<?xml version="1.0" encoding="utf-8"?><FictionBook xmlns="http://www.gribuser.ru/xml/fictionbook/2.0" xmlns:l="http://www.w3.org/1999/xlink"><description><title-info><genre>sf_fantasy</genre><author><first-name>Robert</first-name><last-name>Jordan</last-name></author><book-title>Der Schatten erhebt sich</book-title><date>1994</date><coverpage><image l:href="#cover"/></coverpage><lang>de</lang><src-lang>en</src-lang><translator><first-name>Andreas</first-name><last-name>Decker</last-name></translator><sequence name="Das Rad der Zeit" number="4"/></title-info><src-title-info><genre>sf_fantasy</genre><author><first-name>Robert</first-name><last-name>Jordan</last-name></author><book-title>The Shadow Rising</book-title><date>1992</date><lang>en</lang></src-title-info><document-info><author><nickname>N/A</nickname></author><program-used>None, fb2cut 2.5.4, fb2cut 2.6.2</program-used><date value="2012-07-02">2012</date><src-ocr>Menolly</src-ocr><id>630F1BF4-71F4-4375-9ED8-B8B19AE4449F</id><version>1.0</version></document-info></description><body><title><p>Robert Jordan</p><p>Der Schatten erhebt sich</p></title><epigraph><p>Gewidmet ROBERT MARKS</p><p>Schriftsteller, Lehrer, Gelehrter, Philosoph, Freund und Quelle der Inspiration</p></epigraph><section><image l:href="#1"/><empty-line/></section><section><cite><p>Der Schatten wird sich erheben �ber die Welt und alle L�nder verdunkeln bis hin zum letzten, und es wird weder Licht geben noch Sicherheit. Und er, der aus der Morgend�mmerung geboren wurde, aus einer Tochter des Speers, wie es prophezeit wurde, wird seine H�nde ausstrecken, um den Schatten zu fangen, und die Welt wird aufschreien im Schmerz der Erl�sung. Aller Ruhm geb�hrt dem Sch�pfer und dem Licht und ihm, der wiedergeboren wird. M�ge uns das Licht vor ihm besch�tzen.</p><text-author>- aus <emphasis>Kommentaren zum Karaethon-Zyklus</emphasis></text-author><text-author>Sereine dar Shamelle motara Ratsschwester der Comaelle,</text-author><text-author>Hochk�nigin von Jaramide</text-author><text-author>(ca. 325 NZ im Dritten Zeitalter)</text-author></cite></section><section><title><p>1</p><p>Schattensaat</p></title><p>Das Rad der Zeit dreht sich, und die Zeitalter kommen und gehen, hinterlassen Erinnerungen, die zu Legenden werden, verblassen zu blo�en Mythen und sind l�ngst vergessen, wenn dieses Zeitalter wiederkehrt. In einem Zeitalter, von einigen das Dritte genannt, einem Zeitalter, das noch kommen wird und das schon lange vorbei ist, erhob sich ein Wind �ber der Steppe von Caralain. Der Wind stand nicht am Anfang. Es gibt weder Anfang noch Ende, wenn sich das Rad der Zeit dreht. Aber es war <emphasis>ein</emphasis> Anfang.</p><p>Nach Norden und Westen wehte der Wind unter der Morgensonne, �ber endlose Meilen wogenden Grases und verstreuter Baumgruppen hinweg, �ber den Flu� Luan, der eilig dahinstr�mte, an dem zerkl�fteten Zahn des Drachenberges vorbei, dem legend�ren Fels, der �ber der welligen Ebene so hoch aufragte, da� die Wolken auf halber H�he zu seinem rauchenden Gipfel einen Kranz um ihn bildeten. Der Drachenberg, wo der Drache gestorben war und mit ihm, wie viele behaupteten, das Zeitalter der Legenden, und wo er der Prophezeiung nach wiedergeboren wird. Oder wiedergeboren wurde. Nach Norden und Westen wirbelte der Wind, �ber die D�rfer Jualdhe und Darein und Alindaer, von wo aus sich Br�cken wie steinerne Spinnweben hin�ber zur Leuchtenden Mauer schwangen, der gro�en Stadtmauer um Tar Valon, das manche die gr��te Stadt der Welt nannten. Eine Stadt, die jeden Abend gerade noch vom weit hinausgreifenden Schatten des Drachenberges ber�hrt wurde.</p><p>Innerhalb dieser Mauer schienen von Ogiern erbaute mehr als zweitausend Jahre alte Geb�ude fast aus dem Erdboden herauszuwachsen, so als seien sie nicht von Menschenhand erbaut worden. Eher schienen Wind und Wasser sie geformt zu haben als die ber�hmten H�nde der Ogier-Steinmetzen. Einige davon wirkten wie aufflatternde V�gel oder wie riesige Muscheln aus fernen Ozeanen. Hoch aufragende T�rme, sich nach oben weitend oder gleichm��ig schmal und kanneliert, oder gar sich schraubenf�rmig emporwindend, wurden durch Br�cken in Hunderten von Fu� H�he und oft ohne jedes Gel�nder miteinander verbunden. Nur diejenigen, die sich schon lange in Tar Valon aufhielten, sah man nicht st�ndig mit offenem Mund hochgaffen wie die Bauern, die zum erstenmal in ihrem Leben eine Stadt sahen.</p><p>Die Wei�e Burg beherrschte die ganze Stadt. Sie schimmerte wie polierte Knochen im Sonnenschein. <emphasis>Das Rad der Zeit dreht sich um Tar Valon,</emphasis> sagten die Leute in der Stadt, <emphasis>und Tar Valon dreht sich um die Burg.</emphasis> Der erste Anblick Tar Valons f�r einen Reisenden, noch bevor die Pferde die Br�cken erreichten, noch bevor die Kapit�ne auf den Flu�schiffen die Insel ersp�hten, war der Turm der Wei�en Burg, der das Sonnenlicht wie ein Leuchtfeuer widerspiegelte. Kein Wunder, da� der gro�e Vorplatz der Burg unter deren m�chtigen W�nden erheblich kleiner wirkte, als er war, und da� die Menschen auf dem Platz zu blo�en Insekten schrumpften. Doch selbst wenn die Wei�e Burg das kleinste Geb�ude ganz Tar Valons gewesen w�re � durch die Tatsache, da� sie das Herz der Macht der Aes Sedai darstellte, h�tte sie die Inselstadt in jedem Fall beherrscht.</p><p>Trotz der vielen Menschen f�llte die Menge den Vorplatz nicht einmal ann�hernd. Am �u�eren Rand schubsten sich die Menschen gegenseitig, so viele dr�ngten sich dort, die alle ihren t�glichen Gesch�ften nachgingen. N�her am Burgbereich selbst fanden sich weniger Leute, und auf den letzten f�nfzig Schritt vor den hohen wei�en Mauern war das Pflaster menschenleer. Nat�rlich wurden die Aes Sedai in Tar Valon mehr als nur respektiert, und die Amyrlin regierte die Stadt genau wie ihre Aes Sedai, aber nur wenige wollten sich der Macht der Aes Sedai mehr als notwendig n�hern. Es gab eben einen Unterschied, ob man auf einen gro�en, offenen Kamin einfach stolz war oder geradewegs in die Flammen hineinspazierte.</p><p>Nur ein paar kamen der Burg n�her und betraten die breiten Treppenstufen, die hinauf zur Burg selbst und den ungeheuren, kunstvoll geschnitzten Torfl�geln f�hrten. Sie waren so breit, da� ein Dutzend Menschen nebeneinander hindurchschreiten konnte. Das Tor stand einladend offen. Es gab immer einige Menschen, die dort Hilfe suchten oder eine Antwort, von der sie glaubten, nur eine Aes Sedai k�nne sie ihnen geben, und sie kamen oft von weit her, aus Arafel und Ghealdan, aus Saldaea und Illian. Viele fanden Hilfe oder Anleitung, aber manchmal nicht genau die, auf die sie gehofft oder die sie erwartet hatten.</p><p>Min hatte ihre Kapuze ganz weit nach vorn gezogen, so da� ihr Gesicht in deren Schatten verborgen blieb. Trotz der W�rme dieses Tages war der Umhang leicht genug, um keine Aufmerksamkeit zu erregen, jedenfalls nicht bei einer offensichtlich so sch�chternen Frau. Und die meisten Menschen waren versch�chtert, wenn sie sich in die Burg begaben. Es war nichts an ihr, was besondere Aufmerksamkeit h�tte erregen k�nnen. Ihr dunkles Haar war l�nger als bei ihrem letzten Aufenthalt in der Burg, auch wenn es noch nicht bis an ihre Schultern reichte, und ihr Kleid in Mittelblau mit wei�en Jaerecuz-Spitzen am Hals und an den Manschetten mochte durchaus zu einer wohlhabenden Bauerntochter passen, die wie jede andere auch ihre festlichste Kleidung angelegt hatte, wie sie so auf die breiten Stufen zuschritt. Min hoffte jedenfalls, diesen Eindruck zu erwecken. Sie mu�te sich st�ndig zur�ckhalten, um nicht stehenzubleiben und die anderen anzusehen, ob sie sich anders verhielten. <emphasis>Ich schaffe das schon,</emphasis> sagte sie sich.</p><p>Sie war sicher nicht den ganzen Weg hierher gekommen, um jetzt noch umzukehren. Das Kleid war bereits Verkleidung genug. Diejenigen in der Burg, die sich noch an die junge Frau mit dem kurzgeschnittenen Haar erinnerten, wu�ten, da� sie immer in Jacke und Hose eines Jungen umherlief und niemals ein Kleid trug. Also mu�te schon das als Verkleidung gen�gen. Sie hatte, was immer auch geschehen mochte, keine andere Wahl.</p><p>Ein flaues Gef�hl breitete sich in ihrem Magen aus, je n�her sie der Burg kam, und sie verkrampfte immer mehr ihren Griff an dem B�ndel, das sie an die Brust gedr�ckt hielt. Darin befanden sich ihre normalen Kleidungsst�cke, ihre guten Stiefel und all ihre Habseligkeiten bis auf das Pferd, das sie in einer Schenke unweit des Vorplatzes zur�ckgelassen hatte. Mit etwas Gl�ck konnte sie in ein paar Stunden bereits wieder auf dem Wallach sitzen und zur Ostreinbr�cke und der Stra�e nach S�den unterwegs sein.</p><p>Sie freute sich wohl keineswegs darauf, schon so bald wieder auf dem R�cken eines Pferdes zu sitzen, nachdem sie ohne gr��ere Unterbrechung mehrere Wochen lang geritten war, aber hier wollte sie auch nicht bleiben. Sie hatte die Wei�e Burg noch nie als gastfreundlichen Ort empfunden, und im Augenblick erschien sie ihr genauso erschreckend wie das Gef�ngnis des Dunklen K�nigs im Shayol Ghul. Schaudernd verw�nschte sie sich, weil sie an den Dunklen K�nig gedacht hatte. <emphasis>Ob Moiraine wohl glaubt, ich sei nur ihretwegen hierhergekommen? Licht, hilf mir, ich benehme mich wie eine doofe Ziege. N�rrische Dinge tun, blo� wegen eines idiotischen Mannes!</emphasis></p><p>Sie schritt unsicher die Stufen hinauf. Jede war so tief, da� sie zwei Schritte brauchte, um die n�chste zu erreichen. Aber dann ging sie im Gegensatz zu den anderen einfach weiter und starrte nicht beeindruckt nach oben die helle Masse der hoch aufragenden Burg an. Sie wollte das hinter sich bringen.</p><p>Die gro�e, runde Eingangshalle wurde fast vollst�ndig von einem S�ulengang umschlossen. Doch die mit ihren Petitionen angetretenen Menschen dr�ckten sich in der Mitte �ngstlich aneinander und schoben sich langsam unter der leicht gew�lbten Decke vorw�rts. Der helle Steinboden war durch die Jahrhunderte von unz�hligen nerv�sen F��en ausgetreten worden. Keiner konnte an etwas anderes denken, als daran, wo sie sich befanden und warum. Ein Bauer und seine Frau, beide in grober Wollkleidung, hatten sich an den schwieligen H�nden gefa�t und standen Schulter an Schulter mit einer Kauffrau im Seidenkleid mit Samtbesatz, und ihnen wieder folgte eine Zofe mit einem kleinen silberbeschlagenen K�stchen in den verkrampften H�nden, das sie wahrscheinlich als Geschenk ihrer Herrin in die Burg bringen sollte. In anderer Umgebung h�tte die Kauffrau sicher auf dieses Bauernvolk herabgesehen, das sich so nahe herandr�ngte, und sie h�tten wahrscheinlich entschuldigend die H�nde an die Stirn gehoben und sich vor ihr zur�ckgezogen. Aber nicht jetzt. Nicht hier.</p><p>Unter den Bittstellern waren nur wenige M�nner, was Min aber nicht weiter �berraschte. Die meisten M�nner hielten es in der Umgebung einer Aes Sedai einfach nicht aus. Jeder wu�te ja, da� damals, als es noch m�nnliche Aes Sedai gab, gerade die f�r die Zerst�rung der Welt verantwortlich gewesen waren. Dreitausend Jahre hatten die Erinnerung daran nicht verblassen lassen, wenn auch der zeitliche Abstand viele Einzelheiten ver�ndert hatte. Die Kinder wurden immer noch eingesch�chtert, indem man ihnen von M�nnern erz�hlte, die die Eine Macht ben�tzen konnten, M�nner, die dazu verflucht waren, durch das vom Dunklen K�nig befleckte <emphasis>Saidin,</emphasis> die m�nnliche H�lfte der Wahren Quelle, zum Wahnsinn getrieben zu werden. Am schlimmsten war die Geschichte von Lews Therin Telamon, dem Drachen, Lews Therin Bruderm�rder, der die Zerst�rung eingeleitet hatte. Was das betraf, packte auch die Erwachsenen bei dieser Geschichte das kalte Grauen. Es war prophezeit worden da� der Drache in der schlimmsten Stunde der Not wiedergeboren w�rde, um in Tarmon Gai'don, der Letzten Schlacht, gegen den Dunklen K�nig zu k�mpfen, aber das �nderte wenig daran, wie die Menschen die Verbindung von M�nnern mit der Einen Macht betrachteten. Jede Aes Sedai jagte nun gnadenlos jeden Mann, der die Macht lenken konnte, und unter den sieben Ajahs waren es besonders die Roten, die kaum je etwas anderes taten.</p><p>Nat�rlich war es noch immer so, da� man sich an die Aes Sedai wandte, wenn man ihre Hilfe brauchte, aber nur wenige M�nner konnten sich dar�ber hinwegsetzen, auf irgendeine Art mit den Aes Sedai und der Macht in Verbindung zu treten. Eine Ausnahme bildeten nat�rlich die Beh�ter, aber jeder von ihnen war durch einen Eid an eine Aes Sedai gebunden und konnte wohl kaum mit den anderen M�nnern in einen Topf geworfen werden. Es gab ein Sprichwort: �Ein Mann wird eher den eigenen Kopf abschneiden, um einen Splitter loszuwerden, als eine Aes Sedai um Hilfe zu bitten.� Frauen sagten das, wenn sie die Dummheit der M�nner betonen wollten, aber Min hatte von einigen M�nnern geh�rt, da� es immer noch besser sei, eine Hand loszuwerden...</p><p>Sie fragte sich, was diese Menschen wohl tun w�rden, wenn sie w��ten, was sie wu�te. Vielleicht schreiend davonrennen? Und wenn sie den Grund kannten, der sie hierher f�hrte, w�rde sie wohl nicht einmal mehr lange genug �berleben, um von der Burgwache verhaftet und ins Verlies geworfen zu werden. Sie hatte Freundinnen in der Burg, doch keine mit Macht oder Einflu�. Wenn man von ihrer Absicht erfuhr, w�rden sie kaum Gelegenheit haben, ihr zu helfen. Im Gegenteil, vermutlich w�rden sie zusammen mit ihr dem Henker ausgeliefert � falls sie �berhaupt lange genug am Leben bliebe, um noch vernommen oder vor einen Richter gestellt zu werden. Die Wahrscheinlichkeit war gr��er, da� ihr Mund lange vorher f�r immer verstummen w�rde.</p><p>Sie sagte sich, da� sie aufh�ren m�sse, an so etwas auch nur zu denken. <emphasis>Ich komme hinein, und ich werde auch wieder herauskommen. Licht, verseng Rand al'Thor daf�r, da� er mich in diese Lage gebracht hat!</emphasis></p><p>Drei oder vier Aufgenommene, junge Frauen in Mins Alter, schritten von einem zum anderen durch den runden Raum und sprachen leise mit den Bittstellern. Ihre wei�en Kleider wiesen keinen Zierrat auf, bis auf die sieben Farbb�nder am Saum, von denen jedes die Farbe einer Ajah repr�sentierte. Von Zeit zu Zeit erschien eine Novizin, ein M�dchen oder eine junge Frau ganz in Wei�, und f�hrte jemanden weiter in die Burg hinein. Die Bittsteller folgten immer diesen Novizinnen mit einer eigenartigen Mischung von erregtem Eifer und �ngstlichem Z�gern.</p><p>Min ergriff ihr B�ndel noch fester, als eine der Aufgenommenen vor ihr stehenblieb. �Das Licht erleuchte Euch�, sagte die Frau mit dem Lockenkopf in gesch�ftsm��igem Tonfall. �Ich hei�e Faolain. Wie kann Euch die Burg behilflich sein?� Auf Faolains dunklem runden Gesicht stand deutlich die Geduld eines Menschen geschrieben, der eine anstrengende Arbeit erledigt, obwohl er viel lieber etwas anderes t�te. Vielleicht studieren; das konnte sich Min bei einer Aufgenommenen gut vorstellen. Lernen, um selbst eine Aes Sedai zu werden. Wichtiger f�r sie war aber, da� die Aufgenommene sie offensichtlich nicht erkannte. Die beiden hatten sich bei Mins fr�herem Aufenthalt in der Burg kennengelernt, wenn auch nur fl�chtig.</p><p>Trotzdem senkte Min in gespielter Unterw�rfigkeit den Kopf. Das war nicht unnat�rlich; viele Leute vom Land verstanden nicht, da� es von einer Aufgenommenen bis zur Aes Sedai noch ein Riesenschritt war. Hinter der Kante ihrer Kapuze war ihr Gesicht gut verborgen, und sie blickte auch noch von Faolain weg.</p><p>�Ich habe eine Frage an die Amyrlin selbst�, begann sie, und dann h�rte sie mit einemmal mit Sprechen auf, als drei Aes Sedai gleichzeitig innehielten, um einen Blick in die Halle zu werfen; zwei standen unter einem Bogen und eine weitere etwas abseits.</p><p>Aufgenommene und Novizinnen knicksten, wenn sie an einer der Aes Sedai vorbeikamen, lie�en sich aber ansonsten nicht in ihrer Besch�ftigung st�ren. Sie bewegten sich h�chstens ein bi�chen schneller. Das war alles. Aber nicht f�r die Bittsteller. Die schienen alle auf einmal nach Luft zu schnappen. Au�erhalb der Wei�en Burg, au�erhalb Tar Valons, h�tten sie vielleicht die Aes Sedai nur f�r drei Frauen gehalten, deren Alter schwer einzusch�tzen war, drei Frauen in der Bl�te ihrer Jahre, wenn auch etwas reifer, als ihre roten Wangen erkennen lie�en. In der Burg aber gab es keinen Zweifel. Eine Frau, die sehr lange mit der Einen Macht gearbeitet hat, wurde von der Zeit nicht in demselben Ma�e gezeichnet wie andere Frauen. In der Burg mu�te niemand erst nach einem goldenen Ring mit der Gro�en Schlange Ausschau halten, um eine Aes Sedai zu erkennen.</p><p>Eine Welle von Knicksen ging durch die Ansammlung, und die wenigen anwesenden M�nner verbeugten sich steif. Zwei oder drei Leute fielen sogar auf die Knie nieder. Die reiche Kauffrau blickte erschrocken drein, w�hrend das Bauernpaar an ihrer Seite mit gro�en Augen lebende Legenden betrachtete. Wie man mit einer Aes Sedai umging, wu�ten die meisten nur vom H�rensagen. Es war unwahrscheinlich, da� irgend jemand von den Anwesenden, au�er jenen, die in Tar Valon wohnten, schon jemals eine Aes Sedai gesehen hatte, und m�glicherweise waren auch die wenigen Bewohner Tar Valons ihnen noch nie so nahe gekommen.</p><p>Aber es waren nicht die Aes Sedai selbst, die Min zum Schweigen brachten. Manchmal, wenn auch nicht oft, sah sie Dinge um Menschen herum, die sie anblickte, Bilder und Auren, die gew�hnlich aufflackerten und Augenblicke sp�ter wieder verschwunden waren. Gelegentlich war ihr klar, was sie bedeuteten. Dieses Wissen kam ihr nur selten � viel seltener, als sie solche Dinge sah �, aber wenn ihr etwas klar geworden war, hatte sie immer recht damit.</p><p>Im Gegensatz zu anderen Menschen waren um die Aes Sedai und auch um ihre Beh�ter herum immer Bilder und Auren zu sehen, die manchmal so wild tanzten und sich �nderten, da� es Min schwindlig wurde. Die Vielfalt dieser Bilder spielte allerdings keine Rolle, soweit es darum ging, sie zu verstehen; bei den Aes Sedai wu�te sie genauso wenig wie bei anderen, was sie bedeuteten. Aber diesmal erkannte sie mehr, als ihr lieb war, und das lie� sie erschauern.</p><p>Die einzige der drei, die sie erkannte, war Ananda, eine schlanke Frau, deren Haar ihr bis zur Taille reichte. Sie war eine Gelbe Ajah, und ein krankhaft brauner Schimmer h�llte sie ein, verdorrt und von fauligen Rissen �berzogen, die tief und tiefer wurden und schlie�lich in sich zusammenfielen. Die kleine blonde Aes Sedai neben Ananda war eine der Gr�nen Ajah; das sah sie an den gr�nen Fransen ihrer Stola. Als sie sich einen Augenblick lang umdrehte, erstrahlte die Wei�e Flamme von Tar Valon auf ihrem R�cken. Und auf ihrer Schulter, als ruhe er zwischen den Ranken und bl�henden Apfelbaumzweigen, mit denen ihre Stola bestickt war, thronte ein menschlicher Sch�del. Der kleine Sch�del einer Frau, sauber aus dem Fleisch gel�st und von der Sonne gebleicht. Die dritte, eine mollige, h�bsche Frau, die den halben Raum von ihr entfernt stand, trug keine Stola. Die meisten Aes Sedai legten sie nur f�r irgendwelche Feierlichkeiten um. Die Haltung ihres Kinns und ihrer Schultern sprach f�r Willensst�rke und Stolz. Sie schien die Bittsteller mit k�hlen blauen Augen durch einen Schleier von Blut hindurch anzusehen. Rote Rinnsale �berzogen ihr Gesicht.</p><p>Blut, Sch�del und Strahlenkranz verbla�ten im Tanz der Visionen um die drei herum, kehrten zur�ck und verbla�ten erneut. Die Bittsteller schauten ehrf�rchtig zu ihnen auf. Sie sahen nur drei Frauen, die die Wahre Quelle ber�hren und die Eine Macht lenken konnten. Niemand au�er Min sah das andere. Niemand au�er Min wu�te, da� diese drei Frauen sterben w�rden. Alle am gleichen Tag.</p><p>�Die Amyrlin kann nicht jeden empfangen�, sagte Faolain mit kaum verhohlener Ungeduld. �Ihre n�chste �ffentliche Audienz wird erst in zehn Tagen stattfinden. Sagt mir, was Ihr w�nscht, und ich werde veranlassen, da� Ihr mit der Schwester sprecht, die Euch am besten helfen kann.� Min blickte auf das B�ndel in ihren Armen hinunter, zum Teil einfach deshalb, damit sie nicht wieder sehen mu�te, was sie bereits gesehen hatte. <emphasis>Alle drei! Licht!</emphasis> Was konnte das bedeuten, wenn drei Aes Sedai am gleichen Tag starben? Aber sie wu�te, da� es so sein w�rde. Sie war ganz sicher.</p><p>�Ich habe das Recht, mit der Amyrlin pers�nlich zu sprechen.� Es war ein Recht, auf das selten jemand bestand � wer wagte das schon �, aber es existierte. �Jede Frau hat dieses Recht, und ich bestehe darauf.� �Glaubt Ihr, da� die Amyrlin pers�nlich mit allen sprechen kann, die zur Wei�en Burg kommen? Sicher kann Euch auch eine andere Aes Sedai helfen.� Faolain betonte die Titel so, als k�nne allein ihr Klang Min von ihrem Vorhaben abbringen. �Nun sagt mir, worum es Euch geht. Und nennt mir Euren Namen, damit die Novizin wei�, wen sie holen mu�.� �Ich hei�e... Elmindreda.� Min zuckte dabei innerlich unwillk�rlich zusammen. Sie hatte diesen Namen immer geha�t, aber die Amyrlin war einer der wenigen lebenden Menschen, die ihn schon einmal geh�rt hatten. Wenn sie sich nur daran erinnerte. �Ich habe das Recht, mit der Amyrlin zu sprechen. Und meine Frage ist allein f�r ihre Ohren bestimmt. Das Recht habe ich.� Die Aufgenommene zog die Augenbrauen hoch. �Elmindreda?� Ihr Mund zuckte, und sie l�chelte ganz leicht und am�siert. �Und Ihr besteht auf Euren Rechten. Nun gut. Ich werde der Beh�terin der Chronik mitteilen lassen, da� Ihr die Amyrlin pers�nlich zu sprechen w�nscht, Elmindreda.� Min h�tte der Frau am liebsten eine Ohrfeige verpa�t, so, wie sie den Namen �Elmindreda� betonte, aber statt dessen zwang sie sich zu einem gemurmelten �Dankesch�n�.</p><p>�Dankt mir noch nicht. Zweifellos wird es Stunden dauern, bis die Beh�terin die Zeit findet, Euch zu antworten, und sicherlich wird sie Euch mitteilen lassen, da� Ihr Eure Frage bei der n�chsten �ffentlichen Audienz stellen sollt. Wartet nur geduldig. Elmindreda.� Sie l�chelte Min beinahe sp�ttisch an und wandte sich ab.</p><p>Min bi� die Z�hne aufeinander und ging mit ihrem B�ndel hin�ber zur Wand, wo sie sich bem�hte, zwischen zwei B�gen m�glichst wenig aufzufallen. <emphasis>Traue niemandem und vermeide alle Aufmerksamkeit, bevor du die Amyrlin erreichst.</emphasis> Das hatte ihr Moiraine noch mitgegeben. Moiraine war die einzige Aes Sedai, der sie Vertrauen schenkte. Meistens jedenfalls. Es war so oder so ein guter Ratschlag gewesen. Sie mu�te lediglich bis zur Amyrlin kommen, und dann war es vorbei. Sie konnte dann wieder ihre eigene Kleidung anlegen, ihre Freundinnen begr��en und davonreiten. Kein Grund mehr, sich zu verstecken.</p><p>Sie war erleichtert, als sie bemerkte, da� die Aes Sedai gegangen waren. Drei Aes Sedai, die am gleichen Tag sterben w�rden. Das war unm�glich; sie fand kein anderes Wort. Und doch w�rde es so geschehen. Nichts, was sie sagte oder unternahm, konnte daran etwas �ndern. Sobald ihr klar war, was ein Bild bedeutete, geschah es auch so. Aber sie mu�te der Amyrlin davon berichten. Das konnte m�glicherweise, auch wenn das fast unvorstellbar war, genauso wichtig sein wie die Botschaft, die sie von Moiraine �berbrachte.</p><p>Eine weitere Aufgenommene erschien, um eine der Anwesenden abzul�sen, und in Mins Augen schwebten vor ihrem bl�henden Gesicht Gitterst�be wie die eines K�figs. Sheriam, die Oberin der Novizinnen, betrat die Halle. Nach einem kurzen Blick begann Min, den Boden vor ihren F��en angeregt zu mustern. Sheriam kannte sie nur zu gut � und das Gesicht der rothaarigen Aes Sedai war verschrammt und verschwollen. Nat�rlich war das wieder eine ihrer Visionen, aber Min mu�te sich auf die Unterlippe bei�en, um ein St�hnen zu unterdr�cken. Sheriam mit ihrer ruhigen Autorit�t und Selbstsicherheit erschien immer so unzerst�rbar wie die Burg. Offenbar nichts konnte Sheriam etwas anhaben. Aber irgend etwas w�rde ihr doch zusto�en.</p><p>Eine Aes Sedai, die Min nicht kannte und die eine Stola der Braunen Ajah trug, begleitete eine st�mmige, in feine rote Wolle gekleidete Frau zum Ausgang. Die st�mmige Frau schritt leichtf��ig wie ein M�dchen einher. Ihr Gesicht strahlte. Sie lachte beinahe vor Freude. Auch die Braune Schwester l�chelte, doch ihre Aura verlosch wie die Flamme einer Kerze.</p><p>Tod. Verwundungen, Gefangenschaft und Tod. Min erschien das so klar, als h�tte sie es geschrieben vor sich stehen.</p><p>Sie blickte auf ihre F��e hinunter; sie wollte einfach nicht noch mehr sehen. <emphasis>Wenn sie sich blo� erinnert,</emphasis> dachte sie. Auf ihrem langen Ritt von den Verschleierten Bergen hatte sie niemals Verzweiflung empfunden, nicht einmal dann, als jemand versucht hatte, ihr Pferd zu stehlen, doch jetzt war es soweit. <emphasis>Licht, wenn sie sich nur an den verdammten Namen erinnert!</emphasis></p><p>�Frau Elmindreda?� Min fuhr zusammen. Die schwarzhaarige Novizin, die vor ihr stand, war kaum alt genug, von zu Hause wegzugehen, vielleicht f�nfzehn oder sechzehn, gab sich aber alle M�he, w�rdevoll zu erscheinen. �Ja? Ich bin... So hei�e ich.� �Ich hei�e Sahra. Wenn Ihr bitte mitkommen w�rdet... � � Sahras Stimme klang erstaunt �, �die Amyrlin wird Euch jetzt in ihren Arbeitsr�umen empfangen.� Min seufzte erleichtert und folgte ihr.</p><p>Die Kapuze ihres Umhangs verbarg nach wie vor ihr Gesicht, doch das hinderte sie nicht daran zu sehen, und je mehr sie sah, desto st�rker wurde ihr Wunsch, zur Amyrlin zu kommen. Nur wenige Menschen gingen durch die breiten, nach oben f�hrenden Korridore mit ihren in leuchtend bunten Fu�bodenkacheln und ihren Wandbeh�ngen und goldenen Lampenhaltern. Die Burg war f�r eine viel gr��ere Zahl von Menschen erbaut worden, als sich jetzt darin befanden. Doch beinahe jeder Mensch, den sie erblickte, trug eine Aura von Gewalt und Gefahr mit sich herum.</p><p>Beh�ter eilten vorbei und schenkten den beiden Frauen keinerlei Aufmerksamkeit. Diese M�nner bewegten sich mit der Grazie pirschender W�lfe. Ihre Schwerter schienen ihre Gef�hrlichkeit noch zu unterstreichen. Aber f�r Min hatten sie blutige Gesichter oder trugen klaffende Wunden. Schwerter und Speere tanzten bedrohlich um ihre K�pfe. Ihre Auren blitzten wild auf, tanzten flackernd am Abgrund des Tods. Sie sah tote M�nner umhergehen, wu�te, sie w�rden am gleichen Tag sterben wie die Aes Sedai im Foyer oder h�chstens einen Tag sp�ter. Selbst einige der Bediensteten, M�nner und Frauen mit der Flamme von Tar Valon auf der Brust, die gesch�ftig ihren Aufgaben nachgingen, trugen Anzeichen von Gewalt. Eine Aes Sedai, die sie ganz kurz in einem Seitengang ersp�hte, schien Ketten zu tragen, und eine andere, die den Korridor vor Min und ihrer F�hrerin �berquerte, trug deutlich zu erkennen ein silbernes Halsband. Min stockte der Atem, als sie das sah. Sie h�tte am liebsten geschrien.</p><p>�Das wirkt wohl alles �berw�ltigend auf jemanden, die es nie zuvor gesehen hat�, sagte Sahra, die sich erfolglos bem�hte, das alles so selbstverst�ndlich klingen zu lassen, als spreche sie �ber ihr Heimatdorf. �Aber Ihr seid hier in Sicherheit. Die Amyrlin wird schon alles in Ordnung bringen.� Ihre Stimme quiekste ein wenig, als sie die Amyrlin erw�hnte.</p><p>�Licht, hoffentlich kann sie das�, murmelte Min. Die Novizin l�chelte sie an. Es sollte wohl beruhigend wirken.</p><p>Als sie schlie�lich das Vorzimmer zu den Arbeitsr�umen der Amyrlin erreichten, f�hlte Min sich sterbenselend, und sie trat Sahra fast auf die Fersen. Nur weil sie ja vorgeben mu�te, hier fremd zu sein, rannte sie nicht voraus.</p><p>Ein T�rfl�gel zu den Gem�chern der Amyrlin �ffnete sich, und ein junger Mann mit rotgoldenem Haar trat heraus. Er prallte fast mit Min und ihrer Begleiterin zusammen. Hochgewachsen und kr�ftig, angetan mit einem blauen, reich bestickten Mantel mit Gold an �rmeln und Kragen, so war Gawyn aus dem Hause Trakand, der �lteste Sohn der K�nigin Morgase von Andor: jeder Zoll ein stolzer junger Lord. Ein w�tender junger Lord. Sie hatte keine Zeit, den Kopf zu senken. Er blickte direkt unter ihre Kapuze in ihr Gesicht.</p><p>Vor �berraschung ri� er die Augen auf, doch dann verengten sie sich zu schmalen Schlitzen aus blauem Eis. �Also seid Ihr zur�ck. Wi�t Ihr vielleicht, wohin meine Schwester und Egwene gegangen sind?� �Sind sie nicht hier?� Min verga� alles und wurde von Panik ergriffen. Bevor ihr klar wurde, was sie tat, packte sie ihn an den �rmeln, sah ihm eindringlich in die Augen und dr�ngte ihn einen Schritt zur�ck. �Gawyn, sie haben sich schon vor Monaten auf den Weg zur�ck zur Burg gemacht! Elayne und Egwene und auch Nynaeve. Mit Verin Sedai und... Gawyn, ich... ich... � �Beruhige dich�, sagte er und l�ste sanft ihre H�nde von seinen �rmeln. �Licht! Ich wollte dir keine Angst einjagen. Sie sind sicher angekommen. Und sie sagten kein Wort dar�ber, wo sie gewesen sind und warum. Jedenfalls nicht zu mir. Ich glaube, es besteht auch wenig Hoffnung, da� du es mir sagen wirst, oder?� Sie glaubte, ein nichtssagendes Gesicht zu machen, doch er sah sie kurz an und sagte dann: �Das dachte ich mir. An diesem Ort gibt es mehr Geheimnisse, als... Sie sind schon wieder verschwunden. Und Nynaeve mit ihnen.� Nynaeves Namen f�gte er beinahe beil�ufig hinzu. Sie mochte eine von Mins Freundinnen sein, aber ihm lag nichts an ihr. Seine Stimme wurde wieder rauher und klang mit jeder Sekunde �rgerlicher. �Wieder, ohne ein Wort zu sagen. Kein Wort! Angeblich befinden sie sich auf irgendeinem Bauernhof, um ihre Strafe f�r ihr Weglaufen abzuarbeiten, aber ich kann einfach nicht herausbekommen, wo! Die Amyrlin gibt mir keine einzige vern�nftige Antwort.� Min zuckte zusammen. Einen Moment lang hatten Spuren getrockneten Blutes sein Gesicht zu einer Maske des Schreckens gemacht. Das war wie ein doppelter Hammerschlag f�r sie. Ihre Freundinnen waren weg. Es hatte ihre Aufgabe sehr erleichtert, zu wissen, da� sie hier auf sie warteten. Und nun wu�te sie: Gawyn w�rde an dem Tag verwundet werden, an dem die Aes Sedai starben.</p><p>Trotz alledem, was sie gesehen hatte, seit sie die Burg betreten hatte, trotz ihrer Furcht hatte nichts davon sie pers�nlich getroffen � bis jetzt. Eine Katastrophe, die die Burg bedrohte, w�rde auch das ganze Land um Tar Valon bedrohen, doch sie geh�rte der Burg nicht an und w�rde ihr auch niemals angeh�ren. Aber Gawyn war jemand, den sie kannte, jemand, den sie gut leiden konnte, und er w�rde tiefer verwundet werden, als ihr das Blut verraten hatte, tiefer als durch blo�e Wunden seines Fleisches. Nun wurde ihr erst richtig klar, da� die Katastrophe, wenn sie die Burg erfa�te, nicht nur irgendwelche entfernten Aes Sedai treffen w�rde, Frauen, denen sie sich niemals nahe f�hlen konnte, sondern genauso ihre Freunde. Sie <emphasis>geh�rten</emphasis> zur Burg.</p><p>Auf gewisse Weise war sie ja froh dar�ber, da� sich Egwene und die anderen nicht mehr hier befanden, froh, sie nicht ansehen und vielleicht Anzeichen des Todes an ihnen entdecken zu m�ssen. Und doch wollte sie ihre Freundinnen sehen und sichergehen, da� sie nichts entdeckte oder wenn schon, dann wenigstens Anzeichen f�r ihr �berleben. Wo, beim Licht, waren sie? Wohin waren sie gegangen? Da sie die drei gut genug kannte, hielt sie es f�r m�glich, da� Gawyn nichts wu�te, weil sie nicht gew�nscht hatten, da� er Bescheid wu�te. Das war es bestimmt.</p><p>Pl�tzlich erinnerte sie sich daran, wo sie sich befand und warum und da� sie nicht allein war mit Gawyn. Sahra schien vergessen zu haben, da� sie Min zur Amyrlin bringen sollte. Sie schien �berhaupt alles vergessen zu haben, bis auf den jungen Lord, dem sie sch�ne Augen machte, ohne von ihm bemerkt zu werden. Trotzdem hatte es keinen Zweck mehr, vorzut�uschen, da� sie eine Fremde in der Burg sei. Sie stand vor der T�r der Amyrlin und nichts konnte sie jetzt noch aufhalten.</p><p>�Gawyn, ich wei� nicht, wo sie stecken, aber falls sie wirklich zur Strafe auf einem Bauernhof arbeiten, sind sie vermutlich verschwitzt und bis zu den H�ften mit Schlamm verspritzt und du w�rst der letzte, von dem sie so gesehen werden m�chten.� In Wirklichkeit war ihr keineswegs leichter ums Herz als Gawyn. Zuviel war geschehen und zuviel geschah noch immer, was mit ihnen oder mit ihr selbst zu tun hatte. Aber nat�rlich war es nicht unm�glich, da� sie zur Strafe fortgeschickt worden waren. �Du hilfst ihnen bestimmt nicht, indem du den Zorn der Amyrlin erregst.� �Ich wei� nicht, ob sie wirklich auf einem Bauernhof sind. Ob sie �berhaupt noch leben. Warum dieses ganze Versteckspiel und diese Ausweichman�ver, wenn sie blo� Unkraut j�ten? Wenn meiner Schwester etwas passiert... Oder Egwene... � Er blickte finster auf seine Stiefelspitzen herab. �Ich soll schlie�lich auf Elayne aufpassen. Wie kann ich sie besch�tzen, wenn ich nicht einmal wei�, wo sie ist?� Min seufzte. �Glaubst du, da� man auf sie aufpassen mu�? Auf eine von ihnen?� Aber falls die Amyrlin sie irgendwohin geschickt hatte, brauchten sie m�glicherweise wirklich einen Aufpasser. Die Amyrlin war durchaus f�hig, eine Frau mit lediglich einer Rute bewaffnet in eine B�renh�hle zu schicken, falls es ihren Zwecken diente. Und sie w�rde von der Frau auch noch erwarten, entweder mit einem B�renfell zur�ckzukommen, oder den B�ren an der Leine zu f�hren, so wie ihr aufgetragen worden war. Aber wenn sie das Gawyn sagte, w�rde es nur doch seinen Zorn und seine Sorgen sch�ren. �Gawyn, sie haben ihren Eid auf die Burg geleistet. Sie werden dir nicht dankbar sein, wenn du dich einmischst.� �Ich wei�, Elayne ist kein Kind mehr�, sagte er ungeduldig, �auch wenn sie manchmal wie eines davonl�uft und dann wiederkommt und die Aes Sedai spielen will. Aber sie ist schlie�lich meine Schwester und au�erdem noch die Tochter-Erbin von Andor. Sie wird Mutters Nachfolgerin als K�nigin. Andor braucht sie sicher und wohlbehalten, wenn sie den Thron besteigen soll, und nicht statt dessen wieder einen Streit um die Nachfolge.� Die Aes Sedai <emphasis>spielen?</emphasis> Offensichtlich war ihm die Tragweite des Talents seiner Schwester nicht klar. Die Tochter-Erbinnen von Andor waren seit Menschengedenken zur Ausbildung in die Burg gesandt worden, aber Elayne war die erste, die bef�higt war, zur Aes Sedai erhoben zu werden, und zu einer m�chtigen noch dazu. Sehr wahrscheinlich war ihm auch nicht klar, da� Egwene mindestens genauso stark war.</p><p>�Also willst du sie besch�tzen, ob sie will oder nicht?� Sie sagte das in einem Tonfall, der ihm deutlichmachen sollte, da� er einen Fehler beging, doch ihm entging das offensichtlich, und er nickte zustimmend.</p><p>�Das ist meine Pflicht gewesen, seit sie geboren wurde. Mein Blut mu� vor ihrem flie�en, mein Leben vor ihrem geopfert werden. Ich habe diesen Eid geleistet, als ich noch kaum �ber den Rand ihrer Wiege hinwegblicken konnte. Gareth Bryne mu�te mir die Bedeutung erkl�ren. Ich werde diesen Eid doch jetzt nicht brechen. Andor hat sie n�tiger als mich.� Er sprach mit einer ruhigen Bestimmtheit, nahm gelassen etwas als nat�rlich und richtig hin, was ihr einen Schauer �ber den R�cken jagte. Sie hatte ihn immer f�r jungenhaft gehalten, wie er so gern lachte und alle neckte, aber jetzt war er wie ein Fremder f�r sie. Sie glaubte, der Sch�pfer m�sse wohl m�de gewesen sein, als er die M�nner schuf. Manchmal erschienen sie ihr kaum noch menschlich. �Und Egwene? Welchen Eid hast du ihretwegen geleistet?� Sein Gesichtsausdruck �nderte sich nicht, nur trat er nerv�s von einem Fu� auf den anderen. �Ich mache mir nat�rlich auch Sorgen um Egwene. Und um Nynaeve. Was mit Elaynes Begleiterinnen geschieht, k�nnte auch Elayne passieren. Ich denke, sie sind noch immer beieinander. Als sie noch hier waren, habe ich nur selten die eine ohne die anderen zu Gesicht bekommen.� �Meine Mutter hat mir immer geraten, ich solle einen schlechten L�gner heiraten. Du kommst daf�r sicherlich in Frage. Allerdings glaube ich, da� jemand anders mich da ausstechen wird.� �Manche Dinge sind vorbestimmt�, sagte er ruhig, �und manche k�nnen niemals sein. Galad hat gro�en Kummer, weil Egwene weg ist.� Galad war sein Halbbruder. Die beiden waren nach Tar Valon gesandt worden, um unter Anleitung der Beh�ter zu lernen. Das war eine weitere Tradition in Andor. Galadedrid Damodred war in Mins Augen ein Mann, der bis zum Erbrechen immer nur das Richtige tat, aber Gawyn sah darin nichts Schlechtes. Und er sprach nicht �ber seine Gef�hle f�r eine Frau, auf die Galad ein Auge geworfen hatte.</p><p>Sie h�tte ihn am liebsten gesch�ttelt, etwas Vernunft in ihn hineingepr�gelt, aber dazu war jetzt nicht die Zeit. Nicht, wenn die Amyrlin wartete, und nicht bei dem, was sie der wartenden Amyrlin zu berichten hatte. Und ganz bestimmt nicht, wenn Sahra danebenstand, ob sie ihn nun anhimmelte oder nicht. �Gawyn, ich bin zur Amyrlin bestellt. Wo kann ich dich finden, wenn sie mit mir fertig ist?� �Ich werde auf dem �bungsgel�nde sein. Die einzige Zeit, wo ich mir keine Sorgen mache, ist beim �ben mit dem Schwert, wenn mich Hammar hart rannimmt.� Hammar war ein Schwertmeister und der Beh�ter, der dieses K�nnen an die Sch�ler weitergeben sollte. �An den meisten Tagen bin ich bis Sonnenuntergang dort.� �Also gut. Ich komme, sobald ich kann. Und gib acht, was du sagst. Wenn du die Amyrlin zu sehr aufregst, m�ssen Elayne und Egwene vielleicht darunter leiden.� �Das kann ich nicht versprechen�, entgegnete er mit fester Stimme. �Irgend etwas stimmt mit der Welt nicht mehr. B�rgerkrieg in Cairhien. Das gleiche und noch schlimmeres in Tarabon und Arad Doman. Falsche Drachen. Auseinandersetzungen und Ger�chte und Probleme, wohin man schaut. Ich behaupte nicht, da� die Burg dahintersteckt, aber selbst hier l�uft nicht alles, wie es sein soll. Oder wie es den Anschein hat. Das Verschwinden Elaynes und Egwenes ist ja nicht alles. Aber sie sind nat�rlich das, was mich am meisten bewegt. Ich <emphasis>werde</emphasis> herausfinden, wo sie sich aufhalten. Und falls sie verletzt wurden... Falls sie tot sind... � Er machte eine finstere Miene, und einen Augenblick lang war sein Gesicht f�r sie wieder eine blutige Maske. Mehr: �ber seinem Kopf schwebte ein Schwert und dahinter wehte eine Flagge im Wind. Auf der leicht gekr�mmten Klinge des Schwertes mit dem langen Griff, wie es die Beh�ter ben�tzten, war ein Reiher eingraviert, das Kennzeichen eines Schwertmeisters, und Min wu�te nicht, ob es Gawyn geh�rte oder ihn bedrohte. Die Flagge trug Gawyns Wappen mit dem angreifenden Wei�en Keiler, aber der Untergrund war gr�n und nicht rot wie auf der Flagge Andors. Sowohl Schwert wie auch Flagge verbla�ten zusammen mit dem Blut.</p><p>�Sei vorsichtig, Gawyn.� Das war auf zwei verschiedene Dinge gem�nzt. Vorsichtig mit dem, was er sagte, und vorsichtig auf eine Art, die sie ihm nicht erkl�ren konnte, die ihr selbst unerkl�rlich war. �Du mu�t sehr vorsichtig sein.� Er suchte in ihrem Gesicht nach einer Andeutung dessen, was er herauszuh�ren geglaubt hatte. �Ich... werde mir M�he geben�, sagte er schlie�lich. Er grinste. Es war beinahe das jungenhafte Grinsen, an das sie sich noch erinnerte, aber es war ganz eindeutig gek�nstelt. �Ich denke, ich sollte nun besser wieder auf das �bungsgel�nde zur�ckkehren, wenn ich mit Galad schritthalten will. Ich habe heute morgen zwei von f�nf G�ngen gegen Hammar gewonnen, aber Galad hat tats�chlich dreimal gesiegt, beim letztenmal, als er sich herablie�, auf dem �bungsgel�nde zu erscheinen.� Mit einem Mal schien er sie erst richtig zu bemerken, und sein Grinsen wurde ehrlich. �Du solltest �fters Kleider tragen. Das steht dir gut. Denk daran, ich werde bis Sonnenuntergang dort sein.� Als er ging und dabei ein wenig von der t�dlichen Grazie der Beh�ter verstr�mte, wurde Min bewu�t, da� sie sich das Kleid an der H�fte glattstrich, und sie h�rte sofort damit auf. <emphasis>Licht, versenge alle M�nner!</emphasis></p><p>Sahra atmete tief aus, als habe sie die ganze Zeit �ber die Luft angehalten. �Er sieht sehr gut aus, nicht wahr?� sagte sie vertr�umt. �Nicht so gut wie Lord Galad nat�rlich. Und Ihr kennt ihn ja tats�chlich!� Das war zur H�lfte als Frage gemeint, aber nur zur H�lfte eben.</p><p>Min ahmte das Seufzen der Novizin nach. Das M�dchen w�rde in den Quartieren der Novizinnen mit ihren Freundinnen klatschen. Der Sohn einer K�nigin war ein nat�rliches Gespr�chsthema, besonders wenn er auch noch gut aussah und etwas von den Helden aus den Geschichten der Gaukler an sich hatte. Eine fremde Frau machte das Ganze nur noch interessanter. Nun ja, sie konnte nichts dagegen machen. Und es konnte jetzt wohl auch kaum mehr schaden.</p><p>�Die Amyrlin wird sich schon fragen, wo wir nur bleiben�, sagte sie.</p><p>Sahra kam pl�tzlich wieder zur Besinnung. Die Augen weit aufgerissen, fuhr sie zusammen und schluckte vernehmlich. Dann packte sie mit einer Hand Min am �rmel, zerrte sie zur T�r, �ffnete hastig einen Fl�gel und zog Min hinter sich her hinein. In dem Augenblick, als sie drinnen waren, knickste die Novizin eiligst und plapperte voller Panik: �Ich habe sie gebracht, Leane Sedai. Frau Elmindreda? Die Amyrlin will sie wirklich sehen?� Die hochgewachsene Frau mit der kupferfarbenen Haut im Vorraum trug die Stola der Beh�terin der Chronik, und zwar in Blau, um zu zeigen, da� sie der Blauen Ajah entstammte. Mit den F�usten auf die H�ften gest�tzt wartete sie, bis das M�dchen fertig war, und dann entlie� sie die Novizin mit einem knappen: �Hast lange genug gebraucht, Kind. Jetzt zur�ck an deine Arbeit.� Sahra knickste wieder und trippelte genauso schnell hinaus, wie sie eingetreten war.</p><p>Min stand da, den Blick gesenkt und die Kapuze immer noch weit nach vorn gezogen. Vor Sahra einen Fehler zu begehen war schon schlimm genug gewesen, obwohl die Novizin wenigstens ihren Namen nicht kannte, aber Leane kannte sie besser als jede andere in der Burg bis auf die Amyrlin. Min war sicher, da� das jetzt keine Rolle mehr spielte, aber nach dem, was sie drau�en im Flur erfahren hatte, wollte sie sich besser an Moiraines Anweisungen halten, bis sie mit der Amyrlin allein war.</p><p>Diesmal halfen ihr die guten Absichten jedoch nicht. Leane war mit zwei Schritten bei ihr, schob die Kapuze zur�ck und knurrte, als habe man ihr einen Schlag in den Magen versetzt. Min hob den Kopf und sah sie trotzig an, als wolle sie ihr zeigen, da� sie sich nicht hatte an ihr vorbeistehlen wollen. Glattes, dunkles Haar, nur ein wenig l�nger als ihr eigenes, umrahmte das Gesicht der Beh�terin, das nun sowohl �berraschung zeigte wie auch �rger dar�ber, da� sie �berrascht war.</p><p>�Also bist du doch Elmindreda, oder?� sagte Leane knapp. Sie sprach immer in kurzen, knappen S�tzen. �Ich mu� schon sagen, in diesem Kleid siehst du auch eher so aus als in deinem normalen... Kost�m.� �Nur Min, Leane Sedai, wenn es Euch recht ist.� Min brachte das mit steinernem Gesicht heraus, aber es fiel ihr schwer, die Aes Sedai nicht anzufunkeln. Im Tonfall der Beh�terin hatte zuviel Spott gelegen. Wenn ihre Mutter sie schon nach jemandem aus einer Legende nennen mu�te, warum dann ausgerechnet nach einer Frau, die die meiste Zeit �ber irgendwelchen M�nnern sch�ne Augen gemacht hatte oder sie dazu brachte, Lieder �ber ihre Augen oder ihr L�cheln zu komponieren.</p><p>�Also gut. Min. Ich werde auch nicht fragen, wo du gewesen bist oder warum du in einem Kleid zur�ckkehrst und offensichtlich der Amyrlin eine Frage stellen willst. Jedenfalls jetzt nicht.� Ihrem Gesicht war anzumerken, da� sie diese Fragen sp�ter stellen w�rde und auch Antworten erwartete. �Ich sch�tze, die Mutter wei�, wer diese Elmindreda ist? Nat�rlich. Ich h�tte das wissen m�ssen, als sie befahl, dich sofort herzubringen, und noch dazu allein. Das Licht mag wissen, warum sie sich mit dir abgibt.� Sie unterbrach ihren Redeflu� und machte ein besorgtes Gesicht. �Was ist los, M�dchen? Bist du krank?� Min gab sich M�he, ihre Gesichtsz�ge zu gl�tten. �Nein. Nein, es geht mir gut.� Einen Augenblick lang hatte die Beh�terin ihre Maske durchschaut, eine Maske des Schreckens. �Darf ich hineingehen, Leane Sedai?� Leane musterte sie noch einen Moment lang und bedeutete ihr dann mit einem Ruck ihres Kopfes, zum inneren Arbeitszimmer zu gehen. �Hinein mit dir.� Mins Eifer, ihrem Auftrag Folge zu leisten, h�tte auch die gnadenloseste Aufseherin mit Zufriedenheit erf�llt.</p><p>Der Arbeitsraum der Amyrlin war im Laufe der Jahrhunderte von vielen gro�en und m�chtigen Frauen ben�tzt worden, und die Andenken daran beherrschten nun sein Bild. Der gro�e offene Kamin war aus dem Goldmarmor Kandors gefertigt. Jetzt brannte kein Feuer darin. Die W�nde waren mit einem hellen, eigenartig marmorierten Holz get�felt, das wohl eisenhart war, aber dennoch Schnitzereien von Fabeltieren und V�geln mit phantastischem Federkleid aufwies. Diese T�felungen waren vor weit mehr als tausend Jahren aus den geheimnisvollen L�ndern jenseits der Aiel-W�ste hergebracht worden, und der Kamin war mehr als doppelt so alt. Der geschliffene Sandstein des Fu�bodens stammte aus den Verschleierten Bergen, und hohe Bogenfenster gaben den Blick auf einen Balkon frei. Wie Perlen funkelten unz�hlige Glitzerpunkte im Stein der Fensterrahmen, der aus den �berresten einer w�hrend der Zerst�rung der Welt untergegangenen Stadt im Meer der St�rme gerettet worden war. Niemand hatte je desgleichen irgendwo sonst entdeckt.</p><p>Die augenblickliche Ben�tzerin, Siuan Sanche, war allerdings als Tochter eines Fischers in Tear geboren worden, und die M�bel, die sie bevorzugte, waren einfach, wenn auch solide gebaut und auf Hochglanz poliert. Sie sa� auf einem wuchtigen Stuhl an einem gro�en Tisch, der auch in einem Bauernhaus h�tte stehen k�nnen. Der einzige andere Stuhl im Raum, genauso schmucklos und gew�hnlich zur Seite gestellt, stand nun auf einer kleinen, einfachen, in Blau, Braun und Gold gehaltenen und offensichtlich in Tear gekn�pften Br�cke direkt vor dem Tisch. Ein halbes Dutzend ge�ffneter B�cher lag auf verschiedenen Lesepulten im Raum verteilt. Das war alles. �ber dem Kamin hing eine Zeichnung von winzigen Fischerbooten, die zwischen den hohen Schilfhalmen in den Fingern des Drachen bei der Arbeit waren, so wie ihr Vater einst ausgefahren war.</p><p>Auf den ersten Blick wirkte auch Siuan Sanche selbst, trotz ihrer glatten Aes-Sedai-Gesichtsz�ge, genauso einfach wie ihre M�bel. Sie war durchaus kr�ftig, nicht sch�n, sah aber doch recht gut aus, und das einzig Auffallende an ihrer Kleidung war die breite Stola des Amyrlin-Sitzes in den sieben Farbstreifen aller Ajahs. Wie bei jeder Aes Sedai war es nicht m�glich, ihr Alter abzusch�tzen. Jedenfalls zeigte sich in ihrem dunklen Haar noch keine Andeutung von Grau. Der scharfe Blick aus ihren blauen Augen schien alles zu durchdringen und die Kinnpartie sagte etwas �ber die Entschlu�kraft der j�ngsten Frau aus, die je f�r den Amyrlin-Sitz erw�hlt worden war. Seit mehr als zehn Jahren hatte Siuan Sanche selbst Herrscher herbeizitiert, auch die m�chtigen, und sie waren gekommen, obwohl sie die Wei�e Burg ha�ten und sich vor den Aes Sedai f�rchteten.</p><p>Als die Amyrlin um den Tisch herum auf sie zuschritt, legte Min ihr B�ndel weg und knickste ungeschickt, wobei sie leise fluchte, da� so etwas sein mu�te. Sie wollte durchaus ihren Respekt bezeugen, wie es einer Frau wie Siuan Sanche gegen�ber selbstverst�ndlich war, aber die Verbeugung, die sie gew�hnlich machte, h�tte in einem Kleid ausgesprochen dumm gewirkt. Nun ja, und mit dem Knicksen hatte sie keine Erfahrung.</p><p>Auf halbem Weg in die Hocke erstarrte sie mit bereits ausgebreitetem Rock. Siuan Sanche stand wohl so w�rdevoll wie eine K�nigin vor ihr, doch einen Augenblick lang lag sie gleichzeitig nackt auf dem Fu�boden. Abgesehen von der Tatsache, da� sie nichts anhatte, war an der Vision noch etwas Eigenartiges, doch bevor Min sich dar�ber klar werden konnte, was daran so seltsam war, verschwand das Bild wieder. Die Vision war so eindringlich gewesen wie selten eine, aber sie hatte keine Ahnung, was sie bedeuten sollte.</p><p>�Schon wieder Visionen, habe ich recht?� sagte die Amyrlin. �Nun, diese F�higkeit kann ich jetzt wirklich gut gebrauchen. Ich h�tte dich gerade in jenen Monaten gebrauchen k�nnen, die du weg warst. Aber sprechen wir nicht mehr dar�ber. Was geschehen ist, ist geschehen. Das Rad webt, wie das Rad es w�nscht.� Sie l�chelte verkrampft. �Aber wenn du so etwas noch einmal machst, lasse ich dir die Haut abziehen und mache Handschuhe daraus. Steh auf, M�dchen. Leane zwingt mir sowieso schon in einem Monat mehr zeremonielles Gehabe auf, als eine normale Frau in einem Jahr ertragen kann. Ich habe keine Zeit daf�r. Heutzutage nicht. Also, was hast du gerade gesehen?� Min richtete sich langsam auf. Es war eine Erleichterung, mit jemandem zusammenzusein, die von ihrem Talent wu�te, auch wenn es die Amyrlin selbst war. Sie mu�te das Gesehene vor der Amyrlin nicht verbergen. Im Gegenteil. �Ihr habt... Ihr habt keine Kleider getragen. Ich... ich wei� nicht, was es bedeutet, Mutter.� Siuan lachte kurz und trocken auf. �Zweifellos nehme ich mir einen Liebhaber. Aber daf�r habe ich leider auch keine Zeit. Es ist keine Zeit, den M�nnern auch nur zuzuzwinkern, wenn du das Boot leersch�pfen mu�t.� �Vielleicht�, sagte Min bed�chtig. Es konnte so etwas bedeuten, aber sie bezweifelte das. �Ich wei� es einfach nicht. Aber, Mutter, ich habe Visionen gehabt, seit ich die Burg betrat. Etwas Schlimmes wird geschehen, etwas Schreckliches!� Sie begann bei den Aes Sedai im Foyer und berichtete alles, was sie gesehen hatte, alles, was sie an Bedeutungen erkannt hatte, soweit sie sich sicher sein konnte. Sie behielt das meiste dessen, was Gawyn gesagt hatte, f�r sich. Sie mu�te nicht erst ihn ermahnen, da� er die Amyrlin nicht �rgern solle, wenn sie anschlie�end eben dieses selbst tat. Den Rest berichtete sie so n�chtern wie m�glich. Einiges von ihrer Angst wurde trotzdem deutlich, als sie alles wieder vor sich sah. Ihre Stimme zitterte h�rbar, noch bevor sie fertig war.</p><p>Der Gesichtsausdruck der Amyrlin �nderte sich nicht. �Also hast du mit dem jungen Gawyn gesprochen�, sagte sie, als Min geendet hatte. �Na, ich glaube, ich kann ihn dazu bringen, da� er den Mund h�lt. Und wenn ich mich richtig an Sahra erinnere, k�nnte das M�dchen durchaus f�r eine Weile auf dem Land arbeiten. Wenn sie einen Gem�segarten bearbeitet, kann sie keine Ger�chte verbreiten.� �Ich verstehe nicht�, sagte Min. �Warum soll Gawyn den Mund halten? Worum geht es? Ich habe ihm nichts gesagt. Und Sahra...? Mutter, vielleicht habe ich mich nicht klar genug ausgedr�ckt. Aes Sedai und Beh�ter werden sterben! Das d�rfte bedeuten, da� ein Kampf stattfinden wird. Und wenn Ihr nicht eine Menge Aes Sedai und Beh�ter irgendwohin schickt � und auch Diener, denn ich habe auch tote und verwundete Diener gesehen �, wenn Ihr also das nicht tut, dann wird dieser Kampf hier stattfinden! In Tar Valon!� �Hast du das gesehen?� wollte die Amyrlin wissen. �Einen Kampf? Wei�t du das sicher, oder r�tst du nur?� �Was k�nnte es sonst sein? Mindestens vier Aes Sedai sind so gut wie tot. Mutter, ich habe seit meiner R�ckkehr nur neun von Euch gesehen, und vier davon werden sterben! Und die Beh�ter... Was k�nnte es sonst bedeuten?� �Da gibt es mehr M�glichkeiten, als mir lieb sind�, sagte Siuan grimmig. �Wann? Wie lange, bis das... Ereignis... eintritt?� Min sch�ttelte den Kopf. �Ich wei� es nicht. Das meiste wird sich innerhalb eines oder zweier Tage abspielen, aber das kann morgen sein oder in einem oder zehn Jahren.� �La� uns hoffen, da� es erst in zehn Jahren passiert. Wenn es morgen bereits geschieht, kann ich nicht viel dagegen unternehmen.� Min verzog das Gesicht. Nur zwei Aes Sedai au�er Siuan Sanche kannten ihre F�higkeiten: Moiraine und Verin Mathwin, die sich bem�ht hatte, ihr Talent zu erforschen. Keiner wu�te mehr dar�ber, wie es funktionierte, als sie. Nur eines war klar: Es hatte nichts mit der Einen Macht zu tun. Vielleicht hatte deshalb auch nur Moiraine akzeptiert, da� etwas ganz gewi� eintraf, wenn sie sich dessen sicher war.</p><p>�Vielleicht hat es mit den Wei�m�nteln zu tun, Mutter. Sie waren �berall in Alindaer zu finden, als ich die Br�cke �berquerte.� Sie glaubte nicht daran, da� die Kinder des Lichts etwas mit den vorhergesehenen Ereignissen zu tun h�tten, aber sie z�gerte, das auszusprechen, was sie wirklich glaubte. Wohlgemerkt: glaubte, nicht �wu�te�. Aber das war schon schlimm genug.</p><p>Doch die Amyrlin sch�ttelte schon den Kopf, bevor sie ausgesprochen hatte. �Sie w�rden schon etwas versuchen, wenn sie k�nnten. Da habe ich keinen Zweifel. Sie w�rden nichts lieber tun als die Burg angreifen. Aber Eamon Valda wagt keinen offenen Angriff ohne ausdr�cklichen Befehl des kommandierenden Lordhauptmanns, und Pedron Niall wird erst zuschlagen, wenn er glaubt, da� wir angeschlagen seien. Er kennt unsere St�rke zu gut, um etwas so Dummes zu wagen. Seit tausend Jahren halten das die Wei�m�ntel so. Wie ein Hecht im Schilf warten sie auf die Blutspur der Aes Sedai im Wasser. Doch bisher haben wir ihnen keine gezeigt, und das werden wir auch nicht, wenn ich es verhindern kann.� �Und wenn Valda etwas auf eigene Faust probiert... � Siuan unterbrach sie: �Er hat nicht mehr als f�nfhundert Mann in der N�he Tar Valons, M�dchen. Den Rest hat er bereits vor Wochen weggeschickt, zweifellos, um irgendwo anders Unruhe zu stiften. Die Leuchtende Mauer hat die Aiel zur�ckgehalten und auch Artur Falkenfl�gel. Valda wird niemals nach Tar Valon hereinkommen, wenn die Stadt nicht von innen her auseinanderbricht.� Ihr Tonfall �nderte sich nicht, als sie fortfuhr: �Du willst mich unbedingt glauben machen, da� die Gefahr von den Wei�m�nteln herr�hrt. Warum?� In ihrem Blick lag nichts Sanftes mehr.</p><p>�Weil ich es gern glauben m�chte�, murmelte Min betreten. Sie leckte sich die Lippen und sprach die Worte aus, die sie vermeiden wollte: �Das silberne Halsband, das ich bei der einen Aes Sedai sah. Mutter, es sah aus... Es sah aus wie eines der Halsb�nder, die... von den Seanchan ben�tzt werden, um... Frauen zu beherrschen, die mit der Einen Macht umgehen k�nnen.� Ihre Stimme wurde immer leiser, und Siuans Mund verzog sich angewidert.</p><p>�Schmutzige Dinger�, grollte die Amyrlin. �Nur gut, da� die meisten Leute nicht einmal ein Viertel von dem glauben, was sie �ber die Seanchan h�ren. Aber da ist es noch wahrscheinlicher, da� die Wei�m�ntel dahinterstecken. Wenn die Seanchan wieder irgendwo an Land gehen, wei� ich dar�ber per Brieftaube innerhalb weniger Tage Bescheid, und es ist ein langer Weg vom Meer bis Tar Valon. Wenn sie wirklich wieder auftauchen, habe ich lange genug Zeit, mich darauf einzustellen. Nein, ich f�rchte, was du siehst, bedeutet etwas viel Schlimmeres als die Seanchan. Ich f�rchte, es k�nnen nur die Schwarzen Ajah sein. Nur eine Handvoll von uns wissen �berhaupt von ihnen, und ich freue mich nicht gerade darauf, was passiert, wenn diese Kunde sich ausbreitet. Aber sie stellen die gr��te unmittelbare Bedrohung der Burg dar.� Min wurde sich bewu�t, da� sie ihre H�nde so sehr in ihren Rock verkrampft hatte, bis sie schmerzten. Ihr Mund war staubtrocken. Die Wei�e Burg hatte immer kaltschn�uzig die Existenz einer versteckten Ajah abgeleugnet, die angeblich dem Dunklen K�nig diente. Der sicherste Weg, eine Aes Sedai zu �rgern, war, so etwas auch nur zu erw�hnen. Da� nun die Amyrlin selbst die Existenz einer Schwarzen Ajah zugab, jagte Min einen eiskalten Schauer �ber den R�cken.</p><p>Die Amyrlin fuhr fort, als habe sie nichts Au�ergew�hnliches gesagt: �Aber du bist nicht den ganzen Weg hergekommen, um hier deine Visionen zu haben. Was gibt es Neues von Moiraine? Ich wei�, da� von Arad Doman bis Tarabon reines Chaos herrscht, um es milde auszudr�cken.� Das war allerdings milde ausgedr�ckt. Anh�nger des Wiedergeborenen Drachen k�mpften dort gegen seine Gegner und hatten beide L�nder in einen B�rgerkrieg gest�rzt, w�hrend sie immer noch um die Herrschaft auf der Ebene von Almoth stritten. Siuans Tonfall tat das alles als unwichtige Einzelheiten ab. �Aber ich habe schon monatelang nichts mehr von Rand al'Thor geh�rt. Er steht im Brennpunkt aller Ereignisse. Wo steckt er? Was l��t Moiraine ihn tun? Setz dich hin, M�dchen. Setz dich.� Sie deutete auf den Stuhl am Tisch.</p><p>Min ging mit wackligen Beinen hin und fiel fast auf den Stuhl. <emphasis>Die Schwarzen Ajah! O Licht!</emphasis> Man erwartete von den Aes Sedai, da� sie f�r das Licht k�mpften. Das auf jeden Fall, auch wenn sie ihnen sonst keineswegs immer traute. Die Aes Sedai und all ihre Macht traten f�r das Licht und gegen den Schatten ein. Und nun stimmte sogar das nicht mehr. Sie h�rte sich selbst sagen: �Er ist auf dem Weg nach Tear.� �Tear! Dann also <emphasis>Callandors</emphasis> wegen. Moiraine will, da� er das Unber�hrbare Schwert aus dem Stein von Tear holt. Ich schw�re, ich h�nge sie zum Trocknen in die Sonne! Sie wird sich w�nschen, wieder Novizin sein zu k�nnen! Daf�r kann er noch nicht bereit sein!� �Das war nicht...� Min hielt inne und r�usperte sich. �Das war nicht Moiraines Idee. Rand ist allein mitten in der Nacht weggelaufen. Die anderen folgten ihm, und Moiraine hat mich gesandt, um es Euch mitzuteilen. Sie k�nnten mittlerweile in Tear sein. Vielleicht hat er jetzt <emphasis>Callandor</emphasis> bereits in H�nden.� �Seng ihn!� fauchte Siuan. �Er kann genausogut jetzt auch tot sein! Ich w�nschte, er h�tte niemals den Wortlaut der Prophezeiungen des Drachen erfahren. Wenn ich ihn davon abhalten k�nnte, noch mehr dar�ber zu erfahren, dann w�rde ich es tun.� �Aber mu� er denn die Prophezeiungen nicht erf�llen? Ich verstehe das nicht.� Die Amyrlin lehnte sich innerlich ersch�pft an ihren Tisch. �Als k�nne irgend jemand das meiste daran �berhaupt verstehen! Er wird nicht durch die Prophezeiungen zum Wiedergeborenen Drachen. Er mu� es lediglich einsehen, und falls er hinter <emphasis>Callandor</emphasis> her ist, hat er das wohl auch. Die Prophezeiungen haben den Zweck, der Welt zu zeigen, wer er ist, ihn auf das Kommende vorzubereiten und die Welt auf sein Kommen vorzubereiten. Wenn Moiraine wenigstens ein bi�chen Einflu� auf ihn hat, dann leitet sie ihn zu den prophezeiten Dingen hin, bei denen wir einigerma�en sicher sein k�nnen, und dann, wenn er bereit ist, sich diesen Herausforderungen zu stellen! Was die �brigen betrifft, hoffen wir, da� es ausreicht, was er sowieso tut. Hoffen wir! Was wei� ich, ob er nicht bereits Prophezeiungen erf�llt hat, die wir �berhaupt nicht verstehen. Das Licht gebe, da� es ausreicht!� �Also wollt Ihr ihn wirklich unter Kontrolle halten. Er sagte, Ihr w�rdet versuchen, ihn zu ben�tzen, aber das ist das erste Mal, da� Ihr es zugegeben habt.� Min fror innerlich. Zornig f�gte sie hinzu: �Bisher habt Ihr aber nicht gerade gut gearbeitet, Ihr und Moiraine.� Siuans Ersch�pfung schien von ihr abzufallen. Sie richtete sich auf und blickte auf Min hinunter. �Du solltest besser hoffen, da� wir damit Erfolg haben. Hast du geglaubt, wir k�nnten ihn so einfach frei herumlaufen lassen? Starrk�pfig und stur, unausgebildet, unvorbereitet und vielleicht bereits dabei, dem Wahn zu verfallen? Glaubst du, wir k�nnen einfach auf das Muster vertrauen, auf sein <emphasis>Schicksal,</emphasis> da� es ihn wie in einer Legende am Leben h�lt? Das ist keine Legende, und er ist kein unbesiegbarer Held, und wenn sein Faden aus dem Muster herausgeschnitten wird, dann bemerkt das Rad der Zeit seinen Abgang �berhaupt nicht, und der Sch�pfer wird auch keine Wunder tun, um uns zu retten. Wenn ihm Moiraine nicht die Fl�gel stutzen kann, k�nnte er sehr wohl durch eigene Schuld get�tet werden, und was haben wir dann erreicht? Wo steht die Welt dann? Das Gef�ngnis des Dunklen K�nigs ist schwach geworden. Er <emphasis>wird</emphasis> die Welt wieder ber�hren � das ist nur eine Frage der Zeit. Wenn Rand al'Thor nicht da ist, um ihm in der Letzten Schlacht gegen�berzutreten, wenn sich der starrk�pfige junge Narr vorher umbringen l��t, dann ist die Welt zum Untergang verdammt. Wieder ein Krieg um die Macht, aber diesmal ohne Lews Therin Telamon und seine Hundert Gef�hrten. Und dann Feuer und Schatten f�r alle Ewigkeit.� Sie hielt mit einem Mal inne und sah Mins Gesicht scharf an. �Ach so, daher weht der Wind? Du und Rand? Das hatte ich nicht erwartet.� Min sch�ttelte lebhaft den Kopf und sp�rte, wie ihre Wangen rot anliefen. �Nat�rlich nicht! Ich war... Es ist diese Letzte Schlacht. Und der Dunkle K�nig. Licht, allein schon daran zu denken, da� der Dunkle K�nig frei ist, reicht aus, um selbst einem Beh�ter das Mark in den Knochen gefrieren zu lassen. Und die Schwarzen Ajah... � �Versuche nicht, abzulenken�, sagte die Amyrlin scharf. �Glaubst du, das sei das erste Mal, wo ich erlebe, da� eine Frau Angst um ihren Mann hat? Du kannst es genausogut zugeben.� Min wand sich auf ihrem Stuhl. Siuans Blicke durchbohrten sie, wissend und ungeduldig. �Na ja�, murmelte sie schlie�lich, �ich werde Euch alles sagen, und es wird uns beiden nicht weiterhelfen. Beim erstenmal, als ich Rand kennenlernte, sah ich die Gesichter dreier Frauen, und eine davon war ich. Ich habe weder vorher noch nachher jemals etwas �ber mich selbst gesehen, aber ich wu�te, was es zu bedeuten hatte. Ich w�rde mich in ihn verlieben. Alle drei w�rden wir uns in ihn verlieben.� �Drei. Die beiden anderen. Wer sind sie?� Min l�chelte sie bitter an. �Die Gesichter waren verschwommen. Ich wei� nicht, wer sie sind.� �Nichts, was darauf schlie�en lie�e, da� er deine Liebe erwidert?� �Nichts! Er hat mich noch nie richtig angeschaut. Ich glaube, er sieht mich als... als eine Schwester an. Also glaubt nicht, da� Ihr mich als Leine f�r ihn ben�tzen k�nnt, denn das wird nicht funktionieren!� �Aber du liebst ihn.� �Ich habe wohl keine Wahl.� Min bem�hte sich, nicht zu m�rrisch zu klingen. �Ich habe versucht, das Ganze als Scherz zu betrachten, aber ich kann nicht mehr dar�ber lachen. Ihr glaubt mir vielleicht nicht, aber sobald ich wei�, was etwas bedeutet, geschieht es auch.� Die Amyrlin legte einen Finger nachdenklich an ihre Lippen und musterte Min.</p><p>Dieser Blick machte Min Sorgen. Sie hatte sich eigentlich zur�ckhalten und nicht soviel sagen wollen, wie sie es nun tats�chlich getan hatte. Sie hatte immer noch nicht alles erz�hlt, aber eigentlich h�tte sie wissen sollen, da� man einer Aes Sedai keine Gelegenheit nachzuhaken bieten durfte, auch wenn ihr nicht klar war, wie sie dieses Wissen ben�tzen k�nnte. Doch die Aes Sedai hatten �bung darin. �Mutter, ich habe Moiraines Botschaft �berbracht und Euch alles berichtet, was ich �ber die Bedeutung meiner Visionen wei�. Jetzt gibt es keinen Grund mehr, warum ich nicht meine eigene Kleidung wieder anlegen und gehen kann.� �Wohin willst du gehen?� �Nach Tear.� Nachdem sie sich mit Gawyn unterhalten und sich versichert hatte, da� er nicht irgendwelche Narreteien vorhatte. Sie h�tte ja am liebsten gefragt, wo sich Egwene und die anderen beiden befanden, aber wenn die Amyrlin das nicht einmal Elaynes Bruder sagen wollte, w�rde sie es wohl kaum ihr anvertrauen. Und in Siuan Sanches Augen lag noch immer dieser berechnende Blick. �Oder eben dorthin, wo Rand ist. Ich bin vielleicht n�rrisch, aber sicher nicht die erste Frau, die sich eines Mannes wegen zum Narren macht.� �Aber die erste, die sich des Wiedergeborenen Drachens wegen zum Narren macht. Es wird gef�hrlich, sich in der Umgebung Rand al'Thors aufzuhalten, sobald die Welt einmal herausfindet, wer er ist und was er ist. Und falls er jetzt <emphasis>Callandor</emphasis> in H�nden h�lt, wird es die Welt schnell genug erfahren. Die H�lfte wird sowieso versuchen, ihn umzubringen, in der Hoffnung, da� sie dadurch die Letzte Schlacht vermeiden k�nnen und den Dunklen K�nig daran hindern, wieder freizukommen. Viele, die sich in seiner N�he aufhalten, werden sterben. Es k�nnte besser f�r dich sein, wenn du hierbleibst.� Die Amyrlin klang verst�ndnisvoll, doch Min nahm ihr das nicht ab. Sie glaubte einfach nicht, da� Siuan Sanche viel Verst�ndnis f�r andere aufbringen k�nne. �Ich riskiere es; vielleicht kann ich ihm helfen. Mit meinen Visionen. Und es ist ja nicht so, da� er in der Burg sicherer w�re, solange es auch nur noch eine Rote Schwester hier gibt. Sie w�rden nur einen Mann sehen, der mit der Macht umgehen kann, und dar�ber die Letzte Schlacht und die Prophezeiungen des Drachen vergessen.� �Viele andere auch�, unterbrach Siuan sie gelassen. �Alte Denkweisen werden nur schwer abgelegt, bei den Aes Sedai genau wie anderswo.� Min sah sie fragend an. Sie schien nun auf einmal auf ihrer Seite zu stehen. �Es ist kein Geheimnis, da� ich mit Egwene und Nynaeve befreundet bin, und auch keines, da� sie aus dem gleichen Dorf kommen wie Rand. F�r die Roten Ajah wird diese Verbindung v�llig ausreichen. Wenn die Burg herausfindet, was er ist, dann werde ich wahrscheinlich noch vor Ende dieses Tages festgenommen. Egwene und Nynaeve auch, falls Ihr sie nicht irgendwo versteckt habt.� �Dann darf man dich eben nicht erkennen. Man f�ngt keinen Fisch, der das Netz sieht. Ich schlage vor, du vergi�t deinen Mantel und die Hosen f�r eine Weile.� Die Amyrlin l�chelte sie an wie eine Katze die Maus.</p><p>�Welchen Fisch wollt Ihr denn mit mir als K�der fangen?� fragte Min mit schwacher Stimme. Sie glaubte, es bereits zu wissen, und hoffte verzweifelt, unrecht zu haben.</p><p>Ihre Hoffnung hielt jedoch die Amyrlin nicht davon ab, zu sagen: �Die Schwarzen Ajah. Dreizehn von ihnen flohen, aber ich f�rchte, es sind noch einige hier �brig. Ich kann nicht sicher sein, wem ich vertrauen kann. Eine Weile lang habe ich �berhaupt niemandem mehr vertraut. Du bist kein Schattenfreund, das wei� ich, und dein ganz besonderes Talent mag vielleicht hilfreich sein. Zumindest aber habe ich mit dir ein weiteres Paar vertrauensw�rdiger Augen.� �Das habt Ihr doch geplant, seit ich hier hereinspaziert bin, oder? Deshalb wollt Ihr, da� Gawyn und Sahra schweigen.� Der Zorn begann in Min zu kochen wie das Wasser im Kessel. Die Frau sagte: �Frosch� und erwartete, da� die Leute h�pften. Da� sie das gew�hnlich auch taten, machte die Dinge nur noch schlimmer. Sie war kein Frosch und keine Marionette. �Habt Ihr das mit Egwene und Nynaeve und Elayne gemacht? Sie hinter den Schwarzen Ajah hergejagt? Das w�rde ich Euch zutrauen.� �Flick deine eigenen Netze, Kind, und la� diese M�dchen ihre Netze flicken. Soweit es dich betrifft, arbeiten sie zur Strafe auf einem Bauernhof. Dr�cke ich mich klar aus?� Dieser unbeirrbare Blick lie� Min nerv�s auf ihrem Stuhl umherrutschen. Es war leicht, der Amyrlin zu widersprechen, bis sie anfing, einen mit diesen scharfen, kalten, blauen Augen festzunageln. �Ja, Mutter.� Die Demut in ihrer Antwort stank zum Himmel, aber ein Blick in die Augen der Amyrlin �berzeugte sie, da� es besser sei, es damit bewenden zu lassen. Sie zupfte an der feingesponnenen Wolle ihres Kleides. �Ich denke, es wird mich nicht umbringen, wenn ich das hier noch ein Weilchen l�nger trage.� Pl�tzlich blickte Siuan am�siert drein. Min sp�rte, wie sich ihr die Nackenhaare aufstellten.</p><p>�Ich f�rchte, das reicht nicht. Min in einem Kleid ist immer noch Min f�r jede, die einigerma�en genau hinschaut. Du kannst nicht immer einen Umhang mit ins Gesicht gezogener Kapuze tragen. Nein, du mu�t alles �ndern, was ge�ndert werden kann. Zum einen wirst du weiterhin den Namen Elmindreda ben�tzen. Es ist schlie�lich auch dein Name.� Min zuckte zusammen. �Dein Haar ist beinahe so lang wie das Leanes, lang genug, um Locken hineinzubrennen. Was den Rest betrifft... Ich habe niemals Rouge und Puder und Schminke ben�tzt, aber Leane wei� noch, wie man damit umgeht.� Min hatte seit der Erw�hnung der Locken immer gr��ere Augen gemacht. �O nein�, brachte sie m�hsam hervor.</p><p>�Keiner wird dich noch f�r die Min halten, die immer in Hosen herumlief, wenn Leane erst eine perfekte Elmindreda aus dir gemacht hat.� �O NEIN!� �Was den Grund deines Aufenthalts in der Burg betrifft � hmmm, ein Grund, der zu einer flatterhaften jungen Frau pa�t, die in nichts wie Min wirkt � weder im Aussehen, noch im Benehmen.� Die Amyrlin runzelte nachdenklich die Stirn und ignorierte Mins Bem�hungen, auch zu Wort zu kommen. �Ja. Ich werde verbreiten lassen, da� Frau Elmindreda gleich zwei Freier soweit ermutigte, da� sie sich jetzt in der Burg vor ihnen in Sicherheit bringen mu�, bis sie sich zwischen ihnen entscheiden kann. Jedes Jahr bitten doch noch ein paar Frauen hier um Asyl, und die Gr�nde sind manchmal tats�chlich so idiotisch.� Ihr Gesicht verh�rtete sich wieder, und ihr Blick wurde sch�rfer. �Wenn du immer noch an Tear denkst, �berlege genau. �berlege, ob du hier oder dort f�r Rand von gr��erem Nutzen sein kannst. Wenn die Schwarzen Ajah die Burg st�rzen oder, noch schlimmer, in ihre H�nde bekommen, dann verliert Rand selbst die wenige Hilfe, die ich ihm zuteil werden lassen kann. Also. Bist du eine Frau oder ein liebeskrankes M�dchen?� In der Falle gefangen. Min sah das genauso deutlich, als habe sie einen Fallstrick am Bein. �Setzt Ihr euch immer so bei anderen Menschen durch, Mutter?� Das L�cheln der Amyrlin war diesmal sogar noch k�lter.</p><p>�F�r gew�hnlich, mein Kind. F�r gew�hnlich.� Elaida r�ckte ihre Stola mit den roten Fransen zurecht und blickte nachdenklich die T�r zum Arbeitszimmer der Amyrlin an, durch die gerade eben zwei junge Frauen verschwunden waren. Die Novizin kam nur Augenblicke sp�ter wieder heraus, warf einen Blick auf Elaidas Gesicht und h�tte beinahe losgeheult. Elaida glaubte, sie zu erkennen, obwohl ihr der Name des M�dchens nicht mehr einfiel. Sie hatte Wichtigeres zu tun, als unfolgsamen Kindern etwas beizubringen. �Dein Name?� �Sahra, Elaida Sedai.� Die Antwort des M�dchens kam als atemloses Quieken heraus. Elaida hatte vielleicht nicht viel Interesse an den Novizinnen, aber die Novizinnen kannten sie und ihren Ruf.</p><p>Nun erinnerte sie sich an das M�dchen. Eine Tagtr�umerin mit beschr�nkten F�higkeiten, die niemals wirklich m�chtig sein w�rde. Es war zweifelhaft, da� sie mehr wu�te, als Elaida bereits geh�rt und gesehen hatte, oder da� sie sich an mehr als nur Gawyns L�cheln erinnerte. Eine N�rrin. Elaida machte eine wegwerfende Handbewegung.</p><p>Das M�dchen knickste so tief, da� ihr Gesicht fast die Bodenplatten ber�hrte, und dann floh sie im Laufschritt.</p><p>Elaida sah ihr nicht nach. Die Rote Schwester hatte sich abgewandt und die Novizin bereits vergessen. Als sie den Korridor entlangrauschte, war keine Falte auf ihren glatten Gesichtsz�gen zu entdecken, aber in ihrem Innern brodelte es. Sie bemerkte nicht einmal die Dienerinnen, die Novizinnen und Aufgenommenen, die ihr hastig auswichen und knicksten, wenn sie an ihnen vorbeilief. Einmal h�tte sie beinahe eine Braune Schwester �berrannt, die ihre Nase in ein B�ndel Papiere gesteckt hatte und nichts sah oder h�rte. Die mollige Braune sprang mit einem �berraschten Aufschrei zur�ck, aber Elaida h�rte nicht einmal das.</p><p>Kleid oder nicht, sie kannte die junge Frau, die zur Amyrlin hineingegangen war. Min, die bei ihrem ersten Besuch in der Burg bereits soviel Zeit mit der Amyrlin verbracht hatte, obwohl niemand den Grund daf�r kannte. Min, die so eng mit Elayne, Egwene und Nynaeve befreundet war. Die Amyrlin hielt den Aufenthaltsort der drei geheim. Da war Elaida ganz sicher. Alle Berichte, sie arbeiteten zur Strafe auf einem Bauernhof, stammten �ber drei oder vier Ecken letzten Endes von Siuan Sanche selbst. Aber durch diese Art der Verbreitung wurde alles so geschickt verschleiert, da� man ihr keine L�ge nachweisen konnte. Ganz zu schweigen von der Tatsache, da� Elaidas gesamte Bem�hungen, diesen Bauernhof zu finden, umsonst gewesen waren.</p><p>�Licht, versenge sie!� Einen Augenblick lang stand offene Wut in ihrem Gesicht. Sie war sich dabei nicht einmal sicher, ob sie Siuan Sanche damit meinte, oder die Tochter-Erbin. Das nahm sich nichts. Eine schlanke Aufgenommene h�rte sie sprechen, sah ihr ins Gesicht und wurde so wei� wie ihr Kleid. Elaida schritt an ihr vorbei, ohne sie zu bemerken.</p><p>Von allem anderen abgesehen, machte es sie w�tend, da� sie Elayne nicht aufsp�ren konnte. Elaida konnte manchmal Zuk�nftiges vorhersagen. Es geschah selten und war nur schwach ausgepr�gt, aber immer noch mehr, als irgendeine Aes Sedai seit Gitara Moroso, die vor zwanzig Jahren gestorben war, von sich behaupten konnte. Das erstemal, als eine solche Weissagung �ber sie gekommen war � sie war damals noch eine Aufgenommene gewesen, aber immerhin clever genug, es f�r sich zu behalten � hatte sie gesehen, da� die k�nigliche Familie von Andor der Schl�ssel zur Niederlage des Dunklen K�nigs in der Letzten Schlacht sein werde. Sie hatte sich Morgase angeschlossen, sobald klar war, da� diese den Thron besteigen w�rde, und dann hatte sie geduldig, Jahr f�r Jahr, ihren Einflu� ausgebaut. Und nun konnte es sein, da� all ihre M�hen und Opfer � h�tte sie sich nicht auf Andor konzentriert, w�re sie wom�glich l�ngst auf dem Amyrlin-Sitz � umsonst gewesen waren, weil sie Elayne nicht mehr finden konnte.</p><p>Sie zwang sich, wieder nur an das zu denken, was jetzt wichtig war. Egwene und Nynaeve stammten aus dem gleichen Dorf wie dieser eigenartige junge Mann, Rand al'Thor. Und Min kannte ihn ebenfalls, auch wenn sie versucht hatte, diese Tatsache zu verheimlichen. Rand al'Thor war der Schl�ssel zu allem.</p><p>Elaida hatte ihn nur einmal in Andor gesehen � als angeblichen Schafhirten von den Zwei Fl�ssen � aber er sah genau aus wie ein Aielmann. Als sie ihn damals gesehen hatte, war eine Weissagung �ber sie gekommen. Er war <emphasis>ta'veren</emphasis> und geh�rte zu diesen h�chst seltenen Menschen, die nicht dem Willen des Rads der Zeit entsprechend in das Gro�e Muster verwoben werden, sondern die statt dessen das. Muster zwangen, sich um sie herum neu zu formen, jedenfalls f�r eine bestimmte Zeit. Und Elaida hatte um ihn herum Chaos gesehen, Zersplitterung und Streit um Andor und vielleicht sogar noch gr��ere Teile der Welt. Doch Andor mu�te als Einheit erhalten bleiben, was auch geschehen mochte; davon hatte sie ihre allererste Weissagung �berzeugt.</p><p>Es gab noch mehr Spuren, genug, um Siuan in ihrem eigenen Netz zu fangen. Wenn man den Ger�chten Glauben schenkte, gab es drei <emphasis>Ta'veren</emphasis> und nicht nur einen. Alle drei aus dem gleichen Dorf, diesem Emondsfeld, und alle drei beinahe im gleichen Alter. Dieser seltsame Zufall hatte schon genug Gerede in der Burg ausgel�st. Und anl��lich Siuans Reise nach Schienar vor fast einem Jahr hatte sie alle drei gesehen und sogar mit ihnen gesprochen. Rand al'Thor. Perrin Aybara. Matrim Cauthon. Man schrieb es immer noch einem Zufall zu. Einfach ein ganz verr�ckter Zufall. Sagte man. Diejenigen, die das behaupteten, wu�ten nicht, was Elaida wu�te.</p><p>Als Elaida den jungen al'Thor kennengelernt hatte, war es Moiraine gewesen, die ihn verschwinden lie�. Moiraine, die ihn und die anderen beiden <emphasis>Ta'veren</emphasis> in Schienar begleitet hatte. Moiraine Damodred, die Siuan Sanches engste Freundin in ihrer gemeinsamen Novizinnenzeit gewesen war. W�re Elaida jemand gewesen, der Wetten abschlie�t, dann h�tte sie darauf gewettet, da� sich niemand sonst in der Burg an diese Freundschaft erinnerte. An dem Tag, als sie zur Aes Sedai erhoben worden waren, am Ende des Aielkriegs, waren Siuan und Moiraine auseinandergegangen und hatten sich sp�ter wie eine Fremde gegen�ber der anderen verhalten. Aber Elaida war eine der Aufgenommenen gewesen, die sich um diese beiden Novizinnen zu k�mmern hatten, hatte sie unterrichtet und sie gescholten, wenn sie schlampig gearbeitet hatten, und sie erinnerte sich noch daran. Sie konnte kaum glauben, da� die beiden ihre Intrige damals bereits geplant hatten � al'Thor war bestimmt erst kurz davor geboren �, aber er war das Bindeglied zwischen ihnen. Das zu wissen, gen�gte ihr vollauf.</p><p>Was Siuan auch vorhaben mochte, sie mu�te unbedingt daran gehindert werden. Aufruhr und Chaos verbreiteten sich auf allen Seiten. Es war sicher, da� der Dunkle K�nig freikommen w�rde. Bei dem blo�en Gedanken daran schauderte Elaida und zog die Stola enger um ihre Schultern. Und die Burg war so in kleinliche Streitereien verwickelt, da� sie dem nichts entgegenzusetzen hatten. Die Burg mu�te wieder frei sein, um die F�den zu spinnen, an denen ganze Nationen hingen, und sie mu�te frei sein von all den Schwierigkeiten, die Rand al'Thor aufbeschwor. Die Welt mu�te jetzt zusammenstehen. Irgendwie mu�te er daran gehindert werden, Andor zu zerst�ren.</p><p>Sie hatte niemandem anvertraut, was sie �ber al'Thor wu�te. Sie hatte vor, wenn m�glich, in aller Stille mit ihm fertigzuwerden. Der Saal der Burg sprach bereits davon, diese <emphasis>Ta'veren</emphasis> zu beobachten und sogar zu f�hren. Sie w�rden niemals zustimmen, die drei oder speziell diesen einen zu beseitigen, aber er mu�te beseitigt werden. Zum Besten der Burg. Zum Besten der ganzen Welt.</p><p>Sie gab einen kehligen Laut von sich, fast ein Grollen. Siuan war immer schon eigensinnig gewesen, selbst als Novizin, und hatte sich f�r die Tochter eines armen Fischers eine Menge herausgenommen, aber wie konnte sie es wagen, die Burg in so etwas zu verwickeln, ohne dem Saal davon zu berichten? Sie wu�te genausogut wie die anderen, was ihnen bevorstand. Es konnte h�chstens dann noch schlimmer kommen, wenn...</p><p>Mit einem Mal blieb Elaida stehen und starrte ins Leere. Konnte es sein, da� dieser al'Thor... die Macht ben�tzte? Oder einer der anderen? Wenn, dann wahrscheinlich al'Thor. Nein. Sicher nicht. Nicht einmal Siuan w�rde sich mit einem von der Sorte abgeben. Das konnte sie nicht. �Wer wei�, was diese Frau fertigbringt?� murmelte sie. �Sie war noch nie f�r den Amyrlin-Sitz geeignet.� �F�hrt Ihr Selbstgespr�che, Elaida? Ich wei� ja, da� Ihr Roten au�erhalb Eurer Ajah keine Freundinnen habt, aber sicher habt Ihr doch wenigstens Freundinnen innerhalb, mit denen Ihr reden k�nnt.� Elaida wandte sich um und musterte Alviarin. Die Aes Sedai mit dem edlen Schwanenhals sah ihr mit dieser unertr�glichen K�hle und Selbstsicherheit in die Augen, die alle Wei�en Ajah auszeichnete. Die Roten und die Wei�en liebten sich nicht gerade; sie hatten tausend Jahre lang auf gegen�berliegenden Seiten des Burgsaals gesessen. Die Wei�en hielten mit den Blauen zusammen, und Siuan war eine Blaue gewesen. Doch die Wei�en waren stolz darauf, leidenschaftslos logisch zu denken.</p><p>�Geht ein St�ck mit mir�, sagte Elaida. Alviarin z�gerte und schlo� sich ihr dann doch an.</p><p>Zuerst zog die Wei�e Schwester mi�billigend die Augenbrauen hoch, als Elaida ihr sagte, was sie von Siuan glaubte, aber sp�ter runzelte sie doch nachdenklich die Stirn. �Ihr habt keinen Beweis daf�r, da� sie etwas so... Ungeb�hrliches tut�, sagte sie, als Elaida schlie�lich schwieg.</p><p>�Noch nicht�, sagte Elaida mit fester Stimme. Sie gestattete sich ein verkrampftes L�cheln, als Alviarin nickte. Ein Anfang war gemacht. Auf welche Art auch immer, Siuan w�rde davon abgehalten, die Burg zu zerst�ren.</p><p>Dain Bornhald stand gut versteckt in einer Gruppe hoher Lederblattb�ume �ber dem Nordufer des Taren. Er warf den wei�en Umhang mit der strahlenden goldenen Sonne auf der Brust zur�ck und hob die feste Lederr�hre des Fernrohrs an sein Auge. Eine Wolke von Stechmichs surrte um sein Gesicht herum, doch er ignorierte sie. Im Dorf Taren-F�hre auf der gegen�berliegenden Seite des Flusses standen hochgebaute Steinh�user auf massiven Sockeln, die sie vor den �berflutungen in jedem Fr�hjahr sch�tzten. Die Dorfbewohner hatten sich aus den Fenstern gelehnt oder standen auf Balkonen herum und beobachteten die drei�ig Reiter in wei�en Umh�ngen und gl�nzenden R�stungen, die vor ihnen auf ihren Pferden sa�en. Eine Delegation von M�nnern und Frauen aus dem Dorf verhandelte mit den Reitern. Genauer gesagt: sie lauschten Jaret Byar, soweit Bornhald erkennen konnte.</p><p>Bornhald konnte beinahe seines Vaters Stimme h�ren: <emphasis>Wenn du sie in dem Glauben l��t, sie h�tten eine Chance, wird irgend ein Narr sie zu ergreifen versuchen. Dann mu� wieder get�tet werden und ein weiterer Narr wird versuchen, den ersten zu r�chen, und wieder wird es Tote geben. Mach ihnen von Anfang an angst vor dem Licht, la� sie wissen, da� niemandem etwas geschieht, solange sie tun, was man ihnen sagt, und du bekommst keine Schwierigkeiten.</emphasis></p><p>Seine Kiefer verkrampften sich bei dem Gedanken an seinen toten Vater. Er mu�te deshalb noch etwas unternehmen, und zwar bald. Er war sicher, da� nur Byar wu�te, warum er so bereitwillig dieses Kommando �bernommen und sich in das fast vergessene Hinterland von Andor begeben hatte, und Byar w�rde den Mund halten. Byar war Dains Vater so treu ergeben gewesen wie ein Hund, und diese Loyalit�t hatte er nun auf Dain �bertragen. Bornhald hatte keinen Augenblick lang gez�gert, ihn zu seinem Stellvertreter zu ernennen, als Eamon Valda ihm dieses Kommando anvertraute.</p><p>Byar wendete sein Pferd und ritt auf die F�hre zur�ck. Sofort legten die F�hrschiffer ab und begannen, den breitgebauten Kahn mit Hilfe eines �ber den Flu� gespannten schweren Seils hin�berzuziehen. Byar sah kurz die M�nner am Seil an. Sie beobachteten ihn nerv�s, w�hrend sie die F�hre entlangstapften und dann zur�ckgingen, um das Seil erneut aufzunehmen. Es sah alles gut aus.</p><p>�Lord Bornhald?� Bornhald senkte das Fernrohr und blickte sich um. Der Mann mit dem harten Gesicht, der neben ihm erschienen war, stand stramm und starrte unter seinem kegelf�rmigen Helm stur geradeaus hervor. Selbst nach der schweren Anreise von Tar Valon, auf der Bornhald die Truppe st�ndig zu gr��erer Eile angetrieben hatte, gl�nzte seine R�stung genauso sauber und fleckenlos wie der schneewei�e Umhang mit der strahlenden goldenen Sonne.</p><p>�Ja, Kind Ivon?� �Hundertschaftsf�hrer Farran schickt mich, Lord Bornhald. Es sind die Kesselflicker. Ordeith sprach mit dreien von ihnen, Lord, und nun ist keiner der drei mehr auffindbar.� �Blut und Asche!� Bornhald fuhr auf dem Fu� herum und schritt zwischen die B�ume zur�ck mit Ivon auf den Fersen.</p><p>Au�er Sichtweite vom Flu� nahmen die Reiter in ihren wei�en Umh�ngen den gesamten Raum zwischen den Lederblattb�umen und einer Gruppe von Kiefern ein. Sie hielten ihre Lanzen mit der L�ssigkeit langer Gew�hnung in den H�nden oder hatten die B�gen �ber die Sattelh�rner geh�ngt. Die Pferde stampften ungeduldig mit den Hufen und schlugen mit den Schweifen. Die Reiter warteten um einiges gelassener. Es war nicht das erste Mal, da� sie einen Flu� �berqueren und ein unbekanntes Gel�nde betreten mu�ten, und diesmal w�rde sie niemand daran zu hindern suchen.</p><p>Auf einer gro�fl�chigen Lichtung hinter den Berittenen stand eine ganze Karawane der Tuatha'an, des Fahrenden Volks. Kesselflicker. Beinahe hundert pferdegezogene Wagen, wie kleine Schachtelh�user auf R�dern, blendeten den Blick mit ihren unz�hligen Farben und Farbt�nen: Rot und Gr�n und Gelb und jede �berhaupt vorstellbare Farbenkombination war da zu sehen, an der auch nur das Auge eines Kesselflickers seine Freude haben konnte. Die Menschen selbst trugen Kleidung, die ihre Wagen noch an Farbigkeit �bertrafen. Sie sa�en in einer gro�en Gruppe auf dem Boden und betrachteten die Berittenen mit eigenartig gelassenem Unbehagen. Ein weinendes Kind wurde schnell von seiner Mutter beruhigt. In der N�he lag ein von Fliegen umschwirrter Haufen toter Hunde. Die Kesselflicker erhoben nicht einmal eine Hand, um sich zu verteidigen, und die Hunde waren wohl eher zur Abschreckung dagewesen, aber Bornhald wollte kein Risiko eingehen.</p><p>Er hatte nur sechs Mann f�r n�tig gehalten, um die Kesselflicker zu bewachen. Doch sogar mit wachsamunbeweglichen Mienen wirkten sie noch verlegen. Keiner sah den siebten Mann an, der in der N�he der Wohnwagen auf seinem Pferd sa� � einen knochigen, kleinen Mann mit gro�er Nase in einem dunkelgrauen Rock, der trotz der Qualit�t seines Zuschnitts zu gro� an ihm wirkte. Farran, ein b�rtiger Brocken von Mann, der trotz seiner Gr��e und Breite leichtf��ig war, stand da und funkelte w�tend alle sieben an. Der Hundertschaftsf�hrer dr�ckte eine im Kampfhandschuh steckende Hand zum Gru� ans Herz, �berlie� aber Bornhald das Reden.</p><p>�Auf ein Wort, Meister Ordeith�, sagte Bornhald ruhig. Der knochige Mann neigte den Kopf und sah Bornhald eine Weile stumm an, bevor er vom Pferd stieg. Farran grollte, doch Bornhald sprach leise weiter: �Drei der Kesselflicker sind unauffindbar, Meister Ordeith. Habt Ihr vielleicht Euren eigenen Vorschlag in die Tat umgesetzt?� Die ersten Worte, die Ordeith beim Anblick der Kesselflicker ausgesprochen hatte, waren gewesen: �T�tet sie. Sie sind zu nichts zu gebrauchen.� Bornhald hatte schon genug M�nner get�tet, aber die Nebens�chlichkeit, mit der der kleine Mann das abtat, war ihm doch unheimlich.</p><p>Ordeith rieb sich mit dem Finger einen Nasenfl�gel. �Also, warum sollte ich sie wohl t�ten? Und das, nachdem Ihr mich derart angegangen seid, nur, weil ich es vorschlug.� Sein Lugarder Dialekt war heute besonders deutlich � auch etwas an dem Mann, das Bornhald st�rte.</p><p>�Dann habt Ihr ihnen wohl zu entkommen gestattet?� �Was das betrifft, habe ich ein paar von ihnen mitgenommen, so da� ich in Erfahrung bringen konnte, was sie wu�ten. Ungest�rt, versteht sich.� �Was sie wu�ten? Was beim Licht k�nnen Kesselflicker wissen, das uns n�tzen k�nnte?� �Das kann man nie sagen, bevor man sie nicht befragt hat, oder?� sagte Ordeith. �Ich habe keinem von ihnen besonders weh getan, und ich sagte ihnen, sie sollten sich zu ihren Wohnwagen zur�ckbegeben. Wer h�tte auch gedacht, da� sie die Frechheit besitzen, trotz Eurer vielen M�nner wegzulaufen?� Bornhald wurde bewu�t, da� er mit den Z�hnen knirschte. Seine Befehle hatten gelautet, da� er so schnell wie m�glich mit diesem eigenartigen Burschen zusammentreffen solle, der ihm dann weitere Befehle �bermitteln werde. Bornhald hatte nichts daran gepa�t, aber beide Papiere hatten das Siegel und die Unterschrift Pedron Nialls getragen, des kommandierenden Lordhauptmanns der Kinder des Lichts.</p><p>Zuviel war darin ungesagt geblieben, wie zum Beispiel Ordeiths genaue Bedeutung. Der kleine Mann befand sich hier, um Bornhald zu beraten, und Bornhald sollte mit ihm zusammenarbeiten. Ob Ordeith unter seinem Kommando stand, war offengeblieben. Zwischen den Zeilen war deutlich geworden, da� er die Ratschl�ge dieses Burschen beherzigen solle, und das gefiel ihm gar nicht. Selbst der Grund, warum man so viele Kinder in diese Hinterw�ldlerregion sandte, war unklar. Nat�rlich sollte man Schattenfreunde aufsp�ren und das Licht ausbreiten �das war ja selbstverst�ndlich. Aber beinahe eine halbe Legion ohne Erlaubnis in den Bereich Andors einzuschleusen... Der Orden riskierte eine Menge, falls die K�nigin in Caemlyn davon erfuhr. Es war zuviel, als da� es von den wenigen Antworten aufgewogen w�rde, die Bornhald erhalten hatte.</p><p>Es hing letzten Endes alles mit Ordeith zusammen. Bornhald konnte nicht verstehen, wieso der kommandierende Lordhauptmann diesem Manne vertraute. Er grinste so hinterh�ltig, hatte dazwischen schlimme Launen, starrte einen durchdringend an, und man war sich nie sicher, mit welcher Art von Mensch man da eigentlich sprach. Ganz zu schweigen davon, da� er mitten im Satz den Dialekt wechselte. Die f�nfzig Kinder, die Ordeith begleitet hatten, waren selbst schon derart m�rrisch und unausgeglichen, wie Bornhald es noch nie erlebt hatte. Er glaubte, Ordeith habe die M�nner wohl selbst ausgew�hlt, um immer finstere Mienen um sich zu haben, und diese Wahl war charakteristisch f�r den Mann. Selbst sein Name, Ordeith, bedeutete in der Alten Sprache soviel wie �Wurmholz�. Sicher hatte Bornhald seine eigenen Gr�nde, die ihn hierher f�hrten. Und so w�rde er eben mit diesem Mann zusammenarbeiten, wenn es nicht zu umgehen war. Aber nur soweit, wie unbedingt n�tig.</p><p>�Meister Ordeith�, sagte er mit sorgf�ltig beherrschter Stimme, �diese F�hre ist der einzige Weg in das Gebiet der Zwei Fl�sse hinein und wieder heraus.� Das entsprach nicht ganz der Wahrheit. Der Landkarte nach, die er in seinem Gep�ck hatte, gab es keinen anderen �bergang �ber den Taren als gerade hier, denn die oberen Bereiche des Manetherendrelle, der dieses Gebiet nach S�den hin abgrenzte, wiesen keine einzige Furt auf. Im Osten lagen Sumpfgebiete und Moore. Trotzdem mu�te es einen Weg nach Westen geben, �ber die Verschleierten Berge. Seine Landkarte endete aber am Rand der Bergkette. Das w�re allerdings wohl ein ziemlich schwieriger �bergang, bei dem m�glicherweise viele seiner M�nner den Tod finden k�nnten, und er hatte nicht die Absicht, Ordeith gegen�ber diese wenn auch noch so geringe M�glichkeit zu erw�hnen. �Wenn es Zeit wird, wegzureiten, und wenn wir Soldaten aus Andor vorfinden, die das andere Ufer halten, werdet Ihr mit den allerersten hin�berreiten. Es wird euch sicher interessieren, aus der N�he zu erleben, wie schwer es ist, sich den �bergang �ber einen solch breiten Flu� zu erzwingen, ja?� �Das ist Euer erstes Kommando, nicht wahr?� In Ordeith' Tonfall lag eine Andeutung von Spott.</p><p>�Dies ist vielleicht der Karte nach ein Teil Andors, aber Caemlyn hat seit Generationen keinen Steuereinnehmer mehr so weit nach Westen geschickt. Selbst wenn diese drei plaudern... Wer glaubt schon drei Kesselflickern? Wenn Ihr glaubt, die Gefahr sei zu gro�, dann verge�t bitte nicht, wessen Siegel Eure Befehle tragen.� Farran sah Bornhald an und war sichtlich kurz davor, nach seinem Schwert zu greifen. Bornhald sch�ttelte ganz leicht den Kopf, und Farran lie� seine Hand sinken. �Ich habe vor, den Flu� zu �berqueren, Meister Ordeith. Ich werde ihn �berqueren, auch wenn ich im n�chsten Moment h�re, da� Gareth Bryne mit der K�niglichen Garde bis Sonnenuntergang hier sein wird.� �Selbstverst�ndlich�, sagte Ordeith, der sich pl�tzlich um Beruhigung bem�hte. �Es wird hier genausoviel Ruhm zu ernten geben wie vor Tar Valon, das kann ich Euch versichern.� Seine tiefliegenden dunklen Augen schienen wieder ins Leere zu blicken. �Es gibt auch in Tar Valon Dinge, die ich haben will.� Bornhald sch�ttelte den Kopf. <emphasis>Und ich mu� mit so was zusammenarbeiten.</emphasis></p><p>Jaret Byar ritt heran und schwang sich neben Farran aus dem Sattel. Byar war genauso gro� wie der Hundertschaftsf�hrer und hatte ein langes Gesicht mit dunklen, tiefliegenden Augen. Er sah aus, als habe man jedes bi�chen Fett aus seinem K�rper herausgekocht. �Das Dorf ist gesichert, Lord Bornhald. Lucellin pa�t auf, da� niemand durchschl�pfen kann. Sie haben sich beinahe in die Hosen gemacht, als ich das Wort Schattenfreunde erw�hnte. Gibt keinen in ihrem Dorf, sagten sie. Die Leute weiter im S�den, denen k�nne man das aber zutrauen, sagten sie.� �Weiter im S�den also?� sagte Bornhald knapp. �Wir werden ja sehen. F�hre dreihundert �ber den Flu�, Byar. Farrans Truppe zuerst. Der Rest soll hinter den Kesselflickern nachkommen. Und geht sicher, da� nicht noch mehr von denen verschwinden, ja?� �Wir werden die Zwei Fl�sse verheeren�, unterbrach Ordeith ihr Gespr�ch. Sein schmales Gesicht war verzerrt, und Speichel tropfte ihm von den Lippen. �Wir werden sie auspeitschen und ihnen die Haut abziehen und ihre Seelen verbrennen! Ich habe es ihm versprochen! Jetzt wird er zu mir kommen! Er wird kommen!� Bornhald nickte Byar und Farran zu, sie sollten seinen Befehlen nachkommen. <emphasis>Ein Verr�ckter,</emphasis> dachte er. <emphasis>Der kommandierende Lordhauptmann hat mir einen Verr�ckten beigeordnet. Aber wenigstens werde ich den Weg zu Perrin von den Zwei Fl�ssen auf diese Art finden. Was ich auch tun mu�: Ich werde meinen Vater r�chen!</emphasis></p><p>Von einer mit S�ulen umgebenen Terrasse auf dem Gipfel eines H�gels aus blickte die Hochlady Suroth �ber das breite, unsymmetrische Becken des Hafens von Cantorin hinweg. Ihr Kopf war auf beiden Seiten glattrasiert, so da� nur in der Mitte ein �briggebliebener Streifen schwarzen Haares bis auf ihren R�cken fiel. Ihre H�nde ruhten entspannt auf dem glatten Stein eines Gel�nders, das genauso jungfr�ulich wei� war wie ihre Robe mit ihren Hunderten von glitzernden Pailletten. Als sie unbewu�t mit ihren beeindruckend langen Fingern�geln auf das Gel�nder klopfte, konnte man ein rhythmisches Klicken h�ren. Die N�gel an den beiden ersten Fingern jeder Hand hatte sie blau lackiert.</p><p>Eine leichte Brise wehte vom Aryth-Meer her und f�hrte in ihrer K�hle mehr als nur einen Hauch von Salzgeruch mit sich. Hinter der Hochlady knieten zwei junge Frauen an der Mauer und hielten F�cher mit gro�en, wei�en Federn bereit, falls die Brise sich legen w�rde. Zwei weitere Frauen und vier junge M�nner vervollst�ndigten die Reihe der niedergekauerten Dienstboten, die bereit waren, jeden ihrer Auftr�ge augenblicklich auszuf�hren. Alle acht waren barfu� und trugen durchscheinende Gew�nder, um den Sinn der Hochlady f�r das Sch�ne durch die Grazie ihrer Bewegungen und die weichen Linien ihrer K�rper zu erfreuen. Im Augenblick bemerkte Suroth die Diener jedoch nicht einmal, so als seien sie vertraute M�belst�cke.</p><p>Die sechs Totenw�chter jedoch, die an jedem Ende der S�ulenreihe aufgestellt waren, bemerkte sie sehr wohl. Sie standen starr wie Statuen da und hielten ihre Speere mit den schwarzen Quasten und die schwarzlackierten Schilde.</p><p>Diese W�chter waren gleichzeitig Symbol ihres Triumphes und der Gefahr, in der sie sich befand. Die Totenw�chter dienten ausschlie�lich der Kaiserin und ihren erw�hlten Vertretern, und sie w�rden mit gleicher Hingabe f�r sie t�ten oder sterben, was auch notwendig sein mochte. Es gab ein Sprichwort: �Hoch droben sind die Pfade mit Dolchen gepflastert.� Ihre Fingern�gel klickten auf der Steinbr�stung. Wie rasiermesserscharf doch die Schneide war, auf der sie wandelte.</p><p>Schiffe der Atha'an Miere, des Meervolks, f�llten den inneren Hafen hinter dem Deich. Selbst die gr��ten von ihnen wirkten viel zu schmal f�r ihre L�nge. Ihre Takelage war durchtrennt, und die Masten und Ladeb�ume standen in verr�ckten Winkeln ab. Die Decks waren leer. Die Besatzungen befanden sich an Land und unter Bewachung, so wie alle von diesen Inseln, die in der Lage waren, auf die hohe See hinauszusegeln. Im Au�enhafen lagen an die zwanzig plumpe, kastenf�rmige Schiffe der Seanchan. Weitere ankerten direkt vor der Hafeneinfahrt. Eines, die gerippten Segel voll im Wind gebl�ht, begleitete einen Schwarm kleiner Fischerboote zum Inselhafen zur�ck. Falls die kleinen Boote sich zerstreuen sollten, k�nnten vielleicht einige entkommen, aber auf dem Seanchan-Schiff fuhr eine <emphasis>Damane</emphasis> mit, und eine einzige Demonstration ihrer Kr�fte hatte gen�gt, um jeden Gedanken an Flucht zu unterbinden. Auf einer Schlammbank in der N�he der Hafeneinfahrt lag immer noch der verkohlte, zerschmetterte Rumpf eines der Schiffe des Meervolks...</p><p>Suroth wu�te nicht, wie lange sie die Tatsache, da� sie diese Inseln besetzt hielt, vor dem �brigen Meervolk und den verfluchten Festl�ndern noch geheimhalten konnte. <emphasis>Lange genug,</emphasis> sagte sie sich. <emphasis>Es mu� einfach ausreichen.</emphasis></p><p>Sie hatte so etwas wie ein Wunder vollbracht, als sie die meisten �berlebenden der Seanchan-Streitkr�fte nach dem Debakel, in das Hochlord Turak sie gef�hrt hatte, um sich sammelte. Fast alle der aus Falme entkommenen Schiffe hatten sich ihrem Kommando unterstellt, und niemand machte ihr das Recht streitig, die <emphasis>Hailene,</emphasis> die Vorg�nger, zu befehligen. Falls ihr Wunder anhielt, w�rde niemand auf dem Festland auf die Idee kommen, da� sie sich hier befanden. Sie warteten, um schlie�lich doch die L�nder wiederzugewinnen, zu deren R�ckeroberung die Kaiserin sie ausgesandt hatte, um die <emphasis>Corenne,</emphasis> die R�ckkehr, auf diese Art zu erzwingen. Ihre Spione erkundeten bereits die M�glichkeiten. Es w�rde nicht notwendig sein, zum Hof der Neun Monde zur�ckzukehren und sich bei der Kaiserin f�r ein Versagen zu entschuldigen, das nicht einmal ihres war.</p><p>Der Gedanke daran, sich vor der Kaiserin entschuldigen zu m�ssen, brachte sie zum Zittern. Eine solche Entschuldigung kam immer einer Dem�tigung gleich und war gew�hnlich schmerzlich, aber was sie so erzittern lie�, war die M�glichkeit, da� ihr am Ende der Tod verwehrt wurde und sie gezwungen sein k�nnte, weiterzumachen, als sei nichts geschehen, w�hrend jeder, Gemeine wie die vom Blute, von ihrer Erniedrigung w��ten. Ein gutaussehender junger Diener sprang auf und reichte ihr eine bla�gr�ne Robe mit aufgestickten, leuchtend bunten Paradiesv�geln. Sie breitete ihre Arme aus, damit er sie ihr umlegen konnte, und nahm dabei kaum mehr von ihm wahr als von einem Staubkorn neben ihrem Samtpantoffel.</p><p>Um einer solchen Entschuldigung zu entgehen, mu�te sie wieder einnehmen, was vor tausend Jahren verloren gegangen war. Und zu diesem Zwecke mu�te sie mit dem Mann fertigwerden, der, wie ihre Spione auf dem Festland berichteten, behauptete, der Wiedergeborene Drache zu sein. <emphasis>Wenn ich keinen Weg finde, mit ihm fertigzuwerden, wird die Mi�billigung der Kaiserin noch meine geringste Sorge sein.</emphasis></p><p>Sie wandte sich mit einer geschmeidigen Bewegung ab und betrat den langen Raum am Rande der Terrasse. Dessen Seeseite bestand fast nur aus T�ren und hohen Fenstern, um selbst noch die geringste Brise zu nutzen. Suroth gefiel das helle Holz der W�nde. Es hatte eine glatte Oberfl�che und schimmerte wie Satin. Sie hatte die M�bel des alten Eigent�mers, des ehemaligen Atha'an MiereGouverneurs von Cantorin, entfernen lassen und statt dessen standen nun ein paar hohe Stellw�nde im Raum, meist mit Bildern von V�geln oder Blumen geschm�ckt. Zwei davon unterschieden sich von den anderen: Eine zeigte eine gro�e, gefleckte Katze von den Sen T'jore, so gro� wie ein Pony, und die andere einen schwarzen Bergadler mit kronenf�rmig aufgestelltem Kamm und schneewei�en Fl�gelenden. Die ausgebreiteten Schwingen ma�en bestimmt volle sieben Fu� von einem Ende zum anderen. Solche Stellw�nde galten eher als vulg�r, doch Suroth liebte Tiere. Da sie nicht in der Lage gewesen war, ihren Privatzoo mit �ber das Aryth-Meer zu bringen, hatte sie sich diese Stellw�nde anfertigen lassen, die zwei ihrer Lieblinge zeigten. Es hatte ihr nie gepa�t, wenn ihr irgend etwas verwehrt wurde.</p><p>Drei Frauen erwarteten sie so, wie sie sie zur�ckgelassen hatte. Zwei knieten und eine lag ausgestreckt auf dem blanken, gl�nzenden, in hellem und dunklem Holz gemusterten Fu�boden. Die knienden Frauen trugen die dunkelblauen Kleider der <emphasis>Sul'dam.</emphasis> Auf der Brust und an den Seiten der R�cke waren rote Abzeichen mit gespaltenen, silbernen Blitzen aufgen�ht. Eine der beiden, Alwhin, eine blau�ugige Frau mit schmalem Gesicht und ewig m�rrischer Miene, hatte die linke H�lfte ihres Kopfes kahlrasiert. Der Rest ihres Haares hing zu einem hellbraunen Zopf geflochten auf ihre Schulter herunter.</p><p>Suroth verzog kurz den Mund beim Anblick Alwhins. Keine <emphasis>Sul'dam</emphasis> war je zuvor zur <emphasis>So'jhin</emphasis> erhoben worden, einer der oberen Dienerinnen des Blutes, die diesen Rang weiter vererben durfte, und dann auch noch zur Stimme des Blutes! Doch in Alwhins Fall hatte es einen Grund gegeben. Alwhin wu�te zuviel.</p><p>Trotzdem konzentrierte Suroth ihre Aufmerksamkeit auf die Frau in einfachem Dunkelgrau, die mit dem Gesicht nach unten auf dem Boden lag. Um den Hals der Frau lag ein weites Halsband aus silbrigem Metall, das durch eine gl�nzende Leine aus dem gleichen Material mit einem Armband am Handgelenk der zweiten <emphasis>Sul'dam,</emphasis> Taisa, verbunden war. Durch Leine und Halsband � den <emphasis>Adam</emphasis> �konnte Taisa die in Grau gekleidete Frau vollkommen kontrollieren. Und sie mu�te kontrolliert werden. Sie war eine <emphasis>Damane,</emphasis> eine Frau, die mit der Einen Macht umgehen konnte, und deshalb zu gef�hrlich, um frei herumzulaufen. Die Erinnerungen an die Heere der Nacht spukten auch nach tausend Jahren immer noch in den K�pfen der Seanchan herum, obwohl sie damals vernichtet worden waren.</p><p>Suroths Blick wanderte nerv�s zu den beiden <emphasis>Sul'dam.</emphasis> Sie vertraute keiner <emphasis>Sul'dam</emphasis> mehr, aber sie hatte keine andere Wahl. Keiner sonst konnte die <emphasis>Damane</emphasis> f�hren, und ohne die <emphasis>Damane...</emphasis> Das war undenkbar. Die Macht von Seanchan, ja die gesamte Macht des Kristallthrones, beruhte auf der Kontrolle �ber die <emphasis>Damane.</emphasis> Es gab zu viele Dinge, bei denen Suroth keine andere Wahl blieb, als da� sie sich gef�gt h�tte. So wie Alwhin, die zuschaute, als sei sie ihr ganzes Leben lang eine <emphasis>So'jhin</emphasis> gewesen. Nein: als sei sie selbst eine vom Blute und kniete nur dort, weil sie es so wollte.</p><p>�Pura.� Die <emphasis>Damane</emphasis> hatte einen anderen Namen gehabt, als sie, bevor sie in die H�nde der Seanchan fiel, noch eine der verha�ten Aes Sedai gewesen war, aber Suroth kannte ihn nicht, und er war ihr auch gleich. Der K�rper der grau gekleideten Frau spannte sich an, aber sie hob den Kopf nicht. Man hatte ihr auf besonders brutale Art das richtige Benehmen beigebracht. �Ich frage dich erneut, Pura. Wie h�lt die Wei�e Burg diesen Mann unter Kontrolle, der sich der Wiedergeborene Drache nennt?� Die <emphasis>Damane</emphasis> bewegte ihren Kopf ein ganz klein wenig, genug, um Taisa einen ver�ngstigten Blick zuzuwerfen. Falls ihre Antwort nicht zur Zufriedenheit der Fragerin ausfiel, konnte ihr die <emphasis>Sul'dam</emphasis> Schmerzen zuf�gen, ohne einen Finger zu r�hren, allein mit Hilfe des <emphasis>A'dam.</emphasis> �Die Burg w�rde niemals versuchen, einen falschen Drachen zu kontrollieren, Hochlady�, sagte Pura schwer atmend. �Sie w�rden ihn gefangennehmen und einer D�mpfung unterziehen.� Taisa blickte Suroth ver�rgert und fragend an. Die Antwort war Suroths Frage ausgewichen und hatte vielleicht sogar angedeutet, da� eine vom Blute die Unwahrheit ausgesprochen habe. Suroth sch�ttelte leicht den Kopf, nur eine winzige seitliche Bewegung, da sie nicht warten wollte, bis sich die <emphasis>Damane</emphasis> von einer Strafe erholt hatte, und Taisa neigte unterw�rfig den Kopf.</p><p>�Noch einmal, Pura: Was wei�t du �ber Aes Sedai... � Suroth verzog den Mund, als sie sich durch das Aussprechen dieser Bezeichnung selbst beschmutzen mu�te. �... Aes Sedai, die diesen Mann unterst�tzen? Ich warne dich. Unsere Soldaten k�mpften in Falme gegen Frauen aus der Burg, Frauen, die dort die Macht einsetzten, also versuche nicht, das abzuleugnen.� �Pura... Pura wei� nichts davon, Hochlady.� Es lag Eindringlichkeit in der Stimme der <emphasis>Damane</emphasis> und auch Unsicherheit. Sie warf Taisa wieder einen �ngstlichen Blick aus weit aufgerissenen Augen zu. Es war deutlich, da� sie verzweifelt darauf hoffte, da� man ihr Glauben schenke. �Vielleicht... Vielleicht die Amyrlin oder der Burgsaal... Nein, das w�rden sie nicht tun. Pura wei� es einfach nicht, Hochlady.� �Der Mann kann die Macht lenken�, sagte Suroth kurz angebunden. Die Frau auf dem Boden st�hnte auf, obwohl sie die gleichen Worte schon zuvor von Suroth geh�rt hatte. Dasselbe wieder auszusprechen verursachte Suroth beinahe Magenkr�mpfe, aber sie lie� sich keinerlei Unruhe anmerken. Nur wenig von dem, was in Falme geschehen war, konnte das Werk von Frauen gewesen sein, die die Macht als Waffe einsetzten. Das hatten die <emphasis>Damane</emphasis> gef�hlt, und die <emphasis>Sul'dam,</emphasis> die das dazugeh�rige Armband trugen, wu�ten es im gleichen Moment, wie sie immer wu�ten, was ihre <emphasis>Damane</emphasis> f�hlte. Das hie� aber, es mu�te das Werk dieses Mannes gewesen sein. Und das wiederum bedeutete, da� er unglaublich m�chtig sein mu�te. So m�chtig, da� Suroth sich bereits ein- oder zweimal mit flauem Gef�hl im Magen gefragt hatte, ob er vielleicht wirklich der Wiedergeborene Drache sein k�nnte. <emphasis>Das kann einfach nicht sein,</emphasis> sagte sie sich dann aber entschlossen. Und letzten Endes spielte das f�r ihre Pl�ne auch keine Rolle. �Es ist unm�glich zu glauben, da� selbst die Wei�e Burg einen solchen Mann frei herumlaufen lassen w�rde. Wie halten sie ihn unter Kontrolle?� Die <emphasis>Damane</emphasis> lag schweigend da mit dem Gesicht am Boden. Ihre Schultern zuckten. Sie weinte.</p><p>�Antworte der Hochlady!� sagte Taisa in scharfem Ton. Taisa bewegte sich nicht, aber Pura keuchte und zuckte zusammen, als sei sie von einem Peitschenhieb getroffen worden. Der Schlag war durch den <emphasis>A'dam</emphasis> �bermittelt worden.</p><p>�P-Pura wei� es n-nicht.� Die <emphasis>Damane</emphasis> streckte z�gernd eine Hand aus, als wolle sie Suroths Fu� ber�hren. �Bitte. Pura hat gelernt, zu gehorchen. Pura sagt nur die Wahrheit. Bitte bestraft Pura nicht.� Suroth trat geschmeidig einen Schritt zur�ck und lie� sich ihren �rger nicht anmerken. Da� sie von einer <emphasis>Damane</emphasis> zu einer �berfl�ssigen Bewegung gezwungen wurde! Da� sie beinahe von einer ber�hrt wurde, die die Macht lenkte! Sie f�hlte den Wunsch in sich aufsteigen, ein Bad zu nehmen, als habe die Ber�hrung tats�chlich stattgefunden.</p><p>Taisas dunkle Augen quollen ihr ob der Frechheit dieser <emphasis>Damane</emphasis> beinahe aus dem Kopf. Ihre Wangen liefen rot an vor Scham, da� so etwas geschehen konnte, w�hrend sie das Armband dieser Frau trug. Sie konnte sich kaum entscheiden, ob sie sich neben der <emphasis>Damane</emphasis> auf den Boden werfen und um Verzeihung bitten oder die Frau gleich an Ort und Stelle bestrafen solle. Alwhin blickte mit zusammengepre�ten Lippen ver�chtlich drein. Ihre Miene lie� jedermann wissen, da� solche Dinge bestimmt nicht geschehen w�rden, wenn sie ein Armband trug.</p><p>Suroth hob einen Finger ein winziges St�ck und gab damit ein Zeichen, das jede <emphasis>Sojhin</emphasis> von Kindheit an kannte: Sie sollten gehen.</p><p>Alwhin z�gerte ein wenig, bevor sie das Zeichen deutete, und dann bem�hte sie sich, ihren Fehler damit zu �berspielen, da� sie Taisa grob anfuhr: �Entferne diese... Kreatur aus der Gegenwart der Hochlady Suroth. Und wenn du sie bestraft hast, geh zu Surela und sage ihr, da� du deine Untergebenen so schlecht unter Kontrolle hast, als h�ttest du noch nie ein Armband getragen. Sage ihr, da� du... � Suroth verbannte Alwhins Stimme aus ihrem Geist. Nichts davon war auf ihren Befehl hin gesagt worden, und Streitigkeiten zwischen den <emphasis>Sul'dam</emphasis> waren unter ihrer W�rde. Sie w�nschte, sie w��te, ob Pura vielleicht doch irgend etwas verbarg. Ihre Spione hatten berichtet, da� die Frauen aus der Wei�en Burg nicht l�gen konnten. Es war nicht m�glich gewesen, Pura auch nur zur einfachsten kleinen L�ge zu bewegen, zu sagen, da� ein wei�er Schal schwarz sei, oder etwas �hnliches. Doch daraus auf alle zu schlie�en war zu gef�hrlich. Manche mochten ja die Tr�nen der <emphasis>Damane</emphasis> akzeptieren und ihre Beteuerungen, nichts zu wissen, was auch ihre <emphasis>Sul'dam</emphasis> mit ihr anstellte. Aber keine von denen, die dazu bereit w�ren, h�tte die F�higkeiten, die notwendig waren, um die Seanchan bei der R�ckkehr zu f�hren. Pura hatte vielleicht doch irgendwo noch eine kleine Kraftreserve und war schlau genug, um den Glauben auszun�tzen, da� sie nicht l�gen k�nne. Keine der Frauen vom Festland, denen man das Halsband angelegt hatte, war wirklich in vollem Ma�e gehorsam und vertrauensw�rdig, im Gegensatz zu den aus Seanchan mitgebrachten <emphasis>Damane.</emphasis> Keine von ihnen akzeptierte ihre neue Rolle wirklich endg�ltig wie die Seanchan-Damane. Wer wu�te schon, welche Geheimnisse in einer verborgen lagen, die sich Aes Sedai genannt hatte?</p><p>Nicht zum erstenmal w�nschte sich Suroth, sie h�tte die andere Aes Sedai zur Verf�gung, die man auf der TomanHalbinsel gefangen hatte. Wenn sie zwei befragen k�nnte, w�re es einfacher, sie beim L�gen oder Ausweichen zu ertappen. Aber dieser Wunsch war sinnlos. Die andere war m�glicherweise tot, im Meer ertrunken, oder sie wurde am Hof der Neun Monde zur Schau gestellt. Ein paar der Schiffe, die Suroth nicht hatte um sich sammeln k�nnen, hatten bestimmt die R�ckreise �ber das Meer angetreten, und es war durchaus m�glich, da� sich diese Frau auf einem davon befand.</p><p>Auch sie selbst hatte vor beinahe einem halben Jahr ein Schiff mit sehr sorgf�ltig verfa�ten Berichten losgeschickt, sobald sie sich ihrer F�hrungsrolle unter den �Vorg�ngern� sicher war. Kapit�n und Besatzung kamen aus Familien, die ihrer eigenen Familie gedient hatten, seit Luthair Paendrag sich zum Kaiser ausgerufen hatte, und das war vor beinahe tausend Jahren gewesen. Dieses Schiff auszusenden war ein reines Gl�cksspiel gewesen. Es konnte durchaus sein, da� die Kaiserin daraufhin jemand anderes her�berschickte, um Suroths Platz einzunehmen. Aber es nicht auszusenden w�re ein noch gr��eres Wagnis gewesen. Dann h�tte nur ein totaler und �berw�ltigender Sieg sie retten k�nnen. Und vielleicht nicht einmal der. Also wu�te die Kaiserin, was in Falme geschehen war, wu�te von Turoks vernichtender Niederlage und Suroths Absicht, weiterzumachen. Aber was hielt sie wohl von dem allem, und was beabsichtigte sie, daraufhin zu unternehmen? Das war ein gr��eres Problem als irgendeine <emphasis>Damane,</emphasis> was sie auch vorher gewesen sein mochte.</p><p>Und doch wu�te die Kaiserin nicht alles. Das Schlimmste konnte man keinem Kurier anvertrauen, auch nicht dem loyalsten. Das w�rde nur zwischen Suroth und der Kaiserin selbst ausgesprochen werden, und Suroth hatte sich alle M�he gegeben, diese Dinge geheimzuhalten. Nur vier waren noch am Leben, die das Geheimnis kannten, und zwei davon w�rden es niemals an jemand anderen weitergeben, jedenfalls nicht freiwillig. <emphasis>Nur drei weitere Tote k�nnten die Sache noch sicherer machen.</emphasis></p><p>Suroth war nicht bewu�t gewesen, da� sie diese letzten Worte laut ausgesprochen hatte, bis Alwhin sagte: �Und doch ben�tigt die Hochlady alle drei.� Die Frau zeigte die angemessen dem�tige K�rperhaltung bis hin zu dem zu Boden gerichteten Blick. Trotzdem brachte sie es fertig, Suroth im Auge zu behalten und auf ein Zeichen zu warten, wie es sich geh�rte. Auch ihre Stimme klang dem�tig. �Wer wei� schon, Hochlady, was die Kaiserin � m�ge sie ewig leben! � tun w�rde, wenn sie von dem Versuch erf�hre, ihr solches Wissen vorzuenthalten?� Statt ihr zu antworten, machte Suroth wieder diese kleine Geste, die ihr sagen sollte, sie m�sse sich entfernen.</p><p>Wieder z�gerte Alwhin. Diesmal aber mu�te es Absicht sein. Die Frau nahm sich zuviel heraus! Dann verbeugte sie sich tief und schob sich r�ckw�rts aus dem Raum.</p><p>Mit M�he zwang Suroth sich wieder zur Ruhe. Die <emphasis>Sul'dam</emphasis> und die beiden anderen stellten ein Problem dar, das sie jetzt nicht l�sen konnte, aber Geduld war eine Eigenschaft, die jemand vom Blute einfach besitzen mu�te. Diejenigen, denen diese fehlte, endeten h�chstwahrscheinlich im Turm der Raben.</p><p>Auf der Terrasse beugten sich die Diener ein wenig vor, um ihre Bereitschaft zu zeigen, als sie wieder hinausschritt. Die Soldaten standen weiter Wache, damit sie ungest�rt blieb. Suroth nahm ihren Platz an der Balustrade ein und blickte auf See hinaus in Richtung des Festlandes, das Hunderte von Meilen entfernt im Osten lag.</p><p>Diejenige zu sein, die die Vorg�nger anf�hrte und die R�ckkehr einleitete, w�rde viel Ehre bringen. Vielleicht war sogar eine Adoption in die Kaiserliche Familie m�glich, obwohl dieser Vorzug nicht ganz unproblematisch war. Gleichzeitig diejenige zu sein, die diesen Drachen gefangennahm, ob er nun falsch oder echt war, und dazu die M�glichkeit besa�, seine unglaubliche Macht zu beherrschen...</p><p><emphasis>Aber falls... wenn ich ihn gefangen habe, �bergebe ich ihn dann der Kaiserin? Das ist die Frage.</emphasis></p><p>Wieder begann sie, mit ihren langen Fingern�geln auf das breite Steingel�nder zu trommeln.</p></section><section><title><p>2</p><p>St�rungen im Muster</p></title><p>Der hei�e Nachtwind wehte aufs Festland zu, nach Norden �ber das ausgedehnte Delta hinweg, das man die Finger des Drachen nannte, ein un�bersehbares Gewirr von breiten und schmalen Flu�armen, von denen einige fast mit Schilf zugewachsen waren. Riesige schilfbewachsene Fl�chen verbanden Gruppen kleiner, niedriger Inseln miteinander, auf denen B�ume mit spinnenartigen Luftwurzeln wuchsen, die man nur hier finden konnte. Schlie�lich verengte sich das Delta zu seinem eigentlichen Ursprung, dem Strom des Erinin. Die ganze Breite des Flusses war mit den Lichtern der kleinen Boote �bers�t, die hier im Laternenschein fischten. Pl�tzlich und unerwartet schwankten Boote und Laternen wild umher, und einige �ltere M�nner murmelten etwas von b�sen Dingen, die in der Nacht einhergingen. Die jungen M�nner lachten, aber auch sie holten ihre Netze hastiger ein als zuvor, damit sie heimfahren und die Dunkelheit hinter sich lassen konnten. In den Legenden hie� es, das B�se k�nne eine Schwelle nicht �berschreiten, wenn es nicht eingeladen werde. Doch das waren Legenden. Hier drau�en in der Dunkelheit...</p><p>Der Salzgeruch war verflogen, als der Wind schlie�lich die gro�e Stadt Tear erreichte, die direkt am Strom lag. Schenken und L�den mit Ziegeld�chern lagen dort neben den T�rmen von Schl�ssern, die im Mondschein schimmerten. Doch keiner der Pal�ste war auch nur ann�hernd so hoch wie der m�chtige Klotz, beinahe schon ein Berg, der sich vom Herzen der Stadt bis zum Flu�ufer erstreckte: der Stein von Tear, die legend�re Festung, die �lteste Feste der Menschheit, in den letzten Tagen der Zerst�rung der Welt errichtet. W�hrend Nationen und Reiche aufbl�hten und fielen, ersetzt wurden und wieder zerfielen, stand der Stein unverr�ckbar. An diesem Felsen waren dreitausend Jahre lang Speere und Schwerter und Herzen und ganze Armeen zerbrochen. Und durch alle Zeiten hindurch war er niemals einem Feind in die H�nde gefallen. Bis jetzt.</p><p>In dieser schw�len Nacht waren die Stra�en der Stadt, die Tavernen und Schenken beinahe leer, und die Menschen hielten sich lieber in den eigenen vier W�nden auf. Wer den Stein beherrschte, war Herr von Tear, Herr der Stadt und der Nation. So war es immer gewesen, und die Einwohner Tears hatten das auch immer hingenommen. Bei Tage w�rden sie ihrem neuen Herrn genauso begeistert zujubeln wie vorher dem alten. Bei Nacht dr�ckten sie sich aneinander und zitterten trotz der Hitze, wenn der Wind wie tausend schreiende Klageweiber �ber die D�cher heulte. Eigenartige, ganz neue Hoffnungen tanzten durch ihre K�pfe, Hoffnungen, die Hunderte von Generationen lang niemand in Tear zu empfinden gewagt hatte, Hoffnungen, die mit �ngsten durchsetzt waren, so alt wie die Zerst�rung der Welt.</p><p>Der Wind peitschte die lange, wei�e Flagge, die �ber dem Stein im Mondschein schimmerte, als wolle er sie zerrei�en. �ber ihre ganze L�nge zog sich eine wellenf�rmige Gestalt wie eine Schlange mit vier Beinen, mit einer goldenen L�wenm�hne, mit roten und goldenen Schuppen, und sie schien auf dem Wind zu reiten. Das Banner aus der Prophezeiung, erhofft und gef�rchtet. Das Banner des Drachen. Des Wiedergeborenen Drachen. Des Herolds der Rettung der Welt und des Herolds einer kommenden neuen Zerst�rung. Als sei er �ber soviel Widerstand erz�rnt, warf sich der Wind gegen die harten W�nde des Steins. Doch die Flagge des Drachen flatterte unger�hrt durch die Nacht und wartete auf gr��ere St�rme.</p><p>In einem Zimmer, da� sich auf etwas mehr als halber H�he am S�dabfall des Steins befand, sa� Perrin auf der Truhe am Fu� seines Himmelbetts und beobachtete die dunkelhaarige junge Frau, die im Raum auf und ab tigerte. In seinen goldenen Augen lag eine Spur von Ersch�pfung. Gew�hnlich frotzelte Faile mit ihm herum und spottete ein wenig �ber seine langsame Art, aber heute abend hatte sie noch keine zehn Worte gesprochen, seit sie eingetreten war. Er roch die Rosenbl�tenbl�tter, die man nach dem Waschen in ihre Kleider gestreut hatte, und den Duft ihres K�rpers. Und in einer Spur von Schwei�geruch witterte er Nervosit�t. Faile zeigte sonst fast nie Nerven. Er fragte sich, warum sie ihn nun so kribbelig machte. Das hatte nichts mit der Hitze der Nacht zu tun. Ihr enger Hosenrock gab beim Gehen leise raschelnde Ger�usche von sich.</p><p>Er kratzte sich unruhig in seinem Zwei-Wochen-Bart. Der wurde noch krauser als sein Kopfhaar. Und warm war er au�erdem. Zum hundertstenmal nahm er sich vor, ihn abzurasieren.</p><p>�Er steht dir�, sagte Faile und blieb dabei stehen.</p><p>Unsicher zuckte er die Achseln. Seine Schultern waren von den langen Arbeitsstunden an Esse und Ambo� noch breiter geworden. Das geschah manchmal zwischen ihnen, da� sie zu wissen schien, woran er dachte. �Es juckt�, knurrte er und bereute es, nicht nachdr�cklicher gesprochen zu haben. Es war sein Bart, und er konnte ihn abrasieren, wann er wollte.</p><p>Sie musterte ihn mit schr�g gehaltenem Kopf. Ihre auffallende Nase und die hohen Backenknochen erinnerten an den grimmigen Blick eines Raubvogels, doch ihre sanfte Stimme widersprach diesem Eindruck: �Es sieht gut an dir aus.� Perrin seufzte und zuckte noch mal die Achseln. Sie hatte ihn nicht darum gebeten, sich diesen Bart stehen zu lassen. Das w�rde sie auch nie tun. Und doch war ihm klar, da� er das Abrasieren wieder hinausschieben w�rde. Er fragte sich, wie sich sein Freund Mat in einer solchen Lage wohl verhielt. Vielleicht ins Hinterteil kneifen und einen Ku� geben und sie zum Lachen bringen, bis er sie herumbekam? Aber Perrin wu�te, da� ihm Mats leichte Art bei den M�dchen einfach nicht gegeben war. Mat w�rde doch niemals unter einem Bart schwitzen, nur weil eine Frau der Meinung war, er sollte Haare im Gesicht tragen. Au�er vielleicht, wenn die Frau eben Faile war. Perrin vermutete, da� ihr Vater es bitter bereute, da� er sie hatte gehen lassen, und das nicht nur, weil sie seine Tochter war. Er sei der gr��te Pelzh�ndler von Saldaea, behauptete sie, und Perrin war sich sicher, da� sie immer ihre Preisvorstellungen bei den K�ufern durchsetzte.</p><p>�Etwas macht dir Kummer, Faile, und es ist bestimmt nicht mein Bart. Was ist los?� Ihr Gesicht nahm einen verschlossenen Ausdruck an. Sie blickte �berallhin, nur nicht zu ihm. Statt dessen betrachtete sie ver�chtlich die Einrichtung des Zimmers.</p><p>Alles war von Schnitzereien bedeckt, von dem hohen Kleiderschrank und den oberschenkeldicken Bettpfosten bis hin zu der Polsterbank vor dem kalten Marmorkamin. Leoparden und L�wen, sich herabst�rzende Habichte und andere Jagdszenen waren da zu sehen. Ein paar der geschnitzten Tiere hatten Augen aus Karneolen eingesetzt bekommen.</p><p>Er hatte sich bem�ht, die Majhere davon zu �berzeugen, da� er ein ganz einfaches Zimmer haben wolle, doch sie schien ihn nicht zu verstehen. Nicht, da� sie dumm oder begriffsstutzig gewesen w�re. Die Majhere befehligte eine Armee von Dienern, gr��er als die Anzahl der Verteidiger des Steins. Wer auch immer im Stein das Sagen hatte, wer die Festungsmauern hielt, dem half sie in allen Fragen des allt�glichen Lebens. Ohne sie funktionierte nichts. Doch sie betrachtete die Welt mit den Augen einer Frau aus Tear. Trotz seiner Kleidung mu�te er eben mehr sein als der junge Bauer, der zu sein er vorgab. Gemeine wurden schlie�lich niemals im Stein untergebracht, es sei denn, sie geh�rten zu den Verteidigern oder der Dienerschaft. Dar�ber hinaus geh�rte er zu den Leuten um Rand, war ein Freund oder Anh�nger, und in jedem Fall stand er dem Wiedergeborenen Drachen auf irgendeine Art nahe. F�r die Majhere stellte ihn das zumindest auf eine Stufe mit einem der Lords vom Lande, wenn nicht sogar mit einem Hochlord. Sie war reichlich entsetzt gewesen, als er sich hier einquartierte. Er hatte hier nicht einmal ein eigenes Wohnzimmer. Wenn er auf einem noch einfacheren Quartier bestanden h�tte, w�re sie wahrscheinlich in Ohnmacht gefallen, dachte er sich. Wenn es au�er den Zimmern der Verteidiger und der Diener �berhaupt noch ein einfacheres gab. Wenigstens war hier au�er den Kerzenhaltern nichts vergoldet.</p><p>Faile war da aber ganz anderer Meinung. �Du solltest wirklich etwas Besseres haben. Das verdienst du schlie�lich. Du kannst deinen letzten Kupferpfennig darauf verwetten, da� Mat ein besseres Quartier hat.� �Mat mag eben auffallende Sachen und Glitzerkram�, sagte er schlicht.</p><p>�Du stellst dich einfach nicht auf die Hinterbeine!� Er gab keine Antwort. Es war auch nicht sein Zimmer, was sie so nerv�s machte, genausowenig wie sein Bart.</p><p>Nach einem Augenblick sagte sie: �Der Lord Drache scheint alles Interesse an dir verloren zu haben. Jetzt verbringt er seine ganze Zeit mit den Hochlords.� Das Jucken zwischen seinen Schulterbl�ttern verst�rkte sich. Jetzt wu�te er, was an ihr nagte. Er bem�hte sich, leichthin zu sprechen: �Der Lord Drache? Du sprichst schon wie jemand aus Tear. Er hei�t Rand.� �Er ist dein Freund, Perrin Aybara, und nicht meiner. Falls ein Mann wie er �berhaupt Freunde hat.� Sie atmete tief durch und fuhr in gem��igterem Tonfall fort: �Ich habe daran gedacht, den Stein zu verlassen. Aus Tear abzureisen. Ich glaube nicht, da� Moiraine mich aufhalten w�rde. Die Berichte �ber... �ber Rand sind seit zwei Wochen �berall herum. Sie kann nicht glauben, da� alles noch l�nger geheimzuhalten ist.� Es gelang ihm gerade noch, einen weiteren Seufzer zu unterdr�cken. �Ich glaube auch nicht, da� sie dich aufhalten w�rde. Ich denke, sie sieht in dir nur eine zus�tzliche Komplikation. Sie wird dir vielleicht noch Geld geben, damit du abreist.� Sie st�tzte die Arme auf die H�ften und blickte auf ihn herab. �Ist das alles, was du dazu zu sagen hast?� �Was soll ich denn sagen, damit du zufrieden bist? Da� ich dich hierbehalten m�chte?� Der �rger in seiner Stimme �berraschte ihn selbst. Er �rgerte sich aber nicht �ber sie, sondern �ber sich selbst, weil er das nicht vorhergesehen hatte und nicht wu�te, wie er damit fertigwerden konnte. Er wollte die Dinge lieber vorher gr�ndlich durchdenken. Es war so leicht, Menschen weh zu tun, wenn man �berhastet sprach oder handelte. Das war ihm nun passiert. Sie hatte ihre dunklen Augen vor Schreck aufgerissen. Er bem�hte sich, die Wogen zu gl�tten. �Nat�rlich will ich, da� du hierbleibst, Faile, aber vielleicht solltest du wirklich abreisen. Ich wei�, du bist kein Feigling, aber der Wiedergeborene Drache, dann die Verlorenen...� Nicht, da� man irgendwo wirklich sicher w�re. Jedenfalls nicht lange und nicht gerade jetzt. Aber es gab durchaus sicherere Orte als den Stein. Wenigstens eine Zeitlang. Aber er war nicht so dumm, da� er ihr das geradeheraus sagte.</p><p>Doch sie schien es nicht zu interessieren, wie er sich ausdr�ckte. �Bleiben? Licht, erleuchte mich! Alles w�re besser, als hier herumzuhocken wie angewurzelt, aber... � Sie kniete sich grazi�s vor ihn hin und legte ihm die H�nde auf die Knie. �Perrin, es pa�t mir nicht, wenn ich mich immer fragen mu�, ob nicht im n�chsten Moment einer der Verlorenen vor mir um die Ecke kommt oder wann der Wiedergeborene Drache uns alle umbringen wird. Schlie�lich hat er das damals bei der Zerst�rung der Welt getan. Hat alle umgebracht, die ihm nahestanden.� �Rand ist nicht Lews Therin Bruderm�rder�, protestierte Perrin. �Ich meine, klar ist er der Wiedergeborene Drache, aber er ist nicht... er w�rde nicht...� Er lie� die Worte verklingen, weil er nicht wu�te, was er noch sagen sollte. Rand war der wiedergeborene Lews Therin Telamon. Deshalb war er ja der Wiedergeborene Drache. Aber mu�te das hei�en, da� Rand zum gleichen Schicksal verdammt war? Nicht nur wahnsinnig zu werden � jeder Mann, der die Macht gebrauchte, mu�te damit rechnen, und da� er hinterher lebendig verfaulte �, sondern auch noch jeden zu t�ten, dem etwas an ihm lag?</p><p>�Ich habe mit Bain und Chiad geredet, Perrin.� Das war keine �berraschung. Sie verbrachte sehr viel Zeit mit den Aielfrauen. Diese Freundschaft brachte ihr einige Probleme ein, aber sie schien eben die Aielfrauen ebenso gern zu haben, wie sie die adligen Damen des Steins verachtete. Doch nun konnte er keine Verbindung zu ihrem Gespr�chsthema erkennen, und das sagte er ihr.</p><p>�Sie sagen, da� Moiraine manchmal fragt, wo du seist. Oder wo Mat sei. Merkst du nichts? Das w�rde sie doch nicht tun, wenn sie dich mit Hilfe der Macht �berwachen k�nnte.� �Mich mit Hilfe der Macht �berwachen?� brachte er mit schwacher Stimme heraus. Daran hatte er �berhaupt noch nie gedacht.</p><p>�Das kann sie nicht. Komm mit mir, Perrin. Wir k�nnen schon zwanzig Meilen jenseits des Flusses sein, bevor sie uns vermi�t.� �Ich kann nicht�, sagte er ungl�cklich. Er versuchte, sie mit einem Ku� abzulenken. Aber sie sprang auf und trat so schnell zur�ck, da� er beinahe aufs Gesicht gefallen w�re. Es hatte keinen Zweck, ihr zu folgen. Sie hatte die Arme abwehrend unter der Brust verschr�nkt.</p><p>�Sag mir nicht, da� du vor ihr Angst hast. Ich wei�, da� sie eine Aes Sedai ist und da� sie euch alle wie die Puppen tanzen l��t. Vielleicht hat sie den... Rand... so am Wickel, da� er sich nicht von ihr l�sen kann, und das Licht wei�, da� Egwene und Elayne und sogar Nynaeve gar nicht von ihr weg wollen, aber du kannst ihr Netz zerrei�en, wenn du es versuchst.� �Das hat nichts mit Moiraine zu tun. Ich mu� es einfach so machen. Ich... � Sie unterbrach ihn: �Wage es ja nicht, mir irgend etwas wie diesen haarstr�ubenden Unsinn aufzutischen, da� ein Mann einfach seine Pflicht tun m�sse. Ich kenne Pflichtgef�hl genau wie du, aber du hast hier keine Pflichten. Du bist vielleicht <emphasis>ta'veren,</emphasis> auch wenn ich nichts davon merke, aber er ist der Wiedergeborene Drache, und nicht du.� �H�rst du mir jetzt endlich zu!� br�llte er mit finsterem Gesicht, und sie fuhr zusammen. Er hatte sie noch nie angeschrien, jedenfalls nicht so. Sie hob das Kinn und straffte die Schultern, sagte aber nichts. Er fuhr fort: �Ich glaube, ich bin irgendwie ein Teil von Rands Schicksal. Mat genauso. Ich glaube, er kann nicht vollbringen, was er mu�, wenn wir nicht genauso unseren Teil dazu beitragen. Das ist die Pflicht, von der ich geredet habe. Wie kann ich fortgehen, wenn das dazu f�hren k�nnte, da� Rand versagt?� �K�nnte!� Etwas Forderndes lag in ihrem Tonfall, aber nur eine Andeutung. Er fragte sich, ob er es nicht fertigbringen k�nne, sie �fter mal anzuschreien. �Hat dir Moiraine das eingeredet, Perrin? Du solltest mittlerweile wissen, da� du bei einer Aes Sedai besonders genau hinh�ren mu�t.� �Darauf bin ich von allein gekommen. Ich glaube, <emphasis>Ta'veren</emphasis> ziehen sich gegenseitig an. Oder vielleicht zieht Rand uns beide an, Mat und mich. Er ist angeblich der st�rkste <emphasis>Ta'veren</emphasis> seit Artur Falkenfl�gel, vielleicht sogar seit der Zerst�rung. Mat gibt nicht einmal zu, da� er ein <emphasis>Ta'veren</emphasis> ist, aber so sehr er auch auszubrechen versucht: am Ende wird er doch zu Rand zur�ck gezogen. Loial sagt, er habe noch nie von drei <emphasis>Ta'veren</emphasis> auf einmal geh�rt, und dann noch alle gleich alt und aus demselben Ort.� Faile r�mpfte die Nase. �Loial wei� auch nicht alles. Er ist nicht gerade sehr alt f�r einen Ogier.� �Er ist �ber neunzig�, sagte Perrin entschuldigend, und sie l�chelte ihn verkniffen an. F�r einen Ogier bedeuteten neunzig Jahre nicht mehr als Perrins Alter f�r einen Menschen. Vielleicht betrachtete man ihn sogar als noch j�nger. Er wu�te nicht viel �ber die Ogier. Jedenfalls hatte Loial mehr B�cher gelesen, als Perrin je sich h�tte vorstellen k�nnen. Manchmal glaubte er, Loial m�sse wohl jedes Buch gelesen haben, da� jemals geschrieben worden war. �Und er wei� mehr als du oder ich. Er glaubt, da� ich wahrscheinlich recht habe. Moiraine ist der gleichen Meinung. Nein, ich habe sie nicht gefragt, aber warum pa�t sie sonst so gut auf mich auf? Hast du geglaubt, sie wollte, da� ich ihr ein K�chenmesser schmiede?� Sie schwieg einen Augenblick lang, und als sie dann sprach, klang es verst�ndnisvoll: �Armer Perrin. Ich habe Saldaea verlassen und bin auf Abenteuer ausgezogen, und jetzt, wo ich mich mitten in einem befinde, dem gr��ten seit der Zerst�rung der Welt, will ich pl�tzlich woandershin. Du willst einfach nur ein Schmied sein, und du wirst in die Legenden eingehen, ob du willst oder nicht.� Er sah zur Seite, aber ihr Duft lie� seinen Kopf noch immer schwirren. Er hielt es nicht f�r wahrscheinlich, da� man sich jemals Geschichten �ber ihn erz�hlen w�rde, jedenfalls nicht, solange sein Geheimnis nicht weit �ber die wenigen hinausdrang, die im Augenblick Bescheid wu�ten. Faile glaubte, alles �ber ihn zu wissen, und doch hatte sie keineswegs recht.</p><p>Ihm gegen�ber an den Wand standen eine Axt und ein Hammer, beide einfach und schmucklos mit unterarmlangen Sch�ften. Die Axt hatte eine t�ckische Halbmondschneide und auf der anderen Seite einen dicken Dorn. Sie war f�r das T�ten geschaffen. Mit dem Hammer konnte er Dinge herstellen, hatte er schon Dinge hergestellt damals in der Schmiede. Der Kopf des Hammers wog mehr als doppelt soviel wie die Axtklinge, aber trotzdem schien ihm die Axt viel schwerer, wenn er sie anhob. Mit der Axt hatte er... Er verzog schmerzhaft das Gesicht und wollte lieber nicht daran denken, was er mit ihr gemacht hatte. Sie hatte recht. Alles, was er wollte, war, als Schmied zu arbeiten, heimzukehren, seine Familie wiederzusehen und in der Schmiede zu schaffen. Doch dazu w�rde es niemals kommen, soviel wu�te er.</p><p>Er stand auf, um den Hammer in die Hand zu nehmen, und dann setzte er sich wieder. Es lag etwas Beruhigendes darin, ihn zu halten. �Meister Luhhan sagt immer, man kann sich dem nicht entziehen, was getan werden mu�.� Er fuhr schnell fort, weil er sp�rte, da� dies schon wieder nach dem klang, was sie haarstr�ubenden Unsinn genannt hatte:</p><p>�Er ist der Schmied zu Hause, und ich war sein Lehrling. Ich habe dir ja von ihm erz�hlt.� Zu seiner �berraschung nutzte sie die Gelegenheit nicht, ihn noch einmal wegen seiner angeblichen Pflichten aufzuziehen. Statt dessen sagte sie nichts, sah ihn nur an und wartete auf etwas. Einen Moment sp�ter d�mmerte es ihm.</p><p>�Willst du also wirklich gehen?� fragte er.</p><p>Sie stand auf und strich sich den Hosenrock glatt. Sie schwieg noch immer und �berlegte sich wohl ihre Antwort. �Ich wei� nicht�, sagte sie schlie�lich. �Das ist ein sch�ner Schlamassel, in den du mich gebracht hast.� �Ich? Was habe ich denn getan?� �Also wenn du das nicht wei�t, werde ich es dir auch nicht sagen.� Er kratzte sich erneut am Bart und betrachtete den Hammer in seiner anderen Hand. Mat w��te vielleicht genau, was sie eigentlich meinte. Oder auch der alte Thom Merrilin. Der wei�haarige Gaukler behauptete zwar, da� niemand die Frauen verst�nde, aber wenn er aus dem winzigen Zimmer im Bauch des Steins hervorkam, sa�en bald ein halbes Dutzend M�dchen um ihn herum, jung genug, um seine Enkelinnen zu sein, seufzten und lauschten, wie er auf seiner Harfe spielte und von gro�artigen Abenteuern und Liebesgeschichten erz�hlte. Faile war die einzige Frau, die Perrin haben wollte, aber manchmal f�hlte er sich wie ein Fisch, der einen Vogel verstehen m�chte.</p><p>Er wu�te, sie wollte, da� er sie zu bleiben bat. Soviel wenigstens war ihm klar. Vielleicht w�rde sie es ihm sagen, vielleicht auch nicht, aber sie erwartete auf jeden Fall von ihm, da� er sie darum bat. Also schwieg er stur wie ein Hammel. Diesmal wollte er, da� sie sich zuerst �u�erte.</p><p>Drau�en in der Dunkelheit kr�hte ein Hahn.</p><p>Faile schauderte und schlo� die Arme um ihren Oberk�rper. �Meine Amme hat immer gesagt, das hie�e, ein Tod st�nde kurz bevor. Nicht, da� ich das glaube, klar?� Er �ffnete den Mund, um ihr zuzustimmen, da� so etwas idiotisch sei, obgleich ihm selbst ein kalter Schauder den R�cken hinunterlief, doch da ri� ihm ein Knirschen und ein dumpfer Aufschlag den Kopf herum. Die Axt war zu Boden gefallen. Er hatte gerade noch Zeit, die Stirn zu runzeln und sich zu fragen, wie sie herunterfallen k�nne, da bewegte sie sich erneut, ohne da� eine Hand sie ber�hrt h�tte, und flog pl�tzlich direkt auf ihn zu.</p><p>Ohne zu �berlegen schwang er den Hammer. Metall kreischte auf Metall. Faile schrie auf. Die Axt flog durch das Zimmer, prallte von der gegen�berliegenden Wand zur�ck und scho� � Schneide nach vorn � erneut auf ihn zu. Er hatte das Gef�hl, da� ihm jedes Haar an seinem K�rper zu Berge stand. Als die Axt an ihr vorbeizischte, sprang Faile vor und packte den Schaft mit beiden H�nden. Die Axt drehte sich in ihrem Griff herum und hieb nach ihrem Gesicht mit den weit aufgerissenen Augen. Gerade noch rechtzeitig sprang Perrin auf, lie� den Hammer fallen, um die Axt zu ergreifen, und schaffte es gerade noch, die halbmondf�rmige Klinge festzuhalten. Er glaubte, sterben zu m�ssen, wenn diese Axt � seine Axt � ihr etwas zuleide t�te. Er ri� sie so heftig von ihr weg, da� der dicke Dorn ihn beinahe an der Brust verletzte. Er h�tte das gern in Kauf genommen, um sie vor einer Verletzung zu bewahren, aber mit flauem Gef�hl im Magen mu�te er sich eingestehen, da� vielleicht alles nichts mehr helfen w�rde.</p><p>Die Waffe wand sich in seinem Griff wie ein lebendiges und noch dazu ein b�sartiges Wesen. Es hatte es auf Perrin abgesehen; das war ihm so klar, als h�tte es die Axt ihm zugerufen. Aber sie k�mpfte durchaus raffiniert. Als er sie von Faile wegri�, nutzte sie seine eigene Bewegung, um ihn wieder anzugreifen. Als er sie von sich wegdr�ckte, versuchte sie, Faile zu erreichen, als wisse sie, da� dann sein Druck nachlassen w�rde. Gleich, wie fest er den Schaft zu halten versuchte, wand sie sich doch in seinem Griff herum und bedrohte ihn entweder mit dem Dorn oder der gekr�mmten Schneide. Seine H�nde schmerzten bereits vor Anstrengung. Seine Muskeln verkrampften sich. Schwei� rann ihm �ber das Gesicht. Er wu�te nicht, wie lange es noch dauern w�rde, bis die Axt sich von ihm losri�. Das war alles blanker Wahnsinn, reiner Wahnsinn, und er hatte keine Zeit zu �berlegen.</p><p>�Raus!� knurrte er zwischen zusammengebissenen Z�hnen hervor. �Raus aus dem Zimmer, Faile!� Ihr Gesicht war totenbla�, aber sie sch�ttelte den Kopf und griff wieder nach der Axt. �Nein! Ich werde dich nicht im Stich lassen!� �Dann wird sie uns beide umbringen!� Wieder sch�ttelte sie den Kopf.</p><p>Er grollte tief in seiner Kehle und lie� mit einer Hand los. Sein Arm bebte, als er das Ding mit einer Hand festzuhalten versuchte, und der sich drehende Schaft brannte auf seiner Handfl�che. Mit der freien Hand stie� er Faile weg. Sie schrie leicht auf, als er sie zur T�r dr�ngte.</p><p>Er beachtete ihre Schreie nicht und auch nicht ihre auf ihn eintrommelnden F�uste und pre�te sie schlie�lich mit der Schulter gegen die Wand. Dann endlich gelang es ihm, die T�r zu �ffnen und sie in den Flur zu sto�en.</p><p>Er knallte die T�r hinter ihr zu und stemmte sich mit dem R�cken dagegen. Mit M�he konnte er den Riegel vorschieben, und dann packte er die Axt wieder mit beiden H�nden. Die schwere, schimmernde, messerscharfe Klinge zitterte nur wenige Handbreit von seinem Gesicht entfernt. M�hsam schob er sie auf eine Arml�nge Entfernung von sich weg. Failes ged�mpfte Schreie drangen durch die dicke T�r, und er f�hlte f�rmlich, wie sie von au�en dagegenschlug, doch das alles geschah nur am Rande seines Bewu�tseins. Seine gelben Augen schienen zu leuchten, als reflektierten sie jedes bi�chen Licht im Zimmer.</p><p>�Nur noch ich und du�, fauchte er die Axt an. �Blut und Asche, wie ich dich hasse!� In seinem Innern war etwas nahe daran, hysterisch zu lachen. <emphasis>Rand ist derjenige, von dem man annimmt, da� er verr�ckt wird, und nun stehe ich hier und spreche mit einer Axt! Rand! Seng dich!</emphasis></p><p>Er fletschte vor Anstrengung die Z�hne und zwang die Axt einen ganzen Schritt weit von der T�r weg. Die Waffe vibrierte, k�mpfte darum, seine Haut zu erreichen; er konnte ihren Blutdurst beinahe schmecken. Mit einem Aufbr�llen ri� er pl�tzlich die gekr�mmte Schneide auf sich zu und warf sich gleichzeitig zur�ck. W�re die Axt wirklich ein lebendiges Wesen, dann h�tte er nun bestimmt einen Triumphschrei geh�rt, als sie auf seinen Kopf zuscho�. Im letzten Moment schwang er sich herum. Mit einem dumpfen Schlag grub sich die Klinge ins Holz der T�r.</p><p>Er sp�rte deutlich, wie alles Leben � anders konnte er es nicht bezeichnen � aus der festsitzenden Waffe wich. Langsam nahm er die H�nde weg. Die Axt blieb, wo sie war. Sie bestand nur noch aus Holz und Stahl. Die T�r schien ihm nun ein guter Platz, sie vorerst stecken zu lassen. Er wischte sich mit einer zitternden Hand den Schwei� von der Stirn. <emphasis>Wahnsinn. Wo immer sich Rand befindet, ist der Wahnsinn nicht weit.</emphasis></p><p>Pl�tzlich wurde ihm bewu�t, da� er Failes Schreie und an die T�r trommelnden F�uste nicht mehr h�rte. Er schob den Riegel zur�ck und zog schnell die T�r auf. An der Au�enseite stand eine schimmernde Stahlschneide hervor. Sie gl�nzte im Schein der in weiten Abst�nden an den W�nden des mit Gobelins geschm�ckten Ganges befestigten Lampen. Faile stand da, mit erhobenen F�usten, als sei sie im Stehen erstarrt. Mit weit aufgerissenen, staunenden Augen ber�hrte sie ihre Nasenspitze. �Ein St�ckchen weiter�, sagte sie mit schwacher Stimme, �und... � Mit einemmal warf sie sich auf ihn, umarmte ihn ungest�m, und es regnete K�sse auf seinen Hals und Bart. Genauso schnell ging sie jedoch wieder auf Abstand und strich ihm mit den H�nden �ber Brust und Arme. �Bist du verletzt? Tut dir was weh? Hat sie...?� �Mir geht's gut�, sagte er. �Aber was ist mit dir? Ich wollte dir keine Angst einjagen.� Sie sp�hte zu ihm hoch. �Wirklich? Du bist kein bi�chen verletzt?� �Vollkommen unverletzt. Ich...� Eine beherzte Ohrfeige lie� seinen Kopf dr�hnen wie einen Ambo�.</p><p>�Du gro�er, haariger Ochse! Ich habe geglaubt, du w�rst tot! Ich f�rchtete, da� sie dich umgebracht hat! Ich dachte... � Sie brach ab, als er ihren zweiten Schlag gerade noch abfing.</p><p>�Tu das bitte nie wieder�, sagte er ruhig. Ihr Handabdruck brannte auf seiner Wange, und er hatte das Gef�hl, sein Kiefer w�rde wohl den Rest der Nacht �ber schmerzen.</p><p>Er hatte ihr Handgelenk so zart ergriffen, wie einen �ngstlichen Vogel, doch so sehr sie sich auch m�hte, ihre Hand aus seinem Griff zu winden: seine Hand r�hrte sich nicht vom Fleck. Wenn er daran dachte, wie er in der Schmiede den ganzen Tag einen Hammer schwang, dann kostete es ihn �berhaupt keine M�he, sie festzuhalten, nicht einmal nach seinem Kampf gegen die Axt. Pl�tzlich schien sie aufzugeben und sah ihm in die Augen. Weder die dunklen, noch die goldenen Augen blinzelten. �Ich h�tte dir helfen k�nnen. Du hattest kein Recht... � �Ich hatte jedes Recht dazu�, sagte er mit fester Stimme. �Du h�ttest mir nicht helfen k�nnen. W�rst du geblieben, w�ren wir beide jetzt tot. Ich h�tte nicht k�mpfen �jedenfalls nicht so, wie es sein mu�te � und dich gleichzeitig besch�tzen k�nnen.� Sie �ffnete den Mund, aber er erhob die Stimme und fuhr fort: �Ich wei�, da� du das ha�t. Ich werde mich auch nach besten Kr�ften bem�hen, dich nicht wie eine Porzellanpuppe zu behandeln, aber wenn du von mir verlangst, da� ich zuschaue, wie du stirbst, werde ich dich vorher verschn�ren wie ein Lamm, das zum Markt gebracht wird, und dann schicke ich dich zu Frau Luhhan. Sie wird solchen Unsinn gar nicht erst aufkommen lassen.� W�hrend er mit der Zunge vorsichtig gegen einen Zahn dr�ckte, um festzustellen, ob er lose sa�, w�nschte er sich beinahe, zuschauen zu k�nnen, wie Faile sich gegen Alsbet Luhhan durchzusetzen versuchte. Die Frau des Schmieds wurde mit ihrem Mann genauso leicht fertig wie mit ihrem Haushalt. Selbst Nynaeve hatte ihre spitze Zunge in der N�he von Frau Luhhan im Zaum gehalten. Der Zahn wackelte nicht, stellte er fest.</p><p>Faile lachte pl�tzlich. Es war ein tiefes, kehliges Lachen. �Das bringst du tats�chlich fertig, ja? Aber glaube nicht, da� du mit dem Dunklen K�nig genauso leicht fertig w�rdest.� Perrin war so �berrascht �ber ihre �u�erung, da� er ihr Handgelenk loslie�. Er sah eigentlich keinen gro�en Unterschied zwischen dem, was er vorher gesagt hatte, und dem gerade eben, aber das erste hatte sie hochgehen lassen, w�hrend sie das letztere... gutm�tig hinnahm. Er war auch nicht ganz sicher, wie sauer sie vielleicht noch reagieren mochte. Schlie�lich trug sie immer versteckte Messer mit sich herum, und sie wu�te sehr gut damit umzugehen.</p><p>Sie rieb sich betont das Handgelenk und knurrte leise etwas. Er verstand die Worte �haariger Ochse� und beschlo�, da� er jede noch so kleinen Bartstoppel abrasieren w�rde. Ganz bestimmt.</p><p>Laut sagte sie: �Diese Axt. Das war er, nicht wahr? Der Wiedergeborene Drache, der versucht hat, uns zu t�ten.� �Es mu� Rand gewesen sein.� Er betonte den Namen. Er wollte von Rand als nichts anderem denken. Er zog es auch vor, sich an den Rand zu erinnern, mit dem zusammen er in Emondsfeld aufgewachsen war. �Aber er hat nicht versucht, uns zu t�ten. Er nicht.� Sie l�chelte ihn krampfhaft an. Es war schon beinahe eine Grimasse. �Wenn er es vorhin nicht bewu�t versucht hat, dann hoffe ich, er wird es niemals tun.� �Ich wei� nicht, was er angestellt hat. Aber ich habe vor, ihm zu sagen, da� er damit aufh�ren soll, und zwar sofort.� �Ich wei� nicht, warum ich mir Gedanken um einen Mann mache, der so sehr um die eigene Sicherheit besorgt ist�, murmelte sie.</p><p>Er sah sie mit gerunzelter Stirn fragend an, da ihm nicht klar war, wie sie das gemeint hatte, doch sie schob nur einfach ihren Arm unter seinen. Er wunderte sich noch immer, als sie durch den Stein schritten. Er lie� die Axt, wo sie war. In der T�r steckend w�rde sie niemandem etwas antun.</p><p>Die langstielige Pfeife in den Mundwinkel geklemmt, �ffnete Mat seine Jacke ein bi�chen weiter und versuchte, sich auf die Karten, die verdeckt vor ihm lagen, und die auf den Tisch geworfenen M�nzen zu konzentrieren. Er hatte sich die leuchtend rote Jacke im f�r Andor typischen Schnitt anfertigen lassen, aus bester Wolle, mit goldenen Stickereien an Manschetten und Kragen, aber jeden Tag wurde er aufs neue daran erinnert, da� Tear eben doch viel weiter s�dlich lag als Andor. Der Schwei� lief ihm �ber das Gesicht, und das Hemd klebte an seinem R�cken.</p><p>Keiner seiner Mitspieler am Tisch schien die Hitze �berhaupt zu bemerken, obwohl ihre Jacken noch dicker schienen als seine mit ihren weiten Puff�rmeln, dem Futter und den Verzierungen aus Seide, Brokat und Satin. Zwei M�nner in roter und goldener Livree sorgten daf�r, da� die silbernen Becher der Spieler immer mit Wein gef�llt waren, und boten ihnen dazwischen gl�nzende Silberschalen mit Oliven, K�se und N�ssen an. Auch die Diener waren von der Hitze unbeeindruckt. Nur manchmal g�hnte einer von ihnen hinter vorgehaltener Hand, wenn er glaubte, da� gerade niemand hersah. Die Nacht war nicht mehr jung.</p><p>Mat lie� seine Karten liegen, wie sie waren, ohne nochmals nachzusehen. Sie konnten sich wohl kaum ge�ndert haben. Drei K�nige, die h�chsten Karten bei drei von f�nf Farben waren schon gut genug, um zu gewinnen.</p><p>Er h�tte sich beim W�rfelspiel wohler gef�hlt. An den Orten, wo er gew�hnlich spielte, fand man nur selten Karten vor. Statt dessen wechselte Silber die Besitzer bei f�nfzig verschiedenen W�rfelspielen. Doch diese jungen Lordchen aus Tear trugen lieber Lumpen, als da� sie w�rfelten. Bauern spielen mit W�rfeln, meinten sie, aber sie sagten das lieber nicht in seiner H�rweite. Sie f�rchteten nicht seinen Zorn, wohl aber diejenigen, die sie als seine Freunde betrachteten. So spielten sie dieses Spiel, das sie Hacken nannten, Stunde um Stunde, Abend auf Abend. Sie ben�tzten handgemalte Karten dazu. Ein Mann in der Stadt fertigte sie an, und diese Burschen hier und andere von ihrer Sorte hatten ihn reich gemacht. Nur Frauen oder Pferde konnten sie von diesem Spiel weglocken, und das auch nur f�r kurze Zeit.</p><p>Trotzdem hatte er das Spiel schnell genug erlernt, und wenn sein Gl�ck auch nicht so ausgepr�gt war wie beim W�rfeln, war es doch nicht schlecht. Neben seinen Karten lag ein fetter Geldbeutel, und ein noch dickerer steckte in seiner Tasche. Damals in Emondsfeld h�tte er sich damit f�r reich gehalten, und es h�tte wohl auch gen�gt, um den Rest seines Lebens im Luxus zu verbringen. Doch seine Auffassung von Luxus hatte sich seit der Abreise von den Zwei Fl�ssen wesentlich ge�ndert. Die jungen Lords lie�en ihre M�nzen achtlos als funkelnde H�ufchen herumliegen, doch er �nderte seine alte Gewohnheit nicht. In den Tavernen und Schenken war es manchmal notwendig, sehr schnell zu verschwinden. Besonders dann, wenn sein Gl�ck am ausgepr�gtesten war.</p><p>Wenn er genug hatte, um den Lebenswandel zu f�hren, den er im Sinn hatte, w�rde er den Stein genauso schnell verlassen � bevor Moiraine etwas davon ahnte. Er w�re jetzt schon mehrere Tagesreisen entfernt, wenn es nach ihm ginge. Aber hier gab es eben einiges an Gold zu gewinnen. Eine Nacht an diesem Tisch konnte ihm mehr einbringen als eine Woche beim W�rfeln in den Tavernen. Wenn er Gl�ck hatte.</p><p>Er runzelte ein wenig die Stirn und zog besorgt an seiner Pfeife, um den Eindruck zu erwecken, seine Karten seien doch vielleicht nicht gut genug. Auch zwei der jungen Lords hatten Pfeifen zwischen den Z�hnen, doch ihre waren mit Silber eingelegt und mit Bernsteinst�ckchen verziert. In der hei�en, unbewegten Luft roch es durch ihren parf�mierten Tabak wie ein Feuer im Boudoir einer Lady. Nicht, da� Mat jemals im Boudoir einer Lady gewesen w�re. Eine Krankheit, die ihn beinahe umgebracht h�tte, hatte L�cken in seinem Ged�chtnis hinterlassen, so gro� wie Scheunentore, aber er war sicher, da� er sich an so etwas h�tte erinnern k�nnen. <emphasis>Nicht einmal der Dunkle K�nig w�re so gemein, mich das vergessen zu lassen.</emphasis></p><p>�Schiff der Meerleute hat heute angelegt�, murmelte Reimon �ber seinen Pfeifenstiel hinweg. Der Bart des breitschultrigen jungen Lords war einge�lt und ganz spitz zurechtgestutzt. Das war unter den j�ngeren Adligen gerade gro�e Mode, und Reimon war neuen Moderichtungen gegen�ber genauso empf�nglich wie f�r Frauen. Und das betrieb er dann kaum weniger gr�ndlich als das Kartenspiel. Er warf eine Silberkrone auf den Haufen in der Mitte der Tischplatte, um eine weitere Karte zu kaufen. �Eine Brigg. Die schnellsten Schiffe, die es gibt, sagt man. Fahren schneller als der Wind, sagt man. Das w�rde ich gern erleben. Seng meine Seele, es w�rde mir Spa� machen.� Er sah die Karte gar nicht an, die er bekam. Das tat er nie, bis er alle f�nf zusammenhatte.</p><p>Der mollige Mann mit den rosa Wangen zwischen Reimon und Mat schmunzelte am�siert. �Du willst das Schiff sehen, Reimon? Du meinst doch sicher damit eher die M�dchen, oder? Die Frauen. Exotische Meervolk-Sch�nheiten mit ihren Ringen und Halsketten und dem beschwingten Gang, eh?� Er legte eine Krone auf und nahm seine Karte entgegen. Als er sie betrachtete, verzog er grimmig sein Gesicht. Das hatte aber nichts zu bedeuten; Edorions Bl�tter waren immer niedrig und pa�ten nicht zusammen. Trotzdem gewann er �fter, als da� er verlor. �Na ja, vielleicht habe ich bei den Meerm�dchen auch mehr Gl�ck.� Der Bankhalter, ein gro�er, schlanker Mann mit einem noch spitzeren Bart als Reimon, der an Mats anderer Seite sa�, legte sich einen Finger auf die Nase. �Glaubst du, da� du bei denen Gl�ck haben wirst, Edorion? So, wie die sich von allen anderen fernhalten, brauchst du schon Gl�ck, um wenigstens ihr Parfum riechen zu k�nnen.� Er wedelte mit der Hand und tat so, als atme er gen��lich den Duft ihres Parfums ein; die anderen jungen Adligen lachten nur, selbst Edorion.</p><p>Ein Junge mit wenig ansprechendem Gesicht namens Estean lachte am lautesten von allen und fuhr mit einer Hand durch sein d�nnes Haar, das ihm immer wieder in die Stirn fiel. H�tte man seine feine gelbe Jacke durch eine aus grober Wolle ersetzt, dann h�tte er sehr wohl ein Bauer sein k�nnen und nicht der Sohn eines Hochlords mit den reichsten G�tern von ganz Tear. Doch so war er bereits selbst der reichste Mann an diesem Spieltisch. Er hatte au�erdem mehr Wein getrunken als jeder andere.</p><p>Er beugte sich schwankend �ber den Mann neben ihm, einen eingebildeten Kerl namens Baran, der immer auf alle anderen herunterzuschauen schien, und piekste den Bankhalter mit einem zitternden Finger in die Seite. Baran lehnte sich zur�ck und verzog angewidert seinen Mund um den Pfeifenstiel herum, als f�rchte er, da� Estean sich �ber ihm �bergeben werde.</p><p>�Das ist gut, Carlomin�, gurgelte Estean. �Das denkst du doch auch, was, Baran? Edorion kriegt nicht mal ihr Parfum mit. Wenn er sein Gl�ck versuchen will... ein Spielchen wagen... dann soll er sich mal an diese Aielschlampen heranmachen wie Mat hier. All diese Speere und Messer. Seng meine Seele. Als ob man einen L�wen zum Tanz auffordert.� Es wurde totenstill am Tisch. Estean war der einzige, der �ber seinen Scherz lachte. Dann blinzelte er und fuhr sich wieder mit den Fingern durch das fettige Haar. �Was ist los? Habe ich was gesagt? Oh! O ja. Die!� Mat konnte sich gerade noch zur�ckhalten, bevor sich seine Miene zu sehr verfinsterte. Dieser Narr mu�te das Gespr�ch auf die Aiel bringen. Das einzige noch schlimmere Gespr�chsthema w�ren die Aes Sedai gewesen.</p><p>Da war es ihnen noch lieber, wenn Aiel durch die G�nge schritten und auf jeden Tairener herunterblickten, der ihnen nicht rechtzeitig auswich, als auch nur eine einzige Aes Sedai hierzuhaben. Und die M�nner glaubten, da� sie zumindest vier davon mitgebracht h�tten. Er zog eine andoranische Silberkrone aus dem Geldbeutel und schob sie zu dem Haufen hin. Carlomin r�ckte bed�chtig eine neue Karte heraus.</p><p>Mat hob sie vorsichtig mit einem Daumennagel an und zwang sich dazu, nicht einmal mit der Wimper zu zucken. Der Herr der Pokale, ein Hochlord von Tear. Die K�nige in einem Spiel richteten sich nach dem Land, in dem die Karten hergestellt worden waren, und der Herrscher in einem Land war immer Herr der Pokale, die h�chste Karte also. Diese Karten hier waren alt. Er hatte bereits neue gesehen mit Rands Gesicht oder etwas �hnlichem auf dem Herrn der Pokale und sogar mit der Drachenflagge darauf. Rand als Herrscher von Tear, das erschien ihm immer noch so l�cherlich, da� er in Versuchung war, sich zu kneifen, um aufzuwachen. Rand war Schafhirte, ein prima Bursche, mit dem man sich pr�chtig am�sieren konnte, wenn er nicht gerade zu ernsthaft und pflichtbewu�t tat. Rand nun als Wiedergeborenen Drachen ansehen zu m�ssen, das machte ihn zum kompletten Idioten, wenn er hier hockenblieb, wo Moiraine ihn in der Hand hatte und er abwarten mu�te, was Rand als n�chstes einfiel. Vielleicht w�rde Thom Merrilin ihn begleiten. Oder Perrin. Nur schien sich Thom hier im Stein allm�hlich breitzumachen, als wolle er ihn nie wieder verlassen, und Perrin ging nirgendwohin, wenn nicht Faile einen Finger krumm machte. Na ja, wenn es sein mu�te, w�rde Mat eben alleine durch die Weltgeschichte ziehen.</p><p>Aber auf dem Tisch lag genug Silber, und vor diesen jungen Adligen lag auch noch Gold, und wenn er nun dazu den f�nften K�nig bekommen w�rde, gab es niemanden, der dieses Blatt schlagen konnte. Nicht, da� er es wirklich n�tig gehabt h�tte. Pl�tzlich f�hlte er, wie das Gl�ck seinen Geist kitzelte. Es kitzelte nat�rlich nicht in dem Ma�e wie beim W�rfeln, aber er war auch so schon sicher, mit vier K�nigen zu gewinnen. Die Tairer hatten die ganze Nacht �ber wild gewettet. Der Gegenwert von zehn Bauernh�fen hatte bereits die Besitzer gewechselt.</p><p>Aber Carlomin starrte lediglich die Karten in seiner Hand an, ohne eine vierte zu kaufen, w�hrend Baran wild an seiner Pfeife paffte und vor sich M�nzen aufstapelte, als wolle er sie sich gleich in die Tasche stopfen. Reimon machte hinter seinem Bart eine finstere Miene, und Edorion studierte betont seine Fingern�gel. Nur Estean schien unber�hrt von allem. Er sah sich unsicher grinsend am Tisch um und hatte wohl bereits die eigenen Worte vergessen. Normalerweise machten sie gute Miene zum b�sen Spiel, wenn jemand das Gespr�ch auf die Aiel gebracht hatte, aber es war nun schon sehr sp�t in der Nacht, und es war eine Menge Wein geflossen.</p><p>Mat zermarterte sein Gehirn, wie er es fertigbringen konnte, sie und ihr Gold bei der Stange zu halten und dieses verdammte Spiel zu beenden. Ein Blick auf ihre Gesichter �berzeugte ihn davon, da� es nicht ausreichen w�rde, einfach das Gespr�chsthema zu wechseln. Aber es gab einen anderen Weg. Wenn er sie �ber die Aiel zum Lachen brachte... <emphasis>Ist es wert, da� sie mich dann auch auslachen?</emphasis> Er kaute auf seinem Pfeifenstiel herum und bem�hte sich, auf etwas anderes zu kommen.</p><p>Baran nahm ein H�ufchen Goldm�nzen in jede Hand und schickte sich an, sie in seine Taschen zur�ckzustecken. �Vielleicht probiere ich's mal bei diesen Meervolkfrauen�, sagte Mat schnell, wobei er die Pfeife aus dem Mund nahm und mit ihr gestikulierte. �Wenn Ihr hinter Aielm�dchen her seid, k�nnen Euch die seltsamsten Sachen passieren. Sehr seltsame. Wie das Spiel, das sie �Ku� einer Jungfrau� nennen.� Nun hatte er ihre Aufmerksamkeit gewonnen, aber Baran hielt die Goldm�nzen immer noch in der Hand, und Carlomin machte nach wie vor keine Anstalten, eine Karte zu kaufen.</p><p>Estean lachte betrunken. �K�ssen dich und hauen dir gleichzeitig Stahl in die Rippen, sch�tze ich. T�chter des Speers. Stahl. Speer in die Rippen. Seng meine Seele.� Keiner der anderen lachte. Aber sie lauschten.</p><p>�Nicht ganz.� Mat brachte ein Grinsen zustande. <emphasis>Seng mich. Jetzt habe ich so viel angedeutet, da kann ich auch gleich den Rest erz�hlen.</emphasis> �Rhuarc sagte mir, wenn ich mit den T�chtern des Speers klarkommen wolle, dann m��te ich sie fragen, wie man den �Ku� einer Jungfrau� spielt. Er sagte, das sei der beste Weg, um sie kennenzulernen.� Das klang immer noch nach einem der Ku�spiele zu Hause, wie zum Beispiel �K�� das G�nsebl�mchen�. Er hatte nie geglaubt, da� ihm der Aiel-Clanh�uptling einen Streich spielen w�rde. Das n�chste Mal w�rde er sich in acht nehmen. Er gab sich M�he, sein Grinsen noch breiter erscheinen zu lassen. �Also ging ich mit zu Bain und... � Reimon runzelte ungeduldig die Stirn. Keiner kannte irgendeinen Aiel-Namen au�er dem Rhuarcs und niemand wollte das auch �berhaupt. Mat lie� die Namen also beiseite und fuhr fort: �... ging mit wie ein Lamm zur Schlachtbank und bat sie, mir das Spiel beizubringen.� Er h�tte etwas ahnen m�ssen, so, wie sie ihn alle angel�chelt hatten. Wie Katzen, die von einer Maus zum Tanzen aufgefordert wurden. �Bevor ich wu�te, was geschah, hatte ich ein Handvoll Speere am Hals wie eine Halskrause. Ich h�tte mich mit einem Nieser rasieren k�nnen.� Die anderen am Spieltisch wieherten vor Lachen. Bei Reimon klang es eher wie Keuchen und bei Estean wie ein weindurchtr�nktes Bellen, aber sie lachten schallend.</p><p>Mat lie� sie. Er sp�rte beinahe noch einmal die Speerspitzen an der Kehle, wie sie ihn pieksten, wenn er auch nur einen Finger r�hrte. Bain, die die ganze Zeit gelacht hatte, sagte ihm damals, da� sie noch nie davon geh�rt habe, irgendein Mann w�rde je darum bitten, den Ku� einer Jungfrau spielen zu d�rfen.</p><p>Carlomin strich sich �ber den Bart und sprach in Mats Z�gern hinein: �Du kannst jetzt nicht einfach aufh�ren. Erz�hl weiter! Wann war das? Ich wette, vor zwei N�chten. Als du nicht zum Spielen gekommen bist und keiner wu�te, wo du warst.� �In dieser Nacht habe ich mit Thom Merrilin gespielt�, sagte Mat schnell. �Das ist schon Tage her.� Er war froh, l�gen zu k�nnen, ohne eine Miene zu verziehen. �Jede von ihnen mu�te ich k�ssen. Das war alles. Wenn sie der Meinung war, es sei ein guter Ku� gewesen, haben sie die Speere ein St�ck zur�ckgezogen. Wenn nicht, dr�ckten sie ein bi�chen fester damit zu, sozusagen um mich zu ermuntern. Das war alles. Ich kann euch sagen: Ich habe beim Rasieren schon mehr abbekommen.� Er steckte sich wieder die Pfeife zwischen die Z�hne.</p><p>Wenn sie mehr wissen wollten, konnten sie ja hingehen und das Spiel selber spielen. Er hoffte beinahe, da� vielleicht ein paar von ihnen dumm genug w�ren. <emphasis>Verfluchte Aielfrauen und ihre verdammten Speere!</emphasis> Er war erst bei Tagesanbruch wieder ins eigene Bett gekommen.</p><p>�Das w�rde mir ganz gewi� reichen�, sagte Carlomin trocken. �Das Licht soll meine Seele verbrennen, wenn es mir nicht gereicht h�tte.� Er warf eine Silberkrone auf den Tisch und holte sich eine neue Karte. �Ku� einer Jungfrau.� Er sch�ttelte sich vor Lachen, und eine neue Welle des Gel�chters schwappte �ber den ganzen Tisch hinweg.</p><p>Baran kaufte seine f�nfte Karte, und Estean zog mit zittrigen Fingern eine M�nze aus dem Stapel vor ihm. Er blickte sie angestrengt an, um festzustellen, was f�r eine es sei. Jetzt w�rden sie nicht mehr aufh�ren.</p><p>�Wilde�, murmelte Baran mit der Pfeife im Mund. �Unwissende Wilde. Das ist alles, seng meine Seele. Leben in H�hlen drau�en in der W�ste. In H�hlen! Niemand au�er einem Wilden w�rde dort drau�en in der W�ste leben wollen.� Reimon nickte. �Wenigstens dienen sie dem Lord Drachen. Wenn das nicht w�re, w�rde ich hundert Verteidiger nehmen und den Stein von ihnen befreien.� Baran und Carlomin nickten nachdr�cklich zu seinen Worten.</p><p>Es bereitete Mat einige M�he, keine Miene zu verziehen. Er hatte dasselbe schon �fters geh�rt. Angeben war leicht, wenn niemand von einem verlangte, auch wirklich zu seinem Wort zu stehen. Hundert Verteidiger? Selbst wenn sich Rand aus irgendeinem Grund aus allem heraushalten sollte, w�ren die paar hundert Aiel in der Lage, den Stein gegen jedes Heer zu verteidigen, das Tear auf die Beine bringen konnte. Nicht, da� sie es auf den Stein abgesehen hatten. Mat vermutete, sie seien nur da, weil eben Rand hier war. Er glaubte nicht, da� irgendeiner dieser jungen Adligen auf diese Idee gekommen war. Sie ignorierten die Aiel soweit wie m�glich. Au�erdem h�tte dieser Gedanke sie auch nicht gerade beruhigt.</p><p>�Mat.� Estean f�cherte die Karten in seiner Hand auf und steckte sie dann um, als k�nne er sich nicht entschlie�en, wohin sie geh�rten. �Mat, du wirst doch mit dem Lord Drachen sprechen, oder?� �Wor�ber?� fragte Mat mi�trauisch. Zu viele dieser Leute aus Tear wu�ten mittlerweile, da� Rand und er zusammen aufgewachsen waren. Das pa�te ihm nicht. Sie schienen sich vorzustellen, da� er Arm in Arm mit Rand herumlief, wenn sie nicht hinsahen. Keiner von denen h�tte seinen eigenen Bruder noch angesehen, wenn der die Macht benutzen k�nnte. Er wu�te nicht, warum sie ihn als noch gr��eren Narren betrachteten.</p><p>�Hab' ich es nicht gesagt?� Der Mann mit dem absto�enden Gesicht blinzelte seine Karten an und kratzte sich am Kopf. Dann hellte sich seine Miene auf. �O ja. Seine Proklamation, Mat. Was der Lord Drache gesagt hat. Das letztemal. Wo er gesagt hat, Gemeine h�tten das Recht, Lords vor dem Magistrat anzuklagen. Wer hat je so etwas geh�rt, da� ein Lord vor den Magistrat gerufen wird? Und das wegen irgendeinem Bauern!� Mats Hand verkrampfte sich um den Geldbeutel, bis die M�nzen darin aneinander knirschten. �W�re es nicht eine Schande�, sagte er leise, �wenn man dich vor Gericht bringen und verurteilen w�rde, blo�, weil du es mit der Tochter eines Fischers getrieben hast, obwohl sie nicht wollte, oder weil du irgendeinen Bauern hast auspeitschen lassen, weil er Schlamm auf deinen Umhang gespritzt hatte?� Die anderen rutschten unruhig auf ihren St�hlen umher, weil sie seine Stimmung sp�rten, aber Estean nickte so heftig, da� sein Kopf auf und ab h�pfte, als ob er ihn wegwerfen wolle. �Genau. Aber dazu w�rde es nat�rlich gar nicht erst kommen. Ein Lord, und vom Magistrat verurteilt! Niemals. Nat�rlich nicht.� Er lachte betrunken seine Karten an. �Keine Fischert�chter. Die riechen nach Fisch, und wenn man sie noch so w�scht. Ein molliges Bauernm�dchen ist am besten. Kann ich nur empfehlen.� Mat redete sich ein, da� er zum Spielen hier sei. Er zwang sich dazu, das Geschw�tz dieses betrunkenen Narren zu ignorieren, und bem�hte sich, daran zu denken, wieviel Gold er Estean noch aus der Tasche ziehen k�nne. Aber seine Zunge folgte seinen Gedanken eben nicht. �Wer wei�, wohin das f�hren k�nnte? Vielleicht w�rde man jemand aufh�ngen?� Edorion warf ihm einen besorgten Seitenblick zu. �M�ssen wir unbedingt �ber... �ber dieses gew�hnliche Volk reden, Estean? Wie steht es mit den T�chtern des alten Astoril? Hast du dich schon entschieden, welche du heiraten wirst?� �Was? Ach, ich werde wahrscheinlich eine M�nze werfen.� Estean blickte seine Karten finster an, verschob eine und runzelte wieder die Stirn. �Medore hat zwei oder drei h�bsche Zofen. Vielleicht nehme ich Medore.� Mat nahm einen tiefen Zug aus seinem silbernen Becher, um sich selbst davon abzuhalten, dem Kerl in sein Bauerngesicht zu schlagen. Es war immer noch sein erster Becher. Die Diener hatten das Nachf�llen bei ihm mittlerweile aufgegeben. Wenn er Estean schlug, w�rde keiner von denen auch nur eine Hand erheben, um ihn aufzuhalten, nicht einmal Estean selbst. Weil er der Freund des Lord Drachens war. Er w�nschte sich in eine Taverne irgendwo au�erhalb der Stadt, wo irgendein Hafenarbeiter sein Gl�ck in Frage stellen w�rde und wo ihn nur sein schnelles Mundwerk oder seine flinken Beine und H�nde ungeschoren wieder hinausbringen w�rden. Na ja, das war wirklich ein n�rrischer Wunsch.</p><p>Edorion blickte Mat wieder forschend an, um festzustellen, wie weit er ansprechbar sei. �Ich habe heute ein Ger�cht geh�rt. Ich h�rte, der Lord Drache werde uns zum Krieg mit Illian f�hren.� Mat erstickte fast an seinem Wein. �Was?� sprudelte er heraus.</p><p>�Krieg�, stimmte Reimon fast gl�cklich trotz des Pfeifenstiels in seinem Mund zu.</p><p>�Bist du sicher?� fragte Carlomin und Baran f�gte hinzu: �Ich habe keine Ger�chte geh�rt.� �Ich habe es auch erst heute mitbekommen, aber gleich von drei oder vier verschiedenen Leuten.� Edorion schien in die Betrachtung seiner Karten versunken. �Wer wei� schon, was wirklich daran ist?� �Es mu� stimmen�, sagte Reimon. �Wenn der Lord Drache uns f�hrt mit <emphasis>Callandor</emphasis> in der Hand, dann wird es noch nicht einmal zum Kampf kommen. Er wird ihre Heere zerstreuen, und wir marschieren geradewegs nach Illian hinein. Auf gewisse Weise schade. Seng meine Seele, aber es ist tats�chlich schade. Ich h�tte gern eine Chance, mich mit dem Schwert in der Hand mit den Illianern zu messen.� �Wenn der Lord Drache uns f�hrt wirst du keine Gelegenheit dazu haben�, sagte Baran. �Sie werden auf die Knie fallen, sobald sie das Drachenbanner sehen.� �Und wenn nicht�, f�gte Carlomin lachend hinzu, �wird er sie mit Blitzen an Ort und Stelle zerschmettern.� �Zuerst Illian�, sagte Reimon. �Und dann... Dann erobern wir die Welt f�r den Lord Drachen. Erz�hle ihm nur, da� ich das gesagt habe, Mat. Die ganze Welt!� Mat sch�ttelte den Kopf. Noch vor einem Monat w�ren sie entsetzt gewesen, zu erfahren, da� ein Mann die Macht in diesem Ausma�e ben�tzen konnte, ein Mann, dessen Schicksal es sein w�rde, wahnsinnig zu werden und auf furchtbare Art zu sterben. Jetzt waren sie bereit, Rand in jede Schlacht zu folgen, und vertrauten auf seine Macht, den Kampf f�r sie zu entscheiden. Der Einen Macht vertrauen, auch wenn sie es nicht so ausdr�cken w�rden. Andererseits brauchten sie wohl etwas, an dem sie sich festhalten konnten. Der unbesiegbare Stein von Tear befand sich in den H�nden der Aiel. Der Wiedergeborene Drache schlief in seinen Gem�chern hundert Fu� �ber ihren K�pfen und hatte <emphasis>Callandor</emphasis> bei sich. Dreitausend Jahre tairenischer Anschauungen und Geschichte lagen in Tr�mmern, und die Welt war auf den Kopf gestellt worden. Er fragte sich, ob er anders denken w�rde. Auch seine eigene Welt war innerhalb eines Jahres aus den Angeln gehoben worden. Er lie� eine tairenische Goldkrone �ber seine Fingerr�cken rollen. Wie er das auch alles bew�ltigt hatte � ein Zur�ck gab es nicht.</p><p>�Wann marschieren wir los, Mat?� fragte Baran.</p><p>�Ich wei� nicht�, antwortete er bed�chtig. �Ich glaube nicht, da� Rand einen Krieg anf�ngt.� Es sei denn, er war bereits dabei, verr�ckt zu werden. Dieser Gedanke war kaum ertr�glich.</p><p>Die anderen sahen ihn an, als habe er ihnen versichert, die Sonne werde morgen nicht aufgehen.</p><p>�Wir stehen nat�rlich alle dem Lord Drachen loyal gegen�ber.� Edorion blickte finster seine Karten an. �Aber drau�en auf dem Land... Ich h�rte, da� ein paar der Hochlords, nur wenige allerdings, versucht haben, dort ein Heer aufzustellen, das den Stein zur�ckerobern soll.� Pl�tzlich sahen alle an Mat vorbei. Nur Estean bem�hte sich immer noch, seine Karten richtig einzuordnen. �Wenn der Lord Drache uns in den Krieg f�hrt, wird davon nat�rlich nichts mehr �brigbleiben. Auf jeden Fall sind wir hier im Stein loyal. Die Hochlords auch, da bin ich sicher. Es sind nur ein paar, drau�en auf dem Land.� Ihre Loyalit�t w�rde ihre Angst vor dem Wiedergeborenen Drachen nicht �berdauern. Einen Augenblick lang hatte Mat das Gef�hl, er lasse Rand inmitten einer Schlangengrube im Stich. Dann erinnerte er sich daran, wer Rand war. Es war eher, als lasse er ein Wiesel auf einem H�hnerhof zur�ck. Rand war sein Freund gewesen. Aber der Wiedergeborene Drache... Wer kann schon ein Freund des Wiedergeborenen Drachen sein? <emphasis>Ich lasse niemanden im Stich. Er k�nnte wahrscheinlich den Stein �ber ihren K�pfen zusammenst�rzen lassen, wenn er wollte. �ber meinem Kopf auch.</emphasis> Er sagte sich wieder, es sei h�chste Zeit, zu gehen.</p><p>�Keine Fischert�chter�, murmelte Estean. �Du wirst mit dem Lord Drachen sprechen.� �Du bist dran, Mat�, sagte Carlomin sch�chtern. Er wirkte zumindest halbwegs ver�ngstigt, obwohl Mat nicht sagen konnte, wovor er Angst hatte � da� Estean Mat wieder w�tend machen werde oder da� ihr Gespr�ch auf das Thema Loyalit�t zur�ckkommen k�nne? �Kaufst du die f�nfte Karte, oder steigst du aus?� Mat wurde bewu�t, da� er nicht aufgepa�t hatte. Jeder au�er ihm selbst und Carlomin hatte f�nf Karten. Nur Reimon hatte seine umgedreht auf den Tisch gelegt, um zu zeigen, da� er ausgestiegen war. Mat z�gerte, gab vor, zu �berlegen, seufzte dann und warf eine weitere M�nze auf den Stapel.</p><p>Als die Silberkrone sich auf dem Tisch �berschlug, f�hlte er pl�tzlich, wie sein Gl�ck sich von einem Rinnsal zu einem rei�enden Strom verst�rkte. Jedes Klimpern von Silber auf der h�lzernen Tischfl�che hallte in seinem Kopf nach. Er h�tte bei jedem �berschlag der M�nze voraussagen k�nnen, auf welche Seite sie fallen werde. Genauso wu�te er bereits, welche Karte er als letzte von Carlomin erhalten werde.</p><p>Er schob seine Karten auf dem Tisch zusammen und breitete sie dann in der Hand zum F�cher aus. Neben den anderen vier stand da nun der Herr der Flammen, und der wurde dargestellt von der Amyrlin, die eine Flamme auf der Handfl�che hielt. Sie sah allerdings �berhaupt nicht wie Siuan Sanche aus. Welche Gef�hle die Tairener auch den Aes Sedai gegen�ber hegten, zumindest erkannten sie die Macht von Tar Valon an, auch wenn der Herr der Flammen der niedrigste der K�nige war.</p><p>Wie hoch war die Wahrscheinlichkeit, alle f�nf K�nige in die Hand zu bekommen? Sein Gl�ck war am st�rksten ausgepr�gt, wo der Zufall herrschte, wie beim W�rfeln, aber nun wurde es anscheinend auch beim Kartenspielen immer besser. �Das Licht soll meine Knochen zu Asche verbrennen, wenn das nicht hinhaut�, knurrte er. Oder zumindest wollte er das sagen.</p><p>�Da!� Estean schrie es beinahe heraus. �Diesmal kannst du es nicht verleugnen! Das war die Alte Sprache. Irgend etwas von Brennen und Knochen.� Er sah sich grinsend am Tisch um. �Mein Hauslehrer w�re stolz auf mich. Ich sollte ihm ein Geschenk schicken. Falls ich herausfinden kann, wohin er gezogen ist.� Von Adligen erwartete man, da� sie die Alte Sprache beherrschten, obwohl in Wirklichkeit die meisten auch nicht mehr davon kannten als Estean. Die jungen Lords stritten sich offensichtlich darum, was genau Mat gesagt hatte. Sie schienen zu glauben, er habe �ber die Hitze geflucht.</p><p>Mat bekam eine G�nsehaut, als er sich ins Ged�chtnis zur�ckzurufen versuchte, welche Worte er gerade ben�tzt hatte. Unverst�ndliches Zeug, aber fast schien er es doch zu verstehen! <emphasis>Seng Moiraine! Wenn sie mich in Ruhe gelassen h�tte, h�tte ich nicht diese Ged�chtnisl�cken, so gro�, da� ein Planwagen mitsamt Gespann hindurchpa�t, und ich w�rde nicht so ein... was es auch, verflucht noch mal, ist, daherquatschen!</emphasis> Er w�rde au�erdem die K�he seines Vaters melken, anstatt mit einer Tasche voll Gold durch die Weltgeschichte zu spazieren, doch er schaffte es, diesen letzten Gedanken noch einmal beiseite zu lassen.</p><p>�Seid ihr zum Spielen hier�, fragte er grob, �oder um wie die alten Weiber �ber ihrem Strickzeug zu klatschen?� �Um zu spielen�, antwortete Baran knapp. �Drei Kronen, Gold!� Er warf die M�nzen auf den Haufen in der Mitte des Tisches.</p><p>�Und noch mal drei dazu!� Estean bekam einen Schluckauf, warf aber seinerseits sechs Goldkronen auf den Tisch.</p><p>Mat unterdr�ckte ein Grinsen und verga� die Alte Sprache. Es war einfach genug: Er wollte schlicht nicht mehr daran denken. Au�erdem: Wenn sie jetzt wirklich mit den Eins�tzen in die Vollen gingen, w�rde er vielleicht genug gewinnen, um am Morgen abreisen zu k�nnen. <emphasis>Und wenn er wirklich verr�ckt genug ist, einen Krieg anzufangen, dann haue ich ab, auch wenn ich den ganzen Weg laufen mu�.</emphasis></p><p>Drau�en in der Dunkelheit kr�hte ein Hahn. Mat wurde unruhig, auch wenn er sich selbst einen Narren schimpfte. Niemand w�rde sterben.</p><p>Sein Blick fiel auf die Karten, und dann kniff er erstaunt die Augen zu. Die Flamme der Amyrlin war durch ein Messer ersetzt worden. W�hrend er sich sagte, er sei �berm�det und sehe schon Gespenster, hob sie die winzige Klinge und stie� sie ihm in den Handr�cken.</p><p>Mit einem heiseren Aufschrei warf er seine Karten weg und lie� sich nach hinten fallen, wobei sein Stuhl umst�rzte und er mit beiden F��en im Fallen gegen den Tisch trat. Die Luft schien sich wie zu Honig zu verdichten. Alles bewegte sich nur noch wie in Zeitlupe, und trotzdem schien alles zur gleichen Zeit zu geschehen. Andere Schreie erklangen wie ein Echo der seinen, und sie verhallten wie in einer H�hle. Er fiel unendlich langsam zusammen mit dem Stuhl nach hinten und in die Tiefe, w�hrend der Tisch nach oben schwebte.</p><p>Der Herr der Flammen hing in der Luft, wurde immer gr��er und betrachtete ihn mit einem grausamen L�cheln. Sie aber, nun beinahe schon lebensgro�, trat aus der Karte heraus; noch immer eine gemalte Gestalt ohne Tiefe, stach sie mit dem Messer nach ihm, und das Messer war rot von Blut, seinem Blut, als habe es bereits in seinem Herzen gesteckt. Neben ihr begann der Herr der Pokale zu wachsen, und der tairenische Hochlord zog sein Schwert.</p><p>Mat schwebte, doch schaffte er es irgendwie, den Dolch in seinem linken �rmel zu erreichen und ihn mit einer fl�ssigen Bewegung direkt in Richtung auf das Herz der Amyrlin zu werfen. Falls dieses Ding ein Herz hatte. Das zweite Messer rutschte glatt in seine linke Hand, und er warf es noch geschmeidiger. Die beiden Messer schwebten wie Daunenfedern durch die Luft auf ihre Ziele zu. Er h�tte gern geschrien, aber dieser erste Aufschrei aus Schreck und Zorn hatte seinen Mund noch nicht einmal ganz verlassen. Die Herrin der Ruten wuchs nun neben den beiden anderen empor. Es war die K�nigin von Andor, die ihre Rute wie einen Kn�ppel in der Hand hielt. Unter ihrem rotgoldenen Haar war die verzerrte Fratze einer Wahnsinnigen zu sehen.</p><p>Er fiel noch immer und schrie noch immer diesen einen, ersten, langgezogenen Schrei. Die Amyrlin war aus ihrer Karte herausgekommen, und der Hochlord verlie� gerade die seine mit dem gezogenen Schwert in der Hand. Die flachen Gestalten bewegten sich beinahe so langsam wie er. Beinahe. Er war sich sicher, da� der Stahl in ihren H�nden schneiden konnte, und zweifellos w�rde die Rute einen Sch�del zu Brei h�mmern. Seinen Sch�del.</p><p>Seine Dolche bewegten sich wie durch Gelatine. Er wu�te nun, da� der Hahn f�r ihn gekr�ht hatte. Was sein Vater auch immer sagen mochte, dieses Omen war etwas Wirkliches. Doch er w�rde nicht aufgeben und sterben. Irgendwie gelang es ihm, zwei weitere Dolche aus seiner Jacke hervorzuholen und einen in jede Hand zu nehmen. Er wand sich in der Luft herum, um seine F��e unter sich zu bekommen, und warf ein Messer auf die Gestalt mit dem goldenen Haar und dem Kn�ppel. Das andere behielt er in der Hand, w�hrend er sich zu drehen versuchte und auf den F��en landen wollte, damit er...</p><p>Die Welt schwankte, und alle Bewegungen liefen wieder in normaler Geschwindigkeit ab. Er landete schwerf�llig und so hart auf der Seite, da� ihm zuerst die Luft wegblieb. Verzweifelt bem�hte er sich, auf die Beine zu kommen, und zog ein weiteres Messer aus der Jacke hervor. Man kann nicht zu viele davon bei sich tragen, hatte Thom immer behauptet. Aber er ben�tigte keines mehr.</p><p>Einen Augenblick lang glaubte er sogar, die Karten und die Gestalten seien verschwunden. Oder da� er sich alles nur eingebildet habe. Vielleicht war auch er derjenige, der wahnsinnig wurde. Dann erblickte er die Karten, wieder in normaler Gr��e. Sie waren von seinen noch zitternden Messern an die dunkle Holzt�felung genagelt worden. Er atmete tief und �chzend ein.</p><p>Der Tisch lag umgekippt auf der Seite. M�nzen rollten noch immer �ber den Fu�boden, auf dem die jungen Adligen und die Diener gleicherma�en herumkrochen. Sie starrten Mat und seine Messer mit weit aufgerissenen, ver�ngstigten Augen an � sowohl die Messer in seinen H�nden wie auch die an der Wand. Estean schnappte sich einen silbernen Krug, der aus irgendwelchen Gr�nden nicht mit umgest�rzt war, und begann, sich den Wein in den Mund zu kippen. Ein Teil des Weins lief ihm �ber das Kinn und auf die Brust hinunter.</p><p>�Nur weil dein Blatt nicht gut genug ist, um zu gewinnen�, sagte Edorion heiser, �mu�t du nicht gleich... � Er brach schaudernd ab.</p><p>�Ihr habt es doch auch gesehen.� Mat steckte die Messer wieder in ihre Scheiden zur�ck. Ein d�nnes Rinnsal Blut lief ihm von der winzigen Wunde �ber den Handr�cken. �Tut nicht so, als w�rt ihr blind!� �Ich habe nichts gesehen�, sagte Reimon h�lzern. �Nichts!� Er begann, �ber den Boden zu kriechen, Gold und Silber aufzusammeln, wobei er sich so auf die M�nzen konzentrierte, als seien sie das Wichtigste auf der Welt. Die anderen machten es ihm nach, bis auf Estean, der herumkrabbelte und alle Becher untersuchte, ob in einem vielleicht noch etwas Wein �briggeblieben sei. Einer der Diener hatte das Gesicht in den H�nden verborgen, der andere betete leise in weinerlichem, atemlosem Ton mit geschlossenen Augen.</p><p>Mat knurrte einen Fluch und ging hin�ber, wo seine Messer die drei Karten an die Wand genagelt hatten. Sie waren nur noch gew�hnliche Spielkarten, einfach Pappe mit leicht gesprungenen Lackfarben. Aber die Gestalt der Amyrlin hielt noch immer den Dolch anstelle der Flamme in der Hand. Er schmeckte Blut und ihm wurde bewu�t, da� er an dem Schnitt in seinem Handr�cken saugte.</p><p>Hastig ri� er seine Messer heraus und zerri� jede Karte in zwei H�lften, bevor er das entsprechende Messer wegsteckte. Nach einem Augenblick des �berlegens suchte er die Karten auf dem Fu�boden ab, bis er die Herren der M�nzen und des Windes aufgesp�rt hatte. Die zerri� er ebenfalls. Er f�hlte sich dabei wohl etwas n�rrisch, da ja alles vor�ber war, und die Karten wieder nur Karten, aber er konnte nicht anders.</p><p>Keiner der jungen Adligen, die auf den Knien herumrutschten, versuchte, ihn aufzuhalten. Sie krabbelten ihm aus dem Weg und blickten ihn nicht einmal an. Heute nacht w�rde es keine Kartenspiele mehr geben und vielleicht auch an den n�chsten Abenden nicht. Auf jeden Fall nicht mit ihm. Was auch geschehen war, es hatte eindeutig ihm gegolten. Und was noch eindeutiger war: Es hatte mit der Einen Macht zu tun. Und damit wollten sie nichts zu tun haben.</p><p>�Seng dich, Rand!� knurrte er leise. �Wenn du schon verr�ckt wirst, dann la� mich aus dem Spiel!� Seine Pfeife lag in zwei Teilen am Boden. Er hatte den Stiel glatt durchgebissen. W�tend schnappte er sich seinen Geldbeutel vom Fu�boden und stolzierte aus dem Raum.</p><p>In seinem dunklen Schlafgemach w�lzte sich Rand unruhig auf einem Bett herum, das breit genug war f�r f�nf. Er tr�umte.</p><p>Moiraine trieb ihn mit einem spitzen Stock durch einen d�steren Wald zu einer Lichtung, auf der die Amyrlin ihn schon erwartete. Sie sa� auf einem Baumstumpf und hatte ein f�r ihn bestimmtes Henkerseil in der Hand. Zwischen den B�umen bewegten sich dunkle Gestalten, die er nur undeutlich wahrnehmen konnte, lauerten, hetzten ihn. Hier blinkte ein Dolch im D�mmerlicht, dort wartete ein Strick, um ihn zu fesseln. Moiraine, schlank und so klein, da� sie ihm kaum bis an die Schulter reichte, lie� einen Gesichtsausdruck erkennen, den er bei ihr noch nie gesehen hatte. Angst. Sie schwitzte, stie� ihn fester, versuchte, ihn dem Henkerseil der Amyrlin schneller zuzutreiben. Schattenfreunde und die Verlorenen lauerten im Wald, die Leine der Wei�en Burg vor und Moiraine hinter ihm. Er duckte sich unter Moiraines Stock hindurch und floh.</p><p>�Dazu ist es zu sp�t!� rief sie ihm nach, aber er mu�te zur�ck. Zur�ck.</p><p>Im Schlaf vor sich hin murmelnd, w�lzte er sich herum, lag still, und dann atmete er kurze Zeit etwas leichter.</p><p>Er befand sich zu Hause im Wasserwald. Der Sonnenschein trieb breite Lichtbalken zwischen den B�umen hindurch und glitzerte auf dem Teich vor ihm. Die Felsbrocken auf seiner Seite des Teichs waren gr�n bemoost, und drei�ig Schritt entfernt am anderen Ufer bl�hten Blumen. Hier hatte er als Kind schwimmen gelernt.</p><p>�Du solltest jetzt ein wenig schwimmen.� Er fuhr erschrocken herum. Da stand Min in ihrer Jungenkleidung und grinste ihn an. Daneben stand Elayne. Ihr rotgoldenes Haar leuchtete �ber einem gr�nen Seidenkleid, das auch in den Palast ihrer Mutter gepa�t h�tte.</p><p>Min war diejenige, die gesprochen hatte. Nun f�gte Elayne hinzu: �Das Wasser wirkt einladend, Rand. Niemand wird uns hier st�ren.� �Ich wei� nicht�, begann er leise, doch Min unterbrach ihn, legte ihm die Arme um den Hals und zog sich auf die Zehenspitzen hoch. Dann gab sie ihm einen Ku�.</p><p>Sie wiederholte Elaynes Worte sanft und leise: �Niemand wird uns hier st�ren.� Dann trat sie zur�ck und warf ihren Mantel zur Seite, begann, die B�nder ihres Hemdes zu l�sen.</p><p>Rand starrte sie entgeistert an, und seine Augen wurden noch gr��er, als er bemerkte, da� Elaynes Kleid auf dem moosbewachsenen Waldboden lag. Die Tochter-Erbin beugte sich gerade mit �berkreuzten Armen vor, um sich das Hemd �ber den Kopf zu ziehen.</p><p>�Was macht ihr da?� fragte er mit erstickter Stimme.</p><p>�Wir machen uns fertig, um mit dir schwimmen zu gehen�, antwortete Min.</p><p>Elayne l�chelte ihn an und zog das Hemd hoch.</p><p>Er drehte ihr schnell den R�cken zu, obwohl er eigentlich gern zugeschaut h�tte. Und da fiel dann sein Blick auf Egwene, deren gro�e, dunkle Augen ihn traurig anblickten. Wortlos wandte sie sich um und verschwand im Wald.</p><p>�Warte!� rief er ihr nach. �Ich kann es erkl�ren!� Er fing an zu rennen. Er mu�te sie finden. Aber als er den Waldrand erreichte, lie� Mins Stimme ihn stehenbleiben.</p><p>�Geh nicht, Rand!� Sie und Elayne befanden sich bereits im Wasser. Nur ihre K�pfe waren zu sehen, als sie sich entspannt in die Mitte des Teichs treiben lie�en.</p><p>�Komm zur�ck�, rief Elayne und hob einen schlanken Arm, um ihm zuzuwinken. �Hast du nicht zur Abwechslung einmal verdient, was du gern haben m�chtest?� Er trat unsicher von einem Fu� auf den anderen. Er wollte sich bewegen, war aber nicht in der Lage, sich f�r eine Richtung zu entscheiden. Was er gern haben wollte. Das klang eigenartig. Was wollte er eigentlich? Er hob eine Hand an sein Gesicht, um wegzuwischen, was ihm als Schwei� von der Stirn zu rinnen schien. Verfaulendes Fleisch hatte beinahe den in seine Handfl�che gebrannten Reiher ausgel�scht. Zwischen den ekligroten Wundr�ndern blitzten wei�e Knochen.</p><p>Mit einem Ruck fuhr er hoch und war wach. Er lag vor K�lte zitternd in der dunklen Nachthitze. Seine Unterw�sche war schwei�getr�nkt, genau wie das leinene Bettuch unter seinem R�cken. Seine Seite brannte, wo die alte Wunde noch immer nicht richtig verheilt war. Er fuhr mit den Fingern die Narbe nach einen Kreis von mehr als zwei Finger Durchmesser, wo die Haut nach all dieser Zeit noch immer empfindlich war. Selbst Moiraines Aes-Sedai-Heilkunst konnte die Heilung nicht bewerkstelligen. <emphasis>Aber noch verfaule ich nicht. Und ich bin auch noch nicht wahnsinnig. Noch nicht.</emphasis> Noch nicht. Das sagte alles. Er h�tte gern gelacht, fragte sich aber gleichzeitig, ob das ein Anzeichen f�r den beginnenden Wahnsinn sei.</p><p>Von Min und Elayne zu tr�umen, und dann noch auf diese Art und Weise...</p><p>Nun ja, Wahnsinn war es nicht, aber verr�ckt schon. Keine der beiden hatte ihn je auf diese Art angesehen, wenn er wach war. Er war beinahe mit Egwene verlobt gewesen, und das seit ihrer Kindheit. Sicher war die Verlobungsformel nicht vor der Versammlung der Frauen gesprochen worden, aber jeder in und um Emondsfeld herum hatte gewu�t, da� sie eines Tages heiraten w�rden.</p><p>Nat�rlich w�rde dieser Tag nun niemals kommen, nicht bei dem Schicksal, das einen Mann erwartete, der die Macht lenkte. Auch Egwene mu�te das begriffen haben. Sie war vollauf damit besch�ftigt, zur Aes Sedai zu werden. Trotzdem � Frauen waren schon seltsam:</p><p>Vielleicht dachte sie, sie k�nne Aes Sedai sein und ihn dennoch heiraten, ob er nun die Macht benutzen konnte oder nicht. Wie konnte er ihr sagen, da� er sie nicht mehr heiraten wollte, da� er sie wie eine Schwester liebte? Aber es war sicher nicht mehr notwendig, ihr das zu sagen. Er konnte sich hinter dem verstecken, was er war; das mu�te sie verstehen. Denn welcher Mann konnte eine Frau bitten, ihn zu heiraten, obwohl er wu�te, da� er mit Gl�ck nur ein paar Jahre vor sich hatte, bevor er wahnsinnig wurde, bevor er bei lebendigem Leib zu verfaulen begann? Er schauderte trotz der Hitze.</p><p><emphasis>Ich brauche Schlaf.</emphasis> Die Hochlords w�rden am Morgen zur�ckkehren und wieder um seine Gunst buhlen � um die Gunst des Wiedergeborenen Drachen. <emphasis>Vielleicht tr�ume ich diesmal nicht.</emphasis> Er rollte sich herum und suchte nach einem trockenen Fleck auf dem Bettuch. Doch dann erstarrte er und lauschte einem leichten Rascheln in der Dunkelheit. Er war nicht allein.</p><p>Das Schwert, Das Kein Schwert War, lag auf der anderen Seite des Zimmers, au�erhalb seiner Reichweite, auf einem thron�hnlichen St�nder, den ihm die Hochlords verehrt hatten, zweifellos in der Hoffnung, da� er <emphasis>Callandor</emphasis> irgendwo au�er Sicht aufbewahren werde. <emphasis>Jemand will</emphasis> Callandor <emphasis>stehlen.</emphasis> Ein neuer Gedanke kam ihm. <emphasis>Oder den Wiedergeborenen Drachen t�ten.</emphasis> Er brauchte Thoms heimlich zugefl�sterte Warnungen nicht, um zu wissen, da� das Geschw�tz der Hochlords von Loyalit�t nur der augenblicklichen Notwendigkeit entsprang.</p><p>Er l�ste sich von allen Gedanken und Gef�hlen und suchte das Nichts. Das ging m�helos. Als er in der kalten Leere in seinem Innern schwebte, Gedanken und Gef�hle au�erhalb zur�cklassend, griff er nach der Wahren Quelle. Diesmal ber�hrte er sie leicht, was nicht immer der Fall war.</p><p><emphasis>Saidin</emphasis> erf�llte ihn wie ein Strom wei�er Glut, lie� ihn vor Leben spr�hen, machte ihn krank mit der F�ulnis, mit der es der Dunkle K�nig vergiftet hatte. Es war wie Schmutz, der an der Oberfl�che klaren, sauberen Wassers schwamm. Der Strom drohte, ihn wegzuschwemmen, ihn zu verbrennen, ihn einzuschlie�en.</p><p>Er k�mpfte gegen die Flut an und meisterte sie mit reiner Willenskraft. Er lie� sich aus dem Bett fallen, landete auf den F��en, ben�tzte die Macht und nahm sofort eine Haltung ein, die er beim Schwertkampf unter dem Namen �Apfelbl�ten im Wind� kennengelernt hatte. Es konnten sich nicht viele Feinde im Raum befinden, sonst h�tten sie mehr L�rm gemacht; seine Haltung, die so wohlklingend umschrieben wurde, war aber trotzdem die eines Schwertk�mpfers, der mehr als einem Gegner gegen�bersteht.</p><p>Als seine F��e den Teppich ber�hrten, hielt er ein Schwert in der Hand. Es hatte einen langen Griff und eine leicht gekr�mmte Klinge, die an einer Seite geschliffen war. Es sah aus, als sei es aus Feuer geschmiedet worden, f�hlte sich aber nicht einmal warm an. Die Gestalt eines Reihers hob sich schwarz vom Gelb-Rot der Klinge ab. Im gleichen Moment entz�ndete sich jede Kerze, jede vergoldete Lampe im Raum, und die kleinen Spiegel hinter jeder einzelnen verst�rkten den Lichtschein. Gro�e Spiegel an den W�nden und zwei Spiegelst�nder reflektierten das Licht erneut, bis er bequem in jeder Ecke des gro�en Raums h�tte lesen k�nnen.</p><p><emphasis>Callandors</emphasis> St�nder war mannshoch, aus kunstvoll geschnitztem Holz, vergoldet und mit kostbaren Edelsteinen eingelegt. Dort stand unber�hrt das Schwert, das ganz aus Glas angefertigt zu sein schien. Auch die �brige Einrichtung war vergoldet und mit Gemmen besetzt, selbst Bett und St�hle und B�nke, Kleiderschrank, Truhen und Waschtisch. Krug und Waschsch�ssel bestanden aus dem goldenem Porzellan der Meerleute und waren so d�nn wie ein Blatt. Von dem breiten Teppich aus Tarabon mit seinen roten, goldenen und blauen Mustern h�tte ein ganzes Dorf monatelang leben k�nnen. Auf beinahe jeder freien Fl�che stand weiteres zerbrechliches Meervolk-Porzellan der Pokale und Sch�sseln aus Gold, mit Silber eingelegt, oder aus vergoldetem Silber. Auf dem breiten Marmorsims �ber dem Kamin jagten zwei Silberw�lfe mit Rubinaugen einen gut drei Fu� hohen goldenen Hirsch. Vor den engen Fenstern hingen Vorh�nge aus scharlachroter Seide mit aufgestickten Adlern aus Goldf�den. Sie bl�hten sich leicht im nachlassenden Nachtwind. Wo noch Platz war, lagen B�cher, in Leder gebunden, in Holz gebunden, manche zerfleddert und noch voller Staub, wie er sie von den hintersten Regalbrettern der Bibliothek des Steins hatte herholen lassen.</p><p>Wo er nun Attent�ter oder Diebe zu sehen erwartet hatte, stand allein eine sch�ne junge Frau z�gernd und �berrascht in der Mitte des Raums. Das schwarze Haar fiel ihr in sanften Wellen auf die Schultern. Ihr d�nner wei�er Umhang enth�llte mehr, als er verbarg. Berelain, die Herrscherin des Stadtstaates Mayene, war die letzte Person, die er hier zu sehen erwartet hatte.</p><p>Zuerst fuhr sie zusammen und ri� die Augen auf, doch dann machte sie einen tiefen, grazi�sen Knicks, bei dem sich ihr Umhang noch straffte. �Ich bin unbewaffnet, Lord Drache. Ich unterwerfe mich Eurer Untersuchung, wenn Ihr an meinen Worten zweifelt.� Ihr L�cheln machte ihn nerv�s und darauf aufmerksam, da� er nichts als Unterw�sche an hatte.</p><p><emphasis>Ich will versengt sein, wenn ich ihretwegen herumrenne und versuche, mir etwas anzuziehen.</emphasis> Der Gedanke schwebte jenseits des Nichts. <emphasis>Ich habe sie nicht gebeten, zu mir hereinzukommen. Sich einzuschleichen!</emphasis> Auch �rger und Verlegenheit trieben am Rande der Leere entlang, doch er err�tete trotzdem, war sich dessen auch vage bewu�t, und dieses Bewu�tsein trieb ihm die R�te noch tiefer ins Gesicht. So kaltbl�tig und ruhig innerhalb des Nichts, aber drau�en... Er nahm jeden einzelnen Schwei�tropfen wahr, der ihm �ber Brust und R�cken rann. Es kostete ihn ungeheure M�he und Willenskraft, hier vor ihren Augen stehenzubleiben. <emphasis>Sie durchsuchen? Licht, hilf mir!</emphasis></p><p>Er entspannte sich und lie� das Schwert verschwinden, doch den engen Strom, der ihn mit <emphasis>Saidin</emphasis> verband, unterbrach er noch nicht. Das war so, als trinke er aus einem Loch im Deich, obwohl der ganze Dammbau nachgeben wollte. Und das Wasser war s�� wie Honigwein und machte ihn krank wie ein Bach, der sich aus einem Misthaufen ergo�.</p><p>Er wu�te nicht viel �ber diese Frau, nur, da� sie durch den Stein schritt, als sei es ihr Palast in Mayene. Thom sagte, die Erste von Mayene stelle pausenlos Fragen an jedermann, vor allem aber erkundige sie sich �berall nach Rand. Was vielleicht ganz normal war, wenn man bedachte, was er war, doch leichter machte es ihm die Sache nicht. Und sie war nicht nach Mayene zur�ckgekehrt. Das war unnat�rlich. Sie war monatelang praktisch gefangen gehalten worden, auch wenn man es nicht so nannte, bis er ankam � abgeschnitten von ihrem Thron und der Herrschaft �ber ihr kleines Volk. Die meisten Menschen h�tten in ihrer Lage die erste Gelegenheit ergriffen, um vor einem Mann wegzulaufen, der die Macht benutzte.</p><p>�Was macht Ihr hier?� Er wu�te, das klang grob, aber es war ihm gleich. �Als ich schlafen ging, standen Aiel an meiner T�r Wache. Wie seid Ihr an ihnen vorbeigekommen?� Berelains L�cheln verst�rkte sich noch etwas. Rand schien es, als sei es im Raum noch ein wenig hei�er geworden. �Sie haben mich sofort durchgelassen, als ich sagte, der Lord Drache habe mich zu sich bestellt.� �Bestellt? Ich habe niemanden zu mir bestellt.� <emphasis>H�r auf damit,</emphasis> sagte er sich. <emphasis>Sie ist K�nigin oder beinahe so etwas. Du wei�t ebensoviel �ber den Umgang mit K�niginnen wie �ber das Fliegen.</emphasis> Also bem�hte er sich, h�flich zu sein, nur, wu�te aber nicht einmal, wie man die Erste von Mayene anredete. �Lady...� Das mu�te eben reichen. �... warum sollte ich Euch um diese Zeit in der Nacht zu mir bestellen?� Sie lachte mit tiefer, wohlt�nender Stimme � ein kehliges Lachen. Sogar in das Nichts geh�llt, schien es ihn zu erregen, str�ubten sich ihm die H�rchen auf Armen und Beinen. Pl�tzlich wurde ihm ihr durchscheinendes, enges Gewand erst richtig bewu�t, und er sp�rte, wie er erneut rot anlief. <emphasis>Sie kann doch nicht meinen... Oder doch? Licht, ich habe mit ihr doch noch keine zwei Worte gesprochen.</emphasis></p><p>�Vielleicht m�chte ich mich mit Euch unterhalten, mein Lord Drache.� Sie lie� die helle Robe zu Boden fallen und enth�llte ein noch d�nneres wei�es Seidengewand darunter, das man kaum noch Nachthemd nennen konnte. Ihre Schultern waren nun v�llig unbedeckt, und ein gro�er Teil ihres wei�en Busens bot sich nun seinen Blicken dar. Er ertappte sich bei der Frage, was diesen Busen wohl hielt. Es fiel ihm schwer, nicht zu deutlich hinzustarren. �Ihr seid weit weg von zu Hause, genau wie ich. Besonders die N�chte sind einsam.� �Morgen werde ich mich gl�cklich sch�tzen, mit Euch zu reden.� �Aber den Tag �ber seid Ihr von Leuten umgeben. Bittsteller. Hochlords. Aiel.� Sie schauderte. Er sagte sich, er solle eigentlich nun woandershin schauen, aber genausogut h�tte er das Atmen aufgeben k�nnen. Noch niemals zuvor, wenn er sich im Nichts befand, hatte er seine k�rperlichen Reaktionen so deutlich zu sp�ren bekommen. �Die Aiel �ngstigen mich, und ich mag keinen dieser Lords aus Tear.� Das mit den Tairenern nahm er ihr ab, aber andererseits glaubte er nicht, da� diese Frau vor irgend jemandem Angst hatte. <emphasis>Seng mich, sie befindet sich mitten in der Nacht im Schlafzimmer eines fremden Mannes, ist nur d�rftig angezogen und ich bin derjenige, der Angst hat wie ein Katze im Hundezwinger, Nichts hin oder her.</emphasis> Es wurde Zeit, diesen Zustand zu beenden, bevor er zu weit f�hrte.</p><p>�Es ist besser, wenn Ihr nun in Eure eigenen Gem�cher zur�ckkehrt, Lady.� Etwas in ihm wollte ihr auch noch empfehlen, einen Umhang anzulegen. Einen weniger d�nnen Umhang. Etwas � aber... �Es... es ist wirklich zu sp�t, um sich zu unterhalten. Morgen. Bei Tageslicht.� Sie sah ihn fragend von der Seite her an. �Habt Ihr bereits die steifen Sitten von Tear angenommen, Lord Drache? Oder r�hrt diese Zur�ckhaltung von Euren Zwei Fl�ssen her? Wir sind nicht so... formell... in Mayene.� �Lady... � Er bem�hte sich, f�rmlich und distanziert zu sprechen. Wenn sie das abschreckte, war es genau richtig. �Ich bin Egwene al'Vere versprochen, Lady Berelain.� �Ihr meint die Aes Sedai, Lord Drache? Falls sie wirklich eine ist. Sie ist ziemlich jung � vielleicht zu jung �, um Ring und Stola zu tragen.� Berelain sprach von ihr, als sei Egwene ein Kind, obwohl sie selbst kaum ein Jahr �lter als Rand sein konnte, wenn �berhaupt, und er war nur wenig mehr als zwei Jahre �lter als Egwene. �Lord Drache, ich wollte mich nicht zwischen Euch dr�ngen. Heiratet sie, wenn sie eine Gr�ne Ajah ist. Ich w�rde niemals wagen, den Wiedergeborenen Drachen heiraten zu wollen. Vergebt mir, falls ich mich zu weit vorwage, aber ich habe Euch ja gesagt, da� wir in Mayene nicht so... formell sind. Darf ich Euch Rand nennen?� Rand ertappte sich dabei, da� er bedauernd seufzte. In ihrem Blick hatte etwas geglitzert, der Ausdruck ihrer Augen hatte sich ein wenig ver�ndert, aber nur ganz kurz, als sie davon sprach, den Wiedergeborenen Drachen zu heiraten. Falls sie zuvor nicht daran gedacht hatte, hatte sie das jetzt aber bestimmt getan. Den Wiedergeborenen Drachen, nicht Rand al'Thor; die Gestalt aus den Prophezeiungen und nicht den Sch�fer von den Zwei Fl�ssen. Er war dar�ber nicht weiter schockiert: Auch zu Hause himmelten die M�dchen denjenigen an, der sich als der schnellste oder st�rkste bei den Spielen an Bel Tein erwies, und gelegentlich warfen die Frauen ein Auge auf den Mann mit den gr��ten Feldern oder Herden. Es w�re aber doch nett gewesen, glauben zu d�rfen, da� sie Rand al'Thor begehre. �Es ist Zeit, da� Ihr geht, Lady Berelain�, sagte er ruhig.</p><p>Sie trat n�her an ihn heran. �Ich f�hle Eure Blicke auf mir, Rand.� Ihre Stimme klang rauchig und erhitzt. �Ich bin kein M�dchen vom Dorf, das seiner Mutter am Sch�rzenzipfel h�ngt, und ich wei�, da� Ihr eine Frau... � �Glaubt Ihr, da� ich aus Stein bestehe, Frau?� Sie fuhr zusammen, als er sie anbr�llte, aber im n�chsten Moment war sie schon bei ihm, fa�te nach ihm, und ihre Augen waren dunkle Teiche, die einen Mann unwiderstehlich in ihre Tiefen zogen.</p><p>�Eure Arme wirken so stark wie Stein. Wenn Ihr glaubt, mich grob behandeln zu m�ssen, dann seid grob zu mir, aber haltet mich fest, bitte.� Ihre H�nde ber�hrten sein Gesicht. Von ihren Fingerspitzen schienen Funken zu spr�hen.</p><p>Ohne zu �berlegen, lenkte er eine winzige Menge der Macht, die ihn noch durchstr�mte, und pl�tzlich taumelte sie mit weit aufgerissenen Augen r�ckw�rts, als sto�e die Luft selbst sie weg. Ihm wurde bewu�t, da� er tats�chlich Luft dazu ben�tzt hatte. H�ufiger, als ihm bewu�t war vollbrachte er Dinge, ohne zu wissen, was er eigentlich tat. Aber wenigstens konnte er sich gew�hnlich hinterher daran erinnern, wie er es k�nftig anstellen mu�te.</p><p>Der unsichtbare Luftschwall warf Wellen in dem Teppich, lie� Berelains abgelegtes Gewand davongleiten, ebenso einen seiner beim Ausziehen weggeworfenen Stiefel und ein rotes Lederpolster, auf dem ein ge�ffnetes Exemplar von Eban Vandes <emphasis>Geschichte des Steins von Tear</emphasis> lag. Berelain wurde fast bis zur Wand zur�ckgedr�ngt und dort festgehalten. In sicherem Abstand von ihm. Er nabelte den winzigen Machtstrom ab � ihm fiel kein anderer Ausdruck daf�r ein � und mu�te nun seine Abschirmung nicht mehr aufrecht erhalten. Einen Augenblick lang pr�gte er sich genau ein, was er getan hatte, um es sp�ter wiederholen zu k�nnen. Es schien etwas N�tzliches zu sein, besonders das Abnabeln am Ende.</p><p>Mit immer noch weit aufgerissenen dunklen Augen tastete Berelain mit zittrigen H�nden nach den W�nden ihres unsichtbaren Gef�ngnisses. Ihr Gesicht war fast so wei� wie ihr sp�rliches Seidenhemd. Polster, Stiefel und Buch lagen samt ihrem Gewand in wildem Durcheinander zu ihren F��en.</p><p>�So sehr ich das auch bedaure�, sagte er zu ihr, �aber wir werden uns k�nftig nur noch in der �ffentlichkeit unterhalten, Lady Berelain.� Er bedauerte es tats�chlich. Was sie auch vorhatte � sie war wirklich sch�n! <emphasis>Seng mich, was bin ich doch f�r ein Narr!</emphasis> Er war sich selbst nicht ganz im klaren dar�ber, wie er das gemeint hatte: ihrer Sch�nheit wegen oder weil er sie wegschickte. �Es ist wahrscheinlich sogar besser, Ihr arrangiert Eure R�ckreise nach Mayene so bald wie m�glich. Ich verspreche Euch, da� Tear Mayene k�nftig keine Schwierigkeiten mehr bereiten wird. Ihr habt mein Wort darauf.� Das Versprechen konnte h�chstens zeit seines Lebens G�ltigkeit haben, oder m�glicherweise nur, solange er sich im Stein befand, doch irgend etwas mu�te er ihr nun bieten. Ein Pflaster f�r verletzten Stolz, ein Geschenk, um sie von ihrer Angst abzulenken.</p><p>Aber zumindest �u�erlich hatte sie sich bereits wieder unter Kontrolle. Ehrlichkeit und Offenheit standen nun in ihrem Gesicht geschrieben, und alles Bem�hen, ihn zu verf�hren, war daraus verschwunden. �Vergebt mir. Ich habe das sehr schlecht angefangen. Ich wollte Euch nicht beleidigen. In meinem Land sagt eine Frau einem Mann ganz offen, was sie will, und umgekehrt nat�rlich auch. Rand, Ihr m��t doch wissen, da� Ihr ein gutaussehender Mann seid, gro� und stattlich. Ich w�re diejenige, die aus Stein best�nde, wenn mir das nicht aufgefallen w�re. Bitte schickt mich nicht weg. Wenn Ihr w�nscht, bitte ich Euch auf Knien darum.� Mit einer geschmeidigen, t�nzerischen Bewegung kniete sie in ihrem Gef�ngnis nieder. Ihr Gesichtsausdruck besagte immer noch, da� sie ganz offen sei, alles gestehe, aber andererseits hatte sie es fertiggebracht, im Niederknien ihr sowieso schon knappes Hemd noch weiter herabzuziehen, bis es den Eindruck erweckte, jeden Moment ganz herunterfallen zu k�nnen.</p><p>�Bitte, Rand?� Sogar so im Nichts geborgen, starrte er sie mit offenem Mund an, und das hatte nichts mit ihrer Sch�nheit zu tun oder mit dem Zustand ihrer Bekleidung. Oder nur ein wenig. W�ren die Verteidiger des Steins nur halb so entschlossen in den Kampf gegangen wie diese Frau, nur halb so standhaft wie sie, dann h�tten auch zehntausend Aiel den Stein nicht erobert.</p><p>�Ihr schmeichelt mir, Lady Berelain�, sagte er diplomatisch. �Glaubt mir, Ihr schmeichelt mir wirklich. Aber es w�re nicht fair Euch gegen�ber. Ich kann Euch nicht geben, was Ihr verdient.� <emphasis>Und das kann sie verstehen, wie sie will.</emphasis></p><p>Drau�en in der Dunkelheit kr�hte ein Hahn.</p><p>Zu Rands �berraschung starrte Berelain pl�tzlich an ihm vorbei etwas mit weit aufgerissenen Augen an. Ihr Mund �ffnete sich und ihr Hals zog sich in einem Schrei zusammen, der nicht herauskam. Er wirbelte herum, und das gelbrote Schwert flammte wieder in seiner Hand auf.</p><p>Auf der anderen Seite des Zimmers warf einer der hohen Standspiegel sein Bild zur�ck, das eines hochgewachsenen jungen Mannes mit r�tlichem Haar und grauen Augen, der nur d�nne Leinenunterw�sche trug und ein aus Flammen geschmiedetes Schwert in H�nden hielt. Das Spiegelbild trat aus der gl�nzenden Glasfl�che heraus und hob das Schwert.