrassenf�rmig angelegten H�gel. Die schiefergedeckten H�user wirkten ausgesprochen kantig, als best�nden sie nur aus Senkrechten. Eianrod war nicht an Couladin gefallen. Als die Shaido hier durchkamen, hatte sich keine Menschenseele im Ort aufgehalten. Viele der H�user bestanden jetzt allerdings nur noch aus verkohlten Balken, und nur die Grundmauern standen noch. Das traf besonders f�r die breiten, dreist�ckigen Marmorgeb�ude mit ihren Balkonen zu, die nach Moiraines Aussage reichen Kaufleuten geh�rt hatten. Zerschlagene M�bel und zerfetzte Kleider lagen auf den Stra�en herum, neben den Scherben von Geschirr und Glasscheiben, einzelnen Stiefeln und Werkzeugen und Spielsachen...</p><p>Die Br�nde waren zu verschiedenen Zeitpunkten ausgebrochen. Das war auch Rand klar, als er den unterschiedlichen Zustand der verkohlten Balken wahrnahm und den manchmal st�rkeren, manchmal schw�cheren Brandgeruch, der sich in den Ruinen gehalten hatte. Lan war sogar in der Lage, die Reihenfolge der K�mpfe festzustellen, in denen die Stadt mehrmals erobert und zur�ckerobert worden war. Wahrscheinlich hatten die K�mpfe zwischen verschiedenen H�usern stattgefunden, die sich um die Nachfolge auf dem Sonnenthron stritten. Nur beim letzten Mal � so, wie die Stra�en nun aussahen � hatten wohl R�uberbanden Eianrod eingenommen. Viele dieser Banden, die Cairhien unsicher machten, geh�rten zu keinem der Adelsh�user und hielten nur einem Herrn die Treue: dem Gold.</p><p>Rand trat zu einem Haus, das einst einem reichen Kaufmann geh�rt haben mu�te. Es befand sich am gr��eren der beiden Pl�tze dieser Stadt und bestand aus drei quadratisch angelegten Stockwerken aus grauem Marmor mit Steinbalkonen und einer breiten Treppe mit dicken, kantigen Steingel�ndern; von den oberen Stufen konnte man auf einen stillen Springbrunnen hinabsehen, in dessen rundem Becken nur noch Staub lag. Er hatte die Gelegenheit n�tzen wollen, endlich wieder einmal in einem richtigen Bett zu schlafen, und er hoffte insgeheim, Aviendha w�rde das Zelt vorziehen, ob nun seines oder das der Weisen Frauen. Es war ihm gleichg�ltig, solange er nur nicht wieder versuchen mu�te, einzuschlafen, w�hrend nur wenige Schritt von ihm entfernt ihre Atemz�ge erklangen. In letzter Zeit hatte er sich schon eingebildet, er k�nne ihr Herz schlagen h�ren, obwohl er noch nicht einmal <emphasis>Saidin</emphasis> in sich aufgenommen hatte. Doch falls sie wieder bei ihm schlief, hatte er Vorsichtsma�nahmen ergriffen.</p><p>Die T�chter blieben an der Treppe stehen. Ein paar umkreisten das Geb�ude, um es von allen Seiten zu bewachen. Er hatte schon bef�rchtet, sie w�rden das Geb�ude, selbst nur f�r die eine Nacht, zum Dach der T�chter erkl�ren. Und als statt dessen er dieses Haus ausgew�hlt hatte, eines der wenigen im Ort, das noch ein festes Dach aufwies und bei dem fast alle Fenster heil waren, machte er Sulin unmi�verst�ndlich klar, da� er dies zum Dach der Weinquellenbr�der erkl�re. Niemand d�rfe es betreten, der nicht aus der Weinquelle in Emondsfeld getrunken habe. Ihrem Blick nach zu schlie�en, den sie ihm zuwarf, wu�te sie sehr wohl, worauf er hinauswollte, aber keine folgte ihm weiter als bis zur Eingangst�r, die aus schmalen, senkrechten Holztafeln zusammengesetzt schien.</p><p>Die gro�en Innenr�ume waren kahl. Wei�gekleidete <emphasis>Gai'schain</emphasis> hatten ein paar Decken f�r den eigenen Bedarf in einer weitr�umigen Halle ausgebreitet, deren hohe Stuckdecke ganz aus n�chternen Quadraten zusammengesetzt war. Die <emphasis>Gai'schain</emphasis> konnte er nicht wegschicken, auch wenn es ihm lieber gewesen w�re, genausowenig wie Moiraine, falls sie nicht irgendwo anders schlief. Welche Befehle er auch erlie�, um nicht gest�rt zu werden, sie fand doch immer einen Weg, an den T�chtern vorbeizukommen, und es bedurfte eines wirklich harschen Befehls, damit sie auch wirklich ging.</p><p>Die <emphasis>Gai'schain,</emphasis> ob Mann oder Frau, erhoben sich geschmeidig, noch bevor er die T�r hinter sich geschlossen hatte. Sie w�rden nicht vor ihm Schlafen gehen, und ein paar w�rden sich abl�sen, um auch in der Nacht bereitzustehen, falls er irgendwelche W�nsche hatte. Er hatte versucht, sie davon abzubringen, aber einem <emphasis>Gai'schain</emphasis> zu sagen, er oder sie solle <emphasis>nicht</emphasis> dienen, wie es der Brauch war, hatte denselben Effekt wie ein Tritt gegen einen Sack Wolle: welchen Eindruck seine Zehen auch hinterlassen mochten, er war verschwunden, sobald die Zehen wieder weg waren. Er winkte sie weg und ging die Marmortreppe hinauf. Ein paar dieser <emphasis>Gai'schain</emphasis> hatten einige wenige M�belst�cke zusammengetragen, darunter auch ein Bettgestell und zwei Federbetten, und so freute er sich darauf, sich waschen zu k�nnen und dann...</p><p>Er erstarrte, als er die T�re zu seinem Schlafzimmer �ffnete. Aviendha hatte sich nicht f�r das Zelt entschieden. Sie stand vor dem Waschtisch mit der gesprungenen Sch�ssel und dem �berhaupt nicht dazu passenden Krug, hatte einen Lappen in der einen Hand und ein St�ck gelber Seife in der anderen. Sie trug keine Kleider. Sie schien genauso erschrocken wie er und konnte sich genausowenig r�hren.</p><p>�Ich...� Sie hielt inne und schluckte. Gro�e gr�ne Augen blickten ihn an. �Ich konnte in diesem... in dieser Stadt kein Dampfzelt aufbauen, also dachte ich, ich versuche einmal Eure Art der... � Stramme Muskeln und sanfte Rundungen kennzeichneten ihren K�rper. Er gl�nzte feucht von Kopf bis Fu�. Er hatte sich nicht vorgestellt, da� ihre Beine so lang w�ren. �Ich hatte geglaubt, Ihr w�rdet l�nger an der Br�cke bleiben. Ich...� Sie ri� die Augen in Panik auf und gab ein erschrockenes Quieken von sich. �Ich habe es nicht darauf angelegt, da� Ihr mich so seht! Ich mu� fort von Euch! Soweit ich nur kann! Ich mu� weg!�</p><p>Pl�tzlich erschien neben ihr eine schimmernde senkrechte Spalte in der Luft. Sie erweiterte sich, als rotiere sie, zu einer T�r. Eisig kalter Wind wirbelte in das Zimmer herein und peitschte dichten Schnee vor sich her.</p><p>�Ich mu� weg!� heulte sie und sprang in den Schneesturm hinein.</p><p>Sofort begann sich die T�r wieder zu schlie�en. Der Spalt wurde enger, drehte sich erneut, doch diesmal reagierte Rand ohne weiteres Nachdenken. Er ben�tzte die Macht und blockierte die erst halb geschlossene T�r. Er wu�te �berhaupt nicht, was er getan hatte und wie, aber er war sicher, da� dies ein Tor zu den Kurzen Wegen sei, wie die, von denen ihm Asmodean berichtet hatte. Der hatte ihm aber weiter nichts dar�ber beibringen k�nnen. Nun hatte er keine Zeit, um zu �berlegen. Wohin Aviendha auch verschwunden war, sie steckte jedenfalls nackt mitten in einem Schneesturm. Rand nabelte die soeben gewebten Str�nge schnell ab, w�hrend er alle Decken von seinem Bett ri� und sie auf ihre Kleider warf, die auf ihrer Bettunterlage lagen. Dann packte er alles, Decken, Kleider und Bettunterlage, und warf sich nur Augenblicke nach ihr durch das Tor.</p><p>Der eisige Wind pfiff durch die von einem wei�en Wirbel durchtobte Winternacht. Sogar in das Nichts eingeh�llt f�hlte er, wie sein K�rper vor K�lte zitterte. Er konnte tr�be, verstreute Umrisse in der Dunkelheit erkennen, die er f�r B�ume hielt. Riechen konnte er au�er der K�lte nichts. Vor ihm bewegte sich etwas, von Dunkelheit und Schneesturm fast unkenntlich gemacht. Er h�tte sie fast �bersehen, wenn nicht seine Augen im Nichts besonders scharf gewesen w�ren. Es war Aviendha, die, so schnell sie konnte, da vonrannte. Er stampfte durch den kniehohen Schnee hinter ihr her und dr�ckte das dicke B�ndel an seine Brust.</p><p>�Aviendha! Halt!� Er f�rchtete, der heulende Sturm werde seine Worte verwehen, aber sie h�rte sie. Und lief wom�glich noch schneller. Er zwang sich zu gr��erer Eile, taumelte und stolperte vorw�rts, w�hrend der immer tiefer werdende Schnee seine Stiefel festhalten wollte. Die Spuren ihrer blo�en F��e wurden schnell wieder aufgef�llt. Falls er sie hier aus den Augen verlor... �Halt, du t�richte N�rrin! Willst du dich denn umbringen?� Der Klang seiner Stimme schien sie nur noch weiter zu treiben.</p><p>Grimmig zwang er sich vorw�rts, st�rzte beinahe und rappelte sich wieder hoch, wurde vom Wind gepackt und fast umgeworfen, blieb dann wieder im Schnee stecken oder stie� gegen B�ume. Er mu�te sie im Blick behalten. Er war dankbar daf�r, da� die B�ume in diesem Wald, oder was es auch sein mochte, so weit voneinander entfernt standen.</p><p>Pl�ne schrammten �ber das Nichts und wurden verworfen. Er konnte versuchen, den Sturm zu ersticken, aber vielleicht w�rde die Wirkung der Macht dann die Luft in Eis verwandeln. Eine Luftblase, um den wirbelnden Schnee von ihm abzuhalten, w�rde den unter seinen F��en nicht beseitigen. Er konnte mit Hilfe des Feuers eine Spur hineinschmelzen � und statt dessen durch Schlamm waten. Au�er...</p><p>Er benutzte die Macht, und der Schnee vor ihm schmolz auf etwa eine Spanne Breite. W�hrend er weiterrannte, schmolz auch der Schnee vor seinen F��en immer weiter. Dampf stieg auf, und der dicht fallende Schnee l�ste sich einen Fu� �ber dem sandigen Boden auf. Er sp�rte die Hitze durch seine Stiefel hindurch. Bis fast zu seinen Kn�cheln hinab zitterte sein K�rper von der bei�enden K�lte, w�hrend seine F��e schwitzten und beinahe vor der sengenden Hitze des Bodens zur�ckzuckten. Doch wenigstens holte er jetzt auf. Noch f�nf Minuten, und...</p><p>Pl�tzlich verschwand die verschwommene Gestalt, der er gefolgt war, als sei sie in ein Loch gefallen.</p><p>Er hielt den Blick auf den Fleck gerichtet, an dem er sie zuletzt gesehen hatte, und rannte, so schnell er nur konnte. Mit einemmal klatschten seine Beine bis auf halbe Knieh�he durch eiskaltes, flie�endes Wasser. Vor ihm enth�llte der schmelzende Schnee eine dunkle Wasseroberfl�che und eine Eiskante, die sich schnell vor ihm zur�ckzog. Kein bi�chen Dampf erhob sich von der schwarzen Wasseroberfl�che. Ob Bach oder Flu�, die Macht, die er einsetzte reichte jedenfalls nicht aus, das rasch str�mende Wasser auch nur eine Spur aufzuw�rmen. Sie mu�te aufs Eis hinausgerannt und eingebrochen sein, aber er w�rde sie nicht retten k�nnen, indem er einfach hinauswatete. Von <emphasis>Saidin</emphasis> erf�llt, war er sich der K�lte wohl kaum bewu�t, aber seine Z�hne klapperten unkontrolliert.</p><p>Er zog sich ans Ufer zur�ck und richtete den Blick auf die Stelle, wo er Aviendha versunken glaubte. Dann lenkte er Str�nge aus Feuer ein St�ck vom Bach entfernt in den noch schneefreien Boden, bis der Sand dort schmolz und wei�gl�hend zusammenflo�. Sogar in diesem Sturm w�rde es hier eine Weile lang hei� bleiben. Er legte das B�ndel daneben in den Schnee. Ihr Leben w�rde davon abh�ngen, da� er die Decken und alles andere wiederfand. Dann watete er durch den tiefen Schnee auf der einen Seite seines geschmolzenen Pfades und legte sich schlie�lich flach auf den Bauch. So schob er sich hinaus auf die von Schnee bedeckte Eisfl�che.</p><p>Der Wind heulte �ber ihn hinweg. Er h�tte genausogut ohne Mantel sein k�nnen. Seine H�nde waren mittlerweile starr vor K�lte, und in seinen F��en hatte er auch fast kein Gef�hl mehr. Das Zittern hatte bis auf ein gelegentliches Schaudern aufgeh�rt. In der kalten Ruhe des Nichts war ihm bewu�t, was geschah. Es gab manchmal auch an den Zwei Fl�ssen Schneest�rme, vielleicht sogar genauso starke wie diesen hier. Sein Widerstand lie� langsam nach. Wenn er seinen K�rper nicht bald erw�rmte, w�rde er gelassen aus der Sicherheit des Nichts beobachten, wie er starb. Doch falls er starb, w�rde auch Aviendha sterben. Vielleicht war sie sogar schon tot.</p><p>Er f�hlte mehr, als da� er h�rte, wie das Eis unter seinem Gewicht knackte. Seine tastenden H�nde erreichten Wasser. Das mu�te die Stelle sein, aber durch den wirbelnden Schnee hindurch konnte er fast nichts sehen. Er schlug mit den Armen ins Wasser, suchte klatschend mit gef�hllosen H�nden. Eine traf auf etwas nahe der Eiskante, und er befahl seinen Fingern, sich darum zu schlie�en. Gefrorene Haare knisterten und brachen.</p><p><emphasis>Mu� sie herausziehen.</emphasis> Er krabbelte r�ckw�rts und zerrte an ihr. Sie war ein totes Gewicht, das langsam, ganz langsam aus dem Wasser glitt. <emphasis>Gleichg�ltig, ob das Eis ihre Haut aufsch�rft. Besser das, als sie erfrieren oder ertrinken zu lassen. Nach hinten. Weiterbewegen. Wenn du aufgibst, stirbt sie. Beweg dich, verdammt noch mal!</emphasis> Kriechen. Mit den Beinen ziehen und mit einer Hand nach hinten schieben. Die andere hatte sich in Aviendhas Haar verkrampft. Keine Zeit, sie irgendwo anders zu packen; sie sp�rte es sowieso nicht. Du hast es schon zu lange zu gut gehabt. Lords knien vor dir nieder und <emphasis>Gai'schain</emphasis> rennen, um dir Wein zu bringen, und Moiraine macht auch noch alles, was du ihr sagst. R�ckw�rts. <emphasis>Es wird Zeit, da� du mal wieder selbst was machst, falls du das �berhaupt noch kannst. Beweg dich, du verdammter Hurensohn! Beweg dich gef�lligst!</emphasis></p><p>Pl�tzlich schmerzten seine F��e. Der Schmerz kroch langsam in seine Beine zur�ck. Er brauchte einen Augenblick, bis er nach hinten blickte und sich schnell von dem dampfenden Fleck geschmolzenen Sandes herunterrollte. D�nne Rauchf�den, die von seiner angesengten Hose aufstiegen, wurden vom Wind zerstreut.</p><p>Er tastete nach dem B�ndel, das daneben lag, und wickelte Aviendha von Kopf bis Fu� in alles ein, was er mitgebracht hatte � Decken, Bettunterlage, Kleidungsst�cke. Jedes bi�chen Schutz vor der K�lte war wichtig. Sie hatte die Augen geschlossen und r�hrte sich nicht. Er schob die Decken weit genug auseinander, da� er sein Ohr an ihre Brust legen konnte. Ihr Herz schlug so langsam, da� er sich den Herzschlag vielleicht auch nur einbildete. Selbst die vier Decken und die dicke Bettunterlage reichten nicht aus, doch er konnte nicht so einfach W�rme mit Hilfe der Macht in sie einstr�men lassen wie in den Boden. Selbst wenn er die Str�nge so d�nn wie eben m�glich webte, w�rde er sie damit eher t�ten als aufw�rmen. Er nahm das Gewebe wahr, das er ben�tzt hatte, um ihr Tor offenzuhalten, vielleicht eine oder zwei Meilen entfernt im Sturm. Versuchte er, sie so weit zu tragen, w�rden sie beide nicht �berleben. Sie brauchten einen sch�tzenden Unterschlupf, und den hier an Ort und Stelle.</p><p>Er webte Str�nge aus Luft, und Schnee glitt gegen die Windrichtung �ber den Boden, ballte sich zusammen und formte schlie�lich dicke, glatte W�nde im Abstand von etwa drei Schritt voneinander. Eine �ffnung war als T�r geblieben. Die W�nde wuchsen nach oben weiter. Der Schnee wurde zusammengepre�t, bis er wie Eis glitzerte. Ein Dach schob sich �ber die Grundmauern, hoch genug, um darunter stehen zu k�nnen. Er hob Aviendha auf seine Arme und stolperte mit ihr in das dunkle Innere hinein. Er webte kleine Flammen, die in den Ecken tanzten, und nabelte das Gewebe ab. Dann lenkte er weitere Str�nge so, da� sie den Eingang mit Schnee verschlossen.</p><p>Es war schon jetzt erheblich w�rmer, da sie vor dem Wind gesch�tzt waren. Doch das reichte nicht. Er ben�tzte den Trick, den ihm Asmodean gezeigt hatte, verwob Luft und Feuer, und die Luft im Schneehaus erw�rmte sich. Er wagte allerdings nicht, diese Str�nge abzubinden, denn wenn er einschlief, w�rde die W�rme immer st�rker, und die H�tte mu�te schlie�lich schmelzen. Deshalb war es eigentlich auch gef�hrlich, die kleinen Flammen zu lassen, wie sie waren, aber er war so hundem�de und durchgefroren, da� er einfach nicht mehr als ein Gewebe aufrechterhalten konnte.</p><p>Der Boden im Innern war nat�rlich schneefrei, da aller Schnee in den W�nden und dem Dach der H�tte steckte. Die blo�e Erde war sandig, und darauf lagen ein paar braune Bl�tter, die er nicht einordnen konnte, und zerfledderte, niedrige, abgestorbene Kr�uter, die ihm ebenfalls unbekannt waren. Er lie� das Gewebe los, das die Luft erhitzte, und w�rmte daf�r den Boden genug, da� er nicht mehr so eisig kalt war. Dann nahm er die anderen Str�nge wieder auf. Danach brachte er es gerade noch fertig, Aviendha sanft auf den Boden zu legen. Beinahe h�tte er sie fallenlassen, so ersch�pft war er.</p><p>Er schob eine Hand unter die Decken und f�hlte nach ihrer Wange und ihrer Schulter. Kleine Rinnsale rannen ihr �ber das Gesicht, als das Eis in ihren Haaren schmolz. Ihn fror, doch sie schien ihm wie blankes Eis. Sie ben�tigte jedes bi�chen W�rme, das er erzeugen konnte, und er wagte nicht, die Luft noch weiter zu erhitzen. Die Innenseiten der Schneemauern schimmerten bereits feucht. So sehr ihn auch fror, in ihm war jedenfalls noch mehr W�rme als in ihr.</p><p>So zog er sich schnell aus und schob sich zu ihr unter die Decken. Seine eigenen feuchten Kleider legte er obenauf, denn sie konnten helfen, die K�rperw�rme im Innern festzuhalten. Sein von <emphasis>Saidin</emphasis> und dem Nichts noch verst�rkter Tastsinn war erf�llt von ihr. Gegen ihre Haut f�hlte sich Seide noch grob an. Wenn man es mit ihrer Haut verglich, war selbst Satin... <emphasis>Nicht nachdenken!</emphasis> Er strich ihr das feuchte Haar aus dem Gesicht. Er h�tte es trocknen sollen, aber das Wasser war nicht mehr so kalt, und er h�tte au�erdem sowieso nur die Decken oder ihre Kleider dazu ben�tzen k�nnen. Ihre Augen waren geschlossen, und ihre Brust hob und senkte sich langsam an der seinen. Ihr Kopf lag auf seinem Arm und dr�ckte gegen seine Brust. W�re sie nicht noch immer so kalt gewesen, h�tte er geglaubt, sie schlafe. So friedlich; �berhaupt nicht zornig wie sonst. So sch�n. <emphasis>H�r auf damit!</emphasis> Scharf befahl er sich das von au�erhalb der Leere her, die ihn umgab. <emphasis>Sprich lieber.</emphasis></p><p>So sprach er einfach �ber das erste, was ihm in den Sinn kam: Elayne und die Verwirrung durch ihre beiden Briefe. Doch das erzeugte bald Vorstellungen von der goldhaarigen Elayne, die �ber das Nichts glitten, Erinnerungen daran, wie er sie an heimlichen Orten im Stein von Tear gek��t hatte. <emphasis>Denk doch nicht ans K�ssen, du Narr!</emphasis> Er ging zu Min �ber. Bisher hatte er noch nie an Min als Frau gedacht. Nun ja, ein paar Tr�ume z�hlten nicht. Min h�tte ihm eine Ohrfeige verpa�t, wenn er versucht h�tte, sie zu k�ssen. Oder sie h�tte gelacht und ihn Wollkopf genannt. Es kam ihm nun aber so vor, da� ihn jede Frau, von der er sprach, daran erinnerte, da� er eine nackte Frau in seinen Armen hielt. Von der Macht erf�llt, nahm er ihren Duft wahr, f�hlte jeden Fingerbreit ihrer Haut, als striche er mit seinen H�nden... Das Nichts bebte. <emphasis>Licht, du willst sie doch nur aufw�rmen! Schlag dir die schmutzigen Gedanken aus dem Kopf, Mann!</emphasis></p><p>Im Bem�hen, diese Gedanken zu vertreiben, redete er �ber die Hoffnungen, die er mit Cairhien verband, wie er dem Land Frieden und ein Ende der Hungersnot bringen wolle; wie er s�mtliche L�nder ohne weiteres Blutvergie�en dazu bringen wolle, sich ihm anzuschlie�en. Aber auch dieses Thema entwickelte ein Eigenleben, ging einen eigenen, unvermeidlichen Weg bis hin zum Shayol Ghul, wo er dem Dunklen K�nig gegen�bertreten und sterben mu�te, wenn die Weissagungen stimmten. Es erschien ihm feige, als er sagte, er hoffe das doch irgendwie zu �berleben. Die Aiel kannten keine Feigheit. Selbst der feigste unter ihnen war noch tapfer wie ein L�we. �Die Zerst�rung der Welt hat die Schwachen get�tet�, hatte er Bael sagen h�ren, �und das Dreifache Land hat die Feiglinge get�tet.�</p><p>Er begann damit, laut zu spekulieren, wo sie sich wohl bef�nden, wohin sie ihre wilde, sinnlose Flucht gef�hrt haben mochte. In irgendein fernes und fremdes Land, in dem es zu dieser Jahreszeit Schnee gab. Es war schlimmer als nur sinnlos gewesen, hierher zu rennen. Verr�ckt. Und doch war ihm klar, da� sie vor ihm weggerannt war. Vor ihm <emphasis>geflohen</emphasis> war. Wie sehr mu�te sie ihn hassen, da� sie so weit sie nur konnte vor ihm floh, anstatt ihm einfach zu sagen, er solle sie beim Waschen allein lassen.</p><p>�Ich h�tte anklopfen sollen.� An seine eigene Schlafzimmert�r? �Ich wei�, da� du dich nicht in meiner N�he aufhalten willst. Du mu�t ja auch nicht. Was die Weisen Frauen auch w�nschen, was sie auch sagen m�gen, du kehrst jedenfalls zu ihren Zelten zur�ck. Du mu�t mir nicht mehr nahe kommen. Und wenn doch... dann schicke ich dich weg.� Warum z�gerte er dabei? Wenn sie wach war, brachte sie ihm Zorn entgegen, K�lte, Bitterkeit, und wenn sie schlief... �Das war wirklich verr�ckt von dir. Du h�ttest dich umbringen k�nnen.� Wieder streichelte er �ber ihr Haar. Er konnte sich nicht davon abhalten. �Wenn du jemals wieder etwas so Wahnsinniges anstellst, breche ich dir das Genick. Hast du eine Ahnung, wie sehr ich deine Atemz�ge bei Nacht vermissen werde?� Sie vermissen? Sie trieb <emphasis>ihn</emphasis> damit zum Wahnsinn! Er war von ihnen beiden der Verr�ckte. Er mu�te damit aufh�ren. �Du wirst weggehen, klar? Und wenn ich dich nach Rhuidean zur�ckschicken mu�. Die Weisen Frauen k�nnen mich nicht davon abhalten, wenn ich als <emphasis>Car'a'carn</emphasis> ein Machtwort spreche. Du mu�t nicht mehr vor mir davonlaufen.�</p><p>Die Hand, die er nicht davon abhalten konnte, �ber ihr Haar zu streicheln, erstarrte, als sie sich r�hrte. Ihm wurde bewu�t, da� sie sich nun warm anf�hlte. Sehr warm. Er sollte sich jetzt anst�ndigerweise in eine seiner Decken einwickeln und sich ein St�ck von ihr entfernt hinlegen. Sie schlug die Augen auf, klar und tiefgr�n, und blickte ihn ernst aus nicht einmal einem Fu� Entfernung an. Sie schien weder �berrascht von seiner Anwesenheit, noch stie� sie ihn weg. Er nahm die Arme von ihr weg und wollte sich zur�ckziehen, doch sie packte eine Handvoll seiner Haare, da� es ihm weh tat. Wenn er sich jetzt bewegte, w�rde er einen kahlen Fleck am Kopf davontragen. Sie gab ihm keine Gelegenheit, etwas zu erkl�ren. �Ich habe meiner N�chstschwester versprochen, auf Euch aufzupassen.� Sie sagte das sowohl sich selbst wie auch ihm mit leiser, beinahe ausdrucksloser Stimme. �Ich bin vor Euch davongelaufen, so gut ich nur konnte, um meine Ehre zu bewahren. Und du bist mir sogar hierher gefolgt. Die Ringe l�gen nicht, und ich kann nicht mehr weglaufen.� Ihr Tonfall nahm eine wilde Entschlossenheit an. �Ich <emphasis>werde</emphasis> nicht mehr weglaufen!�</p><p>Rand versuchte, sie zu fragen, was sie damit meine, und gleichzeitig bem�hte er sich, ihre Finger sanft aus seinem Haar zu l�sen, doch sie packte auch noch mit der anderen Hand zu und zog seinen Mund zu ihrem hin. Das war das Ende alles rationalen Denkens. Das Nichts zersprang und <emphasis>Saidin</emphasis> entfloh ihm. Er glaubte nicht, da� er sich auch bei gr��ter Willensanstrengung h�tte zur�ckhalten k�nnen, aber der Gedanke kam ihm in diesem Augenblick �berhaupt nicht, und sie schien auch nicht zu wollen, da� er sich zur�ckhielt. Ja, sein letzter klarer und zusammenh�ngender Gedanke f�r l�ngere Zeit war sogar der, da� er <emphasis>sie</emphasis> wohl kaum zur�ckhalten k�nne.</p><p>Um ein Betr�chtliches sp�ter � zwei Stunden, vielleicht auch drei, sicher war er sich da nicht � lag er entspannt auf der Schlafunterlage, die Decken �ber sich gezogen und die H�nde hinter dem Kopf gefaltet. Er beobachtete Aviendha, wie sie die glatten wei�en W�nde untersuchte. Sie hatten �berraschend viel W�rme zur�ckgehalten, so da� er <emphasis>Saidin</emphasis> gar nicht ben�tzen mu�te, weder um die K�lte abzuhalten, noch um die Luft zu erw�rmen. Beim Aufstehen war sie lediglich mit ihren Fingern durchs Haar gefahren. Ansonsten bewegte sie sich trotz ihrer Nacktheit v�llig ohne Scham. Nat�rlich war es auch ein wenig zu sp�t, um sich vor ihm nur deshalb zu sch�men, weil sie nichts anhatte. Er hatte sich Gedanken dar�ber gemacht, sie nicht zu verletzen, als er sie aus dem Wasser zog, doch ihr K�rper zeigte weniger Schrammen als seiner, und auch die schienen ihrer Sch�nheit �berhaupt keinen Abbruch zu tun.</p><p>�Was ist das?� fragte sie.</p><p>�Schnee.� Er erkl�rte ihr, so gut es ging, was Schnee sei, aber sie sch�ttelte nur den Kopf, teils staunend, teils ungl�ubig. Einer Frau, die in der W�ste aufgewachsen war, mu�te gefrorenes Wasser, das vom Himmel fiel, genauso unm�glich erscheinen wie Menschen, die fliegen konnten. Den Chroniken nach war das einzige Mal, da� es in der W�ste je geregnet hatte, ausgerechnet der von ihm �ber Rhuidean erzeugte Regen gewesen.</p><p>Er konnte einen Seufzer des Bedauerns nicht zur�ckhalten, als sie sich ihr Hemd �ber den Kopf zog. �Die Weisen Frauen k�nnen uns verheiraten, sobald wir zur�ck sind.� Er sp�rte immer noch sein Gewebe, das die T�r offenhielt.</p><p>Aviendhas dunkelroter Schopf schob sich aus dem Hemd hervor, und sie blickte ihn ausdruckslos an. Nicht unfreundlich, aber auch nicht freundlich. Allerdings entschlossen. �Was l��t dich glauben, ein Mann habe das Recht, so etwas von mir zu verlangen? Au�erdem geh�rst du zu Elayne.�</p><p>Er brauchte einen Moment, bis er den Mund wieder zu bekam. �Aviendha, wir haben gerade... Wir beide... Licht, wir <emphasis>m�ssen</emphasis> doch jetzt heiraten. Nicht, da� ich es nur will, weil es so sein mu߫, f�gte er schnell hinzu. �Ich will es ja wirklich.� Da war er sich allerdings nicht ganz so sicher. Er glaubte durchaus, sie zu lieben, aber vielleicht liebte er ja Elayne auch. Und aus irgendeinem Grund schlich sich auch Min wieder in seine Gedanken ein. <emphasis>Du bist ein genauso gro�er Sch�rzenj�ger wie Mat.</emphasis> Aber wenigstens einmal konnte er das Richtige tun, eben weil es so richtig war.</p><p>Sie schnaubte und bef�hlte ihre Str�mpfe, um sicherzugehen, da� sie auch getrocknet waren. Dann setzte sie sich, um sie anzuziehen. �Egwene hat mir von euren Hochzeitsbr�uchen an den Zwei Fl�ssen erz�hlt.�</p><p>�Willst du ein ganzes Jahr lang warten?� fragte er ungl�ubig.</p><p>�Das Jahr. Ja, das habe ich gemeint.� Ihm war vorher noch nie klar geworden, wieviel Bein eine Frau zeigte, wenn sie sich einen Strumpf anzog. Seltsam, da� ihn das noch so reizte, nachdem er sie nackt und verschwitzt gesehen hatte, und... Er konzentrierte sich darauf, ihr zuzuh�ren. �Egwene erz�hlte, sie habe ihre Mutter um Erlaubnis f�r dich bitten wollen, doch bevor sie es auch nur erw�hnte, sagte ihre Mutter, da� sie ohnehin noch ein ganzes Jahr warten m�sse, auch wenn sie ihr Haar in der Zwischenzeit bereits zum Zopf flechten d�rfe.� Aviendha runzelte die Stirn. Das eine Knie ruhte fast unter ihrem Kinn. �Stimmt das denn? Sie sagte, einem M�dchen sei nicht erlaubt, ihr Haar zum Zopf zu flechten, bevor sie nicht im heiratsf�higen Alter ist. Verstehst du �berhaupt, was ich sage? Du machst ein Gesicht wie dieser... Fisch... den Moiraine im Flu� gefangen hat.� In der W�ste gab es keine Fische. Die Aiel kannten sie nur aus B�chern.</p><p>�Nat�rlich habe ich zugeh�rt�, versicherte er. Er h�tte genausogut taub und blind dazu sein k�nnen, soviel hatte er verstanden. Er drehte sich unter den Decken ein wenig zur Seite und bem�hte sich, so selbstsicher zu sprechen, wie es ihm m�glich war: �Wenigstens... na ja, die Br�uche sind kompliziert, und ich bin nicht sicher, auf welchen genau du dich beziehst.�</p><p>Sie sah ihn einen Augenblick lang mi�trauisch an, aber da auch die Aielsitten �u�erst kompliziert waren, glaubte sie ihm. An den Zwei Fl�ssen ging man ein Jahr lang weg, und wenn man dann mit Erfolg um ein M�dchen anhielt, verlobte man sich zuerst und heiratete schlie�lich. So verlangte es der Brauch. Sie fuhr beim Anziehen fort: �Ich meinte, wenn ein M�dchen w�hrend des Wartejahres ihre Mutter und die Seherin um Erlaubnis bittet. Ich verstehe das nicht.� Die wei�e Bluse, die sie �ber den Kopf zog, d�mpfte ihre Worte einen Moment lang. �Wenn sie ihn haben will und alt genug zum Heiraten ist, wozu braucht sie dann die Erlaubnis? Aber siehst du die �hnlichkeit? Unseren Sitten nach�, und ihr Tonfall lie� keinen Zweifel dar�ber, da� sie nur diese als entscheidend betrachtete, �ist es an mir, zu entscheiden, ob ich dich um deine Hand bitte, und ich tue es nicht. Wenn man nach deinen Sitten geht�, sie schnallte den G�rtel um und sch�ttelte dabei den Kopf, als sei f�r sie bereits alles abgetan, �habe ich die Erlaubnis meiner Mutter nicht. Und ich sch�tze, du br�uchtest die Genehmigung deines Vaters. Oder deines Vaterbruders, da dein Vater nicht mehr lebt? Wir hatten jedenfalls keinerlei Genehmigung, und deshalb k�nnen wir nicht heiraten.� Sie begann damit, den Schal zu falten, damit sie ihn sich um die Stirn binden konnte.</p><p>�Aha�, sagte er mit flauem Gef�hl im Magen. Ein Junge an den Zwei Fl�ssen, der seinen Vater um die Erlaubnis zu so etwas bat, riskierte ein paar Ohrfeigen. Wenn er so an die Burschen dachte, die ganz sch�n ins Schwitzen gekommen waren, weil sie bef�rchteten, jemand � irgend jemand � k�nne herausfinden, was sie mit dem M�dchen trieben, das sie heiraten wollten... Er erinnerte sich noch gut daran, als Nynaeve Kimry Lewin und Bar Dowtry im Heustadel von Bars Vater erwischt hatte. Kimry hatte schon f�nf Jahre lang den Zopf getragen, aber als Nynaeve schlie�lich mit ihr fertig war, hatte Frau Lewin sie sich noch einmal vorgekn�pft. Die Versammlung der Frauen hatte Bar beinahe bei lebendigem Leib das Fell abgezogen, doch das war nichts gegen die Behandlung, die Kimry erleben mu�te, w�hrend sie den einen Monat abwarteten, den man als k�rzeste Anstandsfrist vor der Hochzeit betrachtete. Insgeheim wurde noch lange, wenn auch so leise, da� die Versammlung der Frauen nichts davon h�rte, dar�ber gescherzt, da� sich weder Bar noch Kimry w�hrend der ersten Woche ihrer Ehe hinsetzen konnten. Rand glaubte, Kimry habe nicht um Erlaubnis gebeten, mit Bar ins Bett gehen zu d�rfen. �Aber ich denke, Egwene kennt wohl auch nicht alle Br�uche bei den M�nnern�, fuhr er fort. �Frauen wissen auch nicht alles. Siehst du, da ich angefangen habe, m�ssen wir heiraten! Da spielen Genehmigungen keine Rolle mehr.�</p><p>�Du hast angefangen?� Ihr Schnauben war betont und bedeutungsvoll. Ob Aiel oder Andoraner oder sonst etwas, Frauen ben�tzten solche Ger�usche wie St�cke, um damit zu stochern oder zu schlagen. �Es spielt sowieso keine Rolle, weil wir uns an die Aielsitten halten. Das wird nicht noch einmal passieren, Rand al'Thor.� Er war �berrascht und erfreut, in ihrer Stimme Bedauern mitschwingen zu h�ren. �Du geh�rst zur N�chstschwester meiner N�chstschwester. Ich habe Elayne gegen�ber <emphasis>Toh,</emphasis> aber das mu� dich nicht k�mmern. Ich habe geh�rt, da� M�nner hinterher faul sind, doch es kann nicht mehr lang dauern, bis die Clans bereit sind, fr�h am Morgen loszumarschieren. Du mu�t rechtzeitig dort sein.� Pl�tzlich �berzog Panik ihr Gesicht, und sie sackte auf die Knie nieder. �Wenn wir �berhaupt zur�ckkehren k�nnen. Ich wei� nicht mehr genau, was ich gemacht habe, um dieses Loch zu erzeugen, Rand al'Thor. Du mu�t uns den Weg zur�ck suchen.�</p><p>Er berichtete ihr, wie er ihr Tor blockiert hatte und es immer noch dort drau�en sp�ren konnte. Sie blickte erleichtert drein und l�chelte ihn sogar an. Aber es wurde immer klarer, als sie sich mit �bergeschlagenen Beinen hinsetzte und den Rock zurechtzog, da� sie sich nicht umdrehen w�rde, w�hrend er sich anzog.</p><p>�Na ja, gleiches Recht f�r alle�, murmelte er schlie�lich nach einer Weile und krabbelte unter den Decken hervor.</p><p>Er bem�hte sich, genauso selbstverst�ndlich zu tun wie sie, aber es fiel ihm nicht leicht. Er f�hlte ihren Blick wie eine Ber�hrung, auch als er sich von ihr abwandte. Sie hatte kein Recht, ihm zu sagen, er habe einen h�bschen Hintern; er hatte ja schlie�lich auch nicht gesagt, wie h�bsch ihrer war. Sie sagte so etwas ja ohnehin nur, damit er rot wurde. Frauen sahen M�nner doch nicht auf diese Weise an. <emphasis>Und sie fragen auch nicht ihre Mutter um Erlaubnis, wenn sie...?</emphasis> Er hatte eine Vorahnung, da� sein Leben mit Aviendha keinen Deut leichter geworden war.</p></section><section><title><p>32</p><p>Ein sehr kurzer Speer</p></title><p>Es gab kaum eine Diskussion. Trotz des drau�en noch tobenden Sturms konnten sie es zum Tor zur�ck schaffen, wenn sie die Decken und die Bettunterlage als Umh�nge benutzten. Aviendha begann, sie aufzuteilen, w�hrend er nach <emphasis>Saidin</emphasis> griff, nach Leben und Tod, geschmolzenem Feuer und fl�ssigem Eis.</p><p>�Gib uns beiden jeweils gleich viele�, sagte er zu ihr. Ihm war bewu�t, da� seine Stimme kalt und gef�hllos klang. Asmodean hatte ihm gesagt, er k�nne noch erheblich weiter gehen, doch das hatte er bisher nicht fertiggebracht.</p><p>Sie warf ihm einen �berraschten Blick zu, doch alles, was sie sagte, war: �Bei dir gibt es mehr zu bedecken.�</p><p>Streiten war zwecklos. Seiner Erfahrung nach, und die ging eben von Emondsfeld bis zu den T�chtern des Speers, konnte man eine Frau nur dadurch davon abhalten, etwas f�r einen zu tun, da� man sie fesselte. Das galt besonders dann, wenn sie sich in den Kopf gesetzt hatte, ein Opfer zu bringen. �berraschend war nur, da� sie gar nicht bei�end gesprochen und auch keine Bemerkung fallengelassen hatte, er sei ein verw�hnter Feuchtl�nder. Vielleicht war bei alledem doch au�er einer sch�nen Erinnerung noch etwas Gutes herausgekommen. <emphasis>Sie kann es doch wirklich mit dem niemals wieder� nicht ernst gemeint haben.</emphasis> Allerdings hatte er den Verdacht, er m�sse sie w�rtlich nehmen.</p><p>Er wob einen fingerdicken Strang aus Feuer und schnitt damit den Umri� einer T�r in die eine Wand, wobei er den oberen Teil noch etwas erweiterte. �berraschenderweise drang Tageslicht durch den Spalt herein. Er lie� <emphasis>Saidin</emphasis> fahren und tauschte einen verbl�fften Blick mit Aviendha. Ihm war schon bewu�t, da� sie nicht auf die Zeit geachtet hatten � <emphasis>du wei�t nicht einmal mehr, welches Jahr gerade ist</emphasis> �, aber sie konnten sich eigentlich nicht sehr lang hier drinnen aufgehalten haben. Wo sie sich auch befinden mochten, es mu�te in jedem Fall weit von Cairhien entfernt sein.</p><p>Er dr�ckte gegen den Schneeblock, doch der r�hrte sich nicht, bis er sich mit dem R�cken dagegenlehnte, die F��e fest aufstemmte und mit aller Kraft dr�ckte. Gerade als ihm der Gedanke kam, er h�tte das auch viel einfacher mit Hilfe der Macht anstellen k�nnen, rutschte der Block nach au�en. Er konnte das Gleichgewicht nicht halten und kippte in das kalte, klare Tageslicht hinein. Allerdings st�rzte er nicht, denn der Block blieb an einer Schneewehe h�ngen, die sich um die H�tte herum gebildet hatte. So lag er auf dem R�cken, das Gesicht gerade so eben im Freien, und sah aus dieser Haltung weitere Schneewehen, die sp�rliche, verkr�ppelte B�ume einer ihm unbekannten Art umgaben, w�hrend unter anderen m�glicherweise B�sche oder Felsbl�cke begraben lagen.</p><p>Er �ffnete den Mund � und verga� augenblicklich, was er hatte sagen wollen, als <emphasis>irgend etwas</emphasis> keine f�nfzig Fu� �ber ihm durch die Luft fegte: eine ledriggraue Gestalt, viel gr��er als ein Pferd, die auf langsam schlagenden, weitge�ffneten Schwingen dahinsegelte, die offenbar aus Horn bestehende Schnauze vorgestreckt, die F��e wie Vogelkrallen und mit scharfen Klauen versehen und hinten in einem d�nnen Eidechsenschwanz endend. Sein Kopf bewegte sich wie von allein, und er verfolgte den Flug dieses <emphasis>Dinges</emphasis> �ber die Baumwipfel hinweg. Zwei Menschen sa�en auf seinem R�cken. Trotz der warmen Kleidung und ihrer Kapuzen war es klar, da� sie den Boden unter sich absuchten. Falls mehr als nur sein Kopf aus der H�tte geschaut h�tte, und das auch nicht gerade unter dem Bauch des Gesch�pfes, h�tten sie ihn sicherlich entdeckt. �La� die Decken liegen�, sagte er, als er sich duckte und wieder hineinschl�pfte. Dann berichtete er ihr, was er gesehen hatte. �Vielleicht sind sie uns freundlich gesinnt, vielleicht auch nicht. Ich m�chte es lieber gar nicht erst herausfinden.� Er legte ohnehin keinen gesteigerten Wert darauf, Leute kennenzulernen, die auf so einem Ding ritten. Falls es �berhaupt Menschen waren. �Wir m�ssen uns zum Tor zur�ckschleichen. So schnell es geht, aber m�glichst ungesehen.�</p><p>Ausnahmsweise widersprach sie nicht. Als er sie darauf ansprach, w�hrend er ihr behilflich war, �ber den Schneeblock zu klettern � was auch erstaunlich war, denn sie akzeptierte seine helfende Hand ohne einen einzigen b�sen Blick �, sagte sie: �Ich widerspreche nicht, wenn das, was du sagst, vern�nftig ist, Rand al'Thor.� Das hatte er allerdings anders in Erinnerung.</p><p>Das sie umgebende Land war eben und von einer dicken Schneedecke bedeckt. Nur im Westen erhoben sich schroffe, wei�gefleckte Berge, deren Gipfel in Wolken geh�llt waren. Er erkannte unschwer, da� dies im Westen war, weil gerade die Sonne gegen�ber aufging. Die obere H�lfte des goldenen Balles erhob sich aus dem Meer. Er blickte erstaunt hin. Das Land fiel in diese Richtung ab, so da� er sehen konnte, wie gewaltige Brandungswogen gischtspr�hend auf ein felsiges, mit Steinen �bers�tes Ufer vielleicht eine halbe Meile entfernt auftrafen. Ein Meer im Osten, das sich endlos dem Horizont und der Sonne entgegenstreckte. H�tte der Schnee nicht ausgereicht, dann w��te er sp�testens jetzt, da� sie sich in keinem ihm bekannten Land befanden.</p><p>Aviendha blickte mit gro�en Augen v�llig erstarrt auf die heranrollenden Brecher, und dann runzelte sie die Stirn, als sie begriff. Wohl hatte sie noch nie ein Meer gesehen, aber Landkarten hatte sie gewi� studiert.</p><p>Mit ihren R�cken machte ihr der Schnee nun noch mehr Schwierigkeiten als ihm. Er strampelte sich ab, sank manchmal bis zur H�fte ein und grub sich mehr hindurch, als da� er ging. Sie schnappte nach Luft, als er sie auf die Arme nahm. Ihre gr�nen Augen funkelten. �Wir m�ssen schneller vorw�rtskommen, als es dir m�glich ist, wenn du diese R�cke durch den Schnee schleifst�, erkl�rte er ihr. Das erz�rnte Funkeln verflog, aber sie legte trotzdem ihre Arme nicht um seinen Hals, wie er so halb gehofft hatte. Statt dessen faltete sie die H�nde und machte eine duldsame Miene. Ein bi�chen m�rrisch vielleicht auch. Welche Ver�nderungen sich auch in ihrem Innern abgespielt haben mochten, ganz anders als vorher war sie deshalb keineswegs. Er verstand selbst nicht, wieso ihn das erleichterte.</p><p>Er h�tte wie zuvor im Sturm einen Weg in den Schnee schmelzen k�nnen, aber falls ein weiteres dieser fliegenden Dinger kam, w�rde der Weg es genau zu ihnen f�hren. Ein Fuchs trabte ein ganzes St�ck entfernt zu ihrer Rechten �ber den Schnee. Er war ganz wei�, bis auf einen schwarzen Fleck am Ende seines buschigen Schwanzes. Er �ugte das eine oder andere Mal mi�trauisch zu Aviendha und ihm her�ber. An manchen Stellen verliefen Kaninchenspuren �ber die Schneedecke, ein wenig verwischt, wo sie gesprungen waren. Einmal sah er auch die Spuren einer Katze, die so gro� wie ein Leopard sein mu�te. Vielleicht gab es hier auch noch gr��ere Tiere; m�glicherweise fl�gellose Verwandte dieser ledrigen Kreatur von vorher. Er versp�rte wenig Lust auf ein Zusammentreffen, aber es war ja durchaus m�glich, da� diese... <emphasis>Flieger...</emphasis> die Furche, die er im Schnee hinterlie�, als die Spur eines Tieres betrachten w�rden.</p><p>Er bahnte ihnen trotzdem den Weg von Baum zu Baum. Mehr B�ume w�ren ihm lieber gewesen, und dichter h�tten sie auch stehen k�nnen. Andererseits h�tte er dann vielleicht Aviendha nicht gefunden. Sie �chzte und blickte mit vorwurfsvoller Miene zu ihm auf, worauf er seinen Griff wieder etwas lockerte. Jetzt jedenfalls w�ren mehr B�ume hilfreich gewesen. Aber gerade seine vorsichtige Vorgehensweise f�hrte dazu, da� er die anderen zuerst sah.</p><p>Weniger als f�nfzig Schritt entfernt und zwischen ihnen und dem Tor � sogar genau vor dem Tor, denn er sp�rte deutlich sein blockierendes Gewebe � befanden sich vier Reiter auf Pferden und mehr als zwanzig Personen zu Fu�. Die Reiter waren allesamt in lange, dicke, pelzbesetzte Umh�nge geh�llte Frauen. Zwei von ihnen trugen jeweils am linken Handgelenk ein silbrig schimmerndes Armband, das durch eine lange Leine aus demselben gl�nzenden Material mit einem silbernen Halsband verbunden war; und diese Halsb�nder trugen zwei grau gekleidete Frauen, die im tiefen Schnee standen. Die anderen neben ihnen waren M�nner mit dunklen Lederhemden und gr�n und golden bemalten Schuppenpanzern. Die sich �berlappenden Schuppen bedeckten ihre Brust, die Au�enseiten der Arme und die Vorderseiten der Schenkel. An ihren Speeren hingen gr�ne und goldene Troddeln. Ihre Schilde waren in den gleichen Farben bemalt, und die Helme glichen den K�pfen riesiger Insekten, zwischen deren Bei�werkzeugen Gesichter hervorblickten. Einer davon war offensichtlich ein Offizier, der wohl weder Speer noch Schild trug, daf�r aber ein gekr�mmtes Zweihandschwert auf dem R�cken. Die Schuppenplatten seines lackierten Panzers waren mit Silber ger�ndert, und d�nne, gr�ne Federn, die wie F�hler aussahen, verst�rkten den insektenhaften Eindruck seines bunten Helms. Nun wu�te Rand, wo Aviendha und er sich befanden. Er hatte solche R�stungen schon einmal gesehen. Und Frauen, die man so an die Leine genommen hatte.</p><p>Er setzte sie hinter einem Baum ab, der aussah wie eine vom Wind verkr�mmte Kiefer mit glattem, grauem, schwarzge�dertem Stamm, deutete hin�ber, und sie nickte schweigend.</p><p>�Die beiden Frauen an den Leinen k�nnen die Macht ben�tzen�, fl�sterte er. �Kannst du sie abschirmen?� Schnell f�gte er noch hinzu: �Nimm noch keinen Kontakt zur Wahren Quelle auf. Sie sind Gefangene, aber trotzdem k�nnte es sein, da� sie die anderen warnen, und selbst wenn nicht, sp�ren die Frauen mit den Armreifen vielleicht durch sie, da� jemand in der N�he die Macht gebraucht.�</p><p>Sie sah ihn mit einem eigenartigen Blick an, verschwendete aber keine Zeit mit t�richten Fragen, wie beispielsweise, woher er das wisse. Die Fragen w�rden sp�ter kommen, soviel war ihm klar. �Die Frauen mit den Armreifen k�nnen ebenfalls die Macht lenken�, erwiderte sie genauso leise. �Ich sp�re sie aber nur ganz eigenartig schwach, als h�tten sie den Gebrauch der Macht niemals ge�bt. Ich verstehe nicht, wie das sein kann.�</p><p>Rand schon. <emphasis>Damane</emphasis> waren diejenigen, von denen man annahm, sie k�nnten als einzige die Macht lenken. Falls zwei Frauen den Seanchan durch das Netz ihrer �berpr�fungen geschl�pft waren und statt dessen zu <emphasis>Sul'dam</emphasis> wurden, w�rden sie bestimmt nicht wagen, sich zu verraten. Den Seanchan auf diese Weise ein Schnippchen zu schlagen war sicher ziemlich schwierig, da sie schlie�lich jede junge Frau in dem Jahr �berpr�ften, da sich die ersten Anzeichen zeigen konnten. �Kannst du alle vier abschirmen?�</p><p>Sie warf ihm einen selbstbewu�ten Blick zu. �Nat�rlich. Egwene hat mir beigebracht, mehrere Str�nge auf einmal zu weben. Ich kann sie abschirmen, die Str�nge abnabeln und sie in Str�nge aus Luft einbinden, bevor sie �berhaupt merken, was los ist.� Das L�cheln verflog. �Ich bin schnell genug, um mit ihnen und ihren Pferden fertig zu werden, aber den Rest mu� ich dir �berlassen, bis ich Hilfe bringen kann. Falls von denen dort welche davonkommen... Sie k�nnen bestimmt gut mit diesen Speeren umgehen, und falls dich jemand am Boden festnagelt... � Einen Augenblick lang knurrte sie in sich hinein, als �rgere sie sich dar�ber, da� sie keinen vollst�ndigen Satz mehr zustande bringe. Schlie�lich sah sie ihn wieder an, und ihr Blick war so zornig wie in besten Zeiten. �Egwene hat mir davon erz�hlt, wie man mit Hilfe der Macht Wunden heilen kann, aber sie wei� zu wenig dar�ber und ich noch weniger.�</p><p>Wor�ber hatte sie sich denn jetzt wieder aufgeregt? <emphasis>Besser, du versuchst, die Sonne zu verstehen als eine Frau,</emphasis> dachte er trocken. Das hatte ihm Thom Merrilin gesagt, und es entsprach der Wahrheit. �K�mmere du dich nur darum, diese Frauen abzuschirmen�, sagte er zu ihr. �Ich erledige den Rest. Aber erst, wenn ich deinen Arm ber�hre.�</p><p>Ihm war klar, da� sie ihn nun f�r einen Angeber hielt, aber er mu�te ja gar keine Str�nge aufsplei�en, sondern lediglich einen einzigen etwas komplizierteren Strang aus Luft weben, der ihnen die Arme und Beine fesselte und auch die Beine der Pferde. So atmete er noch einmal tief durch, griff nach <emphasis>Saidin,</emphasis> ber�hrte ihren Arm und lie� die Macht wirken.</p><p>Entsetzte Schreie ert�nten. Er h�tte auch an Knebel denken sollen, aber sie sollten eigentlich schon jenseits des Tores sein, ehe irgend jemand die Rufe h�ren konnte. Er hielt an der Wahren Quelle fest, packte Aviendha am Arm und mu�te sie beinahe durch den Schnee zerren. Er �berh�rte ihr w�tendes Fauchen, sie k�nne allein gehen. Auf diese Weise bahnte er wenigstens einen Weg f�r sie, und schlie�lich mu�ten sie sich beeilen.</p><p>Die Seanchan verstummten und blickten ihnen nach, als er mit Aviendha im Schlepptau vor ihrer Nase zum Tor stapfte. Die beiden Frauen, die keine <emphasis>Sul'dam</emphasis> waren, hatten die Kapuzen zur�ckgestreift und k�mpften gegen sein Gewebe an. Er hielt es aufrecht, nabelte es aber nicht ab, denn wenn sie durch waren, mu�te er es loslassen. Der Grund war einfach der, da� er nicht einmal Seanchan gefesselt im Schnee zur�cklassen konnte. Falls sie dort nicht erfroren, gab es da ja noch die gro�e Raubkatze, deren Spur er gesehen hatte. Und wo es eine davon gab, hielten sich wohl auch noch mehr auf.</p><p>Das Tor befand sich noch an der richtigen Stelle, doch anstatt in das Zimmer in Eianrod blicken zu k�nnen, war dahinter nur einheitliches Grau zu sehen. Es schien jetzt auch enger, als es in seiner Erinnerung gewesen war. Und schlimmer noch: Er konnte das Gewebe dieser grauen Wand erkennen. Sie war aus <emphasis>Saidin</emphasis> gewebt. Zornige Gedanken glitten �ber das Nichts. Er wu�te nicht, was das sollte, doch es konnte durchaus eine von einem der m�nnlichen Verlorenen gewebte Falle f�r denjenigen sein, der hindurchtrat. H�chstwahrscheinlich von Asmodean. Falls der Mann ihn den anderen �bergab, gewann er damit m�glicherweise seinen Platz unter ihnen zur�ck. Aber hierbleiben kam auch nicht in Frage. Wenn sich Aviendha nur daran erinnern k�nnte, wie sie das Tor urspr�nglich ge�ffnet hatte! Dann k�nnte sie ein weiteres �ffnen. Aber so, wie die Dinge standen, w�rden sie dieses ben�tzen m�ssen, ob Falle oder nicht.</p><p>Eine der berittenen Frauen trug auf der grauen Brust ihres Umhangs als Abzeichen einen schwarzen Raben vor einem einzelnen Turm. Sie hatte ein strenges Gesicht und dunkle Augen, die sich f�rmlich in seinen Sch�del zu bohren versuchten. Die andere, j�nger, hellh�utiger und kleiner, doch edler in ihrer Haltung, trug einen silbernen Hirschkopf auf ihrem gr�nen Umhang. Die kleinen Finger ihrer Reithandschuhen waren viel zu lang. Rand erkannte aber an den kahlgeschorenen Seiten ihres Kopfes, da� sich unter den Handschuhen �berlange Fingern�gel verbargen, sicher lackiert, denn beides waren typische Merkmale des Adels bei den Seanchan. Die Mienen der Soldaten waren steinern und ihre Haltung gerade und aufrecht, doch die blauen Augen des Offiziers funkelten w�tend hinter den Bei�werkzeugen des insektengleichen Helms, und seine in Handschuhen steckenden Finger kr�mmten sich, als er sich vergeblich bem�hte, nach seinem Schwert zu greifen.</p><p>Rand waren sie gleichg�ltig, doch die <emphasis>Damane</emphasis> wollte er auf keinen Fall zur�cklassen; wenigstens konnte er ihnen die M�glichkeit zur Flucht verschaffen. Sie starrten ihn wohl an wie ein wildes Tier, das mit gefletschten Z�hnen vor ihnen stand, aber sie hatten sich ja auch nicht das Los von Gefangenen ausgesucht, die selbst wenig besser als Haustiere behandelt wurden. Er ber�hrte mit der Hand das Halsband der N�chststehenden und versp�rte einen Schlag, der seinen Arm fast bet�ubt h�tte. Einen Moment lang verschob sich das Nichts, und <emphasis>Saidin</emphasis> durchtobte ihn wie ein Tausendfaches des Schneesturms. Das kurzgeschnittene blonde Haar der <emphasis>Damane</emphasis> wirbelte herum, als sie sich unter seiner Ber�hrung wand. Sie schrie auf, und die <emphasis>Sul'dam,</emphasis> mit der sie verbunden war, wurde leichenbla� und schnappte nach Luft. Beide w�ren zu Boden gesackt, h�tten die Fesseln aus Luft sie nicht aufrecht gehalten.</p><p>�Versuch du es�, sagte er zu Aviendha und sch�ttelte die Hand aus. �Eine Frau mu� doch wohl in der Lage sein, das Ding anzufassen, ohne einen Schlag abzubekommen. Ich wei� nicht, wie man es losmacht.� Es sah aus wie aus einem St�ck gefertigt, vielleicht auf irgendeine Art aus Gliedern zusammengesetzt, genauso wie der Armreif und die Leine. �Aber da es angelegt werden kann, kann man es auch wieder abnehmen.� Ein paar Augenblicke mehr spielten keine Rolle, was auch immer mit dem Tor geschehen sein mochte. War das Asmodeans Werk?</p><p>Aviendha sch�ttelte den Kopf, begann aber doch, an dem Halsband der einen Frau herumzuversuchen. �Halt still�, knurrte sie, als die <emphasis>Damane,</emphasis> ein M�dchen von vielleicht sechzehn oder siebzehn Jahren mit bleichem Gesicht, vor ihr zur�ckzucken wollte. Wenn die angeleinten Frauen Rand schon wie eine wilde Bestie angeschaut hatten, dann mu�te Aviendha jetzt in ihren Augen wie ein fleischgewordener Alptraum wirken.</p><p>�Sie ist eine <emphasis>Marath'Damane�,</emphasis> heulte das bleiche M�dchen. �Rettet Seri, Herrin! Bitte, Herrin! Rettet Seri!� Die andere <emphasis>Damane,</emphasis> eine �ltere, fast m�tterlich wirkende Frau, begann, unkontrolliert zu weinen. Aviendha funkelte Rand genauso zornig an wie das M�dchen und knurrte etwas in sich hinein, w�hrend sie an dem Halsband herumfummelte. Rand hatte keine Ahnung, warum sie auf ihn zornig sein sollte.</p><p>�Er ist es, Lady Morsa�, sagte die <emphasis>Sul'dam</emphasis> der anderen <emphasis>Damane</emphasis> pl�tzlich in so schleppendem Ton, da� Rand sie kaum verstand. �Ich habe den Armreif schon lange getragen und w��te es, wenn die <emphasis>Marath'Damane</emphasis> mehr getan h�tte als nur Jini abzuschirmen.�</p><p>Morsa wirkte nicht �berrascht. Es schien sogar etwas von erschrockenem Wiedererkennen in dem Blick aus ihren blauen Augen zu liegen, als sie Rand ansah. Es konnte nur eine m�gliche Erkl�rung geben.</p><p>�Ihr wart in Falme�, sagte er. Falls er als erster hindurchtrat, w�rde er Aviendha zur�cklassen m�ssen, wenn auch nur f�r einen Augenblick.</p><p>�Das stimmt.� Die Adlige sah aus, als habe sie weiche Knie, doch ihre bed�chtige Stimme mit der ebenfalls schleppenden Aussprache war immer noch k�hl und hoheitsvoll. �Ich habe Euch gesehen und was Ihr dort vollbracht habt.�</p><p>�Dann gebt acht, da� ich hier nicht dasselbe mache. Macht mir keine Schwierigkeiten, und ich lasse Euch in Frieden.� Er konnte aber Aviendha nicht als erste hindurchschicken. Das Licht mochte wissen, was sie dort erwartete. Wenn nicht alle Gef�hle innerhalb des Nichts so weit entfernt erschienen w�ren, h�tte er wohl genauso das Gesicht verzogen wie sie dieses Halsbands wegen. Sie mu�ten zusammen hindurch und auf alles vorbereitet sein.</p><p>�Vieles wurde geheimgehalten, was die Geschehnisse im Lande des gro�en Falkenfl�gels betrifft, Lady Morsa�, sagte die Frau mit dem strengen Gesicht. Der Blick aus ihren dunklen Augen, den sie Morsa zuwarf, war genauso hart wie der, der ihn getroffen hatte. �Ger�chte besagen, da� das Ewig Ruhmreiche Heer eine Niederlage erlitten hat.�</p><p>�Sucht Ihr nun nach der Wahrheit hinter Ger�chten, Jalindin?� fragte Morsa in bei�endem Tonfall. �Gerade eine Sucherin sollte wissen, wann es besser ist, den Mund zu halten. Die Kaiserin selbst hat verboten, von der <emphasis>Corenne</emphasis> zu sprechen, bis sie sie erneut ausruft. Wenn Ihr �oder ich � auch nur den Namen der Stadt aussprecht, bei der diese Expedition an Land ging, wird man uns die Zungen herausschneiden. Vielleicht w�rde es Euch gefallen, im Turm der Raben ohne Zunge festzusitzen? Noch nicht einmal die Lauscher w�rden h�ren, wenn Ihr schreit, um Gnade winselt oder alles gesteht.�</p><p>Rand verstand nicht mehr als zwei Worte von dreien, und das lag nicht an dem eigenartigen Dialekt. Er h�tte gern mehr Zeit zum Zuh�ren gehabt. <emphasis>Corenne.</emphasis> Die R�ckkehr. So hatten die Seanchan in Falme ihren Versuch bezeichnet, die L�nder jenseits des Aryth-Meeres zu erobern, die L�nder, in denen er lebte und die sie als ihren rechtm��igen Besitz, ihr Erbe, betrachteten. Der Rest �Sucher, Lauscher, Turm der Raben � war ihm ein R�tsel. Doch offensichtlich war die R�ckkehr zun�chst abgeblasen worden. Es war gut, dies zu wissen.</p><p>Das Tor war tats�chlich schmaler. Vielleicht einen Fingerbreit schmaler als noch Augenblicke zuvor. Nur sein Block hielt es offen. Es hatte versucht, sich zu schlie�en, sobald Aviendha ihr Gewebe losgelassen hatte, und es bem�hte sich immer noch darum.</p><p>�Beeil dich�, sagte er zu Aviendha, und sie warf ihm einen so betont geduldigen Blick zu, da� er ihn wie ein Stein zwischen die Augen traf.</p><p>�Ich gebe mein Bestes, Rand al'Thor�, sagte sie und zerrte weiter an dem Halsband herum. Tr�nen rollten Seri �ber die Wangen, und sie st�hnte dabei, als wolle ihr die Aielfrau die Kehle durchschneiden. �Du h�ttest die anderen beiden beinahe umgebracht und dich selbst vielleicht gleich mit. Ich habe die Macht gesp�rt, wie sie wild und unkontrolliert in die beiden einstr�mte, als du das andere Halsband ber�hrt hast. Also �berla� das mir, und wenn ich es fertigbringen kann, werde ich das auch.� Dann fluchte sie wieder leise und probierte es an der Seite.</p><p>Rand dachte daran, die Halsb�nder durch die <emphasis>Sul'dam</emphasis> entfernen zu lassen, denn wenn irgend jemand wu�te, wie man sie abnahm, dann nat�rlich diese beiden, aber deren finsteren Mienen nach zu schlie�en, m��te er sie dazu zwingen. Und eine Frau zu foltern war ihm noch unm�glicher, als sie zu t�ten.</p><p>Seufzend sah er sich wieder die graue Leere an, die das Tor ausf�llte. Die Str�nge schienen in seine eigenen hineinverwoben, und er konnte den einen nicht zertrennen, ohne den anderen gleichzeitig zu kappen. Hindurchgehen mochte die Falle ausl�sen, doch diese graue Leere herauszutrennen w�rde, falls das nicht sowieso denselben Effekt hatte, dem Tor gestatten, sich so schnell zu schlie�en, da� sie keine Gelegenheit mehr h�tten, noch hindurchzuspringen. Und das w�re auch ein Sprung, der sie blindlings in das Licht wu�te was hineinf�hrte.</p><p>Morsa hatte jedem Wort gelauscht, das zwischen ihm und Aviendha gefallen war, und nun sah sie nachdenklich die beiden <emphasis>Sul'dam</emphasis> an. Jalindin aber hatte den Blick nicht vom Gesicht der Adligen genommen. �Es ist viel geheimgehalten worden, das f�r die Sucher kein Geheimnis darstellen d�rfte, Lady Morsa�, sagte die streng dreinblickende Frau. �Die Sucher m�ssen alles erfahren.�</p><p>�Ihr verge�t Euch, Jalindin�, fauchte Morsa. Ihre H�nde in den Reithandschuhen zuckten. W�ren ihre Arme nicht gefesselt gewesen, h�tte sie wohl an den Z�geln gerissen. So aber hielt sie nur den Kopf schr�g und blickte auf die andere hinab: �Ihr seid mir zugeteilt worden, weil Sarek die Nase zu hoch zu tragen scheint und er ein Auge auf Serengada Dai und Tuel geworfen hat, ganz zu schweigen von der Absicht der Kaiserin... �</p><p>Jalindin unterbrach sie grob: �Ihr seid es, die sich vergi�t, Lady Morsa, falls Ihr glaubt, einen Beweis gegen die Wahrheitssucher zu haben. Ich habe selbst sowohl eine Tochter wie auch einen Sohn der Kaiserin, m�ge das Licht sie segnen, verh�rt, und aus Dankbarkeit f�r die Gest�ndnisse, die ich ihnen abrang, gestattete sie mir, ihr Gesicht zu sehen. Glaubt Ihr, da� Euer niederes Haus �ber den eigenen Kindern der Kaiserin steht?�</p><p>Morsa blieb steif sitzen � sie hatte ja auch keine andere Wahl �, doch ihr Gesicht verf�rbte sich grau, und sie leckte sich �ber die Lippen. �Die Kaiserin, m�ge das Licht sie ewiglich erleuchten, wei� bereits viel mehr, als ich Euch sagen k�nnte. Ich habe auch keineswegs damit sagen wollen... �</p><p>Die Sucherin unterbrach sie erneut, wobei sie den Kopf umwandte und zu den Soldaten sprach, als existiere Morsa �berhaupt nicht: �Die Frau Morsa befindet sich im Gewahrsam der Wahrheitssucher. Sie wird zum Verh�r gebracht, sobald wir nach Merinloe zur�ckkehren. Genauso auch die <emphasis>Sul'dam</emphasis> und die <emphasis>Damane.</emphasis> Wie es scheint, haben auch sie Dinge verschwiegen, die sie nicht verschweigen durften.� Die Gesichter der genannten Frauen wurden bleich vor Angst, aber Morsa sah nun am schlimmsten von allen aus. Mit weit aufgerissenen Augen wirkte ihr Gesicht eingefallen. Sie sackte in sich zusammen, soweit das ihre unsichtbaren Bande gestatteten, und brachte kein Wort heraus, keinen Widerspruch. Sie sah aus, als wolle sie schreien, und doch � akzeptierte sie das Gesagte. Jalindins Blick wanderte zu Rand hin�ber. �Sie hat Euch Rand al'Thor genannt. Man wird Euch gut behandeln, wenn Ihr euch mir ergebt, Rand al'Thor. Wie Ihr auch hierher gekommen sein m�gt, entkommen k�nnt Ihr jedenfalls nicht, selbst wenn Ihr uns t�tet. Es ist eine gro�e Suchaktion im Gang nach einer <emphasis>Marath'Damane,</emphasis> die letzte Nacht die Macht ben�tzte.� Ihr Blick huschte zu Aviendha hin�ber. �Euch wird man ebenfalls finden, das ist unvermeidlich, und es k�nnte geschehen, da� man Euch aus Versehen t�tet. In diesem Bezirk herrscht gerade ein Aufstand. Ich wei� nicht, was man in Euren L�ndern mit M�nnern wie Euch macht, aber in Seanchan w�rde man Eure Leiden verk�rzen. Hier k�nntet Ihr Euch gro�e Ehre durch den Gebrauch Eurer Kr�fte erwerben.�</p><p>Er lachte ihr ins Gesicht, und sie blickte beleidigt drein. �Ich kann Euch nicht t�ten, aber ich schw�re, daf�r werde ich Euch zumindest die Haut bei lebendigem Leib abziehen.� In den H�nden der Seanchan mu�te er sich gewi� keine Gedanken dar�ber machen, einer D�mpfung unterzogen zu werden. In Seanchan t�tete man M�nner, die mit der Macht umgehen konnten. Sie wurden nicht hingerichtet. Man jagte sie und scho� sie nieder, sobald man sie vor sich hatte.</p><p>Das mit Grau angef�llte Tor war wieder ein wenig schmaler geworden und kaum mehr breit genug, da� sie beide nebeneinander hindurchpa�ten. �La� es sein, Aviendha. Wir m�ssen jetzt weg.�</p><p>Sie lie� Seris Halsband los und warf ihm einen frustrierten Blick zu, doch dann sah sie hin�ber zum Tor, raffte ihre R�cke und stapfte durch den Schnee zu ihm her�ber, wobei sie etwas von gefrorenem Wasser murmelte.</p><p>�Sei auf alles vorbereitet�, riet er ihr und legte ihr einen Arm um die Schultern. Er redete sich dabei ein, sie m��ten sich so eng aneinanderdr�cken, um hindurchzupassen. Nicht, weil es ein so sch�nes Gef�hl war. �Ich wei� nicht, was uns erwartet, aber sei vorbereitet.� Sie nickte, und er befahl: �Spring!�</p><p>Gemeinsam sprangen sie ins Graue hinein. Rand lie� das Gewebe los, mit dem er die Seanchan gefesselt hatte, damit er sich bis zum Platzen mit <emphasis>Saidin</emphasis> anf�llen konnte...</p><p>... und landeten stolpernd in seinem Schlafzimmer in Eianrod. Die Lampen flackerten, und drau�en vor den Fenstern herrschte tiefe Dunkelheit.</p><p>Asmodean sa� mit �bergeschlagenen Beinen neben der T�r an der Wand. Er hatte keine Verbindung zur Wahren Quelle, aber Rand schleuderte ihm trotzdem eine Abschirmung entgegen, damit er auf keinen Fall <emphasis>Saidin</emphasis> erreichen konnte. Er wirbelte herum, den Arm immer noch um Aviendha gelegt, und sah, da� das Tor verschwunden war. Nein, nicht ganz! Er sah immer noch sein Gewebe und das andere, das wahrscheinlich von Asmodean stammte, aber es schien einfach nichts mehr dort zu sein. Ohne Verz�gerung zerschnitt er sein Gewebe, und mit einemmal erschien das Tor wieder und verengte sich rasch. Er sah die Seanchan, sah Lady Morsa, die zusammengesackt im Sattel hing, und Jalindin, die Befehle schrie. Ein Speer mit gr�nen und wei�en Troddeln flog im letzten Moment noch durch die �ffnung, bevor sie ganz verschwunden war. Instinktiv lenkte Rand einen Strang aus Luft, um den pl�tzlich im Flug zitternden und nur noch zwei Fu� langen Speer abzufangen. Der Schaft war so glatt abgeschnitten, wie es ein guter Handwerker nicht besser h�tte tun k�nnen. Er schauderte und war heilfroh, da� er nicht versucht hatte, die graue Barriere zu entfernen � was es auch gewesen sein mochte �, bevor sie hindurchsprangen.</p><p>�Gut, da� keine der <emphasis>Sul'dam</emphasis> rechtzeitig wieder frei war�, sagte er und nahm den abgeschnittenen Speer in die Hand, �sonst h�tte man uns Schlimmeres als den hier hinterhergeschickt.� Er beobachtete Asmodean aus den Augenwinkeln, doch der sa� einfach nur da und wirkte etwas kr�nklich. Er konnte ja auch nicht wissen, ob ihm Rand vielleicht mit diesem Speer nun endg�ltig den Mund stopfen wolle. Aviendhas Schnauben war noch betonter als sonst. �Glaubst du, ich h�tte sie losgelassen?� fragte sie hitzig. Sie schob seinen Arm energisch weg, aber ihr Zorn galt wohl trotzdem nicht ihm. Oder jedenfalls nicht seinem Arm. �Ich habe ihre Abschirmungen so fest abgebunden, wie ich konnte. Sie sind deine Feinde, Rand al'Thor. Selbst diejenigen, die du <emphasis>Damane</emphasis> genannt hast, sind wie treue Hunde, die lieber Euch get�tet h�tten, als sich befreien zu lassen. Du mu�t mit deinen Feinden h�rter umgehen, nicht so sanftm�tig.�</p><p>Sie hatte recht, dachte er sich und wog den Speer in der Hand. Er hatte Feinde zur�ckgelassen, denen er sich eines Tages wieder gegen�bersehen konnte. Er mu�te h�rter werden. Sonst w�rde er zu Staub zermalmt, bevor er noch den Shayol Ghul erreichte.</p><p>Unvermittelt begann sie, ihren Rock glattzustreichen, und sie sagte in harmlosem Plauderton: �Mir ist aufgefallen, da� du diese Morsa mit ihrem Milchgesicht gar nicht vor ihrem Schicksal bewahrt hast. Den Blicken nach, die du ihr zugeworfen hast, dachte ich, du h�ttest ein Auge auf diese gro�en Augen und den runden Busen geworfen.�</p><p>Rand blickte sie verbl�fft an. Sein Erstaunen flo� wie klebriger Honig �ber die Leere, die ihn umgab. Sie sprach so, als sage sie lediglich, da� die Suppe fertig sei. Er fragte sich, wie er wohl Morsas Busen h�tte bewundern k�nnen, bei diesem dicken, pelzbesetzten Umhang. �Ich h�tte sie mitbringen sollen�, sagte er. �Um sie �ber die Seanchan zu befragen. Ich f�rchte, die werden mir noch Unannehmlichkeiten bereiten.�</p><p>Das verd�chtige Glitzern in ihren Augen verschwand wieder. Sie �ffnete den Mund, hielt aber inne, als er die Hand hob, und warf einen Blick zu Asmodean hin�ber. Er sah beinahe all die Fragen bez�glich der Seanchan, die sich hinter ihrer Stirn auft�rmten. Wie er sie kannte, w�rde sie nicht aufh�ren, ihn auszuquetschen, bis sie Dinge ausgegraben hatte, an die er selbst sich nicht mehr erinnerte. Was nicht �bel w�re. Dazu aber ein andermal. Erst einmal mu�te er Asmodean ein paar Antworten entlocken. Sie hatte recht. Er mu�te hart werden.</p><p>�Das war schlau von dir�, sagte sie, �diese �ffnung zu verbergen, die ich machte. Falls ein <emphasis>Gai'schain</emphasis> hereinkam, h�tte es sonst geschehen k�nnen, da� tausend Speerschwestern auf der Suche nach dir hindurchmarschiert w�ren.�</p><p>Asmodean r�usperte sich. �Eine der <emphasis>Gai'schain</emphasis> kam tats�chlich hierher. Irgend jemand namens Sulin hatte ihr aufgetragen, nachzusehen, ob Ihr auch wirklich etwas e�t, mein Lord Drache, und um sie davon abzuhalten, mit ihrem Tablett hereinzuspazieren und Eure Abwesenheit zu bemerken, habe ich mir die Freiheit genommen, ihr zu sagen, da� Ihr und die junge Frau nicht gest�rt werden wolltet.� Ein leichtes Zucken seiner Augenlider weckte Rands Aufmerksamkeit.</p><p>�Was?�</p><p>�Ach, sie hat es so seltsam aufgenommen. Sie hat schallend gelacht und ist weggerannt. Ein paar Minuten sp�ter tauchten bestimmt zwanzig <emphasis>Far Dareis Mai</emphasis> unter dem Fenster auf, schrien herum und schlugen mit den Speeren eine gute Stunde lang oder noch l�nger auf ihre Schilde. Ich mu� schon sagen, mein Lord Drache, einige der Anregungen, die sie heraufschrien, haben selbst mich noch �berrascht.�</p><p>Rand sp�rte, wie seine Wangen brannten. Es war auf der anderen Seite dieser verdammten Welt geschehen, und trotzdem hatten die T�chter Wind davon bekommen! Doch Aviendha kniff nur die Augen zusammen.</p><p>�Hatte sie die gleichen Haare und Augen wie ich?� Sie wartete gar nicht auf Asmodeans Nicken. �Das mu� meine Erstschwester Niella gewesen sein.� Sie las Rand die unausgesprochene Frage vom Gesicht ab und beantwortete sie, bevor er etwas sagen konnte. �Niella ist Weberin, keine Tochter des Speers. Sie wurde vor einem halben Jahr von T�chtern der Chareen w�hrend eines �berfalls auf die Sularafestung gefangengenommen. Sie hat immer versucht, mir auszureden, den Speer zu nehmen, und sie wollte schon immer, da� ich heirate. Ich werde sie zu den Chareen zur�ckschicken, und zwar mit einem Striemen auf dem Hinterteil f�r jedes Weitersagen!�</p><p>Rand packte sie am Arm, als sie aus dem Zimmer stolzieren wollte. �Ich will noch mit Natael sprechen. Ich sch�tze, es ist nicht mehr sehr viel Zeit bis Sonnenaufgang... �</p><p>�Vielleicht zwei Stunden�, warf Natael ein. �... also wird sowieso nicht mehr viel Schlaf bleiben. Wenn du dich trotzdem hinlegen m�chtest, h�ttest du dann etwas dagegen, dein Bett f�r den Rest der Nacht woanders zu richten? Du brauchst ohnehin neue Decken.�</p><p>Sie nickte knapp und machte sich von ihm los. Dann knallte sie die T�r hinter sich zu. Sicher war sie doch nicht zornig, weil er sie aus seinem Schlafzimmer geworfen hatte? Wie k�nnte sie denn? Sie hatte doch gesagt, es werde nichts mehr zwischen ihnen geschehen. Jedenfalls war er froh, da� er nicht in Niellas Haut steckte.</p><p>Er wog den arg verk�rzten Speer in der Hand und wandte sich schlie�lich Asmodean zu.</p><p>�Ein seltsames Szepter, mein Lord Drache.�</p><p>�Es mu� eben daf�r herhalten.� Um ihn daran zu erinnern, da� es die Seanchan immer noch gab. Diesmal w�nschte er sich, er k�nne seine Stimme noch k�lter klingen lassen als das Nichts, und mit Hilfe von <emphasis>Saidin</emphasis> gelang ihm das auch. Er mu�te hart sein. �Bevor ich mich entschlie�e, Euch damit wie ein Lamm aufzuspie�en, beantwortet mir noch eine Frage: Wieso habt Ihr mir nie etwas von diesem Kniff erz�hlt, etwas unsichtbar zu machen? Wenn ich nicht in der Lage gewesen w�re, die Str�nge selbst zu sehen, h�tte ich �berhaupt nicht gewu�t, da� dieses Tor noch vorhanden war.�</p><p>Asmodean schluckte und rutschte nerv�s hin und her, als sei ihm nicht ganz klar, ob Rand seine Drohung ernst gemeint habe. Rand war sich da selbst nicht sicher. �Mein Lord Drache, Ihr habt nie danach gefragt. Man mu� nur das Licht biegen. Ihr stellt mir immer so viele Fragen, da ist es schwer, einen Augenblick zu finden, in dem ich von mir aus noch andere Dinge erw�hnen kann. Ihr m��t doch mittlerweile erkannt haben, da� ich mich Euch ganz und gar angeschlossen habe.� Er fuhr sich mit der Zunge �ber die Lippen und stand auf. Nein, er blieb auf den Knien liegen. Und begann hervorzusprudeln: �Ich habe Euer Gewebe gesp�rt � jeder innerhalb einer Meile h�tte das �und ich habe so etwas noch nie gesehen � ich wu�te nicht, da� au�er Demandred es noch jemand fertigbringt, ein Tor zu blockieren, das sich schlie�t � vielleicht schafft Semirhage das auch � und Lews Therin konnte es � ich habe es gesp�rt und kam her und hatte es schwer, an den T�chtern dort unten vorbeizukommen � ich habe den gleichen Kniff ben�tzt � Ihr m��t doch einfach mittlerweile wissen, da� ich jetzt Euer Mann bin. Mein Lord Drache, ich bin wirklich Euer Gefolgsmann!�</p><p>Nichts anderes hatte der Mann aus Cairhien gesagt der bis hierher durchgekommen war. Rand gestikulierte mit dem Halbspeer und sagte grob: �Steht auf! Ihr seid doch kein Hund.� Doch als sich Asmodean nun endg�ltig langsam erhob, dr�ckte er dem Mann die Speerspitze an die Kehle. Er mu�te hart sein. �Von nun an werdet Ihr mir jedesmal, wenn wir zusammen sind, �ber zwei Dinge berichten, nach denen ich Euch <emphasis>nicht</emphasis> gefragt habe. Jedesmal, h�rt Ihr? Falls ich glaube, Ihr versucht, etwas vor mir zu verbergen, werdet Ihr froh sein, wenn ich Euch Semirhage �berlasse.�</p><p>�Wie Ihr befehlt, mein Lord Drache�, stammelte Asmodean. Er wirkte so dem�tig, als wolle er sich gleich vorbeugen und Rand die Hand k�ssen.</p><p>Um das zu vermeiden, ging Rand hin�ber zu dem Bett, das nun ohne Decken im Zimmer stand. Er setzte sich auf das leinene Bettuch und sank ein wenig in die Federmatratzen ein, w�hrend er den Speer betrachtete. Eine gute Idee, den zu behalten, um ihn an die Seanchan zu erinnern. Vielleicht war das wirklich gar kein �bles Szepter? Trotz aller anderen Probleme durfte er die Seanchan nicht au�er acht lassen. Diese <emphasis>Damane.</emphasis> Wenn Aviendha nicht gewesen w�re und sie von der Wahren Quelle abgeschirmt h�tte...</p><p>�Ihr habt versucht, mir zu zeigen, wie man eine Frau abschirmt, aber das hat nicht geklappt. Nun zeigt mir wenigstens, wie ich Str�nge meiden kann, die ich nicht sehe, und wie ich am besten dagegen angehe.� Lanfear hatte einmal sein Gewebe so glatt durchtrennt, als habe sie ein Messer ben�tzt.</p><p>�Das ist nicht leicht, mein Lord Drache, wenn man keine Frau da hat, an der man es ausprobieren kann.�</p><p>�Wir haben zwei Stunden Zeit�, sagte Rand kalt und f�delte die Abschirmung des Mannes auf. �Gebt Euch M�he. Gebt Euch sehr viel M�he.�</p></section><section><title><p>33</p><p>Eine Frage des Rots</p></title><p>Das Messer streifte Nynaeves Haar, als es in die Holzfl�che eindrang, an die sie sich gelehnt hatte. Sie zuckte trotz ihrer verbundenen Augen zusammen. Sie h�tte viel lieber einen anst�ndigen Zopf getragen als diese Locken, die ihr lose auf die Schultern hingen. Wenn diese Klinge auch nur eine Str�hne abgetrennt hatte... <emphasis>T�richtes Weib,</emphasis> dachte sie bitter. <emphasis>N�rrisches, t�richtes Weib.</emphasis> Der zusammengefaltete Schal, der �ber ihre Augen gebunden war, lie� gerade den Blick auf einen d�nnen Lichtstreifen am unteren Rand zu. In der Dunkelheit unter den dicken Wollschichten des Schals erschien ihr dieser Streifen sehr hell. Es mu�te noch recht hell sein, obwohl doch schon Sp�tnachmittag war. Sicher w�rde der Mann nicht mit seinen Messern werfen, wenn er nicht mehr richtig sehen k�nnte. Die n�chste Klinge schlug auf der anderen Seite ihres Kopfes ein. Sie konnte deutlich sp�ren, wie sie knapp neben ihrem Ohr vibrierte. Sie w�rde Thom Merrilin und Valan Luca umbringen. Und vielleicht auch jeden anderen Mann, den sie in die Finger bekam, einfach nur aus Prinzip.</p><p>�Die Birnen�, rief Luca, als befinde er sich viel weiter als lumpige drei�ig Schritt von ihr entfernt. Er mu�te wohl glauben, die Augenbinde mache sie nicht nur blind, sondern auch taub.</p><p>Sie tastete nach ihrer G�rteltasche und kramte eine Birne hervor, die sie vorsichtig auf ihren Kopf stellte, damit sie nicht herunterfiel. Sie war tats�chlich blind. Eine vollkommen blinde N�rrin! Zwei weitere Birnen, und sie streckte ganz langsam die Arme zwischen den Messern aus, die ihren Umri� auf die Holzfl�che zeichneten, und hielt mit jeder Hand eine am Stiel fest. Dann folgte eine Pause. Sie �ffnete bereits den Mund, um Thom Merrilin mitzuteilen, wenn er sie auch nur ein klein wenig ritzte, werde sie ihn...</p><p><emphasis>Tschunk-tschunk-tschunk!</emphasis> Die Klingen schlugen so schnell hintereinander ein, da� sie am liebsten gequiekt h�tte, nur zog sich ihre Kehle so zusammen, da� sie keinen Laut herausbrachte. In ihrer linken Hand hielt sie nur noch den Stiel, die Rechte zitterte leicht unter dem Gewicht des Messers in der Birne und von der auf ihrem Kopf rann Saft in ihr Haar. Sie ri� sich die Augenbinde ab und marschierte auf Thom und Luca zu, die beide wie bl�de grinsten. Bevor sie auch nur eines der Worte herausbrachte, die in ihr hochkochten, sagte Luca bewundernd: �Ihr seid gro�artig, Nana. Euer Mut ist aller Bewunderung wert, und Ihr seid es noch mehr.� Er verbeugte sich tief und spreizte diesen l�cherlichen roten Seidenumhang. Eine Hand legte er auf sein Herz. �Ich werde diesen Akt �Rose zwischen Dornen� nennen. Obwohl Ihr in Wirklichkeit sch�ner als jede Rose seid.�</p><p>�Man mu� nicht sehr mutig sein, um wie ein Baumstumpf dazustehen.� Eine Rose sollte sie sein? Sie w�rde ihm ihre Dornen schon zeigen. Beiden w�rde sie es zeigen. �Jetzt h�rt Ihr mir mal zu, Valan Luca...�</p><p>�Welcher Mut! Ihr seid noch nicht einmal zusammengezuckt. Ich sage Euch, ich h�tte nicht den Mumm, zu tun, was Ihr tut!�</p><p>Das war nun wirklich die Wahrheit, sagte sie sich. �Ich bin nicht mutiger, als es sein mu߫, sagte sie bereits milder gestimmt. Es fiel schwer, einen Mann anzubr�llen, der darauf bestand, einem zu sagen, wie mutig man sei. Und es war besser, so etwas zu h�ren als diesen Schmus �ber Rosen. Thom strich sich �ber den langen wei�en Schnurrbart, als am�siere er sich �ber irgend etwas.</p><p>�Das Kleid�, sagte Luca und zeigte seine Z�hne in einem breiten L�cheln. �Ihr werdet darin wunderbar aussehen und... �</p><p>�Nein!� fauchte sie. Was er bei ihr auch gewonnen hatte, soeben hatte er es durch diese Erw�hnung wieder verloren. Clarine hatte das Kleid gen�ht, in dem Luca sie sehen wollte, aus einer Seide, die noch roter leuchtete als sein Umhang. Ihrer Meinung nach sollte die Farbe dazu dienen, da� man ihr Blut nicht bemerkte, wenn Thom mit seinen Messern etwas ausrutschte.</p><p>�Aber Nana, Sch�nheit in Gefahr zieht ganz gewaltig!� Lucas Stimme klang, als fl�stere er ihr z�rtliche Dinge ins Ohr. �Ihr werdet alle Blicke auf Euch ziehen, jedes Herz wird Eurer Sch�nheit und Eures Mutes wegen klopfen.�</p><p>�Wenn es Euch so gut gef�llt�, sagte sie energisch, �dann tragt Ihr es doch.� Von der Farbe abgesehen, w�rde sie auch niemals soviel Busen in der �ffentlichkeit zur Schau stellen, ob Clarine das f�r angebracht hielt oder nicht. Sie hatte Latelles B�hnenkleid gesehen, ganz mit schwarzen Pailetten besetzt und hochgeschlossen bis zum Kinn. So etwas k�nnte sie tragen... Was dachte sie denn da? Sie hatte nicht die Absicht, tats�chlich aufzutreten. Sie hatte sich nur mit dieser Probe einverstanden erkl�rt, um Luca davon abzuhalten, da� er jeden Abend an der Wagent�r kratzte, sie herausholte und versuchte, sie zum Auftreten zu �berreden.</p><p>Der Mann wu�te zumindest genau, wann es ges�nder f�r ihn war, das Thema zu wechseln. �Was ist denn damit geschehen?� fragte er und war pl�tzlich ganz besorgt und f�rsorglich.</p><p>Sie zuckte zur�ck, als er ihr geschwollenes Auge mit dem Finger ber�hrte. Er hatte Pech, da� er ausgerechnet dieses Thema anschnitt. Da h�tte er noch besser daran getan, weiterhin zu versuchen, sie in dieses rote Kleid hineinzureden. �Es hat mir nicht gepa�t, wie es mich heute morgen aus dem Spiegel anblickte, also habe ich es gebissen.�</p><p>Ihr sarkastischer Tonfall und die gefletschten Z�hne lie�en Lucas Hand zur�ckzucken. In seinen dunklen Augen glimmte Mi�trauen auf, als f�rchte er, sie werde wieder zubei�en. Thom fuhr sich heftig durch den Schnurrbart, und sein Gesicht war stark ger�tet von der Anstrengung, sich das Lachen zu verbei�en. Ihm war nat�rlich klar, was geschehen war. Er wu�te �ber alles Bescheid. Und sobald sie weg war, w�rde er Luca zweifellos seine Version der Geschehnisse br�hwarm auftischen. Die M�nner konnten das Tratschen nicht lassen, das hatten sie von Geburt an in sich, und die Frauen konnten nichts dagegen tun, und wenn sie sich noch so anstrengten.</p><p>Es war bereits dunkler, als sie angenommen hatte. Die Sonne thronte rot �ber den Baumwipfeln im Westen. �Wenn Ihr das jemals wieder tut, ohne helleres Tageslicht...�, grollte sie und zeigte Thom die Faust. �Die Abendd�mmerung ist schon beinahe angebrochen.�</p><p>�Ich vermute�, sagte dieser angesprochene Mann daraufhin auch noch, �das bedeutet, Ihr m�chtet auf den Teil verzichten, in dem man <emphasis>mir</emphasis> auch die Augen verbindet?� Er machte nat�rlich einen Witz. Das mu�te ein Witz sein. �Wie Ihr w�nscht, Nana. Von nun an nur noch bei sehr guten Lichtverh�ltnissen.�</p><p>Erst als sie mit �rgerlichem Schwung im Rock davonstolzierte, wurde ihr klar, da� sie soeben zugestimmt hatte, so etwas Verr�cktes tats�chlich zu tun. Jedenfalls war sie indirekt einverstanden gewesen und hatte nicht widersprochen. Nat�rlich w�rden sie jetzt darauf bestehen, so sicher, wie die Sonne heute abend unterging. <emphasis>N�rrisches, idiotisches, dummes Weib!</emphasis></p><p>Die Lichtung, auf der sie � oder jedenfalls Thom, verdammt sollte er sein, und Luca � ge�bt hatten, befand sich in einiger Entfernung vom Lager, das sie neben der Nordstra�e aufgeschlagen hatten. Zweifellos hatte Luca die Tiere nicht beunruhigen wollen, falls Thom ihr aus Versehen ein Messer ins Herz warf. Wahrscheinlich h�tte der Mann ihre Leiche dann an die L�wen verf�ttert. Der einzige Grund, aus dem er sie unbedingt in diesem Kleid sehen wollte, war, da� er das anstarren konnte, was sie keinen Mann au�er Lan sehen lassen wollte. Und verdammt sei auch Lan, dieser sture Narr von einem Mann! Sie h�tte ihn nur zu gern vor sich gehabt, um sicher zu sein, da� ihm nichts passierte. Sie ri� ein langes, abgestorbenes, fedrigbraunes Fenchelblatt ab und ben�tzte es, um w�tend den Unkr�utern, die sich durch die Bl�tterunterlage am Waldboden schoben, die Bl�ten abzuschlagen.</p><p>Elayne hatte ihr erz�hlt, da� Egwene letzte Nacht �ber K�mpfe in Cairhien berichtet hatte, �ber Scharm�tzel mit Banditen und mit Leuten aus Cairhien, die jeden Aiel gleicherma�en als Feind betrachteten, und mit Soldaten aus Andor, die versuchten, den Sonnenthron f�r Morgase zu gewinnen. Lan war auch beteiligt gewesen. Wann immer Moiraine ihn aus den Augen verlor, brachte er es fertig, sich in irgendwelche Auseinandersetzungen verwickeln zu lassen. Offensichtlich hatte er ein Gesp�r daf�r, wo sich ein Gemetzel abspielen w�rde, und fand unfehlbar dorthin. Nynaeve hatte nie geglaubt, da� sie einmal w�nschen sollte, Moiraine w�rde Lan an die kurze Leine nehmen und immer bei sich behalten.</p><p>Elayne hatte sich heute morgen immer noch aufgeregt, weil sich die Soldaten ihrer Mutter in Cairhien befanden und gegen Rands Aiel k�mpften, aber was Nynaeve wirklich Sorgen bereitete, waren die Banditen. Wie Egwene berichtete, lie� Rand jeden Banditen h�ngen, der nachweislich gestohlenes Gut in Besitz hatte oder der ebenso eindeutig dabei beobachtet worden war, wie er jemanden t�tete oder auch nur einen Schuppen anz�ndete. Er legte selbst wohl nicht Hand an, aber es lief auf dasselbe hinaus. Egwene hatte gesagt, er beobachte jede Hinrichtung mit einer Miene, so kalt und hart wie die fernen Berge. Das sah ihm �berhaupt nicht �hnlich. Er war immer ein sanftm�tiger Junge gewesen. Was auch in der W�ste mit ihm geschehen sein mochte, zum Besseren hatte es ihn nicht ver�ndert.</p><p>Nun ja, Rand war weit weg, und ihre eigenen Probleme � ihre und die Elaynes � waren weit von einer L�sung entfernt. Der Eldar lag keine Meile entfernt im Norden. Eine einzige Steinbr�cken spannte sich auf hohen Metallpfeilern �ber den Flu�. Kein Rostfleck zeigte sich auf den gl�nzenden Streben. Sicher waren auch das �berreste einer fernen Zeit, vielleicht sogar eines fr�heren Zeitalters. Sie war um die Mittagszeit hin�bergegangen, gleich nach ihrer Ankunft, aber auf dem Flu� war kein Schiff zu sehen, das diese Bezeichnung wert war. Ruderboote hatte sie gesehen, kleine Fischerk�hne, die nahe den schilfbewachsenen Ufern lagen, ein paar eigenartige, schmale Boote, die von knienden M�nnern mit jeweils einzelnen Paddeln schnell �ber das Wasser getrieben wurden, und sogar einen breiten Lastkahn, der im Schlamm festzustecken schien. Auf beiden Seiten war �berhaupt sehr viel Schlamm zu sehen, zum Teil eingetrocknet, hart und rissig, doch das war nach dieser unwahrscheinlichen, langanhaltenden Hitze ja kein Wunder. Jedenfalls sah sie nichts, was sie h�tte schnell flu�abw�rts bef�rdern k�nnen. Allerdings wu�te sie immer noch nicht, wohin sie sich �berhaupt wenden sollten.</p><p>Sosehr sie sich auch den Kopf zerbrach, sie kam einfach nicht mehr auf den Namen dieser Stadt, in der sich die Blauen Schwestern wahrscheinlich befanden. Sie hieb w�tend nach einer Pusteblume, die daraufhin zerbarst und viele kleine wei�e Federchen freigab, die langsam zu Boden sanken. Wahrscheinlich waren sie mittlerweile gar nicht mehr dort, wenn sie sich denn je dort befunden hatten. Doch es war der einzige Hinweis auf einen Ort gewesen, der n�her als Tear lag. Wenn sie sich nur daran erinnern k�nnte!</p><p>Das einzig Gute an der gesamten Reise Richtung Norden war, da� Elayne aufgeh�rt hatte, mit Thom zu flirten. Es war kein einziges Mal mehr vorgekommen, seit sie sich der Artistentruppe angeschlossen hatten. Zumindest h�tte sie sich dar�ber gefreut, wenn Elayne nicht so getan h�tte, als sei �berhaupt nie etwas gewesen. Gestern hatte Nynaeve dem M�dchen schlie�lich dazu gratuliert, da� sie wieder zur Besinnung gekommen sei. Und was hatte ihr Elayne k�hl geantwortet? �Willst du auf den Busch klopfen, ob ich dir und Thom im Wege stehe, Nynaeve? Er ist ein bi�chen zu alt f�r dich, und ich hatte auch geglaubt, du h�ttest deine Gef�hle anderswo investiert, doch schlie�lich bist du ja alt genug, um deine eigenen Entscheidungen zu treffen. Ich mag Thom einfach, und ich denke, er mag mich genauso. Ich betrachte ihn als eine Art zweiten Vater. Wenn du mit ihm flirten willst, hast du meine Erlaubnis. Aber ich hatte dich eigentlich f�r etwas weniger flatterhaft gehalten.�</p><p>Luca hatte vor, am Morgen den Flu� zu �berqueren, und Samara, die kleine Stadt auf der anderen Seite, in Ghealdan, war alles andere als ein guter Aufenthaltsort. Luca war seit ihrer Ankunft die meiste Zeit des Tages �ber in Samara gewesen, um einen Platz zu finden, an dem sie alles aufbauen konnten. Ihm bereitete es lediglich Kopfzerbrechen, da� bereits etliche andere Menagerien vor ihnen dort angekommen waren, und er war nun auch nicht mehr der einzige, der au�er den Tieren noch weiteres zu bieten hatte. Deshalb hatte er auch so hartn�ckig darauf bestanden, da� sie als Ziel f�r Thoms Messerkunstst�cke dienen solle. Sie hatte wohl Gl�ck, da� er nicht verlangte, sie sollten das auch noch zusammen mit Elayne auf dem Hochseil vollf�hren. Der Mann schien zu glauben, das Allerwichtigste auf der Welt sei, da� seine Vorf�hrungen gr��er und besser als alle anderen waren. Was sie mehr beunruhigte, war die Anwesenheit des Propheten in Samara. Seine Anh�nger �berschwemmten die Stadt und wohnten teilweise in Zelten und H�tten au�erhalb des Orts, in einer Barackenstadt, die selbst die nicht unerhebliche Gr��e Samaras noch �bertraf. Die Stadt wurde durch eine hohe Steinmauer gesch�tzt, und auch die meisten Geb�ude waren aus Stein erbaut. Es gab dort sogar dreist�ckige H�user, und man sah viel mehr Schiefer- oder Ziegeld�cher als strohgedeckte.</p><p>Auf dieser Seite des Eldar waren die Zust�nde aber auch nicht besser. Bevor sie diesen Platz erreicht hatten, waren sie an drei Lagern der Wei�m�ntel vorbeigekommen, Hunderte wei�er Zelte in sauber angeordneten Reihen, und bestimmt gab es weitere Lager, die sie nicht gesehen hatten. Wei�m�ntel an diesem Flu�ufer und auf dem anderen der Prophet und m�glicherweise gewaltsame Auseinandersetzungen, und dazu hatte sie nicht die geringste Ahnung, wohin sie ziehen sollten, und auch nur einen schwerf�lligen Planwagen zur Verf�gung, der sie im Schrittempo an ihr unbekanntes Ziel bringen w�rde. Sie h�tte sich wirklich von Elayne nicht dazu �berreden lassen d�rfen, die Kutsche zur�ckzulassen. Sie bemerkte keinen Halm mehr, den sie h�tte k�pfen k�nnen, ohne ein paar Schritte vom Weg ab zu gehen, und so zerbrach sie den Fenchelzweig in mehrere handlange St�cke und warf diese schlie�lich weg. Mit Luca h�tte sie es am liebsten genauso gemacht. Und mit Galad Damodred, weil er sie auf diese Art in die Flucht geschlagen hatte. Und mit al'Lan Mandragoran, weil er nicht hier war. Nicht, da� sie ihn <emphasis>brauchte,</emphasis> ganz klar. Aber seine Anwesenheit w�re... beruhigend gewesen.</p><p>Im Lager war alles ruhig und friedlich. Neben den Wagen glimmten kleine Feuer, �ber denen das Abendessen der Truppe kochte. Petra f�tterte den L�wen mit der dichten, schwarzen M�hne. Er schob gro�e Fleischbrocken an einer Stange zwischen den Gitterst�ben hindurch. Die L�winnen hatten sich schon gemeinsam �ber ihr Futter gekauert und grollten nur gelegentlich kurz, wenn sich jemand ihrem K�fig zu weit n�herte. Nynaeve blieb bei Aludras Wagen stehen. Die Feuerwerkerin arbeitete mit einem Holzgef�� und einem St��el auf einem Tisch, der eigentlich eine heruntergeklappte Seitenwand ihres Wagens war. Sie f�hrte Selbstgespr�che, w�hrend sie ihre explosive Mischung herstellte. Drei der Chavanas l�chelten Nynaeve einladend zu und winkten ihr, sich zu ihnen zu gesellen. Brugh allerdings nicht, denn der war ihr seiner geschwollenen Lippe wegen immer noch b�se, obwohl sie ihm eine Salbe gegeben hatte, damit die Schwellung zur�ckging. Vielleicht sollte sie den anderen �hnliches verpassen, damit sie endlich auf Luca h�rten � und, noch wichtiger, auf sie! � und begriffen, da� sie auf ihr L�cheln keinen Wert legte. Nur dumm, da� sich Meister Valan Luca nicht an die eigenen Anweisungen hielt. Latelle wandte sich von ihrem B�renk�fig um und l�chelte sie leicht h�misch an. Aber Nynaeve achtete vor allem auf Cerandin, die einem riesigen grauen <emphasis>S'redit</emphasis> die stumpfen Fu�n�gel abfeilte, wozu sie etwas wie eine richtige gro�e Metallfeile ben�tzte.</p><p>�Die dort�, sagte Aludra, �gebraucht H�nde und F��e mit bemerkenswerter Geschicklichkeit, ja? Blickt mich nicht so b�se an, Nana�, f�gte sie hinzu und klopfte sich Pulver von den H�nden. �Ich bin nicht Euer Feind. Hier. Ihr m��t diese neuen Feuerst�ckchen einmal ausprobieren.�</p><p>Nynaeve nahm vorsichtig das Holzk�stchen von der dunkelhaarigen Frau entgegen. Sie h�tte das w�rfelf�rmige K�stchen in einer Hand halten k�nnen, gebrauchte aber doch lieber beide. �Ich glaubte, Ihr nennt so etwas Streicher?�</p><p>�Vielleicht, vielleicht auch nicht. Feuerst�ckchen sagt doch viel mehr �ber ihren Zweck aus als Streicher, oder? Ich habe die kleinen �ffnungen, in denen die St�ckchen stecken, ausgeschmirgelt, damit sie glatt sind und die St�ckchen sich nicht mehr von selbst auf dem rauhen Holz entz�nden. Eine gute Idee, ja? Und die K�pfe entsprechen einer neuen Formel. Werdet Ihr sie ausprobieren und mir sagen, was Ihr davon haltet?�</p><p>�Ja, nat�rlich. Vielen Dank.�</p><p>Nynaeve eilte weiter, bevor ihr die Frau noch etwas in die Hand dr�cken konnte. Sie hielt das Ding so vorsichtig, als k�nne es explodieren, und sie war auch keineswegs sicher, da� dies <emphasis>nicht</emphasis> der Fall sein werde. Aludra lie� alle ihre Streicher ausprobieren, oder die Feuerst�ckchen oder wie sie die Dinger demn�chst nennen w�rde. Auf jeden Fall konnte man damit ein Feuer oder eine Lampe entz�nden. Man entflammte sie, indem man die blaugr�nen K�pfe aneinander oder auf einer rauhen Oberfl�che rieb. Was sie betraf, waren ihr Feuerstein und Stahl lieber, oder auch eine gl�hende Kohle, die man in einem Sandkasten sicher untergebracht hatte.</p><p>Juilin fing sie ab, bevor sie noch einen Fu� auf die Stufen zu ihrem und Elaynes Wagen setzen konnte. Sein Blick erfa�te sofort ihr geschwollenes Auge. Sie blickte ihn so wild an, da� er einen Schritt zur�cktrat und sich diese l�cherliche kegelf�rmige Kappe vom Kopf ri�. �Ich war auf der anderen Seite des Flusses�, sagte er. �Es befinden sich so etwa hundert Wei�m�ntel in Samara. Sie beobachten lediglich und werden selbst genauso aufmerksam von Soldaten Ghealdans beobachtet. Aber einen habe ich erkannt. Es war der junge Bursche, der Euch in Sienda in der Schenke gegen�bersa�.�</p><p>Sie l�chelte ihn an, und er trat schnell noch einen Schritt zur�ck, wobei er sie mi�trauisch be�ugte. Galad in Samara. Das mu�te nun auch noch sein. �Ihr bringt immer so wunderbare Nachrichten, Juilin. Wir h�tten Euch in Tanchico lassen sollen, oder besser noch auf dem Kai in Tear.� Das war nicht fair. Es war besser, wenn er ihr von Galads Anwesenheit berichtete, als da� sie ihm unversehens auf der Stra�e in die Arme lief. �Danke sch�n, Juilin. Wenigstens wissen wir jetzt, da� wir vor ihm auf der Hut sein m�ssen.� Sein Nicken war wohl kaum eine geb�hrende Antwort auf so gro�z�gigen Dank, und er eilte davon und zog sich die M�tze �ber den Kopf, als f�rchte er, sie wolle ihn schlagen. M�nner hatten eben keine Manieren.</p><p>Das Innere des Wagens war viel sauberer als zu der Zeit, da Thom und Juilin ihn gekauft hatten. Die abbl�tternde Farbe war weggekratzt worden, und die M�nner hatten �ber diese Arbeit ganz sch�n geflucht. Die Kommoden und der winzige, am Boden befestigte Tisch waren ge�lt und poliert worden, bis sie gl�nzten. Der kleine Backsteinherd mit dem metallenen Rauchabzug wurde nie ben�tzt, denn die N�chte waren warm genug, und wenn sie hier drinnen zu kochen anfingen, w�rden Thom und Juilin nie wieder diese Arbeit �bernehmen. Aber im Herd konnten sie wunderbar ihre Wertsachen verstecken, die B�rsen und die Schmuckk�stchen. Sie hatte die Waschledertasche mit dem Siegel so tief wie m�glich hineingesteckt und sie seither nicht mehr anger�hrt.</p><p>Elayne, die auf einem der schmalen Betten sa�, stopfte schnell etwas unter die Bettdecke, als Nynaeve hereinkletterte, doch bevor sie danach fragen konnte, was es gewesen sei, rief Elayne: �Dein Auge! Was ist passiert?� Sie mu�ten ihre Haare schleunigst wieder f�rben, denn an den Haarwurzeln der schwarzen Locken zeigten sich goldene Ans�tze. Alle paar Tage mu�ten sie nachf�rben.</p><p>�Cerandin hat mich geschlagen, als ich gerade unaufmerksam war�, knurrte Nynaeve. Die Erinnerung an den Geschmack von abgekochtem Katzenfarn und zersto�enen Mavinsbl�ttern zog Nynaeve den Mund zusammen. Das war <emphasis>nicht</emphasis> der Grund, warum sie Elayne zum letzten Treffen in <emphasis>Tel'aran'rhiod</emphasis> geschickt hatte. Sie mied Egwene keineswegs. Meistens war ja sie zwischen den Treffen in die Welt der Tr�ume gegangen, und es war nur fair, Elayne auch einmal wieder eine Gelegenheit zu geben. Das war der Grund gewesen.</p><p>Vorsichtig legte sie den Kasten mit den Feuerst�ckchen neben zwei weitere in eine der Kommoden. Einen, der tats�chlich von allein Feuer gefangen hatte, hatte sie schon l�ngst weggeworfen.</p><p>Ihr war selbst nicht klar, warum sie nicht die Wahrheit sagte. Elayne hatte offensichtlich den Wagen �berhaupt nicht verlassen, sonst w��te sie bereits Bescheid. Sie und Juilin waren wahrscheinlich die einzigen Menschen im Lager, die nichts ahnten, jetzt, da Thom garantiert jede widerliche Einzelheit an Luca weitergegeben hatte.</p><p>Sie atmete tief durch, setzte sich auf das andere Bett und zwang sich, Elayne in die Augen zu sehen. Etwas am Schweigen der Frau sagte ihr, Elayne sei sich dar�ber im klaren, da� mehr daran gewesen war.</p><p>�Ich... habe Cerandin �ber die <emphasis>Damane</emphasis> und <emphasis>Sul'dam</emphasis> ausgefragt. Ich bin sicher, sie wei� mehr, als sie zugibt.� Sie schwieg, um Elayne eine Gelegenheit zu geben, Zweifel daran anzumelden, da� sie wirklich <emphasis>gefragt</emphasis> habe und nicht gefordert, um zu sagen, die Seanchan-Frau habe ihnen bereits alles gesagt, was sie wu�te, und da� sie nie viel Kontakt mit <emphasis>Damane</emphasis> und <emphasis>Sul'dam</emphasis> gehabt habe. Doch Elayne hielt den Mund, und Nynaeve wurde bewu�t, da� sie selbst lediglich hoffte, durch einen kleinen Streit den Augenblick der Wahrheit hinauszuz�gern. �Sie regte sich wohl ziemlich auf, weil sie angeblich nicht mehr wu�te, und so habe ich sie gesch�ttelt. Du hast sie wirklich viel zu gut behandelt. Sie hat mir den Zeigefinger unter die Nase gehalten, um <emphasis>mich</emphasis> zu mahnen!� Immer noch beobachtete Elayne sie schweigend und zuckte kaum mit einer Wimper ihrer k�hlen blauen Augen. Nynaeve hatte M�he, nicht verlegen zur Seite zu blicken, als sie fortfuhr: �Sie... hat mich irgendwie �ber ihre Schulter geworfen. Ich bin aufgestanden und habe sie geohrfeigt, und dann hat sie mich mit der Faust niedergeschlagen. Daher habe ich das blaue Auge.� Sie konnte genausogut nun auch den Rest erz�hlen, denn Elayne w�rde alles fr�h genug erfahren. Besser, sie erfuhr es von ihr. Und doch h�tte sie sich lieber die Zunge abgebissen. �Das habe ich nat�rlich nicht hinnehmen k�nnen. Wir haben noch ein wenig gerauft.� Was sie betraf, hatte sie nicht viel ausgerichtet, obwohl sie nicht aufgegeben hatte. Das Bitterste an der ganzen Sache war die Tatsache, da� Cerandin nur aufgeh�rt hatte, sie herumzuwirbeln und auf ganz hinterh�ltige Art zu Fall zu bringen, weil es so leicht gewesen war, als mi�handle sie ein Kind. Nynaeve hatte nicht mehr Chancen gegen sie gehabt wie eben ein Kind. Wenn wenigstens niemand zugesehen h�tte, dann h�tte sie ein bi�chen die Macht ben�tzt... W�tend genug war sie allemal gewesen. Wenn nur niemand zugesehen h�tte, Punkt. Ihr w�re lieber gewesen, Cerandin h�tte sie mit den F�usten bearbeitet, bis sie blutete. �Dann hat ihr Latelle einen Stock gegeben. Du wei�t ja, da� sich diese Frau an mir r�chen will.� Sie mu�te sicher nicht mehr erw�hnen, da� Cerandin sie �ber die Deichsel eines Wagens gelegt hatte. So hatte niemand sie mehr verpr�gelt, seit sie Neysa Ayellin einen Krug Wasser an den Kopf geworfen hatte, als sie gerade sechzehn war. �Jedenfalls hat Petra die Auseinandersetzung beendet.� Und gerade noch rechtzeitig. Der riesenhafte Mann hatte sie beide am Nacken gepackt wie die K�tzchen. �Cerandin hat sich entschuldigt, und das war's auch schon.� Sicher, Petra hatte daf�r gesorgt, da� sich die Seanchanfrau bei ihr entschuldigte, aber Nynaeve hatte sich ebenfalls entschuldigen m�ssen. Er hatte sich geweigert, seinen leichten, aber doch eisenharten Griff in ihrem Nacken zu lockern, wenn sie seinem Wunsch nicht nachk�me. Sie hatte ihn wohl geschlagen, mit der Faust in den Magen, so hart sie nur konnte, doch er hatte nicht mit der Wimper gezuckt. In ihrer Hand hatte sie nun ein Gef�hl, als schwelle auch die langsam an. �Es war wirklich nichts Schlimmes. Ich sch�tze, Latelle wird eine eigene Version �berall herumerz�hlen. Das ist die Frau, die ich mal kr�ftig durchsch�tteln sollte. Ich habe bei ihr bei weitem nicht hart genug zugeschlagen.�</p><p>Sie f�hlte sich besser, nun, da sie die Wahrheit gebeichtet hatte, doch Elayne machte ein so zweifelndes Gesicht, da� sie lieber das Thema wechseln wollte. �Was hast du da versteckt?� Sie fa�te hin�ber und zog die Decke ein St�ck weg. Das silbrige Glitzern des <emphasis>A'dam,</emphasis> den sie von Cerandin bekommen hatten, wurde sichtbar. �Wieso beim Licht willst du das Ding anschauen? Und wenn, warum versteckst du es dann? Es ist ein schmutziges Ding und ich verstehe nicht, wie du es �berhaupt ber�hren kannst, aber, wenn du das willst, ist es doch deine Angelegenheit.�</p><p>�Rede doch nicht so gek�nstelt daher�, erwiderte Elayne. Langsam breitete sich ein L�cheln auf ihrem Gesicht aus, und sie wurde vor Aufregung ganz rot. �Ich glaube, ich k�nnte selbst einen machen.�</p><p>�Einen machen? Du meinst, einen anfertigen?� Nynaeve senkte die Stimme in der Hoffnung, niemand werde herbeilaufen, um nachzusehen, wer hier wen umbrachte, aber sanfter sprach sie deshalb nicht: �Licht, warum denn? Leg doch lieber erst mal eine Jauchegrube an. Oder einen Misthaufen. Die sind wenigstens f�r etwas gut.�</p><p>�Ich meine auch nicht unbedingt einen <emphasis>A'dam.�</emphasis> Elayne sa� hoch aufgerichtet da, das Kinn in ihrer typischen k�hlen Haltung. Sie klang beleidigt und sprach mit eisiger Beherrschung: �Aber es ist ein <emphasis>Ter'Angreal,</emphasis> und ich habe herausgefunden, wie er funktioniert. Ich wei�, da� du mindestens einmal auch Unterricht im Zusammenschlu� mehrerer Aes Sedai hattest. Der <emphasis>A'dam</emphasis> verbindet die beiden Frauen miteinander, und deshalb mu� die <emphasis>Sul'dam</emphasis> ebenfalls eine Frau sein, die mit der Macht umgehen kann.� Sie runzelte leicht die Stirn. �Es ist allerdings eine eigenartige Verbindung. Anders. Es ist kein echter Zusammenschlu� von zweien oder mehreren, wo eine die F�hrung �bernimmt, denn hier hat nur eine einzige die volle Kontrolle �ber die andere. Ich glaube, das ist der Grund, warum eine <emphasis>Damane</emphasis> nichts tun kann, was ihre <emphasis>Sul'dam</emphasis> nicht will. Ich glaube auch nicht, da� die Leine �berhaupt ben�tigt wird. Halsband und Armreif funktionieren genauso ohne sie und auch auf genau dieselbe Weise.�</p><p>�Genauso funktionieren�, wiederholte Nynaeve trocken. �Du hast dich aber ziemlich eingehend damit besch�ftigt f�r jemanden, der nicht die Absicht hat, einen anzufertigen.� Diese Frau hatte noch nicht einmal genug Anstand, zu err�ten. �Wozu k�nntest du ihn gebrauchen? Ich kann nicht behaupten, es sei nicht angebracht, wenn du Elaida einen um den Hals legen w�rdest, aber deshalb ist das Ding nicht weniger widerl...�</p><p>�Verstehst du denn nicht?� unterbrach sie Elayne, und ihr blasiertes Gehabe war wie weggeblasen. Statt dessen beherrschten jetzt Erregung und Eifer ihre Miene. Sie beugte sich vor, legte eine Hand auf Nynaeves Knie und ihre Augen gl�nzten, so sehr war sie von ihrer Entdeckung gefangen. �Es ist ein <emphasis>Ter'Angreal,</emphasis> Nynaeve. Und ich glaube, einen anfertigen zu k�nnen.� Sie sprach jedes Wort langsam und �berdeutlich aus, doch dann mu�te sie lachen und sprudelte heraus: �Wenn ich so einen machen kann, dann kann ich auch andere anfertigen. Vielleicht kann ich sogar <emphasis>Angreal</emphasis> und <emphasis>Sa'Angreal</emphasis> herstellen. Das hat in der Burg seit Tausenden von Jahren niemand mehr geschafft!� Sie richtete sich wieder auf und schauderte sichtlich. Dann legte sie nachdenklich die Finger an ihre Lippen. �Ich hatte �berhaupt nie daran gedacht, selbst etwas anzufertigen.</p><p>Jedenfalls nichts N�tzliches. Ich erinnere mich daran, wie ich einmal einem Schreiner bei der Arbeit zugesehen habe, der einige St�hle f�r den Palast anfertigte. Sie waren nicht einmal vergoldet oder irgendwie kunstvoll geschnitzt, da sie nur f�r den Speisesaal der Diener vorgesehen waren, aber ich konnte den Stolz auf seine Arbeit von seinen Augen ablesen. Stolz darauf, was er selbst angefertigt hatte, auf eine gute Arbeit. Das w�rde ich gern selbst empfinden, glaube ich. Oh, bes��en wir nur einen Bruchteil des Wissens der Verlorenen! All diese Kenntnisse aus dem Zeitalter der Legenden in ihren K�pfen, und sie ben�tzen es doch nur, um dem Schatten zu dienen! Was k�nnten wir alles damit anfangen! Denk mal, was wir alles herstellen k�nnten!� Sie atmete tief durch und lie� die H�nde in den Scho� fallen. Der Ausbruch hatte ihre Begeisterung nur wenig ged�mpft. �Na ja, sei es, wie es sei, ich wette, ich k�nnte sogar herausfinden, wie die Wei�br�cke gebaut wurde. Geb�ude, wie aus gesponnenem Glas, aber h�rter als Stahl. Und <emphasis>Cuendillar,</emphasis> und...�</p><p>�Langsam, langsam�, sagte Nynaeve. �Wei�br�cke ist mindestens f�nf- oder sechshundert Meilen von hier entfernt, und falls du daran denken solltest, mit Hilfe der Macht auch noch an dem Siegel herumzumachen, dann la� es sein. Wer wei�, was dann geschehen k�nnte? Es bleibt in der Tasche im Herd, bis wir einen sicheren Aufbewahrungsort daf�r finden.�</p><p>Elaynes Eifer kam ihr seltsam vor. Nynaeve h�tte wohl auch selbst gern ein wenig von dem Wissen der Verlorenen gehabt, sicher, aber wenn sie einen Stuhl haben wollte, bezahlte sie einen Schreiner daf�r. Sie hatte nie den Wunsch versp�rt, etwas herzustellen, au�er vielleicht Tinkturen und Salben. Als sie zw�lf war, hatte ihre Mutter es aufgegeben, ihr das N�hen beibringen zu wollen, nachdem sich zeigte, da� es ihr v�llig gleichg�ltig war, ob sie eine gerade Naht n�hte oder eine krumme. Zwingen konnte man sie nie. Und was das Kochen anbetraf... Sie hielt sich durchaus f�r eine gute K�chin, aber wie auch immer: sie wu�te, welche Dinge f�r sie Vorrang hatten. Die Heilkunst war wichtig. Jedermann konnte eine Br�cke bauen. Nun, dann la� ihn eben � das war ihre Haltung dazu.</p><p>�Deinetwegen und wegen dieses <emphasis>A'dams</emphasis> habe ich ganz vergessen, dir etwas zu berichten�, fuhr sie fort. �Juilin hat Galad auf der anderen Seite des Flusses gesehen.�</p><p>�Blut und Asche�, fluchte Elayne, und als Nynaeve die Augenbrauen hob, f�gte sie ganz energisch hinzu: �Ich werde mir keinen Vortrag �ber meine sprachlichen Angewohnheiten anh�ren, Nynaeve. Was machen wir?�</p><p>�Wie ich die Sache sehe, k�nnen wir einerseits auf dieser Seite des Flusses bleiben. Dann werden uns die Wei�m�ntel kontrollieren, weil sie sich fragen werden, wieso wir die Menagerie verlassen haben. Oder wir gehen hin�ber und hoffen, da� der Prophet dort keinen Aufruhr ausl�st und Galad uns nicht verraten wird, na ja, oder wir versuchen, ein Ruderboot zu kaufen, und fliehen flu�abw�rts. Keine tolle Auswahl. Und Luca wird seine hundert Mark fordern. In Gold.� Sie bem�hte sich, gute Miene dazu zu machen, doch das schmerzte immer noch. �Du hast sie ihm versprochen, und ich glaube, es w�re nicht anst�ndig, sich davonzuschleichen, ohne ihn zu bezahlen.� Trotzdem h�tte sie das ohne Z�gern getan, wenn sie gewu�t h�tte, wohin sie gehen sollten.</p><p>�Das w�re allerdings nicht anst�ndig�, sagte Elayne, und es klang einigerma�en emp�rt. �Aber um Galad m�ssen wir uns keine Gedanken machen, wenigstens, solange wir uns bei der Menagerie aufhalten. Galad wird sie ganz bestimmt nicht besuchen. Er glaubt, Tiere in K�fige zu sperren sei grausam. Allerdings hat er nichts dagegen, sie zu jagen und zu essen � nur einsperren findet er nicht recht.�</p><p>Nynaeve sch�ttelte den Kopf. In Wahrheit suchte Elayne nur nach einer Ausrede, um ihre Abreise zu verz�gern, und sei es nur f�r einen Tag. Doch sie hatten ja sowieso keine M�glichkeit dazu. Dieses Weib wollte tats�chlich vor allen Leuten, und nicht nur vor den anderen Artisten, auf dem Seil ihre Kunstst�cke vollbringen. Und sie selbst mu�te h�chstwahrscheinlich zulassen, da� Thom wieder mit Messern nach ihr warf. <emphasis>Aber ich werde dieses verdammte Kleid nicht tragen!</emphasis></p><p>�Das erste Schiff am Landesteg, das gro� genug ist, um noch vier Leute mitzunehmen�, sagte sie. �Das werden wir mieten. Der Flu�handel kann doch nicht ganz und gar zum Erliegen gekommen sein.�</p><p>�Es w�re hilfreich, zu wissen, wohin wir damit fahren.� Der Tonfall der anderen war verd�chtig sanft. �Wei�t du, wir k�nnten ja einfach nach Tear fahren. Wir m�ssen nicht unbedingt diese Suche fortsetzen, nur weil du...� Sie lie� die Worte verklingen, aber Nynaeve wu�te recht gut, was sie hatte sagen wollen. Nur weil sie so stur sei. Nur weil sie sich dar�ber aufregte, da� sie sich nicht an einen einfachen Namen erinnern konnte, wollte sie die Erinnerung jetzt zwingen und dorthin gelangen, und wenn sie sich dabei umbrachte. Aber das stimmte doch alles gar nicht. Sie wollte diese Aes Sedai finden, die vielleicht Rand unterst�tzen w�rden, und sie zu ihm f�hren, statt wie ein bedauernswerter Fl�chtling hinter den Mauern Tears Schutz zu suchen.</p><p>�Ich werde mich noch daran erinnern�, sagte sie mit beherrschter Stimme. <emphasis>Es h�rte mit �bar� auf. Oder vielleicht mit �dar�? �Lar�?</emphasis> �Ich werde darauf kommen, bevor du es m�de wirst, dich auf dem Hochseil zur Schau zu stellen.� <emphasis>Ich werde dieses Kleid nicht tragen!</emphasis></p></section><section><title><p>34</p><p>Ein silberner Pfeil</p></title><p>Elayne war an diesem Abend mit Kochen an der Reihe, und das bedeutete in jedem Fall ein besonderes Mahl, obwohl sie ja nur auf Hockern um das kleine Feuer sa�en. Im sie umgebenden Wald zirpten die Grillen, und von Zeit zu Zeit erklang der d�nne, traurige Ruf eines Nachtvogels in der immer tiefer werdenden Dunkelheit. Die Suppe servierte sie kalt und eingedickt, und obenauf hatte sie zerhackten Schnittlauch gestreut. Das Licht wu�te, woher sie den Schnittlauch oder auch die winzigen Perlzwiebeln hatte, die den Erbsen hinzugef�gt waren. Das Rindfleisch war in so d�nne Scheiben geschnitten, da� man fast hindurch sehen konnte, und dann hatte sie es um eine F�llung gewickelt, die aus Karotten, Brechbohnen, Schnittlauch und Ziegenk�se bestand. Sogar ein Nachtisch in Form eines kleinen Honigkuchens stand bereit.</p><p>Es schmeckte alles vorz�glich, obwohl Elayne sich dar�ber aufregte, nichts schmecke genauso, wie es eigentlich solle, als glaube sie, sie k�nne hier arbeiten wie die Chefk�chin im K�niglichen Palast in Caemlyn. Nynaeve war auch ziemlich sicher, da� das M�dchen nicht blo� auf Komplimente aus war. Elayne wehrte Komplimente immer ab und sagte jedem ins Gesicht, was daran nicht stimmte. Thom und Juilin knurrten ein bi�chen, weil sie so wenig Fleisch hatten, doch Nynaeve bemerkte recht gut, da� sie jede Kleinigkeit a�en und entt�uscht dreinblickten, als schlie�lich auch die letzte Erbse verputzt war. Wenn sie kochte, a�en sie aus irgendeinem Grund immer bei einem der anderen Wagen. Und wenn einer von ihnen das Essen zubereitete, gab es jedesmal Eintopf oder Bohnen mit Fleisch und soviel Peperoni, da� die Zunge beinahe Blasen bekam.</p><p>Nat�rlich a�en sie nicht allein. Daf�r hatte Luca gesorgt, der seinen eigenen Hocker mitgebracht und gleich neben ihren gestellt hatte. Den roten Umhang hatte er elegant ausgebreitet, und die langen Beine streckte er so aus, da� man �ber den umgeschlagenen Stiefelsch�ften noch seine strammen Waden sah. Er war fast jeden Abend hier. Seltsamerweise lie� er nur die Abende aus, an denen sie kochte.</p><p>Es war schon interessant, da� er ein Auge auf sie geworfen hatte, obwohl eine so h�bsche Frau wie Elayne anwesend war, aber er hatte wohl seine Gr�nde. Er sa� viel zu nahe bei ihr. Heute abend hatte sie ihren Stuhl dreimal ein St�ck wegger�ckt, und jedesmal hatte er seinen nachger�ckt, ohne ein Wort zu verlieren und scheinbar, ohne es �berhaupt zu bemerken. Er verglich sie einmal mit den verschiedensten Blumen, wobei die Blumen jeweils schlecht wegkamen, ignorierte ihr blaues Auge, das wohl auch ein Blinder bemerkt h�tte; dann schw�rmte er wieder davon, wie sch�n sie in jenem roten Kleid aussehen werde, und lie� noch ein paar Komplimente �ber ihren Mut einflie�en. Zweimal entschl�pfte ihm der Vorschlag, gemeinsam einen Mondscheinspaziergang zu unternehmen, so geschickt verschl�sselt allerdings, da� sie nicht ganz sicher war, ob er es wirklich so gemeint hatte, bis sie genauer dar�ber nachdachte.</p><p>�Dieses Kleid wird dem Mut, den Ihr vor allen entfaltet, einen perfekten Rahmen geben�, murmelte er ihr ins Ohr, �wenn auch lange nicht so perfekt, wie Ihr euch selbst haltet, denn die nachtbl�henden Daralilien w�rden vor Neid weinen, s�hen sie Euch am mondbeschienenen Wasser einherschreiten, genau wie ich weinte und wie ein Barde den Ruhm Eurer Sch�nheit unter dem Mond besingen w�rde.�</p><p>Sie blinzelte kurz und �berlegte erst einmal. Luca legte ihr Wimpernzucken falsch aus, aber ungewollt traf sie ihn mit dem Ellbogen in die Rippen, bevor er damit beginnen konnte, an ihrem Ohr zu knabbern; zumindest schien er das vorgehabt zu haben. Nun hustete er allerdings und behauptete, er habe ein Kuchenkr�mel in den falschen Hals bekommen. Der Mann sah tats�chlich sehr gut aus � <emphasis>H�r auf damit!</emphasis> � und hatte wirklich stramme Waden � <emphasis>Was soll denn das � seine Beine anstarren?</emphasis> �, aber er mu�te sie f�r eine Puppe mit Stroh im Kopf halten. Und das alles nur, um seine verdammte Vorstellung zu retten.</p><p>Sie r�ckte mit ihrem Hocker wieder ein St�ck weiter, w�hrend er sich bem�hte, den Hustenanfall zu unterdr�cken. Sie konnte aber nicht zu weit abr�cken, sonst w�re allen klar, da� sie vor ihm floh. Sicherheitshalber hielt sie ihre Gabel sto�bereit, falls er ihr wieder zu folgen versuchte. Thom betrachtete so intensiv seinen Teller, als l�ge noch etwas auf der wei�en Glasur. Juilin pfiff unmelodi�s und ganz leise vor sich hin und sp�hte mit vorget�uschter Konzentration in das ersterbende Feuer. Elayne blickte sie an und sch�ttelte den Kopf.</p><p>�Es war so nett von Euch, zum Essen zu kommen�, sagte Nynaeve und stand auf. Luca erhob sich ebenfalls, und neben dem Feuerschein glimmte auch etwas Hoffnung in seinen Augen auf. Sie stellte ihren Teller auf seinen, den er in der Hand hielt. �Thom und Juilin werden Euch dankbar sein, wenn Ihr ihnen beim Abwasch helft, da bin ich sicher.� Bevor er noch den Mund aufbekam, wandte sie sich an Elayne: �Es ist sp�t, und ich denke, wir werden ziemlich fr�h aufbrechen, um den Flu� zu �berqueren.�</p><p>�Selbstverst�ndlich�, murmelte Elayne unter Andeutung eines L�chelns. Und sie stellte ihren Teller noch auf den Nynaeves, bevor sie ihr in den Wagen folgte. Nynaeve h�tte sie am liebsten umarmt. Bis Elayne sagte: �Du solltest ihn wirklich nicht auch noch ermutigen!� Die Lampen in ihren Wandhaltern entz�ndeten sich von allein.</p><p>Nynaeve stemmte die F�uste in die H�ften. �Ihn <emphasis>ermutigen?</emphasis> Seine Hoffnungen k�nnte ich ihm h�chstens nehmen, indem ich ihn erdolchte!� Sie schnaubte ver�chtlich und runzelte die Stirn ob der Lampen. �Ben�tze beim n�chstenmal eines von Aludras Feuerst�ckchen. Streicher. Eines Tages denkst du nicht daran und ben�tzt die Macht, wo du es nicht d�rftest, und wo kommen wir dann hin? Dann laufen wir vermutlich um unser Leben und haben hundert Wei�m�ntel auf den Fersen.�</p><p>Konnte jemand halsstarriger sein als Elayne? Sie lie� sich einfach nicht vom Thema abbringen! �Ich mag ja j�nger sein als du, aber manchmal glaube ich, ich wei� mehr �ber M�nner als du jemals wissen wirst. F�r einen Mann wie Valan Luca bedeutete dieses kokette R�ckzugsman�ver nur eine Aufforderung, mit seinen Ann�herungsversuchen weiterzumachen. Wenn du ihm beinahe die Nase abbei�en w�rdest, so wie am allerersten Tag, w�rde er vielleicht aufgeben. Aber du sagst ihm keineswegs, er solle damit aufh�ren � nein, du bittest ihn noch nicht einmal darum! Du hast ihn weiterhin angel�chelt, Nynaeve. Was soll denn der Mann davon halten? Du hast tagelang schon niemanden mehr angel�chelt!�</p><p>�Ich versuche doch nur, mich zu beherrschen�, knurrte Nynaeve. Alle beklagten sich �ber ihre Launenhaftigkeit, und jetzt, wo sie sich bem�hte, das abzustellen, beklagte sich Elayne <emphasis>dar�ber!</emphasis> Sie war doch schlie�lich nicht t�richt genug, sich von seinen Komplimenten einfangen zu lassen. So dumm war sie ja nun nicht. Elayne lachte sie aus, und sie machte eine finstere Miene.</p><p>�O Nynaeve. �Du kannst die Sonne am Morgen nicht unten festhalten.� Lini h�tte dabei an dich denken k�nnen.�</p><p>Mit M�he brachte Nynaeve wieder eine unbeteiligte Miene zustande. Sie konnte sich ja schlie�lich auch beherrschen. <emphasis>Habe ich das nicht gerade dort drau�en bewiesen?</emphasis> Sie streckte ihre Hand aus. �Gib mir bitte den Ring. Er wird bestimmt morgen ziemlich fr�h mit der Truppe den Flu� �berqueren wollen, und da m�chte ich noch richtig schlafen, sobald ich fertig bin.�</p><p>�Ich dachte, heute nacht sei ich dran.� In Elaynes Stimme schwang Besorgnis mit. �Nynaeve, du bist beinahe jede Nacht nach <emphasis>Tel'aran'rhiod</emphasis> gegangen, au�er bei den Treffen mit Egwene. �brigens hat diese Bair noch ein H�hnchen mit dir zu rupfen. Ich mu�te ihnen erkl�ren, warum du wieder nicht da warst, und sie sagte, du solltest keineswegs Ruhe n�tig haben, so oft du auch die Welt der Tr�ume betrittst, es sei denn, du machst etwas falsch.� Die Besorgnis wandelte sich in einen energischen Tonfall, und nun stemmte die J�ngere ihre F�uste in die H�ften. �Ich mu�te mir einen Vortrag anh�ren, der f�r dich bestimmt war, und es war kein Vergn�gen. Und Egwene stand auch noch da und nickte bei jedem Wort zustimmend. Also, ich bin wirklich der Meinung, heute nacht sollte ich... �</p><p>�Bitte, Elayne.� Nynaeve senkte ihre ausgestreckte Hand noch immer nicht. �Ich mu� Birgitte einiges fragen, und ihre Antworten bringen mich vielleicht ein St�ck weiter.� Das stimmte auch bis zu einem gewissen Punkt; ihr fielen immer neue Fragen an Birgitte ein. Das hatte nichts damit zu tun, da� sie Egwene und die Weisen Frauen mied. Wenn sie doch so oft nach <emphasis>Tel'aran'rhiod</emphasis> ging, da� bei den Treffen mit Egwene immer Elayne an der Reihe war, dann ergab sich das eben zuf�llig so.</p><p>Elayne seufzte, holte aber doch den verdrehten Steinring aus ihrem Ausschnitt. �Frag sie nur wieder aus, Nynaeve. Es ist schwierig, Egwene gegen�berzustehen. Sie hat Birgitte bestimmt gesehen. Sie sagt nichts, schaut mich aber so komisch an. Es ist noch schlimmer, wenn wir uns treffen, nachdem die Weisen Frauen weg sind. Dann k�nnte sie mich danach fragen, tut es aber nicht, und das macht alles nur viel unangenehmer.� Sie runzelte die Stirn, w�hrend Nynaeve den kleinen <emphasis>Ter'Angreal</emphasis> auf die Lederschnur f�delte, die sie um den Hals trug und an der bereits Lans schwerer Ring und ihr Gro�er Schlangenring hingen. �Warum, glaubst du, kommen die Weisen Frauen dann nicht auch mit? Wir erfahren in Elaidas Arbeitszimmer nicht gerade viel, aber man sollte doch denken, sie wollten die Burg wenigstens einmal sehen! Egwene scheut sich sogar, vor ihnen �berhaupt �ber dieses Thema zu reden. Wenn ich etwas in dieser Richtung sage, wirft sie mir einen Blick zu, als wolle sie mich schlagen.�</p><p>�Ich glaube, sie wollen die Burg unter allen Umst�nden meiden.� Und das war auch das beste. Wenn es nicht um das Thema Heilkunst ginge, w�rde sie die Burg und die Aes Sedai genauso meiden. Sie wollte auf keinen Fall selbst eine Aes Sedai werden; es ging ihr lediglich darum, mehr �ber das Heilen mit Hilfe der Macht zu lernen. Und sicher auch, Rand zu helfen. �Sie sind freie Frauen, Elayne. Auch wenn die Burg nicht in einem solchen Aufruhr befindlich w�re, wie jetzt gerade, glaubst du, sie h�tten es gern, wenn Aes Sedai durch die W�ste latschen und sie unter den Arm klemmen, um sie nach Tar Valon mitzunehmen wie ein Andenken?�</p><p>�Ich glaube, du hast recht.� Elaynes Tonfall allerdings sagte aus, da� sie es keineswegs verstand. Sie hielt die Burg einfach f�r etwas Wunderbares und sah nicht ein, warum eine Frau die Aes Sedai meiden m�sse. F�r das ganze Leben an die Burg gebunden, so sagte man, wenn man ihnen den Ring an den Finger steckte. Und das war w�rtlich gemeint. Und doch betrachtete dieses t�richte M�dchen das nicht im mindesten als bedr�ckend.</p><p>Elayne half ihr beim Entkleiden, und dann streckte sie sich g�hnend im Hemd auf ihrem schmalen Bett aus. Es war ein langer Tag gewesen, und es �berraschte sie, wie erm�dend das Stillstehen sein konnte, wenn jemand, den sie nicht sehen konnte, Messer nach ihr warf. Gedanken schwirrten ihr durch den Kopf, als sie die Augen schlo�. Elayne hatte behauptet, sie �be lediglich, als sie sich mit Thom zum Narren machte. Allerdings wirkte das �berfreundliche Vater-Tochter-Gehabe, das sie jetzt an den Tag legten, nicht weniger l�cherlich. Vielleicht k�nnte sie ja selbst auch ein wenig mit Valan �ben. Nein, das war ja wohl t�richt. M�nner waren wohl wankelm�tig � aber wehe, wenn Lan ein Auge auf eine andere warf! � doch sie blieb stets fest und treu. Sie w�rde einfach dieses Kleid nicht anziehen. Viel zu viel blanker Busen.</p><p>Ganz undeutlich h�rte sie noch, wie Elayne sagte: �Denk daran, sie noch einmal auszufragen.�</p><p>Dann �berw�ltigte sie der Schlaf.</p><p>Sie stand drau�en in der Nacht neben dem Wagen. Der Mond schwebte hoch droben am Himmel, und die schnell vorbeiziehenden Wolken warfen bleiche Schatten �ber das Lager. Grillen zirpten, und die Nachtv�gel riefen klagend nach ihr. Die Augen der L�wen die sie aus ihren K�figen heraus beobachteten, glimmten. Die wei�en Gesichter der B�ren waren nicht zu sehen; die schlafenden Tiere waren blo�e dunkle Klumpen hinter den Gitterst�ben. An der langen Pfahlreihe waren keine Pferde mehr angebunden. Clarines Hunde lagen nicht wie gewohnt angeleint unter ihrem und Petras Wagen, und der Fleck, an dem in der wachenden Welt der <emphasis>S'redit</emphasis> gestanden hatte, war leer. Sie hatte bereits gelernt, da� hier nur wilde Gesch�pfe ein Spiegelbild warfen, aber was die Seanchanfrau auch behaupten mochte: es fiel schwer, sich vorzustellen, da� diese riesigen grauen Tiere schon so lange gez�hmt waren und nun nicht mehr die Bezeichnung �wilde Tiere� verdienten.</p><p>Mit einemmal wurde ihr klar, da� sie das bewu�te Kleid trug. Flammend rot, um die H�ften unanst�ndig eng anliegend und mit einem rechteckigen Ausschnitt, der so tief war, da� sie f�rchten mu�te, ihr Busen k�nnte herausrutschen. Sie konnte sich keine andere Frau, bestenfalls Berelain, vorstellen, die so etwas anziehen w�rde. F�r Lan w�rde sie es vielleicht wagen. Aber nur, wenn sie beide allein miteinander w�ren. Sie hatte tats�chlich an Lan gedacht, als sie einschlummerte. <emphasis>Gewi� � oder?</emphasis></p><p>Auf keinen Fall hatte sie vor, sich von Birgitte in diesem Ding erwischen zu lassen. Die Frau behauptete, Soldatin zu sein, und je mehr Zeit Nynaeve mit ihr verbrachte, desto deutlicher wurde ihr gemacht, da� vieles an ihrer Haltung und an ihren Bemerkungen genauso schlimm war wie bei einem Mann. Schlimmer noch. Sie war eine Kombination von Berelain und einem Wirtshausschl�ger. Die anz�glichen Bemerkungen kamen nicht st�ndig, doch immer dann, wenn Nynaeve nicht daran dachte und unbewu�t etwas wie dieses Kleid hier trug. So �nderte sie es ab, trug statt dessen ein festes, gutes, dunkles Wollkleid, wie es an den Zwei Fl�ssen getragen wurde, dazu einen einfachen Schal, den sie gar nicht ben�tigte, hatte das Haar wieder zu einem anst�ndigen Zopf geflochten und �ffnete den Mund, um nach Birgitte zu rufen.</p><p>�Warum hast du dich umgezogen?� fragte die Frau. Sie trat aus den Schatten heraus und lehnte sich auf ihren silbernen Bogen. Ihr kunstvoll geflochtener goldener Zopf hing ihr �ber die Schulter nach vorn, und der Mondschein lie� Bogen und Pfeile schimmern. �Ich erinnere mich, wie ich einmal ein Kleid getragen habe, das ein Zwilling deines Kleids von eben gewesen sein k�nnte. Ich trug es nur, um die Aufmerksamkeit auf mich zu lenken, damit sich Gaidal unbemerkt vorbeischleichen konnte. Den Wachsoldaten w�ren beinahe die Augen aus dem Kopf gefallen. Es hat Spa� gemacht. Besonders, als ich es dann sp�ter zum Tanz mit ihm trug. Er ha�t das Tanzen grunds�tzlich, aber er war derart erpicht darauf, jeden anderen Mann auf Abstand zu mir zu halten, da� er jeden Tanz mit mir tanzte.� Birgitte lachte herzlich. �Ich habe ihm in dieser Nacht beim Kreiselspiel f�nfzig Goldst�cke abgewonnen, denn er starrte mir immer in den Ausschnitt, anstatt auf seine Steine. Die M�nner sind schon eigenartig. Als h�tte er mich nicht schon oft na... �</p><p>�So sind sie eben�, warf Nynaeve mit spr�der Stimme ein und schlang sich den Schal fest um die Schultern.</p><p>Bevor sie ihre Frage stellen konnte, sagte Birgitte: �Ich habe sie gefunden�, und jeder Gedanke an die Frage entschwand.</p><p>�Wo? Hat sie dich bemerkt? Kannst du mich zu ihr bringen? Ohne da� sie mich sieht?� In ihrem Magen sp�rte sie das flaue Gef�hl von Angst. Was w�rde wohl Valan Luca nun von ihrem Mut halten, s�he er sie so? Doch sie war ganz sicher, da� aus dieser Angst sofort Zorn w�rde, wenn sie Moghedien sah. �Wenn du mich in ihre N�he bringst...� Sie sprach nicht weiter, da Birgitte ihre Hand mahnend erhoben hatte.</p><p>�Ich kann nicht glauben, da� sie mich bemerkt hat, sonst w�re ich bestimmt jetzt nicht hier.� Nun war sie sehr ernst. Nynaeve war es auch viel lieber, wenn sie diese Seite ihres Soldatinnendaseins herauskehrte. �Ich kann dich einen Augenblick lang in ihre N�he f�hren, wenn du willst, aber sie ist nicht allein. Zumindest... Du wirst ja sehen. Du mu�t dich ganz still verhalten und nichts gegen Moghedien unternehmen. Es sind andere Verlorene bei ihr. Vielleicht k�nntest du sie vernichten, aber gleich f�nf von ihnen...?�</p><p>Das flaue Gef�hl in Nynaeves Magen breitete sich in ihren Oberk�rper aus. Und in ihre Knie. F�nf. Sie sollte Birgitte fragen, was sie geh�rt hatte, und es dabei belassen. Dann k�nnte sie in ihr Bett zur�ckkehren und... Aber Birgitte blickte sie an. Sie zog ihren Mut keineswegs in Zweifel, sondern sah sie einfach nur an. Bereit, das f�r sie zu tun, falls sie das wollte. �Ich werde still sein. Und ich werde nicht einmal daran denken, die Macht zu ben�tzen.� Nicht, wenn sie gleich f�nf Verlorenen auf einmal gegen�berstand. Im Augenblick h�tte sie auch nicht einmal einen Funken erzeugen k�nnen. Sie versteifte ihre Knie, damit sie nicht zu sehr zitterten. �Sobald du bereit bist.�</p><p>Birgitte hob ihren Bogen und legte eine Hand auf Nynaeves Arm...</p><p>... und Nynaeve stockte der Atem. Sie standen auf gar nichts, waren von unendlicher Schw�rze umgeben, wo man weder oben noch unten unterscheiden konnte, und jeder Sturz, gleich, in welche Richtung, w�rde ewig w�hren. Mit schwimmendem Kopf zwang sie sich, in die Richtung zu blicken, in die Birgitte deutete.</p><p>Unter ihnen stand Moghedien gleicherma�en auf der Dunkelheit. Sie war beinahe genauso schwarz gekleidet wie ihre Umgebung, stand leicht vorgebeugt und lauschte konzentriert. Und wiederum weiter unter ihr standen vier riesige St�hle mit hohen Lehnen, jeder davon anders, auf einer glei�end wei� gefliesten Bodenfl�che, die in der Schw�rze schwebte. Seltsamerweise war Nynaeve in der Lage, genauso gut zu h�ren, was jene auf diesen St�hlen sprachen, als befinde sie sich mitten unter ihnen.</p><p>�... noch nie feige gewesen�, sagte gerade eine mollige, h�bsche Frau mit Sonnenhaaren, �also warum dann jetzt?� Sie war scheinbar mit nichts anderem als silbriggrauem Nebel und glitzernden Edelsteinen angetan und sa� auf einem Stuhl aus Elfenbein, der so geschickt geschnitzt war, da� er aussah, als best�nde er aus den K�rpern von nackten Akrobaten. Vier geschnitzte M�nner hielten die Sitzfl�che, und ihre Arme ruhten auf den R�cken kniender Frauen. Zwei M�nner und zwei Frauen hielten ein wei�es Seidenkissen hinter ihrem Kopf, w�hrend dar�ber weitere Stellungen eingenommen hatten, die Nynaeve bei menschlichen K�rpern beinahe f�r unm�glich hielt. Sie err�tete, als ihr klar wurde, da� diese mehr als nur akrobatische �bungen vollf�hrten.</p><p>Ein kr�ftig gebauter Mann mittlerer Gr��e mit einer bl�ulichen Narbe im Gesicht und einem kantig geschnittenen blonden Bart beugte sich �rgerlich vor. Sein Stuhl bestand aus schwerem Holz, in das Kolonnen ger�steter Krieger und Pferde geschnitzt waren. Ganz oben an der Lehne hielt eine Faust im Kampfhandschuh einen Blitz fest. Sein roter Mantel ersetzte voll und ganz die �bliche Vergoldung des Stuhls, denn �ber die Schultern und die �rmel herab zogen sich goldene Stickereien. �Niemand darf mich als feige bezeichnen�, sagte er mit harter Stimme. �Aber wenn wir so weitermachen wie bisher, wird er mir geradewegs an die Kehle springen.�</p><p>�So war es von Anfang an geplant�, sagte die melodi�se Stimme einer anderen Frau. Nynaeve konnte die Sprecherin nicht sehen, denn sie war hinter der hoch aufragenden Lehne eines Stuhls verborgen, der ganz aus schneewei�em Stein und Silber zu bestehen schien.</p><p>Der zweite Mann war gro� und sah mit seinem dunklen Teint gut aus. An den Schl�fen hatte er wei�e Str�hnen. Er spielte mit einem kunstvoll geschmiedeten goldenen Pokal, wobei er sich auf seinem Thron zur�cklehnte. Als etwas anderes konnte man dieses mit Juwelen �bers�te Ding nicht bezeichnen. Wohl zeigte sich nur hier und da eine Andeutung von Gold, aber Nynaeve bezweifelte nicht, da� unter all diesen glitzernden Rubinen und Smaragden und Mondperlen massives Gold lag. Abgesehen von der Gr��e wirkte es massiv und schwer. �Er wird sich auf dich konzentrieren�, sagte der gro�e Mann mit tiefer Stimme. �Falls notwendig, wird jemand sterben, der ihm nahesteht, und das offensichtlich auf deinen Befehl hin. Er wird kommen, um dich zu stellen. Und w�hrend er sich auf dich allein konzentriert, werden wir drei ihn uns mit gekoppelten Kr�ften vornehmen. Was hat sich ge�ndert, da� es notwendig w�re, den Plan abzu�ndern?�</p><p>�Nichts hat sich ge�ndert�, grollte der Mann mit der Narbe. �Am wenigsten mein Vertrauen zu Euch. Entweder <emphasis>ich</emphasis> bin ein Teil der Koppelung, oder die Vereinbarung ist hinf�llig.�</p><p>Die Frau mit dem goldenen Haar warf den Kopf in den Nacken und lachte schallend. �Armer Mann�, sagte sie schlie�lich sp�ttisch und winkte ihm mit einer beringten Hand zu. �Glaubst du, er w�rde nicht bemerken, da� du an andere gekoppelt bist? Denke einmal daran, da� er einen Lehrer hat. Einen schlechten wohl, aber er ist kein vollkommener Narr. Als n�chstes wirst du vermutlich verlangen, da� gen�gend dieser Schwarzen-Ajah-Kinder einbezogen werden, um den Kreis �ber die dreizehn hinaus zu vergr��ern, damit entweder du die Kontrolle �bernehmen kannst oder Rahvin.�</p><p>�Wenn Rahvin genug Vertrauen hat, um sich einzukoppeln, obwohl er die F�hrung jemand anderem �berlassen mu߫, sagte die melodi�se Stimme, �kannst du das gleiche Vertrauen zeigen.� Der gro�e Mann blickte in seinen Pokal, und die in Nebel geh�llte Frau l�chelte leicht. �Wenn du uns nicht soweit vertraust, da� wir uns nicht gegen dich wenden werden�, fuhr die nicht sichtbare Frau fort, �dann vertraue eben darauf, da� wir uns gegenseitig zu mi�trauisch beobachten werden, um eine Kehrtwendung zu vollziehen. Du hast all dem <emphasis>zugestimmt,</emphasis> Sammael. Warum f�ngst du jetzt mit solchen Spitzfindigkeiten an?�</p><p>Nynaeve fuhr zusammen, als Birgitte sie am Arm ber�hrte...</p><p>... und sie befanden sich wieder zwischen den Wagen. Der Mond schien zwischen den Wolken hindurch. Das Bild erschien ihr beinahe normal demgegen�ber, was sie gerade noch gesehen hatte.</p><p>�Warum...?� begann Nynaeve, mu�te jedoch erst einmal schlucken. �Warum hast du uns zur�ckgebracht?� Beim n�chsten Gedanken setzte ihr Herzschlag einen Moment lang aus. �Hat uns Moghedien gesehen?� Sie hatte den anderen Verlorenen so eindringlich gelauscht und sich auf dieses Gemisch von Fremdartigkeit und Selbstverst�ndlichkeit konzentriert, da� sie ganz vergessen hatte, Moghedien im Auge zu behalten. Sie seufzte aus tiefstem Herzen, als Birgitte den Kopf sch�ttelte.</p><p>�Ich habe den Blick keinen Moment von ihr gewandt, und sie hat sich absolut nicht ger�hrt. Aber ich stehe nicht gern so ungesch�tzt da. H�tte sie aufgeblickt, oder einer der anderen...�</p><p>Nynaeve zog sich den Schal enger um die Schultern und schauderte immer noch. �Rahvin und Sammael.� Sie h�tte lieber nicht so heiser gesprochen. �Hast du die anderen erkannt?� Nat�rlich hatte Birgitte sie erkannt; die Frage war t�richt gewesen, aber sie war eben aus dem Gleichgewicht.</p><p>�Lanfear war diejenige, die hinter dem Stuhl verborgen war. Die andere war Graendal. Halte sie nicht f�r t�richt, weil sie auf einem Stuhl sitzt, der auch die hartgesottenste Serviererin zum Err�ten br�chte. Sie ist schlau, und sie ben�tzt ihre menschlichen Spielzeuge in so schrecklichen Riten, da� sogar der h�rteste Soldat, den ich je kennengelernt habe, lieber das Z�libat erw�hlen w�rde.�</p><p>�Graendal ist schlau�, sagte Moghediens Stimme, �aber nicht schlau genug.�</p><p>Birgitte wirbelte herum, den silbernen Bogen hochgerissen und einen silbernen Pfeil beinahe schon aufgelegt, und pl�tzlich wurde sie drei�ig Schritt weit durch den Mondschein geschleudert und krachte so hart gegen Nynaeves Wagen, da� sie gleich noch einmal f�nf Schritt zur�ckgeschleudert wurde und wie leblos auf dem Boden liegenblieb.</p><p>Verzweifelt griff Nynaeve nach <emphasis>Saidar.</emphasis> Angst durch str�mte ihren Zorn, aber der Zorn h�tte durchaus ausgereicht � nur prallte ihr Griff auf eine unsichtbare Wand zwischen ihr und dem warmen Gl�hen der Wahren Quelle. Sie jaulte fast auf. Etwas packte sie an den F��en, ri� sie unter ihr weg und nach oben. Sie ruderte mit den Armen und erreichte ihre Kn�chel schlie�lich mit den H�nden, oben, �ber ihrem Kopf. Ihre Kleider verwandelten sich in Staub, der ihr �ber die Haut rann, und der Zopf zog ihren Kopf so weit nach hinten, da� er ihr Hinterteil ber�hrte. Voller Verzweiflung bem�hte sie sich, aus dem Traum zu entkommen. Nichts geschah. Sie hing in der Luft wie ein gefangenes Tier im Netz. Jeder Muskel war bis zum Letzten gespannt. Kr�mpfe durchliefen ihren K�rper. Ihre Finger zuckten schwach und ber�hrten dabei ihre F��e. Sie f�rchtete, sich das R�ckgrat zu brechen, wenn sie sonst noch etwas bewegte.</p><p>Seltsamerweise war nun ihre Angst wie weggeblasen, nur leider zu sp�t. Sie war sicher, da� sie schnell genug gewesen w�re, wenn nicht die Angst sie gel�hmt h�tte, wo sie nur zu handeln brauchte. Alles, was sie wollte, waren ihre H�nde an Moghediens Kehle. <emphasis>Das hilft mir jetzt viel.</emphasis> Das Atmen fiel ihr schwer und kostete gro�e Anstrengung.</p><p>Moghedien trat in Nynaeves Gesichtsfeld, direkt in das bebende Dreieck ihrer Arme. Das Gl�hen <emphasis>Saidars</emphasis> umgab die Frau wie zum Hohn. �Etwas, das ich von Graendals Stuhl entliehen habe�, sagte die Verlorene. Ihr Kleid bestand wie das Graendals aus Nebel. Schwarzer, dichter Nebel wandelte sich zu beinahe durchsichtigem und dann wieder zu schimmernd silbrigem. Der Stoff ver�nderte sich st�ndig. Nynaeve hatte sie das schon einmal tragen sehen, damals in Tanchico. �Nichts, worauf ich selbst gekommen w�re, aber man kann von Graendal durchaus... lernen.� Nynaeve funkelte sie an, doch Moghedien schien es gar nicht zu bemerken. �Ich kann kaum glauben, da� Ihr tats�chlich kamt, um <emphasis>mich</emphasis> zu suchen. Habt Ihr wirklich geglaubt, Ihr k�mt mir an Kr�ften gleich, nur weil Ihr einmal Gl�ck hattet und mich in einem Augenblick der Unaufmerksamkeit erwischt habt?� Das Lachen der Frau klang bei�end. �Wenn Ihr nur w��tet, wieviel M�he ich mir gemacht habe, um Euch zu suchen. Und nun seid Ihr zu mir gekommen!� Sie blickte sich um, betrachtete die Wagen, die L�wen und B�ren einen Moment lang, und wandte sich wieder Nynaeve zu. �Eine Menagerie? Da seid Ihr ja leicht zu finden. Falls ich Euch �berhaupt noch suchen m��te.�</p><p>�Dann versucht doch, was Ihr ausrichten k�nnt, verdammt sollt Ihr sein!� fauchte Nynaeve, so gut sie eben konnte. So zusammengekr�mmt mu�te sie jedes Wort einzeln aus sich herauszwingen. Sie wagte nicht, geradewegs zu Birgitte hin�berzusehen, obwohl sie den Kopf weit genug h�tte bewegen k�nnen, aber unter kr�ftigem Augenrollen wie in einer Mischung aus Zorn und Furcht erhaschte sie einen fl�chtigen Blick auf die Frau. Ihr wurde beinahe schlecht, und die Angst breitete sich wieder aus. Birgitte lag leblos auf dem Boden. Die Pfeile waren aus dem K�cher an ihrer H�fte gefallen, und ihr silberner Bogen lag eine Spanne von ihrer schlaffen Hand entfernt. �Gl�ck h�tte ich gehabt? Wenn Ihr euch nicht an mich angeschlichen h�ttet, h�tte ich Euch die Haut abgezogen! Ich h�tte Euch den Kragen umgedreht wie einem Huhn.� Sie hatte nur eine Chance, falls Birgitte tot war, und die Aussichten waren nicht gerade rosig. Sie mu�te Moghedien so weit provozieren, da� sie sie in einem Wutanfall m�glichst schnell t�tete. Wenn sie nur eine M�glichkeit h�tte, Elayne zu warnen. Vielleicht w�rde ihr Tod das bewirken? �Denkt Ihr noch daran, als Ihr gedroht habt, mich als Schemel zum Aufsteigen zu ben�tzen? Und sp�ter, als ich Euch dasselbe angedroht habe? Das war, nach dem ich Euch geschlagen hatte. Als Ihr nur noch gewinselt und um Euer Leben gebettelt habt. Ihr habt mir alles angeboten. Ihr seid ein Feigling und ohne R�ckgrat! Der Inhalt eines Nachttopfes! Ihr St�ck...� Etwas Dickes krabbelte ihr in den Mund hinein, dr�ckte ihre Zunge herunter und zwang ihre Kiefer auseinander.</p><p>�Ihr seid so leicht durchschaubar�, murmelte Moghedien. �Glaubt mir, ich bin bereits zornig genug auf Euch. Doch ich glaube nicht, da� ich Euch als Schemel ben�tzen werde.� Ihr L�cheln jagte Nynaeve einen Schauer �ber den R�cken. �Ich denke, ich werde Euch in ein Pferd verwandeln. Das ist hier durchaus m�glich. Ein Pferd, eine Maus, einen Frosch...� Sie unterbrach sich und lauschte. �... eine Grille. Und dann werdet Ihr jedesmal, wenn Ihr nach <emphasis>Tel'aran'rhiod</emphasis> kommt, ein Pferd sein, bis ich das wieder �ndere. Oder bis jemand anders mit den notwendigen Kenntnissen das besorgt.� Wieder schwieg sie einen Moment und blickte sie mit einer Miene an, die beinahe schon Sympathie ausdr�ckte. �Nein, ich will in Euch keine falschen Hoffnungen wecken. Es gibt jetzt nur noch neun von uns, die solche Bindungen fertigbringen, und Ihr wollt vermutlich genausowenig von den anderen beherrscht werden wie von mir. Ihr werdet jedesmal zu einem Pferd werden, wenn ich Euch hierher mitbringe. Ihr bekommt sogar einen eigenen Sattel und Zaumzeug. Ich werde auch Eure M�hne extra sch�n flechten.� Nynaeves Zopf wurde ihr von unsichtbaren H�nden fast aus der Kopfhaut gerissen. �Nat�rlich werdet Ihr auch in diesem Zustand wissen, wer Ihr seid. Ich glaube, ich werde diese Ausritte genie�en � im Gegensatz zu Euch.� Moghedien atmete tief durch, und ihr Kleid f�rbte sich dunkel und gl�nzte schwach im tr�ben Mondschein. Nynaeve mochte sich t�uschen, aber sie hielt das f�r die Farbe frischen Blutes. �Andererseits, falls Ihr ungehorsam seid, werde ich Euch vielleicht doch Semirhage �bergeben. Dort seid Ihr bestimmt gut aufgehoben, und ich kann meine ganze Aufmerksamkeit wichtigeren Dingen zuwenden. Befindet sich das kleine blonde Flittchen bei Euch in der Menagerie?�</p><p>Das dicke Etwas verschwand aus Nynaeves Mund. �Ich bin allein, Ihr dummes...� Schmerzen. Als habe man sie von den Schultern bis zu den Waden herab verpr�gelt, und zwar mit einem einzigen Schlag. Sie heulte schrill auf. Noch einmal. Sie versuchte, die Z�hne zusammenzubei�en, und doch schmerzte ihr eigener Schrei in ihren Ohren. Sie sch�mte sich der Tr�nen, die ihr �ber die Wangen rollten, konnte aber das Schluchzen nicht zur�ckhalten, w�hrend sie ohne Hoffnung auf den n�chsten Schlag wartete.</p><p>�Ist sie bei Euch?� fragte Moghedien geduldig. �Verschwendet Eure Zeit nicht damit, mich provozieren zu wollen, da� ich Euch t�te. Das werde ich nicht tun. Ihr werdet viele Jahre in meinen Diensten erleben. Eure bemitleidenswert geringen F�higkeiten werden vielleicht zu etwas gut sein, wenn ich sie ausbilde. Wenn ich Euch ausbilde. Aber ich kann Euch auch dazu bringen, das, was Ihr gerade gesp�rt habt, f�r eine Liebkosung zu halten. Beantwortet jetzt meine Frage.�</p><p>Nynaeve brachte es mit M�he fertig, wieder genug Luft zu sch�pfen, um ihr zu antworten. �Nein�, weinte sie drauflos. �Sie ist mit einem Mann verschwunden, nachdem wir Tanchico verlassen hatten. Er war alt genug, um ihr Gro�vater zu sein, aber er hatte Geld. Wir hatten geh�rt, was sich in der Burg abgespielt hatte� � sicherlich hatte Moghedien davon erfahren �, �und sie f�rchtete sich davor, dorthin zur�ckzukehren.�</p><p>Die andere lachte. �Eine wunderbare Geschichte. Ich begreife beinahe, was Semirhage daran findet, Widerstand zu brechen. Oh, Ihr werdet mich noch pr�chtig unterhalten, Nynaeve al'Meara! Aber zuerst werdet Ihr mir dieses M�dchen Elayne herbringen. Ihr werdet sie abschirmen und sie dazu bringen, da� sie sich mir zu F��en wirft. Wi�t Ihr auch, warum? Weil manche Dinge in <emphasis>Tel'aran'rhiod</emphasis> noch st�rker wirken als in der wachenden Welt. Deshalb werdet Ihr auch jedesmal eine gl�nzend wei�e Stute sein, wenn ich Euch herbringe. Und es sind nicht nur Verletzungen, die man von hier aus mitnimmt, wenn man erwacht! Auch einen unwiderstehlichen Drang nimmt man mit. Ich will, da� ihr ein paar Augenblicke lang nachdenkt, bevor Ihr selbst daran zu glauben beginnt, was Ihr mir erz�hlt habt. Ich vermute, das M�dchen ist Eure Freundin. Aber Ihr werdet sie mir zuf�hren, wie ein Haustierchen... � Moghedien schrie laut auf, als urpl�tzlich ein silberner Pfeil unter ihrer rechten Brust aus ihrem Oberk�rper ragte.</p><p>Nynaeve plumpste zu Boden wie ein Kartoffelsack. Der Sturz raubte ihr die Luft, als habe ein Hammerschlag ihren Unterleib getroffen. Sie rang nach Atem und versuchte mit aller Macht, ihre Muskeln zu Bewegungen anzutreiben und sich durch die Schmerzen hindurch zu <emphasis>Saidar</emphasis> zu k�mpfen.</p><p>Birgitte taumelte und zog m�hsam einen weiteren Pfeil aus dem K�cher. �Geht, Nynaeve!� Selbst dieser Ruf klang m�hevoll und erzwungen. �Flieht!� Birgittes Kopf wankte, und sie hob unsicher den silbernen Bogen.</p><p>Das Gl�hen um Moghedien intensivierte sich, bis sie von blendendem Sonnenschein umgeben schien.</p><p>Die Nacht schlug �ber Birgitte zusammen wie eine Meereswoge und h�llte sie in Schw�rze. Als sie vor�bergezogen war, fiel der Bogen auf leere Kleidungsst�cke herab. Nur Bogen und Pfeile verblieben dort und schimmerten im Mondschein.</p><p>Moghedien sank keuchend auf die Knie nieder und umklammerte mit beiden H�nden den Pfeilschaft in ihrer Brust, w�hrend das Gl�hen verflog und ganz erstarb. Dann verschwand sie, und der silberne Pfeil fiel zu Boden, wo sie sich gerade noch befunden hatte. Die Spitze war dunkel von Blut verf�rbt.</p><p>Nach einem Zeitraum, der ihr wie eine Ewigkeit erschien, brachte Nynaeve es fertig, sich auf H�nde und Knie hochzustemmen. Weinend kroch sie hin�ber zu Birgittes Bogen. Diesmal kamen ihr die Tr�nen nicht der Schmerzen wegen. Sie kniete da, nackt, was ihr vollkommen gleichg�ltig war, und dr�ckte den Bogen an sich. �Es tut mir leid�, schluchzte sie. �O Birgitte, vergib mir. Birgitte!�</p><p>Sie h�rte keine Antwort, au�er dem klagenden Schrei eines Nachtvogels.</p><p>Liandrin sprang auf, als die T�r zu Moghediens Schlafzimmer aufging und gegen die Wand krachte und die Auserw�hlte in das Wohnzimmer taumelte. Ihr Seidenhemd war von Blut getr�nkt. Chesmal und Temaile eilten an ihre Seite, und jede nahm einen Arm, um die Frau zu st�tzen. Nur Liandrin blieb an ihrem Stuhl stehen. Die anderen waren ausgegangen. Vielleicht befanden sie sich sogar au�erhalb Amadors. Liandrin wu�te es nicht. Moghedien sagte ihnen nur, was die jeweilige Zuh�rerin ihrer Meinung nach wissen mu�te, und sie bestrafte sie f�r Fragen, die ihr unbequem waren.</p><p>�Was ist geschehen?� Temaile schnappte fast nach Luft.</p><p>Moghediens kurzer Blick h�tte sie eigentlich an Ort und Stelle verschmoren lassen sollen. �Ihr habt ein gewisses Talent zum Heilen�, sagte die Auserw�hlte schwerf�llig zu Chesmal. Blut rann ihr �ber die Lippen und tropfte immer st�rker aus ihren Mundwinkeln. �Wendet es an. Jetzt, N�rrin!�</p><p>Die dunkelhaarige Ghealdanerin z�gerte nicht l�nger und legte die H�nde um Moghediens Kopf. Liandrin lachte sp�ttisch in sich hinein, als das Gl�hen um Chesmal aufflammte. Auf deren h�bschem Gesicht stand Sorge, und Temailes feine, fuchsartige Z�ge waren von purer Angst und Entsetzen verzerrt. So treu waren die beiden. Solch ergebene Scho�h�ndchen. Moghedien wurde auf die Zehenspitzen hochgerissen, der Kopf in den Nacken geworfen, die Augen weit aufgerissen. Sie bebte, und der Atem floh aus ihrem ge�ffneten Mund, als habe man sie in Eiswasser gesto�en.</p><p>Nach wenigen Augenblicken war alles vor�ber. Das Gl�hen um Chesmal verflog, und Moghediens F��e standen wieder fest auf dem blaugr�n gemusterten Teppich. H�tte Temaile sie nicht gest�tzt, w�re sie wom�glich zu Boden gesunken. Nur ein Teil der Kraft, die zum Heilen notwendig war, stammte von der Macht; den Rest trug die Person bei, die geheilt wurde. Die Wunde, die diese Blutungen hervorgerufen hatte, war jetzt verheilt, aber Moghedien war so schwach, als habe sie wochenlang krank im Bett gelegen. Sie zog den feinen gold- und elfenbeinfarbenen Schal von Temailes G�rtel und wischte sich den Mund ab, w�hrend die Frau ihr half, sich der Schlafzimmert�r zuzuwenden. Schwach, und nun wandte sie ihr noch den R�cken zu.</p><p>Liandrin schlug zu, so hart sie nur konnte. Was diese Frau ihr bereits alles angetan hatte, verlieh ihr zus�tzliche Kr�fte.</p><p>Doch schon im gleichen Augenblick schien <emphasis>Saidar</emphasis> Moghedien wie eine Flutwelle zu durchdringen. Liandrins Schlag wurde abgefangen, als sie von der Quelle abgeschnitten wurde. Str�nge aus Luft hoben sie auf und schleuderten sie so hart gegen die get�felte Wand, da� ihre Z�hne knirschten. Mit ausgebreiteten Armen und Beinen hing sie hilflos dort.</p><p>Chesmal und Temaile tauschten einen verwirrten Blick, als verst�nden sie �berhaupt nicht, was geschehen war. Sie st�tzten Moghedien weiter, die nun vor Liandrin stand und sich immer noch seelenruhig mit Temailes Schal den Mund abwischte. So schnell war alles gegangen. Moghedien lenkte ein kleines Rinnsal der Macht, und das Blut auf ihrem Hemd f�rbte sich schwarz, br�ckelte ab und fiel auf den Teppich.</p><p>�Ihr... Ihr versteht nicht, Gro�e Herrin�, stammelte Liandrin verzweifelt. �Ich wollte nur helfen, damit Ihr gut schlaft.� Ausnahmsweise einmal war ihr v�llig gleichg�ltig, da� ihr Dialekt wieder durchbrach. �Ich wollte doch nur... � Sie brach ab und w�rgte nur noch, als ein Strang aus Luft ihre Zunge packte und sie ihr aus dem Mund zog. Ihre braunen Augen quollen heraus. Noch ein wenig mehr Druck, und...</p><p>�Soll ich sie herausrei�en?� Moghedien musterte ihr Gesicht, sprach aber mehr zu sich selbst. �Ich denke nicht. Wie schade f�r Euch, da� diese al'Meara-Frau mich schon wie Semirhage reagieren l��t. Ansonsten w�rde ich Euch wahrscheinlich nur t�ten.� Pl�tzlich nabelte sie die Abschirmung ab. Der Knoten wurde immer komplizierter, bis Liandrin sich in den Windungen und Schleifen verlor.</p><p>Und er wuchs immer noch. �So�, sagte Moghedien schlie�lich in zufriedenem Ton. �Ihr werdet sehr lange suchen m�ssen, bis Ihr jemanden findet, der das wieder entwirrt. Allerdings werdet Ihr kaum eine Gelegenheit zum Suchen bekommen.�</p><p>Liandrin suchte in Chesmals und Temailes Gesicht nach einer Spur von Sympathie und Mitgef�hl � irgend etwas Tr�stliches nur �, aber Chesmals Augen blickten kalt und streng, w�hrend die von Temaile gl�nzten. Sie ber�hrte ihre Lippen mit der Zungenspitze und l�chelte. Es war kein freundliches L�cheln.</p><p>�Ihr habt geglaubt, Ihr h�ttet etwas in bezug auf zwanghaftes Handeln, auf inneren Drang gelernt�, fuhr Moghedien fort. �Ich werde Euch aber noch ein bi�chen mehr beibringen.� Einen Augenblick lang zitterte Liandrin am ganzen K�rper. Der Anblick der Frau nahm ihr ganzes Gesichtsfeld in Anspruch, und ihre Stimme f�llte ihr ganzes Geh�r. �Lebe.� Der Augenblick war vor�ber und Liandrin standen Schwei�tropfen auf der Stirn, als die Auserw�hlte sie anl�chelte. �Der seelische Zwang hat viele Einschr�nkungen, aber ein Befehl, das zu tun, was jemand im tiefsten Innersten selbst will, h�lt ein Leben lang vor. Ihr werdet leben, so sehr Ihr euch auch anstrengt, Euch das Leben zu nehmen. Und ihr werdet immer daran denken. Ihr werdet viele N�chte lang weinend im Bett liegen und Euch den Tod herbeiw�nschen.�</p><p>Der Strang, der Liandrins Zunge hielt, verschwand, und sie nahm sich kaum die Zeit, zu schlucken. �Bitte, gro�e Herrin, ich schw�re, da� ich nicht...� In ihrem Kopf dr�hnte es, und sie sah silbrigschwarze Flecken vor den Augen tanzen, als Moghedien sie kr�ftig ohrfeigte.</p><p>�Es ist manchmal verlockend... etwas... k�rperlich zu tun�, schnaufte die Frau. �Bettelt Ihr um mehr?�</p><p>�Bitte, Gro�e Herrin...� Die zweite Ohrfeige lie� ihr Haar fliegen.</p><p>�Mehr?�</p><p>�Bitte...� Die dritte renkte ihr beinahe den Kiefer aus. Ihre Wange brannte.</p><p>�Wenn Ihr bei Euren Ausreden nicht mehr Phantasie entwickelt, h�re ich nicht mehr hin. Statt dessen werdet Ihr zuh�ren. Ich glaube, was ich f�r Euch geplant habe, w�rde selbst Semirhage entz�cken.� Moghediens L�cheln wirkte beinahe so d�ster wie das Temailes. �Ihr werdet leben und keineswegs einer D�mpfung unterzogen. Ihr werdet wissen, da� Ihr durchaus die Macht wieder lenken k�nntet, w�rdet Ihr nur jemanden finden, der Eure Abschirmung entknoten kann. Und das ist nur der Anfang. Evon wird �ber ein neues K�chenm�dchen froh sein, und ich bin sicher, diese Frau Arene wird mit Euch lange Gespr�che �ber ihren Mann f�hren wollen. Ja, sie werden Eure Gesellschaft so sehr genie�en, da� ich daran zweifle, da� Ihr in den n�chsten Jahren dieses Haus wieder einmal von au�en sehen werdet. Lange Jahre, in denen Ihr euch w�nscht, Ihr h�ttet mir treu gedient.�</p><p>Liandrin sch�ttelte den Kopf und bem�hte sich, die Worte �nein� und �bitte� herauszubringen. Doch sie weinte zu sehr, um sie aussprechen zu k�nnen.</p><p>Moghedien wandte den Kopf, um Temaile anzusehen, und sagte: �Bereitet sie darauf vor. Und sagt ihnen, sie sollten sie auf keinen Fall t�ten oder verst�mmeln. Ich m�chte, da� sie immer glaubt, entkommen zu k�nnen. Selbst diese verlorene Hoffnung wird helfen, sie am Leben zu halten, damit sie leiden kann.� Sie wandte sich auf Chesmals Arm gest�tzt ab, und die Str�nge, die Liandrin an der Wand festhielten, verschwanden.</p><p>Ihre Beine knickten ein wie Strohhalme, und sie brach auf dem Teppich zusammen. Nur die Abschirmung blieb. Sie h�mmerte umsonst darauf ein, w�hrend sie Moghedien hinterherkroch und versuchte, den Saum ihres Nachthemds zu fassen, wobei sie verzweifelt schluchzte: �Bitte, Gro�e Herrin.�</p><p>�Sie reisen mit einer Menagerie�, sagte Moghedien zu Chesmal. �Eure ganze Suche, und dann mu�te ich sie doch selbst aufsp�ren. Eine Menagerie zu finden sollte nicht allzu schwierig sein.�</p><p>�Ich werde Euch treu dienen�, weinte Liandrin. Die Angst l�hmte ihre Glieder; sie konnte nicht schnell genug kriechen, um Moghedien einzuholen. Sie sahen sich noch nicht einmal nach ihr um, wie sie da ihnen nach �ber den Teppich krabbelte. �Bindet mich, Gro�e Herrin. Tut alles. Ich werde eine treue H�ndin sein!�</p><p>�Es ziehen eine ganze Menge Menagerien nach Norden�, sagte Chesmal, die mit Eifer den Mi�erfolg �bert�nchen wollte, der sich in ihrer Stimme niederschlug. �Nach Ghealdan, Gro�e Herrin.�</p><p>�Dann mu� ich nach Ghealdan gehen�, sagte Moghedien. �Ihr werdet uns schnelle Pferde besorgen und...� Die sich schlie�ende Schlafzimmert�r verschluckte den Rest ihrer Worte.</p><p>�Ich werde eine treue H�ndin sein�, schluchzte Liandrin, die wie ein H�ufchen Elend auf dem Teppich lag. Sie hob den Kopf und blinzelte sich die Tr�nen aus den Augen. So sah sie, wie Temaile sie beobachtete, sich die Arme rieb und l�chelte. �Wir k�nnten sie �berw�ltigen, Temaile. Wir drei gemeinsam k�nnten...�</p><p>�Wir <emphasis>drei?�</emphasis> Temaile lachte. �Ihr k�nntet noch nicht einmal den fetten Evon �berw�ltigen.� Ihre Augen zogen sich zusammen, als sie die Abschirmung um Liandrin abtastete. �Sie h�tte Euch genausogut einer D�mpfung unterziehen k�nnen.�</p><p>�Bitte, h�rt doch zu.� Liandrin schluckte schwer und bem�hte sich, wieder deutlicher zu sprechen, doch ihre Stimme klang immer noch belegt, wenn auch �u�erst eindringlich, als sie verzweifelt heraussprudelte: �Wir haben �ber die Uneinigkeit gesprochen, die zwischen den Auserw�hlten herrschen mu�. Wenn sich Moghedien so versteckt, dann tut sie es vor den anderen Auserw�hlten. Sollten wir sie fangen und ihnen �bergeben, dann stellt Euch einmal die Pal�ste vor, die wir daf�r haben k�nnten! Man w�rde uns vielleicht �ber K�nige und K�niginnen erheben. Wir k�nnten sogar selbst zu Auserw�hlten werden!�</p><p>Einen Augenblick lang � einen gesegneten, wundervollen Moment lang � z�gerte die Frau mit dem Kindergesicht. Dann sch�ttelte sie den Kopf. �Du hast noch nie gewu�t, wie hoch du deinen Blick erheben kannst. �Wer nach der Sonne greift, verbrennt sich die Finger.� Nein, ich glaube, ich werde mir die Finger nicht daran verbrennen, da� ich zu hoch hinaus will. Ich werde besser tun, was mir auf getragen wurde und dich auf Evon vorbereiten.� Pl�tzlich l�chelte sie und zeigte wei�e Z�hne, die sie noch fuchsartiger wirken lie�en. �Wie �berrascht er sein wird, wenn du zu ihm kriechst und ihm die F��e k��t.�</p><p>Liandrin begann zu schreien, bevor Temaile roch richtig begonnen hatte.</p></section><section><title><p>35</p><p>Herausgerissen</p></title><p>G�hnend betrachtete Elayne Nynaeve von ihrem Bett aus. Sie hatte den Kopf auf einen Ellbogen gest�tzt, und das schwarze Haar hing an einem Arm herunter und kitzelte sie. Es war eigentlich schon l�cherlich, darauf zu bestehen, da� diejenige, die nicht nach <emphasis>Tel'aran'rhiod</emphasis> ging, wach bleiben mu�te. Sie wu�te nicht, wieviel Zeit f�r Nynaeve in der Welt der Tr�ume vergangen war, doch sie lag nun schon gut zwei Stunden hier und hatte nicht einmal ein Buch zum Lesen oder eine Handarbeit, um sich die Zeit zu vertreiben. Sie konnte nichts weiter tun, als die andere Frau anzustarren, die auf ihrem eigenen schmalen Bett ausgestreckt lag. Den <emphasis>A'dam</emphasis> noch weiter zu untersuchen brachte auch nichts. Sie glaubte, ihm mittlerweile alles entrungen zu haben, was sie daraus lernen konnte. Sie hatte sogar ganz vorsichtig ein wenig der Heilkunst mit Hilfe der Macht an der schlafenden Frau ausprobiert. Eine wache Nynaeve h�tte dem niemals zugestimmt, denn sie hielt nicht viel von Elaynes F�higkeiten auf diesem Gebiet �nun, vielleicht h�tte sie auch in diesem besonderen Fall eine Ausnahme gemacht �, aber Nynaeves blaues Auge war verschwunden. Um der Wahrheit die Ehre zu geben, war das die komplizierteste Heilung gewesen, die Elayne bisher unternommen hatte, und sie hatte all ihre Kr�fte daf�r zusammennehmen m�ssen. Nichts zu tun. H�tte sie ein wenig Silber, dann h�tte sie versuchen k�nnen, selbst einen <emphasis>A'dam</emphasis> herzustellen. Silber war nicht das einzige Metall, das sie daf�r ben�tigte, aber selbst dazu h�tte sie eine Menge M�nzen einschmelzen m�ssen. Nynaeve h�tte bestimmt nicht viel davon gehalten, Geld zu verlieren und statt dessen einen zweiten <emphasis>A'dam</emphasis> vorzufinden. H�tte sie wenigstens Thom und Juilin �ber ihre Aktivit�ten aufgekl�rt, dann w�re sie in der Lage gewesen, Thom einzuladen und ihr Gesellschaft zu leisten.</p><p>Sie f�hrten n�mlich wirklich die nettesten Unterhaltungen. Es war, als wolle ein Vater seiner Tochter all seine Kenntnisse vermitteln. Sie hatte beispielsweise �berhaupt nicht begriffen gehabt, wie tief das Spiel der H�user sogar in Andor verwurzelt war, wenn auch vielleicht noch immer nicht so tief wie in anderen L�ndern. Wie Thom meinte, waren da nur die Grenzlande vollst�ndig ausgenommen. Da die F�ule gleich an ihrer Nordgrenze begann und Trolloc-�berf�lle an der Tagesordnung waren, hatten sie einfach keine Zeit f�r Intrigen und komplizierte politische Man�ver. Ja, sie und Thom unterhielten sich pr�chtig, jetzt, da er sicher sein konnte, da� sie nicht versuchen werde, sich an ihn heranzuschmusen. Bei der Erinnerung daran brannten ihre Wangen immer noch, denn sie hatte wirklich ein- oder zweimal daran gedacht, etwas in der Art mit ihm anzufangen, es aber gl�cklicherweise nicht fertiggebracht.</p><p>��Selbst eine K�nigin st��t sich manchmal den Zeh an, doch eine kluge Frau schaut, wohin sie tritt��, zitierte sie leise. Lini war eine kluge Frau. Elayne glaubte nicht, da� ihr derselbe Fehler noch einmal unterlaufen werde. Ihr war schon klar, da� sie viele Fehler begangen hatte, aber selten nur denselben zweimal. Eines Tages vielleicht w�rde sie so wenige begehen, da� sie eine w�rdige Nachfolgerin ihrer Mutter auf dem Thron war.</p><p>Pl�tzlich setzte sie sich auf. Tr�nen waren unter Nynaeves geschlossenen Lidern hervorgequollen und rannen ihr �ber die Wangen. Was Elayne zun�chst f�r leises Schnarchen gehalten hatte, denn Nynaeve schnarchte oft, auch wenn sie das vehement bestritt, war in Wirklichkeit ein leichtes Schluchzen und Wimmern, das trotz ihres geschlossenen Mundes h�rbar wurde. Das war etwas, was nicht sein sollte. W�re sie verwundet worden, dann h�tte sich die Wunde auch hier gezeigt, wenn sie sie auch vor dem Erwachen selbst nicht f�hlte.</p><p><emphasis>Ob ich Sie wohl wecken sollte?</emphasis> Doch sie z�gerte, obwohl sie schon die Hand ausgestreckt hatte. Jemanden aufzuwecken, der sich in <emphasis>Tel'aran'rhiod</emphasis> befand, war keineswegs leicht. Auch sch�tteln oder ein Gu� kalten Wassers ins Gesicht erf�llten da manchmal ihren Zweck nicht. Und Nynaeve h�tte bestimmt einiges dagegen, wenn sie auf ihr herumtrommelte, wo sie doch schon von Cerandin genug abbekommen hatte. <emphasis>Was mag da wirklich zwischen den beiden geschehen sein? Ich mu� Cerandin ausfragen.</emphasis> Was auch in der Welt der Tr�ume los war, Nynaeve sollte eigentlich in der Lage sein, jederzeit aus dem Traum zu entkommen und zur�ckzukehren, wenn sie das w�nschte. Au�er... Egwene hatte behauptet, die Weisen Frauen k�nnten jemand gegen den Willen dieser Person in <emphasis>Tel'aran'rhiod</emphasis> festhalten. Falls sie ihr das beigebracht hatten, hatte sie es allerdings nicht an Elayne oder Nynaeve weitergegeben. Wenn nun jemand Nynaeve dort festhielt und ihr Schmerzen zuf�gte, konnten das wohl kaum Birgitte oder die Weisen Frauen sein. Gut, die Weisen Frauen br�chten so etwas schon fertig, falls sie Nynaeve auf Abwegen erwischt hatten. Doch wenn nicht sie, dann blieb nur noch...</p><p>Sie packte Nynaeve an den Schultern, um sie zu sch�tteln. Falls das nicht wirkte, w�rde sie die Kanne Wasser auf dem Tisch mit Hilfe der Macht bis an den Gefrierpunkt abk�hlen oder die andere ohrfeigen... Doch dann schlug Nynaeve die Augen auf.</p><p>Fast im selben Augenblick begann sie auch schon, laut zu weinen. Ein so verzweifeltes Weinen hatte Elayne noch nie vernommen. �Ich habe sie get�tet. O Elayne, ich habe sie mit meinem t�richten Stolz umgebracht, habe gedacht, ich k�nne...� Sie konnte nicht weitersprechen und schluchzte nur mit ge�ffnetem Mund.</p><p>�Wen hast du get�tet?� Moghedien konnte es nicht sein, denn der Tod dieser Frau w�rde bei ihr sicherlich keine Trauer ausl�sen. Sie wollte Nynaeve gerade in die Arme nehmen und tr�sten, da trommelte jemand an die T�r.</p><p>�Schick sie weg�, brachte Nynaeve m�hsam heraus und rollte sich in der Mitte ihres Betts zu einem zitternden H�ufchen Elend zusammen.</p><p>Seufzend ging Elayne zur T�r und zog sie auf. Doch bevor sie ein Wort herausbrachte, schob sich Thom aus der Nacht heraus an ihr vorbei. Das zerknitterte Hemd hing ihm aus der Hose und er trug eine in seinen Umhang gewickelte Gestalt auf den Armen. Nur die blo�en F��e einer Frau waren zu sehen.