</p><p><emphasis>Ich bin �bergeschnappt!</emphasis> Der Gedanke trieb am Rande des Nichts entlang. <emphasis>Nein! Sie hat es auch gesehen. Es ist Wirklichkeit.</emphasis></p><p>Eine Bewegung zu seiner Linken lie� ihn herumfahren. Er bewegte sich automatisch und vollf�hrte mit dem Schwert �Der Mond erhebt sich �ber den Wassern�. Die Klinge schlitzte die Gestalt auf � seine Gestalt �, die aus einem Spiegel an der Wand geklettert war. Ihr Umri� verschwamm, zerfiel in durch die Luft treibende Staubk�rner und verschwand. Rands Spiegelbild erschien wieder im Spiegel selbst, ergriff aber im gleichen Moment schon wieder mit beiden H�nden den Spiegelrahmen. �berall im Raum kam Bewegung in die Spiegel.</p><p>Verzweifelt stach er in den n�chststehenden Spiegel. Das versilberte Glas splitterte, doch ihm schien es, da� die Gestalt darin zuerst zersplittert war. Er glaubte, einen fernen Schrei in seinem Kopf geh�rt zu haben, den verklingenden Schrei seiner eigenen Stimme. Noch in dem Moment, als die Scherben herunterfielen, schlug er mit der Einen Macht zu. Jeder Spiegel im Raum explodierte lautlos, und Scherben spritzten durch die Luft und auf den Teppich. Wieder und wieder ert�nte der Todesschrei in seinem Kopf und jagte ihm Schauder �ber den R�cken. Es war seine Stimme. Er konnte kaum glauben, da� nicht er selbst diese Schreie ausstie�.</p><p>Er wirbelte herum, um denjenigen abzufangen, der herausgekommen war, und schaffte es gerade noch rechtzeitig. �Den F�cher �ffnen�, um damit �Steine rollen den Hang herab� zu parieren. Die Gestalt sprang zur�ck und pl�tzlich merkte Rand, da� sie nicht allein war. So schnell er auch die Spiegel zerschmettert hatte, waren doch zwei weitere Spiegelbilder entkommen. Nun standen sie ihm gegen�ber, drei Doppelg�nger seiner selbst, bis hin zu der runden Narbe an der Seite, und sie alle blickten ihn an, die Gesichter ha�verzerrt, voller Verachtung und auf eigenartige Weise hungrig. Nur ihre Augen erschienen leer, leblos. Bevor er Luft holen konnte, st�rmten sie auf ihn ein.</p><p>Rand sprang zur Seite. Spiegelscherben schnitten ihm in die blo�en F��e. Immer wieder wich er seitlich aus, glitt aus einer Fechtfigur in die andere und versuchte, sie so zu lenken, da� er immer nur einem gegen�berstand. Er ben�tzte alles, was Lan, Moiraines Beh�ter, ihm bei ihren t�glichen �bungen mit dem Schwert beigebracht hatte.</p><p>Wenn die drei gemeinsam gek�mpft h�tten, sich gegenseitig erg�nzt, dann w�re er nach einer Minute tot gewesen, aber jeder focht allein f�r sich gegen ihn, als existierten die anderen gar nicht. Doch auch so konnte er ihren Klingen nicht ganz entgehen. Nach kurzer Zeit rannen ihm Blutspuren �ber Wange, Brust und Arme. Die alte Wunde ri� wieder auf und trug das Ihrige dazu bei, da� seine Unterw�sche sich rot f�rbte. Sie besa�en nicht nur sein Gesicht, sondern auch seine Geschicklichkeit, und sie waren immerhin drei gegen einen. St�hle und Tischchen st�rzten um; kostbares Meervolk-Porzellan zerbrach auf dem Teppich.</p><p>Er f�hlte, wie seine Kraft schwand. Keine der Schnittwunden war f�r sich selbst gef�hrlich, au�er nat�rlich der alten Wunde, aber alle zusammen... Er dachte �berhaupt nicht daran, die Aiel vor der T�r zur Hilfe zu rufen. Die dicken W�nde w�rden selbst einen Todesschrei zur�ckhalten. Was auch vollbracht werden mu�te � er allein war daf�r verantwortlich. Er k�mpfte, in die kalte Gef�hllosigkeit des Nichts geh�llt, doch an dessen Oberfl�che kratzte die Furcht wie vom Wind gepeitschte Zweige in der Nacht �ber ein Fenster schaben.</p><p>Seine Klinge fuhr an einem Gegner vorbei und zerschnitt ein Gesicht gerade unterhalb der Augen. Er konnte nicht anders, als die Z�hne zusammenzubei�en, denn es war sein Gesicht. Der dieses Gesichts schreckte gerade weit genug zur�ck, um einen t�dlichen Schnitt zu vermeiden. Blut quoll aus der Wunde. Mund und Kinn wurden von einem dunkelroten Schleier �berzogen, aber der Gesichtsausdruck der Gestalt �nderte sich nicht im geringsten. Der Blick aus den leeren Augen blieb stetig. Er w�nschte seinen Tod herbei, so, wie ein verhungernder Mann sich nach Essen sehnt.</p><p><emphasis>Kann denn nichts sie umbringen?</emphasis> Alle drei bluteten aus Wunden, die er ihnen beigebracht hatte, doch das schien sie keineswegs zu behindern, so wie seine Wunden ihn langsamer werden lie�en. Sie bem�hten sich, sein Schwert zu meiden, schienen aber gar nicht zu bemerken, da� sie verwundet waren. <emphasis>Wenn sie �berhaupt verletzt wurden,</emphasis> dachte er grimmig. <emphasis>Licht, wenn sie bluten, kann man sie auch verletzen. So mu� es sein!</emphasis> Er brauchte eine Pause, um Luft zu holen, um Kraft zu sch�pfen und sich zu sammeln. Mit einemmal sprang er von ihnen weg auf das Bett und rollte sich dar�ber hinweg ab. Er f�hlte mehr, als da� er sie sehen konnte, die Klingen, die seine Bett�cher zerschnitten und seine Haut knapp verfehlten. Taumelnd landete er auf den F��en und hielt sich an einem kleinen Tisch fest. Die gl�nzende, mit Gold eingelegte Silbersch�ssel darauf schwankte. Einer seiner Doppelg�nger war auf das aufgeschlitzte Bett geklettert und trat G�nsefedern hoch, als er vorsichtig mit bereitgehaltenem Schwert dar�berschritt. Die anderen beiden kamen langsam um das Bett herum auf ihn zu, ignorierten sich aber gegenseitig und hatten nur Augen f�r ihn. Diese Augen funkelten wie Glas.</p><p>Rand zuckte zusammen, als er den Stich in seiner auf der Tischfl�che liegenden Hand wahrnahm. Da stand ein weiterer Doppelg�nger, nicht mehr als eine Handbreit gro�, und zog gerade sein Schwert zur�ck, um neu auszuholen. Instinktiv packte er die kleine Gestalt, bevor sie wieder zustechen konnte. Sie wand sich in seinem Griff und fletschte die Z�hne. Er bemerkte nun viele kleine Bewegungen im ganzen Raum. Eine Menge winziger Doppelg�nger stieg aus den Spiegelscherben hervor. Seine Hand wurde taub und kalt, als sauge das Dinge die W�rme aus seinem Fleisch. Die Hitze <emphasis>Saidins</emphasis> schwoll in ihm an. Das Blut rauschte in seinem Kopf, und die Hitze flo� in seine eisige Hand.</p><p>Pl�tzlich zerbarst die kleine Gestalt wie eine Blase, und er sp�rte, wie etwas in ihn hineinstr�mte, vielleicht ein kleiner Teil seiner verlorengegangenen St�rke. Er zuckte, und sein K�rper wurde von kleinen Blitzschl�gen neuer Lebenskraft ersch�ttert.</p><p>Als er den Kopf hob und sich dabei fragte, wieso er eigentlich noch nicht tot sei, waren die kleinen Doppelg�nger, die er aus dem Augenwinkel gesehen hatte, alle verschwunden. Die drei gr��eren standen schwankend da, als habe er ihnen diese neue Kraft abgewonnen. Doch w�hrend er sich noch umsah, fa�ten sie wieder Fu� und kamen erneut, wenn auch vorsichtiger als zuvor, auf ihn zu.</p><p>Er trat zur�ck und zermarterte sich das Hirn. Sein Schwert bedrohte erst den einen und dann den anderen. Wenn er so weiterk�mpfte wie vorher, w�rden sie ihn fr�her oder sp�ter t�ten. Das war ihm genauso klar, wie die Tatsache, da� er blutete. Aber seine Doppelg�nger wurden durch irgend etwas miteinander verbunden. Als er die Kraft des Winzlings in sich aufgesogen hatte � der blo�e Gedanke daran lie� in ihm �belkeit aufsteigen, aber es war Tatsache �, hatte er damit nicht nur die anderen kleinen Spiegelbilder gleich mitgenommen, sondern auch, zumindest einen Augenblick lang, die gr��eren geschw�cht. Wenn er das gleiche bei einem von ihnen fertigbrachte, w�ren vielleicht alle drei vernichtet.</p><p>Bei dem Gedanken daran, sie in sich hineinzusaugen, wurde ihm schlecht, aber etwas anderes fiel ihm nicht ein. <emphasis>Aber ich wei� nicht, wie! Wie habe ich das angestellt? Licht, was genau habe ich getan?</emphasis> Er mu�te mit einem davon ringen, ihn wenigstens ber�hren; irgendwie war er sich dessen sicher. Aber wenn er versuchte, sich einem so weit zu n�hern, w�rde er innerhalb eines Herzschlags von drei Schwertern durchbohrt. <emphasis>Spiegelbilder. Inwieweit sind sie immer noch Spiegelbilder?</emphasis></p><p>Er hoffte, sich damit nicht selbst zum Narren zu machen � dann w�re er n�mlich im Handumdrehen ein toter Narr �und lie� sein Schwert verschwinden. Er war bereit, es innerhalb eines Augenblicks wieder erscheinen zu lassen, aber als seine flammengeschmiedete Klinge verlosch, geschah das gleiche mit den Klingen der anderen. Diesen einen Moment lang zeichnete Verwirrung die drei Kopien seines Gesichts, von denen eine nur noch eine blutige Grimasse darstellte. Doch bevor er einen von ihnen packen konnte, sprangen sie alle auf ihn zu und st�rzten in einem wilden Haufen um sich schlagender Gliedma�en zu Boden. Sie rollten �ber den scherben�bers�ten Teppich.</p><p>K�lte sickerte in Rand ein. Seine Gliedma�en wurden taub, seine Knochen ebenfalls, bis er die Scherben kaum noch sp�rte, die Glasscherben der Spiegel und die Porzellanscherben, die sich in seine Haut bohrten. Etwas wie Panik flackerte durch die ihn umgebende Leere. M�glicherweise hatte er einen t�dlichen Fehler begangen. Sie waren viel gr��er als derjenige, den er in sich aufgenommen hatte. Sie entzogen seinem K�rper auch viel mehr W�rme. Und nicht nur W�rme. In dem Ma�e, wie sein K�rper erkaltete, nahmen ihre glasigen Augen Leben an. Mit kalter Sicherheit wurde ihm klar, da� sein Tod diesen Kampf nicht beenden w�rde. Sie w�rden untereinander weiterk�mpfen, bis nur noch einer �brig blieb, und der w�rde dann sein Leben f�hren, seine Erinnerungen besitzen, <emphasis>er</emphasis> sein.</p><p>Verzweifelt k�mpfte er weiter. Je schw�cher er wurde, desto mehr strengte er sich an. Er sog <emphasis>Saidin</emphasis> in sich auf und versuchte, sich mit dessen W�rme aufzuladen. Selbst das W�rgen ob <emphasis>Saidins</emphasis> Verderbtheit war ihm jetzt willkommen, denn je st�rker er das empfand, desto mehr der Macht nahm er in sich auf. Wenn sein Magen rebellierte, zeigte das ja, da� er noch am Leben war und k�mpfen konnte. <emphasis>Aber wie? Wie? Was habe ich vorhin nur gemacht? Saidin</emphasis> tobte durch seinen K�rper. Wenn er diesen Kampf �berlebte, so schien es ihm, w�rde die Macht ihn verschlingen. <emphasis>Wie habe ich das angestellt?</emphasis> Alles, was ihm �brig blieb, war, <emphasis>Saidin</emphasis> an sich zu rei�en... zu versuchen... die Angreifer damit zu packen... in einer Gewaltanstrengung...</p><p>Einer der drei verschwand. Rand sp�rte, wie die Gestalt in ihn hineinglitt. Es war, als sei er aus gro�er H�he herabgest�rzt, direkt auf den steinernen Boden. Und dann kamen die beiden anderen zur gleichen Zeit. Der Aufschlag warf ihn auf den R�cken, und so lag er da und starrte die Stuckdecke mit den vergoldeten Ecken an. Er geno� die Tatsache, da� er immer noch atmete.</p><p>Immer noch schwoll die Macht in jeder Faser seines Seins an. Er h�tte am liebsten jedes Mahl herausgew�rgt, das er je gegessen hatte. Er f�hlte sich so voller spr�henden Lebens, da� im Vergleich dazu ein nicht von <emphasis>Saidin</emphasis> erf�lltes Leben wie eine Schattenexistenz schien. Er roch das Bienenwachs der Kerzen und das �l der Lampen. Er f�hlte jede Faser des Teppichs an seinem R�cken. Er sp�rte jeden Schnitt, jeden Ri�, jede Schramme in seiner Haut. Aber er klammerte sich an <emphasis>Saidin.</emphasis></p><p>Einer der Verlorenen hatte versucht, ihn zu t�ten. Oder sogar alle zusammen. Das mu�te es gewesen sein, es sei denn, der Dunkle K�nig w�re bereits in Freiheit, aber dann h�tte er wohl kaum nur einem einfachen Angriff wie diesem trotzen m�ssen. Also blieb er in Verbindung mit der Wahren Quelle. <emphasis>Und wenn ich das alles selbst getan habe? Kann ich das, was ich bin, so sehr hassen, da� ich versuche, mich selbst auf diese Art zu t�ten? Ohne da� ich es wei�? Licht, ich mu� endlich lernen, meine Kr�fte unter Kontrolle zu bringen. Ich mu�!</emphasis></p><p>Schmerzerf�llt dr�ckte er sich hoch. Er hinterlie� auf dem Teppich blutige Fu�abdr�cke, als er zu dem St�nder hin�berhumpelte, auf dem <emphasis>Callandor</emphasis> ruhte. Blut aus Hunderten von Schnitten lief �ber seinen K�rper. Er hob das Schwert auf, und seine glasige L�nge wurde von der Macht erleuchtet, die hineinflo�. Das Schwert, Das Kein Schwert War. Die Klinge, augenscheinlich aus Glas gefertigt, konnte genau wie der beste Stahl schneiden, und doch war <emphasis>Callandor</emphasis> kein wirkliches Schwert, sondern ein �berbleibsel aus dem Zeitalter der Legenden, ein <emphasis>Sa'Angreal.</emphasis> Mit Hilfe der wenigen erhalten gebliebenen <emphasis>Angreal,</emphasis> die den Schattenkrieg und die Zerst�rung der Welt �berstanden hatten, war es m�glich, Str�me der Macht zu beherrschen, die ohne diese Hilfe jeden zu Asche verbrannt h�tten. Mit einem der noch selteneren <emphasis>Sa'Angreal</emphasis> konnte man den Strom der Macht noch einmal um genauso vieles mehr verst�rken, wie mit einem <emphasis>Angreal</emphasis> dem Menschen gegen�ber, der keine solchen Helfer hatte. Und <emphasis>Callandor,</emphasis> das nur von einem Mann zu gebrauchen war, und das �ber dreitausend Jahre von Legenden und Prophezeiungen hinweg mit dem Wiedergeborenen Drachen verkn�pft gewesen war, war einer der st�rksten <emphasis>Sa'Angreal,</emphasis> die man jemals angefertigt hatte. Mit <emphasis>Callandor</emphasis> in der Hand konnte er eine Stadtmauer mit einem Schlag einebnen. Mit <emphasis>Callandor</emphasis> in der Hand konnte er sogar einem der Verlorenen gegen�bertreten. <emphasis>Das waren sie. Es mu� so sein.</emphasis></p><p>Pl�tzlich fiel ihm ein, da� er von Berelain die ganze Zeit �ber keinen Laut vernommen hatte. Er f�rchtete beinahe, sie tot daliegen zu sehen, als er sich zu ihr umdrehte.</p><p>Sie zuckte unter seinem Blick zusammen. Wohl lag sie noch immer auf den Knien, hatte aber ihr Gewand wieder angelegt und um sich zusammengezogen wie einen sch�tzenden Stahlpanzer oder wie eine Steinmauer. Ihr Gesicht war schneewei�, und sie fuhr sich mit der Zunge �ber die ausgetrockneten Lippen. �Welcher seid...?� Sie schluckte und fing noch einmal von vorne an: �Welcher von denen...?� Sie war nicht in der Lage, ihre Frage auszusprechen.</p><p>�Ich bin der einzige�, sagte er sanft. �Derjenige, den Ihr behandelt habt, als seien wir verlobt.� Er wollte sie damit beruhigen und vielleicht zum L�cheln bringen. Sicher war doch eine so starke Frauenpers�nlichkeit, als die sie sich erwiesen hatte, imstande, auch einen blut�berstr�mten Mann anzul�cheln. Doch sie beugte sich vor und dr�ckte ihr Gesicht auf den Fu�boden.</p><p>�Ich bitte Euch untert�nigst um Verzeihung, weil ich Euch so ungeheuerlich beleidigt habe, Lord Drache.� Ihre rauchige Stimme h�rte sich dem�tig an und ver�ngstigt dazu. Ganz anders als zuvor. �Ich bitte Euch, meine Beleidigung zu vergessen und zu vergeben. Ich werde Euch nicht mehr bel�stigen. Das schw�re ich, Lord Drache. Beim Namen meiner Mutter und beim Licht schw�re ich es Euch.� Er l�ste den vernabelten Strom der Macht. Aus den unsichtbaren W�nden um sie herum wurde wieder Luft. Ihr Gewand wurde einen Moment lang vom Luftzug bewegt. �Es gibt nichts, das ich Euch vergeben m��te�, sagte er ersch�pft. Er war sehr, sehr m�de. �Geht, wohin Ihr wollt.� Sie richtete sich z�gernd auf, streckte eine Hand aus und seufzte erleichtert auf, als diese Hand auf keinen Widerstand traf. Sie hob ihr Gewand etwas an und begann, vorsichtig �ber den scherbenbedeckten Teppich zu gehen. Unter ihren Samtpantoffeln knirschte es gelegentlich. Kurz vor der T�r blieb sie noch einmal stehen und blickte ihn an, was ihr offensichtlich schwerfiel. Ihr Blick traf den seinen nicht ganz. �Wenn Ihr w�nscht, schicke ich die Aiel herein. Ich kann auch nach einer der Aes Sedai schicken, damit sie sich um Eure Wunden k�mmert.� <emphasis>Sie k�nnte sich genausogut mit einem Mydrdraal im gleichen Raum befinden oder gar mit dem Dunklen K�nig selbst, so wie sie mich ansieht. Aber sie ist kein Feigling.</emphasis> �Ich danke Euch�, sagte er ruhig, �aber � nein. Es w�re mir lieber, wenn Ihr niemandem davon erz�hltet, was sich hier abgespielt hat. Noch nicht. Ich werde selbst veranlassen, was notwendig ist.� <emphasis>Es m�ssen die Verlorenen gewesen sein.</emphasis></p><p>�Wie mein Lord Drache befiehlt.� Sie knickste leicht und eilte hinaus. Vielleicht f�rchtete sie, er k�nne seine Ansicht �ndern und sie doch nicht gehen lassen.</p><p>�Als sei ich der Dunkle K�nig selbst�, knurrte er, als sich die T�r hinter ihr schlo�.</p><p>Er humpelte zum Fu� des Betts und setzte sich m�hsam auf die Truhe, die dort stand. <emphasis>Callandor</emphasis> legte er sich �ber die Knie. Seine blutigen H�nde ruhten auf der gl�henden Klinge. Solange er dieses Schwert in H�nden hielt, w�rde selbst ein Verlorener ihn f�rchten. Noch ganz kurz, dann w�rde er Moiraine holen lassen, um seine Wunden zu heilen. Danach w�rde er wieder mit den Aiel drau�en sprechen und w�re wieder ganz der Wiedergeborene Drache. Aber jetzt wollte er nur einfach dasitzen und sich an einen Schafhirten namens Rand al'Thor erinnern.</p></section><section><title><p>3</p><p>�berlegungen</p></title><p>Trotz der sp�ten Stunde eilten immer noch viele Menschen gesch�ftig durch die breiten G�nge des Steins; ein stetiges Kommen und Gehen von M�nnern und Frauen im Schwarz und Gold der Diener oder in der Amtstracht irgendeines Hochlords. Von Zeit zu Zeit lie� sich auch einer der Verteidiger sehen, mit blo�em Kopf und unbewaffnet, ein paar sogar mit ge�ffnetem Mantel. Die Diener verbeugten sich und die Dienerinnen knicksten vor Perrin und Faile und eilten dann sofort weiter. Die meisten Soldaten zuckten erst einmal zusammen, wenn sie die beiden sahen. Ein paar verbeugten sich steif mit der Hand auf dem Herzen, aber jeder von ihnen beschleunigte dann seine Schritte, als sei er froh, von ihnen wegzukommen.</p><p>Nur jede dritte oder vierte Lampe brannte. In den d�mmrigen Zonen zwischen ihren hohen St�ndern lagen Schatten auf den Wandbeh�ngen und �ber den wenigen Truhen und Kommoden. Jedenfalls konnte bei dieser Beleuchtung kaum ein gew�hnliches Auge etwas wahrnehmen. Perrins Augen dagegen gl�hten wie schimmerndes Gold in diesen tr�b beleuchteten G�ngen. Er schritt schnell von Lampe zu Lampe und hatte den Blick zu Boden gerichtet, wenn er sich nicht gerade im hellen Lampenschein befand. Die meisten Menschen im Stein wu�ten ja ohnehin von seinen eigenartig gef�rbten Augen, hatten es auf die eine oder andere Art erfahren. Keiner erw�hnte es nat�rlich ihm gegen�ber. Selbst Faile schien zu glauben, seine Augenfarbe habe mit der Zusammenarbeit mit einer Aes Sedai zu tun, etwas, das man einfach akzeptieren mu�te, ohne eine Erkl�rung zu erwarten. Trotzdem lief es ihm immer kalt �ber den R�cken, wenn ihm bewu�t wurde, da� ein Fremder seine Augen im Dunklen hatte leuchten sehen. Wenn sie auch kein Wort dar�ber verloren, unterstrich gerade dieses Schweigen seine Au�enseiterrolle.</p><p>�Ich w�nschte, sie w�rden mich nicht so ansehen�, murmelte er, als ein grauhaariger Verteidiger, der bestimmt mehr als doppelt so alt war wie er, beinahe zu laufen begannen, nachdem er sie erblickt hatte. �Als h�tten sie Angst vor mir. So haben sie sich zuvor doch nicht benommen. Warum liegen all diese Leute nicht in ihren Betten?� Eine Frau, die einen Mop und einen Eimer in der Hand trug, knickste hastig und eilte mit gesenktem Kopf weiter.</p><p>Faile hatte sich bei ihm untergehakt und blickte zu ihm auf. �Ich w�rde sagen, da� die Wachen sich in diesem Teil des Steins nur dann aufhalten, wenn sie im Dienst sind. Um diese Nachtzeit ist es doch sch�n, auf dem Stuhl eines Lords zu sitzen, mit einer Zofe auf dem Scho�, und vorzugeben, sie seien Lord und Lady, w�hrend die echten schlafen. Sie haben m�glicherweise Angst, da� du sie meldest. Und die Diener erledigen die meisten Arbeiten bei Nacht. Wer will schon, da� sie tags�ber st�ndig herumwuseln, fegen und Staub wischen und polieren?� Perrin nickte zweifelnd. Von zu Hause her wu�te sie sicher �ber solche Dinge Bescheid. Ein erfolgreicher Kaufmann wie ihr Vater hatte Diener und W�chter f�r seine Wagenz�ge. Wenigstens waren diese Leute nicht aus dem gleichen Grund auf den Beinen wie er. Falls sie erlebt h�tten, was ihm widerfahren war, bef�nden sie sich nicht mehr im Stein und w�ren vermutlich immer noch auf der Flucht. Aber warum hatte ausgerechnet ihm allein dieser Angriff gegolten? Er freute sich nicht gerade auf die Konfrontation mit Rand, aber es mu�te sein. Faile machte gr��ere Schritte, um mit ihm mitzuhalten.</p><p>Trotz all der Pracht, all des Golds und der sch�nen Schnitzereien und Einlegearbeiten war das Innere des Steins genau wie das �u�ere f�r den Krieg geschaffen worden. Sch�chte waren �ber jeder Kreuzung von Korridoren in der Decke zu sehen. Noch nie ben�tzte Schie�scharten �ffneten sich in den G�ngen an Stellen, von wo aus sie den gesamten Gang bestreichen konnten. Faile und er kletterten eine enge Wendeltreppe nach der anderen empor, alle in die dicken W�nde eingebaut oder auf andere Art durch Mauern gesch�tzt, in denen sich weitere Schie�scharten befanden, die auf den Gang darunter wiesen. Nat�rlich hatte nichts davon die Aiel aufhalten k�nnen, den ersten Feind, den die �u�ere Mauer nicht zur�ckgehalten hatte.</p><p>Als sie eine der Wendeltreppen hinaufhasteten, wobei Perrin gar nicht merkte, da� sie �berhaupt rannten, und er noch schneller gemacht h�tte, wenn sich nicht Faile an seinen Arm geh�ngt h�tte, roch er eine Wolke alten Schwei�es und s��lichen Parfums, aber das nahm er nur schwach im Hinterkopf wahr. Er konzentrierte sich darauf, zurechtzulegen, was er Rand sagen w�rde. <emphasis>Warum hast du versucht, mich umzubringen? Wirst du etwa schon wahnsinnig?</emphasis> Es gab keine einfache Formulierung f�r eine solche Frage, und er erwartete auch keine klaren Antworten.</p><p>Als sie fast ganz oben im Stein in einen d�mmrigen Korridor traten, erblickten sie die R�cken eines Hochlords und zweier seiner Leibw�chter. Nur den Verteidigern war es gestattet, innerhalb des Steins ger�stet herumzulaufen, doch die drei trugen Schwerter an den H�ften. Das war nat�rlich nicht ungew�hnlich, aber da� sie sich hier auf diesem Stockwerk im Schatten halb verborgen aufhielten und aufmerksam das helle Licht am hinteren Ende des Flurs unter Beobachtung hielten, das war nun ganz und gar nicht normal. Die Beleuchtung kam aus dem Vorraum der Gem�cher, die man Rand �berlassen hatte. Oder die er erw�hlt hatte. Oder vielleicht hatte ihn Moiraine auch dazu gedr�ngt.</p><p>Perrin und Faile hatten sich keine M�he gegeben, besonders leise zu sein, als sie die vielen Treppen erklommen, aber die drei M�nner beobachteten den Vorraum so intensiv, da� keiner von ihnen die Neuank�mmlinge im ersten Moment bemerkte. Dann sch�ttelte der eine blau gekleidete Leibw�chter seinen Kopf, als wolle er seine vom Beobachten starren Halsmuskeln lockern, und als er sie sah, fiel ihm beinahe die Kinnlade herunter. Der Bursche unterdr�ckte einen Fluch und wirbelte zu Perrin herum. Er brachte seine Schwertklinge vielleicht eine Handbreit aus der Scheide. Der andere war nur einen Herzschlag langsamer. Beide standen angespannt und kampfbereit da, aber ihre Blicke waren unstet und mieden Perrins Augen. Er roch an ihnen den sauren Geruch von Angst. Genauso stank auch der Hochlord, doch er hatte sich besser unter Kontrolle.</p><p>Hochlord Torean, dessen Spitzbart von Grau durchsetzt war, bewegte sich tr�ge und entspannt wie auf einem Ball. Er zog ein viel zu s��lich parf�miertes Taschentuch aus dem �rmel und betupfte eine Knollennase, die aber im Vergleich zu seinen Ohren nicht besonders gro� erschien. Ein feiner Seidenmantel mit roten Satinmanschetten lie� sein grobes Gesicht noch mehr abstechen. Er musterte den in Hemds�rmeln dastehenden Perrin und betupfte noch einmal seine Nase, bevor er den Kopf leicht neigte. �Das Licht leuchte Euch�, sagte er h�flich. Sein Blick ber�hrte Perrins gelben Augen und zuckte weg, aber sein Gesichtsausdruck �nderte sich nicht. �Es geht Euch gut, hoffe ich?� Vielleicht etwas zu h�flich.</p><p>Perrin war der Tonfall des Mannes gleich, aber die Art, wie Torean Faile von oben bis unten interessiert musterte, lie� ihn die F�uste ballen. Er brachte es aber fertig, beherrscht zu sprechen: �Das Licht leuchte Euch, Hochlord Torean. Ich freue mich, da� Ihr mithelft, den Lord Drachen zu besch�tzen. Einige M�nner an Eurer Stelle h�tten bestimmt etwas gegen seine Anwesenheit einzuwenden.� Toreans schmale Augenbrauen zuckten. �Die Prophezeiung wurde erf�llt, und Tear hat seinen Platz darin. Vielleicht wird der Wiedergeborene Drache Tear zu noch gr��erem Ruhm f�hren. Welcher Mann k�nnte dagegen etwas einzuwenden haben? Aber es ist schon sp�t. Ich w�nsche Euch eine gute Nacht.� Er be�ugte Faile noch einmal, spitzte die Lippen und schritt ein wenig zu betont forsch den Gang hinunter, weg von den Lichtern des Vorraums. Seine Leibw�chter folgten ihm auf den Fersen wie gut dressierte Hunde.</p><p>�Es war aber nicht n�tig, unh�flich zu sein�, sagte Faile etwas verkrampft, als sich der Hochlord au�er H�rweite befand. �Es hat geklungen, als ob deine Stimme aus gefrorenem Eisen geschmiedet sei. Wenn du hier bleiben willst, solltest du lernen, mit den Lords auszukommen.� �Er hat dich angeschaut, als wolle er dich gleich auf den Scho� nehmen. Und nicht gerade auf v�terliche Art.� Sie schniefte ver�chtlich. �Er ist nicht der erste Mann, der mich so anschaut. Wenn er die Frechheit aufgebracht h�tte, mehr zu versuchen, h�tte ich ihn schon mit einem entsprechenden Blick in die Schranken gewiesen. Ich habe es nicht n�tig, dich f�r mich sprechen zu lassen, Perrin Aybara.� Trotzdem klang es nicht so, als sei sie b�se dar�ber.</p><p>Er kratzte sich am Kopf und sah Torean nach. Der Hochlord und seine Leibw�chter verschwanden um die n�chste Biegung. Er fragte sich zum wiederholten Mal, wie die Lords von Tear so herumlaufen konnten, ohne sich zu Tode zu schwitzen. �Hast du es bemerkt, Faile? Seine Wachhunde haben die H�nde nicht von den Schwertern genommen, bis er mindestens zehn Schritt weit von uns weg war.� Sie runzelte die Stirn, blickte dann den Gang hinunter den dreien nach und nickte schlie�lich bed�chtig. �Du hast recht. Ich verstehe das nicht. Sie verbeugen sich nicht so unterw�rfig wie bei <emphasis>ihm,</emphasis> aber jeder benimmt sich in deiner und Mats Gegenwart genauso vorsichtig wie bei den Aes Sedai.� �Vielleicht ist die Tatsache, mit dem Wiedergeborenen Drachen befreundet zu sein, nicht mehr der gleiche Schutzfaktor wie vorher.� Sie schlug nicht schon wieder vor, von hier fortzugehen, jedenfalls nicht in Worten, doch ihre Augen sprachen B�nde. Er wurde aber mit dieser unausgesprochenen Aufforderung besser fertig als zuvor mit der ausgesprochenen.</p><p>Bevor sie das Ende des Flurs erreicht hatten, hastete pl�tzlich Berelain aus dem hellen Lichtschein des Vorraums heraus und zog ihre d�nne, wei�e Robe so eng um sich zusammen, als fr�re sie. W�re die Erste von Mayene noch schneller gegangen, h�tte man meinen k�nnen, sie renne vor etwas davon.</p><p>Um Faile zu zeigen, da� er ihrem Wunsch nach mehr H�flichkeit entsprechen wolle, verbeugte er sich mit einem Schwung, den auch Mat nicht h�tte �bertreffen k�nnen. Im Gegensatz dazu war Failes Knicks lediglich ein leichtes Kopfnicken, verbunden mit einem Zucken eines Knies. Er bemerkte es kaum. Als Berelain vorbeirauschte, ohne ihnen einen Blick zuzuwerfen, war der Gestank der Angst, so �bel wie der einer offenen, eiternden Wunde, so stark, da� seine Nasenfl�gel bebten. Dagegen war Toreans Furcht �berhaupt nichts. Das hier war absolute Panik, mit dem d�nnen Faden der Beherrschung lediglich �u�erlich unterdr�ckt. Er richtete sich langsam auf und sah ihr nach.</p><p>�Interessanter Anblick, ja?� sagte Faile leise.</p><p>Er war ganz mit Berelain besch�ftigt und mit der Frage, was sie so in Panik versetzt haben mochte, da� er ohne nachzudenken sagte: �Sie roch nach... � Weit hinten im Korridor trat pl�tzlich Torean aus einem Seitengang hervor und packte Berelain am Arm. Er redete heftig auf sie ein. Perrin verstand nur ein paar Bruchst�cke seines Redeflusses. Er machte ihr anscheinend Vorw�rfe, da� sie in ihrem Stolz zu weit gegangen sei, und irgendwie schien er ihr seinen Schutz anzubieten. Ihre Antwort war kurz, scharf und noch weniger h�rbar. Dann ri� sie sich grob los und schritt weiter, hochaufgerichtet und offensichtlich wieder beherrscht. Torean w�re ihr beinahe nachgegangen, dann aber erblickte er Perrin. So betupfte sich der Hochlord wieder die Nase mit seinem Taschentuch und verschwand in dem Seitengang.</p><p>�Es ist mir gleich, und wenn sie wie das Wesen der D�mmerung r�che!� sagte Faile bissig. �Die ist nicht daran interessiert, einen B�ren zu jagen, auch wenn sich sein Fell gut an ihrer Wand machen w�rde. Sie will die Sonne selbst haben.� Er runzelte die Stirn. �Die Sonne? Einen B�ren? Wovon sprichst du?� �Geh nur allein weiter. Ich denke, ich werde jetzt doch ins Bett gehen.� �Wenn du willst�, sagte er bed�chtig. �Aber ich dachte, du wolltest genau wie ich herausfinden, was eigentlich geschehen ist.� �Ach, jetzt nicht mehr. Ich will nicht so tun, als freue ich mich darauf, den... Rand... zu treffen, nachdem ich es bisher vermeiden konnte. Und jetzt habe ich schon gar keine Lust mehr. Zweifellos werdet ihr beide euch ohne mich pr�chtig unterhalten. Besonders, wenn auch noch Wein da sein sollte.� �Du redest ziemlichen Unsinn�, knurrte er und fuhr sich mit der Hand durch das Haar. �Wenn du ins Bett gehen willst, na fein, aber ich w�nschte, du w�rdest dich auf eine Art ausdr�cken, die ich verstehen kann.� Einen langen Augenblick betrachtete sie sein Gesicht, und dann bi� sie sich pl�tzlich auf die Unterlippe, wohl, um ein Lachen zu unterdr�cken. �O Perrin, manchmal glaube ich, das Beste an dir ist deine Unschuld.� Ihre Stimme war von unterdr�cktem Lachen durchsetzt. �Geh nur weiter zu... deinem Freund und erz�hle mir am Morgen davon. Jedenfalls soviel du willst.� Sie zog seinen Kopf herab und k��te ihn fl�chtig auf die Lippen, und dann lief sie genauso schnell und leichtf��ig davon.</p><p>Er sch�ttelte den Kopf und blickte ihr hinterher, bis sie die Wendeltreppe hinunterging. Von Torean war nichts zu sehen. Manchmal war es ihm, als spreche sie eine andere Sprache. Er ging weiter auf die Lichter zu.</p><p>Der Vorraum war rund und bestimmt f�nfzig Schritt breit. Hundert vergoldete Lampen hingen an goldenen Ketten von der hohen Decke. Gl�nzende Sandsteins�ulen bildeten einen inneren Ring, und der Fu�boden schien aus einer einzigen riesigen schwarzen Marmorplatte zu bestehen, die mit goldenen Schlieren durchsetzt war. Es war der Vorraum zu den Gem�chern des K�nigs gewesen in jener Zeit, als Tear noch von K�nigen regiert wurde, bevor Artur Falkenfl�gel alle L�nder vom R�ckgrat der Welt bis zum Aryth-Meer unter seine Herrschaft brachte. Als Falkenfl�gels Reich zusammenbrach, hatte es in Tear keine K�nige mehr gegeben, und tausend Jahre lang waren die einzigen Bewohner dieser R�ume M�use gewesen, die ihre Spuren im Staub hinterlie�en. Kein Hochlord hatte je soviel Macht besessen, da� er es wagen konnte, diese Gem�cher zu beziehen.</p><p>Ein Ring von f�nfzig Verteidigern stand steif in der Mitte des Saales. Die Brustpanzer und Helme schimmerten im Lampenschein, und ihre nach au�en gerichteten Speere standen alle im genau gleichen Winkel ab. So, wie sie gleichzeitig in alle Richtungen blickten, hatten sie die Aufgabe, alle Eindringlinge vom augenblicklichen Herrn des Steins fernzuhalten. Ihr Kommandant, ein Hauptmann, den man an zwei kurzen, wei�en Federn auf dem Helm erkannte, stand fast genauso steif da wie seine Soldaten. Eine Hand auf dem Schwertgriff und die andere auf die H�fte gest�tzt, so hatte er sich in Positur geworfen, damit auch dem letzten die Bedeutung seiner Pflichten klar wurde. Aber alle rochen nach Furcht und Unsicherheit, wie Menschen, die unter einer �berh�ngenden Felswand wohnen und sich beinahe selbst davon �berzeugt hatten, da� sie niemals herabst�rzen werde. Oder jedenfalls nicht heute nacht. Nicht w�hrend der n�chsten Stunde.</p><p>Perrin schritt an ihnen vorbei. Seine Stiefeltritte warfen Echos. Der Offizier wollte schon auf ihn zugehen, z�gerte aber dann, als Perrin keineswegs stehenblieb, um sich �berpr�fen zu lassen. Nat�rlich wu�te er, wer Perrin war, wenn auch nicht mehr als jeder andere in Tear: Ein Reisegef�hrte der Aes Sedai und Freund des Lord Drachen; kein Mann, mit dem sich ein einfacher Offizier der Verteidiger des Steins anlegen sollte. Sicher hatte er die Aufgabe, �ber die Ruhe des Lord Drachen zu wachen, aber auch wenn er es nicht einmal insgeheim zugeben w�rde, war das, was er da in seiner gl�nzenden R�stung darstellte, nichts als reines Theater. Die wirklichen W�chter traf Perrin erst, als er zwischen den S�ulen hindurchgeschritten war und sich der T�r zu Rands Gem�chern n�herte. Sie hatten so bewegungslos hinter den S�ulen gesessen, da� sie mit dem Stein zu verschmelzen schienen, obwohl sich nun, da sie sich bewegten, ihre Hosen und M�ntel deutlich abhoben. Sie waren in Grau- und Braunt�nen gehalten, damit man sie in der W�ste nicht sehen konnte. Sechs T�chter des Speers, Aielfrauen, die sich gegen den Herd und f�r das Leben eines Kriegers entschieden hatten, glitten auf weichen, kniehoch geschn�rten Stiefeln zwischen ihn und die T�r. Es waren hochgewachsene Frauen. Die gr��te war kaum eine Handbreit kleiner als er, sonnengebr�unt, mit kurzgeschnittenem Haar, dessen Farbe irgendwo zwischen blond und rot lag. Zwei von ihnen hielten gekr�mmte Hornb�gen in der Hand und hatten die Pfeile aufgelegt. Die anderen trugen kleine Lederschilde und jede von ihnen drei oder vier kurze Speere. Die Sch�fte waren kurz, aber die Spitzen lang genug, um sich ganz und gar durch den K�rper eines Mannes hindurchzubohren und noch ein St�ck herauszuragen.</p><p>�Ich glaube nicht, da� ich Euch einlassen kann�, sagte eine Frau mit flammenfarbigem Haar. Aber sie l�chelte leicht dabei. Die Aiel grinsten nicht so oft wie andere Leute und zeigten auch sonst �u�erlich kaum Gef�hlsbewegungen. �Ich glaube, heute nacht will er niemanden sehen.� �Ich gehe hinein, Bain.� Er ignorierte die Speere und packte sie an den Oberarmen. In diesem Moment allerdings konnte er die Speere nicht mehr ignorieren, da eine Speerspitze seinen Hals an der Seite ber�hrte. Und dann hatte er auch noch pl�tzlich den Speer einer etwas blonderen Frau namens Chiad an der anderen Seite, als wollten sich die beiden irgendwo in der Mitte seines Halses treffen. Die anderen Frauen sahen lediglich zu, da sie sicher waren, da� Bain und Chiad mit allem fertig w�rden, was zu tun sei. Aber er gab sich trotzdem alle M�he. �Ich habe keine Zeit, mich mit euch herumzustreiten. Allerdings h�rt ihr ja sowieso nicht auf die Argumente anderer Leute, wie ich sehr gut wei�. Ich gehe jetzt rein.� So sanft er nur konnte, hob er Bain hoch und setzte sie an der Seite ab, so da� sein Weg frei war.</p><p>Chiad h�tte nur auf ihren Speer hauchen m�ssen und es w�re Blut geflossen, aber nach einem �berraschten Blick aus ihren aufgerissenen dunkelblauen Augen nahm Bain pl�tzlich ihren Speer von seinem Hals und grinste ihn an. �M�chtet Ihr gern ein Spiel lernen, das man den �Ku� einer Jungfrau� nennt, Perrin? Ich glaube, Ihr k�nntet das sehr gut. Und zumindest w�rdet Ihr einiges lernen.� Eine der anderen lachte laut los. Chiads Speerspitze schwenkte beiseite.</p><p>Er atmete tief durch und hoffte, es m�ge ihnen nicht auffallen, da� es sein erster Atemzug war, seit die Speerspitzen ihn ber�hrt hatten. Sie hatten ihre Gesichter nicht verschleiert. Ihre Schufas hatten sie wie dunkle Halst�cher umgebunden. Aber er wu�te nicht, ob die Aiel das unbedingt tun mu�ten, bevor sie jemanden t�teten. Was er wu�te, war lediglich, da� ihr Verschleiern bedeutete, sie seien kampfbereit.</p><p>�Ein andermal vielleicht�, sagte er h�flich. Sie grinsten nun alle, als habe Bain etwas Lustiges gesagt und als sei sein Unverst�ndnis ein Teil des Grundes ihrer Belustigung. Thom hatte recht. Ein Mann konnte wirklich verr�ckt werden, wenn er die Frauen verstehen lernen wollte, gleich aus welchem Land oder aus welcher sozialen Schicht sie stammten. Das hatte Thom schon oft behauptet.</p><p>Als er nach dem T�rknauf in Gestalt eines sich aufb�umenden goldenen L�wen griff, f�gte Bain hinzu: �Auf Eure eigene Verantwortung. Er hat bereits hinausgescheucht, was die meisten M�nner f�r viel bessere Gesellschaft halten w�rden als Euch.� <emphasis>Nat�rlich,</emphasis> dachte er. <emphasis>Berelain. Sie kam ja hier heraus. Heute nacht dreht sich wohl alles um...</emphasis></p><p>Die Erste von Mayene war aus seinen Gedanken verschwunden, als er einen Blick in den Raum warf. Zerbrochene Spiegel hingen an den W�nden, und Glas- und Porzellanscherben bedeckten den Fu�boden. Dazwischen lagen Federn aus dem aufgeschlitzten Bett. Ge�ffnete B�cher lagen zwischen umgest�rzten St�hlen und B�nken. Und Rand sa� mit geschlossenen Augen am Fu� seines Bettes, an einen Bettpfosten gelehnt, die schlaffen H�nde auf <emphasis>Callandor,</emphasis> das auf seinen Knien lag. Er sah aus, als habe er in Blut gebadet.</p><p>�Holt Moiraine!� fuhr Perrin die Aielfrauen an. Lebte Rand �berhaupt noch? Wenn ja, dann ben�tigte er dringend die Heilkunst einer Aes Sedai. �Sagt ihr, sie soll sich beeilen!� Er h�rte, wie jemand hinter ihm nach Luft schnappte, und dann schnelle Stiefelschritte.</p><p>Rand hob den Kopf. Sein Gesicht war eine blutverschmierte Maske. �Mach die T�r zu.� �Moiraine wird gleich hier sein, Rand. Entspanne dich. Sie wird... � �Mach die T�r zu, Perrin.� Die Aielfrauen sprachen leise miteinander, traten dann aber unwillig zur�ck. Perrin zog die T�r zu und schnitt damit einen fragenden Ruf des Offiziers mit den Federn am Helm ab.</p><p>Glas knirschte unter seinen Sohlen, als er zu Rand hin�berging. Er ri� einen Streifen von einem sowieso w�st zerschnittenen Leinenbettuch ab und pre�te ihn auf die Wunde an Rands Seite. Rands H�nde verkrampften sich einen Moment lang vor Schmerz um das durchsichtige Schwert, doch dann entspannten sie sich. Sofort drang Blut durch den Stoff. Rand war von Kopf bis Fu� mit Schnitten und Rissen �bers�t, und in vielen davon glitzerten Glasscherben. Perrin zuckte hilflos die Achseln. Er wu�te nicht, was er dagegen tun sollte. Es blieb ihm nichts anderes �brig, als auf Moiraine zu warten.</p><p>�Was beim Licht hast du denn machen wollen, Rand? Du siehst aus, als wolltest du dir selber die Haut abziehen. Und du h�ttest mich auch noch fast umgebracht.� Er glaubte einen Augenblick lang, Rand w�rde nicht antworten.</p><p>�Ich nicht�, sagte er aber doch schlie�lich im Fl�sterton. �Einer der Verlorenen.� Perrin bem�hte sich, Muskeln zu entspannen, von denen er sich gar nicht bewu�t war, sie verkrampft zu haben. Er hatte nur teilweise Erfolg damit. Wohl hatte er Faile gegen�ber die Verlorenen erw�hnt, und das durchaus im Ernst, aber im gro�en und ganzen hatte er sich doch bem�ht, nicht daran zu denken, was die Verlorenen unternehmen k�nnten, wenn sie w��ten, wo Rand sich aufhielt. Wenn einer von ihnen den Wiedergeborenen Drachen zur Strecke br�chte, w�rde er weit �ber den anderen stehen, sobald einmal der Dunkle K�nig endg�ltig frei war. Der Dunkle K�nig in Freiheit und die Letzte Schlacht verloren, bevor sie �berhaupt ausgetragen werden konnte.</p><p>�Bist du sicher?� fragte er genauso leise.</p><p>�Es mu� so sein, Perrin. Es kann nicht anders sein.� �Wenn einer von ihnen genauso mich angriff wie dich...? Wo steckt Mat, Rand? Wenn er am Leben ist und das erlebte, was ich durchgemacht habe, dann wird er auch dasselbe glauben wie ich. Da� du schuld warst. Er w�re jetzt bestimmt schon hier, um mit dir zu reden.� �Oder auf einem Pferd auf halbem Weg zum Stadttor.� Rand m�hte sich, aufrechter dazusitzen. Trocknende Blutschmierer sprangen auf, und �ber Brust und Schultern zeigten sich neue Rinnsale. �Wenn er tot ist, Perrin, solltest du dich k�nftig so weit wie m�glich von mir fernhalten. Ich glaube, Loial und du, ihr habt recht damit.� Er schwieg und betrachtete Perrin. �Du und Mat, ihr m��t euch doch w�nschen, ich sei niemals geboren worden. Oder zumindest, da� ihr mich nie kennengelernt h�ttet.� Es hatte keinen Zweck, jetzt hinzugehen und nachzusehen; wenn Mat etwas passiert war, dann war es jetzt l�ngst vor�ber und ausgestanden. Und er hatte das Gef�hl, seine improvisierte Bandage, die er gegen die Wunde an Rands Seite pre�te, w�rde ihn gerade lange genug am Leben halten, bis Moiraine kam. Ohne die... �Dir scheint es ja gleich zu sein, ob er wirklich weg ist. Seng mich, er hat doch schlie�lich auch Bedeutung. Was wirst du machen, wenn er weg ist? Oder tot, das Licht m�ge es verh�ten?� �Was sie am wenigsten erwarten.� Rands Augen wirkten wie ein vom Morgennebel �berzogener Sonnenaufgang �blaugrau, durch das ein fieberhaftes Gl�hen drang. Seine Stimme klang hart. �So mu� ich es auf jeden Fall halten. Was <emphasis>jeder</emphasis> am wenigsten von mir erwartet.� Perrin atmete langsam durch. Rand hatte ein Recht darauf, zu zeigen, da� seine Nerven bis zum Zerrei�en gespannt waren. Das war kein Anzeichen f�r den herannahenden Wahnsinn. Er mu�te endlich aufh�ren, immer nach solchen Anzeichen zu suchen. Die w�rden sich schon fr�h genug zeigen, und jetzt st�ndig darauf zu warten, brachte ihm h�chstens Magenkr�mpfe ein. �Was soll das hei�en?� fragte er leise.</p><p>Rand schlo� die Augen. �Ich wei� nur, da� ich sie �berraschen mu�. Jeden �berraschen mu߫, murmelte er trotzig.</p><p>Die T�re �ffnete sich, und ein hochgewachsener Aiel trat ein. Sein dunkelrotes Haar war mit Grau durchsetzt. Hinter ihm h�pften die Federn des tairenischen Offiziers auf und ab, als er sich mit den T�chtern des Speers herumstritt. Er fuchtelte immer noch wild herum, als Bain die T�r wieder zuschob.</p><p>Rhuarc blickte sich mit scharfen, blauen Augen im Raum um, als vermute er hinter einem Vorhang oder einem umgest�rzten Stuhl versteckte Feinde. Der Clanh�uptling der Taardad Aiel war unbewaffnet bis auf das Messer mit der schweren Klinge am G�rtel, aber seine Autorit�t und sein ruhiges Selbstvertrauen waren wie zus�tzliche Waffen. Und seine Schufa hing um seinen Hals, doch niemand, der auch nur ein wenig �ber die Aiel Bescheid wu�te, hielt einen f�r weniger gef�hrlich, weil er das Gesicht nicht verschleiert hatte.</p><p>�Dieser tairenische Narr dort drau�en hat seinem Kommandanten mitteilen lassen, da� hier drinnen etwas passiert sei�, sagte Rhuarc, �und nun verbreiten sich bereits Ger�chte wie Flechten in einer H�hle. Das geht von der Wei�en Burg, die dich angeblich umbringen lassen wollte, bis hin zur Letzten Schlacht, die in diesem Raum ausgetragen wurde.� Perrin �ffnete den Mund, doch Rhuarc hob warnend die Hand. �Ich habe zuf�llig Berelain getroffen. Sie sah aus, als habe man ihr den Tag genannt, an dem sie sterben werde. Sie hat mir die Wahrheit gesagt. Ich hatte meine Zweifel, aber nun sieht es wirklich so aus, da� sie recht hatte.� �Ich habe nach Moiraine geschickt�, sagte Perrin. Rhuarc nickte. Nat�rlich � die T�chter des Speers hatten ihm alles erz�hlt, was sie selbst wu�ten.</p><p>Rand lachte auf und zuckte gleichzeitig vor Schmerzen zusammen. �Ich hatte ihr gesagt, sie solle den Mund halten. Es scheint aber, da� der Lord Drache in Mayene nicht herrscht.� Die Heiterkeit in seiner Stimme klang reichlich gezwungen.</p><p>�Ich habe T�chter, die �lter sind als diese junge Frau�, stellte Rhuarc fest. �Ich glaube nicht, da� sie es weitersagen wird. Ich glaube sogar eher, sie wird nur zu gern alles vergessen, was heute nacht geschehen ist.� �Und ich w��te gern, was passiert ist�, sagte Moiraine, die leise in den Raum trat. So klein und schlank sie auch war � Rhuarc �berragte sie genauso wie der Mann, der ihr folgte: Lan, ihr Beh�ter �, so dominierte doch die Aes Sedai den ganzen Raum. Sie mu�te gelaufen sein, so schnell war sie angekommen, doch nun war sie so ruhig wie ein zugefrorener See. Es mu�te schon viel geschehen, um ihr die Ruhe und Gelassenheit zu nehmen. Ihre blaue Seidenrobe hatte einen hohen Spitzenkragen, und in die �rmel waren Streifen dunkleren Samts eingen�ht, aber trotzdem schienen ihr Hitze und Feuchtigkeit nichts auszumachen. Ein kleiner, blauer Edelstein, der auf ihrer Stirn an einer d�nnen Goldkette hing, die sie durchs Haar gezogen hatte, glitzerte im Lampenschein und betonte noch die Gl�tte ihrer Stirn. Da war auch nicht der leichteste Hauch von Schwei� zu entdecken.</p><p>Wie immer, wenn sie sich trafen, spr�hten die eisigblauen Augen Rhuarcs und Lans beinahe Funken. Lans dunkles Haar wurde von einem geflochtenen Lederband gehalten. An den Schl�fen war bereits einiges Grau zu sehen. Sein Gesicht schien aus Fels gehauen, so hart und kantig war es. Sein Schwert hing wie ein zus�tzlicher K�rperteil an der H�fte. Perrin konnte nicht sagen, welcher der beiden M�nner der t�dlichere war, aber er glaubte, da� sie sich gegenseitig nicht nachstanden.</p><p>Der Blick des Beh�ters wanderte zu Rand hin�ber. �Ich glaubte, Ihr w�rt alt genug, um Euch allein rasieren zu k�nnen.� Rhuarc l�chelte ein wenig, aber immerhin war es das erste L�cheln, das Perrin in Lans Anwesenheit bei ihm bemerkt hatte. �Er ist noch jung. Er wird es lernen.� Lan erwiderte den Blick des Aielmannes und l�chelte dann auf die gleiche Art zur�ck.</p><p>Moiraine warf den beiden M�nnern einen kurzen, mi�billigenden Blick zu. Sie schien sich keinen Weg durch die Scherben suchen zu m�ssen, als sie �ber den Teppich schritt, sondern raffte einfach nur ihren Rock ein wenig hoch. Unter ihren Pantoffeln knirschte keine einzige Scherbe. Sie sah sich dabei im ganzen Raum um. Perrin war sicher, da� ihr keine Einzelheit entging. Einen Augenblick lang musterte sie auch ihn, doch er mied ihren Blick. Sie wu�te einfach zu viel von ihm, als da� er sich unter ihrer Betrachtung wohl gef�hlt h�tte. Doch trotz dieser stillen Musterung kam sie unbeirrbar wie eine lautlose, seidene Lawine auf Rand zu, eiskalt und unerbittlich.</p><p>Perrin lie� die Hand an der Bandage fallen und wich ihr aus. Der blutgetr�nkte Leinenstreifen klebte an Rands Wunde fest. Von Kopf bis Fu� begann das Blut nun zu schwarzen Streifen und Schmierern anzutrocknen. Die Glassplitter in seiner Haut glitzerten im Lampenschein. Moiraine ber�hrte die improvisierte Bandage mit den Fingerspitzen und zog dann die Hand zur�ck, als habe sie sich entschlossen, lieber doch nicht drunterzublicken. Perrin fragte sich, wie die Aes Sedai Rand ansehen konnte, ohne selbst bei dem Anblick Schmerzen zu empfinden, doch ihr Gesichtsausdruck �nderte sich �berhaupt nicht. Sie roch leicht nach Rosen�lseife.</p><p>�Wenigstens seid Ihr am Leben.� Ihr Stimme war melodi�s, doch im Augenblick war es eine eiskalte, zornige Melodie. �Was passiert ist, kann warten. Versucht, die Wahre Quelle zu ber�hren.� �Warum?� fragte Rand mit mi�trauischer Stimme. �Ich kann mich nicht selbst mit Hilfe der Macht heilen, selbst wenn ich w��te, wie man das macht. Niemand kann das. Soviel wei� ich mittlerweile.� Einen Atemzug lang schien sich Moiraine am Rand eines Wutausbruchs zu befinden, so seltsam das bei ihr auch gewesen w�re, doch einen Atemzug sp�ter hatte sie wieder einen Panzer der Gelassenheit um sich gezogen, den kaum etwas ersch�ttern konnte. �Nur ein kleiner Teil der zum Heilen ben�tigten Kraft kommt vom Heiler. Die Macht kann das ersetzen, was von dem Kranken oder Verwundeten her kommen sollte. Ohne diese Hilfe werdet Ihr morgen und vielleicht auch noch �bermorgen flach liegen. Also zieht jetzt etwas von der Macht an Euch, wenn Ihr k�nnt, aber tut nichts damit. La�t sie nur ruhen. Wenn es sein mu�, ben�tzt das hier.� Sie mu�te sich nicht weit vorbeugen, um <emphasis>Callandor</emphasis> zu ber�hren.</p><p>Rand zog das Schwert unter ihrer Hand weg. �Ich solle sie nur einfach ruhen lassen, sagt Ihr.� Es klang, als wolle er sie auslachen. �Also gut.� Es geschah nichts, was Perrin irgendwie sehen konnte, aber das erwartete er auch nicht. Rand sa� da wie der letzte �berlebende einer verlorenen Schlacht und blickte Moiraine an. Sie zuckte mit keiner Wimper. Zweimal rieb sie mit den Fingern unbewu�t �ber ihre Handfl�chen.</p><p>Nach einer Weile seufzte Rand. �Ich kann noch nicht einmal das Nichts heraufbeschw�ren. Ich kann mich einfach nicht konzentrieren.� Ein kurzes Grinsen lie� das eingetrocknete Blut auf seinem Gesicht springen. �Ich verstehe es selbst nicht.� Ein d�nnes, rotes Rinnsal lief neben seinem linken Auge herunter.</p><p>�Dann werde ich es so machen wie immer�, sagte Moiraine und nahm Rands Kopf in die H�nde, ohne darauf zu achten, da� ihr das Blut �ber die Finger lief.</p><p>Rand keuchte laut und sprang schwerf�llig auf. Es war, als werde ihm die ganze Luft auf einmal aus der Lunge gepre�t. Er b�umte sich so auf, da� er seinen Kopf beinahe aus ihrem Griff losgerissen h�tte. Einen Arm hatte er mit gespreizten Fingern zur Seite weggestreckt. Die Finger bogen sich derart nach hinten, da� es schien, als w�rden sie gleich brechen. Die andere Hand verkrampfte sich um den Griff <emphasis>Callandors.</emphasis> Die Muskeln an diesem Arm verknoteten und verkrampften sich sichtlich. Er bebte wie ein Segel im Sturm. Dunkle Schichten getrockneten Blutes sprangen ab, und Glassplitter klimperten auf die Truhe und den Fu�boden. Sie waren aus Schnittwunden herausgequollen, die sich nun schlossen und von selbst zu heilen schienen.</p><p>Perrin schauderte, als tobe dieser Sturm auch um ihn. Er hatte schon fr�her zugesehen, wenn jemand geheilt wurde, und sogar in schlimmeren F�llen, aber es lie� ihn niemals kalt, wenn er zusah wie die Macht angewandt wurde, wenn er wu�te, was geschah, und er schauderte, obwohl sie ja hier zum Guten verwandt wurde. Die Geschichten �ber die Aes Sedai, die ihnen fr�her von den W�chtern und Fahrern der Kaufleute lange Jahre vor seinem Zusammentreffen mit Moiraine erz�hlt worden waren, sa�en immer noch tief. Rhuarc roch bei�end nach Nervosit�t. Nur Lan nahm es wie selbstverst�ndlich hin. Lan und Moiraine selbst nat�rlich.</p><p>Es war vor�ber, so schnell wie es begonnen hatte. Moiraine nahm ihre H�nde weg, und Rand sackte in sich zusammen. Er hielt sich am Bettpfosten fest, um �berhaupt stehen bleiben zu k�nnen. Es war schwierig festzustellen, ob er den Bettpfosten oder <emphasis>Callandor</emphasis> fester umklammerte. Als Moiraine versuchte, ihm das Schwert wegzunehmen und es wieder auf seinen verzierten St�nder an der Wand zu legen, nahm er es ihr entschlossen und beinahe grob weg.</p><p>Sie verzog einen Moment lang �rgerlich den Mund, aber dann belie� sie es dabei, die Bandage von seiner Wunde herunterzunehmen und damit ein paar der Blutspritzer wegzuwischen. Die alte Wunde war nun wieder eine gerade einigerma�en verheilte Narbe. Die �brigen Verletzungen waren einfach verschwunden. Das angetrocknete Blut auf seinem gesamten K�rper h�tte auch von jemand anderem stammen k�nnen.</p><p>Moiraine runzelte die Stirn. �Sie spricht einfach nicht darauf an�, murmelte sie in sich hinein. �Sie heilt einfach nicht vollst�ndig.� �Das ist die Wunde, die mich schlie�lich umbringen wird, oder?� fragte er sie leise. Dann zitierte er: ��Sein Blut auf den Felsh�ngen des Shayol Ghul w�scht den Schatten weg. Sein Opfer zur Rettung der Menschheit.�� �Ihr lest zuviel�, sagte sie in scharfem Ton, �und versteht zu wenig.� �Versteht Ihr mehr? Falls ja, sagt es mir.� �Er versucht doch nur, den richtigen Weg zu finden�, sagte Lan pl�tzlich. �Kein Mann m�chte blind einherrennen, wenn er wei�, da� irgendwo vor ihm eine Klippe ist.� Perrin zuckte fast vor �berraschung zusammen. Lan widersprach Moiraine sonst nie oder jedenfalls nicht in H�rweite anderer. Allerdings hatte er viel Zeit mit Rand verbracht, um ihn im Schwertkampf auszubilden.</p><p>Moiraines dunkle Augen blitzten, doch dann sagte sie nur: �Er mu� jetzt ins Bett. Sorge bitte daf�r, da� man ihm Wasser zum Waschen bringt und ein anderes Schlafzimmer vorbereitet. Das hier mu� gr�ndlich gereinigt werden, und das Bett braucht eine neue Matratze und ein neues Oberbett.� Lan nickte und steckte einen Augenblick lang den Kopf zur T�r hinaus in den Vorraum. Er sprach leise mit jemandem.</p><p>�Ich werde hier schlafen, Moiraine.� Rand lie� den Bettpfosten los und hielt sich aufrecht, wobei er die Spitze <emphasis>Callandors</emphasis> auf den Teppich aufstellte und sich mit beiden H�nden auf das Schwert st�tzte. So konnte man kaum sehen, wie schwach er wirklich war. �Ich lasse mich nicht mehr hin und her jagen. Nicht einmal aus einem Bett.� <emphasis>�Tai'shar Manetheren�,</emphasis> murmelte Lan.</p><p>Diesmal blickte sogar Rhuarc �berrascht drein, aber falls Moiraine geh�rt hatte, wie der Beh�ter Rand ehrte, zeigte sie keine Reaktion. Sie sah Rand an. Ihr Gesichtsausdruck war nichtssagend wie meistens, doch in ihren Augen gl�hte der Zorn. Rand l�chelte leicht und irgendwie fragend, als �berlege er, was sie sich wohl als n�chstes einfallen lassen werde.</p><p>Perrin schob sich langsam auf die T�r zu. Falls Rand und die Aes Sedai streiten wollten, war es besser, den R�ckzug anzutreten. Lan schien das nicht zu k�mmern. Es war auch schwer zu sagen, was er dachte oder f�hlte. Aus seiner Haltung, gerade aufgerichtet und doch vollst�ndig entspannt, lie� sich nichts ablesen. Er konnte sowohl gelangweilt im Halbschlaf herumstehen, wie auch im n�chsten Moment kampfbereit das Schwert ziehen � beides erschien gleich wahrscheinlich. Rhuarc stand �hnlich da, aber er be�ugte wenigstens ebenfalls sehnsuchtsvoll die T�r.</p><p>�Bleibt, wo Ihr seid!� Moiraine wandte den Blick nicht von Rand, und ihr ausgestreckter Finger zeigte irgendwohin in die Mitte zwischen Perrin und Rhuarc, aber Perrin blieb trotzdem wie angewurzelt stehen. Rhuarc zuckte die Achseln und faltete die Arme vor der Brust.</p><p>�Stur�, knurrte Moiraine. Diesmal galt es Rand. �Also gut. Wenn Ihr so stehen bleiben wollt, bis Ihr umfallt, k�nnt Ihr wenigstens die Zeit bis dahin n�tzen und mir sagen, was hier vorgefallen ist. Ich kann Euch nichts beibringen, aber wenn ich Bescheid wei�, kann ich Euch vielleicht wenigstens sagen, was Ihr falsch gemacht habt. Es ist zwar nur eine geringe M�glichkeit, aber...� Ihr Tonfall wurde sch�rfer. �Ihr m��t lernen, es zu beherrschen, und das nicht nur dieser Sache wegen. Wenn Ihr nicht lernt, die Macht unter Kontrolle zu halten, wird sie Euch umbringen. Das wi�t Ihr. Ich habe es Euch oft genug gesagt. Ihr m��t es aber von allein lernen. Die Kraft dazu findet Ihr in Euch selbst.� �Ich habe nichts angerichtet, au�er eben zu �berleben�, sagte er trocken. Sie �ffnete den Mund, aber er fuhr fort: �Glaubt Ihr, ich w�rde die Macht anwenden, ohne da� ich selbst es merke? Ich habe das nicht im Schlaf angerichtet. Das ist geschehen, als ich wach war.� Er schwankte und fing sich gerade noch mit Hilfe des st�tzenden Schwerts.</p><p>�Selbst Ihr k�nntet im Schlaf nichts anderes lenken als bestenfalls das Element Geist�, sagte Moiraine k�hl. �Und das hier wurde nicht mit Geist angestellt. Ich war dabei, Euch zu fragen, was wirklich geschah.� Perrin str�ubten sich die Haare, als Rand seine Geschichte erz�hlte. Das mit der Axt war schon schlimm genug gewesen, aber wenigstens war die Axt etwas Solides, Wirkliches. Doch die eigenen Spiegelbilder herauskommen zu sehen und... Unbewu�t trat er von einem Fu� auf den anderen, um nicht auf irgendwelchen Glassplittern zu stehen.</p><p>Kurz nachdem Rand zu erz�hlen begonnen hatte, warf er heimlich einen Blick �ber die Schulter auf die Truhe, so, als wolle er nicht, da� die anderen ihn bemerkten. Einen Moment sp�ter r�hrten sich die �ber den Deckel der Truhe verstreuten Glassplitter von allein, und sie rutschten hinunter auf den Teppich, als w�rden sie von einem unsichtbaren Besen weggekehrt. Rand und Moiraine blickten sich an, und dann setzte er sich zum Weitererz�hlen hin. Perrin war nicht sicher, wer von den beiden den Deckel der Truhe abger�umt hatte. In Rands Bericht war nicht von Berelain die Rede.</p><p>�Es mu� einer der Verlorenen gewesen sein�, stellte Rand am Ende fest. �Vielleicht Sammael. Ihr sagtet doch, er befinde sich in Illian. Oder einer von ihnen ist hier in Tear. K�nnte Sammael von Illian so schnell her�bergekommen sein?� �Nicht einmal, wenn er selbst <emphasis>Callandor</emphasis> in H�nden hielte�, antwortete Moiraine. �Es gibt Grenzen der Macht. Sammael ist nur ein Mensch und nicht der Dunkle K�nig.� Nur ein Mensch? Keine sehr gute Beschreibung, dachte sich Perrin. Ein Mann, der die Macht ben�tzen konnte und trotzdem, aus welchen Gr�nden auch immer, nicht dem Wahnsinn verfallen war, oder zumindest noch nicht, soweit man das beurteilen konnte. Vielleicht war er genauso stark wie Rand, aber wo Rand sich zu lernen bem�hte, kannte Sammael bereits jeden Trick und jede M�glichkeit, die Macht einzusetzen. Ein Mann, der dreitausend Jahre im Gef�ngnis des Dunklen K�nigs verbracht hatte und der aus freien St�cken einst zum Schatten �bergelaufen war. Nein. �Nur ein Mensch� kam einer Beschreibung Sammaels oder eines der anderen Verlorenen, sei es Mann oder Frau, nicht einmal nahe.</p><p>�Dann befindet sich einer von ihnen hier. In der Stadt.� Rands Kopf sank auf seine H�nde herunter, aber er ri� ihn sofort wieder hoch und blickte die anderen im Raum zornig an. �Ich lasse mich nicht noch einmal jagen. Zuerst werde ich der Jagdhund sein. Ich werde ihn � oder sie � finden und... � �Keiner der Verlorenen�, warf Moiraine ein. �Ich glaube das nicht. Das Ganze war zu einfach und doch auch wieder zu vielschichtig.� Rand sagte ruhig: �Keine R�tsel, bitte, Moiraine. Wenn nicht einer der Verlorenen, wer dann? Oder was?� Das Gesicht der Aes Sedai h�tte gut ein Ambo� sein k�nnen, doch sie z�gerte und tastete sich nur an eine schl�ssige Antwort heran. Man konnte auch nicht sagen, ob sie sich einfach nicht sicher sei in bezug auf die Antwort, oder ob sie lediglich �berlegte, wieviel sie enth�llen sollte.</p><p>�Da die Siegel am Gef�ngnis des Dunklen K�nigs langsam br�ckeln�, sagte sie nach einer Weile, �k�nnte es unvermeidlich sein, da� � etwas von seiner Pers�nlichkeit entkommt, w�hrend er selbst sich noch drinnen befindet. Wie Blasen, die aus etwas Verfaulendem am Grunde eines Teichs aufsteigen. Aber diese Art von Blasen treiben durch das Muster hindurch, bis sie sich an einen Faden anh�ngen und platzen.� �Licht!� Das entschl�pfte Perrin, bevor er es verhindern konnte. Moiraines Blick wanderte zu ihm her�ber. �Ihr meint, was Rand passierte, wird... wird irgendwann jedem passieren?� �Nicht jedem. Jedenfalls noch nicht. Am Anfang, denke ich, wird es nur ein paar Blasen geben, die durch Ritzen entschl�pfen, wo die Macht des Dunklen K�nigs bereits zugreifen kann. Und wer wei� schon, was sp�ter sein wird? Und weil die <emphasis>Ta'veren</emphasis> ja die anderen F�den im Muster um sich herum neu kn�pfen, so werden gerade sie wohl diese Blasen st�rker anziehen als alle anderen.� Ihre Blicke sagten, sie wisse, da� Rand nicht der einzige war, dem ein wahr gewordener Alptraum widerfahren war. Ein kurzes L�cheln, schon wieder verschwunden, bevor er es richtig bemerkt hatte, sagte ihm, da� er das vor den anderen geheimhalten k�nne, wenn er es w�nsche. Aber sie wu�te Bescheid. �Doch in den kommenden Monaten � oder Jahren, falls wir das Gl�ck haben, soviel Zeit gewinnen zu k�nnen � werden eine Menge Leute Dinge erleben, die ihnen graue Haare verschaffen, falls sie alles �berleben sollten.� �Mat�, sagte Rand. �Wi�t Ihr, ob er... ? Ist er...?� �Das werde ich bald genug wissen�, antwortete Moiraine gelassen. �Was geschehen ist, kann nicht ungeschehen gemacht werden, aber wir k�nnen hoffen.� So ruhig sie auch sprach, roch sie doch f�r Perrin nach Nervosit�t, bis Rhuarc sagte: �Es geht ihm gut. Oder es ging ihm gut. Ich habe ihn gesehen, als ich hierher unterwegs war.� �Wo ging er denn hin?� fragte Moiraine in etwas gereiztem Tonfall. �Es sah so aus, als gehe er zu den Quartieren der Diener hin�ber�, berichtete der Aielmann. Er wu�te, da� die drei <emphasis>ta'veren</emphasis> waren, auch wenn er sonst nicht soviel wu�te, wie er selbst glaubte. Doch er kannte Mat gut genug, um hinzuzuf�gen: �Nicht zu den St�llen, Aes Sedai. In die andere Richtung, zum Flu� hin. Und an den Landungsstegen des Steins liegen gerade keine Schiffe.� Er hatte keine Probleme bei den Worten �Schiffe� und �Landungsstege�, so wie sonst die meisten Aiel, obwohl in ihrer W�ste solche Dinge nur die Ausgeburten von M�rchen zu sein schienen.</p><p>Sie nickte, als habe sie nichts anderes erwartet. Perrin sch�ttelte den Kopf. Sie war so daran gew�hnt, ihre wirklichen Gedanken anderen zu verheimlichen, da� sie das wohl mittlerweile schon aus purer Gewohnheit tat.</p><p>Pl�tzlich �ffnete sich ein T�rfl�gel, und Bain und Chiad schl�pften ausnahmsweise einmal ohne ihre Speere herein. Bain trug eine gro�e wei�e Sch�ssel und einen dicken Krug, aus dem Dampf aufstieg. Chiad hatte sich gefaltete Handt�cher unter den Arm geklemmt.</p><p>�Warum bringt <emphasis>Ihr</emphasis> diese Sachen?� wollte Moiraine wissen.</p><p>Chiad zuckte die Achseln. �Sie wollte nicht hereinkommen.� Rand lachte kurz auf. �Selbst die Diener sind schlau genug, sich von mir fernzuhalten. Stellt es irgendwo hin.� �Eure Zeit hier wird knapp, Rand�, sagte Moiraine. �Die Tairener gew�hnen sich auf gewisse Weise an Euch, und was einem vertraut ist, das f�rchtet man nicht mehr so wie das Unbekannte. Wie viele Wochen oder Tage wird es noch dauern, bis jemand Euch einen Pfeil in den R�cken schie�t oder Gift in Euer Essen streut? Wie lange noch, bis einer der Verlorenen zuschl�gt oder eine weitere Blase aus dem Gef�ngnis des Dunklen K�nigs entweicht und in das Muster eindringt?� �Versucht nicht, mich zu hetzen, Moiraine.� Er war blutverkrustet und schmutzig, halb nackt, st�tzte sich mehr oder weniger auf <emphasis>Callandor,</emphasis> um �berhaupt aufrecht sitzen zu k�nnen, aber er brachte es fertig, in ruhigem Befehlston zu sprechen. �Ich werde auch bei Euch nicht springen.� �W�hlt bald Euren weiteren Weg�, sagte sie. �Und informiert mich diesmal dar�ber, was Ihr vorhabt. Mein Wissen n�tzt Euch nichts, wenn Ihr euch weigert, meine Hilfe anzunehmen.� �Eure Hilfe?� fragte Rand m�de. �Ich werde Eure Hilfe annehmen. Doch die Entscheidung dar�ber treffe ich, nicht Ihr.� Er sah Perrin an, als wolle er ihm wortlos etwas mitteilen, etwas, das die anderen nicht h�ren sollten. Perrin hatte keine Ahnung, was er wollte. Nach einem Augenblick seufzte Rand und lie� den Kopf ein wenig sinken. �Ich will schlafen. Geht nun bitte alle. Bitte. Wir reden morgen weiter.� Wieder traf sein Blick auf Perrin, als richteten seine Worte besonders an ihn.</p><p>Moiraine ging durch den Raum hin�ber zu Bain und Chiad, und die drei steckten die K�pfe zusammen, um leise miteinander zu sprechen. Perrin h�rte nur Gemurmel und fragte sich, ob sie vielleicht die Macht ben�tzte, damit er nicht lauschen konnte. Sie wu�te, wie gut er h�rte. Dann war er sich dessen sicher, als Bain zur�ckfl�sterte und er immer noch nichts verstand. Aber in bezug auf seinen Geruchssinn hatte die Aes Sedai nichts unternommen. Die Aielfrauen blickten beim Zuh�ren auf Rand, und sie rochen nach Wachsamkeit. Nicht nach Angst, aber so, als sei Rand ein gro�es Tier, das bei jedem Fehltritt pl�tzlich gef�hrlich werden k�nnte.</p><p>Die Aes Sedai wandte sich wieder Rand zu. �Wir werden uns morgen unterhalten. Ihr k�nnt nicht wie eine Wachtel dasitzen und auf das Netz des J�gers warten.� Sie ging zur T�r, bevor er antworten konnte. Lan sah Rand an, als wolle er ihm etwas sagen, aber dann folgte er ihr doch schweigend.</p><p>�Rand?� fragte Perrin.</p><p>�Wir tun, was wir tun m�ssen.� Rand blickte nicht von dem durchsichtigen Knauf in seinen H�nden auf. �Wir tun alle, was wir m�ssen.� Er roch nach Angst.</p><p>Perrin nickte und folgte Rhuarc aus dem Raum. Moiraine und Lan waren nirgends mehr zu sehen. Der tairenische Offizier starrte aus zehn Schritt Entfernung die T�r an und versuchte den Eindruck zu erwecken, diese Entfernung entspr�che seinem eigenen Wunsch und habe nichts mit der Anwesenheit der vier Aielfrauen zu tun, die ihn beobachteten. Die anderen beiden T�chter des Speers waren immer noch im Schlafzimmer, wie Perrin bemerkte. Er h�rte drinnen Stimmen.</p><p>�Geht weg�, sagte Rand m�de. �Stellt es einfach hin und geht.� �Falls Ihr aufstehen k�nnt�, sagte Chiad fr�hlich, �werden wir gehen. Steht nur auf.� Man h�rte, wie Wasser in eine Sch�ssel gegossen wurde. �Wir haben schon �fter Verwundete betreut�, sagte Bain in beruhigendem Ton. �Und ich habe immer meine Br�der gewaschen, als sie noch klein waren.� Rhuarc schlo� die T�r, und der Rest wurde abgeschnitten. �Ihr behandelt ihn nicht so wie die Tairener�, sagte Perrin ruhig. �Keine Verbeugungen und Kratzf��e. Ich glaube nicht, da� ich bei einem von Euch schon einmal den Ausdruck �Lord Drache� geh�rt habe.� �Der Wiedergeborene Drache ist eine Prophezeiung der Feuchtl�nder�, sagte Rhuarc. �In unserer hei�t er �Der Mit Der Morgend�mmerung Kommt�.� �Ich dachte, das sei das gleiche. Warum seid Ihr sonst zum Stein gekommen? Seng mich, Rhuarc, Ihr Aiel seid das Volk des Drachen, so, wie es vorhergesagt wurde. Das habt Ihr doch praktisch schon zugegeben, auch wenn Ihr es nicht offen aussprecht.� Rhuarc �berh�rte das letztere. �In Euren Prophezeiungen des Drachen wird durch den Fall des Steins und dadurch, da� er <emphasis>Callandor</emphasis> an sich nahm, die Wiedergeburt des Drachen bewiesen. In unserer Weissagung hei�t es lediglich, da� der Stein fallen m�sse, bevor er, Der Mit Der Morgend�mmerung Kommt, erscheint und uns wieder zu dem verhilft, was einst unser war. Vielleicht sind beide der gleiche Mann, aber ich bezweifle, da� selbst die Weisen Frauen dies mit Bestimmtheit behaupten k�nnen. Falls Rand derjenige ist, mu� er noch bestimmte Dinge vollbringen, um es zu beweisen.� �Was denn?� wollte Perrin wissen.</p><p>�Falls er derjenige ist, wei� er es und wird sie vollbringen. Wenn nicht, geht unsere Suche weiter.� Ein Unterton in der Stimme des Aielmannes st�rte Perrin. �Und wenn er nicht derjenige ist, nach dem Ihr sucht? Was dann, Rhuarc?� �Schlaft gut und sicher, Perrin.� Rhuarcs weiche Stiefel verursachten kein Ger�usch, als er �ber den schwarzen Marmorboden davonschritt. Der tairenische Offizier blickte immer noch an den T�chtern des Speers vorbei, roch nach Angst und brachte es nicht fertig, den Zorn und den Ha� aus seinem Gesicht zu verbannen. Falls die Aiel zu dem Schlu� kamen, da� Rand nicht Der Mit Der Morgend�mmerung Kommt war...</p><p>Perrin betrachtete das Gesicht des Offiziers und �berlegte, was gesch�he, wenn die T�chter des Speers nicht da w�ren, wenn sich keine Aiel im Stein aufhielten. Er schauderte. Er mu�te sichergehen, da� Faile abreiste. Es blieb ihm gar nichts anderes �brig. Sie mu�te sich entschlie�en, ohne ihn abzureisen.</p></section><section><title><p>4</p><p>Marionetten</p></title><p>Thom Merrilin streute Sand �ber das Geschriebene, um die Tinte zu l�schen, und dann sch�ttete er sorgf�ltig den Sand wieder zur�ck in das Gef�� und schlo� den Deckel. Er suchte unter den auf dem Tisch gestapelten Papieren herum und w�hlte schlie�lich ein leicht zerkn�lltes Blatt mit einem Tintenfleck aus. Sechs brennende Talgkerzen auf dem Tisch stellten bei soviel Papier eine echte Gefahr dar, doch er ben�tigte das Licht. Er verglich das herausgesuchte Blatt ganz genau mit dem Geschriebenen, und dann strich er sich zufrieden mit einem Daumen �ber den langen, wei�en Schnurrbart und gestattete sich ein L�cheln auf seinen ledernen Gesichtsz�gen. Hochlord Carleon selbst w�rde glauben, es sei seine eigene Handschrift.</p><p><emphasis>Seid vorsichtig. Euer Mann hat Verdacht gesch�pft.</emphasis></p><p>Nur diese Worte und keine Unterschrift. Wenn er jetzt daf�r sorgte, da� Hochlord Tedosian diese Nachricht dort fand, wo seine Frau, Lady Alteima, sie unvorsichtigerweise zur�ckgelassen haben k�nnte...</p><p>Es klopfte an die T�r, und er fuhr zusammen. Um diese Zeit in der Nacht kam doch sonst niemand zu Besuch.</p><p>�Einen Moment�, rief er und stopfte hastig Stifte und Tintenfa� und die ausgew�hlten Bl�tter in den abgen�tzten Schreibkasten. �Ein Moment. Ich ziehe mir nur schnell ein Hemd �ber.� Er verschlo� die Truhe und schob sie unter den Tisch, wo sie einer fl�chtigen Musterung vielleicht entging. Dann �berblickte er schnell noch sein kleines, fensterloses Zimmer, um zu sehen, ob noch irgend etwas herumlag, was nicht gesehen werden sollte. Reifen und B�lle zum Jonglieren lagen auf seinem engen, ungemachten Bett herum und sogar zwischen seinem Rasierzeug auf dem einzigen Regalbrett. Dort lagen auch Feuerst�be und kleinere Gegenst�nde, die er f�r Zaubertricks ben�tigte. Sein Gauklerumhang mit losen, an jeweils nur einer Stelle aufgen�hten Flicken in hundert verschiedenen Farben hing zusammen mit seiner �brigen Kleidung und den festen Lederbeh�ltern f�r Harfe und Fl�te an einem Haken. Der durchscheinende rote Seidenschal einer Frau war um den Tragriemen des Harfenbeh�lters gekn�pft.</p><p>Er war sich nicht mehr ganz sicher, wer ihn darangebunden hatte, da er sich bem�hte, keiner Frau mehr Aufmerksamkeit zu widmen als jeder anderen. Und er war immer fr�hlich bei ihnen und lachte viel. Bring sie zum Lachen und vielleicht auch zum Seufzen, aber vermeide Bindungen, war sein Wahlspruch. F�r Bindungen hatte er keine Zeit. Zumindest redete er sich das ein.</p><p>�Ich komme schon.� Er humpelte nerv�s zur T�r. Einst hatte er die <emphasis>Aaaahs</emphasis> und <emphasis>Oooohs</emphasis> von Menschen geh�rt, die kaum glauben konnten, da� ein knochiger, wei�haariger alter Mann R�ckw�rts�berschl�ge, Handst�nde und Flickflacks fertigbrachte, so flink und gelenkig wie ein Junge. Das Hinken hatte dem ein Ende bereitet, und er ha�te es. Das Bein schmerzte am meisten, wenn er m�de war. Er ri� die T�r auf und zwinkerte �berrascht. �Also, na, dann komm rein, Mat. Ich dachte, du w�rst voll bei der Arbeit, den kleinen Lordchen die B�rsen zu erleichtern?� �Sie wollten heute nacht nicht mehr weiterspielen�, sagte Mat m�rrisch und lie� sich auf den dreibeinigen Hocker fallen, der neben Thoms Stuhl die einzige Sitzgelegenheit im Zimmer darstellte. Sein Mantel stand offen, und die Haare waren verwirrt. Der Blick aus seinen braunen Augen war unstet und blieb nie l�nger als ein paar Sekunden an einem Fleck h�ngen. Das �bliche Funkeln seiner Augen, das immer zu zeigen schien, er habe etwas Lustiges entdeckt, das niemand anders bemerkte, fehlte heute nacht.</p><p>Thom runzelte bei Mats Anblick nachdenklich die Stirn. Sonst �berschritt Mat niemals diese Schwelle, ohne ihn des �rmlichen und sch�bigen Zimmers wegen aufzuziehen. Er akzeptierte Thoms Erkl�rung, da� ein Quartier neben denen der Diener dazu beitragen werde, die Menschen vergessen zu lassen, da� der Schatten der Aes Sedai auf ihn gefallen war, aber Mat lie� sich nur selten die M�glichkeit entgehen, ihn deswegen aufzuziehen. Nat�rlich war ihm auch klar, da� dieses Zimmer eine gedankliche Verbindung mit dem Wiedergeborenen Drachen fast unm�glich machte, und da Mat eben Mat war, fand er auch diese Erkl�rung sehr wohl verst�ndlich. Es hatte Thom allerdings nur zwei hastig hingeworfene S�tze gekostet in einem jener seltenen Momente, wo niemand anders ihnen lauschte, um Rand den wirklichen Grund klarzumachen. Jeder h�rte einem Gaukler zu, jeder beobachtete ihn, aber trotzdem sah ihn keiner richtig an oder erinnerte sich sp�ter daran, mit welcher Person er gesprochen hatte. Solange er eben nur ein Gaukler war, unterhielt er mit seinen d�rftigen Tricks die Leute vom Land und die Dienerschaft und vielleicht auch ein paar Damen der Gesellschaft. Er war ein Gaukler und keine Person. So sahen es die Tairener. Er war ja schlie�lich kein Hofbarde.</p><p>Was brachte den Jungen dazu, um diese Zeit hier herunterzukommen? Vielleicht die eine oder andere junge Frau � und ein paar davon waren alt genug, um es besser wissen zu m�ssen �, die sich von Mats spitzb�bischem Grinsen hatte einfangen lassen? Nun, er w�rde eben so tun, als sei es einer von Mats gew�hnlichen Besuchen. Es sei denn, der Junge sagte etwas Gegenteiliges.</p><p>�Ich hole das Spielbrett. Es ist schon sp�t, aber f�r ein Spiel wird es schon noch reichen.� Er konnte der Versuchung nicht widerstehen und f�gte hinzu: �W�rdest du gern auf den Spielausgang wetten?� Er h�tte niemals mit Mat beim W�rfelspiel gewettet, aber bei diesem Spiel war es etwas anderes. Er glaubte, hier sei einfach zuviel Ordnung und �berlegung im Spiel, um Raum f�r Mats �bliches eigenartiges Gl�ck zu lassen.</p><p>�Was? O nein. Es ist zu sp�t zum Spielen. Thom, ist... ? Ist irgend etwas... hier unten passiert?� Thom lehnte das Spielbrett an ein Tischbein und kramte seinen Tabaksbeutel und die langstielige Pfeife aus dem Durcheinander auf dem Tisch heraus. �Zum Beispiel?� fragte er und stopfte die Pfeife. Er hatte Zeit, um ein St�ck Papier in der Hand zu zwirbeln und es dann in die Flamme einer Kerze zu halten. Dann paffte er, bis die Pfeife richtig brannte, und spuckte Tabaksreste auf den Boden. Erst jetzt antwortete Mat.</p><p>�Zum Beispiel, da� Rand jetzt dem Wahnsinn verf�llt! Nein, wenn etwas in der Art passiert w�re, h�ttest du nicht zu fragen brauchen.� Thom juckte es zwischen den Schulterbl�ttern, doch er blies so ruhig wie m�glich einen blaugrauen Rauchring zur Decke und setzte sich auf seinen Stuhl. Dann streckte er seine knochigen Beine aus. �Was ist geschehen?� Mat atmete tief ein, und dann brach alles aus ihm heraus: �Die Spielkarten haben versucht, mich umzubringen. Die Amyrlin und der Hochlord und... Ich habe das nicht getr�umt, Thom. Deshalb wollen diese gespreizten Lackaffen nicht mehr weiterspielen. Sie f�rchten, da� es wieder passiert. Thom, ich denke daran, aus Tear wegzugehen.� Das Jucken verst�rkte sich. Es war wie ein Wespennest auf Thoms R�cken. Warum war er selbst nicht schon lange aus Tear verschwunden? Das w�re doch das Kl�gste gewesen. Dort drau�en lagen Hunderte von D�rfern und warteten darauf, von einem Gaukler unterhalten und verbl�fft zu werden. Und in jedem standen ein oder zwei Schenken voll von Wein, um darin die Erinnerungen zu ertr�nken. Aber wenn er das tat, h�tte Rand au�er Moiraine niemanden mehr, der verhindern konnte, da� er von den Hochlords mit ihren Intrigen ausman�vriert wurde. Vielleicht w�rden sie ihm auch einfach die Kehle durchschneiden. Nat�rlich konnte sie ihm helfen, auch wenn sie andere Methoden dazu anwandte als er. Er glaubte schon, da� sie es schaffen konnte, Rand vor den Hochlords und ihren Machenschaften zu sch�tzen. Sie stammte aus Cairhien, und das bedeutete, da� man ihr das Spiel der H�user wohl schon mit der Muttermilch eingefl��t hatte. Und w�hrend sie ihm half, w�rde sie Rand noch fester an die Wei�e Burg binden. Ihn in ein so starkes Aes-Sedai-Netz verstricken, da� er niemals mehr daraus entkommen w�rde. Doch falls der Junge ohnehin bereits wahnsinnig wurde...</p><p><emphasis>Narr,</emphasis> schalt Thom sich selber. Ein reiner Narr, der sich in so etwas verwickeln lie�, nur wegen einer Sache, die bereits f�nfzehn Jahre zur�cklag. Sein Bleiben w�rde nicht viel daran �ndern. Was geschehen war, war geschehen. Er mu�te Rand pers�nlich sehen, gleich, was er ihm vorher in bezug auf das Fernhalten gesagt hatte. Vielleicht w�rde keiner es allzu eigenartig finden, wenn ein Gaukler darum bat, ein Lied vor dem Lord Drachen zum besten geben zu d�rfen. Ein Lied, das er f�r diesen besonderen Anla� komponiert hatte. Er hatte da eine fast v�llig unbekannte Melodie aus Kandor im Sinn, in der irgendein ungenannter Lord f�r seine Gr��e und seinen Mut gepriesen wurde, und das wohl in schw�lstigen Versen, aber ohne jemals Taten oder Schaupl�tze direkt zu erw�hnen. M�glicherweise hatte irgendein Lord, der keine nennenswerten Taten vollbracht hatte, das im Auftrag f�r sich schreiben lassen. Nun, das w�rde ihm nun zugute kommen. Es sei denn, es fiel Moiraine irgendwie auf. Das w�re genauso schlimm wie die Aufmerksamkeit der Hochlords. <emphasis>Ich bin wirklich ein Narr! Ich sollte noch heute nacht hier abhauen!</emphasis></p><p>In seinem Innern herrschte wilder Aufruhr. Sein Magen brannte, aber er hatte lange Jahre �bung darin, �u�erlich keine Gef�hlsregungen zu zeigen, und das schon vor der Zeit, als er Gaukler wurde. Er blies drei konzentrische Rauchringe und sagte: �Du hast daran gedacht, Tear zu verlassen, seit du den Stein betreten hast.� Mat sa� auf der Kante des Hockers und warf ihm einen b�sen Blick zu. �Und das werde ich auch. Mit Sicherheit.</p><p>Warum kommst du nicht mit, Thom? Es gibt St�dte, wo die Leute glauben, der Wiedergeborene Drache habe seinen ersten Atemzug noch gar nicht getan, und wo jahrelang oder noch nie einer auch nur einen Gedanken an die verfluchten Prophezeiungen des verdammten Drachen verschwendet hat. Orte, wo sie glauben, der Dunkle K�nig sei ein M�rchen und Trollocs eine Art von Seemannsgarn und Myrddraal ritten auf den Schatten, um damit kleine Kinder zu erschrecken. Du k�nntest Harfe spielen und deine Geschichten erz�hlen, und ich k�nnte am Spieltisch hocken. Wir k�nnten wie die Lords leben, reisen, wohin wir wollen, bleiben, wo wir wollen, und niemand w�rde versuchen, uns umzubringen.� Das ging ihm schon ziemlich ans Eingemachte. Na, er war eben ein Narr, und das stand nun im Raum und mu�te verarbeitet werden. �Wenn du wirklich wegwillst, warum bist du dann nicht schon l�ngst losgeritten?� �Moiraine bewacht mich�, sagte Mat mit bitterer Stimme. �Und wenn sie keine Zeit hat, l��t sie mich von jemand anderem �berwachen.� �Ich wei�. Die Aes Sedai wollen keinen wieder gehenlassen, den sie einmal in ihren H�nden haben.� Es war mehr als das, wie er vermutete, mehr als alles, was nach au�en hin bekannt war, aber Mat leugnete jede solche Vermutung strikt ab, und kein anderer, der eingeweiht war, redete dar�ber, falls �berhaupt jemand au�er Moiraine Bescheid wu�te. Es spielte wohl kaum eine Rolle. Er mochte Mat und verdankte ihm auf gewisse Weise auch einiges, aber Mat und seine Probleme waren Kinkerlitzchen, verglichen mit denen Rands. �Ich kann nicht glauben, da� sie dich die ganze Zeit �ber beobachten l��t.� �Beinahe jedenfalls. Sie fragt st�ndig die Leute aus, wo ich sei und was ich mache. Ich h�re es dann nat�rlich wieder. Kennst du jemanden, der einer Aes Sedai <emphasis>nicht</emphasis> sagt, was sie wissen will? Ich nicht. Also werde ich praktisch doch �berwacht.� �Du kannst die Beobachter meiden, wenn du dir M�he gibst. Ich habe noch nie jemanden gesehen, der sich so geschickt unsichtbar machen konnte wie du. Und das ist als Kompliment gedacht.� �Irgend etwas kommt immer dazwischen�, knurrte Mat. �Hier gibt es soviel Gold zu gewinnen. Und in der K�che gibt es ein M�dchen mit gro�en Augen, das sich gerne k�ssen und kitzeln l��t, und eine der Zofen hat Haare wie Seide bis auf die H�ften und die rundesten... � Er lie� seine Worte verklingen, als sei ihm gerade klar geworden, da� sie sich n�rrisch anh�rten.</p><p>�Hast du schon daran gedacht, da� es an etwas anderem liegen k�nnte, n�mlich... � �Wenn du das Wort <emphasis>ta'veren</emphasis> auch nur erw�hnst, Thom, dann haue ich ab.� Thom �nderte also schnell, was er eigentlich hatte sagen wollen, und fuhr fort: �... n�mlich, da� Rand eben dein Freund ist und du ihn nicht im Stich lassen willst?� �Ihn im Stich lassen!� Der Junge sprang auf und stie� dabei den Hocker um. �Thom, er ist der verdammte Wiedergeborene Drache! Das behaupten er und Moiraine jedenfalls. Vielleicht ist er es wirklich. Er kann die Macht ben�tzen und er hat dieses blutige Schwert, das wie aus Glas gemacht aussieht. Prophezeiungen! Ich wei� nicht. Aber ich wei�, da� ich genauso verr�ckt sein m��te, wie diese Tairener, wenn ich hierbliebe.� Er unterbrach sich.</p><p>�Du glaubst doch nicht... Du glaubst doch nicht, da� Moiraine mich auch hier festh�lt, oder? Mit Hilfe der Macht?� �Ich glaube nicht, da� sie das kann�, sagte Thom bed�chtig. Er wu�te eine ganze Menge �ber die Aes Sedai, genug jedenfalls, um sich dar�ber klar zu sein, was er alles nicht wu�te, doch in diesem Falle glaubte er, recht zu haben.</p><p>Mat fuhr sich mit den Fingern durchs Haar. �Thom, ich denke die ganze Zeit ans Abreisen, aber... ich habe so eigenartige Gef�hle. Beinahe, als ob etwas geschehen wird. Etwas... ganz Gro�es. Anders kann ich es nicht ausdr�cken. Es ist, als wisse man, da� am Sonnentag ein Feuerwerk stattfinden wird, nur wei� ich in meinem Fall nicht, was ich eigentlich erwarte. Immer, wenn ich besonders intensiv daran denke, abzureisen, dann passiert es wieder. Und pl�tzlich finde ich wieder einen Grund, noch einen weiteren Tag zu bleiben. Immer noch einen weiteren verfluchten Tag. Klingt das in deinen Ohren nicht nach Machenschaften der Aes Sedai?� Thom schluckte das Wort <emphasis>ta'veren</emphasis> herunter und nahm die Pfeife aus dem Mund, um den glimmenden Tabak zu betrachten. Er wu�te nicht viel �ber <emphasis>Ta'veren,</emphasis> aber wer au�er den Aes Sedai und vielleicht einigen Ogiern wu�te schon etwas �ber sie. �Ich habe noch nie anderen Leuten besonders gut bei der Bew�ltigung ihrer Probleme helfen k�nnen.� <emphasis>Und noch weniger mir selbst,</emphasis> dachte er. �Wenn eine Aes Sedai in der N�he ist, rate ich gew�hnlich den Leuten, sich um Hilfe an sie zu wenden.� <emphasis>Den Rat w�rde ich selbst aber nicht befolgen.</emphasis></p><p>�Moiraine fragen!� �Ich denke, das geht in diesem Falle wohl kaum. Aber Nynaeve war doch eure Seherin daheim in Emondsfeld. Dorfseherinnen sind ja daran gew�hnt, da� die Leute mit Fragen zu ihnen kommen und sie ihnen bei ihren Problemen helfen m�ssen.� Mat lachte sarkastisch. �Und dann mu� ich mir einen ihrer Vortr�ge anh�ren �ber das Trinken und Spielen und...! Thom, sie benimmt sich, als sei ich zehn Jahre alt. Manchmal denke ich, sie glaubt tats�chlich, da� ich ein nettes M�dchen heiraten und die Felder auf dem Hof meines Vaters bestellen werde.� �Einige M�nner w�rden das als durchaus angenehmes Leben empfinden�, sagte Thom ruhig.</p><p>�Aber ich nicht. Ich will mehr als K�he und Schafe und Tabak den Rest meines Lebens �ber. Ich will... � Mat sch�ttelte den Kopf. �All diese Ged�chtnisl�cken. Manchmal glaube ich, wenn ich sie f�llen k�nnte, w��te ich... Ach, seng mich, ich wei� nicht, was ich dann w��te, aber ich wei�, da� ich es wissen will. Das ist eine verdrehte Angelegenheit, nicht wahr?� �Ich bin nicht sicher, ob selbst eine Aes Sedai dir dabei helfen k�nnte. Ein Gaukler kann es bestimmt nicht.� �Ich habe gesagt: keine Aes Sedai.� Thom seufzte. �Beruhige dich, Junge. Ich habe das nicht im Sinn gehabt.� �Ich <emphasis>werde</emphasis> fortgehen. Sobald ich meine Sachen gepackt und ein Pferd aufgetrieben habe. Keine Minute sp�ter.� �Mitten in der Nacht? Der Morgen kommt bald genug.� Er vermied es, hinzuzuf�gen: Falls du wirklich weggehst. �Setz dich. Entspanne dich. Wir spielen eine Runde, ja? Ich habe hier irgendwo auch noch einen Krug Wein.� Mat z�gerte und blickte zur T�r. Schlie�lich zog er seine Jacke zurecht. �Ja, also dann am Morgen.� Es klang unsicher, aber er hob den umgest�rzten Hocker auf und stellte ihn an den Tisch. �Aber kein Wein f�r mich�, f�gte er beim Hinsetzen hinzu. �Wenn ich einen klaren Kopf habe, passieren ja schon die eigenartigsten Dinge. Ich m�chte den Unterschied genau kennen.� Thom stellte gedankenverloren die Spielfiguren auf den Tisch. Wie leicht man den Burschen doch von seinem Vorhaben ablenken konnte. Er wurde von einem noch viel st�rkeren <emphasis>Ta'veren</emphasis> namens Rand al'Thor mitgezogen, wie Thom die Dinge sah. Ihm kam der Gedanke, da� vielleicht auch er auf die gleiche Art mitgerissen wurde. Als er Rand zum erstenmal traf, war sein Leben bestimmt nicht auf den Stein von Tear und dieses Zimmer hin ausgerichtet gewesen, aber seither war er wie an einer Drachenschnur hin und her getrieben worden. Falls er sich auch zum Gehen entschlo�, falls zum Beispiel Rand wirklich verr�ckt geworden war, w�rde er dann auch Gr�nde finden, es immer wieder aufzuschieben?</p><p>�Was ist los, Thom?� Mats Stiefel war an die Truhe mit Schreibutensilien unter dem Tisch gesto�en. �Ist es in Ordnung, wenn ich die aus dem Weg schiebe?� �Nat�rlich. Mach nur.� Er zuckte innerlich zusammen, als Mat den Kasten grob mit dem Fu� wegstie�. Er hoffte, alle Tintenf��chen gut verkorkt zu haben. �W�hle�, sagte er und hob Mat die geschlossenen F�uste hin.</p><p>Mat tippte mit dem Finger an die linke, und Thom �ffnete sie. Ein glatter, schwarzer Stein, flach und abgerundet, kam zum Vorschein. Der Junge schnaubte vergn�gt, weil er nun den ersten Zug hatte, und stellte den Stein auf die Kreuzung einiger Linien des Spielbrettes. Keiner, der nun den Eifer in seinen Augen sah, w�rde glauben, da� er noch Augenblicke vorher viel st�rker darauf erpicht gewesen war, sofort abzureisen. Eine Gr��e, die anzuerkennen er sich weigerte, und eine Aes Sedai, die ihn als Sch�tzling bei sich halten wollte. Der Bursche steckte wirklich und wahrhaftig in der Klemme.</p><p>Falls auch er im gleichen Netz gefangen war, so entschlo� sich Thom, wollte er wenigstens einem Mann dabei helfen, sich den Aes Sedai zu entziehen. Das w�re dann die Bezahlung f�r eine f�nfzehn Jahre alte Schuld.</p><p>Pl�tzlich auf seltsame Art zufriedengestellt, plazierte er einen wei�en Stein auf dem Brett. �Habe ich dir jemals erz�hlt�, fragte er um seinen Pfeifenstiel herum, �wie ich einmal mit einer Domani-Frau gewettet habe? Sie hatte Augen, die einem Mann die Seele stehlen konnten, und einen eigenartigen roten Vogel, den sie von einem Schiff des Meervolks gekauft hatte. Sie behauptete, er k�nne die Zukunft vorhersagen. Dieser Vogel hatte einen dicken, gelben Schnabel, der beinahe so lang war wie sein ganzer K�rper, und er... �</p></section><section><title><p>5</p><p>Verh�r</p></title><p>Sie sollten jetzt eigentlich schon zur�cksein.� Egwene wedelte lebhaft mit dem bemalten Seidenf�cher und war froh, da� wenigstens die N�chte etwas k�hler waren als die Tage. Die tairenischen Frauen trugen ihre F�cher die ganze Zeit �ber bei sich, jedenfalls die adligen und reichen, aber soweit sie das beurteilen konnte, halfen sie auch nicht viel und falls �berhaupt, dann h�chstens, wenn die Sonne untergegangen war. Selbst die Lampen, gro�e, goldene Dinger mit Spiegeln dahinter, die an silbernen Wandhaltern hingen, schienen zu der Hitze beizutragen. �Was kann sie nur aufgehalten haben?� Moiraine hatte ihnen zum erstenmal nach Tagen eine Stunde ihrer Zeit versprochen, und dann war sie bereits nach f�nf Minuten ohne jede Erkl�rung verschwunden. �Hat sie irgend etwas herausgelassen, wozu sie weggeholt wurde, Aviendha? Oder auch, wer sie rufen lie�?� Die Aielfrau sa� im Schneidersitz auf dem Fu�boden neben der T�r. Die gro�en, gr�nen Augen leuchteten aus ihrem braungebrannten Gesicht heraus. Sie zuckte die Achseln. Mit Mantel und Hose und weichen Stiefeln bekleidet, die Schufa um den Hals gewickelt, schien sie v�llig unbewaffnet zu sein. �Careen hat Moiraine Sedai ihre Nachricht zugefl�stert. Es w�re nicht recht gewesen, zu lauschen. Es tut mir leid, Aes Sedai.� Mit schlechtem Gewissen streichelte Egwene den Ring mit der Gro�en Schlange, der goldenen Schlange, die den eigenen Schwanz verschlang, an ihrer rechten Hand. Als Aufgenommene sollte sie ihn eigentlich am Ringfinger ihrer linken Hand tragen, aber sie wollten ja die Hochlords in dem Glauben lassen, da� sich vier ausgebildete Aes Sedai im Stein aufhielten, damit sie nichts Dummes anstellten und auf das achteten, was bei den tairenischen Adligen als gute Manieren galt. Moiraine log nat�rlich nicht. Sie behauptete nie, da� die drei mehr als nur Aufgenommene seien. Aber sie sagte auch nicht, da� sie Aufgenommene seien, und lie� statt dessen jeden glauben, was er oder sie mochte. Und die hielten eben das f�r wahr, was sie zu sehen glaubten. Moiraine konnte �berhaupt nicht l�gen, aber sie strapazierte manchmal die Wahrheit bis zum letzten.</p><p>Es war nicht das erste Mal, seit sie die Burg verlassen hatten, da� Egwene und die anderen vorgegeben hatten, bereits vollwertige Schwestern zu sein, aber es wurde ihr st�ndig unangenehmer, Aviendha so zu t�uschen. Sie mochte die Aielfrau und glaubte, sie w�rden bestimmt Freundinnen werden, sobald sie sich einmal besser kannten, doch das war wohl kaum m�glich, solange Aviendha Egwene f�r eine Aes Sedai hielt. Die Aielfrau befand sich im Moment auf Befehl Moiraines bei ihnen. Erkl�rt hatte Moiraine nichts. Egwene vermutete, sie wolle ihnen auf diese Art eine Leibw�chterin unter den Aiel verschaffen, als h�tten sie noch nicht gelernt, sich selbst zu sch�tzen. Trotzdem: Obwohl Aviendha und sie dabei waren, Freundschaft zu schlie�en, konnte sie ihr nicht die Wahrheit sagen. Man bewahrte ein Geheimnis am besten, wenn man es niemanden wissen lie�, der es nicht unbedingt wissen mu�te. Auch etwas, das ihnen Moiraine beigebracht hatte. Manchmal hatte Egwene den Wunsch, die Aes Sedai m�ge sich einmal vollkommen irren, ganz und gar danebenliegen � nur ein einziges Mal. Nat�rlich bei keiner lebenswichtigen Sache. Das war Vorbedingung.</p><p>�Tanchico�, knurrte Nynaeve. Ihr dunkler, armdicker Zopf hing ihr bis zur H�fte hinunter. Sie blickte aus einem der engen Fenster, dessen Fl�gel sie weit ge�ffnet hatte, in der Hoffnung, ein wenig k�hlen Nachtwind einzufangen. Auf dem breiten Erinin tief unter ihnen h�pften die Laternen einiger Fischerboote auf und ab, die nicht wie die anderen flu�abw�rts gefahren waren, doch Egwene glaubte, da� Nynaeve sie gar nicht bemerkte. �Es bleibt nichts anderes �brig, als nach Tanchico zu reisen, wie es scheint.� Nynaeve zupfte unbewu�t an ihrem gr�nen Kleid herum. Der weite Ausschnitt lie� ihre Schultern unbedeckt. Das gefiel ihr. Sie h�tte sich geweigert, dieses Kleid speziell f�r Lan Moiraines Beh�ter anzuziehen, h�tte Egwene ihr das vorgeschlagen, aber Gr�n, Blau und Wei� schienen Lans Lieblingsfarben in bezug auf Frauenkleider zu sein, und so war pl�tzlich jedes Kleid, das nicht gr�n, blau oder wei� gewesen war, auf geheimnisvolle Weise aus Nynaeves Kleiderschrank verschwunden. �Bleibt nichts anderes �brig.� Es klang nicht gerade erfreut.</p><p>Egwene ertappte sich dabei, wie auch sie ihr Kleid ein St�ck hochzog. Es war ein seltsames Gef�hl, diese Kleider zu tragen, die nur an ihren Schultern hingen. Andererseits glaubte sie nicht, es ertragen zu k�nnen, sich bei dieser Hitze mehr zu bedecken. So leicht es auch war, f�hlte sich dieses hellrote Leinenkleid nun doch wie Wolle an. Sie w�nschte, sie k�nnte es �ber sich bringen, ein solch leichtes und durchscheinendes Gewand zu tragen wie Berelain. Nat�rlich war das nicht f�r die �ffentlichkeit geeignet, aber es schien ziemlich k�hl.</p><p><emphasis>H�r auf, immer nur an dein Wohlergehen zu denken,</emphasis> ging sie streng mit sich selbst ins Gericht. <emphasis>Konzentriere dich lieber auf deine Aufgaben.</emphasis> �Vielleicht�, sagte sie laut. �Ich bin aber noch nicht ganz �berzeugt.� In der Mitte des Zimmers stand ein langer, schmaler Tisch, den man lackiert und auf Hochglanz poliert hatte. Am Tischende in Egwenes N�he stand ein gro�er Stuhl mit hoher Lehne, elegant geschnitzt und an ein paar Ecken vergoldet, aber f�r die Verh�ltnisse in Tear war er fast schon einfach zu nennen. Die anderen St�hle hatten viel niedrigere Lehnen, und die am hinteren Ende waren nicht viel mehr als gepolsterte B�nke. Egwene hatte keine Ahnung, wozu dieser Raum bisher gedient hatte. Sie und die anderen ben�tzten ihn, um die beiden Gefangenen zu verh�ren, die bei der Eroberung des Steins in ihre H�nde gefallen waren.</p><p>Sie konnte sich nicht dazu �berwinden, in den Kerker hinunter zu gehen, obwohl Rand angeordnet hatte, da� man alle Folterwerkzeuge, mit denen die W�nde der Wachr�ume dekoriert waren, entweder einschmolz oder verbrannte. Weder Nynaeve noch Elayne hatten besondere Lust versp�rt, dorthin zur�ckzukehren. Au�erdem bildete dieser hellbeleuchtete Raum mit seinen sauberen, gr�nen Bodenfliesen und der Wandverkleidung mit den eingeschnitzten drei Halbmonden Tears einen deutlichen Kontrast zu den d�steren, grauen Steinw�nden der Kerkerzellen. Die waren nicht nur d�ster, sondern auch feucht und schmutzig. Dieser Raum hier sollte ein wenig dazu verhelfen, die beiden Frauen in der groben Wollkleidung von Gefangenen weich zu bekommen.</p><p>Nur an diesem fadbraunen Kleid �berhaupt h�tten die meisten Leute erkannt, da� Joiya Byir, die auf der anderen Seite des Tisches stand und ihnen den R�cken zugewandt hatte, eine Gefangene war. Sie hatte zu den Wei�en Ajah geh�rt und nichts von deren k�hlen Arroganz verloren, als sich ihre Sympathien den Schwarzen zuwandten. Ihre gesamte K�rperhaltung dr�ckte aus, da� sie ganz bewu�t und ohne dazu gezwungen zu werden, die R�ckwand des Raumes anstarrte. Nur eine Frau, die selbst die Macht lenken konnte, h�tte die daumendicken Str�nge verfestigter Luft bemerkt, die ihre Arme und Beine fesselten. Ein ebenfalls aus Luft gewebter K�fig hielt ihren Kopf gerade, so da� sie nur nach vorn blicken konnte. Selbst ihre Ohren waren mit Luft verstopft, damit sie nur das h�ren konnte, was man zu ihr sagte.</p><p>Noch einmal �berpr�fte Egwene die Abschirmung, die sie aus dem Element Geist gewoben hatten, um Joiya von der Wahren Quelle abzublocken. Sie hielt, wie sie fest angenommen hatte. Sie selbst hatte all die Str�nge um Joiya gewoben und verknotet, damit sie sich von allein aufrechterhielten, aber sie f�hlte sich doch nicht wohl in einem Raum mit einer H�rigen des Dunklen K�nigs, die ebenfalls die Macht ben�tzen konnte. Trotz der Abschirmung war es ihr unangenehm. Und Joiya war ja nicht nur eine Schattenfreundin, sondern auch noch eine Schwarze Ajah. Mord war noch das geringste ihrer Verbrechen. Sie h�tte unter dem Gewicht ihrer gebrochenen Eide, der durch sie verdammten Seelen und zerst�rten Leben eigentlich zusammenbrechen m�ssen.</p><p>Joiyas Mitgefangene, ihre Schwarze Schwester, besa� nicht die Kraft der anderen. Mit h�ngenden Schultern und gesenktem Kopf stand Amico Nagoyin am hinteren Ende des Tisches und schien unter Egwenes Blick noch kleiner zu werden. Es war nicht notwendig, sie abzuschirmen. Amico war w�hrend ihrer Gefangennahme einer D�mpfung unterzogen worden. Sie war immer noch in der Lage, die Wahre Quelle wahrzunehmen, doch sie w�rde sie nie wieder ber�hren, nie wieder lenken. Der Wunsch, die Sehnsucht danach w�rden bleiben, so unausweichlich wie die Notwendigkeit zu atmen, und sie w�rde den Verlust f�hlen, solange sie lebte, doch <emphasis>Saidar</emphasis> war ihrem Zugriff auf ewig entzogen. Egwene h�tte gern so etwas wie Mitleid mit ihr empfunden, konnte sich aber nicht dazu �berwinden.</p><p>Amico murmelte etwas in Richtung Tischfl�che.</p><p>�Was?� wollte Nynaeve wissen. �Sprecht gef�lligst deutlich!� Amico hob dem�tig den Kopf auf dem eleganten Schwanenhals. Sie war immer noch eine sch�ne Frau mit gro�en, dunklen Augen, aber an ihr war etwas, was Egwene nicht ganz genau definieren konnte. Es war nicht die Angst, die sie ihre H�nde in den groben Stoff ihres Gef�ngniskleides verkrampfen lie�. Irgend etwas anderes.</p><p>Amico schluckte schwer und sagte: �Ihr solltet nach Tanchico gehen.� �Das habt Ihr uns schon zwanzigmal erz�hlt�, sagte Nynaeve grob. �F�nfzigmal. Sagt uns lieber etwas Neues. Namen, die wir noch nicht kennen. Welche von denen, die sich noch in der Wei�en Burg befinden, geh�rt zu den Schwarzen Ajah?� �Ich wei� es nicht. Das m��t Ihr mir glauben.� Amicos Stimme klang m�de und resigniert. Gar nicht so, wie sie geklungen hatte, als die Rollen umgekehrt verteilt gewesen waren � sie die W�chterin und die drei jungen Frauen ihre Gefangenen. �Bevor wir die Burg verlie�en, kannte ich nur Liandrin, Chesmal und Rianna. Keine kannte mehr als h�chstens zwei oder drei andere, glaube ich. Au�er Liandrin. Ich habe Euch wirklich alles gesagt, was ich wei�.� �Dann wi�t Ihr verdammt wenig f�r eine Frau, die damit rechnete, nach der Befreiung des Dunklen K�nigs einen Teil der Welt zu regieren�, sagte Egwene trocken. Um ihren Worten Nachdruck zu verleihen, wedelte sie heftig mit ihrem F�cher. Es verbl�ffte sie selbst, wie leicht ihr solche Worte mittlerweile �ber die Lippen kamen. Ihr Magen verkrampfte sich bei diesem Gedanken immer noch, und eisige Finger glitten ihr R�ckgrat hinunter, doch sie versp�rte nicht mehr den Wunsch, zu schreien oder weinend hinauszurennen. Man konnte sich wohl an nahezu alles gew�hnen.</p><p>�Ich habe einmal Liandrin belauscht, als sie mit Temaile sprach�, sagte Amico m�de. So begann sie erneut, die Geschichte zu erz�hlen, die sie schon viele Male zum besten gegeben hatte. In den ersten Tagen ihrer Gefangenschaft hatte sie versucht, ihre Geschichte auszuschm�cken, aber je mehr sie hinzugef�gt hatte, desto st�rker hatte sie sich in L�gen verstrickt. Nun erz�hlte sie jedesmal fast genau das gleiche, Wort f�r Wort. �Wenn Ihr Liandrins Gesicht gesehen h�ttet, als sie mich erblickte... Sie h�tte mich auf der Stelle umgebracht, wenn sie geahnt h�tte, da� ich etwas geh�rt hatte. Und Temaile f�gt anderen gern Schmerzen zu. Es macht ihr Spa�. Ich hatte auch nur wenig geh�rt, bevor sie mich sahen. Liandrin meinte, da gebe es etwas in Tanchico, was gef�hrlich sei f�r... f�r ihn.� Sie meinte Rand damit. Seinen Namen konnte sie nicht �ber die Lippen bringen und jede Erw�hnung des �Wiedergeborenen Drachen� lie� sie in Tr�nen ausbrechen. �Liandrin sagte auch, es sei genauso gef�hrlich f�r jeden, der es ben�tzen wollte. Beinahe so gef�hrlich jedenfalls wie f�r... ihn. Deshalb war sie noch nicht selbst hingereist. Und sie sagte, seine F�higkeit, die Macht zu gebrauchen, w�rde ihn nicht sch�tzen. Sie sagte: �Wenn wir es finden, wird ihn seine schmutzige F�higkeit selbst fesseln und uns die Arbeit abnehmen.�� Schwei� rann ihr �ber das Gesicht, doch sie zitterte fast unkontrolliert dabei. Kein Wort hatte sich ge�ndert.</p><p>Egwene �ffnete den Mund, doch Nynaeve kam ihr zuvor: �Ich habe genug davon. Wir sollten h�ren, ob uns die andere etwas Neues zu sagen hat.� Egwene sah sie b�se an, und Nynaeve erwiderte den Blick. Keine von beiden gab nach. <emphasis>Manchmal h�lt sie sich immer noch f�r unsere Seherin,</emphasis> dachte Egwene grimmig, <emphasis>und ich bin immer noch das Dorfm�dchen, dem sie etwas �ber Kr�uter beibringen will. Sie sollte langsam merken, da� sich die Lage ge�ndert hat.</emphasis> Nynaeve war stark, wenn es um die Verwendung der Macht ging, st�rker als Egwene, doch nur dann, wenn sie es tats�chlich fertigbrachte, mit der Macht zu arbeiten. Doch wenn sie nicht gerade w�tend war, ging bei Nynaeve gar nichts.</p><p>Elayne wirkte meistens als das ausgleichende Element, wenn es zu Auseinandersetzungen kam, was sowieso viel zu h�ufig der Fall war. Bis Egwene gew�hnlich auf den Gedanken kam, Kompromisse einzugehen und die Lage zu entspannen, war ihr Temperament meist schon mit ihr durchgegangen, und dann wollte sie nicht mehr nachgeben. So mu�te es Nynaeve auch empfinden, soviel war ihr klar. Sie konnte sich nicht daran erinnern, da� Nynaeve einmal auch nur den Ansatz eines Nachgebens gezeigt hatte. Warum also sollte sie nachgeben? Diesmal war Elayne nicht dabei, denn Moiraine hatte die Tochter-Erbin mit einer kurzen Geste und einem leisen Wort gebeten, der Tochter des Speers zu folgen, die die Aes Sedai abholen wollte. Ohne ihre Anwesenheit stieg die Anspannung deutlich und jede der beiden Aufgenommenen wartete nur darauf, da� die andere ein Zeichen der Schw�che zeigte. Aviendha wagte kaum zu atmen. Sie hielt sich strikt aus den Auseinandersetzungen heraus; zweifellos schien ihr das schlicht das Kl�gste.</p><p>Seltsamerweise war es Amico, die diesmal die Auseinandersetzung beendete, obwohl sie sicher damit offensichtlich nur ihre Bereitschaft zur Mitarbeit demonstrieren wollte. Sie wandte sich zur Wand um und wartete geduldig darauf, wieder gebunden zu werden.</p><p>Egwene kam die Widersinnigkeit der Situation urpl�tzlich zu Bewu�tsein. Sie war die einzige Frau im Raum, die im Moment die Macht gebrauchen konnte � es sei denn, Nynaeve wurde w�tend oder Joiyas Abschirmung versagte, weshalb sie das Gewebe aus Geist noch einmal ganz unbewu�t �berpr�fte � und da lie� sie sich auf ein stummes Kr�ftemessen ein, w�hrend Amico darauf wartete, da� man sie fesselte. Zu einem anderen Zeitpunkt h�tte sie schallend gelacht, doch nun �ffnete sie sich <emphasis>Saidar,</emphasis> der unsichtbaren Macht, der immer sp�rbaren W�rme, die sich gerade au�erhalb ihrer bewu�ten Wahrnehmung breit machte. Die Eine Macht erf�llte sie, ihre Lebenskraft verdoppelte sich in einem warmen Gl�cksgef�hl, und sie webte die Str�nge um Amico.</p><p>Nynaeve knurrte lediglich. Sie war wohl kaum w�tend genug, um zu sp�ren, was Egwene tat, aber sie sah, wie sich Amico versteifte, als sie von den Str�ngen aus Luft ber�hrt wurde, wie sie in sich zusammensackte, halb durch die Str�nge aufrecht gehalten, als wolle sie zeigen, da� sie keinen Widerstand leistete.</p><p>Aviendha schauderte. Das passierte ihr immer, wenn sie wu�te, da� in ihrer Umgebung die Macht ben�tzt wurde.</p><p>Egwene webte Abschirmungen f�r Amicos Ohren, damit die beiden beim Verh�r nicht h�ren konnten, was die jeweils andere sagte, und wandte sich Joiya zu. Sie wechselte den F�cher von einer Hand in die andere, um sie sich am Kleid trockenwischen zu k�nnen, und verzog dabei angewidert das Gesicht. Da� ihre Handfl�chen schwei�na� waren, lag nicht an den Temperaturen.</p><p>�Ihr Gesicht�, sagte Aviendha pl�tzlich. Das kam �berraschend, denn sie sagte sonst nichts, au�er sie wurde von Moiraine oder einer der anderen dazu aufgefordert. �Amicos Gesicht. Sie sieht nicht so aus wie vorher, als w�re sie vom Alter unber�hrt. Jedenfalls nicht in dem gleichen Ma�e wie vorher. Hat das damit zu tun, da� sie... einer D�mpfung unterzogen wurde?� endete sie atemlos. Sie hatte ihnen in dieser gemeinsamen Zeit einige Angewohnheiten abgeschaut. Keine Frau aus der Wei�en Burg konnte ohne Schaudern von einer D�mpfung sprechen.</p><p>Egwene ging ein St�ck am Tisch entlang, so da� sie Amicos Gesicht sehen konnte, ohne von Joiya beobachtet zu werden. Joiyas Blicke verwandelten ihren Magen immer wieder aufs neue in einen Eisklumpen.</p><p>Aviendha hatte recht: Genau das war der Unterschied, den sie selbst bemerkt hatte, ohne ihn freilich erkl�ren zu k�nnen. Amico sah jung aus, vielleicht j�nger, als sie tats�chlich war, aber es war nicht mehr ganz die glatte Alterslosigkeit der Aes Sedai, die schon jahrelang mit der Einen Macht gearbeitet hatte. �Du hast scharfe Augen, Aviendha, aber ich wei� nicht, ob es etwas mit der D�mpfung zu tun hat. Obgleich � es mu� eigentlich schon daran liegen. Ich w��te nicht, was das sonst ausgel�st haben k�nnte.� Ihr war klar, da� sich ihre Worte nicht nach denen einer Aes Sedai anh�rten, die normalerweise sprach, als w��te sie alles. Wenn eine Aes Sedai einmal zugab, da� sie etwas nicht wu�te, dann verlieh sie ihren Worten ein Gewicht, als stecke ein enormes Wissen dahinter. W�hrend sie sich das Gehirn zermarterte, weil ihr nichts einfiel, das beeindruckend genug geklungen h�tte, kam ihr Nynaeve zur Hilfe: �Nur wenige Aes Sedai sind jemals ausgebrannt, und noch viel weniger hat man einer D�mpfung unterzogen.� �Ausgebrannt� nannte man es, wenn es durch einen Unfall passiert war, eine �D�mpfung�, wenn es nach ordentlicher Gerichtsverhandlung als Strafe durchgef�hrt wurde. Egwene sah eigentlich keinen Sinn in dieser Unterscheidung. Es war f�r sie, als gebe es zwei verschiedene Ausdr�cke f�r das Treppe-Herunterfallen, je nachdem, ob man stolperte oder gesto�en wurde. Die meisten Aes Sedai waren wohl der gleichen Meinung, au�er wenn sie Novizinnen oder Aufgenommene unterrichteten. Nun, sie dachte sowieso nicht gern daran, besonders jetzt, wo es Rand gab und die Burg � hoffentlich � nicht wagte, ihn einer D�mpfung zu unterziehen.</p><p>Nynaeve hatte wieder in ihrem belehrenden Tonfall gesprochen, zweifellos, damit sie sich wie eine ausgebildete Aes Sedai anh�rte. Sie ahmte Sheriam nach, ging es Egwene pl�tzlich durch den Sinn. Sheriam, wie sie vor der Klasse stand, die H�nde in H�fth�he gefaltet, und leicht l�chelte, als sei alles so schrecklich einfach, wenn man sich nur M�he gab.</p><p>�Die D�mpfung ist kein Thema, dem sich irgend jemand gerne widmen w�rde, mu�t du wissen�, fuhr Nynaeve fort. �Man h�lt sie im allgemeinen f�r endg�ltig. Was einer Frau die F�higkeit verleiht, die Macht zu ben�tzen, kann nicht ersetzt werden, sobald es einmal entfernt wurde, genausowenig wie man eine abgeschlagene Hand wieder ersetzen kann.� Zumindest war bisher niemand in der Lage gewesen, eine D�mpfung wieder r�ckg�ngig zu machen. Es hatte schon Versuche gegeben. Was Nynaeve sagte, entsprach also im allgemeinen der Wahrheit, doch einige der Braunen Schwestern w�rden alles studieren, wenn man ihnen die M�glichkeit gab, und einige Gelbe Schwestern, die besten Heilerinnen, w�rden nur zu gern alles heilen k�nnen. Aber es gab bisher eben noch nicht den geringsten Hinweis darauf, da� man eine Frau heilen konnte, die einer D�mpfung unterzogen worden war. �Abgesehen von dieser Tatsache wei� man noch sehr wenig. Frauen, die man einer D�mpfung unterzogen hat, leben selten l�nger als noch ein paar Jahre. Sie scheinen allen Lebensmut zu verlieren und geben auf. Wie ich sagte: Es ist ein unangenehmes Thema.� Aviendha rutschte unruhig hin und her. �Ich dachte eben nur, es k�nne daher r�hren�, sagte sie mit leiser Stimme.</p><p>Egwene hielt das f�r sehr wohl m�glich. Sie beschlo�, Moiraine danach zu fragen � falls sie die Aes Sedai jemals antraf, wenn Aviendha nicht zugegen war. Ihr schien, da� ihr T�uschungsman�ver langsam ebenso hinderlich wurde, wie n�tzlich.</p><p>�Sehen wir zu, ob Joiya noch immer die gleiche Geschichte erz�hlt wie vorher.� Allerdings mu�te sie sich selbst erst wieder unter Kontrolle bringen, bevor sie daran gehen konnte, die Str�nge von Luft um die Schwarze Schwester herum zu lockern.</p><p>Joiya h�tte eigentlich ganz steif sein m�ssen von dem langen Stillstehen, aber sie drehte sich unger�hrt zu ihnen um. Der Schwei� auf ihrer Stirn tat ihrer W�rde und Ausstrahlung keinen Abbruch, und nicht einmal das fade, grobe Kleid h�tte den Eindruck geschm�lert, da� diese Frau sich aus freiem Willen und nicht als Gefangene hier befand. Sie war eine recht gut aussehende Frau, die trotz der Alterslosigkeit ihres glatten Gesichts etwas M�tterliches an sich hatte, etwas Beruhigendes. Doch die dunklen Augen lie�en die eines Habichts noch freundlich erscheinen. Sie l�chelte sie an, aber das L�cheln erreichte die Augen nicht. �Das Licht leuchte Euch. M�ge Euch die Hand des Sch�pfers besch�tzen.� �Das will ich nicht noch mal von Euch h�ren!� Nynaeves Stimme klang ruhig und leise, doch sie warf mit einem Kopfrucken ihren Zopf nach vorn und packte das Ende mit der Faust. Das tat sie nur, wenn sie entweder unsicher oder zornig war, und Egwene glaubte nicht an Unsicherheit in diesem Fall. Joiya schien auf Nynaeve nicht so be�ngstigend zu wirken wie auf Egwene.</p><p>�Ich habe meine S�nden bereut�, sagte Joiya verbindlich. �Der Drache wurde wiedergeboren und h�lt <emphasis>Callandor</emphasis> in H�nden. Die Prophezeiung wurde erf�llt. Der Dunkle K�nig mu� untergehen. Das sehe ich jetzt ein. Meine Reue ist echt. Niemand kann so lange im Schatten wandeln, da� er nicht wieder zum Licht zur�ckkehren k�nnte.� Nynaeves Gesicht war bei jedem Wort dunkler angelaufen. Egwene war sicher, da� sie nun w�tend genug war, um die Macht ben�tzen zu k�nnen, aber falls sie das tat, w�rde sie m�glicherweise lediglich Joiya erw�rgen. Egwene glaubte nat�rlich genausowenig wie Nynaeve an Joiyas Reue. Aber die Worte von dieser Frau konnten durchaus auch der Wahrheit entsprechen. Man konnte ihr durchaus zutrauen, da� sie kaltbl�tig umschwenkte auf die Seite, von der sie glaubte, sie werde am Ende gewinnen. Oder sie wollte sich Zeit erkaufen und l�gen in der Hoffnung, doch noch gerettet zu werden.</p><p>L�gen sollten einer Aes Sedai eigentlich nicht m�glich sein, selbst einer, die alles Anrecht auf diesen Titel verwirkt hatte. Jedenfalls offene L�gen. Daf�r h�tte der erste der Drei Eide sorgen sollen, den man mit der Eidesrute in der Hand schw�ren mu�te. Aber welche Eide man auch als Schwarze Ajah auf den Dunklen K�nig leisten mu�te, sie schienen jedenfalls alle Bindungen an die Drei zertrennt zu haben.</p><p>Nun gut. Die Amyrlin hatte sie ausgesandt, um die Schwarzen Ajah zu jagen, Liandrin und die zw�lf anderen, die gemordet hatten und dann aus der Burg geflohen waren. Und alles, woran sie sich nun halten konnten, waren die Aussagen dieser beiden Gefangenen.</p><p>�Erz�hlt uns noch mal Eure Geschichte�, befahl Egwene. �Ben�tzt diesmal aber andere Worte. Ich habe es satt, auswendig gelernte Geschichten anzuh�ren.� Falls sie gelogen hatte, war es m�glich, da� sie ins Stolpern kam, wenn sie die Geschichte anders erz�hlen mu�te. �Wir werden Euch genau zuh�ren.� Das letzte galt Nynaeve, die daraufhin vernehmlich schniefte, aber schlie�lich kurz nickte.</p><p>Joiya zuckte die Achseln. �Wie Ihr w�nscht. La�t mich sehen. Andere Worte. Der falsche Drache, Mazrim Taim, der in Saldaea gefangengenommen wurde, kann die Macht mit unglaublicher St�rke gebrauchen. Vielleicht ist er sogar genauso stark wie Rand al'Thor, oder jedenfalls nicht viel weniger, wenn man den Berichten Glauben schenken kann. Liandrin will ihn befreien, bevor man ihn nach Tar Valon bringen und einer D�mpfung unterziehen kann. Dann wird er zum Wiedergeborenen Drachen ausgerufen � unter dem Namen Rand al'Thor. Er wird eine Welle der Zerst�rung einleiten, wie sie die Welt seit dem Hundertj�hrigen Krieg nicht mehr erlebt hat.� �Das ist unm�glich�, fiel ihr Nynaeve ins Wort. �Das Muster nimmt keinen falschen Drachen an, schon gar nicht jetzt, wo Rand sich erkl�rt hat.� Egwene seufzte. Sie hatte das nun schon einige Male erlebt, und jedesmal stritt Nynaeve deswegen herum. Dabei war sie nicht sicher, ob Nynaeve wirklich daran glaube, da� Rand der Wiedergeborene Drache sei, gleich, was sie sagte, gleich, was die Prophezeiung in bezug auf <emphasis>Callandor</emphasis> und den Fall des Steins vorhergesagt hatte. Nynaeve war gerade alt genug, um auf Rand aufgepa�t zu haben, als er noch ein Kind war, genauso wie bei Egwene. Er war ein Emondsfelder, und immer noch sah Nynaeve es als ihre oberste Pflicht an, die Menschen von Emondsfeld zu sch�tzen.</p><p>�Hat Euch Moiraine das weisgemacht?� fragte Joiya mit einem Unterton der Verachtung. �Moiraine hat seit ihrer Erhebung zur Aes Sedai nur wenig Zeit in der Burg oder �berhaupt mit ihren Schwestern verbracht. Ich sch�tze, sie wei� einiges �ber das Dorfleben, und vielleicht versteht sie sogar etwas von Politik, aber sie behauptet, Dinge ganz sicher zu wissen, die man nur durch st�ndiges Studium und durch Diskussionen mit anderen lernen kann. Trotzdem hat sie vielleicht recht. Es kann schon sein, da� Mazrim Taim nicht dazu kommen wird, sich zu erkl�ren. Aber wenn andere das f�r ihn tun, wo liegt dann der Unterschied?� Egwene w�nschte, Moiraine k�me endlich zur�ck. Die Frau w�rde nicht so selbstbewu�t sprechen, w�re Moiraine zugegen. Joiya wu�te sehr gut, da� sie und Nynaeve nur Aufgenommene waren. Da lag ein gewaltiger Unterschied.</p><p>�Macht weiter�, sagte Egwene beinahe im gleichen groben Tonfall wie Nynaeve. �Und denkt daran: Dr�ckt Euch anders aus.� �Selbstverst�ndlich�, antwortete Joiya, als nehme sie eine gro�z�gige Einladung an, doch ihre Augen glitzerten wie Scherben schwarzen Glases. �Ihr k�nnt das Ergebnis selbst vorhersagen. Rand al'Thor wird man f�r die Untaten von... Rand al'Thor verantwortlich machen. Selbst der Beweis, da� es sich nicht um denselben Mann handelt, wird dabei untergehen. Wer wei� denn schlie�lich, welche Intrigen ein Wiedergeborener Drache spinnen kann? Vielleicht kann er gleichzeitig an zwei verschiedenen Orten erscheinen? Selbst diejenigen, die sonst bedenkenlos jedem falschen Drachen folgen, w�rden z�gern, wenn sie von den Untaten erfahren, die in seinem Namen und von ihm vollbracht werden. Und diejenigen, die vor so etwas nicht zur�ckschrecken, denen Blutvergie�en Spa� macht, werden sich um diesen Rand al'Thor scharen, der anscheinend von ihrer Art ist. Die L�nder werden sich vereinigen wie im Aielkrieg... � Sie l�chelte Aviendha entschuldigend an, doch ihre Augen straften das L�cheln L�gen. �... und zweifellos diesmal noch um einiges schneller. Selbst der Wiedergeborene Drache kann dem nicht auf Dauer widerstehen. Er wird vernichtet, noch bevor die Letzte Schlacht �berhaupt beginnt, und zwar von denen, die er eigentlich retten sollte. Der Dunkle K�nig wird aus seinem Gef�ngnis entkommen. Der Tag von Tarmon Gai'don wird herannahen und der Schatten die Erde bedecken und das Muster f�r alle kommenden Zeiten umgestalten. Das ist Liandrins Plan.� In ihrem Tonfall lag keine Befriedigung, aber auch keine Furcht.</p><p>Es war eine plausible Geschichte, glaubw�rdiger als Amicos Erz�hlung von ein paar zuf�llig aufgeschnappten S�tzen, aber Egwene glaubte Amico und nicht Joiya. Vielleicht, weil sie ihr mehr glauben wollte. Eine ungewisse Bedrohung in Tanchico war leichter hinzunehmen als ein solch ausgereifter Plan, die ganze Welt gegen Rand zu mobilisieren. <emphasis>Nein,</emphasis> dachte sie. <emphasis>Joiya l�gt. Da bin ich sicher.</emphasis> Aber sie konnten es sich nicht leisten, eine der beiden Geschichten einfach zu ignorieren. Und doch konnten sie nicht beides gleichzeitig zu verhindern versuchen und dabei noch auf Erfolg hoffen.</p><p>Die T�r schlug auf, und Moiraine st�rmte herein mit Elayne im Kielwasser. Die Tochter-Erbin blickte finster zu Boden, in d�stere Gedankeng�nge versunken, w�hrend Moiraine... Ausnahmsweise einmal war alle W�rde aus dem Gesicht der Aes Sedai gewichen und hatte blanker Wut Platz gemacht.</p></section><section><title><p>6</p><p>Tore</p></title><p>Rand al'Thor�, sagte Moiraine mit leiser, angespannter Stimme zu niemandem direkt, �ist ein wollk�pfiger Maulesel, ein sturer Bock, ein Narr von einem... einem Mann!� Elayne hob zornig den Kopf. Ihr Kinderm�dchen Lini hatte immer gesagt, man k�nne eher Seide aus Schweineborsten weben, als aus einem Mann etwas anderes machen als eben einen Mann. Aber das war nat�rlich keine Entschuldigung f�r Rand.</p><p>�An den Zwei Fl�ssen z�chtet man sie so.� Nynaeve machte pl�tzlich einen zufriedenen Eindruck und unterdr�ckte sichtlich ein L�cheln. Sie verbarg ihre Abneigung gegen die Aes Sedai nur selten so gut, wie sie selbst glaubte. �Die Frauen der Zwei Fl�sse haben keine Probleme mit ihnen.� Dem �berraschten Blick Egwenes nach zu schlie�en, war das eine so gewaltige L�ge, da� man ihr eigentlich h�tte den Mund auswaschen m�ssen.</p><p>Moiraines Augenbrauen zogen sich zusammen, als wolle sie Nynaeve noch um einiges h�rter antworten. Elayne machte eine abwehrende Bewegung, doch ihr fiel nichts ein, was sie zur Beruhigung der Lage sagen konnte. Ihr ging immer nur Rand durch den Kopf. Er hatte kein Recht dazu! Aber mit welchem Recht beurteilte sie das?</p><p>Statt dessen sagte Egwene: �Was hat er getan, Moiraine?� Der Blick der Aes Sedai wandte sich Egwene zu, und er war so scharf, da� die junge Frau einen Schritt zur�cktrat und ihren F�cher wieder aufklappte, um sich nerv�s Luft zuzuf�cheln. Dann traf Moiraines Blick auf Joiya und Amico. Die erstere beobachtete sie mi�trauisch, w�hrend die andere gebunden war und nichts sah als die hintere Wand des Raumes.</p><p>Elayne fuhr ein wenig zusammen, als ihr klar wurde, da� Joiya nicht gebunden war. Hastig �berpr�fte sie die Abschirmung, die die Frau von der Wahren Quelle abschneiden sollte. Sie hoffte, da� keine der anderen ihr Erschrecken bemerkt hatte. Sie selbst hatte Todesangst vor Joiya, aber weder Egwene und Nynaeve noch Moiraine schienen sie zu f�rchten. Manchmal war es schon schwer, so tapfer zu sein, wie sie es als Tochter-Erbin von Andor sein sollte. Sie w�nschte sich oft, damit ebenso gut fertigwerden zu k�nnen wie die beiden.</p><p>�Die Wachen�, knurrte Moiraine in sich hinein. �Ich habe sie immer im Korridor gesehen und mir daher nichts weiter dabei gedacht.� Sie strich ihr Kleid glatt und gab sich die gr��te M�he, ihre Beherrschung wiederzufinden. Elayne konnte sich nicht erinnern, Moiraine jemals so erregt gesehen zu haben wie an diesem Abend. Aber nat�rlich hatte die Aes Sedai auch einen guten Grund daf�r. <emphasis>Nicht mehr als ich. Oder?</emphasis> Sie ertappte sich dabei, da� sie Egwenes Blick zu meiden versuchte.</p><p>W�ren es Egwene, Nynaeve oder Elayne gewesen, die ihre Beherrschung verloren, h�tte Joiya ganz sicher etwas von sich gegeben, irgend etwas Subtiles, Doppelz�ngiges, dazu geeignet, sie noch ein bi�chen mehr aus dem Gleichgewicht zu bringen. Zumindest, wenn sie allein gewesen w�ren. Aber in Moiraines Fall blickte sie nur verst�rt drein und schwieg.</p><p>Moiraine ging mit beinahe wiederhergestellter �u�erlicher Ruhe am Tisch entlang. Joiya war wohl fast einen Kopf gr��er, aber selbst wenn sie ebenfalls in Seide gekleidet gewesen w�re, so h�tte es doch keinen Zweifel daran gegeben, wer hier die Lage beherrschte. Joiya wich zwar nicht zur�ck, aber ihre H�nde verkrampften sich einen Moment lang in ihren Rock, bevor sie sich wieder im Griff hatte.</p><p>�Ich habe Vorkehrungen getroffen�, sagte Moiraine leise. �In vier Tagen bringt man Euch mit dem Schiff flu�aufw�rts nach Tar Valon zur Burg. Dort wird man nicht so sanft mit Euch verfahren wie wir. Wenn Ihr bisher noch nicht zur Wahrheit gefunden habt, dann findet dazu, bevor Ihr den S�dhafen erreicht habt, oder Ihr werdet todsicher den Weg zum Galgen im Hof Der Verr�ter antreten. Ich werde nicht mehr mit Euch sprechen, bis Ihr mir eine Nachricht senden la�t, da� Ihr mir etwas Neues zu sagen habt. Und ich will kein Wort von Euch h�ren � kein einziges Wort � das nicht neu ist. Glaubt mir, das wird Euch in Tar Valon Schmerzen ersparen. Aviendha, sagt Ihr bitte dem Hauptmann, da� er zwei seiner M�nner hereinschicken soll?� Elayne blinzelte, als sich die Aielfrau aufrichtete und durch die T�r verschwand. Manchmal verhielt sich Aviendha so still, da� man sie gar nicht bemerkte.</p><p>Joiya verzog das Gesicht, als wolle sie etwas sagen, doch Moiraine starrte sie schweigend an, bis die H�rige des Schattens ihren Blick abwandte. Ihre Augen glitzerten wie die eines Raben. Ihr Blick sprach von Mord, doch sie blieb stumm.</p><p>In Elaynes Augen umgab pl�tzlich ein goldenwei�es Gl�hen Moiraine, das Gl�hen einer Frau, die <emphasis>Saidar</emphasis> ber�hrte. Nur eine Frau, die selbst im Gebrauch der Macht ausgebildet war, konnte das wahrnehmen. Die Str�nge, die Amico banden, wickelten sich schneller auf, als Elayne das geschafft h�tte. Dabei war sie von den Anlagen her st�rker als Moiraine. In der Burg hatten die Frauen, die sie unterwiesen, kaum glauben k�nnen, welches Potential in ihr steckte und genauso in Egwene und Nynaeve. Nynaeve war die st�rkste von allen, wenn sie es einmal fertigbrachte, die Macht zu lenken. Aber Moiraine hatte eben sehr viel Erfahrung. Was sie erst noch lernen mu�ten, konnte Moiraine fast im Schlaf bew�ltigen. Und doch gab es bereits einige Dinge, die Elayne und die anderen beiden beherrschten, die aber Moiraine nicht gelangen. Das verschaffte ihr ein klein wenig Befriedigung, obwohl Moiraine Joiya so schnell zum Nachgeben gezwungen hatte.</p><p>Befreit und wieder in der Lage, zu h�ren, drehte sich Amico um und wurde zum erstenmal Moiraines gewahr. Mit einem Quieken knickste sie so schnell und tief wie eine gerade aufgenommene Novizin. Joiya blickte zornig zur T�r hin�ber und mied die Blicke der anderen. Nynaeve, die ihre Arme vor der Brust verschr�nkt hatte und deren Kn�chel wei� waren vor Anstrengung, so fest umklammerte sie ihren Zopf, warf Moiraine einen beinahe genauso m�rderischen Blick zu wie Joiya zuvor. Egwene strich �ber ihr Kleid und funkelte Joiya an. Elayne runzelte die Stirn und w�nschte sich, genauso tapfer wie Egwene zu sein. Sie hatte das Gef�hl, ihre Freundinnen mit ihrer Feigheit zu verraten. Und in diese Situation hinein schritten der Hauptmann und zwei Verteidiger in Schwarz und Gold. Aviendha war nicht mit ihnen gekommen; es schien, sie habe die Gelegenheit ben�tzt, um der Aes Sedai zu entfliehen.</p><p>Der ergraute Offizier mit den beiden kurzen wei�en Federn auf dem Helm scheute zur�ck, als sein Blick sich mit dem Joiyas kreuzte, obwohl sie ihn gar nicht bewu�t wahrzunehmen schien. Dann glitt sein Blick unsicher von einer Frau zur anderen. Die Stimmung im Raum war geladen, und ein kluger Mann mied diese Art von Streitigkeiten zwischen Frauen. Die beiden Soldaten umklammerten ihre Hellebarden so fest, als rechneten sie damit, sie gebrauchen zu m�ssen. Vielleicht f�rchteten sie das tats�chlich.</p><p>�Ihr bringt diese beiden in ihre Zellen zur�ck�, sagte Moiraine kurz angebunden zu dem Offizier. �Wiederholt Euren Befehl. Es darf keine Fehler geben.� �Ja, Ae... � Der Hauptmann schien pl�tzlich einen Klo� im Hals zu haben. Er atmete hastig durch. �Ja, Lady�, sagte er und beobachtete sie �ngstlich, um zu sehen, ob er vielleicht einen Fehler gemacht habe. Als sie ihn lediglich wartend anblickte, seufzte er h�rbar erleichtert auf. �Die Gefangenen d�rfen mit niemandem au�er mir sprechen, auch nicht miteinander. Zwanzig Mann im Wachraum und zwei grunds�tzlich immer vor jeder Zelle, und falls aus irgendeinem Grund die T�r ge�ffnet werden mu�, vier Mann davor. Ich bin pers�nlich dabei, wenn ihr Essen zubereitet wird und bringe es ihnen selbst. Wie Ihr befohlen habt, Lady.� Die Andeutung einer Frage schwang in seinem Tonfall mit. Hundert Ger�chte in bezug auf die Gefangenen gingen im Stein um. Vor allem fragte man sich, wieso zwei Frauen so streng bewacht werden mu�ten. Und man fl�sterte sich d�stere Geschichten �ber die Aes Sedai zu, eine schlimmer als die andere.</p><p>�Sehr gut�, sagte Moiraine. �Bringt sie weg.� Es wurde nicht klar, wer den Raum lieber verlie� � die Gefangenen oder die W�chter. Selbst Joiya schritt schnell hinaus, als k�nne sie es keinen Augenblick l�nger ertragen, schweigend vor Moiraine stehen zu m�ssen.</p><p>Elayne war im festen Glauben, keine Miene verzogen zu haben, seit sie den Raum betreten hatte, aber nun kam Egwene zu ihr her�ber und legte den Arm um sie. �Was ist los, Elayne? Du siehst aus, als wolltest du weinen.� Die Sorge in ihrer Stimme allein schon reichte fast, um Elayne in Tr�nen ausbrechen zu lassen. <emphasis>Licht,</emphasis> dachte sie. <emphasis>Ich werde mich nicht so t�richt benehmen! Niemals! �Eine weinende Frau ist wie ein Eimer ohne Boden.�</emphasis> Lini war vollgewesen von Redensarten wie dieser.</p><p>�Dreimal...�, brach es aus Nynaeve heraus, und dann fuhr sie Moiraine an: �Nur dreimal habt Ihr euch dazu herabgelassen, uns beim Verh�r zu helfen. Diesmal verschwindet Ihr sogar, bevor wir �berhaupt anfangen, und nun verk�ndet Ihr so einfach und gelassen, da� Ihr sie nach Tar Valon schickt! Wenn Ihr schon nicht helft, dann mischt Euch wenigstens nicht ein!� �Strapaziert die Autorit�t der Amyrlin nicht zu sehr�, sagte Moiraine k�hl. �Sie hat Euch wohl ausgesandt, um Liandrin zu jagen, aber Ihr seid trotzdem nur Aufgenommene und ziemlich unwissende dazu, welche Briefe Ihr auch mitf�hren m�gt. Oder wolltet Ihr sie ewig weiter verh�ren, bevor Ihr euch zu einer Entscheidung durchringt? Ihr Leute von den Zwei Fl�ssen scheint gro� darin zu sein, Euch vor notwendigen Entscheidungen zu dr�cken.� Nynaeve �ffnete mit herausquellenden Augen den Mund und schlo� ihn dann wieder, als k�nne sie sich nicht entscheiden, auf welche dieser Anschuldigungen sie zuerst eingehen solle, doch Moiraine wandte sich bereits Egwene und Elayne zu. �Rei�t Euch zusammen, Elayne. Wie k�nnt Ihr den Auftrag der Amyrlin ausf�hren, wenn Ihr glaubt, jedes Land m�sse sich nach Euren Sitten richten? Und ich wei� auch nicht, warum Ihr euch so aufregt. La�t andere nicht so unter Euren Gef�hlen leiden.� �Was meint Ihr damit?� fragte Egwene. �Welche Sitten? Wovon sprecht Ihr?� �Berelain hielt sich in Rands Gem�chern auf�, platzte Elayne in anklagendem Ton heraus, bevor sie es verhindern konnte. Ihr schuldbewu�ter Blick traf Egwene. Sie hatte doch wohl hoffentlich ihre eigenen Gef�hle verborgen?</p><p>Moiraine sah sie mi�billigend an und seufzte: �Ich h�tte Euch das gern erspart, Egwene. Wenn Elayne nicht ihre Vernunft an den Nagel geh�ngt h�tte, weil sie Berelain so verachtet. Die Sitten in Mayene entsprechen nunmal �berhaupt nicht denen, in die Ihr beide hineingeboren wurdet. Egwene, ich wei�, was Ihr f�r Rand empfindet, aber mittlerweile sollte Euch ja auch klar sein, da� das zu nichts f�hren wird. Er geh�rt dem Muster und der Geschichte.� Egwene schien die Aes Sedai zu ignorieren und sah statt dessen Elayne in die Augen. Elayne wollte wegschauen, konnte aber nicht. Pl�tzlich beugte sich Egwene n�her zu ihr her�ber und fl�sterte ihr hinter vorgehaltener Hand zu: �Ich liebe ihn. Wie einen Bruder. Und dich wie eine Schwester. Ich w�nsche dir Gl�ck mit ihm.� Elayne ri� die Augen auf und langsam breitete sich ein L�cheln �ber ihr Gesicht aus. Sie antwortete Egwene mit einer wilden Umarmung. Dann fl�sterte sie leise: �Danke dir. Ich liebe dich auch, Schwester. Oh, danke.� �Sie hat sich tats�chlich geirrt�, sagte Egwene ins Leere hinein, und dabei grinste sie in h�chstem Ma�e erfreut. �Seid Ihr jemals verliebt gewesen, Moiraine?� Was f�r eine �berraschende Frage! Elayne konnte sich keine verliebte Aes Sedai vorstellen. Moiraine geh�rte zu den Blauen Ajah, und man sagte den Blauen Schwestern nach, da� all ihre Liebe ihren Aufgaben gelte.</p><p>Die schlanke Frau war aber keineswegs ersch�ttert. Einen langen Augenblick �ber sah sie die beiden ruhig an, wie sie Arm in Arm dastanden. Schlie�lich sagte sie: �Ich k�nnte wetten, da� ich das Gesicht des Mannes besser kenne, den ich einmal heiraten werde, als Ihr zwei das Eures zuk�nftigen Ehemannes kennt.� Egwene schnappte �berrascht nach Luft.</p><p>�Wer?� schluckte Elayne.</p><p>Die Aes Sedai schien bereits zu bereuen, da� sie soviel gesagt hatte. �Vielleicht wollte ich damit nur sagen, da� wir in dieser Hinsicht gleich unwissend sind. Lest nicht zuviel aus ein paar Worten heraus.� Nachdenklich blickte sie Nynaeve an. �Sollte ich aber jemals einen Mann erw�hlen � sollte, habe ich gesagt �, dann wird es nicht Lan sein. Soviel steht fest.� Das war an sich Seelenbalsam f�r Nynaeve, doch die schien es nicht gern zu h�ren. Nynaeve hatte noch ein hartes St�ck Arbeit vor sich, weil sie nicht nur einen Beh�ter liebte, sondern mit ihm eben einen Mann, der sich bem�hte, zu verbergen, da� er ihre Liebe erwiderte. Narr, der er war, sprach er doch von dem Krieg gegen den Schatten, in den er verwickelt sei und den er nicht gewinnen k�nne, und da� er sich weigere, Nynaeve schon zu ihrer Hochzeit das Witwenkleid �berstreifen zu lassen. Dummes Zeug dieser Art hatte er auf Lager. Elayne wu�te nicht, wie Nynaeve damit fertigwerden konnte. Sie war keine sehr geduldige Frau.</p><p>�Wenn Ihr mit dem Thema M�nner fertig seid�, sagte Nynaeve �tzend, als wolle sie gleich den Beweis antreten, �k�nnen wir uns vielleicht wieder Wichtigem zuwenden?� Sie hatte ihren Zopf wieder fest in der Faust, und nun kam immer mehr Schwung in sie, wie bei einem M�hlrad, das man von der M�hle abgekoppelt hatte. �Wie k�nnen wir entscheiden, ob Joiya l�gt oder Amico, wenn Ihr sie wegschickt? Oder ob beide l�gen? Es pa�t mir nicht, hier m��ig herumzuhocken, Moiraine, gleich, was Ihr jetzt glaubt, aber ich bin schon in so viele Fallen getappt, da� ich nicht wieder hereinfallen m�chte. Und ich will auch keine Irrlichter jagen. Ich... wir... sind diejenigen, die von der Amyrlin hinter Liandrin und ihren Hexen hergejagt wurden. Da Ihr zu denken scheint, sie seien nicht wichtig genug, um uns zu helfen und wenigstens ein paar Augenblicke daf�r zu er�brigen, k�nntet Ihr euch wenigstens bem�hen, uns keinen Kn�ppel zwischen die Beine zu werfen!� Sie schien bereit, ihren Zopf auszurei�en und die Aes Sedai damit zu erw�rgen. Moiraine ihrerseits beflei�igte sich einer gef�hrlich kalten Ruhe, die andeutete, da� sie drauf und dran war, auch Nynaeve dieselbe Lektion �ber das Schweigen zu erteilen wie vorher Joiya. Elayne entschied, es sei h�chste Zeit f�r sie, mit Schmollen aufzuh�ren und etwas zu unternehmen. Sie hatte keine Ahnung, wie sie eigentlich in diese Rolle der Vermittlerin zwischen drei Frauen hineingetrieben worden war, und gelegentlich h�tte sie ja gern alle drei am Kragen gepackt und gesch�ttelt, aber ihre Mutter hatte immer gesagt, im Zorn k�nne niemand eine gute Entscheidung f�llen. �F�gt Eurer Liste dessen, was wir wissen m�chten, noch etwas hinzu: Warum wurden wir zu Rand gerufen? Denn dorthin hat uns Careen gebracht. Jetzt geht es ihm nat�rlich wieder gut. Moiraine hat ihn geheilt.� Sie konnte ein Schaudern nicht unterdr�cken, wenn sie sich an den kurzen Blick erinnerte, den sie in Rands Zimmer geworfen hatte, aber das Ablenkungsman�ver schlug derweil voll ein.</p><p>�Geheilt?� Nynaeve schnappte nach Luft. �Was ist mit ihm geschehen?� �Er w�re beinahe umgekommen�, sagte die Aes Sedai so gelassen, als erz�hle sie, da� sie eine Tasse Tee getrunken habe.</p><p>Elayne sp�rte, wie Egwene zitterte, als sie sich Moiraines leidenschaftslosen Bericht anh�rten, aber vielleicht war es zum Teil auch ihr eigenes Zittern, das sie sp�rte. Blasen des B�sen, die durch das Muster trieben. Doppelg�nger, die aus Spiegeln stiegen. Rand �ber und �ber von Blut und Wunden bedeckt. Fast nebens�chlich erw�hnte Moiraine noch, sie sei sicher, da� Perrin und Mat etwas �hnliches durchgemacht haben mu�ten, doch unbeschadet davongekommen seien. Die Frau mu�te Eis in den Adern haben statt Blut. <emphasis>Nein, sie war w�tend genug �ber Rands Sturheit. Und sie klang nicht kalt, als sie vom Heiraten sprach, auch wenn sie sich M�he gab, ihre innere Beteiligung zu verbergen.</emphasis> Aber nun klang es, als spreche sie dar�ber, ob ein Ballen Seide die richtige Farbe f�r ein bestimmtes Kleid habe.</p><p>�Und diese... diese <emphasis>Dinge</emphasis> werden so weitergehen?� fragte Egwene, als Moiraine geendet hatte. �K�nnt Ihr nichts tun, damit das aufh�rt? Oder kann Rand nichts tun?� Der kleine blaue Edelstein, der auf Moiraines Stirn hing, schaukelte wild, als sie den Kopf sch�ttelte. �Nicht, bis er gelernt hat, seine F�higkeiten unter Kontrolle zu halten. Vielleicht auch dann noch nicht. Ich wei� nicht, ob er selbst stark genug ist, um diese � Ausd�nstungen des B�sen � von sich fernzuhalten. Zumindest aber wird er besser in der Lage sein, sich dagegen zu verteidigen.� �K�nnt Ihr ihm nicht irgendwie zur Hilfe kommen?� wollte Nynaeve wissen. �Ihr seid diejenige unter uns, die angeblich alles wei� oder zumindest so tut. K�nnt Ihr ihm nichts beibringen? Wenigstens einen Teil dessen, was er wissen mu�? Und zitiert nicht wieder Sprichw�rter �ber V�gel, die Fischen das Fliegen beibringen wollen.� �Ihr w�rdet es besser wissen�, antwortete Moiraine, �wenn Ihr mehr Zeit mit Euren Studien verbracht h�ttet. Ihr solltet es wirklich besser wissen. Ihr wollt wissen, wie man die Macht anwendet, Nynaeve, aber Ihr wollt nichts <emphasis>�ber</emphasis> die Macht selbst erfahren. <emphasis>Saidin</emphasis> ist nicht <emphasis>Saidar.</emphasis> Die Str�me flie�en anders, die Art zu weben ist eine andere. Der Vogel hat eine gr��ere Chance.� Diesmal �bernahm es Egwene, die Lage zu entspannen. �Inwiefern ist Rand denn wieder stur?� Nynaeve �ffnete den Mund und so f�gte sie schnell hinzu: �Manchmal ist er so stur wie ein Felsblock.� Nynaeve klappte den Mund wieder zu, denn sie alle wu�ten, wie sehr dies der Wahrheit entsprach.</p><p>Moiraine betrachtete sie nachdenklich. Gelegentlich war sich Elayne nicht sicher, ob ihnen die Aes Sedai ganz und gar traute. Ob sie �berhaupt jemandem vertraute. �Er mu� sich bewegen�, sagte die Aes Sedai schlie�lich. �Statt dessen sitzt er hier herum, und die Tairener beginnen bereits, ihre Angst vor ihm abzubauen. Er sitzt hier, und je l�nger das so weitergeht, desto eher werden die Verlorenen das als Zeichen der Schw�che werten. Das Muster bewegt sich und flie�t; nur die Toten liegen still. Er mu� handeln oder sterben. Durch einen Armbrustbolzen im R�cken oder Gift im Essen, oder die Verlorenen schlie�en sich zusammen, um ihm die Seele aus dem K�rper zu rei�en. Er mu� handeln oder sterben.� Elayne zuckte bei jeder der aufgez�hlten Gefahren zusammen. Da� sie durchaus wirklich waren, machte alles nur noch schlimmer.</p><p>�Und Ihr wi�t, was er zu tun hat, nicht wahr?� sagte Nynaeve nerv�s. �Ihr habt bereits alles f�r ihn geplant.� Moiraine nickte. �W�re es Euch lieber, wenn er wieder ins Blaue hinein und allein losz�ge? Das wage ich nicht zu riskieren. Diesmal stirbt er vielleicht dabei, oder es geschieht ihm noch schlimmeres, bevor ich ihn finde.� Das stimmte nat�rlich. Rand wu�te kaum, was er da eigentlich tat. Und Elayne war sicher, da� Moiraine das bi�chen Einflu� nicht aufgeben wollte, das sie noch auf Rand hatte. Das Wenige, was er ihr noch gestattete.</p><p>�Werdet Ihr eure Pl�ne im Hinblick auf ihn mit uns teilen?� wollte Egwene wissen. Jetzt trug sie nichts mehr zur Beruhigung bei.</p><p>�Ja, tut das�, sagte Elayne, wobei sie selbst �ber das k�hle Echo von Egwenes Tonfall in ihrer eigenen Stimme erstaunt war. Sie liebte normalerweise die Auseinandersetzung nicht, wenn es sich vermeiden lie�. Ihre Mutter hatte ihr beigebracht, es sei besser, die Menschen anzuleiten, als sie mit dem Holzhammer zur Folgsamkeit zu erziehen.</p><p>Falls Moiraine ihretwegen irritiert war, lie� sie es sich nicht anmerken. �Solange Ihr versteht, da� Ihr es f�r Euch behalten m��t. Ein verratener Plan ist zum Scheitern verurteilt. Ja, ich sehe schon, da� Euch dies klar ist.� Elayne verstand sie jedenfalls sehr gut: Der Plan war gef�hrlich und Moiraine wu�te nicht, ob er funktionieren w�rde.</p><p>�Sammael befindet sich in Illian�, fuhr die Aes Sedai fort. �Die Tairener sind immer zum Krieg mit Illian bereit, ebenso umgekehrt. Sie haben sich tausend Jahre lang immer wieder gegenseitig die K�pfe eingeschlagen, und sie sprechen von der M�glichkeit eines neuen Krieges wie andere vom n�chsten Feiertag. Ich bezweifle, da� dies anders w�re, wenn sie von Sammaels Anwesenheit w��ten; jedenfalls nicht, solange der Wiedergeborene Drache sie anf�hrt. Bei dieser Unternehmung wird Tear hinter Rand stehen, und wenn er Sammael st�rzt, dann... � �Licht!� rief Nynaeve. �Ihr wollt nicht nur, da� er einen Krieg beginnt, sondern auch noch, da� er sich mit einem der Verlorenen anlegt! Kein Wunder, wenn er stur ist. F�r einen Mann ist er wirklich nicht dumm.� �Er mu� am Ende dem Dunklen K�nig selbst gegen�bertreten�, sagte Moiraine ruhig. �Glaubt Ihr wirklich, da� er jetzt die Verlorenen noch meiden k�nnte? Und was Kriege betrifft, gibt es auch ohne ihn schon genug, und jeder davon nutzloser als der andere.� �Jeder Krieg ist nutzlos�, begann Elayne, aber dann versagte ihre Stimme, als sie die Vernunft hinter Moiraines Plan einsah. Auf ihrem Gesicht standen Trauer und Bedauern, aber eben auch Verst�ndnis. Ihre Mutter hatte ihr viele Vortr�ge dar�ber gehalten, wie man eine Nation f�hrte und wie man sie regierte � zwei ganz verschiedene Dinge und beide notwendig. Und manchmal mu�te man in beiden F�llen Dinge tun, die mehr als nur unangenehm waren. Doch der Preis daf�r, sie nicht zu unternehmen, war manchmal noch viel h�her.</p><p>Moiraine warf ihr einen verst�ndnisvollen Blick zu. �Es ist nicht immer angenehm, ja? Eure Mutter hat wohl damit begonnen, Euch beizubringen, was Ihr sp�ter als Herrscherin einmal wissen m��t, sobald Ihr auch nur alt genug wart, um zu verstehen, was sie sagte.� Moiraine war im K�nigspalast von Cairhien aufgewachsen, nicht dazu bestimmt, einmal zu regieren, doch mit der Herrscherfamilie verwandt, und zweifellos hatte sie einiges mitbekommen. �Manchmal scheint es einem besser, nichts zu wissen, vielleicht lieber ein Bauernm�dchen zu sein, das nicht �ber die Grenzen ihrer Felder hinwegblicken kann.� �Noch mehr R�tsel?� fragte Nynaeve ver�chtlich. �Krieg war sonst etwas f�r mich, von dem die fahrenden H�ndler berichteten, das fern von uns stattfand und das ich eigentlich gar nicht verstand. Jetzt wei� ich, was er bedeutet. M�nner t�ten andere M�nner. M�nner benehmen sich wie die Tiere, werden selbst zu Tieren. D�rfer werden verbrannt, Bauernh�fe und Felder verw�stet. Hunger, Krankheiten und Tod f�r die Unschuldigen genau wie f�r die Schuldigen. Was macht diesen Euren Krieg zu etwas Besserem, Moiraine? Wodurch wird er sauberer?� �Elayne?� forderte Moiraine sie ruhig auf.</p><p>Sie sch�ttelte den Kopf. Sie wollte nicht diejenige sein, die ihr das erkl�ren mu�te. Aber sie war nicht sicher, ob selbst ihre Mutter auf dem L�wenthron ruhig geblieben w�re, wenn Moiraine sie mit ihren gro�en, dunklen Augen so auffordernd angeblickt h�tte. �Der Kriegt kommt, ob Rand ihn nun beginnt oder nicht�, sagte sie z�gernd. Egwene trat einen Schritt zur�ck und sah sie genauso ungl�ubig an wie Nynaeve. Doch als sie weitersprach, verschwand das Unverst�ndnis aus den Gesichtern der beiden. �Die Verlorenen werden nicht ruhig bleiben und zuschauen. Sammael kann nicht der einzige von ihnen sein, der die F�hrung eines Staates an sich gerissen hat. Er ist eben nur der einzige, von dem wir es wissen. Sie werden schlie�lich alle hinter Rand her sein, vielleicht pers�nlich, aber auf jeden Fall mit Hilfe der Heere, die sie anf�hren. Und die L�nder, die frei sind von den Verlorenen? Wie viele davon werden Loblieder auf den Wiedergeborenen Drachen singen und seiner Flagge bis Tarmon Gai'don folgen, und wie viele werden sich t�uschen, glauben, der Fall des Steins sei eine L�ge und Rand nur ein neuer falscher Drache, den man besiegen m�sse, vielleicht ein so starker, da� man gegen ihn sofort losschlagen mu�, bevor er zu einer Bedrohung werden kann? So oder so <emphasis>wird</emphasis> dieser Krieg kommen.� Sie brach abrupt ab. Es war noch mehr dazu zu sagen, doch sie konnte und wollte ihnen den Rest nicht erz�hlen.</p><p>Moiraine hatte da keine Hemmungen. �Sehr gut�, sagte sie und nickte, �aber unvollst�ndig.� Der Blick, den sie Elayne zuwarf, sagte, sie habe bemerkt, da� sie diesen Teil absichtlich weggelassen hatte. Mit vor ihrem Mieder gefalteten H�nden wandte sie sich ruhig an Nynaeve und Egwene. �Es gibt nichts, was diesen Krieg sauberer und besser werden lie�e. Au�er, da� er die Tairener an ihn binden wird, und am Ende werden ihm die Illianer genauso folgen, wie jetzt Tear. Wie k�nnten sie es auch verweigern, wenn die Drachenflagge �ber Illian flattert? Allein die Nachricht von seinem Sieg k�nnte die Kriege in Tarabon und Arad Doman zu seinen Gunsten entscheiden. Und damit w�rden diese Kriege <emphasis>beendet!</emphasis></p><p>Mit einem Schlag kann er dadurch, soweit es M�nner und Schwerter betrifft, so stark werden, da� nur noch eine Koalition <emphasis>aller</emphasis> �briggebliebenen Nationen von hier bis zur F�ule ihn besiegen k�nnte, und mit dem gleichen Schlag w�rde er den Verlorenen beweisen, da� er keine fette Wachtel ist, die auf dem Ast sitzt und auf das Netz des J�gers wartet. Das wird sie vorsichtig machen und ihm Zeit verschaffen, in der er lernen kann, seine St�rke richtig einzusetzen. Er mu� zuerst losschlagen, der Hammer sein und nicht der Nagel.� Die Aes Sedai verzog leicht das Gesicht, und eine Andeutung des vorherigen Zorns schlich sich in die Gelassenheit ihrer Miene. �Er <emphasis>mu�</emphasis> einfach zuerst handeln. Und was macht er? Er liest. Liest und bringt sich damit immer mehr in Schwierigkeiten.� Nynaeve wirkte ersch�ttert, als sehe sie all diese Schlachten und Tode vor sich. Egwenes dunkle Augen waren in erschrecktem Verstehen weit aufgerissen. Elayne schauderte beim Anblick ihrer Mienen. Die eine hatte Rand aufwachsen sehen, die andere war mit ihm zusammen aufgewachsen. Und nun sahen sie zu, wie er Kriege in Gang brachte. Nicht einfach der Wiedergeborene Drache, sondern Rand al'Thor.</p><p>Egwene k�mpfte sichtlich mit sich und verlegte sich schlie�lich darauf, den kleinsten Teil, das Unwichtigste von dem aufzugreifen, was Moiraine gesagt hatte. �Wie kann Lesen ihn in noch gr��ere Schwierigkeiten bringen?� �Er hat sich entschlossen, selbst herauszufinden, was die Prophezeiungen des Drachen vorhersagen.� Moiraines Gesichtsausdruck blieb k�hl und unber�hrt, doch mit einemmal h�rte sie sich so m�de an, wie Elayne sich f�hlte. �Sie waren in Tear vielleicht verboten, aber der Vorsteher der Bibliothek hatte neun verschiedene �bersetzungen in einer verschlossenen Truhe. Rand hat sie jetzt alle bei sich. Ich habe ihm den Teil gezeigt, der uns hier angeht, und er hat ihn mir auswendig hergesagt, wie er fr�her einmal in Kandor �bersetzt wurde:</p><p><emphasis>Die Macht des Schattens erweckte das menschliche Fleisch zu Aufruhr, Rivalit�t und Ruin.</emphasis></p><p><emphasis>Der Wiedergeborene, gezeichnet und blutend, tanzt in Tr�umen und Nebel den Tanz des Schwerts, bindet die dem Schatten Zugeschworenen an seinen Willen, die aus der Stadt, der verirrten und verlorenen, f�hrt wieder die Speere in den Krieg, zerbricht die Speere und zeigt ihnen die Wahrheit, die lange schon in uralten Tr�umen verborgen lag.�</emphasis> Sie verzog das Gesicht. �Man kann das auf diese Situation genauso beziehen wie auf jede andere. Illian unter Sammael ist bestimmt eine verlorene Stadt. F�hre die Speere Tears in den Krieg, leg Sammael in Ketten, und er hat die Weissagung erf�llt. Der uralte Traum vom Wiedergeborenen Drachen. Aber er will das nicht sehen. Er hat sogar ein Exemplar in der Alten Sprache, als verst�nde er die. Er verfolgt Schatten, und Sammael oder Rahvin oder Lanfear haben ihn vielleicht schon an der Kehle gepackt, bevor ich ihn davon �berzeugen kann, da� er einen Fehler gemacht hat.� �Er ist verzweifelt.� Nynaeves sanfter Tonfall galt nicht Moiraine, da war Elayne sicher, sondern Rand. �Verzweifelt sucht er nach seiner Bestimmung.� �Ich bin auch verzweifelt�, sagte Moiraine mit fester Stimme. �Ich habe mein Leben der Aufgabe gewidmet, ihn zu finden, und ich werde nicht zulassen, da� er versagt, wenn ich es verhindern kann. Ich bin fast schon verzweifelt genug, um...� Sie brach ab und sch�rzte die Lippen. �Belassen wir es dabei, da� ich tun werde, was ich tun mu�.� �Aber das reicht nicht�, sagte Egwene in scharfem Ton. �Und was werdet Ihr tun?� �Ihr habt andere Dinge, um die Ihr euch k�mmern m��t�, sagte die Aes Sedai. �Die Schwarzen Ajah... � �Nein!� Elaynes Stimme klang eisenhart und lie� keinen Widerspruch zu. Wo ihre Hand sich in den hellblauen Rock verkrampfte, war ihr Kn�chel vor Anstrengung wei�. �Ihr haltet vieles geheim, Moiraine, aber sagt uns dies: Was wollt Ihr ihm antun?� Ein Bild ging ihr durch den Kopf, wie sie Moiraine packte und die Wahrheit aus ihr heraussch�ttelte, falls das notwendig war.</p><p>�Ihm antun? Nichts. Ach, nun denn. Es gibt keinen Grund, warum Ihr das nicht wissen k�nnt. Ihr habt gesehen, was von den Tairenern als die Gro�e Sammlung bezeichnet wird?� Es war eigenartig bei einem Volk, das die Macht derart f�rchtete, aber im Stein befand sich eine Sammlung von Objekten, die alle mit der Macht zu tun hatten. Nur in der Wei�en Burg fand man eine noch gr��ere Ansammlung solcher Dinge. Elayne glaubte, es liege daran, da� sie so lange Zeit �ber gezwungen gewesen waren, <emphasis>Callandor</emphasis> aufzubewahren, ob sie nun wollten oder nicht. Sogar das Schwert, Das Kein Schwert Ist sah nach weniger aus, wenn es sich unter vielen anderen �hnlichen Dingen befand. Aber die Tairener hatten es niemals �bers Herz gebracht, ihre Sch�tze herzuzeigen. Die Gro�e Sammlung wurde in schmutzigen und vollgestopften R�umen noch unterhalb der Kerker aufbewahrt. Als Elayne sie zum erstenmal gesehen hatte, waren alle T�rschl�sser l�ngst zugerostet, soweit die T�ren nicht sowieso schon vermodert waren.</p><p>�Wir haben einen ganzen Tag dort unten verbracht�, sagte Nynaeve. �Um herauszufinden, ob Liandrin und ihre <emphasis>Freundinnen</emphasis> etwas gestohlen haben. Ich glaube aber nicht. Alles war unter Schichten von Staub und Moder begraben. Man wird drei Schiffe brauchen, um alles zur Burg zu transportieren. Vielleicht k�nnen sie dort mehr herausfinden; ich war nicht dazu in der Lage.� Die Versuchung, zu sticheln, war offensichtlich so stark, da� sie nicht vermeiden konnte, hinzuzuf�gen: �Aber das w��tet Ihr alles l�ngst, wenn Ihr uns ein wenig mehr von Eurer Zeit gewidmet h�ttet.� Moiraine nahm keine Notiz davon. Sie schien in sich hineinzublicken, ihre eigenen Gedanken zu �berpr�fen, und sie f�hrte beinahe ein Selbstgespr�ch. �Es gibt einen besonderen <emphasis>Ter'Angreal</emphasis> in der Sammlung, der aussieht, wie ein aus Sandstein gefertigter T�rrahmen, der dem Auge jedoch seltsam verdreht erscheint. Wenn ich ihn nicht zu einem Entschlu� treiben kann, mu� ich vielleicht hindurchgehen.� Der kleine blaue Edelstein auf ihrer Stirn bebte und funkelte. Offensichtlich war sie nicht erpicht darauf, diesen Schritt zu unternehmen.</p><p>Bei der Erw�hnung des <emphasis>Ter'Angreal</emphasis> hatte Egwene instinktiv das Oberteil ihres Kleids ber�hrt. Sie hatte eine kleine Tasche dort eingen�ht, um den Steinring darin aufzubewahren. Der Ring war ein <emphasis>Ter'Angreal,</emphasis> wohl klein, aber trotzdem sehr stark, und Elayne war eine von nur drei Frauen, die wu�ten, da� sie ihn in Besitz hatte. Moiraine geh�rte nicht zu den dreien.</p><p>Es waren schon eigenartige Dinge, diese <emphasis>Ter'Angreal,</emphasis> Bruchst�cke aus dem Zeitalter der Legenden, so wie ein <emphasis>Angreal</emphasis> und ein <emphasis>Sa'Angreal,</emphasis> wenn auch h�ufiger. <emphasis>Ter'Angreal</emphasis> gebrauchten die Eine Macht, anstatt sie zu verst�rken. Jeder war offensichtlich angefertigt worden, um eine Aufgabe, und wirklich nur eine einzige zu erf�llen, aber obwohl man einige davon jetzt ben�tzte, war niemand sicher, ob man nun das gleiche mit ihnen unternahm wie damals, als man sie hergestellt hatte. Die Eidesrute zum Beispiel, die eine Frau beim Schw�ren der Drei Eide halten mu�te, wenn sie zur Aes Sedai erhoben wurde, war ein <emphasis>Ter'Angreal,</emphasis> der diese Eide den Frauen in Fleisch und Blut �bergehen lie�. Die letzte Pr�fung, die eine Novizin hinter sich bringen mu�te, um zur Aufgenommenen erhoben zu werden, fand innerhalb eines <emphasis>Ter'Angreal</emphasis> statt, der ihre innersten �ngste herauskehrte und wirklich werden lie� �oder sie vielleicht auch auf eine Welt transportierte, in der sie Wirklichkeit <emphasis>waren.</emphasis> Seltsame Dinge konnten einem mit einem <emphasis>Ter'Angreal</emphasis> passieren. Aes Sedai waren schon ausgebrannt oder gestorben oder einfach verschwunden, als sie <emphasis>Ter'Angreal</emphasis> untersuchten und ben�tzten.</p><p>�Dieses Tor habe ich auch gesehen�, sagte Elayne. �Im letzten Raum am Ende des Flurs. Meine Lampe ist ausgegangen, und ich bin dreimal hingefallen, bevor ich wieder an der T�r war.� Eine leichte Schamr�te �berzog ihre Wangen. �Ich habe mich davor gef�rchtet, dort die Macht zu ben�tzen, und sogar davor, die Lampe wieder anzuz�nden. Vieles, was dort liegt, sieht mir nach Schrott aus. Ich glaube, die Tairener haben sich einfach alles geschnappt, was aussah, als habe es mit der Macht zu tun. Doch dort drinnen f�rchtete ich, wenn ich die Macht ben�tzte, etwas auszul�sen, etwas noch Funktionierendes in Gang zu setzen, und wer wei�, was dann geschehen w�re.� �Und wenn Ihr im Dunklen gestolpert und durch dieses verdrehte Tor gefallen w�rt?� fragte Moiraine trocken. �Dazu mu� man die Macht nicht gebrauchen; es gen�gt, wenn man hindurchgeht.� �Zu welchem Zweck?� fragte Nynaeve.</p><p>�Um Antworten zu erhalten. Drei Antworten, jede davon wahr, �ber die Vergangenheit, die Gegenwart und die Zukunft.� Elayne dachte unwillk�rlich an die Kindergeschichte <emphasis>Bili unter dem H�gel,</emphasis> aber nur der drei Antworten wegen. Ein zweiter Gedanke folgte dem jedoch, und das offensichtlich nicht nur bei ihr. Sie sprach ihn bereits aus, w�hrend Nynaeve und Egwene den Mund noch nicht ganz aufbekamen: �Moiraine, das l�st unser Problem. Wir k�nnen fragen, ob Joiya oder Amico die Wahrheit gesagt haben. Wir k�nnen fragen, wo sich Liandrin und die anderen aufhalten. Die Namen der Schwarzen Ajah, die sich noch in der Burg befinden... � �Wir k�nnen fragen, was das ist, das f�r Rand so gef�hrlich sein soll�, warf Egwene ein, und Nynaeve setzte die Liste fort: �Warum habt Ihr uns davon nicht fr�her berichtet? Warum mu�ten wir uns Tag f�r Tag die gleichen Geschichten anh�ren, wenn wir alles l�ngst h�tten entscheiden k�nnen?� Die Aes Sedai verzog das Gesicht und hob abwehrend die H�nde. �Ihr drei wollt blind in etwas hineinrennen, wo Lan mit hundert Beh�tern noch gr��te Vorsicht walten lassen w�rde. Warum, glaubt Ihr, bin ich selbst noch nicht hindurchgeschritten? Schon vor Tagen h�tte ich fragen k�nnen, was Rand tun mu�, um zu �berleben und zu siegen, wie er die Verlorenen und den Dunklen K�nig schlagen kann, wie er lernen kann, die Macht zu beherrschen und den Wahnsinn lange genug von sich fernzuhalten, bis er vollbracht hat, was sein mu�.� Sie wartete, die H�nde in die H�ften gest�tzt, w�hrend ihre Worte wirkten. Keine sagte ein Wort. �Es gibt Regeln�, fuhr sie fort, �und Gefahren. Niemand darf mehr als einmal hindurchtreten. Nur ein einziges Mal. Ihr d�rft drei Fragen stellen, aber Ihr m��t alle drei gestellt und die Antworten vernommen haben, bevor ihr wieder hinausgehen d�rft. Fragen, die Ihr nicht ernst gemeint habt, werden anscheinend bestraft, aber es scheint auch, da�, was dem einem ernst ist, bei einem anderen wieder als Anma�ung betrachtet wird. Und was am wichtigsten ist: Fragen, die den Schatten betreffen, ziehen ernste Konsequenzen nach sich.</p><p>Wenn Ihr eine Frage in bezug auf die Schwarzen Ajah stellt, k�nnte es sein, da� Ihr tot herausfallt oder als geifernde Irre, falls Ihr �berhaupt noch einmal herauskommt. Was Rand betrifft... Ich glaube nicht, da� es m�glich ist, eine Frage �ber den Wiedergeborenen Drachen zu stellen, die nicht in irgendeiner Form auch den Schatten ber�hrt. Merkt Ihr etwas? Es gibt manchmal gute Gr�nde f�r Vorsicht.� �Woher wi�t Ihr das alles?� verlangte Nynaeve zu wissen. Sie st�tzte die H�nde in die H�ften und baute sich vor der Aes Sedai auf. �Die Hochlords haben garantiert keine Aes Sedai an die Gro�e Sammlung herangelassen, um die Gegenst�nde zu untersuchen. Dem Schmutz dort unten nach zu urteilen, hat nichts davon seit hundert Jahren oder l�nger das Licht der Sonne erblickt.� �L�nger, denke ich�, antwortete Moiraine gelassen. �Sie haben mit Sammeln vor beinahe dreihundert Jahren aufgeh�rt. Und gerade kurz davor haben sie diesen besonderen <emphasis>Ter'Angreal</emphasis> in die H�nde bekommen. Bis dahin war er im Besitz der Ersten von Mayene, die seine Antworten dazu benutzten, um Mayene vor der Herrschaft Tears zu bewahren. Und sie hatten den Aes Sedai gestattet, ihn zu untersuchen. Geheim nat�rlich. Mayene hat nie gewagt, Tear offen zu ver�rgern.� �Wenn er f�r Mayene so wichtig war�, sagte Nynaeve mi�trauisch, �warum befindet er sich dann hier im Stein?� �Weil die Ersten sowohl richtige wie auch falsche Entscheidungen getroffen haben, wenn es um die Abh�ngigkeit von Tear ging. Vor dreihundert Jahren planten die Hochlords den Bau einer Flotte, die den Schiffen Mayenes folgen sollte, um die �lfisch-Schw�rme aufzusp�ren. Halvar, der zu dieser Zeit der Erste war, hob den Preis f�r Lampen�l aus Mayene stark an, so da� es teurer war als das Oliven�l Tears, und um die Hochlords des weiteren davon zu �berzeugen, da� Mayene die Interessen Tears �ber die eigenen stellt, schenkte er ihnen diesen <emphasis>Ter'Angreal.</emphasis> Er hatte ihn bereits ben�tzt, und so konnte er ihn nicht mehr gebrauchen. Au�erdem war er fast genauso jung wie Berelain jetzt, hatte offensichtlich eine lange Herrschaftsperiode vor sich, und w�rde den guten Willen Tears viele Jahre lang ben�tigen.� �Er war ein Narr�, murmelte Elayne. �Meine Mutter h�tte einen solchen Fehler niemals begangen.� �Vielleicht nicht�, sagte Moiraine. �Aber Andor ist eben auch kein kleines Land, das von einem viel gr��eren und m�chtigeren an die Wand gedr�ckt wird. Halvar war tats�chlich ein Narr, wie sich herausstellte, denn die Hochlords lie�en ihn nur ein Jahr sp�ter ermorden, aber sein Fehler verschafft mir eine M�glichkeit, die ich ausn�tzen werde, wenn es sich als notwendig erweist. Eine gef�hrliche Chance vielleicht, aber besser als nichts.� Nynaeve knurrte etwas in sich hinein. M�glicherweise war sie entt�uscht dar�ber, da� die Aes Sedai nicht ins Stolpern geraten war.</p><p>�Das bringt uns auf den gleichen Stand von vorher zur�ck�, seufzte Egwene. �Nicht zu wissen, welche von beiden l�gt, oder ob sie vielleicht sogar beide l�gen.� �Verh�rt sie noch einmal, wenn Ihr w�nscht�, sagte Moiraine. �Ihr habt Zeit, bis sie sich auf dem Schiff befinden, aber ich bezweifle, da� eine von ihnen ihre Geschichte noch einmal revidieren wird. Mein Rat w�re, Euch auf Tanchico zu konzentrieren. Wenn Joiya die Wahrheit sagt, brauchen wir Aes Sedai und Beh�ter, um Mazrim Taim zu bewachen, und nicht nur Euch drei. Ich habe der Amyrlin eine Warnung per Brieftaube zukommen lassen, als ich Joiyas Geschichte das erste Mal h�rte. Ich habe sogar drei Brieftauben abgeschickt, um sicher zu gehen, da� eine davon die Burg erreicht.� �Sehr nett von Euch, da� Ihr uns immer so gut informiert�, knurrte Elayne. Diese Frau ging wohl immer ihren eigenen Weg. Nur, weil sie lediglich vorgaben, bereits Aes Sedai zu sein, mu�te sie sie ja nicht derart im Dunkeln lassen. Schlie�lich waren sie von der Amyrlin geschickt worden, um die Schwarzen Ajah aufzusp�ren.</p><p>Moiraine neigte kurz den Kopf, als akzeptiere sie den Dank ernsthaft. �Ist schon in Ordnung. Denkt aber daran, da� Ihr die Jagdhunde seid, die von der Amyrlin auf die Spur der Schwarzen Ajah angesetzt wurden.� Ihr leichtes L�cheln sagte Elayne, da� Moiraine genau wu�te, was sie gedacht hatte. �Die Entscheidung, wohin Euch diese Jagd f�hren soll, ist allein Eure. Das habt Ihr mir ja bereits klargemacht�, f�gte sie trocken hinzu. �Ich denke, diese Entscheidung wird leichter als die, vor der ich stehe. Und ich hoffe, Ihr werdet gut schlafen, obwohl bis Tagesanbruch nicht mehr viel Zeit ist. Gute Nacht!� �Diese Frau...�, fauchte Elayne, als sich die T�r hinter der Aes Sedai geschlossen hatte. �Manchmal k�nnte ich sie fast erw�rgen.� Sie lie� sich auf einen der St�hle am Tisch fallen, legte die H�nde in den Scho� und sa� mit nachdenklich gerunzelter Stirn da.</p><p>Nynaeve knurrte etwas, das wohl Zustimmung bedeuten sollte, und ging zu einem kleinen Tischchen an der Wand hin�ber, auf dem einige Silberpokale neben Gew�rzbeh�ltern standen. Auch zwei Kr�ge standen dort. Der eine war mit Wein gef�llt und ruhte in einer Sch�ssel mit mittlerweile fast geschmolzenem Eis, wie es vom R�ckgrat der Welt aus in S�gemehl eingepackt hertransportiert wurde. Eis f�r die Getr�nke der Hochlords, und das bei den Temperaturen in Tear. Elayne hatte sich das vorher kaum vorstellen k�nnen.</p><p>�Ein k�hles Getr�nk vor dem Einschlafen wird uns gut tun�, sagte Nynaeve. Sie f�llte drei Pokale mit Wein und f�gte Wasser und Gew�rze hinzu.</p><p>Elayne hob den Kopf, als Egwene sich neben sie setzte. �War das ernst, was du vorhin gesagt hast, Egwene? Mit Rand?� Egwene nickte, und Elayne seufzte auf. �Erinnerst du dich daran, was Min immer gesagt hat? All ihre Scherze dar�ber, ihn miteinander zu teilen? Ich habe mich schon gefragt, ob sie etwas gesehen hat, wovon sie uns nichts erz�hlte. Ich glaubte, sie meinte damit, da� wir beide ihn lieben und sie davon wisse. Aber du hattest ein Recht auf ihn, und ich wu�te nicht, was tun. Ich wei� es immer noch nicht. Egwene, er liebt dich.� �Man mu� ihm den Kopf zurechtr�cken�, sagte Egwene mit fester Stimme. �Wenn ich heirate, wird es geschehen, weil ich es will und nicht blo�, weil ein Mann vor mir erwartet, da� ich ihn liebe. Ich werde es ihm sanft beibringen, Elayne, aber noch bevor ich mit ihm fertig bin, wird er wissen, da� er frei ist. Ob er will oder nicht. Meine Mutter sagt, da� sich M�nner von uns unterscheiden. Sie sagt, wir wollen lieben, aber nur den, den wir uns in den Kopf gesetzt haben. Ein Mann mu� sich zuerst verlieben, aber das wird bereits bei der ersten Frau geschehen, die sein Herz an die Kette legt.� �Das ist alles sch�n und gut�, sagte Elayne nerv�s, �aber Berelain befand sich in seinen Gem�chern.� Egwene schniefte. �Was sie auch vorhat � Berelain kann sich nicht lange genug mit einem Mann aufhalten, da� er sich auch wirklich in sie verliebt. Vor zwei Tagen hat sie noch Rhuarc sch�ne Augen gemacht. In zwei Tagen wird sie ihr Auge auf jemand anderen werfen. Sie ist wie Else Grinwell. Erinnerst du dich noch an sie? Die Novizin, die st�ndig drau�en auf dem �bungsgel�nde war und den Beh�tern sch�ne Augen machte?� �Sie hat ihm aber nicht blo� sch�ne Augen gemacht in seinem Schlafzimmer und um diese Zeit! Sie hat sogar noch weniger Kleidung als sonst getragen, falls das �berhaupt m�glich ist.� �Willst du ihn denn ihr �berlassen?� �Nein!� Elayne sagte das wild entschlossen, aber schon im n�chsten Moment versank sie wieder in tiefste Verzweiflung. �Ach, Egwene, ich wei� nicht, was ich machen soll. Ich liebe ihn. Ich m�chte ihn heiraten. Licht! Was wird Mutter dazu sagen? Ich w�rde lieber eine Nacht in Joiyas Zelle verbringen, als mir anh�ren, was Mutter mir zu sagen haben wird.� Adlige in Andor, selbst Mitglieder der k�niglichen Familie, heirateten �fter Gemeine und das erregte kaum viel Aufsehen. Aber Rand war nicht gerade von der �blichen Sorte. Ihre Mutter war durchaus im Stande, Lini zu ihr zu schicken, da� sie sie am Ohr packte und nach Hause schleifte.</p><p>�Morgase darf gar nicht viel sagen, wenn man Mat glauben kann�, sagte Egwene beruhigend. �Oder wenn man ihm auch nur die H�lfte glauben kann. Dieser Lord Gaebril, mit dem deine Mutter herummacht, klingt auch nicht unbedingt nach der Sorte von Mann, die eine Frau bei klarem Verstand erw�hlt.� �Ich bin sicher, da� Mat �bertrieben hat�, erwiderte Elayne pikiert. Ihre Mutter war doch wohl zu clever, um sich eines Mannes wegen zum Narren zu machen. Sie hatte noch nie von dem Burschen geh�rt, bevor Mat davon erz�hlte. Falls dieser Lord Gaebril davon tr�umte, durch Morgase an Macht zu gewinnen, dann w�rde er eines Tages ziemlich unsanft geweckt werden.</p><p>Nynaeve brachte die drei Pokale mit Gew�rzwein zu ihrem Tisch her�ber. An den gl�nzenden Bechern lief das Kondenswasser herunter. Sie legte kleine gr�ngoldene Strohuntersetzer unter die Pokale, damit keine Feuchtigkeit auf die hochgl�nzende Tischfl�che kam. �Also�, sagte sie, w�hrend sie sich hinsetzte, �du hast herausgefunden, da� du in Rand verliebt bist, Elayne, und du, Egwene, hast herausgefunden, da� du ihn nicht liebst.� Die beiden j�ngeren Frauen, die eine dunkel, die andere blond, starrten sie mit offenem Mund an � jede ein Spiegelbild der �berraschung der anderen.</p><p>�Ich habe Augen im Kopf�, sagte Nynaeve friedlich. �Und Ohren, wenn ihr euch schon nicht die M�he macht, zu fl�stern.� Sie schl�rfte ein wenig Wein und ihr Tonfall wurde k�lter, als sie fortfuhr: �Was wollt ihr nun in bezug auf ihn unternehmen? Falls diese Schlampe Berelain ihre Klauen in ihn geschlagen hat, wird es nicht einfach werden, sie wieder wegzurei�en. Seid ihr sicher, da� es die M�he wert ist? Ihr wi�t, was er ist. Ihr wi�t, was ihm bevorsteht, die Prophezeiungen einmal ganz beiseite gelassen. Wahnsinn. Tod. Wie lange hat er noch? Ein Jahr? Zwei? Oder wird es anfangen, bevor noch der Sommer endet? Er ist ein Mann, der die Macht gebrauchen kann.� Jedes Wort klang wie ein Schlag mit dem Hammer auf den Ambo�. �Denkt daran, was man euch beigebracht hat. Denkt daran, was er ist.� Elayne hatte den Kopf hoch erhoben und sah Nynaeve in die Augen. �Es spielt keine Rolle. Vielleicht sollte es, aber � nein. Vielleicht bin ich eine N�rrin. Es ist mir gleich. Ich kann mein Herz nicht zwingen, wie mein Verstand zu urteilen, Nynaeve.� Pl�tzlich l�chelte Nynaeve. �Ich mu�te sichergehen�, sagte sie mit warmer Stimme. �Du mu�t dir sicher sein. Es ist wahrhaftig nicht leicht, einen Mann zu lieben, aber diesen einen Mann zu lieben wird noch viel schwerer.� Ihr L�cheln verflog beim Weitersprechen. �Meine erste Frage ist aber noch unbeantwortet. Was wollt ihr seinetwegen unternehmen? Berelain wirkt wohl sehr sanft, und sie will ja, da� die M�nner sie so sehen, doch ich glaube nicht daran. Sie wird um das k�mpfen, was sie haben will. Und sie ist die Art von Frau, die um etwas mit letztem Einsatz k�mpfen wird � selbst wenn sie gar nicht so sehr daran interessiert ist � nur damit eine andere es nicht bekommt!� �Ich w�rde sie gern in ein Fa� stecken�, sagte Egwene. Sie packte ihren Pokal, als sei es der Hals der Ersten von Mayene. �Und dann schicke ich es nach Mayene zur�ck. Ganz unten im Laderaum.� Nynaeves Zopf schwenkte herum, als sie den Kopf sch�ttelte. �Alles sch�n und gut, aber bem�he dich lieber, einen Rat zu erteilen, der tats�chlich hilft. Wenn du das nicht kannst, halte lieber den Mund und la� sie selbst entscheiden, was zu tun ist.� Egwene sah sie mit gro�en Augen an, und so f�gte sie hinzu: �Jetzt ist Rand Elaynes Angelegenheit und nicht mehr deine. Du bist zur�ckgetreten, falls du dich noch daran erinnerst.� Die Bemerkung h�tte eigentlich Elayne zum L�cheln bringen sollen, tat es aber nicht. �Das h�tte alles anders ablaufen sollen.� Sie seufzte. �Ich glaubte, ich w�rde einen Mann kennenlernen, �ber Monate oder Jahre hinweg kennenlernen, wohlgemerkt, und schlie�lich erkennen, da� ich ihn liebe. So hatte ich mir das immer vorgestellt. Ich kenne Rand ja kaum. Ich habe mich innerhalb eines Jahres vielleicht gerade ein halbes Dutzend Male mit ihm unterhalten. Aber ich wu�te, da� ich ihn liebe, f�nf Minuten, nachdem ich ihn das erste Mal erblickt hatte.� Das war nun wirklich n�rrisch. Nur war ihr das gleich, denn es entsprach nun mal der Wahrheit. Das w�rde sie auch ihrer Mutter ins Gesicht sagen und Lini ebenso. Nun, Lini vielleicht nicht. Die hatte ihre eigene Art, mit dem fertigzuwerden, was sie als Idiotie betrachtete, und sie schien zu glauben, Elayne sei immer noch nicht �lter als zehn. �Wie die Dinge liegen, habe ich aber noch nicht einmal das Recht, auf ihn w�tend zu sein. Oder auf Berelain.� Trotzdem war sie es. <emphasis>Ich w�rde ihm gern eine verpassen, da� ihm die Ohren ein Jahr lang klingeln! Sie w�rde ich gern mit der Rute zu dem Schiff treiben, das sie nach Mayene zur�ckbringt!</emphasis> Nur hatte sie kein Recht dazu, und das machte alles viel schlimmer. Sie war w�tend auf sich selbst, und ihre Stimme klang ziemlich kl�glich: �Was kann ich denn machen? Er hat mich nie wirklich beachtet.� �An den zwei Fl�ssen�, sagte Egwene bed�chtig, �ist es so: Wenn eine Frau einem Mann zeigen will, da� sie sich f�r ihn interessiert, steckt sie ihm an Bel Tein oder am Sonnentag Blumen ins Haar. Oder sie stickt ein sch�nes Festtagshemd f�r ihn. Oder sie bittet gerade ihn zum Tanz und niemand anderen.� Elayne sah sie fast mitleidig an und so f�gte sie schnell hinzu: �Ich will damit ja nicht vorschlagen, da� du ihm ein Hemd bestickst, aber es gibt Methoden, ihm zu zeigen, was du f�hlst.� �Die Leute in Mayene sprechen alles offen aus.� Elaynes Stimme klang scharf. �Vielleicht ist das das Beste. Es ihm einfach geradeheraus zu sagen. Dann wei� er wenigstens, was ich f�r ihn empfinde. Dann habe ich wenigstens ein Recht darauf... � Sie schnappte sich ihren Pokal, legte den Kopf zur�ck und trank mit langen Z�gen. So etwas einfach aussprechen? Wie so eine Mayene-Hure? Als sie den leeren Pokal auf den Untersetzer zur�ckstellte, atmete sie tief ein und murmelte: �Was wird nur Mutter dazu sagen?� �Was wichtiger w�re�, stellte Nynaeve sanft fest, �ist, was du tun wirst, wenn wir von hier fortm�ssen. Ob nun nach Tanchico oder zur Burg oder sonstwohin, gehen m�ssen wir auf jeden Fall. Was machst du, wenn du fortmu�t, kaum da� du ihm beigebracht hast, wie sehr du ihn liebst? Wenn er dich bittet zu bleiben? Wenn du das m�chtest?� �Ich werde mitkommen.� Elaynes Antwort kam ohne Z�gern, beinahe sogar ein wenig gekr�nkt. Die andere h�tte wirklich nicht fragen brauchen. �Wenn ich schon akzeptieren mu�, da� er der Wiedergeborene Drache ist, mu� er mich auch als das akzeptieren, was ich bin, und da� ich Aufgaben zu erf�llen habe. Ich will Aes Sedai werden, Nynaeve. Das sage ich nicht nur so leichthin. Und wir drei haben eine wichtige Arbeit zu erledigen. Hast du im Ernst geglaubt, ich w�rde dich und Egwene im Stich lassen?� Egwene beeilte sich, ihr zu versichern, der Gedanke sei ihr niemals gekommen, und Nynaeve schlo� sich dem an, doch langsam genug, um selbst ihre eigene L�ge besser schlucken zu k�nnen.</p><p>Elayne blickte von der einen zur anderen. �In Wirklichkeit habe ich gef�rchtet, ihr w�rdet mir Vorw�rfe machen, weil ich mich mit so etwas besch�ftige, obwohl wir doch wahrhaftig genug mit den Schwarzen Ajah am Hals haben.� Egwenes unsteter Blick verriet, da� sie daran tats�chlich gedacht hatte, aber Nynaeve sagte: �Rand ist nicht der einzige, der n�chstes Jahr oder auch n�chsten Monat sterben k�nnte. Das kann auch uns widerfahren. Die Zeiten sind nicht so wie fr�her, und auch wir m�ssen dem Rechnung tragen und uns �ndern. Wenn du nur dasitzt und von dem tr�umst, was du gern haben m�chtest, kann es geschehen, da� du es auf dieser Seite des Todes nicht mehr findest.� Das war schon eine erschreckende Art von Best�tigung, aber Elayne nickte. Sie w�rde sich nicht wie eine dumme Gans anstellen. Wenn sie die Sache mit den Schwarzen Ajah nur schnell hinter sich bringen k�nnten. Sie dr�ckte den leeren Silberpokal gegen ihre Stirn und geno� die K�hle. Was sollten sie nur tun?</p></section><section><title><p>7</p><p>Spiel mit dem Feuer</p></title><p>Die Sonne hatte sich am n�chsten Morgen kaum �ber den Horizont erhoben, da erschien Egwene am Eingang zu Rands Gem�chern. Elayne folgte ihr schlurfend. Die Tochter-Erbin trug ein bla�blaues Seidenkleid mit langen �rmeln. Es war der tairenischen Mode entsprechend schulterfrei, und nach langer Diskussion hatte sie es noch ein wenig heruntergezogen. Das Blau ihrer Augen wurde noch unterstrichen von einer Halskette aus Saphiren von der Farbe des Morgenhimmels und einer weiteren solchen Kette, die sie durch ihre rotgoldenen Locken gezogen hatte. Trotz der W�rme trug Egwene einen einfachen, dunkelroten Schal, beinahe so breit wie eine Stola, um die Schultern. Aviendha hatte ihr den gegeben, genauso wie die Saphire. �berraschenderweise besa� die Aielfrau einen ganzen Vorrat an Schmuck.</p><p>Obwohl sie ja um ihre Anwesenheit gewu�t hatte, erschrak Egwene doch, als die Aiel-Wachen pl�tzlich geschmeidig aufsprangen. Elayne gab ein kurzes Keuchen von sich, aber dann musterte sie die Wachen w�rdevoll, wie sie das so gut beherrschte. Es schien aber auf diese sonnenverbrannten M�nner keine Wirkung zu haben. Die sechs waren <emphasis>Shae'en M'taal</emphasis>, Steinhunde, und erschienen f�r Aiel geradezu entspannt. Das hie�, sie schienen gleichzeitig alles wahrzunehmen und bereit zu sein, in jeder Richtung losschlagen.</p><p>Egwene machte es Elayne nach und richtete sich gerade auf. Sie w�nschte, sie k�nne das so gut wie die TochterErbin. Dann verk�ndete sie: �Ich... wir wollen nach den Wunden des Lord Drachen sehen.� Ihre Bemerkung war an sich dumm, falls sie etwas �ber die Heilkr�fte der Aes Sedai wu�ten, aber das war eher unwahrscheinlich. Nur wenige Menschen wu�ten dar�ber Bescheid und die Aiel m�glicherweise noch weniger als andere. Sie hatte gar nicht geplant, einen Grund f�r ihre Anwesenheit zu nennen. Es gen�gte schon, da� sie sie f�r Aes Sedai hielten. Aber als sich die Aiel mit einemmal beinahe aus dem schwarzen Marmorboden zu erheben schienen, hielt sie es doch f�r besser. Nicht, da� sie irgendwelche Anstalten machten, Elayne und sie aufzuhalten. Doch diese M�nner waren alle so gro�, hatten solch steinharte Gesichter und trugen diese Kurzspeere und Hornb�gen, als w�re deren Gebrauch ihre zweite Natur... Wenn man von diesen grauen Augen so eindringlich gemustert wurde, erinnerte man sich nur zu schnell an die Geschichten �ber schwarzverschleierte, gnaden- und mitleidslose Aiel, an den Aielkrieg und M�nner wie diese, die jedes gegen sie ausgesandte Heer bis hin zum letzten vernichteten und erst in ihre W�ste zur�ckgekehrt waren, nachdem sie das Heer der vereinigten Nationen w�hrend dreier blutgetr�nkter Tage und N�chte vor den Mauern Tar Valons zur�ckgeschlagen hatten. Beinahe h�tte sie <emphasis>Saidar</emphasis> gesucht.</p><p>Gaul, der Anf�hrer der Steinhunde, nickte. Er blickte voller Respekt auf Elayne und sie herab. Er war ein gutaussehender Mann, wenn er auch etwas rauh in der Schale wirkte, ein wenig �lter als Nynaeve, mit Augen, so gr�n wie geschliffene Gemmen, und langen Wimpern, die so dunkel waren, da� sie wie ein schwarzer Kontrapunkt die Farbe seiner Augen zur Geltung brachten. �Sie schmerzen ihn m�glicherweise noch. Er hat heute morgen ganz schlechte Laune.� Gaul grinste. Es war nur ein kurzes Aufblitzen wei�er Z�hne. Aber er hatte Verst�ndnis f�r schlechte Launen, wenn man verwundet war und Schmerzen ausstehen mu�te. �Er hat bereits eine Gruppe dieser Hochlords verjagt und einen davon sogar pers�nlich hinausgeworfen. Wie hie� er gleich wieder?� �Torean�, antwortete ein anderer, noch gr��erer Mann. Er hielt l�ssig seinen kurzen Bogen mit aufgelegtem Pfeil in der Hand. Der Blick aus seinen grauen Augen ruhte einen Moment lang auf den beiden Frauen und huschte dann zur�ck zu den S�ulen des Vorraums und den dunklen Zwischenr�umen, die er unter Beobachtung halten mu�te.</p><p>�Torean�, best�tigte Gaul. �Ich glaubte schon, er werde bis zu diesen h�bschen Schnitzereien hin�berrutschen... � Er deutete mit dem Speer auf die Gruppe strammstehender Verteidiger, die sich nicht vom Fleck r�hrte. �... aber drei Schritt davor war die Rutschpartie zu Ende. Ich habe einen sch�nen tairenischen Wandbehang mit Habichten aus Goldf�den an Mangin verloren.� Der gr��ere Mann l�chelte kurz und zufrieden.</p><p>Egwene ri� die Augen auf, als sie sich vorstellte, wie Rand pers�nlich einen Hochlord auf den Flur bef�rderte. Er hatte nie zu Gewalt geneigt � ganz im Gegenteil! Inwieweit hatte er sich ver�ndert? Sie war zu sehr mit Joiya und Amico besch�ftigt gewesen und er zu sehr mit Moiraine oder Lan oder den Hochlords, als da� sie mehr als ein paar Worte im Vor�bergehen gewechselt h�tten. Und in diesen kurzen Gespr�chen war es um die Heimat gegangen, wie wohl das Bel-Tein-Fest dieses Jahr ausgefallen sein mochte und wie es am Sonnentag w�rde. Alles nur hastig und nebenher. Inwieweit hatte er sich wohl ver�ndert?</p><p>�Wir m�ssen zu ihm�, sagte Elayne mit leicht zitternder Stimme.</p><p>Gaul verbeugte sich und stellte einen Speer mit der Spitze nach unten auf den schwarzen Marmorboden. �Selbstverst�ndlich, Aes Sedai.� So betrat Egwene Rands Gem�cher mit einem unangenehmen Gef�hl im Magen und Elaynes Gesicht sprach B�nde, welche �berwindung sie diese wenigen Schritte kostete.</p><p>Vom Schrecken der vergangenen Nacht war nichts mehr zu entdecken, au�er vielleicht der Abwesenheit von Spiegeln. Helle Flecken an der Wand zeigten, wo welche abgenommen worden waren. Der Raum wirkte trotzdem keineswegs ordentlich; �berall lagen B�cher, auf jeder m�glichen Fl�che, manche davon ge�ffnet, als habe er sie beim Nachlesen einfach liegen lassen. Das Bett war auch noch nicht gemacht. An allen Fenstern hatte er die tiefroten Vorh�nge weggezogen. Sie zeigten nach Westen und erlaubten den Blick auf die Schlagader Tears: den Flu�. <emphasis>Callandor</emphasis> glitzerte wie ein geschliffener Kristall von einem hohen, vergoldeten und �berreich verzierten St�nder herunter. Egwene hielt ihn f�r das kitschigste und h��lichste Objekt, das je einen Raum hatte schm�cken sollen, bis sie auf dem Kaminsims die silbernen W�lfe erblickte, die einen goldenen Hirsch rissen. Das war denn doch noch schlimmer. Eine leichte Brise vom Flu� her k�hlte den Raum �berraschend stark ab, wenn man es mit dem �brigen Stein verglich.</p><p>Rand lag in Hemds�rmeln auf einem Stuhl, hatte ein Bein �ber die Lehne geh�ngt und ein ledergebundenes Buch an sein Knie gest�tzt. Beim Ger�usch ihrer Schritte klappte er das Buch zu und lie� es zu den anderen auf den mit Runen verzierten Teppich fallen. Er sprang kampfbereit auf. Doch der d�stere Gesichtsausdruck hellte sich auf, sobald er sah, wer ihn besuchte.</p><p>Zum erstenmal, seit sie sich im Stein aufhielten, suchte Egwene in seinem Gesicht nach Ver�nderungen und fand sie auch.</p><p>Wie viele Monate war es her, seit sie ihn zum letztenmal vor den Erlebnissen im Stein gesehen hatte? Lange genug jedenfalls, um sein Gesicht h�rter erscheinen zu lassen. Die Offenheit, die einst in seinen Z�gen gelegen hatte, war verbla�t. Er bewegte sich auch anders � ein bi�chen wie Lan, ein bi�chen wie die Aiel. Bei seiner Gr��e, dem r�tlichen Haar und den je nach Beleuchtung einmal blau und dann wieder grau erscheinenden Augen wirkte er nur zu sehr wie ein Aielmann. Die �hnlichkeit war beunruhigend. Doch hatte er sich auch innerlich ver�ndert?</p><p>�Ich glaubte, jemand... anders k�me�, murmelte er in die allgemeine Verlegenheit hinein. Das war wieder der Rand, wie sie ihn kannte, bis hin zu den ger�teten Wangen, jedesmal, wenn er Elayne oder sie direkt anblickte. �Manche... manche Leute wollen Dinge, die ich ihnen nicht geben kann. Nicht geben <emphasis>werde.�</emphasis> Mit erschreckender Pl�tzlichkeit wandelte sich sein Gesichtsausdruck zu einer Maske des Mi�trauens und sein Tonfall versch�rfte sich: �Was wollt <emphasis>ihr</emphasis> denn nun? Hat Moiraine euch geschickt? Sollt ihr mich dazu bringen, da� ich tue, was sie will?� �Sei kein Idiot�, entschl�pfte es Egwene, bevor sie sich unter Kontrolle hatte. �Ich will auf keinen Fall, da� du einen Krieg anf�ngst.� Elayne f�gte bittend hinzu: �Wir sind gekommen, um... um dir zu helfen, wenn wir k�nnen.� Das war auch einer ihrer Gr�nde und der am leichtesten einsehbare. Dazu hatten sich beim Fr�hst�ck entschieden.</p><p>�Ihr kennt ihre Pl�ne bez�glich...�, fing er grob an, doch dann wechselte er mit einem Mal das Thema. �Mir helfen? Wie? Das sagt Moiraine auch immer.� Egwene faltete mit strengem Blick die Arme unter der Brust und packte fest ihren Schal, so wie Nynaeve das immer getan hatte, wenn sie vor der Ratsversammlung des Dorfes gesprochen hatte und sich unbedingt durchsetzen wollte, gleich, wie stur sie auch sein mochten. Jetzt war es zu sp�t, noch einmal von vorn zu beginnen. Es blieb ihr nur �brig, auf dem einmal eingeschlagenen Weg fortzufahren. �Ich habe dir doch gesagt, du sollst dich nicht wie ein Narr benehmen, Rand al'Thor! Die Leute aus Tear k�ssen dir ja vielleicht die Stiefel, aber ich erinnere mich nur zu gut daran, wie dir Nynaeve einmal das Hinterteil versohlt hast, als du dich von Mat hattest �berreden lassen, einen Krug Apfelschnaps zu stehlen.� Elayne bem�hte sich, ihr Gesicht nicht zu verziehen. Zuviel der M�he. Egwene konnte deutlich sehen, wie sie sich das Lachen verbi�.</p><p>Rand bemerkte das nat�rlich nicht. M�nnern entging so etwas gew�hnlich. Er grinste Egwene an und h�tte selbst beinahe laut losgelacht. �Da waren wir gerade dreizehn geworden. Sie hat uns hinter dem Stall deines Vaters schlafend gefunden, und uns taten die K�pfe so weh, da� wir ihre Rute kaum gesp�rt haben.� So war das aber Egwenes Erinnerungen nach nicht gewesen. �Im Gegensatz zu dem Tag, als du ihr diese Sch�ssel an den Kopf geworfen hast. Denkst du noch daran? Sie hatte dich mit Hundskrauttee beruhigt, nachdem du die ganze Woche liebeskrank herumgehangen hattest, und mit dem Geschmack auf der Zunge hast du ihre beste Sch�ssel genommen und nach ihr geworfen. Licht, hast du vielleicht gekreischt! Wann war das? Mu� fast zwei Jahre her sein... � �Wir sind nicht hier, um �ber alte Zeiten zu klatschen�, sagte Egwene und r�ckte unangenehm ber�hrt ihren Schal zurecht. Die Wolle war zwar nur d�nn, aber dennoch zu hei�. Er erinnerte sich tats�chlich an die unm�glichsten Sachen.</p><p>Er grinste, als habe er ihre Gedanken erraten, und fuhr erheblich besser gelaunt fort: �Ihr seid hier, um mir zu helfen, sagt ihr? Womit? Ich nehme nicht an, da� ihr wi�t, wie man einen Hochlord dazu bringt, sein Wort zu halten, sobald man ihm nicht mehr �ber die Schulter schaut. Oder wie man unerw�nschte Tr�ume abbricht. Ich k�nnte nun wirklich Hilfe gebrauchen bei... � Sein Blick wanderte zu Elayne und dann zur�ck zu ihr. Er wechselte abrupt wieder das Thema. �Wie ist das mit der Alten Sprache? Habt ihr die in der Wei�en Burg gelernt?� Er wartete nicht auf ihre Antwort, sondern kramte statt dessen zwischen den auf dem Teppich verstreuten B�chern herum. Auf den St�hlen und den zerkn�llten Bett�chern lagen noch mehr. �Ich habe hier ein Exemplar... irgendwo... von...� �Rand.� Egwene wiederholte es noch einmal lauter: �Rand, ich kann die Alte Sprache nicht lesen.� Sie warf Elayne einen Blick zu, der sie warnen sollte, ihre Kenntnisse nicht preiszugeben. Sie waren nicht gekommen, um f�r ihn die Prophezeiungen des Drachen zu �bersetzen. Die Saphire im Haar der Tochter-Erbin schwangen hin und her, als sie zustimmend nickte. �Wir mu�ten andere Sachen lernen.� Er richtete sich seufzend auf. �Es w�re auch zuviel des Guten gewesen.� Einen Moment lang schien er noch etwas sagen zu wollen, doch dann blickte er nur auf seine Stiefel herunter. Egwene fragte sich, wie er es fertiggebracht hatte, diese arroganten Hochlords hinauszuwerfen, wenn Elayne und sie ihn bereits aus dem Gleichgewicht brachten.</p><p>�Wir sind gekommen, um dir bei der Beherrschung der Macht zu helfen�, sagte sie zu ihm. Man hielt wohl allgemein Moiraines Behauptung f�r wahr, da� eine Frau einem Mann das Lenken der Macht genausowenig beibringen konnte wie das Kinderkriegen, doch Egwene war sich da nicht so sicher. Sie hatte einmal etwas gesp�rt, was aus <emphasis>Saidin</emphasis> gewoben war. Oder richtiger, sie hatte nichts gef�hlt, wo etwas h�tte sein sollen. Ihre eigenen Machtstr�me waren abgeblockt gewesen wie von einem Damm, der das Wasser zur�ckh�lt. Aber sie hatte sowohl in der Burg wie auch au�erhalb vieles gelernt, und sicher war irgend etwas dabei, was sie ihm vermitteln konnte, eine Anleitung, die sie ihm geben konnte.</p><p>�Falls uns das m�glich ist�, f�gte Elayne hinzu.</p><p>Mi�trauen flackerte wieder �ber sein Gesicht. Es war nervt�tend, wie schnell seine Launen wechselten. �Da sind meine Chancen ja noch besser, ein Buch in der Alten Sprache zu lesen, als... Seid ihr sicher, nicht in Moiraines Auftrag zu handeln? Hat sie euch hergeschickt? Glaubt, sie kann mich auf einem Umweg herumkriegen, ja? Eine so geschickt gesponnene Intrige der Aes Sedai, da� ich nichts merke, bis ich schon mittendrin stecke?� Er knurrte emp�rt und hob eine dunkelgr�ne Jacke vom Boden hinter einem der St�hle auf. Hastig zog er ihn an. �Ich habe zugestimmt, heute morgen noch ein paar weitere Hochlords zu empfangen. Wenn ich sie nicht st�ndig im Auge behalte, finden sie irgendeinen Weg, sich um meine Anordnungen herumzudr�cken. Sie werden noch einiges zu lernen haben. Ich herrsche jetzt in Tear. Der Wiedergeborene Drache. Das mu� ich ihnen noch beibringen. Jetzt m��t ihr mich entschuldigen.� Egwene h�tte ihn am liebsten gesch�ttelt. Er herrschte in Tear? Nun ja, vielleicht war dem so, aber sie erinnerte sich noch an den Jungen mit einem Lamm, das er unter den Mantel gesteckt hatte, und wie stolz er darauf gewesen war, da� er den Wolf vertrieben hatte, der es rei�en wollte. Er war Schafhirte und kein K�nig, und selbst wenn er ein Recht auf ein gewisses Auftreten hatte, stand ihm das ganz und gar nicht zu Gesicht.</p><p>Sie war drauf und dran, ihm das zu sagen, als Elayne zornig herausplatzte: �Niemand hat uns geschickt. Niemand! Wir sind gekommen, weil... weil uns etwas an dir liegt. Vielleicht klappt es nicht, aber du kannst es wenigstens versuchen. Wenn uns... soviel daran liegt, es zu probieren, dann kannst du dir wenigstens M�he geben. Ist dir das so unwichtig, da� du keine Stunde daf�r er�brigen kannst? F�r dein eigenes Leben?� Er h�rte damit auf, seine Jacke zuzukn�pfen, und blickte die Tochter-Erbin einen Augenblick lang so intensiv an, da� Egwene sich schon vergessen w�hnte. Dann ri� er sich unter leichtem Zittern von Elayne los. Er sah Egwene an, trat von einem Fu� auf den anderen und senkte die Augen.</p><p>�Ich werde es versuchen�, sagte er kleinlaut. �Es wird nicht helfen, aber trotzdem... Was soll ich tun?� Egwene atmete tief durch. Sie hatte nicht geglaubt, da� es so leicht w�rde, ihn zu �berreden. Wenn er nicht wollte, war er immer wie ein Felsblock gewesen, der halb im Schlamm versunken war. Und das war viel zu oft der Fall gewesen.</p><p>�Sieh mich an�, sagte sie, wobei sie <emphasis>Saidar</emphasis> anzapfte. Sie lie� sich so vollst�ndig von der Macht erf�llen, wie noch nie zuvor, sog jeden Tropfen des Stroms in sich auf, den sie �berhaupt halten konnte. Es war, als durchdringe das Licht jedes Teilchen ihres Ichs, als f�lle es jede Ritze in ihrem Inneren. Das Leben spr�hte in ihr wie ein Feuerwerk. Noch nie zuvor hatte sie sich so der Macht hingegeben. Sie erschrak, als ihr klar wurde, da� sie nicht einmal bebte; wie sollte sie soviel z�rtliche S��e auf einmal ertragen. Sie wollte sich dem ganz hingeben, tanzen und singen, sich niederlegen und die Macht einfach durch sich hindurchbranden lassen. Sie zwang sich zum Sprechen: �Was siehst du? Was f�hlst du? Sieh mich an, Rand!� Er hob langsam den Kopf. Die Stirn hatte er gerunzelt. �Ich sehe dich. Was erwartest du, das ich sehen soll? Ber�hrst du die Wahre Quelle? Egwene, Moiraine hat hundertmal in meiner Gegenwart die Macht ben�tzt, und ich habe niemals etwas gesehen au�er der Wirkungen ihrer T�tigkeit. Das geht so nicht. Selbst ich wei� wenigstens soviel.� �Ich bin st�rker als Moiraine�, erkl�rte sie ihm selbstbewu�t. �Sie l�ge wimmernd auf dem Boden oder w�re bereits bewu�tlos, wenn sie soviel Macht in sich hielte wie ich jetzt.� Das stimmte, auch wenn sie noch nie zuvor die F�higkeiten der Aes Sedai so eindeutig einzusch�tzen versucht hatte.</p><p>Diese Macht durchpulste sie st�rker als das Herzblut und verlangte danach, benutzt zu werden. Mit soviel Macht konnte sie Dinge tun, von denen Moiraine noch nicht einmal zu tr�umen in der Lage war. Die Wunde an Rands Seite, die Moiraine nie ganz heilen konnte. Sie wu�te noch nicht, wie man Wunden heilte. Es war um vieles komplizierter als alles, was sie bisher unternommen hatte. Doch sie hatte Nynaeve beim Heilen zugesehen, und bei einem solchen Machtstrom in ihrem Innern konnte sie doch vielleicht herausfinden, wie man das anstellte. Nicht gleich selbst tun nat�rlich � nur herausfinden...</p><p>Vorsichtig sandte sie haarfeine Rinnsale der Elemente Luft, Wasser und Geist aus, die man zum Heilen ben�tigte, und f�hlte damit nach seiner Wunde. Eine Ber�hrung, und sie fuhr zur�ck, schauderte, ri� ihr Machtgewebe fort, und ihr Magen revoltierte, als wolle sie sich endlos �bergeben. Es schien, als ob alle Dunkelheit der Welt dort in Rands K�rper ruhe, als lauere alles B�se der Welt in dieser nur mit einer d�nnen Hautschicht bedeckten Wunde. Etwas wie das hier w�rde die heilenden Rinnsale der Macht in sich aufsaugen wie trockener Sand den Wassertropfen. Wie konnte er diesen Schmerz ertragen? Wieso weinte er nicht st�ndig?</p><p>Vom ersten Gedanken daran bis jetzt war kaum ein Augenblick vergangen. Ersch�ttert und in dem verzweifelten Versuch, ihre Gef�hle zu verbergen, fuhr sie ohne Unterbrechung fort: �Du bist genauso stark wie ich. Das wei� ich � es mu� so sein. F�hle, Rand! Was f�hlst du?� <emphasis>Licht, was k�nnte diese Wunde heilen? Kann sie �berhaupt geheilt werden?</emphasis></p><p>�Ich f�hle �berhaupt nichts�, sagte er und trat von einem Fu� auf den anderen. �G�nsehaut. Und das ist kein Wunder. Es ist ja nicht so, da� ich dir nicht trauen w�rde, Egwene. Aber ich kann mir nicht helfen: Ich bin immer kribbelig, wenn eine Frau in meiner Umgebung die Macht ben�tzt. Tut mir leid.� Sie machte sich nicht die M�he, ihm den Unterschied zwischen dem Gebrauch der Macht und ihrer blo�en Ber�hrung klarzumachen. Er wu�te so vieles nicht, selbst wenn man es mit ihren eigenen mageren Kenntnissen verglich. Er war wie ein blinder Mann, der einen Webstuhl nach dem Gef�hl allein bedienen wollte, ohne zu wissen, welche Farbe die F�den hatten oder wie F�den und Webstuhl �berhaupt aussahen.</p><p>Mit M�he lie� sie <emphasis>Saidar</emphasis> wieder fahren. Es kostete sie wirklich M�he. Ein Teil von ihr wollte des Verlustes wegen weinen. �Jetzt ber�hre ich die Quelle nicht mehr, Rand.� Sie trat n�her an ihn heran und blickte zu ihm auf. �Hast du immer noch eine G�nsehaut?� �Nein. Aber das ist nur, weil du es mir gesagt hast.� Er zuckte pl�tzlich die Achseln. �Siehst du? Ich habe daran denken m�ssen, und schon ist sie wieder da.� Egwene l�chelte triumphierend. Sie mu�te sich gar nicht erst zu Elayne umdrehen, um zu best�tigen, was sie bereits gesp�rt hatte, worauf sie sich vorher schon f�r diesen Fall geeinigt hatten. �Du kannst es f�hlen, wenn eine Frau die Quelle ber�hrt, Rand. Elayne tut das n�mlich gerade.� Er schielte die Tochter-Erbin an. �Es spielt keine Rolle, was du siehst oder nicht siehst. Du hast es gesp�rt. Soviel wissen wir jetzt. Sehen wir weiter, was wir sonst noch herausfinden. Rand, ber�hre die Quelle. Ber�hre <emphasis>Saidin.�</emphasis> Die Worte klangen heiser aus ihrem Mund. Auch darauf hatten sie und Elayne sich vorher geeinigt. Er war Rand und kein Ungeheuer aus irgendeiner Sage, und sie waren sich einig gewesen. Trotzdem, einen Mann darum zu bitten... Es war ein Wunder, da� sie diese Worte �berhaupt herausgebracht hatte. �Siehst du irgend etwas?� fragte sie Elayne. �Oder sp�rst du etwas?� Rand blickte immer noch von einer zur anderen, und dazwischen wurde er rot und blickte zu Boden. Warum war er derart aus dem Gleichgewicht? Die Tochter-Erbin musterte ihn eindringlich und sch�ttelte den Kopf. �Nein. Er steht einfach nur so da, soweit ich das beurteilen kann. Bist du sicher, da� er �berhaupt etwas tut?� �Er ist vielleicht stur, aber nicht bl�d. Jedenfalls stellt er sich die meiste Zeit �ber nicht unbedingt dumm an.� �Na ja, stur oder dumm oder sonst was, jedenfalls sp�re ich absolut nichts.� Egwene runzelte die Stirn. �Du sagtest doch, du w�rdest tun, was wir verlangen, Rand. Wie ist das jetzt? Wenn du etwas gesp�rt hast, sollten wir das eigentlich auch, und ich...� Sie brach mit einem kaum unterdr�ckten Schmerzensschrei ab. <emphasis>Irgend etwas</emphasis> hatte sie gewaltig in ihr Hinterteil gezwickt. Rands Lippen zuckten. Er k�mpfte gegen ein breites Grinsen an. �Das�, sagte sie ihm kurz angebunden, �war nicht sehr nett von dir.� Er bem�hte sich, eine Unschuldsmiene aufzusetzen, aber das Grinsen lie� sich nicht ganz unterdr�cken. �Du sagtest, du wolltest etwas sp�ren, und ich dachte doch nur... � Sein pl�tzliches Aufbr�llen lie� Egwene zusammenfahren. Er hielt sich mit der Hand die linke Hinterbacke und h�pfte auf einem Bein vor Schmerz im Kreis herum. �Blut und Asche, Egwene! Das war nicht notwendig...� Er knurrte Unverst�ndliches in sich hinein. Egwene war ganz froh, da� sie seine Fl�che nicht verstehen konnte.</p><p>Sie nahm die Gelegenheit wahr und f�chelte sich mit dem Ende ihres Schals ein wenig Luft zu und l�chelte Elayne leicht an, worauf diese das L�cheln erwiderte. Das Gl�hen um die Tochter-Erbin herum verbla�te. Beide h�tten fast losgekichert, als sie sich verstohlen die H�nde rieben. Das sollte wohl reichen. Hundert zu eins f�r sie, sch�tzte Egwene.</p><p>Sie wandte sich Rand zu und machte ein strenges Gesicht. �So etwas h�tte ich vielleicht von Mat erwartet. Ich dachte, wenigstens du w�rst inzwischen erwachsen geworden. Wir sind gekommen, um dir zu helfen, wenn es m�glich ist. Versuche bitte, mit uns zusammenzuarbeiten. Mache irgend etwas mit Hilfe der Macht, aber nicht wieder etwas Kindisches wie vorhin. Vielleicht sind wir in der Lage, dann etwas zu sp�ren.� Zusammengekr�mmt funkelte er sie an. �Tu was�, knurrte er. �Ihr hattet kein Recht... ich werde tagelang hinken... Ihr wollt, da� ich etwas mit der Macht anfange?� Pl�tzlich schwebte sie nach oben und Elayne mit ihr. Sie starrten sich mit weit aufgerissenen Augen an, als sie einen Schritt �ber dem Teppich schwebten. Nichts hielt sie dort, jedenfalls kein Strom, den Egwene f�hlen oder sehen konnte. Nichts. Ihr Mund verzog sich �rgerlich. Er hatte kein Recht, so etwas zu tun. Nicht das geringste Recht, und es war Zeit, ihm das klarzumachen. Die gleiche Art von Abschirmung des Elements Geist wie bei Joiya sollte auch bei ihm wirken, ihn von der Quelle abschneiden. Die Aes Sedai ben�tzten das bei den wenigen M�nnern, die sie aufgesp�rt hatten, weil sie mit der Einen Macht arbeiten konnten.</p><p>Sie �ffnete sich <emphasis>Saidar,</emphasis> und ihre Stimmung sank auf den Nullpunkt. <emphasis>Saidar</emphasis> war schon da und seine W�rme und das Licht sp�rbar, doch zwischen ihr und der Wahren Quelle stand irgend etwas, ein Nichts, wie die Abwesenheit eines Tr�gerelements, das sie wie eine Steinmauer von der Quelle abschnitt. Es war ein hohles Gef�hl in ihrem Innern, und schnell stieg Panik in ihr auf. Ein Mann gebrauchte die Macht, und sie war in seinem Strom gefangen. Nat�rlich war es Rand, aber so hilflos hier zu h�ngen und nur daran denken zu k�nnen, da� ein Mann die Macht ben�tzte, und an das befleckte <emphasis>Saidin...</emphasis> Sie wollte ihn anschreien und brachte doch nur ein Kr�chzen zustande.</p><p>�Du willst, da� ich etwas mit Hilfe der Macht tue?� grollte Rand. Zwei kleine Tischchen streckten m�hevoll und unter lautem Knarren die Beine und dann begannen sie, mit steifen Bewegungen einen Tanz aufzuf�hren, die Parodie eines Tanzes. Blattgold bl�tterte dabei von ihnen ab. �Gef�llt euch das?� Feuer flammte im Kamin auf. Die Flammen erf�llten den Innenraum ganz und gar und brannten auf kahlem Stein ohne Holz und ohne Asche. �Oder das?� Der goldene Hirsch und die W�lfe auf dem Kaminsims wurden weich und fielen in sich zusammen. D�nne Rinnsale aus Gold und Silber flossen aus der zusammenfallenden Masse, in feinen, sich schl�ngelnden Linien, verwebten sich zu einem schmalen Streifen metallischen Stoffs. Das glitzernde Gewebe schwebte in der Luft und wuchs. Nur das hintere Ende hing noch an der schmelzenden Statue auf dem Kaminsims, wie der Faden an einem Wollkn�uel, aus dem ein Kleidungsst�ck gestrickt wurde. �Tu etwas, Rand�, sagte Rand ironisch. �Tu etwas! Hast du eine Ahnung, wie das ist, <emphasis>Saidin</emphasis> zu ber�hren, zu halten? Ja? Ich kann sp�ren, wie dahinter der Wahnsinn auf mich wartet. In mich einsickert!� Mit einem Schlag brannten die tanzenden Tischchen wie Fackeln, tanzten aber weiter. B�cher wirbelten durch die Luft; ihre Seiten wurden von unsichtbarer Hand durchgebl�ttert. Das Oberbett explodierte, und es schneite Federn im ganzen Raum. Als Federn auf die brennenden Tische fielen, f�llte sich die Luft mit bei�endem, ru�igem Gestank.</p><p>Einen Augenblick lang sah Rand mit wilden Blicken die brennenden Tische an. Dann verschwand das, was Egwene und Elayne festgehalten hatte, und auch die Abschirmung war weg. Ihre F��e schlugen im gleichen Moment auf dem Boden auf, in dem die Flammen erstarben, als w�rden sie in das Holz zur�ckgesaugt, das sie gen�hrt hatte. Auch die Flammen im Kamin verschwanden, und die B�cher fielen zu einem noch schlimmeren Durcheinander als zuvor auf den Boden zur�ck. Und auch das aus Gold und Silber gewebte Tuch fiel herab. Es hingen noch lose F�den aus halbgeschmolzenem Metall daran, die nun aber fest und kalt waren. Nur drei gr��ere Klumpen, zwei aus Gold und einer aus Silber, waren kalt und v�llig verformt auf dem Sims zur�ckgeblieben.</p><p>Egwene war bei der unsanften Landung taumelnd mit Elayne zusammengeprallt. Sie hielten sich aneinander fest, damit sie nicht umfielen, aber Egwene sp�rte, wie die andere blitzschnell das gleiche tat wie sie selbst, n�mlich nach <emphasis>Saidar</emphasis> greifen. Augenblicke sp�ter stand ihre Abschirmung um Rand herum f�r den Fall, da� er noch einmal die Macht ben�tzte, doch er stand nur wie bet�ubt da und starrte die verkohlten Tischchen und die herumfliegenden Federn an, die wie Schneeflocken auf seine Jacke landeten.</p><p>Er schien jetzt keine Gefahr mehr darzustellen, aber der Raum war ein einziges Durcheinander. Sie verwebte winzige Rinnsale des Elements Luft, um alle Federn zusammenzuholen, auch die auf dem Teppich liegenden. Dann dachte sie an die auf seinem Mantel und holte auch sie herbei. Den Rest mu�te die Majhere herrichten lassen, oder er mu�te eben selbst zupacken.</p><p>Rand zuckte zusammen, als die Federn an ihm vorbeischwebten und auf den Fetzen des Oberbettes landeten. Der Gestank wurde davon allerdings auch nicht besser. Verbrannte Federn und verbranntes Holz... Aber wenigstens machte der Raum nun einen etwas ordentlicheren Eindruck, und die schwache Brise, die durch die ge�ffneten Fenster drang, w�rde auch den Gestank schnell verfliegen lassen.</p><p>�Die Majhere wird mir nun wohl kein neues Oberbett mehr bringen�, meinte er unter gezwungenem Lachen. �Jeden Tag ein neues d�rfte �ber dem liegen, was sie genehmigt...� Er vermied es, sie oder Elayne direkt anzuschauen. �Es tut mir leid. Ich wollte nicht... Manchmal geht es mit mir durch. Manchmal ist nichts da, wenn ich danach greife, und dann wieder geschehen Dinge, die ich... Tut mir leid. Vielleicht solltet ihr besser gehen. Das scheine ich auch recht oft zu sagen, nicht wahr?� Er err�tete wieder und r�usperte sich. �Ich ber�hre die Quelle jetzt nicht, aber trotzdem ist es wohl besser, wenn ihr geht.� �Wir sind hier noch nicht fertig�, sagte Egwene sanft. Sanfter, als es ihren Gef�hlen entsprach. Am liebsten h�tte sie ihm rechts und links eine heruntergehauen. Was f�r eine Idee, sie und Elayne einfach schweben zu lassen und noch dazu abzuschirmen! Aber er war mit den Nerven v�llig am Ende. Woher das r�hrte, wu�te sie nicht, und sie wollte es jetzt und hier auch gar nicht wissen. So viele hatten �ber ihre St�rke gestaunt. Jede hatte behauptet, sie und Elayne geh�rten zu den st�rksten Aes Sedai seit �ber tausend Jahren, seien vielleicht sogar die st�rksten! Sie hatte angenommen, da� sie genauso stark seien wie er. Oder wenigstens nahezu genauso stark. Und doch war sie gerade auf unsanfte Weise eines Besseren belehrt worden. Vielleicht konnte Nynaeve dem nahekommen, wenn sie w�tend genug war, aber Egwene war klar, da� sie selbst, was er gerade geschafft hatte, niemals fertigbringen w�rde, n�mlich ihre Str�me in viele kleine aufzuspalten und eine Unmenge verschiedener Dinge auf einmal zu tun. Schon allein zwei Str�me auf einmal zu jonglieren war mehr als doppelt so schwer wie bei einem der gleichen St�rke, und bei drei Str�men gleichzeitig potenzierte sich der notwendige Aufwand. Er mu�te mindestens ein Dutzend verwoben haben. Und dabei wirkte er nicht einmal m�de, obwohl dieser Aufwand an Macht ungeheure Kraft kostete. Sie f�rchtete, er k�nne sowohl sie wie auch Elayne wie die kleinen K�tzchen herumreichen. Hoffentlich nicht wie K�tzchen, die er ertr�nken wollte, falls er dem Wahnsinn verfiel.</p><p>Aber sie wollte und konnte jetzt nicht einfach so gehen. Das w�rde ein Aufgeben bedeuten, und so etwas lag ihr fern. Sie wollte tun, was sie sich in den Kopf gesetzt hatte � alles �, und er w�rde sie nicht kurz vor dem Ziel davonjagen. Weder er noch irgend etwas anderes.</p><p>Elaynes blaue Augen blickten ebenso entschlossen drein, und in dem Augenblick, als Egwene mit Sprechen aufh�rte, fuhr sie an ihrer Stelle mit noch festerer Stimme fort: �Und wir werden nicht eher gehen, bis wir fertig sind. Du hast gesagt, du wolltest es versuchen. Also mu�t du dein Bestes geben, klar?� �Habe ich das wirklich versprochen?� murmelte er nach einer Weile. �Nun, wenigstens k�nnten wir uns dabei hinsetzen.� Er sah die verkohlten Tischchen oder das auf dem Boden liegende metallische Tuch nicht an, und f�hrte sie statt dessen leicht hinkend zu hochlehnigen St�hlen an den Fenstern hin�ber. Sie mu�ten erst B�cher von den rotseidenen Kissen nehmen, bevor sie sich setzen konnten. Auf Egwenes Stuhl hatte Band zw�lf der <emphasis>Sch�tze des Steins von Tear</emphasis> gelegen, ein staubiges, in Holz gebundenes Buch mit dem Titel <emphasis>Reisen in der Aiel-W�ste, mit verschiedenen Studien der wilden Einwohner dieses Gebiets,</emphasis> und ein dicker, abgegriffener Lederband: <emphasis>Die Politik Tears bez�glich des Territoriums von Mayene, 500 bis 750 N�.</emphasis> Elayne mu�te einen noch gr��eren Stapel wegr�umen, aber Rand beeilte sich, ihr alles abzunehmen und zusammen mit denen, die auf seinem Stuhl gelegen hatten, auf den Boden zu legen, wo der ganze Stapel prompt umfiel. Egwene legte ihre ordentlich daneben.</p><p>�Was wollt ihr mich jetzt machen lassen?� Er sa� auf der Stuhlkante und hatte die H�nde auf die Knie gelegt. �Ich verspreche euch, da� ich diesmal nur das tue, was ihr wollt.� Egwene bi� sich auf die Zunge, um nicht herauszuplatzen, da� es f�r dieses Versprechen ein bi�chen zu sp�t sei. Vielleicht hatte sie sich zuvor nicht klar genug ausgedr�ckt, aber das war keine Entschuldigung. Nun, darauf konnte sie ja ein andermal zur�ckkommen. Ihr wurde bewu�t, da� sie in ihm wieder nur Rand sah. Er sa� schuldbewu�t da, als habe er gerade Schlamm auf ihr bestes Kleid gespritzt und f�rchte, sie w�rde ihm nicht glauben, da� es aus Zufall geschehen war. Aber sie hatte <emphasis>Saidar</emphasis> inzwischen nicht losgelassen, genau wie Elayne. Besser war besser. �Diesmal�, sagte sie, �wollen wir lediglich, da� du erz�hlst. Wie ber�hrst du die Quelle? Berichte einfach. Aber langsam, Schritt f�r Schritt.� �Mehr ein Ringkampf als eine Ber�hrung.� Er grollte ein wenig. �Schritt f�r Schritt? Na ja, zuerst stelle ich mir eine Flamme vor und dann schiebe ich alles da hinein: Ha�, Furcht und Nervosit�t. Alles. Wenn alles von der Flamme verschlungen ist, ist in meinem Kopf eine Leere, ein Nichts. Ich befinde mich im Zentrum, aber ich bin gleichzeitig auch ein Teil dessen, worauf ich mich konzentriere.� �Das klingt vertraut�, sagte Egwene. �Ich habe geh�rt, wie dein Vater von einer Konzentrations�bung sprach, die er verwendet, um jedesmal die Wettbewerbe im Bogenschie�en zu gewinnen. Was er die Flamme und das Nichts nennt.� Rand nickte � ein wenig traurig, wie es schien. Sie glaubte, da� er seine Heimat und seinen Vater sehr vermi�te. �Tam hat es mir zuerst beigebracht. Und Lan ben�tzt es genauso bei dem Schwert. Selene � die habe ich mal kennengelernt � nannte es das Einssein. Eine Menge Leute scheinen es zu kennen, wenn sie auch verschiedene Ausdr�cke daf�r verwenden. Aber ich habe selbst herausgefunden, da� ich <emphasis>Saidin</emphasis> ber�hren konnte, wenn ich mich im Nichts befand. Es war wie ein Licht gerade jenseits meines Gesichtsfeldes mitten in der Leere. Es gibt da nichts au�er mir und dem Licht. Gef�hle, selbst Gedanken, befinden sich au�erhalb. Fr�her mu�te ich mir eines nach dem anderen erringen, doch nun kommt es wie von selbst in einem Augenblick. Jedenfalls das meiste. Meistens.� �Leere�, sagte Elayne schaudernd. �Kein Gef�hl. Das klingt nicht so wie das, was wir tun.� �Doch, es ist �hnlich�, beharrte Egwene eifrig. �Rand, wir stellen es nur ein wenig anders an, aber im Prinzip kommt es aufs gleiche hinaus. Ich stelle mir vor, eine Blume zu sein, eine Rosenknospe, und zwar so lange, bis ich die Rosenknospe <emphasis>bin.</emphasis> Das ist auch ein wenig wie dein Nichts. Die Rosenknospe �ffnet sich unter dem Licht <emphasis>Saidars,</emphasis> und ich lasse mich davon erf�llen. Durch diese Selbstaufgabe aber beherrsche ich es. Das war am schwersten zu lernen: wie man <emphasis>Saidar</emphasis> beherrscht, indem man sich ihm hingibt, aber mittlerweile kommt es mir so nat�rlich vor, da� ich nicht einmal mehr dar�ber nachdenke. Das ist der Schl�ssel, Rand. Da bin ich sicher. Du mu�t lernen, dich hinzugeben... � Er sch�ttelte lebhaft den Kopf.</p><p>�Das entspricht �berhaupt nicht dem, was ich tue�, protestierte er. �Mich von ihm erf�llen lassen? Ich mu� hinausgreifen und <emphasis>Saidin</emphasis> packen. Manchmal befindet sich gar nichts dort, wenn ich danach zu greifen versuche, nichts, was ich ber�hren k�nnte, aber wenn ich nicht von allein danach griffe, w�rde ich f�r alle Ewigkeit dastehen, und nichts w�rde geschehen. Es erf�llt mich schon, wenn ich es einmal im Griff habe, aber mich dem hingeben?� Er fuhr sich mit den Fingern durchs Haar. �Egwene, wenn ich mich dem hing�be, auch nur eine Minute lang, w�rde mich <emphasis>Saidin</emphasis> verschlingen. Es ist wie ein Strom aus geschmolzenem Metall, ein Feuermeer, alles Licht der Sonne, auf einen Fleck konzentriert. Ich mu� darum k�mpfen, da� es tut, was ich will, und dagegen ank�mpfen, von ihm verschlungen zu werden.� Er seufzte. �Ich wei� aber sehr wohl, was du damit meinst, von Leben erf�llt zu sein, auch wenn mir die Verderbnis den Magen umdreht. Die Farben sind klarer, die Ger�che. Alles ist irgendwie wirklicher. Ich will es nicht wieder loslassen, wenn ich es einmal ergriffen habe, selbst wenn es mich zu verschlingen droht. Aber was den Rest betrifft... Sieh den Tatsachen ins Auge, Egwene. Die Burg hat recht in dieser Beziehung. Akzeptiere es als die Wahrheit, denn das ist es auch.� Sie sch�ttelte den Kopf. �Das glaube ich erst, wenn es mir bewiesen wird.� Es klang nicht so sicher und selbstbewu�t wie zuvor und wie es klingen sollte. Was er gesagt hatte, war wie ein verzerrtes Spiegelbild ihrer eigenen Erfahrungen. Die �hnlichkeiten betonten gleichzeitig die Unterschiede. Aber es gab �hnlichkeiten. Sie w�rde nicht aufgeben. �Kannst du die Str�me auseinanderhalten? Luft, Wasser, Geist, Erde und Feuer?� �Manchmal�, sagte er bed�chtig. �Gew�hnlich aber nicht. Ich nehme mir einfach, was ich brauche. Ich greife oft blind danach. Es ist schon seltsam. Manchmal mu� ich etwas tun und schaffe es auch, aber ich wei� erst hinterher, was ich eigentlich gemacht habe und wie. Es ist, als erinnere ich mich an etwas, was ich schon vergessen hatte. Doch ich kann mich sp�ter dann daran erinnern, wie ich es anstellen mu�. Meistens jedenfalls.� �Aber du erinnerst dich daran, ja?� beharrte sie. �Wie hast du diese Tischchen entz�ndet?� Sie h�tte ihn auch gern gefragt, wie er sie zum Tanzen gebracht hatte. Sie glaubte, eine M�glichkeit zu kennen mit Hilfe von Luft und Wasser. Aber sie wollte lieber doch mit etwas Einfachem beginnen; eine Kerze anz�nden und wieder ausl�schen geh�rte zu den ersten Dingen, die jede Novizin beherrschte.</p><p>Rands Gesicht wirkte schmerzerf�llt. �Ich wei� nicht.� Es klang verlegen. �Wenn ich Feuer brauche, f�r eine Lampe oder einen Kamin, dann mache ich es einfach, aber wie wei� ich nicht. Ich mu� gar nicht erst nachdenken, wenn es um Feuer geht.� Das ergab beinahe einen Sinn. Von den F�nf M�chten waren Feuer und Erde bei den M�nnern am st�rksten ausgepr�gt gewesen w�hrend des Zeitalters der Legenden, Luft und Wasser dagegen bei den Frauen. Beim Element Geist hatte es sich die Waage gehalten. Egwene mu�te auch kaum noch nachdenken, wenn sie Luft oder Wasser verwenden wollte, sobald sie eine Sache einmal erlernt hatte. Doch das half ihnen nun auch nicht weiter.</p><p>Diesmal war es Elayne, die nicht nachgab. �Wei�t du, wie du sie wieder gel�scht hast? Du schienst nachzudenken, bevor sie ausgingen.� �Daran erinnere ich mich, denn ich glaube nicht, da� ich so etwas zuvor schon einmal getan habe. Ich habe die Hitze der Tische genommen und auf die Steine des Kamins geleitet. Bei einem Kamin macht sich diese Hitze kaum �berhaupt bemerkbar.� Elayne schnappte nach Luft und hielt sich unbewu�t einen Moment lang den linken Arm. Egwene verzog verst�ndnisvoll den Mund. Sie erinnerte sich daran, wie dieser Arm von Brandblasen �bers�t gewesen war, als die Tochter-Erbin das gleiche versucht hatte, was Rand gerade beschrieben hatte, das aber nur mit der Lampe in ihrem Zimmer. Sheriam hatte gedroht, sie werde die Blasen auf nat�rliche Art heilen lassen, aber sie hatte die Drohung dann nicht wahrgemacht. Das war eine der Warnungen, die man den Novizinnen zukommen lie�: Nimm niemals Hitze in dich auf! Man konnte eine Flamme mit Hilfe von Luft oder Wasser l�schen, aber Feuer zu ben�tzen, um die Hitze wegzuziehen, f�hrte bei einer Flamme jeder beliebigen Gr��e immer zu einem Unfall. Das habe nichts mit der eigenen St�rke zu tun, hatte Sheriam gesagt. Man k�nne einmal aufgenommene Hitze nicht mehr loswerden � auch nicht die st�rkste Aes Sedai, die jemals von der Wei�en Burg hervorgebracht worden war. Es hatte sogar schon Frauen gegeben, die sich auf diese Weise selbst verbrannten, die in Flammen aufgegangen waren. Egwene atmete tief, aber unruhig ein.</p><p>�Was ist los?� fragte Rand.</p><p>�Ich glaube, du hast mir gerade bewiesen, da� es wirklich einen Unterschied gibt.� Sie seufzte.</p><p>�Oh. Hei�t das, du bist bereit, aufzugeben?� �Nein!� Sie bem�hte sich, ein wenig sanfter weiterzusprechen. Sie war nicht b�se auf ihn. Genau. Sie wu�te �berhaupt nicht, auf wen sie eigentlich w�tend war. �Vielleicht hatten meine Lehrerinnen recht, aber vielleicht gibt es eben doch einen Weg. Irgendeinen. Nur f�llt mir gerade keiner ein.� �Du hast es jedenfalls versucht�, sagte er einfach. �Daf�r danke ich dir. Es ist nicht dein Fehler, wenn es nicht geht.� �Es mu� einen Weg geben�, murmelte Egwene, und Elayne sagte beruhigend: �Wir werden einen finden. Bestimmt.� �Nat�rlich wird euch das gelingen�, sagte er mit gek�nsteltem Optimismus. �Aber heute nicht.� Er z�gerte. �Ich sch�tze, ihr werdet nun gehen?� Das klang zur H�lfte bedauernd und zur H�lfte froh. �Ich mu� den Hochlords heute morgen noch einiges in bezug auf Steuern mitteilen. Sie scheinen der Meinung zu sein, sie k�nnten einem Bauern in einem schlechten Jahr genausoviel abnehmen wie in einem guten, ohne da� er dadurch zum Bettler wird. Und ich denke, ihr m��t diese Schattenfreunde wieder verh�ren.� Er runzelte die Stirn.</p><p>Er hatte wohl nichts gesagt, aber Egwene war sicher, da� er sie am liebsten so weit wie m�glich von den Schwarzen Ajah ferngehalten h�tte. Sie war ein wenig �berrascht, da� er sie noch immer nicht gebeten hatte, zur Wei�en Burg zur�ckzukehren. Vielleicht ahnte er, da� in diesem Fall sie und Nynaeve ihm ganz gewaltig den Kopf gewaschen h�tten.</p><p>�Machen wir�, sagte sie mit fester Stimme. �Aber nicht sofort. Rand...� Die Zeit war gekommen, den zweiten Grund f�r ihre Anwesenheit ins Spiel zu bringen, aber das war noch schwieriger, als sie geglaubt hatte. Es w�rde ihm weh tun, davon �berzeugte sie ein Blick in diese traurigen, mi�trauischen Augen. Aber es mu�te sein. Sie zog den Schal etwas fester zusammen, so da� er sie von den Schultern bis zur H�fte einh�llte. �Rand, ich kann dich nicht heiraten.� �Ich wei߫, sagte er.</p><p>Sie blinzelte �berrascht. Er nahm es wohl nicht so schwer, wie sie erwartet hatte. Sie sagte sich, das sei doch gut. �Ich will dir nicht weh tun � wirklich nicht � aber ich will dich nicht heiraten.� �Das verstehe ich, Egwene. Ich wei�, was ich bin. Keine Frau w�rde... � �Du wollk�pfiger Idiot!� schimpfte sie. �Das hat nichts damit zu tun, da� du die Macht ben�tzen kannst! Ich liebe dich einfach nicht! Jedenfalls nicht so, da� ich dich heiraten m�chte.� Rand fiel die Kinnlade herunter. �Du... du liebst mich nicht?� Es klang so �berrascht, wie er aussah. Und auch verletzt.</p><p>�Versuche das bitte zu verstehen�, sagte sie in sanfterem Tonfall. �Die Menschen �ndern sich, Rand. Gef�hle �ndern sich. Wenn Menschen voneinander getrennt sind, leben sie sich manchmal auseinander. Ich liebe dich wie einen Bruder, vielleicht auch etwas mehr, aber heiraten w�rde ich dich nicht. Kannst du das verstehen?� Er brachte ein bedauerndes Grinsen zuwege. �Ich bin wirklich ein Narr. Ich habe einfach nicht glauben k�nnen, da� du dich auch ge�ndert hast. Egwene, ich will dich auch nicht heiraten. Ich wollte mich nicht �ndern und habe mich auch nicht bem�ht, aber es ist eben so gekommen. Wenn du w��test, wieviel mir das bedeutet! Dir nichts vormachen zu m�ssen. Keine Angst haben zu m�ssen, dir weh zu tun. Das wollte ich doch nie, Egwene. Ich wollte dir einfach nicht weh tun.� Sie h�tte beinahe gel�chelt. Er �berspielte es so tapfer, da� er beinahe �berzeugend gewirkt h�tte. �Ich bin froh, da� du es so ruhig hinnimmst�, sagte sie ihm mit weicher Stimme. �Ich wollte dir auch nicht weh tun. Und nun mu� ich wirklich gehen.� Sie erhob sich von ihrem Stuhl und gab ihm einen fl�chtigen Ku� auf die Wange. �Du findest bestimmt eine andere.� �Sicher�, sagte er und stand ebenfalls auf. Die L�ge schwang deutlich in seiner Stimme mit.</p><p>�Warts nur ab!� Sie schl�pfte zufrieden hinaus und eilte durch den Vorraum. Sie lie� <emphasis>Saidar</emphasis> los, w�hrend sie den Schal von den Schultern rutschen lie�. Das Ding war unwahrscheinlich hei�.</p><p>Er war bereit, Elayne wie ein verirrter Welpe in den Scho� zu fallen, wenn sie ihn so behandelte, wie sie es besprochen hatten. Sie glaubte, da� Elayne gut mit ihm umgehen werde, jetzt wie sp�ter. Jedenfalls solange, wie ihnen noch Zeit blieb. Es mu�te aber etwas geschehen, damit er seine Gaben besser unter Kontrolle bekam. Sie war gewillt, zuzugeben, da� es stimmte, was man ihr beigebracht hatte: Keine Frau konnte ihn lehren, damit umzugehen � Fische und V�gel... Aber das bedeutete noch lange kein Aufgeben. Es mu�te etwas geschehen, also mu�te sie einen Weg finden. Diese schreckliche Wunde und der drohende Wahnsinn waren Probleme f�r sp�ter, aber eines Tages mu�ten auch sie gel�st werden. Irgendwie. Jeder sagte, die M�nner von den Zwei Fl�ssen seien stur, aber da kannten sie die Frauen von den Zwei Fl�ssen schlecht.</p></section><section><title><p>8</p><p>Sturk�pfe</p></title><p>Elayne war nicht sicher, ob Rand �berhaupt bemerkt hatte, da� sie sich noch im Raum befand, so wie er Egwene mit einem leicht verwirrten Gesichtsausdruck nachblickte. Gelegentlich sch�ttelte er den Kopf, als werde er sich mit sich selbst nicht einig oder wolle einen klaren Kopf bekommen. Sie wollte gern warten, bis er mit sich selbst im reinen war. Alles war ihr recht, was den Augenblick der Wahrheit noch etwas hinausz�gerte. Sie konzentrierte sich darauf, �u�erlich gefa�t zu wirken und Haltung zu bewahren � R�cken gerade und hoch erhobener Kopf, die H�nde im Scho� gefaltet... Die Gelassenheit ihrer Miene h�tte der Moiraines Konkurrenz machen k�nnen. In ihrem Magen flatterten Schmetterlinge in Faustgr��e herum.</p><p>Sie hatte keine Angst davor, da� er wieder die Macht ben�tzen werde. Sie hatte <emphasis>Saidar fahren lassen, sobald Egwene aufgestanden war, um zu gehen. Sie wollte ihm einfach vertrauen und sie mu�te ja wohl auch. Ihre innere Erregung r�hrte von dem her, was sie sich von ihm w�nschte. Sie mu�te sich beherrschen, um nicht st�ndig an ihrer Halskette oder den Saphiren in ihrem Haar herumzufummeln. War ihr Parfum zu auffallend? Nein. Egwene hatte gesagt, da� er Rosenduft mochte. Das Kleid? Sie h�tte es am liebsten h�hergezogen, doch...</emphasis></p><p>Er drehte sich um und hinkte wieder ein klein wenig, was sie dazu brachte, nachdenklich die Lippen zu sch�rzen.</p><p>Dann sah er sie auf dem Stuhl sitzen und fuhr zusammen. Er ri� die Augen auf, als st�nde er kurz vor einer Panik. Sie aber war sehr erleichtert dar�ber, denn als sein Blick sie ber�hrt hatte, mu�te sie sich selbst gewaltig zusammennehmen, um ruhig und w�rdevoll zu erscheinen. Seine Augen waren nun blau wie ein verhangener Morgenhimmel.</p><p>Er fing sich nach einem Augenblick wieder und verbeugte sich h�chst �berfl�ssigerweise. Dabei wischte er sich nerv�s die H�nde an der Jacke ab. �Ich hatte nicht bemerkt, da� du noch... � Er err�tete und h�rte mit Sprechen auf. Ihm war klar geworden, da� sie es als Beleidigung auffassen k�nnte, wenn er ihre Anwesenheit �bersehen hatte. �Ich meine... ich habe nicht... das hei�t, ich... � Er atmete tief durch und begann von neuem: �Ich bin kein solch schlimmer Narr, wie es jetzt aussieht, Lady Elayne. Aber es passiert ja auch nicht jeden Tag, da� einem eine Frau erkl�rt, sie liebe mich nicht, Lady Elayne.� Sie machte eine �bertrieben ernste Miene. �Wenn Ihr mich jemals wieder so anredet, dann werde ich Euch k�nftig als Lord Drache bezeichnen. Und knicksen. Selbst die K�nigin von Andor w�rde einen Knicks vor Euch machen, und ich bin nur die Tochter-Erbin.� �Licht! Blo� das nicht!� Er schien die Drohung �berm��ig ernst zu nehmen.</p><p>�Das mache ich doch auch nicht im Ernst, Rand�, sagte sie in ruhigerem Ton. �Aber nur, wenn du mich mit meinem Namen anredest. Elayne. Sag es, ja?� �Elayne.� Er sagte das ein wenig linkisch, doch schien er es auch zu genie�en, diesen Namen auszusprechen.</p><p>�Gut.� Es war idiotisch, da� sie sich so freute, da er schlie�lich nichts anderes getan hatte, als ihren Namen auszusprechen. Aber es gab da etwas, das sie wissen mu�te, bevor sie weitermachen konnte. �Hat es dir sehr weh getan?� Es wurde ihr klar, da� er ihre Worte auf zweierlei Art auslegen k�nne. �Ich meine, was Egwene dir gesagt hat.� �Nein. Ja. Ein bi�chen. Ich wei� nicht. Schlie�lich war es nur anst�ndig.� Er grinste leicht, und sein Mi�trauen wich ein wenig. �Ich h�re mich schon wieder wie ein Narr an, oder?� �Nein. F�r mich nicht.� �Ich habe ihr die reine Wahrheit gesagt, aber sie hat mir wohl nicht geglaubt. Ich denke, ich habe es von ihr auch nicht glauben wollen. Nicht wirklich. Und wenn das nicht dumm ist, dann wei� ich auch nicht mehr.� �Wenn du mir noch einmal sagst, du seist ein Narr, dann werde ich anfangen, es zu glauben.� <emphasis>Er wird nicht versuchen, sie irgendwie festzuhalten; dar�ber mu� ich mir also keine Gedanken machen.</emphasis> Ihre Stimme klang ruhig, doch ihr Tonfall sagte ihm, da� sie nicht ganz ernst meinte, was sie ihm erkl�rte: �Ich habe einmal den Hofnarren eines Lords aus Cairhien gesehen. Er trug einen lustigen, gestreiften Mantel, der ihm viel zu gro� war und auf den er Gl�ckchen gen�ht hatte. Du w�rdest reichlich bl�d aussehen mit Gl�ckchen!� �Das glaube ich auch�, sagte er reum�tig. �Lektion akzeptiert.� Diesmal war sein Grinsen breiter und erfa�te sein ganzes Gesicht.</p><p>Die Schmetterlinge in ihrem Bauch dr�ngten zur Eile, doch sie besch�ftigte sich erst einmal damit, ihren Rock glattzustreichen. Sie mu�te langsam und vorsichtig vorgehen. <emphasis>Wenn nicht, glaubt er sicher, da� ich nur eine dumme G�re bin. Und er hat auch noch recht damit.</emphasis> Jetzt flatterten bereits ganze Schw�rme von Schmetterlingen durch ihren Bauch.</p><p>�M�chtest du eine Blume haben?� fragte er pl�tzlich, und sie zwinkerte verwirrt.</p><p>�Eine Blume?� �Ja.� Er schritt zum Bett, hob eine Handvoll Federn von dem zerfetzten Oberbett auf und hielt sie ihr hin. �Ich habe gestern abend eine f�r die Majhere gemacht. Man h�tte denken k�nnen, ich habe ihr den ganzen Stein geschenkt. Aber deine wird viel h�bscher�, f�gte er eilends hinzu. �Viel h�bscher, das verspreche ich.� �Rand, ich... � �Ich bin schon vorsichtig. Ich brauche nur ganz wenig von der Macht dazu. Nur einen d�nnen Faden, und ich werde wirklich vorsichtig sein.� Vertrauen. Sie mu�te ihm vertrauen. Es kam aber doch als kleine �berraschung, als sie feststellte, da� sie ihm tats�chlich vertraute. �Das w�re sch�n, Rand.� Eine Weile blickte er das flauschige H�ufchen in seiner Hand an und runzelte langsam die Stirn. Mit einemmal lie� er dann die Federn fallen und klopfte sich die H�nde ab. �Blumen�, sagte er, �sind kein w�rdiges Geschenk f�r dich.� Sie hatte Mitleid mit ihm; ganz offensichtlich hatte er <emphasis>Saidin</emphasis> ber�hren wollen und nichts erreicht. Er verbarg seine Entt�uschung damit, da� er schnell zu dem metallischen Tuch hin�berhinkte und es sich �ber den Arm legte. �Aber das hier ist ein w�rdiges Geschenk f�r die Tochter-Erbin Andors. Du k�nntest es von einer Schneiderin... � Offensichtlich fiel ihm nicht ein, was eine Schneiderin aus einem vier Schritt langen und kaum zwei Fu� breiten St�ck Gold-und-Silber-Tuches machen k�nne.</p><p>�Ich bin sicher, da� einer Schneiderin eine Menge dazu einf�llt�, sagte sie ihm diplomatisch. Dann zog sie ein Taschentuch aus dem �rmel und kniete einen Moment nieder, um die fallengelassenen Federn darin aufzusammeln.</p><p>�Die Zimmerm�dchen werden das doch besorgen�, sagte er, als sie das kleine B�ndel in ihrer G�rteltasche verstaute.</p><p>�So, das w�re erledigt.� Wie k�nnte er auch verstehen, da� sie die Federn nur aufheben wollte, weil er die Absicht gehabt hatte, ihr daraus eine Blume zu machen? Er trat von einem Fu� auf den anderen und hielt den glitzernden Stoff auf dem Arm, als wisse er nicht, was er damit anfangen solle. �Die Majhere mu� bestimmt Schneiderinnen haben�, sagte sie zu ihm. �Ich gebe das einer von ihnen.� Seine Miene erhellte sich, und er l�chelte. Sie hatte keinen Grund, ihm zu sagen, da� sie es verschenken wollte. Dieser Sturmwind von Schmetterlingen lie� sie nicht mehr ruhen. Es mu�te nun sein. �Rand... magst du mich?� �Dich m�gen?� Er runzelte die Stirn. �Nat�rlich mag ich dich. Ich mag dich sehr.� Mu�te er dreinblicken, als habe er keine Ahnung, was sie meinte? �Ich hab' dich gern, Rand.� Sie war selbst �berrascht, da� sie das so ruhig herausbrachte. Ihr Magen schien sich dabei ihrer Kehle zu n�hern, w�hrend ihre H�nde und F��e eiskalt waren. �Mehr als gern.� Das reichte. Sie w�rde sich nicht zum Narren machen. <emphasis>Er mu� zuerst mehr daraus machen als nur �m�gen�.</emphasis> Beinahe h�tte sie hysterisch gekichert. <emphasis>Ich werde mich beherrschen. Er wird nicht erleben, da� ich mich wie ein Bauernm�dchen benehme, das ihm sch�ne Augen macht. Garantiert nicht.</emphasis></p><p>�Ich hab' dich auch gern�, sagte er bed�chtig.</p><p>�Gew�hnlich falle ich ja nicht so mit der T�r ins Haus.� Nein, das erinnerte ihn nun vielleicht an Berelain. Seine Wangen hatten sich bereits ger�tet. Er dachte <emphasis>bestimmt</emphasis> an Berelain! Seng ihn! Ihre Stimme klang glatt wie Seide: �Bald mu� ich gehen, Rand. Tear verlassen. Vielleicht werden wir uns monatelang nicht mehr sehen.� <emphasis>Oder niemals mehr,</emphasis> sagte ein d�nnes Stimmchen in ihrem Hinterkopf. Sie weigerte sich, darauf zu h�ren. �Ich konnte nicht weg, ohne dich wissen zu lassen, was ich dir gegen�ber empfinde. Und ich... hab' dich sehr, sehr gern.� �Elayne, ich habe dich wirklich auch sehr gern. Ich f�hle... ich m�chte... � Die hochroten Flecken auf seinen Wangen breiteten sich weiter aus. �Elayne, ich wei� nicht, was ich sagen soll, wie ich... � Pl�tzlich brannte ihr ganzes Gesicht. Er mu�te ja glauben, sie wolle ihn dazu dr�ngen, mehr zu sagen. <emphasis>Stimmt das denn nicht?</emphasis> spottete das kleine Stimmchen, und ihre Wangen wurden noch hei�er. �Rand, ich will dich nicht...� Licht! Wie konnte sie das nur ausdr�cken? �Ich wollte nur, da� du wei�t, was ich empfinde. Das ist alles.� Berelain h�tte es nicht dabei bewenden lassen. Berelain h�tte sich jetzt wohl um ihn herumgewickelt. Sie sagte sich, da� sie sich nicht von dieser halbnackten Schlampe ausstechen lassen k�nne. Also trat sie n�her an ihn heran, nahm ihm das glitzernde Tuch vom Arm und lie� es zu Boden fallen. Aus irgendeinem Grund kam er ihr gr��er vor als jemals. �Rand... Rand, ich m�chte, da� du mich k��t.� So. Das war drau�en.</p><p>�Dich k�ssen?� sagte er, als habe er niemals zuvor vom K�ssen geh�rt. �Elayne, ich will dir nicht mehr versprechen, als ich... Ich meine, es ist nicht, als w�ren wir verlobt. Nicht, da� ich vorschlagen will, wir sollten uns verloben. Es ist nur... Ich mag dich schrecklich gern, Elayne. Mehr als gern. Ich will nur nicht, da� du glaubst, ich... � Nun mu�te sie doch lachen �ber seine verwirrte Ernsthaftigkeit. �Ich wei� ja nicht, wie das an den Zwei Fl�ssen ist, aber in Caemlyn wartet man nicht erst auf die Verlobung, bevor man ein M�dchen k��t. Und es bedeutet auch nicht, da� man sich nun verloben m��te. Aber vielleicht wei�t du nicht, wie... � Seine Arme legten sich beinahe fordernd um sie, und seine Lippen dr�ckten sich auf ihre. In ihrem Kopf wirbelte alles herum, w�hrend sich ihre Zehen in den Pantoffeln kr�mmten. Einige Zeit sp�ter � sie wu�te nicht, wie lange � wurde ihr bewu�t, da� sie sich an ihn schmiegte, an ihm festhielt, weil ihre Knie zitterten und sie nach Luft rang.</p><p>�Entschuldige, da� ich dich unterbrochen habe�, sagte er. Sie war froh, da� auch in seiner Stimme ein wenig Atemlosigkeit mitschwang. �Ich bin nur ein r�ckst�ndiger Schafhirte von den Zwei Fl�ssen.� �Du bist grob�, murmelte sie zu seinem Hemd hin, �und du hast dich heute morgen nicht rasiert, aber als r�ckst�ndig w�rde ich dich nicht gerade bezeichnen.� �Elayne, ich... � Sie legte eine Hand �ber seinen Mund. �Ich will nichts von dir h�ren, was du nicht aus ganzem Herzen so meinst�, sagte sie entschlossen. �Nicht jetzt und auch in Zukunft nicht.� Er nickte, allerdings nicht so, als verst�nde er den wahren Grund, sondern eher, als wisse er, da� sie auch meinte, was sie sagte. Sie strich sich durchs Haar, aber die Kette mit Saphiren war hoffnungslos verwickelt. Ohne Spiegel konnte sie sie unm�glich wieder richten. Z�gernd entwand sie sich seinen Armen. Es w�re nur zu leicht, dort zu verweilen, und dabei war sie schon viel forscher gewesen, als sie jemals von sich selbst erwartet hatte. So mit ihm zu sprechen und sogar um einen Ku� zu bitten! Ihn aufzufordern! Sie war doch nicht Berelain.</p><p>Berelain. Vielleicht hatte Min etwas vorausgesehen. Was Min sah, geschah, aber sie w�rde ihn nicht mit Berelain teilen! Vielleicht mu�te sie noch ein wenig deutlicher werden. Oder doch wenigstens ann�hernd deutlich. �Ich sch�tze, es wird dir nicht an weiblicher Gesellschaft fehlen, wenn ich weg bin. Denke nur daran, da� einige Frauen die M�nner mit ihrem Herz anblicken, w�hrend andere nicht mehr in ihnen sehen als eine Art von Schmuckst�ck, kaum anders als eine Halskette oder einen Armreif. Denke auch daran, da� ich zur�ckkomme, und ich bin diejenige, die mit dem Herzen sieht!� Zuerst blickte er verwirrt drein und dann ein wenig erschrocken. Sie hatte zuviel und zu schnell gesagt. Nun mu�te sie ihn ablenken. �Wei�t du, was du mir nicht gesagt hast? Du hast nicht versucht, mich abzuschrecken, indem du erkl�rt h�ttest, wie gef�hrlich du seist. Versuch es jetzt bitte auch nicht mehr. Es ist zu sp�t.� �Ich habe gar nicht daran gedacht.� Nun kam ihm aber ein anderer Gedanke, und sein Blick wurde pl�tzlich mi�trauisch. �Hast du das alles mit Egwene abgesprochen?� Sie brachte es fertig, gleichzeitig mit gro�en Unschuldsaugen dreinzublicken und doch leicht erz�rnt zu wirken. �Wie kannst du so etwas nur glauben? Denkst du, wir reichen dich wie ein Paket von der einen zur anderen weiter? Du denkst entschieden zuviel an dich selbst. Man kann auch �bertrieben stolz sein.� Jetzt blickte er wieder verwirrt drein. Das war durchaus zufriedenstellend. �Tut es dir leid, was du mit uns gemacht hast, Rand?� �Ich wollte euch nicht erschrecken�, sagte er z�gernd. �Egwene hat mich aufgeregt. Das schafft sie immer m�helos. Ich wei�, eine Entschuldigung ist das nicht. Ich sagte ja, da� es mir leid tut, und das stimmt. Und schau mal, was es mir eingebracht hat: versengte Tische und noch ein kaputtes Oberbett.� �Und was das... Zwicken betrifft?� Er wurde wieder rot, sah ihr aber trotzdem gerade in die Augen. �Nein. Nein, das tut mir nicht leid. Ihr zwei habt einfach �ber meinen Kopf hinweg geredet, als sei ich ein Scheit Holz ohne Ohren. Ihr hattet das verdient, ihr beiden, und dazu stehe ich.� Einen Augenblick lang sah sie ihn forschend an. Er rieb sich durch die Jacken�rmel hindurch die Unterarme, als sie ganz kurz nach <emphasis>Saidar</emphasis> griff. Sie hatte eigentlich keine Ahnung, wie man mit Hilfe der Macht Wunden heilte, aber sie hatte wenigstens gelegentlich ein paar Bruchst�cke mitbekommen. So lenkte sie einen d�nnen Strom der Macht und nahm ihm den Schmerz, den sie ihm aus Rache f�r das Kneifen zugef�gt hatten. Er ri� �berrascht die Augen auf und lief vorsichtig ein paar Schritte, um festzustellen, ob die Abwesenheit des Schmerzes keine T�uschung sei. �Als Dank f�r die Ehrlichkeit�, sagte sie schlicht.</p><p>Es klopfte an die T�r und Gaul steckte den Kopf herein. Zuerst hatte der Aielmann die Augen gesenkt, aber nach einem schnellen Blick in ihre Richtung hob er den Kopf. Elayne wurde knallrot, als ihr klar wurde, was er wohl vermutet hatte: da� er sie n�mlich in einer verf�nglichen Situation �berrascht habe. Beinahe h�tte sie noch einmal <emphasis>Saidar</emphasis> ergriffen und ihm eine Lektion erteilt.</p><p>�Die Tairener sind da�, sagte Gaul. �Die Hochlords, die Ihr erwartet hattet.� �Dann gehe ich jetzt�, sagte sie zu Rand. �Du mu�t mit ihnen �ber � was war es gleich? � Steuern sprechen, ja? Denke an das, was ich dir gesagt habe.� Sie sagte nicht: �Denk an mich�, aber sie war sicher, da� die Wirkung die gleiche sein w�rde.</p><p>Er streckte die Arme aus, als wolle er sie aufhalten, doch sie entschl�pfte ihm. Sie hatte nicht vor, Gaul ein Schauspiel zu liefern. Der Mann war ein Aiel, aber was mu�te er von ihr denken, wenn sie um diese Zeit am Morgen nach Parfum duftete und Saphirschmuck trug? Es kostete sie wirklich M�he, ihr Kleid nicht doch hochzuziehen, um mehr zu verbergen.</p><p>Die Hochlords traten ein, als sie die T�r erreichte � eine buntgemischte Gruppe ergrauter M�nner mit Spitzb�rten in farbenfrohen, kunstvoll bestickten M�nteln mit Puff�rmeln. Unter z�gernden Verbeugungen wichen sie ihr aus, und ihr h�fliches Gemurmel konnte kaum die Erleichterung dar�ber verbergen, da� sie im Gehen begriffen war.</p><p>Sie sah sich von der T�r aus noch einmal um. Ein hochgewachsener, breitschultriger junger Mann in einer einfachen gr�nen Jacke inmitten der Hochlords mit all ihrer Seide und den Satinstreifen: So wirkte Rand wie ein Storch unter Pfauen, und doch war da etwas an ihm, eine Ausstrahlung, die bewies, da� er zu Recht hier der war, der die Befehle erteilte. Die Tairener erkannten das auch und neigten z�gernd ihre steifen H�lse. Er dachte vielleicht, sie beugten sich ihm nur, weil er der Wiedergeborene Drache war, und m�glicherweise glaubten sie das selbst. Aber sie hatte M�nner erlebt wie Gareth Bryne, den Kommandeur der Leibgarde ihrer Mutter, die auch in Lumpen noch einen Raum beherrscht h�tten, ohne Titel und ohne Namen. Rand war das sicher nicht klar, doch er war ein solcher Mann. Er war es noch nicht gewesen, als sie ihn zum erstenmal gesehen hatte, doch mittlerweile war ein solcher Mann aus ihm geworden. Sie zog die T�r hinter sich zu.</p><p>Die Aiel um sie herum blickten sie neugierig an und der Hauptmann, der den Ring der Verteidiger in der Mitte des Vorraums kommandierte, starrte nerv�s her�ber, doch sie bemerkte sie alle kaum. Es war vollbracht. Oder zumindest war ein Anfang gemacht. Vier Tage hatte sie noch, bevor Joiya und Amico auf das Schiff gebracht werden sollten, vier Tage also, um sich so in Rands Gedanken festzusetzen, da� darin kein Raum mehr f�r Berelain blieb. Und wenn sie das nicht erreichte, dann zumindest wollte sie in seinen Gedanken bleiben, bis sie mehr unternehmen konnte. Sie hatte nie geglaubt, da� sie so etwas fertigbringen w�rde �einen Mann zu jagen wie eine J�gerin den wilden Keiler. Die Schmetterlinge trieben sich immer noch in ihrem Magen herum. Aber wenigstens hatte sie sich ihm gegen�ber nicht anmerken lassen, wie nerv�s sie tats�chlich gewesen war. Nun fiel ihr auch auf, da� sie kein einziges Mal daran gedacht hatte, was wohl ihre Mutter dazu sagen w�rde. Jetzt beruhigte sich ihr Magen endlich. Es war ihr gleich, was Mutter sagen w�rde. Morgase mu�te ihre Tochter als Frau akzeptieren, und das war alles.</p><p>Die Aiel verbeugten sich, als sie davonschritt, und sie nahm es mit einem grazi�sen Nicken entgegen, das Morgase alle Ehre gemacht h�tte. Selbst der tairenische Hauptmann sah sie an, als habe er ihre neugewonnene W�rde bemerkt. Sie glaubte nicht, da� ihr noch einmal diese Schmetterlinge im Magen Schwierigkeiten bereiten w�rden. Vielleicht, was die Schwarzen Ajah betraf, aber nicht Rands wegen.</p><p>Rand ignorierte zun�chst die nerv�s im Halbkreis herumstehenden Hochlords und blickte die T�r mit staunenden Augen an, die sich hinter Elayne schlo�. Tr�ume, die wahr wurden, auch wenn es keine gro�en Dinge im Leben waren, machten ihn unruhig. Von dieser Schwimmerei im Wasserwald zu tr�umen war ja gut und sch�n, aber er hatte sich niemals ertr�umt, da� sie ihn wirklich so gern haben k�nnte. Sie war immer so k�hl und beherrscht gewesen, w�hrend er st�ndig �ber die eigenen F��e stolperte. Und dann Egwene, die ihm seine eigenen Gedanken gewahr werden lie� und nur darum besorgt war, ihm nicht allzusehr weh zu tun. Wieso konnten Frauen bei der kleinsten Sache v�llig aufgel�st sein oder aber einen Wutausbruch haben, wenn sie nicht einmal mit der Wimper zuckten bei anderen Sachen, die einen Mann total umwarfen?</p><p>�Lord Drache?� murmelte Sunamon noch unterw�rfiger als sonst. Ger�chte �ber die Ereignisse dieses Morgens mu�ten wohl l�ngst im ganzen Stein herum sein. Die erste Gruppe war ja fast im Laufschritt hinausgerannt, und es war zweifelhaft, ob Torean noch einmal sein Gesicht in Rands Gegenwart zeigen und seine schmutzigen Vorschl�ge unterbreiten w�rde.</p><p>Sunamon bem�hte sich um ein dankbares L�cheln, aber als Rand ihn direkt anblickte, verlor sich das sofort wieder, und er rang statt dessen �ngstlich die H�nde. Die anderen taten so, als bemerkten sie die versengten Tische, das zerrissene Oberbett, die verstreuten B�cher und die halbgeschmolzenen, formlosen Klumpen auf dem Kaminsims, die einmal W�lfe und Hirsch dargestellt hatten, �berhaupt nicht. Die Hochlords hatten Erfahrung darin, nur zu sehen, was sie sehen wollten. Carleon und Tedosian, deren Haltung trotz ihrer Fettleibigkeit falsche Bescheidenheit ausdr�cken sollte, war wohl selbst bewu�t, da� es auch verd�chtig war, wenn sie die ganze Zeit �ber stur aneinander vorbeischauten. Andererseits h�tte Rand solche Kleinigkeiten vielleicht gar nicht bemerkt, wenn er nicht Thoms Zeilen gelesen h�tte, die er nach dem Ausb�rsten seiner Jacke in einer Tasche gefunden hatte. �Der Lord Drache w�nschte, uns zu sehen?� brachte Sunamon heraus.</p><p>Konnten Egwene und Elayne das miteinander abgesprochen haben? Nein, nat�rlich nicht. Frauen taten so etwas genausowenig wie M�nner. Oder doch? Es mu�te ein Zufall gewesen sein. Elayne h�rte, da� er frei sei, und hatte sich entschlossen, mit ihm dar�ber zu sprechen. Das war es. �Steuern!� fauchte er. Die Tairener r�hrten sich nicht und machten trotzdem den Eindruck, als tr�ten sie einen Schritt zur�ck. Wie er es ha�te, sich mit diesen M�nnern abgeben zu m�ssen. Er wollte sich viel lieber wieder in seinen B�chern vergraben.</p><p>�Es gibt ein schlechtes Beispiel, Lord Drache, wenn man die Steuern senkt�, sagte ein hagerer grauhaariger Mann mit �liger Stimme. Meilan war f�r einen Tairener ziemlich gro�, nur eine Handbreit kleiner als Rand, und wirkte so hart wie einer der Verteidiger. In Rands Gegenwart lief er meistens leicht geb�ckt einher, und an seinen dunklen Augen konnte man ablesen, wie sehr er das ha�te. Aber es hatte ihm auch nicht gepa�t, als Rand ihnen erkl�rt hatte, sie sollten nicht immer so um ihn herumkriechen. Kein einziger, der sich danach endlich aufgerichtet h�tte. Gerade Meilan war es unangenehm gewesen, daran erinnert zu werden, wie er sich benahm. �Die Bauern haben immer mit Leichtigkeit zahlen k�nnen, aber wenn wir nun ihre Steuern senken und der Tag kommt, da wir sie wieder auf das jetzige Ma� erh�hen, werden sich die Narren genauso bitter dar�ber beklagen, als h�tten wir sie jetzt verdoppelt. Wenn der Tag kommt, k�nnte es sogar zu bewaffneten Unruhen kommen, Lord Drache.� Rand schritt durch den Raum und stellte sich vor <emphasis>Callandor.</emphasis> Das Kristallschwert funkelte st�rker als alles Blattgold und alle Edelsteine, mit denen sein St�nder verziert war. Es war ein Symbol dessen, was er darstellte, und der Macht, die er zur Verf�gung hatte. Egwene. Es war wirklich n�rrisch, beleidigt zu sein, weil sie ihm gesagt hatte, da� sie ihn nicht mehr liebe. Wieso sollte sie ihm gegen�ber Gef�hle hegen, die er ihr gegen�ber nicht empfand? Und doch schmerzte es. Es war eine Erleichterung, aber keine angenehme. �Es wird auch Unruhen geben, wenn Ihr Menschen durch Armut und Ruin von ihren H�fen vertreibt.� Drei B�cher lagen sauber aufgeschichtet neben Meilans F��en: <emphasis>Sch�tze des Steins von Tear, Reisen in der Aiel-W�ste</emphasis> und <emphasis>Die Politik Tears bez�glich des Territoriums von Mayene.</emphasis> Die Schl�ssel mu�ten darin verborgen sein und in den verschiedenen �bersetzungen des <emphasis>Karaethon-Zyklus.</emphasis> Wenn er sie nur finden und in die entsprechenden Schl�sser stecken k�nnte. Er zwang sich wieder zur Aufmerksamkeit den Hochlords gegen�ber. �Glaubt Ihr, sie sehen zu, wie ihre Familien verhungern, und unternehmen nichts?� �Die Verteidiger des Steins haben schon fr�her Unruhen niedergeschlagen, Lord Drache�, sagte Sunamon beruhigend. �Unsere eigenen Garden k�nne auf dem Land f�r Ruhe sorgen. Die Bauern werden Euch nicht bel�stigen, das versichere ich Euch.� �Es gibt sowieso schon zu viele Bauern.� Carleon zuckte unter Rands zornigem Blick zusammen. �Schuld ist der B�rgerkrieg in Cairhien, Lord Drache�, erkl�rte er schnell. �Die Leute aus Cairhien k�nnen kein Getreide kaufen, und die Silos quellen �ber. So, wie die Dinge liegen, bleibt die diesj�hrige Ernte liegen. Und n�chstes Jahr... ? Seng meine Seele, Lord Drache, aber was wir brauchen, ist etwas, um wenigstens einige dieser Bauern von ihrem ewigen Graben und Pflanzen abzubringen.� Er schien zu begreifen, da� er zu weit gegangen war, obwohl er offensichtlich den Grund nicht verstand. Rand fragte sich, ob er eine Ahnung davon hatte, wie die Speisen auf seinen Tisch gelangten. Sah er au�er Gold und Macht �berhaupt noch etwas?</p><p>�Was werdet Ihr machen, wenn Cairhien wieder Getreide kauft?� fragte Rand k�hl. �Und au�erdem, ist Cairhien vielleicht das einzige Land, das Getreide ben�tigt?� Warum hatte Elayne sich ihm gegen�ber nur so erkl�rt? Was erwartete sie von ihm? Von gern haben hatte sie gesprochen. Frauen wie Aes Sedai spielten mit Worten wie diesen. Meinte sie damit, da� sie ihn liebte? Nein, das war denn doch zuviel verlangt. Er �bersch�tzte sich tats�chlich manchmal ein wenig.</p><p>�Lord Drache�, sagte Meilan halb unterw�rfig und halb belehrend wie zu einem Kind, �wenn der B�rgerkrieg heute zu Ende w�re, k�nnte Cairhien immer noch in den n�chsten zwei, drei Jahren nicht mehr als ein paar Schiffsladungen Getreide kaufen. Wir haben unser Getreide immer nach Cairhien verkauft.� Immer � also zwanzig Jahre lang, seit dem Aielkrieg. Sie waren so in das verstrickt, was sie angeblich <emphasis>immer</emphasis> getan hatten, da� sie den Wald vor B�umen nicht mehr sahen. Oder nicht sehen wollten. Wenn die Kohlk�pfe wie Unkraut auf den Feldern um Emondsfeld herum wucherten, war es beinahe sicher, da� �berschwemmungen oder die Wurmplage Devenritt oder Wachh�gel betroffen hatten. Wenn in Wachh�gel zu viele Zwiebeln angebaut worden waren, herrschte in Emondsfeld oder in Devenritt bestimmt gerade eine Knappheit.</p><p>�Bietet es in Illian zum Verkauf an�, sagte er ihnen. Was erwartete Elayne von ihm? �Oder in Altara.� Er hatte sie gern, aber Min hatte er genauso gern. Er glaubte es zumindest. Es war unm�glich, seine eigenen Gef�hle beiden gegen�ber auseinanderzuhalten. �Ihr habt genug Seeschiffe und Flu�k�hne und Leichter, und wenn sie nicht reichen, dann besorgt eben noch mehr aus Mayene.� Er hatte beide Frauen gern, aber dar�ber hinaus... Er hatte beinahe sein ganzes bisheriges Leben damit verbracht, Egwene anzuhimmeln. Auf so etwas w�rde er sich nicht mehr einlassen, bis er seiner selbst sicher war. Irgendwie sicher. Sicher. Wenn man den Ausf�hrungen in <emphasis>Die Politik</emphasis></p><p><emphasis>Tears bez�glich des Territoriums von Mayene Glauben</emphasis> schenkte... <emphasis>H�r auf damit,</emphasis> sagte er sich. <emphasis>Konzentriere dich auf diese Wiesel, oder sie finden L�cken, um hindurchzuschl�pfen und dich auch noch zu bei�en.</emphasis> �Zahlt mit Getreide. Ich bin sicher, bei einem guten Preis spielt die Erste da mit. Und dazu vielleicht noch ein unterzeichnetes Dokument, irgendein �bereinkommen... � Das war eine gute Bezeichnung. So etwas ben�tzten sie oft. �... in dem wir erkl�ren, da� wir als Gegenleistung f�r die Schiffe Mayene in Ruhe lassen.� Das war er ihr schuldig.</p><p>�Wir treiben kaum Handel mit Illian, Lord Drache. Das sind Geier und wertloses Pack.� Tedosian h�rte sich emp�rt an, genau wie Meilan, als er sagte: �Wir haben mit Mayene immer von der Position des St�rkeren aus gehandelt, Lord Drache. Niemals mit gebeugtem Knie.� Rand atmete tief durch. Die Haltung der Hochlords wurde sichtlich verkrampfter. Es kam jedesmal so. Er versuchte immer, ihnen Vernunft einzubleuen, und hatte niemals Erfolg damit. Thom sagte, die Hochlords seien Sturk�pfe, so hart wie der Stein selbst, und damit hatte er recht. <emphasis>Was empfinde ich f�r sie? Ich tr�ume von ihr. Sie ist wirklich h�bsch.</emphasis> Er war sich nicht einmal sicher, ob er nun Elayne meinte oder Min. <emphasis>H�r endlich auf damit! Ein Ku� ist nicht mehr als ein Ku�. Schlu� jetzt!</emphasis> Er verdr�ngte alle Frauen aus seinem Kopf und machte sich daran, diesen lichtverdammten Sturk�pfen beizubringen, was sie zu tun hatten. �Zuerst werdet Ihr die Steuern der Bauern um drei Viertel senken und f�r jeden anderen um die H�lfte. Keine Widerrede! F�hrt lediglich meinen Befehl aus. Zweitens geht Ihr zu Berelain und fragt sie � fragen, wohlbemerkt! �was sie verlangt... � Die Hochlords h�rten mit k�nstlich aufgesetztem L�cheln und knirschenden Z�hnen zu, aber immerhin, sie h�rten zu.</p><p>Egwene dachte gerade an Joiya und Amico, als Mat pl�tzlich auftauchte und neben ihr durch den Flur spazierte, als habe er nur zuf�llig den gleichen Weg wie sie. Er stierte ein wenig finster vor sich hin, und sein Haar mu�te gek�mmt werden. Es sah aus, als sei er mit seinen Fingern hindurchgefahren. Ein- oder zweimal sah er sie von der Seite her an, sagte aber nichts. Die Diener, an denen sie vorbeikamen, verbeugten sich oder knicksten, und die wenigen Hochlords und Ladies, die sie gelegentlich antrafen, taten dasselbe, wenn auch mit erheblich weniger Begeisterung. Mats ver�chtliche Blicke h�tten ihm wohl Schwierigkeiten mit diesen Adligen eingebracht, w�re sie nicht dabeigewesen, ob er nun ein Freund des Lord Drachen war oder nicht.</p><p>Dieses Schweigen war vollkommen ungewohnt; so war Mat sonst nicht. Von seiner teuren roten Jacke, die allerdings auch verknittert war, als habe er darin geschlafen, abgesehen, schien er sich nicht vom alten Mat zu unterscheiden. Aber sie hatten sich alle ver�ndert. Sein Schweigen war nervt�tend. �Machst du dir Gedanken wegen letzter Nacht?� fragte sie schlie�lich.</p><p>Er geriet ins Stolpern. �Davon wei�t du? Na ja, kein Wunder. St�rt mich nicht. War nicht so toll. Vorbei und erledigt.� Sie gab vor, ihm zu glauben. �Nynaeve und ich sehen nicht viel von dir.� Das war die reinste Untertreibung. �Ich war besch�ftigt�, sagte er mit nerv�sem Achselzucken. Er blickte �berallhin, nur nicht auf sie. �W�rfeln?� fragte sie ganz nebens�chlich.</p><p>�Karten.� Eine mollige Zofe, die mit einer Armladung zusammengelegter Handt�cher vor ihr knickste, sah sie kurz an, glaubte offensichtlich, da� sie nicht hersah, und blinzelte Mat zu. Er grinste sie an. �Ich bin mit Kartenspielen besch�ftigt gewesen.� Egwene zog die Augenbrauen hoch. Die Frau mu�te mindestens zehn Jahre �lter als Nynaeve sein. �So, so. Es mu� dich ja sehr viel Zeit kosten, das Kartenspielen. Zuviel, um ein paar Augenblicke f�r alte Freunde aufzubringen.� �Als ich das letzte Mal Zeit f�r euch hatte, hast du mich gemeinsam mit Nynaeve mit Hilfe der Macht verschn�rt und verpackt wie ein Schwein f�r den Markt, damit ihr ungest�rt mein Zimmer durchw�hlen konntet. Freunde beklauen doch ihre Freunde nicht.� Er verzog das Gesicht. �Au�erdem ist immer Elayne bei euch und tr�gt die Nase in der Luft. Oder Moiraine ist dabei. Ich mag sie nicht... � Er r�usperte sich und sah sie von der Seite her an. �Ich will aber deine Zeit nicht verschwenden. Was man so h�rt, bist du auch ziemlich besch�ftigt. Schattenfreunde verh�ren. Alle m�glichen wichtigen Dinge erledigen, sch�tze ich. Du wei�t doch, da� diese Tairener euch f�r Aes Sedai halten, oder?� Sie sch�ttelte bedauernd den Kopf. Er konnte Aes Sedai nicht leiden. Wieviel von der Welt Mat auch zu sehen bekam, er �nderte sich doch nicht. �Es ist doch kein Klauen, wenn man sich etwas zur�ckholt, was man nur verliehen hatte�, sagte sie zu ihm.</p><p>�Ich kann mich nicht daran erinnern, da� du etwas von Ausleihen gesagt hast. Ach, was kann ich schon mit einem Brief von der Amyrlin anfangen? W�rde mich h�chstens in Schwierigkeiten bringen. Aber ihr h�ttet mich wenigstens fragen k�nnen.� Sie sah davon ab, ihm anzudeuten, da� sie tats�chlich gefragt hatten. Sie w�nschte weder einen Streit noch einen schmollenden Mat. Nat�rlich fand er immer Ausreden f�r alles. Diesmal w�rde sie es bei seiner Version bewenden lassen. �Nun, ich bin jedenfalls froh, da� du wenigstens noch mit mir sprichst. Gibt es heute einen besonderen Grund?� Er strich sich mit den Fingern durchs Haar und knurrte etwas in sich hinein. Was er n�tig hatte, war seine Mutter, die ihn beim Ohr packte und fortschleifte, um lange und eingehend mit ihm zu sprechen. Egwene zwang sich zur Geduld. Sie konnte ja geduldig sein, wenn sie wollte. Sie w�rde kein Wort sagen, bevor er mit dem Grund herausr�ckte, und wenn sie vor Neugier platzte.</p><p>Der Flur war zu Ende und f�hrte auf eine Terrasse aus wei�em Marmor mit einer Steinbr�stung und S�ulen rundherum, von der aus man auf einen der wenigen G�rten im Stein hinunterblickte. Gro�e wei�e Bl�ten bedeckten ein paar kleine B�ume mit fleischigen Bl�ttern und verstr�mten einen Duft, noch s��er als die Rabatten mit roten und gelben Rosen. Eine leichte Brise schaffte es nicht einmal, die Wandbeh�nge an der Innenseite der Terrasse zu bewegen, aber wenigstens half sie ein bi�chen gegen die feuchte W�rme des Morgens. Mat setzte sich auf die breite Br�stung, lehnte sich gegen eine S�ule und stellte einen Fu� hoch. Er blickte in den Garten hinunter und sagte schlie�lich: �Ich... brauche einen Rat.� Er brauchte einen Rat von <emphasis>ihr?</emphasis> Sie machte gro�e Augen. �Ich tue gern alles, um dir zu helfen�, sagte sie mit schwacher Stimme. Er wandte ihr sein Gesicht zu, und sie gab sich alle M�he, um etwas von der Gelassenheit der Aes Sedai auszustr�men. �In welcher Hinsicht brauchst du einen Rat?� �Ich wei� es nicht.� Es war ein Fall von etwa zehn Schritt hinunter in den Garten. Au�erdem befanden sich dort unten M�nner, die zwischen den Rosen Unkraut j�teten. Wenn sie ihm einen Schubs gab, w�rde er vielleicht auf einem von ihnen landen. Auf einem G�rtner � keinem Rosenbusch. �Wie soll ich dir dann einen Rat geben?� fragte sie mit d�nner Stimme.</p><p>�Ich versuche... mir klarzuwerden, was ich tun soll.� Er wirkte versch�mt, was ihm auch ihrer Meinung nach gut zu Gesicht stand.</p><p>�Ich hoffe, du denkst nicht daran, von hier wegzugehen! Du wei�t doch, wie wichtig du bist. Du kannst nicht einfach weglaufen, Mat.� �Glaubst du, das w��te ich nicht? Ich glaube nicht, da� ich fort k�nnte, selbst wenn Moiraine mir sagte, ich solle gehen. Glaub mir, Egwene, ich werde nirgendwohin gehen. Ich m�chte nur wissen, was nun weiter wird.� Er sch�ttelte heftig den Kopf, und seine Stimme klang gepre�t: �Was kommt als n�chstes? Was befindet sich in meinen Ged�chtnisl�cken? Es gibt ganze Teile meines Lebens, die einfach nicht mehr da sind. Sie existieren nicht mehr, als w�ren sie nie geschehen. Wieso ertappe ich mich dabei, irgendwelches Kauderwelsch von mir zu geben? Die Leute sagen, es sei in der Alten Sprache, aber f�r mich ist es eben nur Kauderwelsch. Ich will es wissen, Egwene. Ich mu� es wissen, bevor ich genauso verr�ckt werde wie Rand.� �Rand ist nicht verr�ckt�, sagte sie automatisch. Also versuchte Mat nicht wegzulaufen. Das war eine angenehme �berraschung. Er hatte vorher nicht viel von Verantwortung gehalten. Doch in seiner Stimme lagen Schmerz und Kummer. Mat machte sich niemals Sorgen, oder zumindest lie� er sie sich nicht anmerken. �Ich kenne die Antworten nicht, Mat�, sagte sie mit sanfter Stimme. �Vielleicht wei� Moiraine... � �Nein!� Er sprang mit einem Satz auf. �Keine Aes Sedai! Ich meine... Du bist etwas anderes. Ich kenne dich, und du bist keine... Haben sie dich in der Burg nicht irgendeinen Trick gelehrt, irgend etwas, das hier helfen k�nnte?� �O Mat, es tut mir leid. Es tut mir so leid.� Sein Lachen erinnerte sie an ihre Kindheit. Genauso hatte er immer gelacht, wenn seine gr��ten Hoffnungen gerade baden gegangen waren. �Ach, na ja, ich sch�tze, es spielt keine Rolle. Es w�rde immer noch von der Burg herr�hren, wenn auch aus zweiter Hand. Es ist nicht pers�nlich gemeint.� Auf die gleiche Art hatte er einen Splitter im Finger oder ein gebrochenes Bein abgetan, als sei es gar nichts.</p><p>�Es k�nnte vielleicht einen Weg geben�, sagte sie bed�chtig. �Falls Moiraine sagt, es gehe in Ordnung. Schon m�glich.� �Moiraine! Hast du denn nicht geh�rt, was ich dir eben sagte? Das allerletzte, was ich haben will, ist, da� sich Moiraine wieder einmischt. Was f�r ein Weg soll das sein?� Mat war immer geradewegs mit allem herausgeplatzt. Doch nun wollte er im Grunde das gleiche wie sie: Wissen. Wenn er nur endlich einmal vern�nftig w�re und vorsichtig dazu. Eine adlige Dame, die ihr Haar in dunklen Z�pfen um den Kopf geschlungen trug und �ber gelbem Leinen die blo�en Schultern zeigte, beugte ein Knie ein wenig, sah sie ausdruckslos an und ging schnell mit steifem Kreuz weiter. Egwene beobachtete sie, bis sie sich au�er H�rweite befand und sie wieder allein waren. Die G�rtner, drei�ig Fu� unter ihnen, z�hlten nicht. Mat sah sie erwartungsvoll an.</p><p>Schlie�lich erz�hlte sie ihm von dem <emphasis>Ter'Angreal,</emphasis> diesem verdrehten Tor, auf dessen anderer Seite Antworten warteten. Sie betonte die Gefahren, die Folgen unbedachter Fragen, was geschah, wenn die Fragen mit dem Schatten zu tun hatten, und schlie�lich, da� es ja Gefahren geben k�nne, von denen die Aes Sedai nichts wu�ten. Sie war mehr als geschmeichelt, da� er mit seiner Frage zu ihr gekommen war, aber er mu�te auch etwas Vernunft zeigen. �Du mu�t an folgendes denken, Mat: Unbedachte Fragen k�nnten dich umbringen! Wenn du ihn also ben�tzt, mu�t du zur Abwechslung einmal ernst bleiben. Und du darfst keine Fragen stellen, die mit dem Schatten zu tun haben.� Er hatte ihr mit immer ungl�ubigerer Miene zugeh�rt. Als sie ausgeredet hatte, rief er: �Drei Fragen? Du gehst hinein wie Bili, sch�tze ich, verbringst eine Nacht drinnen und kommst zehn Jahre sp�ter heraus mit einem Beutel, in dem das Gold nie alle wird, und einem... � �Tu mir den Gefallen, Matrim Cauthon�, fauchte sie, �und rede einmal im Leben keinen Quatsch! Du wei�t nur zu gut, da� <emphasis>Ter'Angreal</emphasis> keine M�rchen sind. Du mu�t dir der Gefahren bewu�t sein. Vielleicht liegen die Antworten, die du suchst, gerade in diesem <emphasis>Ter'Angreal,</emphasis> aber du darfst es nicht ausprobieren, bevor Moiraine es dir erlaubt. Das mu�t du mir versprechen, sonst werde ich dich wie eine Forelle an der Angel zu ihr schleifen. Du wei�t, da� ich dazu in der Lage bin.� Er schnaubte vernehmlich. �Ich w�re ein Narr, wenn ich das ausprobierte, gleich, was Moiraine dazu meint. In einen verdammten <emphasis>Ter'Angreal</emphasis> hineinmarschieren? Ich will <emphasis>weniger</emphasis> mit der verfluchten Einen Macht zu tun haben und nicht mehr! Vergi� es!� �Es ist die einzige M�glichkeit, die ich kenne, Mat.� �Nicht f�r mich; bestimmt nicht�, sagte er entschlossen. ��berhaupt keine Chance zu haben ist allemal besser als das.� Trotz seines Tonfalls h�tte sie ihn am liebsten in den Arm genommen. Nur w�rde er dann wahrscheinlich irgendeinen Witz �ber sie rei�en und versuchen, sie abzuschrecken. Er war eben unbelehrbar seit dem Tag seiner Geburt. Aber er hatte sie immerhin um Hilfe gebeten. �Es tut mir leid, Mat. Was wirst du nun tun?� �Ach, Karten spielen, denke ich. Falls noch irgend jemand mit mir spielt. Oder mit Thom ein Brettspiel spielen. Wenn nicht, gehe ich in ein paar Tavernen zum W�rfeln. Ich kann doch wenigstens immer noch in die Stadt gehen.� Sein Blick wanderte hin�ber zu einer vorbeischreitenden Dienerin, einem schlanken M�dchen mit dunklen Augen, etwa genauso alt wie er. �Ich finde schon etwas, womit ich mich besch�ftigen kann.� Es juckte sie gewaltig, ihm eine Ohrfeige zu versetzen, aber statt dessen sagte sie vorsichtig: �Mat, du denkst doch wirklich nicht daran, uns zu verlassen, oder?� �W�rdest du es Moiraine weitersagen, falls es so w�re?� Er hob die H�nde, um ihrem Protest zuvorzukommen. �Nein, es ist nicht notwendig. Ich habe dir ja gesagt, da� ich es nicht vorhabe. Ich behaupte ja nicht, da� ich es nicht gern t�te, aber ich bleibe. Reicht dir das?� Er runzelte nachdenklich die Stirn. �Egwene, w�nschst du dir auch manchmal, wieder zu Hause zu sein? Da� nichts von alledem geschehen w�re?� Das war eine �berraschende Frage, da sie von ihm kam, aber sie hatte ihre Antwort parat: �Nein. Trotz allem �nein. Wie steht's mit dir?� �Ich w�re dann doch ein Narr, oder?� lachte er. �Ich mag St�dte, und die hier tut's im Moment f�r mich. Egwene, du erz�hlst doch Moiraine nichts von unserem Gespr�ch, oder? Da� ich dich um Rat gefragt habe und so?� �Warum soll ich das nicht?� fragte sie mi�trauisch. Er war schlie�lich immer noch der alte Mat.</p><p>Er zuckte verlegen die Achseln. �Ich habe mehr Abstand von ihr gehalten, als... Was auch immer, ich habe mich von ihr ferngehalten, besonders, weil sie immer in meinem Kopf herumst�bern will. Sie k�nnte glauben, ich w�rde schwach. Also, du sagst ihr nichts, ja?� �In Ordnung�, sagte sie. �Aber nur, wenn du mir versprichst, da� du nicht in die N�he dieses <emphasis>Ter'Angreals</emphasis> kommst, ohne sie um Erlaubnis zu bitten. Ich h�tte dir gar nichts davon erz�hlen d�rfen.� �Ich verspreche es.� Er grinste. �Ich n�here mich diesem Ding nur, wenn mein Leben auf dem Spiel steht. Ich schw�re.� Er tat �bertrieben ernsthaft.</p><p>Egwene sch�ttelte den Kopf. Wie sehr sich auch alles andere ver�nderte: Mat �nderte sich nie.</p></section><section><title><p>9</p><p>Entscheidungen</p></title><p>Drei Tage vergingen in einer feuchten Hitze, die sogar die Tairener auszulaugen schien. Die Betriebsamkeit in der Stadt verlangsamte sich; Lethargie hatte sich �ber alles gesenkt. Im Stein ging alles noch schleppender voran. Die Diener schienen beim Arbeiten einzuschlafen. Die Majhere ri� frustriert an ihren um den Kopf geschlungenen Z�pfen, hatte aber auch nicht mehr die Energie, um Kopfn�sse auszuteilen oder die Dienerinnen an den Ohren zu ziehen. Die Verteidiger des Steins hockten zusammengesunken wie halbgeschmolzene Kerzen auf ihren Posten, und die Offiziere hatten eindeutig mehr Interesse an gek�hltem Wein als an ihren Inspektionsrunden. Die Hochlords hielten sich fast nur in ihren Gem�chern auf, verschliefen die hei�esten Tageszeiten, und einige verlie�en sogar den Stein, weil sie die relative K�hle ihrer Landg�ter weit im Osten oder die Abh�nge des R�ckgrats der Welt bevorzugten. Seltsamerweise trieben sich nur die Ausl�nder, denen diese Hitze am meisten zu schaffen machte, dazu, so hart wie immer zu arbeiten, wenn nicht sogar h�rter. Sie sp�rten die dr�ckende Last der Hitze nicht so sehr wie den zunehmenden Druck der verfliegenden Stunden.</p><p>Mat bemerkte schnell, da� er recht gehabt hatte in bezug auf die jungen Lords, die gesehen hatten, wie die Spielkarten versuchten, ihn zu t�ten. Nicht nur, da� sie ihn mieden. Sie erz�hlten alles br�hwarm ihren Freunden, �bertrieben nat�rlich, und nun sprach niemand im Stein, der auch nur zwei Silberm�nzen in der Tasche hatte, mehr als ein paar Worte mit ihm. Sie entschuldigten sich vielmehr hastig und zogen sich zur�ck. Die Ger�chte verbreiteten sich selbstverst�ndlich auch �ber die jungen Lords hinaus. Mehr als eine Dienerin, die sich vorher gern von ihm in den Arm nehmen lassen hatte, zuckte jetzt vor ihm zur�ck, und zwei davon erkl�rten ihm sogar �ngstlich, da� sie geh�rt hatten, es sei gef�hrlich, mit ihm allein zu sein. Perrin schien in seinen eigenen Sorgen gefangen, und Thom war wie durch Zauberei ganz verschwunden. Mat hatte keine Ahnung, womit sich der Gaukler besch�ftigte, aber er war nur sehr selten anzutreffen, tags�ber ebenso wie nachts. Moiraine, die einzige Person, von der Mat w�nschte, sie w�rde sich nicht um ihn k�mmern, tauchte statt dessen �berall auf, wo er sich aufhielt. Entweder kam sie gerade vorbei, oder sie �berquerte den Flur in einiger Entfernung, aber jedesmal traf ihn ihr Blick. Sie schien immer genau zu wissen, was er dachte und w�nschte, und �berzeugt zu sein, da� sie ihn auf jeden Fall dazu bringen werde, zu tun, was sie wollte. In einer Hinsicht aber spielte das keine Rolle: Er fand immer noch Ausreden, um seine Abreise einen Tag um den anderen hinauszuschieben. Wie er es auffa�te, hatte er Egwene wohl nicht <emphasis>versprochen,</emphasis> da� er bleiben w�rde, aber er blieb da.</p><p>Einmal trug er eine Lampe hinunter in den Bauch des Steins zur sogenannten Gro�en Sammlung bis vor die halbverfallene T�r am Ende des engen Ganges. Ein paar Minuten lang sp�hte er in das d�stere Innere des Raumes, sah undeutliche Umrisse, mit staubigen Laken bedeckt, aufeinandergestapelte Kisten und F�sser, deren Oberseiten man ben�tzt hatte, um ein Durcheinander von kleinen Statuen, Schnitzereien und seltsamen � Dingen � aus Glas und Kristall und Metall darauf abzustellen. Nach ein paar Minuten also hatte er genug und eilte zur�ck. �Ich m��te ja der gr��te aller Narren auf der ganzen verfluchten Welt sein!� knurrte er im Weggehen.</p><p>Nichts hielt ihn jedoch davon ab, in die Stadt zu gehen, und in den Tavernen des Hafenviertels Maule traf er Moiraine ganz bestimmt nicht an, genausowenig wie im Speicherviertel Chalm. Die Schenken dort waren schlecht beleuchtet, eng und oft schmutzig, stanken nach billigem Wein oder d�nnem Bier; es gab h�ufig Raufereien und unendlich lange W�rfelspiele. Die Eins�tze beim W�rfeln waren klein, verglichen mit denen, an die er sich im Stein gew�hnt hatte, aber das war nicht der Grund, warum er nach wenigen Stunden doch regelm��ig wieder oben in der Festung anzutreffen war. Er bem�hte sich, nicht daran zu denken, was ihn immer zur�ckzog in Rands N�he.</p><p>Perrin traf Mat manchmal in einer der Tavernen am Hafen und bemerkte, da� der Freund zuviel billigen Wein trank und w�rfelte, als sei es ihm v�llig gleich, ob er gewann oder verlor. Einmal zog er sogar ein Messer, als ein st�mmiger Seemann von ihm wissen wollte, wie oft er gewonnen hatte. Das sah Mat gar nicht �hnlich, da� er so leicht erregbar war, aber statt zu versuchen, die Gr�nde herauszufinden, mied ihn Perrin lieber. Perrin war nicht dort unten, um zu trinken oder zu spielen, und die rauflustigen M�nner verga�en ihre Absicht schnell, nachdem sie einen Blick auf seine Muskelpakete geworfen hatte � und in seine Augen. Doch er lud Seeleute in weiten Lederhosen oder H�ndlergehilfen mit d�nnen Silberketten vorn am Mantel oftmals zu einem Bier ein � �berhaupt jeden Mann, der aussah, als k�me er aus einem fernen Land. Er suchte nach Ger�chten, nach irgendwelchen Neuigkeiten, die Faile vielleicht von Tear und von ihm weglocken k�nnten.</p><p>Er war sicher, wenn er f�r sie ein Abenteuer aufsp�rte, etwas, das ihr eine Chance verschaffte, ihren eigenen Namen in den Legenden zu verewigen, w�rde sie gehen. Sie gab wohl vor, zu verstehen, warum er bleiben mu�te, aber gelegentlich deutete sie doch an, sie wolle lieber gehen und hoffe, er werde mitkommen. Er war sicher, der richtige K�der w�rde sie auch ohne seine Begleitung weglocken.</p><p>Bei den meisten Ger�chten wurde ihr genauso schnell wie ihm klar, da� es sich um verdrehte Wahrheiten handelte. Man sagte, der Krieg an der K�ste des Aryth-Meeres sei das Werk eines bis dato unbekannten Volkes, das sich Schaukinn oder so �hnlich nannte. Der Name variierte von Erz�hler zu Erz�hler. Dieses seltsame Volk war m�glicherweise der Nachfahre des Heeres, das Artur Falkenfl�gel vor �ber tausend Jahren ausgesandt hatte. Ein Bursche, er war aus Tarabon und trug einen runden, roten Hut und einen Schnurrbart, so dick wie die H�rner eines Stiers, erz�hlte ihm ganz ernsthaft, da� Falkenfl�gel selbst diese Leute anf�hre und dabei sein legend�res Schwert namens Gerechtigkeit in der Hand halte. Es gab Ger�chte, das ber�hmte Horn von Valere sei wiedergefunden worden, mit dem man tote Helden aus den Gr�bern herbeirufen konnte, um in der Letzten Schlacht zu k�mpfen. In Ghealdan war es �berall im Land zu Aufst�nden gekommen; Illian litt unter Ausbr�chen von Massenhysterie; in Cairhien brachte die Hungersnot fast den B�rgerkrieg zum Erliegen, und irgendwo in den Grenzlanden begannen sich die Trolloc-�berf�lle zu h�ufen. Dorthin konnte Perrin Faile nicht schicken, nicht einmal, um sie aus Tear wegzubringen.</p><p>Berichte �ber Unruhen in Saldaea schienen ihm vielversprechend. Sie mu�te sich doch zu ihrer eigenen Heimat hingezogen f�hlen, und er hatte �berdies geh�rt, Mazrim Taim, der falsche Drache, bef�nde sich fest in den H�nden der Aes Sedai. Aber niemand wu�te genau, was dort eigentlich los war. Etwas zu erfinden w�rde auch nicht helfen. Was er auch erfand, sie w�rde dem erst einmal selbst nachgehen, bevor sie aufbrach. Au�erdem konnten nat�rlich die Unruhen in Saldaea genauso schlimm sein wie die anderswo, von denen er geh�rt hatte.</p><p>Er sagte ihr auch nicht, wo er seine Zeit verbrachte, denn sonst w�rde sie ihn auf jeden Fall fragen, warum er dorthin ging. Sie wu�te, da� er nicht so wie Mat war, dem es Spa� machte, in den Tavernen herumzuhocken. Er hatte noch nie gut l�gen k�nnen, also schwieg er sich bei ihr aus und riskierte, da� sie ihm lange, stille, nachdenkliche Blicke zuwarf. Alles, was er dagegen tun konnte, war, seine Anstrengungen zu verdoppeln, eine Neuigkeit aufzutreiben, die sie fortlockte. Er mu�te sie von sich wegschicken, bevor er sie durch seine N�he in den Tod trieb. Er mu�te einfach.</p><p>Egwene und Nynaeve verbrachten weitere Stunden ohne Erfolg mit Joiya und Amico. Deren Geschichten blieben immer die gleichen. Nynaeve protestierte zwar, aber Egwene unternahm trotzdem einen Versuch und erz�hlte jeder, was die andere gesagt hatte. Sie hoffte, damit etwas Neues auszul�sen. Amico jedoch starrte sie nur mit gro�en Augen an und winselte, sie habe nie etwas von einem solchen Plan geh�rt. Doch sie f�gte hinzu, da� es m�glich sei. Vielleicht. Sie schwitzte, so begierig war sie, ihnen zu Gefallen zu sein. Joiya riet ihnen nur k�hl, sie sollten nach Tanchico gehen, wenn sie w�nschten. �Es ist mittlerweile eine unangenehme Stadt geworden, wie man h�rt�, sagte sie verbindlich mit glitzernden Rabenaugen. �Der K�nig h�lt h�chstens noch die Stadt selbst, und wie ich wei�, hat der Panarch es aufgegeben, Ruhe und Ordnung zu wahren. In Tanchico herrschen starke Arme und schnelle Messer. Aber geht nur, wenn es Euch gef�llt.� Aus Tar Valon h�rten sie nichts, auch nichts dar�ber, ob die Amyrlin Vorkehrungen traf, den Plan zur Befreiung Mazrim Taims zu vereiteln. Die Zeit hatte gut ausgereicht, um ihnen eine Botschaft zu senden, entweder mit einem schnellen Schiff oder einem Reiter, der unterwegs die Pferde wechselte, seit Moiraine die Amyrlin per Brieftaube benachrichtigt hatte � wenn das wirklich stimmte. Egwene und Nynaeve stritten sich dar�ber. Nynaeve gab wohl zu, da� eine Aes Sedai nicht l�gen konnte, wollte aber trotzdem irgendeinen Haken in Moiraines Worten finden. Moiraine schien sich wegen dieses Mangels an Kommunikation mit der Amyrlin keine Sorgen zu machen, obwohl das bei ihrer kristallinen Ruhe schwer festzustellen war.</p><p>Egwene hielt sich damit nicht weiter auf. Sie gr�belte nicht dar�ber nach, ob Tanchico eine falsche Spur darstellte oder eine echte, oder ob es eine Falle war. In der Bibliothek des Steins fand sie B�cher �ber Tarabon und Tanchico, doch obwohl sie las, bis ihr die Augen tr�nten, fand sie nichts, was irgendwie f�r Rand gef�hrlich werden konnte. Die Hitze und die Gr�beleien taten ihrer Laune nicht gerade gut. Manchmal war sie genauso streits�chtig wie Nynaeve.</p><p>Einige Dinge entwickelten sich nat�rlich auch gut. Mat hielt sich immer noch im Stein auf. Offensichtlich wurde er doch langsam erwachsen und begriff seine Verantwortung. Es tat ihr leid, da� sie ihm nicht hatte helfen k�nnen, aber sie wu�te nicht, ob irgendeine Frau aus der Burg mehr f�r ihn tun k�nne. Sie verstand seinen Wissensdurst, denn auch sie teilte diese Gef�hle, aber sie wollte andere Dinge wissen als er, Dinge, die sie nur in der Burg erfahren konnte, Dinge, die nur sie allein jemals wissen w�rde oder die schon lange in Vergessenheit geraten waren.</p><p>Aviendha begann, Egwene �fter zu besuchen, und zwar offensichtlich von sich aus. Falls die Frau anfangs noch mi�trauisch gewesen war, na gut, sie war eben eine Aiel, und sie glaubte nach wie vor, da� Egwene eine Aes Sedai sei. Aber Egwene geno� ihre Gesellschaft, obwohl sie manchmal glaubte, in den Augen der anderen unausgesprochene Fragen zu entdecken. Doch trotz dieser Reserviertheit wurde Egwene schnell klar, da� sie einen hellen Verstand und einen Sinn f�r Humor �hnlich dem Egwenes besa�. Gelegentlich kicherten sie miteinander wie �berkandidelte kleine M�dchen. Allerdings bekam Egwene auch zu sp�ren, da� die Sitten und Angewohnheiten der Aiel sich von den ihren stark unterschieden. So f�hlte sich Aviendha absolut unwohl, wenn sie auf einem Stuhl sitzen mu�te. Sie war auch m�chtig erschrocken, als sie Egwene im Bad sitzend vorfand. Die Majhere hatte ihr eine versilberte Badewanne hinaufbringen lassen. Aviendhas Schreck galt nicht der Tatsache, da� Egwene nackt war, sondern da� sie bis zur Brust im Wasser sa�. Ihr fielen fast die Augen heraus, da� man soviel Wasser auf einmal schmutzig machte. Ansonsten bemerkte sie, da� Egwene sich ihrer Nacktheit sch�mte, und so sch�lte sie sich selbst kurzerhand aus ihrer Kleidung und setzte sich nackt auf den Fu�boden, damit sie sich unterhalten konnten. Aviendha konnte auch nicht verstehen, wieso sie und Elayne nicht zu drastischeren Mitteln Berelain gegen�ber gegriffen hatten, obwohl sie sie doch aus dem Weg haben wollten. Es war nat�rlich einem Krieger verboten, eine Frau zu t�ten, die nicht dem Speer angetraut war, aber da sowieso weder Elayne noch Berelain T�chter des Speers waren, war es in Aviendhas Augen v�llig normal, wenn Elayne die Erste von Mayene zu einem Messerduell herausforderte oder sie wenigstens mit F�usten und F��en traktierte. In ihrer Sichtweise waren Messer allerdings am besten. Berelain machte den Eindruck einer Frau, die man wohl mehrmals niederschlagen konnte, ohne da� sie aufgab. Am besten, sie einfach zu fordern und zu t�ten. Oder Egwene als Freundin und Beinahe-Schwester konnte das f�r sie erledigen.</p><p>Trotzdem war es ein Vergn�gen, jemanden zum Unterhalten und Lachen dazuhaben. Elayne war nat�rlich die meiste Zeit �ber besch�ftigt und Nynaeve, die genauso deutlich wie Egwene sp�rte, wie die Zeit verrann, verbrachte ihre freien Augenblicke mit Mondscheinspazierg�ngen auf den Festungsanlagen mit Lan oder kochte f�r den Beh�ter seine Lieblingsspeisen. Dabei fluchte sie manchmal derart, da� die K�che aus ihrer K�che fl�chteten. Nynaeve verstand eben nicht viel vom Kochen. Ohne Aviendha h�tte Egwene nichts mit den tr�ben Stunden zwischen den Verh�ren der Schattenfreunde anzufangen gewu�t. Wahrscheinlich w�re sie beim Gr�beln ins Schwitzen gekommen und h�tte die ganze Zeit �ber gef�rchtet, sie m�sse etwas tun, was ihr schon beim blo�en Gedanken daran Alptr�ume verursachte.</p><p>Sie hatten sich darauf geeinigt, da� Elayne bei diesen Verh�ren nicht zugegen sein werde. Ein weiteres Paar Ohren h�tte auch keinen Unterschied gemacht. Statt dessen war die Tochter-Erbin immer zuf�llig zugegen, wenn Rand etwas Zeit hatte, unterhielt sich mit ihm oder ging einfach an seinem Arm mit ihm spazieren, selbst wenn er nur von einer Zusammenkunft mit einem Hochlord kam und in einen Raum mu�te, wo wieder andere auf ihn warteten, oder wenn er eine �berraschende Inspektion der Quartiere der Verteidiger vornahm. Sie entwickelte viel Geschick darin, abgelegene Ecken aufzufinden, wo sie gemeinsam und ungesehen eine kleine Pause einlegen konnten. Nat�rlich wurde er immer in einigem Abstand von Aiel begleitet, aber das war ihr nach einiger Zeit genauso gleich wie die Meinung ihrer Mutter. Sie ging sogar eine Art von Verschw�rung mit den T�chtern des Speers ein. Die kannten wohl jeden verborgenen Winkel im Stein und sie lie�en sie wissen, wenn Rand allein war. Sie schienen das f�r ein pr�chtiges Spiel zu halten.</p><p>Das �berraschendste war, da� er ihren Rat in bezug auf das Regieren eines Landes suchte und auch tats�chlich auf sie h�rte. Sie w�nschte, ihre Mutter h�tte das miterlebt. Mehr als einmal hatte Morgase halb verzweifelt gelacht und ihr gesagt, sie m�sse unbedingt lernen, sich besser zu konzentrieren. Es mochten wohl sehr trockene Entscheidungen sein, welches Handwerk man sch�tzen mu�te und wie und welches nicht und warum, aber sie waren genauso wichtig, wie zu wissen, wie man Kranke versorgt. Es mochte Spa� machen, einen starrk�pfigen Lord oder Kaufmann dazu zu bringen, da� er Dinge tat, die er ablehnte, und dabei noch glaubte, die Idee entstamme dem eigenen Kopf, es mochte herzerw�rmend sein, den Hungrigen Nahrung zu verschaffen, doch wenn man eben diese Hungrigen ern�hren wollte, war es n�tig, zu entscheiden, wie viele Beamte und Fahrer und Wagen man brauchte. Man konnte diese Entscheidungen anderen �berlassen, doch dann erfuhr man erst, wenn es zu sp�t war, da� sie vielleicht einen Fehler begangen hatten. Er h�rte ihr zu und befolgte oftmals ihren Ratschlag. Sie glaubte, ihn allein schon deshalb lieben zu m�ssen. Berelain wagte sich nicht aus ihren Gem�chern heraus. Rand hatte angefangen, jedesmal zu l�cheln, sobald er sie erblickte, und es gab nichts Sch�neres auf der Welt. Au�er, wenn die Zeit stillgestanden w�re.</p><p>Drei kurze Tage rannen ihr durch die Finger wie Wasser. Man w�rde Joiya und Amico nach Norden schicken, und damit bestand kein Grund mehr f�r sie, in Tear zu verweilen. Es war an der Zeit, da� sie, Egwene und Nynaeve abreisten. Nat�rlich w�rde sie gehen; sie hatte keinen Gedanken daran verschwendet, sich ihrer Aufgabe zu entziehen. Es war ihr bewu�t und machte sie stolz, da� sie sich wie eine Frau verhielt und nicht wie ein kleines M�dchen, aber sie h�tte am liebsten geweint.</p><p>Und Rand? Er empfing die Hochlords in seinen Gem�chern und gab Anordnungen. Er �berraschte sie, indem er mehrfach bei heimlichen Treffen von drei oder vier Hochlords auftauchte, von denen Thom erfahren hatte. Dann gab er vor, lediglich irgendeinen Teilaspekt seiner Befehle noch einmal abkl�ren zu wollen. Sie l�chelten und verbeugten sich und schwitzten Blut und fragten sich, wieviel er wu�te. Er mu�te irgendein Ziel f�r ihre Energie finden, bevor einer von ihnen entschied, da� es Zeit sei, Rand zu t�ten, weil man ihn nicht manipulieren konnte. Aber was auch notwendig war, um sie abzulenken � einen Krieg w�rde er deshalb auf keinen Fall beginnen. Wenn er sich mit Sammael auseinandersetzen mu�te, gut, aber er w�rde keinen Krieg anfangen.</p><p>Die Planung nahm den gr��ten Teil seiner Zeit in Anspruch, soweit er nicht die Hochlords bei ihren Zusammenk�nften �berraschte. Er reimte sich Bruchst�cke aus den B�chern zusammen, von denen er sich von Bibliothekaren ganze Armladungen in seine Gem�cher bringen lie�, und aus seinen Gespr�chen mit Elayne. Ihre Ratschl�ge hinsichtlich der Hochlords waren ausgesprochen n�tzlich. Er konnte beinahe zusehen, wie sie ihn langsam anders einsch�tzten, da er �ber Dinge Bescheid wu�te, von denen sie selbst nur wenig verstanden. Elayne hielt ihn davon ab, zuzugeben, da� es ihr Wissen war, was er ben�tzte.</p><p>�Ein weiser Herrscher h�rt auf gute Ratschl�ge�, sagte sie ihm l�chelnd, �aber er l��t sich nicht dabei erwischen, wie er sich beraten l��t. La� sie ruhig glauben, du w��test erheblich mehr, als du tats�chlich wei�t. Das schadet ihnen nicht, aber es hilft dir.� Doch sie freute sich ganz offensichtlich, da� er den Vorschlag gemacht hatte.</p><p>Er war sich selbst nicht ganz sicher, ob er nicht ihretwegen eine Entscheidung immer weiter hinausschob. Drei Tage der Planung, des Versuchs, herauszufinden, was noch fehlte. Irgend etwas fehlte tats�chlich noch. Er konnte nicht einfach nur auf die Verlorenen reagieren. Statt dessen mu�te er sie dazu zwingen, auf seine Handlungen zu reagieren. Drei Tage, und am vierten w�rde sie abreisen �zur�ck nach Tar Valon, wie er hoffte �, aber sobald er etwas unternahm, w�ren ihre kurzen Momente miteinander beendet, soviel war sicher. Drei Tage heimlicher K�sse und z�rtlicher Augenblicke, in denen er vergessen konnte, da� er etwas anderes war als ein Mann, der eine Frau in den Armen hielt. Er wu�te, da� dieser Grund f�r sein Z�gern n�rrisch war, aber so war es eben. Er war erleichtert, da� sie nicht mehr von ihm forderte als seine Gesellschaft, aber nur w�hrend dieser Augenblicke konnte er alle Entscheidungen vergessen, genau wie das Schicksal, das den Wiedergeborenen Drachen erwartete. Mehr als einmal �berlegte er, ob er sie bitten sollte zu bleiben, aber es war nicht anst�ndig, in ihr Erwartungen zu wecken, solange ihm selbst nicht einmal klar war, was er �ber ihre Gesellschaft hinaus eigentlich von ihr wollte. Falls sie �berhaupt etwas von ihm erwartete. Viel besser, sich einfach nur vorzustellen, sie seien ein Mann und eine junge Frau, die gemeinsam einen festlichen Abend genie�en wollten. Das machte es um vieles leichter. Er verga� manchmal schon, da� sie die Tochter-Erbin war und er ein Schafhirte. Doch er w�nschte, sie k�nnte bleiben. Drei Tage. Er mu�te sich entscheiden. Er mu�te den n�chsten Zug machen. In einer Richtung, die niemand erwartete.</p><p>Die Sonne sank am Abend des dritten Tags langsam dem Horizont entgegen. Die halb zugezogenen Vorh�nge von Rands Schlafzimmer d�mpften das rotgelbe Gl�hen. <emphasis>Callandor</emphasis> funkelte wie der reinste aller Kristalle auf seinem verzierten St�nder.</p><p>Rand musterte Meilan und Sunamon, und dann warf er die dicke Mappe mit Pergamentb�gen nach ihnen. Ein Vertrag, alles fein s�uberlich ausgef�llt und fertiggestellt, so da� nur noch die Unterschriften und Siegel fehlten. Er traf Meilan an der Brust, und der fing das Ganze mit einer Reflexbewegung auf. Er verbeugte sich, als f�hle er sich geehrt, doch die zu einem L�cheln verzogenen Lippen enth�llten zusammengebissene Z�hne.</p><p>Sunamon trat von einem Fu� auf den anderen und rang die H�nde. �Alles ist so, wie Ihr befohlen habt, Lord Drache�, sagte er �ngstlich. �Getreide im Austausch f�r Schiffe... � �Plus zweitausend tairenische Soldaten�, unterbrach ihn Rand, ��um f�r die gerechte Verteilung des Getreides zu sorgen und die Interessen Tears zu sch�tzen.�� Seine Stimme klang eisig, doch in seinem Magen kochte es. Der Wunsch, diese beiden Narren mit den F�usten zu bearbeiten, schien �berm�chtig, so da� er beinahe zitterte. �Zweitausend Mann. Unter dem Kommando Toreans!� �Hochlord Torean hat ein Interesse an den Beziehungen zu Mayene, Lord Drache�, sagte Meilan verbindlich.</p><p>�Er hat ein Interesse daran, sich einer Frau aufzudr�ngen, die ihn nicht einmal anschaut!� schrie Rand. �Getreide gegen Schiffe, habe ich gesagt! Keine Soldaten! Und ganz sicher kein verfluchter Torean als Kommandant! Habt Ihr �berhaupt mit Berelain dar�ber gesprochen?� Sie sahen ihn mit gro�en Augen an, als verst�nden sie ihn nicht. Das war denn doch zuviel. Er schnappte sich <emphasis>Saidin,</emphasis> und aus den Pergamenten in Meilans Armen schlugen Flammen. Mit einem Aufschrei warf Meilan das Flammenb�ndel in den leeren Kamin und wischte sich schnell die Funken und Ru�flecken von seinem roten Seidenmantel. Sunamon starrte mit offenem Mund die brennenden Papiere an, die im Kamin knisterten und sich schwarz f�rbten.</p><p>�Ihr geht zu Berelain�, sagte er ihnen und war selbst �berrascht, wie ruhig seine Stimme klang. �Bis morgen mittag habt Ihr entweder Berelain den Vertrag angeboten, den ich verlange, oder ich werde Euch beide bei Sonnenuntergang h�ngen lassen. Falls ich jeden Tag paarweise Hochlords aufh�ngen lassen mu�, werde ich nicht z�gern. Ich werde auch den letzten von Euch zum Galgen schicken, wenn Ihr mir nicht gehorcht. Und jetzt geht mir aus den Augen.� Dieser ruhige Tonfall schien sie mehr zu erschrecken als das Schreien zuvor. Selbst Meilan blickte unruhig drein, als sie sich r�ckw�rts hinausschoben, verbeugte sich bei jedem zweiten Schritt und murmelte etwas von lebenslanger Treue und Gehorsam. Es machte ihn krank.</p><p>�Hinaus!� br�llte er, und sie lie�en alle W�rde fahren und k�mpften beinahe darum, wer sich zuerst durch die T�r dr�ngte. Sie rannten weg. Einer der Aielw�chter steckte einen Augenblick lang seinen Kopf herein, um zu sehen, ob es Rand gutgehe, und dann schlo� er die T�r.</p><p>Rand zitterte heftig. Er ekelte sich beinahe genauso vor ihnen wie vor sich selbst. M�nner zu bedrohen, er werde sie h�ngen, weil sie nicht machten, was er wollte! Und was noch schlimmer war: es war ihm ernst gewesen. Er konnte sich an Zeiten erinnern, als er keine Launen gehabt hatte oder wenigstens nur selten schlechte Laune, als er sich noch besser im Griff gehabt hatte.</p><p>Er ging durch den Raum hin�ber zu <emphasis>Callandor.</emphasis> Das Schwert glitzerte im Sonnenschein, der zwischen den Vorh�ngen hindurchfiel. Die Klinge sah aus, als best�nde sie aus dem feinsten Glas. Sie war vollkommen klar und durchsichtig, und doch f�hlte sie sich nach Stahl an und war rasiermesserscharf. Er h�tte beinahe danach gegriffen, um auf Meilan und Sunamon loszugehen. Vielleicht h�tte er es wie ein normales Schwert ben�tzt, vielleicht aber auch so, wie es eigentlich vorgesehen war. Er wu�te es selbst nicht. Jede der beiden M�glichkeiten erschreckte ihn. <emphasis>Ich bin doch noch nicht wahnsinnig. Nur w�tend. Licht, so w�tend!</emphasis> Morgen. Morgen w�rde man die Schattenfreunde auf ein Schiff bringen. Elayne w�rde abreisen. Und nat�rlich auch Egwene und Nynaeve. Zur�ck nach Tar Valon, hoffte er inbr�nstig. Schwarze Ajah oder nicht: Die Wei�e Burg war bestimmt der sicherste Ort, den es heute noch gab. Morgen. Keine Ausreden mehr, um aufzuschieben, was er tun mu�te. Nicht nach dem morgigen Tag.</p><p>Er drehte seine H�nde um und betrachtete den Reiher, der in jede Handfl�che eingebrannt war. Er hatte sie schon so oft betrachtet, da� er jede Linie auswendig nachzeichnen konnte. Die Prophezeiungen hatten auch sie vorhergesagt.</p><p><emphasis>Zweimal und zweimal wird er gezeichnet, zweimal zum Leben und zweimal zum Tod. Einmal der Reiher, seinen Weg zu bestimmen, wieder der Reiher, ihn beim wahren Namen zu nennen.</emphasis></p><p><emphasis>Einmal der Drache, der verlorenen Erinnerung wegen.</emphasis></p><p><emphasis>Zum zweiten der Drache f�r den Preis, den er zahlen mu�.</emphasis></p><p>Aber wenn die Reiher seine Echtheit bewiesen, wozu dann noch die Drachen? Und �berhaupt, was war mit diesen Drachen gemeint? Der einzige Drache, von dem er bisher geh�rt hatte, war Lews Therin Telamon. Lews Therin Bruderm�rder war der Drache gewesen. Der Drache war der Bruderm�rder. Und nun war er selbst in dieser Lage. Aber er konnte ja schlecht mit sich selbst gezeichnet sein. Vielleicht war das Bild auf der Flagge der eine dieser Drachen, aber nicht einmal die Aes Sedai schienen genau zu wissen, was dieses Gesch�pf genau darstellen sollte.</p><p>�Du hast dich ge�ndert, seit ich dich das letzte Mal gesehen habe. Du bist st�rker. H�rter.� Er fuhr herum und starrte die junge Frau an, die an der T�r stand. Ihr dunkles Haar und die dunklen Augen stachen von der blassen Haut ab. Sie war hochgewachsen und ganz in Wei� und Silber gekleidet. Nun zog sie eine Augenbraue hoch, als sie die halbgeschmolzenen Klumpen Gold und Silber auf dem Kaminsims erblickte. Er hatte sie dort gelassen, damit sie ihn daran erinnerten, was geschehen konnte, wenn er gedankenlos handelte und die Beherrschung verlor. Es war ihm eine Lehre gewesen.</p><p>�Selene!� Er schnappte nach Luft und eilte zu ihr hin�ber. �Woher kommst du? Wie bist du hier hereingekommen? Ich glaubte, du seist immer noch in Cairhien oder...� Er blickte auf sie hinunter und wollte nicht mehr aussprechen, er habe gef�rchtet, sie sei tot oder unter den verhungernden Fl�chtlingen. Ihre schlanke Taille wurde von einem aus Silberf�den gewebten G�rtel umschlossen. Silberne K�mme mit eingravierten Sternen und Mondsicheln gl�nzten in ihrem Haar, das ihr wie ein Wasserfall der Nacht �ber die Schultern fiel. Sie war immer noch die sch�nste Frau, die er je gesehen hatte. Ihr gegen�ber waren Elayne und Egwene bestenfalls h�bsch zu nennen. Doch aus irgendeinem Grund ber�hrte sie ihn nicht so wie fr�her. Vielleicht lag es an den langen Monaten, die seit ihrem letzten Zusammentreffen vergangen waren, damals in einem Cairhien, das noch nicht vom B�rgerkrieg zerrissen war.</p><p>�Ich gehe, wohin immer ich gehen will.� Sie runzelte die Stirn. �Du wurdest gezeichnet, aber das ist gleich. Du geh�rtest mir, und du geh�rst mir. Jede andere ist lediglich eine Art von Kinderm�dchen, dessen Zeit vor�ber ist. Ich werde von nun an offen beanspruchen, was mein ist.� Er sah sie mit gro�en Augen an. Gezeichnet? Meinte sie damit seine H�nde? Und was sollte das bedeuten � er geh�re ihr? �Selene�, sagte er mit sanfter Stimme, �wir haben sch�ne Tage miteinander verbracht � und schwere Tage. Ich werde deinen Mut und deine Hilfe nicht vergessen, aber zwischen uns war nie mehr als Kameradschaft. Wir sind miteinander durch das Land gezogen, aber das war auch alles. Du wirst hier im Stein bleiben, bekommst die sch�nsten Gem�cher, und wenn in Cairhien wieder Friede herrscht, werde ich daf�r sorgen, da� du deine G�ter dort zur�ckbekommst, falls es m�glich ist.� �Du bist wirklich gezeichnet.� Sie l�chelte verschmitzt. �G�ter in Cairhien? Ich habe vielleicht einst G�ter in diesen L�ndern besessen. Die Erde hat sich derart ver�ndert, da� nichts mehr so ist wie einst. Selene ist nur ein Name, den ich manchmal benutze, Lews Therin. Der Name, den ich wirklich f�r mich erw�hlte, ist Lanfear.� Rand lachte gezwungen. �Ein m�der Scherz, Selene. Ich w�rde weder �ber den Dunklen K�nig noch �ber einen der Verlorenen Witze rei�en. Und au�erdem hei�e ich Rand.� �Wir nennen uns die Erw�hlten�, sagte sie gelassen. �Dazu erw�hlt, die Welt f�r ewig zu regieren. Wir werden wirklich ewig leben. Das kann auch f�r dich gelten.� Er musterte sie mit besorgter Miene. Glaubte sie tats�chlich, sie sei... ? Die Anstrengungen ihrer Reise nach Tear mu�ten sie nervlich zerr�ttet haben. Doch sie wirkte auf ihn keineswegs verr�ckt. Sie war ruhig, k�hl und selbstbewu�t. Ohne nachzudenken, griff er nach <emphasis>Saidin.</emphasis> Er griff danach � und stie� gegen eine Mauer, die er weder sehen noch f�hlen konnte, au�er, da� sie ihn von der Quelle abschnitt. �Das kann doch nicht sein.� Sie l�chelte. �Licht�, hauchte er, �du bist wirklich eine von ihnen!� Langsam wich er vor ihr zur�ck. Falls er <emphasis>Callandor</emphasis> erreichte, h�tte er wenigstens eine Waffe in der Hand. M�glicherweise w�rde das Schwert in diesem Fall nicht als <emphasis>Angreal</emphasis> funktionieren, doch es war ja immer noch ein Schwert. Konnte er mit dem Schwert in der Hand auf eine Frau losgehen, auf Selene? Nein, auf Lanfear, eine der Verlorenen?</p><p>Er stie� mit dem R�cken gegen etwas und blickte sich um. Da war nichts zu sehen. Eine Mauer aus nichts, gegen die er seinen R�cken pre�te. <emphasis>Callandor</emphasis> glitzerte dahinter, keine drei Schritt entfernt, doch unerreichbar. Verzweifelt schmetterte er eine Faust gegen die Wand. Sie war unnachgiebig wie ein Felsen.</p><p>�Ich kann dir nicht voll vertrauen, Lews Therin. Noch nicht.� Sie kam n�her und er �berlegte, ob er sie einfach packen solle. Er war viel gr��er und st�rker, und so abgeschirmt wie im Augenblick konnte sie ihn mit Hilfe der Macht verschn�ren wie ein K�tzchen, das sich in ein Wollkn�uel verstrickt hat. �Nicht, wenn du das da hast�, f�gte sie hinzu und verzog das Gesicht beim Anblick <emphasis>Callandors.</emphasis> �Es gibt nur zwei noch m�chtigere Dinge, die ein Mann ben�tzen k�nnte. Von einem davon wei� ich, da� es auf jeden Fall noch existiert. Nein, Lews Therin. Soweit geht das Vertrauen noch nicht.� �H�r auf, mich so zu nennen�, grollte er. �Ich hei�e Rand. Rand al'Thor.� �Du bist Lews Therin Telamon. Sicher, k�rperlich stimmt au�er der Gr��e nichts �berein, aber ich w�rde wissen, wer hinter diesen Augen steckt, und wenn ich dich in der Wiege vorf�nde.� Sie lachte pl�tzlich auf. �Um wie vieles leichter w�re alles gewesen, h�tte ich dich damals gefunden. W�re ich nur frei gewesen, und... � Das Lachen verflog und machte einem b�sen Blick Platz. �Willst du mein wirkliches Aussehen genie�en? Daran kannst du dich wohl auch nicht mehr erinnern, oder?� Er versuchte, nein zu sagen, doch seine Zunge r�hrte sich nicht. Einmal hatte er zwei der Verlorenen zusammen gesehen, Aginor und Balthamel, die ersten beiden, die sich wieder in Freiheit befanden nach dreitausend Jahren im versiegelten Kerker des Dunklen K�nigs. Der eine war geschrumpft und gealtert gewesen, wie etwas, das bestimmt nicht mehr am Leben sein konnte, und der andere hatte sein Gesicht hinter einer Maske verborgen, hatte jedes Fleckchen Haut verborgen, als k�nne er nicht ertragen, da� es jemand zu Gesicht bek�me.</p><p>Die Luft um Lanfear herum flimmerte, und sie ver�nderte sich. Sie war � ganz sicher �lter als er, aber �lter war nicht der richtige Ausdruck daf�r. Reifer. Und wenn m�glich, noch sch�ner als zuvor. Eine �ppige Bl�te verglichen mit einer Knospe. Obwohl ihm bewu�t war, was sie war, trocknete sein Mund aus, und sein Hals war wie zusammengeschn�rt.</p><p>Ihre dunklen Augen blickten forschend auf sein Gesicht. Der Blick war voller Stolz, und doch lag die Andeutung einer Frage darin, was er wohl sehen mochte. Was sie bei ihm auch wahrnahm, schien sie zufriedenzustellen. Sie l�chelte wieder. �Ich war in einem tiefen, traumlosen Schlaf gefangen, in dem sich die Zeit nicht mehr bemerkbar machte. Die Drehungen des Rads haben mich nicht mehr betroffen. Nun siehst du mich, wie ich wirklich bin, und ich habe dich in der Hand.� Sie fuhr mit einem Fingernagel an seiner Kinnpartie entlang � so hart, da� er zusammenzuckte. �Die Zeit der Spiele und des Zur�ckziehens ist vorbei, Lews Therin. Lange vorbei.� Sein Magen rebellierte. �Willst du mich nun also t�ten? Das Licht soll dich versengen, ich... � �Dich t�ten?� rief sie ungl�ubig. �Dich t�ten? Ich will dich haben, und zwar f�r immer! Du hast mir geh�rt, lange bevor diese Schlampe mit den hellen Haaren dich mir stahl. Bevor sie dich je erblickt hatte. Du hast mich geliebt!� �Und du liebtest die Macht!� Einen Augenblick lang war er wie vor den Kopf geschlagen. Die Worte klangen vollkommen wahr � er wu�te, da� sie stimmten � aber woher waren sie gekommen?</p><p>Selene � Lanfear � schien genauso �berrascht wie er, aber sie erholte sich schnell. �Du hast viel gelernt und mehr getan, als ich dir ohne jede Hilfe zugetraut h�tte, aber du stolperst immer noch im Dunkeln durch ein Labyrinth, und dein Unwissen k�nnte dich umbringen. Einige der anderen f�rchten dich zu sehr, um noch lange warten zu wollen. Sammael, Rahvin, Moghedien. Andere vielleicht auch, aber diese drei auf jeden Fall. Sie werden dich verfolgen. Sie werden nicht erst versuchen, dich zu �berzeugen und zu gewinnen. Sie werden sich anschleichen und dich im Schlaf t�ten. Weil sie dich f�rchten. Aber es gibt auch solche, die dir vieles beibringen w�rden, damit du wieder lernst, was du einst wu�test. Dann w�rde niemand mehr wagen, sich dir in den Weg zu stellen.� �Mir beibringen? Du willst, da� mir einer der Verlorenen Unterricht erteilt?� Einer der Verlorenen. Ein Mann nat�rlich. Ein Mann, der im Zeitalter der Legenden zu den Aes Sedai geh�rt hatte, der wu�te, wie man mit der Macht umging, der wu�te, wie man mit Schwierigkeiten fertig wurde, der... Was war ihm nicht schon alles angeboten worden. �Nein! Selbst wenn man mir das anb�te, w�rde ich ablehnen. Warum sollte ich so etwas annehmen? Ich bek�mpfe sie schlie�lich � und dich auch. Ich hasse alles, was ihr getan habt, alles, wof�r ihr steht.� <emphasis>Narr!</emphasis> dachte er. <emphasis>Hier sitze ich in der Falle und f�hre gro�e Reden, ohne daran zu denken, da� diejenige, die mich gefangenh�lt, so w�tend werden k�nnte, da� sie mir etwas antut.</emphasis> Aber er konnte sich einfach nicht zum Schweigen bringen oder die Worte zur�cknehmen. Starrk�pfig machte er weiter und alles noch schlimmer: �Ich werde euch vernichten, wenn ich kann. Dich und den Dunklen K�nig und alle anderen Verlorenen!� In ihren Augen blitzte es gef�hrlich auf und verschwand wieder. �Wei�t du, warum einige von uns dich so f�rchten? Hast du eine Ahnung, warum? Weil sie Angst haben, da� der Gro�e Herr der Dunkelheit dir einen Platz �ber ihnen zuweisen wird.� Rand �berraschte sich selbst mit einem Auflachen. �Der Gro�e Herr der Dunkelheit? Kannst selbst du seinen wirklichen Namen nicht aussprechen? Du f�rchtest doch wohl nicht, da� er dadurch auf dich aufmerksam wird, so wie die anst�ndigen Leute, oder?� �Es w�re Blasphemie�, gab sie ihm einfach zur Antwort. �Sie haben recht mit ihrer Angst, Sammael und die anderen. Der Gro�e Herr will dich tats�chlich haben. Er will dich �ber alle anderen Menschen stellen. Das sagte er mir.� �Das ist l�cherlich! Der Dunkle K�nig ist immer noch im Shayol Ghul gefangen, sonst w�rde ich jetzt bestimmt in Tarmon Gai'don k�mpfen. Und falls er �berhaupt wei�, da� ich existiere, w�nscht er meinen Tod. Ich habe vor, ihn weiterhin zu bek�mpfen.� �Oh, er kennt dich. Der Gro�e Herr wei� mehr, als du vermutest. Und es ist durchaus m�glich, mit ihm zu sprechen. Geh zum Shayol Ghul in den Krater des Verderbens, und du kannst... ihn h�ren. Du kannst... seine Gegenwart genie�en.� Nun leuchtete etwas anderes aus ihrem Gesicht: Ekstase. Sie atmete durch halbge�ffnete Lippen und schien einen Augenblick lang etwas Fernes und Wunderbares zu sehen. �Das kann man ganz und gar nicht mit Worten beschreiben. Du mu�t es erleben, um es zu verstehen. Du mu�t!� Sie kehrte zur�ck und nahm wieder sein Gesicht wahr. Ihre Augen waren gro� und dunkel und blickten intensiv in seine. �Knie vor dem Gro�en Herrn nieder, und er wird dich �ber alle anderen erheben. Er wird dir Freiheit lassen, so zu regieren, wie du willst, solange du auch nur einmal dein Knie vor ihm beugst. Ihn anerkennst. Nicht mehr als das. Er hat es mir gesagt. Asmodean wird dir beibringen, die Macht zu lenken, ohne in Gefahr zu geraten, da� du dich damit selbst umbringst, und wird dir zeigen, was du damit alles vollbringen kannst. La� mich dir helfen. Wir k�nnen die anderen vernichten. Dem Gro�en Herrn wird das gleich sein. Wir k�nnen sie alle vernichten, auch Asmodean, wenn er dir alles beigebracht hat, was du wissen mu�t. Du und ich, wir k�nnen gemeinsam die Welt unter dem Gro�en Herrn regieren � f�r immer und ewig.� Ihre Stimme senkte sich zu einem Fl�stern, das zugleich von Gier und Angst erf�llt schien: �Ganz kurz vor dem Ende wurden zwei gro�e <emphasis>SaAngreal</emphasis> hergestellt. Den einen kannst du ben�tzen und ich den anderen. Sie sind viel m�chtiger als dieses Schwert. Ihre Macht ist unvorstellbar. Mit ihrer Hilfe k�nnten wir sogar... den Gro�en Herrn selbst bedrohen. Selbst den Sch�pfer!� �Du bist wahnsinnig�, sagte er, von ihren Worten abgesto�en. �Der Vater der L�gen behauptet, er werde mich in Freiheit lassen? Ich wurde geboren, um ihn zu bek�mpfen. Deshalb bin ich hier � um die Prophezeiungen zu erf�llen. Ich werde gegen ihn k�mpfen und gegen euch alle, bis hin zur Letzten Schlacht! Bis zu meinem letzten Atemzug!� �Aber das mu�t du nicht! Prophezeiungen sind nicht mehr als der in geheimnisvollen Worten ausgedr�ckte Wunsch der Menschen. Wenn du die Prophezeiungen erf�llst, zwingst du dich damit nur auf einen Weg, der zu Tarmon Gai'don und letztendlich zu deinem Tod f�hrt. Moghedien oder Sammael k�nnen deinen K�rper vernichten. Der Gro�e Herr der Dunkelheit kann deine Seele vernichten. Das w�re dein vollst�ndiges und endg�ltiges Ende. Du w�rdest nie mehr wiedergeboren, gleich, wie oft sich das Rad der Zeit noch dreht!� �Nein!� Sie betrachtete ihn eine � wie es ihm schien � endlos lange Zeit. Er konnte beinahe die Waagschalen sehen, auf denen die beiden so unterschiedlichen M�glichkeiten ruhten. �Ich k�nnte dich einfach mitnehmen�, sagte sie schlie�lich. �Ich k�nnte dich zum Gro�en Herrn bekehren, ob du willst oder nicht. Es gibt da M�glichkeiten.� Sie schwieg, vielleicht um abzuwarten, ob ihre Worte irgendeine Wirkung zeigten. Schwei� rann ihm �ber den R�cken, doch er verzog das Gesicht nicht. Er w�rde etwas unternehmen m�ssen, ob er nun eine Chance hatte oder nicht. Ein zweiter Versuch, <emphasis>Saidin</emphasis> zu ergreifen, scheiterte wieder an dieser unsichtbaren Barriere. Er lie� seine Blicke wandern, als �berlege er angestrengt. <emphasis>Callandor</emphasis> befand sich hinter ihm und so weit au�erhalb seiner Reichweite, da� es sich genausogut jenseits des Aryth-Meeres h�tte befinden k�nnen. Sein Messer lag auf einem Nachttisch am Bett neben einem halbfertigen Fuchs, den er zu schnitzen begonnen hatte. Die formlosen Metallklumpen grinsten ihn von ihrem Platz auf dem Kaminsims sp�ttisch an. Ein Mann in unauff�lliger Kleidung mit einem Messer in der Hand schl�pfte durch die T�r herein. �berall lagen B�cher. Er straffte sich und wandte sich wieder zu Lanfear um.</p><p>�Du warst schon immer ein Sturkopf�, knurrte sie. �Ich werde dich diesmal noch nicht mitnehmen. Ich will, da� du freiwillig mitkommst. Ich will es! Was ist los? Was machst du f�r ein Gesicht?� <emphasis>Ein Mann mit einem Messer, der durch die T�r schl�pft?</emphasis> Sein Blick war an ihm vorbeigewandert, ohne ihn wirklich bewu�t wahrzunehmen. Instinktiv stie� er Lanfear aus dem Weg und griff nach der Wahren Quelle. Die Abschirmung, die ihn davon abgehalten hatte, verschwand bei der erneuten Ber�hrung, und sein Schwert war wie eine rotgoldene Flamme in seiner Hand. Der Mann st�rzte sich auf ihn. Er hielt das Messer tief, die Spitze aufw�rts gerichtet, um es mit einem t�dlichen Sto� in seinen K�rper zu treiben. Selbst jetzt war es noch schwierig, den Burschen im Auge zu behalten, aber Rand drehte sich geschmeidig weg. �Der Wind, der �ber die Mauer streicht� hackte die Hand mit dem Messer ab. Die restliche Drehbewegung reichte, um dem Angreifer das Schwert ins Herz zu sto�en. Einen Moment lang blickte er in matte Augen, die bereits leblos wirkten, obwohl das Herz noch schlug, und dann ri� er das Schwert wieder heraus.</p><p>�Ein Grauer Mann.� Rand atmete tief durch. Er hatte das Gef�hl, es sei sein erster Atemzug seit Stunden. Die Leiche zu seinen F��en war blut�berstr�mt. Auch der kostbare Teppich war schnell vom Blut durchtr�nkt. Jetzt war es nicht mehr schwierig, den Mann anzusehen. So war es aber immer mit den Attent�tern des Schattens: Wenn man sie bemerkte, war es f�r gew�hnlich zu sp�t. �Das ergibt doch keinen Sinn. Du h�ttest mich mit Leichtigkeit t�ten k�nnen. Warum mich erst ablenken, damit sich ein Grauer Mann anschleichen kann?� Lanfear musterte ihn mi�trauisch. �Ich ben�tze die Seelenlosen nicht. Ich sagte dir doch, da� es Unterschiede gibt bei den... Erw�hlten. Es scheint, da� ich einen Tag zu sp�t dran war, aber du hast immer noch Zeit, um mit mir zu kommen. Um zu lernen. Um zu leben. Dieses Schwert�, sagte sie beinahe ver�chtlich. �Du bringst noch nicht einmal den zehnten Teil von dem fertig, was du alles erreichen k�nntest. Komm mit mir und lerne es. Oder willst du mich jetzt t�ten? Ich habe dich freigelassen, damit du dich verteidigen kannst.� Ihre Stimmung und ihre Haltung deuteten an, da� sie mit einem Angriff rechnete oder zumindest bereit war, einen m�glichen Angriff abzuwehren, aber das h�tte ihn nicht davon abgehalten, genausowenig wie die Tatsache, da� sie zuvor seine Fesseln gel�st hatte. Sie war eine der Verlorenen. Sie hatte dem B�sen so lange gedient, da� eine Schwarze Ajah gegen sie wie ein Neugeborenes gewirkt h�tte. Und doch sah er in ihr eine Frau. Er verfluchte sich selbst, aber er brachte es nicht fertig. Vielleicht, wenn sie vorher versucht h�tte, ihn zu t�ten. Vielleicht. Doch alles, was sie tat, war, dazustehen, ihn zu beobachten, abzuwarten. Zweifellos war sie bereit, Dinge mit Hilfe der Macht zu tun, die er noch nicht einmal f�r m�glich hielt, falls er sie zu fesseln versuchte. Er hatte es fertiggebracht, Elayne und Egwene abzuschirmen, aber es war eines dieser Dinge gewesen, die er ohne zu denken getan hatte, nur einfach aus seinem Unterbewu�tsein heraus. Er konnte sich nur daran erinnern, es getan zu haben, aber nicht, wie. Wenigstens hielt er jetzt <emphasis>Saidin</emphasis> fest im Griff. So w�rde sie ihn nicht noch einmal �berraschen. Das Verderben, das ihm mit seiner s��lichen F�ule den Magen herumdrehte, war gar nichts; <emphasis>Saidin</emphasis> war das Leben, vielleicht auf mehr als nur eine Weise.</p><p>Ein pl�tzlicher Gedanke kochte in ihm hoch: die Aiel! Selbst einem Grauen Mann h�tte es unm�glich sein sollen, sich durch eine T�r zu schleichen, die von einem halben Dutzend Aiel bewacht wurde.</p><p>�Was hast du mit ihnen gemacht?� kr�chzte er, als er sich in Richtung T�r zur�ckzog, ohne sie dabei aus den Augen zu lassen. Falls sie die Macht einsetzte, w�rde er vielleicht irgendein Zeichen entdecken, das ihn rechtzeitig warnte. �Was hast du mit den Aiel dort drau�en gemacht?� �Nichts�, antwortete sie k�hl. �Geh nicht dort hinaus. Es mag nur ein Versuch sein, wie verwundbar du bist, aber selbst das k�nnte dich umbringen, falls du dich wie ein Narr verh�ltst.� Er warf den linken T�rfl�gel auf und erblickte eine Szene reinen Grauens.</p></section><section><title><p>10</p><p>Widerstand</p></title><p>Zu Rands F��en lagen tote Aiel und zwischen ihnen die Leichen dreier ganz durchschnittlich aussehender M�nner mit unauff�lligen M�nteln und Hosen. Total unauff�llige M�nner, und doch waren sechs Aiel, die gesamte T�rwache, von ihnen get�tet worden, ein paar davon offensichtlich, bevor sie �berhaupt bemerkt hatten, was los war, und jeder dieser unauff�lligen M�nner war von mindestens zwei Aielspeeren durchbohrt worden.</p><p>Das war aber keineswegs alles. Sobald er die T�r aufzog, schlug eine Welle des Kampfl�rmes �ber ihn hinweg: Schreie, Heulen, das Dr�hnen von Stahl auf Stahl unter den m�chtigen Sandsteins�ulen. Die Verteidiger im Vorraum k�mpften unter den vergoldeten Lampen um ihr blankes Leben gegen massige Gestalten in schwarzen R�stungen, die sie um ein Betr�chtliches �berragten, Gestalten wie riesige M�nner, doch mit K�pfen und Gesichtern, die von H�rnern und Federn verunstaltet waren, die Schn�bel oder Tierschnauzen aufwiesen, wo sich Mund und Nase befinden sollten. Trollocs. Man sah bei ihnen ebenso Pranken oder Hufe wie menschliche F��e mit Stiefeln daran. Sie hieben M�nner mit ihren eigenartigen Dornen�xten nieder und mit Speeren, an denen sich Widerhaken befanden, oder mit Sichelschwertern, die sich seltsam nach der falschen Seite kr�mmten. Und unter ihnen war ein Myrddraal, ein Mann mit wurmblasser Haut unter schwarzem Panzer, der mit seinen geschmeidigen Bewegungen wie der leibhaftige Tod wirkte, dessen Skelett mit blutlosem Fleisch umh�llt war.</p><p>Irgendwo im Stein erklang ein Alarmgong, doch der dr�hnende Klang erstarb mit erschreckender, t�dlicher Pl�tzlichkeit. Dann nahm ein anderer den Alarmruf wieder auf und noch einer, und ihr Messingglockengel�ut ersch�tterte den Stein.</p><p>Die Verteidiger k�mpften verbissen, und sie waren den Trollocs gegen�ber in der �berzahl, doch es lagen mehr Menschen am Boden als Trollocs. In dem Moment, als Rand das alles erblickte, ri� der Myrddraal gerade dem tairenischen Hauptmann mit einer blo�en Hand die eine Gesichtsh�lfte ab, w�hrend er mit der anderen Hand eine t�dlichschwarze Klinge durch den Hals eines der Verteidiger stie�. Wie eine Schlange wand er sich zwischen den Speerstichen der Verteidiger hindurch. Die Verteidiger standen einem Gegner gegen�ber, den sie bisher f�r ein M�rchenwesen gehalten hatten, einen Kinderschreck, und sie waren dementsprechend mit ihren Nerven am Ende. Ein Mann, der seinen Helm verloren hatte, warf seinen Speer zu Boden und versuchte zu fliehen. Sein Kopf wurde durch die schwere Axt eines Trollocs wie eine reife Melone zerteilt. Wieder ein anderer Mann sah den Myrddraal an und rannte schreiend davon. Der Myrddraal eilte geschmeidig hinterher, um ihn abzufangen. Noch einen winzigen Augenblick, und die Menschen w�rden alle vor Entsetzen davonlaufen.</p><p>�Blasser!� schrie Rand. �Versuch's mal mit mir, Blasser!� Der Myrddraal blieb stehen, als habe er sich nie bewegt. Sein bleiches, augenloses Gesicht wandte sich ihm zu. Bei diesem Blick �berlief Rand die Angst, doch sie glitt lediglich �ber die Blase der kalten Ruhe, die ihn einh�llte, wenn er <emphasis>Saidin</emphasis> ergriffen hatte. In den Grenzlanden sagte man: �Der Blick des Augenlosen bedeutet Angst.� Einst hatte auch er geglaubt, da� die Blassen auf Schatten ritten wie auf Pferden und verschwanden, wenn sie sich zur Seite wandten. Diese alten Vorurteile waren gar nicht so weit von der Wahrheit entfernt.</p><p>Der Myrddraal glitt auf ihn zu, und Rand sprang �ber die Toten vor der T�r hinweg ihm entgegen. Seine Stiefel rutschten auf dem blutverschmierten, schl�pfrigen schwarzen Marmorboden weg. �F�r den Stein von Tear!� schrie er beim Vorw�rtsspringen. �Der Stein widersteht!� Das waren die Kampfrufe, die er in jener Nacht geh�rt hatte, als der Stein ihnen nicht widerstehen konnte.</p><p>Er glaubte, von dem gerade verlassenen Raum her den ged�mpften Ruf: �Narr!� zu h�ren, aber er hatte jetzt keine Zeit, nach Lanfear zu sehen oder sich darum zu k�mmern, was sie vorhatte. Das Ausrutschen kostete ihn beinahe das Leben. Als er um sein Gleichgewicht k�mpfte, konnte er gerade noch mit seinem rotgoldenen Schwert die schwarze Klinge des Myrddraal abwehren. �F�r den Stein von Tear! Der Stein widersteht!� Er mu�te die Verteidiger zusammenhalten, damit er nicht allein dem Myrddraal und zwanzig Trollocs gegen�berstand. �Der Stein widersteht!� Er h�rte, wie jemand seine Worte wiederholte: �Der Stein widersteht!� Und dann fiel ein weiterer ein: �Der Stein widersteht!� Der Blasse bewegte sich schlangengleich, und dieser Eindruck noch von den schwarzen Schuppen seines Brustpanzers wurde verst�rkt. Doch nicht einmal eine schwarze Viper konnte so schnell zuschlagen. Eine Weile lang war Rand nur mit M�he in der Lage, sich der schwarzen Klinge zu erwehren, damit sie seine ungesch�tzte Haut nicht traf. Dieses schwarze Metall w�rde Wunden schlagen, die nicht zuheilten, die eiterten und schmerzten wie jene Wunde, die er an der Seite trug. Jedesmal, wenn der dunkle Stahl, der in Thakandar im Schatten des Shayol Ghul geschmiedet worden war, auf die rotgoldene Klinge traf, die er mit Hilfe der Macht erschaffen hatte, blitzte es im Raum wie bei einem Gewitter auf. Das grelle Blauwei� tat den Augen weh. �Diesmal wirst du sterben!� Die Stimme des Myrddraal h�rte sich an wie knisternd zerbr�ckelnde abgestorbene Bl�tter im Sp�therbst. �Ich werde dein Fleisch den Trollocs zum Fressen geben, und deine Frauen werden mir geh�ren.� Rand k�mpfte so kaltbl�tig und gleichzeitig verzweifelt wie noch nie. Der Blasse wu�te mit seinem Schwert umzugehen. Dann kam jedoch ein Moment, in dem er mit Wucht das Schwert des anderen treffen konnte und nicht nur dessen Schlag abgleiten lie�. Es zischte, als fiele Eis auf geschmolzenes Metall, und die rotgoldene Klinge durchschnitt die schwarze. Sein n�chster Schlag trennte den augenlosen Kopf von den Schultern. Der Schlag, mit dem er den Knochen des Myrddraal durchhackte, fuhr ihm selbst gewaltig in den Arm. Blut scho� wie ein Tintenstrahl aus dem Halsstumpf des Blassen. Trotzdem fiel das Ding noch nicht. Es fuchtelte wild mit dem Schwertstumpf herum, und so taumelte die kopflose Gestalt durch den Raum und hieb L�cher in die Luft.</p><p>Als der Kopf des Blassen fiel und �ber den Boden rollte, st�rzten auch die �briggebliebenen Trollocs, kreischten, zuckten und rissen mit ihren fellbedeckten H�nden an ihren Haaren oder Federn. Das war eine Schw�che der Myrddraal und Trollocs: Obwohl die Myrddraal den Trollocs nicht trauten, waren sie auf irgendeine Art mit ihnen verbunden, die Rand nicht verstand. Es schien die Trollocs an die Myrddraal zu binden, zur absoluten Loyalit�t zu zwingen, aber wenn der Blasse starb, �berlebten ihn seine Trollocs nicht lange.</p><p>Die noch im Kampf befindlichen Verteidiger, weniger als zwei Dutzend, z�gerten nicht. Zu zweit oder zu dritt st�rzten sie sich auf die Trollocs und stachen mit ihren Speeren zu, bis sie sich nicht mehr r�hrten. Ein paar von ihnen hatten auch den kopflosen Myrddraal zu Fall gebracht, aber der schlug immer noch wild um sich, gleich, wie oft sie zustie�en. Als die Trollocs still waren, h�rte man das St�hnen und Weinen der wenigen verwundet �berlebenden Menschen. Immer noch lagen mehr Menschen als Schattenwesen auf dem Boden. Der schwarze Marmor war schl�pfrig vom Blut, das sich farblich kaum von dem dunklen Stein abhob.</p><p>�La�t es sein�, sagte Rand zu den Verteidigern, die sich abm�hten, den Myrddraal endg�ltig zu t�ten. �Es ist schon tot. Blasse wollen einfach nicht zugeben, da� sie tot sind.� Das hatte ihm Lan gesagt, vor, wie es schien, langer Zeit. Er hatte schon �fters den Beweis daf�r gesehen. �K�mmert euch um die Verwundeten.� Sie blickten nerv�s die kopflose Gestalt an, deren Torso von klaffenden Wunden �bers�t war, schauderten und zogen sich zur�ck, wobei sie irgend etwas �ber Lurks vor sich hin murmelten. So nannte man die Blassen in Tear, und zwar in M�rchen, mit denen man Kinder erschrecken wollte. Einige suchten nun unter den gef�llten Menschen nach denen, die noch am Leben waren, halfen ihnen auf die Beine oder betteten sie bequemer auf herumliegende Umh�nge. Nur zu viele blieben liegen, wo sie gefallen waren. Man konnte den Verwundeten jetzt nicht mehr bieten als von ihren eigenen blutigen Hemden abgerissene Streifen, mit denen man die Wunden notd�rftig verband.</p><p>Jetzt sahen diese Tairener nicht mehr so h�bsch aus wie vorher. Ihr Harnisch gl�nzte nicht mehr und war verbeult und eingedellt; die einst so sch�nen schwarzroten M�ntel und Hosen waren zerrissen und schmutzig. Einige trugen keine Helme mehr und manch einer st�tzte sich auf seinen Speer, als k�nne ihn nur der allein noch aufrecht halten. Vielleicht war es tats�chlich so. Sie atmeten schwer, und ihre Gesichter waren verzerrt von dieser eigenartigen Mischung von nackter Angst und blinder Bet�ubung, die M�nner in der Schlacht oft ergreift. Sie sahen Rand unsicher an. Ihre Blicke waren unstet und �ngstlich, als k�nne es sein, da� er selbst diese Kreaturen aus der F�ule herbeigerufen habe.</p><p>�Wischt Eure Speerspitzen ab�, sagte er ihnen. �Das Blut eines Blassen brennt sich wie S�ure in Stahl, falls es lange genug daran klebt.� Die meisten kamen dem Befehl nur langsam nach, ben�tzten z�gernd alles, was zu Hand war, vor allem die Mantel�rmel ihrer eigenen Toten.</p><p>Die Ger�usche weiterer K�mpfe drangen durch die G�nge, ferne Schreie und das ged�mpfte Dr�hnen von Metall auf Metall. Sie hatten ihm zweimal gehorcht, und nun war es an der Zeit, festzustellen, ob sie noch mehr tun w�rden. Er wandte ihnen den R�cken zu und ging durch den Vorraum in Richtung des Kampfl�rms. �Folgt mir�, befahl er. Er hob seine aus dem Feuer geborene Klinge, um sie daran zu erinnern, wer er war, und hoffte, da� ihm diese Geste keinen Speer in den R�cken einbringen w�rde. Er mu�te es riskieren. �Der Stein widersteht! F�r den Stein von Tear!� Einen Moment lang waren seine eigenen hallenden Schritte das einzige Ger�usch unter den S�ulen des Raums, aber dann begannen andere Stiefeltritte, ihm zu folgen. �F�r den Stein!� rief ein Mann, und ein anderer: �F�r den Stein und den Drachen!� Weitere M�nnerstimmen nahmen den Ruf auf. �F�r den Stein und den Drachen!� Rand begann zu laufen, und so f�hrte er sein blutendes Herr von dreiundzwanzig Soldaten tiefer in den Stein hinein.</p><p>Wo war Lanfear, und welche Rolle hatte sie bei dem allen gespielt? Er hatte kaum Zeit zu �berlegen. In den S�len des Steins lagen tote M�nner in ihrem eigenen Blut, hier einer, weiter hinten zwei oder drei, Verteidiger, Diener, Aiel. Auch Frauen, Adelige in Linnengew�ndern und in Wolle gekleidete Dienerinnen, die man niedergestreckt hatte, als sie zu fliehen versuchten. Den Trollocs war es gleich, wen sie t�teten. Es machte ihnen Spa�. Myrddraal waren aber noch schlimmer. Die Halbmenschen genossen Schmerz und Tod geradezu.</p><p>Ein St�ckchen weiter drinnen im Stein brodelte es. Horden von Trollocs zogen durch die S�le, manchmal von einem Myrddraal angef�hrt, manchmal allein, k�mpften gegen Aiel oder Verteidiger, erstachen Unbewaffnete und zogen weiter auf der Suche nach Menschen, die sie t�ten konnten. Rand f�hrte seine kleine Streitmacht gegen alle Schattenwesen, die er antraf. Sein Schwert schnitt mit gleicher Leichtigkeit durch halbmenschliches Fleisch wie durch schwarze Harnische. Nur die Aiel allerdings wagten es, sich einem Blassen offen im Kampf zu stellen. Die Aiel und Rand. Er �berlie� die Trollocs den Verteidigern und griff statt dessen Blasse an. Manchmal nahm ein Myrddraal im Sterben ein oder zwei Dutzend Trollocs mit in den Tod, manchmal auch keinen.</p><p>Einige seiner Verteidiger fielen und standen nicht mehr auf, aber daf�r schlossen sich ihnen ein paar Aiel an, so da� sich ihre Anzahl beinahe verdoppelte. Gruppen von M�nnern fielen von ihnen ab, als die w�tenden Gefechte sie unter Schreien und dem Dr�hnen aufeinandertreffender Schwerter wie in einer irren Schmiede von ihnen wegf�hrten. Andere M�nner kamen daf�r hinzu, fielen wieder ab, wurden ersetzt, und so befand sich schlie�lich niemand von denen mehr bei ihm, die urspr�nglich mit ihm gegangen waren. Manchmal k�mpfte er auch ganz allein oder rannte durch einen Gang, der bis auf ihn und die Toten leer war. Immer folgte er dem L�rm entfernter Gefechte.</p><p>Einmal, als er mit zweien der Verteidiger einen S�ulengang durchschritt, der den Blick nach unten in einen langen Saal mit vielen T�ren freigab, sah er Moiraine und Lan, die von Trollocs umzingelt waren. Die Aes Sedai stand mit hoch erhobenem Kopf da wie eine der sagenhaften K�niginnen in der Schlacht, und um sie herum barst Feuer aus tier�hnlichen Gestalten. W�hrend die einen verbrannten, kamen bereits weitere herbei, eilten zu sechst oder zu siebt aus einer der vielen T�ren. Lans Schwert erledigte diejenigen, die Moiraines Flammen entkamen. Das Gesicht des Beh�ters war �ber und �ber mit Blut beschmiert, doch er vollf�hrte die so lange ge�bten Fechtfiguren so k�hl und selbstverst�ndlich, als �be er lediglich vor einem Spiegel. Dann stie� ein wolfsschn�uziger Trolloc seinen Speer in Richtung auf Moiraines R�cken. Lan wirbelte herum, als h�tte er auch hinten Augen und hackte dem Trolloc ein Bein unter dem Knie ab. Der Trolloc st�rzte jaulend zu Boden, stie� aber trotzdem noch einmal mit dem Speer nach Lan. Im gleichen Moment versuchte ein anderer, den Beh�ter ungeschickt mit der Flachseite seiner Axt niederzuschlagen. Lan ging in die Knie.</p><p>Rand konnte ihnen nicht zur Hilfe kommen, denn in diesem Augenblick wurden er und seine beiden Begleiter von f�nf Trollocs angefallen. Mit ihren Schnauzen und Hauern und Hammelh�rnern st�rmten sie heran und dr�ckten die Menschen erst einmal aus dem S�ulengang hinaus. Normalerweise w�ren f�nf Trollocs mit Leichtigkeit in der Lage gewesen, drei M�nner zu t�ten, doch einer dieser M�nner war Rand, und er besa� ein Schwert, das ihre R�stungen zu blo�em Tuch werden lie�. Einer der beiden Verteidiger starb, und der andere verschwand auf der Jagd nach einem verwundeten Trolloc, dem einzigen �berlebenden der f�nf. Als Rand zur�ckeilte, roch er aus dem Saal unten verbranntes Fleisch und sah auf dem Fu�boden einige m�chtige verschmorte Leichen, doch von Moiraine und Lan war nichts mehr zu sehen.</p><p>So spielte sich der Kampf um den Stein ab. Oder der Kampf um Rands Leben. Gefechte brachen aus und trieben von ihrem urspr�nglichen Ort hinweg oder erstarben ganz, wenn eine Seite gefallen war. Die Menschen k�mpften dabei nicht nur gegen Trollocs und Myrddraal, sondern auch gegen andere Menschen, denn Seite an Seite mit den Schattenwesen fochten auch menschliche Schattenfreunde, grob gekleidete Burschen, die aussahen wie S�ldner oder wie die typischen Tavernenraufer. Sie hatten offensichtlich genauso vor den Trollocs Angst wie die Verteidiger, aber sie mordeten genauso ungehemmt wie die Schattenabk�mmlinge. Zweimal sah Rand sogar K�mpfe von Trollocs untereinander. Er nahm an, da� die Myrddraal die Kontrolle �ber sie verloren hatten und da� sie nur noch von ihrer Mordlust beherrscht wurden. Aber wenn sie sich gegenseitig umbringen wollten � bitte sch�n.</p><p>Dann war er wieder allein und kam auf seiner Suche um eine Ecke und stand pl�tzlich vor drei Trollocs. Jeder von ihnen war doppelt so breit und um die H�lfte gr��er als er. Einer von ihnen � mit einem gekr�mmten Adlerschnabel in einem ansonsten menschlichen Gesicht � hackte gerade einen Arm von der Leiche einer tairenischen Lady, w�hrend die beiden anderen gespannt zusahen und sich die Schnauzen erwartungsvoll leckten. Trollocs fra�en alles, solange es nur Fleisch war. Ob nun sie oder er von diesem Zusammentreffen mehr �berrascht waren � jedenfalls erholte er sich schneller von dem Schreck.</p><p>Derjenige mit dem Adlerschnabel fiel unter Rands erstem Streich. Panzer und Bauch waren gleicherma�en aufgeschnitten. Eigentlich h�tte die Fechtfigur �Eidechse im Dornbusch� f�r die beiden anderen gereicht, doch der erste Trolloc schlug im Sterben noch um sich und trat Rand beinahe einen Fu� weg, so da� er ins Stolpern kam. Sein Schlag in Richtung des dritten Trollocs ging daneben und schnitt nur dessen R�stung auf, w�hrend der zweite im St�rzen mit ins Leere schnappendem Wolfsrachen direkt auf ihn fiel. Der schwere K�rper des Trollocs ri� Rand mit zu Boden und begrub ihn halb unter sich. Schwertarm und Schwert waren darunter eingeklemmt. Der �berlebende Trolloc hob seine Dornenaxt, und trotz seiner Keilerschnauze und den dicken Hauern verzerrte sich sein Gesicht zu einer Art von L�cheln. Rand rang um Luft und bem�hte sich, unter dem toten Trolloc hervorzukriechen.</p><p>Ein sichelgleiches Schwert spaltete den Keilerkopf bis zum Hals hinunter.</p><p>Ein vierter Trolloc ri� sein Schwert aus dem K�rper des anderen und knurrte ihn mit gefletschten Bocksz�hnen an. Die Ohren neben den H�rnern zuckten. Dann rannte er weg. Seine scharfen Hufe klapperten auf den Fu�bodenkacheln.</p><p>Rand hievte den K�rper des toten Trollocs halb bet�ubt von sich herunter. <emphasis>Ein Trolloc hat mich gerettet. Ein Trolloc?</emphasis> Er war �ber und �ber mit dickem, dunklem Trollocblut beschmiert. Weiter unten im Gang, in entgegengesetzter Richtung zu der, in der der Trolloc mit den Bocksh�rnern gefl�chtet war, blitzte es blauwei� auf, und zwei Myrddraal kamen in Sicht. Sie k�mpften mit nicht endenwollenden, flie�enden Bewegungen gegeneinander! Der eine dr�ngte den anderen in einen Seitenkorridor, und das immer wieder aufblitzende Licht verschwand aus seiner Sicht. <emphasis>Ich bin verr�ckt! Das mu� es sein. Ich bin verr�ckt und das ist alles nur ein wahnwitziger Traum.</emphasis></p><p>�Du riskierst wirklich alles, wenn du so wild mit diesem... diesem Schwert herumrennst.� Rand wandte sich zu Lanfear um. Sie hatte sich wieder das Aussehen eines M�dchens zugelegt, nicht �lter als er selbst, vielleicht sogar j�nger. Sie hob ihren wei�en Rock etwas an, um �ber den zerhackten K�rper der tairenischen Lady hinwegsteigen zu k�nnen. Ihrem unbeteiligten Gesichtsausdruck nach h�tte es auch ein Baumstamm sein k�nnen.</p><p>�Du baust dir eine H�tte aus Reisig�, sagte sie, �wenn du statt dessen mit einem Fingerschnippen Marmorpal�ste haben k�nntest. Du h�ttest sie t�ten und ihnen das bi�chen Seele nehmen k�nnen, das ein Trolloc besitzt, und doch h�ttest du dich beinahe von ihnen umbringen lassen. Du mu�t lernen. Schlie� dich mir an!� �War das dein Werk?� wollte er wissen. �Dieser Trolloc, der mich gerettet hat? Diese Myrddraal? Stimmt's?� Sie �berlegte einen Augenblick lang und dann sch�ttelte sie ein wenig bedauernd den Kopf. �Wenn ich das f�r mich beanspruche, wirst du das n�chstemal wieder auf so etwas warten, und das k�nnte sich als t�dlich erweisen. Keiner der anderen ist sich vollkommen sicher, wo ich eigentlich stehe, und das pa�t mir. Du kannst von mir keine offene Unterst�tzung erwarten.� �Deine Unterst�tzung erwarten?� grollte er. �Du willst mich zum Schatten bekehren. Du willst mich mit sch�nen Worten davon ablenken, was du bist.� Er griff nach der Macht, und sie wurde so hart gegen einen Wandbehang geschleudert, da� sie aufst�hnte. Er hielt sie dort fest, mit gespreizten Beinen �ber einer gewebten Jagdszene h�ngend, die F��e ein paar Handbreit �ber dem Boden und das schneewei�e Kleid ausgebreitet und flach angedr�ckt. Wie hatte er nur Egwene und Elayne abgeschirmt? Er mu�te sich daran erinnern.</p><p>Pl�tzlich flog er selbst durch den Gang und krachte gegen die gegen�berliegende Wand. Irgend etwas dr�ckte ihn wie ein l�stiges Insekt dagegen und erlaubte ihm kaum zu atmen.</p><p>Lanfear schien mit dem Luftholen keinerlei Schwierigkeiten zu haben. �Was du auch tun kannst, Lews Therin, das kann ich auch. Und sogar besser.� Obwohl sie an die Wand gepre�t war, schien sie von allem unber�hrt. In der N�he erhob sich neuer Kampfesl�rm, und dann wurde er wieder schw�cher, als sich die K�mpfenden entfernten. �Du ben�tzt nur den kleinsten Teil dessen, was dir zur Verf�gung steht, und auch den nur zur H�lfte. Und dann rennst du weg vor dem, was dir erm�glichen w�rde, alle deine Gegner zu vernichten. Wo ist <emphasis>Callandor,</emphasis> Lews Therin? Immer noch oben in deinem Schlafzimmer wie nutzloser Zierat? Glaubst du, da� nur deine Hand es f�hren kann, nun, da du es befreit hast? Falls Sammael hier ist, wird er es an sich nehmen und gegen dich einsetzen. Sogar Moghedien w�rde es nehmen, damit du es nicht ben�tzen kannst. Sie k�nnte viel gewinnen, wenn sie es einem der m�nnlichen Erw�hlten zum Tausch anb�te.� Er k�mpfte gegen die Kraft an, die ihn festhielt, doch nichts au�er seinem Kopf bewegte sich. So drehte er den w�tend nach der einen und dann nach der anderen Seite. <emphasis>Callandor</emphasis> in den H�nden eines der m�nnlichen Verlorenen: der Gedanke machte ihn verr�ckt vor Angst und Frustration. Er lenkte die Macht und versuchte, sich von dem loszurei�en, was ihn band, fand aber nichts. Und dann war es mit einem Schlag weg und er taumelte von der Wand fort, bis er endlich begriff, da� er frei war. Und er hatte nichts dazu beigetragen.</p><p>Er sah Lanfear an. Sie hing noch immer in aller Ruhe dort, als n�hme sie ein Sonnenbad neben einem Bach. Sie versuchte nat�rlich, ihn einzulullen, ihn dazu zu bringen, da� er ihr gegen�ber schwach wurde. Er z�gerte, als er die Str�nge der Macht kontrollierte, die sie festhielten. Falls er sie abnabelte und einfach dort h�ngen lie�, w�rde sie vielleicht den halben Stein einrei�en, wenn sie sich mit Gewalt zu befreien suchte � falls sie nicht von einem vorbeikommenden Trolloc get�tet w�rde, der glaubte, sie sei eine aus dem Stein. Es h�tte ihn eigentlich nicht beunruhigen sollen, wenn eine der Verlorenen starb, aber der Gedanke daran, eine Frau oder �berhaupt irgend jemanden hilflos den Trollocs zu �berlassen, stie� ihn ab. Ein Blick auf ihre gelassene Miene allerdings lie� diesen Gedanken schnell verfliegen. Niemand und nichts im Stein w�rde ihr etwas antun, solange sie die Macht benutzen konnte. Wenn er Moiraine aufsp�ren k�nnte, um sie abzuschirmen...</p><p>Noch einmal nahm ihm Lanfear die Entscheidung ab. Das Rei�en seiner eigenen Str�nge sch�ttelte ihn kr�ftig durch, und sie fiel leichtf��ig herunter. Er machte gro�e Augen, als sie von der Wand wegtrat und ruhig ihren Rock glattstrich. �Das kannst du nicht tun�, stotterte er d�mmlich, und sie l�chelte.</p><p>�Ich mu� einen Strang nicht sehen, um ihn zu l�sen, sobald ich wei�, was und wo es ist. Siehst du, du mu�t eben noch viel lernen. Aber so gef�llst du mir. Du warst immer zu stur und selbstsicher. Es war immer besser, wenn du dir deiner selbst nicht so sicher warst. Hast du also <emphasis>Callandor</emphasis> vergessen?� Er z�gerte noch. Da stand eine der Verlorenen vor ihm.</p><p>Und es gab absolut nichts, was er tun konnte. Schlie�lich drehte er sich um und lief los, <emphasis>Callandor</emphasis> zu holen. Ihr Lachen schien ihm zu folgen.</p><p>Diesmal lie� er sich nicht ablenken und versuchte nicht, Trollocs und Myrddraal zu bek�mpfen. Er verlangsamte sein wildes Klettern durch den Stein nur, wenn sie sich ihm in den Weg stellten. Dann �ffnete sein aus Flammen geschmiedetes Schwert einen Weg f�r ihn. Er sah Perrin und Faile. Er trug die Axt in der Hand, und sie deckte mit ihren Messern seinen R�cken. Die Trollocs schienen genauso beim Anblick seiner gelben Augen zu z�gern wie beim Anblick seiner Axt. Rand lie� sie zur�ck, ohne sich noch einmal umzublicken. Falls einer der Verlorenen <emphasis>Callandor</emphasis> in die H�nde bekam, w�rde keiner von ihnen mehr die Sonne aufgehen sehen.</p><p>Atemlos st�rzte er zwischen den m�chtigen S�ulen des Vorraums hindurch und sprang �ber die Leichen hinweg, die immer noch dort lagen. Verteidiger und Trollocs lagen da im Tod vereint. Er warf beide T�rfl�gel auf. Das Schwert, Das Kein Schwert War hing in seinem vergoldeten und mit Gemmen besetzten St�nder und leuchtete im Schein der untergehenden Sonne. Es wartete auf ihn.</p><p>Jetzt, da er es sah und in Sicherheit wu�te, fiel es ihm schwer, es zu ber�hren. Einmal bisher hatte er <emphasis>Callandor</emphasis> so ben�tzt, wie es eigentlich sein sollte. Nur einmal. Er wu�te, was ihn erwartete, wenn er es wieder aufnahm, wenn er es gebrauchte, um viel mehr Energie aus der Wahren Quelle zu sch�pfen, als ein Mensch ohne Hilfe fertigbrachte. Es fiel ihm auch ungeheuer schwer, seine rotgoldene Klinge wieder verschwinden zu lassen, und als es geschah, h�tte er sie beinahe zur�ckgeholt.</p><p>Er schlurfte z�gernd um die Leiche des Grauen Mannes herum und legte seine H�nde langsam um den Griff <emphasis>Callandors.</emphasis> Er war kalt, wie ein Kristall, der lange im Dunkeln geruht hatte, aber er war auch nicht so glatt, da� er seinem Griff h�tte entschl�pfen k�nnen.</p><p>Ein Gef�hl lie� ihn aufblicken. An der T�r stand z�gernd ein Blasser, den augenlosen Blick aus seinem bleichen Gesicht auf <emphasis>Callandor</emphasis> gerichtet.</p><p>Rand zog <emphasis>Saidin</emphasis> an sich. <emphasis>Callandor,</emphasis> das Schwert, Das Kein Schwert War, flammte in seinen H�nden auf, als enthalte es den Mittagssonnenschein. Die Macht erf�llte ihn, schlug wie m�chtiger Donner �ber ihm zusammen. Das s��e Verderben in <emphasis>Saidin</emphasis> durchstr�mte ihn wie eine schwarze Flut. Geschmolzener Fels pulsierte durch seine Adern. Die K�lte in ihm h�tte die Sonne erfrieren lassen k�nnen. Er mu�te die Macht ben�tzen, oder er w�rde bersten wie eine �berreife Melone.</p><p>Der Myrddraal wandte sich zur Flucht, und pl�tzlich fielen die schwarzen Kleider und der Harnisch leer zu Boden und hinterlie�en nur in der Luft schwebende �lige Staubteilchen.</p><p>Rand war sich selbst nicht einmal im klaren dar�ber, da� er mit der Macht gearbeitet hatte, bis es vorbei war. Er h�tte auch nicht mehr sagen k�nnen, was er eigentlich angestellt hatte, und wenn auch sein Leben davon abhinge. Doch nichts konnte sein Leben gef�hrden, solange er <emphasis>Callandor</emphasis> in der Hand hielt. Die Macht durchpulste ihn wie der Herzschlag der Welt. Mit <emphasis>Callandor</emphasis> in H�nden w�rde ihm alles gelingen. Die Macht h�mmerte auf ihn ein; ein Hammer, der Berge zerhauen konnte. Ein d�nner Faden der Macht ri� die durch die Luft treibenden �berreste des Myrddraal mit sich in den Vorraum hinaus, genau wie seine Kleidung und den Harnisch. Ein weiterer winziger Machtstrom lie� alles in Flammen aufgehen. Er schritt hinaus, um die zu jagen, die gekommen waren, ihn zu t�ten.</p><p>Ein paar davon waren immerhin bis zum Vorraum gekommen. Ein weiterer Blasser und eine Gruppe �ngstlichgeduckter Trollocs standen auf der anderen Seite der S�ulen und starrten die Ascheteilchen an, die durch die Luft flogen, die letzten �berreste des Myrddraal und seiner Kleidung. Beim Anblick Rands mit einem hell aufflammenden <emphasis>Callandor</emphasis> in der Hand heulten die Trollocs wie Tiere. Der Blasse stand vor Schreck wie gel�hmt da. Rand lie� ihnen keine Chance wegzurennen. Er behielt seinen gem�chlichen, zielbewu�ten Schritt bei, sammelte genug Macht in sich, und pl�tzlich prasselten aus dem blanken, schwarzen Marmorboden unter den Schattenwesen Flammen empor, so hei�, da� er die Hand hob, um sich dagegen zu sch�tzen. Als er sie erreicht hatte, verschwanden die Flammen wieder, und nichts blieb von ihnen zur�ck als geschw�rzte stumpfe Flecken auf dem Marmor.</p><p>Er ging den Weg zur�ck hinunter in den Stein, und jeder Trolloc, jeder Myrddraal, den er sah, starb in einem Feuersturm. Er verbrannte sie, ob sie nun gerade gegen Aiel oder Tairener k�mpften oder ob sie Diener dahinschlachteten, die sich notd�rftig mit Speeren und Schwertern verteidigten, die sie neben den Leichen gefunden hatten. Er verbrannte sie im Laufen, ob sie nun hinter Opfern herrannten oder selbst flohen. Er begann, sich schneller zu bewegen, im Laufschritt, dann hastend, vorbei an den Verwundeten, die oft alleingelassen und hilflos dalagen, vorbei an den Toten. Es reichte nicht, er kam einfach nicht schnell genug voran. W�hrend er einen Trolloc nach dem anderen t�tete, mordeten andere noch immer, wenn auch manchmal nur, um zu entkommen.</p><p>Pl�tzlich blieb er in einem breiten Korridor stehen, von Leichen umgeben. Er mu�te etwas tun � mehr als bisher. Die Macht durchstr�mte seine Knochen mit der Urgewalt des Feuers. Noch mehr. Die Macht lie� sein Mark zu Eis erstarren. Etwas, um sie alle zu t�ten, alle auf einmal. Das s��e Verderben in <emphasis>Saidin</emphasis> �berrollte ihn wie ein Berg verfaulenden Unrats, der seine Seele unter sich begraben wollte. Er hob <emphasis>Callandor</emphasis> und zog Energie aus der Quelle, immer mehr und mehr, bis ihm schien, er m�sse schreien, Schreie gefrorener Flammen aussto�en. Er mu�te sie alle t�ten.</p><p>Ganz oben unter der Decke, geradewegs �ber seinem Kopf, begann sich ein Luftwirbel zu bilden, drehte sich schneller, wirbelte in roten und schwarzen und goldenen Streifen um die eigene Achse. Dann brach der Wirbel in sich zusammen, kochte noch st�rker auf, jaulte beim Herumwirbeln und wurde immer noch kleiner.</p><p>Schwei� rann Rand �ber das Gesicht, als er angestrengt nach oben blickte. Er hatte keine Ahnung, was das war, sp�rte aber, da� ihn unz�hlige Str�nge der Macht mit dieser wirbelnden Masse verbanden. Sie hatte wirklich eine eigene Masse, und ihr Gewicht wurde immer gr��er, w�hrend sie in sich zusammensank. <emphasis>Callandor</emphasis> flammte immer heftiger und heller auf. Es war zu hell, um es noch ansehen zu k�nnen. Er schlo� die Augen, und das Licht schien ihm durch die geschlossenen Lider zu brennen. Die Macht durchtobte ihn. Der rasende Strom drohte, ihn selbst, sein ganzes Wesen, mitzuschwemmen und in das Herumwirbeln hineinzuziehen. Er mu�te loslassen. Er mu�te. Er zwang sich, die Augen zu �ffnen, und es war, als sehe er alle Gewitter der Welt auf einmal, auf die Gr��e eines Trolloc-Kopfes reduziert. Er mu�te... mu�te... mu�te...</p><p><emphasis>Jetzt.</emphasis> Der Gedanke trieb wie ein gackerndes Lachen am Rande seines Bewu�tseins entlang. Er zertrennte die Str�nge, die sich von ihm wegzogen, und lie� das Ding weiterwirbeln und jaulen wie ein Bohrer, der sich in einen Knochen hineins�gt. <emphasis>Jetzt.</emphasis></p><p>Und dann zuckten die Blitze auf, rasten wie silberne Str�me nach links und rechts die Decke entlang. Ein Myrddraal trat aus einem Seitengang, und bevor er noch zur�ckweichen konnte, stachen ein halbes Dutzend flammender Speerspitzen von oben herunter und zerfetzten ihn. Die anderen Lichtstr�me rasten weiter, verteilten sich in jeden abzweigenden Korridor, wurden durch weitere ersetzt, und mehr und mehr Explosionen ert�nten im Stein.</p><p>Rand fand keinen Hinweis darauf, was er getan hatte oder wie das zugehen mochte. Er konnte einfach nur dastehen und zittern unter dem Druck der Macht, die ihn erf�llte und dazu zwingen wollte, sie zu ben�tzen. Selbst, wenn sie ihn dabei vernichtete. Er f�hlte, wie Trollocs und Myrddraal starben, f�hlte die Blitze zuschlagen und t�ten. Er konnte sie nun �berall t�ten, �berall auf der Welt. Das war ihm klar. Mit <emphasis>Callandor</emphasis> brachte er alles fertig. Und ihm war auch klar, da� er bei dem Versuch selbst genauso sicher sterben m��te.</p><p>Die Blitze verbla�ten und erstarben mit den letzten der Schattenwesen. Die herumwirbelnde Masse st�rzte mit einem lauten Schlag in sich zusammen, als die Luft hineinstr�mte. Doch <emphasis>Callandor</emphasis> glei�te immer noch wie die Sonne. Die Macht sch�ttelte ihn.</p><p>Moiraine war da, nur ein Dutzend Schritte entfernt, und sah ihn an. Ihr Kleid machte einen ordentlichen Eindruck. Jede Falte aus blauer Seide war am rechten Fleck, nur ein paar Str�hnen ihres Haares waren verwirrt. Sie sah m�de aus � und erschrocken. �Wie...? Was Ihr vollbracht habt, h�tte ich nicht f�r m�glich gehalten.� Lan erschien. Im Laufschritt kam er den Gang herauf, das Schwert in der Hand, das Gesicht blutverschmiert, die Kleidung zerrissen. Ohne den Blick von Rand zu wenden, streckte Moiraine eine Hand aus und brachte Lan kurz vor sich zum Stehen, ein gutes St�ck von Rand entfernt. Als sei er so gef�hrlich, da� sich nicht einmal Lan ihm n�hern d�rfe. �Geht es... Euch gut, Rand?� Rand ri� seinen Blick von ihr los, und er fiel auf den K�rper eines dunkelhaarigen M�dchens, kaum mehr als ein Kind. Sie lag auf dem R�cken, die Augen weit aufgerissen und zur Decke gewandt, w�hrend Blut das Mieder ihres Kleides dunkel f�rbte. Traurig beugte er sich herunter und wischte ihr eine Haarstr�hne aus dem Gesicht. <emphasis>Licht, sie ist doch nur ein Kind. Ich bin zu sp�t gekommen. Warum habe ich nicht fr�her angefangen? Ein Kind!</emphasis></p><p>�Ich werde daf�r sorgen, da� sich jemand um sie k�mmert, Rand�, sagte Moiraine mit sanfter Stimme. �Ihr k�nnt ihr jetzt nicht helfen.� Seine Hand, mit der er <emphasis>Callandor</emphasis> hielt, zitterte derart, da� er das Schwert kaum noch halten konnte. �Hiermit kann ich alles vollbringen.� Seine Stimme klang sogar in den eigenen Ohren hart. �Alles!� �Rand!� sagte Moiraine mahnend.</p><p>Er wollte nicht h�ren. Die Macht erf�llte ihn. <emphasis>Callandor</emphasis> glei�te, und er war die Macht. Er lenkte Str�me in den K�rper des Kindes hinein, suchte, probierte, bewegte sie in ihrem Innern herum. Sie stand schwankend und mit ruckartigen Bewegungen auf, die Arme und Beine unnat�rlich steif.</p><p>�Rand, das k�nnt Ihr nicht tun! Nicht das!� <emphasis>Atmen. Sie mu� atmen.</emphasis> Die Brust des M�dchens hob und senkte sich. <emphasis>Herz. Mu� schlagen.</emphasis> Blut, da� bereits z�hfl�ssig und dunkel war, quoll aus der Wunde an ihrer Brust. <emphasis>Lebe. Lebe, seng Dich! Ich wollte nicht zu sp�t kommen.</emphasis> Ihre Augen starrten ihn an. Verschleiert. Leblos. Unbeachtet rannen ihm Tr�nen �ber die Wangen. �Sie mu� leben! Heilt sie, Moiraine. Ich wei� nicht, wie! Heilt sie!� �Den Tod kann man nicht heilen, Rand. Du bist nicht der Sch�pfer.� Rand blickte in diese toten Augen und lie� langsam die Str�me der Macht absterben. Der K�rper fiel steif zu Boden. Die Leiche. Er warf den Kopf zur�ck und heulte so wild wie ein Trolloc. Geb�ndelte Feuerstrahlen schlugen in W�nde und Decke, als er sich entt�uscht und voller Schmerz Luft machte.</p><p>Er sackte in sich zusammen und lie� <emphasis>Saidin</emphasis> fahren, schob es weg von sich. Es war, als schiebe er einen Felsblock zur Seite, als schiebe er das Leben selbst von sich. Mit der Macht verlie� ihn auch die St�rke. Nur dieses s��e Verderben blieb wie ein Schmutzfleck, der ihn durch Dunkelheit und Schatten niederdr�ckte. Er mu�te <emphasis>Callandor</emphasis> auf die Fu�bodenkacheln stellen und sich daraufst�tzen, um auf den Beinen zu bleiben.</p><p>�Die anderen.� Das Sprechen fiel ihm schwer; sein Hals schmerzte. �Elayne, Perrin, alle die anderen? Kam ich f�r sie auch zu sp�t?� �Ihr seid nicht zu sp�t gekommen�, sagte Moiraine ruhig. Aber sie hatte sich ihm immer noch nicht gen�hert und Lan wirkte, als sei er bereit, sich zwischen sie und Rand zu werfen. �Ihr d�rft nicht... � �Sind sie noch am Leben?� schrie Rand.</p><p>�Sie leben�, versicherte sie ihm.</p><p>Er nickte ersch�pft und erleichtert zugleich. Er bem�hte sich, die Leiche des M�dchens nicht mehr anzusehen. Drei Tage abgewartet wegen ein paar heimlicher K�sse. H�tte er vor drei Tagen bereits etwas unternommen... Und doch hatte er w�hrend dieser drei Tage einiges gelernt, was n�tzlich werden konnte, wenn er alles richtig verarbeitete und in den Griff bekam. Falls. Wenigstens war er nicht zu sp�t gekommen, was das Leben seiner Freunde betraf. Wenigstens das hatte er erreicht. �Wie sind die Trollocs hereingekommen? Ich glaube nicht, da� sie wie die Aiel die Mauern hochgeklettert sind. Au�erdem war ja noch heller Tag. Wie sp�t ist es eigentlich?� Er sch�ttelte den Kopf, um ein wenig klarer denken zu k�nnen. �Spielt keine Rolle. Die Trollocs. Wie?� Lan war derjenige, der ihm darauf antwortete: �Acht gro�e Getreideleichter machten diesen Nachmittag im Hafen des Steins fest. Offensichtlich hat niemand daran gedacht, sich zu fragen, wieso vollbeladene Getreideschiffe den Flu� <emphasis>hinunter</emphasis> fuhren� � seine Stimme triefte vor Verachtung � �oder warum sie gerade am Stein festmachten, oder warum die Besatzungen die Luken beinahe bis Sonnenuntergang geschlossen lie�en. Dann erschien auch ein Planwagenzug, das war vor etwa zwei Stunden, mit drei�ig Wagen, die angeblich die Einrichtung eines Lords vom Land zur�cktransportierten, da dieser sich wieder im Stein niederlassen wolle. Als die Planen zur�ckgeschlagen wurden, steckten auch sie voll Trollocs und Halbmenschen. Falls sie noch aus einer anderen Richtung Verst�rkung erhielten, habe ich das bisher nicht erfahren.� Rand nickte wieder, und selbst diese Anstrengung lie� ihn in die Knie gehen. Pl�tzlich war Lan bei ihm und zog Rands Arm �ber die eigene Schulter, um ihn zu st�tzen. Moiraine nahm sein Gesicht in die H�nde. Ein Schauer durchlief ihn, nicht die eisige K�lte einer totalen Heilung, aber ein Schauer, die die Erm�dung mit sich nahm, als er verflog. Den gr��ten Teil seiner Ersch�pfung jedenfalls. Ein kleiner Teil verblieb, als habe er den ganzen Tag �ber mit der Hacke auf dem Tabaksfeld geschafft. Er zog seinen Arm von Lans Schultern, da er diese St�tze nun nicht mehr ben�tigte. Lan beobachtete ihn mi�trauisch, weil er wohl nicht sicher war, ob Rand wieder allein stehen konnte, oder vielleicht auch, weil der Beh�ter sich nicht im klaren dar�ber war, wie gef�hrlich und inwieweit er �berhaupt noch normal sei.</p><p>�Ich habe absichtlich nicht alle Ersch�pfung von Euch genommen�, sagte Moiraine zu ihm. �Ihr m��t unbedingt heute nacht schlafen.� Schlafen. Es gab zuviel zu tun, um einfach zu schlafen. Aber er nickte erneut. Er wollte nicht, da� sie ihn beschattete. Doch dann sagte er: �Lanfear war da. Das hier hatte aber nichts mit ihr zu tun. Das sagte sie, und ich glaube ihr. Ihr scheint nicht �berrascht, Moiraine?� W�re sie von Lanfears Angebot �berrascht? Konnte �berhaupt irgend etwas sie �berraschen? �Lanfear war hier und ich habe mit ihr gesprochen. Sie hat nicht versucht, mich zu t�ten, und ich habe nicht versucht, sie zu t�ten. Und Ihr seid gar nicht �berrascht.� �Ich bezweifle, da� Ihr in der Lage w�rt, sie zu t�ten. Noch nicht.� Ihr Blick in Richtung <emphasis>Callandor</emphasis> war nicht mehr als ein kurzes Zucken ihrer Augen. �Nicht ohne Hilfe. Und ich bezweifle, da� sie Euch t�ten will. Wir wissen nur sehr wenig �ber die Verlorenen und �ber Lanfear am wenigsten von allen, aber es ist klar, da� sie Lews Therin Telamon liebte. Es w�re sicher vermessen, zu behaupten, Ihr w�rt vor ihr sicher, denn es gibt eine Menge Dinge, mit denen sie Euch schaden k�nnte, ohne Euch gleich umzubringen, aber ich glaube nicht, da� sie versuchen wird, Euch zu t�ten, solange sie hofft, Lews Therin zur�ckzugewinnen.� Lanfear wollte ihn haben. Die Tochter der Nacht, deren Name von M�ttern ben�tzt wurde, die gerade soweit an ihre Existenz glaubten, um ihre Kinder damit zu erschrecken. Er hatte jedenfalls Angst vor ihr. Es reichte beinahe, ihn zum Lachen zu bringen. Er hatte immer Schuldgef�hle, wenn er eine andere Frau ansah als Egwene, und Egwene wollte ihn gar nicht haben, aber zumindest die Tochter-Erbin von Andor wollte ihn k�ssen, und eine der Verlorenen behauptete, ihn zu lieben. Das reichte doch wirklich beinahe, um einen Mann zum Lachen zu bringen, aber eben doch nur beinahe. Lanfear schien auf Elayne eifers�chtig zu sein. Sie hatte sie eine Schlampe mit hellen Haaren genannt. Wahnsinnig. Reiner Wahnsinn.</p><p>�Morgen.� Er schritt langsam weg.</p><p>�Morgen?� fragte Moiraine.</p><p>�Morgen sage ich Euch, was ich zu unternehmen gedenke.� Einen Teil davon w�rde er ihr sagen. Wenn er sich Moiraines Gesicht vorstellte, falls er ihr alles sagte, h�tte er am liebsten gelacht. Falls ihm selbst �berhaupt alles klar war. Lanfear hatte ihm unbewu�t den letzten Hinweis gegeben. Nur noch ein weiterer Schritt heute abend. Die Hand, die <emphasis>Callandor</emphasis> hielt, zitterte. Damit konnte er alles vollbringen. <emphasis>Ich bin noch nicht wahnsinnig. Nicht verr�ckt genug daf�r.</emphasis> �Morgen. Eine gute Nacht uns allen, falls das Licht es gestattet.� Morgen w�rde er damit beginnen, eine andere Art von Blitz zu schleudern. Eine Art von Blitz, die ihn vielleicht retten konnte. Oder t�ten. Aber wahnsinnig war er jedenfalls noch nicht.</p></section><section><title><p>11</p><p>Was im verborgenen liegt</p></title><p>Egwene, nur mit ihrem Unterhemd bekleidet, atmete tief ein und legte den Steinring neben ein ge�ffnetes Buch auf den Nachttisch. Er war fleckig und braun, rot und blau gestreift und etwas zu gro� f�r einen Fingerring. Au�erdem hatte er die falsche Form, war flach und verdreht, so da� man mit der Fingerspitze seinen Rand nachfahren konnte und ohne abzusetzen wieder dort ankam, wo man begonnen hatte. Es gab nur eine Kante, auch wenn das unm�glich schien. Sie lie� den Ring deshalb dort liegen, weil sie ohne ihn m�glicherweise keinen Erfolg haben w�rde, weil sie gar keinen haben wollte. Sie mu�te es fr�her oder sp�ter auch ohne den Ring ausprobieren, sonst w�rde sie ewig nur die Zehenspitzen ins Wasser baumeln lassen, obwohl sie eigentlich schwimmen wollte. Warum also nicht jetzt? Das war der einzige Grund. In der Tat der einzige.</p><p>Das dicke, ledergebundene Buch war <emphasis>Eine Reise nach Tarabon</emphasis> von Eurian Romavni aus Kandor. Wenn man den Daten gleich in der ersten Zeile glauben konnte, war es vor dreiundf�nfzig Jahren verfa�t worden, aber in solch kurzer Zeit w�rde sich nicht zuviel Wesentliches in Tanchico ge�ndert haben. Au�erdem war es das einzige Buch unter den aufgefundenen, das einige n�tzliche Zeichnungen enthielt. Die meisten dieser B�cher enthielten lediglich die Portraits von K�nigen oder phantasievolle Schlachtengem�lde von K�nstlern, die sowieso nicht dabei gewesen waren.</p><p>Hinter beiden Fenstern lag Dunkelheit, aber die Lampen warfen gen�gend Licht in den Raum. Eine hohe Bienenwachskerze brannte in einem vergoldeten Kerzenhalter auf ihrem Nachttisch. Sie hatte Kerze und Halter selbst besorgt. Das war keine Nacht, in der man eine Dienerin nach einer Kerze schickt. Die meisten Angeh�rigen der Dienerschaft pflegten Verwundete, beweinten geliebte Menschen, die sie verloren hatten oder mu�ten sich selbst pflegen lassen. Es waren einfach zu viele gewesen, so da� sie nur diejenigen mit Hilfe der Macht hatten heilen k�nnen, die ansonsten gestorben w�ren.</p><p>Elayne und Nynaeve hatten ihre hochlehnigen St�hle auf jeder Seite an das Bett mit den hohen, mit Schwalbenschnitzereien verzierten Bettpfosten herangezogen und warteten. Sie bem�hten sich, ihre Nervosit�t mehr oder weniger zu verbergen. Elayne machte �u�erlich einen halbwegs ruhigen Eindruck, der nur durch ihre gerunzelte Stirn und das st�ndige Kauen auf ihrer Unterlippe etwas gest�rt wurde, obwohl sie das nur tat, wenn sie glaubte, da� Egwene gerade nicht hinsehe. Nynaeve wirkte hellwach und voller Selbstsicherheit. So fl��te sie Vertrauen ein, wenn sie jemanden auf dem Krankenbett betreute, aber Egwene sah genauer hin und bemerkte auch ihre Blicke, die aussagten, da� Nynaeve Angst hatte.</p><p>Aviendha sa� mit �bergeschlagenen Beinen neben der T�r. Ihre graubraune Kleidung hob sich deutlich von dem tiefen Blau des Teppichs ab. Diesmal trug die Aielfrau ihr langes Messer an der einen Seite ihres G�rtels. An der anderen hing ein mit Pfeilen gespickter K�cher. �ber die Knie hatte sie vier Kurzspeere gelegt. Ihr runder Lederschild lag neben ihr auf einem Hornbogen in einem geh�mmerten Lederfutteral mit Riemen, mit denen sie es sich �ber den R�cken h�ngen konnte. Nach dem heutigen Abend w�rde Egwene ihr nie wieder vorwerfen, da� sie immer bewaffnet herumlief. Sie h�tte am liebsten selbst noch immer einen Blitz bereitgehalten, um ihn jeden Augenblick auf einen Gegner schleudern zu k�nnen.</p><p><emphasis>Licht, was war das, was Rand tat? Seng mich, er hat mir fast ebensoviel Angst eingejagt wie die Blassen. Oder noch mehr. Es ist nicht fair, da� er so etwas fertigbringt und ich noch nicht einmal die Str�nge sehen kann.</emphasis></p><p>Sie kletterte auf das Bett und nahm das ledergebundene Buch auf die Knie. Dann blickte sie stirnrunzelnd einen Stich mit einem Stadtplan von Tanchico an. Es war nicht viel N�tzliches eingezeichnet. Ein Dutzend Festungen, die den Hafen umstanden und die Stadt auf ihren drei h�geligen Halbinseln sch�tzten � Verana im Osten, Maseta in der Mitte und Calpene dem Meer am n�chsten. Ein paar gro�e Pl�tze, mehrere Fl�chen, die wohl Parks darstellen sollten und eine Anzahl von Denkm�lern von Herrschern, die schon l�ngst zu Staub verfallen waren. Alles nutzlos. Ein paar Schl�sser und einige seltsam anmutende Dinge. Der Gro�e Kreis auf Calpene zum Beispiel. Auf der Karte war er einfach als Ring eingezeichnet, aber Meister Romavni beschrieb ihn als riesigen Versammlungsort, an dem sich Tausende einfanden, um Pferderennen zu beobachten oder die Feuerwerke der Gilde zu bestaunen. Es gab auf Maseta auch einen K�nigskreis, und der war gr��er als der Gro�e Kreis, und auf Verana gab es den Kreis der Panarchen, der auch nicht viel kleiner war. Das Gildehaus der Feuerwerker war ebenfalls eingezeichnet. Das war alles nutzlos. Und auch im Text fand sich nichts Brauchbares. �Bist du sicher, da� du es ohne den Ring versuchen willst?� fragte Nynaeve leise.</p><p>�Ganz sicher�, antwortete Egwene so ruhig sie eben konnte. Ihr Magen flatterte genauso gequ�lt wie heute abend, als sie den ersten Trolloc gesehen hatte, der eine arme Frau am Haarschopf gehalten und ihr die Kehle durchgeschnitten hatte wie bei einem Kaninchen. Die Frau hatte auch wie ein Kaninchen gequiekt. Es hatte nichts gebracht, den Trolloc zu t�ten; die Frau war genauso tot gewesen. Nur ihr schrilles Schreien ging ihr nicht aus den Ohren. �Wenn es nicht klappt, kann ich es immer noch mit dem Ring probieren.� Sie beugte sich vor und kratzte mit dem Fingernagel eine Markierung in die Kerze. �Weckt mich, wenn sie so weit heruntergebrannt ist. Licht, ich w�nschte, wir h�tten eine Uhr.� Elayne lachte sie aus. Es klang bei ihr heiter und ungezwungen. Beinahe. �Eine Uhr in einem Schlafzimmer? Meine Mutter hat ein Dutzend Uhren, aber ich habe noch nie von einer Uhr in einem Schlafzimmer geh�rt.� �Also, mein Vater hat auch eine Uhr�, knurrte Egwene, �die einzige im ganzen Dorf, und ich w�nschte, ich h�tte sie jetzt hier. Glaubt ihr, sie wird eine Stunde brauchen, bis sie heruntergebrannt ist? Ich will nicht l�nger schlafen. Ihr m��t mich wecken, sobald die Flamme diese Markierung erreicht. Sofort!� �Das werden wir�, sagte Elayne beruhigend. �Ich verspreche es.� �Der Steinring�, sagte Aviendha pl�tzlich. �Da du ihn nicht ben�tzt, Egwene, k�nnte dann nicht jemand � eine von uns � ihn ben�tzen, um mit dir zu kommen?� �Nein�, seufzte Egwene. <emphasis>Licht, ich w�nschte, sie w�rden alle mitkommen.</emphasis> �Aber trotzdem vielen Dank, da� du daran gedacht hast.� �Kannst nur du ihn ben�tzen, Egwene?� fragte die Aielfrau.</p><p>�Jede von uns k�nnte das�, antwortete Nynaeve, �selbst du, Aviendha. Eine Frau mu� dazu nicht die Macht ben�tzen k�nnen. Sie mu� nur schlafen, und der Ring sollte ihre Haut ber�hren. Soweit wir wissen, k�nnte auch ein Mann dasselbe fertigbringen. Aber wir alle kennen <emphasis>Tel'aran'rhiod</emphasis> nicht so gut wie Egwene, genausowenig wie die Naturgesetze dort.� Aviendha nickte. �Das verstehe ich. Eine Frau k�nnte Fehler begehen, wenn sie sich nicht auskennt, und ihre Fehler k�nnten sich auch f�r andere t�dlich auswirken.� �Genau�, sagte Nynaeve. �Die Welt der Tr�ume ist ein gef�hrlicher Ort. Soviel wissen wir.� �Aber Egwene wird vorsichtig sein�, versicherte Elayne. Sie sprach wohl zu Aviendha gewandt, aber offensichtlich waren die Worte f�r Egwenes Ohren bestimmt. �Sie hat es versprochen. Sie wird sich umsehen � vorsichtig! � und nicht mehr.� Egwene konzentrierte sich auf den Stadtplan. Vorsichtig. Wenn sie ihren verdrehten Steinring nicht so eifers�chtig bewacht h�tte � sie betrachtete ihn als ihren Besitz, auch wenn ihr der Saal der Burg da nicht zugestimmt h�tte, doch die wu�ten gar nicht, da� sie ihn hatte � wenn sie zugelassen h�tte, da� Elayne und Nynaeve ihn mehr als nur ein- oder zweimal benutzt h�tten, dann w��ten sie vielleicht genug, um sie jetzt zu begleiten. Doch es war nicht das Bedauern dar�ber, das sie die Blicke der anderen Frauen meiden lie�. Sie wollte nicht, da� sie die Furcht in ihren Augen bemerkten.</p><p><emphasis>Tel'aran'rhiod.</emphasis> Die Unsichtbare Welt. Die Welt der Tr�ume. Nicht der Tr�ume gew�hnlicher Menschen, obwohl auch sie manchmal <emphasis>Tel'aran'rhiod</emphasis> f�r kurze Zeit streiften, wenn ihnen ihre Tr�ume echt erschienen. Sie waren ja auch echt. In der Unsichtbaren Welt war das, was geschah, auf seltsame Art wirklich. Nichts von dem, was dort geschah, beeinflu�te die Wirklichkeit an sich. Eine T�r, die man in der Welt der Tr�ume �ffnete, blieb in der Welt der Wirklichkeit deshalb immer noch geschlossen, und ein Baum, der dort gef�llt wurde, stand hier nach wie vor, doch konnte es passieren, da� eine Frau dort get�tet oder durch ungl�ckliche Umst�nde einer D�mpfung unterzogen wurde. �Seltsam� dr�ckte kaum aus, was sich dort abspielte. In der Unsichtbaren Welt lag die Gesamtheit der Welten offen und vielleicht auch noch andere Welten dazu; man konnte jeden beliebigen Ort erreichen. Oder zumindest dessen Spiegelbild in der Welt der Tr�ume. Dort konnte man das Gewebe des Musters erkennen �Vergangenheit, Gegenwart und Zukunft � wenn man wu�te, wie. Ein Tr�umer konnte das. Es hatte in der Wei�en Burg keinen Tr�umer seit Coreanin Nedeal vor etwa f�nfhundert Jahren mehr gegeben.</p><p><emphasis>Um genau zu sein, vor vierhundertdreiundsiebzig Jahren,</emphasis> dachte Egwene. <emphasis>Oder sind es jetzt schon vierhundertvierundsiebzig? Wann ist Coreanin gestorben?</emphasis> Falls Egwene eine Gelegenheit bekam, ihre Ausbildung in der Burg zu beenden, als Aufgenommene dort weiterzustudieren, w�rde sie es vielleicht erfahren. Es gab soviel, was sie dann erfahren konnte.</p><p>In Egwenes Beutel, in dem sie den <emphasis>Ter'Angreal</emphasis> aufbewahrte, steckte auch eine Liste, klein genug, um sie in jeder Tasche unterzubringen. Darauf stand alles, was die Schwarzen Ajah bei ihrer Flucht aus der Burg gestohlen hatten. Alle drei besa�en sie eine Abschrift davon. Bei dreizehn der gestohlenen <emphasis>Ter'Angreal</emphasis> war �kein bekannter Zweck� eingetragen, und dazu: �zuletzt von Coreanin Nedeal untersucht�. Aber wenn Coreanin Sedai schon ihre Anwendung nicht herausbekommen hatte, dann war sich Egwene zumindest in einer Hinsicht sicher. Sie verschafften einem Eintritt in <emphasis>Tel'aran'rhiod;</emphasis> vielleicht nicht so leicht wie ihr Steinring und vielleicht auch nur unter Anwendung der Macht, aber immerhin.</p><p>Zwei hatten sie Joiya und Amico wieder abgenommen: eine eiserne Scheibe von einer Handbreit Durchmesser, in die man auf beiden Seiten eine enge Spirale eingraviert hatte, und eine Spange, nicht l�nger als ihre Hand, die anscheinend aus reinem Bernstein bestand, doch hart genug war, um selbst auf Stahl Kratzer zu hinterlassen. Trotzdem war irgendwie eine schlafende Frau eingraviert worden. Amico hatte sich freim�tig dazu ge�u�ert und Joiya schlie�lich auch, allerdings erst nach einer Sitzung allein in ihrer Zelle mit Moiraine, nach der die Schwarze Schwester bla� und mit beinahe h�flichen Umgangsformen zur�ckgeblieben war. Wenn man ein kleines Rinnsal der Macht in jeden dieser <emphasis>Ter'Angreal</emphasis> lenkte, dann schl�ferte er einen ein und man befand sich in <emphasis>Tel'aran'rhiod.</emphasis> Elayne hatte beide kurz ausprobiert, und es hatte funktioniert, obwohl sie dort lediglich das Innere des Steins gesehen hatte und Morgases K�nigspalast in Caemlyn.</p><p>Egwene hatte nicht gewollt, da� sie die beiden ausprobierte, und wenn es auch nur f�r einen kurzen Besuch war, doch nicht aus Eifersucht. Allerdings hatte sie auch nicht sehr eindeutig erkl�ren k�nnen, warum sie es nicht w�nschte, denn sie f�rchtete, Elayne und Nynaeve w�rden den furchtsamen Unterton in ihrer Stimme bemerken und verstehen.</p><p>Zwei zur�ckgewonnen bedeutete, da� die Schwarzen Ajah immer noch elf in ihrem Besitz hatten. Das war es, was Egwene hatte betonen wollen. Elf <emphasis>Ter'Angreal</emphasis> in der Hand der Schwarzen Schwestern, und jeder davon konnte eine Frau nach <emphasis>Tel'aran'rhiod</emphasis> bringen. Wenn Elayne ihre kurzen Abstecher in die Unsichtbare Welt unternahm, konnte sie durchaus dort Schwarze Ajah antreffen, die auf sie gewartet hatten, oder �ber eine stolpern, bevor sie es bemerkte. Bei dem Gedanken verkrampfte sich Egwenes Magen. Sie konnten ja auch jetzt auf sie warten. Es war nicht wahrscheinlich, und sicher w�re es auch keine Absicht, denn sie konnten kaum wissen, da� sie kommen werde, doch sie konnten durchaus dasein, wenn sie hindurchtrat. Sie konnte schon mit einer fertigwerden, wenn sie nicht gerade �berrascht wurde, und das w�rde sie zu verhindern wissen. Aber wenn sie wirklich vollkommen �berraschend auftauchten? Zwei oder drei zusammen? Liandrin und Rianna, Chesmal Emry und Jeane Caide und all die anderen zugleich?</p><p>Sie blickte finster den Stadtplan an und entspannte ihre verkrampften H�nde. Die Ereignisse dieses Abends hatten allem noch gr��ere Dringlichkeit verliehen. Wenn Schattenwesen den Stein angriffen, wenn eine der Verlorenen pl�tzlich mitten unter ihnen auftauchte, dann konnte sie sich nicht ihrer Angst einfach hingeben. Sie mu�ten erfahren, was zu tun sei. Sie mu�ten noch weitere Informationen haben au�er Amicos vager Erz�hlung. Irgend etwas. Wenn sie nur erfahren k�nnte, wo genau sich Mazrim Taim unterwegs nach Tar Valon befand, oder wenn sie nur irgendwie in die Tr�ume der Amyrlin hineinschl�pfen k�nnte, um mit ihr zu sprechen. Vielleicht war so etwas f�r einen Tr�umer m�glich. Falls ja, dann wu�te sie allerdings nicht, wie. Also mu�te sie sich Tanchico widmen.</p><p>�Ich mu� allein gehen, Aviendha. Ich mu�.� Sie hielt ihren Tonfall f�r ruhig und gleichm��ig, doch Elayne t�tschelte ihre Schulter beruhigend.</p><p>Egwene wu�te nicht, warum sie �berhaupt den Stadtplan anstarrte. Sie hatte ihn bereits genau im Kopf, selbst die Gr��enverh�ltnisse. Was in dieser Welt existierte, existierte auch in der Welt der Tr�ume. Sie hatte ihr Ziel gew�hlt. Sie bl�tterte in dem Buch, bis sie den einzigen Stich vom Innern eines Geb�udes fand, das auf dem Plan als der Palast der Panarchen bezeichnet wurde. Es w�re nicht gut, sich in irgendeinem Saal wiederzufinden, von dessen Lage in der Stadt sie keine Ahnung hatte. Sicher, es konnte sein, da� sowieso alles umsonst war. Doch den Gedanken verdr�ngte sie schnell wieder. Sie mu�te einfach daran glauben, da� etwas dabei herauskommen k�nne.</p><p>Der Stich zeigte einen gro�en Saal mit hoher Decke. Ein an h�fthohen Pfosten befestigtes Seil hielt die Menschen davon ab, den Dingen zu nahe zu kommen, die auf Tischchen und in Vitrinen an den W�nden ausgestellt waren. Die meisten Ausstellungsst�cke waren nur undeutlich zu erkennen, bis auf das, was sich am hinteren Ende des Saals befand. Der K�nstler hatte sich gro�e M�he gegeben, das massive Skelett, das dort stand, so genau wiederzugeben, als sei der Rest des Gesch�pfes erst vor einem Augenblick verschwunden. Es hatte vier Beine mit m�chtigen Knochen, doch ansonsten �hnelte es keinem Tier, das Egwene je gesehen hatte. Es mu�te unter anderem mindestens zwei Spannen hoch sein, also mehr als doppelt so gro� wie sie. Der abgerundete Sch�del, der tief zwischen den Schultern lagerte wie bei einem Stier, sah gro� genug aus, da� ein Kind hineinklettern konnte, und auf dem Bild schien er vier Augenh�hlen aufzuweisen. Dieses Skelett war ein so deutliches Kennzeichen, da� sie den Saal wohl kaum mit einem anderen verwechseln konnte. Was es auch gewesen sein mochte: falls Eurian Romavni es gekannt hatte, hatte er es in diesem Buch jedenfalls nicht erw�hnt.</p><p>�Was ist eigentlich ein Panarch?� fragte sie, als sie das Buch zur Seite legte. Sie hatte dieses Bild schon ein dutzendmal betrachtet. �All diese Schreiber scheinen zu glauben, da� jeder dar�ber Bescheid wei�.� �Die Panarchin von Tanchico ist an Einflu� und Macht dem K�nig gleichgestellt�, zitierte Elayne. �Sie ist daf�r verantwortlich, da� Steuern, Z�lle und andere Abgaben eingetrieben werden, w�hrend er sie ausgeben darf. Sie befehligt die Miliz und die Gerichte, au�er dem H�chsten Gerichtshof, der dem K�nig untersteht. Das Heer untersteht nat�rlich auch ihm, abgesehen von der Legion der Panarchin. Sie... � �Das wollte ich nicht so genau wissen�, seufzte Egwene. Sie hatte einfach nur irgend etwas sagen wollen, noch ein paar Minuten vertr�deln, bevor sie einschlafen mu�te. Die Kerze brannte langsam herunter, und sie verschwendete vielleicht wertvolle Zeit. Sie wu�te, wie sie aus dem Traum entkommen und sich selbst aufwecken konnte, aber in der Welt der Tr�ume verlief die Zeit eben doch anders, und es konnte leicht passieren, da� man jedes Zeitgef�hl verlor. �Sobald sie die Markierung erreicht�, sagte sie noch einmal, und Elayne und Nynaeve murmelten beruhigende Worte.</p><p>Sie legte sich auf ihr Federkissen zur�ck und starrte zuerst nur die Decke an, auf die blauer Himmel mit Wolken und fliegenden Schwalben gemalt war. Die bemerkte sie jedoch gar nicht.</p><p>Ihre Tr�ume waren in letzter Zeit schon schlimm genug gewesen. Rand kam nat�rlich immer wieder darin vor. Rand, so gro� wie ein Berg, der durch St�dte marschierte, Geb�ude unter seinen F��en zermalmte und vor dem schreiende Menschen von Ameisengr��e flohen. Rand in Ketten, und diesmal war er es, der schrie. Rand, der eine Mauer baute. Er befand sich auf der einen und sie auf der anderen Seite, sie und Elayne und andere, die sie nicht erkennen konnte. �Es mu� vollbracht werden�, sagte er beim Aufschichten der Steine. �Ich lasse mich jetzt von euch nicht mehr aufhalten.� Doch das waren nicht die einzigen Alptr�ume. Sie hatte davon getr�umt, da� sich die Aiel untereinander bek�mpften, sich gegenseitig t�teten, und sogar, da� sie ihre Waffen wegwarfen und wie die Wahnsinnigen fortrannten. Mat, wie er mit einer Seanchanfrau rang, die ihn an eine unsichtbare Leine legte. Ein Wolf, von dem sie sicher war, da� Perrin dahintersteckte, der gegen einen Mann mit sich st�ndig ver�nderndem Gesicht k�mpfte. Galad, der sich ganz in Wei� h�llte, als lege er sein eigenes Leichentuch an, und Gawyn mit einem Blick voller Schmerz und Ha�. Ihre Mutter, und sie weinte. Das waren die klaren Tr�ume, von denen sie wu�te, da� sie eine Bedeutung hatten. Sie waren schrecklich, und sie wu�te von keinem, was er eigentlich bedeuten sollte. Wie konnte sie nur annehmen, sie werde in <emphasis>Tel'aran'rhiod</emphasis> irgendwelche verborgene Bedeutungen oder Hinweise finden und auch erkennen? Doch eine andere M�glichkeit gab es nicht. H�chstens die, eben nichts zu erfahren, und das wollte sie nicht akzeptieren.</p><p>Trotz ihrer �ngste fiel ihr das Einschlafen leicht; sie war ersch�pft. Sie mu�te lediglich die Augen schlie�en und tief und regelm��ig atmen. Den Raum im Panarchenpalast mit dem riesigen Skelett darin pr�gte sie sich ganz besonders ein. Tiefe, regelm��ige Atemz�ge. Sie erinnerte sich daran, welches Gef�hl es war, den Steinring zu ben�tzen und in <emphasis>Tel'aran'rhiod</emphasis> hinauszutreten. Tiefe � gleichm��ige �Atemz�ge.</p><p>Egwene trat einen Schritt zur�ck und schnappte nach Luft. Sie legte eine Hand an die Kehle. Aus dieser N�he wirkte das Skelett noch gr��er, als sie geglaubt hatte. Die Knochen waren stumpf und trocken und von der Zeit gebleicht. Sie stand direkt davor, noch innerhalb der Seilbarriere. Es war ein wei�es Seil, armdick und offensichtlich aus Seide gedreht. Sie hatte keinen Zweifel daran, da� sie sich in <emphasis>Tel'aran'rhiod</emphasis> befand. Alles war ganz real, selbst die Dinge, die sie nur aus den Augenwinkeln erkennen konnte. Da� sie in der Lage war, feine Unterschiede zu einem normalen Traum zu bemerken, zeigte ihr ganz klar, wo sie sich befand. Au�erdem war es ein... sicheres Gef�hl.</p><p>Sie �ffnete sich <emphasis>Saidar.</emphasis> Ein Kratzer am Finger, den sie sich in der Welt der Tr�ume zuzog, w�rde auch beim Erwachen noch vorhanden sein. Sie konnte sich also einem t�dlichen Schlag mit Hilfe der Macht oder auch einem Schwerthieb oder einem Kn�ppelschlag nicht durch eine Flucht ins Erwachen entziehen. Sie hatte nicht vor, sich auch nur einen Augenblick lang eine Bl��e zu geben.</p><p>Statt ihres Unterhemdes trug sie nun etwas, was der Kleidung der Aiel recht �hnlich sah, nur aus roter, mit Brokat besetzter Seide gefertigt. Selbst ihre bis zum Knie hochgeschn�rten weichen Stiefel bestanden aus rotem Leder, das man mit seinen Goldstickereien und dem Spitzenbesatz gut h�tte f�r Handschuhe ben�tzen k�nnen. Sie lachte leise in sich hinein. Die Kleidung in <emphasis>Tel'aran'rhiod</emphasis> entsprach dem, was man sich w�nschte. Offensichtlich wollte ein Teil ihrer Pers�nlichkeit beweglich und sprungbereit sein, w�hrend ein anderer Teil einen Ballabend bevorzugt h�tte. Aber so ging das nicht. Das Rot verbla�te zu Grau- und Braunt�nen; Mantel und Hose und Stiefel wurden zu genauen Kopien der Kleidung einer Tochter des Speers. Aber das war auch nicht besser, jedenfalls nicht in einer Stadt. Mit einemmal trug sie die Kopie eines der Kleider, in denen Faile immer herumlief: dunkel, mit einem engen Hosenrock, langen �rmeln und einem bequemen, hochgeschn�rten Oberteil. <emphasis>Dumm, sich dar�ber Gedanken zu machen. Keiner wird mich sehen, au�er im Traum, und hierher reichten wohl nur wenige normale Tr�ume. Es w�rde �berhaupt keinen Unterschied machen, wenn ich nackt w�re.</emphasis></p><p>Einen Augenblick lang war sie nackt. Ihr Gesicht lief vor Verlegenheit rot an. Es befand sich ja niemand hier, der sie unbekleidet wie im Bad sehen konnte, aber sie holte doch ganz schnell ihr Kleid zur�ck. Sie h�tte sich daran erinnern sollen, wie schon fl�chtige Gedanken hier die Dinge beeinflussen konnten, besonders wenn man von der Macht erf�llt war. Elayne und Nynaeve hielten sie wohl f�r allwissend. Sicher, sie kannte ein paar Naturgesetze der Unsichtbaren Welt, doch sie wu�te auch, da� es hundert, ja tausend weitere gab, die sie nicht kannte. Das alles mu�te sie lernen, falls sie der erste Tr�umer der Burg seit Coreanin werden wollte.</p><p>Sie betrachtete den riesigen Sch�del ein wenig genauer. Sie war ja auf dem Land aufgewachsen und wu�te, wie Tierknochen aussahen. Es waren doch keine vier Augenh�hlen. Zwei der L�cher schienen statt dessen einst Sto�z�hne gehalten zu haben, und zwar auf jeder Seite der Nase einen. Vielleicht war es eine Art ungeheuer gro�er Keiler gewesen, obwohl das eigentlich nicht wie die Schweinesch�del aussah, die sie kannte. Jedenfalls schien das Skelett alt, uralt sogar.</p><p>Hier und von der Macht erf�llt war sie in der Lage, so etwas zu sp�ren. Nat�rlich waren all ihre Sinne unter dem Einflu� der Macht gesch�rft. Sie sp�rte die winzigen Risse in den vergoldeten Gipsplatten an der Decke f�nfzig Fu� �ber ihr genau wie die Gl�tte des wei�en Steinbodens. Auch die Fu�bodenplatten wiesen haarfeine, unsichtbare Risse auf.</p><p>Der Saal war riesig gro� � vielleicht zweihundert Schritt lang und beinahe halb so breit. Reihen schlanker wei�er S�ulen zogen sich hindurch, und �berall war die Au�enseite mit diesem wei�en Seil abgesperrt, au�er dort, wo sich die hohen Doppelbogent�ren befanden. Auch im Innern noch zogen sich weitere Seile um Holzregale und Vitrinen mit Ausstellungsst�cken. Oben unter der Decke wies der Saal statt Fenstern rundherum kunstvoll durchbrochene Stuckarbeiten auf, die reichlich Licht durchlie�en. Offensichtlich hatte sie sich in ein Tanchico hineingetr�umt, in dem es gerade heller Tag war.</p><p>�Eine gro�artige Ausstellung von Artefakten aus vergangenen Zeitaltern, aus dem Zeitalter der Legenden und noch fr�heren, f�r alle, auch f�r die einfachen Menschen, dreimal im Monat und an Festtagen ge�ffnet�, hatte Eurian Romavni geschrieben. Er hatte in gl�henden Farben die unglaublich kostbare Sammlung von <emphasis>Cuendillar-Figurinen</emphasis> beschrieben. Es waren sechs, die in einer Glasvitrine genau in der Mitte des Saals aufbewahrt und immer von vier Mann aus der Leibgarde der Panarchin bewacht wurden, wenn der Eintritt gestattet war. Dann hatte er weitere zwei Seiten lang geschw�rmt von den Skeletten sagenhafter Tiere, �die von Menschenaugen niemals lebendig gesehen wurden�. Egwene konnte nun ein paar davon betrachten. An der einen Seite des Saals stand das Skelett eines Tiers, das ein wenig an einen B�ren erinnerte, wenn es auch zwei unterarmlange Schneidez�hne aufwies, und gegen�ber auf der anderen Seite stand das Knochenger�st eines schlanken vierbeinigen Huftiers, dessen Hals so lang war, da� sich der Sch�del oben auf halbem Weg zur Decke befand. Es gab noch mehr in regelm��igen Abst�nden an den W�nden des Saals, und die anderen waren genauso phantastisch. Alle verstr�mten eine derartige Aura des Alters, da� der Stein von Tear dagegen wie ein Neubau wirkte. Sie b�ckte sich und schl�pfte unter dem Seil durch. Dann schlenderte sie mit gro�en Augen weiter durch den Saal.</p><p>Da stand eine verwitterte kleine Statue einer Frau, anscheinend unbekleidet, doch in langes Haar geh�llt, das ihr bis auf die Kn�chel herunter reichte, die sich �u�erlich kaum von den anderen in ihrer Vitrine unterschied. Jede war nicht viel gr��er als ihre Hand. Aber diese eine vermittelte einen Eindruck von sanfter W�rme, den sie erkannte. Es war ein <emphasis>Angreal,</emphasis> da war sie sicher. Sie fragte sich, warum die Burg ihn der Panarchin nicht abgekauft hatte. Ein fein gearbeiteter Halsring und zwei Armringe aus stumpfem schwarzen Metall auf einem eigenen St�nder lie�en sie schaudern. Sie sp�rte, da� Dunkelheit und Schmerz damit verbunden waren � alter, alter und doch scharfer Schmerz. In einem anderen Schaukasten lag ein silbriger Gegenstand wie ein dreizackiger Stern innerhalb eines Rings. Er bestand aus keiner ihr bekannten Substanz, weicher als Metall, verkratzt und mit tiefen Rillen, und er war sogar noch �lter als die �ltesten der Skelette. Aus zehn Schritt Entfernung konnte sie noch Stolz und Eitelkeit darin f�hlen.</p><p>Ein Gegenstand kam ihr tats�chlich bekannt vor, obwohl sie nicht wu�te, woher. Man hatte ihn in die �u�erste Ecke einer Vitrine gesteckt, als sei der, der ihn dorthin gelegt hatte, nicht von seinem Wert �berzeugt gewesen. Da lag also die obere H�lfte einer aus gl�nzend wei�em Stein gearbeiteten Frauenfigur, die in einer gehobenen Hand eine Kristallkugel trug. Ihr Gesicht war voller Ruhe, W�rde und weiser Autorit�t. In vollst�ndigem Zustand w�re sie wohl einen Fu� hoch gewesen. Aber warum kam sie ihr so bekannt vor? Sie schien Egwene beinahe zuzurufen, da� sie sie in die Hand nehmen solle.</p><p>Erst als Egwenes Hand sich um die zerbrochene Statue schlo�, wurde ihr bewu�t, da� sie �ber das Seil geklettert war. <emphasis>So was Dummes, und dabei wei� ich noch nicht einmal, was es ist,</emphasis> sagte sie sich, aber es war bereits zu sp�t.</p><p>Als ihre Hand die Figur ergriff, durchstr�mte sie die Macht. Sie flo� in die Statue und von dort wieder in sie zur�ck, immer hin und her. Die Kristallkugel flackerte von unregelm��igen, grellen Lichtblitzen, und bei jedem Aufblitzen stachen Nadeln in ihr Hirn. Mit einem schmerzerf�llten Schluchzen lie� sie los und schlo� beide H�nde um ihren Kopf.</p><p>Die Kristallkugel zersprang, als die Figur auf den Fu�boden fiel, und damit verschwanden auch die Nadeln aus ihrem Hirn. Zur�ck blieb nur eine dumpfe Erinnerung an Schmerzen, und au�erdem war ihr so schlecht, da� ihre Knie zitterten. Sie schlo� Augen zu, damit sie nicht sehen m��te, wie der ganze Saal zu schwanken schien. Die Statue mu�te ein <emphasis>Ter'Angreal</emphasis> gewesen sein, aber warum hatte er ihr so weh getan, als sie ihn lediglich ber�hrte? Vielleicht, weil er zerbrochen war? M�glicherweise konnte er in diesem unvollst�ndigen Zustand nicht vollbringen, wozu er geschaffen worden war. Sie wollte sich gar nicht erst vorstellen, welchem Zweck er gedient hatte. Einen <emphasis>Ter'Angreal</emphasis> zu untersuchen war eine gef�hrliche Angelegenheit. Nun mu�te er allerdings wohl endg�ltig zerbrochen und au�er Gefecht sein. Zumindest hier in dieser Welt. <emphasis>Warum schien er mich zu rufen?</emphasis></p><p>Das Schwindelgef�hl verflog, und sie �ffnete die Augen. Die Figur stand wieder in der Vitrine, und zwar im gleichen Zustand, in dem sie sie erblickt hatte. Seltsame Sachen passierten in <emphasis>Tel'aran'rhiod,</emphasis> aber das hier war doch noch etwas seltsamer, als ihr lieb war. Und au�erdem war sie ja nicht deshalb hergekommen. Zuerst mu�te sie aus dem Panarchenpalast herauskommen. Sie kletterte �ber das Seil zur�ck und eilte aus dem Saal, wobei sie sich bem�hen mu�te, nicht zu laufen.</p><p>Der Palast war nat�rlich g�nzlich unbelebt. Jedenfalls war kein menschliches Leben darin festzustellen. In gro�en Brunnenbecken schwammen farbenpr�chtige Fische herum. Die Brunnen pl�tscherten in Innenh�fen, die von schlanken S�uleng�ngen ums�umt waren, und �ber denen Balkone hingen, deren Steingel�nder so fein gearbeitet waren, da� sie wie gekl�ppelte Spitzen wirkten. Auf dem Wasser trieben Wasserlilien und wei�e Blumen von mehr als Tellergr��e. In der Welt der Tr�ume waren die Geb�ude und Orte genauso wie in Wirklichkeit. Nur eben die Menschen nicht. In den Fluren standen wundervoll verzierte goldene Lampenhalter. Die Dochte waren neu und hatten noch nie gebrannt, doch sie konnte das parf�mierte �l der Lampen riechen. Ihre Schritte wirbelten kein bi�chen Staub von den bunten Teppichen auf, die man doch hier sicherlich nicht ausgeklopft hatte.</p><p>Einmal sah sie eine andere Person, die ein St�ck vor ihr herschritt. Es war ein Mann in einem vergoldeten und kunstvoll verzierten Schuppenpanzer, der einen spitzen, goldenen Helm mit wei�en Reiherfedern unter dem Arm trug. �Aeldra?� rief er l�chelnd. �Aeldra, komm, schau mich an. Ich bin zum Lordhauptmann der Legion der Panarchin ernannt worden. Aeldra?� Er ging noch einen Schritt weiter, rief noch einmal und war pl�tzlich nicht mehr da. Kein Tr�umer. Noch nicht einmal jemand, der einen <emphasis>Ter'Angreal</emphasis> ben�tzte wie ihren Steinring oder Amicos Eisenscheibe. Nur ein Mann, dessen Traum einen Ort ber�hrt hatte, von dem er �berhaupt nichts wu�te und der Gefahren enthielt, von denen er keine Ahnung hatte. Menschen, die unerwartet im Schlaf starben, hatten sich oft nach <emphasis>Tel'aran'rhiod</emphasis> hineingetr�umt und waren in Wirklichkeit hier gestorben. Er war aber wieder drau�en und in einen normalen Traum zur�ckgekehrt.</p><p>Neben ihrem Bett in Tear brannte die Kerze immer weiter herunter. Ihre Zeit in <emphasis>Tel'aran'rhiod</emphasis> verrann.</p><p>Sie beschleunigte ihre Schritte und kam an eine hohe geschnitzte T�r, die nach drau�en f�hrte auf breite wei�e Treppen und weiter zu einem riesigen, leeren Vorplatz. Tanchico erstreckte sich in allen Richtungen �ber steil ansteigende H�gel. �berall gl�nzten wei�e Geb�ude im Sonnenschein, dazu Hunderte von schlanken T�rmchen und beinahe genauso viele spitz zulaufende Kuppeln, von denen einige vergoldet waren. Der Kreis der Panarchin, eine hohe, rund verlaufende wei�e Steinmauer, war von hier aus gut zu sehen. Er befand sich vielleicht eine halbe Meile entfernt und war ein wenig niedriger als der Palast. Der Panarchenpalast erhob sich auf einem der h�chsten H�gel. Vom oberen Ende der breiten Treppe aus, hoch auf der H�gelkuppe, konnte sie im Westen Wasser gl�nzen sehen, wo tief eingeschnittene Buchten sie von den anderen h�gligen Landfingern trennten, auf denen die �brige Stadt lag. Tanchico war gr��er als Tear, vielleicht sogar gr��er als Caemlyn.</p><p>So vieles, was sie alles absuchen mu�te, und dabei wu�te sie noch nicht einmal, wonach sie suchte. Nach irgend etwas, das auf die Gegenwart der Schwarzen Ajah hinwies oder irgendeine Gefahr f�r Rand anzeigte, falls die hier existierte. W�re sie bereits ein echter Tr�umer und im Gebrauch ihres Talents geschult, dann h�tte sie bestimmt gewu�t, wonach sie suchen mu�te oder wie sie das Gesehene auslegen konnte. Aber es gab niemanden mehr, die sie darin unterrichten konnte. Die Weisen Frauen der Aiel konnten dem H�rensagen nach Tr�ume deuten. Aviendha hatte so sehr gez�gert, ihnen etwas �ber die Weisen Frauen zu erz�hlen, da� sie erst gar keine andere Aielfrau danach gefragt hatte. Vielleicht k�nnte ihr eine Weise Frau das Notwendige beibringen. Falls sie eine fand.</p><p>Sie tat einen Schritt auf den Vorplatz zu und befand sich mit einemmal woanders.</p><p>Um sie herum erhoben sich hohe Felsnadeln, und die Hitze sog jedes bi�chen Feuchtigkeit aus ihrem Atem. Die Sonne schien sie durch ihr Kleid hindurch r�sten zu wollen, und der Wind, der ihr Gesicht streichelte, kam wohl aus einem Backofen. Geduckte B�ume standen hier und da in einer Landschaft, die sonst kaum noch Pflanzenwuchs aufwies. Nur an ein paar Stellen hielt sich noch etwas z�hes Gras und dazu einige wenige stachlige Pflanzen, die sie nicht kannte. Den L�wen allerdings erkannte sie, obgleich sie noch nie einen gesehen hatte. Er lag in einer Felsspalte keine zwanzig Schritt entfernt. Der Schwanz mit der schwarzen Quaste am Ende zuckte l�ssig, als das Tier nicht sie, sondern etwas anderes beobachtete, was sich hundert Schritt weiter entfernt befand. Der gro�e, mit borstigem Haar bedeckte Keiler schn�ffelte und grub an der Wurzel eines Dornbusches und bemerkte die Aielfrau gar nicht, die sich mit sto�bereitem Speer anschlich. Sie war wie die Aiel im Stein gekleidet, hatte die Schufa um den Kopf gewickelt, das Gesicht aber nicht bedeckt.</p><p><emphasis>Die W�ste,</emphasis> staunte Egwene ungl�ubig. <emphasis>Ich bin in die Aiel-W�ste gesprungen! Wann lerne ich endlich, auf das achtzugeben, was ich hier denke?</emphasis></p><p>Die Aielfrau erstarrte. Ihr Blick war nun auf Egwene gerichtet und nicht mehr auf den Keiler. Falls es ein Keiler war; irgendwie erschien ihr seine Gestalt nicht ganz richtig geformt.</p><p>Egwene war sicher, da� die Frau keine Weise Frau war. Sie war auch nicht wie eine Tochter des Speers gekleidet, die eine Weise Frau werden wollte und daf�r �den Speer aufgab�, wie man es Egwene geschildert hatte. Das mu�te also lediglich eine Aielfrau sein, die ihren Weg im Traum nach <emphasis>Tel'aran'rhiod</emphasis> gefunden hatte, genau wie dieser Bursche im Palast. Er h�tte sie auch gesehen, wenn er sich umgedreht h�tte. Egwene schlo� die Augen und konzentrierte sich auf den einzigen klaren und deutlichen Eindruck aus Tanchico, den sie im Ged�chtnis hatte: dieses riesige Skelett im gro�en Saal.</p><p>Als sie die Augen wieder �ffnete, fiel ihr Blick direkt auf das m�chtige Knochenger�st. Man hatte die Knochen mit Draht aneinander befestigt. Diesmal bemerkte sie eine solche Einzelheit. Es war sehr geschickt gemacht, so da� man die Dr�hte kaum sah. Die halbe Statue mit ihrer Kristallkugel lag immer noch in ihrer Vitrine. Sie ging nicht in ihre N�he und wagte sich auch nicht n�her an den schwarzen Halsring mit den beiden Armb�ndern heran, von denen soviel Schmerz und Leid ausstrahlte. Der <emphasis>Angreal,</emphasis> diese Frauenfigur, stellte eine Versuchung dar. <emphasis>Und was f�ngst du damit an? Licht, du bist hergekommen, um dich umzusehen und zu suchen! Nicht mehr als das. Mach endlich weiter damit, Frau!</emphasis></p><p>Diesmal fand sie schnell wieder auf den Vorplatz hinaus. Hier verging die Zeit anders als in der Welt der Wirklichkeit; Elayne und Nynaeve w�rden sie bald aufwecken, und sie hatte noch nicht einmal angefangen. Sie durfte keine Minute mehr verschwenden. Und sie mu�te sich in acht nehmen, damit sie nicht wieder etwas dachte, was sie an einen anderen Ort bef�rderte. Nicht mehr an die Weisen Frauen denken. Selbst dieser Gedanke lie� die Welt um sie herum bereits wieder erzittern. <emphasis>Konzentriere dich auf das, was zu tun ist,</emphasis> sagte sie sich entschlossen.</p><p>Sie machte sich auf den Weg durch die menschenleere Stadt, schritt schnell aus und manchmal lief sie beinahe. Die gewundenen Pflasterstra�en zogen sich die Abh�nge hoch und wieder herunter, kurvten einmal nach rechts und dann wieder nach links, und die einzigen Lebewesen, die sich ihr dort zeigten, waren Tauben mit gr�nen Schwanzfedern und bla�graue M�wen, die sich bei jeder Ann�herung in ganzen Schw�rmen unter hallendem Fl�gelschlag in die Luft erhoben. Warum V�gel, aber keine Menschen? Fliegen summten vorbei, und im Schatten sah sie Asseln und K�fer herumkriechen. Ein Rudel abgemagerter Hunde, alle verschiedenfarbig, rannte ein St�ck vor ihr �ber die Stra�e. Warum Hunde?</p><p>Sie ri� sich zusammen und dachte wieder an den eigentlichen Zweck ihres Kommens. Was w�re wohl ein Anzeichen f�r die Anwesenheit Schwarzer Ajah? Oder eines f�r diese Gefahr, die Rand angeblich bedrohte? Die meisten der wei�en Geb�ude waren verputzt, doch der Putz war rissig und abgesprungen, und es zeigten sich an vielen Stellen verwittertes Holz oder bla�braune Backsteine darunter. Nur die T�rme und die gr��eren Bauwerke, die sie f�r Pal�ste hielt, bestanden aus Stein und waren ebenfalls wei�. Aber selbst ihre Steine zeigten bereits winzige Risse, wohl noch zu klein, um mit blo�em Auge erkennbar zu sein, doch mit Hilfe der Macht sp�rte sie alle auf. Wie Spinnweben �berzogen sie Kuppeln und T�rme. Vielleicht hatte das etwas zu bedeuten. Vielleicht bedeutete es, da� die Einwohner Tanchicos sich nicht genug um ihre Stadt k�mmerten. Das war genauso wahrscheinlich wie jede andere Deutung. Sie fuhr m�chtig zusammen, als pl�tzlich ein schreiender Mann direkt vor ihr vom Himmel fiel. Sie hatte gerade noch genug Zeit, um seine wei�en Pumphosen und den dicken, von einem Haarnetz festgehaltenen Schnurrbart zu bemerken, und dann verschwand er wieder, nur einen Schritt �ber dem Stra�enpflaster. W�re er hier in <emphasis>Tel'aran'rhiod</emphasis> auf dem Pflaster aufgeschlagen, h�tte man ihn zu Hause tot im Bett aufgefunden.</p><p><emphasis>Der hat wahrscheinlich genausoviel mit dem allem zu tun wie die K�fer,</emphasis> sagte sie sich.</p><p>Vielleicht fand sie etwas innerhalb der Geb�ude. Die Chance war nur gering, die Hoffnung schwach, doch sie war verzweifelt genug, um alles zu versuchen. Fast alles. Zeit. Wie lange hatte sie noch? Sie fing an, von T�r zu T�r zu rennen, und steckte den Kopf in s�mtliche L�den und Schenken und Wohnh�user.</p><p>Tische und B�nke standen in den Schankr�umen und warteten auf G�ste. Alles stand bereit � auch die Zinnkr�ge und Teller auf ihren Regalen. Die L�den waren so ordentlich aufger�umt, als h�tten die Inhaber gerade erst fr�hmorgens ihre Gesch�fte ge�ffnet, doch w�hrend auf den Tischen eines Schneiders Tuchballen lagen und bei einem Eisenwarengesch�ft Messer und Scheren ausgelegt waren, hingen bei einem Metzger keinerlei Fleischst�cke an den Haken, und der Ladentisch war leer. Wenn sie mit dem Finger irgendwo entlangfuhr, blieb allerdings kein Staubk�rnchen daran h�ngen. Es war �berall so sauber, da� selbst ihre Mutter zufrieden gewesen w�re. An den engeren Gassen standen die Wohnh�user, kleine, einfache, wei�get�nchte Geb�ude mit flachen D�chern. Zur Stra�e zu hatten sie keine Fenster. Alles war bereit, da� nur noch die Familien eintreten mu�ten und sich auf die B�nke an den erkalteten Kaminen oder an die schmalen Tische mit den geschnitzten Beinen setzen, auf denen das beste Geschirr der Hausfrau stand. Kleider hingen an ihren Haken, T�pfe waren an den Decken der K�chen aufgeh�ngt, und auf B�nken lagen Werkzeuge bereit und warteten.</p><p>Einmal hatte sie das Gef�hl, zur�ckgehen und nochmals nachsehen zu m�ssen. Also schritt sie ein Dutzend T�ren entlang den gleichen Weg zur�ck und blickte ein zweites Mal in ein Haus hinein, das in der wirklichen Welt wohl einer Frau geh�rte. Alles war fast genauso wie vorher. Fast. Wo vorher auf dem Tisch eine rotgestreifte Sch�ssel gestanden hatte, befand sich jetzt eine schlanke blaue Vase. Auf einer der B�nke in der N�he des Kamins hatten zuvor ein kaputtes Kummet und einige Werkzeuge zur Reparatur bereitgelegen, doch nun stand sie an der T�r und darauf lagen ein Handarbeitsk�rbchen und ein Kinderkleid mit sch�nen Stickereien.</p><p><emphasis>Warum hat es sich ge�ndert?</emphasis> fragte sie sich. <emphasis>Aber andererseits, warum sollte es unver�ndert bleiben? Licht, ich wei� wirklich gar nichts!</emphasis></p><p>Auf der gegen�berliegenden Stra�enseite befand sich ein Stall. Der wei�e Verputz hatte gro�e L�cken, durch die Backsteinmauern sichtbar waren. Sie schlenderte hin�ber und �ffnete einen der breiten T�rfl�gel. Der ansonsten blanke Erdboden war von Stroh bedeckt, genau wie in jedem anderen Stall, aber die Boxen standen leer. Keine Pferde. Warum? Etwas raschelte im Stroh, und ihr wurde klar, da� die Boxen doch nicht g�nzlich leer waren. Ratten. Dutzende von Ratten blickten sie furchtlos an und streckten die Schnauzen schnuppernd in die Luft. Keine einzige Ratte rannte fort oder scheute auch nur vor ihr zur�ck. Sie verhielten sich, als h�tten sie hier mehr Rechte als sie. Unwillk�rlich trat sie einen Schritt zur�ck. <emphasis>Tauben und M�wen und H�nde, Fliegen und Ratten. Vielleicht w��te eine Weise Frau, was das alles zu bedeuten hat.</emphasis></p><p>Und bei diesem Gedanken war sie pl�tzlich wieder in der W�ste. Mit einem Schrei fiel sie platt auf den R�cken, denn diese borstige, keiler�hnliche Kreatur rannte pl�tzlich geradewegs auf sie zu. Sie war so gro� wie ein kleines Pferd. Es war doch kein Schwein. Sie wu�te das in dem Moment, als das Tier geschickt �ber sie hinwegsprang. Die Schnauze war zu lang und voller spitzer Z�hne, und es hatte vier Zehen an jedem Fu�. In Gedanken war sie ganz ruhig, doch sie schauderte noch, w�hrend das Tier zwischen den Felsen hindurch davonrannte. Es war gro� genug gewesen, um sie zu zertrampeln, um ihre Knochen zu brechen oder, noch schlimmer, um sie mit diesen Z�hnen zu zerrei�en, wie es auch ein Wolf nicht besser h�tte fertigbringen k�nnen. Sie w�re dann mit Wunden bedeckt aufgewacht. Falls sie �berhaupt noch einmal erwacht w�re.</p><p>Der br�cklige Felsboden unter ihrem Hinterteil war hei� wie eine Herdplatte. Sie rappelte sich hoch, wobei sie sich �ber sich selbst �rgerte. Wenn sie sich nicht auf das konzentrieren konnte, was sie gerade tat, w�rde sie nie etwas erreichen. Sie sollte sich in Tanchico befinden, und nur das durfte sie im Kopf haben. Sonst nichts.</p><p>Sie h�rte auf, ihr Kleid auszuklopfen, als sie bemerkte, da� die Aielfrau sie aus zehn Schritt Entfernung mit ihren scharfen blauen Augen beobachtete. Die Frau war etwa genauso alt wie Aviendha und damit nicht �lter als sie selbst. Die Haarstr�hnen, die unter ihrer Schufa hervorschauten, waren allerdings bleich, beinahe wei�. Den Speer hielt sie wurfbereit in der Hand, und Egwene glaubte nicht, da� sie ihr Ziel auf so kurze Entfernung verfehlen w�rde.</p><p>Man sagte den Aiel nach, da� sie mit denjenigen kurzen Proze� machten, die ohne Erlaubnis ihre W�ste betraten. Egwene wu�te, da� sie wohl Frau und Speer in verfestigte Luft einschlie�en und dort festhalten konnte, aber w�rden die Str�nge lang genug halten, wenn sie sich hier aufzul�sen begann, um den R�ckweg nach Tanchico anzutreten? Oder w�rde ihr Man�ver die Frau so w�tend machen, da� sie ihren Speer im ersten m�glichen Augenblick warf, vielleicht, bevor sie vollends verschwunden war? Das m��te ja ein ganz tolles Gef�hl sein, von einem Aielspeer durchbohrt nach Tanchico zur�ckzukehren! Doch wenn sie die Str�nge abnabelte, w�re die Frau in <emphasis>Tel'aran'rhiod</emphasis> gefangen, bis sie sie wieder befreite. Sie w�re hilflos, falls der L�we oder die keiler�hnliche Kreatur zur�ckk�men.</p><p>Nein. Es war einfach notwendig, da� die Frau ihren Speer senkte, wenigstens lang genug, da� sie mit gutem Gewissen die Augen schlie�en konnte, um sich nach Tanchico zur�ckzutr�umen. Zur�ck an ihre eigentliche Aufgabe. Sie hatte f�r solche Ausfl�ge einfach keine Zeit mehr. Sie war sich nicht einmal ganz sicher, ob ein Mensch, der genau wie sie selbst durch einen Traum den Weg nach <emphasis>Tel'aran'rhiod</emphasis> gefunden hatte, ihr genauso gef�hrlich werden konnte wie die anderen Dinge der Welt der Tr�ume, aber sie wollte lieber jetzt nicht das Risiko eingehen, das mit Hilfe einer Aiel-Speerspitze herauszufinden. Die Aielfrau sollte eigentlich in wenigen Augenblicken wieder verschwinden. Also mu�te sie sie bis dahin ablenken.</p><p>Ihre Kleidung zu wechseln war leicht. Sobald sie daran dachte, trug sie auch schon die gleichen Grau- und Braunt�ne wie die andere Frau. �Ich will Euch nichts antun�, sagte sie �u�erlich gelassen.</p><p>Die Frau senkte ihre Waffe keineswegs. Statt dessen runzelte sie die Stirn und sagte: �Ihr habt kein Recht, <emphasis>Cadin'sor</emphasis> zu tragen, M�dchen.� Und dann stand Egwene mit einemmal nackt da. Die Sonne brannte von oben auf sie herab, und der Boden versengte ihre blo�en Fu�sohlen.</p><p>Einen Augenblick lang stand sie mit offenem Mund v�llig ungl�ubig da und tanzte von einem Fu� auf den anderen. Sie hatte es nicht f�r m�glich gehalten, da� man bei jemand anderem �nderungen vornehmen k�nne. Es gab so viele M�glichkeiten, so viele Regeln, die sie noch nicht kannte. In hektischer Eile dachte sie sich feste Schuhe und das dunkle Kleid mit dem Hosenrock an den K�rper und lie� gleichzeitig die Kleider der Aielfrau verschwinden. Um das fertigzubringen, mu�te sie <emphasis>Saidar</emphasis> ben�tzen. Die Frau hatte sich wohl ganz darauf konzentriert, Egwene nackt zu halten. Nun hielt sie einen Strang der Macht bereit, um den Speer im Notfall zu packen, falls die andere Frau Anstalten machte, ihn zu werfen.</p><p>Nun war die Aielfrau mit dem Staunen an der Reihe. Sie lie� den Speer zur Seite sinken, und den Augenblick n�tzte Egwene, um die Augen zu schlie�en und sich nach Tanchico zur�ckzutr�umen, zu dem riesigen Skelett im gro�en Saal. Diesmal schaute sie gar nicht mehr weiter hin. Sie hatte Dinge langsam satt, die zuerst wie Keiler aussahen und dann doch wieder nicht. <emphasis>Wie hat sie das fertiggebracht? Nein! Ich komme immer wieder vom Weg ab, weil ich mir �ber das Wie und Warum Gedanken mache. Diesmal gehe ich einfach weiter.</emphasis></p><p>Und trotzdem z�gerte sie. In dem Moment, als sie die Augen geschlossen hatte, schien es ihr, als habe sie eine andere Frau hinter der Aielfrau bemerkt, die sie beide beobachtete. Ein Frau mit goldenem Haar, die einen silbernen Bogen in der Hand hielt. <emphasis>Jetzt l��t du aber deine Phantasie mit dir durchgehen. Du hast dir wohl schon zu viele von Thoms Legenden angeh�rt.</emphasis> Birgitte war schon lange tot. Sie konnte nicht wiederkehren, bis das Horn von Valere sie aus dem Grab zur�ckrief. Tote Frauen, selbst wenn sie legend�re Heldinnen gewesen waren, konnten sich nicht in <emphasis>Tel'aran'rhiod</emphasis> hineintr�umen.</p><p>Die Unterbrechung dauerte allerdings wirklich nur einen Augenblick. Dann beendete sie diese nutzlose Spekulation und rannte zum Vorplatz zur�ck. Wieviel Zeit hatte sie noch �brig? Die ganze Stadt mu�te sie absuchen, die Zeit verrann ihr unter den Fingern, und sie wu�te immer noch nicht mehr als zu Beginn. Wenn sie nur einen blassen Schimmer davon h�tte, wonach sie suchen mu�te. Oder wo. Hier in der Welt der Tr�ume schien das Laufen sie nicht soviel Kraft zu kosten wie zu Hause, doch so schnell sie auch lief, sie w�rde niemals die ganze Stadt durchforschen k�nnen, bevor Elayne und Nynaeve sie wieder aufweckten. Sie wollte auch m�glichst nicht wieder hierher zur�ckkehren m�ssen.</p><p>Pl�tzlich erschien eine Frau mitten in dem Taubenschwarm, der sich auf dem Vorplatz versammelt hatte. Ihr Gewand war bla�gr�n, d�nn und so eng anliegend, da� sich Berelain wohl auch darin wohlgef�hlt h�tte. Das dunkle Haar hatte sie zu Dutzenden von d�nnen Z�pfen zusammengeflochten, und ihr Gesicht war bis zu den Augen von einem durchsichtigen Schleier verdeckt, dem Haarnetz �hnlich, das der fallende Mann getragen hatte. Die Tauben flatterten auf, und die Frau flog mit ihnen hoch �ber die Hausd�cher, bevor sie mit einem Schlag verschwand.</p><p>Egwene l�chelte. Sie tr�umte die ganze Zeit davon, wie ein Vogel fliegen zu k�nnen, und das hier war ja schlie�lich ein Traum. Sie sprang in die Luft und flog weiter hoch auf die D�cher zu. Erst schwankte sie bei dem Gedanken daran, wie l�cherlich das war � fliegen? Menschen k�nnen nicht fliegen! �, doch dann stabilisierte sich ihr Flug wieder, als sie sich zu mehr Selbstvertrauen zwang. Sie hatte es geschafft, und mehr war nicht zu sagen. Es war ein Traum, und sie konnte fliegen. Der Wind k�hlte ihr Gesicht, und sie h�tte am liebsten vor Begeisterung laut gelacht.</p><p>Sie �berflog den Kreis der Panarchen. Von der Mauerkrone aus zogen sich Reihen von Steinb�nken herunter bis zu einer breiten Manege im Mittelpunkt. Sie stellte sich das von Menschen gef�llt vor, wie sie ein Feuerwerk bestaunten, das die Gilde der Feuerwerker dort veranstaltete. Zu Hause waren Feuerwerke ein h�chst seltenes Vergn�gen. Sie erinnerte sich an die wenigen, die sie in ihrem Leben in Emondsfeld gesehen hatte. Die Erwachsenen hatten genauso aufgeregt gestaunt wie die Kinder.</p><p>Sie segelte wie ein Falke �ber die D�cher, �ber Pal�ste und Herrenh�user, �ber einfache Wohnh�user und Gesch�fte, Lagergeb�ude und Stallungen. Sie glitt an Kuppeln mit goldenen Spitzen und bronzenen Wetterh�hnen vorbei, an T�rmen mit beinahe freischwebenden Steinbalkonen. Auf den Stellpl�tzen warteten die Planwagen abfahrbereit. Schiffe dr�ngten sich im gro�en Hafen und in den Wasserfingern, die sich zwischen die Halbinseln der Stadt schoben. Sie lagen vert�ut an den Kaimauern. Alles schien in ziemlich schlechtem Zustand, von den Planwagen angefangen bis zu den Schiffen. Doch nichts von dem Gesehenen deutete irgendwie auf die Schwarzen Ajah hin. Jedenfalls, soweit sie es erkennen konnte.</p><p>Sie �berlegte, ob sie sich Liandrin vorstellen solle. Sie kannte dieses Puppengesicht nur zu gut, mit der Unzahl goldener Z�pfe, den selbstzufrieden dreinblickenden braunen Augen und dem sp�ttisch verzogenen Rosenknospenmund. Wenn sie sich die Schwarze vorstellte, w�rde sie vielleicht dorthin gezogen, wo diese sich befand. Aber wenn es klappte, fand sie vielleicht Liandrin und die anderen ebenfalls in <emphasis>Tel'aran'rhiod</emphasis> vor. Darauf war sie noch nicht vorbereitet.</p><p>Mit einemmal wurde ihr klar, da� sie ja die Schwarzen Ajah, falls sich eine davon im Tanchico von <emphasis>Tel'aran'rhiod</emphasis> aufhielt, geradezu auf sich aufmerksam machte. Jeder, der auch nur einen Moment lang zum Himmel aufblickte, w�rde eine fliegende Frau entdecken, und noch dazu eine, die nicht nach ein paar Augenblicken wieder verschwand. Ihr fl�ssiges Dahinschweben stockte, und sie flog niedriger, unter der Dachgrenze, langsamer als vorher, aber immer noch schneller, als ein Pferd galoppieren konnte. Vielleicht flog sie ihnen nun direkt in die Arme, aber nur dasitzen und auf sie warten konnte sie nicht.</p><p><emphasis>Dumme Gans!</emphasis> ging sie mit sich selbst zornig ins Gericht. <emphasis>N�rrin! Mittlerweile wissen sie vielleicht, da� ich hier bin. M�glich, da� die Falle f�r mich schon bereit ist.</emphasis> Sie �berlegte, ob sie einfach aus dem Traum aussteigen und zu ihrem Bett in Tear zur�ckkehren sollte, aber sie hatte ja immer noch nichts gefunden. Falls es �berhaupt etwas zu finden gab.</p><p>Pl�tzlich stand eine hochgewachsene Frau vor ihr auf der Stra�e. Sie war schlank, obwohl sie einen bauschigen braunen Rock trug und dar�ber eine lose h�ngende wei�e Bluse. Um die Schultern lag eine braune Stola, und um die Stirn hatte sie einen Schal gewickelt, der das wei�e Haar zur�ckhielt, das ihr bis zur Taille hinunterreichte. Zu dieser einfachen Kleidung trug sie jedoch eine Menge Halsketten und Armreifen aus Gold oder Elfenbein oder beidem. Sie stemmte die F�uste in die H�ften und sah Egwene mit gerunzelter Stirn an.</p><p><emphasis>Noch so eine n�rrische Frau, die sich an einen Ort getr�umt hat, wo sie gar nicht sein sollte, und die nun ihren Augen nicht traut,</emphasis> dachte Egwene. Sie hatte Beschreibungen aller Frauen, die mit Liandrin gegangen waren, und diese Frau entsprach keiner davon. Doch sie verschwand nicht einfach wieder, sondern blieb stehen, als Egwene schnell n�her kam. <emphasis>Warum verschwindet sie nicht? Warum...? O Licht! Das ist ja...!</emphasis> Sie griff �berhastet nach Str�ngen der Macht, um Blitze daraus zu weben oder die Frau mit verfestigter Luft zu fesseln, aber in ihrer Eile und �berraschung verhedderte sie sich selbst darin.</p><p>�Stellt Eure F��e endlich auf den Boden, M�dchen�, kommandierte die Frau. �Ich hatte schon genug Schwierigkeiten damit, Euch wiederzufinden, ohne da� Ihr auch noch wie ein Vogel wegflattern m��t, wenn ich es endlich geschafft habe.� Pl�tzlich endete Egwenes Flug. Ihre F��e schlugen hart auf dem Pflaster auf, und sie kam ins Taumeln. Es war die Stimme der Aielfrau, doch dies hier war eine �ltere Frau. Nicht ganz so alt, wie Egwene zuerst geglaubt hatte, da sie viel j�nger aussah, als ihr wei�es Haar andeutete, aber bei der Stimme und diesen scharf blickenden blauen Augen war sie sicher, da� es sich um dieselbe Frau handelte. �Ihr seid... anders�, sagte sie.</p><p>�Hier k�nnt Ihr sein, was Ihr wollt.� Die Frau klang verlegen, wenn auch nur ein wenig. �Manchmal erinnere ich mich gern... Aber das ist unwichtig. Ihr kommt von der Wei�en Burg? Es ist schon lange her, da� sie eine Traumg�ngerin hatten. Sehr lange. Ich bin Amys von der Neun-T�ler-Septime der Taardad Aiel.� �Ihr seid eine Weise Frau? Tats�chlich! Und Ihr kennt Euch mit Tr�umen aus, kennt <emphasis>Tel'aran'rhiod!</emphasis> Ihr k�nnt... Ich hei�e Egwene. Egwene al'Vere. Ich...� Sie holte tief Luft. Amys wirkte nicht wie eine Frau, die man anl�gen sollte. �Ich bin eine Aes Sedai. Von den Gr�nen Ajah.� Amys Gesichtsausdruck �nderte sich nicht. H�chstens vertieften sich die F�ltchen um ihre Augen ein wenig. Sie war wohl doch etwas skeptisch. Egwene sah kaum alt genug aus, um bereits zur Aes Sedai erhoben worden zu sein. Sie sagte dann aber nur: �Ich wollte Euch eigentlich nur in Eurer Haut stehenlassen, bis Ihr mich um angemessene Kleidung bittet. Einfach <emphasis>Cadin'sor</emphasis> anzuziehen, als w�rt Ihr... Ihr habt mich damit �berrascht, da� Ihr euch losrei�en und meinen Speer gegen mich selbst wenden konntet. Aber Ihr seid noch ungeschult, nicht wahr, wenn auch sehr stark. Sonst w�rt Ihr nicht so pl�tzlich in meine Jagd hineingeplatzt, wo Ihr offensichtlich gar nicht landen wolltet. Und diese Herumfliegerei? Seid Ihr nach <emphasis>Tel'aran'rhiod</emphasis> gekommen, wirklich nach <emphasis>Tel'aran'rhiod!</emphasis> �, um diese Stadt zu besichtigen, wie sie auch hei�en mag?� �Das ist Tanchico�, sagte Egwene mit schwacher Stimme. <emphasis>Sie wu�te es nicht!</emphasis> Aber wie war Amys ihr dann �berhaupt gefolgt und hatte sie gefunden? Es war klar, da� sie bei weitem mehr �ber die Welt der Tr�ume wu�te als sie. �Ihr k�nnt mir helfen. Ich versuche, Frauen aufzusp�ren, die zu den Schwarzen Ajah geh�ren. Schattenfreunde. Ich glaube, da� sie hier sind, und falls das stimmt, mu� ich sie finden.� �Dann existiert sie also wirklich.� Amys fl�sterte diese Worte fast. �Eine Ajah von Schattenl�ufern in der Wei�en Burg.� Sie sch�ttelte den Kopf. �Ihr seid wie ein M�dchen, das gerade dem Speer angetraut wurde, und das nun glaubt, sie m��te mit M�nnern ringen und Berge �berspringen. F�r sie bedeutet das lediglich ein paar Schrammen und eine wertvolle Lektion, was Demut bedeutet. F�r Euch k�nnte es den Tod bedeutet.� Amys sah sich unter den wei�en Geb�uden in ihrer Nachbarschaft um und verzog das Gesicht. �Tanchico? In... Tarabon? Diese Stadt liegt im Sterben. Sie fri�t sich selbst auf. Es gibt eine Dunkelheit hier, etwas B�ses. Schlimmer, als M�nner anrichten k�nnen. Oder auch Frauen.� Sie blickte Egwene forschend an. �Ihr k�nnt es nicht sehen oder f�hlen, ja? Und Ihr wollt Schattenl�ufer in <emphasis>Tel'aran'rhiod</emphasis> jagen.� �Etwas B�ses?� fragte Egwene schnell. �Das k�nnten sie sein. Seid Ihr sicher? Wenn ich Euch sage, wie sie aussehen, k�nnt Ihr dann sicher sein, da� es sie waren? Ich kann sie beschreiben. Eine kann ich Euch sogar bis hin zum kleinsten Zopf beschreiben.� �Ein Kind�, murmelte Amys, �das von seinem Vater unbedingt jetzt gleich einen silbernen Armreif haben m�chte, obwohl es weder vom Handel noch von der Anfertigung von Armreifen etwas versteht. Ihr m��t noch soviel lernen. Viel mehr, als ich jetzt auch nur beginnen kann, Euch beizubringen. Kommt ins Dreifache Land. Ich werde unter den Clans die Weisung verbreiten, da� man eine Aes Sedai namens Egwene al'Vere zu mir in die Kaltfelsenfestung bringt. Gebt Euren Namen an und zeigt Euren Ring mit der Gro�en Schlange, dann l��t man Euch sicher durch. Ich bin jetzt nicht dort, aber ich werde aus Rhuidean zur�ckkehren, bevor Ihr ankommt.� �Bitte, Ihr m��t mir helfen. Ich mu� einfach wissen, ob sie hier sind. Ich mu� es wissen.� �Aber ich kann es Euch nicht sagen. Ich kenne weder sie noch diesen Ort, dieses Tanchico. Ihr m��t zu mir kommen. Was Ihr tut, ist gef�hrlich, viel gef�hrlicher, als Ihr annehmt. Ihr m��t... Wohin wollt Ihr? Bleibt!� Irgend etwas schien Egwene zu packen und sie in die Dunkelheit hineinzuziehen.</p><p>Amys Stimme folgte ihr, hohl und immer leiser: �Ihr m��t zu mir kommen und lernen. Ihr m��t... �</p></section><section><title><p>12</p><p>Nach Tanchico oder zur Burg?</p></title><p>Elayne atmete tief und erleichtert auf, als Egwene sich endlich r�hrte und die Augen �ffnete. Am Fu� des Bettes sa� Aviendha, und nun verloren ihre Gesichtsz�ge den Ausdruck von Niedergeschlagenheit und Angst, und sie l�chelte sogar kurz die erwachende Egwene an. Die Kerze war schon vor Minuten �ber die Markierung hinaus heruntergebrannt. Es war ihnen wie eine Stunde vorgekommen.</p><p>�Du bist einfach nicht aufgewacht�, sagte Elayne mit leicht schwankender Stimme. �Ich habe dich ger�ttelt und gesch�ttelt, aber du bist einfach nicht erwacht.� Sie lachte ein wenig. �O Egwene, du hast sogar Aviendha Angst eingejagt.� Egwene legte einen Arm um sie und dr�ckte sie beruhigend. �Jetzt bin ich ja wieder da.� Es klang m�de, und sie hatte mittlerweile auch ihr Hemd durchgeschwitzt. �Ich hatte wohl einen Grund, etwas l�nger als geplant dort zu bleiben. N�chstesmal nehme ich mich mehr in acht. Versprochen.� Nynaeve stellte ein wenig zu heftig den Wasserkrug wieder auf den Waschtisch zur�ck, so da� Wasser herausschwappte. Sie war drauf und dran gewesen, das Wasser auf Egwenes schlafendes Gesicht zu kippen. Ihre Miene war wohl �u�erlich ruhig, doch der Krug stie� gegen die Waschsch�ssel, und sie lie� das �bergeschwappte Wasser auf den Teppich tropfen, ganz entgegen ihrer sonstigen Ordnungsliebe. �Lag es daran, da� du etwas gefunden hast? Oder waren es... ? Egwene, falls die Welt der Tr�ume dich irgendwie festh�lt, ist es m�glicherweise zu gef�hrlich, noch mal hinzugehen, bevor du einiges dazugelernt hast. Vielleicht wird es immer schwerer, zur�ckzukehren, je �fter du hingehst. Vielleicht... ich wei� nicht. Aber ich wei�, da� wir es uns nicht leisten k�nnen, dich da drinnen zu verlieren.� Sie verschr�nkte entschlossen und kampfbereit die Arme vor der Brust.</p><p>�Ich wei߫, sagte Egwene beinahe zerknirscht. Elaynes Augenbrauen hoben sich. Nynaeve gegen�ber tat Egwene sonst niemals schuldbewu�t. Ganz im Gegenteil.</p><p>Egwene stand etwas schwankend aus dem Bett auf und ging auf unsicheren Beinen zum Waschtisch, um sich Gesicht und Arme in dem k�hlen Wasser zu waschen. Elayne fand ein trockenes Hemd im Schrank, w�hrend Egwene das durchn��te auszog.</p><p>�Ich habe eine Weise Frau getroffen. Sie hie� Amys.� Egwenes Stimme klang ged�mpft, bevor ihr Kopf wieder aus dem frischen Hemd herauskam. �Sie sagte, ich solle zu ihr kommen, um mehr �ber <emphasis>Tel'aran'rhiod</emphasis> zu erfahren. Irgendwohin in der W�ste � die Kaltfelsenfestung oder so.� Elayne hatte den �berraschten Blick Aviendhas bemerkt, so kurz er auch gewesen war, als Egwene die Weise Frau erw�hnte. �Kennst du sie? Amys?� Das Nicken der Aielfrau konnte man nur als z�gernd bezeichnen. �Eine Weise Frau. Sie ist eine Traumg�ngerin. Amys war eine <emphasis>Far Dareis Mai,</emphasis> bis sie den Speer aufgab und nach Rhuidean ging.� �Eine Tochter des Speers!� rief Egwene. �Deshalb also... Spielt keine Rolle. Sie sagte, sie sei jetzt in Rhuidean. Wei�t du, wo diese Kaltfelsenfestung ist, Aviendha?� �Nat�rlich. Das ist Rhuarcs Festung. Rhuarc ist der Ehemann von Amys. Ich besuche sie manchmal. Meine Schwestermutter Lian ist Amys' Schwesterfrau.� Elayne tauschte verwirrte Blicke mit Egwene und Nynaeve. Einst hatte Elayne geglaubt, eine Menge �ber die Aiel zu wissen. Sie hatte alles von ihren Lehrern in Caemlyn gelernt. Aber seit sie Aviendha kannte, war ihr klar geworden, wie wenig sie wirklich wu�te. Die Sitten und Verwandtschaftsgrade waren f�r sie ein undurchdringliches Durcheinander. Erstschwester bedeutete, da� man die gleiche Mutter hatte, aber es war f�r Freundinnen auch m�glich, Erstschwestern zu <emphasis>werden,</emphasis> wenn sie vor den Weisen Frauen ein Gel�bde ablegten. Zweitschwester bedeutet, da� die M�tter Schwestern waren. Falls die V�ter Br�der waren, machte das zwei Frauen zu Vaterschwestern, und man betrachtete sie als weniger eng verwandt, als Zweitschwestern. Dar�ber hinaus wurde es dann erst wirklich verwirrend.</p><p>�Was bedeutet �Schwesterfrau�?� fragte sie z�gernd.</p><p>�Da� man den gleichen Ehemann hat.� Aviendha runzelte irritiert die Stirn, als Egwene nach Luft schnappte und Nynaeve die Augen bis zum �u�ersten aufri�. Elayne hatte diese Antwort schon beinahe erwartet, aber trotzdem ertappte sie sich dabei, wie sie an ihrem Rock herumfummelte, obwohl der perfekt sa�.</p><p>�Ist das bei euch nicht so Sitte?� fragte die Aielfrau.</p><p>�Nein�, sagte Egwene mit schwacher Stimme. �Nein, bei uns nicht.� �Aber du und Elayne, ihr f�hlt euch doch wie Erstschwestern. Was h�ttet ihr denn getan, wenn keine von euch bereit gewesen w�re, Rand al'Thor aufzugeben? Seinetwegen k�mpfen? Einen Mann das Band zwischen euch zerrei�en lassen? W�re es dann nicht besser gewesen, wenn ihr ihn beide heiratet?� Elayne sah Egwene an. Der Gedanke daran... H�tte sie so etwas fertiggebracht? Selbst mit Egwene zusammen? Sie wu�te, da� sie rot angelaufen war. Egwene blickte lediglich �berrascht drein.</p><p>�Aber ich wollte ja auf ihn verzichten�, sagte Egwene.</p><p>Elayne wu�te, da� diese Bemerkung sowohl f�r sie wie auch f�r Aviendha bestimmt war, aber der Gedanke an eine solche Doppelehe lie� sich nicht so schnell vertreiben. Hatte Min so etwas vorausgesehen? Was w�rde sie tun, wenn Min damit recht behielt? <emphasis>Falls es sich um Berelain dreht, werde ich sie und ihn erw�rgen! Wenn es schon sein mu�, warum dann nicht Egwene? Licht, was denke ich da blo�?</emphasis> Sie wu�te, da� sie wie ein aufgescheuchtes Huhn wirken mu�te, und so versuchte sie, ihre Erregung zu vertuschen und fragte in heiterem Tonfall: �Das klingt, als habe der Mann in solch einem Fall gar nichts zu sagen.