</p><p>�Sie war einfach pl�tzlich da�, sagte Juilin hinter ihm, als k�nne er die eigenen Worte kaum glauben. Beide M�nner waren barfu� und Juilins hagerer, unbehaarter Oberk�rper war nackt. �Ich bin ganz kurz aufgewacht, und da stand sie pl�tzlich vor mir, nackt wie ein Neugeborenes, und klappte augenblicklich zusammen wie ein Sack Fischmehl.�</p><p>�Sie lebt noch�, sagte Thom und legte die in den Umhang geh�llte Gestalt auf Elaynes Bett, �aber nur gerade eben. Ich konnte kaum noch einen Herzschlag f�hlen.�</p><p>Mit gerunzelter Stirn zog Elayne die Kapuze des Umhangs weg � und blickte zu Tode erschrocken direkt in Birgittes leichenblasses Gesicht.</p><p>Nynaeve kletterte steif vom anderen Bett und kniete neben der bewu�tlosen Frau nieder. Ihr Gesicht gl�nzte tr�nenfeucht, doch sie hatte mit Weinen aufgeh�rt. �Sie lebt�, hauchte sie. �Sie lebt tats�chlich noch.� Mit einemmal schien ihr bewu�t zu werden, da� sie im Hemd vor den M�nnern kniete, aber sie w�rdigte die beiden kaum eines Blickes und sagte lediglich: �Schicke sie raus, Elayne. Ich kann nichts tun, wenn sie dastehen und wie die Schafe gucken.�</p><p>Thom und Juilin sahen sich an und rollten frustriert die Augen, als Elayne sie hinauswinkte. Sie sch�ttelten leicht die K�pfe, gingen dann aber doch zur T�r, ohne sich zu beklagen. �Sie ist... eine Freundin�, sagte Elayne zu ihnen. Sie hatte das Gef�hl, zu schweben wie in einem Traum, und sie empfand gar nichts dabei. Wie konnte das m�glich sein? �Wir werden uns um sie k�mmern.� Wie konnte das geschehen? Das war doch unm�glich! �Sagt niemandem etwas davon!� Die Blicke, die sie ihr zuwarfen, bevor sie die T�r zuschlug, lie�en sie err�ten. Nat�rlich waren sie schlau genug, nicht dar�ber zu reden. Aber manchmal mu�te man M�nner an die einfachsten Sachen erinnern, sogar Thom. �Nynaeve, was, beim Licht...�, begann sie, als sie sich zu den anderen Frauen umwandte, brach jedoch ab, da sie das Gl�hen <emphasis>Saidars</emphasis> um die Kniende herum wahrnahm.</p><p>�Verdammt soll sie sein!� grollte Nynaeve, die wild entschlossen Str�nge der Macht lenkte. �F�r immer soll sie verdammt sein, weil sie das getan hat!� Elayne erkannte die Str�nge, die zur Heilung notwendig waren, aber weiter reichten ihre Kenntnisse nicht. �Ich werde sie aufsp�ren, Birgitte�, murmelte Nynaeve wieder. Str�nge aus dem Element Geist dominierten das Gewebe, aber auch Wasser und Luft waren darin verwoben und sogar etwas Erde und Feuer. Es wirkte genauso kompliziert, als wolle man mit jeder Hand auf ein anderes Kleid Muster sticken, und das gleichzeitig auch noch mit den F��en. Und mit verbundenen Augen. �Sie wird daf�r bezahlen.� Das Gl�hen um Nynaeve wurde immer st�rker, bis es die Lampen �berstrahlte und Elayne nur noch mit zusammengekniffenen Augen sehen konnte. �Ich schw�re es! Beim Licht und meiner Hoffnung auf Erl�sung und Wiedergeburt, ich werde sie daf�r bezahlen lassen!� Der Zorn in ihrer Stimme �nderte sich und wurde wom�glich noch gr��er. �Es funktioniert nicht. Es ist nichts an ihr, was ich heilen k�nnte. Es geht ihr so gut, wie es nur sein kann. Und doch stirbt sie. O Licht, ich sp�re, wie mir ihr Leben entgleitet. Verdammt sei Moghedien! Seng sie! Und mich gleich mit!� Sie gab aber noch nicht auf. Das Gewebe blieb bestehen. Kompliziert verwundene Str�nge flossen in Birgitte ein. Und die Frau lag da, der goldene Zopf hing an der Seite des Betts herunter, und ihre Brust hob und senkte sich immer langsamer.</p><p>�Ich kann etwas tun, das vielleicht helfen wird�, sagte Elayne bed�chtig. Man m��te daf�r eigentlich eine Genehmigung einholen, aber das war auch nicht immer so gewesen. Einst war es durchaus auch ohne Genehmigung geschehen. Es gab keinen Grund, warum es bei einer Frau nicht anwendbar sein sollte. Sie hatte allerdings noch nie davon geh�rt, da� es bei einer Frau angewandt worden sei; nur immer bei M�nnern.</p><p>�Koppelung?� Nynaeve wandte den Blick nicht von der Frau auf dem Bett und lie� in ihren Bem�hungen mit der Macht nicht nach. �Ja. Du wirst es tun m�ssen, denn ich wei� nicht, wie, aber ich mu� die F�hrung �bernehmen. Ich wei� nicht einmal zur H�lfte, was ich eigentlich in diesem Augenblick �berhaupt mache, aber wenigstens wei� ich, da� ich es schaffen kann. Du k�nntest nicht einmal eine Prellung heilen.�</p><p>Elayne verzog den Mund, lie� die Bemerkung aber unbeantwortet. �Nein, keine Koppelung.� Die Menge an <emphasis>Saidar,</emphasis> die Nynaeve in sich aufgesogen hatte, war erstaunlich. Wenn sie damit Birgitte nicht retten konnte, w�rde das, was Elayne noch hinzuf�gen k�nnte, auch nicht mehr bringen. Gemeinsam w�ren sie wohl st�rker, als eine einfache Addition ihrer Kr�fte erg�be, aber sie wu�te nicht einmal genau, ob sie dazu schon in der Lage sei. Sie hatte sich nur einmal verkoppelt, und das hatte eine Aes Sedai getan, mehr, um ihr zu zeigen, was das f�r ein Gef�hl war, als einen Zweck zu erf�llen. �H�r auf damit, Nynaeve. Du hast ja selbst gesagt, da� es nicht funktioniert. H�r auf und la� mich einen Versuch machen. Wenn es damit auch nicht geht, kannst du ja...� Was konnte sie dann? Wenn die Heilung geschah, dann war alles gut, wenn nicht... Es hatte gar keinen Zweck, es noch einmal zu versuchen, wenn sie schon beim ersten Mal keinen Erfolg gehabt hatte.</p><p>�Was willst du ausprobieren?� fauchte Nynaeve beleidigt, aber sie rutschte doch ungeschickt r�ckw�rts und lie� Elayne ans Bett treten. Das Heilgewebe l�ste sich auf, nicht aber ihre gl�hende Aura.</p><p>Statt ihr zu antworten, legte Elayne eine Hand auf Birgittes Stirn. Bei dem, was sie vorhatte, war die k�rperliche Ber�hrung genauso notwendig wie bei einer Heilung, und beide Male, als sie in der Burg zugesehen hatte, hatten die betreffenden Aes Sedai die Stirn des jeweiligen Mannes ber�hrt. Die Str�nge aus Geist, die sie nun verwob, waren �u�erst kompliziert, wenn auch nicht in dem Ma�e wie Nynaeves Heilgewebe vor einer Minute. Sie verstand kaum selbst, was sie da tat, und von manchem �berhaupt nichts, aber sie hatte sehr genau aufgepa�t �damals, aus ihrem Versteck heraus �, welche Muster das Gewebe bilden mu�te. Aufgepa�t hatte sie, weil sie einfach romantische Vorstellungen gehabt hatte, weil sie Geschichten erfunden hatte �ber Liebe und Tapferkeit und Gl�ck, wo die Wirklichkeit, die sie erlebte, nur tr�b und entt�uschend schien. Nach ein paar Augenblicken war sie fertig, setzte sich auf das andere Bett und lie� <emphasis>Saidar</emphasis> los.</p><p>Nynaeve runzelte die Stirn und beugte sich wieder �ber Birgitte. Die Gesichtsfarbe der bewu�tlosen Frau wirkte vielleicht ein wenig besser, und ihr Atem kam ein bi�chen kr�ftiger. �Was hast du gemacht, Elayne?� Nynaeve nahm den Blick nicht von Birgitte, aber das sie umgebende Gl�hen verbla�te langsam. �Es war jedenfalls keine Heilung. Ich glaube, ich k�nnte es jetzt nachmachen, aber mit Heilen hatte es nichts zu tun.�</p><p>�Wird sie �berleben?� fragte Elayne mit schwacher Stimme. Es gab keine sichtbare Verbindung zwischen ihr und Birgitte, keine Str�nge der Macht, aber sie f�hlte die Schw�che der Frau. Eine schreckliche Schw�che, die sie deutlich sp�rte. Und sie w�rde f�hlen, wenn Birgitte starb, im gleichen Augenblick noch, und sei sie auch Hunderte von Meilen entfernt.</p><p>�Ich wei� nicht. Ihr Leben entflieht nicht mehr, aber ich wei� es nicht.� Die Ersch�pfung machte Nynaeves Stimme weicher als gewohnt, und es lag auch viel Schmerz in ihrem Tonfall, als teile sie Birgittes Wunden, seien es auch nur innere. Sie sog scharf die Luft zwischen halb ge�ffneten Lippen ein, erhob sich, entfaltete eine rotgestreifte Decke und breitete sie �ber die liegende Frau. �Was hast du mit ihr gemacht?�</p><p>Elayne schwieg, bis Nynaeve zu ihr her�berkam und sich schwerf�llig neben ihr auf das Bett sinken lie�. �Eine Bindung�, sagte sie schlie�lich. �Ich... habe sie an mich gebunden. Als Beh�terin. Es war kein Eid notwendig.� Der ungl�ubige Blick der anderen Frau lie� sie schnell fortfahren: �Heilen hatte keinen Zweck. Ich mu�te doch etwas tun. Du wei�t doch, welche Gaben ein Beh�ter durch die Bindung an seine Aes Sedai erh�lt. Zum einen Kraft und Energie. Er kann weitermachen, wo andere M�nner zusammenbrechen und sterben; er kann Wunden �berleben, die jeden anderen t�ten w�rden. Etwas anderes ist mir nicht eingefallen.�</p><p>Nynaeve atmete tief durch. �Nun, es scheint ja besser zu funktionieren als das, was ich versuchte. Ein weiblicher Beh�ter. Ich frage mich, was Lan davon halten wird. Aber es gibt eigentlich nichts, was dagegen spr�che. Und wenn �berhaupt eine Frau, dann sie.� Sie zog die Beine �chzend hoch und setzte sich darauf. Ihr Blick kehrte zu Birgitte zur�ck. �Du mu�t das nat�rlich geheimhalten. Wenn jemand erf�hrt, da� eine Aufgenommene eine Beh�terin an sich gebunden hat, gleich unter welchen Umst�nden...�</p><p>Elayne schauderte. �Ich wei߫, sagte sie schlicht und doch leidenschaftlich. Es war wohl kein Versto�, der ihr eine D�mpfung einbringen w�rde, aber vermutlich w�rde jede Aes Sedai sie so in die Mangel nehmen, da� sie sich die D�mpfung herbeiw�nschte. �Nynaeve, was ist in der Welt der Tr�ume geschehen?�</p><p>Eine Weile lang glaubte sie, die andere werde wieder mit Weinen anfangen, denn sie bewegte die Lippen und ihr Kinn zitterte. Als sie aber zu sprechen begann, klang ihre Stimme wie Eisen, und auf ihrem Gesicht stand ein Gemisch aus Zorn und zu vielen vergossenen Tr�nen. Sie erz�hlte ihre Geschichte ganz n�chtern, sogar knapp, bis sie zu Moghediens Auftauchen im Lager der Truppe kam. Danach berichtete sie �ber jede noch so schmerzliche Einzelheit.</p><p>�Ich m��te eigentlich von Kopf bis Fu� Striemen tragen�, sagte sie schlie�lich in bitterem Tonfall, wobei sie einen glatten, unversehrten Arm ber�hrte. Unversehrt oder nicht, jedenfalls zuckte sie zusammen. �Ich verstehe nicht, wieso nichts zu sehen ist. Ich sp�re die Striemen, und ich verdiene sie auch f�r meinen dummen, t�richten Stolz. Daf�r, da� ich mich f�rchtete, zu tun, was ich h�tte tun sollen. Ich verdiente, in der R�ucherkammer aufgeh�ngt zu werden wie eine Speckseite. Wenn es Gerechtigkeit g�be, w�rde ich immer noch dort baumeln und Birgitte l�ge nicht auf diesem Bett und wir m��ten uns nicht fragen, ob sie �berlebt oder nicht. Wenn ich nur mehr w��te. H�tte ich nur f�nf Minuten lang Moghediens Wissen, dann k�nnte ich sie heilen. Da bin ich ganz sicher.�</p><p>�Wenn du noch immer h�ngen w�rdest�, sagte Elayne auf ihre praktische Art, �w�rdest du in kurzer Zeit aufwachen und mich abschirmen. Ich zweifle nicht daran, da� Moghedien daf�r gesorgt h�tte, dich zornig genug zu machen, um die Macht ben�tzen zu k�nnen. Denk daran, sie kennt uns alle nur zu gut. Und ich bezweifle auch nicht, da� ich keinen Verdacht gesch�pft h�tte, bis es zu sp�t gewesen w�re. Ich halte nicht viel davon, hilflos zu Moghedien geschleppt zu werden, und du vermutlich auch nicht.� Die andere konnte ihr nicht in die Augen sehen. �Es mu� eine Art von Koppelung gewesen sein, Nynaeve, wie durch einen <emphasis>A'dam.</emphasis> So hat sie dich Schmerzen empfinden lassen, ohne dich tats�chlich zu verletzen.� Nynaeve sa� da und starrte w�tend und gleichzeitig schmollend vor sich hin. �Nynaeve, Birgitte ist am Leben. Du hast alles f�r sie getan, was du konntest, und so das Licht es will, wird sie leben. Moghedien hat ihr das angetan und nicht du. Ein Soldat, der die Verantwortung daf�r �bernimmt, da� seine Kameraden in der Schlacht fallen, ist ein Narr. Du und ich, wir sind Soldaten in einer Schlacht, aber du bist keine N�rrin. Also h�r auf, dich wie eine zu benehmen!�</p><p>Daraufhin blickte Nynaeve sie wieder an. Einen Moment nur sah sie ihre finstere Miene, und dann wandte sie ihr Gesicht ganz ab. �Du verstehst das nicht.� Sie senkte die Stimme, bis sie beinahe fl�sterte: �Sie... <emphasis>war</emphasis>... eine der Helden und Heldinnen, die an das Rad der Zeit gebunden wurden, dazu bestimmt, immer wiedergeboren zu werden, zur Legende zu werden. Diesmal wurde sie nicht geboren, Elayne. Sie wurde einfach aus <emphasis>Tel'aran'rhiod</emphasis> herausgerissen. Ist sie immer noch an das Rad gebunden? Oder wurde sie auch aus dieser Bindung gerissen? Von dem weggerissen, was ihr eigener Mut ihr eingebracht hatte, nur, weil ich so stolz war, so m�nnerstur dumm, da� ich sie losschickte, um Moghedien zu suchen?�</p><p>Elayne hatte gehofft, da� Nynaeve nicht so schnell auf diese Fragen sto�en werde, sondern erst, wenn sie ein wenig Zeit zur Erholung gehabt h�tte. �Wei�t du, wie schlimm Moghedien verletzt wurde? Vielleicht ist sie tot?�</p><p>�Ich hoffe nicht.� Die andere Frau fauchte das fast. �Ich will sie daf�r bezahlen lassen...� Sie atmete tief durch, aber statt aufzuleben, sackte sie noch mehr in sich zusammen. �Ich w�rde nicht auf ihren Tod z�hlen. Birgittes Pfeil hat ihr Herz verfehlt. Ein Wunder, da� sie getroffen hat, so, wie sie herumtaumelte. Ich h�tte nicht einmal aufstehen k�nnen, w�re ich so weit so hart weggeschleudert worden wie Birgitte. Ich konnte nicht einmal selbst aufstehen, nach dem was mir Moghedien angetan hatte. Nein, sie ist am Leben, und wir sollten damit rechnen, da� sie ihre Wunde mit Hilfe der Macht heilen l��t und morgen fr�h hinter uns her ist.�</p><p>�Sie w�rde dann immer noch Zeit ben�tigen, um sich zu erholen, Nynaeve. Das wei�t du doch. Kann sie eigentlich wissen, wo wir uns befinden? Deinen Worten nach hatte sie nicht genug Zeit, um mehr herauszubekommen als eben, da� wir uns in einer Menagerie befinden.�</p><p>�Und was ist, wenn sie doch mehr gesehen hat?� Nynaeve rieb sich die Schl�fen, als habe sie Schwierigkeiten, zu denken. �Was ist, wenn sie genau wei�, wo wir sind? Sie k�nnte uns Schattenfreunde auf den Hals hetzen. Oder Schattenfreunde in Samara benachrichtigen.�</p><p>�Luca ist w�tend, weil bereits elf Menagerien um die Stadt herum lagern und drei weitere darauf warten, die Br�cke �berqueren zu d�rfen. Nynaeve, sie wird Tage brauchen, um nach einer solchen Wunde wieder zu Kr�ften zu kommen, selbst wenn sie eine Schwarze Schwester findet, die sie heilt, oder auch eine der anderen Verlorenen. Und dann weitere Tage, um f�nfzehn Menagerien abzusuchen. Falls sich nicht noch mehr auf der Stra�e hinter uns befinden oder aus Altara heraufkommen. Wenn sie selbst uns sucht oder auch Schattenfreunde ausschickt, ganz gleich, sind wir auf jeden Fall gewarnt und haben tagelang Zeit, ein Boot oder Schiff zu finden, das uns flu�abw�rts bringt.� Sie legte eine kurze Denkpause ein. �Hast du noch irgend etwas in deinem Kr�uterbeutel, um Haare zu f�rben? Ich m�chte wetten, da� du in <emphasis>Tel'aran'rhiod</emphasis> dein Haar zum Zopf geflochten trugst. Meines hat dort immer seine wirkliche Farbe. Wenn du deines lose tr�gst, so wie jetzt, und in einer anderen Farbe, dann werden wir viel schwerer zu finden sein.�</p><p>��berall Wei�m�ntel�, seufzte Nynaeve. �Galad. Der Prophet. Keine Schiffe. Es ist, als habe sich alles gegen uns verschworen und arbeite Moghedien in die H�nde. Ich bin so m�de, Elayne. Ich bin es m�de, Angst haben zu m�ssen, wer hinter der n�chsten Ecke auf uns wartet. Ich bin der Furcht vor Moghedien m�de. Ich scheine einfach nicht richtig �berlegen zu k�nnen, was wir als n�chstes tun sollten. Mein Haar? Nichts, um ihm irgendeine Farbe zu geben, die ich tragen kann.�</p><p>�Du brauchst Schlaf�, sagte Elayne energisch. �Ohne den Ring. Gib ihn mir.� Die andere z�gerte, doch Elayne wartete einfach mit ausgestreckter Hand, bis Nynaeve den gefleckten Steinring aus ihrem Hemd fischte und von der Lederschnur abnahm. Elayne stopfte ihn einfach in die Tasche und fuhr fort: �Jetzt leg dich hier hin, und ich wache bei Birgitte.�</p><p>Nynaeve sah die auf dem Bett ausgestreckte Frau einen Augenblick lang an und sch�ttelte dann den Kopf. �Ich kann nicht schlafen... mu� allein sein. Herumlaufen.� Sie stand so steif auf, als habe man sie wirklich verpr�gelt, nahm ihren dunklen Umhang vom Haken und legte ihn sich �ber dem Nachthemd um. An der T�r blieb sie noch einmal stehen. �Wenn sie mich t�ten will�, sagte sie tr�bsinnig, �wei� ich nicht, wie ich sie daran hindern k�nnte.� Sie ging barfu� und mit trauriger Miene in die Nacht hinaus.</p><p>Elayne z�gerte, ungewi�, welche der beiden Frauen sie n�tiger habe. Dann setzte sie sich wieder hin. Nichts, was sie ihr sagen konnte, machte die Dinge besser f�r Nynaeve, aber sie glaubte an deren Widerstandkraft. Wenn sie genug Zeit hatte, das alles im Kopf zu verarbeiten, w�rde sie sehen, da� Moghedien die Schuld trug und nicht sie. Sie mu�te es nur einsehen.</p></section><section><title><p>36</p><p>Ein neuer Name</p></title><p>Lange Zeit sa� Elayne da und wachte �ber Birgittes Schlaf. Jedenfalls schien sie zu schlafen. Einmal r�hrte sie sich und murmelte verzweifelt: �Warte auf mich, Gaidal. Warte. Ich komme, Gaidal. Warte auf...� Die Worte verklangen wieder, und ihre Atemz�ge wurden ruhiger. Waren sie nun kr�ftiger? Die Frau sah immer noch todkrank aus. Besser als vorher, aber bla� und verh�rmt.</p><p>Nach etwa einer Stunde kehrte Nynaeve mit schmutzigen F��en zur�ck. Auf ihren Wangen glitzerten frische Tr�nen. �Ich konnte nicht wegbleiben�, sagte sie und h�ngte ihren Umhang an den Haken zur�ck. �Schlafe du jetzt. Ich wache bei ihr. Ich mu� bei ihr wachen.�</p><p>Elayne erhob sich langsam und strich ihren Rock glatt. Vielleicht w�rde es Nynaeve bei der Bew�ltigung ihrer Schuldgef�hle helfen, wenn sie eine Weile �ber Birgittes Schlaf wachte. �Ich kann eigentlich auch noch nicht schlafen.� Sie war ersch�pft, aber nicht mehr schl�frig. �Ich denke, ich werde auch einen Spaziergang machen.� Nynaeve nickte lediglich, als sie Elaynes Platz auf dem Bett einnahm. Die staubigen F��e lie� sie an der Seite herunterbaumeln und ihr Blick war auf Birgitte gerichtet.</p><p>Zu Elaynes �berraschung schliefen auch Thom und Juilin noch nicht. Sie hatten ein kleines Feuer neben dem Wagen entz�ndet und sa�en sich daran mit �bergeschlagenen Beinen gegen�ber, wobei beide ihre langstieligen Pfeifen rauchten. Thom hatte sein Hemd in die Hose gesteckt, w�hrend Juilin seinen Mantel �bergezogen hatte, aber ohne Hemd. Die Manschetten hatte er zur�ckgeschlagen. Sie sah sich erst in der Nacht um und setzte sich dann zu ihnen. Niemand r�hrte sich im Lager. Alles war dunkel, bis auf ihr Feuer und den Lampenschein, der hinter ihren Wagenfenstern sichtbar war.</p><p>Keiner der M�nner sagte etwas, w�hrend sie ihren Rock unter sich zurechtr�ckte. Dann sah Juilin Thom an, der nickte, und der Diebf�nger hob etwas vom Boden auf und reichte es ihr. �Das habe ich an der Stelle gefunden, wo sie lag�, sagte der Mann mit dem dunklen Teint. �Als sei er ihr aus der Hand gefallen.�</p><p>Elayne nahm den silbernen Pfeil bed�chtig entgegen. Selbst die Federn schienen aus Silber zu bestehen.</p><p>�Sehr typisch�, sagte Thom im Tonfall einer gepflegten Konversation, ohne die Pfeife aus dem Mund zu nehmen. �Und wenn man den Zopf dazunimmt... Aus irgendeinem Grund wird der Zopf in jeder Legende erw�hnt. Obwohl ich schon ein paar kennengelernt habe, die ihre wiedergeborene Pers�nlichkeit unter anderem Namen gewesen sein k�nnten, und die ihn nicht trugen. Andere wiederum, die auch in Frage kamen, haben ihn getragen.�</p><p>�Mir sind Legenden v�llig egal�, warf Juilin ein. Er klang so wenig erregt wie Thom. Aber es mu�te schon eine Menge passieren, da� sich diese beiden aufregten. �Ist sie es? Es w�re auch so schon schlimm genug, wenn eine Frau so mir nichts, dir nichts nackt aus dem Blauen erscheint, aber... Wo habt ihr uns da wieder hereingeritten, Ihr und N... Nana?� Er <emphasis>war</emphasis> besorgt. Juilin beging keine Fehler und er verplapperte sich nie. Thom schmauchte lediglich seine Pfeife und wartete ab.</p><p>Elayne drehte den Pfeil in ihren H�nden hin und her und tat so, als untersuche sie ihn genauer. �Sie ist eine Freundin�, sagte sie schlie�lich. Bis � falls �berhaupt �Birgitte sie davon entband, mu�te sie ihr Versprechen halten. �Sie ist keine Aes Sedai, aber sie hat uns geholfen.� Sie blickten sie erwartungsvoll an. �Warum habt Ihr den nicht Nynaeve gegeben?�</p><p>Wieder tauschten die beiden einen bedeutungsvollen Blick. Besonders in Gegenwart von Frauen schienen sich M�nner vor allem durch Blicke zu verst�ndigen, vielleicht ganze Unterhaltungen hineinzupacken. Jedenfalls sagte dieser Blick genug dar�ber aus, was sie von ihrer Geheimnistuerei hielten. Wo sie doch ziemlich sicher wu�ten, wen sie sich da eingefangen hatten. Doch sie hatte ihr Wort gegeben.</p><p>�Sie schien ein wenig durcheinander�, sagte Juilin und saugte betont an seiner Pfeife. Thom dagegen nahm die seine aus dem Mund und blies die wei�en Schnurrbartenden aus dem Gesicht.</p><p>�Durcheinander? Die Frau kam im Hemd herausspaziert und wirkte verloren. Als ich sie fragte, ob ich ihr helfen k�nne, hat sie mir keineswegs den Kopf abgebissen. Statt dessen hat sie sich an meiner Schulter ausgeweint!� Er zupfte an seinem Leinenhemd und murmelte etwas von Feuchtigkeit. �Elayne, sie hat sich f�r jedes b�se Wort <emphasis>entschuldigt,</emphasis> das sie mir je gesagt hat, und das war so ziemlich jedes zweite Wort, das aus ihrem Mund kam! Sagte, man sollte sie eigentlich verpr�geln, oder vielleicht hat auch jemand sie verpr�gelt; die halbe Zeit �ber redete sie recht zusammenhangloses Zeug. Sie sagte, sie sei ein Feigling und eine sture N�rrin. Ich wei� nicht, was mit ihr los ist, aber sie ist bestimmt nicht sie selbst.�</p><p>�Ich kannte einst eine Frau, die sich auch so benommen hat�, sagte Juilin und sp�hte ins Feuer. �Sie erwachte und fand einen Einbrecher in ihrem Schlafzimmer vor. Sie hat den Mann glatt durchs Herz erdolcht. Aber als sie die Lampe entz�ndete, sah sie, da� es ihr eigener Mann war. Sein Fischerboot war fr�her als erwartet in den Hafen zur�ckgekehrt. Sie ist einen halben Monat lang genau wie Nynaeve jetzt herumgelaufen.� Er verzog seinen Mund leicht. �Dann hat sie sich aufgeh�ngt.�</p><p>�Ich hasse es, Euch diese B�rde aufzuerlegen, Kind�, f�gte Thom sanft hinzu, �doch wenn ihr jemand helfen kann, dann seid Ihr die einzige unter uns, die das fertig bringt. Ich wei�, wie man einen Mann aus seinen Depressionen holen kann. Gib ihm kurz mal einen Tritt, oder mach ihn betrunken und suche ihm eine Pr...� Er r�usperte sich laut, versuchte, es als Husten zu kaschieren, und strich sich �ber den Schnurrbart. Das einzig Schlechte an der Tatsache, da� er sie jetzt als Tochter betrachtete, war, da� er sie manchmal wie eine Zw�lfj�hrige behandelte. �Jedenfalls ist es eben so: Ich wei� einfach nicht, wo ich bei ihr ansetzen soll. Und Juilin mag wohl gewillt sein, sie auf seinen Knien zu schaukeln, aber ich bezweifle, da� sie ihm daf�r danken w�rde.�</p><p>�Da w�rde ich lieber einen Barrakuda auf den Knien schaukeln�, knurrte der Diebf�nger, aber es klang nicht ganz so b�se wie noch einen Tag zuvor. Er war genauso besorgt wie Thom, nur gab er es nicht so bereitwillig zu.</p><p>�Ich werde tun, was ich kann�, versicherte sie ihnen und drehte den Pfeil noch einmal herum. Sie waren gute M�nner, und es gefiel ihr gar nicht, sie zu bel�gen oder Dinge vor ihnen zu verbergen. Jedenfalls nicht, wenn es nicht absolut notwendig war. Nynaeve behauptete, man m�sse die M�nner zu ihrem eigenen Besten f�hren, aber man konnte dabei auch zu weit gehen. Es war nicht recht, M�nner in eine Gefahr hineinzuf�hren, �ber die sie �berhaupt nichts wu�ten.</p><p>Also sagte sie ihnen alles. �ber <emphasis>Tel'aran'rhiod,</emphasis> da� sich die Verlorenen wieder in Freiheit befanden, und �ber Moghedien. Nat�rlich nicht wirklich <emphasis>alles.</emphasis> Ein paar der Vorkommnisse in Tanchico waren einfach zu peinlich gewesen, als da� sie daran erinnert werden wollte. Sie hielt ihr Versprechen bez�glich Birgittes Identit�t, und es war auf keinen Fall notwendig, ihnen die Einzelheiten dar�ber mitzuteilen, was Moghedien mit Nynaeve angestellt hatte. Das brachte ein paar Probleme mit sich, als sie ihnen die Ereignisse dieser Nacht beschreiben wollte, aber sie umging das elegant. Sie berichtete ihnen auf jeden Fall alles, was sie ihrer Meinung nach wissen mu�ten, um sich zum erstenmal bewu�t zu werden, welchen Gefahren sie sich gegen�ber sahen.</p><p>Nicht nur die Schwarzen Ajah, und schon als sie davon erfuhren, hatten sie schwer zu schlucken gehabt, nein, auch noch die Verlorenen, und eine davon war offensichtlich hinter ihr und Nynaeve her. Dar�ber hinaus machte sie ihnen auch gleich klar, da� sie beide genauso Moghedien jagten und da� jeder in ihrer N�he in Gefahr war, zwischen J�ger und Beute gefangen zu werden, gleich, wie herum man es auch sah.</p><p>�Jetzt, da Ihr Bescheid wi�t�, beendete sie ihren Bericht, �habt Ihr die Wahl, ob Ihr bleiben oder gehen wollt.�</p><p>Dabei belie� sie es, und sie mied auch sorgf�ltig jeden Blick in Thoms Richtung. Sie hoffte beinahe verzweifelt, da� er bleiben werde, aber sie wollte ihn nicht glauben lassen, sie bitte ihn darum, nicht einmal durch einen Blick.</p><p>�Ich habe Euch noch nicht einmal die H�lfte von dem beigebracht, was Ihr wissen m��t, um eine genauso gute K�nigin zu werden wie Eure Mutter�, sagte er und bem�hte sich, barsch zu klingen. Doch den Eindruck verdarb er sofort wieder, als er ihr mit einem knorrigen Finger eine Str�hne schwarzgef�rbten Haars von der Wange wischte. �Mich werdet Ihr nicht so leicht los, Kind. Ich werde daf�r sorgen, da� Ihr eine Meisterin im <emphasis>Daes Dae'mar</emphasis> werdet, und wenn ich Euch solange in den Ohren liegen mu�, bis Ihr taub seid. Ich habe Euch ja noch nicht einmal beigebracht, wie man mit einem Messer umgeht. Eurer Mutter habe ich es beizubringen versucht, doch sie sagte immer, sie k�nne einem Mann befehlen, ein Messer zu ben�tzen, wenn sie eines ben�tigte. T�richt, es so zu betrachten.�</p><p>Sie beugte sich vor und gab ihm einen Ku� auf eine lederne Wange. Er blinzelte, zog die buschigen Augenbrauen hoch, l�chelte dann und schob sich wieder die Pfeife in den Mund.</p><p>�Mich d�rft Ihr auch k�ssen�, sagte Juilin trocken. �Rand al'Thor wird mich an die Fische verf�ttern, wenn ich Euch ihm nicht im gleichen Zustand zur�ckbringe, in dem er Euch zuletzt sah.�</p><p>Elayne hob das Kinn. �Ich will nicht, da� Ihr Rand al'Thors wegen bleibt, Juilin.� Sie zur�ckbringen? Tats�chlich? �Ihr bleibt nur dann, wenn Ihr selbst es w�nscht. Und ich entbinde Euch dann auch keineswegs �oder Euch, Thom!� � denn er hatte beim Kommentar des Diebf�ngers gegrinst � �von Eurem Versprechen, zu tun, was wir Euch sagen.� Thoms �berraschter Blick war eine �u�erst zufriedenstellende Reaktion. Sie wandte sich wieder Juilin zu. �Ihr werdet entweder <emphasis>mir</emphasis> und nat�rlich Nynaeve folgen, im vollen Bewu�tsein der Feinde, denen wir gegen�berstehen, oder Ihr packt Eure Habseligkeiten und reitet auf Schmoller weg, wohin Ihr wollt. Ich werde ihn Euch lassen.�</p><p>Juilin setzte sich so gerade hin, als habe er einen Stock verschluckt, und sein Gesicht f�rbte sich dunkler. �Ich habe in meinem ganzen Leben noch nie eine Frau in Gefahr im Stich gelassen.� Er zeigte mit seinem Pfeifenstiel auf sie, als sei es eine Waffe. �Schickt mich weg, und ich folge Euch wie ein Sp�rhund auf den Fersen.�</p><p>Nicht genau das, was sie wollte, aber es sollte reichen. �Also gut.� Sie erhob sich ein wenig steif und w�rdevoll, den silbernen Pfeil an der Seite, und behielt ihr leicht frostiges Benehmen bei. Sie glaubte, die M�nner h�tten endlich begriffen, wer hier das Sagen hatte. �Der Morgen ist nicht mehr fern.� Hatte Rand tats�chlich die Frechheit besessen, Juilin zu befehlen, er solle sie ihm �zur�ckbringen�? Thom und Juilin w�rden einfach daf�r gemeinsam ein wenig b��en m�ssen. Au�erdem hatte er es f�r dieses Grinsen durchaus verdient. �Ihr werdet nun das Feuer l�schen und Euch schlafen legen. Jetzt sofort. Keine Ausreden, Thom. Ohne Schlaf seid Ihr sonst morgen zu nichts zu gebrauchen.�</p><p>Gehorsam begannen sie, mit Hilfe ihrer Stiefel Erde auf das Feuer zu treten, aber als sie die groben Holzstufen erreichte, die in den Wagen hochf�hrten, h�rte sie Thom sagen: �Sie h�rt sich manchmal wirklich wie ihre Mutter an.�</p><p>�Dann bin ich froh, diese Frau niemals kennengelernt zu haben�, grollte Juilin als Antwort. �Werfen wir eine M�nze, wer die erste Wache hat?� Thom murmelte etwas Zustimmendes.</p><p>Beinahe w�re sie zur�ckgegangen, aber statt dessen ertappte sie sich, wie sie l�chelte. M�nner! Es war ein wohlwollender Gedanke. Ihre gute Laune hielt an, bis sie drinnen war.</p><p>Nynaeve sa� auf der �u�ersten Bettkante, st�tzte sich auf beide H�nde, und die Augen fielen ihr immer wieder zu, w�hrend sie �ber Birgitte wachte. Ihre F��e waren immer noch schmutzig.</p><p>Elayne legte Birgittes Pfeil in eine der Kommoden hinter einige grob gewebte S�ckchen mit getrockneten Erbsen. Gl�cklicherweise warf ihr die andere nicht einmal einen Blick zu. Sie hatte das Gef�hl, der Anblick des silbernen Pfeils sei im Augenblick nicht das Richtige f�r Nynaeve. Aber womit konnte sie ihr helfen?</p><p>�Nynaeve, es ist h�chste Zeit, da� du dir die F��e w�schst und ins Bett gehst.�</p><p>Nynaeves Oberk�rper drehte sich schwankend zu ihr hin und sie blinzelte m�de. �F��e? Was? Ich mu� Wache halten.�</p><p>Also besser ein Schritt nach dem anderen. �Deine F��e, Nynaeve. Sie sind schmutzig. Wasche sie.�</p><p>Mit gerunzelter Stirn sah Nynaeve auf ihre staubigen F��e hinab und nickte dann. Sie kippte die gro�e, wei�e Kanne ein wenig �ber der Waschsch�ssel aus, wobei sie einiges versch�ttete. Noch mehr spritzte heraus, bevor die F��e gewaschen waren und sie sich ein Handtuch nahm, um sie abzutrocken. Sogar dabei setzte sie sich hin. �Ich mu� �ber sie wachen. Im Falle, da�... da�... Sie hat einmal etwas im Schlaf gerufen. Nach Gaidal.�</p><p>Elayne dr�ckte sie auf die Matratze zur�ck. �Du brauchst Schlaf, Nynaeve. Du kannst ja die Augen nicht mehr offenhalten.�</p><p>�Kann ich doch�, murmelte Nynaeve m�rrisch und versuchte, sich aufzusetzen, obwohl Elayne ihre Schultern nach unten dr�ckte. �Ich mu� bei ihr wachen, Elayne. Ich mu�.�</p><p>Verglichen mit Nynaeve waren die beiden M�nner drau�en geradezu vern�nftig und willig. Und selbst wenn Elayne willens gewesen w�re, zu dieser Methode zu greifen, gab es wohl keine M�glichkeit, sie jetzt betrunken zu machen und einen � einen h�bschen jungen Mann f�r sie zu finden. Also ein kurzer Tritt statt dessen? Mit Vernunft und Mitgef�hl hatte sie nichts erreicht. �Ich habe genug von dieser Schmollerei und deinem Selbstmitleid, Nynaeve�, sagte sie energisch. �Du wirst <emphasis>jetzt</emphasis> schlafen, und morgen sagst du kein einziges Wort dar�ber, welch arme Kreatur du bist. Wenn du deinen klaren Kopf, den du sonst an den Tag legst, nicht behalten kannst, werde ich Cerandin bitten, dir statt des einen, das ich beseitigt habe, zwei blaue Augen zu verpassen. Du hast mir noch nicht einmal daf�r gedankt. Jetzt leg dich schlafen!�</p><p>Nynaeve ri� emp�rt die Augen auf. Wenigstens wirkte sie jetzt nicht, als wolle sie gleich wieder in Tr�nen ausbrechen. Doch Elayne schlo� ihr die Augenlider einfach mit den Fingern. Es ging leicht, und trotz des gemurmelten Protests verfiel Nynaeve fast augenblicklich in das ruhige, gleichm��ige Atmen eines tiefen Schlafs.</p><p>Elayne t�tschelte Nynaeves Schulter, bevor sie sich wieder aufrichtete. Sie hoffte, die andere werde friedlich schlafen und vielleicht sogar von Lan tr�umen. Aber jedes bi�chen Schlaf, gleich wie unruhig, war jetzt besser als nichts. Sie unterdr�ckte ein G�hnen und beugte sich �ber Birgitte. Sie konnte jedoch nicht erkennen, ob die Gesichtsfarbe oder das Atmen der Frau nun einen besseren Eindruck machten. Sie konnte nichts anderes tun als warten und hoffen.</p><p>Der Lampenschein schien die beiden Frauen nicht im Schlaf zu st�ren, also lie� sie sie brennen und setzte sich auf den Boden zwischen die Betten. Das Licht half ihr sicherlich, wach zu bleiben. Sie wu�te eigentlich selbst nicht genau, warum sie unbedingt wach bleiben mu�te. Sie hatte doch, genau wie Nynaeve, alles getan, was ihr m�glich gewesen war. Unbewu�t lehnte sie sich an die Vorderwand des Wagens und ihr Kinn sank langsam auf die Brust herunter.</p><p>Ihr Traum war angenehm, wenn auch eigenartig. Rand kniete vor ihr, und sie legte ihm eine Hand auf den Kopf und band ihn als Beh�ter an sie. Einer ihrer Beh�ter. Nun w�rde sie sich f�r die Gr�nen entscheiden m�ssen, da sie ja auch noch Birgitte hatte. Es waren noch andere Frauen anwesend, deren Gesichter von einem Blick zum anderen wechselten: Nynaeve, Min, Moiraine, Aviendha, Berelain, Amathera, Liandrin, weitere, die sie nicht kannte. Wer sie auch waren � sie wu�te, da� sie ihn mit ihnen teilen mu�te, denn im Traum war sie sicher, da� Min das so gesehen hatte. Sie war sich ihrer eigenen Gef�hle den anderen gegen�ber nicht sicher. Ein paar waren dabei, denen sie am liebsten das Gesicht zerkratzt h�tte. Doch wenn das Muster es so wollte, dann w�rde es geschehen. Aber eines hatte sie den anderen bei ihm voraus, das sie nie kennen w�rden: die Bindung zwischen Beh�ter und Aes Sedai.</p><p>�Wo sind wir hier?� fragte Berelain mit rabenschwarzem Haar und so sch�n, da� Elayne am liebsten die Z�hne gefletscht h�tte. Die Frau trug das tief ausgeschnittene rote Kleid, das Nynaeve auf Lucas Wunsch anziehen sollte. Sie zog sich immer mehr aus als an. �Wach auf. Das ist doch nicht <emphasis>Tel'aran'rhiod.�</emphasis></p><p>Elayne fuhr hoch und sah, da� sich Birgitte �ber die Bettkante beugte und kraftlos nach ihrem Arm gegriffen hatte. Ihr Gesicht war viel zu bla� und feucht von Schwei�, als habe sie gerade heftiges Fieber �berwunden, doch der Blick aus ihren blauen Augen war klar und scharf auf Elaynes Gesicht gerichtet.</p><p>�Das ist nicht <emphasis>Tel'aran'rhiod.�</emphasis> Es war nicht als Frage gestellt, doch Elayne nickte best�tigend, und Birgitte sank mit einem langen Seufzer auf das Bett zur�ck. �Ich erinnere mich an alles�, fl�sterte sie. �Ich bin k�rperlich hier, und ich habe mein Erinnerungsverm�gen. Alles hat sich ge�ndert. Gaidal ist irgendwo dort drau�en � ein Baby oder vielleicht ein kleiner Junge. Und selbst wenn ich ihn finde, was wird er dann von einer Frau halten, die mehr als alt genug ist, um seine Mutter zu sein?� Sie rieb sich �rgerlich die Augen und knurrte: �Ich weine nicht. Ich weine niemals. Ich wei� es noch genau, das Licht helfe mir. Ich weine nie.�</p><p>Elayne richtete sich soweit auf, da� sie neben dem Bett der Frau kniete. �Du wirst ihn finden, Birgitte.� Sie sprach leise. Nynaeve schien nach wie vor tief zu schlafen. Ihr leises, schnarrendes Schnarchen war nicht zu �berh�ren. Aber sie ben�tigte auch dringend Ruhe. Es durfte jetzt nicht gleich wieder alles auf sie einst�rmen. �Irgendwie findest du ihn. Und er wird dich lieben. Ich wei� das.�</p><p>�Glaubst du, das sei das Wichtigste daran? Ich kann es schon ertragen, wenn er mich nicht liebt.� Ihre tr�nenglitzernden Augen straften ihre Worte L�gen. �Er wird mich brauchen, Elayne, und ich werde nicht dasein. Er zeigt immer mehr Mut, als gut f�r ihn ist. Ich mu� ihn bremsen und zur Vorsicht mahnen. Noch schlimmer: Er wird herumwandern, mich suchen, ohne zu wissen, wonach er eigentlich sucht und warum er sich so unausgef�llt und unvollst�ndig f�hlt. Wir sind immer zusammen, Elayne. Zwei H�lften eines Ganzen.� Die Tr�nen quollen nun doch heraus und rannen ihr �ber das Gesicht. �Moghedien sagte, sie werde daf�r sorgen, da� ich f�r immer weine, und sie...� Mit einemmal verzog sich ihre Miene, und sie schluchzte so bitterlich, da� ihr ganzer K�rper durchgesch�ttelt wurde.</p><p>Elayne nahm sie in die Arme und murmelte ihr tr�stende Worte zu, von denen sie wu�te, da� sie nutzlos waren. Wie w�rde sie sich f�hlen, wenn man ihr Rand wegn�hme? Der blo�e Gedanke daran reichte, um fast noch ihren Kopf an den Birgittes zu legen und mitzuweinen.</p><p>Sie wu�te nicht, wie lange Birgitte gebraucht hatte, um sich auszuweinen, aber schlie�lich schob sie Elayne weg und legte sich auf dem Bett zur�ck. Sie wischte sich die Tr�nen aus dem Gesicht. �Das habe ich noch nie gemacht, seit ich ein kleines Kind war. Nie!� Sie verdrehte den Kopf und runzelte die Stirn, als sie Nynaeve auf dem anderen Bett schlafen sah. �Hat Moghedien sie schlimm verwundet? Ich habe noch nie gesehen, wie jemand derart zusammengeschn�rt wurde, seit Tourag Mareesh nahm.� Elayne machte wohl eine verwirrte Miene, denn sie f�gte hinzu: �Das war in einem anderen Zeitalter. Ist sie verletzt?�</p><p>�Nicht schlimm. Eher ihr Stolz. Was du getan hast, hat ihr die Flucht erm�glicht, aber nur, nachdem...� Elayne brachte es nicht fertig, weiterzusprechen. Zu viele Wunden lagen einfach noch offen. �Sie gibt sich die Schuld. Sie glaubt... alles... sei ihre Schuld, weil sie dich um Hilfe gebeten hat.�</p><p>�H�tte sie mich nicht um Hilfe gebeten, w�rde ihr Moghedien jetzt beibringen, wie man sie am besten anbettelt. Sie ist genauso unvorsichtig wie Gaidal.� Birgittes trockene Bemerkung klang widersinnig, wenn man ihre feuchten Wangen sah. �Sie hat mich ja nicht an den Haaren in das alles hineingezogen. Wenn sie sich f�r die Folgen verantwortlich f�hlt, dann w�re sie auch verantwortlich f�r mein Handeln.� Nun klang sie beinahe erz�rnt. �Ich bin eine freie Frau, und ich wei� selbst, was ich tue. Sie hat nicht f�r mich entschieden.�</p><p>�Ich mu� schon sagen, du nimmst das besser auf, als... ich es tun w�rde.� Sie brachte nicht heraus: �besser als Nynaeve�. Das stimmte wohl, aber die andere Version war auch zutreffend.</p><p>�Ich sage immer, wenn du schon an den Galgen mu�t, rei� noch einen Witz f�r die Menge, gib dem Henker eine M�nze und la� dich mit einem L�cheln auf den Lippen fallen.� Birgittes L�cheln war allerdings eher grimmig. �Moghedien hat den Braten gerochen, aber mein Hals ist noch ganz. Vielleicht werde ich sie noch �berraschen, bevor alles vorbei ist.� Aus dem L�cheln wurde ein Stirnrunzeln, als sie Elayne musterte. �Ich kann... dich sp�ren. Ich glaube, ich k�nnte die Augen schlie�en und auf dich zeigen, auch wenn du eine Meile weit entfernt w�rst.�</p><p>Elayne atmete tief durch. �Ich habe dich als Beh�terin an mich gebunden�, sagte sie dann hastig. �Du lagst im Sterben, heilen mit Hilfe der Macht half nicht, und...� Die Frau sah sie an. Die Stirn hatte sie nicht mehr gerunzelt, doch ihre Augen blickten unangenehm scharf. �Es gab keine andere Wahl, Birgitte. Sonst w�rst du gestorben.�</p><p>�Eine Beh�terin�, sagte Birgitte ganz langsam. �Ich glaube, mich an eine Geschichte von einem weiblichen Beh�ter zu erinnern, aber das war in einem Leben vor so langer Zeit, da� ich die Einzelheiten vergessen habe.�</p><p>Es war Zeit, noch einmal tief Luft zu holen, und diesmal mu�te sie die Worte aus sich herauszwingen: �Es gibt noch etwas, das du wissen solltest. Du wirst fr�her oder sp�ter daraufkommen, und ich habe beschlossen, wenn es nicht unbedingt sein mu�, nichts vor Menschen zu verbergen, die ein Recht darauf haben, etwas Bestimmtes zu erfahren.� Ein dritter tiefer Atemzug. �Ich bin keine Aes Sedai. Ich bin nur eine Aufgenommene.�</p><p>Einen langen Augenblick �ber blickte die Frau mit dem goldenen Zopf zu ihr auf und dann sch�ttelte sie bed�chtig den Kopf. �Eine Aufgenommene. Ich wei� von einer Aufgenommenen w�hrend der Trolloc-Kriege, die einen Burschen an sich gebunden hat. Baraschelle h�tte am n�chsten Tag ihre Pr�fung zur Aes Sedai ablegen sollen und h�tte ganz sicher die Stola erhalten, aber sie f�rchtete, eine andere Frau, die ebenfalls die Pr�fung ablegen sollte, w�rde ihn vor ihr nehmen. W�hrend der Trolloc-Kriege erhob man die Frauen notwendigerweise so schnell wie m�glich.�</p><p>�Was geschah dann?� Elayne konnte sich die Frage nicht verkneifen. Baraschelle? Der Name kam ihr bekannt vor.</p><p>Birgitte erfa�te den Rand der Decke �ber ihrem Busen mit beiden H�nden, verschob den Kopf auf dem Kissen und machte eine sp�ttischmitf�hlende Miene. �Es versteht sich von selbst, da� man ihr nicht gestattete, die Pr�fung abzulegen, als es herauskam. Selbst die Notwendigkeit konnte einen solch groben Versto� nicht aufwiegen. Sie lie�en sie die Bindung an den armen Burschen aufl�sen und an eine andere weiterreichen, und um ihr Geduld beizubringen, hat man sie neben die K�chenm�gde und Spie�m�dchen in die K�che gesteckt. Wie ich h�rte, mu�te sie drei Jahre lang dort bleiben, und als sie schlie�lich die Stola erhielt, hat die Amyrlin selbst ihr einen Beh�ter ausgew�hlt, einen ledergesichtigen, sturen Mann namens Anselan. Ich habe sie ein paar Jahre sp�ter kennengelernt, und ich konnte nicht feststellen, wer von den beiden die Befehle erteilte. Ich glaube, Baraschelle war das auch nicht ganz klar.�</p><p>�Nicht gerade angenehm�, murmelte Elayne. Drei Jahre in der... Halt! Baraschelle und <emphasis>Anselan?</emphasis> Das konnte doch wohl nicht das gleiche Paar sein, denn in der Legende wurde nichts davon erw�hnt, da� Baraschelle eine Aes Sedai gewesen war. Doch andererseits hatte sie bereits zwei verschiedene Versionen gelesen, und Thom hatte eine dritte erz�hlt, und in allen hatte Baraschelle irgendeine langwierige und schwierige Aufgabe zu erledigen, um Anselans Liebe zu gewinnen. Zweitausend Jahre konnten eine Menge am Inhalt einer Legende �ndern.</p><p>�Nicht gerade angenehm�, stimmte Birgitte ihr zu, und mit einemmal wirkten ihre Augen in dem blassen Gesicht viel zu gro� und unschuldig. �Ich denke, da du ja willst, da� ich dein schreckliches Geheimnis wahre, wirst du mich nicht so schinden wie einige Aes Sedai ihre Beh�ter. Es w�re nicht gerade angenehm, wenn du mich dazu br�chtest, dein Geheimnis auszuplaudern, nur, um dir zu entkommen.�</p><p>Instinktiv ruckte Elaynes Kinn nach oben. �Das klingt aber sehr nach einer Drohung. Ich mag Drohungen nicht, weder von dir noch von anderen. Wenn du glaubst...�</p><p>Die Liegende packte sie am Arm und unterbrach sie. Ihr Griff war bereits deutlich kr�ftiger. Ihre Miene sagte eindeutig, da� es ihr leid tat. �Bitte. So habe ich es nicht gemeint. Gaidal behauptet, ich h�tte einen Sinn f�r Humor wie ein Stein, den man in einen Schojakreis wirft.� Bei der Erw�hnung von Gaidals Namen zog ein Schatten �ber ihr Gesicht, war aber sofort wieder verflogen. �Du hast mein Leben gerettet, Tochter-Erbin von Andor. Ich werde dein Geheimnis wahren und dir als Beh�terin dienen. Und als deine Freundin, wenn du das annimmst.�</p><p>�Ich werde stolz darauf sein, dich zur Freundin zu haben.� Ein Schojakreis? Sie w�rde ein andermal danach fragen. Birgitte war vielleicht nun kr�ftiger, brauchte aber Ruhe und keine Fragen. �Und als Beh�terin.� Es schien, sie m�sse tats�chlich die Gr�nen Ajah erw�hlen, denn von allem anderen abgesehen bot das die einzige M�glichkeit, Rand ebenfalls als Beh�ter an sich zu binden. Den Traum hatte sie noch ganz deutlich in Erinnerung, und sie hatte vor, ihn auf die eine oder andere Art von der Notwendigkeit dieser Bindung zu �berzeugen. �Vielleicht k�nntest du dich bem�hen, deinen Humor etwas... zur�ckzuhalten?�</p><p>�Ich werde mich bem�hen.� Birgitte sagte das so, als m�sse sie versuchen, einen Berg anzuheben. �Aber wenn ich schon deine Beh�terin bin, selbst im geheimen, werde ich dich sch�tzen m�ssen. Du kannst ja kaum noch die Augen offenhalten. Es ist h�chste Zeit, da� du schl�fst.� Elaynes Kinn ruckte genauso schnell nach oben wie ihre Augenbrauen, aber Birgitte lie� ihr keine Gelegenheit zum Sprechen. �Unter anderem ist es die Aufgabe eines Beh�ters, es seiner � ihrer � Aes Sedai zu sagen, wenn sie sich selbst zu r�cksichtslos vorantreibt. Und auch zur Vorsicht zu mahnen, wenn sie geradewegs in den Krater des Verderbens marschieren will. Und sie am Leben zu halten, damit sie tun kann, was sie vollbringen mu�. Ich werde all das f�r dich tun. F�rchte nie eine Gefahr in deinem R�cken, wenn ich bei dir bin, Elayne.�</p><p>Nun gut, sie brauchte wohl wirklich Schlaf, aber Birgitte noch mehr. Elayne d�mmte den Lampenschein ein wenig und sorgte daf�r, da� die Frau sich bequemer hinlegte und einschlief, allerdings erst, nachdem sie vor Birgittes Augen ein Kopfkissen und Decken zwischen den Betten auf den Boden gelegt hatte, um sich dort hinzulegen. Es hatte auch noch ein klein wenig Streit darum gegeben, wer auf dem Boden schlafen sollte, aber Birgitte war noch so schwach, da� Elayne keine gro�e M�he gehabt hatte, sie dazu zu bewegen, im Bett zu bleiben. Nun, nicht allzu viel M�he jedenfalls. Wenigstens wurde Nynaeves leises Schnarchen nicht unterbrochen.</p><p>Sie schlief allerdings nicht gleich ein, was immer sie Birgitte versprochen hatte. Die Frau konnte ja ihre Nase nicht au�erhalb des Wagens zeigen, solange sie nichts zum Anziehen hatte, und sie war gr��er als Elayne und Nynaeve. So setzte sich Elayne zwischen die Betten und begann, den Saum an ihrem dunkelgrauen Reitkleid herauszulassen. Am Morgen w�rde kaum noch Zeit bleiben, mehr als eine schnelle Anprobe zu versuchen und den neuen Saum abzun�hen. Doch der Schlaf �berw�ltigte sie, als sie noch nicht einmal die H�lfte des Saums herausgetrennt hatte.</p><p>Wieder tr�umte sie davon, Rand als Beh�ter an sich zu binden, und zwar mehr als einmal. Manchmal kniete er freiwillig vor ihr nieder, und manchmal mu�te sie es auf die gleiche Weise tun wie bei Birgitte und schlich sich sogar in sein Schlafzimmer, w�hrend er schlief. Nun geh�rte auch Birgitte zu den anderen Frauen in ihren Tr�umen. Dagegen hatte Elayne nicht <emphasis>zuviel</emphasis> einzuwenden. Nicht bei ihr oder Min oder Egwene oder Aviendha oder Nynaeve, obwohl sie sich nicht vorstellen konnte, was Lan bei letzterer dazu sagen w�rde. Bei den anderen aber... Sie hatte im Traum gerade Birgitte, die den farbver�ndernden Umhang eines Beh�ters trug, befohlen, Berelain und Elaida f�r drei Jahre in die K�che zu verfrachten, als die beiden Frauen pl�tzlich auf sie einzuschlagen begannen. Sie erwachte, und stellte fest, da� Nynaeve �ber sie hinweggestiegen war, um zu Birgitte zu gelangen und nachzusehen, wie es ihr gehe. Hinter den kleinen Fenstern zeigte sich das typische Grau vor Beginn der Morgend�mmerung.</p><p>Birgitte erwachte und behauptete gleich, sie sei wieder so kr�ftig wie immer und au�erdem m�rderisch hungrig. Elayne wu�te nicht, ob Nynaeve ihren Anfall von Selbstvorw�rfen mittlerweile �berwunden hatte. Sie rang nicht mehr die H�nde und sprach auch nicht weiter dar�ber, aber w�hrend Elayne sich Gesicht und H�nde wusch und dabei Birgitte ihren Aufenthalt bei der Menagerie erkl�rte und warum sie noch eine Weile dabeibleiben mu�ten, sch�lte und entsteinte Nynaeve schnell ein paar rote Birnen und gelbe Apfel, schnitt K�sescheiben ab und reichte Birgitte alles auf einem Teller. Dazu bekam sie etwas verd�nnten, mit Honig ges��ten und gew�rzten Wein. Sie h�tte die Frau auch noch gef�ttert, wenn Birgitte dies zugelassen h�tte. Dann f�rbte Nynaeve Birgittes Haar, bis es so schwarz war wie das Elaynes, die mittlerweile auch ihres nachgef�rbt hatte. Anschlie�end opferte Nynaeve noch ihre besten Str�mpfe und ein Unterhemd und wirkte entt�uscht, als ein Paar von Elaynes Schuhen Birgitte besser pa�ten als ihre. Sobald Birgittes Haar mit einem Handtuch getrocknet und der Zopf wieder geflochten war, half sie ihr in das graue Seidenkleid hinein. An H�ften und Busen mu�te es noch etwas erweitert werden, doch das mu�te warten. Sie wollte sogar selbst den Saum nachn�hen, doch Elaynes ungl�ubiger Blick veranla�te sie, sich schnell zu ihrer eigenen Morgentoilette zur�ckzuziehen. Als sie sich das Gesicht wusch, knurrte sie vor sich hin, da� sie genauso gut n�hen k�nne wie jede andere. Wenn sie denn wollte.</p><p>Als sie schlie�lich nach drau�en gingen, sp�hte die Sonne bereits mit ihrem oberen Rand �ber die B�ume im Osten. In diesem Moment zumindest war es noch ein sch�ner Tag. Keine Wolke stand am Himmel, und am Mittag w�rde es wieder hei� und knochentrocken sein. Thom und Juilin spannten das Gespann vor den Wagen, und im ganzen Lager herrschte lebhaftes Treiben und Aufbruchstimmung. Schmoller war bereits gesattelt, und Elayne nahm sich vor, heute selbst zu reiten, bevor einer der M�nner den Sattel in Besitz nehmen w�rde. Aber selbst, wenn ihr Thom oder Juilin zuvork�men, w�re sie nicht zu sehr entt�uscht. Dazu war sie zu aufgeregt. Heute nachmittag w�rde sie zum erstenmal vor Publikum auf dem Hochseil arbeiten. Das Kost�m, das ihr Luca gezeigt hatte, machte sie wohl etwas nerv�s, doch sie jammerte deswegen nicht wie Nynaeve.</p><p>Luca selbst schritt schnell durch das Lager. Der rote Umhang flatterte hinter ihm her. Er hetzte die Leute herum und schrie v�llig �berfl�ssige Befehle. �Latelle, pa� auf diese verdammten B�ren auf! Ich will, da� sie auf den Beinen sind und brummen, wenn wir durch Samara fahren! Clarine, pa� diesmal besser auf die Hunde auf! Wenn wieder einer von ihnen hinter einer Katze herjagt... Brugh, du und deine Br�der werden Eure Kunstst�cke nur vor meinem Wagen zeigen, ja? Nur <emphasis>davor.</emphasis> Das soll ein prunkvoller Wagenzug werden und keine Hetzjagd, um festzustellen, welcher von Euch am schnellsten �berschl�ge r�ckw�rts vorf�hren kann! Cerandin, halte diese Keilerpferde zur�ck. Ich will, da� die Leute vor Staunen nach Luft schnappen und nicht vor Angst davonlaufen!�</p><p>Er blieb an ihrem Wagen stehen und blickte Nynaeve und Elayne finster an. Auch Birgitte warf er einen d�steren Blick zu. �Wie gro�z�gig von Euch, Euch zu entschlie�en, doch mit uns zu kommen, Frau Nana, meine Lady Morelin. Ich hatte geglaubt, Ihr wolltet bis zum Mittag schlafen.� Er nickte in Richtung Birgitte. �Habt Ihr ein wenig mit jemanden von der anderen Seite des Flusses getratscht, ja? Also, jetzt haben wir keine Zeit mehr f�r Besucher. Ich will bis zum Mittag aufgebaut haben und die erste Vorf�hrung beginnen.�</p><p>Nynaeve wurde von seinem Redeschwall zuerst �berrollt, aber bereits beim Ende seines zweiten Satzes blickte sie ihm erz�rnt in die Augen. Wie entschuldigend sie sich auch Birgitte gegen�ber verhielt, hinderte sie offensichtlich nichts daran, an anderen ihre schlechte Laune auszulassen. �Wir sind genauso schnell wie alle anderen fertig, und das wi�t Ihr recht gut, Valan Luca. Au�erdem spielen ein oder zwei Stunden sowieso keine Rolle. Auf der anderen Seite des Flusses sind so viele Menschen versammelt, da� schon mehr zu Eurer Vorf�hrung kommen, als Ihr euch je ertr�umt habt, wenn nur jeder hundertste dort erscheint. Wenn wir uns entschlie�en, in aller Ruhe zu fr�hst�cken, werdet Ihr gef�lligst D�umchen drehen und abwarten. Ihr werdet niemals bekommen, was Ihr wollt, wenn Ihr uns zur�ckla�t.�</p><p>Das war wohl der deutlichste Hinweis auf die versprochenen hundert Goldmark, den sie bisher hatte fallenlassen, aber ausnahmsweise einmal zeigte er keine Wirkung. �So viele Menschen? So viele Menschen, ha! Die Menschen m�ssen angelockt werden, Frau! Chin Akima befindet sich bereits seit drei Tagen an diesem Ort, und er hat einen Burschen, der mit Schwertern und �xten jongliert! Und neun Akrobaten! Neun! Und irgendeine Frau, von der ich noch nie geh�rt habe, hat zwei weibliche Akrobaten, die Sachen am Schlappseil vollf�hren, da� den Chavanas die Augen herausfallen werden! Ihr glaubt gar nicht, welche Mengen die anziehen. Sillia Cerano hat M�nner, die ihre Gesichter wie Hofnarren geschminkt haben, die sich gegenseitig mit Wasser bespritzen und sich mit aufgeblasenen Rinderblasen �ber die K�pfe hauen, und die Leute zahlen noch mal extra einen Silberpfennig, um das zu sehen!� Mit einemmal zogen sich seine Augen zusammen und seine Aufmerksamkeit konzentrierte sich auf Birgitte. �W�rt Ihr gewillt, Euch das Gesicht zu schminken? Sillia hat unter ihren Narren keine einzige Frau. Ein paar der Pferdeknechte w�rden durchaus mitmachen. Es tut nicht weh, wenn man mit einer aufgeblasenen Rinderblase geschlagen wird, und ich zahle Euch... � Er schwieg und kalkulierte offensichtlich, denn es fiel ihm genauso schwer wie Nynaeve, sich von Geld zu trennen. Birgitte sprach in sein Schweigen hinein: �Ich bin kein Hofnarr und werde auch keinen spielen. Ich bin Bogensch�tzin.�</p><p>�So, so, eine Bogensch�tzin�, murmelte er und be�ugte den kunstvoll geflochtenen schwarzen Zopf, der ihr �ber die linke Schulter nach vorn hing. �Und ich sch�tze, Ihr nennt Euch auch noch Birgitte. Was seid Ihr? Einer dieser Narren auf der Jagd nach dem Horn von Valere? Selbst wenn es das Ding �berhaupt gibt, wieviel besser sind dann Eure Chancen, es zu finden, gegen�ber all den anderen? Ich war in Illian, als die J�gereide abgelegt wurden, und es standen Tausende auf dem Gro�en Platz des Tammaz herum. Wenn es Euch um <emphasis>erreichbaren</emphasis> Ruhm geht, was k�nnte dann ruhmreicher sein als der Applaus... �</p><p>�Ich bin Bogensch�tzin, h�bscher Mann�, unterbrach ihn Birgitte energisch. �Bringt mir einen Bogen, und ich beweise Euch, da� ich besser schie�e als Ihr oder irgend jemand, den Ihr mir benennt. Ich wette hundert Goldkronen gegen eine von Euch.� Elayne erwartete einen emp�rten Aufschrei Nynaeves, denn sie w�rden letzten Endes die Wette bezahlen m�ssen, falls Birgitte verlor. Auch wenn diese behauptete, wieder die alte zu sein, glaubte Elayne nicht, da� sie sich vollst�ndig erholt habe. Doch Nynaeve schlo� nur kurz die Augen und atmete tief und langgezogen durch.</p><p>�Frauen!� grollte Luca. Thom und Juilin wirkten dagegen nicht, als stimmten sie ihm bei. �Ihr pa�t sehr gut zu <emphasis>Lady</emphasis> Morelin und Nana, oder wie auch immer sie hei�en m�gen.� Er schwenkte mit grandioser Geste seinen Umhang herum, wohl, um auf das Durcheinander von Menschen und Pferden hinzuweisen. �Es mag Euren scharfen Augen entgangen sein, <emphasis>Birgitte,</emphasis> aber ich mu� mit einer ganzen Truppe aufbrechen, und meine Rivalen ziehen den Leuten in Samara bereits wie die Taschendiebe die M�nzen aus den Taschen.�</p><p>Birgitte l�chelte, wobei sich lediglich ihre Lippen leicht verzogen. �Habt Ihr Angst, h�bscher Mann? Wir k�nnen Euren Einsatz auch auf einen Silberpfennig beschr�nken.�</p><p>Elayne hielt es f�r m�glich, da� Luca einem Erstickungsanfall nahe war, so, wie sich sein Gesicht verf�rbte. Sein Hals wirkte pl�tzlich zu dick f�r seinen Kragen. �Ich werde meinen Bogen holen�, zischte er beinahe. �Ihr k�nnt die hundert Mark abarbeiten, indem Ihr euer Gesicht als Narr schminkt oder meinetwegen auch die K�fige s�ubert!�</p><p>�Bist du sicher, da� es dir schon wieder gut genug geht?� fragte Elayne Birgitte, als er unter m�rrischen Selbstgespr�chen davonstolzierte. Das einzige verst�ndliche Wort war die st�ndige Wiederholung �Frauen!� Nynaeve blickte die Frau mit dem Zopf an, als w�nsche sie, da� sich der Boden �ffne und sie � sie selbst, nicht Birgitte � verschl�nge. Aus irgendeinem Grund hatten sich einige der Pferdeknechte um Thom und Juilin versammelt.</p><p>�Er hat h�bsche Beine�, sagte Birgitte, �aber mir haben gro�e M�nner noch nie gefallen. Wenn sie auch noch ein h�bsches Gesicht haben, sind sie meist unertr�glich.�</p><p>Petra hatte sich der M�nnergruppe angeschlossen. Er war doppelt so breit gebaut wie die anderen. Er sagte irgend etwas und sch�ttelte dann Thom die Hand. Auch die Chavanas waren nun dort. Und Latelle. Sie unterhielt sich ernsthaft mit Thom, w�hrend sie Seitenblicke auf Nynaeve und die beiden Frauen an ihrer Seite abscho�. Als schlie�lich Luca mit einem unbespannten Bogen und einem K�cher voll Pfeilen zur�ckkehrte, waren wohl alle Vorbereitungen abgeschlossen. Die Wagen, die Pferde und die K�fige, selbst die Keilerpferde: alles war verlassen. Die Leute dr�ngten sich s�mtlich um Thom und den Diebf�nger. Sie folgten ihnen, als Luca sie ein kleines St�ck Wegs aus dem Lager hinausf�hrte.</p><p>�Man sagt, ich sei ein recht guter Sch�tze�, sagte er und schnitzte ein Kreuz in Brusth�he � seiner Brust nat�rlich �in den Stamm einer hohen Eiche. Er hatte einiges von seiner Unbek�mmertheit zur�ckgewonnen und schritt mit angeberischem H�ftschwung f�nfzig Schritt ab. �Ich tue den ersten Schu�, damit Ihr seht, wem Ihr gegen�bersteht.�</p><p>Birgitte nahm ihm einfach den Bogen aus der Hand und ging noch mal f�nfzig Schritt weiter, w�hrend er ihr verbl�fft nachblickte. Sie sch�ttelte den Kopf, als sie den Bogen n�her betrachtete, st�tzte ihn dann aber auf ihren Fu� und bespannte ihn mit einer geschmeidigen Bewegung, bevor Luca mit Elayne und Nynaeve im Schlepptau bei ihr war. Birgitte zog einen Pfeil aus dem K�cher, den er in der Hand hielt, betrachtete ihn einen Moment lang kritisch und warf ihn weg wie Abfall. Luca runzelte die Stirn und �ffnete den Mund, doch da warf sie bereits den n�chsten weg. Drei weitere flogen auf den mit abgestorbenen Bl�ttern bedeckten Boden, bevor sie endlich einen mit der Spitze neben sich in die lockere Erde steckte. Von einundzwanzig behielt sie schlie�lich nur vier.</p><p>�Sie kann es schaffen�, fl�sterte Elayne und bem�hte sich, in ihrer Stimme eine Gewi�heit mitschwingen zu lassen, die sie nicht empfand. Wenn sie hundert Goldkronen zahlen mu�ten, w�rde es bald notwendig sein, den Schmuck zu verkaufen, den sie von Amathera erhalten hatten. Ihre Kreditbriefe waren praktisch nutzlos, wie sie Nynaeve erkl�rt hatte, denn ihr Gebrauch w�rde Elaida schnell Hinweise darauf liefern, wo sie sich aufgehalten hatten oder noch aufhielten. <emphasis>H�tte ich nur zur Zeit etwas gesagt, dann w�re es nicht soweit gekommen. Als meine Beh�terin mu� sie schlie�lich tun, was ich verlange. Oder?</emphasis> Soweit sie das allerdings im Moment beurteilen konnte, geh�rte Gehorsam nicht zu Birgittes Gepflogenheiten. Hatten diese Aes Sedai, deren Bindungsgebung sie heimlich beobachtet hatte, die M�nner auch einen Eid ablegen lassen? Jetzt, da ihr dieser Gedanke kam, glaubte sie sich an einen solchen Fall erinnern zu k�nnen.</p><p>Birgitte legte einen Pfeil auf, hob den Bogen und lie� den Pfeil abzischen, scheinbar ohne �berhaupt zu zielen. Elayne verzog schmerzhaft das Gesicht, doch die Stahlspitze schlug genau in der Mitte des geschnitzten Kreuzes ein, wo das wei�e Holz des Baums aufleuchtete. W�hrend er noch zitterte, schlug der zweite genau daneben ein, wobei er den ersten gerade ber�hrte. Dann wartete Birgitte einen Augenblick ab, aber nur, damit die beiden Pfeile ganz ruhig steckten. Die Zuschauer schnappten nach Luft, als ihr dritter Pfeil den ersten <emphasis>spaltete,</emphasis> aber das war noch nichts gegen das ehrf�rchtige Schweigen, als der letzte auch den �brigen Pfeil genauso sauber in zwei H�lften auseinanderklaffen lie�. Einer h�tte ja noch Zufall sein k�nnen. Aber alle beide...</p><p>Luca fielen fast die Augen aus dem Kopf. Mit offenstehendem Mund starrte er erst den Baum an, dann Birgitte, dann noch mal den Baum und wieder die Frau. Sie reichte ihm den Bogen, doch er sch�ttelte nur schwach den Kopf.</p><p>Pl�tzlich warf er den K�cher weg und breitete mit einem beinahe gl�cklichen Aufschrei die Arme aus �Keine Messer! Pfeile! Aus hundert Schritt Entfernung!�</p><p>Nynaeve sackte gegen Elayne, als der Mann erkl�rte, was er vorhatte, doch sie gab nicht einmal den Anflug eines Protestes von sich. Thom und Juilin sammelten Geld ein. Die meisten reichten ihnen ihre M�nzen seufzend oder auch lachend, aber Juilin mu�te Latelle am Arm packen, als sie sich zu dr�cken versuchte. Dann sagte er ihr ein paar zornige Worte und sie kramte M�nzen aus ihrer Tasche. Also das war die Erkl�rung f�r ihre vorherige Aktivit�t. Sie w�rde ein W�rtchen mit ihnen reden m�ssen. Jedoch erst sp�ter. �Nana, du mu�t aber nicht mitmachen.� Die Frau sah lediglich Birgitte mit gehetzt wirkendem Blick an.</p><p>�Unser Einsatz?� fragte Birgitte, als Luca endlich schwieg. Er verzog das Gesicht und angelte dann langsam in seiner Tasche nach einer M�nze, die er ihr zuwarf. Elayne sah Gold im Sonnenschein aufblitzen, als Birgitte sie anschaute. Dann warf sie die M�nze zur�ck. �Wir haben um einen Silberpfennig gewettet, was Euch betraf.�</p><p>Luca ri� verbl�fft die Augen auf, aber schon im n�chsten Moment lachte er wieder und dr�ckte ihr die Goldkrone in die Hand zur�ck. �Ihr seid jede Kupferm�nze davon wert! Was sagt man dazu? Also, selbst die K�nigin von Ghealdan w�rde vielleicht kommen, um eine solche Vorf�hrung zu sehen! Birgitte und ihre Pfeile. Wir werden Pfeile und Bogen silbern bemalen!�</p><p>Verzweifelt w�nschte sich Elayne, Birgitte w�rde sie ansehen, damit sie ihr ein Zeichen geben konnte. Bei dem, was der Mann vorschlug, konnten sie ja gleich ein Hinweisschild f�r Moghedien aufstellen.</p><p>Aber Birgitte lie� lediglich die M�nze in ihrer Hand auf und ab h�pfen und grinste. �Die Farbe w�rde einen sowieso schon sch�bigen Bogen ganz ruinieren�, sagte sie schlie�lich. �Und nennt mich Maerion. So hat man mich schon fr�her einmal genannt.� Sie st�tzte sich auf den Bogen und ihr L�cheln wurde noch breiter. �Kann ich auch ein rotes Kleid haben?�</p><p>Elayne atmete tief und erleichtert auf. Nynaeve sah aus, als m�sse sie sich �bergeben.</p></section><section><title><p>37</p><p>Auftritt in Samara</p></title><p>Zum � wie es ihr schien � hundertstenmal ergriff Nynaeve eine ihrer Locken, blickte sie an und seufzte. Durch die d�nnen Holzw�nde des Wohnwagens drang unaufh�rliches Gemurmel und Gel�chter aus Hunderten, wenn nicht gar Tausenden von Kehlen und ferne Musik, die von dem Volksgemurmel fast ganz �bert�nt wurde. Sie hatte gewi� nichts dagegen einzuwenden gehabt, die Parade durch die Stra�en Samaras mit Elayne im Wohnwagen zu erleben. Gelegentliche Blicke durch die Fenster hatten ihr klargemacht, da� sie sich lieber nicht drau�en in dieser dichtgedr�ngten, schreienden Menge befinden wolle, die den Wagen kaum Platz machte. Doch jedesmal, wenn sie ihre kupferroten Locken musterte, w�re es ihr lieber gewesen, zusammen mit den Chavanas vor dieser Menschenmenge �berschl�ge zu vollf�hren, als diese neue Haarfarbe.</p><p>Sie schlang ihren einfach gewebten, dunkelgrauen Schal um sich, wandte sich zur T�r und erschrak, als pl�tzlich Birgitte dort stand. Die Frau hatte sich w�hrend der gro�en Parade in Clarines und Petras Wagen aufgehalten. Clarine �nderte f�r sie n�mlich ein rotes Ersatzkleid, das auf Lucas Wunsch hin f�r Nynaeve angefertigt worden war. Luca hatte �brigens Clarine diese Anweisung erteilt, bevor Nynaeve �berhaupt davon wu�te, geschweige denn zustimmte. Birgitte trug nun dieses Kleid. Den schwarzgef�rbten Zopf hatte sie �ber die Schulter nach vorn gezogen, damit er zwischen ihren Br�sten lag. Sie schien sich des tiefen Ausschnitts gar nicht bewu�t zu sein. Ein Blick auf sie gen�gte, und Nynaeve zog den Schal enger um sich zusammen. Birgitte durfte nicht einmal eine fingernagelbreite Spur mehr von ihrem bleichen Busen zeigen, wenn sie �berhaupt noch den geringsten Anspruch auf Anstand erheben wollte. Auch so war dieser Anspruch mehr eine Ausrede und h�chstens einen Lacher wert. Wenn sie die andere ansah, zog sich Nynaeves Magen zusammen, allerdings nicht des Kleides und der entbl��ten Haut wegen.</p><p>�Wenn du schon das Kleid tr�gst, warum bedeckst du dich dann?� Birgitte trat ein und schlo� die T�r hinter sich. �Du bist eine Frau. Warum zeigst du nicht, da� du stolz darauf bist?�</p><p>�Wenn Ihr meint, dann lasse ich es eben�, erwiderte Nynaeve z�gernd und lie� langsam den Schal bis zu den Ellbogen herunterrutschen, wobei sie das Ebenbild des Kleids der anderen enth�llte. Sie f�hlte sich beinahe nackt. �Ich dachte nur... Ich dachte...� Sie packte den Seidenrock, um die H�nde still halten zu k�nnen, und bem�hte sich, der anderen ruhig in die Augen zu blicken. So fiel es ihr leichter bei dem st�ndigen nagenden Bewu�tsein, da� sie genau das gleiche trug.</p><p>Birgitte verzog das Gesicht. �Und wenn ich verlange, da� du den Ausschnitt noch zwei Fingerbreit tiefer machst?�</p><p>Nynaeve �ffnete den Mund, wobei sie so rot anlief wie ihr Kleid, aber im Augenblick bekam sie kein Wort heraus. Als es ihr schlie�lich gelang, klang es, als sei jemand dabei, sie zu erw�rgen. �Da gibt es keinen einzigen Fingerbreit, um den man den Ausschnitt noch vertiefen k�nnte. Nicht einmal ein Zehntel davon!�</p><p>Drei kurze Schritte, und Birgitte brachte ihr Gesicht mit heftig gerunzelter Stirn ganz nahe an das Nynaeves heran. �Und wenn ich verlange, da� du es doch um diese beiden Fingerbreit tiefer machst?� fauchte sie und zeigte ihre wei�en Z�hne. �Was, wenn ich dir das Gesicht anmalen w�rde, damit Luca seinen weiblichen Narren bekommt? Was, wenn ich dich ganz ausz�ge und von Kopf bis Fu� bemalte? Dann w�rdest du erst ein gutes Ziel abgeben! Jeder Mann innerhalb von f�nfzig Meilen w�rde kommen, um dich zu sehen!�</p><p>Nynaeves Mund bewegte sich zwar, aber diesmal brachte sie nicht einen einzigen Laut heraus. Sie h�tte am liebsten die Augen geschlossen. Wenn sie sie dann wieder �ffnete, w�re dies alles vielleicht gar nicht geschehen.</p><p>Mit angeekeltem Kopfsch�tteln setzte sich Birgitte auf eines der Betten, einen Ellbogen auf ein Knie gest�tzt, und blickte Nynaeve scharf mit ihren blauen Augen an. �Das mu� aufh�ren. Wenn ich dich ansehe, zuckst du zusammen. Du rennst herum und bedienst mich von vorn bis hinten. Wenn ich mich nach einem Hocker umsehe, holst du einen. Wenn ich mir die Lippen lecke, dr�ckst du mir einen Becher Wein in die H�nde, bevor ich selbst wei�, ob ich �berhaupt Durst habe. Wenn ich dich lie�e, w�rdest du mir den R�cken waschen und die Schuhe anziehen. Ich bin weder ein Ungeheuer, noch ein Invalide oder ein Kind, Nynaeve!�</p><p>�Ich versuche nur, etwas wiedergutzumachen, das...�, setzte sie sch�chtern an, und dann fuhr sie gewaltig zusammen, als die andere losbr�llte: �Wiedergutmachen?</p><p>Du versuchst, mich zu erniedrigen!�</p><p>�Nein. Nein, das stimmt wirklich nicht! Es ist meine Schuld gewesen... �</p><p>�Du �bernimmst die Verantwortung f�r mein Tun�, unterbrach Birgitte sie aufgebracht. <emphasis>�Ich</emphasis> habe beschlossen, in <emphasis>Tel'aran'rhiod</emphasis> mit dir zu sprechen! <emphasis>Ich</emphasis> habe beschlossen, dir zu helfen! <emphasis>Ich</emphasis> habe beschlossen, Moghedien aufzusp�ren. Und <emphasis>ich</emphasis> habe beschlossen, dich mitzunehmen, damit du sie sehen konntest. <emphasis>Ich!</emphasis> Nicht du, Nynaeve, sondern <emphasis>ich!</emphasis> Ich war keineswegs deine Marionette oder dein Sp�rhund, und die Rolle werde ich auch jetzt nicht spielen!�</p><p>Nynaeve hatte schwer daran zu schlucken, und ihre H�nde verkrampften sich in den Rock. Sie hatte kein Recht dazu, auf diese Frau b�se zu sein. �berhaupt kein Recht. Aber Birgitte schon. �Ihr habt getan, worum ich Euch bat. Es ist mein Fehler, da� Ihr... da� Ihr euch hier befindet. Es ist alles meine Schuld!�</p><p>�Habe ich von irgendeiner Schuld gesprochen? Nur M�nner und ausgesprochen dumme M�dchen suchen eine Schuld, wo es gar keine gibt, und du bist weder das eine noch das andere. Au�erdem sprich mich bitte mit �du� an und la� dieses steife �Ihr� und �Euch�.�</p><p>�Mein t�richter Stolz hat mich glauben lassen, ich k�nne sie noch einmal besiegen, und meine Feigheit hat dazu gef�hrt... dazu gef�hrt... Wenn ich mir nicht vor Angst beinahe in die W�sche gemacht h�tte, h�tte ich rechtzeitig etwas unternehmen k�nnen.�</p><p>�Du und ein Feigling?� Birgitte hatte in offener Ungl�ubigkeit die Augen aufgerissen, und ihr Tonfall grenzte schon an Verachtung. �Du? Ich dachte, du h�ttest mehr Verstand im Kopf, um Furcht mit Feigheit zu verwechseln. Du h�ttest aus <emphasis>Tel'aran'rhiod</emphasis> fliehen k�nnen, nachdem Moghedien dich loslassen mu�te, doch du bist geblieben, um zu k�mpfen. Es ist gewi� nicht deine Schuld, da� es nicht ging.� Sie holte tief Luft und rieb sich einen Augenblick lang �ber die Stirn. Dann beugte sie sich wieder voll Eindringlichkeit nach vorn. �H�r mir gut zu, Nynaeve. Ich �bernehme keine Verantwortung f�r das, was dir angetan wurde. Ich habe zwar zugesehen, konnte mich aber nicht r�hren. H�tte Moghedien dich verknotet oder wie einen Apfel gesch�lt, tr�ge ich trotzdem keine Verantwortung. Ich tat, was ich konnte, und zu der Zeit, als ich konnte. Und du hast genau dasselbe getan.�</p><p>�Es war nicht dasselbe.� Nynaeve bem�hte sich, weniger hitzig zu sprechen. �Es war meine Schuld, da� Ihr � du � dich dort befunden hast. Und meine Schuld, da�... du jetzt hier bist. Wenn du...� Sie hielt inne und schluckte erstmal wieder. �Falls du... einen Fehlschu� tust, wenn du heute bei der Vorf�hrung auf mich schie�t, dann sollst du wissen, da� ich es verstehe.�</p><p>�Ich treffe immer das, worauf ich ziele�, sagte Birgitte trocken, �und ich werde nicht auf dich zielen.� Sie begann damit, Gegenst�nde aus einer der Kommoden zu nehmen und auf den kleinen Tisch zu legen: halbfertige Pfeile, abgeschnittene Pfeilsch�fte, st�hlerne Pfeilspitzen, ein Steingutgef�� mit Leim, eine Rolle feinen Fadens, graue G�nsefedern f�r die Pfeilenden. Sie hatte gesagt, sie werde sich auch einen eignen Bogen anfertigen, sobald sie dazu k�me. Lucas Bogen bezeichnete sie als �einen verknorzten Zweig von einem verkr�ppelten Baum, den ein blinder Idiot mitten in der Nacht abgebrochen habe�. �Ich habe dich gern gehabt, Nynaeve�, sagte sie, w�hrend sie alles auslegte. �Mit all deinen Mucken und Dornen. Aber so, wie du jetzt bist, mag ich dich nicht mehr...�</p><p>�Du hast ja auch keinen Grund mehr, mich zu m�gen�, sagte Nynaeve gedr�ckt, aber die andere Frau fuhr ihr gleich �ber den Mund, ohne aufzublicken: �... und ich werde dir nicht gestatten, mich zu erniedrigen, meine Entscheidungen zu erniedrigen, indem <emphasis>du</emphasis> die Verantwortung daf�r �bernimmst. Ich habe im Laufe der Zeit nur wenige Freundinnen gehabt, und die meisten davon hatten Launen wie die Schneegeister.�</p><p>�Ich w�nschte, du k�nntest wieder meine Freundin sein.� Was beim Licht war ein Schneegeist? Zweifellos etwas aus einem anderen Zeitalter. �Ich w�rde niemals versuchen, dich zu erniedrigen, Birgitte. Ich habe nur... �</p><p>Birgitte achtete gar nicht weiter auf sie, erhob aber die Stimme. Ihre Aufmerksamkeit schien ganz den Pfeilsch�ften zu gelten. �Ich w�rde dich auch gern wieder m�gen k�nnen, ob du das nun erwiderst oder nicht, aber das geht erst dann, wenn du wieder du selbst bist. Wenn du eine honigs��e Kriecherin w�rst, k�nnte ich damit leben. Ich nehme die Menschen, wie sie sind, und nicht, wie ich sie gerne sehen w�rde, sonst verlasse ich sie. Aber du bist nicht so und ich akzeptiere deine Gr�nde nicht, aus denen du dich so benimmst. Also. Clarine hat mir von deiner Auseinandersetzung mit Cerandin erz�hlt. Jetzt wei� ich, was ich beim n�chstenmal tun werde, wenn du die Verantwortung f�r <emphasis>meine</emphasis> Entscheidungen �bernimmst.� Sie lie� einen Eschenschaft durch die Luft sausen und auf den Tisch knallen. �Ich bin sicher, Latelle wird mir nur zu gern eine Rute f�r dich besorgen.�</p><p>Nynaeve zwang ihre Kiefer dazu, sich wieder zu entspannen, und bem�hte sich, so verbindlich wie m�glich zu sprechen: �Du hast absolut das Recht, mit mir zu machen, was du willst.� Die in ihren Rock verkrampften F�uste bebten mehr als ihre Stimme dabei.</p><p>�Zeigt sich da doch ein wenig Zorn? Nur so am Rande?� Birgitte grinste sie an, gleichzeitig belustigt und �berraschend wild. �Wie lange braucht er, um voll auszubrechen? Ich bin gewillt, jede beliebige Anzahl von Ruten an dir kaputtzuschlagen, falls es notwendig ist.� Das Grinsen verflog und machte Ernsthaftigkeit Platz. �Entweder schaffe ich es, da� du einsiehst, wie recht ich habe, oder ich jage dich davon. Eines oder das andere. Ich kann und werde Elayne nicht verlassen. Diese Bindung ehrt mich, und ich werde sie zu ehren wissen. Und ich werde dir nicht gestatten, zu glauben, da� <emphasis>du</emphasis> meine Entscheidungen triffst oder trafst. Ich bin ich selbst und nicht dein Anh�ngsel. Jetzt geh. Ich mu� diese Pfeile fertig bekommen, wenn ich wenigstens ein paar haben will, die richtig geradeaus fliegen. Ich habe nicht vor, dich umzubringen, und ich will auch nicht, da� so etwas durch Zufall passiert.� Sie nahm den Deckel vom Leimtopf und beugte sich �ber den Tisch. �Vergi� nicht, wie ein braves M�dchen zu knicksen, wenn du gehst.�</p><p>Nynaeve schaffte es bis zum Fu� der Treppe, bevor sie sich w�tend mit der Faust gegen die H�fte schlug. Wie konnte diese Frau so mit ihr sprechen? Glaubte sie vielleicht, sie k�nne so einfach...? Glaubte sie, Nynaeve w�rde sich das gefallen lassen und...? <emphasis>Ich dachte, sie k�nne alles mit dir machen,</emphasis> fl�sterte eine kleine Stimme in ihrem Hinterkopf. <emphasis>Ich sagte, sie k�nne mich umbringen,</emphasis> fauchte sie zur�ck, <emphasis>aber nicht dem�tigen!</emphasis> Noch eine Weile, und <emphasis>jede</emphasis> w�rde ihr mit dieser verdammten Seanchanfrau drohen!</p><p>Die Wagen standen leer und verlassen da. Nur ein paar nachl�ssig gekleidete Pferdeknechte standen als Wachen an der Zeltplane, die Luca wie einen Zaun um den Vorf�hrplatz herum hatte spannen lassen. Von dieser gro�en, braun versengten Grasfl�che, eine halbe Meile von Samara entfernt, war die graue Stadtmauer gut sichtbar, die an den Toren viereckige T�rme aufwies. Dar�ber lugten ein paar strohgedeckte oder Ziegeld�cher der h�heren Geb�ude hinweg. Au�erhalb der Mauer sprossen �berall ganze H�ttend�rfer und Gruppen anderer primitiver Behausungen wie Pilze aus dem Boden, voll von Anh�ngern des Propheten. Sie hatten jeden Baum auf mehrere Meilen Entfernung gef�llt, um Bau- oder Feuerholz zu bekommen.</p><p>Der Eingang f�r die Besucher der Vorstellung befand sich auf der anderen Seite, aber zwei der Pferdeknechte, mit kr�ftigen Kn�ppeln bewaffnet, standen auch hier bereit, um jeden zu entmutigen, der nicht bezahlen wollte, um die Vorstellung zu sehen. Nynaeve stand schon fast vor ihnen, nachdem sie im Sturmschritt und unter zornigen Selbstgespr�chen gar nicht beachtet hatte, wohin sie ging, aber ihr t�richtes Grinsen lie� ihr bewu�t werden, da� sie immer noch den Schal unten um die Ellbogen trug. Ihr b�ser Blick wischte ihnen das Grinsen von den Gesichtern. Erst dann zog sie den Schal wieder hoch und bedeckte sich z�chtig, au�erdem noch ganz langsam, denn sie wollte diesen grobschl�chtigen Kerlen nicht den Eindruck vermitteln, sie in Verlegenheit gebracht zu haben. Der knochigere der beiden, dessen Nase fast die H�lfte seines Gesichts einnahm, zog f�r sie die Segeltuchplane zur Seite, und sie duckte sich und trat in den H�llenl�rm hinaus.</p><p>�berall dr�ngten sich die Menschen. L�rmend schoben sich M�nner, Frauen und Kinder durcheinander und der Menschenstrom w�lzte sich von einer Attraktion zur anderen. Alle bis auf die <emphasis>S'redit</emphasis> f�hrten ihre K�nste auf Holzb�hnen vor, die Luca f�r diesen Zweck errichten lassen hatte. Cerandins Keilerpferde zogen die gr��te Menschenansammlung an. Die riesigen grauen Tiere balancierten mit schlangen�hnlich gekr�mmten Nasen sogar auf den Vorderbeinen, selbst das Baby. Die kleinste Ansammlung fand sich vor Clarines Hundedressur, obwohl die Tiere sogar �berschl�ge r�ckw�rts und �hnliches �ber die R�cken der anderen hinweg vollf�hrten. Sehr viele Leute blieben bei den L�wen stehen und den haarigen, wildschweinartigen Caparen, die ebenfalls in K�figen gehalten wurden. Aber auch die eigenartig geh�rnten Hirsche aus Arafel und Saldaea und Arad Doman wurden bestaunt, genauso wie jene bunten V�gel von wer wei� woher und ein paar watschelnde Gesch�pfe mit braunem Fell, gro�en Augen und runden Ohren, die gem�tlich dasa�en und die Bl�tter von den Zweigen fra�en, die sie in ihren Vorderpfoten hielten. Luca hatte verschiedene Erz�hlungen bereit, wo sie hergekommen waren, und sie nahm an, er wisse es selbst nicht. Ihm war auch nicht einmal ein zufriedenstellender Name f�r diese Tiere eingefallen. Eine riesige Schlange aus den Sumpfgebieten Illians, viermal so lang wie ein Mensch, wurde beinahe genauso ungl�ubig angestarrt wie die <emphasis>S'redit,</emphasis> obwohl sie einfach nur dalag und anscheinend schlief. Es freute Nynaeve, zu sehen, da� Latelles B�ren, obwohl sie im Augenblick auf gro�en roten Holzkugeln balancierten, die sie mit den Hinterbeinen in Kreisen herumrollten, wenig mehr Zuschauer anlockten als die Hunde. B�ren konnten diese Menschen in ihren eigenen W�ldern beobachten, auch wenn diese hier wei�e Gesichter hatten.</p><p>Latelle glitzerte mit ihren schwarzen Pailetten im Schein der Nachmittagssonne. Cerandin glitzerte fast genauso, aber in Blau, und Clarine in Gr�n, doch keine von beiden hatte so viele Pailetten aufgen�ht wie Latelle. Jedes dieser Kleider war hochgeschlossen bis zum Kinn. Nat�rlich trugen Petra und die Chavanas bei ihren Kunstst�cken lediglich hellblaue Hosen, aber sie sollten ja auch mit ihren Muskeln angeben. Durchaus verst�ndlich. Die Akrobaten standen jeder auf den Schultern des anderen, vier Mann hoch. Unweit von ihnen packte der Starke Mann der Truppe, dort, wo die B�hne am stabilsten gebaut war, eine lange Eisenstange mit einer Eisenkugel an jedem Ende �zwei Mann wurden ben�tigt, um ihm das Ding �berhaupt hochzureichen � und begann sofort damit, sie mit seinem m�chtigen Pratzen herumzuwirbeln, sogar um seinen Hals und �ber den R�cken.</p><p>Thom jonglierte und schluckte Feuer. Acht flammende St�be flogen in einem perfekten Kreis, und dann pl�tzlich hatte er vier davon in jeder Hand, wobei einer immer senkrecht aus jedem B�ndel nach oben stand. Energisch steckte er sich nacheinander vier brennende Enden in den Mund, schien zu schlucken, und nahm die St�be gel�scht wieder heraus. Er wirkte, als habe er gerade etwas Wohlschmeckendes gegessen. Nynaeve konnte nicht fassen, wieso er sich nie die Schnurrbartenden versengte, ganz zu schweigen davon, da� er sich nicht die Kehle verbrannte. Eine geschickte Drehung aus dem Handgelenk, und die gel�schten St�be mischten sich f�cherf�rmig unter die noch brennenden. Einen Augenblick sp�ter wirbelte er zwei ineinander verschlungene Kreise �ber seinen Kopf. Er trug den gleichen braunen Mantel wie immer, obwohl Luca ihm einen roten, mit Pailetten bestickten gegeben hatte. So, wie Thom seine buschigen Augenbrauen hochzog, als er an ihr vorbeistolzierte, verstand er wohl gar nicht, wieso sie ihn so b�se anblickte. Sein eigener Mantel, ha! Und sie...</p><p>Sie eilte weiter auf eine dichte, ungeduldig summende Menschenansammlung zu, die zwei hohe Masten umstand, zwischen denen das Hochseil straff gespannt war. Sie mu�te die Ellbogen gebrauchen, um die vorderste Reihe zu erreichen. Zwei Frauen blickten sie b�se an und zogen ihre M�nner weg, als aus Versehen ihr Schal ein St�ck herunterrutschte. Sie h�tte sie ja ebenfalls angefunkelt, wenn sie nicht so damit besch�ftigt gewesen w�re, zu err�ten und sich schamhaft zu bedecken, denn da stand Luca. Er wirkte so �ngstlich besorgt wie ein Ehemann vor dem Geburtszimmer. Neben ihm stand ein dicker Bursche, dessen Sch�del bis auf eine Skalplocke glattrasiert war. Sie stellte sich an Lucas andere Seite. Der Mann mit dem rasierten Sch�del wirkte schurkisch. Eine lange Narbe zog sich �ber seine linke Wange, und �ber dem linken Auge trug er eine Augenklappe, auf die ziemlich unbeholfen ein Auge aufgemalt worden war, als Ersatz vermutlich. Nur wenige der M�nner, die sie hier erblickte, waren mit mehr als einem Messer am G�rtel bewaffnet, doch er hatte sich ein Schwert �ber den R�cken geschnallt. Das lange Heft ragte �ber seine rechte Schulter hoch. Aus irgendeinem Grund kam er ihr bekannt vor, doch ihre Aufmerksamkeit galt ganz und gar dem Hochseil. Luca runzelte die Stirn, als er ihren Schal entdeckte, l�chelte sie dann aber an und versuchte, ihr einen Arm um die Taille zu legen.</p><p>W�hrend er dann damit besch�ftigt war, sich von ihrem Ellbogensto� m�hsam zu erholen, und sie, ihren Schal wieder anst�ndig hochzuziehen, kam Juilin ihnen gegen�ber aus der Menschenmenge herausgewankt, den kegelf�rmigen roten Hut kokett schief auf dem Kopf, den Mantel auf einer Seite halb von der Schulter gerutscht und mit einem Holzkrug in der Hand, aus dem das Bier herausschwappte. Mit den typischen �bervorsichtigen Schritten eines Mannes, in dessen Kopf sich mehr Alkohol befindet als Gehirn, wankte er hin�ber zu der Strickleiter, die zu einer der obengelegenen Plattformen hinauff�hrte, und starrte sie nachdenklich an.</p><p>�Geh schon rauf!� br�llte jemand. �Brech dir das dumme Genick!�</p><p>�Wartet, mein Freund�, rief Luca und trat l�chelnd und mit elegantem Schwung seines Umhangs vor. �Dort hat ein Mann in Eurem Zustand nichts verlo... �</p><p>Juilin stellte den Krug auf den Boden, kletterte ungeschickt die Leiter hoch und stand schlie�lich wankend auf der Plattform. Nynaeve hielt die Luft an. Der Mann konnte sich auch in gro�er H�he gut bewegen, was ja wohl auch sein mu�te, wenn er st�ndig Diebe �ber die D�cher von Tear jagte, aber trotzdem...</p><p>Juilin wandte sich suchend um, als habe er sich verirrt. Er schien zu betrunken zu sein, um die Leiter zu sehen oder sich wenigstens daran zu erinnern. Sein Blick fiel auf das Seil. Probeweise stellte er einen Fu� auf diese schmale Br�cke und zog ihn wieder zur�ck.</p><p>Dann schob er erstmal den Hut nach hinten, um sich am Kopf zu kratzen. Er betrachtete das straffe Seil, und pl�tzlich erhellte sich seine Miene sichtlich. Langsam kniete er nieder und krabbelte schwankend auf H�nden und Knien auf das Seil hinaus. Luca schrie, er solle herunterkommen und die Menge br�llte vor Lachen.</p><p>Auf halbem Weg hin�ber hielt Juilin inne, schwankte ungeschickt und sp�hte nach unten. Sein Blick fiel auf den Krug, den er am Boden hatte stehen lassen. Offensichtlich �berlegte er, wie er zu dem Krug zur�ckkommen k�nne. Langsam und mit gr��ter Vorsicht stand er auf und wandte sich zur�ck zu der Plattform, von der er gekommen war. Das Seil schwankte von einer Seite auf die andere. Die Menge schnappte nach Luft, als sein Fu� abglitt und er st�rzte. Doch irgendwie fing er sich und hing an einer Hand, das eine Bein �ber das Seil gehakt. Luca fing den Taraboner Hut auf, bevor er zu Boden fallen konnte, und rief allen zu, der Mann sei verr�ckt und er sei nicht verantwortlich daf�r, was immer geschehen mochte. Nynaeve pre�te beide H�nde gegen ihren Bauch; sie konnte sich gut vorstellen, dort oben zu sein, und sogar der Gedanke daran reichte aus, da� ihr schlecht wurde. Der Mann war ein Narr. Ein ganz verdammter idiotischer Narr!</p><p>Nach einigen Fehlversuchen brachte Juilin es fertig, auch mit der freien Hand das Seil zu ergreifen, und dann zog er sich Hand �ber Hand daran entlang zur gegen�berliegenden Plattform. Stehend schwankte er noch wild, klopfte sich den nicht existierenden Staub vom Mantel und versuchte, ihn wieder gerade zu ziehen, was letzten Endes dazu f�hrte, da� er ihm nun von der anderen Schulter rutschte. Dann entdeckte er wieder den Krug am Fu� des anderen Mastes. Er deutete gl�ckstrahlend hin und trat wieder auf das Seil hinaus.</p><p>Diesmal riefen ihm mindestens die H�lfte der Zuschauer zu, er solle zur�ckgehen und hinter ihm befinde sich eine Leiter, w�hrend die anderen schallend lachten und zweifellos darauf warteten, da� er sich das Genick brach. Diesmal jedoch ging er ganz problemlos hin�ber, glitt � die H�nde und F��e an den Au�enseiten der Taue � die Strickleiter hinunter und hob den Holzkrug auf, um einen langen Zug daraus zu tun. Erst als Luca den roten Hut auf Juilins Kopf setzte und sie sich beide verbeugten, wobei Luca seinen Umhang derart schwenkte, da� Juilin die meiste Zeit �ber dahinter verborgen war, merkten die Zuschauer, da� alles Teil der Vorf�hrung gewesen war. Einen Augenblick lang herrschte Schweigen, und dann explodierten f�rmlich der Beifall, das Geschrei und Gel�chter. Nynaeve hatte beinahe bef�rchtet, sie w�rden es �belnehmen, da� man sie so geleimt hatte. Der Bursche mit der Skalplocke wirkte selbst beim Lachen noch schurkisch.</p><p>Luca lie� Juilin an der Strickleiter stehen und stellte sich an seinen Platz zwischen Nynaeve und dem Mann mit der Skalplocke. �Ich hatte mir gedacht, da� ihnen das gef�llt.� Es klang unwahrscheinlich selbstzufrieden, und er machte noch kleine Verbeugungen zur Menschenmenge hin, als sei er derjenige auf dem Hochseil gewesen.</p><p>Sie sah ihn mit s�uerlicher Miene an, hatte aber keine Zeit, den bei�enden Kommentar loszuwerden, der ihr auf der Zunge lag, denn Elayne kam durch die Menge geh�pft, stellte sich neben Juilin, breitete die Arme aus und beugte ein Knie zu den Zuschauern hin.</p><p>Nynaeve verzog den Mund und r�ckte gereizt ihren Schal zurecht. Was sie auch von dem roten Kleid hielt, in dem sie sich mit einemmal wiedergefunden hatte, ohne richtig zu wissen, wie sie hineingekommen war, jedenfalls konnte man Elaynes Kost�m als noch gewagter bezeichnen. Die Tochter-Erbin von Andor stand ganz in Schneewei� da. Auf ihrer kurzen Weste und der eng anliegenden Hose waren reichlich glitzernde Pailetten aufgestickt. Nynaeve hatte nicht glauben k�nnen, da� Elayne tats�chlich mit dieser Kleidung in der �ffentlichkeit auftreten werde, aber sie hatte sich derart mit ihrer eigenen Aufmachung besch�ftigt, da� sie ganz vergessen hatte, Elayne die Meinung zu sagen. Weste und Hose lie�en sie an Min denken. Es hatte ihr nie gefallen, wenn Min Jungenkleidung anzog, aber diese Farbe nun und der Zierrat lie�en Elaynes Kleidung noch � schamloser erscheinen.</p><p>Juilin hielt die Strickleiter fest, damit Elayne hinaufklettern konnte, obwohl das gar nicht notwendig gewesen w�re. Sie kletterte ebenso gelenkig hoch wie er es getan h�tte. Er verschwand in der Menge, sobald sie oben angekommen war. Dort posierte sie wieder und strahlte �ber den donnernden Applaus wie �ber die Bewunderung ihrer Untertanen. Als sie auf das Seil hinaustrat, das nun irgendwie noch d�nner erschien als bei Juilin, stockte Nynaeve der Atem, und sie dachte �berhaupt nicht mehr an Elaynes Kleidung oder gar ihre eigene.</p><p>Elayne ging mit weit ausgebreiteten Armen auf das Seil hinaus, und sie ben�tzte keineswegs die Macht, um auf einem sicheren Pfad aus dem Element Luft laufen zu k�nnen. Langsam schritt sie weiter, setzte grazi�s einen Fu� vor den anderen und wirkte vollkommen sicher, obwohl sie nur auf dem d�nnen Seil stand. Die Macht anzuwenden w�re viel zu gef�hrlich gewesen, falls Moghedien eine Ahnung hatte, wo sie sich aufhielten. Die Verlorene oder die Schwarzen Schwestern konnten sich durchaus bereits in Samara aufhalten, und sie w�rden das Gewebe der Macht sofort f�hlen. Und falls sie tats�chlich noch nicht in Samara waren, k�nnte es doch bald geschehen. Auf der gegen�berliegenden Plattform blieb Elayne stehen und bekam erheblich mehr Beifall als Juilin zuvor, was Nynaeve �berhaupt nicht verstehen konnte. Dann ging sie zur�ck. Als sie fast am anderen Ende angekommen war, drehte sie eine elegante Pirouette, ging den halben Weg zur�ck und wiederholte die Pirouette dort. Diesmal wankte sie ein wenig, fing sich aber sofort wieder. Nynaeve hatte das Gef�hl, von einer kr�ftigen Hand an der Kehle gepackt zu werden. Mit langsamen, gleichm��igen Schritten ging Elayne anschlie�end zu der Plattform zur�ck und posierte erneut unter tosendem Beifall.</p><p>Nynaeve schluckte ihre Angst hinunter und atmete auf, wenn auch ziemlich unsicher. Sie wu�te, es war noch nicht vor�ber.</p><p>Elayne erhob die H�nde �ber ihren Kopf, und mit einemmal schlug sie ein Rad nach dem anderen auf dem Seil. Ihre schwarzen Locken flogen und die Pailetten an den in Wei� geh�llten Beinen blitzten im Sonnenschein. Nynaeve schrie auf und packte Luca am Arm, als das M�dchen die andere Plattform erreichte, bei der Landung ins Stolpern kam und sich gerade noch vor der Kante abfing.</p><p>�Was ist los?� knurrte er leise in das Aufst�hnen der Menge hinein. �Ihr habt doch zugesehen, wie sie das seit Sienda jeden Abend ge�bt hat. Und in einer Menge anderer Orte zuvor auch, sollte man denken.�</p><p>�Sicher�, erwiderte sie mit weichen Knien. Ihr Blick war auf Elayne fixiert, und so bemerkte sie kaum, wie er ihr einen Arm um die Schultern legte. Es war ihr nicht gen�gend bewu�t, um etwas dagegen zu unternehmen. Sie hatte versucht, das M�dchen zu �berreden, einen verstauchten Kn�chel vorzut�uschen, aber Elayne bestand darauf, da� sie nach all der �bung mit Hilfe der Macht diese jetzt wirklich nicht mehr ben�tigte. Vielleicht traf das auf Juilin zu, offensichtlich sogar, aber Elayne war noch nie nachts �ber die D�cher einer Stadt geklettert.</p><p>Die R�der, die sie auf dem R�ckweg schlug, klappten perfekt. Diesmal kam sie auch ganz sicher auf. Doch Nynaeve konnte den Blick nicht von ihr wenden und hielt sich an Lucas �rmel fest. Nach der, wie es nun schien, unvermeidlichen Pause, um den Applaus entgegenzunehmen, ging Elayne wieder auf das Seil hinaus, drehte weitere Pirouetten, hob elegant ein Bein und senkte es ganz schnell, hob und senkte weiter, da� es schien, das Bein sei die ganze Zeit �ber gestreckt, und dann b�ckte sie sich und stemmte sich ganz langsam zu einem Handstand hoch �gestreckt wie ein Dolch, und die Zehenspitzen zeigten zum Himmel. Aus dem Handstand heraus folgte ein �berschlag r�ckw�rts, nach dem die Menge st�hnte und sie von einer Seite zur anderen schwankte. Sie gewann das Gleichgewicht jedoch mit M�he wieder. Thom Merrilin hatte ihr das und den Handstand beigebracht.</p><p>Aus dem Augenwinkel sah Nynaeve Thom, der zwei Pl�tze entfernt von ihr stand, die Augen auf Elayne gerichtet und nerv�s auf den Zehenspitzen balancierend. Er wirkte stolz wie ein Pfau. Andererseits schien er bereit, nach vorn zu st�rzen und sie aufzufangen, sollte sie fallen. Und falls sie wirklich abst�rzte, w�re das zum Teil ja auch seine Schuld. Er h�tte ihr niemals solche Sachen beibringen d�rfen!</p><p>Ein letztes Mal schlug Elayne ihre R�der mit im Sonnenschein blitzenden wei�bekleideten Beinen, und noch schneller als zuvor. Diese Passage war Nynaeve gegen�ber nie erw�hnt worden! Fast w�re sie auf Luca losgegangen, h�tte der nicht �rgerlich gemurmelt, da� es eine gute Methode sei, sich den Hals zu brechen, wenn man nur des Beifalls wegen etwas Unvorbereitetes hinzuf�gt. Eine letzte Pause, die elegante, beifallheischende Pose, und endlich kletterte Elayne herab.</p><p>L�rmend schlo� sich die Menge um sie. Luca und vier mit Kn�ppeln bewaffnete Pferdeknechte tauchten pl�tzlich bei ihr auf, doch Thom war noch schneller da, obwohl er doch hinkte.</p><p>Nynaeve h�pfte hoch, so gut sie konnte, und schaffte gerade noch, Elayne �ber die K�pfe der Menge hinweg zu ersp�hen. Das M�dchen schien �berhaupt keine Angst zu haben oder von den vielen winkenden H�nden abgesto�en zu sein, die die Zuschauer zwischen ihren W�chtern durchstreckten, um sie einmal zu ber�hren. Mit hoch erhobenem Kopf und von der Anstrengung ger�tetem Gesicht strahlte sie doch eine k�hle und k�nigliche Eleganz und W�rde aus, w�hrend sie weggef�hrt wurde. Wie sie das bei der Kleidung fertigbrachte, konnte sich Nynaeve einfach nicht vorstellen.</p><p>�Ein Gesicht wie eine verdammte K�nigin�, murmelte der ein�ugige Mann in sich hinein. Er war nicht mit den anderen zu ihr hin gerannt, sondern hatte den Menschenstrom lediglich vorbeigelassen. In seinem grobgewebten, einfachen Mantel aus dunkelgrauer Wolle wirkte der Mann so standfest, da� er gewi� nicht f�rchten mu�te, umgesto�en und niedergetrampelt zu werden. Er sah aus, als k�nne er mit diesem Schwert umgehen. �Seng mich doch wie einen feigen Bauern, aber sie ist verdammt noch mal tapfer genug, um eine verfluchte K�nigin zu sein.�</p><p>Nynaeve blickte ihm mit offenem Mund nach, als er durch die Menge wegschritt, und das lag nicht an seiner Ausdrucksweise. Jedenfalls nur zum Teil. Jetzt erinnerte sie sich daran, wo sie ihn kennengelernt hatte, einen ein�ugigen Mann mit Skalplocke, der keine zwei S�tze herausbrachte, ohne dabei die ekelhaftesten Fl�che auszusto�en.</p><p>So verga� sie Elayne, die nun gewi� in Sicherheit war, und begann, sich hinter ihm durch die Menge zu schieben.</p></section><section><title><p>38</p><p>Ein alter Bekannter</p></title><p>In dieser dicht gedr�ngten Menge brauchte Nynaeve eine Weile, um den Mann einzuholen. Sie knurrte jedesmal erz�rnt, wenn irgendein Mann, der alles in Sichtweite bestaunte, ihr aus Versehen einen Sto� gab, oder wenn eine Frau mit einem Kind an jeder Hand ihr im Weg stand. Gew�hnlich bem�hten sich die Kinder, ihre Mutter gleichzeitig in zwei verschiedene Richtungen zu zerren. Der Ein�ugige blieb kaum einmal stehen und betrachtete lediglich die gro�e Schlange und die L�wen etwas genauer, bis er die Keilerpferde erreichte. Er mu�te sie vorher schon gesehen haben, da sie ganz in der N�he des Haupteingangs standen. Jedesmal, wenn sich die <emphasis>S'redit</emphasis> auf die Hinterbeine aufrichteten, sah man auch von au�erhalb des Segeltuchzauns die gro�en K�pfe der erwachsenen Tiere mit ihren m�chtigen Sto�z�hnen. Durch diesen Anblick verst�rkte sich das Gedr�nge am Eingang noch.</p><p>Unter einem breiten roten Schild mit der Aufschrift VALAN LUCA auf beiden Seiten standen zwei der Pferdeknechte und kassierten das Eintrittsgeld von den Leuten, die sich zwischen zwei dicken Seilen in langen Schlangen zusammendr�ngten. Als Kasse ben�tzten sie Glaskr�ge � allerdings war das Glas minderwertig und fehlerhaft, denn Luca w�rde nie etwas Teureres f�r einen solchen Zweck kaufen. Auf die Art konnten die Kassierer sehen, da� es die richtigen M�nzen waren, ohne sie zu ber�hren. Dann kippten sie die Kr�ge direkt in ein Loch im Deckel einer eisenbeschlagenen Truhe, die zur Sicherheit auch noch mit Ketten umwickelt war. Bestimmt hatte Petra sie dorthinschleppen m�ssen, bevor noch der erste Silberpfennig hineinklimperte. Zwei weitere Pferdeknechte, M�nner mit breiten Schultern und gebrochenen Nasen, die den Eindruck von Schl�gern erweckten, standen mit Kn�ppeln daneben, um sicherzugehen, da� sich die Menge friedlich verhielt. Au�erdem, so vermutete Nynaeve, sollten sie wohl ein Auge auf die Kassierer haben. Luca war kein vertrauensseliger Mann, besonders wenn es um Geld ging. Man konnte ihn sogar als ausgesprochenen Geizhals bezeichnen. Sie hatte noch nie jemanden kennengelernt, der so geizig war.</p><p>Langsam und mit Hilfe ihrer Ellbogen schob sie sich an den Mann mit der ergrauten Skalplocke heran. <emphasis>Ihm</emphasis> hatte es nat�rlich keine Probleme bereitet, die erste Reihe vor den <emphasis>S'redit</emphasis> zu erreichen; daf�r hatten seine Narbe und die bemalte Augenklappe gesorgt, ganz zu schweigen von dem Schwert auf seinem R�cken. Im Augenblick betrachtete er grinsend die gro�en grauen Tiere, doch auch Staunen glaubte sie auf seiner steinernen Miene zu erkennen.</p><p>�Uno?� So hatte er wohl gehei�en.</p><p>Er drehte den Kopf und blickte sie an. Sobald sie den Schal wieder hochgeschoben hatte, hob er den Blick und musterte ihr Gesicht. Doch in seinem dunklen Auge stand kein Erkennen geschrieben. Das andere, starre, rot aufgemalte Auge verursachte ein unangenehmes Kribbeln in ihrem Magen.</p><p>Cerandin winkte mit ihrem Stachelstock und schrie etwas, das durch ihre langgezogene Aussprache unverst�ndlich wurde. Die <emphasis>S'redit</emphasis> drehten sich um. Sanit, die Kuh, stellte ihre F��e auf Mers m�chtigen, runden R�cken und richtete sich auf, w�hrend er stehenblieb. Nerin, das Kalb, b�umte sich auf und setzte die Vorderf��e so hoch es eben ging auf Sanits R�cken.</p><p>�Ich habe Euch in Fal Dara getroffen�, sagte Nynaeve. �Und dann wieder auf der Toman-Halbinsel. Ganz kurz nur, nach Falme. Ihr wart bei...� Sie wu�te nicht, wieviel sie sagen konnte, da sich die Leute derart um sie dr�ngten. Ger�chte �ber den Wiedergeborenen Drachen waren auch in ganz Amadicia umgegangen, und manche hatten sogar den richtigen Namen genannt. �Bei Rand.�</p><p>Unos Auge zog sich zusammen. Sie bem�hte sich, das aufgemalte zu ignorieren. Einen Augenblick sp�ter nickte er. �Ich erinnere mich an Euer Gesicht. Ich vergesse nie so ein verdammt h�bsches Gesicht. Aber das Haar war verflucht anders. Nyna?�</p><p>�Nynaeve�, berichtigte sie ihn in scharfem Tonfall.</p><p>Er sch�ttelte den Kopf, musterte sie von Kopf bis Fu�, und bevor sie noch ein weiteres Wort herausbrachte, packte er sie am Arm und zerrte sie durch den Eingang nach drau�en. Die Pferdeknechte hatten sie nat�rlich erkannt, und die Kerle mit den gebrochenen Nasen hoben die Kn�ppel und kamen hinterher. Sie winkte ihnen zornig, wegzubleiben, w�hrend sie sich von Uno losri�. Nach drei Versuchen hatte sie den Arm frei, aber eher, weil er losgelassen hatte als durch ihre Anstrengungen. Der Mann hatte einen eisernen Griff. Die M�nner mit den Kn�ppeln z�gerten und gingen dann langsam an ihren Platz zur�ck, als sie bemerkten, da� Uno seinen Griff gel�st hatte. Offensichtlich war ihnen klar, was sie Valan Lucas Meinung nach eher zu bewachen hatten.</p><p>�Was glaubt Ihr eigentlich, was Ihr da tut?� wollte sie in zornigem Ton wissen, doch Uno bedeutete ihr nur schweigend, zu folgen, und schritt durch die Menschenmenge davon. Er blickte sich kurz nach ihr um, verlangsamte aber lediglich den Schritt ein wenig. Nun bemerkte sie, da� er etwas krumme Beine hatte und mehr wie ein Mann wirkte, der sich auf einem Pferder�cken wohler f�hlte als auf seinen eigenen F��en. Grollend hob sie ihre R�cke an und marschierte ihm in Richtung auf die Stadt hinterher.</p><p>Zwei andere Menagerien hatten sich unweit der ihren ebenfalls hinter braunen Segeltuchz�unen aufgebaut, und dahinter lagerten noch weitere, verstreut �ber die Behelfssiedlungen und im geh�rigen Abstand zur Stadtmauer. Offensichtlich hatte die Gouverneurin, wie man die Frau nannte, die Nynaeve einfach als B�rgermeisterin bezeichnet h�tte, wenn sie auch noch nie von einem weiblichen B�rgermeister geh�rt hatte, eine halbe Meile als Mindestentfernung festgelegt, um die Stadt zu sch�tzen, falls einige der Tiere einmal ausbr�chen.</p><p>Auf dem Schild �ber dem Eingang zum Vorf�hrgel�nde der n�chsten Truppe stand MAIRIN GOME in verschlungenen goldenen und gr�nen Lettern. Hoch oben hinter dem Schild waren zwei Frauen an einem Seil zu erkennen, das an einem Ger�st aus hohen Masten festgemacht war. Es hatte noch nicht gestanden, als Luca seinen Zaun aufbauen lie�. Offensichtlich hinterlie�en die Keilerpferde eine Wirkung, da sie ja deutlich sichtbar waren, wenn sie sich aufrichteten. Die Frauen wanden sich dort oben in Haltungen, die Nynaeve unangenehm daran erinnerten, was Moghedien mit ihr angestellt hatte. Die beiden schafften es sogar, gleichzeitig auf beiden Seiten des Seils waagrecht mit ganz gestreckten K�rpern eine Art von Handstand zu vollf�hren. Die Menge, die ungeduldig vor dem Eingang zur Vorf�hrung Frau Gomes wartete, war beinahe so gro� wie die vor Lucas Eingang. Keine der anderen Menagerien hatte etwas vorzuweisen, was von au�en her sichtbar gewesen w�re, und dort standen denn auch erheblich weniger Zuschauer.</p><p>Uno beantwortete keine ihrer Fragen, sagte �berhaupt kein Wort und bedachte sie h�chstens mit warnendem Stirnrunzeln, bis sie die dr�ngenden Volksmengen hinter sich hatten und sich auf einer ausgefahrenen Wagenstra�e aus hartem Lehm befanden, die zur Stadt f�hrte. �Was ich verdammt noch mal versuche�, grollte er sie nun an, �ist, Euch wohin zu bringen, wo wir verflucht noch mal sprechen k�nnen, ohne von verdammten Leuten in St�cke gerissen zu werden, die Euren verfluchten Rocksaum k�ssen w�rden, wenn sie verdammt noch mal h�rten, da� Ihr den Lord Drachen kennt.� Niemand anders befand sich in drei�ig Schritt Umkreis, doch er sah sich noch einmal um, ob jemand sie belauschen k�nne. �Blut und Asche, Frau! Wi�t Ihr nicht, wie diese vom Licht versengten Ziegenk�pfe sind? Die H�lfte von ihnen glaubt, der Sch�pfer spreche bei jedem verfluchten Abendessen pers�nlich mit ihm, und die andere H�lfte glaubt, <emphasis>er</emphasis> sei selbst der blutige Sch�pfer!�</p><p>�Ich w�re Euch dankbar, Meister Uno, w�rdet Ihr eure Sprache m��igen. Und auch daf�r, Euren Schritt etwas zu verlangsamen. Wir liefern uns ja schlie�lich kein Wettrennen. Wo wollt Ihr hin, und warum sollte ich �berhaupt mit Euch gehen?�</p><p>Er rollte frustriert mit dem Augapfel und schmunzelte sarkastisch. �Oh, ich erinnere mich an Euch. Die mit dem verd..., mit dem gro�en Mundwerk. Ragan glaubte, Ihr k�nntet mit Eurer Zunge einen B..., einen Stier auf zehn Schritt Entfernung schlachten und abh�uten. Chaena und Nangu glaubten sogar, auf f�nfzig Schritt.� Wenigstens wurden seine Schritte k�rzer.</p><p>Nynaeve blieb auf dem Fu� stehen. �Wohin und warum?�</p><p>�In die Stadt.� Er blieb keineswegs stehen. Er schritt weiter und winkte ihr kurz, mitzukommen. �Ich wei� nicht, was Ihr verfl..., was Ihr hier sucht, aber ich erinnere mich daran, da� Ihr mit dieser <emphasis>blauen</emphasis> Frau zu tun hattet.�</p><p>Sie knurrte w�tend in sich hinein, raffte ihre R�cke und eilte ihm wieder hinterher. Eine andere M�glichkeit gab es nicht, von ihm Dinge in Erfahrung zu bringen. Er fuhr fort, als sei sie die ganze Zeit �ber an seiner Seite geblieben: �Das hier ist kein verd..., kein Ort f�r Euch. Ich kann genug Geld zusammenkratzen, um Euch verda..., um Euch nach Tear zu schicken, glaube ich. Den Ger�chten nach h�lt sich der Lord Drache dort auf.� Wieder blickte er sich mi�trauisch um. �Au�er Ihr wollt statt dessen zur Insel gehen.� Damit mu�te er Tar Valon gemeint haben. �Es gibt blut..., es gibt auch da einiges an verd... Ger�chten. Friede noch mal, aber es mu� was dran sein!� Er kam aus einem Land, das dreitausend Jahre lang keinen Frieden erlebt hatte. Die Schienarer gebrauchten dieses Wort sowohl als Talisman wie auch als Fluch. �Es hei�t, die alte Amyrlin sei abgesetzt. Vielleicht sogar hingerichtet. Ein paar behaupten, sie h�tten gek�mpft und die ganze... � Er unterbrach sich, atmete tief durch und schnitt eine furchtbare Grimasse. �... die ganze Stadt niedergebrannt.�</p><p>Im Weitergehen musterte sie ihn erstaunt. Sie hatte ihn beinahe ein Jahr nicht mehr gesehen und eigentlich auch nie mehr als zwei Worte mit ihm gewechselt, und doch... Warum glaubten die M�nner immer, eine Frau ben�tige einen Mann, der auf sie aufpa�t? Dabei konnten sie selber nicht einmal ihr eigenes Hemd zubinden, ohne die Hilfe einer Frau! �Danke sch�n, aber wir haben es auch so gut getroffen. Interessant w�re Eure F�rsorge h�chstens, wenn Ihr w��tet, wann irgendein Flu�h�ndler auf seinem Weg flu�abw�rts hier anlegen wird.�</p><p>�Wir? Ist die blaue Frau etwa bei Euch, oder die braune?� Das mu�te Moiraine und Verin betreffen. Er war ja wirklich �bervorsichtig.</p><p>�Nein. Erinnert Ihr euch an Elayne?� Er nickte lediglich, und sie empfand auf einmal den dringenden Wunsch, diesen Mann, der offensichtlich durch nichts zu �berraschen war, endlich einmal aus der Fassung zu bringen. Au�erdem pa�te es ihr nicht, da� er anscheinend erwartete, sie werde sich seiner F�rsorge unterordnen. �Ihr habt sie vorhin wiedergesehen. Ihr sagtet, sie habe ein� � sie sprach mit rauher Stimme, in dem Versuch, ihn zu imitieren ��Gesicht wie eine verdammte K�nigin.�</p><p>Sie war sehr zufrieden, als er prompt ins Stolpern kam, und dann blickte er sich mit solch wildem Gesichtsausdruck um, da� sogar zwei Wei�m�ntel, die gerade vorbeiritten, einen gro�en Bogen um ihn machten, obwohl sie nat�rlich so taten, als habe das nichts mit ihm zu tun. �Sie?� grollte er ungl�ubig. �Aber ihr verdammtes Haar war rabenschwarz, und...� Er warf einen Blick auf ihr Haar, und im n�chsten Moment ging er schon weiter die Stra�e entlang und murmelte in sich hinein: �Die verdammte Frau ist die Tochter einer K�nigin. Eine verfluchte K�nigin! Und zeigt ihre verdammten Beine auf die Art!� Nynaeve nickte zustimmend. Bis er hinzuf�gte: �Ihr verfluchten S�dl�nder seid so verdammt eigenartig! Kein bi�chen verdammter Anstand!� Ausgerechnet er mu�te das sagen. Die Schienarer zogen sich vielleicht an, wie es sich geh�rte, aber sie err�tete immer noch bei dem Gedanken daran, da� in Schienar M�nner und Frauen in der H�lfte aller F�lle gemeinsam badeten und dabei so taten, als s��en sie nur eben gemeinsam beim Essen.</p><p>�Hat Eure Mutter Euch eigentlich nicht beigebracht, Euch anst�ndig auszudr�cken, Mann?� Sein Auge blickte sie beinahe genauso finster an wie das aufgemalte, und er zuckte die Achseln. In Fal Dara hatten er und alle anderen sie wie eine Adlige behandelt, oder jedenfalls wie etwas Besseres. Nat�rlich war es schwierig, sich in diesem Kleid als Lady auszugeben, noch dazu bei einer Haarfarbe, die in der Natur nicht vorkam. Sie zog sich den Schal noch ein wenig enger um und verschr�nkte die Arme, um ihn besser festhalten zu k�nnen. Bei dieser trockenen Hitze war die graue Wolle unangenehm kratzig, und au�erdem schwitzte sie. Sie hatte noch nie davon geh�rt, da� man vom Schwitzen sterben k�nne, aber m�glicherweise w�rde sie der erste Fall sein. �Was macht Ihr hier, Uno?�</p><p>Er sah sich um, bevor er antwortete. Es war allerdings nicht notwendig, denn auf dieser Stra�e herrschte nur geringer Verkehr. Gelegentlich kam ein von Ochsen gezogener Leiterwagen vorbei, dazu ein paar Leute in Bauernkleidung oder noch gr�berem Zeug und von Zeit zu Zeit einmal ein Reiter. Keiner schien sich ihnen mehr als geb�hrend n�hern zu wollen. Er wirkte ja auch wie ein Mann, der einem aus Lust und Tollerei durchaus die Kehle durchschneiden k�nnte. �Die blaue Frau gab uns einen Namen in Jehannah an und sagte, wir sollten dort warten, bis sie uns weitere Anweisungen sandte, aber die Frau in Jehannah war tot und begraben, als wir ankamen. Eine alte Frau. Starb im Schlaf, und niemand von ihrer Verwandtschaft hatte je den Namen der blauen Frau vernommen. Dann begann Masema, mit den Leuten auf der Stra�e zu reden, und... Na ja, es gab keinen Grund, dort auf Befehle zu warten, die wir gar nicht mehr bekommen konnten. Wir bleiben in Masemas N�he, und er steckt uns genug zu, da� wir davon leben k�nnen, aber au�er Bartu und Nengar h�rt keiner von uns auf den Unsinn, den er verzapft.� Die ergraute Skalplocke wackelte, als er irritiert den Kopf sch�ttelte.</p><p>Mit einemmal fiel Nynaeve auf, da� er �berhaupt keinen obsz�nen Ausdruck verwandt hatte. Er f�hlte sich aber offensichtlich alles andere als wohl dabei. �Vielleicht gebraucht Ihr eben nur gelegentlich einmal einen Fluch?� Sie seufzte. �In jedem zweiten Satz?� Der Mann l�chelte sie so dankbar an, da� sie am liebsten verzweifelt die Arme zum Himmel gereckt h�tte. �Wieso hat Masema Geld und Ihr anderen nicht?� Sie erinnerte sich an Masema: ein d�sterer, m�rrischer Mann, der niemanden und nichts leiden konnte.</p><p>�Na ja, weil er der verdammte Prophet ist, den zu h�ren sie alle herkommen! W�rdet Ihr ihn gern treffen?� Sie hatte den Eindruck, er z�hle jetzt die S�tze ab. Sie atmete tief durch. Der Mann wollte sie tats�chlich w�rtlich nehmen. �Er kann Euch vielleicht ein verdammtes Schiff besorgen, wenn Ihr eines wollt. In Ghealdan bekommt der Prophet gew�hnlich alles, was der Prophet w�nscht. Nein, er bekommt es verdammt noch mal <emphasis>immer</emphasis> auf die eine oder andere Weise. Der Mann war ein guter Soldat, aber wer h�tte gedacht, da� er sich mal so entwickeln w�rde?� Seine finstere Miene umfa�te alles, von den primitiven Siedlungen und Menschen bis hin�ber zu den Menagerien und der Stadt vor ihnen.</p><p>Nynaeve z�gerte. Der gef�rchtete Prophet, der die Mengen aufstachelte und gewaltsame Ausbr�che hervorrief, war Masema? Aber er predigte wirklich von der Ankunft des Wiedergeborenen Drachen. Sie befanden sich schon fast am Stadttor, und sie hatte noch Zeit, bevor sie in die Vorf�hrung mu�te und Birgitte ihre Pfeile auf sie abscho�. Luca war mehr als entt�uscht gewesen, da� sie darauf bestand, Maerion genannt zu werden. Falls Masema ihnen wirklich eine Schiffspassage flu�abw�rts besorgen konnte... Vielleicht sogar noch heute. Andererseits durfte man die gewaltsamen Ausschreitungen nicht au�er acht lassen. Selbst wenn die Ger�chte auch alles um das Zehnfache aufgeblasen hatten, bedeutete das doch, da� Hunderte in den D�rfern und St�dten weiter im Norden umgekommen waren. �Nur� Hunderte.</p><p>�Erinnert ihn blo� nicht daran, da� Ihr etwas mit dieser verdammten Insel zu tun habt�, mahnte Uno, wobei er sie nachdenklich betrachtete. Als sie genauer dar�ber nachdachte, wurde ihr klar, da� er h�chstwahrscheinlich gar nicht wu�te, wie ihre Verbindung zu Tar Valon tats�chlich aussah. Und schlie�lich gingen Frauen dorthin, ohne deshalb gleich Aes Sedai werden zu wollen, sondern um Hilfe oder zumindest Antworten zu bekommen. Ihm war bekannt, da� sie in irgendeiner Weise darin verwickelt sei, aber eben nicht mehr als das. �Er ist auch nicht viel freundlicher zu Frauen, die von dort kommen, als es die Wei�m�ntel sind. Wenn Ihr nur verdammt noch mal dar�ber schweigt, wird er es vermutlich ganz �bergehen. F�r jemanden, die aus dem gleichen Dorf kommt wie der Lord Drache, wird Masema vielleicht auch noch ein Schiff <emphasis>bauen</emphasis> lassen.�</p><p>Am Stadttor dr�ngten sich die Menschen wieder etwas dichter. Unter den breiten grauen T�rmen str�mten M�nner und Frauen hinein und hinaus, zu Fu� und beritten, in jeder Art von Kleidung, von Lumpen bis hin zu Seidenm�nteln und �kleidern. Die Torfl�gel selbst, dick und eisenbeschlagen, standen offen und wurden von einem Dutzend Pikeuren in Schuppenpanzern und runden Stahlkappen mit breiten, flachen R�ndern bewacht. Und diese W�chter widmeten ihre Aufmerksamkeit vor allem der etwa halb so starken Gruppe von Wei�m�nteln, die in der N�he herumlungerte, und achteten nicht so sehr auf die anderen. Es waren diese M�nner in schneewei�en M�nteln und gl�nzend polierter R�stung, die in Wirklichkeit den Strom der Menschen beobachteten.</p><p>�Machen die Wei�m�ntel viele Schwierigkeiten?� fragte sie leise.</p><p>Uno spitzte die Lippen, als wolle er ausspucken, und blickte sie an. Das lie� er aber doch bleiben. �Wo machen sie das, verdammt noch mal, nicht? Da war eine Frau bei einer dieser Wandertruppen, die Zaubertricks vorf�hrte, einfache Kunstst�cke, nichts weiter. Vor vier Tagen hat ein verdammter Mob dieser feigen Schafsk�pfe die ganze Menagerie auseinandergenommen.� Das hatte Valan Luca aber nicht erw�hnt! �Friede! Was sie wollten, war die Frau. Behaupteten, sie sei� � er sah finster den vorbeihastenden Menschen nach und senkte die Stimme � �eine Aes Sedai. Und geh�re zu den Schattenfreunden. Sie haben ihr das verdammte Genick gebrochen, bevor sie noch zum Galgen geschafft wurde, wie man mir erz�hlte, aber dann haben sie die Leiche trotzdem noch aufgeh�ngt. Masema hat die Bandenf�hrer enthaupten lassen, aber es waren die Wei�m�ntel, die den verfluchten Mob aufgehetzt hatten.� Sein Gesichtsausdruck entsprach dem des aufgemalten Auges auf seiner Augenklappe. �Man hat viel zu viele Leute verflucht noch mal aufgeh�ngt oder enthauptet, wenn Ihr mich fragt. Der verdammte Masema ist genauso schlimm wie die verfluchten Wei�m�ntel, wenn es darum geht, unter jedem Stein einen Schattenfreund zu suchen.�</p><p>�In jedem zweiten Satz�, murmelte sie mahnend, und der Mann err�tete tats�chlich!</p><p>�Wei� nicht, was ich davon halten soll�, meinte er m�rrisch. �Kann Euch nicht dort hineinbringen. Es ist zur H�lfte ein Fest und zur H�lfte blutige Auseinandersetzungen. Bei jedem dritten Schritt st��t man auf einen Taschendieb, und nach Einbruch der Dunkelheit ist keine Frau mehr auf der Stra�e sicher.� Letzteres schien ihn mehr aufzuregen als alles andere. In Schienar war eine Frau in jedem Falle und zu jeder Zeit sicher, au�er nat�rlich bei einem �berfall der Trollocs und Myrddraal, und jeder Mann w�rde sich f�r eine Frau in St�cke rei�en lassen. �Nicht sicher. Ich bringe Euch zur�ck. Wenn ich eine M�glichkeit finde, komme ich zu Euch hinaus.�</p><p>Damit war die Sache f�r sie gelaufen. Sie ri� ihren Arm los, bevor er ihn fester packen konnte, und ging mit schnelleren Schritten auf das Tor zu. �Kommt mit, Uno, und tr�delt nicht. Wenn Ihr tr�delt, lasse ich Euch zur�ck.� Er holte sie ein und knurrte etwas von der Sturheit der Frauen. Sobald ihr klar wurde, da� er sich �ber dieses Thema auslie� und offensichtlich ihre Einschr�nkung in bezug auf das Fluchen bei Selbstgespr�chen nicht zu beachten gedachte, h�rte sie einfach nicht mehr hin.</p></section><section><title><p>39</p><p>Begegnungen in Samara</p></title><p>Die Wei�m�ntel am Tor beachteten Uno und Nynaeve genausowenig wie die anderen im stetigen Strom der Menschen und warfen ihnen lediglich einen mi�trauischen Blick zu, forschend und schnell. Mehr war bei so vielen Menschen einfach nicht m�glich, und wahrscheinlich hielten es die Stadtwachen genauso. Nat�rlich gab es auch keinen Grund f�r erh�hte Aufmerksamkeit � h�chstens in <emphasis>ihren</emphasis> Gedanken. Ihr Gro�er Schlangenring und Lans schwerer Goldring ruhten in ihrer G�rteltasche, denn der tiefe Ausschnitt des Kleids lie� nicht zu, sie an der �blichen Lederschnur zu tragen. Doch irgendwie erwartete sie fast, Kinder des Lichts k�nnten eine in der Burg ausgebildete Frau instinktiv erkennen. Ihre Erleichterung war riesengro�, als diese eisigen, gef�hllosen Blicke weiterwanderten.</p><p>Auch die Soldaten schenkten den beiden keine weitere Aufmerksamkeit � sobald sie ihren Schal wieder hochgezogen hatte. Unos finstere Miene hatte vielleicht auch geholfen, ihre Blicke wieder zu den Wei�m�nteln abzulenken, aber dieser Kerl hatte �berhaupt kein Recht dazu, so finster dreinzublicken. Das war allein ihre Sache.</p><p>So zog sie den langen grauen Wollschal noch einmal richtig zurecht und verknotete die Enden an ihrer H�fte. Trotzdem betonte der Schal ihren Busen mehr, als ihr lieb war, und ein wenig Brustansatz war auch so noch zu sehen, doch war das gegen�ber vorher schon ein gro�er Fortschritt. Wenigstens mu�te sie sich jetzt keine Gedanken mehr dar�ber machen, da� der Schal wieder verrutschen k�nnte. Wenn das Ding nur nicht so hei� w�re. Es wurde h�chste Zeit f�r einen Wetterumschwung. Schlie�lich befanden sie sich ja nicht allzu weit s�dlich der Zwei Fl�sse.</p><p>Zur Abwechslung wartete Uno geduldig auf sie. Sie hatte ihre Zweifel daran, da� er es aus schlichter H�flichkeit tat, denn irgendwie schien sein Gesicht zu geduldig, aber schlie�lich schritten sie nebeneinander nach Samara hinein. Ins Chaos.</p><p>Der L�rm lag wie ein dichter Vorhang �ber allem, so da� sie kein einzelnes Ger�usch heraush�ren konnte. Menschen verstopften die grobgepflasterten Stra�en. Sie dr�ngten sich fast Schulter an Schulter, von den ziegelgedeckten Tavernen zu den St�llen mit ihren Strohd�chern, von l�rmerf�llten Schenken mit einfachen gemalten Schildern wie �Der blaue Stier� oder �Die tanzende Gans� bis zu L�den, auf deren Schildern nicht einmal Namen standen, sondern nur hier ein Messer und eine Schere abgebildet waren, dort ein Ballen Tuch, die Feinwaage eines Goldschmieds oder das Rasiermesser eines Barbiers, ein Topf oder eine Lampe oder ein Stiefel. Nynaeve sah hellh�utige Gesichter wie bei den Menschen aus Andor, aber auch dunkelh�utige wie die der Meerleute, saubere oder schmutzige, M�ntel mit hohen Kr�gen und schmalen oder ganz ohne, unauff�llige Farben und bunte, einfache Kleidung und bestickte, sch�big oder neu, und Moderichtungen, die ihr h�chstens zur H�lfte bekannt waren. Ein Bursche mit einem dunklen, geteilten Vollbart hatte auf der Brust seines einfachen blauen Mantels silberne Ketten befestigt, zwei hatten das Haar zu Z�pfen geflochten � <emphasis>M�nner</emphasis> mit einem schwarzen Zopf auf jeder Seite, der ihnen �ber das Ohr bis auf die Schultern herunterhing, und dazu hatten sie winzige Messinggl�ckchen auf die roten Mantel�rmel und auf die umgeschlagenen Stulpen ihrer schenkelhohen Stiefel gen�ht. Aus welchem Land sie auch kommen mochten, diese beiden waren gewi� keine Narren. Ihre dunklen Augen waren hart und selbstsicher wie die Unos, und auf dem R�cken trugen sie gekr�mmte Schwerter. Ein Mann mit blo�em Oberk�rper, auf dem er eine leuchtend gelbe Sch�rpe trug, mit einer Haut von einem tieferen Braun als dem von lange abgelagertem Holz und komplizierten T�towierungen auf beiden H�nden, mu�te wohl dem Meervolk angeh�ren, obwohl er weder Ohrringe noch einen Nasenring trug.</p><p>Auch die Frauen unterschieden sich auf vielf�ltigste Weise, Haare von rabenschwarz bis zu einem so blassen Blond, da� es fast schon wei� war, zu Z�pfen geflochten oder mit einem Band zusammengerafft oder frei h�ngend, kurzgeschnitten, schulterlang, h�ftlang, Kleider aus abgewetzter Wolle oder s�uberlich gepl�ttetem Leinen oder aus schimmernder Seide, Halskrausen, die mit ihren Spitzenbes�tzen das Kinn streiften, oder Stickereien, oder Ausschnitte, die genauso tief waren wie ihrer. Sie sah sogar eine Domanifrau mit kupferfarbenem Teint, die ein beinahe durchsichtiges rotes, langes Abendkleid trug, das fast nichts verbarg! Sie fragte sich, wie sicher diese Frau nach Einbruch der Dunkelheit wohl noch sei. Oder selbst jetzt im hellen Tageslicht.</p><p>Die wenigen Wei�m�ntel oder Soldaten gingen in dieser brodelnden Menschenmasse unter und mu�ten sich genauso durchk�mpfen wie jeder andere. Ochsenkarren und von Pferden gezogene Wagen schoben sich im Schneckentempo durch das v�llig systemlose Stra�ennetz, Tr�ger schaukelten S�nften durch die Menge, und hier und da rumpelte eine buntlackierte Kutsche mit einem Viereroder Sechsergespann mit Federn geschm�ckter Pferde m�hsam einher. Die livrierten Lakaien und W�chter mit Eisenhauben bem�hten sich vergeblich, den Weg daf�r freizumachen. Musikanten mit Fl�te, Zither oder Hackbrett spielten an jeder Ecke auf, falls dort nicht schon ein Jongleur oder Akrobat seine K�nste zeigte. Die waren allerdings nicht gut genug, Thom oder den Chavanas Sorgenfalten zu bereiten. Und immer stand ein weiterer Mann oder eine Frau mit einer M�tze bereit, um M�nzen einzusammeln. Zerlumpte Bettler waren �berall zu sehen, zupften die Leute an den �rmeln und hielten schmutzige H�nde bittend auf, und Stra�enh�ndler eilten gesch�ftig mit ihren Bauchl�den durch die Menge und boten alles an, von Nadeln bis zu B�ndern oder auch Obst. Ihre Rufe verloren sich im allgemeinen L�rm.</p><p>In ihrem Kopf vermischte sich alles zu einem einzigen Wirbel, bis Uno sie in eine engere Stra�e zog, wo der Betrieb im Vergleich etwas geringer schien. Sie blieb kurz stehen, um ihre Kleidung zu richten, nachdem sie sich durch die Menge hatte quetschen m�ssen, und folgte ihm dann weiter. Es war hier auch ein wenig leiser. Keine Stra�enmusikanten oder Akrobaten und weniger H�ndler und Bettler. Die Bettler machten einen Bogen um Uno, selbst dann noch, als er einer mi�trauischen Gruppe von Stra�enjungen ein paar Kupferm�nzen zugeworfen hatte.</p><p>Sie konnte die Bettler verstehen. Der Mann wirkte nicht sehr... mildt�tig.</p><p>Die Geb�ude in dieser Stadt ragten hoch �ber die engen Gassen auf, obwohl sie meist nur zwei oder drei Stockwerke aufwiesen, so da� die Stra�en ganz im Schatten lagen. Doch der Himmel war hell und bis zur D�mmerung waren noch ein paar Stunden Zeit. Also gen�gend Zeit, um zur Truppe zur�ckzukehren. Falls es notwendig war. Mit etwas Gl�ck k�nnten sie sich alle schon bei Sonnenuntergang auf ein Flu�schiff begeben.</p><p>Sie fuhr zusammen, als sich pl�tzlich ein anderer Schienarer ihnen anschlo�, das Schwert auf dem R�cken und das Haar bis auf die �bliche Skalplocke geschoren. Es war ein dunkelhaariger Mann, nur wenige Jahre �lter als sie. Uno stellte ihn kurz vor und erkl�rte ihm die Lage, ohne im Schritt innezuhalten.</p><p>�Der Friede sei Euch hold, Nynaeve�, sagte Ragan. Er hatte ein Gr�bchen auf einer dunklen Wange, und fast genau in der Mitte befand sich eine kleine, dreieckige Narbe. Obwohl er l�chelte, machte sein Gesicht einen harten Eindruck. Sie hatte allerdings noch nie einen weichen und sanften Schienarer kennengelernt. Weiche M�nner �berlebten nicht lang an der Grenze zur F�ule, weiche Frauen aber auch nicht. �Ich erinnere mich an Euch. Euer Haar war damals anders, nicht wahr? Spielt keine Rolle. Habt keine Angst. Wir bringen Euch sicher zu Masema und wohin Ihr auch danach wollt. Achtet nur darauf, ihm gegen�ber Tar Valon nicht zu erw�hnen.� Niemand beachtete sie sonderlich, doch er senkte die Stimme sicherheitshalber. �Masema glaubt, die Burg wird versuchen, den Lord Drachen zu g�ngeln.�</p><p>Nynaeve sch�ttelte den Kopf. Noch so ein t�richter Mann, der sie gleich unter die Fittiche nehmen wollte. Wenigstens versuchte er nicht, sie in eine langwierige Unterhaltung hineinzuziehen. Bei ihrer Laune h�tte sie ihm einiges an den Kopf geworfen, und wenn er nur �ber das Wetter h�tte sprechen wollen. Ihr Gesicht war feucht, was ja kein Wunder war, wenn sie bei diesem Wetter einen Schal tragen mu�te. Mit einemmal dachte sie daran, was der Ein�ugige ihr von Ragans Ansicht �ber ihr Mundwerk erz�hlt hatte. Sie glaubte nicht, ihm mehr als einen Blick zugeworfen zu haben, doch Ragan ging pl�tzlich neben Uno, als suche er dort Schutz, und nun beobachtete er sie mi�trauisch. M�nner!</p><p>Die Stra�en wurden noch enger, und obwohl die Steingeb�ude an den Stra�enr�ndern nicht kleiner wurden, sahen sie immer h�ufiger deren R�ckseiten und grobe graue Mauern, hinter denen sich h�chstens winzige G�rten verbergen konnten. Schlie�lich bogen sie in eine Gasse ein, die kaum breit genug war, da� alle drei nebeneinander gehen konnten. Am hinteren Ende stand eine lackierte und vergoldete Kutsche, die von bewaffneten M�nnern umstellt war. Etwas n�her, auf halbem Weg zwischen ihnen und der Kutsche, lungerten eine ganze Menge Kerle zu beiden Seiten der Gasse herum. Sie trugen die unterschiedlichsten M�ntel, und die meisten hielten Kn�ppel, Speere oder Schwerter, die genauso zusammengew�rfelt waren wie ihre Bekleidung. Es mochte sich um eine Bande von Stra�enschl�gern handeln, aber keiner der Schienarer verlangsamte seinen Schritt, und so ging auch sie weiter, als sei nichts.</p><p>�Die Stra�e vorn herum wird voll sein von verdammten Narren, die versuchen, einen Blick auf Masema an einem verdammten Fenster zu erhaschen.� Unos Stimme war so leise, da� nur sie die Worte h�ren konnte. �Der einzige Weg hinein ist durch den Hintereingang.� Er schwieg, als sie den wartenden M�nnern so nahe kamen, da� die sie verstehen konnten.</p><p>Zwei davon waren Soldaten mit ger�nderten Helmen und Schuppenhemden, Schwerter an den H�ften und Speere in den H�nden, doch gerade die anderen musterten die drei Ank�mmlinge besonders eingehend und griffen nach ihren Waffen. Ihre Augen hatten einen beunruhigenden Ausdruck, zu eindringlich und fast fieberhaft. Ausnahmsweise einmal w�re ihr lieber gewesen, mit offener Lust angestarrt zu werden. Diesen M�nnern hier war es gleich, ob sie eine Frau war oder ein Pferd.</p><p>Wortlos schnallten Uno und Ragan ihre Schwerter mitsamt den Scheiden ab und h�ndigten sie und ihre Dolche dazu einem Mann mit dickem Gesicht aus, der aussah, als sei er fr�her einmal Ladeninhaber gewesen, jedenfalls dem guten blauen Wollmantel und den Hosen nach. Die Kleidung war von wirklicher Qualit�t; sie war sauber, wenn auch stark abgen�tzt und verknittert, als habe er einen Monat lang darin geschlafen. Er erkannte die Schienarer, und obwohl er sie einen Moment lang mit gerunzelter Stirn anblickte � besonders das kleine Messer an ihrem G�rtel �, nickte er schweigend in Richtung einer schmalen Holzt�r in der Mauer. Das war vielleicht das Beunruhigendste �berhaupt, da� keiner von ihnen einen Laut von sich gab.</p><p>Auf der anderen Seite der Mauer befand sich ein kleiner Hof, in dem Unkraut zwischen Pflastersteinen wuchs. Das hohe Steingeb�ude mit drei breit angelegten, hellgrauen Stockwerken, breiten Fenstern und friesgeschm�ckten S�llern und Giebeln und seinem roten Ziegeldach war bestimmt eines der feinsten in Samara. Sobald sich die T�r hinter ihnen geschlossen hatte, sagte Ragan leise: �Es hat Anschl�ge auf das Leben des Propheten gegeben.�</p><p>Nynaeve brauchte einen Augenblick, um zu begreifen, da� er erkl�rte, warum man ihnen die Waffen abgenommen hatte. �Aber Ihr seid seine Freunde�, widersprach sie. �Ihr seid alle Rand nach Falme gefolgt.� Sie w�rde nicht damit anfangen, ihn als Lord Drachen zu bezeichnen.</p><p>�Das ist der Grund, warum man uns verdammt noch mal �berhaupt eingelassen hat�, sagte Uno trocken. �Ich sagte Euch ja, da� wir die Dinge... nicht ganz so sehen wie der Prophet.� Die kurze Pause und der schnelle Blick zur�ck zur T�r, um festzustellen, ob jemand lauschte, sprachen B�nde. Vorher hatte er immer nur von Masema gesprochen. Und Uno war ganz bestimmt ein Mann, der nicht so einfach zur�cksteckte.</p><p>�Nehmt Euch nur ausnahmsweise zusammen in bezug auf das, was Ihr sagt�, riet ihr Ragan, �und wahrscheinlich bekommt Ihr die Hilfe, die Ihr w�nscht.� Sie nickte so verst�ndnisvoll wie nur m�glich, denn sie konnte wohl einen vern�nftigen Rat von einem sinnlosen unterscheiden � auch wenn er kein Recht dazu hatte, ihr einen solchen zu erteilen �, und er tauschte einen zweifelnden Blick mit Uno. Sie w�rde diese beiden mit Thom und Juilin zusammen in einen Sack stecken und auf alles einpr�geln, was herausragte.</p><p>So fein das Haus auch sein mochte, die K�che war jedenfalls verstaubt und leer bis auf eine knochige, grauhaarige Frau, deren tristgraues Kleid und wei�e Sch�rze die einzigen sauberen Dinge in Sichtweite waren, als sie durch den Raum gingen. Die alte Frau lutschte an ihren Z�hnen und blickte kaum auf, w�hrend sie in einem kleinen Suppentopf r�hrte, der in einer runden Feuerkuhle auf einem der gro�en, gemauerten Herde ruhte. Zwei zerbeulte T�pfe hingen an Haken, wo zwanzig Platz hatten, und auf dem breiten Tisch stand eine gesprungene Tonsch�ssel auf einem blau lackierten Tablett.</p><p>Au�erhalb der K�che hingen einigerma�en gute Gobelins an den W�nden. Nynaeve hatte w�hrend des vergangenen Jahres so etwas einsch�tzen gelernt, und diese Fest- und Jagdszenen, auf denen Hirsche und B�ren und Keiler gehetzt wurden, waren von guter, aber nicht ausgezeichneter Qualit�t. In den Fluren standen St�hle und kleine Tische und Kommoden an den W�nden, dunkle Lackarbeiten mit roter Maserung, mit Perlmutter eingelegt. Wandbeh�nge wie M�belst�cke waren ebenfalls verstaubt, und auch der rot und wei� geflieste Fu�boden hatte kaum einen Besen gesehen. In den Ecken und den Nischen an der hochgelegten Stuckdecke hingen Spinnweben.</p><p>Es waren keine anderen dienstbaren Geister zu sehen ��berhaupt niemand �, bis sie einen drahtigen Burschen zu Gesicht bekamen, der auf dem Fu�boden neben einer T�r sa�. Sein schmuddeliger roter Seidenmantel war viel zu gro� und pa�te �berhaupt nicht zu dem schmutzigen Hemd und der abgetragenen wollenen Hose. Der eine der rissigen Stiefel hatte ein gro�es Loch in der Sohle, und aus dem anderen lugte ein Zeh heraus. Er hob eine Hand und fl�sterte: �Das Licht leuchte Euch und segne den Namen des Wiedergeborenen Drachen?� Bei ihm klang es wie eine Frage, und so verzog er auch sein schmales, ebenfalls schmutziges Gesicht fragend; aber schnell merkte sie, da� bei ihm wohl alles so wirkte. �Der Prophet kann jetzt nicht gest�rt werden? Er ist besch�ftigt? Ihr m��t ein wenig warten?� Uno nickte geduldig, und Ragan lehnte sich an die Wand. Sie hatten das schon �fter mitgemacht.</p><p>Nynaeve wu�te selbst nicht, was sie vom Propheten erwartet hatte, noch nicht einmal jetzt, da sie wu�te, wer er war � aber Schmutz hatte sie nicht erwartet. Diese Suppe hatte einen Geruch nach Kohl und Kartoffeln verbreitet �auch kaum die Art von Speisen, die man bei einem Mann vermutete, nach dessen Pfeife die ganze Stadt tanzte. Und dann nur zwei Dienstboten, und beide kamen m�glicherweise aus den schlimmsten Behausungen au�erhalb der Stadt.</p><p>Der knochige W�chter, falls er �berhaupt einer war �denn er war unbewaffnet und geno� vielleicht genausowenig Vertrauen wie sie �, schien nichts dagegen zu haben, wenn sie sich so stellte, da� sie durch die ge�ffnete T�r blicken konnte. Der Mann und die Frau dort drinnen h�tten nicht unterschiedlicher sein k�nnen. Masema hatte sogar die Skalplocke abrasiert, trug einen Mantel aus einfacher brauner Wolle, ziemlich zerknittert, aber sauber, und nur die kniehohen Stiefel waren abgesto�en. Die tiefliegenden Augen verwandelten seinen normalerweise schon s�uerlichen Gesichtsausdruck in eine wahrhaft finstere Miene, und auf einer dunklen Wange war das blasse Dreieck einer Narbe zu sehen, beinahe ein Spiegelbild von Ragans Narbe, nur vom Alter st�rker verbla�t und ein klein wenig n�her am Auge. Die Frau trug elegante, goldges�umte blaue Seide, war beinahe schon von mittleren Jahren und sehr h�bsch, obwohl ihre Nase vielleicht eine Idee zu lang war, als da� man sie h�tte sch�n nennen k�nnen. Ein einfaches blaues Netz hielt dunkles Haar zusammen, das ihr fast bis an die H�ften reichte, dazu hatte sie eine breite goldene Halskette angelegt, mit Feuerfunken besetzt, genau zum Armreif passend, und Ringe mit Edelsteinen schm�ckten nahezu alle Finger. W�hrend Masema auf dem Sprung zu sein schien, mit gefletschten Z�hnen auf jemanden loszugehen, zeigte sie w�rdige Zur�ckhaltung und Grazie.</p><p>�... so viele folgen Euch, wo immer Ihr hingeht�, sagte sie gerade, �da� Gesetz und Ordnung futsch sind, sobald Ihr ankommt. Die Menschen und ihr Eigentum sind nicht sicher... �</p><p>�Der Lord Drache hat alle Bindungen an Gesetze gel�st, alle, die von sterblichen M�nnern und Frauen geschaffen wurden.� Masema klang hitzig, aber auf eindringliche Art und nicht etwa zornig. �Die Prophezeiungen sagen aus, da� der Lord Drache alle Ketten sprengen wird, die uns binden, und so ist es. Die Ausstrahlung des Lord Drachen wird uns vor dem Schatten besch�tzen.�</p><p>�Hier ist nicht der Schatten die Bedrohung, sondern Stra�enr�uber und Taschendiebe und Schl�ger. Einige, ja viele derer, die Euch nachfolgen, glauben, sie k�nnten jedem alles abnehmen, was sie haben wollen, ohne daf�r zu bezahlen, und dann einfach gehen.�</p><p>�Im Leben nach dem Tod, wenn wir wiedergeboren werden, finden wir Gerechtigkeit. Sich mit den Dingen dieser Welt zu besch�ftigen ist nutzlos. Aber gut. Wenn Ihr irdische Gerechtigkeit w�nscht� � dabei verzog er ver�chtlich den Mund �, �dann la�t folgendes gelten: Wenn k�nftig ein Mann beim Stehlen erwischt wird, hackt man ihm die rechte Hand ab. Ein Mann, der eine Frau bel�stigt oder ihre Ehre beschneidet oder einen Mord begeht, wird aufgeh�ngt. Eine Frau, die stiehlt oder mordet, wird ausgepeitscht. Falls sich ein Ankl�ger findet und er zw�lf �berzeugt, seiner Anklage zuzustimmen, wird es k�nftig so gehalten. Das soll von nun an gelten.�</p><p>�Wie Ihr wollt; selbstverst�ndlich�, murrte die Frau. Edel und distanziert wirkte ihr Gesicht, aber sie h�rte sich ersch�ttert an. Nynaeve wu�te nichts von den in Ghealdan geltenden Gesetzen, aber sie glaubte nicht, da� man darin mit Menschenleben derart leichtfertig umging. Die Frau atmete tief durch. �Dann ist da noch die Angelegenheit mit den Lebensmitteln. Es wird immer schwieriger, so viele Menschen durchzuf�ttern.�</p><p>�Jeder Mann, jede Frau und jedes Kind, das zum Lord Drachen gekommen ist, hat ein Recht auf einen vollen Bauch. So mu� es sein. Wo man Gold findet, mu� man auch Lebensmittel finden, und es gibt zuviel Gold auf der Welt. Zuviel geschieht des Goldes wegen.� Masema wandte zornig den Kopf. Er war nicht zornig auf sie, nur ganz allgemein. Es schien, als suche er auf allen Seiten nach denen, denen das Gold so wichtig war, damit er seinen ganzen Zorn auf sie entladen konnte. �Der Lord Drache wurde wiedergeboren. Der Schatten dr�ut �ber der Welt, und nur der Lord Drache kann uns erretten. Nur der Glaube an den Lord Drachen, Unterwerfung und Gehorsam seinem Wort gegen�ber. Alles andere ist sinnlos, auch dort, wo es keine Blasphemie ist.�</p><p>�Gesegnet sei der Name des Lord Drachen unter dem Licht.� Es h�rte sich sehr eingelernt an. �Es ist nicht mehr einfach eine Angelegenheit des Goldes, Lord Prophet.</p><p>Lebensmittel in gen�genden Mengen aufzutreiben und herzuschaffen, ist... �</p><p>�Ich bin kein Lord�, unterbrach er sie wieder, und diesmal war er wirklich ver�rgert. Er beugte sich zu der Frau hin, Speichel an den Lippen, und obwohl sich ihr Gesichtsausdruck nicht �nderte, zuckten doch ihre H�nde, als h�tte sie sie gern in ihren Rock verkrampft. �Es gibt keinen Lord au�er dem Lord Drachen, in dem das Licht wohnt, und ich bin nur eine dem�tige Stimme des Lord Drachen. Denkt daran! Hochgestellt oder niedrigen Bluts, wer Blasphemie begeht, wird der S�uberung zum Opfer fallen!�</p><p>�Vergebt mir�, murmelte die so auffallend geschm�ckte Frau. Sie spreizte den Rock und knickste so tief, wie es an den Hof einer K�nigin gepa�t h�tte. �Es ist selbstverst�ndlich so, wie Ihr es gesagt habt. Es gibt keinen Lord au�er dem Lord Drachen, und ich bin nur eine dem�tige Dienerin des Lord Drachen � gesegnet sei sein Name �, die gekommen ist, um die Weisheit und die F�hrung des Propheten zu suchen.�</p><p>Masema wischte sich mit dem Handr�cken �ber den Mund und war pl�tzlich ganz kalt. �Ihr tragt zuviel Gold. La�t Euch nicht von irdischen Besitzt�mern verf�hren. Gold ist Unrat. Der Lord Drache ist alles.�</p><p>Sofort begann sie damit, die Ringe von ihren Fingern zu ziehen, und bevor noch der zweite weg war, eilte auch schon der magere Bursche von drau�en an ihre Seite, zog einen Beutel aus seiner Manteltasche, �ffnete ihn und hielt ihn ihr hin, damit sie die Ringe hineinfallen lie�. Auch die Halskette und der Armreif folgten.</p><p>Nynaeve sah Uno an und zog eine Augenbraue hoch.</p><p>�Jeder Pfennig geht an die Armen�, sagte er ihr mit so leiser Stimme, da� sie kaum etwas verstehen konnte, �oder an jemand Bed�rftigen. Wenn nicht irgendeine H�ndlerin ihm ihr Haus zur Verf�gung gestellt h�tte, dann s��e er in einem verdammten Stall oder in einer dieser verfluchten H�tten au�erhalb der Stadt.�</p><p>�Selbst sein Essen ist ein Geschenk�, sagte Ragan genauso leise. �Sie haben ihm urspr�nglich Speisen gebracht, die auch einem K�nig gemundet h�tten, doch dann fanden sie heraus, da� er alles wegschenkte bis auf ein wenig Brot, Suppe oder Eintopf. Er trinkt auch kaum noch Wein.�</p><p>Nynaeve sch�ttelte den Kopf. Nun, das war nat�rlich schon ein Weg, um Geld f�r die Armen zu bekommen. Man mu�te es einfach denen rauben, die <emphasis>nicht</emphasis> arm waren. Nat�rlich war dann irgendwann einmal <emphasis>jeder</emphasis> arm, aber f�r eine Weile konnte es schon gutgehen. Sie fragte sich, ob Uno und Ragan wirklich �ber alles Bescheid wu�ten. Leute, die behaupteten, f�r andere Geld zu sammeln, steckten gew�hnlich eine h�bsche Menge davon in die eigene Tasche; oder sie genossen viel zu sehr die Macht, die ihnen dieses Geld �ber andere verlieh, denen sie es geben oder enthalten konnten, wie sie wollten. Ihr gefiel ein Mann besser, der auch nur einen Kupferpfennig aus der eigenen Tasche gab, als einer, der eine Goldkrone hergab, die er wiederum einem anderen abgenommen hatte. Und von diesen Narren hielt sie �berhaupt nichts, die ihre H�fe und L�den aufgegeben hatten, um diesem... diesem <emphasis>Propheten</emphasis> zu folgen, ohne eine Ahnung zu haben, woher sie ihre n�chste Mahlzeit bekommen w�rden.</p><p>Drinnen im Zimmer knickste die Frau noch einmal und noch tiefer als vorher vor Masema, breitete ihren Rock weit aus und beugte das Haupt. �Bis man mir wieder die Ehre erweist, die Worte und den Ratschlag des Propheten zu empfangen. Der Name des Lord Drachen m�ge vom Licht gesegnet sein.�</p><p>Masema winkte sie geistesabwesend weg und hatte sie wohl schon halb vergessen. Er hatte die Gruppe im Flur entdeckt und blickte ihnen mit soviel Freude entgegen, wie sein saures Gesicht nur ausdr�cken konnte. Viel war es nicht. Die Frau rauschte hinaus und schien Nynaeve und die beiden M�nner gar nicht zu bemerken. Nynaeve schnaubte, als der magere Bursche im roten Mantel �ngstlich winkte, sie sollten eintreten. F�r jemanden, der gerade seinen ganzen Schmuck auf Verlangen hergegeben hatte, gab sich die Frau noch immer reichlich hoheitsvoll.</p><p>Der Magere huschte an seinen Platz neben der T�r zur�ck, als die anderen drei M�nner sich nach dem Brauch der Grenzlande die H�nde sch�ttelten, wobei sie sich am Unterarm fa�ten.</p><p>�Der Friede sei deinem Schwert gn�dig�, sagte Uno, und Ragan tat es ihm nach.</p><p>�Der Friede sei dem Lord Drachen gn�dig�, war die Antwort, �und sein Licht erleuchte uns alle.� Nynaeve stockte der Atem. Es gab keinen Zweifel daran, was er damit sagen wollte: Der <emphasis>Lord Drache</emphasis> sei die Quelle des Lichts. Und <emphasis>er</emphasis> besa� die Frechheit, vor anderen von Blasphemie zu sprechen! �Habt ihr endlich zum Licht gefunden?�</p><p>�Wir wandeln im Licht�, sagte Ragan vorsichtig. �Wie immer.� Uno schwieg und machte eine nichtssagende Miene.</p><p>Geduld und Ersch�pfung spielten in seltsamem Einklang �ber Masemas Z�ge. �Es gibt keinen anderen Weg zum Licht als durch den Lord Drachen. Ihr werdet den Weg und die Wahrheit am Ende auch erkennen, denn ihr habt den Lord Drachen gesehen, und nur jene, deren Seelen vom Schatten verschlungen werden, k�nnen sehen und dennoch nicht zum Glauben finden. Ihr geh�rt nicht zu ihnen. Ihr werdet den Glauben finden.�</p><p>Trotz Hitze und trotz des Wollschals bekam Nynaeve eine G�nsehaut auf den Armen. Vollkommene �berzeugung lag in der Stimme des Mannes, und aus der N�he bemerkte sie nun auch ein Glimmen in seinen beinahe schwarzen Augen, das schon dem Wahnsinn sehr nahe zu kommen schien. Sein Blick glitt �ber sie hinweg, und sie mu�te ihre Beinmuskulatur anspannen, damit ihre Knie nicht zitterten. Gegen ihn wirkte der wildeste Wei�mantel, den sie je gesehen hatte, noch lieb und friedlich. Diese Burschen in der Gasse waren nur ein schwacher Abklatsch ihres Meisters.</p><p>�Ihr da, Frau. Seid Ihr bereit, das Licht des Lord Drachen zu empfangen und daf�r S�nde und Fleischeslust zu lassen?�</p><p>�Ich wandle im Licht, so gut ich kann.� Sie �rgerte sich selbst dar�ber, da� sie genauso vorsichtig antwortete wie Ragan. S�nde? Was glaubte er denn, wer er sei?</p><p>�Euch ist die Fleischeslust zu wichtig.� Masemas Blick war vernichtend, als er �ber ihr rotes Kleid und den eng um sie gewickelten Schal glitt.</p><p>�Und was soll das wieder hei�en?� Uno ri� �berrascht die Augen auf, und Ragan gab mit den Handfl�chen nach unten beruhigende Signale, aber sie war nun nicht mehr aufzuhalten. �Glaubt Ihr etwa, Ihr h�ttet ein Recht dazu, mir vorzuschreiben, wie ich mich anziehen soll?� Bevor ihr selbst bewu�t wurde, was sie tat, hatte sie schon den Schal aufgeknotet und �ber ihre Ellbogen heruntergleiten lassen. Es war ja nun wirklich viel zu hei�. �Kein Mann hat ein Recht dazu, weder gegen�ber mir noch einer anderen Frau! Und wenn es mir pa�te, <emphasis>nackt</emphasis> herumzulaufen, ginge das Euch nichts an!�</p><p>Masema betrachtete einen Moment lang ihren Busen, wobei allerdings keine Spur von Bewunderung in seinem Blick aus tiefliegenden Augen lag, sondern nur �tzende Verachtung, und dann blickte er ihr direkt ins Gesicht. Unos echtes Auge und das aufgemalte pa�ten perfekt zusammen, so finster blickten beide drein, und Ragan zog den Kopf ein. Wahrscheinlich f�hrte er dabei lautlose Selbstgespr�che.</p><p>Nynaeve schluckte betreten. Es war ja wohl nichts damit gewesen, ihre Zunge zu h�ten. Vielleicht zum erstenmal in ihrem Leben bereute sie, gedankenlos drauflosgesprochen zu haben. Wenn dieser Mann befehlen konnte, da� anderen die H�nde abgeschlagen oder sie gar aufgeh�ngt wurden, und das nach einer l�cherlichen Verhandlung, die diesen Namen nicht verdiente, dann war er vermutlich zu allem f�hig. Sie glaubte, genug Zorn aufgestaut zu haben, um die Macht ben�tzen zu k�nnen.</p><p>Aber falls sie das tat... Falls sich Moghedien oder Schwarze Schwestern in Samara aufhielten... <emphasis>Aber wenn ich es nicht tue und er...?</emphasis> Am liebsten h�tte sie nun den Schal wieder ganz um sich geschlungen, bis hoch ans Kinn, doch nicht, w�hrend er sie so anstarrte. Etwas in ihrem Hinterkopf flehte sie an, sich nicht wie ein kompletter Wollkopf zu benehmen, denn nur M�nner stellten ihren Stolz �ber den gesunden Menschenverstand. Dennoch hielt sie trotzig seinem Blick stand, auch wenn sie sich mit M�he davon abhalten mu�te, nochmals betreten zu schlucken.</p><p>Er sch�rzte die Lippen. �Solche Kleider tr�gt man, um M�nner zu verf�hren, und sonst aus keinem anderen Grund.� Sie verstand nicht, wie seine Stimme gleichzeitig so inbr�nstig und doch eisig klingen konnte. �Gedanken an Fleischeslust lenken den Verstand vom Lord Drachen und dem Licht ab. Ich habe schon daran gedacht, Kleider zu verbieten, die die Blicke und den Verstand von M�nnern ablenken. Frauen, die ihre Zeit damit verschwenden, M�nner zu verf�hren, und M�nner, die Frauen verf�hren m�chten, m��ten gez�chtigt werden, bis sie wissen, da� man die wirkliche Freude nur in tiefen Gedanken an den Lord Drachen und das Licht finden kann.� Er blickte sie nicht mehr richtig an. Dieser d�stere, brennende Blick ging durch sie hindurch und verlor sich irgendwo in der Ferne. �Tavernen und andere H�user, wo man starke Getr�nke verkauft, und �berhaupt alle Orte, die den Verstand der Menschen von der wahren Verehrung ablenken, m�ssen geschlossen und niedergebrannt werden. In meinen Tagen der S�nde habe ich solche Orte besucht, aber das bereue ich nun von ganzem Herzen, so wie alle ihre �bertretungen bereuen sollten. Es gibt nur den Lord Drachen und das Licht! Alles andere ist eine Illusion und ein K�der des Schattens!�</p><p>�Das ist Nynaeve al'Meara�, sagte Uno schnell, als Masema Luft holen mu�te. �Aus Emondsfeld an den Zwei Fl�ssen, wo auch der Lord Drache herkommt.� Masema wandte langsam den Kopf und blickte den Ein�ugigen an. Sie nutzte die Gelegenheit, um sich den Schal wieder richtig umzulegen und zu verknoten. �Sie war mit dem Lord Drachen in Fal Dara und in Falme. Der Lord Drache hat sie in Falme gerettet. Der Lord Drache betrachtet sie fast als Mutter.�</p><p>Zu einem anderen Zeitpunkt h�tte er daraufhin von ihr einiges zu h�ren und vielleicht sogar eins aufs Ohr bekommen. Rand hatte sie <emphasis>nicht</emphasis> gerettet, oder jedenfalls nicht direkt, und sie war nur ein paar Jahre �lter als er. Als Mutter, ja? Masema wandte sich ihr wieder zu. Das fanatische Glimmen in seinen Augen von vorhin war nichts gegen das, was sie jetzt darin ablas. Sie gl�hten beinahe.</p><p>�Nynaeve. Ja.� Nun sprach er schneller. �Ja! Ich erinnere mich an Euren Namen und Euer Gesicht. Gesegnet seid Ihr unter den Frauen, Nynaeve al'Meara, mehr als jede andere Frau au�er der segensreichen Mutter des Lord Drachen selbst, denn Ihr habt den Lord Drachen aufwachsen sehen. Ihr habt Euch um den Lord Drachen gek�mmert, als er noch ein Kind war.� Er ergriff ihre Arme, und seine harten Finger verursachten ihr Schmerzen, doch schien er das gar nicht zu bemerken. �Ihr werdet den Volksmengen von der Kindheit des Lord Drachen berichten, von den ersten Weisheiten, die er von sich gab, von den Wundern, die ihn begleiteten. Das Licht hat Euch hergeschickt, um dem Lord Drachen zu dienen.�</p><p>Sie wu�te nicht, was sie darauf sagen sollte. Es hatte in Rands Umgebung niemals irgendwelche Wunder gegeben, jedenfalls nicht solche, die sie wahrgenommen h�tte. Sie hatte in Tear einiges geh�rt, aber das, was ein <emphasis>Ta'veren</emphasis> verursachte, konnte man wohl kaum als Wunder bezeichnen. Nicht wirklich. Selbst das, was in Falme geschehen war, konnte man durchaus rational erkl�ren. So einigerma�en. Und was seine fr�hen Weisheiten betraf, so war die erste, die sie von ihm vernommen hatte, da� er niemals mehr einen Stein nach jemandem werfen werde. Das hatte er nach einer kr�ftigen Tracht Pr�gel versprochen. Sie glaubte, sich seither an keine anderen Weisheiten mehr aus seinem Munde erinnern zu k�nnen. Und au�erdem: H�tte auch Rand von der Wiege an mit Weisheiten um sich geworfen, h�tten sich bei Nacht Kometen und bei Tag andere Erscheinungen am Himmel gezeigt, sie w�re trotzdem nicht in der N�he dieses Wahnsinnigen hier geblieben.</p><p>�Ich mu� flu�abw�rts reisen�, sagte sie zur�ckhaltend. �Um mich ihm anzuschlie�en. Dem Lord Drachen.� Den Namen brachte sie kaum �ber die Lippen, nachdem sie sich geschworen hatte, ihn nicht zu verwenden, aber bei dem Propheten konnte man Rand niemals einfach mit �er� bezeichnen. <emphasis>Ich bem�he mich halt nur, vern�nftig zu sein. Das ist alles.</emphasis> �Ein Mann ist eine Eiche, die Frau eine Weide� sagte man. Die Eiche k�mpfte gegen den Wind an und wurde gebrochen, w�hrend sich die Weide beugte, wenn es notwendig war, und �berlebte. Das mu�te ja nicht hei�en, da� ihr das Beugen besonderen Spa� machte. �Er... der Lord Drache... ist in Tear. Der Lord Drache hat mich dorthin bestellt.�</p><p>�Tear.� Masema nahm die H�nde von ihr und sie rieb sich unwillk�rlich die Arme. Sie mu�te das gar nicht versteckt tun, denn wieder blickte er durch sie hindurch in die Ferne. �Ja, das habe ich auch geh�rt.� Er sprach offensichtlich auch zu jemandem, der entweder weit entfernt oder in ihm selbst war. �Wenn Amadicia genauso zum Lord Drachen �bergegangen ist wie Ghealdan, werde ich das Volk nach Tear f�hren, um sich dort in den Strahlen des Lord Drachen zu sonnen. Ich werde J�nger aussenden, die das Wort des Lord Drachen in Tarabon und Arad Doman verbreiten, in Saldaea und Kandor und den Grenzlanden, auch in Andor, und ich werde das Volk anf�hren, um zu F��en des Lord Drachen zu knien.�</p><p>�Ein weiser Plan... �h... o Prophet des Lord Drachen.� Ein t�richter Plan, soweit sie das beurteilen konnte. Das hie� aber nicht, da� es nicht klappen k�nnte. T�richte Pl�ne gingen aus irgendeinem Grund �fters auf, wenn M�nner sie entworfen hatten. Rand w�rde es vielleicht sogar gefallen, wenn all diese Leute vor ihm knieten, falls er auch nur halb so arrogant geworden war, wie Egwene behauptete. �Aber wir... ich kann nicht warten. Ich bin herbeigerufen worden, und wenn uns der Lord Drache ruft, m�ssen wir einfachen Sterblichen gehorchen.� Eines Tages w�rde die Gelegenheit kommen, Rand f�r die Notwendigkeit, solche Worte in den Mund zu nehmen, eins �berzuziehen! �Ich mu� ein Schiff finden, das flu�abw�rts f�hrt.�</p><p>Masema sah sie so lange an, da� sie nerv�s wurde. Schwei� rann ihr den R�cken und zwischen den Br�sten hinunter, und das lag nur teilweise an der Hitze. Dieser Blick h�tte selbst Moghedien zum Schwitzen gebracht.</p><p>Schlie�lich nickte er, und der feurige religi�se Eifer verflog und lie� nur seine �bliche finstere Miene zur�ck. �Ja�, seufzte er. �Wenn Ihr gerufen wurdet, m��t Ihr gehen. Geht mit dem Licht und unter dem Licht. Kleidet Euch w�rdiger, denn diejenigen, die dem Lord Drachen nahestehen, m�ssen tugendhafter als alle anderen sein, und meditiert �ber den Lord Drachen und sein Licht.�</p><p>�Ein Flu�schiff?� beharrte Nynaeve. �Ihr m��t es doch erfahren, wenn ein Schiff nach Samara kommt oder in einem der D�rfer am Flu� anlegt. Wenn Ihr mir nur einfach sagt, wo ich eines finden kann, dann w�rde das meine Reise sehr... beschleunigen.� Sie hatte zuerst sagen wollen: �erleichtern�, doch sie glaubte nicht, da� dies f�r Masema eine Rolle spielen w�rde. �Ich besch�ftige mich nicht mit solchen Dingen�, sagte er gereizt. �Aber Ihr habt recht. Wenn der Lord Drache befiehlt, m��t Ihr auf dem Fu�e folgen. Ich werde fragen. Falls man ein Schiff findet, wird irgend jemand mir das �ber kurz oder lang mitteilen.� Sein Blick schweifte zu den beiden M�nnern hin�ber. �Ihr m��t bis dahin daf�r sorgen, da� sie in Sicherheit ist. Falls sie darauf besteht, sich derart anzuziehen, wird sie M�nner mit schmutzigen Gedanken verf�hren. Sie mu� besch�tzt werden wie ein entlaufenes Kind, bis sie sich wieder beim Lord Drachen befindet.�</p><p>Nynaeve bi� sich auf die Zunge. Eine Weide und keine Eiche, wenn es notwendig war, sich zu beugen. Sie brachte es fertig, ihren �rger hinter einem L�cheln zu verbergen, das alle Dankbarkeit ausdr�cken sollte, die sich dieser n�rrische Mann w�nschen konnte. Allerdings war er ein gef�hrlicher Narr. Daran w�rde sie sich erinnern m�ssen.</p><p>Uno und Ragan verabschiedeten sich schnell, wobei sie sich alle wieder am Unterarm packten, und zogen sie hinaus, jeder an einem Arm, als hielten sie es aus irgendeinem Grund f�r notwendig, sie schleunigst von Masema wegzubringen. Der schien sie alle bereits vergessen zu haben, bevor sie noch an der T�r waren. Er runzelte schon wieder die Stirn, als er den drahtigen kleinen Mann erblickte, der mit einem derben Kerl in einem Bauernmantel wartete. Der Mann zerkn�llte seine Kappe in den dicken H�nden, und auf seinem breiten Gesicht stand Ehrfurcht geschrieben.</p><p>Sie sagte kein Wort, als sie wieder durch die K�che zur�ckgingen, wo die grauhaarige Frau mit der Zunge an ihren Z�hnen entlangfuhr und dabei die Suppe r�hrte, als h�tte sie sich in der Zwischenzeit �berhaupt nicht bewegt. Nynaeve hielt noch immer den Mund, als die M�nner sich ihre Waffen zur�ckholten, und auch dann noch, bis sie aus der Gasse heraus waren und auf etwas standen, das man allm�hlich als Stra�e bezeichnen konnte. Nun aber fuhr sie die beiden an, wobei sie ihnen abwechselnd drohend den Finger unter die Nase hielt. �Wie k�nnt Ihr es wagen, mich derart hinauszuzerren!� Leute, die gerade vorbeikamen, grinsten � M�nner verst�ndnisvoll und Frauen beif�llig �, obwohl ja niemand eine Ahnung haben konnte, warum sie so auf sie einbr�llte. �Noch f�nf Minuten, und ich h�tte ihn soweit gehabt, da� er noch heute ein Schiff aufgetrieben h�tte! Wenn Ihr mich jemals wieder anfa�t...� Uno schnaubte so laut, da� sie �berrascht innehielt.</p><p>�Noch f�nf verfluchte Minuten, und Masema h�tte verdammt noch mal Hand an <emphasis>Euch</emphasis> gelegt. Oder vielmehr h�tte er jemandem befohlen, das f�r ihn zu besorgen, und das h�tte verflucht noch mal jemand wirklich getan! Wenn er sagt, etwas solle gemacht werden, dann findet er immer f�nfzig verdammte H�nde oder auch hundert oder verfluchte tausend, wenn es sein mu�, um es f�r ihn zu tun!� Er marschierte davon, die Stra�e hinunter, Ragan immer an seiner Seite. Sie mu�te mitgehen, oder sie w�rde zur�ckbleiben. Uno lief so schnell weiter, als wisse er genau, da� sie ihnen folgte. Beinahe w�re sie in die entgegengesetzte Richtung gegangen, nur aus reinem Trotz. Ihnen zu folgen hatte nichts damit zu tun, da� sie etwa f�rchtete, sich in diesem Kaninchenbau von Stra�en zu verlaufen. Sie h�tte den Weg hinaus schon gefunden. Irgendwann. �Er lie� einen verdammten Lord des Hochrats der Krone auspeitschen � auspeitschen! �, obwohl er nur halb so zornig war wie auf Euch�, grollte der Ein�ugige. �Das Wort des Lord Drachen mi�achten, nannte er es. Friede! Ihm vorzuwerfen, welches verfluchte Recht er habe, Euer verdammtes Kleid zu kritisieren! Ein paar Minuten lang habt Ihr euch gut gehalten, aber ich habe Eure Miene zum Schlu� genau beobachtet. Ihr wart drauf und dran, noch mal auf ihn, verdammt noch mal, loszugehen. Das einzig noch Schlimmere, das Ihr h�ttet tun k�nnen, w�re, im Namen des Lord Drachen zu fluchen. Das bezeichnet er als Blasphemie. Genausogut k�nnt Ihr den verfluchten Namen des verdammten Dunklen K�nigs nennen!�</p><p>Ragans Skalplocke wackelte, so lebhaft nickte er. �Erinnerst du dich an die Lady Baelome, Uno? Gleich, nachdem aus Tear die ersten Ger�chte �ber den Lord Drachen auftauchten, Nynaeve, sagte sie etwas in abf�lligem Ton �ber �diesen Rand al'Thor�, und das in Masemas H�rweite. Er holte nicht einmal Luft, so schnell schickte er nach einer Axt und einem Hackklotz.�</p><p><emphasis>�Daf�r</emphasis> lie� er jemand enthaupten?� fragte sie ungl�ubig.</p><p>�Nein�, knurrte Uno angewidert. �Aber nur, weil sie verdammt schnell vor ihm kroch, als sie begriff, da� er es blutig ernst meinte. Sie wurde hinausgeschleppt und an ihren verfluchten Handgelenken hinten an ihre eigene Kutsche geh�ngt und von vorn bis hinten durch das verdammte Dorf geschleift, in dem wir uns gerade befanden. Ihre eigenen verdammten Lakaien standen daneben wie ein Haufen feiger Bauern und schauten zu.�</p><p>�Als sie mit ihr fertig waren�, f�gte Ragan hinzu, �dankte sie Masema f�r seine Gnade, genauso wie auch ihr Mann, Lord Aleshin.� Sein Tonfall war viel zu belehrend, um ihr zu passen. Er wollte ihr eine Lehre erteilen und sichergehen, da� sie ihn auch verstand. �Sie hatten einen guten Grund daf�r, Nynaeve. Ihre w�ren nicht die ersten K�pfe gewesen, die er auf Stangen stecken lie�. Eurer w�re vielleicht der im Moment letzte gewesen. Und unsere w�ren auch gleich mitgerollt, h�tten wir versucht, Euch zu helfen. Masema bevorzugt niemanden.�</p><p>Sie holte erst einmal Luft. Wie konnte Masema soviel Macht besitzen? Und offensichtlich nicht nur bei seinen eigenen Anh�ngern. Aber andererseits gab es ja keinen Grund daf�r, warum Lords und Ladies nicht genauso gro�e Narren sein sollten wie jeder Bauer. Ihrer Einsch�tzung nach waren viele davon sogar die gr��eren. Diese dumme Frau mit den vielen Ringen war ganz bestimmt auch eine Lady gewesen; solche Steine trug keine einfache Kauffrau. Aber Ghealdan hatte doch sicherlich eigene Gesetze und Gerichte und Richter! Wo war denn die K�nigin oder der K�nig? Sie konnte sich nicht daran erinnern, wer in Ghealdan herrschte. Keiner an den Zwei Fl�sse hatte je viel mit K�niginnen oder K�nigen am Hut gehabt, aber daf�r waren sie ja schlie�lich da, diese Lords und Ladies � um daf�r zu sorgen, da� im Land Gerechtigkeit herrschte. Doch was Masema hier auch tat, ging sie letzten Endes nichts an. Sie hatte wichtigere Probleme, als sich um eine Horde von T�lpeln Gedanken zu machen, die sich von einem Wahnsinnigen tyrannisieren lie�en.</p><p>Trotzdem lie� die Neugier sie sagen: �Meint er das ernst, da� er versuchen will, Frauen und M�nner davon abzuhalten, sich �berhaupt noch anzuschauen? Was wird seiner Meinung nach geschehen, wenn es keine Heiraten und Kinder mehr gibt? Wird er als n�chstes die Leute davon abhalten, den Boden zu bebauen oder zu weben oder Schuhe anzufertigen, damit sie statt dessen �ber Rand al'Thor nachdenken k�nnen?� Sie betonte diesen Namen mit voller Absicht. Diese beiden liefen herum und nannten ihn schon den �Lord Drachen�, wenn auch nur eine Stecknadel zu Boden fiel. Beinahe so schlimm wie Masema. �Ich sage Euch eines: Wenn er versucht, den Frauen vorzuschreiben, wie sie sich anziehen sollen, dann <emphasis>wird</emphasis> er einen Aufstand hervorrufen. Gegen sich selbst.