� �Er kann durchaus nein sagen�, sagte Aviendha, als teile sie ihnen etwas ganz Offensichtliches mit, �aber wenn er eine von ihnen heiraten m�chte, mu� er eben beide nehmen, falls sie es verlangen. Seid mir bitte nicht b�se, aber ich war ganz sch�n schockiert, als ich h�rte, da� bei euch ein Mann eine Frau bitten kann, ihn zu heiraten. Ein Mann sollte zeigen, da� er daran interessiert ist, und dann mu� er warten, bis sich die Frau dazu �u�ert. Nat�rlich f�hren manche Frauen einen Mann solange, bis er wei�, was er eigentlich will, aber sie haben das alleinige Recht, einen Heiratsantrag zu machen. Ich wei� nicht so schrecklich viel dar�ber. Ich wollte seit meiner Kindheit eine <emphasis>Far Dareis Mai</emphasis> werden. Alles, was ich vom Leben will, sind mein Speer und meine Speerschwestern�, schlo� sie ziemlich unwirsch.</p><p>�Keine von uns will dich dazu bringen, zu heiraten�, beruhigte Egwene sie. Aviendha blickte sie �berrascht an.</p><p>Nynaeve r�usperte sich vernehmlich. Elayne fragte sich, ob sie an Lan gedacht hatte. Auch ihre Wangen wiesen deutlich ger�tete Flecken auf. �Ich sch�tze, Egwene�, sagte Nynaeve mit etwas �bertrieben forscher Stimme, �da� du nicht gefunden hast, wonach du suchtest, sonst h�ttest du mittlerweile etwas davon erw�hnt.� �Ich habe nichts gefunden�, antwortete Egwene bedauernd. �Aber Amys sagte... Aviendha, was f�r eine Art von Frau ist Amys?� Die Aielfrau hatte begonnen, den Teppich einer genauen Musterung zu unterziehen. �Amys ist so hart wie die Berge und so gnadenlos wie die Sonne�, sagte sie, ohne aufzublicken. �Sie ist eine Traumg�ngerin. Sie kann dich unterrichten. Wenn sie dich einmal in die H�nde bekommt, zerrt sie dich an den Haaren, wohin immer sie dich bekommen will. Rhuarc ist der einzige, der mit ihr fertig wird. Selbst die anderen Weisen Frauen h�ten ihre Zunge, wenn Amys spricht. Aber sie kann dich unterrichten.� Egwene sch�ttelte den Kopf. �Ich meinte mit meiner Frage, ob ein fremder Ort sie aus dem Gleichgewicht bringen k�nnte, sie nerv�s machen? Sich in einer Stadt aufzuhalten beispielsweise? K�nnte es sein, da� sie dann Dinge sieht, die gar nicht da sind?� Aviendhas Lachen klang scharf und abgehackt. �Nerv�s? Auch wenn sie aufwacht und einen L�wen in ihrem Bett findet, wird Amys deshalb nicht nerv�s. Sie war eine Tochter des Speers, Egwene, und sie ist seither keineswegs verweichlicht, da kannst du sicher sein.� �Was hat diese Frau gesehen?� fragte Nynaeve.</p><p>�Es war nichts, was sie wirklich gesehen hat, um genau zu sein�, sagte Egwene bed�chtig. �Ich glaube, sie hat es nicht gesehen. Sie sagte, in Tanchico lauere etwas B�ses. Schlimmer, als es Menschen erfinden k�nnen. Es k�nnten die Schwarzen Ajah sein. Fang jetzt bitte keinen Streit an, Nynaeve�, f�gte sie mit Entschlossenheit in der Stimme hinzu. �Tr�ume mu� man irgendwie deuten. Es k�nnte doch sehr wohl so sein.� Nynaeve hatte die Stirn gerunzelt, sobald Egwene etwas B�ses in Tanchico erw�hnt hatte, und aus dem blo�en Stirnrunzeln wurde ein w�tender Blick, als Egwene ihr sagte, sie solle nicht streiten. Manchmal h�tte Elayne am liebsten beide Frauen kr�ftig gesch�ttelt. So mischte sie sich schnell ein, bevor eine von beiden explodierte: �Es k�nnte durchaus sein, Egwene. Du hast also doch etwas gefunden. Mehr als Nynaeve oder ich glaubten. Stimmt's, Nynaeve? Glaubst du nicht auch?� �K�nnte sein�, gab Nynaeve m�rrisch zu.</p><p>�Es k�nnte sein.� Egwene klang auch nicht gerade gl�cklich. Sie atmete tief durch. �Nynaeve hat recht. Ich mu� mehr �ber das erfahren, was ich tue. Wenn ich mir meines Weges sicher w�re, m��te mir niemand etwas �ber das B�se erz�hlen. Ich h�tte vielleicht sogar das Zimmer finden k�nnen, in dem Liandrin wohnt, wo immer das auch sein mag. Amys kann mich unterrichten. Deshalb... Deshalb mu� ich zu ihr.� �Zu ihr?� Nynaeve h�rte sich entsetzt an. �In die W�ste?� �Aviendha kann mich direkt zu dieser Kaltfelsenfestung bringen.� Egwenes Blick, halb trotzig und halb �ngstlich, wanderte von Elayne zu Nynaeve und zur�ck. �Wenn ich sicher w�re, da� sie in Tanchico sind, w�rde ich euch nicht allein hinlassen. Falls ihr euch dazu entschlie�t. Aber wenn mir Amys hilft, kann ich vielleicht herausbekommen, wo sie sind. Vielleicht kann ich... Das ist eben der springende Punkt: Ich wei� nicht einmal, was ich alles kann, nur bin ich sicher, es wird viel mehr sein als jetzt im Augenblick. Es ist ja nicht so, da� ich euch im Stich lassen will. Ihr k�nnt den Ring mitnehmen. Ihr kennt den Stein ja gut genug, da� ihr in <emphasis>Tel'aran'rhiod</emphasis> hierher zur�ckkehren k�nnt. Ich kann zu euch nach Tanchico kommen. Was ich auch bei Amys lerne, kann ich euch dann auch beibringen. Bitte sagt mir doch, da� ihr mich versteht. Ich kann soviel von Amys lernen und es dann ben�tzen, um euch zu helfen. Das ist dann so, als w�rden wir alle drei von ihr unterrichtet. Eine Traumg�ngerin, eine Frau, die Bescheid wei�! Liandrin und die anderen werden dagegen wie Kinder dastehen; sie wissen kein Viertel von dem, was wir wissen.� Sie kaute nachdenklich auf ihrer Unterlippe herum. �Ihr glaubt doch nicht, da� ich euch im Stich lassen will, oder? Wenn es so ist, gehe ich nicht hin.� �Nat�rlich mu�t du hingehen�, sagte Elayne zu ihr. �Ich werde dich vermissen, aber niemand hat uns versprochen, da� wir zusammenbleiben k�nnten, bis das alles vorbei ist.� �Aber ihr zwei... allein... Ich sollte mit euch kommen. Wenn sie sich wirklich in Tanchico aufhalten, sollte ich bei euch sein.� �Unsinn�, sagte Nynaeve kurz angebunden. �Du brauchst dringend eine richtige Ausbildung. Das wird uns auf lange Sicht viel mehr helfen als deine Anwesenheit in Tanchico. Und dabei wissen wir ja noch nicht einmal, ob sie sich wirklich dort aufhalten. Wenn es der Fall ist, erg�nzen Elayne und ich uns sehr gut, aber vielleicht kommen wir auch dort an und finden heraus, da� dieses B�se lediglich der Krieg ist. Das Licht wei�, da� ein Krieg f�r jedermann schon b�se genug sein sollte. Vielleicht sind wir schneller wieder in der Burg als du. Du mu�t in der W�ste sehr vorsichtig sein�, f�gte sie in gesch�ftsm��igem Tonfall hinzu. �Es ist gef�hrlich dort. Aviendha, du wirst doch auf sie aufpassen?� Bevor die Aielfrau den Mund zur Antwort aufbekam, klopfte es an die T�r, und Moiraine trat, ohne zu warten, ein. Die Aes Sedai erfa�te sie alle mit einem Blick, der abwog, absch�tzte und �berdachte, was sie wohl getan hatten, doch nicht einmal ein Wimpernzucken verriet, zu welchem Schlu� sie gekommen war. �Joiya und Amico sind tot�, verk�ndete sie lapidar.</p><p>�War das dann vielleicht der Grund f�r den Angriff?� fragte Nynaeve. �All das nur, um sie zu t�ten? Oder sie vielleicht dann zu t�ten, wenn man sie nicht befreien konnte? Ich bin sicher, da� Joiya nur deshalb soviel Selbstvertrauen zeigte, weil sie erwartete, gerettet zu werden. Sie mu� eben doch gelogen haben. Ich habe ihrer Reue niemals getraut.� �Es war wohl nicht das Hauptziel des Angriffs�, erwiderte Moiraine. �Der Hauptmann war klug genug, w�hrend des Angriffs seine M�nner unten in den Kerkern zusammenzuhalten. Sie haben dort keinen einzigen Trolloc oder Myrddraal angetroffen. Aber hinterher fanden sie die beiden tot auf. Jeder war ziemlich grob die Kehle durchgeschnitten worden. Nachdem man ihre Zunge an die Zellent�r genagelt hatte.� Sie h�tte ihrem Tonfall nach genausogut �ber ein Kleid sprechen k�nnen, das gen�ht werden mu�te.</p><p>Elayne drehte sich bei der n�chternen Beschreibung fast der Magen herum. �Das h�tte ich ihnen nicht gew�nscht. Nicht so was. Das Licht leuchte ihren Seelen.� �Sie haben ihre Seelen vor langer Zeit dem Schatten verkauft�, sagte Egwene grob. Aber auch sie pre�te beide H�nde auf den Bauch. �Wie... wie ist das denn geschehen? Graue M�nner?� �Ich bezweifle, da� selbst Graue M�nner das fertiggebracht h�tten�, sagte Moiraine trocken. �Es scheint, da� der Schatten noch Dinge auf Lager hat, die wir nicht kennen.� �Ja.� Egwene strich ihr Kleid glatt, das sie schnell �bergeworfen hatte, und bem�hte sich um einen ruhigen Tonfall. �Wenn man gar nicht erst versucht hat, sie zu retten, d�rfte das bedeuten, da� beide die Wahrheit gesagt haben. Sie wurden get�tet, weil sie geplaudert hatten.� �Oder um sie davon abzuhalten�, f�gte Nynaeve grimmig hinzu. �Wir k�nnen nur hoffen, da� niemand wei�, was sie uns gesagt haben. Vielleicht hat Joiya wirklich etwas bereut, aber ich glaube nicht daran.� Elayne schluckte, als sie daran dachte, wie es wohl sei, in einer Zelle zu sitzen, und dann dr�ckte jemand ihr Gesicht an die T�r, zerrte ihre Zunge heraus und... Sie schauderte, brachte aber wenigstens heraus: �Vielleicht hat man sie einfach deshalb umgebracht, weil man sie bestrafen wollte, da� sie sich gefangennehmen lie�en.� Sie sprach ihren anderen Gedanken lieber nicht aus, da� man sie get�tet haben k�nnte, damit sie glaubten, was Joiya und Amico ihnen gesagt hatten. Sie waren sich so schon nicht sicher, was sie unternehmen sollten. �Drei M�glichkeiten, und nur eine davon schlie�t ein, da� die Schwarzen Ajah wu�ten: Joiya und Amico haben ausgesagt. Da alle drei gleich wahrscheinlich sind, spricht einiges daf�r, da� sie keine Ahnung haben.� Egwene und Nynaeve wirkten schockiert. �Um sie zu <emphasis>bestrafen?�</emphasis> sagte Nynaeve ungl�ubig.</p><p>In vieler Hinsicht waren beide z�her und h�rter als sie, und deshalb bewunderte sie die beiden auch, aber sie waren nicht im Schatten der st�ndigen Intrigen am Hof in Caemlyn aufgewachsen und hatten nicht die grausamen Folgen mitbekommen, wenn die Adligen aus Cairhien und Tear das Spiel der H�user gespielt hatten.</p><p>�Ich glaube, die Schwarzen Ajah lassen niemandem auch nur den geringsten Fehler irgendwelcher Art durchgehen�, sagte sie zu ihnen. �Ich kann mir vorstellen, da� Liandrin so etwas angeordnet hat. Joiya w�re das sicher auch nicht schwer gefallen.� Moiraine warf ihr einen kurzen, anerkennenden Blick zu.</p><p>�Liandrin�, sagte Egwene mit absolut ausdrucksloser Stimme. �Ja, ich kann mir vorstellen, wie Liandrin oder Joiya einen solchen Befehl geben.� �Ihr hattet sowieso nicht mehr viel Zeit, sie zu verh�ren�, sagte Moiraine. �Morgen mittag h�tten sie sich auf dem Schiff befunden.� In ihrer Stimme schwang ein wenig Zorn mit. Elayne wurde klar, da� Moiraine den Tod der Schwarzen Schwestern auch als eine Flucht vor der Gerechtigkeit ansah. �Ich hoffe, Ihr entscheidet Euch bald. Nach Tanchico oder zur Burg?� Elaynes Blick traf den Nynaeves, und sie nickte leicht.</p><p>Nynaeve nickte best�tigend zur�ck und wandte sich der Aes Sedai zu. �Elayne und ich reisen nach Tanchico, sobald wir ein Schiff finden. Ein schnelles Schiff, hoffe ich. Egwene und Aviendha gehen zur Kaltfelsenfestung in der Aiel-W�ste.� Sie erw�hnte keine Gr�nde, und Moiraine zog die Augenbrauen hoch.</p><p>�Jolien kann sie hinbringen�, sagte Aviendha in das augenblickliche Schweigen hinein. Sie mied Egwenes Blick. �Oder Sefela oder Bain und Chiad. Ich... ich habe daran gedacht, mit Elayne und Nynaeve zu gehen. Falls in Tanchico Krieg herrscht, brauchen sie eine Schwester, die ihnen den R�cken deckt.� �Falls du das w�nscht, Aviendha�, sagte Egwene langgezogen.</p><p>Sie wirkte �berrascht und verletzt, aber nicht �berraschter als Elayne. Die hatte geglaubt, die beiden w�ren Freundinnen geworden. �Ich bin froh, da� du uns helfen willst, Aviendha, aber du solltest diejenige sein, die Egwene zur Kaltfelsenfestung bringt.� �Sie wird weder nach Tanchico noch zur Kaltfelsenfestung gehen�, sagte Moiraine, nahm einen Brief aus ihrer G�rteltasche und entfaltete ihn. �Dies hat man mir vor einer Stunde ausgeh�ndigt. Der junge Aielmann, der ihn mir �berbrachte, sagte, er habe ihn vor einem Monat erhalten, bevor eine von uns Tear �berhaupt erreicht hatte, aber er ist an mich adressiert und sollte in den Stein von Tear gebracht werden.� Sie sah die letzte Seite an. �Aviendha, kennt Ihr Amys von der Neun-T�lerSeptime der Taardad Aiel, Bair von der Haido-Septime der Shaarad Aiel, Melaine von der Jhirad-Septime der Goshien Aiel und Seana von der Schwarzklippenseptime der Nakai Aiel? Sie haben alle unterzeichnet.� �Das sind alles Weise Frauen, Aes Sedai. Alle Traumg�ngerinnen.� Aviendhas Haltung dr�ckte nun Mi�trauen aus, obwohl sie sich dessen gar nicht bewu�t schien. Sie wirkte zu allem bereit � zum K�mpfen genau wie zur Flucht.</p><p>�Traumg�nger�, sagte Moiraine nachdenklich. �Vielleicht erkl�rt das einiges. Ich habe von den Traumg�ngern geh�rt.� Sie durchbl�tterte den Brief und blieb bei der zweiten Seite h�ngen. �Hier steht einiges �ber Euch. Was sie dazu sagten, bevor Ihr euch �berhaupt entschlossen hattet, nach Tear zu kommen. �Unter den T�chtern des Speers im Stein von Tear befindet sich ein halsstarriges M�dchen namens Aviendha, von der NeunT�ler-Septime der Taardad Aiel. Sie mu� nun zu uns kommen. Es kann kein weiteres Warten und keine Ausfl�chte mehr geben. Wir werden an den Abh�ngen des Chaendar �ber Rhuidean auf sie warten.� Es steht mehr �ber Euch da, aber vor allem werde ich beauftragt, daf�r zu sorgen, da� Ihr ohne Z�gern zu ihnen kommt. Sie geben Befehle aus wie die Amyrlin, diese Weisen Frauen bei Euch.� Sie gab einen knurrenden Laut von sich, der Elayne dazu brachte, sich zu fragen, ob die Weisen Frauen versucht hatten, auch die Aes Sedai herumzukommandieren. Nicht sehr wahrscheinlich. Und noch unwahrscheinlicher, da� sie damit Erfolg hatten. Trotzdem � irgend etwas an diesem Brief irritierte die Aes Sedai.</p><p>�Ich bin eine <emphasis>Far Dareis Mai�,</emphasis> sagte Aviendha zornig. �Ich renne nicht wie ein Kind hin, wenn jemand meinen Namen ruft. Ich gehe nach Tanchico, wenn ich das will.� Elayne sch�rzte nachdenklich die Lippen. Das waren ganz neue T�ne von der Aielfrau. Nicht der Zorn � sie hatte Aviendha schon zornig genug gesehen, wenn auch nicht derart �, aber der Unterton. Sie empfand es als ein Schmollen. Das schien genauso unwahrscheinlich, wie wenn Lan schmollte, aber es stand au�er Zweifel.</p><p>Egwene hatte es auch herausgeh�rt. Sie t�tschelte Aviendhas Arm. �Es ist schon gut. Wenn du lieber nach Tanchico willst, dann freue ich mich dar�ber, da� du Elayne und Nynaeve besch�tzt.� Aviendha warf ihr einen vollkommen niedergeschlagenen Blick zu.</p><p>Moiraine sch�ttelte den Kopf, wohl nur leicht, aber doch merklich. �Ich habe den Brief Rhuarc gezeigt.� Aviendha �ffnete den Mund mit trotzigem Gesichtsausdruck, doch die Aes Sedai kam ihr zuvor und fuhr mit etwas lauterer Stimme fort: �Darum wurde ich im Brief gebeten. Nat�rlich sollte ich ihm nur den Teil zeigen, in dem es um Euch geht. Er scheint durchaus entschlossen, Euch dazu zu bringen, das zu tun, was in dem Brief verlangt wird. Befohlen wird. Ich glaube, es ist das Kl�gste, wenn Ihr tut, was Rhuarc und die Weisen Frauen von Euch verlangen, Aviendha. Sind wir uns einig?� Aviendha blickte sich wild im Raum um, als stecke sie in einer Falle. �Ich bin eine <emphasis>Far Dareis Mai�,</emphasis> knurrte sie und ging ohne ein weiteres Wort zur T�r.</p><p>Egwene machte einen Schritt vorw�rts und hob halb die Hand, um sie aufzuhalten, doch dann lie� sie sie sinken, denn die T�r knallte bereits zu. �Was wollen sie eigentlich von ihr?� fragte sie Moiraine. �Ihr wi�t doch immer mehr, als Ihr herausla�t. Was haltet Ihr diesmal zur�ck?� �Welche Gr�nde die Weisen Frauen auch haben�, sagte Moiraine k�hl, �es ist sicher eine Angelegenheit zwischen Aviendha und ihnen. Wenn sie wollte, da� Ihr Bescheid wi�t, h�tte sie es Euch gesagt.� �Ihr k�nnt nicht damit aufh�ren, Menschen zu manipulieren�, sagte Nynaeve bitter. �Jetzt man�vriert Ihr Aviendha in etwas hinein, ja?� �Ich nicht. Die Weisen Frauen. Und Rhuarc.� Moiraine faltete den Brief zusammen und steckte ihn mit s�uerlichem Gesichtsausdruck in die Tasche zur�ck. �Sie kann ihm ja jederzeit nein sagen. Ein Clanh�uptling ist nicht das Gleiche wie ein K�nig, soviel ich von den Gebr�uchen bei den Aiel wei�.� �Kann sie das?� fragte Elayne. Rhuarc erinnerte sie an Gareth Bryne. Der Generalhauptmann der K�niglichen Garde ihrer Mutter hatte nur selten Druck angewandt, doch wenn er es tat, dann konnte ihn noch nicht einmal Morgase umstimmen; h�chstens, wenn sie einen k�niglichen Befehl ausgab. Diesmal w�rde es keinen Befehl vom Thron geben. Nun, Morgase hatte ihm auch niemals einen erteilt, wenn Gareth Bryne der Meinung war, er sei im Recht, mu�te Elayne zugeben. Ohne den w�rde Aviendha wohl oder �bel zu den Abh�ngen des Chaendar �ber Rhuidean ziehen m�ssen. �Wenigstens kann sie mit dir ziehen, Egwene. Amys kann dich schwerlich in der Kaltfelsenfestung treffen, wenn sie in Rhuidean auf Aviendha warten will. Ihr k�nnt zusammen zu Amys gehen.� �Aber ich will das nicht�, sagte Egwene traurig. �Nicht, wenn sie das nicht von alleine will.� �Was irgendwer auch will�, sagte Nynaeve, �wir haben Arbeit zu erledigen. Du wirst eine Menge Sachen f�r eine Reise in die W�ste mitnehmen m�ssen, Egwene. Lan wird mir sagen, was alles notwendig ist. Und Elayne und ich m�ssen Reisevorbereitungen treffen, wenn wir nach Tanchico segeln wollen. Ich denke schon, da� wir morgen ein Schiff finden werden, aber das hei�t auch, da� wir uns entscheiden m�ssen, was wir heute abend einpacken.� �Im Mauleviertel liegt ein Schiff der Atha'an Miere vor Anker�, sagte Moiraine. �Eine Brigg. Es gibt im Moment keine schnelleren Schiffe. Ihr wolltet doch ein schnelles Schiff f�r diese Reise.� Nynaeve nickte m�rrisch.</p><p>�Moiraine�, sagte Elayne, �was wird Rand nun unternehmen? Nach diesem Angriff... Wird er den Krieg beginnen, den Ihr haben wollt?� �Ich will keinen Krieg haben�, antwortete die Aes Sedai. �Ich will das, was ihm das �berleben bis Tarmon Gai'don erm�glicht. Er sagt, er werde uns allen morgen mitteilen, was er zu tun gedenkt.� Ein kaum merkliches Stirnrunzeln st�rte die Gl�tte ihrer Haut. �Morgen werden wir alle mehr wissen als heute abend.� Ihr Abgang war reichlich abrupt.</p><p><emphasis>Morgen,</emphasis> dachte Elayne. <emphasis>Was macht er, wenn ich es ihm sage? Was wird er dazu sagen? Er mu� mich einfach verstehen.</emphasis> Energisch schlo� sie sich den anderen an, um ihre Reisevorbereitungen zu besprechen.</p></section><section><title><p>13</p><p>Ger�chte</p></title><p>Das Gesch�ft der Taverne florierte wie �berall im Mauleviertel. Es klang, als rase ein Planwagen voll G�nse und T�pferwaren bergab durch die Nacht. Das Stimmengewirr k�mpfte gegen die Darbietungen der Musiker an, die die Sinne der G�ste mit Hilfe von drei verschiedenen Trommeln, zwei Hackbrettern und einem bauchigen Dudelsack, der jaulende Trillert�ne von sich gab, zu bet�uben versuchten. Die Bedienungen trugen dunkle, kn�chellange Kleider mit Halskrausen bis unter das Kinn und kurzen, wei�en Sch�rzen. Sie eilten gesch�ftig zwischen den vollbesetzten Tischen hin und her und hielten mehrere Steingutkr�ge auf einmal in jeder kr�ftigen Hand hoch �ber den Kopf erhoben, damit sie sich durch die Menge der G�ste quetschen konnten. Da sa�en und standen barf��ige Schauerleute mit Lederwesten, Burschen in engtaillierten Jacken und M�nner mit blo�em Oberk�rper, deren Hosen von breiten, bunten Sch�rpen gehalten wurden. So nahe am Hafen sah man auch �berall in der Menge verstreut Ausl�nder in ihrer typischen Kleidung: hohe Halskrausen deuteten auf den Norden hin, lange Revers auf den Westen, und dazu kamen Silberketten auf den M�nteln und Gl�ckchen an Westen, kniehohe genau wie h�fthohe Schaftstiefel, Halsketten und Ohrringe auch bei M�nnern, Spitzenbesatz an Jacken und Hemden. Ein Mann mit breiten Schultern und einem dicken Bauch hatte einen in der Mitte geteilten blonden Bart, w�hrend ein anderer etwas auf seinen Schnurrbart geschmiert hatte, damit er im Lampenschein gl�nzte und sich zu beiden Seiten steif auf seine Wangen hochringelte. In drei Ecken des Raums rollten W�rfel �ber die Tischfl�chen, und Silber wechselte unter Geschrei und Gel�chter den Besitzer.</p><p>Mat sa� allein mit dem R�cken zur Wand, wo er alle T�ren im Auge behalten konnte, auch wenn er die meiste Zeit �ber versonnen in einen noch unber�hrten Krug mit Rotwein blickte. Er ging nicht zu den Spielern hin�ber und er betrachtete nicht einmal die Beine der Bedienungen. Da die Taverne so voll war, kamen �fter einmal M�nner her und wollten sich an seinen Tisch setzen, aber nach einem genaueren Blick auf seine Miene zogen sie gew�hnlich wieder ab und suchten sich einen Platz auf irgendeiner anderen Bank.</p><p>Er stippte mit einem Finger in seinen Wein und kritzelte damit gelangweilt auf der Tischfl�che herum. Diese Narren hatten alle keine Ahnung, was heute abend im Stein passiert war. Er hatte geh�rt, da� ein paar Tairener von Unruhe im Stein gesprochen hatten, aber die Worte waren schnell gefallen und ebenso schnell unter nerv�sem Lachen wieder vergessen. Sie wu�ten nichts und wollten auch nichts wissen. Er w�nschte beinahe, ebenfalls nichts wissen zu m�ssen. Nein, aber es w�re gut, mehr �ber das zu wissen, was tats�chlich geschehen war. Bilder huschten durch seinen Kopf, durch die L�cken in seinem Ged�chtnis, und er wu�te nichts Rechtes damit anzufangen.</p><p><emphasis>Der Kampfesl�rm irgendwo in einiger Entfernung warf Echos im Korridor, die von den Wandbeh�ngen ged�mpft wurden. Er zog mit einer zitternden Hand sein Messer aus der Leiche des Grauen Mannes. Ein Grauer Mann, und er war hinter ihm her gewesen. Er mu�te jedenfalls hinter ihm her gewesen sein. Graue M�nner liefen nicht einfach in der Gegend herum und brachten wahllos Leute um. Sie hatten Opfer, wie ein Pfeil sein Ziel hat. Er wandte sich um und wollte weglaufen, doch da war ein Myrddraal, der wie eine schwarze Schlange auf Beinen auf ihn zuschritt. Der Blick aus seinem leichenblassen, augenlosen Gesicht jagte ihm einen Schauder �ber den R�cken. Auf drei�ig Schritt Entfernung warf er mit voller Wucht sein Messer dorthin, wo sich die Augen befinden sollten. Er war in der Lage, bei vier von f�nf W�rfen auf diese Entfernung ein Ziel zu treffen, das nicht gr��er war als ein Auge.</emphasis></p><p><emphasis>Das schwarze Schwert des Blassen verschwamm fast in der schnellen Bewegung, mit der er beinahe m�helos das Messer zur Seite schlug. Er kam noch nicht einmal ins Stolpern. �Zeit zu sterben, Hornbl�ser.� Seine Stimme war wie das trockene Zischen einer Sandviper, eine Vorank�ndigung des Todes.</emphasis></p><p><emphasis>Mat zog sich zur�ck. Nun hatte er in jeder Hand ein Messer, obgleich er sich gar nicht daran erinnerte, sie gezogen zu haben. Nicht, da� Messer sehr viel gegen ein Schwert ausrichten konnten, aber wenn er einfach wegrannte, hatte er ebenso sicher das schwarze Schwert im R�cken wie f�nf Sechser vier Dreier schlugen. Er w�nschte sich einen guten Bauernspie� herbei. Oder einen Bogen. Er w�rde gern einmal sehen, wie dieses... Ding... einen Pfeil von einem Langbogen von den Zwei Fl�ssen abwehrte. Er w�nschte, er sei woanders. Hier w�rde er vermutlich sterben.</emphasis></p><p><emphasis>Mit einem Mal kam br�llend ein Dutzend Trollocs aus einem Seitengang gerannt und st�rzte sich mit hackenden �xten und Schwertern auf den Blassen. Mat traute seinen Augen kaum. Der Halbmensch k�mpfte wie ein schwarz ger�steter Wirbelwind. Mehr als die H�lfte der Trollocs war tot oder lag im Sterben, bis sich der Blasse als zuckendes H�ufchen am Boden wand. Ein Arm kr�mmte sich und schlug aus wie eine sterbende Schlange, und das drei Schritt entfernt vom K�rper. Er hatte das schwarze Schwert nicht losgelassen. Ein Trolloc mit Hammelh�rnern blickte zu Mat her�ber und hob die Schnauze zum Wittern. Er knurrte Mat an, winselte aber dann und leckte sich einen langen Ri�, wo das Schwert des Blassen durch den Armschutz und in den haarigen Unterarm geschnitten hatte. Die anderen schnitten den Verwundeten vollends die Kehlen durch, und einer bellte ein paar harte, kehlige Worte. Ohne Mat weiter zu beachten, wandten sie sich um und trotteten weg. Ihre Hufe und Stiefel klapperten hohl auf dem Steinboden.</emphasis></p><p>Von ihm weg. Mat schauderte. Trollocs als Retter. In was hatte ihn Rand nun wieder verwickelt? Er bemerkte, was er mit der weinbenetzten Fingerspitze auf den Tisch gezeichnet hatte � eine offene T�r � und wischte es �rgerlich weg. Er mu�te von hier weg. Es mu�te sein. Und im Hinterkopf hatte er wieder dieses dr�ngende Gef�hl, er m�sse zum Stein zur�ck. Er schob das Gef�hl beiseite, aber es wollte nicht vergehen.</p><p>Er fing einen Gespr�chsfetzen vom Tisch zu seiner Rechten auf, wo der Bursche mit dem hageren Gesicht und dem hochgezwirbelten Schnurrbart mit schwerem Lugarder Akzent losgelegt hatte. �Dieser Drache bei Euch ist zweifellos ein gro�er Mann, das leugne ich gar nicht ab, aber er kann Logain nicht das Wasser reichen. Also, Logain hat es geschafft, ganz Ghealdan mit Krieg zu �berziehen und noch halb Amadicia und Altara dazu. Er hat ganze St�dte, die sich gegen ihn gestellt hatten, von der Erde verschlucken lassen. Geb�ude, Leute und eben alles. Und der andere oben in Saldaea? Masim? Na ja, sie sagen, er habe die Sonne stillstehen lassen, bis er das Heer von Lord Bashere besiegt hatte. Das sei eine Tatsache, erz�hlt man.� Mat sch�ttelte den Kopf. Der Stein erobert und <emphasis>Callandor</emphasis> in Rands Hand, und dieser Idiot hielt ihn immer noch f�r einen falschen Drachen. Schon wieder hatte er diese T�r auf den Tisch gekritzelt. Er wischte mit einer Hand dar�ber, und mit der anderen hob er den Weinkrug, doch auf halbem Weg zu seinem Mund hielt er inne. �ber all den L�rm hinweg hatte er eine vertraute Bezeichnung von einem der Tische in der N�he her aufgeschnappt. So schob er seine Bank knirschend zur�ck und ging mit dem Krug in der Hand hin�ber.</p><p>Die Menschen, die um den betreffenden Tisch sa�en, stellten diese typische, eigenartige Mischung dar, die man in den Tavernen des Mauleviertels fand. Zwei barf��ige Seeleute mit �lzeugm�nteln �ber den nackten Oberk�rpern, der eine davon mit einer dicken Goldkette um den Hals. Ein fr�her wohl einmal fetter Mann mit H�ngebacken in einem dunklen Mantel aus Cairhien, der auf der Brust rote und goldene und gr�ne Schr�gstreifen aufwies. Das konnte darauf schlie�en lassen, da� er ein Adliger sei, doch der �rmel an einer Schulter war zerrissen. Es waren eben eine Menge Fl�chtlinge aus Cairhien abgerissen und heruntergekommen nach Tear geschwemmt worden. Eine grauhaarige Frau, ganz in ged�mpftes Dunkelblau gekleidet. Sie hatte ein hartes Gesicht und trug an den H�nden schwere Goldringe. Und der Sprecher, der Bursche mit dem geteilten Bart, der einen Rubin von Taubeneigr��e am Ohrl�ppchen trug. Die drei Silberkordeln auf der zum Platzen engen Brust seiner Jacke wiesen ihn als kandorischen Handelsmeister aus. In Kandor gab es eine Gilde der Kaufleute.</p><p>Das Gespr�ch verstummte, und alle blickten Mat an, als er an ihrem Tisch stehenblieb. �Ich h�rte, da� Ihr die Zwei Fl�sse erw�hnt habt.� Spaltbart musterte ihn schnell, sah das ungek�mmte Haar, den angespannten Gesichtsausdruck und den Weinkrug in seiner Hand, aber auch die gl�nzenden schwarzen Stiefel, die gr�ne Jacke mit den Goldstickereien, die bis zur H�fte offenstand und ein schneewei�es Leinenhemd sehen lie�. Sicher, Jacke und Hemd waren ziemlich verknittert. Aber er gab trotzdem ganz das Bild eines jungen Lords ab, der sich unter dem gew�hnlichen Volk am�sierte. �Ich habe das erw�hnt, mein Lord�, sagte er herzlich. �Ich sagte, ich k�nnte wetten, da� dieses Jahr kein Tabak von dort geliefert wird. Aber ich habe noch zwanzig Fa� vom feinsten Zwei-Fl�sse-Blatt. Es gibt nichts Besseres. Wird sp�ter dieses Jahr einen guten Preis einbringen. Falls der Lord ein Fa� f�r den eigenen Vorrat haben m�chte... � Er zupfte an einem Ende seines blonden Bartes und legte einen Finger auf die Nase. �... ich bin sicher, da� ich das erm�glichen k�nnte... � �Ihr w�rdet also darauf wetten, ja?� sagte Mat leise und unterbrach damit den Redeflu� des anderen. �Warum sollte denn von den Zwei Fl�ssen kein Tabak kommen?� �Na, wegen der Wei�m�ntel nat�rlich, Herr. Wegen der Kinder des Lichts.� �Was haben die Wei�m�ntel mit den Zwei Fl�ssen zu tun?� Der Handelsmeister blickte sich hilfesuchend am Tisch um. In diesem ruhigen Tonfall lag etwas Gef�hrliches. Die Seeleute sahen aus, als w�ren sie am liebsten gegangen. Der Mann aus Cairhien sah Mat b�se an. Er setzte sich kerzengerade auf und strich die abgewetzte Jacke glatt. Dabei schwankte er leicht; der leere Weinkrug vor ihm war offensichtlich nicht sein erster. Die grauhaarige Frau hatte ihren Krug zum Mund gehoben und beobachtete Mat absch�tzend �ber den Rand hinweg mit scharfen Augen.</p><p>Der H�ndler verbeugte sich im Sitzen und sprach in unterw�rfigem Ton weiter: �Die Ger�chte besagen, Herr, da� die Wei�m�ntel die Zwei Fl�sse besetzt haben. Sie jagen den Wiedergeborenen Drachen dort, sagt man. Obwohl das nat�rlich gar nicht sein kann, da sich der Lord Drache ja hier in Tear befindet.� Er sah Mat ins Gesicht, um zu sehen, ob seine Worte irgendeine Wirkung hinterlassen hatten. Mats Gesichtsausdruck �nderte sich jedoch nicht.</p><p>�Solche Ger�chte m�ssen nicht unbedingt stimmen, Herr. Vielleicht sind es nur Seifenblasen. Das gleiche Ger�cht behauptet auch, die Wei�m�ntel seien ebenfalls hinter so einem Schattenfreund mit gelben Augen her. Habt Ihr je von einem Mann mit gelben Augen geh�rt, Herr? Genausowenig wie ich. Alles nur Seifenblasen.� Mat stellte seinen Krug auf den Tisch und beugte sich n�her zu dem Mann herunter. �Wen suchen sie noch? Diesem Ger�cht zufolge? Den Wiedergeborenen Drachen.</p><p>Einen Mann mit gelben Augen. Wen noch?� Schwei�tropfen bildeten sich auf der Stirn des H�ndlers. �Niemanden, Herr. Niemanden, von dem ich geh�rt h�tte. Nur Ger�chte, Herr. Stroh im Wind, nicht mehr. Eine Rauchwolke, die schnell verschwindet. Wollt Ihr mir die Ehre angedeihen lassen, und ein Fa� Tabak von den Zwei Fl�ssen von mir anzunehmen? Eine Geste der Anerkennung... der Ehre... um meine...� Mat warf eine andoranische Goldkrone auf den Tisch. �Trinkt auf mein Wohl, solange das Gold reicht.� Beim Weggehen h�rte er, wie sie am Tisch �ber ihn sprachen. �Ich glaubte, er wolle mir die Kehle durchschneiden. Ihr kennt ja diese jungen Lords, wenn sie einen �ber den Durst getrunken haben.� Das kam von dem H�ndler mit dem geteilten Bart. �Ein eigenartiger junger Mann�, sagte die Frau. �Gef�hrlich. Versucht nicht, jemanden von der Sorte auszutricksen, Paetram.� �Ich glaube nicht, da� er �berhaupt ein Lord ist�, sagte ein anderer Mann geringsch�tzig. Der aus Cairhien, sch�tzte Mat. Er verzog den Mund. Ein Lord? Er wollte kein Lord sein, auch wenn man es ihm anb�te. <emphasis>Wei�m�ntel bei den Zwei Fl�ssen. Licht! Licht, hilf uns!</emphasis></p><p>Er zw�ngte sich zur T�r durch und zog ein Paar h�lzerner Klogs aus dem Stapel an der Wand. Er hatte keine Ahnung, ob es diejenigen waren, die er bisher getragen hatte. Sie sahen alle gleich aus. Aber die hier pa�ten auf seine Stiefel.</p><p>Drau�en hatte es zu regnen begonnen, ein leichter Nieselregen, der die Dunkelheit noch dunkler erscheinen lie�. Mat schlug seinen Kragen hoch und platschte ungeschickt durch die schlammigen Stra�en des Mauleviertels, vorbei an l�rmenden Tavernen, hellerleuchteten Schenken und Wohnh�usern mit dunklen Fenstern. Als der Matsch an der Mauer der Inneren Stadt Pflastersteinen Platz machte, schleuderte Mat die Klogs von den F��en und lie� sie liegen. Er rannte nun richtig los. Die Verteidiger, die den n�chstgelegenen Eingang zum Stein bewachten, lie�en ihn ohne ein Wort durch. Sie wu�ten, wer er war. Er rannte den ganzen Weg zu Perrins Zimmer und warf die T�r auf. Den gesplitterten Spalt in der Holzf�llung der T�r bemerkte er gar nicht. Perrins Satteltaschen lagen auf dem Bett, und Perrin packte gerade Hemden und Str�mpfe hinein. Nur eine Kerze brannte, aber Perrin schien die schlechte Beleuchtung nichts auszumachen.</p><p>�Du hast es also auch geh�rt�, sagte Mat.</p><p>Perrin machte weiter mit seiner Packerei. �Von zu Hause? Ja. Ich bin runtergegangen, um irgendein Ger�cht f�r Faile aufzutreiben. Nach dem heutigen Abend mu� ich sie mehr denn je...� Sein Grollen aus tiefster Kehle bewirkte, da� sich Mat die Haare str�ubten, denn es klang zu sehr nach einem zornigen Wolf. �Ach, spielt keine Rolle. Ich habe es geh�rt. Vielleicht hat das die gleiche Wirkung.� <emphasis>Die gleiche? Was meint er damit?</emphasis> fragte sich Mat. �Glaubst du es?� Perrin blickte einen Moment lang auf. In seinen Augen spiegelte sich der Schein der Kerze und sie gl�nzten in tiefem Goldgelb. �F�r mich gibt es da kaum Zweifel. Das kommt doch alles der Wahrheit zu nahe.� Mat trat gequ�lt von einem Fu� auf den anderen. �Wei� Rand Bescheid?� Perrin nickte lediglich und wandte sich wieder dem Packen zu. �Und, was sagt er dazu?� Perrin schwieg einen Moment und betrachtete den zusammengefalteten Umhang, den er in H�nden hielt. �Er hat blo� angefangen, etwas in sich hineinzubrabbeln. So etwa: �Er sagte, da� er es tun werde. Er hat es gleich gesagt. Ich h�tte ihm glauben sollen.� Es ergab keinen Sinn. Dann packte er mich beim Kragen und sagte, er m�sse tun, �was keiner von ihm erwartet�. Er wollte, da� ich ihn verstehe, aber mir ist nicht klar, ob er es selber versteht. Es schien ihm gleich zu sein, ob ich gehe oder bleibe. Nein, halt, das stimmt nicht. Ich glaube, er war erleichtert, da� ich gehe.� �Also kurz gesagt, er wird nichts unternehmen�, sagte Mat. �Licht, mit <emphasis>Callandor</emphasis> k�nnte er tausend Wei�m�ntel auf einmal vernichten! Du hast ja gesehen, was er mit diesen verfluchten Trollocs angestellt hat. Du gehst hin, ja? Zur�ck zu den Zwei Fl�ssen? Allein?� �Es sei denn, du kommst auch mit.� Perrin stopfte den Umhang in eine Satteltasche. �Kommst du mit?� Statt zu antworten, tigerte Mat im Zimmer auf und ab. Sein Gesicht wurde einmal vom flackernden Licht der Kerze beleuchtet, und dann lag es wieder im Schatten. Seine Eltern und Schwestern lebten in Emondsfeld. Die Wei�m�ntel hatten keinen Grund, ihnen etwas anzutun. Falls er jetzt heimging, w�rde er wohl nie wieder weggehen, sagte ihm sein Gef�hl. Seine Mutter w�rde ihn verheiraten, bevor er sich noch richtig hingesetzt hatte. Aber wenn er nicht ging und die Wei�m�ntel ihnen etwas zuleide taten... Bei denen reichte schon ein blo�es Ger�cht aus, um loszuschlagen, hatte er geh�rt. Doch warum sollte es Ger�chte ausgerechnet �ber sie geben? Selbst die Coplins, obwohl sie ja L�gner und St�nkerer waren, konnten seinen Vater gut leiden. Jeder mochte Abell Cauthon.</p><p>�Du mu�t nicht�, sagte Perrin leise. �Nichts von dem, was ich geh�rt habe, hat etwas �ber dich enthalten. Nur �ber Rand und mich.� �Seng mich, ich will ja g... � Er brachte es nicht heraus. Daran zu denken war ja leicht, aber es auszusprechen? Seine Kehle zog sich zusammen, als wolle sie die Worte erw�rgen. �F�llt es dir leicht, Perrin? Ich meine, nach Hause zu gehen? F�hlst du nicht auch... irgend etwas, was versucht, dich zur�ckzuhalten? Was dir hundert Gr�nde nennt, warum du nicht gehen solltest?� �Nat�rlich � Hunderte, Mat, aber alles hat letzten Endes mit Rand zu tun und damit, da� wir <emphasis>Ta'veren</emphasis> sind. Das m�chtest du dir selbst nicht zugeben, oder? Hundert Gr�nde, um hierzubleiben, aber der eine Grund zu gehen wiegt sie alle auf. Die Wei�m�ntel befinden sich in den Zwei Fl�ssen, und sie werden Menschen verletzen auf der Suche nach mir. Wenn ich hingehe, kann ich das beenden.� �Warum sollten die Wei�m�ntel gerade dich fangen wollen und deshalb sogar Menschen foltern? Licht, wenn sie herumreiten und nach jemandem mit gelben Augen fragen, wei� doch niemand in Emondsfeld, von wem sie �berhaupt reden! Und wie k�nntest du das beenden? Ein Paar H�nde mehr hilft da auch nicht. Aaaah! Die Wei�m�ntel werden sich an den Leuten von den Zwei Fl�ssen die Z�hne ausbei�en.� �Sie kennen meinen Namen�, sagte Perrin leise. Sein Blick wanderte hoch zu der Axt, die an der Wand hing. Er hatte den G�rtel um die Axt und den Haken geschlungen.</p><p>Oder sah er doch den Hammer an, der unter der Axt an die Wand gelehnt stand? Mat war sich da nicht sicher. �Sie k�nnen meine Familie finden. Und warum? Nun, sie haben ihre Gr�nde, Mat. Genau, wie ich meine habe. Wer kann schon sagen, welche die besseren sind?� �Seng mich, Perrin. Seng mich! Ich will ja g-g... Siehst du? Ich kann es einfach nicht aussprechen. Als w��te mein Kopf genau, da� ich es tue, wenn ich es ausgesprochen habe. Ich kann es noch nicht einmal in Gedanken ausdr�cken!� �Verschiedene Pfade. Wir sind ja auch schon fr�her auf verschiedene Pfade gelenkt worden.� �Verschiedene Pfade k�nnen mich mal!� knurrte Mat. �Ich habe genug von Rand und den Aes Sedai, die mich auf irgendwelche Pfade schubsen. Ich will zur Abwechslung mal dorthin, wo ich will, und tun, was ich will!� Er wandte sich zur T�r, doch Perrins Stimme lie� ihn innehalten.</p><p>�Ich hoffe, dein weiterer Weg wird ein gl�cklicher sein, Mat. Das Licht m�ge dir h�bsche M�dchen schicken und dumme Kerle, die mit dir w�rfeln wollen.� �Ach, seng mich, Perrin. Das Licht m�ge dir auch all das g�nnen, was du dir w�nscht.� �Ich denke schon, da� ich das schaffe.� Es klang nicht unbedingt gl�cklich.</p><p>�Richtest du meinem Pa aus, da� es mir gutgeht? Und meiner Mutter? Sie hat sich immer Sorgen gemacht. Und schau mal nach meinen Schwestern. Sie haben mich sonst immer bespitzelt und meiner Mutter alles erz�hlt, aber ich m�chte trotzdem nicht, da� ihnen etwas zust��t.� �Das verspreche ich dir, Mat.� Mat schlo� die T�r hinter sich und schlenderte ziellos weiter durch die G�nge. Seine Schwestern Eldrin und Bodewhin waren immer bereit gewesen, heimzurennen und zu schreien: �Mama, Mat ist schon wieder in Schwierigkeiten. Mat stellt wieder Sachen an!� Besonders Bode war so. Jetzt mu�ten sie mittlerweile sechzehn und siebzehn sein. Dachten vielleicht schon ans Heiraten. Vielleicht hatten sie schon irgendeinen dummen Bauernl�mmel im Visier, ob der Bursche das wu�te oder nicht. War er wirklich schon so lange weg? Manchmal schien es ihm, als k�nne das gar nicht sein. Es war ein Gef�hl, als habe er erst vor ein oder zwei Wochen Emondsfeld verlassen. Aber es gab auch Zeiten, wo es ihm wie Jahre vorkam und er sich nur dunkel an die Heimat erinnern konnte. Er erinnerte sich schon daran, wie Eldrin und Bode gegrinst hatten, wenn er Pr�gel bezogen hatte, aber ihre Gesichter waren unscharf, verschwommen. Die Gesichter seiner eigenen Schwestern! Diese verdammten L�cken in seinem Ged�chtnis waren wie L�cken in seinem Leben.</p><p>Er sah, da� Berelain auf ihn zukam, und mu�te unwillk�rlich grinsen. Trotz ihrer Launenhaftigkeit war sie eine prachtvoll gebaute Frau. Dieses enganliegende wei�e Seidenkleid war so d�nn wie ein Taschentuch, ganz zu schweigen davon, da� es tief genug sa�, um eine betr�chtliche Menge sch�nen, blassen Busens zu enth�llen.</p><p>Er verbeugte sich elegant und �berh�flich. �Einen sch�nen guten Abend, Lady Berelain.� Sie wollte schon ohne einen Blick vorbeirauschen, da richtete er sich ver�rgert auf. �Seid Ihr taub und blind, Frau? Ich bin kein Teppich, �ber den man einfach wegl�uft, und ich habe doch wohl h�flich genug gegr��t. Wenn ich Euch in den Hintern kneife, k�nnt Ihr mir ruhig eine Ohrfeige versetzen, aber bis dahin erwarte ich H�flichkeit als Antwort auf H�flichkeit!� Die Erste blieb abrupt stehen und sah ihn auf diese Art an, die Frauen so an sich haben. Sie h�tte ihm ein Hemd stopfen k�nnen oder sein Gewicht absch�tzen oder �berlegen, wann er das letzte Mal gebadet hatte. Alles konnte in diesem Blick liegen. Dann wandte sie sich ab und murmelte etwas in sich hinein. Alles, was er davon aufschnappen konnte, war: �... zu sehr wie ich.� Er blickte ihr verbl�fft nach. Kein Wort zu ihm! Dieses Gesicht, dieser Gang, und dann die Nase so hoch in der Luft, da� man sich schon fragen mu�te, ob ihre F��e �berhaupt den Boden ber�hrten. Das hatte er nun davon, wenn er mit ihresgleichen sprechen wollte, ob es nun Berelain oder Elayne war. Adlige, f�r die man ein St�ck Dreck war, wenn man nicht ein Schlo� besa� und einen Stammbaum bis zur�ck zu Artur Falkenfl�gel. Na ja, er kannte eine mollige K�chenhilfe � gerade richtig griffig �, die ihn nicht f�r ein St�ck Dreck hielt. Dara knabberte so gern an seinem Ohr, da� ihm dabei...</p><p>Sein Gedankenflu� ri� pl�tzlich ab. Da hatte er nun �berlegt, ob Dara wach sei und vielleicht Lust zum Schmusen hatte. Er hatte sogar daran gedacht, mit Berelain zu flirten. Ausgerechnet mit Berelain! Und dann die letzten Worte, die er Perrin mitgegeben hatte: <emphasis>Schau mal nach meinen Schwestern.</emphasis> Als habe er sich l�ngst entschieden und w��te, was er tun wolle. Aber das hatte er nicht. Er lie� sich nicht so einfach in alles hineinziehen. Vielleicht gab es einen anderen Weg.</p><p>Er kramte eine Goldm�nze aus seiner Tasche, warf sie hoch, fing sie mit einer Hand und klatschte sie auf den anderen Handr�cken. Eine Mark aus Tar Valon, wie er erst jetzt bemerkte. Er blickte genau auf die Flamme von Tar Valon, die wie eine stilisierte Tr�ne aussah. �Seng doch alle Aes Sedai!� verk�ndete er laut. �Und seng Rand al'Thor, weil er mich in das alles hineingezogen hat!� Ein Diener in schwarzgoldener Livree blieb mitten im Schritt stehen und be�ugte ihn besorgt. Auf dem silbernen Tablett des Mannes lag ein ganzer Stapel von Verb�nden und Tiegeln mit Salben. Sobald ihm bewu�t wurde, da� Mat ihn anblickte, fuhr er zusammen.</p><p>Mat warf die Goldmark auf das Tablett des Mannes. �Vom gr��ten Narren der Welt. Gib acht, da� du sie auch gut anlegst � f�r Frauen und Wein!� �D-danke, Herr�, stammelte der Mann wie bet�ubt.</p><p>Mat lie� ihn dort stehen. <emphasis>Der gr��te Narr der Welt. Bin ich das vielleicht nicht?</emphasis></p></section><section><title><p>14</p><p>Die Br�uche in Mayene...</p></title><p>Perrin sch�ttelte den Kopf, als sich die T�r hinter Mat schlo�. Mat w�rde sich noch eher mit einem Hammer auf den eigenen Kopf schlagen, als zu den Zwei Fl�ssen zur�ckkehren. Nicht, solange er eben nicht mu�te. Perrin w�nschte, er k�nne auch einen Weg finden, die Heimkehr zu vermeiden. Aber es gab keinen. Das war eine unverr�ckbare Tatsache. Der Unterschied zwischen Mat und ihm lag darin, da� er bereit war, es zu akzeptieren, auch wenn es ihm widerstrebte.</p><p>Als er sein Hemd �ber den Kopf zog, st�hnte er auf, obwohl er vorsichtig gewesen war. Seine gesamte linke Schulter war ein einziger blauer Fleck, der mittlerweile allerdings eher braun und gelb aussah. Ein Trolloc hatte sich innerhalb der Reichweite seiner Axt verirrt, und nur Failes schneller Messerstich hatte ihn vor schlimmerem bewahrt. So schmerzte es ziemlich beim Waschen, aber es gab ja in Tear sowieso kaum kaltes Wasser.</p><p>Er hatte fertig gepackt und war reisefertig. Nur eine Garnitur W�sche und Oberbekleidung hatte er zum Umziehen am Morgen drau�engelassen. Sobald die Sonne aufging, w�rde er Loial suchen. Es hatte kaum Zweck, den Ogier noch in der Nacht aufzust�bern. Wahrscheinlich lag er schon im Bett, und dort wollte sich Perrin auch bald befinden. Faile stellte das einzige Problem dar, f�r das er noch keine L�sung gefunden hatte. Aber selbst in Tear zu bleiben w�re f�r sie noch sicherer, als mit ihm zu gehen.</p><p>Die T�r �ffnete sich �berraschend. Parfumduft breitete sich aus, sobald die T�r auch nur einen Spalt offenstand. Der Duft erinnerte ihn an Wickenbl�ten in einer hei�en Sommernacht. Er war erregend, obwohl er nicht zu schwer war und nur auf ihn wirkte. Faile w�rde dieses Parfum aber nicht ben�tzen. Doch dann war er noch �berraschter, als Berelain in sein Zimmer trat.</p><p>Sie hielt sich an der T�rkante fest und blinzelte, was ihm bewu�tmachte, wie tr�b ihr die Beleuchtung vorkommen mu�te. �Ihr wollt verreisen?� fragte sie z�gernd. Der Schein der Lampen im Flur beleuchtete sie von hinten her, und es fiel ihm schwer, sie nicht auff�llig anzustarren.</p><p>�Ja, Lady Berelain.� Er verbeugte sich ein wenig tolpatschig, aber so gut er konnte. Faile mochte ja emp�rt schnauben, wenn er Berelain erw�hnte, doch er hatte keinen Grund, unh�flich zu sein. �Morgen fr�h.� �Ich auch.� Sie schlo� die T�r und verschr�nkte die Arme unter dem Busen. Er sah weg und beobachtete sie nur aus dem Augenwinkel, damit sie nicht glaubte, er wolle ihren K�rper anstarren. Sie fuhr fort, ohne auf seine Reaktion zu achten. Die Flamme der einzigen Kerze im Zimmer spiegelte sich in ihren Augen. �Nach diesem Abend... Morgen reise ich per Kutsche nach Godan und von dort aus mit dem Schiff nach Mayene. Ich h�tte schon vor Tagen abreisen sollen, aber ich hoffte immer, es gebe eine M�glichkeit, alles zu bereinigen. Aber nat�rlich gab es keine. Das h�tte ich vorher wissen m�ssen. Der heutige Abend hat es mir aber klargemacht. So, wie er... All diese Blitze, die durch die G�nge zuckten. Ich werde morgen abreisen.� �Lady Berelain�, sagte Perrin verwirrt, �warum erz�hlt Ihr mir das alles?� Die Art, wie sie das Haar nach hinten warf, erinnerte ihn an eine Stute, die er in Emondsfeld manchmal beschlagen hatte. Die bi� auch nur zu gern kr�ftig zu. �Damit Ihr es dem Lord Drachen mitteilen k�nnt, nat�rlich.� Das ergab f�r ihn auch keinen Sinn. �Das k�nnt Ihr ihm doch selber sagen�, entgegnete er ziemlich frustriert. �Ich habe keine Zeit, um Botschaften zu �berbringen, bevor ich weg mu�.� �Ich... glaube nicht, da� er mich sehen m�chte.� Jeder Mann w�rde sie nur zu gern sehen, denn sie war ausgesprochen sch�n, und das war ihr auch durchaus bewu�t. Er glaubte aber, sie habe eigentlich etwas anderes sagen wollen. War sie so ver�ngstigt durch die Geschehnisse in Rands Schlafzimmer an jenem Abend? Oder durch den Angriff und die Art, wie Rand ihn unterbunden hatte? Vielleicht, aber sie war keine Frau, der man so leicht Angst einjagen konnte. Sie musterte ihn jetzt auch ganz k�hl und gelassen. �Gebt Eure Botschaft einem Diener. Ich bezweifle, da� ich Rand noch einmal sehen werde. Nicht vor meiner Abreise. Jeder Diener wird ein Schreiben von Euch �berbringen.� �Es w�re besser, er erf�hre es von Euch, einem Freund... � �Gebt es einem Diener. Oder einem der Aiel.� �Ihr erf�llt meinen Wunsch nicht?� fragte sie ungl�ubig.</p><p>�Nein. Habt Ihr mir nicht zugeh�rt?� Sie warf den Kopf wieder zur�ck, aber diesmal irgendwie anders, nur, da� er den Unterschied nicht definieren konnte. Sie musterte ihn nachdenklich und murmelte in sich hinein: �Welch au�ergew�hnliche Augen.� �Was?� Mit einem Mal wurde ihm bewu�t, da� er mit nacktem Oberk�rper dastand. Ihre intensive Musterung erschien ihm pl�tzlich wie das Beschauen eines Pferdes vor dem Kauf. Als n�chstes w�rde sie wahrscheinlich seine Fesseln bef�hlen und sein Gebi� betrachten. Er schnappte sich das f�r den Morgen bereitgelegte Hemd vom Bett und zog es sich �ber den Kopf. �Gebt Eure Botschaft einem Diener. Ich will jetzt ins Bett gehen. Ich mu� fr�h aufstehen. Noch vor Sonnenaufgang.� �Wo wollt Ihr morgen hin?� �Nach Hause. Zu den Zwei Fl�ssen. Es ist schon sp�t. Wenn Ihr morgen auch aufbrechen wollt, m��t Ihr wohl ebenfalls ein wenig schlafen. Ich wei� jedenfalls, wie m�de ich bin.� Er g�hnte betont.</p><p>Sie machte immer noch keine Anstalten zu gehen. �Ihr seid Schmied von Beruf? Ich k�nnte in Mayene einen guten Schmied gebrauchen, um Eisenornamente herzustellen. Ein kurzer Aufenthalt, bevor Ihr zu den Zwei Fl�ssen zur�ckkehrt? Ihr w�rdet Mayene... unterhaltsam finden.� �Ich gehe nach Hause�, sagte er ihr entschlossen, �und Ihr geht jetzt zur�ck in Eure Gem�cher.� Sie zuckte die Achseln ganz kurz, und er sah schnell zur Seite. �Vielleicht ein andermal dann. Ich bekomme am Ende immer, was ich will. Und ich glaube schon, da� ich... � Sie hielt inne und musterte ihn noch einmal von oben bis unten. �... kunstvolle Eisengitter f�r meine Schlafzimmerfenster haben will.� Sie l�chelte so unschuldig, da� in seinem Kopf Alarmglocken zu dr�hnen begannen.</p><p>Die T�r �ffnete sich wieder, und Faile trat ein. �Perrin, ich ging in die Stadt, um nach dir zu suchen, und dort h�rte ich ein Ger�cht...� Sie blieb pl�tzlich stocksteif stehen und sah Berelain mit hartem Blick an.</p><p>Die Erste ignorierte sie. Sie trat ganz nahe an Perrin heran und strich mit der Hand seinen Arm hoch und �ber seine Schulter. Einen Moment lang hatte er das Gef�hl, sie wolle seinen Kopf herunterziehen und ihn k�ssen. Sie hob ihm sogar das Gesicht entgegen. Doch dann streichelte sie lediglich seinen Hals ganz kurz und trat wieder zur�ck. Es war schon vorbei, bevor er sich r�hren und sie abwehren konnte. �Denkt daran�, sagte sie leise, als seien sie allein im Zimmer, �ich bekomme immer, was ich will.� Und damit rauschte sie an Faile vorbei aus dem Zimmer.</p><p>Er wartete darauf, da� Faile explodierte, doch sie sah nur die gepackten Satteltaschen auf seinem Bett an und sagte: �Ich sehe, da� du dieses Ger�cht bereits kennst. Aber es ist wirklich nur ein Ger�cht, Perrin.� �Durch die gelben Augen wird es zu mehr als einem Ger�cht.� Sie h�tte eigentlich explodieren m�ssen wie ein B�ndel trockenen Reisigs, das man ins Feuer wirft. Warum verhielt sie sich so k�hl? �Na gut, das n�chste Problem stellt dann Moiraine dar. Wird sie versuchen, dich aufzuhalten?� �Nicht, wenn sie es nicht wei�. Aber wenn sie es versucht, gehe ich trotzdem. Ich habe eine Familie und Freunde, Faile. Die �berlasse ich nicht den Wei�m�nteln. Doch ich hoffe, ich kann es vor ihr geheimhalten, bis ich weit weg von hier bin.� Sogar ihr Blick war gelassen und ihre Augen wirkten wie dunkle Seen im Wald. Ihm str�ubten sich die Nackenhaare.</p><p>�Aber es hat sicher Wochen gedauert, bis dieses Ger�cht Tear erreichte, und es wird wiederum Wochen dauern, zu den Zwei Fl�ssen zu reiten. Bis dahin sind die Wei�m�ntel vermutlich wieder weg. Na ja, ich wollte ja, da� du hier weggehst. Also darf ich mich nicht beklagen. Ich will nur, da� du dir dar�ber klar bist, was dich erwartet.� �Durch die Kurzen Wege wird es keine Wochen dauern�, sagte er zu ihr. �Zwei Tage, vielleicht auch drei.� Zwei Tage. Er glaubte nicht, da� es noch schneller zu bew�ltigen sei.</p><p>�Du bist genauso verr�ckt wie Rand al'Thor�, sagte sie ungl�ubig. Sie lie� sich auf das Fu�ende seines Bettes fallen und schlug die Beine �bereinander. Dann sprach sie in einem Tonfall mit ihm, wie man ein Kind belehrt: �Geh durch die Kurzen Wege, und du kommst hoffnungslos wahnsinnig wieder heraus. Falls du �berhaupt wieder herauskommst, und es ist auch viel wahrscheinlicher, da� du drinnen bleibst. Die Wege sind vom Verderben des Dunklen K�nigs gezeichnet, Perrin. Dort herrscht seit �wie lange ist das schon? � dreihundert oder vierhundert Jahren Dunkelheit. Frage Loial. Er kann es dir sagen. Es waren die Ogier, die sie erbaut haben oder gez�chtet � was auch immer. Nicht einmal sie ben�tzen die Wege. Und selbst, wenn du es schaffst, unbeschadet durchzukommen, wei� das Licht allein, wo du herauskommen wirst.� �Ich bin bereits durch die Kurzen Wege gereist, Faile.� Und das war ein furchterregendes Abenteuer gewesen. �Loial kann mich f�hren. Er kann die Wegweiser lesen; so sind wir fr�her schon durchgekommen. Er wird das wieder f�r mich tun, wenn er wei�, wie wichtig es ist.� Loial wollte auch endlich aus Tear weg. Er schien zu f�rchten, seine Mutter wisse, wo er war. Perrin war sicher, da� er helfen w�rde.</p><p>�Na ja�, sagte sie und rieb sich energisch die H�nde. �Na ja. Ich w�nschte mir ja Abenteuer, und das ist wohl auch eines. Den Stein von Tear und den Wiedergeborenen Drachen zur�cklassen, durch die Kurzen Wege zu gehen, um gegen Wei�m�ntel zu k�mpfen. Ich frage mich, ob wir Thom Merrilin dazu �berreden k�nnen, mitzukommen. Wenn wir schon keinen Barden mitbringen, dann doch wenigstens einen Gaukler. Er k�nnte die Geschichte verfassen und die Begleitmusik komponieren, aber nat�rlich st�nden du und ich im Mittelpunkt. Kein Wiedergeborener Drache und keine Aes Sedai, die den ganzen Ruhm einheimsen. Wann reiten wir los? Am Morgen?� Er holte tief Luft, damit seine Stimme ruhiger klang. �Ich gehe allein, Faile. Nur Loial und ich.� �Wir werden ein Packpferd brauchen�, bemerkte sie, als habe er nichts gesagt. �Zwei sogar, glaube ich. In den Wegen ist es dunkel. Wir brauchen Laternen und eine Menge �l. Deine Leute von den Zwei Fl�ssen. Bauern? Werden sie gegen die Wei�m�ntel k�mpfen?� �Faile, ich sagte... � �Ich h�rte, was du gesagt hast�, fauchte sie. Im flackernden Schatten wirkte sie gef�hrlich mit ihren schr�g stehenden Augen und den hohen Backenknochen. �Ich habe es geh�rt, und es ist sinnlos. Was ist, wenn diese Bauern nicht k�mpfen wollen? Oder nicht wissen, wie? Wer wird es ihnen beibringen? Du? Allein?� �Ich werde tun, was sein mu߫, sagte er geduldig.</p><p>�Ohne dich.� Sie sprang so schnell auf, da� er schon glaubte, sie wolle ihm an die Kehle fahren. �Glaubst du etwa, Berelain kommt mit dir? Wird sie dir den R�cken decken? Oder vielleicht h�ttest du es lieber, wenn sie auf deinem Scho� sitzt und quiekt? Steck dein Hemd in die Hose, du haariger Ochse! Mu� es eigentlich hier drinnen so dunkel sein? Berelain gef�llt ged�mpftes Licht, oder? Sie wird dir bestimmt eine tolle Hilfe gegen die Kinder des Lichts sein!� Perrin �ffnete den Mund, um zu protestieren, und dann sagte er etwas ganz anderes, als er auf der Zunge gehabt hatte. �Sie sieht doch ganz kuschelig aus, Berelain. Welcher Mann h�tte sie nicht gern auf dem Scho�?� Der Schmerz, der sich auf ihren Gesichtsz�gen breitmachte, zog ihm die Brust wie mit einem Eisenring zusammen, aber er zwang sich zum Weitersprechen. �Wenn ich zu Hause fertig bin, gehe ich vielleicht mal nach Mayene. Sie hat mich gebeten, zu kommen, na ja, und vielleicht tue ich das.� Faile sagte kein Wort. Sie sah ihn mit versteinerter Miene an, wirbelte dann herum und st�rmte hinaus. Die T�r knallte wie eine Explosion hinter ihr zu.</p><p>Unwillk�rlich wollte er ihr hinterherlaufen, doch dann blieb er stehen. Seine H�nde hatten den T�rrahmen so fest gepackt, da� seine Finger schmerzten. Er starrte den gesplitterten Spalt in der T�rf�llung an, den seine Axt verursacht hatte, und ertappte sich dabei, da� er der T�r erz�hlte, was er bei ihr nicht herausgebracht hatte. �Ich habe Wei�m�ntel get�tet. Sie h�tten mich sonst umgebracht, aber sie nennen es trotzdem Mord. Ich gehe heim, um zu sterben, Faile. Das ist das einzige, womit ich sie daran hindern kann, meinen Freunden und Verwandten etwas anzutun. La�t sie mich doch aufh�ngen. Ich kann dir das aber nicht zumuten und will dich nicht dabeihaben. Das geht nicht. Du w�rdest vielleicht versuchen, mich zu retten, und dann w�rden sie... � Er lie� seinen Kopf an die T�r sinken. Jetzt w�rde sie ihm keine Tr�ne mehr nachweinen, und nur das z�hlte. Sie w�rde weggehen und irgendwo anders ein Abenteuer erleben, aber vor den Wei�m�nteln und <emphasis>Ta'veren</emphasis> und Blasen des B�sen sicher. Nur das war wichtig. Er verw�nschte dieses Gef�hl, vor Kummer heulen zu wollen.</p><p>Faile schritt im Eiltempo durch die G�nge des Steins und bemerkte �berhaupt nicht, an wem sie vorbeilief oder wer schnell beiseite treten mu�te, um sie vorbeizulassen. Perrin. Berelain. Perrin. Berelain. <emphasis>Er will eine milchgesichtige Nymphe, die halbnackt heruml�uft, ja? Er wei� �berhaupt nicht, was er will. Haariger Ochse! Holzk�pfiger Narr! Schmied! Und diese schleichende Sau Berelain! Diese t�nzelnde Ziege!</emphasis></p><p>Ihr war gar nicht bewu�t, wohin sie ging, bis sie vor sich Berelain sah, die in diesem Kleid einherrauschte, das nichts der Phantasie �berlie�. Sie lie� ihren Hintern beim Gehen derart wackeln, da� klar war: Sie wollte erreichen, da� den M�nnern die Augen aus dem Kopf fielen. Bevor Faile selbst wu�te, was sie tat, hatte sie schon Berelain �berholt und drehte sich zu ihr um. An einer Kreuzung zweier G�nge standen sich die beiden gegen�ber.</p><p>�Perrin Aybara geh�rt mir�, fauchte sie. �La� ja deine H�nde und dein L�cheln von ihm!� Sie err�tete bis zum Haaransatz bei ihren eigenen Worten. Sie hatte sich einst vorgenommen, niemals so etwas zu tun, niemals wie ein Bauernm�dchen, das mit Burschen im Heu heruml�mmelt, um einen Mann zu k�mpfen.</p><p>Berelain zog k�hl eine Augenbraue hoch. �Geh�rt Euch? Seltsam. Ich habe nicht bemerkt, da� er ein Halsband tr�gt. Ihr Dienstm�gde � oder seid Ihr eine Bauerntochter? � habt auch die eigenartigsten Flausen im Kopf.� �Dienstmagd? Bauernm�dchen? Ich bin...� Faile bi� sich auf die Zunge, um nicht so weiterzutoben. Die Erste von Mayene � ha! In Saldaea gab es G�ter, die gr��er waren als ganz Mayene. Am Hof von Saldaea w�rde die es keine Woche aushalten. Konnte sie Gedichte rezitieren, w�hrend sie mit ihrem Falken auf der Beiz war? Konnte sie den ganzen Tag �ber auf Jagd ausreiten und dann am Abend noch Zither spielen, w�hrend sie mit den anderen dar�ber diskutierte, was man gegen die Trolloc-�berf�lle unternehmen solle? Sie glaubte vielleicht, sie kenne die M�nner! Kannte sie die Sprache der F�cher? Konnte sie einem Mann mitteilen, er solle kommen oder gehen oder bleiben und hundert andere Dinge, nur, indem sie ihr Handgelenk leicht drehte und den Spitzenf�cher auf die richtige Art bewegte? <emphasis>Das Licht leuchte mir, was ist nur mit mir los? Ich habe geschworen, ich w�rde nie mehr einen F�cher in die Hand nehmen!</emphasis> Aber es gab noch andere Br�uche in Saldaea. Sie blickte �berrascht das Messer in ihrer eigenen Hand an. Man hatte sie gelehrt, nur dann ein Messer zu ziehen, wenn sie es auch anwenden wollte. �Die Bauernm�dchen in Saldaea haben ihre eigene Art, wie sie mit Frauen umgehen, die anderen die M�nner stehlen wollen. Wenn Ihr nicht schw�rt, die Finger von Perrin Aybara zu lassen, rasiere ich Euch den Kopf so kahl wie ein Ei. Vielleicht laufen Euch dann die Jungen aus dem H�hnerhof nach!� Sie wu�te kaum, wie ihr geschah und wie Berelain ihr Handgelenk gepackt hatte, aber mit einem Mal flog sie durch die Luft. Als der Fu�boden gegen ihren R�cken knallte, blieb ihr erst einmal die Luft weg.</p><p>Berelain stand l�chelnd da und klopfte sich mit Failes Messerklinge auf die Handfl�che. �Ein Brauch aus Mayene. Die Tairener schicken �fters mal Attent�ter, und es sind nicht immer Wachen zur Hand. Ich hasse es, angegriffen zu werden, Bauernm�dchen, also werde ich folgendes tun: Ich werde Euch diesen Schmied wegnehmen und ihn als Haustier halten, bis ich genug von ihm habe. Darauf schw�re ich Euch einen Ogiereid, Bauernm�dchen. Er ist ja wirklich durchaus anziehend � diese Schultern, diese Arme, ganz zu schweigen von seinen Augen �, und wenn er jetzt noch ein wenig unzivilisiert ist, l��t sich das ja �ndern. Bei meinem Hofstaat wird er lernen, sich richtig anzuziehen, und er wird diesen schrecklichen Bart loswerden. Wohin immer er auch geht, ich werde ihn finden und er wird mein sein. Ihr k�nnt ihn haben, wenn ich mit ihm fertig bin. Falls er Euch dann noch will, versteht sich.� Als sie endlich wieder atmen konnte, rappelte Faile sich hoch und zog ein zweites Messer. �Ich werde Euch zu ihm schleifen, nachdem ich Euch dieses Kleid vom Leib geschnitten habe, das Ihr beinahe tragt, und dann werdet Ihr ihm sagen, da� Ihr nichts anderes als eine Sau seid!� <emphasis>Licht, hilf mir! Ich benehme mich tats�chlich wie ein Bauernm�dchen und rede sogar wie eins!</emphasis> Das schlimmste daran war, da� sie jedes Wort ernst meinte.</p><p>Berelain stand kampfbereit da. Offensichtlich wollte sie ihre H�nde ben�tzen und nicht das Messer. Sie hielt es wie einen F�cher. Faile stand locker auf den Ballen und wollte sich ihr n�hern.</p><p>Pl�tzlich jedoch befand sich Rhuarc zwischen ihnen. Er ragte �ber ihnen auf und schnappte sich beide Messer, bevor die Frauen seiner richtig gewahr wurden. �Habt Ihr heute etwa noch nicht genug Blut gesehen?� sagte er mit kalter Stimme. �Von allen, bei denen ich glaubte, sie w�rden vielleicht einmal den Frieden st�ren, w�rt Ihr beiden die letzten gewesen.� Faile starrte ihn mit offenem Mund an. Dann wirbelte sie ohne Vorwarnung herum und knallte Rhuarc die Faust in die kurzen Rippen. Dort w�rde es auch der h�rteste Mann sp�ren.</p><p>Er schien sich zu bewegen, ohne sie �berhaupt ansehen zu m�ssen. Er packte ihre Hand und drehte ihr den Arm blitzschnell herum. Mit einemmal stand sie hoch aufgerichtet da und hoffte nur, er werde ihren Arm nicht noch h�her dr�cken und vielleicht ausrenken.</p><p>Als sei nichts geschehen, wandte er sich Berelain zu: �Ihr werdet in Euer Zimmer gehen und nicht mehr herauskommen, bis die Sonne �ber dem Horizont steht. Ich werde daf�r sorgen, da� man Euch kein Fr�hst�ck bringt. Ein wenig Hunger wird Euch daran erinnern, da� es auch f�r einen Kampf den richtigen Zeitpunkt und den richtigen Ort gibt.� Berelain richtete sich indigniert auf. �Ich bin die Erste von Mayene. Niemand gibt mir Befehle wie... � �Ihr begebt Euch in Euer Zimmer. Jetzt sofort�, erkl�rte ihr Rhuarc nachdr�cklich. Faile fragte sich, ob sie ihn treten solle. Dabei mu�te sie sich angespannt haben, denn kaum hatte sie diesen Gedanken im Kopf, verst�rkte er den Druck auf ihr Handgelenk und sie stand auf Zehenspitzen da. �Wenn nicht�, fuhr er zu Berelain gewandt fort, �werden wir unser erstes Gespr�ch noch einmal wiederholen, Ihr und ich. Gleich hier.� Berelains Gesicht wurde abwechselnd rot und kreidebleich. �Also gut�, sagte sie steif. �Wenn Ihr darauf besteht, werde ich vielleicht... � �Ich habe keine Diskussion vorgeschlagen. Wenn ich Euch immer noch hier erblicke, nachdem ich bis drei gez�hlt habe... Eins.� Berelain schnappte nach Luft, raffte ihren Rock hoch und rannte los. Selbst dabei schaffte sie es, ihren Hintern grazi�s zu schwenken.</p><p>Faile sah ihr verbl�fft nach. Der Anblick war es beinahe wert, da� ihr der Arm fast ausgerenkt wurde. Auch Rhuarc blickte Berelain hinterher. Er verzog die Lippen zu einem leichten, anerkennenden L�cheln.</p><p>�Wollt Ihr mich die ganze Nacht hier festhalten?� fragte sie. Er lie� sie los und steckte ihre Messer in seinen G�rtel. �Aber die geh�ren mir!� �Nicht mehr�, sagte er. �Berelains Strafe f�r Euren Kampf war, da� Ihr sie gesehen habt, wie ich sie wie ein ungezogenes Kind ins Bett geschickt habe. Eure Strafe ist, diese Messer zu verlieren, die Ihr so sch�tzt. Ich wei�, da� Ihr noch andere habt. Wenn Ihr widersprecht, nehme ich Euch die vielleicht auch noch ab. Ich werde nicht zulassen, da� jemand hier den Frieden noch einmal st�rt.� Sie funkelte ihn an, war aber sicher, da� er tun w�rde, was er angek�ndigt hatte. Diese Messer hatte ein Mann f�r sie angefertigt, der ein Meister seines Fachs war. Sie waren genau richtig ausbalanciert. �Welches �erste Gespr�ch� habt Ihr denn mit ihr gef�hrt? Warum ist sie wie angestochen weggerannt?� �Das ist eine Sache zwischen ihr und mir. Ihr werdet ihr nicht mehr nahe kommen, Faile. Ich glaube nicht, da� sie mit diesem Streit angefangen hat. Ihre Waffen sind keine Messer. Falls eine von euch noch mal Schwierigkeiten macht, werde ich Euch k�nftig den M�ll schleppen lassen. Ein paar der Tairener hatten geglaubt, sie k�nnten weiter ihre Privatduelle austragen, nachdem ich an diesem Ort den Hausfrieden verk�ndet hatte, aber der Gestank der M�llkarren und der Sickergruben hinter den Toiletten hat sie schnell eines besseren belehrt. Geht sicher, da� Ihr nicht auf die gleiche Art lernen m��t.� Sie wartete, bis er weg war, und dann rieb sie sich die schmerzende Schulter. Er erinnerte sie an ihren Vater. Nicht, da� ihr Vater ihr jemals den Arm umgedreht hatte, aber auch er hatte wenig Geduld mit Leuten, die Schwierigkeiten machten, gleich, welchen Standes sie waren, und niemand konnte ihn je �berraschen. Sie fragte sich, ob sie Berelain irgendwie provozieren k�nne, damit sie erlebte, wie die Erste von Mayene zwischen den M�llkarren ins Schwitzen kam. Aber Rhuarc hatte sie beide gemeint. Ihr Vater tat auch immer das, was er angedroht hatte. Berelain. Etwas, das Berelain gesagt hatte, war ihr im Hinterkopf geblieben. Ogiereid. Das war es. Ein Ogier brach niemals einen Eid. Wenn man von einem Eidbrecher bei den Ogiern sprach, war das dasselbe, als spreche man von einem �tapferen Feigling� oder einem �klugen Narren�.</p><p>Sie konnte sich nicht helfen: Sie mu�te laut lachen. �Du wirst ihn mir wegnehmen, du dumme Henne? Bis du ihn wiedersiehst, wenn �berhaupt, geh�rt er wieder mir allein.� Sie schmunzelte, rieb sich noch mal die Schulter und ging leichten Herzens zu ihrem Zimmer.</p></section><section><title><p>15</p><p>�ber die Schwelle</p></title><p>Mat hielt die verglaste Laterne hoch �ber seinen Kopf und sp�hte den engen Korridor hinunter, der sich tief im Bauch des Steins befand. <emphasis>Nur, wenn mein Leben davon abh�ngt. Das hatte ich mir vorgenommen. Also, seng mich, jetzt ist es doch wohl soweit!</emphasis></p><p>Bevor die Zweifel ihn wieder packen konnten, eilte er weiter, an T�ren vorbei, die vermodert waren und schief in den Angeln hingen, w�hrend bei anderen nur noch Holzreste an den verrosteten Scharnieren verblieben waren. Den Boden hatte man k�rzlich gefegt, doch die Luft roch noch nach altem Staub und Moder. Irgend etwas huschte durch die Dunkelheit, und er hatte schon ein Messer in der Hand, bevor ihm klar wurde, da� es nur eine Ratte war, die vor ihm wegrannte, vermutlich einem Fluchtloch in der N�he zu.</p><p>�Zeig mir den Weg hinaus�, fl�sterte er ihr hinterher, �und ich komme mit dir.� <emphasis>Warum fl�stere ich eigentlich? Hier unten ist niemand, der mich h�ren k�nnte. Es war ein Ort des Schweigens. Er f�hlte das ganze Gewicht des Steins �ber seinem Kopf und auf seinen Schultern lasten.</emphasis></p><p>Die letzte T�r, hatte sie gesagt. Die hing auch schief in den Angeln. Er trat sie auf, und sie brach zusammen. �berall im Raum sah er schattenhaft Dinge herumstehen, Kisten und F�sser und andere Sachen, die man an den W�nden und auf den Boden gestapelt hatte. Und Staub. <emphasis>Die</emphasis></p><p><emphasis>Gro�e Sammlung! Es sieht aus wie der Keller eines verlassenen Bauernhauses oder noch schlimmer.</emphasis> Es �berraschte ihn, da� Egwene und Nynaeve w�hrend ihres Aufenthalts hier unten nicht Staub gewischt und aufger�umt hatten. Es h�tte ihnen �hnlich gesehen. Auf dem Fu�boden waren viele sich �berlagernde Spuren zu sehen; manche davon stammten von Stiefeln. Zweifellos hatten sie M�nner dabeigehabt, die ihnen die schweren Sachen aus dem Weg r�umten. Nynaeve suchte immer M�glichkeiten, M�nner zum Arbeiten zu bringen. Wahrscheinlich hatte sie sich ein paar Burschen herausgesucht, die gerade ihre Freizeit genossen, und sie hier unten schaffen lassen.</p><p>Was er suchte, hob sich vom anderen Schrott deutlich ab. Ein hoher T�rrahmen aus Sandstein, der im Schatten ganz eigenartig aufragte. Beim N�herkommen verst�rkte sich dieser Eindruck des Eigenartigen. Verdreht. Sein Auge wollte dem Umri� nicht folgen. Die Ecken pa�ten nicht aufeinander. Das hohe, hohle Rechteck schien schon bei einem Lufthauch umst�rzen zu m�ssen, doch als er es vorsichtig mit der Hand anstie�, stand es fest und sicher. Er schob ein bi�chen st�rker. Beinahe w�nschte er, das Ding w�rde wirklich kippen, aber nur die Seite, an der er geschoben hatte, knirschte ein St�ck weiter durch den Staub. Er hatte eine G�nsehaut an den Armen. Es h�tte fast an einem Draht von der Decke her zum Oberteil h�ngen k�nnen. Er leuchtete nach oben. Nichts � kein Draht. <emphasis>Wenigstens wird es nicht kippen, wenn ich drin bin. Licht, gehe ich wirklich da hinein?</emphasis></p><p>Auf dem Deckel eines gro�en Fasses in seiner N�he standen eine Reihe von kleinen Plastiken und anderen Dingen herum, die in zerfallenden Stoff gewickelt waren. Er schob das ganze Durcheinander zur Seite, um seine Lampe hinstellen zu k�nnen, und dann betrachtete er die T�r. Den <emphasis>Ter'Angreal.</emphasis> Falls Egwene wu�te, wovon sie sprach. Wahrscheinlich schon. Zweifellos hatte sie in der Burg alle m�glichen seltsamen Sachen gelernt und erfahren, auch wenn sie das abstritt. <emphasis>Sie d�rfte eine ganze Menge abstreiten. Bestimmt. Ist dabei, zur Aes Sedai zu werden. Aber das hier hat sie nicht geleugnet, oder?</emphasis> Wenn er die Augen zusammenkniff, sah es einfach wie irgendein anderer T�rrahmen aus, matt gl�nzend und verstaubt. Nur ein einfacher T�rrahmen. Na ja, vielleicht doch nicht so ganz einfach. Auf jeder Seite des Rahmens verliefen drei tief eingekerbte Schlangenlinien von oben bis unten. Er hatte auf den T�ren von Bauernh�usern schon kunstvollere Ornamente gesehen. Vielleicht w�rde er sich nach dem Hindurchgehen immer noch im gleichen staubigen Raum befinden.</p><p><emphasis>Ich werde es nicht erfahren, wenn ich es nicht versuche. Gl�ck!</emphasis> Er atmete tief ein � hustete erstmal wegen des Staubs � und setzte einen Fu� auf die Schwelle.</p><p>Ein Schritt, und er trat durch einen Vorhang aus blendend wei�em Licht, unendlich hell, unendlich dicht. Einen Augenblick lang, und dieser Augenblick schien ihm eine Ewigkeit zu dauern, war er blind. Ein Rauschen erf�llte sein Geh�r, als h�tten sich alle Ger�usche der Welt in diesem einen gesammelt. Alles nur einen einzigen Schritt lang.</p><p>Er stolperte einen Schritt weiter und blickte sich erstaunt um. Der <emphasis>Ter'Angreal</emphasis> war immer noch da, aber er befand sich ganz bestimmt an einem anderen Ort als dem, von dem er aufgebrochen war. Der verdrehte steinerne T�rrahmen stand im Mittelpunkt eines runden Saals mit einer befindlichen Decke, so hoch droben, da� sie sich im Schatten verlor. Rundherum standen gewundene gelbe S�ulen, die sich nach oben in die D�sternis erhoben wie riesenhafte Ranken, die sich einst um runde Pfosten gezogen hatten. Diese hatte man allerdings entfernt. Gl�hende Kugeln auf ebenfalls spiralf�rmigen Lampenst�ndern aus einem wei�en Metall warfen ein weiches Licht in den Saal. Das Material dieser St�nder war kein Silber; daf�r war es zu matt. Und er fand keinen Hinweis darauf, was das Gl�hen erzeugte. Er konnte keine Flamme entdecken. Die Kugeln leuchteten einfach. Wei�e und gelbe Streifen zogen sich spiralf�rmig um den <emphasis>Ter'Angreal</emphasis> herum. In der Luft lag ein schwerer Geruch, scharf und trocken und nicht besonders angenehm. Er h�tte sich beinahe umgedreht und w�re zur�ckgegangen. �Eine lange Zeit.� Er fuhr zusammen und hatte sofort ein Messer in der Hand. Dann sp�hte er zwischen die S�ulen, woher diese rauchige Stimme gekommen war, die diese Worte so hart ausgesprochen hatte.</p><p>�Eine lange Zeit, und doch kommen die Suchenden wieder, um Antworten zu erhalten. Die Frager kommen noch einmal.� Ein Umri� bewegte sich hinten zwischen den S�ulen � ein Mann, wie Mat glaubte. �Gut. Ihr habt keine Lampen und keine Fackeln mitgebracht, wie es die Vereinbarung verlangte und immer noch verlangt und immer verlangen wird. Ihr habt kein Eisen bei Euch? Kein Musikinstrument?� Die Gestalt trat hervor, hochgewachsen, barfu�, Arme, Beine und K�rper mit Streifen gelben Stoffes umwickelt, und pl�tzlich war Mat nicht mehr sicher, da� es ein Mann sei. Oder �berhaupt menschlich. Auf den ersten Blick wirkte sie menschlich, wenn auch vielleicht etwas zu elegant in der Bewegung, doch sie schien viel zu d�nn f�r ihre Gr��e und hatte ein schmales, �berlanges Gesicht. Die Haut und sogar das glatte schwarze Haar spiegelten das Licht auf eine Art wider, die ihn an die Schuppen einer Schlange erinnerten. Und dann diese Augen. Die Pupillen waren nur schwarze, senkrechte Schlitze. Nein, nicht menschlich.</p><p>�Eisen. Musikinstrumente. Ihr habt keine dabei?� Mat fragte sich, was die Gestalt wohl von seinem Messer hielt. Sie schien sich jedenfalls nicht darum zu k�mmern. Na ja, die Klinge bestand aus gutem Stahl und nicht einfach aus Eisen. �Nein. Kein Eisen und keine Instrumente... Warum eigentlich?� Er unterbrach sich abrupt. Drei Fragen, hatte Egwene gesagt. Er w�rde keine davon f�r �Eisen� oder �Musikinstrumente� verschwenden. <emphasis>Was geht es ihn an, ob ich ein Dutzend Musiker in der Tasche trage und eine Schmiede auf dem R�cken?</emphasis> �Ich bin hergekommen, um wahre Antworten zu erhalten. Falls Ihr nicht derjenige seid, der sie mir geben kann, dann f�hrt mich bitte zu ihm.� Der Mann � Mat hielt ihn jedenfalls f�r m�nnlich �l�chelte leicht. Man sah jedoch keine Z�hne dabei. �Wie es der Vereinbarung entspricht. Kommt.� Er deutete mit einer Hand, deren Finger ausgesprochen lang waren. �Folgt mir.� Mat lie� das Messer in seinem �rmel verschwinden. �Geht voran und ich werde folgen.� <emphasis>Bleib blo� vor mir, so da� ich dich gut sehen kann. An diesem Ort kriege ich eine G�nsehaut.</emphasis></p><p>Als er hinter diesem seltsamen �Mann� herging, sah er au�er dem Fu�boden selbst keine einzige gerade Linie. Selbst die Decke war �berall gew�lbt und die W�nde gekr�mmt. Die G�nge schienen nur Biegungen zu haben, die T�ren waren oval und die Fenster waren absolut rund. Die Kacheln bildeten Spiralen und Schlangenlinien und das, was wie in der Decke eingelassene Bronzegitter aussah, bestand �berall aus Rundungen und einer Art von Notenschl�sseln. Es gab keine Gem�lde irgendeiner Art, keine Gobelins oder sonstige Wandbeh�nge. Nur Muster und immer wieder Kurven.</p><p>Er sah niemanden als seinen schweigenden F�hrer. Man h�tte glauben k�nnen, der ganze Ort sei leer bis auf sie beide. Irgendwoher kam ihm eine vage Erinnerung an S�le, die seit Jahrhunderten kein menschlicher Fu� mehr betreten hatte. Hier hatte er ein �hnliches Gef�hl. Und doch bemerkte er manchmal aus den Augenwinkeln eine schnelle Bewegung. Wenn er sich aber noch so schnell umwandte, war niemals jemand da. Er gab vor, sich die Unterarme zu reiben, aber in Wirklichkeit �berpr�fte er den Sitz der Messer, die er in den Jacken�rmeln stecken hatte. Das beruhigte ihn.</p><p>Was er durch diese runden Fenster sah, war noch schlimmer. Hohe, schm�chtige B�ume, die nur an der Krone einen Regenschirm h�ngender belaubter Aste aufwiesen, dann wieder andere, die wie riesige F�cher mit spitzen�hnlich durchbrochenen Bl�ttern aussahen, ein Gewirr von Unterholz und Str�uchern, von Kletten �berwuchert, und alles unter einem tr�ben, bedeckten Himmel, an dem aber keine einzige richtige Wolke sichtbar war. Es gab immer Fenster in den G�ngen, jeweils nur an einer Seite der endlosen Kurven, doch diese Seite wechselte gelegentlich, und es konnte sein, da� man erwartete, endlich in einen Innenhof oder in Zimmer hineinsehen zu k�nnen und statt dessen einen Wald erblickte. Er erhaschte keinen einzigen Blick auf einen anderen Teil dieses Schlosses, oder was es auch sein mochte, oder auf ein anderes Geb�ude, wenn er durch die Fenster blickte. Nur eine Ausnahme gab es...</p><p>Durch eines der runden Fenster sah er drei hohe, silbrig gl�nzende T�rme, die sich einander zukr�mmten, so da� ihre Spitzen alle auf den gleichen Punkt gerichtet waren. Vom n�chsten Fenster aus, nur drei Schritt entfernt, waren sie nicht mehr sichtbar, aber ein paar Minuten sp�ter, nachdem sein F�hrer und er so viele Biegungen durchschritten hatten, da� sie nun bestimmt in eine ganz andere Richtung blickten, sah er sie erneut. Er versuchte, sich einzureden, da� es sich um drei andere T�rme handle, aber zwischen ihnen und ihm befand sich einer dieser F�cherb�ume mit einem herunterh�ngenden, abgebrochenen Ast, und dieser Baum war ihm auch beim erstenmal aufgefallen. Nachdem er die T�rme und den seltsamen Baum mit dem abgebrochenen Ast zum drittenmal gesehen hatte, diesmal zehn Schritt weiter auf der anderen Seite des Korridors, gab er es auf, �berhaupt noch hinauszusehen.</p><p>Es schien ewig so weiterzugehen.</p><p>�Wann...? Werden...?� Mat knirschte mit den Z�hnen. Fragen. Es war so schwer, irgend etwas zu erfahren, ohne Fragen zu stellen. �Ich hoffe, Ihr bringt mich zu denen, die meine Fragen beantworten k�nnen. Seng meine Knochen, es mu� sein! Mir und Euch selbst zuliebe. Das Licht wei�, da� ich die Wahrheit sage.� �Hier hinein.� Dieser seltsame, in gelb geh�llte Bursche deutete mit einer dieser �berschlanken H�nde auf eine runde T�r, die doppelt so gro� war wie die anderen, die Mat bisher gesehen hatte. Seine eigenartigen Augen musterten Mat eindringlich. Sein Mund stand offen und er sog tief und langsam Luft ein. Mat runzelte die Stirn, und der Fremde zuckte die Achseln. Es wirkte eher wie ein Winden. �Hier k�nnt Ihr eure Antworten finden. Tretet ein. Tretet ein und stellt Eure Fragen.� Diesmal war es Mat, der tief durchatmen mu�te. Dann verzog er das Gesicht und kratzte sich an der Nase. Dieser schwere, bei�ende Geruch war nicht leicht zu ertragen. Er tat einen z�gernden Schritt auf die T�r zu und sah sich noch einmal nach seinem F�hrer um. Doch der war verschwunden. <emphasis>Licht! Ich wei� nicht, warum mich hier noch irgend etwas �berrascht. Na ja, seng mich, wenn ich jetzt noch umkehre.</emphasis> Er bem�hte sich, nicht daran zu denken, ob er sich jemals allein zu dem <emphasis>Ter'Angreal</emphasis> zur�ckfinden k�nne, und trat ein.</p><p>Er befand sich wieder in einem runden Saal mit spiralf�rmig ausgelegten Fu�bodenplatten in Rot und Wei� unter einem Kuppeldach. Es waren diesmal keine S�ulen zu sehen und keine Einrichtungsgegenst�nde irgendeiner Art, bis auf drei hohe, spiralige Podeste genau im Herz der Spiralen auf dem Fu�boden. Mat sah keine andere M�glichkeit, dort hinaufzuklettern, als immer au�enherum zu gehen, bis man oben war. Und oben auf jedem sa� mit �bergeschlagenen Beinen ein Mann wie ihr F�hrer, nur waren alle drei in rote T�cher geh�llt. Auf den zweiten Blick erkannte er jedoch, da� nicht alle M�nner waren. Zwei dieser langen Gesichter mit den fremdartigen Augen hatten etwas eindeutig Weibliches an sich. Sie blickten ihn an. Ihre Blicke waren durchdringend und eindringlich. Dabei atmeten sie tief und schwer. Er fragte sich, ob seine Anwesenheit sie irgendwie nerv�s mache. <emphasis>Ach, wohl kaum. Aber diese Schnauferei und diese Blicke gehen mir langsam unter die Haut.</emphasis></p><p>�Es ist schon so lange her�, sagte die Frau zur Rechten.</p><p>�Sehr lange�, f�gte die Frau auf der linken Seite hinzu.</p><p>Der Mann nickte. �Und doch kommen sie wieder.� Alle drei sprachen mit der gleichen rauchigen Stimme wie ihr F�hrer, kaum von seiner zu unterscheiden, und ihre Aussprache war genauso hart. Dann sprachen sie im Chor, als k�men alle Worte aus dem gleichen Mund: �Tretet ein und stellt Eure Fragen, wie es der alten Vereinbarung entspricht.� Nun �berlief es Mat erst richtig kalt. Er zwang sich dazu, n�her heranzutreten. Vorsichtig, so da� er keine Frage irgendeiner Art stellte, erkl�rte er ihnen die Situation. Die Wei�m�ntel, die sich mit Sicherheit in seinem Heimatdorf befanden, die sicherlich seine Freunde suchten, vielleicht auch ihn... Seine Familie, wahrscheinlich nicht in Gefahr, aber bei diesen blutigen Kindern des blutigen Lichts in der Gegend... Ein <emphasis>Ta'veren,</emphasis> der ihn derart anzog, da� er kaum noch Bewegungsfreiheit hatte... Er sah keinen Grund, irgendwelche Namen zu nennen oder zu erw�hnen, da� Rand der Wiedergeborene Drache sei. Er hatte seine erste Frage und nat�rlich auch die anderen beiden bereits formuliert, bevor er hinunterging, um die Gro�e Sammlung zu suchen. �Sollte ich nach Hause zur�ckkehren, um meinen Leuten zu helfen?� fragte er schlie�lich.</p><p>Drei Paar geschlitzter Augen hoben ihren Blick �z�gernd, wie ihm schien � von ihm und betrachteten die Luft �ber seinem Kopf. Schlie�lich sagte die Frau auf der linken Seite: �Ihr m��t nach Rhuidean gehen.� Im gleichen Moment blickten sie ihn alle wieder an und beugten sich schwer atmend vor, doch pl�tzlich l�utete eine Glocke. Der wohlt�nende Messingklang rollte durch den Raum. Sie schwankten hoch, blickten sich gegenseitig an und dann erneut in die Luft �ber Mat.</p><p>�Da ist noch einer�, fl�sterte die Frau auf der linken Seite. �Diese Belastung. Diese Belastung.� �Dieser Genu߫, sagte der Mann. �Es ist so lange her.� �Die Zeit reicht noch�, sagte die andere Frau zu ihnen. Es klang ruhig � sie hatten alle so eine ruhige Art � aber ihre Stimme wies doch eine gewisse Sch�rfe auf, als sie sich wieder Mat zuwandte: �Fragt. Fragt.� Mat funkelte sie w�tend an. <emphasis>Rhuidean! Licht!</emphasis> Das war irgendwo in der Aiel-W�ste. Das Licht und die Aiel allein wu�ten, wo. Mehr wu�te er nicht dar�ber. In die W�ste! Der Zorn vertrieb die anderen zurechtgelegten Fragen aus seinem Kopf. Er hatte an sich fragen wollen, wie er die Aes Sedai loswerden k�nne und die L�cken in seinem Ged�chtnis wieder f�llen. Statt dessen rief er ver�rgert: �Rhuidean! Das Licht soll meine Knochen zu Asche verbrennen, wenn ich nach Rhuidean gehen will! Mein Blut soll im Boden versickern, wenn ich das mache! Warum sollte ich �berhaupt? Ihr beantwortet meine Fragen nicht. Man erwartet von Euch, da� Ihr Fragen beantwortet und keine R�tsel aufgebt!� �Wenn Ihr nicht nach Rhuidean geht�, sagte die Frau zu seiner Rechten, �werdet Ihr sterben.� Die Glocke l�utete wieder und diesmal lauter. Mat f�hlte den Boden durch seine Stiefelsohlen hindurch vibrieren. Die drei blickten nun wirklich �ngstlich drein. Er �ffnete den Mund, aber im Moment k�mmerten sie sich nur umeinander.</p><p>�Die Belastung�, sagte eine der Frauen hastig, �ist zu gro�.� �Diese Ausstrahlung bei ihm!� sagte die andere Frau sofort. �Es ist wirklich schon so lange her.� Noch bevor sie ausgesprochen hatte, �u�erte sich auch der Mann: �Die Belastung ist zu gro�. Zu gro�. Fragt. Fragt!� �Seng Eure verfluchten Seelen!� tobte Mat. �Ich frage ja schon! Warum mu� ich sterben, wenn ich nicht nach Rhuidean gehe? Ich werde wahrscheinlich sterben, wenn ich es auch nur versuche! Das ergibt alles keinen... � Der Mann unterbrach ihn und sprudelte hervor: �Ihr w�rdet Euren Schicksalsfaden verlassen, Euer Schicksal den Winden der Zeit �berlassen, und diejenigen, die w�nschen, da� Ihr euer Schicksal nicht erf�llt, w�rden Euch t�ten. Geht jetzt. Ihr m��t gehen! Schnell!� Mit einemmal stand sein gelb umh�llter F�hrer neben ihm und zupfte ihn mit diesen �berlangen H�nden am �rmel.</p><p>Mat sch�ttelte seine H�nde ab. �Nein! Ich gehe nicht! Ihr habt mich von den Fragen abgelenkt, die ich stellen wollte, und mir statt dessen sinnlose Antworten vorgesetzt. Ihr werdet es nicht dabei belassen. �ber welches Schicksal sprecht Ihr eigentlich? Ich will wenigstens eine klare Antwort von Euch!� Ein drittes Mal erklang traurig die Glocke, und der gesamte Raum bebte. �Geht!� schrie der Mann. �Ihr habt Eure Antworten geh�rt. Ihr m��t gehen, bevor es zu sp�t ist!� Pl�tzlich umstanden ein Dutzend gelbgekleideter M�nner Mat. Sie schienen einfach aus dem Nichts gekommen zu sein, und nun bem�hten sie sich, ihn zum Ausgang zu zerren. Er wehrte sich mit F�usten, Ellenbogen und Knien. �Welches Schicksal? Seng Eure Herzen, welches Schicksal?� Der ganze Raum selbst war es, der nun l�utete. W�nde und Fu�boden bebten, so da� Mat und seine Angreifer beinahe st�rzten. �Welches Schicksal?� Die drei standen auf ihren Podesten auf, und er h�tte nicht sagen k�nnen, welches von ihnen hektisch welche Antwort schrie. �Die Tochter der Neun Monde zu heiraten!� �Zu sterben und wieder zu leben und noch einmal einen Teil dessen zu erleben, was bereits vergangen war!� �Die H�lfte des Lichts der Welt aufzugeben, um die Welt zu retten!� Gemeinsam heulten sie wie Dampf, der unter hohem Druck entweicht: �Geh nach Rhuidean, Sohn der Schlachten! Geh nach Rhuidean, T�uscher! Geh, Spieler!</p><p>Geh!� Mats Angreifer packten ihn an Armen und Beinen und rannten los, wobei sie ihn �ber ihren K�pfen erhoben trugen. �La�t mich los, Ihr feigen Ziegens�hne!� schrie er zappelnd. �Seng Eure Augen! Der Schatten soll Eure Seelen holen, la�t mich los! Ich verarbeite Eure Ged�rme zu Sattelgurten!� Aber so sehr er sich auch wand und fluchte, diese langen Finger lie�en in ihrem eisernen Griff nicht locker.</p><p>Noch zweimal schlug die Glocke an oder auch das ganze Schlo� � wie man es betrachten wollte. Alles zitterte wie in einem Erdbeben. Die W�nde dr�hnten unter ohrenbet�ubenden Ersch�tterungen, jedesmal lauter als zuvor. Mats �Tr�ger� stolperten dahin, st�rzten beinahe, hielten aber in ihrem wilden Rennen nicht inne. Er sah noch nicht einmal, wohin sie ihn brachten, bis sie mit einem Mal stehen blieben, ihn erst sinken lie�en und ihn dann emporwarfen. Da erblickte er die verdrehte T�r, den <emphasis>Ter'Angreal,</emphasis> �ber deren Schwelle er im n�chsten Moment flog.</p><p>Wei�es Licht blendete ihn, und Donner erf�llte seinen Kopf, bis er jeden klaren Gedanken vertrieben hatte.</p><p>Er st�rzte schwer auf staubigen Boden unter tr�ber Beleuchtung und rollte hart gegen das Fa�, auf dem er in der Gro�en Sammlung seine Lampe abgestellt hatte. Das Fa� schaukelte. Pakete und Statuen st�rzten krachend herunter; Stein und Elfenbein und Porzellan zersplitterten. Er sprang auf und warf sich zur�ck auf den steinernen T�rrahmen zu. �Seng mich, Ihr k�nnt mich nicht einfach herauswerfen...!� Er taumelte durch � und prallte gegen die Kisten und F�sser auf der anderen Seite. Ohne Luft zu holen, drehte er sich um und sprang noch einmal hindurch. Mit dem gleichen Ergebnis. Diesmal fing er sich und hielt sich an dem Fa� mit seiner Lampe fest. Die Lampe w�re beinahe auf die sowieso schon zerbrochenen Sachen vor seinen Stiefeln gefallen. Diesmal jedoch packte er sie rechtzeitig, verbrannte sich die Finger und stellte sie auf einen sicheren Platz zur�ck.</p><p><emphasis>Seng mich, wenn ich weiter hier unten im Dunkeln bleiben will,</emphasis> dachte er und saugte an seinen Fingern. <emphasis>Licht, so, wie sich mein Gl�ck entwickelt, h�tte sie hier alles in Brand stecken k�nnen und ich w�re mitten drin verbrannt!</emphasis></p><p>Er blickte zornig den <emphasis>Ter'Angreal</emphasis> an. Warum funktionierte er nicht mehr? Vielleicht hatten diese Leute auf der anderen Seite das Tor irgendwie abgeschaltet? Er verstand ja praktisch gar nichts von alledem, was geschehen war. Diese Glocke und ihre Panik! Man h�tte denken k�nnen, sie h�tten Angst, da� ihnen das Dach auf den Kopf fallen k�nne. Wenn er es richtig bedachte, dann w�re das ja auch beinahe passiert. Und dann Rhuidean und der ganze Rest. Die W�ste war schon schlimm genug, aber sie sagten, es sei sein Schicksal, irgend jemand zu heiraten, die sich Tochter der Neun Monde nannte. Heiraten! Und dem Namen nach noch dazu eine Adlige! Und dann diese Sache mit dem Sterben und wieder leben. <emphasis>Nett von ihnen, da� sie das letztere noch erw�hnten!</emphasis> Falls ihn ein schwarz verschleierter Aielmann auf dem Weg nach Rhuidean t�tete, w�rde er ja herausfinden, ob an der Sache etwas dran war. Es war alles Unsinn, und er glaubte kein Wort davon. Nur... Die verfluchte T�r hatte ihn tats�chlich irgendwohin bef�rdert, und sie hatten nur drei Fragen beantworten wollen, genau wie Egwene behauptet hatte.</p><p>�Ich werde keine verdammte Adlige heiraten!� verk�ndete er dem <emphasis>Ter'Angreal.</emphasis> �Ich werde heiraten, wenn ich zu alt bin, um mich noch mit allen zu am�sieren. So ist das! Und was das verfluchte Rhuidean betrifft...!� Ein Stiefel erschien, der sich aus der verdrehten Steint�r herausschob. Dann folgte der Rest von Rand, mitsamt dem feurigen Schwert in der Hand. Die Klinge verschwand, als er ganz heraus war, und er atmete erleichtert auf. Selbst in diesem tr�ben Lichtschein konnte Mat sehen, da� Rand ein besorgtes Gesicht machte. Er fuhr zusammen, als er Mat bemerkte. �Schn�ffelst du nur hier herum, Mat, oder bist du auch durchgegangen?� Mat beobachtete ihn einen Augenblick lang mi�trauisch. Wenigstens war dieses Schwert weg. Er schien auch gerade nicht die Macht zu benutzen � aber woran sah man sowas schon? �, und er sah auch nicht unbedingt aus wie ein Wahnsinniger. Im Gegenteil, er schien eigentlich ganz so, wie ihn Mat in Erinnerung hatte. Er mu�te sich dazu zwingen, daran zu denken, da� sie eben nicht mehr zu Hause waren, und Rand nicht mehr der Junge von fr�her. �Ach, ich bin auch durchgegangen, klar. Ein Haufen verdammter L�gner, wenn du mich fragst! Was sind die eigentlich? Sie haben mich an Schlangen erinnert.� �Keine L�gner, glaube ich.� Bei Rand klang das, als w�nsche er sich, da� sie L�gner seien. �Nein, das wohl nicht. Sie hatten von Anfang an Angst vor mir. Und als dieses L�uten begann... Das Schwert hat sie zur�ckgehalten. Sie trauten sich nicht einmal, es anzuschauen. Haben sich weggedreht, die Augen abgewandt. Hast du deine Antworten erhalten?� �Nichts, was irgendeinen Sinn ergibt�, knurrte Mat. �Wie steht's bei dir?� Pl�tzlich erschien Moiraine aus dem <emphasis>Ter'Angreal.</emphasis> Sie schien grazi�s aus der Luft hervorzutreten, herauszuflie�en. <emphasis>Wenn sie nicht gerade eine Aes Sedai w�re, k�nnte man sehr wohl mit ihr tanzen gehen.</emphasis> Als sie die beiden sah, straffte sich ihre Mundpartie.</p><p>�Ihr! Ihr wart beide da drinnen! Deshalb...!� Sie zischte frustriert durch die Z�hne. �Einer von Euch w�re schon schlimm genug gewesen, aber zwei <emphasis>Ta'veren</emphasis> gleichzeitig �Ihr h�ttet beinahe die Verbindung v�llig abgerissen und w�rt drinnen gefangen gewesen! Ungezogene Jungen, die mit Sachen spielen, deren Gefahren sie �berhaupt nicht kennen! Perrin? Ist Perrin etwa auch drin? War er bei Eurer... Heldentat dabei?� �Das letzte, was ich von Perrin gesehen habe�, sagte Mat, �war, da� er ins Bett gehen wollte.� Vielleicht w�rde ihn Perrin L�gen strafen, indem er als n�chster aus dem Ding heraustrat, aber es war besser, wenn er jetzt den Zorn der Aes Sedai ablenkte. Perrin mu�te sich dem nicht auch noch aussetzen. <emphasis>Vielleicht kann er ihr endlich ganz entkommen, falls er weg ist, bevor sie es bemerkt. Verfluchte Frau! Ich wette, sie ist als Adlige zur Welt gekommen.</emphasis></p><p>Es gab keinen Zweifel daran, da� Moiraine w�tend war. Das Blut war aus ihren Wangen gewichen, und der Blick aus ihren dunklen Augen durchbohrte Rand unnachgiebig. �Wenigstens seid Ihr mit dem Leben davongekommen. Wer hat Euch davon erz�hlt? Welche von ihnen? Ich werde sie w�nschen lassen, ich h�tte ihr die Haut bei lebendigem Leib wie einen Handschuh abgezogen.� �Ein Buch hat es mir erz�hlt�, sagte Rand gelassen. Er setzte sich auf eine Kiste, die unter seinem Gewicht be�ngstigend knarrte. Dann verschr�nkte er die Arme vor der Brust. Alles �u�erst gelassen. Mat w�nschte, er k�nne es Rand gleichtun. �Einem B�cherpaar, um es genau zu sagen. <emphasis>Sch�tze des Steins</emphasis> und <emphasis>Die Politik Tears bez�glich des Territoriums von Mayene.</emphasis> �berraschend, was man so in B�chern ausgraben kann, wenn man lange genug liest, ja?� �Und Ihr?� Sie schwenkte ihren durchbohrenden Blick zu Mat her�ber. �Habt Ihr es auch in einem Buch gelesen? Ausgerechnet Ihr?� �Ich lese auch manchmal�, antwortete er trocken. Er h�tte wohl nichts dagegen gehabt, wenn sie Nynaeve und Egwene ein wenig die Haut abzog, nach dem, was sie mit ihm gemacht hatten, damit er ihnen gestand, wo er den Brief der Amyrlin versteckt hatte. Es war schon schlimm genug, ihn mit Hilfe der Macht zu fesseln, aber was sie danach noch angestellt hatten! Doch im Moment machte es mehr Spa�, Moiraine an der Nase herumzuf�hren. <emphasis>�Sch�tze. Politik.</emphasis> Es stehen so viele Dinge in solchen B�chern.� Gl�cklicherweise bestand sie nicht darauf, da� er die vollst�ndigen Titel wiederholte. Er hatte n�mlich nicht aufgepa�t, als Rand die B�cher erw�hnte.</p><p>Statt dessen wandte sie sich wieder Rand zu. �Und Eure Antworten?� �Geh�ren mir�, antwortete Rand. Dann runzelte er die Stirn. �Aber es war nicht leicht. Sie brachten eine Frau herein, um zu... dolmetschen, aber sie sprach wie ein altes Buch. Ich konnte einige der Worte kaum verstehen. Ich habe nie daran gedacht, da� sie eine andere Sprache sprechen k�nnten.� �Die Alte Sprache�, sagte Moiraine. �Sie gebrauchen die Alte Sprache � einen ziemlich hart klingenden Dialekt, um pr�zise zu sein �, wenn sie mit Menschen sprechen. Und Ihr, Mat? Konntet Ihr euren Dolmetscher besser verstehen?� Er mu�te erst wieder ein bi�chen Speichel im Mund sammeln, um antworten zu k�nnen: �Die Alte Sprache? Das war es also? Sie haben mir keinen Dolmetscher gegeben. Ich kam auch nicht einmal dazu, Fragen zu stellen. Diese Glocke hat angefangen, die W�nde fast zum Einst�rzen zu bringen, und sie haben mich rausbef�rdert, als h�tte ich ihnen den Teppich mit Kuhmist verschmutzt.� Sie starrte ihn immer noch an und wollte schier seinen Kopf durchbohren. Sie wu�te, da� er manchmal unbewu�t die Alte Sprache sprach. �Ich habe... hier und da mal ein Wort verstanden, aber den Zusammenhang nicht begriffen. Ihr und Rand habt Antworten erhalten. Was haben sie eigentlich davon? Diese Schlangen mit Beinen. Wir werden doch wohl nicht hinaufgehen und merken, da� zehn Jahre vergangen sind, so wie Bili im M�rchen?� �Empfindungen�, sagte Moiraine und verzog das Gesicht. �Empfindungen, Gef�hle, Erfahrungen. Sie kramen darin herum. Man kann es sp�ren und bekommt eine G�nsehaut. Vielleicht ern�hren sie sich auf gewisse Weise von Gef�hlen anderer. Die Aes Sedai, die diesen <emphasis>Ter'Angreal</emphasis> untersuchte, als er sich in Mayene befand, schrieb �ber den ausgepr�gten Wunsch, hinterher ein Bad zu nehmen. Ich habe das jedenfalls auch vor.� �Aber ihre Antworten stimmen?� fragte Rand, als sie sich abwenden wollte. �Seid Ihr sicher? Das Buch hat diese Behauptung aufgestellt, aber k�nnen sie wirklich mit ihren Antworten die Zukunft vorhersagen?� �Die Antworten stimmen�, sagte Moiraine bed�chtig, �soweit sie Eure eigene Zukunft betreffen. Soviel ist gewi�.� Sie beobachtete Rand und sch�tzte wohl die Wirkung ihrer Worte auf ihn ab. �Wie das m�glich ist, dar�ber kann man nur spekulieren. Ihre Welt ist... auf gewisse Weise... gefaltet. Ich kann es nicht klarer ausdr�cken. Es kann sein, da� diese Eigenschaft ihrer Welt ihnen gestattet, den Schicksalsfaden eines menschlichen Lebens zu deuten und die unterschiedlichen Arten zu erkennen, auf die er ins Muster verwoben werden kann. Vielleicht ist es auch ein besonderes Talent dieses Volkes. Jedoch sind die Antworten oft verschleiert. Falls Ihr Hilfe braucht, um herauszubekommen, was Eure Antworten bedeuten, dann stehe ich Euch zur Verf�gung.� Ihr Blick huschte vom einen zum anderen und Mat h�tte beinahe geflucht. Sie glaubte ihm nicht, da� er keine Antworten erhalten hatte. Oder war es nur das �bliche Mi�trauen der Aes Sedai anderen gegen�ber?</p><p>Rand l�chelte sie bed�chtig an. �Und werdet Ihr mir ebenfalls erz�hlen, was Ihr gefragt habt und was sie antworteten?� Statt einer Antwort erwiderte sie seinen ernsten, fragenden Blick, und dann ging sie zur T�r. Pl�tzlich schwebte eine kleine Lichtkugel vor ihr her, so hell wie eine Laterne, und beleuchtete ihren Weg.</p><p>Mat wu�te, da� er jetzt Ruhe geben sollte. Sie einfach gehen lassen und hoffen, sie werde vergessen, da� er jemals hier unten gewesen war. Aber in ihm brannte immer noch der Zorn. All diese l�cherlichen Sachen, die sie gesagt hatte. Na ja, vielleicht stimmte es, wenn Moiraine dieser Meinung war, aber er h�tte am liebsten diese Burschen beim Kragen gepackt, oder was eben bei diesen eigenartigen H�llen als Kragen zu bezeichnen war, und sie bezwungen, ihm ein paar Sachen zu erkl�ren.</p><p>�Warum kann man nicht zweimal hingehen, Moiraine?� rief er ihr nach. �Warum nicht?� Er h�tte beinahe gefragt, warum sie sich wegen Eisen und Musikinstrumenten sorgten, aber er bi� sich auf die Zunge. Er konnte ja nichts davon wissen, ohne zuzugeben, da� er sie durchaus verstanden hatte.</p><p>Sie blieb an der T�r zum Gang kurz stehen, aber es war unm�glich, zu sagen, ob sie nun den <emphasis>Ter'Angreal</emphasis> anblickte oder Rand. �Wenn ich alles w��te, Matrim, br�uchte ich keine Fragen zu stellen.� Sie sp�hte noch einen Moment l�nger in den d�steren Raum hinein � bestimmt sah sie Rand an � und schritt ohne ein weiteres Wort davon.</p><p>Eine Weile lang sahen sich Rand und Mat stumm in die Augen.</p><p>�Hast du eigentlich herausgefunden, was du wissen wolltest?� fragte Rand schlie�lich. �Und du?� Eine hell strahlende Flamme erschien pl�tzlich �ber Rands Handfl�che. Nicht die glatte Lichtkugel der Aes Sedai, sondern eher das unregelm��ige Leuchten einer Fackel. Als Rand sich zum Gehen wandte, setzte Mat noch eine Frage drauf: �Wirst du wirklich zuschauen, was die Wei�m�ntel zu Hause bei uns alles anstellen? Du wei�t, da� sie bestimmt nach Emondsfeld kommen werden. Wenn sie nicht schon dort sind. Gelbe Augen und der blutige Wiedergeborene Drache. Es ist einfach zuviel.� �Perrin wird alles tun, was in seiner Macht steht, um... um Emondsfeld zu retten�, antwortete Rand mit Schmerz in der Stimme. �Und ich mu� tun, was notwendig ist, sonst f�llt mehr als nur Emondsfeld und an Schlimmeres als die Wei�m�ntel.� Mat stand da und beobachtete, wie der Schein dieser Flamme langsam schw�cher wurde und aus dem Gang verschwand. Dann erinnerte er sich daran, wo er sich befand. Also schnappte er sich seine Laterne und eilte hinaus. <emphasis>Rhuidean! Licht, was mache ich blo�?</emphasis></p></section><section><title><p>16</p><p>Abschiede</p></title><p>Perrin lag auf dem schwei�durchn��ten Bettuch, starrte die Decke an und schlie�lich bemerkte er, da� sich die Dunkelheit langsam grau f�rbte. Bald w�rde sich die Sonne �ber den Horizont schieben. Der Morgen nahte. Eine Zeit neuer Hoffnung; Zeit, aufzustehen und aktiv zu werden. Neue Hoffnungen. Beinahe h�tte er gelacht. Wie lange hatte er wachgelegen? Sicher diesmal mehr als eine Stunde. Er kratzte sich in seinem mittlerweile lockigen Bart und sog scharf die Luft ein. Seine geschundene Schulter war im Schlaf wieder steif geworden. Er setzte sich langsam auf. Schwei� trat ihm aus allen Poren, als er mit dem Arm Gymnastik�bungen probierte. Er machte jedoch methodisch weiter damit, unterdr�ckte das St�hnen und gelegentlich einen Fluch, und endlich konnte er den Arm wieder richtig bewegen, wenn auch nicht schmerzfrei.</p><p>Das bi�chen Schlaf, das er genossen hatte, war auch noch unruhig und �berhaupt nicht erholsam gewesen. Wenn er wach lag, sah er Failes Gesicht vor sich. Ihre dunklen Augen klagten ihn an. Der Schmerz, den er ihr zugef�gt hatte, lie� ihn nicht ruhen. Wenn er schlief, tr�umte er davon, wie er zum Galgen gef�hrt wurde, wie Faile dabei zusah, oder noch schlimmer, wie sie versuchte, die Hinrichtung zu verhindern, wie sie gegen Wei�m�ntel mit ihren Lanzen und Schwertern zu k�mpfen versuchte, und er schrie, als sie ihm die Schlinge um den Hals legten, schrie, weil die Wei�m�ntel Faile t�teten. Manchmal sah sie ihnen auch mit einem grimmigzufriedenen L�cheln zu, w�hrend sie ihn h�ngten. Kein Wunder, wenn er immer wieder aus solchen Tr�umen schwei�gebadet hochschreckte. Einmal hatte er getr�umt, da� aus einem Wald W�lfe zu Hilfe geeilt waren und Faile und ihn gerettet hatten. Doch daf�r wurden sie von den Lanzen der Wei�m�ntel aufgespie�t oder von ihren Pfeilen durchbohrt. Es war alles andere als eine ruhige Nacht gewesen. Er wusch sich und zog sich so schnell wie m�glich an, und dann verlie� er das Zimmer, als k�nne er auch die Erinnerung an seine Tr�ume dort zur�cklassen.</p><p>Von dem n�chtlichen Angriff waren nur noch wenige Spuren zu sehen. Vereinzelte Schlitze in den Tapeten, die eine oder andere Ecke einer Truhe, die von einer Axt abgesplittert worden war, oder ein heller Fleck am Boden, wo man einen blutgetr�nkten L�ufer entfernt hatte, waren alles. Die Majhere hatte Scharen von Dienern ausgeschickt, und obwohl viele Bandagen trugen, fegten und putzten sie, trugen besch�digte Gegenst�nde fort und ersetzten sie. Sie humpelte auf einen Stock gest�tzt dazwischen herum: eine mollige Frau, deren graues Haar durch eine um die Stirn gewickelte Binde hochgeschoben wurde. Mit fester Stimme gab sie ihre Anordnungen in der eindeutigen Absicht, jede noch so kleine Spur des Angriffs auf den Stein zu beseitigen. Sie sah Perrin und knickste kaum sichtbar. Selbst die Hochlords sahen kaum einmal eine weitergehende Ehrenbezeugung von ihr, auch wenn sie gesund war. Trotz all der Putzerei und Schrubberei, trotz des Geruchs nach frischem Bohnerwachs und Seifenlaugen konnte Perrin immer noch einen schwachen Blutgeruch wahrnehmen, bei�end metallisch, wo es sich um menschliches Blut gehandelt hatte, faulig stinkendes Trolloc-Blut und hier und da auch den �tzenden Gestank nach Myrddraal-Blut, der ihm in die Nase bi�. Er war froh, wenn er von hier weg konnte.</p><p>Die T�r zu Loials Zimmer ma� eine Spanne in der Breite und war mehr als zwei Spannen hoch. Der T�rgriff war �bergro� und hatte die Form von ineinander verwundenen Ranken. Er sa� etwa in der H�he von Perrins Kopf. Der Stein verf�gte �ber eine Reihe von selten ben�tzten Ogier-G�stezimmern. Wohl ging der Bau des Steins von Tear auf eine Zeit noch vor der gro�en Zeit der Ogier-Bauten zur�ck, aber es war eine Prestigeangelegenheit, wenigstens von Zeit zu Zeit bei Reparaturarbeiten Ogier-Steinmetzen einzusetzen. Perrin klopfte und auf das �Herein� einer Stimme, die wie eine langsame Lawine klang, hob er den T�rgriff an und trat ein.</p><p>Das Zimmer entsprach dem Gr��enma�stab der T�r. Doch Loial, der hemds�rmelig und mit einer langen Pfeife zwischen den Z�hnen auf dem mit Bl�ttern verzierten Teppich stand, lie� die Einrichtung durch seine Gr��e schon wieder normal erscheinen. Der Ogier war gr��er als ein Trolloc, wenn auch etwas schlanker, und trug h�fthohe Stiefel mit breiten Sohlen. Sein dunkelgr�ner Rock, der bis zur H�fte zugekn�pft war und dann wie ein Kilt weit ausgestellt �ber die Pumphosen hinwegstand, wirkte mittlerweile nicht mehr belustigend auf Perrin, aber selbst f�r andere h�tte ein Blick gen�gt, um zu zeigen, da� dies kein gew�hnlicher Mann in einem gew�hnlichen Zimmer sein konnte. Die Nase des Ogiers war so breit, da� sie schon wie ein kleiner R�ssel wirkte, und die Augenbrauen hingen so lang wie ein Schnurrbart neben teetassengro�en Augen herunter. Spitze Ohren mit Haarb�scheln obenauf schoben sich durch buschiges schwarzes Haar, das ihm beinahe bis auf die Schultern reichte. Als er Perrin um den Pfeifenstiel herum angrinste, war das Grinsen so breit, da� es fast sein Gesicht spaltete.</p><p>�Guten Morgen, Perrin�, grollte er, und dann nahm er die Pfeife aus dem Mund. �Hast du gut geschlafen? Nicht leicht nach einem Abend wie dem letzten. Ich bin die halbe Nacht aufgeblieben und habe alles aufgeschrieben, was geschehen ist.� Er trug in der freien Hand eine Feder, und auf seinen wurstdicken Fingern waren Tintenflecke zu sehen.</p><p>�berall lagen B�cher � auf den St�hlen im Ogierformat, dem riesigen Bett und dem Tisch, dessen Fl�che sich auf der H�he von Perrins Brust befand. Das mit den B�chern war nicht �berraschend, aber die Blumen schon. Blumen jeder Art und jeder Farbe. Vasen und K�rbe voller Blumen, manche mit einem sch�nen Band oder sogar auch einmal mit einem Faden zusammengebunden, standen aufgereiht, so da� es wie in einem Garten wirkte. Perrin hatte so etwas noch nie in einem Zimmer gesehen. Ihr Duft erf�llte die Luft. Aber was Perrin besonders auffiel, war die dicke Beule auf Loials Kopf, gro� wie eine M�nnerfaust, und das schwerf�llige Hinken des Ogiers. Falls Loial zu stark verletzt war, um die Reise mitzumachen... Er sch�mte sich, so egoistisch zu denken � der Ogier war schlie�lich sein Freund �, aber er konnte nicht anders.</p><p>�Bist du verwundet, Loial? Moiraine kann dich doch heilen. Ich bin sicher, da� sie es tut.� �Ach, ich schaffe das schon ohne Hilfe. Und es gab so viele, die wirklich ihre Hilfe ben�tigten. Ich m�chte sie nicht bel�stigen. Ich bin ja auch in meiner Arbeit keineswegs behindert.� Loial blickte dabei kurz zum Tisch hin�ber, wo ein gro�es, ledergebundenes Buch ge�ffnet neben einer ebenfalls offenen Tintenflasche lag. Das Buch war auch f�r Loial ziemlich gro�, pa�te aber dennoch in eine seiner Rocktaschen. �Ich hoffe, da� ich alles korrekt festgehalten habe. Ich habe gestern abend nicht viel gesehen, bis alles vor�ber war.� �Loial�, sagte Faile, die mit einem Buch in der Hand hinter einer Blumenbank aufstand, �Loial ist ein Held.� Perrin zuckte sichtlich zusammen. Die Blumen hatten ihren Parfumduft v�llig �berlagert. Loial gab beruhigende Laute von sich, und seine Ohren zuckten verlegen. Er winkte ihr mit seinen gro�en Pratzen zu, um sie zum Schweigen zu bringen, aber sie fuhr fort. Ihre Stimme klang k�hl, doch ihr Blick ruhte hei� auf Perrins Gesicht.</p><p>�Er hat so viele Kinder wie m�glich um sich gesammelt und auch einige ihrer M�tter, ist mit ihnen in einen gro�en Raum gegangen und hat ganz allein w�hrend des gesamten Kampfes die T�r gegen die Trollocs und Myrddraal verteidigt. Diese Blumen stammen von den Frauen im Stein und sollen ihm Ehre erweisen und ihre Dankbarkeit zeigen f�r seinen Mut, seine Standhaftigkeit und Treue.� Die Worte �Standhaftigkeit� und �Treue� klangen f�r Perrin wie Peitschenhiebe.</p><p>Perrin bem�hte sich, nicht wieder dabei zusammenzuzucken, aber es gelang ihm gerade so eben. Was er getan hatte, war richtig gewesen, doch er konnte nat�rlich nicht erwarten, da� sie das einsah. Selbst wenn sie w��te, warum er das getan hatte, w�rde sie es wohl nicht einsehen. <emphasis>Es war richtig. Ganz und gar richtig.</emphasis> Er w�nschte sich nur, er h�tte ein besseres Gef�hl dabei. Es war einfach nicht fair, zu wissen, da� er recht hatte, und sich trotzdem im Unrecht zu f�hlen.</p><p>�Es war doch gar nichts�, sagte Loial mit wild zuckenden Ohren. �Es ist doch blo� so, da� sich die Kinder nicht selbst verteidigen konnten. Das ist alles. Keine Heldentat. Nein.� �Unsinn.� Faile steckte einen Finger in ihr Buch, um ihre Seite nicht zu verlieren, und trat n�her an den Ogier heran. Sie reichte ihm nicht einmal bis zur Brust. �Es gibt keine Frau im Stein, die dich nicht heiraten w�rde, wenn du ein Mensch w�rst, und manche w�rden es wohl auch so tun. Loial ist der richtige Name f�r dich, denn die Loyalit�t ist deine zweite Natur. Das mu� eine Frau doch lieben.� Die Ohren des Ogiers wurden vor Schreck steif, und Perrin grinste. Sie hatte offensichtlich den ganzen Morgen Loial Honig um den Mund geschmiert, in der Hoffnung, der Ogier werde bereit sein, sie auf jeden Fall mitzunehmen, aber nun war sie, ohne es zu wissen, gewaltig �ber das Ziel hinausgeschossen. �Hast du etwas von deiner Mutter geh�rt, Loial?� fragte Perrin mit Unschuldsmiene.</p><p>�Nein.� Loial brachte es fertig, gleichzeitig erleichtert und besorgt zu klingen. �Aber gestern habe ich in der Stadt Laefar getroffen. Er war genauso �berrascht, mich zu sehen, wie ich, ihn. Wir sind ja in Tear alles andere als ein allt�glicher Anblick. Er kam vom Stedding Schangtai her, um �ber Reparaturarbeiten an einigen von Ogier erbauten Teilen von Schl�ssern zu verhandeln. Ich bezweifle nicht, da� seine ersten Worte zu Hause im <emphasis>Stedding</emphasis> sein werden: �Loial ist in Tear.�� �Das klingt nach Schwierigkeiten�, sagte Perrin, und Loial nickte betr�bt.</p><p>�Laefar hat gesagt, da� mich die �ltesten zum Ausrei�er erkl�rt haben und meine Mutter habe ihnen versprochen, mich zu verheiraten und dazu zu bringen, da� ich mich niederlasse. Sie hat mir sogar schon jemand ausgesucht. Laefar wu�te nicht, wen. Zumindest behauptete er das. Er h�lt so etwas f�r lustig. Sie k�nnte in etwa einem Monat hier ankommen.� Failes Gesicht war ein Abbild von Verwirrung, was Perrin beinahe wieder zum Grinsen gebracht h�tte. Sie behauptete immer, sie wisse soviel mehr von der Welt als er, und eigentlich war das ja auch richtig, aber sie kannte Loial nicht. Das Stedding Schangtai war Loials Heimat oben am R�ckgrat der Welt, und da er kaum die neunzig Jahre �berschritten hatte, hielt man ihn f�r zu jung, um auf eigene Faust in die Welt der Menschen hinauszureisen. Ogier hatten eine sehr lange Lebensspanne. Nach ihren Ma�st�ben war Loial nicht �lter als Perrin; vielleicht sogar j�nger. Aber Loial war trotzdem losgezogen, um die Welt zu sehen, und seine schlimmste Angstvorstellung bestand darin, seine Mutter k�nne ihn finden und ins <emphasis>Stedding</emphasis> zur�ckschleifen, um ihn dort zu verheiraten, so da� er nie mehr wegk�nnte.</p><p>W�hrend sich Faile bem�hte, zu verstehen, was eigentlich vorging, sprach Perrin in das verlegene Schweigen hinein: �Ich mu� zur�ck zu den Zwei Fl�ssen, Loial. Dort findet dich deine Mutter bestimmt nicht.� �Ja, das ist wahr.� Der Ogier zuckte verlegen die Achseln. �Aber mein Buch. Rands Geschichte. Und deine und die Mats. Ich habe schon so viele Notizen gesammelt, doch... � Er ging um den Tisch herum nach hinten und betrachtete das ge�ffnete Buch, dessen Seiten mit seiner gestochen sauberen Schrift bedeckt waren. �Ich werde derjenige sein, der die wahre Geschichte des Wiedergeborenen Drachen niederschreibt, Perrin. Das einzige Buch von jemandem, der mit ihm gezogen ist und der dabei war, als die Dinge geschahen. <emphasis>Der Wiedergeborene Drache</emphasis> von Loial, Sohn des Arent, Sohn des Halan, aus dem Stedding Schangtai.� Er runzelte die Stirn, beugte sich �ber das Buch und stippte seine Feder in die Tintenflasche. �Das hier stimmt nicht ganz. Es war eher... � Perrin legte eine Hand auf die Seite, auf der Loial weiterschreiben wollte. �Du wirst kein Buch schreiben, wenn dich deine Mutter findet. Jedenfalls keines �ber Rand. Und ich brauche dich, Loial.� �Brauchen, Perrin? Ich verstehe dich nicht.� �An den Zwei Fl�ssen treiben sich Wei�m�ntel herum. Sie suchen mich.� �Suchen dich? Aber warum?� Loial blickte beinahe genauso verwirrt drein wie vorher Faile. Die hatte sich andererseits eine Art von gelassener Genugtuung zugelegt, die Perrin Sorgen bereitete. Trotzdem fuhr er fort.</p><p>�Die Gr�nde spielen keine Rolle. Tatsache ist, da� sie mich suchen. Sie werden m�glicherweise Menschen etwas antun, meiner Familie zum Beispiel, um mich aufzusp�ren. Ich wei� das, denn ich kenne die Wei�m�ntel. Ich kann es vielleicht verhindern, wenn ich schnell hinkomme, aber es mu� sehr schnell gehen. Das Licht allein wei�, was sie schon alles angerichtet haben. Ich brauche dich, damit du mich hinbringst, Loial. Die Kurzen Wege. Du hast mir einmal gesagt, es befinde sich ein Wegetor hier in der N�he. Und ich wei�, da� in Manetheren eines war. Es mu� immer noch dort sein, irgendwo in den Bergen �ber Emondsfeld. Nichts kann ein Wegetor zerst�ren, hast du gesagt. Deshalb brauche ich dich, Loial.� �Aber nat�rlich werde ich dir helfen�, sagte Loial. �Die Kurzen Wege.� Er atmete vernehmlich aus, und seine Ohren welkten ein wenig. �Ich m�chte an sich �ber Abenteuer berichten, aber sie nicht selbst erleben. Nun, ich sch�tze, einmal mehr wird auch nicht schaden. Das Licht helfe uns�, schlo� er.</p><p>Faile r�usperte sich verlegen. �Vergi�t du nicht etwas, Loial? Du hast mir versprochen, mich mit in die Wege zu nehmen, wann immer ich wollte und bevor du irgend jemand sonst dorthin bringst.� �Ich habe versprochen, dir ein Wegetor zu zeigen�, sagte Loial, �und wie es drinnen aussieht. Das kannst du haben, wenn Perrin und ich gehen. Ich denke schon, da� du mit uns kommen k�nntest, aber man ben�tzt die Wege nicht so leichthin, Faile. Ich selbst w�rde sie nicht betreten, wenn Perrin nicht meine Hilfe ben�tigte.� �Faile kommt nicht mit�, sagte Perrin entschlossen. �Nur du und ich, Loial.� Faile ignorierte ihn und l�chelte zu Loial empor, als necke er sie nur. �Du hast mir mehr versprochen, als mir ein Wegetor zu zeigen, Loial: mich hinzubringen, wo immer ich hin m�chte, und das noch vor jedem anderen. Das hast du mir geschworen.� �Stimmt schon�, protestierte Loial, �aber nur, weil du nicht glauben wolltest, da� ich es dir wirklich zeige. Du sagtest, du w�rdest mir nicht glauben, wenn ich nicht schw�re. Ich halte mein Versprechen, aber du wirst doch nicht wollen, da� ich dich Perrins Not vorziehe!� �Du hast es geschworen�, sagte Faile gelassen. �Bei deiner Mutter und der Mutter deiner Mutter und der Mutter der Mutter deiner Mutter.� �Ja, habe ich, Faile, aber Perrin... � �Du hast es geschworen, Loial. Hast du vor, deinen Eid zu brechen?� Der Ogier war ein Bild des Jammers. Seine Schultern sackten herab, seine Ohren hingen herunter, die Mundwinkel wiesen nach unten und die Enden seiner langen Augenbrauen streiften seine Wangen.</p><p>�Sie hat dich ausgetrickst, Loial.� Perrin fragte sich, ob sie sein Z�hneknirschen h�ren konnten. �Sie hat dich mit voller Absicht an der Nase herumgef�hrt.� Failes Wangen liefen rot an, aber sie hatte immer noch die Stirn, zu sagen: �Nur weil ich mu�te, Loial. Nur weil ein n�rrischer Mann glaubt, er k�nne mein Leben so beeinflussen, wie es seiner Absicht entspricht. Sonst h�tte ich das nicht getan. Das mu�t du mir glauben.� �Ist es dir denn gleich, da� sie dich hinters Licht gef�hrt hat?� wollte Perrin wissen, und Loial sch�ttelte traurig den m�chtigen Kopf.</p><p>�Ogier halten <emphasis>immer</emphasis> ihr Wort�, sagte Faile. �Und Loial wird mich zu den Zwei Fl�ssen bringen. Oder wenigstens zum Wegetor in Manetheren. Ich m�chte gern die Zwei Fl�sse kennenlernen.� Loial richtete sich zu voller Gr��e auf. �Aber das bedeutet ja, da� ich Perrin trotzdem helfen kann. Faile, warum hast du das nicht gleich gesagt? So etwas f�nde nicht einmal Faelar noch lustig.� In seinem Tonfall lag eine Andeutung von �rger. Es geh�rte schon einiges dazu, den Zorn eines Ogiers zu erregen.</p><p>�Wenn er mich darum bittet�, sagte sie entschlossen. �Das war ein Teil deines Versprechens, Loial. Nur du und ich, es sei denn, jemand anders bittet mich darum, mitgenommen zu werden. Er mu� mich darum bitten.� �Nein�, sagte Perrin zu ihr, w�hrend Loial den Mund noch nicht aufbekam. �Nein, ich bitte dich nicht. Lieber reite ich von hier nach Emondsfeld. Oder ich laufe! Also kannst du deine idiotische Idee gleich aufgeben. Loial austricksen und versuchen, dich in etwas hineinzudr�ngen, wo du nicht... erw�nscht bist.� Ihre Ruhe machte nun dem Zorn Platz. �Und bis du ankommst, haben Loial und ich bereits die Wei�m�ntel erledigt. Es wird alles vorbei sein. Bitte mich gef�lligst darum, du ambo�k�pfiger Grobschmied! Bitte nur, und du kannst mit uns kommen.� Perrin beherrschte sich m�hsam. Es gab keine M�glichkeit, sie mit irgendwelchen Argumenten zu �berzeugen, aber bitten w�rde er sie nicht darum. Sie hatte recht: Er w�rde Wochen brauchen, um die Zwei Fl�sse zu Pferde zu erreichen. Durch die Wege k�nnten sie dagegen in zwei Tagen dort sein. Aber sie darum bitten? � Nein! <emphasis>Nicht, nachdem sie Loial so hereingelegt hat und mich einfach �bert�lpeln wollte!</emphasis> �Dann gehe ich eben allein durch die Wege nach Manetheren. Ich werde euch beiden folgen. Ich bleibe weit genug zur�ck, um nicht zu euch zu geh�ren, so da� Loial seinen Eid nicht brechen mu�. Du kannst nicht verhindern, da� ich euch folge.� �Das ist gef�hrlich, Perrin�, sagte Loial besorgt. �In den Wegen ist es dunkel. Wenn du eine Biegung verfehlst oder zuf�llig die falsche Br�cke �berquerst, bist du f�r immer verloren. Oder, bis <emphasis>Machin Shin</emphasis> dich erwischt. Bitte sie, Perrin. Sie sagte, da� du mitkommen k�nntest, wenn du willst. Bitte sie darum.� Die tiefe Stimme des Ogiers zitterte, als er den Namen <emphasis>Machin Shin</emphasis> erw�hnte, und Perrin lief es auch kalt den R�cken hinunter. <emphasis>Machin Shin.</emphasis> Der Schwarze Wind fra� Seelen auf, das wu�te Perrin sehr genau. Nicht einmal die Aes Sedai wu�ten genau, ob es ein Schattenwesen oder aus dem Verfall der Wege selbst hervorgegangen war. <emphasis>Machin Shin</emphasis> war der Grund, warum man sein Leben riskierte, wenn man die Wege ben�tzte, so behaupteten die Aes Sedai. Doch Perrin brachte es fertig, ein ausdrucksloses Gesicht zu machen und mit ruhiger Stimme zu sprechen. <emphasis>Ich will versengt werden, wenn ich ihr die Genugtuung gestatte, da� ich nachgebe.</emphasis> �Ich kann nicht, Loial. Und ich werde es auf keinen Fall tun.� Loial verzog das Gesicht. �Faile, es wird gef�hrlich f�r ihn, wenn er uns zu folgen versucht. Bitte gib doch nach und la� ihn... � Sie unterbrach ihn abrupt. �Nein. Wenn er schon zu stur ist, um mich darum zu bitten, warum sollte ich dann nachgeben? Warum soll ich mich darum scheren, wenn er dort verlorengeht?� Sie wandte sich Perrin zu. �Du kannst ja nahe bei uns bleiben. So nahe es notwendig ist, aber es mu� klar sein, da� du uns lediglich folgst. Du wirst mir wie ein H�ndchen hinterherlaufen, bis du mich bittest. Warum tust du es nicht?� �Sture Menschen�, knurrte der Ogier. ��bereilt und stur, selbst wenn einen die Hetzerei direkt in ein Hornissennest f�hrt.� �Ich w�rde gern heute noch abreisen, Loial�, sagte Perrin, wobei er es vermied, Faile anzusehen.</p><p>�Es ist am besten, schnell abzureisen�, stimmte ihm Loial zu, wobei er das Buch auf dem Tisch bedauernd be�ugte. �Ich denke, ich kann meine Notizen auch unterwegs �berarbeiten. Das Licht wei�, was ich alles vers�ume, wenn ich nicht bei Rand bleibe.� �Hast du mich verstanden, Perrin?� wollte Faile wissen.</p><p>�Ich werde mein Pferd holen und ein paar Vorr�te, Loial. Am Vormittag k�nnen wir aufbrechen.� �Seng dich, Perrin Aybara, antworte mir gef�lligst!� Loial musterte sie besorgt. �Perrin, bist du sicher, da� du nicht doch lieber... � �Nein�, unterbrach ihn Perrin sanftm�tig. �Sie ist starrk�pfig wie ein Maulesel und sie legt einen gern herein. Ich spiele nicht den Tanzb�r, damit sie sich am�siert.� Er �berh�rte den Laut, der Failes Kehle entwich, wie der einer Katze, die einen fremden Hund beobachtet und auf einen Angriff vorbereitet ist. �Ich lasse es dich wissen, wenn ich aufbruchbereit bin.� Er ging zur T�r und sie rief ihm zornig nach: �Das �Wann� ist meine Entscheidung, Perrin Aybara. H�rst du mich? Meine und Loials. Du solltest besser in zwei Stunden fertig sein, sonst lassen wir dich hier zur�ck. Du kannst uns am Stall beim Drachenbergtor finden, falls du mitkommst. H�rst du mich?� Er nahm noch eine Bewegung wahr und schlo� schnell die T�r hinter sich. Fast im gleichen Moment krachte etwas hart gegen die T�r. Ein Buch wahrscheinlich. Das h�tte sie wohl besser nicht getan. Es war leichter, Loial eins �ber den Sch�del zu geben, als einem seiner B�cher Schaden zuzuf�gen.</p><p>Einen Augenblick lang lehnte er sich verzweifelt an die T�r. Alles, was er getan hatte, was er durchgemacht hatte, damit sie ihn hassen sollte, und nun w�rde sie doch dabeisein, wenn er starb. Und jetzt konnte er ihr h�chstens noch viel Vergn�gen dazu w�nschen. <emphasis>Stures, mauleselk�pfiges Weib!</emphasis></p><p>Als er sich zum Gehen wandte, n�herte sich ihm einer der Aiel, ein hochgewachsener Mann mit r�tlichem Haar und gr�nen Augen, der gut und gern Rands �lterer Cousin oder sein j�ngerer Onkel h�tte sein k�nnen. Er kannte den Mann und konnte ihn gut leiden, besonders � aber nicht nur deshalb � weil Gaul niemals seine gelben Augen auch nur zu bemerken schien. �Ich w�nsche dir, da� du heute morgen Schatten findest, Perrin. Die Majhere sagte mir, da� du hierhergegangen seist, obwohl sie mir wohl lieber einen Besen in die Hand gedr�ckt h�tte. Genauso hart wie eine der Weisen Frauen.� �Ich w�nsche dir auch, da� du heute morgen Schatten findest, Gaul. Wenn du mich fragst, sind sowieso alle Frauen Dicksch�del.� �Vielleicht, wenn du nicht weist, wie du das umgehen kannst. Ich h�rte, da� du zu den Zwei Fl�ssen ziehen willst.� �Licht!� grollte Perrin, bevor der Aiel weitersprechen konnte. �Wei� das etwa schon der ganze Stein?� Falls Moiraine Bescheid wu�te... Gaul sch�ttelte den Kopf. �Rand al'Thor hat mich beiseite genommen und mit mir dar�ber gesprochen. Er hat mich auch gebeten, es nicht weiterzusagen. Ich glaube, da� er noch mit anderen gesprochen hat, aber ich wei� nicht, wie viele mit dir gehen wollen. Wir sind schon ziemlich lange auf dieser Seite der Drachenmauer gewesen, und viele w�rden nur zu gern ins Dreifache Land zur�ckkehren.� �Mit mir kommen?� fragte Perrin wie bet�ubt. Wenn er Aiel mitbringen k�nnte... Das waren M�glichkeiten, �ber die er nicht gewagt hatte, �berhaupt nachzudenken. �Rand hat dich gebeten, mich zu begleiten? Zu den Zwei Fl�ssen?� Gaul sch�ttelte noch einmal den Kopf. �Er sagte nur, da� du gehen w�rdest und da� es dort M�nner g�be, die versuchen w�rden, dich zu t�ten. Ich f�r meinen Teil w�rde dich aber schon gern begleiten, falls du das Angebot annimmst.� �Falls?� Perrin h�tte beinahe gelacht. �Und wie ich es annehmen werde! Wir gehen in ein paar Stunden in die Kurzen Wege.� �Die Wege?� Gauls Gesichtsausdruck �nderte sich nicht, aber seine Augen weiteten sich ein wenig.</p><p>��ndert das etwas an deinem Entschlu�?� �Der Tod ereilt uns alle fr�her oder sp�ter, Perrin.� Die Antwort war auch nicht gerade beruhigend.</p><p>�Ich kann nicht glauben, da� Rand so grausam ist�, sagte Egwene, und Nynaeve f�gte hinzu: �Zumindest hat er nicht versucht, dich aufzuhalten.� Sie sa�en auf Nynaeves Bett und teilten sich das Gold untereinander auf, das ihnen Moiraine gegeben hatte. F�r jede waren es vier prall gef�llte Beutel, f�r die sie Taschen unter Elaynes und Nynaeves Rock eingen�ht hatten, und einen weiteren, nicht gro� genug, um aufzufallen, w�rden sie dann jede in ihrer G�rteltasche tragen. Egwene nahm weniger mit, da sie in der W�ste wohl kaum viel Gold brauchen w�rde.</p><p>Elayne blickte zweifelnd die beiden sauber verschn�rten B�ndel und die Ledertasche an, die neben der T�r lagen. Darin steckten all ihre Kleider und andere Sachen: ein Besteckkasten, Haarb�rste und Kamm, Nadeln, Faden, Fingerhut, Schere, eine Zunderschachtel und ein zweites Messer, kleiner als das an ihrem G�rtel. Dazu Seife und Badesalz und... Es war l�cherlich, im Geist die ganze Liste nochmals durchzugehen. Egwenes Steinring lag sicher in ihrer G�rteltasche. Sie war aufbruchbereit. Es gab nichts, was sie noch hier halten konnte.</p><p>�Nein, hat er nicht.� Elayne war stolz darauf, wie ruhig und gesammelt sie wirkte. <emphasis>Er schien beinahe erleichtert! Erleichtert! Und ich mu�te ihm diesen Brief in die Hand dr�cken, ihm mein ganzes Herz �ffnen wie eine blinde N�rrin, die ich bin. Nun, wenigstens wird er ihn nicht �ffnen, bevor ich weg bin.</emphasis> Sie fuhr zusammen, als Nynaeves Hand sich auf ihre Schulter legte.</p><p>�Hast du dir gew�nscht, da� er dich bittet hierzubleiben? Du wei�t doch selbst, was du geantwortet h�ttest. Oder?� Elayne pre�te die Lippen aufeinander. �Nat�rlich. Aber er mu�te deswegen nicht gleich so gl�cklich dreinschauen.� Das hatte sie eigentlich nicht sagen wollen.</p><p>Nynaeve blickte sie verst�ndnisvoll an. �M�nner sind selbst in besten Zeiten noch schwierig.� �Ich kann immer noch nicht glauben, da� er so... so...�, begann Egwene in �rgerlichem Tonfall. Doch Elayne erfuhr nie, was sie hatte sagen wollen, denn in diesem Augenblick wurde die T�r so heftig aufgesto�en, da� sie gegen die Wand krachte und zur�ckprallte.</p><p>Elayne griff nach <emphasis>Saidar,</emphasis> bevor sie noch zusammengezuckt war, doch dann f�hlte sie Verlegenheit in sich aufsteigen, als Lans ausgestreckte Hand die zur�ckprallende T�r abfing. Nach einem weiteren Augenblick jedoch beschlo� sie, noch ein wenig an der Macht festzuhalten. Der Beh�ter f�llte mit seinen breiten Schultern die ganze T�r aus. Sein Gesichtsausdruck glich dem eines heranst�rmenden Gewitters. H�tten seine Augen Blitze schleudern k�nnen, dann w�re Nynaeve wohl nun vergl�ht. Auch Egwene war vom Gl�hen <emphasis>Saidars</emphasis> umh�llt und dachte nicht daran, es aufzugeben.</p><p>Lan schien nur Augen f�r Nynaeve zu haben und beachtete die beiden anderen Frauen gar nicht. �Du hast mich in dem Glauben gelassen, ihr w�rdet nach Tar Valon zur�ckkehren!� fuhr er sie an.</p><p>�Das hast du vielleicht geglaubt�, sagte sie ruhig, �aber ich habe das nie behauptet.� �Nie behauptet? Nie behauptet? Du hast davon erz�hlt, da� ihr heute aufbrecht und das immer im Zusammenhang damit, da� diese Schattenfreunde nach Tar Valon gebracht werden. Immer! Was hast du mich glauben machen wollen?� �Aber ich habe nie gesagt... � �Licht, Frau!� br�llte er. �Verdrehe mir nicht das Wort im Mund!� Elayne tauschte einen besorgten Blick mit Egwene. Dieser Mann verf�gte �ber eine eiserne Selbstkontrolle, doch nun war er offensichtlich am Zerbrechen. Nynaeve war sonst diejenige, deren Gef�hle mit ihr durchgingen, aber jetzt sah sie ihn ganz k�hl an, den Kopf hoch erhoben und Gelassenheit im Blick. Die H�nde lagen auf ihrem gr�nseidenen Rock.</p><p>Lan beherrschte sich m�hsam. Schnell kehrte seine sonstige steinerne Miene zur�ck. Er hatte sich offensichtlich wieder unter Kontrolle, doch Elayne war sicher, da� dies nur nach au�en hin der Fall war. �Ich h�tte nicht einmal gewu�t, wohin ihr fahrt, wenn ich nicht geh�rt h�tte, da� ihr eine Kutsche bestellt habt, um euch zu einem Schiff nach Tanchico zu bringen. Ich wei� nicht, warum euch die Amyrlin �berhaupt gestattete, die Burg zu verlassen, oder warum euch Moiraine einsetzte, um die Schwarzen Schwestern zu verh�ren, aber ihr drei seid eben Aufgenommene. Aufgenommene, und keine Aes Sedai. Tanchico ist im Augenblick kein Ort f�r andere als Aes Sedai mit einem Beh�ter, der ihnen den R�cken deckt. Ich lasse dich dort nicht hin!� �Tatsache?� sagte Nynaeve leichthin. �Du stellst Moiraines Entscheidungen in Frage und auch noch die der Amyrlin. Vielleicht habe ich die Beh�ter bisher falsch gesehen. Ich glaubte, ihr schw�rt, zu akzeptieren und zu gehorchen � neben anderen Dingen. Lan, ich verstehe ja deine Sorge, und ich bin dankbar daf�r � mehr als dankbar �, aber wir alle haben Aufgaben zu erf�llen. Wir brechen auf, und du mu�t diese Tatsache hinnehmen.� �Warum? Um des Lichts willen, du mu�t mir wenigstens sagen, warum! Ausgerechnet nach Tanchico!� �Wenn Moiraine dir das nicht gesagt hat�, sagte Nynaeve sanft, �hat sie vielleicht ihre Gr�nde daf�r. Wir m�ssen unsere Aufgabe erf�llen, so wie du deine.� Lan zitterte. Er zitterte tats�chlich! Dann schlo� er energisch den Mund. Als er schlie�lich wieder sprach, kamen die Worte eigenartig z�gernd heraus: �Ihr werdet jemanden brauchen, der euch in Tanchico hilft. Jemand, der die Stra�enr�uber aus Tarabon davon abh�lt, euch ein Messer in den R�cken zu sto�en, um an eure Geldbeutel zu kommen. Tanchico war schon eine solche Stadt, bevor der Krieg begann, und allen Informationen nach geht es dort mittlerweile noch viel schlimmer zu. Ich k�nnte... Ich k�nnte dich besch�tzen, Nynaeve.� Elaynes Augenbrauen schossen hoch. Er wollte doch wohl nicht vorschlagen... Das konnte einfach nicht sein.</p><p>Nynaeve lie� sich nichts anmerken, da� er etwas Au�ergew�hnliches gesagt hatte. �Dein Platz ist bei Moiraine.� �Moiraine.� Schwei� stand auf dem harten Gesicht des Beh�ters. Er k�mpfte mit den Worten. �Ich kann... ich mu�... Nynaeve, ich... ich... � �Du wirst bei Moiraine bleiben�, sagte Nynaeve in scharfem Ton, �bis sie dich von deinem Eid entbindet. Du tust, was ich sage.� Sie zog ein sorgf�ltig gefaltetes Blatt aus ihrer Tasche und gab es ihm in die Hand. Er runzelte die Stirn, las, was darauf stand, blinzelte und las es noch mal.</p><p>Elayne wu�te, was darauf stand.</p><cite><p>Was die Tr�gerin tut, geschieht auf meinen Befehl hin, und ich trage daf�r die Verantwortung.</p><p>Gehorcht und schweigt gem�� meinem Befehl.</p><text-author>Siuan Sanche W�chterin �ber die Siegel Flamme von Tar Valon Der Amyrlin-Sitz</text-author></cite><p>Ein weiterer Brief gleichen Wortlauts steckte in Egwenes Tasche, aber beide waren nicht sicher, da� ihnen das Schreiben dort etwas n�tzen w�rde, wo sie sich hinbegaben. �Aber das gestattet euch ja, alles zu tun, was euch gef�llt�, protestierte Lan. �Ihr k�nnt im Namen der Amyrlin sprechen! Wieso gibt sie einer Aufgenommenen so etwas in die Hand?� �Stelle mir keine Fragen, denn ich kann sie nicht beantworten�, sagte Nynaeve. Dann f�gte sie mit der Andeutung eines Grinsens hinzu: �Sch�tze dich lieber gl�cklich, da� ich dir nicht befehle, nach meiner Pfeife zu tanzen.� Elayne unterdr�ckte ein L�cheln. Egwene gab einen erstickten Laut von sich, als habe sie ihr Lachen gerade heruntergeschluckt. Das waren die Worte gewesen, die Nynaeve benutzt hatte, als ihnen die Amyrlin die Schreiben aush�ndigte. <emphasis>Damit k�nnte ich einen Beh�ter nach meiner Pfeife tanzen lassen.</emphasis> Keine von ihnen hatte damals Zweifel gehabt, welchen Beh�ter sie im Sinn hatte.</p><p>�Tust du das nicht? Du stellst mich glatt in die Ecke. Mein Eid, und damit hat sich's. Und dieser Brief.� Lan hatte ein gef�hrliches Funkeln im Blick, das Nynaeve nicht zu bemerken schien, als sie ihm den Brief wieder abnahm und in ihre G�rteltasche zur�cksteckte.</p><p>�Du bist so selbstgerecht, al'Lan Mandragoran. Wir tun, was wir tun m�ssen, und du wirst dich nicht anders verhalten.� �Selbstgerecht, Nynaeve al'Meara? <emphasis>Ich</emphasis> bin selbstgerecht?� Lan bewegte sich so schnell auf Nynaeve zu, da� ihn Elayne beinahe unwillk�rlich mit Str�ngen der Luft gefesselt h�tte. Im ersten Augenblick stand Nynaeve da und hatte gerade noch Zeit, die Augen aufzurei�en, als der hochgewachsene Mann auf sie zusprang, und im n�chsten baumelten ihre Schuhe einen Fu� �ber dem Boden, und sie wurde gr�ndlichst gek��t. Zuerst trat sie ihm ans Schienbein, h�mmerte mit den F�usten auf ihn ein und gab erstickte, w�tende Protestlaute von sich, doch dann wurden ihre Tritte schw�cher und h�rten ganz auf. Schlie�lich hielt sie sich an seinen Schultern fest und protestierte absolut nicht mehr.</p><p>Egwene senkte verlegen den Blick, aber Elayne sah interessiert zu. Hatte sie genauso ausgesehen, als Rand... <emphasis>Nein! Ich werde nicht an ihn denken.</emphasis> Sie fragte sich, ob noch Zeit war, ihm einen weiteren Brief zu schreiben, in dem sie alles zur�cknahm, was sie im ersten geschrieben hatte und ihn wissen lie�, da� er sie nicht so auf die leichte Schulter nehmen d�rfe. Aber wollte sie das wirklich?</p><p>Nach einer Weile stellte Lan Nynaeve wieder auf den Boden. Sie schwankte ein wenig, doch dann strich sie sich Kleid und Haare w�tend glatt. �Du hast kein Recht...�, begann sie etwas atemlos, schluckte jedoch dann erst einmal. �Ich lasse mich doch nicht so vor aller Welt... be... behandeln! Das lasse ich mir nicht gefallen!� �Nicht vor aller Welt�, antwortete er. �Aber wenn sie zuschauen k�nnen, k�nnen sie es auch ruhig h�ren. Du hast einen Platz in meinem Herzen gewonnen, obwohl ich glaubte, dort sei kein Raum f�r eine Frau. Du hast Blumen erbl�hen lassen, wo ich nur Staub und Steine d�ngte. Denk daran auf dieser Reise, die du unbedingt unternehmen willst. Falls du stirbst, werde ich dich nicht lang �berleben.� Er schenkte Nynaeve eines seiner seltenen L�cheln. Das lie� sein Gesicht nicht unbedingt weicher erscheinen � nur etwas weniger hart. �Und denke auch daran, da� ich mich nicht immer so leicht herumkommandieren lasse, nicht einmal mit einem Brief der Amyrlin in der Hand.� Er machte eine elegante Verbeugung. Einen Moment lang glaubte Elayne sogar, er wolle auf ein Knie herabsinken und Nynaeves Ring mit der Gro�en Schlange k�ssen, doch das lie� er bleiben. �Wie Ihr befehlt�, murmelte er, �so werde ich gehorchen.� Es war schwer zu sagen, ob er das sp�ttisch meinte oder ernst.</p><p>Sobald sich die T�r hinter ihm geschlossen hatte, sank Nynaeve auf ihre Bettkante, als versagten ihr nun endlich die Knie. Sie blickte mit nachdenklich gerunzelter Stirn die T�r an.</p><p>��Wenn du den friedlichsten Hund einmal zu oft trittst��, zitierte Elayne, ��dann bei�t er.� Nicht, da� Lan besonders friedlich ist.� Sie bekam einen scharfen Blick und ein Schniefen von Nynaeve ab.</p><p>�Er ist unertr�glich�, sagte Egwene. �Manchmal ist er das wirklich. Nynaeve, warum hast du das getan? Er war bereit, mit dir zu kommen. Ich wei�, da� du nichts lieber t�test, als ihn von Moiraine wegzuholen. Streite es gar nicht erst ab.� Nynaeve stritt es nicht ab. Statt dessen fummelte sie an ihrem Kleid herum und strich die Bettdecke glatt. �Nicht auf diese Art�, sagte sie schlie�lich. �Ich will, da� er mir geh�rt. Der ganze Lan. Ich werde nicht zulassen, da� er immer einen Meineid Moiraine gegen�ber mitschleppt. Das darf nicht zwischen uns stehen. Das ist wichtig f�r ihn und auch f�r mich.� �Aber wird sich das �ndern, wenn du ihn dazu bringst, da� er Moiraine bittet, ihn von seinem Eid zu entbinden?� fragte Egwene. �Lan ist die Art von Mann, die das genauso betrachtet wie du. Es bleibt eigentlich nichts anderes �brig, als sie irgendwie dazu zu bringen, da� sie ihn aus eigenem Antrieb laufen l��t. Wie k�nntest du das erreichen?� �Ich wei� nicht.� Nynaeve atmete durch und ihre Stimme klang wieder fester: �Aber was sein mu�, kann erreicht werden. Es gibt immer einen Weg. Doch das wird sp�ter kommen. Es gibt Arbeit zu tun, und wir sitzen hier und klatschen �ber M�nner. Bist du sicher, da� du alles eingepackt hast, was du in der W�ste brauchst, Egwene?� �Aviendha richtet alles her�, sagte Egwene. �Sie scheint immer noch ungl�cklich, aber sie sagt, wir k�nnten Rhuidean in wenig mehr als einem Monat erreichen, wenn wir Gl�ck haben. Ihr werdet dann auch in Tanchico sein.� �Vielleicht fr�her�, sagte Elayne, �falls es stimmt, was man sich �ber die Schiffe des Meervolks erz�hlt. Du wirst doch vorsichtig sein, Egwene? Selbst mit einer Aviendha als F�hrerin ist die W�ste noch lange kein sicherer Ort.� �Werde ich. Ihr aber bitte auch. Beide! Tanchico ist wohl auch jetzt kaum sicherer als die W�ste.� Pl�tzlich lagen sie sich alle in den Armen, mahnten sich immer wieder gegenseitig zur Vorsicht und versicherten sich, ihren Plan genau im Kopf zu haben, wie sie sich in <emphasis>Tel'aran'rhiod</emphasis> treffen wollten � im dortigen Stein von Tear.</p><p>Elayne wischte sich Tr�nen von den Wangen. �Gut, da� Lan gegangen ist und das nicht sieht.� Sie lachte melodisch. �Er w�rde uns alle f�r n�rrisch halten.� �Nein, w�rde er nicht�, warf Nynaeve ein. Sie war dabei, ihren Rock hochzuziehen, um einen Beutel mit Gold in die eingen�hte Tasche zu stecken. �Er ist wohl ein Mann, aber doch nicht v�llig gef�hllos.� Es mu�te doch ein wenig Zeit bleiben, bevor die Kutsche abfuhr, sagte sich Elayne, und da wollte sie Papier und eine Feder auftreiben. Sie w�rde sich die Zeit nehmen. Nynaeve hatte recht. M�nner brauchten eine feste Hand. Rand w�rde schon merken, da� er ihr nicht so schnell entkommen konnte. Und er w�rde feststellen, wie schwer es war, ihre Gunst wiederzuerlangen.</p></section><section><title><p>17</p><p>Irrt�mer</p></title><p>Thom verlagerte sein Gewicht weg von seinem steifen rechten Bein und verbeugte sich mit weit gespreiztem Gauklerumhang. Die bunten Flicken flatterten bei der Bewegung. Er h�tte sich gern die Augen ausgewischt, doch statt dessen sagte er in heiterem Tonfall: �Einen sch�nen guten Morgen w�nsche ich!� Er richtete sich auf und strich mit gro�er Geste �ber seinen langen, wei�en Schnurrbart.</p><p>Die in Schwarz und Gold gekleideten Diener blickten �berrascht drein. Die beiden kr�ftigen jungen Burschen richteten sich von der goldverzierten, rotlackierten Truhe mit dem zersplitterten Deckel auf, die sie hatten hochheben wollen, und die drei Frauen h�rten auf, den Boden daneben mit dem Mop zu bearbeiten. Bis auf sie war der Flur hier leer, und sie waren froh �ber jede Ausrede, mit deren Hilfe sie ihre Arbeit zu dieser Stunde unterbrechen konnten. Mit ihren h�ngenden Schultern und dunklen Ringen wirkten sie genauso m�de, wie sich Thom f�hlte.</p><p>�Guten Morgen auch Euch, Gaukler�, sagte die �lteste der Frauen. Sie war ein wenig mollig und hatte ein nichtssagendes Gesicht, aber ein nettes L�cheln, obwohl sie offensichtlich ersch�pft war. �K�nnen wir Euch helfen?� Thom holte aus einem ger�umigen Jacken�rmel vier bunte B�lle hervor und begann, damit zu jonglieren.</p><p>�Ich gehe nur herum und versuche, ein wenig gute Laune zu verbreiten. Ein Gaukler mu� tun, was ihm m�glich ist.� Er h�tte ansonsten mehr als vier B�lle benutzt, aber er war selbst so m�de, da� ihn auch dieses bi�chen Jonglieren alle Konzentration abforderte. Wie lang war es her, da� er den f�nften Ball beinahe h�tte fallen lassen? Zwei Stunden? Er unterdr�ckte ein G�hnen und wandelte es schnell in ein beruhigendes L�cheln um. �Eine furchtbare Nacht. Da mu� die Laune etwas aufgebessert werden.� �Der Lord Drache hat uns gerettet�, sagte eine der j�ngeren Frauen. Sie war h�bsch und schlank, und in ihren dunklen Augen glitzerte ein wenig das Raubtier. Er war gewarnt und z�gelte sein L�cheln. Nat�rlich k�nnte sie n�tzlich werden, wenn sie sowohl gierig wie auch ehrlich war und loyal, sobald sie einmal gekauft worden war. Es war immer gut, noch ein paar H�nde aufzutreiben, die eine heimliche Botschaft �berbringen konnten, und einen Mund, der ihm berichtete, was man so h�rte, und ausrichtete, was er wollte und wo er es wollte. <emphasis>Alter Narr! Du hast genug H�nde und Ohren, also la� dich nicht von einem sch�nen Busen beeindrucken! Denk an ihren Blick.</emphasis> Das Interessante war... nun, es klang, als meine sie ihre Worte ehrlich, und einer der jungen Burschen nickte zustimmend.</p><p>�Ja�, sagte Thom. �Ich frage mich, welcher Hochlord gestern eigentlich f�r die Bewachung des Hafens zust�ndig war?� Er h�tte beinahe einen Ball verloren, so �rgerte er sich �ber sich selbst. Einfach so damit herauszuplatzen! Er war zu m�de und sollte lieber im Bett liegen, und das seit Stunden.</p><p>�F�r den Hafen sind die Verteidiger zust�ndig�, sagte ihm die �lteste der Frauen. �Das k�nnt Ihr nat�rlich nicht wissen. Die Hochlords besch�ftigen sich nicht mit sowas.� Thom wu�te das sehr wohl. �Tats�chlich? Na ja, ich bin eben nicht aus Tear.� Er lie� die B�lle aus einem einfachen Kreis nun in einer Doppelschlinge wirbeln. Das sah schwieriger aus, als es tats�chlich war, und das M�dchen mit dem Raubtierblick klatschte in die H�nde. Jetzt war er dran und konnte genausogut weitermachen. Danach allerdings w�rde er f�r diese Nacht Schlu� machen. Nacht? Die Sonne ging schon auf. �Trotzdem ist es eine Schande, da� niemand gefragt hat, warum diese Schiffe eigentlich hier angelegt haben. Dazu noch alle Luken geschlossen, so da� sich diese Trollocs verbergen konnten. Ich will damit nicht sagen, da� jemand von den Trollocs wu�te, aber... � Die Doppelschlinge kam ins Wanken, und schnell kehrte er zur Kreisform zur�ck. Licht, er war so ersch�pft! �Man sollte aber doch denken, da� einer der Hochlords sich danach erkundigt h�tte.� Die beiden jungen M�nner sahen sich nachdenklich an, und Thom l�chelte in sich hinein. Wieder ein Samenkorn eingepflanzt und genauso leicht, wenn auch ziemlich plump. Wieder ein Ger�cht in Umlauf gebracht, gleich, was sie �ber den wu�ten, der f�r die Sicherheit des Hafens verantwortlich gewesen war. Und Ger�chte verbreiteten sich schnell. Eines wie dieses w�rde vor der Stadt nicht haltmachen. So wirkte es wieder als ein winziger Keil, der zwischen den Adel und das Volk getrieben wurde. Wem w�rde sich das Volk zuwenden, au�er nat�rlich dem Mann, von dem sie wu�ten, da� ihn der Adel ha�te? Dem Mann, der den Stein vor den Schattenwesen gerettet hatte: Rand al'Thor, ihrem Lord Drachen.</p><p>Es war Zeit, zu gehen und die Saat aufgehen zu lassen. Falls seine Saat hier Wurzeln geschlagen hatte, w�rde nichts von dem sie wieder ausrei�en, was er jetzt noch sagen konnte, und diese Nacht hatte er bereits flei�ig ges�t. Aber es durfte nicht geschehen, da� irgend jemand merkte, wer die Saat gepflanzt hatte. �Sie haben letzte Nacht tapfer gek�mpft, die Hochlords. Ich habe doch tats�chlich gesehen...� Er lie� die Worte verklingen, als die Frauen wieder an ihre Mops sprangen und die M�nner die Kiste hochwuchteten und wegtrugen.</p><p>�Ich kann auch f�r einen Gaukler Arbeit finden�, sagte die Stimme der Majhere hinter ihm. �M��ige H�nde sind m��ige H�nde.� Er wandte sich mit eleganter Bewegung um, wenn man sein steifes Bein mi�achtete, und verbeugte sich tief vor ihr. Ihr Haarschopf befand sich noch unterhalb seiner Schultern, doch sie wog wahrscheinlich um die H�lfte mehr als er. Sie hatte ein Gesicht wie ein Ambo�. Ihr Aussehen wurde auch durch die Bandage um ihre Schl�fen nicht verbessert: Doppelkinn und tiefliegende Augen, die wie Splitter von schwarzem Feuerstein wirkten. �Einen sch�nen guten Morgen, verehrte Dame. Ein kleiner Vorgeschmack auf diesen frischen, neuen Tag gef�llig?� Er bewegte geschickt und �u�erst schnell die H�nde, und dann hielt er pl�tzlich eine kleine, goldgelbe Blume darin, die nur ganz wenig gerupft aussah, trotz der Zeit, die sie in seinem �rmel verbracht hatte, und die steckte er ihr ins graue Haar �ber der Bandage. Sie zog die Blume nat�rlich gleich wieder heraus und betrachtete sie mi�trauisch, aber das war es gerade, was er erreichen wollte. Im Augenblick ihres Z�gerns machte er drei lange, wenn auch humpelnde Schritte, und als sie ihm noch etwas hinterherschrie, h�rte er bereits nicht mehr darauf und war weg.</p><p><emphasis>Furchtbare Frau,</emphasis> dachte er. <emphasis>Wenn wir sie auf die Trollocs losgelassen h�tten, dann w�rden sie jetzt samt und sonders fegen und putzen.</emphasis></p><p>Er hielt sich die Hand vor und g�hnte mit knackendem Kiefer. Er war einfach zu alt f�r so etwas. Er war m�de, und sein Knie schmerzte ziemlich stark. N�chte ohne Schlaf, K�mpfe, Intrigen. Zu alt. Er sollte eigentlich ein ruhiges Leben irgendwo auf einem Bauernhof f�hren. Mit H�hnern. Auf Bauernh�fen gab es immer H�hner. Und Schafe. Es konnte nicht schwer sein, sie zu h�ten. Schafhirten schienen immer herumzul�mmeln und Fl�te zu spielen. Er w�rde nat�rlich Harfe spielen und nicht Fl�te. Oder vielleicht doch; Wind und Wetter taten einer Harfe nicht gut. Und in der N�he w�rde es eine kleine Stadt geben mit einer Schenke, und dort k�nnte er die G�ste im Schankraum mit ein paar Kunstst�cken erfreuen. Er schwang seinen Umhang, als er an zwei Dienern vorbeikam. Der einzige Sinn darin, ihn bei dieser Hitze zu tragen, war der, die Leute wissen zu lassen, da� er ein Gaukler sei. Ihre Mienen erhellten sich bei seinem Anblick regelm��ig, und sie hofften nat�rlich, da� er sich einen Moment Zeit nehmen werde, um sie zu unterhalten. Das war sehr erfreulich. Ja, ein Bauernhof hatte seine Vorteile. Ein ruhiger Ort. Keine Leute, die ihn bel�stigten. Solange sich in der N�he eine Stadt befand.</p><p>Er dr�ckte die T�r zu seinem Zimmer auf und blieb wie angewurzelt stehen. Moiraine richtete sich so selbstverst�ndlich auf, als habe sie jedes Recht, die auf seinem Tisch verstreuten Papiere durchzugehen. Dann richtete sie seelenruhig ihren Rock und setzte sich auf den Hocker. Das war nun eine wirklich sch�ne Frau, so elegant und grazi�s, wie sie sich ein Mann nur w�nschen konnte, und sie lachte sogar �ber seine Scherze und Kunstst�cke. <emphasis>Narr! Alter Narr! Sie ist eine Aes Sedai, und du bist zu m�de, um noch klar zu denken.</emphasis></p><p>�Guten Morgen, Moiraine Sedai�, sagte er und h�ngte seinen Umhang an einen Haken. Er vermied es, seinen Kasten mit den Schreibutensilien anzusehen, der noch immer unter dem Tisch stand, wie er ihn zur�ckgelassen hatte. Er wollte sie ja nicht wissen lassen, da� der wichtig war. Es war wahrscheinlich auch sinnlos nachzuschauen, wenn sie wieder weg war. Sie konnte das Schlo� mit Hilfe der Macht ge�ffnet und wieder geschlossen haben, und er w�rde keinen Unterschied bemerken. So ersch�pft wie er war, wu�te er noch nicht einmal mit Sicherheit, ob er etwas Verd�chtiges darin hinterlassen hatte oder irgendwo anders. Alles, was er sah, befand sich genau dort, wo es hingeh�rte. Er glaubte auch nicht, da� er so dumm gewesen war, irgend etwas liegenzulassen. Die T�ren in den Quartieren der Diener hatten keine Schl�sser oder Riegel. �Ich w�rde Euch gern ein erfrischendes Getr�nk anbieten, aber ich f�rchte, ich habe nichts als Wasser.� �Ich habe keinen Durst�, sagte sie mit ihrer angenehmen, melodi�sen Stimme. Sie beugte sich vor, und da das Zimmer klein war, reichte es, da� sie ihm eine Hand auf das rechte Knie legen konnte. Ein eiskalter Schauer durchlief seinen K�rper. �Ich w�nschte, es w�re eine gute Heilerin in der N�he gewesen, als das passierte. Jetzt ist es leider viel zu sp�t.� �Ein Dutzend Heilerinnen h�tten nicht ausgereicht�, gab er ihr zur Antwort. �Die Verletzung stammt von einem Halbmenschen.� �Ich wei�.� <emphasis>Was wei� sie sonst noch?</emphasis> fragte er sich. Er wandte sich um und wollte den einzigen Stuhl hinter dem Tisch hervorziehen. Dabei verbi� er sich gerade noch einen Fluch. Er f�hlte sich n�mlich, als h�tte er eine wundervoll durchschlafene Nacht hinter sich, und der Schmerz war aus seinem Knie gewichen. Er humpelte wohl noch, doch das Gelenk war beweglicher als je zuvor seit dieser Verletzung. <emphasis>Die Frau hat mich nicht einmal gefragt, ob ich das �berhaupt will! Seng mich, was will sie von mir?</emphasis> Er weigerte sich, das Bein zu bewegen. Wenn sie sich nicht danach erkundigte, w�rde er ihr Geschenk ignorieren.</p><p>�Ein interessanter Tag gestern�, bemerkte sie, als er sich setzte.</p><p>�Ich w�rde Trollocs und Halbmenschen nicht gerade als interessant bezeichnen�, gab er trocken zur�ck.</p><p>�Die habe ich auch gar nicht damit gemeint. Fr�her. Hochlord Carleon starb bei einem Jagdunfall. Sein guter Freund Tedosian verwechselte ihn offensichtlich mit einem Keiler. Oder vielleicht auch einem Hirsch.� �Das hatte ich nicht geh�rt.� Er bem�hte sich um einen ruhigen Tonfall. Selbst wenn sie die Nachricht gefunden h�tte, w�rde sie es trotzdem kaum seiner Urheberschaft zurechnen k�nnen. Carleon selbst h�tte das f�r seine eigene Handschrift gehalten. Er glaubte nicht, da� sie die seine darin erkannt habe, doch sie war nat�rlich eine Aes Sedai... Als m�sse er erst daran erinnert werden! Dieses glatte, h�bsche Gesicht vor ihm, diese ernsten, dunklen Augen, die ihm all seine Geheimnisse zu entlocken schienen. �Die Quartiere der Dienstboten sind voll von Ger�chten, aber ich h�re nur selten darauf.� �Tats�chlich?� murmelte sie in mildem Tonfall. �Dann habt Ihr sicher auch nicht davon geh�rt, da� Tedosian kaum eine Stunde nach seiner R�ckkehr in den Stein erkrankte, gleich nachdem ihm seine Frau einen Pokal mit Wein reichte, um den Staub der Jagd herunterzusp�len. Man sagt, er habe geweint, als er erfuhr, da� sie ihn pers�nlich pflegen und mit eigenen H�nden f�ttern werde. Zweifellos waren es Freudentr�nen ob ihrer gro�en Liebe. Ich h�rte, sie habe geschworen, nicht von seiner Seite zu weichen, bis er wieder aufstehen kann. Oder bis er stirbt.� Sie wu�te Bescheid. Woher, das konnte er nicht sagen, aber sie wu�te Bescheid. Doch warum lie� sie ihn das wissen? �Eine Trag�die�, sagte er im gleichen nichtssagenden Ton wie sie zuvor. �Rand wird alle loyalen Hochlords brauchen, die er nur auftreiben kann, sch�tze ich.� �Carleon und Tedosian kann man kaum loyal nennen. Selbst untereinander nicht, wie es scheint. Sie f�hrten eine Partei an, die Rand t�ten und dann vergessen m�chte, da� er je gelebt hat.� �Wirklich? Ich achte nicht sehr auf solche Dinge. Die Taten der M�chtigen gehen einen einfachen Gaukler nichts an.� Ihr L�cheln war von einem herzhaften Lachen nicht weit entfernt, aber sie erz�hlte nun, als lese sie den Text irgendwo ab: �Thomdril Merrilin. Einst genannt der Graue Fuchs, jedenfalls von einigen, die ihn kannten oder von ihm wu�ten. Hofbarde im k�niglichen Palast von Andor in Caemlyn. Eine Weile lang Morgases Liebhaber, nachdem Taringail gestorben war. Ein gl�cklicher Zufall f�r Morgase, da� Taringail starb. Ich glaube, sie hat niemals herausbekommen, da� er sie hatte t�ten und sich dann zum ersten K�nig von Andor ausrufen wollen. Aber wir sprachen ja von Thom Merrilin, einem Mann, von dem man sich erz�hlte, er k�nne das Spiel der H�user im Schlaf spielen. Es ist eine Schande, da� dieser Mann sich nun als einfachen Gaukler bezeichnet. Und doch: welcher Hochmut, den eigenen Namen beizubehalten.� Thom konnte nur mit M�he seinen Schreck nach au�en hin verbergen. Wieviel wu�te sie? Zuviel, selbst wenn es sonst nichts mehr war. Aber sie war nicht die einzige, die �ber etwas Bescheid wu�te. �Wenn wir schon von Namen sprechen�, sagte er �u�erlich gelassen, �dann ist es bemerkenswert, wieviel man daraus ablesen kann: Moiraine Damodred. Lady Moiraine aus dem Hause Damodred in Cairhien. Taringails j�ngste Halbschwester. K�nig Lamans Nichte. Und eine Aes Sedai, das wollen wir nicht �bersehen. Eine Aes Sedai, die dem Wiedergeborenen Drachen bereits behilflich war, bevor sie auch nur wissen konnte, da� er mehr war als ein weiterer armer Narr, der die Macht ben�tzen kann. Eine Aes Sedai mit besten Verbindungen in h�chste Kreise der Wei�en Burg, w�rde ich sagen, denn sonst w�rde sie ein solches Risiko nicht eingehen. Jemand aus dem Burgrat? Mehr als nur eine, nehme ich an. Wenn das an die �ffentlichkeit k�me, w�rde es das Machtgef�ge der Welt ersch�ttern. Aber warum sollte es Schwierigkeiten geben? Vielleicht ist es das beste, einen alten Gaukler einfach in seinem Unterschlupf in den Quartieren der Dienstboten in Ruhe zu lassen. Nur ein alter Gaukler, der seine Harfe spielt und Geschichten erz�hlt. Geschichten, die niemandem schaden.� Falls er es geschafft hatte, ihre Beherrschung ein wenig ins Wanken zu bringen, lie� sie sich davon nichts anmerken. �Reine Spekulation ohne Tatsachen dahinter ist immer gef�hrlich�, konterte sie ruhig. �Ich verwende absichtlich meinen Familiennamen nicht. Das Haus Damodred hatte schon verdienterma�en einen schlechten Ruf, bevor Laman auch noch <emphasis>Avendoraldera</emphasis> f�llen mu�te und deshalb Thron und Leben verlor. Seit dem Aielkrieg ist der Ruf dann � ebenfalls verdienterma�en � noch schlechter geworden.� Konnte denn nichts diese Frau ersch�ttern? �Was w�nscht Ihr von mir?� fragte er gereizt.</p><p>Sie zuckte mit keiner Wimper. �Elayne und Nynaeve schiffen sich heute nach Tanchico ein. Eine gef�hrliche Stadt, Tanchico. Euer Wissen und Euer Geschick k�nnten helfen, ihre Leben zu erhalten.� Also das war es. Sie wollte ihn von Rand trennen, damit der Junge hilflos ihren Manipulationen ausgesetzt war. �Wie Ihr sagtet, ist Tanchico eine gef�hrliche Stadt, doch das war sie immer. Ich w�nsche den jungen Frauen Gl�ck, aber ich habe nicht die geringste Lust, meinen Kopf in ein Schlangennest zu stecken. Ich bin zu alt f�r so etwas. Ich habe daran gedacht, einen Bauernhof zu erwerben. Ein ruhiges Leben. Und sicher.� �Ich glaube, ein ruhiges Leben w�rde Euch umbringen.� Es klang ausgesprochen belustigt, wie sie das sagte. Sie zupfte mit kleinen, schmalen H�nden die Falten ihres Kleids zurecht. Er hatte den Eindruck, da� sie ein L�cheln unterdr�ckte. �Tanchico w�re besser f�r Euch, und Ihr w�rdet dort nicht sterben, das garantiere ich, und Ihr wi�t, da� ich die Wahrheit sage. Beim Ersten Eid.� Er runzelte die Stirn, obwohl er sich alle M�he gab, keine Miene zu verziehen. Sie hatte es gesagt, und sie konnte nicht l�gen, aber woher wollte sie das wissen? Er war sicher, sie konnte die Zukunft nicht vorhersagen. Er hatte auch schon geh�rt, da� sie dieses Talent zu besitzen abstritt. Aber sie hatte es gesagt. <emphasis>Verseng doch diese Frau!</emphasis> �Warum sollte ich nach Tanchico reisen?� Sie w�rde bei ihm auf den Titel verzichten m�ssen.</p><p>�Um Elayne zu besch�tzen, Morgases Tochter?� �Ich habe Morgase f�nfzehn Jahre nicht mehr gesehen. Elayne war noch ein Kind, als ich Caemlyn verlie�.� Sie z�gerte, aber als sie schlie�lich weitersprach, klang ihre Stimme unnachgiebig und hart. �Und Euer Grund, Andor zu verlassen? Ich glaube, das war wegen eines Neffen namens Owyn. Einer dieser armen Narren, wie Ihr es ausgedr�ckt habt, der die Macht ben�tzen kann. Die Roten Schwestern waren angewiesen, ihn nach Tar Valon zu bringen, wie jeden dieser M�nner, aber statt dessen unterzogen sie ihn auf der Stelle einer D�mpfung und �berlie�en ihn der... der Gnade seiner Nachbarn.� Thom warf beim Aufstehen seinen Stuhl um und mu�te sich dann am Tisch festhalten, weil seine Knie zitterten. Owyn hatte nach der D�mpfung nicht mehr lange gelebt und war von angeblichen Freunden aus seinem Haus getrieben worden, weil sie es nicht ertragen konnten, neben einem Mann zu leben, der die Macht benutzt hatte. Nichts von alledem, was Thom anstellte, konnte Owyn den Lebensmut zur�ckgeben oder seine junge Frau daran hindern, ihm innerhalb des gleichen Monats ins Grab zu folgen.</p><p>�Warum...?� Er r�usperte sich �berlaut und versuchte, seine Stimme weniger heiser klingen zu lassen. �Warum erz�hlt Ihr mir das?� Auf Moiraines Gesicht zeigte sich Sympathie. Und konnte das auch Bedauern sein? Sicher nicht. Nicht bei einer Aes Sedai. Auch die Sympathie mu�te blo�e Verstellung sein. �Das h�tte ich nicht, wenn Ihr willens gewesen w�rt, einfach Elayne und Nynaeve zu helfen.� �Warum, seng Euch! Warum?� �Wenn Ihr Elayne und Nynaeve begleitet, werde ich Euch beim n�chsten Zusammentreffen die Namen dieser Roten Schwestern nennen und auch derjenigen, die den Befehl dazu gab. Sie taten das nicht aus eigenem Antrieb. Und ich <emphasis>werde</emphasis> Euch wiedersehen. Ihr werdet Tarabon �berleben.� Er atmete nerv�s durch. �Was werden mir ihre Namen n�tzen?� fragte er mit ausdrucksloser Stimme. �Aes-Sedai-Namen, hinter denen die Macht der Wei�en Burg steht.� �Ein geschickter und gef�hrlicher Spieler, der das Spiel der H�user perfekt beherrscht, k�nnte sie n�tzlich finden�, antwortete sie ruhig. �Sie h�tten nicht tun sollen, was sie taten. Sie h�tten auch deshalb nicht von jeder Strafe ausgenommen werden d�rfen.� �Geht Ihr jetzt bitte?� �Ich werde Euch beweisen, da� nicht alle Aes Sedai so sind wie diese Roten, Thom. Das m��t Ihr mir glauben.� �Bitte!� Er stand da auf den Tisch gest�tzt, bis sie weg war. Er wollte sie nicht sehen lassen, wie er steif auf die Knie niedersank und ihm die Tr�nen �ber das verwitterte Gesicht liefen. <emphasis>O Licht, Owyn!</emphasis> Er hatte das alles so gut verdr�ngt, wie es ihm nur m�glich gewesen war. <emphasis>Ich kam nicht mehr rechtzeitig hin. Zu sehr mit diesem verfluchten Spiel der H�user besch�ftigt.</emphasis> Er wischte sich nachdenklich die Tr�nen vom Gesicht. Moiraine war eine hervorragende Spielerin. Sie hatte ihn v�llig umgedreht, jeden Faden gezogen, den er f�r absolut sicher verborgen gehalten hatte. Owyn. Elayne. Morgases Tochter. F�r Morgase empfand er nur noch Freundschaft, oder vielleicht doch ein bi�chen mehr, aber es war schwer, ein Kind zu mi�achten, das man auf den Knien geschaukelt hatte. <emphasis>Dieses M�dchen in Tanchico? Die Stadt w�rde sie beim lebendigen Leib auffressen, und das selbst ohne diesen Krieg. Jetzt mu� das eine L�wengrube sein. Und Moiraine wird mir die Namen sagen.</emphasis> Alles, was er tun mu�te, war, Rand den H�nden einer Aes Sedai zu �berlassen. So, wie er Owyn im Stich gelassen hatte. Sie hatte ihn gefangen wie eine Schlange unter dem Gabelstock. Er konnte sich winden, wie er wollte, kam aber nicht frei. <emphasis>Seng doch diese Frau!</emphasis></p><p>Min schob den Henkel des Stickk�rbchens �ber ihren Arm, raffte mit der anderen Hand den Rock hoch und schritt nach dem Fr�hst�ck mit geschmeidigen Schritten und erhobenen Hauptes aus dem Speisesaal. Sie h�tte ein volles Weinglas auf dem Kopf balancieren k�nnen, ohne einen Tropfen zu versch�tten. Zum Teil war das darauf zur�ckzuf�hren, da� sie in diesem Kleid gar nicht normal gehen konnte. Das Kleid bestand ganz aus bla�blauer Seide, mit einem eng anliegenden Oberteil und einem weiten Rock, dessen bestickter Saum auf dem Boden schleifte, wenn sie ihn nicht anhob. Zum anderen schritt sie so einher, weil sie sicher war, Laras' Blick auf ihrem R�cken zu sp�ren.</p><p>Ein Blick zur�ck bewies ihr, da� sie recht hatte. Die Herrin der K�chen, ein wandelndes Weinfa�, strahlte sie wohlwollend von der T�r des Speisesaals her an. Wer h�tte schon geglaubt, da� diese Frau in ihrer Jugend eine Sch�nheit gewesen war oder in ihrem Herzen Platz finden w�rde f�r h�bsche, immer zum Flirten geneigte M�dchen? �Lebhaft� nannte sie so etwas. Wer h�tte vermutet, da� sie �Elmindreda� unter ihre kr�ftigen Fittiche nehmen w�rde? Das war keine sehr bequeme Lage. Laras hatte ein sch�tzendes Auge auf Min geworfen, und dieses Auge schien sie �berall auf dem Gel�nde der Burg aufsp�ren zu k�nnen. Min l�chelte zur�ck und tastete �ber ihr Haar, das jetzt zu einem schwarzen Lockenkopf gediehen war. <emphasis>Seng die Frau! Hat sie denn nichts zu kochen oder irgendeine Magd, die sie anschreien kann?</emphasis></p><p>Laras winkte ihr zu, und sie winkte zur�ck. Sie konnte sich nicht leisten, jemanden zu kr�nken, die sie so genau beobachtete, nicht, solange sie keine Ahnung hatte, wie viele Fehler sie vielleicht machte. Laras kannte jeden Trick solch �lebhafter� Frauen und wollte Min alle die beibringen, die sie vielleicht noch nicht kannte. Ein wirklicher Fehler, �berlegte Min, als sie sich auf eine Marmorbank unter einem hohen Fenster setzte, war die Stickerei gewesen. Nicht von Laras Standpunkt aus gesehen, wohl aber von ihrem eigenen. Sie zog den Stickrahmen aus dem Korb und betrachtete reum�tig ihre Arbeit von gestern: einige schiefe, gelbe Ochsenaugen und etwas, das eigentlich eine hellgelbe Rosenknospe hatte werden sollen. Das erkannte aber niemand, wenn sie es nicht dazusagte. Seufzend machte sie sich daran, das Ganze wieder aufzutrennen. Leane hatte wohl doch recht gehabt.</p><p>Eine Frau konnte stundenlang mit ihrem Stickrahmen dasitzen und jeden und alles beobachten, ohne da� es auffiel. Es w�re allerdings schon hilfreich gewesen, h�tte sie wenigstens etwas Geschick dabei an den Tag gelegt.</p><p>Immerhin war es ein wunderbarer Morgen, gerade recht, um sich drau�en im Freien aufzuhalten. Eine goldene Sonne hatte sich eben �ber den Horizont erhoben und am Himmel schienen selbst die wenigen Sch�fchenwolken perfekt arrangiert. Eine zarte Brise brachte den Duft nach Rosen mit sich und zauste leicht an den hohen Calma-B�schen mit ihren gro�en roten und wei�en Bl�ten. Bald w�rden immer mehr Menschen �ber die Kieswege zwischen den B�umen schlendern oder in Erf�llung ihrer Auftr�ge eilen, von Aes Sedai bis zu Stallburschen. Ein vollkommener Morgen und ein hervorragender Platz, um unbemerkt zu beobachten. Vielleicht w�rde sie heute auch etwas Brauchbares aus der Zukunft sehen.</p><p>�Elmindreda?� Min fuhr hoch und mu�te sich dann einen gestochenen Finger in den Mund stecken. Sie drehte sich auf der Bank um und wollte Gawyn ausschimpfen, weil er sich so an sie angeschlichen hatte, doch die Worte erstarben ihr im Mund. Galad befand sich bei ihm. Er war gr��er als Gawyn, hatte lange Beine und bewegte sich mit der Grazie eines T�nzers, dabei aber auf eine sehnige Art kraftvoll. Auch seine H�nde waren lang, elegant und doch stark. Und sein Gesicht... Er war ganz einfach der sch�nste Mann, den sie je gesehen hatte.</p><p>�H�r auf, an deinem Finger zu lutschen�, sagte Gawyn grinsend. �Wir wissen, da� du ein h�bsches, kleines M�dchen bist. Du mu�t es uns nicht beweisen.� Sie err�tete und nahm schnell den Finger aus dem Mund. Sie konnte gerade noch einen w�tenden Blick unterdr�cken, der ganz und gar nicht dem Charakter Elmindredas entsprochen h�tte. Er hatte keine Drohungen oder Befehle der Amyrlin ben�tigt, um ihr Geheimnis zu wahren. Sie hatte ihn nur einfach darum bitten m�ssen. Doch er ben�tzte jede m�gliche Gelegenheit, um sie damit aufzuziehen. �Es ist nicht sch�n, sich �ber jemanden lustig zu machen, Gawyn�, sagte Galad. �Er wollte Euch nicht kr�nken, Frau Elmindreda. Verzeiht, aber kann es sein, da� wir uns schon einmal kennengelernt haben? Als Ihr Gawyn eben so finster angeblickt habt, hatte ich das Gef�hl, Euch zu kennen.� Min senkte scheu den Blick. �Oh, ich k�nnte es niemals vergessen, wenn ich <emphasis>Euch</emphasis> kennengelernt h�tte, Lord Galad�, sagte sie in ihrem besten Dummchen-Tonfall. Das und dazu der �rger �ber ihre Unaufmerksamkeit lie�en eine Hitzewelle bis an ihre Haarspitzen aufsteigen, was ihr T�uschungsman�ver nur unterstrich.</p><p>Sie sah ja v�llig ver�ndert aus, wobei Kleid und Frisur nur einen Teil der Ver�nderungen darstellten. Leane hatte in der Stadt Cremes und Puder und eine unglaubliche Anzahl von geheimnisvoll duftenden Sachen aufgetrieben und sie in deren Gebrauch unterwiesen, bis sie alles im Schlaf beherrschte. Nun hatte sie betonte Wangenknochen und mehr Farbe auf den Lippen, als die Natur ihr mitgegeben hatte. Eine dunkle Creme, mit der sie ihre Augenlider umrahmt hatte, und ein feiner Puder zur Hervorhebung ihrer Wimpern lie�en die Augen gr��er erscheinen. Das war ganz und gar nicht sie selbst. Ein paar Novizinnen hatten ihr bewundernd gesagt, wie sch�n sie sei, und sogar einige Aes Sedai hatten sie als �sehr h�bsches Kind� bezeichnet. Das war ihr entschieden zuwider. Sie gab ja zu, da� es ein h�bsches Kleid war, aber den Rest konnte sie nicht ausstehen. Doch nat�rlich hatte eine Verkleidung keinen Zweck, die man nicht aufrechterhielt.</p><p>�Ich bin sicher, da� du dich daran erinnern w�rdest�, sagte Gawyn trocken. �Ich wollte dich nicht bei deiner Stickerei st�ren � Schwalben, nicht wahr? <emphasis>Gelbe</emphasis> Schwalben?� Min steckte den Rahmen in den Korb zur�ck. �Aber ich wollte dich eigentlich bitten, mir dazu etwas zu sagen.� Er dr�ckte ihr ein kleines, ledergebundenes, altes und zerfleddertes Buch in die Hand, und mit einemmal klang seine Stimme ernst. �Sag meinem Bruder, da� es Unsinn ist. Vielleicht h�rt er auf dich.� Sie betrachtete das Buch. <emphasis>Der Weg des Lichts</emphasis> von Lothair Mantelar. Sie �ffnete es und las aufs Geratewohl. �Schw�rt deshalb allem Vergn�gen ab, denn G�te ist ein reines Abstraktum, ein vollkommenes, kristallreines Ideal, das von jedem niederen Gef�hl getr�bt wird. Pflegt nicht das Fleisch. Das Fleisch ist schwach, doch der Geist ist stark. Das Fleisch ist nutzlos, w�hrend der Geist stark ist. Der richtige Gedanke ertrinkt in Gef�hlen, und die richtige Handlungsweise wird von Leidenschaften behindert. Findet Freude am Richtigen und nur am Richtigen.� Das schien wirklich ein trockener Unsinn zu sein.</p><p>Min l�chelte Gawyn an und brachte sogar ein Kichern fertig. �So viele Worte. Ich f�rchte, ich verstehe nichts von B�chern, Lord Gawyn. Ich wollte aber immer schon eins lesen � wirklich.� Sie seufzte. �Aber ich habe so wenig Zeit. Nur allein schon meine Frisur aufzufrischen dauert Stunden. Findet Ihr sie h�bsch?� Die v�llige Verbl�ffung in seinem Gesichtsausdruck h�tte sie beinahe zum Lachen gebracht, aber sie lie� es gerade noch zu einem Kichern abgleiten. Es war ein Vergn�gen, bei ihm einmal den Spie� umzudrehen. Das mu�te sie �fter versuchen. Es lagen doch wohl M�glichkeiten in dieser Verkleidung, an die sie noch gar nicht gedacht hatte. Ihr Verbleiben in der Burg war zu einer Zeit der Langeweile und wachsenden Nervosit�t geworden. Sie hatte sich ein wenig Vergn�gen verdient.</p><p>�Lothair Mantelar�, sagte Gawyn stockend, �war der Begr�nder der Kinder des Lichts. Der Wei�m�ntel!� �Er war ein gro�er Mann�, sagte Galad entschieden. �Ein Philosoph der noblen Ideale. Wenn die Kinder des Lichts im Laufe der Zeit ein wenig... �ber das Ziel hinausgeschossen sind, so �ndert das nichts daran.� �O je, Wei�m�ntel�, gab Min atemlos von sich und schauderte auch noch leicht dabei. �Das sind M�nner mit so rauhen Sitten, wie ich h�re. Ich kann mir keinen Wei�mantel beim Tanzen vorstellen. Glaubt Ihr, da� es hier irgendeine M�glichkeit gibt, einmal tanzen zu gehen? Aes Sedai halten wohl auch nichts davon, und ich liebe das Tanzen doch so.� Die Frustration in Gawyns Blick war einfach k�stlich.</p><p>�Ich glaube nicht�, sagte Galad und nahm ihr das Buch wieder ab. �Aes Sedai sind mit... ihren eigenen Angelegenheiten besch�ftigt. Wenn ich von einer passenden Tanzveranstaltung in der Stadt h�re, werde ich Euch hinbegleiten, falls Ihr das w�nscht. Ihr m��t keine Angst haben, von diesen beiden ungehobelten Kerlen bel�stigt zu werden.� Er l�chelte sie an, allerdings v�llig unbewu�t, und ihr blieb pl�tzlich wirklich die Luft weg.</p><p>Man sollte M�nnern kein solches L�cheln gestatten.</p><p>Sie brauchte einen ganzen Augenblick, bis ihr klar wurde, welche ungehobelten Kerle er meinte: die beiden M�nner, die angeblich um Elmindredas Hand angehalten hatten und sich beinahe duelliert h�tten, weil sie sich nicht entscheiden konnte und immer wieder beiden Mut machte. Sie hatten sie � angeblich � so bedr�ngt, da� sie in der Burg Zuflucht gesucht hatte. Das war ja die ganze Ausrede, mit der sie ihre Anwesenheit hier erkl�rte. <emphasis>Es ist dieses Kleid,</emphasis> sagte sie sich. <emphasis>Ich k�nnte klarer denken, wenn ich meine normale Kleidung anh�tte.</emphasis></p><p>�Mir ist aufgefallen, da� die Amyrlin jeden Tag mit dir spricht�, sagte Gawyn pl�tzlich. �Hat sie unsere Schwester Elayne erw�hnt? Oder Egwene al'Vere? Hat sie irgend etwas davon erw�hnt, wo sie sich aufhalten?� Min w�nschte sich, sie k�nnte ihm ein blaues Auge verpassen. Er wu�te nat�rlich nicht, warum sie vorgab, jemand anderes zu sein, aber er hatte versprochen, ihr bei ihrer Tarnung als Elmindreda behilflich zu sein, und nun sprach er von ihr und gerade jenen Frauen, von deren Freundschaft zu Min schon zu viele in der Burg wu�ten. �Oh, die Amyrlin ist eine so wundervolle Frau�, sagte sie s��lich. Sie fletschte die Z�hne zu einem gequ�lten L�cheln. �Sie fragt mich immer, wie ich meine Zeit verbringe und macht mir Komplimente �ber meine Kleidung. Ich denke, sie hofft, ich werde mich nun bald entweder f�r Darvan oder Goemal entscheiden, aber ich kann einfach nicht.� Sie ri� die Augen ein wenig auf und hoffte, so einen hilflosen und verwirrten Eindruck zu machen. �Sie sind beide so s��. Von wem habt Ihr gesprochen? Von Eurer Schwester, Lord Gawyn? Der Tochter-Erbin? Ich glaube nicht, da� die Amyrlin sie jemals erw�hnt hat. Wie war doch gleich der andere Name?� Sie h�rte, wie Gawyn mit den Z�hnen knirschte.</p><p>�Wir sollten Frau Elmindreda nicht mit so etwas bel�stigen�, sagte Galad. �Das ist unser Problem, Gawyn. Es ist an uns, die L�ge zu durchschauen und damit fertigzuwerden.� Sie h�rte kaum hin, denn pl�tzlich starrte sie einen hochgewachsenen Mann mit dunklen, in Locken bis auf seinen herabh�ngenden Schultern fallenden Haaren an, der unter dem wachsamen Blick einer Aufgenommenen ziellos den Kiesweg unter den B�umen entlangschlenderte. Sie hatte Logain schon �fters gesehen, einen fr�her einmal starken Mann mit traurigem Gesicht, der sich immer in Begleitung einer Aufgenommenen befand. Die Frau sollte ihn sowohl davon abhalten, Selbstmord zu begehen, wie auch sein Entkommen verhindern. Doch trotz seiner K�rperma�e schien er nichts dergleichen vorzuhaben. Aber sie hatte noch nie einen solchen strahlenden Schein um seinen Kopf herum wahrgenommen � leuchtendes Gold und Blau. Er war nur einen Augenblick lang zu sehen, doch das gen�gte.</p><p>Logain hatte sich einst zum Wiedergeborenen Drachen ausrufen lassen, war gefangen und einer D�mpfung unterzogen worden. Aller Ruhm, den er sich als falscher Drache erworben haben mochte, lag jetzt weit hinter ihm. Alles, was ihm blieb, war die Verzweiflung der ihrer Kr�fte Beraubten, so als habe man ihnen Augenlicht, Geh�r und Geschmackssinn auf einmal genommen, die sterben wollten, die nur noch auf den Tod warteten, der unweigerlich nach wenigen Jahren kommen w�rde. Er blickte sie an. Wahrscheinlich nahm er sie dabei gar nicht wahr, denn sein Blick war hoffnungslos nach innen gerichtet. Warum also hatte er diese Aura um seinen Kopf getragen, die von Ruhm und kommender Macht sprach? Das war etwas, was sie der Amyrlin berichten mu�te.</p><p>�Armer Kerl�, murmelte Gawyn. �Ich kann mir nicht helfen, ich habe Mitleid mit ihm. Licht, es w�re eine Gnade, w�rde man ihn selbst ein Ende machen lassen. Warum zwingen sie ihn zum Weiterleben?� �Er verdient keine Gnade�, verk�ndete Galad. �Hast du vergessen, was er war und was er tat? Wie viele Tausende starben, bis er gefa�t wurde? Wie viele St�dte wurden niedergebrannt? La� ihn weiterleben als Mahnung an andere.� Gawyn nickte z�gernd. �Und doch folgten ihm die Menschen. Einige dieser St�dte wurden zerst�rt, weil sie zu ihm gehalten hatten.� �Ich mu� gehen�, sagte Min und stand auf.</p><p>Galad war augenblicklich ganz der Hilfsbereite: �Vergebt uns, Frau Elmindreda. Wir wollten Euch nicht �ngstigen. Logain kann Euch nichts antun. Das versichere ich Euch.� �Ich... Ja, er gab mir ein Gef�hl von Schw�che. Entschuldigt mich nun bitte. Ich mu� wirklich gehen und mich eine Weile hinlegen.� Gawyn blickte h�chst skeptisch drein, aber er nahm ihren Korb, bevor sie ihn selbst in die Hand nehmen konnte. �Ich werde dich wenigstens ein St�ck weit begleiten�, sagte er mit �bertriebener R�cksicht. �Dieser Korb mu� ja viel zu schwer f�r dich sein, so schwindlig, wie dir ist. Ich will doch nicht, da� du ins Taumeln kommst.� Sie h�tte am liebsten den Korb genommen und ihm �ber den Kopf gehauen, aber das pa�te nat�rlich nicht zu �Elmindreda�. �Oh, danke vielmals, Lord Gawyn. Ihr seid so nett zu mir. So nett. Nein, nein, Lord Galad. Ich will nicht auch noch Euch beiden ein Klotz am Bein sein. Setzt Euch nur hin und lest Euer Buch. Bitte, sagt mir, da� Ihr das tun wollt. Ich k�nnte etwas anderes nicht ertragen.� Sie klimperte mit den Wimpern.</p><p>Irgendwie schaffte sie es, Galad dazu zu bewegen, auf der Marmorbank Platz zu nehmen, und zu entkommen, allerdings in Begleitung Gawyns. Ihr Rock irritierte sie. Sie wollte ihn am liebsten bis zum Knie anheben und weglaufen, aber Elmindreda w�rde eben niemals rennen und auch nicht soviel von ihren Beinen enth�llen, au�er beim Tanz. Laras hatte sie sehr ernsthaft darauf hingewiesen. Wenn sie sich nur einmal beim Laufen erwischen lie�, w�rde sie damit das sorgf�ltig aufgebaute Bild von Elmindreda v�llig zerst�ren. Und Gawyn...!</p><p>�Gib mir den Korb, du Gehirnmuskelabrobat�, fauchte sie, sobald sie au�er Sichtweite Galads waren. Sie ri� ihm den Korb aus der Hand, bevor er ihn ihr reichen konnte. �Was soll denn das, mich vor ihm �ber Elayne und Egwene ausfragen zu wollen? Elmindreda hat sie niemals kennengelernt. Elmindreda interessiert sich nicht f�r sie. Elmindreda will nicht im gleichen Atemzug wie sie genannt werden! Kannst du das nicht kapieren?� �Nein�, sagte er. �Du erkl�rst mir ja nichts. Aber es tut mir leid.� In seinem Tonfall lag kaum genug Reue, um sie zu bes�nftigen. �Ich bin eben besorgt. Wo sind sie blo�? Diese Nachrichten, die den Flu� hoch gekommen sind ��ber einen falschen Drachen in Tear �, machen mir das Herz noch schwerer. Sie befinden sich irgendwo dort drau�en, das Licht wei� wo, und ich frage mich immerzu, ob sie in einen �hnlichen Feuersturm geraten werden, wie ihn Logain in Ghealdan entfacht hat.� �Und wenn er kein falscher Drache ist?� fragte sie vorsichtig.</p><p>�Du meinst, weil man sich auf der Stra�e erz�hlt, er habe den Stein von Tear eingenommen? Ger�chte �bertreiben immer. Ich glaube das erst, wenn ich es sehe, und um mich zu �berzeugen, ist ein wenig mehr n�tig. Selbst der Stein kann einmal fallen. Licht, ich glaube eigentlich nicht, da� sich Elayne und Egwene in Tear aufhalten, aber es fri�t mich auf wie S�ure, da� ich nichts von ihnen wei�. Wenn ihr etwas passiert ist... � Min wu�te nicht, welche der beiden er mit �ihr� meinte, doch sie vermutete, es sei ihm selbst nicht klar. Trotz aller seiner Man�ver, um sie zu �rgern, schlo� sie ihn in diesem Augenblick ins Herz, doch �ndern konnte sie nichts. �Wenn du nur wenigstens genau machst, was ich dir sage, und... � �Ich wei�: der Amyrlin vertraust. Vertrauen!� Er atmete langgezogen aus. �Wei�t du, da� Galad in den Tavernen der Stadt mit Wei�m�nteln geredet und getrunken hat? Jeder kann die Br�cken �berqueren, wenn er in Frieden kommt; sogar die verfluchten Kinder des Lichts.� �Galad?� fragte sie ungl�ubig. �In Tavernen? Trinken?� �Nicht mehr als ein oder zwei Becher, da bin ich sicher. Mehr w�rde er niemals trinken, nicht einmal an seinem Namenstag.� Gawyn zog die Stirn kraus. Anscheinend war ihm selbst nicht klar, ob er damit Galad kritisiert hatte oder nicht: �Der springende Punkt ist aber, da� er sich mit Wei�m�nteln unterhalten hat. Und nun noch dieses Buch. Der Widmung nach zu schlie�en, hat Eamon Valda selbst es ihm gegeben. �In der Hoffnung, da� Ihr den Weg findet.� Valda, Min! Der Mann, unter dessen Befehl die Wei�m�ntel auf der anderen Seite der Br�cken stehen. Die Ungewi�heit fri�t auch Galad auf. Auf Wei�m�ntel zu h�ren... ! Wenn unserer Schwester oder Egwene irgend etwas zust��t... � Er sch�ttelte den Kopf. �Wei�t du, wo sie sind, Min? W�rdest du es mir anvertrauen? Warum diese Verkleidung?� �Weil ich mit meiner Sch�nheit zwei M�nner verr�ckt gemacht habe und mich zwischen ihnen nicht entscheiden kann�, teilte sie ihm in bei�endem Ton mit.</p><p>Er lachte bitter auf und verbarg schnell die Bitterkeit hinter einem Grinsen. �Na ja, wenigstens das kann ich verstehen.� Nun schmunzelte er und hob mit seinem Zeigefinger ihr Kinn an. �Du bist ein h�bsches M�dchen, Elmindreda. Ein h�bsches und kluges kleines M�dchen.� Sie ballte eine Faust und versuchte, ihm aufs Auge zu schlagen, doch er t�nzelte r�ckw�rts, und sie stolperte �ber ihren Rock und w�re beinahe gest�rzt. �Du verdammter Ochse von einem hirnlosen Kerl!� grollte sie.</p><p>�Welch grazi�se Bewegung, Elmindreda�, lachte er. �Diese zauberhafte Stimme, wie eine Nachtigall, wie eine Turteltaube am Abend! Welcher Mann k�me nicht ins Tr�umen, wenn er Elmindreda sieht?� Das Vergn�gen glitt von seinem Gesicht ab und er sah ihr ernst in die Augen. �Wenn du irgend etwas in Erfahrung bringst, la� es mich bitte wissen. Bitte! Ich bitte dich auf Knien, Min!� �Ich werde es dir sagen�, antwortete sie. <emphasis>Wenn ich kann. Wenn es ihnen nicht schadet. Licht, wie ich diesen Ort hasse. Warum kann ich nicht zu Rand zur�ckgehen?</emphasis></p><p>Sie lie� Gawyn stehen und ging allein in das Wohngeb�ude der Burg. Sie sah sich wachsam um, ob eine Aes Sedai oder eine Aufgenommene in der N�he sei, die sie vielleicht fragen k�nnte, warum sie hochgehe und nicht im Erdgescho� blieb und wohin sie wolle. Was sie an Logain beobachtet hatte, war zu wichtig, um darauf zu warten, da� die Amyrlin ihr angeblich ganz zuf�llig am sp�ten Nachmittag erst begegnete. Zumindest redete sie sich das ein. Die Ungeduld lie� sie fast aus der Haut fahren.</p><p>Sie sah nur ein paar Aes Sedai, die entweder weit vor ihr um irgendeine Ecke kamen oder ein entferntes Zimmer betraten. Das war erfreulich. Niemand kam einfach vorbei, um der Amyrlin einen Besuch abzustatten. Die Handvoll Dienerinnen, die an ihr vorbeieilten und ihrer Arbeit nachgingen, stellten ihr selbstverst�ndlich keine Fragen, warfen ihr nicht einmal einen Blick nach, wenn sie ganz kurz vor ihr geknickst hatten, ohne im Schritt richtig innezuhalten.</p><p>Sie �ffnete die T�r zum Arbeitsbereich der Amyrlin und hatte sich schon eine Geschichte zurechtgelegt, falls sich jemand Fremdes bei Leane aufhielt. Doch das Vorzimmer war leer. So eilte sie zur Innent�r und steckte den Kopf hinein. Die Amyrlin und die Beh�terin sa�en sich an Siuans Tisch gegen�ber, der mit schmalen, d�nnen Papierstreifen �bers�t war. Ihre K�pfe drehten sich abrupt ihr zu und die Blicke trafen sie wie vier N�gel, die man in sie h�mmerte.</p><p>�Was tust du hier?� fauchte die Amyrlin. �Du sollst das dumme M�dchen spielen, das hier Zuflucht sucht, und nicht meine Jugendfreundin. Es darf keinen Kontakt zwischen uns geben, au�er ganz fl�chtigen Zusammentreffen. Wenn n�tig, werde ich Laras Anweisung erteilen, da� sie dich wie eine Kinderschwester �berwacht. Das w�rde ihr Spa� machen, glaube ich, aber dir vermutlich nicht.� Min schauderte bei dem Gedanken daran. Pl�tzlich erschien ihr Logain nicht mehr so dringend. Es war kaum denkbar, da� er in den n�chsten Tagen bereits zu neuem Ruhm und Ehre gelangen sollte. Er war eigentlich nicht der Grund, aus dem sie gekommen war. Nur eine Ausrede, doch jetzt w�rde sie keinen R�ckzieher mehr machen. So schlo� sie die T�r hinter sich und stammelte etwas von dem heraus, was sie gesehen hatte und was es bedeuten mochte. Sie f�hlte sich noch immer nicht wohl, wenn Leane anwesend war.</p><p>Siuan sch�ttelte m�de den Kopf. �Noch etwas, um sich Gedanken dar�ber zu machen. Hungersnot in Cairhien. Eine Schwester in Tarabon vermi�t. Die Trolloc-�berf�lle in den Grenzlanden nehmen wieder zu. Dieser Narr, der sich Prophet nennt, sorgt f�r blutige Unruhen in Ghealdan. Er predigt ganz offensichtlich, da� der Drache als schienarischer Lord wiedergeboren wurde�, sagte sie skeptisch. �Selbst die kleinen Dinge stellen sich als schlimm heraus. Der Krieg in Arad Doman hat den Handel aus Saldaea zum Erliegen gebracht, und die Folge sind Unruhen in Maradon. Es kann sogar geschehen, da� deshalb Tenobia den Thron aufgeben mu�. Die einzige positive Botschaft, die ich erhalten habe, ist die, da� sich aus irgendeinem Grund die Grenze der F�ule zur�ckverlagert hat. Zwei Meilen oder mehr an gr�nen Pflanzen jenseits der Grenzpfosten, ohne ein Anzeichen von Verfall oder Pestilenz, und zwar von Saldaea bis hinauf nach Schienar. Das ist das erste Mal seit Menschengedenken! Aber ich f�rchte, auf die guten Nachrichten folgen immer die schlechten. Wenn ein Boot einmal ein Leck hat, hat es auch noch mehr. Ich w�nschte nur, das w�rde sich wenigstens im Gleichgewicht halten. Leane, gib Logain eine st�rkere Bewachung mit. Ich kann mir nicht vorstellen, welche Schwierigkeiten er uns jetzt bereiten k�nnte, aber ich lege gar keinen Wert darauf, es herauszufinden.� Sie wandte diesen durchbohrenden Blick aus blauen Augen wieder Min zu. �Warum bist du hier heraufgeflattert wie eine aufgescheuchte M�we? Das mit Logain h�tte noch Zeit gehabt. Der Mann wird wohl kaum vor Sonnenuntergang zu Ruhm und Ehre kommen.� Dieses Echo ihrer eigenen Gedanken lie� Min unangenehm ber�hrt von einem Fu� auf den anderen treten. �Ich wei߫, sagte sie. Leanes Augenbrauen zogen sich drohend hoch und sie f�gte ein schnelles �Mutter� hinzu. Die Beh�terin nickte zustimmend.</p><p>�Das war aber noch keine Begr�ndung, Kind�, meinte Siuan.</p><p>Min ri� sich zusammen. �Mutter, nichts von dem, was ich seit dem ersten Tag gesehen habe, ist sehr wichtig gewesen. Ich habe bestimmt nichts vorhergesehen, was auf die Schwarzen Ajah hinwies.� Bei der Bezeichnung lief es ihr immer noch eiskalt den R�cken herunter. �Ich habe Euch alles dar�ber gesagt, welches Ungl�ck Euch Aes Sedai treffen wird, und der ganze Rest ist nutzlos.� Sie mu�te erst einmal innehalten und schlucken. Dieser durchdringende Blick machte sie nerv�s. �Mutter, es gibt keinen Grund, warum ich nicht fort k�nnte. Und es gibt Gr�nde daf�r, warum ich gehen sollte. F�r Rand ist es mehr als n�tzlich, was ich voraussehen kann. Falls er wirklich den Stein eingenommen hat... Mutter, er wird mich brauchen!� <emphasis>Zumindest brauche ich ihn! Was f�r eine dumme Gans ich doch bin!</emphasis></p><p>Die Beh�terin schauderte ganz offen bei der Erw�hnung von Rands Namen. Siuan andererseits schnaubte laut. �Deine Voraussagen haben sich als sehr n�tzlich erwiesen. Es ist wichtig, �ber Logain Bescheid zu wissen. Du hast einen Dieb erwischt, bevor irgend jemand anders in Verdacht kommen konnte. Und diese feuerhaarige Novizin, die sich beinahe h�tte schw�ngern lassen...! Sheriam hat das unterbunden. Das M�dchen wird nicht einmal mehr an M�nner denken, bis sie ihre Ausbildung beendet hat. Aber wir h�tten nicht Bescheid gewu�t, bevor es passiert w�re, wenn du nicht gewesen w�rst. Nein, du darfst nicht gehen. Fr�her oder sp�ter werden mir deine Visionen einen Weg zu den Schwarzen Ajah weisen, und bis dahin bist du immer noch dein Geld wert.� Min seufzte, und das nicht nur, weil die Amyrlin sie dabehalten wollte. Als sie die rothaarige Novizin das letzte Mal gesehen hatte, hatte das M�dchen sich gerade mit einem kr�ftigen Wachsoldaten in ein kleines Waldst�ck zur�ckgezogen. Sie w�rden heiraten, wahrscheinlich sogar noch vor Ende des Sommers. Das hatte Min gesehen, sobald sie die beiden zusammen erblickte. Die Burg lie� wohl niemals eine Novizin vor Ende ihrer Ausbildung gehen, selbst wenn kaum noch Fortschritte zu erwarten waren, aber in der Zukunft des Paares lagen ein Bauernhof und eine Schar Kinder. Es war allerdings sinnlos, der Amyrlin auch das mitzuteilen.</p><p>�K�nntet Ihr nicht wenigstens Gawyn und Galad wissen lassen, da� Egwene und ihre Schwester in Sicherheit sind, Mutter?� Ihre eigene Frage irritierte sie, genauso wie ihr Tonfall dabei. Es war, als bettle ein Kind um einen Keks, nachdem ihm ein St�ck Kuchen verweigert worden war. �Sagt Ihnen doch wenigstens etwas anderes als diese l�cherliche Geschichte, da� sie Strafdienst auf einem Bauernhof leisten m�ssen.� �Ich habe dir doch gesagt, da� dich das nichts angeht. Ich will das nicht noch einmal wiederholen.� �Sie glauben das doch genausowenig wie ich�, brachte Min heraus, bevor das trockene L�cheln der Amyrlin ihr die weiteren Worte im Hals ersterben lie�. Das L�cheln wirkte �berhaupt nicht am�siert.</p><p>�Du schl�gst also vor, ich soll etwas anderes sagen, wo sie sich aufhalten? Nachdem ich jedem erz�hlt habe, sie bef�nden sich auf einem Bauernhof? Glaubst du nicht, das w�rde einigen zu denken geben? Jeder au�er diesen Jungen akzeptiert die Geschichte. Und au�er dir. Nun, Coulin Gaidin wird einfach h�rter mit ihnen arbeiten m�ssen. Ein Muskelkater und genug Schwei� wird die meisten M�nner von allen anderen Problemen ablenken. Auch bei Frauen wirkt das. Stell mir noch viele Fragen, und ich werde sehen, ob ein paar Tage T�pfe schrubben dir nicht guttun. Besser ein paar Tage auf deine Dienste verzichten, als da� du deine Nase st�ndig in Dinge steckst, die dich nichts angehen.� �Ihr wi�t noch nicht einmal, ob sie in Schwierigkeiten stecken oder nicht. Oder Moiraine.� Sie meinte aber in Wirklichkeit nicht Moiraine damit.</p><p>�M�dchen�, sagte Leane warnend, aber Min lie� sich jetzt nicht aufhalten.</p><p>�Warum haben wir nichts von ihnen geh�rt? Die Ger�chte sind schon vor zwei Tagen bis hierher gedrungen. Zwei Tage! Warum enth�lt keiner dieser Fetzen auf Eurem Tisch eine Nachricht von ihr? Hat sie keine Tauben? Ich glaubte, Ihr Aes Sedai h�ttet �berall Eure Leute mit Brieftauben sitzen. Wenn das in Tear nicht der Fall ist, sollte man schleunigst jemanden hinschicken. Selbst ein Reiter h�tte mittlerweile Tar Valon von dort aus erreicht. Warum... � Das Klatschen von Siuans Handfl�che auf den Tisch lie� sie abbrechen. �Du gehorchst erstaunlich gut�, sagte sie trocken. �Kind, bis wir das Gegenteil h�ren, m�ssen wir annehmen, da� es dem jungen Mann gutgeht. Bete darum, ja?� Leane schauderte wieder. �Es gibt ein Sprichwort im Mauleviertel, Kind�, fuhr die Amyrlin fort. ��Sorge dich nicht, bevor die Sorgen dich plagen.� Merk dir das gut, Kind.� Es klopfte sch�chtern an die T�r.</p><p>Die Amyrlin und die Beh�terin tauschten einen Blick, und dann sahen beide Min an. Ihre Gegenwart stellte ein Problem dar. Es gab keinen Fleck, wo sie sich h�tte verstecken k�nnen. Selbst der gesamte Balkon war vom Zimmer aus einsehbar.</p><p>�Ein Grund, warum du dich hier befinden k�nntest, ohne deshalb mehr als das n�rrische M�dchen darzustellen, als das du hier bekannt bist. Leane, stell dich schon mal an die T�r.� Sie und die Beh�terin standen gleichzeitig auf. Siuan kam um den Tisch herum auf Min zu, w�hrend Leane zur T�r ging. �Setz dich auf Leanes Stuhl, M�dchen. Beweg dich, Kind, los! Jetzt schmolle ein wenig. Nicht w�tend dreinblicken � nur schmollen. Dr�cke die Unterlippe heraus und blicke zu Boden. Ich will m�glicherweise, da� du dir B�nder ins Haar steckst � breite, rote B�nder... Gut so. Leane.� Die Amyrlin st�tzte die F�uste auf die H�ften und erhob die Stimme: �Und wenn du noch einmal unangemeldet hereinschneist, Kind, werde ich... � Leane �ffnete die T�r, und dahinter stand eine dunkelhaarige Novizin, die zusammenzuckte, als sie Siuans anhaltende Tirade h�rte, und die dann tief knickste. �Botschaften f�r die Amyrlin, Aes Sedai�, quiekte das M�dchen �ngstlich. �Zwei Tauben sind im Schlag angekommen.� Es war eine von denen, die Min ihrer Sch�nheit wegen bewundert hatten, und sie bem�hte sich, an der Beh�terin mit weit aufgerissenen Augen neugierig vorbeizuschauen.</p><p>�Das geht dich nichts an, Kind�, sagte Leane kurz angebunden und nahm dem M�dchen die kleinen Knochenh�lsen aus der Hand. �Zur�ck zum Taubenschlag mit dir.� Bevor die Novizin sich wieder erhoben hatte, schlo� Leane die T�r. Dann lehnte sie sich erstmal seufzend an die Wand. �Ich bin bei jedem unerwarteten Ger�usch hochgefahren, seit Ihr mir gesagt habt... � Sie richtete sich auf und kam zum Tisch zur�ck. �Zwei weitere Botschaften, Mutter. Soll ich...?� �Ja. �ffne sie�, sagte die Amyrlin. �Zweifellos hat sich Morgase entschlossen, doch noch Cairhien zu �berfallen. Oder die Trollocs haben die Grenzlande �berrannt. Das w�rde ja zu allem anderen passen.� Min blieb sitzen. Einige von Siuans Drohungen hatten zu realistisch geklungen.</p><p>Leane untersuchte das rote Wachssiegel am Ende einer der kleinen H�lsen. Sie waren nicht gr��er als das letzte Glied ihres Fingers. Dann brach sie die H�lse mit einem Daumennagel auf, nachdem sie sicher war, da� niemand die Siegel manipuliert hatte. Mit einer feinen Elfenbeinpinzette holte sie das zusammengerollte St�ck Papier heraus. �Beinahe so schlimm wie das mit den Trollocs, Mutter�, sagte sie, kaum da� sie mit Lesen begonnen hatte. �Mazrim Taim ist entkommen.� �Licht!� rief Siuan. �Wie?� �Hier steht nur, da� er heimlich bei Nacht befreit wurde, Mutter. Zwei Schwestern sind tot.� �Das Licht leuchte ihren Seelen. Aber wir haben keine Zeit, um die Toten zu trauern, w�hrend Taim und Konsorten frei sind und der D�mpfung bed�rfen. Wo, Leane?� �Denhuir, Mutter. Ein Dorf �stlich der Schwarzen H�gel an der Stra�e nach Maradon, unweit der Quellen des Antaeo und des Luan.� �Es m�ssen seine Anh�nger gewesen sein. Narren. Warum geben sie sich nicht geschlagen? W�hle ein Dutzend verl��liche Schwestern aus, Leane... � Die Amyrlin verzog das Gesicht. �Verl��lich�, murmelte sie. �Wenn ich nur w��te, wer hier verl��licher ist als eine Forelle, h�tte ich nicht die gleichen Probleme. Tu dein Bestes, Leane. Ein Dutzend Schwestern. Und f�nfhundert Gardesoldaten. Nein, volle tausend.� �Mutter�, sagte die Beh�terin besorgt. �Die Wei�m�ntel... � �... w�rden sich nicht einmal trauen, die Br�cken zu �berqueren, wenn ich sie v�llig unbewacht lie�e. Sie w�rden dann glauben, es sei eine Falle. Man kann �berhaupt nicht vorhersagen, was dort vor sich geht, Leane. Ich m�chte, da� alle, die ich hinschicke, auf das Schlimmste vorbereitet sind. Und, Leane... Mazrim Taim mu� einer D�mpfung unterzogen werden, sobald man ihn wieder gefa�t hat.� Leane ri� die Augen vor Schreck auf. �Das Gesetz!� �Ich kenne das Gesetz genauso gut wie du, aber ich riskiere nicht, da� man ihn noch einmal befreit, w�hrend er seine vollen Kr�fte besitzt. Ich werde keinen weiteren Guaire Amalasan mehr aufkommen lassen, und das neben all dem anderen, was wir am Hals haben.� �Ja, Mutter�, sagte Leane ergeben.</p><p>Die Amyrlin nahm die zweite Knochenh�lse in die Hand und brach sie mit einem scharfen Knacken auseinander, um die Nachricht herausnehmen zu k�nnen. �Endlich gute Neuigkeiten�, hauchte sie und auf ihrem Gesicht erbl�hte ein leichtes L�cheln. �Gute Nachrichten. �Die Schleuder wurde ben�tzt. Der Sch�fer h�lt das Schwert.�� �Rand?� fragte Min und Siuan nickte.</p><p>�Nat�rlich, M�dchen. Der Stein ist gefallen. Rand al'Thor, der Schafhirte, hat <emphasis>Callandor.</emphasis> Jetzt bin ich am Zug, Leane. Ich will, da� der Burgrat heute nachmittag zusammenkommt. Nein, heute morgen noch.� �Ich verstehe das nicht�, sagte Min. �Ihr wu�tet doch, da� die Ger�chte von Rand sprachen. Warum beruft Ihr nun den Rat ein? Was k�nnt Ihr tun, was Ihr vorher nicht konntet?� Siuan lachte wie ein junges M�dchen. �Was ich jetzt tun kann, ist, ihnen geradeheraus erkl�ren, da� ich von einer Aes Sedai erfahren habe: Der Stein von Tear ist gefallen, und ein Mann h�lt <emphasis>Callandor</emphasis> in H�nden. Die Prophezeiung ist erf�llt. Jedenfalls in ausreichendem Ma�e, um meinen Zwecken zu dienen. Der Drache ist wiedergeboren. Sie werden zusammenzucken, sie werden sich streiten, aber keine kann sich gegen meine Ank�ndigung stellen, da� die Burg diesen Mann f�hren mu�. Endlich kann ich �ffentlich zu ihm stehen. Zum Teil wenigstens.� �Tun wir wirklich das Richtige, Mutter?� fragte Leane mit einem Mal. �Ich wei�... Wenn er <emphasis>Callandor</emphasis> hat, mu� er der Wiedergeborene Drache sein. Aber er kann die Macht ben�tzen, Mutter. Ein Mann, der die Macht ben�tzt. Ich habe ihn nur einmal gesehen, aber selbst zu der Zeit war etwas Eigenartiges an ihm. Etwas mehr, als nur <emphasis>taveren</emphasis> zu sein. Mutter, unterscheidet er sich so sehr von Taim, wenn man es n�chtern betrachtet?� �Der Unterschied liegt darin, da� er der Wiedergeborene Drache ist, Tochter�, sagte die Amyrlin ruhig. �Taim ist ein Wolf und vielleicht sogar ein r�udiger. Rand al'Thor ist der Wolfshund, den wir ben�tzen werden, um den Schatten zu besiegen. Behalte seinen Namen f�r dich, Leane. Es ist am besten, nicht gleich zu vieles zu enth�llen.� �Wie Ihr meint, Mutter�, sagte die Beh�terin, aber es klang noch nicht �berzeugt.</p><p>�Raus mit dir. Ich will, da� der Rat in einer Stunde zusammentritt.� Siuan blickte nachdenklich der hochgewachsenen Frau hinterher. �Es k�nnte mehr Widerstand geben, als mir lieb ist�, sagte sie, nachdem die T�r zu war.</p><p>Min sah sie scharf an. �Ihr meint doch nicht etwa... � �Ach, nichts Ernstes, Kind. Nicht, solange sie keine Ahnung davon haben, wie lange ich schon in diese Sache mit dem al'Thor-Jungen verwickelt bin.� Sie betrachtete das Briefchen erneut und lie� es dann auf den Tisch fallen. �Ich w�nschte nur, da� Moiraine mir mehr mitgeteilt h�tte.� �Warum hat sie wohl nicht mehr geschrieben? Und warum haben wir nicht schon fr�her von ihr geh�rt?� �Noch mehr Fragen. Du mu�t sie Moiraine stellen. Sie ist schon immer ihren eigenen Weg gegangen. Frage Moiraine, Kind.� Sahra Covenry bewegte lustlos ihre Hacke und blickte finster auf die winzigen Fadenblatt- und Hahnenfu�sch��linge, die ihre K�pfe zwischen den Reihen von Kohlk�pfen und R�ben aus dem Boden streckten. Nicht, da� Frau Elward eine strenge Aufseherin w�re. Sie war bestimmt nicht strenger als Sahras Mutter und ganz sicher weniger streng als Sheriam, aber Sahra war nicht in die Wei�e Burg gegangen, um kurz nach Sonnenaufgang im Gem�sefeld Unkraut zu j�ten. Ihre wei�en Novizinnenkleider waren weggepackt. Sie trug braune Wollkleider, die auch ihre Mutter h�tte gen�ht haben k�nnen. Den Rock hatte sie bis zu den Knien hochgebunden, damit er nicht im Dreck schleifte. Es war alles so ungerecht. Sie hatte doch nichts getan.</p><p>Sie kr�mmte die Zehen im aufgew�hlten Boden und funkelte den hartn�ckigen Hahnenfu� an. Sie griff nach der Macht und wollte ihn aus dem Boden herausbrennen. Funken spr�hten um das Gew�chs mit den bereits kr�ftigen Bl�ttern herum, und es welkte dahin. Schnell schnitt sie den Strunk aus der Erde und aus ihrer Erinnerung. Wenn es noch irgendeine Gerechtigkeit auf der Welt gab, w�rde Lord Galad den Bauernhof auf einem Jagdausflug besuchen.</p><p>Sie st�tzte sich auf die Hacke und gab sich einem Tagtraum hin, in dem sie Lord Galads Verwundungen mit Hilfe der Macht heilte, nachdem er vom Pferd gest�rzt war. Das war nat�rlich nicht seine Schuld gewesen, denn er war ein wundervoller Reiter. Und dann hob er sie vor sich in den Sattel und erkl�rte, er wolle ihr Beh�ter sein, und sie w�re nat�rlich eine Gr�ne Ajah, und...</p><p>�Sahra Covenry?� Sahra fuhr ob des scharfen Zurufs zusammen, aber es war nicht Frau Elward. Sie knickste so gut wie bei ihrem hochgebundenen Rock m�glich. �Ich gr��e Euch, Aes Sedai. Seid Ihr gekommen, um mich zur Burg zur�ckzubringen?� Die Aes Sedai trat n�her heran und achtete nicht darauf, da� sie ihren Rock durch den Schmutz des Gem�sefelds schleifte. Trotz der sommerlichen W�rme dieses Morgens trug sie einen Umhang und hatte die Kapuze �bergezogen, damit ihr Gesicht im Schatten lag. �Bevor Ihr die Burg verlassen habt, brachtet Ihr doch eine Frau zur Amyrlin hinauf. Eine Frau, die sich Elmindreda nannte.� �Ja, Aes Sedai�, sagte Sahra. In ihrer Stimme schwang eine unausgesprochene Frage mit. Es gefiel ihr nicht, wie die Aes Sedai das gesagt hatte, als habe sie die Burg endg�ltig verlassen. �Sagt mir alles, was Ihr geh�rt und gesehen habt, M�dchen, von dem Moment an, als Euch diese Frau anvertraut wurde. Alles.� �Aber ich habe nichts geh�rt, Aes Sedai. Die Beh�terin hat mich weggeschickt, sobald...� Der Schmerz durchzuckte sie, lie� sie ihre Zehen im Boden vergraben und ihren R�cken versteifen. Der Krampf dauerte nur Augenblicke, schien ihr aber Ewigkeiten anzuhalten. Sie rang nach Luft, und dann wurde ihr klar, da� sie die Wange auf den Boden gepre�t und ihre immer noch zitternden Finger in die Erde verkrallt hatte. Sie erinnerte sich nicht einmal daran, gest�rzt zu sein. Sie bemerkte, da� Frau Elwards W�schekorb in der N�he des steinernen Bauernhauses umgekippt am Boden lag. Feuchte Leint�cher waren zuhauf hinausgefallen. Halb bet�ubt dachte sie, das sei doch eigenartig. Moria Elward w�rde doch nie ihre W�sche so liegen lassen.</p><p>�Alles, M�dchen�, sagte die Aes Sedai kalt. Sie stand nun �ber Sahra gebeugt und machte keine Anstalten, ihr zu helfen. Sie hatte sie verletzt, und das durfte eigentlich nicht sein. �Jede Person, mit der diese Elmindreda gesprochen hat, jedes Wort, das sie sagte, jede Nuance und jeden Gesichtsausdruck.� �Sie hat mit Lord Gawyn gesprochen, Aes Sedai�, schluchzte Sahra zum Erdboden gewandt. �Das ist alles, was ich wei�, Aes Sedai. Alles.� Sie begann, richtig zu weinen, weil sie sicher war, da� die Frau mit ihrer Antwort nicht zufrieden sein w�rde. Sie hatte recht. Lange Zeit h�rte ihr Schreien nicht auf, und als die Aes Sedai ging, h�rte man keinen Laut mehr aus der Umgebung des Bauernhauses bis auf das Gackern der H�hner � nicht einmal Atemger�usche.</p></section><section><title><p>18</p><p>In die Kurzen Wege</p></title><p>Perrin kn�pfte sich die Jacke zu und stand dann noch einen Augenblick lang da, um die Axt zu betrachten, die an der Wand befestigt hing, seit er sie aus der T�r herausgezogen hatte. Ihm pa�te der Gedanke �berhaupt nicht, sie wieder als Waffe zu tragen, aber er band den G�rtel vom Haken los und legte ihn sich trotzdem an. Den Hammer band er auf seine prall gef�llten Satteltaschen. Alsdann schulterte er Satteltaschen und Deckenrolle, nahm den gef�llten K�cher und holte seinen unbespannten Langbogen aus der Ecke hervor.</p><p>Die Hitze und das grelle Licht der aufgehenden Sonne drangen durch die engen Fenster�ffnungen. Das zerw�hlte Bett war das einzige Anzeichen daf�r, da� hier jemand gewohnt hatte. Das Zimmer machte einen verlassenen Eindruck, roch sogar irgendwie leer, obwohl er seinen K�rpergeruch noch auf den Bettlaken wittern konnte. Er blieb nirgendwo lange genug, da� ein solcher Raum etwas von seiner Pers�nlichkeit h�tte ausstrahlen k�nnen. Niemals lange genug, um Wurzeln zu schlagen, um ein Zimmer zu einem Heim zu machen. <emphasis>Na ja, ich gehe daf�r jetzt nach Hause. Er wandte dem unbelebten Zimmer den R�cken zu und ging hinaus.</emphasis></p><p>Gaul hatte vor einem Wandbehang gehockt, der Reiter auf der Jagd nach L�wen zeigte. Nun erhob er sich. Er trug bereits alle seine Waffen, dazu zwei lederne Wasserflaschen, und auf seinen R�cken hatte er neben das reichverzierte Lederfutteral f�r seinen Bogen noch eine zusammengerollte Decke und einen kleinen Kochtopf geschnallt. Er war allein.</p><p>�Die anderen?� fragte Perrin, und Gaul sch�ttelte den Kopf.</p><p>�Zu lange schon vom Dreifachen Land weg. Ich habe dich ja vorgewarnt, Perrin. Diese L�nder hier bei euch sind viel zu na�. Es ist, als atme man Wasser statt Luft. Es gibt zu viele Menschen, und sie wohnen zu eng aufeinander. Sie haben mehr als genug von diesen fremdartigen L�ndern.� �Ich verstehe schon�, sagte Perrin, aber das, was er wirklich verstand, war die Tatsache, da� es doch keine Rettung geben werde, keine Aielkompanie, um die Wei�m�ntel von den Zwei Fl�ssen zu vertreiben. Er behielt seine Entt�uschung f�r sich. Sie war bitter, nachdem er gehofft hatte, seinem Schicksal doch noch entkommen zu k�nnen, aber er hatte sich ja auf alles vorbereitet. Hat keinen Zweck zu weinen, wenn das Eisen rei�t; man mu� es eben noch einmal schmieden. �Hast du irgendwelche Schwierigkeiten bei dem gehabt, worum ich dich gebeten hatte?� �Keine. Bei jedem St�ck, das du haben wolltest, gab ich einem anderen Tairener den Auftrag, es zum Stall am Tor der Drachenmauer zu bringen und niemandem etwas davon zu erz�hlen. Sie haben sich dort vielleicht gegenseitig angetroffen, aber sie werden glauben, die Sachen seien f�r mich bestimmt, und sie werden den Mund halten. Das Tor zur Drachenmauer. Da k�nnte man denken, das R�ckgrat der Welt bef�nde sich gleich hinter dem Horizont und nicht hundert Wegstunden oder weiter entfernt.� Der Aiel z�gerte. �Das M�dchen und der Ogier machen keine Anstalten, ihre Reisevorbereitungen heimlich zu treiben, Perrin. Sie hat versucht, den Gaukler aufzusp�ren, und dann auch noch jedem erz�hlt, da� sie vorhabe, durch die Kurzen Wege zu reiten.� Perrin kratzte sich im Bart und seufzte schwer. Es war schon beinahe ein Grollen. �Falls sie es auch noch Moiraine erz�hlt, dann schw�re ich, da� sie sich eine Woche lang nicht mehr wird hinsetzen k�nnen.� �Sie kann sehr gut mit diesen Messern umgehen�, meinte Gaul mit unbeteiligter Stimme.</p><p>�Nicht gut genug. Nicht, falls sie mich verpfiffen hat.� Perrin z�gerte. Keine Aielkompanie. Der Galgen wartete immer noch. �Gaul, falls mir irgend etwas zust��t und ich es dich wissen lasse, dann bringe bitte Faile fort. Sie will vielleicht nicht weg, aber tu's trotzdem. Bringe sie sicher von den Zwei Fl�ssen weg. Versprichst du mir das?� �Ich werde mein Bestes geben, Perrin. Ich stehe noch immer in deiner Blutschuld.� Gauls Tonfall deutete Zweifel an, aber Perrin glaubte nicht, da� Failes Messer ausreichen w�rden, um den Mann davon abzuhalten.</p><p>Sie ben�tzten soweit wie m�glich G�nge ganz hinten im Stein und enge Treppen, die wohl dazu da waren, damit Diener unauff�llig �berall hingelangen konnten. Perrin fand es schade, da� die Tairener den Dienern nicht auch noch eigene Flure gebaut hatten. Trotzdem sahen sie nur wenige Menschen in den breiten G�ngen mit ihren vergoldeten Lampenhaltern und den kunstvollen Gobelins. Adelige sahen sie �berhaupt nicht.</p><p>Er machte eine Bemerkung �ber deren Abwesenheit, und Gaul sagte: �Rand al'Thor hat sie alle zum Herzen des Steins einberufen.� Perrin gab lediglich ein Knurren als Antwort, hoffte aber im stillen, da� auch Moiraine dorthin bestellt worden sei. Er fragte sich, ob Rand ihm auf diese Art helfen wolle, aus dem Stein ungesehen zu entkommen. Was auch immer der Grund sein mochte, er ergriff jedenfalls gern die Gelegenheit.</p><p>Sie traten von der letzten schmalen Treppenstufe hinunter auf den eigentlichen Grund des Steins. Von hier aus f�hrten h�hlenartige G�nge, so breit wie Stra�en, zu den Au�entoren. Hier sah man auch keine Wandbeh�nge mehr. Schwarze Eisenlampen hingen in Eisenklammern hoch droben an den W�nden, erleuchteten die fensterlosen G�nge, und der Boden war mit breiten, groben Steinplatten gepflastert, die schon unz�hlige Pferdehufe hatten aushalten m�ssen. Perrin lief nun schneller. Die Stallungen kamen am Ende des gro�en Tunnels in Sicht, und das breite Tor zur Drachenmauer stand offen. Nur eine Handvoll Verteidiger stand dort Wache. Moiraine konnte sie jetzt nicht mehr abfangen, es sei denn, sie h�tte wirklich das Gl�ck des Dunklen K�nigs gepachtet.