� In Samara mu�te es doch etwas wie eine Versammlung der Frauen geben. Das gab es in den meisten Orten, wenn auch oft unter anderen Namen, und oftmals auch nicht als offizielle Einrichtung. Es gab eben Dinge zu tun, f�r die den M�nnern der rechte Sinn fehlte. Sie konnten Frauen zur Rechenschaft ziehen, wenn sie unanst�ndig gekleidet waren, und taten das f�r gew�hnlich auch, aber das war nicht das gleiche, als mische sich ein Mann in solche Angelegenheiten ein. Die Frauen mischten sich ja auch nicht in Angelegenheiten der M�nner ein, oder doch nicht mehr als notwendig; also sollten die M�nner ihre Finger aus denen der Frauen lassen. �Und ich denke, die M�nner werden nicht anders reagieren, wenn er versucht, die Tavernen und �hnliches zu schlie�en. Ich habe noch nie einen Mann gesehen, der sich nicht in den Schlaf heult, wenn er seine Nase nicht abends von Zeit zu Zeit noch in einen Krug stecken kann.�</p><p>�Vielleicht wird er�, sagte Ragan, �und vielleicht wird er nicht. Manchmal ordnet er Dinge an, und manchmal vergi�t er es oder schiebt es auf, weil etwas Wichtigeres aufkommt. Ihr w�rt �berrascht�, f�gte er trocken hinzu, �wenn Ihr w��tet, wieviel seine Anh�nger ohne Murren hinnehmen.� Ihr wurde bewu�t, da� er und Uno sie in die Mitte genommen hatten und die anderen Menschen auf der Stra�e mi�trauisch beobachteten. Auch ihrem unge�bten Blick schien es, die beiden seien jeden Moment bereit, innerhalb eines Herzschlags die Schwerter zu ziehen.</p><p>�Er ist nicht gegen die verdammte Heiraterei�, grollte Uno und starrte dabei einen Stra�enh�ndler mit Fleischpasteten auf einem Tablett so b�se an, da� der Mann sich umdrehte und davonlief, ohne die M�nzen der beiden Frauen entgegenzunehmen, die mit Pasteten in der Hand vor ihm standen. �Ihr hattet Gl�ck! Er hat sich nicht daran erinnert, da� Ihr keinen Mann habt, sonst h�tte er Euch vielleicht mit einem Ehemann zum Lord Drachen geschickt. Manchmal w�hlt er willk�rlich drei- oder vierhundert unverheiratete M�nner und genauso viele Frauen aus, und, verflucht noch mal, verheiratet sie einfach. Die meisten haben sich vorher �berhaupt noch nicht kennengelernt. Wenn dieser feige Abschaum sich nicht verdammt <emphasis>dar�ber</emphasis> beklagt, glaubt Ihr dann, sie w�rden die blutigen M�uler aufrei�en wegen ein bi�chen Bier?�</p><p>Ragan knurrte etwas in sich hinein, doch sie schnappte genug auf, um die Augen zusammenzuziehen. �Mancher Mann wei� nicht, wie verdammt viel Gl�ck <emphasis>er</emphasis> hat.� Das hatte er gesagt. Er bemerkte ihren zornigen Blick nicht einmal. Er war zu sehr damit besch�ftigt, die Stra�e zu beobachten, wohl um rechtzeitig jemanden zu entdecken, der sie wie ein Schwein im Sack davonschleppen wollte. Sie war heftig in Versuchung, sich den Schal herunterzurei�en und ihn wegzuwerfen. Er schien auch ihr Schnauben nicht wahrzunehmen. M�nner konnten schon unertr�glich blind und taub sein, wenn sie wollten.</p><p>�Wenigstens hat er nicht versucht, meinen Schmuck zu stehlen�, sagte sie. �Wer war diese t�richte Frau, die ihm den ihren gab?� Sie hatte bestimmt nicht viel Verstand, wenn sie zu Masemas Anh�ngern geh�rte.</p><p>�Das�, verk�ndete Uno, �war Alliandre, Gesegnete des Lichts, K�nigin des verdammten Ghealdan. Und ein Dutzend weitere Titel, wie Ihr S�dl�nder sie so gern sammelt.�</p><p>Nynaeve stie� mit dem gro�en Zeh gegen einen hervorstehenden Pflasterstein und w�re fast gest�rzt. �Also auf diese Art setzt er sich durch�, rief sie und sch�ttelte ihre helfenden H�nde ab. �Wenn schon die <emphasis>K�nigin</emphasis> dumm genug ist, auf ihn zu h�ren, dann ist es kein Wunder, da� er tun und lassen kann, was er will.�</p><p>�Sie ist alles andere als dumm�, sagte Uno in scharfem Ton. Er warf ihr einen finsteren Blick zu, bevor er sich wieder der Beobachtung der Stra�e zuwandte. �Eine weise Frau. Wenn Ihr euch verdammt noch mal auf einem wilden Pferd wiederfindet, dann haltet Ihr euch verflucht fest und la�t es laufen, wie es will, falls Ihr noch ein bi�chen Verstand im Kopf habt. Ihr haltet sie f�r dumm, weil Masema ihre Ringe weggenommen hat? Sie ist verdammt schlau genug, um zu wissen, da� er mehr verlangen w�rde, wenn sie bei ihren Besuchen keinen Schmuck mehr tr�ge. Beim erstenmal hat er sie besucht, wenn es auch seither umgekehrt lief, und er hat ihr die Ringe einfach von den verfluchten Fingern gezogen. Sie hatte Perlenketten im Haar, und er hat sie zerrissen, als er sie herausgezogen hat. Alle ihre Hofdamen haben auf den Knien gelegen und die blutigen Dinger vom Boden aufgelesen. Alliandre hat sogar selbst welche gesammelt.�</p><p>�Das klingt aber in meinen Ohren keineswegs so weise�, beharrte sie tapfer. �Es h�rt sich nach Feigheit an.� <emphasis>Und wem zitterten die Knie, weil er sie scharf anblickte?</emphasis> fragte eine Stimme in ihrem Kopf. <emphasis>Wer schwitzte wie bl�d?</emphasis> Nun, wenigstens hatte sie sich nicht von ihm unterkriegen lassen. <emphasis>Gewi� nicht. Sich wie eine Weide zu biegen ist doch nicht das Gleiche, als sich wie eine Maus zu verkriechen, oder?</emphasis> �Ist sie nun die K�nigin oder nicht?�</p><p>Die beiden M�nner tauschten wieder einen dieser irritierenden Blicke, und Ragan sagte ruhig: �Ihr versteht das nicht, Nynaeve. Alliandre ist die vierte, die auf dem vom Licht Gesegneten Thron sitzt, seit wir nach Ghealdan kamen, und das war noch nicht einmal vor einem halben Jahr. Johanin trug die Krone, als Masema begann, die Massen an sich zu ziehen, aber er glaubte, Masema sei ein harmloser Verr�ckter und unternahm nichts, sogar noch, als die Massen seiner Anh�nger st�ndig anwuchsen und seine Adligen von ihm verlangten, er solle dem Spuk ein Ende bereiten. Johanin starb bei einem Jagdunfall...�</p><p>�Jagdunfall!� warf Uno h�hnisch ein. Ein H�ndler mit Bauchladen, der zuf�llig in seine Richtung blickte, lie� vor Schreck seine s�mtlichen Nadeln und Fadenrollen fallen. �Es sei denn, er konnte kein verdammtes Ende eines Jagdspie�es vom anderen unterscheiden. Verfluchte S�dl�nder und ihr verfluchtes Spiel der H�user!�</p><p>�Und Ellizelle war seine Nachfolgerin�, nahm Ragan den Faden wieder auf. �Sie lie� die Volksmengen vom Heer auseinandertreiben, bis es schlie�lich zum offenen Kampf kam und das Heer davongejagt wurde.�</p><p>�Verdammt sch�bige Nachahmung von echten Soldaten�, knurrte Uno. Sie w�rde noch einmal mit ihm seiner Ausdrucksweise wegen ein W�rtchen reden m�ssen.</p><p>Ragan nickte zustimmend, fuhr aber mit dem fort, was er erz�hlen wollte: �Man behauptet, Ellizelle habe daraufhin Gift geschluckt, aber wie sie auch gestorben sein mag, sie wurde jedenfalls durch Teresia ersetzt, die sich nach ihrer Kr�nung genau zehn Tage halten konnte, bis sie die Gelegenheit ergriff, zweitausend Soldaten auf zehntausend Leute zu hetzen, die sich au�erhalb von Jehannah versammelt hatten, um Masema zu h�ren. Nachdem ihre Soldaten in die Flucht geschlagen wurden, dankte sie ab und heiratete einen reichen Kaufmann.� Nynaeve starrte ihn ungl�ubig an, und Uno schnaubte. Der j�ngere Mann beharrte jedoch darauf: �So sagt man jedenfalls. Nat�rlich bedeutet in diesem Land eine Ehe mit einem Nichtadligen, da� man f�r immer auf jeden Anspruch auf den Thron verzichtet. Was auch Beron Goraed davon halten mag, eine h�bsche junge Frau von k�niglichem Gebl�t zu haben, so haben ihn doch wohl ein paar Dutzend Dienstmannen Alliandras aus dem Bett gezerrt und zum Jheda-Palast geschleppt, um in aller Fr�he die Hochzeit zu vollziehen. Teresia reiste ab, um auf den Landg�tern ihres frischgebackenen Ehemannes zu wohnen, w�hrend Alliandre gekr�nt wurde � alles noch vor Sonnenaufgang. Die neue K�nigin bestellte Masema in den Palast und teilte ihm mit, da� er nicht mehr behelligt werde. Innerhalb von zwei Wochen drehte sich die Lage, und sie wurde zu ihm zitiert. Ich wei� nicht, ob sie wirklich das glaubt, was er predigt, aber ich wei�, da� sie sich auf den Thron eines Landes am Rande des B�rgerkriegs setzte, mit den Wei�m�nteln dazu auf dem Sprung, einzumarschieren, und sie hat dem auf die einzige Art Einhalt geboten, die ihr blieb. Das ist eine weise K�nigin, und ein Mann k�nnte stolz darauf sein, ihr zu dienen, obwohl sie eine S�dl�nderin ist.�</p><p>Nynaeve �ffnete den Mund und verga�, was sie hatte sagen wollen, als Uno ganz nebenbei erw�hnte: �Irgendein verdammter Wei�mantel verfolgt uns. Seht Euch nicht um, Frau. Ihr solltet es wirklich besser wissen.�</p><p>Ihr Hals versteifte sich, weil sie sich solche M�he geben mu�te, geradeaus zu blicken. Ein Schauder lief ihr den R�cken herunter. �Biegt an der n�chsten Ecke ab, Uno.�</p><p>�Das bringt uns von den Hauptstra�en und dem verdammten Stadttor weg. Wir k�nnen ihn verflucht noch mal in der Menge abh�ngen.�</p><p>�Biegt ab!� Sie holte langsam Luft und bem�hte sich, mit weniger schriller Stimme zu sprechen: �Ich mu� ihn sehen.�</p><p>Uno blickte so wild drein, da� ihnen die Leute auf zehn Schritt im voraus aus dem Weg gingen, aber sie bogen in die n�chste enge Stra�e ab. Als sie um die Ecke kamen, drehte sie unauff�llig ein wenig den Kopf, bevor die Mauerkante einer kleinen Taverne ihr den Blick zur�ck verwehrte. Der schneewei�e Umhang mit dem strahlenden Sonnenaufgang hob sich deutlich von der Kleidung der �brigen Passanten ab. Dieses sch�ne Gesicht, von dem sie sicher gewesen war, da� es zu dieser Uniform geh�rte, war unverkennbar. Kein anderer Wei�mantel au�er Galad h�tte einen Grund gehabt, sie zu verfolgen, und niemand w�re auf die Idee gekommen, ausgerechnet Uno und Ragan hinterherzulaufen.</p></section><section><title><p>40</p><p>Das Rad webt</p></title><p>Sobald das Geb�ude Galad verbarg, blickte Nynaeve schnell geradeaus und beobachtete die vor ihnen liegende Stra�e. Wut stieg in ihr auf, sowohl auf sie selbst wie auf Galadedrid Damodred. <emphasis>Du hirnloser Wollkopf!</emphasis> Sie befanden sich in einer engen Gasse wie so viele hier, mit runden Steinen gepflastert, rechts und links graue Ladengeb�ude und Wohnh�user und Tavernen, von einer langsam d�nner werdenden nachmitt�glichen Menschenmenge belebt. <emphasis>Wenn du nicht in die Stadt gekommen w�rst, h�tte er dich nie entdeckt!</emphasis> Jedenfalls waren es nicht mehr genug Menschen, da� man sich dazwischen h�tte verbergen k�nnen. <emphasis>Du mu�test ja unbedingt den Propheten sehen! Du mu�test unbedingt glauben, der Prophet w�rde dich wegzaubern, bevor Moghedien dich findet! Wann wirst du endlich lernen, dich auf niemanden zu verlassen als auf dich selbst?</emphasis> Einen Augenblick sp�ter hatte sie sich entschlossen. Wenn Galad um diese Ecke kam und sie nicht sah, w�rde er anfangen, in den L�den und vielleicht auch in den Tavernen zu suchen.</p><p>�Hier her�ber.� Sie raffte ihre R�cke und huschte in die n�chste Gasse, wo sie sich mit dem R�cken gegen die Mauer dr�ckte. Niemand beachtete sie weiter, so unauff�llig wie sie sich verhielt, und es interessierte sie nicht, was man �ber die Zust�nde in Samara sagte. Uno und Ragan standen neben ihr, bevor sie noch die Mauer ber�hrte, und sie dr�ngten sie noch ein St�ck weiter in die staubige, ungepflasterte Gasse hinein, an einem alten, gesprungenen Eimer und einem Regenwasserbottich vorbei, der so ausgetrocknet war, da� er beinahe nach innen zusammenfiel. Wenigstens machten sie, was <emphasis>sie</emphasis> wollte. Auf gewisse Weise. Mit angespannten Muskeln und den H�nden an den langen Griffen der Schwerter auf ihren R�cken waren sie bereit, sie zu besch�tzen, ob sie das nun w�nschte oder nicht. <emphasis>La� sie, du N�rrin! Glaubst du etwa, du k�nntest dich selbst besch�tzen?</emphasis></p><p>Zornig genug war sie. Galad! Ausgerechnet er! Sie h�tte die Menagerie niemals verlassen d�rfen! Eine t�richte Laune, und die konnte ihnen nun alles verderben. Sie konnte hier so wenig die Macht ben�tzen wie gegen Masema. Allein die M�glichkeit, da� sich Moghedien oder Schwarze Schwestern in Samara aufhalten k�nnten, zwang sie dazu, sich auf den Schutz durch die beiden M�nner zu verlassen. Das reichte, um ihren Zorn noch weiter zu sch�ren. Sie h�tte am liebsten in die Mauer hinter sich gebissen. Ihr war klar, warum die Aes Sedai ihre Beh�ter hatten, jedenfalls alle au�er den Roten. Ihrem Verstand war das klar. In ihrem Herzen l�ste das nur den ohnm�chtigen Wunsch aus, zu fauchen und kratzen und bei�en...</p><p>Galad erschien und schritt mit suchenden Blicken langsam zwischen den anderen Passanten hindurch. Normalerweise h�tte er vorbeigehen m�ssen � in der Tat! �, aber beinahe augenblicklich fiel sein Blick auf die Seitengasse und damit auf sie. Er besa� noch nicht einmal soviel Anstand, zufrieden oder wenigstens �berrascht dreinzublicken.</p><p>Uno und Ragan traten nebeneinander, als sich Galad der Gasse zuwandte. Gedankenschnell hatte der Ein�ugige sein Schwert gezogen, und Ragan war nicht viel langsamer, obwohl er sich noch die Zeit nahm, sie tiefer in die enge Gasse hineinzusto�en. Sie stellten sich hintereinander auf. Sollte Galad an Uno vorbeikommen, m��te er sich immer noch Ragan zum Kampf stellen.</p><p>Nynaeve knirschte mit den Z�hnen. Sie k�nnte daf�r sorgen, da� all diese Schwerter v�llig nutzlos und �berfl�ssig w�ren. Sie sp�rte die Wahre Quelle wie ein unsichtbares Licht �ber ihrer Schulter, und sie wartete auf ihre Ber�hrung. Sie k�nnte es tun. Falls sie es wagte.</p><p>Galad blieb am Eingang der Gasse stehen, den Umhang zur�ckgeworfen und eine Hand gelassen am Heft seines Schwertes ruhend, das Bild einer gespannten Stahlfeder. W�re nicht der auf Hochglanz polierte Harnisch gewesen, h�tte er sich auch auf einem Hofball befinden k�nnen, so elegant wirkte er.</p><p>�Ich will keinen von Euch t�ten, Schienarer�, sagte er ruhig zu Uno. Nynaeve hatte Elayne und Gawyn von Galads Geschick mit dem Schwert erz�hlen h�ren, aber zum erstenmal wurde ihr klar, da� er m�glicherweise wirklich so gut war, wie sie behaupteten. Zumindest glaubte er daran. Zwei altgediente Soldaten mit gezogenen Klingen, und er sah sie an wie ein Wolfshund ein paar Scho�h�ndchen, suchte den Kampf nicht, war aber vollkommen sicher, da� er mit beiden fertig w�rde. Ohne den Blick ganz von den beiden M�nnern zu wenden, sagte er zu ihr: �Eine andere w�re vielleicht in einen Laden oder eine Schenke gelaufen, aber Ihr tut niemals, was man erwartet. La�t Ihr mich mit Euch sprechen? Es ist nicht notwendig, mich zu zwingen, diese M�nner zu t�ten.�</p><p>Keiner der Passanten blieb stehen, doch obwohl drei M�nner ihr die Sicht nahmen, konnte sie sehen, wie sie sich die K�pfe verrenkten, um einen Blick darauf zu erhaschen, was den Wei�mantel dahin gelockt hatte. Und nat�rlich bemerkten sie die gezogenen Schwerter. In diesen K�pfen w�rden bald neue Ger�chte ausgebr�tet, und sie w�rden schneller durch die Stadt fliegen als die schnellsten Rauchschwalben.</p><p>�La�t ihn vorbei�, befahl sie. Als sich Uno und Ragan nicht r�hrten, wiederholte sie den Befehl etwas sch�rfer. Dann traten sie ganz langsam zur Seite, soweit es die enge Gasse gestattete, und obwohl keiner von beiden ein Wort sagte, war etwas wie zorniges Gemurre zu vernehmen. Galad schritt geschmeidig an ihnen vorbei und schien die Schienarer zu vergessen. Sie vermutete aber, es sei ein Fehler, das zu glauben, und die M�nner mit den Skalplocken glaubten es offensichtlich tats�chlich nicht.</p><p>Abgesehen von den Verlorenen konnte sie sich keinen Mann vorstellen, den sie im Augenblick weniger zu treffen w�nschte, aber bei diesem Gesicht war sie sich ihrer beschleunigten Atmung und ihres Herzklopfens nur zu bewu�t. Es war einfach l�cherlich. Warum konnte dieser Mann nicht h��lich sein? Oder wenigstens durchschnittlich aussehen?</p><p>�Euch war klar, da� ich wu�te, Ihr verfolgt mich.� Die Anschuldigung brach heftig aus ihr heraus, obwohl sie gar nicht wu�te, wessen sie ihn eigentlich beschuldigte. Wahrscheinlich, weil er nicht getan hatte, was sie wollte und erwartete, dachte sie zerknirscht.</p><p>�Das habe ich angenommen, sobald ich Euch erkannte, Nynaeve. Ich erinnere mich daran, da� Ihr gew�hnlich mehr seht, als Ihr zugebt.�</p><p>Sie w�rde sich nicht von ihm durch Komplimente ablenken lassen. Sie sah ja, wohin das bei Valan Luca gef�hrt hatte. �Was macht Ihr in Ghealdan? Ich glaubte, Ihr w�rt auf dem Weg nach Altara.�</p><p>Einen Augenblick lang sah er mit diesen dunklen, sch�nen Augen auf sie herab, und dann lachte er pl�tzlich. �Auf der ganzen Welt, Nynaeve, w�rdet nur Ihr allein mich das fragen, was eigentlich <emphasis>ich</emphasis> Euch fragen sollte. Also gut. Ich werde Euch die Frage beantworten, obwohl es eigentlich anders herum sein sollte. Ich hatte Marschorder nach Salidar in Altara, doch alle Befehle wurden abge�ndert, als dieser Prophet... Was ist los mit Euch? Ist Euch schlecht?�</p><p>Nynaeve zwang sich dazu, eine unbeteiligte Miene zu machen. �Nat�rlich nicht�, antwortete sie gereizt. �Ich bin bei bester Gesundheit, danke der Nachfrage.� Salidar! Nat�rlich! Es war, als habe sich bei der Erw�hnung dieses Namens eines von Aludras Feuerst�ckchen in ihrem Hirn entz�ndet. All dieses Kopfzerbrechen, und dann gab ihr Galad so nebenbei diesen Namen, den sie aus eigener Kraft nicht aus ihrem Ged�chtnis hatte ausgraben k�nnen. Wenn nur Masema schnell ein Schiff auftrieb! Wenn sie nur sicherstellen k�nnte, da� Galad sie nicht verriet. Nat�rlich nicht, indem sie ihn von Uno und Ragan umbringen lie�. Was Elayne auch sagen mochte, Nynaeve glaubte jedenfalls nicht, da� sie es gern h�tte, wenn man ihren Bruder niederstach. Wenig Aussichten darauf, da� er glauben w�rde, Elayne befinde sich nicht bei ihr. �Ich komme nur noch nicht �ber die �berraschung hinweg, Euch hier zu anzutreffen.�</p><p>�Das d�rfte eine Kleinigkeit sein gegen meine, als ich herausfand, da� Ihr aus Sienda entschl�pft wart.� Auch der pl�tzliche Ernst stand diesem sch�nen M�nnergesicht ungl�cklicherweise sehr gut, doch sein Tonfall minderte dessen Wirkung auf sie. Ein wenig. Er klang, als halte er einem kleinen M�dchen eine Strafpredigt, weil sie sich nach dem Schlafengehen noch aus dem Haus gestohlen hatte, um auf einen Baum zu klettern. �Mir war furchtbar schlecht vor Sorgen. Was beim Licht ist Euch da eingefallen? Habt Ihr eine Ahnung, welches Risiko Ihr dabei eingegangen seid? Und dann noch hierher zu kommen, ausgerechnet nach Samara. Elayne sattelt ja ein Pferd immer am liebsten im vollen Galopp, aber ich hoffte, da� wenigstens Ihr mehr gesunden Menschenverstand h�ttet. Dieser sogenannte Prophet...� Er brach ab und sah die beiden M�nner an. Uno hatte sein Schwert auf den Boden gest�tzt, und seine vernarbten H�nde ruhten auf dem Knauf. Ragan schien so konzentriert die Schneide seiner Klinge zu inspizieren, da� er nichts sah oder h�rte.</p><p>�Ich habe Ger�chte vernommen�, fuhr Galad bed�chtig fort, �da� er ein Schienarer sei. Ihr k�nnt doch wohl nicht so hirnlos sein, Euch irgendwie mit ihm einzulassen!� Es lag ein f�r ihren Geschmack viel zu fragender Unterton in seinen Worten.</p><p>�Keiner von beiden ist der Prophet, Galad�, sagte sie trocken. �Ich kenne sie schon eine ganze Weile, das kann ich Euch sagen. Uno, Ragan, Ihr solltet jetzt Eure Schwerter wegstecken, es sei denn Ihr h�ttet vor, Eure Zehenn�gel damit zu reinigen. Also?� Sie z�gerten, gaben aber doch nach. Uno murrte ein wenig und blickte b�se drein, aber sie steckten die Waffen weg. M�nner reagierten meist, wenn man sie streng genug anfuhr. Die meisten jedenfalls.</p><p>Manchmal.</p><p>�Ich h�tte es von ihnen auch kaum angenommen, Nynaeve.� Galads Tonfall, noch trockener als der ihre, lie� wieder Zorn in ihr aufsteigen, doch als er fortfuhr, klang es eher ver�rgert als �berheblich. Und besorgt. Das allerdings verst�rkte ihren Zorn zus�tzlich. Er verursachte bei ihr beinahe Herzklopfen, und er besa� die Stirn, sich auch noch Sorgen zu machen! �Ich wei� nicht, worin Ihr und Elayne hier wieder verwickelt seid, und es ist mir auch gleich, solange ich Euch heraushelfen kann, bevor man Euch etwas antut. Der Handel auf dem Flu� ist fast erlegen, aber innerhalb der n�chsten Tage sollte doch einmal ein passendes Schiff hier anlegen. La�t mich wissen, wo ich Euch finden kann, und ich werde Euch eine Passage nach irgendeinem Ort in Altara buchen. Von dort aus k�nnt Ihr dann nach Caemlyn weiterziehen.�</p><p>Unwillk�rlich blieb ihr der Mund offen stehen. �Ihr meint damit, da� Ihr uns ein Schiff suchen werdet?�</p><p>�Das ist alles, was ich jetzt noch tun kann.� Es klang entschuldigend und er sch�ttelte dabei den Kopf, als sei er mit sich selbst uneins. �Ich kann Euch nicht selbst in Sicherheit bringen, denn ich mu� hier meine Pflicht erf�llen.�</p><p>�Wir wollen Euch keineswegs von Euren Pflichten abhalten�, sagte sie, vielleicht ein wenig zu atemlos. Wenn er sie mi�verstehen wollte, dann nur zu. Das, was sie sich am meisten von ihm w�nschte, war lediglich, in Ruhe gelassen zu werden.</p><p>Er schien es f�r notwendig zu halten, sich zu verteidigen. �Es ist wohl kaum sicher, wenn ich Euch allein wegschicke, aber ein Schiff bringt Euch fort, bevor hier die ganze Grenzregion explodiert. Und das wird sie fr�her oder sp�ter. Es gen�gt bereits ein Funke, und der Prophet wird mit Sicherheit zuschlagen, selbst wenn kein anderer mith�lt. Ihr m��t daf�r sorgen, da� Ihr schnell nach Caemlyn kommt, Ihr und Elayne. Alles, was ich verlange, ist Euer Versprechen, dorthin zu reisen. Die Burg ist nicht der richtige Ort f�r Euch beide. Oder f�r...� Er schlo� schnell den Mund, doch er h�tte genausogut fortfahren und den Namen Egwenes nennen k�nnen.</p><p>Es konnte nicht falsch sein, wenn auch Galad nach einem Schiff Ausschau hielt. Falls Masema durchaus vergessen konnte, ob er vorhatte, die Tavernen zu schlie�en oder nicht, war es auch m�glich, da� er verga�, jemanden auf die Suche nach einem Flu�schiff zu schicken. Besonders, wenn ein solcher Anfall von Verge�lichkeit im passenden Augenblick daf�r sorgte, da� sie hierbleiben und ihm f�r seine eigenen Zwecke dienlich sein m��ten. Es war bestimmt nicht falsch � falls sie Galad trauen konnte. Falls nicht, mu�te sie einfach hoffen, er sei im Umgang mit dem Schwert doch nicht so gut, wie er sich das selbst einbildete. Ein d�sterer Gedanke, aber er entsprach noch nicht einmal dem, was geschehen k�nnte und w�rde, sollte er sich als nicht vertrauensw�rdig erweisen.</p><p>�Ich bin, was ich bin, Galad, und f�r Elayne gilt das gleiche.� Sich bei Masema um die Wahrheit herumzudr�cken hatte einen schlechten Geschmack in ihrem Mund hinterlassen. Auf die Art der Wei�en Burg drumherumreden war das einzige, was sie jetzt noch fertigbrachte. �Und Ihr seid, was Ihr jetzt eben seid.� Sie zog die Augenbrauen bedeutungsvoll hoch und deutete auf seinen wei�en Umhang. �Diese Leute hassen die Burg, und sie hassen Frauen, die mit der Macht arbeiten k�nnen. Jetzt, da Ihr zu ihnen geh�rt, k�nnte es doch sein, da� innerhalb einer Stunde f�nfzig von Euch hinter mir her sind und versuchen werden, mir einen Pfeil in den R�cken zu verpassen, falls sie mich nicht in eine Zelle schleppen k�nnen, oder? Mich und genauso auch Elayne.�</p><p>Galad zuckte irritiert mit dem Kopf. Oder vielleicht war er auch beleidigt? �Wie oft mu� ich Euch das sagen? Ich w�rde niemals meiner Schwester Schaden zuf�gen lassen! Oder Euch.�</p><p>Es �rgerte sie unheimlich, sich dar�ber klar zu sein, da� sie sich �ber die Pause zwischen Elaynes Namen und ihrem eigenen ge�rgert hatte. Na und? Hatte er eben erst hinterher an sie gedacht. Sie war doch kein dummes Bauernm�del, das den Verstand verlor, weil ein Mann einen Blick hatte, der gleichzeitig schmelzend und unwahrscheinlich durchdringend war. �Wenn Ihr meint�, sagte sie, und sein Kopf ruckte wieder hoch.</p><p>�Sagt mir, wo Ihr Quartier bezogen habt, und ich bringe Euch die Kunde oder lasse sie �berbringen, sobald ich ein geeignetes Schiff gefunden habe.�</p><p>Falls Elayne recht hatte, konnte er genausowenig l�gen wie eine Aes Sedai, die ihre Drei Eide abgelegt hatte, und doch z�gerte sie noch. Ein Fehler in dieser Angelegenheit k�nnte auch ihr letzter sein. Sie hatte wohl das Recht darauf, ihre eigenen Risiken einzugehen, aber hier war eben auch Elayne beteiligt. Und Thom und Juilin ebenfalls, denn sie war f�r die beiden verantwortlich, was sie selbst davon auch halten mochten. Doch sie war nun hier und mu�te allein entscheiden. Genau besehen, war das wohl auch das Beste.</p><p>�Licht, Frau, was wollt Ihr denn noch von mir?� grollte Galad und hob die H�nde ein St�ck, als wolle er sie an den Schultern packen. Wie ein Blitz aus hellem Stahl war Unos Klinge zwischen ihnen, doch Elaynes Bruder schob sie einfach beiseite wie einen Zweig, der ihm im Weg war, und er beachtete sie nicht weiter. �Ich will Euch nicht schaden, weder jetzt noch jemals, das schw�re ich im Namen meiner Mutter. Ihr sagt, da� Ihr seid, was Ihr eben seid? Ich wei�, was Ihr seid. Und was Ihr nicht seid. Vielleicht zur H�lfte war der Grund, warum ich das trage�, er ber�hrte einen Saum seines schneewei�en Umhangs, �weil Euch die Burg ausgesandt hat � Euch und Elayne und Egwene � das Licht mag wissen, warum, obwohl Ihr seid, was Ihr seid. Das war, als schicke man einen Jungen in eine Schlacht, der gerade erst gelernt hat, ein Schwert zu halten, und ich werde es ihnen niemals verzeihen. Ihr beide habt immer noch Zeit, Euch davon abzuwenden; Ihr m��t dieses Schwert nicht tragen. Die Burg ist zu gef�hrlich f�r Euch oder meine Schwester, besonders jetzt. Die halbe Welt ist mittlerweile zu gef�hrlich f�r Euch! La�t mich helfen, Euch in Sicherheit zu bringen.� Die Anspannung wich aus seiner Stimme, doch sie klang nun rauher: �Ich bitte Euch, Nynaeve. Falls Elayne etwas zusto�en sollte... Ich w�nschte so halb, Egwene sei bei Euch, damit ich... � Er fuhr sich mit einer Hand durch das Haar und blickte nach rechts und nach links, wohl im Bem�hen, etwas zu entdecken, womit er sie �berzeugen k�nne. Uno und Ragan hielten die Schwerter erhoben und bereit, sie ihm in den Leib zu sto�en, doch er schien sie gar nicht zu bemerken. �Im Namen des Lichts, Nynaeve, bitte erlaubt mir, zu tun, was mir m�glich ist.�</p><p>Es war nur eine Kleinigkeit, die den Ausschlag f�r ihre Entscheidung gab. Sie befanden sich in Ghealdan. Amadicia war das einzige Land, in dem es offiziell als Verbrechen galt, wenn eine Frau die Macht benutzen konnte, und sie waren auf der anderen Seite des Flusses. Damit verblieb lediglich Galads Eid auf die Kinder des Lichts, der ihn zwingen k�nnte, gegen seine Pflicht Elayne gegen�ber zu versto�en. Sie glaubte, die Verwandtschaft werde sich in dieser Auseinandersetzung als st�rker erweisen. Au�erdem sah er wirklich einfach zu blendend aus, um ihn von Uno und Ragan t�ten zu lassen. Das hatte aber nat�rlich nichts mit ihrer Entscheidung zu tun. Selbstverst�ndlich nicht.</p><p>�Wir sind bei Valan Lucas Truppe�, sagte sie schlie�lich.</p><p>Er blinzelte zun�chst und runzelte die Stirn. �Valan Luca...? Meint Ihr damit etwa eine der Menagerien?� Ungl�ubigkeit und Abscheu schwangen in seiner Stimme mit. �Was im Namen des Lichts tut Ihr in solcher Gesellschaft? Die Leute, die solche Truppen f�hren, sind nicht besser als... Es macht nichts. Falls Ihr Geld ben�tigt, kann ich Euch welches geben. Genug, damit Ihr in eine anst�ndige Schenke ziehen k�nnt.�</p><p>An seinen Worten zeigte sich die sichere �berzeugung, da� sie tun werde, was er w�nschte. Nicht etwa: �Kann ich Euch mit ein paar Kronen aushelfen?� oder �Darf ich Euch ein Zimmer suchen?� Er glaubte, sie sollten in einer Schenke untergebracht werden, also w�rden sie in eine Schenke ziehen. Der Mann hatte sie vielleicht gut genug beobachtet, um vorauszusehen, da� sie sich in eine Gasse schleichen werde, aber wie es schien, kannte er sie �berhaupt nicht. Au�erdem gab es ja Gr�nde, bei Luca zu bleiben.</p><p>�Glaubt Ihr etwa, da� es in Samara noch ein Zimmer oder einen Heuboden gibt, der noch nicht besetzt w�re?� fragte sie ein wenig schnippischer, als sie vorgehabt hatte.</p><p>�Ich bin sicher, da� ich... �</p><p>Sie unterbrach ihn. �Der letzte Ort, an dem man nach uns suchen w�rde, ist eine der Menagerien.� Der letzte Ort zumindest, an dem alle au�er Moghedien nach ihnen suchen w�rden. �Ihr seid doch auch der Meinung, da� wir uns soweit wie m�glich verborgen halten sollen? Falls Ihr wirklich ein Zimmer finden solltet, ist es ziemlich wahrscheinlich, da� jemand anders hinausgewiesen w�rde. Ein Kind des Lichts, das ein Zimmer f�r zwei Frauen besorgt? Das w�rde den Tratsch geradezu herausfordern und die Blicke anziehen wie ein Abfallhaufen die Fliegen.�</p><p>Es gefiel ihm nicht. Er verzog das Gesicht und blickte Uno und Ragan so finster an, als sei es ihre Schuld. Immerhin hatte er genug Verstand, um es einzusehen. �Es ist kein angemessener Ort f�r eine von Euch, aber m�glicherweise seid Ihr dort sicherer als irgendwo in der Stadt. Da Ihr wenigstens einverstanden wart, nach Caemlyn zu reisen, werde ich nichts mehr zu diesem Thema sagen.�</p><p>Sie machte eine nichtssagende Miene und lie� ihn denken, was er wollte. Wenn er glaubte, sie habe etwas versprochen, was sie keineswegs versprochen hatte, war das seine Angelegenheit. Aber sie mu�te ihn soweit wie m�glich von der Menagerie fernhalten. Der Anblick seiner Schwester in dieser pailettenbestickten wei�en Hose w�rde einen Aufschrei hervorrufen, der jeden Ausbruch Masemas in den Schatten stellte. �Denkt aber daran, da� Ihr euch von der Menagerie fernhaltet. Jedenfalls, bis Ihr ein Schiff gefunden habt. Dann kommt bei Anbruch der Nacht zu den Wohnwagen der Truppe und fragt nach Nana.� Das gefiel ihm, wenn m�glich, noch weniger, doch sie kam ihm energisch zuvor: �Ich habe kein einziges der Kinder des Lichts in den Vorstellungen gesehen. Wenn Ihr eine besucht, was glaubt Ihr, werden die Leute denken? Sie werden sich doch fragen, aus welchem Grund Ihr kommt!�</p><p>Sein L�cheln war immer noch ber�ckend, doch zeigte er ein bi�chen zu viele Z�hne dabei. �Wie es scheint, habt Ihr auf alles eine Antwort. Habt Ihr wenigstens nichts dagegen, wenn ich Euch dorthin zur�ckbegleite?�</p><p>�Ich habe allerdings etwas dagegen! Es wird auch so schon gen�gend Ger�chte geben � denn hundert Leute m�ssen uns hier beobachtet haben, wie wir uns unterhielten...� Sie konnte die Stra�e nicht sehen, da sie von den drei M�nnern verdeckt wurde, aber sie zweifelte nicht daran, da� die Passanten immer noch neugierig in die Gasse hineinblickten. Dazu hielten Uno und Ragan nach wie vor die blanken Schwerter in den H�nden. �... aber wenn Ihr mich zur�ckbegleitet, werden uns zehnmal so viele sehen!�</p><p>Sein schmerzhaft verzogenes Gesicht dr�ckte sowohl Bedauern als auch Heiterkeit aus. �Auf alles eine Antwort�, knurrte er leise, �aber Ihr habt ja recht.� Ganz klar, da� er sich w�nschte, es sei anders. �H�rt mich, Schienarer�, sagte er und wandte sich ihnen zu. Seine Stimme klang pl�tzlich st�hlern. �Ich bin Galadedrid Damodred, und diese Frau steht unter meinem Schutz. Was ihre Begleiterin betrifft, w�re es f�r mich das kleinste Opfer, zu sterben, um sie vor Schaden zu bewahren. Falls Ihr gestattet, da� einer von ihnen auch nur das Geringste zugef�gt wird, werde ich Euch suchen und t�ten.� Er beachtete die pl�tzliche gef�hrliche Ausdruckslosigkeit ihrer Mienen genausowenig wie ihre Schwerter und wandte sich zu ihr um. �Ich sch�tze, Ihr werdet mir auch jetzt nicht sagen, wo sich Egwene befindet?�</p><p>�Alles, was Ihr wissen m��t, ist, da� sie sich fern von hier befindet.� Sie faltete die Arme unter den Br�sten und sp�rte, wie ihr Herz hinter den Rippen stark klopfte. Machte sie vielleicht einen gef�hrlichen Fehler, nur eines h�bschen Gesichts wegen? �Und sicherer, als irgend etwas sie machen k�nnte, was Ihr unternehmt.�</p><p>Er sah aus, als schenke er ihr keinen Glauben, ging aber nicht weiter darauf ein. �Mit etwas Gl�ck finde ich innerhalb von ein oder zwei Tagen ein Schiff f�r Euch. Bis dahin bleibt immer bei der... Truppe dieses... Valan Luca. Benehmt Euch nicht auff�llig und vermeidet jedes Aufsehen. Soweit das m�glich ist bei dieser Haarfarbe. Und richtet Elayne aus, sie solle das n�chste Mal nicht wieder vor mir davonlaufen. Das Licht war Euch gn�dig, da� ich Euch noch unbeschadet vorgefunden habe, und es wird doppelt so gn�dig sein m�ssen, um jeden Schaden von Euch abzuhalten, wenn Ihr versucht, auf eigene Faust durch Ghealdan zu ziehen. Die blasphemischen Schurken des Propheten sind �berall, haben keinen Respekt vor dem Gesetz und vor anderen Menschen, und dabei habe ich noch gar keine Briganten mitgez�hlt, die ihren Vorteil aus diesem Durcheinander ziehen. Samara selbst ist ein Wespennest, aber wenn Ihr euch ganz still verhaltet und meine halsstarrige Schwester dazu bringt, da� sie dasselbe tut, dann finde ich einen Weg, Euch herauszuholen, bevor Ihr gestochen werdet.�</p><p>Es kostete sie M�he, den Mund zu halten. Er �bernahm das, was sie ihm gesagt hatte, und machte es zur Bedingung! Als n�chstes w�rde der Mann vermutlich wollen, da� man Elayne und sie in Wolle einpackte und auf ein Regalbrett stellte. <emphasis>W�re es nicht das Beste, wenn jemand das untern�hme?</emphasis> fragte eine kleine Stimme in ihrem Inneren. <emphasis>Hast du nicht schon genug Unheil angerichtet, weil du unbedingt deinen Weg gehen mu�test?</emphasis> Sie sagte der Stimme energisch, sie solle ruhig sein. Die h�rte nicht auf sie und begann statt dessen, alle m�glichen Katastrophen und Beinahe-Katastrophen aufzuz�hlen, die auf ihre Sturheit zur�ckzuf�hren waren.</p><p>Er nahm ihr Schweigen offensichtlich f�r Zustimmung, wandte sich von ihr ab � und hielt inne. Ragan und Uno hatten ihm den Weg zur Stra�e versperrt. Sie sahen mit dieser tr�gerischen Gelassenheit im Blick zu ihr her�ber, die sich so oft bei M�nnern zeigte, wenn sie kurz davor standen, gewaltt�tig zu werden. Die Luft schien zu knistern, bis sie ihnen mit einer schnellen Bewegung bedeutete, den Weg freizugeben. Die Schienarer senkten daraufhin ihre Klingen und traten zur Seite. Auch Galad nahm die Hand vom Heft seines Schwertes, schob sich an ihnen vorbei und verschwand in der Menge, ohne noch einmal zur�ckzublicken.</p><p>Nynaeve warf Uno und Ragan jeweils noch einen strafenden Blick zu, bevor sie dann in entgegengesetzter Richtung davonstolzierte. Nun hatte sie alles einmal richtig gut geplant, und dann h�tten die beiden fast alles ruiniert. M�nner schienen doch immer zu glauben, man k�nne alles mit Gewalt l�sen. H�tte sie einen kr�ftigen Stock zur Hand, dann h�tte sie damit am liebsten alle drei so lange verpr�gelt, bis sie Einsicht zeigten. Gewalt, pah!</p><p>Die Schienarer schienen jetzt aber wirklich einzusehen, da� sie ein Recht darauf hatte, ihnen b�se zu sein, denn sie hatten die Schwerter wieder in die Scheiden auf ihren R�cken gesteckt und folgten ihr, ohne ein Wort zu sagen. Sie �u�erten nicht einmal etwas, als sie zum zweitenmal falsch in eine Stra�e abbog und daraufhin zur�ckgehen mu�te. Es war auch besser f�r sie, gerade in diesem Moment den Mund zu halten. Sie hatte endg�ltig genug davon, zu allem und jedem schweigen zu m�ssen. Zuerst Masema und dann Galad. Alles, was sie sich w�nschte, war eine hauchd�nne Ausrede, um endlich jemandem die Meinung sagen zu k�nnen. Besonders regte sie die kleine Stimme in ihrem Hinterkopf auf, die sie wohl soweit wie m�glich verdr�ngt hatte, die aber einfach nicht aufgeben wollte.</p><p>Als sie sich schlie�lich wieder im geringen Verkehr auf der Lehmstra�e au�erhalb Samaras befanden, konnte sie den Einflu� des Stimmchens einfach nicht mehr leugnen. Sie machte sich Gedanken �ber Rands Arroganz, aber ihre eigene hatte sie selbst und andere so nahe an eine Katastrophe gef�hrt, da� sie lieber nicht dar�ber nachdenken wollte. Im Falle Birgittes war sicherlich die Grenze �berschritten, obwohl sie doch wenigstens lebte. Das Beste f�r Nynaeve w�re, sich mit niemandem mehr auseinanderzusetzen, auch nicht mit den Schwarzen Ajah und Moghedien, bevor nicht irgend jemand Kompetentes entschied, was weiter zu geschehen habe. Widerstand machte sich in ihr breit, aber den kn�ppelte sie jetzt mit der gleichen H�rte nieder wie sonst den Thoms oder Juilins.</p><p>Sie w�rde nach Salidar gehen und die ganze Sache den Blauen �bergeben. So sollte es geschehen. Sie hatte entschieden.</p><p>�Habt Ihr etwas gegessen, was Ihr nicht vertragt?� fragte Ragan sie unschuldig. �Ihr habt den Mund verzogen, als h�ttet Ihr eine Handvoll Vogelbeeren gekaut.�</p><p>Sie warf ihm einen Blick zu, der ihn augenblicklich den Mund zuklappen lie�, und marschierte weiter. Die beiden Schienarer folgten Seite an Seite.</p><p>Was sollte sie nur mit ihnen anfangen? Nat�rlich gab es keinen Zweifel daran, da� sie sich die beiden auf irgendeine Weise zunutze machen w�rde. Allein schon ihre �u�ere Erscheinung war zu wirkungsvoll, um darauf zu verzichten. Au�erdem w�rden zwei weitere Augenpaare �nun, drei Augen, um genauer zu sein; sie mu�te sich nur an den Anblick von Unos Augenklappe gew�hnen, auch wenn es ihr schwerfiel � weitere Augen w�rden also n�tzlich sein, um m�glicherweise noch eher ein Schiff zu entdecken. Alles in Ordnung, falls Masema oder Galad schneller w�ren, aber sie wollte die beiden m�glichst nicht mehr als unbedingt notwendig �ber ihre Aktivit�ten wissen lassen. Man konnte nie wissen, was der eine oder der andere unternehmen w�rde.</p><p>�Folgt Ihr mir nun, weil Euch Masema sagte, Ihr solltet auf mich aufpassen�, verlangte sie zu wissen, �oder weil Galad dasselbe von Euch forderte?�</p><p>�Welchen verdammten Unterschied macht das schon?� knurrte Uno. �Wenn Euch der Lord Drache gerufen hat, dann m��t Ihr verflucht...� Er brach ab und runzelte die Stirn, als sie mahnend den Zeigefinger hob. Ragan betrachtete den Finger, als sei er eine Waffe.</p><p>�Werdet Ihr Elayne und mir helfen, Rand zu finden?�</p><p>�Wir haben nichts Besseres zu tun�, sagte Ragan trocken. �Wie die Lage ist, werden wir Schienar erst wiedersehen, wenn wir grau und zahnlos sind. Wir k�nnen genausogut mit Euch nach Tear reiten, oder wo er sich eben aufh�lt.�</p><p>Daran hatte sie noch gar nicht gedacht, aber es war sinnvoll. Zwei weitere M�nner, die Thom und Juilin bei der Erledigung ihrer Aufgaben helfen und sich beim Wachestehen mit ihnen abwechseln konnten. Es war �berfl�ssig, sie wissen zu lassen, wie lange das dauern und wie viele Unterbrechungen und Umwege es unterwegs geben werde. Es konnte sogar sein, da� die Blauen in Salidar niemand von ihnen weiterziehen lassen w�rden. Denn sobald sie die Aes Sedai fanden, waren sie lediglich wieder Aufgenommene. <emphasis>H�r auf, daran zu denken! Du tust es einfach und dann wirst du ja sehen!</emphasis></p><p>Die Menschenmenge, die vor Lucas aufdringlichem Schild wartete, schien ihr keineswegs kleiner als zuvor. Ein stetiger Strom von Menschen schob sich �ber die Wiesen zum Eingang hin, w�hrend sich ein zweiter aus dem Tor unter erstauntem Gemurmel �ber die erlebten Wunder nach drau�en ergo�. Von Zeit zu Zeit kam eines der �Keilerpferde� in Sicht, wenn es sich hinter der Segeltuchmauer auf die Hinterbeine stellte, und von denen, die drau�en auf Einla� warteten, waren laute �Oooohs� und �Aaaahs� zu h�ren. Cerandin wickelte wieder ihr volles Programm ab. Trotzdem achtete die Seanchanfrau sorgf�ltig darauf, da� ihre <emphasis>S'redit</emphasis> gen�gend Ruhepausen bekamen. Da war sie unbeugsam, was Luca auch vorhaben mochte. M�nner taten schon, was man ihnen sagte, wenn man �berhaupt keinen Zweifel daran lie�, da� nichts anderes in Frage kam. F�r gew�hnlich jedenfalls.</p><p>Bevor sie das niedergetrampelte, braune Gras erreichte, blieb Nynaeve stehen und drehte sich zu den beiden Schienarern um. Sie bem�hte sich wohl, ruhig dreinzublicken, aber die beiden sahen sie trotzdem entsprechend mi�trauisch an. Im Falle Unos war ihr das durchaus unangenehm, denn er zog auf eine Weise an seiner Augenklappe herum, da� ihr fast schlecht wurde. Die Menschen, die sich zum Eingang schoben oder von dort herausschlenderten, beachteten sie nicht.</p><p>�Dann eben nicht Masema oder Galad zuliebe�, sagte sie energisch. �Wenn Ihr mich weiterhin begleiten wollt, werdet Ihr tun, was ich sage. Sonst k�nnt Ihr Eurer eigenen Wege gehen, denn dann will ich nichts mit Euch zu tun haben.�</p><p>Nat�rlich mu�ten sie erst wieder Blicke tauschen, bevor sie nickend ihr Einverst�ndnis kundtaten. �Wenn es verdammt noch mal so sein mu߫, grollte Uno, �dann also gut. Wenn Ihr keinen habt, der verflucht auf Euch aufpa�t, werdet Ihr niemals �berleben und den Lord Drachen erreichen. Irgendein Schaf von Bauer wird Euch zum Fr�hst�ck verspeisen, Eurer spitzen Zunge wegen.� Ragan warf ihm einen verdeckten Blick zu, der ihm wohl sagen sollte, er stimme ihm zu, zweifle aber daran, da� es geschickt gewesen sei, dies zu �u�ern. Wie es schien, zeigte Ragan deutliche Ans�tze, zu einem klugen Mann zu werden.</p><p>Es gen�gte ihr, wenn sie ihre Bedingungen akzeptierten, ganz gleich, warum. Jetzt war ihr das genug. Sp�ter war noch gen�gend Zeit, sie zurechtzur�cken.</p><p>�Ich bezweifle nicht, da� auch die anderen zustimmen werden�, sagte Ragan.</p><p>�Die anderen?� Sie ri� die Augen auf. �Wollt Ihr damit sagen, da� es noch mehr au�er Euch beiden gibt? Wie viele?�</p><p>�Wir sind jetzt zusammen nur noch f�nfzehn. Ich glaube nicht, da� Bartu oder Nengar mitkommen.�</p><p>�Kriechen bei dem verfluchten Propheten.� Uno wandte den Kopf und spuckte �bertrieben bedeutungsvoll aus. �Nur f�nfzehn. Sar ist in den Bergen von dieser verdammten Felswand gest�rzt, und Mendao mu�te dieses idiotische Duell gleich gegen drei J�ger des Horns eingehen, und... �</p><p>Nynaeve hatte alle M�he, an sich zu halten und nicht mit offenem Mund zu staunen. F�nfzehn! Sie war versucht, im Kopf schnell zusammenzurechnen, was es kosten w�rde, f�nfzehn M�nner zu bek�stigen. Auch dann, wenn sie nicht besonders hungrig waren, a�en Thom oder Juilin bereits einzeln mehr als Elayne und sie zusammen. Licht!</p><p>Andererseits bestand bei f�nfzehn schienarischen Begleitsoldaten vielleicht gar keine Notwendigkeit, auf ein Schiff zu warten. Nat�rlich war es die schnellste Art zu reisen, wenn man ein Flu�schiff ben�tzte. Sie erinnerte sich nun daran, was sie �ber Salidar geh�rt hatte. Es war eine kleine Stadt am Flu� oder zumindest in dessen N�he, und man konnte mit einem Schiff direkt hinkommen. Doch eine Eskorte von Schienarern w�rde ihren Wagen auch absichern � gegen Wei�m�ntel oder Banditen oder auch Anh�nger des Propheten. Allerdings war der Wagen viel langsamer. Und ein einzelner Wagen, der mit einer solchen Eskorte aus Samara abfuhr, w�rde Aufmerksamkeit erregen. Ein Wegweiser f�r Moghedien oder die Schwarzen Ajah. <emphasis>Um die sollen sich die Blauen k�mmern, und damit Schlu�.</emphasis></p><p>�Was ist los?� fragte Ragan und Uno f�gte entschuldigend hinzu: �Ich h�tte wohl nicht erw�hnen d�rfen, wie Sakaru gestorben ist.� Sakaru? Das hatte er wohl erz�hlt, nachdem sie bereits nicht mehr hingeh�rt hatte. �Ich verbringe nicht viel Zeit mit verd..., mit Damen. Ich verga�, da� Ihr einen schwachen Magen... oh... �h... etwas empfindlich seid.� Wenn er nicht gleich aufh�rte, an seiner Augenklappe zu zupfen, w�rde sie ihm zeigen, wie empfindlich ihr Magen wirklich war.</p><p>Die Anzahl �nderte im Grunde nichts. Wenn zwei Schienarer als Begleitung gut waren, dann waren f�nfzehn ein Geschenk des Lichts. Ihr Privatheer. Keine Sorgen mehr in bezug auf Wei�m�ntel oder Briganten oder gewaltsame Ausschreitungen und nicht einmal mehr daran, ob sie im Falle Galads vielleicht doch einen Fehler begangen habe. Wie viele Schinken konnten f�nfzehn Mann wohl an einem Tag verzehren? Also dann, und mit energischer Stimme: �In Ordnung. Jeden Abend gleich nach Einbruch der Dunkelheit wird einer von Euch � einer, h�rt Ihr! � hierherkommen und nach Nana fragen. Unter diesem Namen kennen sie mich.� Sie hatte eigentlich keinen Grund, diesen Befehl zu geben, doch sie wollte ihnen angew�hnen, genau das zu tun, was sie sagte. �Elayne hei�t hier Morelin, aber Ihr fragt nach Nana. Wenn Ihr Geld braucht, kommt zu mir und nicht zu Masema.� Sie mu�te allerdings ein bedauerndes Seufzen unterdr�cken, als sie das sagte. Sie hatten im Herd des Wohnwagens immer noch einiges an Gold, aber Luca hatte ja seine versprochenen hundert Goldkronen noch nicht verlangt, und er w�rde das nicht vergessen. Nun, falls n�tig, war da ja noch immer der Schmuck. Sie mu�te sichergehen, sie von Masema fernzuhalten. �Abgesehen davon wird sich keiner von Euch mir oder der Truppe n�hern.� Sonst w�rden sie vermutlich eine Wache oder etwas �hnlich Unsinniges aufstellen. �Nicht, bevor nicht ein Flu�schiff anlegt. In diesem Fall kommt Ihr aber sofort her. Verstanden?�</p><p>�Nein�, knurrte Uno. �Warum sollen wir uns verflucht noch mal fernh...?� Sein Kopf zuckte zur�ck, als ihr mahnender Zeigefinger beinahe seine Nase ber�hrte.</p><p>�Erinnert Ihr euch daran, was ich Euch �ber Eure Ausdrucksweise gesagt habe?� Sie mu�te sich zwingen, ihn streng anzuschauen, denn diese b�se starrende rote Augenklappe drehte ihr den Magen herum. �Entweder Ihr denkt k�nftig daran, oder Ihr werdet feststellen, warum sich die M�nner von den Zwei Fl�ssen anst�ndig ausdr�cken.�</p><p>Sie beobachtete ihn, wie er dar�ber nachdachte. Er kannte ihre Verbindung zur Wei�en Burg nicht, wu�te nur, da� da etwas war. Sie konnte durchaus eine Agentin der Burg oder in der Burg ausgebildet sein. Oder sogar eine Aes Sedai, wenn sie auch die Stola bestimmt noch nicht lange trug. Au�erdem war die Drohung so vage gehalten, da� er seine schlimmsten Bef�rchtungen hineininterpretieren konnte. Diese Methode hatte sie schon lange gekannt, bevor Juilin sie einmal Elayne beschrieb.</p><p>Als ihr schlie�lich schien, da� ihre Anweisung hinreichend verstanden worden sei und bevor er Fragen stellen konnte, senkte sie die Hand. �Ihr werdet Euch aus dem gleichen Grund fernhalten wie Galad. Um keine Aufmerksamkeit zu erregen. Und au�erdem, weil ich es so will. Wenn ich jede meiner Entscheidungen erst mit Euch diskutieren mu�, habe ich keine Zeit mehr f�r etwas anderes. Also macht das Beste daraus.�</p><p>Das war ein typischer Kommentar, wie ihn eine Aes Sedai gab. Au�erdem hatten sie gar keine andere Wahl, wenn sie ihr helfen wollten, zu Rand zu kommen, und das glaubten sie ja. Also: Es blieb ihnen nichts anderes �brig. Alles in allem war sie recht zufrieden mit sich, als sie die beiden nach Samara zur�ckschickte und an der wartenden Menge vorbei unter Lucas Schild hindurchschritt.</p><p>Zu ihrer �berraschung hatte ihre Truppe mittlerweile Verst�rkung erhalten. Auf einer neuen Plattform unweit des Eingangs stand eine Frau in durchscheinender gelber Hose mit ausgestreckten Armen auf dem Kopf, auf jeder Hand ein P�rchen wei�er Tauben. Nein, sie stand gar nicht auf dem Kopf. Die Frau hatte sich eine Art von Holzrahmen zwischen die Z�hne geklemmt und balancierte <emphasis>darauf.</emphasis> W�hrend Nynaeve verdattert zusah, senkte diese Akrobatin ihre Handfl�chen einen Augenblick lang auf die Plattform hinunter, w�hrend sie sich zusammenkr�mmte, bis es schien, als sitze sie auf ihrem eigenen Kopf. Aber das reichte ihr immer noch nicht. Sie senkte nun die Beine vor sich und hob sie dann wieder empor, allerdings unter ihre Arme, woraufhin sie die Tauben auf ihre Fu�sohlen hin�bertrippeln lie�. Die waren nunmehr der h�chste Punkt dieses verdrehten menschlichen Balles, zu dem sie sich verknotet hatte. Die Zuschauer schnappten nach Luft und applaudierten, doch der Anblick lie� Nynaeve schaudern. Er erinnerte sie zu deutlich daran, was Moghedien mit ihr angestellt hatte.</p><p><emphasis>Aber deshalb will ich doch nicht die ganze Angelegenheit den Blauen �bergeben,</emphasis> sagte sie sich im Stillen. <emphasis>Ich will nur nicht wieder eine Katastrophe ausl�sen.</emphasis> Das stimmte auch, doch sie f�rchtete, beim n�chsten Mal w�rde sie nicht so einfach und so leicht davonkommen. Das h�tte sie vor niemandem sonst zugegeben. Sie gab es noch nicht einmal vor sich gern zu.</p><p>Sie warf noch einen letzten erstaunten Blick auf die Schlangenfrau. Wie diese Frau sich mittlerweile selbst verknotet hatte, w�rde ihr wohl immer r�tselhaft bleiben. Dann wandte sie sich ab. Und erschrak, als Birgitte und Elayne pl�tzlich aus dem Durcheinander von Menschen an ihrer Seite heraustraten. Elayne hatte ihren Umhang geschlossen und verbarg so keusch den wei�en Mantel und die Hose, w�hrend Birgitte stolz ihr tief ausgeschnittenes rotes Kleid zur Schau stellte. Sie stand sogar noch h�her aufgerichtet da als sonst und hatte den Zopf auf dem R�cken h�ngen, um ja nichts zu verdecken. Nynaeve tastete nach dem Knoten, der ihren Schal an der H�fte zusammenhielt und verw�nschte den Anblick Birgittes, der sie nur zu sehr daran erinnerte, was sie selbst zeigen w�rde, machte sie den grauen Wollschal einmal los. Der K�cher hing am G�rtel der anderen, und sie trug den Bogen, den Luca f�r sie aufgetrieben hatte. Sicher war es doch heute schon viel zu sp�t, um noch ihre Schie�kunstst�cke vorzuf�hren!</p><p>Ein Blick zum Himmel �berzeugte Nynaeve allerdings davon, da� sie keineswegs recht behalten werde. Trotz aller Geschehnisse dieses Tages stand die Sonne immer noch ein gutes St�ck �ber dem Horizont. Die Schatten waren wohl lang, aber nicht lang genug, um Birgitte davon abzuhalten, f�rchtete sie.</p><p>Sie versuchte ihren Blick hoch zur Sonne zu vertuschen und nickte in Richtung der Frau mit der durchscheinenden Hose, die im Augenblick damit begann, sich zu etwas zu verknoten, das in Nynaeves Augen unm�glich erschien. Und das, obwohl sie immer noch auf dem Holzrahmen zwischen ihren Z�hnen balancierte. �Wo kommt die denn her?�</p><p>�Luca hat sie angeheuert�, antwortete Birgitte gelassen. �Er hat auch noch ein paar Leoparden gekauft. Sie hei�t Muelin.�</p><p>W�hrend Birgitte wie das Urbild der beherrschten K�hle wirkte, bebte Elayne beinahe vor Erregung. �Wo sie herkommt?� sprudelte sie heraus. �Sie kam von einer Akrobatentruppe, die beinahe von der w�tenden Volksmenge zerrissen worden w�re!�</p><p>�Davon habe ich geh�rt�, sagte Nynaeve, �aber das ist nicht so wichtig. Ich...�</p><p>�Nicht wichtig?� Elayne rollte die Augen in Richtung Himmel, als hoffe sie auf eine Erleuchtung. �Hast du auch geh�rt, warum? Ich wei� nicht, ob es die Wei�m�ntel waren oder dieser Prophet, aber jemand hat den Mob auf sie gehetzt, weil er glaubte...� Sie sah sich um, ohne innezuhalten, und senkte die Stimme, denn es war wohl niemand stehengeblieben, aber jeder Zuschauer starrte im Vorbeigehen die beiden Frauen an, die offensichtlich zu den Akrobaten der Truppe geh�rten. �... da� eine Frau unter diesen Akrobaten m�glicherweise eine gestreifte Stola tr�ge.� Das Wort �Stola� betonte sie besonders. �Es sind Narren, wenn sie glauben, so eine bef�nde sich in einer fahrenden Menagerie, aber gut, du und ich, wir tun das ja auch. Und du rennst einfach fort in die Stadt, ohne jemandem Bescheid zu sagen. Wir haben alle m�glichen Ger�chte geh�rt: Da� ein Glatzkopf dich �ber die Schulter geworfen und weggetragen habe, bis hin zu der Version, du h�ttest einen Schienarer gek��t und seist Arm in Arm mit ihm abgezogen.�</p><p>Nynaeve hatte den Mund noch nicht zu, da setzte Birgitte noch eins drauf: �Luca regte sich ganz sch�n auf, gleich bei welcher Version. Er sagte...� Sie r�usperte sich und sprach mit tiefer Stimme: ��Also gefallen ihr harte M�nner, ja? Na ja, ich kann auch so hart sein wie ein Maiskolben im Winter !� Und ab ging's, zusammen mit zwei Burschen, die Schultern wie die Steinbrecher hatten, um Euch zur�ckzuholen. Thom Merrilin und Juilin Sandar gingen auch mit, und ihre Laune war bestimmt nicht besser. Das hat wiederum Luca aufgeregt, aber alle waren so verst�rt ob Eures Verschwindens, da� sie keine Zeit hatten, aufeinander w�tend zu werden.�</p><p>Einen Augenblick lang schien Nynaeve vollkommen verwirrt. Sie mochte harte M�nner? Was meinte er denn damit? Dann verstand sie so langsam und st�hnte laut auf. �Ach, das ist genau das, was ich noch brauchen kann.� Und Thom rannte mit Juilin in Samara herum. Das Licht mochte wissen, was sie dort wieder anstellen w�rden.</p><p>�Ich will endlich wissen, was dir eigentlich im Kopf herumgespukt ist, als du so pl�tzlich verschwunden bist�, sagte Elayne, �doch hier verschwenden wir im Augenblick unsere Zeit.�</p><p>Nynaeve lie� es zu, da� sie mit ihr in der Mitte durch die Menge losmarschierten, aber trotz all dieser Neuigkeiten von Luca und den anderen war sie mit dem zufrieden, was sie an diesem Tag geleistet hatte. �Mit Gl�ck sollten wir in ein oder zwei Tagen hier herauskommen. Wenn Galad kein Schiff f�r uns auftreibt, dann eben Masema. Wie sich herausstellte, ist er n�mlich dieser Prophet. Du erinnerst dich doch noch an Masema, Elayne. Dieser Schienarer mit der ewig sauren Miene, den wir...� Ihr wurde bewu�t, da� Elayne stehengeblieben war, und so hielt sie inne, damit die andere wieder aufholen konnte.</p><p>�Galad?� sagte die j�ngere Frau ungl�ubig. Sie verga� ganz, ihren Umhang geschlossen zu halten. �Du hast mit �mit Galad gesprochen? <emphasis>Und</emphasis> mit dem Propheten? Das mu�t du haben, denn wie k�men sie sonst darauf, ein Schiff zu suchen? Hast du deinen Tee mit ihnen zusammen getrunken, oder hast du sie blo� einfach in einem Schankraum getroffen? In den dich zweifellos dieser glatzk�pfige Mann geschleppt hatte. Vielleicht war auch der K�nig von Ghealdan dabei? W�rdest du mich bitte davon �berzeugen, da� ich tr�ume, damit ich aufwachen kann?�</p><p>�Beherrsch dich bitte�, sagte Nynaeve energisch. �Jetzt regiert hier eine K�nigin und kein K�nig, und ja, sie war auch da. Und er hatte keinen Glatzkopf, sondern trug eine Skalplocke. Der Schienarer, meine ich. Nicht der Prophet. <emphasis>Der</emphasis> ist so kahl wie ein...� Sie funkelte Birgitte an, bis die mit ihrem Kichern aufh�rte. Das Funkeln wurde ein wenig schw�cher, als sie sich daran erinnerte, wer diese Frau war und was sie ihr angetan hatte, aber h�tte die andere jetzt nicht schnell ihre Z�ge gegl�ttet, dann h�tten sie wohl gesehen, ob sie es wirklich fertigbrachte, Birgitte so lange zu ohrfeigen, bis sie schielte. Sie setzten sich wieder in Bewegung, und sie sagte, so beherrscht, wie es ihr nur m�glich war: �Das ist also geschehen: Ich habe Uno getroffen, einen der Schienarer, die auch in Falme dabei waren, als er dich auf dem Seil bewunderte, Elayne. Er h�lt �brigens auch nicht mehr davon als ich, da� die TochterErbin von Andor ihre Beine so herzeigt. Wie auch immer, Moiraine hat sie von Falme aus hierhergeschickt, aber... �</p><p>Sie berichtete schnell alles, w�hrend sie sich durch die Menge schoben, und beachtete Elaynes immer erstauntere Ausrufe gar nicht. Alle Fragen beantwortete sie so knapp wie m�glich. Trotz ihres schnell erwachenden Interesses an dem st�ndigen Wechsel auf dem Thron Ghealdans konzentrierte sich Elayne vor allem auf den <emphasis>genauen</emphasis> Wortlaut der �u�erungen Galads und auf die Frage, wieso Nynaeve so verr�ckt gewesen sei, ausgerechnet den Propheten anzusprechen, wer immer das nun auch sei. Sie ben�tzte das Wort �verr�ckt� so h�ufig, da� Nynaeve sehr an sich halten mu�te, um nicht die Fassung zu verlieren. Sie zog vielleicht ihre F�higkeit in Zweifel, Birgitte zu ohrfeigen, aber bei Elayne h�tte sie keine Hemmungen, Tochter-Erbin hin oder her. Birgitte dagegen interessierte sich mehr f�r die Absichten Masemas einerseits und die Schienarer andererseits. Wie es schien, hatte sie bereits in fr�heren Leben mit den M�nnern aus den Grenzlanden zu tun gehabt, obgleich ihre L�nder damals anders hie�en. Sie hielt im gro�en und ganzen einiges von ihnen. Sie sagte eigentlich wenig, schien aber doch der Idee positiv gegen�berzustehen, an den Schienarern festzuhalten.</p><p>Nynaeve erwartete, da� die anderen auf ihre Neuigkeiten Salidar betreffend �berrascht oder erregt reagieren w�rden, aber nichts dergleichen! Birgitte nahm es genauso selbstverst�ndlich auf, als habe sie erz�hlt, sie w�rden heute abend mit Thom und Juilin zusammen essen. Offensichtlich hatte sie vor, bei Elayne zu bleiben, wohin auch immer das f�hren w�rde, und alles andere spielte kaum eine Rolle. Elayne selbst blickte zweifelnd drein. Zweifelnd!</p><p>�Bist du sicher? Du hast dich so angestrengt, um dich daran zu erinnern, und... Na, es scheint ja schon ein seltsamer Zufall zu sein, da� ausgerechnet Galad es dir gegen�ber erw�hnen sollte.�</p><p>Nynaeve kochte. �Nat�rlich bin ich sicher! Zuf�lle geschehen nun mal. Das Rad webt, wie das Rad es w�nscht. Das hast du vielleicht auch schon einmal geh�rt. Ich erinnere mich jetzt auch daran, da� er es bereits in Sienda erw�hnte, aber ich habe mich dort zu sehr mit dir und deiner Reaktion auf ihn besch�ftigt, um...� Sie h�rte mit Sprechen auf.</p><p>Sie waren auf einem langen, schmalen Streifen nahe der n�rdlichen Umz�unung angekommen, der mit Seilen abgesperrt war. An einem Ende stand etwas wie ein Teil eines Holzzaunes, zwei Schritt breit und zwei hoch. Die Zuschauer standen vier Reihen tief. Die Kinder kauerten vor ihnen oder klammerten sich an das Bein des Vaters oder den Rockzipfel der Mutter. Die Gespr�che wurden lauter, als die Frauen erschienen. Nynaeve w�re auf dem Fleck stehengeblieben, aber Birgitte hatte sie am Arm gepackt, und so blieb ihr nichts �brig, als weiterzugehen.</p><p>�Ich dachte, wir gingen zu den Wohnwagen�, sagte sie lahm. Sie hatte vor lauter Reden nicht aufgepa�t, wohin sie gingen.</p><p>�H�chstens, wenn du willst, da� ich im Dunklen schie�e�, erwiderte Birgitte. Es klang, als sei sie durchaus gewillt, es zu versuchen.</p><p>Nynaeve h�tte lieber einen schlauen Kommentar abgegeben, aber sie quiekste nur erschrocken auf. Sie sah ausschlie�lich das St�ckchen Zaun vor sich, als sie den langen Grasstreifen entlangschritten, und bemerkte die Zuschauer kaum. Selbst das immer st�rker werdende Volksgemurmel klang irgendwie weit entfernt. Es war, als sei der Zaun eine Meile von dem Punkt entfernt, an dem Birgitte stehen sollte.</p><p>�Bist du sicher, da� er bei... bei unserer Mutter schwor?� fragte Elayne leicht verstimmt. Selbst auf diese Weise Galad als Bruder anzuerkennen fiel ihr schwer.</p><p>�Was? Ja. Das habe ich doch gesagt, oder? H�r zu. Wenn sich Luca in der Stadt befindet, wei� er nicht, was wir unternommen haben, und es k�nnte zu sp�t sein, bis er...� Nynaeve war bewu�t, da� sie aus lauter Angst sinnlos drauflos redete, aber sie konnte nichts dagegen tun. Ihr war bisher noch nie bewu�t gewesen, wie weit hundert Schritt tats�chlich waren. An den Zwei Fl�ssen schossen die erwachsenen M�nner immer auf doppelt so weit entfernte Ziele. Aber da war <emphasis>sie</emphasis> keines dieser Ziele gewesen! �Ich denke, es ist wirklich schon sehr sp�t. Die Schatten... Das grelle Licht... Wir sollten das am Morgen tun. Wenn das Licht bes... �</p><p>�Wenn er bei ihr schwor�, unterbrach Elayne sie, als habe sie gar nicht hingeh�rt, �dann h�lt er sich auch unter allen Umst�nden daran. Er w�rde eher einen Eid auf seine Errettung und Wiedergeburt brechen als den. Ich glaube... nein, ich <emphasis>wei�,</emphasis> da� wir ihm in diesem Fall vertrauen k�nnen.� Es klang aber nicht danach, als gefalle ihr das sonderlich.</p><p>�Das Licht ist gerade richtig�, sagte Birgitte, und in ihrer ruhigen Stimme schwang ein Hauch von Heiterkeit mit. �Vielleicht versuche ich es mit verbundenen Augen. Diese Zuschauermenge w�nscht bestimmt, da� es m�glichst schwierig aussieht, glaube ich jedenfalls.�</p><p>Nynaeve �ffnete den Mund, aber nichts kam heraus. Diesmal h�tte ihr schon ein Kr�chzen gen�gt. Birgitte leistete sich nat�rlich nur einen schlechten Scherz. Es konnte nicht anders sein.</p><p>Sie stellten sie mit dem R�cken an den groben Holzzaun, und Elayne begann, an dem Knoten in ihrem Schal zu ziehen, w�hrend Birgitte den Weg zur�ckging, den sie gekommen waren, und dabei einen Pfeil aus dem K�cher zog. �Diesmal hast du wirklich etwas Verr�cktes angestellt�, knurrte Elayne. �Ich bin wohl sicher, da� wir auf Galads Eid vertrauen k�nnen, aber du konntest schlie�lich nicht wissen, was er zuvor alles anstellen w�rde. Und dann auch noch den Propheten anzusprechen!� Sie ri� Nynaeve grob den Schal von den Schultern. �Du hattest schlie�lich nicht die geringste Ahnung, was <emphasis>er</emphasis> unternehmen w�rde. Du hast jedem Sorgen bereitet und alles riskiert!�</p><p>�Ich wei߫, brachte Nynaeve gerade noch heraus. Die Sonne schien ihr ins Gesicht, und sie konnte Birgitte so gut wie nicht mehr erkennen. Doch Birgitte konnte <emphasis>sie</emphasis> sehen. Das war das Wichtigste.</p><p>Elayne blickte sie mi�trauisch an. �Das war dir klar?�</p><p>�Ich wei�, da� ich alles riskiert habe. Ich h�tte mit dir sprechen und dich fragen sollen. Ich wei�, da� ich mich t�richt verhalten habe. Man sollte mich ohne Aufpasserin �berhaupt nicht hinauslassen.� Alles brach atemlos aus ihr heraus. Birgitte <emphasis>mu�te</emphasis> sie doch gut erkennen k�nnen!</p><p>Aus Mi�trauen wurde Sorge. �Geht es dir gut? Wenn du das hier wirklich nicht tun willst... �</p><p>Dieses Weib glaubte doch glatt, sie habe Angst! Das konnte und wollte Nynaeve nicht auf sich sitzen lassen. Sie zwang sich zu einem L�cheln und hoffte, sie habe die Augen dabei nicht zu weit aufgerissen. Ihre Gesichtshaut war angespannt. �Nat�rlich will ich. Ich freue mich sogar darauf.�</p><p>Elayne zog zweifelnd die Augenbrauen hoch, nickte aber schlie�lich. �Und du bist ganz sicher, was Salidar betrifft?�</p><p>Sie wartete nicht auf eine Antwort, sondern setzte sich schnell zur Seite ab, wobei sie den Schal zusammenfaltete. Aus irgendeinem Grund konnte sich Nynaeve dieser Frage wegen nicht geb�hrend aufregen, genausowenig wie Elayne in der Lage gewesen war, ab zuwarten. Sie atmete so schnell, da� ihr die bange Bef�rchtung kam, ihr Busen k�nne oben aus dem tiefen Ausschnitt herausrutschen, doch selbst das konnte sie nicht aus ihrer L�hmung rei�en. Der Sonnenschein blendete sie. H�tte sie geblinzelt, h�tte sie vielleicht Birgitte gerade noch sehen k�nnen, aber ihre Augen entwickelten ein Eigenleben und wurden immer gr��er. Jetzt konnte sie ohnehin nichts mehr tun. Es war ihre Strafe daf�r, unn�tige Risiken einzugehen. Sie konnte nicht einmal �rger dar�ber versp�ren, da� sie bestraft wurde, nachdem alles so gut gelaufen war. Und Elayne glaubte ihr das mit Salidar nicht! Sie mu�te alles mit stoischer Ruhe nehmen. Sie w�rde...</p><p>Anscheinend aus dem Nichts heraus krachte ein Pfeil in die Holzfl�che und vibrierte direkt an ihrem rechten Handgelenk. Mit einem leisen klagenden Laut zerbrach der Anflug stoischer Ruhe. Sie hatte gr��te M�he, ihre Knie durchzudr�cken, damit sie nicht nachgaben. Der Luftzug von einem zweiten Pfeil streifte ihr anderes Handgelenk und brachte ein etwas h�heres Quieken hervor. Sie h�tte Birgittes Pfeile sowenig aufhalten k�nnen wie diese Angstlaute. Pfeil um Pfeil steigerte sich die Tonh�he, und ihr schien es sogar, die Menge bejuble ihre Schreie. Je lauter sie schrie, desto lauter wurde gejubelt und applaudiert. Als die Pfeile schlie�lich den Umri� ihres K�rpers vom Kopf bis zu den Knien auf die Holzfl�che zeichneten, konnte man den Applaus nur noch als donnernd bezeichnen. Tats�chlich hinterlie� dieser Abschlu� sie leicht gereizt, denn die Menge str�mte herein und dr�ngte sich um Birgitte, w�hrend sie allein dastand und die Pfeilsch�fte neben ihrem K�rper betrachtete. Einige bebten immer noch. Sie zitterte ebenfalls.</p><p>Sie gab sich selbst einen Sto� und eilte zu den Wohnwagen, so schnell sie konnte, damit niemand bemerkte, wie weich ihre Knie wirklich waren. Nicht, da� irgend jemand �berhaupt auf sie achtete. Alles, was sie vollbracht hatte, war, dazustehen und zu hoffen, da� Birgitte nicht niesen mu�te oder pl�tzlich einen Juckreiz versp�rte. Und morgen mu�te sie das Ganze wieder durchmachen. Entweder das, oder sie mu�te Elayne und, was noch schlimmer war, Birgitte, wissen lassen, da� sie sich zu sehr f�rchtete.</p><p>Als Uno an diesem Abend kam und nach Nana fragte, sagte sie ihm �berdeutlich, er solle gef�lligst Masema auf die F��e steigen, soweit er das wage, und auch Galad suchen und ihm sagen, er <emphasis>m�sse</emphasis> ganz schnell ein Schiff finden, was immer dazu n�tig sei. Dann ging sie ohne Abendessen ins Bett und versuchte, sich selbst glauben zu machen, sie k�nne morgen Elayne und Birgitte davon �berzeugen, da� sie zu krank sei, um sich vor die Wand zu stellen. Nur war sie eben sicher, da� die anderen sofort w��ten, was ihre Krankheit zu bedeuten habe. Da� sogar Birgitte vermutlich viel Mitgef�hl zeigen w�rde, machte alles nur noch schlimmer. Einer dieser verfluchten M�nner <emphasis>mu�te</emphasis> einfach ein Schiff auftreiben!</p></section><section><title><p>41</p><p>Kin Toveres Handwerk</p></title><p>Rand hatte die eine Hand am Heft seines Schwerts, und die andere hielt den Seanchan-Speer mit den gr�nen und wei�en Troddeln. Im Augenblick ignorierte er die anderen, die bei ihm unter den sp�rlichen B�umen auf dem H�gel standen, und musterte konzentriert die drei Lager, die sich im Schein der Vormittagssonne unter ihm ausbreiteten. Drei klar getrennte Lager, und das war auch der Haken an der Sache. Dort lagerten alle Soldaten aus Cairhien und Tear, die er zur Verf�gung hatte. Jeder weitere Mann, der ein Schwert oder einen Speer benutzen konnte, war in der Stadt eingepfercht oder befand sich das Licht allein mochte wissen wo.</p><p>Die Aiel hatten zwischen dem Jangai-Pa� und hier ganze Horden von Fl�chtlingen zusammengetrieben, und einige waren sogar aus eigenem Antrieb zu ihm gekommen, weil sie von Ger�chten angelockt wurden, <emphasis>diese</emphasis> Aiel t�teten wenigstens nicht gleich jeden, der ihnen unter die Augen kam; oder aber sie waren zu niedergeschlagen und ihnen war alles egal, solange sie nur eine Mahlzeit bekamen, bevor sie starben. Zu viele von ihnen glaubten, sowieso sterben zu m�ssen � durch die Aiel oder den Wiedergeborenen Drachen oder in der Letzten Schlacht, die ihrer Meinung nach nun wohl jeden Tag kommen konnte. Es war durchaus eine gr��ere Anzahl, allerdings meistens Bauern, Handwerker und Ladenbesitzer. Einige davon konnten einen Bogen oder eine Steinschleuder benutzen, um ein Kaninchen zu erlegen, aber es war kein einziger Soldat unter ihnen, und es fehlte auch an der Zeit, ihnen die Grundz�ge beizubringen. Die Stadt Cairhien selbst lag wenig mehr als f�nf Meilen entfernt im Westen, so da� sogar einige der ber�hmten �unvollendeten T�rme von Cairhien� �ber den Baumwipfeln zu sehen waren. Die Stadt zog sich �ber mehrere H�gel am Ufer des Alguenya hinweg und war vom Heer der Shaido Couladins und anderer, die sich ihm angeschlossen hatten, restlos umzingelt.</p><p>In einer planlosen Ansammlung von Zelten und Lagerfeuern in dem langgestreckten, aber nicht sehr tiefen Tal unterhalb von Rand lagerten etwa achthundert Tairener, voll ger�stete M�nner. Beinahe die H�lfte von ihnen geh�rte zu den Verteidigern des Steins. Sie trugen ihre gl�nzend polierten Brustharnische und ger�nderten Helme, und die Puff�rmel an jedem Wams wiesen schwarze und goldene Streifen auf. Die anderen waren von etwa zehn Lords abgestellt worden, deren Flaggen und Wimpel im Mittelpunkt des Lagers einen Kreis um die Fahne des Hochlords Weiramon mit ihren silbernen Halbmonden und Sternen bildeten. An den Pfostenreihen zum Anpflocken der Pferde standen so viele Wachtposten, als erwarteten sie jederzeit einen �berfall.</p><p>Dreihundert Schritt entfernt davon wurden im zweiten Lager die Pferde genauso streng bewacht. Die Tiere waren von ganz unterschiedlicher Zucht. Nur wenige kamen den edlen Zuchtpferden aus Tear nahe, und wenn Rand sich nicht irrte, waren dort auch eine Reihe ehemaliger Ackerg�ule und Zugpferde angebunden. Es waren vielleicht hundert Mann mehr, die aus Cairhien kamen, als das Lager der Tairener umfa�te, doch hatten sie weniger Zelte, und die waren meist noch geflickt. Ihren Flaggen und <emphasis>Cons</emphasis> nach waren hier etwas mehr als siebzig Lords vertreten. Nur wenige Adlige Cairhiens besa�en noch Dienstmannen, und ihr Heer war bereits zu Beginn des B�rgerkriegs auseinandergelaufen.</p><p>Die letzte Ansammlung lag weitere f�nfhundert Schritt entfernt im Tal, zumeist von M�nnern aus Cairhien besetzt, aber durch mehr als nur den Abstand von den anderen getrennt. Wohl war dieses Lager gr��er als die anderen beiden zusammen, aber man sah nur wenige Zelte oder Pferde. Keine Flaggen flatterten in diesem Lager, und nur die Offiziere trugen <emphasis>Cons,</emphasis> die kleinen Wimpel auf dem R�cken, die sie mit ihren bunten Farben f�r ihre M�nner gut sichtbar machten. Sie hatten nichts mit irgendwelchen Adelsh�usern zu tun. Die Infanterie mochte ja durchaus notwendig sein, aber nur sehr wenige Lords aus Tear oder Cairhien w�rden das jemals zugeben. Und ganz bestimmt w�re keiner damit einverstanden gewesen, ausgerechnet eine Infanterietruppe zu befehligen. Trotzdem war dieses Lager das am besten organisierte. Die Lagerfeuer waren in sauberen Reihen angeordnet, die langen Piken waren aufrecht in den Boden gesteckt worden, damit man sie sofort herausziehen konnte, und Gruppen von Bogen- oder Armbrustsch�tzen waren die Reihen entlang verteilt. Lans Meinung nach hielt die Disziplin die M�nner im Kampf am Leben, doch die Infanteriesoldaten waren eher bereit, daran zu glauben und danach zu handeln, als die Kavalleristen.</p><p>Angeblich arbeiteten die drei Gruppen zusammen und standen unter dem gleichen Befehl. Hochlord Weiramon hatte sie noch sp�t am Vortag aus dem S�den herangef�hrt. Aber die beiden Kavallerielager beobachteten sich gegenseitig mindestens genauso mi�trauisch wie die Aiel auf den H�geln der Umgebung. Die Tairener zeigten dabei eine gewisse Verachtung, die von den M�nnern aus Cairhien damit beantwortet wurde, da� sie wiederum die dritte Gruppe ignorierten, die ihrerseits die beiden anderen m�rrisch beobachtete. Rands Anh�nger, seine Verb�ndeten und sie waren nur zu bereit, sich gegenseitig anzufeinden und nicht nur ihre gemeinsamen Feinde.</p><p>Rand tat weiterhin so, als inspiziere er die Lager, musterte aber statt dessen Weiramon, der ohne Helm und so kerzengerade aufgerichtet, als habe er einen Eisenstab im R�cken, in seiner N�he stand. Zwei j�ngere M�nner, irgendwelche unbedeutenden Lords aus Tear, klebten ihm an den Fersen. Sie hatten sich die Barte schneiden und �len lassen und ahmten so Weiramon nach, nur da� dessen Bart graue Str�hnen aufwies. Selbst ihre Brustharnische, die sie �ber W�mser mit grellbunten Streifen geschnallt hatten, waren beinahe so kunstvoll wie seiner mit Gold verziert. Distanziert und abseits von allen anderen auf der H�gelspitze, dennoch aber nahe bei Rand, h�tten sie auch auf irgendein martialisches Zeremoniell an einem K�nigshof warten k�nnen. Allerdings rann ihnen der Schwei� �ber die Gesichter. Aber das beachteten sie ebenfalls nicht.</p><p>Auf dem Siegel des Hochlords fehlten nur wenige Sterne, um demjenigen Lanfears gleichzukommen, aber der Bursche mit der langen Nase war nicht etwa Lanfear in neuer Verkleidung. Das vorwiegend graue Haar hatte er wie seinen Bart ge�lt und gek�mmt, wohl in dem vergeblichen Versuch, zu verbergen, wie d�nn es bereits war. Er war mit Verst�rkungen aus Tear nach Norden gezogen, als er h�rte, da� Aiel die Stadt Cairhien selbst angriffen. Statt umzukehren oder auf der Stelle zu lagern und abzuwarten, zog er weiter nordw�rts, so schnell die Pferde nur konnten, und auf dem Weg sammelte er noch alles an zus�tzlichen Kr�ften, was er auflesen konnte.</p><p>Das war das Gute an Weiramon. Das Schlechte war, da� er tats�chlich geglaubt hatte, den Ring der Shaido um Cairhien mit den M�nnern sprengen zu k�nnen, die er mitgebracht hatte. Er glaubte es noch immer. Und er war alles andere als gl�cklich dar�ber, da� Rand ihn nicht drauflosschlagen lassen wollte und da� er auch noch von Aiel umgeben war. F�r Weiramon war ein Aiel so gut wie der andere. Das galt �brigens auch f�r die anderen. Einer der jungen Lords hielt sich jedesmal betont ein parf�miertes Taschentuch an die Nase, wenn er einen Aiel anblickte. Rand fragte sich, wie lange der Bursche �berleben werde. Und was er dann unternehmen mu�te, wenn der Kerl tot war.</p><p>Weiramon bemerkte, da� Rand ihn ansah, und r�usperte sich. �Mein Lord Drache�, begann er, und es klang, als belle er heiser, �ein guter Angriff wird sie wie die Wachteln aufscheuchen.� Er klatschte sich mit den Handschuhen auf die Handfl�che. �Infanterie wird niemals einem richtigen Kavallerieangriff widerstehen. Ich werde die M�nner aus Cairhien hineinschicken, um sie aufzuscheuchen, und dann folge ich mit meinen...�</p><p>Rand unterbrach ihn. Konnte der Mann �berhaupt nicht z�hlen? Sagte ihm die Anzahl der von hier aus sichtbaren Aiel nichts dar�ber, wie viele sich in der Umgebung der Stadt befanden? Es spielte keine Rolle. Rand hatte schon mehr geh�rt als ihm lieb war. �Ihr seid sicher in bezug auf die Nachrichten, die Ihr aus Tear gebracht habt?�</p><p>Weiramon blinzelte. �Nachrichten, mein Lord Drache? Was...? Ach das! Seng meine Seele, da ist doch nichts dran. Piraten aus Illian versuchen ziemlich oft, die K�stenst�dte zu �berfallen.� Sie �versuchten� es keineswegs nur, wenn man dem trauen konnte, was der Mann bei seiner Ankunft berichtet hatte.</p><p>�Und die Angriffe auf der Ebene von Maredo? Machen sie das auch oft?�</p><p>�Ach, seng meine Seele, das sind doch nur Briganten.� Es klang eher wie eine Tatsachenfeststellung und nicht wie ein Protest. �Vielleicht sind nicht alle Illianer, aber Soldaten sind sie sicher nicht. Bei dem v�lligen Durcheinander, das die Illianer st�ndig anrichten, wei� man nie, wer an welchem Tag gerade die Oberhand hat, ob K�nig oder Versammlung oder der Rat der Neun, aber wenn sie sich entschlie�en, in den Krieg zu ziehen, dann marschieren ihre Heere unter dem Zeichen der Goldenen Bienen gegen Tear. Dann schicken sie keine Banditen, die die Wagen der Kaufleute anz�nden und Bauernh�fe an der Grenze �berfallen. Darauf k�nnt Ihr euch verlassen!�</p><p>�Wenn Ihr meint�, erwiderte Rand so h�flich, wie es ihm m�glich war. Welche Macht die Versammlung oder der Rat der Neun oder Mattin Stepaneos den Baigar auch besitzen mochten, es war jedenfalls gerade soviel, wie Sammael ihnen �berlie�. Doch nur relativ wenige Menschen wu�ten �berhaupt, da� sich die Verlorenen wieder in Freiheit befanden. Einige, die es wissen sollten, weigerten sich, daran zu glauben, oder ignorierten es einfach � als verschw�nden die Verlorenen, wenn man blo� die Augen schlo� � oder sie zogen es vor, zu glauben, wenn das geschehe, dann in einer vagen und m�glichst fernen Zukunft. Es hatte gar keinen Zweck, Weiramon �berzeugen zu wollen, gleich, welcher Gruppe er angeh�rte. Was der Mann glaubte oder nicht glaubte, �nderte absolut nichts.</p><p>Der Hochlord blickte finster in das Tal zwischen den H�geln hinab. Genauer gesagt, auf die beiden Lager der M�nner aus Cairhien. �Niemand, der hier anst�ndig regiert! Wie kann man da wissen, welches Pack sich so weit nach S�den verirrt hat?� Er verzog das Gesicht und klatschte noch lauter mit den Handschuhen auf seine Handfl�che, bevor er sich umdrehte und wiederum Rand direkt ansprach: �Also, wir werden alle schnell genug zur Ordnung rufen, und das alles f�r Euch, mein Lord Drache. Wenn Ihr nur den Befehl erteilt, kann ich...�</p><p>Rand schob sich an ihm vorbei und h�rte nicht mehr hin. Weiramon folgte ihm trotzdem und verlangte nach wie vor einen Angriffsbefehl. Die beiden anderen liefen ihm wie H�ndchen hinterher. Der Mann war doch ein blinder Narr.</p><p>Sie waren nat�rlich nicht allein. Die H�gelspitze war sogar recht belebt. Zum einen hatte Sulin sie mit hundert <emphasis>Far Dareis Mai</emphasis> umstellt, und auch die letzte von ihnen wirkte noch sprungbereiter als die Aiel normalerweise. Sie konnten jeden Moment die Schleier anlegen. Und es war nicht allein die N�he der Shaido, die Sulin so nerv�s machte. Obwohl Rand das Mi�trauen der M�nner unten in den Lagern nicht zur Kenntnis nahm, befanden sich Enaila und zwei weitere T�chter immer in der N�he Weiramons und der beiden jungen Lords, und je weiter sie sich Rand n�herten, desto kampfbereiter wirkten die T�chter.</p><p>Nicht weit entfernt stand Aviendha mit einem Dutzend oder mehr Weisen Frauen, die Schals um die Ellbogen gewickelt und alle au�er ihr mit Armreifen und Halsketten geschm�ckt �berraschenderweise war es eine knochige, wei�haarige Frau, noch �lter sogar als Bair, die die F�hrung �bernommen zu haben schien. Rand h�tte eher Amys oder Bair erwartet, doch selbst diese beiden schwiegen, wenn Sorilea sprach. Melaine stand bei Bael, so in der Mitte zwischen den anderen Weisen Frauen und den �brigen Clanh�uptlingen. Sie zupfte immer wieder am Wams von Baels <emphasis>Cadin'sor</emphasis> herum, als k�nne er sich nicht selbst anziehen, und er wirkte wie ein geduldiger Mann, der sich eben immer wieder selbst an all die Gr�nde erinnerte, aus denen er geheiratet hatte. Es mochte eine pers�nliche Angelegenheit sein, aber Rand glaubte eher, da� die Weisen Frauen wieder einmal versuchten, die Clanh�uptlinge massiv zu beeinflussen. War dies der Fall, dann w�rde er die Einzelheiten bald genug zu h�ren bekommen.</p><p>Doch Rands Blick wurde immer wieder von Aviendha angezogen. Sie l�chelte ihn kurz an, als sie es bemerkte, und wandte sich dann wieder Sorilea zu. Es war ein freundliches L�cheln, aber auch nicht mehr. Nun, das war immerhin etwas. Sie hatte seit dem, was zwischen ihnen vorgefallen war, nicht <emphasis>einmal</emphasis> mehr Streit mit ihm angefangen, und wenn sie hin und wieder einen bei�enden Kommentar gab, dann war der zumindest nicht sch�rfer als beispielsweise einer von Egwene. Bis auf eine Gelegenheit, als er das Thema Heirat wieder zur Sprache gebracht hatte. Darauf hatte sie mit derart bei�endem Spott reagiert, da� er seither lieber nichts mehr davon erw�hnte. Aber leider ging ihr Verh�ltnis eben nicht �ber dieses freundliche Benehmen hinaus. Lediglich mit dem Auskleiden vor dem Einschlafen abends war sie ein wenig gro�z�giger geworden. Und sie bestand nach wie vor darauf, nicht mehr als h�chstens drei Schritt entfernt von ihm zu schlafen.</p><p>Die T�chter jedenfalls schienen sicher, da� erheblich weniger als drei Schritt zwischen ihren Decken lagen, und er erwartete, da� sich das herumsprechen w�rde; doch bisher war nichts dergleichen geschehen. Egwene w�rde wie ein umst�rzender Baum �ber ihn herfallen, sollte sie so etwas auch nur vermuten. Es war ja gut und sch�n, wie sie �ber Elayne sprach, aber er verstand noch nicht einmal Aviendha, obwohl die sich direkt vor seiner Nase befand. Alles in allem war seine innere Anspannung gr��er denn je, wenn er Aviendha auch nur anblickte, doch sie schien ihm viel gel�ster, als er sie je erlebt hatte. Wie auch immer, es entwickelte sich jedesmal das Gegenteil von dem, was er eigentlich erwartete. Bei ihr war alles auf den Kopf gestellt. Aber andererseits war Min die einzige Frau, bei der er <emphasis>nicht</emphasis> das Gef�hl hatte, als st�nde entweder er oder die ganze Welt st�ndig auf dem Kopf.</p><p>Seufzend ging er weiter und h�rte immer noch nicht hin, was Weiramon sagte. Eines Tages w�rde er die Frauen bestimmt verstehen. Wenn er Zeit hatte, sich darauf zu konzentrieren. Allerdings bef�rchtete er, ein Leben w�rde vielleicht doch nicht dazu ausreichen.</p><p>Die Clanh�uptlinge hatten ebenfalls viele andere um sich versammelt: Septimenh�uptlinge und Vertreter der Kriegergemeinschaften. Rand erkannte einige von ihnen. Der d�stere Heirn, H�uptling der Jindo Taardad, und Mangin, der ihm kameradschaftlich zunickte und den Tairenern eine ver�chtliche Grimasse zuwarf. Der speerschlanke Juranai, F�hrer der <emphasis>Aethan Dar,</emphasis> der Roten Schilde, der trotz einiger wei�er Str�hnen in seinem hellbraunen Haar auf diesem Zug dabei war, und Roidan mit seinen m�chtigen Schultern und dem grauen Haar, der die <emphasis>Sha'mad Conde</emphasis> anf�hrte, die Donnerg�nger. Diese vier hatten hin und wieder mit ihm die Aielkunst des waffenlosen Kampfes ge�bt, seit sie den Jangai-Pa� hinter sich gelassen hatten.</p><p>�Wollt Ihr heute zur Jagd gehen?� fragte Mangin, als Rand vorbeikam, und der blickte ihn �berrascht an.</p><p>�Zur Jagd?�</p><p>�Es gibt nicht viel zu jagen, aber wir k�nnten vielleicht Schafe mit S�cken einfangen.� Der ironische Blick Mangins in Richtung der Tairener lie� wenig Zweifel daran, welche Art von �Schafen� er meinte, doch Weiramon und die anderen bemerkten nichts davon. Oder sie taten so, als bemerkten sie nichts. Der kleine Lord mit dem parf�mierten Taschentuch schn�ffelte wieder daran.</p><p>�Vielleicht ein andermal�, erwiderte Rand und sch�ttelte den Kopf. Er glaubte, mit jedem dieser vier Freundschaft schlie�en zu k�nnen, und besonders mit Mangin, dessen Sinn f�r Humor demjenigen Mats sehr nahe kam. Doch wenn er schon keine Zeit hatte, die Frauen besser kennenzulernen, hatte er erst recht keine Zeit, neue Freundschaften zu kn�pfen. Was das betraf, hatte er selbst f�r die alten Freunde kaum Zeit. Dabei bereitete ihm gerade Mat Sorgen.</p><p>Auf dem h�chsten Punkt des H�gels erhob sich ein schweres, aus dicken Baumst�mmen erbautes Ger�st �ber die Baumwipfel. Die breite Plattform obenauf befand sich zwanzig Spannen oder mehr �ber dem Boden. Die Aiel verstanden nichts von der Arbeit mit Holz, jedenfalls in diesem Ausma�, aber unter den Fl�chtlingen aus Cairhien hatten sich gen�gend befunden, die das wettmachten.</p><p>Moiraine wartete zusammen mit Lan und Egwene unten am Sockel neben der ersten schr�g aufragenden Leiter. Egwene hatte viel Sonnenbr�une abbekommen. W�ren nicht ihre dunklen Augen gewesen, h�tte man sie durchaus f�r eine Aielfrau halten k�nnen, wenn auch eine kleine. Er musterte schnell ihr Gesicht konnte aber au�er der Ersch�pfung nichts Au�ergew�hnliches entdecken. Amys und die anderen lie�en sie in ihrer Ausbildung einfach zu hart schuften. Doch w�rde sie es ihm nicht danken, griffe er nun deshalb ein.</p><p>�Hast du dich entschieden?� fragte Rand und blieb stehen. Mit einemmal schwieg auch Weiramon.</p><p>Egwene z�gerte, doch Rand bemerkte, da� sie diesmal nicht erst Moiraine anblickte, bevor sie antwortete. �Ich werde tun, was in meiner Macht steht.�</p><p>Ihr Z�gern st�rte ihn dennoch. Er hatte Moiraine nicht darum gebeten, denn sie konnte die Macht nicht als Waffe gegen die Shaido verwenden, es sei denn, sie bedrohten sie direkt oder er konnte sie davon �berzeugen, da� die Shaido alle Schattenfreunde seien. Doch Egwene hatte die Drei Eide nicht abgelegt und er war sicher gewesen, sie werde die Notwendigkeit einsehen. Statt dessen war sie bla� geworden, als er ihr den Vorschlag machte, und dann hatte sie ihn drei Tage lang gemieden. Nun, wenigstens hatte sie zugestimmt. Was immer den Kampf gegen die Shaido verk�rzen konnte, war in jedem Fall zu begr��en.</p><p>Moiraines Gesichtsausdruck ver�nderte sich nicht, doch er hegte keinen Zweifel an dem, was sie wohl dachte. Diese glatten Aes-Sedai-Gesichtsz�ge, diese Aes-Sedai-Augen konnten eisige Mi�billigung ausdr�cken, ohne sich im geringsten zu ver�ndern.</p><p>Er schob das Ende des kurzen Speers unter seinen G�rtel, stellte den Fu� auf die unterste Sprosse � und dann fragte Moiraine: �Warum tragt Ihr wieder ein Schwert?�</p><p>Diese Frage hatte er nun wirklich nicht erwartet. �Warum nicht?� fragte er zur�ck und kletterte nach oben. Keine gute Antwort, aber sie hatte ihn mit ihrer Frage etwas aus dem Gleichgewicht gebracht.</p><p>Die halbverheilte Wunde an seiner Seite zog schmerzhaft, als er emporstieg. Es war nicht schlimm, aber trotzdem schien es, als k�nne sie jeden Moment wieder aufbrechen. Er achtete nicht darauf. Er sp�rte die Wunde h�ufig, wenn er sich k�rperlich anstrengte.</p><p>Rhuarc und die anderen Clanh�uptlinge folgten ihm. Bael, der sich von Melaine abgewandt hatte, bildete den Abschlu�, und Weiramon und seine beiden Speichellecker zogen es vor, unten zu bleiben. Der Hochlord <emphasis>wu�te,</emphasis> was zu tun war, also ben�tigte und wollte er keine neuen Informationen. Rand sp�rte Moiraines Blick, und so sah er nach unten. Nein, nicht den Moiraines. Egwene beobachtete, wie er hinaufkletterte, und ihr Gesicht glich dem einer Aes Sedai so sehr, da� er fast keinen Unterschied mehr feststellen konnte. Moiraine und Lan hatten die K�pfe zusammengesteckt. Er hoffte, Egwene w�rde ihren Beschlu� nicht wieder umwerfen.</p><p>Auf der breiten Plattform oben arbeiteten zwei kleine, schwitzende junge M�nner in Hemds�rmeln daran, eine mit Messingringen zusammengehaltene Holzr�hre �drei Schritt lang und dicker als ein M�nnerarm � auf ein drehbares Gestell zu heben, das man auf dem Gel�nder angebracht hatte. Nur ein paar Schritt entfernt war bereits am Vortag mit der Fertigstellung des Turms eine identische R�hre montiert worden. Ein dritter Mann in Hemds�rmeln wischte sich mit einem gestreiften Tuch �ber den kahlen Kopf, w�hrend er die beiden anderen anknurrte.</p><p>�Vorsichtig. <emphasis>Vorsichtig</emphasis> habe ich gesagt! Wenn ihr mutterlosen Wiesel auch nur eine Linse aus der Fassung sto�t, werde ich euch die hirnlosen K�pfe einschlagen! Mach es richtig fest, Jol. Fester! Wenn es runterf�llt, w�hrend der Lord Drache hindurchblickt, springt ihr beiden am besten gleich hinterher. Nicht nur seinetwegen. Wenn ihr mein Werk kaputt macht, werdet ihr euch anschlie�end w�nschen, ihr h�ttet euch gleich damit die eigenen dummen Sch�del eingeschlagen.�</p><p>Jol und der andere Bursche, Cail, setzten ihre Arbeit nicht sonderlich beeindruckt fort. Sie waren seit Jahren an Kin Toveres Benehmen gew�hnt. Rand war auf die Idee zu diesem ganz besonderen Turm gekommen, als er unter den Fl�chtlingen einen Handwerker und seine beiden Lehrlinge angetroffen hatte, die Linsen und Brillen herstellten.</p><p>Zuerst bemerkte keiner der drei, da� sie nicht mehr allein waren. Die Clanh�uptlinge klommen auf leisen Sohlen nach oben, und Toveres Schimpfkanonade �bert�nte die Tritte von Rands Stiefeln. Rand selbst war �berrascht, als hinter Bael Lans Kopf in der offenen Fallt�r auftauchte; Stiefel oder nicht, jedenfalls bewegte sich der Beh�ter genauso leise wie die Aiel. Und selbst Han �berragte die M�nner aus Cairhien noch um einen Kopf.</p><p>Schlie�lich bemerkten sie die Neuank�mmlinge, und daraufhin fuhren die Lehrlinge mit weit aufgerissenen Augen zusammen, als h�tten sie noch niemals Aiel erblickt. Dann verbeugten sie sich ungeschickt vor Rand und blieben mit krummem Buckel stehen. Der Linsenmacher war beim Anblick der Aiel ebenfalls zusammengezuckt, fing sich aber schnell wieder, verbeugte sich knapp und wischte sich dabei wieder �ber die Glatze.</p><p>�Sagte Euch ja, ich w�rde das zweite heute fertigstellen, mein Lord Drache.� Tovere brachte es fertig, gleichzeitig respektvoll und doch genauso knurrig wie vorher zu klingen. �Eine wunderbare Idee, dieser Turm. Ich w�re nie darauf gekommen, aber sobald Ihr mich fragtet, wie weit Ihr mit einer Brille sehen k�nntet... Gebt mit Zeit, und ich baue Euch eins, mit dem Ihr von hier aus Caemlyn sehen k�nnt. Wenn der Turm hoch genug <emphasis>ist�,</emphasis> f�gte er noch kritisch hinzu. �Es gibt Grenzen.�</p><p>�Was Ihr bis jetzt vollbracht habt, ist mehr als genug, Meister Tovere.� Jedenfalls mehr, als Rand erwartet hatte. Er harte bereits einen Blick durch das erste Fernrohr geworfen.</p><p>Jol und Cail standen immer noch geb�ckt da und hatten die K�pfe gesenkt. �Am besten bringt Ihr jetzt Eure Lehrlinge hinunter�, sagte Rand, �damit es hier nicht ganz so eng wird.�</p><p>Es war Platz f�r mindestens viermal so viele, doch Tovere stupste Cail augenblicklich mit einem dicken Zeigefinger an die Schulter. �Kommt mit, ihr nichtsnutzigen Stallburschen. Wir stehen dem Lord Drachen im Weg.�</p><p>Die Lehrlinge richteten sich kaum merklich auf, folgten ihm aber mit staunenden Seitenblicken auf Rand, der sie noch mehr zu beeindrucken schien als die Aiel, und verschwanden schlie�lich in der Luke. Cail war ein Jahr �lter als Rand und Jol zwei. Beide waren in gr��eren St�dten geboren worden, als er sie sich je hatte vorstellen k�nnen, ehe er die Zwei Fl�sse verlie�, Cairhien besuchte und den K�nig wie auch die Amyrlin sah, wenn auch nur aus der Entfernung. Zur Zeit ihrer Geburt hatte er noch Schafe geh�tet. H�chstwahrscheinlich wu�ten sie in mancher Hinsicht auch heute noch mehr von der Welt als er. Er sch�ttelte den Kopf und b�ckte sich, um durch das neue Fernrohr blicken zu k�nnen.</p><p>Cairhien sprang f�rmlich in sein Blickfeld. Der Wald, der jemandem von den Zwei Fl�ssen sowieso nicht besonders dicht vorkam, endete nat�rlich ein ganzes St�ck vor der Stadt. Die Stadtmauer war hoch, grau, und bildete ein perfektes Quadrat am Flu�ufer, ein auff�lliger Gegensatz zu den flie�enden Wellen der H�gel. Innerhalb der Stadt erhoben sich weitere T�rme nach einem pr�zise ausgerichteten Muster genau an den Schnittpunkten eines Gitters. Manche waren zwanzigmal so hoch wie die Mauer oder noch h�her, doch alle waren von Ger�sten umgeben. Man baute immer noch an den legend�ren �unvollendeten� T�rmen, nachdem sie im Aielkrieg ausgebrannt waren.</p><p>Als er die Stadt das letzte Mal gesehen hatte, war sie von einer zweiten Stadt umgeben gewesen, dem Vortor, einem verwirrenden Fuchsbau aus Holzh�usern, so farbig und l�rmend, wie Cairhien selbst n�chtern wirkte. Nun sah man davon nur noch verbrannte Erde, Asche und verkohlte Balken und dahinter die Stadtmauer. Ihm war nicht klar, wie man verhindert hatte, da� das Feuer auf die Stadt Cairhien selbst �bergriff.</p><p>Fahnen flatterten an jedem Turm der Stadt, zu fern, um sie klar ausmachen zu k�nnen, doch Kundschafter hatten sie ihm beschrieben. Zur H�lfte trugen sie die Halbmonde Tears, zur anderen H�lfte, was nicht �berraschte, kopierten sie das Drachenbanner, das er �ber dem Stein von Tear zur�ckgelassen hatte. Keine einzige zeigte die Aufgehende Sonne Cairhiens.</p><p>Er verschob das Fernrohr nur ein klein wenig, doch die Stadt verschwand aus seinem Blickfeld. Auf dem entgegengesetzten Flu�ufer standen immer noch die ru�geschw�rzten Ruinen der Kornh�user. Einige der Fl�chtlinge, mit denen sich Rand unterhalten hatte, behaupteten, gerade die Brandstiftung an den Kornh�usern habe zu Ausschreitungen und anschlie�end zum Tod K�nig Galldrians gef�hrt und damit letztendlich zum B�rgerkrieg. Andere meinten, die Ermordung Galldrians habe die Stra�enk�mpfe und das Brandschatzen hervorgerufen. Rand bezweifelte, da� er jemals die Wahrheit dar�ber erfahren w�rde, was nun eigentlich am B�rgerkrieg schuld gewesen war.</p><p>Eine Anzahl ausgebrannter Schiffsr�mpfe lag an beiden Ufern des breiten Flusses, aber keiner davon nahe der Stadt. Die Aiel f�hlten sich nicht wohl �Furcht konnte man es wohl nicht nennen �, wenn sie sich in der N�he einer Wasserfl�che befanden, die sie nicht durchwaten oder mit einem Schritt �berqueren konnten. Doch Couladin hatte es fertiggebracht, sowohl oberhalb wie auch unterhalb von Cairhien Sperren aus schwimmenden, zusammengebundenen Baumst�mmen �ber den Alguenya zu legen, und er hatte gen�gend M�nner als Wachen abgestellt, damit niemand sie beseitigte. Den Rest hatten Brandpfeile erledigt. Nichts au�er Ratten und V�geln konnte nun ohne Couladins Genehmigung Cairhien betreten oder verlassen.</p><p>Auf den H�geln in der Umgebung der Stadt waren wenige Anzeichen eines belagernden Heeres zu entdecken. Hier und da erhoben sich Geier schwerf�llig in die Luft. Zweifellos genossen sie ein Festmahl aus den �berresten des einen oder anderen vergeblichen Ausbruchsversuchs, aber Shaido waren nicht in Sicht. Aiel lie�en sich eben selten blicken, es sei denn, sie legten Wert darauf, gesehen zu werden.</p><p>Halt. Rand bewegte das Fernrohr ein wenig zur�ck, um einen baumlosen H�gel vielleicht eine Meile vor der Stadtmauer genauer zu betrachten. Eine gr��ere Gruppe von M�nnern. Die Gesichter konnte er nicht erkennen und auch sonst nicht viel au�er der Tatsache, da� sie alle den <emphasis>Cadin'sor</emphasis> trugen. Noch etwas. Einer dieser M�nner hatte seine Arme nicht bedeckt. Couladin. Rand war sicher, sich das nur einzubilden, aber wenn Couladin sich bewegte, glaubte er das Glitzern metallischer Schuppen zu sehen, die die Unterarme des Mannes umspannten und so seine eigenen imitierten. Das war Asmodeans Werk, und es war lediglich ein Versuch gewesen, Rands Aufmerksamkeit abzulenken, w�hrend Asmodean an der Durchf�hrung seiner eigenen Pl�ne gearbeitet hatte, doch wie w�re wohl alles verlaufen, h�tte der Verlorene nicht zu dieser Ma�nahme gegriffen? Ganz bestimmt st�nde er dann jetzt nicht auf diesem Turm, beobachtete eine belagerte Stadt und wartete auf eine Schlacht.</p><p>Pl�tzlich scho� auf jenem fernen H�gel etwas kaum Wahrnehmbares durch die Luft, und zwei der M�nner st�rzten um sich schlagend zu Boden. Couladin und die anderen starrten genauso bet�ubt wie Rand auf die gefallenen M�nner, die beide offensichtlich vom gleichen Speer durchbohrt worden waren. Rand drehte das Fernrohr ein wenig und suchte den Mann, der mit solcher Gewalt geworfen hatte. Er mu�te wohl entweder sehr tapfer oder sehr t�richt sein, da� er sich ihnen so weit gen�hert hatte. Rand mu�te bald seinen Suchbereich erweitern, bis er schlie�lich jenseits jeder m�glichen Reichweite eines menschlichen Arms suchte. Ihm kam der Gedanke, es k�nne sich um einen Ogier handeln, wenn das auch nicht sehr wahrscheinlich war, denn es brauchte schon einiges, um einen Ogier zur Gewaltanwendung zu verf�hren, aber dann erblickte er einen weiteren undeutlich aufblitzenden � Speer?</p><p>�berrascht richtete er sich halb auf und verschob aus Versehen das Fernrohr. Dann ri� er es in die Ausgangsstellung zur�ck und betrachtete die Stadtmauer Cairhiens. Dieser Speer, oder was es auch immer sein mochte, war von dort gekommen. Da war er sicher. Wie � das war eine ganz andere Sache. Aus dieser Entfernung war er schon froh, wenigstens gelegentlich erkennen zu k�nnen, wie sich jemand auf der Mauer oder einem der T�rme bewegte.</p><p>Rand hob den Kopf und sah, da� Rhuarc gerade von dem anderen Fernrohr zur�cktrat und Han Platz machte. Das war der ganze Grund f�r den Bau des Turms und die Fernrohre gewesen. Kundschafter brachten wohl alles mit, was sie �ber die Aufstellung der Shaido um die Stadt herausfinden konnten, aber auf diese Weise waren die H�uptlinge selbst in der Lage, das Terrain zu beobachten, auf dem die Schlacht ausgefochten werden w�rde. Sie hatten bereits einen Plan zusammen ausgearbeitet, aber ein weiterer Blick auf die Umgebung der Stadt konnte nie schaden. Rand verstand nicht viel von Schlachtpl�nen, aber Lan hatte ihr Vorhaben f�r gut befunden. Jedenfalls was seinen ureigenen Verstand betraf, hatte er keine Ahnung davon, aber manchmal schlichen sich diese anderen Erinnerungen ein, und dann schien er mehr zu wissen, als ihm lieb war.</p><p>�Habt Ihr das gesehen? Diese ... Speere?� Rhuarc blickte genauso verbl�fft drein wie Rand selbst, aber der Aiel nickte. �Der letzte traf einen anderen Shaido, der aber noch wegkriechen konnte. Schade, da� er nicht Couladin erwischt hat.� Er deutete auf das Fernrohr, und Rand machte ihm Platz, damit er noch einmal hindurchschauen konnte.</p><p>War es wirklich so schade darum? Couladins Tod w�rde die Bedrohung Cairhiens oder anderer nicht beenden. Jetzt, da sie sich auf dieser Seite der Drachenmauer befanden, w�rden die Shaido nicht brav zur�ckkehren, weil der Mann gestorben war, den sie f�r den wahren <emphasis>Car'a'carn</emphasis> gehalten hatten. Sein Tod w�rde sie wohl ersch�ttern, aber kaum so nachhaltig. Und nach allem, was Rand gesehen hatte, verdiente Couladin auch kein derart einfaches Ende. <emphasis>Ich kann so hart sein, wie es sein mu�,</emphasis> dachte er und streichelte das Heft seines Schwertes. <emphasis>In seinem Fall kann ich es.</emphasis></p></section><section><title><p>42</p><p>Vor dem Pfeil</p></title><p>Die Innenseite eines Zeltdachs d�rfte wohl der langweiligste Anblick der Welt sein, aber trotzdem legte sich Mat in Hemds�rmeln auf den Kissen mit roten Quasten zur�ck, die Melindhra erworben harte, und musterte den graubraunen Stoff eingehend. Oder genauer, er blickte durch ihn hindurch. Einen Arm hatte er hinter dem Kopf, und in der freien Hand schwenkte er einen geh�mmerten Silberpokal voll guten Weins aus dem S�den Cairhiens. Ein kleines Fa� hatte ihn genausoviel gekostet wie zwei gute Pferde � oder soviel, wie zwei gute Pferde gekostet h�tten, st�nden nicht die Welt und alles darin kopf �, er aber betrachtete es als geringen Preis f�r etwas wirklich Gutes. Gelegentlich spritzten ein oder zwei Tropfen auf seine Hand, doch er bemerkte es nicht und trank auch �berhaupt nicht.</p><p>So, wie er es sah, war die Lage mittlerweile f�r ihn mehr als nur ernst zu nennen. Ernst war sie gewesen, als er noch in der W�ste festsa�, ohne den Weg hinaus zu finden. Ernst war sie, als Schattenfreunde �berall auftauchten, wo er sie am wenigsten erwartet hatte, wenn Trollocs in der Nacht angriffen und gelegentlich Myrddraal ihm das Blut mit ihrem augenlosen Blick in den Adern gefrieren lie�en. Diese Art von Gefahr erschien schnell und war gew�hnlich vor�ber, bevor man �berhaupt eine Gelegenheit zum Nachdenken bekam. Es war auch sicher nichts, was er von sich aus suchte, aber wenn es sein mu�te, konnte er damit leben, soweit er es �berlebte. Aber jetzt wu�te er bereits seit Tagen, wohin sie zogen und warum. Diesmal gab es nichts �berraschendes. Tage, um dar�ber nachzudenken.</p><p><emphasis>Ich bin kein verdammter Held,</emphasis> dachte er grimmig, <emphasis>und ich bin kein verdammter Soldat.</emphasis> Wild entschlossen unterdr�ckte er eine Erinnerung daran, �ber Festungsmauern zu wandeln und seine letzten Reserven an einen Punkt zu schicken, an dem eine weitere Gruppe Trollocs mit Leitern die Mauer zu erklimmen versuchten. <emphasis>Das war ich nicht, und verdammt sei der, dessen Erinnerungen ich herumschleppe! Ich bin...</emphasis> Er wu�te selbst nicht, was er war � ein unangenehmer Gedanke �, aber was er auch sein mochte, hatte immer mit Spielen zu tun, mit Tavernen, Frauen und Tanz. Dessen war er sicher. Au�erdem brauchte er nur ein gutes Pferd, dann standen ihm alle Stra�en der Welt offen; statt dessen sa� er hier und wartete darauf, da� irgend jemand Pfeile auf ihn abscho� oder sich nach besten Kr�ften bem�hte, ihm ein Schwert oder einen Speer in die Rippen zu rammen. W�re es anders, m��te er sich als reinen Narren betrachten, und den wollte er auf keinen Fall spielen, nicht f�r Rand oder Moiraine oder sonst jemanden.</p><p>Als er sich aufsetzte, rutschte das silberne Medaillon in Form eines Fuchskopfes an seiner Lederschnur aus dem offenen Hemd. Er steckte es zur�ck und nahm dann doch endlich einen langen Zug aus dem Pokal. Das Medaillon sorgte daf�r, da� er vor Moiraine und jeder anderen Aes Sedai sicher war, solange sie es ihm nicht abnahmen � was irgendwann die eine oder andere bestimmt versuchen w�rde �, aber nur sein eigener Verstand konnte ihn davor bewahren, von irgendeinem Idioten zusammen mit ein paar tausend anderer Idioten umgebracht zu werden. Oder von Rand, oder von der Tatsache, da� er ein <emphasis>Ta'veren</emphasis> war.</p><p>Ein Mann sollte doch in der Lage sein, Profit daraus zu schlagen, wenn sich die Ereignisse um ihn herum durch seinen Einflu� ver�nderten. Auf gewisse Weise hatte Rand es ausgen�tzt. Er selbst hatte an sich nie etwas davon bemerkt, au�er beim W�rfelspiel. Er w�rde sich vor einigen der Dinge bestimmt nicht dr�cken, die in den Legenden einem <emphasis>Ta'veren</emphasis> passierten. Reichtum und Ruhm fielen ihm buchst�blich in den Scho�, M�nner, die ihn t�ten wollten, entschieden sich pl�tzlich, ihm statt dessen als Anf�hrer zu folgen, und Frauen mit Eis im Blick schmolzen pl�tzlich vor ihm dahin.</p><p>Nicht, da� er sich wirklich �ber das beklagte, was er erreicht hatte. Und ganz bestimmt wollte er mit Rand nicht tauschen, denn der Preis, an diesem Spiel teilzunehmen, war ihm einfach zu hoch. Es lag eben nur daran, da� er mit allen Nachteilen behaftet war, die mit der Rolle eines <emphasis>Ta'veren</emphasis> einhergingen, aber keinen der Vorteile geno�.</p><p>�Es ist Zeit, zu gehen�, sagte er dem leeren Zelt, und dann schwieg er nachdenklich und nippte an dem Pokal. �Es ist an der Zeit, auf Pips zu steigen und davonzureiten. Vielleicht nach Caemlyn?� Keine schlechte Stadt, solange er den k�niglichen Palast mied. �Oder nach Lugard.� Er hatte Ger�chte �ber Lugard geh�rt. Das sollte ein feiner Aufenthaltsort f�r M�nner wie ihn sein. �Es ist h�chste Zeit, mich von Rand abzusetzen. Er hat ein verdammtes Aielheer und mehr T�chter des Speers, als er z�hlen kann, die sich um ihn k�mmern. Er braucht mich nicht.�</p><p>Das letztere entsprach nicht ganz der Wahrheit. Auf eine seltsame Art und Weise war er an den Erfolg oder Mi�erfolg Rands in Tarmon Gai'don gebunden, Perrin und er, genauer gesagt, also drei <emphasis>Ta'veren,</emphasis> die alle miteinander verstrickt waren. Die Geschichtsschreiber w�rden eines Tages vermutlich nur Rand erw�hnen. Die Chance, da� er oder Perrin Eingang in deren Erz�hlungen finden w�rden, war ziemlich gering. Und dann war ja da noch das Horn von Valere. Dar�ber wollte und w�rde er nicht nachdenken. Nicht, bevor es nicht unabdingbar notwendig war. Vielleicht gab es auch noch einen Ausweg aus diesem speziellen Dilemma. Wie er es auch betrachtete, das Horn war jedenfalls im Moment kein Problem. Das hatte noch viel Zeit. Mit etwas Gl�ck w�rde man ihm all diese Rechnungen erst eines sehr fernen Tages pr�sentieren. Nur w�rde er wahrscheinlich mehr Gl�ck brauchen, als ihm gegeben war.</p><p>Der springende Punkt in diesem Augenblick war, da� er �ber eine Abreise hatte nachdenken k�nnen, ohne Gewissensbisse zu empfinden. Es war noch nicht lange her, da� er unf�hig gewesen war, auch nur davon zu sprechen. Wenn er sich zu weit von Rand entfernte, f�hlte er sich zu ihm zur�ckgezogen wie ein Fisch an einer unsichtbaren Angel. Dann wurde es ihm m�glich, es wenigstens auszusprechen, doch die kleinste Kleinigkeit brachte ihn wieder davon ab und lie� ihn alle Pl�ne, sich heimlich davonzustehlen, verschieben. Sogar in Rhuidean, als er Rand erkl�rt hatte, er werde gehen, war er sicher gewesen, da� noch etwas dazwischenkommen w�rde. Das war auch auf gewisse Weise so gekommen; Mat war wohl aus der W�ste herausgelangt, aber nicht weiter von Rand entfernt als zuvor. Diesmal aber, so glaubte er, w�rde ihn nichts mehr davon abbringen.</p><p>�Es ist doch nicht so, da� ich ihn im Stich lie�e�, knurrte er. �Wenn er verdammt noch mal jetzt noch nicht auf sich selbst aufpassen kann, dann wird er es nie lernen. Ich bin doch nicht sein verfluchtes Kinderm�dchen.�</p><p>Er leerte den Pokal, zw�ngte sich in seinen gr�nen Mantel, steckte seine Messer in die verborgenen Scheiden, legte sich einen dunkelgelben Seidenschal so um den Hals, da� die Narbe, wo man ihn aufgeh�ngt hatte, verdeckt war, schnappte sich seinen Hut und ging geb�ckt aus dem niedrigen Zelt.</p><p>Die Hitze erschlug ihn fast nach der relativen K�hle im schattigen Zelt. Er war nicht sicher, wie sich die Jahreszeiten hier entwickelten, doch der Sommer zog sich f�r seinen Geschmack schon zu lange hin. Etwas, auf das er sich in der W�ste gefreut hatte, war der Einbruch des Herbstes in den L�ndern jenseits der Drachenmauer. Ein wenig K�hle. Kein Gl�ck gehabt.</p><p>Wenigstens hielt die breite Hutkrempe die schlimmste Sonnenglut von seinen Augen ab. Diese h�geligen W�lder in Cairhien waren bedauernswert: mehr Lichtungen als B�ume, und die H�lfte f�rbte sich bei dieser Trockenheit bereits braun. Zu Hause im Westwald w�rde sich noch kein brauner Fleck zeigen. �berall standen die niedrigen Aielzelte, doch auf eine gewisse Entfernung wirkten sie wie ein Haufen abgestorbener Bl�tter oder eine kahle Bodenerhebung, und selbst da, wo man die Seitenw�nde hochgezogen hatte, waren sie nur schwer zu erkennen. Die Aiel, die gesch�ftig umherliefen, beachteten ihn nicht weiter.</p><p>Von einer hochgelegenen Stelle auf seinem Weg durch das Lager aus erhaschte er einen Blick auf Kaderes Wagen, die im Kreis aufgestellt worden waren. Die Fahrer lagen im Schatten unter ihren Gef�hrten, und der H�ndler war nirgends zu sehen. Kadere blieb immer h�ufiger in seinem Wohnwagen und steckte kaum noch die Nase heraus, au�er wenn Moiraine kam, um die Ladung zu inspizieren. Die Aiel, die seine Wagen in kleinen Gruppen mit Speer und Schild, Bogen und K�cher bewehrt umstanden, bem�hten sich gar nicht, etwas anderes als Wachtposten darstellen zu wollen. Moiraine schien zu glauben, Kadere oder einige seiner M�nner w�rden versuchen, sich mit den aus Rhuidean stammenden Gegenst�nden heimlich davonzumachen. Mat fragte sich, ob Rand �berhaupt bewu�t sei, da� er ihr alles gab, was sie von ihm wollte. Eine Zeitlang hatte Mat geglaubt, Rand habe endlich die Oberhand gewonnen, aber da war er sich nun nicht mehr sicher, selbst als Moiraine beinahe noch vor Rand geknickst und ihm die Pfeife herbeigetragen h�tte.</p><p>Rands Zelt stand nat�rlich allein f�r sich auf einer H�gelkuppe, und diese rote Flagge hing an ihrem Mast davor. Sie flatterte in der leichten Brise, und dabei breitete sie sich manchmal so weit aus, da� man die schwarzwei�e Scheibe erkennen konnte. Das Ding jagte Mat genauso eine G�nsehaut ein wie vorher das Drachenbanner. Wenn ein Mann es vermeiden wollte, in Angelegenheiten der Aes Sedai verwickelt zu werden, so wie jeder Mann, der nicht gerade ein Idiot war, war es eigentlich das Allerletzte, ausgerechnet mit diesem Sinnbild herumzuwedeln.</p><p>Die Abh�nge dieses H�gels waren leer, doch um seinen Fu� zog sich ein Ring von Zelten der T�chter des Speers. Weitere standen zwischen den B�umen an den H�ngen der unmittelbaren Umgebung. Auch das war ganz normal, genau wie das Lager der Weisen Frauen innerhalb jenes der <emphasis>Far Dareis Mai:</emphasis> Dutzende niedriger Zelte in Rufweite von Rands H�gel, zwischen denen wei�gekleidete <emphasis>Gai'schain</emphasis> gesch�ftig umhereilten.</p><p>Nur wenige der Weisen Frauen waren gerade zu sehen, doch das machten sie durch die kritischen Blicke wett, die sie ihm zuwarfen. Er hatte keine Ahnung, wie viele aus dieser Gruppe die Macht ben�tzen konnten, aber wenn es um abw�gende und absch�tzende Blicke ging, standen sie den Aes Sedai in nichts nach. Er schritt schneller voran und bem�hte sich, die Schultern nicht einzuziehen, obwohl er sich nicht gerade wohl f�hlte. Er sp�rte ihre Blicke, als bohre sich ein Stock in seinen R�cken. Und auf dem R�ckweg w�rde sich das ganze Spie�rutenlaufen wiederholen. Nun, ein paar Worte mit Rand, und dann mu�te er sich das zum letztenmal gefallen lassen.</p><p>Als er den Hut abnahm, sich duckte und in Rands Zelt trat, befand sich niemand darin au�er Natael, der auf den Kissen sa�, die vergoldete, drachenbeschnitzte Harfe ans Knie gelehnt hatte und einen goldenen Kelch in der Hand hielt.</p><p>Mat schnitt eine Grimasse und fluchte leise. Das h�tte er eigentlich wissen m�ssen. Falls Rand anwesend w�re, h�tte er einen Kreis von T�chtern rund um das Zelt passieren m�ssen. H�chstwahrscheinlich befand er sich oben auf dem neuerbauten Turm. Das war eine gute Idee gewesen. So konnte man das Terrain besser kennenlernen. Das war so etwas wie die zweite Grundregel, die gleich nach der ersten kam: �Lerne Deinen Feind kennen. � Die beiden Regeln nahmen sich nicht viel.</p><p>Der Gedanke stie� ihm schon wieder s�uerlich auf. Diese Regeln stammten aus den Erinnerungen anderer M�nner. Die einzigen Regeln, an die er sich erinnern <emphasis>wollte,</emphasis> waren: �K�sse nie ein M�dchen, dessen Br�der Narben von Messerschnitten aufweisen�, und: �Fange nie ein W�rfelspiel an, ohne vorher den Hinterausgang erkundet zu haben�. Es w�re ihm lieber gewesen, diese fremden Erinnerungen hingen noch immer wie Klumpen in seinem Ged�chtnis, anstatt sich in seine Gedanken einzuschleichen, wenn er es am wenigsten erwartete.</p><p>�Schwierigkeiten mit einem sauren Magen?� fragte Natael tr�ge. �Vielleicht hat eine der Weisen Frauen eine Wurzel, die das heilt. Oder Ihr k�nntet Moiraine fragen.�</p><p>Mat konnte den Mann nicht leiden; er schien immer einen Scherz auf Kosten anderer auf den Lippen zu haben. Und er sah stets aus, als k�mmerten sich mindestens drei Diener um seine Kleidung. St�ndig diese schneewei�en Spitzen an Kragen und Manschetten, und immer schien alles gerade frisch gewaschen und geb�gelt worden zu sein. Der Kerl schien auch niemals zu schwitzen. Warum Rand ihn st�ndig um sich hatte, war ihm ein R�tsel. Er spielte auch kaum jemals eine fr�hliche Melodie auf seiner Harfe. �Wird er bald zur�ck sein?�</p><p>Natael zuckte die Achseln. �Wann er sich eben dazu entschlie�t. Vielleicht bald, vielleicht auch sp�ter. Kein Mann schreibt dem Lord Drachen die Zeit vor. Und nur wenige Frauen.� Da war es wieder, dieses geheimnisvolle L�cheln. Diesmal etwas d�ster gef�rbt.</p><p>�Ich werde warten.� Diesmal wollte er das tats�chlich. Er hatte sich schon zu oft dabei ertappt wie er auf diese Weise seine Abreise ein weiteres Mal hinausschob.</p><p>Natael nippte an seinem Wein und musterte ihn �ber den Rand des Kelches hinweg.</p><p>Es war schon schlimm genug, wenn ihn Moiraine und die Weisen Frauen auf diese schweigende, forschende Art anblickten � manchmal machte es Egwene genauso; sie hatte sich sehr ge�ndert, zur H�lfte Weise Frau und zur H�lfte Aes Sedai �, aber bei Rands Gaukler lie� ihn dieser Blick mit den Z�hnen knirschen. Das Beste an einem Abschied w�re sicher, da� niemand ihn mehr ansehen w�rde, als k�nne er oder sie innerhalb einer Minute ablesen, was er dachte, oder als wisse derjenige bereits im ersten Moment, ob seine Unterw�sche sauber sei.</p><p>Zwei Landkarten lagen ausgebreitet in der N�he der Feuergrube. Die eine, in allen Einzelheiten von einer zerfledderten Karte abgezeichnet, die sie in einer halb niedergebrannten Ortschaft gefunden hatten, zeigte das n�rdliche Cairhien von westlich des Alguenya bis halbwegs zum R�ckgrat der Welt, w�hrend die andere � frisch gezeichnet und recht skizzenhaft � die Umgebung der Stadt darstellte. Auf beiden lagen eine Reihe von Pergamentfetzen, die durch kleine Steinchen festgehalten wurden. Wenn er hierbleiben und gleichzeitig Nataels forschenden Blicken entgehen wollte, mu�te er sich wohl oder �bel mit diesen Landkarten besch�ftigen.</p><p>Mit der Spitze eines Stiefels verschob er ein paar Steinchen auf der Karte der Stadt und ihrer Umgebung, damit er lesen konnte, was auf den Pergamentfetzen geschrieben stand. Unwillk�rlich fuhr er zusammen. Falls die Aiel-Kundschafter recht hatten, verf�gte Couladin �ber beinahe einhundertundsechzigtausend Speere, Shaido und diejenigen, die sich wohl ihren Kriegergemeinschaften unter den Shaido angeschlossen hatten. Das war eine harte Nu�, die sie zu knacken hatten, und schwierig war die Lage au�erdem. Auf dieser Seite des R�ckgrats der Welt hatte es seit der Zeit Artur Falkenfl�gels kein so gro�es Heer mehr gegeben.</p><p>Die zweite Karte zeigte die anderen Clans, die die Drachenmauer �berquert hatten. Alle befanden sich mittlerweile hier in Positionen, die damit zu tun hatten, wann sie den Jangai verlassen hatten und ausgeschw�rmt waren, doch alle unangenehm nahe ihrer eigenen Stellung. Die Shiande, die Codarra, die Daryne und die Miagoma. Zusammengenommen verf�gten sie �ber etwa genauso viele Speere wie Couladin. Wie es aussah, hatten sie nicht viele Clanmitglieder zur�ckgelassen. Die sieben Clans unter Rands F�hrung hatten bestimmt doppelt so viele Mitglieder und konnten sich problemlos mit Couladin oder den vier Clans messen. Entweder, oder. Aber nicht mit beiden gleichzeitig. Und doch konnte es geschehen, da� Rand gleichzeitig mit beiden Seiten zu tun bekam.</p><p>Was die Aiel als die �Trostlosigkeit� bezeichneten, mu�te wohl auch diese Clans betroffen haben. Noch immer warfen jeden Tag einige M�nner ihre Waffen hin und verschwanden. Doch nur ein Narr h�tte darauf gez�hlt, da� dies deren Anzahl st�rker beeintr�chtigte als die der Anh�nger Rands. Und es bestand ja durchaus die M�glichkeit, da� einige von ihnen zu Couladin �berliefen. Die Aiel sprachen nicht oft und nicht freim�tig genug dar�ber und verbargen den Gedanken an diese unangenehme M�glichkeit hinter Gespr�chen �ber die Kriegergemeinschaften, doch nach wie vor kamen manche M�nner und T�chter zu dem Schlu�, da� sie weder Rands F�hrung noch das, was er ihnen �ber ihre eigene Geschichte erz�hlt hatte, zu akzeptieren vermochten. Jeden Morgen fehlten wieder einige, und nicht alle lie�en die Speere zur�ck.</p><p>�Eine nette Situation, nicht wahr?�</p><p>Mats Kopf fuhr hoch, als Lans Stimme erklang, aber der Beh�ter war allein in das Zelt eingetreten. �Nur etwas, um mir die Wartezeit zu vertreiben. Kommt Rand zur�ck?�</p><p>�Er wird bald bei uns sein.� Lan hatte die Daumen in seinen Schwertg�rtel eingehakt, stand neben Mat und blickte auf die Karte hinab. Sein Gesichtsausdruck verriet genausoviel wie der einer Statue. �Der morgige Tag sollte die gr��te Schlacht seit der Zeit Artur Falkenfl�gels bringen.�</p><p>�Glaubt Ihr wirklich?� Wo war Rand? Wom�glich immer noch auf diesem Turm. Vielleicht sollte er hingehen. Nein, das k�nnte damit enden, da� er ihm durch das ganze Lager hinterherrannte, immer einen Schritt zu sp�t. Irgendwann w�rde Rand schon zur�ckkehren. Er wollte mit ihm noch �ber etwas anderes als �ber Couladin sprechen. <emphasis>Ich habe nichts mit diesem Kampf zu tun. Ich renne nicht vor etwas davon, was mich nicht im geringsten betrifft.</emphasis> �Wie steht es mit denen?� Er deutete auf vier Fetzen, die die Miagoma und die anderen darstellen sollten. �Irgendeine Nachricht, ob sie vorhaben, sich Rand anzuschlie�en, oder wollen sie nur da hocken und zuschauen?�</p><p>�Wer wei� das schon? Rhuarc scheint genausowenig Ahnung davon zu haben wie ich, und falls die Weisen Frauen etwas wissen, sagen sie es nicht. Das einzige, was wir sicher wissen, ist die Tatsache, da� Couladin nirgendwohin weiterzieht.�</p><p>Wieder Couladin. Mat trat nerv�s von einem Fu� auf den anderen und machte dann einen halben Schritt auf den Ausgang zu. Nein, er <emphasis>w�rde</emphasis> warten. So richtete er den Blick fest auf die Landkarten und tat so, als studiere er sie wieder genau. Vielleicht w�rde ihn Lan in Ruhe lassen. Er wollte doch nur Rand sagen, was er auf dem Herzen hatte, und dann gehen. Der Beh�ter schien sich aber unterhalten zu wollen. �Was denkt Ihr, Meister Gaukler? Sollen wir morgen Couladin mit allen Kr�ften angreifen, die wir zu Verf�gung haben, und ihn so vernichten?�</p><p>�Das klingt in meinen Ohren genauso gut wie jeder andere Plan�, erwiderte Natael m�rrisch. Er kippte den Inhalt des Kelchs auf einmal herunter, lie� ihn auf den Teppich fallen, nahm seine Harfe auf und begann, eine d�stere Melodie zu zupfen, die auch auf eine Beerdigung gepa�t h�tte. �Ich f�hre keine Heere, Beh�ter. Ich beherrsche niemanden au�er mir selbst, und sogar das nicht immer.�</p><p>Mat knurrte, und Lan blickte ihn an, bevor er sich wieder dem Studium der Karte zuwandte. �Ihr haltet es nicht f�r einen guten Plan? Warum nicht?�</p><p>Er sagte das so nebens�chlich, da� Mat antwortete, ohne weiter nachzudenken: �Zwei Gr�nde. Wenn Ihr Couladin umstellt und ihn zwischen Euch und der Stadt einschlie�t, k�nntet Ihr ihn vielleicht gegen die Stadtmauer dr�ngen und vernichten.� Wie lange brauchte Rand denn noch? �Aber Ihr dr�ngt ihn m�glicherweise auch <emphasis>�ber</emphasis> die Stadtmauer ins Innere. Demzufolge, was ich geh�rt habe, w�re er schon zweimal beinahe durchgebrochen, und das ohne Tunnelbauer oder Belagerungsmaschinen, und die Stadt h�lt sich nur noch mit �u�erster M�he.� Einfach seinen Spruch aufsagen und gehen: das war das Richtige. �Wenn Ihr ihn mit aller Macht gegen die Stadt treibt, werdet Ihr euch pl�tzlich dabei ertappen, da� Ihr mitten in Cairhien k�mpft. Das ist eine ziemlich t�ckische Angelegenheit, Stra�enk�mpfe in einer Stadt. Und au�erdem wollt Ihr ja die Stadt retten und sie nicht vielmehr endg�ltig in Schutt und Asche legen.� Das ging alles so klar und deutlich aus den Pergamentfetzen auf der Karte und aus der Karte selbst hervor.</p><p>Er hockte sich, die Ellbogen auf die Knie gest�tzt, stirnrunzelnd nieder. Lan hockte sich neben ihn, aber er bemerkte es kaum. Ein verw�rfeltes Problem. Und faszinierend dazu. �Am besten versucht Ihr, ihn wegzutreiben. Vor allem m��t Ihr von S�den aus zuschlagen.� Er deutete auf den Gaelin, der ein paar Meilen n�rdlich der Stadt in den Alguenya m�ndete. �Hier oben gibt es Br�cken. Gebt den Shaido den Weg dorthin frei. La�t ihnen immer einen Fluchtweg offen, es sei denn, Ihr wollt wirklich herausfinden, wie hart ein Mann k�mpfen kann, wenn er keinen Ausweg mehr sieht und nichts mehr zu verlieren hat.� Sein Finger bewegte sich nach Osten zu. Zumeist fand man dort bewaldete H�gel, wie es schien. Wahrscheinlich nicht viel anders als hier, wo sie lagerten. �Wenn Ihr ihnen mit einer Abfangtruppe genau hier auf dieser Seite des Flusses den Weg blockiert, geht Ihr sicher, da� sie sich den Br�cken zuwenden. Die Truppe mu� nur stark genug sein und an der richtigen Stelle warten. Sobald sie einmal in Bewegung sind, hat Couladin kein gro�es Interesse daran, auch noch gegen jemanden von vorn zu k�mpfen, w�hrend Ihr von hinten her angreift.� Ja. Beinahe die gleiche Lage wie bei Jenje. �Jedenfalls, wenn er nicht gerade ein kompletter Idiot ist. Sie schaffen vielleicht einen geordneten R�ckzug bis zum Flu�, doch diese Br�cken werden zu einem Engpa�. Ich kann mir nicht vorstellen, da� ausgerechnet Aiel hin�berschwimmen oder im Flu� nach �berg�ngen suchen werden. Dr�ngt weiter mit aller Macht nach und treibt sie hin�ber. Mit Gl�ck k�nnt Ihr sie dann endg�ltig in die Flucht schlagen und zur�ck in die Berge treiben.� Das war auch �hnlich wie bei den Cuaindaigh-Furten, in der letzten Phase der Trolloc-Kriege, und es spielte sich sogar ungef�hr im gleichen Ma�stab ab. Und es war auch kein gro�er Unterschied zu den Tora Shan. Oder dem Sulmein-Pa�, bevor Falkenfl�gel nicht mehr zu bremsen war. Die Namen zuckten ihm durch den Kopf und die Bilder blutiger Schlachtfelder, die mittlerweile selbst bei den Historikern in Vergessenheit geraten waren. Da er so vollst�ndig in den Anblick der Karten versunken war, kamen ihm diese Erinnerungen wie die eigenen vor. �Zu schade, da� Ihr nicht mehr Kavallerie habt. Leichte Kavallerie ist am besten, wenn man einen Gegner vertreiben will. Bei�t an den Flanken zu, haltet sie immer in Bewegung und la�t sie niemals stillstehen, um sich zum Kampf zu stellen. Na ja, Aiel sollten das fast genausogut k�nnen.�</p><p>�Und der andere Grund?� fragte Lan ruhig.</p><p>Nun war Mat v�llig gefesselt. Er war sowieso ein echter Spielertyp, und eine Schlacht war ein Spiel, gegen das auch das sch�nste W�rfelspiel in einer Taverne wie eine Besch�ftigung f�r Kinder und zahnlose Greise erschien. Hier standen Menschenleben auf dem Spiel, die der eigenen M�nner und die anderer. Setze den falschen Einsatz, wage eine t�richte Wette, und St�dte oder ganze L�nder starben. Nataels d�sterernste Musik war die passende Begleitung. Gleichzeitig aber brachte ihm ein solches Spiel das Blut zum Wallen, so begeisterte es ihn.</p><p>Ohne den Blick von der Karte zu wenden, schnaubte er. �Den kennt Ihr genauso gut wie ich. Wenn nur einer dieser Clans beschlie�t, sich Couladin anzuschlie�en, dann greifen Sie Euch von hinten an, w�hrend Ihr noch alle H�nde voll mit Couladin zu tun habt. Dann wird Couladin zum Ambo�, und sie werden zum Hammer, w�hrend ihr die Nu� seid, die dazwischen liegt. Deshalb nehmt nur die H�lfte Eurer Truppen, um gegen Couladin zu k�mpfen. Das macht Euch zu gleichstarken Gegnern, aber es wird Euch nicht viel anderes �brigbleiben.� Es gab im Krieg einfach keine Fairne�. Da griff man eben den Feind von hinten an, wenn er es am wenigsten erwartete und zu einem Zeitpunkt und an einem Ort, wo er am schw�chsten war. �Ihr habt trotzdem noch einen taktischen Vorteil. Er mu� sich Gedanken dar�ber machen, da� gleichzeitig aus der Stadt heraus ein Ausfall erfolgt. Die andere H�lfte Eurer Truppen teilt Ihr in drei Gruppen auf. Eine braucht Ihr, um Couladin zum Flu� zu dr�ngen, und die anderen beiden stellt Ihr ein paar Meilen voneinander entfernt zwischen die Stadt und die vier Clans.�</p><p>�Sehr geschickt�, sagte Lan und nickte. Dieses anscheinend aus Fels gehauene Gesicht �nderte seinen Ausdruck nicht, doch in seiner Stimme lag ein Hauch von Anerkennung, wenn auch fast nicht wahrzunehmen. �Es w�rde keinem Clan etwas bringen, einen der beiden Truppenteile anzugreifen, besonders deshalb nicht, weil ihm der andere inzwischen in den R�cken fallen k�nnte. Und aus dem gleichen Grund wird keiner in die K�mpfe in der unmittelbaren Umgebung der Stadt eingreifen. Nat�rlich k�nnte es sein, da� alle vier Clans angreifen. Nicht sehr wahrscheinlich, sonst h�tten sie es wohl schon getan, aber falls das geschieht, �ndert sich die Lage vollst�ndig.�</p><p>Mat lachte laut auf. �Alles �ndert sich st�ndig. Der beste Plan gilt nur so lange, bis der erste Pfeil den Bogen verl��t. Dieser ist so leicht zu durchschauen, da� auch ein Kind ihn durchf�hren k�nnte, nur wissen eben Indirian und die anderen nicht, was sie wollen. Sollten sie sich alle entschlie�en, zu Couladin �berzulaufen, dann la�t die W�rfel rollen und hofft, denn der Dunkle K�nig hat seine H�nde im Spiel. Ihr habt dann aber wenigstens so viele M�nner au�erhalb der Stadt bereitstehen, da� sie ihnen an St�rke beinahe gleichkommen. Gen�gend, um sie so lange hinzuhalten, wie Ihr ben�tigt. Sobald er wirklich ganz mit der �berquerung des Gaelin besch�ftigt ist, gebt Ihr Couladins Verfolgung auf und werft statt dessen alles ihnen entgegen. Doch ich k�nnte wetten, da� sie abwarten und beobachten werden, und wenn Ihr Couladin besiegt habt, werden sie sich Euch anschlie�en. Ein Sieg beendet fast jede Unschl�ssigkeit in den Hirnen der meisten Menschen.�</p><p>Die Musik war verklungen. Mat blickte zu Natael hin�ber und stellte fest, da� der Mann erstarrt seine Harfe umkrampfte und ihn dar�ber hinweg mit starrem Blick fixierte. Der Mann starrte ihn an, als habe er ihn noch nie zuvor gesehen und wisse nicht, was er war. Die Augen des Gauklers schienen wie aus frisch geputztem Glas, und seine Kn�chel hatten sich vor Anstrengung �ber dem vergoldeten Rahmen seiner Harfe wei� verf�rbt.</p><p>Und damit wurde ihm schlagartig alles bewu�t, was er gesagt hatte und die Erinnerungen, aus denen er gesch�pft hatte. <emphasis>Verdammt sollst du Narr sein! Kannst den Mund einfach nicht halten!</emphasis> Warum mu�te Lan auch die Unterhaltung in diese Richtung steuern? Warum konnte er nicht mit ihm �ber Pferde sprechen, oder das Wetter, oder einfach den Mund halten? Bisher hatte der Beh�ter noch nie den Eindruck erweckt, da� er sich unbedingt mit ihm unterhalten wolle. Gew�hnlich erschien diesem Mann gegen�ber selbst ein Baum noch geschw�tzig. Nat�rlich h�tte er auch selbst darauf kommen k�nnen, sich auf den Zweck seines Hierseins zu besinnen und den Mund zu halten. Nun, wenigstens hatte er nicht wieder in der Alten Sprache gesprochen. <emphasis>Blut und Asche, hoffentlich habe ich das wirklich nicht!</emphasis></p><p>So sprang Mat nun auf und wandte sich zum Zelteingang, durch den aber gerade in diesem Moment Rand eingetreten zu sein schien. Er hielt den eigenartigen verk�rzten Speer mit den Troddeln in H�nden und drehte ihn geistesabwesend hin und her. Sollte er schon l�nger dort gestanden haben? Es spielte keine Rolle. Mat sprudelte alles in einem Atemzug heraus, was er sich zu sagen vorgenommen hatte. �Ich gehe weg, Rand. Beim ersten Tageslicht morgen bin ich im Sattel und weg. Ich w�rde noch in dieser Minute abreiten, wenn ich an einem halben Tag weit genug k�me. Ich habe vor, so viele Meilen wie nur m�glich zwischen mich und die Aiel � alle Aiel � zu bringen, wie Pips nur zur�cklegen kann, bevor wir rasten m�ssen.� Es kam �berhaupt nicht in Frage, einen Rastplatz zu suchen, wo ihn die Kundschafter irgendeiner Seite schnappen und zum Trocknen aufh�ngen k�nnten. Couladin hatte sicher welche ausgesandt, und selbst die eigenen hier erkannten ihn vielleicht erst, wenn er schon einen Speer in der Leber stecken hatte.</p><p>�Es tut mir sehr leid, wenn du gehst�, sagte Rand leise.</p><p>�Versuche nicht, mich davon abzubrin...� Mat ri� die Augen auf. �Das ist alles? Es tut dir leid, wenn ich gehe?�</p><p>�Ich habe nie versucht, dich zum Bleiben zu zwingen, Mat. Perrin ging, als er dies mu�te, und du kannst das auch.�</p><p>Mat �ffnete den Mund und schlo� ihn wieder. Rand hatte nie versucht, ihn zum Bleiben zu zwingen, das stimmte. Er hatte es einfach geschafft, ohne sich darum zu bem�hen. Aber jetzt f�hlte er �berhaupt nichts von der Abh�ngigkeit eines <emphasis>Ta'veren,</emphasis> nicht einmal das vage Gef�hl, einen Fehler zu begehen. Er war standhaft und hatte nur ein klares Ziel vor Augen.</p><p>�Wohin willst du ziehen?�</p><p>�Nach S�den.� Nicht, da� er eine gro�e Auswahl gehabt h�tte. Die anderen Richtungen w�rden ihn entweder zum Gaelin f�hren, und n�rdlich des Flusses gab es nichts, was ihn interessierte, oder den Aiel in die Arme, von denen ihn die einen ganz bestimmt t�ten w�rden und die anderen vielleicht, je nachdem, wie nahe sich Rand befand und was sie am letzten Abend gegessen hatten. Soweit er das beurteilen konnte, blieben ihm nicht allzu viele Chancen. �Anfangs jedenfalls. Dann wird schon irgendwo eine Taverne stehen, und es wird Frauen geben, die nicht gerade Speere schwenken.� Melindhra. Sie w�rde ein Problem darstellen. Er hatte das Gef�hl, sie sei die Art von Frau, die nicht lockerlie�, bis sie selbst genug hatte. Nun, er w�rde sich so oder so damit auseinandersetzen m�ssen. Vielleicht sollte er einfach losreiten, bevor sie etwas merkte. �Das hier ist nichts nur mich, Rand. Ich verstehe nichts von Schlachten, und ich will auch gar nichts davon wissen.� Er vermied jeden Blick in Richtung Lan oder Natael. Wenn einer von beiden sich auch nur r�hrte, w�rde er ihm eine aufs Maul verpassen. Sogar dem Beh�ter. �Das verstehst du doch, oder?�</p><p>Rands Nicken konnte durchaus Verst�ndnis bedeuten. M�glicherweise. �Wenn ich du w�re, w�rde ich vergessen, Egwene auf Wiedersehen zu sagen. Ich bin mir nicht mehr sicher, wieviel von dem, was ich ihr sage, letztendlich bei Moiraine oder den Weisen Frauen oder bei beiden landet.�</p><p>�Zu diesem Schlu� bin ich auch vor einiger Zeit gekommen. Sie hat sich weiter von Emondsfeld entfernt als jeder andere von uns. Und sie bereut es weniger als wir.�</p><p>�Vielleicht�, sagte Rand traurig. �Das Licht leuchte dir, Mat�, f�gte er hinzu und streckte die Hand aus, �und gebe dir gerade Stra�en, gutes Wetter und angenehme Gesellschaft, bis wir uns Wiedersehen.�</p><p>Falls es nach Mat ging, w�rde das eine Weile dauern. Das machte ihn selbst ein wenig traurig. Au�erdem kam es ihm t�richt vor, Trauer dar�ber zu empfinden. Ein Mann mu�te schlie�lich selbst sehen, wo er blieb. Wenn nun alles besprochen und getan war, dann war's das wohl.</p><p>Rands Griff war so hart wie immer. All diese Schwertk�mpferei und was sonst noch hatten den alten Schwielen des Bogensch�tzen neue hinzugef�gt. Doch die harten R�nder des reiherf�rmigen Brandzeichens in seiner Handfl�che konnte Mat trotzdem noch deutlich f�hlen. Das sollte ihn nur daran erinnern, da� er die Male an den Unterarmen des Freundes und die noch eigenartigeren Dinge in seinem Kopf, die ihn die Macht lenken lie�en, niemals verga�. Wenn er schon verga�, da� Rand die Macht ben�tzen konnte, und daran hatte er nun tagelang nicht mehr gedacht � tagelang! �, dann war es mehr als nur h�chste Zeit f�r ihn, zu gehen.</p><p>Sie wechselten noch ein paar verlegene Worte im Stehen. Lan schien sie zu ignorieren. Er hatte die Arme verschr�nkt und studierte schweigend die Landkarte, w�hrend Natael damit begonnen hatte, m��ig an seiner Harfe herumzuzupfen. Mat hatte ein feines Geh�r, und ihm kam die unbekannte Melodie ironisch vor. Er fragte sich, warum der Kerl ausgerechnet diese spielte. Noch ein paar Augenblicke; Rand tat einen z�gernden Schritt und beendete damit das Gespr�ch, und dann war Mat drau�en. Dort standen eine Menge Leute herum: gut hundert T�chter des Speers hatten die H�gelkuppe umstellt und gingen vor kampfbereiter Anspannung beinahe auf Zehenspitzen umher, alle sieben Clanh�uptlinge warteten geduldig und unbeweglich wie Felsbl�cke, und drei tairenische Lords bem�hten sich, so zu tun, als schwitzten sie nicht und als g�be es keine Aiel.</p><p>Er hatte von der Ankunft der Lords geh�rt und war sogar hingegangen, um einen Blick auf ihr Lager �oder ihre Lager � zu werfen, doch es hatte sich niemand darunter befunden, den er kannte, und keiner hatte Lust auf die W�rfel oder ein Kartenspielchen. Diese drei musterten ihn von oben bis unten, runzelten mi�billigend die Stirn und entschieden offensichtlich, er sei nicht besser als die Aiel, also in anderen Worten: nicht einmal wert, angeschaut zu werden.</p><p>Mat klatschte sich den Hut auf den Kopf, zog die Krempe tief �ber seine Augen herunter und musterte die Tairener seinerseits einen Augenblick lang kalt. Es machte ihm Spa�, zu bemerken, da� wenigstens die beiden j�ngeren ihm noch einmal unangenehm ber�hrt nachblickten, bevor er endg�ltig den H�gel hinabschritt.</p><p>Der Graubart wirkte immer noch so ungeduldig, als wolle er am liebsten in Rands Zelt st�rmen, aber es spielte alles keine Rolle. Er w�rde keinen von ihnen jemals Wiedersehen.</p><p>Er hatte keine Ahnung, warum er sie nicht einfach ignoriert hatte. Nur war sein Schritt jetzt leichter und er f�hlte sich beschwingt. Kein Wunder nat�rlich, da er morgen endlich gehen w�rde. Die W�rfel schienen durch seinen Kopf zu wirbeln, und er konnte nicht voraussagen, wie viele Augen sie zeigen w�rden, wenn sie endlich still l�gen. Seltsame Sache. Es mu�te an Melindhra liegen, da� er sich Sorgen machte. Ja. Er w�rde auf jeden Fall fr�h aufbrechen, und zwar so leise und unauff�llig wie eine Maus, die auf Zehenspitzen �ber Federn schleicht.</p><p>Pfeifend machte er sich zu seinem Zelt auf. Welche Melodie hatte er da eigentlich auf den Lippen? Ach, ja: �Tanz mit dem Schwarzen Mann�. Er hatte nicht die Absicht, mit dem Tod ein T�nzchen zu wagen, aber es klang so fr�hlich, da� er trotzdem weiterpfiff, w�hrend er versuchte, den g�nstigsten Weg von Cairhien weg zu planen.</p><p>Rand stand noch da und blickte Mat nach, lange nachdem sich die Zeltklappe hinter ihm geschlossen hatte. �Ich habe nur den letzten Teil geh�rt�, sagte er schlie�lich. �War alles andere genauso?�</p><p>�Ja, beinahe�, antwortete Lan. �Er hatte nur ein paar Minuten Zeit, um die Karten zu betrachten, aber dann entwickelte er einen Schlachtplan ganz �hnlich dem Rhuarcs und der anderen. Er sah die Schwierigkeiten und Gefahren und fand heraus, wie man ihnen begegnen kann. Er wei� �ber Tunnelbauer und Belagerungsmaschinen Bescheid und wie man leichte Kavallerie ben�tzt, um einen geschlagenen Gegner zu verjagen.�</p><p>Rand blickte ihn an. Der Beh�ter zeigte keine �berraschung und zuckte mit keiner Wimper. Nat�rlich war er derjenige gewesen, der behauptet hatte, Mat verstehe �berraschend viel von milit�rischen Dingen. Und Lan w�rde keineswegs die Frage stellen, die so offensichtlich auf der Hand lag. Das war auch gut so. Rand hatte kein Recht dazu, ihm das wenige zu verraten, was er wu�te.</p><p>Er hatte ja auch selbst ein paar Fragen auf der Zunge. Beispielsweise, was Tunnelbauer mit Schlachten zu tun haben sollten. Oder vielleicht betraf das auch nur Belagerungen. Wie auch die Antwort ausfallen mochte � es gab wohl kein Bergwerk, das n�her als der Drachendolch gelegen h�tte, und auch dort stand keineswegs fest, da� noch jemand nach Erz sch�rfte. Nun, diese Schlacht w�rde jedenfalls ohne sie stattfinden. Das wichtigste war, da� er nun wu�te, da� Mat auf der anderen Seite dieses t�rf�rmigen <emphasis>Ter'Angreal</emphasis> mehr gewonnen hatte als nur die Angewohnheit, gelegentlich ohne nachzudenken in der Alten Sprache zu sprechen. Und da er das jetzt sicher wu�te, w�rde sich Rand Mats F�higkeiten zunutze machen.</p><p><emphasis>Du mu�t wirklich nicht noch h�rter werden,</emphasis> dachte er bitter. Er hatte gesehen, wie Mat zu seinem Zelt hinaufgegangen war, und hatte nicht gez�gert, Lan hinunterzuschicken, um herauszufinden, was er mit ihm allein in einer ganz nebens�chlichen Unterhaltung an die Oberfl�che bringen k�nne. Es war in voller Absicht geschehen. Der Rest w�rde sich vielleicht bewahrheiten, vielleicht auch nicht, aber vieles w�rde unausweichlich geschehen. Er hoffte, Mat m�ge sich gut am�sieren, w�hrend er frei war. Er hoffte, auch Perrin m�ge seinen Aufenthalt an den Zwei Fl�ssen genie�en, Faile seiner Mutter und den Schwestern vorstellen und sie vielleicht sogar heiraten. Er hoffte das, denn er wu�te genau, da� er sie zur�ckholen und an sich binden w�rde, ein <emphasis>Ta'veren,</emphasis> der andere <emphasis>Ta'veren</emphasis> anlockte, und er war der st�rkste von ihnen. Moiraine hatte es auch nicht eben als Zufall bezeichnet, da� gleich drei von ihnen im gleichen Dorf aufwuchsen, und alle dar�ber hinaus etwa im gleichen Alten Das Rad webte Zuf�lle ins Muster hinein, aber es verwob nicht gleich drei dieser Sorte grundlos miteinander. Auf lange Sicht w�rde er seine Freunde zu sich zur�ckholen, gleich, wie weit sie sich inzwischen entfernt hatten und wann sie kamen, und er w�rde sie benutzen, soweit er nur konnte. Soweit er mu�te. Weil es nicht anders ging. Denn was die Prophezeiungen des Drachen auch aussagten: er war sicher, da� seine einzige Chance, Tarmon Gai'don zu gewinnen, darin lag, da� sie alle drei, drei <emphasis>Ta'veren,</emphasis> die seit ihrer fr�hesten Kindheit miteinander verkn�pft waren, zur Letzten Schlacht noch einmal gemeinsam verwebt w�rden. Nein, er mu�te wirklich nicht erst hart werden. <emphasis>Du bist schon so widerlich, da� selbst ein Seanchan sich �bergeben w�rde!</emphasis></p><p>�Spielt den Todesmarsch�, befahl er mit h�rterer Stimme als beabsichtigt, und Natael blickte ihn einen Augenblick lang verst�ndnislos an. Der Mann hatte alles mit angeh�rt. Er hatte bestimmt Fragen, doch er w�rde keine Antworten erhalten. Wenn Rand Mats Geheimnisse schon Lan nicht enth�llen konnte, w�rde er sie erst recht nicht vor einem der Verlorenen ausbreiten, wie zahm dieser jetzt auch wirken mochte. Diesmal also sprach er absichtlich mit harter Stimme und deutete mit der Speerspitze auf den Mann: �Spielt das, es sei denn, Ihr kennt noch etwas Traurigeres. Spielt etwas, das <emphasis>Eure</emphasis> Seele zum Weinen bringt. Falls Ihr noch eine habt�</p><p>Natael l�chelte ihn gewinnend an und verbeugte sich im Sitzen, doch er wurde bleich um die Augen. Er begann dann auch tats�chlich mit dem Todesmarsch, doch er klang auf seiner Harfe einschneidender denn je, ein klagendes Heulen, das sicherlich jede Seele zum Weinen bringen konnte. Er starrte Rand unverwandt an, als hoffe er auf irgendeine Reaktion.</p><p>Rand wandte sich ab und streckte sich auf den Teppichen aus. Unter den Ellbogen hatte er sich ein rotgoldenes Kissen gelegt und er blickte auf die Landkarten herunter. �Lan, w�rdet Ihr die anderen jetzt hereinbitten?�</p><p>Der Beh�ter machte eine steife Verbeugung und schritt nach drau�en. Er hatte das zum allererstenmal gemacht, doch Rand nahm es nur geistesabwesend wahr.</p><p>Die Schlacht w�rde morgen beginnen. Nur aus H�flichkeit taten Rhuarc und die anderen so, als helfe er ihnen beim Planen. Er war klug genug, sich dar�ber im klaren zu sein, was er alles nicht wu�te, und trotz der vielen Gespr�che mit Lan und Rhuarc war er noch nicht soweit. <emphasis>Ich habe hundert Schlachten von diesem Ausma� oder auch gr��ere strategisch geplant und Befehle erteilt, die noch zehnmal mehr ausl�sten.</emphasis> Das war nicht sein eigener Gedanke gewesen. Lews Therin kannte den Krieg � hatte den Krieg gekannt �, nicht aber Rand al'Thor, und der war er immer noch. Er h�rte zu, stellte Fragen und nickte, als verst�nde er, warum eine bestimmte Sache auf diese ganz bestimmte Art und Weise gemacht werden m�sse. Manchmal verstand er es tats�chlich und w�nschte sich, er verst�nde nichts, weil er wu�te, woher dieses Verstehen gekommen war. Sein einziger eigener Beitrag zur Planung war gewesen, da� er ihnen sagte, Couladin m�sse besiegt werden, ohne die Stadt zu zerst�ren. Auf jeden Fall w�rde dieses neue Treffen lediglich dem sowieso schon Entschiedenen ein paar Einzelheiten hinzuf�gen. Mats Anwesenheit w�re n�tzlich gewesen bei all seinem neuen Wissen.</p><p>Nein. Er wollte nicht an seine Freunde denken und daran, was er ihnen antun w�rde, bevor alles vor�ber war. Selbst wenn er die Schlacht einmal beiseite lie�, gab es noch genug, womit er sich besch�ftigen mu�te, Probleme, bei denen er etwas ausrichten konnte. Die Abwesenheit der Flagge Cairhiens �ber der Stadt Cairhien deutete auf ein wesentliches Problem hin, und die st�ndigen Scharm�tzel mit Andoranern auf ein anderes. Dann mu�te er �berlegen, was Sammael wohl vorhabe, und...</p><p>Die H�uptlinge schoben sich ohne bestimmte Reihenfolge herein. Diesmal kam Dhearic zuerst und Rhuarc mit Erim und Lan zusammen am Schlu�. Bruan und Jheran setzten sich neben Rand. Sie waren �berhaupt nicht an einer Rangordnung untereinander interessiert, und <emphasis>Aan'allein</emphasis> betrachteten sie beinahe als einen der ihren.</p><p>Weiramon trat als letzter ein, die kleinen Lords auf den Fersen und mit finsterer Miene und verkniffenem Mund. F�r ihn spielte eine feste Rangordnung offensichtlich sehr wohl eine Rolle. Er knurrte etwas in seinen einge�lten Bart hinein, stolzierte um die Feuergrube herum und nahm einen Platz hinter Rand ein. Zumindest solange, bis die emp�rten Blicke der H�uptlinge in sein Bewu�tsein drangen. Unter den Aiel durfte sich vielleicht ein naher Verwandter oder ein Mitglied der gleichen Kriegergemeinschaft auf den Platz hinter einem Mann setzen, damit keine Gefahr bestand, da� er ein Messer in den R�cken bekam. Trotzdem sah er Jheran und Dhearic zornig an, als erwarte er, da� einer von ihnen f�r ihn Platz mache.</p><p>Schlie�lich deutete Bael auf den Platz neben ihm, Rand und den Landkarten gegen�ber, und nach kurzem Z�gern begab sich Weiramon dorthin und setzte sich steif aufgerichtet mit �bergeschlagenen Beinen. Er wirkte wie ein Mann, der eine unreife Pflaume geschluckt hat. Die j�ngeren Tairener standen genauso steif hinter ihm, nur hatte der eine wenigstens den Anstand, verlegen dreinzublicken.</p><p>Rand nahm wohl Notiz von ihm, sagte aber kein Wort. Er stopfte daf�r gelassen seine Pfeife und ben�tzte ganz kurz <emphasis>Saidin,</emphasis> um sie anzuz�nden. Er mu�te etwas in bezug auf Weiramon unternehmen; der Mann versch�rfte alte Probleme und schuf daneben auch noch neue. Rhuarc verzog keine Miene, doch die Gesichtsausdr�cke der anderen H�uptlinge reichten von Hans angewiderter Grimasse bis zu Erims eindeutig kaltem Blick, in dem die Aufforderung lag, auf der Stelle mit ihm den Tanz der Speere zu tanzen. Vielleicht gab es eine M�glichkeit f�r Rand, Weiramon loszuwerden und gleichzeitig damit zu beginnen, an der Beseitigung einer seiner anderen Sorgen zu arbeiten.</p><p>Lan und die H�uptlinge folgten Rands Beispiel und fingen an, ihre Pfeifen zu stopfen.</p><p>�Ich sehe lediglich die Notwendigkeit f�r ein paar kleine �nderungen�, sagte Bael und paffte, um seinen Tabak richtig durchzugl�hen. Wie gew�hnlich rief er damit einen finsteren Blick Hans hervor.</p><p>�Haben diese kleinen �nderungen mit den Goshien zu tun oder vielleicht mit einem anderen Clan?�</p><p>Rand verdr�ngte Weiramon aus seinem Verstand und beugte sich vor, um besser zu h�ren, was sie gemeinsam ausarbeiteten und was sich � hervorgerufen durch den Anblick des Gel�ndes von oben her ��ndern mu�te. Von Zeit zu Zeit sah einer der Aiel zu Natael hin�ber und zeigte durch seinen Blick oder ein kurzes Zusammenziehen von Augen oder Mund, da� ihm die traurige Musik des Gauklers auf die Nerven ging. Sogar die Tairener machten allm�hlich Trauermienen. �ber Rand schwappten die Kl�nge jedoch hinweg, ohne ihn zu ber�hren. Tr�nen waren ein Luxus, den er sich nicht mehr leisten konnte, noch nicht einmal tief im Innern.</p></section><section><title><p>43</p><p>An diesem Ort und diesem Tag</p></title><p>Am n�chsten Morgen war Rand bereits lange vor Anbruch der D�mmerung auf den Beinen und angezogen. Tats�chlich hatte er �berhaupt nicht schlafen k�nnen, und diesmal hatte es nicht an Aviendha gelegen, obwohl sie begonnen hatte, sich auszukleiden, bevor er die Lampen l�schen konnte. Sie hatte darauf sofort mit Hilfe der Macht wieder eine entz�ndet und ihn gescholten, er k�nne vielleicht im Dunklen sehen, sie aber nicht. Er war zu sehr mit sich selbst besch�ftigt gewesen, hatte ihr gar nicht erst geantwortet und auch kaum bemerkt, als sie sich um einiges sp�ter gut eine Stunde vor ihm erhob, anzog und hinausging. Er hatte sich noch nicht einmal gefragt, wohin sie gehe, und das wollte etwas hei�en.</p><p>Die Gedankeng�nge, die ihn die Nacht �ber schlaflos in die Dunkelheit starren lie�en, besch�ftigten ihn auch jetzt noch. Heute w�rden Menschen sterben. Sehr viele Menschen, selbst dann, wenn alles nach Plan ablief. Nichts konnte daran noch etwas �ndern, was immer er auch tat. Der Tag w�rde verlaufen, wie es das Muster vorschrieb. Und doch gr�belte er immer wieder �ber all jene Entscheidungen nach, die er getroffen hatte, seit sie die W�ste erreichten. H�tte er etwas anders machen und diesen heutigen Tag, seine Ereignisse, diesen Ort hier meiden k�nnen? Vielleicht beim n�chstenmal. Der mit Troddeln verzierte, abgeschnittene Speer lag auf seinem Schwertg�rtel und der in der Scheide steckenden Klinge neben seinem Deckenlager. Es w�rde ein n�chstes Mal geben und danach wieder eins und immer wieder.</p><p>Es war noch dunkel, als die H�uptlinge auf ein paar letzte Worte kamen. Sie berichteten, da� sich ihre M�nner in der vereinbarten Stellung bef�nden und zum Kampf bereit seien. Nicht, da� er etwas anderes erwartet h�tte. Trotz ihrer �blichen steinernen Mienen brach ein wenig Gef�hl durch. Es war eine eigenartige Mischung von Erregung, �berschwang und banger N�chternheit.</p><p>Erim brachte tats�chlich ein schwaches L�cheln zuwege. �Ein guter Tag, der das Ende der Shaido bringt�, sagte er schlie�lich. Er schien auf Zehenspitzen zu gehen.</p><p>�So das Licht will�, sagte Bael, dessen Kopf das Zeltdach streifte, �werden wir unsere Speere noch vor Sonnenuntergang in Couladins Blut waschen.�</p><p>�Bringt Pech, �ber Dinge zu reden, die man sich w�nscht�, knurrte Han. Bei ihm war der �berschwang wie immer am wenigsten zu sp�ren. �Das Schicksal wird entscheiden.�</p><p>Rand r�ckte. �Das Licht gebe, da� das Schicksal nicht entscheiden m�ge, zu viele unserer M�nner und Frauen dahinzuraffen.� Es w�re ihm lieber gewesen, er h�tte sich nur darum zu k�mmern brauchen, da� m�glichst wenige starben, denn der Lebensfaden eines Menschen sollte nicht so einfach abgeschnitten werden, doch es w�rden noch so viele Tage kommen... Er brauchte jeden Speer, um auf dieser Seite der Drachenmauer Ordnung zu schaffen. Das war, wie in so vielen anderen Dingen, der Punkt, der ihn von Couladin trennte.</p><p>�Das Leben ist ein Traum�, sagte Rhuarc zu ihm, worauf Han und die anderen zustimmend nickten. Das Leben war nur ein Traum, und alle Tr�ume gingen einmal zu Ende. Die Aiel eilten nicht gerade dem Tod entgegen, aber sie liefen auch nicht vor ihm davon.</p><p>Als sie schon im Gehen waren, blieb Bael noch einen Moment stehen. �Seid Ihr sicher, da� Ihr die T�chter des Speers wirklich so einsetzen wollt? Sulin hat deswegen mit den Weisen Frauen gesprochen.�</p><p>Deshalb also hatte Melaine Bael so bearbeitet. Und so gespannt, wie Rhuarc sich vorbeugte, um zu lauschen, hatte er von Amys auch einiges zu diesem Thema zu h�ren bekommen. �Jeder andere tut, was ihm aufgetragen wurde, ohne sich deshalb zu beschweren, Bael.� Das war wohl unfair, aber schlie�lich handelte es sich hier nicht um ein Spiel. �Wenn die T�chter eine Sonderbehandlung w�nschen, kann Sulin zu mir kommen und mu� nicht zu den Weisen Frauen rennen.�</p><p>W�ren sie nicht Aiel gewesen, dann w�ren Rhuarc und Bael bestimmt kopfsch�ttelnd hinausgegangen. Rand vermutete, jeder von beiden w�rde von seiner Frau einiges zu h�ren bekommen, aber sie w�rden damit leben m�ssen. Wenn sich die <emphasis>Far Dareis Mai</emphasis> schon seiner Ehre annahmen, dann w�rden sie das diesmal dort tun, wo er wollte.</p><p>Zu Rands �berraschung tat Lan so, als wolle er ebenfalls schon gehen. Der Beh�terumhang hing an seinem R�cken und lie� ihn vor den Augen verschwimmen, sobald er in Bewegung geriet. �Ist Moiraine bei Euch?� Rand hatte erwartet, da� Lan nicht von ihrer Seite wich.</p><p>�Sie sitzt besorgt in ihrem Zelt. Heute wird sie noch nicht einmal die am schlimmsten Verwundeten mit Hilfe der Macht heilen k�nnen.� So wollte sie an diesem Tage helfen: Sie konnte die Macht nicht als Waffe verwenden, aber sie konnte heilen. �Sie regt sich immer �ber Verschwendung auf.�</p><p>�Wir regen uns alle dar�ber auf�, fauchte Rand. Wahrscheinlich hatte sie sich auch ge�rgert, weil er Egwene von ihr wegholte. Wie er wu�te, war Egwene allein keine sehr gute Heilerin, aber sie h�tte Moiraine unterst�tzen k�nnen. Nun, er brauchte sie eben, und sie mu�te ihr Versprechen halten. �Sagt Moiraine, wenn sie Hilfe braucht, soll sie sich an einige der Weisen Frauen wenden, die mit der Macht umgehen k�nnen.� Doch nur wenige der Weisen Frauen hatte eine Ahnung von der Heilkunst. �Sie kann sich mit ihnen verkn�pfen und so deren Kraft mit einsetzen.�</p><p>Er z�gerte. Hatte Moiraine je davon gesprochen, sich mit ihm zu verkn�pfen? �Ihr seid doch nicht hergekommen, um mir zu sagen, da� Moiraine gr�belt�, sagte er gereizt. Es war manchmal schwierig f�r ihn, auseinanderzuhalten, was von ihr stammte, was von Asmodean und was von Lews Therin in seinem Verstand emporstieg.</p><p>�Ich kam, um Euch zu fragen, warum Ihr wieder ein Schwert tragt.�</p><p>�Das hat mich Moiraine schon gefragt. Hat sie Euch...�</p><p>Lans Gesichtsausdruck �nderte sich nicht, aber er unterbrach Rand grob: <emphasis>�Ich</emphasis> will es wissen. Ihr k�nnt ein Schwert mit Hilfe der Macht erzeugen oder ohne eines t�ten, doch pl�tzlich tragt Ihr wieder Stahl an der H�fte. Warum?�</p><p>Unbewu�t strich Rand mit einer Hand �ber die lange Scheide an seiner Seite. �Es ist wohl kaum fair, die Macht auf diese Art zu verwenden. Besonders gegen jemanden, der die Macht selbst nicht ben�tzen kann. Da k�nnte ich genauso gegen ein Kind k�mpfen.�</p><p>Der Beh�ter stand eine Weile lang stumm da und musterte ihn. �Ihr habt vor, Couladin <emphasis>selbst</emphasis> zu t�ten�, sagte er schlie�lich mit ausdrucksloser Stimme. �Dieses Schwert gegen seine Speere.�</p><p>�Ich habe nicht vor, ihn zu suchen, aber wer wei� schon, was geschehen wird?� Rand zuckte nerv�s die Schultern. Nicht nach ihm suchen. Aber falls dieses Spiel mit dem Zufall ihm je einmal Vorteile bringen sollte, dann w�nschte er sich, da� es ihn Auge in Auge mit Couladin bringen m�ge. �Au�erdem halte ich es nicht f�r unm�glich, da� er mich sucht. Die Drohungen, die ich von ihm zu h�ren bekam, waren ziemlich pers�nlich, Lan.� Er hob eine Faust und schob seinen Arm weit genug aus dem roten �rmel, da� der vordere Teil des goldm�hnigen Drachen deutlich sichtbar wurde. �Couladin wird nicht ruhen, solange ich am Leben bin; solange wir beide diese Drachen tragen.�</p><p>Und um der Wahrheit die Ehre zu geben, w�rde auch er nicht ruhen, bis nur noch ein Mann am Leben war, der die Drachen trug. Es w�re nur recht, wenn er Asmodean gleich mit Couladin in einen Topf w�rfe. Asmodean hatte schlie�lich dem Shaido die Male angebracht. Doch nur Couladins ungez�gelter Ehrgeiz hatte das �berhaupt m�glich gemacht. Sein Ehrgeiz und seine Weigerung, sich an Gesetz und Sitte der Aiel zu halten, hatten unvermeidlich zu diesem Tag und diesem Ort gef�hrt. Au�er der Trostlosigkeit und dem B�rgerkrieg unter den Aiel mu�te man Couladin Taien vorwerfen und Selean und Dutzende in Schutt und Asche liegender D�rfer und St�dte seither, von Hunderten niedergebrannter Bauernh�fe ganz zu schweigen. Unbeerdigte M�nner und Frauen hatten die Geier gef�ttert. Wenn er schon der Wiedergeborene Drache war und ein Recht darauf hatte, da� die L�nder bis hin zu Cairhien seiner F�hrung gehorchten, dann schuldete er ihnen Gerechtigkeit.</p><p>�Dann la�t ihn enthaupten, wenn er gefangen ist�, sagte Lan grob. �Nehmt hundert Mann oder tausend, die keine andere Aufgabe haben, als ihn zu suchen und gefangenzunehmen. Aber seid kein solcher Narr, ihm einen Zweikampf zu liefern! Ihr k�nnt jetzt gut mit der Klinge umgehen � sehr gut sogar �, aber die Aielm�nner werden mit Speer und Schild in der Hand geboren. Ein Speer in Eurem Herzen, und alles war umsonst.�</p><p>�Also sollte ich den Kampf meiden? W�rdet Ihr das, wenn Moiraine Euch nicht in Anspruch n�hme? W�rde Rhuarc das tun oder Bael oder irgendeiner von ihnen?�</p><p>�Ich bin nicht der Wiedergeborene Drache. Das Schicksal der Welt ruht nicht auf meinen Schultern.� Doch die zuvor kurz sp�rbare Hitzigkeit war aus seiner Stimme gewichen. Ohne Moiraine h�tte man ihn immer dort vorgefunden, wo die Schlacht am hei�esten tobte. Wenn ihm jetzt �berhaupt etwas anzumerken war, dann das Bedauern dar�ber, da� ihm dies nicht m�glich war.</p><p>�Ich werde keine �berfl�ssigen Risiken eingehen, Lan, aber ich kann nicht vor jedem davonlaufen.� Der Seanchanspeer w�rde heute im Zelt bleiben. Er w�re ihm nur im Weg, sollte er auf Couladin treffen. �Kommt. Wenn wir noch lange hier stehen, beenden die Aiel die Schlacht ohne uns.�</p><p>Als er sich duckte und hinaustrat, waren nur noch eine Handvoll Sterne zu sehen, und im Osten zeigte sich bereits die hell erleuchtete scharfe Kante des Horizonts. Aber das war nicht der Grund f�r sein und Lans pl�tzliches Stehenbleiben. T�chter des Speers hatten einen Kreis um das Zelt gebildet, Schulter an Schulter, die Gesichter nach innen gewandt. Der dichte Kreis zog sich die noch in Dunkelheit geh�llten H�nge hinab, Frauen im <emphasis>Cadin'sor,</emphasis> die sich so eng aneinanderdr�ngten, da� keine Maus h�tte durchschl�pfen k�nnen. Jeade'en war nirgends zu sehen, obwohl er einem <emphasis>Gai'schain</emphasis> befohlen hatte, ihn gesattelt bereitzustellen.</p><p>Und nicht nur T�chter. Zwei Frauen in der vordersten Reihe trugen bauschige R�cke und helle Blusen. Um das Haar hatten sie zusammengefaltete Schals gebunden. Es war noch zu dunkel, um die Gesichter mit Sicherheit zu identifizieren, aber es war etwas an diesen beiden Gestalten � wie sie mit gefalteten Armen trotzig dastanden �, das ihn sicher sein lie�, es handle sich um Egwene und Aviendha.</p><p>Sulin trat vor, bevor er noch den Mund �ffnen und fragen konnte, was das zu bedeuten habe. �Wir sind gekommen, um gemeinsam mit Egwene Sedai und Aviendha den <emphasis>Car'a'carn</emphasis> zum Turm zu geleiten.�</p><p>�Wer hat Euch das eingeredet?� wollte Rand wissen. Ein Blick auf Lan zeigte ihm, da� er es nicht gewesen war. Sogar im Dunkeln wirkte der Beh�ter �berrascht. Nur einen kurzen Augenblick zuckte sein Kopf empor; l�nger hielt �berraschung bei Lan niemals an. �Egwene sollte sich bereits auf dem Weg zum Turm befinden, und die T�chter sollten sie dort besch�tzen. Was sie heute vollbringen soll, ist �u�erst wichtig. Sie mu� dabei gesch�tzt werden.�</p><p>�Wir werden sie sch�tzen.� Sulins Stimme klang vollkommen ausdruckslos. �Und den <emphasis>Car'a'carn,</emphasis> der seine Ehre den <emphasis>Far Dareis Mai</emphasis> anvertraute.� Ein zustimmendes Murmeln durchlief die Reihen der T�chter.</p><p>�Das ergibt doch wirklich einen Sinn, Rand�, sagte Egwene aus dem Dunklen. �Wenn eine die Macht ben�tzt und damit die Schlacht verk�rzt, dann werden drei noch mehr ausrichten und sie weiter verk�rzen. Und du bist st�rker als Aviendha und ich zusammen.�</p><p>Es klang nicht so, als passe ihr das Gesagte sonderlich. Aviendha schwieg, doch ihre Haltung dr�ckte Zustimmung aus.</p><p>�Das ist l�cherlich�, grollte Rand. �La�t mich durch und geht an Euren zugeteilten Platz.�</p><p>Sulin wich nicht. <emphasis>�Far Dareis Mai</emphasis> tragen die Ehre des <emphasis>Car'a'carn�,</emphasis> sagte sie ruhig und fest, und die anderen nahmen das Gesagte auf. Nicht lauter, aber so viele Frauenstimmen ergaben eine m�chtige Woge: <emphasis>�Far Dareis Mai</emphasis> tragen die Ehre des <emphasis>Car'a'carn. Far Dareis Mai</emphasis> tragen die Ehre des <emphasis>Car'a'carn.�</emphasis></p><p>�Ich sagte, la�t mich durch�, verlangte er im selben Augenblick, als der Frauenchor verstummte. Als sei es eine Aufforderung gewesen, erneut zu beginnen, fingen sie wieder an: <emphasis>�Far Dareis Mai</emphasis> tragen die Ehre des <emphasis>Car'a'carn. Far Dareis Mai</emphasis> tragen die Ehre des <emphasis>Car'a'carn.�</emphasis> Sulin stand nur da und blickte ihn an.</p><p>Nach einem Moment beugte sich Lan her�ber und murmelte trocken: �Eine Frau ist immer noch eine Frau, auch wenn sie einen Speer tr�gt. Habt Ihr jemals eine getroffen, die sich davon abbringen lie�, wenn sie etwas wirklich wollte? Gebt nach, oder wir werden den ganzen Tag hier stehen, w�hrend Ihr zankt und sie Euch im Chor belagern.� Der Beh�ter z�gerte und f�gte dann hinzu: �Au�erdem haben sie schon recht.�</p><p>Egwene �ffnete den Mund, als die Litanei wieder abebbte, doch Aviendha legte ihr eine Hand auf den Arm und fl�sterte ihr ein paar Worte zu, und Egwene sagte nichts. Doch er wu�te genau, was sie hatte sagen wollen. Sie hatte ihm sagen wollen, er sei ein t�richter und sturer Wollkopf oder etwas �hnliches.</p><p>Das Dumme war: er f�hlte sich mittlerweile selbst wie ein solcher. Es war wirklich sinnvoll, wenn er sich pers�nlich zum Turm begab. Er hatte anderswo nichts verloren, denn die F�hrung der Schlacht lag nun in den H�nden der H�uptlinge und des Schicksals, und er konnte ihnen mehr nutzen, wenn er die Macht lenkte, anstatt herumzureiten und zu hoffen, da� er Couladin begegnete. Wenn die Eigenschaften eines <emphasis>Ta'veren</emphasis> Couladin zu ihm f�hren konnten, dann w�rden sie ihn genauso zum Turm wie anderswohin locken. Nicht, da� er gro�e Aussichten h�tte, den Mann �berhaupt zu sehen, nachdem er s�mtlichen T�chtern befohlen hatte, den Turm zu bewachen.</p><p>Aber wie konnte er einen R�ckzieher machen und trotzdem seine W�rde bewahren, nachdem er in s�mtliche Fettn�pfchen getreten war? �Ich habe beschlossen, da� ich vom Turm aus das meiste ausrichten kann�, sagte er und sp�rte, wie seine Wangen hei� brannten.</p><p>�Wie der <emphasis>Car'a'carn</emphasis> befiehlt�, antwortete Sulin ohne eine Andeutung von Spott gerade so, als sei das von Anfang an seine Absicht gewesen. Lan nickte und schl�pfte davon. Die T�chter �ffneten ihm eine schmale Gasse.</p><p>Die L�cke schlo� sich jedoch gleich wieder hinter Lan, und als sich die T�chter r�hrten, hatte Rand keine Wahl, als in die gleiche Richtung zu gehen. Er h�tte es nicht vermeiden k�nnen, und w�re sein Entschlu� auch anders ausgefallen. Nat�rlich h�tte er die Macht anwenden, mit Feuer um sich werfen oder sie durch Luft beiseite schleudern k�nnen, doch das w�re wirklich keine Art gewesen, mit Menschen umzugehen, die auf seiner Seite standen, ganz abgesehen davon, da� sie Frauen waren. Au�erdem war er sich nicht sicher, ob er sie so zum Gehen h�tte zwingen k�nnen. Wahrscheinlich h�tte er sie zuerst umbringen m�ssen, und ob sie dann gewichen w�ren? Nun, au�erdem war er eben zu der Erkenntnis gekommen, da� er ihnen allen auf dem Turm am meisten n�tzen konnte.</p><p>Egwene und Aviendha waren genauso still wie Sulin, als sie in Richtung Turm schritten, und daf�r war er dankbar. Nat�rlich war zumindest ein Teil ihres Schweigens darauf zur�ckzuf�hren, da� sie sich im Dunkeln �u�erst vorsichtig den Weg h�gelauf und h�gelab suchen mu�ten, um sich nicht das Genick zu brechen. Aviendha knurrte von Zeit zu Zeit leise etwas, das er kaum verstand. Sie regte sich wohl �ber ihren Rock auf, der sie beim Gehen auf diesem Gel�nde hinderte. Doch keine machte sich �ber seinen offensichtlichen R�ckzieher lustig. Das konnte allerdings durchaus noch sp�ter kommen. Frauen schienen es zu genie�en, mit der spitzen Nadel zuzustechen, wenn man die Gefahr l�ngst f�r abgeklungen hielt. Der Himmel wandelte sich zu einem d�steren Grau, und als der roh gezimmerte Turm �ber den B�umen in Sicht kam, brach er schlie�lich von selbst das Schweigen. �Ich h�tte nicht erwartet, Dich auch hier einsetzen zu k�nnen, Aviendha. Ich erinnere mich daran, da� du sagtest, die Weisen Frauen n�hmen nicht an K�mpfen teil.� Er erinnerte sich ganz deutlich. Eine Weise Frau konnte sich leisten, unger�hrt mitten durch eine tobende Schlacht zu schreiten oder in eine Festung oder einen Au�enposten eines Clans zu gehen, mit dem ihr eigener eine Blutfehde austrug. Sie nahm auf keinen Fall am Kampf teil und schon gar nicht mit Hilfe der Macht, falls sie die ben�tzen konnte. Bis er die W�ste erreichte, hatten die wenigsten Aiel gewu�t, da� einige der Weisen Frauen die Macht zu lenken imstande waren, obwohl es Ger�chte �ber seltsame F�higkeiten gegeben hatte, die manchmal dem nahe kamen, was sich die Aiel unter der Anwendung der Macht vorstellten.</p><p>�Ich bin noch keine Weise Frau�, erwiderte sie freundlich und r�ckte ihren Schal zurecht. �Wenn eine Aes Sedai wie Egwene helfen kann, dann kann ich das auch. Ich habe das erst heute morgen abgesprochen, w�hrend du noch schliefst, aber daran gedacht habe ich schon, seit du Egwene darum batest.�</p><p>Es war nun hell genug, um zu erkennen, wie Egwene err�tete. Als sie bemerkte, da� er sie ansah, stolperte sie ohne sichtbaren Grund, und er mu�te sie am Arm packen, damit sie nicht st�rzte. Sie mied den Blick in seine Augen und ri� sich los. Vielleicht w�rde er sich doch keine Gedanken �ber m�gliche Sticheleien von ihrer Seite her machen m�ssen. Sie begannen, den sp�rlich bewaldeten Hang in Richtung des Turms zu erklimmen.</p><p>�Sie haben doch nicht etwa versucht, dich davon abzuhalten? Amys meine ich, oder Bair oder Melaine?� Ihm war klar: sie hatten das bestimmt nicht getan. H�tten sie es versucht, dann w�re sie jetzt nicht hier.</p><p>Aviendha sch�ttelte den Kopf und runzelte dann nachdenklich die Stirn. �Sie haben ziemlich lange mit Sorilea gesprochen und mir dann gesagt, ich solle tun, was ich glaubte, tun zu m�ssen. F�r gew�hnlich befehlen sie mir, zu tun, was <emphasis>sie</emphasis> f�r richtig halten.� Sie blickte ihn von der Seite her an und f�gte hinzu: �Ich h�rte Melaine sagen, da� du in allem Ver�nderungen mit dir bringst.�</p><p>�Das stimmt�, sagte er und stellte seinen Fu� auf die unterste Sprosse der ersten Leiter. �Licht, hilf mir, aber es stimmt.�</p><p>Der Ausblick von der Plattform aus war selbst ohne die Hilfe eines Fernrohrs atemberaubend. Das Land breitete sich unter ihnen in unz�hligen bewaldeten H�geln aus. Die B�ume standen dicht genug, um die Aiel zu verbergen, die sich auf Cairhien zu in Bewegung gesetzt hatten. Die meisten befanden sich sowieso schon in ihren Ausgangspositionen. Die aufgehende Sonne tauchte die Stadt in einen goldenen Lichtschimmer. Ein kurzer Rundblick durch eines der Fernrohre zeigte ihm, da� die kahlen H�gel am Flu�ufer ruhig und anscheinend unbesetzt waren. Das w�rde sich schon bald �ndern. Die Shaido befanden sich in der N�he, wenn auch im Moment noch verborgen. Sie w�rden aber nicht verborgen bleiben, sobald er... Was w�rde er eigentlich einsetzen? Kein Baalsfeuer jedenfalls. Was er auch tat, mu�te die Shaido kr�ftig aufscheuchen, bevor seine Aiel zum Angriff �bergingen.</p><p>Egwene und Aviendha hatten sich am anderen Fernrohr abgel�st und sprachen dazwischen leise miteinander, doch nun lie�en sie das Fernrohr unbeachtet und unterhielten sich nur noch. Schlie�lich nickten sie einander zu, gingen vor zum Gel�nder und standen da, die H�nde auf dem rauhen Holz, wobei sie nach Cairhien hin�bersahen. Eine G�nsehaut �berlief ihn. Eine von ihnen ben�tzte die Macht; vielleicht auch beide.</p><p>Es war der Wind, den er zuerst bemerkte. Er hatte sich auf die Stadt zu gedreht. Es war keine leichte Brise, sondern ein kr�ftiger Wind, wie er ihn in diesem Land zum erstenmal erlebte. Und �ber Cairhien begannen sich Wolken zusammenzubrauen; die schw�rzesten im S�den. W�hrend er zusah, t�rmten sie sich immer h�her und schw�rzer. Nur dort �ber Cairhien und den Shaido. �berall sonst innerhalb seines Gesichtsfeldes war der Himmel klar und blau, und nur wenige wei�e, hohe Wolkenfetzen zeigten sich. Und doch grollte nun der Donner lang und m�chtig. Pl�tzlich zuckte ein Blitz nach unten, eine gezackte, silberne Furche, die in einen H�gel unterhalb der Stadt fetzte. Bevor noch das Krachen des ersten Blitzschlags den Turm erreichte, flammten zwei weitere auf. Wilde, grelle Leuchtspuren tanzten �ber den Himmel, und diese blendenden Lichtlanzen schlugen regelm��ig wie ein Herzschlag unten ein. Mit einemmal b�umte sich der Boden selbst dort auf, wo keine Blitze eingeschlagen waren. Der Erdboden scho� wie eine Font�ne f�nfzig Fu� hoch, gleich darauf an einer anderen Stelle und immer wieder und wieder.</p><p>Rand hatte keine Ahnung, welche der Frauen gerade etwas verursachte, aber sie schienen in der Tat gewillt, die Shaido allein zu vertreiben. Entweder tat er jetzt selbst etwas, oder er stand nur da und glotzte. So griff er hinaus nach <emphasis>Saidin.</emphasis> Eisiges Feuer �berzog die Au�enhaut des Nichts, das alles umgab, was Rand al'Thor war. Unger�hrt ignorierte er den �ligen Schmutz der Verderbnis, der in ihn einsickerte, und jonglierte mit wild tobenden Machtstr�men, die drohten, ihn zu verschlingen.</p><p>Auf diese Entfernung waren seinen F�higkeiten allerdings Grenzen gesetzt. Genauer gesagt, es war in etwa die Grenze dessen, was er ohne Hilfe eines <emphasis>Angreal</emphasis> oder <emphasis>Ter'Angreal</emphasis> noch unternehmen konnte. H�chstwahrscheinlich lenkten die Frauen aus dem gleichen Grund immer nur einen Blitz oder eine Explosion zur selben Zeit. Wenn er schon an seine Grenzen stie�, dann hatten sie die ihren bereits �berschritten.</p><p>Eine Erinnerung glitt �ber die Leere. Nicht die seine; sie kam von Lews Therin. Ausnahmsweise war ihm das gleich. Einen Augenblick sp�ter lenkte er die Macht und ein Feuerball h�llte eine H�gelspitze ein, die beinahe f�nf Meilen entfernt war, eine sich aufb�umende, glei�end gelbe Flammenkugel. Als sie verbla�te, konnte er auch ohne Fernrohr erkennen, da� der H�gel nun niedriger war und obenauf schwarz, anscheinend geschmolzen. Wenn sie alle drei im Einsatz waren, k�nnte vielleicht eine Schlacht der Clans gegen Couladin �berfl�ssig werden.</p><p><emphasis>Ilyena, meine Liebste, vergib mir!</emphasis></p><p>Das Nichts bebte, und einen Moment lang taumelte Rand am Abgrund der Vernichtung. Wogen der Einen Macht schlugen mit der Gischt der Furcht �ber ihm zusammen. Die Verderbnis schien sich um sein Herz zusammenzuziehen und zu verfestigen wie eine stinkende Mauer.</p><p>Er packte das Gel�nder, bis seine Kn�chel schmerzten, und zwang sich wieder zur Ruhe, zwang die Leere, zu widerstehen. Danach weigerte er sich, der Stimme in seinem Kopf zu lauschen. Statt dessen konzentrierte er sich ganz auf das Lenken der Macht und versengte methodisch einen H�gel nach dem anderen.</p><p>Mat stand zwischen den B�umen auf dem Kamm des H�gels verborgen und hielt Pips' Nase unter seinem Arm fest, damit der Wallach nicht wiehern konnte, w�hrend er tausend oder mehr Aiel beobachtete, wie sie �ber die H�gel von S�den her auf ihn zu marschierten. Die Sonne blinzelte gerade �ber den Horizont, so da� die dahinziehende Menschenmasse lange, wabernde Schatten warf. Die W�rme der Nacht wich bereits der Hitze des nahenden Tages. Sobald die Sonne ein St�ck hoch stand, w�rde die Luft wieder vor Hitze flimmern. Er begann schon jetzt zu schwitzen.</p><p>Die Aiel hatten ihn noch nicht bemerkt, aber er hegte keinen Zweifel, da� sie ihn bemerken w�rden, sollte er weiter hier warten. Es spielte kaum eine Rolle, da� es sich wahrscheinlich um Rands M�nner handelte. Falls Couladin hier im S�den ebenfalls Truppen stationiert hatte, wartete eine �berraschung auf diejenigen, die dumm genug waren, sich mitten im Kampfgebiet aufzuhalten. Es war gleich, denn er hatte nicht vor, das Risiko einzugehen, sich von ihnen sehen zu lassen. Er war diesen Morgen schon einem Pfeil durchs Herz zu nahe gekommen, um noch einmal so unvorsichtig zu handeln. Geistesabwesend f�hlte er nach dem sauberen Schnitt an der Schulter seiner Jacke. Ein guter Sch�tze, wenn er ein bewegliches Ziel traf, das er zwischen den B�umen kaum richtig erkennen konnte. Er h�tte ihn ja bewundert, w�re er nicht selbst das Ziel gewesen.</p><p>Er wandte den Blick nicht von den sich n�hernden Aiel, w�hrend er sich vorsichtig mit Pips tiefer in das sp�rliche Dickicht zur�ckzog. Falls sie ihn entdeckten und ihren Schritt beschleunigten, wollte er das wissen. Die Leute behaupteten, Aiel k�nnten einen Berittenen in Grund und Boden rennen, und falls sie das versuchten, wollte er einen ordentlichen Vorsprung haben.</p><p>Er beschleunigte seinen Schritt erst dann, als die B�ume ihn vor ihren Blicken verbargen, und f�hrte Pips auf den r�ckw�rtigen Abhang, bevor er sich in den Sattel schwang und sich nach Westen wandte. Ein Mann konnte nicht vorsichtig genug sein, wenn er an diesem Tag und in diesem Gebiet am Leben bleiben wollte. Im Reiten knurrte er einiges in sich hinein. Die Hutkrempe hatte er weit heruntergezogen, um seinem Gesicht Schatten zu spenden, und den Speer mit dem schwarzen Schaft hatte er quer �ber den Sattelkopf gelegt. Nach Westen. Schon wieder.</p><p>Der Tag hatte so gut begonnen, ungef�hr zwei Stunden vor dem ersten Tageslicht, als Melindhra weggegangen war, um sich mit den anderen T�chtern zu treffen. Sie hatte geglaubt, er schlafe noch, und ihm keinen Blick zugeworfen. Sie war hinausstolziert und hatte halblaut vor sich hin gesprochen, etwas von �Rand al'Thor� und �Ehre� und �vor allem <emphasis>Far Dareis Mai�.</emphasis> Es klang, als sei sie mit sich selbst uneins, aber offen gesagt war es ihm gleich, ob sie Rand nun r�uchern oder ihn lieber im Eintopf mitkochen wollte. Sie war noch keine Minute aus dem Zelt, da packte er bereits seine Satteltaschen. Niemand hatte ihn weiter beachtet, als er Pips sattelte und heimlich wie ein Geist nach S�den davonritt. Ein guter Beginn. Nur hatte er nicht mit ganzen Kolonnen von Taardad und Tommanelle und jedem anderen verdammten Clan gerechnet, die in breiter Front nach S�den marschierten. Es tr�stete ihn nicht, da� er Lan vorgequatscht hatte, sie genau dies tun zu lassen. Er wollte nach S�den, und diese Aiel hatten ihn gezwungen, in Richtung des Alguenya zu reiten. Dorthin, wo die K�mpfe stattfinden w�rden.</p><p>Eine Meile oder zwei weiter lenkte er Pips vorsichtig einen Hang empor und blieb tief zwischen den verstreuten B�umen auf dem Kamm verborgen stehen. Dieser H�gel war h�her als die meisten anderen, und er hatte von hier aus eine gute Aussicht. Diesmal waren keine Aiel zu sehen, aber die Kolonne, die sich auf der Sohle des gewundenen Tals zwischen den H�geln dahinschl�ngelte, war beinahe genauso schlimm. Berittene Tairener f�hrten sie hinter einer Gruppe bunter Flaggen verschiedener Lords an. Ein St�ck dahinter folgte eine dicke, stachelbewehrte Schlange von Pikeuren in der Staubspur der Tairener, und wieder ein St�ck danach kam die Kavallerie von Cairhien mit ihrem bunten Durcheinander von Flaggen und Wimpeln und Cons. Bei diesen Soldaten aus Cairhien herrschte �berhaupt keine Ordnung. Alles ritt durcheinander, die Lords begaben sich mal nach vorn und dann wieder nach hinten, um sich zu unterhalten, aber wenigstens hatten sie nach beiden Seiten zu die Flanken gedeckt. Jedenfalls brauchte er sie nur vorbeizulassen, um dann freien Weg nach S�den zu haben. <emphasis>Und ich werde nicht anhalten, bis ich die H�lfte des Wegs zum verdammten Erinin geschafft habe!</emphasis></p><p>Eine kaum wahrnehmbare Bewegung ein St�ck vor der Kolonne unten fiel ihm ins Auge. Er hatte sie nur entdecken k�nnen, weil er sich so hoch oben befand. Sie war sicherlich keinem der Reiter drunten aufgefallen. Er kramte sein kleines Fernrohr aus der Satteltasche �Kin Tovere w�rfelte gern � und sp�hte in die Richtung, in der er die Bewegung gesehen hatte. Dann pfiff er leise durch die Z�hne. Aiel, bestimmt genauso viele wie die M�nner im Tal, und falls sie nicht zu Couladin geh�rten, wollten sie vermutlich jemandem eine �berraschungsparty zum Namenstag geben, denn sie hatten sich auf den abgestorbenen Bl�ttern unter den kahlen B�schen auf die Lauer gelegt.</p><p>Einen Augenblick lang trommelte er nerv�s mit den Fingern auf seine H�fte. In kurzer Zeit w�rde es hier unten eine Menge Leichen geben. Und nicht viele davon w�ren Aiel. <emphasis>Geht mich nichts an. Ich bin aus allem drau�en und ziehe weg von hier nach S�den.</emphasis> Er w�rde ein wenig warten und dann losreiten, wenn alle anderen zu besch�ftigt waren, um ihn zu bemerken.</p><p>Dieser Bursche Weiramon � er hatte den Namen des Graubarts gestern erfahren � war ein verbohrter Narr. <emphasis>Keine Vorhut drau�en, keine Kundschafter, sonst w��te er, was sich verdammt noch mal vor ihm zusammenbraut.</emphasis> Was das betraf, konnten auch die Aiel bei diesem gewundenen Weg durch das Tal mit seinen vielen Biegungen die Kolonne nicht sehen: h�chstens die d�nne Staubspur, die sich hoch in die Luft erhob. Sie hatten auf jeden Fall Kundschafter gehabt, die ihnen die richtige Abfangstellung verrieten, denn bestimmt warteten sie dort nicht auf einen blo�en Zufall hin.</p><p>Gedankenverloren pfiff er �Tanz mit dem Schwarzen Mann� vor sich hin, hob dann das Fernrohr wieder an ein Auge und musterte die H�gelkuppen. Ja. Der Befehlshaber der Aiel hatte ein paar Mann dort hinterlassen, wo sie ihre Leute warnen konnten, bevor die Kolonne das Terrain betrat, auf dem sie sterben sollte. Aber im Augenblick war es auch ihnen v�llig unm�glich, schon etwas davon zu sehen. In ein paar Minuten w�rden die ersten Tairener in Sicht kommen, doch bis dahin...</p><p>Er erschrak selbst, als er sich dabei ertappte, wie er Pips zum Galopp den Hang hinunter antrieb. <emphasis>Was beim Licht mache ich da?</emphasis> Nun, er konnte nicht einfach so dastehen und sie alle in den Tod marschieren lassen wie die G�nse zur Schlachtbank. Er w�rde sie warnen. Das war alles. Ihnen sagen, was auf sie wartete, und dann wieder davonreiten.</p><p>Die Flankendeckung der M�nner aus Cairhien sah ihn nat�rlich kommen, bevor er die Talsohle erreicht hatte. Sie h�rten ja auch das Trommeln von Pips' Hufen. Zwei oder drei senkten die Lanzen.</p><p>Mat geno� es nicht gerade, wenn eineinhalb Fu� Stahl auf ihn zeigten, und gleich dreimal dasselbe gefiel ihm noch weniger; aber offensichtlich stellte ein einzelner Mann f�r sie keine Bedrohung dar, selbst wenn er wie ein Verr�ckter ritt. Sie lie�en ihn passieren, und er z�gelte Pips gerade so lange in der N�he der F�hrungsgruppe mit ihren Lords, um ihnen zuzurufen: �Haltet hier! Jetzt! Befehl des Lord Drachen! Sonst wird er Euch den Kopf in den Bauch zaubern und Euch die eigenen F��e zum Fr�hst�ck vorsetzen!�</p><p>Seine Fersen gruben sich in Pips' Flanken und der Wallach galoppierte weiter. Er blickte nur kurz zur�ck, um zu sehen, ob sie seinem Befehl nachkamen. Und sie taten es, wenn auch unter einiger Verwirrung. Die H�gel deckten sie immer noch gegen die Sicht der Aiel. Sobald sich die Staubwolke gelegt hatte, w�rden die Aiel nicht mehr wissen, wo sie sich befanden. So beugte er sich tief �ber den Hals des Wallachs, klatschte seinen Hut auf Pips' Flanke und galoppierte an der Infanterie entlang.</p><p><emphasis>Wenn ich darauf warte, da� Weiramon die Befehle weitergibt, ist es zu sp�t. Das ist alles.</emphasis> Er w�rde sie einfach warnen und weiterreiten.</p><p>Die Infanterie marschierte in Kolonnen zu je etwa zweihundert Pikeuren mit einem berittenen Offizier an der Spitze und vielleicht jeweils f�nfzig Bogen- oder Armbrustsch�tzen hintenan. Die meisten blickten ihm neugierig nach, als er vorbeijagte. Pips' Hufe schleuderten Staub und Erdbrocken hoch, doch keiner von ihnen kam aus dem Schritt. Die Reittiere einiger Offiziere t�nzelten nerv�s, als sp�rten sie, da� ihre Reiter sich ihm n�hern und herausfinden wollten, was ihn zu solcher Eile antrieb, doch auch von ihnen verlie� keiner seinen Platz. Gute Disziplin. Sie w�rden das auch brauchen.</p><p>Verteidiger des Steins bildeten den Abschlu� der tairenischen Truppen, wie immer mit Brustharnisch und schwarzgolden gestreiften Puff�rmeln, und mit Federn in verschiedenen Farben auf den ger�nderten Helmen, an denen man die Offiziere und Unteroffiziere erkannte. Die anderen waren ebenso ger�stet, trugen aber an den �rmeln sichtbar die Farben verschiedener Lords. Die Lords selbst ritten mit seidenen Kurzm�nteln, kunstvollen Harnischen und langen wei�en Federn geschm�ckt an der Spitze. Hinter ihnen flatterten ihre Flaggen im auffrischenden Wind in Richtung der Stadt.</p><p>Mat ri� Pips so schnell vor ihnen herum, da� der Wallach sich aufb�umte, und schrie; �Halt, im Namen des Lord Drachen!�</p><p>Das schien der schnellste Weg, sie zum Anhalten zu bringen, doch einen Augenblick lang glaubte er, sie w�rden ihn glatt �berreiten. Beinahe im letzten Moment hob ein junger Lord, den er vor Rands Zelt bereits einmal gesehen hatte, die Hand, und dann hielten sie alle in einem Durcheinander geschriener Befehle an, die nach hinten weitergegeben wurden. Weiramon war nicht zugegen. Keiner der Lords war mehr als zehn Jahre �lter als Mat.</p><p>�Was hat das zu bedeuten?� fragte der Bursche, der die anderen zum Anhalten gebracht hatte. Dunkle Augen blickten arrogant �ber einen schmalen Nasenr�cken; das Kinn hielt er so hoch, da� sein Spitzbart wie ein Dolch sto�bereit wirkte. Der Eindruck wurde nur ein wenig durch den Schwei� gest�rt, der ihm �ber das Gesicht rann. �Der Lord Drache selbst hat mir dieses Kommando �bergeben. Wer seid Ihr, da� Ihr...?�</p><p>Er brach ab, als ihn ein anderer, den Mat kannte, am �rmel zupfte und ihm eindringlich etwas zufl�sterte. Esteans Kartoffelgesicht wirkte unter seinem Helm hager und erhitzt zugleich. Mat hatte geh�rt, da� ihn die Aiel in bezug auf Informationen �ber die Stadt ziemlich in die Mangel genommen hatten. Aber in Tear hatte er immerhin mit Mat Karten gespielt. Er wu�te jedenfalls genau, wer Mat war. Nur Esteans Brustharnisch wies Scharten in dem kunstvollen Goldzierrat auf. Keiner der anderen hatte mehr getan, als herumzureiten und h�bsch auszusehen. Bisher.</p><p>Spitznases Kinn senkte sich beim Zuh�ren, und als Estean fertig war, sprach er in gem��igtem Ton: �Nichts f�r ungut ... �h ... Lord Mat. Ich bin Melanril aus dem Hause Asegora. Wie kann ich dem Lord Drachen dienen?� Bei den letzten Worten wurde aus der M��igung ein regelrechtes unsicheres Z�gern, und Estean unterbrach ihn dann auch noch �ngstlich: �Warum sollten wir anhalten? Ich wei�, da� uns der Lord Drache Zur�ckhaltung auferlegte, Mat, aber seng meine Seele, es liegt keine Ehre darin, dazuhocken und lediglich den Aiel das K�mpfen zu �berlassen. Warum sollen wir aufsatteln, um sie dann doch nur zu hetzen, wenn sie bereits geschlagen sind? Au�erdem befindet sich mein Vater in der Stadt, und...� Unter Mats Blick erstarben seine Worte.</p><p>Mat sch�ttelte den Kopf und f�chelte sich mit dem Hut Luft zu. Diese Narren befanden sich nicht einmal dort, wo sie eigentlich sein sollten. Und es gab auch keine M�glichkeit, sie wenden und zur�ckmarschieren zu lassen. Selbst wenn Melanril dazu bereit w�re, und Mat war sich nach einem Blick zu ihm hin nicht sicher, ob das der Fall w�re, und das trotz des angeblichen Befehls des Lord Drachen, gab es keine M�glichkeit dazu. Wie er da im Sattel sa�, war er f�r die Ausguckposten der Aiel deutlich zu erkennen. Sollte die Kolonne pl�tzlich wenden, w�rden sie sich entdeckt wissen und h�chstwahrscheinlich sofort angreifen, w�hrend sich die Tairener und die Infanterie aus Cairhien noch hoffnungslos im Weg st�nden. Das erg�be ein reines Gemetzel, genauso, als r�ckten sie unwissend weiter vor. �Wo ist Weiramon?�</p><p>�Der Lord Drache schickte ihn nach Tear zur�ck�, erwiderte Melanril bed�chtig. �Um sich die illianischen Piraten vorzukn�pfen und die Banditen auf der Ebene von Maredo. Er z�gerte nat�rlich, zu gehen, trotz der gro�en Verantwortung, die ihm auferlegt worden war, aber... Verzeiht, Lord Mat, aber wenn Euch der Lord Drache sandte, wieso wi�t Ihr dann nicht...�</p><p>Mat unterbrach ihn. �Ich bin kein Lord. Und wenn Ihr das in Frage stellen wollt, was Rand die Leute wissen l��t und was nicht, dann fragt ihn selbst.� Das r�ckte den Burschen zurecht. Er w�rde den verdammten Lord Drachen �berhaupt nichts mehr fragen. Weiramon war ein Narr, doch wenigstens alt genug, um einmal in einer Schlacht gek�mpft zu haben. Au�er Estean, der wirkte wie ein Sack voll Zwiebeln, den man auf ein Pferd geschnallt hat, war alles, was diese Bande hier jemals erlebt hatte, eine Wirtshausschl�gerei oder auch zwei. Und vielleicht ein paar Duelle. Das w�rde ihnen nun wirklich viel n�tzen. �Jetzt h�rt mir mal alle zu. Wenn Ihr durch jene L�cke vorn zwischen den n�chsten beiden H�geln reitet, werden Aiel �ber Euch hereinbrechen wie eine Lawine.�</p><p>Er hatte ihnen genauso erz�hlen k�nnen, da� sie auf einen Ball gehen m��ten, wo alle Frauen bereits sehns�chtig auf die kleinen Lords aus Tear warteten. Freudiges Grinsen breitete sich aus, und sie fingen an, ihre Pferde t�nzeln zu lassen, klatschten sich gegenseitig auf die Schultern und gaben damit an, wie viele sie t�ten w�rden. Estean war die Ausnahme. Er seufzte nur und lockerte sein Schwert in der Scheide.</p><p>�Starrt ja nicht dort hinauf!� fauchte Mat. Diese Narren. Noch eine Minute, und sie w�rden zum Angriff blasen. �Blickt mich an. Mich!�</p><p>Seine Freundschaft zu Rand brachte sie zur Ruhe. Melanril und die anderen in ihren sch�nen, unber�hrten Harnischen runzelten ungeduldig die Stirn und verstanden nicht, weshalb er sie nicht damit anfangen lassen wollte, die Aielwilden zu t�ten. Ware er nicht Rands Freund gewesen, h�tten sie ihn und Pips m�glicherweise glatt �berrannt.</p><p>Er konnte sie ja lospreschen lassen. Sie w�rden allein angreifen, die Pikeure und die Kavallerie Cairhiens zur�cklassen, obwohl die sich vielleicht anschlossen, sobald ihnen klar wurde, was geschah. Und alle w�rden sterben. Das Kl�gste w�re, sie einfach weitermachen zu lassen und selbst in die entgegengesetzte Richtung zu reiten. Das Gef�hrliche war nur, da� diese Idioten die Aiel m�glicherweise wissen lie�en, da� sie sie entdeckt hatten. Dann konnten sich die Aiel f�r eine ganz ausgefallene Taktik entscheiden, fielen vielleicht seitlich aus, umgingen sie im Bogen und griffen die weit verstreuten Narren von der Flanke her an. Falls das geschah, hatte er keine Garantie, da� er selbst sich in Sicherheit bringen k�nne.</p><p>�Was der Lord Drache von Euch will�, sagte er zu ihnen, �ist, da� Ihr weiter langsam vorw�rtsreitet, genauso, als gebe es auf hundert Meilen Umkreis keinen Aiel. Sobald die Pikeure durch die L�cke marschiert sind, bilden sie ein Karree, ein hohles Viereck, und Ihr begebt Euch ganz schnell hinein.�</p><p>�Hinein!� protestierte Melanril emp�rt. �rgerliches Gemurmel war von den jungen Lords zu h�ren. Nur Estean blieb still und blickte nachdenklich drein. �Es liegt keine Ehre darin, sich hinter stinkenden...�</p><p>�Ihr werdet verdammt noch mal tun, was ich Euch sage!� br�llte Mat und ri� Pips herum, damit er neben Melanrils Pferd zu stehen kam. �Sonst wird Rand Euch umbringen, falls das die verfluchten Aiel nicht besorgen, und was er �brig l��t, werde ich h�chstpers�nlich zu Wurst verarbeiten!� Das dauerte alles zu lang. Die Aiel w�rden sich mittlerweile fragen, was sie so lange zu besprechen hatten. �Mit ein wenig Gl�ck seid Ihr bereit, bevor die Aiel zuschlagen k�nnen. Falls Ihr Pferdeb�gen habt, ben�tzt sie. Ansonsten haltet Euch zur�ck. Ihr werdet Euren verdammten Angriff schon bekommen, und Ihr wi�t auch, wann, doch wenn Ihr Euch zu fr�h r�hrt...!� Er f�hlte beinahe k�rperlich, wie die Zeit immer knapper wurde.</p><p>Er stellte das Ende des Speerschafts wie eine Lanze auf seinen Steigb�gel und lie� Pips die Kolonne entlanggaloppieren. Als er sich nach hinten umsah, konnte er erkennen, wie Melanril und die anderen sich unterhielten und ihm nachblickten. Wenigstens eilten sie nicht weiter ihrem Tod entgegen.</p><p>Der Befehlshaber der Pikeure erwies sich als ein blasser, schlanker Mann aus Cairhien, einen halben Kopf kleiner als er, dessen grauer Wallach mehr als reif f�r sein Gnadenbrot schien. Daerids Augen blickten allerdings hart drein, seine Nase war schon mehrmals gebrochen worden, und drei wei�e Narben �berschnitten sich in seinem Gesicht. Eine davon konnte noch nicht alt sein. Er nahm den glockenf�rmigen Helm ab, w�hrend er mit Mat sprach. Die Vorderseite seines Sch�dels war kahlgeschoren. Er war bestimmt kein Lord. Vielleicht war er Soldat gewesen, lange bevor der B�rgerkrieg ausbrach. Ja, seine M�nner w��ten, wie man einen Igel bildet. Er hatte wohl noch nie Aiel gegen�bergestanden, aber zumindest hatte er gegen Briganten und die Kavallerie Andors gek�mpft. Er deutete an, er habe auch gegen andere Soldaten aus Cairhien gefochten, wahrscheinlich im Dienst eines der H�user, die sich um den Thron stritten. Daerid wirkte weder �bereifrig noch zaudernd; es klang wie bei einem Mann, der eine Aufgabe ganz professionell anging. Die Kolonne marschierte wieder ab, als Mat Pips wenden lie�. Sie marschierten in gem��igtem Schritttempo, und ein kurzer Blick nach hinten zeigte ihm, da� die tairenischen Reiter sich auch nicht schneller bewegten.</p><p>Er trieb Pips etwas rascher an, aber nicht viel. Es schien ihm, als k�nne er die Blicke der Aiel auf seinem R�cken sp�ren, sp�ren, wie sie sich fragten, was er wohl gesagt habe und wohin und warum er nun weiterritt. <emphasis>Nur ein Kurier, der seine Nachricht �berbracht hat und davonreitet. Nichts Beunruhigendes.</emphasis> Jedenfalls hoffte er, die Aiel d�chten genau das, aber seine Schultern entspannten sich nicht, bis er sicher war, da� sie ihn nicht mehr sehen konnten.</p><p>Die Truppe aus Cairhien wartete immer noch, wo er sie hatte stehen lassen. Auch ihre Flankendeckung befand sich noch drau�en. Flaggen und Cons standen wie ein Dickicht dort, wo sich die Lords versammelt hatten. Mindestens jeder zehnte Mann aus Cairhien schien ein Lord zu sein. Die meisten trugen einfach gearbeitete Brustharnische, und wo etwas Vergoldung oder Silberzierrat zu sehen war, da war es eingedellt, als habe ein betrunkener Schmied den Harnisch bearbeitet. Neben einigen ihrer Reittiere h�tte Daerids Pferd noch wie ein Streitro� gewirkt. Konnten sie �berhaupt vollbringen, was notwendig war? Doch die ihm zugewandten Gesichter waren hart und die Blicke noch h�rter.</p><p>Jetzt konnte er sich ungehindert bewegen, vor den Aiel verborgen. Er k�nnte auch weiterreiten. Zumindest nachdem er diesen Burschen erkl�rt hatte, was von ihnen erwartet wurde. Er hatte die anderen vorw�rts in die Falle der Aiel geschickt und konnte sie nun nat�rlich nicht so einfach im Stich lassen.</p><p>Talmanes aus dem Hause Delovinde, dessen Con drei gelbe Sterne auf blauem Grund zeigte und der einen schwarzen Fuchs im Banner f�hrte, war noch kleiner als Daerid und h�chstens drei Jahre �lter als Mat, doch er f�hrte diese Truppe aus Cairhien an, obwohl �ltere M�nner zugegen waren und Mat sogar einige graue Sch�pfe sah. In seinen Augen lag genausowenig Ausdruck wie in denen Daerids, und irgendwie wirkte er wie eine zusammengerollte Peitsche. Sein Harnisch und Schwert wiesen keinerlei Zierrat auf. Sobald er Mat seinen Namen genannt hatte, lauschte er ruhig, als Mat seinen Plan beschrieb. Mat beugte sich etwas vor und ritzte mit der Schwertklinge an seinem Speer Linien in den Boden, um deutlicher zu machen, was er vorhatte.</p><p>Die anderen Lords aus Cairhien versammelten sich auf ihren Pferden um sie und sahen zu, aber keiner so konzentriert wie Talmanes. Talmanes betrachtete die Karte, die er in den Schmutz zeichnete, ganz genau und musterte auch ihn von den Stiefeln bis zum Hut und sogar den Speer. Als er fertig war, sagte der Bursche immer noch nichts, bis Mat ihn anfuhr: �Also? Mir ist es gleich, ob Ihr es so macht oder nicht, aber Eure Freunde werden in k�rzester Zeit knietief durch Aielmengen waten m�ssen.�</p><p>�Die Tairener sind nicht meine Freunde. Und Daerid ist ... n�tzlich. Aber bestimmt kein Freund.� Bei dieser Andeutung schmunzelten die zuschauenden Lords leicht. �Aber ich werde die eine H�lfte befehligen, wenn Ihr die andere f�hrt.�</p><p>Talmanes zog einen stahlverst�rkten Handschuh aus und streckte ihm die Hand hin. Doch Mat starrte diese Hand zun�chst nur verbl�fft an. F�hren? Er? <emphasis>Ich bin ein Spieler und kein Soldat. Ein Frauenheld.</emphasis> Erinnerungen an lange vergangene Schlachten wirbelten durch seinen Kopf, aber er unterdr�ckte sie. Er mu�te doch einfach nur weiterreiten. Doch dann w�rde Talmanes vielleicht Estean und Daerid und die anderen in der Bratpfanne zur�cklassen. An dem Spie� gebraten, auf den Mat sie gesteckt hatte. Trotz dieser Gedankeng�nge �berraschte er sich selbst damit, da� er die Hand des anderen erfa�te und sagte: �Seid nur zur richtigen Zeit an der richtigen Stelle.�</p><p>Statt einer Antwort begann Talmanes damit, kurz und knapp eine Reihe von Namen aufzurufen. Lords und die S�hne von Lords lenkten ihre Pferde zu Mat hin, jeder von einem Bannertr�ger und vielleicht einem Dutzend Gefolgsleute begleitet, bis etwa vierhundert M�nner aus Cairhien bei ihm standen. Talmanes hatte auch hinterher nicht viel zu sagen; er f�hrte einfach die anderen im Trab nach Westen. Sie zogen eine d�nne Staubwolke hinter sich her.</p><p>�Bleibt auf jeden Fall zusammen�, sagte Mat zu seiner H�lfte. �Greift an, wenn ich es Euch sage, flieht, wenn ich es Euch sage, und macht keinen unn�tigen L�rm.� Nat�rlich h�rte er das Knarren der S�ttel und das Hufgeklapper, als sie sich ihm anschlossen, aber wenigstens quatschten sie nicht und stellten keine Fragen. Ein letzter kurzer Blick auf die andere Gruppe mit ihrem Gewirr bunter Banner und Cons, und dann waren sie hinter einer Biegung des Tals verschwunden. Wie war er nur in all dies hineingeraten? Es hatte doch so einfach begonnen. Nur die Leute warnen und dann wieder weg. Jeder weitere Schritt danach kam ihm so klein vor, so unbedeutend, wenn auch notwendig. Und nun steckte er bis zur H�fte im Schlamm und hatte keine andere Wahl, als weiterzumachen. Er hoffte, Talmanes werde auch wirklich auftauchen. Der Mann hatte noch nicht einmal gefragt, wer <emphasis>er</emphasis> sei.</p><p>Das Tal wand und teilte sich, als er sie nach Norden f�hrte, doch er hatte einen guten Riecher, was Richtungen anbetraf. Beispielsweise war ihm v�llig klar, wo der S�den und damit die Sicherheit lag, doch er ritt eben nicht in diese Richtung. Dunkle Wolken quollen �ber der Stadt auf, die ersten dieser Art, die er seit langer Zeit zu sehen bekam. Der Regen w�rde die D�rre beenden � gut f�r die Bauern, falls es hier noch welche gab � und den Staub am Boden binden, was f�r Reiter von Vorteil war, wenn sie ihre Ankunft nicht vorzeitig verraten wollten. Vielleicht w�rde der Regen die Aiel zum Aufgeben bringen und sie nach Hause zur�ckkehren lassen? Auch der Wind frischte nun erheblich auf und brachte erfreulicherweise ein wenig K�hle mit sich.</p><p>Kampfesl�rm trieb �ber die H�gel zu ihnen her�ber, Rufe, Schreie von M�nnern. Es hatte begonnen.</p><p>Mat wendete Pips, hob seinen Speer und schwenkte ihn nach rechts und links. Er war beinahe erschrocken, als seine M�nner sich tats�chlich zu zwei langen Reihen formierten, eine rechts und eine links von ihm. Sie blickten bergauf. Die Geste war rein instinktiv gewesen und stammte aus einer ganz anderen Zeit, doch diese M�nner waren eben kampferprobt. Er trieb Pips in langsamem Schritt zwischen den verstreuten B�umen hindurch aufw�rts, und sie kamen im gleichen Tempo mit. Nur ihr Zaumzeug klimperte gelegentlich.</p><p>Sein erster Gedanke, als er die Kammh�he erreichte, dr�ckte die Erleichterung dar�ber aus, da� Talmanes und seine M�nner gerade auf dem gegen�berliegenden H�gel in Sicht kamen. Dann jedoch fluchte er.</p><p>Daerid hatte mit seinen Leuten den Igel gebildet, ein viereckiges Dickicht von Piken, vier Reihen tief, mit dazwischen verteilten Bogensch�tzen und einem freien Platz im innern. Die langen Piken machten es den Shaido schwer, heranzukommen, so heftig sie auch anst�rmten, und die Bogen- und Armbrustsch�tzen schossen ihre Pfeile und Bolzen ebenso hitzig und schnell ab wie jene unter den Aiel. M�nner fielen auf beiden Seiten, doch die Pikeure r�ckten einfach zusammen, wenn einer von ihnen fiel, und machten das Viereck etwas dichter. Nat�rlich machten auch die Shaido keineswegs den Eindruck, als wollten sie mit ihren Angriffen nachlassen.</p><p>Die Verteidiger des Steins befanden sich im Innenraum und waren abgesessen, und dazu kamen etwa die H�lfte der tairenischen Lords mit ihren Gefolgsm�nnern. Die H�lfte. Das war es, was ihn hatte fluchen lassen. Der Rest trieb sich zwischen den Aiel in Gruppen von f�nf oder zehn Mann oder auch allein herum, stach mit den Lanzen zu oder hieb mit dem Schwert nach den Shaido. Der Anblick einiger Dutzend reiterloser Pferde machte deutlich, mit welchem Erfolg. Melanril war bis auf seinen Bannertr�ger allein und fuchtelte wild mit seinem Schwert. Zwei Aiel huschten heran und schnitten problemlos seinem Pferd die Sehnen durch. Es st�rzte, und sein Kopf zuckte von einer Seite zur anderen. Mat war sicher, da� das Tier schrie, doch der L�rm verschluckte alles. Dann verschwand Melanril hinter mit dem <emphasis>Cadin'sor</emphasis> bekleideten Gestalten, die mit ihren Speeren zustie�en. Der Bannertr�ger �berlebte nur ein paar Augenblicke l�nger.</p><p><emphasis>Die w�ren wir los,</emphasis> dachte Mat grimmig. Er stellte sich in die Steigb�gel, hob seinen Speer mit der Schwertklinge als Spitze und deutete dann damit nach vorn, wobei er schrie: �Los! Los <emphasis>caba'drin!�</emphasis></p><p>Er h�tte gern diese Worte zur�ckgerufen, w�re es m�glich gewesen, und das nicht nur, weil sie in der Alten Sprache erklungen waren. Drunten im Tal ging es zu wie in einem �berkochenden Kessel. Doch obwohl wahrscheinlich keiner der M�nner aus Cairhien das Kommando �Reiter voran� in der Alten Sprache verstand, verstanden sie doch die Geste, sp�testens, als er sich wieder in den Sattel setzte und Pips die Fersen sp�ren lie�. Nicht, da� er dazu die geringste Lust gehabt h�tte, aber er hatte keine andere Wahl mehr. Er hatte diese M�nner dort hinunter geschickt. Vielleicht w�ren einige entkommen, h�tte er ihnen befohlen, davonzulaufen. Nein, es gab keine andere Wahl mehr.</p><p>Mit wehenden Flaggen und Cons donnerten die M�nner ihm hangabw�rts nach und schrien dabei wild. Mit den Schlachtrufen wollten sie zweifellos ihn imitieren, doch was er mittlerweile schrie, hie� lediglich: �Blut und blutige Asche!� Von der anderen Seite her galoppierte Talmanes mit seinen Leuten genauso schnell auf die Shaido zu.</p><p>Die Shaido waren sicher gewesen, alle Feuchtl�nder eingeschlossen zu haben, und so sahen sie die anderen �berhaupt nicht kommen, bis sie von beiden Seiten her �ber sie hereinbrachen. Dann zuckten die ersten Blitze vom Himmel. Und danach ging es erst richtig zur Sache.</p></section><section><title><p>44</p><p>Der geringere Kummer</p></title><p>Rands Hemd klebte an seinem Oberk�rper, so schwitzte er vor Anstrengung, aber er behielt die Jacke an, um sich gegen den Wind zu sch�tzen, der in heftigen B�en gegen Cairhien blies. Die Sonne w�rde mindestens noch eine Stunde brauchen, um den mitt�glichen Zenit zu erreichen, doch er f�hlte sich bereits jetzt, als sei er den ganzen Morgen �ber gerannt und zum Schlu� mit einem Kn�ppel gepr�gelt worden. Ins Nichts geh�llt, war er sich seiner Ersch�pfung nur ganz entfernt bewu�t. Er nahm verschwommen den Muskelkater in Armen, Schultern und R�cken und das Pochen unter der noch immer nicht ganz verheilten Wunde an seiner Seite wahr. Da� er die Schmerzen �berhaupt sp�rte, zeigte, wie stark sie wirklich waren. Von der Macht erf�llt konnte er auf dreihundert Schritt Entfernung an einem Baum noch jedes einzelne Blatt erkennen, doch alles, was ihn physisch beeinflu�te, sollte eigentlich so sein, als geschehe es jemand anderem.</p><p>Er war schon lange dazu �bergegangen, <emphasis>Saidin</emphasis> durch den <emphasis>Angreal</emphasis> in seiner Tasche aufzunehmen �die kleine Steinskulptur des fetten Mannes. Doch selbst damit begann ihm die Arbeit mit der Macht M�he zu bereiten, da er �ber viele Meilen hinweg weben mu�te. Nur die widerw�rtigen Str�hnen der Verderbnis, die alles durchsetzten, hielten ihn davon ab, mehr Macht an sich zu ziehen, zu versuchen, alles an Energie auf einmal in sich aufzunehmen. So s�� war die Macht, Verderbnis hin oder her. Und so m�de war er nach Stunden der pausenlosen Arbeit. Gleichzeitig mu�te er notgedrungen immer st�rker gegen <emphasis>Saidin</emphasis> ank�mpfen, mu�te immer mehr Kraft gebrauchen, um nicht auf der Stelle zu einem Aschehaufen verbrannt zu werden, um nicht sein Gehirn ausbrennen zu lassen. Es wurde immer schwieriger, der Vernichtung durch <emphasis>Saidin</emphasis> zu entgehen, der Verlockung zu widerstehen, zu viel Energie in sich aufzunehmen, das zu beherrschen, was er tats�chlich aufnahm. Es ging stetig abw�rts mit ihm, und es w�rde noch Stunden dauern, bevor die Schlacht entschieden war.</p><p>Er wischte sich den Schwei� aus den Augen und packte das grobe Gel�nder der Plattform etwas fester. Wenn er schon dem Aufgeben nahe war, wie ging es dann Egwene und Aviendha, die beide nicht so stark waren wie er? Die Aielfrau stand da, sp�hte nach Cairhien und zu den Sturmwolken hin�ber und b�ckte sich gelegentlich, um durch das lange Fernrohr zu blicken. Egwene sa� im Schneidersitz an eine senkrechte Strebe gelehnt, an der man nicht einmal die graue Rinde abgesch�lt hatte, und hatte die Augen geschlossen. Sie sahen beide genauso abgearbeitet aus, wie er sich selbst f�hlte.</p><p>Bevor er irgend etwas f�r sie tun konnte � er h�tte auch nicht gewu�t, was, denn er verstand nichts vom Heilen �, �ffnete Egwene jedoch die Augen und stand auf. Sie wechselte ein paar Worte mit Aviendha, die aber bei diesem Sturmget�se sogar seinen von <emphasis>Saidin</emphasis> gesch�rften Sinnen entgingen. Dann setzte sich Aviendha an Egwenes Platz und lie� ihren Kopf zur�ck an die Strebe sinken. Aus den schwarzen Wolken �ber dem gesamten Umkreis der Stadt zuckten nach wie vor Blitze herab, aber jetzt waren es viel h�ufiger nur wild gezackte Lichtstreifen anstatt der zielgerichteten grellen Lanzen.</p><p>Also wechselten sie sich ab, damit sich jede dazwischen ausruhen konnte. Es w�re sch�n gewesen, jemanden zu haben, mit dem auch er sich h�tte abwechseln k�nnen, aber er bereute es andererseits nicht, Asmodean befohlen zu haben, im Zelt zu bleiben. Er h�tte ihm nicht genug vertraut, um ihn mit der Macht arbeiten zu lassen. Besonders jetzt nicht. Wer wu�te schon, was er anstellte, s�he er Rand nun in so geschw�chtem Zustand?</p><p>Rand taumelte ein wenig. Dann zog er das Fernrohr herum, um die H�gel au�erhalb der Stadt zu beobachten. Dort war jetzt wieder Leben sichtbar geworden. Und Tod. Wohin er auch blickte, �berall wurde gek�mpft, Aiel gegen Aiel, tausend hier, f�nftausend dort, so �berrannten sie die baumlosen H�gel, viel zu eng ineinander verkeilt, als da� er h�tte eingreifen k�nnen. Die Kolonne der Reiter und Pikeure konnte er nirgends entdecken.</p><p>Dreimal hatte er sie kurz erblickt, und einmal hatten sie gegen die etwa doppelte Anzahl von Aiel gek�mpft. Er war sicher, da� sie sich noch immer dort drau�en befanden. Er hatte kaum Hoffnung, da� Melanril sich entschieden h�tte, zu diesem sp�ten Zeitpunkt doch noch seine Befehle zu befolgen. Den Mann zum Befehlshaber auszuw�hlen, nur weil er den Anstand besessen hatte, sich ob Weiramons Benehmen verlegen zu zeigen, war ein Fehler gewesen, aber er hatte zu wenig Zeit zum �berlegen gehabt und mu�te Weiramon unbedingt loswerden. Jetzt konnte er nichts mehr daran �ndern. Vielleicht k�nnte man einem der M�nner aus Cairhien den Befehl �bergeben. Falls die Tairener auf seinen direkten Befehl hin ausnahmsweise einmal jemandem aus Cairhien gehorchten.</p><p>Eine wogende Menschenmenge direkt vor der hohen, grauen Stadtmauer fiel ihm auf. Die gro�en, eisenbeschlagenen Torfl�gel standen offen. Aiel k�mpften davor gegen Reiter und Lanzentr�ger, w�hrend andere Leute sich bem�hten, das Tor wieder zu schlie�en. Sie strengten sich m�chtig an, doch der Druck der vielen K�rper lie� sie scheitern. Reiterlose Pferde und unbewegliche, ger�stete Gestalten auf dem Boden eine halbe Meile vom Tor entfernt zeigten, wo der Ausfall abgefangen worden war. Es regnete Pfeile von der Mauer und dazu kopfgro�e Tr�mmerst�cke. Gelegentlich scho� sogar der eine oder andere Speer herunter, und zwar mit solcher Wucht, da� er zwei oder drei Mann auf einmal aufspie�en konnte, aber noch immer war er nicht in der Lage, zu erkennen, woher diese Speere kamen. Doch die Aiel stiegen �ber ihre Gefallenen hinweg und kamen dem Tor immer n�her. Sie w�rden sich bestimmt bald den Weg hinein erk�mpfen. Ein schneller Rundblick zeigte ihm zwei weitere Kolonnen von Aiel, die sich in Richtung des Tores bewegten, alles in allem vielleicht dreitausend Mann. Er zweifelte nicht daran, da� es sich um weitere Verst�rkungen Couladins handelte.</p><p>Ihm wurde bewu�t, da� er mit den Z�hnen knirschte. Falls die Shaido nach Cairhien hinein durchbrachen, w�rde er sie niemals nach Norden vertreiben k�nnen. Er m��te sie dann in m�hsamen, einzelnen Stra�enk�mpfen ausheben, und das w�rde noch viel mehr Leben kosten als bisher schon. Die Stadt selbst w�rde hinterher wie Eianrod in Schutt und Asche liegen, vielleicht sogar wie Taien. Die Soldaten aus Cairhien und die Aiel hatten sich vermischt wie die Ameisen in einer Sch�ssel Honig, doch er mu�te etwas unternehmen.</p><p>Er holte tief Luft und verwob Str�nge der Macht. Die beiden Frauen hatten die �u�eren Bedingungen hergestellt, indem sie die Sturmwolken heraufbeschworen hatten, und er mu�te ihr Gewebe gar nicht sehen, um es jetzt selbst ben�tzen zu k�nnen. Hart umrissene, silberblaue Blitze zuckten herab in die Aieltruppen hinein, einmal, zweimal, so schnell ein Mann nur in die H�nde klatschen konnte.</p><p>Rand ri� den Kopf hoch und versuchte, die brennenden Linien, die immer noch in seiner Sicht tanzten, unter Tr�nen wegzuzwinkern. Als er wieder durch das lange Rohr blickte, lagen die Shaido wie abgem�hte Getreidehalme auf der Fl�che, die von seinen Blitzen getroffen worden war. N�her am Tor lagen auch andere M�nner und Pferde in ihren letzten Zuckungen am Boden, und manche r�hrten sich schon nicht mehr, doch die Unverletzten schleppten die Verwundeten hinein, und das Tor begann sich gerade hinter den letzten von ihnen zu schlie�en.</p><p><emphasis>Wie viele von ihnen werden nie mehr zur�ckkommen? Wie viele meiner eigenen Leute habe ich da get�tet?</emphasis> Die kalte Logik sagte ihm, da� es gar keine Rolle spiele. Es hatte sein m�ssen und es war erledigt.</p><p>Und das war auch gut so. Entfernt nahm er war, wie seine Knie zitterten. Er w�rde Ruheperioden einlegen m�ssen, wenn er das den ganzen Tag �ber durchhalten wollte. Er konnte nicht mehr nach allen Richtungen gleichzeitig zuschlagen, sondern mu�te sich auf bestimmte Ziele konzentrieren, wo seine Hilfe ben�tigt wurde, wo er am meisten ausr... Die Sturmwolken t�rmten sich nur �ber der Stadt und den H�geln im S�den, und dennoch zuckte urpl�tzlich aus dem klaren, blauen Himmel �ber dem Turm ein Blitz hernieder, mitten zwischen die unten versammelten T�chter des Speers, wo er mit einem ohrenbet�ubenden Knall einschlug.</p><p>Rand starrte bet�ubt hinunter, und das Haar stand ihm knisternd zu Berge. Er hatte diesen Blitz auch noch auf andere Weise wahrgenommen, hatte das Gewebe aus der Energie <emphasis>Saidins</emphasis> gef�hlt, das ihn erzeugt hatte. <emphasis>Also war die Versuchung f�r Asmodean selbst dort hinten im Zelt zu gro�, um ihr zu widerstehen.</emphasis></p><p>Es blieb jedoch keine Zeit zum �berlegen. Wie schnelle, rhythmische Schl�ge auf eine riesenhafte Trommel folgte nun Blitz auf Blitz. Sie krachten in einer Reihe zwischen den T�chtern in den Boden, bis der letzte schlie�lich das Fundament des Turms traf und eine Explosion Splitter von der Gr��e von Armen und Beinen emporschleuderte.</p><p>Als sich der Turm langsam zur Seite neigte, warf sich Rand Egwene und Aviendha entgegen. Irgendwie brachte er es fertig, beide mit einem Arm zu umfassen und sich mit dem anderen an eine senkrechte Strebe zu klammern, die sich nun schr�g �ber ihnen an der Seite der Plattform befand. Sie starrten ihn mit weit aufgerissenen Augen an, �ffneten die M�nder, aber es war genausowenig Zeit, etwas zu sagen, wie �berhaupt nachzudenken. Das angeschlagene Balkenger�st des Turms kippte und krachte durch die Zweige der darunterstehenden B�ume. Einen Moment lang hoffte <emphasis>er,</emphasis> die B�ume w�rden den Sturz abfangen.</p><p>Mit einem berstenden Ger�usch brach die Strebe, an die er sich geklammert hatte. Der Boden kippte ihm entgegen und schlug ihm wie ein Hammer gegen die Brust; raubte ihm den Atem. Einen Herzschlag sp�ter schlugen die beiden Frauen auf seinem K�rper auf. Dunkelheit umfing ihn.</p><p>Er kam nur ganz langsam wieder zu sich. Zuerst konnte er h�ren.</p><p>�...haben uns wie ein Felsblock unter sich begraben und uns in der Dunkelheit den Hang abw�rts gerollt.� Das war Aviendhas Stimme, leise, als spreche sie nur zu sich selbst. Auf seinem Gesicht bewegte sich irgend etwas. �Du hast uns alles genommen, was wir sind, was wir waren. Du mu�t uns daf�r etwas geben, was wir sein k�nnen. Wir brauchen dich.� Was sich da oben bewegte, wurde langsamer und ber�hrte sein Gesicht noch sanfter. �Ich brauche dich. Nicht f�r mich selbst, das mu�t du verstehen. F�r Elayne. Was nun zwischen ihr und mir steht, geht nur sie und mich an, aber ich werde dich ihr �bergeben. Ganz bestimmt. Wenn du stirbst, trage ich deinen Leichnam zu ihr. Wenn du stirbst...!�</p><p>Er schlug die Augen auf, und einen Augenblick lang sahen sie sich direkt in die Augen, beinahe Nase an Nase. Ihr Haar war wirr, der Schal fehlte, und ihre Wange wurde von einer r�tlichen Schwellung entstellt. Sie richtete sich ruckartig auf, faltete ein feuchtes, blutgetr�nktes Tuch neu zusammen und begann, seine Stirn, nun um einiges energischer als zuvor abzutupfen.</p><p>�Ich habe nicht die Absicht, zu sterben�, sagte er zu ihr, obwohl er sich dessen in Wirklichkeit keineswegs so sicher war. Das Nichts und <emphasis>Saidin</emphasis> waren nat�rlich verschwunden. Schon der Gedanke daran, sie auf diese pl�tzliche Art entrissen zu bekommen, lie� ihn schaudern. Es war reines Gl�ck gewesen, da� ihn <emphasis>Saidin</emphasis> in jenem letzten Moment nicht v�llig ausgebrannt und mit leerem Verstand zur�ckgelassen hatte. Der blo�e Gedanke daran, wieder nach der Quelle zu greifen, lie� ihn �chzen. Ohne das Nichts als Puffer sp�rte er jeden Schmerz, jede Schramme und Absch�rfung in ihrem ganzen Ausma�. Er war so m�de, da� er augenblicklich eingeschlafen w�re, h�tte ihm nicht alles so weh getan.</p><p>Und das war ja wohl auch gut so, denn er durfte jetzt nicht schlafen. Noch lange Zeit nicht.</p><p>Er steckte eine Hand unter seine Jacke und f�hlte nach seiner Seite, worauf er sich vorsichtshalber erst das Blut am Hemd abwischte, bevor er die Hand wieder herauszog. Kein Wunder, da� ein Sturz wie dieser die halbverheilte, niemals heilende Wunde wieder hatte aufbrechen lassen. Er schien aber nicht zu schlimm zu bluten, doch falls die T�chter das bemerkten, oder Egwene oder auch Aviendha, mu�te er sich wahrscheinlich erst mit ihnen herumstreiten, damit sie ihn nicht zu Moiraine schleppten, um von ihr geheilt zu werden. Dazu hatte er jedoch viel zu viel zu tun. Die Heilung mit Hilfe der Macht w�rde sich bei ihm auswirken wie ein Kn�ppel auf den Kopf. Au�erdem hatte sie sicher viel schlimmere Verwundungen zu heilen.</p><p>Er schnitt eine Grimasse, unterdr�ckte ein weiteres �chzen und erhob sich ohne allzuviel Hilfe von Aviendha. Und prompt verga� er seine Verletzungen.</p><p>Sulin sa� in der N�he auf dem Boden, w�hrend Egwene eine blutende Schnittwunde auf ihrer Kopfhaut verband und dabei vor sich hinfluchte, weil sie nicht mit Hilfe der Macht heilen konnte. Doch die wei�haarige Tochter des Speers war keineswegs das einzige Opfer und bei weitem nicht das am schlimmsten betroffene. �berall waren in den <emphasis>Cadin'sor</emphasis> gekleidete Frauen dabei, ihre Toten mit Decken zu verh�llen und sich um diejenigen zu k�mmern, die lediglich Brandwunden davongetragen hatten, falls man mit �lediglich� die Verbrennungen durch einen einschlagenden Blitz bezeichnen konnte. Von Egwenes Fluchen abgesehen, lag Stille �ber dem H�gel. Sogar die verwundeten Frauen waren bis auf ihr heiseres Atmen still.</p><p>Der roh zusammengezimmerte Turm, jetzt nur noch ein nicht mehr erkennbarer Tr�mmerhaufen, hatte beim Umst�rzen die T�chter nicht verschont, hatte Arme und Beine gebrochen und lange Ri�wunden verursacht. Er beobachtete, wie man eine Decke �ber das Gesicht einer Tochter mit rotgoldenem Haar von beinahe dem gleichen Farbton wie dem Elaynes breitete. Ihr Kopf lag unnat�rlich abgewinkelt, und die Augen starrten glasig nach oben. Jolien. Eine jener, die zuerst auf der Suche nach Ihm, Der Mit Der Morgend�mmerung Kommt, die Drachenmauer �berquert hatten. Sie war in seinem Dienst mit zum Stein von Tear gekommen. Und nun war sie tot. F�r ihn gestorben. <emphasis>Oh, wie gut hast du es fertiggebracht, die T�chter des Speers vor allem Unbill zu bewahren,</emphasis> dachte er bitter. <emphasis>Sehr gut hast du das gemacht.</emphasis></p><p>Er sp�rte die Blitze immer noch, oder besser gesagt, die Nachwehen ihres Gewebes. Beinahe wie das Flimmern vor seinen Augen vorher konnte er das in der Intensit�t nachlassende Gewebe noch wahrnehmen. Zu seiner �berraschung kam es aus dem Westen und nicht von den Zelten. Also nicht Asmodean.</p><p>�Sammael.� Nun war er sicher. Sammael hatte diesen Angriff im Jangai vorgeschickt, Sammael steckte hinter den Piraten und den �berf�llen in Tear, und Sammael hatte dies hier zu verantworten. Er bleckte seine Z�hne, als wolle er knurren, und seine Stimme klang wie ein heiseres Fl�stern: �Sammael!� Ihm war nicht bewu�t, da� er einen Schritt vorgetreten war, bis ihn Aviendha am Arm packte.</p><p>Einen Moment sp�ter hielt Egwene den anderen fest, und die beiden h�ngte sich an ihn, als wollten sie, da� er auf dieser Stelle Wurzeln schl�ge. �Sei kein vollst�ndiger Wollkopf�, sagte Egwene. Auf seinen b�sen Blick hin fuhr sie dann doch zusammen, lie� aber nicht los. Sie hatte sich den braunen Schal wieder um den Kopf gebunden, doch ihr Haar war noch immer wirr. Mit den Fingern hatte sie es nicht richtig durchk�mmen k�nnen. Auch waren Bluse und Rock mit Staub bedeckt. �Wer das auch angerichtet hat, hat doch mit Absicht so lange gewartet, bis du m�de sein mu�test! Denn wenn er seinen Zweck verfehlt hat, dich zu t�ten, und du verfolgst ihn, hat er trotzdem leichtes Spiel mit dir. Du kannst dich ja kaum auf den Beinen halten!�</p><p>Aviendha war genausowenig bereit loszulassen und erwiderte seinen w�tenden Blick mit einem ebensolchen. �Du wirst hier gebraucht, Rand al'Thor. Hier, <emphasis>Car'a'carn.</emphasis> Liegt mehr Ehre f�r dich darin, diesen Mann zu t�ten, oder den Menschen hier zu helfen, die du in dieses Land gebracht hast?�</p><p>Ein junger Aielmann rannte durch die Kette der T�chter herauf, die Schufa um die Schultern geh�ngt, Speer und Schild entspannt schwingend. Falls er es eigenartig fand, da� Rand von zwei Frauen festgehalten wurde, zeigte er es nicht. Er musterte die zerschmetterten Reste des Turms und die Toten und Verwundeten mit leichter Neugier, als frage er sich, wie das passiert sei und wo wohl die toten Gegner liegen mochten. Er steckte seine Speerspitzen vor Rand in den Boden und sagte: �Ich bin Seirin, aus der Schorara-Septime der Tomanelle.�</p><p>�Ich sehe Euch, Seirin�, erwiderte Rand genauso formell. Nicht ganz einfach, wenn einen zwei Frauen festhalten, als wolle man davonlaufen.</p><p>�Han von den Tomanelle schickt diese Botschaft an den <emphasis>Car'a'carn:</emphasis> Die Clans im Osten bewegen sich aufeinander zu. Alle vier. Han hat vor, sich mit Dhearic zusammenzuschlie�en, und er hat einen Boten zu Erim geschickt mit der Bitte, sich ihnen ebenfalls anzuschlie�en.�</p><p>Rand atmete bewu�t gleichm��ig ein und hoffte, die Frauen w�rden glauben, er verziehe das Gesicht wegen dieser Neuigkeit. Doch seine Seite brannte, und er sp�rte, wie das Blut langsam sein Hemd durchn��te. Also hatte er keine Truppen zur Verf�gung, um Couladin nach Norden zu zwingen, wenn die Shaido flohen. Falls sie flohen, denn bisher hatte er kein Anzeichen daf�r entdecken k�nnen. Warum schlossen sich die Miagoma und die anderen zusammen? Falls sie vorhatten, sich gegen ihn zu stellen, h�tten sie ihn doch damit lediglich vorgewarnt. Doch falls sie sich wirklich gegen ihn stellten, waren sie Han und Dhearic und Erim gegen�ber in der �berzahl, und falls die Shaido lange genug standhielten und die vier Clans den Durchbruch erzwangen... �ber die bewaldeten H�gel hinweg konnte er erkennen, da� es �ber der Stadt zu regnen begonnen hatte, nun, da Egwene und Aviendha die Wolken nicht mehr mit ihrem Gewebe festhielten. Das w�rde beide Seiten behindern. Sollten die Frauen nicht doch in einem besseren Zustand sein, als sie den Anschein erweckten, waren sie vielleicht bei dieser Entfernung nicht mehr in der Lage, die Kontrolle �ber das Wetter zur�ckzugewinnen.</p><p>�Sagt Han, er solle tun, was er mu�, um sie uns aus denn R�cken zu halten.�</p><p>So jung er auch war � und wenn er ihn genauer betrachtete, war er ungef�hr im gleichen Alter wie er selbst �, zog Seirin nun doch �berrascht eine Augenbraue hoch. Nat�rlich. Han w�rde sowieso nichts anderes tun, und Seirin war das auch klar. Er wartete nur lange genug, um sicher zu sein, da� Rand dem nichts hinzuf�gen wolle, und dann eilte er genauso schnell h�gelab, wie er gekommen war. Zweifellos wollte er schnell genug zur�ckkehren, damit er nicht mehr vorn Kampf vers�umte als unbedingt notwendig. Was das betraf, mochte es durchaus dort drau�en im Osten bereits begonnen haben.</p><p>�Ich brauche jemanden, der Jeade'en holt�, sagte Rand, sobald Seirin davongeeilt war. Sollte er versuchen, so weit zu laufen, w�rde er wirklich die Frauen ben�tigen, damit sie ihn auf den Beinen hielten. Die beiden sahen sich gar nicht �hnlich, aber sie schafften es, einen nahezu identischen Ausdruck von Mi�trauen zu zeigen. Diese Mienen mu�ten wohl zu den Dingen geh�ren, die einem M�dchen in fr�hester Jugend von der Mutter beigebracht wurden. �Ich will keineswegs Sammaels Spur folgen.� Noch nicht. �Ich mu� jedoch n�her an die Stadt herankommen.� Er nickte in Richtung des umgest�rzten Turmes. Das war die einzige Geste, die er mit den beiden im Schlepptau noch vollbringen konnte. Meister Tovere war vielleicht in der Lage, die Linsen der Fernrohre zu bergen, aber es waren kaum drei Balken des Turms noch ganz. Er konnte also heute mit Sicherheit nichts mehr von dieser Position aus beobachten.</p><p>Egwene war offensichtlich unsicher, aber Aviendha z�gerte kaum einen Moment lang, und dann befahl sie auch schon einer jungen Tochter des Speers, zu den <emphasis>Gai'schain</emphasis> zu gehen. Auch Egwenes eigene Stute sollte gebracht werden, womit er nicht gerechnet hatte.</p><p>Egwene begann, sich den Schmutz von der Kleidung zu klopfen und fluchte dabei leise, w�hrend Aviendha irgendwo einen Elfenbeinkamm und einen neuen Schal auftrieb. Trotz des Sturzes wirkten die beiden bereits viel ordentlicher und frischer als er. Nat�rlich stand auf ihren Gesichtern die Ersch�pfung geschrieben, aber solange sie wenigstens die Macht in geringem Ma�e lenken konnten, waren sie n�tzlich.</p><p>Das lie� ihn stutzen. Dachte er jetzt schon bei jedem anderen nur noch daran, wie n�tzlich er oder sie sei? Er sollte daf�r sorgen, da� sie sich in Sicherheit befanden, so wie oben auf dem Turm. Nicht, da� der Turm allzu sicher gewesen war, wie sich ja herausgestellt hatte, aber diesmal w�rde er seine Sache besser machen.</p><p>Sulin stand auf, als er sich n�herte. Eine beige Bandage aus Algode bedeckte ihren Haarschopf. Nur ein wei�er Pony schaute darunter hervor.</p><p>�Ich begebe mich n�her zur Stadt hin�, sagte er zu ihr, �wo ich beobachten kann, was geschieht und vielleicht auch etwas dagegen unternehmen. Alle Verwundeten sollen hierbleiben und dazu gen�gend andere, um sie im Notfall zu besch�tzen. Stellt eine starke Wache her, Sulin; <emphasis>ich</emphasis> brauche lediglich eine Handvoll. W�rden die Verwundeten auch noch dahingeschlachtet, w�re das eine schlechte Belohnung f�r die Ehre, die mir die T�chter erwiesen haben.� Das sollte den gr��eren Teil von ihnen aus dem Kampf heraushalten. Er selbst w�rde sich auch heraushalten m�ssen, um nicht noch mehr in die K�mpfe zu verwickeln, aber so wie er sich f�hlte, hatte er damit keine Probleme. �Ich will, da� Ihr hier bleibt, und...�</p><p>�Ich geh�re nicht zu den Verwundeten�, sagte sie gekr�nkt, und er z�gerte und nickte bed�chtig.</p><p>�Also gut.� Er bezweifelte keineswegs, da� ihre Wunde schwerwiegend sei, doch genauso wenig Zweifel hegte er an ihrer Z�higkeit. Und falls sie blieb, konnte es sein, da� er jemanden wie Enaila als Befehlshaberin seiner Wache auf dem Hals hatte. Wie ein Bruder behandelt zu werden, ging ihm keinesfalls so auf die Nerven wie Enailas Art, in ihm so etwas wie einen Sohn zu sehen. Er hatte nicht die geringste Lust, sich das gefallen zu lassen. �Aber ich verlasse mich auf Euch. Ihr werdet daf�r sorgen, da� wirklich keine Verwundeten mitkommen, Sulin. Ich mu� immer in Bewegung sein. Ich kann mir keine Leute leisten, die mich aufhalten oder dann doch zur�ckgelassen werden m�ssen.�</p><p>Sie nickte so geschwind, da� er �berzeugt war, sie werde jede Tochter zur�cklassen, die auch nur einen Kratzer aufwies. Nur sie selbst w�rde nat�rlich mitkommen. Diesmal hatte er keinerlei Gewissensbisse, weil er jemanden benutzte. Die T�chter trugen ja den Speer freiwillig, aber sie hatten sich auch freiwillig entschlossen, ihm zu folgen. Vielleicht war �folgen� nicht ganz der richtige Ausdruck, wenn er bedachte, wie sie ihn in mancher Hinsicht bevormundeten, aber f�r ihn �nderte das nichts. Er w�rde und konnte keine Frau in den Tod schicken. Ende der Diskussion. Eigentlich hatte er erwartet, da� Sulin protestierte. Nun war er dankbar, da� ihm das erspart geblieben war. <emphasis>Ich bin wohl doch etwas raffinierter, als ich selbst glaubte.</emphasis></p><p>Zwei wei�gekleidete <emphasis>Gai'schain</emphasis> erschienen, die Jeade'en und Egwenes Pferd herbeif�hrten, und hinter ihnen folgten eine ganze Menge weiterer, die Arme voll von Binden und Tiegeln mit Tinkturen und �ber den Schultern ganze Schichten von Wasserschl�uchen. Sie wurden von Sorilea und einem Dutzend der Weisen Frauen umhergescheucht, die er bereits kennengelernt hatte. Allerdings hatte er sich h�chstens bei der H�lfte die Namen merken k�nnen.</p><p>Sorilea war eindeutig diejenige, die den Oberbefehl hatte, und sie dirigierte schnell die <emphasis>Gai'schain</emphasis> und die anderen Weisen Frauen, so da� sie zwischen den T�chtern umhergingen und die Wunden versorgten. Sie be�ugte Rand, Egwene und Aviendha, runzelte nachdenklich die Stirn und spitzte die d�nnen Lippen. Offensichtlich war sie der Meinung, alle drei wirkten so zerschlagen, da� man ihre Wunden besser auch versorgen sollte. Dieser Blick reichte, und Egwene kletterte sofort l�chelnd in den Sattel der grauen Stute. Von oben herab nickte sie der Weisen Frau zu. W�ren die Aiel mit dem Reiten vertraut gewesen, h�tte Sorilea allerdings bemerkt, da� Egwenes ungeschickte Steifheit keineswegs gew�hnlich war. Und wie angeschlagen auch Aviendha war, merkte er daran, da� sie sich ohne den geringsten Widerspruch hinter Egwene auf das Pferd ziehen lie�. Auch sie l�chelte Sorilea an.</p><p>Rand knirschte mit den Z�hnen und zog sich mit einer geschmeidigen Bewegung in den eigenen Sattel. Der Protest seiner gequ�lten Muskeln wurde unter einer Lawine des Schmerzes von seiner alten Wunde her begraben, als h�tte ihn gerade eben wieder ein Schwerthieb getroffen, doch obwohl er eine volle Minute ben�tigte, bevor er wieder durchatmen konnte, lie� er sich nichts weiter anmerken.</p><p>Egwene lenkte ihre Stute direkt neben Jeade'en und fl�sterte ihm zu: �Wenn du ein Pferd nicht geschickter besteigen kannst als eben, Rand al'Thor, dann solltest du vielleicht eine Zeitlang �berhaupt nicht mehr reiten.� Aviendha machte wieder einmal eine f�r die Aiel so typische nichtssagende Miene, doch ihr Blick ruhte besorgt auf seinem Gesicht.</p><p>�Ich habe dir auch beim Aufsteigen zugeschaut�, sagte er leise. �Vielleicht solltest du hierbleiben und Sorilea helfen, bis du dich wieder besser f�hlst.� Das lie� sie schweigen. Sie verzog den Mund s�uerlich. Aviendha l�chelte Sorilea noch einmal an, denn die alte Weise Frau beobachtete sie immer noch.</p><p>Rand stie� seinem Apfelschimmel die Stiefel in die Seiten und lie� ihn h�gelabw�rts traben. Jeder Schritt rief eine Schmerzwelle von seiner Seite hervor, so da� er zwischen zusammengebissenen Z�hnen atmen mu�te, doch er hatte einen Weg zur�ckzulegen und konnte das nicht im Schritt tun. Au�erdem ging ihm Sorileas Blick auf die Nerven.</p><p>Egwene war neben ihm, bevor er nur f�nfzig Schritt weiter den von Gestr�pp �berwucherten Hang hinunter war, und nach weiteren f�nfzig Schritt waren auch Sulin und ein ganzer Strom von T�chtern des Speers an ihrer Seite. Ein paar liefen sogar als Vorhut voran. Mehr, als er gehofft hatte, doch das sollte keine Rolle spielen. Was er zu tun hatte, w�rde sie nicht zu nahe an die eigentlichen K�mpfe heranf�hren. Sie konnten bei ihm bleiben, ohne in Gefahr zu geraten.</p><p><emphasis>Saidin</emphasis> zu ergreifen stellte eine Anforderung f�r sich dar und kostete Kraft, obwohl ihm der <emphasis>Angreal</emphasis> ja dabei half, und das blo�e Gewicht der Macht schien ihn mehr als je zuvor niederzudr�cken. Die Verderbnis war st�rker und s��licher als sonst. Wenigstens schirmte ihn das Nichts von seinen Schmerzen ab. Jedenfalls einigerma�en. Und falls Sammael erneut versuchte, sein Spielchen mit ihm zu treiben...</p><p>Er trieb Jeade'en schneller voran. Was Sammael auch vorhatte, er mu�te doch zuerst seine eigenen Aufgaben erledigen.</p><p>Regen tropfte von der Hutkrempe Mats, und in Abst�nden mu�te er sein Fernrohr senken und das Glas am Ende abwischen. Der Platzregen hatte w�hrend der letzten Stunde etwas nachgelassen, aber die wenigen �ste �ber seinem Kopf sch�tzten ihn �berhaupt nicht. Sein Mantel war schon lange durchn��t, und Pips lie� die Ohren h�ngen. Das Pferd stand da, als habe es nicht vor, sich zu r�hren, so oft Mat ihm auch die Fersen zu sp�ren gab. Er wu�te nicht einmal sicher, welche Tageszeit es war. Irgendwann mitten am Nachmittag, glaubte er, aber die dunklen Wolken waren trotz des Dauerregens nicht d�nner geworden, und au�erdem verbargen sie die Sonne gerade hier, wo er sich befand. Andererseits hatte er das Gef�hl, es sei schon drei oder vier Tage her, da� er heruntergeritten war, um die Tairener zu warnen. Ihm war immer noch nicht klar, warum er sich darauf eingelassen hatte.</p><p>Nach S�den zu hielt er Ausschau, aber vor allem suchte er nach einem Ausweg. Einem Ausweg f�r dreitausend M�nner. Mindestens so viele hatten bis jetzt �berlebt, und dabei hatten sie keine Ahnung, worauf er eigentlich hinauswollte. Sie glaubten, er suche nach einer weiteren M�glichkeit, mit ihnen in die K�mpfe einzugreifen, aber die drei bisherigen waren f�r ihn schon drei zuviel gewesen. Er glaubte, mittlerweile h�tte er durchaus entkommen k�nnen, h�tte er nur die Augen aufgehalten und seinen Verstand ben�tzt. Dreitausend M�nner allerdings zogen die Aufmerksamkeit auf sich, wann immer sie sich im geringsten r�hrten, und sie kamen nicht gerade schnell voran, da mehr als die H�lfte marschieren mu�te. Deshalb befand er sich auf diesem vom Licht verlassenen H�gel, und die Tairener und die M�nner aus Cairhien dr�ngten sich in der langen, schmalen Senke zwischen diesem H�gel und dem n�chsten. Wenn er nun einfach davonritt...</p><p>Er klemmte sich das Fernrohr wieder vor das Auge und blickte w�tend nach S�den auf die sp�rlich bewaldeten H�gel. Hier und da sah er Dickichte, einige davon recht ausgedehnt, doch der gr��te Teil der Landschaft war selbst hier nur von Str�uchern oder Gras bewachsen. Er hatte sich nach Osten vorgearbeitet und dabei jede Senke, jede Bodenwelle ausgen�tzt, in der sich auch nur eine Maus verbergen konnte, um die Kolonne aus dem baumlosen Terrain heraus in eine Gegend zu bringen, in der es gen�gend Deckung gab. Weg von diesen verdammten Blitzeinschl�gen und Feuerkugeln. Er konnte nicht entscheiden, was schlimmer war: die Blitze oder die Momente, wenn die Erde pl�tzlich ohne ersichtlichen Grund donnernd explodierte. All diese M�he, nur um herauszufinden, da� auch die Schlacht sich mit ihnen verschoben hatte. Er schien nicht aus dem Zentrum dieser K�mpfe entkommen zu k�nnen.</p><p>Wo <emphasis>bleibt denn mein verfluchtes Gl�ck jetzt, wo ich es wirklich brauche?</emphasis> Es war doch v�llig hirnrissig, hierzubleiben. Nur, weil er es fertiggebracht hatte, die anderen so lange am Leben zu halten, bedeutete das noch nicht, da� es so weiterging. Fr�her oder sp�ter w�rden die W�rfel die Augen des Dunklen K�nigs zeigen. <emphasis>Sie sind doch verdammt noch mal die Soldaten hier. Ich sollte ihnen das �berlassen und verschwinden.</emphasis></p><p>Und doch suchte er weiter das Terrain ab, die bewaldeten Gipfel und K�mme. Sie boten Couladins Aiel genauso Deckung wie ihm, doch hier und da konnte er sie ausmachen. Nicht alle waren gerade in die verschiedenen Einzelkampfe verwickelt, doch jede einzelne Truppe war st�rker als die seine, und jede befand sich zwischen ihm und dem sicheren S�den. Au�erdem hatte er keine M�glichkeit, zu unterscheiden, um wen es sich gerade handelte, bis es vielleicht zu sp�t war. Die Aiel selbst schienen sich gegenseitig auf den ersten Blick zu erkennen, aber das half ihm keineswegs.</p><p>Eine Meile oder weiter entfernt liefen ein paar hundert in den <emphasis>Cadin'sor</emphasis> gekleidete Gestalten zu acht nebeneinander nach Osten. Sie �berquerten gerade eine Erhebung, deren halbes Dutzend Lederblattb�ume kaum den Ausdruck Hain verdienten. Bevor die f�hrende Reihe auch nur den jenseitigen Abhang erreicht hatte, krachte ein Blitzschlag in ihre Mitte und schleuderte M�nner und Erdbrocken hoch wie ein Stein das Wasser, wenn man ihn in einen Teich warf. Pips zitterte nicht einmal, als der Knall Mat erreichte. Der Wallach hatte sich an noch n�here Einschl�ge gew�hnt.</p><p>Einige der gest�rzten M�nner rappelten sich hoch, hinkten weiter und schlossen sich sofort wieder jenen an, die auf den Beinen geblieben waren und nur hastig nach den Gefallenen sahen. Nicht mehr als ein Dutzend wurden verwundet auf die Schultern der anderen geladen, und dann hetzten sie von der Anh�he hinunter, zur�ck in die Richtung, aus der sie gekommen waren. Niemand blieb stehen, um den Krater genauer zu betrachten. Mat hatte beobachtet, wie sie ihre Lektion gelernt hatten. Wenn sie warteten, luden sie damit eine zweite silberne Lanze aus den Wolken ein. Es dauerte nur wenige Augenblicke, bis sie au�er Sicht waren. Au�er den Toten nat�rlich.</p><p>Er richtete das Fernrohr nach Osten. Ein paar Meilen in dieser Richtung lag das Gl�nzen des Sonnenscheins �ber der Landschaft.</p><p>Der Balkenturm h�tte dort sichtbar sein sollen, wie er �ber die Baumwipfel hinausragte, aber er hatte ihn seit einer Weile nicht mehr entdecken k�nnen. Vielleicht suchte er an den falschen Stellen. Es war unwichtig. Der Blitz mu�te Rands Werk gewesen sein, wie der ganze Rest ebenfalls. <emphasis>Wenn ich in dieser Richtung weit genug k�me...</emphasis></p><p>Dann w�re er genau wieder an dem Punkt, von dem er aufgebrochen war. Auch wenn es nicht der Sog des <emphasis>Ta'veren</emphasis> war, der ihn dorthin zur�ckbrachte, w�re es doch sehr schwer f�r ihn, noch einmal wegzukommen, wenn Moiraine davon erfuhr. Und mit Melindhra h�tte er dann auch zu tun bekommen. Er hatte noch nie von einer Frau geh�rt, die es nicht �belnahm, wenn ein Mann versuchte, ihr davonzulaufen, ohne es sie wissen zu lassen.</p><p>W�hrend er das Fernrohr langsam weiterschwenkte und den Turm suchte, ging mit einemmal ein sp�rlich mit Lederblattb�umen und Birken bestandener Abhang in Flammen auf. Im Nu verwandelte sich jeder einzelne Baum in eine Fackel.</p><p>Langsam senkte er das messingbeschlagene Rohr. Es war kaum notwendig, das Feuer zu beobachten, und der dichte graue Qualm erhob sich bereits wie eine dicke S�ule zum Himmel. Er brauchte keine besonderen Anzeichen, um zu erkennen, da� die Macht ben�tzt worden war, nicht, wenn es sowieso deutlich war wie hier. War Rand schlie�lich doch �ber die Grenze zum Wahnsinn gekippt? Oder hatte Aviendha endlich die Nase voll gehabt da� man sie zwang, in seiner N�he zu bleiben? Man sollte niemals eine Frau erz�rnen, die mit der Macht umgehen konnte. Mat brachte es wohl nur selten fertig, dieser Regel Folge zu leisten, aber er bem�hte sich.</p><p><emphasis>Heb dir dein gro�es Mundwerk f�r jemand anderes auf als dich selber,</emphasis> dachte er sauer. Er versuchte nur, sich gedanklich um die dritte M�glichkeit herumzudr�cken. Falls Rand schlie�lich doch nicht �bergeschnappt war und auch weder Aviendha noch Egwene, noch eine der Weisen Frauen beschlossen hatte, ihn loszuwerden, dann hatte sich heute jemand anders in ihre Gesch�fte eingemischt. Er konnte zwei und zwei zusammenz�hlen, ohne f�nf herauszubekommen. <emphasis>Sammael.</emphasis> Nun, das war's ja wohl. Der Ausweg war keiner gewesen. <emphasis>Blut und Asche! Was ist denn mit meinem...?</emphasis></p><p>Hinter ihm knackte ein am Boden liegender Ast unter einem Fu�, und er reagierte, ohne nachzudenken.</p><p>Durch Schenkeldruck ri� er Pips auf der Hinterhand herum, w�hrend die Schwertklinge des Speers vom Sattelkopf herumfuhr.</p><p>Estean lie� beinahe seinen Helm fallen. Er ri� die Augen auf, als die kurze Klinge um Haaresbreite vor seinem Kopf innehielt. Der Regen lie� sein nasses Haar an der Stirn kleben. Nalesean, der auch zu Fu� gekommen war, grinste halb �berrascht, halb am�siert, weil der junge Tairener so erschrocken war. St�mmig und mit einem kantigen Gesicht, war Nalesean der zweite nach Melanril, der die Kavallerie der Tairener anf�hrte.</p><p>Auch Talmanes und Daerid waren dabei, wie gew�hnlich einen Schritt dahinter, und ebenfalls wie gew�hnlich blickten sie ausdruckslos unter ihren glockenf�rmigen Helmen hervor. Die vier hatten ihre Pferde weiter hinten zwischen den B�umen zur�ckgelassen.</p><p>�Aiel kommen geradewegs auf uns <emphasis>zu,</emphasis> Mat�, sagte Nalesean, als Mat den mit einem Raben gekennzeichneten Speer hochnahm. �Das Licht soll meine Seele versengen, wenn da auch nur einer weniger als f�nftausend kommt.� Er grinste �ber die eigenen Worte. �Ich glaube, die ahnen nicht, da� wir hier auf sie warten.�</p><p>Estean nickte einmal. �Sie halten sich an die T�ler und Senken. Versteckt vor...� Er blickte zu den Wolken empor und schauderte. Er war nicht der einzige, dem nicht wohl war bei dem Gedanken daran, was aus dem Himmel kommen mochte. Auch die drei anderen blickten nach oben. �Auf jeden Fall ist klar, da� sie dort durchkommen werden, wo sich Daerids M�nner befinden.�</p><p>Es lag tats�chlich eine Andeutung von Respekt in seinem Tonfall, als er die Pikeure erw�hnte. Z�hneknirschend, klar, und nicht sehr ausgepr�gt, aber es war nicht leicht, noch auf jemanden herabzusehen, der einem mehrmals den Hals gerettet hatte. �Sie werden auf uns treffen, bevor sie unser gewahr werden.�</p><p>�Wunderbar�, hauchte Mat. �Das ist einfach verdammt wunderbar.�</p><p>Er meinte das nat�rlich sarkastisch, doch Nalesean und Estean merkten nichts davon. Sie wirkten begierig. Nur Daerids vernarbtes Gesicht zeigte ebensoviel Ausdruck wie ein Stein. Talmanes zog eine Augenbraue ein klein wenig in Mats Richtung hoch und sch�ttelte kaum merklich den Kopf. Diese beiden verstanden etwas vom K�mpfen.</p><p>Das erste Zusammentreffen mit den Shaido hatte beide im besten Fall gleich stark erlebt, und Mat w�re dieses Risiko nicht eingegangen, w�re er nicht dazu gezwungen gewesen. Da� all diese Blitze dann die Aiel erschreckt hatten und sie in wilder Flucht davonst�rzten, hatte daran nichts ge�ndert. Noch zweimal waren sie heute in K�mpfe verwickelt worden. Beide Male hatte Mat vor der Wahl gestanden, entweder zuerst loszuschlagen oder selbst angegriffen zu werden, und der Ausgang war beide Male nicht so positiv gewesen, wie die Tairener glaubten. Beim erstenmal war es unentschieden ausgegangen, aber nur, weil er es fertiggebracht hatte, sich von den Shaido zu l�sen, als sie sich zur�ckgezogen hatten, um sich neu zu formieren. Wenigstens waren sie nicht wiedergekommen, w�hrend er die Seinen durch die engen Talwindungen f�hrte. Er vermutete, sie seien anderweitig gebunden worden, oder vielleicht waren weitere Blitze oder Feuerkugeln oder das Licht wu�te, was sonst, gekommen. Er wu�te nur zu gut, was ihnen beim letztenmal gestattet hatte, mit einigerma�en heiler Haut zu entkommen. Eine weitere Aieltruppe war von hinten her in diejenige hineingelaufen, mit der sie gerade k�mpften, genau im rechten Moment, damit die Pikeure nicht �berrannt wurden. Die Shaido hatte sich zum R�ckzug in Richtung Norden entschlossen, und die anderen, von denen er immer noch nicht wu�te, wer sie waren, hatten einen Schwenk nach Westen vollf�hrt, so da� er als einziger auf dem Feld verblieben war. Nalesean und Estean hatten es als klaren Sieg gewertet. Daerid und Talmanes hatten es besser gewu�t.</p><p>�Wie lange noch?� fragte Mat.</p><p>Es war Talmanes, der ihm die Antwort gab: �Eine halbe Stunde. Vielleicht ein wenig l�nger, falls wir Gl�ck haben.� Die Tairener blickten zweifelnd drein; ihnen schien immer noch nicht klar zu sein, wie schnell die Aiel vorw�rtskamen.</p><p>Mat machte sich da keine Illusionen. Er hatte das Terrain in ihrer Umgebung bereits sorgf�ltig beobachtet, doch nun sah er sich noch einmal um und seufzte.</p><p>Von diesem H�gel aus hatte er einen sehr guten �berblick, und die einzige Baumgruppe innerhalb einer halben Meile im Umkreis, die diese Bezeichnung verdiente, war genau die, inmitten welcher er nun im Sattel sa�. Ansonsten war nur Gestr�pp zu sehen, kaum mehr als h�fthoch, und dazwischen vereinzelte Lederblattb�ume, Birken und gelegentlich sogar eine Eiche. Diese Aiel w�rden auf jeden Fall Kundschafter hier heraufschicken, um sich umzusehen, und es gab nicht die geringste M�glichkeit, wenigstens die Reiter ihrer Truppe au�er Sicht zu bringen, bevor das geschah. Die Pikeure standen v�llig ungedeckt da. Er wu�te, was zu tun war � wieder einmal zuerst zuschlagen, bevor es der Gegner konnte �, aber gefallen mu�te es ihm ja deshalb keineswegs.</p><p>Es reichte nur zu einem Rundblick, und bevor er anschlie�end den Mund aufbekam, sagte Daerid: �Meine Kundschafter haben berichtet, da� sich Couladin selbst bei dieser Truppe befindet Zumindest hat ihr Anf�hrer die Arme entbl��t, und sie weisen Male auf, die denen gleichen, die der Lord Drache angeblich tr�gt.�</p><p>Mat knurrte. Couladin, und auf dem Weg nach Osten. Falls es keine M�glichkeit gab, ihm aus dem Weg zu gehen, w�rde der Kerl geradewegs �ber Rand stolpern. Vielleicht wollte er das auch. Mat wurde bewu�t, da� er vor Wut kochte, und das hatte nichts damit zu tun, da� Couladin Rand t�ten wollte. Der H�uptling der Shaido, oder was der Mann auch sein mochte, erinnerte sich m�glicherweise vage an Mat als jemanden, der aus Rands Umgebung kam, aber Couladin war der Grund daf�r, da� er hier drau�en mitten in einer Schlacht festsa�, sich bem�hen mu�te, zu �berleben, und sich st�ndig fragte, wann das Ganze zu einer pers�nlichen Auseinandersetzung zwischen Rand und Sammael ausarten werde � die Art vom Zweikampf, bei dem jeder im Umkreis von zwei oder drei Meilen sterben mu�te. <emphasis>Falls ich vorher nicht schon einen Speer durch die Brust abbekomme.</emphasis> Und er hatte nicht mehr Auswahlm�glichkeiten als eine Gans, die man mit dem Kopf nach unten neben der T�r aufh�ngt. Nichts davon w�re so gekommen, wenn Couladin nicht w�re.</p><p>Wie schade, da� niemand den Mann schon vor Jahren get�tet hatte. Er lieferte einem doch wirklich gen�gend Gr�nde. Die Aiel zeigten nur selten offene Wutausbr�che, und wenn, dann eher kalt und eben doch beherrscht. Couladin andererseits explodierte f�rmlich zwei- oder dreimal am Tag vor Wut und verlor innerhalb eines Augenblicks vollkommen die Beherrschung. Ein Wunder, da� er noch am Leben war. Er hatte wohl das Gl�ck des Dunklen K�nigs gepachtet.</p><p>�Nalesean�, sagte Mat zornig, �umgeht mit Euren Tairenern diese Burschen in weitem Bogen n�rdlich und greift sie dann von hinten an. Wir werden ihre ganze Aufmerksamkeit auf uns lenken, also reitet schnell und brecht �ber sie herein wie eine zusammenst�rzende Scheune.� <emphasis>Er hat also das Gl�ck des Dunklen K�nigs, ja? Blut und Asche, ich hoffe, mein Gl�ck wird auch wieder halten.</emphasis> �Talmanes, Ihr macht dasselbe von S�den her. Bewegt Euch, Ihr beiden! Wir haben wenig Zeit, und die d�rfen wir nicht verschwenden!�</p><p>Die beiden Tairener verbeugten sich hastig und eilten zu ihren Pferden, wobei sie die Helme schnell �berst�lpten. Talmanes Verbeugung entsprach eher den H�flichkeitsregeln. �Das Licht sei Eurem Schwert gn�dig, Mat. Oder besser gesagt, Eurem Speer.� Dann war auch er weg.</p><p>Daerid blickte zu Mat auf, als die drei h�gelabw�rts verschwanden, und er wischte sich mit einem Finger das Regenwasser von den Augenbrauen. �Also bleibt Ihr diesmal bei den Pikeuren. Ihr d�rft Euch aber nicht von Eurem Zorn auf Couladin �bermannen lassen. Eine Schlacht ist nicht der richtige Ort, um ein Duell auszufechten.�</p><p>Mat hielt sich mit M�he davon ab, Augen und Mund aufzurei�en. Ein Duell? Er? Mit Couladin? Glaubte Daerid, deshalb wolle er bei der Infanterie bleiben? Er hatte das doch nur beschlossen, weil er hinter ihren Piken sicherer war. Das war der wahre Grund. Der ganze Grund. �Macht Euch keine Sorgen. Ich kann mich beherrschen.� Und er hatte Daerid f�r den vern�nftigsten in diesem ganzen Haufen gehalten!</p><p>Der Mann aus Cairhien nickte blo�. �Das dachte ich mir. Ihr habt auch fr�her schon gesehen, wie man mit den Piken k�mpft, und bestimmt auch ein paar Angriffe miterlebt. Talmanes wird wohl erst dann ein Lob aussprechen, wenn zwei Monde am Himmel stehen, aber ich habe geh�rt, wie er sagte, er werde Euch folgen, wo immer Ihr ihn auch hinf�hrt. Eines Tages w�rde ich schon gern einmal Eure Lebensgeschichte h�ren, Andoraner. Aber Ihr seid jung � das soll nicht respektlos sein, aber es stimmt eben �, und junge M�nner haben ein hitziges Temperament.�</p><p>�Dieser Regen wird es abk�hlen, wenn sonst nichts helfen sollte.� <emphasis>Blut und Asche!</emphasis> Waren sie denn alle �bergeschnappt? Talmanes sollte ihn gepriesen haben? Er fragte sich, was sie wohl sagen w�rden, f�nden sie heraus, da� er lediglich ein Spieler war, der Bruchst�cken von Erinnerungen Folge leistete, die von M�nnern stammten, die schon tausend oder mehr Jahre tot waren. Dann w�rden sie wahrscheinlich Lose ziehen, wer als erster die Chance haben sollte, ihn wie ein Schwein auf den Spie� zu stecken. Besonders die Lords; keiner mochte es, zum Narren gehalten zu werden, aber die Adligen noch weniger als alle anderen, vielleicht, weil sie das selbst so oft fertigbrachten. Wie auch immer, er wollte jedenfalls meilenweit entfernt sein, wenn sie diese Entdeckung machten. <emphasis>Verdammter Couladin! Ich w�rde ihm zu gern mit diesem Speer das Maul stopfen!</emphasis> Er gab Pips die Fersen zu sp�ren und ritt zum gegen�berliegenden Hang hin�ber, unter dem die Infanterie wartete.</p><p>Auch Daerid kletterte in den Sattel und hielt sich neben ihm. Er nickte, als Mat ihm seinen Schlachtplan erkl�rte. Die Bogensch�tzen an die Abh�nge, wo sie die Flanken decken konnten. Aber sie sollten sich hinlegen und bis zur letzten Minute im Gestr�pp verbergen. Ein Mann oben auf dem H�gel, um den anderen das Signal zu geben, sobald die Aiel in Sicht kamen, und dann sollten die Pikeure sofort losmarschieren, und zwar geradewegs auf den sich n�hernden Feind zu. �In dem Moment, da <emphasis>wir</emphasis> die Shaido sehen k�nnen, ziehen wir uns so schnell wie m�glich zur�ck, beinahe bis zu dem Einschnitt zwischen diesen beiden H�geln, und dann drehen wir um und stellen uns ihnen.�</p><p>�Sie werden glauben, wir wollten erst fliehen, h�tten dann begriffen, da� es nicht mehr geht, und w�rden uns nun wie ein B�r gegen die Meute wenden. Sie sehen, da� wir weniger als die H�lfte so stark sind wie sie und nur gezwungenerma�en k�mpfen, also werden sie glauben, sie k�nnten uns einfach �berrennen. Wenn wir sie nur so lange besch�ftigen k�nnen, bis die Kavallerie von hinten �ber sie hereinbricht...� Der Mann aus Cairhien grinste tats�chlich einmal. �Das hei�t, die Taktik der Aiel gegen sie selbst wenden.�</p><p>�Es wird verdammt notwendig sein, sie so lange zu besch�ftigen.� Mats Tonfall war genauso trocken wie er selbst durchn��t �Um sicherzugehen, da� wir lange genug widerstehen, und um sicherzugehen, da� <emphasis>sie</emphasis> uns nicht umgehen und von den Flanken her angreifen, will ich, da� Eure Soldaten etwas schreien, sobald wir aufh�ren, uns zur�ckzuziehen; �Sch�tzt den Lord Drachen!�� Diesmal lachte Daerid schallend los.</p><p>Das sollte die Shaido nun wirklich zum ungehemmten Angriff verfuhren, besonders, wenn Couladin selbst sie f�hrte. Falls Couladin sie anf�hrte, falls Couladin glaubte, Rand befinde sich wirklich bei den Pikeuren, falls die Truppe aushielt, bis die Kavallerie angriff... Ziemlich viele Unsicherheitsfaktoren. Mat h�rte, wie in seinem Kopf die W�rfel rollten. Das war der h�chste Einsatz, den er bisher in seinem Leben gewagt hatte. Er fragte sich, wie lange es noch bis zum Anbruch der Nacht sei. Im Schutz der Dunkelheit k�nnte ein Mann einfach davonreiten und entkommen. Er verw�nschte diese W�rfel, die er nicht aus dem Kopf bekam und die einfach nicht fallen wollten, damit er wenigstens s�he, was sie zeigten. So schnitt er dem Regen eine finstere Grimasse und lenkte Pips den H�gel hinab.</p><p>Jeade'en blieb auf einer Anh�he stehen, wo ein Dutzend B�ume wie ein aufgesetzter, sp�rlicher Sch�pf wirkten, und Rand kr�mmte sich ein wenig zusammen, weil er solche Schmerzen in der Seite hatte. Der Halbmond stand hoch am Himmel und warf einen bleichen Lichtschein �ber die Landschaft, doch selbst bei seiner durch <emphasis>Saidin</emphasis> verbesserten Sicht war alles, was weiter als hundert Schritt entfernt lag, nur formloser Schatten. Die Nacht verschluckte die umliegenden H�gel vollst�ndig, und sogar Sulin, die sich in seiner N�he aufhielt, und die �brigen T�chter um ihn herum waren nur schemenhaft wahrzunehmen. Andererseits schien er die Augen �berhaupt nicht mehr richtig aufzubekommen. Er schien Sand darin zu haben und glaubte, da� ihn im Grunde nur der nagende Schmerz an der Seite �berhaupt wachhielt. Er dachte nicht zu oft daran. Jeder Gedanke lag nun nicht mehr nur in weiter Ferne, er war auch unendlich langsam.</p><p>Hatte Sammael heute zweimal versucht, ihm den Lebensfaden abzuschneiden, oder gar dreimal? Oder noch �fter? Eigentlich sollte man sich doch daran erinnern, wie oft jemand versucht hatte, einen umzubringen. Nein, vielleicht nicht umzubringen. Zu k�dern. <emphasis>Bist du denn immer noch so eifers�chtig auf mich, Tel Janin? Wann h�tte ich dich jemals erniedrigt oder dir nur einen Fingerbreit weniger gereicht, als dir zustand?</emphasis> Schaudernd fuhr sich Rand mit den Fingern durchs Haar. Es war etwas Eigenartiges an diesem Gedankengang gewesen, doch er konnte nicht sagen, was. Sammael... Nein. Er w�rde mit ihm fertig werden, sobald ... falls... Unwichtig. Sp�ter. Heute bedeutete Sammael nur eine Ablenkung von dem, was wirklich wichtig war. Vielleicht war er mittlerweile auch weg.</p><p>Ganz vage schien es ihm, es sei kein neuer Angriff erfolgt seit... Seit wann? Er erinnerte sich daran, Sammaels letzten Schachzug mit etwas besonders Gemeinem beantwortet zu haben, konnte sich aber keine Einzelheiten mehr ins Bewu�tsein rufen. Jedenfalls kein Baalsfeuer. <emphasis>Darf ich nicht ben�tzen. Bedroht das Gewebe des Musters. Nicht einmal f�r Ilyena? Ich w�rde die Welt versengen und meine Seele als Feuerholz verwenden, wenn ich sie noch einmal lachen h�rte.</emphasis></p><p>Zerstreut. Seine Gedanken schweiften wieder von allem Wichtigen ab.</p><p>Vor wie langer Zeit die Sonne auch gesunken sein mochte, so hatte sie doch noch immer auf eine Schlacht herabgesehen. Die letzten rotgoldenen Strahlen hatten ihr Licht auf mordende und sterbende Menschen geworfen, bevor sie den immer l�nger werdenden Schatten wichen. Selbst jetzt trieben mit gelegentlichen Windst��en ferne Rufe und Schreie zu ihm her�ber. Alles Couladins wegen, das war schon richtig, aber im tiefsten Grunde war er nat�rlich selbst schuld.</p><p>Einen Augenblick lang konnte er sich nicht einmal mehr an seinen eigenen Namen erinnern.</p><p>�Rand al'Thor�, sprach er laut vor sich hin und schauderte, obwohl sein Mantel schwei�na� war. Einen Moment lang war ihm dieser Name fremd vorgekommen. �Ich bin Rand al'Thor, und ich mu� ... ich mu� sehen.�</p><p>Er hatte seit dem Morgen nichts mehr gegessen, aber die Verderbnis <emphasis>Saidins</emphasis> unterdr�ckte jedes Hungergef�hl. Das Nichts bebte unaufh�rlich, und er hing nur noch mit Z�hnen und Klauen an der Wahren Quelle. Es war, als reite er auf einem verr�ckt gewordenen Stier, oder als schwimme er nackt in einem Strom aus Feuer, der �ber Stromschnellen toste, deren Klippen aus Eis bestanden. Und doch: Wenn er nicht gerade fast verschlungen oder hin- und hergerissen oder ertr�nkt wurde, schien es ihm, als l�ge in <emphasis>Saidin</emphasis> die einzige Kraftreserve, die ihm noch verblieben war. <emphasis>Saidin</emphasis> war immer noch da, feilte an seinen Kanten, versuchte, seinen Verstand auszuradieren oder zu zersetzen, und dennoch lie� es sich aber jederzeit ben�tzen.</p><p>Nach einem ruckartigen Nicken lenkte er einen Strom der Macht, und etwas brannte hoch droben am Himmel. Irgend etwas. Eine Kugel aus waberndem blauen Feuer, die mit ihrem grellen Lichtschein die Schatten vertrieb.</p><p>�berall um ihn herum sprangen H�gel in seinen Blick. Die B�ume ragten in dieser harten Beleuchtung fast schwarz auf. Nichts r�hrte sich. Ein Windsto� fegte ein schwaches Ger�usch mit zu ihm her�ber. Vielleicht Jubel oder Gesang. Oder aber er bildete sich das nur ein, denn es war wirklich so schwach und erstarb mit dem Wind.</p><p>Pl�tzlich wurde er sich der T�chter des Speers bewu�t, die ihn umstanden. Hunderte. Einige, so wie Sulin, blickten ihn an, aber viele hatten die Augen zugekniffen. Er brauchte einen Moment, um sich dar�ber klarzuwerden, da� sie sich die Nachtsicht nicht durch das grelle Licht verderben lassen wollten. Er runzelte die Stirn und suchte. Egwene und Aviendha befanden sich nicht mehr hier. Ein weiterer langer Augenblick verging, bis er daran dachte, das Gewebe aufzul�sen und die Nacht wieder allein herrschen zu lassen. Seinen Augen erschien die Schw�rze nun unglaublich tief.</p><p>�Wo sind sie?� Er �rgerte sich ein wenig dar�ber, wenn er aussprechen mu�te, wen er meinte, doch genauso vage war er sich bewu�t, da� es gar keinen Grund daf�r gab.</p><p>�Sie begaben sich bei Einbruch der D�mmerung zu Moiraine Sedai und den Weisen Frauen, <emphasis>Car'a'carn�,</emphasis> erwiderte Sulin und trat n�her an Jeade'en heran. Ihr kurzgeschnittenes wei�es Haar schimmerte im Mondschein. Nein, mu�te er sein Urteil revidieren, sie trug eine Bandage um den Kopf. Wie konnte er das nur vergessen? �Vor gut zwei Stunden also. Sie wissen, da� Fleisch eben doch kein Stein ist. Selbst die st�rksten Beine m�ssen einmal ruhen.�</p><p>Rand runzelte die Stirn. Beine? Sie waren doch auf Egwenes Stute geritten. Die Frau redete Unsinn. �Ich mu� sie finden.�</p><p>�Sie befinden sich bei Moiraine und den Weisen Frauen, <emphasis>Car'a'carn�,</emphasis> sagte sie betont langsam. Er glaubte zu sehen, da� sie mi�billigend dreinblicke, aber im Dunkel der Nacht war er nicht sicher.</p><p>�Nicht sie�, murmelte er. �Mu� mein Volk finden. Sie sind immer noch dort drau�en, Sulin.� Warum r�hrte sich der Hengst �berhaupt nicht? �K�nnt Ihr sie h�ren? Drau�en in der Nacht. Sie k�mpfen noch immer. Ich mu� ihnen helfen.� Ach, nat�rlich, er mu�te dem Apfelschimmel die Fersen in die Rippen dr�cken. Doch als er das tat, bewegte sich Jeade'en nur ein wenig zur Seite, und Sulin hielt seinen Z�gel. Er erinnerte sich gar nicht daran, da� sie den Z�gel gehalten hatte.</p><p>�Die Weisen Frauen m�ssen jetzt mit Euch sprechen, Rand al'Thor.� Ihr Tonfall hatte sich ver�ndert, aber er war zu ersch�pft, um feststellen zu k�nnen, in welcher Weise.</p><p>�Kann das nicht warten?� Er mu�te den L�ufer mit dieser Nachricht verpa�t haben. �Ich mu� sie finden, Sulin.�</p><p>Enaila tauchte ganz pl�tzlich auf der anderen Seite des Pferdekopfes aus der Dunkelheit auf. �Ihr habt Euer Volk gefunden, Rand al'Thor.�</p><p>�Die Weisen Frauen warten auf Euch�, f�gte Sulin hinzu. Sie und Enaila zogen Jeade'en herum, ohne seine Zustimmung abzuwarten. Aus irgendeinem Grund dr�ngten sich die T�chter um ihn herum, als sie den langen, gewundenen Pfad den Abhang hinunter schritten. Der Mondschein beleuchtete ihre Gesichter, wenn sie zu ihm aufblickten. Sie waren so nahe, da� ihre Schultern manchmal die Flanken des Pferdes streiften.</p><p>�Was sie auch von mir wollen�, brummelte er, �sie sollten sich jedenfalls beeilen.� Es war �berfl�ssig, da� sie den Apfelschimmel f�hrten, aber es w�re zu anstrengend, jetzt darum viel Aufhebens zu machen. Er drehte sich um, wollte einen Blick zur�ckwerfen, doch dabei mu�te er vor Schmerz �chzen, und der Gipfel des H�gels war bereits von der Nacht verschluckt worden. �Ich mu� noch eine Menge tun. Ich mu� ... suchen ... nach...� Couladin. Sammael. Die M�nner, die f�r ihn k�mpften und starben. �Mu� sie finden.� Er war so m�de, aber schlafen durfte er noch nicht.</p><p>Laternen, die von Stangen baumelten, beleuchteten das Lager der Weisen Frauen. In ihren Schein mischte sich das Flackern kleiner Feuer, �ber denen Wasserkessel hingen, die von wei�gekleideten M�nnern und Frauen weggeholt und durch neue ersetzt wurden, sobald das Wasser zu kochen begann. �berall eilten <emphasis>Gai'schain</emphasis> umher, und auch Weise Frauen, um die Verletzungen der vielen Verwundeten zu versorgen, die das Lager �berf�llten. Moiraine bewegte sich langsam von einem zum anderen in der langen Reihe jener, die nicht stehen konnten, doch sie hielt nur selten inne, um ihre H�nde an die Wangen eines Aiel zu legen, der anschlie�end wild zuckte, als der Heilproze� mit Hilfe der Macht zu wirken begann. Jedesmal, wenn sie sich aufrichtete, schwankte sie. Lan stand dicht hinter ihr, als wolle er sie aufrecht halten, oder als erwarte er jeden Moment, sie auffangen zu m�ssen. Sulin wechselte ein paar Worte mit Adelin und Enaila � zu leise, als da� Rand sie verstehen konnte �, und die j�ngeren Frauen rannten los und sprachen mit der Aes Sedai.</p><p>Trotz der gro�en Anzahl der Verwundeten k�mmerten sich nicht alle Weisen Frauen um sie. In einer H�tte an der einen Seite des Lagers sa�en vielleicht zwanzig von ihnen im Kreis und lauschten einer, die im Mittelpunkt stand. Als sie sich hinsetzte, nahm eine andere ihren Platz ein. <emphasis>Gai'schain</emphasis> knieten au�en um die H�tte herum auf dem Boden, doch keine der Weisen Frauen schien sich jetzt f�r den Wein oder irgend etwas anderes zu interessieren, so gespannt lauschten sie. Rand glaubte, in der augenblicklichen Sprecherin Amys zu erkennen.</p><p>Zu seiner �berraschung half auch Asmodean bei der Versorgung der Verwundeten. Der Wasserschlauch, den er sich �ber jede Schulter geh�ngt hatte, pa�te allerdings gar nicht zu seiner dunklen Samtjacke mit Spitzenbes�tzen. Als er sich von einem Mann aufrichtete, dessen nackter Oberk�rper stark bandagiert war, entdeckte er Rand und z�gerte. Einen Augenblick sp�ter reichte er die Wasserschl�uche einem <emphasis>Gai'schain</emphasis> und wand sich zwischen den T�chtern hindurch zu Rand. Die T�chter ignorierten Asmodean, denn sie schienen entweder Adelin und Enaila zu beobachten, wie sie mit Moiraine sprachen, oder Rand anzustarren, und so machte er eine beleidigte Miene, als er vor dem letzten Ring der <emphasis>Far Dareis Mai</emphasis> um Jeade'en angelangt war. Sie traten nur sehr z�gernd beiseite, und die L�cke zwischen ihnen lie� ihn schlie�lich nur bis an Rands Steigb�gel heran.</p><p>�Ich war sicher, da� Ihr unversehrt w�rt. Ganz sicher.�</p><p>Seinem Tonfall nach log er. Als Rand nicht antwortete, zuckte Asmodean nerv�s die Achseln. �Moiraine bestand darauf, da� ich Wasser schleppe. Eine Frau mit einem zwingenden Wesen, die nicht einmal dem Barden des Lord Drachen gestattet...� Er lie� die Worte verklingen und leckte sich hastig die Lippen. �Was ist geschehen?�</p><p>�Sammael�, sagte Rand, aber es war nicht als Antwort gedacht. Er sprach einfach die Gedanken aus, die gerade durch das Nichts in ihm trieben. �Ich erinnere mich daran, als man ihn zum erstenmal als den Zerst�rer aller Hoffnung bezeichnete. Als er die Tore von Hevan verr�terisch ge�ffnet hatte und den Schatten hinunter ins Rorn M'doi und ins Herz von Satelle trug. An diesem Tag schien wirklich alle Hoffnung zu sterben. Culan Cuhan weinte. Was ist los?� Asmodeans Gesicht hatte sich so wei� wie Sulins Haar verf�rbt, doch er sch�ttelte nur stumm den Kopf. Rand sp�hte zu der H�tte hin�ber. Er kannte diejenige nicht, die nun das Wort ergriffen hatte. �Warten sie dort auf mich? Dann sollte ich hin�bergehen.�</p><p>�Sie werden Euch jetzt noch nicht willkommen hei�en�, sagte Lan. Er war so pl�tzlich neben Asmodean erschienen, da� der zusammenfuhr. �So wenig wie jeden anderen Mann.� Auch Rand hatte den Beh�ter weder geh�rt noch herankommen sehen, doch er wandte ihm lediglich das Gesicht zu. Selbst das kostete ihn Anstrengung. Der Kopf schien jemand anderem zu geh�ren. �Sie verhandeln mit den Weisen Frauen der Miagoma, der Codarra, der Schiande und der Daryne.�</p><p>�Die Clans schlie�en sich mir an�, sagte Rand mit tonloser Stimme. Aber ihr Warten hatte dazu gef�hrt, da� an diesem Tag allzu viel Blut geflossen war. In den Legenden geschah so etwas niemals.</p><p>�Wie es scheint. Doch die vier H�uptlinge werden sich nicht mit Euch treffen, bevor nicht die Weisen Frauen ihre Abmachungen getroffen haben�, f�gte Lan trocken hinzu. �Kommt. Moiraine kann Euch mehr dar�ber sagen als ich.�</p><p>Rand sch�ttelte den Kopf. �Was geschehen ist, ist geschehen. Ich kann mir die Einzelheiten sp�ter anh�ren. Wenn Han sie uns nun nicht mehr aus dem R�cken halten mu�, brauche ich ihn. Sulin, schickt einen L�ufer. Han...�</p><p>�Das ist schon geschehen, Rand�, sagte der Beh�ter eindringlich. �Alles ist beendet. S�dlich der Stadt sind nur noch wenige Shaido �brig. Tausende wurden gefangengenommen, und die meisten anderen sind dabei, den Gaelin zu �berqueren. Man h�tte Euch davon schon vor einer Stunde berichtet, nur wu�te niemand, wo Ihr euch aufhieltet. Ihr seid st�ndig in Bewegung gewesen. Kommt und la�t euch von Moiraine alles berichten.�</p><p>�Alles beendet? Wir haben gewonnen?�</p><p>�Ihr habt gewonnen. Vollst�ndig.�</p><p>Rand sp�hte zu den M�nnern hin�ber, die verbunden wurden, zu den geduldig wartenden Schlangen, die erst verbunden werden mu�ten, und zu denen, die frisch versorgt wieder gingen. Und zu den Reihen von M�nnern, die dort lagen und sich kaum r�hrten. Moiraine schritt noch immer diese Reihen ab und blieb hier und da ersch�pft stehen, um jemandem Heilung zu bringen. Nat�rlich befanden sich nur wenige der Verwundeten �berhaupt hier. Sie waren bestimmt den ganzen Tag �ber gekommen, wenn sie eine Gelegenheit dazu fanden, und waren wieder gegangen, sofern sie konnten. Falls sie �berhaupt konnten. Keiner der Gefallenen w�rde hier liegen. <emphasis>Nur eine verlorene Schlacht ist noch trauriger als eine gewonnene.</emphasis> Er schien sich schwach daran zu erinnern, diese Worte schon einmal gesagt zu haben, vor langer, langer Zeit. Vielleicht hatte er es auch nur gelesen.</p><p>Nein. Es lebten viel zu viele, f�r die er verantwortlich war, um sich jetzt der Toten wegen Gedanken zu machen. <emphasis>Aber wie viele Gesichter werde ich erkennen, so wie das Joliens? Ich werde Ilyena niemals vergessen, und wenn die ganze Welt brennt!</emphasis></p><p>Er runzelte die Stirn und griff mit einer Hand nach seinem Kopf. Diese Gedanken waren aus verschiedenen Quellen unabh�ngig voneinander gekommen. Er war so m�de, da� er kaum noch denken konnte. Doch er mu�te. Er brauchte Gedanken, die nicht fast au�erhalb seiner Reichweite an ihm vorbeiglitten. Er lie� die Quelle und das Nichts los und verkrampfte sich, als <emphasis>Saidin</emphasis> ihn beinahe in diesem Augenblick des R�ckzugs �berw�ltigte. Er hatte kaum Zeit, seinen Fehler zu begreifen. Ohne die Hilfe der Macht brachen Ersch�pfung und Schmerz gnadenlos �ber ihn herein.</p><p>Er nahm wahr, wie sich die Gesichter ihm zuwandten, als er aus dem Sattel fiel, wie sich die M�nder bewegten, wie ihn H�nde ergriffen und seinen Fall aufhielten.</p><p>�Moiraine!� schrie Lan. Seine Stimme klang ganz hohl in Rands Ohren. �Er blutet stark!�</p><p>Sulin hielt seinen Kopf in ihren Armen. �Haltet durch, Rand al'Thor�, sagte sie eindringlich. �Haltet durch!�</p><p>Asmodean sagte nichts, doch seine Miene war d�ster, und Rand sp�rte, wie von dem Mann her ein d�nnes Rinnsal von <emphasis>Saidin</emphasis> durch seinen K�rper str�mte. Dann kam die Dunkelheit �ber ihn.</p></section><section><title><p>45</p><p>Nach dem Sturm</p></title><p>Mat sa� auf einem kleinen Felsvorsprung am Fu�e des Abhangs und verzog das Gesicht vor Schmerzen, als er die breite Krempe seines Huts herunterzog, teils der strahlenden Vormittagssonne wegen, und teils, weil er etwas Bestimmtes nicht sehen wollte. Doch die Schnitte und Schrammen und besonders die Pfeilwunde an seiner Schl�fe, auf die der Hut dr�ckte, erinnerten ihn an die Wirklichkeit. Eine Tinktur aus Daerids Satteltasche hatte die Blutungen gestillt, an dieser und anderen Stellen, doch alles tat nat�rlich noch weh und brannte h�llisch. Und das w�rde aber noch schlimmer werden. Die Hitze des Tages begann sich gerade erst durchzusetzen, doch bereits jetzt perlte der Schwei� auf seiner Stirn, und Unterw�sche und Hemd wiesen feuchte Flecken auf. Ganz nebenher fragte er sich, ob in Cairhien jemals noch der Herbst anbr�che. Wenigstens aber lenkte ihn der Schmerz von seiner Ersch�pfung ab. Selbst nach einer schlaflosen Nacht h�tte er hellwach in einem weichen Federbett gelegen. Ein paar Decken auf dem Boden h�tten in diesem Fall wohl auch nichts gebracht. Nun, er legte sowieso keinen Wert darauf, jetzt in seinem Zelt zu liegen.</p><p><emphasis>Eine prima Klemme, in der ich da stecke. Beinahe umgebracht, schwitze wie ein Schwein, kann keinen bequemen Fleck finden, um mich auszustrecken, und ich wage nicht, mich zu betrinken. Blut und blutige Asche!</emphasis> Er h�rte auf, an einem Schnitt am Brustteil seines Mantels herumzunesteln. Zwei Fingerbreit daneben, und der Speer h�tte sein Herz durchbohrt. Licht, der Mann war wirklich gut gewesen! Dann verdr�ngte er diese Erinnerungen. Nicht, da� ihm dies leicht gefallen w�re bei all den Dingen, die um ihn herum vorgingen.</p><p>Ausnahmsweise schienen die Tairener und die M�nner aus Cairhien nichts dagegen zu haben, da� Aielzelte wie ein Wald auf allen Seiten standen. Sogar in ihrem Lager fanden sich einige Aiel, und, o Wunder, die Tairener hatten sich an den qualmenden Feuerstellen unter die Leute aus Cairhien gemischt! Allerdings a� niemand. Man hatte nicht einmal die Kessel �ber die Feuer geh�ngt. Trotzdem konnte er irgendwo verbranntes Fleisch riechen. Nein, die meisten hatten sich betrunken, so gut sie vermochten, mit Wein, Schnaps oder dem <emphasis>Oosquai</emphasis> der Aiel. Sie lachten und feierten. Unweit von seinem Sitzplatz tanzten ein Dutzend Verteidiger des Steins verschwitzt in Hemds�rmeln zum rhythmischen Klatschen von zehnmal so vielen Zuschauern. In einer Reihe, die Arme um die Schultern der Nebenm�nner gelegt, vollf�hrten sie so schnelle Tanzschritte, da� es ein Wunder schien, da� keiner von ihnen seinen Nebenmann trat oder zu Fall brachte. In der N�he einer zehn Fu� hohen Stange, die man in den Boden gesteckt hatte und die Mats Blick krampfhaft mied, tanzten in einem weiteren Zuschauerkreis einige Aiel. Jedenfalls nahm Mat an, es handle sich um einen Tanz. Ein weiterer Aiel spielte f�r sie auf dem Dudelsack auf. Sie sprangen, so hoch sie konnten, schwangen dabei einen Fu� noch h�her hinauf, landeten wieder auf genau diesem Fu� und sprangen sofort wieder hoch, schneller und schneller. Manchmal drehten sie sich im Sprung auch noch um die eigene K�rperachse, oder sie vollf�hrten �berschl�ge vorw�rts oder r�ckw�rts. Sieben oder acht Tairener und M�nner aus Cairhien sa�en daneben und rieben sich die schmerzenden Knochen, nachdem sie bei �hnlichen Versuchen gest�rzt waren. Trotzdem lachten und jubelten sie wie die Verr�ckten und lie�en einen Steinkrug mit irgendeinem Getr�nk herumgehen. An anderen Orten sangen und tanzten weitere M�nner. Man konnte bei dem allgemeinen L�rm allerdings den Gesang kaum h�ren, falls er diese Bezeichnung �berhaupt verdiente. Ohne sich zu r�hren, konnte er zehn Fl�ten unterscheiden, ganz zu schweigen von mindestens doppelt so vielen Blechpfeifen. Ein magerer Bursche aus Cairhien in einer zerfledderten Jacke blies etwas, das wie eine Kreuzung von einer Fl�te mit einem Horn aussah, mit ein paar noch eigenartigeren Zusatzteilen. Und dann gab es unz�hlige Trommeln � die meisten allerdings waren T�pfe, die mit Kochl�ffeln geschlagen wurden.</p><p>Kurz gesagt, das Lager war ein Irrenhaus und ein Ball in einem. Er erkannte dieses Syndrom wieder, und zwar zur Hauptsache aus den Erinnerungen anderer M�nner, die er noch als solche erkannte, wenn er sich M�he gab. Man feierte, immer noch am Leben zu sein. Ein weiteres Mal waren sie dem Dunklen K�nig auf der Nase herumgetanzt und hatten es �berlebt, konnten die Geschichte erz�hlen. Ein weiterer Tanz auf des Messers Schneide beendet. Gestern fast tot, morgen vielleicht wirklich tot, aber heute am Leben, auf wunderbare Weise am Leben. Ihm war nicht nach Feiern zumute. Wozu lebte man denn, wenn man doch nicht aus seinem K�fig entkommen konnte?</p><p>Er sch�ttelte den Kopf, als Daerid, Estean und ein kr�ftig gebauter Aielmann mit rotem Haar, den er nicht kannte, vorbeitaumelten, wobei sie sich gegenseitig aufrecht hielten. Im allgemeinen L�rm kaum h�rbar, versuchten Daerid und Estean, dem gr��eren Mann in der Mitte den Text von �Tanz mit dem Schwarzen Mann� beizubringen.</p><p><emphasis>Singen und tanzen und f�r unsren Sold sind uns die sch�nsten M�dchen hold. Wir ziehen weiter, wenn verbraucht das Gold, und dann tanzen wir wieder mit dem Schwarzen Mann.</emphasis></p><p>Der sonnenverbrannte Bursche zeigte verst�ndlicherweise kein Interesse am Lernen. Das w�rde er h�chstens, wenn sie ihm bewiesen, da� es sich um eine offizielle Schlachthymne handle. Doch er h�rte wenigstens zu, und er war keineswegs der einzige. Als die drei schlie�lich in der sich dr�ngenden Menge au�er Sicht kamen, hatten sie immerhin schon einen Rattenschwanz von zwanzig anderen hinter sich, die zerbeulte Zinntassen und zerkratzte Lederbecher schwangen und alle aus vollem Hals die Melodie mitgr�lten.</p><p><emphasis>Ob Bier oder Wein in meinem Glas, ob ich mit M�dchen teile das Na�, mir macht etwas andres stets noch mehr Spa�: der Tanz mit dem Schwarzen Mann!</emphasis></p><p>Mat verw�nschte sich selbst, weil er ihnen das Lied beigebracht hatte. Das hatte ihn einfach abgelenkt, w�hrend Daerid sich um seine Wunden k�mmerte, damit er nicht verblutete. Diese Tinktur brannte genauso schlimm wie die Schnitte selbst, und Daerid w�rde keiner N�herin Konkurrenz machen bei seinen K�nsten mit Nadel und Faden. Nur hatte sich das Lied von jenem ersten Dutzend aus wie ein Lauffeuer durch die Truppe verbreitet. Tairener und M�nner aus Cairhien, Reiter und Pikeure, sie alle hatten es gesungen, als sie in der Morgend�mmerung zur�ckkehrten.</p><p>Zur�ckkehrten. Genau in dieses Tal zwischen den H�geln, aus dem sie aufgebrochen waren, unterhalb der Ruine des Balkenturms, und ohne jede Chance f�r ihn, zu entkommen. Er hatte ihnen angeboten, vorauszureiten, und Talmanes und Nalesean hatten sich beinahe darum gepr�gelt, wer von ihnen seine Eskorte stellen werde. Nicht jedermann hatte Freundschaften geschlossen. Alles, was er jetzt noch brauchte, war Moiraine, die ihre Nase in alles steckte, wissen wollte, wo er gewesen sei und warum, und ihm Vortrage �ber <emphasis>Ta'veren</emphasis> und Pflichten hielt �ber das Muster und Tarmon Gai'don, bis ihm der Kopf schwamm. Zweifellos befand sie sich jetzt bei Rand, doch irgendwann w�rde sie sich an ihn erinnern.</p><p>Er blickte nach oben zum Gipfel des H�gels und dem Gewirr zerschmetterter Balken zwischen den gesplitterten B�umen. Dieser Bursche aus Cairhien, der die Fernrohre f�r Rand angefertigt hatte, war mit seinen Lehrlingen oben und st�berte in der Ruine herum. Die Aiel hatten sich �berschlagen, alles zu erz�hlen, was geschehen war. Es war wirklich mehr als h�chste Zeit, da� er von hier verschwand. Das Fuchskopfmedaillon sch�tzte ihn vor den Frauen, die mit der Macht arbeiteten, aber er hatte von Rand genug erfahren, um zu wissen, da� der Gebrauch der Macht durch einen Mann etwas ganz anderes war. Er hatte nicht die Absicht, herauszufinden, ob das Ding ihn auch gegen Sammael und seine Leute sch�tzte.</p><p>Er schnitt eine Grimasse, als ihn Pfeile des Schmerzes durchdrangen, und ben�tzte den schwarzen Speerschaft, um sich hochzuwuchten. Um ihn herum ging die Feier weiter. Wenn er jetzt gem�tlich zu den Haltepfl�cken der Pferde spazierte... Er freute sich jedoch nicht gerade darauf, Pips satteln zu m�ssen.</p><p>�Der Held sollte nicht einfach dasitzen, ohne etwas zu trinken.�</p><p>Erschrocken fuhr er herum, �chzte, des scharfen Schmerzes wegen, den die Bewegung ausl�ste, und erblickte Melindhra. Sie trug einen gro�en Tonkrug in einer Hand, also einmal keinen Speer, und ihr Gesicht war nicht verschleiert, doch ihr Blick schien ihm absch�tzend. �Jetzt h�r mal zu, Melindhra. Ich kann alles erkl�ren.�</p><p>�Was w�re denn zu erkl�ren?� fragte sie und warf ihm den freien Arm um die Schultern. Trotz des pl�tzliches Rucks bem�hte er sich, sich noch mehr aufzurichten. Er hatte sich noch immer nicht daran gew�hnt, zu einer Frau aufblicken zu m�ssen. �Ich wu�te, du w�rdest deinen eigenen Ruhm suchen. Der <emphasis>Car'a'carn</emphasis> wirft einen langen Schatten, doch kein Mann m�chte sein Leben im Schatten verbringen.�</p><p>Er schlo� eiligst den Mund und brachte dann aber doch ein m�hsames �sicher� heraus. Sie w�rde also nicht versuchen, ihn umzubringen. �Genau das ist es.� In seiner Erleichterung nahm er ihr den Krug ab, doch sein tiefer Zug l�ste einen Hustenanfall aus. Das war der st�rkste doppeltgebrannte Schnaps, den er je getrunken hatte.</p><p>Sie holte sich den Krug lange genug zur�ck, um selbst daran zu ziehen, seufzte dann dankbar und schob ihn wieder zu ihm her�ber. �Er war ein Mann gro�er Ehre, Mat Cauthon. Es w�re besser gewesen, du h�ttest ihn gefangengenommen, doch auch dadurch, da� du ihn get�tet hast, hast du viel <emphasis>Ji</emphasis> gewonnen. Es war gut, da� du den Kampf mit ihm gesucht hast.�</p><p>Unwillk�rlich blickte Mat nun doch zu der Stange hin, obwohl er das vorher gemieden hatte, und er schauderte. Oben in zehn Fu� H�he �ber den tanzenden Aiel baumelte Couladins Kopf an einer Lederschnur, die man in seinem flammend roten Haar festgebunden hatte. Das Ding schien zu grinsen. Es grinste ihn an.</p><p>Den Kampf mit Couladin <emphasis>gesucht?</emphasis> Er hatte sein Bestes gegeben, die Pikeure zwischen sich und <emphasis>jedem</emphasis> der Shaido zu halten. Doch dieser Pfeil hatte seine Schl�fe gestreift, und bevor ihm das bewu�t war, hatte er auch schon auf dem Boden gelegen. Er hatte versucht, inmitten der um ihn herum tobenden Schlacht wieder auf die Beine zu kommen, und dann mit dem durch Raben gekennzeichneten Speer um sich gehauen, um sich den Weg zur�ck zu Pips zu bahnen. Couladin war wie aus dem Nichts aufgetaucht, wohl zum T�ten verschleiert, aber diese entbl��ten Arme mit ihren rotgolden glitzernden Drachen konnte man nicht verwechsein. Der Mann hatte sich mit seinen Speeren eine t�dliche Gasse durch die Pikeure gebahnt und nach Rand geschrien, er solle sich ihm endlich stellen. Au�erdem hatte er noch gerufen, <emphasis>er</emphasis> allein sei der wirkliche <emphasis>Car'a'carn.</emphasis> Vielleicht hatte er das mittlerweile selbst geglaubt. Mat wu�te immer noch nicht, ob Couladin ihn erkannt hatte, aber das spielte auch keine Rolle mehr, da der Kerl sich entschlossen hatte, auf der Suche nach Rand ein Loch durch ihn zu bohren. Er wu�te auch nicht, wer hinterher Couladins Kopf abgeschnitten hatte.</p><p><emphasis>Ich war zu sehr damit besch�ftigt, am Leben zu bleiben, um noch weiter zuzusehen,</emphasis> dachte er entt�uscht. Und zu hoffen, da� er an seinen Wunden nicht verbluten werde. Zu Hause an den Zwei Fl�ssen war er einer der besten im Kampf mit dem Bauernspie�, dem Kampfstock, gewesen, und ein Bauernspie� unterschied sich gar nicht so sehr von einem Speer, doch Couladin war anscheinend mit den Dingern in den H�nden geboren worden. Nat�rlich hatte dieses Geschick den Mann am Ende auch nicht retten k�nnen. <emphasis>Vielleicht h�lt mein Gl�ck nach wie vor an. Licht, la� es mir bitte jetzt treu sein!</emphasis></p><p>Er �berlegte gerade, wie er Melindhra los w�rde, um Pips satteln zu k�nnen, da stand Talmanes vor ihm und verbeugte sich h�flich, die Hand auf dem Herzen, wie es in Cairhien �blich war. �Das Licht sei Euch gn�dig, Mat.�</p><p>�Und Euch ebenfalls�, antwortete Mat geistesabwesend. Sie w�rde nicht einfach gehen, weil er sie darum bat. Allein die Bitte w�re, als lie�e man den Fuchs in den H�hnerhof. Vielleicht sollte er ihr sagen, er wolle nur ein wenig ausreiten? Doch man sagte, die Aiel k�nnten schneller laufen als ein Pferd.</p><p>�Eine Abordnung aus der Stadt ist heute nacht angekommen. Es wird einen Triumphzug f�r den Lord Drache geben, um die Dankbarkeit Cairhiens auszudr�cken.�</p><p>�Tats�chlich?� Sie mu�te doch Pflichten irgendeiner Art zu erf�llen haben. Die T�chter sammelten sich immer um Rand. Vielleicht w�rde man sie dazu abkommandieren? Wenn er sie so anblickte, kam er zu dem Entschlu�, sich besser nicht darauf zu verlassen. Ihr breites L�cheln war so ... besitzergreifend.</p><p>�Die Abordnung wurde von Hochlord Meilan gesandt�, sagte Nalesean, der sich nun zu ihnen gesellte. Seine Verbeugung war genauso korrekt, mit ausgebreiteten Armen, wenn auch hastig. �Er hat dem Lord Drachen den Triumphzug angetragen.�</p><p>�Lord Dobraine, Lord Maringil und Lady Colavaere sind, zusammen mit anderen, ebenfalls zum Lord Drachen gegangen.�</p><p>Mat ri� sich von seinen �berlegungen los und konzentrierte sich auf den Augenblick. Jeder dieser beiden bem�hte sich, so zu tun, als existiere der andere gar nicht, beide blickten nur ihn an und warfen dem anderen nicht einmal einen schnellen Seitenblick zu, aber ihre Gesichter waren angespannt und die Kn�chel ihrer H�nde an den Schwertgriffen wei� von all der Anstrengung. Das w�re dann wohl die Kr�nung, wenn sie sich hier schlugen. Er w�rde vermutlich versuchen m�ssen, ihnen humpelnd auszuweichen, aber einer von ihnen w�rde ihn schon aus Versehen durchbohren. �Welche Rolle spielt es schon, wer eine Abordnung schickt, solange er nur seinen Triumphzug bekommt?�</p><p>�Es spielt eine Rolle, da� Ihr ihn bittet, uns den uns zustehenden Platz an der Spitze einzur�umen�, sagte Talmanes schnell. �Ihr habt Couladin besiegt und diesen Platz f�r uns verdient.� Nalesean schlo� den Mund und machte eine finstere Miene. Offensichtlich hatte er vorgehabt, dasselbe zu sagen.</p><p>�Fragt Ihr beide ihn doch�, sagte Mat. �Das geht mich nichts an.� Melindhras Hand spannte sich um seinen Nacken, aber auch das war ihm gleich. Moiraine w�rde sich bestimmt nicht weit von Rand entfernt aufhalten. Er wollte seinen Hals nicht in eine zweite Schlinge stecken, w�hrend er immer noch versuchte, sich aus der ersten herauszuwinden.</p><p>Talmanes und Nalesean starrten ihn mit offenstehenden M�ndern an, als sei er von Sinnen. �Ihr seid unser Befehlshaber�, protestierte Nalesean. �Unser General!�</p><p>�Mein Leibdiener wird Eure Stiefel polieren�, warf Talmanes mit einem leichten L�cheln ein, das er betont nicht dem Tairener mit dem kantigen Gesicht entgegenrichtete, �und Eure Kleidung ausb�rsten und stopfen. Damit Ihr den besten Eindruck macht.�</p><p>Nalesean ri� an seinem ge�lten Spitzbart, und sein Blick huschte hin�ber zu dem anderen Mann, bevor er sich wieder beherrschen konnte. �Wenn ich Euch das anbieten darf � ich habe einen guten Rock, der Euch bestimmt pa�t. Aus Goldsatin, mit Rot bestickt.� Nun war es an dem Mann aus Cairhien, finster dreinzublicken.</p><p>�General!� rief Mat und st�tzte sich m�hsam auf den Speerschaft. �Ich bin kein verdammter...! Ich meine, ich will Euch doch nicht den Euch zustehenden Rang nehmen.� Sollten sie doch untereinander ausmachen, welchen von ihnen er damit gemeint hatte.</p><p>�Seng meine Seele�, sagte Nalesean, �es war Eure Kriegskunst, die uns gewinnen lie� und uns am Leben hielt. Von Eurem Gl�ck ganz zu schweigen. Ich habe geh�rt, da� Ihr immer die richtige Karte umdreht, aber es ist mehr dran als das. Ich w�rde Euch folgen, und wenn ich den Lord Drachen nicht kennengelernt h�tte!�</p><p>�Ihr seid unser F�hrer�, sagte Talmanes beinahe im gleichen Atemzug. Seine Stimme klang n�chterner, aber nicht weniger sicher. �Bis gestern bin ich M�nnern aus anderen L�ndern gefolgt, weil es sein mu�te. Euch werde ich folgen, weil ich es will. Vielleicht seid Ihr in Andor kein Lord, aber hier, hier, sage ich, seid Ihr einer, und ich schw�re Euch Gefolgschaft.�</p><p><emphasis>Der</emphasis> Tairener und der Mann aus Cairhien blickten sich an, als seien sie �berrascht, dasselbe Gef�hl ge�u�ert zu haben, und dann nickten sie sich z�gernd und bed�chtig zu. Wenn sie sich schon nicht leiden konnten � und das konnte ja wohl jeder sehen �, waren sie sich in diesem Punkt doch einig. Wenn sie das auch nicht viel n�her brachte.</p><p>�Ich werde meinen Burschen schicken, um Euer Pferd f�r den Triumphzug herzurichten�, sagte Talmanes und runzelte kaum noch die Stirn, als Nalesean hinzuf�gte: �Meiner kann auch seinen Teil zu der Arbeit beitragen. Euer Reittier mu� f�r uns Ehre einlegen. Und seng meine Seele � wir brauchen ein Banner! Euer Banner.� Daraufhin nickte auch der andere lebhaft.</p><p>Mat konnte sich nicht entscheiden, ob er hysterisch lachen oder sich hinsetzen und weinen sollte. Diese verfluchten Erinnerungen. Wenn die nicht gewesen w�ren, w�re er einfach weitergeritten. Wenn Rand nicht gewesen w�re, h�tte er sie �berhaupt nicht. Er konnte die einzelnen Schritte zur�ckverfolgen, die dazu gef�hrt hatten. Jeder schien zu seiner Zeit notwendig und ein wichtiges Ziel zu sein. Und doch f�hrte einer immer zwangsl�ufig zum n�chsten. Am Beginn all dieser Schritte lag nat�rlich Rand. Und die verdammte Tatsache, da� sie <emphasis>Ta'veren</emphasis> waren. Er verstand einfach nicht, wieso etwas, was absolut notwendig und beinahe harmlos war, wenn man es f�r sich betrachtete, ihn doch immer tiefer in diesen Sumpf f�hrte. Melindhra hatte angefangen, seinen Hals zu streicheln, anstatt ihn zu quetschen. Alles, was er jetzt noch brauchte...</p><p>Er blickte hoch zur Kuppe des H�gels, und da war sie tats�chlich: Moiraine, auf ihrer edlen wei�en Stute, und Lan �berragte sie auf seinem schwarzen Hengst, der an ihrer Seite stand. Der Beh�ter beugte sich zu ihr hin�ber, als lausche er ihren Worten, und sie schienen sich kurz zu streiten. Er protestierte lebhaft, doch einen Augenblick sp�ter lie� die Aes Sedai Aldieb wenden und ritt dem gegen�berliegenden Hang zu. Lan blieb mit Mandarb, wo er war, und blickte auf das Lager hinab. Beobachtete Mat.</p><p>Er schauderte. Couladins Kopf schien ihn tats�chlich anzugrinsen. Er h�rte beinahe, wie der Mann sprach: <emphasis>Du hast mich wohl get�tet, aber deinen Fu� voll in die Falle gestellt. Ich bin tot, aber du wirst niemals mehr frei sein.</emphasis></p><p>�Alles so verdammt toll�, knurrte er und nahm einen langen Zug aus dem Schnapskrug, an dessen Wirkung er fast erstickte. Talmanes und Nalesean schienen ihn wieder w�rtlich zu nehmen, und Melindhra lachte zustimmend.</p><p>Etwa f�nfzig Tairener und Soldaten aus Cairhien hatten sich versammelt, um den beiden Lords zuzusehen, wie sie mit ihm sprachen. Sie betrachteten seinen Zug aus dem Krug als Signal, ihm ein St�ndchen zu bringen, und sie begannen mit einer selbstgedichteten Strophe:</p><p><emphasis>Wir rollen die W�rfel, wenn das Gl�ck sie ber�hrt, wir lieben die Frau, die uns gek�rt, doch wir folgen Mat, wenn er uns f�hrt zum Tanz mit dem Schwarzen Mann.</emphasis></p><p>Mit einem keuchenden Lachen, das Mat nicht mehr unterdr�cken konnte, setzte er sich auf den Felsvorsprung zur�ck und machte sich daran, den Krug zu leeren. Es mu�te doch einen Ausweg aus dieser Lage geben. Es mu�te einen geben!</p><p>Rand schlug gem�chlich die Augen auf und blickte zum Dach seines Zeltes hoch. Er lag nackt unter einer einzigen Decke. Die Abwesenheit jedes Schmerzgef�hls �berraschte ihn, doch er f�hlte sich noch schw�cher als in seiner Erinnerung an die letzten Geschehnisse. Und er erinnerte sich deutlich. Er hatte Dinge gesagt und andere gedacht... Ihn fror pl�tzlich. <emphasis>Ich kann ihm nicht die Kontrolle �berlassen. Ich bin ich! Ich!</emphasis> Er suchte unter seiner Decke und fand die gut verheilte runde Narbe an seiner Seite. Sie f�hlte sich noch empfindlich an, war aber tats�chlich soweit verheilt.</p><p>�Moiraine Sedai hat dich geheilt�, sagte Aviendha, und er fuhr zusammen.</p><p>Er hatte sie nicht gesehen. Sie sa� im Schneidersitz auf den Schichten von L�ufern in der N�he der Feuergrube und nippte an einem silbernen, mit Leoparden verzierten Becher. Asmodean lag ausgestreckt auf dem Bauch auf Fransenkissen, das Kinn auf die Arme gest�tzt. Keiner von beiden schien geschlafen zu haben. Unter ihren Augen waren dunkle Ringe zu sehen.</p><p>�Das w�re eigentlich nicht notwendig gewesen�, fuhr Aviendha mit k�hler Stimme fort. �berm�det oder nicht, ihre Frisur sa� perfekt, und ihre frische Kleidung stand im scharfen Kontrast zu Asmodeans verknitterter Samtkleidung. Von Zeit zu Zeit spielte sie an dem in Form von Rosen und Dornen geschnitzten Elfenbeinarmband herum, das er ihr geschenkt hatte, als geschehe dies v�llig unbewu�t. Sie trug auch die silberne Schneeflockenhalskette. Sie hatte ihm immer noch nicht gesagt, wer ihr die geschenkt hatte, hatte sich aber anscheinend dar�ber am�siert, als ihr klar wurde, da� er das wirklich wissen wollte. Jetzt wirkte sie aber bestimmt nicht am�siert. �Moiraine Sedai war selbst dem Zusammenbruch nahe, weil sie so hart gearbeitet hatte, um Verwundete zu heilen. <emphasis>Aan'allain</emphasis> mu�te sie danach in ihr Zelt tragen. Deinetwegen, Rand al'Thor. Denn dich zu heilen kostete sie das letzte bi�chen Kraft.�</p><p>�Die Aes Sedai ist schon wieder auf den Beinen�, warf Asmodean ein und unterdr�ckte dabei ein G�hnen. Er ignorierte Aviendhas pikierten Blick. �Sie war seit Sonnenaufgang bereits zweimal hier, sagte aber, Ihr w�rdet Euch erholen. Ich glaube, letzte Nacht war sie da nicht so sicher. Ich auch nicht.� Er zog seine vergoldete Harfe heran und spielte daran herum. Dabei sprach er in ganz nebens�chlichem Tonfall: �Ich tat nat�rlich f�r Euch, was ich konnte, denn mein Leben und mein Gl�ck sind an Euch gebunden, aber meine F�higkeiten schlie�en eben leider nicht die des Heilens ein.� Er zupfte ein paar T�ne, um seine Worte zu unterstreichen. �Soviel ich wei�, kann sich ein Mann damit selbst umbringen oder ausbrennen, wenn er tut, was Ihr getan habt. St�rke im Gebrauch der Macht ist nutzlos, wenn der K�rper ersch�pft ist. <emphasis>Saidin</emphasis> kann leicht t�dlich werden, wenn der K�rper nicht mehr mitmacht. Das habe ich jedenfalls geh�rt.�</p><p>�Seid Ihr mit Euren Weisheiten jetzt fertig, Jasin Natael?� Aviendhas Tonfall war, soweit m�glich, jetzt noch eisiger, und sie wartete nicht auf eine Antwort, sondern wandte den Blick � wie blaugr�nes Eis � wieder Rand zu. Wie es schien, war <emphasis>er</emphasis> an der Unterbrechung schuld gewesen. �Ein Mann darf sich manchmal wie ein Narr benehmen, ohne deshalb zu verlieren, aber ein H�uptling mu� mehr sein als nur ein Mann, und der H�uptling aller H�uptlinge noch viel mehr. Du hattest kein Recht dazu, dich beinahe selbst in den Tod zu treiben. Egwene und ich bem�hten uns, dich dazu zu bewegen, mit uns zu kommen, als wir zu ersch�pft waren, um weiterzumachen, doch du wolltest nicht auf uns h�ren. Vielleicht bist du um so vieles st�rker als wir, wie Egwene behauptet, aber du bist immer noch ein Mann aus Fleisch und Blut. Du bist der <emphasis>Car'a'carn</emphasis> und nicht irgendein neuer <emphasis>Seia Doon,</emphasis> der unbedingt nach Ruhm und Ehre strebt. Du hast <emphasis>Toh,</emphasis> eine Pflicht, den Aiel gegen�ber, Rand al'Thor, und als Toter kannst du sie nicht erf�llen. Du kannst nicht alles allein vollbringen.�</p><p>Einen Moment lang brachte er nichts anderes fertig, als sie mit offenem Mund anzugaffen. Er hatte kaum �berhaupt etwas zuwege gebracht, hatte praktisch die Schlacht den anderen �berlassen, w�hrend er herumstolperte und versuchte, sich n�tzlich zu machen. Er war noch nicht einmal in der Lage gewesen, Sammael davon abzuhalten, zuzuschlagen, wo und wann er wollte. Und sie schimpfte, er habe zuviel getan.</p><p>�Ich werde versuchen, mich das n�chste Mal daran zu erinnern�, sagte er schlie�lich. Selbst dann machte sie den Eindruck, sie wolle ihren Vortrag fortsetzen. �Was gibt es Neues von den Miagoma und den anderen drei Clans?� fragte er, zum einen, um sie abzulenken, aber auch, weil er es wissen wollte. Frauen h�rten sonst grunds�tzlich nicht auf, bevor sie einen Mann nicht vollst�ndig am Boden hatten, au�er eben, man lenkte sie irgendwie ab.</p><p>Es wirkte. Nat�rlich steckte sie voll von Neuigkeiten, die sie loswerden wollte. Im Belehren war sie genauso eifrig wie im Schimpfen. Asmodean zupfte eine leise Melodie auf seiner Harfe, und ausnahmsweise einmal etwas Angenehmes, sogar Idyllisches, das einen eigenartigen Hintergrund f�r ihre Worte bildete.</p><p>Die Miagoma, die Schiande, die Daryne und die Codarra hatten ihre Lager in Sichtweite voneinander ein paar Meilen �stlich aufgeschlagen. Zwischen allen Lagern bewegte sich ein stetiger Strom von M�nnern und T�chtern des Speers, aber das betraf nur die Kriegergemeinschaften. Indirian und die anderen H�uptlinge r�hrten sich nicht. Es bestand kein Zweifel mehr daran, da� sie sich endlich Rand anschlie�en w�rden, doch nicht, bevor die Weisen Frauen mit ihren Gespr�chen fertig waren.</p><p>�Sie verhandeln immer noch?� fragte Rand. �Was beim Licht m�ssen sie denn so lange beraten? Die <emphasis>H�uptlinge</emphasis> kommen, um sich mir anzuschlie�en, und nicht sie.�</p><p>Sie warf ihm einen strafenden Blick zu, der Moiraine Ehre gemacht h�tte. �Die Worte der Weisen Frauen gehen nur die Weisen Frauen etwas an, Rand al'Thor.�</p><p>Z�gernd f�gte sie dann hinzu, als wolle sie ihm so entgegenkommen: �Egwene kann dir etwas davon berichten. Wenn es vorbei ist.� In ihrem Tonfall lag die Andeutung, da� auch Egwene m�glicherweise schweigen werde.</p><p>Sie widerstand seinen Versuchen, mehr aus ihr herauszuholen, und schlie�lich lie� er es sein. Vielleicht w�rde er es dennoch herausfinden, weil es ihm keine Ruhe lie�, vielleicht auch nicht. Wie auch immer, aus ihr w�rde er kein Wort mehr herausbringen, als sie sagen wollte. Die Aes Sedai hatten den Weisen Frauen der Aiel nichts voraus, wenn es um das Wahren von Geheimnissen ging. Beide Gruppen liebten es, sich mit R�tseln interessant zu machen. Aviendha hatte diese spezielle Lektion gl�nzend gelernt.</p><p>Egwenes Gegenwart bei dem Treffen der Weisen Frauen war schon eine �berraschung, genau wie Moiraines Abwesenheit. Er h�tte eher erwartet, sie mittendrin zu sehen, wie sie wieder die F�den spann, um ihre eigenen Pl�ne zu f�rdern, doch diesmal war es umgekehrt gekommen. Die neuangekommenen Weisen Frauen h�tten gern eine Aes Sedai aus dem Gefolge des <emphasis>Car'a'carn</emphasis> kennengelernt, aber obwohl Moiraine nach der schwierigen Heilung Rands wieder auf den Beinen war, behauptete sie, keine Zeit zu haben. Egwene war als Ersatz f�r sie aus dem Bett geholt worden.</p><p>Das brachte Aviendha zum Lachen. Sie war drau�en gestanden, als Sorilea und Bair Egwene praktisch aus dem Zelt geschleift hatten. Sie bem�hte sich noch, in ihre Kleider zu schl�pfen, w�hrend die beiden sie weiterbugsierten. �Ich rief ihr noch zu, diesmal m�sse sie mit den Z�hnen L�cher in den Boden graben, weil man sie bei einer neuen Missetat erwischt habe, und sie war so m�de, da� sie mir glatt geglaubt hat. Sie fing an zu protestieren, sie werde das nicht machen, und zwar so vehement, da� Sorilea sie fragte, was sie denn angestellt habe, da� sie sich so verteidigen m�sse. Du h�ttest Egwenes Miene sehen sollen!� Sie lachte so schallend, da� sie beinahe vorn�ber gefallen w�re.</p><p>Asmodean blickte sie mi�trauisch an, was nun Rand wieder nicht verstand, wenn er bedachte, was und wer Asmodean schlie�lich war. Rand wartete aber nur geduldig <emphasis>ab,</emphasis> bis sie sich wieder beruhigt hatte. Was den Humor der Aiel betraf, war das noch ziemlich schwach gewesen. Mehr die Art von Streich, wie er ihn von Mat erwartete und nicht von einer Frau, aber auch so recht zahm.</p><p>Als sie sich aufrichtete und die Tr�nen aus den Augen wischte, sagte er: �Was ist nun mit den Shaido? Oder befinden sich deren Weise Frauen auch auf dieser Versammlung?�</p><p>Immer noch in ihren Wein hineinkichernd, antwortete sie ihm, da� sie die Shaido-Gefahr als beendet ansah und kaum noch wert, beachtet zu werden. Man hatte Tausende gefangengenommen und brachte jetzt immer noch kleine Gruppen neuer Gefangener herein. <emphasis>Die</emphasis> K�mpfe waren bis auf ein paar kleine Scharm�tzel hier und da alle beendet. Aber je mehr er aus ihr herausbekam, desto weniger Gr�nde sah er, sie als endg�ltig besiegt zu betrachten. Da Han mit den vier Clans besch�ftigt gewesen war, hatte der gr��ere Teil von Couladins Soldaten ganz geordnet den Gaelin �berschreiten k�nnen und dabei sogar noch die meisten Gefangenen mitgeschleppt, die sie vor Cairhien gemacht hatten. Und noch schlimmer: sie hatten die Steinbr�cken hinter sich zerst�rt.</p><p>Das machte ihr nichts aus, wohl aber ihm. Zehntausende von Shaido n�rdlich des Flusses, und keine M�glichkeit, sie anzugreifen, bevor die Br�cken nicht ersetzt waren, und sogar f�r einfache Holzbr�cken w�rde man eine Weile brauchen. Das war Zeit, die er nicht hatte.</p><p>Ganz am Ende, als es schien, nun g�be es bestimmt nichts mehr �ber die Shaido zu berichten, sagte sie ihm dann etwas, das ihn die Shaido und die m�glichen Schwierigkeiten vergessen lie�, die sie ihm bereiten k�nnten. Sie warf die Information so ein, als habe sie das schon beinahe vergessen gehabt.</p><p>�Mat hat Couladin get�tet?� fragte er ungl�ubig, als sie fertig war. �Mat?�</p><p>�Habe ich dir das nicht gesagt?� Die Worte klangen scharf, aber auch nicht zu arg. Wie sie ihn so �ber den Rand ihres Weinbechers hinweg anblickte, war sie wohl eher gespannt auf die Wirkung ihrer Worte, und es war ihr nicht so wichtig, ob er sie anzweifelte.</p><p>Asmodean zupfte ein paar martialisch klingende Akkorde. Die Harfe schien Trommeln und Trompeten imitieren zu wollen. �Auf gewisse Weise bietet dieser junge Mann genauso viele �berraschungen wie Ihr. Ich freue mich wirklich darauf, eines Tages auch den dritten von Euch, diesen Perrin, kennenzulernen.�</p><p>Rand sch�ttelte den Kopf. Also war Mat der Anziehungskraft von <emphasis>Ta'veren</emphasis> zu <emphasis>Ta'veren</emphasis> doch nicht entkommen. Oder aber das Muster hatte ihn gefangen und die Tatsache, da� er ja selbst ein <emphasis>Ta'veren</emphasis> war. Wie auch immer, er vermutete jedenfalls, da� Mat sich im Augenblick bestimmt nicht wohl in seiner Haut f�hle. Mat hatte noch nicht alles das gelernt, was er hatte lernen m�ssen. Versuche davonzulaufen, und das Muster rei�t dich zur�ck, oftmals sogar ziemlich grob. Renne dagegen in die Richtung, in die dich das Rad verweben will, dann kannst du manchmal ein ganz klein wenig Kontrolle �ber das eigene Leben erlangen. Manchmal. Mit Gl�ck vielleicht sogar in st�rkerem Ma�e, als man erwartete; auf lange Sicht jedenfalls. Aber noch gab es f�r ihn Dringlicheres als Mat oder die Shaido.</p><p>Ein Blick zum Eingang zeigte ihm, da� die Sonne bereits am Himmel stand. Ansonsten konnte er aber lediglich zwei T�chter des Speers sehen, die davorhockten, die Speere �ber die Knie gelegt. Eine Nacht und ein Teil des Vormittags der Bewu�tlosigkeit und des Schlafs, und Sammael hatte entweder nicht weiter nach ihm gesucht oder die Suche zun�chst aufgegeben.</p><p>Er h�tete sich, diesen Namen zu verwenden, nicht einmal in Gedanken, doch ein anderer kam ihm nun wieder in den Sinn: Tel Janin Aellinsar. Keine Chronik erw�hnte diesen Namen, nicht einmal ein Fragment in der Bibliothek von Tar Valon. Moiraine hatte ihm alles berichtet, was die Aes Sedai von den Verlorenen wu�ten, und das war nur wenig mehr, als man sich in den D�rfern abends erz�hlte, um den Kindern Angst zu machen. Selbst Asmodean hatte ihn immer nur Sammael genannt, vielleicht aus einem anderen Grund. Lange vor dem Ende des Schattenkriegs noch hatten die Verlorenen jene Namen angenommen, die ihnen von den Menschen verliehen worden waren, vielleicht als Sinnbilder ihrer Wiedergeburt im Schatten. Asmodeans eigener echter Name � Joar Addam Nessosin � lie� den Mann zusammenzucken, und er behauptete, im Laufe der drei Jahrtausende die Namen der anderen vergessen zu haben.</p><p>Vielleicht gab es gar keinen stichhaltigen Grund, zu verschweigen, was ihm durch den Kopf ging. M�glicherweise war das nur ein Versuch seines Verstands, die Realit�t abzuleugnen. Aber der Mann Sammael war nun einmal vorhanden. Und als Sammael w�rde er in vollem Ma�e f�r jede get�tete Tochter des Speers bezahlen m�ssen. Die T�chter, die Rand nicht hatte besch�tzen k�nnen.</p><p>Als er diesen Entschlu� fa�te, verzog er das Gesicht. Er hatte einen Anfang gemacht, indem er Weiramon zur�ck nach Tear sandte. So das Licht es wollte, jedenfalls, und nur er und Weiramon wu�ten dar�ber Bescheid. Aber er konnte nicht einfach lospreschen, um Sammael zu jagen, so sehr er das auch w�nschte und sich selbst geschworen hatte. Noch nicht. Zuerst mu�te er sich um einige Dinge hier in Cairhien k�mmern.</p><p>Aviendha glaubte vielleicht, er verst�nde <emphasis>Ji'e'toh</emphasis> immer noch nicht, und von ihrem Standpunkt aus mochte das sogar stimmen, aber er sah seine Pflichten, und in Cairhien hatte er eine zu erf�llen. Au�erdem hatte er so die M�glichkeit, das Ganze auf Weiramon und dessen Aufgaben abzustimmen.</p><p>Er setzte sich auf, bem�hte sich, nicht zu zeigen, welche Anstrengung ihn das kostete, bedeckte sich so gut wie m�glich mit der Decke und fragte sich, wo seine Kleider steckten. Er konnte lediglich seine Stiefel entdecken, die dr�ben hinter Aviendha standen. Sie wu�te es wahrscheinlich. M�glich, da� ihn <emphasis>Gai'schain</emphasis> entkleidet hatten, es konnte aber genauso auch sie gewesen sein. �Ich mu� in die Stadt reiten. Natael, la�t bitte Jeade'en satteln und herbringen.�</p><p>�Vielleicht morgen�, sagte Aviendha mit fester Stimme und packte Asmodean am �rmel, als der sich erheben wollte. �Moiraine Sedai sagte, du ben�tigst jetzt Ruhe, bis...�</p><p>�Heute noch, Aviendha. Jetzt. Ich wei� nicht, warum Meilan nicht anwesend ist, falls er noch lebt, aber ich werde es herausfinden. Natael, mein Pferd bitte!�</p><p>Sie machte eine sture Miene, doch Asmodean l�ste seinen Arm aus ihrem Griff, strich den verknitterten Samt glatt und sagte: �Meilan und andere waren bereits hier.�</p><p>�Er sollte das nicht erfahren...�, fing Aviendha zornig an, verzog aber dann nur den Mund und endete mit: �Er mu� sich ausruhen.�</p><p>Also glaubten die Weisen Frauen, sie k�nnten ihm Informationen vorenthalten. Nicht mit ihm; er war nicht so schwach, wie sie glaubten. Er versuchte aufzustehen, wobei er die Decke vor seine Bl��e hielt, und als seine Beine den Dienst versagten, kaschierte er es einfach damit, da� er die Stellung wechselte. Vielleicht war er doch so schwach, wie sie annahmen. Doch er hatte nicht vor, sich davon zur�ckhalten zu lassen.</p><p>�Ich kann mich ausruhen, wenn ich tot bin�, sagte er und verw�nschte diese �u�erung im gleichen Moment, da sie zusammenzuckte, als habe er sie geschlagen. Nein, bei einem Schlag w�re sie nicht zusammengezuckt. Sein �berleben war f�r sie der Aiel wegen wichtig, und eine Bedrohung seines Lebens tat ihr mehr weh als eine Faust. �Berichtet mir von Meilan, Natael.�</p><p>Aviendha schwieg m�rrisch, und wenn Blicke etwas bewirken k�nnten, w�re Asmodean jetzt bestimmt mit Stummheit geschlagen worden. Er selbst vielleicht auch.</p><p>Ein Bote Meilans war in der Nacht eingetroffen und hatte blumige Lobpreisungen und Versicherungen lebenslanger Loyalit�t mitgebracht. In der Morgend�mmerung war dann Meilan selbst erschienen, zusammen mit sechs anderen Hochlords von Tear, die sich in der Stadt befunden hatten, und einer kleinen Truppe tairenischer Soldaten, die an ihren Schwertern herumfingerten oder die Lanzen fester ergriffen, als erwarteten sie, auch noch gegen diese Aiel k�mpfen zu m�ssen, die schweigend dastanden und ihren Einritt beobachteten.</p><p>�Es war ziemlich eng�, sagte Asmodean. �Dieser Meilan ist keinen Widerspruch gewohnt, glaube ich, und die anderen wohl auch nicht. Besonders der mit dem Kartoffelgesicht � Torean? � und Simaan. Der hat genauso spitze Blicke, wie seine Nase aussieht. Ihr wi�t, da� ich gef�hrliche Gesellschaft gewohnt bin, aber diese M�nner sind auf ihre Art genauso gef�hrlich wie manch andere, die ich kennengelernt habe.�</p><p>Aviendha schnaubte vernehmlich. �Woran sie auch gew�hnt sein m�gen, sie hatten doch keine andere Wahl. Sorilea und Amys und Bair und Melaine auf der einen Seite, und Sulin mit tausend <emphasis>Far Dareis Mai</emphasis> auf der anderen. Au�erdem waren noch einige Steinhunde dabei�, gab sie zu, �und ein paar Wassersucher und Rote Schilde. Wenn Ihr wahrhaftig so dem <emphasis>Car'a'carn</emphasis> dient, wie Ihr behauptet, Jasin Natael, dann solltet Ihr seine Ruhe genauso beh�ten wie jene.�</p><p>�Ich folge dem Wiedergeborenen Drachen, junge Frau. Den <emphasis>Car'a'carn</emphasis> �berlasse ich Euch.�</p><p>�Erz�hlt weiter, Natael�, forderte Rand ihn ungeduldig auf, was nun ihm ein Schnauben einbrachte.</p><p>Sie hatte recht in der Hinsicht, da� die Tairener keine andere Wahl gehabt hatten. Allerdings hatten sie sich vermutlich der T�chter wegen, die m�glicherweise an ihren Schleiern herumgespielt hatten, mehr Sorgen gemacht als der Weisen Frauen wegen. Auf jeden Fall war selbst Aracome, ein schlanker, ergrauter Mann, dessen Zorn nur selten an die Oberfl�che kam, aber daf�r lange anhielt, beinahe explodiert, als sie schlie�lich die Pferde wenden lie�en, und Gueyam, kahl wie ein Stein und breit wie ein Schmied, war ganz bla� vor Wut gewesen. Asmodean war nicht sicher, was sie davon abgehalten hatte, die Schwerter zu ziehen � die Gewi�heit, �berw�ltigt zu werden, oder die Erkenntnis, da� Rand sie, h�tten sie sich mit dem Schwert den Weg zu ihm gebahnt und frisches Blut seiner Verb�ndeten ihre Klingen geziert, wohl kaum willkommen gehei�en h�tte. �Meilan quollen fast die Augen aus dem Kopf�, beendete der Mann seinen Bericht. �Aber bevor sie wieder abritten, rief er uns noch zu, er sei Euch treu ergeben. Vielleicht glaubte er, Ihr k�nntet es h�ren. Die anderen taten es ihm schnell nach, doch Meilan f�gte noch etwas hinzu, was die anderen doch erstaunt verstummen lie�. �Ich mache Cairhien dem Lord Drachen zum Geschenk�, sagte er. Dann verk�ndete er, er werde einen gro�en Triumphzug vorbereiten, wenn Ihr bereit seid, die Stadt zu betreten.�</p><p>�Es gibt eine alte Redensart an den Zwei Fl�ssen�, sagte Rand trocken. ��Je lauter ein Mann seine Ehrlichkeit beteuert, desto fester m��t Ihr eure Geldb�rse halten.� Ein anderes besagt: �Der Fuchs bietet der Ente oft an, er werde ihr einen Teich schenken.�� Cairhien war sein, ohne da� Meilan es ihm schenken mu�te.</p><p>Er hegte keinen Zweifel an der Loyalit�t des Mannes. Sie w�rde so lange andauern, wie Meilan glaubte, Rand k�nne ihn vernichten, sollte er ihn verraten. Falls er ihn dabei ertappte. Das war der Haken an der Sache. Diese sieben Hochlords in Cairhien waren die eifrigsten unter jenen gewesen, die ihn in Tear am liebsten get�tet h�tten. Deshalb hatte er sie hierher geschickt. H�tte er jeden Adligen Tears hinrichten lassen, der gegen ihn intrigierte, w�re m�glicherweise niemand �briggeblieben. Zu jener Zeit hatte er es f�r die beste L�sung gehalten, sie tausend Meilen weit von Tear wegzuschicken, um sich dort mit Anarchie, B�rgerkrieg und einer Hungersnot herumzuschlagen.</p><p>So konnte er ihre Intrigen wenigstens f�r eine Weile unterbinden und gleichzeitig noch etwas Gutes vollbringen, das absolut notwendig schien. Nat�rlich hatte er damals noch nichts von der Existenz Couladins geahnt und noch weniger, da� dieser Mann ihn geradewegs nach Cairhien f�hren w�rde.</p><p><emphasis>Es w�re einfacher, wenn dies alles nur eine Legende oder ein M�rchen w�re,</emphasis> dachte er. In den Legenden gab es immer nur eine gewisse Anzahl von �berraschungen, bis der Held alles wu�te, was er wissen mu�te. Er selbst dagegen schien immer nur ein Viertel von allem zu wissen.</p><p>Asmodean z�gerte. Das Sprichwort von den M�nnern, die ihre Ehrlichkeit allzusehr beteuern, konnte man auch auf ihn anwenden, was ihm zweifelsohne klar war. Doch als Rand nichts weiter sagte, f�gte er hinzu: �Ich glaube, er m�chte K�nig von Cairhien werden. Nat�rlich als Euer Untertan.�</p><p>�Und vorzugsweise, wenn ich mich fern von ihm aufhalte.� Meilan erwartete m�glicherweise von Rand, er werde nach Tear und zu <emphasis>Callandor</emphasis> zur�ckkehren.</p><p>Meilan hatte ganz bestimmt keine Angst davor, zuviel Macht zu besitzen.</p><p>�Selbstverst�ndlich.� Asmodean klang dabei noch sarkastischer als Rand zuvor. �Zwischen diesen beiden kam aber noch einmal Besuch.� Ein Dutzend Lords und Ladies aus Cairhien war ohne Gefolgsleute und in ihre Umh�nge geh�llt angekommen. Sogar die Gesichter hatten sie trotz der Hitze unter den Kapuzen verborgen gehabt. Offenbar war ihnen bewu�t, da� die Aiel die Bewohner Cairhiens verachteten, und genauso eindeutig erwiderten sie diese Einsch�tzung. Und doch hatten sie genausoviel Angst davor, Meilan k�nne merken, da� sie gekommen waren, wie davor, da� die Aiel zu dem Entschlu� kommen k�nnten, sie zu t�ten. �Als sie mich sahen�, sagte Asmodean trocken, �schien die H�lfte von ihnen gewillt, mich umzubringen, weil sie Angst hatten, ich k�nne zu den Tairenern geh�ren. Ihr habt es den <emphasis>Far Dareis Mai</emphasis> zu verdanken, da� Ihr noch einen Barden besitzt.�</p><p>So wenige sie auch waren, war es doch noch schwieriger gewesen, diese Leute aus Cairhien zur�ckzuweisen, als danach Meilan. Sie schwitzten mit jeder Minute mehr, und ihre Gesichter wurden immer blasser, doch sie verlangten stur danach, zum Lord Drachen vorgelassen zu werden. Man konnte ihre Verzweiflung daran ablesen, da� sie � als alle Forderungen umsonst waren � offen um diese Gnade bettelten. Asmodean hielt wohl den Humor der Aiel f�r eigenartig oder grob, aber er selbst am�sierte sich �ber Adlige in feinen Seidengew�ndern und Reitkleidern, weil sie so taten, als sei er �berhaupt nicht vorhanden, als sie niederknieten und die wollenen Rocks�ume der Weisen Frauen bittend ber�hrten.</p><p>�Sorilea drohte, sie werde sie ausziehen und den ganzen Weg zur Stadt zur�ck auspeitschen lassen.� Sein ged�mpftes Lachen klang nun etwas ungl�ubig. �Sie haben dar�ber tats�chlich beraten. W�re ihnen in diesem Fall erlaubt worden, Euch tats�chlich zu treffen, so glaube ich, einige hatten auch das noch in Kauf genommen.�</p><p>�Sorilea h�tte es tun sollen�, warf Aviendha mit �berraschender Zustimmung im Tonfall ein. �Die Eidbrecher besitzen keine Ehre. Zum Schlu� hie� Melaine die T�chter sie wie B�ndel auf ihre eigenen Pferde laden und die Tiere aus dem Lager treiben. Die Eidbrecher mu�ten sich festhalten, so gut sie konnten.�</p><p>Asmodean nickte. �Aber zuvor sprachen zwei von ihnen mit mir, sobald sie sicher <emphasis>waren,</emphasis> da� ich kein Tairener Spion sei. Lord Dobraine und Lady Colavaere. Sie verschleierten alles mit so vielen Andeutungen und Zus�tzen, da� ich nicht ganz sicher sein kann, aber ich w�re nicht �berrascht, wenn sie Euch den Sonnenthron anb�ten. Sie k�nnten selbst einigen ... Leuten aus meinem Bekanntenkreis das Wort im Mund herumdrehen.�</p><p>Rand lachte hart auf. �Vielleicht werden sie das. Falls sie die gleichen Bedingungen bieten wie Meilan.� Er hatte Moiraines Rat nicht ben�tigt, um zu wissen, da� die Adligen Cairhiens das Spiel der H�user noch im Schlaf spielten, und Asmodean mu�te ihm auch keineswegs erst andeuten, sie w�rden es sogar mit den Verlorenen aufnehmen. Die Hochlords zur Linken und die Adligen Cairhiens zur Rechten. Eine Schlacht war beendet, und eine neue von ganz anderer Art, wenn auch nicht weniger gef�hrlich, begann. �Auf jeden Fall habe ich vor, einer Person den Sonnenthron anzuvertrauen, die einen Anspruch darauf hat.� Er ignorierte die berechnende Miene Asmodeans. Vielleicht hatte der Mann letzte Nacht versucht, ihm zu helfen, vielleicht auch nicht � Aber auf keinen Fall traute er ihm soweit, da� er ihm auch nur die H�lfte seiner Pl�ne anvertraute. So sehr Asmodeans Zukunft auch an die seine gefesselt sein mochte, entsprang dessen Loyalit�t doch nur der blo�en Notwendigkeit, und er war immer noch der gleiche Mann, der einst seine Seele freiwillig dem Schatten �berlassen hatte. �Meilan will mir also einen gro�en Auftritt verschaffen, wenn ich bereit bin, ja? Um so besser, wenn ich mir ansehe, wie die Verh�ltnisse wirklich liegen, bevor er mich erwartet.� Ihm wurde bewu�t, warum Aviendha so gut mitspielte und die Unterhaltung sogar im Gang hielt. Solange er schwatzend hier sa�, machte er genau, was sie wollte. �Werdet Ihr nun mein Pferd holen, Natael, oder mu� ich das selbst tun?�</p><p>Asmodeans Verbeugung war tief, formell und zumindest oberfl�chlich respektvoll. �Ich diene dem Lord Drachen.�</p></section><section><title><p>46</p><p>Andere Schlachten, andere Waffen</p></title><p>Rand, der Asmodean mit gerunzelter Stirn nachblickte und sich fragte, wie weit er dem Mann trauen konnte, fuhr herum, als Aviendha ihren Becher zu Boden warf und Wein auf die Teppiche spritzte. Aiel verschwendeten doch sonst nichts Trinkbares, weder Wasser noch Wein.</p><p>Sie starrte den nassen Fleck an und schien genauso �berrascht, doch nur einen Augenblick lang. Im n�chsten Augenblick hatte sie die F�uste in die H�ften gestemmt und funkelte ihn w�tend an. �Also wird der <emphasis>Car'a'carn</emphasis> die Stadt betreten, obwohl er kaum aufrecht sitzen kann. Ich sagte, der <emphasis>Car'a'carn</emphasis> m�sse mehr sein als andere M�nner, aber ich wu�te nicht, da� er sogar �bermenschliche Kr�fte besitzt.�</p><p>�Wo sind meine Kleider, Aviendha?�</p><p>�Du bist nur aus Fleisch und Blut!�</p><p>�Meine Kleidung!�</p><p>�Denk an dein <emphasis>Toh,</emphasis> Rand al'Thor. Wenn ich mich immer an <emphasis>Ji'e'toh</emphasis> halte, kannst du das auch.� Es erschien ihm eigenartig, da� sie das sagte. Die Sonne w�rde zur Mitternacht aufgehen, bevor sie auch nur die kleinste Kleinigkeit von <emphasis>Ji'e'toh</emphasis> verga�.</p><p>�Wenn du so weitermachst�, sagte er l�chelnd, �glaube ich am Ende noch, da� dir etwas an mir liegt.�</p><p>Er hatte das als Scherz gemeint, denn es gab nur zwei Methoden, mit ihr fertigzuwerden: entweder scherzen, oder sie einfach �bergehen � streiten war dagegen ein fataler Fehler. Und der Scherz war recht sanft wenn er bedachte, da� sie immerhin eine gemeinsame Nacht verbracht hatten, doch sie ri� die Augen vor Emp�rung auf und zog an ihrem elfenbeinernen Armreif, als wolle sie ihn abrei�en und ihm an den Kopf werfen. �Der <emphasis>Car'a'carn</emphasis> steht so hoch �ber anderen M�nnern, da� er keine Kleider braucht�, fauchte sie. �Wenn er zu gehen w�nscht, dann soll er doch nur mit seiner Haut bekleidet gehen! Mu� ich erst Sorilea und Bair holen? Oder vielleicht Enaila und Somara und Lamelle?�</p><p>Er versteifte sich. Von all den T�chtern, die ihn wie einen lange verlorenen Sohn behandelten, hatte sie die drei schlimmsten herausgesucht. Lamelle brachte ihm sogar Suppe. Die Frau konnte kein bi�chen kochen, aber sie bestand darauf, ihm Suppe zu bereiten und zu servieren! �Bring nur her, wen du w�nschst�, sagte er mit m�hsam beherrschter, tonloser Stimme, �aber ich <emphasis>bin</emphasis> der <emphasis>Car'a'carn,</emphasis> und ich <emphasis>werde</emphasis> in die Stadt reiten.� Wenn er Gl�ck hatte, fand er seine Kleidung, bevor sie zur�ckkam. Somara war beinahe so gro� wie er und im Augenblick wahrscheinlich kr�ftiger. Die Eine Macht w�rde ihm da nicht helfen. Er h�tte jetzt <emphasis>Saidin</emphasis> nicht ergreifen k�nnen, und wenn Sammael pers�nlich vor ihm auftauchte. Noch weniger k�nnte er jetzt daran festhalten.</p><p>Eine ganze Weile lang blickte sie ihm in die Augen, und dann hob sie pl�tzlich den weggeworfenen Leopardenbecher auf und f�llte ihn aus einem Krug von geh�mmertem Silber. �Wenn du deine Kleider finden und dich anziehen kannst, ohne hinzufallen�, sagte sie ruhig, �dann darfst du gehen. Aber ich werde dich begleiten, und sollte ich zu der Ansicht kommen, da� du zu schwach zum Weiterreiten bist, wirst du hierher zur�ckkehren, und wenn dich Somara auf ihren Armen tragen mu�.�</p><p>Er sah entgeistert zu, als sie sich ausstreckte, auf einen Ellbogen st�tzte, sorgf�ltig ihren Rock zurechtzupfte und anfing, an ihrem Wein zu nippen. Falls er das Wort Ehe wieder erw�hnte, w�rde sie ihm zweifellos wiederum den Kopf abrei�en, doch manchmal benahm sie sich, als seien sie verheiratet. Zumindest die schlimmsten Auswirkungen einer Ehe demonstrierte sie ihm. Da war sie dann keinen Deut besser als Enaila oder Lamelle, wenn die sich am schlimmsten benahmen.</p><p>Er knurrte leise in sich hinein, raffte die Decke um sich zusammen und schlurfte an ihr und der Feuergrube vorbei zu seinen Stiefeln. Drinnen lagen zusammengerollt saubere Wollstr�mpfe, aber sonst nichts. Er k�nnte ja <emphasis>Gai'schain</emphasis> kommen lassen. Dann w�rde sich die ganze Angelegenheit im Lager herumsprechen. Ganz zu schweigen von der M�glichkeit, da� die T�chter sich dann vielleicht doch einmischten. In diesem Fall stellte sich die Frage, ob sie ihn als den <emphasis>Car'a'carn</emphasis> betrachteten, dem sie gehorchen mu�ten, oder einfach als Rand al'Thor, der in ihrem Augen ein ganz anderer Mann war. Sein Blick fiel auf einen zusammengerollten L�ufer ganz hinten im Zelt. L�ufer wurden doch immer ausgerollt. Drinnen steckte sein Schwert, und der G�rtel mit der Drachenschnalle war um die Scheide gewickelt worden.</p><p>Aviendha summte vor sich hin, die Augen halb geschlossen, und beobachtete seine Suche. �Das <emphasis>Ding</emphasis> ... brauchst du nicht mehr.� Sie legte soviel Abscheu in das Wort, da� niemand h�tte glauben m�gen, gerade sie habe ihm dieses Schwert geschenkt.</p><p>�Was meinst du damit?� Im Zelt standen nur ein paar kleine K�sten, entweder mit Perlmutt eingelegt oder mit Messing beschlagen, und nur in einem Fall mit Blattgold geschm�ckt. Die Aiel zogen es vor, Dinge des allt�glichen Lebens zu B�ndeln zu verschn�ren. In keinem der K�sten befanden sich seine Kleider. Als er den Deckel der mit Gold in Form von ihm unbekannten V�geln und anderen Tieren geschm�ckten Truhe anhob, erblickte er sorgf�ltig verschn�rte Leders�ckchen und roch den Duft von Gew�rzen.</p><p>�Couladin ist tot, Rand al'Thor.�</p><p>�berrascht hielt er inne und sah sie an. �Wovon sprichst du �berhaupt?� Konnte Lan ihr von seinen �berlegungen erz�hlt haben? Sonst wu�te das doch keiner. Aber warum?</p><p>�Niemand hat es mir gesagt, falls es das ist, was du gerade denkst. Ich kenne dich jetzt, Rand al'Thor. Ich lerne dich jeden Tag besser zu durchschauen.�</p><p>�Ich habe nichts dergleichen gedacht�, grollte er.</p><p>�Es gibt nichts, was jemand erz�hlen k�nnte.� Gereizt schnappte er sich das in der Scheide steckende Schwert und nahm es ungeschickt unter den Arm, w�hrend er seine Suche fortsetzte. Aviendha fuhr fort, gem�tlich ihren Wein zu schl�rfen. Er hatte den Verdacht, sie verberge ein L�cheln hinter dem erhobenen Becher.</p><p>Eine sch�ne Lage. Die Hochlords von Tear kamen ins Schwitzen, wenn Rand al'Thor sie anblickte, und die Adligen Cairhiens boten ihm vielleicht sogar ihren Thron an. Das gr��te Aiel-Heer, das die Welt jemals erblickt hatte, hatte auf Befehl des <emphasis>Car'a'carn,</emphasis> des H�uptlings aller H�uptlinge, die Drachenmauer �berschritten. Nationen bebten bei der Erw�hnung des Wiedergeborenen Drachen. Nationen! Und falls er seine Kleider nicht fand, w�rde er hier sitzen m�ssen und auf die Erlaubnis warten, hinausgehen zu d�rfen, und das von einem Haufen Frauen, die glaubten, alles besser zu wissen als er selbst!</p><p>Er entdeckte sie schlie�lich, als er bemerkte, da� die goldbestickte Manschette eines roten �rmels unter Aviendhas K�rper hervorlugte. Sie hatte die ganze Zeit �ber auf seinen Kleidern gesessen! Nun knurrte sie mit s�uerlich verzogenem Gesicht, als er sie aufforderte, beiseite zu rutschen, aber sie kam seinem Wunsch nach. Endlich.</p><p>Wie gew�hnlich sah sie zu, wie er sich rasierte und anzog, wobei sie sein Wasser kommentarlos und ungebeten mit Hilfe der Macht erhitzte, nachdem er sich zum drittenmal geschnitten und �ber das kalte Wasser geflucht hatte. Um bei der Wahrheit zu bleiben, machte ihn das diesmal vor allem deshalb so nerv�s, weil er f�rchtete, sie k�nne bemerken, wie unsicher er noch auf den Beinen war. <emphasis>Man kann sich ansonsten an alles gew�hnen, wenn es lange genug andauert,</emphasis> dachte er trocken.</p><p>Sie mi�verstand sein Kopfsch�tteln. �Elayne hat bestimmt nichts dagegen, wenn ich zusehe, Rand al'Thor.�</p><p>Er war gerade beim Zubinden seines Hemds, unterbrach die Bewegung und blickte sie an. �Glaubst du das wirklich?�</p><p>�Sicher. Du geh�rst wohl ihr, aber deinen Anblick kann sie nicht f�r sich allein beanspruchen.�</p><p>Er lachte stumm und wandte sich wieder den Schn�ren zu. Es tat gut, daran erinnert zu werden, da� hinter ihrem neuerdings so geheimnisvollen Getue Unwissen steckte, abgesehen von einigem anderen. Er konnte ein befriedigtes Grinsen nicht unterdr�cken, als er sich fertig ankleidete, das Schwert g�rtete und den abgeschnittenen Seanchanspeer mit den Troddeln in die Hand nahm. Dabei f�rbte sich das L�cheln allerdings etwas grimmig. Er hatte das Ding zur Erinnerung daran mitf�hren wollen, da� es die Seanchan immer noch auf dieser Welt gebe, doch nun diente es dazu, ihn grunds�tzlich an alles zu erinnern, womit er gleichzeitig jonglieren mu�te. Cairhien und die Tairener, Sammael und die anderen Verlorenen, die Shaido und ganze L�nder, die noch gar nichts von ihm wu�ten, die er aber f�r sich gewinnen mu�te, bevor Tarmon Gai'don begann. Mit Aviendha klarzukommen war dagegen noch das reine Honigschlecken.