</p><p>Das Tor zum Stall war ein Mauerbogen von mindestens f�nfzehn Schritt Durchmesser. Perrin trat einen Schritt hinein und blieb stehen.</p><p>Die Luft war schwer vom Geruch nach Stroh und Heu, nach Weizen und Hafer, nach Leder und Pferdedung. Die W�nde entlang zogen sich Boxen mit edlen tairenischen Pferden darin, wie man sie �berall sch�tzte, und weitere Boxen befanden sich im Innenraum. Dutzende von Stallburschen gingen ihrer Arbeit nach, striegelten und k�mmten, misteten aus oder reparierten Geschirre. Ohne in der Arbeit innezuhalten, blickte der eine oder andere gelegentlich hin�ber zu Faile und Loial, die gestiefelt und reisefertig dastanden. Neben ihnen standen Bain und Chiad, wie Gaul mit Waffen und Decken, Wasserflaschen und Kocht�pfen ausger�stet.</p><p>�Sind sie der Grund, warum du vorhin so gez�gert hast?� fragte Perrin leise.</p><p>Gaul zuckte die Achseln. �Ich werde mein Bestes tun, aber sie werden sich auf ihre Seite schlagen. Chiad ist eine Goshien.� �Macht ihr Clan einen Unterschied?� �Ihr Clan und der meine tragen eine Blutfehde aus, Perrin, und ich bin ja auch nicht gerade ihre Speerschwester. Vielleicht werden die Wassereide sie zur�ckhalten. Ich werde jedenfalls nicht den Speertanz mit ihr tanzen, wenn sie mich nicht herausfordert.� Perrin sch�ttelte den Kopf. Seltsame Leute. Was waren nun wieder Wassereide? Aber er sagte blo�: �Warum sind sie dabei?� �Bain sagt, sie wollten mehr von euren L�ndern sehen, aber ich glaube, vor allem der Streit zwischen dir und Faile interessiert sie. Sie m�gen Faile, und als sie von dieser Reise h�rten, entschlossen sie sich, mit Faile zu gehen anstatt mit dir.� �Na ja, solange sie dazu beitragen, da� Faile sich nicht in Schwierigkeiten bringt.� Er war �berrascht, als Gaul den Kopf in den Nacken legte und schallend lachte. Besorgt kratzte er sich am Bart.</p><p>Loial kam auf sie zu. Seine langen Augenbrauen hingen traurig herunter. Seine Manteltaschen quollen beinahe �ber, aber das war immer so, wenn er verreiste. Die eckigen Umrisse von B�chern waren klar zu erkennen. Wenigstens hinkte er nicht mehr so stark. �Faile wird ungeduldig, Perrin. Ich glaube, sie wird gleich verlangen, da� wir losreiten. Beeil dich bitte. Ihr k�nntet das Wegetor ohne meine Hilfe nicht einmal finden. Du sollst es auch gar nicht versuchen. Ihr Menschen bringt mich immer dazu, so herumzuhetzen, da� ich den eigenen Kopf nicht finde. Bitte beeil dich.� �Ich werde ihn schon nicht im Stich lassen�, rief Faile her�ber. �Selbst wenn er immer noch zu stur ist, mich um einen einfachen Gefallen zu bitten. Sollte seine Haltung unver�ndert sein, kann er mir immer noch wie ein verirrter Welpe hinterherlaufen. Ich verspreche, ich werde ihn hinter den Ohren kraulen und auf ihn achtgeben.� Die Aielfrauen kr�mmten sich vor Lachen.</p><p>Gaul sprang pl�tzlich hoch in die Luft und trat in wenigstens zwei Fu� H�he �ber dem Boden aus wie ein Pferd, wobei er auch noch einen seiner Speere um sich wirbelte. �Wir werden euch folgen wie Raubkatzen auf der Jagd�, schrie er, �wie jagende W�lfe.� Er landete leichtf��ig. Loial starrte ihn verbl�fft an.</p><p>Bain andererseits k�mmte sich lediglich mit den Fingern durch ihr kurzgeschnittenes, feuerrotes Haar. �Ich habe bei meinem Bettzeug in der Festung auch ein sch�nes Wolfsfell�, erz�hlte sie Chiad mit gelangweilter Stimme. �W�lfe kann man so leicht t�ten.� In Perrins Kehle stieg ein Grollen auf, das die Blicke beider Frauen auf ihn lenkte. Einen Augenblick lang schien Bain noch mehr sagen zu wollen, aber dann runzelte sie die Stirn ob seines gelben Blickes und verstummte, nicht weil sie Angst hatte, sondern aus Mi�trauen.</p><p>�Dieser Welpe ist noch nicht stubenrein�, vertraute Faile den Aielfrauen an.</p><p>Perrin sah sie einfach nicht an. Statt dessen ging er hin�ber zu der Box, in der sein brauner Hengst stand. Er war genauso hochgewachsen wie die tairenischen Pferde, aber breiter in den Schultern und an den Flanken. Er winkte einen Stallburschen zur Seite, warf Traber das Zaumzeug �ber und f�hrte ihn selbst hinaus. Die Stallburschen hatten das Pferd nat�rlich regelm��ig bewegt, aber die enge Box hatte ihm wohl Lust auf die schnelle Gangart gemacht, die Perrin mit ihm nun anschlug und die ihm den Namen verliehen hatte. Perrin beruhigte ihn mit der Routine eines Mannes, der schon viele Pferde beschlagen hatte. Es machte keinerlei Schwierigkeiten, den an beiden Enden hochstehenden Sattel anzulegen und Satteltaschen sowie Deckenrolle dahinter festzumachen.</p><p>Gaul sah mit ausdruckslosem Gesicht zu. Er setzte sich auf kein Pferd, wenn es nicht unbedingt sein mu�te, und dann ritt er keinen Schritt weiter, als n�tig war. Bei den Aiel war es immer dasselbe. Perrin konnte das nicht verstehen. Vielleicht waren sie einfach stolz darauf, lange Strecken laufen zu k�nnen. F�r sie schien es von gr��erer Bedeutung zu sein, aber er war sich sicher, da� sie es selbst nicht richtig erkl�ren konnten.</p><p>Nat�rlich mu�te auch das Packpferd beladen werden, doch das ging schnell, da alles, was Gaul herbestellt hatte, sauber aufgestapelt bereitlag. Proviant und Wasserschl�uche. Hafer und Weizen f�r die Pferde. Nichts von alledem konnte man in den Kurzen Wegen finden. Dazu noch ein paar andere Dinge, wie Fu�fesseln, Medikamente f�r die Pferde � f�r alle F�lle �, eine Reserveschachtel Zunder und �hnliches.</p><p>In den H�ngek�rben des Packpferdes befanden sich vor allem Lederflaschen wie die, in denen die Aiel Wasser mit sich f�hrten, aber sie waren etwas gr��er und mit Lampen�l gef�llt. Sobald diese an ihren langen St�cken festgeschnallt waren, war alles fertig.</p><p>Perrin schob den unbespannten Bogen unter den Sattelgurt und schwang sich in Trabers Sattel, die Leine des Packpferdes in der Hand. Und dann mu�te er kochend vor Wut warten.</p><p>Loial sa� bereits auf seinem riesigen, zottigen Gaul, der gr��er war als jeder andere im Stall. Trotzdem erschien er unter dem Ogier, dessen lange Beine fast bis auf den Boden baumelten, beinahe wie ein Pony. Es hatte eine Zeit gegeben, da war der Ogier fast genauso ungern auf ein Pferd gestiegen wie die Aiel, aber nun f�hlte er sich auf diesem Riesenpferd wie zu Hause. Doch Faile nahm sich Zeit, untersuchte ihre gl�nzend schwarze Stute, als habe sie sie noch nie gesehen, obwohl Perrin genau wu�te, da� sie das Pferd ausgiebig geritten hatte, bevor sie es kurz nach ihrem Einzug im Stein kaufte. Das Tier hie� Schwalbe und war ein sch�nes Pferd aus tairenischer Zucht mit schlanken Fesseln und stolz geschwungenem Hals, mit einem t�nzelnden Schritt, der sowohl auf Schnelligkeit wie auch auf Ausdauer schlie�en lie�. F�r Perrins Gef�hl war sie lediglich zu leicht beschlagen; die Hufeisen w�rden nicht viel durchhalten. Und nun versuchte sie ihn wieder zu �rgern, indem sie den Abritt verz�gerte.</p><p>Als Faile endlich mit ihrem engen Hosenrock aufstieg, ritt sie n�her an Perrin heran. Sie war eine gute Reiterin, die immer mit ihrem Pferd im Einklang schien. �Warum kannst du mich nicht darum bitten, Perrin?� fragte sie leise. �Du hast versucht, mich davon abzuhalten, mit dem Menschen zu kommen, zu dem ich geh�re. Deshalb bist du jetzt mit dem Bitten an der Reihe. Kann denn etwas so Einfaches so schwer sein?� Der Stein dr�hnte wie eine ungeheure Glocke. Der Fu�boden des Stalles w�lbte sich; die Decke bebte und w�re fast eingest�rzt. Traber b�umte sich wiehernd auf. Sein Kopf zuckte in Panik hin und her. Perrin konnte sich mit M�he gerade noch im Sattel halten. Stallburschen rappelten sich vom Boden hoch und rannten verzweifelt von Pferd zu Pferd. Die Tiere schlugen aus und versuchten, aus den Boxen zu steigen. Loial hing am Hals seines riesigen Reittiers, und nur Faile sa� sicher und elegant im Sattel ihrer wild t�nzelnden und wiehernden Stute.</p><p>Rand. Perrin wu�te, da� Rand dahintersteckte. Der Sog des <emphasis>Ta'veren</emphasis> ri� an ihm. Es war, als z�gen sich zwei Strudel in einem Flu� gegenseitig an. Er hustete, da �berall Staub in der Luft hing, und sch�ttelte heftig den Kopf. Es kostete ihn ungeheure M�he, nicht abzusteigen und in den Stein zur�ckzurennen. �Wir reiten!� schrie er, w�hrend neue Beben die Festung ersch�tterten. �Wir reiten sofort, Loial! Jetzt!� Faile schien ebenfalls ihre Verz�gerungstaktik aufgeben zu wollen. Sie gab ihrer Stute die Fersen zu sp�ren; die stob hinaus neben Loials Pferd, ihre beiden Packpferde wurden mitgerissen, und so galoppierten sie auf das Tor zur Drachenmauer zu. Die Verteidiger blickten sich kurz um und sprangen zur Seite. Ein paar krabbelten sogar auf allen vieren davon. Es war ihre Pflicht, Menschen am Betreten des Steins, nicht aber jemanden am Verlassen zu hindern. Doch vermutlich konnten sie gar nicht klar genug denken, um sich in diesem Moment derartige Gedanken zu machen. Die Bebenwellen klangen gerade erst ab, und der Stein �ber ihnen �chzte noch.</p><p>Perrin mit seinem eigenen Packpferd folgte gleich dahinter. Er w�nschte, das Reittier des Ogiers sei etwas schneller, oder er k�nne Loial einfach abh�ngen und dem Sog davonlaufen, der ihn zur�ckzog, dem Sog des <emphasis>Ta'veren</emphasis> zum <emphasis>Ta'veren</emphasis> hin. Zusammen galoppierten sie durch die Stra�en Tears auf die aufgehende Sonne zu. Sie verlangsamten ihr Tempo kaum einmal, h�chstens um Karren und Kutschen auszuweichen. M�nner in engen M�nteln und Frauen mit Schichten von Sch�rzen starrten ihnen nach, halb bet�ubt noch von dem Beben. Manchmal konnten sie ihnen nur mit knapper Not ausweichen.</p><p>Nach der Mauer, die die Innenstadt abriegelte, machten die Pflastersteine den schlammigen, ungepflasterten Stra�en der Maule Platz; aus den Schuhen und M�nteln wurden blo�e F��e und nackte Oberk�rper �ber Pumphosen, die von breiten Sch�rpen gehalten wurden. Die Menschen sprangen aber ebenso hastig zur Seite, denn Perrin lie� Traber genauso schnell weitergaloppieren, bis sie auch die �u�ere Mauer passiert hatten und sich zwischen verstreuten Bauernh�usern und Hecken befanden � und au�erhalb der Reichweite des Sogs des <emphasis>Ta'veren.</emphasis> Erst dann lie� er Traber im Schritt gehen, und er selbst atmete fast genauso schwer wie das Tier.</p><p>Loials Ohren waren noch steif vom Schreck. Faile leckte sich die Lippen und blickte von dem Ogier zu Perrin hin�ber. Ihr Gesicht war wei�. �Was ist geschehen? War das... er?� �Ich wei� nicht�, log Perrin. <emphasis>Ich mu� weg, Rand. Das wei�t du doch. Du hast mir in die Augen geschaut, als ich es dir sagte, und du hast geantwortet, ich m�sse tun, was ich f�r richtig halte.</emphasis></p><p>�Wo sind Bain und Chiad?� fragte Faile. �Sie werden jetzt bestimmt eine Stunde brauchen, um uns einzuholen. Ich w�nschte, sie w�rden reiten. Ich habe ihnen angeboten, Pferde f�r sie zu kaufen, aber sie schienen richtiggehend beleidigt. Na ja, die Pferde m�ssen sich jetzt sowieso abk�hlen.� Perrin hielt sich zur�ck und sagte ihr nicht, da� sie nicht allzuviel von den Aiel wisse. Er sah die Stadtmauer hinter ihnen und den Stein, der alles wie ein Berg �berragte. Er entdeckte sogar die schlangen�hnliche Gestalt auf dem Banner, das �ber der Festung flatterte, und die V�gel, die es umkreisten. Keiner der anderen konnte das sehen. Er hatte kein Problem, die drei Menschen auszumachen, die mit langen, lockeren Schritten auf sie zuliefen. Er glaubte nicht, da� er so laufen k�nnte, jedenfalls nicht lange, aber die Aiel mu�ten den ganzen Weg vom Stein her so schnell gerannt sein, denn sonst l�gen sie viel weiter zur�ck.</p><p>�Ach, so lange m�ssen wir nicht warten�, sagte er.</p><p>Faile blickte mit gerunzelter Stirn zur Stadt zur�ck. �Sind sie das etwa? Bist du sicher?� Fast klang es, als sei die Frage an Perrin gerichtet gewesen. Ihn �berhaupt zu fragen kam nat�rlich schon einer Anerkennung gleich, da� er zu ihrer Gesellschaft geh�re. �Er gibt mit seinen guten Augen st�ndig an�, erkl�rte sie Loial, �aber sein Ged�chtnis ist nicht sehr gut. Manchmal glaube ich, er w�rde sogar vergessen, am Abend eine Kerze anzuz�nden, wenn ich ihn nicht daran erinnerte. Ich sch�tze, er hat irgendeine arme Familie entdeckt, die vor dem Erdbeben oder was auch immer davonrennt, oder?� Loial rutschte nerv�s im Sattel herum, seufzte tief und knurrte etwas von Menschen, was Perrin f�r wenig schmeichelhaft hielt. Faile bemerkte nat�rlich nichts.</p><p>Ein paar Minuten sp�ter starrte Faile aber dann doch Perrin erstaunt an, als die drei Aiel ihnen so nahe waren, da� auch sie sie nicht mehr �bersehen konnte. Doch sie sagte nichts. In dieser Laune war sie nicht bereit zuzugeben, da� er in irgendeiner Hinsicht recht gehabt hatte, nicht einmal, wenn er behauptet h�tte, der Himmel sei blau. Die Aiel waren nicht einmal au�er Atem, als sie schlie�lich neben den Pferden stehenblieben.</p><p>�Schade, da� der Lauf nicht ein bi�chen l�nger war.� Bain und Chiad l�chelten, und beide warfen Gaul einen Seitenblick zu.</p><p>�Dann h�tten wir diesen Steinhund in Grund und Boden gelaufen�, sagte Chiad, als wolle sie den Satz der anderen Frau beenden. �Deshalb schw�ren die Steinhunde einen Eid, niemals zu fliehen. Steinknochen und Steink�pfe sind zu schwer zum Laufen.� Gaul schien nicht gekr�nkt, aber Perrin bemerkte, wie er dastand: immer ein Auge auf Chiad gerichtet. �Wei�t du, warum man so oft T�chter des Speers als Kundschafterinnen einsetzt, Perrin? Weil sie so weit laufen k�nnen. Und das r�hrt daher, da� sie Angst haben, irgendein Mann k�nne sie heiraten wollen. Eine Tochter rennt hundert Meilen, um das zu vermeiden.� �Sehr klug von ihnen�, sagte Faile schnippisch. �Braucht ihr eine Ruhepause?� fragte sie die Aielfrauen und blickte �berrascht drein, als sie verneinten. Dann wandte sie sich Loial zu: �Bist du bereit weiterzureiten? Gut. Such dieses Wegetor, Loial. Wir sind schon zu lange hier. Wenn du einen verirrten Welpen zu lange in deiner N�he l��t, glaubt er, du w�rdest ihn annehmen, und das ist nicht gut.� �Faile�, protestierte Loial, �geht das nicht ein wenig zu weit?� �Ich gehe so weit, wie ich mu�, Loial. Das Wegetor?� Mit herabh�ngenden Ohren atmete Loial h�rbar aus, und dann wandte er sein Pferd in Richtung Osten. Perrin lie� ihm und Faile ein Dutzend Schritt Vorsprung, bevor er mit Gaul folgte. Er mu�te sich an ihre Regeln halten, aber er w�rde schon in bezug auf deren Auslegung mit ihr mithalten.</p><p>Die Bauernh�fe wurden immer seltener. Es waren auch nur enge, kleine, aus rohem Naturstein gebaute H�uschen, in die Perrin noch nicht einmal Tiere eingesperrt h�tte. Auch die Hecken wurden seltener und schlie�lich sah man weder H�user noch Hecken so weit im Osten von Tear, sondern nur noch welliges, h�geliges Grasland. Gras, soweit das Auge blicken konnte, und nur hier und da ein Busch auf irgendeinem H�gelkamm.</p><p>Auch Pferde standen an den gr�nen H�ngen, manchmal ein Dutzend zusammen und manchmal auch Herden von hundert oder mehr Tieren aus der ber�hmten Tairener Zucht. Ob es nur wenige Tiere waren oder viele, immer standen sie unter der Aufsicht eines oder zweier barf��iger Jungen, die ohne Sattel mitritten. Die Jungen trugen Peitschen mit langen Griffen und ben�tzten sie, um die Pferde beieinander zu halten oder sie irgendwohin zu treiben. Sie lie�en routiniert die Peitschen knallen, um Ausrei�er zur Ordnung zu rufen. Dabei ber�hrte die Peitsche nicht einmal die Haut der Tiere. Sie hielten die ihnen anvertrauten Herden fern von den Fremden, lie�en die Tiere, wenn notwendig, ein St�ck zur�cktraben, aber sie beobachteten den Ritt der eigenartigen Gesellschaft �zwei berittene Menschen und ein Ogier, dazu drei der wilden Aiel, von denen man behauptete, sie h�tten den Stein erobert � mit der forschen Neugier der Jugend.</p><p>Es war ein erfreulicher Anblick f�r Perrin. Er mochte Pferde. Ein Teil des Grundes, aus dem er die Lehre bei Meister Luhhan angetreten hatte, war der, da� er auf diese Weise Gelegenheit hatte, mit Pferden zu arbeiten. Aber in Emondsfeld gab es nicht viele davon und schon gar keine so sch�nen wie die hier.</p><p>Der Ogier betrachtete die Landschaft mit anderen Augen. Er knurrte in sich hinein, und je weiter sie �ber die grasbewachsenen H�gel ritten, desto lauter wurde sein Grollen. Schlie�lich brach es mit Gewalt aus ihm heraus: �Weg! Alles weg, und wof�r? Gras. Das war einst ein Ogierhain. Wir haben hier keine gro�en Werke vollbracht, nichts, was man mit Manetheren oder der Stadt, die ihr Caemlyn nennt, vergleichen k�nnte, aber doch genug, um hier einen Hain anzulegen. B�ume aller Arten aus allen L�ndern und Orten. Die Gro�en B�ume, die hundert Spannen hoch und mehr in den Himmel aufragen. Alle wurden hingebungsvoll gehegt, um mein Volk an das <emphasis>Stedding</emphasis> zu erinnern, das sie verlassen hatten, um f�r die Menschen Dinge zu bauen. Die Menschen glauben immer, es sei die Arbeit unserer Steinmetzen, die wir so sch�tzen, aber das ist nur eine Nebensache, die wir w�hrend des langen Exils erlernten, nach der Zerst�rung der Welt. Die B�ume sind es, die wir lieben! Die Menschen dachten, Manetheren stelle unseren gr��ten Triumph dar, doch wir wu�ten: es war der Hain dort und nicht die Geb�ude. Nun ist er verschwunden. Wie dieser hier. Weg � f�r immer dahin.� Loial musterte die kahlen H�gel, auf denen lediglich Gras und Pferde zu sehen waren, mit einem harten Gesichtsausdruck, und seine Ohren legten sich eng an den Kopf. Er roch nach... Zorn. In den meisten Sagen wurden die Ogier als friedlich bezeichnet, als beinahe genauso unkriegerisch wie das Fahrende Volk, aber ein paar, wenn auch nur wenige der Erz�hler hatten sie auch unerbittliche Feinde genannt. Perrin hatte Loial zuvor nur ein einziges Mal richtig w�tend erlebt. Vielleicht war er es auch letzte Nacht gewesen, als er diese Kinder verteidigte. Als er Loials Gesicht ansah, fiel ihm eine alte Redensart ein: �den Ogier zu �rgern und die Berge �ber dem eigenen Kopf einst�rzen lassen�. Jeder glaubte, es bedeute, etwas v�llig Unm�gliches unternehmen zu wollen, aber Perrin war der Meinung, die Bedeutung habe sich im Laufe der Jahre verschoben. Anfangs hatte es vielleicht gehei�en: ��rgere den Ogier, und du l��t die Berge �ber dem eigenen Kopf zusammenst�rzen�. Schwer vorstellbar, aber irgendwie konnte Perrin das nachempfinden. Er wollte lieber nie erleben, da� Loial � der sanfte, ungeschickte Loial mit der breiten Nase, die immer in einem Buch steckte � wirklich einmal auf ihn w�tend war.</p><p>Loial hatte die F�hrung �bernommen, sobald sie das Gebiet des verschwundenen Ogierhains erreichten. Er hielt sich ein wenig mehr in Richtung S�den. Es gab keine besonderen Merkmale, aber er war sich der Richtung wohl ziemlich sicher, und mit jedem Schritt ihrer Pferde wurde er noch sicherer. Die Ogier konnten ein Wegetor sp�ren, irgendwie, und es finden wie eine Biene den Stock. Als Loial schlie�lich abstieg, reichte ihm das Gras gerade ein wenig �ber Knieh�he. Man sah in der N�he nur ein Dickicht, etwas h�her als in dieser Landschaft �blich, mit stark belaubten Str�uchern etwa von der Gr��e des Ogiers. Er ri� die Str�ucher bedauernd heraus und legte sie zur Seite. �Vielleicht k�nnen die Pferdeh�ter das gebrauchen. Wenn es getrocknet ist, gibt es ordentliches Feuerholz.� Und dort stand das Wegetor.</p><p>Es war so an den Abhang angebaut, da� es eher wie eine graue Mauer wirkte denn ein Tor, aber nicht wie irgendeine Mauer, sondern wie die eines Palastes mit Fresken in Form von Ranken und Bl�ttern, die so fein gearbeitet waren, als lebten sie genau wie die Str�ucher davor. Mindestens dreitausend Jahre lang hatte es dort gestanden, aber die Oberfl�che wies keinerlei Anzeichen von Verwitterung auf. Diese Bl�tter h�tten im n�chsten Moment im Wind rascheln k�nnen, so echt wirkten sie.</p><p>Einen Moment lang betrachteten sie es schweigend, bis Loial tief durchatmete und seine Hand auf das einzige Blatt legte, das sich von den anderen auf dem Wegetor unterschied. Es war das dreifingrige Blatt des <emphasis>Avendesora,</emphasis> des sagenhaften Lebensbaumes. Bis zu dem Augenblick, als es von seiner riesigen Hand ber�hrt wurde, schien es wie die anderen ein Teil der Verzierungen zu sein, doch es drehte sich ganz leicht.</p><p>Faile schluckte h�rbar, und selbst die Aiel murmelten nerv�s irgend etwas. In der Luft lag etwas Bedr�ckendes, aber man konnte nicht feststellen, woher das r�hrte.</p><p>Vielleicht ging es von ihnen allen gemeinsam aus.</p><p>Jetzt schienen sich die Steinbl�tter nicht mehr in einer verborgenen Brise zu regen. Statt dessen kam ein Schimmer von Gr�n, von Leben, �ber sie. In der Mitte �ffnete sich langsam ein Spalt, und die beiden T�rfl�gel des Wegetores schwangen heraus. Sie enth�llten nicht den dahinterliegenden H�gel, sondern ein mattes Leuchten, in dem sich schwach ihre Spiegelbilder zeigten.</p><p>�Man sagt�, murmelte Loial, �da� einst die Wegetore wie Spiegel schimmerten, und diejenigen, die durch die Wege gingen, schritten durch Sonnenschein und Himmel. Davon kann man jetzt nicht mehr viel sehen. Genauso verschwunden wie der Hain.� Perrin zog schnell eine der Laternen an ihrer langen Stange aus dem Gep�ck und entz�ndete sie. �Es ist zu hei� hier drau�en�, sagte er. �Ein bi�chen Schatten w�re schon gut.� Er trieb Traber langsam, auf das Tor zu. Er glaubte, Faile noch einmal nach Luft schnappen zu h�ren.</p><p>Der braune Hengst scheute, als er sich seinem eigenen, matten Spiegelbild n�herte, aber Perrin trieb ihn weiter. Langsam, erinnerte er sich. Man mu�te das ganz langsam in Angriff nehmen. Die Nase des Pferdes ber�hrte z�gernd die seines Spiegelbilds. Dann verschmolzen beide miteinander. Perrin n�herte sich seiner eigenen Pers�nlichkeit, ber�hrte... Eiskalt glitt es ihm �ber die Haut, h�llte ihn Haar um Haar ein, und die Zeit dehnte sich.</p><p>Die K�lte verflog wie eine geplatzte Seifenblase, und er befand sich inmitten endloser Schw�rze. Der Schein seiner Laterne schmiegte sich eng um ihn. Traber und das Packpferd wieherten �ngstlich.</p><p>Gaul schritt gelassen hindurch und begann damit, eine weitere Laterne anzuz�nden. Hinter ihm befand sich, was wie eine Rauchglasscheibe aussah. Sie konnten dort drau�en die anderen sehen, Loial, der gerade wieder auf sein Pferd stieg, Faile, die ihre Z�gel raffte, doch alle bewegten sich ganz, ganz langsam. Die Zeit verlief innerhalb der Wege anders.</p><p>�Faile ist sauer auf dich�, sagte Gaul, als die Laterne brannte. Der zus�tzliche Lichtschein brachte nicht viel. Die Dunkelheit saugte das Licht auf, verschluckte es. �Sie scheint zu glauben, da� du irgendeine Abmachung gebrochen hast. Bain und Chiad... Pa� auf, da� du nicht mit ihnen allein bist. Sie wollen dir Failes wegen eine Lektion erteilen, und wenn sie das fertigbringen, wirst du nicht mehr so einfach auf deinem Pferd sitzen k�nnen wie jetzt.� �Ich habe gar nichts versprochen, Gaul. Ich tue, wozu sie mich durch ihre Tricks gezwungen hat. Wir m�ssen fr�h genug Loial folgen, wie sie das haben will, aber solange ich kann, werde ich die F�hrung �bernehmen.� Er deutete auf einen breiten, wei�en Strich unter Trabers Hufen. Er war an einzelnen Stellen unterbrochen und verwittert, doch zeigte er ihren Weg deutlich an, bevor er wenige Schritte weiter in der Schw�rze verschwand. �Das f�hrt uns zum ersten Wegweiser. Dort m�ssen wir auf Loial warten, denn nur er kann lesen, was darauf steht, und entscheiden, �ber welche Br�cke wir reiten m�ssen. Aber bis dorthin kann Faile durchaus einmal uns folgen.� �Br�cke�, murmelte Gaul nachdenklich. �Das Wort kenne ich. Gibt es hier drinnen denn Wasser?� �Nein. Es ist nicht diese Art von Br�cke. Sie sieht wohl genauso aus, aber... Vielleicht kann Loial es dir erkl�ren.� Der Aielmann kratzte sich am Kopf. �Wei�t du auch genau, was du tust, Perrin?� �Nein�, gab Perrin zu. �Aber das mu� Faile ja nicht unbedingt wissen.� Gaul lachte. �Es macht Spa�, so jung zu sein, oder, Perrin?� Perrin runzelte die Stirn. Er war nicht sicher, ob Gaul sich nun �ber ihn lustig machte oder nicht. So hielt er Traber weiter im Schritt und zog das Packpferd an der Leine hinterher. Den Laternenschein w�rde man in zwanzig oder drei�ig Schritt Entfernung vom Tor nicht mehr sehen k�nnen. Er wollte vollst�ndig au�er Sicht sein, wenn Faile durchkam. Sie sollte ruhig glauben, er habe sich entschieden, ohne sie weiterzureiten. Wenn sie sich eine Weile Sorgen machte, bevor sie sich am Wegweiser wiedertrafen, w�rde ihr das durchaus guttun.</p></section><section><title><p>19</p><p>Der Wogent�nzer</p></title><p>Die goldene Sonne stand noch nicht weit �ber dem Horizont, als die gl�nzendschwarz lackierte Kutsche schaukelnd am Ende des Landestegs stehenblieb. Vier zusammenpassende Graue hatten sie gezogen und nun sprang der langhaarige, dunkle Kutscher im schwarzgold gestreiften Livree vom Bock und �ffnete die T�r. An dieser T�r war allerdings diesmal kein Wappen angebracht. Tairenische Adelige halfen den Aes Sedai nur gezwungenerma�en, obwohl ihr L�cheln dabei so strahlend wirkte, denn niemand wollte seinen Namen mit der Wei�en Burg in Verbindung bringen lassen.</p><p>Elayne war dankbar, aussteigen zu k�nnen. Sie wartete nicht erst auf Nynaeve, die ihren leichten blauen Leinenumhang zurechtzupfte. Die Stra�en der Maule waren wegen der vielen Karren und Planwagen von tiefen Furchen durchzogen, und die Lederfederung der Kutsche war nicht gerade weich. Die Brise, die �ber den Erinin wehte, schien ihnen k�hl nach der Hitze im Stein. Sie hatte sich die Anstrengung der Fahrt nicht anmerken lassen wollen, aber sobald sie drau�en stand, rieb sie sich doch den R�cken. <emphasis>Wenigstens war es durch den Regen letzte Nacht nicht so staubig, dachte sie. Sie vermutete, da� man ihnen absichtlich eine Kutsche ohne Vorh�nge zur Verf�gung gestellt hatte.</emphasis></p><p>N�rdlich und s�dlich von ihr erstreckten sich weitere Landestege wie breite steinerne Finger in den Flu� hinaus. Es roch nach Teer und Tauen, nach Fisch und Gew�rzen und Oliven�l, nach namenlosen Dingen, die im tr�ben Brackwasser zwischen den Stegen verrotteten, und nach eigenartigen, gelbgr�nen Fr�chten, die in riesigen B�ndeln vor einem Lagerhaus in ihrem R�cken aufgestapelt lagen. Trotz der fr�hen Stunde eilten M�nner mit Lederw�msern auf den nackten Schultern gesch�ftig hin und her, schleppten auf gekr�mmtem Buckel gro�e B�ndel einher oder schoben Handwagen mit aufgestapelten F�ssern oder Kisten herum. Keiner warf ihr mehr als einen kurzen, m�rrischen Blick zu. Die dunklen Augen wandten sich schnell ab, die Stirn wurde unwillig zum Gru� ber�hrt, und die meisten hoben dabei noch nicht einmal den Kopf. Es stimmte sie traurig, das zu sehen.</p><p>Diese Adeligen aus Tear behandelten ihr Volk schlimm. �Mi�handeln� war ein besserer Ausdruck daf�r. In Andor w�ren ihr ein freundliches L�cheln und respektvolle Gr��e gewi� gewesen, freiwillig dargebracht von stolz aufgerichteten Menschen, die ihren eigenen Wert genauso kannten wie den ihren. Fast h�tte sie es bereut, jemals von zu Hause fortgegangen zu sein. Sie war dazu erzogen worden, eines Tages ein stolzes Volk zu f�hren und zu regieren, und sie w�nschte sich, diesen Menschen hier etwas �ber W�rde erz�hlen zu d�rfen. Aber das war Rands Aufgabe und nicht ihre. <emphasis>Und wenn er das nicht gut macht, werde ich ihm einiges erz�hlen. Eine ganze Menge sogar!</emphasis> Zumindest hatte er damit angefangen und ihre Ratschl�ge beherzigt. Und sie mu�te zugeben, da� er wu�te, wie man Menschen gewann. Es w�rde interessant sein, bei ihrer R�ckkehr festzustellen, was er zuwege gebracht hatte.</p><p><emphasis>Wenn die R�ckkehr �berhaupt noch einen Sinn hat.</emphasis></p><p>Von ihrem Standort aus konnte sie ein Dutzend Schiffe klar ausmachen, und jenseits von ihnen lagen weitere. Doch eines davon, am Ende des Piers vert�ut, auf dem sie stand, den schmalen Bug flu�aufw�rts gerichtet, stach ihr besonders ins Auge. Der Klipper der Meerleute war bestimmt hundert Schritt lang und damit um die H�lfte gr��er als das ihr n�chstgelegene Schiff. Drei hoch aufragende Maste befanden sich mittschiffs und dazu am Heck noch ein kleinerer auf dem erh�hten Achterdeck. Sie war schon zuvor an Bord von Schiffen gewesen, doch nie auf einem so gro�en, das auch noch das offene Meer befuhr. Allein schon der Name der Eigent�mer sprach von fernen L�ndern und fremden H�fen: die Atha'an Miere. Das Meervolk. In Geschichten, die exotisch klingen sollten, kam immer das Meervolk vor, au�er wenn es um die Aiel ging.</p><p>Nynaeve kletterte hinter ihr aus der Kutsche, band sich den gr�nen Reiseumhang am Hals zu und fluchte leise �ber den Kutscher, so da� auch er es verstehen konnte. �Wie eine Henne im Sturm hin und her geschleudert! Wie ein staubiger L�ufer durchgeklopft! Wie hat er es nur geschafft, zwischen dem Stein und dem Hafen jede Furche und jedes Schlagloch aufzusp�ren? Dazu geh�rt wirklich Geschick. Wie schade, da� ihm das bei der Behandlung von Pferden daf�r abgeht.� Der Kutscher bem�hte sich mit saurem Gesichtsausdruck, ihr herunterzuhelfen, doch sie nahm seine Hilfe nicht an.</p><p>Seufzend verdoppelte Elayne die Menge der Silberm�nzen, die sie gerade aus ihrer B�rse nahm. �Danke, da� Ihr uns sicher und schnell hergebracht habt.� Sie l�chelte, als sie ihm die M�nzen in die Hand dr�ckte. �Wir hatten Euch ja schlie�lich gebeten, schnell zu fahren, und Ihr seid unserem Wunsch nachgekommen. F�r die schlechten Stra�en k�nnt Ihr nichts, und Ihr habt unter diesen Bedingungen hervorragende Arbeit geleistet.� Ohne die M�nzen anzublicken, verbeugte sich der Bursche tief vor ihr, warf ihr einen dankbaren Blick zu und murmelte: �Ich danke Euch, Lady.� Das galt ihren Worten bestimmt genauso wie dem Geld. Sie hatte gelernt, da� ein paar freundliche Worte und ein wenig Lob gew�hnlich mindestens ebensoviel bewirkten wie Silber, manchmal sogar noch mehr. Obwohl das Silber nat�rlich immer gut ankam.</p><p>�Das Licht schenke Euch eine sichere Reise, Lady�, f�gte er hinzu. Das kaum sichtbare Zucken seines Blickes zu Nynaeve hin�ber sagte ihr, da� sein Wunsch nur ihr allein gelte. Nynaeve mu�te noch lernen, tolerant zu handeln und auch an andere zu denken; das hatte sie bitter n�tig.</p><p>Als der Kutscher ihre B�ndel und anderen Habseligkeiten ausgeladen hatte, lie� er sein Gespann drehen und fuhr davon. Nynaeve sagte m�rrisch: �Ich denke, ich h�tte mich nicht so �ber den Mann beklagen sollen, solange er in H�rweite war. Diese Stra�en w�ren selbst f�r einen Vogel zu holprig. Eine Kutsche mu�te da wohl schlecht aussehen. Aber nach all dieser Schaukelei den ganzen Weg �ber hatte ich das Gef�hl, eine Woche lang geritten zu sein.� �Es ist ja nicht seine Schuld, da� du nun einen wunden... R�cken hast�, sagte Elayne l�chelnd, um ihren Worten die Spitze zu nehmen, w�hrend sie ihre Sachen aufhob.</p><p>Nynaeve lachte trocken auf. �Ich habe es nun mal gesagt, oder? Du wirst ja hoffentlich nicht von mir erwarten, da� ich ihm hinterherrenne und mich entschuldige. Die Handvoll Silber, die du ihm verehrt hast, sollte wohl auch die schlimmsten Wunden heilen. Du mu�t wirklich lernen, mit Geld vorsichtiger umzugehen, Elayne. Wir haben ja nicht den Kronschatz von Andor zur Verf�gung. Von dem, was du jedem gibst, der die Arbeit tut, f�r die er sowieso bezahlt wird, k�nnte eine Familie bequem einen Monat lang leben.� Elayne warf ihr einen entr�steten Blick zu. Nynaeve schien immer zu glauben, sie m��ten �rmer als Dienerinnen leben, anstatt andersherum, obwohl es noch keinen unmittelbaren Grund daf�r gab. Doch die �ltere bemerkte offensichtlich diesen Blick gar nicht, der noch jedesmal die Palastwache in Panik versetzt hatte. Statt dessen wuchtete Nynaeve ihre B�ndel und Kleiderbeutel hoch und wandte sich dem Landesteg zu. �Wenigstens wird dieses Schiff ruhiger fahren als die Kutsche. Ich hoffe es jedenfalls. Sollen wir an Bord gehen?� Als sie sich den Weg zum Pier durch das Gewirr von Hafenarbeitern und gestapelten F�ssern und schwerbeladenen Karren suchten, sagte Elayne: �Nynaeve, die Meerleute k�nnen etwas schwierig sein, solange sie einen nicht kennen, hat man mir beigebracht. Glaubst du, du k�nntest etwas...?� �Etwas?� �Taktvoller sein, Nynaeve.� Elayne kam beinahe ins Stolpern, als vor ihr jemand auf den Boden spuckte. Sie konnte nicht sagen, welcher dieser Burschen es gewesen war. Als sie sich umblickte, hatten alle den Blick gesenkt und waren au�erordentlich besch�ftigt. Ob sie nun vom Adel mi�handelt wurden oder nicht, sie h�tte dem S�nder gern ein paar ruhige, aber scharfe Worte gesagt, die er nicht so schnell vergessen w�rde. Doch sie entdeckte ihn nicht. �Du k�nntest dich bem�hen, k�nftig ein wenig taktvoller vorzugehen.� �Selbstverst�ndlich.� Nynaeve ging die seitlich mit Tauen bespannte Planke des Klippers hinauf. �Solange sie mich nicht derart herumschaukeln.� Elaynes erster Eindruck an Deck war der, da� der Klipper f�r seine L�nge reichlich schmal erschien. Sie wu�te nat�rlich nicht sehr viel �ber Schiffe, aber das hier kam ihr wie ein riesiger Holzsplitter vor. <emphasis>O Licht, dieses Ding wird noch mehr schwanken als die Kutsche, so gro� es auch ist.</emphasis> Der zweite Gedanke danach galt der Besatzung. Sie hatte viel von den Atha'an Miere geh�rt, aber noch nie welche kennengelernt. Und auch in den Erz�hlungen wurde eigentlich nicht viel �ber sie ausgesagt. Ein geheimnisvolles Volk, beinahe wie die Aiel, das sich anderen gegen�ber ziemlich zur�ckhielt. H�chstens die L�nder jenseits der W�ste waren noch etwas geheimnisvoller, und alles, was man �ber diese Gegenden wu�te, stammte von den Meerleuten, die von dort Elfenbein und Seide her�berbrachten.</p><p>Diese Atha'an Miere waren dunkelh�utige, barf��ige M�nner mit nacktem Oberk�rper, alle glattrasiert, mit glattem schwarzen Haar und t�towierten H�nden, die sich mit der Sicherheit jener bewegten, die ihre Aufgaben gut genug kennen, um sie automatisch ausf�hren zu k�nnen, sich aber trotzdem darauf konzentrierten. In ihren Bewegungen lag ein Sich-Wiegen, eine Eleganz, als f�hlten sie die Bewegung der See noch immer, obwohl sie im Hafen lagen. Die meisten trugen goldene oder silberne Ketten um den Hals und Ringe in den Ohren, manchmal sogar zwei oder drei in einem, und ein paar davon wiesen gl�nzende Halbedelsteine auf.</p><p>Die Besatzung bestand zu gleichen Teilen aus M�nnern und Frauen, und auch die holten Taue ein oder f�hrten andere M�nnerarbeiten aus, trugen die gleichen T�towierungen auf den H�nden und hatten die gleichen Pumphosen aus dunklem �lzeug an, die an den Fu�gelenken offenstanden und oben von bunten, schmalen Sch�rpen gehalten wurden. Aber die Frauen trugen dazu lose h�ngende bunte Blusen in leuchtendem Rot oder Blau oder Gr�n, und man sah bei ihnen mindestens ebenso viele Halsketten und Ohrringe wie bei den M�nnern. Elayne bemerkte leicht erschrocken, da� zwei oder drei Frauen sogar Ringe in ihrem Nasenfl�gel stecken hatten.</p><p>Die Grazie in den Bewegungen der Frauen �bertraf sogar die der meisten M�nner und rief Elayne einige Geschichten in Erinnerung, die sie als Kind aufgeschnappt hatte, als sie eigentlich nicht hatte lauschen d�rfen. Die Frauen der Atha'an Miere waren darin der Inbegriff verlockender Sch�nheit und unwiderstehlicher Reize gewesen, denen sich kein Mann entziehen konnte. Die Frauen auf diesem Schiff waren in Wirklichkeit auch nicht sch�ner als andere, aber wenn sie ihre Bewegungen beobachtete, verstand sie diese alten Erz�hlungen.</p><p>Zwei der Frauen, die auf dem erh�hten Achterdeck standen, geh�rten offensichtlich nicht zur normalen Besatzung. Auch sie waren barfu�, und ihre Kleidung entsprach dem �blichen Schnitt auf diesem Schiff, doch die eine war ganz in kunstvoll ums�umte blaue Seide gekleidet und die andere in ebensolche gr�ne. Die �ltere der beiden, die in Gr�n, trug in jedem Ohrl�ppchen vier kleine, in der Morgensonne glitzernden Goldringe und einen weiteren im linken Nasenfl�gel. Von dem winzigen Nasenring zog sich ein ganz feines Kettchen zu einem Ohrring hin�ber, und daran baumelte eine Reihe kleiner Goldmedaillons. An einer ihrer Halsketten hing ein kleiner goldener Beh�lter, kunstvoll verarbeitet wie zu Goldspitze, den sie von Zeit zu Zeit leicht anhob, um daran zu riechen. Die andere, etwas gr��ere Frau trug insgesamt nur sechs Ohrringe und auch weniger Medaillons; aber der durchbrochene Goldbeh�lter, an dem auch sie in Abst�nden roch, war mindestens genauso fein gearbeitet. Das war nun wirklich exotisch. Elayne verzog allerdings das Gesicht, wenn sie an diese Nasenringe dachte. Und dann auch noch die Kette!</p><p>Etwas Eigenartiges am Heck des Schiffes fiel ihr auf, aber zun�chst war ihr selbst nicht klar, was es sein k�nne. Dann fiel es ihr wie Schuppen von den Augen. Es gab keinen Ruderbaum. Anstelle des �blichen Steuerruders stand hinter den beiden Frauen eine Art h�lzernes Speichenrad, das festgebunden war, damit es sich nicht drehen konnte. Aber kein Ruderbaum! <emphasis>Wie steuern sie das Ding?</emphasis> Selbst der kleinste Flu�kahn, den sie gesehen hatte, besa� noch ein Steuerruder, so wie auch jedes der anderen Schiffe, die hier im Hafen vert�ut lagen. Immer geheimnisvoller wurde ihr dieses Meervolk.</p><p>�Denk daran, was Moiraine dir gesagt hat�, mahnte sie Nynaeve zur Vorsicht, als sie zum Achterdeck gingen. Es war nicht viel gewesen; selbst die Aes Sedai hatte nur wenig von den Atha'an Miere gewu�t. Moiraine hatte ihnen gesagt, wie man die h�hergestellten Mitglieder des Meervolks ansprechen solle und was bei ihnen als gute Manieren galt. �Und denk auch daran, taktvoll zu sein�, fl�sterte sie energisch.</p><p>�Ich werde schon daran denken�, erwiderte Nynaeve in scharfem Ton. �Ich kann durchaus taktvoll sein.� Elayne hoffte inbr�nstig, da� dem so sei.</p><p>Die beiden Meervolk-Frauen warteten am oberen Ende der Treppe auf sie. Elayne erinnerte sich daran, da� man die Treppe an Bord eines Schiffes eigentlich Leiter nannte. Sie verstand nicht, warum man bei einem Schiff andere Bezeichnungen f�r so allt�gliche Dinge verwandte. Ein Fu�boden war ein Fu�boden, ob in einer Scheune, einer Schenke oder einem Palast. Warum nicht auch auf einem Schiff? Eine Parfumwolke umgab die beiden. Der Duft erinnerte leicht an Moschus und kam aus den kleinen Goldbeh�ltern. Die T�towierungen auf ihren H�nden stellten Sterne und Seev�gel dar, umgeben von stilisierten Meereswogen.</p><p>Nynaeve senkte kurz den Kopf. �Ich hei�e Nynaeve al'Meara und bin eine Aes Sedai der Gr�nen Ajah. Ich suche die Segelherrin dieses Schiffes und Passage, so es das Licht will. Das ist meine Begleiterin und Freundin Elayne Trakand, ebenfalls eine Aes Sedai der Gr�nen Ajah. Das Licht leuchte Euch und Eurem Schiff und sende Euch g�nstigen Wind f�r eine schnelle Fahrt.� Fast genauso hatte es ihnen Moiraine beigebracht. Nicht das von den Aes Sedai der Gr�nen Ajah allerdings � dar�ber hatte sich Moiraine lediglich am�siert.</p><p>Die �ltere Frau, die schon graue Str�hnen im schwarzen Haar und kleine F�ltchen um ihre gro�en, braunen Augen hatte, senkte genauso formell den Kopf. Trotzdem schien sie sie von Kopf bis Fu� sehr genau zu mustern und betrachtete besonders lang die Ringe mit der Gro�en Schlange, die beide an der rechten Hand trugen. �Ich bin Coine din Jubai Wilde Winde, Segelherrin des <emphasis>Wogent�nzers.</emphasis> Das hier ist Jorin din Jubai Wei�e Schwinge, meine Blutschwester und die Windsucherin des <emphasis>Wogent�nzers.</emphasis> Es k�nnten f�r Euch noch Passagen frei sein, wenn es dem Licht gef�llt. Das Licht leuchte Euch und bringe Euch sicher ans Ende Eurer Reise.� Es war �berraschend, da� die beiden Schwestern sein sollten. Elayne sah wohl gewisse �hnlichkeiten, doch Jorin wirkte viel j�nger. Sie w�nschte sich, die Windsucherin sei diejenige, mit der sie vor allem zu tun haben w�rden. Beide Frauen schienen wohl gleicherma�en zur�ckhaltend, aber etwas an der Windsucherin erinnerte sie an Aviendha. Das war nat�rlich unsinnig. Diese Frauen waren nicht gr��er als sie, ihr Teint entsprach ganz und gar nicht dem einer Aielfrau, und die einzige Waffe, die sie bei diesen Frauen hier entdecken konnte, war jeweils ein festes Messer, das sie in die Sch�rpen gesteckt hatten. Sie sahen eher nach Handwerkszeug aus als nach Waffen, trotz der Schnitzereien und Einlegearbeiten aus Golddraht am jeweiligen Griff. Dennoch konnte sich Elayne nicht helfen: Sie sah irgendeine �hnlichkeit zwischen Jorin und Aviendha!</p><p>�La�t uns also dar�ber sprechen, Segelherrin, wenn es Euch recht ist�, sagte Nynaeve ganz im Sinne Moiraines, ��ber das Segeln und die H�fen und das Geschenk einer Passage.� Das Meervolk lie� sich die �berfahrt nicht bezahlen, hatte Moiraine behauptet. Es sei ein Geschenk, und nur ganz zuf�llig wurde es gegen ein Geschenk gleichen Wertes eingetauscht.</p><p>Dann sah Coine hin�ber, �ber das Achterdeck hinweg zum Stein und dem wei�en Banner, das dar�ber flatterte. �Wir sprechen in meiner Kabine weiter, Aes Sedai, wenn es Euch recht ist.� Sie deutete auf eine offene Luke hinter dem eigenartigen Rad. �Seid willkommen auf meinem Schiff, und die Gnade des Lichts leuchte Euch, bis Ihr sein Deck wieder verla�t.� Eine weitere enge Leiter � Treppenhaus w�re die richtige Bezeichnung gewesen � f�hrte hinab in ein sauberes und gem�tliches Zimmer, das ger�umiger und h�her war, als Elayne von ihrer Erfahrung mit kleineren Schiffen her gewohnt war. Fenster zogen sich �ber die ganze Breite des Raums, und an den W�nden hingen aus Ringen gefertigte Lampen. Fast alles schien man in den Raum eingebaut zu haben, bis auf ein paar bemalte Truhen verschiedener Gr��e. Das Bett war breit und niedrig. Es befand sich direkt unter der Reihe der Heckfenster. Ein schmaler Tisch, von Lehnst�hlen umgeben, stand in der Mitte.</p><p>Das �bliche Durcheinander fehlte hier fast vollst�ndig. Auf dem Tisch lagen ein paar zusammengerollte Karten, auf den Regalbrettern mit ihren hochgezogenen Umrandungen, um alle Gegenst�nde bei Seegang zu sichern, standen einige Elfenbeinschnitzereien, die seltsame Tiere darstellten, und ein halbes Dutzend Schwerter unterschiedlicher Formen, wie sie Elayne zum Teil noch nie gesehen hatte, hing zwischen Haken eingekeilt mit blo�en Klingen an den W�nden. Von einem Balken �ber dem Bett hing ein eigenartig geh�mmerter, quadratischer Gong herunter. Direkt vor den Heckfenstern, als habe man ihm einen Ehrenplatz geben wollen, steckte auf einem grob geschnitzten h�lzernen Kopf ein Helm, geformt wie der Kopf eines ungeheuren Insekts, rot und gr�n bemalt, mit einer schmalen wei�en Feder an jeder Seite, von denen eine allerdings geknickt war. Den Helm erkannte Elayne sehr wohl. �Seanchan�, stie� sie, ohne nachzudenken, hervor. Nynaeve warf ihr einen irritierten Blick zu, und den hatte sie auch verdient. Sie hatten sich darauf geeinigt, da� Nynaeve als die �ltere die F�hrung �bernehmen und die Verhandlungen f�hren sollte. Das schien ihnen glaubw�rdiger.</p><p>Coine und Jorin sahen sich ausdruckslos an. �Ihr wi�t von ihnen?� fragte die Segelherrin. �Nat�rlich. Von Aes Sedai mu� man wohl erwarten, Bescheid zu wissen. Soweit im Osten wie hier h�ren wir viele Ger�chte, und die wahrscheinlichsten sind wohl noch immer weniger als zur H�lfte wahr.� Elayne wu�te, da� es besser war, jetzt den Mund zu halten, doch die Neugier kitzelte ihre Zunge: �Wie seid Ihr an diesen Helm gekommen? Falls ich das fragen darf?� �Der <emphasis>Wogent�nzer</emphasis> hat letztes Jahr ein Schiff der Seanchan angetroffen�, antwortete Coine. �Sie w�nschten, mein Schiff einzunehmen, doch ich wollte es nicht aufgeben.� Sie zuckte leicht die Achseln. �Ich habe den Helm behalten, damit er mich immer daran erinnert, und die See hat die Seanchan behalten. Das Licht sei allen gn�dig, die segeln. Ich werde mich nie mehr einem Schiff mit gerippten Segeln n�hern.� �Ihr hattet Gl�ck�, sagte Nynaeve knapp. �Die Seanchan haben Frauen gefangen, die die Macht gebrauchen k�nnen, und sie verwenden sie als Waffen. Falls sie eine davon auf diesem Schiff gehabt h�tten, h�ttet Ihr bereut, es jemals gesichtet zu haben.� Elayne schnitt ihr eine Grimasse, doch es war zu sp�t. Sie wu�te nicht, ob die Meervolk-Frauen an Nynaeves Tonfall Ansto� genommen hatten. Das Paar behielt den gleichen neutralen Gesichtsausdruck bei, aber Elayne war mittlerweile auch klar geworden, da� sie Fremden gegen�ber wohl kaum jemals Gef�hlsregungen zeigten.</p><p>�La�t uns �ber Eure Passage sprechen�, sagte Coine. �Falls es dem Licht gef�llt, legen wir dort an, wo Ihr hinzureisen w�nscht. Alles ist m�glich unter dem Licht. Setzen wir uns doch.� Man konnte die St�hle am Tisch nicht zur�ckschieben, denn sie waren am Boden befestigt. Statt dessen klappte man die Armlehnen wie kleine Torfl�gel heraus, und wieder zu, wenn man sich gesetzt hatte. Dies schien Elaynes d�stere Ahnungen in bezug auf Schwanken und Rollen eines Schiffes zu best�tigen. Sie hatte nat�rlich kaum Schwierigkeiten damit, aber Nynaeves Magen vertrug die Schaukelei auf einem Schiff nun einmal nicht. Auf dem Meer mu�te das wohl noch schlimmer sein als auf einem Flu�, und je schlechter es Nynaeves Magen ging, desto schlimmer w�rde ihre Laune werden. Nynaeve seekrank und noch dazu �bler Laune: viel schlimmer konnte es Elaynes Erfahrung nach nicht mehr kommen.</p><p>Sie und Nynaeve setzten sich an die eine L�ngsseite des Tisches, w�hrend die Segelherrin und die Windsucherin an den beiden Tischenden sa�en. Das kam ihr zuerst seltsam vor, bis ihr auffiel, da� sie auf diese Art gezwungen waren, immer diejenige anzublicken, die gerade sprach, w�hrend die andere sie ungesehen beobachten konnte. <emphasis>Machen sie das immer so mit Passagieren, oder nur mit uns, weil wir Aes Sedai sind? Oder weil sie uns f�r solche halten.</emphasis> Es war jedenfalls eine Warnung, denn nicht alles war bei diesem Volk so einfach, wie es �u�erlich schien. Sie hoffte, Nynaeve habe das auch bemerkt.</p><p>Elayne hatte nicht gesehen, da� irgendein Befehl gegeben worden war, doch nun tauchte eine schlanke junge Frau mit nur einem Ring in jedem Ohr auf, die ein Tablett trug. Darauf standen eine eckige, wei�e Teekanne mit Messinggriff und vier gro�e, henkellose Tassen, allerdings nicht, wie man h�tte erwarten k�nnen, aus dem feinen Porzellan des Meervolks, sondern einfache dicke Keramiktassen. Die zerbrachen bei schwerem Seegang wohl nicht so leicht, dachte sie d�ster. Aber vor allem die jung Frau erregte ihre Aufmerksamkeit. Beinahe h�tte sie nach Luft geschnappt: Sie war n�mlich genau wie die M�nner oben bis zur H�fte nackt. Elayne verbarg ihre Entr�stung recht gut, aber Nynaeve schnaubte laut.</p><p>Die Segelherrin wartete ab, bis das M�dchen ihnen fast schwarzen Tee eingegossen hatte, und sagte dann: �Sind wir abgesegelt, Dorele, als ich gerade nicht hinsah? Ist kein Land mehr in Sicht?� Die schlanke Frau err�tete stark. �Es ist Land in Sicht, Segelherrin.� Es war ein kl�gliches Fl�stern.</p><p>Coine nickte. �Bis kein Land mehr in Sicht ist und einen vollen Tag danach wirst du die Kielr�ume s�ubern, wo Kleidung ein Hindernis beim Putzen w�re. Du kannst gehen.� �Ja, Segelherrin�, sagte das M�dchen noch niedergeschlagener. Sie wandte sich zum Gehen und l�ste h�ngenden Kopfes die Schleife an ihrem G�rtel, w�hrend sie durch die T�r am anderen Ende des Raums verschwand.</p><p>�Teilt den Tee mit uns, wenn es Euch recht ist�, sagte die Segelherrin, �und sprecht mit uns in Frieden.� Sie nippte an ihrem Tee und fuhr fort, w�hrend Elayne und Nynaeve ihren probierten. �Ich hoffe, Ihr vergebt uns diesen �rger, Aes Sedai. Dies ist Doreles erste Seereise au�erhalb der Inseln. Die Jungen vergessen oft die Sitten der Landgebundenen. Ich werde sie noch weiter bestrafen, falls sie Euch beleidigt hat.� �Das ist nicht n�tig�, sagte Elayne schnell und ben�tzte die Gelegenheit, ihre Tasse abzustellen. Der Tee war sogar noch st�rker, als er aussah, dazu noch sehr hei�, unges��t und ziemlich bitter. �Wir waren wirklich nicht beleidigt. Die Sitten sind unterschiedlich bei verschiedenen V�lkern.� <emphasis>Das Licht gebe, da� wir nicht viele weitere kennenlernen, die sich so von unseren unterscheiden. Licht, was ist, wenn sie �berhaupt nichts mehr tragen, sobald sie auf See sind? Licht!</emphasis> �Nur ein Narr ist beleidigt, wenn er fremde Sitten kennenlernt.� Nynaeve warf ihr einen gelassenen Blick zu, nichtssagend genug f�r eine Aes Sedai, die sie zu sein vorgaben, und nahm einen kr�ftigen Schluck aus ihrer Tasse. Alles, was sie sagte, war: �Denkt nicht weiter daran.� Man konnte nicht sagen, ob sie damit Elayne meinte oder die Meervolk-Frauen.</p><p>�Dann werden wir auf Eure Passage zu sprechen kommen, wenn es Euch recht ist�, sagte Coine. �Zu welchem Hafen w�nscht Ihr zu segeln?� �Tanchico�, sagte Nynaeve ein wenig zu scharf. �Vielleicht wollt Ihr gar nicht dorthin segeln, aber wir m�ssen schnell dorthin, so schnell, wie die Strecke nur einer Eurer Klipper zur�cklegen kann, und das, wenn m�glich ohne Zwischenaufenthalt. Ich biete Euch dieses kleine Geschenk f�r Eure M�he.� Sie nahm ein Dokument aus ihrer G�rteltasche, entfaltete es und schob es �ber den Tisch der Segelherrin hin.</p><p>Moiraine hatte es ihnen gegeben und noch ein weiteres, �hnliches � jeweils eine Art Wechsel. Jeder erlaubte dem �berbringer, dreitausend Goldkronen von den B�nkern und Geldwechslern in vielen St�dten zu verlangen, obwohl es ungewi� war, ob diese M�nner und Frauen �berhaupt wu�ten, da� es sich um Geld der Wei�en Burg handelte. Elayne hatte gro�e Augen gemacht, als sie den Betrag las, und Nynaeve hatte den Mund gar nicht mehr zubekommen. Aber Moiraine meinte, es sei notwendig, damit die Segelherrin �berzeugt werden konnte, eventuell vorgesehene H�fen zu meiden und statt dessen gleich nach Tanchico zu segeln.</p><p>Coine ber�hrte den Wechsel mit einem Finger und las sie dann. �Eine enorme Summe f�r das Geschenk der Passage�, murmelte sie. �Selbst wenn man bedenkt, da� Ihr mich bittet, meinen Reiseablauf zu �ndern. Ich bin noch �berraschter als zuvor. Ihr wi�t, wir bef�rdern selten Aes Sedai auf unseren Schiffen. Sehr selten. Von allen, die uns um eine Passage bitten, k�nnen wir dies nur den Aes Sedai verweigern und tun das auch fast immer, seit dem ersten Tag der ersten Reise. Die Aes Sedai wissen das und kommen so gut wie nie zu uns.� Sie blickte in ihre Teetasse, aber Elayne schaute schnell in die andere Richtung und sah, da� die Windsucherin ihre auf dem Tisch liegenden H�nde musterte. Nein, ihre Ringe!</p><p>Moiraine hatte davon nichts erw�hnt. Sie hatte ihnen nur gesagt, dieser Klipper sei das schnellste erreichbare Schiff und sie sollten es ben�tzen. Dann wieder hatte sie ihnen diese Wechsel gegeben, mit denen man vermutlich eine ganze Flotte von Schiffen h�tte chartern k�nnen. Oder wenigstens ein paar. <emphasis>Wu�te sie, da� soviel n�tig ist, um sie zu bestechen, damit sie uns mitnehmen?</emphasis> Aber warum hatte sie solche Dinge vor ihnen geheimgehalten? Eine dumme Frage; Moiraine tat immer geheimnisvoll. Doch warum ihre Zeit so verschwenden?</p><p>�Soll das hei�en, da� Ihr uns keine Passage gew�hren wollt?� Nynaeve hatte ihr Taktgef�hl wieder aufgegeben und den direkten Weg gew�hlt. �Wenn Ihr keine Aes Sedai bef�rdert, warum habt Ihr uns dann �berhaupt hierher mitgenommen? Warum es nicht gleich oben sagen und uns gehen lassen?� Die Segelherrin klappte eine Armlehne ihres Stuhls heraus, erhob sich und sp�hte durch eines der Heckfenster auf den Stein hinaus. Ihre Ohrringe und Medaillons, die ihr �ber die linke Wange hingen, glitzerten im Schein der aufgehenden Sonne. �Er ben�tzt die Eine Macht, wie ich geh�rt habe, und er h�lt das Unber�hrbare Schwert. Die Aiel sind auf seinen Ruf hin �ber die Drachenmauer gekommen. Ich habe ein paar auf der Stra�e gesehen, und man sagt, sie f�llten den ganzen Stein. Der Stein von Tear ist gefallen, und Krieg �berzieht die Staaten auf dem Festland. Diejenigen, die einst herrschten, sind zur�ckgekehrt und zuerst einmal zur�ckgeschlagen worden. Die Prophezeiungen werden erf�llt.� Nynaeve blickte ob dieses Themenwechsels genauso verwundert drein wie Elayne. �Die Prophezeiungen des Drachen?� fragte Elayne nach einem Augenblick des Z�gerns. �Ja, sie werden erf�llt. Er ist der Wiedergeborene Drache, Segelherrin.� <emphasis>Er ist ein sturer Mann, der seine Gef�hle so gut verbirgt, da� ich sie nicht finden kann. So ist das!</emphasis></p><p>Coine wandte sich um. �Nicht die Prophezeiungen des Drachen, Aes Sedai. Die Jendai-Prophezeiung, die Prophezeiung des Coramoor. Nicht diejenige, auf die Ihr wartet und die Ihr f�rchtet, sondern diejenige, auf deren Erf�llung wir begierig warten, den Anbruch eines neuen Zeitalters. W�hrend der Zerst�rung der Welt flohen unsere Vorfahren und suchten die Sicherheit auf dem Meer, w�hrend sich das Land aufb�umte und wie im Sturm wogte. Man erz�hlt, da� sie nichts von den Schiffen verstanden, auf denen sie dem Untergang entkamen, aber das Licht sch�tzte sie, und sie �berlebten. Sie sahen das Land erst wieder, als es sich beruhigt hatte, und da hatte sich viel ver�ndert. Alles � die ganze Welt � trieb vor dem Wind auf dem Wasser. In den Jahren danach wurden die Jendai-Prophezeiungen zuerst m�ndlich weitergegeben. Wir m�ssen ruhelos �ber die Wasser wandern, bis der Coramoor wiederkehrt, und bei seiner Ankunft m�ssen wir ihm dienen.</p><p>Wir sind ans Meer gebunden; in unseren Adern flie�t Salzwasser. Die meisten von uns setzen keinen Fu� an Land, au�er, um auf ein anderes Schiff, eine andere Reise zu warten. Starke M�nner weinen, wenn sie an Land Dienst tun m�ssen. Frauen, die sich an Land aufhalten, gehen an Bord eines Schiffes, um ihr Kind zu geb�ren, und wenn kein Schiff zur Hand ist, zur Not auch auf ein Ruderboot, denn wir m�ssen auf dem Wasser geboren werden und auf dem Wasser sterben und nach unserem Tod den Wogen �bergeben werden.</p><p>Die Prophezeiung wird erf�llt. Er ist der Coramoor. Aes Sedai dienen ihm. Ihr seid der Beweis daf�r, weil Ihr euch hier in dieser Stadt befindet. Auch das wurde prophezeit. �Die Wei�e Burg wird in seinem Namen geschleift, und Aes Sedai werden vor ihm knien und seine F��e waschen und sie mit ihrem Haar trocknen.�� �Da k�nnt Ihr lange warten, um zuzusehen, wie ich irgendeinem Mann die F��e wasche�, sagte Nynaeve trocken. �Was hat das mit unserer Passage zu tun? Nehmt Ihr uns mit oder nicht?� Elayne zuckte zusammen, aber die Segelherrin antwortete genauso geradeheraus: �Warum wollt Ihr nach Tanchico fahren? Das ist mittlerweile ein unangenehmer Ort zum Anlegen geworden. Ich habe dort letzten Winter angelegt. Die Landbewohner haben beinahe mein Schiff �berrannt, so viele wollten als Passagiere von dort fort. Es war ihnen gleich, wohin, wenn sie nur von Tanchico wegkamen. Ich kann nicht glauben, da� die Bedingungen dort jetzt besser geworden sind.� �Verh�rt Ihr immer Eure Passagiere derart?� fragte Nynaeve. �Ich habe Euch genug geboten, um ein ganzes Dorf zu kaufen. Zwei D�rfer! Wenn Ihr mehr wollt, dann nennt Euren Preis.� �Keinen Preis�, zischte ihr Elayne ins Ohr. �Ein Geschenk!� Falls Coine beleidigt war oder ihr �berhaupt zugeh�rt hatte, lie� sie sich nichts anmerken. �Warum?� Nynaeve packte ihren Zopf, aber Elayne legte ihr beruhigend eine Hand auf den Arm. Sie hatten ein paar Dinge f�r sich behalten wollen, aber seit sie sich hier hingesetzt hatten, hatten sie wohl auch genug gelernt, um ihre Pl�ne zu �ndern. Es gab Gelegenheiten, Geheimnisse zu wahren, und andere, die Wahrheit zu sagen. �Wir verfolgen die Schwarzen Ajah, Segelherrin. Wir glauben, einige von ihnen halten sich in Tanchico auf.� Sie erwiderte Nynaeves w�tenden Blick mit Gelassenheit. �Wir m�ssen sie finden, bevor sie dem... dem Wiedergeborenen Drachen Schaden zuf�gen. Dem Coramoor.� �Das Licht lasse uns in Sicherheit Anker werfen�, hauchte die Windsucherin. Es war das erste Mal, da� sie sprach, und Elayne sah sie �berrascht an. Jorin runzelte die Stirn und sah niemanden direkt an, doch dann sagte sie zur Segelherrin: �Wir k�nnen sie mitnehmen, meine Schwester. Wir m�ssen.� Coine nickte.</p><p>Elayne tauschte einen Blick mit Nynaeve und erblickte ihre eigenen Fragen in den Augen der anderen Frau wieder. Warum war es die Windsucherin, die so etwas entschied? Warum nicht die Segelherrin? Sie war doch Kapit�n, auch wenn der Titel anders lautete. Aber wenigstens w�rden sie nun ihre Passage erhalten. <emphasis>Wieviel werden wir daf�r bezahlen?</emphasis> fragte sich Elayne. <emphasis>Wie gro� wird das �Geschenk� sein m�ssen?</emphasis> Sie verw�nschte Nynaeve, die verraten hatte, da� sie mehr als nur dieser einen Wechsel in H�nden hielten. <emphasis>Und sie beschuldigt mich, mit Gold nur so herumzuwerfen.</emphasis></p><p>Die T�r �ffnete sich, und ein breitschultriger, grauhaariger Mann in weiten gr�nen Seidenhosen und Sch�rpe kam herein. Dabei bl�tterte er in einem kleinen Stapel Papiere, die er in einer Hand hielt. In jedem Ohr steckten vier Goldringe, und um seinen Hals hingen drei schwere Goldketten, darunter eine mit einem Parfumbeh�lter. Eine lange Narbe auf der einen Wange und zwei krumme Messer in der G�rtelsch�rpe verliehen seiner Erscheinung etwas Gef�hrliches. Er hatte ein eigenartiges Drahtgestell �ber seine Ohren geh�ngt, um durchsichtige Gl�ser vor seinen Augen zu halten. Das Meervolk machte nat�rlich die besten Glaswaren und Brenngl�ser und dergleichen, irgendwo dort auf ihren Inseln, aber so etwas wie diese Vorrichtung hatte Elayne noch nie gesehen.</p><p>Er sp�hte durch die Gl�ser auf die Papiere und begann zu sprechen, ohne erst aufzublicken: �Coine, dieser Narr ist doch tats�chlich gewillt, mir f�nfhundert Schneefuchsfelle aus Kandor f�r diese drei kleinen F�sser Zwei-Fl�sseTabak zu bieten, die ich in Ebou Dar bekam. F�nfhundert! Er kann sie bis Mittag herschaffen.� Er hob den Blick und fuhr zusammen. �Vergebt mir, meine Gemahlin. Ich wu�te nicht, da� Ihr G�ste habt. Das Licht leuchte Euch allen.� �Bis zum Mittag, mein Gemahl�, sagte Coine, �werde ich flu�abw�rts unterwegs sein. Bei Sonnenuntergang bin ich auf See.� Er versteifte sich. �Bin ich immer noch Zahlmeister, Gemahlin, oder ist meine Position anders besetzt worden, als ich nicht hinsah?� �Du bist Zahlmeister, Gemahl, aber das Handeln mu� jetzt aufh�ren, und die Reisevorbereitungen m�ssen beginnen. Wir segeln nach Tanchico.� �Tanchico!� Er zerkn�llte die Papiere in seiner Faust und brachte sich nur mit M�he unter Kontrolle. �Gemahlin � Nein! Segelherrin, Ihr hattet mir gesagt, unser n�chster Hafen sei Mayene und dann w�rden wir nach Osten nach Schara segeln. Das hatte ich bei allen Gesch�ften im Kopf. Schara, Segelherrin, und nicht Tarabon. Was ich im Frachtraum habe, wird in Tanchico nicht viel einbringen. Vielleicht gar nichts! Darf ich fragen, warum nein ganzes Handeln ruiniert und der <emphasis>Wogent�nzer</emphasis> in Armut gest�rzt werden soll?� Coine z�gerte, aber als sie sprach, klang ihre Stimme noch ganz formell: �Ich bin die Segelherrin, mein Gemahl. Der <emphasis>Wogent�nzer</emphasis> segelt, wann ich es sage und wohin ich sage. Das mu� im Augenblick gen�gen.� �Wie Ihr befehlt, Segelherrin�, brachte er mit rauher Stimme heraus, �so wird es geschehen.� Er ber�hrte seine Herzgegend, wobei Elayne glaubte, Coine zusammenzucken zu sehen, und verlie� die Kabine mit steifem Kreuz, als habe er einen Mast verschluckt.</p><p>�Ich mu� das an ihm wiedergutmachen�, murmelte Coine leise und sah immer noch die T�r an. �Nat�rlich ist es angenehm, sich wieder mit ihm zu vers�hnen. Normalerweise. Er hat wie ein Schiffsjunge salutiert, Schwester.� �Wir bedauern es, der Grund f�r Euren Streit zu sein, Segelherrin�, sagte Elayne reuig. �Und wir bedauern auch, dies miterlebt zu haben. Wenn wir irgend jemand in Verlegenheit gebracht haben, dann nehmt bitte unsere Entschuldigung an.� �Verlegenheit?� Coine klang �berrascht. �Aes Sedai, ich bin die Segelherrin. Ich bezweifle, da� Eure Anwesenheit Toram in Verlegenheit brachte, und ich w�rde mich bei ihm keineswegs entschuldigen, wenn es der Fall gewesen w�re. Der Handel untersteht ihm, aber ich bin die Segelherrin. Ich werde es an ihm wiedergutmachen, und das wird nicht einfach, da ich die Gr�nde ja geheimhalten mu�, und er hat an sich recht. Diese Narbe auf seiner Wange hat er abbekommen, als er an Deck des <emphasis>Wogent�nzers</emphasis> gegen die Seanchan k�mpfte. Er hat noch �ltere Narben davongetragen, als er mein Schiff verteidigte, und ich mu� nur die Hand nach dem Gold ausstrecken, das er durch seinen Handel hineinlegt. Ich mu� die Dinge an ihm wiedergutmachen, die ich ihm nicht sagen kann, denn er verdient es, �ber alles Bescheid zu wissen.� �Ich verstehe nicht ganz�, sagte Nynaeve. �Wir bitten Euch, die Schwarzen Ajah geheimzuhalten... � Sie sah Elayne zornig an. Der Blick versprach ihr einige harte Worte, sobald sie allein waren. Elayne wollte ihr aber auch einiges sagen, was mit Takt und �hnlichem zu tun hatte. �... aber dreitausend Kronen sind doch sicher Grund genug, um uns nach Tanchico zu bringen.� �Ich mu� Euer Geheimnis wahren, Aes Sedai. Was Ihr seid und warum Ihr auf diesem Schiff reist. Viele unter meinen Seeleuten w�rden Aes Sedai als schlechtes Omen betrachten. Falls sie w��ten, da� sie nicht nur Aes Sedai an Bord haben, sondern sie auch noch zu einem Hafen bringen, in dem andere Aes Sedai vielleicht dem Vater der St�rme dienen... Die Gnade des Lichts war mit uns, da� sich niemand nahe genug befand, um zu h�ren, wie ich Euch dort oben benannte. Beleidigt es Euch, wenn ich Euch bitte, soviel wie m�glich unter Deck zu bleiben und Eure Ringe oben an Deck nicht zu tragen?� Zur Antwort zog Nynaeve ihren Schlangenring vom Finger und steckte ihn in ihre G�rteltasche. Elayne tat es ihr nach, wenn auch ein wenig z�gernd. Sie geno� es ansonsten, wenn die Leute ihren Ring sahen. An diesem Punkt traute sie den diplomatischen F�higkeiten Nynaeves nicht so ganz und sagte deshalb, noch bevor ihre Gef�hrtin zu Wort kam: �Segelherrin, wir haben Euch ein Geschenk f�r eine Passage angeboten, wenn es Euch recht ist. Falls nicht, darf ich dann fragen, was Ihr w�nscht?� Coine kam zum Tisch zur�ck und sah sich den Wechsel an. Dann schob sie das Dokument zu Nynaeve hin�ber. �Ich tue das f�r den Coramoor. Ich werde Euch sicher an Land setzen, wo Ihr an Land zu gehen w�nscht, so das Licht es will. So soll es sein.� Sie ber�hrte mit den Fingerspitzen ihrer rechten Hand ihre Lippen. �Wir erkl�ren uns damit einverstanden, das Licht sei Zeuge.� Jorin gab einen erstickten Laut von sich. �Meine Schwester, hat je ein Zahlmeister eine Meuterei gegen seine Segelherrin angezettelt?� Coine sah sie ausdruckslos an. �Ich werde das Geschenk der Passage aus meiner eigenen Geldtruhe begleichen. Und falls Toram jemals etwas davon erf�hrt, meine Schwester, werde ich dich zusammen mit Dorele in die Kielr�ume schicken. Vielleicht als Ballast.� Da� die beiden Meervolkfrauen alle Formalit�t hatten fallen lassen, wurde deutlich, da die Windsucherin schallend loslachte. �Und dann w�rdet Ihr als n�chsten Hafen vermutlich Chachin anlaufen, meine Schwester, oder auch Caemlyn, denn ohne mich k�nntet Ihr kein Wasser mehr finden.� Die Segelherrin wandte sich bedauernd an Elayne und Nynaeve. �Eigentlich, Aes Sedai, da Ihr ja dem Coramoor dient, sollte ich Euch ehren, wie ich die Segelherrin und die Windsucherin eines anderen Schiffes ehren w�rde. Wir sollten zusammen baden und Honigwein trinken und uns gegenseitig Geschichten erz�hlen, die uns zum Lachen oder zum Weinen bringen. Aber ich mu� das Schiff auf die Abfahrt vorbereiten und... � Der <emphasis>Wogent�nzer</emphasis> b�umte sich auf und schlug gegen die Kaimauer. Elayne ri� es in ihrem Stuhl nach vorn und dann zur�ck. Als das Auf- und Abtanzen nicht aufh�rte, fragte sie sich, ob es nicht besser w�re, nach drau�en an Deck zu st�rzen, als hier im Stuhl gefangen zu sitzen.</p><p>Dann endlich war es vorbei; die Spr�nge wurden schw�cher und flacher. Coine krabbelte auf die Beine und rannte zur Leiter, Jorin auf ihren Fersen. Sie schrie bereits wieder Befehle, nach m�glichen Sch�den am Rumpf zu suchen.</p></section><section><title><p>20</p><p>Der Wind erhebt sich</p></title><p>Elayne k�mpfte mit der Armlehne, bis sie sie endlich offen hatte und hinter ihnen herrennen konnte. Dabei stie� sie fast mit Nynaeve zusammen, als beide gleichzeitig die Leiter hoch wollten. Das Schiff bockte noch immer, aber lange nicht so gewaltsam wie vorher. Elayne hatte Angst, es werde sinken, und stie� Nynaeve vor sich her, damit sie schneller lief.</p><p>An Deck rannten die Besatzungsmitglieder kreuz und quer, �berpr�ften die Takelage, sp�hten �ber die Reling, um eventuelle Sch�den am Rumpf zu entdecken und schrien wild durcheinander von Erdbeben und �hnlichem. Dieselben Schreie erklangen auch vom Pier, wo die Fracht durcheinandergepurzelt war. Die Schiffe schwankten heftig an ihren Liegepl�tzen. Elayne wu�te jedoch, da� es sich nicht um ein Erdbeben handelte.</p><p>Sie starrte hin�ber zum Stein. Die riesige Festung stand so sicher wie immer, nur ganze Schw�rme aufgescheuchter V�gel flatterten um dieses helle Banner herum, das sich beinahe aufreizend langsam in einer sanften Brise bewegte. Kein Anzeichen daf�r, da� irgend etwas mit dem enormen Felsklotz geschehen sei. Aber Rand war die Ursache gewesen, da war sie sicher.</p><p>Sie wandte sich um und blickte direkt in Nynaeves Augen. Ihre Blicke trafen sich einen langen Moment �ber. �Das hat er ja wunderbar gemacht�, sagte Elayne schlie�lich. �Vielleicht hat er auch noch das Schiff besch�digt? Und wie kommen wir dann nach Tanchico, wenn er nicht bald aufh�rt, mit s�mtlichen Schiffen Ball zu spielen?� <emphasis>Licht, hoffentlich geht es ihm gut. Ich kann jetzt und hier nichts f�r ihn tun. Es geht ihm sehr gut.</emphasis></p><p>Nynaeve ber�hrte ihren Arm beruhigend. �Bestimmt hat dein zweiter Brief bei ihm einiges ausgel�st. Die M�nner zeigen immer �berreaktionen, wenn sie sich gehenlassen. Das ist der Preis daf�r, da� sie ihre Gef�hle ansonsten derart unter Kontrolle zu halten versuchen. Er mag ja der Wiedergeborene Drache sein, aber er mu� lernen, was zwischen Mann und Frau... Was machen <emphasis>die</emphasis> denn hier?� �Die� waren zwei M�nner, die zwischen den gesch�ftigen Meerleuten an Deck standen. Der eine war Thom Merrilin in seinem Gauklerumhang mit Harfe und Fl�te in ihren Lederbeh�ltern auf dem R�cken und einem B�ndel zu seinen F��en neben einem sch�bigen Holzkasten mit Vorh�ngeschlo�. Der andere war ein hagerer, gutaussehender Tairener von mittleren Jahren, ein harter Mann mit dunklem Teint, der einen flachen, kegelf�rmig zulaufenden Strohhut und einen dieser ArmeLeute-M�ntel trug, der bis zur H�fte eng anlag und darunter wie ein kurzer Rock weit ausgestellt war. Ein zerkratzter Schwertbrecher hing an dem G�rtel, den er �ber den Mantel geschnallt hatte, und er st�tzte sich auf einen Stab aus hellem, getreidehalm�hnlichem Holz, der genauso hoch war wie er gro� und kaum dicker als sein Daumen. Ein eckig verschn�rtes Paket hing ihm an einer Schlaufe von der Schulter. Elayne kannte ihn: Er hie� Juilin Sandar.</p><p>Es war offensichtlich, da� sich die M�nner nicht kannten, obwohl sie beinahe Seite an Seite standen. Beide standen jedoch steif und f�rmlich da. Allerdings war ihre Aufmerksamkeit auf die gleichen Objekte gerichtet: Einerseits beobachteten sie die Segelherrin, wie sie zum Achterdeck marschierte, und andererseits sp�hten sie hin�ber zu Elayne und Nynaeve. Die Blicke beider wirkten unsicher, doch verbargen sie es hinter einer Haltung, die wohl stolzes Selbstvertrauen ausdr�cken sollte. Thom grinste und strich sich �ber den langen, wei�en Schnurrbart, und dazu nickte er jedesmal, wenn sein Blick die beiden Frauen traf, w�hrend Sandar sich mehrmals ernst und w�rdevoll verbeugte.</p><p>�Keinerlei Sch�den�, sagte Coine, als sie die Leiter hochkam. �Wir k�nnen innerhalb einer Stunde absegeln, wenn es Euch recht ist. Sogar gut vor Ablauf einer Stunde, falls wir einen Lotsen aus Tear finden. Falls nicht, segle ich auch ohne einen ab, aber das w�rde bedeuten, da� ich nie nach Tear zur�ckkommen darf.� Sie folgte ihren Blicken zu den beiden M�nnern hin�ber. �Sie bitten um Passage �der Gaukler nach Tanchico und der Diebf�nger, wohin immer Ihr reist. Ich kann es ihnen nicht verweigern, und doch... � Ihre dunklen Augen blickten wieder Elayne und Nynaeve an. �Ich werde sie mitnehmen, wenn Ihr es w�nscht.� Das Z�gern, weil sie gegen ihre eigenen Br�uche handeln w�rde, war in ihrer Stimme zu sp�ren, und andererseits vielleicht auch... der Wunsch, ihnen zu helfen? Dem Coramoor zu dienen? �Der Diebf�nger ist ein guter Mann, obwohl er eine Landratte ist. Nichts gegen Euch, beim Licht. Aber den Gaukler kenne ich nicht. Doch k�nnte ein Gaukler nat�rlich die Reise beleben und die Stunden der Ersch�pfung erleichtern.� �Ihr kennt Meister Sandar?� fragte Nynaeve.</p><p>�Zweimal schon hat er jene aufgesp�rt, die hier an Bord Diebst�hle begingen, und er hat sie schnell gefunden. Eine andere Landratte h�tte bestimmt l�nger dazu gebraucht, und er h�tte f�r seine gute Arbeit mehr verlangen k�nnen. Es ist offensichtlich, da� auch Ihr ihn kennt. M�chtet Ihr, da� ich ihm die Passage verweigere?� Ihr Z�gern war immer noch sp�rbar.</p><p>�Zuerst wollen wir einmal feststellen, warum sie sich hier befinden�, sagte Nynaeve mit einer Stimme, die nichts Gutes f�r die beiden M�nner verhie�.</p><p>�Vielleicht sollte ich mit ihnen reden�, bot Elayne ihr sanft aber entschlossen an. �Dann kannst du sie beobachten und feststellen, ob sie etwas verbergen.� Sie verschwieg ihr, da� sie hoffte, auf diese Weise Nynaeves n�chsten Wutausbruch vermeiden zu k�nnen, aber deren sp�ttisches L�cheln verriet ihr, da� sie die Absicht wohl erkannt hatte.</p><p>�Also gut, Elayne. Ich werde sie beobachten. Vielleicht k�nntest du dabei ebenfalls beobachten, wie ich die Ruhe bewahre. Du wei�t ja, wie du wirst, wenn du �berdreht bist.� Elayne mu�te unwillk�rlich lachen.</p><p>Die beiden M�nner richteten sich auf, als sie und Nynaeve sich ihnen n�herten. Um sie herum eilten die Seeleute, kletterten an der Takelage hoch, pullten Taue, zurrten einige Dinge fest und banden andere los, alles auf Befehl der Segelherrin. Sie bewegten sich um die Landbewohner herum, ohne sie weiter zu beachten.</p><p>Elayne blickte Thom Merrilin nachdenklich an. Sie war sicher, den Gaukler vor seinem Erscheinen im Stein noch nie gesehen zu haben, und doch kam ihr etwas an ihm so bekannt vor. Nicht sehr wahrscheinlich, aber... Gaukler traten vor allem in D�rfern auf. Ihre Mutter hatte ganz sicher nie einen im Palast in Caemlyn gehabt. Der einzige Gaukler, den gesehen zu haben sich Elayne erinnerte, war in einem Dorf in der N�he der Landg�ter ihrer Mutter aufgetreten, und dort war dieser wei�haarige Falke von einem Mann bestimmt nie gewesen.</p><p>Sie entschlo� sich, zuerst mit dem Diebf�nger zu sprechen. Auf dieser Bezeichnung bestand er, wie sie wohl wu�te. Er war stolz darauf.</p><p>�Meister Sandar�, sagte sie ernst, �Ihr erinnert Euch vielleicht nicht mehr an uns. Ich bin Elayne Trakand, und das ist meine Freundin Nynaeve al'Meara. Wie ich h�rte, wollt Ihr an dasselbe Ziel reisen wie wir. D�rfte ich den Grund erfahren? Als wir Euch das letzte Mal trafen, hattet Ihr uns nicht gerade gut gedient.� Der Mann zuckte nicht einmal mit der Wimper. Sein Blick �berflog ihre H�nde, und er bemerkte die Abwesenheit der Ringe. Diesen dunklen Augen entging nichts, und er pr�gte sich jede Einzelheit genau ein. �Ich erinnere mich an Euch, Frau Trakand, und sogar sehr gut. Aber bitte vergebt mir, doch das <emphasis>letzte</emphasis> Mal, als ich Euch diente, war in Gesellschaft von Mat Cauthon, als wir Euch beide aus dem Wasser zogen, bevor die Hechte Euch anknabberten.� Nynaeve r�usperte sich. Es war eine Zelle gewesen und nicht das Wasser, und statt der Hechte die Schwarzen Ajah. Besonders Nynaeve lie� sich nicht gern daran erinnern, da� sie damals Hilfe ben�tigt hatten. Nat�rlich h�tten sie ohne Juilin Sandar gar nicht in dieser Zelle gesessen. Nein, das war nicht ganz gerade. Wahr, aber nicht gerecht.</p><p>�Das ist alles sch�n und gut�, sagte Elayne nun kurz angebunden, �aber Ihr habt immer noch nicht gesagt, warum Ihr nach Tanchico wollt.� Er atmete tief durch und musterte Nynaeve mi�trauisch. Elayne gefiel es gar nicht, da� er es n�tig zu haben schien, der anderen Frau gegen�ber vorsichtiger zu sein als ihr gegen�ber. �Ich wurde vor noch nicht einmal einer halben Stunde aus meinem Haus getrieben�, sagte er vorsichtig, �und zwar von einem Mann, den Ihr kennt, wie ich glaube. Einem gro�en Mann mit steinernem Gesicht namens Lan.� Nynaeves Augenbrauen hoben sich leicht. �Er sprach f�r einen anderen Mann, den Ihr kennt, einen... Schafhirten, wie man mir sagte. Man gab mir einen Haufen Goldes und sagte mir, ich solle Euch begleiten. Euch beide. Man sagte mir auch, wenn Ihr nicht sicher von dieser Reise zur�ckkehrtet... Sagen wir einmal, es sei dann besser, wenn ich mich ertr�nke, anstatt zur�ckzukommen. Lan war da ganz eindeutig, und der... Schafhirte sagte in seiner Nachricht an mich praktisch das gleiche. Die Segelherrin sagte mir, ich k�nne nur mitkommen, wenn Ihr zustimmt. Ich habe aber doch gewisse F�higkeiten, die Euch n�tzlich sein k�nnten.� Der Stab wirbelte in seinen H�nden, pfiff blitzschnell durch die Luft und stand wieder still. Seine Finger ber�hrten den Schwertbrecher an seiner H�fte, der wie ein ungesch�rftes Schwert wirkte, aber mit Schlitzen versehen war, in denen sich eine gegnerische Klinge verhaken sollte.</p><p>�M�nner finden doch immer einen Weg, um sich um das herumzudr�cken, was du ihnen gesagt hast�, knurrte Nynaeve, doch es klang nicht sehr b�se.</p><p>Elayne runzelte nur etwas verwirrt die Stirn. Rand hatte ihn geschickt? Dann konnte er bestimmt den zweiten Brief vorher noch nicht gelesen haben. <emphasis>Seng ihn! Warum ist er so sprunghaft? Keine Zeit mehr, ihm noch einen Brief zu schicken, und der w�rde ihn vermutlich noch mehr verwirren. Und mich zu einer noch gr��eren N�rrin machen. Seng ihn!</emphasis></p><p>�Und Ihr, Meister Merrilin?� fragte Nynaeve. �Hat der Schafhirte uns auch noch einen Gaukler hinterhergesandt? Oder nur den anderen Mann? Vielleicht sollt Ihr uns nur mit Eurem Jonglieren und Feuerschlucken unterwegs unterhalten?� Thom hatte Sandar genau gemustert, aber nun verlagerte er seine Aufmerksamkeit und verbeugte sich elegant. Er verdarb die Wirkung nur etwas, als er �bertrieben seinen Flickenumhang schwenkte. �Nicht der Schafhirte, Frau al'Meara. Eine Dame, die wir alle gut kennen, bat mich �<emphasis>bat mich</emphasis> � Euch zu begleiten. Die Dame, die Euch und den Schafhirten in Emondsfeld aufgelesen hatte.� �Warum?� fragte Nynaeve mi�trauisch.</p><p>�Auch ich besitze ein paar n�tzliche F�higkeiten�, sagte Thom mit einem Seitenblick auf den Diebf�nger zu ihr. �Mehr als nur das Jonglieren. Und ich war schon mehrmals in Tanchico. Ich kenne die Stadt gut. Ich kann Euch sagen, wo Ihr eine gute Herberge findet und welche Bezirke sowohl bei Tageslicht wie auch in der Nacht gef�hrlich sind, und wen man in der Zivilgarde bestechen mu�, damit sie Euch nicht zu genau auf die Finger sehen. Sie beobachten Ausl�nder sonst recht mi�trauisch. Ich kann Euch in vieler Hinsicht behilflich sein.� Diese Vertrautheit kitzelte wieder an Elaynes Verstand. Bevor ihr klar wurde, was sie tat, griff sie hoch und zupfte ihn an seinem langen, wei�en Schnurrbart. Er fuhr zusammen, und sie schlug beide H�nde vor ihr Gesicht und lief knallrot an. �Vergebt mir. Ich... ich schien mich zu erinnern, so etwas fr�her schon getan zu haben. Ich meine... Es tut mir ehrlich leid.� <emphasis>Licht, wieso habe ich das getan? Er mu� mich f�r eine dumme Kuh halten.</emphasis></p><p>�Ich... w�rde mich wohl daran erinnern�, sagte er sehr steif.</p><p>Sie hoffte, ihn nicht beleidigt zu haben. Von seinem Gesichtsausdruck war kaum etwas abzulesen. M�nner waren manchmal beleidigt, wenn sie sich am�sieren sollten, und belustigt, wenn sie beleidigt sein sollten. Falls sie zusammen diese Reise antraten... Zum erstenmal wurde ihr klar, da� sie sich bereits entschieden hatte, beide mitzunehmen. �Nynaeve?� fragte sie.</p><p>Die andere Frau verstand nat�rlich die unausgesprochene Frage. Sie musterte die beiden M�nner noch einmal gr�ndlich und nickte dann. �Sie k�nnen mitkommen. Solange sie sich einverstanden erkl�ren, zu tun, was man ihnen befiehlt. Ich werde nicht zulassen, da� irgendein wollk�pfiger Kerl seiner eigenen Wege geht und uns in Gefahr bringt.� �Wie Ihr w�nscht, Frau al'Meara�, sagte Sandar sofort mit einer Verbeugung, aber Thom stellte fest: �Ein Gaukler ist eine freie Seele, Nynaeve, aber ich verspreche, da� ich Euch nicht in Gefahr bringen werde. Alles andere als das.� �Wie man Euch befiehlt�, sagte Nynaeve betont. �Euer Wort darauf, oder Ihr k�nnt zuschauen, wie dieses Schiff ablegt.� �Die Atha'an Miere verweigern niemandem die Passage, Nynaeve.� �Glaubt Ihr das? War der Diebj�ger� � Sandar zuckte zusammen � �der einzige, dem man mitteilte, da� unsere Erlaubnis n�tig sei? Wie man es Euch befiehlt, <emphasis>Meister</emphasis> Merrilin.� Thom warf sein wei�es Haupt hoch wie ein ungeb�rdiges Pferd und atmete schwer, aber schlie�lich nickte er. �Mein Wort darauf, <emphasis>Frau</emphasis> al'Meara.� �Also gut�, sagte Nynaeve mit eisiger Stimme. �Dann w�re das gekl�rt. Ihr beide geht jetzt zur Segelherrin und berichtet ihr, da� ich sagte, sie solle Euch irgendwo einen Unterschlupf zuteilen, falls das m�glich ist, und so, da� Ihr uns nicht im Weg seid. Weg mit Euch jetzt. Schnell.� Sandar verbeugte sich erneut und ging. Thom bebte sichtbar, schlo� sich ihm aber dann mit steifem Kreuz an.</p><p>�Behandelst du sie nicht etwas hart?� sagte Elayne, sobald sie au�er H�rweite waren. Das war nicht sehr weit weg, bei all dem Durcheinander an Deck. �Wir m�ssen auf der Reise doch schlie�lich alle miteinander auskommen. �Verbindliche Worte bringen eine verbindliche Gesellschaft ein.�� �Es ist am besten, wir legen ihnen gleich die Z�gel an, da wir ja schlie�lich weiterkommen wollen, Elayne. Thom Merrilin wei� sehr gut, da� wir noch keine Aes Sedai sind.� Sie senkte die Stimme und sah sich vorsichtig um, als sie das sagte. Niemand von der Besatzung sah sie auch nur an, au�er der Segelherrin, die hinten in der N�he des Achterdecks stand und dem hochgewachsenen Gaukler und dem Diebf�nger lauschte. �M�nner sind geschw�tzig � fast alle �, und Sandar wird es auch bald wissen. Bei Aes Sedai w�rden sie wahrscheinlich keine Schwierigkeiten machen, aber zwei Aufgenommene... ? Wenn sie auch nur die leiseste Chance bekommen, machen sie nur noch das, was sie f�r richtig halten, gleich, was wir sagen. Ich werde ihnen keinerlei Chance geben.� �Vielleicht hast du recht. Glaubst du, sie wissen, warum wir nach Tanchico wollen?� Nynaeve schnaubte. �Nein, sonst w�ren sie nicht mehr so zuversichtlich, denke ich. Und ich m�chte es ihnen lieber nicht eher sagen, als es unbedingt sein mu�.� Sie warf Elayne einen bedeutungsvollen Blick zu. So mu�te sie gar nicht erst sagen, da� sie es der Segelherrin auch nicht mitgeteilt h�tte, w�re es ihr �berlassen worden. �Hier ist auch eine Redensart f�r dich: �Leih dir Schwierigkeiten aus, und du zahlst sie zehnfach zur�ck.�� �Du redest, als vertrautest du ihnen nicht, Nynaeve.� Beinahe w�re ihr entschl�pft, da� Nynaeve sich wie Moiraine benehme, aber das w�rde ihr die andere denn doch �belnehmen.</p><p>�K�nnen wir das denn? Juilin Sandar hat uns schon einmal verraten. Ja, ja, ich wei�, da� kein Mann das h�tte vermeiden k�nnen, aber es stimmt ja trotzdem. Und Liandrin und die anderen kennen sein Aussehen. Wir m�ssen ihn in andere Kleidung stecken. Vielleicht mu� er sich die Haare l�nger wachsen lassen. Und noch ein Schnurrbart dazu, so wie dieses Unkraut, das der Gaukler im Gesicht tr�gt. Das k�nnte reichen.� �Und Thom Merrilin?� fragte Elayne. �Ich glaube, wir k�nnen ihm vertrauen. Ich wei� nicht, warum, aber ich traue ihm.� �Er hat zugegeben, von Moiraine geschickt worden zu sein�, sagte Nynaeve ersch�pft. �Aber was hat er nicht alles schon zugegeben? Was hat sie ihm gesagt, was er uns nicht weitersagte? Soll er uns helfen, oder was sonst?</p><p>Moiraine hat ihr Spielchen schon so oft gespielt, da� ich ihr nur soviel mehr glaube als Liandrin.� Sie hielt Daumen und Zeigefinger in geringem Abstand hoch. �Sie wird uns ben�tzen � sowohl dich wie mich � und uns fertigmachen lassen, sofern es Rand hilft. Oder besser, wenn es ihre Pl�ne mit Rand f�rdert. Wenn sie k�nnte, w�rde sie ihn ja wie ein Scho�h�ndchen an die Leine legen.� �Moiraine wei� genau, was zu tun ist, Nynaeve.� Ausnahmsweise z�gerte sie aber doch, dies zuzugeben. Was Moiraine als die richtige Vorgehensweise kannte, w�rde m�glicherweise Rand noch schneller auf Tarmon Gai'don zutreiben. Vielleicht zu seinem schnelleren Tod f�hren. Rand sa� auf der einen Waagschale, w�hrend auf der anderen die ganze Welt lag. Es war idiotisch � n�rrisch und kindisch � wenn sie es so sah, da� die Gewichte gleichm��ig verteilt seien. Doch sie wagte nicht, sich vorzustellen, wie die Waagschalen in Bewegung gerieten, denn sie war sich nicht sicher, wer dann am Ende oben und wer unten schweben w�rde. �Sie wei� es besser als er�, sagte sie und bem�hte sich, ihre Stimme klar und entschlossen wirken zu lassen, �besser als wir.� �Vielleicht�, seufzte Nynaeve. �Deshalb mu� es mir noch lange nicht gefallen.� Am Bug wurden bereits die Leinen losgemacht, als mit einemmal dreieckige Segel herunterfielen, sich bl�hten, und der <emphasis>Wogent�nzer</emphasis> vom Pier ablegte. Weitere Segel wurden herabgelassen, gro�e wei�e Rechtecke und Dreiecke, die Heckleinen wurden losgemacht, und in einem gro�en Bogen schwenkte das Schiff auf den Flu� hinaus, und zwischen vor Anker liegenden Schiffen hindurch beschrieb es eine elegante Kurve, bis es flu�abw�rts nach S�den gerichtet war. Die Meerleute behandelten ihr Schiff wie ein meisterhafter Reiter sein Pferd. Irgendwie bewegte dieses eigenartige Speichenrad wohl das Steuerruder, wenn einer der Seem�nner mit nacktem Oberk�rper daran drehte. Elayne war erleichtert zu sehen, da� ein Mann diese Arbeit verrichtete. Die Segelherrin und die Windsucherin standen auf der einen Seite des Rads. Coine gab gelegentlich Befehle. Manchmal beriet sie sich vorher mit ihrer Schwester. Toram sah ihnen eine Weile lang mit einem Gesicht zu, das wirkte, als sei es aus einer Decksplanke geschnitzt worden, und dann trottete er nach unten.</p><p>Auf dem Achterdeck stand ein Tairener, ein molliger, etwas verloren wirkender Mann in fadem gelben Mantel mit grauen Puff�rmeln, der sich nerv�s die H�nde rieb. Er war gerade noch an Bord geschubst worden, bevor man die Planke hochgehievt hatte. Das war der Lotse, der den <emphasis>Wogent�nzer</emphasis> angeblich flu�abw�rts steuern sollte, wie es dem Gesetz Tears entsprach, denn kein Schiff durfte die Finger des Drachen passieren, das keinen solchen tairenischen Lotsen an Bord hatte. Diesen verlorenen Eindruck machte er allerdings deshalb, weil er zum Nichtstun verurteilt war, denn wenn er den Seeleuten irgendwelche Anweisungen gab, beachteten sie diese gar nicht.</p><p>Nynaeve knurrte etwas von Nachsehen, wie ihre Kabine aussehe, und ging hinunter unter Deck, doch Elayne geno� die Brise und die Aufbruchstimmung. Reisen und Orte zu sehen, an denen sie noch nie zuvor gewesen war, machte ihr immer Spa�. Sie hatte das auch �berhaupt nicht erwartet, jedenfalls nicht auf diese Art. Die Tochter-Erbin Andors machte gew�hnlich einige offizielle Staatsbesuche, und das w�rden sp�ter mehr werden, wenn sie den Thron bestieg, aber das Ganze war von Pomp und Zeremonien �berlagert. �berhaupt nicht so, wie jetzt. Barf��ige Meerleute und ein Schiff, das in Richtung offenes Meer fuhr.</p><p>Das Ufer glitt schnell vorbei, w�hrend die Sonne stieg. Gelegentlich erschien eine kleine Gruppe von steinernen Bauernh�usern und Scheunen, eint�nig und einsam dazu, und verschwand wieder hinter ihnen. Aber keine D�rfer. Tear gestattete auch nicht das kleinste Dorf im Gebiet zwischen der Stadt und dem Meer, denn selbst ein kleiner Weiler k�nnte wachsen und eines Tages zur Konkurrenz f�r die Hauptstadt werden. Die Hochlords hielten die Gr��e und Ausdehnung von D�rfern und Kleinst�dten im ganzen Land durch eine Geb�udesteuer unter Kontrolle. Je mehr Geb�ude es wurden, desto h�her wurde auch die Steuer. Elayne war sicher, da� man Godan an der Bucht von Remara das Aufbl�hen niemals gestattet h�tte, wenn nicht die zwingende Notwendigkeit bestanden h�tte, einen starken Au�enposten an der Grenze nach Mayene zu besitzen. Auf gewisse Weise war sie erleichtert, einen solchen n�rrischen Staat hinter sich zu lassen. Wenn sie nur nicht gleichzeitig auch einen n�rrischen Mann hinter sich h�tte lassen m�ssen.</p><p>Die Anzahl der Fischerboote, meist klein und alle von Schw�rmen hoffnungsfroher M�wen und anderer Fischerv�gel umflattert, nahm zu, je weiter nach S�den der <emphasis>Wogent�nzer</emphasis> kam, besonders, als sie in das Gewirr von M�ndungsarmen einfuhren, das man Finger des Drachen nannte. Oft waren nur die V�gel und die langen Stangen sichtbar, an denen die Netze hingen, und ansonsten war die Welt voller Schilf und scharfkantiger Grashalme, die sich im Wind kr�mmten, von gr�nen Wellen �berlaufene Ebenen, aus denen hier und da niedrige Inseln aufragten, und auf den Inseln wiederum wuchsen eigenartig verkr�mmte B�ume mit spinnenartigen Luftwurzeln. Viele Fischer arbeiteten direkt im Schilf, wenn auch ohne Netze. Einmal sah Elayne einige von ihnen in der N�he eines offeneren Wasserlaufs. Die M�nner und Frauen warfen Leinen mit Haken daran ins Wasser und zogen sich windende, armlange, schwarzgestreifte Fische heraus.</p><p>Der tairenische Lotse begann, nerv�s auf und ab zu tigern, sobald sie sich im Delta befanden und die Sonne senkrecht �ber ihnen stand. Er r�mpfte die Nase, als man ihm eine Schale mit dickem und nach Gew�rzen duftenden Fischeintopf und einen Kanten Brot reichte. Elayne a� hungrig ihre Mahlzeit und wischte die Schale schlie�lich mit dem letzten Brocken Brot aus, obwohl sie nat�rlich seine Unruhe durchaus teilte. In jeder Richtung sah man sowohl breite wie auch schmale Wasserl�ufe, die sich durch das Schilfmeer zogen. Einige endeten ganz pl�tzlich noch in ihrer Sichtweite in einer wahren Schilfwand. Es gab keine M�glichkeit, zu erkennen, welcher der anderen Wasserl�ufe vielleicht nach der n�chsten Biegung genauso verschwinden w�rde. Coine lie� aber trotzdem den <emphasis>Wogent�nzer</emphasis> keineswegs langsamer segeln. Sie z�gerte auch keinen Moment, wenn sie ihre Fahrrinne ausw�hlen mu�te. Offensichtlich kannte sie die Kan�le genau, die sie nehmen mu�te, oder die Windsucherin kannte sie, aber der Lotse knurrte st�ndig in sich hinein, als erwarte er jeden Moment, da� sie auflaufen w�rden.</p><p>Es war sp�ter Nachmittag, als mit einemmal die eigentliche Flu�m�ndung vor ihnen auftauchte und dahinter die endlose Bl�ue des Meers der St�rme. Die Seeleute stellten irgend etwas mit den Segeln an, und bis auf ein leichtes Schaukeln lag das Schiff bewegungslos im Wasser. Erst dann bemerkte Elayne ein gro�es Ruderboot, das wie ein vielbeiniger Wasserl�ufer von einer Insel her auf sie zukam. Auf dieser Insel standen verloren ein paar Steingeb�ude um den Fu� eines hohen, schmalen Turms herum, auf dessen Spitze einige M�nner unter einer Flagge mit den drei wei�en Halbmonden Tears auf rotem und goldenem Feld zu sehen waren. Der Lotse nahm kommentarlos den Geldbeutel, den ihm Coine reichte, und kletterte eine Strickleiter hinab zu dem Ruderboot. Sobald er sich dort an Bord befand, wurden die Segel wieder herumgeschwenkt, und der <emphasis>Wogent�nzer</emphasis> begab sich in die Umarmung der ersten aus dem offenen Meer heranrollenden Wellen. Der Bug hob sich leicht und schnitt dann seinen Weg durchs Wasser. Seeleute kletterten in der Takelage herum, setzten weitere Segel, und das Schiff nahm Fahrt Richtung S�dwest auf � weg vom Festland.</p><p>Als der letzte d�nne Streifen Landes unter dem Horizont verschwand, zogen die Meervolk-Frauen ihre Blusen aus. Alle � auch die Segelherrin und die Windsucherin. Elayne wu�te vor Verlegenheit nicht, wo sie hinsehen sollte. Alle diese Frauen liefen halbnackt herum und k�mmerten sich �berhaupt nicht um die ganzen M�nner in ihrer Umgebung. Juilin Sandar schien die gleichen Schwierigkeiten zu haben wie sie. Abwechselnd sah er mit gro�en Augen die Frauen an, und dann blickte er wieder verlegen auf seine F��e hinunter. Schlie�lich hatte er genug und begab sich beinahe im Laufschritt nach unten. Elayne lie� sich nicht auf diese Art vertreiben. Sie blickte statt dessen auf die See hinaus.</p><p><emphasis>Unterschiedliche Br�uche,</emphasis> machte sie sich selbst aufmerksam. <emphasis>Solange sie nicht von mir das Gleiche erwarten...</emphasis> Bei dem Gedanken h�tte sie beinahe hysterisch gelacht. Irgendwie war es einfacher, sich die Schwarzen Ajah vorzustellen, als das. Unterschiedliche Br�uche. <emphasis>Licht!</emphasis></p><p>Der Himmel f�rbte sich r�tlich. Die Sonne stand mattgolden am Horizont. Scharen von Delphinen begleiteten das Schiff, schossen elegant seitlich vorbei oder sprangen hoch aus dem Wasser, w�hrend sich weiter drau�en ein ganzer Schwarm glitzernder, silberblauer Fische aus dem Meer erhob, auf weit gespreizten Flossen vielleicht f�nfzig Schritt weit durch die Luft glitt, und dann in die schwellende graugr�ne Flut zur�ckplatschte. Elayne beobachtete das erstaunt ein ums andere Mal, doch nach einer Weile blieben diese Fische schlie�lich aus.</p><p>Dennoch, allein schon die Delphine mit ihren gro�en, schlanken K�rpern waren erstaunlich genug. Sie bildeten die Ehrenwache, die den <emphasis>Wogent�nzer</emphasis> dorthin zur�ckgeleitete, wohin sie geh�rte. Sie hatte vorher nur in B�chern von ihnen gelesen. Man sagte, wenn sie einen Ertrinkenden f�nden, br�chten sie ihn gemeinsam ans Ufer zur�ck. Sie konnte das nicht ganz glauben, aber es war eine sch�ne Geschichte. So folgte sie ihnen an der Reling entlang zum Bug, wo sie in der Bugwelle spielten und sich immer wieder auf die Seite drehten, um zu ihr aufzublicken, ohne ihre Geschwindigkeit im Wasser zu verringern.</p><p>Sie befand sich schon beinahe am Bugspriet, als sie entdeckte, da� dort bereits Thom Merrilin stand und ein wenig traurig auf die Delphine hinunterl�chelte. Sein Umhang bl�hte sich wie eines der Segel im Wind. Er hatte sein Gep�ck irgendwo abgeladen. So vertraut kam er ihr vor! �Seid Ihr ungl�cklich, Meister Merrilin?� Er blickte sie von der Seite her an. �Bitte nennt mich Thom, Lady Elayne.� �Also gut, Thom. Aber bitte nicht Lady Elayne! Hier bin ich nur einfach Frau Trakand.� �Wie Ihr w�nscht, Frau Trakand�, sagte er mit einem angedeuteten L�cheln.</p><p>�Wie k�nnt Ihr diesen Delphinen zusehen und trotzdem ungl�cklich sein, Thom?� �Sie sind frei�, murmelte er so, da� sie nicht sicher sein konnte, ob es eine Antwort auf ihre Frage sei. �Sie m�ssen keine Entscheidungen treffen und keinen Preis zahlen, haben keine Sorgen und machen sich h�chstens Gedanken dar�ber, Fische zum Fressen zu fangen. Und �ber Haie und L�wenfische vielleicht. Und vielleicht noch �ber hundert andere Dinge, von denen ich nichts wei�. Nun, m�glicherweise sind sie doch nicht so beneidenswert.� �Beneidet Ihr sie?� Er antwortete nicht, aber es war auch die falsche Frage gewesen. Sie mu�te ihn wieder zum L�cheln bringen. Nein, zum Lachen. Aus irgendeinem Grund war sie sicher, sie werde sich daran erinnern, woher sie ihn kannte, wenn sie ihn nur zum Lachen brachte. So wechselte sie das Gespr�chsthema und kam auf etwas, das ihm n�herliegen sollte. �Habt Ihr vor, das Hohelied des Rand zu komponieren, Thom?� Das war eigentlich etwas f�r Barden und nicht f�r Gaukler, aber ein wenig Schmeichelei konnte nicht schaden. �Das Hohelied des Wiedergeborenen Drachen. Wi�t Ihr, Loial will ein Buch dar�ber schreiben.� �Vielleicht werde ich das tun, Frau Trakand. Vielleicht. Aber weder meine Komposition noch Loials Buch werden auf lange Sicht etwas bewirken. Unsere Geschichten werden nicht �berleben, jedenfalls �ber einen l�ngeren Zeitraum. Wenn das n�chste Zeitalter anbricht...� Er verzog das Gesicht und zupfte an einem seiner Schnurrbartenden. �Wenn man es bedenkt, liegt das vielleicht nur noch ein oder zwei Jahre in der Zukunft. Wie kann man sagen, ob das Ende eines Zeitalters erreicht ist? Es kann ja nicht immer eine Weltkatastrophe wie die Zerst�rung damals sein. Allerdings, sollten die Prophezeiungen recht behalten, wird es wieder eine solche geben. Das ist das Dumme an Prophezeiungen. Der urspr�ngliche Text ist immer in der Alten Sprache geschrieben und vielleicht auch noch in der Form des Hochgesangs: Wenn man nicht von vornherein wei�, was eine Sache bedeutet, gibt es keine M�glichkeit, es hinterher herauszufinden. Bedeutet es einfach das, was da geschrieben steht, oder ist es verschl�sselt und hat eine ganz andere Bedeutung?� �Ihr wolltet doch von Eurem Hohelied erz�hlen�, sagte sie und versuchte, ihn darauf zur�ckzubringen, doch er sch�ttelte sein zerzaustes wei�es Haupt.</p><p>�Ich sprach von Ver�nderungen. Mein Hohelied, falls ich es je komponiere � und Loials Buch � werden nicht mehr als ein Samenkorn darstellen, falls wir beide Gl�ck haben. Diejenigen, die die Wahrheit kennen, werden sterben, und die Enkel ihrer Enkel werden sich an ganz andere Dinge zu erinnern glauben. Und <emphasis>ihre</emphasis> Urenkel werden die Dinge wiederum anders sehen. Zwei Dutzend Generationen, und dann seid vielleicht Ihr die Heldin und nicht Rand.� �Ich?� lachte sie.</p><p>�Oder vielleicht Mat oder Lan. Vielleicht sogar ich.� Er grinste sie an. Sein verwittertes Gesicht nahm einen Ausdruck von W�rme an. �Thom Merrilin. Kein Gaukler mehr � aber was sonst? Wer kann das schon sagen? Keiner, der Feuer schluckt, sondern einer, der es ausspeit. Der es wie eine Aes Sedai auf andere schleudert.� Er spreizte seinen Umhang. �Thom Merrilin, der geheimnisvolle Held, der Berge zum Einst�rzen bringt und K�nige auf ihren Thron hebt.� Aus dem Grinsen wurde ein herzhaftes Lachen. �Wenn Rand al'Thor Gl�ck hat, erinnert man sich vielleicht im n�chsten Zeitalter gerade noch an seinen Namen.� Sie hatte recht gehabt; es war nicht nur ein Gef�hl. Dieses Gesicht, dieses herzhafte Lachen: Sie erinnerte sich daran. Aber woher? Sie mu�te ihn am Reden halten. �Ist es denn immer so? Ich glaube nicht, da� zum Beispiel jemand daran zweifelt, da� Artur Falkenfl�gel ein gro�es Reich erobert hat. Die ganze Welt, oder zumindest den gr��ten Teil.� �Falkenfl�gel, junge Frau? Klar eroberte er ein Weltreich, aber glaubt Ihr, er habe wirklich alles getan, was in den B�chern und Legenden und Ges�ngen �ber ihn berichtet wird? Genauso, wie man es sich erz�hlt? Da� er die hundert besten K�mpfer einer gegnerischen Armee einen nach dem anderen eigenh�ndig t�tete? Die beiden Heere standen blo� so herum und sahen zu, w�hrend einer der F�hrer � ein K�nig sogar � hundert Zweik�mpfe austrug?� �In den B�chern steht es so.� �Zwischen Sonnenaufgang und Sonnenuntergang reicht die Zeit niemals f�r einen einzelnen Mann, hundert Zweik�mpfe auszutragen, M�dchen.� Sie h�tte ihm beinahe eine verpa�t, weil er sie <emphasis>M�dchen</emphasis> nannte. Sie war die Tochter-Erbin Andors und nicht einfach ein M�dchen, aber er lie� sich nicht aufhalten. �Und das liegt nur tausend Jahre zur�ck. Geht weiter zur�ck zu den �ltesten Legenden, die ich kenne, denen aus dem Zeitalter vor dem der Legenden. Haben Mosk und Merk wirklich mit Feuerspeeren gegeneinander gek�mpft und waren sie vielleicht echte Riesen? War Elsbet wirklich die K�nigin der Welt und Anla ihre Schwester? War Anla wirklich die weise Ratgeberin, oder jemand anders? Genausogut kann man fragen, von welcher Tierart Elfenbein stamme oder auf welcher Pflanze die Seide w�chst. Falls die nicht auch von einem Tier produziert wird.� �Diese anderen Fragen kann ich nicht beantworten�, sagte Elayne ein wenig steif. Es �rgerte sie, wenn man sie mit M�dchen anredete. �Aber in bezug auf Elfenbein und Seide k�nnt Ihr ja die Meerleute fragen.� Er lachte wieder. Das hatte sie erhofft, aber immer noch bewirkte es nicht mehr, als sie in ihrer Gewi�heit zu best�rken, da� sie ihn kenne. Sie hatte so halb erwartet, er werde sie als n�rrisch bezeichnen, doch er sagte: �Praktisch veranlagt und zielbewu�t wie Eure Mutter. Mit beiden Beinen auf dem Boden und nur wenige H�henfl�ge.� Sie hob das Kinn ein wenig an und machte eine k�hle Miene. Wohl gab sie sich als Frau Trakand aus, aber das hier war etwas anderes. Er war ein liebenswerter alter Mann, und sie wollte eigentlich das R�tsel, das er f�r sie darstellte, nicht mit Gewalt l�sen. Doch letzten Endes war er nur ein Gaukler und sollte nicht in so vertrautem Tonfall von einer K�nigin sprechen. Seltsam und �rgerlich, da� er nun am�siert erschien. Am�siert!</p><p>�Die Atha'an Miere wissen es auch nicht�, sagte er. �Sie sehen nicht mehr von den L�ndern jenseits der Aiel-W�ste, als die paar Meilen rund um eine Handvoll Hafenst�dte, die sie anlaufen d�rfen. Diese Orte haben hohe Mauern und werden so bewacht, da� man noch nicht einmal hochklettern kann, um nachzusehen, wie es auf der anderen Seite aussieht. Falls eines ihrer Schiffe irgendwo anders festmacht � oder auch ein Schiff aus einem anderen Land, denn nur dem Meervolk ist es erlaubt, diese L�nder �berhaupt zu besuchen �, wird dieses Schiff mitsamt seiner Besatzung niemals mehr gesehen. Und das ist auch schon fast alles, was ich Euch dazu sagen kann, obwohl ich viele Jahre lang Erkundigungen eingezogen habe. Die Atha'an Miere wahren ihre Geheimnisse, aber ich glaube nicht, da� sie viel mehr dar�ber wissen. Nach alledem, was ich erfahren habe, hat man auch die Leute aus Cairhien genauso behandelt, als es ihnen noch gestattet war, die Seidenstra�e durch die Aielw�ste zu ben�tzen. Die H�ndler aus Cairhien sahen niemals mehr, als eine einzige Stadt mit hohen Mauern, und wer sich davon entfernte, der verschwand spurlos.� Elayne ertappte sich dabei, da� sie ihn genauso neugierig musterte wie vorher die Delphine. Welche Art von Mensch war er? Zweimal bereits h�tte er Grund gehabt, sie auszulachen � er <emphasis>hatte</emphasis> sich ja auch am�siert, wie sie z�hneknirschend zugeben mu�te �, doch statt dessen unterhielt er sich ernst mit ihr, wie ein... Nun ja, wie ein Vater mit seiner Tochter. �Vielleicht findet Ihr ein paar Antworten auf diesem Schiff, Thom. Sie wollten an sich nach Osten fahren, bis wir die Segelherrin �berredeten, uns nach Tanchico zu bringen. Nach Schara, sagte der Zahlmeister, �stlich von Mayene. Das mu� bedeuten: Es liegt jenseits der W�ste.� Er sah sie einen Augenblick lang an. �Schara sagt Ihr? Den Namen habe ich noch nie geh�rt. Ist Schara eine Stadt oder ein Staat oder beides? Vielleicht erfahre ich wirklich hier noch etwas Neues.� <emphasis>Was habe ich gesagt?</emphasis> fragte sie sich. <emphasis>Ich habe etwas gesagt, um ihn zum Nachdenken zu bringen. Licht! Ich sagte ihm, da� wir Coine �berredet haben, ihre Pl�ne zu �ndern.</emphasis> Es konnte an sich nicht weiter schaden, doch sie schalt sich selbst eine N�rrin. Ein unvorsichtiges Wort diesem netten alten Mann gegen�ber w�rde vielleicht keinen Schaden anrichten, aber in Tanchico k�nnte sie das umbringen und Nynaeve dazu, gar nicht zu sprechen von dem Diebf�nger und Thom selbst. Wenn er wirklich ein so netter alter Mann war. �Thom, warum seid Ihr mit uns gekommen? Nur weil Moiraine Euch darum bat?� Seine Schultern bebten und ihr wurde bewu�t, da� er �ber sich selbst lachte. �Was das betrifft, nun, wer wei� das schon? Man widerspricht selten einer Aes Sedai, die einen um einen Gefallen bittet. Vielleicht war es auch die Aussicht auf Eure angenehme Gesellschaft die Reise �ber. Oder ich habe erkannt, da� Rand alt genug ist, um auf sich selbst aufzupassen, jedenfalls eine Weile lang.� Er lachte schallend, und sie mu�te mitlachen. Allein schon der Gedanke, da� dieser wei�haarige alte Bursche auf Rand aufpa�te! Das Gef�hl, ihm vertrauen zu k�nnen, kehrte zur�ck, noch st�rker als zuvor, als er sie anblickte. Nicht, weil er �ber sich selbst lachen konnte, oder jedenfalls nicht nur deshalb. Sie kannte auch keinen anderen Grund als den, da� sie einfach nach einem Blick in diese blauen Augen nicht glauben konnte, er werde jemals etwas unternehmen, was ihr schaden k�nnte.</p><p>Der Drang, ihn wieder am Schnurrbart zu zupfen, war beinahe �berw�ltigend, aber sie zwang ihre H�nde zur Unt�tigkeit. Sie war schlie�lich kein Kind mehr. Ein Kind. Sie �ffnete den Mund... und pl�tzlich war alles vergessen.</p><p>�Bitte entschuldigt mich, Thom�, sagte sie schnell. �Ich mu�... Entschuldigt mich.� Sie ging hastig in Richtung Heck und wartete nicht auf eine Antwort. Er glaubte vielleicht, da� sie wegen der Schaukelei des Schiffs seekrank geworden sei. Der <emphasis>Wogent�nzer</emphasis> schwankte nun mehr und bewegte sich schneller als zuvor durch die m�chtigen Wogenberge. Der Wind hatte aufgefrischt.</p><p>Zwei M�nner standen am Rad auf dem Achterdeck. Die Muskeln beider waren notwendig, um das Schiff auf Kurs zu halten. Die Segelherrin befand sich nicht an Deck, aber die Windsucherin stand an der Reling hinter den Ruderg�ngern, mit nacktem Oberk�rper, genau wie die M�nner, und betrachtete den Himmel, an dem dicke Wolken schneller entlangquollen als die Wogen der See. Diesmal war es allerdings nicht Jorins Kleidung, oder besser ihr halbnackter Zustand, was Elayne st�rte. Das Gl�hen einer Frau, die mit <emphasis>Saidar</emphasis> arbeitete, umgab sie. Es hob sich klar von dem tr�ben D�mmerlicht ab. Das war es, was sie gesp�rt hatte, was sie angezogen hatte. Eine Frau, die die Macht ben�tzte.</p><p>Elayne blieb kurz vor dem Achterdeck stehen, um genau zu beobachten, was sie tat. Die Str�nge aus Luft und Wasser, die von der Windsucherin ben�tzt wurden, waren kabeldick, doch ihr Gewebe war kompliziert und fast fein zu nennen. Es reichte beinahe so weit, wie das Auge �ber das Meer hinweg blicken konnte, ein himmelsumspannendes Netz. Der Wind wurde immer st�rker, die Ruderg�nger strengten sich m�chtig an, und der <emphasis>Wogent�nzer</emphasis> flog �ber die See. Das Weben h�rte auf, das Gl�hen <emphasis>Saidars</emphasis> verschwand, und Jorin hing ersch�pft an der Reling und st�tzte sich m�hevoll auf.</p><p>Elayne stieg leise die Leiter hinauf, doch die MeervolkFrau sprach mit ruhiger Stimme, ohne den Kopf zu wenden, sobald sie in H�rweite war: �Mitten in meiner Arbeit wurde mir klar, da� Ihr mich beobachtet. Ich konnte aber nicht aufh�ren. Das h�tte zu einem Sturm f�hren k�nnen, den der <emphasis>Wogent�nzer</emphasis> nicht �berstanden h�tte. Das Meer der St�rme tr�gt seinen Namen nicht zu unrecht. Es gibt schon, ohne da� ich nachhelfe, genug St�rme hier. Ich wollte das an sich gar nicht tun, aber Coine sagte, wir m��ten uns beeilen. Euretwegen und f�r den Coramoor.� Sie hob den Blick und sp�hte zum Himmel auf. �Dieser Wind h�lt bis zum Morgen, wenn es dem Licht gef�llt.� �Deshalb also bef�rdert das Meervolk keine Aes Sedai?� sagte Elayne und stellte sich neben die andere an die Reling. �Damit die Burg nicht herausfindet, da� Windsucherinnen die Macht ben�tzen k�nnen. Deswegen habt Ihr entschieden, uns an Bord zu lassen, und nicht Eure Schwester. Jorin, die Burg wird nicht versuchen, sich Euch irgendwie entgegenzustellen. Es gibt kein Gesetz in der Burg, das eine Frau davon abh�lt, die Macht zu ben�tzen, auch wenn sie keine Aes Sedai ist.� �Eure Wei�e Burg wird eingreifen. Sie wird versuchen, ihren Machtbereich auf unsere Schiffe auszudehnen, wo wir frei sind von allen Einschr�nkungen des Landes und seiner Menschen. Sie wird versuchen, uns an sich zu binden, weit von der See.� Sie seufzte schwer. �Die Woge, die vorbeiflo�, kann man nicht mehr zur�ckholen.� Elayne w�nschte, sie k�nne ihr versichern, da� sie sich irre, doch die Burg suchte schlie�lich nach Frauen und M�dchen mit dieser Eigenschaft, sowohl um die Anzahl der Aes Sedai zu steigern, die immer mehr zusammenschrumpfte, gemessen an ihrer fr�heren Gr��e, wie auch wegen der Gefahren, die sich ergaben, wenn man ohne Hilfe lernte, die Macht zu gebrauchen. Um die Wahrheit zu sagen, fand sich jede Frau, die diese F�higkeit besa�, irgendwann in der Burg wieder, ob sie wollte oder nicht, zumindest bis sie genug Ausbildung genossen hatte, um nicht sich selbst oder andere zu gef�hrden.</p><p>Einen Augenblick sp�ter fuhr Jorin fort: �Es sind nicht alle von uns. Nur manche. Wir schicken auch ein paar M�dchen nach Tar Valon, damit keine Aes Sedai hergeschickt werden und sich bei uns umschauen. Kein Schiff, dessen Windsucherin die Winde verweben kann, wird eine Aes Sedai bef�rdern. Als Ihr euch zuerst zu erkennen gabt, glaubte ich, Ihr h�ttet mich durchschaut, aber Ihr habt nichts gesagt und um eine Passage gebeten, und da hoffte ich, da� Ihr trotz Eurer Ringe noch keine Aes Sedai w�rt. Eine vergebene Hoffnung. Ich konnte Eurer beider St�rke f�hlen. Und nun wird es die Wei�e Burg erfahren.� �Ich kann nicht versprechen, Euer Geheimnis zu wahren, aber ich werde mein M�glichstes tun.� Die Frau verdiente etwas mehr. �Jorin, Ich schw�re bei der Ehre des Hauses Trakand von Andor, da� ich alles tun werde, um Euer Geheimnis vor allen zu wahren, die Euch oder Eurem Volk Schaden zuf�gen wollen, und falls ich es irgend jemanden er�ffnen mu�, werde ich alles tun, um Euer Volk vor jedem fremden Einflu� zu sch�tzen. Das Haus Trakand ist nicht ganz ohne Einflu�, selbst in der Burg.� <emphasis>Und ich werde auch Mutter dazu bringen, diesen Einflu� geltend zu machen, falls es sein mu�. Irgendwie.</emphasis></p><p>�Falls es dem Licht gef�llt�, sagte Jorin ergeben, �wird alles gut gehen. Alles wird gut und allen wird es gutgehen und alle m�glichen Dinge werden gut gehen, falls es dem Licht gef�llt.� �Es war doch eine <emphasis>Damane</emphasis> auf dem Schiff der Seanchan, nicht wahr?� Die Windsucherin sah sie fragend an. �Eine der gefangenen Frauen, eine, die mit der Macht umgehen kann.� �Ihr seid sehr weise f�r eine so junge Frau. Deshalb hatte ich zuerst geglaubt, Ihr w�rt noch gar keine Aes Sedai, weil Ihr eben so jung seid. Ich glaube, meine T�chter sind �lter als Ihr. Ich wu�te nicht, da� sie eine Gefangene war. Nun w�nsche ich, wir h�tten sie gerettet. Der <emphasis>Wogent�nzer</emphasis> lief anfangs dem Seanchan-Schiff glatt davon. Wir hatten von ihnen und ihren Schiffen mit den gerippten Segeln geh�rt, und da� sie seltsame Eide zu schw�ren verlangten und diejenigen bestraften, die dazu nicht bereit waren. Aber dann brach die � <emphasis>Damane?</emphasis> � zwei unserer Masten, und sie enterten uns mit Schwertern in der Hand. Ich schaffte es, auf dem Schiff der Seanchan Feuer ausbrechen zu lassen, obwohl es mir schwerf�llt, mit dem Element Feuer umzugehen, au�er, wenn ich eine Lampe anz�nden will, doch diesmal gelang es mir mit Hilfe des Lichts. Dann brachte Toram die Mannschaft zum K�mpfen, bis die Seanchan auf ihr eigenes Schiff zur�ckgeworfen wurden. Wir schnitten die Leinen der Enterhaken ab, und ihr Schiff trieb brennend weg. Sie waren zu sehr damit besch�ftigt, das Feuer zu l�schen, um sich noch viel um uns zu k�mmern, als wir m�hsam wegsegelten. Ich habe es bedauert, ihn brennen und sinken zu sehen; er war ein gutes Schiff, glaube ich, besonders bei schwerer See. Und nun bedaure ich es noch mehr, denn wir h�tten diese Frau, diese <emphasis>Damane,</emphasis> retten k�nnen. Obwohl sie uns ja Schaden zugef�gt hat, h�tte sie das in Freiheit vielleicht nicht getan. Das Licht leuchte ihrer Seele und die Wasser m�gen sie friedlich empfangen.� Sie war �ber ihrer Erz�hlung traurig geworden. Man mu�te sie ablenken. �Jorin, warum bezeichnen die Atha'an Miere Schiffe als �er�? Jeder sonst, den ich jemals getroffen habe, hat ein Schiff als �sie� angesprochen. Es ist wohl kein gro�er Unterschied, aber warum das?� �Die M�nner werden Euch eine andere Antwort geben�, sagte die Windsucherin l�chelnd, �und von St�rke und Gr��e und �hnlichen sprechen, wie es ihre Art ist, aber hier ist die Wahrheit: Ein Schiff lebt, und er ist wie ein Mann, mit dem wahren Herzen eines Mannes.� Sie streichelte liebevoll �ber die Reling, als streichle sie etwas Lebendiges, etwas, das die Liebkosung wahrnehmen konnte. �Behandle ihn gut und pflege ihn richtig, dann k�mpft er f�r Euch auch gegen den schlimmsten Sturm. Er wird k�mpfen, um Euch am Leben zu erhalten, auch wenn er selbst schon lange den Todessto� erhalten hat. Vernachl�ssige ihn und ignoriere die kleinen Warnsignale, die er bei Gefahr von sich gibt, dann wird er Euch bei ruhiger See unter wolkenlosem Himmel ertr�nken.� Elayne hoffte, da� Rand nicht auch so wetterwendisch sei. <emphasis>Aber warum h�pft er dann um mich herum und tut so, als sei er froh, mich gehen zu sehen, und im n�chsten Moment schickt er mir Juilin Sandar hinterher?</emphasis> Sie sagte sich, sie m�sse endlich aufh�ren, an ihn zu denken. Er war nun weit weg. Sie konnte, was ihn betraf, jetzt sowieso nichts mehr unternehmen.</p><p>Sie blickte sich um in Richtung Bug. Thom war weg. Sie war sicher, den Schl�ssel zu seinem R�tsel gefunden zu haben, gerade in dem Moment, bevor sie gesp�rt hatte, wie die Windsucherin die Macht ben�tzte. Es hatte etwas mit seinem L�cheln zu tun. Nun, was es auch gewesen sein mochte, sie erinnerte sich jetzt nicht mehr daran. Aber sie hatte vor, sich noch n�her damit zu besch�ftigen, bis sie Tanchico erreichten, und wenn sie sich auf ihn setzen m��te. Er konnte ihr ja nicht weglaufen. �Jorin, wie lange dauert es bis zu unserer Ankunft in Tanchico? Ich habe geh�rt, da� Eure Klipper die schnellsten Schiffe der Welt sind, aber wie schnell ist der <emphasis>Wogent�nzer?�</emphasis></p><p>�Nach Tanchico? Um dem Coramoor zu helfen, werden wir zwischendurch in keinem Hafen anlegen. Vielleicht zehn Tage, wenn ich die Winde gut genug verweben kann und falls es dem Licht gef�llt, da� ich die richtigen Str�mungen finde. Vielleicht sogar nur sieben oder acht Tage mit Hilfe der Gnade des Lichts.� �Zehn Tage?� Elayne schnappte nach Luft. �Das kann doch nicht m�glich sein.� Sie hatte schlie�lich auch schon einmal Karten studiert.</p><p>Das L�cheln der anderen Frau wirkte stolz, ob ihrer Zweifel aber auch ein wenig beleidigt. �Wie Ihr selbst sagtet, die schnellsten Schiffe der Welt. Die n�chstschnellsten brauchen auf jeder Strecke um die H�lfte l�nger und die meisten sogar mehr als doppelt so lang. K�stenschiffe, die sich immer unter Land halten und jede Nacht in einer Bucht vor Anker gehen...�, sie schnaubte ver�chtlich, �... brauchen zehnmal so lang.� �Jorin, w�rdet Ihr mir beibringen, was Ihr vorhin gemacht habt?� Die Windsucherin blickte entgeistert drein. Ihre dunklen Augen waren weit aufgerissen und gl�nzten im D�mmerlicht. �Euch lehren? Aber Ihr seid doch Aes Sedai!� �Jorin, ich habe noch niemals einen auch nur halb so dicken Strang verwoben wie Ihr vorhin! Und dann diese Reichweite! Ich bin wirklich verbl�fft, Jorin.� Die Windsucherin blickte sie noch einen weiteren Augenblick lang sehr genau an, nicht mehr so erstaunt wie vorher, aber so, als wolle sie sich Elaynes Gesicht einpr�gen. Schlie�lich k��te sie die Fingerspitzen ihrer rechten Hand und dr�ckte sie auf Elaynes Lippen. �Wenn es dem Licht gef�llt, werden wir beide lernen.�</p></section><section><title><p>21</p><p>Ins Herz hinein</p></title><p>Goldene Lampen, die an goldenen Ketten von der im Schatten liegenden Decke zwischen den zehn Fu� dicken und hohen, gl�nzenden Sandsteins�ulen hingen, warfen ihren Lichtschein �ber die unten versammelte Adelsgesellschaft von Tear. Die Hochlords und Ladies standen im Kreis unter der m�chtigen Kuppel, der niedere Adel dahinter, Reihe um Reihe im Wald der S�ulen, alle in feinsten Festtagsgew�ndern � Samt und Seide und Spitzen, Puff�rmel und hochgestellte Kr�gen und Spitzh�te �, und alle murmelten nerv�s untereinander, so da� es wie der L�rm einer aufgescheuchten G�nseherde von der Decke widerhallte. Nur die Hochlords waren fr�her schon hierhergebeten worden, an diesen Ort, den man das Herz des Steins nannte, und das auch nur viermal im Jahr, wie Gesetz und Brauch es verlangten. Nun kamen sie, alle, die sich nicht gerade auf ihren Landg�tern aufhielten, auf Wunsch ihres neuen Herrn, der die Gesetze �nderte und mit alten Sitten brach.</p><p>Die dichtgedr�ngte Menschenmenge machte f�r Moiraine Platz, sobald die Leute sahen, wer sie war. So bewegten Egwene und sie sich wie in einer Schneise dieses Menschenwalds. Lans Abwesenheit irritierte Moiraine. Es sah ihm gar nicht �hnlich, zu verschwinden, wenn sie ihn vielleicht ben�tigte. Normalerweise bewachte er sie, als k�nne sie nicht selbst auf sich aufpassen. W�re sie nicht in der Lage gewesen, das Band zwischen ihnen zu sp�ren und somit zu wissen, da� er sich nicht weit vom Stein entfernt aufhalten konnte, h�tte sie angefangen, sich Sorgen zu machen.</p><p>Er k�mpfte genauso hart gegen die F�den, an denen ihn Nynaeve festbinden wollte, wie in der F�ule gegen Trollocs, aber so sehr er es auch abstreiten mochte: Diese junge Frau hatte ihn ebenso fest in der Hand wie sie selbst auf andere Weise. Er konnte genausogut versuchen, mit blo�en H�nden Stahl zu zerrei�en, wie diese Bande. Sie war nicht eigentlich eifers�chtig, aber Lan war schon zu viele Jahre lang ihr Schwertarm, ihr Schild und ihr Begleiter gewesen, um ihn jetzt so leicht aufzugeben. <emphasis>Ich habe in dieser Hinsicht alles Notwendige getan. Sie bekommt ihn, falls ich sterbe, aber nicht fr�her. Wo ist dieser Mann nur wieder? Was macht er?</emphasis></p><p>Eine Dame in rotem spitzenbesetzten Kleid � sie hatte ein Pferdegesicht, kam aus dem Landadel und hie� Leitha � zog ihren weiten Rock ein bi�chen zu unwillig aus dem Weg, und Moiraine sah sie an. Es war lediglich ein Blick, und sie verlangsamte ihre Schritte dabei keineswegs, aber die Frau schauderte und senkte ihren Blick. Moiraine nickte in sich hinein. Sie war bereit zu akzeptieren, da� diese Menschen die Aes Sedai ha�ten, aber sie w�rde keine offene Unh�flichkeit dulden, neben all den verborgenen Intrigen. Au�erdem traten die anderen einen weiteren Schritt zur�ck, als sie sahen, da� Leitha nachgegeben hatte.</p><p>�Bist du sicher, da� er nichts von dem Grund erw�hnt hat, aus dem er alle hier zusammenrief?� fragte sie leise. Bei diesem Durcheinandergerede konnte man auf drei Schritt Entfernung kein Wort mehr verstehen. Und diese Distanz hielten die Tairener nun von ihr. Sie hatte es nicht gern, belauscht zu werden.</p><p>�Nein, nichts�, antwortete Egwene genauso leise. Es klang so irritiert, wie sich Moiraine f�hlte.</p><p>�Es hat Ger�chte gegeben.� �Ger�chte? Was f�r Ger�chte?� Das M�dchen konnte ihre Miene und ihre Stimme noch nicht so gut beherrschen. Deshalb war klar, da� sie die Geschichten noch nicht vernommen hatte, was alles an den Zwei Fl�ssen passiert sei. Aber es war besser, sich nicht darauf zu verlassen, da� auch Rand diese Ger�chte nicht kannte. �Ihr solltet ihn dazu bringen, da� er sich Euch �fters anvertraut. Er braucht einen Zuh�rer. Es w�rde ihm helfen, mit jemandem �ber alles sprechen zu k�nnen, dem er vertraut.� Egwene sah sie von der Seite her an. Sie f�hlte sich �ber solch primitive Methoden nun langsam erhaben. Nun, Moiraine hatte nat�rlich die Wahrheit gesagt. Der Junge brauchte einen Zuh�rer, der seine Last ein wenig erleichterte, indem er eben lauschte und mitredete. Das k�nnte hilfreich sein.</p><p>�Er vertraut sich niemandem an, Moiraine. Er verbirgt seinen Schmerz und hofft, irgendwie mit allem fertigzuwerden, bevor es jemand merkt.� �rger huschte �ber Egwenes Gesicht. �Dieser wollk�pfige Maulesel!� Moiraine empfand einen Augenblick lang Sympathie. Man konnte von diesem M�dchen nicht erwarten, da� sie damit fertig wurde, wie Rand Arm in Arm mit Elayne spazierenging und sie in irgendwelchen Ecken k��te, wo sie sich ungesehen glaubten. Und Egwene wu�te ja noch nicht einmal die H�lfte. Doch das Mitgef�hl hielt nicht lange an. Es gab viel zuviel Wichtigeres zu tun, als einem M�dchen zu gestatten, sich selbst zu bedauern, weil sie etwas nicht bekommen konnte, das sowieso nicht f�r sie bestimmt war.</p><p>Elayne und Nynaeve sollten sich mittlerweile auf dem Klipper befinden und waren somit aus dem Weg. Ein Teilergebnis ihrer Seereise k�nnte auch eine Best�tigung ihres Verdachts in bezug auf die Windsucherinnen sein. Das war aber nat�rlich nicht sehr wichtig. Im schlimmsten Fall hatten die beiden genug Gold, um ein Schiff zu kaufen und die Besatzung anzuheuern, was durchaus notwendig sein k�nnte, wenn man den Ger�chten aus Tanchico Glauben schenkte, und es sollte selbst dann noch genug �brig sein, um die Beamten in Tarabon zu kaufen. Thom Merrilins Zimmer stand leer, und ihre Spitzel hatten berichtet, er habe auf dem Weg aus dem Stein heraus etwas von Tanchico vor sich hin gemurmelt. Er w�rde daf�r sorgen, da� sie eine gute Besatzung f�nden und die richtigen Beamten bestechen konnten. Der angebliche Plan, Mazrim Taim f�r die Schwarzen Ajah einzuspannen, war sehr viel wahrscheinlicher als der andere. Ihre Botschaften an die Amyrlin sollten dem allerdings einen Riegel vorgeschoben haben. Die beiden jungen Frauen waren sehr wohl in der Lage, mit einer angeblichen und geheimnisvollen Gefahr in Tanchico fertigzuwerden, und sie hatte sie eine Zeitlang los und auch aus der Umgebung Rands entfernt. Sie bedauerte nur, da� Egwene sich geweigert hatte, mitzugehen. Tar Valon w�re f�r alle drei das Beste gewesen, aber Tanchico ging auch.</p><p>�Wenn wir schon von wollk�pfigen Mauleseln sprechen: Habt Ihr immer noch vor, in die W�ste zu gehen?� �Jawohl�, erwiderte das M�dchen mit fester Stimme. Sie sollte besser in der Burg sein und sich weiter ausbilden lassen. <emphasis>Woran wohl Siuan denken mochte? Vielleicht wird sie eines ihrer Sprichw�rter �ber Boote und Fische loslassen, wenn ich sie danach frage.</emphasis></p><p>Nun, wenigstens war auch Egwene damit untergebracht und aus dem Weg, und das Aielm�dchen w�rde schon auf sie aufpassen. M�glicherweise konnten die Weisen Frauen ihr tats�chlich etwas �ber das Tr�umen beibringen. Dieser Brief von ihnen war h�chst erstaunlich gewesen, obwohl sie es sich nicht leisten konnte, viel von dem darin Enthaltenen zu beherzigen. Doch Egwenes Reise in die W�ste mochte sich auf lange Sicht als sehr n�tzlich herausstellen.</p><p>Der innerste Ring der Tairener machte Platz, und nun standen sie und Egwene in einem ausgesparten Raum direkt vor der gro�en, leeren Fl�che unter der riesigen Kuppel. Hier zeigte sich die Nervosit�t der Adeligen besonders deutlich. Viele blickten wie schmollende Kinder auf ihre F��e hinunter, und andere starrten einfach ins Leere, bem�hten sich, nicht wahrzunehmen, wo sie sich befanden. Hier hatte <emphasis>Callandor</emphasis> in der Luft geschwebt, bevor Rand das Schwert an sich nahm. Hier, unter dieser gleichen Kuppel, mehr als dreitausend Jahre lang von keiner Hand ber�hrt und von keiner Hand ber�hrbar, au�er der des Wiedergeborenen Drachen. Die Tairener gaben nicht gern zu, da� dieses Herz des Steins �berhaupt existierte.</p><p>�Arme Frau�, murmelte Egwene leise.</p><p>Moiraine folgte dem Blick des M�dchens. Hochlady Alteima, bereits von Kopf bis Fu� in leuchtendes Wei� gekleidet, wie es einer tairenischen Witwe zustand, auch wenn der Ehemann noch nicht den letzten Atemzug getan hatte, wirkte von all den Adeligen vielleicht noch am ehesten beherrscht und w�rdevoll. Sie war eine schlanke, au�erordentlich h�bsche Frau, was durch ihr trauriges L�cheln noch unterstrichen wurde, mit gro�en braunen Augen und schwarzem Haar, das ihr fast bis zur Taille reichte. Eine hochgewachsene Frau, obwohl Moiraine zugeben mu�te, da� sie alle an ihrer eigenen Gr��e ma�, mit ein wenig zu gro�em Busen. Nun ja, die Menschen in Cairhien waren allgemein schon nicht sehr gro�, und selbst unter ihnen hatte sie als klein gegolten.</p><p>�Ja, eine arme Frau�, sagte sie, doch sie sagte das nicht aus Sympathie. Es war gut zu bemerken, da� Egwene noch nicht abgebr�ht genug war, um in allen F�llen unter die Oberfl�che der Dinge zu blicken. Man konnte sie auch jetzt schon keineswegs mehr so formen und beeinflussen, wie es n�tig war. Sie war ihrem Alter bereits um Jahre voraus, brauchte aber dringend noch F�hrung, um sie auf ihre zuk�nftigen Aufgaben vorzubereiten.</p><p>Im Falle Alteimas hatte Thom danebengelegen. Vielleicht hatte er sie aber auch gar nicht durchschauen wollen; er z�gerte oftmals eigenartig lang, etwas gegen eine Frau zu unternehmen. Hochlady Alteima war viel gef�hrlicher als ihr Mann oder ihr Liebhaber, die sie beide ohne deren Wissen manipuliert hatte. Vielleicht war sie sogar gef�hrlicher als jeder andere in Tear, ob Mann oder Frau. Sie w�rde bald genug andere finden, die sie wie Marionetten benutzen konnte. Das war Alteimas Art: sich im Hintergrund zu halten und die F�den zu ziehen. Man mu�te etwas gegen sie unternehmen.</p><p>Moiraine blickte die Reihe der Hochlords und Ladies entlang, bis ihr Blick auf Estanda fiel, die mit ihrer Kleidung � brokatbesetzte gelbe Seide, eine gro�e Halskrause aus Elfenbeinspitzen und eine winzige, dazu passende Kappe � selbst hier auffiel. Die Sch�nheit ihres Gesichts wurde durch eine gewisse Strenge im Ausdruck herabgemildert, und die gelegentlichen Blicke, die sie Alteima zuwarf, waren eisenhart. Die Animosit�t der beiden ging weit �ber blo�e Rivalit�t hinaus. W�ren sie M�nner gewesen, h�tten sie schon vor Jahren gegenseitig ihr Blut im Duell vergossen. Wenn man diese Feindschaft noch ein wenig sch�rte, w�re Alteima zu besch�ftigt, um Rand irgendwelche Schwierigkeiten bereiten zu k�nnen.</p><p>Einen Moment lang f�hlte sie Bedauern dar�ber, Thom weggeschickt zu haben. Sie vergeudete nicht gern ihre Zeit mit solch nebens�chlichen Dingen. Aber er hatte zuviel Einflu� auf Rand. Der Junge mu�te statt dessen ganz auf ihren Rat angewiesen sein. Ihren, und nur ihren. Das Licht wu�te, wie schwierig er selbst ohne jede andere Einmischung noch war. Thom hatte den Jungen dazu gebracht, sich hier mehr oder weniger niederzulassen, um die Angelegenheiten Tears zu regeln. Aber er mu�te weitergehen und gr��ere Ziele anstreben. Doch das war ja jetzt gekl�rt. Das Problem, Thom Merrilin zur Vernunft zu bringen, konnte sp�ter gel�st werden. Rand war jetzt das eigentliche Problem. Was wollte er hier und jetzt verk�nden?</p><p>�Wo steckt er? Er hat die erste Kunst der K�nige gelernt, wie es scheint: die Leute warten zu lassen.� Es war ihr nicht klar, da� sie das laut ausgesprochen hatte, bis Egwene ihr einen �berraschten Blick zuwarf. Sofort gl�ttete sie ihre Gesichtsz�ge wieder. Rand w�rde schon noch kommen, und sie w�rde erfahren, was er vorhatte. So wie jeder andere hier. Sie h�tte beinahe mit den Z�hnen geknirscht. Dieser blinde Narr von einem Jungen. Rannte blindlings durch die Nacht, ohne auf Klippen zu achten, und dachte nie daran, da� er nicht nur sich selbst, sondern die ganze Welt in Gefahr brachte. Wenn sie ihn nur davon abhalten konnte, nach Hause zu eilen und sein Dorf zu retten. Er wollte das bestimmt tun, aber das konnte er sich im Moment einfach nicht leisten. Zuviel stand auf dem Spiel. Vielleicht hatte er es aber noch gar nicht erfahren. Man durfte ja hoffen.</p><p>Mat stand ihnen gegen�ber, ungek�mmt und mit h�ngenden Schultern, die H�nde in den Taschen seiner hochkragigen gr�nen Jacke, wie immer halb aufgekn�pft, und die Stiefel ungeputzt. So bildete er einen scharfen Kontrast zu der gepflegten Eleganz seiner Umgebung. Er trat nerv�s von einem Fu� auf den anderen, als er bemerkte, da� sie ihn anblickte, und dann grinste er sie auf seine typische trotzige Art an. Na, wenigstens befand er sich hier, wo sie ihn sehen konnte. Es war ziemlich anstrengend, diesen jungen Mann unter Beobachtung zu halten. Er wich ihren Spitzeln mit Leichtigkeit aus, gab nie zu erkennen, da� er sich ihrer Anwesenheit bewu�t sei, aber ihre Augen und Ohren im Stein berichteten, da� er immer aus ihrer Sicht verschwand, wenn sie sich ihm n�herten.</p><p>�Ich glaube, er schl�ft sogar in dieser Jacke�, sagte Egwene mi�billigend. �Mit Absicht. Ich frage mich, wo Perrin bleibt.� Sie ging auf Zehenspitzen hoch und bem�hte sich, �ber die K�pfe der Versammlung hinwegzublicken. �Ich kann ihn nicht sehen.� Mit gerunzelter Stirn �berflog Moiraines Blick die Menge, aber sie konnte au�er der vordersten Reihe nicht viel sehen. Lan k�nnte dort hinten zwischen den S�ulen stehen und Obacht geben. Nein, sie w�rde sich jetzt nicht auff�llig benehmen oder gar hochh�pfen, oder sich wie ein eifriges Kind auch noch auf die Zehenspitzen stellen. Bei Lan war allerdings ein ernstes Wort angebracht, das er so schnell nicht vergessen w�rde. Sobald sie ihn wieder in die Finger bekam. Da zog Nynaeve ihn in einer Richtung und die <emphasis>Ta'veren,</emphasis> oder zumindest Rand, anscheinend in einer anderen, und sie mu�te sich fragen, wie fest das Band zwischen Lan und ihr tats�chlich noch war. Doch wenigstens war es n�tzlich, wenn er seine Zeit mit Rand verbrachte, denn das kn�pfte einen weiteren Faden zu dem jungen Mann, an dem sie ziehen konnte.</p><p>�Vielleicht ist er bei Faile�, sagte Egwene. �Er ist bestimmt nicht weggelaufen, Moiraine. Perrin hat ein starkes Pflichtgef�hl.� Beinahe soviel wie der Beh�ter, das wu�te Moiraine, und deshalb hielt sie ihn nicht so unter st�ndiger Beobachtung wie Mat. �Faile hat versucht, ihn zur Abreise zu �berreden, M�dchen.� Recht wahrscheinlich, da� er sich bei ihr befand; das war gew�hnlich der Fall. �Schau nicht so �berrascht drein. Sie sprechen oft miteinander und streiten sogar an Orten, wo man sie gut h�ren kann.� �Ich bin nicht �berrascht, da� Ihr das wi�t�, sagte Egwene trocken, �sondern nur, weil Faile ihm dann ausreden wollte, was er als seine Pflicht hingenommen hat.� �Vielleicht glaubt sie nicht so daran wie er.� Auch Moiraine selbst hatte zu Beginn nicht glauben k�nnen, was sich da abspielte, hatte es einfach nicht gesehen. Drei <emphasis>Ta'veren,</emphasis> alle gleich alt, alle aus dem gleichen Dorf. Sie mu�te blind gewesen sein, da� sie damals den Zusammenhang nicht erkannt hatte. Doch mit dem Wissen darum hatte sich alles schwieriger gestaltet. Es war, als wolle sie drei von Thoms bunten B�llen auf einmal mit einer Hand jonglieren, und das mit verbundenen Augen. Sie hatte gesehen, wie Thom das fertigbrachte, aber sie selbst wollte es doch lieber nicht versuchen. Es gab aber auch keinen Anhaltspunkt, wie die Verbindung der drei untereinander aussah und was sie eigentlich an Aufgaben zu erf�llen hatten. In den Prophezeiungen stand kein Wort von Begleitern.</p><p>�Ich mag sie�, sagte Egwene. �Sie ist die richtige f�r ihn; gerade, was er braucht. Und sie empfindet sehr tiefe Gef�hle f�r ihn.� �Ja, ich denke schon.� Falls Faile zu unbequem w�rde, mu�te Moiraine sie sich vorkn�pfen und ihr etwas von den Geheimnissen erz�hlen, die sie vor Perrin verbarg. Oder eines ihrer Augen und Ohren mu�te Faile etwas davon andeuten. Dann w�rde sie sich beruhigen.</p><p>�Ihr sagt das so, als glaubtet Ihr nicht daran. Sie lieben sich, Moiraine. K�nnt Ihr das nicht sehen? K�nnt Ihr denn kein menschliches Gef�hl erkennen, wenn Ihr so etwas seht?� Moiraine sah sie streng an, und das lie� Egwene gr�ndlich zusammenfahren. Das M�dchen wu�te so wenig und glaubte doch, soviel zu wissen. Moiraine wollte ihr das in strengstem Tonfall klarmachen, doch da h�rte sie, wie die Tairener der Reihe nach �berrascht und erschrocken nach Luft schnappten.</p><p>Hastig trat die Menge zur�ck, mehr als willig, wobei die vorderen die anderen dahinter grob zur�ckdr�ngten und so einen breiten Durchgang unter der Kuppel freimachten. Durch diese L�cke schritt nun Rand, den Blick geradeaus gerichtet. Er wirkte majest�tisch in seinem roten, an den �rmeln mit Goldstickereien verzierten Mantel. Im rechten Arm lag <emphasis>Callandor</emphasis> wie ein Szepter. Aber es war nicht nur er, der die Tairener zum Zur�cktreten gebracht hatte. Hinter ihm schritten vielleicht hundert Aiel, Speere und gespannte B�gen mit aufgelegten Pfeilen in der Hand, die Schufa um den Kopf gewickelt und schwarz verschleiert, so da� nur die Augen sichtbar waren. Moiraine glaubte, an der Spitze Rhuarc zu erkennen, gleich hinter Rand, aber nur an seinen typischen Bewegungen. Sie waren jetzt anonym. Zum T�ten bereit. Es war klar. Was immer Rand auch verk�nden wollte: Er war bereit, jeden Widerstand im Keim zu ersticken, bevor er sich ausbreiten konnte.</p><p>Die Aiel blieben stehen, aber Rand schritt weiter, bis er genau unter der Mitte der Kuppel stand, sich umdrehte und die Versammlung musterte. Er schien �berrascht und vielleicht auch etwas ver�rgert, als er Egwene entdeckte, doch Moiraine l�chelte er auf eine Weise an, die in ihr die Wut hochsteigen lie�. Mat dagegen grinste er an, als seien sie beide wieder die frechen Jungen von einst, und Mat erwiderte das Grinsen auf gleiche Weise. Die Gesichter der Tairener waren bleich. Sie wu�ten nicht, wohin sie blicken sollten � auf Rand und <emphasis>Callandor</emphasis> oder auf die verschleierten Aiel. Der Tod stand mannigfaltig in ihrer Mitte.</p><p>�Hochlord Sunamon�, sagte Rand pl�tzlich und so laut, da� dieser untersetzte Bursche selbst zusammenzuckte, �hat mir einen Vertrag mit Mayene garantiert, der sich genau an die von mir gegebenen Vorlagen h�lt. Er hat versprochen, mit seinem Leben daf�r geradezustehen.� Er lachte, als habe er einen Scherz gemacht, und die meisten der Adeligen lachten pflichtbewu�t mit. Allerdings nicht Sunamon, der eindeutig unwohl aussah. �Sollte er versagen�, verk�ndete Rand, �hat er sich bereit erkl�rt, sich h�ngen zu lassen, und diesem Wunsch wird Folge geleistet.� Das Gel�chter brach ab. Sunamons Gesicht f�rbte sich leicht gr�nlich. Egwene warf Moiraine einen beunruhigten Blick zu, doch Moiraine wartete einfach ab. Er hatte nicht s�mtliche Adelige auf zehn Meilen Umkreis zusammengerufen, um ihnen von einem Vertrag zu erz�hlen oder einen fetten Narren zu bedrohen. Sie l�ste ihre H�nde aus ihrem Rock, in den sie sie verkrampft hatte.</p><p>Rand drehte sich langsam im Halbkreis und musterte ernst die Gesichter. �Durch diesen Vertrag werden uns bald wieder Schiffe zur Verf�gung stehen, die das Getreide aus Tear nach Westen bef�rdern, um dort neue M�rkte zu �ffnen.� Ein zustimmendes Gemurmel machte sich breit, das aber gleich wieder abbrach. �Aber es wird noch mehr geschehen. Das Heer Tears wird ausr�cken.� Jubel erhob sich und hallte von der Decke wider. Die M�nner, selbst die Hochlords, h�pften vor Freude, sch�ttelten die F�uste �ber den K�pfen und warfen ihre spitzen Samtkappen in die Luft. Die Frauen l�chelten verz�ckt und k��ten diejenigen, die in den Krieg ziehen durften, auf die Wangen. �Illian wird fallen!� schrie jemand, und Hunderte von Stimmen nahmen diesen Ruf auf. Es erklang wie Donner: �Illian wird fallen! Illian wird fallen! Illian wird fallen!� Moiraine sah, wie sich Egwenes Lippen bewegten, doch die Worte gingen im allgemeinen Jubel unter. Sie konnte sie aber leicht ablesen: �Nein, Rand. Bitte nicht. Mach das bitte nicht.� Auf der anderen Seite dr�ben machte Mat ein finsteres Gesicht und schwieg mi�billigend. Die beiden und sie selbst waren die einzigen, die Rands Ank�ndigung nicht freudig begr��ten, abgesehen nat�rlich von den wachsamen Aiel und Rand. Er l�chelte ver�chtlich, doch seine Augen blieben kalt. Auf seinem Gesicht stand frischer Schwei�. Sein Blick traf sie, und sie wartete ab. Es w�rde noch mehr kommen und vermutlich nicht gerade Dinge, die sie erfreuten.</p><p>Rand hob die linke Hand. Langsam breitete sich Stille aus. Die vorne standen, zischten die hinter ihnen Stehenden an, damit sie ruhig seien. Er wartete ab, bis v�llige Stille herrschte. �Das Heer wird nach Norden marschieren, nach Cairhien. Hochlord Meilan wird das Kommando �bernehmen, und seine Stellvertreter sind die Hochlords Gueyam, Aracome, Hearne, Maraconn und Simaan. Das Heer wird gro�z�gig finanziert von Hochlord Torean, dem reichsten unter Euch, der es auch begleiten wird, um zu �berwachen, da� sein Geld weise ausgegeben wird.� Diese Ank�ndigung hatte alle verstummen lassen. Totenstille herrschte im riesigen Saal. Keiner r�hrte sich, obwohl Torean Schwierigkeiten mit dem Stehen zu haben schien.</p><p>Moiraine verbeugte sich im Geist vor Rand und der Wahl, die er getroffen hatte. Diese sieben aus Tear fortzuschicken machte gerade jene sieben gef�hrlichsten Intriganten unsch�dlich, und keiner dieser M�nner traute den anderen soweit, da� er sich mit ihnen verb�nden w�rde. Thom Merrilin hatte ihm gute Ratschl�ge erteilt. Offensichtlich hatten ihre Spitzel einige der Zettel verpa�t, die er Rand gew�hnlich heimlich in die Tasche steckte. Aber ansonsten war das Ganze der reine Wahnsinn! Das konnte er doch nicht auf der anderen Seite des <emphasis>Ter'Angreal</emphasis> zur Antwort erhalten haben! Das war fast unm�glich!</p><p>Meilan war offensichtlich der gleichen Meinung, wenn auch nicht aus den gleichen Gr�nden. Er trat zaudernd vor � ein hagerer, harter Mann, doch so ver�ngstigt, da� das Wei�e seiner Augen deutlich hervortrat. �Mein Lord Drache... � Er hielt inne, schluckte und begann noch einmal mit etwas st�rkerer Stimme: �Mein Lord Drache, wenn man sich in einen B�rgerkrieg einmischt, ist es, als trete man in ein Moorloch. Ein Dutzend verschiedener Parteien streitet sich um den Sonnenthron, die B�ndnisse zwischen ihnen �ndern sich st�ndig, und jeder betr�gt andauernd jeden. Au�erdem treiben sich in Cairhien �berall Banditen und R�uber herum. Die verhungernden Bauern haben alles gegessen, was das Ackerland hergab. Ich habe zuverl�ssige Berichte dar�ber, da� sie schon Baumrinde und Bl�tter essen. Mein Lord Drache, der Ausdruck �Sumpf� daf�r ist noch viel zu... � Rand unterbrach ihn: �Ihr wollt Tears Einflu� nicht bis hin zu Bruderm�rders Dolch ausdehnen, Meilan? Das ist schon in Ordnung. Ich wei� bereits, wen ich auf den Sonnenthron setzen lassen werde. Ihr geht nicht als Eroberer hin, Meilan, sondern um Recht und Ordnung und den Frieden wieder herzustellen. Und um die Verhungernden zu retten. Wir haben bereits mehr Getreide in den Scheunen, als Tear �berhaupt verkaufen k�nnte, und dieses Jahr werden die Bauern eine gute Ernte haben, wenn Ihr meinen Anweisungen gehorcht. Das Getreide wird mit Planwagen gleich hinter dem Heer nach Cairhien gebracht, und diese Bauern... Diese <emphasis>Bauern</emphasis> m�ssen keine Baumrinde mehr essen, <emphasis>Lord</emphasis> Meilan.� Der gro�gewachsene Hochlord �ffnete noch einmal den Mund, und Rand schwang <emphasis>Callandor,</emphasis> bis die Spitze des Schwertes vor ihm auf dem Boden ruhte. �Ihr habt noch eine Frage, Meilan?� Meilan sch�ttelte den Kopf und trat so hastig zur�ck, als wolle er sich in der Menge verbergen.</p><p>�Ich wu�te, er w�rde nicht so einfach einen Krieg vom Zaum brechen�, sagte Egwene energisch. �Ich wu�te es.� �Glaubt Ihr, es wird bei dieser Aktion deswegen weniger Tote geben?� knurrte Moiraine. Was hatte der Junge vor? Nun, wenigstens wollte er nicht wegrennen, um sein Dorf zu retten, w�hrend die Verlorenen mit dem Rest der Welt tun konnten, was ihnen beliebte. �Die Leichenhaufen werden genauso hoch sein, Kind. Ihr werdet keinen Unterschied zu einem echten Krieg bemerken.� Statt dessen Illian und Sammael anzugreifen h�tte wenigstens Zeit eingebracht, auch wenn der Krieg auf ein Unentschieden hinausgelaufen w�re. Zeit, um den Gebrauch seiner Macht zu erlernen, vielleicht schon einen seiner wichtigsten Feinde zu besiegen und den �brigen Respekt beizubringen. Aber so? Was konnte er damit bezwecken? Friede f�r das Land, in dem sie geboren war, und Nahrung f�r die Hungernden Cairhiens? Zu jedem anderen Zeitpunkt h�tte sie dem Beifall geklatscht. Jetzt allerdings war es wohl sehr menschlich, aber v�llig sinnlos. Nutzloses Blutvergie�en, statt einen Feind in die Schranken zu weisen, der ihn bei der geringsten Gelegenheit vernichten w�rde. Warum? Lanfear. Was hatte ihm Lanfear gesagt? Was hatte sie getan? Die sich daraus ergebenden M�glichkeiten lie�en Moiraine schaudern. Rand mu�te genauer �berwacht werden als jemals zuvor. Sie w�rde ihm nicht erlauben, zum Schatten �berzulaufen.</p><p>�Ach, ja�, sagte Rand, als erinnere er sich gerade an etwas. �Soldaten verstehen nicht viel davon, hungrige M�uler zu stopfen, oder? Daf�r braucht man, glaube ich, das gute Herz einer Frau. Lady Alteima, ich hasse es ja, Euch in Eurer Trauer zu st�ren, aber w�rdet Ihr bitte daf�r sorgen, da� unter den Armen Cairhiens die Lebensmittel verteilt werden? Ihr habt eine ganze Nation zu ern�hren!� <emphasis>Und k�nnt an Macht gewinnen,</emphasis> dachte Moiraine. Das war sein erster Ausrutscher. Abgesehen davon nat�rlich, da� er das Heer anstatt nach Illian nach Cairhien schickte. Alteima w�rde garantiert bei ihrer R�ckkehr nach Tear an Macht Meilan oder Gueyam etwa gleichkommen und sich f�r neue Intrigen r�sten. Falls er nicht aufpa�te, w�rde sie auch noch Rand hinterr�cks ermorden lassen. Nun, vielleicht konnte man in Cairhien irgendwo einen Unfall arrangieren.</p><p>Alteima knickste grazi�s und breitete dabei ihren wei�en Rock zu voller Gr��e aus. Sie zeigte nur sehr wenig �berraschung. �Wie mein Lord Drache befiehlt, so gehorche ich. Es freut mich au�erordentlich, dem Lord Drachen dienen zu k�nnen.� �Ich war sicher, da� es Euch Freude bereiten w�rde�, sagte Rand trocken. �Doch so sehr Ihr euren Mann auch liebt � Ihr werdet ihn wohl kaum nach Cairhien mitnehmen wollen. F�r einen kranken Mann wird das einfach zu anstrengend. Ich habe mir die Freiheit genommen, ihn in die Gem�cher von Hochlady Estanda bringen zu lassen. Sie wird ihn pflegen, w�hrend Ihr abwesend seid, und wenn er gesund ist, schickt sie ihn zu Euch nach Cairhien.� Estanda l�chelte angespannt, doch triumphierend. Alteimas Pupillen rollten, und sie brach auf der Stelle zusammen.</p><p>Moiraine sch�ttelte leicht den Kopf. Er war wirklich h�rter als fr�her. Gef�hrlicher. Egwene wollte auf die zusammengebrochene Frau zugehen, doch Moiraine legte ihr eine Hand auf den Arm und hielt sie zur�ck. �Ich glaube, sie wurde nur von ihren Gef�hlen �berw�ltigt. So etwas kann ich erkennen. Die Damen k�mmern sich schon um sie.� Mehrere der Ladies umstanden Alteima, t�tschelten ihre H�nde und hielten ihr Riechsalzfl�schchen unter die Nase. Sie hustete und �ffnete die Augen. Als sie sah, da� Estanda �ber ihr stand, w�re sie beinahe erneut in Ohnmacht gefallen.</p><p>�Rand hat gerade etwas sehr Kluges getan, glaube ich�, sagte Egwene mit tonloser Stimme. �Und etwas sehr Grausames. Er sollte sich wirklich sch�men.� Rand wirkte auch beinahe so, wie er dastand und dem Fu�boden vor seinen Stiefeln Grimassen schnitt. Vielleicht war er doch noch nicht so hart, wie er sein wollte. �Verdienterma�en�, stellte Moiraine fest. Das M�dchen zeigte gute Anlagen. Sie nahm doch schon manches wahr, auch wenn sie es noch nicht verstand. Doch sie mu�te erst lernen, ihre Gef�hle unter Kontrolle zu bringen, nicht nur das zu sehen, was sie gern tun w�rde, sondern vor allem das, was getan werden mu�te. �Hoffen wir, da� er f�r heute alle seine Schlauheiten verbraucht hat.� Sehr wenige in dem gro�en Saal verstanden genau, was geschehen war, nur, da� die Ohnmacht Lady Alteimas den Lord Drachen etwas verst�rt hatte. Ein paar lie�en von hinten Rufe ert�nen: �Cairhien wird fallen!�, aber sie verstummten ebenso schnell wieder.</p><p>�Wenn Ihr uns f�hrt, mein Lord Drache, dann erobern wir die ganze Welt!� rief ein junger Mann mit verschwollenem Gesicht, der Torean ein wenig st�tzte: Estean, Toreans �ltester Sohn. Die �hnlichkeit war klar zu erkennen. Nur f�hrte der Vater immer noch Selbstgespr�che.</p><p>Rand ri� den Kopf hoch und wirkte aufgeschreckt. Oder vielleicht auch w�tend. �Ich werde nicht mit Euch kommen. Ich... gehe eine Zeitlang fort.� Das rief erneut Schweigen hervor. Jeder Blick war auf ihn gerichtet, doch seine Aufmerksamkeit galt allein <emphasis>Callandor.</emphasis> Die Menge zuckte zur�ck, als er die Kristallklinge vor sein Gesicht hob. Schwei�tropfen rollten ihm �ber die Stirn, viel mehr Schwei� als zuvor. �Der Stein bewahrte <emphasis>Callandor</emphasis> auf, bevor ich kam. Der Stein wird es wieder aufbewahren, bis ich zur�ck bin.� Pl�tzlich flammte das glasklare Schwert in seinen H�nden auf. Er ri� es mit dem Knauf nach oben hoch �ber Kopfh�he und rammte es dann mit aller Gewalt hinunter, tief in den Steinboden hinein. Blaue Blitze zuckten zur Kuppel hoch �ber ihm auf. Der Stein grollte vernehmlich und bebte. Der Boden w�lbte sich auf, und schreiende Menschen taumelten umher.</p><p>Moiraine schob die gest�rzte Egwene von sich herunter, w�hrend der Saal immer noch von Nachbeben ersch�ttert wurde, und rappelte sich hoch. Was hatte er nur wieder angestellt? Und warum? Weggehen? Das war der schlimmste ihrer Alptr�ume.</p><p>Die Aiel standen bereits wieder sicher auf den Beinen. Alle anderen jedoch lagen am Boden oder st�tzten sich halb aufgerichtet auf Knie und Ellbogen. Au�er Rand. Der hatte ein Knie auf den Boden gest�tzt und hielt mit beiden H�nden den Griff <emphasis>Callandors</emphasis> umfa�t. Er hatte die Klinge zur H�lfte in den Steinboden getrieben. Das Schwert war wieder kristallklar. Auf seinem Gesicht gl�nzte der Schwei�. Er l�ste seine H�nde vom Schwertgriff � einen Finger nach dem anderen �, hielt sie aber noch wie zum Schutz um den Knauf, den er nun nicht mehr ber�hrte. Einen Augenblick lang glaubte Moiraine, er wolle wieder zupacken, doch statt dessen stand er m�hsam auf. Er mu�te sich dazu zwingen; soviel konnte sie erkennen.</p><p>�Seht es an, w�hrend ich weg bin.� Seine Stimme klang erleichtert und eher wieder so, wie zu der Zeit, als sie ihn in seinem Dorf aufgest�bert hatte, doch genauso entschlossen wie vorher. �Seht es an und denkt an mich. Denkt daran, da� ich wiederkehren werde, um es in Besitz zu nehmen. Wenn irgend jemand meinen Platz einnehmen will, braucht er es nur herauszuziehen.� Er streckte den Zeigefinger mahnend aus und grinste dabei spitzb�bisch. �Aber denkt auch daran, welchen Preis Ihr f�r ein Versagen zahlen m��t.� Er wandte sich um und marschierte aus dem Saal, dicht gefolgt von den Aiel. Die Tairener starrten das aus dem Boden ragende Schwert an und standen um einiges langsamer wieder auf. Die meisten wirkten ver�ngstigt, als wollten sie weglaufen und trauten sich doch nicht.</p><p>�Dieser Mann!� grollte Egwene, die sich den Staub von ihrem gr�nen Leinenkleid klopfte. �Ist er wahnsinnig?� Sie schlug sich eine Hand vor den Mund. �O Moiraine, er wird doch nicht wirklich wahnsinnig werden? Oder? Noch nicht, ja?� �Das Licht gebe, da� er nicht wahnsinnig wird�, murmelte Moiraine. Sie konnte ihren Blick nicht von dem Schwert losrei�en, genausowenig wie die Tairener. Das Licht sollte den Jungen holen. Warum konnte er nicht der liebenswerte junge Bursche bleiben, den sie in Emondsfeld vorgefunden hatte? Sie zwang sich, Rand zu folgen. �Aber ich werde es herausfinden.� Sie mu�te beinahe laufen, um die Prozession in einem breiten Gang mit Wandbeh�ngen einzuholen Die Aiel hatten ihre Schleier nunmehr abgestreift, konnten sie aber jederzeit wieder hochziehen, falls notwendig. Sie machten ihr bereitwillig Platz, ohne den Schritt zu verlangsamen. Sie blickten sie und Egwene aufmerksam an. Ihre harten Gesichter waren ausdruckslos, doch die Augen wachsam. Das waren die Aiel immer, wenn sich Aes Sedai in der N�he befanden.</p><p>Sie verstand nicht, wieso die Aiel ihr gegen�ber mi�trauisch waren und doch seelenruhig hinter Rand hermarschierten. Es war schwierig, mehr als nur kleine Bruchst�cke �ber sie und ihre Kultur zu erfahren. Sie beantworteten ihre Fragen zwar ehrlich, aber nur in bezug auf Dinge, f�r die sie sich gar nicht interessierte. Ihre Spitzel, ihr ganzes Netz von Augen und Ohren erfuhr nichts von den Aiel und probierte es auch mittlerweile nicht mehr. Nicht mehr, seit eine Frau gefesselt und geknebelt an den F��en an einer Zinne aufgeh�ngt worden war und mit wilden Augen vierhundert Fu� senkrecht nach unten gestarrt hatte, und nicht mehr, seit ein Mann spurlos verschwunden war. Er war einfach weg. Die Frau weigerte sich seither, h�her als bis zum Erdgescho� hinaufzugehen. Sie hatte alle ihre Spitzel st�ndig durch ihre Anwesenheit nerv�s gemacht, bis Moiraine sie aufs Land geschickt hatte.</p><p>Auch Rand ging keineswegs langsamer, als sie und Egwene ihn eingeholt hatten. Auch sein Blick schien wachsam und mi�trauisch, aber auf andere Art, und dazu kam ein Schimmer unterdr�ckten �rgers. �Ich glaubte, du w�rst weg�, sagte er zu Egwene. �Ich dachte, du w�rst mit Elayne und Nynaeve gegangen. Das h�ttest du tun sollen. Selbst Tanchico ist... Warum bist du hiergeblieben?� �Ich bleibe nicht mehr lange�, sagte Egwene. �Ich gehe mit Aviendha nach Rhuidean in die Aiel-W�ste, um bei den Weisen Frauen zu lernen.� Er geriet beinahe ins Stolpern, als das M�dchen die Aiel-W�ste erw�hnte, sah sie unsicher an und schritt dann weiter. Er schien wieder beherrscht, vielleicht zu sehr sogar, wie ein kochender Teekessel, dessen Deckel man zugebunden und dessen �ffnung man verstopft hat. �Erinnerst du dich noch an die Schwimmerei im Wasserwald?� fragte er leise. �Ich habe mich einfach auf dem R�cken treiben lassen und geglaubt, das Schwerste, was mir im Leben bevorst�nde, w�re, einen Acker umzupfl�gen oder vielleicht die Schafe zu scheren. Von Sonnenaufgang bis Sonnenuntergang ohne Pause, bis alle Schurwolle zu Ballen verschn�rt daliegt.� �Spinnen�, sagte Egwene. �Das ha�te ich noch mehr, als Fu�b�den zu schrubben. Wenn man die F�den drehen mu�, zerrei�t es einem fast die Fingerspitzen.� �Warum habt Ihr das getan?� fragte Moiraine, bevor sie mit ihren Erinnerungen an die Kindheit weiterfahren konnten. Er sah sie von der Seite her an und l�chelte so sp�ttisch wie sonst nur Mat. �H�tte ich sie wirklich aufh�ngen lassen sollen, weil sie versuchte, einen Mann zu ermorden, der wiederum gegen mich Mordpl�ne ausheckte? W�re das gerechter gewesen als meine Handlungsweise?� Das Grinsen verschwand von seinem Gesicht. �Gibt es irgendeine Gerechtigkeit bei dem, was ich tue? Sunamon wird h�ngen, wenn er versagt. Weil ich es so entschieden habe. Er verdient es, so wie er versucht hat, die Lage f�r sich auszun�tzen, ohne darauf zu achten, ob seine eigenen Bauern verhungern, aber daf�r kommt er nicht an den Galgen. Er wird h�ngen, weil ich es bestimmte. Meinetwegen.� Egwene legte eine Hand auf seinen Arm, aber Moiraine gestattete ihm kein Ablenkungsman�ver. �Ihr wi�t, da� ich etwas anderes gemeint habe.� Er nickte. Diesmal wirkte sein erstarrtes L�cheln be�ngstigend. <emphasis>�Callandor.</emphasis> Mit ihm in der Hand kann ich alles vollbringen. Alles. Ich wei� das. Aber nun ist es, als sei ich ein schweres Gewicht auf den Schultern losgeworden. Das versteht Ihr nicht, oder?� Sie verstand es tats�chlich nicht, aber es �rgerte sie, da� er das bemerkte. So hielt sie den Mund und er fuhr fort: �Vielleicht hilft es, wenn ich Euch etwas aus den Prophezeiungen dazu sage:</p><p><emphasis>Mitten ins Herz st��t er sein Schwert, ins Herz hinein, und ihre Herzen bindet er. Wer zieht es hervor, wer folgt ihm nach? Wessen Hand greift nach der hehren Klinge?</emphasis></p><p>Seht Ihr? Es steht alles in den Prophezeiungen.� �Ihr verge�t etwas�, sagte sie ihm eindringlich. �Ihr habt <emphasis>Callandor</emphasis> zu Euch genommen, um die Prophezeiungen zu erf�llen. Die Abschirmung, die das Schwert dreitausend Jahre lang umgab und auf Euch wartete, ist weg. Es ist nicht mehr das Unber�hrbare Schwert. Ich k�nnte es selbst mit Hilfe der Macht befreien. Was noch schlimmer ist �einer der Verlorenen k�nnte das gleiche vollbringen. Was, wenn Lanfear wiederkehrt? Sie k�nnte <emphasis>Callandor</emphasis> genausowenig ben�tzen wie ich, aber sie k�nnte es an sich nehmen.� Er reagierte nicht auf den Namen. Weil er sie nicht f�rchtete � dann w�re er ein Narr � oder aus einem anderen Grund? �Falls Sammael oder Rahvin oder irgendein anderer m�nnlicher Verlorener <emphasis>Callandor</emphasis> in die Hand bekommt, kann er es genauso ben�tzen wie Ihr. Stellt Euch vor, was geschieht, wenn die Macht, die Ihr so einfach aufgebt, gegen Euch selbst angewandt wird! Stellt Euch diese Macht in den H�nden des Schattens vor!� �Ich hoffe beinahe, da� sie es versuchen werden.� In seinen Augen gl�hte es bedrohlich; Gewitterwolken schienen in ihm aufzuziehen. �Es wartet eine �berraschung auf jeden, der versucht, <emphasis>Callandor</emphasis> mit Hilfe der Macht aus dem Stein zu ziehen, Moiraine. Denkt nicht erst daran, es zur Sicherheit in die Burg zu bringen. Ich kann keine Falle aufbauen, die den einen entwischen l��t und den anderen nicht. Die Macht l�st die Falle aus und spannt sie sp�ter wieder. Ich gebe ja <emphasis>Callandor</emphasis> keineswegs f�r immer auf. Nur bis ich...� Er atmete tief durch. <emphasis>�Callandor</emphasis> bleibt hier, bis ich zur�ckkehre und es mir wieder hole. Dadurch, da� es sich hier befindet und sie daran erinnert, wer ich bin und was ich bin, stellt es sicher, da� ich ohne Heer wiederkommen kann. Eine Art von Zufluchtsort mit Leuten wie Alteima und Sunamon, um mich zu Hause willkommen zu hei�en. Falls Alteima die Gerechtigkeit �berlebt, die ihr Mann und Estanda walten lassen werden, und falls Sunamon die meine �berlebt. Licht, was f�r ein ekelhaftes Durcheinander.� Konnte oder wollte er die Falle nicht zwischen Freund und Feind unterscheiden lassen? Sie war entschlossen, seine F�higkeiten nicht mehr zu untersch�tzen. <emphasis>Callandor</emphasis> geh�rte in die Burg, wenn er das Schwert nicht so ben�tzen wollte, wie es sein sollte, und zwar so lange, bis er es brauchte. �Nur bis... � Was? Er h�tte beinahe etwas anderes gesagt, als �bis ich zur�ckkehre�. Aber was?</p><p>�Und wo geht Ihr hin? Oder wollt Ihr das geheimhalten?� Sie schwor sich insgeheim, ihn nicht mehr entkommen zu lassen, ihn irgendwie umzustimmen, falls er zu den Zwei Fl�ssen wollte, doch dann �berraschte er sie.</p><p>�Kein Geheimnis, Moiraine. Weder vor Euch, noch vor Egwene.� Er blickte Egwene an und sagte nur ein Wort: �Rhuidean.� Das M�dchen ri� die Augen auf und schien derartig �berrascht, als h�re sie den Namen zum erstenmal. Doch was das betraf, war Moiraine kaum weniger �berrascht. Unter den Aiel machte sich Gemurmel breit, aber als sie zur�ckblickte, schritten sie mit steinernen Gesichtern weiter. Sie h�tte sie am liebsten weggeschickt, aber ihren Befehlen gehorchten sie nicht und sie wollte Rand nicht darum bitten. Es w�rde ihr nicht helfen, ihn um einen Gefallen zu bitten, vor allem, weil es gut sein konnte, da� er ablehnte.</p><p>�Ihr seid doch kein Clanh�uptling bei den Aiel, Rand�, sagte sie mit fester Stimme, �und m��t auch keiner werden. Euer Kampf findet auf dieser Seite der Drachenmauer statt. Au�er... Ist das eine der Antworten, die Ihr im <emphasis>Ter'Angreal</emphasis> erhalten habt? Cairhien und <emphasis>Callandor</emphasis> und Rhuidean? Ich sagte Euch doch, da� diese Antworten m�glicherweise verschl�sselt sind. Sie mi�zuverstehen k�nnte fatale Folgen haben. Nicht nur f�r Euch.� �Ihr m��t mir eben vertrauen, Moiraine. Ich habe Euch so oft vertrauen m�ssen.� Sein Gesicht h�tte ohne weiteres das eines Aiel sein k�nnen, so wenig Regung zeigte es.</p><p>�So werde ich Euch f�r den Augenblick vertrauen. Wartet aber nicht damit, meinen Rat zu suchen, bis es zu sp�t ist.� Ich werde Euch nicht dem Schatten �berlassen. Ich habe schon zu lange daran gearbeitet, um das zu gestatten. Was auch sein mu�, ich werde es unternehmen.</p></section><section><title><p>22</p><p>Aus dem Stein</p></title><p>Es war eine seltsame Prozession, die Rand da aus dem Stein nach Osten f�hrte. Wei�e Wolken verdeckten die Mittagssonne, und eine leichte Brise wehte �ber die Stadt. Auf seinen Befehl hin war der Abmarsch nicht �ffentlich bekannt gegeben worden. Es hatte auch keine offizielle Proklamation gegeben, doch Ger�chte breiteten sich schnell aus. Die B�rger hielten in ihrer Arbeit inne und rannten zu den Punkten in der Stadt, von denen aus man die beste Sicht hatte. Die Aiel marschierten durch die Stadt und aus der Stadt hinaus. Menschen, die sie bei ihrer Ankunft nicht bemerkt hatten, die kaum glauben konnten, da� sie sich tats�chlich im Stein befanden, standen in immer gr��erer Zahl an den Stra�en, an den Fenstern, kletterten auf die Ziegeld�cher, sa�en auf dem einen oder anderen Dachfirst und auf den Mauervorspr�ngen von H�usern. Erstauntes Stimmengewirr erklang, wo man die Aiel z�hlte. Diese paar Hundert konnten doch unm�glich den Stein erobert haben! Das Drachenbanner flatterte immer noch �ber der Festung. Dort mu�ten sich bestimmt noch Tausende von Aiel befinden. Und der Lord Drache.</p><p>Rand ritt in Hemds�rmeln, sicher, da� ihn keiner der Umstehenden f�r jemanden Besonderes halten werde. Ein Ausl�nder, reich genug, um zu reiten � und das auf einem wunderbaren Apfelschimmelhengst von bester tairenischer Zucht �, ein reicher Mann also, der in sehr eigenartiger Gesellschaft ausritt, aber eben nicht mehr als das. Er war nicht einmal der Anf�hrer dieser seltsamen Gruppe; dieser Rang stand sicherlich Lan oder Moiraine zu, obwohl sie ein wenig hinter ihm ritten, direkt vor den Aiel. Das beeindruckte Gemurmel, das seinen Ritt begleitete, wurde der Aiel wegen hinter ihm �berall lauter, wo sie durchkamen. Es konnte sogar sein, da� diese Tairener ihn f�r einen Knappen hielten, der das Pferd seines Herrn ritt. Nun, das doch wohl nicht, da er ja ganz vorn ritt. Aber es war �berhaupt ein sch�ner Tag. Nicht so dr�ckend, sondern lediglich warm. Niemand erwartete von ihm, Gerechtigkeit zu �ben oder einen Staat zu regieren. Er geno� einfach, als einer unter vielen mitreiten zu k�nnen, und er geno� die angenehme Brise. Eine Weile lang verga� er sogar das leichte Brennen seiner Reiher-Brandzeichen auf den Handfl�chen, wenn sie sich am Z�gel rieben. <emphasis>Noch ein bi�chen l�nger,</emphasis> dachte er. <emphasis>Ein bi�chen l�nger.</emphasis></p><p>�Rand�, sagte Egwene, �glaubst du wirklich, es war gut, die Aiel all jene Dinge mitnehmen zu lassen?� Er blickte zur�ck, als sie ihre graue Stute an seine Seite trieb. Von irgendwoher hatte sie sich ein dunkelgr�nes Kleid mit einem engen Hosenrock besorgt, und ein gr�nes Samtband hielt ihre Haare zu einem Pferdeschwanz gebunden.</p><p>Moiraine und Lan ritten ein Dutzend Schritt hinter ihnen, sie auf ihrer wei�en Stute, in ein langes, blauseidenes Reitkleid geh�llt, das einen gr�nen Schr�gstreifen aufwies, das dunkle Haar in einem goldenen Netz gefangen, und er auf seinem m�chtigen schwarzen Streitro�, angetan mit dem farbver�ndernden Umhang eines Beh�ters, der ihm m�glicherweise genauso viele Ooohs und Aaahs einbrachte wie den Aiel. Als der Umhang im Wind flatterte, flossen Gr�n und Braun und Grau dar�ber hinweg. Wenn er unbeweglich herunterhing, pa�te er seine Farbe irgendwie dem an, was sich jeweils dahinter befand, so da� dem Auge vorgegaukelt wurde, es k�nne durch Lan und sein Reittier hindurchblicken. Es war unangenehm hinzusehen.</p><p>Auch Mat war dabei, hing zusammengesackt und resigniert in seinem Sattel und hielt sich fern von der Aes Sedai und dem Beh�ter. Er hatte einen unauff�lligen braunen Wallach ausgew�hlt, ein Tier, das er Pips nannte. Man brauchte ein gutes Auge und Pferdeverstand, um den kr�ftigen Brustkorb und die starken Fesseln zu erkennen, die andeuteten, da� der Wallach mit der breiten Nase durchaus mit Rands Hengst oder auch dem von Lan in puncto Schnelligkeit und Ausdauer mithalten konnte. Mats Entschlu� mitzukommen hatte die anderen �berrascht. Rand wu�te immer noch nicht, warum er mitkam. Vielleicht aus Freundschaft, vielleicht aber auch nicht. Mat verhielt sich manchmal recht eigenartig.</p><p>�Hat dir deine Freundin Aviendha nichts von �dem F�nftel� erkl�rt?� fragte er.</p><p>�Sie hat etwas erw�hnt, aber... Rand, du glaubst doch nicht, da� sie auch Sachen... mitgenommen hat?� Hinter Moiraine und Lan, hinter Mat und hinter Rhuarc, der an ihrer Spitze schritt, marschierten die Aiel in zwei langen Reihen au�en neben schwer beladenen Packeseln, immer vier nebeneinander in einer Reihe. Wenn die Aiel eine der Festungen ihrer verfeindeten Clans in der W�ste einnahmen, dann verlangte die Sitte � Rand verstand auch nicht genau, warum �, da� sie als Beute genau ein F�nftel von allem mitnahmen, ausgenommen Lebensmittel. Sie hatten keinen Grund, den Stein auszunehmen. Allerdings enthielten die Lasten der Maulesel nicht einmal den f�nften Teil eines F�nftels der Sch�tze des Steins. Rhuarc meinte, die Gier habe schon mehr Menschen umgebracht als Stahl. Die Tragk�rbe waren nur leicht beladen. Obenauf lagen zusammengerollte Teppiche und Wandbeh�nge. Vor ihnen lag ein m�glicherweise schwerer �bergang �ber das R�ckgrat der Welt und dann ein noch viel beschwerlicherer Weg durch die W�ste.</p><p><emphasis>Wann sage ich es ihnen?</emphasis> fragte er sich. <emphasis>Bald, es mu� bald geschehen.</emphasis> Moiraine w�rde es zweifellos f�r wagemutig halten, einen k�hnen Streich. Vielleicht stimmte sie sogar zu. Vielleicht. Sie glaubte, nun seinen ganzen Plan zu kennen und machte kein Hehl aus ihrer Mi�billigung. Ohne Zweifel wollte sie, da� er es schnell hinter sich brachte. Aber die Aiel... <emphasis>Und wenn sie sich weigern? Nun, wenn sie sich sperren, dann sollen sie. Ich mu� es tun.</emphasis> Was das F�nftel betraf... Er glaubte nicht, da� es m�glich gewesen w�re, die Aiel davon abzuhalten, etwas mitzunehmen, und er hatte es gar nicht versucht. Sie hatten sich eine Belohnung verdient, und er hatte nicht vor, den tairenischen Lords zu helfen, einen Besitz zu wahren, den sie �ber Jahrhunderte hinweg ihren Untertanen geraubt hatten. �Ich habe gesehen, wie sie Rhuarc eine silberne Sch�ssel zeigte�, sagte er zu Egwene. �Es hat in ihrem Sack geklappert, als sie die Sch�ssel hineinsteckte. Da war noch mehr Silber drin, oder auch Gold. Mi�billigst du das?� �Nein.� Sie zog das Wort in die L�nge, um ein wenig Zweifel anzudeuten, aber dann klang ihre Stimme wieder fester. �Ich hatte einfach nicht daran gedacht... Die Tairener h�tten nicht nur ein F�nftel mitgenommen, w�re die Lage umgekehrt gewesen. Sie h�tten alles weggekarrt, was nicht festgenagelt war, und sie h�tten noch Karren gestohlen, um alles wegzutransportieren. Nur weil sich die Sitten unterscheiden, hei�t das nicht, da� einer recht hat und der andere nicht, Rand. Das solltest du doch wissen.� Er lachte leise. Das war fast wie in alten Zeiten. Er wollte ihr erkl�ren, warum sie unrecht hatte, und sie nahm pl�tzlich seine Position ein und gab ihm seine eigene noch nicht ausgesprochene Begr�ndung zu verstehen. Sein Hengst t�nzelte ein wenig. Er hatte wohl seine heitere Stimmung mitempfunden. Er t�tschelte den Hals des Apfelschimmels. Ein guter Tag.</p><p>�Das ist ein sch�nes Pferd�, sagte sie. �Wie hast du ihn genannt?� �Jeade'en�, sagte er vorsichtig, und etwas von seiner guten Laune ging verloren. Er sch�mte sich ein wenig des Namens und der Gr�nde, aus denen er ihn so genannt hatte. Eines seiner Lieblingsb�cher war immer schon <emphasis>Die Reisen des Jain Fernstreicher</emphasis> gewesen, und dieser gro�e Reisende hatte sein Pferd Jeade'en genannt � der �Heimkehrer�, in der Alten Sprache � denn das Tier war immer in der Lage gewesen, wieder nach Hause zur�ckzufinden. Es war ein sch�ner Gedanke, da� Jeade'en auch ihn eines Tages nach Hause zur�cktragen k�nne. Sch�n, aber unwahrscheinlich, und er wollte nicht, da� irgend jemand den Grund seiner Namensgebung erfuhr. Jungenhafte Launen hatten jetzt in seinem Leben keinen Platz mehr. Es gab �berhaupt keinen Platz mehr, au�er eben f�r das, was er tun mu�te.</p><p>�Ein sch�ner Name�, sagte sie abwesend. Er wu�te, auch sie hatte das Buch gelesen, und erwartete fast, da� sie den Namen erkannte, aber sie schien �ber etwas anderem zu br�ten. Sie kaute die ganze Zeit auf ihrer Unterlippe.</p><p>Er belie� es bei dem Schweigen. Die letzten Ausl�ufer der Stadt machten dem bebauten Land und vereinzelten Bauernh�fen Platz. Nicht einmal ein Congar oder ein Coplin, Leute von den Zwei Fl�ssen, die ber�chtigt waren f�r ihre Faulheit � unter anderem � w�rden ihre H�fe derart herunterkommen lassen, wie es diese groben Steinh�user waren. Die W�nde standen schief, als w�rden sie jeden Moment �ber den davor scharrenden H�hnern zusammenbrechen. Windschiefe Scheunen wurden von Lorbeerb�umen und Gew�rzstr�uchern gerade noch am Einst�rzen gehindert. Durch die D�cher mit ihren gesprungenen und teilweise fehlenden Ziegeln regnete es bestimmt herein. Ziegen meckerten einsam in Steinpferchen, die aussahen, als habe man diesen Morgen erst die Steine einfach aufgesch�ttet. Barf��ige M�nner und Frauen hackten geb�ckt und mit traurig h�ngenden Schultern in Feldern herum, die nicht einmal Z�une oder Begrenzungshecken aufwiesen. Sie blickten gar nicht auf, als die Prozession vorbeikam. Das leise Zwitschern von Rotschn�beln und Drosseln im Geb�sch reichte nicht, um die bedr�ckende Atmosph�re aufzulockern.</p><p><emphasis>Ich mu� etwas gegen diese Armut unternehmen. Ich... Nein, nicht jetzt. Zuerst kommen noch wichtigere Dinge. Ich habe f�r sie getan, was ich in diesen wenigen Wochen tun konnte. Jetzt kann ich weiter nichts mehr machen.</emphasis> Er bem�hte sich, die heruntergekommenen H�fe nicht erst zu betrachten. Stand es um die Olivenplantagen im S�den genauso schlecht? Die Menschen, die dort arbeiteten, besa�en nicht einmal eigenes Land � es geh�rte alles den Hochlords. <emphasis>Nein. Die Brise. Sch�n, wie sie die Macht der Hitze bricht. Ich werde sie noch ein wenig l�nger genie�en k�nnen. Jetzt mu� ich es ihnen bald sagen.</emphasis></p><p>�Rand�, sagte Egwene mit einemmal, �ich m�chte mit dir reden.� Ihrem Gesichtsausdruck nach zu schlie�en, war es etwas Ernstes. Diese gro�en, dunklen Augen, die unverwandt auf ihn gerichtet waren, gl�nzten auf die gleiche Art wie die Nynaeves, wenn sie ihm einen Vortrag halten wollte. �Ich will mit dir �ber Elayne sprechen.� �Was ist mit ihr?� fragte er mi�trauisch. Er ber�hrte seinen Beutel, in dem zwei Briefe von ihr hinter einem kleinen, harten Gegenstand steckten. W�ren sie nicht beide in der gleichen eleganten Handschrift geschrieben, h�tte er nicht glauben k�nnen, da� sie von derselben Frau stammten. Und das nach all den K�ssen und Z�rtlichkeiten. Die Hochlords waren leichter zu verstehen als die Frauen.</p><p>�Warum hast du sie so einfach gehen lassen?� Er blickte sie fragend an. �Sie wollte doch gehen. Ich h�tte sie festbinden m�ssen, um sie aufzuhalten. Au�erdem ist sie selbst in Tanchico noch sicherer als in meiner und Mats Umgebung, falls wir, wie Moiraine sagt, diese Blasen des B�sen anlocken. Du w�rst bei ihnen auch sicherer.� �Das habe ich �berhaupt nicht gemeint. Nat�rlich wollte sie gehen. Und du hattest auch kein Recht, sie aufzuhalten. Aber warum hast du ihr nie gesagt, da� du dir w�nscht, sie w�rde bleiben?� �Sie wollte doch gehen�, wiederholte er, und dann wuchs seine Verwirrung, denn sie rollte mit den Augen, als rede er baren Unsinn. Wenn er kein Recht hatte, Elayne aufzuhalten, und sie ja gehen wollte, warum sollte er sie dann zum Bleiben zu �berreden versuchen? Und dann war sie ja auch sicherer als bei ihm, wenn sie ging.</p><p>Moiraine sagte gleich hinter ihm: �Seid Ihr bereit, mir das n�chste Geheimnis zu er�ffnen? Es ist ja klar, da� Ihr mir etwas verschwiegen habt. Wenigstens k�nnte ich es Euch rechtzeitig sagen, falls Ihr uns �ber eine Klippe f�hrt.� Rand seufzte. Er hatte �berh�rt, da� sie und Lan herangeritten waren. Und auch Mat, obwohl der noch Abstand zu der Aes Sedai und dem Beh�ter hielt. Mats Gesicht zeigte die vielf�ltigsten Gef�hle � Zweifel und Z�gern und grimmige Entschlossenheit wechselten sich darauf ab, besonders, wenn er zu Moiraine hin�berblickte. Er sah sie nie direkt an; immer nur aus dem Augenwinkel. �Bist du sicher, da� du mitkommen willst, Mat?� fragte Rand.</p><p>Mat zuckte die Achseln und grinste, allerdings nicht sehr selbstbewu�t. �Wer m�chte denn schon eine Chance verpassen, dieses verfluchte Rhuidean kennenzulernen?� Egwene zog die Augenbrauen hoch. �Ach, verzeiht mir die unh�flichen Worte, <emphasis>Aes Sedai.</emphasis> Ich habe von dir schon schlimmere geh�rt und aus weniger triftigen Gr�nden, m�chte ich wetten.� Egwene sah ihn ver�rgert an, aber die roten Flecken auf ihren Wangen zeugten davon, da� sie sich getroffen f�hlte.</p><p>�Seid froh, da� Mat hier ist�, sagte Moiraine mit k�hler und mi�billigender Stimme zu Rand. �Ihr habt einen schweren Fehler begangen, da� Ihr Perrin weggehen lie�t und das auch noch vor mir verbargt. Die Welt ruht auf Euren Schultern, und beide m�ssen Euch unterst�tzen, sonst fallt Ihr und die Welt mit Euch.� Mat zuckte zusammen und Rand hatte das Gef�hl, da� der Freund beinahe seinen Wallach h�tte wenden lassen und davongeritten w�re.</p><p>�Ich kenne meine Pflicht�, sagte er zu ihr. <emphasis>Und ich kenne mein Schicksal,</emphasis> dachte er, doch das sprach er nicht aus. Er wollte nicht um Sympathie betteln. �Einer von uns mu�te zur�ck, Moiraine, und Perrin wollte das �bernehmen. Ihr seid gewillt, alles sausen zu lassen, um die Welt zu retten. Ich... ich tue, was ich tun mu�.� Der Beh�ter nickte, sagte aber nichts dazu. Lan wollte vor anderen keine Meinungsverschiedenheit mit Moiraine austragen.</p><p>�Und das n�chste Geheimnis?� fragte sie nachdr�cklich. Sie w�rde nicht aufgeben, bis sie es herausgefunden hatte, und er hatte keinen Grund, es noch l�nger geheimzuhalten. Jedenfalls nicht diesen Teil.</p><p>�Portalsteine�, sagte er schlicht. �Falls wir Gl�ck haben.� �O Licht�, st�hnte Mat. �Verdammtes, flammendes Licht! Verzieh nicht so dein Gesicht, Egwene. Gl�ck? Ist einmal nicht genug, Rand? Du hast uns damals beinahe umgebracht, wei�t du noch? Nein, schlimmer als nur umgebracht. Ich w�rde lieber zur�ckreiten zu einem dieser Bauernh�fe und darum bitten, den Rest meines Lebens Schweine h�ten zu d�rfen.� �Du kannst deiner eigenen Wege gehen, wenn du willst, Mat�, sagte Rand zu ihm. Moiraines ruhiger Gesichtsausdruck war eine Maske, die ihre Wut verbarg, doch er ignorierte ihren eisigen Blick, der versuchte, ihn am Weitersprechen zu hindern. Selbst Lan schaute drein, als sei er nicht mit seinen Worten einverstanden, obwohl er dabei sein Gesicht kaum verzog. Dem Beh�ter ging Pflichterf�llung �ber alles andere. Rand w�rde seine Pflicht tun, aber seine Freunde... Er mochte es nicht, andere Menschen zu etwas zu zwingen, und schon gar nicht seine Freunde. Das wenigstens konnte er vermeiden. �Du hast keinen Grund, mit in die W�ste zu gehen.� �O doch, habe ich. Zumindest... Ach, seng mich doch! Ich habe ein Leben zu verschenken, oder? Warum dann nicht auf diese Art?� Mat lachte nerv�s und ein bi�chen wild. �Verfluchte Portalsteine! Licht!� Rand runzelte die Stirn. Alle sagten, sie erwarteten, da� er auf die Dauer wahnsinnig w�rde, aber im Moment schien Mat kurz davor zu stehen.</p><p>Egwene blinzelte Mat besorgt an, aber dann beugte sie sich zu Rand her�ber. �Rand, Verin Sedai hat mir ein wenig �ber die Portalsteine erz�hlt. Sie berichtete mir auch von der... Reise, die du unternommen hast. Hast du wirklich das gleiche wieder vor?� �Ich mu� es wagen, Egwene.� Er mu�te schnell handeln, und es gab keinen schnelleren Weg als den durch die Portalsteine, �berreste eines Zeitalters noch vor dem der Legenden. Selbst die Aes Sedai im Zeitalter der Legenden hatten sie nicht verstanden, wie es schien. Aber es gab eben keinen schnelleren Weg. Falls sie so funktionierten, wie er hoffte.</p><p>Moiraine hatte geduldig ihrer Unterhaltung gelauscht; besonders dem, was Mat gesagt hatte, obwohl Rand nicht wu�te, warum. Nun sagte sie: �Verin hat mir auch von Eurer Reise durch die Portalsteine erz�hlt. Das waren nur wenige Menschen und Pferde, nicht Hunderte, und wenn Ihr auch nicht gerade jeden umzubringen versucht habt, wie Mat meinte, war es doch eine Erfahrung, die keiner wiederholen m�chte. Und es ist ja auch nicht so ausgegangen, wie Ihr erwartet hattet. Dazu war eine gro�e Menge der Macht notwendig, beinahe genug, um Euch am Ende doch noch umzubringen, wie Verin berichtete. Selbst, wenn Ihr die meisten der Aiel zur�ckla�t: Wollt Ihr das riskieren?� �Ich mu߫, antwortete er. Dabei f�hlte er nach seiner G�rteltasche und dem kleinen, harten Umri� vor den Briefen, doch sie fuhr fort, als habe er nichts gesagt: �Seid Ihr �berhaupt sicher, da� es in der W�ste einen Portalstein gibt? Verin wei� bestimmt mehr dar�ber als ich, aber ich habe noch nie von einem geh�rt. Und falls es einen gibt, wird uns der dann n�her an Rhuidean heranbringen, als wir uns jetzt befinden?� �Etwa vor sechshundert Jahren�, erz�hlte er ihr daraufhin, �hat ein H�ndler versucht, einen Blick auf Rhuidean zu erhaschen.� Zu jeder anderen Zeit w�re es ihm ein Vergn�gen gewesen, zur Abwechslung einmal ihr einen Vortrag zu halten. Aber nicht heute. Es gab zuviel, was er nicht wu�te. �Dieser Bursche hat offensichtlich nichts davon zu Gesicht bekommen. Er behauptete, eine goldene Stadt hoch oben in den Wolken gesehen zu haben, die �ber die Berge hinwegtrieb.� �Es gibt keine St�dte in der W�ste�, sagte Lan, �weder in den Wolken, noch auf der Erde. Ich habe gegen die Aiel gek�mpft. Sie haben keine St�dte.� Egwene nickte. �Aviendha hat mir erz�hlt, da� sie noch nie eine Stadt gesehen habe, bevor sie die W�ste verlie�.� �Vielleicht�, sagte Rand. �Aber der H�ndler sah auch etwas aus dem Abhang eines dieser Berge herausragen. Einen Portalstein. Er hat ihn genau beschrieben. Es gibt nichts, was genauso auss�he wie ein Portalstein. Als ich dem Bibliothekar im Stein einen beschrieb...� Was er nicht erw�hnte, war, da� er dem Mann nat�rlich nicht auf die Nase gebunden hatte, worauf er hinauswollte. �... hat er es erkannt, obwohl er nicht wu�te, was es war, und dann hat er mir gleich vier davon auf einer alten Karte von Tear gezeigt... � �Vier?� Moiraines Stimme klang �berrascht. �Alle in Tear? Portalsteine findet man doch nicht so h�ufig.� �Vier�, sagte Rand eindeutig. Der knochige alte Bibliothekar war sicher gewesen. Er hatte sogar ein zerfleddertes und vergilbtes Manuskript ausgegraben, in dem von Bem�hungen die Rede war, die �unbekannten Artefakte eines fr�heren Zeitalters� in die Gro�e Sammlung einzugliedern und herzutransportieren. Jeder Versuch war jedoch fehlgeschlagen, und schlie�lich hatten es die Tairener aufgegeben. Das war die Best�tigung f�r Rand: Portalsteine konnte man nicht verlegen. �Einer befindet sich keine Stunde Ritt von unserem jetzigen Standpunkt entfernt�, fuhr er fort. �Die Aiel gestatteten dem H�ndler, wieder abzureisen, da er ja nur ein Kaufmann war. Mit einem seiner Maultiere und soviel Wasser, wie er auf seinem R�cken schleppen konnte. Irgendwie kam er bis zu einem <emphasis>Stedding</emphasis> im R�ckgrat der Welt, wo er einen Mann namens Soran Milo traf, der ein Buch mit dem Titel <emphasis>Die M�rder mit den schwarzen Schleiern</emphasis> schrieb. Der Bibliothekar brachte mir ein ziemlich zerfleddertes Exemplar, als ich ihn um B�cher �ber die Aiel bat. Milo hat sich offenbar ganz auf Aiel verlassen, die zum Handeln in das <emphasis>Stedding</emphasis> kamen, und er schrieb so ziemlich nur Falsches, wie Rhuarc meinte, aber ein Portalstein ist so unverwechselbar, da� es sich um nichts anderes als einen solchen handeln kann.� Er hatte weitere Karten und Manuskripte studiert, Dutzende, angeblich, um �ber Tear und dessen Geschichte mehr zu erfahren, und hatte sich des Landes kundig gemacht. Bis vor wenigen Minuten hatte niemand auch nur ahnen k�nnen, was er vorhatte.</p><p>Moiraine schnaubte, und ihre wei�e Stute Aldieb t�nzelte nerv�s ein paar Schritte weiter. Sie sp�rte die Nervosit�t ihrer Reiterin. �Eine angebliche Geschichte, die ein angeblicher H�ndler angeblich erz�hlte, und die von einer goldenen Stadt berichtete, die in den Wolken schwebte. Hat Rhuarc diesen Portalstein jemals gesehen? Er war doch wirklich in Rhuidean. Und selbst wenn dieser H�ndler tats�chlich in die W�ste zog und einen Portalstein sah, kann das ja wohl �berall gewesen sein. Ein Mann, der seine Geschichte erz�hlt, schm�ckt sie gew�hnlich reichlich aus. Eine Stadt, die in den Wolken schwebte?� �Woher wi�t Ihr, da� es sie nicht gibt?� fragte er. Rhuarc hatte �ber all die falschen Einzelheiten gelacht, von denen Milo berichtete, aber er hatte nichts �ber Rhuidean sagen wollen. Der Aielmann hatte sich sogar geweigert, Teile des Buchs zu beurteilen, in denen es angeblich um Rhuidean ging. �Rhuidean im Lande der Jenn Aiel, des Clans, den es nicht gibt�, und das war dann schon so ziemlich alles, was Rhuarc dazu zu sagen hatte. �ber Rhuidean sprach man nicht.</p><p>Der Aes Sedai pa�te seine leichthin gesprochene Bemerkung gar nicht, doch das war ihm gleich. Sie hatte schon zu viele Geheimnisse f�r sich behalten und ihn gezwungen, ihr blind zu vertrauen und zu folgen. Jetzt war sie an der Reihe. Sie mu�te lernen, da� er keine Marionette war. <emphasis>Ich akzeptiere ihren Rat, wenn ich ihn f�r richtig halte, aber ich tanze nicht mehr nach der Pfeife Tar Valons.</emphasis> Er w�rde nach eigener Fasson sterben.</p><p>Egwene trieb ihr graues Pferd n�her an seines heran, bis sie beinahe Knie an Knie mit ihm ritt. �Rand, willst du wirklich unsere Leben riskieren, dieser... dieser M�glichkeit wegen? Rhuarc hat dir nichts erz�hlt, oder? Wenn ich Aviendha nach Rhuidean frage, macht sie den Mund zu, und es ist nichts mehr aus ihr herauszubringen.� Mat sah aus, als sei ihm schlecht.</p><p>Rand verzog das Gesicht nicht und lie� sich nichts von seiner augenblicklichen Scham anmerken. Er hatte seine Freunde nicht �ngstigen wollen. �Es gibt dort einen Portalstein�, beharrte er. Er rieb erneut �ber den harten Umri� in seinem Beutel. Es mu�te funktionieren.</p><p>Die Landkarten des Bibliothekars waren alt gewesen, aber auf gewisse Weise war das hilfreich. Als man diese Karten zeichnete, waren auf dem Steppenland, das sie durchritten, W�lder gewachsen, aber heute waren nur wenige B�ume �brig, weit verstreute und zerzauste Gr�ppchen von wei�en Eichen und Kiefern und Jungfernhaar, und hohe, einzelnstehende B�ume, die er nicht kannte, mit d�nnen, verkr�ppelt wirkenden St�mmen. Er konnte die Form des Landes gut ausmachen. Die H�gel wurden jetzt von dem hohen Gras kaum noch verborgen.</p><p>Auf den Landkarten hatten zwei gekr�mmte Bergr�cken, einer knapp hinter dem anderen, auf eine Gruppe runder H�gel gezeigt, wo sich der Portalstein befand. Falls die Karten genau waren. Falls der Bibliothekar wirklich nach seinen Beschreibungen die Portalsteine erkannt hatte, und falls das Zeichen des gr�nen Diamanten wirklich uralte Ruinen bedeutete, wie er behauptet hatte. <emphasis>Warum sollte er l�gen? Ich bin viel zu mi�trauisch. Nein. Ich mu� schon mi�trauisch sein. So vertrauensvoll und kalt wie eine Viper.</emphasis> Es pa�te ihm aber gar nicht.</p><p>Im Norden konnte er gerade noch v�llig von B�umen freie H�gel erkennen, auf denen sich Umrisse bewegten. Das mu�ten Pferde sein. Die Herden der Hochlords, die dort auf dem Gebiet des fr�heren Ogierhains grasten. Er hoffte, da� Perrin und Loial sicher davongekommen waren. <emphasis>Hilf ihnen, Perrin,</emphasis> dachte er. <emphasis>Hilf ihnen irgendwie, denn ich kann es nicht.</emphasis></p><p>Der Ogierhain bedeutete, da� die gekr�mmt verlaufenden Bergr�cken nahe sein mu�ten, und bald entdeckte er sie auch ein wenig weiter s�dlich, wie zwei Pfeile, einer innerhalb des anderen, mit ein paar B�umen obenauf, die eine d�nne Linie am Horizont zogen. Dahinter sah er eine Gruppe von niedrigen, runden H�geln, die sich gegenseitig verdeckten. Mehr H�gel als auf der alten Karte. Zu viele, denn die ganze Fl�che umschlo� weniger als eine Quadratmeile. Wenn sie nicht mit der Karte �bereinstimmten � auf welchem stand dann der Portalstein?</p><p>�Es sind doch viele Aiel dabei�, sagte Lan ruhig, �und sie haben scharfe Augen.� Mit einem dankbaren Nicken zog Rand an Jeade'ens Z�geln und lie� sich zur�ckfallen, um das Problem mit Rhuarc durchzusprechen. Er beschrieb ihm lediglich den Portalstein, ohne zu sagen, worum es sich handelte, denn dazu war noch genug Zeit, wenn sie ihn einmal gefunden hatten. Er konnte Geheimnisse mittlerweile gut f�r sich behalten. Rhuarc hatte wahrscheinlich sowieso keine Ahnung, was ein Portalstein war. Das wu�ten nur wenige au�er den Aes Sedai. Er hatte auch nichts davon gewu�t, bis es ihm jemand erkl�rt hatte.</p><p>Als er neben dem Apfelschimmelhengst herschritt, runzelte der Aielmann leicht die Stirn. Bei den meisten M�nnern w�re daraus eine besorgte Miene geworden, doch er zeigte ansonsten keine Regung und nickte blo�. �Wir k�nnen dieses Ding finden.� Er erhob seine Stimme. <emphasis>�Aehtan Dor! Far Aldazar Din! Duadhe Mahdi'in! Far Dareis Mai! Seia Doon! Sha'mad Conde!�</emphasis></p><p>Als er sie so rief, traten Mitglieder dieser Kriegergemeinschaften vor, bis ein gutes Viertel der Aiel ihn und Rand umstand. Rote Schilde. Br�der der Adler. Wassersucher. T�chter des Speers. Schwarzaugen. Donnerg�nger.</p><p>Rand suchte nach Egwenes Freundin Aviendha, einer gro�en, h�bschen Frau mit einem verschleierten Blick, die selten l�chelte. T�chter hatten seine T�r bewacht, aber er glaubte nicht, da� er sie schon einmal gesehen habe, bevor sich die Aiel versammelten, um den Stein zu verlassen. Sie erwiderte seinen Blick, stolz wie ein gr�n�ugiger Habicht, doch dann warf sie den Kopf hoch und wandte ihre Aufmerksamkeit dem Clanh�uptling zu.</p><p><emphasis>Nun, ich wollte ja wieder ein ganz gew�hnlicher Mensch sein,</emphasis> dachte er mit einem Anflug von Reue. Dieses Gef�hl gaben ihm die Aiel. Selbst dem Clanh�uptling brachten sie nur respektvolles Zuh�ren dar und nichts von der ausgefeilten Unterw�rfigkeit, die ein Lord von seinen Untergebenen verlangt h�tte. Ihr Gehorsam war der von Gleichgestellten. Er konnte sich selbst gegen�ber kaum mehr erwarten.</p><p>Rhuarc gab mit wenigen Worten seine Anweisungen, und die lauschenden Aiel schw�rmten nacheinander zu dieser H�gelgruppe aus. Sie liefen mit leichten Schritten. Ein paar zogen ihre Schleier vor die Gesichter f�r den Fall der F�lle. Der Rest wartete, stand herum oder hockte sich neben die beladenen Maulesel.</p><p>Sie repr�sentierten beinahe jeden der Clans, au�er nat�rlich den der Jenn Aiel. Rand wurde nicht schlau daraus, ob die Jenn nun wirklich existierten oder nicht. Beides konnte der Fall sein, da die Aiel sie gelegentlich, wenn auch nicht h�ufig, erw�hnten. Es waren hier sogar Clans vertreten, die Blutfehden miteinander austrugen, und andere, die sich oft gegenseitig bek�mpften. Soviel hatte er �ber sie erfahren. Nicht zum erstenmal fragte er sich, was sie bisher zusammengehalten hatte. Hatte es lediglich mit ihren Prophezeiungen vom Fall des Steins zu tun und ihrer Suche nach dem, Der Mit Der Morgend�mmerung Kommt?</p><p>�Mehr als das�, sagte Rhuarc, und Rand wurde bewu�t, da� er seine Frage laut ausgesprochen hatte. �Die Prophezeiung brachte uns �ber die Drachenmauer, und der Name, den man nicht ausspricht, lockte uns zum Stein von Tear.� Der Name, den er meinte, war �Das Volk des Drachen�, eine geheime Bezeichnung f�r die Aiel. Nur Clanh�uptlinge und Weise Frauen kannten sie und gebrauchten sie selten und ausschlie�lich untereinander. �Was den Rest angeht? Nun, nat�rlich darf keiner das Blut eines anderen aus der gleichen Gemeinschaft vergie�en, aber Shaarad und Goshien, Taardad und Nakai und Shaido miteinander zu vermischen... Selbst ich h�tte vielleicht den Tanz der Speere mit den Shaido getanzt, wenn nicht die Weisen Frauen jeden einen Wassereid h�tten schw�ren lassen, der die Drachenmauer �berquert, da� er auf dieser Seite der Berge alle anderen Aiel wie einen Bruder oder eine Schwester aus der gleichen Gemeinschaft behandeln werde. Selbst die hinterh�ltigen Shaido... � Er zuckte leicht die Achseln. �Seht Ihr? Es ist nicht leicht, nicht einmal f�r mich.� �Diese Shaido sind Eure Feinde?� Rand stolperte etwas �ber den Namen. Im Stein hatte man die Aiel nur nach Gemeinschaften aufgeteilt und nicht nach Clans.</p><p>�Wir haben Blutfehden vermieden�, sagte Rhuarc, �aber die Taardad und die Shaido haben sich noch niemals freundlich gegen�bergestanden. Die Septimen �berfallen sich manchmal gegenseitig und stehlen Ziegen oder Rinder. Aber die Eide haben uns alle zur�ckgehalten, trotz dreier Blutfehden und einem Dutzend alter Gr�nde, aus denen sich die Clans oder Septimen gegenseitig hassen. Und nun hilft es uns, da� wir in Richtung Rhuidean ziehen, obwohl uns einige schon fr�her verlassen werden. Niemand darf das Blut eines Aiel vergie�en, der nach Rhuidean zieht oder von dort her kommt.� Der Aielmann blickte mit v�llig ausdruckslosem Gesicht zu Rand auf. �Vielleicht wird bald keiner von uns mehr das Blut des anderen vergie�en.� Es war unm�glich, festzustellen, ob er diese Aussicht als angenehm betrachtete oder nicht.</p><p>Eine der T�chter des Speers stand auf einem H�gel, winkte mit beiden Armen und stie� eine Art klagendes Heulen aus, das weithin hallte.</p><p>�Sie haben Eure Steins�ule gefunden, wie es scheint�, sagte Rhuarc. Moiraine straffte ihre Z�gel und sah Rand ruhig an, als der an ihr vorbeiritt und Jeade'en mit den Fersen zum Galopp antrieb. Egwene lenkte ihre Stute zu Mat hin, beugte sich aus dem Sattel, ergriff mit einer Hand Mats Sattelhorn und unterhielt sich leise mit ihm. Sie schien sich zu bem�hen, ihn dazu zu bringen, da� er ihr etwas verriet oder etwas zugab, und seinen Gesten nach war Mat entweder vollkommen unschuldig, oder er log wie gedruckt.</p><p>Rand sprang aus dem Sattel und kletterte hastig den sanften Abhang hinauf, um nachzusehen, was die Tochter �es war �brigens Aviendha � halb im Boden versunken und von dem hohen Gras verdeckt aufgefunden hatte. Es war eine verwitterte, graue Steins�ule, mindestens drei Spannen lang und einen Schritt dick. Fremdartige Symbole bedeckten jeden freiliegenden Fleck, immer umgeben von einer schmalen Reihe von Zeichen, die er f�r Schrift hielt. Doch h�tte er auch die Sprache verstanden, falls es eine war, dann war doch die Schrift, sofern es Schrift war, bis zur Unleserlichkeit verwittert. Die Symbole konnte er ein wenig besser ausmachen. Zumindest einige davon; viele konnten auch durch Regen und Wind in den Stein gegraben worden sein.</p><p>Er ri� b�schelweise Gras aus, um besser sehen zu k�nnen, und blickte zu Aviendha auf. Sie hatte die Schufa um ihre Schultern gelegt, das kurzgeschnittene r�tliche Haar entbl��t und betrachtete ihn mit einem harten Gesichtsausdruck. �Ihr m�gt mich nicht�, sagte er. �Warum?� Er mu�te ein bestimmtes Zeichen finden, das einzige, das er kannte.</p><p>�Euch m�gen?� fragte sie. �Ihr seid wahrscheinlich der, Der Mit Der Morgend�mmerung Kommt, ein Mann des Schicksals. Wer k�nnte Euresgleichen m�gen oder nicht? Au�erdem seid Ihr frei, trotz Eures Gesichts ein Feuchtl�nder und geht doch der Ehre wegen nach Rhuidean, w�hrend ich... � �W�hrend Ihr was?� wollte er wissen, als sie schwieg. Er suchte an der S�ule entlang und schob sich so langsam den Hang hinauf. Wo befand es sich? Zwei parallele Wellenlinien, die von einem eigenartigen Schn�rkel geschnitten wurden. <emphasis>Licht, wenn es unter der Erde liegt, brauchen wir vielleicht Stunden, um sie herumzuwuchten.</emphasis> Pl�tzlich lachte er. Keine Stunden. Er konnte die Macht ben�tzen und dieses Ding damit hochheben. Oder Moiraine oder Egwene konnten das besorgen. Ein Portalstein widerstand vielleicht Bem�hungen, ihn wegzuschaffen, aber so weit konnte man ihn bestimmt bewegen. Doch die Macht w�rde ihm nicht helfen, die Wellenlinien zu finden. Er konnte das nur erreichen, wenn er den Stein entlangtastete.</p><p>Statt einer Antwort hockte sich die Aielfrau nieder und legte den Kurzspeer �ber ihre Knie. �Ihr habt Elayne schlecht behandelt. Es w�re mir ja gleich, aber Elayne ist beinahe eine Schwester f�r Egwene, die wiederum meine Freundin ist. Doch Egwene mag Euch immer noch, also will ich es ihr zuliebe versuchen.� Er suchte weiter die dicke S�ule ab und sch�ttelte dabei den Kopf. Wieder Elayne. Manchmal glaubte er, alle Frauen geh�rten einer Gilde an, so wie die Handwerker in der Stadt. Mache bei einer einen falschen Schritt, und die n�chsten zehn, die du triffst, wissen Bescheid und mi�billigen deine Handlung.</p><p>Seine Finger hielten inne und kehrten zu dem Fleck zur�ck, den er gerade untersucht hatte. Der Stein war so verwittert, da� er fast nichts feststellen konnte, und doch war er sicher, es handle sich um die Wellenlinien. Sie waren das Symbol f�r einen Portalstein auf der TomanHalbinsel und nicht in der W�ste, doch sie befanden sich genau an der Basis des Dings, als das noch aufrecht gestanden hatte. Die Symbole an der Spitze hatten f�r Welten gestanden, die ganz unten f�r Portalsteine. Wenn er ein Symbol von oben und eines von unten ben�tzte, konnte er wahrscheinlich zu einem bestimmten Portalstein auf einer bestimmten Welt reisen. Wenn er nur eines von unten ben�tzte, konnte er den entsprechenden Portalstein in dieser Welt erreichen. Zum Beispiel den in der N�he von Rhuidean. Falls er dessen Zeichen kannte. Jetzt brauchte er Gl�ck. Jetzt mu�te sich die Formkraft des <emphasis>TaVeren</emphasis> auf das Schicksal bew�hren.</p><p>Eine Hand fa�te �ber seine Schulter, und Rhuarc sagte mit z�gernder Stimme: �Die zwei werden in alten Schriften immer f�r Rhuidean ben�tzt. Vor langer Zeit hat man noch nicht einmal den Namen geschrieben.� Er fuhr zwei Dreiecke nach, die jeweils etwas wie gespaltene Blitze einschlossen. Der eine zeigte nach links, der andere nach rechts.</p><p>�Wi�t Ihr, was das hier ist?� fragte Rand. Der Aielmann wandte den Kopf ab. �Seng mich, Rhuarc, ich mu� das wissen. Ich wei�, da� Ihr nicht dar�ber sprechen wollt, aber ihr m��t es mir sagen. Los schon, Rhuarc. Habt Ihr so etwas jemals schon gesehen?� Der andere Mann atmete tief durch, bevor er schlie�lich antwortete: �Ich habe das gleiche schon einmal gesehen.� Jedes Wort kam, als m�sse er es herauszwingen. �Wenn ein Mann nach Rhuidean geht, dann warten Weise Frauen und Clanmitglieder am Abhang des Chaendaer in der N�he eines Steines wie diesem hier.� Aviendha stand auf und schritt steif davon. Rhuarc blickte ihr nach und runzelte die Stirn. �Mehr wei� ich nicht dar�ber, Rand al'Thor. Falls doch, soll ich nie wieder Schatten finden.� Rand fuhr die unlesbare Schrift, die beide Dreiecke umgab, mit der Fingerspitze nach. Welches von beiden? Nur eines w�rde ihn dorthin bringen, wo er hinwollte. Das zweite brachte ihn wom�glich auf die andere Seite der Welt oder zum Grund des Ozeans.</p><p>Der Rest der Aiel hatte sich mit ihren Packeseln am Fu� des H�gels versammelt. Moiraine und die anderen stiegen nun ab und kamen den sanft geneigten Abhang hoch, die Pferde am Z�gel hinter sich. Mat hielt neben denen seines braunen Wallachs auch die von Jeade'en und hielt den Hengst m�glichst weit entfernt von Lans Mandarb. Die beiden Hengste be�ugten einander wild, jetzt, da sie ihre Reiter los waren.</p><p>�Du wei�t wirklich nicht, was du da tust, oder?� protestierte Egwene. �Moiraine, haltet ihn doch zur�ck. Wir k�nnen auch nach Rhuidean reiten. Warum la�t Ihr ihn weitermachen? Warum sagt Ihr nichts?� �Was w�rdet Ihr denn vorschlagen, das ich tun soll?� fragte die Aes Sedai trocken. �Ich kann ihn wohl kaum am Ohr packen und wegziehen. Es k�nnte sein, da� wir nun bald erleben werden, wie n�tzlich das Tr�umen wirklich ist.� �Tr�umen?� fragte Egwene in scharfem Ton. �Was hat das Tr�umen mit dem hier zu tun?� �W�rdet Ihr beiden bitte ruhig sein?� Rand gab sich M�he, die Worte geduldig klingen zu lassen. �Ich versuche, mich zu entscheiden.� Egwene starrte ihn ver�rgert an, w�hrend Moiraine �berhaupt keine Gef�hlsregung zeigte. Doch sie sah konzentriert zu.</p><p>�M�ssen wir es wirklich so machen?� fragte Mat noch einmal. �Was hast du gegen das Reiten?� Rand sah ihn nur an und darauf zuckte er bedr�ckt die Achseln. �Ach, seng mich. Wenn du versuchst, dich zu entscheiden...� Er nahm die Z�gel beider Pferde in die eine Hand und holte mit der anderen eine M�nze aus der Manteltasche, eine Goldmark aus Tar Valon. Er seufzte: �Es ist nat�rlich die gleiche M�nze. Wie k�nnte es auch anders sein.� Er lie� die M�nze �ber seine Fingerr�cken rollen. �Ich... ich habe manchmal Gl�ck, Rand. La� mein Gl�ck entscheiden. Kopf � das Dreieck, das auf deine rechte Seite zeigt. Flamme � die andere Richtung. Was meinst du?� �Das ist doch einfach l�cherlich�, begann Egwene, doch Moiraine brachte sie durch eine kurze Ber�hrung ihres Arms zum Schweigen.</p><p>Rand nickte. �Warum nicht?� Egwene knurrte etwas in sich hinein. Alles, was er verstand, waren die Worte �M�nner� und �kleine Jungen�, aber es klang nicht wie ein Kompliment.</p><p>Die M�nze flog von Mats Daumen aus in die Luft. Sie gl�nzte matt im Sonnenschein. Auf dem h�chsten Punkt der Flugkurve schnappte Mat sie sich und klatschte sie auf den anderen Handr�cken. Dann z�gerte er. �Es ist schon verflucht leichtsinnig, sich auf einen M�nzwurf zu verlassen, Rand.� Rand legte seine Hand auf eines der Symbole, ohne dabei hinzuschauen. �Dieses�, sagte er. �Du hast dieses hier gew�hlt.� Mat sp�hte die M�nze an und blinzelte �berrascht. �Du hast recht. Woher wei�t du das?� �Fr�her oder sp�ter mu� das auch bei mir so funktionieren.� Keiner von ihnen verstand ihn, das konnte er sp�ren, aber es spielte auch keine Rolle. Er hob die Hand und sah das Zeichen an, das Mat und er erw�hlt hatten. Das Dreieck zeigte nach links. Die Sonne war bereits ein St�ck des Zenits. Er mu�te alles richtig machen. Ein Fehler, und sie w�rden Zeit verlieren, anstatt sie zu gewinnen. Das w�re das schlimmste Ergebnis. Hoffentlich.</p><p>Er stand auf, kramte in seinem Beutel herum und zog den harten Gegenstand heraus, eine kleine, dunkelgr�ne, gl�nzende Steinplastik, die genau in seine Hand pa�te und einen Mann mit rundem Gesicht und rundem K�rper zeigte, der mit �bergeschlagenen Beinen und einem Schwert auf den Knien dasa�. Er rieb mit dem Daumen �ber den kahlen Kopf der Figur. �Alle sollen sich hier auf engem Raum versammeln. Rhuarc, la� sie die Tiere auch alle heraufbringen. Jeder mu� sich so nahe bei mir befinden wie m�glich.� �Warum?� fragte der Aielmann.</p><p>�Wir gehen nach Rhuidean.� Rand stellte die kleine Figur auf seine Handfl�che und b�ckte sich, um den Portalstein zu ber�hren. �Nach Rhuidean. Jetzt gleich.� Rhuarc warf ihm einen langen, ausdruckslosen Blick zu, richtete sich dann auf und rief die anderen Aiel.</p><p>Moiraine trat einen Schritt n�her heran. �Was ist das?� fragte sie neugierig. �Ein <emphasis>Angreal�,</emphasis> sagte Rand und drehte ihn auf seiner Hand um. �Einer, der nur bei M�nnern funktioniert. Ich fand ihn in der Gro�en Sammlung, als ich nach dieser T�r suchte. Des Schwertes wegen habe ich ihn aufgehoben, und dann wu�te ich Bescheid. Falls Ihr euch also gefragt habe, wo ich die Macht hernehme, um uns alle � die Aiel, die Packtiere, jeden und alles � durchzutransportieren, dann habt Ihr hier die Antwort.� �Rand�, sagte Egwene �ngstlich, �ich bin ja sicher, da� du glaubst, das Richtige zu tun, aber bist du dir selbst sicher? Glaubst du wirklich, der <emphasis>Angreal</emphasis> sei stark genug? Ich wei� noch nicht einmal, ob es wirklich einer ist. Ich glaube dir, wenn du das sagst, aber die <emphasis>Angreal</emphasis> unterscheiden sich gewaltig. Jedenfalls diejenigen, die wir Frauen ben�tzen. Manche sind erheblich st�rker als andere, und Gr��e genau wie Form sagen dabei gar nichts.� �Nat�rlich bin ich sicher�, log er. Er hatte keine M�glichkeit gehabt, seine Kraft zu �berpr�fen, jedenfalls nicht, was diese enormen Energiemengen betraf, ohne halb Tear wissen zu lassen, da� er etwas vorhatte. Doch er glaubte schon, da� es ausreichen werde. Und so klein, wie der <emphasis>Angreal</emphasis> war, w�rde ihn niemand im Stein vermissen, wenn man nicht gerade in der Sammlung Inventur machte. Ziemlich unwahrscheinlich.</p><p>�Ihr la�t <emphasis>Callandor</emphasis> zur�ck und bringt das hier daf�r mit�, murmelte Moiraine. �Ihr scheint doch einiges vom Gebrauch der Portalsteine zu verstehen. Mehr, als ich geglaubt h�tte.� �Verin hat mir einiges beigebracht�, sagte er. Das stimmte, aber es war Lanfear gewesen, die ihm zuerst alles erkl�rt hatte. Er hatte sie damals als Selene gekannt, doch von all dem wollte er Moiraine genausowenig berichten wie von Lanfears Angebot, ihm zu helfen. Die Aes Sedai hatte die Neuigkeit, da� Lanfear aufgetaucht sei, selbst an ihrem normalen Verhalten gemessen etwas zu ruhig aufgenommen. Und sie hatte diesen absch�tzenden Blick im Auge, als sehe sie ihn im Geist auf einer Waagschale.</p><p>�Seid vorsichtig, Rand al'Thor�, sagte sie mit dieser eisigen und doch melodi�sen Stimme. �Jeder <emphasis>TaVeren</emphasis> ver�ndert das Muster auf die eine oder andere Art, aber ein <emphasis>Ta'veren</emphasis> von Eurer Macht k�nnte das Gewebe des Zeitalters f�r alle Ewigkeit zerrei�en.� Er w�nschte, er kenne ihre Gedanken. Er w�nschte auch, er wisse, was <emphasis>sie</emphasis> plante.</p><p>Die Aiel kamen mit ihren Mauleseln den Abhang herauf und bedeckten den ganzen Gipfel, als sie sich um ihn und den Portalstein versammelten. Sie standen Schulter an Schulter. Nur Moiraine und Egwene standen ein wenig abseits. Rhuarc nickte ihm zu, als wolle er sagen: Es ist soweit, nun liegt es in Eurer Hand.</p><p>Er nahm den gl�nzend gr�nen <emphasis>Angreal</emphasis> fest in die Hand. Der Gedanke kam ihm, den Aiel zu befehlen, ihre Packtiere zur�ckzulassen, aber er wu�te nicht, ob er sie wirklich dazu bringen konnte, und wollte auch mit allen dort ankommen, allen das Gef�hl geben, er habe seine Sache gut gemacht. In der W�ste k�nnte ihr Wohlwollen von entscheidender Bedeutung sein. Sie beobachteten ihn mit unbeeindruckten Gesichtern. Einige hatten ihre Gesichter allerdings verschleiert. Mat rollte nerv�s die Goldmark aus Tar Valon �ber seinen Handr�cken und zwischen den Fingern hindurch, und Egwene stand der Schwei� auf der Stirn. Die beiden waren jedoch die einzigen, denen man die Angst anmerkte. Es hatte keinen Sinn, noch l�nger zu warten. Er mu�te einfach schneller handeln, als ihm jeder zutraute.</p><p>Er h�llte sich ins Nichts ein und fa�te nach der Wahren Quelle. Dieses kr�nklich flackernde Licht war auch wieder da, gleich hinter seiner Schulter. Die Macht erf�llte ihn, der Atem des Lebens, ein Wind, der Eichen entwurzeln konnte, eine Sommerbrise, die den Duft von Bl�ten mit sich brachte, den fauligen Gestank eines Misthaufens. Er schwebte im Leeren, hielt das blitzdurchzuckte Dreieck vor sich und fa�te durch den <emphasis>Angreal</emphasis> hindurch. Tief sog er aus dem tobenden Strom <emphasis>Saidins.</emphasis> Er mu�te alle mitbringen. Es mu�te einfach gehen. Er hielt das Symbol fest, sog die Eine Macht in sich auf, lie� nicht los, bis er glaubte, platzen zu m�ssen. Und dann noch ein wenig. Und noch mehr.</p><p>Die Welt verschwand von einem Augenblick zum anderen.</p></section><section><title><p>23</p><p>Jenseits des Steins</p></title><p>Egwene stolperte und warf die Arme um den Hals ihres Pferdes, als sich der Boden unter ihren F��en aufb�umte. �berall um sie herum bem�hten sich die Aiel um die schreienden, sich aufb�umenden Maulesel, die auf dem felsigen, unbewachsenen Abhang ins Rutschen kamen. Hitze, die sie an <emphasis>Tel'aran'rhiod</emphasis> erinnerte, h�mmerte auf sie ein, die Luft flimmerte vor ihren Augen. Der Boden brannte durch die Sohlen ihrer Schuhe hindurch. Ihre Haut prickelte schmerzhaft, wenn auch nur einen Augenblick lang, und dann rann ihr Schwei� aus allen Poren. Ihr Kleid wurde feucht, doch es war so hei�, da� selbst der Schwei� sofort verdunstete.</p><p>Die wildgewordenen Maulesel und die hochgewachsenen Aiel verdeckten ihr fast ganz die Sicht auf ihre Umgebung, doch hin und wieder konnte sie ein paar Ausblicke erhaschen. Eine dicke, graue Steins�ule ragte keine drei Schritte von ihr entfernt schief aus dem Boden. Sie war vom verwehten Sand so kahlgeschliffen worden, da� man kaum noch feststellen konnte, ob es sich wirklich um das Gegenst�ck zu dem Portalstein in Tear handelte. Zerkl�ftete und zu Felsplatten zersprungene Berge, die aussahen, als habe die Axt eines Riesen sie aus dem Land gehauen, lagen unter einer aus dem wolkenlosen Himmel unbarmherzig herniederbrennenden Sonne. Und doch hing mitten �ber dem langgezogenen, unbewachsenen Tal weit drunten eine dichte Nebelbank. Der Nebel quoll auf wie Wolken; eigentlich h�tte die sengende Sonne ihn innerhalb von wenigen Augenblicken aufgel�st haben sollen, doch die Schwaden blieben davon unber�hrt. Und aus diesem kochenden Grau ragten T�rme auf, manche mit spitzen Hauben und andere wieder, die abrupt endeten, als arbeiteten die Steinmetzen noch daran.</p><p>�Er hatte recht�, murmelte sie leise. �Eine Stadt in Wolken.� Mat umklammerte seine Z�gel und sah sich mit gro�en Augen um. �Wir haben es geschafft!� Er lachte sie an. �Egwene, wir haben es geschafft! Und das ohne... Seng mich, wir sind wirklich da!� Er zog sich die Schn�re am Hemdkragen auf. �Licht, ist das hei�. Seng mich, wenn's nicht stimmt!� Mit einemmal wurde ihr bewu�t, da� Rand auf Knien lag und sich mit einer Hand am Boden aufst�tzte. Sie zog ihre Stute hinter sich her und schob sich durch die Menge der Aiel. Im gleichen Moment war auch Lan bei ihm und half ihm auf die Beine. Auch Moiraine war da und musterte ihn offensichtlich ganz gelassen. Nur die leicht zusammengekniffenen Lippen deuteten ihre innere Anspannung an.</p><p>�Ich hab's tats�chlich geschafft!� schnaufte Rand und blickte sich um. Nur der Beh�ter hielt ihn noch auf den Beinen. Sein Gesicht wirkte ersch�pft und ausgezehrt, wie das eines Mannes auf dem Totenbett.</p><p>�Es hat Euch viel Kraft gekostet�, sagte Moiraine k�hl. Sehr k�hl. �Der <emphasis>Angreal</emphasis> war nicht stark genug f�r diese Aufgabe. So etwas d�rft Ihr nicht wieder unternehmen. Wenn Ihr ein Risiko eingeht, mu� das genau durchdacht sein und einem wirklich herausragenden Zweck dienen. Anders geht es nicht.� �Ich gehe kein Risiko ein, Moiraine. Mat ist derjenige, der das tut.� Rand zwang sich dazu, die rechte Hand zu �ffnen. Der <emphasis>Angreal,</emphasis> der fette, kleine Mann, hatte die Spitze seines Schwerts in seine Handfl�che getrieben, gleich neben den eingebrannten Reiher. �Vielleicht habt Ihr recht. Vielleicht h�tte ich einen etwas st�rkeren gebraucht. Ein klein wenig...� Er lachte gequ�lt. �Es hat aber funktioniert, Moiraine. Das ist das Wichtigste. Ich habe einen Vorsprung vor allen anderen gewonnen. Es ist gelungen.� �Nur das spielt eine Rolle�, sagte Lan mit einem Kopfnicken.</p><p>Egwene gab einen emp�rten Laut von sich. M�nner. Der eine brachte sich beinahe um und versuchte hinterher, das Ganze ins L�cherliche zu ziehen, und ein anderer best�tigte ihm, er habe das Richtige getan. Wurden sie denn niemals erwachsen?</p><p>�Die Ersch�pfung nach dem Gebrauch der Macht unterscheidet sich von anderen Ersch�pfungszust�nden�, sagte Moiraine. �Ich kann Euch nicht ganz davon befreien, nicht nach einer solchen Anstrengung, aber ich werde mein Bestes tun. Vielleicht wird Euch das, was �brigbleibt, daran erinnern, da� Ihr beim n�chstenmal etwas vorsichtiger sein m��t!