</p><p>Die T�chter sprangen auf, als er geduckt aus dem Zelt trat und zwar so schnell, da� man die Unsicherheit seiner Beine m�glichst nicht bemerkte. Er war sich allerdings nicht sicher, mit welchem Erfolg. Aviendha hielt sich an seiner Seite, als sei sie nicht nur bereit, ihn aufzufangen, sollte er straucheln, sondern als erwarte sie dies ganz eindeutig. Seine Laune wurde auch nicht besser, als Sulin, die noch immer ihren Kopfverband trug, Aviendha fragend anblickte � nicht ihn; sie! � und auf ihr Nicken wartete, bis sie den T�chtern befahl, sich zum Abmarsch fertigzumachen.</p><p>Asmodean kam auf seinem Maulesel den Hang heraufgeritten, wobei er Jeade'en am Z�gel hinter sich herf�hrte. Irgendwie hatte er noch Zeit gefunden, sich frisch anzukleiden � ganz in dunkelgr�ner Seide. Nat�rlich mit wei�em Spitzenkragen und Spitzenmanschetten. Die vergoldete Harfe hing auf seinem R�cken, aber er hatte es wohl aufgegeben, den Gauklerumhang anzulegen, und au�erdem schleppte er auch das rote Banner mit dem uralten Symbol der Aes Sedai nicht mehr mit sich herum. Dieses Amt hatte er an einen Fl�chtling aus Cairhien namens Pevin abgetreten, einen verschlossenen Kerl in einem geflickten Bauernrock aus dunkelgrauer Wolle, der auf einem braunen Muli sa�. Das Tier wirkte so alt, da� es eigentlich schon vor Jahren vom Karren weg auf die Weide h�tte geschickt werden sollen. Eine lange, immer noch ger�tete Narbe zog sich vom Unterkiefer bis zu seinem d�nnen Haar �ber eine Wange entlang.</p><p>Pevin hatte durch die Hungersnot Frau und Schwester verloren, und durch den B�rgerkrieg seinen Bruder und einen Sohn. Er hatte keine Ahnung, aus welchem Adelshaus die Soldaten stammten, die sie get�tet hatten, oder wen sie im Streit um den Sonnenthron unterst�tzten. Die Flucht in Richtung Andor hatte ihn das Leben eines zweiten Sohns gekostet, der andoranischen Soldaten zum Opfer gefallen war, und das eines zweiten Bruders, den Banditen umgebracht hatten. Die R�ckkehr schlie�lich hatte das Leben des letzten Sohnes gekostet, der von einem Shaido-Speer durchbohrt worden war, w�hrend seine Tochter von den Shaido verschleppt wurde, als man ihn selbst f�r tot hielt und liegenlie�. Der Mann sprach nur selten, doch soweit Rand feststellen konnte, war sein ganzer Glaube zerst�rt worden bis auf drei Leits�tze: Der Drache war wiedergeboren worden. Die Letzte Schlacht nahte. Und wenn er sich nahe bei Rand al'Thor aufhielt, w�rde er erleben, wie seine Familie ger�cht wurde, bevor die Welt der Zerst�rung anheim fiel. Die Welt w�rde bestimmt untergehen, aber das spielte keine Rolle. Nichts spielte eine Rolle, bis eben auf diese Rache. Er verbeugte sich schweigend vor Rand im Sattel, als die Stute die Anh�he erreicht hatte. Seine Miene sagte nicht das Geringste aus, aber er hielt die Flagge gerade und fest in der Hand.</p><p>Rand stieg auf Jeade'en und zog Aviendha hinter sich hoch, ohne sie den Steigb�gel ben�tzen zu lassen, nur um ihr zu beweisen, da� er dazu in der Lage sei. Dann trat er dem Apfelschimmel in die Flanken, bevor sie noch richtig sa�. Sie schlang beide Arme um seine Taille und grollte noch nicht einmal sehr laut oder lange vor sich hin. Er schnappte lediglich ein paar Kleinigkeiten auf, was sie im Augenblick von Rand al'Thor hielt und auch vom <emphasis>Car'a'carn.</emphasis> Sie lie� aber keineswegs los, wof�r er dankbar war. Es war nicht nur angenehm, ihren K�rper zu sp�ren, der sich an seinen R�cken pre�te, sondern auch als St�tze war sie ihm willkommen. Als sie erst halb oben gewesen war, war er einen Moment lang keineswegs sicher gewesen, ob sie oben oder er unten landen w�rde. Er hoffte, da� sie es nicht bemerkt hatte. Er hoffte, da� sie ihn nicht nur deshalb jetzt so fest in den Armen hielt.</p><p>Das rote Banner mit der gro�en schwarzwei�en Scheibe flatterte hinter Pevin, als sie im Zickzack den H�gel hinab und durch die T�ler mit ihren niedrigen Abh�ngen ritten. Wie gew�hnlich schenkten die Aiel ihrer Gruppe nur wenig Beachtung, obwohl ja das Banner deutlich seine Anwesenheit anzeigte, genau wie die sie umgebende Eskorte von mehreren hundert <emphasis>Far Dareis Mai,</emphasis> die zu Fu� leicht mit Jeade'en und den Maultieren schritthielten. Sie gingen zwischen den Zelten, die die Abh�nge bedeckten, ihren Aufgaben nach und blickten h�chstens einmal des Hufgeklappers wegen auf.</p><p>Es hatte ihn �berrascht, von fast zwanzigtausend gefangenen Anh�ngern Couladins zu erfahren. Bevor er die Zwei Fl�sse verlie�, hatte er �berhaupt nicht glauben k�nnen, da� sich je so viele Menschen am gleichen Ort aufhielten. Doch diese Gefangenen zu sehen hatte ihn viel st�rker ersch�ttert. In Gruppen von vierzig oder f�nfzig waren sie wie die Kohlk�pfe auf dem Acker auf den Abh�ngen plaziert worden. M�nner wie Frauen sa�en nackt in der Sonne. Jede Gruppe wurde von einem <emphasis>Gai'schain</emphasis> bewacht, wenn �berhaupt. Ansonsten k�mmerte sich kaum jemand um sie. H�chstens, da� von Zeit zu Zeit eine in den <emphasis>Cadin'sor</emphasis> gekleidete Gestalt zu einer dieser Gruppen ging und einen Mann oder eine Frau mit einem Auftrag wegschickte. Wer da auch aufgerufen wurde, rannte los, und Rand beobachtete mehrere, die zur�ckkehrten und sich wieder an ihren Platz setzten. Die �brige Zeit sa�en sie ruhig, fast gelangweilt da, als h�tten sie nur keinen Grund, sich woanders zu befinden, und als wollten sie das auch gar nicht.</p><p>Vielleicht w�rden sie sich genauso gelassen wei�e Gew�nder �berziehen. Und doch mu�te er sich daran erinnern, wie die gleichen Leute schon einmal ihre eigenen Sitten und Gesetze �bertreten hatten. Couladin hatte wohl mit diesen Verst��en begonnen oder sie befohlen, aber sie waren seiner F�hrung gefolgt und hatten ihm gehorcht.</p><p>Er blickte finster zu den Gefangenen hin�ber �zwanzigtausend, und weitere w�rden dazukommen. Er w�rde sie ganz gewi� keinem <emphasis>Gai'schain</emphasis> anvertrauen. So brauchte er eine Weile, bis ihm etwas Eigenartiges an den anderen Aiel auffiel. T�chter des Speers und Aielm�nner, die den Speer trugen, hatten nie eine Kopfbedeckung au�er nat�rlich der Schufa und ben�tzten auch niemals eine andere Farbe als solche, die in der W�stenlandschaft zur Tarnung dienen konnten, doch nun sah er M�nner mit einem schmalen roten Stirnband. Vielleicht jeder vierte oder f�nfte hatte sich ein rotes Tuch um die Stirn gewickelt, auf das eine Scheibe gestickt war, die beiden zusammengesetzten Tr�nen, eine schwarz und eine wei�. Andere hatten sie sich auf die Stirn gemalt. Und was vielleicht das Eigenartigste war: auch <emphasis>Gai'schain</emphasis> trugen dieses neue Zeichen. Die meisten hatten wohl die Kapuzen �bergezogen, aber jeder mit unbedecktem Kopf zeigte das gleiche Mal. Und die <emphasis>Algai'd'siswai</emphasis> im <emphasis>Cadin'sor</emphasis> sahen zu und unternahmen nichts. Den <emphasis>Gai'schain</emphasis> war unter keinen Umst�nden erlaubt, Gleiches zu tragen, wie diejenigen, denen es gestattet war, Waffen zu f�hren. Niemals.</p><p>�Ich habe keine Ahnung�, sagte Aviendha kurz angebunden zu seinem R�cken, als er sie fragte, was das zu bedeuten habe. Er bem�hte sich, etwas gerader aufgerichtet im Sattel zu sitzen. Sie schien ihn tats�chlich etwas fester als notwendig gepackt zu haben. Einen Augenblick sp�ter fuhr sie fort, allerdings so leise, da� er genau aufpassen mu�te, um alles zu verstehen. �Bair drohte mir Pr�gel an, wenn ich es noch einmal erw�hnte, und Sorilea verpa�te mir eins mit dem Stock, aber ich glaube, das sind die, die behaupten, wir seien <emphasis>Siswai'aman.�</emphasis></p><p>Rand �ffnete den Mund, um nach der Bedeutung dieser Bezeichnung zu fragen, denn er kannte nur wenige Worte der Alten Sprache, doch da kam ihm wirklich eine stichhaltige �bersetzung in den Sinn. <emphasis>Siswai'aman.</emphasis> W�rtlich konnte das bedeuten: der Speer des Drachens.</p><p>�Manchmal�, schmunzelte Asmodean von unten herauf, �ist es schwer, den Unterschied zwischen Euch selbst und Euren Feinden zu erkennen. Sie wollen die Welt besitzen, aber wie es scheint, besitzt Ihr bereits ein Volk.�</p><p>Rand wandte ihm das Gesicht zu und starrte ihn solange an, bis seine Heiterkeit verflog und er sich mit einem verlegenen Achselzucken zu Pevin und dem Banner zur�ckfallen lie�. Das Dumme war tats�chlich, da� die Bezeichnung ein Besitzverh�ltnis einschlo�; mehr als nur einschlo�. Auch diese Erkenntnis stammte aus den Erinnerungen Lews Therins. Es schien nicht m�glich, ein Volk zu besitzen, aber falls doch, wollte er das nicht. <emphasis>Alles, was ich will, ist lediglich, sie zu ben�tzen,</emphasis> dachte er sarkastisch.</p><p>�Wie ich sehe, glaubst du das nicht�, sagte er �ber seine Schulter nach hinten. Keine der T�chter hatte ein solches Abzeichen angelegt.</p><p>Aviendha z�gerte, bevor sie antwortete: �Ich wei� nicht, was ich glauben soll.� Sie sprach genauso leise wie vorher, und doch klang es nun irgendwie zornig und unsicher zugleich. �Es gibt vieles, woran man glauben kann, und die Weisen Frauen schweigen sich oft aus, als w��ten sie die Wahrheit selber nicht. Einige behaupten, wenn wir dir folgen, tun wir Bu�e f�r die S�nde unserer Vorfahren, die den ... den Aes Sedai gegen�ber versagten.�</p><p>Das Stocken ihrer Stimme �berraschte ihn. Er hatte �berhaupt nicht daran gedacht, da� sie genauso besorgt wie die anderen Aiel �ber die Dinge aus ihrer Vergangenheit nachgr�belte, die er ihnen enth�llt hatte. Besch�mt war vielleicht eine bessere Bezeichnung als besorgt. Scham war ein wichtiger Teil von <emphasis>Ji'e'toh.</emphasis> Sie sch�mten sich dessen, was sie gewesen waren: Anh�nger des Wegs des Blattes. Und zur gleichen Zeit sch�mten sie sich, da� sie ihren Eid, diesem Weg zu folgen, gebrochen hatten.</p><p>�Zu viele haben mittlerweile irgendeine Fassung eines Teils der Prophezeiungen des Drachen geh�rt�, fuhr sie etwas beherrschter fort. Er fand es ein wenig �berheblich � als habe sie auch nur ein Wort dieser Prophezeiungen gekannt, bevor sie ihre Ausbildung zur Weisen Frau begann. �Aber alles wurde verdreht. Sie wissen, da� du uns vernichten wirst...� einen tiefen Atemzug lang versagte ihre Selbstbeherrschung �, �aber viele glauben, du w�rdest uns in endlosen T�nzen des Speers langsam aufreiben und t�ten; ein Opfer, um die S�nde zu s�hnen. Andere glauben, die Trostlosigkeit an sich sei eine Pr�fung, damit vor der Letzten Schlacht alle Untauglichen aussortiert w�rden und nur der harte Kern �brigbliebe. Ich habe sogar von einigen geh�rt, die behaupten, die Aiel seien jetzt nur noch dein Traum, und wenn du von diesem Leben erwachst, sind wir nicht mehr.�</p><p>Das waren vielleicht grimmige Glaubensbekenntnisse! Schlimm genug, da� er ihnen eine Vergangenheit enth�llt hatte, die sie als besch�mend betrachteten. Es war ein Wunder, da� ihn nicht alle im Stich gelassen hatten. Oder wahnsinnig geworden waren. �Was glauben die Weisen Frauen?� fragte er genauso leise wie sie.</p><p>�Da� alles, was kommen mu�, auch kommen wird. Wir werden retten, was zu retten ist, Rand al'Thor. Auf mehr hoffen wir gar nicht.�</p><p>Wir. Sie betrachtete sich bereits als eine der Weisen Frauen, genau wie Egwene und Elayne sich unter die Aes Sedai einreihten. �Na ja�, sagte er mit gek�nstelter Heiterkeit, �ich denke, zumindest Sorilea glaubt, man m�sse mir alles um die Ohren schlagen. Wahrscheinlich ist Bair der gleichen Meinung. Und ganz bestimmt Melaine.�</p><p>�Unter anderem�, murmelte sie. Zu seiner Entt�uschung schob sie sich nach hinten, weg von ihm, wenn sie auch noch seinen Rock gepackt hielt. �Sie glauben viele Dinge, bei denen ich mir w�nschte, sie glaubten sie nicht.�</p><p>Unwillk�rlich mu�te er grinsen. Also glaubte sie nicht, man m�sse ihm eins auf die Ohren geben. Das war doch eine angenehme Abwechslung; die erste, seit er erwacht war.</p><p>Hadnan Kaderes Wagen standen etwa eine Meile von seinem Zelt entfernt. Sie waren im Kreis in einer breiten Senke zwischen zwei H�geln aufgestellt worden und wurden von Steinhunden bewacht. Der Schattenfreund mit der enormen Hakennase hatte sich in einen beigen Rock gezw�ngt. Er blickte auf, als Rand mit seinem Banner und der dahineilenden Eskorte an ihm vorbeizog, wobei er sich mit dem �blichen gro�en Taschenruch den Schwei� vom Gesicht wischte. Auch Moiraine befand sich dort und inspizierte gerade den Wagen, auf dem der t�r�hnliche <emphasis>Ter'Angreal</emphasis> unter einer Segeltuchplane hinter dem Kutschbock festgemacht war. Sie sah sich noch nicht einmal um, bis Kadere sie ansprach. Seinen Gesten nach schlug er ihr offensichtlich vor, Rand zu begleiten. Er schien sogar begierig darauf zu sein, da� sie sich trollte. Kein Wunder. Er konnte sich durchaus dazu gratulieren, da� er als Schattenfreund so lange unerkannt geblieben war, doch in Gesellschaft einer Aes Sedai lief er auf die Dauer eben doch Gefahr, entdeckt zu werden.</p><p>Es war nun wirklich eine �berraschung f�r Rand, den Mann immer noch hier vorzufinden. Mindestens die H�lfte der Kutscher, die mit ihm in die W�ste gekommen waren, hatten sich seit der �berquerung der Drachenmauer heimlich abgesetzt und waren durch Fl�chtlinge aus Cairhien ersetzt worden, die Rand pers�nlich ausgew�hlt hatte, um sicherzugehen, da� es sich nicht wieder um die gleiche Sorte wie Kadere handelte. Er erwartete eigentlich jeden Morgen, zu erfahren, da� der Kerl sich ebenfalls abgesetzt habe, besonders seit dem Zeitpunkt, da Isendre geflohen war. Die T�chter hatten beinahe die gesamten Wagen auseinandergenommen, als sie nach der Frau suchten, w�hrend Kadere gleich drei Taschent�cher durchschwitzte.</p><p>Er w�rde es nicht bedauern, wenn Kadere es fertigbrachte, sich eines Nachts fortzustehlen. Die Aielwachen hatten den Auftrag, ihn durchzulassen, solange er nicht versuchte, Moiraines kostbare Fracht mitzunehmen. Es wurde jeden Tag deutlicher, da� diese Ladungen f�r sie einen Schatz darstellten, und Rand w�rde nicht zusehen, wie sie ihn verlor.</p><p>Er blickte sich nach hinten um, doch Asmodean sah stur geradeaus und ignorierte die Wagen vollst�ndig. Er behauptete, keinen Kontakt mehr mit Kadere gehabt zu haben, seit Rand ihn gefangengenommen hatte, und Rand hielt es f�r recht wahrscheinlich. Ganz bestimmt hatte der H�ndler nie seine Wagen verlassen und sich auch nie au�er Sicht der Aielwachen begeben, au�er, wenn er sich in seinem eigenen Wohnwagen befand.</p><p>Den Wagen gegen�ber lie� Rand, ohne weiter nachzudenken, Jeade'en anhalten. Sicher w�rde Moiraine ihn doch nach Cairhien begleiten wollen. Wohl hatte sie ihm den Kopf mit Wissen vollgestopft, aber es schien immer noch eine Einzelheit zu geben, die sie hinzuf�gen wollte, und diesmal konnte er in ganz besonderem Ma�e ihre Gegenwart und ihren Rat gebrauchen. Aber sie blickte ihn lediglich eine Weile nachdenklich an und wandte sich dann wieder den Wagen zu.</p><p>Mit gerunzelter Stirn trieb er den Apfelschimmel weiter. Er w�rde sich daran erinnern m�ssen, da� sie noch andere Schafe zu scheren hatte, von denen er nichts wu�te. Er war zu vertrauensselig geworden.</p><p>Am besten sollte er ihr gegen�ber genauso mi�trauisch sein wie bei Asmodean.</p><p><emphasis>Traue niemandem,</emphasis> dachte er d�ster. Einen Moment lang wu�te er nicht, ob das sein Gedanke gewesen war oder der Lews Therins, doch dann entschied er, da� es keine Rolle spiele. Jeder hatte eigene Ziele und W�nsche. Am besten vertraute er niemandem vollst�ndig au�er sich selbst. Und doch fragte er sich, wenn schon ein anderer Mann immer wieder in seinen Verstand hineinredete, wie weit er sich dann selbst trauen konnte?</p><p>Geier verdunkelten den Himmel in der Umgebung Cairhiens. Eine Schicht schwarzer Federn �ber der anderen kreiste dort. Auf dem Boden h�pften sie zwischen ganzen Schw�rmen summender Fliegen herum und kr�chzten heiser die schimmernden Raben an, die versuchten, ihnen die Rechte an den Leichen streitig zu machen. Wo Aiel �ber die baumlosen H�gel wanderten und die Leichen ihrer Gefallenen suchten, flogen sie schwerf�llig auf und kreischten emp�rt, und sobald die lebenden Menschen ein paar Schritte weitergegangen waren, landeten sie wieder auf ihrer reich gedeckten Tafel. Geier und Raben und Fliegen konnten doch nicht wirklich die Sonne tr�ber scheinen lassen, aber Rand kam es so vor.</p><p>Rand verdrehte es den Magen. Er bem�hte sich, nicht hinzuschauen, und trieb Jeade'en zu einer schnelleren Gangart an, bis Aviendha sich wieder eng an ihn klammerte und die T�chter laufen mu�ten. Niemand protestierte, und er glaubte nicht, da� das nur daran liege, da� Aiel stundenlang so schnell laufen konnten. Sogar Asmodean wirkte bla� um die Augen. Pevins Gesichtsausdruck �nderte sich nicht, obwohl das fr�hlich �ber ihm flatternde Banner an diesem Ort wie blanker Hohn wirkte.</p><p>Was vor ihm lag, war auch nicht viel besser. Rand hatte das Vortor als eine Art l�rmenden Bienenstock in Erinnerung, ein Durcheinander von l�rm- und lebenerf�llten bunten Stra�en und Gassen. Jetzt lag alles still da, und nur ein breiter Streifen Asche umgab die kantige graue Stadtmauer Cairhiens auf drei Seiten. Verkohlte Balken lagen ineinander verkeilt auf Steinfundamenten, und hier und da stand immer noch ein ru�iger Schornstein, allerdings oft gef�hrlich zur Seite geneigt. Er sah einmal einen Stuhl, der fast unversehrt auf der Lehmstra�e lag, dann wieder ein wohl hastig zusammengerafftes B�ndel, das jemand auf der Flucht schlie�lich doch hatte fallen lassen, oder eine Stoffpuppe. Alles das betonte nur den Eindruck von Verw�stung.</p><p>Ein leichter Wind bewegte einige der Flaggen an den T�rmen der Stadt und auf der Mauer. An einem Mast entdeckte er einen rotgoldenen Drachen auf wei�em Grund, und an einem anderen wiederum sah er die wei�en Halbmonde Tears auf rotem und goldenem Grund. Der Mittelteil des Jangai-Tores stand offen, drei hohe, rechteckige �ffnungen im grauen Stein, die von tairenischen Soldaten mit breitrandigen Helmen bewacht wurden. Einige waren beritten, doch die meisten zu Fu�. Die verschiedenfarbigen Streifen an ihren weiten �rmeln zeigten, da� es sich um Gefolgsleute mehrerer Lords handeln mu�te.</p><p>Was man auch in der Stadt �ber den Sieg in der Schlacht wissen mochte und dar�ber, da� verb�ndete Aiel sie gerettet hatten, so erregte die Ankunft eines halben Tausends <emphasis>Far Dareis Mai</emphasis> doch einiges Aufsehen. H�nde griffen unsicher nach den Heften der Schwerter oder nach Speeren und langen Schilden, oder nach Lanzen. Einige Soldaten machten Anstalten, die Tore zu schlie�en, w�hrend sie noch ihren Offizier fragend anblickten. Der Mann mit seinen drei wei�en Federn am Helm z�gerte, stellte sich in den Steigb�geln auf und hob die Hand �ber seine Augen, um das rote Banner gegen die Sonne besser sehen zu k�nnen. Und nat�rlich vor allem Rand.</p><p>Mit einemmal setzte sich der Offizier ruckartig in den Sattel und rief etwas, das zwei der berittenen Tairener dazu veranla�te, durch das Tor in die Stadt zu galoppieren. Gleich darauf winkte er die anderen M�nner beiseite und schrie: �Macht Platz f�r den Lord Drachen Rand al'Thor! Das Licht erleuchte den Lord Drachen! Ruhm und Ehre dem Wiedergeborenen Drachen!�</p><p>Die Soldaten waren der T�chter des Speers wegen immer noch nerv�s, aber sie stellten sich doch schnell in zwei Reihen neben den Torfl�geln auf und verbeugten sich tief, als Rand hindurchritt. Aviendha schnaubte vernehmlich an seinem R�cken und dann noch einmal, als er lachte. Sie verstand das nicht, und er hatte nicht die Absicht, sie aufzukl�ren. Was ihn so am�sierte, war die Tatsache, da� die Tairener und die Soldaten aus Cairhien wohl versuchten, ihn so hochn�sig und eingebildet wie nur m�glich werden zu lassen, doch er konnte sich darauf verlassen, da� sie und die T�chter daf�r sorgen w�rden, ihm diese �berheblichkeit ganz schnell wieder auszutreiben. Und Egwene. Und Moiraine. Und was das betraf, zeigten auch Elayne und Nynaeve die gleichen F�higkeiten, falls er sie jemals wiedersah. Wenn er es recht bedachte, dann machten sich das recht viele von ihnen zur Lebensaufgabe. Die Stadt jenseits des Tores lie� sein Lachen verstummen.</p><p>Hier waren die Stra�en gepflastert, einige breit genug, um ein Dutzend Wagen nebeneinander hindurchzulassen, und alle schnurgerade. Sie kreuzten sich stets im rechten Winkel. Die H�gel, die sich von au�erhalb der Mauer hereinzogen, waren hier zu Terrassen gestaltet und von Mauern eingefa�t. Sie wirkten genauso k�nstlich und von Menschenhand erbaut wie die Steingeb�ude mit ihrer strengen Linienf�hrung und den harten Kanten oder die gro�en T�rme mit den unvollendeten Spitzen, die von Bauger�sten umgeben waren. Menschen dr�ngten sich auf Stra�en und Gassen, hohlwangig und mit glanzlosen Augen. Sie duckten sich unter provisorische Schutzd�cher oder unter zerfledderte Decken, die man zu Zelten aufgespannt hatte. Oder sie dr�ngten sich einfach auf den offenen Fl�chen zusammen. Sie trugen die dunkle Kleidung, wie sie von den Stadtbewohnern Cairhiens bevorzugt wurde, und die bunten Kleider der Leute aus dem Vortor und die grobgewebte Bekleidung der Bauern und Dorfbewohner. Sogar die Bauger�ste waren besetzt, auf jeder Ebene bis hinauf zur obersten Plattform, wo die Leute der H�he wegen ganz winzig aussahen. Nur die Stra�enmitte hinter Rand und den T�chtern blieb gerade eben so lange menschenleer, wie die Leute brauchten, um die dichte Menge wieder zu schlie�en.</p><p>Es waren die Menschen, die seine Heiterkeit abrupt beendeten. So ausgelaugt und zerlumpt sie auch waren und zusammengedr�ngt wie die Schafe in einem viel zu kleinen Pferch, sie jubelten dennoch. Er hatte keine Ahnung, woher sie wu�ten, wer er sei. H�chstens, falls die Schreie des Offiziers vor dem Tor drinnen geh�rt worden waren... Doch wo immer die T�chter ihnen den Weg durch die Menge bahnten, brauste vor ihnen tosender Jubel auf. Der Donnerhall �bert�nte jedes einzelne Wort, und nur gelegentlich verstand er ein �Lord Drache�, wenn gen�gend Leute es im Chor riefen, aber die Bedeutung war klar. M�nner und Frauen hielten ihre Kinder hoch, damit sie ihn vorbeireiten sehen konnten, Schals und T�cher wurden aus allen Fenstern geschwenkt, und viele Menschen versuchten, sich mit vorgestreckten H�nden an den T�chtern vorbei an ihn heranzudr�ngen.</p><p>Sie schienen alle Furcht vor den Aiel zu vergessen, wenn sie die M�glichkeit sahen, wenigstens mit einem Finger Rands Stiefel zu ber�hren, und sie waren so zahlreich, und Hunderte dr�ngten von hinten nach, da� einige sich tats�chlich durchwinden konnten.</p><p>Eine ganze Menge ber�hrte auch statt dessen Asmodean, der sicherlich wie ein Lord wirkte mit all den hervorquellenden Spitzen, und m�glicherweise glaubten auch einige, der Lord Drache m�sse ein �lterer Mann sein als jener J�ngling im roten Rock, doch das machte nichts aus. Wer es auch immer fertigbrachte, eine Hand an irgend jemandes Stiefel oder Steigb�gel zu legen, und sei es Pevins, dessen Miene zeigte pure Freude, und an den M�ndern konnte man in all diesem L�rm ablesen, da� sie begeistert �Lord Drache� riefen, obwohl die T�chter sie mit Hilfe ihrer Schilde zur�ckdr�ngten.</p><p>Bei all dem L�rm und Jubel, und da der Offizier am Tor ja auch Reiter vorangeschickt hatte, war es kein Wunder, da� bald Meilan selbst erschien, ein Dutzend niederer Lords aus Tear im Schlepptau und f�nfzig Verteidiger des Steins vorweg, um ihm den Weg zu bahnen. Sie stie�en die Leute grob mit den Enden ihrer Lanzen aus dem Weg. Grauhaarig, hart und hager, in einem feinen Seidenrock mit gr�nen Satinstreifen und Aufschl�gen an den �rmeln, so sa� der Hochlord mit geradem R�cken und doch entspannt im Sattel, wie einer, den man auf ein Pferd gesetzt und reiten gelehrt hatte, kaum da� er laufen konnte. Er ignorierte den Schwei� auf seiner Stirn so gewi� wie die M�glichkeit, da� seine Eskorte jemanden niedertrampeln k�nnte. Beides waren nebens�chliche Dinge, und der Schwei� war wahrscheinlich das gr��ere Problem in seiner Sichtweise.</p><p>Edorion, der kleine Lord mit den roten Wangen, der in Eianrod gewesen war, befand sich in seiner Begleitung, doch war er nicht mehr so mollig wie zuvor, so da� sein Rock zu weit geworden war. Der einzige, den Rand noch erkannte, war ein breitschultriger Bursche in verschiedenen Gr�nt�nen; wie er sich erinnerte, hatte Reimon damals im Stein von Tear gern mit Mat Karten gespielt. Die �brigen waren zumeist �ltere M�nner. Keiner legte mehr R�cksicht auf die Menge an den Tag als Meilan, als sie sich buchst�blich hindurchpfl�gten. In der ganzen Gruppe befand sich kein einziger aus Cairhien.</p><p>Die T�chter lie�en auf Rands Nicken hin Meilan durch, schlossen ihre Reihen aber sofort wieder hinter ihm, um die anderen fernzuhalten. Der Hochlord bemerkte das zuerst �berhaupt nicht. Als es ihm bewu�t wurde, funkelten seine dunklen Augen zornig. Er war ziemlich oft zornig, dieser Meilan, seit Rand den Stein von Tear betreten hatte.</p><p>Der L�rm wurde mit der Ankunft der Tairener schw�cher und legte sich schlie�lich bis auf ein dumpfes Gemurmel, als Meilan sich im Sattel steif vor Rand verbeugte. Sein Blick huschte kurz zu Aviendha hin, aber dann entschied er sich wohl, sie ebenfalls � genau wie die T�chter des Speers � zu ignorieren. �Das Licht erleuchte Euch, mein Lord Drache. Seid mir willkommen in Cairhien. Ich bitte um Verzeihung f�r das Benehmen der Bauern, aber ich hatte nicht gewu�t, da� Ihr bereits jetzt die Stadt besuchen wolltet. W�re ich informiert gewesen, h�tte ich die Stra�en r�umen lassen. Ich wollte Euch einen gro�en Auftritt arrangieren, so, wie er dem Wiedergeborenen Drachen geb�hrt.�</p><p>�Den hatte ich doch gerade�, sagte Rand, und der andere Mann ri� die Augen auf.</p><p>�Wie Ihr meint, mein Lord Drache.� Er fuhr einen Augenblick sp�ter fort mit seiner Begr��ung, und aus seinem Tonfall wurde deutlich, da� er Rand �berhaupt nicht verstanden hatte: �Wenn Ihr mich zum K�nigspalast begleiten w�rdet? Ich habe dort eine kleine Begr��ung vorbereitet. Klein, f�rchte ich, weil ich keine Vorwarnung gehabt habe, doch selbst damit m�chte ich Euch zeigen, da�... �</p><p>�Was Ihr vorbereitet habt, wird gen�gen�, unterbrach ihn Rand und erhielt daf�r eine weitere Verbeugung und ein d�nnes, unterw�rfiges L�cheln zur Antwort. Der Kerl war die Unterw�rfigkeit in Person, und in einer weiteren Stunde w�rde er reden wie jemand, dessen Verstand nicht ausreicht, um die Tatsachen vor seiner Nase zu begreifen, doch unter all dem lagen eine Verachtung und ein Ha�, von denen er glaubte, Rand k�nne sie nicht erkennen, obwohl sie ihm aus dem Augen leuchteten. Verachtung, weil Rand kein Lord war, jedenfalls keiner von adliger Herkunft, wie Meilan sie anerkannte, und Ha�, weil Meilan vor Rands Kommen die Macht �ber Leben und Tod in Tear innegehabt hatte und nur wenige als gleichgestellt und niemanden �ber sich hatte anerkennen m�ssen. Zu glauben, da� eines Tages die Prophezeiungen des Drachen erf�llt w�rden, war ja sch�n und gut, aber sie selbst erf�llt zu sehen und dabei in der eigenen Macht eingeschr�nkt zu werden war schwer zu ertragen.</p><p>Es gab eine kurze Verwirrung, bevor Rand Sulin dazu brachte, den anderen tairenischen Lords zu gestatten, sich mit ihren Pferden hinter Asmodean und Pevins Banner anzuschlie�en. Meilan wollte den Weg wieder durch die Verteidiger des Steins r�umen lassen, doch Rand befahl kurz angebunden, da� sie hinter den T�chter zu folgen h�tten. Die Soldaten gehorchten. Ihre Gesichter unter den breiten Helmr�ndern verzogen sich nicht, nur der Offizier mit den wei�en Federn sch�ttelte den Kopf, worauf der Hochlord ihm ein beruhigendes L�cheln zuwarf. Das L�cheln verflog, als klar wurde, da� sich die Menge freundlich vor den T�chtern des Speers �ffnete, um alle durchzulassen. Da� sie sich nicht mit Kn�ppeln den Weg durch die Menge erk�mpfen mu�ten, schrieb Meilan dem Ruf der Aiel zu, gewaltt�tige Wilde zu sein, und als Rand auf seine Bemerkung hin nicht antwortete, runzelte er die Stirn. Eines bemerkte Rand sehr wohl: Nun, da die Tairener bei ihm waren, blieb der Jubel aus.</p><p>Der K�nigliche Palast von Cairhien nahm den h�chsten H�gel der Stadt ein, genau im Mittelpunkt, eckig, d�ster und massiv. Bei all den verschiedenen Ebenen und Stockwerken des Palasts und den mit Stein eingefa�ten Terrassen war es schwer, festzustellen, da� es hier �berhaupt einen H�gel gab. Hohe S�uleng�nge und schmale, hohe Fenster, hoch �ber dem Boden, konnten die Strenge nicht mildern, genau wie die grauen Stufent�rme, die ganz pr�zise in den Ecken konzentrischer Quadrate standen und nach innen zu immer h�her wurden. Die Stra�e m�ndete in eine lange, breite Rampe, die hinauff�hrte zu m�chtigen bronzenen Torfl�geln. Dahinter befand sich ein riesiger, quadratischer Innenhof, der jetzt von tairenischen Soldaten umrahmt war, die mit schr�g aufgest�tzten Speeren wie Statuen dastanden. Weitere standen auf den Steinbalkonen �ber dem Hof.</p><p>Unruhe machte sich beim Anblick der T�chter in den Reihen der Soldaten breit, aber sie flaute schnell ab, als Sprechch�re zu rufen begannen: �Ruhm und Ehre dem Wiedergeborenen Drachen! Ruhm und Ehre dem Lord Drachen und Tear! Ruhm und Ehre dem Lord Drachen und Hochlord Meilan!� Meilans Gesichtsausdruck nach h�tte man glauben k�nnen, es sei alles ganz spontan geschehen.</p><p>Dunkel uniformierte Diener, die ersten Einwohner Cairhiens, die Rand im Palast entdecken konnte, eilten mit Sch�sseln aus geh�mmertem Gold und wei�en Leinent�chern herbei, als er ein Bein �ber den hohen Sattelkopf schwang und vom Pferd glitt. Weitere kamen, um die Z�gel zu �bernehmen. Er wusch sich schnell Gesicht und H�nde mit k�hlem Wasser, damit Aviendha allein herunterklettern mu�te. H�tte er versucht, ihr herunterzuhelfen, h�tten sie anschlie�end m�glicherweise beide auf den Pflastersteinen gelegen, so schwach f�hlte er sich.</p><p>Unaufgefordert w�hlte Sulin zwanzig T�chter aus, die neben ihr selbst Rand hineinbegleiten sollten. Einerseits war er ganz froh, da� sie nicht jeden einzelnen Speer in seiner N�he behalten wollte. Andererseits war er alles andere als gl�cklich dar�ber, da� ausgerechnet Enaila, Lamelle und Somara unter den zwanzig waren. Die besorgten Blicke, die sie ihm zuwarfen �besonders Lamelle, eine hagere Frau mit kr�ftigem Kinn und dunkelrotem Haar, fast zwanzig Jahre alter als er �, lie�en <emphasis>ihn</emphasis> mit den Z�hnen knirschen, w�hrend er sich bem�hte, beruhigend zur�ckzul�cheln. Irgendwie mu�te Aviendha es fertiggebracht haben, hinter seinem R�cken mit Sulin und ihnen zu sprechen. <emphasis>Ich kann mich vielleicht der T�chter nicht erwehren,</emphasis> dachte er grimmig, als er einem der Diener ein Leinenhandtuch zur�ckgab, <emphasis>aber seng mich, wenn eine ganz bestimmte Aielfrau nicht feststellen wird, da� ich der Car'a'carn bin!</emphasis></p><p>Die anderen Hochlords begr��ten ihn am Fu� der breiten, grauen Treppe, die vom Hof hochf�hrte. Alle waren in bunte Seidenr�cke gekleidet, zumeist mit Satinstreifen und silberbeschlagenen Stiefeln. Es war eindeutig, da� niemand von ihnen vorher von Meilans Ausritt zu seiner Begr��ung erfahren hatte. Torean mit dem Kartoffelgesicht, seltsam tr�ge f�r einen solch kr�ftigen Mann, schn�ffelte �ngstlich an einem parf�mierten Taschentuch. Gueyam, dessen einge�lter Bart seinen Glatzkopf noch kahler erscheinen lie�, ballte F�uste vom Umfang kleiner Speckseiten und funkelte Meilan zornig an, w�hrend er sich bereits vor Rand verbeugte. Simaans spitze Nase schien vor Emp�rung zu beben; Maraconn, dessen blaue Augen in Tear eine Rarit�t waren, pre�te seine sowieso schon d�nnen Lippen aufeinander, bis sie fast nicht mehr zu sehen waren, und obwohl Hearnes schmales Gesicht zu einem L�cheln verzogen war, zupfte er sich unbewu�t an einem Ohrl�ppchen, was er immer tat, wenn er w�tend war. Nur der �berschlanke Aracome zeigte �u�erlich keinerlei Gef�hlsregung, aber er beherrschte seinen Zorn fast immer solange, bis es Zeit war, ihn nach au�en hin explodieren zu lassen.</p><p>Die Gelegenheit war zu gut, um sie auszulassen. Er dankte Moiraine innerlich f�r ihren Unterricht. Sie sagte immer, es sei leichter, einem Narren ein Bein zu stellen, als ihn zu Boden zu schlagen. So sch�ttelte Rand Toreans fette Hand ganz herzlich und klopfte Gueyam auf eine kr�ftige Schulter, erwiderte Hearns L�cheln mit einem, das so warm war, als gelte es einem guten Freund, und nickte Aracome schweigend, aber mit einem bedeutungsvollen Blick zu. Daf�r ignorierte er Simaan und Maraconn nahezu vollst�ndig, nachdem er ihnen jeweils einen Blick, so kalt und tief wie ein See im Winter, zugeworfen hatte.</p><p>Das war alles, was im Augenblick getan werden mu�te. Nat�rlich beobachtete er ihre Mienen, wie sie Blicke wechselten und nachdenklich dreinblickten. Sie hatten das ganze Leben lang <emphasis>Daes Dae'mar,</emphasis> das Spiel der H�user, gespielt, und sich in Cairhien aufzuhalten, wo jeder Adlige ganze B�nde in eine hochgezogene Augenbraue oder ein Husten hineinlesen konnte, hatte ihre Empfindlichkeit nur gesteigert. Jeder einzelne wu�te, da� Rand keinen Grund zu besonderer Freundlichkeit ihm gegen�ber hatte, aber jeder mu�te sich Gedanken dar�ber machen, ob die Begr��ung ihm gegen�ber lediglich eine echte Verbindung zu einem der anderen vertuschen solle. Simaan und Maraconn schienen am meisten besorgt zu sein, und doch wurden sie von den anderen ganz besonders mi�trauisch beobachtet. Vielleicht war sein k�hles Benehmen auch nur ein T�uschungsman�ver gewesen? Oder er wollte genau das alle glauben machen.</p><p>Was ihn betraf, so glaubte Rand, Moiraine und Thom Merrilin w�ren sicherlich stolz auf ihn. Auch wenn keiner dieser sieben im Augenblick aktiv gegen ihn intrigierte, obwohl darauf noch nicht einmal Mat wetten w�rde, konnten M�nner in ihren Positionen viel tun, um seine Pl�ne zu st�ren, ohne selbst in Erscheinung zu treten, und das w�rden sie aus blo�er Gewohnheit tun, wenn sie sonst keinen Grund hatten. Oder besser, sie h�tten es getan. Jetzt hatte er sie aus dem Gleichgewicht gebracht. Wenn er diesen Zustand erhalten konnte, w�ren sie zu sehr damit besch�ftigt, sich gegenseitig zu belauern, und zu besorgt dar�ber, selbst belauert zu werden, um ihm Schwierigkeiten zu bereiten. Vielleicht gehorchten sie sogar ausnahmsweise einmal, ohne tausend Gr�nde zu suchen, warum man das ganz anders anpacken m�sse, als er wollte. Nun, m�glicherweise war das zuviel verlangt.</p><p>Seine Selbstzufriedenheit verging ihm, als er Asmodean anz�glich grinsen sah. Und Aviendhas fragender Blick war noch schlimmer. Sie war im Stein von Tear gewesen, wu�te, wer diese M�nner waren und warum er sie hierhergeschickt hatte. <emphasis>Ich tue, was ich mu�,</emphasis> dachte er angewidert, und dabei w�nschte er sich, es h�tte nicht wie eine Entschuldigung ihm selbst gegen�ber geklungen.</p><p>�Hinein!� befahl er etwas sch�rfer als beabsichtigt, und die sieben Hochlords gehorchten, als erinnerten sie sich mit einemmal daran, wer und was er war.</p><p>Sie wollten sich um ihn dr�ngen, als er die Treppe hinaufstieg, doch bis auf Meilan, der den Weg wies, lie�en die T�chter einfach niemanden an ihn heran, und so mu�ten sich die Hochlords mit Asmodean und dem niederen Adel hinten anschlie�en. Aviendha hielt sich nat�rlich neben ihm, Sulin ging an seiner anderen Seite, Somara und Lamelle und Enaila gleich hinter ihm. Sie h�tten die Hand ausstrecken und seinen R�cken ber�hren k�nnen, so nahe waren sie. Er warf Aviendha einen anklagenden Blick zu, worauf sie die Augenbrauen so unschuldig hochzog, da� er beinahe glaubte, sie habe doch nichts damit zu tun gehabt. Beinahe jedenfalls.</p><p>Die G�nge im Palast waren bis auf die dunkellivrierten Diener menschenleer. Sie verbeugten sich so tief, da� die Brust fast die Knie ber�hrte, oder knicksten ebenfalls tief, wenn sie vorbeigingen, doch als er den Gro�en Sonnensaal betrat, merkte er, da� der Adel Cairhiens doch nicht ganz vom eigenen Palast ausgesperrt worden war.</p><p>�Der Wiedergeborene Drache�, verk�ndete ein wei�haariger Mann, der gerade innerhalb des m�chtigen, vergoldeten Tors mit der Aufgehenden Sonne stand. Sein roter Rock war mit sechszackigen blauen Sternen bestickt. Nach diesem Aufenthalt in Cairhien war ihm der Rock ein wenig zu weit. Doch er war ganz eindeutig als ein h�hergestellter Diener aus dem Hause Meilans zu erkennen. �Heil dem Lord Drachen Rand al'Thor! Ruhm und Ehre dem Lord Drachen!�</p><p>Ein Aufschrei f�llte den Saal bis zur hohen, gew�lbten Decke, f�nfzig Schritt �ber ihm: �Heil dem Lord Drachen Rand al'Thor! Ruhm und Ehre dem Lord Drachen! Das Licht erleuchte den Lord Drachen!� Das darauffolgende Schweigen schien ihm im Vergleich doppelt so still.</p><p>Zwischen den m�chtigen Vierecks�ulen aus dunkel-, ja beinahe schwarzblau gestreiftem Marmor standen mehr Tairener, als Rand erwartet hatte. Ganze Reihen von Lords und Ladies dieses Landes warteten mit ihren besten Kleidern angetan auf ihn. Spitze Samth�te waren da zu sehen, Kurzm�ntel mit gestreiften Puff�rmeln, bunte Abendgew�nder und Spitzenkrausen und kleine Kappen, die kunstvoll bestickt oder �ber und �ber mit Perlen oder kleinen Gemmen besetzt waren.</p><p>Hinter ihnen standen die Adligen aus Cairhien, dunkel gekleidet, abgesehen von bunten Streifen auf dem Brustteil der Abendkleider oder der knielangen M�ntel. Je mehr Streifen von der Farbe des Hauses, desto h�her der Rang des Tr�gers, doch M�nner und Frauen, die vom Hals bis zur Taille oder noch tiefer mit solchen Streifen geschm�ckt waren, standen hinter Tairenern, die eindeutig kleineren H�usern angeh�rten und lediglich gelbe Stickereien trugen anstatt Goldf�den und Wolle statt Seide. Nicht wenige der Adligen Cairhiens hatten sich die Haare �ber der Stirn rasiert und den Kopf gepudert. Alle j�ngeren M�nner hatten das getan.</p><p>Die Tairener schienen erwartungsvoll, wenn auch nerv�s, w�hrend die Gesichter der M�nner und Frauen aus Cairhien wie aus Eis gemei�elt schienen. Man konnte nicht feststellen, wer gejubelt hatte und wer nicht, aber Rand vermutete, die meisten Rufe seien aus den vorderen Reihen erklungen. �Eine gro�e Anzahl hier w�nschte, Euch zu dienen�, murmelte Meilan vertraulich, als sie �ber den blaugekachelten Fu�boden mit dem gro�en goldenen Mosaik der Aufgehenden Sonne schritten. Eine Welle lautloser Knickse und Verbeugungen folgte ihnen.</p><p>Rand knurrte nur. Sie w�nschten, ihm zu dienen? Er brauchte Moiraine nicht, um zu wissen, da� diese niederen Adligen sich an G�tern bereichern wollten, die man Cairhien abnahm. Zweifellos hatten Meilan und die anderen sechs bereits angedeutet oder sogar versprochen, wer welche L�ndereien erhalten werde.</p><p>Am hinteren Ende des Gro�en Saals stand der Sonnenthron mitten auf einem breiten Podest aus tiefblauem Marmor. Selbst hier zeigte sich die typische Zur�ckhaltung, wie sie in Cairhien �blich war, zumindest, was den Prunk sonstiger Throne betraf. Der gro�e Sessel mit den schweren Armlehnen glitzerte vor Blattgold und goldener Seide, wirkte aber trotzdem schlicht durch seine einfache, senkrechte Linienf�hrung. Nur die Aufgehende Sonne Cairhiens mit ihren wellenf�rmigen Strahlen gl�nzte auff�llig ganz oben an der R�cklehne, wo sie sich �ber dem Kopf desjenigen erhob, der auf diesem Thron sa�.</p><p>Rand erkannte, lange bevor er die neun Stufen zu dem Podest erreichte, da� sie ihn eben dorthin setzen wollten. Aviendha schritt neben ihm die Stufen hinauf, und Asmodean, als sein Barde, wurde ebenfalls hinaufgelassen, doch Sulin postierte die T�chter des Speers so um den Sockel, da� sie mit ihren Speeren Meilan und den �brigen Hochlords wie selbstverst�ndlich den Weg hinauf versperrten. Auf diesen tairenischen Gesichtern zeigte sich pure Entt�uschung. Im Saal war es so ruhig, da� Rand seine eigenen Atemz�ge h�ren konnte.</p><p>�Der Thron geb�hrt jemand anderem�, sagte er schlie�lich in das Schweigen hinein. �Au�erdem habe ich zu lange im Sattel gesessen, um nun auf einem so harten Stuhl Platz zu nehmen. Bringt mir einen bequemen Sessel.�</p><p>Einen Moment lang hielten die Zuschauer im Saal vor Schreck den Atem an. Dann begann alles, leise durcheinanderzureden. Meilans Miene wirkte mit einemmal so vollkommen berechnend, auch wenn er den Eindruck schnell wieder zu verwischen suchte, da� Rand beinahe laut gelacht h�tte. H�chstwahrscheinlich hatte Asmodean recht, was diesen Mann betraf. Asmodean selbst musterte Rand so nachdenklich, da� klar war, welche Fragen hinter seiner Stirn bohrten.</p><p>Es dauerte ein paar Minuten, bis der Mann im sternverzierten Rock schnaufend heraufrannte, gefolgt von zwei dunkellivrierten Dienern, die einen hohen Lehnstuhl mit Seidenpolstern trugen. Unter vielen besorgten Blicken in Rands Richtung zeigte er ihnen, wo sie den Stuhl hinstellen sollten. Die dicken Stuhlbeine und die Lehne empor zogen sich vergoldeter Zierrat, doch vor dem Sonnenthron wirkte er geradezu unbedeutend.</p><p>W�hrend die drei Diener sich noch unter vielen tiefen Verbeugungen und Kratzf��en entfernten, schob Rand die meisten Kissen zur Seite und lie� sich dankbar nieder, den Seanchan-Speer �ber die Knie gelegt. Er gab sich allerdings M�he, nicht wohlig zu seufzen. Aviendha beobachtete ihn viel zu genau, als da� er das h�tte riskieren k�nnen, und Somara blickte auff�llig von ihm zu Aviendha hin�ber und dann wieder zu ihm, was seinen Verdacht erh�rtete.</p><p>Doch welche Probleme er auch mit Aviendha und den <emphasis>Far Dareis Mai</emphasis> haben mochte � die meisten Anwesenden warteten mit gemischten Gef�hlen, teils erwartungsvoll, teils voller Bef�rchtung, auf das, was er sagen w�rde. <emphasis>Zumindest werden sie h�pfen, wenn ich �Frosch� sage,</emphasis> dachte er sarkastisch. Es w�rde ihnen wohl nicht passen, aber gehorchen w�rden sie.</p><p>Er hatte mit Moiraines Hilfe das alles geplant, was hier zu tun war. Auf einige ihrer Vorschl�ge war er bereits selbst gekommen gewesen, weil er wu�te, da� es so richtig sei. Es w�re angenehmer gewesen, sie jetzt hier neben sich zu haben, damit sie ihm im Zweifelsfall etwas ins Ohr fl�stern konnte, anstatt ansehen zu m�ssen, wie Somara auf ein Signal Aviendhas lauerte, aber Warten hatte keinen Zweck. Sicher befand sich jeder Adlige aus Tear und Cairhien, der sich in der Stadt aufhielt, mittlerweile hier im Saal.</p><p>�Warum stehen die Vertreter Cairhiens hinten an?� fragte er laut, und in die Menge der Adligen kam Bewegung. Vor allem tauschten sie verwirrte Blicke. �Die Tairener kamen, um zu helfen, doch das ist kein Grund f�r die Vertreter Cairhiens, sich so sch�chtern hinten anzustellen. Alle sollen sich jetzt dem Rang nach neu formieren. Alle!�</p><p>Es war schwer festzustellen, ob nun die Tairener oder die aus Cairhien �berraschter waren. Meilan sah aus, als wolle er die eigene Zunge verschlingen, und die anderen sechs standen ihm nicht viel nach. Selbst der in seinen Reaktionen so gem�chliche Aracome wurde bla�. Es gab viel Stiefelgetrappel und das Ger�usch aneinander vorbeischabender R�cke, es gab viele eisige Blicke auf beiden Seiten, doch sie leisteten seinem Befehl Folge. So standen bald in der vordersten Reihe nur noch M�nner und Frauen mit Streifen auf der Brust, und in der zweiten befanden sich nur ein paar Tairener. Am Fu�e des Podestes hatten sich noch einmal so viele Lords und Ladies aus Cairhien, zumeist grauhaarig und ausnahmslos mit Streifen vom Kopf bis zu den Knien ausgezeichnet, zu Meilan und seinen Leuten gesellt, obwohl vielleicht �gesellt� der falsche Ausdruck war. Sie standen in zwei Gruppen dort, durch einen mindestens drei Schritt breiten Streifen getrennt, und sie blickten so betont aneinander vorbei, da� sie genausogut die F�uste schwingen und sich gegenseitig h�tten anschreien k�nnen. Aller Blicke ruhten auf Rand, die der Tairener von Zorn erf�llt, und die der Adligen aus Cairhien immer noch eisig. Das Eis schmolz nur bei einigen andeutungsweise, aber ansonsten sahen sie ihn voller Berechnung im Blick an.</p><p>�Mir sind die Flaggen �ber Cairhien aufgefallen�, sagte er, sobald wieder Ruhe eingekehrt war. �Es ist gut, da� so viele Halbmonde von Tear dort wehen. Ohne das Korn Tears w�rde in Cairhien niemand mehr leben, der eine Flagge hissen kann, und ohne die Schwerter Tears w�rden die Menschen, die heute in dieser Stadt �berlebt haben, Adlige wie Gemeine, den Shaido gehorchen m�ssen. Tear hat diese Ehrung verdient.� Das ging den Tairenern nat�rlich hinunter wie Honig. Sie richteten sich hoch auf, nickten energisch und l�chelten noch energischer. Nur die Hochlords schienen verwirrt, weil seine Worte, verglichen mit denen zuvor, so widerspr�chlich schienen. Und die Adligen aus Cairhien, die neben dem Podest standen, warfen sich zweifelnde Blicke zu. �Aber ich brauche nicht so viele Drachenbanner, was mich betrifft. La�t ein Drachenbanner h�ngen, und zwar am h�chsten Turm der Stadt, damit es alle sehen, die sich der Stadt n�hern, aber den Rest nehmt herunter und ersetzt ihn durch die Flaggen Cairhiens. Dies ist Cairhien, und die Aufgehende Sonne mu� und wird stolz �ber der Stadt schweben. Auch Cairhien hat seine Ehre und seinen Stolz, und dem werden wir Rechnung tragen.�</p><p>Der Saal explodierte so unvermittelt in einem Jubelsturm, da� die T�chter ihre Speere hoben. Der Jubel hallte von den W�nden wider. Blitzartig verst�ndigte sich Sulin durch die Handzeichensprache der T�chter mit den anderen, und bereits halb erhobene Schleier wurden wieder gesenkt. Diese Adligen Cairhiens schrien und jubelten genauso laut, wie es die Menschen auf den Stra�en getan hatten. Sie tanzten und warfen die Arme vor Freude empor, als bef�nden sie sich im Vortor und feierten ein Fest. Inmitten dieses Durcheinanders war es nun an den Tairenern, schweigend finstere Blicke zu tauschen. Sie wirkten aber nicht direkt zornig. Selbst Meilan schien einfach verunsichert, als er wie Torean und die anderen erstaunt das Benehmen der Lords und Ladies von so hohem Rang beobachteten, die einen Augenblick zuvor noch so kalt und w�rdevoll gewirkt hatten und nun tanzten und dem Lord Drachen zujubelten.</p><p>Rand wu�te nicht, was die einzelnen in seine Worte hineinlasen. Nat�rlich hatte er von ihnen erwartet, da� sie mehr h�rten, als er sagte, besonders die Leute aus Cairhien, und vielleicht w�rde der eine oder andere sogar h�ren, was er wirklich sagte, doch nichts hatte ihn auf dieses Schauspiel vorbereitet. Die �bliche Reserviertheit der Menschen dieses Landes war schon eigenartig, wie er sehr wohl wu�te, und wandelte sich manchmal in eine unerwartete Aufdringlichkeit. Moiraine war im Hinblick auf dieses Verhalten sehr zur�ckhaltend gewesen, obwohl sie ja darauf bestand, ihm wirklich alles beizubringen; und so hatte sie sich auf die Bemerkung beschr�nkt wenn diese Reserviertheit einmal �berwunden sei, dann in �berraschend hohem Ma�e. Und �berraschend war dies hier in der Tat.</p><p>Als sich der Jubel endlich legte, begannen sie, ihm einer nach dem anderen Gefolgschaftstreue zu schw�ren. Meilan war der erste, der niederkniete und mit angespannter Miene beim Licht und bei seiner Hoffnung auf Erl�sung und Wiedergeburt schwor, treu zu dienen und zu gehorchen. Das war eine alte Eidesformel, und Rand hoffte, sie m�ge einige dazu bringen, sich tats�chlich an den Eid zu halten. Sobald Meilan die Spitze des abgeschnittenen Seanchan-Speers gek��t hatte und sich bem�hte, seine saure Miene zu verbergen, indem er sich den Bart strich, wurde er von Lady Colavaere abgel�st. Sie war eine mehr als nur gut aussehende Frau von mittleren Jahren, deren waagrechte Farbstreifen sich vom Spitzenkragen bis zu den Knien fortsetzten, und dunkle Elfenbeinspitzen fielen von den �rmeln �ber ihre H�nde, die sie Rand entgegenstreckte. Sie sprach die Eidesformel mit klarer, fester Stimme und in diesem musikalischen Tonfall, den er von Moiraine so gut kannte. Auch der Blick aus ihren dunklen Augen hatte etwas �hnlich Abw�gendes wie der Moiraines, besonders, als sie Aviendha musterte, w�hrend sie knicksend an ihren Platz vor den Stufen zur�ckschritt. Torean war der n�chste. Er schwitzte beim Schwur. Lord Dobraine folgte auf Torean, und seine tiefliegenden Augen blickten Rand forschend an. Er war einer der wenigen �lteren M�nner, der die Vorderseite seines langen, gr��tenteils grauen Haarschopfes abrasiert hatte. Auf ihn folgte Aracome und...</p><p>Rand wurde ungeduldig, als die Prozession immer weiter ging und einer nach dem anderen zu ihm heraufkam und niederkniete, einer aus Cairhien, einer aus Tear, einer aus Cairhien und immer so weiter, wie er es befohlen hatte. Das sei aber alles notwendig, hatte Moiraine gesagt, und eine Stimme in seinem Kopf, die er als die Lews Therins erkannte, stimmte ihr zu, doch f�r ihn war es Teil einer l�stigen Verz�gerung. Er mu�te unbedingt ihre Loyalit�t besitzen, und wenn auch nur an der Oberfl�che, um damit beginnen zu k�nnen, Cairhien f�r ihn abzusichern, und zumindest dieser Anfang mu�te gemacht werden, bevor er gegen Sammael vorgehen konnte. <emphasis>Und das wird ganz bestimmt geschehen! Ich habe einfach noch viel zu viel zu tun, um zuzulassen, da� er aus den B�schen heraus st�ndig auf meine Beine einsticht! Er wird feststellen, was es hei�t, den Drachen zu wecken!</emphasis></p><p>Er verstand nicht wieso diese Menschen, die da vor ihn traten, zu schwitzen begannen und sich nerv�s die Lippen leckten, als sie niederknieten und ihren Treueeid stammelten. Aber er konnte eben auch nicht sehen, welch kaltes Licht aus seinen eigenen Augen leuchtete.</p></section><section><title><p>47</p><p>Um den Preis eines Schiffes</p></title><p>Nynaeve war mit Waschen fertig und trocknete sich ab. Sie legte gro�en Wert darauf, sich jeden Morgen gr�ndlich zu waschen. Z�gernd zog sie sich dann ein frisches seidenes Unterhemd �ber, Seide war nicht so k�hl wie Leinen, und obwohl die Sonne gerade erst �ber den Horizont gestiegen war, lie� die Hitze im Wohnwagen auf einen weiteren gl�hendhei�en Tag schlie�en. Au�erdem war das Ding so tief ausgeschnitten, da� sie f�rchtete, es werde beim ersten falschen Atemzug hinabrutschen und ihr an den Beinen h�ngen. Aber es war wenigstens nicht feucht vom Schwei� der Nacht wie das andere, das sie gerade in den W�schekorb gelegt hatte.</p><p>Ihr Schlaf war st�ndig durch Angsttr�ume gest�rt worden, Tr�ume von Moghedien, die sie hellwach hochschrecken lie�en, die aber immer noch nicht so schlimm waren wie einige, von denen sie nicht erwachte, Tr�ume von Birgitte, die ihre Pfeile auf sie abscho� und sie diesmal <emphasis>nicht</emphasis> verfehlte, Tr�ume, in denen die Anh�nger des Propheten die Menagerie pl�nderten und zerst�rten, andere, in denen sie f�r immer in Samara festsa�, weil niemals mehr ein Schiff anlegen w�rde, und schlie�lich solche, in dem sie wohl Salidar erreichten, aber dort Elaida als Herrscherin vorfanden. Oder auch wieder Moghedien. Aus dem letzteren war sie weinend aufgewacht.</p><p>All das bereitete ihr nat�rlich Sorge, und das war ja nur zu verst�ndlich. Drei N�chte lang lagerten sie nun schon hier, und kein einziges Schiff war aufgetaucht. Drei hitzeerf�llte Tage, an denen sie mit verbundenen Augen vor diesem verfluchten St�ck Holzwand als Zielscheibe gedient hatte. Das reichte wohl, um jeden verr�ckt zu machen, ganz zu schweigen von ihrer Angst, da� Moghedien ihnen in der Zwischenzeit immer n�her kommen k�nnte. Andererseits mu�te diese Frau, nur weil sie wu�te, da� sie sich bei einer Menagerie aufhielten, sie ja nicht gleich in Samara suchen. Es gab noch gen�gend andere Wanderschausteller auf der Welt als die hier versammelten. Dar�ber nachzudenken, warum sie sich keine Sorgen machen m�sse, fiel ihr eben leichter, als sich einfach keine zu machen.</p><p><emphasis>Aber warum mache ich mir solche Sorgen um Egwene?</emphasis> Sie stippte ein aufgeschnittenes �stchen in einen kleinen Tiegel mit Salz und Soda auf dem Waschtisch und begann, sich mit energischen Bewegungen die Z�hne zu schrubben. Egwene war in nahezu jedem Traum aufgetaucht und jammerte ihr etwas vor, doch ihr war einfach nicht klar, wie sie da hineinpa�te.</p><p>In Wahrheit waren Angst und Schlafmangel nur ein Teil der Gr�nde, warum sie heute morgen so schlechter Laune war. Die anderen waren wohl Kleinigkeiten, trotzdem aber sehr real. Ein Steinchen im Schuh war wirklich eine Kleinigkeit, wenn man es damit verglich, da� man seinen Kopf verlieren sollte, aber das Steinchen war nun einmal vorhanden, w�hrend man den Henker vielleicht niemals zu sehen bekam...</p><p>Es war unm�glich, ihr eigenes Spiegelbild zu meiden, und so sah sie zwangsl�ufig wieder ihr Haar, das lose die Schultern umspielte, anstatt wie bei einer anst�ndigen Frau zu einem Zopf geflochten zu sein. Und so oft sie es auch ausb�rstete � dieses gl�nzende, auff�llige Rot blieb trotzdem genauso abscheulich. Und sie wu�te nur zu gut, da� hinter ihr auf dem Bett ein blaues Kleid ausgelegt war. So blau, da� selbst eine Kesselflickerfrau die Augen aufgerissen hatte, und. genauso tief ausgeschnitten wie das rote Kleid, das sie urspr�nglich getragen hatte und das jetzt am Haken hing. Deshalb hatte sie auch dieses eng anliegende, gewagte Seidenhemd an. <emphasis>Ein</emphasis> solches Kleid reichte nicht, jedenfalls nicht nach Valan Lucas Ansicht. Clarine war dabei, ein weiteres in einem giftigen Gelbton zu n�hen, und die beiden hatten bereits �ber ein gestreiftes gesprochen. Nynaeve wollte von Streifen �berhaupt nichts wissen.</p><p><emphasis>Der Mann k�nnte mich wenigstens die Farben ausw�hlen lassen,</emphasis> dachte sie und fuhr sich heftig mit dem gespaltenen �stchen �ber die Z�hne. Oder Clarine. Aber nein, er hatte seine eigenen Vorstellungen, und er fragte niemals nach denen anderer. Nicht Valan Luca. Seine farbliche Auswahl lie� sie manchmal sogar den tiefen Ausschnitt vergessen. <emphasis>Ich sollte es ihm an den Kopf werfen!</emphasis> Und doch wu�te sie, sie w�rde das nicht tun. Birgitte stellte sich in diesen Kleidern zur Schau, ohne auch nur im geringsten zu err�ten. Die Frau glich wirklich in <emphasis>nichts</emphasis> den Legenden, die man sich �ber sie erz�hlte. Nicht, da� sie dieses bl�dsinnige Kleid widerspruchslos tragen w�rde, nur weil Birgitte das tat. Sie wollte der Frau doch keine Konkurrenz machen! Es war eben nur, da�... �Wenn du etwas machen mu�t�, grollte sie um das �stchen in ihrem Mund herum, �dann gew�hnst du dich am besten gleich daran.�</p><p>�Was hast du gesagt?� fragte Elayne. �Wenn du etwas sagen willst, dann nimm doch bitte dieses Ding aus deinem Mund. Die Ger�usche sind wirklich ekelhaft.�</p><p>Nynaeve wischte sich das Kinn ab und warf einen w�tenden Blick nach hinten. Elayne sa� mit hochgezogenen Beinen auf ihrem eigenen schmalen Bett und flocht sich einen Zopf aus ihrem schwarzgef�rbten Haar. Sie hatte bereits diese wei�e Hose an, ganz mit Pailletten bestickt, und eine schneewei�e Seidenbluse mit R�schen am Hals, die viel zu durchsichtig war. Ihre mit M�nzen bestickte wei�e Jacke lag neben ihr. Wei�. Auch sie hatte zwei Garnituren Kleidung f�r ihre Auftritte, und eine dritte wurde gerade angefertigt � alle in Wei�, wenn auch nicht gerade schlicht zu nennen. �Wenn du dich schon so anziehst Elayne, dann setz dich wenigstens nicht so hin. Es ist unanst�ndig.�</p><p>Die andere blickte m�rrisch vor sich hin, doch sie stellte die F��e in den weichen Pantoffeln wunschgem�� auf den Boden. Und sie hob das Kinn auf ihre typische, hochn�sige Art. �Ich glaube, ich werde heute morgen einen Spaziergang in die Stadt machen�, sagte sie k�hl, wobei sie immer noch an ihrem Zopf flocht. �In diesem Wagen bekomme ich Platzangst.�</p><p>Nynaeve sp�lte sich den Mund aus und spuckte in die Waschsch�ssel. Laut. Der Wohnwagen kam ihr wirklich jeden Tag enger vor. Vielleicht mu�ten sie sich wirklich soweit wie m�glich vor anderen verbergen, doch das wurde langsam l�cherlich. Sicher � es war ihre Idee gewesen, aber die hatte sie l�ngst bereut. Drei Tage mit Elayne hier eingesperrt, au�er bei den Vorf�hrungen! Es kam ihr vor wie drei Wochen. Oder drei Monate. Ihr war zuvor noch nie aufgefallen, welch bei�ende Bemerkungen Elayne immer auf Lager hatte. Jetzt mu�te einfach ein Schiff ankommen. Gleich, welche Art von Schiff. Sie w�rde auch die letzte sorgf�ltig im Ofen versteckte M�nze oder das letzte Schmuckst�ck daf�r hergeben, wenn heute noch ein Schiff anlegte, um sie mitzunehmen. �Na ja, das w�rde auch �berhaupt keine Aufmerksamkeit erregen, oder? Vielleicht w�rde dir die Bewegung gut tun. Oder liegt es an diesen engen Hosen, da� sie sich so �ber deinen H�ften spannen?�</p><p>Blaue Augen blitzten zornig, doch Elaynes Kinn blieb oben und ihr Tonfall kalt: �Ich habe letzte Nacht von Egwene getr�umt, und mitten in ihrem Bericht �ber Rand und Cairhien � denn <emphasis>ich</emphasis> mache mir Sorgen �ber diese Geschehnisse, auch wenn du das nicht n�tig hast �, also mittendrin hat sie gesagt, da� du dich allm�hlich benimmst wie ein kreischendes altes Weib. Nicht da� ich mich dieser Meinung anschl�sse. Ich w�rde sagen: wie eine Fischh�ndlerin.�</p><p>�Jetzt h�r mir mal <emphasis>zu,</emphasis> du �belgelaunte kleine Schlampe! Wenn du jetzt nicht...� Mit immer noch bitterb�sem Blick klappte Nynaeve den Mund zu und atmete dann langsam durch. Mit M�he zwang sie sich, ruhig zu sprechen: �Du hast von Egwene getr�umt?� Elayne nickte knapp. �Und sie erz�hlte von Rand und Cairhien?� Die J�ngere rollte betont frustriert mit den Augen und fuhr fort, an ihrem Zopf zu flechten. Nynaeve zwang erst einmal ihre Hand, das B�schel gl�nzend roter Haare loszulassen und bem�hte sich, an etwas anderes zu denken, als dieser Tochter-Erbin des verdammten Andor ein wenig H�flichkeit einzubleuen. Wenn sie nicht bald ein Schiff fanden... �Falls du noch �ber irgend etwas anderes nachdenken kannst, au�er, wie du deine Beine noch besser zur Schau stellst als sowieso schon, dann wird es dich vielleicht interessieren, da� sie auch in meinen Tr�umen war. Sie sagte, Rand habe gestern bei Cairhien einen gro�en Sieg errungen.�</p><p>�Ich entbl��e vielleicht meine Beine�, fauchte Elayne, und auf ihren Wangen erbl�hten gro�e, rote Flecke, �aber wenigstens lasse ich meine... Du hast auch von ihr getr�umt?�</p><p>Sie brauchten nicht lange, um zu vergleichen, was sie gesehen hatten. Allerdings machte Elayne weiter mit ihren spitzen Bemerkungen. Nynaeve mochte wohl einen Grund gehabt haben, �ber Egwene herzuziehen, w�hrend Elayne ja vielleicht davon getr�umt hatte, in ihrem paillettenbestickten Kost�m vor Rand zu paradieren, oder vielleicht mit noch weniger am Leib. Das war nichts als die Wahrheit. Nun, trotzdem wurde wenigstens eines schnell klar, da� n�mlich Egwene ihnen beiden im Traum dasselbe gesagt hatte, und das lie� wenig Raum f�r Irrt�mer.</p><p>�Sie sagte immer wieder, sie sei wirklich da�, murmelte Nynaeve, �aber ich glaubte, das sei nur ein Teil des Traums.� Egwene hatte ihnen oft genug gesagt, es sei m�glich, im Traum wirklich mit jemandem zu sprechen, aber sie hatte nie eingestanden, da� sie dazu f�hig sei. �Wieso h�tte ich das glauben sollen? Ich meine, weil sie behauptete, sie h�tte endlich begriffen, woher irgendein Speer stammt, den er neuerdings immer mit sich herumtr�gt. Es sei ein Seanchan-Speer. Das ist doch l�cherlich!�</p><p>�Sicher.� Elayne zog eine Augenbraue hoch, was Nynaeve ziemlich irritierte. �Genauso l�cherlich, wie Cerandin und ihre <emphasis>S'redit</emphasis> hier vorzufinden. Es <emphasis>mu�</emphasis> doch noch weitere Seanchan-Fl�chtlinge geben, Nynaeve, und Speere wie jener sind wohl noch das Geringste unter den Dingen, die sie zur�ckgelassen haben.�</p><p>Warum konnte diese Frau eigentlich nichts sagen, ohne an ihr und ihrer Meinung herumzum�keln? �Na, ich habe wohl bemerkt, wie sehr <emphasis>du</emphasis> das glaubtest.�</p><p>Elayne warf den fertiggeflochtenen Zopf nach hinten �ber die Schulter, und dann gleich noch einmal schwungvoll und �berheblich, um noch eins draufzusetzen. �Ich hoffe sehr, da� es Rand gut geht.� Nynaeve schnaubte. Egwene hatte gemeint, er w�rde mehrere Tage Ruhe ben�tigen, bis er wieder auf den Beinen sei, aber immerhin war er mit Hilfe der Macht geheilt worden. Die andere Frau fuhr fort: �Niemand hat ihm je beibringen k�nnen, da� er sich nicht �beranstrengen darf. Wei� er denn nicht, da� ihn die Macht t�ten kann, wenn er zuviel davon an sich zieht oder webt, wenn er �berm�det ist? Das ist bei ihm genau das gleiche wie bei uns.�</p><p>Also wollte sie schnell das Thema wechseln, ja? �Vielleicht wei� er es nicht�, sagte Nynaeve in s��lichem Tonfall, �weil es keine Wei�e Burg f�r M�nner gibt?� Das brachte sie auf einen anderen Gedanken. �Glaubst du, da� es wirklich Sammael war?�</p><p>Elayne hatte gerade eine scharfe Erwiderung auf der Zunge, funkelte sie deshalb von der Seite her an und seufzte anschlie�end gereizt: �Das spielt f�r uns doch wohl kaum eine Rolle, oder? Wir sollten uns statt dessen �berlegen, ob und wann wir den Ring wieder ben�tzen. Um mehr zu tun, als lediglich Egwene dort zu treffen. Es gibt so viel, was wir noch in Erfahrung bringen m�ssen. Je mehr ich lerne, desto klarer wird mir, was ich alles noch nicht wei�.�</p><p>�Nein.� Nynaeve erwartete nicht wirklich, da� die andere Frau auf der Stelle den ringf�rmigen <emphasis>Ter'Angreal</emphasis> herausnehmen werde, aber sie trat unbewu�t einen Schritt n�her an den kleinen Backsteinofen. �Keine weiteren Ausfl�ge nach <emphasis>Tel'aran'rhiod</emphasis> f�r uns beide, au�er, um sie dort zu treffen.�</p><p>Elayne fuhr einfach fort, scheinbar ohne ihren Einspruch zu bemerken. Nynaeve h�tte genausogut ein Selbstgespr�ch f�hren k�nnen. �Es ist ja nicht so, da� wir unbedingt die Macht ben�tzen m��ten. Und wenn nicht, verraten wir uns auch nicht.� Sie sah Nynaeve nicht an, aber in ihrer Stimme lag etwas Bei�endes. Sie bestand immer darauf, da� sie durchaus die Macht ben�tzen durften, wenn sie nur vorsichtig w�ren. Und Nynaeve vermutete, da� sie es hinter ihrem R�cken sowieso tat. �Ich wette, wenn eine von uns heute nacht das Herz des Steins betr�te, w�rde sie Egwene vorfinden. Stell dir mal vor, wenn <emphasis>wir</emphasis> in <emphasis>ihren</emphasis> Tr�umen mit ihr sprechen k�nnten, brauchten wir uns keine Sorgen mehr machen, da� wir in <emphasis>Tel'aran'rhiod</emphasis> auf Moghedien sto�en.�</p><p>�Glaubst du etwa, das sei leicht zu erlernen?� fragte Nynaeve trocken. �Wenn das stimmt, warum hat sie es uns dann nicht schon lange beigebracht? Warum hat sie es selbst zuvor noch nie getan?� Und doch war ihr Herz nicht dabei. Sie war diejenige, die sich immer Moghediens wegen sorgte. Elayne wu�te wohl, da� die Frau gef�hrlich war, aber es war genauso, wie zu wissen, da� eine Giftschlange gef�hrlich ist. Elayne wu�te es, doch Nynaeve war bereits gebissen worden. Und die F�higkeit, sich ohne den Umweg �ber die Welt der Tr�ume zu verst�ndigen, w�re �u�erst wertvoll, ganz abgesehen davon, da� sie auf diese Weise Moghedien mieden.</p><p>Auf jeden Fall schenkte Elayne ihr immer noch keinerlei Aufmerksamkeit. �Ich frage mich, wieso sie unbedingt darauf bestand, da� wir es niemandem sagen. Das ergibt doch keinen Sinn.� Einen Moment lang nagte sie mit den Z�hnen an ihrer Unterlippe.</p><p>�Es gibt noch einen Grund, warum wir sobald wie m�glich mit ihr sprechen sollten. Bisher habe ich mir nichts weiter dabei gedacht, aber beim letztenmal, als wir miteinander sprachen, ist sie mitten im Satz verschwunden. Jetzt erinnere ich mich auch daran, da� sie vorher pl�tzlich �berrascht wirkte, so, als habe sie Angst bekommen.�</p><p>Nynaeve atmete tief durch und pre�te beide H�nde auf ihren Magen in einem vergeblichen Versuch, das pl�tzliche Flattern darin zu unterdr�cken. Trotzdem brachte sie es fertig, mit beherrschter Stimme zu sprechen: �Moghedien?�</p><p>�Licht, du denkst immer gleich an so sch�ne Dinge! Nein. Falls Moghedien sich in unsere Tr�ume einschleichen k�nnte, w��ten wir das mittlerweile.� Elayne schauderte leicht; sie hatte ja doch ein wenig Ahnung, wie gef�hrlich Moghedien war. �Auf jeden Fall sah sie nicht danach aus. Sie hatte Angst, aber doch nicht so viel.�</p><p>�Dann ist sie vielleicht gar nicht in Gefahr. M�glich, da�...� Nynaeve zwang sich, die H�nde wegzunehmen und pre�te zornig die Lippen aufeinander. Nur war sie sich nicht klar dar�ber, wem ihr Zorn eigentlich galt.</p><p>Den Ring wegzustecken, ihn zu verbergen bis auf ihre verabredeten Treffen mit Egwene, war durchaus eine gute Idee gewesen. War. Jeder weitere Vorsto� in die Welt der Tr�ume konnte sie auf Moghedien sto�en lassen, und sich von ihr fernzuhalten war mehr als nur einfach eine gute Idee. Es war ihr klar, da� Moghedien ihr �berlegen war. Der Gedanke war ihr unertr�glich, und er tauchte recht h�ufig auf, doch er entsprach schlicht der Wahrheit.</p><p>Und doch bestand nun die M�glichkeit, da� Egwene Hilfe ben�tigte. Nur eine geringe M�glichkeit, aber immerhin. Nur weil sie Moghedien vern�nftigerweise aus dem Weg ging, durfte sie diese M�glichkeit doch nicht untersch�tzen. Und au�erdem konnte es sein, da� es auch Rand mit einem der Verlorenen zu tun hatte, und zwar aus ganz pers�nlichen Gr�nden, so wie es ihr und Elayne mit Moghedien ging. Was Egwene berichtet hatte, sowohl aus den Bergen wie auch von Cairhien, roch richtig nach einer Herausforderung. So, als wolle hier ein Mann einen anderen provozieren. Nicht, da� sie irgendeine M�glichkeit hatte, etwas dagegen zu unternehmen. Aber bei Egwene...</p><p>Manchmal schien es Nynaeve, als habe sie den urspr�nglichen Grund vergessen, warum sie �berhaupt die Zwei Fl�sse verlassen hatte. Um junge Menschen aus ihrem Dorf zu besch�tzen, die sich in den Netzen der Aes Sedai verfangen hatten. Nicht soviel j�nger als sie selbst, h�chstens ein paar Jahre, aber wenn man bereits Seherin des eigenen Dorfes war, schien der Unterschied gr��er. Klar, da� mittlerweile die Versammlung der Frauen in Emondsfeld eine neue Seherin gew�hlt hatte, aber es war trotzdem immer noch <emphasis>ihr</emphasis> Dorf und sie waren <emphasis>ihre</emphasis> Schutzbefohlenen. Und tief in ihrem Innersten war sie nach wie vor ihre Seherin. Doch auf irgendeine Art war aus dem urspr�nglichen Schutz f�r Rand, Egwene, Mat und Perrin eine Frage des �berlebens geworden, und selbst dieses Ziel hatte sich mit der Zeit zu anderen Zielen hin verschoben, ohne da� sie sagen konnte, wann und wo das geschehen sei. Aus dem Wunsch heraus, Moiraine zu Fall zu bringen, hatte sie die Wei�e Burg betreten, aber daraus war der brennende Wunsch geworden, Menschen mit Hilfe ihrer F�higkeiten zu heilen. Wie sich die Aes Sedai st�ndig in das Leben anderer einmischten, hatte sie einst mit Ha� erf�llt, und trotzdem f�hlte sie gleichzeitig, da� sie selbst eine werden wollte. Vielleicht wollte sie nicht so wie die anderen werden, aber es war die einzige M�glichkeit, zu lernen, was sie unbedingt lernen wollte. Alles war mittlerweile so verwickelt wie eines der Gewebe der Aes Sedai, sie selbst eingeschlossen, und sie wu�te nicht, wie sie aus diesem Spinnennetz entkommen sollte.</p><p><emphasis>Ich bin noch immer, die ich vorher war. Ich werde ihnen helfen, so gut ich kann.</emphasis> �Heute abend�, sagte sie laut und entschlossen, �werde ich den Ring benutzen.� Sie setzte sich auf das Bett und zog ihre Str�mpfe an. Diese feste Wolle war bei der Hitze nicht gerade angenehm zu tragen, doch wenigstens war dann ein Teil von ihr anst�ndig angezogen. Feste Str�mpfe und feste Schuhe. Birgitte trug Brokatpantoffeln und Str�mpfe aus hauchd�nner Seide, die angenehm k�hl aussahen. Schnell und energisch verdr�ngte sie diesen Gedanken. �Nur, um festzustellen, ob sich Egwene wirklich im Stein aufh�lt. Wenn nicht, komme ich zur�ck, und wir ben�tzen den Ring erst zum n�chsten verabredeten Treffen wieder.�</p><p>Elayne sah sie unverwandt und ohne zu blinzeln an. Das machte sie in steigendem Ma� nerv�s und lie� sie an den Str�mpfen herumzupfen. Diese Frau sagte kein Wort, doch ihr ausdrucksloser Blick schien die M�glichkeit anzudeuten, da� Nynaeve log. Jedenfalls empfand Nynaeve ihn so. Der Gedanke, der ihr ganz am Rande durch den Kopf geschossen war, da� sie n�mlich einfach daf�r sorgen k�nnte, den Ring im Schlaf gar nicht ihre Haut ber�hren zu lassen, half auch nicht gerade. Es gab nat�rlich keinen stichhaltigen Grund, anzunehmen, da� Egwene heute abend im Stein von Tear auf sie wartete. Sie hatte �berhaupt nicht ernsthaft an ein solches Ausweichman�ver gedacht, und der blo�e Gedanke war ihr v�llig unbewu�t gekommen, doch nun war er einmal da, und sie hatte Schwierigkeiten, Elayne in die Augen zu sehen. Vielleicht hatte sie wirklich Angst davor, Moghedien zu treffen? Das w�re ja nur vern�nftig, wenn sie es auch nicht gern zugab.</p><p><emphasis>Ich werde tun, was sein mu�.</emphasis> Sie unterdr�ckte gewaltsam dieses Flattern im Bauch. Als sie das Hemd herunterzog, hatte sie es pl�tzlich eilig, das blaue Kleid anzulegen und in die Hitze hinauszukommen, nur, um Elaynes Blick zu entgehen.</p><p>Elayne war gerade damit fertig, ihr zu helfen, die Reihen kleiner Kn�pfe am R�cken zuzukn�pfen, und sie meckerte, <emphasis>ihr</emphasis> habe auch keiner geholfen, als habe sie beim Anziehen der Hose Hilfe ben�tigt, da ging die Wagent�r auf und krachte gegen die Wand, gefolgt von einer Woge schw�lhei�er Luft. �berrascht fuhr Nynaeve zusammen und hielt sich die H�nde sch�tzend �ber den Busen, bevor sie sich beherrschen konnte. Als statt Valan Luca dann Birgitte hereinkletterte, tat sie so, als habe sie nur das Kleid zurechtziehen wollen.</p><p>Die hochgewachsene Frau strich die gleicherma�en schimmernde blaue Seide an ihrer H�fte glatt, dann zog sie den dicken schwarzen Zopf �ber eine nackte Schulter nach vorn und grinste dabei selbstgef�llig. �Wenn du die Aufmerksamkeit auf dich lenken willst, dann gib dich nicht damit ab, etwas verstecken zu wollen. Es ist zu offensichtlich. Atme einfach tief durch.� Sie f�hrte es vor und lachte �ber Nynaeves schockierte Miene.</p><p>Nynaeve gab sich alle M�he, sich zu beherrschen.</p><p>Dabei wu�te sie nicht einmal, warum eigentlich. Sie konnte sich kaum noch vorstellen, da� sie Schuldgef�hle gezeigt hatte wegen des Geschehenen. Gaidal Cain war vielleicht froh, diese Frau los zu sein. Und Birgitte konnte ihr Haar tragen, wie sie wollte. Nicht, da� dies irgendwie eine Rolle spielte. �Ich kannte an den Zwei Fl�ssen jemanden wie dich, <emphasis>Maerion.</emphasis> Calle redete alle Leibw�chter der H�ndler mit Vornamen an, und sie hatte gewi� keine Geheimnisse vor ihnen.�</p><p>Birgittes L�cheln verzerrte sich etwas. �Auch ich kannte einst eine Frau wie dich. Mathena blickte auch hochn�sig auf die M�nner herunter und lie� sogar einen armen Kerl hinrichten, weil er zuf�llig auf sie stie�, als sie nackt badete. Sie war noch nicht einmal gek��t worden, bis Zheres ihr einen Ku� stahl. Man h�tte glauben k�nnen, damit habe sie erst entdeckt, da� es M�nner gab. Sie berauschte sich derart an ihren eigenen Gef�hlen, da� Zheres sich auf einen Berg zur�ckzog, um ihr zu entgehen. Pa� auf den ersten Mann auf, der dich k��t. Fr�her oder sp�ter kommt bestimmt einer.�</p><p>Mit geballten F�usten trat Nynaeve einen Schritt auf sie zu. Jedenfalls versuchte sie das. Irgendwie befand sich pl�tzlich Elayne zwischen den beiden und hielt sie mit erhobenen H�nden zur�ck.</p><p>�Ihr h�rt sofort damit auf!� sagte sie und sah beiden abwechselnd mit ihrer typischen Hochn�sigkeit in die Augen. �Lini hat immer gesagt: �Das Warten verwandelt M�nner in B�ren, die man in eine Scheune geschlossen hat, und Frauen in Katzen, die in einem Sack stecken�, aber ihr beiden h�rt jetzt augenblicklich damit auf, euch gegenseitig zu beharken! Ich werde das nicht l�nger zulassen!�</p><p>Zu Nynaeves �berraschung err�tete Birgitte tats�chlich und knurrte eine m�rrische Entschuldigung. Nat�rlich war sie an Elayne gerichtet, aber die Entschuldigung an sich war in der Tat �berraschend. Birgitte hatte sich entschlossen, immer in Elaynes N�he zu bleiben, da keine Notwendigkeit bestand, sich zu verbergen, aber nach drei Tagen setzte ihr die Hitze offensichtlich genauso zu wie Elayne. Nynaeve wiederum warf der Tochter-Erbin ihren eisigsten Blick zu. Sie selbst hatte sich schlie�lich um Ausgleich bem�ht, w�hrend sie miteinander warteten, aber Elayne sollte wirklich gar besser schweigen.</p><p>�Also?� sagte Elayne immer noch in diesem eisigen Tonfall, �hattest du irgendeinen Grund, wie ein Stier hier hereinzust�rmen, oder hast du einfach vergessen, wie man anklopft?�</p><p>Nynaeve �ffnete den Mund, um ihr etwas �ber Katzen zu sagen � nur eine sanfter Ansto� �, aber Birgitte kam ihr zuvor. Sie sprach noch etwas aggressiver: �Thom und Juilin sind aus der Stadt zur�ck.�</p><p>�Zur�ck!?� rief Nynaeve, und Birgitte blickte sie an, bevor sie sich wieder Elayne zuwandte.</p><p>�Du hattest sie nicht weggeschickt?�</p><p>�Habe ich nicht�, sagte Elayne grimmig.</p><p>Sie war bereits mit Birgitte im Schlepptau aus der T�r, bevor Nynaeve ein Wort herausbrachte. So blieb ihr nichts anderes �brig, als ihnen knurrend zu folgen. Elayne sollte sich blo� nicht pl�tzlich einbilden, sie sei diejenige, die hier die Befehle erteilte. Nynaeve hatte ihr immer noch nicht verziehen, da� sie den M�nnern soviel erz�hlt hatte.</p><p>Die schw�le Hitze wurde drau�en noch schlimmer, denn die Sonne stand bereits �ber dem Rand der Segeltuchumz�unung um die Menagerie. Der Schwei� trat ihr auf die Stirn, bevor sie auch nur den Fu� der kleinen Treppe erreicht hatte, aber ausnahmsweise einmal verzog sie keine Miene.</p><p>Die beiden M�nner sa�en auf dreibeinigen Hockern neben dem Lagerfeuer. Ihr Haar war wirr, und die M�ntel sahen aus, als h�tten sie sich im Staub gew�lzt. Thom dr�ckte ein zusammengerolltes Tuch an seinen Haarschopf, und darunter rann Blut hervor. Getrocknetes Blut verunstaltete seine Wange und hatte auch ein Ende seines Schnurrbarts verf�rbt. Neben Juilins Auge war eine bl�ulich angelaufene Schwellung von der Gr��e eines H�hnereis zu sehen, und die Hand, in der er seinen daumendicken Stock aus hellem, gegliedertem Holz hielt, war mit einer durchbluteten Bandage notd�rftig umwickelt. Auf diesem l�cherlichen kegelf�rmigen roten Hut, den er schief auf dem Hinterkopf trug, schien jemand herumgetrampelt zu haben.</p><p>Den Ger�uschen innerhalb der Umz�unung nach zu schlie�en, waren die Pferdeknechte bereits dabei, die K�fige zu reinigen, und zweifellos befand sich Cerandin schon bei ihren <emphasis>S'redit, zu</emphasis> denen sich keiner der M�nner hintraute, doch ansonsten r�hrte sich noch nicht viel im Wohnwagenlager. Petra rauchte seine langstielige Pfeife, w�hrend er Clarine dabei half, das Fr�hst�ck vorzubereiten. Zwei der Chavanas untersuchten gemeinsam mit Muelin, der Schlangenfrau, irgendeinen Apparat, w�hrend die beiden anderen mit zwei der sechs Akrobatinnen flirteten, die Luca Sillia Ceranos Truppe abspenstig gemacht hatte. Sie behaupteten, Schwestern zu sein und Murasaka zu hei�en, dabei sahen sie noch unterschiedlicher aus, was ihre Gesichter und ihren Teint betraf, als die Chavanas. Eine der beiden, die �angetan mit bunten seidenen Morgenm�nteln � bei Brugh und Taeric sa�en, hatte blaue Augen und wei�blondes Haar, die Haut der anderen dagegen war beinahe so dunkel wie ihre Augen. Alle anderen hatten sich bereits f�r die erste Morgenvorstellung hergerichtet; die M�nner mit nacktem Oberk�rper und bunten Hosen, Muelin in durchscheinendem Rot und einer engen, dazu passenden Weste, und Clarine hochgeschlossen und mit gr�nen, aufgen�hten Zierm�nzen. Thom und Juilin zogen wohl einige Blicke auf sich, doch gl�cklicherweise hielt es niemand f�r notwendig, her�berzukommen und sich nach ihrem Wohlergehen zu erkundigen. Vielleicht weil sie wie gepr�gelte Hunde dasa�en, die Schultern gesenkt und den Blick auf den Boden unter ihren Stiefeln gerichtet. Zweifellos war ihnen klar, da� ihnen eine Kopfw�sche bevorstand, und zwar eine, die sich wirklich �gewaschen� hatte. Nynaeve jedenfalls hatte mit Sicherheit derartiges vor.</p><p>Elayne aber schnappte bei dem Anblick der beiden nach Luft, rannte hin und kniete schnell neben Thom nieder. All ihr Zorn, der sich noch Sekunden zuvor zu entladen drohte, war mit einemmal verflogen. �Was ist passiert? O Thom, dein armer Kopf. Das mu� ja so weh tun. Dem sind meine F�higkeiten nicht gewachsen. Nynaeve wird dich mit hineinnehmen und sich darum k�mmern. Thom, du bist einfach zu alt, um dich auf solche Abenteuer einzulassen.�</p><p>Emp�rt stie� er sie mit einiger M�he von sich, w�hrend er seine Kompresse festhielt. �La�t das bitte, Kind. Ich habe schlimmere Verletzungen gehabt, nur weil ich aus dem Bett gefallen bin. Werdet Ihr jetzt gleich Ruhe geben?�</p><p>Nynaeve dachte gar nicht daran, die beiden mit Hilfe der Macht zu heilen, obwohl sie zornig genug war, um sie anwenden zu k�nnen. Sie stellte sich vor Juilin hin, die F�uste auf die H�ften gest�tzt und ihre strengste Mach-ja-keinen-Unsinn-und-gib-mir-augen-blicklich-eine-Antwort-Miene aufgesetzt. �Was soll denn das hei�en, Euch wegzuschleichen, ohne mir Bescheid zu sagen?� Auf diese Art konnte sie gleich auch Elayne klarmachen, da� <emphasis>sie</emphasis> hier nichts zu sagen hatte. �Wenn Euch einer die Kehle durchgeschnitten h�tte, anstatt Euch lediglich ein blaues Auge zu verpassen, h�tten wir nie erfahren, was mit Euch passiert ist. Ihr hattet gar keinen Grund, loszumarschieren. �berhaupt keinen! Es ist schon daf�r gesorgt worden, da� man ein Schiff f�r uns sucht.�</p><p>Juilin blickte zu ihr auf und schob seinen Hut nach vorn, bis er fast auf seiner Stirn sa�. �Daf�r wurde also gesorgt, ja? Habt Ihr drei deshalb angefangen, herumzuschleichen wie die...?� Er brach ab, als Thom laut st�hnte und schwankte.</p><p>Sobald der alte Gaukler die ihn besorgt umschmeichelnde Elayne damit beruhigt hatte, da� er behauptete, es sei nur ein kurzer Krampf gewesen und er f�hle sich wohl genug, um auf einem Ball zu tanzen � und Juilin einen bedeutungsvollen Blick zugeworfen hatte, von dem er anscheinend hoffte, die Frauen h�tten ihn nicht bemerkt �, wandte sich Nynaeve mit einem gefahrdrohenden Blick wieder dem dunkelh�utigen Tairener zu. Wie bitte, waren sie denn seiner Meinung nach herumgeschlichen?</p><p>�Und wie gut es war, da� wir gegangen sind�, sagte er statt dessen nerv�s zu ihr. �Samara ist wie ein Schw�rm Barrakudas, der um einen Brocken blutigen Fleisches rauft. Auf jeder Stra�e treiben sich Banden herum, die Schattenfreunde suchen oder jeden Beliebigen am liebsten zerrei�en w�rden, der nicht bereit ist, den Propheten als die Wahre Stimme des Wiedergeborenen Drachen anzuerkennen.�</p><p>�Es hat vor ungef�hr drei Stunden in der N�he des Flusses begonnen�, warf Thom ein und gab mit einem Aufseufzen nach, so da� Elayne nun endlich sein Gesicht mit einem feuchten Tuch abtupfen konnte. Er schien ihre leisen Worte trotzdem zu ignorieren, was gar nicht so einfach war, denn Nynaeve konnte ganz deutlich verstehen, wie sie �n�rrischer alter Mann� wiederholte und unter anderem sagte: �...braucht jemanden, der auf ihn aufpa�t, bevor er sich umbringen l��t�, und das in einem Tonfall, in dem sich Frust und Wohlwollen mischten. �Wie es begann, wei� ich nicht. Ich h�rte, wie man Aes Sedai die Schuld gab, Wei�m�nteln, Trollocs, jedem au�er den Seanchan, und wenn sie den Namen w��ten, w�rden sie denen auch noch die Schuld in die Schuhe schieben.� Er �chzte, als Elayne ein wenig zu stark zudr�ckte. �W�hrend der letzten Stunde waren wir zu sehr damit besch�ftigt, ihnen zu entkommen, um noch viel in Erfahrung zu bringen.�</p><p>�Es sind Br�nde ausgebrochen�, sagte Birgitte. Petra und seine Frau bemerkten ihren ausgestreckten Zeigefinger, standen auf und blickten besorgt hin�ber. Zwei dunkle Rauchwolken waren in Richtung der Stadt �ber die Segeltucheinz�unung hinweg sichtbar geworden.</p><p>Juilin erhob sich und blickte Nynaeve hart und entschlossen in die Augen. �Es ist Zeit aufzubrechen.</p><p>Vielleicht werden wir dadurch zu sehr auffallen, so da� uns Moghedien entdeckt, doch ich bezweifle das. In alle �berhaupt m�glichen Richtungen fliehen Menschen. In zwei Stunden werden es nicht mehr zwei Br�nde sein, sondern f�nfzig, und es wird uns nicht viel n�tzen, ihrer Aufmerksamkeit entgehen zu wollen, nur um vom Mob in St�cke gerissen zu werden. Sobald sie in der Stadt alles zerschlagen haben, was nur m�glich ist, werden sie sich den Menagerien zuwenden.�</p><p>�Ben�tzt diesen Namen nicht�, sagte Nynaeve in scharfem Ton, wobei sie Elayne einen b�sen Blick zuwarf, den die J�ngere aber nicht bemerkte, M�nner zuviel wissen zu lassen war immer ein Fehler. Das Problem war nur, da� er recht hatte, aber das durfte man einem Mann gegen�ber erst recht nicht zugeben. �Ich werde mir Eure Anregung �berlegen, Juilin. Ich w�rde �u�erst ungern ohne jeden Grund davonlaufen und hinterher vielleicht erfahren, da� gleich nach unserer Flucht hier ein Schiff angelegt hat.� Er sah sie an, als sei sie �bergeschnappt, und Thom sch�ttelte den Kopf, obwohl Elayne ihn noch immer festhielt und abtupfte. Doch dann hellte sich Nynaeves Miene auf, als sie eine Gestalt entdeckte, die zwischen den Wohnwagen auf sie zu schritt. �Vielleicht ist wirklich schon eines da!�</p><p>Unos bemalte Augenklappe und sein vernarbtes Gesicht, seine Skalplocke und das Schwert auf dem R�cken riefen ein Nicken von Seiten Petras und der verschiedenen Chavanas hervor, w�hrend Muelin offensichtlich schauderte. Er hatte sie jeden Abend pers�nlich aufgesucht aber nie etwas zu berichten gehabt. Seine Gegenwart zu dieser Tageszeit mu�te bedeuten, da� etwas vorgefallen war.</p><p>Wie gew�hnlich grinste er Birgitte an, sobald er sie erblickte, und er rollte sein verbliebenes Auge in einem bedeutungsvollen Blick in Richtung ihres entbl��ten Busens. Wie gew�hnlich grinste sie zur�ck und musterte ihn gem�chlich von Kopf bis Fu�. Ausnahmsweise jedoch war es Nynaeve gleich, wie anst��ig sie sich benahmen. �Ist ein Schiff angekommen?�</p><p>Unos Grinsen verflog. �Es ist ein verd... ein Schiff da�, sagte er grimmig, �aber ich wei� nicht, ob ich Euch alle auf einmal hinbringen kann.�</p><p>�Wir wissen �ber die Ausschreitungen Bescheid. Sicher k�nnen uns doch f�nfzehn Schienarer durchgeleiten.�</p><p>�Ihr wi�t also �ber die K�mpfe Bescheid�, knurrte er und musterte Thom und Juilin. �Wi�t Ihr verd... also, wi�t Ihr auch, da� Masemas Leute sich Stra�enk�mpfe mit Wei�m�nteln liefern? Wi�t Ihr, da� er verflucht noch mal seinen Leuten befohlen hat, Amadicia mit Feuer und Schwert zu erobern? Tausende haben bereits den verfl... den Flu� auf seinen Befehl �berschritten.�</p><p>�Sei dem, wie es ist�, sagte Nynaeve energisch, �jedenfalls erwarte ich von Euch, da� Ihr euer Wort haltet. Ihr habt versprochen, <emphasis>mir</emphasis> zu gehorchen, falls Ihr euch noch daran erinnert.� Sie betonte das Wort nur ein wenig und warf dabei Elayne einen bedeutungsvollen Blick zu.</p><p>Die gab vor, ihn nicht zu bemerken, und stand auf, den blutverschmierten Lappen in der Hand. Sie richtete ihre Aufmerksamkeit auf Uno. �Man hat mir immer gesagt die Schienarer geh�rten zu den tapfersten Soldaten auf der Welt.� Die rasiermesserscharfe Stimme klang pl�tzlich nach Samt und Seide. �Ich habe als Kind viele Geschichten �ber die Tapferkeit und den Mut der Schienarer geh�rt.� Sie legte Thom eine Hand auf die Schulter, doch ihr Blick ruhte weiterhin auf Uno. �Ich erinnere mich immer noch gern daran. Ich hoffe, mich auch sp�ter noch mit ebensoviel Freude daran erinnern zu k�nnen.�</p><p>Birgitte trat n�her und begann, Unos Nacken zu massieren, w�hrend sie ihm in das Auge sah. Dieses leuchtend rote aufgemalte Auge auf der Klappe schien ihr �berhaupt nichts auszumachen. �Dreitausend Jahre die Grenze zur F�ule bewacht�, sagte sie sanft. Sanft! Es war zwei Tage her, da� sie in diesem Ton mit Nynaeve gesprochen hatte! �Dreitausend Jahre lang, und kein einziger Schritt zur�ck, der nicht mit zehnmal so vielen gefallenen Trollocs bezahlt worden w�re. Das hier ist vielleicht nicht Enkara oder die Soralle-Stufe, aber ich wei�, was Ihr ausrichten werdet.�</p><p>�Was habt Ihr denn gemacht?� grollte er. �Habt Ihr all die verdammten Geschichtsb�cher der verdammten Grenzlande gelesen?� Dann zuckte er aber doch sofort zusammen und blickte zu Nynaeve hin�ber. Es war notwendig gewesen, ihn darauf aufmerksam zu machen, da� er sich in ihrer Gegenwart einer ganz und gar sauberen Sprache bediente. Das pa�te ihm zwar nicht, aber es gab keinen anderen Weg, ihn vor einem R�ckschlag zu bewahren � und Birgitte sollte sie deshalb nicht so tadelnd ansehen. �K�nnt <emphasis>Ihr</emphasis> sie nicht �berzeugen?� sprach er Thom und Juilin an. �Es ist verd... es ist n�rrisch, so etwas versuchen zu wollen.�</p><p>Juilin warf die H�nde hoch und Thom lachte schallend. �Habt Ihr je eine Frau kennengelernt, die auf Vernunftgr�nde h�rt, wenn sie nicht will?� erwiderte der Gaukler. Er st�hnte leicht, als Elayne seine Kompresse wegzog und damit begann, den Ri� in seiner Kopfhaut etwas heftiger abzutupfen, als es eigentlich notwendig war.</p><p>Uno sch�ttelte den Kopf. �Also, wenn ich zu einer Dummheit verleitet werden soll, dann lasse ich mich eben �berreden. Aber merkt Euch folgendes: Masemas Leute fanden das Schiff � <emphasis>Wasserschlange</emphasis> oder so �hnlich hei�t es wohl � keine Stunde nach dem Anlegen, doch dann wurde es von Wei�m�nteln besetzt. Und das hat diese ganze kleine Auseinandersetzung in Gang gebracht. Und noch schlimmer � Masema mag ja das Schiff bereits vergessen haben, aber er hat es auch nicht f�r notwendig gehalten, seine Leute davon zu informieren. Ich bin bei ihm gewesen, und er wollte nichts von Schiffen h�ren. Alles, wovon er sprechen kann, ist, da� man die Wei�m�ntel h�ngen m�sse und Amadicia m�sse das Knie vor dem Lord Drache beugen, und wenn er das ganze Land anz�nden m�sse. In der N�he des Flusses wurde gek�mpft, und das k�nnte noch andauern. Euch durch diese Auseinandersetzungen hinzubringen wird schwierig genug, aber wenn am Hafen noch immer gek�mpft wird, kann ich f�r nichts garantieren. Und wie ich Euch auf ein Schiff bringen soll, das sich in den H�nden von Wei�m�nteln befindet � da habe ich nicht die geringste Ahnung...� Er atmete langgezogen aus und rieb sich mit dem R�cken einer vernarbten Hand den Schwei� von der Stirn. Seinem Gesicht war deutlich die M�he anzusehen, die ihm eine so lange Rede ohne jedes Fluchen bereitet hatte.</p><p>Nynaeve h�tte m�glicherweise ihren Kommentar dazu auf der Zunge gehabt, w�re sie nicht zu verbl�fft gewesen, um ein Wort herauszubringen. Das mu�te ein Zufall sein! <emphasis>Licht, ich habe wohl gesagt, ich w�rde alles f�r ein Schiff tun, aber das habe ich nicht damit gemeint. Nicht das!</emphasis> Sie wu�te nicht, warum Elayne und Birgitte sie so ausdruckslos, aber intensiv anblickten. Sie waren �ber alles informiert gewesen, und keine von beiden hatte diese M�glichkeit auch nur erw�hnt. Die drei M�nner tauschten besorgte Blicke. Offensichtlich war ihnen klar, da� etwas vorging, und doch hatten sie keine Ahnung, was wirklich los war � dem Licht sei Dank! Viel besser, wenn sie nicht alles wu�ten. Es konnte einfach nur ein Zufall sein.</p><p>Auf gewisse Weise war sie froh, ihre Aufmerksamkeit nun auf einen anderen Mann konzentrieren zu k�nnen, der zwischen den Wohnwagen hindurch auf sie zukam, denn das gab ihr eine Gelegenheit, den Blicken Elaynes und Birgittes auszuweichen. Andererseits lie� der Anblick Galads ihr Herz sinken und weckte Beklemmungen.</p><p>Er war in einfaches Braun gekleidet und trug eine Samtkappe statt des wei�en Umhangs und des gl�nzenden Harnisches. Nur das Schwert hing nach wie vor an seiner Seite. Er hatte sie bisher noch nicht im Lager besucht, und sein Gesicht erregte auch hier Aufsehen. Muelin trat unbewu�t einen Schritt auf ihn zu, und die beiden schlanken Akrobatinnen beugten sich mit offenen M�ndern vor. Die Chavanas waren offensichtlich vergessen und machten dementsprechend saure Mienen. Sogar Clarine strich ihr Kleid glatt, w�hrend sie ihn beobachtete, bis Petra die Pfeife aus dem Mund nahm und irgend etwas sagte. Dann ging sie hin�ber zu ihm. Er lachte und legte sein Gesicht an ihren volumin�sen Busen. Doch ihr Blick folgte �ber den Kopf ihres Gatten hinweg immer noch Galad.</p><p>Nynaeve war nicht in der Stimmung, sich von einem h�bschen Gesicht ablenken zu lassen. Ihr Atmen beschleunigte sich diesmal kaum. �Ihr wart das, nicht wahr?� fuhr sie ihn an, bevor er sie noch erreicht hatte. �Ihr habt das Schiff besetzt, ja? Warum?�</p><p>�Die <emphasis>Wasserschlange?�</emphasis> Er blickte sie ungl�ubig an. �Aber Ihr habt mich doch gebeten, Euch die Passage auf dem ersten Schiff zu erm�glichen!�</p><p>�Ich habe Euch aber nicht gebeten, einen Aufruhr zu verursachen!�</p><p>�Einen Aufruhr?� warf Elayne ein. �Einen B�rgerkrieg. Eine Invasion. Und alles begann dieses Schiffes wegen.�</p><p>Galad blieb gelassen. �Ich habe Nynaeve mein Wort gegeben, Schwester. Meine oberste Pflicht ist, Dich sicher auf den Weg nach Caemlyn zu bringen. Und Nynaeve nat�rlich. Die Kinder des Lichts h�tten ohnehin fr�her oder sp�ter gegen diesen Propheten antreten m�ssen.�</p><p>�H�ttet Ihr uns nicht einfach mitteilen k�nnen, da� dieses Schiff eingelaufen ist?� fragte Nynaeve resignierend. M�nner und ihr Wort. Manchmal war das ja bewundernswert, aber sie h�tte darauf h�ren sollen, als Elayne sagte, er werde grunds�tzlich das tun, was er f�r richtig hielt, gleich, wen er damit traf.</p><p>�Ich wei� nicht, wof�r der Prophet dieses Schiff wollte, aber ich bezweifle, da� er es brauchte, um Euch flu�abw�rts zu bef�rdern.� Nynaeve zuckte zusammen. �Au�erdem habe ich den Kapit�n f�r Eure Passage bezahlt, w�hrend er noch seine Ladung l�schte. Eine Stunde sp�ter kam einer der beiden M�nner, die ich zur�ckgelassen hatte, um sicherzugehen, da� er nicht ohne Euch ablegte, zu mir und berichtete, der andere Mann sei tot und der Prophet habe das Schiff besetzen lassen. Ich verstehe gar nicht, wieso Ihr euch so aufregt. Ihr wolltet ein Schiff haben, brauchtet ein Schiff, und ich habe Euch eines besorgt.� Mit gerunzelter Stirn wandte er sich an Thom und Juilin. �Was ist mit ihnen los? Warum sehen sie sich so eigenartig an?�</p><p>�Frauen�, sagte Juilin einfach, und daf�r klatschte ihm Birgitte mit der Hand auf den Hinterkopf. Er starrte sie zornig an.</p><p>�Diese Bremsen stechen ganz b�sartig.� Sie grinste, und sein Blick wurde unsicher, w�hrend er seinen Hut zurechtr�ckte.</p><p>�Wir k�nnen hier noch den ganzen Tag herumsitzen und uns �ber das F�r und Wider streiten�, sagte Thom trocken, �oder uns an Bord dieses Schiffes begeben. Die Passage wurde bezahlt und den Preis daf�r kann man ohnehin nicht mehr �ndern.�</p><p>Nynaeve zuckte erneut zusammen. Wie er das auch gemeint haben mochte, sie wu�te jedenfalls nur zu genau, wie <emphasis>sie</emphasis> es verstand.</p><p>�Es mag Schwierigkeiten geben, wenn wir zum Flu� hin�bergehen�, sagte Galad. �Ich habe diese Kleidung angelegt, weil die Kinder des Lichts im Augenblick in Samara nicht sehr beliebt sind, aber der Mob st�rzt sich m�glicherweise auf jeden.� Er betrachtete Thom mit seinem wei�en Haar und dem langen, wei�en Schnurrbart zweifelnd und Juilin mit wenig mehr Zutrauen. Selbst in diesem Zustand seiner Kleidung wirkte der Tairener hart genug, Pfosten in den Boden zu schlagen. Dann wandte er sich Uno zu. �Wo ist Euer Freund? Ein weiteres Schwert k�nnte n�tzlich sein, bis wir meine M�nner erreicht haben.�</p><p>Unos L�cheln wirkte schurkisch. Zwischen den beiden knisterte es noch genauso wie bei ihrem ersten Zusammentreffen. �Er ist in der Gegend. Und vielleicht noch ein oder zwei andere. Ich bringe sie schon heil zum Schiff, egal, ob Eure Wei�m�ntel es solange halten k�nnen oder nicht.�</p><p>Elayne �ffnete den Mund, doch Nynaeve kam ihr schnell zuvor. �Das reicht jetzt, Ihr beiden!� Elayne h�tte lediglich versucht, sie wieder auf ihre honigs��e Art zu bes�nftigen. Das h�tte vielleicht sogar gewirkt, aber sie mu�te jetzt auf irgend etwas oder irgend jemanden einpr�geln und sich abreagieren. �Wir m�ssen jetzt schnell handeln.� Sie h�tte sich ja vorher �berlegen k�nnen, was geschehen w�rde, wenn sie zwei Verr�ckte auf das gleiche Ziel ansetzte und beide es gleichzeitig erreichten. �Uno, zieht den Rest Eurer M�nner zusammen, so schnell es nur m�glich ist.� Er versuchte, ihr zu berichten, da� sie bereits jenseits der Menagerie auf sie warteten, doch sie h�rte nicht darauf und fuhr einfach fort. Sie waren wirklich verr�ckt, alle beide! �berhaupt waren alle M�nner verr�ckt! �Galad, Ihr...�</p><p>�Alles auf und die Wagen bereitmachen!� Lucas Ruf unterbrach ihren Redeschwall. Er humpelte zwischen den Wagen hindurch. Die eine Seite seines Gesichts war geschwollen und blutunterlaufen. Der rote Umhang war beschmutzt und eingerissen. Wie es schien, waren Thom und Juilin nicht die einzigen gewesen, die einen Stadtausflug unternommen hatten. �Brugh, lauf und sage den Pferdeknechten, sie sollen anspannen! Wir m�ssen die Umz�unung zur�cklassen.� Bei diesen Worten verzog er bedauernd das Gesicht. �Ich will in weniger als einer Stunde unterwegs sein! Andaya, Kuan, holt Eure Schwestern raus! Weckt alle, die noch schlafen, und falls sie sich gerade waschen, sagt ihnen, sie sollen sich sofort anziehen oder nackt mitkommen! Beeilt Euch, au�er Ihr wollt Euch dem Propheten anschlie�en und nach Amadicia mitmarschieren! Chin Akima hat bereits seinen Kopf verloren, genau wie die H�lfte seiner Truppe, und man hat Sillia Cerano und ein Dutzend ihrer Leute ausgepeitscht, weil sie sich zu langsam bewegten. Macht gef�lligst!� Als er fertig war, rannte schon jeder au�er der Gruppe um Nynaeves Wagen aufgeregt im Lager umher.</p><p>Luca humpelte etwas langsamer, als er sich ihnen n�herte, wobei er Galad mi�trauisch be�ugte. Und ebenso Uno, obwohl er den Ein�ugigen schon zweimal zuvor gesehen hatte. �Nana, ich m�chte mit Euch sprechen�, sagte er dann leise. �Unter vier Augen.�</p><p>�Wir werden nicht mit Euch kommen, Meister Luca�, sagte sie zu ihm.</p><p>�Unter vier Augen�, wiederholte er, packte sie am Arm und zog sie weg.</p><p>Sie blickte zur�ck, um den anderen zu sagen, sie sollten nicht eingreifen, doch sie merkte schnell, da� dies nicht notwendig war. Elayne und Birgitte eilten bereits auf die Segeltuchumz�unung zu, die sich um die Menagerie zog, und abgesehen von ein paar Seitenblicken auf sie und Luca waren die vier M�nner in ihre Unterhaltung vertieft. Sie schnaubte laut. Sch�ne M�nner, die gestatteten, da� eine Frau so herumgeschubst wurde, und nicht eingriffen.</p><p>Sie ri� ihren Arm los und schritt neben Luca her. Ihr Seidenrock raschelte leise, als wolle er ihre schlechte Laune unterstreichen. �Ich sch�tze, Ihr wollt Euer Geld haben, nun, da wir Euch verlassen. Also gut, das sollt Ihr bekommen. Einhundert Goldmark. Allerdings bin ich der Meinung, Ihr solltet etwas nachlassen, weil wir Euch ja den Wohnwagen und die Pferde hinterlassen. Und f�r unsere Arbeit. Wir haben bestimmt mit daf�r gesorgt, da� Ihr mehr Zuschauer hattet. Morelin und Juilin mit ihrem Seilakt, ich als lebendige Zielscheibe, Thom... �</p><p>�Glaubt Ihr etwa, ich sei hinter dem Gold her, Frau?� fuhr er sie an. �Wenn ich das wollte, h�tte ich es an dem Tag verlangt, als wir den Flu� �berquerten! Habe ich es verlangt? Habt Ihr euch jemals �berlegt, warum ich es nicht verlangte?�</p><p>Unwillk�rlich trat sie einen Schritt zur�ck und verschr�nkte mit strengem Blick die Arme unter dem Busen. Augenblicklich allerdings verw�nschte sie diese Geste, denn nun wurde das, was sie so gro�z�gig entbl��te, noch mehr betont. Doch stur, wie sie war, lie� sie die Arme dort, wo sie sich nun einmal befanden, denn sie w�rde nicht zulassen, da� er glaubte, sie sei verwirrt � vor allem deshalb, weil sie es wirklich war. �berraschenderweise sah er gar nicht hin, sondern blickte ihr nur weiter in die Augen. Vielleicht war er krank? Er hatte sonst nie eine Gelegenheit ausgelassen, ihren Busen zu bewundern, und wenn Valan Luca pl�tzlich weder an Gold noch an ihrem Busen interessiert war... �Wenn es nicht um das Gold geht, warum wollt Ihr dann mit mir sprechen?�</p><p>�Den ganzen Weg �ber von der Stadt zur�ck hierher habe ich daran denken m�ssen�, sagte er bed�chtig, als er ihr folgte, �da� Ihr nun wohl endg�ltig gehen werdet.� Es gelang ihr, nicht noch einen Schritt zur�ckzutreten, obwohl er nun dicht vor ihr stand und ihr eindringlich in die Augen sah. Wenigstens galt sein Blick immer noch ihren Augen und nicht... �Ich wei� nicht, wovor Ihr weglauft, Nana. Manchmal m�chte ich beinahe Eure Geschichte glauben. Morelin wenigstens hat die Manieren einer Adligen. Aber Ihr wart niemals die Zofe einer Lady. W�hrend der letzten paar Tage habe ich st�ndig darauf gewartet, da� Ihr beiden Euch auf dem Boden herumw�lzt und versucht, Euch gegenseitig die Haare auszurei�en. Und Maerion vielleicht auch noch obenauf.� Er mu�te etwas in ihrem Gesichtsausdruck entdeckt haben, denn er r�usperte sich und fuhr schnell fort: �Der springende Punkt ist doch, da� ich jederzeit jemand anderen finden kann, der sich als Zielscheibe f�r Maerion zur Verf�gung stellt. Ihr schreit wohl so herrlich, da� jeder glauben k�nnte, Ihr h�ttet wirklich Angst, aber...� Wieder r�usperte er sich, diesmal noch etwas hastiger, und zog sich ein wenig zur�ck. �Was ich versuche, Euch zu sagen, ist: Ich m�chte gern, da� Ihr bleibt. Es liegt eine weite Welt vor uns, tausend St�dte warten auf eine Truppe wie die meine, und was auch hinter Euch her ist, findet Euch bei mir nie. Ein paar der Leute Akimas und diejenigen aus Sillias Truppe, die nicht �ber den Flu� verschleppt wurden, schlie�en sich mir an. Valan Lucas Truppe wird die gr��te und beste, die die Welt jemals gesehen hat.�</p><p>�Bleiben? Warum sollte ich wohl bleiben? Ich habe Euch von Anfang an gesagt, wir wollten lediglich nach Ghealdan kommen, und daran hat sich nichts ge�ndert.�</p><p>�Warum? Nat�rlich, um meine Kinder zu tragen.� Er nahm eine ihrer H�nde in seine beiden. �Nana, Eure Augen verschlingen meine Seele, Eure Lippen setzen mein Herz in Flammen, Eure Schultern lassen meinen Pulsschlag rasen, Euer...�</p><p>Schnell unterbrach sie ihn: �Ihr wollt mich heiraten?� fragte sie ungl�ubig.</p><p>�Heiraten?� Er ri� die Augen auf. �Also ... �h ... ja. Selbstverst�ndlich.� Seine Stimme wurde wieder kr�ftiger und er dr�ckte ihre Finger auf seine Lippen. �Wir werden in der ersten Stadt heiraten, wo ich das arrangieren kann. Ich habe noch nie einer anderen Frau einen Heiratsantrag gemacht.�</p><p>�Das glaube ich gern�, sagte sie mit schwacher Stimme. Es kostete sie einige M�he, ihre Hand aus seinem Griff zu befreien. �Es ist mir nat�rlich eine Ehre, Meister Luca, aber...�</p><p>�Valan, Nana. Nur Valan.�</p><p>�Aber ich mu� Eure Bitte ablehnen. Ich bin mit einem anderen verlobt.� Auf gewisse Weise stimmte das sogar. Lan Mandragoran mochte seinen Siegelring vielleicht nur als Geschenk gemeint haben, aber sie sah das anders. �Und ich verlasse Euch.�</p><p>�Ich sollte Euch einfach zusammenschn�ren und mit forttragen.� Der Schmutz und die Risse st�rten den Gesamteindruck ein wenig, als er beim Aufrichten sein Cape mit gro�er Geste spreizte. �Mit der Zeit w�rdet Ihr diesen Burschen vergessen.�</p><p>�Versucht es, und ich werde Uno dazu veranlassen, da� Ihr euch w�nscht, lieber wie eine Wurst aufgeschnitten zu werden.� Das nahm dem Kerl jedoch kaum den Wind aus den Segeln. Sie stie� ihm einen Finger hart zwischen die Rippen. �Ihr kennt mich nicht, Valan Luca. Ihr wi�t �berhaupt nichts von mir. Meine Feinde, die Ihr so ganz nebenbei abtut, w�rden Euch dazu bringen, selbst Eure Haut abzuziehen und in blo�en Knochen zu tanzen, und Ihr w�rt noch dankbar, wenn sie Euch nicht mehr ant�ten. Also, ich gehe jetzt, und ich habe keine Zeit, mir Euer Geschw�tz noch l�nger anzuh�ren. Nein, sagt jetzt nichts mehr! Mein Entschlu� steht fest und Ihr �ndert nichts daran. Also k�nnt Ihr genausogut mit dem Gejammere aufh�ren.�</p><p>Luca seufzte j�mmerlich. �Ihr seid die einzige Frau f�r mich, Nana. La�t andere M�nner auf langweilige Schw�tzerinnen mit ihren scheuen Seufzern fliegen. Bei Euch wei� ein Mann, da� er durchs Feuer schreiten und mit blo�en H�nden eine L�win z�hmen mu�, sobald er sich Euch n�hert. Jeder Tag ein Abenteuer, und jede Nacht...� Sein L�cheln brachte ihm beinahe einen Nasenst�ber ein. �Ich werde Euch wiederfinden, Nana. Und dann erw�hlt Ihr mich. Das wei� ich tief in meinem Innersten.� Er schlug sich mit dramatischer Geste auf die Brust und lie� sein Cape erneut noch etwas auff�lliger wirbeln. �Und auch Ihr wi�t das, meine liebste Nana. In Eurem tiefsten Herzen wi�t Ihr es.�</p><p>Nynaeve wu�te nicht, ob sie den Kopf sch�tteln oder mit offenem Mund gaffen solle. Die M�nner waren wirklich verr�ckt. <emphasis>Alle</emphasis> M�nner.</p><p>Er bestand darauf, sie zum Wagen zur�ckzubegleiten, wobei er ihren Arm nahm, als bef�nden sie sich auf einem Ball.</p><p>Elayne ertappte sich dabei, da� sie in sich hineinfluchte, passend zu dem Durcheinander der Pferdeknechte, die zu ihren Gespannen eilten, und dem Geschrei der Menschen, dem Wiehern der Pferde, dem Brummen der B�ren und dem Fauchen der Leoparden. Nynaeve sollte nur noch einmal eine Bemerkung fallen lassen, da� sie schamlos ihre Beine herzeige! Sie hatte gesehen, wie sich dieses Weib spreizte, als Valan Luca auftauchte. Und schwer geatmet hatte sie auch. Genauso �brigens auch bei Galad. Es war ja nicht so, da� sie besonders <emphasis>gern</emphasis> Hosen trug. Sicher, sie waren bequem und k�hler als R�cke. Ihr war sehr wohl klar, wieso Min am liebsten M�nnerkleidung trug. Beinahe jedenfalls. Nat�rlich mu�te sie das dumme Gef�hl erst einmal �berwinden, ihre Jacke sei in Wirklichkeit ein Kleid, das kaum ihre H�ften bedeckte. Soweit war sie immerhin schon gekommen. Nicht, da� sie das Nynaeve wissen lassen wollte. Nicht bei deren spitzer Zunge. Ihr h�tte doch klar sein m�ssen, da� Galad der Preis vollkommen gleichg�ltig war, wenn er nur sein Versprechen hielt. Sie hatte ihr doch oft genug gesagt, wie Galad sich verhielt. Und dann auch noch den Propheten einzuspannen! Nynaeve handelte, ohne dar�ber nachzudenken, was sie anrichten konnte.</p><p>�Hast du etwas gesagt?� fragte Birgitte. Sie hatte ihren Rock gerafft und �ber ihren Arm gelegt, um mithalten zu k�nnen, und entbl��te so v�llig schamlos ihre Beine � von den blauen Brokatpantoffeln bis ein gutes St�ck <emphasis>�ber</emphasis> die Knie. Diese durchsichtigen Seidenstr�mpfe verbargen lange nicht soviel wie die Hose.</p><p>Elayne blieb auf der Stelle stehen. �Was h�ltst du von meiner Bekleidung?�</p><p>�Man kann sich darin gut bewegen�, sagte die andere Frau unverbindlich. Elayne nickte. �Nat�rlich ist es gut, da� dein Hintern nicht so fett ist, so eng, wie diese... �</p><p>Elayne schritt wild aus und zupfte an ihrer Jacke herum. Sie wurde aber nicht l�nger davon.</p><p>Nynaeves spitze Zunge war auch nicht schlimmer als die Birgittes. Sie h�tte von ihr eigentlich einen Gehorsamseid verlangen sollen, oder wenigstens, da� sie immer den n�tigen Respekt zeige. Daran w�rde sie denken m�ssen, sobald es an der Zeit war, sich Rand zuschw�ren zu lassen. Als Birgitte sie mit saurer Miene einholte, als sei <emphasis>sie</emphasis> es, deren Geduld bis zum Zerrei�en strapaziert wurde, sprach keine von beiden ein weiteres Wort.</p><p>In ihr gr�nes, mit aufgen�hten M�nzen geschm�cktes Kleid geh�llt, ben�tzte die hellblonde Seanchanfrau den Stachelstock, um den riesigen <emphasis>S'redit-Bullen</emphasis> zu lenken, der den schweren Wagen mit dem L�wenk�fig vor sich herschob. Ein Pferdeknecht mit sch�biger Lederweste hielt die Deichsel des Wagens und steuerte ihn hin�ber zu einem Fleck, an dem die Pferde bequem angespannt werden konnten. Der L�we schlich in seinem K�fig auf und ab, schlug gelegentlich mit seinem Schweif und fauchte einige Male heiser.</p><p>�Cerandin�, sagte Elayne, �ich mu� mit Euch sprechen.�</p><p>�Einen Augenblick, Morelin.� Ihre Aufmerksamkeit galt ganz dem mit gewaltigen Sto�z�hnen bewehrten grauen Tier, und ihre schleppende Aussprache machte sie f�r die anderen kaum verst�ndlich. �Jetzt gleich, Cerandin. Wir haben nur noch wenig Zeit.�</p><p>Doch die Frau lie� den <emphasis>S'redit</emphasis> nicht anhalten und umdrehen, bis der Pferdeknecht ihr zurief, der Wagen stehe jetzt richtig. Dann sagte sie ungeduldig: �Was wollt Ihr, Morelin? Ich habe noch viel zu tun. Au�erdem w�rde ich mich gern umziehen; dieses Kleid ist nicht f�r eine Reise geeignet.� Das Tier stand geduldig wartend hinter ihr.</p><p>Elayne verzog leicht den Mund. �Wir reisen ab, Cerandin.�</p><p>�Ja, ich wei�. Der Aufruhr. Solche Dinge sollte man nicht zulassen. Falls dieser Prophet glaubt, er k�nne uns etwas antun, wird er erleben, was Mer und Sanit fertigbringen.� Sie wandte sich um und kratzte Mers runzlige Schulter mit ihrem Dornenstab.</p><p>Daraufhin ber�hrte er ihre Schulter mit seiner langen Nase. Einen �R�ssel� nannte Cerandin das. �Manche ben�tzen lieber <emphasis>Lopar</emphasis> oder <emphasis>Grolm</emphasis> in der Schlacht, aber wenn man <emphasis>S'redit</emphasis> richtig einsetzt...�</p><p>�Seid ruhig und h�rt zu�, sagte Elayne energisch. Es kostete M�he, die W�rde zu wahren, wenn ihr die Seanchanfrau so ablenkend antwortete und Birgitte mit verschr�nkten Armen danebenstand. Sie war sicher, Birgitte lauere nur auf die n�chste Gelegenheit, eine bei�ende Bemerkung loszuwerden. �Ich meine nicht die Truppe. Ich meine mich selbst und Nana und Euch. Wir begeben uns noch heute morgen auf ein Schiff. In ein paar Stunden werden wir uns f�r immer au�erhalb des Machtbereichs des Propheten befinden.�</p><p>Cerandin sch�ttelte bed�chtig den Kopf. �Nur wenige Flu�schiffe k�nnten <emphasis>S'redit</emphasis> bef�rdern, Morelin. Und selbst, wenn Ihr eines habt, das geeignet ist: Was w�rden wir danach tun? Ich glaube nicht, da� ich auf eigene Faust soviel verdienen k�nnte wie bei Meister Luca, nicht einmal, wenn Ihr auf dem Seil tanzt und Maerion ihre Pfeile abschie�t. Und ich denke, Thom w�rde wohl jonglieren. Nein. Nein, es ist besser, wir bleiben alle bei der Truppe.�</p><p>�Die <emphasis>S'redit</emphasis> m�ssen wir zur�cklassen�, gab Elayne zu. �Doch ich bin sicher, da� Meister Luca gut f�r sie sorgen wird. Wir werden nicht auftreten, Cerandin. Das ist nicht mehr notwendig. Wo ich hingehe, gibt es Frauen, die gern erfahren w�rden...� Sie war sich des Pferdeknechts bewu�t, eines schlaksigen Burschen mit einer unglaublich dicken Nase, der nahe genug stand, um zu lauschen. �...wo Ihr herkommt. Viel mehr noch, als Ihr uns bereits berichtet habt.� Nein, er lauschte nicht. Er starrte abwechselnd l�stern Birgittes Busen und <emphasis>ihre</emphasis> Beine an. Sie blickte ihn streng an, bis sein freches Grinsen verflog und er wieder zu seinen Pflichten eilte.</p><p>Cerandin sch�ttelte wieder den Kopf. �Ich soll Mer und Sanit und Nerin zur�cklassen, wo sie von M�nnern versorgt werden, die sich davor f�rchten, sich ihnen �berhaupt zu n�hern? Nein, Morelin. Wir bleiben bei Meister Luca. Ihr auch. Es ist viel besser so. Denkt Ihr noch daran, wie kaputt Ihr wart an dem Tag Eurer Ankunft? Ihr wollt doch nicht, da� es wieder so wird!�</p><p>Elayne holte tief Luft und trat naher an sie heran. Niemand au�er Birgitte war nahe genug, um zu lauschen, doch sie wollte kein �berfl�ssiges Risiko eingehen. �Cerandin, mein wirklicher Name ist Elayne aus dem Hause Trakand, Tochter-Erbin von Andor. Eines Tages werde ich K�nigin von Andor sein.�</p><p>Soweit sie sich an das Verhalten dieser Frau am ersten Tag erinnerte, und noch mehr, weil sie ihnen so viel �ber die Seanchan berichtet hatte, sollte das ausgereicht haben, um jeden Widerstand zu ersticken. Statt dessen blickte ihr Cerandin fest in die Augen. �Ihr habt behauptet eine Lady zu sein, als Ihr ankamt, aber...� Sie sch�rzte die Lippen und musterte Elaynes Hosen. �Ihr seid eine sehr gute Seilt�nzerin, Morelin. Mit einiger �bung k�nnt Ihr eines Tages gut genug sein, um Eure Kunst vor der Kaiserin zu zeigen. Jeder hat seinen Platz und jeder geh�rt auch an seinen Platz.�</p><p>Einen Augenblick lang bewegte sich Elaynes Mund, ohne da� sie ein Wort herausbrachte. Cerandin glaubte ihr nicht! �Ich habe genug Zeit verschwendet, Cerandin.�</p><p>Sie fa�te nach dem Arm der Frau, um sie mitzuschleifen, falls es notwendig war, doch Cerandin fing ihre Hand ab, drehte, und nach einem Schmerzensschrei fand sich Elayne mit aufgerissenen Augen auf Zehenspitzen wieder und fragte sich, ob zuerst ihr Handgelenk brechen oder ihr der Arm aus der Schulter gerissen w�rde. Birgitte stand einfach da, die Arme unter dem Busen verschr�nkt, und besa� tats�chlich die Frechheit, eine Augenbraue fragend zu heben!</p><p>Elayne knirschte mit den Z�hnen. Sie w�rde nicht um Hilfe bitten. �La�t mich los, Cerandin!� befahl sie und w�nschte sich, es kl�nge nicht so atemlos. �Ich sagte, Ihr sollt mich loslassen!�</p><p>Cerandin lie� sie einen Augenblick sp�ter tats�chlich los und trat mi�trauisch zur�ck. �Ihr seid eine Freundin, Morelin, und werdet es immer bleiben. Eines Tages k�nntet Ihr vielleicht sogar eine Lady sein. Ihr habt die richtigen Manieren, und falls Ihr die Aufmerksamkeit eines Lords erregt, nimmt er Euch m�glicherweise als eine seiner <emphasis>Asa</emphasis> an. <emphasis>Asa</emphasis> werden gelegentlich zu Ehefrauen. Geht mit dem Licht, Morelin. Ich mu� mit meiner Arbeit fertig werden.� Sie hielt Mer den Stachelstock hin, und er ringelte seinen R�ssel darum. Das gro�e Tier lie� sich von ihr gem�chlich wegf�hren.</p><p>�Cerandin!� sagte Elayne in scharfem Ton. �Cerandin!� Die hellblonde Frau blickte nicht einmal zur�ck. Elayne funkelte Birgitte an. �Du warst mir eine gro�e Hilfe�, grollte sie. Dann stolzierte sie davon, bevor die andere antworten konnte.</p><p>Birgitte holte sie ein und trat an ihre Seite. �Dem nach, was ich h�rte und was ich sah, hast du dir gro�e M�he gegeben und viel Zeit darauf verwandt, der Frau beizubringen, da� sie R�ckgrat hat. Hast du erwartet, da� ich dir helfe, ihr das wieder zu nehmen?�</p><p>�Das habe ich doch �berhaupt nicht beabsichtigt�, knurrte Elayne. �Ich wollte doch f�r sie sorgen. Sie ist weit weg von zu Hause, eine Fremde, wohin sie sich auch wendet, und es gibt einige, die sie nicht gerade freundlich behandeln w�rden, w��ten sie, woher sie kommt.�</p><p>�Sie scheint mir sehr wohl in der Lage, selbst f�r sich zu sorgen�, sagte Birgitte trocken. �Aber vielleicht hast du der Frau auch das beigebracht? Vielleicht war sie hilflos, bevor du sie fandest?� Elaynes w�tender Blick glitt von ihr ab wie Eis von warmem Stahl.</p><p>�Du bist blo� dagestanden und hast zugeschaut. Dabei solltest du doch meine...� sie sah sich schnell um. Es war nur ein kurzer Blick, aber mehrere der Pferdeknechte wandten hastig die Gesichter ab. �...meine Beh�terin sein. Ich erwarte von dir, da� du mich besch�tzt, wenn ich die Macht nicht ben�tzen kann.� Auch Birgitte blickte sich um, doch ungl�cklicherweise befand sich niemand nahe genug, um sie vom Sprechen abzuhalten. �Ich werde dich verteidigen, wenn du dich in Gefahr befindest, aber wenn die Gefahr nur darin besteht, da� dich jemand �bers Knie legt weil du dich wie ein ungezogenes Kind benommen hast mu� ich entscheiden, ob es nicht besser ist, wenn du eine Lektion erh�ltst, die dir vielleicht zu einer anderen Zeit Schlimmeres erspart. Ihr zu sagen, da� du einen Thron erben wirst! Also wirklich! Wenn du Aes Sedai werden willst, solltest du besser damit anfangen, zu �ben, wie man sich um die Wahrheit herumdr�ckt, und nicht, wie man plump l�gt.�</p><p>Elayne ri� Augen und Mund auf. Erst, als sie �ber die eigenen F��e stolperte, brachte sie endlich heraus: �Aber es stimmt doch!�</p><p>�Wenn du es sagst�, sagte Birgitte und blickte betont auf die pailettenbestickte Hosen hinab.</p><p>Elayne konnte nicht mehr an sich halten. Nynaeve ben�tzte ihre scharfe Zunge zum Sticheln, Cerandin war stur wie zwei Maulesel auf einmal, und nun das. Sie warf den Kopf in den Nacken und stie� einen spitzen Schrei aus, in dem all ihre Frustration lag.</p><p>Als der Schrei verklang, schien es, als h�tten sich alle Tiere schlagartig beruhigt. Die Pferdeknechte standen herum und sahen sie an. K�hl ignorierte sie die M�nner. Jetzt ging ihr nichts mehr nahe. Sie war nun eisig ruhig und hatte sich wieder vollkommen im Griff.</p><p>�War das ein Hilfeschrei?� fragte Birgitte und hielt den Kopf schief. �Oder hast du Hunger? Ich denke, ich k�nnte eine Amme auftreiben, um dich zu stillen... �</p><p>Elayne stolzierte davon. Ihr Fauchen h�tte jedem Leoparden zur Ehre gereicht.</p></section><section><title><p>48</p><p>Abschiede</p></title><p>Sobald sie wieder im Wohnwagen war, zog sich Nynaeve ein anderes, ein anst�ndiges Kleid an, wenn auch etwas murrend, weil sie eine Reihe Kn�pfe auf dem R�cken wieder aufmachen und eine andere dann aufs neue ohne jede Hilfe zukn�pfen mu�te. Das einfache graue Wollkleid, aus feinster Wolle und von gutem Schnitt, konnte nicht als besonders modisch gelten, aber es w�rde nirgendwo auffallen. Leider war es auch entschieden w�rmer. Trotzdem war es ein gutes Gef�hl, wieder z�chtig gekleidet zu sein. Obwohl �irgendwie f�hlte sie sich eigenartig, als trage sie zuviel Kleidung an sich. Das mu�te an der Hitze liegen.</p><p>Schnell kniete sie vor dem kleinen gemauerten Ofen mit seinem winzigen Schornstein nieder und �ffnete die Eisenklappe, um ihre Wertgegenst�nde herauszuholen.</p><p>Bald lag der verdrehte Steinring in ihrer G�rteltasche neben Lans schwerem Siegelring und ihrem eigenen Gro�en Schlangenring. Der kleine, vergoldete Kasten, in dem die Juwelen lagen, die ihnen Amathera gegeben hatte, kam in die Ledertasche, zusammen mit den Beuteln voll Kr�uter, die sie von Ronde Macura in Mardecin mitgenommen hatte, und dem kleinen Tiegel und dem St��el, mit denen man sie zerstie�. Sie bef�hlte die Kr�uterbeutel, nur um sich besser daran erinnern zu k�nnen, was jeder enthielt � von Allheilkraut bis zu der schrecklich schmeckenden Spaltzungenwurzel. Die Kreditbriefe kamen mit hinein und dazu drei der sechs Geldbeutel, keiner davon noch so fett wie vorher. Sie hatte ja schlie�lich die Reisekosten der Menagerie nach Ghealdan bezahlt. Luca hatte m�glicherweise wirklich kein Interesse mehr an seinen hundert Goldmark, aber die Spesen hatte er immer ohne alle Gewissensbisse kassiert. Einer der Briefe, die die Tr�gerin autorisierte, im Namen der Amyrlin zu handeln, was immer sie auch tat, wanderte zu den Ringen in die G�rteltasche. Kaum mehr als vage Ger�chte �ber irgendwelche Auseinandersetzungen in Tar Valon waren bis Samara durchgedrungen, und so k�nnte dieses Dokument trotz Siuan Sanches Unterschrift vielleicht noch einmal n�tzlich sein. Das dunkle Holzk�stchen lie� sie stehen, genau wie die drei �brigen Geldbeutel und den groben Jutesack mit dem <emphasis>A'dam,</emphasis> den sie ganz bestimmt nicht anr�hren wollte, und auch den silbernen Pfeil, den Elayne in der Nacht ihrer katastrophalen Auseinandersetzung mit Moghedien gefunden hatte, lie� sie daneben liegen.</p><p>Einen Augenblick lang sah sie den Pfeil finster an und dachte �ber das Problem mit Moghedien nach. Es war einfach am besten, alles zu unternehmen, um ein Zusammentreffen mit ihr zu vermeiden. Bestimmt! <emphasis>Ich habe sie einmal bezwungen!</emphasis> Und beim zweitenmal war sie wie eine Speckseite in der K�che aufgeh�ngt worden. W�re Birgitte nicht gewesen... <emphasis>Sie hat es aus eigenem Antrieb gemacht.</emphasis> Das hatte die Frau ja selbst behauptet und es stimmte auch. <emphasis>Ich k�nnte sie wieder bezwingen. Ich bin mir sicher. Aber sollte ich es nicht schaffen...</emphasis> Falls sie versagte...</p><p>Sie versuchte lediglich, den Waschlederbeutel ganz hinten zu meiden, und das war ihr auch bewu�t, doch der Gedanke an den Beutelinhalt war kaum weniger grauenvoll, als daran zu denken, was gesch�he, sollte <emphasis>sie</emphasis> Moghedien erneut unterliegen. So holte sie schlie�lich tief Luft, fa�te vorsichtig hinein und nahm den Beutel an der Kordel hoch. In diesem Moment wurde ihr klar, da� sie nicht recht gehabt hatte. Das B�se schien �ber ihre Hand zu schwappen, st�rker als je zuvor, als bem�he sich der Dunkle K�nig wirklich und pers�nlich, das Cuendillar-Siegel drinnen zu brechen. Es war entschieden besser, sich den ganzen Tag �ber vorzustellen, was gesch�he, sollte sie Moghendien tats�chlich unterliegen. Zwischen Gedanken und Realit�t lag doch ein gewaltiger Unterschied. Es mu�te wohl Einbildung sein, denn in Tanchico hatte sie das nicht sp�ren k�nnen, aber trotzdem w�nschte sie, Elayne w�rde das Ding an ihrer Stelle tragen. Oder sie k�nnte es einfach hierlassen.</p><p><emphasis>Sei nicht so n�rrisch!</emphasis> befahl sie sich selbst ganz energisch. Es <emphasis>verschlie�t das Gef�ngnis des Dunklen K�nigs. Mit dir geht einfach deine Phantasie durch.</emphasis> Und doch lie� sie den Beutel auf das rote Kleid, das Luca f�r sie hatte anfertigen lassen, fallen wie eine halb verweste Ratte, und dann wickelte sie das Ding gut ein und verschn�rte voller Hast das B�ndel. Dieses Seidenb�ndel kam anschlie�end mitten in ein gr��eres B�ndel Kleider hinein, die sie mitnehmen wollte, und das Ganze h�llte sie letztendlich noch in ihren guten, grauen Reisemantel. Ein paar Fingerbreit Abstand schirmten sie von diesem Gef�hl schw�rzesten Grauens ab, doch sie empfand das eindeutige Bed�rfnis, ihre Hand zu waschen. Wenn sie nur nicht so genau w��te, da� es sich dort drinnen befand. Es war wirklich idiotisch. Elayne w�rde sie auslachen und Birgitte vermutlich auch. Und zu Recht.</p><p>Tats�chlich ergaben die Kleidungsst�cke, die sie mitnehmen wollte, zwei Pakete, und sie bedauerte jedes, das sie zur�cklassen mu�te. Sogar das tief ausgeschnittene blaue Seidenkleid. Nicht, da� sie so etwas jemals wieder tragen wollte, und sie hatte gewi� nicht vor, das rote Kleid auch nur zu ber�hren, bevor sie es in Salidar einer Aes Sedai �bergab, aber sie konnte es nicht lassen, die Kosten all dieser Dinge � Pferde, Wagen und Kleider � im Kopf zu addieren, die sie seit dem Verlassen Tanchicos hatten tragen m�ssen. Und nat�rlich die Kutsche und die F�sser mit Textilfarben. Selbst Elayne h�tte davon Bauchschmerzen bekommen, aber die dachte wohl an so etwas einfach nicht. Diese junge Frau glaubte wahrscheinlich, es w�ren immer neue M�nzen vorhanden, wenn sie nur in ihren Geldbeutel griff.</p><p>Sie war noch dabei, das zweite B�ndel zu packen, als Elayne wiederkam und schweigend ein blaues Seidenkleid anzog. Schweigend, au�er ein paar Fl�chen, wenn sie sich die Arme nach hinten verrenken mu�te, um die Kn�pfe zu schlie�en. Nynaeve h�tte ja geholfen, wenn sie darum gebeten worden w�re, aber da Elayne nicht daran dachte, musterte sie lediglich den K�rper der anderen Frau beim Umziehen, ob sie irgendwelche Schrammen aufwies. Sie glaubte, Elayne nur wenige Minuten vor ihrer R�ckkehr aufschreien geh�rt zu haben, und falls sie und Birgitte sich tats�chlich geschlagen hatten... Sie war nicht unbedingt froh dar�ber, keine Schrammen vorzufinden. Auf einem Flu�schiff w�rde es im Grunde genauso eng zugehen wie in diesem Wohnwagen, und es w�rde noch schlimmer werden, wenn sich die beiden Frauen gegenseitig an die Kehle gingen. Und so h�tte es vielleicht geholfen, wenn beide bereits hier etwas von ihrer scheu�lichen Laune abreagiert h�tten.</p><p>Elayne sagte kein Wort, w�hrend sie ihre eigenen Habseligkeiten zusammenpackte. Sie antwortete nicht einmal, als Nynaeve ganz freundlich fragte, wohin sie denn zuvor wie angeschossen gerast sei. Die Frage brachte Nynaeve lediglich ein gehobenes Kinn und einen eisigen Blick ein, als glaube dieses Kind, es s��e bereits auf dem Thron ihrer Mutter.</p><p>Elaynes Schweigen konnte manchmal mehr sagen als viele Worte. Als sie nur noch drei Geldbeutel vorfand, hielt sie kurz inne, bevor sie sie in die Hand nahm, und in dieser Zeit sank die Temperatur im Wohnwagen sp�rbar. Dabei stellten die drei genau ihren Anteil dar. Nynaeve hatte ihre N�rgelei dar�ber satt, wie sie das Geld ausgab oder nicht. Sollte sie doch selbst sehen, wie die M�nzen abnahmen. Vielleicht sah sie dann endlich ein, da� sie m�glicherweise einige Zeit mittellos auskommen mu�ten. Als Elayne allerdings entdeckte, da� auch der Ring weg war und lediglich der dunkle Kasten noch dastand...</p><p>Elayne hob den Kasten an und �ffnete den Deckel. Sie sch�rzte die Lippen, als sie den Inhalt betrachtete, n�mlich die beiden anderen <emphasis>Ter'Angreal,</emphasis> die sie den ganzen Weg von Tear her mitgenommen hatten. Eine kleine Eisenscheibe, auf deren Seiten jeweils eine enge Spirale eingraviert war, und eine schmale Spange, etwa zehn Fingerbreit lang, anscheinend aus Bernstein, doch h�rter als Stahl, in deren Innerem auf irgendeine Art die kleine Figur einer schlafenden Frau eingelassen worden war. Jedes von beiden konnte man ben�tzen, um <emphasis>Tel'aran'rhiod</emphasis> zu betreten, doch es war nicht so leicht und bequem wie mit Hilfe des Rings. Man mu�te ein Gewebe aus dem Element Geist kn�pfen, der einzigen der F�nf M�chte, die im Schlaf ben�tzt werden konnte. Nynaeve war es nur recht und billig vorgekommen, wenn sie die beiden Elayne �berlie�, da sie selbst ja den Ring in Verwahrung genommen hatte. Elayne knallte den Kasten beinahe zu, blickte sie v�llig ausdruckslos an und steckte ihn dann neben den silbernen Pfeil in eines ihrer B�ndel. Ihr Schweigen war entsetzlich laut.</p><p>Auch Elayne packte zwei B�ndel, doch ihre waren gr��er. Sie lie� nichts zur�ck au�er den paillettenbestickten Jacken und Hosen. Nynaeve hielt sich zur�ck; am liebsten h�tte sie gefragt, ob Elayne diese �bersehen habe. Das konnte ja durchaus passieren, wenn man so schmollte. Aber <emphasis>sie</emphasis> wu�te ja schlie�lich, wie man Harmonie erzeugt, also lie� sie es bleiben. Sie beschr�nkte sich auf ein Schnauben, als Elayne betont den <emphasis>A'dam</emphasis> mit in eines ihrer B�ndel steckte, doch der Blick, den sie daf�r zur�ckbekam, sagte ihr, da� jeder ihrer m�glichen Einw�nde wohl verstanden worden war. Als sie schlie�lich den Wohnwagen verlie�en, h�tte man das Schweigen in St�cke hauen und zum K�hlen von Wein benutzen k�nnen.</p><p>Drau�en standen die M�nner schon bereit. Und sie waren ziemlich knurrig und warfen ihr und Elayne ungeduldige Blicke zu. Das war ja wohl kaum fair. Galad und Uno hatten nichts vorbereiten m�ssen. Thoms Fl�te und Harfe hingen in ihren Lederbeh�ltern auf seinem R�cken neben einem kleinen B�ndel, und Juilin, dessen schartiger Schwertf�nger an seinem G�rtel hing, w�hrend er sich auf seinen mannshohen Kampfstock st�tzte, hatte sich ebenfalls nur ein noch kleineres B�ndel � sauber verschn�rt � umgeh�ngt. M�nner waren ja immer bereit, die gleichen Kleider so lange zu tragen, bis sie ihnen am Leib zerfielen.</p><p>Nat�rlich stand auch Birgitte bereit, den Bogen in der Hand, den K�cher an der Seite und ein in den Umhang geh�lltes B�ndel, das nicht viel kleiner war als eines von Elayne, vor den F��en. Nynaeve hielt es bei Birgitte durchaus f�r m�glich, da� sie Lucas Kleider eingepackt hatte, aber was sie mittlerweile angezogen hatte, lie� sie doch stutzen. Ihr weiter Hosenrock h�tte beinahe der sein k�nnen, den sie in <emphasis>Tel'aran'rhiod</emphasis> angehabt hatte, nur war er eher golden als gelb, und die Hosenbeine waren an den Kn�cheln nicht zugebunden. Die blaue Jacke war vom gleichen Schnitt, wie sie sie in der Welt der Tr�ume getragen hatte.</p><p>Das R�tsel, wo sie die Kleider herbekommen hatte, l�ste sich von selbst, als Clarine herbeieilte und hervorsprudelte, sie habe viel zu lange gebraucht, na, und jedenfalls hatte sie zwei weitere Hosenr�cke und eine Jacke dabei, die schnell zusammengelegt in Birgittes B�ndel wanderten. Sie blieb noch etwas und beteuerte, wie leid es ihr t�te, da� sie die Truppe verlie�en, und sie war auch keineswegs die einzige, die sich trotz der Hetze, der Packerei und Anspannerei ein paar Augenblicke Zeit nahm, um sich zu verabschieden. Aludra kam und w�nschte ihnen eine sichere Reise, wohin sie sie auch r�hren mochte, und das in ihrem kr�ftigen Taraboner Dialekt. Und sie brachte ihnen zwei weitere Sch�chtelchen mit ihren Feuerst�ckchen. Nynaeve steckte sie seufzend in ihre Umh�ngetasche. Sie hatte die anderen absichtlich zur�ckgelassen, und Elayne hatte sie schlie�lich hinter einen Sack Bohnen auf ein Regalbrett geschoben, als sie glaubte, Nynaeve sehe nicht her. Petra bot ihnen an, zu ihrem Schutz bis zum Flu� mitzukommen. Er gab vor, den besorgten Blick seiner Frau nicht zu bemerken. Dasselbe boten ihnen die Chavanas an und Kin und Bari, die Jongleure, aber als Nynaeve ihnen versicherte, das sei nicht n�tig, konnten sie im Gegensatz zu Petra, der besorgt die Stirn runzelte, ihre Erleichterung kaum verbergen. Sie mu�te schnell antworten, den Galad und die anderen M�nner machten den Eindruck, als h�tten sie nichts dagegen, die Angebote zu akzeptieren. �berraschenderweise erschien sogar Latelle kurz, sagte ihnen ein paar bedauernde Worte, l�chelte, und ihre Augen sagten, sie werde ihnen sogar die B�ndel tragen, wenn sie nur recht schnell verschw�nden. Nynaeve war �berrascht, da� Cerandin nicht auftauchte, aber andererseits war sie auch recht froh dar�ber. Vielleicht kam ja Elayne mit der Frau ganz wunderbar zurecht, aber seit dem Zwischenfall, als sie von ihr angegriffen worden war, f�hlte sich Nynaeve ganz und gar nicht wohl in ihrer Haut, wenn diese Frau sich in ihrer N�he befand, und vielleicht besonders deshalb, weil Cerandin sich �u�erlich nicht das Geringste anmerken lie�.</p><p>Luca selbst kam als letzter und dr�ckte Nynaeve eine Handvoll armseliger, durch die lange D�rre zwergenw�chsiger Wildblumen in die Hand. Das Licht allein mochte wissen, wo er die gepfl�ckt hatte. Dazu schwor er ihr unsterbliche Liebe, pries ihre Sch�nheit in blumigen Worten und gelobte dramatisch, sie wiederzufinden, und wenn er durch die ganze Welt ziehen m�sse. Sie war sich nicht im klaren dar�ber, was von alledem ihre Wangen hei�er ergl�hen lie�, doch ihr eisiger Blick lie� das Grinsen blitzschnell wieder von Juilins Gesicht verschwinden und genauso das Erstaunen in Unos Miene. Was Thom und Galad davon hielten, war unklar, denn sie waren weise genug, ihre Gesichter nicht einmal andeutungsweise zu verziehen. Sie brachte es nicht �ber sich, Elayne und Birgitte anzusehen.</p><p>Das Schlimmste daran war, sie mu�te dastehen und zuh�ren, w�hrend die welken Blumen ihre K�pfchen auf ihre Hand fallen lie�en und ihr Gesicht immer heftiger err�tete. H�tte sie versucht ihn mit hei�en Ohren wegzuschicken, dann h�tte ihn das vermutlich nur zu um so gr��eren Anstrengungen inspiriert und damit den anderen noch mehr Wasser auf die M�hlen geliefert. Sie h�tte fast erleichtert aufgeatmet, als dieser idiotische Mann sich endlich unter vielen Verbeugungen und mit gek�nstelt gespreiztem Cape zur�ckzog.</p><p>Sie behielt die Blumen in der Hand und setzte sich an die Spitze der Gruppe, damit sie deren Gesichter nicht sehen mu�te. Zornig schubste sie die B�ndel zurecht, wenn sie verrutschten. Kaum befanden sie sich au�er Sichtweite der Wohnwagen, die vor der Segeltucheinz�unung standen, warf sie die welken Blumen derart vehement zu Boden, da� Ragan und der Rest der grob gekleideten Schienarer, die auf halbem Weg von der Menagerie zur Stra�e auf dem Gras der Wiese hockten, erstaunte Blicke tauschten. Jeder von ihnen trug ein Deckenb�ndel auf dem R�cken, nat�rlich nur ein kleines, gleich neben dem Schwert, doch sie hatten sich so viele Wasserbeh�lter umgeh�ngt, da� sie damit tagelang auskommen konnten. Jeder dritte Mann hatte sich au�erdem irgendwo einen Kessel oder Kochtopf angeh�ngt. Gut. Wenn sie schon etwas kochen mu�ten, sollten sie es doch tun! Sie wartete nicht darauf, da� sie zu einem Entschlu� kamen, ob man sich ihr n�hern d�rfe, sondern stolzierte allein auf die Lehmstra�e hinaus.</p><p>Valan Luca war nat�rlich der Grund f�r ihre Wut. Da� er sie so dem�tigen mu�te! Sie h�tte ihm am liebsten jetzt noch eins �ber den Sch�del verpa�t. Zum Dunklen K�nig mit ihm! Aber auch Lan Mandragoran war Ziel ihres Zorns. Lan hatte ihr noch nie Blumen geschenkt. Nicht, da� es eine Rolle gespielt h�tte. Er hatte seine Liebe in sehr viel tieferen und gef�hlvolleren Worten ausgedr�ckt, als es Valan Luca je fertigbringen w�rde. Sie hatte das, was sie Luca gesagt hatte, durchaus w�rtlich gemeint. Und wenn Lan sagte, er w�rde sie wegschleppen, dann br�chte keine Drohung ihn davon ab. Selbst mit Hilfe der Macht k�nnte sie ihn dann nur noch davon abbringen, wenn sie schneller war als er mit seinen K�ssen, die ihr Hirn und ihre Beine so weich werden lie�en, da� sie weder denken noch weglaufen konnte. Trotzdem w�ren Blumen nett gewesen. Auf jeden Fall netter als ewige Erkl�rungen, warum ihre Liebe nicht sein konnte und durfte. M�nner und Ihr Ehrenwort! M�nner und ihre <emphasis>Ehre!</emphasis> Mit dem Tod verheiratet sei er, ja? Er und sein pers�nlicher Krieg gegen den Schatten! Er w�rde leben, und er w�rde sie heiraten, und falls er in irgendeinem Punkt anderer Meinung war, w�rde sie ihm den Kopf schon zurechtr�cken. Da war eben nur dieses kleine Problem mit seiner Bindung an Moiraine. Ach, sie h�tte am liebsten laut losgeheult!</p><p>Sie war schon hundert Schritt weit auf der Lehmstra�e gelaufen, bis die anderen sie endlich einholten. Elayne warf ihr einen Seitenblick zu und schnaubte lautstark, w�hrend sie mit den beiden gro�en, immer wieder verrutschenden B�ndeln auf ihrem R�cken k�mpfte. Sie mu�te ja auch wieder alles mitnehmen!</p><p>Birgitte schritt neben ihr und tat so, als f�hre sie Selbstgespr�che, doch sie knurrte durchaus h�rbar etwas von Frauen, die wegrannten wie die Carpanm�dchen, die von einer Klippe springen wollten. Nynaeve ignorierte beide gleicherma�en.</p><p>Die M�nner verteilten sich um sie herum � Galad vorn, flankiert von Thom und Juilin, und die Schienarer in zwei Reihen zu ihrer Rechten und Linken. Mi�trauische Augen suchten jeden verwelkten Strauch und jede kleine Mulde zu beiden Seiten nach m�glichen Gefahren ab. Nynaeve kam sich schon ein bi�chen t�richt vor, wie sie da mitten zwischen ihnen einherstolzierte. Man h�tte denken k�nnen, sie erwarteten jeden Moment, da� sich ein ganzes Heer vom Boden erhob, und man h�tte sie und die beiden anderen Frauen f�r ganz und gar hilflos halten k�nnen, besonders, als die Schienarer, die schweigend Unos F�hrung folgten, auch noch die Schwerter zogen. Warum eigentlich, wo doch kein einziges menschliches Wesen zu sehen war; selbst die H�ttend�rfer vor der Stadt schienen verlassen. Galads Klinge blieb in der Scheide, aber Juilin hielt seinen daumendicken Stab kampfbereit in der Hand, anstatt ihn als Spazierstock zu ben�tzen. In Thoms H�nden tauchten pl�tzlich Messer auf und verschwanden wieder, als sei er sich dessen gar nicht bewu�t. Sogar Birgitte legte einen Pfeil auf. Nynaeve sch�ttelte den Kopf. Die Schl�ger mu�ten schon sehr tapfer sein, die sich in Reichweite der Waffen dieser Gruppe begaben.</p><p>Dann erreichten sie Samara, und sie begann sich zu w�nschen, sie h�tte das Angebot Petras und der Chavanas akzeptiert und jeden zu ihrem Schutz mitgenommen, der sich anbot.</p><p>Das Tor stand offen und war unbewacht, und �ber die graue Stadtmauer quollen sechs schwarze Rauchs�ulen in den Himmel. Die Stra�en dahinter waren ruhig. Glasscherben aus eingeschlagenen Fenstern knirschten unter ihren Stiefeln, doch das war das einzige Ger�usch, abgesehen von einem entfernten Summen, das klang, als fl�gen ungeheure Schw�rme von Wespen durch die Stadt. Auf den Pflastersteinen lagen zersplitterte M�bel und vereinzelte Kleidungsst�cke, T�pfe und Geschirr, Gegenst�nde, die man aus L�den und Wohnungen geworfen hatte. Es war nicht festzustellen, ob Pl�nderer oder Fl�chtlinge dieses Durcheinander angerichtet hatten.</p><p>Nicht nur Hab und Gut war zerst�rt worden. Bei einem Haus hing die Leiche eines Mannes in einem gr�nen Seidenrock halb aus einem Fenster, schlaff und bewegungslos, w�hrend man an den Dachbalken der Werkstatt eines Blechschmieds einen zerlumpten Burschen am Hals aufgeh�ngt hatte. Einige Male erhaschte sie in Seitenstra�en oder schmalen Gassen einen Blick auf etwas, das wie weggeworfene Kleiderb�ndel aussah. Doch ihr war klar, da� es keine waren.</p><p>An einem Haus hing die eingeschlagene T�r schief an einem einzigen Scharnier, und dahinter z�ngelten kleine Flammen an einer Holztreppe empor. Gerade eben begann Rauch herauszuquellen. Die Stra�en war jetzt wohl menschenleer, doch wer das auch angerichtet hatte, war noch nicht lange fort. Nynaeve drehte unabl�ssig den Kopf hin und her in dem Bem�hen, nach allen Seiten gleichzeitig Ausschau zu halten, und au�erdem hatte sie ihr Messer fest in die Hand genommen.</p><p>Manchmal schwoll das zornige Summen an, ein wortloser, kehliger Aufschrei der Wut, der kaum eine Stra�e entfernt schien, und manchmal flaute er zu einem dumpfen Murmeln ab. Doch als das Verh�ngnis kam, kam es ganz pl�tzlich und lautlos. Wie ein Rudel hungriger W�lfe kam die kompakte Masse von M�nnern um die n�chste Ecke, f�llte die Stra�e von einer Seite zur anderen, lautlos bis auf das Stampfen der Stiefel. Der Anblick Nynaeves und der anderen wirkte auf sie wie eine Fackel, die man auf den Heuboden wirft. Es gab kein Z�gern. Wie ein Mann st�rzten sie los, heulten wild auf, schwangen Mistgabeln und Schwerter, �xte und Kn�ppel, alles, was man als Waffe ben�tzen konnte.</p><p>In Nynaeve kochte noch genug Zorn, da� sie in der Lage war, nach <emphasis>Saidar</emphasis> zu greifen, und das tat sie denn auch, ohne weiter nachzudenken und noch bevor sie das Gl�hen um Elayne herum wahrnahm. Es gab ein Dutzend M�glichkeiten, allein und ohne Hilfe diesen Mob zur�ckzuhalten, und ein Dutzend mehr, ihn zu vernichten, wenn sie das wollte. W�re da nicht die Bedrohung durch Moghedien gewesen. Sie war sich nicht sicher, ob Elayne durch die gleiche �berlegung zur�ckgehalten wurde. Ihr war lediglich bewu�t, da� sie mit gleicher Leidenschaft an ihrem Zorn und an der Wahren Quelle festhielt, und mehr als die heranst�rmende Menge war es Moghedien, die ihr das schwer machte. Sie hielt an der Macht fest, und doch wagte sie nicht, sie zu ben�tzen. Nicht, solange es noch die kleinste M�glichkeit gab, sich anders zur Wehr zu setzen. Sie w�nschte beinahe, sie k�nnte die Str�nge kappen, die Elayne jetzt bestimmt verwob. Es mu�te eine andere M�glichkeit geben!</p><p>Ein Mann, ein hochgewachsener Kerl in einem zerlumpten roten Rock, der, seinen gr�ngoldenen Stickereien nach zu urteilen, einst jemand anderem geh�rt hatte, rannte mit seinen langen Beinen den anderen voran und schwang wild ein Beil. Birgittes Pfeil traf ihn genau in ein Auge. Er st�rzte, lag bewegungslos am Boden, und die anderen trampelten mit verzerrten Gesichtern und unartikulierten Schreien �ber ihn hinweg. Nichts w�rde sie aufhalten. Aufheulend vor Zorn und Angst, ri� Nynaeve ihr Messer vom G�rtel und bereitete sich gleichzeitig darauf vor, eben doch die Macht einsetzen zu m�ssen.</p><p>Wie eine Woge, die an Felsen zerschellt, so rannte sich der Angriff am Stahl der Schienarer fest. Die M�nner mit ihren Skalplocken wirkten immerhin noch weniger zerlumpt als die, gegen die sie zu k�mpfen hatten. Sie arbeiteten methodisch mit ihren Zweihandschwertern wie Handwerker bei ihrer Arbeit, und der Ansturm kam nicht �ber ihre d�nne Reihe hinaus. M�nner fielen unter Schreien nach dem Propheten, aber immer weitere kletterten �ber ihre Leichen hinweg. Juilin, dieser Narr, hielt seinen Platz in dieser Reihe, den oben flachen, kegelf�rmigen Hut auf dem dunklen Kopf. Sein nur daumendicker Stock wirbelte kaum sichtbar durch die Luft, wehrte Hiebe ab, brach Arme und knallte auf Sch�del herab. Thom befand sich hinter der Reihe und huschte mit deutlich ausgepr�gtem Hinken, aber trotzdem schnell, von einem Ort zum anderen, um sich den wenigen zu stellen, die es geschafft hatten, sich durchzuwinden. Er hatte wohl nur in jeder Hand einen Dolch, doch selbst Schwerttr�ger starben von eben diesen H�nden. Das ledrige Gesicht des Gauklers trug einen grimmigen Ausdruck. Als ein massiger Kerl in der Lederweste eines Hufschmieds mit seiner Mistgabel beinahe Elayne erreicht h�tte, knurrte Thom ebenso wild auf wie viele in der angreifenden Masse und trennte dem Mann fast den Kopf ab, als er ihm die Kehle aufschlitzte. Inmitten dieses Durcheinanders wechselte Birgitte seelenruhig immer wieder die Stellung, und jeder ihrer Pfeile fand sein Ziel in irgendeinem Auge.</p><p>Und wenn sie auch den Mob aufhielten, war es doch Galad, der den Angriff endg�ltig zur�ckschlug. Er stand ihrem Ansturm gegen�ber, als warte er auf einem Ball auf den n�chsten Tanz, die Arme verschr�nkt und unbeeindruckt. Er hielt es noch nicht einmal f�r notwendig, die Klinge zu ziehen, bis sie ihn fast schon erreicht hatten. Dann tanzte er, und all seine Eleganz der Bewegung wandelte sich in t�dliche Geschmeidigkeit. Er stellte sich ihnen nicht; vielmehr schnitt er sich einen Weg direkt ins Herz des Mobs, eine Gasse, so breit wie die Reichweite seines Schwerts. Manchmal umringten ihn gleich f�nf oder sechs M�nner mit Schwertern und Tischbeinen als Kn�ppel, aber das dauerte nicht lange � nur so lange, wie sie brauchten, um zu sterben. Am Ende konnte weder ihr Zorn noch ihr Blutdurst ihn in die Knie zwingen. Vor ihm rannten sie zuerst davon, lie�en die Waffen fallen, und als auch die anderen sich der Flucht anschlossen, teilte sich der Strom an ihm wie an einem Felsen. Nachdem sie auf dem gleichen Weg verschwunden waren, den sie bei ihrem �berfall genommen hatten, stand er allein zwanzig Schritt von den anderen entfernt zwischen den Toten und Sterbenden, mit ihrem St�hnen als Begleitmusik.</p><p>Nynaeve schauderte, als er sich b�ckte und seine Klinge an der Jacke eines Toten abwischte. Selbst dabei wirkte er noch elegant. Selbst dabei war er noch sch�n. Sie glaubte, sich �bergeben zu m�ssen.</p><p>Sie hatte keine Ahnung, wie lange das alles gedauert hatte. Einige der Schienarer st�tzten sich schwer atmend auf ihre Schwerter. Und sie betrachteten Galad mit geh�rigem Respekt. Thom hatte sich vorgebeugt, eine Hand auf ein Knie gest�tzt, und mit der anderen versuchte er, sich Elayne vom Leibe zu halten. Er versicherte ihr dabei, er m�sse nur wieder zu Atem kommen. Es mochte Minuten gedauert haben oder eine Stunde � sie wu�te es nicht.</p><p>Ausnahmsweise einmal l�ste ein Blick auf die Verwundeten, die hier und da auf dem Pflaster lagen und von denen einige wegzukriechen versuchten, nicht das Verlangen aus, sie mit Hilfe der Macht zu heilen. Sie empfand �berhaupt kein Mitleid. Unweit von ihr hatte jemand eine Mistgabel fallengelassen. Der abgeschlagene Kopf eines Mannes war auf eine Zinke gespie�t und der einer Frau auf eine andere. Sie sp�rte dabei lediglich ein W�rgen und die Erleichterung dar�ber, da� es nicht ihr Kopf war. Und kalt war ihr.</p><p>�Danke�, sagte sie laut in die Runde. �Vielen Dank.� Die Worte kamen ein wenig schwerf�llig heraus, denn sie gab nicht gern zu, da� sie selbst etwas nicht genauso gut h�tte erledigen k�nnen, aber es lag doch Eindringlichkeit darin. Dann nickte Birgitte zustimmend und Nynaeve mu�te mit sich k�mpfen. Doch diese Frau hatte genausoviel vollbracht wie die anderen. Erheblich mehr also als sie selbst. So steckte sie das Messer wieder in die G�rtelschlaufe. �Du ... hast sehr gut geschossen.�</p><p>Mit einem trockenen Grinsen, als wisse sie genau, wie schwer Nynaeve diese Worte gefallen waren, machte sich Birgitte daran, ihre verschossenen Pfeile wieder einzusammeln. Nynaeve schauderte und vermied es, ihr dabei zuzusehen.</p><p>Die meisten Schienarer waren verwundet, und auch Thom und Juilin hatten Blut lassen m�ssen, doch benahmen sie sich wie rechte M�nner. Jeder behauptete, seine Wunden seien weiter unbedeutend. Wundersamerweise war Galad v�llig unber�hrt geblieben. Aber vielleicht war das doch nicht so wunderlich, wenn man bedachte, mit welcher Kunst er seine Klinge gef�hrt hatte. Selbst Uno sagte, sie m��ten sofort weitergehen, obwohl ihm ein Arm steif herabhing und er einen Schnitt �ber seine Wange empfangen hatte, der zu einer fast spiegelgleichen Narbe wie die auf der anderen Seite werden w�rde, falls man ihn nicht schnell heilte.</p><p>Tats�chlich aber z�gerte sie keineswegs, sofort weiterzugehen, obwohl sie sich sagte, sie solle eigentlich nach den Verletzungen sehen. Elayne legte ihren Arm st�tzend um Thom; der aber weigerte sich, sich auf sie zu st�tzen. Dann begann er einfach, eine Ballade im Hochgesang zu rezitieren, und zwar so blumig ausgeschm�ckt, da� es schwerfiel, die Geschichte von Kirukan darin zu erkennen, der sch�nen Soldatenk�nigin aus den Trolloc-Kriegen.</p><p>�Sie hatte, vorsichtig ausgedr�ckt, eine Laune wie ein Keiler, der im Dorngestr�pp festsitzt�, sagte Birgitte leise vor sich hin. �So schlimm wie niemand sonst in ihrer N�he.�</p><p>Nynaeve knirschte mit den Z�hnen. Sie w�rde sich h�ten, dieser Frau noch einmal ein Lob zu spenden, was sie auch in Zukunft anstellen mochte. Und wenn sie es recht bedachte, konnte jeder Mann von den Zwei Fl�ssen auf diese Entfernung genauso gut schie�en. Ach was, jeder Junge!</p><p>Ein Grollen folgte ihnen, dumpfes Gebr�ll aus anderen Stra�enz�gen in einiger Entfernung, und hin und wieder hatte sie das Gef�hl, von ungesehenen Augen aus leeren, glaslosen Fensterh�hlen heraus beobachtet zu werden. Doch die Nachricht von ihrem Kampf mu�te sich herumgesprochen haben, oder die Beobachter hatten selbst zugesehen, denn sie erblickten keine Menschenseele, bis pl�tzlich vor ihnen zwei Dutzend Wei�m�ntel in die Stra�e einbogen, die H�lfte mit gespannten B�gen, die anderen mit blanken Klingen. Die Schienarer hatten innerhalb eines Herzschlags ihre Schwerter gezogen.</p><p>Ein paar kurze S�tze, die Galad mit einem Burschen mit m�rrischem Gesicht unter dem kegelf�rmigen Helm tauschte, sorgten daf�r, da� sie durchgelassen wurden, obwohl der Mann die Schienarer zweifelnd musterte, ebenso wie Thom und Juilin und auch Birgitte. Es reichte jedenfalls, um Nynaeve aufzuregen. Es mochte noch hingehen, da� Elayne mit erhobenem Kinn weitermarschierte und die Wei�m�ntel ignorierte, als seien sie Diener, aber Nynaeve pa�te es ganz und gar nicht, einfach �bersehen zu werden.</p><p>Der Flu� war nicht mehr weit entfernt. Hinter ein paar kleinen, gemauerten Lagerh�usern mit Schieferd�chern zogen sich die drei gemauerten Anlegepl�tze der Stadt kaum bis zum Wasser des halb ausgetrockneten Flusses �ber den vertrockneten Schlamm hin. Am Ende einer der Mauern schaukelte ein plumpes Schiff mit zwei Masten, das sehr tief lag. Nynaeve hoffte, es werde keine M�he machen, separate Kaj�ten zu bekommen. Und sie hoffte, es m�ge nicht zu schlimm schwanken.</p><p>Eine kleine Menschenansammlung duckte sich zwanzig Schritt vom Kai entfernt unter den wachsamen Blicken von vier W�chtern mit wei�en Umh�ngen. Es waren beinahe ein Dutzend M�nner, vorwiegend alt und alle zerlumpt und mit Schrammen oder Schwellungen, und etwa doppelt so viele Frauen, die meisten mit zwei oder drei Kindern an der Hand oder auf dem Arm, ein paar sogar mit S�uglingen. Zwei weitere Wei�m�ntel standen direkt vor dem Zugang zum Kai. Die Kinder verbargen ihre Gesichter in den R�cken der M�tter, doch die Erwachsenen blickten sehnsuchtsvoll zu dem Schiff hin�ber. Der Anblick brach Nynaeve fast das Herz. Sie erinnerte sich an die gleichen Blicke, nur in viel gr��erer Zahl, in Tanchico. Menschen, die verzweifelt auf einen Weg in die Sicherheit hofften. Sie war nicht in der Lage gewesen, etwas f�r sie zu tun.</p><p>Bevor sie auch nur irgend etwas f�r diejenigen hier tun konnte, packte Galad sie und Elayne jeweils am Arm, zog sie den Kai entlang und �ber eine schwankende Planke hinunter auf das Schiff. Sechs weitere M�nner mit strengen Gesichtern, wei�en Umh�ngen und gl�nzend polierten Harnischen standen an Deck und blickten auf eine Ansammlung barf��iger M�nner, meist mit blo�em Oberk�rper, die am Bug nahe der Reling kauerten. Es war schwer zu entscheiden, ob der Kapit�n am Fu� der Planke die Wei�m�ntel m�rrischer anblickte oder die bunt gemischte Gruppe, die nun sein Schiff betrat.</p><p>Agni Neres war ein gro�er, knochiger Mann in einem dunklen Rock. Seine Ohren standen ab, und sein schmales Gesicht trug einen eigensinnigen Ausdruck.</p><p>Er beachtete den Schwei� gar nicht, der ihm �ber das Gesicht rann. �Ihr habt mir die Passage f�r zwei Frauen bezahlt. Wollt Ihr etwa, da� ich das andere Frauenzimmer und die M�nner umsonst mitnehme?� Birgittes Blick verhie� Gefahr, aber er schien es nicht zu bemerken.</p><p>�Ihr sollt Euer Geld bekommen, mein guter Kapit�n�, sagte Elayne k�hl zu ihm.</p><p>�Solange es sich in vern�nftigen Grenzen h�lt�, f�gte Nynaeve schnell hinzu und beachtete Elaynes scharfen Blick nicht.</p><p>Neres' Lippen wurden wom�glich noch schmaler, obwohl das kaum wahrscheinlich erschien, und er wandte sich wieder an Galad: �Also, wenn Ihr dann Eure M�nner von meinem Schiff abziehen w�rdet kann ich die Segel setzen lassen. Es gef�llt mir nun weniger als je zuvor, mich im hellen Tageslicht hier zu befinden.�</p><p>�Sobald Ihr eure <emphasis>anderen</emphasis> Passagiere an Bord genommen habt�, sagte Nynaeve und nickte in Richtung der Menschen, die am Ufer kauerten.</p><p>Neres blickte sich nach Galad um, doch der unterhielt sich ein St�ck weiter mit den anderen Wei�m�nteln. Dann sah er sich die Leute am Ufer an und sprach in die Luft �ber Nynaeves Kopf hinein: �Jeden, der zahlen kann. Nicht viele von denen da dr�ben sehen aus, als k�nnten sie. Und ich k�nnte auch nicht alle mitnehmen, selbst wenn sie bezahlten.�</p><p>Sie stellte sich auf die Zehenspitzen, damit er ihr L�cheln auf keinen Fall �bersah. Sein Kinn versank daraufhin in seinem Kragen. �Jeden einzelnen von ihnen, <emphasis>Kapit�n.</emphasis> Ansonsten schneide ich Euch selbst die Ohren ab.�</p><p>Der Mann �ffnete zornig den Mund, doch dann ri� er pl�tzlich die Augen auf und starrte an ihr vorbei.</p><p>�In Ordnung�, sagte er hastig. �Aber merkt Euch, ich erwarte irgendeine Art von Bezahlung. Ich gebe nur am Namenstag Almosen, und der ist schon lange her.�</p><p>Sie lie� ihre Fersen wieder auf das Deck sinken und blickte sich mi�trauisch um. Thom, Juilin und Uno standen dort und beobachteten sie und Neres ausdruckslos. So ausdruckslos sie nur konnten, wenn man Unos Gesichtsz�ge bedachte und das Blut auf ihren Gesichtern sah. Viel zu ausdruckslos.</p><p>Nach einem betonten Schnauben sagte sie: �Ich will sie alle an Bord sehen, bevor irgend jemand auch nur ein Tau ber�hrt�, und wandte sich ab, um Galad zu suchen. Sie fand, er habe nun doch einen Dank verdient. Er hatte geglaubt, das Richtige zu tun. Das war das Schwierige gerade bei den besten M�nnern. Sie glaubten immer, das Richtige zu tun. Nun, was diese drei eben auch angestellt haben mochten, sie hatten ihr jedenfalls einen l�ngeren Streit erspart.</p><p>Sie fand Galad bei Elayne. Auf diesem sch�nen M�nnergesicht stand blanke Niedergeschlagenheit. Seine Miene erhellte sich aber bei ihrem Anblick. �Nynaeve, ich habe f�r Eure Fahrt bis hinunter nach Boannda bezahlt. Das liegt nur auf halbem Weg nach Altara, dort, wo der Boern in den Eldar m�ndet, aber ich konnte mir einfach nicht mehr leisten. Kapit�n Neres hat mir jede Kupferm�nze aus der Tasche geluchst, und ich mu�te mir sogar noch etwas borgen. Der Kerl verlangt zehnfach �berh�hte Preise. Ich f�rchte, Ihr werdet Euch von dort aus selbst den Weg nach Caemlyn suchen m�ssen. Es tut mir wirklich so leid.�</p><p>�Du hast bereits genug getan�, warf Elayne ein, w�hrend ihr Blick zu den Rauchwolken �ber Samara hin�berschweifte.</p><p>�Ich habe mein Versprechen gegeben�, sagte er m�de resignierend. Offensichtlich hatte es schon vor Nynaeves Ankunft einen entsprechenden Wortwechsel gegeben.</p><p>Nynaeve brachte es �ber sich, ihm zu danken, was er freundlich zur�ckwies, und das mit einem Blick, als verstehe auch sie ihn nicht. Und sie war mehr als bereit, das zuzugeben. Er hatte einen Krieg begonnen, um ein Versprechen einzul�sen � Elayne hatte in diesem Falle recht; wenn nicht schon jetzt, dann w�rde sich bald ein Krieg daraus entwickeln � und obwohl doch seine M�nner Neres' Schiff besetzt hielten, verlangte er keinen g�nstigeren Preis von dem Kapit�n. Es war Neres' Schiff, und Neres konnte f�r die Fahrt verlangen, was er wollte. Solange er nur Elayne und Nynaeve mitnahm. Es war so: Galad beachtete niemals den Preis, den er oder jemand anderer daf�r bezahlen mu�te, wenn man nur das Richtige tat.</p><p>An der Planke blieb er noch einmal stehen und blickte die Stadt an, als sehe er in die Zukunft. �Haltet Euch fern von Rand al'Thor�, sagte er mit unheilschwangerer Stimme. �Er bringt die Zerst�rung. Er <emphasis>wird</emphasis> die Welt noch einmal zerst�ren, bevor er mit ihr fertig ist. Haltet Euch fern von ihm.� Und dann schritt er auch schon �ber den Kai und rief nach seiner R�stung.</p><p>Nynaeve ertappte sich dabei, wie sie einen erstaunten Blick mit Elayne tauschte, obwohl sie schnell verlegen beiseite sah. Es fiel schwer, einen Augenblick wie diesen mit jemandem zu teilen, von der man wu�te, wie scharf ihre Zunge sein konnte. Zumindest deshalb war ihr nicht wohl in ihrer Haut. Sie konnte sich nicht vorstellen, wieso Elayne einen verwirrten Eindruck machte, es sei denn, sie k�me doch langsam zur Besinnung. Sicherlich hatte Galad nicht die geringste Ahnung, da� sie �berhaupt nicht beabsichtigten, nach Caemlyn zu reisen. M�nner verf�gten nicht �ber eine solche Auffassungsgabe. Sie und Elayne sahen sich von nun an eine ganze Weile nicht mehr an.</p></section><section><title><p>49</p><p>Nach Boannda</p></title><p>Es machte wenig Schwierigkeiten, die bunt zusammengew�rfelte Gruppe von M�nnern, Frauen und Kindern an Bord zu schaffen. Nicht ein einziges Mal mu�te Nynaeve Kapit�n Neres erneut klar machen, da� er Platz f�r <emphasis>jeden</emphasis> zu finden hatte; und was immer er glaubte, f�r ihre Passage an Geld verlangen zu k�nnen, so wu�te sie doch ganz genau, was sie ihm f�r die Fahrt nach Boannda zahlen w�rde. Nat�rlich mochte es ein wenig geholfen haben, da� sie Uno leise befohlen hatte, seine Schienarer sollten irgendwie an ihren Schwertern herumspielen. F�nfzehn grob gekleidete M�nner mit harten Gesichtern, alle mit kahlgeschorenen K�pfen bis auf die Skalplocken, ganz zu schweigen von den Blutflecken, �lten und schliffen ihre Klingen, lachten laut, als einer erz�hlte, wie ein anderer beinahe wie ein Lamm aufgespie�t worden w�re ... nun, die Wirkung war h�chst befriedigend. Sie z�hlte ihm die M�nzen in die Hand hinein, und wenn es zu weh tat, mu�te sie nur an den Hafen von Tanchico denken, und schon fiel es ihr leichter, weiterzuz�hlen. Neres hatte in einer Hinsicht recht: Diese Menschen wirkten nicht, als h�tten sie noch viel Geld, und sie w�rden noch jede Kupferm�nze bitter notwendig brauchen. Elayne hatte kein Recht dazu, in diesem giftig s��lichen Tonfall zu fragen, ob man ihr vielleicht gerade einen Zahn gezogen habe.</p><p>Die Schiffsbesatzung eilte davon, als Neres seine Befehle schrie, und machte die Leinen los, w�hrend noch die letzten Fl�chtlinge an Bord schlurften, die wenigen Habseligkeiten in den Armen, jedenfalls diejenigen, die au�er den Lumpen am Leib �berhaupt noch etwas besa�en. Tats�chlich schien das plumpe Schiff allm�hlich so �berv�lkert da� Nynaeve sich zu fragen begann, ob Neres nicht recht gehabt hatte. Und doch stand soviel Hoffnung auf ihre Gesichter geschrieben, sobald sie mit beiden F��en an Deck standen, da� sie bereute, auch nur daran gedacht zu haben, sie wieder zur�ckzuschicken. Und als sie erfuhren, da� sie f�r die Fahrt bezahlt hatte, dr�ngten sie sich um sie, versuchten, ihre H�nde zu k�ssen oder ihren Rocksaum, riefen ihr Dank und Segensw�nsche zu, und bei einigen, M�nnern wie Frauen, str�mten Tr�nen �ber die Wangen. Sie w�re am liebsten in den Schiffsplanken unter ihren F��en versunken.</p><p>Das Deck war von Gesch�ftigkeit erf�llt, als man die Ruder hinausschob und die Segel setzte. Samara begann hinter ihnen zu verschwinden, bevor sie diese Dankesorgie hinter sich gebracht hatte. H�tten Elayne und Birgitte auch nur ein Wort dar�ber fallen lassen, h�tte sie beide zur Strafe glatt zweimal ums Schiff gejagt.</p><p>F�nf Tage verbrachten sie auf der <emphasis>Wasser schl�nge,</emphasis> f�nf Tage langsamer Fahrt den Eldar mit seinen vielen Windungen hinunter. Die Tage waren gl�hend hei� und die N�chte nicht viel k�hler. Einiges besserte sich w�hrend dieser Zeit, doch die Fahrt hatte keinen guten Beginn.</p><p>Das erste wirkliche Problem auf der Reise war Neres' Kaj�te im Heck, die einzige Behausung an Bord, wenn man vom Deck absah. Nicht, da� Neres gez�gert h�tte, dort auszuziehen. Die Eile, mit der er sich Hosen und Jacken und Hemden �ber die Schultern warf und ein weiteres dickes Kleiderb�ndel auf die Arme nahm � dazu nahm er dann noch die Rasiersch�ssel in die eine und das Rasiermesser in die andere Hand � veranla�te Nynaeve, Thom, Juilin und Uno einen scharfen Blick zuzuwerfen. Es war ja durchaus angebracht, wenn <emphasis>sie</emphasis> die M�nner ben�tzte, sobald sie es f�r richtig hielt, aber keineswegs, wenn sie hinter ihrem R�cken auf sie aufpa�ten. Ihre Mienen waren jedoch so offen und ehrlich, und ihre Augen blickten so unschuldig drein... Selbst Elayne f�hlte sich gen�tigt, wieder ein altes Sprichwort Linis auszugraben, das der Gelegenheit entsprach: �Ein offener Sack verbirgt nichts, und hinter einer offenen T�r kann sich auch nur wenig verstecken, doch ein offener Mann hat garantiert etwas zu verbergen.�</p><p>Aber was auch M�nner an Problemen mit sich brachten, im Moment jedenfalls stellte die Kaj�te selbst das Problem dar. Sogar mit weit aufgerissenen Fenstern, die freilich winzig waren, roch es darin muffig, und in dieses d�stere Quartier fiel auch dann nur wenig Licht. Man h�tte das auch als Gef�ngniszelle bezeichnen k�nnen. Diese Kaj�te also war klein, kleiner noch als der Wohnwagen, und der gr��te Teil des Raums wurde von einem schweren Tisch und einem Stuhl mit hoher Lehne eingenommen, die am Boden festgeschraubt waren, und von der Treppenleiter, die hoch zum Deck f�hrte. Ein in die Wand eingebauter Waschtisch mit einem schmierigen Krug, einer gesprungenen Sch�ssel und einem schmalen, verstaubten Spiegel engte den Raum noch mehr ein und komplettierte gleichzeitig die Einrichtung, abgesehen von ein paar leeren B�cherbrettern und Haken, um die Kleider aufzuh�ngen. Die Deckenbalken hingen selbst f�r sie zu niedrig �ber ihren K�pfen. Und es gab nur ein einziges Bett, wohl breiter als das, was sie zuletzt ben�tzt hatten, aber wohl kaum breit genug f�r zwei. So gro�, wie er nun einmal war, mu�te es f�r Neres aussehen, als wohne er in einer Schachtel. Der Mann hatte wirklich kein bi�chen Platz verschwendet, an dem man Fracht verstauen konnte.</p><p>�Er hat nachts in Samara angelegt�, knurrte Elayne, lie� ihre B�ndel herabgleiten, stemmte die H�nde in die H�ften und sah sich entmutigt um, �und er wollte auch wieder w�hrend der Nacht auslaufen. Ich h�rte, wie er einem seiner M�nner sagte, er wolle die ganze Nacht lang durchsegeln, gleich, was die ... die <emphasis>Weiber</emphasis> auch vorh�tten. Offensichtlich pa�t es ihm nicht gerade, bei Tageslicht den Flu� hinabzufahren.�</p><p>Wenn sie an die Ellbogen und die kalten F��e der anderen dachte, fragte sich Nynaeve, ob sie nicht besser daran t�te, an Deck bei den Fl�chtlingen zu schlafen. �Wovon redest du eigentlich?�</p><p>�Der Mann ist ein Schmuggler, Nynaeve.� �Mit <emphasis>diesem</emphasis> Schiff?� Nynaeve lie� ihre eigenen B�ndel fallen, legte die Ledertasche auf den Tisch und setzte sich auf die Bettkante. Nein, sie w�rde nicht an Deck schlafen. Die Kabine war wohl muffig, aber man konnte sie ja l�ften, und wenn es auch im Bett eng zuging, hatte es doch eine gute, dicke Federmatratze. Das Schiff schwankte wirklich beunruhigend; also sollte sie es sich wenigstens so bequem machen wie eben m�glich. Elayne konnte sie nicht verjagen. �Das ist doch eher ein <emphasis>Fa�!</emphasis> Wir m�ssen schon Gl�ck haben, wenn wir in zwei Wochen bis Boannda kommen! Das Licht allein mag wissen, wie lange wir bis Salidar brauchen.� Keine von ihnen hatte eine Ahnung, wie weit entfernt Salidar lag, und die Zeit war noch nicht gekommen, mit Kapit�n Neres dar�ber zu sprechen.</p><p>�Alles pa�t doch. Sogar der Name: <emphasis>Wasserschlange.</emphasis> Welcher ehrliche H�ndler w�rde seinem Schiff einen solchen Namen geben?�</p><p>�Na und? Wenn er einer ist? Es w�re nicht das erste Mal, da� wir die Dienste eines Schmugglers in Anspruch nehmen.�</p><p>Elayne hob gereizt die H�nde. Sie glaubte immer, es sei wichtig, den Gesetzen zu gehorchen, so dumm sie auch manchmal waren. Sie hatte mehr mit Galad gemein, als sie zugeben wollte. Also hatte Neres sie als �Weiber� bezeichnet, ja? Die zweite Schwierigkeit lag darin, genug Platz f�r die anderen zu finden. Die</p><p><emphasis>Wasserschlange</emphasis> war wohl breit, aber doch kein sehr gro�es Schiff, und wenn man die Besatzung mitz�hlte, befanden sich gut hundert Menschen an Bord. Ein gewisser Anteil am vorhandenen Platz mu�te den Besatzungsmitgliedern vorbehalten bleiben, um an den Rudern zu arbeiten oder an der Takelage, und das lie� nicht viel f�r die Passagiere �brig. Es war auch nicht gerade hilfreich, da� sich die Fl�chtlinge soweit wie m�glich von den Schienarern fernhielten. Sie hatten wohl die Nase voll von bewaffneten M�nnern. So gab es kaum genug Platz, da� sich alle setzen konnten, geschweige denn sich hinzulegen.</p><p>Nynaeve sprach Neres deswegen ohne Umschweife an. �Diese Leute brauchen mehr Platz. Besonders die Frauen und Kinder. Da Ihr �ber keine weiteren Kabinen verf�gt, m�ssen sie eben Euren Frachtraum ben�tzen.�</p><p>Neres' Gesicht lief dunkelrot an. Er starrte stur geradeaus auf einen Fleck ungef�hr einen Schritt links von ihr und grollte: �Mein Frachtraum ist mit einer wertvollen Ladung gef�llt. Einer sehr wertvollen Ladung.�</p><p>�Ich frage mich, ob hier am Eldar auch Zollbeamte auftauchen�, sagte Elayne so nebenher und beobachtete aufmerksam das von B�umen ges�umte gegen�berliegende Ufer. Hier war der Flu� nur wenige hundert Schritt breit. Aber am Rand zogen sich breite Streifen aus eingetrocknetem schwarzen Schlamm und aus gelbem Lehm dahin. �Ghealdan auf einer Seite und Amadicia auf der anderen. Es k�nnte ihnen vielleicht eigenartig vorkommen, da� Euer Frachtraum mit G�tern aus dem S�den vollgestopft ist und Ihr trotzdem nach S�den fahrt. Sicher, Ihr habt bestimmt alle notwendigen Dokumente, um zu beweisen, da� und wo Ihr Zoll bezahlt habt. Und Ihr k�nnt Ihnen ja auch erkl�ren, da� Ihr in Samara Eure Ladung der Unruhen wegen nicht l�schen konntet. Ich habe geh�rt, die Steuereinnehmer seien eigentlich ganz verst�ndnisvolle Menschen.�</p><p>Trotz seiner heruntergezogenen Mundwinkel blickte er immer noch keine von beiden Frauen an.</p><p>Deshalb konnte er auch sehr gut beobachten, wie Thom mit seinen leeren H�nden wie mit F�chern wedelte, eine schwungvolle Bewegung vollf�hrte und wie pl�tzlich zwei Messer zwischen seinen gespreizten Fingern hindurchwanderten, bevor eines davon wieder verschwand.</p><p>�Man mu� immer wieder �ben�, sagte Thom und kratzte sich mit der anderen Klinge am Schnurrbart. �Ich will mir meine ... Fingerfertigkeit bewahren.� Der Schnitt in seinem wei�en Haarschopf, das frische Blut auf seinem Gesicht und dazu der blutverschmierte Ri� in einer Schulter seines Rocks � und seine Kleidung wies durchaus noch mehr Schnitte auf �, lie�en ihn in jeder Gesellschaft als Schurken erscheinen. Nur Uno �bertraf ihn noch. In dem L�cheln, bei dem der Schienarer die Z�hne fletschte, lag �berhaupt keine Heiterkeit, und das lie� die lange Narbe in seinem Gesicht und den frischen, roten, noch offenen Schnitt auf der anderen Gesichtsh�lfte zu einer brutalen Grimasse werden. Das b�se starrende rote Auge auf seiner Augenklappe wirkte im Vergleich geradezu mild.</p><p>Neres schlo� die Augen und atmete tief und langgezogen durch.</p><p>Die Luken wurden ge�ffnet, und Kisten und F�sser klatschten ins Wasser, manche schwer, die meisten jedoch leicht und nach Gew�rzen duftend. Neres zuckte jedesmal zusammen, wenn wieder etwas im Flu� landete. Seine Miene hellte sich auf � soweit das �berhaupt m�glich war �, als Nynaeve befahl, da� Rollen von Seide und Teppiche sowie Ballen feiner Wolle unten verbleiben sollten. Bis ihm klar wurde, da� sie lediglich auf diese Art Betten ersetzen wollte. Wenn vorher seine Miene schon sauer war, dann gen�gte sein Gesichtsausdruck jetzt, um Milch noch im n�chsten Raum zum Gerinnen zu bringen. Die ganze Zeit �ber sagte er kein Wort. Als einige Frauen mit Eimern an langen Leinen Wasser heraufzuholen begannen, um ihre Kinder an Deck zu waschen, schritt er zum Heck, die H�nde hinter dem R�cken verkrampft gefaltet, und beobachtete, wie die �ber Bord gegangenen F�sser langsam hinter ihnen zur�ckblieben.</p><p>Auf gewisse Weise lag es an Neres' Haltung Frauen gegen�ber, da� Elaynes Mundwerk die Spitze genommen wurde und auch Birgitte sich besser beherrschte. So sah es jedenfalls Nynaeve; sie selbst hatte sich selbstverst�ndlich wie gew�hnlich diszipliniert und h�flich den anderen gegen�ber verhalten. Neres konnte Frauen nicht leiden. Die Matrosen sprachen auffallend schnell, wenn sie mit einer der Frauen reden mu�ten, und dabei huschten ihre Blicke immer wieder zum Kapit�n hin�ber, bis sie endlich wieder erl�st an ihre Arbeit zur�ckkehren konnten. Hatte einer der Burschen anscheinend einen Augenblick lang nichts zu tun, dann schickte Neres ihn regelm��ig im Laufschritt an irgendeine neue Arbeit � und das unter st�ndigem Br�llen �, falls er auch nur zwei Worte mit irgend jemandem in einem Rock gewechselt hatte. Die hastigen Bemerkungen und leise ausgesprochenen Warnungen an ihre Kameraden bewiesen Neres' Haltung Frauen gegen�ber ganz eindeutig.</p><p>Frauen kosteten einen Mann nur Geld, sie kratzten und bissen wie Katzen und machten st�ndig Schwierigkeiten. Jedes einzelne Problem, mit dem ein Mann zu tun bekam, fiel letzten Endes doch auf eine Frau zur�ck, so oder so. Neres erwartete offensichtlich, da� die H�lfte von ihnen vor dem ersten Sonnenaufgang noch an Deck herumraufen und sich gegenseitig die Augen auskratzen w�rden. Sie w�rden bestimmt alle mit seinen Matrosen flirten und Unfrieden stiften, sofern sie nicht gleich Schl�gereien provozierten. Vielleicht w�re er gl�cklich gewesen, h�tte er s�mtliche Frauen f�r alle Zeiten von seinem Schiff verbannen k�nnen. Sein Gl�ck h�tte sich wohl ins Unendliche gesteigert, wenn er sie sogar aus seinem Leben h�tte verbannen k�nnen.</p><p>Auf einen solchen Menschenschlag war Nynaeve noch nie gesto�en. Oh, sie hatte geh�rt, wie M�nner sich �ber Frauen und Geld beklagten, als ob M�nner nicht mit Geld nur so um sich w�rfen, weil sie genau wie Elayne einfach kein Verh�ltnis dazu hatten, und sie hatte sogar geh�rt, wie sie die verschiedensten Probleme auf Frauen zur�ckf�hrten, obwohl sie selbst das Ganze verursacht hatten. Aber sie konnte sich nicht erinnern, <emphasis>jemals</emphasis> einen Mann kennengelernt zu haben, der Frauen tats�chlich <emphasis>nicht leiden</emphasis> konnte! Sie war �berrascht, zu erfahren, da� Neres in Ebou Dar eine Frau und eine ganze Kinderschar hatte, aber keineswegs �berraschte es sie, da� er sich immer nur lange genug zu Hause aufhielt, um neue Ladung zu nehmen. Er wollte noch nicht einmal mit einer Frau <emphasis>sprechen!</emphasis> Es war wirklich verbl�ffend. Manchmal ertappte sich Nynaeve dabei, wie sie ihn heimlich von der Seite her anblickte, so, wie sie es bei irgendeinem unglaublichen und fremdartigen Tier getan h�tte. Er war viel eigenartiger als selbst die <emphasis>S'redit</emphasis> oder jedes andere Tier aus Lucas Menagerie.</p><p>Nat�rlich war nicht daran zu denken, da� Elayne oder Birgitte wieder einmal ihr Gift verspritzten, wenn er h�tte zuh�ren k�nnen. Wenn Thom und die anderen die Augen rollten oder bedeutungsvolle Blicke tauschten, war das schon schlimm genug, aber sie gaben sich wenigstens M�he, das heimlich zu tun. Eine offene Befriedigung auf Neres' Z�gen zu sehen, wenn er seine l�cherlichen Erwartungen tats�chlich erf�llt sah � und so h�tte er das gewi� aufgefa�t �, w�re unertr�glich gewesen. Das lie� ihnen keine andere Wahl, als zu schlucken und den Mund zu halten.</p><p>Nynaeve ihrerseits h�tte sich gern einmal n�her mit Thom, Uno und Juilin unterhalten, aber nat�rlich nicht unter Neres' Augen. Sie verga�en sich allm�hlich wieder und dachten nicht mehr daran, da� sie zu tun hatten, was ihnen aufgetragen wurde. Es spielte keine Rolle, ob sie damit das Richtige taten � sie hatten einfach zu dienen! Und aus irgendeinem Grund hatten sie angefangen, Neres st�ndig mit d�sterem L�cheln Geschichten �ber eingeschlagene Sch�del und aufgeschlitzte Kehlen aufzutischen. Doch der einzige Ort, an dem sie vor Neres sicher sein konnte, war die Kaj�te. Sie waren zwar nicht besonders gro�, obwohl nat�rlich Thom ziemlich hochgewachsen und Uno relativ st�mmig war, aber mit allen zugleich dort drinnen w�re es in der winzigen Kaj�te reichlich eng geworden. Und das h�tte ihrer Schimpfkanonade, wie sie sie im Sinn hatte, einiges von ihrer Wirkung genommen. Gib einem Mann die Gelegenheit, sich so richtig drohend �ber einer Frau aufzubauen, dann hat er schon die halbe Schlacht gewonnen. Also verzog sie ihr Gesicht zu einem freundlichen L�cheln, ignorierte Thoms und Juilins verbl�ffte Mienen und die ungl�ubigen Blicke Unos und Ragans und geno� die �u�erlich blendende Laune, die die beiden anderen Frauen nun notgedrungen zeigen mu�ten.</p><p>Sie brachte sogar fertig, weiterzul�cheln, als ihr klar wurde, warum die Segel so prall gef�llt waren, warum die Ufer mit ihren vielen Biegungen so schnell unter der Nachmittagssonne vorbeiglitten. Neres hatte die Ruder einziehen und an der Reling verstauen lassen. Er wirkte fast schon gl�cklich. Fast jedenfalls. Am Ufer Amadicias zog sich ein niedriger Steilhang aus Lehm entlang, w�hrend auf der Seite Ghealdans ein breiter Schilfstreifen den Flu� vom Wald trennte. Allerdings war auch viel brauner, trockener Schlamm zu sehen, der sonst von Wasser bedeckt war. Samara lag erst ein paar Stunden flu�aufw�rts entfernt.</p><p>�Du hast die Macht ben�tzt�, beschuldigte sie Elayne durch zusammengebissene Z�hne. Sie wischte sich mit dem Handr�cken den Schwei� von der Stirn und widerstand dem Drang, die Tropfen mit einer Handbewegung auf das sich langsam unter ihr hebende und senkende Deck zu schleudern. Die anderen Passagiere hatten ihr, Elayne und Birgitte, die ihnen gegen�ber stand, ein wenig Platz gelassen, doch trotzdem sprach sie ganz leise und in so freundlichem Tonfall, wie sie es nur fertigbrachte. Ihr Magen schien sich gerade mit einem Herzschlag Verz�gerung dem Auf und Ab des Schiffes anzupassen, was sich auf ihre Laune nicht unbedingt erhebend auswirkte. �Dieser Wind ist dein Werk.� Sie hoffte, in ihrer Tasche noch genug roten Fenchel vorr�tig zu haben.</p><p>Wenn man nach Elaynes schwei�feucht strahlendem Ausdruck und dem freundlichen Blick ging, h�tten aus ihrem Mund Milch und Honig str�men m�ssen. �Du benimmst dich wie ein ver�ngstigtes Kaninchen. Rei� dich gef�lligst zusammen. Samara liegt meilenweit hinter uns. Niemand kann aus dieser Entfernung noch etwas sp�ren, was uns verraten w�rde. Sie m��te sich schon bei uns auf dem Schiff befinden, um Bescheid zu wissen. Und ich habe mich beeilt.�</p><p>Nynaeve f�rchtete schon, ihr Gesicht w�rde wie eine Gipsmaske zerspringen, wenn sie noch l�nger l�chelte, doch aus dem Augenwinkel konnte sie Neres beobachten, der seine Passagiere musterte und den Kopf dabei sch�ttelte. Sie war so ver�rgert, da� sie beinahe den fast verblichenen Rest des Gl�hens der Macht um die andere erkennen konnte. Wenn man das Wetter beeinflu�te, war das fast so, als lie�e man einen Stein den Abhang hinabrollen. Er rollte von allein in die eingeschlagene Richtung weiter. Und wenn er den vorgesehenen Weg verlie�, was fr�her oder sp�ter kommen mu�te, konnte man ihn einfach zur�cklenken. Moghedien k�nnte vielleicht von Samara aus ein Gewebe dieser Art gesp�rt haben, aber bestimmt nicht klar genug, um zu wissen, wo das geschehen war. Sie selbst konnte es mit Moghedien aufnehmen, was die rohe Kraft betraf, und wenn ihre Kraft f�r etwas Bestimmtes nicht ausreichte, dann konnte sie durchaus annehmen, da� auch die Verlorene dies nicht vollbringen w�rde. Und sie wollte ja auch so schnell wie m�glich vorw�rtskommen. Jeder Tag mehr als notwendig, den sie eingesperrt mit den beiden anderen Frauen verbringen mu�te, erschien ihr genauso reizvoll, als teile sie die Kabine mit Neres. Also freute sie sich keineswegs auf jeden neuen Tag, den sie auf dem Wasser zubrachte. Wie konnte ein Schiff �berhaupt vorw�rtskommen, wo doch der Flu� so tr�ge schien?</p><p>Das L�cheln lie� langsam ihre Lippen schmerzen.</p><p>�Du h�ttest mich fragen sollen, Elayne. Du gehst immer irgendwohin und stellst Dinge an, ohne mich zu fragen und ohne nachzudenken. Es wird Zeit f�r dich, dir selbst klarzumachen, da� deine alte Kinderschwester nicht mehr gelaufen kommt, wenn du blindlings in ein Loch f�llst und dir die Tr�nen abtrocknet.� Bei den letzten Worten wurden Elaynes Augen so gro� wie Teetassen und ihre im L�cheln gefletschten Z�hne schienen, als wollten sie jeden Augenblick nach ihr schnappen.</p><p>Birgitte legte jeder von ihnen eine Hand auf den Arm, beugte sich ein wenig vor und strahlte, als habe die ganze Gl�ckseligkeit der Welt sie im Griff. �Wenn ihr beiden nicht damit aufh�rt, werde ich euch in den Flu� werfen, um euch etwas abzuk�hlen. Ihr beide seht aus wie die Bardamen aus Shago, wenn sie den ganzen Winter nichts anderes gehabt haben als immer nur die gleichen M�nner!�</p><p>Mit verschwitzten, zu freundlichen Masken erstarrten Gesichtern stolzierten daraufhin die drei Frauen in verschiedene Richtungen davon, so weit voneinander entfernt, wie es das Schiff zulie�. Gegen Sonnenuntergang h�rte Nynaeve, wie Ragan bemerkte, sie und die anderen seien anscheinend sehr erleichtert, von Samara weggekommen zu sein, so, wie sie sich anlachten, und die anderen M�nner schienen das ebenfalls zu glauben. Nur die anderen an Bord befindlichen Frauen beobachteten sie mit viel zu steinernen Mienen. <emphasis>Sie</emphasis> erkannten die Gefahr, wenn sie sie vor sich sahen.</p><p>Doch langsam, ganz langsam br�ckelte die feindselig versteinerte Stimmung ab. Nynaeve wu�te nicht einmal genau zu sagen, wie es geschah. Vielleicht sickerte doch etwas von der heiteren Stimmung auf Elaynes und Birgittes Mienen in sie hinein. Vielleicht wurde ihnen auch mehr und mehr bewu�t, wie l�cherlich es war, zu versuchen, mit einem L�cheln auf den Lippen Gemeinheiten auszutauschen. Was auch immer dies bewirkte, sie konnten sich jedenfalls nicht �ber das Ergebnis beklagen. Langsam, Tag f�r Tag, stimmten die Worte und der Tonfall mit den aufgesetzten Mienen immer besser �berein. Hier und da blickte die eine oder andere sogar etwas verlegen drein, weil sie sich offenbar sch�mte, sich so dumm benommen zu haben. Nat�rlich sagte niemand auch nur ein Wort der Entschuldigung, wof�r Nynaeve durchaus Verst�ndnis hatte. H�tte <emphasis>sie</emphasis> sich so idiotisch und gemein verhalten wie die anderen, dann w�rde sie sie auch nicht mit der Nase daraufsto�en wollen.</p><p>Die Kinder spielten ebenfalls eine Rolle, Elayne und Birgitte wieder ins Gleichgewicht zu bringen, aber es begann in Wirklichkeit damit, da� sich Nynaeve an diesem ersten Morgen auf dem Flu� um die Verletzungen der M�nner k�mmerte. Sie nahm ihre Tasche mit den Kr�utern mit hinaus, machte Breiumschl�ge und Tinkturen und verband Schnittwunden. Diese Wunden regten sie so auf, da� sie f�hig war, sie mit Hilfe der Macht zu heilen, so wie Krankheit und Verletzungen sie immer erregten, und so heilte sie, wenn auch mit �u�erster Vorsicht, einige der schlimmsten. Sicher, pl�tzlich verschwundene Verletzungen machten die Menschen mi�trauisch und lie�en sie tratschen, und das Licht mochte wissen, was Neres tun w�rde, wenn er glaubte, eine Aes Sedai an Bord zu haben. H�chstwahrscheinlich w�rde er nachts heimlich einen Mann an der K�ste Amadicias absetzen und versuchen, sie von dort aus gefangensetzen zu lassen. Was das betraf, k�nnte eine solche Neuigkeit sogar einige der Fl�chtlinge dazu bringen, heimlich �ber Bord zu gehen.</p><p>Bei Uno beispielsweise begann sie damit, seine stark angeschwollene Schulter mit ein wenig scharfem Mardwurzel�l einzureiben, tupfte ein bi�chen AllheilTinktur auf den frischen Schnitt an seiner Wange � nur wenig, weil sie nichts verschwenden wollte � und umwickelte seinen Kopf so fest mit einer Binde, da� er kaum noch den Unterkiefer bewegen konnte, und dann ben�tzte sie die Macht. Als er keuchte und um sich schlagen wollte, sagte sie knapp: �Benehmt Euch nicht wie ein Kleinkind. Man sollte glauben, ein bi�chen Schmerz wie dieser k�nne einen starken Mann nicht umhauen. Ihr werdet die Bandage ganz und gar in Ruhe lassen. Wenn Ihr sie innerhalb der n�chsten drei Tage auch nur ber�hrt, werde ich Euch mit etwas ruhigstellen, das Ihr nicht so schnell verge�t.�</p><p>Er nickte vorsichtig und sah sie so unsicher an, da� ihr klar war: er hatte keine Ahnung, was sie mit ihm gemacht hatte. Und falls es ihm klar wurde, wenn er die Bandage endlich wieder abnahm, w�rde sich mit etwas Gl�ck niemand mehr genau daran erinnern, wie schlimm der Schnitt gewesen war, nun, und er sollte Verstand genug haben, um den Mund zu halten.</p><p>Sobald sie einmal damit begonnen hatte, war es nur nat�rlich, da� sie sich auch um den Rest der Passagiere k�mmerte. Nur wenige Fl�chtlinge wiesen keine Schwellungen und Schrammen auf, und einige der Kinder zeigten deutliche Anzeichen fieberhafter Erkrankungen oder hatten offensichtlich W�rmer. Die Kinder konnte sie mit Hilfe der Macht heilen, ohne sich Sorgen machen zu m�ssen. Kinder stellten sich immer ziemlich an, wenn sie eine Medizin schlucken mu�ten, die nicht gerade nach Honig schmeckte, und wenn sie ihren M�ttern berichteten, sie h�tten so ein eigenartiges Gef�hl dabei gehabt, war das nun wirklich nichts Au�ergew�hnliches. Kinder bildeten sich immer die seltsamsten Sachen ein.</p><p>Sie hatte sich allerdings in der Gegenwart von Kindern nie richtig wohl gef�hlt. Sicher wollte sie Kinder von Lan haben. Ein Teil von ihr jedenfalls. Aber Kinder brachten auch alles grundlos durcheinander. Sie schienen die Angewohnheit zu haben, immer genau das Gegenteil von dem zu tun, was man ihnen gesagt hatte, sobald man ihnen den R�cken zuwandte, nur um zu sehen, wie man darauf reagierte. Und doch ertappte sie sich dabei, wie sie einem Jungen, der ihr kaum bis zur H�fte reichte, �ber das dunkle Haar strich, weil er sie wie eine kleine Eule von unten her mit seinen strahlend blauen Augen anblickte. Sie sahen Lans Augen so �hnlich.</p><p>Elayne und Birgitte kamen, um ihr zu helfen, wenn auch anfangs nur, um die Ordnung zu wahren. Doch auf irgendeine Art kamen auch sie und die Kinder sich gegenseitig immer n�her. Es war schon eigenartig, aber Birgitte wirkte keineswegs l�cherlich, als sie auf jedem Knie einen Jungen von drei oder vier Jahren schaukelte und von einem Ring weiterer Kinder umgeben war, denen sie ein lustiges und v�llig unsinniges Lied von tanzenden Tieren vorsang. Und Elayne lie� eines nach dem anderen in einen kleinen Sack mit s��en, roten Bonbons greifen. Das Licht mochte wissen, woher und warum sie die hatte. Sie blickte nicht einmal schuldbewu�t drein, als Nynaeve sie dabei ertappte, wie sie heimlich eines in den eigenen Mund wandern lie�. Sie grinste nur, zog einem kleinen M�dchen sanft dessen Daumen aus dem Mund und ersetzte ihn durch ein Bonbon. Die Kinder lachten, als erinnerten sie sich erst jetzt wieder daran, wie man das machte. Sie dr�ckten sich an Nynaeve oder Elayne oder Birgitte, wie sie es vorher bei den eigenen M�ttern getan hatten. Es war �u�erst schwierig, unter diesen Umst�nden zornig zu bleiben oder schlechte Laune zu zeigen. Sie konnte sich deshalb auch zu nicht mehr als einem schwachen Schnauben aufraffen, als Elayne in der Abgeschlossenheit ihrer Kabine am zweiten Tag damit begann, den <emphasis>A'dam</emphasis> wieder zu untersuchen. Sie schien mehr denn je zuvor �berzeugt, da� Armreif, Halsband und Leine eine seltsame Form der geistigen Verkn�pfung zustande brachten. Nynaeve setzte sich sogar ein- oder zweimal mit ihr zusammen und half schon der Anblick dieses abscheulichen Dinges reichte, um sie zornig genug zu machen, da� sie <emphasis>Saidar</emphasis> ergreifen und der anderen folgen konnte.</p><p>Nat�rlich kamen die einzelnen Geschichten der Fl�chtlinge zur Sprache. Auseinandergerissene Familien, die anderen verirrt oder tot. Bauernh�fe und L�den und Werkst�tten zerst�rt, als sich die Wellen der Zerst�rung ausbreiteten und den Handel unterbanden. Die Menschen konnten nichts kaufen, wenn sie nichts verkaufen konnten. Der Prophet war schlie�lich nur der letzte Ziegelstein auf dem Karren gewesen, der die Achse endg�ltig brechen lie�. Nynaeve sagte kein Wort, als sie beobachtete, wie Elayne einem alten Burschen mit d�nnem, grauem Haar eine Goldmark in die Hand dr�ckte, woraufhin der die Faust an die faltige Stirn legte und versuchte, ihre Hand zu k�ssen. Sie w�rde erfahren, wie schnell sich Gold verfl�chtigte. Au�erdem hatte Nynaeve selbst ein paar M�nzen verschenkt. Nun, vielleicht sogar mehr als nur ein paar.</p><p>Alle M�nner bis auf zwei waren ergraut oder wiesen bereits Glatzen auf, hatten wettergegerbte Gesichter und von der Arbeit schwielige H�nde. J�ngere M�nner waren zum Milit�r gepre�t worden, soweit der Prophet sie nicht geschnappt hatte. Wer sich sowohl dem einen wie auch dem anderen verweigerte, war aufgeh�ngt worden. Die beiden jungen M�nner � eigentlich waren sie nicht viel mehr als Jungen, und Nynaeve bezweifelte, da� sie sich bereits regelm��ig rasierten � wirkten gehetzt, und sie zuckten zusammen, wenn einer der Schienarer sie anblickte. Manchmal sprachen die alten M�nner davon, neu anzufangen, ein St�ck Land zu finden, das sie bebauen konnten, oder ihr Handwerk wieder aufzunehmen, aber ihrem Tonfall konnte man entnehmen, da� sie sich �ber ihren eigenen Zustand hinwegt�uschen wollten und lediglich nach au�en hin Mut zeigten. Die meisten hatten auch leise und bedr�ckt von ihren Familien erz�hlt; die Frau, die im Get�mmel von ihnen getrennt worden war, die verlorenen Sohne und T�chter, die Enkel, die sie nie Wiedersehen w�rden. Es klang alles so verloren und hoffnungslos. In der zweiten Nacht verschwand ein Bursche mit gro�en Henkelohren einfach. Dabei hatte er von allen noch am hoffnungsvollsten gewirkt. Doch er war weg, als die Sonne aufging. Vielleicht war er ja ans Ufer geschwommen. Nynaeve hoffte es jedenfalls.</p><p>Und doch waren es die Frauen, die ihr Herz gewannen. Sie hatten keine besseren Aussichten als die M�nner, die gleichen Ungewi�heiten, aber die meisten trugen noch schwerere Lasten. Keine hatte ihren Mann bei sich oder wu�te auch nur, ob sie �berhaupt noch einen Mann hatte, aber die Verantwortung, die sie zu erdr�cken schien, lie� sie auch weitermachen. Keine Frau mit R�ckgrat w�rde aufgeben, solange sie noch Kinder hatte. Und sogar die anderen wollten sich irgendeine Art von Zukunft aufbauen. Jede von ihnen klammerte sich an mehr Hoffnung, als die M�nner vorspielten. Drei F�lle r�hrten sie besonders.</p><p>Nicola war ungef�hr genauso alt und gro� wie sie selbst, eine schlanke, dunkelhaarige Weberin mit gro�en Augen, die vorgehabt hatte, bald zu heiraten. Bis ihr Hyran es sich in den Kopf setzte, da� ihn die Pflicht in die Reihen des Propheten rief und er so dem Wiedergeborenen Drachen dienen wolle. Er w�rde sie heiraten, wenn er mit seiner Pflicht im reinen war. Pflichten waren f�r Hyran sehr bedeutsam gewesen. Er w�re ein guter und pflichtbewu�ter Ehemann und Vater geworden, sagte Nicola. Nur hatte ihm alles, was er im Kopf mit sich trug, nicht geholfen, als ihm jemand denselben mit der Axt spaltete. Nicola hatte keine Ahnung, wer oder warum, nur, da� sie sich soweit wie �berhaupt m�glich von dem Propheten entfernen wollte. Irgendwo mu�te es einen Ort geben, wo man nicht t�tete, wo sie sich nicht immerzu davor f�rchten mu�te, was hinter der n�chsten Ecke liegen mochte.</p><p>Marigan, ein paar Jahre �lter, war einst mollig gewesen, doch ihr zerlumptes braunes Kleid hing jetzt schlaff an ihr herunter, und ihr grobes Gesicht sah aus, als befinde sie sich jenseits der blo�en Ersch�pfung. Ihre beiden S�hne, Jaril und Seve, sechs und sieben Jahre alt, blickten schweigend und mit viel zu gro�en Augen in die Welt. Sie klammerten sich aneinander und schienen sich vor allem und jedem zu f�rchten, selbst vor ihrer eigenen Mutter. Marigan hatte in Samara als Heilerin gearbeitet und mit Kr�utern gehandelt, wenn sie auch im Hinblick auf beides seltsame Haltungen an den Tag legte. Das war allerdings kein Wunder, denn eine Frau, die Krankheiten heilte, obwohl Amadicia und damit die Wei�m�ntel sich gleich auf der anderen Seite des Flusses befanden, mu�te sich ziemlich unauff�llig verhalten und sich auch von Anfang an die meisten Kenntnisse selbst aneignen. Alles, was sie je erreichen wollte, war, die Menschen von Krankheiten zu heilen, und sie behauptete, gut gewesen zu sein, obwohl sie ihren eigenen Mann nicht hatte retten k�nnen. Die f�nf Jahre nach seinem Tod waren schwer gewesen, und die Ankunft des Propheten hatte ihr auch nicht gerade geholfen. Eine w�tende Volksmenge, die nach Aes Sedai suchte, hatte sie gezwungen, sich zu verbergen, nachdem sie einen Mann vom Fieber kuriert hatte und das Ger�cht entstanden war, sie habe ihn vom Tod wieder auferweckt. Das zeigte, wie wenig die meisten Menschen von den Aes Sedai wu�ten. Vom Tod konnten auch sie niemanden heilen. Doch selbst Marigan schien das zu glauben. Genau wie Nicola hatte sie keine Ahnung, wohin sie sich wenden sollte. Sie hoffte lediglich, irgendwo ein Dorf zu finden, wo sie wieder in Frieden ihre Kr�uter feilbieten konnte.</p><p>Areina war die j�ngste der drei; ihre blauen Augen blickten fest und sicher aus einem rot und gelblich angeschwollenen Gesicht und sie stammte �berhaupt nicht aus Ghealdan. Wenn man das an nichts anderem merkte, dann zumindest an ihrer Kleidung: einem kurzen, dunklen Mantel und einer bauschigen Hose, �hnlich der Birgittes. Das waren auch schon alle ihre Habseligkeiten. Sie sagte nicht genau, wo sie herkam, doch sie erz�hlte ganz offen, was sie schlie�lich auf die <emphasis>Wasserschlange</emphasis> gebracht hatte. Jedenfalls einiges davon; Nynaeve mu�te gelegentlich nachfragen. Areina war nach Illian gezogen, um ihren j�ngeren Bruder heimzuholen, bevor er den Eid als J�ger des Horns ablegen konnte. Da sich aber Tausende in der Stadt aufhielten, konnte sie ihn nicht aufsp�ren. Irgendwie war es dann dazu gekommen, da� sie selbst den Eid ablegte und in die Welt hinauszog, obwohl sie nicht einmal richtig glauben konnte, da� dieses Horn von Valere tats�chlich existierte. Sie hatte wohl so halb gehofft, irgendwo den jungen Gwil zu finden und nach Hause zu bringen. Seither war ihr Leben ... schwierig ... gewesen. Areina scheute sich nicht etwa davor, alles auszusprechen, doch sie bem�hte sich so sehr, alle Dinge zu besch�nigen... Man hatte sie aus mehreren D�rfern verjagt, sie einmal ausgeraubt und mehrmals verpr�gelt. Doch trotzdem hatte sie nicht die Absicht, aufzugeben oder eine sichere Zuflucht zu suchen oder gar ein friedliches Dorf. Immer noch lag die Welt vor ihren F��en, und Areina beabsichtigte, mit dieser Welt fertigzuwerden. Nicht, da� sie es so darstellte, aber Nynaeve war klar, da� die Frau es so meinte.</p><p>Nynaeve war sich sehr wohl dar�ber im klaren, warum diese drei sie so besonders r�hrten. Jede ihrer Geschichten h�tte auch einen Strang ihres eigenen Lebens darstellen k�nnen. Was sie allerdings nicht ganz verstand, war die Tatsache, da� sie Areina am liebsten gewonnen hatte. Ihrer Meinung nach � und sie konnte ja wohl zwei und zwei zusammenz�hlen �, waren die meisten Probleme Areinas auf ihr loses Mundwerk zur�ckzuf�hren, weil sie den Menschen einfach ins Gesicht sagte, was sie dachte. Es konnte wohl kein Zufall sein, wenn man sie aus einem Dorf so schnell vertrieben hatte, da� sie sogar ihr Pferd zur�cklassen mu�te, weil sie dem B�rgermeister an den Kopf geworfen hatte, er sei ein Dummkopf mit einem Gesicht wie Brotteig, und dann hatte sie auch noch einigen Frauen aus dem Dorf erkl�rt, vertrocknete K�chenbesen wie sie h�tten kein Recht dazu, sie zu fragen, wieso sie ganz allein unterwegs sei. Jedenfalls gab sie zu, so etwas in der Art gesagt zu haben. Nynaeve dachte sich, ein paar Tage mit ihr zusammen, damit sie ihr ein Beispiel gab, k�nnten bei dieser Frau wahre Wunder wirken. Und sie mu�te auf jeden Fall auch f�r die beiden anderen etwas tun. Den Wunsch nach Sicherheit und Frieden konnte sie nur zu gut verstehen.</p><p>Es kam am Morgen des zweiten Tages, als die Launen noch angeknackst und die Zungen spitz waren � jedenfalls die einiger bestimmter Leute! �, zu einem au�ergew�hnlichen Wortwechsel. Nynaeve machte eine ganz friedliche Bemerkung, Elayne bef�nde sich nicht im Palast ihrer Mutter, also solle sie nicht glauben, <emphasis>sie</emphasis> werde sich jede Nacht im Schlaf an die Wand dr�cken lassen. Daraufhin hob Elayne in typischer Weise hochn�sig das Kinn, doch bevor sie den Mund aufbekam, sprudelte Birgitte heraus: �Du bist wirklich die Tochter-Erbin von Andor?� Dabei sah sie sich kaum um, ob vielleicht jemand nahe genug sei, ihnen zu lauschen.</p><p>�Das bin ich.� Elayne klang w�rdevoller als in der letzten Zeit, aber es lag auch eine Andeutung von �konnte das Befriedigung sein? � darin.</p><p>Birgittes Gesicht war vollkommen ausdruckslos, als sie sich abwandte und zum Bug schritt, wo sie sich auf ein zusammengerolltes Seil setzte und auf den Flu� vor sich hinabstarrte. Elayne runzelte die Stirn, blickte ihr nach und ging schlie�lich zu ihr hin, um sich neben sie zu setzen. Dort sa�en sie und unterhielten sich eine Weile leise. Nynaeve h�tte sich nicht zu ihnen gesetzt, selbst wenn sie sie darum <emphasis>gebeten</emphasis> h�tten! Wor�ber sie auch gesprochen haben mochten, jedenfalls wirkte Elayne etwas unzufrieden, als habe sie ein anderes Ergebnis erwartet, doch danach gab es kaum noch ein b�ses Wort zwischen den beiden.</p><p>Birgitte nahm sp�ter am selben Tag ihren richtigen Namen wieder an, wenn auch in einem letzten Ausbruch schlechter Laune. Da Moghedien in sicherer Entfernung hinter ihnen lag, hatten sie und Elayne sich die Farbe mit Stupfkrautsaft aus dem Haar gewaschen. Als Neres die eine mit rotgoldenen Locken bis auf die Schultern erblickte und die andere mit goldblondem Haar, das zu einem kunstvollen Zopf geflochten war, und die dann auch noch Bogen und K�cher herumtrug, knurrte er bei�end etwas von �Birgitte, wie sie aus ihren verdammten Legenden heraustritt�. Es war sein Pech, da� sie seine Worte h�rte. Das <emphasis>sei wirklich</emphasis> ihr Name, erkl�rte sie ihm in scharfem Ton, und wenn er ihm nicht passe, werde sie seine Ohren an jeden von ihm gew�nschten Mast nageln. Und zwar mit verbundenen Augen. Er stolzierte mit hochrotem Gesicht davon und schrie seine Leute an, sie sollten ein paar Leinen festzurren, die man wohl kaum noch mehr spannen konnte, ohne sie zu zerrei�en.</p><p>Zu dieser Zeit war es Nynaeve vollkommen gleich, ob Birgitte ihre Drohung tats�chlich wahr machte. Wohl hatte der Stupfkrautsaft noch einen leicht r�tlichen Schimmer in ihrem Haar zur�ckgelassen, aber es kam ihrer nat�rlichen Haarfarbe doch so nahe, da� sie am liebsten vor Freude geweint h�tte. Und wenn nicht gerade jeder an Bord pl�tzlich entz�ndetes Zahnfleisch und Zahnschmerzen bekam, hatte sie noch gen�gend von diesem Saft, um sich das Haar mehrere Male auszuwaschen. Und gen�gend roten Fenchel, damit es ihrem Magen nicht zu schlecht erging. Sie konnte nicht anders, als vor Erleichterung zufrieden aufzuseufzen, sobald ihr Haar getrocknet und wieder zu einem ordentlichen Zopf geflochten war. Da Elayne nun gute Winde herangewebt hatte und Neres Tag und Nacht durchfuhr, glitten die D�rfer und Bauernh�fe mit ihren strohgedeckten D�chern rasch zu beiden Seiten an ihnen vorbei. Am Tag winkten ihnen die Menschen an den Ufern so manches Mal zu, und bei Nacht sahen sie die hell erleuchteten Fenster. Von dem Aufruhr weiter flu�aufw�rts war hier nichts zu sp�ren. So plump dieses auf den falschesten aller Namen getaufte Schiff auch war, es kam jedenfalls mit der Str�mung schnell vorw�rts.</p><p>Neres schien hin- und hergerissen zwischen seiner Freude an den guten Winden und seinen Sorgen, weil sie auch bei Tageslicht weiterfuhren. Mehr als einmal blickte er sehnsuchtsvoll zu einem toten Flu�arm, einer kleinen Bucht oder der durch B�ume vor der Sicht gesch�tzten M�ndung eines Baches hin�ber, wo er die <emphasis>Wasserschlange</emphasis> gut verborgen h�tte festmachen und warten k�nnen. Gelegentlich lie� Nynaeve eine Bemerkung fallen, so da� er sie h�ren konnte � wie froh er doch sein mu�te, da er nun bald die Leute aus Samara los sei �, und dazu warf sie noch den einen oder anderen Kommentar dar�ber ein, wie gut diese oder jene Frau nun aussehe, da sie ein wenig ausgeruht habe, und wie energiegeladen ihre Kinder spielten. Das reichte, um jeden Gedanken an einen Zwischenhalt aus seinem Kopf zu verscheuchen. Es w�re m�glicherweise leichter gewesen, ihm mit den Schienarern oder Thom und Juilin zu drohen, aber diese Kerle hatten mittlerweile sowieso schon viel zu geschwollene K�pfe. Und au�erdem hatte sie nicht die Absicht, sich mit einem Mann herumzustreiten, der sie weder anblickte noch direkt mit ihr sprach.</p><p>Als der dritte Tag grau heraufd�mmerte, mu�ten die Besatzungsmitglieder wieder an die Ruder gehen und, das Schiff schleppte sich schwerf�llig an einen der Kais von Boannda. Das war eine beachtlich gro�e Stadt, gr��er als Samara auf jeden Fall, und sie lag auf einer Landspitze, wo der Boern mit schneller Str�mung von Jehannah herunterkam und in den viel tr�geren Eldar m�ndete. Innerhalb der hohen, grauen Stadtmauer standen sogar drei T�rme und ein blendend wei�es Geb�ude mit einem roten Ziegeldach, das man durchaus als Palast bezeichnen konnte, wenn auch nur als einen kleinen. Als die <emphasis>Wasserschlange</emphasis> an dem schweren Pfahlwerk am Ende des Kais vert�ut wurde, der sich eher durch eingetrockneten Schlamm als durch das Wasser zog, fragte sich Nynaeve laut, warum Neres den ganzen Weg nach Samara hinaufgefahren war, wenn er seine Fracht genausogut auch hier h�tte l�schen und verkaufen k�nnen.</p><p>Elayne nickte in Richtung eines st�mmigen Mannes auf dem Kai, der auf der Brust eine Kette mit irgendeinem Siegel daran trug. Es standen noch ein paar andere von dieser Sorte dort, alle mit blauem Rock und dieser Kette, die genau beobachteten, wie zwei weitere plumpe Schiffe an anderen Kais ihre Ladung l�schten. �Ich w�rde sagen, das sind die Zollbeamten K�nigin Alliandres.� Neres trommelte mit den Fingern nerv�s auf die Reling und vermied es genauso eindringlich, diese M�nner anzublicken, wie sie die anderen Schiffe musterten. �Vielleicht hatte er sich mit denen in Samara irgendwie arrangiert. Ich glaube nicht, da� er mit denen hier sprechen m�chte.�</p><p>Die M�nner und Frauen aus Samara schritten z�gernd �ber die Planke, die als Steg diente. Von den Zollbeamten wurden sie ignoriert. Es wurde kein Zoll auf Menschen erhoben. F�r diese Fl�chtlinge begann nun wieder die Zeit v�lliger Ungewi�heit. Ein vollst�ndiger Neubeginn f�r ihre Leben lag nun vor ihnen, und sie hatten nichts au�er dem, was sie am Leib trugen und was Elayne und Nynaeve ihnen zugesteckt hatten. Bevor sie auch nur den Kai zur H�lfte hinter sich hatten, wobei sie sich �ngstlich aneinanderdr�ckten, begannen einige der Frauen bereits, genauso entmutigt dreinzublicken wie die M�nner. Andere begannen sogar zu weinen. Auf Elaynes Gesicht stand ein innerer Konflikt geschrieben. Sie wollte am liebsten immer f�r jeden sorgen. Nynaeve hoffte, Elayne m�ge nicht bemerken, da� sie einigen Frauen in letzter Sekunde ein paar weitere Silberm�nzen zugesteckt hatte.</p><p>Nicht alle verlie�en das Schiff. Areina blieb, und Nicola und Marigan, die ihre S�hne fest in den Armen hielt. Die beiden blickten �ngstlich und schweigend den anderen Kindern nach, die in Richtung der Stadt verschwanden. Nynaeve hatte von den beiden Burschen seit Samara kein einziges Wort geh�rt.</p><p>�Ich will mit Euch kommen�, sagte Nicola zu Nynaeve und rang dabei unbewu�t die H�nde. �Ich f�hle mich in Eurer N�he sicher.�</p><p>Marigan nickte energisch. Areina sagte nichts, aber sie trat n�her zu den beiden anderen Frauen heran und machte sich zum Teil ihrer Gruppe, wobei sie Nynaeve trotzig anblickte, als wolle sie sie herausfordern, sie wegzuschicken.</p><p>Thom sch�ttelte leicht den Kopf, und Juilin verzog das Gesicht, doch Nynaeve sah zu Elayne und Birgitte hin�ber. Elayne z�gerte keinen Augenblick. Sie nickte, und die andere tat es ihr kaum eine Sekunde sp�ter nach. Nynaeve raffte ihren Rock und marschierte geradewegs auf Neres zu, der am Heck stand.</p><p>�Ich denke, jetzt bekomme ich mein Schiff wieder zur�ck�, sagte er ins Leere, irgendwo zwischen dem Schiff und der Kaimauer. �Es wurde auch h�chste Zeit. Das war die schlimmste Fahrt, die ich jemals unternommen habe.�</p><p>Nynaeve l�chelte breit. Ausnahmsweise einmal sah er sie an, bevor er fertig mit ihr war. Nun, er sah sie wenigstens beinahe an.</p><p>Neres hatte nat�rlich keine andere Wahl. Er konnte sich wohl schwerlich an die Beh�rden in Boannda wenden. Und wenn ihm auch der von ihr gebotene Fahrpreis nicht gerade pa�te, so mu�te er schlie�lich doch flu�abw�rts fahren. Also machte die <emphasis>Wasserschlange</emphasis> die Leinen los und fuhr ab nach Ebou Dar, wobei er unterwegs noch einmal anlegen sollte, doch den Ort w�rde er erst erfahren, wenn Boannda hinter ihnen lag.</p><p>�Salidar!� grollte er und stierte �ber Nynaeves Kopf hinweg. �Salidar wurde schon nach dem Wei�mantelkrieg aufgegeben. Eine Frau mu� schon reichlich n�rrisch sein, wenn sie in Salidar an Land gehen will.�</p><p>Obwohl sie nach au�en hin l�chelte, war Nynaeve zornig genug, um die Wahre Quelle ber�hren zu k�nnen. Neres br�llte und klatschte sich gleichzeitig mit der flachen Hand auf Nacken und H�fte. �Die Bremsen stechen wirklich schlimm zu dieser Jahreszeit�, sagte sie mitleidig. Birgitte lachte schallend los, w�hrend sie �ber Deck dahingingen.</p><p>Nynaeve stand am Bug und saugte die Luft tief in sich ein, w�hrend Elayne mit Hilfe eines d�nnen Strangs der Macht den Wind wieder auffrischen lie�. Die <emphasis>Wasserschlange</emphasis> schob sich schwankend in die starke Str�mung hinein, die der Boern mit sich brachte. Sie a� fast nur noch roten Fenchel bei den Mahlzeiten, aber es war ihr mittlerweile gleich, ob er ihr noch vor Salidar ausging oder nicht. Ihre Reise war fast beendet. Und alles, was sie durchgemacht hatte, war den Preis wert gewesen, wenn sie damit ihr Ziel erreichte. Nat�rlich hatte sie nicht immer so gedacht, und daf�r waren Elaynes und Birgittes scharfe Zungen nicht der einzige Grund gewesen.</p><p>In der ersten Nacht hatte Nynaeve den verdrehten Steinring ben�tzt. Sie hatte in ihrem d�nnen Hemd auf dem Bett des Kapit�ns gelegen, die st�ndig g�hnende Elayne hatte sich auf den Stuhl gesetzt, und Birgitte lehnte an der T�r, wobei ihr Kopf die Deckenbalken ber�hrte. Eine einzelne, verrostete, auf einigen Metallringen ruhende Lampe warf ein tr�bes Licht, gab aber �berraschenderweise einen w�rzigen Duft von sich, w�hrend das �l langsam verbrannte. Vielleicht hatte Neres der muffige Modergeruch auch nicht gepa�t. Sie machte wohl ein wenig viel Aufhebens, als sie den Ring zwischen ihre Br�ste hinabgleiten lie� und ganz sicher gehen wollte, da� die anderen auch sahen, wie er ihre Haut ber�hrte, aber sie war eben noch immer mi�trauisch, nachdem sich die anderen bis zu diesem Zeitpunkt bestenfalls ein paar Stunden lang einigerma�en vern�nftig benommen hatten.</p><p>Das Herz des Steins war genauso wie immer. Von �berall und nirgends kam ein diffuser, bleicher Lichtschein, das glitzernde Kristallschwert <emphasis>Callandor</emphasis> steckte im Fu�boden unter der gro�en Kuppel, und Reihen riesiger, gl�nzender roter Steins�ulen zogen sich bis weit in die Schatten hinein. Und dazu das Gef�hl, beobachtet zu werden, wie es so typisch f�r <emphasis>Tel'aran'rhiod</emphasis> war. Nynaeve mu�te sich mit M�he daran hindern, zu fliehen oder verzweifelt hinter den S�ulen nach einem Beobachter zu suchen. So zwang sie sich, an einem Fleck neben <emphasis>Callandor</emphasis> stehenzubleiben und langsam bis tausend zu z�hlen. Bei jedem vollen Hunderter legte sie eine Pause ein und rief Egwenes Namen.</p><p>Das war auch schon alles, was ihr �brigblieb. Die Beherrschung, auf die sie so stolz gewesen war, schwand zusehends. Ihre Kleidung verschwamm ob ihrer Angst. Angst um sich selbst, um Egwene, Rand und Lan, und Moghediens wegen. Von einer Minute zur n�chsten wurde aus dem festen Zwei-Fl�sseWollkleid ein dicker Umhang mit einer tiefen Kapuze, aus diesem wieder ein Kettenhemd der Wei�m�ntel und daraus das rote Seidenkleid, aber diesmal durchsichtig!, dann wieder ein noch dichterer Umhang und... Sie glaubte zu sp�ren, da� sich auch ihr Gesicht ver�nderte. Einmal blickte sie auf ihre H�nde hinab, und deren Haut war dunkler als die Juilins. Wenn Moghedien sie vielleicht doch nicht erkannte...</p><p>�Egwene!� Der letzte heisere Ruf verhallte zwischen den S�ulen, und Nynaeve zwang sich, ein letztes Mal schaudernd auf hundert zu z�hlen. Der gro�e Saal blieb bis auf sie selbst leer. Sie w�nschte beinahe, etwas mehr Bedauern zu empfinden und nicht nur erleichterte Eile, aber sie trat aus dem Traum heraus ... und lag da, den Steinring an seiner Lederschnur in den Fingern, starrte die dicken Balken �ber dem Bett an und lauschte dem tausendfachen Knirschen und Quietschen und Knarren, all den Ger�uschen des Schiffs, das durch die Dunkelheit flu�abw�rts schaukelte.</p><p>�War sie da?� wollte Elayne wissen. �Du warst nicht lange weg, aber...�</p><p>�Ich bin es leid, immer Angst zu haben�, sagte Nynaeve, ohne den Blick von den Balken zu wenden. �Ich bis es s-so leid, ein F-feigling zu sein!� Bei diesen Worten brach sie in Tr�nen aus, die sie weder aufhalten noch verbergen konnte, gleich, wie sehr sie auch ihre Augen rieb.</p><p>Elayne war augenblicklich bei ihr, hielt sie in den Armen und streichelte ihr �ber das Haar. Einen Moment sp�ter pre�te ihr Birgitte ein in k�hlem Wasser getr�nktes Tuch in den Nacken. Sie weinte sich bei ihnen aus, w�hrend sie ihr versicherten, sie sei kein Feigling.</p><p>�Wenn ich glaubte, Moghedien sei hinter mir her�, sagte Birgitte schlie�lich, �w�rde ich davonlaufen. Und wenn es keinen anderen Ort g�be, mich zu verbergen, als einen Dachsbau, dann w�rde ich mich eben da hineinzw�ngen und zusammenrollen und schwitzen, bis sie wieder weg w�re. Ich w�rde mich ja auch nicht vor einen von Cerandins <emphasis>S'redit</emphasis> stellen, wenn er angreift. Und beides hat nichts mit Feigheit zu tun. Du mu�t selbst den Zeitpunkt und den Ort des Kampfes bestimmen und sie dann auf eine Weise angreifen, die sie am wenigsten erwartet. Ich werde mich an ihr r�chen, wenn mir dazu eine M�glichkeit gegeben wird, aber nur dann. Alles andere w�re idiotisch.�</p><p>Das war eigentlich nicht das, was Nynaeve gern h�ren wollte, aber ihre Tr�nen und der Trost der beiden rissen eine weitere L�cke in die Dornenhecke, die zwischen ihnen emporgewachsen war.</p><p>�Ich werde dir beweisen, da� du kein Feigling bist.� Elayne griff nach dem dunklen Holzkasten auf dem Regal, auf das sie ihn gestellt hatte, und nahm die Eisenscheibe mit der spiralf�rmigen Gravur heraus. �Wir gehen noch einmal zusammen hin.�</p><p>Das hatte Nynaeve noch weniger h�ren wollen. Doch es gab keine M�glichkeit, dem zu entgehen, nachdem sie ihr eingeredet hatten, sie sei kein Feigling. Also gingen sie zur�ck.</p><p>Erst zum Stein von Tear, wo sie <emphasis>Callandor</emphasis> anblickten. Das war immer noch besser, als sich st�ndig nach hinten umzusehen und zu fragen, ob Moghedien dort auftauchte. Dann weiter zum K�niglichen Palast in Caemlyn, wo Elayne die F�hrung �bernahm, und schlie�lich nach Emondsfeld, diesmal unter Anleitung Nynaeves. Nynaeve hatte durchaus schon Schl�sser und Pal�ste gesehen � mit ihren riesigen S�len und weitgeschwungenen, bemalten Stuckdecken, den Marmorb�den, dem Goldzierrat und den feingewebten Teppichen und kunstvollen Wandbeh�ngen, aber in diesem hier war immerhin Elayne aufgewachsen. Dieses Wissen im Kopf und die Bilder vor Augen halfen ihr, Elayne ein wenig besser zu verstehen. Sicher erwartete die Frau, da� die Welt vor ihr in den Staub sank, denn man hatte ihr das so beigebracht und das eben an einem Ort, der dies verst�ndlich erscheinen lie� und wo nun wirklich jeder vor ihr kuschte.</p><p>Elayne, oder genauer gesagt, das des <emphasis>Ter'Angreals</emphasis> wegen blasse Abbild Elaynes, war eigenartig still, w�hrend sie sich dort aufhielten. Andererseits war auch Nynaeve still, als sie sich in Emondsfeld befanden. Zum einen war das Dorf gr��er als in ihrer Erinnerung. Es standen schon mehr strohgedeckte H�user dort als fr�her, und weitere h�lzerne Bauger�ste lie�en auf rege Gesch�ftigkeit schlie�en. Irgend jemand baute gleich au�erhalb des Dorfes ein sehr gro�es Haus mit drei weitgeschwungenen Stockwerken, und auf dem Anger hatte man einen f�nf Schritt hohen Steinsockel aufgestellt, in den rundherum Namen eingehauen waren. Eine Menge davon kannte sie. Die meisten stammten von den Zwei Fl�ssen. Auf jeder Seite dieses � Gedenksteins? � stand ein Flaggenmast. An einem hing eine Flagge mit einem roten Wolfskopf, am anderen eine mit einem roten Adler. Alles wirkte wohlhabend und gl�cklich, soweit sie das in Abwesenheit der Menschen beurteilen konnte, aber es ergab keinen Sinn. Was beim Licht hatten diese Flaggen zu bedeuten? Und wer w�rde denn hier ein solches Haus erbauen?</p><p>Sie huschten hin�ber zur Wei�en Burg und in Elaidas B�ro. Nichts hatte sich dort ge�ndert, abgesehen davon, da� jetzt nur noch ein halbes Dutzend Hocker im Halbkreis vor Elaidas Schreibtisch standen. Und das Triptychon mit Gem�lden um Bonwhin war verschwunden. Das Bild von Rand war immer noch da. Ein Ri� im Leinen, genau auf Rands Gesicht, als habe jemand etwas danach geworfen, war nur fl�chtig ausgebessert worden.</p><p>Sie �berflogen die Papiere in dem lackierten K�stchen mit den goldenen Falken und auch diejenigen auf dem Tisch der Beh�terin im Vorzimmer. Dokumente und Briefe ver�nderten sich, w�hrend sie alles durchsahen, aber sie erfuhren doch einiges an Neuem. Elaida wu�te, da� Rand die Drachenmauer in Richtung Cairhien �berquert hatte, aber es gab keinen Hinweis darauf, welche Ma�nahmen sie daraufhin treffen wollte. Ein zorniger Brief, in dem sie alle Aes Sedai aufforderte, unverz�glich zur Burg zur�ckzukehren, soweit sie keine anderslautenden Befehle von ihr h�tten. Elaida schien �berhaupt auf sehr vieles zornig zu sein, etwa darauf, da� so wenige Schwestern nach ihrem Amnestieangebot zur�ckgekehrt waren, da� die meisten ihrer Augen-und-Ohren in Tarabon nach wie vor schwiegen, da� Pedron Niall noch immer seine Wei�m�ntel nach Amadicia zur�ckrief, obwohl sie nicht wu�te, aus welchem Grund, und da� Davram Bashere nach wie vor unauffindbar war, obwohl er doch ein ganzes Heer bei sich hatte. Jedes Schriftst�ck von ihrer Hand war oberhalb des Siegels von Wut erf�llt. Nichts davon schien von besonderem Nutzen oder Interesse, abgesehen vielleicht von der Nachricht in bezug auf die Wei�m�ntel. Nicht, da� ihnen von dieser Seite her Gefahr drohte, solange sie sich auf der <emphasis>Wasserschlange</emphasis> befanden.</p><p>Als sie in ihre K�rper auf dem Schiff zur�ckkehrten, schwieg Elayne, w�hrend sie sich von dem Stuhl erhob und die Scheibe in den Kasten zur�cklegte. Ohne weiter nachzudenken, stand auch Nynaeve auf und half ihr aus dem Kleid. Birgitte ging nach oben, als sie zusammen ins Bett kletterten. Sie habe vor, gleich oben neben dem Kabinenaufgang zu schlafen, sagte sie.</p><p>Elayne ben�tzte die Macht, um die Lampe zu l�schen. Nachdem sie eine Weile im Dunklen gelegen hatten, sagte sie; �Der Palast erschien mir so ... leer, Nynaeve. Es war ein solches Gef�hl von Leere...�</p><p>Nynaeve hatte keine Ahnung, wie etwas in <emphasis>Tel'aran'rhiod</emphasis> anders wirken k�nne. �Es lag an dem <emphasis>Ter'Angreal,</emphasis> den du ben�tzt hast. Du hast beinahe durchscheinend auf mich gewirkt.�</p><p>�Also, ich habe davon nichts bemerkt.� Elaynes Antwort klang allerdings ein wenig schroff, und so legten sie sich endg�ltig zum Schlafen zurecht.</p><p>Nynaeve hatte sich noch sehr lebhaft an die Ellbogen der anderen Frau erinnert, aber sie konnten ihr die gute Laune nicht rauben, genausowenig wie Elaynes gemurmelte Klage, sie habe wirklich kalte F��e. Sie hatte es vollbracht. Vielleicht war es etwas anderes, nur zu vergessen, da� man sich eigentlich f�rchtete, anstatt sich wirklich zu f�rchten, aber immerhin war sie in die Welt der Tr�ume zur�ckgegangen. Vielleicht w�rde sie eines Tages wieder den Mut finden, ihre Angst zu �berwinden.</p><p>Einmal begonnen, war es leichter, weiterzumachen, als aufzuh�ren. Jede Nacht nun betraten sie gemeinsam <emphasis>'Tel'aran'rhiod</emphasis> und besuchten jedesmal die Burg, um zu erfahren, was immer nur m�glich war. Es gab nicht viel; h�chstens den Befehl, eine Abgesandte nach Salidar zu schicken, um die Aes Sedai dort zur R�ckkehr in die Burg aufzufordern. Allerdings war diese Einladung � soweit Nynaeve sie noch lesen konnte, bevor sie sich zu einem Bericht ver�nderte, wie man k�nftige Novizinnen auf die richtigen politischen Anschauungen �berpr�ft hatte, was immer das bedeuten mochte �, war also diese Einladung schon mehr eine Aufforderung, diese Aes Sedai sollten sich augenblicklich Elaida unterwerfen und dankbar sein, da� man ihnen das �berhaupt gestattete. Trotzdem war das immerhin die Best�tigung, da� sie kein Phantom jagten. Das Schwierige an all den anderen fragmentarischen Papieren war, da� sie einfach nicht genug wu�ten, um sich den Rest zusammenreimen zu k�nnen. Wer war eigentlich dieser Davram Bashere, und warum wollte ihn Elaida unbedingt finden? Warum hatte Elaida das strikte Verbot ausgegeben, den Namen Mazrim Taims, des falschen Drachen, zu erw�hnen? Es wurden sogar strenge Strafen daf�r angedroht. Warum hatten K�nigin Tenobia von Saldaea und K�nig Easar von Schienar ihr Briefe geschrieben, in denen sie sich h�flich, aber energisch dagegen verwahrten, da� sich die Wei�e Burg in ihre Angelegenheiten einmische? Das alles brachte Elayne dazu, wieder einen von Linis Spr�chen zu murmeln: ��Um zwei zu kennen, mu�t du erst einmal einen kennen.�� Nynaeve konnte ihr nur zustimmen.</p><p>Von den Ausfl�gen in Elaidas Arbeitszimmer abgesehen, arbeiteten sie vor allem daran, sich selbst und ihre Umgebung in der Welt der Tr�ume besser beherrschen zu lernen. Nynaeve wollte sich nicht noch einmal so erwischen lassen wie von Egwene und den Weisen Frauen. Sie bem�hte sich, nicht an Moghedien zu denken. Viel besser, sich auf die Weisen Frauen zu konzentrieren.</p><p>Sie waren nicht in der Lage, herauszufinden, was Egwene in Samara unternommen hatte, um in ihren Tr�umen zu erscheinen. Sie zu rufen f�hrte zu nichts, au�er dem zunehmenden Gef�hl, beobachtet zu werden, und Egwene tauchte auch nicht wieder auf diese Weise auf. Es war auch unglaublich frustrierend, wenn man versuchte, jemanden in <emphasis>Tel'aran'rhiod</emphasis> festzuhalten, selbst dann, als Elayne auf die L�sung gesto�en war, n�mlich den anderen einfach als Teil des Traums zu betrachten. Elayne schaffte das schlie�lich auch, wozu ihr Nynaeve s��s�uerlich gratulierte, aber Nynaeve brauchte noch tagelang dazu. Elayne h�tte genausogut wirklich aus diesem feinen Dunst bestehen k�nnen, wie Nynaeve sie sah; so konnte sie sich l�chelnd verfl�chtigen, wann immer sie wollte. Als Nynaeve es endlich schaffte, Elayne dort festzuhalten, strengte sie das an, als m�sse sie einen Felsklotz aufheben.</p><p>Phantastische Blumen oder andere Formen zu erschaffen, indem man sie sich einfach vorstellte, machte viel mehr Spa�. Die dazu notwendige Anstrengung schien davon abh�ngig zu sein, wie gro� das Ding war und ob es wirklich h�tte existieren k�nnen. B�ume, die nur so von eigenartig geformten Bl�ten in Rot und Gold und Purpur strotzten, waren schwerer zu erschaffen als beispielsweise ein Standspiegel, in dem man betrachten konnte, was man mit der eigenen Kleidung angefangen oder was die andere daran ver�ndert hatte. Ein schimmernder Kristallpalast, der sich pl�tzlich aus dem Boden erhob, war noch schwieriger, und wenn er sich auch fest anf�hlte, so ver�nderte er sich trotzdem jedesmal, wenn das Bild schwankte, das man von ihm im Kopf hatte, und er verschwand, wenn sich die Vorstellung im Geist verfl�chtigte. Sie einigten sich bedr�ckt darauf, die Finger von Tieren zu lassen, nachdem ein seltsames Wesen, beinahe wie ein Pferd mit einem Horn auf der Nase, sie beide einen H�gel hinauftrieb, bevor sie es verschwinden lassen konnten. Das h�tte beinahe einen neuen Krach zwischen ihnen ausgel�st, da jede behauptete, die andere habe das Wesen erschaffen; doch dann hatte sich Elayne so weit erholt, da� sie zu kichern anfing, weil sie sich vorstellte, wie dumm sie beide vermutlich ausgesehen hatten, wie sie da mit gerafften R�cken den Hang hinaufgerannt waren und dem Ding hinter ihnen zugeschrien hatten, es solle endlich verschwinden. Nicht einmal Elaynes sture Weigerung, zuzugeben, da� sie die Schuldige gewesen war, vermochte Nynaeves Gekicher zu beenden.</p><p>Elayne wechselte zwischen der Eisenscheibe und der offensichtlich aus Bernstein bestehenden Fibel mit dem Bildnis der schlafenden Frau darin, aber eigentlich ben�tzte sie die beiden <emphasis>Ter'Angreal</emphasis> nur ungern. So hart sie auch mit ihnen arbeitete, f�hlte sie sich doch nie so ganz in <emphasis>Tel'aran'rhiod</emphasis> wie mit dem Ring. Und man mu�te mit beiden wirklich <emphasis>arbeiten,</emphasis> denn es war nicht m�glich, den Strang aus dem Element Geist abzubinden; man w�re vielmehr augenblicklich wieder aus der Welt der Tr�ume hinausgeworfen worden. Es schien fast unm�glich, gleichzeitig auch noch andere Str�nge zu weben, aber Elayne wu�te nicht, warum dies so war. Ohnehin schien sie mehr daran interessiert, wie man die beiden hergestellt hatte, und sie war alles andere als froh dar�ber, da� sie ihre Geheimnisse nicht so leicht preisgaben wie der <emphasis>A'dam.</emphasis> Nicht zu wissen, warum etwas so war, lie� ihr noch immer keine Ruhe.</p><p>Einmal probierte Nynaeve auch einen der beiden aus, zuf�llig in jener Nacht, in der sie Egwene treffen sollten, gleich nachdem sie Boannda wieder verlassen hatten. Sie w�re nicht zornig genug gewesen, h�tte es da nicht etwas gegeben, was sie immer wieder in h�chstem Ma�e ver�rgerte: M�nner.</p><p>Es hatte mit Neres angefangen. Der stampfte auf dem Deck herum, als die Sonne sank, und knurrte etwas in sich hinein, da� man seine Fracht gestohlen habe. Nat�rlich ignorierte sie ihn. Dann sagte Thom, der sein Bett am Fu� des hinteren Masts bereitete, leise: �Er hat nicht unrecht.�</p><p>Es war offensichtlich, da� er sie in dem verblassenden Leuchten der untergehenden Sonne nicht gesehen hatte, genau wie Juilin, der neben ihm kauerte. �Er ist wohl Schmuggler, aber f�r diese Waren hatte er bezahlt. Nynaeve hatte kein Recht, sie einfach mit Beschlag zu belegen.�</p><p>�Die verdammten Rechte einer Frau sind, was sie verdammt noch mal will.� Uno lachte. �Das sagen jedenfalls die Frauen in Schienar.�</p><p>In dem Augenblick entdeckten sie Nynaeve und verstummten, wie immer zu sp�t. Uno rieb sich die Wange; die ohne Narbe. Er hatte an diesem Tag seine Bandage abgenommen, und ihm war nun klar, was geschehen sein mu�te. Ihr war, als blicke er verlegen drein. Das war bei den schnell wandernden Schatten schwer zu sagen, aber die beiden anderen zeigten �berhaupt keinen Ausdruck.</p><p>Nat�rlich tat sie ihnen nichts, sondern stolzierte nur mit festem Griff an ihrem Zopf davon. Sie schaffte es sogar, genauso indigniert die Leiter hinabzuklettern. Elayne hatte bereits die Eisenscheibe in der Hand. Der dunkle Holzkasten stand offen auf dem Tisch. So nahm Nynaeve einfach die gelblichbraune Anstecknadel mit der schlafenden Frau darin. Sie f�hlte sich glatt und weich an, gar nicht wie etwas, das sogar Metall ritzen konnte. Bei dem Zorn, der in ihr loderte, war <emphasis>Saidar</emphasis> wie ein warmes Gl�hen, das hinter ihr gerade au�erhalb ihres Gesichtsfeldes glomm. �Vielleicht kann ich etwas dar�ber herausfinden, warum dich dieses Ding h�chstens ein paar Kleinigkeiten weben l��t, aber nichts Gescheites.�</p><p>Und so fand sie sich im Herz des Steins wieder und webte einen Strang aus Geist in die Fibel, die hier in <emphasis>Tel'aran'rhiod</emphasis> in ihrer G�rteltasche verstaut war. Wie sie das sehr h�ufig in der Welt der Tr�ume tat, trug Elayne ein Abendkleid, wie es auch an den Hof ihrer Mutter gepa�t h�tte: gr�ne Seide, um den Ausschnitt herum mit Gold bestickt, und dazu ein Kollier und aus Goldgliedern zusammengef�gte und mit Mondsteinen verzierte Armreifen. Doch diesmal entdeckte Nynaeve zu ihrer Verbl�ffung, da� auch sie etwas ganz �hnliches trug, wenn auch ihr Haar zum Zopf geflochten und von seiner nat�rlichen Farbe war, anstatt lose die Schultern zu umspielen. Ihr Kleid war hellblau und mit Silber bestickt, nicht ganz so tief ausgeschnitten wie Lucas Kleider, aber doch tiefer, als da� sie h�tte glauben m�gen, da� dies ihre Wahl war. Wenn schon. Ihr gefiel das Schimmern des gro�en Edelsteins, der an einer silbernen Kette zwischen ihren Br�sten hing. Egwene w�rde es schwerfallen, jemanden einzusch�chtern, der so angezogen war. Allerdings war das bestimmt nicht der Grund gewesen, weshalb sie sich so gekleidet hatte, nicht einmal unbewu�t.</p><p>Nun wurde ihr auch sofort klar, was Elayne damit gemeint hatte, sie habe nichts bemerkt. In ihren eigenen Augen erschien sie selbst nicht anders als die andere, die den verdrehten Steinring irgendwie in ihre Halskette verflochten trug, doch Elayne sagte, diesmal wirke sie ... nebelhaft. Genauso nebelhaft sp�rte sie auch <emphasis>Saidar,</emphasis> bis auf den Strang aus Geist den sie gewoben hatte, als sie noch wach war. Alles andere aber war durchscheinend, und selbst die niemals klar sichtbare Warme der Wahren Quelle erschien ihr ged�mpft. Ihr Zorn war gerade noch heftig genug, um nach der Macht greifen zu k�nnen. Der Arger �ber die M�nner verflog wohl langsam angesichts dieses R�tsels, aber das R�tsel selbst war wiederum �rgernis genug. Dabei spielte es gar keine Rolle, da� sie sich dagegen wappnete, Egwene wieder zu begegnen. Es gab �berhaupt keinen Grund, sich dagegen zu wappnen, und es gab noch weniger Grund daf�r, da� sie den schwachen Geschmack von gekochtem Katzenfarn und zersto�enen Mavinsbl�ttern auf der Zunge sp�rte! Doch selbst eine einzelne kleine Flamme in der Luft vor sich zu erzeugen, wie es jede Novizin gleich als erstes lernte, schien nun genauso schwierig, wie Lan mit einem Ringergriff auf die Schultern zu legen. Als sie die Flamme vor sich hatte, wirkte sie ausgesprochen schw�chlich und begann sofort zu verblassen, nachdem sie den Strang abgebunden hatte. Nach wenigen Sekunden war die Flamme verschwunden.</p><p>�Beide hier?� fragte Amys erstaunt. Sie und Egwene waren einfach da, auf der anderen Seite <emphasis>Callandors,</emphasis> beide in Aielr�cke und �blusen und die �blichen Schals gekleidet. Wenigstens hatte Egwene diesmal nicht so viele Halsketten und Armreife �bergestreift. �Warum erscheint Ihr mir so eigenartig durchscheinend, Nynaeve? Habt Ihr gelernt, in wachem Zustand herzukommen?�</p><p>Nynaeve erschrak ein wenig. Sie ha�te es, wenn sich Leute so an sie heranschlichen und pl�tzlich auftauchten. �Egwene, wie bist du...�, fing sie an, wobei sie nerv�s ihren Rock glattstrich, doch im selben Atemzug sagte Elayne: �Egwene, wir verstehen einfach nicht, wie du... �</p><p>Egwene unterbrach sie: �Rand und die Aiel haben bei Cairhien einen gro�en Sieg errungen!� Und dann brach eine wahre Flut aus ihr heraus, alles, was sie ihnen in ihren Tr�umen berichtet hatte, von Sammael bis zu dem Seanchan-Kurzspeer. Ihre Worte �berschlugen sich fast, und sie sprach dabei auch noch mit einer solchen Eindringlichkeit, als h�rten sie alles zum erstenmal von ihr.</p><p>Nynaeve wechselte einen verwirrten Blick mit Elayne. Sie hatte ihnen das doch schon berichtet, oder? Das konnten sie sich wohl kaum eingebildet haben. Au�erdem best�tigte sie es ja mit jedem Wort. Selbst Amys, deren langes, wei�es Haar die beinahe Aes-Sedaiartige Alterslosigkeit ihres Gesichts noch unterstrich, blickte ob dieses Redestroms verbl�fft drein.</p><p><emphasis>�Mat</emphasis> hat Couladin get�tet?� rief Nynaeve erstaunt, als Egwene darauf zu sprechen kam. Das wiederum hatte sie in ihren Tr�umen mit Sicherheit noch nicht erfahren. Das klang �berhaupt nicht nach Mat. Soldaten fuhren? <emphasis>Mat?</emphasis></p><p>Als Egwene endlich schwieg, zupfte sie an ihrem Schal und atmete ein wenig heftiger als �blich. Sie hatte ja auch kaum Luft geholt beim Erz�hlen. Elayne fragte mit zitternder Stimme: �Geht es ihm ... gut?� Es klang, als zweifle sie allm�hlich an ihren eigenen Erinnerungen.</p><p>�So gut man das erwarten kann�, sagte Amys. �Er treibt sich selbst ziemlich hart voran und h�rt auf niemanden. Au�er auf Moiraine.� Bei Amys klang das alles andere als erfreut.</p><p>�Aviendha ist fast die ganze Zeit �ber bei ihm�, sagte Egwene. �Sie beh�tet ihn gut f�r dich.�</p><p>Das allerdings bezweifelte Nynaeve. Sie wu�te nicht viel von den Aiel, aber sie vermutete, wenn Amys schon �hart� sagte, w�rde ein normaler Mensch das wohl als �m�rderisch� bezeichnen.</p><p>Offensichtlich war Elayne der gleichen Meinung. �Warum l��t sie ihn dann so weitermachen? Was tut er eigentlich?�</p><p>Durchaus eine Menge, wie sich herausstellte, und ganz eindeutig zuviel. Zwei Stunden am Tag �bte er mit Lan oder jedem anderen, den er auftreiben konnte, den Schwertkampf. Das lie� Amys die Lippen s�uerlich verziehen. Zwei weitere Stunden, in denen er sich im waffenlosen Kampf nach Aielart �bte. Egwene mochte das eigenartig finden, doch Nynaeve wu�te nur zu gut, wie hilflos man war, wenn man die Macht gerade nicht ben�tzen konnte. Trotzdem � eigentlich sollte Rand gar nicht in eine solche Lage kommen. Er war doch mittlerweile so etwas wie ein K�nig oder noch mehr, wurde von <emphasis>Far Dareis Mai</emphasis> bewacht und kommandierte Lords und Ladies herum. Tats�chlich nahm er sich soviel Zeit, sie herumzukommandieren und ihnen hinterherzulaufen, um sicherzugehen, da� sie seine Befehle auch befolgten, da� ihm nicht einmal die Zeit zum Essen blieb � es sei denn, die T�chter des Speers brachten ihm etwas zu essen hinterher, wo immer er sich gerade befinden mochte. Das schien Egwene beinahe genauso zu verdrie�en wie Elayne, doch aus irgendeinem Grund blickte Amys dabei am�siert drein. Als sie allerdings sah, da� Nynaeve ihren Blick bemerkt hatte, nahm ihre Miene sofort wieder den bei Aiel �blichen Ausdruck steinerner Ruhe an. Eine weitere Stunde pro Tag widmete er einer seltsamen Schule, die er begr�ndet hatte, in die er nicht nur Gelehrte berufen hatte, sondern auch Handwerker, von irgendeinem Burschen, der Fernrohre oder so etwas anfertigte, bis zu einer Frau, die eine riesige Armbrust mit Flaschenz�gen konstruiert hatte, mit der man einen Speer eine Meile weit schleudern konnte. Er hatte niemandem gesagt, welchen Zweck er mit dieser Schule verfolge � au�er vielleicht Moiraine �, doch die einzige Antwort, die Egwene auf ihr Nachfragen von der Aes Sedai erhalten hatte, war, der Drang, etwas Bleibendes zur�ckzulassen, sei wohl in jedem Menschen vorhanden. Moiraine schien es gleich zu sein, was Rand tat.</p><p>�Was von den Shaido noch �brig ist, zieht sich nach Norden zur�ck�, sagte Amys grimmig, �und jeden Tag kommen �ber die Drachenmauer weitere nach und schlie�en sich ihnen an, doch Rand al'Thor scheint sie vergessen zu haben. Er schickt die Speere nach S�den in Richtung Tear. Die H�lfte ist bereits weg. Rhuarc sagt, er habe noch nicht einmal den H�uptlingen den Grund mitgeteilt, und ich glaube nicht, da� Rhuarc mich anl�gen w�rde. Moiraine ist Rand al'Thor n�her als jeder andere, von Aviendha abgesehen, aber sie weigert sich, ihn danach zu fragen.� Sie sch�ttelte den Kopf und knurrte noch: �Aber zu ihrer Verteidigung mu� ich sagen, da� noch nicht einmal Aviendha etwas herausbekommen hat.�</p><p>�Die beste Methode, ein Geheimnis zu wahren, ist, es niemandem zu sagen�, sagte Elayne zu ihr, was ihr einen strafenden Blick einbrachte. Amys stand Bair nicht viel nach, wenn es um Blicke ging, die einen nerv�s machten, bis man verlegen von einem Fu� auf den anderen trat.</p><p>�Wir werden es ganz sicher auch hier nicht herausfinden�, sagte Nynaeve und richtete den Blick auf Egwene. Die schien ihr nerv�s. Wenn es je einen g�nstigen Zeitpunkt gegeben hatte, das Gleichgewicht zwischen ihnen wiederherzustellen dann war er jetzt gekommen. �Was ich wissen will...�</p><p>�Du hast ganz recht�, wurde sie wieder von Egwene unterbrochen. �Wir befinden uns nicht in Sheriams Arbeitszimmer, wo wir herumsitzen und klatschen k�nnen. Was habt ihr uns zu berichten? Seid ihr noch bei Meister Lucas Menagerie?�</p><p>Nynaeve stockte der Atem, und die Frage, die sie hatte stellen wollen, war pl�tzlich wie weggeblasen. Es gab soviel zu erz�hlen. Und soviel, was sie nicht erz�hlen konnten. Sie behauptete, Lanfear gefolgt und so in dieses Treffen der Verlorenen geraten zu sein. Bei der Gelegenheit habe sie Moghedien beim Spionieren beobachtet. Nicht, da� sie vermeiden wollte, zu berichten, wie Moghedien mit ihr umgesprungen war, also jedenfalls, also... Aber Birgitte hatte sie noch nicht von ihrem Versprechen, zu schweigen, entbunden! Nat�rlich hie� das, �berhaupt nichts von Birgitte zu erw�hnen und da� sie sich bei ihnen befand. Das war ein dummes Gef�hl, da Egwene ja zumindest soviel wu�te, da� Birgitte ihnen behilflich war, und trotzdem mu�te sie nun so tun, als wisse Egwene gar nichts; aber Nynaeve umschiffte schlie�lich auch dieses Hindernis unter leichtem Stottern, so da� Egwene bereits die Augenbrauen hob. Sie dankte dem Licht daf�r, da� Elayne ihr dabei behilflich war, die Ereignisse in Samara ausschlie�lich Galad und Masema zuzuschreiben und ihre Rolle zu verschweigen. Es war ja auch wirklich die Schuld dieser beiden. Wenn jeder einfach einen Boten geschickt h�tte, um ihr von dem Schiff zu berichten, w�re alles andere nicht geschehen.</p><p>Als sie mit der Erw�hnung Salidars endete, sagte Amys leise: �Seid Ihr sicher, da� sie den <emphasis>Car'a'carn</emphasis> unterst�tzen werden?�</p><p>�Sie m�ssen die Prophezeiungen des Drachen genausogut kennen wie Elaida�, sagte Elayne. �Die beste Methode, sie zu bek�mpfen, ist, sich Rand anzuschlie�en und der Welt klarzumachen, da� sie vorhaben, ihn bis Tarmon Gai'don hin zu unterst�tzen und hinter ihm zu stehen.� Nicht das kleinste Beben ihrer Stimme verriet, da� sie keineswegs von einem v�llig Fremden sprach. �Sonst w�ren sie lediglich Rebellen, die sich auf keinen legitimen Grund berufen k�nnen. Sie ben�tigen ihn mindestens genauso sehr wie er sie.�</p><p>Amys r�ckte, sah aber nicht so aus, als stimme sie mit ihrer Schlu�folgerung �berein.</p><p>�Ich glaube, ich kann mich an Masema erinnern�, sagte Egwene. �Eingefallene Augen und einen bitteren Zug um den Mund?� Nynaeve nickte. �Ich kann ihn mir kaum als einen Propheten vorstellen, wohl aber, da� er Unruhen oder gar einen Krieg heraufbeschw�rt. Ich bin sicher, Galad hat nur getan, was er f�r das Beste hielt.� Egwenes Wangen liefen leicht r�tlich an. Sogar die blo�e Erinnerung an Galads Gesicht brachte solche Wirkungen hervor. �Rand wird das von Masema wissen wollen. Und von Salidar. Wenn ich es fertigbringe, da� er auf einem Fleck stehenbleibt und mir zuh�rt.�</p><p>�Ich will wissen, wie es kommt, da� Ihr beide hier anwesend seid�, sagte Amys. Sie h�rte sich ihre Erkl�rung an und drehte die Anstecknadel ein paarmal in der Hand herum, nachdem Nynaeve sie herausgekramt hatte. Nynaeve bekam eine G�nsehaut, als der <emphasis>Ter'Angreal</emphasis> von einer anderen ber�hrt wurde, w�hrend sie ihn gerade ben�tzte. �Ich glaube, Ihr seid zu einem geringeren Ausma� hier als Elayne�, stellte die Weise Frau schlie�lich fest. �Wenn eine Traumg�ngerin im Schlaf die Welt der Tr�ume betritt, bleibt nur ein ganz winziger Teil ihrer Pers�nlichkeit in ihrem K�rper zur�ck, gerade genug, um ihn am Leben zu erhalten. Versenkt sie sich nur in einen ganz leichten Schlaf, so da� sie sowohl hier sein wie auch mit denen in ihrer Umgebung in der wachenden Welt kommunizieren kann, wirkt sie wie Ihr jetzt auf jemanden, der sich ganz und gar hier befindet. Vielleicht ist es das gleiche. Ich bin mir nicht sicher, ob mir die Gewi�heit gef�llt, da� jede Frau mit der F�higkeit, die Macht zu gebrauchen, nach <emphasis>Tel'aran'rhiod</emphasis> kommen kann, selbst in diesem Zustand.� Sie gab Nynaeve den <emphasis>Ter'Angreal</emphasis> zur�ck.</p><p>Nynaeve seufzte erleichtert auf und steckte die Nadel schnell weg. Ihr Magen flatterte noch immer etwas.</p><p>�Wenn Ihr jetzt alles berichtet habt...� Amys schwieg, w�hrend Nynaeve und Elayne hastig beteuerten, es sei alles gewesen. Die blauen Augen dieser Frau blickten unwahrscheinlich durchdringend drein. �Dann m�ssen wir gehen. Ich bin bereit, zuzugeben, da� diese Treffen mehr wert sind, als ich urspr�nglich annahm, aber ich mu� heute nacht noch sehr viel erledigen.� Sie sah zu Egwene hin�ber, und dann verschwanden sie gleichzeitig.</p><p>Nynaeve und Elayne z�gerten nicht. Die gro�en Sandsteins�ulen in ihrer Umgebung wandelten sich innerhalb eines Wimpernschlags zu einem kleinen Zimmer mit dunkler Holzt�felung, nur wenigen M�belst�cken, einem einfachen, aber solide wirkenden Raum. Nynaeves Zorn war am Verfliegen gewesen, und mit ihm hatte ihre Kontrolle �ber <emphasis>Saidar</emphasis> zu wanken begonnen, doch dieses Arbeitszimmer der Herrin aller Novizinnen lie� beides wieder erstarken. Stur und widerspenstig, ja? Sie hoffte, Sheriam bef�nde sich in Salidar. Es w�re ihr ein Vergn�gen, ihr als Gleichgestellte gegen�berzutreten. Trotzdem w�re es ihr lieber gewesen, sich woanders aufzuhalten. Elayne sp�hte in den Spiegel mit seinem abbl�tternden Goldrahmen und ordnete ganz nonchalant ihr Haar mit beiden H�nden. Und das, obwohl sie doch hier die H�nde gar nicht h�tte ben�tzen m�ssen. Auch ihr gefiel es nicht besonders in diesem Zimmer. Warum hatte Egwene angedeutet, sie sollten hier zusammentreffen? Elaidas Arbeitszimmer mochte ja auch nicht gerade der bequemste aller Orte sein, aber immer noch besser als dieser Raum.</p><p>Einen Augenblick sp�ter war pl�tzlich auch Egwene da, stand auf der anderen Seite des breiten Tisches, der Blick eisig und die H�nde in die H�ften gestemmt, als sei sie die rechtm��ige Bewohnerin dieses Zimmers.</p><p>Bevor Nynaeve den Mund aufbekam, sagte Egwene: �Seid ihr zwei hirnlosen Klatschweiber nun ganz verr�ckt geworden? Wenn ich euch bitte, etwas f�r euch zu behalten, erz�hlt ihr es dann immer sofort der ersten Person, die ihr trefft? Ist euch noch niemals die Idee gekommen, da� ihr nicht gleich jedem alles erz�hlen m��t? Ich glaubte einmal, ihr beide k�nntet Geheimnisse auch f�r euch behalten!� Nynaeves Wangen wurden hei�, aber so tiefrot wie die Elaynes konnten sie bestimmt nicht sein. Egwene war aber noch nicht fertig. �Wie ich das angestellt habe, kann ich euch nicht beibringen. Dazu m��tet ihr Traumg�ngerinnen sein. Ich wei� daf�r nicht, wie ihr mit Hilfe des Rings die Tr�ume einer Person ber�hren k�nnt. Und ich bezweifle, da� ihr es mit Hilfe dieses anderen Dings erreicht. Versucht, euch auf das zu konzentrieren, was ihr zu tun habt. Salidar ist m�glicherweise ganz anders, als ihr erwartet. So, ich habe heute nacht auch noch einiges zu tun. <emphasis>Versucht</emphasis> wenigstens, euren Verstand zu gebrauchen!� Und dann war sie so pl�tzlich verschwunden, da� die letzten Worte schon aus der leeren Luft zu kommen schienen.</p><p>Die pure Scham und Verlegenheit nagten an Nynaeves Zorn. Sie hatte ja wirklich beinahe alles ausgeplaudert, obwohl Egwene sie gebeten hatte, nichts zu sagen. Und was Birgitte betraf: Wie konnte man ein Geheimnis wahren, wenn die andere Bescheid wu�te? Die Verlegenheit gewann die Oberhand, und <emphasis>Saidar</emphasis> rann ihr davon wie Sand zwischen den Fingern.</p><p>Nynaeve erwachte ruckartig. Den braungoldenen <emphasis>Ter'Angreal</emphasis> hielt sie fest in der Hand. Die Lampe auf ihren Metallringen warf ein stark ged�mpftes Licht in die Kaj�te. Elayne lag an sie gedr�ckt da und schlief noch immer. Der Ring war an seiner Kordel in die Mulde unter ihrem Adamsapfel gerutscht.</p><p>Vor sich hin murmelnd, kletterte Nynaeve �ber sie hinweg, um die Fibel zu verstauen, und go� anschlie�end ein wenig Wasser in die Waschsch�ssel, damit sie sich Gesicht und Hals waschen konnte. Das Wasser war wohl lauwarm, kam ihr aber trotzdem herrlich k�hl vor. In der tr�ben Beleuchtung schielte sie zum Spiegel hoch und glaubte, noch immer Spuren der R�te auf ihren Wangen zu erkennen. Nichts war's gewesen mit der Wiederherstellung des Gleichgewichts der Kr�fte. Wenn sie sich doch nur irgendwo anders getroffen h�tten. Wenn sie nur nicht gequatscht h�tte wie ein hirnloser Backfisch. Es w�re besser verlaufen, h�tte sie den Steinring benutzt, statt den anderen Frauen wie ein Schemen gegen�berzustehen. Das war alles nur Thoms und Juilins Schuld. Und Unos. H�tten sie nicht ihren Zorn hervorgerufen... Nein, Neres war schuld. Er... Sie nahm die Kanne in beide H�nde und sp�lte sich den Mund aus. Nat�rlich nur, um den typischen Schlafgeschmack loszuwerden und nicht etwa einen Geschmack nach gekochtem Katzenfarn und zersto�enem Mavinsblatt.</p><p>Als sie sich vom Waschtisch abwandte, setzte sich Elayne gerade auf und streifte die Kordel mit dem Steinring �ber den Kopf. �Ich sah, wie dir <emphasis>Saidar</emphasis> entglitt also ging ich schnell noch in Elaidas B�ro, aber ich hielt es f�r besser, nicht lange zu verweilen, falls du dir Sorgen machtest. Ich habe auch nichts weiter in Erfahrung gebracht, au�er, da� Shemerin festgenommen und zur Aufgenommenen degradiert werden soll.� Sie stand auf und legte den Ring in das K�stchen.</p><p>�Das k�nnen sie tun? Eine Aes Sedai degradieren?�</p><p>�Ich wei� nicht. Ich glaube, Elaida macht einfach, was sie will. Egwene sollte diese Aielkleidung nicht tragen. Das steht ihr �berhaupt nicht.�</p><p>Nynaeve stie� die Luft aus, die sie angehalten hatte. Offensichtlich wollte Elayne alles meiden, was Egwene angesprochen hatte. Nynaeve belie� es nur zu gern dabei. �Nein, sie stehen ihr auf keinen Fall.� Sie kletterte auf das Bett und legte sich auf die Seite zur Wand hin.</p><p>�Ich hatte noch nicht einmal eine M�glichkeit, Rand eine Botschaft zukommen zu lassen.� Elayne stieg auch auf das Bett, und die Lampe ging augenblicklich aus. Die kleinen Fenster lie�en nur d�nne Strahlen des Mondscheins ein. �Und eine f�r Aviendha. Wenn sie schon f�r mich auf ihn achtgibt sollte sie sich wirklich ein wenig besser um ihn k�mmern.�</p><p>�Er ist doch kein Pferd, Elayne. Du bist nicht seine Besitzerin.�</p><p>�Das habe ich auch nie behauptet. Wie wirst du dich f�hlen, wenn Lan sich mit irgendeiner Frau aus Cairhien einl��t?�</p><p>�Sei nicht so dumm. Schlaf lieber.� Nynaeve vergrub ihr Gesicht energisch in das kleine Kopfkissen. Vielleicht h�tte sie Lan eine Nachricht schicken sollen. All diese adligen Damen, ob aus Tear oder aus Cairhien. Sie schmierten einem Mann Honig ums Maul, statt ihm die Wahrheit zu sagen. Er sollte ja nicht vergessen, zu wem er geh�rte!</p><p>Unterhalb von Boannda zogen sich zu beiden Seiten dichte W�lder bis ans Flu�ufer, ein unber�hrtes Gewirr von B�umen, Ranken und Gestr�pp. D�rfer und Geh�fte verschwanden ganz. Der Eldar h�tte genausogut durch unber�hrte Wildnis tausend Meilen fern aller menschlichen Besiedelung flie�en k�nnen. F�nf Tagesreisen von Samara entfernt ankerte die <emphasis>Wasserschlange</emphasis> am fr�hen Nachmittag mitten in einer Biegung des Flusses, w�hrend das einzige vorhandene Beiboot die letzten verbliebenen Passagiere auf rissigem, eingetrocknetem Lehm vor niedrigen, bewaldeten H�geln absetzte. Selbst an den wenigen hohen Weiden und tief verwurzelten Eichen zeigten sich einige braun verbrannte Bl�tter.</p><p>�Es war ganz und gar nicht notwendig, dem Mann die Halskette zu geben�, sagte Nynaeve am Ufer, w�hrend sie zuschaute, wie sich das Ruderboot wieder n�herte. Es war fast schon �berf�llt mit vier Ruderern, Juilin und den letzten f�nf Schienarern. Sie hoffte, nicht zu leichtgl�ubig gewesen zu sein. Neres hatte ihr seine Karte von diesem Teil des Flusses gezeigt und auf die Markierung f�r Salidar etwa zwei Meilen vom Flu� entfernt gezeigt. Sonst deutete aber nichts darauf hin, da� sich jemals in der N�he ein Dorf befunden hatte. Die d�stere Wand des Waldes wies keinerlei L�cke auf. �Was ich ihm zahlte, war durchaus genug.�</p><p>�Aber nicht um seine Fracht zu bezahlen�, erwiderte Elayne. �Nur, weil er ein Schmuggler ist, haben wir nicht das Recht, sie ihm abzunehmen.� Nynaeve fragte sich, ob die andere mit Juilin gesprochen habe. Wahrscheinlich aber nicht. Es lag wohl wieder an diesem Gesetz. �Au�erdem sehen gelbe Opale besonders in einer solchen Fassung zu protzig aus. Und es war es wert, einfach nur, um sein Gesicht zu sehen.� Elayne kicherte mit einemmal. �Diesmal hat er mich tats�chlich angesehen!� Nynaeve bem�hte sich, ernst zu bleiben, konnte aber ein Kichern ebenfalls nicht ganz unterdr�cken.</p><p>Thom war oben in der N�he der B�ume und versuchte, die beiden Jungen Marigans zum Lachen zu bringen, indem er mit bunten B�llen jonglierte, die er aus seinen �rmeln hervorgeholt hatte. Jaril und Seve sahen ihm schweigend <emphasis>zu,</emphasis> zuckten kaum mit einer Wimper und hielten sich aneinander fest. Nynaeve war nicht sehr �berrascht gewesen, als Marigan und Nicola sie gebeten hatten, sie begleiten zu d�rfen. Nicola sah jetzt wohl Thom ebenfalls zu und lachte entz�ckt, doch sie h�tte jeden Moment an Nynaeves Seite verbracht, h�tte die diesem Wunsch stattgegeben. Allerdings war sie �berrascht gewesen, da� auch Areina mitkommen wollte. Sie sa� allein ein St�ck entfernt auf einem umgest�rzten Baumstamm und beobachtete Birgitte, die ihren Bogen bespannte. Allen drei Frauen stand ein geh�riger Schreck bevor, wenn sie merkten, was in Salidar los war. Wenigstens w�rde Nicola dort ein Zuhause finden, und vielleicht bekam Marigan eine M�glichkeit, ihre Kr�uter loszuwerden, falls nicht zu viele Gelbe da waren.</p><p>�Nynaeve, hast du dar�ber nachgedacht, wie ... wir wohl dort empfangen werden?�</p><p>Nynaeve sah Elayne erstaunt an. Sie hatten fast die halbe Welt durchquert, und zweimal die Schwarzen Ajah besiegt. Sicher, in Tear hatten sie Hilfe bekommen, aber Tanchico war allein ihr Werk gewesen. Sie brachten Neuigkeiten von Elaida und der Burg mit, bei denen sie jede Wette angenommen h�tte, da� niemand in Salidar sie kannte. Und das Wichtigste war, da� sie diesen Schwestern helfen konnten, mit Rand Verbindung aufzunehmen. �Elayne, ich behaupte ja nicht, da� sie uns wie Helden empfangen werden, aber ich w�re nicht �berrascht, wenn sie uns mit K�ssen �berh�uften, bevor noch die Sonne sinkt.� Rand allein w�re das schon wert.</p><p>Zwei der barf��igen Matrosen sprangen aus dem Boot und hielten es gegen die Str�mung fest. Juilin und die Schienarer platschten ans Ufer, w�hrend die Matrosen wieder hineinkletterten. Auf der <emphasis>Wasserschlange</emphasis> holte man bereits den Anker ein.</p><p>�Bahnt uns einen Weg, Uno�, sagte Nynaeve. �Ich will schlie�lich vor Einbruch der Dunkelheit dort sein.� So, wie der Wald aussah mit all diesen Ranken und dem dichten Unterholz, mochte es durchaus so lange dauern. Falls Neres sie nicht doch hereingelegt hatte. Das bereitete ihr mehr Sorgen als alles andere.</p></section><section><title><p>50</p><p>Lehren und lernen</p></title><p>Etwa vier Stunden sp�ter r�hrte der Schwei�, der Nynaeve �ber das Gesicht rann, keineswegs mehr von der zu dieser Jahreszeit au�ergew�hnlichen Hitze her, und sie fragte sich, ob es nicht doch besser gewesen w�re, wenn Neres sie hereingelegt oder sich geweigert h�tte, sie weiter als bis Boannda zu bef�rdern. Der Sonnenschein dieses Sp�tnachmittags fiel schr�g durch Fenster herein, die zumeist Spr�nge aufwiesen. Nerv�s, ver�rgert und unruhig hielt sie die H�nde in ihren Rock verkrampft und bem�hte sich, jeden Blick hin�ber zu den sechs Aes Sedai an einem der stabilen Tische in der N�he der Wand zu vermeiden. Ihre M�nder bewegten sich lautlos, als sie hinter einer Abschirmung aus <emphasis>Saidar</emphasis> miteinander diskutierten. Elayne hielt das Kinn hoch, hatte die H�nde gelassen gefaltet, doch die w�rdevolle Erscheinung wurde durch die offensichtliche Anspannung um Augen und Mundpartie herum gemindert. Nynaeve war nicht sicher, ob sie �berhaupt wissen wollte, was diese Aes Sedai besprachen; ein Tiefschlag nach dem anderen hatte ihre hochgeschraubten Erwartungen zerst�rt. Sie war wie bet�ubt. Noch ein weiterer Schock, und sie w�rde vermutlich losschreien, ob nun aus Wut oder purer Hysterie.</p><p>Beinahe alles au�er ihrer Kleidung war auf dem Tisch ausgelegt, von Birgittes silbernem Pfeil, der vor der st�mmigen Morvrin lag, �ber die drei <emphasis>Ter'Angreal</emphasis> vor Sheriam bis zu den vergoldeten K�stchen, die gleich unter Myrelles dunklen Augen ruhten. Keine einzige dieser Frauen wirkte erfreut. Carlinyas Gesicht schien wie aus Eis gehauen, selbst die m�tterliche Anaiya hatte eine ernste Maske aufgesetzt, und in Beonins immer erstaunt wirkendem Blick aus den weit ge�ffneten Augen lag entschieden ein Hauch von Arger. �rger und noch etwas mehr. Manchmal streckte Beonin die Hand nach dem wei�en Tuch aus, das sie �ber das Cuendillar-Siegel gebreitet hatten, doch sie hielt jedesmal inne und zog die Hand wieder zur�ck.</p><p>Nynaeve ri� sich von dem Tuch los. Sie wu�te genau, an welchem Punkt alles angefangen hatte, schiefzugehen. Die Beh�ter, die sie im Wald umstellt hatten, waren h�flich, wenn auch k�hl gewesen, jedenfalls, nachdem sie Uno und die Schienarer dazu gebracht hatte, ihre Schwerter wegzustecken. Und Mins herzliche Begr��ung unter Lachen und Umarmungen hatte ihnen das Herz erw�rmt. Doch die Aes Sedai und andere auf den Stra�en waren so in ihre eigenen Aufgaben versunken gewesen, da� sie der von den Beh�tern hereinbegleiteten Gruppe keine Aufmerksamkeit schenkten. Salidar war ziemlich �berf�llt und an beinahe jedem freien Fleck �bten Bewaffnete sich im Kampf. Die erste Person au�er den Beh�tern und Min, die ihnen �berhaupt etwas Aufmerksamkeit gewidmet hatte, war die hagere Braune Schwester gewesen, zu der man sie f�hrte, hier in dem einstigen Schankraum eines Gasthauses. Sie und Elayne hatten die von ihnen vereinbarte Geschichte also Phaedrine Sedai erz�hlt, oder zumindest versucht, sie ihr zu erz�hlen. Nach f�nf Minuten lie� die Braune sie einfach stehen, nachdem sie ihnen noch befohlen hatte, sich nicht zu r�hren und auf keinen Fall ein Wort zu sprechen, auch nicht zueinander. Zehn weitere Minuten lang blickten sie einander verwirrt an, w�hrend um sie herum zwischen den Tischen, an denen Aes Sedai �ber Papieren br�teten und kurz angebunden Auftr�ge ausgaben, reger Betrieb von Aufgenommenen und wei�gekleideten Novizinnen, Beh�tern, Dienern und Soldaten herrschte, und dann hatte man sie so �berst�rzt vor Sheriam und die anderen gezerrt, da� es Nynaeve vorkam, als h�tten ihre F��e kaum mehr als zweimal den Boden ber�hrt. Und danach hatte das Verh�r begonnen. So ging man wohl eher mit Str�flingen um als mit heimkehrenden Heldinnen. Nynaeve tupfte ihr Gesicht ab, doch sobald sie das Taschentuch in ihren �rmel zur�ckgesteckt hatte, verkrampften sich ihre H�nde wieder in den Rock.</p><p>Sie und Elayne waren nicht die einzigen, die auf dem bunten Seidenteppich standen. Siuan, in einem einfachen blauen Wollkleid, h�tte sich ihrer Haltung nach freiwillig hier befinden k�nnen, h�tte Nynaeve es nicht besser gewu�t. So k�hl und absolut beherrscht stand sie da. Sie schien gedankenverloren und sorglos in die Welt zu blicken. Leane dagegen beobachtete wenigstens die Aes Sedai, erschien aber genauso selbstbewu�t. Sie wirkte sogar um einiges selbstbewu�ter, als Nynaeve sie in Erinnerung hatte. Und auch biegsamer, eleganter sah diese Frau mit der kupferfarbenen Haut aus, auf irgendeine Art lebendiger. Vielleicht lag es an ihrem schamlosen Kleid. Dieses bla�gr�ne Seidenkleid war genauso hochgeschlossen wie das blaue Siuans, aber nicht nur, da� es sich jeder Kurve ihres K�rpers anschmiegte, nein, der Stoff konnte nur noch mit �u�erstem Wohlwollen �berhaupt als �durchscheinend� bezeichnet werden. Doch es waren ihre Gesichter, die Nynaeve am meisten verbl�fften. Sie hatte ja �berhaupt nicht erwartet, eine von ihnen lebendig vorzufinden, und ganz gewi� noch weniger, da� sie so jung aussehen w�rden � nicht mehr als h�chstens ein paar Jahre �lter als sie selbst. Sie warfen sich gegenseitig noch nicht einmal einen Blick zu. Tats�chlich glaubte sie sogar, eine gewisse K�lte zwischen den beiden wahrzunehmen.</p><p>Und es gab noch etwas, das sich an ihnen ver�ndert hatte, obwohl Nynaeve das eben erst wahrzunehmen begann. Wenn auch alle, Min eingeschlossen, dieses Thema so gut wie m�glich umgangen hatten, machte doch auch niemand ein echtes Geheimnis daraus, da� die beiden der D�mpfung unterzogen worden waren. Nynaeve sp�rte etwas von dieser Leere. Vielleicht lag es daran, da� sie sich in einem Raum befand, in dem alle anderen Frauen f�hig waren, die Macht zu lenken, oder es lag an ihrem Wissen um die vollzogene D�mpfung, doch zum erstenmal war sie sich wirklich im Innersten dieser F�higkeiten bei Elayne und den anderen bewu�t. Und der Abwesenheit dieser F�higkeiten bei Siuan und Leane. Man hatte ihnen etwas abgenommen, abgeschnitten. Es war wie eine Wunde. Vielleicht die schlimmste Wunde, die eine Frau empfangen konnte.</p><p>Die Neugier �berkam sie. Welche Art von Wunde mochte das sein? Was genau hatte man ihnen abgeschnitten? Sie k�nnte die Warterei etwas verk�rzen und gleichzeitig den �rger ein wenig abbauen, der ihre Nervosit�t zu �berlagern begann... So griff sie nach <emphasis>Saidar.</emphasis></p><p>�Hat Euch irgend jemand die Erlaubnis erteilt, hier die Macht zu gebrauchen, Aufgenommene?� fragte Sheriam, und Nynaeve fuhr zusammen und lie� schleunigst die Wahre Quelle wieder los.</p><p>Die Aes Sedai mit den gr�nen Augen f�hrte die anderen zur�ck zu ihrem buntgemischten Sortiment an St�hlen, die so ausgerichtet auf dem Teppich standen, da� sich die vier stehenden Frauen im Mittelpunkt eines Halbkreises befanden. Ein paar nahmen Gegenst�nde vom Tisch mit. Sie setzten sich hin und blickten Nynaeve an. Ihre kurz aufgeflammten Gef�hle waren wieder der typischen Gelassenheit der Aes Sedai gewichen. Von keinem dieser alterslosen Gesichter war auch nur eine Spur der herrschenden Hitze abzulesen; kein einziger Schwei�tropfen, nicht einmal Feuchtigkeit war darauf zu sehen. Schlie�lich sagte Anaiya mit sanft tadelndem Unterton; �Ihr wart sehr lange schon von uns entfernt, Kind. Was Ihr in der Zwischenzeit auch gelernt habt � Ihr habt wohl auch einiges dabei vergessen.�</p><p>Err�tend knickste Nynaeve. �Vergebt mir, Aes Sedai. Ich wollte meinen Rang nicht �berschreiten.� Sie hoffte, sie w�rden glauben, es sei die Scham, die ihre Wangen gl�hen lie�. Sie war ja tats�chlich auch lange Zeit weg gewesen. Vor nur einem Tag hatte <emphasis>sie</emphasis> die Befehle erteilt, und die Leute sprangen, wenn sie es ihnen sagte. Jetzt war sie es, von der man das erwartete. Das tat weh.</p><p>�Ihr habt uns eine interessante ... Geschichte erz�hlt.� Carlinya glaubte offensichtlich nur sehr wenig davon. Die Wei�e Schwester drehte Birgittes silbernen Pfeil in den H�nden. �Und Ihr habt einige eigenartige Besitzt�mer an Euch gebracht.�</p><p>�Die Panarchin Amathera hat uns viele Geschenke mitgegeben, Aes Sedai�, sagte Elayne. �Sie hat anscheinend geglaubt, wir h�tten ihr den Thron gerettet.� Obwohl sie mit v�llig ruhiger Stimme sprach, bewegte sie sich auf �u�erst d�nnem Eis. Nynaeve war nicht die einzige, die sich �ber ihre � mehr oder weniger � Gefangenschaft �rgerte. Carlinyas glatte Gesichtsz�ge spannten sich.</p><p>�Ihr bringt beunruhigende Nachrichten�, sagte Sheriam. �Und einige beunruhigende ... Gegenst�nde.� Ihre leicht schr�g stehenden Augen blickten zum Tisch hin�ber, zu dem silbrigen <emphasis>A'dam,</emphasis> und dann wanderte ihr Blick zu Elayne und Nynaeve zur�ck. Seit sie erfahren hatten, was das war und wozu es ben�tzt wurde, behandelten die Aes Sedai das Ding wie eine lebende Giftschlange. Jedenfalls die meisten.</p><p>�Falls das Ding vollbringt, was diese Kinder davon behaupten�, sagte Morvrin geistesabwesend, �m�ssen wir es untersuchen. Und wenn Elavne wirklich der Meinung ist, sie k�nne einen <emphasis>Ter'Angreal</emphasis> herstellen... � Die Braune Schwester sch�ttelte den Kopf. Der gr��te Teil ihrer Aufmerksamkeit galt dem flachen Steinring mit Flecken und Streifen in Rot und Blau und Braun, den sie in einer Hand hielt. Die anderen beiden <emphasis>Ter'Angreal</emphasis> lagen auf ihrem breiten Scho�. �Ihr sagt Verin Sedai habe Euch das gegeben? Wieso wurde uns das nicht fr�her gesagt?� Die Frage galt nicht Nynaeve oder Elayne, sondern Siuan.</p><p>Siuan runzelte die Stirn, wirkte aber keineswegs so bissig, wie Nynaeve sie in Erinnerung hatte. Es lag sogar eine Andeutung von Unterw�rfigkeit in ihrer Haltung, als sei ihr bewu�t, da� sie mit H�hergestellten sprach, und das ging auch aus ihrem Tonfall hervor. Das war nun eine weitere Ver�nderung, die Nynaeve kaum glauben mochte. �Verin hat mir das nie gesagt. Ich w�rde ihr sehr gern ein paar Fragen stellen.�</p><p>�Und <emphasis>ich</emphasis> habe ein paar Fragen <emphasis>diesbez�glich.�</emphasis> Myrelles olivfarbenes Gesicht lief dunkel an, als sie ein wohlbekanntes Dokument entfaltete � warum hatten sie das nur aufgehoben? � und laut vorlas: �Was die Tr�gerin tut, geschieht auf meinen Befehl und kraft meiner Autorit�t. Gehorcht und schweigt auf meinen Befehl. Siuan Sanche, Beh�terin der Siegel, Flamme von Tar Valon, der Amyrlin-Sitz.� Sie zerkn�llte das Dokument mitsamt dem Siegel in einer Hand. �Wohl kaum etwas, das man Aufgenommenen in die Hand dr�ckt.�</p><p>�Zu jener Zeit wu�te ich nicht, wem ich �berhaupt vertrauen k�nne�, sagte Siuan verbindlich. Die sechs Aes Sedai blickten sie an. �Es lag damals durchaus in meiner Machtbefugnis.� Die sechs Aes Sedai zuckten mit keiner Wimper. Ihre Stimme klang niedergeschlagen und verst�ndnisheischend: �Ihr k�nnt mich nicht f�r das zur Verantwortung ziehen, was ich zu einer Zeit tun mu�te, als ich das Recht dazu hatte. Wenn das Boot sinkt, verstopft man das Leck mit allem, was man zur Hand hat.�</p><p>�Und warum habt Ihr uns nichts davon gesagt?� fragte Sheriam ruhig, doch mit einer Andeutung von Stahl in der Stimme. Als Herrin �ber die Novizinnen hatte sie auch niemals die Stimme erhoben, aber manchmal w�nschte man sich, sie w�rde schreien. �Drei Aufgenommene � Aufgenommene! � aus der Burg schicken, um dreizehn voll ausgebildete Schwarze Schwestern zu suchen! Ben�tzt Ihr Kleinkinder, um das Leck in Eurem Boot zu stopfen, Siuan?�</p><p>�Wir sind ja wohl kaum Kleinkinder�, warf Nynaeve hitzig ein. �Mehrere dieser dreizehn sind tot, und wir haben zweimal ihre Pl�ne zunichte gemacht. In Tear haben wir... �</p><p>Carlinya schnitt ihr das Wort wie mit einem eisigen Messer ab: �Ihr habt uns bereits alles �ber Tear berichtet, Kind. Und �ber Tanchico. Und wie ihr Moghedien besiegt habt.� Sie verzog den Mund h�misch. Sie hatte Nynaeve bereits gesagt sie sei eine N�rrin, sich auch nur auf eine Meile einer der Verlorenen zu n�hern, und sie habe Gl�ck gehabt, mit dem Leben davonzukommen. Carlinya wu�te gar nicht, wie recht sie hatte, denn schlie�lich hatten sie ihnen nicht alles berichtet, und deshalb zog sich Nynaeves Magen doch etwas zusammen. �Ihr seid Kinder und habt Gl�ck, wenn wir uns entschlie�en, Euch nicht �bers Knie zu legen. Jetzt gebt Ruhe, bis man Euch zu reden gestattet.� Nynaeve lief tiefrot an, hoffte, sie s�hen es als blo�e Verlegenheit an, und schwieg.</p><p>Sheriam hatte den Blick nicht von Siuan gewandt. �Also? Warum habt Ihr nichts davon berichtet, da� Ihr drei Kinder auf die Jagd nach L�wen gesandt habt?�</p><p>Siuan holte tief Luft, faltete dann aber die H�nde und neigte dem�tig den Kopf. �Es schien mir nicht wesentlich, Aes Sedai, in Anbetracht so vieler wichtiger Dinge. Ich habe nichts f�r mich behalten, wenn es auch nur den leisesten Grund gab, davon zu berichten. Ich habe jede Einzelheit berichtet, die ich �ber die Schwarzen Ajah wu�te. Ich habe seit einiger Zeit nicht mehr gewu�t, wo sich diese beiden aufhielten und was sie vorhatten. Das Wichtige ist doch nur, da� sie jetzt hier sind und diese drei <emphasis>Ter'Angreal</emphasis> dabeihaben. Es mu� Euch doch klar sein, was es bedeutet Zutritt zu Elaidas Arbeitszimmer und zu ihren Papieren zu haben, wenn auch vielleicht nur bruchst�ckhaft. Ihr h�ttet sonst niemals erfahren, da� sie wei�, wo Ihr euch aufhaltet, bevor es zu sp�t w�re.�</p><p>�Das ist uns klar�, sagte Anaiya und sah Morvrin an, die immer noch mit finsterem Blick den Ring betrachtete. �Lediglich die angewandten Mittel, um dies zu erreichen, �berraschen uns doch etwas.�</p><p><emphasis>�Tel'aran'rhiod�,</emphasis> hauchte Myrelle. �Also, das war nur noch eine Angelegenheit, �ber die man unter Gelehrten in der Burg diskutierte, beinahe schon eine Legende. Und Traumg�ngerinnen unter den Aiel. Wer h�tte sich vorgestellt, da� die Weisen Frauen der Aiel die Macht lenken k�nnen, geschweige denn dies?�</p><p>Nynaeve w�re es lieber gewesen, sie h�tten das geheimhalten k�nnen, so, wie sie ja auch Birgittes wahre Identit�t und ein paar andere Dinge geheimgehalten hatten, aber es war schwierig, nichts entschl�pfen zu lassen, wenn man von Frauen verh�rt wurde, deren Blicke allein schon L�cher in Steine bohren konnten, wenn sie das w�nschten. Nun, sie konnten sich wohl gl�cklich sch�tzen, wenigstens einiges f�r sich behalten zu haben. Sobald sie einmal <emphasis>Tel'aran'rhiod</emphasis> erw�hnt hatten und ihre F�higkeit, es zu betreten, h�tte eher eine Maus die Katze auf den Baum treiben k�nnen, bevor <emphasis>sie</emphasis> mit Fragen aufh�rten.</p><p>Leane trat einen halben Schritt vor und blickte betont an Siuan vorbei. �Das Wichtigste ist, da� Ihr mit Hilfe dieser <emphasis>Ter'Angreal</emphasis> mit Egwene sprechen k�nnt und durch sie mit Moiraine. Mit ihrer Hilfe solltet Ihr nicht nur in der Lage sein, Rand al'Thor im Auge zu behalten, Ihr solltet ihn sogar noch in Cairhien beeinflussen k�nnen.�</p><p>�Wohin er sich von der Aiel-W�ste aus wandte�, sagte Siuan, �wie ich es vorausgesagt hatte.� Falls ihr Blick und ihre Worte den Aes Sedai galten, war ihr bei�ender Tonfall ganz eindeutig Leane gewidmet, die nur kurz knurrte: �Das hat ja auch geholfen. Zwei Aes Sedai in die W�ste geschickt, um Enten zu jagen.�</p><p>O ja, ganz entschieden hatte sich das Verh�ltnis der beiden zueinander abgek�hlt.</p><p>�Genug, Kinder�, sagte Anaiya, so, als w�ren sie wirklich noch Kinder und sie eine an die �blichen Streitigkeiten gew�hnte Mutter. Sie blickte die anderen Aes Sedai bedeutungsvoll an. �Es ist eine sehr gute Sache, da� wir in der Lage sein werden, mit Egwene zu sprechen.�</p><p>�Falls diese so funktionieren, wie es behauptet wird�, sagte Morvrin. Sie lie� den Ring auf ihrer Handfl�che auf- und abh�pfen und tastete gleichzeitig nach den anderen <emphasis>Ter'Angreal</emphasis> auf ihrem Scho�. Diese Frau w�rde ohne Beweis nicht einmal glauben, da� der Himmel blau sei.</p><p>Sheriam nickte. �Ja. Das wird Eure erste Aufgabe sein, Elayne, Nynaeve. Ihr werdet eine Gelegenheit bekommen, Aes Sedai in ihrem Gebrauch zu unterweisen.�</p><p>Nynaeve knickste und fletschte die Z�hne. Sie konnten es ja als L�cheln betrachten, wenn es ihnen gefiel. Sie unterweisen? Ja, und hinterher w�rden sie den Ring oder die anderen niemals mehr zur�ckbekommen. Elaynes Knicks fiel noch d�rftiger aus, und ihr Gesicht war wie eine k�hle Maske. Ihr Blick wanderte beinahe sehnsuchtsvoll zu diesem idiotischen <emphasis>A'dam</emphasis> hin�ber.</p><p>�Die Kreditbriefe sind n�tzlich�, sagte Carlinya. Bei aller f�r die Wei�en Ajah typischen K�hle und Logik zeigte sich doch an der Art, wie sie knapp und abgehackt sprach, eine gewisse Nervosit�t. �Gareth Bryne verlangt mehr Gold, als wir besitzen, aber damit k�nnten wir fast alles auftreiben, um ihn zufriedenzustellen.�</p><p>�Ja�, pflichtete Sheriam ihr bei. �Und wir m�ssen auch das meiste an Bargeld zur�ckbehalten. Es gibt zu viele hungrige M�uler zu stopfen und von Tag zu Tag � hier wie anderswo � mehr Menschen zu bekleiden.�</p><p>Elayne nickte gn�dig und tat so, als wollten sie das Geld auf keinen Fall zur�ckhaben, was immer Sheriam auch sagte. Nynaeve wartete ab, was noch kommen w�rde. Gold und Kreditbriefe und sogar die <emphasis>Ter'Angreal</emphasis> waren nur ein Teil des Ganzen.</p><p>�Was alles andere angeht�, fuhr Sheriam fort, �sind wir uns einig, da� Ihr die Burg auf Befehl verlassen habt, wenn es auch falsch war, und daf�r kann man Euch nicht zur Rechenschaft ziehen. Jetzt, da Ihr euch wieder bei uns und in Sicherheit befindet, werdet Ihr eure Studien wieder aufnehmen.�</p><p>Nynaeve atmete ganz langsam aus, nachdem sie die Luft angehalten hatte. Sie hatte nichts anderes erwartet, seit ihr Verh�r begonnen hatte. Nicht, da� es ihr pa�te, aber ausnahmsweise einmal w�rde niemand in der Lage sein, ihr vorzuwerfen, sie k�nne sich nicht beherrschen. Nicht jetzt, wo ihr das aller Wahrscheinlichkeit nach nicht helfen k�nnte.</p><p>Elayne allerdings platzte mit einem scharfen: �Aber...!� heraus, was Sheriam jedoch sofort mit gleicher Sch�rfe unterband.</p><p>�Ihr werdet Eure Studien wieder aufnehmen. Ihr seid wohl beide sehr stark, aber eben noch keine Aes Sedai.� Diese gr�nen Augen hielten sie fest, bis sie sicher war, voll und ganz verstanden worden zu sein, und dann sprach sie mit milderer Stimme weiter. Milder, doch fest und energisch. �Ihr seid zu uns zur�ckgekehrt, und auch wenn Salidar nicht die Wei�e Burg ist, sollt Ihr es dennoch als solche betrachten. Ihr habt uns in der letzten Stunde sehr viel berichtet, und es ist klar, da� Ihr noch um ein Betr�chtliches mehr zu berichten habt.� Nynaeve stockte der Atem, doch Sheriams Blick wanderte zu dem <emphasis>A'dam</emphasis> zur�ck. �Wie schade, da� Ihr diese Seanchanfrau nicht mitgebracht habt. Das h�ttet Ihr wirklich tun sollen.� Aus irgendeinem Grund lief Elayne puterrot an und wirkte �rgerlich zugleich. Was sie selbst betraf, war Nynaeve nur deshalb erleichtert, weil die Frau lediglich von der Seanchan gesprochen hatte. �Aber man kann Aufgenommenen nicht vorwerfen, da� sie noch nicht wie Aes Sedai denken�, fuhr Sheriam fort. �Siuan und Leane werden ebenfalls viele Fragen an Euch haben. Ihr werdet mit ihnen zusammenarbeiten und alles nach bestem Wissen beantworten. Ich denke, ich mu� Euch nicht daran erinnern, da� Ihr ihren augenblicklichen Zustand nicht ausn�tzt. Einige Aufgenommene und sogar ein paar Novizinnen wollten sie f�r die Ereignisse verantwortlich machen und sogar eigenh�ndig bestrafen.� Aus dem milden Tonfall wurde blanker Stahl. �Diese jungen Frauen tun sich jetzt selbst sehr, sehr leid. Mu� ich noch mehr hinzuf�gen?�</p><p>Nynaeve hatte es keineswegs eiliger als Elayne, ihr zu versichern, da� sie nichts hinzuf�gen m�sse, und das hie�, sie �berschlugen sich beinahe, um ihre Beteuerungen schnell herauszubekommen. Nynaeve hatte erst gar nicht daran gedacht, Schuldzuweisungen vorzunehmen, denn ihrer Meinung nach lag die Schuld f�r alles sowieso bei allen Aes Sedai, aber sie wollte auch nicht, da� Sheriam b�se auf sie war. Als ihr das selbst klar wurde, stie� ihr die Wirklichkeit sauer auf: Die Tage ihrer Freiheit waren wohl endg�ltig vor�ber.</p><p>�Gut, nun m�gt Ihr die Juwelen an Euch nehmen, die Euch die Panarchin schenkte, und den Pfeil � wenn Zeit daf�r ist, m��t Ihr mir erz�hlen, warum sie Euch ein solches Geschenk machte � und gehen. Eine der anderen Aufgenommenen wird Euch Schlafpl�tze suchen. Es wird vermutlich schwieriger werden, Eurem Rang entsprechende Kleidung aufzutreiben, doch man wird Kleider f�r Euch finden. Ich erwarte, da� Ihr eure ... Abenteuer ... nun hinter Euch zur�ckla�t und Euch wieder problemlos einf�gt.� Klar, wenn auch unausgesprochen, blieb die Drohung, da� sie Probleme bekommen w�rden, sollten sie sich nicht wieder einf�gen. Sheriam nickte zufrieden, als sie sah, da� beide begriffen hatten.</p><p>Beonin hatte kein Wort gesagt, seit die <emphasis>Saidar-Abschirmung</emphasis> aufgel�st worden war, doch als nun Nynaeve und Elayne zum Abschied knicksten, erhob sich die Graue Schwester und schritt zu dem Tisch hin�ber, auf dem ihre Sachen ausgebreitet lagen. �Und wie steht es damit?� wollte sie im schwerf�lligen Taraboner Dialekt wissen. Sie ri� das Tuch weg, mit dem sie das Siegel zum Gef�ngnis des Dunklen K�nigs bedeckt hatten. Zur Abwechslung blickten ihre blaugrauen Augen einmal eher zornig als �berrascht drein. �Wird es keine weiteren Fragen mehr dazu geben? Habt Ihr alle vor, dies zu ignorieren?� Da lag die schwarz und wei� unterteilte Scheibe vor ihnen, neben dem Waschlederbeutel, in ein Dutzend oder mehr St�cke zerbrochen und wie ein Puzzle zusammengef�gt, so gut das eben m�glich war.</p><p>�Es war noch ganz, als wir es in die Tasche steckten.� Nynaeve schwieg einen Moment, weil ihr Mund pl�tzlich wie ausgetrocknet war. So sehr sie auch vorher jeden Blick zu dem Tuch hin vermieden hatte, so sehr klebte ihr Blick nun an dem Siegel fest. Leane hatte h�misch gegrinst, als sie das rote Kleid sah, mit dem sie das Siegel umwickelt gehabt hatte, und sie hatte gesagt... Nein, nicht noch einmal davor weglaufen, nicht einmal in Gedanken! �Warum h�tten wir besonders darauf achtgeben sollen? Es ist aus <emphasis>Cuendillar!�</emphasis></p><p>�Wir haben es nicht mehr angesehen oder ber�hrt�, sagte Elayne atemlos, �als unbedingt sein mu�te. Es hat ein schmutziges, b�ses Gef�hl ausgestrahlt.� Jetzt nicht mehr. Carlinya hatte jeder von ihr ein Bruchst�ck in die Hand gedr�ckt und zu wissen verlangt, von welchem schlimmen Gef�hl sie da spr�chen.</p><p>Sie hatten das alles bereits zuvor gesagt, mehr als einmal, und jetzt beachtete niemand mehr ihre Worte.</p><p>Sheriam erhob sich und stellte sich neben die Graue mit dem honigfarbenen Haar. �Wir ignorieren nichts, Beonin. Es n�tzt aber nichts, wenn wir diesen M�dchen noch mehr Fragen stellen. Sie haben uns alles gesagt, was sie wissen.�</p><p>�Weitere Fragen sind immer gut�, sagte Morvrin, aber sie hatte wenigstens aufgeh�rt, mit dem <emphasis>Ter'Angreal</emphasis> herumzuspielen, und starrte nun genauso angestrengt wie die anderen das zerbrochene Siegel an. Es mochte ja aus <emphasis>Cuendillar</emphasis> bestehen � sowohl sie wie Beonin hatten es untersucht und waren sich einig dar�ber �, und doch hatte sie eines der Bruchst�cke mit eigenen H�nden weiter zerbrochen.</p><p>�Wie viele der sieben halten noch?� fragte Myrelle leise, als f�hre sie ein Selbstgespr�ch. �Wie lange noch, bis der Dunkle K�nig ausbricht und die Letzte Schlacht beginnt?� Jede Aes Sedai beteiligte sich im Grunde an allen Aufgaben, je nach ihren Talenten und Neigungen, und doch hatte auch jede Ajah ihre ganz eigene Existenzberechtigung. Gr�ne, die sich selbst als Kampf-Ajah bezeichneten, sahen ihren Lebenszweck darin, sich f�r die Letzte Schlacht bereitzuhalten und dort den neuen Schattenlords gegen�berzutreten. In Myrelles Stimme lag fast etwas wie Vorfreude.</p><p>�Drei�, sagte Anaiya mit br�chiger Stimme. �Drei halten noch. Falls wir alles wissen. La�t uns beten, da� uns alles bekannt ist. La�t uns beten, da� drei ausreichen.�</p><p>�La�t uns beten, da� diese drei st�rker sind als das hier�, knurrte Morvrin. <emphasis>�Cuendillar</emphasis> kann man doch nicht so einfach zerbrechen. Nicht, wenn es noch <emphasis>Cuendillar</emphasis> ist. Das geht doch nicht.�</p><p>�Wir sprechen �ber alles zu seiner Zeit�, sagte Sheriam. �Nachdem wir einige vorrangige Dinge erledigt haben, die f�r uns l�sbare Aufgaben darstellen.� Sie nahm Beonin das Tuch ab und bedeckte das zerbrochene Siegel wieder. �Siuan, Leane, wir sind zu einer Entscheidung gekommen, was<emphasis>... �</emphasis> Sie hielt inne, als sie sich umdrehte und Elayne und Nynaeve bemerkte. �Hat man Euch nicht gesagt, Ihr solltet gehen?� Trotz aller �u�eren Ruhe machte sich der Aufruhr in ihrem Innern bemerkbar. Sie hatte glatt ihre Anwesenheit vergessen.</p><p>Nynaeve war nur zu schnell dabei, noch einmal zu knicksen und mit einem hastigen �Mit Eurer Erlaubnis, Aes Sedai� zur T�r zu eilen. Unbeweglich beobachteten die Aes Sedai und Siuan und Leane, wie sie und Elayne hinaustraten. Nynaeve f�hlte ihre Blicke, als sch�ben sie sie hinaus. Elayne war kein bi�chen langsamer, obwohl sie dem <emphasis>A'dam</emphasis> schnell noch einen Blick zuwarf.</p><p>Sobald Nynaeve die T�r geschlossen hatte und sich erleichtert an deren rohe, ungestrichene Bretter lehnte, den vergoldeten Kasten an die Brust gedr�ckt, konnte sie zum erstenmal, wie es ihr schien, wieder tief und ungehemmt durchatmen, seit sie den alten Steinbau der Schenke betreten hatten. Sie wollte nicht �ber das zerbrochene Siegel nachdenken. Noch ein zerbrochenes Siegel. Nein, kein weiterer Gedanke daran! Diese Frauen konnten mit ihren Blicken Schafe scheren. Beinahe freute sie sich auf das erste Zusammentreffen dieser Aes Sedai mit den Weisen Frauen, jedenfalls, wenn sie nicht gerade zwischen beiden Gruppen stand. Es war ihr schon mehr als schwer gefallen, als sie zur Burg kam, sich zu beugen und zu tun, was man ihr befahl. Nach den langen Monaten, w�hrend derer sie die Befehle erteilt hatte, nun, meist nach Beratung mit Elayne, wu�te sie nicht wie sie es verkraften w�rde, wieder vor den anderen auf dem Bauch zu kriechen.</p><p>Der Schankraum mit seiner schlecht ausgebesserten Gipsdecke und den beinahe zusammenbrechenden kalten Kaminen war der gleiche Bienenstock wie zuvor, als man sie hereingef�hrt hatte. Jetzt schenkte ihnen niemand mehr besondere Beachtung und sie ihnen ebensowenig. Eine kleine Gruppe erwartete sie und Elayne.</p><p>Thom und Juilin, die auf einer grob gezimmerten Bank an einer Wand sa�en, von der der Putz abbl�tterte, hatten die K�pfe mit Uno zusammengesteckt der vor ihnen am Boden hockte. Das lange Heft seines Schwertes ragte �ber seine Schulter empor. Areina und Nicola, die beide erstaunt ihre Umgebung anstarrten und sich vergebens bem�hten, das zu verbergen, sa�en mit Marigan zusammen auf einer weiteren Bank. Marigan wiederum beobachtete Birgittes Versuche, Jaril und Seve zu unterhalten. Sie jonglierte ungeschickt mit drei bunten Holzb�llen, die sie wohl von Thom bekommen hatte. Min kniete hinter den Jungen und kitzelte sie, fl�sterte ihnen auch etwas ins Ohr, aber sie klammerten sich dennoch aneinander und blickten schweigend mit diesen viel zu gro�en Augen in die Welt.</p><p>Nur zwei andere im ganzen Raum eilten nicht gesch�ftig umher. Zwei von Myrelles drei Beh�tern lehnten wie zuf�llig ein paar Schritte hinter den B�nken, aber noch vor dem Hinterausgang zum K�chenflur an der Wand und unterhielten sich: Croi Makin, ein blonder junger Kerl aus Andor mit einem feingeschnittenen Profil, und Avar Hachami mit einer Adlernase und einem kantigen Kinn, dessen angegrauter Schnurrbart aussah wie zwei nach unten gekr�mmte B�ffelh�rner. Niemand konnte behaupten, Hachami sehe irgendwie gut aus, aber der Blick aus seinen dunklen Augen lie� die meisten erst einmal schlucken. Nat�rlich sahen sie keineswegs Uno oder Thom oder sonst jemanden direkt an. Es war ja nur reiner Zufall, da� sie nichts zu tun und daf�r gerade diesen Fleck ausgew�hlt hatten.</p><p>Birgitte lie� einen der B�lle fallen, als sie Nynaeve und Elayne sah. �Was habt ihr ihnen gesagt?� fragte sie leise und sah den silbernen Pfeil in Elaynes Hand kaum an. Der K�cher hing an ihrem G�rtel, doch ihren Bogen hatte sie an die Wand gelehnt.</p><p>Nynaeve trat naher zu ihr heran und mied sorgf�ltig jeden Blick in Richtung Makin und Hachami. Genauso vorsichtig senkte sie die Stimme und vermied jede besondere Betonung. �Wir sagten ihnen alles, wonach sie uns fragten.�</p><p>Elayne ber�hrte Birgitte am Arm. �Sie wissen, da� du eine gute Freundin bist, die uns geholfen hat. Du bist hier willkommen und kannst bleiben, genau wie Areina, Nicola und Marigan.�</p><p>Erst als etwas von der Anspannung aus Birgitte wich, erkannte Nynaeve, wie nerv�s die Frau mit den blauen Augen gewesen war. Sie hob schnell den heruntergefallenen gelben Ball auf und warf mit einer geschmeidigen Bewegung alle drei zu Thom zur�ck, der sie nacheinander mit einer Hand aus der Luft schnappte und sie mit einer einzigen kurzen Bewegung verschwinden lie�. Auf ihrer Miene zeigte sich der Anflug eines erleichterten Grinsens.</p><p>�Ich kann euch gar nicht sagen, wie froh ich bin, euch beide hier zu sehen�, sagte Min mindestens zum vierten oder f�nften Mal. Ihr Haar war l�nger als fr�her, wenn es auch noch wie eine dunkle Kappe um ihren Kopf lag, und auf irgendeine andere Art wirkte sie ebenfalls ver�ndert, ohne da� Nynaeve h�tte sagen k�nnen, wie. �berraschenderweise waren die Aufschl�ge ihrer Jacke offensichtlich ganz neu mit Blumen bestickt; fr�her hatte sie immer nur einfache Kleidung ohne jeden Zierrat getragen. �Hier sind freundliche Gesichter sehr rar.� Ihr Blick huschte einen ganz kurzen Augenblick lang zu den Beh�tern hin�ber. �Wir m�ssen uns irgendwo hinsetzen und ausf�hrlich miteinander sprechen. Ich kann es nicht erwarten, zu h�ren, was ihr alles erlebt habt, seit ihr aus Tar Valon abgereist seid.� Und zu berichten, was sie erlebt hatte, wenn sich Nynaeve nicht gewaltig irrte.</p><p>�Ich w�rde auch sehr gern mit dir sprechen�, sagte Elayne in sehr ernstem Tonfall. Min blickte sie forschend an, seufzte dann und nickte, wenn auch nicht so begierig wie noch einen Augenblick zuvor.</p><p>Thom, Juilin und Uno traten nun hinter Birgitte und Min. Ihre Mienen waren die von M�nnern, die Dinge zu sagen hatten, die eine Frau nicht gerne h�ren w�rde. Bevor sie allerdings den Mund aufmachen konnten, schob sich eine Frau mit lockigem Haar im Kleid einer Aufgenommenen zwischen Juilin und Uno durch, funkelte sie zornig an und pflanzte sich vor Nynaeve auf.</p><p>Faolains Kleid mit den sieben Farbstreifen am Saum f�r die verschiedenen Ajah war nicht ganz so sauber, wie es sein sollte, und ihr dunkelh�utiges Gesicht trug einen finsteren Ausdruck. �Ich bin �berrascht, Euch hier anzutreffen, Wilde. Ich glaubte. Ihr w�rt in Euer Dorf zur�ckgerannt und unsere feine TochterErbin zu ihrer Mutter.�</p><p>�Geht Ihr immer noch Eurem Hobby nach, Milch zu s�uern, Faolain?� fragte Elayne s��lich.</p><p>Nynaeve bem�hte sich, ihre freundliche Miene zu bewahren. Es gelang ihr auch beinahe. Zweimal war Faolain damals in der Burg beauftragt worden, ihr Unterricht zu erteilen. Ihrer eigenen Meinung nach, um ihr ihren Platz zuzuweisen. Wenn sowohl Lehrerin wie auch Sch�lerin Aufgenommene waren, besa� die Lehrerin f�r die Dauer des Unterrichts oder der Lektion den Status einer Aes Sedai, und das n�tzte Faolain weidlich aus. Die Frau mit dem Lockenkopf war acht Jahre lang Novizin gewesen und nun bereits seit f�nf Jahren Aufgenommene. Es pa�te ihr nat�rlich �berhaupt nicht, da� Nynaeve gar nicht erst Novizin werden mu�te oder da� Elayne das wei�e Kleid der Novizinnen nur weniger als ein Jahr getragen hatte. Zwei Lektionen durch Faolain hatten zweimal den Weg in Sheriams Arbeitszimmer f�r Nynaeve bedeutet, weil sie widerspenstig gewesen sei, launisch... Die Liste war so lang wie ihr Arm. Sie sprach betont leichthin: �Wie ich h�rte, sind Siuan und Leane von irgend jemandem schlecht behandelt worden. Ich denke, Sheriam will in dieser Angelegenheit ein f�r allemal ein Exempel statuieren.� Sie blickte der anderen fest in die Augen, und die weiteten sich vor Schreck.</p><p>�Ich habe nichts getan, seit Sheriam...� Faolains Mund klappte zu, und sie lief hochrot an. Min verbarg ihren Mund hinter einer vorgehaltenen Hand, und Faolain ri� den Kopf herum. Sie musterte die anderen Frauen, von Birgitte bis Marigan. Dann bedeutete sie mit herrischer Geste Nicola und Areina, mitzukommen. �Ihr zwei werdet gen�gen, denke ich. Kommt mit mir. Sofort. Keine Tr�delei.� Sie erhoben sich langsam. Areina blickte sie mi�trauisch an, und Nicola nestelte an ihrem Kleid herum.</p><p>Elayne trat zwischen sie und Faolain und kam damit Nynaeve zuvor. Ihr Kinn hielt sie hoch und ihr wahrhaft majest�tischer Blick wirkte wie blaues Eis. �Was wollt Ihr von ihnen?�</p><p>�Ich gehorche Sheriam Sedais Befehl�, antwortete Faolain. �Ich bin ja der Meinung, sie sind zu alt f�r eine �berpr�fung, aber ich folge meinem Befehl. Auch die Werber Lord Brynes werden von einer Schwester begleitet, die sogar noch Frauen im Alter Nynaeves auf das Talent �berpr�ft.� Ihr pl�tzliches L�cheln h�tte das einer Viper sein k�nnen. �Soll ich Sheriam Sedai davon unterrichten, da� Ihr das mi�billigt, Elayne? Soll ich ihr sagen, da� Ihr eure <emphasis>Gefolgsleute</emphasis> nicht �berpr�fen la�t?� W�hrend sie sprach, senkte sich Elaynes Kinn ein wenig, aber sie konnte jetzt nat�rlich keinen R�ckzieher machen. Sie ben�tigte eine Ablenkung.</p><p>Nynaeve ber�hrte Faolain an der Schulter. �Haben sie viele gefunden?�</p><p>Unwillk�rlich drehte die Frau den Kopf ein wenig, und als sie sich zur�ckwandte, beruhigte Elayne gerade Areina und Nicola und erkl�rte ihnen, man werde ihnen nichts tun und sie zu nichts zwingen. Soweit w�re Nynaeve gar nicht gegangen. Wenn die Aes Sedai eine Frau fanden, die wie Elayne oder Egwene mit diesem Funken geboren worden war und die irgendwann einmal, absichtlich oder nicht, die Macht ben�tzen w�rde, dann packten sie sie und steckten sie in die Ausbildung, ob sie selbst das wollte oder nicht. Etwas nachl�ssiger schienen sie mit Frauen umzugehen, die man wohl ausbilden konnte, die aber ohne eine gr�ndliche Schulung von selbst <emphasis>Saidar</emphasis> niemals erreichen konnten; und ebenso mit Wilden, die jene Eins-zu-vier-Chance �berlebt und sich selbst das meiste beigebracht hatten, gew�hnlich ohne da� ihnen �berhaupt bewu�t war, was sie taten, und die oftmals auf irgendeine Weise blockiert waren, so wie Nynaeve. Angeblich konnten diese w�hlen, ob sie kommen oder bleiben wollten. Nynaeve hatte sich f�r die Burg entschieden, aber sie vermutete, man h�tte sie sonst auch gegen ihren Willen hingebracht, und wenn man sie an H�nden und F��en h�tte fesseln m�ssen. Die Aes Sedai lie�en Frauen, die eine auch noch so geringe M�glichkeit zeigten, eine von ihnen zu werden, nicht mehr Chancen als einem Lamm an einem Festtag.</p><p>�Drei�, sagte Faolain nach kurzem Nachdenken. �All diese M�he, und sie haben nur drei gefunden. Eine davon war eine Wilde.� Sie konnte Wilde wirklich nicht leiden. �Ich wei� nicht, warum sie sich so anstrengen, neue Novizinnen zu bekommen. Die Novizinnen hier bei uns k�nnen ja ohnehin nicht erhoben werden, bis wir die Burg zur�ckgewinnen. Das ist alles Siuan Sanches Schuld, ihre und die Leanes.� Ein Muskel in ihrer Wange zuckte, als ihr bewu�t wurde, da� diese Bemerkung als feindselig der fr�heren Amyrlin und der ehemaligen Beh�terin gegen�ber aufgefa�t werden konnte, und so packte sie schnell Areina und Nicola an den Armen. �Kommt mit. Ich folge den Befehlen, und wenn Ihr �berpr�ft werden sollt, dann werdet ihr es eben, ob man damit Zeit verschwendet oder nicht.�</p><p>�Eine b�se Frau�, murmelte Min und schielte hinter Faolain her, als sie die beiden durch den Schankraum zerrte. �Man sollte denken, falls es noch Gerechtigkeit gibt, h�tte sie eine �u�erst ungem�tliche Zukunft vor sich.�</p><p>Nynaeve h�tte Min gern gefragt, welche Vision sie bei dieser Aufgenommenen mit dem Lockenkopf gehabt hatte � sie wollte ihr am liebsten hundert Fragen stellen �, aber nun pflanzten sich Thom und die anderen beiden M�nner entschlossen vor ihr und Elayne auf, Juilin und Uno auf einer Seite, Thom auf der anderen, damit sie nach allen Richtungen blicken konnten. Birgitte f�hrte inzwischen Jaril und Seve zu ihrer Mutter und hielt diese so von ihrer Gruppe fern. Min wu�te offensichtlich auch, was die M�nner vorhatten, so bedauernd schaute sie sie an. Sie schien etwas sagen zu wollen, aber am Ende zuckte sie lediglich die Achseln und schlo� sich Birgitte an.</p><p>Thoms Gesichtsausdruck nach h�tte er �ber das Wetter sprechen k�nnen oder fragen, was es zum Abendessen gebe. V�llig nebens�chliche Dinge. �Dieser Ort steckt voll von gef�hrlichen Narren und Tr�umern. Sie glauben, Elaida absetzen zu k�nnen. Deshalb befindet sich Gareth Bryne hier. Er soll ein Heer f�r sie aufstellen.�</p><p>Juilins Grinsen war unwahrscheinlich breit. �Keine Narren. Verr�ckte � Frauen wie M�nner. Es ist mir v�llig gleich, selbst wenn Elaida schon geherrscht h�tte, als Logain geboren wurde. Sie spinnen, wenn sie glauben, von hier aus eine Amyrlin vorn Thron st�rzen zu k�nnen, die sicher in der Wei�en Burg sitzt. Wir k�nnten vielleicht in einem Monat in Cairhien sein.�</p><p>�Ragan und die anderen haben sich bereits Pferde ausgesucht, die sie ... borgen ... k�nnten.� Auch Uno grinste, was ganz im Widerspruch zu dem b�se blickenden roten Auge auf seiner Augenklappe stand. �Die Wachen wurden so aufgestellt, da� sie nach Leuten Ausschau halten, die herkommen, aber nicht nach solchen, die weggehen. Wir k�nnten sie im Wald abh�ngen. Es wird bald dunkel. Sie finden uns nie.� Als die Frauen noch nach Verlassen des Schiffes am Flu�ufer ihre Gro�en Schlangenringe �bergestreift hatten, hatte das eine bemerkenswerte Auswirkung auf seine Ausdrucksweise gehabt. Allerdings schien er das �wiedergutmachen� zu wollen, wenn er glaubte, sich au�erhalb ihrer H�rweite zu befinden.</p><p>Nynaeve sah Elayne an, die den Kopf leicht sch�ttelte. Elayne w�rde alles daf�r geben, Aes Sedai zu werden. Und sie selbst? Die Chance, die Aes Sedai dazu zu bringen, Rand zu unterst�tzen, war wohl sehr gering, falls sie sich wirklich endg�ltig entschlossen hatten, ihn unter ihre Kontrolle zu bringen. �berhaupt keine Chance, wenn sie es realistisch beurteilte. Und doch... Und doch gab es da die Kunst, mit Hilfe der Macht zu heilen. In Cairhien konnte sie das nicht erlernen, aber hier... Keine zehn Schritt von ihr entfernt hakte Therva Maresis, eine schlanke Gelbe mit langer Nase, methodisch mit ihrer Feder Punkte auf einer Liste ab, die auf Pergament geschrieben war. Ein kahlk�pfiger Beh�ter mit schwarzem Vollbart unterhielt sich im Stehen in der N�he der T�r mit Nisao Dachen. Er �berragte sie um mehr als Hauptesl�nge, obwohl er keineswegs gr��er als der Durchschnitt war. Dagdara Finchey, so st�mmig wie der kr�ftigste Mann im Raum und gr��er als die meisten, sprach vor einem der feuerlosen Kamine zu einer Gruppe Novizinnen. Mit knappen Befehlen schickte sie eine nach der anderen mit Auftr�gen los. Nisao und Dagdara geh�rten auch zu den Gelben Ajah. Man erz�hlte sich, Dagdara, deren angegrautes Haar sie zu einer der �ltesten Aes Sedai machte, verst�nde mehr vom Heilen als zwei andere zusammengenommen. Wenn Nynaeve sich zu Rand begab, konnte sie nicht erwarten, viel N�tzliches tun zu k�nnen. Sie w�rde ihn wahrscheinlich bestenfalls dabei beobachten k�nnen, wie er dem Wahnsinn verfiel. Wenn sie dagegen weitere Fortschritte im Heilen machte, k�nnte sie vielleicht ein Mittel finden, ihm diesen Weg zu ersparen. Es gab f�r ihren Geschmack viel zu viel, was die Aes Sedai einfach als hoffnungslos und unheilbar bezeichneten und deshalb auch gar nicht zu heilen versuchten.</p><p>All das ging ihr durch den Kopf, w�hrend sie Elayne anblickte und sich wieder den M�nnern zuwandte. �Wir werden hierbleiben. Uno, wenn Ihr und die anderen zu Rand gehen wollt, dann seid Ihr frei, was mich betrifft. Ich f�rchte, ich habe kein Geld mehr, um Euch zu unterst�tzen.� Das Gold, das die Aes Sedai an sich genommen hatten, wurde gebraucht, so, wie sie es gesagt hatten, aber sie konnte nicht anders, als schmerzerf�llt das Gesicht zu verziehen, wenn sie an die wenigen �briggebliebenen Silberm�nzen in ihrer B�rse dachte. Diese M�nner waren ihr � und nat�rlich Elayne � aus den falschen Motiven heraus gefolgt, aber das machte ihre Verantwortung f�r sie nicht weniger schwerwiegend. Ihre Loyalit�t geh�rte Rand. Sie hatten keinen Grund, sich an einem Kampf um die Wei�e Burg zu beteiligen. Nach einem Blick auf das vergoldete K�stchen f�gte sie z�gernd hinzu: �Aber ich habe noch ein paar Dinge, die Ihr unterwegs verkaufen k�nntet.�</p><p>�Ihr m��t auch gehen, Thom�, sagte Elayne. �Und Ihr, Juilin. Es hat doch keinen Zweck, hierzubleiben. Wir brauchen Euch hier nicht, aber Rand wird Euch ben�tigen.� Sie versuchte, Thom ihr Schmuckk�stchen in die H�nde zu dr�cken, aber er wies es zur�ck.</p><p>Die drei M�nner tauschten daraufhin Blicke, so irritierend, wie das f�r sie typisch war, und Uno ging sogar soweit, sein eines Auge zu rollen. Nynaeve glaubte zu verstehen, wie Juilin leise etwas knurrte wie, er habe ja gleich gesagt, sie w�rden sich auf stur stellen.</p><p>�Vielleicht in ein paar Tagen�, sagte Thom.</p><p>�Ein paar Tage�, pflichtete ihm Juilin bei.</p><p>Uno nickte. �Ich k�nnte ein wenig Ruhe gebrauchen, wenn ich anschlie�end den halben Weg nach Cairhien vor den Beh�tern davonlaufen mu�.�</p><p>Nynaeve blickte sie so streng wie m�glich an und zupfte absichtlich an ihrem Zopf. Elayne hatte das Kinn erhoben wie eh und je, und mit dem Blick aus ihren blauen Augen h�tte man Eis zerkleinern k�nnen. Thom und die anderen mu�ten diese Anzeichen mittlerweile wohl erkennen. Man w�rde ihren Unsinn einfach nicht durchgehen lassen. �Falls Ihr glaubt, da� Ihr immer noch Rand al'Thors Befehl Folge leistet, uns zu besch�tzen...�, setzte Elayne in unterk�hltem Tonfall an, w�hrend Nynaeve gleichzeitig zu poltern begann: �Ihr habt versprochen, zu tun, was man Euch sagt, und ich werde daf�r sorgen...�</p><p>�Das hat damit nichts zu tun�, unterbrach Thom die beiden. Mit einem knorrigen Finger strich er Elayne eine Haarstr�hne aus dem Gesicht. ��berhaupt nichts. Kann ein humpelnder alter Mann etwa nicht ein wenig Ruhe verlangen?�</p><p>�Um die Wahrheit zu sagen�, f�gte Juilin hinzu, �bleibe ich lediglich hier, weil Thom mir noch Geld schuldet. Beim W�rfeln gewonnen.�</p><p>�Erwartet Ihr von uns, da� wir ausgerechnet Beh�tern zwanzig Pferde auf einmal stehlen, ohne mit der Wimper zu zucken?� grollte Uno. Er schien vergessen zu haben, da� er genau dies vorher angeboten hatte.</p><p>Elayne starrte sie entgeistert an und fand keine Worte. Nynaeve hatte pl�tzlich ebenfalls Schwierigkeiten mit ihrer sprachlichen Ausdrucksf�higkeit. Wie tief waren sie gesunken. Nicht einmal einer der drei, der wenigstens nerv�s von einem Fu� auf den anderen getreten w�re. Das Dumme war, da� sie selbst hin-und hergerissen war. Sie war entschlossen gewesen, sie wegzuschicken. Auf jeden Fall, und das nicht nur, damit sie nicht sehen konnten, wie <emphasis>sie</emphasis> laufend knicksen und bei den Aes Sedai kriechen mu�te. Doch da in Salidar fast nichts so war, wie sie erwartet hatte, mu�te sie auch innerlich zugeben, zaudernd, aber immerhin, da� es ... beruhigend ... w�re, zu wissen, sie und Elayne h�tten nicht nur Birgitte, auf die sie sich verlassen konnten. Dieses Angebot, zu fliehen �denn so sollte man ruhig das Kind beim Namen nennen �, w�rde sie nat�rlich unter gar keinen Umst�nden annehmen. Ihre Gegenwart w�re eben nur ... beruhigend. Allerdings durfte sie sich das vor den M�nnern nicht anmerken lassen. Das mu�te nicht sein, denn sie w�rden gehen, ob sie das wollten oder nicht. Rand konnten sie h�chstwahrscheinlich n�tzlich sein, w�hrend sie hier nur im Weg st�nden. Au�er...</p><p>Die ungestrichene T�r �ffnete sich, und Siuan schritt heraus, gefolgt von Leane. Sie blickten sich kalt und abweisend an. Dann schnaubte Leane und ging �berraschend geschmeidig und elegant um Croi und Avar herum in den Flur, der zur K�che f�hrte. Nynaeve runzelte ein wenig die Stirn. Mitten in dieser Eisesk�lte war es einen Moment gewesen, einen ganz kurzen Augenblick lang, so da� sie es fast �bersehen h�tte, obwohl es direkt vor ihrer Nase war, als ob...</p><p>Siuan wandte sich ihr zu und erstarrte dann pl�tzlich. Ihre Miene wurde vollkommen ausdruckslos. Jemand hatte sich ihrer kleinen Versammlung angeschlossen.</p><p>Gareth Bryne, der seinen verbeulten Harnisch �ber den einfachen, lederbraunen Rock geschnallt und die stahlverst�rkten Kampfhandschuhe in den Schwertg�rtel gesteckt hatte, strahlte Autorit�t aus. Mit seinem gr��tenteils grauen Haar und dem derben Gesicht machte er den Eindruck eines Mannes, der alles gesehen und alles �berstanden hatte; eines Mannes, der f�hig war, alles zu �berdauern.</p><p>Elayne l�chelte und nickte wohlwollend. Das war nicht mehr der verbl�ffte Blick von ihrer Ankunft in Salidar, als sie ihn am anderen Ende der Stra�e entdeckt und erkannt hatte. �Ich kann nicht sagen, da� es mir eine reine Freude sei, Euch zu begr��en, Lord Gareth. Ich habe von Streitigkeiten zwischen meiner Mutter und Euch geh�rt, aber ich bin sicher, da� sich das �ndern l��t. Ihr wi�t ja, da� Mutter gelegentlich etwas voreilig ist. Sie wird es sich �berlegen und Euch bitten, den Euch zustehenden Platz in Caemlyn wieder einzunehmen, da k�nnt Ihr sicher sein.�</p><p>�Was geschehen ist, ist geschehen, Elayne.� Er ignorierte ihr Erstaunen. Nynaeve bezweifelte, da� irgend jemand, der Elaynes Rang kannte, sie jemals so kurz abgefertigt hatte. Er wandte sich statt dessen Uno zu. �Habt Ihr euch �berlegt, was ich sagte? Schienarer sind die beste schwere Kavallerie auf der Welt, und ich habe Burschen hier, die genau passen w�rden, wenn man sie nur richtig ausbildete.�</p><p>Uno runzelte die Stirn. Der Blick aus seinem Auge wanderte zu Elayne und Nynaeve hin�ber. Dann nickte er bed�chtig. �Ich habe nichts Besseres zu tun. Ich werde mit den anderen sprechen.�</p><p>Bryne klopfte ihm auf die Schulter. �Das gen�gt mir schon. Und wie steht es mit Euch, Thom Merrilin?� Thom hatte sich bei der Ankunft des Mannes zur Seite hin weggedreht, den Schnurrbart nerv�s gestrichen und zu Boden geblickt, als wolle er m�glichst nicht auffallen. Jetzt blickte er hoch und Bryne geradewegs in die Augen. �Ich kannte einst einen Burschen mit einem sehr �hnlichen Namen wie Ihr�, sagte Bryne. �Was ein bestimmtes Spiel betrifft, war er �u�erst geschickt.�</p><p>�Ich kannte einst einen Burschen, der Euch sehr �hnlich sah�, erwiderte Thom. �Er bem�hte sich redlich, mich in Ketten zu legen. Ich glaube, er h�tte mir den Kopf abgeschlagen, h�tte er mich jemals in die H�nde bekommen.�</p><p>�Das mu� aber lange Zeit her sein, oder? M�nner tun manchmal seltsame Dinge, wenn es um Frauen geht.� Bryne sah Siuan an und sch�ttelte den Kopf. �Kommt Ihr mit auf ein Brettspiel, Meister Merrilin? Ich w�nsche mir manchmal einen Mann herbei, der das wirklich gut spielt, so, wie man es in h�heren Kreisen zu spielen pflegt.�</p><p>Thoms buschige, wei�e Augenbrauen zogen sich eng zusammen, fast wie die Unos, aber er wandte den Blick nicht von Bryne. �Ich wage vielleicht ein oder zwei Spielchen�, sagte er schlie�lich, �wenn ich den Einsatz kenne. Solange Euch klar ist, da� ich nicht vorhabe, f�r den Rest meines Lebens mit Euch zu spielen. Ich mag nicht mehr gern zu lange am gleichen Ort verweilen. Manchmal jucken mir die F��e.�</p><p>�Solange sie Euch nicht gerade mitten in einem entscheidenden Spiel jucken�, stellte Bryne trocken fest. �Kommt mit mir, Ihr beiden. Und erwartet nicht zuviel Schlaf in n�chster Zeit. In dieser Gegend mu� alles vorgestern erledigt werden, au�er den Dingen, die schon letzte Woche erledigt werden sollten.� Er schwieg einen Augenblick und sah Siuan an. �Meine Hemden waren heute keineswegs sauber genug.� Damit f�hrte er Thom und Uno davon. Siuan blickte ihm hinterher und dann mit finsterer Miene auf Min. Die verzog das Gesicht und eilte in die gleiche Richtung wie Leane zuvor.</p><p>Nynaeve verstand �berhaupt nicht, was da zwischen Bryne und den Frauen vorging. Und die Frechheit dieser M�nner regte sie auf: Sie glaubten anscheinend, einfach �ber ihren Kopf hinweg oder vor ihrer Nase �ber Dinge sprechen zu k�nnen, die sie nicht verstand. Jedenfalls zum gro�en Teil!</p><p>�Gut, da� er keinen Diebf�nger brauchen kann�, sagte Juilin. Er schielte aus dem Augenwinkel nach Siuan und schien sich in ihrer Gegenwart offensichtlich nicht wohl zu f�hlen. Er war noch nicht �ber den Schreck hinweg, als er ihren Namen erfahren hatte. Nynaeve war nicht sicher, ob er wirklich begriffen hatte, da� sie einer D�mpfung unterzogen worden und keine Amyrlin mehr war. Bei <emphasis>ihr</emphasis> trat er auf jeden Fall nerv�s von einem Fu� auf den anderen. �Dann kann ich mich wenigstens gem�tlich hinsetzen und mich unterhalten. Ich habe eine Menge Leute gesehen, die bestimmt bei einem Krug Bier auftauen.�</p><p>�Er hat mich praktisch �berhaupt nicht beachtet!� sagte Elayne in ungl�ubigem Staunen. �Es ist mir gleich, was f�r Streitigkeiten er mit meiner Mutter hat, aber er hat kein Recht... Nun, um Lord Gareth Bryne werde ich mich sp�ter k�mmern. Ich mu� mich mit Min unterhalten, Nynaeve.�</p><p>Nynaeve wollte ihr folgen, als Elayne zum Korridor vor der K�che eilte, denn Min w�rde ihnen ein paar klare Antworten geben, aber Siuan packte sie mit eisernem Griff am Arm und hielt sie fest.</p><p>Die Siuan Sanche, die vor diesen Aes Sedai dem�tig das Haupt gebeugt hatte, war nicht mehr. Hier trug niemand die Stola. Sie erhob nicht einmal die Stimme; das hatte sie nicht n�tig. Sie fixierte Juilin mit einem Blick, der ihn fast aus der Haut fahren lie�. �Pa�t gut auf, welche Fragen Ihr stellt, Diebf�nger, sonst schlachtet Ihr euch vielleicht selbst, um auf dem Markt feilgeboten zu werden.� Der Blick aus den kalten blauen Augen erfa�te Birgitte und Marigan. Marigan verzog den Mund, als sp�re sie einen schlechten Geschmack, und sogar Birgitte wirkte nerv�s. �Ihr zwei sucht eine Aufgenommene namens Theodrin und fragt sie nach Schlafpl�tzen f�r heute nacht. Diese Kinder sehen aus, als sollten sie l�ngst im Bett liegen. Also, was ist? Bewegt Euch gef�lligst!� Bevor die beiden noch einen Schritt getan hatten � und Birgitte war dabei genauso schnell, wenn nicht noch schneller als Marigan �, fuhr sie Nynaeve an: �Und Ihr, ich habe Fragen an Euch! Man hat Euch gesagt, Ihr solltet mir zur Verf�gung stehen, und ich schlage vor, Ihr haltet Euch daran, falls Ihr wi�t, was gut f�r Euch ist!�</p><p>Es war, als sei sie in einen Wirbelwind geraten. Bevor Nynaeve wu�te, wie ihr geschah, scheuchte Siuan sie eine wacklige Treppe mit einem zusammengenagelten Gel�nder aus ungestrichenen Latten hoch und einen Gang mit unebenem Fu�boden entlang in eine winzige Kammer mit zwei engen Stockbetten, die an der Wand befestigt waren. Siuan nahm den einzigen Hocker und bedeutete ihr, sie solle sich auf das untere Bett setzen. Nynaeve entschlo� sich allerdings, stehenzubleiben, wenn auch nur, um zu beweisen, da� sie sich nicht herumsto�en lie�. Sonst wies die Kammer nur wenige Einrichtungsgegenst�nde auf. Auf einem Waschtisch, bei dem man einen Ziegelstein unter ein Bein gelegt hatte, damit er nicht kippte, standen ein angeschlagener Wasserkrug und eine Sch�ssel. Ein paar Kleider hingen an Haken, und in einer Ecke lag etwas wie eine zusammengerollte Bettunterlage. Sie war ja schon innerhalb eines Tages tief gesunken, aber Siuan war noch viel tiefer gesunken, als sie es sich jemals vorgestellt hatte. Sie glaubte nicht, von dieser Frau zu viele Schwierigkeiten erwarten zu d�rfen. Obwohl Siuans Augen immer noch die selben waren.</p><p>Siuan schnaubte. �Wie es Euch gef�llt, M�dchen. Der Ring. Man mu� dazu die Macht nicht einsetzen?�</p><p>�Nein. Ihr habt doch geh�rt, wie ich Sheriam sagte... �</p><p>�Jeder kann ihn ben�tzen? Auch eine Frau, die mit der Macht nicht umgehen kann? Auch ein Mann?�</p><p>�M�glicherweise auch ein Mann.� <emphasis>Ter'Angreal,</emphasis> die keinen Gebrauch der Macht verlangten, funktionierten gew�hnlich sowohl bei Frauen wie auch bei M�nnern.</p><p>�Eine Frau auf jeden Fall.�</p><p>�Dann werdet Ihr mir beibringen, wie man ihn ben�tzt.�</p><p>Nynaeve hob eine Augenbraue. Das konnte vielleicht ein Druckmittel sein, um zu bekommen, was sie wollte. Falls nicht, hatte sie noch eines zur Verf�gung. Vielleicht. �Wissen sie denn davon, was ihr vorhabt? Sie haben doch nur davon gesprochen, ich solle <emphasis>ihnen</emphasis> zeigen, wie er funktioniert. Von Euch war nie die Rede.�</p><p>�Sie wissen es nicht.� Siuan machte keineswegs einen angeschlagenen Eindruck. Sie l�chelte sogar, wenn auch nicht gerade freundlich. �Und sie werden es nicht erfahren. Sonst erfahren sie n�mlich auch, da� Elayne und Ihr euch als vollwertige Schwestern ausgegeben habt, seit Ihr Tar Valon verlassen habt. Moiraine mag das ja bei Egwene durchgehen lassen. Falls sie es allerdings nicht auch versucht hat, will ich keine Seilschlinge mehr von einem Schifferknoten unterscheiden k�nnen. Aber Sheriam und Carlinya und...? Bevor sie mit Eurer Bestrafung fertig sind, werdet Ihr quieken wie ein Ferkel! Lange vorher schon.�</p><p>�Das ist l�cherlich.� Nynaeve wurde bewu�t, da� sie auf der Bettkante sa�. Sie erinnerte sich �berhaupt nicht daran, da� sie sich hingesetzt hatte. Thom und Juilin w�rden den Mund halten. Sonst wu�te niemand davon. Sie mu�te unbedingt mit Elayne sprechen. �Wir haben nichts dergleichen behauptet.�</p><p>�L�gt mich nicht an, M�dchen. Falls ich eine Best�tigung brauchte, hat Euer Blick mir die geliefert. Euer Magen flattert ganz ordentlich, oder?�</p><p>Allerdings war der ins Flattern gekommen. �Nat�rlich nicht. Wenn ich Euch etwas beibringe, dann nur, weil ich es will.� Sie w�rde sich von dieser Frau nicht herumsto�en lassen. Der letzte Rest von Mitleid war wie weggeblasen. <emphasis>�Falls</emphasis> ich es tue, will ich etwas daf�r haben. Ich will Euch und Leane untersuchen. Ich will wissen, ob man die Folgen einer D�mpfung r�ckg�ngig machen kann.�</p><p>�Kann man nicht�, behauptete Siuan entschieden. �Jetzt... �</p><p>�Man sollte eigentlich alles heilen k�nnen bis auf den Tod.�</p><p>��Sollte� hei�t nicht �kann�, M�dchen. Man hat Leane und mir versprochen, da� man uns in Ruhe l��t. Sprecht mit Faolain oder mit Emara, wenn Ihr wissen wollt, was mit einer geschieht, die uns bel�stigt. Sie waren nicht die ersten und nicht die schlimmsten, aber sie haben am l�ngsten geweint.�</p><p>Ihr anderes Druckmittel. Sie w�re beinahe in Panik geraten und h�tte es vergessen. Falls es �berhaupt existierte. Ein Blick nur. �Was w�rde Sheriam sagen, wenn sie w��te, da� Ihr und Leane keineswegs so b�se aufeinander seid, da� Ihr euch gegenseitig die Haare ausrei�en m�chtet?� Siuan blickte sie nur an. �Sie glauben, Ihr w�rt nun gez�hmt, ja? Je schneller Ihr auf eine losgeht, die nicht zur�ckschlagen kann, desto eher werden sie es als Beweis daf�r ansehen, wenn ihr schon springt kaum, da� eine Aes Sedai hustet. Reichte es, ein bi�chen die Duckm�user zu spielen, um sie vergessen zu machen, da� Ihr beiden viele Jahre lang Hand in Hand gearbeitet habt? Oder habt Ihr sie davon �berzeugen k�nnen, da� die D�mpfung alles an Euch ver�ndert habe und nicht blo� Euer Gesicht? Wenn sie herausfinden, da� Ihr hinter ihrem R�cken intrigiert und sie manipuliert, dann werdet Ihr lauter quieken als irgendein Ferkel.� Die andere zuckte mit keiner Wimper. Siuan w�rde die Beherrschung bestimmt nicht verlieren und irgend etwas entschl�pfen lassen; etwas zugeben. Und doch hatte etwas in diesem kurzen Blick gelegen, den Nynaeve beobachtet hatte, da war sie sicher. �Ich will Euch � und Leane � untersuchen, wann immer ich m�chte. Und Logain.� Vielleicht konnte sie auch in seinem Fall einiges feststellen. M�nner waren anders, und so w�re es, als betrachte sie ein Problem aus anderem Blickwinkel. Nicht, da� sie ihn heilen w�rde, und f�nde sie auch einen Weg dazu. Rands Gebrauch der Macht war notwendig. Sie hatte nicht vor, noch einen Mann auf die Welt loszulassen, der mit der Macht umgehen konnte. �Wenn nicht, k�nnt Ihr den Ring und <emphasis>Tel'aran'rhiod</emphasis> vergessen.� Was wollte Siuan eigentlich damit erreichen? Wahrscheinlich wollte sie nur wieder ein Gef�hl genie�en, beinahe wie eine Aes Sedai zu sein. Energisch unterdr�ckte Nynaeve das gerade wieder aufgetauchte Mitleid. �Und wenn Ihr weiterhin behauptet, wir h�tten uns als Aes Sedai ausgegeben, werde ich keine andere Wahl haben und ihnen von Euch und Leane berichten. Man mag ja Elayne und mir solange die H�lle hei� machen, bis die Wahrheit ans Licht kommt, aber sie wird, und diese Wahrheit wird zur Folge haben, da� Ihr l�nger weint als Faolain und Emara zusammen.�</p><p>Das Schweigen dehnte sich. Wie brachte es die andere fertig, so k�hl zu wirken? Nynaeve hatte immer geglaubt, es habe mit den typischen Eigenschaften einer Aes Sedai zu tun. Ihre Lippen f�hlten sich trocken an, aber das war auch das einzige Trockene an ihr. Wenn sie sich geirrt hatte, wenn Siuan bereit war, die Herausforderung anzunehmen, dann wu�te sie, wer am Ende weinen w�rde.</p><p>Schlie�lich murrte Siuan: �Ich hoffe, Moiraine hat Egwene nicht auch so aufm�pfig werden lassen.� Nynaeve verstand nichts, aber sie hatte auch kaum Zeit zum �berlegen. Im n�chsten Augenblick beugte sich die andere Frau mit ausgestreckter Hand vor. �Ihr h�tet meine Geheimnisse und ich die Euren. Unterrichtet mich im Gebrauch des Rings, und daf�r k�nnt Ihr nach Herzenslust die Ergebnisse einer D�mpfung untersuchen.�</p><p>Nynaeve konnte gerade noch ein erleichtertes Seufzen unterdr�cken, als sie die angebotene Hand dr�ckte. Sie hatte es geschafft. Zum erstenmal in einer Zeitspanne, die ihr wie eine Ewigkeit vorkam, hatte jemand versucht, sie einzusch�chtern, und war damit gescheitert. Sie f�hlte sich beinahe schon stark genug, um Moghedien gegen�berzutreten. Beinahe.</p><p>Elayne holte Min gerade noch am Hinterausgang der Schenke ein und schritt neben ihr her. Min hatte sich etwas, das aussah wie zwei oder drei wei�e M�nnerhemden, unter einen Arm geklemmt. Die Sonne stand genau �ber den Baumwipfeln, und in ihrem langsam in D�mmerung �bergehenden Schein wirkte der Erdboden im Stallhof, als habe man ihn vor nicht allzu langer Zeit mit der Harke gewendet. Genau in der Mitte stand ein m�chtiger Baumstumpf; wahrscheinlich der einer Eiche. Der Steinbau des Stalles mit seinem Strohdach wies keine Torfl�gel auf, und so konnte man die M�nner gut beobachten, die zwischen den besetzten Boxen arbeiteten. Zu ihrer �berraschung stand Leane am Rand des Schattens neben dem Stall und unterhielt sich mit einem hochgewachsenen Mann. Er war grob gekleidet und wirkte wie ein Schmied oder auch wie ein Wirtshausschl�ger. Das �berraschende war, wie nahe sich Leane bei ihm befand, als sie den Kopf im Nacken hielt und zu ihm aufblickte. Und dann t�tschelte sie doch tats�chlich seine Wange, bevor sie sich abwandte und zur Schenke zur�ckeilte. Der gro�e Mann sah ihr noch einen Moment lang hinterher und verschmolz dann mit dem Schatten.</p><p>�Frage mich bitte nicht, was sie vorhat�, sagte Min.</p><p>�Seltsame Leute kommen und besuchen Siuan und sie, und einige der M�nner... Nun, du hast es ja selbst gesehen.�</p><p>Elayne war es eigentlich gleichg�ltig, was Leane machte. Doch nun, da sie mit Min allein war, wu�te sie nicht, wie sie das Thema ansprechen sollte, an dem sie interessiert war. �Was machst du so?�</p><p>�W�sche waschen�, knurrte Min und nahm gereizt ihre Hemden auf den anderen Arm. �Ich kann dir gar nicht sagen, wie gut es tut, Siuan zur Abwechslung mal als die Maus zu sehen. Sie wei� nicht, ob der Adler sie fressen oder zum Haustier machen wird, aber sie hat die gleiche Entscheidungsfreiheit, die sie anderen immer l��t. Gar keine n�mlich!�</p><p>Elayne beschleunigte ihren Schritt, um mitzuhalten, als sie �ber den Hof gingen. Was das auch sollte, jedenfalls gab es ihr keine M�glichkeit, auf ihr Thema zu sprechen zu kommen. �Hast du geahnt, was Thom vorschlagen w�rde? Wir bleiben jedenfalls.�</p><p>�Das habe ich ihnen vorhergesagt. Dazu brauchte ich keine Vision.� Min verlangsamte ihren Schritt. Sie befanden sich zwischen dem Stall und einer br�ckligen Mauer in einer schmalen Gasse von niedergetrampeltem Gestr�pp und Unkraut. �Ich habe einfach nicht glauben k�nnen, da� ihr euch die Chance entgehen la�t, weiterzustudieren. Du warst doch immer so ehrgeizig. Auch Nynaeve, aber sie gibt es nicht zu. Ich w�nschte, ich h�tte unrecht. Ich w�rde mit euch kommen. Zumindest...� Sie knurrte w�tend irgend etwas vor sich hin. �Die drei, die ihr mitgebracht habt, bedeuten Schwierigkeiten, und das <emphasis>ist</emphasis> eine Vision.�</p><p>Da war er. Der Ansatzpunkt, den sie ben�tigte. Doch anstatt zu fragen, was sie auf der Zunge hatte, sagte sie: �Du meinst damit Marigan und Nicola und Areina? Wie k�nnten sie denn Schwierigkeiten bedeuten?� Nur ein Idiot mi�achtete Mins Visionen.</p><p>�Ich wei� auch nicht genau. Ich habe lediglich aus dem Augenwinkel so etwas wie eine Aura entdeckt. Nie, wenn ich sie direkt anblickte, wo ich etwas h�tte erkennen k�nnen. Es gibt nicht viele, die die gesamte Zeit �ber eine Aura tragen, wei�t du. Schwierigkeiten. Vielleicht klatschen sie zuviel. Habt ihr etwas unternommen, wovon die Aes Sedai nichts erfahren sollten?�</p><p>�Bestimmt nicht�, sagte Elayne knapp. Min sah sie von der Seite her an, und sie f�gte hinzu: �Na ja, jedenfalls nichts, wozu wir nicht gezwungen gewesen w�ren. Und davon k�nnen sie eigentlich unm�glich etwas wissen.� Das brachte das Gespr�ch auch nicht dorthin, wo sie es haben wollte. So holte sie tief Luft und wagte den Sprung ins kalte Wasser. �Min, du hattest doch eine Vision in bezug auf Rand und mich, ja?� Sie ging zwei Schritte weiter, bevor ihr bewu�t wurde, da� die andere stehengeblieben war.</p><p>�Ja.� Es klang sehr vorsichtig.</p><p>�Du hast gesehen, da� wir uns verlieben w�rden.�</p><p>�Nicht genau. Ich sah, da� du dich in ihn verlieben w�rdest. Ich wei� nicht, was er f�r dich empfindet, nur, da� er auf irgendeine Weise an dich gebunden ist.�</p><p>Elaynes Mundpartie spannte sich. Das war ungef�hr, was sie erwartet hatte, aber nicht unbedingt h�ren wollte. <emphasis>�ber �ich w�nschte� und �ich m�chte� kann man stolpern, aber</emphasis> �es <emphasis>ist� gibt einen glatten Pfad.</emphasis> Das hatte Lini gesagt. Man mu�te sich an das halten, was wirklich war, und nicht, was man gerne h�tte. �Und du hast gesehen, da� da noch jemand war. Jemand, mit der ich ... ihn teilen ... mu�te.�</p><p>�Zwei�, sagte Min heiser. �Zwei andere. Und ... und ich bin eine davon.�</p><p>Elayne hatte den Mund bereits zur n�chsten Frage ge�ffnet, doch nun schnappte sie nach Luft. �Du?� brachte sie schlie�lich m�hsam heraus.</p><p>Min fauchte: �Ja, ich! Glaubst du etwa, ich k�nnte mich nicht verlieben? Ich wollte ja nicht, aber es ist eben passiert und damit hat sich's.� Sie stolzierte an Elayne vorbei die Gasse hinunter. Diesmal brauchte Elayne l�nger, um sie einzuholen.</p><p>Das erkl�rte nat�rlich einiges. Warum Min immer so nerv�s das Thema umgangen hatte. Die Stickerei auf ihren Aufschl�gen. Und wenn sie sich nicht t�uschte, trug Min auch etwas Rouge auf den Wangen. <emphasis>Was empfinde ich nun eigentlich dabei?</emphasis> fragte sie sich. Sie kam nicht ganz klar damit. �Wer ist die dritte?� fragte sie leise.</p><p>�Keine Ahnung�, murmelte Min. �Ich wei� nur, da� sie ziemlich launisch sein mu�. Aber es ist nicht Nynaeve, dem Licht sei Dank.� Sie lachte schwach. �Ich glaube, das h�tte ich nicht �berlebt.� Noch einmal warf sie Elayne einen vorsichtig forschenden Seitenblick zu. �Was wird das f�r uns beide bedeuten? Ich mag dich. Ich hatte niemals eine Schwester, aber manchmal habe ich das Gef�hl, da� du... Ich will deine Freundin sein, Elayne, und ich werde dich weiterhin m�gen, gleich, was passiert, aber ich kann auch nicht einfach aufh�ren, ihn zu lieben.�</p><p>�Mir gef�llt der Gedanke nicht besonders, einen Mann teilen zu m�ssen�, sagte Elayne verkrampft. Das war wohl <emphasis>die</emphasis> Untertreibung ihres Lebens.</p><p>�Mir auch nicht Nur... Elayne, ich sch�me mich ja, es zugeben zu m�ssen, aber ich werde ihn nehmen, ganz gleich, wie ich ihn bekommen kann. Nicht, da� eine von uns �berhaupt eine Wahl h�tte. Licht, er hat mein ganzes Leben durcheinandergebracht. Wenn ich blo� an ihn denke, dreht sich mir schon der Kopf.� Es klang, als k�nne sich Min nicht entscheiden, ob sie lachen oder weinen solle.</p><p>Elayne atmete langgezogen aus. Es war nicht Mins Schuld. War es besser, da� es Min war und nicht beispielsweise Berelain oder eine andere, die sie nicht leiden konnte? <emphasis>�Ta'veren�,</emphasis> sagte sie. �Er formt die Welt um sich herum. Wir sind Splitter in einem Wasserstrudel. Aber ich glaube mich erinnern zu k�nnen, da� du und ich und Egwene schworen, wir w�rden niemals einen Mann zwischen uns und unsere Freundschaft treten lassen. Irgendwie werden wir schon damit fertig, Min. Und wenn wir herausfinden, wer die dritte ist... Na ja, auch damit werden wir fertig. Irgendwie.� <emphasis>Eine dritte!</emphasis> Konnte das Berelain sein? <emphasis>Ach, Blut und Asche!</emphasis></p><p>�Irgendwie�, sagte Min niedergeschlagen. �Inzwischen sitzen wir beide hier in einer Falle. Ich wei�, da� es eine andere gibt, ich wei�, da� ich nichts dagegen unternehmen kann, aber es war schon schwierig genug, mich an den Gedanken zu gew�hnen, da� du und... Die Frauen in Cairhien sind keineswegs alle wie Moiraine. Ich habe einst in Baerlon eine Adlige aus Cairhien kennengelernt. Verglichen mit ihr wirkte Moiraine bestenfalls wie Leane, aber manchmal sagte sie Sachen, machte Andeutungen... Und ihre Auren!</p><p>Ich glaube nicht, da� man irgendeinen Mann in der ganzen Stadt mit ihr h�tte allein lassen d�rfen, au�er er war h��lich, lahm, oder noch besser, tot.�</p><p>Elayne schnaubte, aber sie brachte es fertig, im leichten Plauderton zu sprechen: �Mach dir dar�ber keine Sorgen. Wir haben eine weitere Schwester, du und ich, eine, die du noch nicht kennengelernt hast. Aviendha pa�t genau auf Rand auf, und er kann keine zehn Schritte tun, ohne von einer Wache aus T�chtern des Speers begleitet zu werden.� Eine Frau aus Cairhien? Berelain hatte sie wenigstens schon kennengelernt und wu�te einiges von ihr. Nein, sie w�rde sich nicht wie ein hirnloser Backfisch den Kopf zerbrechen. Eine erwachsene Frau stellte sich der Welt, wie sie wirklich war, und machte das Beste daraus. Wer konnte es nur sein?</p><p>Sie waren auf einen offenen Hof hinausgetreten, auf dem einige erkaltete Aschehaufen verteilt waren. M�chtige Kessel, h�ufig leicht eingedellt, wo man den Rost abgeschmirgelt hatte, standen an der Au�enmauer, die an mehreren Stellen eingest�rzt war, wohl durch den Druck der B�ume, die in den L�cken wuchsen. Trotz der tiefer werdenden Schatten im Hof standen immer noch zwei Kessel auf ihren Feuern, w�hrend drei Novizinnen mit schwei�nassen Haaren und hochgebundenen wei�en R�cken hart an Waschbrettern arbeiten mu�ten, die in breiten F�ssern mit Seifenbr�he steckten.</p><p>Nach einem Blick auf die Hemden auf Mins Arm griff Elayne nach <emphasis>Saidar.</emphasis> �La� mich bei denen helfen.�</p><p>Es war verboten, die Macht zu irgendwelchen ihnen zugeteilten Arbeiten zu ben�tzen, denn man war der Meinung, k�rperliche Arbeit schule den Charakter, aber das hier z�hlte nicht dazu. Wenn sie die Hemden im Wasser schnell genug herumwirbeln lie�, gab es doch keinen Grund, nasse H�nde zu bekommen. �Erz�hle mir alles. Sind Siuan und Leane wirklich so ver�ndert, wie es scheint? Wie bist du hierhergekommen? Ist Logain wirklich auch hier? Und warum w�schst du die Sachen eines Mannes? Alles!�</p><p>Min lachte. Offensichtlich war sie froh, das Thema wechseln zu k�nnen. ��Alles� w�rde eine ganze Woche brauchen. Aber ich werde mir M�he geben. Zuerst habe ich Siuan und Leane geholfen, aus dem Kerker zu entkommen, in den Elaida sie gesteckt hatte, und dann... �</p><p>Elayne gab sich geb�hrend erstaunt und wob derweil Str�nge aus Luft, um die Kessel mit kochendem Wasser von den Feuern zu heben. Sie bemerkte die ungl�ubigen Blicke der Novizinnen kaum. Sie war mittlerweile an ihre eigene Kraft gew�hnt, und es kam ihr nur selten in den Sinn, da� sie gedankenlos Dinge vollbrachte, die viele vollwertige Aes Sedai nie leisten konnten. Wer war die dritte Frau? Aviendha sollte auf jeden Fall sehr gut auf ihn achtgeben!</p></section><section><title><p>51</p><p>Botschaften</p></title><p>Ein d�nner blauer Rauchfaden erhob sich aus Rands schmuckloser, kurzstieliger Pfeife, die er zwischen die Z�hne geklemmt hatte. Mit einer Hand st�tzte er sich auf die Steinumfassung des Balkons, und so blickte er versonnen in den Garten hinunter. Die scharf umrissenen Schatten wurden bereits l�nger, und die Sonne sank wie ein roter Ball vor einem wolkenlosen Himmel. Zehn Tage in Cairhien, und dies schien ihm der erste Augenblick der Ruhe, au�er, wenn er schlief. Selande stand dicht bei ihm. Ihr bleiches Gesicht hatte sie zu ihm erhoben. Sie wollte den Garten nicht sehen, sondern nur ihn. Ihr Haar war wohl nicht so kunstvoll aufget�rmt wie bei Frauen h�heren Ranges, lie� sie aber doch einen halben Fu� gr��er erscheinen. Er bem�hte sich, sie nicht zu beachten, aber es war schwierig, eine Frau zu ignorieren, die st�ndig ihren festen Busen an seinen Arm dr�ckte. Die Beratung war ihm einfach zu lang geworden, und er hatte eine kleine Pause einlegen wollen. Ihm war allerdings klar geworden, da� er damit einen Fehler begangen hatte, als ihm Selande hinaus gefolgt war.</p><p>�Ich kenne ein gesch�tztes Pl�tzchen�, sagte sie leise, �wo man dieser Hitze entkommen kann. Einen vor Blicken verborgenen Teich, an dem uns nichts st�ren w�rde,� Durch die rechteckige T�r�ffnung hinter ihnen drangen die Kl�nge von Asmodeans Harfe. Er spielte etwas Leichtes, das k�hl klang.</p><p>Rand paffte ein wenig st�rker. Die Hitze. Sie war nichts, verglich man sie mit der in der W�ste, doch...</p><p>Der Herbst sollte l�ngst gekommen sein, und dennoch war es ein Nachmittag wie im Hochsommer. In einem regenlosen Sommer. M�nner in Hemds�rmeln g�ssen unten im Garten die Pflanzen mit gro�en Gie�kannen. Sie erledigten das erst sp�t am Nachmittag, damit nicht gleich alles verdunstete, aber trotzdem sah man zuviel Braun, zu viele abgestorbene oder absterbende Pflanzen. Dieses Wetter konnte nicht mehr nat�rlich sein. Die sengende Sonne verspottete ihn. Moiraine und Asmodean waren der gleichen Meinung, aber sie wu�ten genausowenig wie er, was dagegen zu unternehmen w�re. Sammael. In bezug auf Sammael konnte er etwas unternehmen.</p><p>�K�hles Wasser�, murmelte Selande, �und Ihr mit mir allein.� Sie pre�te sich enger an ihn, obwohl er das kaum noch f�r m�glich gehalten h�tte.</p><p>Er fragte sich, wann wohl die n�chste Herausforderung kommen w�rde. Aber was Sammael auch anstellte, er w�rde nicht w�tend drauflospreschen. Sobald er seine gezielten Vorbereitungen in Tear abgeschlossen hatte, w�rde er den Blitz loslassen. Einmal richtig zuschlagen, um Sammael ein Ende zu bereiten und gleichzeitig Illian f�r sich zu gewinnen. Mit Illian, Tear und Cairhien in der Tasche und dazu einem Aielheer, das m�chtig genug war, um jedes Land innerhalb von Wochen zu �berrennen, k�nnte er...</p><p>�W�rdet Ihr nicht auch gern schwimmen? Ich schwimme nicht sehr gut, aber sicherlich w�rdet Ihr es mir beibringen.