� Sie war wirklich zornig. Und doch war ihre Befriedigung nicht zu �berh�ren.</p><p>Das Gl�hen <emphasis>Saidars</emphasis> umgab die Aes Sedai, als sie die H�nde hob und Rands Kopf umfa�te. Er schauderte und keuchte auf. Dann zitterte er unkontrolliert, ri� sich aus ihren H�nden los und befreite sich auch aus Lans Griff.</p><p>�Fragt mich zuerst, Moiraine�, sagte Rand kalt. Er steckte den <emphasis>Angreal</emphasis> zur�ck in seine G�rteltasche. �Fragt mich n�chstens bitte erst! Ich bin nicht Euer Scho�h�ndchen, mit dem Ihr machen k�nnt, was und wann Ihr wollt.� Er rieb seine H�nde aneinander, um ein wenig Blut davon zu entfernen.</p><p>Egwene gab noch einmal dieses Zischen von sich. Kindisch und in h�chstem Ma�e undankbar fand sie Rands Reaktion. Mittlerweile konnte er sich allein auf den Beinen halten, aber seine Augen wirkten noch immer m�de. Sie mu�te seine Handfl�che nicht erst ansehen, um zu wissen, da� der kleine Stich verschwunden war, als habe es ihn nie gegeben. Absolut undankbar. �berraschenderweise schalt ihn Lan gar nicht, weil er so zu Moiraine gesprochen hatte.</p><p>Nun wurde ihr bewu�t, da� die Aiel sich ganz leise verhielten, seit sie die Maulesel unter Kontrolle gebracht hatten. Sie blickten mi�trauisch nach drau�en, nicht hinunter ins Tal oder zu der in Nebel geh�llten Stadt, die wohl Rhuidean sein mu�te, sondern zu den zwei Lagern, die sich zu beiden Seiten, jeweils vielleicht eine halbe Meile entfernt, befanden. Die beiden Gruppen von niedrigen, an der Seite offenen Zelten, von denen die eine etwa doppelt so gro� war wie die andere, klebten f�rmlich am Berghang und waren nur schwer auszumachen, doch die graubraun gekleideten Aiel darin mit ihren Kurzspeeren und bespannten, schu�bereiten Hornb�gen konnte man gut sehen. Sie verschleierten sich gerade, soweit sie es nicht schon waren. Angriffsbereit standen sie trotzdem locker und entspannt da.</p><p>�Der Friede Rhuideans!� rief eine Frauenstimme von weiter oben her, und Egwene sp�rte, wie die Anspannung der Aiel in ihrer Umgebung sich l�ste. Die zwischen den Zelten l�sten ihre Schleier wieder, obwohl sie noch immer mi�trauisch her�bersp�hten.</p><p>Jetzt wurde sie auch eines weiteren, wenn auch viel kleineren Lagers hoch droben am Hang gewahr. Dort standen ein paar der niedrigen Zelte auf einem winzigen, ebenen Vorsprung. Vier Frauen schritten von diesem Lager aus den Hang herab, ernst und w�rdevoll in der Bewegung und angetan mit dunklen, weiten R�cken und lose h�ngenden wei�en Blusen. Um die Schultern trugen sie trotz der Hitze jeweils eine braune oder graue Stola und Halsketten sowie Armreife aus Gold und Elfenbein. Zwei der Frauen hatten wei�es Haar, w�hrend das einer weiteren golden wie die Sonne war. Sie alle trugen es lang, bis zur H�fte hinunterflie�end und nur von um die Stirn geschlungenen, gefalteten T�chern zur�ckgehalten.</p><p>Egwene erkannte die eine der beiden wei�haarigen Frauen: Amys, die Weise Frau, die sie in <emphasis>Tel'aran'rhiod</emphasis> kennengelernt hatte. Wieder wurde ihr der Kontrast zwischen dem sonnengebr�unten Gesicht und dem schneewei�en Haar bei Amys deutlich bewu�t; die Weise Frau wirkte einfach nicht alt genug. Die zweite Wei�haarige hatte ein faltiges, gro�m�tterliches Gesicht, und eine weitere, ihr Haar war dunkel und mit Grau durchsetzt, schien etwa gleich alt. Sie war sich sicher, da� alle vier Weise Frauen waren, wahrscheinlich dieselben, die den Brief an Moiraine unterzeichnet hatten.</p><p>Die Aielfrauen blieben zehn Schritt oberhalb der Versammlung um den Portalstein stehen, und die gro�m�tterliche Frau breitete die Arme aus. Sie sprach mit alter, doch immer noch kr�ftiger Stimme: �Der Friede von Rhuidean sei mit Euch. Wer zum Chaendaer kommt, soll in Frieden in seine Festung zur�ckkehren. Es wird kein Blut vergossen werden.� Damit begannen die Aiel aus Tear, sich voneinander zu l�sen und schnell die Packtiere und den Inhalt ihrer Tragek�rbe untereinander aufzuteilen. Diesmal ging es nicht mehr nach Kriegergemeinschaften. Egwene sah bei mehreren Gruppen T�chter des Speers. Ein paar dieser Gruppen gingen sofort los und mieden dabei sowohl die anderen wie auch die Lager, Friede von Rhuidean oder nicht. Andere gingen auf das eine oder das andere der beiden gro�en Lager zu, wo man nun endlich auch die Waffen ablegte.</p><p>Nicht jeder war sich des Friedens von Rhuidean so sicher gewesen. Lan lie� nun den Griff seines Schwerts los, das aber immer noch in der Scheide steckte. Egwene hatte gar nicht bemerkt, wie er es gepackt hatte. Mat steckte schnell ein paar Messer in seine �rmel zur�ck. Rand stand da und hatte die Daumen in den G�rtel eingehakt, doch in seinen Augen stand deutlich die Erleichterung.</p><p>Egwene sah sich nach Aviendha um, damit sie ihr ein paar Fragen stellen konnte, bevor sie mit Amys sprach. Hier, in ihrem eigenen Land, w�rde die Aielfrau wohl ein wenig offener von den Weisen Frauen erz�hlen. Sie entdeckte die Tochter des Speers, die einen gro�en Jutesack trug, in dem es h�rbar klapperte. �ber die Schulter hatte sie sich zwei eingerollte Wandbeh�nge gelegt, und sie ging mit schnellen Schritten auf eines der gro�en Lager zu.</p><p>�Du bleibst hier, Aviendha�, sagte die Weise Frau mit den grauen Str�hnen im dunklen Haar laut und deutlich.</p><p>Aviendha blieb wie angewurzelt stehen und blickte zu Boden.</p><p>Egwene wollte zu ihr hin�bergehen, aber Moiraine sagte leise: �Mischt Euch am besten nicht ein. Ich bezweifle auch, da� sie Sympathie braucht oder sonst etwas, was Ihr ihr bieten k�nntet.� Egwene nickte unwillk�rlich. Aviendha sah aus, als wolle sie ihre Ruhe haben. Was wollten die Weisen Frauen von ihr? Hatte sie irgendeine Vorschrift �bertreten oder ein Gesetz gebrochen?</p><p>Sie dagegen h�tte gern ein wenig andere Gesellschaft gehabt. Sie f�hlte sich allen Blicken ausgesetzt, nun, da sie nicht mehr von Aiel umgeben war, und von s�mtlichen Zelten her blickten alle zu ihnen her�ber. Die Aiel, die mit ihr im Stein von Tear gewesen waren, hatten sich zumindest h�flich verhalten, wenn auch nicht unbedingt freundlich. Doch diese Zuschauer wirkten weder freundlich noch h�flich. Die Versuchung lag nahe, nach <emphasis>Saidar</emphasis> zu greifen. Nur Moiraine, ernst und k�hl wie immer trotz des Schwei�es auf ihrer Stirn, und Lan, der so unbeeindruckt schien wie die Steine ihrer Umgebung, hielten sie davon ab. Sie wu�ten es bestimmt, falls ihnen irgendeine Gefahr drohte. Solange sie die Situation ertrugen, w�rde sie das auch. Doch sie w�nschte, die Aiel w�rden aufh�ren, sie anzustarren.</p><p>Rhuarc kletterte l�chelnd den Hang empor. �Ich bin zur�ck, Amys, wenn auch nicht auf dem Weg, den wir erwartet hatten, wette ich.� �Ich wu�te, da� du heute hiersein w�rdest, Schatten meines Herzens.� Sie fa�te hoch, um seine Wange zu ber�hren. Ihre braune Stola rutschte auf ihre Unterarme hinunter. �Meine Schwesterfrau schickt dir ihr Herz.� �Das habt Ihr also gemeint, als Ihr vom Tr�umen spracht�, sagte Egwene leise zu Moiraine. Nur Lan befand sich noch nahe genug, um zu h�ren, was sie sagte. �Deshalb wart Ihr gewillt, Rand versuchen zu lassen, uns mit Hilfe des Portalsteins hierherzubringen. Sie wu�ten davon und haben in ihrem Brief davon geschrieben. Nein, das ergibt auch keinen Sinn. Falls sie einen Portalstein erw�hnt h�tten, h�ttet Ihr nicht versucht, Rand das Ganze auszureden. Aber sie wu�ten, da� wir heute ankommen w�rden.� Moiraine nickte, ohne den Blick von den Weisen Frauen zu wenden. �Sie schrieben, da� sie uns heute hier am Chaendaer treffen w�rden. Ich glaubte, das sei... unwahrscheinlich, bis Rand die Steine erw�hnte. Als er sicher war, da� hier einer stand, und sich von mir auch nicht mehr abbringen lie�... Sagen wir einmal, da erschien es mir auch h�chst wahrscheinlich, da� wir heute den Chaendaer erreichen w�rden.� Egwene atmete die hei�e Luft tief ein. Also geh�rte dies wohl zu den F�higkeiten eines Tr�umers. Sie konnte es nicht erwarten, mehr dar�ber zu lernen. Sie wollte hinter Rhuarc herlaufen und sich von ihm Amys vorstellen lassen, erneut vorstellen lassen, doch Rhuarc und Amys blickten sich versunken in die Augen. Da waren Eindringlinge nicht erw�nscht.</p><p>Von jedem der Lager war ein Mann herangekommen. Der eine war gro�, breitschultrig, hatte Haar von der Farbe der Flammen und war noch nicht ganz von mittleren Jahren, der andere �lter und dunkelh�utiger, nicht weniger gro�, daf�r aber schlanker. Sie blieben ein paar Schritt entfernt von Rhuarc und den Weisen Frauen zu beiden Seiten stehen. Der �ltere Mann mit dem ledernen Gesicht trug keine sichtbare Waffe, bis auf ein Messer mit breiter Klinge an seinem G�rtel, doch der andere trug sowohl Speere wie auch einen Lederschild, und er hatte den Kopf stolz erhoben. Er sah Rhuarc wild und finster an.</p><p>Rhuarc ignorierte ihn und wandte sich dem �lteren Mann zu. �Ich sehe Euch, Heirn. Hat einer der Septimenf�hrer angenommen, ich sei bereits tot? Wer will meinen Platz einnehmen?� �Ich sehe Euch, Rhuarc. Keiner der Taardad hat Rhuidean betreten oder beabsichtigt das. Amys sagte, sie w�rde herkommen und Euch heute hier treffen, und diese anderen Weisen Frauen kamen mit ihr. Ich nahm diese M�nner aus der Jindo-Septime mit, um sie sicher herzubegleiten.� Rhuarc nickte ernst. Egwene hatte das Gef�hl, irgend etwas Wichtiges sei gerade ausgesprochen oder angedeutet worden. Die Weisen Frauen sahen den Mann mit dem Flammenhaar nicht an, genausowenig wie Rhuarc und Heirn, doch dessen Gesicht lief so rot an, als blickten sie ihm direkt in die Augen. Sie sah hilfesuchend zu Moiraine hin�ber und erhielt nur ein kaum sichtbares Kopfsch�tteln zur Antwort. Die Aes Sedai verstand es auch nicht.</p><p>Lan beugte sich zwischen ihnen herab und erkl�rte leise: �Eine Weise Frau kann in Sicherheit �berall hingehen, in jede Festung, gleich, welchem Clan sie geh�rt. Ich glaube, nicht einmal eine Blutfehde kann daran etwas �ndern. Dieser Heirn kam her, um Rhuarc vor denen zu sch�tzen, die sich im anderen Lager befinden, aber es w�rde die Ehre verletzen, so etwas auszusprechen.� Moiraine hob eine Augenbraue ein wenig, und er f�gte hinzu: �Ich wei� nicht viel von ihnen, aber ich habe oft gegen sie gek�mpft, bevor ich Euch kennenlernte. Ihr habt mich nie danach gefragt.� �Das wird sich �ndern�, sagte die Aes Sedai trocken.</p><p>Als sie sich wieder den Weisen Frauen und den drei M�nnern zuwandte, wurde Egwene schwindlig. Lan dr�ckte ihr einen bereits ge�ffneten ledernen Wasserbeutel in die H�nde, und sie legte den Kopf in den Nacken und trank dankbar. Das Wasser war zwar lauwarm und schmeckte nach Leder, aber bei dieser Hitze schmeckte es, als k�me es frisch aus einer Quelle. Sie bot den halbleeren Beutel Moiraine an, die jedoch nur wenig daraus trank und ihn dann Egwene zur�ckreichte. Die kippte den Rest schnell hinunter und schlo� gl�ckselig die Augen. Schnell �ffnete sie sie wieder, als sich Wasser �ber ihren Kopf ergo�. Lan hatte einen weiteren Wasserbeutel �ber ihr entleert; auch Moiraines Haar war tropfna�.</p><p>�Diese Hitze kann Euch umbringen, wenn Ihr nicht daran gew�hnt seid�, erkl�rte der Beh�ter, als er zwei einfache, wei�e Leinenhalst�cher befeuchtete, die er aus seinem Mantel gezogen hatte. Auf seine Anweisung hin banden sich beide Frauen die nassen T�cher um die Stirn. Rand und Mat taten es ihnen gleich. Lan tat nichts, um seinen Kopf vor der Sonne zu sch�tzen. Den Mann konnte offensichtlich nichts beeindrucken.</p><p>Noch immer herrschte Schweigen zwischen Rhuarc und den beiden anderen Aielm�nnern, doch endlich wandte sich der Clanh�uptling dem Mann mit den Flammenhaaren zu. �Brauchen denn die Shaido einen neuen Clanh�uptling, Couladin?� �Suladric ist tot�, antwortete der Mann. �Muradin hat Rhuidean betreten. Sollte er versagen, werde ich ihm nachfolgen.� �Ihr habt uns nicht um Erlaubnis gebeten, Couladin�, sagte die gro�m�tterlich wirkende Weise Frau mit dieser br�chigen und doch kr�ftigen Stimme. �Sollte Muradin versagen, m��t Ihr uns erst fragen. Wir sind zu viert, genug also, um die Entscheidung zu treffen.� �Es ist mein Recht, Bair�, sagte Couladin hitzig. Er wirkte wie ein Mann, der es nicht gewohnt war, da� man ihm widersprach.</p><p>�Es ist Euer Recht, uns darum zu bitten�, entgegnete die Frau mit der d�nnen Stimme. �Und es ist unser Recht, darauf zu antworten. Ich glaube nicht, da� Ihr die Erlaubnis erhalten werdet, Rhuidean zu betreten, gleich, was mit Muradin geschieht. Ihr seid dem innerlich nicht gewachsen, Couladin.� Sie nestelte an ihrer grauen Stola herum und verschob sie auf eine Weise, die andeutete, sie habe bereits mehr gesagt, als sie f�r notwendig befand.</p><p>Das Gesicht des flammenhaarigen Mannes lief wieder rot an. �Mein Erstbruder wird als Clanh�uptling zur�ckkehren und wir werden die Shaido zu gro�em Ruhm f�hren! Wir werden...!� Er schlo� schnell den Mund. Dabei bebte er sichtlich.</p><p>Egwene beschlo�, ihn aufmerksam zu beobachten, solange er sich in ihrer N�he befand. Er erinnerte sie an die Congars und Coplins zu Hause � immer voll von Angebereien und ewig st�nkernd. Sie hatte bisher noch keinen Aiel kennengelernt, der soviel Gef�hlsaufwallungen zeigte.</p><p>Amys besch�ftigte sich bereits mit einem anderen Thema. �Es ist jemand mit dir gekommen, Rhuarc�, begann sie. Egwene erwartete, da� die Frau mit ihr sprechen wolle, doch Amys blickte Rand an. Moiraine war offensichtlich davon keineswegs �berrascht. Egwene fragte sich, was noch alles in dem Brief der vier Weisen Frauen an Moiraine gestanden hatte, wor�ber die Aes Sedai ihnen nicht berichtet hatte.</p><p>Rand wirkte einen Augenblick lang wie bet�ubt, z�gerte, aber dann schritt er den Hang hinauf und stellte sich neben Rhuarc, genau auf Augenh�he der Frauen. Der Schwei� lie� sein wei�es Hemd am K�rper festkleben, und auch an seinen Hosen waren dunkle Schwei�flecken zu sehen. Mit dem zusammengedrehten wei�en Schal um den Kopf wirkte er keineswegs so beeindruckend wie damals im Herzen des Steins. Er verbeugte sich ein wenig eigenartig, den linken Fu� nach vorn gesetzt und die linke Hand auf dem Knie, w�hrend die Rechte mit der Handfl�che nach oben ausgestreckt war. �Mit dem Recht des Blutes�, sagte er, �bitte ich um Erlaubnis, Rhuidean betreten zu d�rfen, zur Ehre unserer Vorfahren und in Erinnerung an das, was einmal war.� Amys zwinkerte vor �berraschung, und Bair murmelte: �Eine uralte Art, um Erlaubnis zu bitten, doch die Frage wurde gestellt. Meine Antwort lautet: ja.� �Ich stimme ebenfalls mit ja, Bair�, sagte Amys. �Seana?� �Dieser Mann ist kein Aiel�, warf Couladin zornig ein. Egwene hatte den Verdacht, da� er sich st�ndig �ber irgend etwas aufrege. �Es bedeutet den Tod f�r ihn, sich �berhaupt hier aufzuhalten! Warum hat ihn Rhuarc mitgebracht? Warum...?� �M�chtest du eine Weise Frau werden, Couladin?� fragte Bair, auf deren Stirn sich strenge Falten zeigten. �Zieh ein Kleid an und komm mit, dann werde ich feststellen, ob man dich dazu ausbilden kann. Bis dahin allerdings schweig still, wenn eine Weise Frau spricht!� �Meine Mutter war eine Aiel�, stie� Rand hervor.</p><p>Egwene starrte ihn an. Kari al'Thor war gestorben, als Egwene noch kaum die Wiege verlassen hatte, aber wenn Tams Frau eine Aiel gewesen w�re, h�tte sie das sicherlich erfahren. Sie blickte Moiraine an, aber die Aes Sedai sah ruhig und mit entspannter Miene zu. Rand sah wirklich wie ein Aielmann aus, bei seiner Gr��e, den graublauen Augen und dem r�tlichen Haar, aber das war doch l�cherlich!</p><p>�Eure Mutter nicht�, sagte Amys bed�chtig. �Euer Vater.� Egwene sch�ttelte den Kopf. Das grenzte nun wirklich an Wahnsinn. Rand �ffnete den Mund, doch Amys lie� ihn nicht zu Wort kommen. �Seana, was meinst du?� �Ja�, sagte die Frau mit dem graumelierten Haar. �Melaine?� Die letzte der vier, eine gutaussehende Frau mit rotgoldenem Haar, nicht mehr als zehn oder f�nfzehn Jahre �lter als Egwene, z�gerte noch. �Es mu� vollbracht werden�, sagte sie schlie�lich, wenn auch unwillig. �Ich antworte ebenfalls mit ja.� �Euch ist eine Antwort zuteil geworden�, sagte Amys zu Rand. �Ihr d�rft Rhuidean betreten und... � Sie unterbrach sich, als Mat heraufkletterte und ungeschickt Rands Verbeugung imitierte.</p><p>�Auch ich bitte darum, Rhuidean betreten zu d�rfen�, sagte er unsicher.</p><p>Die vier Weisen Frauen sahen ihn an. Rand ri� �berrascht den Kopf herum. Egwene glaubte, niemand k�nne �berraschter sein als sie, doch Couladin strafte sie L�gen. Knurrend hob er einen seiner Speere und stach in Richtung auf Mats Brust.</p><p>Das Gl�hen <emphasis>Saidars</emphasis> umgab Amys und Melaine. Str�nge aus dem Element Luft packten den Mann mit dem Flammenhaar und schleuderten ihn ein Dutzend Schritt zur�ck.</p><p>Egwene starrte die Szenerie mit weit aufgerissenen Augen an. Sie konnten die Macht gebrauchen. Oder zumindest zwei von ihnen. Mit einemmal erkannte sie die jugendlich glatten Gesichtsz�ge von Amys als ein �quivalent zu der alterslosen Gl�tte der Aes-Sedai-Gesichter. Moiraine verhielt sich absolut still. Egwene konnte erkennen, wie sie angestrengt nachdachte. Offensichtlich war die �berraschung der Aes Sedai genauso gro� wie die ihre.</p><p>Couladin rappelte sich hoch und blieb geduckt stehen. �Ihr akzeptiert diesen Ausl�nder als einen von uns�, keuchte er und zeigte mit dem Speer auf Rand, mit dem er Mat hatte t�ten wollen. �Wenn Ihr so entscheidet, dann sei es. Er ist trotzdem ein weicher Feuchtl�nder und Rhuidean wird ihn umbringen.� Der Speer deutete wieder auf Mat, der sich bem�hte, unbemerkt ein Messer in seinen �rmel zur�ckzustecken. �Aber er... es bedeutet den Tod f�r ihn, sich hier aufzuhalten, und es ist f�r ihn ein Sakrileg, �berhaupt um die Erlaubnis zu bitten, Rhuidean zu betreten! Niemand au�er denen vom Blute d�rfen Rhuidean betreten! Niemand!� �Geh zur�ck zu deinen Zelten, Couladin�, sagte Melaine kalt. �Und auch du, Heirn. Du auch, Rhuarc. Das ist die Angelegenheit von Weisen Frauen und nicht von M�nnern, au�er nat�rlich denjenigen, die um Erlaubnis gebeten haben. Geht!� Rhuarc und Heirn nickten und schritten auf die kleinere Gruppe von Zelten zu. Sie unterhielten sich dabei. Couladin funkelte Rand und Mat an, warf den Weisen Frauen einen b�sen Blick zu, und dann drehte er sich steif um und stolzierte auf das gr��ere Lager zu.</p><p>Die Weisen Frauen tauschten Blicke. Besorgte Blicke, wie Egwene festzustellen glaubte, obwohl sie es genausogut wie die Aes Sedai beherrschten, ihre Gef�hle f�r sich zu behalten.</p><p>�Es ist nicht gestattet�, sagte Amys schlie�lich. �Junger Mann, Ihr wi�t nicht, was Ihr getan habt. Geht mit den anderen zur�ck.� Ihr Blick streifte Egwene, Moiraine und Lan, die nun allein mit ihren Pferden am Z�gel in der N�he des verwitterten Portalsteins standen. Egwene bemerkte in diesem Blick kein Wiedererkennen.</p><p>�Ich kann nicht.� In Mats Stimme klang Verzweiflung mit. �Ich bin schon soweit gekommen, aber das z�hlt hier nicht, oder? Ich mu� nach Rhuidean.� �Es ist nicht gestattet�, sagte Melaine in scharfem Tonfall. Ihr langes, rotgoldenes Haar schwang herum, als sie den Kopf sch�ttelte. �Ihr habt kein Aielblut in den Adern.� Rand hatte die ganze Zeit �ber Mat aufmerksam angesehen. �Er kommt mit mir�, sagte er pl�tzlich. �Ihr habt mir die Erlaubnis gegeben, und er kann mit mir kommen, ob Ihr es nun genehmigt oder nicht.� Er blickte die Weisen Frauen wohl nicht trotzig, aber dennoch entschlossen an. Er hatte diese Frage entschieden Egwene kannte das bei ihm; er w�rde keinen Deut davon abweichen, mochten sie sagen, was sie wollten.</p><p>�Es ist nicht gestattet�, sagte Melaine entschieden, wobei sie ihre Schwestern ansprach. Sie zog die Stola hoch und bedeckte ihren Kopf. �Das Gesetz ist ganz klar. Keine Frau darf mehr als zweimal nach Rhuidean gehen und kein Mann mehr als einmal, und niemals jemand, der kein Aielblut in den Adern hat.� Seana sch�ttelte den Kopf. �Es �ndert sich so viel, Melaine. Die alten Sitten... � �Wenn er derjenige ist�, sagte Bair, �dann ist die Zeit der �nderungen �ber uns gekommen. Aes Sedai stehen auf dem Chaendaer und mit ihnen <emphasis>Aan'allein</emphasis> in seinem farbver�ndernden Umhang. K�nnen wir uns immer noch stur an die alten Sitten halten? Obwohl wir wissen, wieviel sich nun �ndern wird?� �Das k�nnen wir nicht�, sagte Amys. �Alles befindet sich nun am Rande der Ver�nderung. Melaine?� Die Frau mit dem rotgoldenen Haar sah sich um, sah die Berge an und die in Nebel geh�llte Stadt unter ihnen, seufzte dann und nickte. �Damit ist es entschieden�, sagte Amys und wandte sich Rand und Mat zu. �Ihr�, begann sie, doch dann unterbrach sie sich. �Welchen Namen f�hrt Ihr eigentlich?� �Rand al'Thor.� �Mat. Mat Cauthon.� Amys nickte. �Ihr, Rand al'Thor, m��t Euch ins Herz Rhuideans begeben, genau ins Zentrum der Stadt. Wenn Ihr w�nscht, mit ihm zu kommen, Mat Cauthon, dann sei es, doch Ihr mu�t wissen, da� die meisten M�nner nie aus Rhuidean zur�ckkehren, und manche von denen, die wiederkommen, sind wahnsinnig. Ihr d�rft weder Lebensmittel noch Wasser mit Euch f�hren, in Erinnerung an unsere Wanderung nach der Zerst�rung der Welt. Ihr m��t auch unbewaffnet nach Rhuidean gehen, au�er mit Euren H�nden und Euren Herzen, um die Jenn zu ehren. Falls Ihr Waffen bei Euch habt, legt sie auf den Boden vor uns hin. Sie werden hier auf Euch warten, bis Ihr zur�ckkehrt. Falls Ihr zur�ckkehrt.� Rand zog sein Messer aus der Scheide und legte es Amys zu F��en. Dann, einen Moment sp�ter, legte er noch die kleine, gr�ne Steinfigur dazu. �Mehr habe ich nicht�, sagte er.</p><p>Mat begann mit dem Messer an seinem G�rtel und machte dann weiter. Er zog Messer aus seinen �rmeln und unter seinem Mantel hervor, selbst eines aus einer Nackenscheide, und h�ufte sie vor den Aielfrauen auf. Selbst die schienen davon beeindruckt. Er wollte schon aufh�ren, sah die Frauen noch einmal an und holte aus den Stiefelsch�ften auch noch je ein Messer heraus. �Ich habe sie vergessen�, sagte er grinsend und mit einem Achselzucken. Die ernsten Blicke der Weisen Frauen wischten ihm das Grinsen vom Gesicht.</p><p>�Sie haben gelobt, nach Rhuidean zu gehen�, sagte Amys in rituellem Singsang, und sie blickte �ber die K�pfe der M�nner hinweg. Die anderen drei reagierten gemeinsam: �Rhuidean geh�rt den Toten.� �Sie d�rfen nicht mit den Lebenden sprechen, bis sie zur�ckkehren�, sang sie heraus, und wieder antworteten die anderen: �Die Toten sprechen nicht mit den Lebenden.� �Wir sehen sie nicht mehr, bis sie sich wieder unter den Lebenden befinden.� Amys zog sich die Stola �ber die Augen, und eine nach der anderen folgten ihr die drei. Mit verborgenen Gesichtern sprachen sie im Chor: �Hebt Euch hinweg von den Lebenden und verfolgt uns nicht mit Erinnerungen an das Verlorene. Sprecht nicht von dem, was die Toten sehen.� Dann standen sie schweigend da, hielten die Stolen vor ihre Gesichter und warteten.</p><p>Rand und Mat sahen einander an. Egwene w�re gern zu ihnen hin�bergegangen und h�tte mit ihnen gesprochen. Sie wirkten wie M�nner, die niemandem zeigen wollten, da� sie Angst hatten. Doch das h�tte m�glicherweise die Zeremonie gest�rt.</p><p>Schlie�lich lachte Mat hart auf. �Na ja, ich sch�tze, die Toten k�nnen wenigstens miteinander sprechen. Ich frage mich, ob das auch f�r... Ach, spielt keine Rolle. Denkst du, es ist in Ordnung, wenn wir reiten?� �Ich glaube nicht�, sagte Rand. �Ich glaube, wir m�ssen zu Fu� gehen.� �O je, seng meine schmerzenden F��e. Also, gehen wir halt los. Wir werden den halben Nachmittag brauchen, bis wir dort sind. Wenn wir Gl�ck haben.� Rand l�chelte Egwene beruhigend zu, als sie sich bergab wandten, als wolle er ihr sagen, da� keine Gefahr best�nde und nichts Schlimmes sie erwarte. Mats Grinsen war typisch f�r ihn, wenn er etwas besonders Idiotisches unternahm, wie beispielsweise auf einem Dachfirst zu tanzen.</p><p>�Du willst doch nicht etwa irgendwas... Verr�cktes... unternehmen, oder?� fragte Mat. �Ich will n�mlich lebendig zur�ckkommen.� �Ich auch�, antwortete Rand. �Ich auch.� Sie waren schnell au�er H�rweite und wurden immer kleiner dort unten am Abhang. Als sie nur noch winzige Gestalten waren, kaum noch als Menschen zu erkennen, lie�en die Weisen Frauen endlich ihre Stolen wieder sinken.</p><p>Egwene zupfte ihr Kleid zurecht und w�nschte sich, nicht ganz so zu schwitzen. Dann kletterte sie mit ihrem Pferd im Schlepptau das kurze St�ck Abhang zu ihnen hinunter. �Amys? Ich bin Egwene al'Vere. Ihr habt gesagt, ich solle... � Amys unterbrach sie mit erhobener Hand und blickte hin�ber zu Lan, der nun Mandarb, Pips und Jeade'en am Z�gel hielt und etwas hinter Moiraine und Aldieb stand. �Das hier ist nur eine Angelegenheit f�r Frauen, <emphasis>Aan'allein.</emphasis> Ihr m��t uns verlassen. Geht zu den Zelten. Rhuarc wird Euch Schatten und Wasser anbieten.� Lan wartete auf Moiraines leichtes Nicken, bevor er sich verbeugte und in der gleichen Richtung wie zuvor Rhuarc davonschritt. Dieser farbver�ndernde Umhang auf seinem R�cken lie� ihn manchmal wie einen Geist erscheinen, von dem man nur Kopf und Arme vor den drei Pferden �ber den Boden dahinschweben sah.</p><p>�Warum nennt Ihr ihn so?� fragte Moiraine, als er sich au�er H�rweite befand. �Den Einen Mann. Kennt Ihr ihn?� �Wir wissen von ihm, Aes Sedai.� Bei Amys klang der Titel wie eine Anrede unter Gleichgestellten. �Der letzte der Malkieri. Der Mann, der nicht aufh�rt, gegen den Schatten zu k�mpfen, obwohl seine ganze Nation durch diesen Krieg zerst�rt wurde. Es ist sehr viel Ehrenhaftes an ihm. Aus dem Traum wu�te ich, falls Ihr herk�mt, w�rde <emphasis>Aan'allein</emphasis> h�chstwahrscheinlich dabei sein, aber ich wu�te nicht, da� er Euch gehorcht.� �Er ist mein Beh�ter�, sagte Moiraine einfach.</p><p>Egwene glaubte, die Aes Sedai sei trotz ihres leichten Tonfalls beunruhigt, und sie wu�te auch, warum. <emphasis>H�chstwahrscheinlich</emphasis> werde Lan mit ihr kommen? Lan folgte Moiraine immer. Er w�rde ihr ohne Z�gern in der Krater des Todes folgen. Und es war beinahe genauso interessant f�r Egwene, da� Amys gesagt hatte: �Falls Ihr herk�mt.� Hatten die Weisen Frauen nun gewu�t, da� sie k�men, oder nicht? Vielleicht war die Auslegung eines Traums doch nicht so einfach, wie sie gehofft hatte. Sie wollte schon danach fragen, als Bair sagte: �Aviendha? Komm her.� Aviendha hatte verloren an der Seite gehockt, die Arme um die Knie geschlungen, und auf den Boden geblickt. Sie stand langsam auf. Falls Egwene das nicht besser gewu�t h�tte, h�tte sie annehmen m�ssen, die Frau habe Angst. Aviendha schlurfte f�rmlich hin�ber zu den Weisen Frauen und legte sich die Tasche und die Rolle mit den Wandbeh�ngen vor die F��e.</p><p>�Es wird Zeit�, sagte Bair nicht unfreundlich. Trotzdem war in ihren Augen keine Kompromi�bereitschaft zu erkennen. �Du bist mit den Speeren gelaufen, solange es ging. L�nger, als du solltest.� Aviendha hob trotzig den Kopf. �Ich bin eine Tochter des Speers. Ich will keine Weise Frau werden. Ich will nicht!� Die Gesichter der Weisen Frauen verh�rteten sich. Das erinnerte Egwene an die Versammlung der Frauen zu Hause, wenn man eine Frau verh�rte, die im Begriff war, etwas Dummes zu tun.</p><p>�Du bist sowieso schon viel sanfter behandelt worden, als das zu meiner Zeit �blich war�, sagte Amys mit steinerner Stimme. �Auch ich weigerte mich, als ich berufen wurde. Meine Speerschwestern haben vor meinen Augen meine Speere zerbrochen. Sie brachten mich nackt und an H�nden und F��en gebunden zu Bair und Coedelin.� �Und mit einer h�bschen, kleinen Puppe unter deinen Arm geklemmt�, sagte Bair trocken, �um dich daran zu erinnern, wie kindisch du dich benommen hast. Wie ich mich erinnere, bist du im ersten Monat neunmal weggelaufen.� Amys nickte grimmig. �Und daf�r mu�te ich wie ein Kind um Verzeihung bitten � jedesmal. Im zweiten Monat bin ich nur f�nfmal weggelaufen. Ich hielt mich f�r so stark und hart, wie eine Frau nur sein kann. Aber ich war nicht schlau genug. Ich brauchte ein halbes Jahr, bis ich merkte, da� du h�rter und st�rker warst, als ich jemals sein w�rde, Bair. Schlie�lich begriff ich dann, was meine Pflicht war, die Verpflichtung meinem Volk gegen�ber. So, wie du es lernen wirst, Aviendha. Solche Frauen wie du und ich sind einfach dazu verpflichtet. Du bist kein Kind mehr. Es ist Zeit, die Puppen � und die Speere � beiseite zu legen und die Frau zu werden, die zu werden dir bestimmt ist.� Mit einemmal wurde Egwene klar warum sie von Beginn an eine solche Kameradschaft zu Aviendha empfunden hatte. Nun wu�te sie, warum Amys und die anderen aus ihr eine Weise Frau machen wollten. Aviendha konnte die Macht gebrauchen. Genau wie sie, wie Elayne und Nynaeve � und nat�rlich Moiraine � geh�rte sie zu jenen wenigen Frauen, denen man nicht nur den Gebrauch der Macht beibringen konnte, sondern die mit dieser F�higkeit geboren waren und irgendwann die Wahre Quelle ber�hrten, selbst wenn sie gar nicht wu�ten, was sie taten. Moiraine hatte das Gesicht nicht verzogen und wirkte ganz ruhig, doch in ihren Augen las Egwene die Best�tigung ihrer eigenen Gedanken. Die Aes Sedai mu�te das vom ersten Moment an gewu�t haben, als sie die Aielfrau kennengelernt hatte. Egwene erkannte, da� sie die gleiche Verbundenheit auch Amys und Melaine gegen�ber empfinden konnte. Aber nicht bei Bair oder Seana. Nur die ersteren konnten die Macht gebrauchen, da war sie sich sicher. Und nun konnte sie bei Moiraine dasselbe sp�ren. Es war das erstemal, da� sie Derartiges empfand; die Aes Sedai war eine Frau, die immer f�r sich blieb.</p><p>Einige der Weisen Frauen allerdings lasen offensichtlich mehr aus der Miene Moiraines heraus. �Ihr wollt sie zu Eurer Wei�en Burg bringen�, sagte Bair, �um aus ihr eine von Euch zu machen. Doch sie ist eine Aiel, Aes Sedai.� �Sie kann sehr stark werden, wenn man sie richtig unterweist�, antwortete Moiraine. �Genauso stark, wie Egwene einst sein wird. In der Burg kann man sie so weit bringen.� �Wir k�nnen sie genausogut unterrichten, Aes Sedai.� Melaines Stimme klang einigerma�en verbindlich, aber in dem steten Blick aus ihren gr�nen Augen lag ein Hauch von Verachtung. �Besser sogar. Ich habe mich schon mit Aes Sedai unterhalten. Ihr verw�hnt die Frauen in der Burg. Das Dreifache Land ist kein Ort, um jemanden zu verw�hnen. Aviendha wird wissen, was sie mit ihren Kr�ften anfangen kann, wenn sie bei Euch noch Kinderspiele erlernen w�rde.� Egwene warf Aviendha einen besorgten Blick zu. Die andere junge Frau blickte bedr�ckt zu Boden. Ihr Trotz schien verflogen. Falls sie den Unterricht in der Burg schon f�r Verw�hnen hielten... Sie hatte als Novizin h�rter arbeiten m�ssen und war strenger behandelt worden als je zuvor in ihrem Leben. Sie empfand eine Menge Sympathie f�r die Aielfrau.</p><p>Amys streckte die H�nde aus, und Aviendha legte ihr z�gernd die Speere und den Schild hinein. Sie zuckte zusammen, als die Weise Frau krachend ihre Bewaffnung zur Seite warf. Langsam zog sie sich den in seiner H�lle steckenden Bogen �ber den Kopf und �bergab ihn. Dann schnallte sie den G�rtel ab, an dem der K�cher und ihr Messer hingen. Amys nahm alles entgegen und warf es wie Abfall zur Seite. Jedesmal zuckte Aviendha zusammen. In einem Winkel ihrer blaugr�nen Augen schimmerte eine Tr�ne.</p><p>�M��t Ihr sie so grob behandeln?� brach es zornig aus Egwene heraus. Amys und die anderen sahen sie ausdruckslos an, doch sie lie� sich nicht einsch�chtern. �Ihr behandelt Dinge, die f�r sie etwas bedeuten, als w�ren sie Schrott.� �Sie mu� lernen, solche Dinge als Schrott zu sehen�, sagte Seana. �Wenn sie zur�ckkehrt � falls sie zur�ckkehrt �, wird sie alles verbrennen und die Asche in den Wind streuen. Das Metall wird sie dem Schmied �bergeben, um daraus einfache Dinge zu fertigen. Keine Waffen. Nicht einmal ein Brotmesser. G�rtelschnallen oder Kocht�pfe oder Puzzles f�r Kinder. Diese Dinge wird sie hinterher mit eigenen H�nden verteilen.� �Das Dreifache Land ist kein weiches, Aes Sedai�, sagte Bair. �Weiche Dinge sterben hier.� �Dein <emphasis>Cadin'sor,</emphasis> Aviendha.� Amys deutete auf die weggeworfenen Waffen. �Deine neue Kleidung wird dich bei deiner R�ckkehr erwarten.� Mit mechanischen Bewegungen zog sich Aviendha aus und warf Mantel und Hosen, Stiefel und alles andere auf einen Haufen zu den Waffen. Nackt stand sie da und r�hrte sich nicht. Nur Egwene glaubte, ihre F��e h�tten trotz der Stiefel schon Brandblasen aufzuweisen. Sie erinnerte sich daran, wie sie zugesehen hatte, als man ihre Kleider verbrannt hatte, die sie auf dem Weg zur Wei�en Burg getragen hatte. Auch damals hatte man das Band zerschnitten, das sie an ihr fr�heres Leben gebunden hatte, aber es war nicht so schlimm gewesen wie hier. Nicht so kra�.</p><p>Als Aviendha auch noch den Sack und die Wandbeh�nge auf den Stapel legen wollte, nahm ihr Seana die Sachen ab. �Die kannst du zur�ckbekommen. Falls du zur�ckkommst. Wenn nicht, gehen sie an deine Familie, deines Angedenkens wegen.� Aviendha nickte. Sie schien keine Angst zu haben. Z�gern, Zorn, ja vielleicht schmollte sie auch ein wenig, aber Angst hatte sie keine.</p><p>�In Rhuidean�, sagte Amys, �wirst du drei Ringe finden, die so angeordnet sind.� Sie zeichnete mit dem Finger drei Linien in die Luft, die sich in der Mitte trafen. �Tritt durch irgendeinen hindurch. Du wirst deine eigene Zukunft erleben, wieder und wieder, in immer neuen Abwandlungen. Sie werden dir keine eindeutigen Hinweise geben, und das ist auch das Beste, denn wie Geschichten, die du vor langer Zeit geh�rt hast, werden sie verschwimmen und miteinander verschmelzen, doch wirst du dich an gen�gend Dinge erinnern, um zu wissen, da� vieles sein mu�, was zu tun du ha�t, und anderes nicht sein darf, worauf du gehofft hattest. Das ist der Anfang, der erste Schritt zu dem, was man Weisheit nennt. Manche Frauen kehren niemals aus den Ringen zur�ck. Vielleicht wurden sie nicht mit ihrer Zukunft fertig. Manche, die wohl die Ringe �berleben, �berleben jedoch ihre zweite Reise nach Rhuidean nicht, wo sie ins Herz gelangen. Du gibst kein hartes und entbehrungsreiches Leben auf, um ein angenehmeres zu f�hren, sondern tauschst ein noch h�rteres und gef�hrlicheres dagegen ein.� Ein <emphasis>Ter'Angreal.</emphasis> Amys hatte einen <emphasis>Ter'Angreal</emphasis> beschrieben. Was f�r eine Art von Stadt war dieses Rhuidean? Egwene f�hlte in sich den Wunsch aufsteigen, selbst hinunterzugehen und es herauszufinden. Das war wohl ziemlich n�rrisch. Sie war nicht hier, um unn�tige Risiken mit <emphasis>Ter'Angreal</emphasis> einzugehen, die sie �berhaupt nicht kannte.</p><p>Melaine fa�te Aviendha unter das Kinn und drehte den Kopf der jungen Frau zu sich hin. �Du hast die Kraft�, sagte sie ruhig und �berzeugt. �Ein starker Verstand und ein starkes Herz sind nun deine Waffen, aber du h�ltst sie genauso fest und sicher wie zuvor deine Speere. Denke daran, ben�tze sie, und du wirst alles unbeschadet �berstehen.� Egwene war �berrascht. Von den vier Frauen h�tte sie bei Melaine am wenigsten erwartet, so etwas wie Mitgef�hl zu entdecken.</p><p>Aviendha nickte und brachte sogar ein L�cheln zustande. �Ich werde schneller als diese M�nner in Rhuidean sein. Sie k�nnen nicht laufen.� Eine der Weisen Frauen nach der anderen k��te sie leicht auf die Wange und alle murmelten leise: �Komm zu uns zur�ck.� Egwene ergriff Aviendhas Hand, dr�ckte sie und erhielt ebenfalls einen kr�ftigen H�ndedruck zur Antwort. Dann lief die Aielfrau in langen S�tzen los, den Abhang hinunter. Es schien, da� sie durchaus in der Lage sei, Rand und Mat einzuholen. Egwene sah ihr besorgt hinterher. Was sie vor sich hatte, entsprach ungef�hr der Pr�fung, mit der man in der Burg zur Aufgenommenen wurde, doch ohne jede Unterweisung als Novizin und ohne jede Helferin, die ihr anschlie�end ein wenig Trost und Unterst�tzung geben konnte. Wie w�re das wohl gewesen, wenn sie gleich am ersten Tag in der Burg ihre Pr�fung zur Aufgenommenen h�tte absolvieren m�ssen? Wahrscheinlich w�re sie vollkommen durchgedreht. Bei Nynaeve war es so �hnlich gelaufen, weil sie �ber derartige Kr�fte verf�gte. Sie glaubte aber, da� zumindest ein Teil der ablehnenden Haltung Nynaeves den Aes Sedai gegen�ber von ihren Erlebnissen bei dieser Pr�fung herr�hrte. <emphasis>Komm zu uns zur�ck,</emphasis> dachte sie. <emphasis>Sei standhaft.</emphasis> Als Aviendha au�er Sicht war, seufzte Egwene und wandte sich wieder den Weisen Frauen zu. Sie war schlie�lich auch nicht umsonst hier, und es w�rde niemandem helfen, sich mit ihrem Anliegen zur�ckzuhalten. �Amys, in <emphasis>Tel'aran'rhiod</emphasis> habt Ihr mir gesagt, ich solle hierher zu Euch kommen, um zu lernen. Nun bin ich da.� �Diese Hektik�, stellte die wei�haarige Frau fest. �Wir haben uns so sehr beeilt, da Aviendha sich die ganze Zeit gegen ihr <emphasis>Toh</emphasis> str�ubte und weil wir f�rchteten, die Shaido w�rden selbst hier die Schleier anlegen, falls wir Rand al'Thor nicht nach Rhuidean schickten, bevor sie �berhaupt zum Nachdenken k�men.� �Glaubt Ihr, sie h�tten versucht, ihn zu t�ten?� fragte Egwene. �Aber er ist doch derjenige, dessentwegen Ihr Eure Leute �ber den Drachenwall geschickt habt. Er, Der Mit Der Morgend�mmerung Kommt.� Bair r�ckte ihre Stola zurecht. �Vielleicht ist er das. Es wird sich herausstellen. Falls er �berlebt.� �Er hat die Augen von seiner Mutter�, sagte Amys, �und die Gesichtsz�ge sowohl von ihr wie auch von seinem Vater, aber Couladin sah nat�rlich nur seine Kleidung und sein Pferd. Das w�re allerdings bei den anderen Shaido genauso gewesen, und wahrscheinlich auch bei den Taardad. Fremde d�rfen diesen Boden nicht betreten, und nun sind gleich f�nf von Euch da. Nein, vier: Rand al'Thor ist kein Fremder, wo er auch aufgewachsen sein mag. Aber einem haben wir bereits gestattet, Rhuidean zu betreten, obwohl es verboten ist. Die Ver�nderungen kommen wie eine Lawine, ob wir wollen oder nicht.� �Es mu� sich alles �ndern�, sagte Bair, und es klang etwas ungl�cklich. �Das Muster setzt uns an den Platz, den es f�r uns erw�hlt.� �Ihr kanntet Rands Eltern?� fragte Egwene vorsichtig. Was sie auch sagen mochten, so dachte sie doch an Tam und Kari al'Thor, wenn es um Rands Eltern ging.</p><p>�Das ist seine pers�nliche Geschichte�, sagte Amys, �falls er sie h�ren will.� Nach der Haltung ihres Kinns zu schlie�en, w�rde sie kein Wort mehr dar�ber sagen.</p><p>�Kommt�, sagte Bair. �Jetzt m�ssen wir uns nicht mehr beeilen. Kommt. Wir bieten Euch Wasser und Schatten an.� Egwene versagten beinahe die Beine, als sie das Wort �Schatten� h�rte. Das einst tropfnasse Tuch, das sie um ihre Stirn gewickelt hatte, war schon beinahe trocken. Ihr Kopf f�hlte sich vollkommen ausged�rrt an, und der Rest ihres K�rpers nicht weniger. Auch Moiraine schien dankbar, den Weisen Frauen hinauf zu der kleinen Gruppe der niedrigen, an der Seite offenen Zelte folgen zu d�rfen.</p><p>Ein hochgewachsener Mann in einem wei�en Gewand mit Kapuze nahm ihnen die Z�gel der Pferde ab. Sein Aielgesicht wirkte eigenartig, so eingebettet in die tiefe, weiche Kapuze. Die Augen hatte er niedergeschlagen.</p><p>�Gib den Tieren Wasser�, sagte Bair, und dann b�ckte sie sich und trat geduckt in das niedrige Zelt hinein. Der Mann verbeugte sich hinter ihr her, wobei er die Stirn mit der Hand ber�hrte.</p><p>Egwene z�gerte, ihr Pferd von dem Mann wegbringen zu lassen. Er schien durchaus selbstbewu�t, aber was verstand ein Aiel schon von Pferden? Nun ja, sie glaubte andererseits nicht, da� er ihnen Schaden zuf�gen werde, und im Zelt war es wunderbar dunkel und dann auch noch herrlich k�hl, wenn man es mit drau�en verglich.</p><p>Am h�chsten Punkt des Zelts befand sich eine �ffnung, doch selbst hier konnte man kaum aufrecht stehen. Wohl als Ausgleich f�r die eint�nigen und faden Farben der Aielkleidung, lagen �berall gro�e, rote Kissen mit Goldfransen auf leuchtend bunten Teppichen verstreut. Die Teppiche lagen �bereinandergeschichtet, so da� man den harten Boden darunter nicht sp�rte. Egwene und Moiraine taten es den Weisen Frauen gleich. Sie lie�en sich auf den Teppichen nieder und st�tzten sich mit einem Ellbogen auf eines der Kissen. Sie sa�en schnell alle im Kreis, nahe genug beieinander, um sich zu ber�hren.</p><p>Bair schlug einen kleinen Messinggong, und zwei junge Frauen kamen mit silbernen Tabletts herein, beide in die gleichen wei�en Gew�nder mit den gro�en Kapuzen geh�llt wie der Mann drau�en, der sich um die Pferde k�mmerte. Trotz der geb�ckten Haltung bewegten sie sich mit nat�rlicher Anmut. Den Blick hatten auch sie zu Boden gesenkt. Sie knieten in der Zeltmitte nieder. Eine f�llte f�r jede der sitzenden Frauen einen silbernen Becher mit Wein, w�hrend die andere gr��ere Pokale mit Wasser f�llte. Wortlos erhoben sie sich und gingen unter Verbeugungen r�ckw�rts hinaus. Die schimmernden Tabletts und Kr�ge, von denen Wassertropfen rannen, blieben im Zelt stehen.</p><p>�Hier habt Ihr Wasser und Schatten�, sagte Bair und erhob ihren Pokal mit Wasser. �Wir geben Euch beides gern und mit Freude. La�t nichts zwischen uns stehen. Alle hier sind willkommen, so wie Erstschwestern willkommen w�ren.� �La�t nichts zwischen uns stehen�, murmelten Amys und die beiden anderen. Nach einem Schluck Wasser stellten sich die Aielfrauen offiziell vor: Bair von der Haido-Septime der Shaarad Aiel. Amys aus der Neun-T�ler-Septime der Taardad Aiel. Melaine aus der Jhirad-Septime der Goshien Aiel. Seana aus der SchwarzklippenSeptime der Nakai Aiel.</p><p>Egwene und Moiraine schlossen sich dem Ritual an, auch wenn Moiraine leicht den Mund verzog, als sich Egwene als Aes Sedai von den Gr�nen Ajah bezeichnete.</p><p>Als habe die Vorstellung und die Gabe des Wassers den Bann gebrochen, �nderte sich die Stimmung im Zelt f�hlbar. Die Aielfrauen l�chelten, entspannten sich und gaben zu erkennen, da� alle Formalit�ten erledigt seien.</p><p>Egwene war noch dankbarer f�r das Wasser als f�r den Wein. Selbst wenn es im Zelt k�hler als drau�en war, trocknete ihr allein das Atmen die Kehle aus. Auf ein Nicken Amys' hin leerte sie begierig einen weiteren Becher.</p><p>Die Menschen in den wei�en Gew�ndern hatten Egwene �berrascht. Es war nat�rlich t�richt, trotzdem hatte sie sich die anderen Aiel � au�er den Weisen Frauen � immer wie Rhuarc und Aviendha als Krieger vorgestellt. Selbstverst�ndlich hatten sie auch Schmiede und Weber und andere Handwerker; das mu�te ja wohl sein. Warum nicht auch Diener? Nur hatte Aviendha die Diener im Stein voller Verachtung zur�ckgewiesen und sie nichts f�r sie tun lassen, was sie selbst hatte erledigen k�nnen. Diese Leute hier mit ihrem dem�tigen Verhalten wirkten �berhaupt nicht wie Aiel. Sie konnte sich auch nicht erinnern, in den beiden gro�en Lagern die Farbe Wei� gesehen zu haben. �Haben nur die Weisen Frauen hier Diener?� fragte sie.</p><p>Melaine erstickte fast an ihrem Wein. �Diener?� keuchte sie. �Das sind <emphasis>Gai'schain,</emphasis> keine Diener.� Es klang, als sei damit alles erkl�rt.</p><p>Moiraine runzelte �ber ihrem Weinbecher leicht die Stirn. <emphasis>�Gai'schain?</emphasis> Wie w�rdet Ihr das �bersetzen? �Die auch in der Schlacht den Frieden gelobt haben�?� �Es sind einfach <emphasis>Gai'schain�,</emphasis> sagte Amys. Sie schien zu bemerken, da� die beiden nichts verstanden. �Vergebt mir, aber wi�t Ihr von <emphasis>Ji'e'toh,</emphasis> Aes Sedai?� �Ehre und Verpflichtung�, antwortete Moiraine sofort. �Oder vielleicht Ehre und Pflicht.� �Das sind die richtigen Worte, ja. Aber die Bedeutung. Wir leben nach <emphasis>Ji'e'toh,</emphasis> Aes Sedai.� �Versuche nicht, ihnen alles auf einmal zu erkl�ren, Amys�, mahnte Bair. �Ich habe einst einen Monat damit verbracht, einer Feuchtlandfrau <emphasis>Ji'e'toh</emphasis> zu erkl�ren, und am Ende hatte sie mehr Fragen als je zuvor.� Amys nickte. �Ich werde mich an das Wesentliche halten. Falls Ihr eine Erkl�rung w�nscht, Moiraine.� Egwene h�tte lieber gleich �ber das Tr�umen und ihre Ausbildung und alles gesprochen, und deshalb �rgerte sie sich, als die Aes Sedai sagte: �Ja, gern.� Amys nickte Moiraine zu und begann: �Ich werde das mit den <emphasis>Gai'schain</emphasis> einfach zu erkl�ren versuchen. Im Tanz der Speere gewinnt man das meiste <emphasis>Ji,</emphasis> also die meiste Ehre, wenn man den bewaffneten Gegner ber�hrt, ohne ihn irgendwie zu verletzen oder gar zu t�ten.� �Die gr��te Ehre, weil es so schwierig ist�, warf Seana mit einem Blinzeln ihrer blaugrauen Augen ein, �und deshalb so selten.� �Die geringste Ehre gewinnt man durch T�ten�, fuhr Amys fort. �Jedes Kind und jeder Narr kann t�ten. Dazwischen liegt noch die Gefangennahme. Wie Ihr seht, vereinfache ich alles. Es gibt viele Abstufungen. <emphasis>Gai'schain</emphasis> sind Aiel, die auf diese Art gefangengenommen wurden. Manchmal allerdings bittet auch ein Krieger darum, als <emphasis>Gai'schain</emphasis> gefangengenommen zu werden, wenn er ber�hrt wurde und die Ehre seines Gegners oder seinen eigenen Verlust in Grenzen halten will.� �Das kennt man vor allem von T�chtern des Speers und Steinhunden�, warf Seana ein, was ihr einen scharfen Blick von Amys einbrachte.</p><p>�Bin ich am Erz�hlen oder du? Also weiter. Es gibt auch welche, die man nicht als <emphasis>Gai'schain</emphasis> gefangennehmen darf: eine Weise Frau zum Beispiel, einen Schmied, ein Kind, eine schwangere Frau oder eine solche, die ein Kind unter zehn Jahren hat. Ein <emphasis>Gai'schain</emphasis> hat <emphasis>Toh</emphasis> gegen�ber seinem oder ihrem Gegner. F�r den oder die <emphasis>Gai'schain</emphasis> bedeutet das, ein Jahr und einen Tag dienen zu m�ssen, treu und dem�tig zu gehorchen, keine Waffe anzur�hren und niemandem Gewalt anzutun.� Egwene war trotz ihrer Ungeduld interessiert. �Versuchen sie nicht, zu entfliehen? Ich w�rde das tun.� <emphasis>Ich werde mich nie mehr von irgend jemanden zur Gefangenen machen lassen!</emphasis></p><p>Die Weisen Frauen blickten verst�rt drein. �Es ist schon vorgekommen�, sagte Seana mit gepre�ter Stimme, �aber darin liegt keine Ehre. Ein weggelaufener <emphasis>Gai'schain</emphasis> w�rde von seiner oder ihrer Septime zur�ckgeschickt, um das Jahr der Dienerschaft erneut zu beginnen. Doch man verliert dabei soviel Ehre, da� m�glicherweise ein Erstbruder oder eine Erstschwester ebenfalls als <emphasis>Gai'schain</emphasis> mitgeht, um das <emphasis>Toh</emphasis> der Septime zu erf�llen. Und wenn der Verlust an Ehre besonders gro� ist, gehen vielleicht sogar mehrere mit.� Moiraine schien das alles sehr ruhig aufzunehmen. Sie nippte an ihrem Wasser, Egwene dagegen mu�te sich zusammennehmen, um nicht den Kopf zu sch�tteln. Diese Aiel waren verr�ckt; anders konnte sie das nicht sehen. Es wurde immer schlimmer.</p><p>�Es gibt auch ein paar <emphasis>Gai'schain,</emphasis> die ihre Demut in Arroganz umkehren�, sagte Melaine mi�billigend. �Sie glauben, damit Ehre zu gewinnen, da� sie Gehorsam und Unterw�rfigkeit auf die Spitze treiben und zu blankem Hohn werden lassen. Das ist wohl etwas Neues und ziemlich n�rrisch. So etwas geh�rt nicht zu <emphasis>Ji'e'toh.�</emphasis></p><p>Bair lachte. Es war ein klangvolles Lachen, ganz unerwartet bei ihrer br�chigen Stimme. �Es hat immer schon Narren gegeben. Als ich ein M�dchen war und die Shaarad und Tomanelle sich gegenseitig jede Nacht Rinder und Ziegen stahlen, wurde eines Nachts Chenda, die Dachherrin des Mainde-Passes, bei einem �berfall von einem jungen Wassersucher der Haido zur Seite gesto�en. Sie kam ins Gekr�mmte Tal und verlangte, von dem Jungen zur <emphasis>Gai'schain</emphasis> gemacht zu werden, denn sie g�nnte ihm die Ehre nicht, sie im Kampf ber�hrt zu haben, weil sie bei dieser Ber�hrung <emphasis>ein K�chenmesser in der Hand hatte!</emphasis> Ein K�chenmesser! Sie behauptete, auch das sei eine Waffe, als sei sie eine Tochter des Speers! Der Junge hatte keine andere Wahl, als ihr Verlangen zu erf�llen, obwohl man ihn ganz sch�n auslachte. Man schickt keine Dachherrin barfu� in ihre Festung zur�ck. Bevor das Jahr und der Tag vor�ber waren, tauschten die Haido-Septime und die Jenda-Septime die Speere und der Junge fand sich als Ehemann von Chendas �ltester Tochter wieder. Und seine Zweitmutter war immer noch seine <emphasis>Gai'schain!</emphasis> Er versuchte, sie als Teil seines Brautgeschenkes seiner Frau zu �bergeben, doch beide Frauen behaupteten, er wolle sie ihrer Ehre berauben. Er mu�te fast noch seine eigene Frau zur <emphasis>Gai'schain</emphasis> nehmen. Fast h�tten die Haido und die Jenda deshalb wieder zu den Waffen gegriffen, noch bevor das <emphasis>Toh</emphasis> erf�llt war.� Die Aielfrauen bogen sich vor Lachen. Amys und Melaine mu�ten sich Tr�nen aus den Augen wischen.</p><p>Egwene verstand nicht viel von der Geschichte � vor allem nicht, was daran lustig sein sollte �, aber sie brachte ein h�fliches Lachen zustande.</p><p>Moiraine stellte ihr Wasser zur Seite und griff nach dem Becher mit Wein. �Ich habe geh�rt, wie M�nner vom Kampf gegen die Aiel erz�hlten, aber so etwas habe ich noch nie geh�rt. Vor allem nicht, da� ein Aiel sich ergab, weil er ber�hrt worden war.� �Das ist kein Sich-Ergeben�, sagte Amys entschieden. �Es ist <emphasis>Ji'e'toh.�</emphasis></p><p>�Niemand w�rde darum bitten, zum <emphasis>Gai'schain</emphasis> eines Feuchtl�nders gemacht zu werden�, sagte Melaine. �Ausl�nder wissen nichts von <emphasis>Ji'e'toh.�</emphasis></p><p>Die Aielfrauen blickten sich gegenseitig an. Es war ihnen offensichtlich nicht ganz wohl bei dieser Unterhaltung. <emphasis>Warum?</emphasis> fragte sich Egwene. <emphasis>Oh.</emphasis> F�r die Aiel war es h�chstwahrscheinlich dasselbe, wenn man <emphasis>Ji'e'toh</emphasis> nicht kannte, als wisse man nichts �ber Manieren und gutes Benehmen und als kenne man kein Ehrgef�hl. �Es gibt auch unter uns ehrenwerte M�nner und Frauen�, sagte Egwene daraufhin. �Eigentlich die meisten von uns. Wir wissen auch, gut und b�se zu unterscheiden.� �Selbstverst�ndlich�, murmelte Bair in einem Tonfall, der ihr zeigte, da� sie es keineswegs f�r selbstverst�ndlich hielt.</p><p>�Ihr habt mir einen Brief nach Tear geschickt�, sagte Moiraine, �bevor ich �berhaupt dort ankam. Ihr habt eine Menge Dinge behauptet, von denen sich einige als wahr herausgestellt haben. Darunter auch, da� ich Euch heute hier antreffen w�rde � m��te �, und das klang schon beinahe wie ein Befehl. Und doch habt Ihr vorhin gesagt, falls Ihr herkamt�. Wieviel von dem, was Ihr schriebt, wu�tet Ihr wirklich schon vorher?� Amys seufzte und stellte ihren Becher Wein weg. Doch Bair war diejenige, die nun sprach: �Vieles ist unklar, selbst f�r eine Traumg�ngerin. Amys und Melaine sind die besten unter uns, aber auch sie k�nnen nicht alles vorhersehen, was ist oder was sein kann.� �Selbst in <emphasis>Tel'aran'rhiod</emphasis> ist die Gegenwart viel klarer als die Zukunft�, sagte die Weise Frau mit dem Sonnenhaar. �Was gerade irgendwo geschieht oder beginnt, kann man viel eher erkennen als das, was geschehen <emphasis>wird</emphasis> oder <emphasis>k�nnte.</emphasis> Wir haben Egwene und Mat Cauthon �berhaupt nicht gesehen. Die Chancen, da� der junge Mann, der sich Rand al'Thor nennt, herkommen w�rde, standen f�nfzig zu f�nfzig. Falls er aber nicht kommen w�rde, war er ganz sicher, da� er sterben m��te und die Aiel dazu. Aber er kam, und wenn er Rhuidean �berlebt, werden zumindest auch einige Aiel �berleben. Soviel wissen wir sicher. Wenn Ihr nicht gekommen w�rt, w�re er gestorben. Wenn <emphasis>Aan'allein</emphasis> nicht mitgekommen w�re, w�rt Ihr gestorben. Wenn Ihr nicht durch die Ringe geht... � Sie brach ab, als h�tte sie sich auf die Zunge gebissen.</p><p>Egwene beugte sich aufmerksam vor. Moiraine mu�te auch nach Rhuidean gehen? Doch die Aes Sedai schien keine Notiz davon genommen zu haben, und Seana �bernahm schnell das Erkl�ren, um Melaines Ausrutscher zu vertuschen.</p><p>�Es gibt keinen bestimmten, vorher festgelegten Weg in die Zukunft. Das Muster l��t manchmal das feinste Spitzengewebe wie Sackleinen aussehen oder wie einen verfilzten Faden. In <emphasis>Tel'aran'rhiod</emphasis> ist es m�glich, einige der Webarten der Zukunft zu erkennen, aber eben nicht mehr als das.� Moiraine nippte an ihrem Wein. �Die Alte Sprache ist oft schwierig zu �bersetzen.� Egwene sah sie verbl�fft an. Die Alte Sprache? Was hatte das mit den Ringen, diesem <emphasis>Ter'Angreal</emphasis> zu tun? Aber Moiraine fuhr munter fort: <emphasis>�Tel'aran'rhiod</emphasis> bedeutet Welt der Tr�ume oder auch die Unsichtbare Welt. Keines davon stimmt ganz genau; es ist in Wirklichkeit viel komplexer. <emphasis>Aan'allein:</emphasis> der Eine Mann, aber es hei�t auch �Der Mann, der ein ganzes Volk ist�. Und man kann es noch auf zwei oder drei andere Arten �bersetzen. Und dann all die Worte, die wir zum t�glichen Gebrauch in unseren Wortschatz aufgenommen haben und an deren wirkliche Bedeutung in der Alten Sprache wir uns �berhaupt nicht mehr erinnern. Beh�ter nennt man �Gaidin�, und das hie� einst �Br�der der Schlacht�. Aes Sedai bedeutete �Diener aller�. Und �Aiel� hie� in der Alten Sprache �hingebungsvoll�. Noch st�rker sogar; es schlie�t einen Eid ein, den man in sich tr�gt. Ich habe mich oft gefragt, welchem Ziel die Aiel so hingebungsvoll dienen.� Die Gesichter der Weisen Frauen schienen in diesem Augenblick wie aus Stein gemei�elt, aber Moiraine bohrte weiter: �Und dann �Jenn Aiel�. �Die wirklich Hingebungsvollen�, und wieder wird die urspr�ngliche Bedeutung noch verst�rkt. Vielleicht mu� es hei�en: �Die einzigen wirklich dem Ziel ergebenen�? Die einzigen echten Aiel?� Sie blickte die Weisen Frauen fragend an, als sei nichts gewesen. Keine sagte ein Wort.</p><p>Worauf wollte Moiraine hinaus? Egwene hatte nicht vor, ihre Chancen auf eine Ausbildung bei den Weisen Frauen durch die Aes Sedai gef�hrden zu lassen. �Amys, k�nnen wir jetzt �ber das Tr�umen sprechen?� �Heute abend ist noch Zeit genug dazu�, sagte Amys. �Aber... � �Heute abend, Egwene. Ihr m�gt ja eine Aes Sedai sein, aber hier werdet Ihr wieder zur Sch�lerin. Ihr k�nnt im Augenblick noch nicht einmal zu Bett gehen, wenn Ihr es w�nscht, und auch nicht leicht genug schlafen, um hinterher noch erz�hlen zu k�nnen, was Ihr gesehen habt. Wenn die Sonne untergeht, werde ich beginnen, Euch zu unterweisen.� Egwene duckte sich und sp�hte unter der Kante der Zeltplane hindurch. Aus dem tiefen Schatten des Zelts heraus wirkte das Sonnenlicht drau�en um so greller. Hitzeschleier flimmerten in der Luft. Die Sonne stand noch nicht einmal auf halber H�he der Berggipfel.</p><p>Pl�tzlich richtete sich Moiraine auf und griff nach hinten an ihr Kleid. Sie begann, es aufzukn�pfen. �Ich denke, ich mu� den gleichen Weg gehen wie Aviendha�, sagte sie, und es war nicht als Frage gemeint.</p><p>Bair warf Melaine einen strengen Blick zu. Die junge Frau senkte daraufhin versch�mt ihren Blick. Seana aber erwiderte resigniert: �Ihr h�ttet es nicht h�ren sollen. Aber nun ist es zu sp�t. Ver�nderungen. Einer, der nicht vom Blute ist, ging bereits nach Rhuidean, und nun folgt ihm noch jemand.� Moiraine hielt im Auskleiden inne. �Macht das einen Unterschied, da� es mir gesagt wurde?� �Vielleicht einen gro�en, vielleicht aber auch gar keinen�, meinte Bair zur�ckhaltend. �Oft weisen wir einen Weg, aber wir sprechen nicht dar�ber. Als wir sahen, da� Ihr durch die Ringe gehen w�rdet, wart immer Ihr es, die zuerst davon sprach, die ein Recht darauf zu haben behauptete, obwohl Ihr nicht vom Blute seid. Nun hat es eine von uns zuerst erw�hnt. Dinge, die wir gesehen haben, �ndern sich bereits jetzt. Wer wei�, was nun alles geschehen wird?� �Und was habt Ihr f�r den Fall gesehen, da� ich nicht gehe?� Bairs runzliges Gesicht war nach wie vor ausdruckslos, doch in ihren bla�blauen Augen stand Sympathie. �Wir haben Euch schon zuviel gesagt, Moiraine. Was eine Traumg�ngerin sieht, wird m�glicherweise geschehen, aber es ist nicht sicher. Wer zuviel von der Zukunft wei�, wird in jedem Fall katastrophale Fehler begehen, entweder aus der sicheren Erwartung des Unvermeidlichen heraus, oder weil er mit aller Gewalt versucht, die Zukunft zu �ndern.� �Die Ringe sind gn�dig, denn die Erinnerungen an die Erlebnisse darin verblassen schnell�, sagte Amys. �Eine Frau erf�hrt einige Dinge � nur wenige allerdings �, die wirklich geschehen werden. Andere wird sie erst wiedererkennen, wenn sie vor der entsprechenden Entscheidung steht, und vielleicht noch nicht einmal dann. Das Leben besteht aus Unsicherheit und Kampf, Entscheidungen und Ver�nderungen. Eine Frau, die genau w��te, wie ihr Leben ins Muster verwoben sein wird, so wie bei dem Teppich, den sie gerade kn�pft, m��te das Leben eines Tieres f�hren. Falls sie nicht wahnsinnig w�rde. Die Menschheit wurde geschaffen f�r Unsicherheit und Kampf, f�r Entscheidungen und Ver�nderungen.� Moiraine lauschte ohne ein �u�eres Anzeichen der Ungeduld, doch Egwene glaubte, die Aes Sedai m�sse fast am Platzen sein. Sie war daran gew�hnt, Vortr�ge zu halten, nicht aber, Lektionen erteilt zu bekommen. Sie schwieg, als Egwene ihr aus dem Kleid half, und sagte auch nichts, bis sie schlie�lich nackt am Rand der Teppiche kauerte und den Abhang hinunter in Richtung der in Nebel geh�llten Stadt sp�hte. Dann sagte sie: �La�t nicht zu, da� Lan mir folgt. Er wird es versuchen, wenn er mich sieht.� �Es wird, wie es wird�, antwortete Bair. Ihre d�nne Stimme klang kalt und endg�ltig.</p><p>Nach einem Augenblick des Z�gerns nickte Moiraine unwillig und schl�pfte aus dem Zelt, hinein in den glei�enden Sonnenschein. Sie fing sofort zu rennen an, barfu� den hei�en Abhang hinunter.</p><p>Egwene verzog das Gesicht. Rand und Mat, Aviendha, jetzt auch Moiraine, und alle unterwegs nach Rhuidean. �Wird sie es... �berleben? Wenn Ihr davon getr�umt habt, m��t Ihr es doch wissen.� �Es gibt ein paar Orte in <emphasis>Tel'aran'rhiod,</emphasis> die man nicht betreten kann�, sagte Seana. �Rhuidean. Ein Ogier-<emphasis>Stedding.</emphasis> Und noch ein paar. Was dort geschieht, ist vor den Augen einer Traumg�ngerin verborgen.� Das war nat�rlich keine Antwort, denn sie konnten ja beobachtet haben, ob sie aus Rhuidean wieder zur�ckkam oder nicht. Aber eine bessere Antwort w�rde sie wohl nicht erhalten. �Also gut. Soll ich auch gehen?� Der Gedanke, das zu erleben, was hinter den Ringen lag, behagte ihr �berhaupt nicht. Es w�re, als m�sse sie noch einmal ihre Pr�fung zur Aufgenommenen ablegen. Doch wenn die anderen alle gingen...</p><p>�Seid keine N�rrin�, sagte Amys energisch.</p><p>�Wir haben dazu nichts vorhergesehen, was Euch betraf�, f�gte Bair in milderem Tonfall hinzu. �Genauer gesagt, haben wir Euch �berhaupt nicht gesehen.� �Und ich w�rde auch nicht zustimmen, wenn Ihr darum bittet�, erg�nzte Amys. �Vier sind notwendig, um die erforderliche Genehmigung zu erteilen, und ich w�re dagegen. Ihr seid hier, um das Traumgehen richtig zu erlernen.� �Wenn das so ist�, sagte Egwene und lehnte sich bequem an ihr Kissen, �dann fangt an. Es mu� doch etwas geben, was Ihr mir beibringen k�nnt, bevor die Sonne untergeht.� Melaine runzelte die Stirn, doch Bair schmunzelte. �Sie ist genauso eifrig und ungeduldig wie du, als du dich einmal zum Lernen entschlossen hattest, Amys.� Amys nickte. �Ich hoffe, der Eifer wird anhalten, aber die Ungeduld verschwinden � in ihrem eigenen Interesse. H�rt mal, Egwene. Es wird vielleicht schwer f�r Euch, aber Ihr m��t vergessen, da� Ihr eine Aes Sedai seid, wenn Ihr �ach, Ihr seid nun unsere Sch�lerin �, wenn du richtig lernen willst. Du mu�t zuh�ren, dich erinnern und das tun, was man dir auftr�gt. Und was am wichtigsten ist: Du darfst <emphasis>Tel'aran'rhiod</emphasis> nicht mehr betreten, bis eine von uns dir die Erlaubnis gibt. Kannst du das akzeptieren?� Es w�rde ihr nat�rlich nicht schwerfallen, zu vergessen, da� sie eine Aes Sedai war, weil sie ja gar keine war. Ansonsten klang es ganz danach, wieder Novizin zu werden. �Ich kann es akzeptieren.� Sie hoffte, es habe nicht so geklungen, als hege sie Zweifel.</p><p>�Gut�, sagte Bair. �Ich werde dir jetzt einiges �ber die Traumg�nger und <emphasis>Tel'aran'rhiod</emphasis> erkl�ren, und zwar sehr allgemein. Wenn ich fertig bin, wirst du alles wiederholen, was du erfahren hast. Wenn du nicht alle Tatsachen wiederholen kannst, wirst du heute abend anstelle der <emphasis>Gai'schain</emphasis> das Geschirr abwaschen. Falls dein Ged�chtnis so schlecht ist, da� du auch nach einer Wiederholung durch mich nicht alles aufsagen kannst... Nun ja, dar�ber reden wir, falls es passiert. H�r zu.</p><p>Beinahe jede kann <emphasis>Tel'aran'rhiod</emphasis> ber�hren, aber nur wenige k�nnen diese Welt wirklich betreten. Von allen Weisen Frauen sind es nur wir vier, die sich hineintr�umen k�nnen, und eure Wei�e Burg hat f�nfhundert Jahre lang keinen Tr�umer mehr hervorgebracht. Es hat nichts mit der Einen Macht zu tun, auch wenn das die Aes Sedai glauben. Ich kann die Macht nicht ben�tzen, genausowenig wie Seana, aber wir sind genauso gute Tr�umg�ngerinnen wie Amys und Melaine. Viele Menschen streifen die Welt der Tr�ume im Schlaf. Weil sie sie nur streifen, erwachen sie mit Gliederrei�en oder Schmerzen, wo sie eigentlich Br�che oder sogar t�dliche Verletzungen aufweisen sollten. Eine Traumg�ngerin jedoch geht vollst�ndig in die Traumwelt hinein, und deshalb sind ihre Verletzungen beim Erwachen auch realer Art. F�r eine, die sich ganz in jener Welt befindet, ob sie nun eine Traumg�ngerin ist oder nicht, bedeutet der Tod dort auch den Tod hier. Zu vollst�ndig in den Traum einzugehen bedeutet aber, den Kontakt mit dem K�rper hier in der wirklichen Welt zu verlieren. Es gibt dann keinen Weg zur�ck, und der K�rper stirbt. Man erz�hlt, da� es einst Menschen gab, die k�rperlich in die Traumwelt gehen konnten und sich �berhaupt nicht mehr hier befanden. Das war eine schlimme Sache, denn sie taten Unrecht dort. Niemand darf das wieder tun. Selbst wenn du glauben solltest, da� es dir m�glich ist, darfst du es nicht tun, denn jedesmal verlierst du einen Teil deiner Menschlichkeit. Du mu�t lernen, nach <emphasis>Tel'aran'rhiod</emphasis> zu gehen, wann du es w�nscht und in dem von dir gew�nschten Ma�. Du mu�t lernen, dort aufzusp�ren, was du suchst, und zu interpretieren, was du siehst, in die Tr�ume eines anderen Menschen deiner N�he einzudringen, um eine Heilung zu beschleunigen, die zu erkennen, die sich soweit im Traum befinden, da� sie dir schaden k�nnen... � Egwene lauschte aufmerksam. Das faszinierte sie, wenn sie diese Andeutungen auf Dinge h�rte, die sie niemals f�r m�glich gehalten h�tte, nun, und au�erdem hatte sie nicht die Absicht, Geschirr abzuwaschen. Irgendwie war das alles nicht gerecht. Was Rand und Mat und die anderen auch in Rhuidean erwarten mochte, zumindest schickte man sie nicht in die K�che zum Geschirrabwaschen. <emphasis>Und ich war auch noch einverstanden!</emphasis> Es war einfach ungerecht. Aber andererseits bezweifelte sie, da� die anderen in Rhuidean mehr erfahren w�rden als sie hier von diesen Frauen.</p></section><section><title><p>24</p><p>Rhuidean</p></title><p>Der glatte Kieselstein in Mats Mund brachte darin keine Feuchtigkeit mehr hervor. Seit mehreren Minuten war sein Mund vollst�ndig ausgetrocknet. Er spuckte den Kiesel aus, hockte sich neben Rand und betrachtete die Nebelwand, die vielleicht drei�ig Schritt vor ihnen emporquoll. Er hoffte, da� es drinnen k�hler sein m�ge als hier drau�en. Und ein wenig Wasser w�re auch nicht schlecht. Seine Lippen waren aufgesprungen. Er zog sich das Tuch vom Kopf und wischte sich das Gesicht damit ab, aber selbst der Schwei� fehlte, um es zu befeuchten. In seinem K�rper konnte sich ja wohl auch nicht mehr viel Schwei� befinden. Ein Fleck zum Hinsetzen w�re sch�n. Seine F��e vermittelten ihm ein Gef�hl, als habe er sie gegen hei�e W�rstchen eingetauscht, die nun in seinen Stiefeln steckten. Doch was das betraf, war sein ganzer K�rper mittlerweile gut durchgebraten. Der Nebel erstreckte sich nach rechts und nach links mehr als eine Meile weit, und er ragte wie eine Klippe hoch �ber ihnen auf. Eine dichte Nebelklippe mitten in einem hitzegl�henden, unfruchtbaren Tal. Dort drinnen mu�te es einfach Wasser geben.</p><p><emphasis>Warum verdunstet der Nebel nicht?</emphasis> Das gefiel ihm gar nicht. Mit der Macht herumzuspielen, das hatte ihn hierhergebracht, und jetzt schien es, als w�rde er sie nicht mehr los. <emphasis>Licht, ich will nichts mehr von der Macht und den Aes Sedai wissen! Seng mich, ich habe die Nase voll!</emphasis> Er tat alles, um nicht daran denken zu m�ssen, da� er in diesen Nebel hineinmu�te. Nur noch eine Minute. �Das war ganz eindeutig Egwenes Aielfreundin, die ich habe vorbeilaufen sehen�, kr�chzte er. Laufen! Und das in dieser Hitze! Wenn er nur daran dachte, schmerzten ihn die F��e gleich noch mehr. �Aviendha oder wie sie hei�en mag.� �Wenn du meinst�, sagte Rand und blickte in den Nebel hinein. Es klang, als sei sein Mund mit Staub gef�llt. Sein Gesicht war sonnenverbrannt und auch im Kauern schwankte er ein wenig. �Aber was macht sie denn hier unten? Und noch dazu nackt?� Mat gab es auf. Rand hatte sie nicht gesehen. Er hatte kaum etwas anderes gesehen als den Nebel, seit sie losgegangen waren. Und dazu glaubte er Mat nicht, da� der sie gesehen habe. Wie eine Verr�ckte herunterrennen und einen weiten Bogen um sie beide machen. Wie es ihm schien, war auch sie auf diesen eigenartigen Nebel zugelaufen. Rand hatte es anscheinend auch nicht eiliger als er, dort hineinzugehen. Er fragte sich, ob er genauso schlecht aussehe wie Rand. Als er seine Wange mit einem Finger ber�hrte, st�hnte er leicht auf. Das durfte Rands Zustand in etwa entsprechen.</p><p>�Sollen wir vielleicht die ganze Nacht �ber hier drau�en bleiben? Dieses Tal ist ziemlich tief eingeschnitten. In ein paar Stunden wird es hier dunkel sein. Vielleicht ist es dann k�hler, aber ich m�chte nicht gern dem begegnen, was hier m�glicherweise nachts heruml�uft. L�wen oder �hnliches. Ich habe geh�rt, da� es in der W�ste L�wen gibt.� �Bist du sicher, da� du wirklich mitkommen willst, Mat?</p><p>Du hast geh�rt, was die Weisen Frauen sagten. Du k�nntest drinnen sterben oder wahnsinnig werden. Noch kannst du bis zur Nacht die Zelte wieder erreichen. Die Wasserflaschen und ein Beutel mit Wasser sind noch an Pips' Sattel.� Er verw�nschte Rand, weil der ihn daran erinnern mu�te. Am besten war es, gar nicht an Wasser zu denken. �Seng mich, nein, ich will nicht zur�ck. Ich <emphasis>mu�</emphasis> weiter. Wie steht es denn mit dir? Reicht es dir nicht, der verfluchte Wiedergeborene Drache zu sein? Mu�t du auch noch so ein verdammter Aiel-Clanh�uptling werden? Warum bist du eigentlich sonst hier?� �Ich mu�te hierherkommen, Mat. Ich mu�te.� Resignation schwang in seiner Stimme mit, und noch etwas anderes dazu: eine Andeutung von Ungeduld. Der Mann war tats�chlich verr�ckt. Er <emphasis>wollte</emphasis> das tun!</p><p>�Rand, vielleicht geben sie einfach diese Antwort jedem, der danach fragt. Dieses Schlangengez�cht meine ich. Geh nach Rhuidean. Vielleicht m��ten wir das gar nicht tun.� Er glaubte es selbst nicht, aber wenn man diesem Nebel gegen�berstand...</p><p>Rand drehte den Kopf herum und sah ihn an. Er sagte nichts. Schlie�lich aber �ffnete er doch den Mund und brachte heraus: �Sie haben mir gegen�ber niemals Rhuidean erw�hnt, Mat.� �Ach, seng mich�, knurrte er. Auf die eine oder andere Art mu�te er einen Weg zur�ck durch diese verdrehte T�r in Tear finden, diesen <emphasis>Ter'Angreal.</emphasis> Abwesend kramte er in seiner Manteltasche herum und zog die Goldmark aus Tar Valon hervor. Er lie� sie �ber seinen Handr�cken rollen und steckte sie dann wieder weg. Diese Schlangenwesen mu�ten ihm noch ein paar Antworten geben, ob sie wollten oder nicht. Irgendwie.</p><p>Ohne ein weiteres Wort erhob sich Rand und ging mit unsicheren Schritten auf die Nebelwand zu, die Augen stur geradeaus gerichtet. Mat eilte ihm hinterher. <emphasis>Seng mich. Seng mich, aber ich will nicht!</emphasis></p><p>Rand schritt direkt in den dichten Nebel hinein, aber Mat z�gerte erst einen Augenblick, bis er ihm folgte. Es konnte nur die Macht sein, die diesen Nebel hier festhielt. Die R�nder wallten wohl m�chtig auf, doch er r�hrte sich weder vorw�rts noch r�ckw�rts. Die verfluchte Macht und kein Ausweg. Der erste Schritt hinein brachte herrliche Erleichterung: es war k�hl und feucht. Er �ffnete den Mund, um seine Zunge vom Nebel befeuchten zu lassen. Drei weitere Schritte, und er begann, sich Sorgen zu machen. Vor seiner Nasenspitze lag nur eint�niges Grau. Er konnte noch nicht einmal einen Schatten von Rand erkennen.</p><p>�Rand?� Es war, als stamme das Wort gar nicht aus seinem eigenen Mund; der Nebel schien es beinahe schon zu verschlucken, bevor es das eigene Ohr erreichte. Er war nicht mehr sicher, in welcher Richtung er weitergehen sollte, und sonst hatte er doch immer seinen Weg gefunden. Alles m�gliche konnte sich da vor ihm befinden. Oder unter seinen F��en. Er konnte nicht einmal die sehen; der Nebel verbarg alles unterhalb seiner G�rtellinie. Trotzdem schritt er nun etwas schneller voran. Und mit einemmal war er drau�en und stand neben Rand in seltsam schattenloser Beleuchtung.</p><p>Der Nebel w�lbte sich �ber ihnen wie eine riesige Kuppel und verbarg den Himmel. Die sich st�ndig ver�ndernde Innenfl�che des Nebels strahlte in grellem Hellblau. Rhuidean war keineswegs so gro� wie Tear oder Caemlyn, aber die leeren Stra�en geh�rten zu den breitesten, die er je gesehen hatte. In ihrer Mitte verlief jeweils ein breiter Streifen blanken Erdbodens, als w�ren dort einst B�ume gewachsen. Auch gro�e Brunnen mit Statuen standen hier und dort. An den Stra�en entlang zogen sich riesige Geb�ude, eigenartige Pal�ste aus Marmor und Kristall und geschliffenem Glas, die Hunderte von Fu� emporragten, entweder in Stufenform gebaut oder in einem St�ck mit endlos scheinenden, senkrechten W�nden. Kein einziges kleines Geb�ude war zu sehen, nichts, was auf eine einfache Taverne oder Schenke oder einen Stall schlie�en lie�. Nur enorme Pal�ste mit schimmernden, f�nfzig Fu� dicken S�ulen in Rot oder Wei� oder Blau, die Hunderte Schritt hoch, oder mit runden oder spiralf�rmig gebauten T�rmen darauf, von denen einige in die gl�henden Wolken �ber ihnen hineinstachen.</p><p>Trotz all ihrer Pracht war der Bau dieser Stadt niemals beendet worden. Viele der riesigen Geb�ude endeten abrupt wie verlassene Rohbauten. In einigen der hohen und breiten Fenster gl�nzten bunte Glasbilder: ernste und majest�tische M�nner und Frauen, drei�ig Fu� hoch und mehr, oder Sonnenaufg�nge und dann wieder sternen�bers�te Nachthimmel. Die meisten Fenster�ffnungen allerdings waren leer. Unvollendet und schon lange verlassen. In keinem der Brunnen pl�tscherte Wasser. Schweigen lag �ber der Stadt, genauso wie jener erdr�ckende Nebeldom. Die Luft war k�hler als au�erhalb, jedoch genauso trocken. Der Staub auf den hellen, glatten Pflastersteinen knirschte unter seinen Stiefelsohlen.</p><p>Trotzdem trabte Mat hin�ber zum n�chsten Brunnen. Es konnte ja vielleicht doch sein... Er beugte sich �ber die h�fthohe, wei�e Umrandung. Drei unbekleidete Frauen, alle doppelt so gro� wie er, hielten mit ihren Steink�pfen einen eigenartigen Fisch mit breitem Maul hoch und sp�hten dabei hinunter in ein weites, staubiges Bassin, das genauso trocken war wie sein Mund.</p><p>�Nat�rlich�, sagte Rand hinter ihm. �Ich h�tte gleich daran denken sollen.� Mat sah sich nach ihm um. �Woran h�ttest du denken sollen?� Rand blickte den Brunnen an und sch�ttelte sich in lautlosem Lachen. �Beherrsche dich bitte, Rand. Du bist doch nicht innerhalb einer Minute �bergeschnappt. Also, woran h�ttest du nun denken sollen?� Ein hohles Gurgeln lie� Mats Blick zum Brunnen zur�ckhuschen. Mit einemmal str�mte Wasser aus dem Fischmaul. Der Strahl war so dick wie sein Oberschenkel. Er kletterte in das Bassin und stellte sich mit zur�ckgelegtem Kopf und offenem Mund unter den Schwall. Kaltes, herrliches Wasser, kalt genug, um ihn zum Zittern zu bringen, und s��er als Wein. Es durchtr�nkte sein Haar, seinen Mantel, seine Hose. Er trank, bis er nicht mehr konnte, taumelte schlie�lich unter dem Strahl hervor und lehnte sich an ein steinernes Frauenbein.</p><p>Rand stand immer noch da und sah den Brunnen an. Sein Gesicht war rot, die Lippen aufgesprungen, und er lachte leise. �Kein Wasser, Mat. Sie sagten, wir k�nnten kein Wasser mitnehmen, aber sie sagten nichts von dem, was hier zu finden war.� �Rand. Willst du nichts trinken?� Rand fuhr zusammen, und dann stieg er in das mittlerweile kn�cheltief gef�llte Bassin. Er platschte hin�ber, wo Mat gestanden hatte, und trank genau wie der zuvor mit geschlossenen Augen und hochgerecktem Gesicht. So lie� er das Wasser �ber sich str�men.</p><p>Mat beobachtete ihn besorgt. �bergeschnappt war er nicht, noch nicht. Aber wie lang h�tte Rand noch durstig mit ausgetrockneter Kehle, aber lachend dagestanden, wenn er ihn nicht angesprochen h�tte? Mat lie� ihn stehen und kletterte hinaus. Etwas Wasser aus seinen durchtr�nkten Kleidern war ihm in die Stiefel gelaufen. Er ignorierte die N�sse und die Ger�usche bei jedem Schritt; er war sich nicht sicher, ob er jemals wieder in seine Stiefel k�me, wenn er sie einmal ausgezogen hatte. Seine F��e waren zu stark angeschwollen. Au�erdem war es ein angenehmes Gef�hl.</p><p>Er blickte sich in der Stadt um und fragte sich, was er eigentlich hier tat. Diese Leute, dieses Schlangenvolk, hatte behauptet, er w�rde sonst sterben, aber reichte es denn bereits, sich in Rhuidean aufzuhalten? <emphasis>Mu� ich irgend etwas tun? Und was?</emphasis></p><p>Die halbfertigen Pal�ste warfen in dem bla�blauen Lichtschein keinen Schatten auf die breiten Stra�en. Zwischen seinen Schulterbl�ttern juckte es. All diese leeren Fenster�ffnungen, die ihn anstarrten, all diese zahnl�ckigen, unvollendeten D�cher. Dort drinnen konnte sich alles verbergen. An einem Ort wie diesem konnte es alles M�gliche geben... <emphasis>Alles verflucht M�gliche!</emphasis> Er w�nschte sich wenigstens seine Stiefelmesser zur�ck. Aber diese Frauen, diese �weisen� Frauen, hatten ihn angesehen, als w��ten sie, da� er sie heimlich behalten wollte. Und sie hatten die Macht ben�tzt, eine, oder vielleicht auch alle vier. Es w�re nicht gut, Frauen zu hintergehen, die die Macht gebrauchen konnten. <emphasis>Seng mich, wenn ich die Aes Sedai los w�re, w�rde ich vom Leben nichts anderes mehr verlangen. Na ja, jedenfalls f�r eine Weile. Licht, ob sich wohl hier drinnen etwas versteckt?</emphasis></p><p>�Zum Herzen mu� es dort hin�ber gehen, Mat.� Rand kletterte tropfna� aus dem Brunnenbassin.</p><p>�Zum Herzen?� �Die Weisen Frauen sagten, ich m�sse zum Herzen gehen. Sie haben bestimmt das Stadtzentrum gemeint.� Rand blickte zu dem Brunnen zur�ck, und pl�tzlich schrumpfte der Wasserstrahl zu einem blo�en Rinnsal und h�rte dann ganz auf. �Es liegt ein ganzer Ozean von Trinkwasser dort unten begraben. Tief unten. So tief, da� ich es beinahe nicht gefunden h�tte. Wenn ich es an die Oberfl�che bringen k�nnte... Aber es mu� ja nicht verschwendet werden. Wir k�nnen wieder trinken, wenn wir die Stadt verlassen.� Mat trat nerv�s von einem Fu� auf den anderen. <emphasis>Narr! Wo, glaubst du, ist es hergekommen? Nat�rlich hat er die verdammte Macht ben�tzt. Hast du vielleicht geglaubt, es hat einfach wieder zu flie�en angefangen, und das nach so langer Zeit?</emphasis> �Stadtzentrum. Klar doch. Geh du voran.� Sie hielten sich in der Mitte der breiten Stra�e, immer am Rand des kahlen Streifens blanken Erdbodens. Sie kamen an weiteren ausgetrockneten Brunnen vorbei. Manche wiesen lediglich den Sockel auf, auf dem eigentlich eine Statue h�tte stehen sollen. Nichts an dieser Stadt war zerst�rt, nur alles... unvollst�ndig. Die Pal�ste ragten zu beiden Seiten wie Felsw�nde auf. Es mu�ten sich eigentlich Sachen drinnen befinden. Vielleicht M�bel, falls sie nicht mittlerweile verrottet waren. Vielleicht auch Gold? Messer. Messer w�rden bei dieser trockenen Luft nicht rosten, gleich, wie lang sie dort lagen.</p><p><emphasis>Es k�nnte ja sogar ein verflachter Myrddraal da drinnen stecken, ohne da� ich es wei�. Licht, warum mu�te ich nur an sowas denken?</emphasis> Wenn er nur daran gedacht h�tte, einen Bauernspie� mitzubringen, als er den Stein verlie�. Vielleicht h�tte er den Weisen Frauen vormachen k�nnen, es sei ein Wanderstock. Na ja, jetzt war es zu sp�t daf�r. Ein Baum w�rde auch gen�gen, falls er einen Weg f�nde, einen kr�ftigen Ast abzubrechen und zurechtzuschnitzen. Schon wieder �falls�. Er fragte sich, ob diejenigen, die diese Stadt erbaut hatten, auch irgendwo B�ume angepflanzt haben mochten. Er hatte lange genug auf dem Hof seines Vaters gearbeitet, um guten Boden von schlechtem unterscheiden zu k�nnen, wenn er ihn sah. Diese langen Streifen offenen Erdbodens hier waren schlecht. Au�er Unkraut w�rde hier nicht viel wachsen, und selbst daf�r war der Boden kaum gut genug. Jetzt wuchs jedenfalls �berhaupt nichts hier.</p><p>Nachdem sie etwa eine Meile weit gelaufen waren, m�ndete die Stra�e pl�tzlich in einen Platz. Er ma� wohl beinahe eine ganze Meile im Durchmesser und war von diesem Marmor- und Kristallpal�sten eingerahmt. �berraschenderweise stand mitten auf diesem riesigen Platz ein Baum, gut hundert Fu� hoch, und er streckte seine dicken, dicht mit Laub bewachsenen �ste �ber staubige, wei�e Pflastersteine. In seiner N�he standen, in beinahe konzentrischen Kreisen angeordnet, durchsichtige, glitzernde Glass�ulen. Sie waren fast so hoch wie der Baum und, gemessen an ihrer L�nge, d�nn wie Nadeln. Wenn ihm Zeit geblieben w�re, h�tte er sich vielleicht gefragt, wie ein Baum hier ohne Sonnenlicht gedeihen konnte, aber er war zu sehr damit besch�ftigt, sich in dem unbeschreiblichen Durcheinander auf dem Platz umzusehen.</p><p>Von jeder Stra�e aus, die Mat entdecken konnte, f�hrte eine freie Gasse hin zu den S�ulenringen, aber dazwischen standen wild verstreut Statuen, manche menschengro�, manche auch nur halb so gro�, manche aus Stein, andere aus Kristall oder Metall. Alle machten irgendwie den Eindruck... Er wu�te nicht, wie er es ausdr�cken sollte. Da stand ein flacher Silberring, zehn Fu� im Durchmesser und d�nn wie eine Messerklinge. Ein Kristallsockel, einen Schritt hoch, h�tte dazu dienen k�nnen, eine der kleineren Statuen zu tragen. Eine gl�nzend schwarze Metallanze, schmal und genauso lang wie ein Wurfspeer, stand auf einem Ende, als habe sie dort Wurzeln geschlagen. Hunderte von Dingen standen dort herum, vielleicht Tausende, in jeder vorstellbaren Form, aus jedem m�glichen Material. Der ganze riesige Platz war �bers�t davon, da� zwischen den einzelnen Gegenst�nden kaum einmal ein Dutzend Fu� freien Raums lagen.</p><p>Es war dieser unnat�rlich aufrecht stehende schwarze Metallspeer, der ihm mit einemmal klar werden lie�, was all diese Gegenst�nde sein mu�ten: <emphasis>Ter'Angreal.</emphasis> Irgendwelche Gegenst�nde jedenfalls, die mit der Macht zu tun hatten. Wenigstens ein paar davon. Diese verdrehte Steint�r in der Gro�en Sammlung im Stein war auch nicht umgefallen.</p><p>Er war drauf und dran, umzukehren und zur�ckzugehen, aber Rand ging weiter und beachtete kaum, was an seinem Weg lag. Einmal blieb Rand stehen und sah zwei Figuren an, die kaum einen Platz zwischen all den anderen Dingen verdient zu haben schienen. Die beiden Statuetten stellten einen Mann und eine Frau dar, von denen jedes in einer erhobenen Hand eine Glaskugel trug. Er b�ckte sich halbherzig, als wolle er sie ber�hren, richtete sich aber dann so schnell auf, da� Mat beinahe glaubte, er habe sich das B�cken nur eingebildet.</p><p>Nach einer Minute kam Mat hinterher. Er beeilte sich, um Rand wieder einzuholen. Je n�her sie diesen schimmernden S�ulenringen kamen, desto mehr verkrampfte er. All diese Dinge in ihrer Umgebung hatten mit der Macht zu tun, genau wie diese S�ulen. Das wu�te er einfach. Diese unm�glich hohen und d�nnen Sch�fte glitzerten in der bl�ulichen Beleuchtung und blendeten das Auge. <emphasis>Sie haben blo� gesagt, da� ich hierherkommen m�sse. Also, jetzt bin ich hier. Sie haben nichts von der verfluchten Macht erw�hnt.</emphasis></p><p>Rand blieb so �berraschend stehen, da� Mat sich drei Schritt n�her als er bei den S�ulen befand, bevor ihm das klar wurde. Dann sah Mat, da� Rand den Baum anstarrte. Den Baum. Mat ging wie magisch angezogen auf ihn zu. Kein Baum hatte solch dreifingrige Bl�tter. Keiner au�er einem; einem legend�ren Baum.</p><p><emphasis>�Avendesora�,</emphasis> sagte Rand leise. �Der Baum des Lebens. Hier steht er also.� Unter den weitgespreizten Zweigen h�pfte Mat hoch und versuchte, an eines dieser Bl�tter zu kommen, doch seine ausgestreckten Finger erreichten auch die am niedrigsten h�ngenden Bl�tter bei weitem nicht. Also ging er wenigstens weiter unter dieses gr�ne Dach und lehnte sich an den m�chtigen Stamm. Einen Augenblick sp�ter lie� er sich hinabgleiten und setzte sich hin, gegen den Baum gelehnt. Die alten Geschichten hatten recht gehabt. Er empfand... Zufriedenheit. Frieden. Wohlbefinden. Selbst seine F��e schmerzten kaum noch.</p><p>Rand setzte sich mit untergeschlagenen Beinen in seine N�he. �Ich kann die Legenden schon verstehen. Ghoetam, wie er vierzig Jahre lang unter <emphasis>Avendesora</emphasis> sa�, um Weisheit zu erlangen. In diesem Moment kann ich das verstehen.� Mat lie� seinen Kopf an den Stamm sinken. �Ich wei� nicht, ob ich mich darauf verlassen w�rde, da� mir die V�gel etwas zu essen bringen. Irgendwann mu� man schon mal aufstehen.� <emphasis>Aber eine Stunde oder so w�re nicht schlecht. Oder ein ganzer Tag.</emphasis> �Es ergibt sowieso keinen Sinn. Welche Art von Lebensmitteln k�nnten V�gel schon hierherbringen? Und was f�r V�gel?� �Vielleicht hat Rhuidean nicht immer so ausgesehen, Mat. Vielleicht... Ich wei� es nicht. Vielleicht befand sich damals <emphasis>Avendesora</emphasis> woanders.� �Woanders�, murmelte Mat. �Ich h�tte nichts dagegen, woanders zu sein.� <emphasis>Aber... es ist ein... sch�nes Gef�hl.</emphasis></p><p>�Woanders?� Rand drehte sich um und betrachtete die gl�nzenden, d�nnen und hohen S�ulen, die ganz in ihrer N�he schimmerten. �Die Pflicht ist schwerer als ein Berg�, seufzte er.</p><p>Das war Teil eines Sprichworts, das er in den Grenzlanden aufgeschnappt hatte. �Der Tod ist leichter als eine Feder, die Pflicht schwerer als ein Berg.� F�r Mat klang das lediglich dumm, aber Rand stand tats�chlich auf.</p><p>Z�gernd tat Mat es ihm nach. �Was glaubst du, werden wir dort drinnen finden?� �Ich glaube, von hier an mu� ich allein weitergehen�, sagte Rand bed�chtig.</p><p>�Was meinst du damit?� wollte Mat wissen. �Ich bin so weit mitgekommen, oder? Ich werde doch jetzt nicht kneifen.� <emphasis>Und wie gern w�rde ich das!</emphasis></p><p>�Das ist es nicht, Mat. Wenn du dort hineingehst, kommst du entweder als Clanh�uptling heraus, oder du bist tot. Oder auch wahnsinnig. Ich glaube nicht, da� es einen anderen Ausweg gibt. H�chstens, falls die Weisen Frauen auch hineingehen.� Mat z�gerte. <emphasis>Sterben und wieder leben.</emphasis> Das hatten sie gesagt. Er hatte nicht die Absicht, Clanh�uptling bei den Aiel zu werden. Wenn er es versuchte, w�rden ihm die Aiel wahrscheinlich ein paar Speere in den Bauch stecken. ��berlassen wir es dem Gl�ck�, sagte er und zog wieder die Goldmark aus Tar Valon aus seiner Manteltasche. �Wird wohl langsam mein Gl�cksbringer. Flamme, dann gehe ich mit dir hinein. Kopf, und ich bleibe drau�en.� Er warf die Goldm�nze schnell hoch, bevor Rand etwas einwenden konnte.</p><p>Irgendwie schaffte er es nicht, die M�nze aufzufangen. Sie fiel von seinen Fingerspitzen auf das Pflaster hinunter, �berschlug sich zweimal... Und dann landete sie genau auf der Kante.</p><p>Er blickte Rand anklagend an. �Machst du so was absichtlich? Kannst du dich nicht beherrschen?� �Nein.� Die M�nze kippte um und zeigte das alterslose Gesicht einer Frau, das von Sternen umgeben war. �Es sieht so aus, als m��test du hier drau�en bleiben, Mat.� �Hast du gerade...?� Er w�nschte sich, da� Rand in seiner Gegenwart die Macht nicht ben�tzte. �Ach, seng mich, wenn du willst, da� ich drau�en bleibe, dann bleibe ich eben hier.� Er schnappte sich die M�nze und steckte sie in die Tasche zur�ck. �H�r mal, du gehst jetzt hinein, tust, was immer du tun mu�t, und kommst wieder heraus. Ich will hier wieder weg, und ich werde nicht ewig herumstehen und D�umchen drehen, w�hrend ich auf dich warte. Und du brauchst gar nicht zu glauben, da� ich hinterherkomme; also gib gef�lligst auf dich acht.� �Das erwarte ich auch gar nicht von dir, Mat�, sagte Rand.</p><p>Mat sah ihn mi�trauisch an. Warum grinste er so? �Solange es klar ist, da� ich nicht hinterherkomme. Ach, geh schon los und la� dich zu einem verdammten Aielh�uptling machen. Du siehst schlie�lich so aus.� �Geh dort nicht hinein, Mat. Was auch geschieht, geh nicht hinein.� Er wartete, bis Mat genickt hatte, und dann wandte er sich ab.</p><p>Mat stand da und beobachtete, wie er zwischen die glitzernden S�ulen schritt. In diesem sich st�ndig �ndernden Glei�en verschwand er beinahe augenblicklich. <emphasis>Eine optische T�uschung,</emphasis> sagte sich Mat. <emphasis>Das war alles. Eine verfluchte optische T�uschung.</emphasis></p><p>Er begann, um das ganze Areal herumzugehen, wobei er allerdings auf Abstand hielt, um noch einen Blick auf Rand zu erhaschen. �Pa� gef�lligst auf, was du, verdammt noch mal, tust!� schrie er. �Wenn du mich in der W�ste mit Moiraine und den verfluchten Aiel alleinl��t, werde ich dich erw�rgen, ob du nun der Wiedergeborene Drache bist oder nicht!� Etwas sp�ter f�gte er hinzu: �Ich komme dir nicht nach, wenn du in Schwierigkeiten ger�tst! Verstehst du?� Keine Antwort. <emphasis>Wenn er in einer Stunde nicht heraus ist...</emphasis> �Er spinnt, da� er da hineingeht�, knurrte er. �Also, ich werde nicht derjenige sein, der ihm die Kastanien aus dem Feuer holt. Er kann schlie�lich die Macht ben�tzen. Wenn er schon den Kopf in ein Hornissennest steckt, kann er auch, verdammt noch mal, mit der Macht wieder herauskommen.� <emphasis>Ich werde ihm eine Stunde geben.</emphasis> Und dann w�rde er gehen, ob Rand zur�ck nun war oder nicht. Sich einfach umdrehen und gehen. Einfach so. So w�rde er es machen. Sicher.</p><p>So, wie diese d�nnen Glass�ulen das bl�uliche Licht brachen und reflektierten, reichte es schon, angestrengt hinzusehen, und er bekam Kopfschmerzen. Er wandte sich ab und ging denselben Weg zur�ck. Nerv�s betrachtete er die <emphasis>Ter'Angreal</emphasis> � oder was sie auch sonst sein mochten �auf dem Platz. Was machte er eigentlich hier? Warum sollte er hierherkommen?</p><p>Unvermittelt blieb er stehen und betrachtete eines dieser fremdartigen Objekte genauer. Es war ein hoher T�rrahmen aus gl�nzendem Sandstein, der auf irgendeine Art verdreht wirkte, so, als gleite sein Blick immer daran ab. Langsam ging er hin, zwischen glitzernden Kristalls�ulen hindurch, die genauso hoch waren wie er gro�, vorbei an niedrigen goldenen St�ndern, auf denen anscheinend Glasscheiben lagen, bemerkte das alles kaum und blickte starr den T�rrahmen an.</p><p>Es war der gleiche. Der gleiche mattgl�nzende Sandsteinrahmen, die gleiche Gr��e, die gleichen verschwommenen Kanten, die den Augen weh taten. An den Senkrechten befanden sich jeweils drei Reihen von Dreiecken mit den Spitzen nach unten. Waren die auch auf jenem <emphasis>Ter'Angreal</emphasis> in Tear gewesen? Er konnte sich nicht daran erinnern. Beim letztenmal hatte er nicht versucht, sich irgendwelche Einzelheiten einzupr�gen. Es <emphasis>war</emphasis> aber der gleiche, bestimmt. Vielleicht konnte er den anderen kein zweites Mal ben�tzen, aber den hier... ? Eine neue Chance, zu den Schlangenmenschen zu kommen und sie dazu zu bringen, ihm noch ein paar weitere Fragen zu beantworten.</p><p>Er blinzelte m�hsam in das Glitzern hinein, und dann blickte er zu den S�ulen zur�ck. Er hatte Rand eine Stunde gegeben. In einer Stunde konnte er mit Leichtigkeit da drinnen gewesen und wieder zur�ck sein. Vielleicht w�rde es bei ihm auch gar nicht funktionieren, da er ja den Zwilling dazu ben�tzt hatte. <emphasis>Das sind wirklich die gleichen.</emphasis> Andererseits, es k�nnte ja doch klappen. Es bedeutete eben nur, da� er es wieder mit der Macht zu tun bek�me.</p><p>�Licht�, grollte er. <emphasis>�Ter'Angreal.</emphasis> Portalsteine. Rhuidean. Was kann da einmal mehr schon noch schaden?� Er trat durch die T�r�ffnung. Durch eine Mauer blendend wei�en Lichts. Durch ein so gewaltiges Dr�hnen, da� jeder Laut davon erstickt wurde.</p><p>Blinzelnd sah er sich um und verbi� sich gerade noch den r�desten Fluch, den er kannte. Wo er sich hier auch befinden mochte, jedenfalls war es nicht der Ort, an dem er damals gewesen war.</p><p>Die verdrehte T�r stand in der Mitte eines gro�en Saals, der die Form eines Sterns zu haben schien, soweit er das trotz der vielen dicken S�ulen feststellen konnte, von denen jede acht tiefe Rillen aufwies. Die scharfen Kanten dieser Rillen waren gelb und gl�hten leicht. Ansonsten waren die S�ulen gl�nzend schwarz und erhoben sich aus einem matt wei�en Fu�boden bis hinein in die verschwommene D�mmerung hoch �ber ihm, wo selbst die gelben Streifen der Kanten verbla�ten. Die S�ulen und der Fu�boden sahen aus, als seien sie aus Glas gefertigt, aber als er sich b�ckte und mit der Hand �ber den Fu�boden strich, f�hlte er sich wie Stein an. Staubiger Stein. Er wischte sich die Hand am Mantel ab. Die Luft roch muffig, und seine Fu�spuren waren das einzige, was sich im Staub abzeichnete. Hier war sehr lange Zeit �ber niemand gewesen.</p><p>Entt�uscht wandte er sich wieder dem <emphasis>Ter'Angreal</emphasis> zu.</p><p>�Eine sehr lange Zeit.� Mat wirbelte herum und griff unwillk�rlich an seinen �rmel, um ein Messer zu ziehen, das weit weg an einem Berghang lag. Der Mann, der nun zwischen den S�ulen stand, sah nicht aus wie einer aus diesem Schlangenvolk. Mat bedauerte bei seinem Anblick, da� er selbst die letzten Messer den Weisen Frauen geopfert hatte.</p><p>Der Bursche war gro�, noch gr��er als die Aiel, und sehnig, doch seine Schultern waren zu breit f�r die schmale Taille, und die Haut war so wei� wie das feinste Papier. Er hatte sich helle, mit Silbernieten verzierte Lederstreifen �ber die blo�e Brust und die Arme geschnallt, und ein schwarzer Kilt hing ihm bis �ber die Knie. Seine Augen waren zu gro� und beinahe farblos. Sie sa�en tief eingebettet in einem schmalen Gesicht. Das kurzgeschnittene, bla�r�tliche Haar stand wie eine B�rste hoch, und seine eng anliegenden Ohren liefen oben in einer angedeuteten Spitze aus. Er beugte sich ein wenig vor, atmete tief ein und �ffnete den Mund, um noch mehr Luft einatmen zu k�nnen. Scharfe wei�e Z�hne blitzten Mat an.</p><p>Der ganze Eindruck, den Mat von ihm hatte, war der eines Fuchses, der ein Huhn in die Enge getrieben hat.</p><p>�Eine sehr lange Zeit�, sagte er und richtete sich auf. Seine Stimme klang rauh, beinahe wie ein Grollen. �Haltet Ihr euch an die Vertr�ge und Absprachen? Tragt Ihr Eisen oder Musikinstrumente oder Ger�te bei Euch, mit denen man Licht machen kann?� �Ich habe nichts von alledem bei mir�, sagte Mat bed�chtig. Es war wohl nicht der gleiche Ort, aber der Bursche stellte die gleichen Fragen. Und er verhielt sich genauso wie der andere damals, als wittere er etwas in ihm. <emphasis>Kramt in meinen verdammten Erinnerungen herum, oder? Na ja, soll er mal. Vielleicht l�st er manches, so da� ich mich dann auch wieder daran erinnern kann.</emphasis> Er fragte sich, ob er selbst wieder die Alte Sprache gebrauche. Es war unangenehm, nicht einmal sagen zu k�nnen, welche Sprache man selber ben�tzte. �Wenn Ihr mich an einen Ort bringen k�nnt, an dem man mir einige Fragen beantwortet, dann geht voran. Wenn nicht, gehe ich eben wieder und entschuldige mich, Euch bel�stigt zu haben.� �Nein!� Diese gro�en farblosen Augen blinzelten erregt. �Ihr d�rft nicht gehen. Kommt. Ich bringe Euch dorthin, wo Ihr findet, was Ihr sucht. Kommt.� Er bewegte sich r�ckw�rts, um den Weg freizugeben, und fuchtelte mit beiden H�nden. �Kommt.� Mat sah noch einmal den <emphasis>Ter'Angreal</emphasis> an und folgte ihm dann. Er w�nschte, der Mann h�tte ihn nicht so eigenartig angegrinst. Vielleicht sollte es nur beruhigend wirken, aber diese Z�hne... Mat entschlo� sich, niemals wieder <emphasis>alle</emphasis> seine Messer herzugeben, weder den Weisen Frauen noch der Amyrlin selbst.</p><p>Die gro�e f�nfeckige T�r wirkte eher wie ein Tunneleingang, denn der Korridor dahinter hatte genau die gleiche Gr��e und Form. Sanft gl�hende gelbe Streifen zogen sich an den Kanten von Fu�boden und Decke entlang. Er schien �berhaupt nicht aufh�ren zu wollen. Von Zeit zu Zeit kamen sie an weiteren gro�en, f�nfeckigen T�ren vorbei. Der Mann im Kilt drehte sich nicht um, bis sie ein ganzes St�ck weit durch den Gang geschritten waren, dann aber blickte er nerv�s immer wieder �ber seine Schulter zur�ck, als wolle er sich vergewissern, da� Mat noch da sei. Die Luft roch nicht mehr muffig, aber es lag etwas Unangenehmes darin, etwas Vertrautes, das er aber nicht genau definieren konnte.</p><p>Im Vor�bergehen blickte Mat durch die erste T�r und seufzte. Jenseits von sternf�rmigen schwarzen S�ulen stand ein verdrehter Sandsteint�rrahmen auf mattem, glasigem, wei�em Fu�boden, und im Staub zeichneten sich die Spuren eines Stiefelpaares ab, die vom <emphasis>Ter'Angreal</emphasis> her zur T�r f�hrten, wo ein zweites Paar Abdr�cke blo�er F��e sich vor sie schob. Er blickte sich nach hinten um. Statt etwa f�nfzig Schritt hinter ihm an einer gleichartigen T�r zu enden, zog sich der Korridor endlos hin in einem Spiegelbild dessen, was vor ihm lag. Sein F�hrer l�chelte ihn mit spitzen Z�hnen an. Der Bursche wirkte hungrig.</p><p>Er wu�te, da� er �hnliches hatte erwarten m�ssen, wenn er aus dem schlo�, was er in Tear auf der anderen Seite der T�r gesehen hatte. Diese T�rme, die einmal hier waren und dann wieder an einem Ort, wo sie sich eigentlich nicht befinden durften... Was T�rmen recht war, konnte diesen R�umen ja nur billig sein. <emphasis>Ich h�tte drau�en bleiben und auf Rand warten sollen, jawohl. Ich h�tte schon soviel anders machen sollen.</emphasis> Wenigstens w�rde es ihm nicht schwerfallen, den <emphasis>Ter'Angreal</emphasis> wiederzufinden, falls es bei allen T�ren immer das gleiche war.</p><p>Er sp�hte durch die n�chste T�r und sah schwarze S�ulen, den steinernen <emphasis>Ter'Angreal</emphasis> und seine sowie seines F�hrers Fu�spuren im Staub. Als sich der Mann mit dem schmalen Gesicht wieder nach ihm umdrehte, l�chelte ihn Mat mit gebleckten Z�hnen an. �Glaubt niemals, da� Ihr ein Baby in Eurer Schlinge gefangen habt. Wenn Ihr versucht, mich hereinzulegen, ben�tze ich Eure Haut als Satteldecke.� Der Bursche fuhr zusammen. Seine blassen Augen weiteten sich, doch dann zuckte er die Achseln und zog die Riemen auf seiner Brust zurecht. Sein sp�ttisches Grinsen schien die Geste noch unterstreichen zu wollen. Pl�tzlich fragte sich Mat, was das eigentlich f�r blasses Leder sein mochte. Doch sicherlich nicht... <emphasis>O Licht, ich glaube, das ist es.</emphasis> Er hielt sich gerade noch davon ab, schwerf�llig zu schlucken, aber nur gerade eben. �Geht weiter, Ihr Sohn eines Ziegenbocks. Eure Haut ist keine Silbernieten wert. Bringt mich dorthin, wo ich meine Antworten erhalte.� Knurrend und steif schritt der Mann weiter. Mat war es gleich, ob er den Burschen beleidigt hatte. Aber er w�nschte sich wenigstens ein Messer herbei. <emphasis>Ich soll gesengt sein, wenn ich einen fuchsgesichtigen Ziegenabk�mmling aus meiner Haut Riemen machen lasse!</emphasis> Er konnte nicht feststellen, wie lang sie so weitergingen. Der Korridor �nderte sich nie. Die gl�henden gelben Streifen schienen ihnen den Weg in die Unendlichkeit zu weisen. Hinter jeder T�r sah er den gleichen Saal mit <emphasis>Ter'Angreal,</emphasis> Fu�spuren und allem. Durch diese Gleichf�rmigkeit verlor er jedes Zeitgef�hl. Nach einer Weile machte er sich Sorgen, wie lange er schon hier drinnen sei. Doch sicher nicht l�nger als die Stunde, die er sich vorgenommen hatte, oder? Seine Kleider waren nur noch feucht und auch in seinen Stiefeln stand kein Wasser mehr. Er schritt weiter, betrachtete den R�cken seines F�hrers, und schritt weiter.</p><p>Pl�tzlich befanden sie sich am Ende des Korridors vor einer weiteren T�r. Mat blinzelte erstaunt. Er h�tte wetten k�nnen, da� sich der Korridor noch einen Augenblick zuvor bis in d�mmrige Ferne erstreckt hatte. Aber er hatte nat�rlich mehr auf den Burschen mit den scharfen Z�hnen achtgegeben, als auf ihren Weg. Er blickte zur�ck und fluchte. Dort erstreckte sich der Gang so weit, da� die gl�henden gelben Streifen schlie�lich zu einem Punkt verschmolzen. Und �ber die ganze L�nge war keine einzige �ffnung zu erkennen.</p><p>Als er sich wieder umdrehte, stand er ganz allein vor der gro�en f�nfeckigen T�r. <emphasis>Seng mich, so was sollten sie bleiben lassen.</emphasis> Er atmete tief ein und schritt hindurch.</p><p>Er befand sich erneut in einem sternf�rmigen Saal mit wei�em Fu�boden und S�ulen, der allerdings nicht so gro� war wie jener andere � oder jene anderen. Es war ein Stern mit acht Ecken. In jeder Spitze stand ein glasigschwarzes Podest, als habe man jeweils ein St�ck Materials aus einer der S�ulen herausgeschnitten und hingestellt. Gl�hende gelbe Streifen zogen sich an allen Kanten und sogar an den Podesten hoch. Hier war der unangenehme Geruch st�rker, und jetzt erkannte er ihn auch. Es war ein Gestank wie in der H�hle eines Raubtiers. Das nahm er aber nur am Rande wahr, denn als er sich umsah, war der Saal bis auf ihn leer.</p><p>Er drehte sich langsam im Kreis und runzelte die Stirn.</p><p>Sicher sollte dort oben jemand sitzen, der ihm seine Fragen beantworten konnte. Irgendwie war er hereingelegt worden. Wenn er schon hier war, wollte er auch Antworten erhalten.</p><p>Mit einemmal wirbelte er herum und suchte die glatten, grauen W�nde ab. Die T�r war verschwunden, und es f�hrte kein Weg mehr hinaus.</p><p>Doch bevor er sich ein zweites Mal umdrehen konnte, stand pl�tzlich auf jedem Podest jemand, Gestalten wie sein F�hrer, aber anders gekleidet. Vier davon waren M�nner, die anderen Frauen. Ihre B�rstenhaare zogen sich �ber den mittleren Kopfbereich wie ein Kamm und fielen hinten lang auf ihren R�cken hinunter. Alle trugen lange, wei�e R�cke, die ihre F��e verbargen. Die Frauen hatten wei�e, lose Blusen an mit hohen Spitzen-Stehkr�gen und R�schen an den Handgelenken. Die M�nner trugen sogar noch mehr Riemen als sein F�hrer, noch breiter und mit Goldnieten verziert. Von jedem Riemen hing auf der Brust des Tr�gers ein Paar Messer mit blanker Klinge herunter. Der Farbe nach hielt Mat sie f�r Bronzemesser, aber trotzdem h�tte er alles Gold in seinem Besitz f�r nur eines davon hergegeben.</p><p>�Sprecht�, sagte eine der Frauen mit dieser grollenden Stimme. �Beim uralten Pakt werden hier Vereinbarungen getroffen. Was ben�tigt Ihr? Sprecht.� Mat z�gerte. Das hatten die Schlangenmenschen nicht gesagt. Sie starrten ihn alle an wie F�chse, die ihr Abendessen mustern. �Wer ist die Tochter der Neun Monde und warum mu� ich sie heiraten?� Er hoffte, sie w�rden das als eine einzige Frage betrachten.</p><p>Niemand antwortete ihm. Keiner sagte �berhaupt ein Wort. Sie starrten ihn nur weiter mit diesen gro�en, farblosen Augen an.</p><p>�Ich erwarte eine Antwort von Euch�, sagte er. Schweigen. �Seng Eure Knochen zu Asche, antwortet mir! Wer ist die Tochter der Neun Monde und warum mu� ich sie heiraten? Wie kann ich sterben und doch wieder leben? Was bedeutet es, da� ich die H�lfte des Lichts der Welt aufgeben mu�? Das sind meine drei Fragen? Sagt doch irgendwas!� Totenstille. Er h�rte seine eigenen Atemz�ge und, wie das Blut in seinen Ohren pochte.</p><p>�Ich habe nicht die Absicht, zu heiraten. Und ich habe auch nicht die Absicht, zu sterben, ob man nun von mir erwartet, da� ich wieder zum Leben erwache oder nicht. Ich renne herum mit L�chern im Ged�chtnis, L�chern in meinem ganzen Leben, und Ihr starrt mich nur wie einen Idioten an. Wenn es nach mir ginge, w�rden diese L�cher gef�llt, aber wenigstens k�nnten die Antworten auf meine Fragen helfen, ein paar L�cher in meiner Zukunft zu stopfen. Ihr m��t antworten...!� �Gemacht�, grollte einer der M�nner, und Mat ri� die Augen auf.</p><p>Gemacht? Was sollte das nun wieder hei�en? Was meinte er damit? �Seng Eure Augen�, knurrte er. �Seng Eure Seelen! Ihr seid genauso schlimm wie Aes Sedai. Aber ich suche einen Weg, um die Aes Sedai und die Macht loszuwerden, und ich will von hier weg und zur�ck nach Rhuidean, wenn Ihr mir keine Antworten geben k�nnt. Dann �ffnet eben eine T�r und la�t mich... � �Gemacht�, sagte ein anderer Mann und eine der Frauen sprach ihm nach: �Gemacht.� Mat musterte die W�nde, aber keine T�r tauchte auf. So drehte er sich wieder um, bis er alle sehen konnte, die dort auf den Podesten standen und ihn anblickten, und funkelte sie an. �Gemacht? Was ist gemacht? Ich sehe keine T�r. Ihr verlogenen Ziegenabk�mm... � �Narr�, sagte eine der Frauen in einer Art fl�sternden Grollens, und andere wiederholten es: �Narr. Narr. Narr.� �Schlau, sich zu verabschieden, wann man keinen Preis bezahlen, keine Bedingungen erf�llen will.� �Aber ein Narr, der nicht zuerst einmal den Preis festlegt.� �Wir werden den Preis bestimmen.� Sie sprachen so schnell, da� er nicht wu�te, wer gerade gesprochen hatte. �Was verlangt wurde, wird gegeben werden.� �Der Preis wird bezahlt.� �Seng Euch!� schrie er, �wovon redet Ihr eigent... � Absolute Dunkelheit umgab ihn. Irgend etwas legte sich um seinen Hals. Er bekam keine Luft. Luft. Er konnte nicht...</p></section><section><title><p>25</p><p>Die Stra�e zum Speer</p></title><p>Rand zwang sich, ohne zu z�gern zwischen die S�ulen hineinzuschreiten. Es gab jetzt kein Zur�ck mehr, nicht einmal einen Blick zur�ck. <emphasis>Licht, und was soll hier nun geschehen? Wie funktioniert das?</emphasis></p><p>Die S�ulen waren etwa einen Fu� dick und klar wie das feinste Glas. Sie standen in konzentrischen Ringen im Abstand von jeweils drei Schritt oder etwas mehr. Sie bildeten einen Wald blendender Lichtkaskaden und Regenbogenmuster. Hier war die Luft k�hler, so da� er sich w�nschte, er h�tte einen Mantel angezogen, aber der gleiche k�rnige Staub bedeckte die glatten, wei�en Steinplatten unter seinen Stiefeln. Kein Lufthauch regte sich, und doch war da etwas, das ihm jedes Haar an seinem K�rper zu Berge stehen lie�.</p><p>Vor ihm und ein wenig rechts abgesetzt konnte er gerade noch einen anderen Mann sehen, in den typischen Grau- und Braunt�nen der Aiel gekleidet, der steif wie eine Statue im st�ndig wechselnden Lichtschein stand. Das mu�te wohl Muradin sein, Couladins Bruder. So steif und still, wie er dastand, mu�te irgend etwas mit ihm geschehen sein oder geschehen. Trotz des blendenden Lichtspiels konnte Rand seltsamerweise das Gesicht des Aielmannes ganz klar erkennen. Die Augen starrten weit aufgerissen nach vorn und das Gesicht wirkte angespannt, beinahe so, als wolle er jemanden anknurren. Was er auch sehen mochte, es gefiel ihm offensichtlich nicht. Aber Muradin hatte bisher zumindest �berlebt. Wenn er das konnte, konnte Rand es auch. Der Mann war ihm h�chstens sechs oder sieben Schritt weit voraus. Er fragte sich, wieso er und Mat den Mann nicht hineingehen gesehen hatten. Dann tat er einen weiteren Schritt vorw�rts.</p><p>Er blickte aus einem fremden Augenpaar. Den K�rper f�hlte er wohl, beherrschte ihn aber nicht. Der Eigent�mer dieser Augen hockte entspannt zwischen Felsbl�cken an einem kahlen Berghang und blickte auf eigenartige, halbfertige Bauwerke hinunter � <emphasis>Nein! Nicht einmal halb fertig. Das ist Rhuidean, aber ohne Nebel und kurz nach dem Baubeginn</emphasis> � sp�hte ver�chtlich dort hinunter. Er hie� Mandein und war mit vierzig sehr jung f�r einen SeptimenH�uptling. Das Gef�hl, ein Eindringling zu sein, verschwamm, und er f�gte sich in seine Rolle. Er war Mandein.</p><p>�Du mu�t zustimmen�, sagte Sealdre, doch im Augenblick beachtete er sie nicht weiter.</p><p>Die Jenn hatten Dinge hergestellt, die das Wasser hochzogen und in gro�e Steinbecken gossen. Er hatte schon um weniger Wasser gek�mpft, als sich in einem dieser Becken befand, und dort liefen die Leute so selbstverst�ndlich vorbei, als sei das Wasser bedeutungslos. Ein eigenartiger gl�serner Wald erhob sich im Mittelpunkt all ihrer Gesch�ftigkeit, glitzerte in der Sonne, und in der N�he stand auch noch der h�chste Baum, den er je gesehen hatte � beinahe drei Spannen hoch. Ihre Steinbauten wirkten, als solle jeder eine ganze Festung beherbergen oder sogar eine ganze Septime. Wahnsinn.</p><p>Dieses Rhuidean konnte man �berhaupt nicht verteidigen. Nicht, da� irgend jemand die Jenn angreifen w�rde. Die meisten mieden die Jenn genauso wie die verfluchten Verirrten, die herumwanderten und nach den Liedern suchten, von denen sie behaupteten, sie w�rden die alten Zeiten wiederbringen.</p><p>Eine Prozession schl�ngelte sich aus Rhuidean hinaus auf den Berg zu: ein paar Dutzend Jenn und zwei S�nften, die jeweils von acht M�nnern getragen wurden. In diesen S�nften hatten sie genug Holz verarbeitet, um ein Dutzend H�uptlingsst�hle daraus zu bauen. Er hatte geh�rt, da� es unter den Jenn immer noch Aes Sedai gebe.</p><p>�Du mu�t zustimmen, was sie auch verlangen, mein Gatte�, sagte Sealdre.</p><p>Da blickte er sie an, wollte sogar einen Augenblick lang mit seinen H�nden durch ihr langes, goldenes Haar streifen, sah wieder das lachende M�dchen, das ihm den Brautkranz vor die F��e gelegt und ihn gefragt hatte, ob er sie heiraten wolle. Jetzt war sie ernst, wirkte konzentriert und besorgt zugleich. �Werden die anderen kommen?� fragte er.</p><p>�Einige. Die meisten. Ich habe im Traum mit meinen Schwestern gesprochen, und wir haben alle den gleichen Traum getr�umt. Die H�uptlinge, die nicht kommen, und diejenigen, die nicht zustimmen... Ihre Septimen werden sterben, Mandein. Innerhalb von drei Generationen werden sie nur noch Staub sein, und ihre Festungen und ihr Vieh geh�ren anderen Septimen. Ihre Namen wird man vergessen.� Er hatte es nicht gern, wenn sie mit den Weisen Frauen anderer Septimen sprach, auch wenn es nur im Traum war.</p><p>Aber die Weisen Frauen konnten im Schlaf die Welt der Tr�ume betreten. Was sie dort sahen, war die Wahrheit. �Bleib hier�, sagte er zu ihr. �Falls ich nicht zur�ckkehre, hilf unseren S�hnen und T�chtern, die Septime zusammenzuhalten.� Sie ber�hrte seine Wange. �Das werde ich, Schatten meines Lebens. Aber denk daran: Du mu�t zustimmen.� Mandein hob die Hand, und hundert verschleierte Gestalten folgten ihm den Hang hinunter, schoben sich kaum sichtbar von Felsblock zu Felsblock, die B�gen und Speere kampfbereit in H�nden. Ihre graue und braune Kleidung war der kahlen Landschaft angepa�t. Selbst f�r seine geschulten Augen waren sie fast nicht zu sehen. Es waren alles M�nner. Er hatte alle Frauen der Septime, die den Speer gemeinsam mit den M�nnern trugen, bei Sealdre gelassen, zusammen mit einigen wenigen M�nnern. Falls etwas schiefging und sie sich entschlo�, einen sinnlosen Rettungsversuch zu unternehmen, w�rden ihr die M�nner vielleicht folgen, aber die Frauen w�rden sie auch notfalls gegen ihren Willen zur Festung zur�ckbringen, um Septime und Festung zu sch�tzen. Er hoffte jedenfalls darauf. Manchmal konnten sie h�rter sein als jeder Mann und wohl auch sturer.</p><p>Als er den Fu� des Abhangs erreichte, hatte die Prozession aus Rhuidean auf der von Rissen durchzogenen Lehmebene angehalten. Er bedeutete seinen M�nnern, sich in Deckung zu begeben, und dann ging er allein weiter, wobei er seinen Schleier entfernte. Er war sich anderer M�nner bewu�t, die links und rechts von ihm ebenfalls vom Berg hinabstiegen und von allen m�glichen Richtungen her auf die hitzedurchgl�hte Lehmebene schritten. Wie viele? Vielleicht hundert? Einige der Gesichter, die er hier erwartet hatte, fehlten. Sealdre hatte recht wie meistens: Einige hatten nicht auf die Tr�ume ihrer Weisen Frauen geh�rt. Er bemerkte Gesichter, die er noch nie gesehen hatte, und die Gesichter von M�nnern, die er einst zu t�ten versucht hatte. M�nner, die sich nach besten Kr�ften bem�ht hatten, auch ihn zu t�ten. Wenigstens war keiner verschleiert. Vor einem Jenn jemanden zu t�ten war beinahe genauso schlimm, wie einen Jenn zu t�ten. Er hoffte, auch die anderen w�rden sich daran erinnern. Wenn nur einer Verrat beging, w�rden alle die Schleier anlegen, die Krieger, die jeder H�uptling mitgebracht hatte, w�rden aus den Bergen herunterkommen, und dieser trockene Lehmboden w�rde von Blut getr�nkt. Er erwartete jeden Moment, einen Speer zwischen die Rippen zu bekommen.</p><p>Obwohl er sich redlich bem�hte, hundert verschiedene Todesboten auf einmal im Auge zu behalten, fiel es ihm schwer, die Aes Sedai nicht anzustarren, als die Tr�ger die kunstvoll verzierten S�nften auf den Boden stellten. Das waren Frauen mit so wei�em Haar, da� es schon beinahe transparent erschien. Alterslose Gesichter mit einer Haut, die aussah, als k�nne ein Windhauch sie zerrei�en. Er hatte geh�rt, da� die Aes Sedai von den Jahren unbeeinflu�t blieben. Wie alt mu�ten dann diese beiden sein? Was hatten sie gesehen? Konnten sie sich an die Zeit erinnern, als sein Gro�vater Comran als erster Ogier<emphasis>-Steddings</emphasis> in der Drachenmauer gefunden und angefangen hatte, mit ihnen Handel zu treiben? Oder vielleicht sogar, als Comrans Gro�vater Rhodric die Aiel angef�hrt hatte, um die M�nner in den Eisenhemden zu bek�mpfen, die die Drachenmauer �berquert hatten? Die Aes Sedai wandten sich ihm zu. Die Augen der einen waren von klarem Blau und bei der anderen dunkelbraun. Es waren die ersten dunklen Augen, die er je gesehen hatte. Sie schienen direkt in seinen Sch�del hineinzusehen und seine Gedanken zu lesen. Er wu�te, da� er irgendwie auserlesen worden war, doch warum, konnte er nicht sagen. Mit M�he ri� er sich von diesen Blicken los, die ihn durchschauten, ihn besser kannten als er sich selbst.</p><p>Ein hagerer, wei�haariger Mann, hochgewachsen, aber vom Alter gebeugt, kam von der Gruppe der Jenn her�ber. Ihm zur Seite schritten zwei Frauen mit leicht ergrauten Haaren heran, die sehr wohl Schwestern sein konnten. Beide hatten die gleichen tiefliegenden gr�nen Augen und die gleiche Art, den Kopf schr�g zu halten, wenn sie etwas betrachteten. Die anderen Jenn blickten nerv�s zu Boden und mieden die Aiel, bis eben auf diese drei.</p><p>�Ich hei�e Dermon�, sagte der Mann mit tiefer, kr�ftiger Stimme. Seine blauen Augen musterten Mandein durchdringend wie die eines Aiels. �Das hier sind Mordaine und Narisse.� Er deutete nacheinander auf die beiden Frauen in seiner Begleitung. �Wir sprechen f�r Rhuidean und die Jenn Aiel.� Unruhe machte sich unter den M�nnern in Mandeins Umgebung breit. Den meisten von ihnen pa�te es genausowenig wie ihm, wenn sich die Jenn ebenfalls als Aiel bezeichneten. �Warum habt Ihr uns hierher bestellt?� wollte er wissen. Es �rgerte ihn allerdings, zugeben zu m�ssen, herzitiert worden zu sein.</p><p>Statt seine Frage zu beantworten, fragte Dermon: �Warum tragt Ihr kein Schwert?� Das brachte ihm zorniges Gemurmel der Aiel ein.</p><p>�Es ist verboten�, grollte Mandein. �Selbst ein Jenn sollte das wissen.� Er hob seine Speere empor, ber�hrte kurz das Messer an seiner H�fte und den Bogen auf seinem R�cken. �Das sind genug Waffen f�r einen Krieger.� Das Gemurmel klang nun zustimmend, selbst von M�nnern, die einst geschworen hatten, ihn zu t�ten. Das w�rden sie nach wie vor, falls sie eine Gelegenheit hatten, aber sie fanden gut, was er gesagt hatte. Und sie schienen es zufrieden, da� er f�r sie alle sprach, und das unter den Augen dieser Aes Sedai.</p><p>�Ihr wi�t nicht, warum�, sagte Mordaine, und Narisse f�gte hinzu: �Es gibt zuviel, was Ihr nicht wi�t. Aber Ihr m��t es erfahren.� �Was wollt Ihr?� fragte Mandein.</p><p>�Euch.� Dermon sah einen nach dem anderen der Aiel an und machte ihnen eindeutig klar, da� er sie alle meinte. �Wer immer unter Euch Menschen f�hren will, mu� nach Rhuidean kommen und dort erfahren, woher wir kamen und warum Ihr keine Schwerter tragt. Wer nicht lernen kann, wird nicht weiterleben.� �Eure Weisen Frauen haben mit Euch gesprochen�, sagte Mordaine, �sonst w�rt Ihr nicht hier. Ihr wi�t, welchen Preis die zahlen, die sich weigern.� Charendin dr�ngte sich nach vorn und blickte abwechselnd Mandein und die Jenn zornig an. Mandein hatte ihm die lange Narbe auf der Wange zugef�gt. Sie hatten sich gegenseitig schon dreimal beinahe umgebracht. �Einfach zu Euch kommen?� fragte Charendin. �Wer von uns zu Euch kommt, der wird die Aiel f�hren?� �Nein.� Das Wort wurde fast gefl�stert, und doch konnte jeder es verstehen. Es kam von der dunkel�ugigen Aes Sedai, die in ihrem geschnitzten Stuhl sa� und eine Decke �ber ihre Beine gelegt hatte, als fr�re sie unter der brennenden Sonne. �Das kommt erst sp�ter�, sagte sie. �Wenn der Stein f�llt, der niemals erobert werden kann, dann wird er kommen. Er wird vom Blute sein, aber nicht vom Blut aufgezogen. Er wird zur Abendd�mmerung aus Rhuidean kommen und Euch mit Banden aneinanderfesseln, die Ihr nicht zerrei�en k�nnt. Er wird Euch zur�ckbringen, und er wird Euch vernichten.� Einige der Septimen-H�uptlinge r�hrten sich und schienen gehen zu wollen, aber keiner machte mehr als ein paar Schritte. Jeder hatte letzten Endes der Weisen Frau seiner Septime gelauscht. <emphasis>Stimme zu, oder wir werden vernichtet, wie es nie zuvor geschah. Stimme zu, oder wir zerst�ren uns selbst.</emphasis></p><p>�Das ist ein Trick!� schrie Charendin, doch unter den Blicken der Aes Sedai senkte er seine Stimme und sagte lediglich zornig: �Ihr wollt auf diese Art die Septimen beherrschen. Aber Aiel beugen ihr Knie weder vor M�nnern noch Frauen.� Er ri� seinen Kopf herum und mied die Blicke der Aes Sedai. �Vor niemandem�, knurrte er.</p><p>�Wir wollen keine Kontrolle aus�ben�, sagte Narisse zu ihnen.</p><p>�Unsere Tage schwinden�, sagte Mordaine. �Der Tag wird kommen, da es keine Jenn mehr gibt, und nur Ihr bleibt �brig, um die Aiel nicht der Vergessenheit zu �berantworten. Ihr m��t �berleben, oder alles war umsonst und ist verloren.� Ihr Tonfall und ihre Selbstsicherheit lie�en Charendin verstummen, doch Mandein hatte noch eine Frage: �Warum? Wenn Ihr von Eurem eigenen Untergang Kenntnis habt, warum tut Ihr dann dies alles?� Er deutete auf die Bauten, die sich in einiger Entfernung erhoben.</p><p>�Das ist der Zweck unseres Daseins�, antwortete Dermon ruhig. �Viele Jahre lang haben wir nach diesem Ort gesucht, und nun bereiten wir ihn vor, wenn auch nicht f�r den Zweck, den wir dabei im Auge hatten. Wir tun, was wir tun m�ssen, und wir halten die Treue.� Mandein musterte das Gesicht des Mannes. Es lag keine Furcht in seinem Gesichtsausdruck. �Ihr seid Aiel�, sagte er, und als einige der anderen H�uptlinge nach Luft schnappten, erhob er seine Stimme: �Ich werde zu den Jenn Aiel gehen.� �Ihr d�rft nicht bewaffnet nach Rhuidean gehen�, sagte Dermon.</p><p>Mandein lachte laut �ber die K�hnheit des Mannes. Einem Aiel zu befehlen, unbewaffnet an diesen Ort zu gehen. So legte er seine Waffen ab und trat vor. �Bringt mich nach Rhuidean, Aiel. Ich werde den gleichen Mut beweisen wie Ihr.� Rand blinzelte in die flackernden Lichtkaskaden hinein. Er war Mandein <emphasis>gewesen.</emphasis> Er f�hlte immer noch, wie aus der urspr�nglichen Verachtung f�r die Jenn Bewunderung wurde. Waren die Jenn nun Aiel oder nicht? Sie hatten genauso ausgesehen, hochgewachsen, mit hellen Augen in sonnenverbrannten Gesichtern, und sie hatten auch die gleiche Kleidung getragen, bis auf die Schleier. Doch hatte er bei ihnen bis auf einfache Arbeitsmesser keine Waffen bemerkt. Er konnte sich aber einfach keinen Aiel ohne Waffe vorstellen.</p><p>Er befand sich tiefer zwischen den S�ulen, als durch einen einzigen Schritt zu erkl�ren war, und auch Muradin war nun n�her vor ihm. Aus dem stieren Blick des Aiel war ein finsteres Br�ten geworden.</p><p>K�rniger Staub knirschte unter Rands Stiefeln, als er weiterschritt.</p><p>Er hie� Rhodric und war fast zwanzig Jahre alt. Die Sonne brannte wie ein grellgoldener Ball vom Himmel, aber er behielt den Schleier angelegt, und seine Augen blickten wachsam drein. Seine Speere waren kampfbereit � einer in seiner rechten Hand und drei in der linken hinter dem kleinen Lederschild �, und auch er selbst war kampfbereit. Jeordam befand sich unten auf der braunen Grasebene im S�den der H�gelkette, wo die meisten B�sche mickrig und verwelkt waren. Das Haar des alten Mannes war wei�, so wie dieses eigenartige Zeug, das von den Alten als �Schnee� bezeichnet wurde, doch seine Augen waren scharf, und die Brunnengr�ber, die ihre gef�llten Wasserbeutel hochzogen, w�rden nicht seine ganze Aufmerksamkeit in Anspruch nehmen.</p><p>Im Norden und Osten erhoben sich Berge. Die Kette im Norden war hoch und zerkl�ftet und zeigte wei�e Gipfel, doch sie wurde von den Riesenbergen im Osten noch �berragt. Die sahen aus, als wolle dort die Welt den Himmel ber�hren, nun, und vielleicht tat sie das ja auch. Ob das Wei� dort wohl Schnee war? Er w�rde es nicht herausfinden. Im Angesicht dieser Berge mu�ten die Jenn sich entschlie�en, nach Osten zu ziehen. Sie waren bereits monatelang an diesem Bergwall entlanggezogen, hatten m�hsam ihre Wagen hinter sich hergezerrt und nicht auf die Aiel geachtet, die ihnen folgten. Wenigstens hatten sie bei einer Flu��berquerung Wasser zur Verf�gung gehabt, auch wenn es nicht einmal viel gewesen war. Es war schon Jahre her, da� Rhodric einmal einen Flu� erlebt hatte, den sie nicht bequem durchwaten konnten. Die meisten waren nur noch rissige Lehmrinnen, die von den Bergen herunterf�hrten. Er hoffte, der Regen w�rde endlich wiederkehren und das Land gr�n f�rben. Er erinnerte sich noch an die Zeit, als die Welt gr�n war.</p><p>Er h�rte das Hufgeklapper der Pferde, bevor er sie sehen konnte. Drei M�nner ritten �ber die braunen H�gel. Sie trugen lange Lederwesten, auf die �berall Metallscheiben aufgen�ht waren. Zwei davon hielten Lanzen in den H�nden. Er kannte den Anf�hrer, Garam, den Sohn des H�uptlings der Stadt, die gerade hinter den M�nnern au�er Sicht war. Garam war nicht viel �lter als er selbst. Sie waren wirklich blind, diese Stadtbewohner. Sie bemerkten die Aiel nicht, die sich hinter ihnen aufrichteten, sich dann aber wieder duckten und mit dem harschen Land verschmolzen. Rhodric nahm den Schleier ab, denn es w�rde nicht get�tet werden, es sei denn, die Reiter beg�nnen damit. Er bedauerte das nicht, aber er konnte sich auch nicht dazu bringen, M�nnern zu trauen, die in H�usern und St�dten wohnten. Es hatte schon zu viele K�mpfe gegen solche Leute gegeben. In den Legenden hie� es, das sei schon immer so gewesen.</p><p>Garam straffte die Z�gel und hob seine rechte Hand zum Gru�. Er war ein schlanker, kleiner Mann mit dunklen Augen, wie seine beiden Gefolgsleute, aber alle drei wirkten hart und absolut f�hig, sich zu verteidigen. �Ho, Rhodric. Sind Eure Leute damit fertig, ihre Wasserbeutel zu f�llen?� �Ich sehe Euch, Garam.� Er bem�hte sich, ruhig und ausdruckslos zu sprechen. Er war nerv�s, wenn er M�nner auf Pferden sah, woran mehr die Pferde die Schuld trugen als die Schwerter. Die Aiel besa�en auch Packtiere, doch es war irgendwie unnat�rlich, oben auf einem Pferd zu sitzen. Die Beine eines Mannes gen�gten auch. �Wir sind beinahe fertig. Entzieht uns Euer Vater die Erlaubnis, Wasser aus den Brunnen auf seinem Land zu entnehmen?� Keine andere Stadt hatte ihnen das jemals erlaubt. Wenn sich Menschen in der N�he befanden, mu�te man um das Wasser k�mpfen, so wie um alles andere, nun, und wo es Wasser gab, waren gew�hnlich Menschen in der N�he. Es w�re nicht leicht, allein gegen diese drei zu k�mpfen. Er stand locker auf den Ballen, bereit, zu tanzen und bereit, wahrscheinlich zu sterben.</p><p>�Nein, es ist schon in Ordnung�, sagte Garam. Er hatte Rhodrics Kampfbereitschaft nicht einmal bemerkt. �Wir haben eine starke Quelle in der Stadt, und mein Vater sagt, wenn Ihr abzieht, haben wir die neuen Brunnen f�r uns selbst, die Ihr gegraben habt. Aber Euer Gro�vater wollte wohl wissen, ob die anderen aufbrechen, und das haben sie getan.� Er st�tzte sich mit dem Ellbogen auf seinen Sattel. �Sagt mir, Rhodric, geh�ren sie wirklich zu dem gleichen Volk wie Ihr?� �Das sind die Jenn Aiel, und wir sind die Aiel. Wir sind das gleiche Volk, und doch wieder nicht. Ich kann es einfach nicht erkl�ren, Garam.� Er verstand es ja selbst nicht genau.</p><p>�In welche Richtung ziehen sie?� fragte Jeordam.</p><p>Rhodric verbeugte sich gelassen vor seinem Gro�vater. Er hatte leise Stiefelschritte geh�rt und gewu�t, da� sie zu einem Aiel geh�rten. Die Stadtbewohner hatten allerdings nicht gemerkt, da� sich Jeordam n�herte, und sie rissen v�llig �berrascht an ihren Z�geln. Nur Garams ausgestreckte Hand hielt die beiden anderen davon ab, kampfbereit die Lanzen zu senken. Rhodric und sein Gro�vater warteten.</p><p>�Nach Osten�, sagte Garam, als sein Pferd wieder ruhig stand. ��ber das R�ckgrat der Welt.� Er deutete auf die Berge, die den Himmel ber�hrten.</p><p>Rhodric verzog das Gesicht, aber Jeordam sagte k�hl: �Was liegt auf der anderen Seite?� �Soweit ich wei�, das Ende der Welt�, erwiderte Garam. �Ich wei� nicht mit Sicherheit, ob es �berhaupt einen Weg hin�ber gibt.� Er z�gerte. �Die Jenn haben Aes Sedai dabei. Dutzende, wie man mir sagte. Macht Euch das nicht nerv�s, so nahe den Aes Sedai weiterzuziehen? Ich habe geh�rt, da� die Welt einst anders gewesen sei und da� sie sie zerst�rt haben.� Und wie ihn die Aes Sedai nerv�s machten, aber Rhodric verzog keine Miene dabei. Es waren nur vier und nicht Dutzende, aber genug, um ihn daran zu erinnern, da� die Aiel auf irgendeine Art den Aes Sedai den Dienst versagt hatten. Das erz�hlte man sich, aber er hatte keine Ahnung, was da vorgefallen war. Die Aes Sedai wu�ten Bescheid. Sie hatten seit ihrer Ankunft nur selten die Wagen der Jenn verlassen, aber wenn, dann betrachteten sie die Aiel immer mit so traurigen Augen. Rhodric war nicht der einzige, der sich bem�hte, sie soweit wie m�glich zu meiden.</p><p>�Wir besch�tzen die Jenn�, sagte Jeordam. �Sie sind es, die mit den Aes Sedai zusammen durch die Welt ziehen.� Garam nickte, als sei das etwas anderes, und dann beugte er sich noch einmal vor und senkte die Stimme: �Mein Vater hat eine Aes-Sedai-Ratgeberin, auch wenn er das vor der Stadt geheimzuhalten versucht. Sie sagt, wir m��ten dieses H�gelgebiet verlassen und nach Osten ziehen. Sie behauptet, die ausgetrockneten Fl�sse w�rden wieder flie�en und neben einem davon w�rden wir eine gro�e Stadt erbauen. Sie sagt so viel. Ich habe geh�rt, die Aes Sedai wollten auch eine gro�e Stadt erbauen, und sie h�tten Ogier aufgetrieben, um die Geb�ude f�r sie zu errichten. Ogier!� Er sch�ttelte den Kopf und ri� sich von den Legenden los, zur�ck in die Wirklichkeit. �Glaubt Ihr, sie wollen die Welt wieder regieren wie einst? Die Aes Sedai? Ich glaube, wir sollten sie t�ten, um sie davon abzuhalten, noch einmal die Welt zu zerst�ren.� �Ihr m��t tun, was Ihr f�r das Beste haltet.� Aus Jeordams Stimme konnte man nichts von seinen Gedanken ablesen. �Ich mu� meine Leute darauf vorbereiten, diese Berge zu �berqueren.� Der dunkelhaarige Mann richtete sich im Sattel auf. Er war offensichtlich entt�uscht. Rhodric vermutete, er habe sich der Hilfe der Aiel im Kampf gegen die Aes Sedai versichern wollen. �Das R�ckgrat der Welt�, sagte Garam mit harter Stimme, �tr�gt noch einen anderen Namen. Man nennt es auch die Drachenmauer.� �Ein passender Name�, bemerkte Jeordam.</p><p>Rhodric blickte zu den in der Ferne hoch aufragenden Bergen hin�ber. F�r die Aiel war das wirklich ein passender Name. Ihr eigener geheimer Name, den sie niemandem sonst mitteilten, war: Das Volk des Drachens. Er wu�te nicht, warum, nur, da� niemand die Bezeichnung aussprach, au�er beim Empfang seines Speers in der Kriegerweihe. Was lag jenseits dieser Drachenmauer? Bestimmt w�rde es wenigstens Menschen geben, gegen die man k�mpfen konnte. Die gab es �berall. In der ganzen weiten Welt gab es nur Aiel, Jenn und Feinde. Nur das. Aiel, Jenn und Feinde.</p><p>Rand atmete tief ein. Dabei r�chelte er beinahe, als habe er stundenlang nicht mehr geatmet. Grell blendende Lichtb�nder wanderten die S�ulen in seiner Umgebung hoch. Die Worte klangen noch in seinem Ged�chtnis nach. Aiel, Jenn und Feinde: das war die Welt. Ganz sicher hatten sie noch nicht in der W�ste gelebt. Er hatte eine Zeit erlebt �gelebt �, bevor die Aiel ihr Dreifaches Land erreicht hatten.</p><p>Nun befand er sich noch n�her bei Muradin. Der Blick des Aiel flackerte unstet, und er schien sich dagegen zur Wehr zu setzen, einen weiteren Schritt nach vorn zu tun.</p><p>Rand trat vor.</p><p>Jeordam hockte entspannt auf dem wei�verh�llten Abhang und ignorierte die K�lte, w�hrend er zusah, wie die f�nf Leute auf ihn zustapften. Die drei M�nner in ihren warmen Umh�ngen und die beiden Frauen, die in den Winterkleidern richtig klobig wirkten, hatten M�he, durch den hohen Schnee zu waten. So, wie die Alten es geschildert hatten, sollte der Winter l�ngst vor�ber sein, aber andererseits hie� es ja auch, die Jahreszeiten �nderten sich und �berhaupt nichts bliebe so wie fr�her. Sie behaupteten, die Erde h�tte gebebt und Berge h�tten sich erhoben oder w�ren eingesunken wie das Wasser in einem Teich, wenn man einen Stein hineinwarf. Jeordam glaubte nicht an diese Geschichten. Er war achtzehn, im Zeltlager geboren, und er kannte nichts anderes als dieses Leben. Den Schnee, die Zelte und die Pflicht, zu beh�ten und zu besch�tzen.</p><p>Er nahm den Schleier ab und stand gem�chlich auf. Er st�tzte sich auf seinen Langspeer, um die Wagenleute nicht zu erschrecken, aber sie blieben trotzdem wie angewurzelt stehen und starrten den Speer an und den Bogen, den er �ber den R�cken geh�ngt hatte. Der gef�llte K�cher an seiner Seite w�rde ihn auch nicht friedlicher erscheinen lassen. Keiner der Ank�mmlinge schien �lter zu sein als er selbst. �Ihr braucht uns, Jenn?� rief er.</p><p>�Nennt Ihr uns so, um Euch �ber uns lustig zu machen?� rief ein gro�er Bursche mit spitzer Nase. �Aber es stimmt. Wir sind die einzigen <emphasis>wirklichen</emphasis> Aiel. Ihr habt den Weg verlassen.� �Das ist eine L�ge!� fauchte Jeordam zur�ck. �Ich habe nie ein Schwert in die Hand genommen!� Er atmete tief durch, um sich zu beruhigen. Er war nicht hier drau�en als W�chter aufgestellt worden, um sich mit den Jenn herumzustreiten. �Falls Ihr euch verirrt habt � Eure Wagen findet Ihr in dieser Richtung.� Er deutete mit seinem Speer nach S�den.</p><p>Eine Frau legte dem Mann mit der spitzen Nase die Hand auf den Arm und sprach leise auf ihn ein. Die anderen nickten und der Angesprochene nickte schlie�lich auch, jedoch z�gernd. Sie war h�bsch. Blonde Haarstr�hnen lugten aus der dunklen Stola her aus, die sie um den Kopf gewickelt hatte. Sie sah Jeordam in die Augen und sagte: �Wir haben uns nicht verirrt.� Dann schien sie ihn erst bewu�t wahrzunehmen und zog in einem Anflug von Sch�chternheit die Stola enger um ihren Kopf.</p><p>Er nickte. Er hatte auch nicht wirklich angenommen, sie h�tten sich verirrt. Die Jenn schafften es normalerweise, die Zeltbewohner zu meiden, selbst wenn sie Hilfe ben�tigten. Die wenigen Ausnahmen r�hrten von blanker Verzweiflung her, wenn sie nirgendwo sonst Hilfe erhalten konnten. �Folgt mir.� Es war eine Meile quer �ber die H�gel bis zu den Zelten seines Vaters. Ihre dunklen Umrisse waren teilweise vom Neuschnee bedeckt und schienen am Abhang zu kleben. Seine Leute beobachteten mi�trauisch die Neuank�mmlinge, hielten aber nicht in ihren T�tigkeiten inne, ob sie nun kochten oder Waffen reparierten oder sich mit den Kindern eine Schneeballschlacht lieferten. Er war stolz auf seine Septime. Es waren beinahe zweihundert Menschen und damit das gr��te der zehn Lager, die n�rdlich der Wagen verstreut lagen. Die Jenn schienen jedoch nicht sehr beeindruckt. Es �rgerte ihn, da� es soviel mehr Jenn als Aiel gab.</p><p>Lewin kam aus seinem Zelt. Er war ein gro�er Mann mit leicht ergrautem Haar und einem harten Gesicht. Man sagte, da� Lewin niemals l�chle, und Jeordam hatte ihn tats�chlich noch nie l�cheln sehen. Vielleicht war das anders gewesen, bevor Jeordams Mutter am Fieber gestorben war, aber Jeordam glaubte nicht daran.</p><p>Die Frau mit den blonden Haaren � Morin hie� sie �erz�hlte ihre Geschichte, und sie entsprach ganz Jeordams Erwartungen. Die Jenn hatten mit den Bewohnern eines Dorfes Handel getrieben. Das war ein kleiner Ort, den sie mit einer Palisade gesch�tzt hatten. Dann hatten sich die M�nner aus diesem Dorf bei Nacht in das Wagenlager eingeschlichen und das, was man ihnen abgekauft hatte, wieder geraubt, und noch mehr dazu. Die Jenn glaubten immer, sie k�nnten Menschen vertrauen, die in H�usern wohnten, glaubten immer, der Weg w�rde sie sch�tzen. Sie z�hlten die Toten auf: V�ter, eine Mutter, Erstbr�der, und die Gefangenen: Erstschwestern, eine Schwestermutter und eine Tochter. Das letztere �berraschte Jeordam, denn es war Morin selbst, die in bitterem Tonfall von einer f�nfj�hrigen Tochter berichtete, die entf�hrt worden war und nun von einer anderen Frau aufgezogen werde. Er musterte sie genauer und addierte ein paar Jahre zu dem Alter, auf das er sie gesch�tzt hatte.</p><p>�Wir werden sie zur�ckholen�, versprach Lewin. Er nahm ein B�ndel Speere, das man ihm reichte, und steckte sie mit der Spitze voran in den Boden. �Ihr k�nnt bei uns bleiben, wenn Ihr w�nscht, solange Ihr bereit seid, Euch selbst zu verteidigen und auch den Rest von uns. Falls Ihr bleibt, k�nnt Ihr nie wieder zu Euren Wagen zur�ckkehren, denn das w�re nicht erlaubt.� Der Bursche mit der spitzen Nase drehte sich auf der Stelle um und hastete den Weg zur�ck, auf dem sie gekommen waren. Es kam selten vor, da� an dieser Stelle nur ein einziger der Jenn ging. Lewin fuhr fort: �Diejenigen, die mit uns in dieses Dorf gehen wollen, nehmen bitte einen Speer. Aber denkt daran: Wenn Ihr den Speer gegen Menschen einsetzt, m��t Ihr k�nftig hier bei uns bleiben.� Seine Stimme und seine Augen waren wie aus Stein gemei�elt. �Soweit es die Jenn betrifft, seid Ihr dann tot.� Einer der �briggebliebenen M�nner z�gerte, doch schlie�lich zog jeder einen der Speere heraus. Auch Morin.</p><p>Jeordam ri� Augen und Mund auf, und selbst Lewin staunte. �Ihr m��t nicht den Speer aufnehmen, nur um hierbleiben zu k�nnen�, sagte Lewin zu ihr. �Und Eure Leute werden wir so oder so zur�ckholen. Den Speer aufzunehmen bedeutet, zum K�mpfen bereit zu sein und nicht nur zur Selbstverteidigung. Ihr k�nnt ihn wieder weglegen. Das w�re keine Schande.� �Sie haben meine Tochter�, sagte Morin.</p><p>Jeordam erschrak, als Lewin nur kurz nickte. �Es gibt f�r alles ein erstes Mal. F�r alles. Also sei es.� Er schritt nun durch das Lager, tippte M�nnern auf die Schulter und benannte sie f�r ihren �Besuch� in diesem Palisadendorf. Jeordam war der erste, dem er auf die Schulter tippte. Sein Vater hatte ihn immer als ersten ausgew�hlt seit dem Tag, an dem er alt genug gewesen war, einen Speer zu tragen. Er h�tte es auch nicht anders gewollt.</p><p>Morin hatte Schwierigkeiten mit dem Speer. Er hatte sich in ihrem langen Rock verfangen. �Ihr m��t nicht mitgehen�, sagte Jeordam zu ihr. �Keine Frau hat das bisher getan. Wir bringen Euch Eure Tochter.� �Ich habe vor, Kirin selbst dort herauszuholen�, sagte sie wild entschlossen. �Ihr werdet mich nicht daran hindern.� Ein halsstarriges Weib.</p><p>�In diesem Fall m��t Ihr euch anders anziehen.� Er deutete auf seine Hosen und die graubraune Jacke. �Ihr k�nnt nicht in einem Kleid nachts querfeldein laufen.� Er nahm ihr den Speer aus der Hand, bevor sie sich zur Wehr setzen konnte. �Es ist nicht leicht, mit dem Speer umzugehen.� Das bewiesen die beiden M�nner deutlich, die mit ihr gekommen waren. Sie hantierten auf Anweisungen hin ungeschickt mit ihren Speeren und stolperten dabei fast �ber die eigenen F��e. Er suchte sich ein Beil und hackte ein schrittgro�es St�ck von ihrem Speerschaft ab. Nun war die Waffe immer noch vier Fu� lang, wenn man die beinahe einen Fu� lange Stahlspitze mitz�hlte. �Stecht damit zu. Nicht mehr als das. Einfach zustechen. Den Schaft ben�tzt man auch, um den Gegner abzublocken, aber ich suche Euch lieber etwas, das Ihr als Schild in die andere Hand nehmen k�nnt.� Sie sah ihn mit einem r�tselhaften Blick an. �Wie alt seid Ihr?� fragte sie dann eigenartigerweise. Er sagte es ihr, und sie nickte nachdenklich.</p><p>Einen Augenblick sp�ter fragte er sie: �Ist einer dieser M�nner Euer Ehemann?� Sie stolperten immer noch �ber ihre Speersch�fte.</p><p>�Mein Mann trauert bereits um Kirin. Ihn k�mmern die B�ume mehr als seine eigene Tochter.� �Die B�ume?� �Die B�ume des Lebens.� Als er sie immer noch verst�ndnislos anblickte, sch�ttelte sie den Kopf. �Drei kleine B�umchen, die man in F�sser gesetzt hat. Sie hegen und pflegen sie fast besser als sich selbst. Wenn sie einen sicheren Ort gefunden haben, werden sie sie dort einpflanzen. Es hei�t, dann w�rden die alten Zeiten wiederkehren. Das sagen sie jedenfalls. Sie. Ich f�hle mich nicht mehr zu den Jenn geh�rig.� Sie hob den gek�rzten Speer. �Das ist jetzt mein Ehemann.� Erneut musterte sie ihn genau und fragte: �Wenn einer Euer Kind raubt, w�rdet Ihr dann nur davon sprechen, da� der Wegs des Blattes uns Leiden schickt, um uns zu pr�fen?� Er sch�ttelte den Kopf und sie sagte: �Das dachte ich mir. Ihr w�rt ein guter Vater. Bringt mir bei, wie man mit diesem Speer umgeht.� Eine seltsame Frau, aber h�bsch. Er nahm den Speer in die Hand und begann, sie zu unterrichten. Er zeigte ihr die St��e und Paraden, die bei diesem kurzen Schaft noch schneller und effektiver kamen.</p><p>Morin beobachtete ihn mit diesem eigenartigen L�cheln, aber er war von dem Speer fasziniert. �Ich sah Euer Gesicht in einem Traum�, sagte sie leise, doch er h�rte gar nicht hin. Mit einem solchen Speer war er schneller als ein Mann mit einem Schwert. Er stellte sich vor, wie die Aiel alle mit Schwertern bewaffneten M�nner besiegten. Keiner k�nnte ihnen widerstehen. Keiner.</p><p>Lichter blitzten durch die Glass�ulen und blendeten Rand. Muradin war ihm nur noch einen oder zwei Schritte voraus. Er stierte mit gebleckten Z�hnen und einem lautlosen Knurren vor sich hin. Die S�ulen brachten sie zur�ck in die lange vergessene Geschichte der Aiel. Rands F��e bewegten sich ohne sein Zutun. Einen Schritt vor und in der Zeit zur�ck.</p><p>Lewin schob sich das Halstuch vor das Gesicht und sp�hte in das kleine Lager hinunter, wo die Kohlen des ersterbenden Lagerfeuers noch unter einem eisernen Kessel gl�hten. Der Wind trug ihm den Geruch nach angebranntem Eintopf zu. Der Mondschein lie� schattenhaft die in Decken geh�llten Umrisse von Menschen um das Feuer herum hervortreten. Es waren keine Pferde in Sicht. Er w�nschte, er h�tte Wasser mitgenommen, doch nur den Kindern war es erlaubt, au�erhalb der Mahlzeiten Wasser zu sich zu nehmen. Er erinnerte sich vage an eine Zeit, in der es mehr Wasser gegeben hatte, als die Tage noch nicht so hei� und staubig waren und der Wind sich auch einmal gelegt hatte. Die Nacht brachte nur wenig Erleichterung, denn an die Stelle der feurig rot brennenden Sonne trat nun die K�lte. Er wickelte sich fester in den Umhang aus Ziegenfellen, den er als Decke benutzte.</p><p>Seine Begleiter schoben sich n�her heran, genauso eingemummt wie er selbst. Sie traten nach Steinen und schwatzten miteinander, bis er sicher war, da� sie die M�nner unten im Lager wecken w�rden. Er beklagte sich jedoch nicht. Er war genausowenig an diesen Zustand gew�hnt wie sie. Auch ihre Gesichter waren hinter Halst�chern oder Staubschleiern verborgen, doch er erkannte immer, wer es war. Luca, dessen Schultern um die H�lfte breiter waren als die aller anderen und der ihnen so gern Streiche spielte. Gearan, schlaksig wie ein Storch und der beste L�ufer unter allen in den Wohnwagen. Charlin und Alijha, die wie Spiegelbilder aussahen, bis auf Charlins Angewohnheit, den Kopf schr�g zu halten, wenn er besorgt war, so wie jetzt gerade. Ihre Schwester Colline befand sich drunten im Lager. Und auch Maigran, Lewins Schwester.</p><p>Als man die Reisetaschen der M�dchen � offensichtlich im Kampf besch�digt � auf dem Boden vorgefunden hatte, waren die anderen bereit gewesen, zu trauern und einfach weiterzumachen, wie schon so oft zuvor. Selbst Lewins Gro�vater geh�rte dazu. Falls Adan geahnt h�tte, was die f�nf planten, h�tte er sie daran gehindert. Alles, was Adan heutzutage von sich gab, war Geschw�tz dar�ber, den Aes Sedai, die Lewin noch nie gesehen hatte, die Treue zu halten, und dar�ber, die Aiel am Leben zu halten. Die Aiel als ein Volk, und nicht irgendwelche bestimmten Aiel. Nicht einmal Maigran.</p><p>�Es sind vier�, fl�sterte Lewin. �Die M�dchen befinden sich auf unserer Seite des Feuers. Ich werde sie leise aufwecken und wir schleichen uns weg, w�hrend die M�nner schlafen.� Seine Freunde blickten sich gegenseitig an und nickten. Er dachte daran, da� sie eigentlich mit einem festen Plan h�tten herkommen m�ssen, doch sie hatten nur im Kopf gehabt, wie sie ungesehen aus dem Wohnwagenlager entkommen und die M�dchen herausholen k�nnten. Er war sich gar nicht sicher gewesen, da� sie diesen M�nnern folgen und sie wiederfinden konnten, bevor sie ihr Dorf erreichten, eine Ansammlung roh gezimmerter H�tten, von denen man die Aiel mit Steinen und St�cken vertrieben hatte. Sie konnten nichts mehr ausrichten, wenn die Entf�hrer so weit kamen.</p><p>�Und was wird, wenn sie aufwachen?� fragte Gearan.</p><p>�Ich werde Colline nicht im Stich lassen�, fauchte Charlin, und beinahe im gleichen Atemzug sagte sein Bruder ruhiger: �Wir bringen sie zur�ck, Gearan.� �Darauf kannst du dich verlassen�, stimmte ihm Lewin zu. Luca stupste Gearan in die Rippen, und der nickte grimmig.</p><p>In der Dunkelheit nach unten zum Lager zu kommen, war gar nicht einfach. Von der Hitze ausgetrocknetes Reisig knackte unter ihren F��en. Steinbrocken und Kiesel l�sten sich und rollten den Abhang hinunter. Je leiser Lewin sich zu bewegen versuchte, desto mehr L�rm schien er zu machen. Luca fiel in ein Dornengestr�pp, das laut krachte, aber er schaffte es, schwer atmend, doch mehr oder weniger lautlos daraus zu entkommen. Charlin rutschte aus und glitt auf dem Hinterteil hangabw�rts. Aber unten r�hrte sich nichts.</p><p>Kurz vor dem Lager blieb Lewin stehen und tauschte �ngstlichnerv�se Blicke mit seinen Freunden. Dann schlichen sie auf Zehenspitzen weiter. Sein Atem klang ihm wie Donner in den Ohren, genauso laut wie das Schnarchen, das von den vier Deckenh�geln her ert�nte. Er erstarrte, als das Schnarchen aufh�rte und sich einer der Deckenhaufen bewegte. Doch dann lag er wieder still, und das Schnarchen begann erneut. Lewin atmete auf.</p><p>Vorsichtig kroch er neben einen der kleineren H�gel und schlug die grobe, vor Dreck starrende Wolldecke zur Seite. Maigran blickte zu ihm auf, das Gesicht verschrammt und geschwollen und ihr Kleid zu Fetzen zerrissen. Er legte ihr die Hand �ber den Mund, damit sie nicht aufschreien konnte, aber sie blickte ihn lediglich weiter starr an und zuckte nicht mit der Wimper.</p><p>�Ich werde dich schlachten wie ein Schwein, Junge.� Einer der gr��eren Deckenhaufen flog weg und ein Mann in schmutziger Kleidung und mit einem verwirrten Bart stand auf. Das lange Messer in seiner Hand schimmerte matt im Mondschein. Ein wenig vom roten Gl�hen der Kohlen spiegelte sich ebenfalls darin. Er trat gegen die Decken zu beiden Seiten, was ein Knurren hervorbrachte. Beide r�hrten sich. �Wie ein Schwein. Kannst du quieken, Junge, oder rennt Ihr Leute nur immer weg?� �Lauf weg�, sagte Lewin, aber seine Schwester stierte immer noch stumpf vor sich hin. Verzweifelt packte er sie an den Schultern und wollte sie nach dr�ben zerren, wo die anderen warteten. �Renn weg!� Sie kam steif aus den Decken hervor, beinahe als totes Gewicht in seinen Armen. Colline war auch wach. Er h�rte sie wimmern. Doch sie wickelte ihre schmutzigen Decken noch enger um sich, als wolle sie sich darin verstecken. Maigran stand da, starrte ins Leere und sah nichts.</p><p>�Es scheint, da� du nicht einmal das fertigbringst.� Grinsend kam der Mann um das Feuer herum, das Messer direkt vor seinem Bauch haltend. Die anderen richteten sich jetzt in ihren Decken auf und lachten. Sie wollten bei diesem Spa� zusehen.</p><p>Lewin wu�te nicht, was er tun sollte. Er konnte seine Schwester nicht verlassen. Alles, was ihm blieb, war, zu sterben. Vielleicht konnte er damit Maigran die Zeit erkaufen, um wegzulaufen. �Renn, Maigran! Bitte renn!� Sie r�hrte sich nicht. Sie schien ihn nicht einmal zu h�ren. Was hatten sie ihr angetan?</p><p>Der b�rtige Mann kam gem�chlich n�her, schmunzelte und geno� offensichtlich die Lage.</p><p>�Neeeeeiin!� Charlin jagte aus der Nacht heran, warf sich auf den Mann mit dem Messer, so da� der zu Boden taumelte. Die anderen M�nner sprangen auf. Einer, dessen Kopf kahlrasiert war und im tr�ben Lichtschein gl�nzte, hob ein Schwert und wollte auf Charlin einhauen.</p><p>Lewin war nicht sicher, wie dann alles geschah. Irgendwie bekam er den schweren Kessel am Eisenstiel zu packen, schwang ihn herum und lie� ihn mit dumpfem Krachen gegen den geschorenen Kopf knallen. Der Mann brach zusammen, als seien seine Knochen geschmolzen. Aus dem Gleichgewicht gekommen, taumelte Lewin und versuchte, dem Feuer auszuweichen. Dann st�rzte er doch daneben zu Boden und verlor den Griff des Kessels aus der Hand. Ein dunkelh�utiger Mann, der das Haar zu Z�pfen geflochten trug, hob ein weiteres Schwert, bereit, ihn in St�cke zu hauen. Er krabbelte auf dem R�cken weg wie eine Spinne, den Blick auf die Schwertspitze gerichtet. Mit den H�nden grabschte er nach allem, was sich in der N�he befand, um den Mann abzuwehren � einen Stock vielleicht � irgend etwas. Seine Hand ber�hrte rundes Holz. Er ri� es herum und stie� damit nach dem w�tenden Mann. Der ri� die dunklen Augen auf, und das Schwert entfiel ihm. Blut quoll aus seinem Mund. Es war kein Stock gewesen, sondern ein Speer.</p><p>Lewin l�ste seine H�nde vom Schaft, sobald er erkannte, was es war. Zu sp�t. Er kroch r�ckw�rts, um den gest�rzten Mann zu meiden, und mu�te ihn doch zitternd anblicken. Ein toter Mann. Ein Mann, den er get�tet hatte. Der Wind war mit einem Mal eiskalt.</p><p>Nach einer Weile wurde ihm bewu�t, da� keiner der anderen M�nner inzwischen versucht hatte, ihn zu t�ten. Er war �berrascht, den Rest seiner Freunde um das Lagerfeuer herumstehen zu sehen. Gearan und Luca und Alijha standen da, atmeten schwer, und �ber ihren Staubschleiern leuchteten wilde Augen. Colline gab immer noch leises Wimmern unter ihren Decken von sich, und Maigran stand weiter da und starrte ins Leere. Charlin lag auf Knien da und umklammerte seine Beine. Und die vier M�nner, die Dorfbewohner... Lewin blickte von einer leblosen, blutigen Gestalt zur anderen.</p><p>�Wir... haben sie get�tet.� Lucas Stimme zitterte. �Wir... Gnade des Lichts, sei jetzt mit uns.� Lewin kroch zu Charlin hin�ber und ber�hrte ihn an der Schulter. �Bist du verletzt?� Charlin fiel vorn�ber. Rotgl�nzende Feuchtigkeit hatte seine H�nde schl�pfrig gemacht. Er hatte den Griff des Messers gepackt, das in seinem Bauch steckte. �Es tut so weh, Lewin�, fl�sterte er. Er schauderte kurz, und dann brachen seine Augen.</p><p>�Was sollen wir tun?� fragte Gearan. �Charlin ist tot, und wir... Licht, was haben wir getan? Was sollen wir machen?� �Wir bringen die M�dchen zu den Wagen zur�ck.� Lewin konnte seinen Blick nicht von Charlins toten Augen wenden. �Das machen wir.� Sie trugen alles N�tzliche zusammen, vor allem den Kessel und die Messer. Man kam so schlecht an Metallwaren. �Wir k�nnen genausogut alles mitnehmen�, sagte Alijha mit rauher Stimme. �Sie haben es sicher von jemandem wie uns gestohlen.� Als Alijha sich b�ckte und eines der Schwerter aufheben wollte, hielt ihn Lewin davon ab. �Nein, Alijha. Das ist eine Waffe, die gemacht wurde, um Menschen zu t�ten. Sie ist sonst zu nichts zu gebrauchen.� Alijha sagte nichts, blickte nur die vier leblosen K�rper an und die Speere, die Luca mit Decken umwickelte, um eine Trage f�r Charlins Leiche herzustellen. Lewin mied jeden Blick auf die M�nner aus dem Dorf. �Mit einem Speer kann man das Fleisch zum Braten aufspie�en, Alijha, doch ein Schwert hat au�er zum T�ten keinen Nutzen. Der Weg des Blatts verbietet es.� Alijha schwieg weiter, doch Lewin glaubte, er habe hinter seinem Schleier das Gesicht sp�ttisch verzogen. Doch als sie schlie�lich in die Nacht hinausgingen, blieben die Schwerter neben den vergl�henden Kohlen und den toten M�nnern liegen.</p><p>Es war ein langer Marsch durch die Dunkelheit zur�ck. Sie schleppten schwer an der provisorischen Trage, auf der Charlins Leiche lag. Manchmal wirbelte der Wind lange Staubfahnen auf, die sie zum Husten brachten. Maigran stolperte mit. Sie blickte stur geradeaus, wu�te nicht, wo sie war und wer sie waren. Colline schien vor allen schreckliche Angst zu haben, selbst vor ihrem Bruder. Sie zuckte zusammen, sobald jemand sie ber�hrte. So hatte sich Lewin ihre R�ckkehr nicht vorgestellt. In seiner Phantasie hatten die M�dchen gelacht, waren gl�cklich gewesen �ber ihre R�ckkehr zu den Wohnwagen. Alle hatten sie gelacht. Und nicht Charlins Leiche heimgetragen. Sie waren nicht niedergeschlagen gewesen durch das, was sie getan hatten.</p><p>Der Schein der Lagerfeuer kam in Sicht und dann die Wohnwagen. Die M�nner hatten bereits die Pferdegeschirre f�r den n�chsten Morgen bereitgelegt. Niemand verlie� nach Einbruch der Dunkelheit das Lager, also war Lewin ziemlich �berrascht, als er drei Gestalten auf sie zukommen sah. Adans wei�es Haar zeichnete sich in der Dunkelheit deutlich ab. Die anderen beiden waren Nerrine, Collines Mutter, und Saralin, seine und Maigrans Mutter. Lewin l�ste voller b�ser Ahnungen seinen Staubschleier.</p><p>Die Frauen eilten zu ihren T�chtern hin, nahmen sie in die Arme und versuchten, sie mit leisen Worten zu beruhigen. Colline lie� sich seufzend in die Arme ihrer Mutter sinken, doch Maigran bemerkte Saralin kaum, die den Tr�nen nahe war, als sie das verschwollene Gesicht ihrer Tochter sah.</p><p>Adan blickte die jungen M�nner finster an. Seine sowieso schon tiefen Sorgenfalten wurden jetzt noch tiefer. �Im Namen des Lichts, was ist geschehen? Als wir merkten, da� ihr verschwunden wart...� Seine Worte erstarben, als er die Trage mit der Leiche Charlins sah. �Was ist passiert?� fragte er noch einmal, als f�rchte er sich vor der Antwort.</p><p>Lewin �ffnete langsam den Mund, aber Maigran sprach zuerst: �Sie haben sie get�tet.� Sie blickte in die Ferne und ihre Stimme klang wie die eines Kindes. �Die b�sen M�nner haben uns weh getan. Sie... Dann kam Lewin und t�tete sie.� �Du darfst nicht �ber solche Dinge sprechen, Kind�, sagte Saralin beruhigend. �Du... � Sie hielt inne, sah ihrer Tochter in die Augen und drehte sich dann um, damit sie Lewin ansehen konnte. �Ist das... ? Ist das wahr?� �Wir mu�ten�, sagte Alijha mit gequ�lter Stimme. �Sie versuchten, uns zu t�ten. Und sie haben Charlin get�tet.� Adan trat einen Schritt zur�ck. �Ihr... habt get�tet? <emphasis>Menschen</emphasis> get�tet? Was ist mit dem Pakt? Wir schaden niemandem. Niemandem! Es gibt keinen stichhaltigen Grund, ein anderes menschliches Wesen zu t�ten! Keinen!� �Sie haben Maigran entf�hrt, Gro�vater�, sagte Lewin. �Sie haben Maigran und Colline entf�hrt und ihnen weh getan. Sie... � �Es gibt keinen Grund!� br�llte Adan, der vor Wut zitterte. �Wir m�ssen akzeptieren, was geschieht. Unsere Leiden wurden gesandt, um unseren Glauben zu pr�fen! Wir akzeptieren und halten durch! Wir morden nicht! Ihr seid nicht vom Weg abgewichen, ihr habt ihn verlassen. Ihr seid keine Da'schain mehr! Ihr seid verdorben, und ich lasse nicht zu, da� ihr die Aiel verderbt. Verla�t uns, ihr Fremden! M�rder! Ihr seid in den Wagen der Aiel nicht mehr willkommen.� Er wandte ihnen den R�cken zu und schritt davon, als existierten sie nicht mehr. Saralin und Nerrine gingen hinter ihm her und f�hrten die M�dchen.</p><p>�Mutter?� sagte Lewin, und er machte sich ein wenig kleiner, als sie ihn mit kaltem Blick ansah. �Mutter, bitte... � �Wer seid Ihr, der mich so anspricht? Ich hatte einst einen Sohn, der so �hnlich aussah. Ich will dieses Gesicht nicht an einem M�rder sehen.� Und sie f�hrte Maigran hinter den anderen her.</p><p>�Ich bin immer noch ein Aiel�, schrie Lewin, aber sie blickten nicht um. Er glaubte, Luca weinen zu h�ren. Der Wind frischte auf, wirbelte den Staub hoch, und er verschleierte sein Gesicht. �Ich bin ein Aiel!� Wild huschende Lichter bohrten sich in Rands Augen. Der Schmerz des Verlustes, den Lewin erlitten hatte, klang noch in ihm nach, und in seinem Hirn herrschte ein heilloses Durcheinander. Lewin hatte keine Waffe getragen. Er hatte nicht einmal gewu�t, wie man eine Waffe verwendet. Er hatte Angst vor dem T�ten gehabt. Das ergab keinen Sinn.</p><p>Er war nun beinahe gleichauf mit Muradin, aber der Mann bemerkte seine Anwesenheit gar nicht. Muradins Gesicht war wie eine erstarrte Fratze. Schwei� rann ihm �ber die Stirn. Er bebte, als wolle er davonlaufen.</p><p>Rands F��e trugen ihn vorw�rts, und zur�ck.</p></section><section><title><p>26</p><p>Die Geweihten</p></title><p>Vorw�rts und zur�ck. Adan lag in der Sandgrube und dr�ckte die weinenden Kinder seines toten Sohnes an seine Brust. Sie pre�ten ihre Gesichter an seinen zerlumpten Mantel. Auch �ber seine Wangen rollten Tr�nen, aber er verhielt sich leise und sp�hte vorsichtig �ber den Rand hinaus. Mit f�nf und sechs Jahren konnte man Maigran und Lewin das Recht zu weinen nicht absprechen. Adan war �berrascht, da� er selbst noch Tr�nen hervorbrachte.</p><p>Einige der Wohnwagen brannten. Die Toten lagen noch da, wo sie gefallen waren. Die Pferde hatte man bereits weggetrieben, au�er wenigen, die noch an die Wagen geschirrt waren. Die Wagen selbst hatte man geleert und ihre Besitzt�mer auf dem Boden aufgestapelt. Ausnahmsweise einmal achtete er nicht auf die Dinge in den Kisten, die von den Aes Sedai den Aiel zur Aufbewahrung �bergeben worden waren, und die nun im Schmutz herumlagen. Das oder die toten Aiel sah er nicht zum erstenmal, aber diesmal beachtete er das alles nicht. Die M�nner mit den Speeren und B�gen und Schwertern, die das Blutbad angerichtet hatten, beluden die leeren Wohnwagen. Mit Frauen. Er beobachtete, wie Rhea, seine Tochter, zusammen mit anderen in einen Wagen gesto�en wurde, wo sie von den lachenden M�rdern wie Vieh zusammengesperrt wurden. Die letzten seiner Kinder. Elwin war mit zehn verhungert, w�hrend Sorelle mit zwanzig am Fieber starb, das sie im Traum vorhergesehen hatte. Jaren st�rzte sich vor einem Jahr, erst neunzehn Jahre alt, von einer Klippe, als er herausfand, da� er die Macht gebrauchen konnte. Und heute morgen Marind.</p><p>Er h�tte am liebsten geschrien. Er wollte hinausst�rmen und sie davon abhalten, sein letztes Kind zu rauben. Sie irgendwie aufhalten. Und wenn er wirklich dort hinausst�rmte? Dann w�rden sie ihn t�ten und Rhea trotzdem entf�hren. Dann w�rden sie vielleicht auch noch die Kinder t�ten. Einige der K�rper, die dort in ihrem eigenen Blut lagen, waren klein.</p><p>Maigran klammerte sich an ihn, als ahne sie, da� er daran dachte, sie zu verlassen, und Lewin versteifte sich, als wolle er noch fester zupacken, sei aber zu stolz und f�hle sich schon zu alt dazu. Adan strich ihnen �ber das Haar und hielt ihre Gesichter an seinen Mantel gepre�t. Er zwang sich trotzdem zum Zuschauen, bis die Wagen, umgeben von johlenden Reitern, langsam au�er Sicht auf die Berge zurumpelten, die den Horizont verstellten.</p><p>Erst dann stand er auf und l�ste den Griff der Kinder sanft. �Wartet hier auf mich�, sagte er zu ihnen. �Wartet, bis ich zur�ck bin.� Sie klammerten sich aneinander und blickten ihn mit tr�nen�berstr�mten, blassen Gesichtern an. Dann nickten sie unsicher.</p><p>Er ging zu einer der Leichen hin�ber und drehte sie sanft um. Siedre h�tte auch schlafen k�nnen. Ihr Gesicht erschien ihm genauso wie jeden Morgen, wenn er neben ihr erwachte. Es �berraschte ihn immer wieder, wenn er in ihrem rotgoldenen Haar graue Str�hnen entdeckte. Sie war seine Liebe, sein Leben, und sie erschien ihm ewig jung und neu. Er bem�hte sich, das Blut nicht anzusehen, das den Vorderteil ihres Kleids durchn��te, oder die klaffende Wunde unter ihrer Brust.</p><p>�Was willst du jetzt machen, Adan? Sag es uns! Was?� Er strich Siedre das Haar aus dem Gesicht. Sie wollte immer einen ordentlichen Eindruck machen. Dann stand er auf und wandte sich langsam um. Vor ihm stand eine Gruppe zorniger, ver�ngstigter M�nner. Sulwin war ihr Anf�hrer, ein hochgewachsener Mann mit tiefliegenden Augen. Er hatte sich die Haare lang wachsen lassen, Sulwin, als wolle er verbergen, da� er ein Aiel war. Das hatten einige M�nner getan. Aber es hatte weder diese M�nner noch die davor beeindruckt, als sie das Lager �berfallen hatten.</p><p>�Ich werde unsere Toten begraben und weiterziehen, Sulwin.� Sein Blick wanderte zu Siedre zur�ck. �Was sonst?� �Weiterziehen, Adan? Wie k�nnen wir weiterziehen? Wir haben keine Pferde. Wir haben fast kein Wasser mehr und keine Lebensmittel. Alles, was uns geblieben ist, sind Wagenladungen voll mit Sachen, die von den Aes Sedai niemals abgeholt werden. Was ist das alles, Adan? Was ist das, wenn wir unsere Leben daf�r hergeben sollen, um all das um die halbe Welt zu schleppen? Etwas, das wir uns nicht einmal zu ber�hren getrauen. Wir k�nnen nicht so weitermachen wie bisher!� �Wir k�nnen!� schrie Adan. �Wir werden! Wir haben Beine und wir haben starke R�cken. Wenn n�tig, ziehen wir selbst die Wagen. Wir werden unsere Pflicht erf�llen, was auch kommt!� Er war �berrascht, als ihm bewu�t wurde, da� er die geballte Faust gehoben hatte. Die Faust! Er zitterte, als er sie wieder �ffnete und an seiner Seite herabh�ngen lie�.</p><p>Sulwin trat zur�ck, blieb aber dann doch vor seinen Begleitern stehen. �Nein, Adan. Man erwartet von uns, da� wir einen sicheren Ort finden, und einige von uns haben das auch ernsthaft vor. Mein Gro�vater hat mir die Geschichten erz�hlt, die er als Junge h�rte, Geschichten von einer Zeit, als wir in Sicherheit lebten und die Menschen zu uns kamen, um uns singen zu h�ren. Wir wollen einen Ort finden, wo wir sicher sind und wieder singen k�nnen.� �Singen?� schimpfte Adan. �Ich habe diese Geschichten auch geh�rt, da� die Aiel so wundervoll gesungen h�tten, aber ihr wi�t genauso wenig davon wie ich. Die Lieder sind verloren und die alten Tage sind vergangen. Wir werden unsere Pflicht den Aes Sedai gegen�ber nicht aufgeben, um etwas zu suchen, was schon lange und f�r immer verloren ist.� �Einige von uns werden das aber tun, Adan.� Die anderen hinter Sulwin nickten. �Wir haben vor, diesen sicheren Ort zu finden. Und auch die Lieder. So ist es!� Ein Krachen lie� Adans Kopf herumschnellen. Weitere Anh�nger Sulwins entluden einen der Wagen, und eine gro�e, niedrige Kiste war herausgefallen und aufgebrochen. Etwas, das wie eine T�r aus gl�nzendem, dunkelroten Sandstein aussah, lag drinnen. Auch andere Wagen wurden entladen. Weitere Freunde und Anh�nger Sulwins erledigten das. Wenigstens ein Viertel der Menschen, die er sah, arbeiteten hart daran, alles auszuladen bis auf Lebensmittel und Wasser.</p><p>�Versuche nicht, uns aufzuhalten�, warnte Sulwin.</p><p>Adan entkrampfte erneut seine Faust. �Ihr seid keine Aiel�, sagte er. �Ihr verratet alles. Was ihr auch sein m�gt, Aiel seid ihr nicht mehr!� �Wir halten uns genau wie du an den Weg des Blattes, Adan.� �Geht!� schrie Adan. �Geht! Ihr seid keine Aiel! Ihr seid verloren! Verloren! Ich will euch nicht mehr sehen! Geht!� Sulwin und die anderen stolperten beinahe davon.</p><p>Sein Herz wurde immer schwerer, als er die Wagen und die im Unrat herumliegenden Toten anblickte. So viele Tote, so viele Verwundete, die dalagen und st�hnten, w�hrend man sie verband und tr�stete. Sulwin und die anderen Verlorenen verhielten sich beim Ausladen recht vorsichtig. Die M�nner mit den Schwertern hatten viele Kisten aufgebrochen, bis ihnen klar wurde, da� sich weder Gold noch Lebensmittel darin befanden. Lebensmittel waren wertvoller als Gold. Adan betrachtete den steinernen T�rrahmen, die herumliegenden Steinskulpturen und die eigenartigen Kristallgegenst�nde, die zwischen den Tonkr�gen und anderem standen, f�r die Sulwins Leute keine Verwendung hatten. Konnte man �berhaupt irgend etwas davon gebrauchen? Galt all ihre Treue und Hingabe nur der Erhaltung solchen Krams? Aber selbst wenn es so sein sollte, dann war es eben so. Einiges davon konnte gerettet werden. Er konnte wohl nicht feststellen, was den Aes Sedai am wichtigsten sei, aber einiges konnte gerettet werden.</p><p>Er sah, wie sich Maigran und Lewin an den Rock ihrer Mutter klammerten. Er war froh, da� Saralin am Leben geblieben war und sie weiter aufziehen konnte. Sein letzter Sohn, ihr Mann und der Vater ihrer Kinder, war am Morgen vom allerersten Pfeil durchbohrt worden. Einige von den anderen konnten ebenfalls gerettet werden. Er w�rde die Aiel retten, was es ihn auch kostete.</p><p>Er kniete nieder und nahm Siedre in die Arme. �Wir sind immer noch treu, Aes Sedai�, fl�sterte er. �Wie lange werden wir Euch die Treue halten m�ssen?� Er legte den Kopf auf die Brust seiner toten Frau und weinte.</p><p>Tr�nen standen in Rands Augen. Fast lautlos hauchte er: �Siedre.� Der Weg des Blattes? Das war keine Aiel-Religion. Er konnte einfach nicht klar denken; er konnte beinahe gar nicht denken. Die Lichter wirbelten schneller und schneller. Neben ihm hatte Muradin den Mund zu einem lautlosen Heulen ge�ffnet. Die Augen des Aiel quollen heraus, als beobachte er den Tod aller Welt. Sie traten nebeneinander einen Schritt vor.</p><p>Jonai stand am Rande der Klippe und blickte nach Westen �ber das im Sonnenschein gl�nzende Meer. Zweihundert Meilen in dieser Richtung lag Comelle. Hatte Comelle gelegen. Comelle hatte am Abhang der Berge �ber dem Meer gelegen. Zweihundert Meilen westlich, wo jetzt nur noch die See wogte. Vielleicht w�re alles leichter zu ertragen gewesen, wenn Alnora noch lebte. Ohne ihre Tr�ume wu�te er kaum mehr, wohin er ziehen und was er anfangen sollte. Ohne sie war das Leben kaum noch lebenswert. Er f�hlte jedes graue Haar auf seinem Kopf, als er sich abwandte, um zur�ck zu den Wohnwagen zu schlurfen, die eine Meile entfernt warteten. Es waren nun weniger Wagen, und sie sahen langsam abgenutzt aus. Auch weniger Menschen � ein paar tausend, wo es vorher Zehntausende gewesen waren. Aber zu viele f�r die �briggebliebenen Wagen. Niemand ritt mehr, au�er den Kindern, die zu jung zum Laufen waren.</p><p>Adan kam ihm am ersten Wagen entgegen. Er war ein hochgewachsener junger Mann mit viel zu mi�trauischem Blick. Jonai erwartete immer noch, Willim zu sehen, wenn er sich nur schnell genug umdrehte. Aber Willim hatte man nat�rlich schon vor Jahren weggeschickt, als er begonnen hatte, die Macht zu benutzen, gleich, wie sehr er sich selbst dagegen wehrte. Es gab immer noch zu viele M�nner auf der Welt, die mit der Macht umgehen konnten. Sie mu�ten manchmal sogar schon Jungen wegschicken, wenn sie die Anzeichen bemerkten. Sie mu�ten einfach. Und doch w�nschte er sich seine Kinder zur�ck. Wann war Esole gestorben? So klein war das hastig gegrabene Loch, in das man sie gelegt hatte, nachdem es keine Aes Sedai in der N�he gegeben hatte, die ihre Schwindsucht h�tte heilen k�nnen.</p><p>�Es sind Ogier da, Vater�, sagte Adan aufgeregt. Jonai vermutete, sein Sohn habe nie geglaubt, da� die Geschichten von den Ogiern die reine Wahrheit seien. �Sie sind vom Norden hergekommen.� Es war eine abgerissene Schar, zu der ihn Adan f�hrte, nicht mehr als f�nfzig, mit hohlen Wangen, traurigen Augen und schlapp herunterh�ngenden behaarten Ohren. Er hatte sich an die ausgezehrten Gesichter und die abgetragene, geflickte Kleidung seiner eigenen Leute gew�hnt, aber die Ogier im gleichen Zustand zu erleben schockierte ihn doch. Aber er hatte Menschen, um die er sich k�mmern mu�te, und Verpflichtungen den Aes Sedai gegen�ber. Wie lange hatte er schon keine Aes Sedai mehr gesehen? Das letzte Mal, kurz nachdem Alnora gestorben war. F�r Alnora war es zu sp�t gewesen. Die Frau hatte die immer noch am Leben Befindlichen geheilt, einige der <emphasis>Sa'Angreal</emphasis> mitgenommen und war ihres Weges gezogen. Sie hatte nur bitter gelacht, als er sie fragte, wo es einen sicheren Ort gebe. Auch ihr Kleid war geflickt und am Saum abgewetzt gewesen. Er war nicht sicher, ob sie geistig noch normal sei. Sie behauptete, einer der Verlorenen sei nur zum Teil gefangen oder vielleicht auch gar nicht. Ishamael ber�hrt die Welt immer noch, hatte sie gesagt. Sie mu�te genauso wahnsinnig sein wie die �briggebliebenen m�nnlichen Aes Sedai.</p><p>Er ri� sich von seinen Erinnerungen los und wandte sich den Ogiern zu, die unsicher auf ihren langen Beinen standen. Seit Alnoras Tod war er zu oft geistesabwesend. Sie hatten Brot und Sch�sseln in den H�nden. Er erschrak, als ihm klar wurde, da� er sich �rgerte, weil jemand von ihren wenigen Lebensmitteln mitgegessen hatte. Wie viele seiner Leute konnten von dem leben, was f�nfzig Ogier verga�en? Nein. Der Weg sagte ihnen, da� sie teilen mu�ten. Gro�z�gig geben. Hundert Leute. Zweihundert?</p><p>�Ihr habt Chora-Sch��linge�, sagte einer der Ogier. Seine dicken Finger strichen sanft �ber die dreifingrigen Bl�tter der beiden Topfpflanzen, die an der Seite eines Wagens festgebunden waren.</p><p>�Ein paar�, sagte Adan kurz angebunden. �Sie sterben, aber die alten Leute ziehen zuvor immer neue Sch��linge heran.� Er hatte keine Zeit f�r B�ume. Er mu�te sich um ein ganzes Volk k�mmern. �Wie schlimm ist es im Norden?� �Schlimm�, antwortete eine Ogierfrau. �Die F�ule dehnt sich nach S�den aus, und man sieht dort jetzt Myrddraal und Trollocs.� �Ich glaubte, die seien alle tot.� Also dann nicht nach Norden. Sie konnten nicht nach Norden ziehen. Nach S�den? Das Jerenmeer lag zehn Tagesreisen im S�den. Oder befand es sich �berhaupt noch dort? Er war m�de, so m�de.</p><p>�Ihr seid aus dem Osten gekommen?� fragte ein anderer Ogier. Er wischte seine Sch�ssel mit einem St�ck Brotrinde aus und schlang sie herunter. �Wie sind die Zust�nde im Osten?� �Schlimm�, antwortete Jonai. �Allerdings vielleicht nicht so schlimm, was Euch betrifft. Zehn � nein, zw�lf Tage ist es her, da� einige Leute ein Drittel unserer Pferde stahlen, bevor wir entkommen konnten. Wir mu�ten Wagen zur�cklassen.� Das tat weh. Zur�ckgelassene Wagen mit Inhalt. Dinge, die von den Aes Sedai den Aiel anvertraut worden waren, waren nun zur�ckgelassen worden. Da� es nicht das erstemal geschehen war, machte es noch schlimmer. �Beinahe jeder, den wir treffen, stiehlt Sachen von uns, was ihnen gerade gef�llt. Vielleicht werden sie das bei Ogiern nicht machen.� �Vielleicht�, sagte eine Ogierfrau, als k�nne sie das nicht ganz glauben. Jonai glaubte es vielleicht auch nicht �es gab eben einfach keinen wirklich sicheren Ort. �Wi�t Ihr, wo sich irgendein <emphasis>Stedding</emphasis> befindet?� Jonai sah sie mit gro�en Augen an. �Nein. Nein, das wei� ich nicht. Aber sicher k�nnt Ihr doch ein <emphasis>Stedding</emphasis> finden, wenn Ihr wollt?� �Wir sind so weit gerannt und so lang�, sagte ein Ogier von hinten her, und ein anderer f�gte in ihrem tiefen, grollenden Tonfall hinzu: �Das Land hat sich so ver�ndert.� �Ich glaube, wir m�ssen bald ein <emphasis>Stedding</emphasis> finden, oder wir werden sterben�, sagte die Ogierfrau. �Ich f�hle ein...</p><p>Sehnen... in mir. Wir m�ssen ein <emphasis>Stedding</emphasis> finden. Wir m�ssen einfach.� �Ich kann Euch nicht helfen�, sagte Jonai traurig. Seine Brust war wie zusammengeschn�rt. Das Land hatte sich wirklich bis zur Unkenntlichkeit ver�ndert und ver�nderte sich immer noch. Die Ebene, �ber die sie letztes Jahr gezogen waren, konnte durchaus dieses Jahr durch einen Berg ersetzt sein. Also dehnte sich die F�ule aus. Myrddraal und Trollocs trieben immer noch ihr Unwesen. Menschen mit Gesichtern wie die Tiere, Menschen, die nichts mehr von den Da'schain wu�ten und sie nicht erkannten, stahlen ihre wenigen G�ter. Das Atmen fiel ihm schwer. Die Ogier verloren. Die Aiel verloren. Alles verloren. Der Ring um seine Brust wurde immer enger. Der Schmerz lie� ihn aufst�hnen. Er sank auf die Knie nieder, kr�mmte sich und griff nach seiner Brust. Eine Faust hielt sein Herz gefangen und dr�ckte zu.</p><p>Adan kniete besorgt neben ihm nieder. �Vater, was ist los? Was ist passiert? Was kann ich tun?� Jonai schaffte es, seinen Sohn am ausgefransten Kragen zu packen und seinen Kopf nahe heranzuziehen. �Bring �die Menschen � nach S�den.� Zwischen Kr�mpfen, die ihm das Herz aus dem K�rper zu rei�en schienen, brachte er diese Worte m�hsam heraus.</p><p>�Vater, du bist derjenige... � �H�r zu. H�r zu! Bringe sie � nach S�den. Bringe � die Aiel � in Sicherheit. Haltet euch an � den Pakt. Beh�te �was die Aes Sedai � uns anvertrauten � bis sie � es holen. Der Weg � des Blattes. Du mu�t... � Er hatte sich bem�ht. Solinda Sedai w�rde das einsehen. Er hatte es versucht. Alnora.</p><p>Alnora. Der Name verschwamm und der Schmerz in Rands Brust l�ste sich. Kein Sinn. Das ergab keinen Sinn. Wie konnten diese Menschen Aiel sein?</p><p>Die S�ulen wurden von grellen Lichtwellen �berlaufen. Ein Lufthauch erhob sich und wurde zum Wirbel.</p><p>Neben ihm �ffnete Muradin den Mund weit, um zu schreien. Der Aiel krallte nach seinem Schleier, nach seinem Gesicht. Seine Fingern�gel hinterlie�en lange, blutige Spuren.</p><p>Vorw�rts.</p><p>Jonai eilte durch die verlassenen Stra�en und versuchte, die zerst�rten Geb�ude und die abgestorbenen Chorab�ume nicht zu beachten. Alles tot. Wenigstens hatte man die letzten der schon lange stehengelassenen Jomobile weggeschafft. Nachbeben lie�en den Boden unter seinen F��en immer noch erzittern. Er trug Arbeitskleidung, also nat�rlich den <emphasis>Cadin'sor,</emphasis> obwohl die ihm zugeteilte Arbeit nicht dem entsprach, wof�r man ihn ausgebildet hatte. Er war dreiundsechzig, stand in der Bl�te seines Lebens, noch nicht alt genug, um graue Haare zu haben, doch er f�hlte sich wie ein m�der alter Mann.</p><p>Niemand stellte ihm eine Frage, als er die Halle der Diener betrat. Es stand einfach niemand mehr unter den m�chtigen S�ulen am Eingang, der ihn h�tte befragen oder begr��en k�nnen. Drinnen liefen viele Menschen umher, die Arme voll mit Papieren oder Schachteln, die Augen �ngstlich weit ge�ffnet, aber niemand beachtete ihn. Es lag ein Hauch von Panik in der Luft und das nahm mit jedem Nachbeben zu. Beunruhigt schritt er durch das Foyer und die breite Treppe hoch. Der silbrigwei�e Elstein war verschmutzt. Niemand hatte Zeit, sich darum zu k�mmern. Vielleicht war es allen auch gleichg�ltig.</p><p>Er brauchte nicht an die T�r klopfen, die er gesucht hatte. Es war keine der gro�en, vergoldeten T�ren zu einem der Versammlungsr�ume, sondern eine kleine, unauff�llige Seitent�r. Er schl�pfte leise hinein, und dann war er froh dar�ber. Ein halbes Dutzend Aes Sedai stand um den langen Tisch herum und diskutierte. Sie schienen gar nicht zu bemerken, wenn das Geb�ude bebte. Es waren alles Frauen.</p><p>Er schauderte, als er sich fragte, ob jemals wieder M�nner an einer solchen Sitzung teilnehmen w�rden. Als ihm dann noch bewu�t wurde, was auf dem Tisch lag, wurde aus dem Schaudern ein Zittern. Es war ein Kristallschwert � vielleicht als geistiger Brennpunkt f�r die Verwendung der Macht gedacht, vielleicht auch nur als Zierrat. Das konnte er nicht beurteilen. Jedenfalls lag das Schwert auf der Drachenflagge von Lews Therin Bruderm�rder, die wie ein Tischtuch ausgebreitet worden war und bis auf den Boden hinabhing. Sein Herz verkrampfte sich. Was hatte das hier zu suchen? Warum hatte man beides nicht zerst�rt, genau wie die Erinnerung an diesen verfluchten Mann?</p><p>�Was n�tzt schon Eure Weissagung�, schrie Oselle beinahe, �wenn Ihr uns nicht sagen k�nnt, wann das geschieht?� Ihr langes, schwarzes Haar flog, als sie den Kopf zornig sch�ttelte. �Der Bestand der Welt h�ngt davon ab! Die Zukunft! Das Rad selbst!� Deindre blickte sie aber sehr viel ruhiger mit ihren dunklen Augen an. �Ich bin nicht der Sch�pfer. Ich kann Euch nur das sagen, was ich in der Zukunft sehe.� �Friede, Schwestern.� Solinda war die ruhigste von allen. Ihr altmodisches T�llkleid wirkte wie feiner, blauer Dunst. Das rotgoldene Haar, das ihr bis zur Taille reichte, zeigte beinahe den gleichen Farbton wie das seine. Sein Gro�vater hatte ihr als junger Mann gedient, und doch sah sie j�nger aus als er. Sie war eben eine Aes Sedai. �Wir haben keine Zeit mehr, uns zu zanken. Jaric und Haindar werden beide morgen hier ankommen.� �Und das hei�t, wir k�nnen uns keine Fehler leisten, Solinda.� �Wir m�ssen wissen... � �Gibt es eine M�glichkeit...?� Jonai h�rte nicht mehr hin. Sie w�rden ihn bemerken, wenn es an der Zeit war. Er war auch nicht der einzige im Raum neben den Aes Sedai. Someschta sa� in der N�he der T�r, den R�cken an die Wand gelehnt, eine aus Ranken und Bl�ttern geformte Gestalt, deren Kopf selbst im Sitzen Jonai noch etwas �berragte. Eine ri�artige Narbe mit welkbraunen und ru�igschwarzen R�ndern zog sich �ber die Wange des Nyms bis hoch unter das gr�ne Gras seiner Haare, wo sie eine Furche hinterlie�. Er blickte Jonai besorgt mit seinen Haselnu�augen an.</p><p>Als Jonai ihm zunickte, fa�te er sich an die Narbe und runzelte die Stirn. �Kenne ich Euch?� fragte er leise.</p><p>�Ich bin dein Freund�, antwortete Jonai traurig. Er hatte Someschta jahrelang nicht mehr gesehen, aber von seinem Zustand geh�rt. Wie man ihm berichtet hatte, waren die meisten Nym tot. �Als ich ein Kind war, hast du mich auf den Schultern getragen. Erinnerst du dich nicht mehr daran?� �Gesang�, sagte Someschta. �Gab es Gesang dabei? So vieles ist verloren gegangen. Die Aes Sedai behaupten, da� einiges wiedergewonnen werden kann. Du bist eines der Kinder des Drachen, nicht wahr?� Jonai zuckte leicht zusammen. Die Bezeichnung hatte ihm bereits Schwierigkeiten bereitet, obwohl sie der Wirklichkeit �berhaupt nicht entsprach. Aber viele B�rger heutzutage glaubten, die Da'schain Aiel h�tten ausschlie�lich dem Drachen gedient und keinen anderen Aes Sedai.</p><p>�Jonai?� Er drehte sich um, als Solindas Stimme erklang, und bei ihrer Ann�herung sank er auf ein Knie nieder. Die anderen stritten sich noch immer, wenn auch viel leiser als vorher.</p><p>�Alles ist vorbereitet, Jonai?� sagte sie.</p><p>�Alles, Aes Sedai. Solinda Sedai... � Er z�gerte und atmete tief durch. �Solinda Sedai, einige von uns wollen hierbleiben. Wir k�nnten auch so noch dienen.� �Wi�t Ihr, was mit den Aiel in Tzora geschehen ist?� Er nickte, und sie seufzte. Dann streckte sie die Hand aus und strich ihm wie einem Kind �ber das kurzgeschnittene Haar. �Nat�rlich habt Ihr es erfahren. Ihr Da'schain habt mehr Mut als... Zehntausend Aiel hakten sich unter, bildeten eine lebende Kette und sangen. Sie versuchten, einen Wahnsinnigen daran zu erinnern, wer sie waren und wer er gewesen war, versuchten, ihn mit ihren K�rpern und mit einem Lied umzustimmen. Jaric Mondoran t�tete sie. Er stand da, blickte sie an, als stellten sie f�r ihn ein R�tsel dar, t�tete sie, und sie r�ckten lediglich in den Reihen auf, schlossen die L�cken und sangen. Man hat mir berichtet, da� er dem letzten Aiel mehr als eine Stunde gelauscht hat, bevor er ihn vernichtete. Und dann brannte Tzora. Eine riesige Flamme verschlang Stein und Metall und Fleisch. Ein Glasklumpen befindet sich heute, wo vorher die zweitgr��te Stadt der Welt stand.� �Viele Menschen hatten Zeit, um zu fliehen, Aes Sedai. Die Da'schain haben ihnen diese Zeit erkauft. Wir haben keine Angst.� Ihre Hand verkrampfte sich in sein Haar, da� es schmerzte. �Die B�rger sind auch bereits aus Paaren Disen geflohen, Jonai. Au�erdem werden die Da'schain noch eine gro�e Rolle spielen. Wenn Deindre nur weit genug voraussehen k�nnte, um zu sagen, was es sein wird. Auf jeden Fall will ich hier etwas retten, und dieses Etwas seid Ihr.� �Wie Ihr meint�, sagte er z�gernd. �Wir werden das beh�ten, was Ihr uns anvertraut habt, bis Ihr es wieder braucht.� �Selbstverst�ndlich. Die Dinge, die wir Euch gaben.� Sie l�chelte ihn an und l�ste ihren Griff aus seinem Haar. Dann strich sie es auch noch glatt und faltete schlie�lich die H�nde. �Ihr werdet diese... Dinge... in Sicherheit bringen, Jonai. Bleibt in Bewegung, zieht immer weiter, bis Ihr einen sicheren Ort findet, wo Euch niemand etwas antun kann.� �Wie Ihr befehlt, Aes Sedai.� �Wie steht es mit Coumin, Jonai? Hat er sich beruhigt?� Er sah keine M�glichkeit, ihr die Antwort zu verschweigen, obwohl er sich am liebsten die Zunge abgebissen h�tte. �Mein Vater versteckt sich irgendwo in der Stadt. Er versuchte uns... zum Widerstand zu �berreden. Er wollte nicht auf uns h�ren, Aes Sedai. Er wollte nicht h�ren. Er hat irgendwo eine alte Schocklanze gefunden, und nun... � Er konnte nicht weitersprechen. Er erwartete, da� sie nun zornig werde, aber in ihren Augen glitzerten Tr�nen.</p><p>�Haltet Euch an den Pakt, Jonai. Und wenn die Da'schain alles andere verlieren, dann sorge trotzdem daf�r, da� sie sich an den Weg des Blattes halten. Versprich es mir.� �Nat�rlich, Aes Sedai�, sagte er erschrocken. Der Pakt und die Aiel, das war einfach nicht zu trennen. Den Weg des Blattes zu verlassen w�rde bedeuten, sich selbst aufzugeben. Coumin war ein Abtr�nniger. Man sagte, er sei schon als Junge anders gewesen als die anderen und kaum noch ein Aiel, aber niemand wu�te, warum.</p><p>�Geht nun, Jonai. Ich will Euch morgen weit weg von Paaren Disen wissen. Und denkt daran � bleibt immer in Bewegung. Beh�tet die Aiel.� Er verbeugte sich im Knien, aber sie wandte sich bereits wieder der Diskussion zu. �K�nnen wir Kodam und seinen Leuten vertrauen, Solinda?� �Wir m�ssen, Oselle. Sie sind jung und unerfahren, aber kaum vom Verderben ber�hrt, und... Und wir haben keine andere Wahl.� �Dann tun wir eben, was sein mu�. Das Schwert mu� warten. Someschta, wir haben eine Aufgabe f�r den letzten der Nym, wenn Ihr sie erf�llen wollt. Wir haben schon zuviel von Euch verlangt, und nun m�ssen wir noch mehr verlangen.� W�hrend der Nym sich erhob, dienerte Jonai sich aus dem Raum. Someschtas Kopf ber�hrte die Decke. Sie waren bereits so in ihre Pl�ne versunken, da� keine mehr auf ihn achtete. Trotzdem verzichtete er nicht auf diese letzte Ehrenbezeugung. Er glaubte nicht, da� er sie jemals wiedersehen w�rde.</p><p>Er rannte aus der Halle der Diener und aus der Stadt hinaus bis zu dem Ort, an dem ihn die gro�e Versammlung erwartete. Tausende von Wagen erstreckten sich in zehn Reihen beinahe vier Meilen weit. Die einen Wagen waren mit Lebensmitteln und Wasserf�ssern beladen, andere mit den verpackten Sachen, die ihnen von den Aes Sedai anvertraut worden waren � <emphasis>Angreal</emphasis> und <emphasis>Sa'Angreal</emphasis> und <emphasis>Ter'Angreal</emphasis> � alles Dingen, die davor bewahrt werden mu�ten, in die H�nde von M�nnern zu fallen, die durch die Ben�tzung der Einen Macht dem Wahnsinn verfallen waren. Einst h�tte es gen�gend andere Verkehrsmittel gegeben, um dies alles zu bef�rdern, Jo-Mobile und Springer, Schweber und riesige Scho-Flieger. Nun mu�ten die m�hsam aufgetriebenen Pferde und Planwagen ausreichen. Zwischen den Wagen standen die Menschen, ausreichend, um eine ganze Stadt zu bev�lkern. Vielleicht waren dies alle Aiel, die noch auf der Welt am Leben geblieben waren.</p><p>Hunderte kamen ihm entgegen, M�nner und Frauen, die Abgeordneten, die wissen wollten, ob die Aes Sedai einigen das Bleiben gestattet h�tten. �Nein�, sagte er zu ihnen. Einige runzelten die Stirn und z�gerten, doch er f�gte hinzu: �Wir m�ssen gehorchen. Wir sind Da'schain Aiel, und wir unterstehen den Aes Sedai.� Langsam gingen sie auseinander und zu ihren Wagen zur�ck. Er glaubte, zu verstehen, da� Coumins Name erw�hnt wurde, aber davon durfte er sich nicht beeinflussen lassen. Er eilte zum eigenen Wagen, der an der Spitze einer der inneren Reihen stand. S�mtliche Pferde t�nzelten nerv�s wegen der immer wiederkehrenden Erdst��e.</p><p>Seine S�hne sa�en bereits auf dem Bock. Willim, der F�nfzehnj�hrige, hielt die Z�gel, und neben ihm sa� der zehnj�hrige Adan. Beide grinsten aufgeregt. Die kleine Esole lag oben auf der Plane, die ihre Habseligkeiten und �was wichtiger war � die ihnen von den Aes Sedai �bergebenen Dinge � bedeckte, und spielte mit einer Puppe. Es gab keinen Platz zum Mitfahren, au�er f�r die ganz Jungen und die ganz Alten. Hinter dem Kutschbock standen gut gesichert Blument�pfe mit einem Dutzend Chora-Sch��lingen, die er einpflanzen wollte, wenn sie einen wirklich sicheren Ort gefunden hatten. Vielleicht war das n�rrisch, aber es gab keinen Wagen, der nicht ein paar dieser Sch��linge mitgef�hrt h�tte. Es war etwas aus einer l�ngst vergangenen Zeit und gleichzeitig das Symbol einer hoffentlich besseren Zukunft. Die Menschen brauchten etwas Hoffnung und solche Sinnbilder.</p><p>Alnora wartete neben dem Gespann. Ihr schwarzes, gl�nzendes Haar fiel ihr in Locken auf die Schultern und erinnerte ihn an die Zeit, als er sie kennengelernt hatte. Damals war sie noch ein M�dchen gewesen. Doch nun waren ihre Augen von Sorgenfalten umgeben.</p><p>Er brachte ein schwaches L�cheln zuwege, um die Sorge in seinem eigenen Herzen zu verbergen. �Alles wird gut werden, Frau meines Herzens.� Sie antwortete nicht, und er f�gte hinzu: �Hast du getr�umt?� �Nicht von der nahen Zukunft�, murmelte sie. �Alles wird gut, alles wird gut und alle m�glichen Dinge werden gelingen.� Ihr L�cheln wirkte zittrig, und sie ber�hrte ihn an der Wange. �Wenn ich bei dir bin, wei� ich, da� alles gut wird, Mann meines Herzens.� Jonai hob die Arme und winkte. Die n�chsten winkten ebenfalls und so durchlief das Startsignal die Reihen. Schwerf�llig setzten sich die Wagen in Bewegung, und die Aiel verlie�en Paaren Disen.</p><p>Rand sch�ttelte den Kopf. Zuviel. Die Erinnerungen dr�ngten sich. Die Luft schien von Wetterleuchten erf�llt. Der Wind wirbelte den k�rnigen Staub auf. Muradin hatte mit seinen Fingern�geln tiefe Furchen in sein Gesicht gerissen. Jetzt begann er, seine Augen auszukratzen. Vorw�rts.</p><p>Coumin kniete in seiner Arbeitskleidung am Rand des gepfl�gten Ackers. Die weichen Schn�rstiefel, Hose und Wams waren im gleichen Graubraun gehalten. Er kniete in einer langen Reihe, die den ganzen gro�en Acker umgab: immer zehn Da'schain Aiel, jeweils eine Arml�nge voneinander entfernt, und dann kam ein Ogier. Er konnte auch den n�chsten Acker noch �berblicken, der ebenfalls lebendig ges�umt wurde. Dahinter sa�en die Soldaten mit ihren Schocklanzen auf gepanzerten Jo-Mobilen. Ein Schweber brummte auf Patrouille �ber sie hinweg � eine t�dliche, schwarze Metallwespe, in der zwei M�nner sa�en. Er war sechzehn, und die Frauen hatten entschieden, da� seine Stimme nun tief genug war, um am Aussaatsingen teilzunehmen.</p><p>Die Soldaten faszinierten ihn, ob es nun Menschen oder Ogier waren, so, wie eine bunte Giftschlange. Sie t�teten. Der Gro�vater seines Vaters � Charn � behauptete, einst habe es keine Soldaten gegeben, doch Coumin glaubte ihm nicht. Wenn es keine Soldaten gab, wer w�rde dann die Nachtreiter und die Trollocs davon abhalten, alle zu t�ten? Nat�rlich behauptete Charn auch, damals habe es noch keine Myrddraal und Trollocs gegeben. Keine Verlorenen, keine Schattenabk�mmlinge. Er hatte viele Geschichten auf Lager, die angeblich aus einer Zeit vor den Soldaten, den Nachtreitern und den Trollocs stammten, als angeblich der Dunkle Herr der Gr�ber noch irgendwo gefangen lag und keiner seinen Namen und �berhaupt die Bezeichnung �Krieg� kannte. Coumin konnte sich eine solche Welt nicht vorstellen. Der Krieg war schon alt gewesen, als er geboren wurde.</p><p>Charns Geschichten gefielen ihm schon, obwohl er sie nicht glauben konnte, aber einige brachten dem alten Mann doch finstere Mienen und Schelte ein. Beispielsweise wenn er behauptete, fr�her einer der Verlorenen gedient zu haben. Und nicht nur irgendeiner, nein, auch noch Lanfear selbst! Da k�nnte er gleich behaupten, Ishamael gedient zu haben. Wenn Charn schon Geschichten erfand, w�nschte sich Coumin, er w�rde erz�hlen, wie er Lews Therin, dem gro�en F�hrer selbst, gedient habe. Sicher, dann w�rde jeder fragen, wieso er jetzt dem Drachen nicht mehr diente, aber das w�re immer noch besser als dieser Zustand jetzt. Coumin gefiel es nicht, wie die B�rger Charn anblickten, wenn er sagte, Lanfear sei nicht immer b�se gewesen.</p><p>Eine Bewegung am Ende des Ackers sagte ihm, da� sich einer der Nym n�herte. Die gro�e Gestalt, die selbst die Ogier noch um Kopf, Schultern und Brust �berragte, trat hinaus auf den Ackerboden, der bereits die Saat enthielt, und Coumin mu�te gar nicht hinsehen, um zu wissen, da� in seinen Fu�stapfen gr�ne Sprossen emporschossen. Es war Someschta, von ganzen Schmetterlingswolken umgeben, die ihn wei� und gelb und blau umschw�rmten. Aufgeregtes Geplappere machte sich unter den versammelten Stadtbewohnern und Grundbesitzern breit, die neugierig weiter drau�en standen. Auf jedem Feld stand jetzt ein Nym bereit.</p><p>Coumin fragte sich, ob er Someschta auf Charns Geschichten ansprechen solle. Er hatte sich schon einmal mit ihm unterhalten, und Someschta war alt genug, um zu wissen, ob Charn die Wahrheit sagte. Die Nym waren �lter als jeder andere. Manche behaupteten, die Nym seien unsterblich oder lebten zumindest solange, wie es Pflanzen gab. Aber jetzt war nicht der richtige Zeitpunkt, um dar�ber nachzugr�beln, ob er einem Nym Fragen stellen solle.</p><p>Wie es der Brauch war, begann der Ogier. Er stand auf und sang. Sein Grollen in tiefstem Ba� klang, als s�nge die Erde selbst. Die Aiel erhoben sich, und die menschlichen Stimmen erklangen mit ihrem eigenen Lied. Selbst die tiefsten Stimmen unter ihnen lagen noch eine Oktave h�her als die der Ogier. Und doch harmonierten die beiden Ges�nge. Dann nahm Someschta die beiden Melodien auf und verwob sie in seinem Tanz. Er glitt mit langen, schwingenden Schritten �ber den Acker, die Arme weit gespreizt. Schmetterlinge umschw�rmten ihn und landeten auf seinen Fingerspitzen.</p><p>Coumin h�rte im Hintergrund die Ges�nge an den anderen �ckern, h�rte die Frauen rhythmisch in die H�nde klatschen, um die M�nner anzufeuern. Es war der Rhythmus und der Herzschlag neuen Lebens, doch dieses Wissen war fern und lag in einem Winkel seines Hinterkopfes. Das Lied berauschte ihn und sog ihn in sich auf. Er selbst war es, den Someschta in die Erde und um die Samen herum verwob. Es waren aber keine Samen mehr. Zemaissch��linge bedeckten den ganzen Acker, und sie waren �berall dort gr��er, wo sie der Fu� des Nyms ber�hrt hatte. Keine Krankheit w�rde diese Pflanzen gef�hrden, kein Insekt sie kahlfressen. Aus den besungenen Samen w�rden Pflanzen wachsen, mehr als zwei M�nner gro�. Sie w�rden die Silos der Stadt f�llen. Daf�r war er geboren worden, um dieses und viele weitere Lieder zu singen, um Samen zu besingen. Er bedauerte es nicht, da� ihn die Aes Sedai mit zehn Jahren abgelehnt hatten, weil sie sagten, ihm fehle der Funke. Es w�re wunderbar gewesen, zum Aes Sedai ausgebildet zu werden, aber diese Augenblicke jetzt wogen alles auf.</p><p>Das Lied verklang langsam. Die Aiel lie�en es gemeinsam ausklingen. Someschta tanzte noch ein paar Schritte weiter, nachdem die letzten Stimmen verklungen waren, denn es schien, als liege immer noch ein Hauch des Liedes in der Luft, solange er sich bewegte. Dann blieb er stehen, und es war vor�ber.</p><p>Coumin war �berrascht, als er bemerkte, da� die Stadtbewohner verschwunden waren. Er hatte allerdings keine Zeit, dar�ber nachzudenken, warum sie weg waren und wohin. Die Frauen kamen lachend heran, um die M�nner zu begl�ckw�nschen. Jetzt war er selbst einer dieser M�nner und kein Junge mehr. Wenngleich sich die Frauen bei ihm noch nicht entschieden haben zu schienen: die einen k��ten ihn auf den Mund, w�hrend die anderen emporfa�ten und ihm �ber das kurzgeschnittene rote Haar strichen.</p><p>Da wurde er des Soldaten gewahr, der nur wenige Schritt entfernt stand und sie beobachtete. Er hatte seine Schocklanze und den Tarnumhang irgendwo liegen lassen, trug aber noch seinen Helm. Wie ein riesiger Insektenkopf sah dieser aus. Die �Bei�werkzeuge� verbargen sein Gesicht, obwohl er das schwarze Schockvisier hochgeschoben hatte. Als sei ihm gerade klar geworden, da� er immer noch wie ein Fremdk�rper wirkte, nahm der Soldat nun den Helm ab. Ein junger Mann wurde so enth�llt, der h�chstens vier oder f�nf Jahre �lter war als Coumin. Der feste Blick aus seinen braunen Augen traf Coumin, und der Junge schauderte. Das Gesicht mochte ja nur vier oder f�nf Jahre �lter wirken, doch diese Augen... Auch der Soldat war bestimmt mit zehn Jahren ausgew�hlt worden, um seine Ausbildung zu beginnen. Coumin war froh, da� den Aiel diese Auswahl erspart blieb.</p><p>Einer der Ogier, Tomada, kam her�ber. Seine behaarten Ohren zeigten fragend nach vorn. �Habt Ihr Neuigkeiten, Krieger? Ich sah Erregung unter den Jo-Mobilen, w�hrend wir sangen.� Der Soldat z�gerte. �Ich denke, ich kann es Euch sagen, obwohl es noch unbest�tigt ist. Es wurde berichtet, da� Lews Therin die Gef�hrten heute morgen bei Sonnenaufgang zu einem Angriff auf den Shayol Ghul f�hrte. Die Verbindung ist wohl gest�rt, doch im Bericht hie� es, der Ri� sei versiegelt und die meisten der Verlorenen bef�nden sich drinnen. Vielleicht auch alle.� �Dann ist alles vorbei.� Tomada atmete auf. �Endlich vorbei, das Licht sei gepriesen.� �Ja.� Der Soldat blickte sich um. Mit einem Mal wirkte er verloren. �Ich... denke schon. Ich glaube... � Er sah seine H�nde an und lie� sie dann wieder fallen. Er machte einen innerlich ersch�pften Eindruck. �Die Leute hier konnten es kaum erwarten, mit dem Feiern zu beginnen. Wenn die Nachricht sich als richtig erweist, wird das tagelang so gehen. Ob sie wohl... ? Nein, sie werden nicht wollen, da� sich Soldaten ihnen anschlie�en. Wie ist es mit Euch?� �Heute abend vielleicht�, sagte Tomada. �Aber wir m�ssen noch drei weitere St�dte besuchen, bevor unsere Runde geschafft ist.� �Nat�rlich. Ihr habt noch Arbeit zu verrichten. Das bleibt Euch wenigstens.� Der Soldat sah sich wieder um. �Es gibt immer noch Trollocs. Obwohl die Verlorenen gefangen sind, bleiben noch die Trollocs. Und die Nachtreiter.� Er nickte vor sich hin und ging zur�ck zu den Jo-Mobilen.</p><p>Tomada zeigte nat�rlich weiter keine Erregung, aber Coumin war genauso �berw�ltigt wie der junge Soldat. Der Krieg war vor�ber? Wie w�rde die Welt ohne Krieg aussehen? Mit einemmal mu�te er unbedingt mit Charn sprechen.</p><p>Bevor er noch die Stadt erreichte, h�rte er bereits den L�rm der Feiern. Gel�chter und Gesang schlugen ihm entgegen. Die Glocken im Rathausturm begannen jubilierend zu l�uten. Die Menschen tanzten auf den Stra�en � M�nner, Frauen und Kinder. Coumin schob sich suchend zwischen ihnen durch. Charn hatte sich entschlossen, in einer der Schenken zu bleiben, wo die Aiel hier wohnten, anstatt mit zum Besingen zu kommen. Selbst die Aes Sedai konnten nicht mehr viel gegen die Schmerzen in seinen altersgeschw�chten Knien unternehmen. Aber sicher war er jetzt auch drau�en auf der Stra�e.</p><p>Pl�tzlich knallte etwas auf Coumins Mund und seine Beine gaben nach. Er rappelte sich auf die Knie hoch, bevor ihm �berhaupt klar war, da� er am Boden lag. Die Hand, die er an den Mund hob, war blutig. Er blickte sich um und sah einen der Stadtbewohner, der sich mit wutverzerrtem Gesicht �ber ihn beugte und seine Faust rieb. �Warum habt ihr das getan?� fragte er ihn m�hsam.</p><p>Der Mann fauchte ihn an: �Die Verlorenen sind tot. Tot, h�rst du? Lanfear wird Euch nicht mehr besch�tzen. Wir werden alle von Euch ausrotten, die den Verlorenen dienten, w�hrend sie vorgaben, auf unserer Seite zu stehen. Wir werden mit Euch allen machen, was wir mit diesem verr�ckten alten Mann gemacht haben.� Eine Frau zog den Mann am Arm weg. �Komm schon, Tomada. Komm und halte deinen n�rrischen Mund! Willst du, da� die Ogier dich abf�hren?� Mit einemmal vorsichtig, lie� sich der Mann von ihr fortziehen, zur�ck in die Menschenmenge.</p><p>Coumin k�mpfte sich hoch und rannte los, ohne auf das Blut zu achten, das ihm �ber das Kinn lief.</p><p>In der Schenke war es leer und still. Nicht einmal der Wirt war da, oder die K�chin und ihre Gehilfinnen. Coumin rannte durch das Haus und rief: �Charn? Charn? <emphasis>Charn!�</emphasis> Vielleicht auf dem Hinterhof? Charn sa� gern unter den Gew�rzapfelb�umen hinter der Schenke und erz�hlte von den Zeiten, als er noch jung gewesen war.</p><p>Coumin rannte zum Hinterausgang hinaus, stolperte und fiel auf die Nase. Sein Fu� war an einem herumliegenden Stiefel h�ngengeblieben. Es war einer von Charns guten roten Stiefeln, die er die ganze Zeit �ber trug, da er nicht mehr am Besingen teilnahm. Coumin blickte instinktiv nach oben.</p><p>Charns wei�haariger K�rper hing an einem Seil, das man �ber einen Firstbalken geworfen hatte. Der eine Fu� war blo�, wo er offensichtlich seinen Stiefel selbst abgetreten hatte. Die Finger einer Hand waren zwischen Hals und Seil eingeklemmt. Er hatte wohl versucht, sich gegen den Tod zu wehren, solange es ging.</p><p>�Warum?� fragte Coumin laut. �Wir sind Da'schain. Warum?� Es war niemand da, der die Frage beantworten konnte. Er pre�te den Stiefel an seine Brust, kniete auf dem grasbewachsenen Boden und blickte zu Charns Leichnam empor, w�hrend der fr�hliche L�rm �ber ihm zusammenschlug.</p><p>Rand bebte. Das Licht von den S�ulen her war wie ein schimmernder, blauer Vorhang, der ihm schier die Nerven aus der Haut ri�. Der Wind heulte � ein enormer Luftwirbel, der alles in sich hineinsog. Muradin hatte es geschafft, den Schleier anzulegen, doch �ber dessen Rand hinweg starrten leere und blutige Augenh�hlen. Der Aiel kaute heftig. Blutiger Schleim tropfte ihm auf die Brust. Vorw�rts.</p><p>Charn schritt ganz an der Seite der breiten, belebten Stra�e entlang, unter dem Bl�tterdach der Chorab�ume, deren dreifingrige Bl�tter Frieden und Zufriedenheit im Schatten der silbrigen Geb�ude verbreiteten, die den Himmel zu ber�hren schienen. Eine Stadt ohne Chorab�ume w�rde ihm so eint�nig wie eine Steppe vorkommen. Jo-Mobile summten leise durch die Stra�en, und ein gro�er, wei�er Scho-Flieger scho� �ber den Himmel. Er bef�rderte bestimmt B�rger nach Comelle oder Tzora oder in eine der anderen St�dte. Er selbst ben�tzte nur selten einen Scho-Flieger. Falls er weit weg mu�te, reiste er gew�hnlich in Begleitung einer Aes Sedai durch die Kurzen Wege. Doch heute abend w�rde er nach M'jinn fliegen. Heute feierte er seinen f�nfundzwanzigsten Namenstag, und an diesem Tag wollte er Nallas neuesten Heiratsantrag endlich annehmen. Er fragte sich, ob sie wohl �berrascht sei. Er hatte sie ein Jahr lang vertr�stet, weil er sich nicht niederlassen wollte. Ihre Heirat w�rde bedeuten, da� er zu Zorelle Sedai wechseln m��te, der auch Nalla diente, aber Mierin Sedai hatte schlie�lich ihre Einwilligung gegeben.</p><p>Er kam um eine Ecke und sah gerade noch den dunklen, breitschultrigen Mann mit dem modischen Spitzbart, doch es war schon zu sp�t. Die Schulter des Mannes traf ihn voll, er st�rzte hart zu Boden, fiel auf den R�cken, und sein Kopf knallte auf das Pflaster des Gehwegs, so da� er nur noch Sterne sah. Bet�ubt lag er da.</p><p>�Pa�t n�chstens besser auf!� fuhr ihn der B�rtige an. Dann zog er das �rmellose Wams zurecht und schlenkerte die Spitzenmanschetten in die richtige Lage. Sein schwarzes Haar, das ihm bis auf die Schultern fiel, war hinten zusammengebunden. Auch das war gerade gro� in Mode. So imitierte man im Grunde die Aiel, auch wenn man nicht auf den Pakt eingeschworen war.</p><p>Die blonde Frau an seiner Seite legte ihm eine Hand auf den Arm. Ihr Kleid aus wei�em T�ll schien durch ihre Verlegenheit irgendwie noch durchscheinender zu werden. �Jom, sieh mal sein Haar an. Er ist ein Aiel, Jom.� Charn fa�te nach seinem Kopf, um festzustellen, ob er eine Platzwunde habe. Die Finger fuhren durch das kurzgeschnittene rotgoldene Haar. Er zupfte an dem Pferdeschwanz in seinem Nacken. Alles in Ordnung. Eine Schwellung, sonst nichts, dachte er.</p><p>�Tats�chlich.� Der �rger des Mannes machte Zerknirschtheit Platz. �Vergebt mir, Da'schain. Ich sollte besser aufpassen, nicht Ihr. La�t mich Euch aufhelfen.� Er hatte sich schnell auf die neue Situation eingestellt und half nun Charn, auf die Beine zu kommen. �Geht es Euch gut? La�t mich einen Springer rufen, der Euch an Euer Ziel bringt.� �Ich bin unverletzt, B�rger�, sagte Charn sanftm�tig. �Es war auch wirklich mein eigener Fehler.� Das stimmte; er h�tte nicht so hetzen m�ssen. Dem Manne h�tte glatt etwas passieren k�nnen. �Habe ich Euch weh getan? Bitte, vergebt mir.� Der Mann �ffnete den Mund und wollte protestieren. Das taten die B�rger immer. Sie glaubten wohl, die Aiel best�nden aus Glas. Doch bevor der Mann ein Wort herausbringen konnte, bebte der Boden unter ihren F��en. Auch die Luft war pl�tzlich in Bewegung, schwappte in Wellen �ber sie. Der Mann sah sich nerv�s um und zog seinen modischen Tarnumhang enger um sich und seine Begleiterin zusammen, so da� ihre K�pfe k�rperlos �ber der Stra�e zu schweben schienen. �Was war das, Da'schain?� Andere, denen Charns Haar ebenfalls aufgefallen war, versammelten sich nun um sie und stellten �ngstlich die gleichen Fragen, doch er beachtete sie nicht. Er dachte gar nicht daran, da� er sich unh�flich ihnen gegen�ber verhielt. Er schob sich einfach zwischen den Menschen durch, den Blick auf die Scharom gerichtet: die wei�e Kugel, tausend Fu� im Durchmesser, die ebenso hoch �ber den blauen und silbernen Kuppeln des Collam Daan schwebte.</p><p>Mierin hatte gesagt, da� heute der gro�e Tag sei. Sie meinte, sie habe eine neue Quelle der Einen Macht entdeckt. Mit ihrer Hilfe k�nnten weibliche und m�nnliche Aes Sedai die gleiche Quelle ben�tzen und nicht, wie bisher, voneinander getrennte H�lften. Ohne diese Trennung k�nnten M�nner und Frauen gemeinsam noch viel Gr��eres vollbringen. Und heute wollte sie zusammen mit Beidomon zum erstenmal diese Kraftquelle anzapfen. Zum letztenmal mu�ten M�nner und Frauen verschiedene H�lften der Wahren Quelle ben�tzen, um sich eine neue zu erschlie�en. Heute.</p><p>Etwas, das wie ein kleiner, wei�er Splitter wirkte, wirbelte auf einem Strahl schwarzen Feuers von der Scharom weg und senkte sich t�uschend langsam und wie zuf�llig herab. Dann schossen mit einemmal hundert schwarze Feuerstrahlen aus der riesigen, wei�en Kugel. Die Scharom brach wie ein Ei auseinander und begann, in einem obsidianschwarzen Inferno herabzufallen. Dunkelheit breitete sich �ber den Himmel. Die unnat�rliche Nacht verschlang die Sonne. Es war, als sei die Schw�rze der Lichtschein dieser Flammen. �berall schrien die Menschen voller Angst auf.</p><p>Beim ersten Feuerstrahl bereits rannte Charn los in Richtung Collam Daan, aber es war ihm klar, da� er zu sp�t kommen w�rde. Er hatte geschworen, den Aes Sedai zu dienen, und nun kam er zu sp�t. Beim Laufen liefen ihm die Tr�nen �ber die Wangen.</p><p>Rand blinzelte, um die schwarzen Flecken vor seinen Augen loszuwerden, und hielt sich den Kopf mit beiden H�nden. Er hatte immer noch das Bild im Kopf, wie diese riesige Kugel in schwarzem Feuer brannte und vom Himmel st�rzte. <emphasis>Habe ich wirklich gesehen, wie das Schlupfloch in das Gef�ngnis des Dunklen K�nigs gebohrt wurde? Wirklich?</emphasis> Er stand am Rande der Reihe von gl�sernen S�ulen und blickte <emphasis>Avendesora</emphasis> an. <emphasis>Ein Chora-Baum. Eine Stadt ohne Choras ist nur eine Steppe. Und nun gibt es nur noch einen.</emphasis> Die S�ulen funkelten im blauen Schein der Nebelkuppel �ber ihm, aber nun kam das Licht nicht mehr aus ihrem Inneren, sondern war blo�e Reflektion. Von Muradin war nichts zu sehen. Er glaubte nicht, da� der Aiel aus dem gl�sernen Wald entkommen sei. Oder jemals entkommen w�rde.</p><p>Pl�tzlich fiel ihm etwas unten zwischen den Zweigen des Baums des Lebens auf. Eine Gestalt pendelte dort langsam hin und her. Es war ein Mann, der an einem um seinen Hals geschlungenen Seil hing, das man an einem Pfahl befestigt hatte. Den Pfahl hatte man einfach �ber zwei kr�ftige �ste gelegt.</p><p>Er br�llte auf und rannte zum Baum. Gleichzeitig griff er nach <emphasis>Saidin.</emphasis> Im Lauf erschien pl�tzlich das feurige Schwert in seiner Hand, und er sprang hoch und hackte damit auf das Seil ein. Gleichzeitig krachten Mat und er mit dumpfem Aufschlag auf die staubigen, wei�en Pflastersteine. Der Pfahl rollte weg und klapperte neben ihnen herunter. Erst jetzt sah Rand, da� es kein einfacher Pfahl war, sondern ein ganz eigenartiger Speer mit schwarzem Schaft und einer kurzen Schwertklinge anstelle der �blichen Spitze. Die Klinge war leicht gekr�mmt und einseitig geschliffen. Aber Rand war das gleich, und w�re er auch aus Gold und <emphasis>Cuendillar</emphasis> gewesen und mit Saphiren und Rubinen besetzt.</p><p>Er lie� Schwert und Macht fahren, ri� das Seil von Mats Hals und pre�te ein Ohr auf den Brustkorb des Freundes. Nichts. Verzweifelt ri� er Mats Wams und Hemd auf und zerri� dabei den Lederriemen, an dem ein silbernes Medaillon hing. Er warf das Medaillon zur Seite und horchte noch einmal. Nichts. Kein Herzschlag. Tot. <emphasis>Nein! Ihm w�re nichts passiert, wenn ich ihn mir nicht hierher h�tte folgen lassen! Ich kann ihn nicht tot zur�cklassen!</emphasis></p><p>Er knallte seine Faust, so hart er nur konnte, auf Mats Brustkorb, und wieder horchte er. Nichts. Ein weiterer Schlag, dann Horchen. Ja. Da war es. Ein ganz schwacher Herzschlag. Eindeutig. So schwach und so langsam. Und er wurde bereits wieder schw�cher. Aber Mat war immer noch am Leben, trotz der breiten, blau angelaufenen Schwellung um seinen Hals. Vielleicht konnte man sein Leben erhalten.</p><p>Rand atmete so tief ein, wie er nur konnte, pre�te seinen Mund auf den Mats und blies ihm den Atem ein. Wieder. Noch einmal. Dann sprang er auf, setzte sich auf Mats Brust und hob ihn am Bund seiner Hose hoch, bis sich die H�ften ein St�ck �ber dem Boden befanden. Hoch und runter, dreimal, und dann zur�ck zur Mund-zu-Mund-Beatmung. Er h�tte genauso die Macht ben�tzen k�nnen; vielleicht h�tte er damit mehr ausgerichtet. Doch er mu�te an das M�dchen im Stein denken, und das hielt ihn davon ab. Er wollte Mat am Leben halten. Am Leben, und nicht als blo�e Puppe, die mit Hilfe der Macht bewegt wurde. Damals in Emondsfeld hatte er einmal beobachtet, wie Meister Luhhan einen Jungen wiederbelebt hatte, den er leblos im Weinquellenbach treibend vorgefunden hatte.</p><p>Also beatmete er Mat, wuchtete ihn hoch, blies und wuchtete und betete.