�</p><p>Rand seufzte. Einen Augenblick lang w�nschte er sich, Aviendha w�re hier. Nein. Das Letzte, was er wollte, war eine �ber und �ber verkratzte Selande, die mit halb zerfetzter Kleidung schreiend davonrannte.</p><p>Er beschattete seine Augen, blickte auf sie hinab und sagte ruhig, ohne die Pfeife aus dem Mund zu nehmen: �Ich kann die Macht ben�tzen.� Sie blinzelte und zog sich etwas zur�ck, ohne einen Muskel zu bewegen. Sie verstanden niemals, wieso er damit anfing. F�r sie war es etwas, das man �berging oder wenn m�glich ganz ignorierte. �Man sagt, ich werde dem Wahnsinn verfallen. Ich bin aber noch nicht verr�ckt. Noch nicht.� Er lachte leise tief aus dem Brustkorb heraus, brach dann aber mit einemmal ab und machte eine nichtssagende Miene. �Euch das Schwimmen beibringen? Ich kann Euch mit Hilfe der Macht einfach oben an der Wasseroberfl�che halten. <emphasis>Saidin</emphasis> ist aber befleckt, hat einen Makel, wi�t Ihr? Die Ber�hrung des Dunklen K�nigs. Allerdings werdet Ihr das nicht sp�ren. Es w�rde Euch umgeben, und trotzdem w�rdet Ihr nichts davon merken.� Er lachte erneut. Die Andeutung eines Keuchens lag mit darin. Sie hatte die dunklen Augen so weit wie nur m�glich aufgerissen, und ihr L�cheln wirkte angeekelt und erstarrt. �Sp�ter einmal. Ich will allein sein und nachdenken...� Er b�ckte sich, als wolle er sie k�ssen, und sie knickste so pl�tzlich mit einem erschreckten Quieken, da� er beinahe geglaubt h�tte, ihre Beine versagten.</p><p>Sie bewegte sich r�ckw�rts, wobei sie bei jedem zweiten Schritt einen Knicks machte, und plapperte etwas von der Ehre, ihm dienen zu d�rfen, von ihrem sehnlichsten Wunsch, ihm zu dienen, alles mit einer Stimme am Rande der Hysterie, bis sie an die T�reinfassung stie�. Noch einmal beugte sie die Knie ein wenig, und dann huschte sie nach drinnen.</p><p>Er verzog das Gesicht und drehte sich wieder zur Br�stung um. Ver�ngstigte Frauen. Doch h�tte er sie lediglich gebeten, ihn allein zu lassen, dann h�tte sie Ausreden gefunden und seinen Wunsch oder Befehl nur als vor�bergehenden R�ckschlag empfunden. Und selbst wenn er ihr befohlen h�tte, ihm ganz aus den Augen zu gehen... Vielleicht w�rde es sich diesmal herumsprechen. Er mu�te sich einfach etwas besser beherrschen. In letzter Zeit regte er sich viel zu schnell auf. Das lag an der D�rre, gegen die er nichts unternehmen konnte, und an den �brigen Problemen, die wie Unkraut aus dem Boden sprossen, wo immer er hinblickte. Wenigstens noch ein paar Augenblicke mit seiner Pfeife allein verbringen. Wer wollte schon ein Land regieren, wenn er eine viel einfachere Arbeit haben konnte, wie beispielsweise Wasser in einem Sieb den Berg hochzutragen?</p><p>�ber den Garten hinweg, zwischen zwei der typischen Stufent�rme des K�niglichen Palastes hindurch, hatte er eine gute Aussicht auf die Stadt Cairhien. Tiefe Schatten und greller Sonnenschein k�mpften dort um die Vorherrschaft. Die Stadt schien die H�gel eher mit Gewalt bezwungen zu haben, anstatt sie einfach zu �berfluten. �ber einem dieser T�rme hing seine rote Flagge mit dem uralten Zeichen der Aes Sedai schlaff an ihrem Mast, und �ber dem anderen die lange Stoffbahn der Kopie des Drachenbanners. Dasselbe sah man an einem Dutzend Orten in der Stadt, einschlie�lich des h�chsten der m�chtigen, unvollendeten T�rme, der sich geradeaus vor ihm befand. Da hatte er mit Br�llen genauso wenig erreicht wie mit Befehlen. Weder die Tairener noch die Einwohner Cairhiens hatten ihm letzten Endes geglaubt, er wolle wirklich nur eine davon h�ngen lassen, und den Aiel waren Flaggen so oder so gleichg�ltig.</p><p>Selbst jetzt, tief drinnen im Palast, h�rte er noch die Ger�usche einer Stadt, die zum Bersten �berf�llt war. Fl�chtlinge aus jedem Teil des Landes befanden sich hier, die sich mehr vor einer R�ckkehr in die Heimat f�rchteten als vor dem Wiedergeborenen Drachen in ihrer Mitte. H�ndler str�mten herein und boten feil, was immer die Menschen sich leisten konnten, kauften, was immer sie sich nicht mehr leisten konnten. Lords und ihre bewaffneten Gefolgsleute kamen, um sich ihm oder irgendeinem Adligen F�hrer anzuschlie�en. J�ger des Horns kamen, die glaubten, es m�sse in seiner N�he zu finden sein; ein Dutzend Leute aus Vortor, vielleicht auch hundert, waren nur zu gern bereit, ihnen das Horn zu verkaufen. Steinmetzen der Ogier aus dem Stedding Tsofu kamen, um zu sehen, ob ein Bedarf f�r ihre legend�ren F�higkeiten bestand. Abenteurer fanden sich ein, die m�glicherweise noch vor Wochenfrist Banditen gewesen waren, um herauszufinden, was es hier zu ernten gebe. Sogar hundert oder mehr Wei�m�ntel waren aufgetaucht, aber sie galoppierten davon, sobald ihnen klar wurde, da� die Belagerung zu Ende war. Hatte das Zusammenziehen der Truppen der Wei�m�ntel durch Pedron Niall mit ihm zu tun? Egwene lieferte ihm andeutungsweise einiges an Informationen, doch wo immer sie sich auch befand, sie sah die Dinge vom Standpunkt der Wei�en Burg aus. Dieser Standpunkt der Aes Sedai war aber gewi� nicht seiner.</p><p>Wenigstens begannen nun die Wagenz�ge mit Getreide einigerma�en regelm��ig aus Tear einzutreffen. Hungrige Menschen k�nnten Aufruhr stiften. Er h�tte sich ja gern damit zufriedengegeben, da� sie nun weniger Hunger litten, aber die Folgen reichten weiter. Es gab weniger Banditen. Und der B�rgerkrieg war nicht wieder neu ausgebrochen. Noch nicht. Weitere gute Neuigkeiten also. Und er mu�te erst sicherstellen, da� es so blieb, bevor er die Stadt verlassen konnte. Hundert verschiedene Dinge mu�ten erledigt werden, und dann erst konnte er Sammael zur Strecke bringen. Von den H�uptlingen, die in Rhuidean mit ihm aufgebrochen waren und denen er wirklich vertrauen konnte, waren nur Rhuarc und Bael geblieben. Wenn er den vier sp�ter hinzugesto�enen Clans nicht soweit trauen konnte, sie nach Tear mitzunehmen, konnte er sie dann so einfach in Cairhien zur�cklassen? Indirian und die anderen hatten ihn als <emphasis>Car'a'carn</emphasis> anerkannt, aber sie kannten ihn ebensowenig wie er sie. Die heute morgen eingetroffene Botschaft mochte zu einem Problem werden. Berelain, die Erste von Mayene, befand sich nur ein paar hundert Meilen s�dlich der Stadt und war auf dem Weg, sich ihm mit einem kleinen Heer anzuschlie�en. Er hatte keine Ahnung, wie sie das mitten durch Tear gebracht hatte. Seltsamerweise hatte sie in ihrem Brief gefragt, ob sich Perrin bei ihm befinde. Zweifelsohne f�rchtete sie, Rand k�nne ihr kleines Land �bersehen, wenn sie ihn nicht daran erinnerte. Es k�nnte ja fast ein Vergn�gen sein, ihre Auseinandersetzungen mit den M�chtigen Cairhiens zu verfolgen. Sie war die letzte einer langen Ahnenreihe von Ersten, die es geschafft hatten, zu vermeiden, da� ihr kleines Land von Tear im Zuge des Spiels der H�user geschluckt wurde. Wenn er sie vielleicht hier als Oberkommandierende einsetzte...? Wenn die Zeit kam, w�rde er Meilan und die anderen Tairener sowieso mitnehmen. Falls sie jemals kam.</p><p>Das war auch nicht besser als das, was drinnen auf ihn wartete. Er klopfte die Asche aus seiner Pfeife und trat die letzten Funken mit dem Stiefel aus. �berfl�ssig, auch noch ein Feuer im Garten zu riskieren. Der w�rde brennen wie eine Fackel. Die D�rre. Das unnat�rliche Wetter. Ihm wurde bewu�t, da� er innerlich knurrte wie ein w�tender Wolf. Aber zuerst mu�te er das tun, was er sicher bew�ltigen konnte. Es kostete ihn M�he, wieder eine verbindliche Miene aufzusetzen, als er hineinschritt.</p><p>Asmodean, gekleidet wie ein Lord und mit einem wahren Wasserfall von Spitzen an seinem Kragen, sa� auf einem Hocker in einer Ecke und zupfte eine beruhigende Melodie. Er lehnte an der dunklen, schmucklosen Wandt�felung, als sei er v�llig entspannt und habe lediglich nichts Besseres zu tun. Die anderen hatten sich auch gesetzt, sprangen aber bei Rands Eintreten auf. Nach einer herrischen Geste seinerseits sanken sie auf ihre Sitze zur�ck. Meilan, Torean und Aracome sa�en auf reich geschnitzten und vergoldeten Sesseln an einem Ende des dunkelrot und golden gewebten Teppichs. Jeder hatte einen jungen tairenischen Lord hinter sich stehen und lieferten so das Spiegelbild der Seite Cairhiens ihnen gegen�ber. Auch Dobraine und Maringil hatten jeder einen jungen Lord im R�cken, und alle hatten die vorderen Teile der K�pfe kahlgeschoren und gepudert wie Dobraine. Selande stand mit bleichem Gesicht neben Colavaeres Schulter und zitterte, als Rand sie anblickte.</p><p>So zwang er sein Gesicht zur Ausdruckslosigkeit und schritt �ber den Teppich zu seinem eigenen Sessel. Der allein war Grund genug, sich so zu beherrschen. Er war ein Geschenk von Colavaere und den beiden anderen und in einem Stil gehalten, den sie f�r tairenisch hielten. Und er mu�te ja die �ppigkeit des tairenischen Stils m�gen, denn er regierte Tear und hatte sie hierhergeschickt. Er stand auf geschnitzten Drachen. Sie glitzerten rot und golden, mit Emaille und reichlich Vergoldung und dazu gro�en Bernsteinbrocken, um ihre goldenen Augen darzustellen. Zwei weitere bildeten die Armlehnen und noch andere st�tzen die R�ckenlehne. Unz�hlige Handwerker mu�ten seit seiner Ankunft Tag und Nacht gearbeitet haben, um das Ding anzufertigen. Er f�hlte sich wie ein Narr, wenn er darauf sa�. Asmodeans Musik hatte sich ver�ndert, jetzt klang sie grandios wie ein Triumphmarsch.</p><p>Und doch lag ein zus�tzliches Mi�trauen im Blick dieser dunklen Augen aus Cairhien, die ihn beobachteten, und dieses Mi�trauen spiegelte sich in den Blicken der Tairener. Es war schon vorhanden gewesen, bevor er hinausgegangen war. Vielleicht hatten sie bei dem Versuch, seine Gunst zu erwerben, einen Fehler begangen und hatten das erst jetzt bemerkt. Sie bem�hten sich ja alle, zu ignorieren, wer er war, und statt dessen so zu tun, als sei er irgendein junger Lord, der ihr Land erobert hatte und mit dem man verhandeln, ja, den man manipulieren konnte. Doch dieser Sessel � dieser Thron � f�hrte ihnen vor Augen, wer und was er wirklich war.</p><p>�Entsprechen die Truppenbewegungen meinem Zeitplan, Lord Dobraine?� Die Harfe verklang, sobald er den Mund �ffnete. Asmodean war offensichtlich darauf bedacht, seine Anspr�che zu unterstreichen. Der Mann mit der gegerbten Haut l�chelte grimmig. �Das tun sie, mein Lord Drache.� Nicht mehr als das. Rand machte sich keine Illusionen, da� Dobraine ihm auf irgendeine Weise mehr gewogen sei als die anderen oder da� er wenigstens nicht versuchen werde, seine Vorteile aus der Lage zu ziehen, aber immerhin schien Dobraine bereit, sich an den Eid zu halten, den er abgelegt hatte. Die bunten Schr�gstreifen auf der Brust seines Kurzmantels waren abgewetzt, weil er meistens einen Brustharnisch dar�bergeschnallt trug.</p><p>Maringil beugte sich auf seinem Sessel vor. Er war gertenschlank und hochgewachsen f�r einen, der aus Cairhien stammte, und sein wei�es Haar hing ihm fast bis auf die Schultern. Sein Kopf war nicht geschoren, und sein Mantel, dessen Farbstreifen beinahe bis zu den Knien reichten, wirkte wie neu. �Wir ben�tigen diese M�nner hier, mein Lord Drache.� Seine Raubvogelaugen blinzelten im Widerschein des vergoldeten Throns, doch dann konzentrierte sich sein Blick wieder auf Rand. �Viele Banditen machen nach wie vor das Land unsicher.� Er drehte sich ein wenig zur Seite, damit er die Tairener nicht ansehen mu�te. Meilan und die beiden anderen l�chelten leicht.</p><p>�Ich habe Aiel abkommandiert, Banditen zu jagen�, sagte Rand. Sie hatten wirklich den Befehl erhalten, unterwegs alle in ihrer Nahe befindlichen Banditen und Briganten aufzugreifen. Aber sie sollten deshalb keine Umwege machen. Selbst die Aiel konnten das nicht, wenn sie schnell vorw�rtskommen sollten. �Wie man mir berichtete, haben vor drei Tagen Steinhunde in der N�he von Morelle fast zweihundert von ihnen get�tet.� Das war in der N�he der s�dlichsten Grenzlinie, die Cairhien in den letzten Jahren hatte beanspruchen k�nnen, auf halbem Weg zum Iralell-Flu�. Es war nicht notwendig, diese Leute hier wissen zu lassen, da� sich diese Aiel mittlerweile vielleicht schon in der N�he des Flusses befanden. Sie konnten gro�e Entfernungen schneller als zu Pferde zur�cklegen.</p><p>Maringil blieb hartn�ckig, wobei er nerv�s die Stirn runzelte: �Es gibt noch einen Grund. Die H�lfte unseres Landes westlich des Alguenya befindet sich in den H�nden Andors.� Er z�gerte. Sie wu�ten alle, da� Rand in Andor aufgewachsen war. Ein Dutzend Ger�chte machten ihn zum Sohn aus diesem oder jenem andoranischen Adelshaus, einige sogar zu Morgases Sohn, der entweder ausgesto�en worden war, weil er die Macht lenken konnte, oder der geflohen war, bevor man ihn einer D�mpfung unterziehen konnte. Der schlanke Mann fuhr fort, als gehe er auf Zehenspitzen und mit verbundenen Augen zwischen spitzen Dolchen hindurch. �Morgase scheint im Moment noch nicht weiter vorzur�cken, aber das, was sie bereits in H�nden hat, mu� ihr wieder abgenommen werden. Ihre Herolde haben sogar schon ihr Recht auf den...� Er schwieg pl�tzlich. Niemand unter ihnen wu�te, wem Rand den Sonnenthron zugedacht hatte. Vielleicht Morgase?</p><p>Der Blick aus Colavaeres dunklen Augen wirkte wieder absch�tzend und berechnend. Sie hatte heute wenig gesagt. Das w�rde sie auch nicht, bis sie erfahren hatte, warum Selande so bla� war.</p><p>Mit einemmal war Rand all dessen so m�de, diese feilschenden Adligen, diese ganzen Man�ver im Spiel der H�user, <emphasis>Daes Dae'mar.</emphasis> �Die Anspr�che Andors auf Cairhien werde ich dann abhandeln, wenn ich soweit bin. Diese Soldaten gehen jedenfalls nach Tear. Ihr werdet dem guten Beispiel Lord Meilans in Bezug auf Gehorsam folgen, und ich will nichts mehr davon h�ren.�</p><p>Damit wandte er sich den Tairenern zu. �Ihr liefert uns doch ein gutes Beispiel, Lord Meilan, nicht wahr? Und Ihr, Aracome? Wenn ich morgen ausreite, werde ich hoffentlich keine tausend Verteidiger des Steins in einem Lager zehn Meilen s�dlich von hier vorfinden, die bereits vor zwei Tagen zur�ck nach Tear in Marsch gesetzt werden sollten, oder? Oder zweitausend bewaffnete Gefolgsleute aus tairenischen H�usern?�</p><p>Dieses L�cheln bei den dreien verflog mit jedem Wort mehr. Meilan wurde ganz still. Seine dunklen Augen glitzerten. Aracomes schmales Gesicht wurde bleich; ob vor Zorn oder vor Angst, war nicht festzustellen. Torean tupfte sich das feiste Gesicht mit einem Seidentuch ab, das er aus einem �rmel gezogen hatte. Rand herrschte in Tear und beabsichtigte keineswegs, diesen Anspruch aufzugeben. Das f�hrte ihnen <emphasis>Callandor</emphasis> drinnen im Herzen des Steins vor Augen. Deshalb hatten sie auch nicht protestiert, als er Soldaten aus Cairhien nach Tear entsandt hatte. Sie dagegen wollten hier, weit weg von dem Ort, an dem er regierte, neue G�ter, vielleicht sogar K�nigreiche, f�r sich gewinnen.</p><p>�Das werdet Ihr nicht, mein Lord Drache�, sagte Meilan schlie�lich. �Morgen werde ich mit Euch reiten, damit Ihr es selbst sehen k�nnt.�</p><p>Rand zweifelte nicht daran. Sobald der Mann daf�r sorgen konnte, w�rde er einen Reiter nach S�den schicken, und morgen schon w�rden diese Soldaten sich ein gutes St�ck auf dem Weg nach Tear befinden. Das reichte durchaus. F�r den Moment. �Dann w�re ich soweit fertig. Ihr m�gt nun gehen.�</p><p>Ein paar fuhren �berrascht zusammen, verbargen diese �berraschung jedoch so schnell, da� er sie sich eingebildet haben konnte, und dann erhoben sie sich unter Verbeugungen und Knicksen. Selande und die jungen Lords schritten r�ckw�rts davon. Sie hatten mehr erwartet. Eine Audienz beim Wiedergeborenen Drachen dauerte f�r gew�hnlich lang, und sie sahen sie wohl als eine Art Martyrium an. Immer zwang er sie auf den Weg, den er f�r sie bestimmt hatte, ob er nun erkl�rte, kein Tairener k�nne Land in Cairhien beanspruchen, wenn er nicht in ein Adelshaus dieses Landes einheiratete, oder ob er sich weigerte, die Menschen vom Vortor aus der Stadt weisen zu lassen, oder ob er Gesetze erlie�, die pl�tzlich auch f�r den Adel gelten sollten, obwohl sie zuvor stets nur f�r die Gemeinen gegolten hatten.</p><p>Sein Blick folgte Selande einen Moment lang. Sie war nicht die erste gewesen, die innerhalb der letzten zehn Tage �hnliches versucht hatte. Nicht einmal die Zehnte oder die Zwanzigste. Er war schon in Versuchung geraten, jedenfalls zu Beginn. Wenn er eine Schlanke zur�ckwies, folgte prompt eine Mollige, und eine Hochgewachsene, f�r die Verh�ltnisse Cairhiens jedenfalls, l�ste eine Kleine ab und eine Dunkelhaarige die Blonde davor. Sie suchten unabl�ssig nach Frauen, die ihm zusagen mochten. Die T�chter des Speers wiesen jene ab, die versuchten, sich nachts in seine R�ume einzuschleichen. Energisch, aber doch sanfter als Aviendha im Falle der einen, die sie selbst erwischt hatte. Aviendha nahm offensichtlich den Eigentumsanspruch Elaynes auf ihn beinahe t�dlich ernst. Und doch schien ihr f�r die Aiel typischer Sinn f�r Humor es sehr befriedigend zu finden, ihn zu qu�len. Er hatte jedenfalls die Zufriedenheit auf ihrer Miene bemerkt, als er st�hnte und sein Gesicht verbarg, weil sie begann, sich vor ihm zur Nacht auszukleiden. Eigentlich hatte ihn ja ihr t�dlicher Ernst abgesto�en, h�tte er nicht schnell gemerkt, was hinter diesem Zustrom h�bscher junger Frauen steckte.</p><p>�Lady Colavaere.�</p><p>Sie blieb stehen, als er ihren Namen aussprach. Ihre Augen blickten k�hl und beherrscht unter dem kunstvollen Turm dunkler Locken hervor, Selande hatte keine andere Wahl, als bei ihr zu bleiben, obwohl sie sich ganz offensichtlich vor dem Zur�ckbleiben genauso scheute wie die anderen vor dem Gehen. Meilan und Maringil verbeugten sich noch einmal und gingen. Dabei gr�belten sie so angestrengt dar�ber nach, warum Colavaere zum Bleiben aufgefordert worden war, da� ihnen gar nicht bewu�t wurde, wie sie sich Seite an Seite bewegten. Ihre Augen pa�ten perfekt zueinander: dunkel und raubvogelartig.</p><p>Die T�r mit der dunklen Holzt�felung schlo� sich. �Selande ist eine h�bsche junge Frau�, sagte Rand. �Doch manch einer bevorzugt die Gesellschaft einer reiferen und ... erfahreneren Frau. Ihr werdet heute abend allein mit mir speisen, wenn die Abendglocken das zweite Mal l�uten. Ich freue mich auf das Vergn�gen Eurer Gesellschaft.� Er winkte sie fort, bevor sie auch nur etwas entgegnen konnte. Ihr Gesichtsausdruck �nderte sich nicht, nur ihr Knicks war ein wenig unsicher. Selande blickte vollkommen verbl�fft drein. Und unendlich erleichtert.</p><p>Sobald sich die T�r hinter den beiden Frauen geschlossen hatte, begann Rand, schallend zu lachen. Es war ein hartes, sardonisches Lachen. Er war des Spiels der H�user m�de, also spielte er es, ohne weiter nachdenken zu m�ssen. Er fand sich selbst widerlich, weil er eine Frau so erschreckt hatte, also jagte er zum Ausgleich einer anderen einen geh�rigen Schreck ein. Das war wohl Grund genug f�r sein Gel�chter. Colavaere stand hinter jener Reihe junger Frauen, die sich ihm an den Hals geworfen hatten. F�nde sie eine passende Bettgenossin f�r den Lord Drachen, eine junge Frau, die sie als Marionette ben�tzen konnte, dann hatte Colavaere auch Rand fest an der Leine. Und doch war es eine andere Frau, die sie dem Lord Drache ins Bett schicken und vielleicht sogar mit ihm verheiraten wollte, nicht etwa sich selbst. Nun w�rde sie die ganze Zeit �ber bis zum zweiten Abendl�uten schwitzen. Sie mu�te sich ja wohl dar�ber im klaren sein, da� sie h�bsch war, wenn auch nicht ausgesprochen sch�n, und wenn er all die jungen Frauen zur�ckwies, die sie ihm schickte, wollte er vielleicht eine, die f�nfzehn Jahre �lter war und entsprechende Erfahrung aufwies. Und sie w�rde es nicht wagen, den Mann zur�ckzuweisen, der Cairhien in der Hand hielt, das war ihr selbst klar. Bis heute abend sollte sie weich gekocht sein und diese ganze Idiotie abbrechen. Aviendha w�rde h�chstwahrscheinlich jeder Frau die Kehle durchschneiden, die sie in seinem Bett vorfand. Au�erdem hatte er einfach keine Zeit f�r all diese schreckhaften T�ubchen, die glaubten, sich f�r Cairhien und Colavaere opfern zu m�ssen. Er hatte zu viele Probleme, mit denen er fertigwerden mu�te, und zu wenig Zeit daf�r.</p><p><emphasis>Licht, und was ist, falls Colavaere entscheidet, da� es das Opfer wert sei?</emphasis> Das konnte durchaus geschehen. Sie war kaltbl�tig genug. <emphasis>Dann mu� ich daf�r sorgen, da� ihr das Blut vor Angst in den Adern gefriert.</emphasis> Das w�re nicht so schwierig. Er sp�rte <emphasis>Saidin</emphasis> st�ndig gerade au�erhalb seines Gesichtsfeldes. Er sp�rte auch die Verderbnis, den Makel darin. Manchmal glaubte er beinahe, was er sp�re, sei der Makel in ihm selbst, die Spuren, die <emphasis>Saidin</emphasis> in ihm hinterlassen harte.</p><p>Er ertappte sich dabei, wie er Asmodean zornig anblickte. Der Mann schien ihn mit ausdrucksloser Miene zu mustern. Er begann wieder mit seiner Musik. Wie Wasser �ber Steine pl�tschert, so beruhigend wirkten die Kl�nge. Also hatte er wohl etwas zur Beruhigung n�tig, ja?</p><p>Die T�r wurde ohne ein Anklopfen ge�ffnet, und Moiraine, Egwene und Aviendha traten zusammen ein. Die Aielkleidung der beiden jungen Frauen rahmte die in Hellblau gekleidete Aes Sedai ein. Bei jedem anderen, sogar bei Rhuarc oder einem der anderen H�uptlinge, die sich noch in der N�he der Stadt aufhielten, oder auch bei einer weiteren Delegation von Weisen Frauen, w�re zuerst eine Tochter des Speers hereingekommen, um von ihrer Ankunft zu berichten. Diese drei lie�en die T�chter zu ihm durch, selbst wenn er gerade ein Bad nahm. Egwene blickte zu �Natael� hin�ber und verzog das Gesicht. Die Melodie wurde daraufhin langsamer, einen Augenblick lang recht kompliziert � vielleicht ein Tanz? � und wandelte sich dann zu etwas wie einem leichten Wind, der in den B�umen seufzt. Der Mann l�chelte seine Harfe ein wenig schief an.</p><p>�Ich bin �berrascht, dich zu sehen, Egwene�, sagte Rand. Er schwang ein Bein �ber die Sessellehne und machte es sich bequem. �Wie lange ist das her � sechs Tage, w�hrend deren du mich gemieden hast? Hast du mir weitere gute Neuigkeiten mitgebracht? Hat Masema in meinem Namen Amador eingenommen? Oder haben sich diese Aes Sedai, von denen du meintest, sie unterst�tzten mich, als Schwarze Schwestern herausgestellt? Wie dir vielleicht auffallen wird, frage ich nicht nach ihren Namen oder ihrem Aufenthaltsort. Ich will noch nicht einmal wissen, wie du das erfahren hast. Ich bitte dich nicht, Geheimnisse der Aes Sedai preiszugeben, oder der Weisen Frauen oder wessen auch immer. Gib mir nur die Brosamen, die du willens bist fallen zu lassen, und �berlasse mir die �berlegungen, ob das, was du mir nicht zu berichten gewillt bist, mich w�hrend der Nacht hinterr�cks erdolchen wird.�</p><p>Sie sah ihn gelassen an. �Du wei�t alles, was du wissen mu�t. Und ich werde dir nicht sagen, was du nicht zu erfahren brauchst.� Das hatte sie auch schon vor sechs Tagen gesagt. Sie war genauso sehr eine Aes Sedai wie Moiraine, wenn sie auch Aielkleidung trug und die andere hellblaue Seide.</p><p>Bei Aviendha war dagegen von Gelassenheit nichts zu bemerken. Sie trat vor und stand Schulter an Schulter mit Egwene. Ihre gr�nen Augen blitzten, und ihr R�cken war so steif, als sei er aus Eisen. Er war beinahe �berrascht, da� Moiraine sich nicht auch noch danebenstellte, damit sie ihn zu dritt anfunkeln konnten. Ihr Gehorsamseid lie� ihr �berraschend viel Freiraum, wie es schien, und seit seinem Streit mit Egwene waren sich die drei wohl um einiges n�hergekommen. Nicht, da� es ein besonders schlimmer Streit gewesen w�re. Man konnte sich einfach nicht gut mit einer Frau herumstreiten, die ihn nur k�hl anblickte, die Stimme niemals erhob, und die, wenn sie sich einmal zu antworten geweigert hatte, nicht einmal mehr seine Fragen wahrzunehmen schien.</p><p>�Was wollt Ihr?� fragte er.</p><p>�Die sind innerhalb der letzten Stunde f�r Euch angekommen�, sagte Moiraine und hielt ihm zwei zusammengefaltete Briefe hin. Ihre glockenreine Stimme pa�te zu Asmodeans Harfenkl�ngen.</p><p>Rand erhob sich und nahm sie mi�trauisch entgegen. �Wenn sie f�r mich bestimmt sind, wie kommen sie dann in Eure H�nde?� Einer war an �Rand al'Thor� adressiert. Sein Name war mit gleichm��igen, etwas eckigen Buchstaben geschrieben. Der andere ging an �Den Lord Wiedergeborenen Drachen�. Die Schrift war fl�ssiger, aber nicht weniger pr�zise. Die Siegel waren intakt. Ein zweiter Blick lie� ihn jedoch blinzeln. Die beiden Siegel schienen aus dem gleichen roten Wachs gegossen; eines trug als Pr�gung die Flamme von Tar Valon, und auf dem anderen �berdeckte eine Burg die Umrisse der Insel von Tar Valon, die er sofort darin erkannte.</p><p>�Vielleicht des Ortes wegen, von dem sie abgesandt wurden, und der Schreiberin wegen.� Das war auch keine Erkl�rung, aber mehr w�rde er nur zu h�ren bekommen, wenn er es ausdr�cklich verlangte. Und selbst dann w�rde er st�ndig weiter nachfragen m�ssen. Sie hielt sich an ihren Eid, doch auf ihre eigene Art und Weise. �Es befinden sich keine vergifteten Nadeln in den Siegeln. Und es sind auch keine mit der Macht gewobene Fallen zu sp�ren.�</p><p>Er hielt kurz inne, den Daumen auf dem Siegel mit der Flamme von Tar Valon. An beide M�glichkeiten hatte er �berhaupt nicht gedacht. Dann brach er das Siegel. Neben der Unterschrift war eine weitere Flamme in rotes Wachs gepr�gt worden. Der Name: Elaida do Avriny a'Roihan stand hastig hingekritzelt �ber ihren Titeln. Der Rest war mit diesen eckigen Schriftz�gen bedeckt.</p><p>Es sei unbestritten, da� Ihr derjenige seid, dessen Kommen prophezeit wurde, und doch wollen viele Euch Eurer weiteren F�higkeiten wegen vernichten.</p><p>Um des �berlebens der Welt willen kann das nicht zugelassen werden. Zwei Nationen haben ihr Knie vor Euch gebeugt, und genauso die unzivilisierten Aiel, aber die Macht der Throne ist wie Staub gegen�ber der Einen Macht. Die Wei�e Burg wird Euch beherbergen und besch�tzen vor jenen, die sich weigern, einzusehen, was sein mu�. Die Wei�e Burg wird daf�r sorgen, da� Ihr �berlebt, um in Tarmon Gai'don zu k�mpfen. Niemand sonst ist dazu in der Lage. Eine Eskorte aus Aes Sedai wird zu Euch kommen und Euch mit allen Ehren und allem Euch geb�hrenden Respekt nach Tar Valon geleiten. Daf�r verb�rge ich mich.</p><p>�Sie fragt nicht einmal, ob ich kommen will�, sagte er trocken. Er erinnerte sich noch gut an Elaida, obwohl er sie nur einmal getroffen hatte. Eine so harte Frau, da� Moiraine dagegen wie ein neugeborenes K�tzchen wirkte. Die �Ehre und der Respekt�, die ihm zustanden. Er h�tte wetten k�nnen, da� diese Eskorte von Aes Sedai aus genau dreizehn Frauen bestand.</p><p>Er gab Elaidas Brief Moiraine zur�ck und �ffnete den anderen. Der Text war in der gleichen Schrift geschrieben wie die Adresse.</p><p>Mit respektvollen Gr��en bitte ich dem�tigst darum, mich dem gro�en Lord Wiedergeborenen Drachen kenntlich machen und offenbaren zu d�rfen, den das Licht als Retter der Welt gesegnet hat.</p><p>Die ganze Welt mu� in Ehrfurcht vor Euch stehen, der Ihr Cairhien an einem Tag erobert habt wie zuvor Tear. Und doch bitte ich Euch, seid vorsichtig, denn Euer Glanz wird Eifersucht selbst bei jenen hervorrufen, die nicht dem Schatten verbunden sind. Sogar hier in der Wei�en Burg gibt es Blinde, die Euren wahren Glanz, der uns allen leuchten wird, nicht sehen k�nnen. Und doch sollt Ihr wissen, da� einige Euer Kommen sehnlichst erwarten und ihre Erf�llung darin finden werden, Eurem Ruhm zu dienen. Wir geh�ren nicht zu denen, die etwas von Eurem Glanz f�r sich selbst stehlen wollen, sondern zu denen, die niederknien und in Eurem Licht baden wollen. Ihr werdet die Welt retten, so sagen es die Prophezeiungen, und die Welt wird Euer sein.</p><p>Ich sch�me mich, Euch zu bitten, niemandem diese Zeilen zu zeigen und sie zu vernichten, sobald Ihr sie gelesen habt. Ohne Euren Schutz stehe ich unter jenen, die Eure Macht untergraben m�chten, und ich kann nicht wissen, wer in Eurer Umgebung ebenso treu w�re wie ich. Man sagte mir, da� sich Moiraine Damodred bei Euch befinden k�nne. Sie mag Euch ja untert�nigst dienen und Eure Worte als Gesetz betrachten, so wie ich, doch ich kann das nicht beurteilen, denn ich kenne sie als eine Frau mit vielen Geheimnissen, die gern Intrigen spinnt, wie das in Cairhien an der Tagesordnung ist. Aber solltet Ihr sie auch als Euer Gesch�pf betrachten, so wie mich, bitte ich Euch dennoch, diese Mitteilung selbst vor ihr geheimzuhalten.</p><p>Mein Leben liegt in Euren H�nden, mein Lord Wiedergeborener Drache, und ich bin Eure Dienerin.</p><p>Alviarin Freidhen Er blinzelte und las ihn noch einmal durch. Dann gab er Moiraine den Brief. Sie �berflog hastig den Inhalt und reichte ihn an Egwene weiter, die mit Aviendha die K�pfe �ber dem Brief zusammensteckte. Vielleicht wu�te Moiraine bereits �ber den Inhalt Bescheid?</p><p>�Es war gut, da� Ihr den Eid abgelegt habt�, sagte er. �So, wie Ihr euch fr�her verhalten habt und mir alles vorenthieltet, w�re ich jetzt sicher bereit gewesen, Euch zu verd�chtigen. Es ist sehr gut, da� Ihr jetzt offener seid.� Sie reagierte nicht. �Was haltet Ihr davon?�</p><p>�Sie mu� davon geh�rt haben, da� dir alles ziemlich zu Kopf gestiegen ist�, sagte Egwene leise. Er glaubte nicht, da� er die Worte wirklich hatte h�ren sollen. Dann sch�ttelte sie den Kopf und sagte lauter: �Das klingt �berhaupt nicht nach Alviarin.�</p><p>�Es ist ihre Handschrift�, sagte Moiraine. �Was haltet Ihr selbst davon, Rand?�</p><p>�Ich denke, die Burg ist gespalten, ob das Elaida klar ist oder nicht. Ich glaube doch, eine Aes Sedai kann genausowenig eine L�ge niederschreiben wie aussprechen, oder?� Er wartete gar nicht erst auf ihr Nicken. �H�tte Alviarin nicht ganz so gek�nstelt geschrieben, k�nnte man glauben, sie arbeiteten zusammen, um mich hinzulocken. Aber ich kann mir nicht vorstellen, da� Elaida auch nur an so etwas denken w�rde, geschweige denn eine Beh�terin der Chronik damit beauftragen, das zu schreiben!�</p><p>�Du wirst dieser Aufforderung keine Folge leisten�, sagte Aviendha. Sie zerkn�llte Elaidas Brief. Es war keine Frage gewesen.</p><p>�Ich bin doch kein Narr.�</p><p>�Manchmal nicht�, sagte sie m�rrisch und machte alles noch schlimmer, als sie eine Augenbraue fragend in Richtung Egwene hob, die daraufhin einen Augenblick �berlegte und schlie�lich die Achseln zuckte.</p><p>�Was lest Ihr noch heraus?� fragte Moiraine.</p><p>�Ich lese von Spionen der Wei�en Burg�, antwortete er trocken. �Sie wissen, da� ich die Stadt halte.� Zumindest die ersten zwei oder drei Tage nach Ende der Schlacht h�tten die Shaido noch nicht einmal eine Taube in Richtung Norden durchgelassen. Und sogar ein Reiter, der wu�te, wo er Pferde wechseln konnte, was zwischen Cairhien und Tar Valon keineswegs sicher war, h�tte die Burg nicht so schnell erreichen k�nnen, da� diese Briefe als Reaktion darauf heute angekommen w�ren.</p><p>Moiraine l�chelte. �Ihr lernt schnell. Ihr werdet weit kommen.� Einen Augenblick lang wirkte sie beinahe stolz auf ihn. �Was werdet Ihr nun unternehmen?�</p><p>�Nichts, au�er daf�r zu sorgen, da� sich Elaidas �Eskorte� mir nie auf mehr als eine Meile n�hert.� Dreizehn der schw�chsten Aes Sedai konnten ihn �berw�ltigen, wenn sie sich verkn�pften, und er glaubte nicht daran, da� Elaida ihre schw�chsten schicken werde. �Das, und ich werde mir merken, da� die Burg einen Tag, nachdem ich etwas tue, bereits dar�ber Bescheid wei�. Sonst nichts, solange ich nicht mehr wei�. K�nnte Alviarin zu deinen geheimnisvollen Freundinnen geh�ren, Egwene?�</p><p>Sie z�gerte, und er fragte sich mit einemmal, ob sie Moiraine �berhaupt mehr erz�hlt habe als ihm. H�tete sie die Geheimnisse der Aes Sedai oder die der Weisen Frauen? Schlie�lich sagte sie einfach: �Ich wei� es nicht.�</p><p>Es klopfte an der T�r und Somara schob ihren flachsblonden Kopf herein. �Matrim Cauthon ist gekommen, <emphasis>Car'a'carn.</emphasis> Er sagt, Ihr h�ttet nach ihm geschickt.�</p><p>Vor vier Stunden, gleich nachdem er erfahren hatte, da� sich Mat wieder in der Stadt befand. Welche Ausrede w�rde er diesmal wieder ben�tzen? Es war an der Zeit, mit den Ausreden Schlu� zu machen. �Danke�, sagte er zu der Frau. Die Weisen Frauen machten Mat fast genauso nerv�s wie die Aes Sedai. Die drei anwesenden w�rden ihn aus dem Gleichgewicht bringen. Er verschwendete keinen Gedanken mehr daran, da� er sie benutzte. Er w�rde auch Mat benutzen. �Schickt ihn herein, Somara.�</p><p>Mat schlenderte grinsend in den Raum, als sei es irgendein beliebiger Schankraum. Sein gr�ner Rock stand offen, und sein Hemd war am Kragen halb aufgebunden. Der silberne Fuchskopf baumelte auf seiner verschwitzten Brust, aber um den Hals trug er trotz der Hitze den dunklen Seidenschal, um die Strangulierungsnarbe zu verbergen. �Tut mir leid, wenn ich so sp�t komme. Da waren so ein paar Leutchen aus Cairhien, die glaubten, sie k�nnten Karten spielen. Kann er nichts Lebhafteres spielen?� fragte er noch mit einer Kopfbewegung in Asmodeans Richtung.</p><p>�Wie ich h�re�, sagte Rand, �will sich jeder junge Mann, der auch nur ein Schwert tragen kann, der Bande der Roten Hand anschlie�en. Talmanes und Nalesean m�ssen sie in Scharen abweisen. Und Daerid hat die Anzahl seiner Infanteristen verdoppelt.�</p><p>Mat unterbrach seine Bewegung, mit der er sich gerade auf den Sessel hatte setzen wollen, den Aracome ben�tzt hatte. �Das stimmt. Eine ganze Menge netter junger ... Burschen, die gern Helden sein m�chten.�</p><p>�Die Bande der Roten Hand�, murmelte Moiraine. <emphasis>�Shen an Calhar.</emphasis> Das war allerdings eine legend�re Gruppe von Helden, obwohl ihre Mitglieder oftmals wechselten, denn der Krieg, in dem sie k�mpften, dauerte mehr als dreihundert Jahre. Man sagt, sie seien die letzten gewesen, die den Trollocs noch widerstanden, und sie h�tten Aemon selbst besch�tzt, als Manetheren starb. Der Legende nach sprang eine Quelle aus dem Boden, dort, wo die letzten von ihnen fielen, und bewahrte so ihr Andenken, aber ich glaube eher, da� die Quelle schon vorher da war.�</p><p>�Davon wei� ich nichts.� Mat ber�hrte das Medaillon mit dem Fuchskopf, und seine Stimme wurde kr�ftiger. �Irgendein Narr hat den Namen aufgeschnappt, und seither ben�tzen sie ihn alle.�</p><p>Moiraine warf dem Medaillon einen beil�ufigen Blick zu. Der kleine blaue Edelstein, der auf ihrer Stirn hing, schien das Licht aufzufangen und zu gl�hen, wenn auch die Winkel nicht stimmen konnten, in denen das Licht gebrochen wurde. �Wie es scheint, seid Ihr sehr tapfer, Mat.� Sie sagte das ohne jede Betonung, und in der darauffolgenden Stille verh�rtete sich sein Gesicht. �Es war sehr mutig�, fuhr sie schlie�lich fort, �die <emphasis>Shen an Calhar</emphasis> �ber den Alguenya nach S�den gegen die Andoraner zu f�hren. Sogar noch mutiger, denn den Ger�chten nach seid Ihr allein vorausgeritten, den Weg zu erkunden, und Talmanes und Nalesean mu�ten einen harten Ritt liefern, um Euch einzuholen.� Egwene schnaubte laut im Hintergrund. �Nicht unbedingt klug gehandelt f�r einen jungen Lord, der seine M�nner anf�hrt.�</p><p>Mat sch�rzte die Lippen. �Ich bin kein Lord. Ich habe denn doch zuviel Selbstachtung daf�r.�</p><p>�Aber sehr mutig�, sagte Moiraine versonnen, als habe er nichts gesagt. �Die Proviantwagen der Andoraner verbrannt, ihre Vorposten vernichtet. Und drei Schlachten. Drei Schlachten und drei Siege. Und mit geringen Verlusten, was die eigenen M�nner angeht, obwohl der Gegner in der �berzahl war.� Als sie nach einem Ri� im Schulterst�ck seines Rocks tastete, sank er im Sessel zur�ck, soweit er nur konnte. �Werdet Ihr ins dichteste Schlachtengew�hl hineingezogen oder lockt Ihr die Schlachten an? Ich bin fast schon �berrascht, da� Ihr zur�ckgekommen seid. Geht man den Berichten nach, h�ttet Ihr die Andoraner glatt �ber den Erinin zur�cktreiben k�nnen, w�rt Ihr dort geblieben.�</p><p>�Haltet Ihr das f�r lustig?� fauchte Mat. �Wenn Ihr etwas sagen wollt, dann heraus damit. Ihr k�nnt die Katze spielen, solange Ihr wollt, aber ich bin keine Maus.� Einen Moment lang huschte sein Blick zu Egwene und Aviendha hin�ber, die mit verschr�nkten Armen zusahen, und wieder tastete er nach dem silbernen Fuchskopf. Er fragte sich wohl gerade, wenn es schon den Strang der Macht <emphasis>einer</emphasis> Frau von ihm abgehalten hatte, w�rde es dann auch dreien widerstehen?</p><p>Rand sah nur zu. Er beobachtete, wie sein Freund weichgeklopft wurde, damit er mit ihm tun konnte, was er zu tun vorhatte. <emphasis>Gibt es f�r mich noch etwas anderes als die Notwendigkeit?</emphasis> Ein kurzer Gedanke nur, aufblitzend und gleich wieder verschwunden. Er w�rde tun, was sein mu�te.</p><p>Die Stimme der Aes Sedai �berzog sich mit Rauhreif, als sie beinahe wie ein Echo Rands Gedanken aussprach: �Wir tun alle, was wir tun m�ssen, wie es das Muster vorschreibt. F�r einige bedeutet das weniger Freiheit als f�r andere. Es spielt keine Rolle, ob wir uns daf�r entscheiden oder ob wir einfach daf�r ausgew�hlt werden. Was sein mu�, mu� sein.�</p><p>Mat blickte keineswegs drein, als sei er weichgeklopft. Mi�trauisch, ja, und ganz sicher zornig, aber keineswegs weich. Er glich einem Kater, der von drei Hunden in eine Ecke getrieben worden war. Ein Kater, der sein Leben teuer verkaufen w�rde. Er schien ganz vergessen zu haben, da� sich au�er ihm selbst und den Frauen noch jemand im Raum befand. �Ihr schubst einen Mann immer so lange herum, bis Ihr ihn habt, wo Ihr ihn haben wollt, ja? Versetzt ihm einen Tritt, wenn er sich nicht am Nasenring f�hren l��t. Blut und blutige Asche! Schau mich nicht so b�se an, Egwene. Ich spreche, wie es mir pa�t. Seng mich! Alles, was jetzt noch fehlt, ist Nynaeve, die sich den Zopf aus der Kopfhaut rei�t, und Elayne mit ihrem hochn�sigen Blick. Was bin ich froh, da� sie nicht hier ist und alles mit anh�rt, was ich zu berichten habe, aber h�ttet Ihr auch noch Nynaeve dabei, w�rde ich mich trotzdem nicht... �</p><p>�Was gibt es zu berichten?� fragte Rand scharf. �Etwas, das Elayne nicht h�ren sollte?�</p><p>Mat blickte zu Moiraine auf. �Wollt Ihr damit sagen, es g�be noch etwas, das Ihr nicht herausgefunden habt?�</p><p>�Was ist geschehen, Mat�, fragte Rand ungeduldig.</p><p>�Morgase ist tot.�</p><p>Egwene schnappte nach Luft hob beide H�nde vor den Mund und ri� die Augen auf. Moiraine fl�sterte etwas, das wie ein Gebet klang. Asmodeans Finger an der Harfe verloren den Takt jedoch nicht.</p><p>Rand hatte das Gef�hl, jemand habe ihm den Magen aus dem Leib gerissen. <emphasis>Elayne, vergib mir.</emphasis> Und ein schwaches Echo, mit einer �nderung, <emphasis>Ilyena, vergib mir.</emphasis> �Bist du sicher?�</p><p>�So sicher man eben sein kann, wenn man die Leiche nicht gesehen hat. Wie es scheint, wurde Gaebril zum K�nig von Andor ausgerufen. Und auch von Cairhien �brigens! Angeblich hat Morgase daf�r gesorgt. So etwas wie, �die Zeit verlangt nach einem starken Mann� oder so �hnlich. Als k�nne jemand noch st�rker sein als Morgase selbst. Nur, da� diese Andoraner im S�den Ger�chte vernommen haben, sie sei bereits wochenlang nicht mehr gesehen worden. Mehr als nur Ger�chte. Und nun sage mir, worauf das hinausl�uft. Andor hatte noch nie einen K�nig, und nun hat es einen, und die K�nigin ist verschwunden. Gaebril ist derjenige, der Elayne t�ten lassen wollte. Ich habe versucht, es ihr zu sagen, aber du wei�t ja, da� sie immer alles besser wei� als ein Bauer aus der tiefsten Provinz. Ich glaube nicht, da� er auch nur im Geringsten davor zur�ckschrecken w�rde, einer K�nigin die Kehle durchzuschneiden.�</p><p>Rand wurde bewu�t, da� er auf einem der Sessel Mat gegen�ber sa�, obgleich er sich nicht daran erinnerte, sich dorthin gesetzt zu haben. Aviendha legte ihm eine Hand auf die Schulter. In ihren Augen lag Mitgef�hl. �Es geht mir gut�, sagte er kurz angebunden. �Du brauchst Somara nicht her einschicken.� Sie err�tete, doch er bemerkte es kaum.</p><p>Elayne w�rde ihm niemals vergeben. Er hatte davon gewu�t, da� Rahvin � Gaebril � Morgase gefangenhielt, aber er hatte das ignoriert, weil der Verlorene vermutlich von ihm erwartete, er werde ihr helfen. Er war seinen eigenen Weg gegangen, hatte getan, was sie nicht erwarteten. Und es hatte darin geendet, da� er Couladin jagen mu�te, anstatt seinen eigenen Pl�ne nachzugehen. Er hatte Bescheid gewu�t und seine Aufmerksamkeit auf Sammael konzentriert. Weil ihn der Mann herausforderte. Morgase konnte warten, bis er Sammaels Falle zerschmettert hatte und mit ihr Sammael selbst. Und deshalb war Morgase tot. Elaynes Mutter war tot.</p><p>Elayne w�rde ihn bis an ihr Totenbett verfluchen.</p><p>�Ich sage dir eines�, fuhr Mat fort. �Es befinden sich eine Menge Gefolgsleute der K�nigin dort unten. Sie sind sich keineswegs sicher, ob sie f�r einen K�nig k�mpfen sollen. Suche du Elayne. Die H�lfte von ihnen wird sich dir anschlie�en, wenn du Elayne auf den...�</p><p>�Halt den Mund!� schrie Rand ihn an. Er bebte derart vor Zorn, da� Egwene zur�cktrat und selbst Moiraine ihn mi�trauisch anblickte. Aviendhas Griff an seiner Schulter wurde fester, doch er sch�ttelte beim Aufstehen ihre Hand ab. Morgase tot, weil <emphasis>er</emphasis> nichts unternommen hatte. Seine eigene Hand hatte diesen Dolch gef�hrt, zusammen mit der Rahvins. Elayne. �Sie wird ger�cht werden. Rahvin, Mat. Nicht Gaebril. Rahvin. Ich werde ihn an den Haaren zum Henker schleifen, und wenn ich nichts anderes mehr in meinem Leben fertigbringe!�</p><p>�Oh, Blut und blutige Asche!� st�hnte Mat.</p><p>�Das ist doch Wahnsinn.� Egwene zuckte zusammen, als ihr bewu�t wurde, was sie gesagt hatte, aber sie beherrschte sich und sprach mit fester, ruhiger Stimme: �Du hast noch alle H�nde voll mit Cairhien zu tun, ganz zu schweigen von den Shaido im Norden und was immer du auch in Tear vorhast. Willst du noch einen Krieg beginnen, obwohl du bereits zwei am Hals hast und obendrein noch ein zerst�rtes Land?�</p><p>�Keinen Krieg. Nur ich. Ich kann in einer Stunde in Caemlyn sein. Ein �berfall � richtig, Mat? � ein �berfall, aber kein Krieg. Ich werde Rahvin das Herz aus dem Leib rei�en.� Jedes Wort klang wie ein Hammerschlag. Er hatte das Gef�hl, S�ure statt Blut in den Adern zu haben. �Ich w�nschte fast, ich h�tte Elaidas dreizehn Schwestern dabei und k�nnte ihn mit ihrer Hilfe lahmen und vor Gericht bringen. Wegen Mordes verurteilen und h�ngen. Das w�re Gerechtigkeit. Aber so mu� er eben sterben, gleich, auf welche Art ich das fertigbringe.�</p><p>�Morgen�, sagte Moiraine leise.</p><p>Rand funkelte sie an. Doch sie hatte ja recht. Morgen war besser. Eine Nacht, damit sein Zorn abk�hlte. Er mu�te kaltbl�tig sein, wenn er Rahvin gegen�berstand. Im Augenblick h�tte er am liebsten nach <emphasis>Saidin</emphasis> gegriffen und wild um sich geschlagen, zerst�rt. Asmodeans Musik hatte sich wieder ver�ndert. Er spielte ein Lied, das die Stra�enmusikanten in der Stadt w�hrend des B�rgerkriegs gespielt hatten. Manchmal konnte man es auch jetzt noch h�ren, wenn gerade ein Adliger aus Cairhien vorbeikam. �Der Narr, der glaubte, K�nig zu sein.� �Raus, Natael! Raus!�</p><p>Asmodean erhob sich geschmeidig, verneigte sich, doch sein Gesicht war schneewei�, und er ging so schnell durch den Raum, als f�rchte er, was die n�chsten Sekunden bringen mochten. Er stichelte ja immer, aber m�glicherweise war er diesmal zu weit gegangen. Als er die T�r �ffnete, sagte Rand: �Ich will Euch heute abend noch sehen. Lebend oder tot.�</p><p>Diesmal wirkte Asmodeans Verbeugung nicht ganz so elegant. �Wie mein Lord Drache befiehlt�, sagte er heiser und schlo� die T�r hastig von drau�en.</p><p>Die drei Frauen blickten Rand ausdruckslos und ohne Wimpernzucken an.</p><p>�Ihr anderen geht jetzt auch.� Mat sprang beinahe in Richtung T�r. �Du nicht. Mit dir habe ich noch einiges zu besprechen.�</p><p>Mat blieb abrupt stehen, seufzte laut und spielte mit seinem Medaillon herum. Er war der einzige, der sich ger�hrt hatte.</p><p>�Du hast keine dreizehn Aes Sedai�, sagte Aviendha, �aber zwei hast du wenigstens. Und dann noch mich. Ich wei� vielleicht nicht soviel wie Moiraine Sedai, aber ich bin genauso stark wie Egwene, und dieser Tanz ist mir keineswegs fremd.� Sie meinte nat�rlich den Tanz der Speere, wie die Aiel einen Kampf bezeichneten.</p><p>�Rahvin geh�rt mir�, sagte er ganz ruhig zu ihr. Vielleicht konnte ihm Elayne wenigstens ein bi�chen verzeihen, wenn er ihre Mutter r�chte. Wahrscheinlich nicht, aber dann konnte er sich m�glicherweise selbst verzeihen. Ein wenig. Er zwang seine H�nde zur Ruhe, wollte keine F�uste ballen.</p><p>�Wirst du am Boden einen Strich ziehen, den er �berschreiten mu�?� fragte Egwene. �Oder ihn herausfordern, damit er dich angreift? Hast du schon daran gedacht da� Rahvin vielleicht nicht allein ist, wenn er sich jetzt schon K�nig von Andor nennt? Dein Erscheinen wird sicher sehr wirkungsvoll sein, wenn einer seiner Leibw�chter dir einen Pfeil durchs Herz schie�t.�</p><p>Er erinnerte sich daran, wie er sich sehnlichst gew�nscht hatte, sie m�ge ihn nicht immer anschreien, doch damals war eben alles um vieles einfacher gewesen. �Hast du geglaubt, ich wolle allein hingehen?� Das hatte er vorgehabt. Er hatte �berhaupt noch nicht daran gedacht, jemanden mitzunehmen, der seinen R�cken deckte. Jetzt erst machte sich ein kleines Fl�stern in seinem Kopf bemerkbar: <emphasis>Er kommt am liebsten von hinten oder von der Flanke her.</emphasis> Er konnte kaum noch klar denken. Sein Zorn schien ein Eigenleben entwickelt zu haben und st�ndig das Feuer zu sch�ren, das ihn am Kochen hielt. �Aber euch nicht. Das ist ein gef�hrliches Unternehmen. Moiraine kann mitkommen, wenn sie m�chte.�</p><p>Egwene und Aviendha mu�ten sich gar nicht erst anblicken, um gemeinsam vorzutreten, bis sie so nahe vor ihm standen, da� sogar Aviendha den Kopf in den Nacken legen mu�te, damit sie ihm in die Augen sehen konnte.</p><p>�Moiraine kann mitkommen, wenn sie m�chte�, wiederholte Egwene.</p><p>Wenn ihre Stimme dabei wie hartes, glattes Eis klang, war die Aviendhas hitzig wie schmelzendes Gestein: �Aber f�r uns ist es zu gef�hrlich.�</p><p>�Hast du dich pl�tzlich in meinen Vater verwandelt? Hei�t du jetzt Bran al'Vere?�</p><p>�Wenn du drei Speere hast, legst du dann zwei zur Seite, nur, weil sie erst sp�ter angefertigt wurden als der dritte?�</p><p>�Ich will euer Leben nicht riskieren�, sagte er verlegen.</p><p>Egwene hob die Augenbrauen. �Ach?� Das war alles.</p><p>�Ich bin keine deiner Gai'schain.� Aviendha fletschte die Z�hne. �Du wirst niemals bestimmen, welche Risiken ich auf mich nehme, Rand al'Thor. Niemals. Merk dir das von nun an.�</p><p>Er k�nnte... Was? Sie in <emphasis>Saidin</emphasis> wickeln und hier festsetzen? Er war immer noch nicht in der Lage, sie abzuschirmen. Also k�nnten sie ihn umgekehrt ebenso einwickeln. Ein sch�nes Durcheinander, und das nur, weil die beiden so stur waren.</p><p>�Ihr habt vielleicht an Leibw�chter gedacht�, warf Moiraine ein, �aber wie steht es, wenn sich Semirhage oder Graendal bei Rahvin befinden? Oder Lanfear? Die beiden hier k�nnten mit einer von ihnen fertigwerden, aber k�nntet Ihr Rahvin und die andere allein besiegen?�</p><p>Da hatte noch ein Unterton in ihrer Stimme gelegen, als sie Lanfears Namen aussprach. F�rchtete sie, falls sich Lanfear dort befand, da� er sich schlie�lich doch der Verlorenen anschlie�en werde? Was w�rde er unternehmen, falls er sie wirklich dort antraf? Was konnte er �berhaupt ausrichten? �Sie k�nnen mitkommen�, gab er nach und knirschte dabei fast mit den Z�hnen. �Werdet Ihr jetzt gehen?�</p><p>�Wie Ihr befehlt�, sagte Moiraine, doch sie hatten es nicht besonders eilig damit. Aviendha und Egwene r�ckten mit �bertriebener Sorgfalt ihre Schals zurecht bevor sie zur T�r gingen. Lords und Ladies sprangen, wenn er etwas w�nschte, aber <emphasis>sie</emphasis> w�rden das niemals tun.</p><p>�Ihr habt nicht versucht, es mir auszureden�, sagte er pl�tzlich.</p><p>Er hatte die Worte an Moiraine gerichtet, doch Egwene antwortete zuerst. Allerdings sprach sie zu Aviendha und l�chelte sie dabei an. �Einen Mann von etwas abbringen zu wollen, was er unbedingt vorhat, ist <emphasis>so,</emphasis> als nehme man einem Kind sein Bonbon weg. Manchmal ist es notwendig, aber gelegentlich ist es auch nicht der M�he wert.� Aviendha nickte.</p><p>�Das Rad webt, wie das Rad es w�nscht�, bekam er von Moiraine zur Antwort. Sie stand in der T�r und wirkte noch mehr wie eine Aes Sedai, als er sie jemals erlebt hatte: alterslos, die dunklen Augen bereit, ihn zu verschlingen, zierlich und schlank und doch so w�rdevoll, da� ihr selbst dann ein ganzer Saal voll K�niginnen gehorchen w�rde, wenn sie keinen Funken der Macht beherrschte. Wieder brach sich der Lichtschein in dem blauen Edelstein auf ihrer Stirn. �Ihr werdet Erfolg haben, Rand.�</p><p>Er sah die T�r noch an, lange, nachdem sie sich hinter ihnen geschlossen hatte. Das Schaben von Stiefelsohlen erinnerte ihn an Mats Gegenwart. Mat bem�hte sich, sich ganz heimlich in Richtung der T�r zu schieben, so langsam, da� er die Bewegung kaum wahrgenommen hatte.</p><p>�Ich mu� mit dir sprechen, Mat.�</p><p>Mat verzog das Gesicht. Er ber�hrte seinen Fuchskopf wie einen Talisman und fuhr zu Rand herum. ��Wenn du glaubst, ich opfere meinen Kopf, nur weil diese n�rrischen Frauen das vorhaben, kannst du es vergessen. Ich bin kein verdammter Held, und ich will gar keiner sein. Morgase war eine h�bsche Frau, und sie hat mir sogar gefallen, soweit man das von einer K�nigin sagen kann, aber Rahvin ist Rahvin, verflucht noch mal, und ich...�</p><p>�Halt den Mund und h�r zu. Versuch nicht l�nger, davonzulaufen.�</p><p>�Ach, seng mich, wenn ich das tue! Das ist nicht <emphasis>mein</emphasis> Spiel, und ich werde nicht...�</p><p>�Ich habe dir doch gesagt, du sollst den Mund halten!� Rand dr�ckte mit steifem Finger den Fuchskopf an Mats Brust. �Ich wei�, woher du das hast. Ich war dabei, erinnerst du dich noch daran? Ich habe das Seil durchschnitten, an dem du hingst. Ich wei� auch nicht, was dir dort in den Kopf untergeschoben wurde, aber was auch immer, ich ben�tige es jedenfalls. Die Clanh�uptlinge verstehen etwas von Kriegf�hrung, aber irgendwie verstehst du auch etwas davon und vermutlich einiges mehr. Und das ist wichtig f�r mich! Also wirst du folgendes unternehmen, und zwar zusammen mit der Bande der Roten Hand...�</p><p>�Seid morgen vorsichtig�, sagte Moiraine.</p><p>Egwene blieb an der T�r zu ihrem Zimmer stehen. �Nat�rlich werden wir vorsichtig sein.� Ihr Magen �berschlug sich fast, doch sie beherrschte eisern ihre Stimme. �Wir wissen, wie gef�hrlich es wird, einer der Verlorenen gegen�berzustehen.� Aviendhas Gesichtsausdruck nach konnte es ein Gespr�ch �ber ihr Abendessen sein. Aber andererseits hatte sie niemals vor irgend etwas Angst.</p><p>�Tats�chlich?� murmelte Moiraine. �La�t trotzdem alle Vorsicht walten, ob ihr nun glaubt, eine der Verlorenen befinde sich in der N�he, oder nicht. Rand braucht Euch beide in den kommenden Tagen. Ihr werdet gut mit seinen Zornesausbr�chen fertig � wenn ich auch sagen darf, da� Eure Methoden etwas ungew�hnlich sind. Er wird Menschen brauchen, die durch seinen Zorn nicht vertrieben oder eingesch�chtert werden k�nnen und die ihm sagen, was er h�ren <emphasis>mu�,</emphasis> und nicht nur das, was er ihrer Meinung nach h�ren will.�</p><p>�Das tut Ihr doch bereits, Moiraine�, erwiderte Egwene.</p><p>�Sicher. Und doch wird er Euch brauchen. Ruht Euch gut aus. Morgen wird ein ... schwerer Tag f�r uns alle.� Damit glitt sie den Korridor entlang, durch D�mmerlicht, durch den schwachen Schein einer Lampe, dann wieder ins D�mmerlicht hinein. In diesen d�steren R�umen brach bereits der Abend an und das �l war knapp.</p><p>�Bleibst du noch eine Weile bei mir, Aviendha?� bat Egwene. �Mir ist mehr nach Unterhaltung zumute als nach Essen.�</p><p>�Ich mu� Amys noch mitteilen, was ich morgen zu tun versprochen habe. Und ich mu� in Rand al'Thors Schlafgemach sein, wenn er sich dorthin begibt.�</p><p>�Elayne kann sich wirklich nicht beklagen, da� du Rand nicht sorgf�ltig genug f�r sie geh�tet h�ttest. Hast du wirklich Lady Berewin am Haar durch den Flur geschleift?�</p><p>Aviendhas Wangen r�teten sich leicht. �Glaubst du, diese Aes Sedai in � Salidar? � werden ihn unterst�tzen?�</p><p>�Sei vorsichtig mit diesem Namen, Aviendha. Wir k�nnen Rand nicht gestatten, unvorbereitet auf sie zu sto�en.� So, wie er sich im Augenblick verhielt, war es wahrscheinlicher, da� sie ihn einer D�mpfung unterzogen oder ihm zumindest dreizehn eigene Schwestern auf den Hals schickten, anstatt ihm zu helfen. Sie w�rde sich in <emphasis>Tel'aran'rhiod</emphasis> zwischen die Gruppen stellen m�ssen, sie und Nynaeve und Elayne, und darauf hoffen, da� diese Aes Sedai sich bereits zu sehr f�r Rand eingesetzt hatten, um noch einen R�ckzieher machen zu k�nnen, wenn sie entdeckten, wie nahe am Rande des Wahnsinns er sich befand.</p><p>�Ich werde vorsichtig sein. Schlaf gut. Und i� heute abend noch kr�ftig. Am Morgen dagegen solltest du nichts mehr essen. Es ist nicht gut, den Tanz der Speere mit vollem Magen zu beginnen.�</p><p>Egwene blickte ihr hinterher, wie sie davonschritt, und dann dr�ckte sie mit beiden H�nden ihre Magengegend. Sie hatte nicht das Gef�hl, als w�rde sie heute abend oder morgen fr�h noch etwas essen k�nnen. Rahvin. Und m�glicherweise Lanfear oder eine der anderen. Nynaeve hatte sich Moghedien gestellt und sie bezwungen. Aber Nynaeve war st�rker als sie oder Aviendha, falls sie gerade die Macht benutzen konnte. Vielleicht war ja doch niemand sonst dabei. Rand hatte gesagt, die Verlorenen trauten einander keineswegs. Sie w�nschte fast, er habe diesmal nicht recht oder er sei sich wenigstens nicht so sicher. Es �ngstigte sie, wenn sie glaubte, einen anderen Mann aus seinen Augen blicken zu sehen und die Worte eines anderen aus seinem Mund zu h�ren. Es sollte sie nicht so erschrecken; schlie�lich wurde jedermann wiedergeboren, wenn sich das Rad weiterdrehte. Aber jedermann war eben nicht der Wiedergeborene Drache. Moiraine wollte nicht dar�ber sprechen. Was w�rde Rand tun, falls sich Lanfear dort befand? Lanfear hatte Lews Therin Telamon geliebt, doch was hatte der Drache f�r sie empfunden? Wieviel an Rand war �berhaupt noch Rand?</p><p>�Auf diese Weise wirst du dich nur immer mehr in �ngste hineinsteigern�, sagte sie sich energisch. �Du bist doch kein Kind mehr. Benimm dich wie eine Frau!�</p><p>Als eine Dienerin ihr das Abendessen brachte �Brechbohnen und Kartoffeln und dazu frisch gebackenes Brot �, zwang sie sich zum Essen. Es schmeckte wie Asche.</p><p>Mat schritt durch die schlecht beleuchteten G�nge des Palastes und ri� schlie�lich die T�r zu den Gem�chern auf, die man dem jungen Helden der Schlacht gegen die Shaido zugedacht hatte. Nicht, da� er hier viel Zeit verbracht h�tte. Er kam nur selten her. Die Diener hatten zwei der Lampen auf den hohen St�ndern angez�ndet. Held! Er war kein Held! Was bekam denn ein Held? Eine Aes Sedai t�tschelte einem den Kopf und schickte ihn dann wie einen treuen Hund wieder auf die Jagd. Eine adlige Dame lie� sich dazu herab, ihn mit einem Ku� zu belohnen. Sie w�rde aber auch Blumen auf sein Grab legen. Er tigerte in seinem Vorzimmer auf und ab. Ausnahmsweise einmal widmete er dem kostbaren Illianer Teppich mit dem Blumenmuster oder den vergoldeten oder mit Elfenbein eingelegten St�hlen und Kommoden und Tischen keinen Gedanken.</p><p>Die st�rmische Besprechung mit Rand hatte sich bis zum Sonnenuntergang hingezogen, wobei er auswich, sich weigerte, doch Rand blieb stur und hartn�ckig wie Falkenfl�gel nach dem mi�lungenen Angriff am Cole-Pa�. Was sollte er denn tun? Wenn er wieder ausritt, w�rden ihm Talmanes und Nalesean unter Garantie mit so vielen M�nnern folgen, wie sie in den Sattel bekamen. Sie erwarteten von ihm, da� er einen neuen Kampf aufsp�rte, in dem sie eingesetzt w�rden. Und genau das w�rde wahrscheinlich auch passieren. Dieses Wissen jagte ihm einen Schauder den R�cken hinab. So sehr er es ha�te, so etwas zugeben zu m�ssen, aber die Aes Sedai hatte recht. Er wurde von K�mpfen angezogen oder sie von ihm. Niemand h�tte sich mehr als er bem�hen k�nnen, auf der anderen Seite des Alguenya jede Auseinandersetzung zu vermeiden. Selbst Talmanes war das aufgefallen. Doch als sie sich zum zweitenmal vorsichtig vor einer Truppe Andoraner zur�ckgezogen hatten, um nicht bemerkt zu werden, liefen sie prompt einer anderen in die Arme und hatten keine andere Wahl mehr, als zu k�mpfen. Und jedesmal sp�rte er, wie in seinem Kopf die W�rfel rollten. Mittlerweile konnte das beinahe schon als Warnung dienen, da� hinter dem n�chsten H�gel ein neuer Kampf auf ihn wartete.</p><p>Unten im Hafen neben den Getreidek�hnen fand sich fast immer ein Schiff. Es w�re doch wohl mehr als unwahrscheinlich, auf einem Schiff in der Mitte eines Flusses noch k�mpfen zu m�ssen. Allerdings hatten die Andoraner das eine Ufer des Alguenya bis weit jenseits der Stadt besetzt. So, wie sich sein Gl�ck in letzter Zeit entwickelt hatte, w�rde das Schiff vermutlich am westlichen Ufer direkt vor der Nase des halben andoranischen Heeres auf Grund laufen.</p><p>So blieb nur �brig, das zu tun, was Rand wollte. Das wurde ihm immer klarer.</p><p>�Guten Morgen, Hochlord Weiramon und all ihr anderen Hochlords und Ladies. Ich bin ein Spieler, ein Bauernjunge, und ich bin hier, um das Kommando Eures verdammten Heeres zu �bernehmen! Der verfluchte Wiedergeborene Drache wird zu uns kommen, sobald er sich um eine idiotische kleine Angelegenheit gek�mmert hat!�</p><p>Er schnappte sich den Speer mit dem schwarzen Schaft aus einer Ecke und schleuderte ihn der L�nge nach durch den Raum. Er durchschlug einen Wandbehang mit einer Jagdszene und krachte wuchtig und dumpf gegen die Steinwand dahinter. Dann fiel er zu Boden. Die J�ger auf dem Gobelin hatte er ganz sauber entzweigeschnitten. Fluchend eilte er hin, um ihn wieder aufzuheben. Die zwei Fu� lange Schwertklinge war weder gesprungen, noch wies sie auch nur eine Scharte auf. Nat�rlich nicht. Sie war ja ein Werk von Aes Sedai.</p><p>Er tastete nach den Raben auf der Klinge. �Werde ich jemals ganz von allen Werken der Aes Sedai befreit sein?�</p><p>�Wie war das?� fragte Melindhra von der T�r her.</p><p>Er musterte sie, w�hrend er den Speer an die Wand lehnte, und zur Abwechslung einmal war es weder ihr wie gesponnenes Gold wirkendes Haar, noch die klaren, blauen Augen oder der feste K�rper, an die er dabei dachte. Wie es schien, wanderte jeder Aiel fr�her oder sp�ter zum Flu� hinunter und blickte schweigend auf diese gro�e Wasserfl�che. Doch Melindhra ging so ungef�hr jeden Tag hin. �Hat Kadere bereits Schiffe aufgetrieben?� Kadere w�rde wohl kaum auf Getreidek�hnen nach Tar Valon fahren.</p><p>�Die Wagen des H�ndlers stehen noch immer da. Ich wei� nichts von ... Schiffen.� Sie sprach dieses f�r sie fremdartige Wort ungeschickt aus. �Warum willst du das wissen?�</p><p>�Ich gehe eine Zeitlang fort. Im Auftrag Rands�, f�gte er hastig hinzu. Ihr Gesicht wirkte allzu unbewegt. �Ich w�rde dich mitnehmen, wenn es ginge, aber du verl��t ja wohl die T�chter des Speers nicht.� Ein Schiff, oder sein eigenes Pferd? Und wohin? Das war die Frage. Er konnte Tear auf einem schnellen Flu�schiff eher erreichen als auf Pips. Falls er wirklich ein solcher Narr war und sich daf�r entschied. Falls er �berhaupt eine Wahl hatte.</p><p>Melindhras Mundpartie spannte sich kurz an. Zu seiner �berraschung allerdings nicht, weil er weggehen w�rde. �Also schl�pfst du zur�ck in den Schatten Rand al'Thors. Du hast soviel Ehre f�r dich selbst gewonnen, sowohl unter den Aiel wie unter den Feuchtl�ndern. Deine Ehre, und nicht die des <emphasis>Car'a'carn,</emphasis> die auf dich zur�ckfiele.�</p><p>�Er kann seine Ehre behalten und nach Caemlyn oder auch zum Krater des Verderbens mitschleppen, was mich betrifft. Mach dir nur keine Sorgen. Ich werde eine ganze Menge Ehre gewinnen. Ich werde dir schreiben und berichten. Von Tear aus.� Tear? Wenn er sich daf�r entschied, w�rde er Rand oder den Aes Sedai niemals entkommen.</p><p>�Er geht nach Caemlyn?�</p><p>Mat unterdr�ckte ein St�hnen. Er h�tte doch dar�ber absolut nichts sagen d�rfen. Wie er sich auch ansonsten entschied, wenigstens das konnte er zurechtbiegen. �Nur einfach der erste Name, der mir einfiel. Wegen dieser Andoraner im S�den, sch�tze ich. Ich habe keine Ahnung, wohin er... �</p><p>Es kam ohne Vorwarnung. Im einen Augenblick stand sie einfach da, und im n�chsten traf ihr Fu� ihn in die Magengrube. Er schnappte nach Luft und kr�mmte sich vor Schmerz. Mit herausquellenden Augen qu�lte er sich ab, versuchte, auf den Beinen zu bleiben, sich aufzurichten, klar zu denken. Warum? Sie wirbelte nach r�ckw�rts wie eine T�nzerin und knallte ihm aus der Bewegung heraus den anderen Fu� an die Seite seines Kopfes, so da� er zur�cktaumelte. Ohne innezuhalten sprang sie fast senkrecht empor und trat aus. Die weiche Sohle ihres Stiefels traf ihn voll ins Gesicht.</p><p>Als seine Augen wieder funktionierten, lag er den halben Raum von ihr entfernt auf dem R�cken am Fu�boden. Er sp�rte, wie Blut �ber sein Gesicht rann. Sein Kopf schien mit Wolle ausgestopft, und der Raum schien zu schwanken. In dem Moment sah er, wie sie ein Messer aus ihrer G�rteltasche zog, eine schmale Klinge, nicht viel l�nger als ihre Hand, die im Schein der Lampen gl�nzte. Mit einer schnellen Bewegung wickelte sie die Schufa um ihren Kopf und hakte den schwarzen Schleier vor ihrem Gesicht ein.</p><p>Halb bet�ubt bewegte er sich rein instinktiv und ohne zu denken. Die Klinge rutschte aus seinem �rmel und verlie� seine Hand, als schwimme sie durch dicken Brei. Erst dann wurde ihm bewu�t, was er getan hatte, und er streckte die Hand verzweifelt aus, um sie abzufangen.</p><p>Der Griff ragte zwischen ihren Br�sten hervor. Sie sackte auf die Knie nieder und kippte dann nach hinten um.</p><p>Mat schob sich m�hsam hoch und kniete mit aufgest�tzten H�nden im Raum. Er h�tte nicht aufstehen k�nnen, und hinge auch sein Leben davon ab, aber er kroch zu ihr hin�ber und murmelte verst�rt: �Warum? Warum?�</p><p>Er ri� ihren Schleier weg, und diese klaren blauen Augen richteten sich auf ihn. Sie l�chelte sogar. Er sah den Messergriff nicht an. Den Griff seines Messers. Er wu�te genau, wo sich in diesem K�rper das Herz befand. �Warum, Melindhra?�</p><p>�Mir haben deine h�bschen Augen immer so gefallen�, hauchte sie so schwach, da� er sich anstrengen mu�te, um sie zu verstehen.</p><p>�Warum?�</p><p>�Manche Eide sind eben wichtiger als andere, Mat Cauthon.� Das Messer mit der schmalen Klinge scho� nach oben. Sie hatte alle Kraft, die sie noch besa�, in den Sto� gelegt. Die Messerspitze schlug den metallenen Fuchskopf hart gegen seine Brust. Eigentlich h�tte das silberne Medaillon keine Klinge aufzuhalten vermocht, doch der Sto�winkel stimmte nicht ganz, und irgendein verborgener Schwachpunkt im Stahl lie� die Klinge gerade in dem Augenblick abbrechen, als er ihr Handgelenk zu fassen bekam. �Du hast wirklich das Gl�ck des Gro�en Herrn der Dunkelheit.�</p><p>�Warum?� schrie er sie an. �Verdammt noch mal, warum?� Er wu�te, er w�rde keine Antwort erhalten.</p><p>Ihr Mund blieb offen stehen, als wolle sie noch etwas sagen, doch ihre Augen wurden bereits glasig.</p><p>Er wollte schon den Schleier wieder hochziehen und ihr Gesicht mit den starrenden Augen bedecken, doch dann lie� er die Hand sinken. Er hatte M�nner get�tet und Trollocs, aber noch nie eine Frau. Niemals zuvor eine Frau, bis jetzt. Frauen waren froh, wenn er in ihr Leben trat. Das war keine Angeberei. Die Frauen l�chelten ihn an; sogar wenn er sie verlie�, l�chelten sie, als wollten sie ihn gern wieder willkommen hei�en. Das war alles, was er sich von einer Frau w�nschte: ein L�cheln, einen Tanz, einen Ku�, und warme, liebevolle Erinnerungen.</p><p>Ihm wurde bewu�t, da� in seinen Gedanken ein wildes Durcheinander herrschte. Er zog den Messergriff mit dem Stumpf der Klinge aus Melindhras Hand �Jade auf Gold, mit kleinen goldenen Bienen eingelegt ��und schleuderte ihn in den gro�en Marmorkamin, in der Hoffnung, er m�ge zerspringen. Er h�tte am liebsten geweint, geheult. <emphasis>Ich bringe doch keine Frauen um! Ich k�sse sie, aber ich...</emphasis> Er mu�te klar denken. Warum? Sicher nicht, weil er wegging. Darauf hatte sie kaum reagiert. Au�erdem glaubte sie, er sei auf Ruhm und Ehre aus, und das hatte sie immer gutgehei�en. Etwas, das sie gesagt hatte, nagte an seinem Verstand. Dann kam die Erinnerung mit einem Schaudern. Das Gl�ck des Gro�en Herrn der Dunkelheit. Er hatte das so oft anders vernommen: das Gl�ck des Dunklen K�nigs. Hatte sie zu den Schattenfreunden geh�rt? War das eine offene Frage oder bereits Gewi�heit? Er w�nschte, dieser Gedanke w�rde es ihm leichter machen, das Geschehene zu verkraften. Er w�rde ihr Gesicht mit in sein Grab nehmen.</p><p>Tear. Er hatte ihr ja praktisch ins Gesicht gesagt, er gehe nach Tear. Der Dolch. Goldene Bienen in Jade. Er h�tte, ohne hinzublicken, wetten k�nnen, da� es neun waren. Neun goldene Bienen auf gr�nem Feld. Das Wappen Illians. Wo Sammael herrschte. Konnte es sein, da� Sammael sich vor ihm f�rchtete? Wie konnte Sammael �berhaupt von ihm wissen? Es war erst ein paar Stunden her, da� Rand ihn gebeten hatte ��ihm befohlen hatte �, sich dorthin zu begeben, und er war sich ja noch nicht einmal sicher, was er machen sollte. Vielleicht wollte Sammael das Risiko nicht eingehen? Richtig. Einer der Verlorenen f�rchtete sich vor einem Spieler, wieviel milit�risches Wissen anderer M�nner man ihm auch in den Kopf gepackt haben mochte? Das war doch l�cherlich.</p><p>Es lief alles auf dasselbe hinaus. Er konnte glauben, Melindhra habe nicht zu den Schattenfreunden geh�rt, da� sie sich aus einer Laune heraus entschlossen hatte, ihn zu t�ten, da� keine Verbindung bestand zwischen einem Jadegriff mit eingelegten goldenen Bienen und seiner m�glichen Reise nach Tear, um ein Heer gegen Illian zu f�hren. Er konnte das glauben, falls er ein kompletter Idiot war. Besser, die Vorsicht ein wenig zu �bertreiben, hatte er sich immer gesagt. Er war einem der Verlorenen aufgefallen. Nun stand er sicher nicht mehr in Rands Schatten.</p><p>Er rutschte auf den Knien �ber den Fu�boden und sa� schlie�lich an die T�r gelehnt mit dem Kinn auf den Knien da, starrte hin�ber zu Melindhras Gesicht und versuchte zu entscheiden, was zu tun sei. Als eine Dienerin anklopfte und ihm das Abendessen servieren wollte, schrie er hinaus, sie solle sich trollen. Essen war das letzte, was er jetzt brauchen konnte. Was sollte er nur tun? Er verw�nschte die W�rfel, die durch seinen Verstand wirbelten.</p></section><section><title><p>52</p><p>Entscheidungen</p></title><p>Rand legte sein Rasiermesser beiseite, wischte sich die letzten Schaumfetzen vom Gesicht und begann, sein Hemd zuzubinden. Fr�hmorgendlicher Sonnenschein drang durch die rechteckigen Fenster�ffnungen zum Schlafzimmerbalkon. Man hatte wohl die schweren Wintervorh�nge aufgeh�ngt, sie aber zur�ckgebunden, um einen frischen Lufthauch hereinzulassen. Er wollte einen ordentlichen Eindruck machen, wenn er Rahvin t�tete. Dieser Gedanke l�ste eine Zornblase in seinem Inneren. Sie schwebte aus seinem Bauch heraus nach oben. Er unterdr�ckte sie wieder. Er w�rde gepflegt und ruhig wirken. Kalt. Keine Fehler.</p><p>Als er sich von dem Spiegel mit dem Goldrand abwandte, setzte sich Aviendha auf ihrer vor der Wand aufgerollten Bettunterlage auf. �ber ihr hing ein Gobelin, auf dem unglaublich hohe, goldene T�rme aufragten. Er hatte ihr angeboten, ein weiteres Bett im Zimmer aufstellen zu lassen, doch sie behauptete, Matratzen seinen zu weich, um darauf zu schlafen. Sie beobachtete ihn eindringlich. Ihr Hemd hielt sie geistesabwesend in der Hand. Er hatte extra darauf geachtet, sich beim Rasieren nicht zu ihr umzudrehen, um ihr Zeit zum Anziehen zu geben, doch von ihren wei�en Str�mpfen abgesehen, trug sie keinen Fetzen am K�rper.</p><p>�Ich w�rde dich nie vor anderen Menschen besch�men�, sagte sie mit einemmal.</p><p>�Mich besch�men? Was meinst du damit?�</p><p>Sie stand mit einer geschmeidigen Bewegung auf, �berraschend bleich, wo die Sonne ihren K�rper nicht ber�hrt hatte, schlank und doch mit harten Muskeln, aber auch wieder an den richtigen Stellen rund und weiblich sanft. Das machte ihm sogar noch im Traum zu schaffen. Dies war jetzt das erste Mal, da� er sich erlaubte, sie ganz offen zu mustern, wenn sie sich so zur Schau stellte, doch sie schien sich dessen gar nicht bewu�t zu sein. Diese gro�en, blaugr�nen Augen blickten geradewegs in die seinen. �Ich habe damals, an diesem ersten Tag, Sulin nicht darum gebeten, Enaila oder Somara oder Lamelle mitzunehmen. Genausowenig habe ich sie darum gebeten, auf dich achtzugeben oder etwas zu unternehmen, solltest du ins Straucheln kommen. Das geschah nur aus ihrer eigenen Sorge um dich heraus.�</p><p>�Du hast mich lediglich im Glauben gelassen, sie w�rden versuchen, mich wie ein Kind wegzutragen, falls ich einmal wankte. Ein feiner Unterschied.�</p><p>Sein Sarkasmus kam bei ihr nicht an. �Das hat dich dazu gebracht, vorsichtig zu handeln, als es notwendig war.�</p><p>�Tats�chlich�, stellte er trocken fest. �Nun, auf jeden Fall danke ich dir f�r das Versprechen, mich nicht zu besch�men.�</p><p>Sie l�chelte. �Das habe ich nicht gesagt, Rand al'Thor. Ich sagte: nicht vor anderen Menschen. Falls es zu deinem Besten notwendig sein sollte...� Ihr L�cheln wurde breiter.</p><p>�Willst du so mitkommen?� Er deutete gereizt auf sie, wobei er sie von Kopf bis Fu� musterte.</p><p>Sie hatte noch nie auch nur die geringste Verlegenheit an den Tag gelegt, wenn sie nackt vor ihm stand � ganz gewi� nicht �, doch nun blickte sie an sich hinunter, dann sah sie ihn an, wie er dastand und sie musterte, und nun lief ihr Gesicht rot an. Pl�tzlich stand sie inmitten eines Wirbelsturms aus dunkelbrauner Wolle und wei�er Algode und steckte so schnell in ihren Kleidern, da� er versucht war, zu glauben, sie h�tte sie mit Hilfe der Macht angelegt. �Hast du alles vorbereitet?� fragte sie mittendrin. �Hast du mit den Weisen Frauen gesprochen? Du warst gestern abend weg. Wer kommt sonst noch mit uns? Wie viele kannst du �berhaupt mitnehmen? Keine Feuchtl�nder, hoffe ich. Denen kannst du nicht trauen. Besonders den Baumm�rdern nicht. Kannst du uns wirklich in einer Stunde nach Caemlyn bringen? Ist das so wie das, was ich damals in jener Nacht... ? Ich will damit sagen, also, wie stellst du das an? Es gef�llt mir nicht, mich Dingen anzuvertrauen, die ich nicht kenne und nicht verstehe.�</p><p>�Alles ist vorbereitet, Aviendha.� Warum plapperte sie so drauflos? Und mied jeden Blick in seine Augen? Er hatte sich mit Rhuarc und den anderen H�uptlingen getroffen, soweit sie sich noch in der N�he der Stadt aufhielten. Sein Plan hatte ihnen nicht unbedingt gefallen, aber sie sahen es vom Standpunkt des <emphasis>Ji'e'toh</emphasis> aus, und keiner von ihnen glaubte, er habe eine andere Wahl. Sie besprachen schnell alles, einigten sich, und dann wandte sich das Gespr�ch anderen Themen zu. Nichts, was mit Verlorenen oder Illian oder irgendwelchen K�mpfen zu tun gehabt h�tte. Frauen, die Jagd, ob man den Branntwein aus Cairhien mit ihrem eigenen Oosquai vergleichen k�nne oder den Tabak der Feuchtl�nder mit dem, den sie in der W�ste anpflanzten. Eine Stunde lang hatte er fast vergessen gehabt, was ihm bevorstand. Er hoffte so sehr, da� sich die Prophezeiung von Rhuidean als falsch herausstellen w�rde, da� er diese Menschen nicht vernichten werde, wie es geschrieben stand. Dann kamen die Weisen Frauen zu ihm, eine Delegation von mehr als f�nfzig Mitgliedern, die Aviendha aufgescheucht hatte, angef�hrt von Amys und Melaine und Bair, vielleicht aber auch von Sorilea. Bei den Weisen Frauen war es immer schwer, festzustellen, wer gerade die F�hrungsrolle innehatte. Sie waren nicht gekommen, um ihm etwas auszureden � <emphasis>Ji'e'toh</emphasis> wiederum �, sondern um ihm klarzumachen, da� seine Verpflichtung Elayne gegen�ber nicht schwerer wog als die den Aiel gegen�ber, und sie hatten ihn im Besprechungszimmer festgenagelt, bis sie zufriedengestellt waren. Wenn nicht, h�tte er sie schon einzeln hochheben und aus dem Weg schleppen m�ssen, um bis zur T�r zu kommen. Wenn sie wollten, beherrschten es diese Frauen genausogut wie Egwene, nichts zu beachten, nicht einmal sein w�tendes Br�llen. �Wir werden schon sehen, wie viele ich mitnehmen kann, wenn ich es versuche. Nur Aiel.� Mit etwas Gl�ck w�rden Meilan und Maringil und die anderen �berhaupt nichts bemerken, bis er l�ngst weg war. Wenn die Burg schon ihre Spione in Cairhien sitzen hatte, dann m�glicherweise auch die Verlorenen, und wie konnte er Menschen Geheimnisse anvertrauen, die nicht einmal die Sonne aufgehen sehen konnten, ohne diese Tatsache f�r <emphasis>Daes Dae'mar</emphasis> auszunutzen?</p><p>Als er sich endlich in einen roten, mit Gold bestickten Kurzmantel gezw�ngt hatte, dessen feine Qualit�t auch in einen K�nigspalast gepa�t h�tte, sowohl in Caemlyn wie in Cairhien � dieser Gedanke bereitete ihm eine Art von morbidem Vergn�gen �, als er also fertig angezogen war, war auch Aviendha fast fertig. Er staunte nur so dar�ber, wie sie sich so schnell hatte anziehen k�nnen, ohne irgend etwas zu verwechseln. �Gestern abend, w�hrend du abwesend warst, kam eine Frau.�</p><p><emphasis>Licht!</emphasis> Er hatte Colavaere vollkommen vergessen. �Was hast du getan?�</p><p>Sie hielt im Zubinden ihrer Bluse inne und bem�hte sich, mit Blicken ein Loch in seinen Kopf zu bohren, doch sie sprach im Plauderton weiter: �Ich habe sie in ihre eigenen Gem�cher zur�ckbegleitet, wo wir uns eine Weile lang unterhielten. K�nftig werden dir keine weiteren Baumm�rderflittchen mehr die Schlafzimmert�r einrennen, Rand al'Thor.�</p><p>�Genau das, was ich erreichen wollte, Aviendha! Licht! Hast du sie schlimm zugerichtet? Du kannst nicht herumlaufen und so einfach Ladies verpr�geln. Diese Leute machen mir schon genug Schwierigkeiten, ohne da� du sie noch mehr gegen mich aufbringst.�</p><p>Sie schnaubte vernehmlich und wandte sich wieder den B�ndern an ihrer Bluse zu. �Ladies! Eine Frau ist eine Frau, Rand al'Thor. Au�er, sie w�re eine Weise Frau�, f�gte sie noch einschr�nkend hinzu. �Diese hier wird heute morgen Schwierigkeiten mit dem Sitzen haben, doch ihre Schwellungen kann sie gut verbergen, und wenn sie sich einen Tag lang ausruht, wird sie ihre Gem�cher auch wieder verlassen k�nnen. Und sie wei� jetzt, wie sie dran ist. Ich sagte ihr, wenn sie dir noch einmal Unannehmlichkeiten bereite � gleich welche �, w�rde ich kommen und erneut mit ihr sprechen. <emphasis>Ein</emphasis> viel l�ngeres Gespr�ch. Sie wird tun, was du sagst und wann immer du willst. Andere werden ihrem Beispiel folgen. Die Baumm�rder verstehen nichts anderes.�</p><p>Rand seufzte. Das war keine Methode, wie er sie vorgezogen h�tte, aber sie k�nnte wirklich funktionieren. Oder aber Colavaere und die anderen w�rden von nun an noch heimlicher und hinterh�ltiger intrigieren. Aviendha machte sich vielleicht keine Sorgen in bezug auf Rachema�nahmen ihr selbst gegen�ber; er w�re �berrascht gewesen, h�tte sie diese M�glichkeit �berhaupt in Betracht gezogen. Doch eine Frau, die den Hochsitz eines m�chtigen Adelshauses repr�sentierte, war nicht das gleiche wie eine junge Adlige von niederem Rang. Wie sich ihre Handlungsweise auch auf ihn auswirken mochte: Aviendha k�nnte sehr wohl erleben, da� sie in einem d�steren Flur �berfallen w�rde und man ihr zehnfach heimzahlte, was sie Colavaere getan hatte, wenn nicht noch Schlimmeres. �La� mich das n�chstemal die Dinge auf meine Art erledigen. Ich bin der <emphasis>Car'a'carn,</emphasis> hast du das vergessen?�</p><p>�Du hast Rasierschaum auf dem Ohr, Rand al'Thor.�</p><p>Er knurrte in sich hinein, schnappte sich das gestreifte Handtuch und schrie: �Herein!�, da es an die T�r geklopft hatte.</p><p>Asmodean trat ein, wei�e Spitzen am Hals und an den Manschetten seines schwarzen Rocks, den Harfenkoffer auf dem R�cken und ein Schwert an der Seite. Der K�hle seines Gesichtsausdrucks nach mochte Winter herrschen, doch seine dunklen Augen blickten mi�trauisch drein.</p><p>�Was wollt Ihr, Natael?� fragte Rand gereizt. �Ich habe Euch gestern abend Eure Anweisungen gegeben.�</p><p>Asmodean befeuchtete seine Lippen und warf Aviendha einen kurzen Blick zu. Sie hatte die Stirn gerunzelt. �Weise Befehle, ja. Ich glaube auch, ich k�nnte etwas zu Eurem Vorteil in Erfahrung bringen, wenn ich hierbliebe, um alles zu beobachten, aber heute morgen dreht sich das Tagesgespr�ch um die Schreie, die man letzte Nacht aus den Gem�chern Lady Colavaeres h�rte. Man sagt, sie habe Euch erz�rnt, aber niemand wei�, wie und warum. Diese Unsicherheit bringt alle dazu, heute einen Bogen um Euch zu machen. Ich glaube fast, in den n�chsten Tagen wird es keiner mehr wagen, auch nur laut zu atmen, aus Angst, was Ihr davon halten k�nntet.� Aviendhas Miene war ein Urbild unversch�mter Selbstzufriedenheit.</p><p>�Also wollt Ihr mitkommen?� fragte Rand leise. �Ihr wollt hinter mir stehen, wenn ich Rahvin gegen�bertrete?�</p><p>�Welcher Ort w�re besser f�r den Barden des Lord Drachen geeignet? Aber vielleicht sollte ich mich da aufhalten, wo Ihr mich immer im Auge habt? Wo ich meine Loyalit�t unter Beweis stellen kann. Ich bin nicht stark.� Asmodeans traurige Grimasse schien nat�rlich f�r einen Mann, der so etwas zugab, doch einen Moment lang f�hlte Rand, wie der Mann von <emphasis>Saidin</emphasis> durchstr�mt wurde, f�hlte den Makel, und der war es, der Asmodean sein Gesicht so hatte verziehen lassen. Es war nur ein Augenblick gewesen, doch der reichte ihm, um es zu beurteilen. Sollte Asmodean alle Macht an sich gezogen haben, die er in seinem Zustand beherrschen konnte, w�rde er nur unter gr��ten Schwierigkeiten einer der Weisen Frauen widerstehen k�nnen, die mit der Macht umgehen konnten. �Nicht stark, aber vielleicht kann auch eine Kleinigkeit helfen.�</p><p>Rand w�nschte, er k�nne die Abschirmung sehen, die Lanfear gewoben hatte. Sie hatte behauptet, sie werde sich mit der Zeit aufl�sen, aber Asmodean schien jetzt keineswegs besser in der Lage, die Macht zu lenken, als am ersten Tag, den er sich in Rands Hand befunden hatte. Vielleicht hatte sie gelogen, um Asmodean tr�gerische Hoffnung zu bereiten, und um Rand glauben zu lassen, der Mann werde stark genug und k�nne ihn mehr lehren, als er tats�chlich konnte. <emphasis>Das w�rde ihr �hnlich sehen.</emphasis> Er wu�te nicht genau, ob dieser Gedanke von ihm oder von Lews Therin stammte, doch er war sich sicher, da� es stimmte.</p><p>Die lange Pause machte Asmodean so nerv�s, da� er sich wieder die Lippen lecken mu�te. �Ein oder zwei Tage hier spielen keine Rolle. Dann seid Ihr sowieso entweder zur�ck oder tot. La�t mich meine Loyalit�t beweisen. Vielleicht kann ich etwas tun. Ein Hauch mehr Gewicht auf Eurer Seite k�nnte den Ausschlag f�r Euch geben.� Noch einmal flo� <emphasis>Saidin</emphasis> in ihn, wenn auch wieder nur einen Moment lang. Rand sp�rte, wie er sich anstrengte, doch es blieb bei einem d�nnen Rinnsal. �Ihr wi�t ja, welche Wahl ich habe. Ich h�nge an jenem Grasb�schel am Rande des Abgrunds und bete darum, da� es noch einen Herzschlag l�nger halten m�ge. Scheitert Ihr, bin ich schlimmer dran als nur einfach tot. Ich mu� daf�r sorgen, da� Ihr gewinnt und �berlebt.� Pl�tzlich fiel ihm Aviendha wieder auf, und ihm schien bewu�t zu werden, da� er m�glicherweise zuviel gesagt hatte. Sein Lachen klang ziemlich hohl. �Wie k�nnte ich sonst Lieder zum Ruhm des Lord Drachen komponieren? Ein Barde braucht Material, das er verarbeiten kann.� �u�erlich machte sich die Hitze bei Asmodean nie bemerkbar. Er behauptete, das liege an seiner geistigen Einstellung und nicht am Gebrauch der Macht. Jetzt rannen ihm jedoch Schwei�tropfen �ber die Stirn.</p><p>Unter seinen Augen oder lieber zur�cklassen? Vielleicht w�rde er sich irgendein Versteck suchen, wenn er sich zu fragen begann, was in Caemlyn geschehen sei? Asmodean w�rde immer derselbe Mann bleiben, bis er starb und wiedergeboren wurde, und vielleicht sogar noch danach. �Unter meinen Augen�, sagte Rand leise. �Und falls ich auch nur vermute, jener Hauch k�nne die Wagschale zur falschen Seite hin neigen... �</p><p>�Ich setze mein ganzes Vertrauen in die Gnade des Lord Drachen�, murmelte Asmodean, wobei er sich verbeugte. �Mit Erlaubnis des Lord Drachen werde ich drau�en warten.�</p><p>Rand sah sich im Zimmer um, w�hrend der Mann r�ckw�rts und unter weiteren Verbeugungen hinausging. Sein Schwert lag auf der goldbeschlagenen Truhe am Fu� des Bettes. Der Schwertg�rtel mit der Drachenschnalle war gleichzeitig um die Scheide und den Seanchan-Kurzspeer gewickelt. Heute w�rde nicht durch Stahl get�tet werden, jedenfalls nicht, was ihn betraf. Er ber�hrte seine Manteltasche und sp�rte den harten Umri� der Skulptur des fetten, kleinen Mannes mit dem Schwert. Das war das einzige Schwert, das er heute ben�tigen w�rde. Einen Augenblick lang �berlegte er, ob er ein Tor nach Tear �ffnen und benutzen sollte, um <emphasis>Callandor</emphasis> zu holen, oder ob er vielleicht sogar nach Khuidean gehen sollte um das mitzunehmen, was dort verborgen lag. Mit beidem k�nnte er Rahvin vernichten, bevor der Mann �berhaupt etwas von seiner Anwesenheit ahnte. Er konnte sogar Caemlyn mit jedem der zwei Dinge zerst�ren. Doch konnte er sich selbst vertrauen? Soviel Macht. Soviel der Einen Macht. <emphasis>Saidin</emphasis> hing dort drau�en, gerade au�erhalb seiner Sicht. Das Verderben <emphasis>Saidins</emphasis> schien bereits ein Teil seiner selbst zu sein. Der Zorn w�tete direkt unter der Oberfl�che, Zorn auf Rahvin, Zorn auf sich selbst. Falls er ihm freien Lauf lie� und auch nur <emphasis>Callandor</emphasis> in H�nden hielt... Was w�rde er tun? Er w�re unbesiegbar. Mit Hilfe des anderen k�nnte er sogar direkt zum Shayol Ghul gehen und allem ein Ende bereiten, so oder so. So oder so. Nein. Er befand sich ja nicht allein in dieser Lage. Er konnte sich nichts anderes als einen Sieg leisten.</p><p>�Die Welt ruht auf meinen Schultern�, murmelte er. Pl�tzlich jaulte er kurz und klatschte mit der Hand auf seine linke Pobacke. Er hatte das Gef�hl, von einer Nadel gestochen worden zu sein, aber er mu�te nicht einmal die G�nsehaut an seinen Armen sehen, um zu wissen, was geschehen war. �Wof�r war das?� grollte er Aviendha an.</p><p>�Ich wollte nur sehen, ob der <emphasis>Lord Drache</emphasis> immer noch aus Fleisch und Blut besteht wie wir anderen Sterblichen.�</p><p>�Allerdings�, sagte er undeutlich und griff nach <emphasis>Saidin �</emphasis> all diese S��e, all dieser Schmutz �, und zwar gerade lange genug, um die Macht kurz einzusetzen.</p><p>Sie ri� die Augen auf, zuckte aber nicht zusammen. Sie sah ihn nur an, als sei gar nichts geschehen. Trotzdem � als sie durch den Vorraum schritten, rieb sie sich heimlich den Po, weil sie glaubte, er blicke weg. Also bestand auch sie aus gew�hnlichem Fleisch und Blut. <emphasis>Seng mich. Ich glaubte doch, ich h�tte ihr Manieren beigebracht.</emphasis></p><p>Er zog die T�r auf, trat hinaus und stand staunend da. Mat st�tzte sich auf seinen eigenartigen Speer. Die breite Krempe seines Huts hatte er weit herabgezogen. Unweit von ihm stand Asmodean. Doch das war es nicht, was Rand so verbl�ffte. Es waren keine T�chter des Speers zu sehen. Er h�tte ja wissen m�ssen, da� etwas nicht stimmte, als Asmodean unangek�ndigt hereingekommen war. Aviendha blickte sich erstaunt um, als glaube sie, die anderen h�tten sich hinter den Wandbeh�ngen versteckt.</p><p>�Melindhra hat letzte Nacht versucht, mich umzubringen�, sagte Mat, und Rand h�rte auf, sich �ber die abwesenden T�chter Gedanken zu machen. �Eine Minute zuvor unterhielten wir uns noch, und in der n�chsten tat sie ihr Bestes, mir den Kopf abzutreten.�</p><p>Mat berichtete in kurzen, pr�zisen S�tzen. Von dem Dolch mit den goldenen Bienen. Seine Folgerungen daraus. Er schlo� die Augen, als er erz�hlte, wie alles ausgegangen sei � ein knappes, n�chternes: �Ich habe sie get�tet� �, und dann �ffnete er sie schnell wieder, als habe er hinter den Augenlidern Dinge gesehen, die er nicht sehen wollte.</p><p>�Es tut mir so leid, da� du das tun mu�test�, sagte Rand leise, worauf Mat niedergeschlagen die Achseln zuckte.</p><p>�Besser sie als ich, sch�tze ich. Sie geh�rte zu den Schattenfreunden.� Es klang bei ihm nicht, als sei das ein gro�er Unterschied.</p><p>�Ich werde Sammael zur Strecke bringen. Sobald ich darauf vorbereitet bin.�</p><p>�Und wie viele sind dann noch �brig?�</p><p>�Die Verlorenen befinden sich nicht hier�, fauchte Aviendha. �Genausowenig wie die T�chter des Speers. Wo sind sie? Was hast du getan, Rand al'Thor?�</p><p>�Ich? Als ich gestern abend ins Bett ging, standen zwanzig von ihnen vor meiner T�r. Seither habe ich keine mehr gesehen.�</p><p>�Vielleicht liegt es an dem, was Mat...�, begann Asmodean, aber er schwieg, als ihn Mat anblickte, soviel Anspannung und Schmerz und Aggressivit�t lagen in diesem Blick.</p><p>�Seid keine Narren�, sagte Aviendha mit fester Stimme. �Die <emphasis>Far Dareis Mai</emphasis> w�rden daraus keinesfalls ein <emphasis>Toh</emphasis> gegen Mat Cauthon machen. Sie versuchte, ihn zu t�ten, und er t�tete sie. Selbst N�chstschwestern w�rden in diesem Falle nichts unternehmen, falls sie welche gehabt h�tte. Und niemand w�rde ein <emphasis>Toh</emphasis> gegen Rand al'Thor in Anspruch nehmen f�r das, was ein anderer getan hat, es sei denn, er h�tte es befohlen. <emphasis>Du</emphasis> hast aber etwas getan, Rand al'Thor, etwas Gro�es und Schlimmes, sonst w�ren sie jetzt hier.�</p><p>�Ich habe �berhaupt nichts getan�, erwiderte er in scharfem Ton. �Und ich habe auch nicht vor, hier stehenzubleiben und zu diskutieren. Bist du f�r den Ritt nach S�den fertig angezogen, Mat?�</p><p>Mat steckte eine Hand in seine Rocktasche und tastete nach etwas. F�r gew�hnlich bewahrte er seine W�rfel und den W�rfelbecher dort auf. �Caemlyn. Ich habe es satt, immer wieder hinterr�cks �berfallen zu werden. Zur Abwechslung m�chte ich mich einmal an jemanden anders von hinten anschleichen. Ich hoffe nur, ich ernte ein Lob daf�r und keine verdammten Blumen�, f�gte er noch hinzu und verzog das Gesicht.</p><p>Rand fragte nicht, was er damit meine. Ein anderer <emphasis>Ta'veren.</emphasis> Zwei gemeinsam k�nnten vielleicht sogar den Zufall beeinflussen. Keine Ahnung, auf welche Weise und ob �berhaupt, aber... �Also scheint es, da� wir noch ein wenig l�nger zusammenbleiben.� Mat sah aus, als habe er sich in sein Schicksal ergeben.</p><p>Kaum hatten sie sich in dem mit Wandbeh�ngen geschm�ckten Korridor in Bewegung gesetzt, tauchten auch schon Moiraine und Egwene auf, die nebeneinander herschritten, als stehe ihnen an diesem Tag h�chstens ein Spaziergang in einem der G�rten bevor.</p><p>Egwene, mit k�hlem Blick, gelassen, den goldenen Ring mit der Gro�en Schlange am Finger, h�tte wirklich eine Aes Sedai sein k�nnen, trotz ihrer Aielkleidung, des Schals und des zusammengerollten Tuchs um ihre Stirn, Moiraine jedoch... Goldf�den glitzerten im Lampenschein, eingewebt in die blauschimmernde Seide von Moiraines langem Kleid. Der kleine blaue Edelstein auf ihrer Stirn, dessen Goldkettchen in ihren schwarzen Locken befestigt war, glitzerte genauso strahlend wie die gro�en, mit Gold eingefa�ten Saphire, die sie um den Hals trug. Kaum die richtige Kleidung f�r das, was sie vorhatten, aber Rand in seinem prunkvollen roten Mantel konnte sich wohl auch nicht dar�ber beklagen.</p><p>Vielleicht lag es daran, da� sie sich hier aufhielt, wo das Haus Damodred einst den Sonnenthron innegehabt hatte, jedenfalls wirkte Moiraines elegante Haltung noch edler, als er sie je erlebt hatte. Nicht einmal die �berraschende Anwesenheit �Jasin Nataels� st�rte diese k�nigliche W�rde im geringsten, aber es �berraschte dann doch, als sie Mat ein warmes L�cheln schenkte. �Also kommt Ihr auch mit, Mat. Lernt, dem Muster zu vertrauen. Vergeudet Eure Leben nicht, indem Ihr versucht, zu �ndern, was nicht zu �ndern ist.� An Mats Gesicht konnte man ablesen, da� er mittlerweile bereute, �berhaupt hierzusein, aber die Aes Sedai wandte sich unger�hrt von ihm ab. �Die sind f�r Euch, Rand.�</p><p>�Weitere Briefe?� fragte er. Auf dem einen stand sein Name in einer eleganten Handschrift, die er augenblicklich erkannte. �Von Euch, Moiraine?� Auf dem anderen stand Thom Merrilins Name. Beide hatte sie mit blauem Wachs versiegelt, offensichtlich mit ihrem Gro�en Schlangenring, denn aufgepr�gt war das Bild einer Schlange, die in den eigenen Schwanz bi�. �Warum schreibt Ihr mir einen Brief? Und noch dazu versiegelt? Ihr seid doch nie davor zur�ckgeschreckt, mir ins Gesicht zu sagen, was immer Ihr mir sagen wolltet. Und falls ich das je vergesse, hat mich Aviendha daran erinnert, da� auch ich nur aus Fleisch und Blut bestehe.�</p><p>�Ihr habt Euch sehr ver�ndert, seit ich Euch zum erstenmal als Junge vor der Weinquellenschenke sah.� Ihre Stimme klang wie das leise Klingeln kleiner Silbergl�ckchen. �Ihr seid kaum noch der selbe. Ich hoffe nur, Ihr habt Euch in gen�gendem Ma�e ver�ndert.�</p><p>Egwene murmelte leise etwas vor sich hin. Rand glaubte zu verstehen: �Ich hoffe, du hast dich nicht zu stark ver�ndert.� Sie blickte mit gerunzelter Stirn die Briefe an, als frage auch sie sich, was darin stehen mochte. Genau wie Aviendha.</p><p>Moiraine fuhr etwas gel�ster, wenn auch knapp, fort: �Siegel bewahren die Privatsph�re. In diesem hier stehen Dinge, von denen ich mir w�nsche, da� Ihr �ber sie nachdenkt. Nicht jetzt gleich, sondern wann immer Euch Zeit zum Nachdenken bleibt. Was den Brief an Thom betrifft, w��te ich keine besseren H�nde als Eure, in die ich ihn legen k�nnte. Gebt ihn ihm, wenn Ihr ihn wiederseht. So, und nun gibt es etwas im Hafen, das Ihr sehen m��t.�</p><p>�Im Hafen?� fragte Rand nach. �Moiraine, ausgerechnet an diesem einen Morgen habe ich keine Zeit, um... �</p><p>Doch sie schritt bereits den Korridor entlang, als sei sie ganz sicher, da� er ihr folgen werde. �Ich habe Pferde bereitstellen lassen. Auch eins f�r Euch, Mat, f�r den Fall der F�lle.� Egwene z�gerte nur einen Moment, und dann folgte sie ihr.</p><p>Rand �ffnete den Mund, um Moiraine zur�ckzurufen. Sie hatte geschworen, ihm zu gehorchen. Was sie ihm auch zeigen wollte, es konnte doch wohl warten.</p><p>�Was kann eine Stunde schon ausmachen?� murrte Mat. Vielleicht �berlegte er es sich doch noch?</p><p>�Es w�re nicht schlecht, wenn man Euch heute morgen in der Stadt sieht�, warf Asmodean ein. �Es k�nnte sein, da� Rahvin Bescheid wei�, sobald Ihr etwas unternehmt. Falls er einen Verdacht hegt � er k�nnte ja Spione haben, die an Schl�ssell�chern lauschen �, w�rde sie das f�r heute beruhigen.�</p><p>Rand sah Aviendha an. �Bist du der gleichen Meinung?�</p><p>�Ich bin der Meinung, du solltest auf Moiraine Sedai h�ren. Nur Narren mi�achten das Wort einer Aes Sedai.�</p><p>�Was kann denn im Hafen sein, das wichtiger als Rahvin w�re?� grollte er und sch�ttelte den Kopf. Es gab eine Redensart an den Zwei Fl�ssen, die allerdings kein Mann in Gegenwart von Frauen gebrauchen w�rde: �Der Sch�pfer schuf die Frau, um dem Auge zu gefallen und den Verstand zu tr�ben.� In gewisser Hinsicht unterschieden sich die Aes Sedai auch nicht von anderen Frauen. �Eine Stunde.�</p><p>Die Sonne stand noch nicht hoch genug am Himmel, und so lag der lange Schatten der Stadtmauer �ber dem gepflasterten Kai, auf dem die Kolonne von Kaderes Wagen stand. Trotzdem wischte er sich bereits mit einem gro�en Taschentuch das Gesicht ab. Es lag nur teilweise an der Hitze, da� er so schwitzte. Hohe graue Flankenmauern schoben sich zu beiden Seiten der Hafenanlagen in den Flu� hinaus und machten den Kai zum Inneren einer d�steren Schachtel. Er war mittendrin gefangen. Hier hatten ausschlie�lich breite, am Bug abgerundete Getreidek�hne angelegt, und weitere warteten am Flu� vor Anker darauf, da� sie an die Reihe k�men und ihre Ladung l�schen konnten. Er hatte schon �berlegt, ob er sich auf einen davon schleichen solle, wenn er ablegte, aber das h�tte bedeutet, das meiste von dem zur�ckzulassen, was er noch besa�. Wenn er allerdings glaubte, am Ende der langsamen Fahrt flu�abw�rts erwarte ihn etwas anderes als sein Tod, w�re er das Risiko eingegangen. Lanfear war ihm nicht wieder im Traum erschienen, aber er hatte ja die Brandnarben auf der Brust, die ihn an ihre Befehle erinnerten. Nur der blo�e Gedanke daran, einer der Verlorenen den Gehorsam zu verweigern, lie� ihn schaudern, obwohl ihm der Schwei� �ber das Gesicht lief.</p><p>Wenn er nur w��te, wem er vertrauen konnte, soweit es �berhaupt m�glich war, einem der anderen Schattenfreunde zu vertrauen. Der letzte seiner Fahrer, der ebenfalls die Eide abgelegt hatte, war vor zwei Tagen verschwunden, vermutlich mit einem der Getreidek�hne. Er wu�te immer noch nicht, welche Aielfrau ihm diesen Zettel unter der T�r durchgeschoben hatte: �Ihr seid nicht allein unter Fremden. Ein Weg wurde auserw�hlt.� Er hatte allerdings mehrere m�gliche Kandidaten. Auf den Kais traf man beinahe genausoviele Aiel wie Schauerleute. Sie kamen, um den Flu� zu betrachten. Ein paar dieser Gesichter hatte er h�ufiger erblickt, als ihm unter den Umst�nden normal erschien, und ein paar hatten ihn absch�tzend gemustert. Auch ein paar der Leute aus Cairhien und sogar ein tairenischer Lord. Das hatte nat�rlich nicht unbedingt etwas zu bedeuten, aber falls er ein paar M�nner auftrieb, mit denen er zusammenarbeiten konnte...</p><p>Eine Gruppe Berittener tauchte unter einem der Tore auf. Moiraine und Rand al'Thor f�hrten sie zusammen mit dem Beh�ter der Aes Sedai an, als sie sich den Weg zwischen den Karren hindurch suchten, mit denen man die Getreides�cke in die Lagerh�user schaffte. Eine Welle des Jubels begleitete sie.</p><p>�Aller Ruhm dem Lord Drachen!� schrien sie, und �Heil dem Lord Drachen!�, und hin und wieder h�rte man auch ein �Ehre dem Lord Matrim! Hoch lebe die Rote Hand!�</p><p>Ausnahmsweise wandte sich diesmal die Aes Sedai dem Ende der Wagenreihe zu, ohne Kadere auch nur eines Blickes zu w�rdigen. Das war ihm gerade recht. Selbst wenn sie keine Aes Sedai gewesen w�re, selbst wenn sie ihn nicht so durchdringend anblickte, als kenne sie jede dunkle Regung seines Verstands, war es ihm lieber, wenn er einige der Gegenst�nde nicht n�her betrachten mu�te, mit denen sie seine Wagen beladen hatte. Gestern abend hatte sie ihn die Plane von diesem seltsam verdrehten Sandstein-T�rrahmen entfernen lassen, der im Wagen gleich hinter seinem eigenen stand. Sie schien ein perverses Vergn�gen dabei zu empfinden, wenn sie gerade ihn beauftragte, ihr zu helfen, damit sie irgend etwas genauer untersuchen konnte. Er h�tte das Ding ja wieder zugedeckt, konnte aber einfach nicht ertragen, noch mal in seine N�he zu kommen. Er brachte auch keinen der Fahrer dazu, die Plane wieder dar�berzuziehen. Keiner von denen, die sich nun bei ihm befanden, hatte gesehen, wie Herid in Rhuidean zur H�lfte hineingefallen war und wie diese K�rperh�lfte einfach verschwand. Herid war auch der erste gewesen, der geflohen war, sobald sie den Jangai �berquert hatten. Seit der Beh�ter ihn zur�ckgerissen hatte, war er nicht mehr ganz richtig im Kopf gewesen. Jedenfalls sahen eben auch die Fahrer, wie die Kanten dieses verfluchten Dinges nicht aneinanderpa�ten und da� man der Linie des Rahmens nicht mit dem Blick folgen konnte, ohne da� einem die Augen tr�nten und man schwindlig wurde.</p><p>Kadere ignorierte die ersten drei Reiter, so, wie ihn die Aes Sedai ignoriert hatte, und Mat Cauthon schenkte er fast ebensowenig Beachtung. Der Mann trug <emphasis>seinen</emphasis> Hut. Er hatte keinen Ersatz daf�r auftreiben k�nnen. Das Aielweib, diese Aviendha, ritt hinter dem Sattel der jungen Aes Sedai mit. Beide hatten die R�cke hochgeschoben, um ihre Beine vorzuf�hren. H�tte er noch eine Best�tigung gebraucht, da� die Aielfrau mit al'Thor ins Bett ging, dann mu�te er nur darauf achten, wie sie ihn anblickte. Eine Frau, die mit einem Mann ins Bett gegangen war, sah ihn danach immer mit einem gewissen Besitzerstolz im Blick an. Noch wichtiger: Natael befand sich bei ihnen. Es war das erste Mal seit der �berquerung des R�ckgrats der Welt, da� Kadere ihm so nahe war. Natael, der einen hohen Rang bei den Schattenfreunden bekleidete. Wenn er an den T�chtern des Speers vorbeikommen k�nnte, um mit Natael zu...</p><p>Pl�tzlich ri� Kadere die Augen auf. Wo blieben denn die T�chter? Al'Thor hatte doch immer eine Eskorte von speerbewaffneten Frauen dabei. Mit gerunzelter Stirn nahm er zur Kenntnis, da� sich unter den Aiel auf dem Kai oder im Hafen keine einzige Tochter des Speers befand.</p><p>�Willst du eine alte Freundin nicht anschauen, Hadnan?�</p><p>Der Klang dieser melodi�sen Stimme lie� Kadere herumfahren. Er gaffte eine Hakennase an und dunkle Augen, die beinahe unter Fettw�lsten verschwanden. �Keille?� Das war unm�glich. Keiner au�er den Aiel �berlebte allein in der W�ste. Sie <emphasis>mu�te</emphasis> doch tot sein. Aber da stand sie vor ihm. Wie immer spannte sich das wei�e Seidenkleid um ihren massigen K�rper, und in ihren dunklen Locken steckten hohe Elfenbeink�mme.</p><p>Mit einem leichten L�cheln um die Lippen und einer Grazie der Bewegung, die ihn an einer so grobschl�chtigen Frau immer wieder �berraschte, wandte sie sich um und schritt leichtf��ig die Treppe zu seinem Wohnwagen hinauf.</p><p>Er z�gerte einen Augenblick und eilte ihr dann hinterher. Es w�re ihm wohl genauso lieb gewesen, w�re Keille Shaogi wirklich in der W�ste ums Leben gekommen, denn die Frau war herrschs�chtig und �belgelaunt � sie sollte ja nicht glauben, er werde ihr auch nur einen Pfennig von dem wenigen abgeben, was er her�bergerettet hatte �, aber sie war vom gleichen hohen Rang wie Jasin Natael. Vielleicht w�rde sie ihm ein paar Fragen beantworten? Zumindest h�tte er jemanden, mit dem er zusammenarbeiten konnte. Schlimmstenfalls konnte er ihr die Schuld an seinen Fehlschl�gen in die Schuhe schieben. Wenn man hoch im Rang stand, bekam man auch viel Macht, aber man mu�te f�r die Fehler der eigenen Untergebenen nicht selten den Kopf hinhalten. Mehr als einmal hatte er einen Vorgesetzten seinen Rangh�heren zum Fra� vorgeworfen, um die eigenen Fehler zu vertuschen.</p><p>Er schie� die T�r vorsichtigerweise, wandte sich um, und h�tte am liebsten geschrien, wenn ihm die Angst nicht die Kehle zugeschn�rt h�tte.</p><p>Die Frau, die dort stand, trug durchaus ein wei�es Seidenkleid, doch sie war gewi� nicht fett. Es war die sch�nste Frau, die er je gesehen hatte. Ihre Augen waren wie dunkle, unergr�ndliche Bergseen, um ihre schlanke Taille lag ein G�rtel aus verwobenen Silberf�den, und in ihrem schwarzgl�nzenden Haar glitzerten silberne Halbmonde. Kadere erkannte dieses Gesicht aus seinen Tr�umen.</p><p>Als seine Knie auf dem Boden aufschlugen, fand er seine Sprache wieder. �Gro�e Herrin�, brachte er heiser heraus, �wie kann ich Euch dienen?�</p><p>Lanfear h�tte ihrem Blick nach genauso ein Insekt ansehen k�nnen, das sie vielleicht mit ihrem Pantoffel zertreten w�rde, vielleicht auch nicht. �Indem Ihr euren Gehorsam mir gegen�ber beweist. Ich war zu besch�ftigt, um selbst Rand al'Thor zu �berwachen. Sagt mir, was er inzwischen getan hat, abgesehen von der Eroberung Cairhiens, und was er zu unternehmen gedenkt.�</p><p>�Das ist schwierig, Gro�e Herrin. Einer wie ich kommt kaum an einen wie ihn heran.� Ein Insekt, sagten ihm diese k�hlen Augen, das so lange �berleben wird, wie es n�tzlich ist. Kadere zermarterte sein Hirn, damit ihm alles einfiel, was er gesehen, geh�rt oder sich vorgestellt hatte. �Er schickt die Aiel in gro�er Anzahl nach S�den, Gro�e Herrin, aber ich wei� nicht, aus welchem Grund. Die Tairener und die Leute aus Cairhien scheinen das gar nicht zu bemerken, aber ich glaube, sie k�nnen sowieso einen Aiel nicht vom anderen unterscheiden.� Er konnte es auch nicht. Er wagte nicht, sie zu bel�gen, aber wenn sie ihn f�r n�tzlicher hielt, als er tats�chlich war... �Er hat irgendeine Art von Schule gegr�ndet in einem st�dtischen Herrenhaus, von dessen Besitzerfamilie niemand �berlebt hat... � Zuerst konnte er ihr nicht anmerken, ob ihr gefiel, was er zu berichten hatte, aber je l�nger er redete, desto d�sterer wurde ihre Miene.</p><p>�Was wolltet Ihr mir denn nun zeigen, Moiraine?� fragte Rand ungeduldig, w�hrend er Jeade'ens Z�gel an einem Rad des letzten Wagens in der Reihe festband.</p><p>Sie stellte sich auf die Zehenspitzen, um �ber den Rand des Wagens sp�hen zu k�nnen. Oben standen zwei F�sser, die ihm bekannt vorkamen. Wenn er sich nicht irrte, enthielten sie zwei Cuendillar-Siegel, zum Schutz in Wolle verpackt, da sie nun nicht mehr unzerbrechlich waren. Hier sp�rte er die Verderbnis des Dunklen K�nigs besonders deutlich. Wie der Gestank nach etwas, das im Verborgenen verfaulte, so schien es von den F�ssern her�berzuwehen.</p><p>�Hier wird es in Sicherheit sein�, murmelte Moiraine.</p><p>Sie hob grazi�s ihren Rock an und begann, die Reihe der Wagen entlangzuschreiten. Lan folgte ihr auf den Fersen wie ein halb gez�hmter Wolf. Der Umhang auf seinem R�cken zeigte ein verwirrendes Spiel von Farben und � Nichts, Leere.</p><p>Rand starrte ihr aufgebracht hinterher. �Hat sie dir gesagt, worum es geht, Egwene?�</p><p>�Nur, da� du etwas sehen m��test. Und da� du ohnehin hierherkommen w�rdest.�</p><p>�Du solltest einer Aes Sedai vertrauen�, sagte Aviendha, doch in ihre ansonsten ruhige Stimme schlich sich eine Andeutung von Zweifel ein. Mat schnaubte.</p><p>�Na, dann werde ich das jetzt herausfinden. Natael, geht und richtet Bael aus, ich werde in einer...�</p><p>Am anderen Ende der Reihe explodierte die Seitenwand von Kaderes Wohnwagen; umherfliegende Tr�mmerteile m�hten Aiel wie Stadtbewohner nieder. Rand wu�te Bescheid; die G�nsehaut ben�tigte er nicht mehr, um Klarheit zu gewinnen. Er rannte hinter Moiraine und Lan her, hin zum Wohnwagen. Der Ablauf der Zeit schien sich zu verlangsamen. Alles geschah zur gleichen Zeit, als sei die Luft ein z�her Brei, der jeden Augenblick festzuhalten versuchte.</p><p>Lanfear trat hinaus in die bet�ubte Stille, die selbst das St�hnen und die Schreie der Verwundeten zu ersticken schien. In ihrer Hand hielt sie etwas Schlaffes, Bleiches, rot verschmiertes, das sie hinter sich her und unsichtbare Stufen hinabschleifte. Ihr Gesicht war wie eine aus Eis gehauene Maske. �Er hat es mir erz�hlt, Lews Therin!� Sie schrie diese Worte fast und schleuderte das bleiche Ding in die Luft. Ein Windhauch erfa�te es und blies es einen Moment lang zu einer blutigen, durchscheinenden Skulptur Hadnan Kaderes auf: seine Haut, in einem St�ck abgezogen. Die Gestalt fiel in sich zusammen und klatschte auf den Boden. Lanfears Stimme wurde schriller, und sie kreischte: �Du hast dich von einer anderen Frau ber�hren lassen! Nicht zum erstenmal!�</p><p>Die Augenblicke klebten aneinander, und alles geschah gleichzeitig.</p><p>Bevor Lanfear noch auf den Pflastersteinen des Kais stand, raffte Moiraine den Rock und begann, geradewegs auf sie zuzulaufen. So schnell sie aber war, Lan war noch schneller. Er achtete nicht auf ihren Ruf: �Nein, Lan!� Sein Schwert fuhr aus der Scheide, mit langen Schritten schob er sich vor sie, und der farbver�ndernde Umhang flatterte hinter ihm, als er angriff. Pl�tzlich schien er gegen eine unsichtbare Mauer zu rennen, prallte zur�ck und versuchte taumelnd, wieder anzugreifen. Ein Schritt, und dann war es, als wische ihn eine riesige Hand beiseite. Er flog zehn Schritt weit durch die Luft und krachte auf die Pflastersteine.</p><p>Noch w�hrend er durch die Luft flog, schob sich Moiraine ruckartig, die F��e �ber den Boden schleifend, trotz der unsichtbaren Barriere voran, bis sie schlie�lich Auge in Auge vor Lanfear stand. Doch nur f�r einen kurzen Moment. Die Verlorene blickte sie erstaunt an, als frage sie sich, was ihr da in den Weg gekommen sei, und dann wurde Moiraine so hart zur Seite geschleudert, da� sie sich mehrmals �berschlug und unter einem der Wagen verschwand.</p><p>Der ganze Kai war in Aufruhr. Es waren erst wenige Augenblicke vergangen, seit Kaderes Wohnwagen explodiert war, doch nur ein Blinder h�tte nicht bemerkt, da� die Frau in Wei� mit Hilfe der Einen Macht angriff. �berall im Hafen blitzten die Schneiden der �xte auf, Taue wurden durchschlagen, um die Lastk�hne loszumachen. Ihre Besatzungen stocherten verzweifelt mit langen Stangen nach den Mauern, um ihre Schiffe abzusto�en und auf das offene Wasser hinauszuschieben, damit sie fliehen konnten. Schauerleute mit nackten Oberk�rpern und dunkelgekleidete Gesch�ftsleute aus der Stadt versuchten, schnell noch an Bord zu springen. In der anderen Richtung dr�ngten sich M�nner wie Frauen schreiend vor der Mauer und k�mpften darum, sich durch die Tore in die Stadt zw�ngen zu k�nnen. Und mitten drin verschleierten sich in den <emphasis>Cadin'sor</emphasis> gekleidete Gestalten, um sich dann mit Speeren oder Messern oder blo�en H�nden auf Lanfear zu st�rzen. Niemand zweifelte daran, da� der Angriff von ihr ausgegangen war und da� sie die Macht dazu eingesetzt hatte. Trotzdem rannten sie, um den Tanz der Speere zu tanzen.</p><p>Feuerwellen �berrollten sie. Feuerpfeile durchbohrten jene, die trotz brennender Kleidung weiterliefen. Es war nicht so, da� Lanfear bewu�t gegen sie k�mpfte oder sie auch nur beachtete. Sie h�tte genausogut Stechm�cken oder Bei�michs verscheuchen k�nnen. Menschen brannten, Fliehende genauso wie diejenigen, die noch zu k�mpfen versuchten. Sie ging auf Rand zu, als existiere nichts anderes auf der Welt.</p><p>Nur Herzschl�ge.</p><p>Sie hatte drei Schritte getan, als Rand nach der m�nnlichen H�lfte der Wahren Quelle griff, schmelzender Stahl und stahlzerrei�endes Eis, s��er Honig und Jauche zugleich. Tief drinnen im Nichts erschien dieser Kampf ums eigene �berleben fern und der Kampf direkt vor seiner Nase nicht weniger. Als Moiraine unter dem Wagen verschwand, verwob er die ersten Str�nge der Macht, entzog Lanfears Feuern die Hitze und lenkte sie in den Flu�. Flammen, die noch Augenblicke zuvor menschliche Gestalten eingeschlossen hatten, waren pl�tzlich verschwunden. Im gleichen Moment verwob er die Str�nge wieder, und eine milchig wirkende graue Kuppel entstand, ein langgestrecktes Oval, das sich �ber ihn und Lanfear und die meisten der Wagen legte, eine fast durchsichtige Mauer, die alles ausschlo�, was sich nicht schon zuvor darinnen befunden hatte. Selbst in dem Augenblick, da er die Str�nge abnabelte, war er sich nicht sicher, was es eigentlich war und woher es kam �vielleicht aus Lews Therins Ged�chtnis. Doch Lanfears Feuerstr�me prallten davon ab und verloschen. Drau�en konnte er verschwommen Menschen wahrnehmen. Zu viele lagen zuckend und um sich schlagend am Boden. Er hatte wohl die Flammen besiegt, doch das verbrannte Fleisch blieb; der Gestank hing noch immer in der Luft. Aber wenigstens w�rden nicht noch mehr Menschen dem Feuer zum Opfer fallen. Auch innerhalb der Mauer lagen K�rper wie kleine Haufen verbrannter Kleidung. Ein paar r�hrten sich noch schwach, st�hnten. Ihr war das gleich; ihre Flammen erloschen. Die M�cken waren erschlagen, und sie w�rdigte sie keines Blickes mehr.</p><p>Herzschl�ge. Ihn fror selbst in der Leere des Nichts, und das Gef�hl der Trauer um die Toten und Sterbenden und die Verbrannten war so fern, da� es kaum zu existieren schien. Er war die K�lte selbst. Die Leere selbst. Nur der tobende Zorn <emphasis>Saidins</emphasis> erf�llte ihn.</p><p>Bewegungen zu beiden Seiten. Aviendha und Egwene, die Blicke konzentriert auf Lanfear gerichtet. Er hatte sie aus all dem heraushalten wollen. Sie mu�ten gleich hinter ihm hergerannt sein. Mat und Asmodean befanden sich drau�en; die Kuppel schlo� die letzten Wagen der Reihe nicht mit ein. In eisiger Ruhe verwob er Str�nge aus Luft um Lanfear abzulenken. Wenn ihm das gelang, konnten Egwene und Aviendha sie vielleicht abschirmen.</p><p>Etwas zerschnitt seine Str�nge. Sie peitschten so hart auf ihn zur�ck, da� er st�hnte.</p><p>�Eine von ihnen?� fauchte Lanfear. �Welche ist Aviendha?� Egwene warf den Kopf in den Nacken und heulte auf. Ihre Augen quollen heraus, und aller Schmerz der Welt entfloh ihrem Mund. �Welche?� Aviendha wurde auf die Zehenspitzen hochgerissen, schauderte, und ihre Schreie jagten die Egwenes, immer h�her und schriller.</p><p>Der Gedanke stand pl�tzlich mitten in der Leere. <emphasis>Den Geist auf diese Art mit Feuer und Erde verweben.</emphasis></p><p><emphasis>Da.</emphasis> Rand sp�rte, wie etwas abgeschnitten wurde, das er nicht sehen konnte, und Egwene brach bewegungslos zusammen. Aviendha sackte auf H�nde und Knie nieder, den Kopf gesenkt und hin und her schwankend.</p><p>Lanfear taumelte. Ihr Blick wandte sich von den Frauen ab und ihm zu; dunkle Seen aus schwarzem Feuer. �Du bist mein, Lews Therin! Mein!�</p><p>�Nein.� Rands Stimme schien seine eigenen Ohren aus einem meilenlangen Tunnel zu erreichen. <emphasis>Lenke sie von den M�dchen ab.</emphasis> Er bewegte sich weiter vorw�rts und blickte nicht zur�ck. �Ich war niemals dein, Mierin. Ich werde immer zu Ilyena geh�ren.� Das Nichts bebte vor Kummer und Schmerz. Und vor Verzweiflung, als er gegen noch etwas anderes als nur den brennenden Strom <emphasis>Saidins</emphasis> anzuk�mpfen hatte. Einen Augenblick lang hielt sich alles die Waage. <emphasis>Ich bin Rand al'Thor.</emphasis> Und: <emphasis>Ilyena, f�r immer und ewig in meinem Herzen.</emphasis> Ein Balanceakt auf der Schneide eines Rasiermessers. <emphasis>Ich bin Rand al'Thor!</emphasis> Andere Gedanken quollen herauf, eine ganze Font�ne, an Ilyena, an Mierin, an das, womit er sie besiegen k�nnte. Er unterdr�ckte alle, selbst diesen letzten. Falls er auf der falschen Seite herauskam... <emphasis>Ich bin Rand al'Thor!</emphasis> �Dein Name ist Lanfear und ich werde sterben, bevor ich eine der Verlorenen liebe.�</p><p>Etwas wie Schmerz zog wie ein Schatten �ber ihr Gesicht, doch dann war es wieder nur mehr eine marmorne Maske. �Wenn du nicht mein bist�, sagte sie kalt, �dann bist du tot.�</p><p>Ein entsetzlicher Schmerz in seiner Brust, als m�sse sein Herz bersten, und in seinem Kopf, wo sich wei�gl�hende Nadeln in sein Hirn bohrten, so starke Schmerzen, da� er selbst im Nichts geborgen schreien wollte. Der Tod stand neben ihm, und er wu�te es. Verzweifelt � selbst im Nichts noch verzweifelt; die Leere flimmerte und schwand � verwob er Geist und Feuer und Erde und schlug damit wild um sich. Sein Herz schlug nicht mehr. Eine Faust aus dunkelstem Schmerz zerquetschte das Nichts. Ein grauer Schleier �berzog seine Augen. Er sp�rte, wie sein Gewebe brutal das ihre durchschnitt. Der Atem brannte in seiner leeren Lunge und das Herz begann mit einem Ruck wieder, Blut durch seinen K�rper zu pumpen. Er konnte wieder sehen. Silberne und schwarze Flecken tanzten zwischen ihm und einer Lanfear, die mit steinerner Miene ihr Gleichgewicht wiederzufinden suchte, nachdem ihre eigenen Str�nge auf sie zur�ckgeschnellt waren. Der Schmerz war wie eine offene Wunde in seinem Kopf und in der Brust doch das Nichts festigte sich wieder, und dann war dieser k�rperliche Schmerz verschwunden.</p><p>Und das war auch gut so, denn er hatte keine Zeit, sich zu erholen. Er zwang sich zur Vorw�rtsbewegung und schlug mit einem Strang aus Luft auf sie ein, einem Kn�ppel, um sie bewu�tlos zu schlagen. Sie zerschnitt das Gewebe, doch er schlug wieder zu, immer wieder, sobald sie sein letztes Gewebe durchtrennt hatte. Ein w�tender Hagel von Schl�gen prasselte auf sie nieder, den sie jedesmal kommen sah und abwehrte, doch er kam n�her und n�her. Wenn er sie nur noch ein paar Augenblicke besch�ftigen k�nnte, wenn einer dieser unsichtbaren Kn�ppel ihren Kopf tr�fe, dann k�nnte er sich ihr weit genug n�hern, um mit der Faust zuzuschlagen... Bewu�tlos w�re sie genauso hilflos wie jeder andere.</p><p>Mit einemmal schien sie zu begreifen, was er vorhatte. Sie fing immer noch jeden seiner Schl�ge so leicht ab, als k�nne sie ihn kommen sehen, t�nzelte dabei aber r�ckw�rts, bis sie an einen Wagen stie�. Und sie l�chelte wie das Herz des Winters. �Du wirst langsam sterben, und bevor du stirbst, wirst du mich anbetteln, mich lieben zu d�rfen�, sagte sie.</p><p>Diesmal schlug sie nicht direkt nach ihm, sondern nach seiner Verbindung zu <emphasis>Saidin.</emphasis></p><p>Die Panik schlug gegen das Nichts, da� es bei der ersten messerscharfen Ber�hrung wie ein Gong dr�hnte. Der Strom der Macht in ihm wurde d�nner, als dieses Messer tiefer zwischen ihn und die Quelle drang. Mit Geist und Feuer und Erde schlug er auf die Messerklinge ein. Er wu�te genau, wo er sie finden konnte, er wu�te, wo sich seine Verbindung befand, und er sp�rte diesen ersten Schnitt. Die Abschirmung, die sie �ber ihn zu werfen suchte, verschwand, tauchte erneut auf, tauchte immer wieder auf, so schnell er auch ihre Str�nge durchtrennte, und immer flo� <emphasis>Saidin</emphasis> einen kurzen Moment von ihm weg, blieb fast ganz weg, und er konnte mit seinem Gegenschlag gerade noch ihrem Angriff begegnen. Zwei Str�nge auf einmal zu weben sollte ihm leicht genug fallen, denn er konnte eigentlich zehn oder noch mehr gleichzeitig halten, aber eben nicht, wenn der eine Strang nur eine verzweifelte Abwehr gegen etwas darstellte, das er nicht sah, bis es fast zu sp�t war. Und auch nicht, wenn immer wieder die Gedanken eines anderen Mannes im Nichts emporquollen und ihm sagen wollten, wie er sie besiegen k�nne. Falls er darauf h�rte, w�rde vielleicht Lews Therin Telamon davonkommen, und Rand al'Thor w�re nur noch eine Stimme, die manchmal in seinem Kopf etwas fl�sterte, wenn �berhaupt.</p><p>�Ich werde daf�r sorgen, da� diese beiden Huren zuschauen, wenn du bettelst�, sagte Lanfear. �Aber soll ich sie zuerst dabei zusehen lassen, wie du stirbst, oder umgekehrt?� Wann war sie eigentlich auf den Wagen geklettert? Er mu�te sie beobachten, mu�te Ausschau halten nach der ersten Andeutung von Erm�dung bei ihr, sobald ihre Konzentration nachlie�. Es war eine vergebliche Hoffnung. Sie stand neben dem verdrehten T�rrahmen des <emphasis>Ter'Angreal</emphasis> und blickte auf ihn herab wie eine K�nigin, die gleich ihr Urteil f�llen w�rde. Und dennoch nahm sie sich die Zeit, kalt auf einen altersdunklen Elfenbein-Armreif herabzul�cheln, den sie unabl�ssig in der Hand drehte. �Was wird dir mehr weh tun, Lews Therin? Ich will, da� du Schmerz empfindest. Ich will, da� du Schmerzen kennenlernst, wie noch kein Mann sie empfunden hat!�</p><p>Je st�rker ihm der Strom der Macht von der Quelle zuflo�, desto schwerer w�re er zu durchtrennen. Seine Hand verkrampfte sich um die Manteltasche, um den fetten kleinen Mann mit dem Schwert, das sich durch den Stoff hindurch in seine Handfl�che bohrte, wo sich der eingebrannte Reiher befand. Er sog soviel <emphasis>Saidin</emphasis> auf, wie er nur konnte, bis das Verderben wie ein Regenschleier neben ihm durch die Leere schwebte.</p><p>�Schmerz, Lews Therin.�</p><p>Und dann war da ein Schmerz wie eine in Agonie versunkene Welt. Diesmal traf er nicht Herz oder Kopf, sondern war �berall, in jedem Teil seines K�rpers. Hei�e Nadeln stachen in die Blase des Nichts. Er bildete sich fast ein, bei jedem Stich ein Zischen wie beim Ausstr�men von Luft zu h�ren, und jeder Sto� lie� die Nadeln tiefer eindringen als zuvor. Ihre Versuche, ihn abzuschirmen, wurden keineswegs schw�cher, im Gegenteil, sie wurden schneller und st�rker. Er konnte kaum glauben, da� sie so stark war. Er klammerte sich an das Nichts, an das sengende, eiskalte <emphasis>Saidin,</emphasis> und er verteidigte sich wild. Er konnte ja alles beenden und sie t�ten. Er k�nnte Blitze herabrufen oder sie in das gleiche Feuer einh�llen, das sie selbst zum T�ten verwandt hatte.</p><p>Bilder tauchten inmitten des Schmerzes auf. Eine Frau im dunklen Kleid einer H�ndlerin, die vom Pferd st�rzte. Das feuerrote Schwert, das leicht in seiner Hand lag. Sie war zusammen mit einer Handvoll von Schattenfreunden gekommen, um ihn zu t�ten. Mats schmerzerf�llter Blick. <emphasis>Ich habe sie get�tet.</emphasis> Eine Frau mit goldenen Haaren, die in einem zerst�rten Korridor lag, dessen W�nde geschmolzen und zerflossen waren. <emphasis>Ilyena, vergib mir!</emphasis> In dem Schrei lag pure Verzweiflung.</p><p>Er k�nnte es beenden. Nur brachte er das nicht fertig. Er w�rde sterben, vielleicht w�rde sogar die ganze Welt sterben, doch er konnte sich nicht dazu �berwinden, noch einmal eine Frau zu t�ten. Irgendwie erschien ihm das der beste Witz, den die Welt je geh�rt hatte.</p><p>Moiraine wischte sich Blut vorn Mund und kroch unter dem hinteren Ende des Wagens hervor. Sie erhob sich unsicher, das Gel�chter eines Mannes im Ohr. Unwillk�rlich huschte ihr Blick hin�ber und suchte nach Lan. Sie fand ihn, wo er beinahe an der milchigen grauen Wand der Kuppel lag, die sich �ber ihnen w�lbte. Er zuckte, vielleicht bei dem Versuch, die Kr�fte zum Aufstehen zu sammeln, vielleicht auch im Todeskampf. Sie verdr�ngte ihn aus ihrem Verstand. Er hatte ihr Leben so oft gerettet, da� es l�ngst ihm geh�ren sollte, aber sie hatte schon lange alle Ma�nahmen getroffen, um daf�r zu sorgen, da� er seinen einsamen Krieg gegen den Schatten �berlebte. Nun mu�te er ohne sie weiterleben oder sterben.</p><p>Es war Rand, der so lachte. Er lag auf den Knien auf den Pflastersteinen des Kais. Er lachte, und dabei str�mten ihm die Tr�nen �ber ein Gesicht, das verzerrt war, als habe man ihn gefoltert. Moiraine lief es kalt den R�cken hinab. Falls der Wahnsinn ihn gepackt hatte, konnte sie ihm nicht mehr helfen. Sie konnte nur das vollbringen, was in ihrer Macht lag. Was sie tun mu�te.</p><p>Der Anblick Lanfears traf sie wie ein Schlag. Es war nicht die �berraschung, sondern der lahmende Schock, das wirklich vor sich zu sehen, was sie seit Rhuidean so oft im Traum gesehen hatte. Lanfear, wie sie auf dem Wagen stand, vom sonnenhellen Strahlen <emphasis>Saidars</emphasis> erf�llt, so stand sie vor dem verdrehten Sandstein ... <emphasis>Ter'Angreal</emphasis> und blickte auf Rand hinab, ein erbarmungsloses L�cheln um die Lippen. Sie spielte mit einem Armreif, den sie in der Hand hielt. Ein <emphasis>Angreal.</emphasis> Sollte Rand seinen eigenen <emphasis>Angreal</emphasis> nicht dabeihaben, d�rfte sie mit Hilfe dieses Armreifs in der Lage sein, ihn zu zerquetschen. Entweder hatte er seinen dabei, oder Lanfear spielte mit ihm. Es spielte keine Rolle. Moiraine gefiel dieser altersdunkle, aus Elfenbein geschnitzte Reif �berhaupt nicht. Auf den ersten Blick schien er einen Akrobaten darzustellen, der sich r�ckw�rts beugte und seine eigenen Fu�kn�chel umfa�te. Nur ein genauerer Blick enth�llte, da� seine Arme und Beine aneinander gefesselt waren. Er gefiel ihr nicht, aber sie hatte ihn aus Rhuidean mitgebracht. Gestern erst hatte sie den Armreif aus einem Sack mit vielen anderen Kleinigkeiten geholt und ihn dann am Fu� des T�rrahmens liegen lassen.</p><p>Moiraine war eine zierliche, kleine Frau. Ihr Gewicht lie� den Wagen �berhaupt nicht schwanken, als sie sich emporzog. Sie verzog das Gesicht als ihr Kleid an einem Splitter h�ngenblieb und der Stoff ri�, aber Lanfear blickte sich nicht um. Die Frau war mit jeder Bedrohung bis auf Rand fertiggeworden; er war im Augenblick das einzige auf der Welt, was sie wahrnahm.</p><p>Sie unterdr�ckte einen kleinen Hoffnungsfunken, denn einen solchen Luxus konnte sie sich nicht leisten, und balancierte einen Moment lang aufrecht auf dem hinteren Wagenende, und dann griff sie nach der Wahren Quelle und warf sich Lanfear entgegen. Die Verlorene merkte im letzten Moment etwas und wirbelte herum, doch da prallte Moiraine auch schon gegen sie und entri� ihr den Armreif. Auge in Auge st�rzten sie durch den T�rrahmen des <emphasis>Ter'Angreal.</emphasis> Wei�es, glei�endes Licht verschlang alles.</p></section><section><title><p>53</p><p>Verblassende Worte</p></title><p>In den Tiefen des schrumpfenden Nichts sah Rand, wie Moiraine urpl�tzlich erschien und sich auf Lanfear warf und mit ihr rang. Der Angriff auf ihn h�rte schlagartig auf, als die beiden Frauen in einem nicht enden wollenden grellwei�en Lichtschein durch den T�rrahmen des <emphasis>Ter'Angreal</emphasis> st�rzten. Das Licht lie� das seltsam verdrehte Sandsteinrechteck hell erstrahlen. Es war, als wolle es hindurchfluten und werde nur von einer unsichtbaren Wand zur�ckgehalten. Silberne und blaue Blitze spr�hten immer wilder um den <emphasis>Ter'Angreal,</emphasis> knisterten und prasselten ohrenbet�ubend.</p><p>Rand taumelte hoch. Der Schmerz war noch nicht verflogen, aber der Druck war weg, und damit w�rde auch der Schmerz nicht mehr lange andauern. Er konnte den Blick nicht von dem <emphasis>Ter'Angreal</emphasis> wenden. <emphasis>Moiraine.</emphasis> Ihr Name erf�llte seinen Verstand und glitt in gro�en Lettern �ber die Blase des Nichts.</p><p>Lan schlurfte an ihm vorbei, den Blick stur auf den Wagen gerichtet. Er beugte sich vor, da� es aussah, als m�sse er sich weiterbewegen, weil er sonst nach vorne wegkippen w�rde.</p><p>Mehr als dieses Aufstehen konnte Rand im Augenblick auch nicht bew�ltigen. Er verwob einen Strang aus Luft und fing damit den Beh�ter auf. �Ihr... Ihr k�nnt nichts tun, Lan. Ihr k�nnt ihr nicht folgen.�</p><p>�Ich wei߫, sagte Lan mit Hoffnungslosigkeit in der Stimme. Er wurde von dem Strang aus Luft im Schritt mit einem erhobenen Fu� festgehalten, k�mpfte aber nicht dagegen an, sondern starrte nur auf diesen <emphasis>Ter'Angreal,</emphasis> der Moiraine verschlungen hatte. �Das Licht gebe mir Frieden, ich wei� es.�</p><p>Der Wagen selbst hatte mittlerweile Feuer gefangen. Rand versuchte, die Flammen zu ersticken, doch sobald er einem Brandherd die Hitze entzogen und sie abgeleitet hatte, entz�ndete ein Blitz einen neuen. Der T�rrahmen selbst begann bereits zu qualmen, obwohl er ja aus Stein bestand. Der wei�e, bei�ende Rauch stieg auf und ballte sich unter der grauen Kuppel zusammen. Nur ein kurzer Hauch lie� Rands Nase brennen und zwang ihn zum Husten. Seine Haut prickelte, und es stach, wo der Qualm sie ber�hrte. Schnell l�ste er das Gewebe der Kuppel auf und wartete nicht erst darauf, da� sie von allein verschwand, sondern trieb ihre Reste auseinander. Dann webte er einen hohen Schornstein aus Luft �ber dem Wagen. Die Lufts�ule schimmerte wie Glas. So konnte der Qualm nur noch nach oben entweichen. Erst dann lie� er Lan los. Bei diesem Mann hatte er es durchaus f�r m�glich gehalten, da� er Moiraine trotz allem gefolgt w�re, h�tte er nur den Wagen erreichen k�nnen. Der aber stand nun in hellen Flammen. Der steinerne T�rrahmen schmolz wie Wachs, doch vielleicht h�tte selbst das einen Beh�ter nicht abhalten k�nnen.</p><p>�Sie ist weg. Ich kann ihre Gegenwart nicht mehr sp�ren.� Es klang, als rei�e sich Lan jedes Wort aus der Brust. Er wandte sich um und begann, ohne einen Blick zur�ck die Reihe der Wagen entlangzugehen.</p><p>Rand folgte dem Beh�ter mit den Augen, doch dann fiel ihm Aviendha auf, die immer noch auf den Knien lag und Egwene in den Armen hielt. Er lie� <emphasis>Saidin</emphasis> los und rannte den Kai entlang. Die k�rperlichen Schmerzen, die das Nichts auf Distanz gehalten hatte, brachen jetzt mit voller Wucht �ber ihn herein, doch er rannte, wenn auch m�hsam, zu den Frauen hin. Auch Asmodean befand sich bereits dort und blickte sich �ngstlich um, als erwarte er, da� Lanfear pl�tzlich hinter einem Planwagen oder einem umgest�rzten Gem�sekarren hervortreten werde. Und Mat hockte daneben, den Speer an die Schulter gelehnt, und f�chelte Egwene mit seinem Hut Luft zu.</p><p>Rand schlidderte zum Stand. �Ist sie...?�</p><p>�Ich wei� nicht�, sagte Mat kleinlaut.</p><p>�Sie atmet noch.� Das klang bei Aviendha, als wisse sie nicht, wie lange noch, doch als Amys und Bair sich mit Melaine und Sorilea im Schlepptau gewaltsam an Rand vorbeidr�ngten, schlug Egwene gerade die Augen auf. Die Weisen Frauen knieten sich neben die jungen Frauen nieder und sprachen leise miteinander, w�hrend sie Egwene untersuchten.</p><p>�Ich f�hle mich...�, begann Egwene mit schwacher Stimme und hielt inne, um zu schlucken. Ihr Gesicht war blutleer und bleich. �Es ... tut weh.� Eine Tr�ne quoll ihr aus dem Auge.</p><p>�Selbstverst�ndlich�, sagte Sorilea kurz angebunden. �So etwas passiert eben, wenn man sich in die Angelegenheiten eines Mannes verwickeln la�t.�</p><p>�Sie kann nicht mit Euch gehen, Rand al'Thor.� Melaine mit dem sonnenfarbenen Haar war ganz offensichtlich w�tend, blickte ihn aber nicht direkt an. Ihr Zorn mochte gegen ihn gerichtet sein, vielleicht aber auch allgemein gegen das, was nun einmal geschehen war.</p><p>�Ich ... bin bald wieder munter wie ein Fisch im Wasser ... wenn ich ... ein bi�chen ausgeruht habe�, fl�sterte Egwene.</p><p>Bair befeuchtete ein Tuch an einem Wasserschlauch und legte es auf Egwenes Stirn. �Es wird Euch wieder gut gehen, wenn Ihr lange genug geruht habt. Ich f�rchte, heute abend werdet Ihr Euch nicht mit Nynaeve und Elayne treffen. Ihr werdet ein paar Tage lang von <emphasis>Tel'aran'rhiod</emphasis> fernbleiben, bis Ihr wieder st�rker seid. Seht mich nicht so widerspenstig an, Kind.</p><p>Falls notwendig, werden wir Eure Tr�ume �berwachen, und wenn Ihr auch nur daran denkt, ungehorsam zu sein, werden wir Euch Sorilea zur Pflege �bergeben.�</p><p>�Mir werdet Ihr h�chstens einmal zuwiderhandeln, Aes Sedai oder nicht�, versprach Sorilea, aber das Mitgef�hl in ihrer Stimme widersprach dem grimmigen Ausdruck auf ihrem wettergegerbten Gesicht. Egwenes Miene sprach von abgrundtiefer Niedergeschlagenheit.</p><p>�Ich wenigstens f�hle mich gut genug, um zu unternehmen, was vollbracht werden mu߫, sagte Aviendha. In Wirklichkeit sah sie nicht viel besser aus als Egwene, aber sie brachte einen trotzigen Blick in Rands Richtung zustande, von dem sie offensichtlich Widerspruch erwartete. Ihr Trotz verflog ein wenig, als ihr bewu�t wurde, da� alle vier Weisen Frauen sie anblickten. �Es stimmt aber�, knurrte sie.</p><p>�Nat�rlich�, murmelte Rand mit flauem Gef�hl im Magen.</p><p>�Wirklich�, beharrte sie darauf. Sie sprach mit ihm und mied �ngstlich jeden Blick in die Augen der Weisen Frauen. �Lanfear hatte mich etwas k�rzer in den Klauen als Egwene. Das macht einen entscheidenden Unterschied. Ich habe ein <emphasis>Toh</emphasis> dir gegen�ber, Rand al'Thor. Ich glaube nicht, da� wir auch nur einige Augenblicke l�nger �berlebt h�tten. Sie war sehr stark.� Ihr Blick huschte zu dem brennenden Wagen hin�ber. Das wilde Flammenmeer hatte ihn bereits zu einem formlosen, verkohlten Haufen innerhalb des gl�sern wirkenden Schornsteins zusammensinken lassen. Von dem steinernen <emphasis>Ter'Angreal</emphasis> war nichts mehr zu sehen. �Ich habe nicht mehr beobachten k�nnen, was noch geschah.�</p><p>�Sie sind...� Rand mu�te sich r�uspern. �Sie sind beide weg. Lanfear ist tot und Moiraine auch.� Egwene begann zu weinen. Trotz Aviendhas festem Griff sch�ttelte das Schluchzen ihren ganzen K�rper durch. Aviendha ihrerseits senkte den Kopf bis auf die Schulter der anderen, als wolle auch sie gleich in Tr�nen ausbrechen.</p><p>�Ihr seid ein Narr, Rand al'Thor�, sagte Amys und stand auf. Dieses so �berraschend jugendliche Gesicht unter dem Kopftuch, das ihr wei�es Haar bedeckte, wirkte steinhart. �In dieser Hinsicht und auch in bezug auf viele andere Dinge seid Ihr ein Narr.�</p><p>Er wandte sich vor der Anklage in ihrem Blick ab. Moiraine war tot. Tot, weil er sich nicht hatte dazu �berwinden k�nnen, eine der Verlorenen zu t�ten. Er konnte sich nicht zwischen Lachen und Weinen entscheiden. Falls er eines von beiden tat, w�rde er nicht mehr aufzuh�ren in der Lage sein.</p><p>Die Hafenstra�en, die sich schlagartig geleert hatten, als er die Kuppel schuf, f�llten sich nun wieder, obwohl die meisten der Menschen sich nicht n�her herantrauten als bis dorthin, wo die milchiggraue Kuppelwand sich befunden hatte. Weise Frauen gingen umher und k�mmerten sich um die Menschen, die Brandwunden davongetragen hatten, und sie sprachen den Sterbenden Trost zu. Wei�gekleidete <emphasis>Gai'schain</emphasis> und M�nner im <emphasis>Cadin'sor</emphasis> waren ihnen behilflich. Das St�hnen und Schreien traf ihn immer noch bis ins Mark. Er war nicht schnell genug gewesen. Moiraine tot, und so konnte niemand die am schlimmsten Verletzten mit Hilfe der Macht heilen. Weil er... <emphasis>Ich konnte nicht. Licht, hilf mir, ich habe es nicht fertiggebracht!</emphasis></p><p>Andere Aielm�nner standen da und beobachteten ihn. Manche legten den Schleier jetzt wieder ab. Er entdeckte immer noch keine einzige Tochter des Speers. Und nicht nur Aiel standen dort. Dobraine, der mit blo�em Haupt auf einem schwarzen Wallach sa�, wandte den Blick nicht von Rand, und in der N�he sa�en Talmanes, Nalesean und Daerig auf ihren Pferden und sahen ebenfalls her�ber. Sie allerdings beobachteten Mat fast genauso eindringlich wie Rand. Auf dem Wehrgang der gro�en Stadtmauer dr�ngten sich die Menschen, von der aufgehenden Sonne von hinten angestrahlt so da� ihre Gesichter im Dunkel lagen, und weitere standen auf den Flankenmauern. Zwei dieser schattenhaften Gestalten wandten sich ab, als er emporblickte, erkannten sich auf nicht einmal zwanzig Schritt Entfernung und schienen voreinander zur�ckzuschrecken. Er h�tte wetten k�nnen, da� es sich um Meilan und Maringil handelte.</p><p>Lan stand wieder hinten bei den Pferden am letzten Wagen in der Reihe und streichelte Aldiebs wei�e Nase. Moiraines Stute.</p><p>Rand ging zu ihm hin. �Es tut mir so leid, Lan. W�re ich schneller gewesen, h�tte ich...� Er atmete schwer aus. <emphasis>Ich konnte die eine nicht t�ten, also t�tete ich die andere. Licht, seng mich doch, bis ich blind bin!</emphasis> In diesem Moment w�re es ihm gleichg�ltig gewesen, h�tte ihm das Licht wirklich die Augen ausgebrannt.</p><p>�Das Rad webt.� Lan ging hin�ber zu Mandarb und �berpr�fte den Sattelgurt des schwarzen Hengstes �wohl nur, damit er etwas zu tun hatte. �Sie war eine Soldatin, auf ihre eigene Art ein Krieger, genau wie ich. Dasselbe h�tte in den vergangenen zwanzig Jahren zweihundert Mal geschehen k�nnen. Dir war das immer bewu�t, genau wie mir. Es war ein guter Tag zum Sterben.� Seine Stimme klang so hart wie immer, doch diese kalten, blauen Augen wiesen rote R�nder auf.</p><p>�Es tut mir trotzdem leid. Ich h�tte eben...� Man konnte den Mann nicht mit �h�tte� oder �sollte� tr�sten, und diese Worte rissen an Rands Seele. �Ich hoffe, Ihr k�nnt trotzdem noch mein Freund sein, Lan, nachdem... Ich sch�tze Euren Rat sehr � und Eure �bungsstunden mit dem Schwert � ich werde beides in den kommenden Tagen ben�tigen.�</p><p>�Ich bin Euer Freund, Rand. Aber ich kann nicht bleiben.� Lan schwang sich in seinen Sattel. �Moiraine hat etwas mit mir gemacht, was schon seit Jahrhunderten nicht mehr durchgef�hrt wurde, jedenfalls nicht mehr seit jener Zeit, als die Aes Sedai sich noch gelegentlich einen Mann gegen seinen Willen als Beh�ter zuschw�ren lie�en. Sie hat meine Verbindung zu ihr so abge�ndert da� ich bei ihrem Tod zu einer anderen geh�ren w�rde. Nun mu� ich diese andere finden und einer ihrer Beh�ter werden. Ich bin es bereits. Ich kann sie ganz schwach sp�ren, irgendwo, weit im Westen, und sie kann auch mich f�hlen. Ich mu� gehen, Rand. Es ist ein Teil dessen, was Moiraine tat. Sie sagte, sie werde nicht zulassen, da� ich sterbe, nur weil ich sie r�chen will.� Er hielt die Z�gel gepackt, als wolle er Mandarb zur�ckhalten, als halte er sich selbst davon ab, ihn die Sporen sp�ren zu lassen. �Falls Ihr jemals Nynaeve wiederseht, sagt ihr...� Einen Moment lang verzog sich dieses ansonsten steinerne Gesicht vor Schmerz und Qual, doch nur diesen einen Moment lang, dann bestand es wieder aus Granit. Er murmelte leise etwas, das Rand aber doch verstehen konnte: �Eine saubere Wunde heilt am schnellsten und verk�rzt den Schmerz.� Laut sagte er: �Sagt ihr, ich h�tte jemanden anders gefunden. Gr�ne Schwestern stehen manchmal ihren Beh�tern so nahe wie andere Frauen ihren Ehem�nnern. In allem. Sagt ihr, ich w�re weg, um der Geliebte und das Schwert einer Gr�nen Schwester zu werden. So etwas passiert. Es ist ja schlie�lich schon lange her, da� ich sie das letzte Mal sah.�</p><p>�Ich werde ihr ausrichten, was Ihr mir auftragt, Lan, aber ich wei� nicht, ob sie mir glauben wird.�</p><p>Lan beugte sich aus dem Sattel herunter und packte mit hartem Griff Rands Schulter. Rand dachte daran, wie er den Mann mit einem halb gez�hmten Wolf verglichen hatte, aber diese Augen lie�en einen Wolf gegen ihn wie ein Scho�h�ndchen erscheinen. �Wir sind uns in vielen Dingen �hnlich, Ihr und ich. In uns schlummert eine Dunkelheit. Dunkelheit, Schmerz, Tod. Wir str�men diese Dinge aus. Wenn Ihr je eine Frau liebt, Rand, dann verla�t sie und la�t sie einen anderen finden. Das wird das gr��te Geschenk, da� Ihr dieser Frau geben k�nnt.� Er richtete sich auf und erhob eine Hand. �Der Friede sei Eurem Schwert gn�dig. <emphasis>Tai'schar</emphasis> Manetheren.� Der uralte Gru�. �Das wahre Blut von Manetheren�.</p><p>Rand hob seine Hand zum Gru�. <emphasis>�Tai'schar Malkier.�</emphasis></p><p>Lan lie� Mandarb die Fersen in den Flanken sp�ren, und der Hengst sprang vorw�rts. Aiel und alle anderen brachten sich schnell in Sicherheit. Es war, als wolle er den letzten der Malkieri im Galopp bis an sein Ziel tragen, wo immer das auch lag.</p><p>�Die letzte Umarmung der Mutter soll Euch zu Hause willkommen hei�en, Lan�, murmelte Rand, und dann �berlief ihn ein Schaudern. Das war ein Teil der Beerdigungszeremonie in Schienar und �berall in den Grenzlanden.</p><p>Sie beobachteten ihn noch immer, die Aiel, die Menschen auf der Stadtmauer. Die Burg w�rde von den heutigen Ereignissen erfahren, oder jedenfalls eine Darstellung davon erhalten, so schnell es eine Taube nur nach Tar Valon schaffen konnte. Falls Rahvin eine M�glichkeit besa�, ihn ebenfalls zu �berwachen, und dazu ben�tigte er ja eigentlich nur einen Raben in der Stadt oder eine Ratte am Flu�ufer, w�rde er heute gewi� keinen Angriff von ihm erwarten. Elaida w�rde ihn f�r geschw�cht halten und glauben, er sei vielleicht leichter zu beeinflussen, und Rahvin...</p><p>Ihm wurde bewu�t, was er da tat, und er zuckte leicht zusammen. <emphasis>H�r auf! Eine Minute wenigstens kannst du aufh�ren und trauern!</emphasis> Er wollte nicht, da� ihn alle so beobachteten. Die Aiel wichen ihm beinahe genauso bereitwillig aus wie vorher Mandarb.</p><p>Die schiefergedeckte H�tte des Hafenmeisters besa� innen nur einen einzigen fensterlosen Raum mit W�nden voller Regale, auf denen B�cher, Schriftrollen und Papiere lagerten. Beleuchtet wurde er durch zwei Lampen auf einem groben, unlackierten Tisch, auf dem ansonsten vor allem Steuersiegel und Zollstempel herumlagen. Rand knallte die T�r hinter sich zu, um den vielen Augen zu entgehen.</p><p>Moiraine tot, Egwene verletzt und Lan fort. Ein hoher Preis f�r den Tod Lanfears.</p><p>�Traure gef�lligst verdammt noch mal!� grollte er. �Das hat sie nun wirklich verdient! Hast du denn �berhaupt kein Gef�hl mehr?� Doch vor allem f�hlte er sich wie bet�ubt. Sein K�rper schmerzte, aber von den Schmerzen abgesehen war er wie tot.</p><p>Er zog die Schultern ein, steckte die H�nde in die Taschen, und dort fanden seine Finger Moiraines Briefe. Langsam zog er sie heraus. Ein paar Dinge, �ber die er nachdenken sollte, hatte sie gesagt. Den an Thom steckte er zur�ck und brach dann das Siegel des anderen. Die Seiten waren dicht in Moiraines eleganter Handschrift beschrieben.</p><p>Diese Worte werden innerhalb von wenigen Augenblicken, nachdem Ihr dies aus der Hand legt, verblassen � ein auf Euch abgestimmtes Gewebe �, also geht vorsichtig damit um. Die Tatsache, da� Ihr dies lest, bedeutet, da� sich die Ereignisse im Hafen so entwickelt haben, wie ich hoffte...</p><p>Er unterbrach sich, blickte ins Leere, und dann las er doch schnell weiter.</p><p>Seit dem ersten Tag, da ich Rhuidean erreichte, wu�te ich � es mu� Euch nicht k�mmern, wie ich das erfuhr; manche Geheimnisse geb�hren anderen, und ich werde sie nicht verraten �, da� der Tag kommen w�rde, da in Cairhien Nachrichten von Morgase eintr�fen. Ich wu�te freilich nicht, wie sie lauteten. Falls das stimmt, was wir h�rten, mag das Licht ihrer Seele gn�dig sein. Sie war eigenwillig und halsstarrig, hatte zuweilen die Launen einer L�win, und doch war sie eine wahrheitsliebende, gute und gn�dige K�nigin.</p><p>Doch jedesmal f�hrten uns diese Nachrichten am darauffolgenden Tag zum Hafen. Es gab drei Verzweigungen vom Hafen aus, aber wenn Ihr dies lest, bin ich fort, genauso wie Lanfear...</p><p>Rands H�nde verkrampften sich um die Bl�tter. Sie hatte es gewu�t. Bescheid gewu�t, und dennoch hatte sie ihn hierhergebracht. Hastig gl�ttete er die zerknitterten Bl�tter.</p><p>Die anderen beiden Verzweigungen waren viel schlimmer. In der einen t�tete Lanfear Euch. Und in der anderen schleppte sie Euch weg, und als wir Euch das n�chste Mal sahen, nanntet Ihr euch Lews Therin Telamon und wart ihr hingebungsvoller Liebhaber.</p><p>Ich hoffe, Egwene und Aviendha haben unversehrt �berlebt. Wie Ihr seht, wei� ich nicht, was hinterher in der Welt geschieht, abgesehen vielleicht von einer Kleinigkeit die Euch nicht betrifft.</p><p>Ich konnte es Euch nicht vorher sagen, aus dem gleichen Grund, wie ich es Lan nicht sagen konnte. Auch wenn ich Euch vor die Wahl gestellt h�tte, h�tte ich nicht sicher sein k�nnen, welche M�glichkeit Ihr erw�hlt. Die Menschen von den Zwei Fl�ssen tragen in sich, wie es scheint, viele Z�ge des legend�ren Manetheren, Charakterz�ge, die sie mit den Menschen der Grenzlande teilen. Man sagt, ein Grenzl�nder empfange lieber selbst eine Wunde durch einen Dolchsto�, als einer Frau ein Leid zuf�gen zu lassen, und er betrachte das als einen fairen Handel. Ich wagte nicht, das Risiko einzugehen, Ihr k�nntet mein Leben �ber das Eure stellen und Euch einbilden, Ihr k�nntet irgendwie das Schicksal umgehen. Kein Risiko, f�rchte ich, sondern eine n�rrische Einbildung, wie der heutige Tag Euch sicher bewiesen hat...</p><p>�Meine eigene Entscheidung, Moiraine�, stammelte er. �Es war meine eigene Entscheidung.�</p><p>Noch ein paar Dinge zum Schlu�.</p><p>Falls Lan noch nicht weg sein sollte, sagt ihm bitte, da� das, was ich ihm antat, zu seinem eigenen Besten war. Eines Tages wird er es verstehen, und ich hoffe, er wird mir daf�r danken.</p><p>Vertraut keiner Frau in vollem Ma�e, die jetzt zu den Aes Sedai geh�rt. Ich spreche hier nicht nur einfach von den Schwarzen Ajah, obwohl Ihr immer nach ihnen Ausschau halten m��t. H�tet Euch vor Verin genauso wie vor Alviarin. Wir haben die Welt dreitausend Jahre lang nach unserer Pfeife tanzen lassen. Es ist schwierig, mit einer solchen Gewohnheit zu brechen, wie ich erkennen mu�te, als ich nach Eurer Pfeife tanzte. Ihr m��t Euch frei bewegen, und selbst die wohlmeinendste meiner Schwestern k�nnte versuchen, Euch so zu f�hren, wie ich es einst tat.</p><p>Bitte �bergebt Thom Merrilin den Brief, wenn Ihr ihn wiederseht. Es gibt da eine Kleinigkeit, von der ich ihm einst erz�hlte, die ich aufkl�ren mu�, damit seine Seele Ruhe findet.</p><p>Noch eines: H�tet Euch vor Meister Jasin Natael. Ich kann Euch nicht in vollem Ma�e zustimmen, aber ich verstehe Euch. Vielleicht ist es die einzige M�glichkeit. Und doch m��t Ihr Euch vor ihm in acht nehmen. Er ist der gleiche Mann, der er immer war. Denkt stets daran.</p><p>M�ge das Licht Euch erleuchten und besch�tzen. Ihr werdet es gut machen.</p><p>Es war schlicht mit �Moiraine� unterzeichnet. Sie hatte ihren Adelsnamen fast nie ben�tzt.</p><p>Den vorletzten Abschnitt las er noch einmal ganz genau durch. Irgendwie hatte sie also Asmodean erkannt. Etwas anderes konnte das nicht bedeuten. Sie hatte gewu�t, da� sich einer der Verlorenen unmittelbar vor ihrer Nase befand, und dennoch nicht mit der Wimper gezuckt. Und auch den Grund hatte sie wohl erkannt, falls er das richtig verstand. Er h�tte ja eigentlich annehmen k�nnen, da� sie sich in einem Brief, der verschwand, sobald er ihn weglegte, klarer ausdr�cken w�rde und geradeheraus sagen, was sie meinte. Nicht nur, was Asmodean betraf. Wie sie das alles �ber die Aes Sedai in Rhuidean erfahren hatte beispielsweise. Es mu�te wohl etwas mit den Weisen Frauen zu tun haben, wenn er richtig vermutete, und aus diesem Brief w�rde er genausowenig weiteres erfahren wie von ihnen. Gab es einen Grund, da� sie gerade Verin erw�hnt hatte? Und wieso Alviarin anstatt Elaida? Und was war denn nun mit Thom und Lan? Aus irgendeinem Grund glaubte er nicht, sie habe auch einen Brief f�r Lan hinterlassen; der Beh�ter war nicht der einzige, der saubere Wunden f�r das Beste hielt. Beinahe h�tte er den Brief an Thom aus der Tasche geholt und gelesen, aber m�glicherweise hatte sie ihn genauso pr�pariert wie jenen an ihn. Als typische Einwohnerin Cairhiens und noch dazu als Aes Sedai hatte sie sich bis zum bitteren Ende in Geheimnisse und Intrigen geh�llt. Bis zum bitteren Ende.</p><p>Das war es, was er wie die Pest zu vermeiden suchte, indem er lieber �ber ihre Geheimniskr�merei schimpfte. Sie hatte gewu�t, was geschehen w�rde, und hatte es genauso tapfer und mutig hingenommen wie ein Aiel. Sie ging in vollem Bewu�tsein, was sie erwartete, in den Tod. Sie war gestorben, weil er sich nicht dazu �berwinden konnte, Lanfear selbst zu t�ten. Er hatte eine Frau nicht t�ten k�nnen, und daf�r mu�te eine andere sterben. Sein Blick fiel wieder auf ihre letzten Worte.</p><p>.. Ihr werdet es gut machen.</p><p>Das schnitt tief in ihn wie ein kaltes Rasiermesser.</p><p>�Warum weint Ihr hier allein und verlassen, Rand al'Thor? Ich habe geh�rt, einige Feuchtl�nder sch�mten sich, wenn man sie weinen sieht.�</p><p>Er funkelte Sulin an, die im Eingang stand. Sie war kampfm��ig ausger�stet, den Bogen in seinem Futteral auf dem R�cken, den K�cher am G�rtel, den runden Lederschild und drei Speere in der Hand. �Ich wei...� Seine Wangen waren irgendwie feucht geworden. Er wischte sie schnell ab. �Es ist so hei� hier drinnen. Ich schwitze wie ein... Was wollt Ihr? Ich glaubte, Ihr h�ttet Euch alle entschlossen, mich zu verlassen und ins Dreifache Land zur�ckzukehren.�</p><p>�Es sind nicht wir, die Euch verlassen h�tten, Rand al'Thor.� Sie schie� die T�r hinter sich, setzte sich auf den Boden und legte zwei der Speere und den Schild neben sich. <emphasis>�Ihr</emphasis> habt <emphasis>uns</emphasis> verlassen!� Mit schnellen Bewegungen stemmte sie zuerst einen Fu� gegen den dritten Speer, den sie mit beiden H�nden festhielt, dr�ckte und zerbrach ihn in zwei Teile.</p><p>�Was macht Ihr da?� Sie warf die Teile zur Seite und hob einen weiteren Speer auf. �Ich sagte, was macht Ihr da?� Der Gesichtsausdruck der wei�haarigen Tochter des Speers h�tte wohl selbst Lan zum Innehalten gebracht, aber Rand b�ckte sich und packte den Speer, den sie nun in den H�nden hielt. Ihre weiche Stiefelsohle dr�ckte auf sein Handgelenk. Und das nicht gerade sanft.</p><p>�Wollt Ihr uns in R�cke stecken, uns verheiraten, damit wir uns k�nftig um Heim und Herd k�mmern? Oder sollen wir uns an Euer Feuer legen und Euch die Hand lecken, wenn Ihr uns einen Brocken Fleisch gebt?� Ihre Muskeln spannten sich, und der Speer zerbrach. Ein paar Splitter trafen seine Handfl�che.</p><p>Er ri� mit einem Fluch die Hand zur�ck und sch�ttelte einige Blutstropfen ab. �Ich habe nichts von alledem vor. Ich dachte. Ihr w�rdet es verstehen.� Sie nahm den letzten Speer in die Hand, stemmte den Fu� dagegen, und er lenkte schnell einen Strang aus Luft, um sie an Ort und Stelle unbeweglich festzuhalten. Sie blickte ihn lediglich wortlos an. �Seng mich, Ihr habt schlie�lich nichts dagegen gesagt! Ja, ich habe die T�chter aus dem Kampf gegen Couladin herausgehalten. An dem Tag hat eben nicht jeder gek�mpft. Und Ihr habt kein Wort dagegen ge�u�ert.�</p><p>Sulin ri� die Augen ungl�ubig auf. <emphasis>�Ihr</emphasis> habt <emphasis>uns</emphasis> vom Tanz der Speere abgehalten? <emphasis>Wir</emphasis> haben <emphasis>Euch</emphasis> da herausgehalten! Ihr wart wie ein M�dchen, das erst ganz frisch mit dem Speer verheiratet wurde, bereit, hinauszust�rmen und Couladin zu t�ten, ohne an den Speer zu denken, der Euch von hinten treffen k�nnte. Ihr seid der <emphasis>Car'a'carn.</emphasis> Ihr habt kein Recht, Euer Leben unn�tig aufs Spiel zu setzen.� Ihre Stimme klang nun wieder tonlos und vorwurfsvoll zugleich: �Jetzt geht Ihr weg, um gegen die Verlorenen zu k�mpfen. Das Geheimnis ist wohlbeh�tet, aber ich habe genug aus dem herauslesen k�nnen, was die sagten, die andere Kriegergemeinschaften f�hren.�</p><p>�Und auch von diesem Kampf wollt Ihr mich fernhalten?� fragte er ruhig.</p><p>�Seid kein Narr, Rand al'Thor. Jeder h�tte den Tanz der Speere mit Couladin tanzen k�nnen. Ihr habt wie ein Kind gedacht, als Ihr dieses Risiko eingehen wolltet. Doch keiner von uns kann den Schattenseelen entgegentreten. Das k�nnt nur Ihr.�</p><p>�Warum dann ber...?� Er schwieg, denn er ahnte die Antwort bereits. Nach jenem blutgetr�nkten Tag des Kampfes gegen Couladin hatte er sich eingeredet, sie h�tten nichts dagegen gehabt. Er hatte das jedenfalls glauben wollen.</p><p>�Es wurden die auserw�hlt, die mit Euch gehen sollen.� Jedes Wort war wie ein geworfener Stein. �M�nner aus jeder Kriegergemeinschaft. M�nner. Aber keine T�chter des Speers, Rand al'Thor. Die <emphasis>Far Dareis Mai</emphasis> tragen <emphasis>Eure</emphasis> Ehre, doch Ihr nehmt uns die unsere.�</p><p>Er atmete tief durch und suchte nach den richtigen Worten: �Ich ... kann keine Frau sterben sehen. Ich hasse das, Sulin. Es dreht sich mir alles im Innern um. Ich k�nnte keine Frau t�ten, und wenn auch mein Leben davon abhinge.� Die Bl�tter von Moiraines Brief knisterten in seiner Hand. Tot, weil er nicht in der Lage gewesen war, Lanfear zu t�ten. Nicht nur sein Leben hing manchmal daran. �Sulin, ich w�rde lieber ganz allein gegen Rahvin k�mpfen, als auch nur eine von Euch sterben zu sehen.�</p><p>�Das ist doch n�rrisch! Jede braucht eine andere, um ihr den R�cken zu decken. Also ist es Rahvin. Selbst Riodan von den Donnerg�ngern und Turol von den Steinhunden r�ckten damit nicht heraus.� Sie sah ihren erhobenen Fu� an, der von dem gleichen Strang am Speer festgehalten wurde, der auch ihre Arme fesselte. �Befreit mich, und wir sprechen dar�ber.�</p><p>Nach einem Augenblick des Z�gerns l�ste er den Strang. Er verkrampfte sich sprungbereit, um sie notfalls sofort wieder zu fesseln, doch sie schlug die Beine �bereinander, sa� ruhig da und lie� den Speer auf ihren Handfl�chen auf und ab tanzen. �Manchmal vergesse ich, da� Ihr au�erhalb unseres Bluts erzogen wurdet, Rand al'Thor. H�rt mich an. Ich bin, was ich bin. <emphasis>Das</emphasis> ist es, was ich bin.� Sie hob den Speer.</p><p>�Sulin...�</p><p>�H�rt mir zu, Rand al'Thor. Ich <emphasis>bin</emphasis> der Speer. Als ein Liebhaber zwischen mich und den Speer trat, habe ich den Speer gew�hlt. Manche w�hlen den Mann. Andere entscheiden, da� sie lange genug mit den Speeren gerannt sind und nun einen Mann und ein Kind haben wollen. Ich selbst wollte nie etwas anderes. Jeder H�uptling w�rde mich, ohne zu z�gern, dorthin schicken, wo der Tanz am hei�esten ist. Sollte ich dort sterben, w�rden meine Erstschwestern um mich trauern, aber keinen Deut mehr als zu der Zeit, da mein Erstbruder fiel. Ein Baumm�rder, der mir im Schlaf seinen Dolch ins Herz st��t, w�rde mir damit mehr Ehre zuteil werden lassen als Ihr. Versteht Ihr mich jetzt?�</p><p>�Ich verstehe, aber...� Er verstand sie wirklich. Sie wollte nicht, da� er etwas anderes aus ihr machte, als sie eben war. Alles, was man von ihm erwartete, war die Bereitschaft, sie sterben zu sehen. �Was geschieht, wenn Ihr den letzten Speer brecht?�</p><p>�Dann besitze ich in diesem Leben keine Ehre mehr. Vielleicht in einem anderen.� Sie sagte das so, als sei es lediglich eine n�chterne Erkl�rung. Er brauchte einen Augenblick, um ihre Worte richtig zu begreifen. Man forderte von ihm nur die Bereitschaft, sie sterben zu sehen.</p><p>�Ihr la�t mir wohl keine andere Wahl, oder?� Moiraine hatte auch keine andere gehabt.</p><p>�Man hat immer die Wahl, Rand al'Thor. Ihr habt die Wahl, wie Ihr euch entscheiden wollt, und ich habe eine. <emphasis>Ji'e'toh</emphasis> l��t uns keine weiteren.�</p><p>Er h�tte sie am liebsten angefaucht wie ein Tier und <emphasis>fi'e'toh</emphasis> und alle, die dieser Lehre folgten, verflucht. �So w�hlt denn Eure T�chter aus, Sulin. Ich wei� nicht, wie viele ich mitnehmen kann, aber es werden genauso viele <emphasis>Far Dareis Mai</emphasis> sein, wie aus den anderen Kriegergemeinschaften. �</p><p>Er stolzierte an ihr und ihrem pl�tzlichen L�cheln vorbei. Keine Erleichterung. Freude. Freude, weil sie eine Chance zum Sterben bekam. Er h�tte sie durch <emphasis>Saidin</emphasis> gefesselt zur�cklassen und sich dann mit ihr befassen sollen, wenn er aus Caemlyn zur�ck war. Er ri� die T�r auf, schritt hinaus auf den Kai � und blieb unvermittelt stehen.</p><p>Enaila stand an der Spitze einer Reihe von T�chtern des Speers, alle mit je drei Speeren in der Hand, die sich von der T�r des Hafenmeisters den Kai entlang zog und schlie�lich hinter dem n�chsten Tor zur Stadt verschwand. Einige der Aiel am Hafen sp�hten neugierig zu ihnen her�ber, aber es war offensichtlich eine Sache zwischen den <emphasis>Far Darei Mai</emphasis> und dem <emphasis>Car'a'carn</emphasis> und ging die anderen Kriegergemeinschaften nichts an. Amys und drei oder vier andere Weise Frauen, die selbst einst T�chter des Speers gewesen waren, beobachteten die Szenerie allerdings etwas genauer. Die meisten der Stadtbewohner und Schauerleute waren weg, bis auf ein paar Mann, die sich damit abplagten, umgest�rzte Getreidekarren wieder aufzurichten. Sie bem�hten sich betont, jeden Blick zu den T�chtern hin zu meiden. Enaila trat auf Rand zu, blieb dann aber stehen und l�chelte, als sie Sulin herauskommen sah. Keine Erleichterung in diesem L�cheln. Freude. Ein L�cheln purer Freude wanderte die lange Reihe der T�chter entlang. Auch die Weisen Frauen l�chelten, und Amys nickte ihm kurz anerkennend zu, als habe er sein idiotisches Verhalten eingesehen und ge�ndert.</p><p>�Ich glaubte schon, sie m��ten vielleicht eine nach der anderen hineingehen, um dich aus deiner tr�ben Stimmung herauszuk�ssen�, sagte Mat.</p><p>Rand blickte ihn d�ster an, wie er dastand, auf seinen Speer gest�tzt, grinsend, den breitkrempigen Hut weit nach hinten geschoben. �Wie kannst du nur so guter Dinge sein?� Der Gestank nach verbranntem Fleisch hing noch immer in der Luft, und das St�hnen der M�nner und Frauen, die Verbrennungen erlitten hatten und nun von den Weisen Frauen versorgt wurden, hatte nicht nachgelassen.</p><p>�Weil ich noch lebe�, knurrte Mat. �Was willst du von mir? Soll ich heulen?� Er zuckte unangenehm ber�hrt die Achseln. �Amys sagt, Egwene wird in ein paar Tagen wieder in Ordnung sein.� Dann sah er sich um, aber so, als wolle er eigentlich nicht sehen, was vor seinen Augen lag. �Seng mich, wenn wir diese Sache erledigen wollen, dann la� uns aufbrechen. <emphasis>Dovie'andi se tovya sagain.�</emphasis></p><p>�Was?�</p><p>�Ich sagte, es sei Zeit, die W�rfel rollen zu lassen. Hat Sulin dir die Ohren verstopft?�</p><p>�Zeit, da� die W�rfel rollen�, best�tigte Rand. Die Flammen in dem glasartigen Schornstein aus Luft waren erloschen, doch der wei�e Qualm stieg noch immer darin auf, als brenne der <emphasis>Ter'Angreal</emphasis> unabl�ssig weiter. <emphasis>Moiraine.</emphasis> Er h�tte... Was vorbei war, war vorbei. Die T�chter versammelten sich um Sulin, so viele, wie �berhaupt nur auf dem Kai Platz fanden. Vorbei war vorbei, und damit mu�te er nun leben. Der Tod w�re eine Erl�sung von all diesen Dingen, mit denen er leben mu�te. �Also packen wir's an.�</p></section><section><title><p>54</p><p>Nach Caemlyn</p></title><p>F�nfhundert T�chter des Speers mit Sulin an der Spitze geleiteten Rand zur�ck zum K�nigspalast wo Bael in dem gro�en Vorhof gleich hinter dem Eingangstor mit Donnerg�ngern, Schwarzaugen, Wassersuchern und M�nnern aus all den anderen Kriegergemeinschaften wartete. Es waren so viele, da� der ganze Hof voll war und sie sich hinten durch alle T�ren, selbst den Dienstboteneingang, noch in den Palast selbst hineindr�ngten. Einige sahen von den unteren Fenstern aus zu und warteten darauf, da� sie an die Reihe k�men und hinaustreten durften. Die erh�hten Terrassen rund um den Hof waren allerdings leer. Im gesamten Palasthof befand sich nur ein Mann, der kein Aiel war. Die Tairener und die Menschen aus Cairhien �letztere ganz besonders � machten einen gro�en Bogen um jede Versammlung von Aiel. Die eine Ausnahme stand gleich hinter Bael auf den breiten, grauen Stufen, die zum Eingang des Palastes hinauff�hrten: Pevin. Er hielt die rote Flagge mit beiden H�nden, die jetzt allerdings schlaff an ihrem Stock hing. Er zeigte sich von den Anwesenheit so vieler Aiel genauso unbeeindruckt wie immer.</p><p>Aviendha sa� hinter Rands Sattel auf Jeade'en und klammerte sich fest an ihn, die Br�ste an seinen R�cken gepre�t, bis er schlie�lich abstieg. Es hatte noch im Hafen eine Unterhaltung zwischen ihr und einigen der Weisen Frauen stattgefunden, die bestimmt nicht f�r seine Ohren bestimmt gewesen war, aber er hatte sie eben doch belauscht.</p><p><emphasis>�Geht mit dem Licht�, hatte Amys gesagt undAviendhas Gesicht mit der Hand ber�hrt. �Und beh�tet Ihn wie Euren Augapfel. Ihr wi�t, wieviel von ihm abh�ngt.�</emphasis></p><p><emphasis>�Sehr viel h�ngt von Euch beiden ab�, hatte Bair zu Aviendha gesagt, w�hrend Melaine fast im gleichen Moment gereizt einwarf: �Es w�re einfacher, h�ttet Ihr mittlerweile Euer Ziel erreicht.�</emphasis></p><p><emphasis>Sorilea schnaubte. �Zu meiner Zeit konnten selbst T�chter des Speers besser mit M�nnern umgehen.�</emphasis></p><p><emphasis>�Sie war erfolgreicher, als ihr wi�t�, sagte Amys daraufhin. Aviendha sch�ttelte den Kopf. Das Elfenbeinarmband mit den Rosen und Dornen rutschte an ihrem Unterarm entlang, als sie die Hand erhob, um der anderen Frau zuvorzukommen, doch Amys �berging ihren schwachen Protest und fuhr fort: �Ich habe daraufgewartet, da� sie es uns von selbst berichtet, aber da sie nichts sagt...� Da erblickte sie ihn, wie er keine zehn Fu� entfernt mit Jeade'ens Z�gel in der Hand dastand, und sie brach mitten im Satz abrupt ab. Aviendha drehte sich um, weil sie sehen wollte, was Amys da anstarrte. Als sie ihn dort stehen sah, lief ihr Gesicht hochrot an, und dann verflog das Rot wieder so pl�tzlich, da� ihr ansonsten sonnengebr�untes Gesicht bla� wirkte. Die vier Weisen</emphasis></p><p><emphasis>Frauen fixierten ihn mit ausdruckslosen Blicken, mit denen er nichts anfangen konnte.</emphasis></p><p><emphasis>Asmodean und Mat n�herten sich von hinten, die eigenen Pferde am Z�gel. �Lernen die Frauen eigentlich schon in der Wege, so dreinzublicken?� knurrte Mat. �Bringen ihre M�tter ihnen das bei? Ich w�rde sagen, da� der m�chtige Car'a'carn ganz sch�n sein Fett abbekommen wird, wenn er noch viel l�nger hierbleibt.�</emphasis></p><p>Rand sch�ttelte den Kopf, als ihm das durch den Kopf ging. Er griff hinauf, weil Aviendha ein Bein her�bergeschwungen hatte, um heruntergleiten zu k�nnen, und dann hob er sie vom R�cken seines Apfelschimmels. Einen Augenblick lang hielt er sie mit beiden H�nden an der Taille und blickte in ihre klaren blaugr�nen Augen. Sie sah nicht weg, und ihr Gesichtsausdruck �nderte sich nicht, doch der Griff ihrer H�nde an seinen Unterarmen wurde langsam fester. Welches Ziel hatte sie denn erreichen wollen? Er hatte geglaubt, die Weisen Frauen h�tten sie als Spionin zu ihm geschickt aber wenn sie jemals eine Frage in bezug auf Dinge stellte, die er vor den Weisen Frauen geheimhielt, dann in offenem Zorn �ber eben diese Geheimniskr�merei. Niemals hintenherum, und nie versuchte sie, etwas aus ihm herauszulocken. Herauspr�geln vielleicht, aber nie auf die heimliche Tour. Er hatte sich �berlegt, ob sie auf die gleiche Art auf ihn angesetzt worden war wie Colavaeres junge Frauen, aber das war nur ein momentaner Gedanke gewesen, den er sofort wieder verworfen hatte. Aviendha w�rde sich niemals auf diese Art ben�tzen lassen. Au�erdem h�tte sie in diesem Fall sicherlich die falsche Methode angewandt: sich ihm erst einmal hingeben, und ihm hinterher sogar einen harmlosen Ku� zu verweigern, ganz abgesehen davon, da� er um die halbe Welt hinter ihr herjagen mu�te � nein, so stellte man das gewi� nicht an. Und wenn sie auch keine Hemmungen hatte, nackt vor ihm herumzulaufen, lag das eben an den Sitten der Aiel. Und seine Probleme damit schienen sie ja sehr zu befriedigen, wahrscheinlich, weil sie es f�r einen herrlichen Streich hielt, den sie ihm immer wieder spielen konnte. Also, welches Ziel hatte sie denn sonst erreichen wollen? �berall um ihn herum Intrigen. War denn jeder nur noch berechnend? Er konnte sein Gesicht in ihren Augen sehen. Wer hatte ihr diese silberne Halskette gegeben?</p><p>�Ich schmuse ja genauso gern wie jeder andere�, sagte Mat, �aber glaubst du nicht, da� ein bi�chen zu viele Leute zusehen?�</p><p>Rand lie� Aviendhas Taille los und trat zur�ck, aber nicht schneller als sie. Sie senkte den Kopf, zupfte an ihrem Rock herum, murmelte etwas, wie der Ritt alles verknittert habe, aber vorher beobachtete er, wie sich ihre Wangen r�teten. Nun, er hatte sie eigentlich nicht verlegen machen wollen.</p><p>Er sah sich mit d�sterer Miene im Palasthof um und sagte: �Ich sagte Euch doch, ich wei� nicht, wie viele ich mitnehmen kann, Bael.� Da nun auch die T�chter des Speers durch das Haupttor bis auf die Rampe hinaufliefen, hatte man im Hof kaum noch Platz, um sich zu r�hren. F�nfhundert aus jeder Kriegergemeinschaft bedeuteten zusammen sechstausend Aiel. Die Flure drinnen mu�ten restlos �berf�llt sein.</p><p>Der hochgewachsene Aielh�uptling zuckte die Achseln. Wie jeder andere anwesende Aiel hatte er die Schufa um seinen Kopf gewickelt und der Schleier hing bereit. Kein rotes Stirnband, doch wie es schien trug mindestens die H�lfte der anderen die schwarzwei�e Scheibe auf der Stirn. �Jeder Speer, der Euch folgen kann, wird mitkommen. Werden die beiden Aes Sedai bald da sein?�</p><p>�Nein.� Es war gut, da� Aviendha ihr Versprechen gehalten hatte, sich nicht wieder von ihm ber�hren zu lassen. Lanfear hatte versucht, sie und Egwene zu t�ten, weil sie nicht wu�te, welche von beiden Aviendha war. Wie hatte Kadere das wissen und ihr erz�hlen k�nnen? Es spielte keine Rolle. Lan hatte recht. Frauen ernteten nur Schmerz � oder Tod �, wenn sie ihm zu nahe kamen. �Sie werden nicht mitkommen.�</p><p>�Man erz�hlt sich von ... einer Auseinandersetzung ... unten am Flu�.�</p><p>�Ein gro�er Sieg, Bael�, sagte Rand mit resignierendem Unterton in der Stimme. �Und viel Ehre gewonnen.� <emphasis>Aber nicht durch mich.</emphasis> Pevin kam herunter, ging an Bael vorbei und stellte sich mit der Fahne hinter Rand. Sein schmales, vernarbtes Gesicht zeigte keinerlei Ausdruck. �Wei� es denn schon der ganze Palast?� fragte Rand.</p><p>�Ich habe es geh�rt�, sagte Pevin. Sein Kinn bewegte sich, als suche er nach weiteren Worten. Rand hatte ihm etwas Besseres als die alte, geflickte Bauernjoppe herausgesucht, einen Rock aus guter roter Wolle, und der Mann hatte sich Drachen aufsticken lassen, auf jeder Seite des Brustteils einen, der emporzuklettern schien. �Da� Ihr gehen w�rdet. Irgendwohin.� Damit schien sein Wortschatz ersch�pft.</p><p>Rand nickte. Im Palast wucherten Ger�chte so schnell wie Pilze im Schatten. Aber solange Rahvin nichts davon ahnte... Er suchte die Ziegeld�cher und Turmspitzen ab. Keine Raben. Er hatte schon seit einiger Zeit keine Raben mehr gesehen, allerdings geh�rt, da� andere M�nner welche get�tet hatten. Vielleicht mieden sie ihn jetzt. �Haltet Euch bereit.� Er griff nach <emphasis>Saidin</emphasis> und schwebte in der Leere. Gef�hllos.</p><p>Das Tor erschien am Fu� der Treppe. Zuerst war es ein heller Strich in der Luft, der sich zu drehen schien und sich zu einem vier Schritt weiten quadratischen Loch in die Schw�rze �ffnete. Von den Aiel war kein Laut zu h�ren. Die dahinter standen, w�rden ihn wie durch eine Rauchglasscheibe sehen, die br�unlichtr�b mitten in der Luft hing, aber sie h�tten genausogut versuchen k�nnen, durch eine der Palastmauern zu gehen. Von der Seite her war das Tor unsichtbar. H�chstens ein paar, die ganz in der N�he standen, w�rden etwas wie ein langes, d�nnes, straff gespanntes Haar erkennen.</p><p>Vier Schritt Durchmesser war das gr��te, was Rand fertigbrachte. Es gebe Grenzen bei dem, was ein einzelner Mann schaffen konnte, behauptete Asmodean. Wie es schien, gab es �berall und immer Grenzen. Die Menge an <emphasis>Saidin,</emphasis> die man in sich aufnahm, spielte dabei keine Rolle. Die Eine Macht hatte mit den Toren wirklich nicht viel zu tun und wurde nur beim �ffnen gebraucht. Was jenseits lag, war eine ganz andere Sache. Den Traum eines Traums hatte Asmodean es genannt.</p><p>Er trat hindurch auf etwas, das wie ein Pflasterstein aus dem Palasthof aussah, doch hier hing die graue Steinplatte mitten in vollkommener Dunkelheit. Man hatte das Gef�hl, da� sich, gleich in welcher Richtung, absolut nichts befand. Eine Ewigkeit des Nichts. Es war nicht wie die Nacht. Er konnte sich selbst und die Steinplatte ganz klar sehen. Aber alles andere um ihn herum bestand nur aus Schw�rze.</p><p>Nun war es an der Zeit, auszuprobieren, in welcher Gr��e er eine Plattform erschaffen k�nne. Schon bei diesem Gedanken erschienen sofort weitere Steinplatten, und es entstand eine genaue Nachbildung des Bodens im Palasthof. Er stellte es sich noch gr��er vor. Augenblicklich erstreckte sich der graue Steinboden, soweit er nur blicken konnte. Er fuhr zusammen, als er bemerkte, da� seine Stiefel begannen, in den Stein unter seinen F��en einzusinken. Er sah nicht anders aus als vorher, gab aber langsam nach wie z�her Schlamm, der um seine Stiefel herum aufquoll. Hastig lie� er alles wieder auf die Gr��e des Hofs drau�en zusammenschrumpfen, denn da war alles fest geblieben, und f�gte dann langsam eine Reihe Steinplatten nach der anderen hinzu. Er brauchte nicht lang, um festzustellen, da� er die Plattform nicht viel gr��er machen konnte als bei seinem ersten Versuch. Die Steine sahen wohl aus, als sei alles in Ordnung, sanken auch nicht unter seinem Gewicht ein, aber die zweite Reihe bereits vermittelte ein Gef�hl des Immateriellen, wie eine d�nne Schale, die beim ersten falschen Schritt brechen w�rde. Lag es daran, da� dieses Ding gerade so gro� wie eben m�glich war? Oder weil er es sich zu Beginn nicht gr��er vorgestellt hatte? <emphasis>Wir alle setzen uns eigene Grenzen.</emphasis> Der Gedanke kam �berraschend von irgendwoher in ihm hoch. <emphasis>Und wir verlegen sie weiter hinaus, als uns eigentlich zusteht.</emphasis></p><p>Rand sp�rte, wie ihn schauderte. Im Nichts war das, als sp�re er das Schaudern eines anderen. Es war gut, daran erinnert zu werden, da� sich Lews Therin immer noch in seinem Inneren befand. Er mu�te aufpassen, da� er nicht ausgerechnet mitten im Kampf gegen Rahvin um die Vorherrschaft im eigenen Verstand k�mpfen mu�te. Wenn das nicht w�re, h�tte er vielleicht... Nein. Was am Kai geschehen war, war vor�ber. Er wollte es nicht wieder und wieder aufw�rmen.</p><p>Er verkleinerte die Plattform um den Au�enring an Steinplatten und wandte sich um. Bael wartete jenseits einer, wie es schien, riesigen quadratischen T�r�ffnung in den Sonnenschein. Die Treppe lag genau davor. Pevin an seiner Seite wirkte ob dieses Anblicks auch nicht verst�rter als der Aielh�uptling, was hei�en wollte, �berhaupt nicht. Pevin w�rde diese Fahne ohne mit der Wimper zu zucken tragen, wo immer Rand sich hinbegab, wenn es sein mu�te, sogar zum Krater des Verderbens. Mat schob seinen Hut nach hinten und kratzte sich am Kopf. Dann zog er aber die Krempe wieder vor und �ber die Augen, wobei er etwas von W�rfeln in seinem Kopf murmelte.</p><p>�Beeindruckend�, sagte Asmodean leise. �Wirklich beeindruckend.�</p><p>�Schmeichelt ihm ein andermal, Harfner�, sagte Aviendha.</p><p>Sie war die erste, die hindurchtrat, wobei sie Rand im Auge behielt und nicht darauf achtete, wohin sie trat. Sie ging ganz nahe zu ihm hin, ohne irgend etwas anderes anzublicken als sein Gesicht. Als sie ihn erreichte, wandte sie sich allerdings abrupt von ihm ab, wickelte sich den Schal um die Ellbogen und sah sich genau in der Dunkelheit um. Manchmal waren Frauen wirklich eigenartiger als alles, was der Sch�pfer je erschaffen haben mochte.</p><p>Bael und Pevin folgten ihr und dann Asmodean, der mit einer Hand den Tragriemen seines Harfenbeh�lters gepackt hatte, w�hrend die andere mit vor Anstrengung wei�en Kn�cheln am Schwertgriff lag. Mat trat gro�spurig ein, wenn auch ein klein wenig z�gerlich. Er knurrte dabei in sich hinein, als sei er mit sich selbst uneins. In der Alten Sprache. Sulin beanspruchte die Ehre f�r sich, von allen anderen die erste zu sein, doch bald folgte ihr ein breiter Strom von Menschen, nicht nur T�chter des Speers, sondern eben auch <emphasis>Tain Shari,</emphasis> Blutabk�mmlinge, und <emphasis>Far Aldazar Din,</emphasis> Br�der des Adlers, Rote Schilde und L�ufer der D�mmerung, Steinhunde und Messerh�nde, Vertreter aller Kriegergemeinschaften. Alle dr�ngten sich nun hinein.</p><p>Als die Anzahl immer gr��er wurde, ging Rand selbst weiter bis zu der dem Tor gegen�berliegenden Kante der Plattform. Eigentlich war es v�llig �berfl�ssig, in die Richtung blicken zu wollen, in der er sich bewegte, aber er wollte das einfach so. In Wirklichkeit h�tte er auch an der anderen Seite bleiben oder an jeden beliebigen Punkt der Plattform gehen k�nnen. Die Richtung spielte keinerlei Rolle. Jede beliebige Richtung n�mlich w�rde ihn nach Caemlyn bringen, wenn er richtig vorging. Wenn er einen Fehler beging, landeten sie in der endlosen Schw�rze des Nirgendwo.</p><p>Abgesehen von Bael und Sulin und nat�rlich von Aviendha lie�en die Aiel ein wenig Platz um ihn, Mat, Asmodean und Pevin. �Bleibt von der Kante weg�, sagte Rand. Die Aiel in seiner N�he traten tats�chlich etwa einen Fu� weit zur�ck! Er konnte nicht �ber den Wald von in Schufas geh�llten K�pfen hinwegblicken. �Ist es voll?� rief er. Das Ding mochte gerade Platz f�r die H�lfte aller haben, die mitkommen wollten, aber viel mehr bestimmt nicht. �Alles voll?�</p><p>�Ja� rief schlie�lich z�gernd eine Frauenstimme. Er glaubte, Lamelle zu erkennen. Doch am Tor herrschte immer noch ein Gedr�nge, da die drau�en stehenden Aiel wohl der Meinung waren, es m�sse innen sicher noch Platz f�r einen mehr sein.</p><p>�Genug!� schrie Rand. �Keiner mehr! Macht das Tor frei! Alles weit genug zur�cktreten!� Er wollte nicht, da� mit lebendigem Fleisch dasselbe geschah wie mit dem Seanchan-Speer.</p><p>Eine Pause, und dann: �Alles bereit!� Es <emphasis>war</emphasis> Lamelle. Er h�tte seinen letzten Kupferpfennig darauf verwettet, da� sich auch Enaila und Somara irgendwo dort hinten befanden.</p><p>Das Tor schien sich zur Seite wegzudrehen und wurde zu einem immer d�nneren Strich, bis es schlie�lich mit einem Lichtblitz ganz verschwand.</p><p>�Blut und Asche!� knurrte Mat und st�tzte sich angewidert auf seinen Speer. �Das ist ja noch schlimmer als die verdammten Kurzen Wege!� Das brachte ihm einen �berraschten Blick Asmodeans ein und einen nachdenklichen von Bael. Mat bemerkte es nicht; er war zu sehr damit besch�ftigt w�tend in die Schw�rze zu starren.</p><p>Es gab �berhaupt kein Gef�hl der Bewegung und auch keinen Lufthauch, der die Fahne zum Flattern gebracht h�tte, die Pevin hielt. Sie h�tten genausogut stillstehen k�nnen, ohne es zu merken. Aber Rand wu�te es besser. Er sp�rte fast, wie sich der Ort n�herte, den er ansteuerte.</p><p>�Wenn Ihr zu nahe bei ihm ankommt, wird er es sp�ren.� Asmodean leckte seine Lippen und vermied es, irgend jemanden direkt anzublicken. �Das habe ich zumindest geh�rt.�</p><p>�Ich wei� schon, wohin in gehe�, sagte Rand. Nicht zu nahe. Aber auch nicht zu weit weg. Er erinnerte sich gut an den Ort.</p><p>Keine Bewegung. Endlose Schw�rze, und sie hingen mittendrin. Bewegungslos. Vielleicht eine halbe Stunde vor�ber.</p><p>Eine leichte Unruhe machte sich unter den Aiel bemerkbar.</p><p>�Was ist los?� fragte Rand.</p><p>Das Gemurmel kam vom Rand der Plattform her.</p><p>Schlie�lich sagte ein kr�ftiger Mann in seiner N�he:</p><p>�Jemand ist runtergefallen.� Rand erkannte ihn. Meciar. Er geh�rte zu den <emphasis>Cor Darei,</emphasis> den Nachtspeeren. Er trug das rote Stirnband.</p><p>�Keine der...�, fing Rand an, doch dann bemerkte er Sulins warnenden Blick und schwieg.</p><p>Er wandte sich um und blickte in die Dunkelheit hinaus. Sein Zorn war wie ein Fleck, der auf dem gef�hllosen Nichts klebte. Also durfte es f�r ihn auch keine Rolle spielen, ob gerade eine der T�chter heruntergefallen war, oder? Und doch ber�hrte es ihn. F�r immer durch die endlose Schw�rze fallen. W�rde der Verstand aussetzen, bevor der Tod durch Verhungern oder Verdursten oder Angst eintrat? Bei diesem Fall mu�te selbst ein Aiel den Punkt erreichen, an dem ihm vor Angst das Herz aussetzte. Er hoffte es fast, denn das mu�te noch gn�diger sein als die andere M�glichkeit.</p><p><emphasis>Seng mich, was ist mit all dieser H�rte, auf die ich so stolz war? Eine Tochter oder ein Steinhund</emphasis> � <emphasis>Speer ist doch Speer.</emphasis> Nur, der Gedanke half nicht viel. Ich werde <emphasis>hart</emphasis> bleiben! Er w�rde die T�chter den Tanz der Speere tanzen lassen, wo immer sie wollten. So sollte es sein. Und ihm war klar, da� er die Namen aller, die starben, in Erfahrung bringen w�rde, und jeder dieser Namen w�rde wie eine Messerwunde seine Seele belasten. <emphasis>Ich werde hart sein. Licht, hilf mir, da� ich es kann. Licht, hilf mir doch!</emphasis></p><p>Scheinbar bewegungslos hingen sie in der Schw�rze.</p><p>Die Plattform hielt an. Es war schwer zu sagen, woran er zuerst merkte, da� sie sich bewegte; er wu�te es eben.</p><p>Er lenkte einen Strang der Macht, und ein Tor �ffnete sich auf die gleiche Art wie zuvor im Palasthof in Cairhien. Der Einfallswinkel des Sonnenscheins hatte sich kaum ge�ndert, doch hier beschien die fr�he Morgensonne eine gepflasterte Stra�e. Vor ihnen zog sich ein Hang empor, dessen Gras und Blumen in der D�rre abgestorben waren und nur noch braune Flecken bildeten. Oben am Hang befand sich eine zwei Spannen hohe oder noch etwas h�here Mauer. Die Steine waren grob behauen und wirkten so wie Natursteine. �ber der Mauer waren die goldenen Kuppeln des K�niglichen Palastes von Andor zu erkennen, und dazu ein paar dieser beigen, �berschlanken T�rmchen, von denen die Flagge mit dem Wei�en L�wen in der leichten Morgenbrise flatterte. Jenseits der Mauer befand sich der Garten, in dem er Elayne zum erstenmal gesehen hatte.</p><p>Blaue Augen schwebten mit vorwurfsvollem Blick au�erhalb des Nichts, eine fl�chtige Erinnerung an heimliche K�sse in Tear, die Erinnerung an einen Brief, in dem sie ihm Herz und Seele zu F��en gelegt hatte, und an Liebesbeteuerungen, die ihm Egwene �berbracht hatte. Was w�rde sie sagen, wenn sie von Aviendha w��te und von jener gemeinsamen Nacht in der Schneeh�tte? Erinnerungen an einen anderen Brief, in dem sie ihn zur�ckstie� wie eine K�nigin, die einen Schweinehirten ewiger Dunkelheit �berantwortete. Es spielte keine Rolle. Lan hatte recht. Und doch wollte er... Was? Wen? Blaue Augen und gr�ne und dunkelbraune. Elayne, die ihn m�glicherweise liebte und m�glicherweise auch unentschlossen geblieben war? Aviendha, die ihn damit qu�lte, da� sie sich nicht ber�hren lie�? Min, die ihn auslachte und ihn f�r einen wollk�pfigen Narren hielt? All das glitt in diesen Sekunden �ber die Au�enhaut des Nichts. Er bem�hte sich, alles zu ignorieren, genau wie die qualvollen Erinnerungen an eine weitere blau�ugige Frau, die vor so langer Zeit tot im Flur eines anderen Palastes gelegen hatte.</p><p>Er mu�te stehenbleiben, w�hrend die Aiel hinter Bael hervorhuschten, sich verschleierten und nach rechts und links ausschw�rmten. Nur seine Gegenwart hielt die Plattform aufrecht. Sie w�rde verschwinden, sobald er selbst durch das Tor trat. Aviendha wartete beinah genauso gelassen wie Pevin, wenn sie auch gelegentlich den Kopf hinaussteckte, um stirnrunzelnd die Stra�e in der einen oder anderen Richtung zu beobachten. Asmodean strich �ber sein Schwert und atmete zu schnell. Rand fragte sich, ob der Mann �berhaupt damit umgehen konnte. Nicht, da� er das mu�te. Mat blickte auf die Mauer, als erinnere er sich an etwas Schlimmes. Er hatte einst den Palast auf eben diesem Weg betreten.</p><p>Die letzten verschleierten Aiel gingen vorbei, und Rand bedeutete den anderen, hinauszugehen. Dann folgte er selbst. Das Tor verschwand augenblicklich, als habe es nie existiert, und er stand in einem weiten Kreis wachsamer T�chter des Speers. Aiel liefen die sich windende Stra�e hinunter � sie pa�te sich der Kr�mmung des H�gels an, so wie alle Stra�en der Innenstadt an die Landschaft angepa�t waren �, und verschwanden um die n�chsten Biegungen, um jeden, der sie vielleicht entdeckt hatte und Alarm schlagen w�rde, gefangenzusetzen. Andere kletterten den Hang empor, und einige waren bereits dabei, die Mauer zu erklimmen, indem sie kleine Vorspr�nge und Unebenheiten ben�tzten, um Halt f�r ihre Finger und Zehen zu finden.</p><p>Mit einemmal ri� Rand die Augen auf. Zu seiner Linken verlief die Stra�e abw�rts und verlor sich nach einer Kurve aus seiner Sicht. Der Abhang er�ffnete den Blick vorbei an ziegelgedeckten T�rmen, die in hundert sich st�ndig �ndernden Farben in der Morgensonne gl�nzten, �ber Hausd�cher hinweg bis hin zu den zahlreichen Parks der Inneren Stadt. Wenn man sie aus diesem Winkel betrachtete, bildeten die wei�en Parkwege und Denkm�ler insgesamt die Form eines L�wen. Zur Rechten verlief die Stra�e ein St�ck nach oben, bevor sie hinter dem H�gel verschwand. Weitere von Spitzen oder Kuppeln in verschiedensten Formen gekr�nte T�rme ergl�nzten �ber den D�chern. Aiel f�llten diese Stra�e und schw�rmten in die Seitenstra�en aus, die sich in Spiralen vom Palast entfernten. Aiel, aber ansonsten keine Menschenseele zu sehen. Die Sonne stand hoch genug, und um diese Zeit sollten viele Menschen drau�en sein und ihren Gesch�ften nachgehen, selbst hier in der N�he des Palastes.</p><p>Wie in einem Alptraum neigten sich an einem halben Dutzend Stellen Teile der Mauer nach au�en und st�rzten herab. Aiel und Steine gleicherma�en wurden auf die Hinaufkletternden geschmettert. Bevor diese h�pfenden und schlitternden Brocken Mauerwerks auch nur die Stra�en erreichten, erschienen Trollocs in den L�cken, lie�en die baumstarken Rammen fallen, die sie ben�tzt hatten, um die Mauer zu durchbrechen, und zogen ihre sichel�hnlichen Schwerter. Mehr und mehr von ihnen, mit Dornen�xten und Speeren voller Widerhaken ausger�stet, riesige menschen�hnliche Gestalten in schwarzen R�stungen mit Dornen an Schultern und Ellbogen, die breiten Menschengesichter durch Schnauzen und Schn�bel, H�rner und Federn verunstaltet, st�rzten hangabw�rts, augenlose Myrddraal wie Mitternachtsschlangen in ihrer Mitte. Die ganze Stra�e entlang ergossen sich kreischende und heulende Trollocs und lautlose Myrddraal aus den Haust�ren oder sprangen aus Fenstern. Blitze zuckten aus einem wolkenlosen Himmel herab.</p><p>Rand verwob Feuer und Luft, um Feuer und Luft zu begegnen, wob einen sich langsam ausbreitenden Schild, um die Blitze abzufangen. Zu langsam. Ein Blitz traf den Schild direkt �ber seinem Kopf, explodierte in einem blendenden Feuerball, w�hrend andere im Boden einschlugen. Sein Haar stand zu Berge, als die Luft selbst ihn zu Boden schmettern wollte. Beinahe h�tte er das Gewebe verloren und sogar das Nichts selbst entgleiten lassen, doch er verwob, was er nicht sehen konnte, weil seine Augen immer noch von dem glei�enden Blitz geblendet waren, verbreiterte den Schild und fing all jene Armbrustbolzen des Himmels ab, die er jetzt auf den Schild h�mmern sp�rte. Sie krachten dagegen und suchten ihn. Doch das konnte sich �ndern. Er sog <emphasis>Saidin</emphasis> durch den <emphasis>Angreal</emphasis> in seiner Tasche auf, vergr��erte den Schild, bis er sicher war, da� er die H�lfte der Inneren Stadt bedeckte, und dann nabelte er das Gewebe ab. Als er sich hochrappelte, begann auch seine Sicht zur�ckzukehren, wenn auch zuerst durch einen w��rigen Schleier vor den schmerzenden Augen. Er mu�te schnell zuschlagen. Rahvin wu�te, da� er sich hier befand. Er mu�te...</p><p>Offensichtlich war �berraschend wenig Zeit vergangen. Rahvin war es wohl gleichg�ltig gewesen, wie viele Leben der eigenen Seite er dahinraffte. Halb bet�ubte Trollocs und Myrddraal am Abhang fielen unter den Speeren der T�chter, von denen manche noch recht unsicher auf den Beinen waren. Einige der T�chter, vor allem die um Rand herum, rappelten sich erst jetzt halbwegs auf, wo immer sie gerade hingeschleudert worden waren. Pevin stand breitbeinig da und hielt sich mit Hilfe der Fahnenstange aufrecht. Sein vernarbtes Gesicht war so ausdruckslos wie eine leere Schiefertafel. Weitere Trollocs quollen aus den L�cken in der Mauer, und Kampfesl�rm erf�llte die Stra�en in allen Richtungen, doch was Rand betraf, h�tte sich das auch in einem anderen Land abspielen k�nnen.</p><p>Es waren ja viel mehr als nur ein Blitz mit dieser ersten Salve herabgezuckt, und nicht alle davon waren auf ihn gerichtet gewesen. Mats qualmende Stiefel befanden sich ein Dutzend Schritt weit von dem Fleck entfernt, an dem er selbst auf dem R�cken ausgestreckt lag. Auch von dem schwarzen Schaft seines Speers stiegen Rauchf�den auf, genau wie von seinem Rock, und selbst der silberne Fuchskopf, der ihm aus dem Hemd hing, qualmte. Er hatte ihn vor dem Gebrauch der Macht durch einen <emphasis>Mann</emphasis> nicht sch�tzen k�nnen. Asmodean lag als verzerrter, verkohlter Umri� da, nur erkennbar an dem Harfenbeh�lter, den er sich auf den R�cken geh�ngt hatte. Und Aviendha... Ohne ein �u�eres Anzeichen von Verletzungen sah es aus, als habe sie sich zur Ruhe gelegt � doch ihre Augen starrten ohne Wimpernschlag direkt in die Sonne.</p><p>Rand beugte sich hinunter und ber�hrte sie an der Wange. Sie wurde bereits kalt. Es f�hlte sich ... nicht wie Haut an.</p><p>�RAAAHVIIIIN!�</p><p>Es verunsicherte ihn ein wenig, als dieser Laut seiner Kehle entwich. Er schien irgendwo tief in seinem Hinterkopf zu sitzen und das ihn umgebende Nichts war ausgedehnter und leerer als je zuvor. <emphasis>Saidin</emphasis> durchtobte ihn. Es war ihm gleich, ob er von dem geballten Energiestrom weggerissen wurde. Der Makel von <emphasis>Saidin</emphasis> durchdrang alles, beschmutzte alles. Es war ihm egal.</p><p>Drei Trollocs durchbrachen die Reihe der T�chter. Mit gro�en Dornen�xten und seltsam mit Widerhaken bewehrten Speeren in den haarigen Pranken, die nur zu menschlichen Augen auf ihn gerichtet, n�herten sie sich ihm, der anscheinend unbewaffnet vor ihnen stand. Derjenige mit der Keilerschnauze und den m�chtigen Hauern fiel, als Enailas Speer sein R�ckgrat durchschlug. Adlerschnabel und B�renschnauze rannten auf ihn zu, der eine auf gestiefelten F��en, der andere auf gro�en Tatzen.</p><p>Rand ertappte sich bei einem L�cheln.</p><p>Feuer barst aus den beiden Trollocs, aus jeder Pore ihrer K�rper eine Stichflamme, barst auch durch ihre schwarzen R�stungen und sprengte sie. In dem Moment, als sie ihre M�uler zu einem lauten Br�llen aufrei�en wollten, �ffnete sich genau in ihrem Weg ein Tor. Die bluttriefenden H�lften der glatt durchgeschnittenen Trollocs fielen zu Boden, aber Rand blickte bereits angespannt durch die �ffnung. Nicht in Schw�rze hinein, sondern in einen m�chtigen, von S�ulen umgebenen Saal, in dessen Steinfliesen L�wen gehauen waren, wo ein hochgewachsener Mann mit wei�en Str�hnen im dunklen Haar �berrascht von seinem vergoldeten Thron aufblickte. Ein Dutzend M�nner, einige wie Lords gekleidet, andere im Brustharnisch, wandten sich um, weil sie sehen wollten, was ihr Herr anblickte.</p><p>Rand bemerkte sie kaum. �Rahvin�, sagte er. Oder irgend jemand sagte es. Er war sich nicht sicher, wer.</p><p>Er schickte Blitze und Feuer vor sich her, trat hindurch und schlo� das Tor hinter sich. Er war der Tod.</p><p>Nynaeve bereitete es keine M�he, sich die schlechte Laune zu erhalten, damit sie einen Strang von Geist durch die im Bernstein schlafende Frau in ihrer Tasche leiten konnte. Heute morgen konnte nicht einmal das Gef�hl, von unsichtbaren Augen beobachtet zu werden, sie in ihrem Zorn ber�hren. Siuan stand vor ihr auf einer Stra�e im Salidar <emphasis>Tel'aran'rhiods,</emphasis> einer bis auf sie menschenleeren Stra�e, �ber der nur ein paar Fliegen zu sehen waren und ein Fuchs, der aufblickte und sie neugierig ansah, bevor er weitertrabte.</p><p>�Ihr m��t Euch konzentrieren�, fuhr Nynaeve die andere an. �Ihr habt beim erstenmal Eure Umgebung besser kontrolliert als jetzt. Konzentriert Euch gef�lligst!�</p><p>�Ich konzentriere mich ja, Ihr n�rrisches Weib!� Siuans einfaches blaues Wollkleid bestand pl�tzlich aus Seide. Um ihren Hals hing die Stola mit den sieben Streifen, das Zeichen der Amyrlin, und an ihrem Finger bi� eine goldene Schlange in ihren eigenen Schwanz. Sie blickte Nynaeve finster an und war sich der Ver�nderung wohl gar nicht bewu�t, obwohl sie dasselbe Kleid heute schon f�nfmal getragen hatte. �Wenn es Schwierigkeiten gibt, dann liegt das an diesem schrecklichen Gebr�u, das Ihr mir eingefl��t habt. Pfaaah! Ich habe den Geschmack immer noch auf der Zunge. Wie Flundergalle!� Stola und Ring verschwanden und der Stehkragen des Seidenkleids machte einem Ausschnitt Platz, der tief genug war, um den verdrehten Steinring sichtbar werden zu lassen, der an einem d�nnen Goldkettchen zwischen ihren Br�sten baumelte.</p><p>�H�ttet Ihr nicht darauf bestanden, da� ich Euch unterrichte, obwohl Ihr Hilfe zum Einschlafen brauchtet, dann w�re das nicht notwendig gewesen.� Also hatte sie ein wenig Schafszungenwurzel und ein paar andere Zutaten beigemischt, die nicht unbedingt n�tig gewesen waren. Diese Frau hatte es wahrlich verdient, sich von solchem Gebr�u den Geschmack verderben zu lassen.</p><p>�Ihr k�nnt mich ja kaum zur selben Zeit unterrichten, da Ihr Sheriam und die anderen unterweist.� Die Seide verbla�te, das Kleid war wieder hochgeschlossen, mit einem wei�en Spitzenbesatz am Kragen, und eine mit Perlen bestickte Kappe umschlo� Siuans Haar. �Oder w�re es Euch lieber, wenn ich gleich danach drank�me? Ihr behauptet doch, Ihr h�ttet ein wenig ungest�rten Schlafs n�tig.�</p><p>Nynaeve bebte vor Wut, die F�uste an den Seiten geballt. Es waren nicht Sheriam und die anderen, die ihren Zorn am meisten sch�rten. Sie und Elayne wechselten sich dabei ab, immer zwei auf einmal nach <emphasis>Tel'aran'rhiod</emphasis> mitzunehmen, manchmal auch alle sechs innerhalb nur einer Nacht, und obwohl sie in diesem Fall die Lehrerin war, lie�en die anderen nie einen Zweifel daran aufkommen, da� sie Aes Sedai waren und Nynaeve nur eine Aufgenommene. Ein einziges scharfes Wort, wenn sie einen dummen Fehler begingen... Elayne hatten sie nur einmal zum T�pfeschrubben verdonnert, aber Nynaeves H�nde waren vom hei�en Seifenwasser verschrumpelt, jedenfalls da, wo ihr schlafender K�rper lag. Und doch waren sie nicht das Schlimmste. Auch die Tatsache, da� sie kaum einen freien Moment hatte, um zu untersuchen, was man, wenn �berhaupt gegen die Wirkung einer D�mpfung unternehmen konnte, �rgerte sie nicht allzusehr. Logain war da auf jeden Fall entgegenkommender als Siuan und Leane, oder jedenfalls eifriger bei der Sache. Dem Licht sei Dank, da� er das Geheimnis zu h�ten wu�te. Jedenfalls hatte er das vor; wahrscheinlich glaubte er, sie w�rde ihn eines Tages heilen. Nein, schlimmer war, da� man Faolain �berpr�ft und erhoben hatte ... nicht zur Aes Sedai, das ging nicht ohne die Eidesrute, und die befand sich nun einmal in der Burg, aber jedenfalls zu etwas H�herem als einer Aufgenommenen. Faolain kleidete sich nun ganz nach ihren eigenen W�nschen, und wenn sie auch die Stola noch nicht anlegen oder eine Ajah ausw�hlen durfte, hatte man ihr doch anderweitig Autorit�t verliehen. Nynaeve hatte wohl in den letzten vier Tagen mehr Becher Wasser, mehr B�cher � garantiert mit Absicht zur�ckgelassen! � und mehr Nadeln und Tintenf�sser und andere nutzlose Gegenst�nde hin und her getragen als w�hrend ihres gesamten Aufenthalts in der Burg. Und doch war selbst Faolain nicht das Schlimmste hier. Daran wollte sie sich lieber gar nicht erst erinnern. Mit ihrer Wut h�tte man ein ganzes Haus den Winter hindurch heizen k�nnen.</p><p>�Was hat Euch denn heute einen Haken zwischen die Kiemen gesteckt, M�dchen?� Siuan trug nun ein Kleid �hnlich dem Leanes, nur noch durchscheinender, als es selbst Leane in der �ffentlichkeit getragen h�tte. Es war so hauchd�nn, da� man kaum feststellen konnte, welche Farbe es eigentlich hatte. Es war auch nicht das erste Mal heute, da� sie dieses Kleid trug. Was spielte sich in dem Hinterkopf dieser Frau ab? In der Welt der Tr�ume verrieten Dinge wie solch pl�tzliche Kleiderwechsel einiges �ber die geheimsten Gedanken, die einem manchmal selbst nicht bewu�t waren. �Bis heute wart ihr eine beinahe vertr�gliche Gesellschafterin�, fuhr Siuan leicht gereizt fort und legte dann eine kurze Pause ein. �Bis heute. Ich begreife jetzt. Gestern nachmittag hat Sheriam Theodrin damit beauftragt, Euch dabei zu helfen, diesen Block, den ihr gegen den Gebrauch der Macht aufgebaut hattet, langsam abzubauen. Ist es diese Laus, die Euch �ber die Leber gelaufen ist? Es gef�llt Euch nicht, da� Euch Theodrin Befehle erteilt? Sie ist auch eine Wilde gewesen, M�dchen. Wenn Euch irgend jemand helfen kann, den Gebrauch der Macht zu erlernen, ohne erst vor Wut in die Luft gehen zu m�ssen, dann...�</p><p>�Und was macht Euch so nerv�s, da� Ihr euer Kleid nicht festhalten k�nnt?� Theodrin � die Sache tat ihr wirklich weh. Der Fehlschlag. �Vielleicht h�ngt es mit etwas zusammen, das ich gestern abend h�rte?� Theodrin war niemals launisch, war freundlich und geduldig. Sie sagte, man k�nne so etwas nicht in einer einzigen Sitzung vollbringen. Bei ihrem eigenen Block hatte es Monate gedauert, bis er zerst�rt war, und das, obwohl sie, lange bevor sie zur Burg ging, bereits erkannt hatte, da� sie die Macht ben�tzte. Trotzdem tat der Fehlschlag weh, und es w�re furchtbar, falls irgend jemand erfuhr, da� sie sich wie ein Kind in Theodrins tr�stenden Armen ausgeweint hatte, als ihr klar wurde, da� sie es nicht schaffte... �Ich h�rte, Ihr habt Gareth Bryne seine Stiefel an den Kopf geworfen, als er Euch befahl, Euch hinzusetzen und sie endlich richtig zu putzen. Er wei� wohl immer noch nicht, da� Min sie putzt, oder? Also hat er Euch �bers Knie gelegt und...�</p><p>Die Ohrfeige, in die Siuan all ihre Kraft gelegt hatte, lie� Nynaeves Ohren klingeln. Einen Moment lang stand sie nur verdattert da, ri� die Augen weit auf und starrte die andere an. Dann versuchte sie unter einem wilden Aufschrei, Siuan eins aufs Auge zu verpassen. Versuchte, weil es Siuan irgendwie fertiggebracht hatte, mit einer Hand Nynaeves Haar zu packen. Einen Augenblick sp�ter lagen sie im Stra�enstaub, rollten kreischend hin und her und pr�gelten wild aufeinander ein.</p><p>Nynaeve �chzte laut glaubte aber doch, insgesamt das bessere Ende f�r sich zu haben, obwohl sie die meiste Zeit �ber nicht wu�te, ob sie gerade oben oder unten lag. Siuan bem�hte sich, mit einer Hand ihren Zopf mitsamt den Haarwurzeln auszurei�en, w�hrend sie ihr die andere Faust in die Rippen rammte oder auf jeden K�rperteil lostrommelte, den sie nur erwischen konnte, doch sie zahlte es ihr mit gleicher M�nze zur�ck. Siuans Rei�en und ihre Schl�ge wurden eindeutig schw�cher. Sie w�rde diese Frau in einer Minute bewu�tlos schlagen und ihr s�mtliche Haare ausrei�en; sollte sie doch mit einer Glatze herumlaufen. Nynaeve jaulte auf, als ein Fu� hart gegen ihr Schienbein krachte. Die Frau trat ja zu! Nynaeve versuchte, sie mit dem Knie festzunageln, aber das war schwierig, wenn man einen Rock trug. Treten war einfach unfair!</p><p>Pl�tzlich wurde Nynaeve bewu�t, da� Siuans ganzer K�rper bebte. Zuerst dachte sie, die Frau weine. Dann erkannte sie aber, da� sie in Wirklichkeit schallend lachte. Sie setzte sich auf und wischte sich Haarstr�hnen vom Gesicht, denn ihr Zopf hatte sich so ziemlich aufgel�st. Dann blickte sie w�tend auf die andere hinab. �Wor�ber lacht Ihr? �ber mich? Wenn Ihr glaubt...!�</p><p>�Nicht �ber Euch, �ber uns!� Siuan bebte noch immer vor Lachen und schob Nynaeve von sich weg. Ihr Haar sah genauso wild aus, und das einfache Wollkleid, das sie jetzt anhatte, war voller Staub, abgewetzt und an einigen Stellen eingerissen. Und sie war auch barfu� wie Nynaeve. �Zwei erwachsene Frauen, die im Dreck herumbalgen wie... Das habe ich nicht mehr gemacht, seit ich ... zw�lf war, glaube ich. Ich mu�te gerade daran denken, da� jetzt nur noch die fette Cian fehlte, die mich am Ohr hochzog und mir beibrachte, da� sich M�dchen nicht pr�geln. Ich h�rte, da� sie einmal sogar einen betrunkenen Drucker zu Boden schlug. Warum, wei� ich nicht.� Einen Moment lang schien sie zu kichern, doch dann beruhigte sie sich, stand auf und klopfte sich den Staub vom Kleid. �Wenn wir eine Meinungsverschiedenheit haben, k�nnen wir sie wie erwachsene Frauen austragen.� Und etwas vorsichtiger bemerkte sich noch: �Trotzdem k�nnte es vorteilhaft sein, nicht �ber Gareth Bryne zu sprechen.� Sie fuhr zusammen, als aus dem zerrissenen Kleid mit einemmal ein rotes Abendkleid mit schwarzer und goldener Stickerei am Saum und tiefem Ausschnitt wurde.</p><p>Nynaeve sa� immer noch da und blickte sie mit gro�en Augen an. Was h�tte sie als Seherin gemacht, wenn sie auf zwei Frauen gesto�en w�re, die sich auf diese Art im Staub balgten? Falls �berhaupt, d�mpfte die Antwort ihren Zorn ein wenig. Siuan schien es immer noch nicht klarzusein, da� es in <emphasis>Tel'aran'rhiod</emphasis> nicht notwendig war, sich den Staub von den Kleidern zu klopfen. Sie zog schnell ihre Finger zur�ck, mit denen sie begonnen hatte, ihren Zopf wieder zu richten, und stand rasch auf. Bevor sie wieder auf den Beinen war, hing ihr Zopf s�uberlich geflochten �ber die Schulter, und ihr gutes Wollkleid im Stil der Zwei Fl�sse sah aus, als sei es gerade eben gewaschen und geb�gelt worden.</p><p>�Einverstanden�, sagte sie. H�tte sie zwei Frauen in der gleichen Situation erwischt, h�tten die ihre eigene Geburt verflucht, noch bevor sie mit ihnen vor der Versammlung der Frauen angekommen w�re. Was war nur in sie gefahren, da� sie wie irgendein idiotischer Mann mit den F�usten zugeschlagen hatte? Erst das mit Cerandin � sie wollte �ber diese Episode lieber nicht nachdenken, konnte aber nicht umhin, sie vor sich selbst zuzugeben �, dann Latelle und nun dies.</p><p>W�rde sie ihren Block damit beseitigen k�nnen, da� sie die ganze Zeit �ber w�tend herumlief? Ungl�cklicherweise � oder vielleicht auch gl�cklicherweise �verbesserte dieser Gedanke ihre Laune keineswegs. �Wenn wir Unstimmigkeiten haben, k�nnen wir ja dar�ber ... diskutieren.�</p><p>�Was, wie ich meine, hei�en soll, da� wir uns anschreien�, stellte Siuan trocken fest. �Na ja, immer noch besser als die andere Methode.�</p><p>�Wir m��ten uns nicht anschreien, wenn Ihr... � Nynaeve atmete tief durch und ri� ihren Blick von der anderen los. Es hatte keinen Zweck, von neuem zu beginnen. Doch dann stockte ihr der Atem, und sie dachte so schnell zu Siuan um, da� es schien, sie habe lediglich den Kopf gesch�ttelt. Sie hoffte jedenfalls, es habe so gewirkt. Nur einen kurzen Moment lang hatte sie in einem Fenster auf der anderen Seite der Stra�e ein Gesicht gesehen. In ihrem Magen flatterte es. Furcht stieg in ihr auf und Zorn, weil sie sich f�rchtete. �Ich denke, wir sollten jetzt zur�ckkehren�, sagte sie leise.</p><p>�Zur�ck? Ihr sagtet doch, diese schreckliche Br�he w�rde mich f�r mindestens zwei Stunden in tiefen Schlaf versenken, und wir haben noch nicht einmal die H�lfte dieser Zeit hier verbracht!�</p><p>�Die Zeit verl�uft hier anders.� War das Moghedien gewesen? Das Gesicht war so schnell verschwunden, da� es auch jemand gewesen sein konnte, der sich einen Augenblick lang hierher getr�umt hatte. Falls es Moghedien gewesen war, durfte die nicht � auf keinen Fall � merken, da� sie sie bemerkt hatte. Sie mu�ten weg. Furcht und brennender Zorn deswegen. �Ich habe Euch das doch schon erkl�rt. Ein Tag in <emphasis>Tel'aran'rhiod</emphasis> kann eine Stunde in der wachenden Welt bedeuten, oder gerade andersherum. Wir...�</p><p>�Es braucht schon etwas mehr, um mich hinters Licht zu f�hren, M�dchen. Ihr m��t nicht glauben, da� Ihr mich so �bers Ohr hauen k�nnt. Ihr werdet mir alles beibringen, was Ihr die anderen lehrt, so wie abgemacht. Wir k�nnen gehen, wenn ich erwache.�</p><p>Sie hatten daf�r keine Zeit. Falls es Moghedien gewesen war. Siuans Kleid war jetzt aus gr�ner Seide, die Stola der Amyrlin und ihr Gro�er Schlangenring waren wieder da, doch zur Abwechslung war der Ausschnitt diesmal beinahe so tief wie bei bestimmten Kleidern, die sie hier schon einmal getragen hatte. Der ringf�rmige <emphasis>Ter'Angreal</emphasis> hing �ber ihren Br�sten und war jetzt auf irgendeine Art Teil einer Halskette aus geschliffenen Smaragden geworden.</p><p>Nynaeve handelte, ohne nachzudenken. Ihre Hand fuhr heraus und packte die Haiskette so hart, da� sie sich von Siuans Hals l�ste. Siuan ri� die Augen auf, doch sobald der Verschlu� zerbrach, verschwand sie, und Halskette sowie Ring schmolzen in Nynaeves Hand dahin. Einen Wimpernschlag lang blickte sie auf ihre leere Hand hinab. Was geschah mit jemanden, den man auf diese Art aus <emphasis>Tel'aran'rhiod</emphasis> hinausbef�rderte? Hatte sie Siuan in ihren schlafenden K�rper zur�ckgeschickt? Oder wohin sonst? Ins Nichts vielleicht?</p><p>Sie wurde von Panik erfa�t. Sie stand einfach nur da und unternahm nichts. In Gedankenschnelle floh sie, und die Welt der Tr�ume schien sich um sie herum v�llig zu ver�ndern.</p><p>Sie stand auf einer Lehmstra�e inmitten eines kleines Dorfes von Holzh�tten, von denen keine mehr als ein Stockwerk besa�. Der Wei�e L�we von Andor wehte an einem hohen Mast, und ein einzelner gemauerter Anlegesteg ragte in einen breiten Flu� hinein, �ber dem eine Gruppe von gro�en V�geln mit langen Schn�beln in geringer H�he nach S�den flog. Es kam ihr alles ein wenig bekannt vor, aber sie brauchte doch einen Moment, bis ihr klar wurde, wo sie sich befand: Jurene. In Cairhien. Und dieser Flu� war der Erinin. Hier war es gewesen, wo sie, Egwene und Elayne sich auf der <emphasis>Pelikan</emphasis> eingeschifft hatten, einem Schiff, dessen Name genauso fehl am Platz gewesen war wie bei der <emphasis>Wasserschlange,</emphasis> und ihre Reise nach Tear fortgesetzt hatten. Das lag alles so fern, als habe sie es vor langer Zeit in einem Buch gelesen.</p><p>Warum war sie nach Jurene geflohen? Das war einfach, und sie beantwortete sich diese Frage selbst, kaum da� sie sie in Gedanken ausgesprochen hatte. Jurene war der einzige Ort in <emphasis>Tel'aran'rhiod,</emphasis> den sie gut genug kannte, bei dem sie aber auch sicher sein konnte, da� ihn Moghedien nicht kannte. Sie hatten sich hier eine Stunde lang aufgehalten, noch ehe Moghedien etwas von ihrer Existenz geahnt hatte, und sie war sicher, da� weder sie selbst noch Elayne ihn jemals wieder erw�hnt hatten, weder in <emphasis>Tel'aran'rhiod</emphasis> noch im wachen Zustand.</p><p>Doch das f�hrte zu einer anderen Frage. Auf gewisse Weise war es sogar die selbe. Warum ausgerechnet nach Jurene? Warum nicht aus dem Traum heraustreten und im eigenen Bett aufwachen, wenn denn das Geschirrsp�len und B�denschrubben sie nicht derart ausgelaugt hatte, da� sie einfach weiterschlief? <emphasis>Ich kann immer noch hinaustreten.</emphasis> Moghedien hatte sie in Salidar gesehen, falls es Moghedien gewesen war. Also wu�te Moghedien nun von Salidar. <emphasis>Ich kann es Sheriam sagen.</emphasis> Wie? Zugeben, da� sie Siuan unterrichtete? Man erwartete von ihr, da� sie diese <emphasis>Ter'Angreal</emphasis> nur beim Unterricht f�r Sheriam und die anderen Aes Sedai benutzte. Nynaeve hatte keine Ahnung, wie Siuan an sie herankommen konnte, wenn sie unterrichtet werden wollte. Nein, sie f�rchtete sich keineswegs vor weiteren Stunden, die sie bis zu den Ellbogen im hei�en Wasser verbringen mu�te. Sie hatte Angst vor Moghedien. Der Zorn brannte so hei� in ihrem Magen, da� sie w�nschte, sie h�tte ein wenig Gansminze aus ihrer Kr�utertasche dabei. <emphasis>Ich habe es so ... so verdammt satt, st�ndig Angst auszustehen!</emphasis></p><p>Vor einem der H�user stand eine Bank. Von ihr aus konnte sie den Anlegesteg und den Flu� �berblicken. Also setzte sie sich und betrachtete ihre Lage noch einmal von allen Seiten. Es war l�cherlich. Die Wahre Quelle war hier recht bla� geworden. Sie wob sich eine kleine Flamme, die �ber ihrer Hand flackerte. Sie selbst mochte ja fest und stofflich wirken � jedenfalls in ihren eigenen Augen �, doch durch dieses Feuerchen hindurch konnte sie deutlich den Flu� sehen. Sie band den Strang ab, und die Flamme verbla�te wie feiner Dunst, sobald sie den Knoten fertig hatte. Wie konnte sie Moghedien gegen�bertreten, wenn ihr noch die schw�chste Novizin in Salidar an St�rke gleichkam oder sogar �berlegen war? Deshalb war sie hierher geflohen, statt <emphasis>Tel'aran'rhiod</emphasis> zu verlassen. Furcht, und Zorn dieser Furcht wegen, zu w�tend, um klar zu denken und sich �ber die eigene Schw�che klarzuwerden.</p><p>Sie w�rde aus dem Traum heraustreten. Was Siuan auch vorgehabt hatte, hatte sich nun erledigt; sie w�rde von nun an das gleiche Risiko tragen m�ssen wie Nynaeve. Der Gedanke an weitere Stunden des Bodenschrubbens lie� ihre Hand sich um den Zopf verkrampfen. Wahrscheinlich nicht nur Stunden, sondern Tage, und nebenbei noch Sheriams Rute sp�ren. Vielleicht w�rden sie ihr verbieten, die <emphasis>Ter'Angreal</emphasis> wieder zu verwenden, mit deren Hilfe man die Welt der Tr�ume betreten konnte, oder vielleicht �berhaupt jeden <emphasis>Ter'Angreal.</emphasis> Sie w�rden sie in Faolains Obhut geben anstatt weiter in die Theodrins. Keine weiteren Untersuchungen mehr an Siuan und Leane, geschweige denn an Logain; vielleicht sogar das Ende ihres Studiums der Heilkunst.</p><p>W�tend lenkte sie die Macht und brachte wieder eine kleine Flamme zuwege. Falls sie diesmal etwas gr��er war, konnte sie das jedenfalls nicht sehen. Das wars ja wohl mit dem Einfall, ihren Zorn zu steigern, in der Hoffnung, es werde helfen. �Ich kann ja wohl nichts anderes mehr tun, als ihnen zu erz�hlen, da� ich Moghedien getroffen habe�, knurrte sie und ri� so hart an ihrem Zopf, da� es schmerzte. �Licht, sie werden mich Faolain �bergeben. Da w�rde ich doch beinahe lieber sterben!�</p><p>�Aber es scheint Euch Spa� zu machen, kleine Boteng�nge f�r sie zu verrichten.�</p><p>Die sp�ttische Stimme ri� Nynaeve von der Bank hoch, als habe sie unvermittelt eine Hand auf ihrer Schulter versp�rt. Moghedien stand mitten auf der Stra�e, ganz in Schwarz gekleidet, und sch�ttelte bei diesem Anblick den Kopf. Mit aller Kraft wob Nynaeve eine Abschirmung aus dem Element Geist und schleuderte sie zwischen die andere und <emphasis>Saidar.</emphasis> Besser: Sie versuchte die Abschirmung dorthin zu schleudern, doch es war, als wolle sie einen Baum mit einer Papieraxt f�llen. Moghedien l�chelte doch tats�chlich, bevor sie sich dazu herablie�, Nynaeves Gewebe zu durchtrennen, und das so beil�ufig, als wische sie sich ein Bei�mich aus dem Gesicht. Nynaeve blickte sie wie vom Schlag getroffen an. Nach alledem nun dies. Die Eine Macht � nutzlos. All der Zorn, der in ihr kochte � nutzlos. All ihre Pl�ne, ihre Hoffnungen � nutzlos. Moghedien machte sich gar nicht erst die M�he, zur�ckzuschlagen. Sie wob noch nicht einmal eine eigene Abschirmung. Sie schien nur Verachtung f�r Nynaeves F�higkeiten zu empfinden.</p><p>�Ich f�rchtete schon, da� Ihr mich gesehen habt. Ich war unvorsichtig, als ich zusah, wie Ihr und Siuan begannt, Euch gegenseitig umzubringen. Mit blo�en H�nden.� Moghedien lachte ein wenig herablassend. Sie webte etwas, und das v�llig unger�hrt, denn sie hatte keinen Grund zur Eile. Nynaeve wu�te nicht, was sie webte, doch sie h�tte am liebsten losgeschrien. Der Zorn kochte in ihr, doch die Furcht lahmte ihren Verstand und lie� ihre F��e am Boden kleben. �Manchmal glaube ich, ihr alle seid einfach viel zu unwissend, um �berhaupt ausgebildet zu werden, Ihr und die fr�here <emphasis>Amyrlin</emphasis> und der ganze Rest. Aber ich kann nicht zulassen, da� Ihr mich verratet.� Dieses Gewebe griff nun nach ihr. �Es ist an der Zeit, Euch endlich meiner Sammlung hinzuzuf�gen, wie mir scheint.�</p><p>�Halt, Moghedien!� schrie Birgitte.</p><p>Nynaeves Mund stand offen. Es war tats�chlich Birgitte, wie sie fr�her aussah, in ihrem kurzen wei�en Mantel und den gelben Pumphosen, den kunstvoll geflochtenen goldenen Zopf nach vorn �ber eine Schulter gelegt und einen silbernen Pfeil auf den silbernen Bogen aufgelegt. Das war doch unm�glich! Birgitte war kein Teil <emphasis>Tel'aran'rhiods</emphasis> mehr. Sie war in Salidar und bewachte die trotz der bereits aufgegangenen Sonne schlafenden K�rper Nynaeves und Siuans, damit sie niemand entdeckte und unbequeme Fragen stellte.</p><p>Moghedien war so �berrascht, da� ihre soeben gewebten Str�nge verschwanden. Ihre �berraschung hielt jedoch nur einen Augenblick lang an. Der schimmernde Pfeil verlie� Birgittes Bogen � und verdampfte. Der Bogen selbst verdampfte. Etwas schien die Sch�tzin zu packen, ri� ihre Arme senkrecht nach oben und hob sie in die Luft. Mit einem Ruck wurde sie zusammengeschn�rt und hing nun an Hand- und Fu�gelenken einen Fu� �ber dem Boden.</p><p>�Ich h�tte an die M�glichkeit Eures Auftauchens denken sollen.� Moghedien wandte Nynaeve den R�cken zu, um n�her an Birgitte heranzutreten. �Gef�llt es Euch, wieder Fleisch zu sein? Ohne Gaidal Cain?�</p><p>Nynaeve dachte daran, die Macht zu gebrauchen. Aber was sollte sie damit anstellen? Einen Dolch weben, der wom�glich noch nicht einmal die Haut dieser Frau zu ritzen vermochte? Feuer weben, das selbst ihren Rock nicht versengen w�rde? Moghedien wu�te, wie sinnlos das alles w�re. Sie behielt sie nicht einmal im Auge. Wenn sie den Strom aus Geist zu der im Bernstein schlafenden Frau unterbrach, w�rde sie in Salidar erwachen und k�nnte alle warnen. Ihr Gesicht verzog sich, und sie war den Tr�nen nah, als sie zu Birgitte hin�bersah. Die Frau mit dem goldenen Haar hing in der Luft und blickte Moghedien trotzig an. Moghedien dagegen musterte sie wie eine Schnitzerin einen Holzblock.</p><p><emphasis>Alles h�ngt jetzt an mir,</emphasis> dachte Nynaeve. <emphasis>Und ich bin</emphasis> so <emphasis>hilflos, als k�nnte ich �berhaupt nicht mit der Macht umgehen. Alles h�ngt an mir.</emphasis></p><p>Auch nur einen Fu� anzuheben war, als z�ge man ihn aus knietiefem Schlamm. Der zweite taumelnde Schritt fiel ihr nicht leichter. In Richtung Moghedien. �Tut mir nichts�, rief Nynaeve weinerlich. �Bitte! Tut mir nichts!� Es �berlief sie eiskalt. Birgitte war verschwunden. An ihrer Stelle stand ein Kind von vielleicht drei oder vier Jahren, mit einem kurzen wei�en Mantel und gelben Pumphosen bekleidet, und spielte mit einem silbernen Spielzeugbogen. Das Kind warf mit einer kurzen Bewegung seinen goldenen Zopf nach hinten, zielte mit dem Bogen spielerisch auf Nynaeve und kicherte. Dann steckte es einen Finger in den Mund, als sei es nicht sicher, ob es etwas falsch gemacht hatte. Nynaeve fiel auf die Knie. Es war Schwerstarbeit, in ihren R�cken voranzukriechen, aber sie w�re wohl kaum in der Lage gewesen, sich auf den Beinen zu halten. Irgendwie brachte sie es jedenfalls fertig, streckte dann bittend eine Hand nach Moghedien aus und wimmerte: �Bitte. Tut mir nichts.</p><p>Bitte. F�gt mir keine Schmerzen zu.� Immer und immer wieder, w�hrend sie sich zu der Verlorenen hinschleppte wie ein sterbender K�fer, der durch den Staub krabbelt.</p><p>Moghedien sah ihr schweigend zu, bis sie schlie�lich sagte: �Ich hatte urspr�nglich geglaubt, Ihr w�ret um einiges st�rker. Jetzt bemerke ich, wie sehr mir Euer Anblick gef�llt, wenn Ihr so auf den Knien liegt. Das ist jetzt nahe genug, M�dchen. Nicht, da� ich glaubte, Ihr h�ttet genug Mut, um zu versuchen, <emphasis>mir</emphasis> die Haare auszurei�en...� Der Einfall schien sie zu erheitern.</p><p>Nynaeves Hand befand sich nur eine Spanne von Moghedien entfernt. Das mu�te einfach nahe genug sein. Alles hing nur an ihr. Und an <emphasis>Tel'aran'rhiod.</emphasis> Das Bild formte sich in ihrem Kopf, und da war es: ein silbriges Armband an ihrem ausgestreckten Unterarm, mit einer silbrigen Leine, die bis zu dem ebenso silbrigen Halsband an Moghediens Hals reichte. Sie hielt das Bild in ihrem Kopf fest, nicht nur den <emphasis>A'dam,</emphasis> sondern Moghedien, die ihn trug, Moghedien und den <emphasis>A'dam</emphasis> als Teil <emphasis>Tel'aran'rhiods,</emphasis> den sie ganz nach ihren W�nschen gestaltete. Sie wu�te in ungef�hr, was sie zu erwarten hatte. Sie hatte einst in Falme selbst das Armband eines <emphasis>A'dam</emphasis> getragen. Auf diese seltsame Weise war sie sich Moghediens ebenso bewu�t wie ihres eigenen K�rpers, ihrer eigenen Gef�hle. Zwei Menschen, jeder f�r sich, und doch befanden sich beide in ihrem Kopf. Etwas anderes hatte sie sich bestenfalls erhofft, weil Elayne fest behauptet hatte, es treffe zu: Das Ding war tats�chlich eine Verbindung, verkn�pfte sie beide. Sie konnte die Wahre Quelle <emphasis>durch</emphasis> die andere hindurch wahrnehmen.</p><p>Moghediens Hand fuhr an das Halsband, und vor Schreck weiteten sich ihre Augen. Wut und Schreck. Zuerst mehr Wut als Angst. Nynaeve f�hlte das, als seien es ihre eigenen Gef�hle. Moghedien wu�te mit Sicherheit, was Leine und Halsband zu bedeuten hatten, aber trotzdem versuchte sie, die Macht zu lenken. Gleichzeitig sp�rte Nynaeve eine leichte Ver�nderung in ihrem Innern, im <emphasis>A'dam,</emphasis> w�hrend die andere sich bem�hte, <emphasis>Tel'aran'rhiod</emphasis> dem eigenen Willen zu unterwerfen. Moghediens Versuch zu unterbinden war einfach. Der <emphasis>A'dam</emphasis> stellte eine Verbindung her, und sie hatte die Kontrolle in der Hand. Dieses Bewu�tsein machte es ihr leicht. Nynaeve wollte nicht, da� diese Str�nge gelenkt wurden, also wurden sie nicht gelenkt. Moghedien h�tte genausogut versuchen k�nnen, einen Berg mit blo�en H�nden aufzuheben. Die Angst �berw�ltigte den Zorn.</p><p>Nynaeve stand auf und formte das entsprechende Bild in ihrem Geist. Sie stellte sich nicht nur Moghedien mit dem Halsband des <emphasis>A'dam</emphasis> vor, nein, sie <emphasis>wu�te,</emphasis> da� Moghedien an der Leine hing, wu�te es genauso eindeutig, wie sie ihren eigenen Namen kannte. Dieses Gef�hl der Ver�nderung, das ihr so auf der Haut kribbelte, verging trotzdem nicht. �H�rt auf damit�, befahl sie in scharfem Ton. Der <emphasis>A'dam</emphasis> bewegte sich nicht, schien aber kaum wahrnehmbar zu zittern. Sie stellte sich Nesseln vor, die von den Schultern bis zu den Knien �ber den K�rper der anderen strichen. Moghedien schauderte und atmete krampfhaft aus. �H�rt auf damit, sage ich, oder Ihr werdet Schlimmeres versp�ren.� Die Ver�nderung h�rte auf. Moghedien beobachtete sie wachsam. Sie hielt immer noch das silbrige Halsband mit einer Hand und machte den Eindruck, als st�nde sie auf Zehenspitzen bereit, davonzulaufen.</p><p>Birgitte � das Kind, das Birgitte war oder gewesen war � stand da und musterte sie beide neugierig. Nynaeve stellte sie sich als erwachsene Frau vor und konzentrierte sich. Das kleine M�dchen steckte den Finger wieder in den Mund und begann, den Spielzeugbogen zu betrachten. Nynaeve atmete zornig und schnell. Es war schwierig, etwas abzu�ndern, was jemand anders bereits festhielt. Und obendrein hatte Moghedien auch noch behauptet, sie k�nne solche Ver�nderungen endg�ltig machen. Aber was sie getan hatte, konnte sie selbst auch wieder aufheben. �Stellt ihren vorherigen Zustand wieder her.�</p><p>�Wenn Ihr mich freila�t, werde ich...�</p><p>Nynaeve dachte wieder an die Nesseln, und diesmal ber�hrten sie die Haut der anderen nicht nur leicht. Moghedien zog die Luft durch zusammengebissene Z�hne ein und bebte wie ein Laken im Sturm.</p><p>�Das�, stellte Birgitte fest, �war das Be�ngstigendste, was mir jemals passiert ist.� Sie war wieder sie selbst, wie zuvor mit Kurzmantel und Pumphosen, doch Bogen und K�cher fehlten. �Ich war wirklich ein Kind, aber zur gleichen Zeit befand ich mich � mein eigentliches Ich � wie eine imagin�re Gestalt irgendwo im Hinterkopf dieses kleinen M�dchens. Und mir war das bewu�t. Ich wu�te, ich w�rde einfach nur zuschauen, was geschah, und spielen...� Sie warf mit einem Ruck den goldenen Zopf nach hinten und blickte Moghedien bitter an.</p><p>�Wie bist du hierhergekommen?� fragte Nynaeve. �Ich bin dir dankbar daf�r, aber ... wie konnte das sein?�</p><p>Birgitte warf Moghedien einen weiteren harten Blick zu, �ffnete dann den Mantel und fa�te am Hals unter ihre Bluse. Sie zog den verdrehten Steinring an seiner Lederschnur hervor. �Siuan ist aufgewacht. Nur einen Augenblick lang, und sicher war sie nicht ganz klar. Aber eben lang genug, um sich zu beklagen, da� du ihr dieses Ding abgenommen h�ttest. Als du dann nicht gleich nach ihr aufgewacht bist wu�te ich, da� etwas nicht stimmte. Also habe ich den Ring genommen und den Rest deines Gebr�us f�r Siuan getrunken.�</p><p>�Es war doch kaum etwas �brig. Nur der Satz wahrscheinlich.�</p><p>�Genug jedenfalls, um einschlafen zu k�nnen. �brigens, es schmeckt scheu�lich! Danach war alles so leicht wie die Suche nach Federt�nzern in Shiota. Es war eigentlich so, als w�re ich noch...� Birgitte schwieg und warf Moghedien noch einmal einen bitterb�sen Blick zu. Der silberne Bogen erschien in ihrer Hand und ein K�cher voll silberner Pfeile an ihrer H�fte, doch nach einem Augenblick verschwand beides wieder. �Vorbei ist vorbei, und die Zukunft liegt vor mir�, sagte sie entschlossen. �Es �berraschte mich kein bi�chen, festzustellen, da� sich gleich zwei hier befanden, die beide genau wu�ten, da� sie in <emphasis>Tel'aran'rhiod</emphasis> waren. Es war mir klar, wer die andere sein mu�te, und als ich ankam und euch beide erblickte... Es schien so, als habe sie dich bereits in ihrer Gewalt, aber ich hoffte, da� dir etwas einfallen w�rde, wenn ich sie nur lange genug ablenkte.�</p><p>Nynaeve sch�mte sich im Innersten. Sie hatte daran gedacht, Birgitte hier im Stich zu lassen. Bevor sie auf die andere L�sung gekommen war, hatte sie sich das wirklich �berlegt. Nur ganz kurz freilich, und sie hatte den Gedanken auch sofort wieder verworfen, aber ableugnen konnte sie ihn nicht. Was f�r ein Feigling sie doch war. Bestimmt kannte Birgitte solche Momente �berhaupt nicht, wo die Angst sie so beherrschte... �Ich...� Ein schwacher Geschmack nach gekochtem Katzenfarn und zersto�enem Mavinsblatt. �Ich w�re beinahe geflohen�, sagte sie mit schwacher Stimme. �Ich hatte solche Angst, da� mir die Zunge am Gaumen klebte. Beinahe w�re ich geflohen und h�tte dich im Stich gelassen.�</p><p>�Ach?� Nynaeve wand sich innerlich vor Scham, als Birgitte sie nachdenklich ansah. �Aber du hast es nicht getan, ja? Ich h�tte schie�en sollen, bevor ich schrie, aber ich habe es niemals fertiggebracht, jemanden einfach hinterr�cks zu t�ten. Selbst bei ihr nicht. Aber es ist ja alles noch einmal gutgegangen. Was wollen wir jetzt mit ihr machen?�</p><p>Moghedien schien mittlerweile ihre Angst �berwunden zu haben. Sie ignorierte das silbrige Halsband und beobachtete Nynaeve und Birgitte, als w�ren <emphasis>sie</emphasis> die Gefangenen und nicht sie selbst, und als �berlege sie, was mit ihnen geschehen solle. Abgesehen von einem gelegentlichen Zucken ihrer H�nde, als wolle sie sich kratzen, wo ihre Haut sich an die Nesseln erinnerte, schien sie ganz die schwarzgekleidete Gelassenheit selbst. Nur durch den <emphasis>A'dam</emphasis> sp�rte Nynaeve, da� die Frau Angst hatte, innerlich fast wimmerte, aber sie unterdr�ckte das, und Nynaeve empfing das Gef�hl nur ganz schwach. Sie w�nschte sich, das Ding k�nnte ihr nicht nur die Gef�hle, sondern auch die Gedanken Moghediens vermitteln. Andererseits war sie ausgesprochen froh dar�ber, da� sie nicht in dem Verstand hinter diesen kalten, dunklen Augen steckte.</p><p>�Bevor Ihr �ber ... drastische Ma�nahmen nachdenkt�, sagte Moghedien, �m�chte ich Euch zu bedenken geben, da� ich viel wei�, was Euch n�tzlich w�re. Ich habe die anderen Auserw�hlten beobachtet und kenne ihre Pl�ne. Ist das nichts wert?�</p><p>�Berichtet mir davon, und ich werde entscheiden, was es wert ist, falls �berhaupt�, sagte Nynaeve. Was konnte sie nur mit der Frau anfangen?</p><p>�Lanfear, Graendal, Rahvin und Sammael haben sich zusammengeschlossen und gehen gemeinsam vor.�</p><p>Nynaeve zog kurz an der Leine, so da� die andere ins Taumeln kam. �Das wei� ich. Erz�hlt mir etwas Neues.� Sie war hier wohl ihre Gefangene, aber dieser <emphasis>A'dam</emphasis> existierte nur in <emphasis>Tel'aran'rhiod.</emphasis></p><p>�Wi�t Ihr, da� sie Rand al'Thor dazu verleiten, Sammael anzugreifen? Aber wenn er das tut, wird er auch die anderen dort vorfinden, denn sie versuchen, ihn gemeinsam in die Falle zu locken. Zumindest Graendal und Rahvin werden dortsein. Ich glaube, da� Lanfear ihr eigenes Spiel spielt, von dem die anderen nichts ahnen.�</p><p>Nynaeve tauschte einen besorgten Blick mit Birgitte. Rand mu�te davon erfahren. Und das w�rde er auch, sobald Elayne und sie heute abend mit Egwene gesprochen hatten. Falls sie es fertigbrachten, den <emphasis>Ter'Angreal</emphasis> lange genug in die Finger zu bekommen. �Vorausgesetzt nat�rlich�, murmelte Moghedien, �da� er lange genug �berlebt, um sie dort vorzufinden.�</p><p>Nynaeve packte die Leine dort, wo sie am Halsband festgemacht war, und zog das Gesicht der Verlorenen ganz nahe an das ihre heran. Die dunklen Augen begegneten ihrem Blick ohne Ausdruck, doch durch den <emphasis>A'dam</emphasis> konnte sie Zorn f�hlen und die Angst, die in dieser Frau emporstieg und wieder verflog. �Jetzt h�rt Ihr mir mal gut zu. Glaubt Ihr, ich w��te nicht warum Ihr vorgebt, so bereitwillig mit mir zusammenarbeiten zu wollen? Ihr glaubt, wenn Ihr nur lange genug auf mich einredet, werde ich irgendeinen Fehler begehen und Ihr k�nnt entkommen. Und Ihr glaubt, je l�nger wir miteinander sprechen, desto schwerer wird es mir fallen, Euch zu toten.� Soviel stimmte auf jeden Fall. Jemanden kaltbl�tig zu t�ten, selbst eine der Verlorenen, w�re schwierig, und sie w�rde das m�glicherweise nicht fertigbringen. Was sollte sie blo� mit ihr anfangen?</p><p>�Aber Ihr sollt folgendes wissen. Ich werde nicht zulassen, da� Ihr Dinge nur andeutet. Falls Ihr versucht, etwas vor mir zur�ckzuhalten, werde ich all das mit Euch machen, was Ihr mir zugedacht hattet.� Grauen kroch durch die Leine zu ihr her�ber, als schrie Moghediens Verstand markersch�tternd. Vielleicht wu�te sie doch nicht soviel �ber diese <emphasis>A'dam,</emphasis> wie Nynaeve geglaubt hatte. M�glich, da� sie sogar annahm, Nynaeve k�nne ihre Gedanken lesen, wenn sie sich M�he gab. �Also, wenn Ihr etwas von einer Bedrohung f�r Rand wi�t, die noch vor Sammael und den anderen zum Tragen kommt, dann sagt es mir. Jetzt sofort!�</p><p>Nun brach ein wahrer Redeschwall aus Moghedien hervor, und zwischendurch stie� immer wieder ihre Zunge heraus, um die Lippen zu befeuchten. �Al'Thor hat vor, Rahvin anzugreifen. Heute. Heute morgen. Weil er glaubt, Rahvin habe Morgase get�tet. Ich wei� nicht, ob das stimmt, aber al'Thor glaubt es jedenfalls.</p><p>Aber Rahvin hat Lanfear noch nie vertraut. Er hat �berhaupt noch nie einem der anderen getraut. Warum sollte er auch? Er glaubte, all das k�nne auch eine Falle sein, die man ihm stellen wolle, und so hat er eine eigene Falle aufgebaut. Er hat in ganz Caemlyn Warngewebe ausgelegt die ihm sofort sagen, wenn ein Mann auch nur einen Funken der Macht ben�tzt. Al'Thor wird blind in diese Falle hineinlaufen. Bestimmt ist das jetzt schon geschehen. Ich glaube, er hatte vor, gleich bei Sonnenaufgang Cairhien zu verlassen. Ich hatte nichts damit zu tun. Das ist nicht mein Werk. Ich...�</p><p>Nynaeve wollte, da� sie aufh�rte. Der Angstschwei�, der das Gesicht der Frau gl�nzen lie�, machte sie krank, und dann noch dieser um Gnade bettelnden Stimme lauschen zu m�ssen... Sie wollte schon anfangen, einen Strang der Macht zu weben, um Moghediens Zunge zu fesseln, doch dann l�chelte sie. Sie war ja direkt mit Moghedien verkn�pft und konnte die andere beherrschen. Moghedien quollen fast die Augen heraus, als sie selbst die Str�nge wob, die ihren eigenen Mund verschlossen, und sie diese dann abnabelte. Nynaeve f�gte auch noch etwas hinzu, um ihr die Ohren zu verschlie�en, und dann wandte sie sich an Birgitte. �Was denkst du?�</p><p>�Elayne wird das Herz brechen. Sie liebt ihre Mutter.�</p><p>�Das wei� ich!� Nynaeve atmete erst einmal tief durch. �Ich werde mit ihr weinen, und jede Tr�ne wird ernst gemeint sein, aber jetzt mu� ich mir �ber Rand Gedanken machen. Ich denke, sie hat die Wahrheit gesagt. Ich konnte es beinahe sp�ren.� Sie packte die silbrige Leine unterhalb ihres Armbands und sch�ttelte sie. �Vielleicht ist es so, und vielleicht war es nur Einbildung. Was glaubst du?�</p><p>�Da� sie die Wahrheit gesagt hat. Sie war noch nie besonders tapfer, wenn sie nicht eindeutig die �berlegene war oder glaubte, sich entsprechende Vorteile verschaffen zu k�nnen. Und du hast ihr auf jeden Fall Angst eingejagt!�</p><p>Nynaeve verzog das Gesicht. Jedes Wort Birgittes brachte eine weitere Zornblase in ihrem Bauch hervor. Sie war noch nie besonders tapfer, wenn sie nicht eindeutig die �berlegene war. Das konnte auch auf sie zutreffen.</p><p>Sie hatte Moghedien m�chtig Angst eingejagt. Das war richtig, und sie hatte jedes Wort ernst gemeint, das sie gesagt hatte. Aber jemanden zu verpr�geln, wenn es sein mu�te, war eben doch nicht das gleiche, wie jemandem mit Folter zu drohen, zu sp�ren, wie man jemanden liebend gern gefoltert h�tte. Das war selbst im Falle Moghediens eine ganz andere Sache. Und nun stand sie da und versuchte, etwas zu umgehen, von dem sie wu�te, da� sie es tun mu�te. Nicht sehr tapfer, es sei denn, sie war so eindeutig �berlegen, da� sie nichts zu furchten hatte. Diesmal brachte sie selbst die Zornblase hervor. �Wir m�ssen nach Caemlyn. Ich jedenfalls. Mit ihr. In meinem Zustand bin ich wahrscheinlich nicht einmal stark genug, um mit Hilfe der Macht ein Blatt Papier zu zerrei�en, aber durch den <emphasis>A'dam</emphasis> kann ich mir ihre Kraft zunutze machen.�</p><p>�Du wirst aber nicht in der Lage sein, von <emphasis>Tel'aran'rhiod</emphasis> aus etwas in der wachenden Welt zu beeinflussen�, sagte Birgitte ruhig.</p><p>�Das wei� ich! Ich wei�, aber ich mu� doch etwas unternehmen.�</p><p>Birgitte legte den Kopf in den Nacken und lachte schallend. �O Nynaeve, es besch�mt mich ja so, mit einem Feigling wie dir etwas zu tun zu haben.� Mit einemmal ri� sie �berrascht die Augen auf. �Es war wirklich nicht mehr viel von deinem Schlaftrunk �brig. Ich glaube, ich wa...� Mitten im Wort war sie pl�tzlich verschwunden.</p><p>Nynaeve atmete tief ein und l�ste die Str�nge um Moghedien. Oder besser, sie lie� Moghedien das tun.</p><p>Beim Ben�tzen des <emphasis>A'dams</emphasis> war das wirklich schwer zu unterscheiden. Sie w�nschte, Birgitte w�re noch da. Ein zweites Paar Augen. Eine, die <emphasis>Tel'aran'rhiod</emphasis> wahrscheinlich besser kannte, als sie es jemals kennen w�rde. Eine, die tapfer und mutig war. �Wir machen einen kleinen Ausflug, Moghedien, und Ihr werdet mir mit aller Euch zur Verf�gung stehenden Kraft helfen. Falls ich durch irgend etwas �berrascht werde... Es gen�gt wohl, Euch zu sagen, da� alles, was derjenigen zust��t, die dieses Armband tr�gt, auch der mit dem Halsband zusto�en wird. Nur etwa zehnmal so stark.� Moghediens kreidebleiches Gesicht zeigte deutlich, da� sie ihr glaubte. Und das war auch gut so, denn sie hatte ihr die Wahrheit gesagt.</p><p>Noch ein tiefer Atemzug, und Nynaeve begann im Geist das Bild des einzigen Orts in Caemlyn aufzubauen, den sie gut genug kannte, um sich daran zu erinnern: den K�nigspalast, in den Elayne sie mitgenommen hatte. Dort mu�te sich Rahvin befinden. Aber in der wachenden Welt, nicht in der Welt der Tr�ume. Trotzdem mu�te sie etwas unternehmen. Ihre Umgebung in <emphasis>Tel'aran'rhiod</emphasis> ver�nderte sich.</p></section><section><title><p>55</p><p>Verbrannte F�den</p></title><p>Rand blieb stehen. Ein langer Ru�fleck an der Wand des Korridors bezeichnete die Fl�che, an der ein halbes Dutzend wertvoller Wandbeh�nge zu Asche verbrannt waren. An einem weiteren z�ngelten schon die Flammen empor. Von einer Anzahl kostbar eingelegter Truhen und Tische waren nur noch qualmende Reste zu sehen. Er hatte das nicht verursacht. Drei�ig Schritt weiter lagen M�nner in roten Uniformjacken mit Brustharnischen und Gitterhelmen vom Todeskampf verkr�mmt auf den wei�en Fu�bodenfliesen, die nutzlosen Schwerter noch in den H�nden. Ebenfalls nicht sein Werk. Rahvin hatte r�cksichtslos das Leben seiner eigenen Leute geopfert, um Rand zu erreichen. Seine Angriffsaktionen waren klug und durchdacht gewesen, genau wie seine R�ckzugsman�ver, aber von dem Augenblick an, da er aus dem Thronsaal geflohen war, hatte er sich Rand bestenfalls einen Augenblick lang selbst zum Kampf gestellt, so lange, wie er brauchte, um zuzuschlagen und wieder zu fliehen. Rahvin war stark, vielleicht sogar genauso stark wie Rand, und dar�ber hinaus viel erfahrener, doch Rand hatte den <emphasis>Angreal,</emphasis> den fetten kleinen Mann, in der Tasche, und Rahvin besa� keinen.</p><p>Der Korridor war ihm in zweifacher Hinsicht vertraut; zum einen, weil er ihn schon fr�her einmal gesehen hatte, zum anderen, weil ihn die Erinnerung an einen sehr �hnlichen qu�lte.</p><p><emphasis>Ich bin an dem Tag mit Elayne und Gawyn hier durchgekommen, als ich Morgase kennenlernte.</emphasis> Der Gedanke schlitterte schmerzhaft �ber die Oberfl�che des Nichts. Im Innern war er vollkommen kalt und gef�hllos. Saidin tobte und brannte, doch er war eiskalt und gelassen.</p><p>Und ein weiterer Gedanke kam hoch wie ein Dolchsto�. <emphasis>Sie hat auf dem Boden eines Korridors wie diesem gelegen, das goldene Haar ausgebreitet, als schliefe sie. Ilyena Sonnenhaar. Meine Ilyena.</emphasis></p><p>Auch Elaida war an jenem Tag anwesend gewesen. <emphasis>Sie hat den Schmerz, den ich mit mir bringe, vorhergesagt. Sie erkannte die Dunkelheit in mir, jedenfalls einiges davon. Gen�gend.</emphasis></p><p><emphasis>Ilyena, ich wu�te nicht, was ich tat. Ich war wahnsinnig! Ich bin wahnsinnig. O Ilyena!</emphasis></p><p><emphasis>Elaida wu�te es � zumindest einiges �, aber nicht einmal das hat sie vollst�ndig erz�hlt. Sie h�tte es besser tun sollen.</emphasis></p><p><emphasis>O Licht, gibt es denn keine Vergebung? Was ich tat, richtete ich im Wahn an. Gibt es f�r mich keine Gnade?</emphasis></p><p><emphasis>H�tte Gareth Bryne alles erfahren, er h�tte mich get�tet. Morgase h�tte meine Hinrichtung angeordnet. Morgase w�re noch am Leben. Mat. Moiraine. Wie viele k�nnten noch leben, w�re ich gestorben ?</emphasis></p><p><emphasis>Ich habe all diese Qual verdient. Ich verdiene es, endg�ltig zu sterben. O Ilyena, ich verdiene den Tod. Ich verdiene den Tod.</emphasis></p><p>Stiefelschritte hinter ihm. Er wirbelte herum.</p><p>Sie kamen keine zwanzig Schritt von ihm entfernt aus einem breiten Korridor heraus, der den kreuzte, in dem er sich befand, zwei Dutzend M�nner in Harnisch und Helm und mit den roten Uniformr�cken und wei�en Kragen der Garde der K�nigin. Allerdings besa� Andor jetzt keine K�nigin mehr, und diese M�nner hatten ihr zu ihren Lebzeiten auch nicht gedient. Ein Myrddraal f�hrte sie an. Sein blasses, augenloses Gesicht wirkte ekelhaft, wie etwas, das man unter einem Felsblock findet, und die sich �berlappenden schwarzen Metallschuppen seiner R�stung erh�hten noch den Eindruck des Schlangenhaften, genau wie die geschmeidigen Bewegungen. Der schwarze Umhang hing reglos herunter, wie er sich auch bewegte. Der Blick der Augenlosen brachte Angst mit sich, doch Angst war ein sehr entferntes Gef�hl im Nichts. Sie z�gerten, als sie ihn erblickten. Dann hob der Halbmensch sein Schwert mit der schwarzen Klinge. Die M�nner, die noch nicht blankgezogen hatten, legten nun die H�nde auf die Hefte ihrer Schwerter.</p><p>Rand � er glaubte jedenfalls, das sei sein Name �gebrauchte die Macht auf eine Weise, wie er sie noch nie gebraucht hatte, soweit er sich erinnern konnte.</p><p>M�nner und Myrddraal erstarrten, wie sie dastanden. Wei�er Raunreif bildete sich in einer dicken Schicht auf ihnen, und er dampfte �hnlich wie Mats Stiefel. Der erhobene Arm des Myrddraal brach mit einem lauten Knacken ab. Als er auf die Bodenfliesen aufschlug, zersplitterten Arm und Schwert.</p><p>Rand sp�rte die K�lte � ja, so hie� er wirklich; Rand �, die wie ein Messer zubi�, als er an ihnen vorbei und in den Korridor hineinschritt aus dem sie gekommen waren. Kalt, aber w�rmer als <emphasis>Saidin..</emphasis></p><p>Ein Mann und eine Frau kauerten ver�ngstigt an einer Wand, Diener in rotwei�er Livree, beide fast schon mittleren Alters. Sie klammerten sich schutzsuchend aneinander. Als sie Rand erblickten � da geh�rte noch etwas zum Namen, nicht nur Rand �, wollte sich der Mann erheben, der sich noch eben vor der von dem Myrddraal gef�hrten Bande �ngstlich versteckt hatte, aber die Frau hielt ihn am �rmel zur�ck.</p><p>�Geht in Frieden�, sagte Rand und streckte seine Hand aus. Al'Thor. Ja, Rand al'Thor. �Ich werde Euch nichts antun, aber Ihr k�nntet verletzt werden, wenn Ihr hierbleibt.�</p><p>Die braunen Augen der Frau weiteten sich, und sie w�re zusammengebrochen, h�tte der Mann sie nicht aufgefangen. Sein schmaler Mund bewegte sich unabl�ssig, als bete er, k�nne die Worte aber nicht herausbringen.</p><p>Rand blickte hinunter, um zu sehen, was den Mann so erschreckte. Seine Hand war weit genug aus dem �rmel gerutscht, um den Drachenkopf mit der goldenen M�hne freizulegen, der ein Teil seiner Haut war. �Ich werde Euch nichts tun�, sagte er noch einmal, ging weiter und lie� sie dort zur�ck. Er mu�te sich um Rahvin k�mmern, mu�te Rahvin t�ten. Und dann?</p><p>Kein Ger�usch au�er dem Knarren seiner Stiefelsohlen auf den Fliesen. Und tief in seinem Kopf murmelte ein schwaches Stimmchen traurig etwas von Ilyena und Vergebung. Er strengte alle Sinne an, um festzustellen, ob Rahvin die Macht benutzte, ob sich der Mann mit Energie aus der Wahren Quelle vollsog. Nichts. <emphasis>Saidin</emphasis> versengte seine Knochen, lie� sein Fleisch erfrieren, brannte in seine Seele hinein, aber von au�en her war es schwierig, so etwas festzustellen, bis man nahe genug war. Ein L�we im hohen Gras, so hatte Asmodean es einst beschrieben. Ein r�udiger L�we. Sollte er Asmodean der Liste jener hinzuf�gen, die nicht h�tten sterben sollen? Oder Lanfear? Nein. Nicht...</p><p>Er hatte nur den Bruchteil einer Sekunde der Vorwarnung, um sich platt auf den Boden zu werfen; eine hauchd�nne Scheibe Zeit zwischen dem urpl�tzlichen Wissen, da� Str�nge der Macht verwoben wurden, und einem armdicken Strahl wei�en Lichts, fl�ssigen Feuers, der die Wand durchschnitt und wie eine Schwertklinge hindurch scho�, wo sich sein Brustkorb befunden hatte. Wo dieser Strahl im Korridor auftraf, h�rten W�nde und Stuckfriese, T�ren und Wandbeh�nge einfach auf zu existieren. Durchtrennte Wandteppiche, Steinbrocken und Gips regneten auf den Fu�boden herab.</p><p>Also keine Spur von der Furcht der Verlorenen vor dem Gebrauch des Baalsfeuers. Wer hatte ihm das gesagt? Moiraine. Sie h�tte es sicherlich verdient gehabt, weiterzuleben.</p><p>Baalsfeuer erstrahlte aus seinen H�nden. Ein glei�endwei�er Lichtbalken, der in die Richtung wies, aus der jener andere Strahl kam. Dieser erlosch, als der seine die Wand durchdrang und purpurne Lichtreflexe in seinen Augen hinterlie�. Er lie� seinen Strahl wieder verl�schen. Hatte er es endlich geschafft?</p><p>Also stand er etwas m�hsam auf und lenkte einen Strang aus Luft, der die kaputten T�ren mit solcher Gewalt aufbrach, da� ihre Reste aus den Scharnieren gefetzt wurden. Der Raum dahinter war leer. Es war eine Art von Wohnzimmer, in dem man einige St�hle vor einem m�chtigen Marmorkamin aufgestellt hatte. Sein Baalsfeuer hatte einen Teil eines Torbogens herausgeschnitten, der in einen kleinen Innenhof mit einem Springbrunnen f�hrte, und auch noch einen Teil der S�ulen aus den Arkaden jenseits des Brunnens. Rahvin war allerdings nicht auf diesem Weg geflohen, noch war er in diesem Baalsfeuerstrahl ums Leben gekommen. Ein R�ckstand lag noch in der Luft, ein verblassender �berrest verwobener Str�nge aus <emphasis>Saidin.</emphasis> Rand erkannte das wohl. Es unterschied sich von dem Tor, das er ben�tzt hatte, um nach Caemlyn zu kommen, oder von dem Kurzen Weg, durch den er in den Thronsaal gekommen war. Es war ihm mittlerweile klar, was er da gewoben hatte. Doch in Tear hatte er bereits einmal einen solchen Weg erlebt, wie ihn Rahvin gew�hlt hatte, und er hatte ihn dort selbst schon einmal ben�tzt.</p><p>Jetzt wob er die gleiche Art von Str�ngen. Ein Tor, oder zumindest eine �ffnung, ein Loch in der Wirklichkeit.</p><p>Auf der anderen Seite gab es diesmal keine Schw�rze. Es war sogar so, da� er den �bergang �berhaupt nicht bemerkt h�tte, w�re da nicht sein Wissen um diesen Weg gewesen und h�tte er nicht das Gewebe wahrnehmen k�nnen. Vor ihm lagen die gleichen Torb�gen, die auf den gleichen Innenhof mit dem gleichen Springbrunnen f�hrten, und dahinter die gleichen Arkaden. Die durch sein Baalsfeuer sauber herausgeschnittenen Teile tauchten einen Moment lang wieder auf, f�llten die L�cken, und verschwanden dann wieder. Wo immer dieses Tor hinf�hrte, es war auf jeden Fall ein anderer Ort, eine Art Spiegelbild des K�niglichen Palastes, so wie es damals ein Spiegelbild des Steins von Tear gewesen war. Er bedauerte ein wenig, nie mit Asmodean dar�ber gesprochen zu haben, als er noch die M�glichkeit dazu hatte, aber er hatte es nicht fertiggebracht, mit irgend jemanden �ber jenen Tag zu sprechen. Es war auch nicht so wichtig. An jenem Tag hatte er <emphasis>Callandor</emphasis> in der Hand getragen, aber der kleine <emphasis>Angreal</emphasis> in seiner Tasche hatte sich heute als ausreichend erwiesen, um Rahvin mehrfach in die Flucht zu schlagen.</p><p>Er trat schnell hindurch, l�ste das Gewebe auf und eilte �ber den Hof, w�hrend sich das Tor aufl�ste. Rahvin h�tte diesen Eingang sp�ren k�nnen, w�re er nahe und aufmerksam genug. Der fette kleine Steinmann bedeutete noch nicht da� er stehenbleiben und auf einen Angriff warten konnte.</p><p>Kein Lebenszeichen, wenn er von seiner eigenen Anwesenheit und der einer Fliege absah. So war es auch in Tear gewesen. Die Lampen auf den hohen St�ndern in den Fluren waren nicht angez�ndet und ihre wei�en Dochte hatten �berhaupt noch nie eine Flamme getragen. Trotzdem herrschte �berall, in jedem auch noch so dunklen Flur, eine gewisse Helligkeit, ein Lichtschein, der von �berall und nirgends zu kommen schien. Manchmal verschoben sich diese Lampen, wie auch andere Gegenst�nde. Im Zeitraum zwischen einem Blick und dem n�chsten auf die gleiche Stelle konnte sich eine Lampe auf ihrem hohen St�nder um einen Fu� verschoben haben und eine Vase in ihrer Nische um einen Fingerbreit. Kleinigkeiten nur, als habe jemand diese Dinge bewegt, w�hrend er in eine andere Richtung blickte. Wo immer er sich hier befinden mochte, es war auf jeden Fall ein seltsamer Ort.</p><p>Als er unter weiteren Arkaden hindurchschritt und nach Spuren von Rahvins Geweben suchte, fiel ihm mit einemmal auf, da� er die Stimme in seinem Kopf, die um Ilyena weinte, nicht mehr vernommen hatte, seit er das Baalsfeuer hervorgebracht hatte. Vielleicht hatte er auf irgendeine Art Lews Therin aus seinem Kopf verjagt?</p><p><emphasis>Gut.</emphasis> Er blieb am Rande eines der G�rten stehen. Die Rosen und die Wei�dornhecken sahen genauso d�rregesch�digt aus wie in der Wirklichkeit. Auf einigen der wei�en T�rmchen, die �ber den D�chern zu sehen waren, wehte die Flagge mit dem Wei�en L�wen, aber auf welchen, das konnte sich innerhalb eines Wimpernschlags �ndern. Gut, <emphasis>wenn ich meinen Kopf nicht mehr teilen mu� mit...</emphasis></p><p>Er hatte pl�tzlich ein ganz eigenartiges Gef�hl. Unwirklich. Er hob einen Arm und ri� die Augen auf. Er konnte durch �rmel und Arm hindurch den Garten sehen, als best�nde sein K�rper nur aus feinem Dunst. Und selbst dieser Dunst verflog immer mehr. Als er nach unten blickte, sah er die Pflastersteine des Gartenwegs durch seinen K�rper hindurch.</p><p><emphasis>Nein!</emphasis> Es war nicht sein eigener Gedanke. Ein Bild begann sich langsam aus dem Dunst herauszusch�len: ein hochgewachsener Mann mit dunklen Augen, einem von Sorgenfalten gezeichneten Gesicht und mehr Wei� als Braun im Haar. <emphasis>Ich bin Lews Ther...</emphasis></p><p><emphasis>Ich bin Rand al'Thor,</emphasis> unterbrach Rand diesen Gedanken. Er wu�te nicht, wie ihm geschah, aber der schwach sichtbare Drache auf seinem verschwommenen Arm, den er sich vors Gesicht hielt, begann zu verblassen. Der Arm sah nun bereits etwas dunkler aus, und die Finger schienen l�nger als vorher. <emphasis>Ich bin ich.</emphasis> Das warf ein Echo im Nichts. <emphasis>Ich bin Rand al'Thor.</emphasis></p><p>Er m�hte sich ab, im Geist sich selbst vorzustellen, k�mpfte sich an das Bild des Mannes heran, den er t�glich beim Rasieren im Spiegel sah oder im gro�en Standspiegel beim Ankleiden. Es war ein verzweifelter Kampf. Er hatte sich nie wirklich aufmerksam betrachtet. Die beiden Bilder wurden abwechselnd einmal klarer und dann wieder schw�cher: der �ltere Mann mit den dunklen Augen und der j�ngere mit blaugrauen Augen. Langsam festigte sich schlie�lich das Bild des j�ngeren, und der �ltere verbla�te. Sein Arm wirkte wieder solide. Sein eigener Arm mit dem sich herumwindenden Drachen und dem in die Handfl�che eingebrannten Reiher. Es hatte Zeiten gegeben, da ha�te er diese Male, doch nun l�chelte er sogar im Nichts eingeschlossen beinahe vor Freude, sie zu sehen.</p><p>Warum hatte Lews Therin versucht, ihn zu �bernehmen? Um aus ihm Lews Therin zu machen? Er war sich sicher, wer dieser Mann mit den dunklen Augen und dem leidenden Gesichtsausdruck gewesen war. Doch warum gerade jetzt? Weil er das an diesem Ort tats�chlich schaffen konnte, wo immer auch er sich befinden mochte? <emphasis>Halt.</emphasis> Es war doch gerade Lews Therin gewesen, der so unnachgiebig �nein� gerufen hatte. Also kein Angriff durch Lews Therin. Es mu�te Rahvin gewesen sein, und er hatte keineswegs die Macht dazu ben�tzt. W�re der Mann aber schon in Caemlyn � im wirklichen Caemlyn � dazu in der Lage gewesen, dann h�tte er es auch getan. Es mu�te eine F�higkeit sein, die er nur hier besa�. Und wenn Rahvin diese F�higkeit gewonnen hatte, dann vielleicht auch er selbst? Nur dieses Abbild seiner selbst hatte ihn festgehalten und wieder zur�ckgebracht.</p><p>Er konzentrierte sich auf den n�chsten Rosenstrauch, der etwa eine Spanne hoch war, und stellte sich vor, er w�rde immer d�nner und durchscheinend. Gehorsam verschwamm der Strauch und verschwand ganz. Als er sich jedoch im Geist an dieser Stelle nichts vorstellte, war der Rosenstrauch pl�tzlich wieder da, genau wie vorher.</p><p>Rand nickte kalt. Es hatte also alles seine Grenzen. Es gab immer Grenzen und Regeln, und die hier kannte er nicht. Doch er kannte die Macht soweit Asmodean ihn unterrichtet hatte und er sich selbst, und <emphasis>Saidin</emphasis> war immer noch in ihm, all die S��e des Lebens, all die Verwesung nach dem Tod. Rahvin mu�te in der Lage gewesen sein, ihn zu sehen, denn sonst h�tte er nicht angreifen k�nnen. Wollte man die Macht verwenden, mu�te man entweder sehen, was man beeinflussen wollte, oder man mu�te haargenau wissen, wo es sich im Verh�ltnis zur eigenen Person gerade befand. M�glicherweise traf das hier nicht zu, aber das glaubte er eigentlich nicht. Er w�nschte sich beinahe, da� Lews Therin nicht wieder geschwiegen h�tte. Der Mann kannte diesen Ort und die hier herrschenden Bedingungen wahrscheinlich.</p><p>Von Baikonen und Fenstern aus konnte er den Garten �berblicken. Der Palast war hier an manchen Stellen vier Stockwerke hoch. Rahvin hatte versucht, ihn zu ... seine Existenz hier einfach ... zu verhindern. Er sog durch den <emphasis>Angreal</emphasis> tief aus dem tobenden Strom <emphasis>Saidins.</emphasis> Blitze zuckten vom Himmel, hundert sich spaltende silberne Bolzen, noch mehr, hieben auf jedes Fenster, jeden Balkon ein. Donner erf�llte den Garten, und abgebrochene Steinbrocken hagelten herab. Die Luft knisterte, und die Haare an seinen Armen und auf seiner Brust standen trotz des Hemdes zu Berge. Selbst die Haare auf seinem Kopf begannen, sich zu strecken. Er lie� die Blitze ersterben. Hier und da brach noch ein Steinbrocken aus einem zerschmetterten Fensterrahmen oder von einem Balkon ab. Das Krachen, wenn sie herunterfielen, wurde durch das Echo des Donners ged�mpft, das noch immer in seinen Ohren nachhallte. Klaffende L�cher befanden sich nun dort, wo Fenster gewesen waren. Sie wirkten wie die Augenh�hlen eines riesigen Sch�dels und die Reste der Balkone wie ein Dutzend M�uler mit zersplitterten Z�hnen. Falls sich Rahvin irgendwo dort befunden hatte, war er sicher tot. Rand w�rde das aber erst glauben, wenn er die Leiche sah. Er wollte den toten Rahvin sehen.</p><p>Er hatte sein Gesicht auf eine wilde Art verzogen, die er selbst nicht bemerkte. So schlich er lauernd in den Palast zur�ck. Er wollte sehen, wie Rahvin starb.</p><p>Nynaeve warf sich auf den Boden und kroch �ber den Boden des Korridors, als <emphasis>etwas</emphasis> die am n�chsten befindliche Wand durchschnitt. Moghedien rutschte genauso schnell hinterher, denn andernfalls h�tte sie sie an der Leine des <emphasis>A'dam</emphasis> mitgeschleift. War das Rand gewesen oder Rahvin? Sie hatte Strahlen aus grellwei�em Feuer gesehen, fl�ssigem Licht, �hnlich wie in Tanchico, und sie hatte kein Bed�rfnis, einem davon noch einmal nahe zu kommen. Sie wu�te nicht, was das war, und sie wollte es auch gar nicht wissen. <emphasis>Ich will das Heilen erlernen! Seng doch diese beiden idiotischen M�nner, heilen, aber nicht eine neue, ausgefallene Art zu t�ten!</emphasis></p><p>Sie richtete sich ein wenig auf und sp�hte in die Richtung zur�ck, aus der sie gekommen waren. Nichts. Ein leerer Flur mitten im Palast. Da war eben nur ein zehn Fu� langer Schnitt in beiden W�nden zu sehen, wie ihn auch der beste Steinmetz nicht sauberer h�tte machen k�nnen, und auf dem Boden lagen verkohlte Reste von Wandbeh�ngen. Kein Anzeichen der Anwesenheit eines der beiden M�nner. Bisher hatte sie auch keinen einzigen Blick auf einen davon erh�schen k�nnen. Nur auf das, was sie zerst�rt hatten. Mehrmals h�tte sie beinahe mit dazugeh�rt. Es war gut, da� sie von Moghediens Zorn zehren, ihn aus der panischen Angst herausfiltern, die immer wieder aufzuwallen drohte, und in sich einsickern lassen konnte. Ihr eigener Zorn war dagegen ein bemitleidenswert d�rftiges Gef�hl, das kaum ausgereicht h�tte, um sie die Wahre Quelle wahrnehmen zu lassen, geschweige denn den Strang Geist zu erhalten, der ihr Verbleiben in <emphasis>Tel'aran'rhiod</emphasis> sicherte.</p><p>Moghedien lag zusammengekr�mmt auf den Knien und w�rgte, ohne sich richtig �bergeben zu k�nnen. Nynaeve verzog den Mund. Die Frau hatte wieder versucht, den <emphasis>A'dam</emphasis> zu entfernen. Ihre Bereitwilligkeit zur Mitarbeit war schnell geschwunden, als sie entdeckten, da� sich Rand und Rahvin tats�chlich in <emphasis>Tel'aran'rhiod</emphasis> aufhielten. Nun, man bestrafte sich eben selbst, wenn man versuchte, das Band zu entfernen, das man um den eigenen Hals trug. Wenigstens hatte Moghedien diesmal nichts mehr im Magen gehabt.</p><p>�Bitte.� Moghedien zupfte Nynaeve am Kleid. �Ich sage Euch, wir m�ssen hier weg.� Panische Angst lie� ihre Stimme schmerzverzerrt klingen und zeigte sich auch deutlich auf ihren Gesichtsz�gen. �Sie befinden sich k�rperlich hier! Im eigenen K�rper!�</p><p>�Seid ruhig�, sagte Nynaeve geistesabwesend. �Wenn Ihr mich nicht angelogen habt, ist das ein Vorteil. F�r mich.� Die andere hatte behauptet, wenn man sich k�rperlich in der Welt der Tr�ume aufhielt, beschr�nke das die Kontrolle �ber den Traum in erheblichem Ma�e. Oder besser, sie hatte das zugegeben, nachdem ihr etwas von ihren Kenntnissen in bezug auf diese Welt entschl�pft war. Sie hatte ebenfalls zugegeben, da� Rahvin <emphasis>Tel'aran'rhiod</emphasis> nicht so gut kannte wie sie. Nynaeve hoffte, das bedeute auch, er kenne es nicht so gut wie <emphasis>sie.</emphasis> Aber sie zweifelte nicht daran, da� er mehr dar�ber wu�te als Rand. Dieser wollk�pfige Kerl! Welchen Grund er auch hatte, hinter Rahvin herzusein, er h�tte sich auf keinen Fall von ihm hierherlocken lassen d�rfen, wo er die Spielregeln nicht kannte, wo blo�e Gedanken t�ten konnten.</p><p>�Warum wollt Ihr nicht begreifen, was ich Euch sage? Selbst wenn sie sich nur hergetr�umt h�tten, w�re jeder von ihnen noch st�rker als wir. Und im eigenen K�rper k�nnten sie uns vernichten, ohne mit der Wimper zu zucken. K�rperlich anwesend k�nnen sie viel mehr an <emphasis>Saidin</emphasis> in sich aufnehmen als wir <emphasis>Saidar,</emphasis> wenn wir tr�umen!�</p><p>�Wir sind verkn�pft.� Nynaeve h�rte immer noch nicht richtig hin, sondern ri� statt dessen wieder einmal an ihrem Zopf. Keine M�glichkeit, festzustellen, wohin sie gegangen waren. Und keinerlei Vorwarnung, bis sie vor ihr standen. Irgendwie schien es ihr schon unfair, da� sie die Macht ben�tzen konnten, und <emphasis>sie</emphasis> nicht in der Lage war, die Str�nge zu sehen oder wenigstens zu f�hlen. Ein Lampenst�nder, der in zwei Teile zerschnitten worden war, war mit einemmal wieder ganz, und dann genauso schnell wieder halbiert. Dieses wei�e Feuer mu�te unglaubliche Energie besitzen. <emphasis>Tel'aran'rhiod</emphasis> vervollst�ndigte sich normalerweise ganz schnell wieder, gleich, was man in dieser Welt anstellte.</p><p>�Ihr hirnlose N�rrin�, schluchzte Moghedien und ri� mit beiden H�nden an Nynaeves Rock, als wolle sie am liebsten Nynaeve selbst durchsch�tteln. �Es spielt keine Rolle, wie mutig Ihr seid. Wir sind verkn�pft, aber in Eurem Zustand tragt ihr �berhaupt nichts bei. Kein bi�chen. Es ist meine Kraft und Euer Wahnsinn. Sie sind k�rperlich hier, nicht nur im Traum! Sie ben�tzen Gewebe, wie Ihr sie Euch noch nicht einmal ertr�umt habt! Sie werden uns vernichten, wenn wir hierbleiben!�</p><p>�Sprecht gef�lligst leiser!� fuhr Nynaeve sie an. �Wollt Ihr einen von ihnen auf uns aufmerksam machen?� Sie sah sich schnell nach beiden Richtungen um, doch der Flur war noch immer menschenleer. Waren das Schritte gewesen, Stiefeltritte? Rand oder Rahvin? Dem einen mu�te man sich genauso vorsichtig n�hern wie dem anderen. Ein Mann, der um das blanke Leben k�mpfte, w�rde zuschlagen, bevor er erkannte, da� sie Freunde waren. Nun, sie zumindest.</p><p>�Wir m�ssen weg�, beharrte Moghedien, doch sie sprach jetzt leiser. Sie stand auf, einen m�rrischtrotzigen Ausdruck um den Mund. In ihr wanden sich Furcht und Zorn. Erst war das eine st�rker, dann das andere. �Warum sollte ich Euch �berhaupt noch helfen? Das ist doch Wahnsinn!�</p><p>�W�rdet ihr gern die Nesseln wieder sp�ren?�</p><p>Moghedien zuckte zusammen, doch ihre dunklen Augen blickten aufs�ssig drein. �Glaubt Ihr, ich lasse mich lieber von denen umbringen, als durch Euch neue Schmerzen zu erleiden? Ihr seid wirklich verr�ckt. Ich werde mich nicht von diesem Fleck r�hren, bevor Ihr nicht bereit seid, uns von hier wegzubringen.�</p><p>Nynaeve ri� wieder an ihrem Zopf. Falls Moghedien sich weigerte, zu gehen, w�rde sie sie mitschleifen m�ssen. Keine sehr schnelle Art, wenn man jemanden suchte und, wie es schien, meilenlange Korridore vor sich hatte. Sie h�tte h�rter reagieren sollen, als diese Frau zum erstenmal versucht hatte, sich zu str�uben. An Nynaeves Statt h�tte Moghedien ohne Z�gern get�tet, oder sie h�tte, wenn sie die andere f�r n�tzlich hielt, Str�nge gewoben, um ihr den Willen zu rauben, um sie dazu zu bringen, da� sie sie anbetete. Nynaeve hatte einen Vorgeschmack davon, bekommen, in Tanchico, aber selbst wenn sie gewu�t h�tte, wie man das machte, h�tte sie das wahrscheinlich keiner anderen antun k�nnen. Sie verachtete diese Frau und ha�te sie von ganzem Herzen. Und doch � h�tte sie Moghedien nicht gebraucht: sie einfach umbringen, wie sie so dastand, nein, das h�tte sie nicht fertiggebracht. Sie f�rchtete nur, da� Moghedien das mittlerweile ebenfalls klargeworden war.</p><p>Trotzdem. Eine Seherin leitete die Versammlung der Frauen, auch wenn die manchmal ihren Entscheidungen nicht zustimmte, und die Versammlung bestrafte Frauen, die ein Gesetz �bertreten oder zu sehr gegen die guten Sitten versto�en hatten, und manchmal auch M�nner f�r irgendwelche �bertretungen. Sie teilte wohl keineswegs Moghediens Hemmungslosigkeit, zu t�ten oder den Verstand eines Menschen zu zerst�ren, doch...</p><p>Moghedien �ffnete den Mund, und Nynaeve f�llte ihn mit einem Knebel aus Luft. Genauer gesagt, sie lie� das Moghedien selbst erledigen. Durch den sie verbindenden <emphasis>A'dam</emphasis> erschien das, als lenke sie selbst die Str�nge, aber Moghedien war sich sehr wohl bewu�t, da� Nynaeve ihre F�higkeiten wie ein Werkzeug benutzte. Die dunklen Augen glitzerten emp�rt, als Moghediens eigene Str�nge die Arme an ihren K�rper fesselten und ihr den Rock fest um die F��e zusammenzogen. Das �brige erledigte Nynaeve mit Hilfe des <emphasis>A'dam,</emphasis> genau wie bei den Nesseln, und schuf Gef�hle, die sie die andere empfinden lassen wollte. Nicht die Wirklichkeit, nur ein Gef�hl, es sei alles real.</p><p>Moghedien versteifte sich in ihren Fesseln, als ihr ein unsichtbarer Lederriemen das Hinterteil versohlte. So mu�te es sich jedenfalls f�r sie anf�hlen. Emp�rung und Dem�tigung quollen durch die Leine zu ihr her�ber. Und Verachtung. Verglichen mit ihrer hochentwickelten Kunst, Menschen Schmerzen zuzuf�gen, schien das eher f�r ein Kind als Bestrafung geeignet.</p><p>�Wenn Ihr wieder bereit seid, mir zu helfen�, sagte Nynaeve, �dann nickt einfach.�</p><p>Sie durfte sich nicht viel Zeit daf�r nehmen. Sie konnte ja nicht einfach dastehen, w�hrend Rand und Rahvin versuchten, sich gegenseitig umzubringen. Falls der Falsche starb, weil sie der Gefahr aus dem Weg ging und sich von Moghedien aufhalten lie�...</p><p>Nynaeve erinnerte sich an einen Tag, als sie noch sechzehn war. Erst kurz zuvor hatte man sie f�r reif befunden, sich das Haar zum Zopf zu flechten. Sie hatte Corin Ayellin einen Rosinenpudding gestohlen, weil Nela Thane sie sonst f�r feige gehalten h�tte, und als sie aus der K�chent�r trat, lief sie genau Frau Ayellin in die H�nde. Nun packte sie die daraufhin eingetretenen Folgen obenauf und schickte alles zusammen durch die Leine zu Moghedien hin�ber, der prompt die Augen aus dem Kopf zu fallen schienen.</p><p>Mit grimmiger Miene wiederholte Nynaeve die Prozedur. <emphasis>Sie wird mich nicht aufhalten!</emphasis> Noch einmal. <emphasis>Ich werde Rand helfen, ganz gleich, was sie davon h�lt.</emphasis> Noch einmal. <emphasis>Und wenn ich uns damit umbringe!</emphasis> Noch einmal. <emphasis>O Licht, sie k�nnte recht behalten; Rand t�tet uns vielleicht, bevor er erkennt, da� ich es bin.</emphasis> Noch einmal. <emphasis>Licht, wie ich diese Angst hasse!</emphasis> Noch einmal. <emphasis>Ich hasse sie!</emphasis> Noch einmal. <emphasis>Ich hasse sie!</emphasis> Noch einmal.</p><p>Mit einemmal wurde ihr bewu�t, da� sich Moghedien verzweifelt in ihren Fesseln aufb�umte und mit ihrem Kopf, der etwas Bewegungsfreiheit hatte, so heftig nickte, da� man furchten mu�te, er k�nnte herunterfallen. Einen Augenblick lang gaffte Nynaeve das tr�nen�berstr�mte Gesicht der anderen an, und dann h�rte sie mit ihrer Strafaktion auf und l�ste hastig die Str�nge aus Luft. Licht, was hatte sie getan? Sie war doch nicht Moghedien. �Ich verstehe doch recht, da� Ihr mir keine weiteren Schwierigkeiten bereiten wollt?�</p><p>�Sie werden uns t�ten�, brachte die andere mit schwacher Stimme und durch ihr Schluchzen kaum verst�ndlich heraus, aber gleichzeitig nickte sie in hastiger Zustimmung.</p><p>Mit voller Absicht verh�rtete Nynaeve ihre Seele. Moghedien verdiente wahrlich alles, was sie abbekommen hatte, und noch mehr, viel mehr. In der Burg h�tte man eine der Verlorenen sofort einer D�mpfung unterzogen und sie hingerichtet, so schnell man sie nur aburteilen konnte, und au�er ihrer Identit�t w�ren nicht viele Beweise notwendig gewesen. �Gut. Jetzt werden wir...�</p><p>Donner lie� den gesamten Palast erzittern, oder jedenfalls etwas einem Donnern sehr �hnliches. Die W�nde bebten und Staub wurde vom Boden aufgewirbelt. Nynaeve w�re fast auf Moghedien gefallen, und sie t�nzelten, um sich �berhaupt auf den Beinen halten zu k�nnen. Bevor dieses Aufb�umen noch ganz vor�ber war, wurde es durch ein Dr�hnen ersetzt, als rase ein Feuersturm einen Schornstein empor, der in etwa die H�he eines Berges hatte. Das dauerte jedoch nur einen Augenblick. Die Stille danach erschien ihr noch tiefer als zuvor. Nein. Da waren Stiefelschritte. Ein rennender Mann. Die Schritte warfen ihr Echo durch den Flur. Vom Norden her.</p><p>Nynaeve schob die andere Frau von sich weg. �Kommt.�</p><p>Moghedien wimmerte, str�ubte sich aber nicht dagegen, durch den Flur gezerrt zu werden. Aber sie hatte die Augen weit aufgerissen und atmete zu schnell. Nynaeve dachte daran, wie gut es doch war, Moghedien dabeizuhaben, und das nicht nur, weil sie durch sie die Eine Macht benutzen konnte. Nach all den Jahren, die sie sich in den Schatten verborgen hatte, war die Spinne zu einem solchen Feigling geworden, da� sich Nynaeve im Vergleich dazu beinahe mutig vorkam. Beinahe. Nur der Zorn �ber ihre eigene Angst bef�higte sie noch dazu, diesen einen Strang aus Geist aufrechtzuerhalten, der sie in <emphasis>Tel'aran'rhiod</emphasis> verbleiben lie�. Moghedien war von Kopf bis Fu� ein Bild nackter Angst.</p><p>Nynaeve zerrte Moghedien an der schimmernden Leine hinter sich her und beschleunigte ihren Schritt. Sie folgte dem leiser werdenden Ger�usch dieser anderen Schritte.</p><p>Rand trat vorsichtig auf den runden Hof hinaus. Die H�lfte des wei�gepflasterten Kreises schnitt in das Geb�ude hinein, das sich drei Stockwerke hoch hinter ihm erhob, und die andere H�lfte war von einer Einfassung umgeben, einem steinernen Halbkreis, der auf f�nf Schritt hohen S�ulen ruhte, die wiederum aus einem darunterliegenden Garten emporragten, in dem er schattige Kieselsteinpfade unter niedrigen, weit ausladenden B�umen erblickte. Marmorb�nke umstanden einen Teich, auf dem die breiten Bl�tter von Wasserlilien schwammen. Und Fische schwammen darin, goldene und wei�e und rote.</p><p>Pl�tzlich verschoben sich die B�nke, zerrannen, bildeten gesichtslose Menschengestalten, aber immer noch so wei� und hart wirkend wie der Stein, aus dem sie erschaffen waren. Er hatte bereits festgestellt, wie schwierig es war, etwas abzu�ndern, was schon Rahvin umgestaltet hatte. Blitze zuckten aus seinen Fingerspitzen und zerschmetterten die steinernen M�nner.</p><p>Die Luft verwandelte sich in Wasser.</p><p>Keuchend versuchte Rand, zu den S�ulen hinzuschwimmen. Den Garten dahinter konnte er erkennen. Es mu�te doch eine Art von Wand geben, um all das Wasser am Ausstr�men zu hindern. Bevor er die Macht �berhaupt benutzen konnte, schossen goldene und rote und wei�e Schatten auf ihn zu, gr��er als die Fische im Teich gewesen waren. Und mit Z�hnen bewehrt. Sie rissen an ihm, und Blut vermischte sich mit Wasser zu einem roten Schleier. Instinktiv schlug er mit den H�nden nach den Fischen, doch der tief im Nichts geborgene kaltbl�tige Teil seiner selbst verwob bereits Str�nge der Macht. Baalsfeuer flammte auf, zielte auf die Wand, falls es eine gab, zielte auf jeden Fleck, an dem sich Rahvin aufhalten k�nnte, um den Hof zu �berblicken und die Auswirkung seines Angriffs zu beobachten. Das Wasser kochte auf und schleuderte ihn wild umher, als es in die leeren, vom Baalsfeuer ausgebrannten R�ume scho�. Goldene, rote und wei�e Schemen huschten heran und f�gten dem Wasser neue rote Schlieren hinzu. So durchgesch�ttelt, konnte er mit seinen Strahlen nicht zielen und lie� die wilden Lichtbolzen in alle Richtungen los. Keine Luft mehr. Er bem�hte sich, an Luft zu denken, oder daran, da� aus dem Wasser wieder Luft w�rde.</p><p>Pl�tzlich war es geschafft. Er st�rzte hart auf die Pflastersteine mitten zwischen nach Luft schnappende kleine Fische, �berschlug sich und rappelte sich hoch. Alles Wasser war wieder zu Luft geworden, und sogar seine Kleidung war trocken. Die Steinumfassung flackerte: einmal war sie ganz und dann wieder zerst�rt und die H�lfte der S�ulen ebenfalls. Einige B�ume lagen ineinander verkeilt auf ihren abgebrochenen St�mpfen, dann wieder standen sie unversehrt da, um im n�chsten Augenblick sturmzerfetzt umzust�rzen. In den wei�en W�nden des Palastes hinter ihm klafften gro�e L�cher, sauber eingebrannt, und sogar in einer hohen, goldenen Kuppel ganz oben war eines zu sehen. Auch die Fenster, von denen einige sch�ne, kunstvoll durchbrochene Steingitter aufwiesen, zeigten Risse und Br�che. All diese Sch�den verschwammen, verschwanden und waren dann pl�tzlich wieder da. Es waren nicht diese langsamen, gelegentlichen Ver�nderungen wie zuvor, sondern ganz regelm��ige und blitzartige. Zerst�rung, keine Spur davon, dann wieder einige Sch�den, dann keine mehr, pl�tzlich wieder alles zerst�rt.</p><p>St�hnend pre�te er eine Hand in seine Seite, wo sich die alte, halbverheilte Wunde befand. Sie brannte, als h�tten seine Anstrengungen sie fast wieder aufgerissen. Sein ganzer K�rper brannte. Ein Dutzend oder mehr Bi�wunden plagten ihn. Das hatte sich nicht ge�ndert. Auch die blutverschmierten Risse in Mantel und Hose waren nicht verschwunden. Hatte er es fertiggebracht, das Wasser wieder zu Luft werden zu lassen? Oder hatte einer seiner verzweifelt gestreuten Strahlen von Baalsfeuer Rahvin vertrieben oder gar get�tet? Es spielte keine Rolle, au�er im letzten Fall.</p><p>Er wischte sich Blut aus den Augen und musterte die Fenster und Balkone, von denen aus man den Garten �berblicken konnte, und die Arkaden hoch droben auf der gegen�berliegenden Seite. Genauer: Er begann damit, aber dann wurde er auf etwas aufmerksam. Unter der Arkade entdeckte er gerade so eben die verblassenden Reste eines Gewebes. Von seinem Standpunkt aus konnte er es als Tor identifizieren, aber um zu sehen, welcher Art es war und wohin es f�hrte, mu�te er n�her heran. Er sprang �ber einen Tr�mmerhaufen aus bearbeiteten Steinen, der verschwand, w�hrend er sich noch �ber ihm befand, huschte durch den Garten und duckte sich hinter umgest�rzte B�ume. Die �berreste des Gewebes waren fast verflogen. Er mu�te sich weit genug n�hern, bevor sie ganz verschwanden.</p><p>Pl�tzlich st�rzte er. Kies sch�rfte ihm die Handfl�chen auf, als er sich abfing. Er konnte beim besten Willen nichts entdecken, was ihn zu Fall gebracht haben k�nnte. Er hatte ein verschwommenes Gef�hl im Kopf, gerade so, als habe er einen kr�ftigen Schlag abbekommen. Mit gr��ter M�he versuchte er, auf die Beine zu kommen und diesen schwachen �berrest zu erreichen. Und ihm wurde bewu�t, da� sein K�rper sich wand. Lange Haare bedeckten seine H�nde. Seine Finger schienen zu schrumpfen und sich in seine H�nde zur�ckzuziehen. Es waren schon eher Tatzen. Eine Falle. Rahvin war nicht geflohen. Das Tor war eine Falle gewesen, und er war blindlings hineingerannt.</p><p>Verzweiflung klebte am Nichts, als er darum k�mpfte, er selbst zu bleiben. Seine H�nde. Es waren H�nde. Fast H�nde. Er wuchtete sich hoch. Seine Beine schienen an den falschen Stellen einzuknicken. Die Wahre Quelle zog sich vor ihm zur�ck; das Nichts schrumpfte. Panik flammte jenseits der gef�hllosen Leere auf. In welches Wesen ihn Rahvin auch verwandeln wollte, die Macht konnte es jedenfalls nicht lenken. <emphasis>Saidin</emphasis> begann, ihm zu entschl�pfen, w�rde d�nner, selbst als er es durch den <emphasis>Angreal</emphasis> einsog. Die Balkone und die Arkade starrten leer und h�hnisch auf ihn herab. Rahvin mu�te sich an einem dieser Fenster mit ihren Steingittern befinden, doch an welchem? Diesmal besa� er nicht mehr die Kraft, hundert Blitze auszusenden. Ein einziger Strahl. Das konnte er noch schaffen. Wenn er schnell war. Welches Fenster? Er k�mpfte, um er selbst zu bleiben, k�mpfte, <emphasis>Saidin</emphasis> in sich aufnehmen zu k�nnen, und hie� sogar jeden Anflug von Verderbnis willkommen, weil er ihm zeigte, da� er immer noch an der Macht festhielt. Er taumelte in einem verzerrten Kreis herum, suchte vergeblich die Fenster ab und schrie Rahvins Namen. Es klang wie das Gebr�ll eines B�ren.</p><p>Nynaeve zog Moghedien hinter sich her und bog um eine Ecke. Vor ihr verschwand gerade ein Mann um die n�chste Biegung. Das Ger�usch seiner Stiefelschritte warf ein Echo in den leeren Gang. Sie wu�te nicht, wie lange sie bereits diesen Stiefeln folgten.</p><p>Manchmal waren die Schritte f�r eine Weile verklungen und sie hatte warten m�ssen, bis sie wieder erklangen, um zu entscheiden, in welche Richtung sie weitergehen mu�ten. Manchmal geschahen irgendwelche Dinge, wenn die Schritte verstummten. Sie hatte wohl nichts beobachtet, aber einmal hatte der ganze Palast wie eine Glocke gedr�hnt, und ein andermal hatten sich ihr die Haare auf dem Kopf gestr�ubt, und die Luft schien zu knistern, und dann wieder... Es war nicht wichtig. Jetzt hatte sie zum erstenmal einen Blick auf den Mann erhascht, zu dem diese Stiefel geh�rten. Sie glaubte nicht, da� es sich bei dem Mann im schwarzen Mantel um Rand handelte. Die Gr��e stimmte, aber er war zu st�mmig, besonders, was den Oberk�rper betraf.</p><p>Sie rannte los, bevor ihr das �berhaupt bewu�t wurde. Aus ihren festen Schuhen waren l�ngst Samtpantoffeln geworden, damit man ihre Schritte nicht h�rte. Wenn sie ihn schon h�rte, h�tte er ja auch sie h�ren k�nnen. Moghediens panisches Keuchen war lauter als ihre Schritte.</p><p>Nynaeve erreichte die Biegung und blieb stehen. Vorsichtig sp�hte sie um die Ecke. Sie hielt <emphasis>Saidar</emphasis> �durch Moghedien zwar, aber es war ihre Macht �bereit, um augenblicklich zuschlagen zu k�nnen. Es war nicht notwendig. Der Gang war leer. Ganz hinten war eine T�r in einer Seitenwand zu sehen, die ansonsten eine Reihe von Fenstern mit kunstvoll durchbrochenen Steingittern aufwies. Sie glaubte nicht, da� er die T�r schon erreicht haben konnte. Etwas n�her entdeckte sie eine Kreuzung, an der ein anderer Korridor nach rechts abzweigte. Dorthin eilte sie und sp�hte vorsichtig hinein. Leer. Doch nur ein kurzes St�ck von der Abzweigung entfernt f�hrte eine Wendeltreppe nach oben.</p><p>Einen Moment z�gerte sie. Er war irgendwohin verschwunden. Dieser Korridor f�hrte in die Richtung zur�ck, aus der sie gekommen waren. W�re er so gerannt, nur um zur�ckzukommen? Dann eben aufw�rts.</p><p>Sie zerrte Moghedien weiter und erklomm langsam die Wendeltreppe. Sie strengte sich an, um jedes Ger�usch h�ren zu k�nnen � �ber das fast hysterische Atmen der Verlorenen und das Pochen des Bluts in ihren Ohren hinweg. Falls sie ihm pl�tzlich von Angesicht zu Angesicht gegen�berstand... Sie wu�te ja, da� er sich vor ihr befand. Das �berraschungsmoment mu�te ganz auf ihrer Seite liegen.</p><p>Am ersten Absatz blieb sie stehen. Die G�nge von hier aus verliefen genau wie die unteren. Und sie waren auch genauso leer und still. War er weiter hinaufgestiegen?</p><p>Die Treppe zitterte leicht unter ihren F��en, als sei der Palast von einer Ramme getroffen worden; dann noch einmal. Wieder dasselbe, w�hrend ein Strahl wei�en Feuers durch den oberen Teil eines der durchbrochenen Fenstergitter fegte, dann schr�g nach oben flackerte und wieder erlosch, als er gerade in die Decke hineinzuschneiden begann.</p><p>Nynaeve schluckte und blinzelte einige Male mit den Augen, um den violetten Schleier loszuwerden, der wie eine Erinnerung an den grellen Strahl ihre Sicht behinderte.</p><p>Das mu�te Rand gewesen sein, der versucht hatte, Rahvin zu treffen. Falls sie ihm zu nahe kam, w�rde Rand sie vielleicht durch puren Zufall treffen. Wenn er so um sich schlug � und so wirkte es auf sie �, konnte er sie jederzeit erwischen, ohne etwas davon zu ahnen.</p><p>Das Beben hatte aufgeh�rt. In Moghediens Augen stand wieder die blanke Angst. Nach dem, was Nynaeve durch den <emphasis>A'dam</emphasis> hindurch sp�rte, war es ein Wunder, da� die Frau sich nicht auf dem Boden kr�mmte, schrie und Schaum vor dem Mund hatte. Nynaeve war ja auch ein wenig nach Schreien zumute. Sie zwang sich, den Fu� auf die n�chste Stufe zu stellen. Aufw�rts war so gut wie abw�rts. Der zweite Schritt war fast genauso schwer. Ganz langsam. Nicht n�tig, zu pl�tzlich auf ihn zu sto�en. Er mu�te derjenige sein, der �berrascht wurde. Moghedien schlich zitternd wie ein gepr�gelter Hund hinter ihr her.</p><p>Beim Erklimmen der Treppe saugte Nynaeve soviel von <emphasis>Saidar</emphasis> in sich hinein, wie sie nur konnte, soviel Moghedien bew�ltigte, bis hin zu dem Punkt, an dem die S��e der Macht schon fast schmerzte. Das war ihr eine Warnung. Noch mehr, dann w�rde sie sich dem Punkt n�hern, wo es mehr wurde, als sie bew�ltigen konnte, dem Punkt, an dem sie sich selbst einer D�mpfung ausliefern und ihre F�higkeit zum Gebrauch der Macht ausbrennen w�rde. Oder, die augenblicklichen Umst�nde eingerechnet, Moghediens F�higkeiten. Oder bei beiden zugleich. Wie auch immer, es k�me jetzt einer Katastrophe gleich. Sie bewegte sich st�ndig an der Grenze, und dieses ... <emphasis>Leben ...</emphasis> f�llte sie wie eine Nadel, die kurz davorstand, die Haut zu durchsto�en. Es war soviel, wie sie selbst h�tte aufnehmen k�nnen, allein und ohne Hilfe. Sie und Moghedien waren, was den Gebrauch der Macht betraf, etwa gleich stark. Das hatte sich auch in Tanchico erwiesen. Reichte das jetzt? Moghedien bestand darauf, da� diese M�nner st�rker seien. Rahvin zumindest � denn den kannte Moghedien �, und es schien ihr unwahrscheinlich, da� Rand so lange �berlebt h�tte, w�re er nicht ebenfalls so stark. Es war nicht fair, da� die M�nner nicht nur die kr�ftigeren Muskeln besa�en, sondern auch mehr Kraft in bezug auf die Macht. Die Aes Sedai in der Burg hatten immer behauptet, sie seien in etwa gleich. Es war einfach nicht...</p><p>Sie versuchte nur, sich selbst abzulenken. Also holte sie tief Luft und zog Moghedien hinter sich her von der Treppe weg. H�her hinauf f�hrte sie nicht.</p><p>Dieser Flur war auch leer. Sie ging zur Abzweigung und sp�hte um die Ecke. Und da war er. Ein hochgewachsener, ganz in Schwarz gekleideter Mann mit wei�en Str�hnen im dunklen Haar, der durch die gewundenen L�cken im Fenstergitter auf etwas hinabblickte. Auf seinem Gesicht stand Schwei�, und die Anstrengung war ihm anzusehen, doch er schien zu l�cheln. Es war ein gutaussehendes Gesicht, so wie das Galads, aber in diesem Fall versp�rte sie keinen beschleunigten Puls.</p><p>Was er da auch anstarrte � Rand vielleicht? � nahm seine volle Aufmerksamkeit in Anspruch, doch Nynaeve gab ihm so oder so keine Chance, sie zu entdecken. Es konnte ja wirklich Rand dort unten sein. Sie wu�te nicht, ob Rahvin die Macht lenkte oder nicht. Sie f�llte den Korridor um ihn herum von einer Wand zur anderen mit Feuer, vom Boden bis zur Decke, warf alle Energie <emphasis>Saidars</emphasis> hinein, die sie aufgenommen hatte.</p><p>Das Feuer brannte so hei�, da� sogar der Stein zu qualmen begann. Sie zuckte vor dieser Hitze zur�ck.</p><p>Rahvin schrie inmitten der Flammen auf � es war eine einzige Flamme � und taumelte davon, dorthin, wo der Flur in eine von S�ulen gest�tzte Arkade �berging. Ein Herzschlag, noch weniger, w�hrend sie noch zuckte, und dann stand er von klarer Luft umgeben mitten im Feuer. Jedes bi�chen <emphasis>Saidar,</emphasis> das sie beherrschen konnte, flo� in dieses Inferno, und doch widerstand er ihm. Sie konnte ihn durch die Flamme hindurch sehen. Das Feuer warf einen roten Lichtschein �ber alles, aber sehen konnte sie trotzdem. Rauch erhob sich von seinem angesengten Rock. Sein Gesicht war eine verbrannte Schreckensmaske. Eines seiner Augen war milchig wei�. Und doch blickten beide Augen b�sartig auf sie, als er sich zu ihr umdrehte.</p><p>Aus der Leine des <emphasis>A'dam</emphasis> erreichte sie �berhaupt kein Gef�hl mehr, nur bleierne M�digkeit. Nynaeves Magen flatterte. Moghedien hatte aufgegeben. Aufgegeben, weil der Tod auf sie beide wartete.</p><p>Feuer schob hei�e Zungen durch die Fenstergitter �ber Rand hinweg, f�llte jede �ffnung und tanzte auf die Arkade zu. Als das geschah, war mit einemmal der Kampf in seinem Innern wie weggeblasen. Er war so pl�tzlich ganz er selbst, da� es ihn wie ein Schock traf. Er hatte verzweifelt an <emphasis>Saidin</emphasis> festgehalten und sich bem�ht, soviel wie eben m�glich in sich aufzunehmen. Nun str�mte es mit Gewalt in ihn hinein, eine Lawine von Feuer und Eis, die seine Knie erzittern lie�, und das Nichts bebte unter Schmerzen, die wie ein Rasiermesser an seiner Au�enhaut schabten.</p><p>Und Rahvin stolperte r�ckw�rts unter der Arkade hervor, das Gesicht in den Palast hinein gewandt. Rahvin wand sich im Feuer und stand doch da, als ber�hre es ihn nicht. Und doch mu�te das zuvor anders gewesen sein. Nur die Gr��e dieser Gestalt und die Unm�glichkeit, da� es jemand anders sein k�nnte, sagte Rand, da� es sich wirklich um ihn handelte. An dem Verlorenen sah man nur Ru� und aufgesprungenes, rotes Fleisch, wo die Haut weggebrannt war, so da� jede Heilerin Schwierigkeiten gehabt h�tte, ihn noch zu retten. Er mu�te unvorstellbare Qualen erlitten haben. Allerdings befand sich auch Rahvin innerhalb seines eigenen Nichts, in Leere geh�llt, wo die Schmerzen diesem verbrannten �berrest seines K�rpers fern lagen und <emphasis>Saidin</emphasis> nahe war.</p><p><emphasis>Saidin</emphasis> w�tete auch in Rand, und er warf nun alles in den Kampf. Nicht, um zu heilen.</p><p>�Rahvin!� schrie er, und Baalsfeuer entfloh seinen H�nden, ein mehr als mannsdicker Strahl geschmolzenen Lichts, von aller Macht vorw�rtsgetrieben, �ber die er verf�gte.</p><p>Es traf den Verlorenen, und Rahvin h�rte auf, zu existieren. Die Schattenhunde in Rhuidean waren zu einem Schleier von Lichtpunkten zerfallen, bevor sie verschwanden, bevor dieses eigenartige Leben, das an ihnen festhielt verlosch oder das Muster sie freigab, das versucht hatte, sie zu erhalten. Damit verglichen ... verlosch ... Rahvins Existenz einfach; es ... gab ihn nicht mehr, war, als habe es ihn nie gegeben.</p><p>Rand lie� das Baalsfeuer erl�schen und schob <emphasis>Saidin</emphasis> ein St�ckchen von sich weg. Er bem�hte sich, den purpurnen Schleier vor seinen Augen wegzublinzeln, blickte zu dem breiten Loch in der Marmorbalustrade empor, �ber der der Rest einer S�ule wie ein einzelner Zahnstummel aufragte, und sah das dazu passende Loch im Dach des Palastes. Sie verschwammen auch nicht, um gleich wieder aufzutauchen, sondern wirkten endg�ltig, als sei das, was er getan hatte, selbst an diesem Ort zu stark gewesen, um den alten Zustand wiederherzustellen. Nach alldem zuvor schien dies beinahe zu leicht gewesen zu sein. Vielleicht gab es dort oben etwas, das ihn �berzeugte, da� Rahvin wirklich tot sei. Er lief zur n�chsten T�r.</p><p>Verzweifelt verwandte Nynaeve alle ihr verbliebene Energie dazu, die Flamme noch einmal um Rahvin zu schlie�en. Ihr kam der Gedanke, sie h�tte Blitze benutzen sollen. Nun w�rde sie sterben. Diese erschreckenden Augen waren auf Moghedien gerichtet, nicht auf sie, doch auch sie selbst w�rde sterben.</p><p>Fl�ssiges Feuer schnitt schr�g von unten her in die Arkade hinein, so hei�, da� ihr Feuer dagegen fast k�hl wirkte. Der Schreck lie� sie ihr Gewebe aufgeben, und ihre Hand zuckte vor ihr Gesicht, um es zu sch�tzen. Doch bevor sie nur halb ihre Augen bedeckt hatte, war das fl�ssige Feuer erloschen. Und Rahvin ebenfalls. Sie glaubte nicht, da� er entkommen war. Da war ein kurzer Augenblick gewesen, so kurz, da� sie ihn sich auch eingebildet haben mochte, als er von diesem Strahl ber�hrt wurde und ... zu einem feinen Dunst zerstob. Nur ein Moment. Sie mochte sich das auch einbilden. Aber das glaubte sie nicht. Sie atmete zitternd ein.</p><p>Moghedien hatte das Gesicht in den H�nden verborgen, bebte am ganzen K�rper und weinte. Das eine einzige Gef�hl, das Nynaeve durch den <emphasis>A'dam</emphasis> empfing, war eine so ungeheure Erleichterung, da� davon alles andere erstickt wurde.</p><p>Schnelle Stiefelschritte erklangen die Treppe herauf.</p><p>Nynaeve wirbelte herum und tat einen Schritt in Richtung der Wendeltreppe. Sie war selbst �berrascht, als sie sich dabei ertappte, tief an <emphasis>Saidar</emphasis> zu saugen und sich vorsichtshalber kampfbereit zu halten.</p><p>Diese �berraschung verflog, als Rand erschien. Er war nicht so, wie sie ihn in Erinnerung hatte. Seine Gesichtsz�ge waren die selben, doch der Ausdruck darauf war hart. Seine Augen bestanden aus blauem Eis. Die blutigen Risse in Mantel und Hose, die Blutspritzer auf seinen Wangen � all das unterstrich diesen Eindruck.</p><p>So, wie er aussah, w�rde es sie nicht �berraschen, wenn er Moghedien auf der Stelle t�tete, sobald er nur erfuhr, wer sie war. Doch sie w�rde Nynaeve noch n�tzlich sein. Einen <emphasis>A'dam</emphasis> erkannte er auf jeden Fall. Mit ihrem n�chsten Gedanken �nderte sie ihn ab, lie� die Leine verschwinden, so da� nur noch das silbrige Armband an ihrem Handgelenk und das Halsband Moghediens �brig blieben. Einen Augenblick lang �als ihr klar wurde, was sie getan hatte �, packte sie die Angst, doch dann seufzte sie erleichtert auf, denn sie sp�rte die andere immer noch. Es war genauso, wie Elayne es vorausgesagt hatte. Vielleicht hatte er es gar nicht bemerkt. Sie stand zwischen ihm und Moghedien und die Leine war hinter ihrem R�cken verborgen gewesen.</p><p>Er w�rdigte Moghedien kaum eines Blickes. �Ich dachte mir bei diesen Flammen, die von hier oben kamen... Ich glaubte, du k�nntest das gewesen sein, oder... Wo sind wir hier? Triffst du hier immer Egwene?�</p><p>Nynaeve blickte zu ihm auf und bem�hte sich, nicht schuldbewu�t zu schlucken. So kalt, dieses Gesicht. �Rand, die Weisen Frauen sagen, was du getan hast und was du tust sei gef�hrlich, vielleicht sogar b�se. Sie meinen, wenn du k�rperlich hierherkommst, verlierst du etwas von dir selbst, etwas von dem, was dich menschlich sein l��t�</p><p>�Wissen die Weisen Frauen eigentlich alles?� Er ging an ihr vorbei und blickte das an, was von der Arkade noch �brig war. �Ich glaubte einmal, die Aes Sedai w��ten alles. Es spielt keine Rolle. Ich wei� nicht, wieviel Menschlichkeit sich der Wiedergeborene Drache erlauben kann.�</p><p>�Rand, ich...� Sie wu�te nicht, was sie sagen sollte.</p><p>�Komm, la� mich dich wenigstens heilen.�</p><p>Er hielt still, so da� sie sein Gesicht in ihre H�nde nehmen konnte. Diesmal mu�te <emphasis>sie</emphasis> ein Zusammenzucken unterdr�cken. Seine offenen Wunden waren nicht ernsthafter Natur. Es waren eben nur viele. Was hatte ihn nur so gebissen? Sie war sicher, da� es sich um Bi�wunden handelte. Aber die alte Wunde, diese halbverheilte, niemals heilende Wunde an seiner Seite war wie eine �ffnung in die Dunkelheit, wie ein Brunnen, der mit etwas gef�llt war, was sie f�r den Makel, die Verderbnis <emphasis>Saidins</emphasis> hielt. Sie webte ihre komplizierten Str�nge aus Luft und Wasser, Geist und sogar Feuer und Erde, wenn auch nur in geringem Ausma�, um ihn zu heilen. Er schrie nicht und schlug nicht um sich. Er zuckte nicht einmal mit der Wimper. Er schauderte lediglich kurz. Das war alles. Dann packte er sanft ihre Handgelenke und zog ihre H�nde von seinem Gesicht weg. Sie str�ubte sich nicht. Seine neuen Verletzungen waren verschwunden jeder Bi�, jede Absch�rfung oder Schwellung, doch die alte Wunde nicht. Nichts hatte sich daran ge�ndert. Alles bis auf den Tod sollte doch heilbar sein, selbst das. Alles!</p><p>�Ist er tot?� fragte er leise. �Hast du ihn sterben sehen?�</p><p>�Er ist tot, Rand. Ich habe es gesehen.�</p><p>Er nickte. �Aber es gibt noch andere, oder? Andere ... Auserw�hlte.�</p><p>Nynaeve sp�rte, wie die Angst Moghedien wie ein Dolch durchfuhr, aber sie wandte ihren Blick nicht um. �Rand, du mu�t gehen. Rahvin ist tot, und dieser Ort ist gef�hrlich f�r dich in diesem k�rperlichen Zustand. Du mu�t gehen und darfst k�rperlich nie wieder herkommen.�</p><p>�Ich gehe schon.�</p><p>Er machte nichts, was sie h�tte sehen oder sp�ren k�nnen � nat�rlich, das ging ja auch nicht �, aber einen Augenblick lang war ihr, als habe sich der Gang hinter ihm ... irgendwie gedreht. Er sah aber nicht anders aus als zuvor. Au�er... Halt. Sie blinzelte erstaunt. In der Arkade hinter ihm war keine einzige halb zerst�rte S�ule mehr zu sehen, und auch die Steinbr�stung wies kein Loch mehr auf.</p><p>Er fuhr fort, als sei nichts geschehen: �Sag Elayne... Bitte sie, mich nicht zu hassen. Bitte sie...� Der Schmerz verzerrte sein Gesicht. Einen Augenblick lang sah sie den Jungen von einst, der wirkte, als entrei�e man ihm etwas sehr Kostbares. Sie streckte die Hand aus, um ihn zu tr�sten, doch er trat mit steinernem Gesicht und d�sterer Miene vor ihr zur�ck. �Lan hatte recht. Sag Elayne, sie soll mich vergessen, Nynaeve. Sag ihr, ich habe eine andere Liebe gefunden und f�r sie sei kein Platz mehr. Er wollte, da� ich dir das selbe ausrichte. Auch Lan hat jemanden anders gefunden. Er l��t dir ausrichten, du solltest ihn vergessen. Es ist besser, nie geboren zu werden, als einen von uns zu lieben.� Er trat drei weitere lange Schritte zur�ck; der Flur, oder jedenfalls ein Teil davon, schien sich mit ihm in der Mitte auf schwindelerregende Weise zu drehen, und dann war er weg.</p><p>Nynaeve starrte den Fleck an, an dem er sich befunden hatte, und beachtete das verschwommene Wiederaufflackern der Zerst�rungen in ihrer N�he gar nicht. Lan hatte ihn <emphasis>das</emphasis> ausrichten lassen?</p><p>�Ein ... bemerkenswerter Mann�, sagte Moghedien leise. �Ein sehr, sehr gef�hrlicher Mann.�</p><p>Nynaeve blickte sie an. Etwas Neues kam durch das Armband zu ihr her�ber. Die Angst war immer noch vorhanden, doch ged�mpft durch ... mit erwartungsvoll konnte man das wohl am ehesten umschreiben.</p><p>�Ich habe doch gut mitgeholfen, nicht wahr?� sagte Moghedien. �Rahvin tot und Rand al'Thor gerettet. Nichts davon w�re ohne mich m�glich gewesen.�</p><p>Nynaeve verstand sie jetzt. Es war mehr Hoffnung gewesen als Erwartung. Fr�her oder sp�ter mu�te Nynaeve ja aufwachen. Dann w�rde der <emphasis>A'dam</emphasis> verschwinden. Moghedien bem�hte sich, sie an ihre Hilfe zu erinnern � als habe sie ihr nicht alles m�hsam entrei�en m�ssen �, f�r den Fall, da� Nynaeve sich darauf vorbereitete, sie vorher noch zu t�ten.</p><p>�Es wird auch f�r mich Zeit, zu gehen�, sagte Nynaeve. Moghediens Gesichtsausdruck �nderte sich nicht, wohl aber wurde ihre Angst wieder st�rker �und auch ihre Hoffnung verst�rkte sich. Ein gro�er Silberbecher erschien in Nynaeves H�nden. Er war anscheinend mit Tee gef�llt. �Trinkt das.�</p><p>Moghedien zuckte zur�ck. �Was...?�</p><p>�Kein Gift. Ich k�nnte Euch auch so leicht t�ten, falls das in meiner Absicht l�ge. Doch schlie�lich ist das, was hier mit Euch geschieht, auch in der wachenden Welt Wirklichkeit.� Die Hoffnung kam nun viel st�rker als die Angst her�ber. �Ich werde Euch in Schlaf versetzen. In einen tiefen, tiefen Schlaf; zu tief, um <emphasis>Tel'aran'rhiod</emphasis> zu ber�hren. Man nennt dies Spaltwurzeltee.�</p><p>Moghedien nahm langsam den Becher entgegen. �Damit ich Euch nicht folgen kann? Ich kann nichts dagegen sagen.� Sie legte den Kopf in den Nacken und trank, bis der Becher leer war.</p><p>Nynaeve beobachtete sie. Dies sollte sie augenblicklich zum Einschlafen bringen. Und doch besa� auch sie eine grausame Ader, und die lie� sie weitersprechen. Sie wu�te sogar, da� sie jetzt gemein war, aber das war ihr gleich. Moghedien sollte auch im Schlaf keine Ruhe finden. �Ihr wu�tet, da� Birgitte nicht tot war.� Moghedien zog leicht die Augen zusammen. �Ihr wu�tet, wer Faolain ist.� Die andere wollte jetzt die Augen aufrei�en, doch sie schaffte es nicht mehr ganz, weil sie schon so schl�frig war. Nynaeve sp�rte durch den <emphasis>A'dam,</emphasis> wie sich die Wirkung der Spaltwurzel in Moghediens K�rper ausbreitete. Sie konzentrierte sich auf eine Moghedien, die in <emphasis>Tel'aran'rhiod</emphasis> festgehalten wurde. Keine Ruhe f�r den Schlaf der Verlorenen. �Und Ihr wu�tet, wer Siuan ist und da� sie einst die Amyrlin war. Ich habe das in <emphasis>Tel'aran'rhiod</emphasis> kein einziges Mal erw�hnt. Nie. Wir werden, uns sehr bald wieder sprechen. In Salidar.�</p><p>Moghediens Pupillen kippten. Nynaeve war nicht klar, ob das auf die Spaltwurzel zur�ckzuf�hren war oder auf eine Ohnmacht aber das spielte keine Rolle. Sie lie� die andere Frau los und Moghedien verschwand. Das silbrige Halsband fiel mit einem hellen Klang auf die Fliesen. Elayne w�rde das gefallen � wenigstens dies eine.</p><p>Nynaeve trat aus dem Traum heraus.</p><p>Rand schlich durch die Korridore des Palastes. Es schien weniger Sch�den zu geben, als er in Erinnerung hatte, aber das nahm er nur am Rande wahr. Er schritt hinaus auf den gro�en Vorhof des Palastes. Windst��e, durch die Macht gewebt, rissen die gro�en Torfl�gel fast aus den Angeln. Dahinter lag ein riesiger, ovaler Platz und das, was er gesucht hatte. Trollocs und Myrddraal. Rahvin war tot, und die anderen Verlorenen befanden sich sonstwo, aber es gab in Caemlyn trotzdem noch Trollocs und Myrddraal, die man t�ten mu�te.</p><p>Dort wurde gek�mpft. Es war eine quirlende Menge von Hunderten, vielleicht sogar Tausenden; was ihre schwarz gepanzerten m�chtigen K�rper, jeder so gro� wie ein Myrddraal mitsamt Pferd, verbargen, war nicht auszumachen. Gerade so eben konnte er mittendrin seine rote Flagge erkennen. Einige wandten sich dem Palast zu, als die Torfl�gel so gewaltsam aufgerissen wurden.</p><p>Und doch blieb Rand wie angewurzelt stehen. Feuerkugeln zogen ihre Bahn durch die dichtgedr�ngte schwarze Masse, und �berall lagen brennende Trollocs. Das konnte doch nicht sein.</p><p>Er wagte kaum, zu hoffen oder �berhaupt an etwas Bestimmtes zu denken, und so benutzte er erneut die Macht. Strahlen aus Baalsfeuer verlie�en seine H�nde, so schnell er sie nur weben konnte, d�nner als sein kleiner Finger, pr�zise, und sie brachen ab, sobald sie ihr Ziel getroffen hatten. Sie waren viel schw�cher als diejenigen, die er am Ende gegen Rahvin eingesetzt hatte, schw�cher als alle, die er bei diesem Kampf benutzt hatte, aber er konnte nicht riskieren, da� einer bis zu jenen durchdrang, die von dieser Trolloc-Horde eingeschlossen waren. Es schien aber ihrer Wirkung kaum Abbruch zu tun. Der erste getroffene Myrddraal wechselte die Farbe, wurde zu einer wei�gekleideten Gestalt und dann waren da nur noch durch die Luft fliegende Staubteilchen, die vom Luftzug des wild fliehenden Pferdes davongewirbelt wurden. Dasselbe geschah mit allen Trollocs oder Myrddraal, die sich ihm zuwandten. Dann begann er in die R�cken jener hineinzufeuern, die noch immer k�mpften. Ein nicht enden wollender Schleier funkelnder Staubk�rnchen schien die Luft zu erf�llen und erhielt st�ndig Nachschub, noch w�hrend er sich verfl�chtigte.</p><p>Dem konnten sie nicht widerstehen. Aus bestialischen Wutschreien wurde angsterf�lltes Heulen, und sie flohen in alle Richtungen. Er beobachtete, wie ein Myrddraal versuchte, sie zum Umkehren zu bringen, doch er wurde mitsamt seinem Pferd niedergetrampelt. Die anderen Mydrdraal gaben ihren Pferden die Sporen und galoppierten davon.</p><p>Rand lie� sie ziehen. Er war damit besch�ftigt, die verschleierten Aiel zu mustern, die mit Speeren und langen Messern bewaffnet aus dem Ring ihrer Belagerer ausbrachen. Einer von ihnen trug die Fahne. Normalerweise hatten die Aiel nichts mit Fahnen im Sinn, aber dieser, bei dem unter der Schufa ein St�ckchen des roten Stirnbands hervorlugte, trug sie trotzdem. Auch in den Stra�en, die von diesem Platz wegf�hrten, gab es einige K�mpfe. Aiel gegen Trollocs. Stadtbewohner gegen Trollocs. Sogar Ger�stete in der Uniform der K�niglichen Garde gegen Trollocs. Offensichtlich konnten einige von denen, die durchaus gewillt waren, eine K�nigin zu t�ten, Trollocs denn doch nicht ertragen. Rand bemerkte auch dies alles aber nur am Rande. Er suchte die Reihen der ausbrechenden Aiel ab.</p><p>Da. Eine Frau in einer wei�en Bluse, die mit einer Hand ihren bauschigen Rock raffte und mit der anderen, in der sie ein kurzes Messer trug, nach einem fliehenden Trolloc stach. Einen Moment sp�ter h�llten Flammen die m�chtige Gestalt mit der B�renschnauze ein.</p><p>�Aviendha!� Rand wurde erst bewu�t, da� er auf sie zust�rzte, als er ihren Namen schrie. �Aviendha!�</p><p>Und da war auch Mat mit zerrissenem Mantel und Blut an der Schwertklinge seines Speers. Er st�tzte sich auf den schwarzen Schaft und blickte den fliehenden Trollocs nach, offensichtlich zufrieden, nun, da es m�glich war, wieder anderen das K�mpfen zu �berlassen. Und Asmodean, der ungeschickt sein Schwert hielt und versuchte, nach allen Seiten zugleich Ausschau zu halten, ob es irgendeinem Trolloc einfiel, noch einmal zur�ckzukommen. Rand sp�rte <emphasis>Saidin</emphasis> in ihm, wenn auch nur schwach, und er glaubte nicht, da� Asmodean viel mit diesem Schwert ausgerichtet habe.</p><p>Baalsfeuer. Baalsfeuer, das einen Faden mitten aus dem Muster herausbrennen konnte. Je st�rker das Baalsfeuer war, desto weiter zur�ck verbrannte der Faden. Und was immer die betreffende Person getan hatte, <emphasis>war dann nicht mehr geschehen.</emphasis> Es war ihm gleich, ob sein Angriff auf Rahvin das halbe Muster zerst�rt hatte. Hauptsache, dies war das Ergebnis.</p><p>Ihm wurde bewu�t, da� Tr�nen �ber seine Wangen rannen. Er lie� <emphasis>Saidin</emphasis> und das Nichts fahren. Das wollte er voll auskosten. �Aviendha!� Er schlo� sie in seine Arme und wirbelte sie herum. Sie blickte mit gro�en Augen auf ihn herab, als sei er verr�ckt geworden. Am liebsten h�tte er sie gar nicht mehr losgelassen, tat es dann aber doch. Damit er Mat umarmen konnte. Es wenigstens versuchen konnte.</p><p>Mat wehrte ihn ab. �Was ist denn mit dir los? Man k�nnte denken, du h�ttest uns f�r tot gehalten. Na ja, waren wir beinahe auch. Ein Generalsposten sollte eigentlich ein wenig sicherer sein!�</p><p>�Du lebst ja�, lachte Rand. Er strich Aviendhas Haar zur�ck. Sie hatte das Kopftuch verloren, und das Haar hing ihr zerzaust im Nacken. �Ich bin so froh dar�ber, da� ihr am Leben seid. Das ist alles.�</p><p>Er nahm den Zustand des gro�en Platzes nun wieder wahr, und seine Freude verflog. Nichts konnte ihm diese Freude ganz nehmen, aber die Leichenhaufen, dort, wo die Aiel sich zum letzten Gefecht gesammelt hatten, minderten sie doch erheblich. Zu viele davon waren zu klein und zierlich, um M�nnerleichen zu sein. Da lag Lamelle. Ihr Schleier fehlte, genau wie ihr halber Kehlkopf. Sie w�rde ihm niemals mehr Suppe kochen. Pevin hatte im Tod noch beide H�nde um den armdicken Trolloc-Speer geklammert, der in seiner Brust steckte, und zum erstenmal, seit Rand ihn kannte, trug sein Gesicht einen erkennbaren Ausdruck: �berraschung. Das Baalsfeuer hatte dem Tod seine Freunde entrissen, andere aber nicht. Zu viele. Zu viele T�chter.</p><p><emphasis>Nimm, was du bekommen kannst. Freue dich an dem, was du retten kannst, und traure deinen Verlusten nicht zu lange nach.</emphasis> Es war nicht sein eigener Gedanke, aber er akzeptierte ihn. Es schien eine gute Methode, ihn vor dem Wahnsinn zu bewahren, bis der Makel <emphasis>Saidins</emphasis> ihn doch dazu verdammte.</p><p>�Wo warst du eigentlich?� wollte Aviendha wissen. Nicht zornig. Sie schien sogar eher erleichtert. �In einer Sekunde warst du noch hier, und in der n�chsten weg.�</p><p>�Ich mu�te doch Rahvin t�ten�, sagte er leise. Sie �ffnete den Mund, doch er legte einen Finger darauf, damit sie nichts sagte, und schob sie sanft von sich. �La� es damit gut sein. Er ist tot.�</p><p>Bael humpelte herbei, die Schufa noch um den Kopf gewickelt, wenn auch der Schleier auf seiner Brust hing. An seinem Oberschenkel klebte Blut und genauso an der Spitze seines einzigen verbliebenen Speers. �Die Nachtl�ufer und Schattenverzerrten laufen weg, <emphasis>Car'a'carn.</emphasis> Einige der Feuchtl�nder haben sich dem Kampf gegen sie angeschlossen. Sogar ein paar der Ger�steten, obwohl sie zu Beginn noch gegen uns k�mpften.� Sulin kam hinter ihm heran, unverschleiert und mit einer b�se aussehenden Schnittwunde auf der Wange.</p><p>�Jagt sie und bringt sie zur Strecke, gleich, wie lange es dauert�, sagte Rand. Er begann, weiterzugehen, obwohl er gar nicht wu�te, wohin. Hauptsache, es f�hrte ihn weg von Aviendha. �Ich will nicht, da� sie das Land unsicher machen. Gebt gut auf die Wache acht. Ich werde sp�ter herausbekommen, welche von ihnen Rahvins M�nner waren, und welche...� Er ging weiter, redete und blickte nicht zur�ck. Nimm, was du bekommen kannst.</p></section><section><title><p>56</p><p>Die Glut schwelt</p></title><p>Die hohe Fenster�ffnung lie� Rand mehr als gen�gend Platz, um aufrecht darin stehen zu k�nnen; sie schwang sich hoch �ber seinen Kopf, und zu beiden Seiten blieben jeweils gut zwei Fu� bis zur Einfassung. Er hatte die �rmel hochgekrempelt und blickte hinunter in einen der G�rten des K�nigspalastes. Aviendha hatte eine Hand im mit Sandstein eingefa�ten Brunnenbecken, um das Wasser zwischen ihren Fingern zu sp�ren. Sie wunderte sich immer noch, da� man soviel Wasser verschwendete, nur um es anschauen zu k�nnen und ein paar Zierfische am Leben zu halten. Zuerst war sie ziemlich w�tend gewesen, weil er ihr verboten hatte, auf die Stra�e zu gehen und Trollocs zu jagen. Er war sich auch jetzt nicht sicher, ob sie sich nicht vielleicht doch dort unten befinden w�rde, w�ren nicht ein paar unauff�llige T�chter des Speers als Bewachung dagewesen, von denen Sulin wohl glaubte, er habe sie �berhaupt nicht entdeckt. Er h�tte wohl auch nicht h�ren sollen, wie die wei�haarige Tochter ihr in Erinnerung rief, da� sie keine <emphasis>Far Dareis Mai</emphasis> mehr sei, aber auch noch keine Weise Frau. Mat hatte sich ohne die Jacke, aber mit dem Hut als Sonnenschutz auf den Brunnenrand gesetzt und unterhielt sich mit ihr. Zweifellos wollte er sie aushorchen, ob sie etwas davon wisse, da� die Aiel die Menschen am Weggehen hinderten. Sollte Mat jemals sein Schicksal als gegeben hinnehmen, war es trotzdem unwahrscheinlich, da� er je aufh�ren w�rde, sich dar�ber zu beklagen. Asmodean sa� auf einer Bank im Schatten eines roten Lorbeerbaums und spielte auf der Harfe. Rand fragte sich, ob der Mann eine Ahnung habe, was wirklich geschehen war, oder ob er es zumindest vermutete. Er sollte keine Erinnerung an das Geschehene haben, denn f�r ihn war es ja nie geschehen, aber wer wu�te schon, was einer der Verlorenen wissen oder sich zusammenreimen konnte?</p><p>Ein h�fliches H�steln lie� ihn sich vom Anblick des Gartens abwenden.</p><p>Das Fenster, an dem er stand, befand sich an der Westseite des Thronsaals, des sogenannten Gro�en Saals, wo die K�niginnen von Andor seit fast tausend Jahren ausl�ndische Abgesandte empfingen und Recht sprachen. Es war der einzige Ort, von dem aus er seiner Meinung nach Mat und Aviendha ungesehen und ungest�rt beobachten konnte. Zu beiden Seiten des Saals wurde die Decke von einer Reihe zwanzig Schritt hoher wei�er S�ulen gest�tzt. Der durch die hohen Fenster einfallende Sonnenschein vermischte sich mit dem bunten Licht von den gro�en Fensterscheiben in der gew�lbten Decke. Auf diesen bunten Glasscheiben waren abwechselnd der Wei�e L�we und Portr�ts einiger fr�her K�niginnen des Reiches von Andor zu sehen, und daneben noch ein paar Szenen von gro�en Siegen des andoranischen Heers. Enaila und Somara schienen davon nicht beeindruckt.</p><p>Rand stie� sich mit den Fingerspitzen leicht ab und stieg vom Sims herunter. �Gibt es neues von Bael?�</p><p>Enaila zuckte die Achseln. �Die Jagd nach den Trollocs geht weiter.� Ihrem Tonfall nach w�re die kleine Frau nur zu gern dabeigewesen. Somaras Gr��e lie� Enaila daneben noch kleiner erscheinen. �Einige der Stadtbewohner helfen dabei. Die meisten verstecken sich aber. Die Stadttore sind besetzt. Keiner der Schattenverzerrten wird entkommen, glaube ich, aber ich f�rchte, einige der Nachtl�ufer werden fliehen.� Die Myrddraal waren schwer umzubringen und genauso schwer einzufangen. Manchmal fiel es leicht, den alten M�rchen Glauben zu schenken, sie k�nnten auf Schatten reiten und verschwinden, wenn sie sich zur Seite drehten.</p><p>�Wir haben Euch Suppe mitgebracht�, sagte Somara und nickte mit ihrem flachsblonden Schopf in Richtung eines mit einem gestreiften Tuch bedeckten Silbertabletts auf dem Podest mit dem L�wenthron. Den Thron selbst, einen massiv wirkenden, gro�en Lehnstuhl, erreichte man �ber einen roten Teppich und vier wei�e Marmorstufen. Er war aus dunklem Holz geschnitzt und vergoldet, die Beine in der Form m�chtiger L�wenpranken. In die R�ckenlehne war der L�we von Andor mit Mondperlen auf einem Feld von Rubinen eingearbeitet. Wenn Morgase auf dem Thron sa�, mu�te er sich genau �ber ihrem Kopf befunden haben. �Aviendha sagt, Ihr h�ttet heute noch nichts gegessen. Das hier ist die Suppe, die Euch Lamelle immer gekocht hat.�</p><p>�Ich sch�tze, von den Dienern ist noch keiner zur�ckgekehrt?� seufzte Rand. �Vielleicht eine der K�chinnen? Wenigstens eine K�chenhilfe?� Enaila sch�ttelte verachtungsvoll den Kopf. Sie w�rde ihren Dienst als <emphasis>Gai'schain</emphasis> durchaus wohlmeinend ableisten, falls es je dazu kam, aber allein der Gedanke, jemand k�nne das ganze Leben damit verbringen, andere zu bedienen, widerte sie an.</p><p>Er schritt die Stufen hinauf, kauerte sich nieder und schlug das Tuch zur Seite. Er r�mpfte die Nase. Dem Geruch nach zu schlie�en, war diejenige, die das gekocht hatte, auch keine bessere K�chin als Lamelle. Das Ger�usch der festen Stiefelschritte eines Mannes, der sich durch den Saal n�herte, bot ihm eine Entschuldigung daf�r, dem Tablett den R�cken zuzuwenden. Mit etwas Gl�ck mu�te er die Suppe doch nicht essen.</p><p>Der Mann, der �ber die roten und wei�en Fliesen auf ihn zukam, war bestimmt kein Andoraner. Er trug einen kurzen, grauen Rock und bauschige Hosen, die er in die am Knie umgeschlagenen Stulpen seiner Stiefel gesteckt hatte. Er war schlank und nur einen Kopf gr��er als Enaila, hatte eine m�chtige Hakennase und dunkle, leicht schr�g stehende Augen. In seinem schwarzen Haar zeigten sich graue Str�hnen, und sein dichter Schnurrbart lief an beiden Enden in nach unten gekr�mmte Spitzen aus. Er blieb stehen und deutete einen Kratzfu� an, wobei er das Krummschwert an seiner H�fte mit einer geschmeidigen Bewegung zur Seite schob und das Kunstst�ck fertigbrachte, gleichzeitig in einer Hand zwei silberne Pokale und in der anderen einen geschlossenen Keramikkrug zu tragen.</p><p>�Entschuldigt mein Eindringen�, sagte er, �aber es war niemand da, um mein Kommen anzuk�ndigen.� Seine Kleidung war wohl einfach und sogar ein wenig abgenutzt, aber er hatte etwas, das aussah wie ein Elfenbeinstab mit einem goldenen Wolfskopf, in seinen Schwertgurt gesteckt. �Ich bin Davram Bashere, Generalfeldmarschall von Saldaea. Ich bin hier, um mit dem Lord Drache zu sprechen, von dem Ger�chte in der Stadt behaupten, er halte sich hier im K�niglichen Palast auf. Ich nehme an, ich spreche bereits mit ihm?� Einen Moment lang klebte sein Blick an den glitzernden Drachen, die sich rot und golden um Rands Unterarme wanden.</p><p>�Ich bin Rand al'Thor, Lord Bashere. Der Wiedergeborene Drache.� Enaila und Somara waren zwischen Rand und den Mann getreten, jede mit einer Hand am Griff ihres langen Messers und bereit, sich augenblicklich zu verschleiern. �Es �berrascht mich, einen Lord aus Saldaea in Caemlyn anzutreffen, vor allem aber, seinen Wunsch zu h�ren, mit mir zu sprechen.�</p><p>�Um die Wahrheit zu sagen, ritt ich nach Caemlyn, um mit Morgase zu sprechen, wurde aber von Lord Gaebrils Speichelleckern abgewiesen � K�nig Gaebrils, sollte ich wohl sagen? Oder ist er noch am Leben?� Basheres Tonfall war zu entnehmen, da� er das nicht annahm und da� es ihm au�erdem gleichg�ltig war. Und er fuhr fort: �Viele in der Stadt behaupten, auch Morgase sei tot.�</p><p>�Sie sind beide tot�, sagte Rand mit bleierner Stimme.</p><p>Er lie� sich auf dem Thron nieder und lehnte seinen Kopf gegen den mondperlenbesetzten L�wen von Andor. Es war eben doch der Thron einer Frau. �Ich habe Gaebril get�tet, aber leider erst, nachdem er Morgase t�ten lie�.�</p><p>Bashere zog eine Augenbraue hoch. �Sollte ich dann K�nig Rand von Andor meinen Antrittsbesuch abstatten?�</p><p>Rand beugte sich zornig vor. �Andor hat immer eine K�nigin gehabt, und das trifft auch jetzt zu. Elayne war die Tochter-Erbin. Da ihre Mutter tot ist, ist sie nun die K�nigin. Vielleicht mu� sie zuerst gekr�nt werden � ich kenne die Gesetze hier nicht �, aber soweit es mich betrifft, ist sie die K�nigin. Ich bin der Wiedergeborene Drache. Das ist bereits alles, was ich will, und noch mehr. Was wollt Ihr nun von mir, Lord Bashere?�</p><p>Falls sein Zorn Bashere irgendwie beunruhigte, zeigte der Mann �u�erlich nichts davon. Die schr�gstehenden Augen beobachteten Rand genau, aber ohne Nervosit�t. �Die Wei�e Burg gestattete Mazrim Taim die Flucht. Dem falschen Drachen.� Er schwieg einen Moment, und als Rand nichts dazu sagte, fuhr er fort: �K�nigin Tenobia wollte nicht, da� es in Saldaea wieder zu Unruhen kommt, also schickte sie mich aus, um ihn wieder zu fangen und der Bedrohung ein Ende zu bereiten. Ich bin ihm viele Wochen lang nach S�den gefolgt. Ihr braucht aber nicht zu f�rchten, da� ich ein fremdes Heer nach Andor gebracht habe. Bis auf eine Eskorte von zehn Mann habe ich alle im Br�hmwald zur�ckgelassen, ein gutes St�ck n�rdlich jeglicher Grenze, die Andor in den letzten zweihundert Jahren beansprucht hat. Aber Taim befindet sich in Andor. Da bin ich ganz sicher.�</p><p>Rand lehnte sich z�gernd zur�ck. �Ihr k�nnt ihn nicht haben, Lord Bashere.�</p><p>�D�rfte ich fragen, warum nicht, mein Lord Drache? Falls Ihr Aiel einsetzen wollt, ihn zu jagen, so habe ich nichts dagegen. Meine M�nner bleiben im Br�hmwald, bis ich zur�ck bin.�</p><p>Er hatte diesen Teil seines Planes eigentlich nicht so bald enth�llen wollen. Jede Verz�gerung mu�te m�glicherweise teuer bezahlt werden, aber sein Plan war es gewesen, zuerst einmal die L�nder sicher in seiner Hand zu einen. Und doch konnte er genausogut schon jetzt beginnen. �Ich werde eine Amnestie verk�nden. Ich kann die Macht lenken, Lord Bashere. Warum sollte man einen anderen Mann wie ein Tier jagen und t�ten oder einer D�mpfung unterziehen, weil er ebenfalls kann, was ich kann? Ich werde verk�nden, da� jeder Mann, der in der Lage ist, die Wahre Quelle zu ber�hren, jeder Mann, der das erlernen m�chte, zu mir kommen kann und unter meinem Schutz steht. Die Letzte Schlacht r�ckt n�her, Lord Bashere. Es mag gar keine Zeit mehr sein, da� einer von uns vorher noch dem Wahnsinn verf�llt, und ich w�rde nur dieses Risikos wegen auch das Leben keines einzigen Mannes aufs Spiel setzen. Als die Trollocs w�hrend der Trolloc-Kriege aus der F�ule heraus angriffen, wurden sie von Schattenlords angef�hrt, M�nnern und Frauen, die im Dienst des Schattens die Macht einsetzten. In Tarmon Gai'don werden wir ihnen erneut gegen�berstehen. Ich wei� nicht, wie viele Aes Sedai an meiner Seite sein werden, aber ich werde bestimmt keinen Mann abweisen, der mit der Macht umgehen kann und sich mir anschlie�en will. Mazrim Taim geh�rt mir, Lord Bashere, und nicht Euch.�</p><p>�Aha.� Er sagte es ganz ausdruckslos. �Ihr habt Caemlyn erobert. Wie ich h�rte, geh�rt Euch auch Tear und Cairhien wird Euch bald geh�ren, wenn Ihr es nicht schon habt. Habt Ihr vor, die ganze Welt mit Hilfe Eurer Aiel und der M�nner zu erobern, die mit der Macht umgehen k�nnen?�</p><p>�Wenn ich mu�.� Das klang bei Rand genauso ausdruckslos. �Jeden Herrscher, der mit mir zusammenarbeiten will, werde ich gern als Verb�ndeten willkommen hei�en, aber was ich bisher gesehen habe, war nur ein einziges Intrigenspiel um Macht oder offene Feindseligkeit. Lord Bashere, in Tarabon und Arad Doman herrscht Anarchie, und in Cairhien war es nicht mehr weit dahin. Amadicia lieb�ugelt mit Altara. Die Seanchan � vielleicht habt Ihr in Saldaea Ger�chte �ber sie vernommen, und die schlimmsten d�rften wohl der Wahrheit entsprechen �, die Seanchan auf der anderen Seite der Welt lieb�ugeln damit, all unsere L�nder hier zu erobern. Die Menschen tragen ihre eigenen kleinkarierten K�mpfe aus, obwohl Tarmon Gai'don vor der T�r steht. Wir brauchen Frieden. Zeit, bevor die Trollocs kommen, bevor der Dunkle K�nig ausbricht, Zeit, um uns vorzubereiten. Falls der einzige Weg, den ich finde, um der Welt die n�tige Zeit und den n�tigen Frieden zu schenken, der ist, da� ich sie dazu zwinge, dann werde ich das tun. Ich will das nicht, aber ich bin fest dazu entschlossen.�</p><p>�Ich habe den <emphasis>Karaethon-Zyklus</emphasis> gelesen�, sagte Bashere. Er klemmte sich die Pokale einen Moment lang unter den Arm, erbrach das w�chserne Siegel auf dem Krug und schenkte dann den Wein ein. �Was noch wichtiger ist, K�nigin Tenobia hat die Prophezeiungen ebenfalls gelesen. Ich kann nicht f�r Kandor, Arafel oder Schienar sprechen, wenn ich auch glaube, da� sie sich Euch anschlie�en werden, denn es gibt in den Grenzlanden wohl kaum ein Kind, das nicht wei�, da� in der F�ule der Schatten darauf wartet, sich auf uns niederzusenken, aber f�r sie kann ich mich nicht verb�rgen.� Enaila betrachtete den Pokal, den er ihr �bergab, mi�trauisch, aber sie schritt doch die Treppe hinauf und gab ihn an Rand weiter. �Um die Wahrheit zu sagen�, fuhr Bashere fort �kann ich nicht einmal f�r Saldaea sprechen. Tenobia herrscht, und ich bin nur ihr General. Doch ich glaube, wenn ich einen schnellen Reiter mit einer Botschaft zu ihr schicke, wird die Antwort zur�ckkommen, da� Saldaea gemeinsam mit dem Wiedergeborenen Drachen in den Kampf zieht. In der Zwischenzeit biete ich Euch meine Dienste an und die von neuntausend berittenen Soldaten aus Saldaea.�</p><p>Rand drehte den Pokal in seiner Hand und blickte auf den dunkelroten Wein. Sammael in Illian und andere Verlorene irgendwo, das Licht allein mochte wissen, wo. Die Seanchan warteten jenseits des Aryth- Meeres, und hier waren M�nner bereit, alles zu ihrem eigenen Vorteil und Profit zu unternehmen, ohne R�cksicht darauf, was es die Welt kosten w�rde. �Der Friede ist noch weit entfernt�, sagte er leise. �Noch einige Zeit lang wird es Blutvergie�en und Tod geben.�</p><p>�Das ist doch immer so�, erwiderte Bashere ruhig, und Rand wu�te nicht, welche der beiden Aussagen er damit best�tigen wollte. Vielleicht beide.</p><p>Asmodean klemmte sich die Harfe unter den Arm und entfernte sich langsam von Mat und Aviendha. Er spielte gern, aber nicht f�r Leute, die ihm gar nicht zuh�rten und seine Musik nicht einmal ann�hernd zu sch�tzen wu�ten. Er war nicht sicher, was eigentlich an diesem Morgen vorgefallen war, und er war nicht sicher, ob er es wirklich wissen wollte. Zu viele Aiel hatten ihrer �berraschung Ausdruck gegeben, da� er noch am Leben sei, und sie behaupteten, ihn tot am Boden liegen gesehen zu haben. Er wollte lieber keine Einzelheiten h�ren. In der Wand vor ihm war ein langer Ri�, fast ein Schnitt, zu sehen. Ihm war klar, was eine solch scharfe Kante verursachte, eine solch glatte Oberfl�che, da� sie wie Eis wirkte, glatter als das, was eine Hand in hundert Jahren des Polierens erreichen k�nnte.</p><p>Ganz nebenbei � obwohl ihn dabei schauderte �fragte er sich, ob eine Wiedergeburt auf diese Weise einen neuen Menschen aus ihm gemacht habe. Er glaubte allerdings nicht daran. Die Unsterblichkeit war verloren. Das war ein Geschenk des Gro�en Herrn gewesen.</p><p>Diese Bezeichnung ben�tzte er in Gedanken, gleich, was al'Thor ansonsten von ihm verlangte. Das war Beweis genug, da� er noch er selbst war. Die Unsterblichkeit verloren... Er wu�te, da� es wohl reine Einbildung war, wenn er manchmal das Gef�hl hatte, die Zeit zerre ihn auf ein Grab zu, von dem er sich auf ewig sicher geglaubt hatte. Und wenn er das wenige an <emphasis>Saidin</emphasis> in sich aufnahm, was ihm noch blieb, war es, als trinke er Jauche. Es tat ihm wohl kaum leid, da� Lanfear tot war. Dasselbe galt f�r Rahvin, doch f�r Lanfear ganz besonders, nach allem, was sie ihm angetan hatte. Auch der Tod der anderen w�rde ihm bestenfalls ein Lachen entlocken, vor allem dann, wenn der letzte an der Reihe war. Er war ganz und gar nicht als neuer Mensch wiedergeboren worden, soviel war ihm klar, und deshalb w�rde er sich an dieses Grasb�schel am Rande der Klippe klammern, solange er nur konnte. Irgendwann w�rden die Wurzeln nachgeben, und der lange Absturz st�nde ihm bevor; bis dahin aber lebte er noch.</p><p>Er �ffnete eine kleine Seitent�r und wollte die Speisekammer suchen. Dort sollte es doch genie�baren Wein geben. Ein Schritt, und er blieb stehen. Alles Blut wich aus seinem Gesicht. �Ihr? Nein!� Das Wort hing noch in der Luft, als der Tod nach ihm griff.</p><p>Morgase tupfte sich den Schwei� vom Gesicht, steckte dann das Taschenruch in ihren �rmel zur�ck und r�ckte den etwas zerzausten Strohhut zurecht. Wenigstens war es ihr gelungen, sich ein anst�ndiges Reitkleid zu verschaffen, obwohl selbst diese d�nne, graue Wolle bei der Hitze noch unbequem war. Genauer gesagt hatte Tallanvor ihr das Kleid besorgt. Sie lie� ihr Pferd im Schritt gehen und musterte den hochgewachsenen jungen Mann, der vor ihnen zwischen den B�umen einherritt. Basel Gills rundliche Figur betonte noch, wie gro� und sportlich Tallanvor wirkte. Er hatte ihr das Kleid mit dem Kommentar �berreicht, es stehe ihr besser als dieses kratzige Ding, in dem sie aus dem Palast geflohen war, wobei er auf sie herabblickte, nicht mit der Wimper zuckte und kein Wort des Respekts f�r sie �brig hatte. Nat�rlich war es ihre eigene Entscheidung gewesen, da� niemand wissen d�rfe, wer sie sei, besonders, nachdem sie feststellten, da� Gareth Bryne Korequellen verlassen hatte. Wieso ritt der Mann davon, um Brandstifter zu verfolgen, jetzt, wo sie ihn ben�tigte? Nicht schlimm; sie w�rde auch ohne ihn auskommen. Aber es lag etwas Beunruhigendes in Tallanvors Blick, wenn er sie einfach Morgase nannte.</p><p>Seufzend blickte sie sich um. Der ungeschlachte Lamgwin beobachtete aufmerksam den Wald, w�hrend Breane an seiner Seite mehr auf ihn achtete als auf alles andere. Seit Caemlyn hatte sich niemand mehr ihrem Heer angeschlossen. Zu viele hatten die Geschichten vernommen, da� man Adlige ohne jeden Grund verbannt hatte und welch ungerechte Gesetze nun das Leben in der Hauptstadt erschwerten, und so hatten sie f�r jede noch so vorsichtige Andeutung, man k�nne ja eine Hand zur Unterst�tzung ihrer rechtm��igen Herrscherin r�hren, nur Sport und Hohn �brig. Sie zweifelte daran, da� es einen Unterschied gemacht h�tte, h�tten sie gewu�t, wer da zu ihnen sprach. Also ritt sie jetzt durch Altara, wobei sie sich so weit wie m�glich im Wald aufhielten, da sich hier �berall Gruppen bewaffneter M�nner herumzutreiben schienen, ritt durch den Wald in Begleitung eines Stra�enschl�gers mit Narben im Gesicht, einer liebeskranken Adligen, die aus Cairhien geflohen war, eines fetten Wirts, der schon niederkniete, kaum, da� sie ihn anblickte, und eines jungen Soldaten, der sie manchmal ansah, als tr�ge sie eines jener Kleider, die sie f�r Gaebril angezogen hatte. Und Linis nat�rlich. Lini konnte man nicht �bergehen.</p><p>Als habe sie gesp�rt, da� Morgase an sie dachte, trieb die alte Kinderschwester ihr Pferd n�her an das Morgases heran. �Blickt lieber nach vorn�, sagte sie leise. ��Ein junger L�we greift am schnellsten an und dort, wo Ihr es am wenigsten erwartet.��</p><p>�H�ltst du Tallanvor f�r gef�hrlich?� sagte Morgase in scharfem Ton, und Lini warf ihr von der Seite her einen absch�tzenden Blick zu.</p><p>�Nur auf die Art, die jeden Mann gef�hrlich macht. Er macht doch eine gute Figur, glaubt Ihr nicht auch? Mehr als gro� genug. Starke H�nde, denke ich. �Es hat keinen Zweck, Honig zu lange altern zu lassen, bevor du ihn i�t.��</p><p>�Lini!� sagte Morgase strafend. Die alte Frau hatte sich in letzter Zeit zu oft �ber dieses Thema ausgelassen. Tallanvor war schon ein gutaussehender Mann, seine H�nde wirkten stark, und seine Beine waren bestimmt nicht �bel, aber er war jung, und sie war eine K�nigin. Das letzte, was sie brauchen konnte, war, da� sie ihn pl�tzlich als Mann betrachtete und weniger als Untertan und Soldat. Sie wollte das Lini auch gerade zu verstehen geben, und au�erdem, da� sie wohl den. Verstand verloren habe, wenn sie glaubte, sie � Morgase � werde sich mit einem zehn Jahre j�ngeren Mann abgeben, denn das mu�te er bestimmt sein, da wandten sich Tallanvor und Gill um und ritten auf sie zu. �Du h�ltst den Mund, Lini. Wenn du diesem jungen Mann Flausen in den Kopf setzt, werde ich dich irgendwo zur�cklassen.� Linis Schnauben h�tte jeden andoranischen Adligen f�r eine Weile in eine Zelle gebracht um Zeit zum Nachdenken zu erhalten. Jedenfalls, wenn sie noch auf dem Thron s��e.</p><p>�Seid Ihr sicher, da� Ihr das tun wollt, M�dchen? �Es ist zu sp�t, es sich noch einmal anders zu �berlegen, wenn man bereits von der Klippe gesprungen ist.��</p><p>�Ich hole mir meine Verb�ndeten, wo ich sie nur finden kann�, antwortete Morgase leicht eingeschnappt.</p><p>Tallanvor lenkte sein Pferd neben das ihre. Er sa� hoch aufgerichtet im Sattel. Schwei� rann ihm �ber das Gesicht, doch er schien die Hitze einfach nicht zu beachten. Meister Gill dagegen zupfte am Kragen seines mit Metallscheiben bewehrten Wamses herum, als h�tte er es am liebsten ausgezogen.</p><p>�Der Wald h�rt bald auf, und danach folgt Ackerland�, sagte Tallanvor, �doch es ist unwahrscheinlich, da� Euch hier jemand erkennt.� Morgase sah ihm gefa�t in die Augen. Tag f�r Tag wurde es schwieriger, wegzusehen, wenn er sie anblickte. �Noch zehn Meilen, dann d�rften wir Cormaed erreicht haben. Falls dieser Bursche in Sehar nicht gelogen hat, gibt es dort eine F�hre, und wir k�nnten noch vor Einbruch der Dunkelheit am Ufer in Amadicia sein. Seid Ihr euch gewi� dar�ber im klaren, da� Ihr das wollt, Morgase?�</p><p>Wie er ihren Namen aussprach... Nein. Sie lie� sich schon von Linis l�cherlichen Einbildungen beeinflussen. Es lag an dieser verdammten Hitze. �Ich habe mich nun einmal entschlossen, junger Tallanvor�, sagte sie k�hl, �und ich erwarte von Euch, da� Ihr meine Entscheidungen nicht in Frage stellt.�</p><p>Sie hieb ihrem Pferd mit Gewalt die Fersen in die Seiten, so da� es vorw�rtssprang und ihr Blickkontakt abri�, als sie an ihm vorbeijagte. Er konnte sie ja wieder einholen. Sie w�rde sich ihre Verb�ndeten suchen, wo immer sie welche fand. Sie w�rde ihren Thron zur�ckgewinnen, und wehe Gaebril oder irgendeinem Mann, der glaubte, er k�nne sich an ihrer Statt daraufsetzen.</p><empty-line/><cite><poem><stanza><v>Und der Ruhm des Lichts leuchtete ihm.</v><v>Und den Frieden des Lichts brachte er den Menschen.</v><v>Legte L�nder in Bande. Machte eins aus vielen.</v><v>Doch die Scherben der Herzen rissen ihre Wunden.</v><v>Und was einst war, kehrte wieder</v><v>-�mit Feuer und Sturm Und ri� alles entzwei.</v><v>Denn sein Friede...</v><v>-�denn sein Friede...</v><v>...war der Friede...</v><v>...war der Friede...</v><v>...des Schwerts.</v></stanza><stanza><v>Und der Ruhm des Lichts leuchtete ihm.</v></stanza></poem><text-author>�aus <emphasis>�Ruhm des Drachen�</emphasis></text-author><text-author>komponiert von <emphasis>meane s ol ahelle</emphasis>, im Vierten Zeitalter</text-author></cite></section></body><binary id="cover" 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