</p><p>Pl�tzlich zuckte Mat und hustete. Rand kniete sich neben ihn und Mat legte beide H�nde an seinen Hals, rollte sich auf die Seite und sog schmerzhaft r�chelnd Luft in die gequ�lte Lunge.</p><p>Mat ber�hrte das St�ck Seil an seiner Seite mit einer Hand und schauderte. �Diese verdammten � Ziegenabk�mmlinge�, grollte er heiser. �Sie versuchten � mich �umzubringen.� �Wer?� fragte Rand und blickte sich mi�trauisch um. Halbfertige Pal�ste um den riesigen, mit seltsamen Gegenst�nden �bers�ten Platz, starrten ihn aus leeren Fensterh�hlen an. Rhuidean war doch sicher menschenleer bis auf sie! Nun ja, vielleicht war Muradin noch irgendwo am Leben.</p><p>�Die Leute � auf der anderen Seite � dieser � verflixten T�r.� Mat schluckte, was ihm offensichtlich Scherzen bereitete, setzte sich auf und atmete krampfhaft durch. �Hier gibt es n�mlich auch so eine, Rand.� Es klang, als habe man seine Kehle mit einem Reibeisen bearbeitet.</p><p>�Du konntest durchgehen? Haben sie dir Fragen beantwortet?� Das k�nnte sich als n�tzlich erweisen. Er brauchte unbedingt weitere Antworten. Tausend Fragen und viel zu wenige Antworten.</p><p>�Keine Antworten�, sagte Mat heiser. �Sie sind Betr�ger. Und sie versuchten, mich umzubringen.� Er nahm das Medaillon in die Hand. Es zeigte einen silbernen Fuchskopf und war so gro�, da� es fast seine Handfl�che bedeckte. Dann verzog er das Gesicht und steckte es in die Tasche. �Wenigstens habe ich auch etwas von ihnen.� Er zog den eigenartigen Speer zu sich her�ber und fuhr mit den Fingern an dem schwarzen Schaft entlang. Die ganze L�nge entlang zog sich eine Zeile einer fremdartigen Kursivschrift, links und rechts beendet von jeweils einem in Metall eingearbeiteten Vogel, der noch schw�rzer war als das Holz. Rand glaubte, es seien Raben. Auf der Klinge war ein weiteres solches Vogelpaar eingraviert. Mit rauhem, trockenen Lachen stand Mat auf, wobei er sich auf den Speer st�tzte. Die Schwertklinge endete gerade auf Kopfh�he. Er dachte nicht daran, das Hemd zuzubinden oder die Kn�pfe am Wams wieder zu schlie�en. �Ich behalte auch den. Ihr Scherzartikel, aber ich behalte ihn trotzdem.� �Wieso Scherz?� Mat nickte. �Was darauf steht.</p><p><emphasis>�Solcherma�en wird unser Vertrag niedergeschrieben. Solcherma�en wird die Vereinbarung geschlossen. Der Gedanke ist der Pfeil der Zeit. Die Erinnerung wird niemals verblassen. Worum gebeten wurde, das wurde gegeben. Der Preis wurde bezahlt.� Ein netter Scherz, nicht wahr? Ich werde ihnen den eigenen Witz in den Hals stopfen, bis sie ersticken, wenn ich eine Gelegenheit dazu bekomme. Ich gebe ihnen ihr �Gedanke� und �Erinnerung� zur�ck.� Er zuckte ein wenig zusammen und fuhr sich mit der Hand durch das Haar. �Licht, mein Kopf tut vielleicht weh! Es dreh sich alles, so wie tausend Bruchst�cke von Tr�umen, und jeder davon ist wie eine Nadel. Glaubst du, Moiraine wird etwas dagegen tun, wenn ich sie darum bitte?� �Da bin ich sicher�, antwortete Rand bed�chtig. Mat mu�te starke Schmerzen haben, wenn er Hilfe bei einer Aes Sedai suchte. Er betrachtete wieder den dunklen Speerschaft. Der gr��te Teil der Inschrift war durch Mats Hand verdeckt, doch nicht alles. Was da auch stehen mochte, davon hatte er keine Ahnung. Woher wu�te Mat das? Rhuideans leere Fensterh�hlen starrten ihn an. Wir verbergen noch so manches Geheimnis, schienen sie ihm sagen zu wollen. Mehr als du ahnst. Schlimmeres, als du ahnst. �Gehen wir zur�ck, Mat. Es ist mir gleich, ob wir mitten in der Nacht durch das Tal gehen m�ssen. Wie du ja sagtest, wird es nachts wenigstens k�hler. Ich will nicht l�nger hier bleiben.� �Das kommt mir entgegen�, sagte Mast hustend. �Solange wir noch einmal einen Schluck Wasser aus diesem Brunnen trinken k�nnen... � Rand pa�te seinen Schritt dem Mats an. Der ging zuerst ziemlich langsam und st�tzte sich bei jedem Schritt auf den Speer wie auf einen Wanderstock. Er blieb einmal kurz stehen, um die beiden Figuren zu betrachten, den Mann und die Frau mit den Kristallkugeln, aber dann ging er weiter. Noch nicht. Das hatte noch lange Zeit, falls er vom Gl�ck beg�nstigt war.</emphasis></p><p>Als sie den Platz hinter sich hatten, wirkten die unvollendeten Pal�ste an den Stra�en bedrohlich. Ihre gezackten Spitzen h�tten Mauern einer gewaltigen Festung sein k�nnen. Rand griff nach <emphasis>Saidin,</emphasis> obwohl er keine reale Bedrohung entdecken konnte. Doch er f�hlte sie � als bohrten sich m�rderische Blicke in seinen R�cken. Rhuidean lag friedlich und menschenleer da. Im blauen Gl�hen des Nebeldaches gab es keine Schatten. Der Staub auf der Stra�e wurde vom Wind aufgewirbelt... Der Wind. Es wehte �berhaupt kein Wind.</p><p>�Ach, seng mich�, knurrte Mat. �Ich glaube, wir haben Probleme, Rand. Das habe ich nun davon, da� ich in deiner N�he bleibe. Du bringst mich jedesmal in Schwierigkeiten.� Die Wellen im Staub schlugen schneller empor. Staubk�mme vereinigten sich zu dickeren Wellen und bebten erwartungsvoll.</p><p>�Kannst du schneller gehen?� fragte Rand.</p><p>�Lehen? Blut und Asche, ich kann laufen!� Er nahm den Speer schr�g vor die Brust und rannte schleppend los.</p><p>Rand lief neben ihm und lie� wieder das Schwert erscheinen. Er wu�te wohl nicht, was er gegen Staubwogen ausrichten sollte und was das Schwert �berhaupt n�tzen k�nne. Es war ja nur Staub. <emphasis>Nein, das ist es, verdammt noch mal, nicht! Es ist eine dieser Blasen. Das B�se des Dunklen K�nigs, das durch das Muster dringt und verfluchte</emphasis> Ta'veren <emphasis>sucht. Ich wei� schon, was das ist.</emphasis></p><p>Rund um sie herum bebte der Staub, ballte sich zusammen und lagerte sich in immer dickeren Schichten ab. Pl�tzlich richtete sich genau vor ihnen im trockenen Bassin des Brunnens eine aus Staub geformte Gestalt auf, die Gestalt eines Mannes, d�ster und ohne fest umrissene Z�ge, aber mit Fingern wie scharfe Klauen. Stumm sprang sie auf die beiden zu.</p><p>Rand bewegte sich instinktiv � �Der Mond erhebt sich aus dem Wasser� � und die aus der Macht gefertigte Klinge durchschnitt diese dunkle Gestalt. Innerhalb eines Wimpernschlags befand sich an deren Stelle nur noch eine dichte Staubwolke, die sich langsam auf das Pflaster senkte.</p><p>Doch die eine Gestalt wurde durch andere ersetzt. Von allen Seiten her st�rmten schwarze, gesichtslose Gestalten auf sie ein. Jede sah anders aus als die n�chste, doch alle hatten sie diese scharfen Klauen. Rand tanzte zwischen ihnen den Tanz der Schwerter. Seine Klinge webte komplizierte Muster in der Luft und hinterlie� �berall im blauen Schein schimmernde Staubk�rner. Mat ben�tzte seinen Speer wie einen Bauernspie�. Er wirbelte ihn durch die Luft, da� er kaum noch sichtbar war, und er setzte auch die Schwertklinge an der Spitze ein, als habe er nie etwas anderes getan. Die Gesch�pfe starben, oder verwandelten sich vielmehr wieder in den Staub, aus dem sie geboren worden waren, doch es waren sehr viele und sie waren schnell. Rand lief Blut �ber das Gesicht und die alte Wunde an seiner Seite brannte so sehr, da� er f�rchten mu�te, sie werde wieder aufbrechen. Auch Mats Gesicht war rot von Blut. Es rann ihm bis �ber die Brust. Zu viele und zu schnell.</p><p><emphasis>Du vollbringst noch nicht einmal den zehnten Teil dessen, wozu du bereits jetzt f�hig bist.</emphasis> Das hatte Lanfear zu ihm gesagt. Er lachte, w�hrend er eine Fechtposition nach der anderen einnahm, w�hrend er den Tanz des Todes tanzte. Von einer der Verlorenen zu lernen! Aber warum nicht, wenn auch nicht auf die Art, die sie im Sinn hatte. Ja, er w�rde es versuchen. Er griff nach der Macht, verwob Str�nge des Elements Luft und jagte einen Luftwirbel in jede der schwarzen Gestalten mitten hinein. Sie explodierten zu Staubwolken. Er hustete. Soweit er nur blicken konnte, senkte sich dichter Staub auf den Boden.</p><p>Hustend und schwer atmend st�tzte sich Mat auf seinen Speer mit dem dunklen Schaft. �Hast du das getan?� keuchte er und wischte sich Blut aus den Augen. �Wurde auch Zeit. Wenn du so was tun kannst, warum hast du es, verdammt noch mal, nicht gleich getan?� Rand fing wieder an zu lachen. <emphasis>Weil ich nicht auf die Idee kam. Weil ich gar nicht wu�te, wie, bis ich es versuchte.</emphasis> Doch das Lachen gefror ihm in der Kehle. Der Staub fiel auf den Boden und bildete sofort neue Wellen. Die Bewegung durchlief den Staubteppich, soweit er sehen konnte. �Renn!� sagte er. �Wir m�ssen hier raus. Renn!� Seite an Seite hasteten sie auf den Nebel zu, hackten im Vorbeilaufen auf den Staub ein, wo er sich bedrohlich verdichtete, traten nach Staubwehen, taten alles, damit sich keine neuen Gestalten dieser Art bilden konnten. Rand sandte nach allen Seiten Windhosen aus, die wild durch den Staub wirbelten. Doch der verdichtete sich sofort wieder, noch bevor er den Boden erreichte. So rannten sie weiter, in den Nebel hinein und hindurch, und standen pl�tzlich in der D�mmerung, tiefe, scharf umrissene Schatten in ihrer Umgebung.</p><p>Die alte Wunde brannte h�llisch, doch Rand fuhr herum, bereit, alles einzusetzen: Blitze, Feuer, was auch immer. Doch nichts drang durch den Nebel hinter ihnen. Vielleicht war der Nebel wie eine Mauer, die diese dunklen Gestalten zur�ckhielt. Vielleicht hielt er sie dort drinnen fest. Vielleicht... Er wu�te es nicht. Es war ihm eigentlich auch gleichg�ltig, solange ihm nur diese � Dinge � nicht folgten.</p><p>�Seng mich�, knurrte Mat heiser, �wir waren die ganze Nacht �ber dort drinnen. Die Sonne geht schon bald auf. Ich hatte keine Ahnung, da� es so lange dauerte.� Rand blickte zum Himmel auf. Die Sonne stand noch hinter den Bergen. Ihre zerkl�fteten Gipfel waren von r�ckw�rts strahlend beleuchtet. Lange Schatten zogen sich �ber die Talsohle. <emphasis>Er wird bei Sonnenaufgang aus Rhuidean kommen und Euch mit Banden aneinanderfesseln, die Ihr nicht zerrei�en k�nnt. Er wird Euch zur�ckbringen, und er wird Euch vernichten.</emphasis></p><p>�Gehen wir zur�ck zum Lager oben�, sagte er leise. �Sie werden schon auf uns warten.� <emphasis>Auf mich.</emphasis></p></section><section><title><p>27</p><p>Durch die kurzen Wege</p></title><p>Die Dunkelheit innerhalb der Wege lie� den Lichtschein von Perrins Stablaterne zu einem unbedeutenden kleinen Lichtkreis um ihn selbst und Gaul herum zusammenschrumpfen. Das Knarren seines Sattels, das Knirschen und Klappern der Hufe auf dem Steinboden, alles schien nicht weiter zu dringen als bis zum Rand dieses Lichtkreises. Kein Geruch lag in der Luft; nichts. Der Aielmann hielt leicht bei Trabers Schrittempo mit und sp�hte st�ndig nach dem tr�ben Laternenschein von Loials Gruppe aus, die sich ein St�ck voraus befand. Perrin weigerte sich, sie als Failes Gruppe zu bezeichnen. Trotz ihres schlechten Rufs schienen die Wege Gaul �berhaupt nicht zu beeindrucken. Perrin konnte nicht anders: Er lauschte andauernd in die Dunkelheit hinein, und das schon zwei Tage lang oder was man hier so Tage nennen konnte. Seine Ohren w�rden den Laut dessen als erste auffangen, das ihm sagte, sie m��ten alle sterben oder es w�rde ihnen noch Schlimmeres zusto�en. Das Heulen des Windes, wo niemals ein Wind wehte. Kein wirklicher Wind, sondern <emphasis>Machin Shin,</emphasis> der Schwarze Wind, der die Seelen fra�. Immer wieder kam ihm der Gedanke, da� es doch absolut irrsinnig gewesen war, durch die Wege reisen zu wollen, aber andererseits, nun ja, wenn die Notwendigkeit bestand, was wollte man da machen?</p><p>Das schwache Licht voraus bewegte sich nicht mehr, und so lie� er Traber anhalten, obwohl sie mitten auf einer uralten Steinbr�cke standen, die sich durch vollkommene Schw�rze schwang. Wie alt sie war, konnte er an den Rissen in der Br�stung sehen und an dem mit Schlagl�chern �bers�ten Stra�enbelag. Sehr wahrscheinlich hatte sie bereits dreitausend Jahre lang hier gestanden, und nun schien sie dem Einsturz nahe. Vielleicht w�rde sie gerade jetzt einst�rzen?</p><p>Das Packpferd dr�ngte sich an Traber heran. Die beiden Tiere wieherten leise und rollten �ngstlich mit den Augen. Die Dunkelheit ihrer Umgebung machte sie so unruhig. Perrin wu�te genau, wie sich die Pferde f�hlten. Noch ein paar Menschen in ihrer Begleitung h�tten geholfen, diese Dunkelheit nicht gar so dr�ckend erscheinen zu lassen. Aber er h�tte sich um keinen Preis den Laternen vor ihnen gen�hert, selbst wenn er ganz allein w�re. Da h�tte er h�chstens riskiert, dasselbe zu erleben wie auf jener ersten Insel, kurze Zeit, nachdem sie die Wege in Tear betreten hatten. Er kratzte sich gereizt in seinem lockigen Bart. Er war sich selbst nicht klar dar�ber, was er eigentlich erwartet hatte, aber bestimmt nicht...</p><p><emphasis>Die Stablaterne h�pfte auf und ab, als er aus dem Sattel stieg und Traber sowie das Packpferd zum Wegweiser f�hrte, einer hohen, wei�en Steinplatte, die mit in Silber eingelegten Schriftzeichen bedeckt war. Die Zeichen erinnerten ein wenig an Ranken und Bl�tter, aber die gesamte Oberfl�che der Platte war mit L�chern �bers�t, als habe man S�ure daraufgegossen. Er konnte die Schrift nat�rlich nicht lesen. Das mu�te Loial tun, denn es war ja Ogier-Schrift. Nach einem Augenblick der Betrachtung schritt er um den Wegweiser herum und sah sich die Insel an. Sie entsprach genau den anderen, die er gesehen hatte: eine wei�e Steinbr�stung, die ihm bis an die Rippen reichte, in kunstvollen Schw�ngen und Rundungen durchbrochen. In Abst�nden wurde die Br�stung durch Br�cken unterbrochen, die hinaus in die Dunkelheit ragten, und an anderen Stellen m�ndeten Rampen ohne jedes Gel�nder ein, die ohne sichtbare St�tze nach oben oder unten f�hrten. �berall zeigten sich Risse, Schlagl�cher, Spalten, so, als verrotte der Stein ganz langsam. Bei jedem Hufschlag der Pferde konnte man h�ren, wie kleine Steinsplitterchen wegflogen. Gaul sp�hte ohne sichtbares Zeichen von Nervosit�t in die Dunkelheit hinaus, aber er wu�te ja auch nicht, was dort drau�en auf sie warten mochte. Perrin wu�te es nur zu gut.</emphasis></p><p><emphasis>Als Loial und die anderen nachkamen, sprang Faile sofort von ihrer schwarzen Stute und marschierte geradewegs auf Perrin zu. Sie sah ihm dabei eindringlich in die Augen. Er bereute es bereits, ihr Sorgen bereitet zu haben, aber eigentlich wirkte sie gar nicht besorgt. Er konnte ihren Gesichtsausdruck nicht deuten, nur entschlossen wirkte er schon.</emphasis></p><p><emphasis>�Hast du dich endlich entschieden, wieder mit mir zu sprechen, anstatt...?�</emphasis></p><p><emphasis>Ihre gewaltige Ohrfeige lie� ihn Sterne sehen. �Was hast du dir eingebildet�, fauchte sie ihn an, �hier einfach wie ein wilder Keiler heraufzust�rmen? Du kennst keine R�cksicht! Keine!�</emphasis></p><p><emphasis>Er atmete langsam und tief durch. �Ich habe dir schon einmal gesagt, da� du so etwas nicht tun sollst.� Sie �ffnete ihre dunklen, leicht schr�g stehenden Augen ein wenig weiter, als habe er etwas Aufreizendes gesagt. Er rieb sich noch die eine Wange, als ihre zweite Ohrfeige auf die andere klatschte und ihm beinahe das Kinn ausrenkte. Die Aiel sahen interessiert zu, w�hrend Loials Ohren traurig heruntersackten.</emphasis></p><p><emphasis>��Ich habe dir doch gesagt, du sollst das lassen�, grollte er. Ihre Faust war zwar nicht sehr gro�, doch der Schlag in seine Magengrube nahm ihm momentan die Luft. Er kr�mmte sich, und sie hob die Faust schon wieder. Da packte er sie knurrend am Kragen und...</emphasis></p><p>Es war ja ihre eigene Schuld gewesen. Allerdings. Er hatte sie gebeten, nicht zuzuschlagen, hatte es ihr immer wieder gesagt. Ihre eigene Schuld. Er war aber doch �berrascht, da� sie keines ihrer Messer gezogen hatte; sie trug beinahe so viele wie Mat mit sich herum.</p><p>Nat�rlich war sie w�tend gewesen. W�tend auf Loial, weil er versucht hatte, sich einzumischen � sie konnte ganz gut auf sich selbst aufpassen, danke sch�n. W�tend auf Bain und Chiad, weil sie sich nicht eingemischt hatten. Es hatte sie getroffen, als die beiden ihr erkl�rten, sie h�tten nicht geglaubt, sie w�nsche ihre Hilfe in einem Kampf, den sie selbst begonnen hatte. <emphasis>Wenn du dich entscheidest, zu k�mpfen,</emphasis> hatte Bain gesagt, <emphasis>dann mu�t du auch die Konsequenzen tragen und mit W�rde gewinnen oder verlieren.</emphasis> Aber sie schien auf ihn kein bi�chen w�tend mehr zu sein! Das machte ihn nerv�s. Sie sah ihn nur an, und in ihren dunklen Augen glitzerten Tr�nen. Das lie� ihn sich schuldig f�hlen, und das wiederum machte nun zur Abwechslung ihn w�tend. Warum sollte er Schuld empfinden? Erwartete sie von ihm, da� er einfach dastand und sich nach Herzenslust schlagen lie�? Sie war wieder auf ihre Stute geklettert, hatte steif und stumm oben gesessen, nicht ein bi�chen entspannt, und ihn mit einem undefinierbaren Gesichtsausdruck angeblickt. Das machte ihn sehr nerv�s. Er w�nschte beinahe, sie h�tte statt dessen ein Messer gezogen. Beinahe.</p><p>�Sie sind wieder in Bewegung�, sagte Gaul.</p><p>Perrin ri� sich aus der Vergangenheit los und kehrte in die Gegenwart zur�ck. Die andere Laterne bewegte sich tats�chlich wieder. Jetzt hielt sie inne. Einer von ihnen hatte wahrscheinlich bemerkt, da� sie ihnen noch nicht folgten. Vielleicht Loial. Faile war es m�glicherweise gleich, ob er sich verirrte, und die beiden Aielfrauen hatten schon zweimal versucht, ihn zu �berreden, mit ihnen ein St�ck weiter hinaus ins Dunkle zu gehen. Es hatte des leichten Kopfnickens von Gaul nicht bedurft, um ihr Angebot abzulehnen. Er kitzelte Traber mit den Fersen in den Flanken, damit er weiterschritt, das Packpferd im Schlepptau.</p><p>Der Wegweiser hier war noch st�rker verwittert als die meisten, die er bisher gesehen hatte. Er ritt ohne weiteren Blick daran vorbei. Der Lichtschein der anderen Laternen bewegte sich schon auf einer der Rampen abw�rts, und er folgte seufzend. Er ha�te diese Rampen. An der Seite nur tiefe Dunkelheit, so wand sie sich spiralf�rmig in die Tiefe. Au�erhalb des Lichtkreises der �ber seinem Kopf schwankenden Laterne war nichts zu sehen. Etwas in seinem Innern sagte ihm, da� ein Sturz �ber die Au�enkante nie enden werde. Traber und das Packpferd hielten sich automatisch in der Mitte und selbst Gaul mied die Au�enkante. Was noch schlimmer war: Als die Rampe schlie�lich wieder auf einer neuen Insel endete, konnte er das Gef�hl nicht vermeiden, da� diese sich genau unter derjenigen befand, die sie vorher verlassen hatten. Er war froh, als er sah, da� auch Gaul unwillk�rlich nach oben blickte, froh, da� er nicht der einzige war, der sich fragte, was die Inseln wohl an diesen Stellen festhielt und ob nicht gleich alles einst�rzen werde.</p><p>Wieder standen die Laternen Loials und Failes still, bestimmt vor einem neuen Wegweiser. So hielt er die Pferde an und sie blieben gerade noch auf der Rampe vor dem Erreichen der Insel stehen. Diesmal r�hrten sie sich nicht vom Fleck. Nach ein paar Augenblicken drang Failes Stimme zu ihm her�ber: �Perrin!� Der Gerufene und Gaul blickten sich an. Dann zuckte der Aielmann die Achseln. Sie hatte nicht mehr mit Perrin gesprochen, seit er sie...</p><p>�Perrin, komm her!� Es war nicht gerade im Befehlston gesprochen, aber gewi� auch keine Bitte.</p><p>Bain und Chiad hockten entspannt neben dem Wegweiser, und Loial sowie Faile sa�en ganz nahe auf ihren Pferden, die Stablaternen in der Hand. Der Ogier hielt auch die Z�gel ihrer Packpferde. Seine Ohren zuckten, als er erst Faile, dann Perrin ansah, und dann wieder Faile. Andererseits schien sie vollkommen darauf konzentriert, ihre Reithandschuhe zurechtzuzupfen, weiche gr�ne Lederhandschuhe, die auf dem Handr�cken jeweils einen goldenen Falken zeigten. Sie hatte sich auch umgezogen. Ihre frische Kleidung wies den gleichen Schnitt auf wie die vorherige, hoher Kragen und enger Hosenrock, doch sie war aus brokatbesetzter gr�ner Seide gefertigt und schien auch irgendwie ihren Busen zu betonen. Perrin hatte diese Sachen noch nie gesehen.</p><p>�Was willst du?� fragte er mi�trauisch.</p><p>Sie blickte auf, als sei sie �berrascht, ihn zu sehen, hielt den Kopf nachdenklich ein wenig schief und l�chelte dann, als habe sie sich gerade daran erinnert. �Ach, ja. Ich wollte sehen, ob man dir beibringen kann, zu kommen, wenn ich dich rufe.� Ihr L�cheln wurde breiter, wohl, weil sie geh�rt hatte, wie er mit den Z�hnen knirschte. Er rieb sich die Nase. Es lag ein leicht ranziger Geruch in der Luft.</p><p>Gaul lachte leise in sich hinein. �Genauso k�nntest du versuchen, die Sonne zu verstehen, Perrin. Sie existiert einfach, und es gibt nichts zu verstehen daran. Du kannst nicht ohne sie leben, aber sie fordert ihren Preis. Genauso ist es mit den Frauen.� Bain beugte sich hin�ber und fl�sterte Chiad etwas ins Ohr. Dann lachten beide. So, wie sie Gaul und ihn anblickten, wollte Perrin lieber erst gar nicht wissen, was sie so komisch gefunden hatten.</p><p>�Das stimmt �berhaupt nicht�, grollte Loial, wobei seine Ohren pr�fend vor- und zur�ckzuckten. Er sah Faile anklagend an, was ihr aber nichts auszumachen schien, denn sie l�chelte ihn nur kurz an und besch�ftigte sich wieder mit ihren Handschuhen. Jeder einzelne Finger wurde sorgf�ltig zurechtgezupft. �Es tut mir leid, Perrin. Sie bestand darauf, da� sie selbst dich rufen wolle. Deshalb. Wir sind da.� Er zeigte auf den unteren Teil des Wegweisers, von dem aus eine wei�e, von Schlagl�chern unterbrochene Linie nicht zu einer Br�cke oder einer Rampe f�hrte, sondern geradewegs hinein in die Dunkelheit. �Das Wegetor von Manetheren, Perrin.� Perrin nickte stumm. Er wollte nicht vorschlagen, der Linie zu folgen, damit ihm Faile nicht wieder vorwarf, er habe die F�hrung �bernommen. Wieder rieb er sich abwesend die Nase. Dieser fast unterschwellige ranzige Geruch ging ihm auf die Nerven. Er w�rde nichts vorschlagen, und sei es noch so vern�nftig. Wenn sie die F�hrung behalten wollte, na bitte. Doch sie sa� im Sattel, fummelte an ihren Handschuhen herum und wartete ganz offensichtlich darauf, da� er etwas sagte, damit sie dann eine geistreiche Bemerkung loslassen konnte. Sie bevorzugte Spitzen, w�hrend er einfach sagte, was er dachte. Gereizt lie� er Traber wenden, um ohne sie und Loial loszureiten. Die Linie f�hrte zu einem Wegetor und er konnte das <emphasis>Avendesora-Blatt</emphasis> genausogut selbst finden, um es zu �ffnen.</p><p>Pl�tzlich h�rte er das ged�mpfte Klappern von Hufen aus der Dunkelheit. Das und der ranzige Geruch lie�en es ihm mit einemmal wie Schuppen von den Augen fallen. �Trollocs!� br�llte er.</p><p>Gaul wirbelte mit einer geschmeidigen Bewegung herum und rammte einen Speer in den durch einen schwarzen Schuppenpanzer gesch�tzten Brustkorb eines Trollocs mit Wolfsschnauze, der mit erhobenem Sichelschwert in den Lichtkreis st�rmte. Aus dieser Bewegung heraus trat der Aiel zur Seite, zog m�helos den Speer aus dem K�rper des Trollocs, und die m�chtige Gestalt st�rzte knapp neben ihm zu Boden. Hinter dem einen kamen weitere herangerannt. Ziegenb�rte und Hauer von Keilern, spitze Schn�bel und gewundene H�rner, Krummschwerter, Dornen�xte und harpunenartige Speere... Die Pferde b�umten sich auf und wieherten wild.</p><p>Perrin hielt die Laterne an der Stange hoch, denn der Gedanke, im Dunklen diesen Kreaturen gegen�berzustehen, lie� ihm den kalten Schwei� ausbrechen. Dann schlug er nach einem Gesicht mit einer Schnauze voller spitzer Z�hne. Er war �berrascht, als ihm bewu�t wurde, da� er den Hammer aus der Schlaufe neben den Satteltaschen gerissen hatte. Wenn er auch nicht die scharfe Schneide der Axt aufwies, reichten doch zehn Pfund Stahl, von dem starken Arm eines Schmieds geschwungen, um den Trolloc mit eingeschlagenem Gesicht kreischend zur�cktaumeln zu lassen. Loial schlug mit seiner Laternenstange auf einen Kopf mit Ziegenh�rnern ein. Die Laterne zerbrach dabei, das hei�e �l flo� dem Trolloc �ber den Sch�del, und er rannte br�llend und heulend in die Dunkelheit. Der Ogier schlug wild mit der dicken Stange um sich, die in seinen gro�en H�nden wie eine Rute wirkte, aber wo sie auftraf, da krachten und zersplitterten Knochen. Eines von Failes Messern steckte pl�tzlich in einem nur zu menschlich wirkenden Auge �ber einer hauerbewehrten Schnauze. Die Aiel tanzten den Speertanz. Sie mu�ten die Zeit gefunden haben, ihre Schleier anzulegen. Perrin schlug und schlug und schlug. Ein Wirbel des Todes breitete sich aus. Es dauerte... eine Minute? F�nf? Es erschien ihm wie eine Stunde. Aber schlie�lich lagen drei Trollocs am Boden, und diejenigen, die noch nicht tot waren, zuckten bereits im Todeskampf.</p><p>Perrin sog Luft in seine Lunge. Sein rechter Arm schmerzte so, als werde er durch das Gewicht des Hammers ausgerissen. Auf seinem Gesicht brannte etwas. An seiner Seite und an seinem einen Bein lief es feucht herunter. Dort hatte ihn der Stahl der Trollocs getroffen. Jeder der Aiel wies zumindest einen dunklen Fleck auf der graubraunen Kleidung auf, und Loial hatte einen blutigen Schnitt an der H�fte. Perrin blickte an ihm vorbei und suchte Faile. Falls sie verletzt war... Sie sa� auf ihrer schwarzen Stute und hatte ein Messer wurfbereit in der Hand. Sie hatte es doch tats�chlich fertiggebracht, ihre Handschuhe auszuziehen und sauber gefaltet in ihren G�rtel zu stecken. Er konnte an ihr keine Wunde entdecken. Bei all dem Blutgeruch in ihrer Umgebung �von Menschen, Ogier und Trollocs � h�tte er an ihr keine einzelne Wunde wittern k�nnen, aber er kannte ihren eigenen Geruch ganz genau, und sie roch nicht nach Schmerzen und Verletzungen. Helles Licht tat den Trolloc-Augen weh. Sie konnten sich nicht schnell an die ge�nderten Lichtverh�ltnisse gew�hnen, als sie aus dem total Dunklen in den hellen Laternenschein kamen. Wahrscheinlich hatten sie es diesem Umstand zu verdanken, da� sie noch lebten und die Trollocs an ihrer Stelle tot waren.</p><p>Alles, was ihnen an Zeit blieb, waren ein paar Augenblicke zum Luftholen, um sich umzusehen. Mit einem Br�llen, als fielen hundert Pfund Knochen auf einmal in eine riesenhafte Knochenm�hle, sprang ein Blasser in den Lichtkreis. Das augenlose Gesicht verhie� den Tod, und das Schwert zuckte wie ein schwarzer Blitz durch die Luft. Die Pferde wieherten wild und wollten durchgehen.</p><p>Gaul schaffte es gerade noch, diese Klinge mit seinem Schild abzulenken. Ein St�ck seines Schilds wurde dabei glatt abgeschnitten, als seien die Schichten aus gegerbtem Stierleder nur Papier. Er stach zu, konnte gerade noch einem weiteren Schwerthieb ausweichen und stach wieder zu. Die Brust des Myrddraal wurde von mehreren Pfeilen durchbohrt. Bain und Chiad hatten ihre Speere in die daf�r vorgesehenen Schlaufen ihrer Waffengurte gesteckt und ben�tzten statt dessen die Hornb�gen. Nach wenigen Augenblicken sah die Brust des Halbmenschen wie ein Nadelkissen aus. Dazu scho� Gauls Speers blitzschnell vor, zuckte zur�ck, scho� wieder vor. Pl�tzlich ragte eines von Failes Messern aus dem larvenblassen, glatten Gesicht. Trotzdem fiel der Blasse nicht und versuchte weiter, jeden zu t�ten, der in seine N�he kam. Nur wilde Ausweichman�ver verhinderten, von seiner t�dlichen Klinge getroffen zu werden.</p><p>Perrin bleckte unbewu�t die Z�hne und knurrte. Er ha�te Trollocs, aber die Ungeborenen...? Es war es wert, bei dem Versuch zu sterben, einen der Ungeborenen zu t�ten. <emphasis>Meine Z�hne in seine Kehle schlagen...!</emphasis> Er achtete nicht darauf, da� er Bains und Chiads Schu�feld einengte, sondern lenkte Traber immer n�her von hinten an den Ungeborenen heran. Das Pferd str�ubte sich heftig, und er mu�te hart mit Knien und Z�geln arbeiten. Im letzten Moment fuhr die Kreatur herum, weg von Gaul, der ihm die Speerspitze zwischen die Schulterbl�tter zu rammen versuchte, stand unter dem Hals des Pferdes und starrte Perrin mit diesem augenlosen Blick an, der den Menschen so furchtbare Angst einjagte. Zu sp�t. Perrins Hammer fuhr herunter und zerschmetterte den Sch�del des Myrddraal.</p><p>Selbst am Boden und praktisch kopflos schlug der Myrddraal noch wild um sich mit seinem in Thakandar geschmiedeten Schwert. Traber t�nzelte zur�ck, wieherte nerv�s, und Perrin hatte mit einemmal das Gef�hl, da� ihm eiskaltes Wasser den R�cken herunterrinne. Dieser schwarze Stahl schlug Wunden, gegen die auch die Heilkunst der Aes Sedai machtlos war, und er war so unvorsichtig auf den Blassen losgegangen. <emphasis>Meine Z�hne in seine... Licht, ich mu� mich besser beherrschen. Ich mu�!</emphasis></p><p>Er h�rte immer noch ged�mpfte Ger�usche aus der Dunkelheit am entgegengesetzten Ende der Insel �Hufgeklapper, Stiefelschritte und kehlige Stimmen. Noch mehr Trollocs. Er konnte nicht feststellen, wie viele es waren. Schade, da� sie nicht mit dem Myrddraal verbunden gewesen waren. Aber auch so w�rden sie vielleicht nicht angreifen, wenn der Myrddraal sie nicht dazu antrieb. Trollocs waren auf gewisse Weise Feiglinge und lie�en sich meist nur auf K�mpfe in �berzahl ein, auf leichte Beute. Doch auch ohne Myrddraal wurden sie sich m�glicherweise erneut zum Angriff entschlie�en. Es war jedenfalls gut m�glich.</p><p>�Zum Wegetor�, sagte er. �Wir m�ssen raus, bevor sich die anderen entschlie�en, auch ohne den da anzugreifen.� Er deutete mit dem blutigen Hammer auf den immer noch zuckenden Blassen. Faile lie� sofort ihre Stute wenden und er war so �berrascht, da� er herausplatzte: �Du widersprichst ja gar nicht!� �Nicht, wenn du etwas Vern�nftiges sagst�, antwortete sie knapp. �Nicht, wenn du recht hast. Loial?� Der Ogier �bernahm auf seinem kr�ftigen, zottligen Reittier die F�hrung der Gruppe. Perrin reihte sich auf Traber hinter Faile und Loial ein, den Hammer kampfbereit in der Hand. Die Aiel schritten mit aufgelegten Pfeilen an seiner Seite. Schlurfende Stiefelschritte und ged�mpfter Hufschlag folgte ihnen durch die Dunkelheit. Harsch und f�r menschliche Kehlen unaussprechbar klangen die Rufe ihrer Verfolger. Sie kamen langsam n�her und hatten offensichtlich Mut gefa�t.</p><p>Ein anderer Laut drang an Perrins Ohren. Es war, als riebe Seide �ber Seide. Es lief ihm kalt �ber den R�cken dabei. Dann lauter, als atme ein Riese aus, schw�cher, st�rker, und immer n�her. �Beeilt euch!� schrie er. �Schnell!� �Ich mach ja schon!� schnauzte Loial ihn an. �Ich �dieser Laut! Ist das... ? Das Licht leuchte unseren Seelen, und die Hand des Sch�pfers sch�tze uns! Es �ffnet sich. Es geht auf, und ich mu� als letzter hinaus. Raus mit euch! Schnell! Aber nicht zu... Nein, Faile!� Perrin riskierte einen Blick nach hinten in Richtung des Tores. T�rfl�gel, die wie aus Bl�ttern gefertigt schienen, schwangen langsam auf und gaben den Blick auf ein wie durch Rauchglas gesehenes H�gelland frei. Loial war abgestiegen, um das <emphasis>Avendesora-Blatt</emphasis> wegzunehmen und so das Tor aufzuschlie�en. Faile hielt die Z�gel ihrer Packtiere und die seines riesigen Reittiers. Mit einem hastig gerufenen: �Folgt mir! Schnell!� gab sie ihrer Stute die Fersen zu sp�ren, und die galoppierte auf die �ffnung zu.</p><p>�Hinterher!� sagte Perrin zu den Aiel. �Beeilt Euch. Gegen so etwas k�nnt Ihr nicht k�mpfen.� Sie waren schlau genug, nur einen Augenblick lang zu z�gern. Dann st�rmten sie los, wobei Gaul die Z�gel ihres Packpferdes nahm. Traber stand direkt vor Loial. �Kannst du es irgendwie verschlie�en? Oder blockieren?� Das kehlige Geschrei der Trollocs klang nun auch ver�ngstigt. Die Trollocs hatten das Ger�usch ebenfalls erkannt. <emphasis>Machin Shin</emphasis> kam herbei. Wer �berleben wollte, mu�te aus den Wegen hinauskommen.</p><p>�Ja�, sagte Loial. �Ja. Aber geh nun. Geh!� Perrin lie� Traber schnell wenden und auf das Tor zuschreiten. Doch bevor ihm selbst klar wurde, was er da tat, legte er den Kopf zur�ck und heulte langgezogen, trotzig und herausfordernd zugleich. <emphasis>Du bist ein Narr!</emphasis> Er blickte sich weiter nach der Schw�rze um, und Traber schob sich durch das Tor. Eisig �berlief es ihn. Jedes einzelne Haar an seinem K�rper str�ubte sich. Die Zeit dehnte sich endlos aus. Ein Ruck ging durch ihn, als er die Wege verlie�, so, als habe er aus vollem Galopp heraus mit einem Schlag angehalten.</p><p>Die Aiel schw�rmten mit schu�bereiten Pfeilen auf dem Abhang aus, den Blick zur�ck zum Tor gerichtet. Niedriges Buschwerk und an den Hang geschmiegte Latschen pr�gten hier die Landschaft; vom Wind zerzauste Pinien und Fichten und Lederblattb�ume. Faile rappelte sich gerade hoch. Sie war bei dem pl�tzlichen Halt offensichtlich vom Pferd gest�rzt. Die schwarze Stute stand neben ihr und stupste sie mit der weichen Schnauze. Aus einem Wegetor herauszugaloppieren war zumindest genauso schlimm, wie in eines hineinzugaloppieren. Sie hatte Gl�ck, da� sie sich nicht den Hals gebrochen hatte und den ihres Pferdes �berdies. Loials gro�er Gaul und die Packpferde zitterten, als habe man sie vor den Kopf geschlagen. Perrin machte den Mund auf, und sie funkelte ihn an. Wehe, er gab einen Kommentar zum besten! Am wenigsten konnte sie es leiden, in einer solchen Lage Sympathiekundgebungen zu erhalten. Er verzog das Gesicht und hielt also lieber den Mund.</p><p>Mit einemmal kam Loial aus dem Tor geschossen. Er sprang aus einem mattsilbernen Spiegel, aus seinem eigenen Spiegelbild heraus, und rollte sich auf dem Boden ab. Fast auf seinen Fersen erschienen zwei Trollocs, der eine mit Hammelh�rnern und Ziegenbart, der andere mit einem Adlerschnabel und einem gefiederten Kamm. Doch bevor sie mehr als zur H�lfte drau�en waren, f�rbte sich die silbrige Oberfl�che im Tor schwarz, w�lbte sich hinaus, schlug Blasen und hielt sie fest.</p><p>Stimmen fl�sterten in Perrins Kopf, tausend plappernde, irrsinnige Stimmen, die nach dem Inneren seines Sch�dels krallten. <emphasis>Bitteres Blut. So bitter, dieses Blut. Trink das Blut und knack den Knochen. Knack den Knochen und saug das Mark. Bitteres Mark, s��e Schreie. Singende Schreie. Sing die Schreie hinaus. Winzige Seelen. �tzende Seelen. Schling sie herunter. So s�� ist der Schmerz.</emphasis> Und so ging es weiter.</p><p>Kreischend und heulend schlugen die Trollocs auf die Schw�rze ein, die um sie herum kochte, versuchten sich loszurei�en und wurden doch immer tiefer eingesaugt. Schlie�lich ragte nur noch eine behaarte Hand heraus, krallte verzweifelt um sich, und dann war nur noch die Dunkelheit im Tor, w�lbte sich ihnen entgegen und suchte. Ganz langsam erschienen die beiden T�rfl�gel, schlossen sich und quetschten die Schw�rze ein, bis sie wieder zur�ckquoll und sich im Inneren in Sicherheit brachte. Die Stimmen in Perrins Kopf verklangen endlich. Loial rannte hin und steckte nicht nur eines, sondern gleich zwei dreifingrige Bl�tter zur�ck unter die unz�hligen Bl�tter und Ranken auf dem Tor. Das Tor verwandelte sich wieder zu Stein, zum Teil einer Steinwand, die bis ins kleinste kunstvoll bearbeitet war, und die einsam auf einem sp�rlich bewaldeten Berghang stand. Unter den unz�hligen in Stein gehauenen Bl�ttern und Ranken befanden sich nicht eines, sondern eben zwei <emphasis>Avendesora-Bl�tter.</emphasis> Loial hatte das dreifingrige Blatt aus dem Inneren nach au�en �verpflanzt�.</p><p>Der Ogier seufzte tief und erleichtert. �Mehr konnte ich nicht tun. Es kann jetzt nur noch von dieser Seite her ge�ffnet werden.� Er sah Perrin gleichzeitig fest und verst�ndnisheischend an. �Ich h�tte es f�r immer verschlie�en k�nnen, wenn ich die Bl�tter nicht zur�ckgesteckt h�tte. Aber ich will kein Wegetor zerst�ren, Perrin. Wir haben die Wege einst gez�chtet und gehegt. Vielleicht kann man sie eines Tages s�ubern. Ich kann kein Wegetor unbrauchbar machen.� �Es reicht doch auch so�, gab Perrin zur�ck. Waren die Trollocs ebenfalls zu diesem Wegetor gezogen, oder war das Zusammentreffen nur zuf�llig zustande gekommen? Aber wie auch immer, es w�rde reichen, das Tor von dieser Seite her zu verschlie�en.</p><p>�War das...?� begann Faile unsicher, doch dann hielt sie den Mund und schluckte. Ausnahmsweise einmal wirkten sogar die Aiel ersch�ttert.</p><p><emphasis>�Machin Shin�,</emphasis> sagte Loial. �Der Schwarze Wind. Ein Gesch�pf des Schattens, oder etwas, das aus dem Verderben der Wege geboren wurde. Niemand wei� das genau. Mir tun die Trollocs leid. Ja, sogar die.� Perrin war sich da nicht so sicher, selbst bei einem so schrecklichen Tod wie diesem. Er hatte gesehen, was die Trollocs zur�cklie�en, wenn ihnen Menschen in die H�nde fielen. Trollocs a�en alles, wenn es nur Fleisch war, und manchmal hielten sie ihren Fleischvorrat am Leben, bis er geschlachtet wurde. Er verschwendete kein Mitleid an Trollocs.</p><p>Trabers Hufe knirschten auf Steinbrocken und k�rniger Erde, als Perrin ihn wenden lie�, um sich umzuschauen.</p><p>Rund um sie herum ragten wolkenverh�llte Gipfel auf. Die immer und ewig dort oben h�ngenden Wolken hatten dem Bergland seinen Namen verliehen: die Verschleierten Berge. In dieser H�he war die Luft k�hl, selbst im Sommer, und ganz besonders, wenn man es mit Tear verglich. Die Sp�tnachmittagssonne leuchtete hinter den Gipfeln im Westen, und ihr Schein gl�nzte auf B�chen, die sich hinunter zu dem Flu� wanden, der auf der Talsohle weiter unten entlangstr�mte. Sobald er viel weiter im S�dwesten die Berge verlie�, nannte man ihn einst den Manetherendrelle, aber Perrin hatte ihn als Junge als den Wei�en Flu� gekannt, der an der S�dgrenze der Zwei Fl�sse entlangflo�. Und der Name wiederum r�hrte von den Stromschnellen her, die sein Wasser zu Gischt verwandelten. Der Manetherendrelle. Die Wasser der Bergheimat.</p><p>Wo im Tal unter ihnen oder auf den sie umgebenden H�ngen der blanke Fels hervortrat, da glitzerte er wie Glas. Hier hatte einst eine Stadt gestanden, hatte Berg und Tal bedeckt. Manetheren, die Stadt hoch aufragender T�rme und ewig pl�tschernder Brunnen, die Hauptstadt eines gro�es Staates mit dem gleichen Namen, vielleicht die sch�nste Stadt der Welt, wenn man den Legenden der Ogier Glauben schenkte. Spurlos verschwunden war sie nun, bis auf das beinahe unzerst�rbare Wegetor, da� einst im Ogierhain gestanden hatte. Vor mehr als zweitausend Jahren war sie bis hinunter auf den blo�en Mutterfels verbrannt worden, als noch immer die Trolloc-Kriege tobten, verbrannt durch die Eine Macht, gleich nach dem Tod des letzten K�nigs Aemon al Caar al Thorin in seiner letzten blutigen Schlacht gegen den Schatten. Aemonsfeld hatten die Menschen den Ort der Schlacht genannt, und dort stand heute das Dorf Emondsfeld.</p><p>Perrin schauderte. Das war schon so lange her. Einmal seither waren die Trollocs hier eingefallen, in der Winternacht vor mehr als einem Jahr, der Nacht, bevor er und Rand und Mat gezwungen wurden, zusammen mit Moiraine in der Dunkelheit zu entfliehen. Auch das schien schon so lange her zu sein. Es konnte nun auch nicht wieder vorkommen, da das Wegetor geschlossen war. <emphasis>Jetzt mu� ich mir �ber die Wei�m�ntel Gedanken machen und nicht um die Trollocs.</emphasis></p><p>Ein P�rchen Bussarde mit wei�en Fl�geln kreiste �ber dem entfernten Ende des Tals. Perrins Augen konnten gerade noch den nach oben huschenden Pfeil erkennen, da �berschlug sich schon einer der Bussarde und st�rzte ab. Perrin runzelte die Stirn. Warum sollte jemand hier oben einen Bussard abschie�en? �ber einem Bauernhof war das etwas anderes, wenn man die K�ken und die G�nse sch�tzen wollte, aber hier oben? Warum hielt sich �berhaupt jemand hier oben auf? Die Menschen von den Zwei Fl�ssen mieden die Berge.</p><p>Der zweite Bussard schwebte auf schneewei�en Schwingen hin�ber in die Richtung, wo sein Genosse abgest�rzt war, doch pl�tzlich bem�hte er sich verzweifelt, an H�he zu gewinnen. Eine schwarze Wolke von Raben erhob sich aus den B�umen, umflatterte ihn in einem wilden Durcheinander, und als sie sich wieder setzten, war der Bussard verschwunden.</p><p>Perrin zwang sich zum Atmen. Er hatte auch fr�her schon gesehen, wie Raben und andere V�gel einen gr��eren Raubvogel angegriffen hatten, der ihren Nestern zu nahe gekommen war. Aber diesmal glaubte er nicht an eine so einfache Erkl�rung. Die V�gel waren in etwa von der Stelle her gekommen, wie zuvor auch der Pfeil. Raben. Der Schatten benutzte manchmal Tiere als Spitzel. Ratten und andere Aasfresser f�r gew�hnlich. Und besonders Raben. Er erinnerte sich noch ganz genau daran, wie er von st�ndig herabsto�enden Schw�rmen von Raben gejagt worden war, als bes��en sie Intelligenz.</p><p>�Was siehst du da wieder?� fragte Faile. Sie hielt eine Hand �ber ihre Augen und sp�hte hinunter ins Tal. �Waren das V�gel?� �Nur V�gel�, sagte er. <emphasis>Vielleicht. Ich kann nicht allen Angst einjagen, solange ich selbst nicht sicher bin. Und schon gar nicht, wenn sie noch von</emphasis> Machin Shin <emphasis>ersch�ttert sind.</emphasis></p><p>Ihm wurde klar, da� er immer noch den blutverschmierten Hammer in der Hand hielt, verschmiert mit schwarzem Blut des Myrddraals. Seine tastenden Finger fanden auch getrocknetes Blut auf seiner Wange und in seinem kurzen Bart, der ganz verklebt war. Als er vom Pferd kletterte, schmerzten seine H�fte und sein Bein. Er kramte ein Hemd aus einer Satteltasche, mit dem er den Hammer reinigte, bevor sich das �tzende Myrddraalblut in das Metall hineinfra�. Noch ein Augenblick, und dann w�rde er herausfinden, ob es in diesen Bergen etwas gab, wovor sie sich f�rchten mu�ten. Die W�lfe w�rden es wissen.</p><p>Faile begann, sein Wams aufzukn�pfen.</p><p>�Was machst du da?� wollte er wissen.</p><p>�Deine Wunden versorgen�, fuhr sie ihn an. �Ich werde dich ja wohl nicht verbluten lassen. Das sieht dir �hnlich �sterben und mir die Arbeit �berlassen, dich zu beerdigen. Du bist r�cksichtslos. Halt still!� �Danke sch�n�, sagte er ruhig, und sie blickte �berrascht drein.</p><p>Sie lie� ihn alles bis auf die Unterw�sche ausziehen, damit sie seine Wunden auswaschen und mit einer Tinktur einreiben konnte, die sie aus einer ihrer Satteltaschen holte. Nat�rlich konnte er den Schnitt in seinem Gesicht selbst nicht sehen, aber er schien doch klein und nur oberfl�chlich zu sein, wenn auch unangenehm nahe an seinem Auge. Aber der Schnitt an seiner linken Seite war mehr als eine Handspanne lang, l�ngs der untersten Rippe, und in seiner rechten H�fte hatte ein Speer eine tiefe Wunde hinterlassen. Faile mu�te diese Wunde n�hen. Nadel und Faden hatte sie in ihrem N�hzeug dabei. Er nahm alles gelassen hin. Sie war diejenige, die bei jedem Stich zusammenzuckte. Die ganze Zeit �ber fluchte sie leise vor sich hin, besonders heftig, als sie ihre dunkle, bei�ende Salbe in die Wunde an seiner Wange strich. Es machte beinahe den Eindruck, als seien es ihre Verletzungen und alles seine Schuld. Doch die Hand, die Bandagen um seine Rippen und seine H�fte wickelte, war sanft. Es war ein �berraschender Kontrast bei ihr � die sanfte Versorgung der Wunden und ihr w�tendes Fluchen dabei. Einfach verwirrend, diese Frau.</p><p>W�hrend er sich ein frisches Hemd und eine Ersatzhose aus den Satteltaschen fischte und anzog, untersuchte Faile den Schnitt an der Seite seines Wamses. Drei Fingerbreit weiter rechts, und er h�tte die Insel nicht mehr lebend verlassen. Er stampfte die F��e richtig in seine Stiefel hinein und fa�te nach dem Wams. Da warf sie es ihm hin.</p><p>�Du brauchst gar nicht zu glauben, da� ich dir das n�he! Ich habe schon mehr f�r dich gen�ht, als ich jemals vorhatte. H�rst du das, Perrin Aybara?� �Ich habe dich nicht gebeten... � �Du brauchst es gar nicht erst zu glauben! Das ist alles!� Sie stolzierte weg, um den Aiel dabei zu helfen, ihre Wunden und die Loials zu versorgen. Es gab ein komisches Bild ab. Da stand der Ogier und hatte seine Pumphosen heruntergelassen. Gaul und Chiad sahen sich mi�trauisch an, wie Katzen, die in ein fremdes Revier eingedrungen waren. Faile breitete ihre Tinkturen und Binden aus und blickte ihn st�ndig vorwurfsvoll an. Was hatte er nun wieder falsch gemacht?</p><p>Perrin sch�ttelte den Kopf. Gaul hatte recht, fand er. Man kann genausogut versuchen, die Sonne zu verstehen.</p><p>Er wu�te wohl, was er jetzt zu tun hatte, z�gerte aber, weil er daran dachte, was sich in den Wegen mit dem Blassen abgespielt hatte. Einmal hatte er einen Mann kennengelernt, der vergessen hatte, da� er ein Mensch war. Das gleiche konnte auch ihm passieren. <emphasis>Narr. Du mu�t nur noch ein paar Tage durchhalten. Nur, bis du die Wei�m�ntel aufsp�rst.</emphasis> Aber er mu�te Gewi�heit haben. Diese Raben.</p><p>Er f�hlte im Geist �ber das Tal hinweg nach W�lfen. Es gab immer W�lfe, wo keine Menschen wohnten, und wenn welche nah genug waren, konnte er mit ihnen sprechen. Die W�lfe mieden Menschen, gingen ihnen so weit wie m�glich aus dem Weg, aber sie ha�ten die Trollocs als unnat�rliche Gesch�pfe, und sie verabscheuten die Myrddraal abgrundtief. Wenn sich in den Verschleierten Bergen Schattenabk�mmlinge aufhielten, w�rden es ihm die W�lfe sagen.</p><p>Doch er fand keine W�lfe. Keinen einzigen. Sie h�tten sich hier in dieser Wildnis aufhalten sollen. Er konnte drunten im Tal Hirsche beim �sen beobachten. Vielleicht waren die W�lfe auch einfach nicht nahe genug. Sie konnten sich �ber einige Entfernung hinweg verst�ndigen, aber schon eine Meile war dann doch zu weit. Vielleicht war die Reichweite hier in den Bergen noch geringer. Das konnte die L�sung sein.</p><p>Sein Blick schweifte �ber die wolkengekr�nten Gipfel und blieb dann am entfernten Ende des Tals h�ngen, von wo die Raben gekommen waren. Vielleicht w�rde er morgen W�lfe aufsp�ren. An andere M�glichkeiten wollte er lieber nicht denken.</p></section><section><title><p>28</p><p>Der Turm von Ghenjei</p></title><p>Da es bereits kurz vor Einbruch der Nacht war, blieb ihnen nichts weiter �brig, als hier am Abhang nahe dem Wegetor zu lagern. In zwei verschiedenen Lagern. Darauf bestand Faile.</p><p>�Damit ist jetzt Schlu߫, sagte Loial in seinem strengsten Ba�grollen zu ihr. �Wir befinden uns nicht mehr in den Kurzen Wegen, und ich habe meinen Eid erf�llt. Jetzt ist Schlu�.� Faile setzte ihren stursten Gesichtsausdruck auf, das Kinn angehoben und die F�uste auf die H�ften gest�tzt.</p><p>�La� es sein, Loial�, sagte Perrin. �Ich werde mein Lager dort dr�ben aufschlagen.� Loial sah Faile an, die sich sofort den beiden Aielfrauen zuwandte, nachdem sie Perrins Zustimmung vernommen hatte, und dann sch�ttelte er das m�chtige Haupt und machte Anstalten, sich Perrin und Gaul anzuschlie�en. Perrin wies ihn mit einer kaum sichtbaren Geste zur�ck, von der er hoffte, die Frauen h�tten sie nicht bemerkt.</p><p>Die Entfernung war im Endeffekt aber nicht gro� �weniger als zwanzig Schritt. Das Wegetor war ja wohl verschlossen, aber da gab es immer noch die Raben und alles, was mit ihnen zusammenh�ngen mochte. Er wollte ihnen nahe sein, f�r den Fall, da� sie ihn brauchten. Falls Faile sich beklagte, sollte sie ruhig. Er war schon so darauf eingestellt, ihren Protest einfach zu �berh�ren, da� es ihn wurmte, als sie nichts sagte.</p><p>So ignorierte er statt dessen die Schmerzen in seinem Bein und unter seinen Rippen, sattelte Traber ab und holte ihr Gep�ck vom Packpferd herunter. Dann legte er beiden Tieren Fu�fesseln an und h�ngte ihnen Futters�cke um, in die er ein paar Handvoll Gerste und Hafer verteilt hatte. Hier oben konnten sie ja kaum grasen. Was die m�glichen Gefahren betraf... Vorsichtshalber bespannte er seinen Bogen, legte ihn neben den K�cher ans Feuer und holte die Axt aus der G�rtelschlaufe.</p><p>Gaul half ihm beim Feuermachen, und dann a�en sie Brot und K�se und Trockenfleisch. Sie a�en schweigend und sp�lten alles mit Wasser hinunter. Die Sonne sank hinter die Berge und malte die Gipfel und die Wolken rot. Schatten �berzogen das Tal, und die Luft wurde k�hl.</p><p>Perrin klopfte sich die Kr�mel von den H�nden und kramte seinen guten gr�nen Wollumhang aus den Satteltaschen. Vielleicht hatte er sich doch mehr der Hitze in Tear angepa�t, als er selbst glaubte. Die Frauen dr�ben a�en nicht so schweigend an ihrem von Schatten �berlagerten Feuer. Er h�rte Lachen, und ein paar Bruchst�cke dessen, was sie sagten, lie�en ihm die Ohren hei� werden. Frauen schwatzten aber auch �ber alles; sie kannten keine Hemmungen. Loial war so weit wie m�glich von ihnen abger�ckt, so weit eben der Feuerschein reichte, und hatte sich in einem Buch vergraben. Ihnen war wahrscheinlich nicht einmal klar, da� sie den Ogier von einer Verlegenheit in die n�chste st�rzten. M�glicherweise glaubten sie auch, sie spr�chen so leise, da� Loial nichts mehr davon verst�nde.</p><p>Perrin knurrte in sich hinein und setzte sich gegen�ber von Gaul ans Feuer. Der Aiel schien von der K�hle �berhaupt keine Notiz zu nehmen. �Kennst du lustige Geschichten?� �Lustige Geschichten? Mir f�llt so pl�tzlich keine ein.� Gauls Blick wanderte hin�ber zu dem anderen Feuer, und dann lachte er. �Ich w�rde schon gern eine erz�hlen, wenn ich k�nnte. Die Sonne, erinnerst du dich?� Perrin lachte extra laut, damit man es dr�ben auch sicher h�ren konnte. �Ich erinnere mich. Frauen, ha!� Das Gel�chter im anderen Lager verstummte einen Moment lang und erhob sich anschlie�end wieder. Das w�rde es ihnen schon zeigen. Auch andere Leute konnten lachen. Perrin starrte tr�bsinnig ins Feuer. Seine Wunden schmerzten.</p><p>Einen Augenblick sp�ter sagte Gaul: �Diese Landschaft wirkt eher wie das Dreifache Land als jede andere in den Feuchtl�ndern. Immer noch zuviel Wasser, und die B�ume sind zu gro� und auch zu viele, aber es wirkt nicht so fremdartig wie die Orte, die ihr W�lder nennt.� Die Erde hier war sehr schlecht, wo Manetheren im Feuer gestorben war, die verstreuten B�ume waren verkr�ppelt, vom Wind abgewandt, mit dicken, kurzen St�mmen, und keiner auch nur drei�ig Fu� hoch. F�r Perrin war das einer der tr�bseligsten Flecken Erde, die er je gesehen hatte.</p><p>�Ich w�nschte, ich k�nnte eines Tages euer Dreifaches Land kennenlernen, Gaul.� �Vielleicht geht das, wenn wir hier fertig sind.� �Vielleicht.� Das war aber wohl kaum m�glich. Eigentlich gar nicht. Er h�tte das dem Aielmann sagen k�nnen, aber er wollte lieber nicht dar�ber sprechen, ja, noch nicht einmal dar�ber nachdenken.</p><p>�Und hier stand einst Manetheren? Du stammst von den Bewohnern Manetherens ab?� �Hier war Manetheren�, antwortete Perrin. �Ja, und ich denke schon.� Es war schwer zu glauben, da� in den Bewohnern der kleinen D�rfer und stillen Bauernh�fe der Zwei Fl�sse das letzte Blut von Manetheren flo�, doch Moiraine hatte das behauptet. Das alte Blut ist stark an den Zwei Fl�ssen, hatte sie gesagt. �Das war vor langer Zeit, Gaul. Wir sind Bauern und Sch�fer, kein gro�er Staat mehr und auch keine gro�en Krieger.� Gaul l�chelte leicht. �Wenn du meinst. Ich habe dich und Rand al'Thor den Tanz der Speere tanzen sehen, und auch den, den ihr Mat nennt. Aber wenn du meinst.� Perrin rutschte nerv�s hin und her. Inwieweit hatte er sich ge�ndert, seit sie die Heimat verlassen hatten? Er und Rand und Mat? Nicht seine Augen und das mit den W�lfen oder Rands Gebrauch der Macht. Das meinte er nicht. Wieviel von seinem Innern war �berhaupt noch unver�ndert geblieben? Mat war der einzige von ihnen, der immer noch derselbe zu sein schien, vielleicht sogar in �bertriebener Weise. �Wei�t du von Manetheren?� �Wir wissen mehr von eurer Welt, als du glaubst. Und weniger, als wir glaubten. Lange bevor ich die Drachenmauer �berquerte, habe ich B�cher gelesen, die uns H�ndler mitbrachten. Ich wu�te von �Schiffen� und �Fl�ssen� und �W�ldern�, oder jedenfalls glaubte ich, sie zu kennen.� Bei Gaul klang das, als stammten diese W�rter aus einer fremden Sprache. �So habe ich mir damals einen �Wald� vorgestellt.� Damit deutete er auf die verstreuten B�ume, die so viel kleiner und verkr�ppelt waren, wenn man sie mit ihren Artgenossen im Tal verglich. �Etwas zu glauben hei�t noch nicht, die Wahrheit zu kennen. Wie steht es mit dem Nachtl�ufer und den Abk�mmlingen des Blattverderbers? Glaubst du, es war nur Zufall, da� sie zu diesem Wegetor hier kamen?� �Nein�, seufzte Perrin. �Ich habe unten im Tal Raben beobachtet. Vielleicht sind es nur V�gel, aber ich kann kein Risiko eingehen nach dieser Begegnung mit den Trollocs.� Gaul nickte. �Es k�nnten Schattenaugen gewesen sein. Wenn du das Schlimmste annimmst, kann es nur angenehme �berraschungen geben.� �Ich k�nnte jetzt eine angenehme �berraschung gebrauchen.� Perrin sandte erneut seine Gedanken hinaus, um W�lfe aufzusp�ren, doch wieder war nichts von ihnen zu sp�ren. �Ich kann heute nacht m�glicherweise etwas herausfinden. Vielleicht. Falls hier irgend etwas passiert, mu�t du mir vermutlich einen Tritt geben, um mich aufzuwecken.� Ihm wurde klar, wie eigenartig das klingen mu�te, aber Gaul nickte einfach nur. �Gaul, du hast noch nie meine Augen erw�hnt oder sie auch nur besonders beachtet. Keiner der Aiel hat ihnen irgendwelche Aufmerksamkeit geschenkt.� Er wu�te, da� sie jetzt im Feuerschein golden gl�hten.</p><p>�Die Welt ver�ndert sich�, sagte Gaul leise. �Rhuarc und Jheram, mein Clanh�uptling, und auch die Weisen Frauen bem�hten sich, ihre Gef�hle zu verbergen, aber sie hatten kein gutes Gef�hl dabei, als sie uns �ber die Drachenmauer schickten, um Ihn, Der Mit Der Morgend�mmerung Kommt, zu suchen. Ich glaube aber, die Ver�nderungen werden anders sein, als wir sie uns vorgestellt hatten. Ich wei� nicht, wie sie aussehen werden, aber eben anders. Der Sch�pfer hat uns in das Dreifache Land gesandt, um uns zu formen und f�r unsere S�nde zu bestrafen. Aber wof�r sind wir geformt worden?� Er sch�ttelte pl�tzlich reum�tig den Kopf. �Colinda, die Weise Frau der Hei�e-Quellen-Septime, sagt mir immer, da� ich f�r einen Steinhund entschieden zuviel nachdenke, und Bair, die �lteste unter den Weisen Frauen der Shaarad, hat mir gedroht, da� sie mich nach Rhuidean schickt, wenn Jheram stirbt, ob ich will oder nicht. Und au�erdem, Perrin, welche Rolle spielt denn schon die Augenfarbe bei einem Mann?� �Ich w�nschte nur, da� alle so d�chten.� Die Fr�hlichkeit am anderen Lagerfeuer schien mittlerweile erloschen. Eine der Aielfrauen � Perrin konnte nicht erkennen, welche � �bernahm mit dem R�cken zum Feuer die erste Wache, w�hrend sich die anderen Schlafen gelegt hatten. Es war ein anstrengender Tag gewesen. Das Einschlafen sollte ihm leicht fallen, und dann w�rde er auch den Traum finden, den er brauchte. Er streckte sich neben dem Feuer aus und zog seinen Umhang �ber sich. �Denk daran: Gib mir einen Tritt, damit ich aufwache, falls es notwendig ist.� Der Schlaf umfing ihn bereits, als Gaul nickte, und der gew�nschte Traum kam sofort.</p><p>Es war heller Tag, und er stand allein in der N�he des Wegetors. Es stand da wie eine mit schwungvollen Friesen bedeckte Mauer, die �berhaupt nicht an diesen Berghang pa�te. Au�er dem Tor gab es kein Anzeichen daf�r, da� je eines Menschen Fu� diesen Hang betreten hatte. Der Himmel war strahlend blau, und eine leichte Brise vom Tal her brachte die Witterung von Hirschen und Kaninchen, Wachteln und Tauben mit sich, tausend ausgepr�gte Ger�che, dazu Wasser, Erde und B�ume. Es war der Wolfstraum.</p><p>Einen Augenblick lang �berw�ltigte ihn das Gef�hl, ein Wolf zu <emphasis>sein.</emphasis> Er hatte Pfoten und... <emphasis>Nein!</emphasis> Er fuhr mit beiden H�nden an seinem K�rper entlang und war erleichtert, da� es wirklich sein eigener, menschlicher K�rper war, gekleidet in Wams und Umhang wie immer. Und auch den breiten G�rtel trug er, an dem normalerweise seine Axt hing, doch hatte er statt dessen den Schaft des Hammers durch die Halteschlaufe gesteckt.</p><p>Er runzelte die Stirn deswegen, und zu seiner �berraschung flackerte einen Moment lang das Bild der Axt dort, wenn auch durchscheinend und geisterhaft. Doch dann hing mit einem Schlag wieder der Hammer dort. Er leckte sich die Lippen und hoffte, es werde so bleiben. Die Axt war vielleicht die wirksamere Waffe, aber er zog doch den Hammer vor. Er konnte sich nicht daran erinnern, da� so etwas schon einmal vorgekommen sei, eine Ver�nderung innerhalb des Traums, aber er wu�te eben zu wenig von dieser eigenartigen Welt. Falls man es �berhaupt eine Welt nennen konnte. Es war der Wolfstraum, und hier geschahen nun einmal eigenartige Dinge, aber in einem normalen Traum war das ja auch nicht viel anders.</p><p>Als h�tte es der blo�e Gedanke ausgel�st, verdunkelte sich pl�tzlich ein Teil des Himmels �ber den Bergen und wurde zum Fenster in eine andere Wirklichkeit. Rand stand da, mitten im Sturm, lachte wild, ja sogar verr�ckt, die Arme erhoben, und mit dem Wind flogen kleine goldene und rote Gestalten um ihn herum, so wie die seltsame Gestalt auf dem Drachenbanner. Verborgene Augen beobachteten Rand, und Perrin konnte nicht feststellen, ob Rand von diesem Beobachter wu�te. Das eigenartige �Fenster� verschwand von einem Augenblick zum anderen und wurde durch ein neues weiter oben ersetzt, in dem Nynaeve und Elayne vorsichtig durch eine wahnwitzige Szenerie verzerrter, schattenhafter Geb�ude schlichen, auf der Suche nach einem gef�hrlichen Tier. Perrin war v�llig unklar, woher er wu�te, da� es gef�hrlich war, doch es war so. Auch dieses Fenster verschwand, und ein neuer dunkler Fleck breitete sich am Himmel aus. Mat war zu sehen, der an einer Stra�engabelung stand. Er warf eine M�nze und ging dann den einen Weg entlang weiter, doch pl�tzlich trug er einen Hut mit breitem Rand und ging an einem Stock, der obenauf eine kurze Schwertklinge aufwies. Ein neues Fenster, und diesmal blickten Egwene und eine Frau mit langem, wei�em Haar ihn verbl�fft an, w�hrend im Hintergrund die Wei�e Burg Stein um Stein zerbr�ckelte. Dann waren auch sie verschwunden.</p><p>Perrin atmete tief durch. Er hatte so etwas schon zuvor gesehen, nat�rlich in diesem Wolfstraum, und er glaubte, da� diese Visionen auf gewisse Weise die Realit�t zeigten oder zumindest eine reale Bedeutung hatten. Was sie aber auch bedeuten mochten � die W�lfe sahen sie nicht. Moiraine hatte angedeutet, da� der Wolfstraum sich in der gleichen Welt abspiele, die sie <emphasis>Tel'aran'rhiod</emphasis> nannte. Danach war nichts mehr aus ihr herauszubekommen gewesen. Er hatte auch geh�rt, wie Egwene und Elayne �ber Tr�ume sprachen, einmal jedenfalls, aber Egwene wu�te sowieso schon zuviel �ber ihn und die W�lfe, vielleicht genauso viel wie Moiraine. Er konnte einfach nicht mit jemandem dar�ber sprechen; noch nicht einmal mit ihr.</p><p>Es gab einen Menschen, mit dem er dar�ber h�tte sprechen k�nnen. Er w�nschte, er k�nne Elyas Machera wiederfinden, den Mann, der ihn mit den W�lfen in Kontakt gebracht hatte. Elyas mu�te viel �ber solche Dinge wissen. Als er an diesen Mann dachte, bildete er sich ein, er h�re seinen eigenen Namen, den der Wind ihm zuraunte, aber dann lauschte er bewu�t und es war doch nur der Wind. Es war ein einsamer, verlorener Laut. Nur er befand sich hier, niemand sonst.</p><p>�Springer!� rief er und im Geist noch einmal <emphasis>Springer!</emphasis> Der Wolf war tot, aber nicht hier. Wenn W�lfe starben, kamen sie in den Wolfstraum und warteten dort darauf, wiedergeboren zu werden. F�r die W�lfe bedeutete es allerdings noch mehr. Sie schienen sich sogar im wachen Zustand des Traums bewu�t zu sein. Das eine war f�r sie genauso real � oder beinahe genauso real � wie das andere. �Springer!� <emphasis>Springer!</emphasis> Aber Springer kam nicht.</p><p>Das war alles unsinnig. Er hatte einen Grund, hierherzukommen, und nun mu�te er vorankommen. Aber wenn er zu Fu� hinunterging, wo er die Raben beobachtet hatte, w�rde das Stunden dauern.</p><p>Er tat einen Schritt vorw�rts, seine Umgebung verschwamm, und er setzte den Fu� neben einem kleinen Bach wieder auf den Boden, der hier gerade an einer Schierlingstanne und einer niedrigen Bergweide vorbeiflo�. �ber ihm ragten wolkenumkr�nzte Gipfel auf. Einen Moment lang blickte er sich erstaunt um. Er befand sich am anderen Ende des Tals, weit vom Wegetor entfernt.</p><p>Er befand sich tats�chlich genau an jenem Punkt, den er hatte erreichen wollen, dem Ort, von dem die Raben hergekommen waren und auch der Pfeil, der den ersten Bussard get�tet hatte. So etwas war bisher noch nie vorgekommen. Lernte er einfach immer mehr dar�ber, wie man mit diesem Wolfstraum umgehen konnte � Springer hatte gesagt, er wisse einfach nicht genug �, oder war es diesmal anders als sonst?</p><p>Beim n�chsten Schritt war er vorsichtiger, aber es war auch nur ein einziger Schritt. Es gab kein Anzeichen eines Sch�tzen oder der Raben, keine Spur, keine herumliegende Feder, keine Witterung. Er wu�te selbst nicht, was er erwartet hatte. Es konnte ja gar kein Anzeichen geben, au�er, sie h�tten sich ebenfalls in der Traumwelt befunden. Aber wenn er im Traum W�lfe fand, konnten die ihm behilflich sein, ihre Br�der und Schwestern in der wirklichen Welt aufzusp�ren, und die wiederum w�ren in der Lage, ihm zu sagen, ob sich Schattenwesen in den Bergen aufhielten. Vielleicht w�rden sie seinen Ruf vernehmen, wenn er weiter nach oben stieg?</p><p>Er richtete den Blick auf den h�chsten Berg seiner Umgebung, gerade unterhalb der Wolkendecke, und trat vor. Die Welt verschwamm, und dann stand er weit oben am Hang, die wei�en Wolkenkissen keine f�nf Spannen �ber seinem Kopf. Unwillk�rlich mu�te er lachen. Das machte Spa�. Von hier aus konnte er das gesamte Tal �berblicken.</p><p>�Springer!� Keine Antwort.</p><p>Er sprang auf den n�chsten Berg hin�ber, rief, wieder umsonst, und von da aus zum n�chsten, immer weiter nach Osten auf die Zwei Fl�sse zu. Springer antwortete nicht.</p><p>Und was noch beunruhigender war: Perrin konnte auch keine anderen W�lfe in der N�he f�hlen. Doch im Wolfstraum gab es immer W�lfe. Immer.</p><p>Von Gipfel zu Gipfel sprang er in st�ndig verschwimmender Bewegung, rief, suchte. Die H�nge lagen einsam unter ihm, nur von Hirschen und anderem Wild belebt. Es gab allerdings gelegentlich Anzeichen daf�r, da� hier Menschen gewesen waren. Uralte Anzeichen. Zweimal sah er riesige in Stein gehauene menschliche Figuren, die beinahe einen gesamten Berghang bedeckten, und an einem anderen Ort waren seltsam eckige Buchstaben zwei Spannen hoch in eine Steilwand eingehauen worden, die ein wenig zu glatt und senkrecht wirkte. Die Gesichter der Steinfiguren waren fast vollst�ndig verwittert gewesen, und weniger gute Augen als die seinen h�tten die Buchstaben m�glicherweise ebenfalls f�r Risse und Anzeichen von Verwitterung gehalten. Die Felsen und Schr�nde machten Platz f�r die Sandh�gel, gro�e, wogenartige Erhebungen, die nur sp�rlich mit d�rrem Gras und Dornb�schen bewachsen waren. Einst, vor der Zerst�rung der Welt, waren sie der Strand eines gro�en Meeres gewesen. Und mit einemmal sah er einen anderen Mann, der auf dem Gipfel eines dieser sandigen H�gel stand.</p><p>Er war zu weit entfernt, um ihn klar erkennen zu k�nnen � einfach ein gro�er, dunkelhaariger Mann, aber ganz eindeutig kein Trolloc oder anderes Schattenwesen. Er trug ein blaues Wams und auf dem R�cken einen Bogen und beugte sich �ber etwas, das vom Unterholz verborgen auf dem Boden lag oder stand. Es war etwas Vertrautes an ihm.</p><p>Der Wind frischte auf, und Perrin konnte eine schwache Witterung aufnehmen. Es war ein kalter Geruch � anders lie� es sich nicht beschreiben. Kalt und nicht eindeutig menschlich. Pl�tzlich hielt er den eigenen Bogen in der Hand, hatte einen Pfeil aufgelegt, und das Gewicht des gef�llten K�chers zog an seinem G�rtel.</p><p>Der andere Mann blickte auf und sah Perrin. Einen Herzschlag lang z�gerte er, doch dann wandte er sich um und wurde zu einem verschwommenen Schemen, das �ber die H�gel forthuschte. Perrin sprang hinunter auf den H�gel, wo eben noch der Mann gestanden hatte. Er betrachtete das, was den Kerl so besch�ftigt hatte: den halb abgeh�uteten Kadaver eines Wolfs. Ein toter Wolf in einem Wolfstraum. Das war undenkbar. Was konnte hier einen Wolf t�ten? Es mu�te etwas schrecklich B�ses gewesen sein. Er machte sich ohne nachzudenken an die Verfolgung.</p><p>Der, den er suchte, rannte in meilenlangen Schritten davon, und er bekam ihn kaum einmal richtig zu sehen. Aus dem H�gelland hinaus, �ber den verfilzten Westwald mit seinen weit verstreuten Bauernh�fen, �ber bestellte �cker, �ber ein Netzwerk eingez�unter Felder und kleiner Dickichte und schlie�lich an Wachh�gel vorbei. Es war schon eigenartig, dieses Dorf mit seinen strohgedeckten H�usern auf dem H�gel v�llig menschenleer zu sehen. Auch die Bauernh�fe wirkten verlassen. Doch vor allem beobachtete er den Mann, der vor ihm floh. Er hatte sich schon so an diese Verfolgungsjagd gew�hnt, da� es ihn nicht mehr �berraschte, als er nach einem langen Schritt pl�tzlich am S�dufer des Tarenflusses stand und mit dem n�chsten bereits kahle H�gel erreichte, auf denen weder Baum noch Gras wuchs. Nach Nordosten rannte er, �ber B�che und Stra�en und D�rfer und Fl�sse, nur auf den Mann vor sich konzentriert. Die Landschaft wurde eben und steppenartig, von Hecken unterbrochen, aber er sah nichts mehr von dem Mann. Dann glitzerte etwas weit vor ihm im Sonnenschein: ein metallener Turm. Sein Opfer hielt geradewegs darauf zu und verschwand. Zwei lange S�tze brachten Perrin dorthin.</p><p>Der Turm war volle zweihundert Fu� hoch und vierzig Fu� im Durchmesser. Er gl�nzte wie polierter Stahl. Es h�tte auch eine massive S�ule aus Metall sein k�nnen. Perrin lief zweimal ganz herum, ohne eine �ffnung zu entdecken. Nicht einmal ein Sprung war zu sehen, ja, nicht einmal ein Kratzer! Aber die Witterung war da, dieser kalte, unmenschliche Gestank. Hier endete die Spur. Der Mann, falls er �berhaupt einer war, mu�te auf irgendeine Weise nach innen gelangt sein. An ihm lag es nun, diesen Weg ebenfalls zu finden.</p><p><emphasis>Halt!</emphasis> Es war lediglich ein starkes Gef�hl, zu dem Perrins Verstand dieses Wort hinzuf�gte. <emphasis>Halt!</emphasis></p><p>Er drehte sich um, und ein m�chtiger grauer Wolf mit beinahe wei�er Schnauze und vielen Narben landete neben ihm, als sei er aus dem Himmel herabgesprungen. Das war auch gut m�glich. Springer hatte immer die Adler um ihre F�higkeit beneidet, fliegen zu k�nnen, und in dieser Welt konnte er das tats�chlich auch. Der Blick aus gelben Augen traf auf einen anderen aus ebenfalls gelben Augen.</p><p>�Warum soll ich hierbleiben, Springer? Er hat einen Wolf get�tet.�</p><p><emphasis>Menschen haben W�lfe get�tet und W�lfe Menschen. Warum packt dich diesmal der Zorn so hei� an der Kehle?</emphasis></p><p>�Ich wei� nicht�, sagte Perrin bed�chtig. �Vielleicht, weil es hier geschah. Ich wu�te nicht, da� es auch hier m�glich ist, einen Wolf zu t�ten. Ich glaubte die W�lfe in der Traumwelt in Sicherheit.�</p><p><emphasis>Du jagst den Schl�chter, Junger Bulle. Er ist k�rperlich hier, und er kann t�ten.</emphasis></p><p>�K�rperlich? Du meinst, er tr�umt nicht nur? Wie kann er sich denn k�rperlich hier befinden?�</p><p><emphasis>Ich wei� nicht. Es ist etwas, woran wir uns von fr�heren Zeiten her noch schwach erinnern und das nun wie so vieles andere wiederkehrt. Es sind Schattenwesen in den Traum eingedrungen. Gesch�pfe von Herzfang. Es gibt keine Sicherheit.</emphasis></p><p>�Er ist jedenfalls jetzt drinnen.� Perrin betrachtete den glatten Metallturm. �Wenn ich herausfinde, wie er dort hineingekommen ist, kann ich ihm ein Ende bereiten.�</p><p><emphasis>N�rrischer Welpe. Du gr�bst das Nest von Erdwespen aus. Dieser Ort ist b�se. Alle wissen das. Und du willst das B�se ins B�se hinein verfolgen. Der Schl�chter kann t�ten!</emphasis></p><p>Perrin schwieg. Da war etwas sehr Endg�ltiges an den Gef�hlen, denen sein Verstand das Wort �t�ten� zugeordnet hatte. �Springer, was geschieht mit einem Wolf, der in der Traumwelt get�tet wird?� Der Wolf schwieg ebenfalls eine Weile lang. <emphasis>Wenn wir hier sterben, sterben wir endg�ltig, Junger Bulle. Ich wei� nicht, ob f�r dich dasselbe gilt, aber ich glaube schon.</emphasis></p><p>�Ein gef�hrlicher Ort, Bogensch�tze. Der Turm von Ghenjei ist ein schlechter Aufenthaltsort f�r Menschen.� Perrin wirbelte herum und hatte den Bogen schon halb hochgerissen, bevor er die Frau sah, die ein paar Schritt von ihm entfernt stand. Ihr goldenes Haar hing ihr zu einem dicken Zopf zusammengeflochten bis zur H�fte hinunter, beinahe so, wie es die Frauen der Zwei Fl�sse trugen. Allerdings war der Zopf noch kunstvoller geflochten. Ihre Kleidung war von eigenartigem Zuschnitt. Sie trug ein kurzes, wei�es Wams und Pumphosen aus einem d�nnen, bla�gelben Material, die an ihren Kn�cheln �ber den Stiefeletten endeten. Ihr dunkler Umhang schien etwas zu verbergen, das wie Silber an ihrer Seite glitzerte.</p><p>Sie bewegte sich, und das metallische Glitzern war nicht mehr zu sehen. �Ihr habt scharfe Augen, Bogensch�tze. Das habe ich schon beim erstenmal gewu�t, als ich Euch sah.� Wie lange hatte sie ihn schon beobachtet? Es war besch�mend f�r ihn, da� sie sich unbemerkt an ihn hatte anschleichen k�nnen. Zumindest h�tte ihn Springer warnen sollen. Der Wolf lag im kniehohen Gras, die Schnauze auf den Vorderpfoten, und beobachtete ihn.</p><p>Die Frau kam ihm irgendwie bekannt vor, aber andererseits war er sicher, da� er sie nicht vergessen h�tte, wenn er ihr schon einmal begegnet w�re. Wer war sie, da� sie sich im Wolfstraum aufhielt? Oder war das tats�chlich auch Moiraines <emphasis>Tel'aran'rhiod?</emphasis> �Seid Ihr eine Aes Sedai?� �Nein, Bogensch�tze�, lachte sie. �Ich kam nur gegen alle Vorschriften her, um Euch zu warnen. Selbst in der Menschenwelt ist es schwer, den Turm von Ghenjei wieder zu verlassen, wenn man ihn einmal betreten hat. Hier ist es beinahe unm�glich. Ihr habt den Mut des Bannertr�gers, doch man sagt auch, da� dessen Mut sich kaum von Leichtsinn unterscheidet.� Unm�glich, ihn wieder zu verlassen? Dieser Bursche, den Springer den Schl�chter nannte, war auf jeden Fall hineingegangen. Warum w�rde er das tun, wenn er ihn nicht mehr verlassen k�nnte? �Springer hat auch behauptet, es sei gef�hrlich. Der Turm von Ghenjei? Was ist das?� Sie ri� die Augen auf und sah Springer an, der immer noch lang ausgestreckt auf dem Gras lag und Perrin beobachtete. �Ihr k�nnt mit W�lfen sprechen? Das ist etwas, was nur noch aus Legenden bekannt ist. Deshalb also seid Ihr hier. Ich h�tte es wissen sollen. Der Turm? Das ist ein Tor, Bogensch�tze, ein Tor zum Reich der Aelfinn und der Eelfinn.� Sie sagte das so, als m�sse er diese Bezeichnungen kennen. Als er sie verst�ndnislos anblickte, sagte sie: �Habt Ihr jemals ein Spiel gespielt, das bei uns �Schlangen und F�chse� hie�?� �Das kennen doch alle Kinder. Jedenfalls an den Zwei Fl�ssen. Aber sie geben es auf, wenn sie alt genug sind, um zu begreifen, da� man bei diesem Spiel nicht gewinnen kann.� �Au�er, man bricht die Regeln�, sagte sie. ��Mut gibt Kraft, Feuer blendet, Musik bet�ubt und Eisen das Spiel wendet�.� �Das stammt aus dem Spiel. Ich verstehe nicht. Was hat das mit diesem Turm zu tun?� �So gewinnt man gegen die Schlangen und F�chse. Das Spiel soll an alte Ereignisse erinnern. Es spielt keine Rolle, solange Ihr euch von den Aelfinn und den Eelfinn fernhaltet. Sie sind nicht auf die Art b�se, wie es der Schatten ist, aber sie unterscheiden sich derart von der Menschheit, da� sie fast genauso gef�hrlich sind. Man kann ihnen nicht trauen, Bogensch�tze. Bleibt vom Turm von Ghenjei weg. Meidet die Welt der Tr�ume, wenn es m�glich ist. D�stere Wesen treiben sich hier herum.� �Wie der Mann, den ich verfolgt habe? Der Schl�chter?� �Das ist ein passender Name f�r ihn. Dieser Schl�chter ist nicht alt, Bogensch�tze, aber das B�se in ihm ist uralt.� Sie schien sich leicht auf etwas Unsichtbares zu st�tzen. Vielleicht war es das silberne Ding, das er nie ganz zu Gesicht bekommen hatte. �Ich scheine Euch eine ganze Menge zu erz�hlen. Ich wei� auch nicht, warum ich �berhaupt damit angefangen habe. Aber nat�rlich: Seid Ihr ein <emphasis>Ta'veren,</emphasis> Bogensch�tze?� �Wer seid Ihr?� Sie schien ja eine Menge �ber den Turm und den Wolfstraum zu wissen. <emphasis>Aber sie war �berrascht dar�ber, da� ich mit Springer sprechen kann.</emphasis> �Ich glaube, ich habe Euch schon einmal irgendwo getroffen.� �Ich habe schon zu viele Verbote �bergangen, Bogensch�tze.� �Verbote? Was f�r Verbote?� Ein Schatten fiel hinter Springer auf den Boden, und Perrin fuhr herum. Er �rgerte sich, da� er sich schon wieder hatte �berraschen lassen. Doch es war niemand zu sehen. Er hatte aber deutlich den Schatten eines Mannes wahrgenommen, �ber dessen Schultern die Griffe zweier Schwerter ragten. Etwas an dieser Vorstellung reizte sein Erinnerungsverm�gen.</p><p>�Er hat recht�, sagte die Frau hinter ihm. �Ich sollte gar nicht mit Euch sprechen.� Als er sich ihr wieder zuwenden wollte, war sie weg. Soweit er blicken konnte, sah er nur Grasland und vereinzelte Hecken. Und den silbrig schimmernden Turm.</p><p>Er sah Springer fragend an, und der hob endlich den Kopf von seinen Pfoten. �Mich wundert nur, wie du das aush�ltst�, knurrte Perrin. �Was h�ltst du von ihr?� <emphasis>Von ihr? Eine �sie�?</emphasis> Springer stand auf und sah sich um.</p><p><emphasis>Wo?</emphasis></p><p>�Ich habe doch mit ihr gesprochen. Genau hier. Gerade eben.�</p><p><emphasis>Du hast mit dem Wind geplaudert, Junger Bulle. Es war keine �sie� hier. Niemand au�er dir und mir.</emphasis></p><p>Perrin kratzte sich gereizt im Bart. Sie war hiergewesen. Er hatte keine Selbstgespr�che gef�hrt. �Hier k�nnen eben eigenartige Sachen geschehen�, sagte er sich. �Sie hat dir zugestimmt, Springer. Sie hat gesagt, ich solle mich von diesem Turm fernhalten.� <emphasis>Sie ist klug.</emphasis> Es lag jedoch ein wenig Zweifel in diesem Gedanken. Springer glaubte immer noch nicht, da� es diese �sie� gegeben hatte.</p><p>�Ich bin schrecklich weit von dem abgekommen, was ich eigentlich erreichen wollte�, stellte Perrin fest. Er erkl�rte, warum er im Gebiet der Zwei Fl�sse oder in den Bergen W�lfe gesucht hatte, erz�hlte Springer von den Raben und den Trollocs in den Kurzen Wegen.</p><p>Als er fertig war, schwieg Springer noch eine ganze Weile. Den buschigen Schwanz hielt er gesenkt und steif. Schlie�lich... <emphasis>Meide deine alte Heimat, Junger Bulle.</emphasis> Das Bild, dem Perrins Verstand den Begriff �Heimat� zuordnete, zeigte ein Land mit einem Wolfsrudel darin. <emphasis>Es gibt dort jetzt keine W�lfe mehr. Diejenigen, die sich dort aufhielten und nicht flohen, sind tot. Dort wandelt der Schl�chter durch den Traum.</emphasis></p><p>�Ich mu� nach Hause, Springer. Ich mu�.�</p><p><emphasis>Sei vorsichtig, Junger Bulle. Der Tag der Letzten Jagd n�hert sich. Wir werden in der Letzten Jagd miteinander laufen.</emphasis></p><p>�Das werden wir�, sagte Perrin traurig. Es w�re sch�n, wenn er nach seinem Tod hierherkommen k�nnte. Es schien ihm, da� er bereits jetzt ein halber Wolf sei. �Ich mu� jetzt gehen, Springer.�</p><p><emphasis>M�ge deine Jagd reichhaltig sein, Junger Bulle, und ich w�nsche dir eine �sie�, die dir viele Welpen schenkt.</emphasis></p><p>�Leb wohl, Springer.� Er �ffnete die Augen und nahm den tr�ben Lichtschein von ausgl�henden Kohlen am Abhang wahr. Gaul hockte gerade au�erhalb des Lichtscheins und blickte in die Nacht hinaus. Im anderen Lager war Faile wach und hatte ihre Wache �bernommen. Der Mond hing �ber den Bergen und verwandelte die Wolken in perlgraue Schatten. Perrin sch�tzte, da� er etwa zwei Stunden geschlafen hatte.</p><p>�Ich werde eine Weile die Wache �bernehmen�, sagte er und warf seinen Umhang beiseite. Gaul nickte und lie� sich auf dem Fleck nieder, an dem er sich befand. �Gaul?� Der Aiel hob den Kopf. �Die Lage an den Zwei Fl�ssen k�nnte noch schlimmer sein, als ich glaubte.� �Das ist oftmals der Fall�, antwortete Gaul ruhig. �So ist das Leben.� Dann legte der Aiel gelassen den Kopf hin und schlief ein.</p><p>Der Schl�chter. Wer war das? Was war er? Schattenwesen am Wegetor, Raben in den Verschleierten Bergen und dieser Mann, den man den Schl�chter nannte, an den Zwei Fl�ssen. Das konnte kein Zufall sein, so sehr er sich das auch w�nschte.</p></section><section><title><p>29</p><p>Heimkehr</p></title><p>F�r die Reise zum Westwald, f�r die er im Wolfstraum gerade einmal ein halbes Dutzend Schritte ben�tigt hatte, brauchten sie zu Pferd drei lange Tage. Aus den Bergen hinaus und durch das Gebiet der Sandh�gel ritten sie, und die Aiel hatten keine M�he, zu Fu� mitzuhalten. Das st�ndige Auf und Ab erm�dete die Tiere fast mehr als die Aiel. Perrins Wunden juckten stark, aber sie heilten. Failes Tinkturen schienen zu wirken.</p><p>Im gro�en und ganzen war es ein ruhiger Ritt. Man h�rte �fters das Bellen eines jagenden Fuchses oder den Jagdschrei eines Habichts, als da� jemand etwas gesagt h�tte. Wenigstens sahen sie auch nichts mehr von den Raben. Mehr als einmal glaubte Perrin, Faile wolle ihr Pferd zu seinem her�berlenken und ihm etwas sagen, aber jedesmal hielt sie sich dann doch zur�ck. Er war auch froh dar�ber, denn einerseits w�nschte er sich nichts mehr, als mit ihr zu sprechen, aber andererseits fragte er sich, was w�re, wenn er sich wieder mit ihr vers�hnte. Er machte sich allein schon dieses Wunsches wegen Selbstvorw�rfe. Sie hatte Loial und ihn hinters Licht gef�hrt. Sie w�rde alles nur noch schlimmer machen, noch schwerer f�r ihn. Er h�tte sie so gern wieder gek��t. Es w�re ihm am liebsten gewesen, wenn sie von ihm die Nase voll h�tte und davonritt. Warum mu�te sie so stur sein?</p><p>Sie und die beiden Aielfrauen blieben meist f�r sich.</p><p>Bain und Chiad liefen zu beiden Seiten neben ihrem Pferd her, soweit nicht eine von ihnen gerade ein St�ck voraus den Weg erkundete. Manchmal sprachen die drei leise miteinander, und danach mieden sie betont jeden Blick zu ihm her�ber. Sie h�tten genausogut Steine nach ihm werfen k�nnen. Da Perrin es w�nschte, ritt Loial mit den Frauen, obwohl ihn das offensichtlich verdro�. Loials Ohren zuckten manchmal derart, als w�nsche er sich, er h�tte niemals auch nur von der Existenz der Menschen geh�rt. Gaul schien das alles unwahrscheinlich am�sant zu finden. Wann Perrin ihn auch ansah, immer grinste er verstohlen in sich hinein.</p><p>Was ihn selbst betraf, so ritt Perrin in st�ndige Sorgen geh�llt dahin und hatte den bespannten Bogen vor sich auf das hohe Sattelhorn geh�ngt. Ob sich dieser Mann, den man den Schl�chter nannte, nur im Wolfstraum in den Zwei Fl�ssen herumtrieb, oder ob er auch in der realen Welt sein Unwesen trieb? Perrin bef�rchtete das letztere und auch, da� der Schl�chter derjenige gewesen war, der ohne ersichtlichen Grund den Bussard abgeschossen hatte. Das war eine weitere Komplikation, auf die er verzichten konnte. Und das alles zus�tzlich zu den Kindern des Lichts.</p><p>Seine Familie wohnte auf einem gro�en Bauernhof mehr als eine halbe Tagesreise von Emondsfeld entfernt nahe dem Wasserwald. Vater und Mutter, seine Schwestern und sein kleiner Bruder. Paetram war jetzt neun und wehrte sich wahrscheinlich mehr als je zuvor dagegen, als das Baby in der Familie betrachtet zu werden. Die mollige Deselle war mittlerweile zw�lf und Adora sechzehn. Vielleicht bereitete sie sich schon darauf vor, ihr Haar zum Zopf einer Frau zu flechten. Dazu Onkel Edward, Papas Bruder, Tante Madge, eine kr�ftige Frau, die ihrem Mann sehr �hnlich sah, und deren Kinder. Dann Tante Neain, die jeden Morgen Onkel Carlins Grab besuchte, und ihre Kinder, und schlie�lich Gro�tante Ealsin, die nie geheiratet hatte. Sie hatte eine spitze Nase und scharfe Augen, mit denen sie offensichtlich alles ersp�hte, was meilenweit in ihrer Umgebung passierte. Seit er einst als Lehrling zu Meister Luhhan gegangen war, hatte er sie nur noch an Festtagen gesehen. Die Entfernung war zu gro�, um einfach mal zu Besuch hereinzuschneien, und dazu hatte es immer irgend etwas zu arbeiten gegeben. Falls die Wei�m�ntel nach den Aybaras forschten, waren diese ziemlich leicht zu finden. Dort lag seine Verantwortung. F�r diesen Schl�chter war er nicht zust�ndig. Er konnte sich nicht zerteilen. Er mu�te seine Familie und Faile besch�tzen. Das kam zuerst. Dann das Dorf und die W�lfe, und hinterher vielleicht noch der Schl�chter. Ein Mann konnte unm�glich alles bew�ltigen.</p><p>Der Westwald wuchs auf steinigem Boden, von Zeit zu Zeit durch Felsvorspr�nge unterbrochen, die meist von Brombeerhecken �berzogen waren. Es war ein hartes, dicht bewaldetes Land mit wenigen Bauernh�fen und Wegen. Als Junge war er viel in diesem verfilzten Waldgebiet herumgewandert, allein oder mit Rand und Mat. Sie hatten mit Pfeil und Bogen oder der Steinschleuder gejagt, Kaninchenfallen ausgelegt oder waren einfach nur umhergestreift, weil es ihnen Spa� machte. Eichh�rnchen mit dicken, buschigen Schw�nzen keckerten in den B�umen, gefleckte Drosseln sangen auf den Zweigen und wurden von den schwarzgefiederten Spottdrosseln imitiert, Wachteln mit blauen R�ckenfedern h�pften, von den Reisenden aufgescheucht, aus dem Unterholz hervor... Alles typische Merkmale seiner Heimat. Er erkannte sogar den Geruch der von den Pferdehufen losgerissenen Erdklumpen.</p><p>Er h�tte auf direktem Weg nach Emondsfeld reiten k�nnen, aber er hielt sich etwas weiter n�rdlich, blieb im Wald und �berquerte schlie�lich den breiten, ausgefahrenen Weg, den man Haldenstra�e getauft hatte. Die Sonne senkte sich bereits auf die Baumwipfel nieder. Was die �Halde� im Namen bedeutete, wu�te keiner an den Zwei Fl�ssen. Sie sah ja kaum wie eine richtige Stra�e aus � eher wie eine langgezogene, von Unkraut bewachsene aber ansonsten baumfreie Fl�che, die man erst als Stra�e erkannte, wenn man drauf stand und die Fahrspuren von Generationen von Karren und Planwagen bemerkte. An manchen Stellen traten noch Bruchst�cke von alten Pflastersteinen an die Oberfl�che. Vielleicht hatte sie einst zu einer Halde oder einem Steinbruch gef�hrt, als Manetheren noch existierte.</p><p>Der Hof, den Perrin aufsuchen wollte, lag unweit der Stra�e hinter Reihen von Apfel- und Birnb�umen, an denen das Obst reifte. Er roch den Hof, lange bevor er ihn sah. Es war der Gestank von Ru� und Brand, nicht frisch, aber auch ein volles Jahr w�rde diesen Gestank nicht schw�cher werden lassen.</p><p>Er lie� sein Pferd am Waldrand stehenbleiben und betrachtete das, was vor ihm lag, bevor er sich dazu zwang, zwischen die Ruinen des al'Thor-Hofes zu reiten, das Packpferd nach wie vor im Schlepptau. Nur der ummauerte Schafpferch stand noch, das Gittertor ge�ffnet und schief an einer Angel h�ngend. Der ru�geschw�rzte Schornstein warf einen schr�gen Schatten �ber das Durcheinander umgest�rzter Pfosten und Steine, wo einst das Wohnhaus gestanden hatte. Von der Scheune und dem Tabakschuppen war nur Asche �briggeblieben. Das Tabakfeld und der Gem�segarten waren von Unkraut �berwuchert, und der Hausgarten war offensichtlich niedergetrampelt worden. Alles bis auf S�gblattpflanzen und Federkronen lag braun und zertreten am Boden.</p><p>Er dachte gar nicht daran, einen Pfeil aufzulegen. Das Feuer mu�te schon Wochen her sein. Das angesengte Holz war von den Regenf�llen der letzten Zeit deutlich ausgewaschen und glanzlos. Die Brennesseln zwischen den Tr�mmern waren bestimmt schon einen Monat alt. Egge und Pflug, die am Ackerrain weiter hinten standen, waren beinahe von ihnen �berwuchert, und unter den Bl�ttern zeigten sich bereits Rostflecken an den Ackerger�ten.</p><p>Die Aiel suchten das Gel�nde gr�ndlich ab, die Speere bereitgehalten und die Augen wachsam. Systematisch schritten sie den ehemaligen Bauernhof ab und stierten selbst in der Asche herum. Als Bain aus dem Tr�mmerhaufen des Wohnhauses kletterte, sah sie Perrin an und sch�ttelte den Kopf. Also war Tam al'Thor wenigstens nicht hier ums Leben gekommen.</p><p><emphasis>Sie wissen Bescheid. Sie wissen es, Rand. Du h�ttest mitkommen sollen.</emphasis> Er hatte M�he, sich zu beherrschen und Traber nicht in vollem Galopp den ganzen Weg zum Hof seiner Familie zur�cklegen zu lassen. Selbst dieses ausdauernde Pferd konnte das nicht durchhalten und w�re vermutlich tot umgefallen. Vielleicht waren es Trollocs gewesen, die das angerichtet hatten. Falls ja, dann arbeitete seine Familie vielleicht noch unbehelligt und sicher auf ihrem Hof. Er atmete tief durch, aber der Ru�gestank ging ihm nicht aus der Nase.</p><p>Gaul blieb neben ihm stehen. �Wer das auch angerichtet haben mag, ist schon lange weg. Sie haben einige Schafe get�tet, und der Rest ist weggelaufen. Sp�ter ist jemand gekommen, um den Rest der Herde wieder einzufangen und nach Norden zu treiben. Zwei M�nner, glaube ich, aber die Spuren sind zu alt, um sicherzugehen.� �Gibt es irgendeinen Hinweis darauf, wer das getan hat?� Gaul sch�ttelte den Kopf. Es k�nnten Trollocs gewesen sein. Seltsam, da� er sich w�nschte, es sei das Werk von Trollocs. Und dumm obendrein. Die Wei�m�ntel kannten seinen Namen und, wie es schien, auch den Rands. <emphasis>Sie kennen meinen Namen.</emphasis> Er blickte versonnen auf die Asche des al'Thor-Hauses, und Traber schritt vorw�rts, als die Z�gel in seiner Hand zitterten.</p><p>Loial war bei den Obstb�umen abgestiegen, und sein Kopf befand sich zwischen den Zweigen. Faile ritt auf Perrin zu und musterte seine Gesichtsz�ge. Ihre Stute schritt grazi�s einher. �Ist das... ? Kennst du die Leute, die hier wohnten?� �Rand und sein Vater.� �Oh. Ich dachte, es sei... � Erleichterung und Mitgef�hl schwangen in ihrem Tonfall mit. �Wohnt deine Familie hier in der N�he?� �Nein�, sagte er schroff, und sie zuckte zur�ck, als habe er ihr eine Ohrfeige verpa�t. Doch sie blickte ihn weiterhin an und wartete. Was mu�te er denn noch anstellen, um sie zu vertreiben? Mehr, als er fertigbrachte jedenfalls, wenn er es bis jetzt noch nicht geschafft hatte.</p><p>Die Schatten wurden l�nger, und die Sonne wanderte auf die Baumwipfel zu. Er lie� Traber umdrehen und wandte ihr unh�flich den R�cken zu. �Gaul, wir werden heute nacht hier in der N�he lagern. Ich will fr�h am Morgen aufbrechen.� Er riskierte einen schnellen Blick nach hinten. Faile ritt zu Loial zur�ck. Sie sa� steif und hoch aufgerichtet im Sattel. �In Emondsfeld werden sie wissen... � Wo sich die Wei�m�ntel befanden, so da� er sich ihnen freiwillig stellen konnte, bevor sie seiner Familie etwas antaten. Falls es seiner Familie �berhaupt noch gutging. Falls der Hof, auf dem er geboren war, nicht schon genauso aussah wie dieser. Nein. Er mu�te rechtzeitig kommen, um das zu verhindern. �Sie werden wissen, was los ist.� �Also, dann fr�h am Morgen.� Gaul z�gerte. �Du wirst sie nicht loswerden. Sie ist beinahe wie eine <emphasis>Far Dareis Mai,</emphasis> und wenn eine Tochter des Speers dich liebt, dann kannst du ihr nicht entkommen, so schnell du auch wegzulaufen versuchst.� ��berla� das ruhig mir.� Er atmete durch und bem�hte sich, freundlicher zu sprechen, denn Gaul wollte er ja nicht verscheuchen. �Sehr fr�h. W�hrend Faile noch schl�ft.� Unter den Apfelb�umen war es diese Nacht in beiden Lagern ruhig. Mehrmals stand die eine oder andere der Aielfrauen auf und blickte hin�ber zu dem kleinen Feuer, an dem er mit Gaul sa�, aber die einzigen Laute waren das gelegentliche Schreien einer Eule und das Stampfen der Pferdehufe. Perrin konnte nicht einschlafen, und so schl�pfte er mit Gaul eine Stunde vor Sonnenaufgang schlie�lich aus dem Lager. Der Aiel machte mit seinen weichen Stiefeln keinerlei Ger�usch, und auch die Pferdehufe h�rte man auf dem dichten Gras unter den B�umen kaum. Bain, oder vielleicht war es auch Chiad, beobachtete ihr Gehen. Jedenfalls weckte sie Faile nicht auf, und daf�r war er dankbar.</p><p>Als sie ein kleines St�ck unterhalb des Dorfes aus dem Westwald traten, stand die Sonne bereits am Himmel. Hier trafen sich eine Reihe von Fahrspuren und Wegen, meist von Hecken oder niedrigen Steinmauern ges�umt. �ber den Schornsteinen der H�user standen fedrige, graue Rauchwolken. Dem Duft nach buken die Frauen gerade das Brot f�r den Tag. Auf den Tabak- und Gerstenfeldern waren die M�nner bereits bei der Arbeit, und die �lteren Jungen h�teten die Herden der Schafe, die mit ihren schwarzen K�pfen so typisch f�r dieses Land waren. Ein paar Leute bemerkten sie, als sie in der N�he vorbeikamen, aber Perrin lie� Traber schnell voranschreiten und hoffte, da� niemand nahe genug kommen w�rde, der ihn erkannte oder sich �ber die eigenartige Kleidung Gauls wunderte und �ber dessen Speere.</p><p>Auch in Emondsfeld selbst gingen jetzt die Menschen ihren Besch�ftigungen nach, und so umging er das Dorf in weitem Bogen im Osten, hielt sich weit ab von den ausgefahrenen Stra�en und den strohgedeckten H�usern um den Dorfanger herum, wo die Weinquelle so kraftvoll unter einem Felsvorsprung hervorquoll, da� sie einen Mann durchaus umwerfen konnte, bevor sie noch das Bachbett erreichte. Die Sch�den, an die er sich von der Winternacht vor einem Jahr erinnerte, die niedergebrannten H�user und angesengten D�cher, hatte man offensichtlich repariert und die H�user neu gebaut. Dann waren die Trollocs wohl auch nicht wiedergekommen. Er hoffte inbr�nstig, da� niemand so etwas noch einmal erleben mu�te. Die Weinquellenschenke stand fast am Ostende von Emondsfeld zwischen der festgebauten h�lzernen Wagenbr�cke �ber den hurtig dahinstr�menden Weinquellenbach und einer m�chtigen alten Grundmauer. Mitten in der von ihr ums�umten Fl�che wuchs eine gro�e Eiche. Unter deren dicken Asten standen Tische, und dort sa�en die Menschen an einem ruhigen Nachmittag und sahen den J�ngeren beim Spielen zu. Zu dieser fr�hen Morgenstunde sa� nat�rlich niemand dort. Weiter im Osten standen nur noch ein paar einzelne H�user. Die Schenke selbst wies einen Unterbau aus Flu�fels auf, und das obere Stockwerk aus wei�get�nchten Backsteinen ragte rundherum ein St�ck �ber das untere hinaus. Ein Dutzend Schornsteine erhoben sich �ber dem glitzernden, roten, mit glasierten Ziegeln gedeckten Dach, dem einzigen Ziegeldach in der ganzen Gegend.</p><p>Perrin band Traber und das Packpferd an einem daf�r vorgesehenen Pfosten in der N�he der K�chent�r an. Sein erster Blick galt dem strohgedeckten Stall. Er h�rte, da� darin gearbeitet wurde. Wahrscheinlich misteten Hu und Tad den Stall aus, in dem Meister al'Vere das Gespann gro�gewachsener Dhurran-Pferde hielt, das er zu schweren Arbeiten vermietete. Auch von der anderen Seite der Schenke her erklangen Ger�usche: Stimmengemurmel auf dem Anger, das Schnattern von G�nsen, das Rumpeln eines Leiterwagens �ber die Br�cke. Er lie� alles auf den Pferden, denn er wollte hier nur kurz Halt machen. Eine kurze Bewegung reichte, und Gaul folgte ihm, als er mitsamt Pfeilen und Bogen nach drinnen eilte, bevor vielleicht einer der Stallburschen herauskam.</p><p>Die K�che war leer. Sowohl die Eisen�fen, wie auch die offenen Feuerstellen waren bis auf eine einzige kalt, obwohl der Geruch nach frischgebackenem Brot noch in der Luft lag. Brot und Honigkuchen. Die Schenke hatte selten �bernachtungsg�ste. H�chstens dann, wenn die Kaufleute aus Baerlon herunterkamen, um Wolle oder Tabak zu kaufen, oder wenn einer der monatlich erscheinenden fahrenden H�ndler kam, solange die Stra�e nicht durch Schnee unbefahrbar gemacht wurde. Die Dorfbewohner, die sp�ter am Tag auf ein Bier oder einen Wein und gelegentlich zum Essen hereinkommen w�rden, waren jetzt auf ihren H�fen und in ihren Werkst�tten an der Arbeit. Aber der Zufall wollte es vielleicht, da� doch gerade jetzt jemand da war, und deshalb schlich Perrin auf Zehenspitzen durch den kurzen Flur von der K�che zum Schankraum und �ffnete die T�r einen Spaltbreit, um hineinzusp�hen.</p><p>Er hatte diesen quadratischen Raum mindestens tausendmal zuvor gesehen � den offenen, aus Flu�steinen gemauerten Kamin, der so breit war wie der halbe Raum und so hoch, da� er Perrin bis an die Schulter reichte. Meister al'Veres hochgl�nzende Tabaksdose und seine wertvolle Uhr standen auf dem Sims. Irgendwie kam ihm das alles jetzt kleiner vor. Vor dem Kamin standen die hochlehnigen St�hle, auf denen der Rat der Gemeinde bei seinen Sitzungen sa�. Brandelwyn al'Veres B�cher standen auf einem B�cherbord gegen�ber dem Kamin. Einst hatte sich Perrin �berhaupt nicht mehr B�cher auf einmal vorstellen k�nnen, als diese paar Dutzend meist abgegriffener Exemplare. An einer anderen Wand standen Bier- und Weinf�sser aufgestapelt. Wie gew�hnlich schlief Kratzi, die gelbe Katze der al'Veres, oben auf einem der F�sser.</p><p>Der Schankraum war leer bis auf Bran al'Vere selbst und seine Frau Marin, beide mit langen, wei�en Sch�rzen angetan, die die Silber- und Zinnkr�ge der Schenke polierten. Meister al'Vere war ein breitgebauter, rundlicher Mann mit einem sp�rlichen, grauen Haarkranz um den ansonsten kahlen Sch�del. Frau al'Vere war schlank und wirkte m�tterlich. Den dicken, mit Grau durchsetzten Zopf hatte sie sich �ber die Schulter gelegt. Sie roch nach Backen und darunter lag ein leichter Rosenduft. Perrin erinnerte sich an sie als ewig l�chelnde, freundliche Menschen, doch beide wirkten nun besorgt. Der Dorfvorsteher zeigte eine finstere Miene, die sicher nichts mit dem Silberbecher in seinen H�nden zu tun hatte.</p><p>�Meister al'Vere?� Er schob die T�r auf und ging hinein. �Frau al'Vere. Ich bin's, Perrin.� Sie sprangen derart �berrascht auf, da� ihre St�hle nach hinten purzelten und Kratzi fauchend hochh�pfte. Frau al'Vere schlug die H�nde vor den Mund. Sie und ihr Mann starrten ihn und Gaul mit weit aufgerissenen Augen an. Perrin nahm den Bogen verlegen von einer Hand in die andere. Dann eilte Bran zu einem der Vorderfenster, wobei er sich f�r einen so massigen Mann erstaunlich leichtf��ig bewegte, und schob die leichten Sommergardinen auseinander, um hinauszusp�hen, als suche er nach weiteren Aiel dort drau�en.</p><p>�Perrin?� murmelte Frau al'Vere ungl�ubig. �Du bist es wirklich. Ich h�tte dich beinahe nicht erkannt mit dem Bart und... Deine Wange! Warst du...? Ist Egwene bei dir?� Perrin betastete den Schnitt auf seiner Wange und bereute, da� er sich nicht gewaschen hatte und da� er Bogen und Axt nicht wenigstens in der K�che abgestellt hatte. Er hatte gar nicht daran gedacht, da� sein Aussehen sie �ngstigen k�nnte. �Nein. Das hat nichts mit ihr zu tun. Sie ist in Sicherheit.� Vielleicht war sie auf dem Weg nach Tar Valon sicherer, als wenn sie sich noch bei Rand in Tear aufhielt, aber in jedem Fall war sie wohl in Sicherheit. Er mu�te aber wohl Egwenes Mutter etwas mehr sagen als das. �Frau al'Vere, Egwene befindet sich in der Ausbildung zur Aes Sedai. Nynaeve auch.� �Ich wei߫, sagte sie ruhig und ber�hrte dabei ihre Sch�rzentasche. �Ich habe drei Briefe von ihr aus Tar Valon. Nach dem zu schlie�en, was sie schreibt, hat sie noch �fters geschrieben und auch Nynaeve zumindest einmal, aber nur drei von Egwenes Briefen sind hier angekommen. Sie berichtet ein bi�chen von ihrer Ausbildung. Ich mu� sagen, das klingt mir reichlich streng.� �Sie will es aber nicht anders.� Drei Briefe? Schuldbewu�t zuckte er die Achseln. Er hatte niemandem geschrieben; nichts mehr seit den Botschaften, die er seiner Familie und Meister Luhhan zur�ckgelassen hatte, als er in jener Nacht mit Moiraine und den anderen aus Emondsfeld floh. Kein einziger Brief.</p><p>�So scheint es, wenn es auch nicht das ist, was ich f�r sie im Sinn hatte. Ich kann den Leuten davon auch nichts erz�hlen, oder? Sie schreibt, sie habe neue Freundinnen, nette M�dchen, wie es klingt. Elayne und Min. Kennst du sie?� �Wir haben uns kennengelernt. Ich glaube schon, da� man sie als nette M�dchen bezeichnen kann.� Wieviel hatte ihr Egwene in diesen Briefen mitgeteilt? Offensichtlich doch nicht sehr viel. Sollte Frau al'Vere doch glauben, was sie wollte. Er hatte nicht die Absicht, ihre Sorgen noch durch Dinge zu vergr��ern, gegen die sie sowieso nichts unternehmen konnte. Was vorbei war, war vorbei. Egwene war jetzt doch wenigstens in Sicherheit.</p><p>Mit einemmal wurde ihm bewu�t, da� Gaul noch hinter ihm stand, und so stellte er ihn schnell den beiden vor. Bran zwinkerte �berrascht, als er Gaul als Aiel zu erkennen gab, und dann blickte er etwas finster nach den Speeren und dem schwarzen Schleier, der von der Schufa herunterhing, aber seine Frau sagte lediglich: �Seid willkommen in Emondsfeld, Meister Gaul, und in der Weinquellenschenke.� �Ich w�nsche Euch Wasser und Schatten f�r Euer ganzes Leben, Dachherrin�, sagte Gaul h�flich und verbeugte sich vor ihr. �Ich bitte um Erlaubnis, Euer Dach und Eure Feste verteidigen zu d�rfen.� Sie z�gerte kaum merklich und antwortete dann, als sei sie an diese Art von Ansprachen gew�hnt: �Ein gro�z�giges Angebot. Aber Ihr m��t mir erlauben, zu bestimmen, wann Eure Hilfe gebraucht wird.� �Wie Ihr w�nscht, Dachherrin. Eure Ehre ist die meine.� Unter seinem Wams holte Gaul ein goldenes Salzgef�� hervor, eine kleine Sch�ssel, die auf dem R�cken eines kunstvoll geformten L�wen sa�, und hielt es ihr hin. �Ich m�chte Eurem Dach dieses kleine Gastgeschenk verehren.� Marin al'Vere verhielt sich, als sei es ein gew�hnliches Geschenk, und verbarg ihre erschrockene �berraschung recht gut. Perrin bezweifelte, da� es im gesamten Bereich der Zwei Fl�sse auch nur ein einziges �hnlich wertvolles St�ck gab, und ganz bestimmt nicht aus Gold. Es gab schon wenig Gold in den zwei Fl�ssen, und Goldschmuck oder �hnliches gab es noch seltener. Er hoffte, sie werde niemals herausfinden, da� es ein Beutest�ck aus dem Stein von Tear war. Darauf h�tte er jedenfalls wetten k�nnen.</p><p>�Mein Junge�, sagte Bran zu Perrin, �vielleicht sollte ich dich zu Hause willkommen hei�en, aber � warum bist du zur�ckgekommen?� �Ich habe das mit den Wei�m�nteln geh�rt, Meister al'Vere�, antwortete Perrin einfach.</p><p>Der Dorfvorsteher und seine Frau warfen sich einen ernsten Blick zu, und Bran sagte: �Noch einmal, warum bist du zur�ckgekommen? Du kannst hier nichts aufhalten oder �ndern, mein Junge. Am besten gehst du wieder. Wenn du kein Pferd haben solltest, gebe ich dir eins. Falls du eines hast, dann steig auf und reite nach Norden. Ich glaubte, die Wei�m�ntel s��en in Taren F�hre... Hast du diesen Gesichtsschmuck von ihnen abbekommen?� �Nein. Ich... � �Dann spielt es keine Rolle. Wenn du bei deinem Kommen an ihnen vorbeigekommen bist, kommst du auch wieder vorbei, wenn du gehst. Ihr Hauptlager befindet sich oben bei Wachh�gel, aber ihre Patrouillen k�nnen sich �berall herumtreiben. Geh nur, mein Junge.� �Warte nicht lange, Perrin�, f�gte Frau al'Vere leise aber bestimmt hinzu. Wenn sie diesen Tonfall an sich hatte, taten die Leute gew�hnlich genau das, was sie wollte. �Keine einzige Stunde. Ich packe dir ein B�ndel zum Mitnehmen. Ein wenig frisches Brot und K�se, Schinken und Rinderbraten und Gurken. Du mu�t gehen, Perrin.� �Ich kann nicht. Ihr wi�t, da� sie hinter mir her sind, sonst w�rdet Ihr mir diesen Rat nicht geben.� Und sie hatten nichts von seinen Augen erw�hnt, nicht einmal gefragt, ob er krank sei. Frau al'Vere war kaum �berrascht gewesen. Sie wu�ten Bescheid. �Wenn ich mich ihnen stelle, kann ich einiges verhindern. Ich kann meine Familie... � Er fuhr zusammen, als die T�r zum Flur aufschlug und Faile eintrat, von Bain und Chiad gefolgt.</p><p>Meister al'Vere fuhr sich mit der Hand �ber die Glatze. Obwohl er die Kleidung der Aielfrauen pr�fend gemustert und sie offensichtlich als Gauls Begleiterinnen eingesch�tzt hatte, schien er eigentlich nicht weiter erstaunt dar�ber, da� sie Frauen waren. Vor allem wirkte er �ber ihr pl�tzliches Eindringen ver�rgert. Kratzi hatte sich aufgesetzt und musterte mi�trauisch die Fremden. Perrin fragte sich, ob die Katze auch ihn als einen solchen betrachte. Er fragte sich ebenfalls, wie sie ihn aufgesp�rt hatten und wo Loial blieb. Er vermied jeden Gedanken daran, was er jetzt wohl mit Faile anfangen solle.</p><p>Sie lie� ihm wenig Zeit zum Nachdenken, sondern stellte sich breitbeinig vor ihn hin, die H�nde in die H�ften gest�tzt. Irgendwie hatte sie sich den Trick vieler Frauen angeeignet, in ihrem emp�rten Zorn gr��er zu wirken als ihr Gegen�ber. �Dich stellen? Dich stellen! Hast du das etwa von Anfang an geplant gehabt? Bestimmt, oder? Du Vollidiot! Dein Hirn ist ja wohl eingefroren, Perrin Aybara! Es war von Anfang an nicht mehr als ein paar Muskeln und Haare, aber jetzt ist selbst davon nicht mehr viel �brig! Wenn dich die Wei�m�ntel suchen, dann h�ngen sie dich auf, sobald sie dich haben. Warum sollten sie dich �berhaupt suchen?� �Weil ich Wei�m�ntel get�tet habe.� Er blickte auf sie hinunter und achtete nicht auf Frau al'Vere, die �berrascht nach Luft schnappte. �Die an dem Abend, als ich dich kennenlernte, und zwei andere schon vorher. Sie wissen davon, Faile, und sie halten mich f�r einen Schattenfreund.� Soviel w�rde sie auf jeden Fall in K�rze erfahren. Wenn sie es auf die Spitze getrieben h�tte und sie allein gewesen w�ren, h�tte er ihr vielleicht auch den Grund daf�r genannt. Mindestens zwei Wei�m�ntel, Geofram Bornhald und Jaret Byar, ahnten etwas von seiner Verbindung mit den W�lfen. Sie wu�ten keineswegs alles, aber auch das wenige reichte schon. Ein Mann, der mit den W�lfen jagte, mu�te ein Schattenfreund sein. Vielleicht befand sich einer oder gar beide bei diesen Wei�m�nteln hier. �Sie halten es f�r die Wahrheit.� �Du bist nicht mehr Schattenfreund als ich�, fl�sterte sie mit hartem Unterton. �Da k�nnte die Sonne noch eher einer sein.� �Das spielt keine Rolle, Faile. Ich mu� tun, was sein mu�.� �Du hirnverbrannter Hornochse! Du mu�t keineswegs etwas so Idiotisches tun! Du hirnloses Gesch�pf! Wenn du das tust, dann h�nge ich dich selber auf!� �Perrin�, sagte Frau al'Vere beruhigend, �w�rdest du mich bitte dieser jungen Frau vorstellen, die soviel von dir h�lt?� Faile bekam einen puterroten Kopf, als ihr zu Bewu�tsein kam, da� sie Meister al'Vere und seine Frau vollkommen ignoriert hatte. Hastig knickste sie, entschuldigte sich wieder und wieder. Bain und Chiad taten es Gaul nach, baten darum, Frau al'Veres Dach verteidigen zu d�rfen, und schenkten ihr eine kleine goldene Sch�ssel, die in Blattform gearbeitet war, und eine kunstvolle silberne Pfefferm�hle, gr��er als beide F�uste Perrins zusammen. Obenauf sa� eine phantasievolle Figur, halb Pferd, halb Fisch.</p><p>Bran al'Vere fielen fast die Augen aus dem Kopf, und er rieb sich wieder die Glatze und murmelte etwas in sich hinein. Perrin h�rte die Bezeichnung Aiel mehrmals heraus, in einem ungl�ubigen Tonfall. Der Blick des Dorfvorstehers huschte auch immer wieder zu den Fenstern hin�ber. Er suchte bestimmt nicht nach weiteren Aiel. Er war ja schon erstaunt gewesen, als Gaul sich als Aiel zu erkennen gegeben hatte. Vielleicht hatte er Angst, die Wei�m�ntel k�men.</p><p>Marin al'Vere andererseits nahm alles gelassen hin, behandelte Faile, Bain und Chiad genau wie jede andere junge Frau, die als Gast in ihre Schenke kam, plauderte mit ihnen dar�ber, wie anstrengend Reisen sei, machte Faile Komplimente wegen ihres Reitkleides � heute eines aus dunkelblauer Seide � und sagte den Aielfrauen, wie sehr sie Farbe und Glanz ihrer Haare bewundere. Perrin vermutete, da� Bain und Chiad nichts mit ihr anfangen konnten, aber nach kurzer Zeit hatte sie auf ihre ruhige und feste m�tterliche Art die drei Frauen an einen Tisch gebracht, ihnen feuchte Handt�cher gegeben, um sich den Reisestaub von Gesicht und H�nden zu wischen, und dann nippten sie an ihren Teetassen. Perrin erinnerte sich noch gut an die gro�e, rotgestreifte Teekanne.</p><p>Es w�re ja durchaus am�sant gewesen, zu beobachten, wie diese harten K�mpferinnen � Faile ganz gewi� eingeschlossen � pl�tzlich Frau al'Vere eifrig versicherten, da� sie sich sehr wohl f�hlten, und ob sie nicht behilflich sein k�nnten, sie tue doch entschieden zuviel, und alle hatten gro�e Augen wie die Kinder und die gleiche Chance wie ein Kind, gegen sie anzukommen. Es w�re am�sant gewesen � wenn sie nicht auch ihn und Gaul mit eingeschlossen h�tte. Sie winkte sie genauso entschlossen zum Tisch her�ber und bestand darauf, da� sie sich H�nde und Gesicht wuschen, bevor sie eine Tasse Tee bekamen. Gaul grinste die ganze Zeit �ber ein wenig. Die Aiel hatten wohl einen eigenartigen Sinn f�r Humor.</p><p>�berraschenderweise beachtete sie seinen Bogen und die Axt �berhaupt nicht, genausowenig wie die Waffen der Aiel. Im Gebiet der Zwei Fl�sse trugen die Menschen sehr selten auch nur einen Bogen, und wenn, dann hatte sie immer darauf bestanden, da� er irgendwo abgestellt wurde, wenn man sich an einen Tisch setzen wollte. Immer. Doch jetzt schenkte sie den Waffen keine Beachtung.</p><p>Er erlebte eine weitere �berraschung, als Bran ihm einen silbernen Becher mit Apfelkorn hinstellte, denn es war nicht die �bliche kleine Portion, gerade so hoch wie sein Daumennagel, sondern immerhin halb voll. Bevor er aus Emondsfeld floh, h�tte er ihm wahrscheinlich nur Most angeboten, vielleicht sogar Milch, oder h�chstens einen halb gef�llten Becher Schorle zum Essen, an einem Feiertag m�glicherweise auch einen ganzen. Er war dankbar daf�r, jetzt als erwachsener Mann anerkannt zu werden. Trotzdem lie� er den Schnaps zun�chst stehen, denn er war nur an Wein gew�hnt und trank kaum etwas St�rkeres.</p><p>�Perrin�, sagte der Dorfvorsteher, als er sich neben seine Frau an den Tisch setzte, �kein Mensch h�lt dich f�r einen Schattenfreund. Keiner, der noch einen Funken Verstand hat. Es gibt keinen Grund f�r dich, dich einfach aufh�ngen zu lassen.� Faile nickte eindringlich und zustimmend, doch Perrin beachtete sie nicht. �Ich lasse mich nicht umstimmen, Meister al'Vere. Die Wei�m�ntel wollen mich haben, und wenn sie mich nicht bekommen, lassen sie das vielleicht am n�chsten Aybara aus, den sie in die Finger bekommen. Die Wei�m�ntel sind nur zu schnell bereit, jemanden schuldig zu sprechen. Das sind keine angenehmen Menschen.� �Das wissen wir�, sagte Frau al'Vere leise.</p><p>Ihr Mann blickte auf seine H�nde hinunter, die auf dem Tisch lagen. �Perrin, deine Familie ist nicht mehr.� �Ist nicht mehr? Hei�t das, sie haben den Hof bereits niedergebrannt?� Perrin verkrampfte seine Faust um den silbernen Becher. �Ich hoffte, ich k�me noch rechtzeitig. Aber wahrscheinlich h�tte ich es besser wissen m�ssen. Es ist zu viel Zeit vergangen, bevor ich von den Ereignissen h�rte. Nun, vielleicht kann ich meinem Pa und Onkel Edward beim Wiederaufbau helfen. Bei wem wohnen sie jetzt? Ich will sie wenigstens zuerst einmal begr��en.� Bran verzog das Gesicht, und seine Frau streichelte ihm beruhigend �ber die Schulter. Doch ihr Blick ruhte seltsamerweise weiter auf Perrin. In ihren Augen standen Trauer und Sympathie.</p><p>�Sie sind tot, mein Junge�, sagte Bran atemlos.</p><p>�Tot? Nein. Das kann nicht sein... � Perrin runzelte die Stirn, als seine Hand pl�tzlich feucht wurde, und blickte den zerdr�ckten Becher an, als frage er sich, wo der eigentlich herk�me. �Es tut mir leid. Ich wollte ihn nicht... � Er zog an dem zusammengedr�ckten Silberblech und versuchte, ihm mit seinen Fingern wieder die urspr�ngliche Form zu verleihen. Das ging aber nicht. Nat�rlich nicht. Sorgf�ltig legte er den kaputten Becher auf den Tisch zur�ck. �Ich werde es ersetzen. Ich kann... � Er wischte sich die Hand am Wams ab, und pl�tzlich wurde ihm klar, da� er die an seinem G�rtel h�ngende Axt streichelte. Warum sahen ihn alle so eigenartig an? �Seid Ihr sicher?� Seine Stimme klang, als k�me sie von weither. �Adora und Deselle? Paet? Meine Mutter?� �Alle�, sagte Bran. �Auch deine Tanten und Onkel und Cousins. Jeder, der auf dem Hof wohnte. Ich half dabei, sie zu beerdigen, mein Junge. Auf diesem niedrigen H�gel dort, dem mit den Apfelb�umen.� Perrin steckte den Daumen in den Mund. Idiotisch, sich an der eigenen Axt zu schneiden. �Meine Mutter mag Apfelbl�ten. Die Wei�m�ntel. Warum sollten sie... ? Seng mich, Paet war nur neun. Die M�dchen... � Seine Stimme klang tonlos. Er dachte sich, da� in diesen Worten doch etwas Gef�hl h�tte durchkommen m�ssen. Etwas Gef�hl wenigstens.</p><p>�Es waren Trollocs�, sagte Frau al'Vere schnell. �Sie sind zur�ckgekehrt, Perrin. Nicht so wie damals, als ihr weggingt. Sie haben nicht das Dorf angegriffen, aber die H�fe auf dem Land. Die meisten H�fe, die weitab von anderen liegen, sind mittlerweile verlassen. Keiner geht nachts nach drau�en, selbst in der N�he des Dorfs. Es ist das gleiche drunten in Devenritt und oben in Wachh�gel, vielleicht sogar bis nach Taren-F�hre. Die Wei�m�ntel, so schlimm sie auch sind, stellen unseren einzigen Schutz dar. Sie haben schon zwei Familien gerettet, die ich kenne, als Trollocs ihre H�fe angriffen.� �Ich wollte... ich hoffte...� Er konnte sich nicht mehr ganz daran erinnern, was er wollte. Hatte etwas mit Trollocs zu tun. Er wollte sich gar nicht daran erinnern. Die Wei�m�ntel besch�tzten die Zwei Fl�sse? Das brachte ihn beinahe zum Lachen. �Rands Vater. Tams Hof. Waren das auch Trollocs?� Frau al'Vere �ffnete den Mund, doch Bran kam ihr zuvor: �Er verdient es, die Wahrheit zu erfahren, Marin. Das waren die Wei�m�ntel, Perrin. Dort und auch beim Hof der Cauthons.� �Mats Angeh�rige also auch. Rands Leute und Mats und meine.� Seltsam. Es klang bei ihm, als rede er vom Wetter. �Sind sie auch tot?� �Nein, mein Junge. Nein, Abell und Tam haben sich irgendwo im Westwald versteckt. Und Mats Mutter und seine Schwestern... Sie leben jedenfalls auch.� �In einem Versteck?� �Es ist nicht n�tig, dar�ber zu sprechen�, sagte Frau al'Vere kurz angebunden. �Bran, bring ihm einen neuen Becher Schnaps. Und diesmal trinkst du ihn, Perrin.� Ihr Mann blieb an seinem Platz sitzen, aber sie runzelte nur die Stirn und fuhr dann fort: �Ich w�rde euch anbieten, bei uns zu schlafen, aber das w�re nicht sicher. Es gibt Leute, die wahrscheinlich nichts Eiligeres zu tun h�tten, als zu Lord Bornhald zu rennen, falls sie herausfinden, da� du hier bist. Eward Congar und Hari Coplin rennen den Wei�m�nteln wie die Scho�h�ndchen hinterher. Die wollen denen immer jeden Gefallen tun und jeden Namen nennen. Cenn Buie ist auch nicht viel besser. Und auch Will Congar wird plappern, wenn ihn Daise nicht davon abh�lt. Sie ist jetzt die Seherin hier. Perrin, es ist das beste, ihr geht wieder. Glaub es mir.� Perrin sch�ttelte bed�chtig den Kopf. Es war alles einfach zuviel. Daise Congar, die Seherin? Das war eine Frau wie ein Stier. Wei�m�ntel besch�tzten Emondsfeld.</p><p>Hari und Eward und Will als Mitl�ufer. Man konnte ja von den Congars und Coplins nicht viel anderes erwarten, aber Cenn Buie war immerhin im Rat der Gemeinde. Lord Bornhald. Also befand sich Geofram Bornhald tats�chlich hier. Faile beobachtete ihn, und ihre Augen waren gro� und feucht. Warum war sie denn den Tr�nen nahe?</p><p>�Da ist aber noch mehr, Brandelwyn al'Vere�, sagte Gaul. �Euer Gesicht sagt mir das.� �Das stimmt�, best�tigte Bran. �Nein, Marin�, f�gte er nachdr�cklich hinzu, als sie den Kopf leicht sch�ttelte. �Er verdient wirklich die Wahrheit. Die ganze Wahrheit.� Sie faltete seufzend die H�nde. Marin al'Vere setzte sich fast immer durch, au�er, wenn Brans Gesicht so entschlossen wirkte wie jetzt gerade. Seine Augenbrauen waren stramm zusammengezogen.</p><p>�Welche Wahrheit?� fragte Perrin. Seine Mutter hatte Apfelbl�ten so gern.</p><p>�Zuerst einmal ist Padan Fain bei den Wei�m�nteln�, sagte Bran. �Er nennt sich jetzt Ordeith und h�rt �berhaupt nicht mehr auf seinen eigenen Namen, aber er ist es, und wenn er noch so hochm�tig dreinblickt.� �Er ist ein Schattenfreund�, sagte Perrin abwesend. Adora und Deselle steckten sich im Fr�hling immer Apfelbl�ten ins Haar. �Das habe ich von ihm selbst. Er hat in der Winternacht damals die Trollocs hergef�hrt.� Paet kletterte so gern auf den Apfelb�umen herum und warf dann mit �pfeln nach einem, wenn man ihn nicht geb�hrend beachtete.</p><p>�Tats�chlich�, kommentierte der Dorfvorsteher grimmig. �Das ist nun wirklich interessant. Er hat bei den Wei�m�nteln n�mlich durchaus etwas zu sagen. Das erstemal, da� wir von ihrer Anwesenheit erfuhren, war nach der Zerst�rung von Tams Hof. Das war Fains Werk; er f�hrte die Wei�m�ntel an, die das taten. Tam hat vier oder f�nf von ihnen mit Pfeilen gespickt, bevor er in den Wald floh, und dann erreichte er den Cauthon-Hof gerade rechtzeitig, um zu verhindern, da� sie Abell gefangennahmen. Doch sie fingen Natti und die M�dchen ein. Und auch Haral Luhhan und Alsbet. Ich glaube, Fain h�tte sie aufgeh�ngt, aber Lord Bornhald hat das nicht zugelassen. Nat�rlich haben sie sie nicht gehen lassen. Soweit ich in Erfahrung bringen konnten, hat man ihnen nichts getan, aber sie werden im Lager der Wei�m�ntel oben in Wachh�gel gefangengehalten. Aus irgendeinem Grund ha�t Fain dich und Rand und Mat. Er hat hundert Goldst�cke f�r jeden geboten, der mit euch dreien verwandt ist und zweihundert f�r Tam oder Abell. Und Lord Bornhald scheint besonders an dir Interesse zu haben. Wenn eine Wei�mantel-Patrouille hierher kommt, ist er gew�hnlich auch dabei und stellt Fragen in bezug auf dich.� �Ja�, sagte Perrin. �Ganz klar. So was w�rde er machen.� Perrin von den Zwei Fl�ssen, der mit den W�lfen lief. Schattenfreund. Fain hatte ihnen m�glicherweise den Rest erz�hlt. <emphasis>Fain und bei den Kindern des Lichts?</emphasis> Der Gedanke lag fern. Aber immer noch besser, als �ber die Trollocs nachzudenken. Er verzog das Gesicht und zwang seine H�nde, still auf dem Tisch liegenzubleiben. �Sie besch�tzen euch vor den Trollocs.� Marin al'Vere beugte sich mit gerunzelter Stirn zu ihm her�ber. �Perrin, wir brauchen die Wei�m�ntel. Ja, sie haben Tams Hof niedergebrannt und den Abells. Sie haben Leute festgenommen, und sie laufen herum, als geh�rte alles ihnen, was sie sehen, aber Alsbet und Natti und dem Rest ist nichts passiert. Sie werden lediglich festgehalten, und das kann man irgendwie schon wieder hinbiegen. Man hat den Drachenzahn auf ein paar T�ren gekritzelt, aber au�er den Congars und Coplins beachtet das niemand, und wahrscheinlich waren sie es selbst, die das getan haben. Tam und Abell bleiben in ihrem Versteck, bis die Wei�m�ntel wieder weg sind. Sie m�ssen ja fr�her oder sp�ter mal wieder weg. Aber solange sich hier Trollocs herumtreiben, brauchen wir sie. Bitte verstehe das. Wir h�tten ja lieber dich als sie, aber wir brauchen sie, und wir wollen nicht, da� sie dich aufh�ngen.� �Ihr nennt so was besch�tzen, Dachherrin?� fragte Bain. �Wenn Ihr den L�wen bittet, Euch vor den W�lfen zu besch�tzen, dann habt Ihr lediglich einen anderen Magen gew�hlt, in dem Ihr enden wollt.� �K�nnt Ihr euch nicht selbst sch�tzen?� f�gte Chiad hinzu. �Ich habe Perrin k�mpfen sehen und Mat Cauthon und Rand al'Thor. Sie sind vom gleichen Blut wie Ihr.� Bran seufzte schwer. �Wir sind Bauern, einfache Leute. Lord Luc redet davon, einen Widerstand gegen die Trollocs zu organisieren, aber das hie�e, die Familien schutzlos zu Hause zu lassen, w�hrend wir mit ihm ziehen, und das gef�llt nun wieder keinem.� Perrin war verwirrt. Wer war nun wieder Lord Luc? Er fragte danach, und Frau al'Vere antwortete: �Er kam ungef�hr zur gleichen Zeit wie die Wei�m�ntel hier an. Er ist einer der J�ger des Horns. Kennst du die Geschichte: <emphasis>Die Gro�e Jagd nach dem Horn?</emphasis> Lord Luc glaubt, das Horn von Valere bef�nde sich irgendwo in den Verschleierten Bergen �ber den Zwei Fl�ssen. Aber er hat die Jagd im Moment aufgegeben, unserer Probleme wegen. Lord Luc ist ein gro�er Herr. Er hat die feinsten Manieren, die man sich vorstellen kann.� Sie gl�ttete ihr Haar und l�chelte best�tigend. Bran warf ihr einen Seitenblick zu und knurrte ver�chtlich.</p><p>J�ger des Horns. Trollocs. Wei�m�ntel. Die Zwei Fl�sse schienen nicht mehr das gleiche Land zu sein, das er verlassen hatte. �Faile ist auch eine J�gerin des Horns. Kennst du diesen Lord Luc, Faile?� �Ich habe genug�, verk�ndete sie. Perrin verzog das Gesicht, als sie aufstand und um den Tisch herum zu ihm kam. Sie nahm seinen Kopf in die H�nde und dr�ckte sein Gesicht an ihre Brust. �Deine Mutter ist tot�, sagte sie leise. �Dein Vater ist tot. Deine Schwestern und dein Bruder sind tot. Deine ganze Familie ist tot, und du kannst nichts mehr daran �ndern. Ganz gewi� nicht, wenn du selbst stirbst. Verkrampfe dich nicht mehr so. Traure um sie. Fri� nicht alles in dich hinein, wo es dich von innen her zerst�rt.� Er packte sie an den Armen und wollte sie wegschieben, aber aus einem unerfindlichen Grund spannten sich seine H�nde an, bis nur noch dieser Griff ihn aufrecht hielt. Erst dann wurde ihm bewu�t, da� er weinte, da� er in ihr Kleid hineinschluchzte wie ein kleines Kind. Was mu�te sie von ihm denken? Er �ffnete den Mund, um ihr zu sagen, da� er sich wieder gut f�hle, um sich wegen seines Ausbruchs zu entschuldigen, aber heraus kam lediglich: �Ich konnte doch nicht schneller herkommen. Ich konnte nicht... ich... � Er knirschte mit den Z�hnen, um sich selbst zum Schweigen zu bringen.</p><p>�Ich wei߫, murmelte sie und strich ihm wie einem Kind �ber das Haar. �Ich wei�.� Er wollte aufh�ren, aber je mehr sie ihm ihr Verst�ndnis zufl�sterte, desto heftiger weinte er, als streichelten ihre weichen H�nde auf seinem Gesicht die Tr�nen aus ihm heraus.</p></section><section><title><p>30</p><p>Jenseits der Eiche</p></title><p>W�hrend Faile seinen Kopf an ihren K�rper pre�te, verlor Perrin v�llig sein Zeitgef�hl. Er wu�te nicht mehr, wie lange er geweint hatte. Bilder seiner Familienmitglieder schossen ihm durch den Kopf: sein Vater, wie er l�chelte, als er zeigte, wie man einen Bogen h�lt; die Mutter beim Singen, w�hrend sie die Wolle spann; Adora und Deselle, wie sie ihn neckten, als er sich das erste Mal rasierte; Paet, der mit gro�en Augen einen Gaukler beobachtete, der am Sonnentag seine K�nste vorf�hrte. Bilder von Gr�bern, kalt und einsam, alle in einer Reihe. Er weinte, bis keine Tr�ne mehr in ihm war. Als er ihr schlie�lich seinen Kopf entzog, waren sie allein miteinander bis auf Kratzi, die sich auf einem Bierfa� putzte. Er war froh, da� die anderen nicht geblieben waren, um ihm zuzuschauen. Faile war schon mehr als genug. Auf gewisse Weise war er ja froh, da� sie bei ihm geblieben war, aber er w�nschte, sie h�tte nichts geh�rt und gesehen.</p><p>Faile nahm seine H�nde in die ihren und setzte sich auf den n�chsten Stuhl. Sie war so sch�n mit ihren schr�ggestellten Augen, so gro� und dunkel, und mit ihren hohen Backenknochen. Er wu�te nicht, wie er an ihr wiedergutmachen konnte, was er ihr in den letzten Tagen angetan hatte. Zweifellos w�rde sie eine M�glichkeit finden, ihn daf�r bezahlen zu lassen.</p><p>�Hast du nun diese Idee aufgegeben, dich den Wei�m�nteln zu stellen?� fragte sie. In ihrer Stimme lag kein Hinweis darauf, da� sie zugesehen hatte, wie er wie ein kleines Kind weinte.</p><p>�Es scheint, damit w�rde ich nichts erreichen. Sie werden hinter Rands Vater und dem Mats hersein, was ich auch mache. Meine Familie...� Er lockerte schnell seinen Griff in ihren H�nden, aber sie l�chelte nur, anstatt das Gesicht erleichtert zu verziehen. �Ich mu� Meister Luhhan und seine Frau befreien, wenn ich kann. Und Mats Mutter und Schwestern. Ich habe ihm versprochen, mich um sie zu k�mmern. Und ich mu� alles nur M�gliche gegen die Trollocs unternehmen.� Vielleicht hatte dieser Lord Luc eine Ahnung, was man da machen konnte. Wenigstens war das Wegetor blockiert, und es w�rden keine mehr auf diesem Weg herkommen. Er wollte vor allem gegen die Trollocs etwas unternehmen. �Ich kann das nicht fertigbringen, wenn ich mich von ihnen aufh�ngen lasse.� �Ich bin sehr froh, da� du das einsiehst�, sagte sie trocken. �Noch weitere dumme Anwandlungen, mich wegzuschicken?� �Nein.� Er bereitete sich auf den Sturm vor, der nun folgen w�rde, doch sie nickte lediglich, als habe sie nur dieses eine Wort erwartet und wolle gar nicht mehr h�ren. Eine Kleinigkeit und nicht wert, sich deshalb in die Haare zu geraten. Sie w�rde ihn f�r Gr��eres bezahlen lassen.</p><p>�Wir sind zu f�nft, Perrin, sechs, falls ich auf Loial z�hlen kann. Und wir k�nnen Tam al'Thor und Abell Cauthon dazugewinnen... K�nnen sie mit dem Bogen genausogut umgehen wie du?� �Besser�, sagte er der Wahrheit entsprechend. �Viel besser.� Sie nickte leicht, aber zweifelnd. �Das macht dann acht. Ein Beginn auf jeden Fall. Vielleicht werden sich uns andere anschlie�en. Und dann gibt es ja noch diesen Lord Luc. Vielleicht will er die F�hrung �bernehmen, aber wenn er nicht gerade gehirnamputiert ist, spielt das keine Rolle. Na ja, nicht jeder ist auch vern�nftig, der den Eid auf das Horn ablegte. Ich habe ein paar kennengelernt, die glauben, alles zu wissen, und nebenher auch noch so stur wie Maulesel sind.� �Ich wei�.� Sie warf ihm einen strengen Blick zu und er brachte es gerade noch fertig, ein L�cheln zu unterdr�cken. �Da� du einige von der Sorte kennengelernt hast, meine ich. Ich habe einst auch ein solches P�rchen gesehen. Denkst du noch daran?� �Ach, die. Na ja, hoffen wir, da� Lord Luc kein L�gner und Angeber ist.� Ihr Blick wurde eindringlich, und ihr Griff an seinen H�nden festigte sich. Es war nicht unangenehm, eher so, als wolle sie ihre Kraft der seinen hinzuf�gen. �Du wirst bestimmt den Hof deiner Familie besuchen wollen, deine Heimat. Ich werde mitkommen, wenn du mich l��t.� �Wenn ich kann, Faile.� Aber nicht jetzt. Noch nicht. Wenn er jetzt diese Reihe von Gr�bern unter den Apfelb�umen betrachtete... Es war seltsam. Er hatte immer seine Kraft als gegeben hingenommen, und nun stellte sich heraus, da� er �berhaupt nicht stark war. Aber er hatte die Flennerei satt. Es war h�chste Zeit, etwas zu unternehmen. �Das Wichtigste zuerst. Ich denke, wir m�ssen vor allem Tam und Abell aufsp�ren.� Meister al'Vere steckte seinen Kopf zur T�r herein, und als er sah, da� sie wieder ganz gew�hnlich dasa�en, trat er in den Schankraum. �In der K�che sitzt ein Ogier�, sagte er mit einem verwirrten Blick zu Perrin. �Ein Ogier. Trinkt Tee. Die gr��te Tasse sieht bei ihm...� Er hielt zwei Finger hoch, als halte er damit einen Fingerhut. �Vielleicht kann Marin so tun, als k�men jeden Tag Aiel hier herein, aber als sie diesen Loial sah, ist sie beinahe in Ohnmacht gefallen. Ich habe ihr einen doppelten Schnaps gegeben, und sie hat ihn wie Wasser runtergekippt. Hat sich danach fast zu Tode gehustet. Normal trinkt sie h�chstens mal ein Glas Wein. Ich glaube aber, wenn ich ihn ihr gegeben h�tte, dann h�tte sie noch einen gekippt.� Er sch�rzte die Lippen und tat so, als interessiere ihn irgendein nicht existierender Fleck auf seiner langen, wei�en Sch�rze. �Geht es dir jetzt wieder besser, mein Junge?� �Ich bin in Ordnung, Meister al'Vere�, sagte Perrin schnell. �Meister al'Vere, wir k�nnen nicht lange hierbleiben. Es k�nnte jemand den Wei�m�nteln erz�hlen, da� Ihr mich beherbergt.� �Ach, es gibt nicht viele, die das tun w�rden. Nicht einmal alle Coplins, und auch ein paar der Congars w�rden das nicht tun.� Doch er schlug nicht vor, da� sie dableiben sollten.</p><p>�Wi�t Ihr, wo ich Meister al'Thor und Meister Cauthon finden kann?� �Gew�hnlich irgendwo im Westwald�, sagte Bran bed�chtig. �Mehr kann ich nicht mit Sicherheit sagen. Sie bleiben in Bewegung.� Er faltete die H�nde �ber dem runden Bauch und neigte den grau umrahmten Kopf ein wenig. �Ihr wollt doch nicht wirklich weggehen, oder? Also, ich habe Marin gesagt, ihr w�rdet nicht gehen, aber sie glaubt mir nicht. Sie glaubt, es sei das Beste f�r dich und f�r euch alle, wenn ihr geht, und wie die meisten Frauen denkt sie, ihr w�rdet das schon einsehen, wenn sie euch lange genug bequatscht.� �Aber Meister al'Vere�, sagte Faile in s��lichem Tonfall, �ich meinerseits habe immer festgestellt, da� M�nner vern�nftige Gesch�pfe sind, denen man nur einmal den kl�gsten Weg zeigen mu�, und dann halten sie sich daran.� Der Dorfvorsteher l�chelte sie am�siert an. �Also werdet Ihr Perrin dazu �berreden, wegzugehen, ja? Marin hat recht: Das ist am kl�gsten, wenn er das Henkerseil vermeiden will. Der einzige Grund hierzubleiben w�re der, da� ein Mann manchmal nicht weglaufen kann. Nein? Tja, zweifellos wi�t Ihr es am besten.� Er beachtete ihren s�uerlichen Blick nicht. �Komm mit, Junge. Wir teilen Marin die guten Nachrichten mit. Bei� die Z�hne aufeinander und halte an deiner Absicht fest, weil sie nicht aufgeben und weiter versuchen wird, dich umzudrehen.� In der K�che sa�en Loial und die Aiel im Schneidersitz auf dem Boden. Es gab in der Schenke wohl auch keinen Stuhl, der gro� genug f�r den Ogier gewesen w�re. Er sa� da, hatte einen Arm auf den K�chentisch gelegt und war im Sitzen noch gro� genug, um Marin al'Vere in die Augen zu blicken. Bran hatte die Winzigkeit der Tasse in Loials H�nden allerdings �bertrieben, fand Perrin. Erst beim zweiten Hinsehen bemerkte er, da� es keine Tasse war, sondern eine wei�-glasierte Suppenschale.</p><p>Frau al'Vere gab immer noch ihr Bestes, um allen weiszumachen, da� Aiel und Ogier f�r sie etwas ganz Normales darstellten. Sie eilte gesch�ftig mit einem Tablett umher, brachte Brot und K�se und Gurken, �berzeugte sich davon, da� jeder etwas a�, aber jedesmal, wenn ihr Blick Loial streifte, wurden ihre Augen gr��er. Dabei bem�hte er sich, ihre Nervosit�t zu beseitigen, indem er ihr Komplimente �ber ihre B�ckerei machte. Seine behaarten Ohren zuckten unruhig, wenn sie ihn so ansah, und dann fuhr sie jedesmal leicht zusammen. Danach sch�ttelte sie den Kopf, da� ihr dicker, ergrauter Zopf lebhaft wackelte. Nach ein paar Stunden w�rden sie vielleicht die besten Freunde werden.</p><p>Loial seufzte in tiefstem Ba� erleichtert auf, als er Perrin hereinkommen sah. Er stellte seine Tasse � seine Sch�ssel � Tee auf den Tisch, aber im n�chsten Augenblick sackten seine Mundwinkel wieder traurig herunter. �Es tut mir so leid, von deinem Verlust zu h�ren, Perrin. Frau al'Vere... � Seine Ohren zuckten wild, obwohl er sie nicht einmal ansah, und sie zuckte daraufhin wieder zusammen. �... hat mir gesagt, da� du wieder fort willst, jetzt, wo dich hier nichts mehr halten kann. Wenn du willst, werde ich die Apfelb�ume besingen, bevor wir abreisen.� Bran und Marin tauschten einen �berraschten Blick, und der Dorfvorsteher bohrte tats�chlich ungl�ubig mit einem Finger in seinem Ohr herum. �Danke, Loial. Ich w�rde mich dar�ber freuen, wenn es an der Zeit ist. Aber ich habe noch einiges zu tun, bevor ich gehen kann.� Frau al'Vere stellte das Tablett mit einem Ruck auf dem Tisch ab und blickte ihn scharf an, doch er fuhr nun fort und erkl�rte seinen Plan, soweit er eben einen hatte: Tam und Abell zu finden und die Gefangenen der Wei�m�ntel zu befreien. Er erw�hnte die Trollocs nicht, obwohl er auch diesbez�glich vage Pl�ne hatte. Vielleicht sogar �berhaupt nicht so vage. Er hatte nicht vor, wieder zu gehen, solange noch ein Trolloc und ein Myrddraal in den Zwei Fl�ssen am Leben war. Er hakte die Daumen im G�rtel ein, um nicht st�ndig die Axt zu bef�hlen. �Es wird nicht leicht�, beendete er seine Ausf�hrungen. �Ich w�rde mich freuen, wenn du mitk�mst, aber ich verstehe dich, wenn du lieber gehen willst. Das ist nicht dein Krieg, und du hast schon genug Schlimmes gesehen, weil du in der N�he von uns Emondsfeldern geblieben bist. Und hier kannst du auch kaum an deinem Buch weiterschreiben.� �Hier oder woanders, es ist doch immer der gleiche Krieg, glaube ich�, antwortete Loial. �Das Buch kann warten. Vielleicht werde ich auch dir ein Kapitel widmen.� �Ich sagte ja, da� ich mit dir komme�, warf Gaul ungefragt ein. �Ich meinte damit nicht, lediglich mitzukommen, bis die ganz gro�en Schwierigkeiten auftauchen. Ich stehe in deiner Blutschuld.� Bain und Chiad blickten Faile fragend an, und als sie nickte, entschieden auch sie sich f�r das Bleiben.</p><p>�Stur und n�rrisch�, sagte Frau al'Vere. �Alle von euch. Sehr wahrscheinlich, da� ihr alle noch am Galgen enden werdet, falls ihr solange lebt. Das ist euch doch klar, oder?� Als alle sie anblickten, band sie ihre Sch�rze los und zog sie sich �ber den Kopf. �Na ja, wenn ihr so dumm seid, hierzubleiben, mu� ich euch wohl einen Platz zeigen, wo ihr euch verstecken k�nnt.� Ihr Mann blickte �berrascht drein, da� sie sich so schnell ergeben hatte, aber er erholte sich gleich wieder. �Vielleicht im alten Seuchenhaus, dachte ich, Marin. Keiner geht heutzutage jemals dorthin, und ich glaube, das Dach ist noch zum Teil in Ordnung.� Was man immer noch das �neue� Seuchenhaus nannte, wo man Kranke zur Pflege hinbrachte, wenn ihre Krankheit ansteckend war, hatte seit Perrins Kindheit im Osten des Dorfes gestanden, noch hinter Meister Thanes M�hle. Das alte im Westwald war w�hrend eines heftigen Sturms fast zerst�rt worden. Perrin hatte es noch als halb von Ranken und Heckenrosen �berwuchert in Erinnerung. V�gel hatten in dem genistet, was von dem Strohdach �briggeblieben war, und unter der Hintertreppe hatte sich ein Dachsbau befunden. Es war ein gutes Versteck.</p><p>Frau al'Vere warf Bran einen scharfen Blick zu, als sei sie �berrascht, da� er daran gedacht hatte. �Das geht, denke ich. Jedenfalls heute nacht. Ich werde sie hinbringen.� �Nicht n�tig, da� du das �bernimmst, Marin. Ich kann sie genausogut f�hren, falls sich Perrin nicht sowieso an den Weg erinnert.� �Manchmal vergi�t du ganz, da� du der Dorfvorsteher bist, Bran. Du ziehst die Blicke an. Die Leute fragen sich, wohin du gehst und was du vorhast. Warum bleibst du nicht hier, und wenn jemand vorbeikommt, tust du so, als sei alles ganz normal und in Ordnung. Im Kessel ist Eintopf mit Hammelfleisch und im anderen Linsensuppe. Das mu�t du nur hei� machen. Und erw�hne das Seuchenhaus ja nicht irgend jemand gegen�ber, Bran. Am besten soll sich niemand daran erinnern, da� es �berhaupt noch existiert.� �Ich bin doch kein Idiot, Marin�, sagte er m�rrisch.</p><p>�Ich wei� das ja, mein Liebster.� Sie t�tschelte die Wange ihres Mannes, aber ihr Blick war voller Sorge, als sie die anderen ansah. �Ihr macht einem schon Schwierigkeiten�, murmelte sie, bevor sie genaue Anweisungen ausgab.</p><p>Sie sollten in kleinen Gruppen hinausgehen, damit sie nicht zuviel Aufmerksamkeit erregten. Sie w�rde allein durchs Dorf gehen und die anderen dann im Wald auf der anderen Seite erwarten. Die Aiel versicherten ihr, da� sie die vom Blitz gespaltene Eiche, die sie beschrieben hatte, sehr wohl finden k�nnten, und dann schl�pften sie zur Hintert�r hinaus. Perrin kannte diesen riesigen Baum, eine Meile jenseits des Dorfes, der aussah, als habe man ihn mit einer Axt genau in der Mitte gespalten, der aber immer noch lebte und gedieh. Er war sicher, den direkten Weg zum alten Seuchenhaus ohne Schwierigkeiten finden zu k�nnen, aber Frau al'Vere bestand darauf, da� sie sich alle an der Eiche treffen sollten.</p><p>�Wenn du allein durch die Gegend ziehst, Perrin, dann mag das Licht wissen, wor�ber du stolperst.� Sie blickte zu Loial auf, der mittlerweile aufgestanden war und dessen zerzauster Haarschopf die Decke streifte, und seufzte. �Ich w�nschte nur, wir k�nnten etwas in bezug auf Eure Gr��e �ndern, Meister Loial. Ich wei�, da� es hei� ist, aber h�ttet Ihr etwas dagegen, Euren Umhang zu tragen und die Kapuze �ber den Kopf zu ziehen? Selbst heutzutage werden die meisten Leute sich selbst einreden, da� sie nicht gesehen h�tten, was sie gesehen haben, weil es aus dem �blichen Rahmen fiel, doch wenn sie Euer Gesicht sehen... Nicht, da� Ihr nicht gut ausseht, da bin ich sicher, aber als Mann von den Zwei Fl�ssen wirkt Ihr eben nicht �berzeugend.� Loials L�cheln spaltete sein Gesicht unter der breiten, r�sselartigen Nase in zwei H�lften. �Der Tag scheint mir keineswegs zu warm f�r einen Umhang, Frau al'Vere.� Sie nahm sich einen leichten, gestrickten Schal mit blauen Fransen und begleitete Perrin, Faile und Loial zum Stallhof, um sich dort zun�chst von ihnen zu verabschieden, und dann schien es einen Augenblick lang, da� all ihre Bem�hungen um Geheimhaltung umsonst gewesen seien. Cenn Buie, der aussah, als best�nde er aus verknorzten alten Wurzelst�cken, musterte ihre Pferde mit gl�nzenden Augen. Besonders Loials Pferd schien ihm zu gefallen, das genauso gro� war wie Brans Dhurrans. Cenn kratzte sich am Kopf und betrachtete den m�chtigen Sattel auf dem gro�en Pferd.</p><p>Seine Augen wurden noch gr��er, als er Loial zu Gesicht bekam. Seine Kinnlade klappte herunter. �Tr-Tr-Trolloc!� brachte er schlie�lich heraus.</p><p>�Sei kein alter Narr, Cenn Buie�, sagte Marin mit fester Stimme und trat zur Seite, um die Aufmerksamkeit des alten Dachdeckers auf sich zu lenken. Perrin hielt den Kopf gesenkt, betrachtete seinen Bogen und r�hrte sich nicht. �W�rde ich mit einem Trolloc am eigenen Hinterausgang stehen?� Sie schniefte ver�chtlich. �Meister Loial ist ein Ogier, wie du selbst merken w�rdest, wenn du nicht wie ein streits�chtiger alter Ganter herumstehen w�rdest, der lieber zankt und sich beschwert, als das anzuschauen, was er vor der Nase hat. Er ist auf der Durchreise und hat keine Zeit, um sich von solchen Typen wie dir bel�stigen zu lassen. Geh jetzt und k�mmere dich um deine eigenen Gesch�fte und la� unsere G�ste in Frieden! Du wei�t ganz genau, da� Corin Ayellin schon monatelang hinter dir her ist, weil du bei ihrem Dach so gepfuscht hast!� Cenn formte mit dem Mund schweigend und blinzelnd das Wort �Ogier�. Einen Augenblick lang schien es, er wolle seine Arbeit verteidigen, doch dann erfa�te sein Blick Perrin, und seine Augen zogen sich zusammen. �Er! Das ist er! Sie sind hinter dir her, du junger Welpe, du Halunke. Rennt mit einer Aes Sedai weg und wird zum Schattenfreund. Damals hatten wir die Trollocs am Hals. Und jetzt bist du zur�ck, und die sind auch wieder da! Willst du mir vielleicht sagen, das sei ein Zufall? Was ist los mit deinen Augen? Bist du krank? Hast du uns eine Seuche mitgebracht von dorther, wo du warst, als reichten die Trollocs nicht schon, um uns alle umzubringen? Die Kinder des Lichts werden dir schon das Handwerk legen! Gib nur Obacht!� Perrin f�hlte, wie Faile sich anspannte, und er legte ihr schnell eine Hand auf den Arm, als ihm bewu�t wurde, da� sie ein Messer zog. Was glaubte sie denn? Cenn war ein j�hzorniger alter Narr, aber das war kein Grund, ein Messer zu ziehen. Sie warf den Kopf frustriert in den Nacken und atmete tief durch, aber wenigstens lie� sie es dabei bewenden.</p><p>�Das reicht jetzt, Cenn�, sagte Marin in scharfem Ton. �Das beh�ltst du f�r dich, verstanden? Oder rennst du jetzt auch wie Hari und sein Bruder Darl zu den Wei�m�nteln, um ihnen die neuesten Geschichten aufzutischen? Ich habe so meinen Verdacht, wieso die Wei�m�ntel kamen und Brans B�cher durchst�berten. Sie haben sechs davon mitgenommen und Bran unter dem eigenen Dach einen Vortrag �ber Blasphemie gehalten. Ausgerechnet Blasphemie! Weil sie nicht der gleichen Meinung waren in bezug auf das, was darin stand. Du hast Gl�ck, wenn ich dich nicht daf�r verantwortlich mache, da� diese B�cher ersetzt werden! Sie haben wie die Wiesel die ganze Schenke durchst�bert. Sie suchten nach weiteren <emphasis>blasphemischen</emphasis></p><p><emphasis>Schriften,</emphasis> sagten sie, als ob jemand ein Buch verstecken w�rde. Haben alle Matratzen von den Betten gerissen und meine W�scheschr�nke in Unordnung gebracht. Du hattest Gl�ck, da� ich dich nicht hergeschleppt habe, um alles wieder in Ordnung zu bringen!� Cenn schien bei jedem Satz kleiner zu werden, bis es aussah, als wolle er seine knochigen Schultern �ber den Kopf hochziehen. �Ich habe ihnen nichts gesagt, Marin�, protestierte er. �Nur, weil ein Mann erw�hnt, da�... Das hei�t, ich habe nur zuf�llig im Vorbeigehen fallen lassen... � Er sch�ttelte sich, mied noch immer ihren Blick, gewann aber wieder etwas an Haltung. �Ich werde das vor den Rat der Gemeinde bringen, Marin. Ihn meine ich damit!� Er deutete mit einem knochigen Finger auf Perrin. �Wir sind alle in Gefahr, solange er hier ist. Wenn die Kinder herausfinden, da� du ihn beherbergst, halten sie uns vielleicht alle f�r schuldig. Dann spielen deine durcheinandergebrachten W�scheschr�nke keine Rolle mehr.� �Das ist eine Angelegenheit der Versammlung der Frauen.� Marin wickelte sich den Schal anders um die Schultern und stellte sich so vor den Dachdecker, da� sie ihm genau in die Augen schauen konnte. Er war ein wenig gr��er als sie, aber die ernsthafte W�rde, die sie pl�tzlich zur Schau stellte, gab den Ausschlag. Er versuchte vergebens, ein Wort einzuwerfen, doch sie �berfuhr ihn geradezu: �Eine Angelegenheit der Versammlung, Cenn Buie. Wenn du das nicht glaubst, und wenn du es wagst, mich als L�gnerin zu bezeichnen, dann plaudere ruhig alles aus. Aber wenn du nur ein Wort �ber die Angelegenheiten der Frauenversammlung zu irgend jemandem sagst, und das schlie�t den Rat der Gemeinde ein...!� �Die Versammlung hat kein Recht, sich in die Angelegenheiten des Rats der Gemeinde einzumischen�, rief er.</p><p>�... dann wirst du ja sehen, ob dich deine Frau in der Scheuer �bernachten l��t. Und dich das essen l��t, was deine Milchk�he �briglassen. Glaubst du, der Rat sei wichtiger als die Versammlung? Ich werde Daise Congar zu dir her�berschicken, damit sie dich eines besseren belehrt, falls das notwendig sein sollte.� Cenn zuckte zusammen, und das war verst�ndlich. Wenn Daise Congar nun schon die Seherin des Dorfes war, dann w�rde sie m�glicherweise Cenn ein Jahr lang jeden Tag ein �belriechendes Gebr�u einnehmen lassen, und Cenn war zu d�rr und schwach, um sie davon abzuhalten. Alsbet Luhhan war die einzige Frau in Emondsfeld, die noch gr��er war als Daise, und Daise war obendrein eine ziemlich hinterh�ltige und launische Frau. Perrin konnte sie sich nicht als Seherin vorstellen. Nynaeve w�rde bestimmt einen Anfall bekommen, wenn sie erfuhr, wer ihre Nachfolgerin war. Nynaeve hatte sich ja immer f�r vern�nftig und verst�ndig gehalten, aber Daises Launen waren noch um einiges schlimmer.</p><p>�Nicht n�tig, gleich b�se zu werden, Marin�, murmelte Cenn beruhigend. �Wenn du willst, da� ich den Mund halte, dann halte ich ihn eben. Aber Frauenversammlung oder nicht, du riskierst, da� wir uns alle den Zorn der Kinder zuziehen.� Marin zog lediglich die Augenbrauen hoch, und nach einem weiteren Augenblick schlich er leise knurrend und m�rrisch weg.</p><p>�Gut gemacht�, sagte Faile, als Cenn um die Ecke der Schenke herum verschwand. �Ich glaube, ich mu� bei Euch Unterricht nehmen. Ich habe Perrin nicht halb so gut im Griff wie Ihr Meister al'Vere und diesen Burschen.� Sie l�chelte Perrin an, um ihm zu zeigen, da� sie nur scherzte. Jedenfalls hoffte Perrin das.</p><p>�Du mu�t genau wissen, wann du die Z�gel anziehen mu�t und wann lockerlassen�, antwortete die �ltere Frau abwesend. �Wenn man sie bei unwichtigen Dingen machen l��t, was sie wollen, wird es leichter, sie im Ernstfall zu kontrollieren.� Sie sah Cenn mit verfinsterter Miene nach und achtete nicht sehr auf das, was sie sagte, au�er vielleicht, als sie hinzuf�gte: �Und manche sollte man im Stall festbinden und nicht mehr herauslassen.� Perrin griff schnell in das Gespr�ch ein. Faile brauchte gewi� keine Ratschl�ge von der Sorte. �Wird er den Mund halten? Was glaubt Ihr, Frau al'Vere?� Z�gernd sagte sie: �Ich glaube, er wird. Cenn wurde schon so knurrig geboren, und mit dem Alter ist es eben schlimmer geworden, aber er ist trotzdem nicht so wie Hari Coplin und sein Pack.� Dennoch hatte sie gez�gert.</p><p>�Wir sollten uns auf den Weg machen�, sagte er. Keiner widersprach.</p><p>Die Sonne stand schon h�her am Himmel, als er erwartet hatte, bereits jenseits der Mittagsh�he, und das hie�, die meisten Menschen waren zu Hause beim Mittagessen. Die paar, die sich noch drau�en befanden, und das waren meist H�tejungen, die auf ihre Schafe oder K�he aufpa�ten, futterten eifrig das, was sie eingepackt mitgenommen hatten. Sie waren zu sehr mit ihrer Mahlzeit besch�ftigt und zu weit von den Fahrwegen entfernt, um auf jemanden zu achten, der zuf�llig vorbeikommen mochte. Trotzdem bekam Loial einige Blicke ab, obwohl ja die Kapuze sein Gesicht verdeckte. Doch selbst auf Traber reichte Perrin dem Ogier auf seinem gro�en Gaul kaum bis an die Brust. Die Leute, die sie aus der Ferne vorbeireiten sahen, mu�ten den Eindruck haben, es handle sich um einen Erwachsenen und zwei Kinder, die auf Ponies ritten und bepackte Lastponies hinter sich herzogen. Sicher kein allt�glicher Anblick, aber Perrin hoffte, sie w�rden es genau so sehen. Klatsch w�rde nur die Aufmerksamkeit auf sie lenken. Das mu�te er vermeiden, bis er Frau Luhhan und die anderen befreit hatte. Wenn nur Cenn stillhielt! Er hatte sich auch die Kapuze an seinem Umhang �ber den Kopf gezogen. Das w�rde vielleicht auch die Neugier wecken, aber so sahen sie wenigstens seinen Bart nicht, denn sonst h�tten sie ja wohl bemerkt, da� er kein Kind sein konnte. Er war froh, da� der Tag nicht so hei� war. Es schien ihm nach Tear hier beinahe wie Fr�hling und nicht wie Sommer.</p><p>Er hatte keine Schwierigkeiten, die gespaltene Eiche zu finden. Die beiden H�lften klafften weit auseinander, und die Innenseiten waren schwarz und hart wie Eisen. Der Boden unter den weit ausladenden �sten war leer; es lagen keine Bl�tter dort. Einfach durch das Dorf zu gehen war viel k�rzer als der Umweg au�en herum, und so wartete Frau al'Vere bereits auf sie. Sie r�ckte immer wieder ungeduldig ihren Schal zurecht. Auch die Aiel waren schon da und lagerten entspannt auf der weichen Unterlage verrotteter Eichenbl�tter und von Eichh�rnchen ausgenagter Eicheln. Gaul hockte ein St�ck von den Frauen entfernt. Die T�chter des Speers und Gaul beobachteten sich gegenseitig genauso aufmerksam wie den sie umgebenden Wald. Perrin zweifelte nicht daran, da� wenigstens sie diesen Ort unbeobachtet erreicht hatten. Er w�nschte, er habe auch diese F�higkeit, obwohl er sich im Wald auch relativ unbemerkbar bewegen konnte. Aber bei den Aiel schien es keine Rolle zu spielen, ob sie sich im Wald befanden oder auf Feldern oder in der Stadt. Wenn sie nicht gesehen werden wollten, fanden sie eine M�glichkeit, ungesehen zu bleiben.</p><p>Frau al'Vere bestand darauf, da� sie den Rest des Weges zu Fu� zur�cklegten. Sie meinte, der Weg sei zu sehr �berwuchert, um zu reiten. Perrin war nicht dieser Meinung, aber er stieg trotzdem ab. Klar, es war nicht angenehm, zu Fu� Berittene zu f�hren. Und sein Kopf steckte au�erdem sowieso voller Pl�ne. Er mu�te einen Blick auf das Lager der Wei�m�ntel oben bei Wachh�gel werfen, bevor er sich entscheiden konnte, auf welchem Weg er Frau Luhhan und die anderen befreien w�rde. Und wo versteckten sich Tam und Abell? Weder Bran noch Frau al'Vere waren damit herausger�ckt; vielleicht wu�ten sie es auch nicht. Wenn Tam und Abell die Gefangenen noch nicht selbst befreit hatten, war es eine schwierige Aufgabe. Aber irgendwie mu�te er es fertigbringen. Danach konnte er sich den Trollocs widmen.</p><p>Keiner aus dem Dorf war in den letzten Jahren hierhergekommen, und der Weg war beinahe verschwunden. Aber die hohen B�ume lie�en das Unterholz nicht sehr dicht wachsen. Die Aiel gingen lautlos zu beiden Seiten und gehorchten Frau al'Vere, die verlangt hatte, da� sie alle beieinander blieben. Loial murmelte befriedigt, wenn er eine besonders gro�e Eiche oder hohe, alte Tannen und Lederblattb�ume sah. Gelegentlich sang eine Spottdrossel oder ein Rotkehlchen in den B�umen �ber ihnen, und einmal witterte Perrin einen Fuchs, der sie beim Vorbeigehen beobachtete.</p><p>Pl�tzlich witterte er jedoch einen Menschen, der noch vor einem Augenblick nicht dagewesen war. Er h�rte leises Rascheln. Die Aiel spannten sich und kauerten mit bereitgehaltenen Speeren an den Wegr�ndern, und Perrin griff nach dem K�cher.</p><p>�Entspannt euch�, sagte Frau al'Vere eindringlich und bedeutete ihnen, die Waffen wegzustecken. �Bitte, entspannt euch.� Mit einemmal standen vor ihnen zwei M�nner auf dem Weg, der eine zur Linken gro� und dunkel und schlank, der andere klein, st�mmig und mit leicht ergrauten Haaren. Beide hielten B�gen mit aufgelegten Pfeilen schu�bereit in den H�nden. An einer H�fte trugen sie den dazugeh�rigen K�cher, an der anderen jeweils ein Schwert. Beide trugen Umh�nge in einer Farbe, die sich harmonisch dem Laub ihrer Umgebung anpa�te.</p><p>�Beh�ter!� rief Perrin. �Warum habt Ihr uns nicht gesagt, da� sich Aes Sedai hier befinden, Frau al'Vere? Auch Meister al'Vere hat es nicht erw�hnt. Warum?� �Weil er es nicht wei߫, sagte sie schnell. �Ich habe nicht gelogen, als ich sagte, dies sei eine Angelegenheit der Versammlung der Frauen.� Sie wandte sich den beiden Beh�tern zu, die sich keineswegs entspannt hatten. �Tomas, Ihvon, Ihr kennt mich ja. Senkt doch bitte Eure B�gen. Ihr wi�t, ich w�rde niemanden herbringen, der eine Bedrohung darstellt.� �Ein Ogier�, sagte der grauhaarige Mann, �Aiel, ein Mann mit gelben Augen, nat�rlich derjenige, nach dem die Wei�m�ntel suchen, und eine wilde junge Frau mit einem Messer.� Perrin blickte zu Faile hin�ber. Sie hielt ein Messer wurfbereit in der Hand. Diesmal stimmte er ihr innerlich zu. Das waren ja vielleicht Beh�ter, doch sie machten keine Anstalten, ihre B�gen zu senken. Ihre Gesichter waren so hart, da� man sie aus einem Ambo� geh�mmert haben mochte. Die Aiel wirkten bereit zum Tanz der Speere, ohne sich auch nur zuvor zu verschleiern. �Eine seltsame Gruppe, Frau al'Vere�, fuhr der �ltere Beh�ter fort. �Wir werden sehen. Ihvon?� Der schlanke Mann nickte und verschmolz mit dem Unterholz. Perrin konnte kaum h�ren, wie sich der Mann fortbewegte. Die Beh�ter kamen lautlos wie der Tod, wenn sie das w�nschten.</p><p>�Was meint Ihr damit, da� dies eine Angelegenheit der Versammlung der Frauen sei�, fragte er. �Ich wei�, da� die Wei�m�ntel Euch Schwierigkeiten machen w�rden, wenn sie von den Aes Sedai w��ten. Also k�nnt Ihr es kaum Hari Coplin erz�hlen. Aber warum selbst vor dem Dorfvorsteher ein Geheimnis daraus machen? Und vor uns?� �Weil wir das so abgemacht hatten�, sagte Frau al'Vere gereizt. Diese Gereiztheit schien sich zu gleichen Teilen auf Perrin und den Beh�ter zu beziehen, der sie immer noch �berwachte � es gab wohl keinen anderen Ausdruck daf�r �, und ein klein wenig wohl auch auf die Aes Sedai. �Sie waren in der N�he von Wachh�gel, als die Wei�m�ntel ankamen. Niemand wu�te, wer sie waren, au�er der dortigen Frauenversammlung, und die schickten sie zu uns weiter, damit sie sich hier verbergen konnten. Vor allen und jedem, Perrin. Das ist der beste Weg, ein Geheimnis zu wahren. Je weniger es kennen, desto besser.</p><p>Das Licht gebe mir Frieden, aber � ich kenne sogar zwei Frauen, die nicht mehr das Bett mit ihrem Mann teilen, weil sie f�rchten, sie k�nnten im Schlaf reden. Wir waren uns einig, da� es ein Geheimnis bleiben mu�.� �Und warum habt Ihr euch entschlossen, es nun zu l�ften?� fragte der grauhaarige Beh�ter mit harter Stimme.</p><p>�Ich hatte, was ich f�r gute und ausreichende Gr�nde halte, Tomas.� So nerv�s, wie sie st�ndig ihren Schal zurechtr�ckte, vermutete Perrin, sie hoffe nur, die Versammlung und die Aes Sedai w�rden ihre Gr�nde ebenfalls f�r ausreichend halten. Ger�chten zufolge ging die Versammlung mit den eigenen Mitgliedern noch h�rter ins Gericht als mit dem Rest des Dorfes. �Was w�re wohl besser, Perrin, als dich bei Aes Sedai zu verstecken? Du hast doch sicher keine Angst vor ihnen, nachdem du hier mit einer weggezogen bist. Und... Ach, das findest du bald genug selbst heraus. Du mu�t mir einfach vertrauen.� �Es gibt solche und solche Aes Sedai�, sagte Perrin zu ihr. Aber diejenigen, die er f�r die schlimmsten hielt, die Roten Ajah, hielten sich keine Beh�ter. Die Roten hatten �berhaupt kaum etwas f�r M�nner �brig. Dieser Tomas hatte dunkle Augen und einen ruhigen, steten Blick. Sie konnten ihn vielleicht �berrumpeln, oder noch besser, einfach wieder gehen, aber wahrscheinlich w�rde der Beh�ter den ersten, der etwas tat, was ihm nicht gefiel, mit einem Pfeil durchbohren. Au�erdem war Perrin sicher, da� der Mann weitere Pfeile bereithielt, so da� er sie innerhalb eines Augenblicks auflegen konnte. Die Aiel schienen das gleiche Gef�hl zu haben. Sie wirkten wohl noch immer absolut kampfbereit, standen aber so ruhig da, als h�tten sie Wurzeln geschlagen. Perrin klopfte Faile auf die Schulter.</p><p>�Es ist schon alles in Ordnung�, sagte er.</p><p>�Selbstverst�ndlich�, gab sie l�chelnd zur�ck. Sie hatte das Messer wieder weggesteckt. �Wenn Frau al'Vere das sagt, vertraue ich ihr auch.� Perrin hoffte, sie m�ge recht behalten. Er vertraute nicht mehr so vielen Menschen wie fr�her. Und vielleicht noch nicht einmal mehr Marin al'Vere. Doch m�glicherweise w�rden ihm diese Aes Sedai helfen, die Trollocs zu bek�mpfen. Er vertraute jedem, der dazu bereit war. Aber inwieweit konnte er sich auf Aes Sedai verlassen? Was sie auch unternahmen, taten sie aus ihren eigenen Motiven heraus. F�r ihn bedeuteten die Zwei Fl�sse die Heimat, aber f�r sie war es vielleicht nur ein Stein auf einem gro�en Spielbrett. Dennoch, Faile und Marin al'Vere schienen ihnen vertrauen zu wollen, und die Aiel warteten einfach ab. Im Augenblick hatte er also wohl auch keine andere Wahl.</p></section><section><title><p>31</p><p>Versprechen</p></title><p>Nach ein paar Minuten kam Ihvon zur�ck. �Ihr k�nnt weitergehen, Frau al'Vere�, war alles, was er sagte, bevor Tomas und er wieder ohne auch nur das geringste Rascheln im Unterholz verschwanden.</p><p>�Sie sind sehr gut�, murmelte Gaul, der sich immer noch mi�trauisch umschaute. �Hier drinnen k�nnte sich auch ein Kind verstecken�, sagte Chiad zu ihm und schob einen Vogelbeerenzweig zur Seite. Aber sie beobachtete ihre Umgebung genauso scharf und eingehend wie Gaul.</p><p>Keiner der Aiel schien besonders gern weiterzugehen. Sie z�gerten nicht unbedingt und hatten bestimmt auch keine Angst, aber sie schienen auch nicht gerade erpicht darauf. Perrin hoffte eines Tages herauszufinden, was die Aiel den Aes Sedai gegen�ber empfanden. Eines Tages. Heute empfand er auch keine gro�e Begeisterung.</p><p>�Also gehen wir und lernen Eure Aes Sedai endlich kennen�, sagte er m�rrisch zu Frau al'Vere.</p><p>Das alte Seuchenhaus war sogar noch heruntergekommener, als er es in Erinnerung hatte. Das breite, windschiefe, einst�ckige Geb�ude besa� nur noch etwa das halbe Dach. Aus einem der unbedeckten Zimmer ragte sogar ein Baum heraus. Der Wald hatte es von allen Seiten her umzingelt. Die W�nde waren von einem dichten Netz von Reben und Dornenranken �berzogen, genau wie das �briggebliebene Dach. Er hatte das Gef�hl, nur diese Ranken hielten das Dach �berhaupt dort oben, ja, vielleicht das ganze Geb�ude. Die Vordert�r hatte man allerdings ges�ubert. Er witterte Pferde und einen schwachen Duft nach Bohnen und Speck, doch seltsamerweise keinen Rauch von einem Holzfeuer.</p><p>Sie banden ihre Tiere an niedrigeren �sten fest und folgten Frau al'Vere nach drinnen. Die von Ranken �berwucherten Fenster lie�en nur tr�bes Licht durch. Der Vorraum war gro� und leer. Statt M�bel war nur Schmutz in den Ecken zu sehen und ein paar Spinnweben, die eine offensichtlich hastige Reinigung �berstanden hatten. Auf dem Fu�boden lagen vier Deckenrollen. S�ttel und Satteltaschen und ordentlich geschn�rte B�ndel standen an der Wand, und ein kleiner Kessel auf dem gemauerten Herd verstr�mte die Speiseger�che, obwohl kein Feuer entz�ndet worden war. Ein kleinerer Kessel daneben enthielt offensichtlich Teewasser, das beinahe kochte. Zwei Aes Sedai erwarteten sie. Marin al'Vere knickste schnell und begann eine nerv�se Tirade �ber ihr Herkommen, wer sie seien und alles m�gliche.</p><p>Perrin legte sein Kinn an den Bogen. Er erkannte die Aes Sedai. Verin Mathwin, mollig und mit kantigem Gesicht, graue Str�hnen im Haar trotz der Alterslosigkeit der Aes Sedai, kam von den Braunen Ajah und verlor sich wie die meisten Braunen einen gro�en Teil der Zeit �ber in der Suche nach Wissen, ob alt oder verschollen oder neu. Aber manchmal glitzerten ihre Augen keineswegs vertr�umt, sondern hellwach, so wie jetzt, als sie ihn an Marin vorbei scharf anblickten. Sie war eine von zwei Aes Sedai au�er Moiraine, bei denen sich Perrin sicher war, da� sie �ber Rand Bescheid wu�ten. Er vermutete auch, da� sie �ber ihn selbst mehr wu�te, als sie eingestand. Dann wirkten ihre Augen wieder vertr�umt und abwesend, und sie lauschte Marins Erkl�rungen, doch in dem einen Augenblick zuvor hatte sie ihn abgesch�tzt und in ihre eigenen Pl�ne einbezogen. Er w�rde sich vor ihr sehr in acht nehmen m�ssen.</p><p>Die andere war eine dunkle, schlanke Frau in einem tiefgr�nen seidenen Reitkleid, das kra� von Verins einfachem braunen Kleid mit den Tintenflecken an den Manschetten abstach. Er war ihr nie vorgestellt worden und hatte sie nur einmal gesehen. Alanna Mosvani war eine Gr�ne Ajah, wenn ihn seine Erinnerung nicht trog, eine sch�ne Frau mit langem, schwarzem Haar und alles durchdringenden dunklen Augen. Auch der Blick aus diesem Augenpaar ruhte auf ihm, w�hrend sie Marin lauschte. Er erinnerte sich an etwas, das ihm Egwene gesagt hatte. <emphasis>Einige Aes Sedai, die nichts von Rand wissen sollten, zeigen ein auff�lliges Interesse an ihm. Elaida zum Beispiel und Alanna Mosvani. Ich traue keiner von beiden.</emphasis> Vielleicht war es am besten, sich in der Hinsicht an Egwene zu halten, bis er eines Besseren belehrt wurde.</p><p>Er spitzte die Ohren, als Marin immer noch mit besorgter Stimme sagte: �Ihr habt mich doch nach ihm gefragt, Verin Sedai. Perrin meine ich. Alle drei Jungen, und Perrin war dabei. Mir schien, der einfachste Weg, um ihn davon abzuhalten, sich umbringen zu lassen, war, ihn zu Euch zu bringen. Ich hatte eben keine Zeit mehr, um Erlaubnis zu bitten. Sagt mir bitte, da� Ihr ver... � �Es ist schon in Ordnung, Frau al'Vere�, unterbrach Verin sie in beruhigendem Tonfall. �Ihr habt genau das Richtige getan. Perrin befindet sich jetzt in den richtigen H�nden. Und ich werde auch gern die Gelegenheit wahrnehmen, mehr �ber die Aiel zu erfahren. Dazu ist es immer ein Vergn�gen, sich mit einem Ogier zu unterhalten. Ich werde Euch viel Wissen entlocken, Loial. Ich habe in Ogierb�chern eine Menge faszinierender Angaben gefunden.� Loial l�chelte sie erfreut an, denn alles, was mit B�chern zu tun hatte, gefiel ihm ausgesprochen gut. Gaul andererseits tauschte einen reservierten Blick mit Bain und Chiad.</p><p>�Es war schon richtig, aber Ihr solltet das nicht noch mal machen�, sagte Alanna streng. �Au�er... Seid Ihr allein?� fragte sie Perrin mit einer Stimme, die eine Antwort forderte, und zwar augenblicklich. �Sind die anderen beiden auch mit zur�ckgekommen?� �Warum seid Ihr hier?� gab er statt einer Antwort zur�ck.</p><p>�Perrin!� sagte Frau al'Vere in scharfem Ton. �Was sind das f�r Manieren! Du hast drau�en in der Welt vielleicht ein paar schlechte Angewohnheiten angenommen, aber jetzt, da du wieder zu Hause bist, solltest du sie dir schnellstens abgew�hnen.� �Bem�ht Euch nicht�, sagte Verin zu ihr. �Perrin und ich sind mittlerweile alte Freunde. Ich verstehe ihn.� Einen Augenblick lang funkelten ihre dunklen Augen ihn an.</p><p>�Wir werden uns um ihn k�mmern.� Alannas k�hle Aussage konnte man so oder so auslegen.</p><p>Verin l�chelte und t�tschelte Marins Schulter. �Ihr solltet am besten wieder zum Dorf zur�ckgehen. Wir wollen doch nicht, da� sich jemand fragt, was Ihr so lange im Wald macht.� Frau al'Vere nickte. Sie blieb neben Perrin noch einmal kurz stehen und legte ihre Hand auf seinen Arm. �Du wei�t, da� du all mein Mitgef�hl hast�, sagte sie sanft. �Denke nur daran, da� es niemandem hilft, wenn du dich umbringen l��t. Tu, was dir die Aes Sedai sagen.� Er murmelte etwas Nichtssagendes, aber es schien sie zufriedenzustellen.</p><p>Als Frau al'Vere weg war, sagte Verin: �Ihr habt auch unser ganzes Mitgef�hl, Perrin. Wenn wir irgend etwas h�tten tun k�nnen, dann w�re es geschehen, darauf k�nnt Ihr euch verlassen.� Er wollte jetzt nicht an seine Familie denken. �Ihr habt meine Frage noch nicht beantwortet.� �Perrin!� Faile imitierte Frau al'Veres strengen Tonfall genau, aber er beachtete sie nicht.</p><p>�Warum seid Ihr hier? Das ist schon ein seltsamer Zufall. Wei�m�ntel und Trollocs, und zuf�llig sind zwei von Euch auch noch hier.� ��berhaupt kein Zufall�, gab Verin zu. �Ach, das Teewasser ist fertig.� Die aufbrodelnde Wasseroberfl�che im Kessel beruhigte sich, als sie eine Handvoll Teebl�tter hineinwarf. Sie gab Faile Anweisungen, aus einem der B�ndel an der Wand Blechtassen herauszuholen. Alanna hatte die Arme vor der Brust verschr�nkt und sah Perrin unverwandt an. Die Hitze am Herd stand in scharfem Kontrast zur K�hle ihres Gesichtsausdrucks. �Jedes Jahr�, fuhr Verin fort, �finden wir weniger M�dchen, die man im Gebrauch der Macht ausbilden kann. Sheriam glaubt, da� wir im Laufe der letzten dreitausend Jahre diese Eigenschaft aus der Menschheit herausgez�chtet haben, weil wir jeden Mann mit dieser Eigenschaft einer D�mpfung unterzogen, den wir nur finden konnten. Beweis daf�r ist ihrer Meinung nach die geringe Anzahl von M�nnern, die heutzutage noch diese Eigenschaft besitzen. Vor noch nicht einmal hundert Jahren, so sagen die Berichte aus, gab es wenigstens zwei oder drei pro Jahr, und vor f�nfhundert Jahren... � Alanna r�usperte sich. �Was k�nnen wir denn sonst tun, Verin? Sie wahnsinnig werden lassen? Den irren Plan der Wei�en durchf�hren?� �Ich glaube nicht�, antwortete Verin ruhig. �Selbst wenn wir Frauen finden, die bereit sind, Kinder von M�nnern auszutragen, die einer D�mpfung unterzogen wurden, gibt es keine Garantie daf�r, da� diese Kinder mit der Macht umgehen k�nnen und da� es �berhaupt auch M�dchen werden. Ich habe vorgeschlagen, wenn sie mehr solcher Kinder haben wollen, da� es dann die Kinder von Aes Sedai sein sollten. Die sind ja letzten Endes auch auf diese Idee gekommen. Aber Alviarin fand das offensichtlich nicht am�sant.� �Wohl kaum�, lachte Alanna. Die pl�tzlich bei ihr aufblitzende Heiterkeit im Gegensatz zu dem vorher so eindringlichen Blick aus ihren dunklen Augen �berraschte Perrin. �Ich h�tte gern ihr Gesicht dabei gesehen.� �Ihr Gesichtsausdruck war... interessant�, sagte die Braune Schwester nachdenklich. �Beruhigt Euch, Perrin. Ich werde Eure Frage schon noch beantworten. Tee?� Er bem�hte sich, seine finstere Miene aufzuhellen, und setzte sich auf den Boden, den Bogen neben sich gelegt und eine dampfende Blechtasse mit starkem Tee in der Hand. Alle sa�en im Kreis in der Mitte des Raums. Alanna nahm es auf sich, ihre Gegenwart zu erkl�ren, vielleicht auch, um die sprachlichen Ausschweifungen der anderen Aes Sedai von vornherein zu unterbinden.</p><p>�Hier an den Zwei Fl�ssen, wo meiner Vermutung nach seit tausend Jahren keine Aes Sedai mehr aufgetaucht ist, hat Moiraine gleich zwei Frauen aufgesp�rt, die nicht nur im Gebrauch der Macht ausgebildet werden k�nnen, sondern die mit dieser Eigenschaft geboren wurden, und sie h�rte von einer weiteren, die gestorben war, weil sie sich nicht selbst ausbilden und auf diese Art retten konnte.� �Ganz zu schweigen von drei <emphasis>TaVeren�,</emphasis> murmelte Verin in ihren Tee hinein.</p><p>�Habt Ihr eine Ahnung�, fuhr Alanna fort, �wie viele St�dte und D�rfer wir besuchen m�ssen, um drei M�dchen zu finden, denen diese F�higkeit angeboren ist? Erstaunlich daran ist nur, da� wir so lange brauchten, um nach hier zu kommen und nach weiteren zu suchen. Das alte Blut ist noch sehr stark hier an den Zwei Fl�ssen. Wir waren erst eine Woche in Wachh�gel, als die Kinder des Lichts auftauchten, und wir hatten uns zum Gl�ck alle M�he gegeben, niemandem bis auf die Mitglieder der dortigen Frauenversammlung zu enth�llen, wer wir sind. Und selbst unter diesen Umst�nden fanden wir dort bereits vier M�dchen, bei denen sich eine Ausbildung lohnt, und noch ein weiteres Kind, von dem wir annehmen, es wurde mit der F�higkeit geboren.� �Man kann das nicht mit letzter Sicherheit sagen�, warf Verin ein. �Sie ist erst zw�lf. Keine hat auch nur ann�hernd das Potential von Egwene oder Nynaeve, aber ihre Anzahl ist trotzdem ganz erstaunlich. Es k�nnte allein um Wachh�gel herum noch zwei oder drei geben. Wir hatten keine M�glichkeit, hier oder weiter im S�den nach geeigneten M�dchen zu suchen. Taren-F�hre allerdings war eine Entt�uschung, mu� ich sagen. Ich sch�tze, dort hat es zuviel Austausch an Erbanlagen mit Leuten von au�erhalb gegeben.� Perrin mu�te zugeben, da� das einen Sinn ergab. Aber eine befriedigende Antwort auf seine Frage konnte ihm diese Erkl�rung nicht geben, noch konnte sie seine Zweifel restlos beseitigen. Er bewegte sich und streckte die Beine aus. Die Speerwunde an seinem Oberschenkel schmerzte. �Ich verstehe nicht, warum Ihr euch hier versteckt. Die Wei�m�ntel setzen unschuldige Leute gefangen, und Ihr hockt hier herum. Trollocs �berrennen offensichtlich die Zwei Fl�sse, und Ihr hockt hier herum.� Loial knurrte leise etwas. Es klang wie ein ged�mpftes Grollen bei ihm. Perrin verstand nur �Aes Sedai �rgern� und �Hornissennest�, aber er bearbeitete sie unbeeindruckt weiter. �Warum unternehmt Ihr nichts? Ihr seid schlie�lich Aes Sedai! Seng mich, warum tut Ihr nichts dagegen?� �Perrin!� zischte ihm Faile zu, bevor sie sich mit einem Verzeihung heischenden L�cheln an Verin und Alanna wandte. �Bitte vergebt ihm. Moiraine Sedai hat ihn verw�hnt. Sie nimmt die Dinge leichter, denke ich, und hat solche �u�erungen durchgehen lassen. Bitte, seid ihm nicht b�se. Es wird nicht mehr vorkommen.� Sie warf ihm einen warnenden Blick zu, der ihm sagen sollte, da� ihre Bemerkung sowohl f�r die Aes Sedai, wie auch f�r ihn bestimmt gewesen sei. Er funkelte kr�ftig zur�ck. Sie hatte kein Recht, sich einzumischen.</p><p>�Moiraine sieht die Dinge nicht so eng?� sagte Verin blinzelnd. �Moiraine? Davon habe ich aber noch nichts bemerkt.� Alanna gab Faile einen Wink, den Mund zu halten. �Ihr versteht wirklich einiges nicht�, sagte die Aes Sedai mit gereizter Stimme zu Perrin. �Ihr versteht die Einschr�nkungen nicht, denen wir bei unserer Arbeit unterliegen. Die Drei Eide sind nicht nur ein Lippenbekenntnis. Ich habe zwei Beh�ter hierher mitgebracht.� Die Gr�nen waren die einzigen Ajah, die mehr als einen Beh�ter durch Eid an sich banden. Er hatte geh�rt, da� ein paar sogar drei oder vier Beh�ter hatten. �Die Kinder haben Owein erwischt, als er ein offenes Feld �berquerte. Ich habe jeden einzelnen Pfeil gesp�rt, der ihn durchbohrte, bis er tot war. Ich habe seinen Todeskampf mitgef�hlt. Wenn ich dabei gewesen w�re, h�tte ich ihn verteidigen k�nnen, und mich selbst nat�rlich auch � mit Hilfe der Macht. Aber ich kann sie nicht dazu ben�tzen, Rache zu nehmen. Die Eide erlauben das nicht. Die Kinder sind mit das Schlimmste, was die Menschheit zu bieten hat, nicht viel besser als Schattenfreunde, aber sie sind keine, und deshalb k�nnen wir die Macht nicht gegen sie verwenden, au�er zur Selbstverteidigung. Man kann diesen Begriff dehnen, soviel man will, aber irgendwo st��t man an eine Grenze.� �Und was die Trollocs betrifft�, f�gte Verin hinzu, �haben wir eine ganze Reihe davon erledigt und auch zwei Myrddraal, aber es gibt eben auch hier Grenzen. Die Halbmenschen k�nnen auf gewisse Weise f�hlen, wenn man die Macht ben�tzt. Wenn wir es fertig bringen, hundert Trollocs auf unsere Spur zu locken, dann k�nnen wir wenig mehr tun, als wegzulaufen.� Perrin kratzte sich im Bart. Er h�tte so etwas erwarten, ja wissen m�ssen. Er hatte ja schon beobachten k�nnen, wie Moiraine Trollocs gegen�berstand, und wu�te so ungef�hr, was sie tun konnte und was nicht. Ihm wurde klar, da� er statt dessen daran gedacht hatte, wie Rand im Stein alle Trollocs get�tet hatte, aber Rand war eben st�rker als jede dieser Aes Sedai, vielleicht sogar st�rker als beide zusammen. Nun, ob sie ihm nun halfen oder nicht, er blieb bei seinem Plan, jeden Trolloc im Bereich der Zwei Fl�sse zu erledigen. Nachdem er Mats Familie und die Luhhans befreit hatte. Wenn er sorgf�ltig genug plante, w�rde er auch einen Weg finden. Sein Oberschenkel schmerzte ganz erb�rmlich.</p><p>�Ihr seid verwundet.� Alanna stellte ihre Tasse auf den Boden und kam her�ber, wo sie sich neben ihn kniete und seinen Kopf in ihre H�nde nahm. Ein Prickeln durchlief ihn. �Ja. So ist das also. Wie es scheint, habt Ihr euch nicht gerade beim Rasieren geschnitten.� �Es waren Trollocs, Aes Sedai�, sagte Bain. �Als wir in den Bergen aus dem Wegetor kamen.� Chiad ber�hrte ihren Arm und sie schwieg wieder.</p><p>�Ich habe das Wegetor verschlossen�, f�gte Loial schnell hinzu. �Niemand wird es mehr ben�tzen, sofern es nicht von dieser Seite hier ge�ffnet wird.� �Ich dachte mir, da� sie auf diesem Weg gekommen sein m�ssen�, murmelte Verin in sich hinein. �Moiraine hat ja gesagt, da� sie die Wege ben�tzen. Fr�her oder sp�ter wird uns das vor ein echtes Problem stellen.� Perrin fragte sich, was sie damit meine.</p><p>�Die Wege�, sagte Alanna, die immer noch seinen Kopf hielt. <emphasis>�TaVeren!</emphasis> Junge Helden!� Sie brachte es fertig, ihre Worte gleichzeitig anerkennend und doch wie einen Fluch klingen zu lassen.</p><p>�Ich bin kein Held�, sagte er ihr gleichm�tig. �Die Wege stellten die schnellste M�glichkeit dar, hierherzukommen. Das ist alles.� Die Gr�ne Schwester fuhr fort, als habe er gar nichts gesagt: �Ich werde nie verstehen, wieso die Amyrlin Euch drei ziehen lie�. Elaida hat fast Anf�lle bekommen wegen Euch, und sie ist nicht die einzige, nur die Auffallendste. Die Siegel werden schw�cher, und die Letzte Schlacht kommt n�her. Das ist das Allerletzte, was wir brauchen k�nnen, eine Gruppe von gleich drei <emphasis>TaVeren,</emphasis> die unkontrolliert herumrennen. Ich h�tte jeden von Euch an die Leine gelegt oder vielleicht sogar Aes Sedai als Beh�ter zugeschworen.� Er versuchte, seinen Kopf ihrem Griff zu entziehen, aber sie griff noch fester zu und l�chelte. �Ich habe mich nicht so weit von den alten Sitten entfernt, da� ich mir einen Mann gegen seinen Willen zuschw�ren lasse. So weit ist es noch nicht.� Er war aber nicht sicher, wie weit sie davon entfernt war. Das L�cheln ihres Mundes erreichte ihre Augen nicht mehr. Sie f�hlte nach dem halb abgeheilten Schnitt auf seiner Wange. �Es ist schon zu lange her, da� Ihr diesen Schnitt empfangen habt. Selbst meine Heilkunst wird eine Narbe hinterlassen.� �Ich mu� keineswegs h�bsch sein�, knurrte er � nur gesund genug, um zu tun, was getan werden mu�te � und Faile lachte laut los.</p><p>�Wer hat dir das denn gesagt?� fragte sie dann. �berraschenderweise l�chelten Alanna und sie sich gegenseitig an.</p><p>Perrin runzelte die Stirn und fragte sich, ob sie sich �ber ihn lustig machten. Aber bevor er etwas sagen konnte, traf ihn der Schock der Heilung, als verwandle er sich in einen Eisblock. Alles, was er fertigbrachte, war, nach Luft zu schnappen. Die wenigen Augenblicke, bis Alanna ihn loslie�, schienen ihm endlos.</p><p>Als er wieder atmen konnte, hielt die Gr�ne Schwester Bains flammenhaarigen Kopf in ihren H�nden. Verin k�mmerte sich um Gaul, und Chiad schwenkte pr�fend ihren linken Arm hin und her. Ihr Gesicht dr�ckte Zufriedenheit aus.</p><p>Faile nahm Alannas Platz an Perrins Seite ein und strich mit einem Finger �ber seine Wange, um die Narbe unter seinem Auge nachzufahren. �Ein Sch�nheitsfleck�, sagte sie leicht l�chelnd.</p><p>�Ein was?� �Ach, das ist etwas, das man bei den Domani-Frauen antrifft. Es war nur eine unwichtige Bemerkung.� Trotz ihres L�chelns oder vielleicht gerade deswegen verzog er mi�trauisch sein Gesicht. Sie machte sich �ber ihn lustig, aber er verstand nicht genau, wie sie das anstellte.</p><p>Ihvon schl�pfte herein, fl�sterte etwas in Alannas Ohr, und nach ihrer ebenfalls gefl�sterten Antwort verschwand er wieder lautlos. Ein paar Augenblicke sp�ter k�ndete ein leichtes Stiefelschaben auf den Stufen von Neuank�mmlingen.</p><p>Perrin sprang auf, als Tam al'Thor und Abell Cauthon pl�tzlich in der T�r standen. Sie hielten B�gen in der Hand; ihre zerknitterte Kleidung und ihre Zwei-Tage-B�rte zeigten deutlich, da� sie im Freien �bernachtet hatten. Sie hatten gejagt. An Tams G�rtel hingen vier Kaninchen und an Abells drei. Es war leicht zu erkennen, da� sie erwarteten, sowohl die Aes Sedai wie auch Besucher hier vorzufinden, aber sie waren doch verbl�fft �ber Loials Anblick: um die H�lfte gr��er als sie und dazu die behaarten Ohren und die breite R�sselnase. Als Tam die Aiel erblickte, zeigte der Ausdruck seines derben, zerfurchten Gesichts, da� er sie erkannt hatte.</p><p>Doch sein Blick ruhte lediglich einen Augenblick lang nachdenklich auf den Aiel, und dann erfa�te er Perrin. Seine �berraschung war genauso gro� wie vorher beim Anblick des Ogiers. Er war ein robuster Mann mit kr�ftigem Oberk�rper, das Haar beinahe vollst�ndig ergraut, doch der Typ von Mann, bei dem schon ein Erdbeben notwendig war, um ihn umzuwerfen, und noch mehr, um ihn aus der Ruhe zu bringen. �Perrin, Junge!� rief er. �Ist Rand auch da?� �Und was ist mit Mat?� rief Abell aufgeregt. Er sah aus wie Mat, nur eben �lter und grauhaarig, und seine Augen blickten ernsthafter drein. Er war auch in seinem Alter nicht viel dicker geworden und wirkte immer noch leichtf��ig.</p><p>�Es geht ihnen gut�, sagte Perrin und f�gte gleich hinzu: �In Tear sind sie.� Aus dem Augenwinkel bemerkte er, da� ihn Verin ansah. Sie wu�te wohl, was Tear f�r Rand bedeutete. Alanna schien kaum auf ihr Gespr�ch zu achten. �Sie w�ren mitgekommen, aber wir wu�ten nicht, wie schlimm die Lage hier wirklich ist.� Das war in jedem Fall die Wahrheit, wie man es auch drehte. �Mat verbringt seine Zeit mit W�rfelspielen � er gewinnt meistens � und mit Schmusen. Rand... Als ich Rand das letztemal sah, trug er einen s�ndhaft teuren Mantel und hatte ein h�bsches M�dchen mit goldenen Locken im Arm.� �Das klingt ganz nach meinem Mat�, schmunzelte Abell.</p><p>�Vielleicht ist es gut; da� sie nicht mitkamen�, sagte Tam etwas bed�chtiger. �Bei den Trollocs, die wir hier haben... und dann die Wei�m�ntel...� Er zuckte die Achseln. �Du wei�t doch, da� die Trollocs zur�ckgekommen sind, oder?� Perrin nickte. �Hatte diese Aes Sedai recht? Moiraine. Waren sie hinter euch drei Burschen her in dieser Winternacht? Habt ihr jemals herausbekommen, warum sie euch suchten?� Die Braune Schwester warf Perrin einen warnenden Blick zu. Alanna schien darauf konzentriert, in ihren Satteltaschen herumzukramen, aber er bildete sich ein, da� sie trotzdem genau zuh�rte. Aber was ihn zum Z�gern brachte, war keine der beiden Aes Sedai. Es war einfach unm�glich, Tam zu sagen, da� sein Sohn die Macht gebrauchen konnte, da� Rand der Wiedergeborene Drache sei. Wie konnte er einem Mann so etwas sagen? Statt dessen brachte er heraus: �Da m��t Ihr Moiraine fragen. Die Aes Sedai sagen einem nicht mehr, als unbedingt sein mu�.� �Das ist mir auch aufgefallen�, sagte Tam trocken.</p><p>Beide Aes Sedai lauschten nun offensichtlich und machten nicht einmal ein gro�es Geheimnis daraus. Alanna zog in Richtung Tam eine Augenbraue hoch, und Abell trat nerv�s von einem Fu� auf den anderen, als f�rchte er, da� Tam die Geduld der Aes Sedai ein wenig �berstrapaziere, aber es war schon etwas mehr notwendig als ein Blick, um Tam aus dem Gleichgewicht zu bringen.</p><p>�K�nnen wir uns drau�en unterhalten?� fragte Perrin die beiden M�nner. �Ich brauche frische Luft.� Er wollte mit ihnen sprechen, ohne da� die Aes Sedai lauschten und sie beobachteten, aber das konnte er schwerlich sagen.</p><p>Tam und Abell stimmten zu. Ihnen lag wohl genauso viel daran, Verins und Alannas Beobachtung zu entkommen, wie ihm. Doch zun�chst �bergaben sie ihre erlegten Kaninchen Alanna.</p><p>�Wir wollten an sich zwei f�r uns behalten, aber nun scheint es, Ihr habt noch mehr hungrige M�gen zu befriedigen�, sagte Abell.</p><p>�Das ist aber nicht n�tig.� Es klang bei der Gr�nen Schwester, als habe sie das schon �fters sagen m�ssen.</p><p>�Wir bezahlen gern f�r das, was wir bekommen�, sagte Tam zu ihr, und auch das klang nach einer Wiederholung. �Das Geschenk einer Aes Sedai hat immer einen Haken�, so sagte man. Nun ja, er wu�te, wie wahr das war. Aber es spielte eigentlich keine Rolle, ob man es als Geschenk annahm oder daf�r bezahlte. Die Aes Sedai hatten einen in jedem Fall am Haken. Verin beobachtete ihn mit einem leichten L�cheln um die Mundwinkel, als wisse sie genau, was er dachte.</p><p>Als die drei M�nner mit geschulterten B�gen Anstalten machten, hinauszugehen, erhob sich Faile, um ihnen zu folgen. Perrin sch�ttelte jedoch den Kopf, und �berraschenderweise setzte sie sich tats�chlich wieder hin. Er fragte sich, ob sie wohl krank sei.</p><p>Nachdem sie kurz stehengeblieben waren, damit Tam und Abell Traber und Schwalbe, Failes Pferd, bewundern konnten, schlenderten sie ein St�ck weg unter die B�ume. Die Sonne neigte sich bereits dem Westen zu, und die Schatten wurden l�nger. Die beiden �lteren M�nner zogen ihn seines Bartes wegen ein bi�chen auf, doch sie erw�hnten seine Augen nicht. Er hatte auch wirklich andere Sorgen, als da� er sich Gedanken dar�ber machen konnte, ob jemand seine Augen sonderbar fand oder nicht.</p><p>Er antwortete auf Abells Frage, ob �das Ding� zu irgend etwas gut sei, au�er als Suppenf�nger, indem er sich �ber den Bart strich und mit milder Stimme sagte: �Faile gef�llt er.� �Oho�, schmunzelte Tam. �Das ist das M�dchen dort drinnen, nicht wahr? Macht einen feurigen Eindruck, Junge. Sie wird dich n�chtelang wachhalten, da� du oben und unten nicht mehr unterscheiden kannst.� �Es gibt nur einen Weg, so eine Frau zu behandeln�, sagte Abell mit einem Nicken. �La� sie glauben, da� sie diejenige ist, die bei euch f�hrt. Und wenn dann etwas wirklich Wichtiges auftaucht und du pl�tzlich etwas anderes sagst, ist sie so �berrascht, da� du Zeit genug hast, alles so durchzuziehen, wie du es willst. Es wird zu sp�t sein f�r sie, um dich noch durch langes Herumreden umzustimmen.� Das schien Perrin sehr mit dem �bereinzustimmen, was Frau al'Vere Faile in bezug auf die Behandlung von M�nnern geraten hatte. Er fragte sich, ob Abell und Marin wohl gemeinsam zu dieser �berzeugung gekommen seien. Unwahrscheinlich. Vielleicht sollte er das wirklich bei Faile ausprobieren. Nur da� sie sich eben irgendwie immer durchsetzte.</p><p>Er blickte sich nach hinten um. Das Seuchenhaus wurde fast vollst�ndig durch die dichtstehenden B�ume verborgen. Sie mu�ten hier vor den Ohren der Aes Sedai wohl ziemlich sicher sein. Er lauschte noch einmal konzentriert und atmete tief durch. Irgendwo in einiger Entfernung trommelte ein Specht. In den dicht belaubten Zweigen �ber ihnen keckerten Eichh�rnchen und vor nicht allzu langer Zeit war ein Fuchs mit seiner Beute � einem Kaninchen � hier vor�bergezogen. Au�er ihrer eigenen konnte er keine Menschenwitterung wahrnehmen, auch nichts, was andeutete, da� einer der Beh�ter sie belauschte. Vielleicht war er �bervorsichtig, aber wie gut auch ihre Gr�nde sein mochten, er kam einfach nicht �ber die Tatsache hinweg, da� beide Aes Sedai Frauen waren, die er bereits kannte, die eine, der Egwene mi�traute, und die andere eine Frau, bei der er selbst nicht sicher war, ob man ihr trauen konnte. �Wohnt Ihr hier?� fragte er. �Bei Verin und Alanna?� �Wohl kaum�, antwortete Abell. �Wie kann ein Mann unter dem gleichen Dach mit einer Aes Sedai schlafen? Was von einem Dach �brig ist.� �Wir hatten das hier f�r ein gutes Versteck gehalten�, sagte Tam, �aber sie waren schneller als wir. Ich glaube fast, die Beh�ter h�tten uns beide get�tet, wenn nicht Marin und ein paar andere Frauen aus dem Zirkel hier gewesen w�ren und sie davon abgehalten h�tten.� Abell verzog das Gesicht. �Ich glaube, es waren die Aes Sedai selbst, die sie davon abhielten, als sie erfuhren, wer wir sind. Oder besser, wer unsere S�hne sind. Es pa�t mir gar nicht, da� sie zuviel Interesse an euch Jungs zeigen.� Er z�gerte und nahm seinen Bogen in die andere Hand. �Diese Alanna hat herausgelassen, da� ihr <emphasis>TaVeren</emphasis> seid. Ihr alle drei. Ich habe geh�rt, da� die Aes Sedai nicht l�gen k�nnen.� �Ich habe bei mir selbst keine Anzeichen davon entdeckt�, sagte Perrin trocken, �und bei Mat auch nicht.� Tam warf ihm einen undurchschaubaren Blick zu, als er Rand nicht erw�hnte. Er w�rde besser l�gen lernen m�ssen, um seine Geheimnisse und die anderer zu wahren. Aber der �ltere Mann sagte lediglich: �Vielleicht wei�t du nur nicht, wonach du sehen mu�t. Wie kommst du dazu, mit einem Ogier und drei Aiel herumzuziehen?� �Der letzte fahrende H�ndler, den ich traf, behauptete, da� sich Aiel auf dieser Seite des R�ckgrats der Welt aufhielten�, warf Abell ein, �aber ich habe ihm nicht geglaubt. Er sagte, er habe geh�rt, da� in Murandy �ausgerechnet � Aiel seien oder vielleicht auch in Altara. Er war sich da nicht ganz sicher, aber das ist in jedem Fall ein gro�es St�ck von der W�ste entfernt.� �Nichts von alledem hat irgend etwas mit <emphasis>TaVeren</emphasis> zu tun�, sagte Perrin. �Loial ist ein Freund, und er kam mit, um mir zu helfen. Auch Gaul ist mein Freund, denke ich. Bain und Chiad kamen mit Faile und nicht mit mir. Es ist alles ziemlich kompliziert, aber so ist es halt. Hat nichts mit <emphasis>TaVeren</emphasis> zu tun.� �Na ja, was auch immer der Grund sein mag�, sagte Abell, �auf jeden Fall haben die Aes Sedai ein starkes Interesse an euch Jungs. Tam und ich sind letztes Jahr den ganzen Weg nach Tar Valon gereist, zur Wei�en Burg, um herauszufinden, wo ihr seid. Wir konnten kaum eine dazu bringen, uberhaupt zuzugeben, da� sie eure Namen kennt, aber es war klar, da� sie etwas verbergen. Die Beh�terin der Chronik setzte uns auf ein Schiff flu�abw�rts, steckte uns Gold in die Taschen und f�tterte uns mit unklaren Versprechen. Es ging alles so schnell, da� wir kaum Zeit hatten, uns zu verbeugen. Mir gef�llt es nicht, da� die Burg Mat auf irgendeine Art ben�tzt.� Perrin h�tte Mats Vater so gern gesagt, da� nichts dergleichen geschah, aber er glaubte nicht, da� er eine solche gro�e L�ge herausbrachte, ohne da� man sie ihm ansah. Moiraine beobachtete Mat nicht, weil ihr sein Grinsen so gefiel. Mat war genauso tief wie er selbst in die Intrigen der Burg verstrickt, vielleicht sogar noch tiefer. Alle drei waren sie verstrickt, und die Burg hielt ihre F�den in der Hand.</p><p>Schweigen senkte sich �ber sie, bis schlie�lich Tam sagte: �Junge, ich habe traurige Nachrichten, was deine Familie betrifft.� �Ich wei� schon�, sagte Perrin schnell, und wieder wurden sie still. Jeder blickte auf die eigenen Stiefelspitzen hinunter. Das Schweigen tat ihm gut. Es gab ihm ein paar Augenblicke Zeit, um seinen Schmerz hinunterzuschlucken und auch die Verlegenheit, weil man ihm diesen Schmerz nur zu deutlich angesehen hatte.</p><p>Ein Flattern lie� Perrin aufblicken. Ein gro�er Rabe setzte sich auf eine Eiche in ungef�hr f�nfzig Schritt Entfernung. Die schwarzen Knopfaugen beobachteten die drei M�nner. Seine Hand griff nach dem K�cher, aber in dem Augenblick, als er die Sehne an die Wange zog, rissen bereits zwei Pfeile den Raben von seinem Ast. Tam und Abell legten schon wieder neu auf und beobachteten den Himmel, ob weitere schwarze V�gel dort auftauchten. Es kamen aber keine.</p><p>Tams Schu� hatte den Raben in den Kopf getroffen, und das war weder eine �berraschung noch Zufall. Perrin hatte nicht gelogen, als er Faile gesagt hatte, diese beiden M�nner k�nnten besser mit dem Bogen umgehen als er. Keiner im Gebiet der Zwei Fl�sse scho� auch nur ann�hernd so gut wie Tam.</p><p>�Schmutzige Viecher�, knurrte Abell, stellte einen Fu� auf den Vogelkadaver und zog seinen Pfeil heraus. Er putzte ihn auf der Erde ab und steckte ihn in den K�cher zur�ck. �Man findet sie heutzutage �berall.� �Die Aes Sedai haben uns von ihnen berichtet�, sagte Tam, �und da� sie f�r die Blassen spionieren. Wir sagen seither allen Leuten Bescheid dar�ber. Die Versammlung der Frauen hat diese Kunde auch verbreitet. Niemand hat sehr viel darauf gegeben, bis sie anfingen, Schafe anzugreifen. Sie hackten ihnen die Augen aus und t�teten sogar einige. Die Schur wird ohnehin dieses Jahr schon schlecht genug. Nicht, da� es noch eine gro�e Rolle spielt, sch�tze ich. Aufgerieben zwischen den Wei�m�nteln und den Trollocs, werden wir wahrscheinlich dieses Jahr kaum einen H�ndler zu Gesicht bekommen, der uns die Wolle abkauft.� �Und dazu hat irgendein Narr vollkommen durchgedreht�, f�gte Abell hinzu. �Vielleicht auch mehr als einer. Wir haben alle Arten von Tierkadavern gefunden. Kaninchen, Hirsche, F�chse, sogar einen B�ren. Sie wurden get�tet und einfach liegengelassen. Die meisten waren noch nicht einmal abgeh�utet. Es mu� ein Mensch sein und kein Trolloc. Ich habe Stiefelabdr�cke von einem Menschen gefunden � zu klein f�r einen Trolloc. Es ist eine Schande und schade um das Jagdwild.� Der Schl�chter. Der Schl�chter war hier und nicht nur im Wolfstraum. Der Schl�chter und die Trollocs. Der Mann im Traum war ihm bekannt vorgekommen. Perrin schaufelte mit dem Stiefel lose Erde und Bl�tter �ber den Vogelkadaver. Sp�ter war noch genug Zeit, sich um die Trollocs zu k�mmern. Wenn n�tig, Zeit seines Lebens. �Ich habe Mat versprochen, da� ich mich um Bode und Eldrin k�mmern werde, Meister Cauthon. Wie schwer wird es, sie und die andern zu befreien?� �Sehr schwer�, seufzte Abell mit traurigem Gesicht. Mit einemmal sah man ihm sein Alter an. �Unheimlich schwer. Ich kam nahe genug heran, um Natti zu sehen, nachdem sie sie gefangen hatten, wie sie um das Zelt herumspazierte, in dem sie alle gefangengehalten werden. Ich konnte sie sehen, aber zwischen uns befanden sich ein paar hundert Wei�m�ntel. Ich war ein wenig unvorsichtig, und einer hat mich mit seinem Pfeil getroffen. Wenn mich Tam nicht zur�ck zu den Aes Sedai geschleift h�tte... � �Es ist ein ziemlich gro�es Lager�, sagte Tam, �direkt unterhalb von Wachh�gel. Sieben- oder achthundert Mann. Tag und Nacht Patrouillen, am h�ufigsten in Richtung Emondsfeld. Wenn sie mehr nach allen Seiten ausschw�rmten, w�rde uns das die Sache erleichtern, aber abgesehen von hundert Mann oder so in Taren-F�hre haben sie praktisch den Rest der Zwei Fl�sse den Trollocs �berlassen. Wie ich h�rte, ist es besonders schlimm unten in der Gegend von Devenritt. Fast jede Nacht wird wieder ein Bauernhof niedergebrannt. Das gleiche spielt sich zwischen Wachh�gel und dem Taren ab. Natti und die anderen herauszuholen wird schwer genug. Danach � nun, hoffen wir, da� die Aes Sedai sie hier beherbergen werden. Die beiden haben es ja nicht gerade gern, wenn jemand wei�, wo sie sich aufhalten.� �Es wird sie doch sicher irgend jemand verstecken�, widersprach Perrin. �Ihr k�nnt mir doch nicht weismachen, da� sich alle von Euch abgewandt h�tten. Sie glauben doch nicht wirklich, Ihr w�rt Schattenfreunde?� Im Augenblick, als er das aussprach, mu�te er an Cenn Buie denken.</p><p>�Nein, das nicht�, sagte Tam. �H�chstens ein paar Narren. Viele Leute w�rden uns etwas zu essen geben oder uns eine Nacht in der Scheune schlafen lassen, vielleicht sogar in einem Bett, aber du mu�t auch verstehen, da� sie nicht gern Leuten helfen, die von den Wei�m�nteln gesucht werden. Man kann ihnen das nicht vorwerfen. Die Lage ist mehr als schlimm, und die meisten M�nner bem�hen sich, zun�chst einmal die eigene Familie zu sch�tzen, so gut es eben geht. Jemanden unter diesen Umst�nden zu bitten, Natti und die M�dchen, dazu Haral und Alsbet aufzunehmen... Na ja, das k�nnte doch zuviel verlangt sein.� �Ich habe von den Menschen der Zwei Fl�sse aber mehr erwartet als das�, murrte Perrin.</p><p>Abell brachte ein schwaches L�cheln zuwege. �Die meisten Leute haben das Gef�hl, zwischen zwei Mahlsteinen zerrieben zu werden, Perrin. Sie hoffen jedenfalls nur noch, nicht irgendwo zwischen Wei�m�nteln und Trollocs auf der Strecke zu bleiben.� �Sie sollten mit dem Hoffen aufh�ren und statt dessen etwas unternehmen!� Einen Augenblick sp�ter sch�mte sich Perrin dieser Bemerkung. Er hatte ja nicht hier gelebt und wu�te nicht, wie sich das alles auswirkte. Aber trotzdem hatte auch er recht. Solange sich die Menschen hinter den Kindern des Lichts versteckten, mu�ten sie sich damit abfinden, da� man mit ihnen machte, was man wollte, ob sie ihnen nun B�cher klauten oder Frauen und M�dchen gefangennahmen. �Morgen sehe ich mir dieses Wei�mantellager an. Es mu� einen Weg geben, sie zu befreien. Und sobald sie frei sind, k�nnen wir uns endlich mit den Trollocs besch�ftigen. Ein Beh�ter hat mir mal gesagt, die Trollocs nennen die Aiel-W�ste auch den �Sterbeort�. Ich werde daf�r sorgen, da� sie k�nftig auch die Zwei Fl�sse so nennen!� �Perrin�, begann Tam, aber dann hielt er inne und blickte lediglich besorgt drein.</p><p>Perrin wu�te, wie sich das Licht hier im Schatten unter den Eichen in seinen Augen spiegeln mu�te. Sein Gesicht war wie aus Stein gehauen und f�hlte sich auch so an.</p><p>Tam seufzte. �Zuerst k�mmern wir uns mal um Natti und die anderen. Dann k�nnen wir immer noch entscheiden, wie wir das mit den Trollocs anstellen.� �Nimm das alles nicht zu schwer, Junge�, sagte Abell leise. �Der Ha� k�nnte in dir wachsen, bis er dich vollkommen ausbrennt.� �Nichts brennt mich aus�, sagte Perrin mit �u�erlich fester Stimme. �Ich habe lediglich vor, das zu tun, was vollbracht werden mu�.� Er fuhr mit dem Daumen die Schneide seiner Axt nach. Was vollbracht werden mu�te.</p><p>Dain Bornhald sa� ganz gerade im Sattel, als er sich mit seiner Hundertschaft nach dem Patrouillenritt wie der Wachh�gel n�herte. Nein, es waren mittlerweile keine hundert mehr. Auf elf S�tteln waren in ihre Umh�nge geh�llte Leichen festgebunden, und weitere dreiundzwanzig seiner M�nner waren verwundet. Die Trollocs hatten sie in einen cleveren Hinterhalt gelockt. Bei weniger gut ausgebildeten und unerfahreneren Soldaten h�tten sie wom�glich die gesamte Patrouille vernichtet, doch dazu waren die Kinder einfach zu harte K�mpfer. Was ihm zu schaffen machte, war die Tatsache, da� nun schon zum drittenmal eine Patrouille offen angegriffen worden war.</p><p>Nicht irgendein zuf�lliges Aufeinandertreffen, nicht, da� sie zuf�llig auf mordende und pl�ndernde Trollocs getroffen w�ren, nein, es waren strategisch geplante Angriffe gewesen. Und alles auf Patrouillen, die er pers�nlich leitete. Die Trollocs mieden alle anderen bis auf ihn. Das warf nat�rlich unangenehme Fragen auf, und die Antworten, die ihm in den Sinn kamen, konnten keine befriedigenden L�sungen liefern.</p><p>Die Sonne sank. In dem Dorf, das den ganzen H�gel von oben bis unten mit seinen strohgedeckten D�chern bedeckte, waren die ersten Lichter zu sehen. Auf dem H�gelkamm oben stand das einzige Haus mit einem Ziegeldach, der Wei�e Keiler, die Dorfschenke. An einem anderen Abend w�re er vielleicht auf einen Becher Wein dorthin geritten, und das trotz des nerv�sen Schweigens, das sich immer beim Anblick eines wei�en Umhangs mit dem goldenen Sonnenbanner ausbreitete. Er trank selten, doch manchmal war er froh, mit anderen Menschen zusammensein zu k�nnen und nicht immer nur mit den Kindern des Lichts. Nach einer Weile verga�en die Menschen gew�hnlich seine Anwesenheit und begannen wieder zu schwatzen und zu lachen. An einem anderen Abend. Heute wollte er allein sein, spazierengehen und nachdenken.</p><p>Zwischen den ungef�hr hundert buntbemalten Wohnwagen, die etwa eine halbe Meile vom Fu� des H�gels entfernt standen, herrschte gesch�ftiges Treiben. M�nner und Frauen, deren Kleidung noch bunter war als die Wagen, �berpr�ften Pferde und Geschirre und luden Sachen auf, die wochenlang im Lager nur herumgelegen hatten. Es schien, das Fahrende Volk wolle seinem Namen Ehre machen und m�glicherweise beim ersten Tageslicht aufbrechen.</p><p>�Farran!� Der kr�ftige Hundertschaftsf�hrer lenkte sein Pferd n�her heran, und Bornhald nickte in Richtung des Lagers der Tuatha'an. �Informiere den Sucher, da� sie nach S�den fahren sollen, falls er mit seinen Leuten weiterziehen will.� Seinen Landkarten nach gab es keinen �bergang �ber den Taren au�er bei Taren-F�hre, aber hatte ja schon erfahren m�ssen, wie alt diese Karten waren, seit er den Flu� �berquert hatte. Jedenfalls w�rde niemand die Zwei Fl�sse verlassen und seine Truppe vielleicht in einer Falle zur�cklassen, solange er das verhindern konnte. �Und noch etwas, Farran. Es ist nicht notwendig, die Stiefel oder die F�uste zu ben�tzen, ja? Worte reichen aus. Dieser Raen hat Ohren.� �Wie Ihr befehlt, Lord Bornhald.� Es klang nur ein klein wenig entt�uscht. Der Hundertschaftsf�hrer ber�hrte mit der im Kampfhandschuh steckenden Faust seine Herzgegend, ri� sein Pferd herum und galoppierte in Richtung des Tuatha'an-Lagers. Es gefiel ihm bestimmt nicht, aber er w�rde gehorchen. Und wenn er das Fahrende Volk noch so verachtete, so war er doch ein guter Soldat.</p><p>Der Anblick seines eigenen Lagers erf�llte Bornhald wenigstens einen Augenblick lang mit Stolz: die langen, schnurgerade Reihen von wei�en Satteldachzelten... selbst die Haltepfosten f�r die Pferde standen sauber in Reih und Glied ausgerichtet. Auch hier in dieser lichtverlassenen Ecke der Welt blieben sich die Kinder des Lichts selbst treu. Die Disziplin lie� nicht nach. Es war wirklich eine lichtverlassene Gegend. Die Trollocs waren der beste Beweis daf�r. Wenn sie Bauernh�fe niederbrannten, war das auch der Beweis daf�r, da� einige der Leute hier noch rein waren und im Licht wandelten. Einige. Der Rest verbeugte sich und sagte �Ja, mein Lord� und �Wie Ihr w�nscht, mein Lord�, und kaum wandte er ihnen den R�cken zu, machten sie alles genau wie vorher. Und au�erdem verbargen sie irgendwo eine Aes Sedai. An ihrem zweiten Tag s�dlich des Taren hatten sie einen Beh�ter get�tet. Der farbver�ndernde Umhang des Mannes war der Beweis f�r seine Stellung gewesen. Bornhald ha�te die Aes Sedai. Sie pfuschten mit der Einen Macht herum, als sei eine Zerst�rung der Welt noch nicht genug gewesen. Wenn man sie nicht aufhielt, w�rden sie das gleiche wieder anstellen. Seine augenblickliche gute Laune schmolz wie Schnee unter der Fr�hlingssonne bei diesem Gedanken.</p><p>Er suchte nach dem Zelt, in dem man die Gefangenen hielt. Nur einzeln durften sie einmal am Tag kurz an die frische Luft kommen. Keiner davon w�rde weglaufen, denn das h�tte bedeutet, die anderen im Stich zu lassen. Au�erdem w�rden sie h�chstens ein Dutzend Schritte weit kommen. An jedem Ende des Zelts stand ein Soldat Wache, und dazu w�rde man nach einem Dutzend Schritten noch auf mindestens zwanzig weitere Kinder des Lichts sto�en. Aber er wollte nat�rlich so wenig Probleme wie m�glich haben. Ein Problem f�hrte gew�hnlich zum n�chsten. Falls man die Gefangenen grob behandeln mu�te, w�rde das m�glicherweise die Stimmung im Dorf soweit anheizen, da� er dort auch eingreifen m��te. Byar war ein Narr. Er � und auch andere, besonders Farran � wollte die Gefangenen unter Folter verh�ren. Bornhald geh�rte nicht zu den Zweiflern, und er ahmte nicht gern ihre Methoden nach. Au�erdem hatte er nicht vor, Farran auf diese M�dchen loszulassen, selbst wenn sie zu den Schattenfreunden geh�rten, wie Ordeith behauptete.</p><p>Schattenfreunde oder nicht, ihm wurde immer deutlicher, da� er eigentlich nur einen einzigen Schattenfreund haben wollte. Mehr als die Trollocs, mehr als irgendwelche Aes Sedai wollte er Perrin Aybara fangen. Er konnte wohl Byars Geschichte kaum glauben, da� dieser Mann mit den W�lfen im Rudel laufe, aber Byar hatte ihm zumindest klar gemacht, da� Aybara Bornhalds Vater in eine Falle der Schattenfreunde gelockt hatte, da� er Geofram Bornhald auf der Toman-Halbinsel in den Tod von H�nden der Seanchan-Schattenfreunde und ihrer Aes-Sedai-Verb�ndeten f�hrte. Vielleicht w�rde er den Schmied wirklich Byars Folterk�nsten �berlassen, falls keiner der Luhhans in n�chster Zeit gestand. Entweder w�rde dann der Mann aufgeben, oder die Frau beim Zuschauen. Einer von ihnen w�rde ihm den Schl�ssel zur Gefangennahme Perrin Aybaras liefern.</p><p>Als er vor seinem Zelt abstieg, wartete Byar schon auf ihn. Er stand stocksteif und hager wie eine Vogelscheuche vor ihm. Bornhald warf einen angeekelten Blick hin�ber auf eine viel kleinere Gruppe von Zelten, die etwas abseits der anderen stand. Der Wind kam von dieser Richtung her, und er roch das andere Lager deutlich. Sie hielten weder ihre Pferdekoppeln noch sich selbst sauber. �Ordeith ist zur�ck, wie es scheint, oder?� �Ja, Lord Bornhald.� Byar redete nicht weiter, und Bornhald blickte ihn fragend an. �Sie berichteten von einem Scharm�tzel mit Trollocs im S�den. Zwei Tote, sechs Verwundete, behaupten sie.� �Und wer sind die Toten?� fragte Bornhald leise.</p><p>�Kind Joelin und Kind Gomanes, Lord Bornhald.� Byars Gesichtsausdruck �nderte sich nicht. Die hohlen Wangen blieben unver�ndert, und der Mund verzog sich kein bi�chen.</p><p>Bornhald zog sich langsam die mit Stahlplatten verst�rkten Kampfhandschuhe aus. Gerade die zwei hatte er Ordeith zur Begleitung mitgegeben, um aufzupassen und ihm zu berichten, was der geheimnisvolle Mann auf seinen Ausritten nach S�den eigentlich machte. Vorsichtshalber bem�hte Bornhald sich, nicht lauter zu sprechen als vorher: �Meine Gr��e an Meister Ordeith, Byar, und � Nein! Keine Gr��e. Sage ihm, und zwar w�rtlich, da� ich seine mageren Knochen augenblicklich vor mir sehen will. Sag es ihm, Byar, und bringe ihn her, selbst wenn du ihn und diese schmutzigen Kreaturen festnehmen mu�t, die den Kindern des Lichts solche Schande bereiten. Geh!� Bornhald hielt seinen Zorn zur�ck, bis er sich im Zelt befand. Dann fegte er knurrend Landkarten und Schreibutensilien von seinem Klapptisch. Ordeith mu�te ihn f�r einen kompletten Idioten halten. Zweimal hatte er dem Kerl M�nner mitgegeben, und beide Male waren gerade sie die einzigen Toten in einem �Scharm�tzel mit Trollocs� gewesen. Es hatte keine Verwundeten unter den anderen gegeben. Es war immer im S�den geschehen. Der Mann war von diesem Emondsfeld besessen. Gut, er h�tte vielleicht selbst ihr Lager dorthin verlegt, wenn nicht... Das war jetzt unwichtig. Er hatte ja die Luhhans hier. Sie w�rden ihn auf die eine oder andere Art zu Perrin Aybara f�hren. Wachh�gel war ein viel besserer Lagerplatz, falls er pl�tzlich nach Taren-F�hre mu�te. Milit�rische �berlegungen hatten Vorrang vor den pers�nlichen.</p><p>Zum tausendsten Mal fragte er sich, warum ihn der kommandierende Lordhauptmann hierhergeschickt hatte. Die Menschen waren auch nicht anders als an hundert anderen Orten. Allerdings zeigten nur die Bewohner von Taren-F�hre ein Interesse daran, die Schattenfreunde in den eigenen Reihen zu bek�mpfen. Der Rest schaute m�rrisch und ohne innere Beteiligung zu, wenn der Drachenzahn auf eine T�r gemalt wurde. In einem Dorf wu�te man immer genau, wer unter den Bewohnern unerw�nscht war. Wenn man sie ein wenig ermutigte, waren sie immer bereit zu einer Reinigung, und mit den Unerw�nschten, die man gern gehen sah, erwischte man todsicher auch die Schattenfreunde. Aber hier nicht. Der schwarze Umri� eines spitzen Zahns auf einer T�r k�nnte hier genausogut ein neuer Anstrich sein. Jedenfalls zeigte er die gleiche Wirkung. Und dann die Trollocs. Hatte Pedron Niall gewu�t, da� die Trollocs dieses Gebiet �berfallen w�rden, als er den Befehl ausgab? Wie konnte er das gewu�t haben? Aber wenn nicht, warum hatte er dann so viele der Kinder hergeschickt, da� sie ausreichten, um einen kleineren Aufstand niederzuschlagen? Und wieso beim Licht hatte ihm der kommandierende Lordhauptmann diesen mordlustigen Wahnsinnigen mitgegeben?</p><p>Die Zeltklappe �ffnete sich, und Ordeith stolzierte herein. Sein feines graues Wams war mit Silber verziert, wies aber gro�e Flecken auf. Auch sein magerer Hals war schmutzig. Er ragte aus seinem Kragen hoch wie der Hals einer Schildkr�te aus dem Panzer. �Guten Abend, Lord Bornhald. Einen sch�nen und pr�chtigen Abend w�nsche ich Euch.� Sein Lugarder Dialekt kam heute abend besonders stark durch.</p><p>�Was ist mit Kind Joelin und Kind Gomanes geschehen, Ordeith?� �Eine schreckliche Sache, mein Lord. Als wir auf die Trollocs stie�en, hat Kind Gomanes tapfer... � Bornhald schlug ihm mit seinen Handschuhen ins Gesicht. Taumelnd fa�te sich der knochige Mann an die aufgeplatzte Lippe und betrachtete die R�te an seinen Fingern. Das L�cheln auf seinem Gesicht wirkte nicht mehr sp�ttisch. Es wirkte nun eher wie das L�cheln einer Viper. �Verge�t Ihr nun pl�tzlich, wer meine Ernennung unterschrieb, kleiner Lord? Pedron Niall h�ngt Euch an den Eingeweiden Eurer Mutter auf, wenn ich nur ein Wort sage, aber das, nachdem er Euch beiden die Haut bei lebendigem Leib abziehen lie�.� �Falls Ihr am Leben seid und dieses Wort noch aussprechen k�nnt, oder?� Ordeith knurrte und kr�mmte sich wie eine wilde Kreatur. Auf seinen Lippen stand Schaum. Langsam sch�ttelte er jedoch seine Wut ab und richtete sich wieder auf. �Wir m�ssen zusammenarbeiten.� Der Lugarder Dialekt war wie weggeblasen, und die Stimme klang kr�ftiger, befehlsgewohnter. Bornhald zog dennoch die sp�ttische Lugarder Stimme der etwas schmierig klingenden vor, in deren Tonfall kaum verh�llte Verachtung mitschwang. �Der Schatten umgibt uns auf allen Seiten. Nicht nur die Trollocs und die Myrddraal. Das ist noch das wenigste. Drei wurden hier gezeugt, drei Schattenfreunde, die eine Welt ersch�ttern sollen, deren Geburt tausend Jahre lang vom Dunklen K�nig vorbereitet wurde. Rand al'Thor. Mat Cauthon. Perrin Aybara. Ihr kennt ihre Namen. An diesem Ort wurden Kr�fte auf die Welt losgelassen, die sie in Not bringen werden. Kreaturen des Schattens bev�lkern die Nacht, beflecken die reinen Herzen der Menschen, verderben ihre Tr�ume. Reinigt dieses Land. Reinigt es, und sie werden kommen. Rand al'Thor. Mat Cauthon. Perrin Aybara.� Er sprach diesen letzten Namen beinahe liebevoll aus.</p><p>Bornhald atmete schwer durch. Er war nicht sicher, wie Ordeith herausbekommen hatte, wen er hier suchte. Eines Tages hatte er ihm das ganz selbstverst�ndlich er�ffnet. �Ich habe Eure Spuren auf dem Hof der Aybaras verwischt, nachdem Ihr ihn... � �Reinigt die Zwei Fl�sse.� In dieser vollt�nenden Stimme lag ein Hauch von Wahnsinn. Auf Ordeiths Stirn stand Schwei�. �Zieht ihnen die Haut ab, und die drei werden kommen.� Bornhald erhob seine Stimme: �Ich habe Eure Spuren verwischt, weil ich es mu�te.� Er hatte keine andere Wahl gehabt. Falls die Wahrheit herausgekommen w�re, h�tte er es nicht mehr nur mit m�rrischen Einwohnern zu tun gehabt. Das letzte, was er gebrauchen konnte, war ein Aufstand zus�tzlich zu den Trollocs.</p><p>�Aber ich werde keinen Mord an den Kindern dulden. H�rt Ihr das? Was macht Ihr, das Ihr vor den Kindern verbergen m��t?� �Zweifelt Ihr daran, da� der Schatten alles unternehmen wird, um mich aufzuhalten?� �Was?� �Zweifelt Ihr daran?� Ordeith beugte sich in pl�tzlicher Eindringlichkeit vor. �Ihr habt doch die Grauen M�nner gesehen.� Bornhald z�gerte. F�nfzig Soldaten der Kinder um ihn herum, mitten in Wachh�gel, und keiner von ihnen hatte die beiden M�nner mit ihren Dolchen bemerkt. Er selbst hatte sie geradewegs angesehen und doch nicht wahrgenommen. Bis Ordeith die beiden get�tet hatte. Der magere kleine Bursche war dadurch sehr in der Achtung seiner M�nner gestiegen. Sp�ter hatte Bornhald die Dolche tief in der Erde vergraben. Die Klingen sahen aus wie Stahl, man verbrannte sich aber daran wie an geschmolzenem Metall. Die Erdbrocken, die er in der Grube darauf geschaufelt hatte, hatten gezischt, und Dampfw�lkchen waren davon aufgestiegen. �Glaubt Ihr, sie waren hinter Euch her?� �O ja, Lord Bornhald. Hinter mir her. Was auch notwendig sein mag, um mich aufzuhalten. Der Schatten selbst will mich zur Strecke bringen.� �Das sagt aber immer noch nichts aus in bezug auf ermordete... � �Ich mu� meine Aufgabe im geheimen erf�llen.� Er fl�sterte, ja, zischte diese Worte. �Der Schatten kann in die Gehirne von Menschen eindringen, um mich zu suchen, kann die Tr�ume und Gedanken von Menschen beeinflussen. W�rdet Ihr gern im Traum sterben? Das kann passieren.� �Ihr seid... wahnsinnig.� �Gebt mir freie Hand, und ich bringe Euch Perrin Aybara. Das verlangen Pedron Nialls Befehle. Freie Hand f�r mich und ich liefere Euch Perrin Aybara aus.� Bornhald schwieg eine ganze Weile lang. �Ich will Euch nicht sehen�, sagte er schlie�lich. �Geht mir aus den Augen.� Als Ordeith weg war, schauderte Bornhald. Was hatte der kommandierende Lordhauptmann mit diesem Mann hier im Sinn? Andererseits, wenn er ihm Aybara auslieferte... Er warf die Handschuhe zur Seite und begann, in seinem Gep�ck herumzukramen. Irgendwo mu�te eine Flasche Schnaps stecken.</p><p>Der Mann, der sich Ordeith nannte, der sogar manchmal von sich selbst als Ordeith dachte, schlich zwischen den Zelten der Kinder des Lichts umher und beobachtete die M�nner mit den wei�en Umh�ngen mi�trauisch. N�tzliche Werkzeuge, ignorante Werkzeuge, aber nicht vertrauensw�rdig. Besonders Bornhald nicht. Den mu�te man m�glicherweise beseitigen, falls er zu viele Schwierigkeiten machte. Byar lie� sich da schon viel leichter beeinflussen. Aber jetzt noch nicht. Es gab wichtigere Dinge zu erledigen. Einige der Soldaten nickten ihm respektvoll zu, als er vorbeiging. Er zeigte ihnen die Z�hne, und sie betrachteten es als freundliches L�cheln. Werkzeuge und Narren zugleich.</p><p>Sein Blick huschte hungrig zu dem Zelt mit den Gefangenen hin�ber. Sie konnten warten. Wenigstens noch eine Weile. Ein kleines bi�chen l�nger. Sie waren sowieso nur kleine Appetithappen. K�der. Er h�tte sich auf dem Hof der Aybaras besser beherrschen sollen, aber Con Aybara hatte ihm ins Gesicht gelacht, und Joslyn hatte ihn als kleinen Narren mit einer schmutzigen Phantasie bezeichnet, weil er ihren Sohn einen Schattenfreund genannt hatte. Nun, sie hatten etwas gelernt daraus �schreiend und brennend. Unwillk�rlich mu�te er leise kichern. Appetithappen.</p><p>Er sp�rte deutlich, da� einer von denen, die er so ha�te, dort drau�en war, irgendwo s�dlich in Richtung Emondsfeld. Welcher von ihnen? Es spielte keine Rolle. Rand al'Thor war der einzig wichtige unter ihnen. Er h�tte es gesp�rt, wenn es al'Thor gewesen w�re. Die Ger�chte hatten ihn noch nicht hergelockt, aber das w�rde bestimmt geschehen. Ordeith schauderte vor Lust. Es mu�te einfach so kommen. Man mu�te noch mehr Erz�hlungen und Ger�chte an Bornhalds Wachen in Taren-F�hre vorbeischmuggeln, weitere Berichte �ber Reinigungsaktionen an den Zwei Fl�ssen, damit sie Rand al'Thors Ohren erreichten und sich tief in sein Hirn einbrannten. Zuerst al'Thor und dann die Wei�e Burg, als Rache f�r all das, was sie ihm genommen hatten. Er w�rde alles in Besitz nehmen, was ihm von Rechts wegen zustand.</p><p>Alles war wie ein Uhrwerk abgelaufen, trotz Bornhalds Zwangsma�nahmen, bis dieser Neue mit seinen Grauen M�nnern auftauchte. Ordeith fuhr sich mit den knochigen Fingern durch das fettige Haar. Warum konnten nicht wenigstens seine Tr�ume ihm allein geh�ren? Er war keine Marionette mehr, die, vom Dunklen K�nig selbst gef�hrt, um die Myrddraal und die Verlorenen herumtanzte. Er selbst f�hrte nun die F�den. Sie konnten ihn nicht aufhalten und nicht t�ten.</p><p>�Nichts kann mich t�ten�, knurrte er mit finsterer Miene. �Mich nicht. Ich habe seit den Trolloc-Kriegen �berlebt.� Nun ja, zumindest ein Teil von ihm. Er lachte schrill auf, h�rte den Wahnsinn in diesem Gel�chter, kannte seine Bedeutung, aber es k�mmerte ihn nicht.</p><p>Ein junger Offizier der Wei�m�ntel runzelte ob des Gel�chters die Stirn. Diesmal lag keine Andeutung eines L�chelns in Ordeiths gefletschten Z�hnen, und der Junge mit dem Flaum auf den Wangen zuckte zur�ck. Ordeith hastete mit schleppenden, schleichenden Schritten weiter.</p><p>Fliegen summten um seine eigenen Zelte herum, und m�rrische, mi�trauische Blicke wichen den seinen aus. Hier waren die wei�en Umh�nge verschmutzt. Aber die Schwerter waren scharf, der Gehorsam augenblicklich und blind. Bornhald glaubte, diese M�nner unterst�nden ihm immer noch. Auch Pedron Niall glaubte das und hielt Ordeith f�r seine zahme Kreatur. Narren.</p><p>Er schob seine Zeltklappe beiseite und ging hinein, um nach seinem Gefangenen zu sehen, der zwischen dicken Pfl�cken gefesselt lag. Diese Pfl�cke h�tten auch ein ganzes Pferdegespann festgehalten. Die starke Stahlkette vibrierte, als er ihren Sitz �berpr�fte, aber er hatte genau ausgerechnet, wieviel er brauchte, und dann die L�nge verdoppelt. Und das war auch gut so gewesen. Eine Windung weniger, und die massiven Stahlglieder w�ren zerbrochen. Seufzend setzte er sich auf die Bettkante. Die Lampen waren bereits entz�ndet. Mehr als ein Dutzend von ihnen lie�en nirgends mehr eine Spur von Schatten �brig. Hier im Zelt war es so hell wie drau�en in der Mittagssonne. �Habt Ihr meinen Vorschlag �berdacht? Nehmt an, und Ihr seid frei und k�nnt gehen. Weigert Euch... Ich wei�, wie man Eurer Art Schmerzen zuf�gt. Ich kann Euch einen endlosen Tod sterben lassen. Ihr werdet schreien und schreien. Ewig sterben und ewig schreien.� Die Ketten summten, als ein scharfer Ruck sie ersch�tterte. Die tief in den Boden hineingetriebenen Pf�hle knarrten. �Also gut.� Die Stimme des Myrddraal klang, als zerbr�ckle getrocknete Schlangenhaut. �Ich nehme Euer Angebot an. La�t mich frei.� Ordeith l�chelte. Es hielt ihn bestimmt f�r einen Narren. Na gut. Es w�rde lernen m�ssen. Alle w�rden sie lernen m�ssen. �Zuerst sprechen wir einmal �ber die Fragen... sagen wir mal, von Vereinbarungen und �bereinstimmungen.� Als er weitersprach und seine Vorstellungen schilderte, begann der Myrddraal zu schwitzen.</p></section><section><title><p>32</p><p>Brennende Fragen</p></title><p>Wir sollten bald nach Wachh�gel aufbrechen�, sagte Verin am n�chsten Morgen, als die Sonne noch kaum den Morgenhimmel erhellte, �also tr�delt nicht.� Perrin blickte von seinem kalten Haferbrei hoch. Der entschlossene Blick der Aes Sedai lie� keinen Widerspruch zu. Einen Augenblick sp�ter f�gte sie nachdenklich hinzu: �Glaubt aber nicht, da� ich Euch deshalb bei irgendeinem n�rrischen, �berhasteten Unternehmen helfen werde. Ihr seid ein junger Mann, der immer etwas Derartiges auf Lager hat. Versucht das erst gar nicht bei mir.� Tam und Abell hielten in ihren Bewegungen inne, die L�ffel halb zum Mund gehoben, und tauschten einen �berraschten Blick. Bis jetzt waren sie wie auch die Aes Sedai getrennte Wege gegangen. Nach einem Augenblick a�en sie weiter, jedoch mit nachdenklich gerunzelter Stirn. Irgendwelche Einw�nde blieben unausgesprochen. Tomas, der seinen Beh�terumhang bereits in seiner Satteltasche verstaut hatte, warf ihnen und Perrin noch zus�tzlich einen harten Blick zu, als erwarte er Widerspruch und habe vor, diesen im Keim zu ersticken. Beh�ter taten immer alles Notwendige, um ihrer Aes Sedai zu erlauben, das zu tun, was sie wollte.</p><p>Sie wollte sich nat�rlich wieder einmischen. Das taten die Aes Sedai grunds�tzlich. Aber es war besser, sie dort zu haben, wo er sie sehen konnte, und nicht gerade in seinem R�cken. Es war beinahe unm�glich, sich den Intrigen der Aes Sedai ganz zu entziehen, wenn sie ihre Nase in etwas stecken wollten. Es gab nur einen Weg: Man mu�te versuchen, sie zu benutzen, w�hrend sie einen selbst benutzten, und h�llisch aufzupassen, damit man rechtzeitig wegsprang, falls sie einen am Kragen packen und in ein Kaninchenloch stecken wollten. Manchmal stellte sich der Kaninchenbau auch als eine Dachsh�hle heraus, und das konnte unangenehme Folgen haben.</p><p>�Ihr seid uns auch willkommen�, sagte er zu Alanna, aber die warf ihm nur einen so eisigen Blick zu, da� er lieber mit Sticheln aufh�rte. Sie hatte den Haferbrei keines Blickes gew�rdigt, stand an einem der halb �berwucherter Fenster und sp�hte durch den Bl�ttervorhang nach drau�en.</p><p>Er wu�te nicht, ob sie mit seinen Pl�nen f�r eine Erkundung einverstanden war. Es schien unm�glich, ihr etwas anzusehen. Von den Aes Sedai erwartete man k�hl�berlegene W�rde, und das traf bei ihr in vollem Ma�e zu. Doch dann wieder blitzten ihr feuriges Temperament oder ihr unberechenbarer Humor auf, wenn man das am wenigsten erwartete. Und ebenso schnell war es wieder vorbei. Manchmal sah sie ihn auf eine Weise an � wenn sie keine Aes Sedai gewesen w�re, h�tte er gesagt, sie bewunderte ihn. Ein andermal f�hlte er sich unter ihrem Blick wie ein komplizierter Mechanismus, den sie auseinandernehmen wollte, um herauszufinden, wie er funktionierte. Selbst Verin war da noch besser. Die meiste Zeit �ber konnte man einfach nicht in Erfahrung bringen, was sie dachte oder vorhatte. Das ging ihm manchmal ziemlich auf die Nerven, aber wenigstens hatte er bei ihr nicht das Gef�hl, da� sie nicht wisse, wie sie ihn hinterher wieder zusammensetzen solle.</p><p>Er w�nschte, er k�nne Faile dazu bringen, hierzubleiben. Das war ja nicht das gleiche, als lie�e er sie zur�ck; sie w�re dann aber in Sicherheit vor den Wei�m�nteln. Doch ihr Kinn war schon wieder stur vorgeschoben, und in ihren schr�gstehenden Augen glitzerte es gef�hrlich. �Ich freue mich darauf, etwas von deinem Land sehen zu k�nnen. Mein Vater z�chtet auch Schafe.� Ihr Tonfall klang entschlossen; sie w�rde nicht hierbleiben. Dazu m��te er sie schon festbinden.</p><p>Einen Augenblick lang dachte er sogar an eben dieses. Aber die Gefahr, die ihnen von den Wei�m�nteln drohte, d�rfte nicht so gro� sein, dachte er. Heute wollte er ja nur auf Erkundung gehen. �Ich dachte, er sei Kaufmann�, sagte er.</p><p>�Er z�chtet auch Schafe.� Rote Flecke erbl�hten auf ihren Wangen. Vielleicht war ihr Vater ein armer Mann und �berhaupt kein H�ndler. Er wu�te nicht, warum sie ihm so etwas vormachte, aber wenn sie es so wollte, dann w�rde er sie nicht davon abhalten. Verlegen oder nicht �sie wirkte trotzdem genauso stur und entschlossen wie vorher.</p><p>Er erinnerte sich an Meister Cauthons Vorschlag. �Ich wei� nicht, wieviel du zu sehen bekommen wirst. Auf einigen H�fen d�rfte die Schur im Gang sein, sch�tze ich. Wahrscheinlich auch nicht anders als bei deinem Vater. Ich bin jedenfalls froh �ber deine Gesellschaft.� Ihr �berraschter Gesichtsausdruck, als ihr klar wurde, da� er nicht widersprach, war beinahe die Sorgen wert, die sie ihm durch ihre Anwesenheit bereitete. Vielleicht hatte Abell wirklich recht.</p><p>Bei Loial war das eine ganz andere Sache. �Aber ich will mitkommen�, protestierte der Ogier, als man ihm sagte, er solle dableiben. �Ich will helfen, Perrin!� �Ihr w�rdet zu sehr auffallen, Meister Ogier�, sagte Abell und Tam f�gte hinzu: �Wir m�ssen alles unn�tige Aufsehen unbedingt vermeiden.� Loials Ohren hingen entt�uscht herunter.</p><p>Perrin zog ihn auf die Seite, so weit von den anderen entfernt, wie es in diesem Raum eben ging. Loials zerzaustes Haar streifte die Deckenbalken, bis Perrin ihm bedeutete, sich etwas zu b�cken. Dann l�chelte er ihn an und tat so, als wolle er ihn nur aufheitern. Er hoffte jedenfalls, da� die anderen dies glaubten.</p><p>�Ich m�chte, da� du Alanna ein wenig beobachtest�, sagte er im Fl�sterton. Loial zuckte zusammen, und er packte den Ogier am �rmel, wobei er immer noch grinste wie ein Idiot. �Grinsen, Loial. Wir sprechen �ber vollkommen unwichtige Dinge, ja? Denk daran!� Der Ogier brachte ein unsicheres Grinsen zuwege. Es w�rde reichen m�ssen. �Aes Sedai haben f�r das, was sie tun, ihre eigenen Gr�nde, Loial.� Und das konnte durchaus etwas total Unerwartetes sein, etwas, womit man �berhaupt nicht gerechnet hatte. �Wer wei� denn schon, was sie im Sinn hat? Ich habe schon genug �berraschungen erlebt, seit ich heimgekommen bin, und mir steht der Sinn nicht nach weiteren. Ich erwarte ja nicht, da� du sie aufh�ltst, aber du solltest aufpassen, ob sie irgend etwas Au�ergew�hnliches macht.� �Vielen Dank, Perrin�, knurrte Loial sarkastisch. Seine Ohren zuckten. �H�ltst du es nicht f�r besser, Aes Sedai einfach tun zu lassen, was sie wollen?� Das war leicht gesagt in seinem Fall. Aes Sedai konnten in einem Ogier-<emphasis>Stedding</emphasis> die Macht nicht ben�tzen. Perrin sah ihn nur lange an, bis der Ogier schlie�lich aufseufzte. �Nun ja, wahrscheinlich nicht. Also gut. Ich kann ja nicht behaupten, da� es in deiner N�he... langweilig w�rde.� Er richtete sich auf, rieb sich mit einem dicken Finger unter der Nase und sagte zu den anderen: �Ich denke, ich w�rde doch zuviel Aufmerksamkeit erregen. Nun, auf die Art habe ich Zeit, um meine Notizen durchzusehen. Ich habe schon seit Tagen nicht mehr an meinem Buch gearbeitet.� Verin und Alanna tauschten einen undurchschaubaren Blick, und dann sahen sie wie auf Kommando mit gro�en Augen Perrin an. Man konnte dabei einfach nicht feststellen, was sie dachten.</p><p>Die Packtiere mu�te man nat�rlich zur�cklassen. Packpferde w�rden in jedem Fall Aufsehen erregen, da sie von einer l�ngeren Reise k�ndeten. Selbst in guten Zeiten reiste an den Zwei Fl�ssen kaum jemand einmal weiter weg. Alanna l�chelte leicht und zufrieden, w�hrend sie ihnen beim Satteln ihrer Reittiere zusah. Zweifellos glaubte sie, da� die zur�ckgelassenen Tiere mit den Tragek�rben sie an das alte Seuchenhaus und an sie und Verin fesselten. Falls es zum Schlimmsten kam, w�rde sie eine �berraschung erleben. Er war schon oft genug nur mit seinem Reitpferd und den Satteltaschen ausgekommen, seit sie die Heimat verlassen hatten. Gelegentlich hatte er auch nicht mehr gehabt als seine G�rteltasche und die Taschen an seinem Mantel. �berlebt hatte er allemal.</p><p>Er richtete sich auf, nachdem er Trabers Sattelgurt fester gezurrt hatte, und dann fuhr er zusammen. Verin musterte ihn eindringlich und mit einem Blick, der Wissen verriet.</p><p>Dieser Blick war keineswegs vertr�umt wie sonst. Sie wu�te, was er dachte, und am�sierte sich dar�ber. Das war schon bei Faile schlimm genug, aber bei einer Aes Sedai traf ihn das hundertmal st�rker. Der Hammer, den er neben die Deckenrolle und die Satteltaschen geschnallt hatte, schien ihr aber doch ein R�tsel zu sein. Er war froh, da� es noch etwas gab, das sie nicht auf Anhieb verstand. Andererseits pa�te ihm ihre Aufmerksamkeit in dieser Hinsicht gar nicht. Was konnte an einem Hammer so faszinierend sein f�r eine Aes Sedai?</p><p>Da sie nur ihre Pferde satteln mu�ten, waren ihre Vorbereitungen im Nu beendet. Verin hatte einen unauff�lligen braunen Wallach, der f�r das ungeschulte Auge genauso durchschnittlich wirkte wie ihre Kleidung, aber der breite Brustkorb und der kr�ftige K�rper deuteten auf ebensoviel Ausdauer hin wie bei dem hochgewachsenen, schlanken Grauen des Beh�ters. Dieses temperamentvolle Tier rollte erregt mit den Augen. Traber schnaubte daraufhin eifers�chtig, bis Perrin den Hals des Braunen beruhigend t�tschelte. Der Graue war ein wenig disziplinierter, aber genauso kampfbereit. Tomas mu�te ihn nur loslassen. Der Beh�ter lenkte sein Tier mehr mit den Knien als mit dem Z�gel. Die beiden schienen eins zu sein, so verwachsen miteinander wirkten die beiden.</p><p>Meister Cauthon musterte interessiert Tomas' Pferd. Man bekam hier nicht viele Streitr�sser zu Gesicht. Aber bei Verins Tier nickte er schon nach einem kurzen Blick anerkennend. Es gab an den Zwei Fl�ssen wohl kaum einen besseren Pferdekenner als ihn. Zweifellos war auch er es gewesen, der sein eigenes und Meister al'Thors Pferd ausgesucht hatte. Es waren Tiere mit zottigerem Fell, auch kleiner als die anderen, doch st�mmig und mit einem Schritt, der f�r Schnelligkeit und Ausdauer sprach.</p><p>Die drei Aiel gingen ihnen mit geschmeidigen, langen Schritten voran, als sie in Richtung Norden aufbrachen. Sie waren schnell au�er Sicht im dichten Wald. Die Schatten des fr�hen Morgens waren lang und scharf umrissen. Die ersten Sonnenstrahlen warfen Lichtbalken zwischen die B�ume. Manchmal blitzte zwischen den B�umen etwas Graubraunes auf, wahrscheinlich absichtlich, um die anderen wissen zu lassen, wo sich die Aiel befanden. Tam und Abell �bernahmen die F�hrung. Sie hatten die B�gen �ber die hohen Sattelh�rner geh�ngt. Dahinter ritten Perrin und Faile, w�hrend Verin und Tomas den Schlu� bildeten.</p><p>Perrin h�tte auf Verins Blick in seinem R�cken gut verzichten k�nnen. Er konnte ihn deutlich zwischen seinen Schulterbl�ttern sp�ren. Er fragte sich, ob sie von den W�lfen wisse. Kein angenehmer Gedanke. Braune Schwestern wu�ten angeblich �ber eine Menge Dinge Bescheid, die den anderen Ajahs nicht bekannt waren �verborgene Dinge, uralte Kenntnisse. Vielleicht wu�te sie, wie er es anstellen mu�te, um sich nicht an die W�lfe zu verlieren, um seine Menschlichkeit nicht aufzugeben. Abgesehen davon, da� er m�glicherweise Elyas Machera wiederfand, stellte sie seine gr��te Hoffnung dar. Er mu�te ihr lediglich vertrauen. Sie w�rde bestimmt all ihre Kenntnisse einsetzen; ganz sicher im Namen der Wei�en Burg, vielleicht aber auch f�r Rand. Das Dumme daran war nur, da� Hilfe f�r Rand ihm selbst jetzt im Moment auch nicht weiterhalf, die eigenen Probleme zu l�sen. Alles w�re soviel einfacher ohne die Aes Sedai.</p><p>Die meiste Zeit �ber ritten sie schweigend dahin, nur begleitet von den Ger�uschen des Waldes: Eichh�rnchen, Spechten und gelegentlichem Vogelgezwitscher. Einmal blickte Faile zur�ck und sagte dann zu ihm: �Sie wird dir nichts antun.� Ihr sanfter Tonfall stand im Kontrast zu ihren wild blitzenden dunklen Augen.</p><p>Perrin blickte verwundert drein. Sie wollte ihn besch�tzen. Vor den Aes Sedai. Er w�rde sie wohl nie verstehen oder wissen, was er als n�chstes von ihr zu erwarten hatte. Sie benahm sich manchmal wirklich genauso verwirrend wie die Aes Sedai.</p><p>Sie erreichten schlie�lich den Rand des Westwalds etwa vier oder f�nf Meilen n�rdlich von Emondsfeld. Die Sonne stand bereits ein St�ck �ber den Baumwipfeln im Osten. Verstreute Waldstreifen, meist Lederblattb�ume, Kiefern und Eichen, lagen zwischen ihnen und den n�chsten durch Hecken eingefa�ten Feldern, auf denen Gerste und Hafer, Tabak und Gras zum Heuen wuchs. Seltsamerweise war kein Mensch zu sehen. Kein Rauch erhob sich aus den Schornsteinen der Bauernh�fe hinter den Feldern. Perrin kannte die Leute, die dort wohnten, die Familie al'Loras in zwei der gr��eren H�user und die Barsters, die in den anderen von hier aus sichtbaren Geb�uden lebten. Hart arbeitende Menschen. Falls sich jemand in den H�usern befunden h�tte, w�ren sie l�ngst bei der Arbeit gewesen. Gaul winkte vom Saum eines gr��eren Geb�sches her und verschwand dann darin.</p><p>Perrin trieb Traber voran, bis er sich neben Tam und Abell befand. �Sollten wir nicht in Deckung weiterreiten, solange wir k�nnen? Sechs Berittene werden nicht unbemerkt bleiben.� Sie lie�en ihre Pferde unver�ndert gleichm��ig weiterschreiten.</p><p>�Es gibt nicht viele, die uns bemerken k�nnten, Junge�, antwortete Meister al'Thor, �solange wir uns von der Nordstra�e fernhalten. Die meisten H�fe, die in der N�he des Waldes liegen, wurden mittlerweile aufgegeben. Au�erdem ist heutzutage niemand allein unterwegs. Keiner entfernt sich weit vom eigenen Haus. Eine Gruppe von zehn Leuten erregt heute kaum besonderes Aufsehen, obwohl die meisten, wenn �berhaupt, mit Planwagen unterwegs sind.� �Wir werden so schon der gr��ten Teil des Tages �ber brauchen, um nach Wachh�gel zu kommen�, sagte Meister Cauthon. �Und das, ohne den Umweg durch den Wald zu nehmen. Auf der Stra�e ginge es ein wenig schneller, klar, aber es best�nde auch eher die Gefahr, Wei�m�nteln zu begegnen. Die Gefahr, da� uns jemand gegen eine Belohnung verr�t, w�re ebenfalls um vieles gr��er.� Tam nickte. �Aber in dieser Gegend haben wir auch Freunde. Wir haben vor, gegen Mittag bei Jac al'Seens Hof eine Pause einzulegen, damit sich die Pferde ausruhen und wir uns ein wenig die Beine vertreten k�nnen. Wir kommen nach Wachh�gel, wenn das Tageslicht noch ausreichend ist, um alles zu beobachten.� �Es wird hell genug sein�, best�tigte Perrin automatisch. F�r ihn reichte das Licht allemal aus. Er drehte sich im Sattel um und sah noch einmal zu den Bauernh�usern hin�ber. Verlassen, aber nicht niedergebrannt, nicht gepl�ndert, soweit er das feststellen konnte. An den Fenstern hingen noch die Gardinen. Die Scheiben waren ganz. Trollocs zerst�rten gern alles, und leere H�user stellten f�r sie eine Einladung dar. Zwischen den Gersten- und Haferhalmen wuchs Unkraut, aber man hatte die Pflanzen nicht niedergetrampelt. �Haben die Trollocs Emondsfeld selbst schon angegriffen?� �Nein, haben sie nicht�, sagte Meister Cauthon dankbar. �Es w�rde ihnen auch nicht leicht gemacht, das kann ich dir sagen. Die Leute haben seit der vorletzten Winternacht gelernt, h�llisch aufzupassen. Neben jeder T�r steht ein Bogen und dazu Speere und so. Au�erdem kommen die Wei�m�ntel alle paar Tage auf Patrouille herunter. So schwer es mir f�llt, das zuzugeben, so halten sie doch auf die Art die Trollocs im Schach.� Perrin sch�ttelte den Kopf. �Habt Ihr eine Ahnung, wie viele Trollocs sich hier befinden?� �Einer ist schon zuviel�, knurrte Abell.</p><p>�Vielleicht zweihundert�, meinte Tam. �M�glicherweise auch mehr.� Meister Cauthon blickte �berrascht drein. �Denk doch mal nach, Abell. Ich wei� nicht, wie viele die Wei�m�ntel schon get�tet haben, aber die Beh�ter behaupten, da� sie und die Aes Sedai beinahe f�nfzig erledigt haben und dazu noch zwei Blasse. Und die Anzahl von �berf�llen, von denen wir erfahren, ist nicht geringer geworden. Ich denke, es m�ssen mehr sein, aber du kannst ja selbst rechnen.� Der andere Mann nickte verdrossen.</p><p>�Warum haben sie dann Emondsfeld nicht angegriffen?� fragte Perrin. �Ein �berfall mit zwei- oder dreihundert Trollocs in der Nacht, und sie k�nnten wahrscheinlich das ganze Dorf niederbrennen und wieder entkommen, bevor die Wei�m�ntel oben in Wachh�gel �berhaupt davon erf�hren. Noch leichter w�re es f�r sie allerdings, Devenritt zu �berfallen. Ihr habt doch gesagt, da� die Wei�m�ntel gar nicht erst dorthin kommen.� �Gl�ck�, murmelte Abell, aber es klang innerlich zerrissen. �Das wird es sein. Wir haben Gl�ck gehabt. Was sonst? Worauf willst du hinaus, Junge?� �Worauf er hinaus will�, sagte Faile, die ihr Pferd heranlenkte, �ist die Tatsache, da� es einen Grund daf�r geben mu�.� Schwalbe war soviel gr��er als die Pferde der beiden �lteren M�nner, da� sie denen nun in die Augen sehen konnte, und ihr Blick wirkte ruhig und fest. �Ich habe gesehen, was in Saldaea nach Trolloc-�berf�llen zur�ckblieb. Was sie nicht niederbrennen, zerst�ren sie auf andere Art. Sie t�ten oder verschleppen die Menschen und die Tiere � alles, was ungesch�tzt ist. In schlechten Jahren sind ganze D�rfer verschwunden. Sie suchen heraus, was ihnen am schw�chsten vorkommt, wo sie die meisten Menschen t�ten k�nnen. Mein Vater...� Sie schluckte hinunter, was sie hatte sagen wollen, atmete tief durch und fuhr fort: �Perrin hat begriffen, was auch Euch klar sein sollte.� Sie l�chelte ihm stolz zu. �Wenn die Trollocs Euer Dorf nicht angegriffen haben, dann hat das einen besonderen Grund.� �Daran habe ich auch gedacht�, sagte Tam ruhig, �aber ich kann mir keinen vorstellen. Bis wir Bescheid wissen, ist Gl�ck eine genauso gute Antwort wie jede andere.� �Vielleicht�, sagte Verin, die sich ihnen anschlo�, �ist es ein K�der?� Tomas hielt sich noch ein St�ck hinter ihnen und suchte mit seinen dunklen Augen das Gel�nde, durch das sie ritten, genauso unabl�ssig nach Gefahren ab, wie jeder der Aiel. Der Beh�ter beobachtete auch den Himmel. Es gab immer die M�glichkeit, da� wieder ein Rabe auftauchte. Verin holte einmal Luft, und ihr Blick wanderte dabei von Perrin zu den beiden �lteren M�nnern. �Berichte von st�ndigen Unruhen, von Trolloc-�berf�llen, lenken die Aufmerksamkeit auf die Zwei Fl�sse. Andor wird sicher Soldaten aussenden und vielleicht auch andere L�nder, wenn Trollocs so weit im S�den auftauchen. Nat�rlich nur, falls die Kinder des Lichts die betreffenden Berichte herauslassen. Ich denke, die Gardesoldaten von K�nigin Morgase w�ren gleicherma�en ungl�cklich �ber die Anwesenheit so vieler Wei�m�ntel wie �ber die Trollocs.� �Krieg�, knurrte Abell. �Was wir hier haben, ist schon schlimm genug, aber Ihr sprecht von Krieg.� �Das k�nnte sein�, sagte Verin gelassen. �Das k�nnte sein.� Sie runzelte abwesend die Stirn, als sei sie mit den Gedanken l�ngst woanders, kramte eine Schreibfeder mit Stahlspitze und ein kleines, leinengebundenes Notizbuch aus ihrem Beutel und �ffnete eine kleine Lederschachtel aus ihrer G�rteltasche, die eine Tintenflasche und einen Sandstreuer enthielt. Sie wischte die Feder geistesabwesend an ihrem �rmel ab und begann, trotz der Schwierigkeiten beim Reiten in ihr B�chlein hineinzuschreiben. Sie schien sich der Sorgen nicht bewu�t zu sein, die sie verursacht hatte. Vielleicht war ihr das auch wirklich nicht klar.</p><p>Meister Cauthon murmelte immer wieder leise und staunend: �Krieg�, und Faile legte mit traurigem Blick eine beruhigende Hand auf Perrins Arm.</p><p>Meister al'Thor aber knurrte nur kurz. Wie Perrin geh�rt hatte, hatte er an einem Krieg teilgenommen. Allerdings wu�te er nicht, wo oder wie das zugegangen war. Irgendwo au�erhalb der zwei Fl�sse. Als junger Mann war er fortgezogen und Jahre sp�ter mit einer Frau und einem Kind, Rand, wieder aufgetaucht. Wenige Menschen nur verlie�en die Zwei Fl�sse. Perrin zweifelte daran, da� hier jemand wirklich wu�te, was ein Krieg bedeutete. Sie h�rten h�chstens einmal von fahrenden H�ndlern, von Kaufleuten, ihren Begleitsoldaten oder Fahrern etwas dar�ber. Er selbst allerdings hatte da mehr Erfahrung. Er hatte den Krieg auf der Toman-Halbinsel mitgemacht. Abell hatte recht. Was hier vorging, war schlimm genug, doch es war nichts gegen wirklichen Krieg.</p><p>Er sagte nichts dazu. Vielleicht hatte Verin recht. Und wahrscheinlich wollte sie damit alle anderen davon abhalten, weiter zu spekulieren. Falls die Trolloc-�berf�lle auf die Zwei Fl�sse ein K�der sein sollten, dann mu�te dieser K�der Rand gelten, und das wu�te die Aes Sedai. Das war ja eines der Hauptprobleme mit den Aes Sedai: Sie servierten einem so viele �falls� und �m�glicherweise� und �es k�nnte sein�, da� man schlie�lich sicher war, sie habe gesagt, was sie in Wirklichkeit nur angedeutet hatte. Also, wenn derjenige � vielleicht einer der Verlorenen? �, der die Trollocs geschickt hatte, damit Rand eine Falle stellen wollte, mu�te er sich nun eben mit Perrin begn�gen, einem einfachen Schmied statt des Wiedergeborenen Drachen. Nun, und er hatte nicht vor, in eine Falle zu tappen.</p><p>Sie ritten schweigend weiter durch den Morgen. In diesem Teil der Zwei Fl�sse lagen die Bauernh�fe weit verstreut, manchmal eine Meile oder weiter voneinander entfernt. Auch der letzte Hof lag verlassen da; die Felder erstickten unter Unkraut; die Scheunentore schwangen im Wind knarrend hin und her. Nur einen Hof hatte man niedergebrannt. Nichts stand mehr dort au�er den Schornsteinen, die wie ru�geschw�rzte Finger aus der Asche ragten. Die Menschen, die hier gestorben waren �aus der Ayellin-Familie, Cousins derer in Emondsfeld �, hatte man nahe den Birnb�umen hinter dem Haus begraben. Die wenigen, die man noch vorgefunden hatte. Man h�tte Abell dazu zwingen m�ssen, dar�ber zu berichten, und das wollte Tam nicht. Sie schienen alle zu denken, es m�sse ihn zu sehr aus dem Gleichgewicht bringen. Aber er wu�te, was die Trollocs fra�en. Alles, was nach Fleisch roch. Er strich abwesend �ber seine Axt, bis Faile seine Hand in die ihre nahm. Aus irgendeinem Grund war gerade sie es, die besonders verst�rt wirkte. Er hatte geglaubt, sie wisse mehr �ber die Trollocs.</p><p>Sogar zwischen den kleinen Baumgruppen, im freien Gel�nde, war von den Aiel nichts zu sehen, au�er, wenn sie gesehen werden wollten. Als Tam sich immer mehr Richtung Osten hielt, machten sie seinen Schwenk mit.</p><p>Wie Meister Cauthon vorausgesehen hatte, kam der Hof der al'Seens gegen Mittag in Sicht, als die Sonne noch im Zenith stand. Es war kein anderes Geb�ude in Sicht, obwohl sie im Norden und im Osten weit voneinander entfernte graue Rauchwolken aus Schornsteinen sehen konnten. Warum blieben sie immer noch hier in solcher Abgeschiedenheit? Falls Trollocs kamen, lag ihre einzige Hoffnung darin, da� zuf�llig zur gleichen Zeit eine Patrouille der Wei�m�ntel in der N�he war.</p><p>Als das verschachtelte Bauernhaus noch in einiger Entfernung lag, hielt Tam sein Pferd an und winkte den Aiel zu, damit sie herkamen. Er schlug ihnen vor, einen Platz zu finden, an dem sie lagern konnten, bis die anderen den Hof wieder verlie�en. �Sie werden nichts �ber Abell und mich ausplaudern�, sagte er, �aber auch beim besten Willen werden sie den Mund in bezug auf Euch drei nicht halten k�nnen.� Das war noch sehr zur�ckhaltend ausgedr�ckt � bei ihrer seltsamen Kleidung und ihren Speeren. Dazu waren noch zwei von ihnen Frauen. Neben ihren K�chern hing mittlerweile bei jedem von ihnen ein Kaninchen, obwohl Perrin nicht verstehen konnte, woher sie die Zeit zum Jagen genommen hatten, da sie schlie�lich immer ihren Pferden voraus gewesen waren. Und was das betraf, schienen sie �berdies weniger ersch�pft als ihre Pferde!</p><p>�Schon klar�, meinte Gaul. �Ich werde einen Platz finden, an dem ich essen und gleichzeitig nach Euch Ausschau halten kann.� Er wandte sich um und lief sofort weiter. Bain und Chiad tauschten einen Blick. Nach einem Augenblick zuckte Chiad die Achseln, und sie folgten ihm.</p><p>�Geh�ren sie nicht zusammen?� fragte Mats Vater und kratzte sich am Kopf.</p><p>�Das ist eine lange Geschichte�, sagte Perrin darauf. Das war immer noch besser, als ihm zu erz�hlen, da� sich Chiad und Gaul vielleicht einmal einer Blutfehde wegen gegenseitig t�ten w�rden. Er hoffte nur, der Wassereid werde sie davon abhalten. Er sollte sich daran erinnern, Gaul zu fragen, was ein Wassereid �berhaupt sei.</p><p>Der Hof der al'Seens geh�rte zu den gr��ten an den Zwei Fl�ssen. Drei gro�e Scheunen und f�nf Trockenschuppen f�r Tabak standen da. Der steinummauerte Pferch, voll mit schwarzkk�pfigen Schafen, erstreckte sich so weit wie sonst ganze Weidefl�chen. Lattenz�une trennten wei�gefleckte Milchk�he von den schwarzen Schlachtrindern. Schweine grunzten zufrieden in ihrer Suhle, �berall liefen H�hner umher, und auf einem recht gro�en Teich schwammen wei�e G�nse. Das erste Au�ergew�hnliche, was Perrin bemerkte, waren die Jungen auf den strohgedeckten D�chern. Es waren acht oder neun, mit Pfeil und Bogen und K�chern ausger�stet. Sie schrien hinunter, sobald sie die Reiter entdeckten, und unten trieben die Frauen hastig ihre Kinder ins Haus, bevor sie der Sonne wegen die H�nde �ber die Augen hielten und hin�bersp�hten, wer da kommen mochte. Die M�nner versammelten sich auf dem Hof. Einige hatten B�gen, andere Mistgabeln und Hacken, die sie wie Waffen in H�nden hielten. Zu viele Menschen. Viel zu viele selbst f�r ein so gro�es Geh�ft. Er sah Meister al'Thor fragend an.</p><p>�Jac hat die Familie seines Cousins Wit aufgenommen�, erkl�rte Tam, �denn Wits Hof war zu nahe beim Westwald. Und dann kam Flann Lewins Familie, nachdem ihr Hof angegriffen worden war. Wei�m�ntel haben die Trollocs vertrieben, bevor mehr als die Scheunen brannten, aber Flann entschlo� sich, da� es h�chste Zeit sei, zu gehen. Jac ist ein guter Mann.� Als sie auf den Hof ritten, erkannten die Leute Tam und Abell. M�nner und Frauen versammelten sich l�chelnd um sie und begr��ten sie herzlich, w�hrend alle abstiegen. Als sie das sahen, st�rmten die Kinder wieder aus dem Haus, gefolgt von den Frauen, die auf sie aufgepa�t hatten, und anderen, die gerade aus der K�che kamen und sich die H�nde schnell noch an den Sch�rzen abwischten. Jede Generation war vertreten � von der wei�haarigen Astelle al'Seen, die bucklig einherlief, aber den Stock doch mehr dazu ben�tzte, um die Leute aus dem Weg zu schubsen, denn als St�tze, bis zum Baby in Windeln, das auf den Armen einer ziemlich dicken jungen Frau mit strahlendem L�cheln lag.</p><p>Perrin sah an der dicken, l�chelnden Frau vorbei, doch dann ri� es ihm f�rmlich den Kopf herum. Als er die Zwei Fl�sse verlassen hatte, war Laila Dearn ein schlankes M�dchen gewesen, das gleich drei Jungen in Grund und Boden tanzen konnte. Nur das L�cheln und die Augen waren geblieben. Er schauderte. Es hatte eine Zeit gegeben, da hatte er davon getr�umt, Laila zu heiraten, und auch sie hatte seine Gef�hle durchaus erwidert. Um die Wahrheit zu sagen, sie hatte eigentlich l�nger an ihm festgehalten als umgekehrt. Gl�cklicherweise war sie zu sehr mit ihrem Baby und dem noch dickeren Burschen an ihrer Seite besch�ftigt, um ihm viel Aufmerksamkeit zu schenken. Perrin erkannte auch diesen Mann neben ihr: Natley Lewin. Also geh�rte Laila nun zu den Lewins. Seltsam. Nat hatte noch nie tanzen k�nnen. Er dankte dem Licht daf�r, da� er diesem Schicksal entronnen war, und blickte sich nach Faile um.</p><p>Er sah, da� sie m��ig mit Schwalbes Z�geln herumspielte, w�hrend das Pferd seine Schnauze an ihrer Schulter rieb. Sie l�chelte dabei Wil al'Seen bewundernd an, einen Cousin aus der Gegend von Devenritt, und Wil l�chelte zur�ck. Das war schon ein gutaussehender Bursche, dieser Wil. Er war wohl ein Jahr �lter als Perrin, sah aber derart gut aus, da� er ausgesprochen jungenhaft wirkte. Wenn Wil zum Tanz nach Emondsfeld kam, himmelten ihn s�mtliche M�dchen an. Genau wie Faile jetzt. Sicher, sie seufzte wenigstens nicht sehnsuchtsvoll, aber ihr L�cheln war schon deutlich genug.</p><p>Perrin ging hin�ber und legte den Arm um sie. Seine andere Hand ruhte auf dem Schaft der Axt. �Wie geht es dir, Wil?� fragte er mit seinem breitesten L�cheln. Er wollte Faile ja nicht merken lassen, da� er eifers�chtig war. Er war es auch bestimmt nicht, oder?</p><p>�Gut, Perrin.� Wils Blick glitt hinunter zu der Axt, und auf seinem Gesicht breitete sich ein etwas kr�nklicher Ausdruck aus. �Prima.� Er vermied es, Faile noch einmal anzusehen, und eilte schnell hin�ber zu der Gruppe um Verin.</p><p>Faile blickte zu Perrin auf, sch�rzte die Lippen, griff dann mit einer Hand in seinen Bart und sch�ttelte sanft seinen Kopf. �Perrin, Perrin, Perrin�, murmelte sie leise.</p><p>Es war ihm nicht ganz klar, was sie damit meinte, aber er hielt es f�r kl�ger, nicht danach zu fragen. Sie sah aus, als sei sie selbst nicht ganz sicher, ob sie sich �rgern solle, oder � am�sierte sie sich vielleicht �ber ihn? Am besten ging er gar nicht weiter darauf ein.</p><p>Wil war nat�rlich nicht der einzige, der erstaunt seine Augen bemerkt hatte. Es schien ihm, jeder von ihnen, ob jung oder alt, ob weiblich oder m�nnlich, sei unter seinem Blick zusammengezuckt. Die alte Frau al'Seen stach mit ihrem Stock nach ihm und ri� die dunklen, alten Augen auf, als ihm ein Schmerzlaut entwich. Sie hatte ihn vielleicht nicht f�r wirklich gehalten. Dennoch sagte niemand etwas.</p><p>Bald hatte man die Pferde in einer der Scheunen untergebracht. Tomas brachte seinen Grauen selbst hin, denn das Tier lie� niemand anderen an seine Z�gel heran. Alle au�er den Jungen auf dem Dach hatten sich mit ins Haus gedr�ngt, das nun reichlich voll war. In zwei Reihen standen die Erwachsenen rund im gro�en Vorraum. Die Lewins und die al'Seens standen bunt gemischt da, ohne feste Ordnung oder Rangverteilung. Die Kinder ruhten entweder in den Armen ihrer M�tter oder sp�hten hinter deren R�cken hervor. Alle T�ren waren hoffnungslos verstopft.</p><p>Den Neuank�mmlingen brachte man starken Tee und hochlehnige St�hle mit Strohpolstern. Nur f�r Verin und Faile waren bestickte Kissen da. �berhaupt herrschte nicht geringe Erregung wegen der Anwesenheit Verins, Failes und Tomas'. Alle schnatterten durcheinander und starrten diese drei an, als tr�gen sie Kronen oder als w�rden sie im n�chsten Moment Kunstst�cke vollf�hren. An den Zwei Fl�ssen erregten Fremde immer Aufsehen. Besonders das Schwert an Tomas' Seite war ein wichtiges Gespr�chsthema. Wohl fl�sterten sich die Leute ihre Kommentare zu, doch Perrin verstand sie ohne Schwierigkeiten. Schwerter waren hier etwas Ungew�hnliches, oder waren es zumindest vor dem Kommen der Wei�m�ntel gewesen. Einige hielten Tomas f�r einen Wei�mantel, andere f�r einen Lord. Ein kleiner Junge, der den Erwachsenen noch nicht einmal bis zur H�fte reichte, nannte ihn einen Beh�ter, aber die Gro�en lachten ihn aus.</p><p>Sobald sich seine G�ste gesetzt hatten, stellte sich Jac al'Seen vor den breiten, gemauerten Kamin. Er war ein st�mmiger, breitschultriger Mann mit noch weniger Haaren als Meister al'Vere, und diese wenigen waren genauso grau. Auf dem Sims hinter seinem Kopf tickte eine Uhr, die zwischen zwei gro�en Silberpokalen stand. Diese Kombination bewies, da� er ein wohlhabender Bauer sein mu�te. Als er die Hand erhob, verstummte das Gerede. Trotzdem zischten sein Cousin Wit, der beinahe wie sein Zwillingsbruder aussah, aber �berhaupt keine Haare mehr auf dem Kopf hatte, und Flann Lewin, eine knochige, grauhaarige Bohnenstange von einem Mann, ihren Leuten zu, damit sie Ruhe gaben. �Frau Mathwin, Lady Faile�, sagte Jac und er verbeugte sich etwas ungeschickt vor jeder, �Ihr seid willkommen, hierzubleiben, solange Ihr w�nscht. Ich mu� Euch allerdings warnen. Ihr kennt die Probleme, denen wir hier auf dem Land gegen�berstehen. Es w�re wahrscheinlich besser f�r Euch, wenn Ihr geradewegs nach Emondsfeld oder Wachh�gel geht und dort bleibt. Diese Ortschaften sind zu gro�, um �berfallen zu werden. Ich w�rde Euch sogar raten, die Zwei Fl�sse ganz zu verlassen, aber ich wei�, da� die Kinder des Lichts niemanden �ber den Taren lassen. Ich wei� nicht, warum, aber es stimmt.� �Aber es gibt so viele sch�ne Sagen in Eurem Land�, sagte Verin, wobei sie leicht blinzelte, �da� ich sie niemals alle kennenlernen k�nnte, bliebe ich nur an einem Ort.� Ohne direkt zu l�gen, hatte sie es geschafft, den Eindruck zu erwecken, sie sei in den Zwei Fl�ssen auf der Suche nach alten Sagen, genau wie Moiraine behauptet hatte, als sie herkam. Das schien nun schon so lange her zu sein. Der Ring mit der Gro�en Schlange lag in ihrer G�rteltasche, aber Perrin bezweifelte, da� diese Menschen hier damit etwas anfangen konnten.</p><p>Elisa al'Seen strich ihre wei�e Sch�rze glatt und l�chelte Verin ernst an. Obwohl ihr Haar weniger Grau zeigte als das ihres Mannes, sah sie doch �lter aus als Verin und wirkte mit ihrem zerfurchten Gesicht ausgesprochen m�tterlich. Wahrscheinlich hielt sie sich auch f�r �lter. �Es ist uns eine Ehre, eine echte Gelehrte unter unserem Dach begr��en zu d�rfen, aber Jac hat nat�rlich recht�, sagte sie entschlossen. �Ihr seid hier wirklich willkommen, aber wenn Ihr abreist, m��t Ihr euch sofort in eines der D�rfer begeben. �ber Land zu reisen ist nicht sicher. Das gilt auch f�r Euch, meine Lady�, f�gte sie an Faile gewandt hinzu. �Zwei Frauen mit nur einer Handvoll M�nner zum Schutz sollten m�glichst nicht auf Trollocs treffen.� �Ich werde es mir �berlegen�, sagte Faile gelassen. �Ich danke Euch f�r Eure F�rsorge.� Sie nippte genauso unbeeindruckt wie Verin an ihrem Tee. Verin hatte wieder damit begonnen, sich Notizen in ihr kleines Buch zu machen. Sie unterbrach das nur kurz, blickte zu Elisa auf, l�chelte sie an und sagte leise: �Es gibt so viele Sagen auf dem Land.� Faile nahm einen Butterkeks aus der Hand eines jungen al'Seen-M�dchens, das dabei knickste und puterrot anlief. Sie sah Faile mit gro�en Augen bewundernd an.</p><p>Perrin grinste in sich hinein. In ihrem gr�nseidenen Reitkleid hielten alle Faile f�r eine Adlige, und er mu�te zugeben, da� sie eine solche sehr wohl darstellen konnte. Wenn sie wollte. Das M�dchen h�tte sie vielleicht nicht so bewundert, wenn sie Faile bei einem ihrer Wutanf�lle erlebt h�tte. Da fluchte sie manchmal schlimmer als ein Planwagenfahrer.</p><p>Frau al'Seen wandte sich ihrem Mann zu und sch�ttelte den Kopf. Faile und Verin lie�en sich nicht abschrecken. Jac sah Tomas an. �K�nnt Ihr sie nicht �berzeugen?� �Ich gehe dorthin, wo sie mich hinschickt�, antwortete Tomas. Obwohl er mit einer Teetasse in der Hand dasa�, wirkte der Beh�ter doch absolut kampfbereit.</p><p>Meister al'Seen seufzte und blickte nun hin�ber zu Perrin. �Perrin, die meisten von uns haben Euch schon irgendwann einmal kennengelernt, meistens unten in Emondsfeld. Also kennen wir Euch auf gewisse Weise. Zumindest kannten wir Euch, bis Ihr letztes Jahr weggegangen seid. Wir haben einige beunruhigende Dinge geh�rt, aber ich glaube, Tam und Abell w�ren nicht mit Euch zusammen, wenn diese Dinge der Wahrheit entspr�chen.� Flanns Frau Adine, eine mollige Frau mit selbstzufriedenem Blick schniefte laut und ver�chtlich. �Ich habe auch so einiges �ber Tam und Abell geh�rt. Und �ber ihre Jungen, die mit Aes Sedai weggegangen sind. Mit Aes Sedai! Einem Dutzend von ihnen! Ihr erinnert Euch ja alle daran, wie Emondsfeld niedergebrannt wurde. Das Licht wei�, was sie alles h�tten anrichten k�nnen. Ich habe auch geh�rt, da� sie das al'Vere-M�dchen entf�hrt haben!� Flann sch�ttelte resignierend den Kopf und warf Jac einen Verzeihung heischenden Blick zu.</p><p>�Wenn du das schon glaubst�, sagte Wit trocken, �dann glaubst du ja wohl jeden Unsinn. Ich habe vor zwei Wochen mit Marin al'Vere gesprochen, und sie sagte, ihr M�dchen sei aus eigenem Antrieb fortgegangen. Und es war nur eine Aes Sedai.� �Worauf willst du hinaus, Adine?� Elisa al'Seen st�tzte die H�nde auf die H�ften. �Raus damit.� In ihrem Tonfall lag ein deutliches �Wage es ja nicht!�.</p><p>�Ich habe ja nicht gesagt, da� ich es glaube�, protestierte Adine tapfer, �nur, da� ich es geh�rt habe. Es gibt Fragen, die wir stellen m�ssen. Die Kinder des Lichts sind nicht gerade deshalb auf die drei gekommen, weil sie Lose aus einem Hut gezogen haben.� �Wenn du ausnahmsweise einmal zuh�ren w�rdest�, sagte Elisa energisch, �k�nntest du ein oder zwei Antworten bekommen.� Adine beschr�nkte sich darauf, ihren Rock zurechtzuzupfen. Sie knurrte zwar etwas in sich hinein, hielt jedoch ansonsten den Mund.</p><p>�Hat noch jemand etwas zu sagen?� fragte Jac mit kaum verborgener Ungeduld. Als sich niemand meldete, fuhr er fort: �Perrin, keiner hier h�lt Euch f�r einen Schattenfreund, genauso wie wir das von Tam und Abell nicht glauben.� Er warf Adine einen harten Blick zu. Flann legte seiner Frau eine Hand auf die Schulter. Sie schwieg. Lediglich ihre Lippen bewegten sich, als wolle sie einiges sagen. Jac knurrte leise etwas und sprach dann weiter. �Trotzdem haben wir ein Recht darauf, Perrin, zu erfahren, wieso die Wei�m�ntel das von Euch behaupten. Sie beschuldigen Euch und Mat Cauthon und Rand al'Thor, da� Ihr Schattenfreunde w�rt. Warum?� Faile �ffnete zornig den Mund, doch Perrin gab ihr einen Wink, sie solle schweigen. Sie gehorchte, und das �berraschte ihn dann doch so sehr, da� er sie einen Augenblick lang mit gro�en Augen anblickte, bevor er selbst sprach. Vielleicht war sie wirklich krank? �Bei den Wei�m�nteln ist nicht viel dazu notwendig, Meister al'Seen. Wenn Ihr euch nicht dauernd verbeugt und Kratzf��e und ihnen sch�n Platz macht, dann m��t Ihr ein Schattenfreund sein. Wenn Ihr nicht sagt, was sie h�ren wollen, nicht denkt, was sie wollen, dann m��t Ihr ein Schattenfreund sein. Ich wei� nicht, warum sie Mat und Rand f�r solche halten.� Das entsprach der Wahrheit. Wenn die Wei�m�ntel w��ten, da� Rand der Wiedergeborene Drache war, w�rde das nat�rlich ausreichen, aber sie konnten es bestimmt nicht wissen. In bezug auf Mat war es noch verwirrender. Es mu�te wohl Fains Werk sein. �Was mich betrifft, so habe ich einige von ihnen get�tet.� Es wunderte ihn selbst, da� er unter kollektivem Aufst�hnen rund um den Raum herum nicht innerlich zusammenzuckte. Es beeindruckte ihn genausowenig wie das, was er getan hatte. �Sie hatten einen Freund von mir get�tet und wollten mir auch an den Kragen. Ich hatte nicht vor, mich von ihnen umbringen zu lassen. Das ist alles.� �Das kann ich mir vorstellen�, sagte Jac bed�chtig. Obwohl die Trollocs da waren, konnten sich die Menschen an den Zwei Fl�ssen nicht an dieses T�ten gew�hnen. Vor einigen Jahren einmal hatte eine Frau ihren Mann ermordet, weil sie einen anderen Mann heiraten wollte, aber das war das letzte Mal gewesen, da� in den Zwei Fl�ssen jemand durch Gewaltanwendung ums Leben gekommen war, soweit Perrin wu�te. Bis die Trollocs kamen. �Die Kinder des Lichts�, sagte Verin, �beherrschen etwas sehr gut. Sie schaffen es, da� sich Menschen, die ein Leben lang Nachbarn waren, schlie�lich gegenseitig mi�trauen.� Alle Hofbewohner blickten sie an, und nach einem Augenblick nickten viele zustimmend.</p><p>�Wie ich vernahm, haben sie einen Mann dabei�, sagte Perrin. �Padan Fain. Den fahrenden H�ndler.� �Das habe ich auch geh�rt�, best�tigte Jac. �Wie man mir sagte, f�hrt er aber heutzutage einen anderen Namen.� Perrin nickte. �Ordeith. Aber ob Fain oder Ordeith, er ist jedenfalls ein Schattenfreund. Er hat das selbst zugegeben, und auch, da� er letztes Jahr zur Winternacht die Trollocs nach Emondsfeld f�hrte. Und nun reitet er mit den Wei�m�nteln.� �Das k�nnt Ihr leicht behaupten�, sagte Adine Lewin in scharfem Ton. �Ihr k�nnt jeden einfach als Schattenfreund bezeichnen.� �Und wem glaubt Ihr dann?� fragte Tomas. �Denen, die vor ein paar Wochen herkamen, Menschen gefangensetzten, die Ihr kennt, und ihre H�fe niederbrannten? Oder einem jungen Mann, der hier bei Euch aufwuchs?� �Ich bin kein Schattenfreund, Meister al'Seen�, sagte Perrin, �aber wenn Ihr wollt, da� ich gehe, dann gehe ich.� �Nein�, sagte Elisa schnell und warf ihrem Mann einen bedeutungsvollen Blick zu. Und dann Adine einen so kalten, da� die unwillk�rlich hinunterschluckte, was sie zu sagen vorgehabt hatte. �Nein. Ihr k�nnt solange hierbleiben, wie Ihr wollt.� Jac z�gerte und nickte dann zustimmend. Sie kam her�ber, legte Perrin die H�nde auf die Schultern und blickte auf ihn hinab. �Ihr habt unser Mitgef�hl�, sagte sie mit warmer Stimme. �Euer Vater war ein guter Mann. Eure Mutter war meine Freundin, und sie war eine gute Frau. Ich wei�, da� sie gew�nscht h�tte, Ihr w�rdet bei uns bleiben, Perrin. Die Kinder kommen selten hierher, und wenn, dann warnen uns die Jungen auf dem Dach rechtzeitig, um Euch auf dem Dachboden zu verstecken. Hier seid Ihr sicher.� Sie meinte das ernst. Sie meinte es wirklich ernst. Und als Perrin Meister al'Seen anblickte, nickte der wieder. �Ich danke Euch�, sagte Perrin mit zugeschn�rter Kehle. �Aber ich mu�... Dinge erledigen. Es gibt viel f�r mich zu tun.� Sie seufzte und klopfte ihm leicht auf die Schultern. �Nat�rlich. Pa�t nur auf, da� Ihr dabei nicht... verletzt werdet. Na ja, wenigstens kann ich Euch mit vollem Magen springen lassen.� Es gab nicht genug Tische im Haus, da� sich jeder zum Mittagessen setzen konnte, also teilte man Sch�sseln mit Eintopf und Lammfleisch aus und dazu Brot mit knuspriger Rinde, bat alle, nichts auf den Boden tropfen zu lassen, und anschlie�end a� jeder, wo er gerade stand oder sa�. Bevor sie noch mit dem Essen fertig waren, st�rmte ein schlaksiger Junge herein, dessen �rmel viel zu kurz waren und der einen Bogen in H�nden trug, gr��er als er selbst. Perrin hielt ihn f�r Win Lewin, war aber nicht sicher. In diesem Alter wuchsen die Jungen so schnell. �Es ist Lord Luc�, verk�ndete der magere Junge aufgeregt. �Lord Luc kommt!�</p></section><section><title><p>33</p><p>Ein neuer Faden im Muster</p></title><p>Der Lord selbst folgte dem Jungen fast auf den Fersen. Er war ein hochgewachsener, breitschultriger Mann von mittleren Jahren mit einem harten, kantigen Gesicht und dunklen Haaren mit r�tlichem Schimmer. An den Schl�fen war schon einiges Grau zu sehen. In seinen dunkelblauen Augen lag ein gewisser Hochmut. Er machte ganz den Eindruck eines adligen Herren, mit seinem gut geschnittenen gr�nen Wams, das an den �rmeln mit feinen Goldmustern bestickt war. Dazu trug er ebenfalls mit Goldf�den bestickte Handschuhe. Die Scheide seines Schwerts war auch mit Gold verziert, genau wie die Sch�fte seiner hochgl�nzenden Stiefel. Irgendwie brachte er es fertig, selbst sein Eintreten durch die Vordert�r grandios wirken zu lassen. Perrin empfand auf den ersten Blick Verachtung f�r ihn.</p><p>Alle al'Seens und Lewins eilten herbei, um den Lord zu begr��en. M�nner, Frauen und Kinder dr�ngten sich l�chelnd um ihn, verbeugten sich, knicksten und �berschrien sich gegenseitig, um ihm zu versichern, seine Anwesenheit sei eine Ehre; es sei eine gro�e Ehre, einen der J�ger des Horns als Besucher zu empfangen. Das schien bei ihnen den gr��ten Eindruck gemacht zu haben. Ein Lord unter dem eigenen Dach mochte ja etwas Aufregendes sein, aber dann noch einer, der geschworen hatte, das legend�re Horn von Valere zu suchen, nun, der war ja jetzt bereits eine lebende Legende. Perrin hatte noch nie erlebt, da� seine Landsleute von den Zwei Fl�ssen vor irgend jemand krochen, aber hier fehlte nicht mehr allzu viel.</p><p>Dieser Lord Luc nahm es so gelassen hin, als st�nde es ihm zu, als k�nne er m�glicherweise sogar noch mehr erwarten. Und erm�dend wirkte es wohl auf ihn. Dieses Bauernpack schien nicht zu bemerken, oder war vielleicht nicht in der Lage dazu, da� sich Ersch�pfung um seinen Mund breit machte, da� er leicht herablassend l�chelte. Sie glaubten vielleicht, so m�sse sich eben ein Lord verhalten. Und das stimmte bis zu einem gewissen Grad, denn viele benahmen sich wirklich so, aber es wurmte Perrin, als er sah, da� sich sein eigenes Volk so d�mmlich verhielt.</p><p>Als der L�rm der Begr��ung allm�hlich abebbte, stellten Jac und Elisa ihre anderen G�ste vor, bis auf Tam und Abell, die ihn schon kennengelernt hatten. Sie pr�sentierten ihn als Lord Luc von Chiendelna und sagten, er berate sie in bezug auf die m�gliche Verteidigung gegen die Trollocs, er ermutige sie, vor den Wei�m�nteln nicht klein beizugeben, sondern sich zu behaupten. Zustimmendes Gemurmel erhob sich im Raum. H�tten die Zwei Fl�sse einen K�nig gew�hlt, dann h�tte er die Lewins und die al'Seens fest hinter sich gehabt. Das war ihm auch klar. Doch seine zur Schau getragene gelangweilte �berheblichkeit hielt nicht lange an.</p><p>Bei seinem ersten Blick auf Verins glattes, altersloses Gesicht versteifte sich Luc unwillk�rlich. Sein Blick zuckte so schnell zu ihren H�nden hinunter, da� die meisten es gar nicht bemerkt h�tten. Er h�tte beinahe seine bestickten Handschuhe fallen lassen. So einfach gekleidet und mollig, wie sie war, h�tte sie durchaus eine Bauersfrau sein k�nnen, aber offensichtlich erkannte er das Gesicht einer Aes Sedai, wenn er eines sah. Er war wohl auch nicht besonders gl�cklich dar�ber, sie hier zu sehen. Sein linkes Augenlid zuckte, als er h�rte, wie Frau al'Seen sie als �Frau Mathwin� vorstellte, �eine Gelehrte von au�erhalb�.</p><p>Verin l�chelte ihn an, als schlafe sie beinahe ein. �Ein Vergn�gen�, murmelte sie. �Das Haus Chiendelna. Wo ist das? Es klingt nach den Grenzlanden.� �Nichts so Gro�artiges�, antwortete Luc schnell. Er verbeugte sich leicht und offensichtlich mi�trauisch vor ihr. �Aus Murandy komme ich. Es ist ein kleines Haus, aber alt.� Er schien den Blick nicht von ihr wenden zu k�nnen, als ihm die anderen vorgestellt wurden.</p><p>Tomas sah er kaum an. Er mu�te wissen, da� er �Frau Mathwins� Beh�ter war, aber er behandelte ihn wie eine Nebensache. Das war schwer zu verstehen. So gut Luc vielleicht mit seinem Schwert umgehen konnte, war doch niemand gut genug, um einen Beh�ter so zu mi�achten. Arroganz. Der Bursche besa� davon genug f�r zehn M�nner. Das bewies er auch bei Faile, soweit Perrin es beurteilen konnte.</p><p>Das L�cheln, das ihr Luc widmete, war schon mehr als nur selbstsicher. Es war au�erdem vertraut und richtiggehend warm. Es war sogar viel zu bewundernd und viel zu warm. Er nahm ihre Hand in seine beiden, beugte sich vor und sah ihr in die Augen, als wolle er hinten wieder hinausschauen. Einen Augenblick lang glaubte Perrin, sie wolle sich zu ihm herumdrehen, doch dann erwiderte sie den Blick des Lords mit ger�teten Wangen, einem leichten Kopfneigen und im offensichtlichen Bem�hen, k�hl zu erscheinen.</p><p>�Auch ich bin ein J�ger des Horns, Lord Luc�, sagte sie, und es klang ein wenig atemlos. �Glaubt Ihr, es hier zu finden?� Luc blinzelte und lie� ihre Hand los. �Vielleicht, meine Dame. Wer wei� schon, wo das Horn ist?� Faile blickte ein bi�chen �berrascht und vielleicht auch entt�uscht drein, als er so pl�tzlich das Interesse verlor.</p><p>Perrin machte ein gleichm�tiges Gesicht. Wenn sie Wil al'Seen anl�cheln und bei irgendeinem n�rrischen Lord rot werden wollte, war das ihre Sache. Sie konnte sich zum Narren machen, wie sie wollte, und seinetwegen jedem Mann sch�ne Augen machen, der vorbeikam. Also wollte Luc wissen, wo sich das Horn von Valere befand? Es war in der Wei�en Burg verborgen. So war das. Er war versucht, das dem Mann zu sagen, damit er frustriert mit den Z�hnen knirschte.</p><p>Wenn Luc schon �berrascht dar�ber gewesen war, wer die anderen G�ste im Haus der al'Seens war, dann war seine Reaktion auf Perrin ausgesprochen eigenartig, um es zur�ckhaltend auszudr�cken. Beim Anblick von Perrins Gesicht fuhr er zusammen. In seinen Augen stand eisiger Schrecken. Einen Augenblick sp�ter war es vorbei und hinter der Maske adliger Hochn�sigkeit verborgen. Nur der eine Augenwinkel zuckte wild. Das Dumme daran war nur, da� seine Reaktion keinen Sinn ergab. Er war sicher, da� es nicht seine gelben Augen gewesen waren, die es ausgel�st hatten. Es war eher gewesen, als kenne ihn der Kerl und sei �berrascht, ihn hier anzutreffen. Doch er hatte diesen Luc noch nie im Leben getroffen. Dar�ber hinaus h�tte er wetten k�nnen, da� Luc Angst vor ihm hatte. Es ergab einfach keinen Sinn.</p><p>�Lord Luc war derjenige, der vorschlug, da� die Jungen auf die D�cher gehen sollten�, sagte Jac. �Kein Trolloc wird sich uns n�hern, ohne da� uns diese Burschen warnen.� �Was f�r eine gro�artige Warnung�, sagte Perrin trocken. Das also sollte ein Beispiel f�r die hervorragende Beratung durch Lord Luc sein? �Die Trollocs sehen wie Katzen in der Dunkelheit. Sie sind schon da und treten Euch die T�r ein, bevor Eure Jungen auch nur schreien k�nnen.� �Wir tun, was wir k�nnen�, fauchte Flann. �H�rt auf, uns einsch�chtern zu wollen. Es sind Kinder in H�rweite. Lord Luc macht wenigstens hilfreiche Vorschl�ge. Er war in meinem Haus, einen Tag bevor die Trollocs kamen, und sorgte daf�r, da� ich jeden an seinen strategisch richtigen Platz stellte. Blut und Asche! W�re er nicht gewesen, h�tten die Trollocs uns alle get�tet.� Luc schien dieses Lob nicht geh�rt zu haben. Er musterte Perrin mi�trauisch und spielte derweil mit seinen Handschuhen. Schlie�lich steckte er sie hinter die goldene Schnalle in Form eines Wolfskopfes, die seinen Schwertg�rtel hielt. Auch Faile beobachtete ihn mit leicht gerunzelter Stirn. Er beachtete sie nicht.</p><p>�Ich glaubte, die Wei�m�ntel h�tten Euch gerettet, Meister Lewin. Ich hatte geh�rt, da� gerade noch zur rechten Zeit eine Patrouille der Wei�m�ntel angekommen sei und die Trollocs vertrieben habe.� �Das stimmt schon.� Flann fuhr mit einer Hand durch sein graues Haar. �Aber Lord Luc... W�ren die Wei�m�ntel nicht gekommen, dann h�tten wir... Wenigstens versucht er nicht, uns einzusch�chtern�, knurrte er schlie�lich.</p><p>�Er jagt Euch keine Angst ein�, sagte Perrin. �Aber <emphasis>ich</emphasis> f�rchte die Trollocs. Und die Wei�m�ntel halten die Trollocs von Euch fern. Wenn sie k�nnen.� �Ihr wollt alle Ehre den Wei�m�nteln zuschieben?� Luc fixierte Perrin mit einem kalten Blick und begann, auf diesen scheinbaren Schwachpunkt einzupr�geln. �Und wer, glaubt Ihr, ist verantwortlich f�r den Drachenzahn, der den Menschen auf die T�ren gekritzelt wird? O nein, sie halten niemals die Holzkohle in der eigenen Hand, aber sie stecken dahinter. Sie stolzieren in die H�user dieser guten Leute, fragen sie aus und erwarten Antworten, als st�nden sie unter dem eigenen Dach. Ich behaupte, da� diese Menschen ihre eigenen Herren sind und keine Hunde, die auf Befehl der Wei�m�ntel angerannt kommen. La�t sie ihre Patrouillen �ber das Land drau�en schicken, alles sch�n und gut, aber tretet ihnen an der T�r entgegen und sagt ihnen klipp und klar, auf wessen Land sie stehen. Das ist meine Meinung. Wenn Ihr ein Scho�h�ndchen der Wei�m�ntel werden wollt, dann meinetwegen, aber beraubt diese guten Leute nicht ihrer Freiheit!� Perrin sah Luc geradewegs in die Augen. �Ich habe nichts f�r die Wei�m�ntel �brig. Sie wollen mich schlie�lich aufh�ngen. Habt Ihr das nicht gewu�t?� Der hochgewachsene Lord ri� die Augen auf, als sei ihm das neu. Vielleicht hatte er es im �bereifer auch vergessen. Er h�tte dem anderen zu gern eine Schw�che bei Perrin nachgewiesen. �Was schlagt Ihr dann vor?� Perrin wandte dem Mann den R�cken zu, ging zum Kamin hin�ber und stellte sich davor. Er wollte sich nicht blo� mit Luc herumstreiten. Alle sollten zuh�ren. Sie sahen ihn nun auch alle erwartungsvoll an. Er w�rde einfach sagen, was er auf dem Herzen hatte, und das war's dann. �Ihr m��t Euch auf die Wei�m�ntel verlassen, m��t hoffen, da� sie die Trollocs zur�ckhalten werden, hoffen, da� sie zur rechten Zeit kommen und die Trollocs zur�ckschlagen. Warum? Weil jeder hier versucht, an seinem Hof festzuhalten, solange er kann, oder zumindest m�glichst in der N�he zu bleiben. So lebt Ihr verteilt auf hundert kleine Gr�ppchen, wie die Trauben, die man nur noch pfl�cken mu�. Solange dieser Zustand anh�lt, solange Ihr hoffen m��t, die Wei�m�ntel w�rden die Trollocs daran hindern, Euch zu Most zu zerstampfen, habt Ihr keine andere Wahl, als den Wei�m�nteln freie Hand zu geben, sie jede Frage stellen zu lassen und von Euch Antworten zu verlangen. Ihr m��t danebenstehen und zusehen, wie unschuldige Menschen verschleppt werden. Oder glaubt hier irgend jemand, Haral und Alsbet Luhhan seien Schattenfreunde? Natti Cauthon? Bodewhin und Eldrin?� Abells Blick wanderte im Raum herum und warnte jeden, auch nur ein �Ja� anzudeuten, aber das war gar nicht notwendig. Selbst Adine Lewins Aufmerksamkeit galt ganz Perrin. Luc blickte ihn finster an, nachdem er die Reaktionen der Menschen in dem �berf�llten Raum gesehen hatte.</p><p>�Ich wei�, da� sie Natti und Alsbet und die anderen nicht h�tten festnehmen d�rfen�, sagte Wit, �aber das ist nun mal geschehen.� Er strich mit der Hand �ber seinen kahlen Sch�del und warf Abell einen besorgten Blick zu. �Au�er nat�rlich, da� man sie dazu bringen mu�, alle laufen zu lassen. Sie haben in der Zwischenzeit sonst niemanden mehr gefangengenommen, soweit mir bekannt ist.� �Und Ihr glaubt, damit sei alles erledigt?� fragte Perrin. �Glaubt Ihr wirklich, sie g�ben sich mit den Cauthons und den Luhhans zufrieden? Mit zwei niedergebrannten Bauernh�fen? Welcher von Euch wird der oder die n�chste sein? Vielleicht, weil Ihr etwas Falsches gesagt habt, oder auch einfach nur als warnendes Beispiel? Es k�nnten auch die Wei�m�ntel sein, die dieses Haus anz�nden, anstelle der Trollocs. Oder eines Nachts wird bei Euch der Drachenzahn an die T�r gekritzelt? Es gibt immer Leute, die nur zu gern so etwas glauben.� Viele Blicke wanderten hin�ber zu Adine, die nerv�s ihre F��e bewegte und die Schultern einzog. �Selbst wenn alles nur darauf hinausl�uft, da� Ihr vor jedem Wei�mantel, der vorbeikommt, k�nftig einen B�ckling machen m��t: Wollt Ihr so weiterleben? Wollt Ihr das Euren Kindern zumuten? Ihr seid den Trollocs ausgeliefert und den Wei�m�nteln und jedem anderen, der Euch ans Zeug will. Solange auch nur einer Euch in der Hand hat, haben Euch alle drei in der Hand. Ihr versteckt Euch im Keller und hofft, der eine tollw�tige Hund werde Euch vor dem anderen besch�tzen, hofft, da� die Ratten nicht auch noch aus ihren L�chern kommen und Euch im Dunklen bei�en.� Jac tauschte einen besorgten Blick mit Flann und Wit und den anderen M�nnern im Raum, und dann sagte er bed�chtig: �Wenn Ihr glaubt, da� wir es falsch anpacken, was schlagt Ihr dann statt dessen vor?� Perrin hatte die Frage nicht erwartet. Er war sicher gewesen, da� sie w�tend w�rden. Jetzt fuhr er einfach fort, ihnen zu sagen, was er auf dem Herzen hatte: �Sammelt Eure Leute. Sammelt Eure Schafe und Eure K�he, Eure H�hner � alles. Sammelt sie und bringt sie irgendwo in Sicherheit. Geht nach Emondsfeld. Oder nach Wachh�gel, da es n�her liegt, obwohl Ihr euch damit direkt unter den Augen der Wei�m�ntel befindet. Solange hier zwanzig Leute wohnen und dort f�nfzig, seid Ihr eine leichte Beute f�r die Trollocs. Wenn aber Hunderte von Euch zusammen sind, habt Ihr eine Chance, und eine, die nicht darauf beruht, da� Ihr vor den Wei�m�nteln buckelt.� Das brachte endlich die gew�nschte Explosion hervor.</p><p>�Meinen Hof ganz aufgeben?� schrie Flann emp�rt, und gleichzeitig ert�nte Wits �Ihr spinnt ja!� Alle �berschrien sie sich gegenseitig � Br�der, Freunde, Cousins...</p><p>�Nach Emondsfeld ziehen? Ich bin jetzt schon zu weit weg, um jeden Tag nach den Feldern zu schauen!� �Das Unkraut wird alles �berwuchern!� �Ich wei� doch jetzt schon kaum noch, wie ich mit der Ernte zurechtkommen soll!� �... wenn der Regen kommt...!� �... versuche, wieder aufzubauen...!� �... der Tabak wird faulen...!� �... mu� die Schur aufgeben...!� Perrins Faust krachte auf den Kaminsims und lie� sie verstummen. �Ich habe kein Feld gesehen, das niedergetrampelt oder angez�ndet wurde, und kein zerst�rtes Haus oder keine verkohlte Scheune, solange sich keine Menschen dort aufhielten. Die Trollocs sind hinter den Menschen her. Und was ist schon, wenn sie doch alles niederbrennen? Dann s�t man eben wieder neu aus. Stein und Balken kann man neu errichten. Aber k�nnt Ihr das wieder zum Leben erwecken?� Er deutete auf Lailas Baby, und sie pre�te das Kind an ihre Brust und funkelte ihn an, als habe er pers�nlich ihr Kind bedroht. Doch die Blicke, die sie ihrem Mann und Flann zuwarf, sprachen von Angst. Ein nerv�ses Gemurmel erhob sich.</p><p>�Weggehen?� sagte Jac leise und sch�ttelte den Kopf. �Ich wei� nicht recht, Perrin.� �Ihr habt die Wahl, Meister al'Seen. Das Land wird immer noch dasein, wenn Ihr zur�ckkehrt. Das k�nnen die Trollocs nicht wegschleppen. �berlegt, ob man das gleiche auch von Eurer Familie behaupten kann.� Das Gemurmel wurde st�rker. Eine ganze Anzahl von Frauen stritt mit ihren M�nnern herum, und zwar meist diejenigen, die ein oder zwei Kinder im Schlepptau hatten. Aber keiner der M�nner schien wirklich zu widersprechen.</p><p>�Ein interessanter Plan�, sagte Luc, w�hrend er Perrin weiter beobachtete. An seinem Gesicht konnte man nicht ablesen, ob er den Plan bef�rwortete oder nicht. �Ich werde mit Interesse beobachten, wie das ausgeht. Und nun, Meister al'Seen, mu� ich mich auf den Weg machen. Ich habe nur hereingeschaut, um zu sehen, wie es Euch geht.� Jac und Elisa brachten ihn zur T�r, aber die anderen waren zu sehr mit sich selbst besch�ftigt, um ihm viel Beachtung zu schenken. Luc verlie� den Raum mit angespanntem Gesicht. Perrin hatte das Gef�hl, da� ansonsten seine Abg�nge genauso grandios gewesen sein mu�ten wie seine Auftritte.</p><p>Jac kam von der T�r aus gleich zu Perrin. �Das ist ein k�hner Plan. Ich gebe zu, ich bin nicht gerade erpicht darauf, meinen Hof aufzugeben, aber was Ihr sagt, ist schon richtig. Ich wei� allerdings nicht, wie die Kinder des Lichts darauf reagieren werden. Sie sind schon ein mi�trauischer Haufen. Vielleicht nehmen sie an, wir wollten irgend etwas gegen sie unternehmen, wenn wir uns alle zusammenrotten.� �La�t sie das ruhig annehmen�, sagte Perrin. �Ein ganzes Dorf voller Menschen kann es riskieren, Lucs Rat anzunehmen und ihnen zu sagen, sie sollten sich trollen. Oder meint Ihr, es sei kl�ger, weiterhin das Opfer zu spielen, damit die Wei�m�ntel Euch wohlgesonnen bleiben, so wie jetzt?� �Nein. Nein, mir ist das schon klar. Ihr habt mich �berzeugt. Und wie es scheint, habt Ihr auch die anderen auf Eurer Seite.� Das entsprach wohl der Wahrheit. Die Diskussion flaute langsam ab, denn alle schienen sich einig zu sein. Selbst Adine, die nun lautstarke Anweisungen an ihre T�chter gab, sofort zu packen. Sie nickte sogar Perrin m�rrisch, aber zustimmend zu.</p><p>�Wann wollt Ihr aufbrechen?� fragte Perrin Jac.</p><p>�Sobald alle bereit sind. Wir k�nnen es bis Sonnenuntergang bis zu Jon Gaelins Haus an der Nordstra�e schaffen. Ich werde Jon weitergeben, was Ihr gesagt habt, und alle runter nach Emondsfeld f�hren. Besser dorthin als nach Wachh�gel. Wenn wir schon dem Einflu� der Wei�m�ntel genauso entrinnen wollen wie den Trollocs, dann sollten wir nicht gerade vor ihrer Nase herumsitzen.� Jac kratzte sich mit einem Finger an seinem d�rftigen Haarkranz. �Perrin, ich glaube nicht, da� die Kinder des Lichts wirklich Natti Cauthon und den M�dchen, oder auch den Luhhans, etwas antun w�rden, aber es macht mir schon Sorgen. Falls sie glauben, wir wollten uns gegen sie stellen � was dann?� �Ich habe vor, sie sobald wie m�glich zu befreien, Meister al'Seen. Und alle anderen Gefangenen der Wei�m�ntel au�erdem.� �Ein k�hner Plan�, wiederholte Jac. �Na ja, dann k�mmere ich mich mal darum, da� die Leute fertig werden. Ich mu� es schaffen, sie bis Sonnenuntergang zu Jon zu bringen. Wandelt im Licht, Perrin.� �Ein sehr k�hner Plan�, sagte auch Verin, die herantrat, w�hrend Meister al'Seen davoneilte und Befehle ausgab, die Wagen herauszuholen und zu packen, was man eben tragen konnte. Sie musterte Perrin interessiert mit schr�ggehaltenem Kopf, aber auch nicht erstaunter als Faile, die neben ihr stand. Faile blickte drein, als habe sie ihn noch nie zuvor gesehen.</p><p>�Ich wei� �berhaupt nicht, warum jeder das so nennt�, sagte er. �Einen Plan, meine ich. Dieser Luc hat Unsinn geredet. Den Wei�m�nteln an der T�r entgegentreten. Jungen auf dem Dach, um Ausschau nach Trollocs zu halten. Offene T�ren, um die Katastrophe einzuladen. Ich habe das lediglich allen klarmachen wollen. Das h�tten sie selber gleich zu Anfang sehen m�ssen. Dieser Mann... � Er hielt sich zur�ck, um nicht zu sagen, da� Luc ihn ganz m�chtig irritiere. So etwas durfte er nicht in Failes Gegenwart sagen. Sie w�rde es m�glicherweise mi�verstehen.</p><p>�Selbstverst�ndlich�, sagte Verin beschwichtigend. �Ich hatte zuvor noch keine Gelegenheit, zu beobachten, wie es funktioniert. Oder wenn ich eine hatte, wu�te ich es nicht.� �Wovon sprecht Ihr? Was soll funktionieren?� �Perrin, als wir hier ankamen, waren diese Leute bereit, um jeden Preis hierzubleiben. Ihr habt Ihnen eine sinnvolle und leidenschaftliche Begr�ndung daf�r geliefert, von hier wegzugehen. Aber glaubt Ihr, wenn ich diese Ansprache gehalten h�tte oder Tam oder Abell, dann h�tten sie genauso reagiert und sich umdrehen lassen? Von uns allen solltet Ihr am besten wissen, wie halsstarrig die Menschen von den Zwei Fl�ssen sein k�nnen. Ihr habt den Ablauf der Dinge in den Zwei Fl�ssen durch Eure Anwesenheit und Euren Einflu� ge�ndert. Mit ein paar aus dem... �rger?... heraus gesprochenen Worten. <emphasis>Ta'veren</emphasis> weben wirklich und wahrhaftig die Schicksale anderer Menschen in ihr eigenes Muster hinein. Faszinierend. Ich hoffe nur, ich werde noch Gelegenheit haben, Rand dabei zu beobachten.� �Was auch immer�, murmelte Perrin, �es ist jedenfalls gut gegangen. Je mehr Menschen sich jetzt an einem Ort aufhalten, desto sicherer sind sie.� �Nat�rlich. Rand hat das Schwert an sich genommen, oder irre ich mich da?� Er runzelte die Stirn, sah aber keinen Grund, es ihr zu verschweigen. Sie wu�te �ber Rand Bescheid und sie kannte die Bedeutung Tears f�r ihn. �Ja, stimmt.� �Seid bei Alanna vorsichtig, Perrin.� �Was?� Die schnellen Themenwechsel Verins brachten ihn aus dem Gleichgewicht. Das galt besonders, wenn sie ihm sagte, er solle tun, was er sowieso vorgehabt hatte und vor ihr geheimhalten wollte. �Warum?� Verins Gesichtsausdruck �nderte sich nicht, aber ihre dunklen Augen wirkten pl�tzlich besonders aufmerksam wie die eines Raubvogels. �Es gibt viele... Intrigen in der Wei�en Burg. Bei weitem nicht alle sind b�sartig, aber manchmal ist das schwer festzustellen, bevor es zu sp�t ist. Und selbst bei den besten Absichten k�nnten ein paar F�den im Gewebe rei�en. Es ist, als zerbr�che man ein paar Reiser, die in einen Korb verflochten werden sollten. Ein <emphasis>Ta'veren</emphasis> w�re f�r jede Art von Planung ein �u�erst n�tzlicher Faden im Muster.� Mit einemmal blickte sie sich in dem Durcheinander im Raum ein wenig verwirrt um, als f�hle sie sich in ein Buch vergraben oder in Gedanken versunken erheblich wohler als in ihrer wirklichen Umwelt. �O je, Meister al'Seen verschwendet nun wirklich keine Zeit, oder? Ich werde mal sehen, ob er jemanden entbehren kann, um unsere Pferde zu holen.� Faile schauderte, als die Braune Schwester wegging. �Manchmal machen mich diese Aes Sedai... nerv�s�, murmelte sie.</p><p>�Nerv�s?� meinte Perrin. �Die meiste Zeit �ber mache ich mir ihretwegen beinahe in die Hose vor Angst.� Sie lachte leise und begann, mit einem seiner Mantelkn�pfe zu spielen. Er schien sie enorm zu interessieren. �Perrin, ich... war wohl... eine ziemliche N�rrin.� �Was meinst du damit?� Sie blickte zu ihm auf. Beinahe h�tte sie den Knopf vollends abgedreht. Er f�gte hastig hinzu: �Du bist einer der vern�nftigsten Menschen, die ich kenne.� Er schlo� ganz schnell den Mund, um nicht zu sagen: �Jedenfalls gelegentlich�. Als sie l�chelte, war er froh, sich das verkniffen zu haben.</p><p>�Es ist wohl sehr nett, da� du das sagst, aber ich war tats�chlich dumm.� Sie t�tschelte den Knopf und begann, sein Wams zurechtzur�cken, was keineswegs n�tig war, und seine Revers zu gl�tten � genauso �berfl�ssig. �Du hast dich auch dumm verhalten�, sagte sie, wobei sie viel zu schnell sprach, �nur, weil mich dieser junge Mann angeschaut hat. Er wirkt doch wirklich noch zu jungenhaft und �berhaupt nicht so wie du. Und dann wollte ich dich nur ein ganz klein wenig eifers�chtig machen, als ich vort�uschte � nur vort�uschte �, da� ich mich f�r Lord Luc interessiere. Das h�tte ich nicht tun sollen. Verzeihst du es mir?� Er bem�hte sich, ihr Gestammel zu durchschauen. Es war gut, da� sie Wil f�r zu jungenhaft hielt. Falls er sich einen Bart stehen lie�, w�re der vermutlich ziemlich sp�rlich. Aber sie hatte nat�rlich nicht erw�hnt, wie sie Wils Blick erwidert hatte. Und wenn sie nur vorgegeben hatte, an Luc interessiert zu sein, warum war sie dann so err�tet? �Nat�rlich verzeihe ich es dir�, sagte er. In ihren Augen blitzte es gef�hrlich auf. �Ich meine, es gibt ja eigentlich nichts zu verzeihen.� Wenn m�glich, funkelten ihre Augen nun noch bedrohlicher. Was wollte sie denn von ihm h�ren? �Verzeihst du statt dessen mir? Als ich versuchte, dich wegzujagen, habe ich Dinge gesagt, die ich nicht h�tte sagen sollen. Wirst du mir das vergeben?� �Du hast allerdings einiges gesagt, was man erst mal verzeihen mu߫, sagte sie mit s��licher Stimme, und er wu�te, da� er nun in der Klemme steckte. �Ich kann mich gerade nicht daran erinnern, aber ich werde dar�ber nachdenken.� Dar�ber nachdenken? Jetzt klang sie ganz nach einer adligen Dame. Vielleicht arbeitete ihr Vater f�r irgendeinen Lord und sie hatte beobachten k�nnen, wie sich die vornehmen Damen benahmen. Er hatte keine Ahnung, wie sie das meinte. Aber er w�rde es vermutlich viel zu schnell herausfinden, f�rchtete er.</p><p>Die Erleichterung war gro�, als er mitten in dem Durcheinander des Aufbruchs wieder auf Traber steigen konnte. Man f�hrte die Gespanne herbei, die Leute stritten sich darum, was sie mitnehmen konnten und was nicht, die Kinder jagten H�hner und G�nse, um sie einzufangen, ihnen die F��e zusammenzubinden und sie auf die Wagen zu laden. Die Jungen waren bereits dabei, das Vieh nach Osten zu treiben, und andere trieben die Schafe aus dem Pferch.</p><p>Faile erw�hnte das, was sie drinnen besprochen hatten, jetzt nicht mehr. Statt dessen l�chelte sie ihn an und verglich die Schafzucht hier mit Saldaea. Als eines der M�dchen ihr einen Strau� kleiner roter Blumen brachte �Herzr�tchen �, versuchte sie, ein paar davon in seinen Bart zu flechten und lachte �ber seine Bem�hungen, sie davon abzuhalten. Kurz gesagt, er fuhr fast aus der Haut. Er mu�te dringend wieder mit Meister Cauthon reden.</p><p>�Geht im Licht�, sagte Meister al'Seen noch einmal zu ihm, als sie bereit waren, loszureiten, �und pa�t auf die Jungen auf.� Vier der jungen M�nner hatten sich entschlossen, mit ihnen zu reiten. Ihre Pferde waren auch zottig, aber bei weitem nicht so gut wie die Tams und Abells. Perrin wu�te nicht ganz, warum ausgerechnet er auf die Jungen aufpassen sollte. Sie waren alle �lter als er, wenn auch nicht um vieles. Wil al'Seen war dabei mit seinem Cousin Ban, einem von Jacs S�hnen, der die gr��te Nase in der Familie abbekommen hatte, und einem P�rchen Lewins, Tell und Dannil, die Flann so �hnlich sahen, da� sie genauso seine S�hne h�tten sein k�nnen und nicht seine Neffen. Perrin hatte versucht, sie davon abzubringen, vor allem, als sie ganz klar aussagten, sie wollten bei der Rettung der Cauthons und der Luhhans vor den Wei�m�nteln helfen. Sie schienen zu glauben, man m�sse nur einfach in das Lager der Wei�m�ntel reiten und verlangen, da� alle herausgegeben w�rden. �Unseren Widerstand offen zeigen�, nannte Tell das, und Perrin standen dabei fast die Haare zu Berge. Zu viele Gauklerm�rchen. Sie hatten Narren wie Luc zu oft gelauscht. Er vermutete, Wil habe einen anderen Grund, obwohl der sich bem�hte, so zu tun, als existiere Faile �berhaupt nicht, aber die anderen waren schon schlimm genug.</p><p>Keiner sonst hatte irgendwelche Einw�nde. Tam und Abell machten sich anscheinend nur Gedanken dar�ber, da� jeder mit dem Bogen umgehen konnte, den er trug, und nicht vom Pferd fiel. Verin beobachtete alles nur und machte sich Notizen in ihr kleines Buch. Tomas wirkte am�siert, und Faile besch�ftigte sich damit, eine Krone aus den Herzr�tchen zu flechten. Wie sich herausstellte, war sie f�r Perrin bestimmt. Seufzend h�ngte der die Blumen �ber sein Sattelhorn. �Ich werde auf sie aufpassen, so gut ich kann, Meister al'Seen�, versprach er.</p><p>Eine Meile vom Hof der al'Seens entfernt glaubte er beinahe, ein oder zwei von den Jungen w�rden gleich wieder zur�ckreiten, denn pl�tzlich erschienen Gaul, Bain und Chiad aus einem Geb�sch und liefen zu ihnen her�ber. Wil und seine Freunde erhaschten einen Blick auf die Aiel und legten sofort Pfeile auf. Die Aiel hielten im Gegenzug, ohne auch nur im Schritt innezuhalten, augenblicklich Speere in den H�nden und hatten die Gesichter verschleiert. Er brauchte ein paar Minuten, um die Lage zu kl�ren. Gaul und die T�chter des Speers schienen das Ganze f�r einen gro�en Spa� zu halten, denn als sie verstanden, was geschehen war, lachten sie schallend los.</p><p>Das wiederum brachte die Lewins und al'Seens aus dem Gleichgewicht, genauso nat�rlich wie die Tatsache, da� diese drei Aiel waren und zwei davon auch noch Frauen. Wil probierte es mit einem L�cheln in Richtung Bain und Chiad, worauf die einen Blick tauschten und sich kurz zunickten. Perrin wu�te nicht, was bei ihnen vorging, aber er entschlo� sich, nicht einzugreifen, solange Wil nicht gerade etwas unternahm, was ihm den Kopf kosten konnte. Es war noch Zeit genug, alle zur�ckzuhalten, wenn eine der Aielfrauen ihr Messer zog. Vielleicht w�rde Wil daraus eine Lehre ziehen, was sein L�cheln Frauen gegen�ber betraf.</p><p>Er hatte vor, so schnell wie m�glich bis Wachh�gel vorzusto�en, aber eine Meile oder mehr n�rdlich des al'Seen-Hofes sah er einen der Bauernh�fe, die diese weit verstreuten Rauchwolken aus ihren Schornsteinen hervorgebracht hatten. Tam f�hrte sie so weit daran vorbei, da� die Menschen auf dem Hof nur als ganz kleine Gestalten sichtbar waren. Au�er f�r Perrins Augen: Er sah sogar die Kinder, wie sie auf dem Hof spielten. Und Jac al'Seen war ihr n�chster Nachbar. War es bis heute mittag gewesen. Er z�gerte und lenkte dann Traber auf den Bauernhof zu. Wahrscheinlich w�rde es nichts �ndern, aber einen Versuch war es wert.</p><p>�Was hast du vor?� fragte Tam mit gerunzelter Stirn.</p><p>�Ihnen den gleichen Rat geben wie Meister al'Seen. Das dauert gar nicht lang.� Tam nickte, und die anderen kamen mit. Verin betrachtete Perrin nachdenklich. Die Aiel wichen kurz vor dem Hof vom allgemeinen Kurs ab, um weiter n�rdlich auf sie zu warten. Gaul rannte immer ein St�ckchen von den T�chtern des Speers entfernt einher.</p><p>Perrin kannte die Torfinns nicht pers�nlich, und er war auch ihnen unbekannt, aber als sich die erste Aufregung �ber die Ankunft der Fremden gelegt hatte und sie Tomas und Verin und Faile nicht mehr so neugierig anstarrten, h�rten sie zu seiner �berraschung tats�chlich auf ihn. Schnell spannten sie die Pferde vor zwei Wagen und zwei hochr�drige Karren, und dann ritt er mit den anderen weiter.</p><p>Noch dreimal unterbrach er ihren Ritt, wenn ihr Kurs sie an Bauernh�usern vorbeif�hrte. Einmal waren es sogar f�nf nahe aneinander gebaute H�user. Ansonsten war es immer dasselbe. Die Leute protestierten, sie k�nnten ihre H�fe nicht im Stich lassen, aber jedesmal, wenn sie weiterritten, hinterlie�en sie ein Durcheinander von packenden und Tiere einfangenden Menschen.</p><p>Noch etwas geschah w�hrend ihrer Zwischenaufenthalte. Er konnte Wil, seinen Cousins und die Lewins nicht davon abhalten, mit den jungen M�nnern auf den Bauernh�fen zu sprechen. So wuchs ihre Gruppe um dreizehn an, Torfinns und al'Dais, Ahans und Marwins, mit B�gen bewaffnet und auf allen m�glichen Reittieren, Ponies und Ackerg�ulen, alle darauf erpicht, die Gefangenen aus dem Lager der Wei�m�ntel zu befreien.</p><p>So glatt lief es nun allerdings nicht. Wil und die anderen vom Hof der al'Seens hielten es f�r ungerecht, da� er die Neuzug�nge auf die Aiel vorbereitete und ihnen den Spa� verdarb, ihre Reaktion darauf beobachten zu k�nnen. Sie erschraken f�r Perrins Geschmack noch mehr als genug, und so, wie sie hinterher hinter jeden Busch sp�hten, jede Baumgruppe mi�trauisch be�ugten, war es klar, da� sie glaubten, es seien noch mehr Aiel da, gleich, was er ihnen versichern mochte. Zuerst versuchte Wil, sich bei den Torfinns und den anderen als der gro�e Meister aufzuspielen, weil er sich als erster Perrin angeschlossen hatte �nun ja, als Ban und die Lewins ihn zornig anschauten, gab er zu, nur einer der ersten gewesen zu sein � und die anderen seien eben nur Nachz�gler.</p><p>Perrin beendete das energisch, indem er sie in zwei etwa gleichstarke Gruppen einteilte und Dannil und Ban jeweils die F�hrung �bergab. Auch daraufhin erhob sich einiges Grollen, jedenfalls zu Beginn. Die al'Dais wollten, da� die Anf�hrer dem Alter entsprechend gew�hlt w�rden � Bili al'Dai war n�mlich ein Jahr �lter als die anderen �, w�hrend die anderen Hu Marwin als den besten Spurensucher vorschoben und Jaim Torfinn als den besten Bogensch�tzen, und dann wiederum war Kenley Ahan schon oft in Wachh�gel gewesen, bevor die Wei�m�ntel kamen, und er kannte sich am besten im Dorf aus. Sie schienen es alle f�r einen Ausflug zu halten. Tells t�richter Spruch �ber den Widerstand, den sie leisten wollten, wurde mehr als einmal wiederholt.</p><p>Schlie�lich fuhr Perrin sie zornig an und zwang die ganze Gruppe im hohen Gras zwischen zwei Baumgruppen zum Anhalten. �Das ist hier kein Spiel und keine Tanzveranstaltung zum Bel Tine. Entweder macht Ihr, was man Euch sagt, oder Ihr geht wieder nach Hause! Ich wei� sowieso nicht, was Ihr n�tzen sollt! Ich habe nicht die Absicht, mich umbringen zu lassen, nur weil Ihr glaubt, zu wissen, was Ihr tut! Jetzt reiht Euch gef�lligst ein und haltet den Mund! Euer Geschw�tz klingt so, als tr�fe sich die ganze Frauenversammlung in einem Kleiderschrank.� Kleinlaut bildeten sie zwei Reihen hinter Ban und Dannil. Wil und Bili machten finstere Mienen, aber sie hielten sich zur�ck und sagten lieber nichts. Faile nickte Perrin beif�llig zu, und sogar Tomas schlo� sich dem an. Verin beobachtete alles mit unbeteiligtem Gesicht. Ohne Zweifel dachte sie sich dabei, sie sehe einen <emphasis>Ta'veren</emphasis> in voller Aktion. Perrin hielt es nicht f�r notwendig, ihr zu erz�hlen, da� er sich nur daran zu erinnern versucht hatte, was ein schienarischer Soldat namens Uno, den er kannte, an seiner Stelle gesagt h�tte. Allerdings h�tte Uno daf�r sehr viel h�rtere Worte gew�hlt.</p><p>Als sie sich Wachh�gel n�herten, wurden die Bauernh�fe h�ufiger, standen in Gruppen beieinander und gingen schlie�lich genau wie in der N�he von Emondsfeld nahtlos in das Dorf �ber. Umgeben war es von einem Netz durch Hecken oder Mauern eingez�unter Felder, zwischen denen sich schmale Pfade, Fu�wege und breitere Wagenstra�en entlangzogen. Trotz ihrer Unterbrechungen bei den vier H�fen davor war es noch nicht dunkel, die M�nner arbeiteten noch auf den �ckern, und die Jungen trieben Schafe und Rinder von den Weiden zur Nacht in die St�lle. Heutzutage lie� keiner die Tiere nachts drau�en.</p><p>Tam schlug vor, da� Perrin nun damit aufh�ren solle, die Leute zu warnen, und er stimmte ihm z�gernd bei. Von hier aus w�rden sie alle direkt nach Wachh�gel ziehen und damit die Wei�m�ntel alarmieren. Mehr als zwanzig Menschen, die als Gruppe ritten, zogen schon gen�gend Blicke auf sich, obwohl die meisten Leute viel zu besch�ftigt waren, um ihnen mehr als einen Blick zuzuwerfen. Man mu�te sie aber dennoch warnen, je eher, desto besser. Solange sich die Menschen drau�en auf dem offenen Land aufhielten und den Schutz der Wei�m�ntel ben�tigten, hatten diese eine Machtposition an den Zwei Fl�ssen, die sie wohl kaum aufgeben wollten.</p><p>Perrin hielt konzentriert Ausschau nach einem Anzeichen, da� eine Patrouille der Wei�m�ntel sich n�here, aber au�er einer Staubwolke dr�ben in der N�he der Nordstra�e, die sich in Richtung S�den bewegte, sah er nichts Auff�lliges. Nach einer Weile schlug Tam vor, da� sie absteigen und ihre Pferde f�hren sollten. Zu Fu� konnte man sie nicht so leicht sehen, denn die Hecken und selbst die niedrigen Steinmauern sch�tzten sie doch ein wenig vor neugierigen Blicken.</p><p>Tam und Abell kannten ein W�ldchen, aus dem man einen guten Blick auf das Lager der Wei�m�ntel hatte. Es war ein verfilztes Durcheinander von Eichen, Ulmen und Lederblattb�umen, das wenig mehr als eine Meile s�dwestlich von Wachh�gel das ansonsten offene, flache Land bedeckte. Sie betraten es so schnell wie m�glich vom S�den her. Perrin hoffte, da� niemand sie dabei beobachtet hatte, jedenfalls keiner, der sich vielleicht fragen w�rde, wieso sie nicht wieder herauskamen, und der dar�ber reden w�rde.</p><p>�Bleibt hier�, sagte er zu Wil und den andern jungen M�nnern, als sie ihre Pferde an Zweige banden. �Haltet Eure B�gen bereit und seid auch bereit, wegzulaufen, sobald ihr einen Schrei h�rt. Aber r�hrt Euch ja nicht, bevor Ihr mich rufen h�rt. Und falls jemand L�rm macht, schlage ich ihm pers�nlich den Sch�del ein. Wir sind hier, um die Wei�m�ntel auszusp�hen, und nicht, um sie zu reizen, wie die Stiere �ber uns hinwegzutrampeln.� Sie bef�hlten nerv�s ihre Waffen und nickten. Vielleicht begann es ihnen zu d�mmern, worauf sie sich eingelassen hatten. Die Kinder des Lichts w�rden es m�glicherweise nicht als einen Akt der Freundschaft betrachten, wenn ein ganzer Haufen Leute von den Zwei Fl�ssen sich bewaffnet hier herumtrieb.</p><p>�Bist du je Soldat gewesen?� fragte Faile mit leiser Stimme. �Einige von den... W�chtern meines Vaters dr�cken sich so aus.� �Ich bin Schmied�, lachte Perrin. �Ich habe eben geh�rt, wie die Soldaten so reden. Es scheint aber zu funktionieren.� Selbst Wil und Bili sahen sich unsicher um und trauten sich kaum, sich zu r�hren.</p><p>Er und Faile schlichen von Baum zu Baum hinter Tam und Abell her zu dem Fleck, an dem bereits die Aiel nahe dem Nordrand des W�ldchens kauerten. Auch Verin befand sich schon dort und nat�rlich Tomas. Der d�nne Bl�ttervorhang reichte gerade aus, um sie einigerma�en zu verbergen, gestattete ihnen aber trotzdem eine gute Sicht auf das Lager.</p><p>Das Lager der Wei�m�ntel erstreckte sich am Fu� des Wachh�gels wie ein eigenes Dorf. Hunderte von M�nnern, unter ihnen viele Ger�stete, bev�lkerten die Wege zwischen den Reihen wei�er Zelte und der mit Leinen verbundenen Haltepfosten, an denen die Pferde festgemacht waren, immer f�nf zu jedem Zelt. Auf der einen Seite wurden Tiere abgesattelt und gestriegelt, was darauf hindeutete, da� die Patrouillen f�r heute ihren Dienst beendet hatten. Auf der anderen Seite ritt derweil eine Doppelreihe von M�nnern in bl�tenwei�en M�nteln mit gleichm��igen Bewegungen in schneller Gangart in Richtung Wasserwald davon. Die Lanzen hielten sie alle im gleichen Winkel. In Abst�nden marschierten ebenfalls in wei�e Umh�nge geh�llte Wachsoldaten auf und ab, die Lanzen wie Speere geschultert. Ihre polierten Helme gl�nzten im Schein der sinkenden Sonne.</p><p>Ein Dr�hnen drang an Perrins Ohren. Ein gutes St�ck westlich erschienen zwanzig Reiter, die aus der Richtung von Emondsfeld auf das Lager zu galoppierten. Aus der gleichen Richtung, aus der er mit seinen Begleitern gekommen war. W�ren sie auch nur ein wenig langsamer geritten, h�tte man sie bestimmt gesehen. Ein Horn erklang, und die M�nner im Lager gingen zu den K�chenfeuern hin�ber.</p><p>An der einen Seite lag ein weiteres, viel kleineres Lager mit wild durcheinandergestellten Zelten. Einige davon hingen schief in ihren Halteleinen. Von denen, die sich dort aufhielten, waren die meisten nun schon weg. Nur ein paar Pferde an einem kurzen Halteseil schlugen mit den Schw�nzen, um die Fliegen zu verscheuchen und deuteten durch ihre Anwesenheit darauf hin, da� sich hier noch jemand aufhielt. Keine Wei�m�ntel. Die Kinder des Lichts hielten zuviel von einer geradezu starren Ordnung und Sauberkeit in ihrem Lager.</p><p>Zwischen den W�ldchen und den beiden Zeltgruppen befand sich eine weite, mit Gras und Blumen bewachsene Fl�che. Wahrscheinlich hatten die Einheimischen das als Weide benutzt. Aber jetzt nicht mehr. Da der Boden ziemlich eben war, konnten die Wei�m�ntel die Fl�che in vollem Galopp wie vorher diese Patrouille in einer Minute �berqueren.</p><p>Abell lenkte Perrins Aufmerksamkeit auf das gro�e Lager. �Siehst du das Zelt beinahe in der Mitte, wo an jedem Ende ein Mann Wache steht? Kannst du es erkennen?� Perrin nickte. Die niedrig stehende Sonne warf lange, dunkle Schatten nach Osten, aber er konnte recht gut sehen. �Dort sind Natti und die M�dchen. Und die Luhhans. Ich habe sie herauskommen und wieder hineingehen sehen. Immer nur eine, und das unter Bewachung. Selbst in die Latrine d�rfen sie nur unter Bewachung gehen.� �Wir haben nachts dreimal versucht, uns dort einzuschleichen�, sagte Tam, �aber sie bewachen gerade den Rand des Lagers ganz genau. Beim letztenmal konnten wir kaum noch entwischen.� Es war, als wolle man seine Hand in einen Ameisenhaufen stecken, ohne da� man etwas abbekam. Perrin setze sich unter einen hohen Lederblattbaum und legte den Bogen auf seine Knie. �Ich will eine Weile �ber das alles nachdenken. Meister al'Thor, w�rdet Ihr Wil und diesen Haufen beruhigen? Sorgt daf�r, da� sich keiner von denen in den Kopf setzt, nach Hause zu laufen. Es k�nnte gut sein, da� sie gedankenlos geradewegs zur Nordstra�e reiten w�rden und wir im Nu f�nfzig Wei�m�ntel hier h�tten, die nachsehen wollen, was da los ist. Falls einer von ihnen etwas zu essen mitgebracht hat, k�nntet Ihr daf�r sorgen, da� sie alle etwas davon abbekommen. Wenn wir fliehen m�ssen, verbringen wir m�glicherweise die ganze Nacht im Sattel.� Mit einem Schlag wurde ihm klar, da� er Befehle erteilte, aber als er sich zu entschuldigen versuchte, grinste Tam und sagte: �Perrin, du hast hinten bei Jac die F�hrung �bernommen. Es ist nicht das erste Mal, da� ich einem j�ngeren Mann folge, der genau wei�, worauf es ankommt.� �Du machst deine Sache gut, Perrin�, best�tigte Abell, bevor die beiden �lteren M�nner wieder zwischen den B�umen verschwanden.</p><p>Verbl�fft kratzte Perrin sich im Bart. Er hatte die F�hrung �bernommen? Wenn er es genauer bedachte, hatten weder Tam noch Abell wirklich eine Entscheidung getroffen, seit sie den Hof der al'Seens verlassen hatten. Sie hatten lediglich Vorschl�ge gemacht und die Entscheidungen ihm �berlassen. Und keiner der beiden hatte seither noch einmal �Junge� zu ihm gesagt.</p><p>�Interessant�, sagte Verin. Sie hatte wieder ihr Notizbuch in der Hand. Er h�tte nur zu gern eine Gelegenheit gehabt, zu lesen, was sie sich notiert hatte.</p><p>�Wollt Ihr mich wieder davor warnen, mich wie ein Idiot zu benehmen?� fragte er.</p><p>Statt zu antworten, sagte sie mit nachdenklichgetragener Stimme: �Es wird noch interessanter werden, zu beobachten, was Ihr als n�chstes macht. Ich kann nicht behaupten, da� Ihr die Welt aus den Angeln hebt, so wie Rand al'Thor, aber an den Zwei Fl�ssen bewegt Ihr auf jeden Fall einiges. Ich frage mich, ob Ihr eine Ahnung habt, wohin sich das alles bewegt.� �Ich habe vor, die Luhhans und die Cauthons zu befreien�, sagte er �rgerlich zu ihr. �Das ist alles!� Au�er, was die Trollocs betraf. Er lie� seinen Kopf nach hinten an den Stamm des Lederblattbaumes sinken und schlo� die Augen. �Ich mache einfach nur, was ich tun mu�. Die Zwei Fl�sse werden dort bleiben, wo sie immer waren.� �Selbstverst�ndlich�, sagte Verin.</p><p>Er h�rte, wie sie wegging, sie und Tomas. Halbschuhe wie Stiefel machten kaum ein Ger�usch auf dem weichen Boden, der mit den abgestorbenen Bl�ttern vom letzten Herbst bedeckt war. Er �ffnete die Augen. Faile sah dem Paar hinterher und schien nicht besonders gl�cklich.</p><p>�Sie l��t dich einfach nicht in Ruhe�, murmelte sie. Der geflochtene Kranz aus Herzr�tchen, den er an seinem Sattel gelassen hatte, hing an ihrer Hand.</p><p>�Das tun die Aes Sedai nie�, entgegnete er.</p><p>Sie wandte sich ihm mit herausforderndem Blick zu. �Ich sch�tze, du willst versuchen, sie noch heute nacht herauszuholen?� Es mu�te jetzt sein. Er hatte �berall die Warnung ausgegeben, und die Leute wu�ten, wer er war. Vielleicht w�rden die Wei�m�ntel ihren Gefangenen nichts antun. Vielleicht. Er vertraute genauso auf die Gnade der Wei�m�ntel wie auf die Intelligenz eines Schafes. Er blickte zu Gaul hin�ber, und der nickte.</p><p>�Tam al'Thor und Abell Cauthon bewegen sich f�r Feuchtl�nder ausgesprochen gut, aber ich glaube, diese Wei�m�ntel sind zu steif, um irgend etwas wahrzunehmen, das sich im Dunklen bewegt. Ich denke, sie erwarten, da� ihre Feinde in gro�er Zahl und ganz offen sichtbar kommen.� Chiad blickte mit ihren grauen Augen am�siert den Aielmann an. �Hast du denn vor, dich wie der Wind zu bewegen, Steinhund? Das wird eine Abwechslung, einmal einen Steinhund zu sehen, der sich leichtf��ig bewegt! Wenn meine Speerschwester und ich die Gefangenen befreit haben, gehen wir vielleicht zur�ck und holen dich ab, falls du zu alt daf�r bist, den Weg zur�ck zu finden.� Bain ber�hrte sie am Arm, und sie sah �berrascht die Frau mit den Flammenhaaren an. Einen Moment sp�ter wurde sie trotz ihrer Sonnenbr�une rot. Beide Frauen blickten hin�ber zu Faile, die immer noch Perrin mit erhobenem Kopf und vor der Brust verschr�nkten Armen beobachtete.</p><p>Er atmete tief durch. Wenn er ihr sagte, er wolle sie nicht dabeihaben, w�rden auch Bain und Chiad mit Sicherheit hierbleiben. Sie betonten nach wie vor, sie zu begleiten und nicht ihn. Faile bestand wohl auch darauf. Vielleicht schaffte er es auch allein mit Gaul, aber andererseits wu�te er nicht, wie er sie dazu bringen k�nne, hierzubleiben, wenn sie nicht wollte. Da Faile eben Faile war, w�rde sie vermutlich hinter ihnen herschleichen. �Du bleibst ganz nahe bei mir!� sagte er energisch. �Ich will Gefangene befreien und keine neuen hinterlassen.� Lachend lie� sie sich neben ihm auf den Boden fallen und schmiegte sich an ihn. �Nahe bei dir zu bleiben klingt gut.� Sie warf ihm den Kranz roter Blumen auf den Kopf, und Bain schmunzelte.</p><p>Er rollte ergeben mit den Augen. Er konnte gerade noch den Rand des Kranzes auf seiner Stirn erkennen. Wie ein Narr mu�te er aussehen. Doch er lie� ihn h�ngen.</p><p>Die Sonne sank so langsam wie eine Glasperle im Honig. Abell brachte ihnen etwas Brot und K�se. Mehr als die H�lfte dieser M�chtegern-Helden hatten nicht einmal daran gedacht, etwas E�bares mitzunehmen. Dann a�en sie und warteten. Die Nacht brach herein. Der Mond stand bereits hoch am Himmel, wurde aber immer wieder durch vorbeiziehende Wolken verdeckt. Perrin wartete ab. Die Lampen im Lager der Wei�m�ntel wurden gel�scht. Auch in Wachh�gel war es dasselbe; lediglich hier und da drang noch Lichtschein aus einem Fenster. Ansonsten war der ganze H�gel dunkel. Dann holte er sich Tam, Faile und die Aiel heran. F�r ihn waren alle Gesichter auch im Dunklen klar erkennbar. Verin stand nahe genug, um zu lauschen. Abell und Tomas hielten sich bei den �brigen �jungen Helden� auf, um sie notfalls zur Ruhe zu bringen.</p><p>Es war f�r ihn schon ein eigenartiges Gef�hl, Befehle auszugeben. Also lie� er es bei sehr einfachen Anweisungen bewenden. Tam sollte alle sofort losreiten lassen, sobald Perrin mit den Gefangenen auftauchte. Die Wei�m�ntel w�rden sie verfolgen, wenn ihnen klar wurde, was los war, also ben�tigten sie ein Versteck. Tam kannte eines, ein leerstehendes Bauernhaus am Rand des Westwalds.</p><p>�Versucht, niemanden zu t�ten, wenn Ihr es vermeiden k�nnt�, warnte Perrin die Aiel. �Die Wei�m�ntel werden schon w�tend genug �ber die Befreiung ihrer Gefangenen sein. Wenn sie dazu noch M�nner verlieren, werden sie die Sonne anz�nden.� Gaul und die T�chter des Speers nickten, als freuten sie sich darauf. Seltsames Volk. Sie verschwanden in der Nacht.</p><p>�Seid vorsichtig�, warnte ihn Verin leise, als er sich den Bogen �ber den R�cken h�ngte. <emphasis>�Ta'veren</emphasis> hei�t nicht unsterblich.� �Tomas k�nnte eine gro�e Hilfe sein, oder?� �Glaubt Ihr, einer mehr spielt eine gro�e Rolle?� fragte sie nachdenklich zur�ck. �Au�erdem brauche ich ihn f�r etwas anderes.� Er sch�ttelte den Kopf und marschierte los, aus dem W�ldchen hinaus. Dann kroch er jedoch bald auf Ellbogen und Knien weiter, dicht am Boden, denn nun befand er sich auf der freien Fl�che. Faile tat es ihm gleich. Sie hielt sich neben ihm. Gras und Blumen waren hoch genug, um ihnen eine recht gute Deckung zu verschaffen. Er war froh, da� sie sein Gesicht nicht sehen konnte. Er hatte schreckliche Angst. Nicht um sein eigenes Leben, aber wenn ihr etwas zusto�en w�rde...</p><p>Wie zwei weitere vom Mond geworfene Schatten krochen sie �ber die offene Fl�che. Auf Perrins Signal hin blieben sie ungef�hr zehn Schritt vor der Linie still liegen, auf der die Wachen mit im Mondschein leuchtenden M�nteln auf und ab marschierten, ein St�ckchen vor der ersten Zeltreihe. Zwei W�chter kamen beinahe direkt vor ihnen mit einem kr�ftigen Aufstampfen zum Stillstand und blickten sich starr an.</p><p>�Alles ist ruhig in der Nacht�, verk�ndete der eine. �Das Licht leuchte uns und beh�te uns vor dem Schatten.� �Alles ist ruhig in der Nacht�, antwortete der andere. �Das Licht leuchte uns und beh�te uns vor dem Schatten.� Sie drehten sich auf dem Fu�e um und marschierten davon. Sie blickten dabei starr geradeaus.</p><p>Perrin lie� jeden ein Dutzend Schritte machen, und dann ber�hrte er Failes Schulter. Sie erhoben sich lautlos. Er wagte kaum, zu atmen, und auch von ihr h�rte er keinen Atemzug. Fast auf Zehenspitzen eilten sie zwischen die Zelte hinein und gingen sofort wieder auf alle viere. Drinnen schnarchten M�nner, und manche murmelten in ihrem Schlaf. Bis auf diese Ger�usche war es im Lager still. Das Stampfen der Stiefel der W�chter war deutlich zu h�ren. In der Luft hing noch der Geruch von den gel�schten Feuern, von Segeltuch, Pferden und Menschen.</p><p>Wortlos bedeutete er Faile, hinterherzukommen. Die Halteleinen der Zelte wurden f�r unvorsichtige F��e in der Dunkelheit zu Fallen. Er konnte sie jedoch mit seinen Augen sehr gut erkennen, und so suchte er den Pfad f�r sie beide.</p><p>Er hatte die Lage des Gef�ngniszeltes genau im Kopf und hielt vorsichtig darauf zu. In der N�he des Lagerzentrums. Ein weiter Weg dorthin und ein weiter Weg zur�ck.</p><p>Das Knirschen von Stiefelsohlen und ein ged�mpfter Laut von Faile lie�en ihn gerade noch rechtzeitig herumwirbeln, um von einer anst�rmenden m�chtigen Gestalt mit wei�em Umhang umgerissen zu werden. Der Mann mu�te genauso gro� sein wie Meister Luhhan. Eisern zupackende Finger gruben sich in seinen Hals, als sie sich am Boden �berschlugen. Perrin packte mit einer Hand das Kinn des Burschen, dr�ckte seinen Kopf nach hinten und versuchte, ihn von sich herunterzuschieben. Mit der anderen Hand ri� er an den w�rgenden Fingern. Dann knallte er dem Mann die Faust in die Rippen, was wohl ein St�hnen hervorbrachte, sonst aber keine f�hlbare Wirkung. Das Blut rauschte in seinen Ohren. Seine Sicht schwand; von beiden Seiten her kroch Schw�rze in sein Gesichtsfeld. Er griff nach seiner Axt, doch die Finger waren taub.</p><p>Mit einem Mal zuckte der Mann und brach auf ihm zusammen. Perrin schob die schlaffe Gestalt von sich herunter und holte ein paarmal tief Luft. Die k�hle Nachtluft erschien ihm s�� und erholsam.</p><p>Faile warf ein Scheit Feuerholz zur Seite und rieb sich die Schl�fe. �Er glaubte, sich �ber mich weiter keine Gedanken mehr machen zu m�ssen, nachdem er mich niedergeschlagen hatte�, fl�sterte sie.</p><p>�Ein Narr�, fl�sterte Perrin zur�ck. �Aber ein kr�ftiger.� Er w�rde diese Finger noch tagelang am Hals sp�ren.</p><p>�Geht es dir wieder gut?� �Nat�rlich. Ich bin doch keine Porzellanpuppe.� Das hatte er auch nicht angenommen.</p><p>Er schleifte den bewu�tlosen Mann schnell an eine der Zeltw�nde und hoffte, es werde ihn dort so schnell niemand finden. Er nahm ihm den wei�en Umhang ab und band seine H�nde und F��e mit Reserve-Bogensehnen zusammen. Als Knebel diente ein Taschentuch, das er in einer der Taschen des Mannes gefunden hatte. Nicht gerade sauber, aber das war seine eigene Schuld. Er zog sich den Bogen �ber den Kopf und h�ngte sich den Umhang um. Wenn sie jemand sah, w�rden sie ihn vielleicht f�r einen der ihren halten. Auf dem Umhang befand sich ein goldener Rangknoten unter den Strahlen des Sonnenaufgangs. Ein Offizier. Um so besser.</p><p>Er ging jetzt ganz offen zwischen den Zelten hindurch und nat�rlich mit schnellen Schritten. Versteckt oder nicht, man konnte eben doch jeden Moment den Niedergeschlagenen entdecken und Alarm geben. Faile eilte wie ein Schatten neben ihm her und suchte genauso aufmerksam wie er das Lager nach Anzeichen f�r Unruhe ab. Die st�ndig wechselnden Schatten machten es sogar f�r Perrins Augen schwer, zwischen den Zelten noch etwas zu erkennen.</p><p>Als sie sich dem Gef�ngniszelt n�herten, verlangsamte er seinen Schritt, um die Wachen nicht nerv�s zu machen. An diesem Ende stand ein Mann mit wei�em Umhang, und am anderen Ende erhob sich auch die gl�nzende Spitze einer Lanze �ber das Zeltdach hinaus.</p><p>Mit einem Mal verschwand diese Lanzenspitze. Es gab keinen Laut. Sie fiel einfach herab.</p><p>Einen Herzschlag sp�ter, und aus zwei dunklen Umrissen wurden verschleierte Aiel, keiner von beiden allerdings gro� genug f�r Gaul. Bevor der W�chter sich r�hren konnte, sprang eine der beiden in die Luft und trat ihn ins Gesicht. Er taumelte und sank auf die Knie. Die andere Tochter des Speers wirbelte herum, und auch ihr Fu� traf seinen Kopf. Der W�chter sackte wie ein leerer Sack zusammen. Geduckt und mit bereitgehaltenen Speeren blickten sich die Aielfrauen um, ob sie jemanden aufmerksam gemacht hatten.</p><p>Beim Anblick Perrins mit wei�em Umhang w�ren sie beinahe auf ihn losgegangen, doch gerade noch rechtzeitig sahen sie Faile. Eine sch�ttelte den Kopf und fl�sterte der anderen etwas zu, worauf die lautlos zu lachen schien.</p><p>Perrin sagte sich, da� er sich eigentlich nicht so knurrig f�hlen m�sse, aber zuerst hatte ihn Faile davor bewahrt, erw�rgt zu werden, und nun ersparte sie ihm einen Speer zwischen die Rippen. F�r jemanden, der eine Rettungsaktion anf�hrte, hatte er bisher nicht gerade viel gezeigt.</p><p>Er schob die Zeltklappe beiseite und steckte den Kopf hinein. Drinnen war es noch dunkler als drau�en. Meister Luhhan lag schlafend im Zelteingang. Die Frauen hatten sich weiter hinten aneinandergeschmiegt. Perrin legte seine Hand auf Haral Luhhans Mund und, als der die Augen aufschlug, einen Finger �ber seine Lippen. �Weckt die anderen auf�, sagte Perrin ganz leise. �Ruhig. Wir holen Euch hier raus.� In Meister Luhhans Augen d�mmerte Verstehen auf, und er nickte.</p><p>Perrin schob sich r�ckw�rts aus dem Zelt und nahm dem bewu�tlosen W�chter den Umhang ab. Der Mann atmete noch, wenn auch schwerf�llig, r�chelnd und blubbernd, da seine Nase gr�ndlich gebrochen war. Er wachte durch Perrins Bewegungen nicht auf. Sie mu�ten sich jetzt beeilen. Gaul war ebenfalls da mit dem Umhang des anderen W�chters. Die drei Aiel beobachteten mi�trauisch die anderen Zelte. Faile tanzte beinahe herum, so ungeduldig war sie. Als Meister Luhhan seine Frau und die anderen herausbrachte und alle sich nerv�s im Mondschein umsahen, legte Perrin dem Schmied schnell einen der Umh�nge um die Schultern. Er pa�te nicht recht, denn Haral Luhhan schien aus Baumst�mmen zusammengesetzt, aber es mu�te reichen. Den anderen Umhang bekam Alsbet Luhhan. Sie war wohl nicht so gro� wie ihr Mann, entsprach aber immer noch dem Durchschnitt der M�nner. Ihr rundes Gesicht wirkte erst �berrascht, doch dann nickte sie. Sie zog sogar dem bet�ubten W�chter den kegelf�rmig zulaufenden Helm vom Kopf und setzte ihn sich auf. Sie mu�te allerdings ihren dicken Zopf darunterquetschen. Sie fesselten die beiden W�chter mit von Decken abgerissenen Streifen und legten sie ins Zelt.</p><p>Es war unm�glich, sich auf dem gleichen Weg wieder hinauszuschleichen, den sie gekommen waren; das hatte Perrin von Anfang an gewu�t. Selbst, wenn sich Meister Luhhan und seine Frau leise genug bewegten, woran er zweifelte, hielten sich Bode und Eldrin gegenseitig umschlungen. Sie waren so ver�ngstigt, da� sie kaum glauben konnten, gerettet zu werden. Nur die sanfte Stimme ihrer Mutter hielt sie davon ab, in Tr�nen auszubrechen. Das hatte er aber eingeplant. Sie brauchten Pferde, sowohl, um schnell vom Lager wegzukommen, wie auch, um jeden mitnehmen zu k�nnen. An den Halteleinen hingen genug Pferde.</p><p>Die Aiel bewegten sich wie Geister allen voran, und dahinter folgte er mit Faile. Hinter ihnen kamen die Cauthons, w�hrend Haral und Alsbet den Schlu� machten. Auf einen fl�chtigen Blick wirkten sie wie drei Wei�m�ntel, die vier Frauen begleiteten.</p><p>Die angebundenen Pferde wurden zwar bewacht, aber nur auf der den Zelten abgewandten Seite. Warum sollte man sie auch vor den M�nnern sch�tzen, die sie t�glich ritten? Das machte Perrins Aufgabe auf jeden Fall leichter. Sie gingen einfach hin�ber zu der den Zelten am n�chsten befindlichen Reihe von Pferden. Jedes war nur mit einer Leine am Nasenriemen befestigt. Sie banden f�r jeden au�er den Aiel eines los. Am schwersten war es, Frau Luhhan ohne Sattel und Steigb�gel auf das Pferd zu bekommen. Perrin und Meister Luhhan mu�ten sich gewaltig anstrengen, und sie versuchte dabei immer, ihren Rock hinunterzuschieben, damit ihre Knie bedeckt waren. Natti und die M�dchen kletterten behende auf ihre Pferde. Faile nat�rlich auch. Die W�chter, die auf der anderen Seite die Pferde zu bewachen hatten, drehten weiter ihre genau bemessenen Runden und erz�hlten sich rituell, da� alles ruhig sei in der Nacht.</p><p>�Wenn ich Euch das Zeichen gebe�, begann Perrin, aber dann schrie irgendwo im Lager jemand laut und dann noch mal und noch lauter. Ein Horn ert�nte, und durcheinanderschreiende M�nner st�rmten aus den Zelten. Ob sie nun herausgefunden hatten, da� die Gefangenen fehlten, oder ob jemand den bewu�tlosen Mann gefunden hatte, spielte keine Rolle. �Folgt mir!� rief Perrin, und er grub die Fersen in die Flanken des dunklen Wallachs, den er f�r sich ausgew�hlt hatte. �Reitet los!� Es war ein verr�ckter Ritt, aber er bem�hte sich trotzdem, alle im Auge zu behalten. Meister Luhhan war ein beinahe genauso schlechter Reiter wie seine Frau. Sie fielen fast von ihren Pferden, so wurden sie im Galopp herumgebeutelt. Entweder Bode oder Eldrin schrie aus vollem Hals, vor Aufregung oder vor Angst. Gl�cklicherweise erwarteten die Wachen keine Schwierigkeiten von innerhalb des eigenen Lagers. Ein Mann im wei�en Umhang, der gerade hinaus in die Dunkelheit sp�hte, drehte sich rechtzeitig um und konnte sich mit einem gewaltigen Satz vor den wirbelnden Pferdehufen in Sicherheit bringen. Dabei schrie er beinahe genauso schrill auf wie das Cauthon-M�dchen. Weitere H�rner erklangen hinter ihnen, und laute Rufe, die eindeutig nach Befehlen klangen, peitschten durch die Nacht, lange, bevor sie das W�ldchen erreichten. Jetzt war das als Deckung allerdings auch nicht mehr viel wert.</p><p>Tam hatte alle aufsitzen lassen, wie Perrin es gew�nscht hatte. Oder angeordnet. Er schwang sich mit einer fl�ssigen Bewegung von dem Wallach hin�ber auf Traber. Verin und Tomas waren die einzigen, die nicht aufgeregt im Sattel auf- und abh�pften, und dementsprechend waren ihre Pferde auch die einzigen, die nicht der Aufregung des Reiters wegen nerv�s umhert�nzelten. Abell versuchte, seine Frau und die beiden T�chter alle auf einmal zu umarmen, und sie alle lachten und weinten in einem. Meister Luhhan wollte jede Hand in seiner Reichweite sch�tteln. Alle au�er den Aiel, Verin und ihrem Beh�ter schienen allen anderen gratulieren zu wollen, als sei schon alles getan.</p><p>�Ja, Perrin, das bist ja du!� rief Frau Luhhan. Ihr rundes Gesicht wirkte ganz eigenartig unter dem Helm, der ihres Zopfes wegen auch noch schief sa�. �Was ist denn das auf deinem Gesicht, junger Mann? Ich bin dir mehr als dankbar, aber du wirst nicht an meinem Tisch sitzen, solange du aussiehst wie ein... � �Keine Zeit f�r so was�, unterbrach er sie und beachtete den ungl�ubigen Schock auf ihrem Gesicht gar nicht. Sie war keine Frau, die man einfach unterbrach, doch mittlerweile klangen die H�rner der Wei�m�ntel etwas anders, trugen ein Signal, kurze, scharfe, st�ndig wiederholte T�ne, in die Nacht hinaus. Es mu�te ein Befehl sein. �Tam, Abell, bringt Meister Luhhan und die Frauen in das Versteck, das Ihr ausfindig gemacht habt. Gaul, du gehst mit. Faile auch.� Damit h�tten sie auch Bain und Chiad dabei. �Und Hu und Haim.� Das sollte reichen, um sicher zu sein. �Bewegt Euch leise. Ruhe ist im Moment jedenfalls noch wichtiger als Tempo. Jetzt geht.� Diejenigen, die er fortgeschickt hatte, ritten ohne Widerspruch nach Westen los. Nur Frau Luhhan, die sich mit beiden H�nden an der M�hne ihres Pferdes festhielt, warf ihm einen strengen Blick zu. Was ihn verbl�ffte, war der Mangel an Widerspruch von Faile. So wurde ihm erst etwas sp�ter bewu�t, da� er Meister al'Thor und Meister Cauthon mit ihren Vornamen angesprochen hatte.</p><p>Verin und Tomas waren zur�ckgeblieben, und er blickte sie nun scharf an. �Irgendeine M�glichkeit, da� Ihr uns ein wenig behilflich seid?� �Vielleicht nicht auf die Weise, wie Ihr jetzt meint�, erwiderte sie gelassen, als l�ge kein im Aufruhr befindliches Lager der Wei�m�ntel knapp eine Meile entfernt von ihnen. �Meine Gr�nde sind immer noch die gleichen wie gestern. Aber ich glaube, es k�nnte in... oh... etwa einer halben Stunde regnen. Vielleicht auch fr�her. Das wird ein ziemlich heftiger Gu�, sch�tze ich.� Eine halbe Stunde. Perrin knurrte und wandte sich den �briggeblieben Jungen von den Zwei Fl�ssen zu. Sie zitterten fast vor Angst und w�ren am liebsten weggerannt, so schnell sie konnten. Ihre Kn�chel waren wei� vor Anstrengung, so fest hielten sie die B�gen in ihren H�nden. Er hoffte, sie hatten alle daran gedacht, ReserveBogensehnen mitzubringen, f�r den Fall, da� es regnete. �Wir�, so erkl�rte er ihnen, �werden die Wei�m�ntel ablenken, damit Frau Cauthon und Frau Luhhan und die anderen in Sicherheit entkommen k�nnen. Wir ziehen sie mit bis an die Nordstra�e, und dann h�ngen wir sie im Regen ab. Wenn jemand wegwill, sollte er jetzt losreiten.� Einige H�nden wechselten unruhig den Griff an den Z�geln, doch alle blieben im Sattel sitzen und sahen ihn an. �Also, in Ordnung. Schreit, als w�rt Ihr alle verr�ckt geworden, damit sie uns auch h�ren. Schreit, bis wir die Stra�e erreichen.� Aufbr�llend ri� er Traber herum und galoppierte in Richtung der Stra�e. Anfangs war er sich nicht ganz sicher, ob sie ihm wirklich folgen w�rden, aber ihr wildes Heulen �bert�nte bald seine eigenen Schreie und das Donnern der Hufe. Wenn die Wei�m�ntel das nicht h�rten, dann waren sie taub.</p><p>Nicht alle h�rten mit Schreien auf, als sie die ausgefahrene Spur der Nordstra�e erreichten und in vollem Galopp durch die Nacht nach S�den ritten. Einige lachten und johlten. Perrin sch�ttelte den wei�en Umhang ab und lie� ihn fallen. Die H�rner erklangen wieder, diesmal aber ein wenig schw�cher.</p><p>�Perrin�, rief Wil, der sich auf seinem Pferd vorbeugte, �was machen wir jetzt? Was kommt als n�chstes?� �Wir jagen Trollocs!� rief Perrin zur�ck. Als sich das Lachen verst�rkte, war ihm klar, da� sie ihm kein Wort glaubten. Aber Verins Blick schien sich in seinen R�cken zu bohren. Sie wu�te, da� es ernst gemeint war. Der Donner des n�chtlichen Gewitters schien dem der Pferdehufe nachzueifern.</p></section><section><title><p>34</p><p>Der Mit Der Morgend�mmerung kommt</p></title><p>Die Schatten der Morgend�mmerung wurden k�rzer und blasser, als Rand und Mat �ber den kahlen und immer noch morgendunklen Boden des Tals trabten und das von Nebel verh�llte Rhuidean hinter sich zur�cklie�en. Die trockene Luft lie� die kommende Hitze bereits erahnen, doch die leichte Brise empfand Rand als angenehm k�hl, da er kein Wams trug. Das w�rde aber nicht lange anhalten, denn bald w�rde wieder das glei�ende Tageslicht �ber dem Land liegen. Sie gaben ihr Letztes, um dem zu entgehen, doch er glaubte nicht, da� sie es noch schaffen w�rden. Sie waren trotz allem zu langsam.</p><p>Mat trabte humpelnd voran. Ein dunkler Striemen zog sich �ber sein halbes Gesicht, und sein Wams stand offen. Das aufgebundene Hemd wurde durch noch mehr trocknendes Blut an seine Brust geklebt. Manchmal ber�hrte er vorsichtig die starke Schwellung, die sich um seinen Hals zog. Sie war schon fast schwarz. Er grollte leise und stolperte oft. Immer wieder fing er sich mit diesem eigenartigen Speer mit schwarzem Schaft ab, und dann hielt er sich auch den schmerzenden Kopf. Dennoch beklagte er sich nicht, und das war ein schlechtes Zeichen. Bei kleinen Beschwerden beklagte sich Mat normalerweise st�ndig. Wenn er jetzt schwieg, bedeutete das: Er hatte wirklich Schmerzen.</p><p>Die alte, halb verheilte Wunde an Rands Seite vermittelte ihm ein Gef�hl, als bohre jemand geradewegs hinein, und die Risse und Schnitte im Gesicht und am Kopf brannten, doch er schleppte sich weiter, gekr�mmt wegen der schmerzenden Wunde. Er dachte kaum an die eigenen Schmerzen beim Laufen. Er war sich der Sonne nur zu bewu�t, die hinter ihm aufstieg, und auch der Aiel, die am Abhang vor ihm warteten. Dort oben gab es Wasser und Schatten und Hilfe f�r Mat. Die aufgehende Sonne im R�cken und die Aiel vor sich. Die Morgend�mmerung und die Aiel.</p><p>Er, Der Mit Der Morgend�mmerung Kommt. Diese Aes Sedai, die er gesehen hatte � oder hatte er getr�umt, sie zu sehen? �, bevor sie nach Rhuidean gingen, hatte gesprochen, als k�nne sie die Zukunft weissagen. <emphasis>Er wird Euch zusammenf�gen. Er wird Euch zur�ckholen und Euch vernichten.</emphasis> Worte, die wie eine Prophezeiung klangen. Sie vernichten. Die Prophezeiung sagte aus, er werde die Welt erneut zerst�ren. Diese Idee erschreckte ihn zutiefst. Vielleicht konnte er wenigstens diesen Teil vermeiden, aber Krieg, Tod und Zerst�rung begleiteten bereits jetzt seine Schritte. Tear war der erste Ort seit langer Zeit, an dem er kein Chaos hinterlassen hatte, keine sterbenden Menschen und brennenden D�rfer.</p><p>Er ertappte sich bei dem Wunsch, auf Jeade'ens R�cken zu klettern und so schnell davonzugaloppieren, wie ihn der Hengst nur tragen konnte. Es war nicht das erste Mal. <emphasis>Aber ich kann nicht entfliehen,</emphasis> dachte er. <emphasis>Ich mu� es vollbringen, weil niemand sonst da ist, der das kann. Entweder schaffe ich es, oder der Dunkle K�nig gewinnt.</emphasis> Ein schweres Los, aber das einzige �berhaupt. <emphasis>Aber warum sollte ich denn die Aiel vernichten? Wie?</emphasis></p><p>Dieser letzte Gedanke jagte ihm einen kalten Schauer den R�cken herunter. Es klang schon zu sehr danach, da� er alles akzeptierte, da� er sie wirklich vernichten werde. Er wollte den Aiel nichts antun. �Licht�, sagte er mit harter Stimme. �Ich will �berhaupt niemanden vernichten.� Sein Mund war wieder staubtrocken.</p><p>Mat sah ihn schweigend an. Es war ein mi�trauischer Blick.</p><p><emphasis>Ich bin noch nicht wahnsinnig,</emphasis> dachte Rand grimmig.</p><p>Oben am Hang r�hrten sich die Aiel in den drei Lagern. Es war eine einfache Tatsache, da� er sie brauchte. Deshalb hatte er sich diese Gedanken gemacht, damals, als ihm klar wurde, da� der Wiedergeborene Drache und Er, Der Mit Der Morgend�mmerung Kommt, wahrscheinlich ein und derselbe waren. Er brauchte Menschen, denen er vertrauen konnte, Menschen, die ihm nicht nur aus Furcht folgten oder aus Machthunger. Menschen, die ihn nicht f�r ihre eigenen Zwecke mi�brauchen wollten. Er hatte getan, was verlangt wurde, und nun w�rde er sie ben�tzen. Weil er dazu gezwungen war. Er war noch nicht wahnsinnig, oder glaubte zumindest nicht daran, aber viele w�rden so denken, bevor er alles vollbracht hatte.</p><p>Der volle, blendende Sonnenschein erreichte sie, bevor sie noch den Hang des Chaendar erklimmen konnten. Die Hitze traf sie wie ein Kn�ppel. Rand kletterte den Hang hoch, so schnell er konnte, durch Senken und �ber steile St�cke und zerkl�ftete Vorspr�nge. Seine Kehle hatte den letzten Trunk schon vergessen, und die Sonne trocknete sein Hemd, kaum, da� es vom Schwei� na� war. Mat mu�te nicht erst angefeuert werden. Oben gab es Wasser. Bair stand vor den niedrigen Zelten der Weisen Frauen, einen Wasserbeh�lter in den H�nden, der vom Kondenswasser gl�nzte. Rand leckte sich �ber die aufgesprungenen Lippen. Er war sicher, die Tropfen gl�nzen zu sehen.</p><p>�Wo ist er? Was habt Ihr ihm getan?� Das Br�llen lie� Rand im Schritt innehalten. Dieser Mann mit dem feurigen Haar, Couladin, stand auf einem m�chtigen Granitblock, der aus dem Hang herausragte. Andere Shaido hatten sich um dessen Fu� herum versammelt, und alle blickten Rand und Mat an. Ein paar hatten sich verschleiert.</p><p>�Von wem sprecht Ihr eigentlich?� rief Rand zur�ck. Seine Stimme kr�chzte, so trocken war seine Kehle.</p><p>Couladins Augen quollen vor Zorn heraus. �Muradin nat�rlich, Feuchtl�nder! Er ist zwei Tage vor Euch hineingegangen, aber Ihr seid zuerst wieder erschienen. Er konnte nicht versagen, wo Ihr �berlebt! Ihr m��t ihn ermordet haben!� Rand glaubte, von den Zelten der Weisen Frauen her einen Schrei zu vernehmen, aber bevor er auch nur mit der Wimper zucken konnte, schnellte Couladin wie eine Schlange vor und warf einen Speer mit aller Wucht nach ihm. Zwei weitere von den Aiel am Fu� des Granitblocks folgten dem ersten. Instinktiv griff Rand nach <emphasis>Saidin</emphasis> und dem aus Flammen geschmiedeten Schwert. Die Klinge wirbelte in seinen H�nden � er hatte sie nicht umsonst den Wirbelwind auf dem Berg getauft � und zerschnitt zwei Speersch�fte in der Luft. Mats blitzschnell zuschlagender schwarzer Speer lenkte den dritten gerade noch ab.</p><p>�Beweis!� heulte Couladin. �Sie haben Rhuidean bewaffnet betreten! Das ist verboten! Seht nur das Blut an ihnen! Sie haben Muradin ermordet!� Beim Sprechen noch schleuderte er einen weiteren Speer, und diesmal war es nur einer unter einem Dutzend.</p><p>Rand warf sich zur Seite und war sich bewu�t, da� Mat gleichzeitig zur anderen Seite sprang. Doch bevor sie noch den Boden ber�hrten, trafen alle Speere an dem Fleck aufeinander, an dem Rand zuvor gestanden hatte. Sie prallten aneinander ab. Er rollte wieder hoch und sah, da� alle Speere im steinigen Boden steckten. In einem makellosen Kreis umgaben sie seinen vorherigen Standort. Einen Augenblick lang war sogar Couladin so erschrocken, da� er kein Wort herausbrachte.</p><p>�Haltet ein!� schrie Bair, die in diesem erstarrten Augenblick heraneilte. Ihr langer, bauschiger Rock behinderte sie genausowenig wie ihr Alter. Trotz ihrer wei�en Haare sprang sie wie ein junges M�dchen den Hang herab, und noch dazu wie ein sehr w�tendes M�dchen. �Der Friede Rhuideans, Couladin!� Ihre d�nne Stimme war wie eine Eisenrute. �Zweimal habt Ihr ihn nun zu brechen versucht. Noch einmal, und Ihr seid ge�chtet! Mein Wort darauf! Ihr und jeder andere, der seine Hand gegen einen anderen Menschen erhebt!� Sie kam schliddernd vor Rand zum Stehen und sah die Shaido an, den Wasserbeh�lter drohend erhoben, als wolle sie die anderen damit niederschlagen. �La�t nur denjenigen eine Waffe erheben, der an meinen Worten zweifelt! Der das tut, wird dem �bereinkommen von Rhuidean gem�� allen Schattens beraubt, wird keine Festung, keinen Hort, kein Zelt mehr finden, das ihn beherbergt. Seine eigene Septime wird ihn wie ein wildes Tier jagen.� Einige der Shaido nahmen schnell die Schleier ab �einige �, aber Couladin lie� sich nicht abbringen. �Sie sind bewaffnet, Bair! Sie sind bewaffnet nach Rhuidean gegangen. Das ist...!� �Schweigt!� Bair hob ihre Faust gegen ihn. �Ihr wagt es, von Waffen zu sprechen? Ihr, der Ihr den Frieden Rhuideans brechen und t�ten wollt, ohne Euer Gesicht zuvor zu verschleiern? Sie haben keine Waffe mitgenommen, das kann ich selbst bezeugen.� Absichtlich wandte sie ihm den R�cken zu, aber der Blick, mit dem sie Rand und Mat betrachtete, war kaum sanfter als der, mit dem sie Couladin bedacht hatte. Sie verzog das Gesicht beim Anblick von Mats eigenartigem Speer mit einer Schwertklinge anstatt der Spitze und knurrte: �Hast du den in Rhuidean gefunden, Junge?� �Er wurde mir gegeben, <emphasis>alte Frau�,</emphasis> grollte Mat heiser zur�ck. �Ich habe daf�r bezahlt, und ich werde ihn behalten.� Sie schniefte ver�chtlich. �Ihr seht beide aus, als h�ttet Ihr euch in Riedgras gew�lzt. Was...? Nein, das k�nnt Ihr mir sp�ter erz�hlen.� Sie sah Rands durch die Macht erzeugtes Schwert an und schauderte. �Werdet das nur wieder los. Und zeigt ihnen die Zeichen, bevor dieser Narr Couladin wieder versucht, sie aufzuhetzen. Wenn er so in Rage ist, w�rde er ohne mit der Wimper zu zucken seinen ganzen Clan �chten lassen. Schnell!� Einen Moment lang sah er sie mit offenem Mund an. Zeichen? Dann erinnerte er sich an etwas, das ihm Rhuarc einmal gezeigt hatte, das Abzeichen eines Mannes, der Rhuidean �berlebt hatte. Er lie� das Schwert verschwinden, band seine linke Manschette auf und schob den �rmel bis zum Ellbogen hoch.</p><p>Um seinen Unterarm herum wand sich eine Gestalt wie die auf dem Drachenbanner, schlangen�hnlich, mit goldener M�hne und roten und goldenen Schuppen. Er erwartete, sie dort zu sehen, doch es war immer noch ein Schock f�r ihn. Das Ding wirkte wie ein Teil seiner Haut, als habe sich diese nicht existierende Gestalt mit seiner Haut verbunden. Sein Arm f�hlte sich genauso an wie vorher, und doch funkelten die Schuppen wie poliertes Metall im Sonnenschein. Es schien ihm, wenn er die goldene M�hne auf seinem Handgelenk ber�hrte, k�nne er jedes einzelne Haar f�hlen.</p><p>Kaum, da� der �rmel hochgeschoben war, hielt er auch schon den Arm empor, damit Couladin und seine Leute ihn sehen konnten. Unter den Shaido machte sich Unruhe breit. Sie murmelten sich etwas zu, und Couladin knurrte w�tend. Die Zahl der Menschen um den gewaltigen Granitblock herum nahm st�ndig zu. Immer mehr Shaido kamen von ihren Zelten herbeigelaufen. Rhuarc stand mit Heim und den Jindo ein wenig oberhalb am Hang. Sie beobachteten mi�trauisch die Shaido. Rand sahen sie dagegen erwartungsvoll an. Sein erhobener Arm �nderte daran nichts. Lan stand ungef�hr in der Mitte zwischen den beiden Gruppen, die Hand auf dem Knauf seines Schwerts und mit zornigem Gesichtsausdruck.</p><p>In dem Augenblick, als Rand klar wurde, da� die Aiel noch mehr erwarteten, erreichten ihn Egwene und die anderen drei Weisen Frauen, die so schnell wie m�glich den Abhang heruntergesprungen waren. Die Aielfrauen schienen ganz aus dem Gleichgewicht gekommen zu sein, da man sie zu solcher Eile gezwungen hatte, und au�erdem waren sie genauso w�tend wie Bair. Amys richtete ihren zornigen Blick auf Couladin, w�hrend die blonde Melaine Rand anklagend musterte. Seana schien bereit, im n�chsten Moment Felsbrocken zu verschlingen. Egwene hatte sich einen Schal um den Kopf und �ber die Schultern gelegt und starrte Mat und ihn so entgeistert an, als habe sie nicht erwartet, sie jemals wiederzusehen.</p><p>�Dummer Kerl�, knurrte Bair. <emphasis>�Alle</emphasis> Abzeichen nat�rlich.� Sie warf Mat den Wasserbeh�lter zu, packte Rands rechten Arm und schob auch diesen �rmel hoch. Ein Spiegelbild des Gesch�pfes von seinem linken Unterarm wurde auf diese Weise sichtbar. Ihr stockte zuerst der Atem, aber dann seufzte sie tief auf. Sie schien sich an der Grenze zwischen Erleichterung und Furcht zu befinden. Es war kein Irrtum m�glich: Sie hatte auf dieses zweite Abzeichen gehofft, und doch jagte es ihr Angst ein. Amys und die anderen beiden Weisen Frauen seufzten auf die gleiche Weise. Es war etwas Seltsames, bei diesen Aiel Furcht zu entdecken.</p><p>Rand h�tte beinahe gelacht, allerdings nicht vor Vergn�gen. �Zweimal und zweimal wird er gezeichnet werden.� Das sagten die Prophezeiungen in bezug auf den Drachen. Ein Reiherbrandzeichen in jeder Handfl�che und nun diese Abzeichen. Eines dieser eigenartigen Gesch�pfe, die man in den Weissagungen �Drachen� genannt hatte, stand angeblich f�r die �verlorene Erinnerung�. Rhuidean hatte daf�r gesorgt, da� er sie wiederfand, die verlorene Geschichte der Urspr�nge der Aiel. Und das andere stand f�r �den Preis, den er zahlen muߋ. <emphasis>Wie schnell mu� ich ihn zahlen?</emphasis> fragte er sich. <emphasis>Und wie viele m�ssen ihn mit mir bezahlen?</emphasis> Immer traf es auch andere, und wenn er sich noch so abm�hte, den Preis allein zu bezahlen.</p><p>Von Furcht erf�llt oder nicht, jedenfalls z�gerte Bair keinen Moment, bevor sie auch diesen zweiten Arm hochhielt und laut verk�ndete: �Seht nun, was noch niemals zuvor gesehen wurde. Ein <emphasis>Car'a'carn</emphasis> ist erw�hlt worden, ein H�uptling aller H�uptlinge. Geboren aus einer Tochter des Speers, ist er mit der Morgend�mmerung aus Rhuidean zu uns gekommen, wie es geweissagt wurde, um die Aiel zu vereinen! Die Erf�llung der Weissagung hat begonnen!� Die Reaktionen der anderen Aiel entsprachen ganz und gar nicht denen, die sich Rand vorgestellt hatte. Couladin blickte noch ha�erf�llter als zuvor zu ihm herunter, sprang dann von dem Felsblock und verschwand in den Zelten der Shaido. Die anderen zerstreuten sich langsam. Die meisten sahen Rand mit undefinierbarem Gesichtsausdruck an und schlenderten dann zu den Zelten zur�ck. Heim und die Krieger der Jindo-Septime z�gerten kaum und taten es den �brigen nach. Augenblicke sp�ter war nur noch Rhuarc �brig, der besorgt dreinblickte. Lan ging hin�ber zu dem Clanh�uptling. Seinem Gesichtsausdruck nach zu schlie�en, w�re es dem Beh�ter lieber gewesen, er h�tte Rand �berhaupt nicht erblickt. Rand war sich selbst nicht sicher, was er erwartet hatte, doch auf jeden Fall nicht gerade dies.</p><p>�Seng mich!� knurrte Mat. Er schien erst jetzt zu bemerken, da� er den Wasserschlauch in seinen H�nden hielt. Jetzt ri� er den St�psel heraus und hielt den Schlauch hoch. Fast genauso viel lief ihm �ber das Gesicht wie in seinen Mund. Als er ihn schlie�lich senkte, sah er sich die Zeichen an Rands Armen noch einmal an und sch�ttelte den Kopf. Er wiederholte sein: �Seng mich!� und hielt Rand den schlaffen Wasserschlauch hin.</p><p>Rand blickte den Aiel konsterniert hinterher, aber andererseits war er mehr als gl�cklich, etwas trinken zu k�nnen. Beim ersten Schluck brannte seine Kehle noch, so trocken war sie.</p><p>�Was ist mit euch passiert?� wollte Egwene wissen. �Hat Muradin euch angegriffen?� �Es ist verboten, zu erz�hlen, was in Rhuidean geschieht�, sagte Bair in scharfem Ton.</p><p>�Muradin nicht�, sagte Rand. �Wo ist Moiraine? Ich hatte eigentlich erwartet, da� sie unter den ersten sei, die uns begr��en.� Er rieb sich �ber das Gesicht. Schw�rzliche Reste getrockneten Blutes fielen herunter. �Dieses eine Mal ist es mir gleich, ob sie mich zuerst fragt, bevor sie mich heilt.� �Mir geht's genauso�, sagte Mat heiser. Er schwankte, st�tzte sich auf seinen Speer und pre�te seine Hand gegen die Stirn. �Bei mir dreht sich alles.� Egwene verzog das Gesicht. �Sie ist noch in Rhuidean, denke ich. Aber da ihr endlich herausgekommen seid, wird es wohl bei ihr auch nicht mehr lange dauern. Sie ist gleich nach euch beiden losgezogen. Und Aviendha auch. Ihr wart alle so lange weg.� �Moiraine ist nach Rhuidean gegangen?� fragte Rand ungl�ubig. �Und <emphasis>Aviendha?</emphasis> Wieso...?� Mit einem Schlag wurde ihm bewu�t, was sie noch gesagt hatte. �Was meinst du mit �so lange�?� �Heute ist der siebte Tag�, sagte sie. �Der siebte Tag, seit ihr alle hinunter ins Tal gegangen seid.� Der Wasserschlauch fiel ihm aus den H�nden. Seana schnappte ihn, bevor viel herausflie�en und auf dem steinigen Hand versickern konnte, denn dieses Na� war hier in der W�ste schlie�lich von unsch�tzbarem Wert. Rand bemerkte es kaum. Sieben Tage. In sieben Tagen konnte alles m�gliche geschehen sein. <emphasis>Sie k�nnen aufgeholt und herausbekommen haben, was ich vorhabe. Ich mu� weiter, und zwar schnell. Ich mu� einen Vorsprung vor ihnen wahren. Ich bin nicht von so weit hergekommen, um jetzt einen Fehlschlag zu erleiden.</emphasis></p><p>Sie blickten ihn alle an, selbst Rhuarc und Mat, und auf allen Gesichtern stand die Sorge geschrieben. Und Vorsicht. Kein Wunder. Wer wu�te schon, was er als n�chstes vorhatte und wie es um seine geistige Gesundheit bestellt war? Nur Lan behielt seinen steinernfinsteren Gesichtsausdruck bei.</p><p>�Ich sagte dir doch, da� es Aviendha sei, Rand. Nackt wie ein neugeborenes Baby.� Mats Stimme klang schmerzerf�llt und rauh. Seine Beine wirkten auch nicht gerade, als k�nnten sie ihn noch lange aufrecht halten.</p><p>�Wie lange noch, bis Moiraine zur�ckkommt?� fragte Rand. Wenn sie zur gleichen Zeit hineingegangen war, sollte sie bald zur�ck sein.</p><p>�Wenn sie am zehnten Tag noch nicht zur�ck ist�, erwiderte Bair, �dann kommt sie auch nicht mehr. Niemand ist je nach mehr als zehn Tagen noch zur�ckgekehrt.� Also vielleicht noch drei Tage. Drei weitere Tage, und er hatte schon sieben verloren. <emphasis>La� sie eben jetzt kommen. Ich werde nicht versagen!</emphasis> Er konnte kaum verhindern, da� er das Gesicht w�tend und trotzig verzog. �Ihr k�nnt die Macht gebrauchen. Zumindest eine von Euch. Ich habe gesehen, wie Ihr Couladin herumgebeutelt habt. Werdet Ihr Mat mit Hilfe der Macht heilen?� Amys und Melaine tauschten einen Blick, der ihm ausgesprochen bedauernd vorkam.</p><p>�Unsere Wege sind anders verlaufen�, sagte Amys mit Schmerz in der Stimme. �Es gibt Weise Frauen, die fertigbringen, was Ihr w�nscht, auf gewisse Weise jedenfalls, doch wir geh�ren nicht zu ihnen.� �Was meint Ihr damit?� fuhr er sie �rgerlich an. �Ihr k�nnt die Macht lenken wie die Aes Sedai. Warum k�nnt Ihr nicht genauso heilen? Ihr wolltet von Anfang an nicht, da� er nach Rhuidean geht. Wollt Ihr ihn jetzt deswegen sterben lassen?� �Ich werde es �berleben�, sagte Mat, doch er hatte die Augen vor Schmerz fest zusammengepre�t.</p><p>Egwene legte eine Hand auf Rands Arm. �Nicht alle Aes Sedai sind gute Heiler�, sagte sie in beruhigendem Tonfall. �Die besten Heiler geh�ren alle zu den Gelben Ajah. Sheriam zum Beispiel, die Herrin der Novizinnen, kann nicht viel mehr heilen als h�chstens eine Schramme oder einen kleinen Schnitt. Keine zwei Frauen haben genau die gleichen Talente oder Fertigkeiten.� Ihr Tonfall irritierte ihn. Er war kein quengelndes Kind, das man beruhigen mu�te. Er sah die Weisen Frauen mit finsterer Miene an. Ob sie nun nicht konnten oder nicht wollten, jedenfalls w�rden Mat und er auf Moiraine warten m�ssen. Falls sie nicht in diesem Blendwerk des B�sen ums Leben gekommen war, durch diese Staubwesen vielleicht. Sie mu�ten sich mittlerweile aufgel�st haben; auch das in Tear hatte ein solches Ende gefunden. <emphasis>Das h�tte sie nicht aufhalten k�nnen. Sie kann sich mit Hilfe der Macht ihren Weg bahnen. Sie wei� genau, was sie tut, und mu� es nicht die ganze Zeit �ber m�hsam selbst herausbekommen wie ich.</emphasis> Aber warum war sie noch nicht zur�ck? Warum war sie �berhaupt hingegangen, und wieso hatte er sie nicht gesehen? Dumme Frage. Hundert Leute h�tten sich in Rhuidear aufhalten k�nnen, ohne da� er sie sah. Zu viele Fragen und keine Antworten, bis sie zur�ckkam, wie er vermutete. Falls sie selbst die Antworten darauf kannte.</p><p>�Es gibt Kr�uter und Tinkturen�, sagte Seana. �Kommt aus dem Sonnenschein heraus, und wir k�mmern uns um Eure Verletzungen.� �Aus dem Sonnenschein�, murrte Rand. �Na ja.� Er benahm sich unm�glich, aber es war ihm gleich. Warum war Moiraine nach Rhuidean gegangen? Er traute ihr immer zu, ihn dorthin zu steuern, wo sie ihn haben wollte, zum Teufel noch mal. Wenn sie sich dort drinnen befand, konnte sie dann das beeinflu�t haben, was er sah? Es auf irgendeine Art ver�ndert haben? Wenn sie auch nur vermutete, was er vorhatte...</p><p>Er ging auf die Zelte der Jindo zu, denn Couladins Leute w�rden ihm wohl kaum einen Platz zum Ausruhen anbieten, aber Amys wies ihn zu der ebenen Fl�che weiter oben, auf der die Zelte der Weisen Frauen standen. �Sie f�hlen sich in Eurer Gegenwart im Moment sicher noch nicht sehr wohl�, sagte sie. Rhuarc, der neben ihr herging, nickte zustimmend.</p><p>Melaine sah Lan an. �Das hier ist nicht Eure Angelegenheit, <emphasis>Aan'allein.</emphasis> Ihr und Rhuarc nehmt Matrim mit und... � �Nein�, unterbrach Rand sie. �Ich will sie bei mir haben.� Zum Teil wollte er von dem Clanh�uptling bestimmte Antworten erhalten, und zum Teil war es reine Sturheit. Diese Weisen Frauen wollten ihn s�mtlich an die Leine nehmen, genau wie Moiraine. Damit w�rde er sich nicht abfinden. Sie sahen sich gegenseitig an und nickten dann, als gew�hrten sie ihm eine Gnade. Wenn sie glaubten, er sei ein braver Junge, sobald sie ihm ein Bonbon gaben, dann t�uschten sie sich aber. �Ich h�tte gedacht, Ihr w�rt bei Moiraine geblieben�, sagte er zu Lan, wobei er die Weisen Frauen und ihr Nicken mit Nichtbeachtung strafte.</p><p>Verlegenheit zuckte �ber das Gesicht des Beh�ters. �Die Weisen Frauen brachten es fertig, beinahe bis zum Sonnenuntergang zu verschweigen, da� sie weggegangen war�, sagte er verkniffen. �Dann haben sie mich davon... �berzeugt, da� es keinen Sinn habe, ihr zu folgen. Sie sagten, selbst wenn ich hinterherginge, w�rde ich sie nicht finden, bevor sie sich auf den R�ckweg machte, und dann brauche sie mich sowieso nicht mehr. Ich bin aber nicht ganz sicher, ob ich recht daran tat, ihrem Rat zu folgen.� �Dem Rat zu folgen�, schnaubte Melaine. Ihre goldenen und elfenbeinernen Armringe klapperten, als sie ver�rgert ihren Schal zurechtzog. �Das sieht einem Mann �hnlich, so angeblich vern�nftig zu tun! Ihr w�rt mit gr��ter Wahrscheinlichkeit gestorben und h�ttet sie wom�glich gleich mit umgebracht!� �Melaine und ich mu�ten ihn fast die halbe Nacht �ber festhalten, bevor er endlich auf uns h�rte�, sagte Amys. Ihr leichtes L�cheln wirkte am�siert und auch ein wenig sarkastisch.</p><p>Lans Gesicht war wie aus Gewitterwolken geschnitten.</p><p>Kein Wunder, wenn die Weisen Frauen die Macht benutzt hatten, um ihn zur�ckzuhalten. Was machte Moiraine blo� da drinnen?</p><p>�Rhuarc�, sagte Rand, �wie soll ich es anstellen, die Aiel zu einen? Sie wollen mich nicht einmal anschauen.� Er hob einen Moment seine blo�en Unterarme. Die Schuppen der Drachen glitzerten im grellen Sonnenschein. �Dies hier bedeutet, da� ich der bin, Der Mit Der Morgend�mmerung Kommt, aber sobald ich die Dinger zeigte, sind praktisch alle einfach weggelaufen.� �Es ist eine Sache, zu wissen, da� eine Weissagung schlie�lich in Erf�llung gehen wird�, sagte der Clanh�uptling bed�chtig, �aber eine ganz andere, wenn diese Erf�llung vor den eigenen Augen Gestalt annimmt. Es wurde vorhergesagt, da� Ihr aus den Clans wieder ein Volk machen werdet, aber wir haben genauso lange gegeneinander gek�mpft wie gegen den Rest der Welt. Und f�r einige von uns gibt es da noch mehr Probleme.� <emphasis>Er wird Euch zusammenf�gen und Euch vernichten.</emphasis> Rhuarc hatte auch das bestimmt schon geh�rt. Und auch die anderen Clanh�uptlinge und die Weisen Frauen, wenn sie ebenfalls diesen Wald aus leuchtenden Glass�ulen betreten hatten. Falls Moiraine nicht eine ganz besondere Vision f�r ihn hervorgebracht hatte. �Sieht eigentlich jeder die gleichen Sachen zwischen diesen S�ulen, Rhuarc?� �Nein!� fauchte Melaine. Ihre Augen gl�nzten wie gr�ner Stahl. �Seid ruhig oder schickt <emphasis>Aan'allein</emphasis> und Matrim weg. Auch Ihr m��t gehen, Egwene.� �Es ist nicht gestattet�, sagte Amys mit nur ein klein wenig sanfterer Stimme. �Man darf nicht �ber das sprechen, was in Rhuidean geschieht, au�er mit denjenigen, die selbst dort waren.� Und noch ein bi�chen sanfter: �Aber trotzdem sprechen nur wenige dar�ber und das nur selten.� �Ich werde �ndern, was gestattet ist und was nicht� sagte Rand gelassen zu ihnen. �Gew�hnt Euch daran.� Er schnappte von Egwene eine leise Bemerkung auf, etwas wie �man sollte ihm eins aufs Ohr geben�, und er grinste sie an. �Egwene kann auch hierbleiben, da sie so nett darum gebeten hat.� Sie streckte ihm die Zunge heraus und wurde dann rot, als ihr bewu�t wurde, wie sie sich benommen hatte.</p><p>�Ver�nderung�, sagte Rhuarc. �Du wei�t, da� er Ver�nderungen mit sich bringt, Amys. Wir f�hlen uns wie Kinder im Dunklen, weil wir uns immer fragen m�ssen, was sich �ndern mag und wie sich diese Ver�nderungen zeigen. Da es aber sein mu�, machen wir jetzt den Anfang. Keine zwei Clanh�uptlinge, mit denen ich dar�ber gesprochen habe, haben durch genau die gleichen Augen gesehen, Rand, oder die gleichen Dinge, bis auf die Wasserzeremonie und das Zusammentreffen, auf dem die Vereinbarung von Rhuidean beschlossen wurde. Ob es bei den Weisen Frauen dasselbe ist, wei� ich nicht, aber ich glaube schon. Ich glaube, es hat mit der Abstammung zu tun. Meiner Meinung nach habe ich alles mit den Augen meiner Vorfahren gesehen, und Ihr mit den Augen Eurer Vorfahren.� Amys und die anderen Weisen Frauen schmollten und schwiegen m�rrisch. Mat und Egwene blickten gleich verwirrt drein. Nur Lan schien �berhaupt nicht zuzuh�ren. Sein Blick war nach innen gerichtet. Zweifellos machte er sich Sorgen um Moiraine.</p><p>Rand hatte auch ein eigenartiges Gef�hl bei Rhuarcs Worten. Durch die Augen seiner Vorfahren sehen. Er hatte wohl seit einiger Zeit gewu�t, da� Tam al'Thor nicht sein richtiger Vater war, da� er als Neugeborenes am Abhang des Drachenberges gefunden worden war, gleich nach der letzten wichtigen Schlacht im Aielkrieg. Ein Neugeborenes neben seiner toten Mutter, einer Tochter des Speers. Er hatte sein Aielblut geltend gemacht, als er verlangte, nach Rhuidean gehen zu d�rfen, aber erst jetzt eigentlich erfa�te er das Ganze so richtig. Seine Vorfahren. Aiel.</p><p>�Dann habt Ihr auch gesehen, wie man den Bau von Rhuidean gerade begann�, sagte er. �Und die beiden Aes Sedai. Ihr... habt geh�rt, was eine davon sagte.� <emphasis>Er wird Euch vernichten.</emphasis></p><p>�Habe ich.� Rhuarc sah aus, als habe er sich damit abgefunden, wie ein Mann, der erfahren hatte, da� man ihm ein Bein abnehmen mu�te. �Ich wei�.� Rand wechselte das Thema. �Was hat es mit dieser �Wasserzeremonie� auf sich?� Der Clanh�uptling zog �berrascht die Augenbrauen hoch. �Habt Ihr das nicht erkannt? Aber, es stimmt, wieso solltet Ihr es erkennen? Ihr seid nicht mit unserer Geschichte aufgewachsen. Den �ltesten Sagen nach hat uns vom Tag, an dem die Zerst�rung der Welt begann, bis zum Tag, an dem wir das Dreifache Land betraten, nur ein Volk nie angegriffen. Ein Volk gab uns gro�z�gig Wasser, wenn wir es ben�tigten. Wir brauchten lang, bis wir herausbekamen, wer sie waren. Das ist aber alles lange vorbei. Der Friedensschwur wurde gebrochen, die Baumm�rder haben uns ins Gesicht gespuckt.� �Cairhien�, sagte Rand. �Ihr sprecht von Cairhien und <emphasis>Avendoraldera,</emphasis> und von Laman, der diesen Baum f�llte.� �Laman ist zur Strafe gestorben�, sagte Rhuarc mit gepre�ter Stimme. �Die Meineidigen wurden bestraft.� Er sah Rand von der Seite her an. �Einige wie Couladin nehmen das als Beweis daf�r, da� wir niemandem trauen k�nnen, der kein Aiel ist. Zum Teil ha�t er Euch deswegen. Zum Teil. Er betrachtet Euer Gesicht und Euer Blut als L�gen. Oder zumindest behauptet er das.� Rand sch�ttelte den Kopf. Moiraine sprach manchmal dar�ber, wie komplex das Muster eines Zeitalters aufgebaut sei, vom Rad der Zeit aus den F�den menschlicher Leben gewebt. Wenn die Vorfahren der Cairhienianer nicht vor dreitausend Jahren den Aiel Wasser �berlassen h�tten, h�tte man Cairhien niemals erlaubt, die Seidenstra�e durch die W�ste zu ben�tzen und ihnen einen Avendesora-Sch��ling als �u�eres Zeichen daf�r �berlassen. Ohne diesen Treueeid h�tte K�nig Laman keinen Baum vorgefunden, um ihn zu f�llen. Dann w�re es nicht zum Aielkrieg gekommen, und er w�re nicht am Hang des Drachenberges geboren und in den Zwei Fl�ssen aufgezogen worden. An wie vielen Punkten in der Geschichte hatte eine einzige Entscheidung f�r das eine oder andere das Muster in den letzten Jahrtausenden beeinflu�t? Tausendmal an tausend winzigen Nahtstellen, und jedesmal wurde das Muster in eine andere Form gezwungen. Er selbst war eine wandelnde Nahtstelle wie all die anderen, und vielleicht war es bei Mat und Perrin genauso. Was sie machten oder nicht machten, schickte ringf�rmige Wellen durch die Jahre voraus, durch die Zeitalter.</p><p>Er sah Mat an, der den Hang mit Hilfe seines Speers aufw�rts humpelte, den Kopf gesenkt und die Augen vor Schmerz fast geschlossen. <emphasis>Der Sch�pfer kann nicht nachgedacht haben, wenn er die Zukunft der Welt auf die Schultern dreier Bauernjungen legte. Ich kann sie nicht fallenlassen. Ich mu� die Last tragen, was es mich auch kostet.</emphasis></p><p>Als sie die niedrigen, wandlosen Zelte der Weisen Frauen erreichten, duckten sich die Frauen beim Hineingehen und murmelten etwas von Wasser und Schatten. Sie zerrten Mat beinahe hinein. Zum Beweis, wie sehr sein Kopf und sein Hals schmerzen mu�ten, gehorchte er, und das auch noch ohne Widerrede.</p><p>Rand wollte ihnen folgen, doch Lan legte ihm eine Hand auf die Schulter. �Habt Ihr sie dort drinnen gesehen?� fragte der Beh�ter.</p><p>�Nein, Lan, tut mir leid. Ich habe sie nicht gesehen. Aber wenn irgend jemand, dann wird sie es sein, die wieder heil herauskommt.� Lan knurrte und nahm seine Hand weg. �H�tet Euch vor Couladin, Rand. Ich habe schon andere von der Sorte kennengelernt. In ihm brennt der Ehrgeiz. Er w�rde die ganze Welt opfern, um sein Ziel zu erreichen.� <emphasis>�Aan'allein</emphasis> sagt die Wahrheit�, sagte Rhuarc. �Die Drachen auf Euren Armen werden keine Rolle mehr spielen, wenn Ihr tot seid, bevor die Clanh�uptlinge davon erfahren. Ich werde daf�r sorgen, da� ein paar von Heims Jindo immer in der N�he sind, bis wir die Kaltfelsenfestung erreichen. Selbst dann noch wird Couladin versuchen, Euch Schwierigkeiten zu machen, und zumindest die Shaido werden ihm folgen. Vielleicht auch noch andere. Die Weissagung von Rhuidean behauptet, Ihr w�rdet von Menschen aufgezogen, die nicht vom Blute sind, aber Couladin ist wohl nicht der einzige, der Euch einfach als Feuchtl�nder ansieht.� �Ich werde mich bem�hen, auch meinen R�cken im Auge zu behalten�, sagte Rand trocken. In den Sagen rief jeder, wenn einer eine Prophezeiung erf�llte: �Siehe!� oder �hnliches, und das war's auch schon. Nat�rlich erledigte man noch den B�sewicht. Im wirklichen Leben schien es so nicht zu funktionieren.</p><p>Als sie das Zelt betraten, sa� Mat bereits auf einem roten Kissen mit goldenen Fransen und hatte Wams und Hemd abgelegt. Eine Frau in wei�er Kapuzenrobe hatte gerade das letzte Blut von seinem Gesicht abgewaschen und begann, seinen Oberk�rper zu reinigen. Amys hielt einen Steintiegel zwischen den Knien und mischte mit Hilfe eines St��els Kr�uter f�r irgendeine Salbe. Bair und Seana steckten die K�pfe zusammen und brauten mit anderen Kr�utern einen Sud in einem Topf mit hei�em Wasser.</p><p>Melaine schnitt Lan und Rhuarc eine Grimasse, und dann fixierte sie Rand mit ihren k�hlen gr�nen Augen. �Macht Euren Oberk�rper frei�, sagte sie kurz angebunden. �Die Schnitte an Eurem Kopf sehen nicht zu schlimm aus, aber la�t mich einmal sehen, weshalb Ihr euch so kr�mmt.� Sie schlug einen kleinen Messinggong, und eine weitere wei� gekleidete Frau kam geduckt unter der hinteren Zeltwand hervor, eine dampfende Silbersch�ssel in H�nden und mit Handt�chern �ber dem Arm.</p><p>Rand setzte sich auf ein Kissen und richtete sich gerade auf. �Es ist nichts, wor�ber Ihr euch Gedanken machen m��t�, versicherte er ihr. Die zweite in Wei� geh�llte Frau kniete elegant neben ihm nieder. Sie widerstand seinen Bem�hungen, das feuchte Tuch zu ergreifen, das sie �ber der Sch�ssel ausgewrungen hatte, und begann, sanft sein Gesicht zu waschen. Er fragte sich, wer sie wohl sei. Sie sah wie eine Aiel aus, handelte aber nicht wie eine. In ihren grauen Augen stand etwas wie entschlossene Demut.</p><p>�Es ist eine alte Verletzung�, sagte Egwene zu der Weisen Frau mit dem blonden Haar. �Moiraine hat es nie geschafft, sie vollst�ndig zu heilen.� Der Blick, den sie Rand zuwarf, sagte ihm, die H�flichkeit h�tte eigentlich von ihm verlangt, das zu erz�hlen. Den Blicken nach zu schlie�en, mit denen sich die Weisen Frauen ansahen, hatte sie bereits mehr als genug gesagt, dachte sich Rand. Eine Wunde, die von den Aes Sedai nicht geheilt werden konnte. Das war ihnen ein R�tsel. Moiraine schien �berhaupt mehr von ihm zu wissen als er selbst, und er hatte es schon schwer genug, mit ihr auszukommen. Vielleicht war es leichter in bezug auf die weisen Frauen, wenn sie nicht soviel �ber ihn wu�ten und mehr raten mu�ten. Mat zuckte zusammen, als Amys damit begann, ihre Salbe auf die Schnitte an seinem Brustkorb aufzutragen. Wenn sie so wirkte, wie sie roch, dachte Rand, dann hatte er einen Grund, zusammenzuzucken. Bair hielt Mat einen silbernen Becher hin. �Trinkt, <emphasis>junger Mann.</emphasis> Timsinwurzel und Silberblatt werden Eure Kopfschmerzen lindern, wenn �berhaupt etwas damit fertig wird.� Er z�gerte nicht und kippte alles herunter. Ein Schaudern und ein verzogenes Gesicht waren die Folge. �Schmeckt wie die Innenseite meiner Stiefel.� Doch er verbeugte sich im Sitzen vor ihr. Es wirkte sogar h�flich genug f�r tairenische Ma�st�be, au�er, da� er kein Hemd anhatte und pl�tzlich losgrinste. �Ich danke Euch, Weise Frau. Und ich frage auch nicht, ob Ihr irgend etwas hineingetan habt, um ihm diesen... denkw�rdigen... Geschmack zu verleihen.� Bairs und Seanas leises Lachen sagte nichts dar�ber aus, ob sie so etwas Gemeines getan hatten oder nicht, aber es schien, da� Mat wie gew�hnlich den richtigen Ton gefunden hatte, um bei den Frauen anzukommen. Selbst Melaine schenkte ihm ein kurzes L�cheln.</p><p>�Rhuarc�, sagte Rand, �wenn Couladin mir Schwierigkeiten bereiten m�chte, mu� ich fr�her als er handeln. Wie stelle ich es an, den anderen Clanh�uptlingen Bescheid zu sagen? �ber mich. Und �ber die.� Er hielt kurz seine Arme mit den Drachen hoch. Die wei� gekleidete Frau an seiner Seite, die nun die lange Platzwunde in seinem Haar auswusch, vermied es offensichtlich, hinzuschauen.</p><p>�Es gibt da keine festgelegten Formalit�ten�, sagte Rhuarc. �Wie k�nnte das auch sein bei einem Ereignis, das es nur einmal geben kann? Wenn man ein Treffen der Clanh�uptlinge abhalten mu�, gibt es daf�r Orte, an denen so etwas wie der Friede Rhuideans gilt. Der n�chstgelegene an der Kaltfelsenfestung und auch der n�chstgelegene bei Rhuidean ist Alcair Dal. Dort solltet Ihr Eure Beweise den Clan- und Septimen-H�uptlingen vorlegen.� <emphasis>�Al'cair Dal?�</emphasis> sagte Mat und betonte es dabei ein wenig anders. �Die Goldene Sch�ssel?� Rhuarc nickte. �Eine runde Schlucht, wenn auch nichts Goldenes daran ist. An einem Ende gibt es einen Vorsprung, und ein Mann, der darauf steht, mu� gar nicht laut sprechen, um �berall in der Schlucht geh�rt zu werden.� Rand sah finster auf die Drachen an seinen Unterarmen herab. Er war nicht der einzige, der auf irgendeine Art in Rhuidean gezeichnet worden war. Mat sagte mittlerweile nichts mehr in der Alten Sprache, ohne zu wissen, was er sprach. Seit Rhuidean verstand er alles, obwohl er das gar nicht zu begreifen schien. Egwene beobachtete Mat nachdenklich. Sie hatte zuviel Zeit bei den Aes Sedai verbracht.</p><p>�Rhuarc, k�nnt Ihr den anderen Clanh�uptlingen Botschaften �bermitteln?� fragte er. �Wie lange wird es dauern, um sie alle nach Alcair Dal zu bitten? Was mu� ich tun, damit sie auch bestimmt alle kommen?� �Boten werden Wochen brauchen, und weitere Wochen werden vergehen, bis alle da sind.� Rhuarcs Geste umfa�te alle vier Weisen Frauen. �Sie dagegen k�nnen jeden Clanh�uptling, jeden Septimen-H�uptling, im Traum in einer einzigen Nacht erreichen. Und auch jede Weise Frau, damit sie sichergehen, da� keiner der M�nner es nur einfach f�r einen Traum h�lt.� �Ich freue mich �ber dein Vertrauen, da� wir Berge versetzen k�nnen, Schatten meines Herzens�, sagte Amys trocken und setzte sich mit ihrer Salbe in der Hand neben Rand. �Aber Vertrauen reicht nicht. Wir w�rden mehrere N�chte brauchen, um zu tun, was du vorschl�gst, und wir h�tten nicht viel Ruhe dabei.� Rand nahm ihre Hand, als sie die scharf riechende Salbe auf seine Wange auftragen wollte. �Werdet Ihr es tun?� �Habt Ihr es so eilig, uns zu vernichten?� wollte sie wissen, und dann bi� sie sich �rgerlich auf die Unterlippe, als die in Wei� geh�llte Frau an Rands anderer Seite zusammenfuhr. Melaine klatschte zweimal in die H�nde. �Verla�t uns�, sagte sie in scharfem Ton, und die Frauen in Wei� verbeugten sich und schoben sich mit ihren Sch�sseln und T�chern r�ckw�rts aus dem Zelt.</p><p>�Ihr treibt mich an wie mit einem Nadelstock�, beschwerte sich Amys bitterlich bei Rand. �Was man ihnen auch befiehlt, diese Frauen werden nun �ber etwas klatschen, was sie nicht wissen d�rften.� Sie entzog ihre Hand seinem Griff und begann, die Salbe etwas vehementer aufzutragen, als vielleicht notwendig war. Sie brannte noch schlimmer als sie roch.</p><p>�Ich will Euch nicht antreiben�, sagte Rand, �aber die Zeit wird zu knapp. Die Verlorenen sind in Freiheit, Amys, und wenn sie herausfinden, wo ich mich befinde oder was ich vorhabe... � Die Aielfrauen schienen nicht �berrascht. Hatten sie es bereits gewu�t? �Neun von ihnen sind noch am Leben. Zu viele, und diejenigen, die mich nicht t�ten wollen, glauben, mich statt dessen benutzen zu k�nnen. Ich habe einfach keine Zeit. Wenn ich eine M�glichkeit h�tte, die Clanh�uptlinge jetzt in diesem Augenblick hierher zu bringen und ihre Anerkennung zu gewinnen, dann w�rde ich sie nutzen.� �Was habt Ihr denn vor?� Amys Stimme klang genauso steinern wie ihre Gesicht wirkte.</p><p>�Werdet Ihr die H�uptlinge auffordern � bitten �, nach Alcair Dal zu kommen?� Einen ausgedehnten Augenblick lang trafen sich ihre Blicke. Als sie schlie�lich nickte, war es widerwillig.</p><p>Widerwillig oder nicht, jedenfalls lie� seine innere Anspannung etwas nach. Es gab keine M�glichkeit, sieben verlorene Tage wieder zur�ckzugewinnen, aber vielleicht konnte er es vermeiden, noch mehr Zeit zu verlieren. Allerdings hielt ihn Moiraine hier fest, die sich immer noch mit Aviendha zusammen in Rhuidean befand. Er konnte sie nicht so einfach im Stich lassen.</p><p>�Ihr habt meine Mutter gekannt�, sagte er. Egwene beugte sich vor, genauso neugierig wie er, und Mat sch�ttelte den Kopf.</p><p>Amys Hand auf seinem Gesicht hielt inne. �Ich kannte sie.� �Erz�hlt mir von ihr. Bitte.� Sie wandte ihre Aufmerksamkeit dem Schnitt �ber seinem Ohr zu. Wenn eine finstere Miene heilen k�nnte, h�tte er ihre Salbe nicht mehr gebraucht. Schlie�lich sagte sie: �Shaiels Geschichte, soweit ich sie kenne, beginnt, als ich noch eine <emphasis>Far Dareis Mai</emphasis> war, mehr als ein Jahr bevor ich den Speer aufgab. Eine Anzahl von uns war gemeinsam fast bis zur Drachenmauer vorgesto�en. Eines Tages trafen wir eine Frau, eine goldhaarige junge Feuchtl�nderin, in Seide gekleidet, mit Packpferden und einer sch�nen Stute, auf der sie ritt. Einen Mann h�tten wir nat�rlich get�tet, aber sie hatte keine Waffe bis auf ein einfaches Messer am G�rtel. Ein paar wollten sie nackt zur Drachenmauer zur�ckschicken...� Egwene ri� die Augen auf. Sie war immer wieder �berrascht davon, wie hart die Aiel sein konnten. Amys fuhr jedoch ohne Pause fort: �... doch sie schien entschlossen, nach irgend etwas zu suchen. Neugierig folgten wir ihr Tag um Tag, ohne uns ihr zu erkennen zu geben. Ihre Pferde gingen ein, ihre Lebensmittel waren verbraucht, auch ihr Wasser, aber sie kehrte nicht um. Sie stolperte zu Fu� weiter, bis sie schlie�lich st�rzte und nicht mehr aufkam. Wir beschlossen, ihr Wasser zu geben und sie nach ihrer Geschichte zu fragen. Sie war dem Tod nahe und es dauerte einen ganzen Tag, bis sie sprechen konnte.� �Sie hie� Shaiel?� fragte Rand, als sie z�gerte. �Woher kam sie? Warum kam sie dorthin?� �Shaiel�, sagte Bair, �war der Name, den sie sp�ter selbst annahm. Sie nannte nie einen anderen, solange ich sie kannte. In der Alten Sprache bedeutet das: eine Frau, die einem Ziel verschworen ist.� Mat nickte zustimmend und schien dabei gar nicht zu bemerken, was er tat. Lan beobachtete ihn nachdenklich �ber einen silbernen Becher mit Wasser hinweg. �Da war eine Bitterkeit an Shaiel, jedenfalls zu Anfang�, schlo� sie.</p><p>Amys kauerte neben Rand und nickte. �Sie sprach von einem zur�ckgelassenen Kind, einem Sohn, den sie liebte. Einem Mann, den sie nicht liebte. Wo das war, sagte sie nicht. Ich glaube nicht, da� sie es sich selbst jemals vergab, ihr Kind im Stich gelassen zu haben. Sie erz�hlte nur wenig �ber das hinaus, was sie sagen mu�te. Wir waren es, nach denen sie gesucht hatte � die T�chter des Speers. Eine Aes Sedai namens Gitara Moroso, die �ber die Gabe der Weissagung verf�gte, hatte ihr gesagt, da� ihr Land und ihr Volk, vielleicht die ganze Welt, dem Verderben preisgegeben sei, wenn sie nicht wegzog, um unter den T�chtern des Speers zu leben. Sie durfte niemandem davon erz�hlen. Sie mu�te selbst eine Tochter des Speers werden und sie konnte nicht in ihr eigenes Land zur�ckkehren, bis die T�chter des Speers Tar Valon erreichten.� Sie sch�ttelte staunend den Kopf. �Ihr m��t verstehen, wie das f�r uns damals klang. Die T�chter des Speers erreichen Tar Valon? Kein Aiel hatte mehr die Drachenmauer �berquert, seit den Tagen, als wir das Dreifache Land betraten. Es w�rde noch vier Jahre dauern, bis Lamans Verbrechen uns in die Feuchtl�nder brachte. Und ganz sicher war noch niemand zur Tochter des Speers geworden, die nicht von uns Aiel abstammte. Einige von uns glaubten, die Sonne habe sie zum Wahnsinn getrieben. Aber sie hatte einen eisernen Willen, und irgendwie brachte sie uns dazu, ihr einen Versuch zu gestatten.� Gitara Moroso. Eine Aes Sedai mit der Gabe der Weissagung. Irgendwo hatte er diesen Namen schon einmal geh�rt, aber wo? Und er hatte einen Bruder. Einen Halbbruder. Er hatte sich schon immer gefragt, wie es wohl sei, einen Bruder oder eine Schwester zu haben. Wer war es und wo lebte er? Doch Amys fuhr fort:</p><p>�Beinahe jedes M�dchen tr�umt davon, zur Tochter des Speers zu werden. Sie lernen wenigstens die Anf�nge des Bogenschie�ens und wie man mit einem Speer umgeht, oder auch, wie man mit H�nden und F��en k�mpft. Trotzdem erkennen diejenigen schlie�lich, die den endg�ltigen Schritt tun und sich dem Speer antrauen lassen, da� sie �berhaupt nichts wissen und k�nnen. F�r Shaiel war das noch schwieriger. Mit dem Bogen konnte sie gut umgehen, doch sie war niemals auch nur eine Meile weit gelaufen oder h�tte sich von dem ern�hrt, was sie in der Natur vorfand. Ein zehnj�hriges M�dchen h�tte sie �bertreffen k�nnen, und sie wu�te noch nicht einmal, welche Pflanzen einem zeigen, da� sich in der N�he Wasser befindet. Und doch hielt sie durch. Nach einem Jahr hatte sie ihren Eid auf den Speer abgelegt und war eine der T�chter. Sie wurde von der Chumai-Septime der Taardad adoptiert.� Und schlie�lich war sie mit den T�chtern nach Tar Valon gezogen, nur um am Hang des Drachenberges zu sterben. Eine halbe Antwort, die neue Fragen hervorbrachte. Wenn er nur ihr Gesicht h�tte sehen k�nnen.</p><p>�Ihr habt etwas von ihr in Euren Gesichtsz�gen�, sagte Seana, als k�nne sie seine Gedanken lesen. Sie hatte sich mit �bergeschlagenen Beinen hingesetzt und hielt einen kleinen silbernen Becher mit Wein in der Hand. �Und weniger von Janduin.� �Janduin? Mein Vater?� �Ja�, sagte Seana. �Er war Clanh�uptling der Taardad zu jener Zeit, der j�ngste seit Menschengedenken. Aber er hatte etwas an sich, eine Ausstrahlung von Macht... Die Menschen h�rten auf ihn und folgten ihm, selbst die anderer Clans. Er beendete die Blutfehde der Taardad und der Nakai nach zweihundert Jahren und brachte nicht nur mit den Nakai ein B�ndnis zustande, sondern auch mit den Reyn, und die Reyn standen kurz davor, ebenfalls eine Blutfehde mit den Taardad auszutragen. Er h�tte beinahe auch die Fehde zwischen den Shaarad und den Goshien beendet. Wahrscheinlich w�re es ihm gelungen, wenn Laman nicht den Baum gef�llt h�tte. So jung er noch war, f�hrte doch gerade er die Taardad und die Nakai, die Reyn und die Shaarad in die Feuchtl�nder, damit Laman den Blutpreis bezahlte.� War. Also war auch er jetzt tot. Egwenes Gesicht zeigte Mitgef�hl. Rand beachtete es nicht; er wollte kein Mitgef�hl. Wie konnte er diesen Verlust auch empfinden, da er diese Menschen niemals gekannt hatte? Und trotzdem empfand er Trauer. �Wie ist Janduin gestorben?� Die Weisen Frauen tauschten z�gernde Blicke. Dann endlich sagte Amys: �Es war zu Beginn des dritten Jahres der Suche nach Laman, als Shaiel schwanger wurde. Das Gesetz verlangt, da� sie in einem solchen Fall ins Dreifache Land zur�ckkehrt. Es ist einer Tochter verboten, den Speer zu tragen, solange sie schwanger ist. Aber Janduin konnte ihr nichts abschlagen. H�tte sie von ihm den Mond an einem Halsband verlangt, h�tte er versucht, ihn ihr zu beschaffen. Also blieb sie, und im letzten Kampf vor Tar Valon wurde sie vermi�t, und ihr Kind war so ebenfalls verloren. Janduin konnte sich nicht verzeihen, da� er sie nicht gezwungen hatte, dem Gesetz zu gehorchen.� �Er ist als H�uptling zur�ckgetreten�, sagte Bair. �Das hatte zuvor noch niemand getan. Man sagte ihm, es k�nne nicht angehen, aber er ging einfach weg. Nach Norden wanderte er mit den jungen M�nnern, um in der F�ule Trollocs und Myrddraal zu jagen. Das ist etwas, das wilde junge M�nner manchmal unternehmen und auch T�chter des Speers, die weniger Grips haben als eine Ziege. Diejenigen, die zur�ckkehrten, behaupteten aber, er sei von einem Mann get�tet worden. Sie sagten, Janduin habe behauptet, der Mann sehe aus wie Shaiel, und so erhob er seine Waffe nicht gegen ihn und lie� sich von ihm durchbohren.� Also tot. Beide. Er w�rde seine Liebe zu Tam niemals aufgeben und nicht aufh�ren, an ihn als seinen Vater zu denken, aber er w�nschte sich doch, wenigstens einmal Janduin und Shaiel gesehen zu haben.</p><p>Egwene versuchte nat�rlich, ihn zu tr�sten, so wie das Frauen halt machten. Es hatte keinen Sinn, ihr verst�ndlich machen zu wollen, da� er niemals besessen hatte, was er verloren hatte. Wenn er sich an Eltern erinnerte, dann an Tam al'Thors ruhiges Lachen und etwas verschwommener an Kari al'Thors sanfte H�nde. Das d�rfte wohl jedem Mann ausreichen. Egwene schien deshalb entt�uscht, sogar ein wenig fassungslos, und die Weisen Frauen teilten ihre Gef�hle offensichtlich in gewissem Ma�e. Bair runzelte mi�billigend die Stirn, und Melaine r�ckte steif und bedrohlich ihren Schal zurecht. Frauen verstanden so etwas einfach nicht. Rhuarc und Mat und Lan verstanden es dagegen und lie�en ihn in Ruhe, wie er es w�nschte.</p><p>Aus einem unerfindlichen Grund hatte er keinen Appetit, als Melaine Essen bringen lie�. Also ging er hin�ber zur Zeltwand und legte sich hin. Eines der Kissen klemmte er unter seinen Ellbogen, damit er sich aufst�tzen und den Abhang und die in Nebel geh�llte Stadt beobachten konnte. Die Sonne durchgl�hte das Tal und die Berge der unmittelbaren Umgebung, verbrannte die Schatten. Die Luft, die ins Zelt hineinzog, schien aus einer Esse zu stammen.</p><p>Nach einer Weile kam Mat her�ber. Er trug ein neues, sauberes Hemd. Er setzte sich wortlos neben Rand und sp�hte ins Tal hinab, den seltsamen Speer �ber die Knie gelegt. Von Zeit zu Zeit f�hlte er nach den eingeschnitzten Kursiv-Schriftzeichen am schwarzen Schaft. �Wie geht es deinem Kopf?� fragte Rand, und Mat fuhr zusammen.</p><p>�Er... er tut nicht mehr weh.� Seine Finger zuckten ertappt von den Schriftzeichen weg. Nun faltete er ganz bewu�t die H�nde im Scho�. �Jedenfalls nicht mehr so sehr. Was sie da auch zusammengebraut haben, es hat gewirkt.� Er schwieg wieder, und Rand lie� ihn in Ruhe. Er wollte auch nicht sprechen. Er konnte beinahe greifbar sp�ren, wie die Zeit verrann. Sandk�rnchen in einer Sanduhr fielen eines nach dem anderen ganz langsam herunter. Aber alles schien gleichzeitig zu beben. Der Sand konnte jeden Moment zu einem wilden Strom werden. N�rrisch. Er lie� sich lediglich von der flimmernden Hitze �ber den blanken Felsen des Abhanges beeinflussen. Die Clanh�uptlinge konnten Alcair Dal auch keinen Tag fr�her erreichen, wenn jetzt in diesem Augenblick Moiraine vor ihm erschien. Sie stellten sowieso nur einen Teil des Ganzen dar und vielleicht sogar den unwichtigsten. Eine Weile sp�ter bemerkte er, da� Lan entspannt auf dem gleichen Granitblock hockte, den Couladin ben�tzt hatte. Dem Beh�ter schien die Sonne nichts auszumachen. Auch er beobachtete das Tal. Noch ein Mann, der keine Lust zum Sprechen hatte.</p><p>Rand a� auch nichts zu Mittag, obwohl sich Egwene und die anderen darin abwechselten, ihn zum Essen �berreden zu wollen. Sie ertrugen es noch relativ gelassen, doch als er vorschlug, nach Rhuidean zur�ckzukehren und sich nach Moiraine umzuschauen und nat�rlich auch nach Aviendha, da explodierte Melaine.</p><p>�Ihr n�rrischer Mann! Kein Mann kann zweimal nach Rhuidean gehen! Selbst Ihr k�mt nicht mehr lebend zur�ck. Ach, verhungert doch, wenn Ihr wollt!� Sie warf ihm ein halbes Rundbrot an den Kopf. Mat schnappte es sich aber aus der Luft und begann seelenruhig, es aufzuessen.</p><p>�Warum wollt Ihr denn unbedingt, da� ich am Leben bleibe?� fragte Rand. �Ihr wi�t doch, was diese Aes Sedai vor Rhuidean gesagt hat. Ich werde Euch vernichten.</p><p>Warum tut Ihr euch nicht mit Couladin zusammen und bringt mich um?� Mat erstickte beinahe an seinem Brot, und Egwene st�tzte emp�rt die H�nde in die H�ften, bereit, ihm einen Vortrag zu halten. Doch Rand konzentrierte sich ganz auf Melaine. Statt zu antworten, funkelte sie ihn nur an und verlie� das Zelt.</p><p>Es war Bair, die schlie�lich darauf antwortete: �Jeder glaubt, die Weissagung von Rhuidean zu kennen, aber was sie kennen, ist in Wirklichkeit nur das, was ihnen die Weisen Frauen und die Clanh�uptlinge generationenlang erz�hlt haben. Keine L�gen, aber auch nicht die ganze Wahrheit. Die Wahrheit k�nnte auch den st�rksten Mann zerbrechen.� �Und was ist die ganze Wahrheit?� beharrte Rand.</p><p>Sie blickte erst Mat an und sagte dann: �In diesem Fall ist die ganze Wahrheit, die bisher nur den Weisen Frauen und den Clanh�uptlingen bekannt war, da� Ihr unser Untergang seid. Unser Untergang und unsere Rettung. Ohne Euch wird keiner unserer Leute die Letzte Schlacht �berleben. Vielleicht noch nicht einmal bis zur Letzten Schlacht. Das wurde geweissagt und es ist die Wahrheit. Mit Euch zusammen:... �Er wird das Blut derer vergie�en, die sich Aiel nennen, als sei es Wasser, das im Sand versickert, und er wird sie zerbrechen wie trockenes Reisig, und doch wird er den Rest des Restes retten, und sie werden �berleben.� Eine harte Zukunft, aber dies war ja auch nie ein sanftes Land.� Sie erwiderte seinen Blick, ohne die Augen zu senken. Ein hartes Land und eine harte Frau.</p><p>Er w�lzte sich wieder herum und beobachtete weiter das Tal. Die anderen gingen, bis auf Mat.</p><p>Am sp�ten Nachmittag machte er schlie�lich eine kleine Gestalt aus, die ersch�pft aus dem Tal hochkletterte. Aviendha. Mat hatte recht gehabt; sie war wirklich nackt wie ein Neugeborenes. Und obwohl sie eine Aiel war, zeigte die Sonne doch ihre Wirkung bei ihr: Nur ihre H�nde und das Gesicht waren braungebrannt, w�hrend der Rest ihres K�rpers entschieden rot aussah. Er war froh, sie zu sehen. Sie mochte ihn wohl nicht, aber nur, weil sie glaubte, er habe Elayne schlecht behandelt. Der einfachste aller Gr�nde. Nicht der Prophezeiung ihres Untergangs wegen, nicht wegen der Drachen an seinen Armen oder weil er der Wiedergeborene Drache war. Nein, aus einem ganz menschlichen Grund. Er freute sich schon beinahe auf ihren k�hlen, herausfordernden Blick.</p><p>Als sie ihn sah, erstarrte sie und es lag nichts K�hles in ihren blaugr�nen Augen. Bei diesem Blick erschien ihm die Sonne auf einmal kalt. Er h�tte eigentlich auf der Stelle zu Asche verbrennen sollen.</p><p>��h... Rand?� sagte Mat leise. �Ich glaube nicht, da� ich ihr den R�cken zukehren w�rde, wenn ich du w�re.� Ein m�des Aufseufzen entrang sich ihm. Nat�rlich, wenn sie innerhalb dieser Glass�ulen gewesen war, dann wu�te sie Bescheid. Bair, Melaine und die anderen, sie hatten sich �ber die Jahre hinweg daran gew�hnt. F�r Aviendha jedoch war das wie eine frische Wunde, auf der sich noch kein Grind gebildet hatte. <emphasis>Kein Wunder, wenn sie mich jetzt ha�t.</emphasis></p><p>Die Weisen Frauen eilten hinaus zu Aviendha und brachten sie schnell in ein anderes Zelt. Als Rand sie das n�chstemal sah, trug sie einen bauschigen braunen Rock und eine lose h�ngende wei�e Bluse und hatte sich einen Schal �ber die Oberarme gelegt. Sie schien nicht sehr gl�cklich in dieser Kleidung. Sie sah, da� er sie beobachtete, und die Wut auf ihrer Miene, diese blanke, animalische Wut, reichte, da� er sich abwandte.</p><p>Als Moiraine schlie�lich auftauchte, reichten die Schatten bereits bis an die gegen�berliegenden Berge heran. Sie st�rzte und taumelte wieder hoch beim Klettern und sie hatte den gleichen Sonnenbrand wie Aviendha. Er war �berrascht, da� auch sie nichts anhatte. Die Frauen mu�ten wohl alle verr�ckt sein.</p><p>Lan sprang von dem Felsblock herunter und rannte zu ihr hin. Er nahm sie auf die Arme und lief den Hang noch schneller hoch, als er hinuntergesprungen war, wobei er abwechselnd fluchte und nach den Weisen Frauen rief. Moiraines Kopf rollte widerstandslos an seiner Schulter hin und her. Die Weisen Frauen kamen ihnen entgegen und nahmen sie ihm ab. Melaine vertrat Lan den Weg, als er ihnen ins Zelt hinein folgen wollte. So marschierte er dann eben nerv�s vor dem Zelt auf und ab und schlug sich gelegentlich mit der Faust auf die andere Handfl�che.</p><p>Rand lie� sich auf den R�cken sinken und blickte hoch zu dem niedrigen Zeltdach. Drei Tage eingespart. Er h�tte eigentlich gl�cklich dar�ber sein sollen, da� Moiraine und Aviendha zur�ck und in Sicherheit waren, aber seine eigentliche Erleichterung galt den eingesparten Tagen. Die Zeit bedeutete alles. Er mu�te in der Lage sein, selbst zu bestimmen, wann und gegen wen er k�mpfte. Vielleicht war das jetzt doch noch m�glich.</p><p>�Was hast du jetzt vor?� fragte Mat.</p><p>�Etwas, das dir gefallen sollte. Ich werde wieder einmal die Vorschriften umgehen.� �Ich habe doch nur gemeint, ob du dir jetzt etwas zum Essen holst. Ich f�r meinen Teil habe Hunger.� Unwillk�rlich mu�te Rand lachen. Etwas zu essen? Es war ihm gleich, und wenn er �berhaupt nie mehr etwas a�. Mat sah ihn an, als sei er verr�ckt geworden, und das lie� ihn nur noch mehr lachen. Nicht verr�ckt. Zum erstenmal w�rde jemand erfahren, was es wirklich bedeutete, da� er der Wiedergeborene Drache war. Er w�rde s�mtliche Vorschriften auf eine Art brechen, mit der mit Sicherheit niemand rechnete.</p></section><section><title><p>35</p><p>Eine harte Lektion</p></title><p>Das Herz des Steins in <emphasis>Tel'aran'rhiod</emphasis> war genauso wie in der wirklichen Welt, an die sich Egwene erinnerte: riesige, gl�nzende Sandsteins�ulen erhoben sich bis an eine ferne Decke und unter der m�chtigen Kuppel in der Mitte war <emphasis>Callandor</emphasis> zu sehen, wie es in den hellen Steinplatten des Fu�bodens stak. Nur die Menschen fehlten. Die goldenen Lampen waren nicht entz�ndet worden, und doch gab es etwas Licht, tr�b und dennoch schmerzte es gleichzeitig in den Augen. Es schien von �berall her zugleich zu kommen. Das war aber oft so, wenn man sich in <emphasis>Tel'aran'rhiod</emphasis> im Inneren eines Geb�udes befand.</p><p>Wen sie nicht erwartet hatte, war die Frau, die jenseits des glitzernden Kristallschwertes stand und in die blassen Schatten unter den S�ulen starrte. Ihre Kleidung �berraschte Egwene. Blo�e F��e und Pumphosen aus mit Brokat ges�umter gelber Seide. Dar�ber eine Sch�rpe in etwas dunklerem Gelb, und ihr Oberk�rper war nackt, bis auf ein paar Goldketten an ihrem Hals. Eine glitzernde Reihe von winzigen Goldringen schm�ckte ihre Ohren, und, noch �berraschender, sie trug einen weiteren goldenen Ring durch die Nase. Von ihm aus hing eine d�nne Kette bis zu einem der Ringe in ihrem linken Ohr. An der Kette wiederum hingen Medaillons.</p><p>�Elayne?� Egwene schnappte nach Luft, und sie raffte ihren Schal um die Schultern zusammen, als sei sie es, die keine Bluse trug. Sie hatte sich diesmal wie eine Weise Frau angezogen, eigentlich ohne besonderen Grund.</p><p>Die Tochter-Erbin fuhr zusammen, und als sie sich zu Egwene herumdrehte, trug sie pl�tzlich eine z�chtige bla�gr�ne Robe mit hohem, besticktem Kragen und langen �rmeln, deren Manschetten ihr bis auf die H�nde herunterhingen. Keine Ohrringe. Kein Nasenring. �So ziehen sich die Frauen des Meervolks an, wenn sie auf See sind�, sagte sie schnell und wurde doch ziemlich rot dabei. �Ich wollte erleben, wie man sich darin f�hlt und das hier schien der beste Ort daf�r. Auf dem Schiff konnte ich es schlie�lich nicht ausprobieren.� �Und was f�r ein Gef�hl ist es?� fragte Egwene neugierig.</p><p>�Vor allem war mir kalt.� Elayne blickte sich unter den S�ulen um. �Und man hat das Gef�hl, da� einen jeder anstarrt, selbst wenn �berhaupt niemand da ist.� Pl�tzlich mu�te sie lachen. �Armer Thom und armer Juilin. Die meiste Zeit �ber wissen sie nicht, wohin sie schauen sollen. Die H�lfte der Schiffsbesatzung besteht aus Frauen.� Egwene betrachtete ebenfalls die S�ulen und zuckte die Achseln. Sie hatte auch das Gef�hl, sie w�rden beobachtet. Zweifellos kam das daher, da� sie die einzigen Menschen im Stein waren. Keiner, der sich nach <emphasis>Tel'aran'rhiod</emphasis> begeben konnte, erwartete, hier jemanden vorzufinden, der ihn oder sie beobachtete. �Thom? Thom Merrilin? Und Juilin Sandar? Sind <emphasis>sie</emphasis> etwa bei euch?� �Ach, Egwene, Rand hat sie geschickt. Rand und Lan. Nun ja, Thom wurde eigentlich von Moiraine geschickt, und Rand hat dann Meister Sandar auch noch hinter uns hergejagt. Um uns zu helfen. Nynaeve ist ganz sch�n sauer deswegen, auf Lan nat�rlich, aber sie l��t sich nichts anmerken.� Egwene unterdr�ckte ein L�cheln. <emphasis>Nynaeve</emphasis> war sauer? Elaynes Gesicht strahlte, und sie hatte schon wieder das Kleid gewechselt. Diesmal war der Ausschnitt um vieles tiefer, aber das schien ihr nicht bewu�t zu sein. Der <emphasis>Ter'Angreal,</emphasis> der verdrehte Steinring, half der Tochter-Erbin dabei, �hnlich leicht wie Egwene die Welt der Tr�ume zu erreichen, aber er verlieh einem deshalb noch nicht das Wissen, wie man seine F�higkeiten beherrschte. Das mu�te man erst lernen. Nebengedanken, zum Beispiel, wie sie sich gern vor Rand zeigen w�rde, �nderten f�r Elayne noch einiges, das sie nicht unter Kontrolle hatte.</p><p>�Wie geht es ihm?� In Elaynes Stimme schwangen sowohl gek�nstelte Gleichg�ltigkeit wie auch bange Erwartung mit.</p><p>�Nun�, sagte Egwene, �ich denke, es geht ihm gut.� Sie berichtete nun alles � von den Portalsteinen und Rhuidean, jedenfalls soweit sie vom H�rensagen dar�ber Bescheid wu�te, davon, durch die Augen der eigenen Vorfahren die Geschichte mitzuerleben, von den Gesch�pfen aus dem Drachenbanner, die nun Rands Unterarme zeichneten, von Bairs Aufkl�rung, da� er den Untergang der Aiel repr�sentiere, von der Aufforderung an die Clanh�uptlinge, nach Alcair Dal zu kommen. Amys und die anderen Weisen Frauen waren wohl gerade jetzt dabei; jedenfalls hoffte sie das sehr. Sie erz�hlte Elayne sogar in Kurzform die Geschichte von Rands richtigen Eltern. �Aber ich wei� nicht recht. Er hat sich seltsamer als je zuvor benommen, und Mat beinahe genauso. Das soll nicht hei�en, da� er wahnsinnig wird, aber... Er ist genauso hart wir Rhuarc oder Lan, jedenfalls auf gewisse Weise, vielleicht sogar h�rter. Er plant irgend etwas, glaube ich, das er niemanden wissen lassen will, und er hat es schrecklich eilig, damit anzufangen. Das macht mir Sorgen. Manchmal habe ich das Gef�hl, er sieht �berhaupt keine Menschen mehr, sondern nur Figuren auf einem Spielbrett.� Elayne schien sich keine Sorgen zu machen, oder zumindest nicht in dieser Hinsicht. �Er ist, was er ist, Egwene. Ein K�nig oder ein General kann sich nicht immer leisten, Menschen als solche anzusehen. Wenn ein Herrscher etwas unternehmen mu�, das eine ganze Nation betrifft, gibt es Zeiten, da werden einzelne benachteiligt, weil er das Beste f�r die Gesamtheit erreichen will. Rand ist tats�chlich ein K�nig, Egwene, auch ohne ein Land, falls man nicht Tear z�hlen will, und wenn er nichts unternimmt, was irgend jemand weh tut, dann wird er am Ende allen schaden.� Egwene schniefte. Es stimmte zwar, Gefallen konnte sie aber nicht daran finden. Menschen blieben Menschen, und als solche mu�te man sie auch sehen. �Es gibt noch mehr Neuigkeiten. Einige der Weisen Frauen k�nnen die Macht benutzen. Ich wei� nicht, wie viele es sind, aber ich sch�tze, es sind gar nicht so wenige. Demnach zu schlie�en, was mir Amys erz�hlt, sp�ren sie jede Frau auf, die auch nur den kleinsten Funken des Talents in sich hat.� Keine Aielfrau mu�te sterben, weil sie sich selbst den Gebrauch der Macht lehren mu�te, ohne �berhaupt zu wissen, was sie tat. Es gab unter den Aiel keine Wilde. M�nner, bei denen man bemerkte, da� sie die Macht benutzen konnten, erfuhren ein viel schlimmeres Schicksal Sie gingen nach Norden in die Gro�e F�ule und vielleicht noch weiter, sogar bis ins Verdorbene Land und zum Shayol Ghul. �Wir werden den Dunklen K�nig t�ten�, sagten sie dazu. Keiner �berlebte dort lange genug, um �berhaupt noch dem Wahn zu verfallen. �Aviendha geh�rt zu denen, die dieses Talent besitzen, wie sich herausgestellt hat. Sie wird sogar sehr stark werden, nehme ich an. Amys glaubt das auch.� �Aviendha�, staunte Elayne. �Klar. Ich h�tte es wissen sollen. Ich habe das gleiche Gef�hl auch bei Jorin gehabt, schon beim ersten Blick, wie bei Aviendha. Und bei dir auch, was das betrifft.� �Jorin?� Elayne verzog das Gesicht. �Ich habe versprochen, niemandem von ihr zu erz�hlen, und nun plaudere ich es bei der ersten Gelegenheit aus. Nun, ich glaube kaum, da� du ihr oder ihren Schwestern schaden wirst. Jorin ist die Windsucherin des <emphasis>Wogent�nzers,</emphasis> Egwene. Sie kann die Macht ben�tzen, und einige der anderen Windsucherinnen k�nnen das auch.� Sie blickte sich unter den S�ulen um, und pl�tzlich war ihr Kleid wieder hochgeschlossen. Sie r�ckte einen dunklen Spitzenschal zurecht, der sich einen Augenblick zuvor noch nicht dort befunden hatte und der nun ihr Haar bedeckte und seinen Schatten auf ihr Gesicht warf. �Egwene, du darfst es aber niemandem weitererz�hlen. Jorin hat Angst, da� die Burg sie zwingen will, Aes Sedai zu werden, um sie auf irgendeine Weise unter Kontrolle zu bringen. Ich versprach, ich w�rde alles tun, was in meiner Macht steht, um das zu verhindern.� �Ich sage es nicht weiter�, versprach Egwene bed�chtig. Weise Frauen und Windsucherinnen. Unter beiden V�lkern gab es Frauen, die mit der Macht umgehen konnten, aber keine hatte die Drei Eide abgelegt und war durch die Eidesrute gebunden worden. Die Eide waren dazu da, den Menschen Vertrauen in die Aes Sedai einzufl��en. Oder wenigstens sollten sie ihre Macht nicht f�rchten m�ssen. Aber die Aes Sedai mu�ten trotzdem die meiste Zeit �ber im geheimen arbeiten. Weise Frauen � und Windsucherinnen, da h�tte sie wetten k�nnen � nahmen einen hohen Rang in ihren Gesellschaften ein. Ohne die Fesseln der Eide arbeiteten sie wahrscheinlich in Sicherheit. Das gab ihr doch zu denken.</p><p>�Nynaeve und ich sind unserem Plan �brigens schon voraus, Egwene. Jorin hat mir beigebracht, wie man das Wetter beeinflu�t. Du wirst nicht glauben, welch m�chtige Str�nge des Elements Luft sie verweben kann! Gemeinsam haben wir den <emphasis>Wogent�nzer</emphasis> so schnell vorangetrieben, wie er nur segeln konnte, und das ist wirklich schnell! Wir d�rften in etwa drei, vielleicht sogar in zwei Tagen in Tanchico anlegen, meint Coine. Sie ist die Segelherrin, also Kapit�n des <emphasis>Wogent�nzers.</emphasis> In zehn Tagen von Tear nach Tanchico! Und dabei drehen wir noch bei und sprechen mit den Leuten auf jedem Schiff der Atha'an Miere, das wir unterwegs sichten. Egwene, die Meerleute glauben, da� Rand ihr Coramoor sei.� �Tats�chlich?� �Coine irrt sich in mancher Beziehung, was die Ereignisse in Tear betrifft. Sie nimmt zum Beispiel an, die Aes Sedai dienten nun Rand. Nynaeve und ich hielten es f�r das Beste, sie nicht �ber die wirklichen Verh�ltnisse aufzukl�ren. Aber sobald sie alles einer anderen Segelherrin erz�hlt, wird die es weitergeben und sie werden alle Rand dienen. Ich glaube, sie w�rden reinweg alles tun, was er von ihnen verlangt.� �Ich w�nschte, die Aiel w�ren genauso willig�, seufzte Egwene. �Rhuarc glaubt, da� sich einige weigern werden, ihn anzuerkennen, ganz gleich, ob er nun die Drachen von Rhuidean am Arm tr�gt oder nicht. Ein Bursche, Couladin hei�t er, w�rde ihn sofort umbringen, wenn er eine Gelegenheit h�tte.� Elayne trat einen Schritt vor. �Du wirst achtgeben, da� ihm nichts passiert.� Es war weder eine Frage noch eine Bitte. In ihren blauen Augen stand ein hartes Leuchten, und in ihrer Hand lag pl�tzlich ein blanker Dolch.</p><p>�Ich werde mein Bestes geben. Rhuarc stellt ihm Leibw�chter zur Seite.� Elayne schien den Dolch erst jetzt zu bemerken und zuckte zusammen. Die Klinge verschwand. �Du mu�t mir alles beibringen, was Amys dich lehrt, Egwene. Es bringt mich aus der Fassung, wenn Sachen pl�tzlich auftauchen oder verschwinden, oder wenn mir mit einemmal klar wird, da� ich schon wieder andere Kleider trage. Es passiert einfach.� �Das werde ich tun. Wenn ich Zeit dazu habe.� Sie war schon zu lange in <emphasis>Tel'aran'rhiod.</emphasis> �Elayne, falls ich nicht da bin, wenn wir uns das n�chste Mal treffen wollen, dann mach dir keine Sorgen. Ich werde es versuchen, aber vielleicht bin ich nicht in der Lage, zu kommen. Sag es bitte auf jeden Fall auch Nynaeve. Wenn ich nicht komme, dann schaut jede Nacht danach herein. Ich werde wohl kaum mehr als ein oder zwei Tage sp�ter kommen, da bin ich eigentlich sicher.� �Wenn du meinst�, sagte Elayne zweifelnd. �Es wird bestimmt Wochen dauern, bis wir wissen, ob Liandrin und die anderen in Tanchico sind oder nicht. Thom scheint zu glauben, da� es in der Stadt ziemlich durcheinander geht.� Ihr Blick wanderte zu <emphasis>Callandor,</emphasis> das bis zur H�lfte im Fu�boden vergraben war. �Warum hat er das gemacht, was glaubst du?� �Er sagte, es werde die Tairener an ihn binden. Solange sie wissen, da� es hier ist, wissen sie auch, da� er zur�ckkommen wird. Vielleicht wei� er tats�chlich, was er tut. Ich hoffe es zumindest.� �Oh. Ich dachte, er sei... vielleicht... b�se wegen irgendeiner Sache.� Egwene runzelte die Stirn. Diese pl�tzliche Verlegenheit pa�te gar nicht zu Elayne. �Weswegen sollte er b�se sein?� �Ach, nichts. Es war nur so eine Idee. Egwene, ich gab ihm zwei Briefe, bevor ich Tear verlie�. Wei�t du, wie er sie aufgenommen hat?� �Nein, keine Ahnung. Hast du ihm irgend etwas geschrieben, von dem du glaubst, er sei dir deshalb b�se?� �Nein, nat�rlich nicht.� Elayne lachte fr�hlich, doch es klang gezwungen. Ihr Kleid war pl�tzlich aus dunkler Wolle gewebt und fest genug, um einen harten Winter zu �berdauern. �Ich bin nicht so n�rrisch, da� ich ihm Dinge schreibe, die ihn �rgern.� Ihr Haar stand pl�tzlich nach allen Richtungen ab. Es wirkte wie eine total verr�ckte Krone. Sie war sich dessen jedoch gar nicht bewu�t. �Ich bem�he mich schlie�lich, ihn in mich verliebt zu machen. Ich will einfach nur, da� er mich liebt. Oh, warum k�nnen M�nner nicht einfacher sein? Warum m�ssen sie einem solche Schwierigkeiten bereiten? Na, wenigstens ist er von Berelain weg.� Aus der Wolle wurde wieder Seide, und der Ausschnitt war nun noch tiefer als vorher. Ihr Haar schimmerte auf ihren Schultern und �bertraf sogar den Glanz der Seide. Sie z�gerte und nagte an ihrer Unterlippe. �Egwene? Wenn du eine Gelegenheit hast, sagst du ihm dann, da� ich ernst gemeint habe, was ich in... Egwene? Egwene!� Etwas hatte Egwene gepackt. Das Herz des Steins schrumpfte zu einem schwarzen Punkt zusammen, als zerre sie jemand am Kragen weg.</p><p>Keuchend scho� Egwene von ihren Kissen hoch. Ihr Herz klopfte ungest�m, und sie blickte hoch zu dem nachtdunklen Zeltdach �ber ihrem Kopf. An den offenen Seiten drang nur ein wenig Mondschein herein. Sie lag unter ihren Decken, denn die N�chte in der W�ste waren ebenso kalt wie die Tage hei� waren, und der Rost, von dem der s��liche Geruch gl�henden Dungs herkam, gab wenig W�rme ab. Sie lag, wo sie sich zum Schlafen hingelegt hatte. Aber was hatte sie zur�ckgezerrt?</p><p>Mit einemmal wurde ihr bewu�t, da� Amys mit �bergeschlagenen Beinen neben ihr sa�, in Schatten geh�llt. Das vom Halbschatten bedeckte Gesicht der Weisen Frau kam ihr genauso d�ster und bedr�ckend vor wie die ganze Nacht.</p><p>�Habt Ihr das getan, Amys?� fragte sie ver�rgert. �Ihr habt kein Recht dazu, mich einfach so hin und her zu zerren. Ich bin eine Aes Sedai von den Gr�nen Ajah...� Die L�ge kam ihr mittlerweile leicht �ber die Lippen. �... und Ihr habt kein Recht... � Amys schnitt ihr mit grimmiger Stimme das Wort ab: �Jenseits der Drachenmauer im Wei�en Turm m�gt Ihr eine Aes Sedai sein, aber hier seid Ihr eine unwissende Sch�lerin, ein leichtsinniges Kind, das durch eine Schlangengrube kriecht.� �Ich wei�, ich habe gesagt, ich gehe nicht ohne Euch nach <emphasis>Tel'aran'rhiod�,</emphasis> sagte Egwene in leicht zerknirschtem Tonfall, �aber...� Etwas packte sie an den Kn�cheln und ri� ihre F��e in die Luft empor. Die Decken fielen zur Seite und ihr Nachthemd rutschte hoch bis an ihre Achselh�hlen. Sie hing mit dem Kopf nach unten in der Luft, und ihr Gesicht befand sich auf einer H�he mit dem von Amys. W�tend griff sie nach <emphasis>Saidar</emphasis> � und stellte fest, da� sie abgeschirmt war.</p><p>�Ihr wolltet allein losziehen�, zischte Amys leise. �Ihr wart gewarnt worden, aber Ihr mu�tet trotzdem gehen.� Ihre Augen schienen in der Dunkelheit zu gl�hen. Sie wurden immer heller. ��berhaupt kein Gedanke daran, was auf Euch warten k�nnte. Es gibt Ding im Traum, die auch das tapferste Herz zerspringen lassen.� Um diese Augen aus blaugl�hender Kohle schmolz das Gesicht, dehnte sich. Wo sich Haut befunden hatte, da wuchsen nun Schuppen. Das Kinn schob sich nach vorn und scharfe, spitze Z�hne schimmerten in dem weit ge�ffneten Rachen. �Dinge, die auch das tapferste Herz <emphasis>fressen</emphasis> k�nnten�, grollte sie.</p><p>Schreiend trommelte Egwenes Verstand gegen die Wand, die sie von der Wahren Quelle trennte. Sie versuchte, in dieses schreckliche Gesicht zu schlagen, dieses Ding zu treffen, das nicht Amys sein konnte. Aber etwas packte nun ihre Arme und streckte sie bis zum �u�ersten, und das mitten in der Luft. Sie konnte lediglich schreien, als sich der Rachen um ihren Kopf schlo�.</p><p>Schreiend fuhr Egwene auf ihrem Lager hoch und klammerte sich an ihre Decken. Mit M�he zwang sie sich, den Mund zu schlie�en, aber sie konnte ihren K�rper nicht davon abhalten, unkontrolliert zu zittern. Sie befand sich im Zelt � oder etwa nicht? Da sa� Amys mit �bergeschlagenen Beinen im Schatten und um sie herum gl�hte <emphasis>Saidar</emphasis> �, aber war es wirklich Amys? Verzweifelt �ffnete sie sich der Wahren Quelle und h�tte beinahe geheult, als sie wieder auf diese Barriere traf. Sie schlug die Decken zur�ck und krabbelte auf H�nden und Knien �ber die Schichten von Teppichen, wobei sie ihre sorgf�ltig zusammengelegte Kleidung mit beiden H�nden durcheinanderw�hlte. Sie hatte doch ein Messer am G�rtel. Wo war das nur? Wo? Da!</p><p>�Setzt Euch hin�, sagte Amys bei�end, �bevor ich Euch eine Medizin gegen Zappelei und Hirngespinste verabreiche. Sie wird Euch nicht schmecken.� Egwene drehte sich auf den Knien um, das kurze Messer in beiden H�nden. Sie h�tten ja gezittert, wenn sie sie nicht so fest um den Messergriff geschlossen h�tte. �Seid Ihr es diesmal wirklich?� �Ich bin immer ich selbst, jetzt wie vorhin. Eine harte Lektion ist immer die beste. Wolltet Ihr mich erstechen?� Z�gernd steckte Egwene das Messer in die Scheide zur�ck. �Ihr habt kein Recht, mich...� �Ich habe jedes Recht dazu! Ihr habt mir Euer Wort gegeben. Ich wu�te nicht, da� Aes Sedai l�gen k�nnen. Wenn ich Euch unterweisen soll, mu� ich mich darauf verlassen k�nnen, da� Ihr tut, was ich sage. Ich werde nicht zuschauen, wie sich eine meiner Sch�lerinnen den eigenen Hals durchschneidet!� Amys seufzte. Das Gl�hen um sie herum verflog und damit auch der Block zwischen Egwene und <emphasis>Saidar.</emphasis> �Ich kann Euch nicht noch l�nger abschirmen. Ihr seid viel st�rker als ich. Jedenfalls in bezug auf die Eine Macht. Ihr h�ttet beinahe meine Abschirmung durchbrochen. Aber wenn Ihr euer Wort nicht haltet, bin ich mir nicht sicher, ob ich Euch unterrichten will.� �Ich werde mein Wort halten, Amys. Das verspreche ich. Aber ich mu� mich in <emphasis>Tel'aran'rhiod</emphasis> mit meinen Freundinnen treffen. Ich habe es ihnen auch versprochen. Amys, sie brauchen vielleicht meine Hilfe und meinen Rat.� Es war in der Dunkelheit schwer, Amys' Gesicht zu erkennen, und Egwene entdeckte nichts, was auf ein Aufweichen der starren Front schlie�en lie�. �Bitte, Amys. Ihr habt mir doch schon so viel beigebracht. Ich glaube, ich kann sie jetzt �berall aufsp�ren. Bitte. H�rt jetzt nicht auf, wo es so viel gibt, was ich noch lernen kann. Ich werde tun, was immer Ihr w�nscht.� �Flechtet Euch Z�pfe�, sagte Amys mit tonloser Stimme.</p><p>�Z�pfe?� fragte Egwene unsicher. Es w�re sicher nicht schlimm, aber warum? Sie trug das Haar jetzt lose und schulterlang, aber es war noch nicht so lange her, da war sie vor Stolz beinahe geplatzt, als die Versammlung der Frauen zu Hause festgestellt hatte, sie sei jetzt alt genug, einen Zopf zu tragen, so, wie ihn Nynaeve immer noch trug. An den Zwei Fl�ssen war ein Zopf das Zeichen daf�r, da� man eine Frau war und kein kleines M�dchen mehr.</p><p>�Zwei�, sagte Amys. �Einen �ber jedem Ohr.� Amys Stimme klang immer noch wie eine Steinplatte. �Falls Ihr keine B�nder habt, die Ihr hineinflechten k�nnt, gebe ich Euch welche. So tragen die kleinen M�dchen bei uns das Haar. M�dchen, die zu jung sind, um beim Wort genommen zu werden. Wenn Ihr mir beweist, da� Ihr euer Wort halten k�nnt, braucht Ihr die Z�pfe nicht mehr so zu tragen. Wenn Ihr mich aber wieder bel�gt, dann lasse ich Euch den Rock abschneiden, wie bei den Kleidchen der kleinen M�dchen, und ich suche Euch eine Puppe, die Ihr herumtragen k�nnt. Wenn Ihr Euch entschlie�t, Euch wie eine Frau zu verhalten, werdet Ihr auch als Frau behandelt. Erkl�rt Euch einverstanden, oder ich unterrichte Euch nicht mehr.� �Ich bin einverstanden, falls Ihr mich begleitet, wenn ich meine... � �Stimmt zu, <emphasis>Aes Sedai!</emphasis> Ich feilsche nicht mit Kindern oder solchen, die ihr Wort nicht halten. Entweder tut Ihr, was ich sage, akzeptiert, was ich Euch freiwillig gebe, dann ist es in Ordnung. Oder Ihr geht weg und la�t Euch umbringen. Ich � werde � Euch � nicht � dabei � helfen!� Egwene war froh, da� es dunkel war. Dadurch wurde ihre finstere Miene verborgen. Nat�rlich hatte sie ihr Wort gegeben, aber ansonsten war alles so ungerecht. Keiner versuchte dagegen, Rand mit irgendwelchen bl�dsinnigen Vorschriften einzuengen. Nun ja, vielleicht war das wirklich ein anderer Fall. Sie lie� sich doch noch lieber von Amys herumkommandieren, als immer in Gefahr zu sein, da� Couladin ihr einen Speer in den R�cken jagte. Mat aber w�rde sich mit Sicherheit nicht an anderer Leute Vorschriften halten. Doch ob er nun ein <emphasis>Ta'veren</emphasis> war oder nicht, er mu�te eben auch nichts lernen, nur einfach da sein. H�chstwahrscheinlich w�rde er sich glatt weigern, wenn er etwas lernen sollte, au�er, es h�tte mit Gl�cksspielen oder Essen zu tun. Sie dagegen wollte etwas lernen. Manchmal erschien es ihr wie ein unstillbarer Durst; soviel sie auch aufnahm, sie wollte doch immer mehr. Das machte die Sache aber trotzdem nicht besser. <emphasis>Es ist eben so, und ich mu� es hinnehmen,</emphasis> dachte sie bedauernd.</p><p>�Ich bin einverstanden�, sagte sie. �Ich werde tun, was Ihr verlangt, annehmen, was Ihr gebt, und sonst nichts.� �Gut.� Nach einer langen Pause, als warte sie darauf, ob Egwene noch etwas sagen wollte, die jedoch weise ihren Mund hielt, f�gte Amys hinzu: �Ich werde Euch hart anpacken, Egwene, aber nicht ohne Grund. Da� Ihr glaubt, ich habe Euch bereits vieles beigebracht, zeigt nur, wie wenig Ihr von Beginn an wu�tet. Ihr habt ein ausgepr�gtes Talent zum Tr�umen und werdet uns alle wahrscheinlich eines Tages weit hinter Euch lassen. Aber wenn Ihr nicht lernt, was ich Euch lehren kann, was wir vier Euch lehren k�nnen, werdet Ihr dieses Talent niemals richtig anwenden k�nnen. H�chstwahrscheinlich w�rt Ihr nicht lange genug am Leben.� �Ich werde mich bem�hen, Amys.� Sie glaubte, eine gute Vorstellung in bezug auf Demut zu geben. Warum sagte die Frau nicht einfach, was sie h�ren wollte? Wenn Egwene nicht allein nach <emphasis>Tel'aran'rhiod</emphasis> gehen durfte, mu�te Amys eben mitkommen beim n�chsten Treffen mit Elayne. Oder vielleicht kam beim n�chsten Mal auch Nynaeve.</p><p>�Gut. Habt Ihr sonst noch etwas zu sagen?� �Nein, Amys.� Diesmal dauerte das Schweigen l�nger. Egwene wartete so geduldig wie m�glich, die H�nde auf den Knien gefaltet.</p><p>�Also k�nnt Ihr Eure W�nsche auch f�r Euch behalten, wenn Ihr wollt�, sagte Amys schlie�lich, �auch wenn es Euch juckt, als ob Ihr einen Floh h�ttet. Oder mi�verstehe ich den Grund f�r Eure Unruhe? Soll ich Euch etwas zum Einreiben geben? Nein? Also gut, ich werde Euch begleiten, wenn Ihr Eure Freundinnen treffen m��t.� �Danke sch�n�, sagte Egwene brav. Ein Floh! Also, so was!</p><p>�Falls Ihr mir beim ersten Mal nicht richtig zugeh�rt habt: Der Lernproze� wird weder einfach, noch kurz. Ihr glaubt, da� Ihr die letzten Tage �ber gearbeitet habt. Aber nun bereitet Euch darauf vor, erst richtig loszulegen und Euch M�he zu geben!� �Amys, ich werde alles lernen, was Ihr mir beibringen k�nnt, und ich werde so hart arbeiten, wie Ihr w�nscht. Aber das mit Rand und den Schattenfreunden... Die Zeit zum Lernen k�nnte sich als Luxus herausstellen, f�r den unsere Mittel nicht ausreichen.� �Ich wei߫, sagte Amys m�de, �er bereitet uns auch schon einige Sorgen. Kommt. Ihr habt mit kindischen Anwandlungen bereits genug Zeit vertr�delt. Es gibt Frauensachen zu besprechen. Kommt. Die anderen warten schon.� Egwene griff nach ihrem Kleid, doch Amys sagte: �Das braucht Ihr nicht. Wir haben nur ein kurzes St�ck Weg. Legt Euch eine Decke um und kommt mit. Ich habe bereits eine ganze Menge Arbeit geleistet, um Rand al'Thor zu helfen, und ich mu� noch mehr tun, bis wir soweit sind.� Egwene legte sich zweifelnd eine Decke �ber die Schultern und folgte der �lteren Frau in die Nacht hinaus. Es war <emphasis>kalt.</emphasis> Sie hatte sofort eine G�nsehaut am ganzen K�rper und h�pfte barfu� von einem Fu� auf den anderen �ber den eiskalten, steinigen Boden. Nach der Tageshitze erschien ihr diese Nacht so eiskalt wie der k�lteste Winter an den Zwei Fl�ssen. Ihr Atem verwandelte sich in einen Nebelhauch und wurde sofort von der Luft aufgesogen. Kalt oder nicht, die Luft war immer noch trocken.</p><p>Am hinteren Ende des Lagers der Weisen Frauen stand ein kleines Zelt, das ihr vorher gar nicht aufgefallen war. Es war genauso niedrig wie die anderen, aber rundherum dicht geschlossen. Zu ihrer �berraschung begann Amys, sich auszuziehen, und sie bedeutete ihr, dasselbe zu tun. Sie bi� die Z�hne zusammen, damit sie nicht vor K�lte klapperten und kam Amys Aufforderung langsam nach. Als die Aielfrau ausgezogen war, stand sie da, als sei die Nacht �berhaupt nicht kalt, atmete tief ein und breitete die Arme aus dabei. Schlie�lich b�ckte sie sich und schl�pfte hinein. Egwene eilte beflissen und dankbar hinterher.</p><p>Dampf und Hitze schlugen ihr entgegen. Der Schwei� quoll ihr beinahe augenblicklich aus allen Poren. Moiraine befand sich bereits drinnen, dazu die anderen Weisen Frauen und Aviendha. Alle sa�en nackt und schwitzend um einen gro�en Eisenkessel herum, der bis zum Rand mit ru�igen Steinen gef�llt war. Kessel und Steine verstr�mten diese Hitze. Die Aes Sedai schien recht gut erholt von ihren Strapazen, obwohl die Haut um ihre Augen herum angespannt war. Das hatte sie fr�her bei ihr nicht gesehen.</p><p>W�hrend Egwene sich ganz vorsichtig einen Sitzplatz suchte � hier gab es keine Schichten von Teppichen, sondern nur den blanken, steinigen Boden �, holte Aviendha einen Sch�pfl�ffel voll Wasser aus einem kleineren Kessel an ihrer Seite und go� es in den gro�en hinein. Es zischte, und das Wasser verdampfte augenblicklich. Auf den Steinen blieb nicht einmal ein feuchter Fleck �brig. Aviendhas Miene war ausgesprochen sauer. Egwene konnte sich vorstellen, wie sie sich f�hlte. Den Novizinnen in der Burg teilte man auch Arbeiten zu. Sie konnte sich selbst nicht entscheiden, ob sie das Bodenschrubben mehr ha�te als das Abwaschen oder andersherum. Diese Arbeit hier schien lange nicht so unangenehm.</p><p>�Wir m�ssen besprechen, was wir in bezug auf Rand al'Thor unternehmen sollen�, sagte Bair, als Amys schlie�lich auch am Kessel sa�.</p><p>�In bezug auf ihn unternehmen?� fragte Egwene aufgescheucht. �Er hat die Male. Er ist derjenige, nach dem Ihr geforscht habt.� �Er ist es�, best�tigte Melaine grimmig und wischte sich eine goldene Haarstr�hne aus dem feuchten Gesicht. �Wir m�ssen versuchen, daf�r zu sorgen, da� so viele wie m�glich aus unserem Volk sein Kommen �berleben.� �Und genauso wichtig ist�, bemerkte Seana, �da� er �berlebt, um den Rest der Weissagungen in Erf�llung gehen zu lassen.� Melaine funkelte sie zornig an, und Seana f�gte in geduldigem Tonfall hinzu: �Sonst wird �berhaupt niemand von uns �berleben.� �Rhuarc sagte, er werde einige von den Jindo als Leibw�chter einsetzen�, sagte Egwene bed�chtig. �Hat er seine Meinung nun ge�ndert?� Amys sch�ttelte den Kopf. �Hat er nicht. Rand al'Thor schl�ft in den Zelten der Jindo, und hundert Mann wachen dar�ber, da� er auch wieder aufwacht. Aber die M�nner sehen die Dinge oftmals anders als wir. Rhuarc wird ihm folgen, vielleicht bei Entscheidungen widersprechen, die er f�r falsch h�lt, aber er wird nicht versuchen, ihn zu g�ngeln.� �Glaubt Ihr, da� er F�hrung braucht?� Moiraine zog die Augenbrauen hoch, als Egwene das sagte, doch die j�ngere Frau beachtete sie nicht. �Er hat bisher genau das vollbracht, was notwendig war, ohne von anderen angeleitet zu werden.� �Rand al'Thor kennt unsere Sitten und Gebr�uche nicht�, erwiderte Amys. �Er k�nnte Hunderte von Fehlern begehen, die einen H�uptling oder einen Clan dazu bringen, sich gegen ihn zu stellen und ihn lediglich als einen Feuchtl�nder zu betrachten, statt als den, Der Mit Der Morgend�mmerung Kommt. Mein Ehemann ist zweifellos ein guter Mann und ein hervorragender H�uptling, aber er ist keiner, der Frieden stiften kann, er ist nicht darauf vorbereitet, zornige M�nner dazu zu bringen, ihre Speere wegzulegen. Wir m�ssen eine an Rand al'Thors Seite stellen, die ihm etwas einfl�stern kann, wenn er drauf und dran sein sollte, einen falschen Schritt zu tun.� Sie bedeutete Aviendha, mehr Wasser auf die hei�en Steine zu gie�en. Die junge Frau gehorchte m�rrisch, aber mit lockergrazi�ser Bewegung.</p><p>�Und wir m�ssen ihn beobachten�, warf Melaine in scharfem Ton ein. �Wir m�ssen eine Ahnung von dem haben, was er vorhat, bevor er es durchf�hrt. Die Erf�llung der Weissagung von Rhuidean hat begonnen und kann so oder so nicht aufgehalten werden, bevor sie ihr Ende findet, aber ich will unbedingt erreichen, da� so viele unserer Leute wie m�glich �berleben. Wie das erreicht werden kann, h�ngt von Rand al'Thors Absichten ab.� Bair beugte sich zu Egwene vor. Sie schien nur aus Knochen und Sehnen zu bestehen. �Ihr habt ihn von Kindheit an gekannt. Wird er sich Euch anvertrauen?� �Das bezweifle ich�, sagte Egwene zu ihr. �Er vertraut nicht mehr so wie fr�her.� Sie vermied es, Moiraine dabei anzusehen.</p><p>�W�rde sie es uns mitteilen, wenn er sich ihr anvertraut?� wollte Melaine wissen. �Ich will hier keinen �rger machen, aber Egwene und Moiraine sind Aes Sedai. Was sie wollen, mu� nicht dem entsprechen, was wir wollen.� �Wir haben einst den Aes Sedai gedient�, sagte Bair schlicht. �Damals haben wir versagt. Vielleicht ist es unsere Bestimmung, ihnen wieder zu dienen?� Melaine err�tete offensichtlich vor Verlegenheit.</p><p>Moiraine gab nicht zu erkennen, da� sie es bemerkte oder da� sie die vorherigen �u�erungen der Frau vernommen hatte. Abgesehen von der um ihre Augen herum straff gespannten Haut wirkte ihre Ruhe eisig. �Ich werde helfen, so gut ich kann�, sagte sie k�hl. �Aber ich habe wenig Einflu� auf Rand. Gegenw�rtig webt er das Muster nach eigenen Vorstellungen.� �Dann m�ssen wir ihn ganz genau beobachten und hoffen.� Bair seufzte. �Aviendha, du wirst jeden Tag zu Rand al'Thor gehen, wenn er erwacht, und ihn nicht mehr verlassen, bis er zur Nacht unter seine Decken kriecht. Du wirst ihm so nahe sein wie das Haar auf seinem Kopf. Deine Ausbildung mu� weitergehen, so gut es eben m�glich ist. Ich f�rchte, es wird eine Last f�r dich sein, beides nebeneinander zu tun, doch es l��t sich nicht vermeiden. Wenn du viel mit ihm sprichst und ihm vor allem zuh�rst, solltest du keine Schwierigkeiten haben, in seiner N�he zu bleiben. Nur wenige M�nner schicken eine h�bsche, junge Frau weg, die ihnen zuh�rt. Vielleicht l��t er irgendeinen Hinweis heraus.� Aviendha versteifte sich bei jedem Wort mehr. Als Bair fertig war, fauchte sie: �Das werde ich nicht!� Totenstille breitete sich aus, und alle Augen richteten sich auf sie. Sie erwiderte die Blicke trotzig.</p><p>�Du wirst nicht?� fragte Bair leise. �So, du wirst es also nicht tun.� Sie schien die Worte im Mund auf ihren Geschmack zu �berpr�fen.</p><p>�Aviendha�, sagte Egwene mit weicher Stimme, �keiner will von dir, da� du Elayne betr�gst. Du sollst nur mit ihm sprechen.� Die einzige Wirkung ihrer Worte war, da� die ehemalige Tochter des Speers sich noch vehementer nach einer Waffe umzusehen schien.</p><p>�Ist das eine Disziplin, die man heutzutage bei den T�chtern lernt?� fragte Amys streng. �Falls das so ist, wirst du bald herausfinden, da� die Disziplin bei uns noch strenger ist. Falls es einen Grund gibt, da� du dich nicht in Rand al'Thors N�he aufhalten kannst, dann nenne ihn uns.� Aviendhas Trotz schien ein wenig schw�cher zu werden, und sie murmelte kaum h�rbar irgend etwas. Amys Stimme klang nun messerscharf: �Ich sagte, du solltest uns deinen Grund nennen!� �Ich kann ihn nicht leiden!� brach es aus Aviendha heraus. �Ich hasse ihn! Ich hasse ihn!� H�tte es Egwene nicht besser gewu�t, dann h�tte sie glauben k�nnen, Aviendha sei den Tr�nen nah. Aber die Worte schockierten sie dennoch. Das konnte Aviendha doch nicht ernst meinen.</p><p>�Wir verlangen nicht von dir, da� du ihn liebst und mit ihm ins Bett gehst�, sagte Seana mit bei�ender Stimme. �Wir befehlen dir, dem Mann zuzuh�ren, und du wirst gehorchen!� �Kindisch!� schnaubte Amys. �Was f�r eine Art von jungen Frauen bringt die Welt denn neuerdings hervor? Wird denn keine von Euch erwachsen?� Bair und Melaine reagierten noch sch�rfer. Die �ltere Frau drohte Aviendha anstelle von Rands Sattel auf dessen Pferd zu binden, und es klang, als meine sie es ernst. Und Melaine schlug vor, statt zu schlafen solle Aviendha lieber nachts L�cher graben und dann wieder auff�llen, damit sie einen klaren Kopf bek�me. Die Drohungen waren allerdings nicht dazu bestimmt, sie zur Durchf�hrung des Befehls zu zwingen, das wurde Egwene schnell klar. Diese Frauen erwarteten, da� man ihnen gehorchte. Jede nutzlose Extraarbeit, die Aviendha sich einhandelte, w�re lediglich eine Strafe f�r ihre Sturheit. Die schien nun allerdings aufzuweichen, da sich die Blicke vierer Weiser Frauen gleicherma�en in sie bohrten. Sie hockte vorgebeugt und abwehrend auf den Knien, aber sie gab noch immer nicht nach. Egwene beugte sich hin�ber und legte eine Hand auf Aviendhas Schulter. �Du hast mir gesagt, da� wir beinahe Schwestern seien und ich glaube das auch. Tust du es f�r mich? Stell dir einfach vor, du pa�t f�r Elayne auf ihn auf. Du magst sie doch auch, wie ich wei�. Du kannst ihm ausrichten, da� sie das ernst gemeint hat, was sie in ihren Briefen schrieb. Das wird ihm gefallen.� Aviendha verzog ihr Gesicht krampfhaft. �Ich werde es tun�, sagte sie und sackte in sich zusammen. �Ich werde f�r Elayne auf ihn aufpassen. F�r Elayne.� Amys sch�ttelte sich. �Idiotisch. Du wirst auf ihn achtgeben, weil wir es dir befohlen haben, M�dchen. Wenn du glaubst, es aus einem anderen Grund tun zu m�ssen, wirst du auf schmerzhafte Weise herausfinden, da� du dich irrst. Mehr Wasser. Der Dampf verfliegt ganz.� Aviendha sch�ttete einen weiteren Sch�pfer voll Wasser auf die Steine, als schleudere sie einen Speer. Egwene war froh, da� ihr Widerstandsgeist nicht ganz erloschen war, aber sie w�rde sie warnen, wenn sie miteinander allein waren. Trotz war ja schon in Ordnung, aber es gab einige Frauen, wie etwa diese vier Weisen Frauen und auch Siuan Sanche, bei denen einem die Vernunft sagte, man sollte besser diesen Trotz im Zaum halten. Man konnte auch den ganzen Tag �ber die Frauenversammlung anschreien, und am Ende machte man doch, was sie von einem wollten und w�nschte, man h�tte den Mund gehalten.</p><p>�Nun, da dies gekl�rt ist�, sagte Bair, �la�t uns den Dampf schweigend genie�en, w�hrend wir noch Zeit dazu haben. Einige von uns haben diese Nacht noch eine Menge zu tun und auch in den kommenden N�chten, wenn wir f�r Rand al'Thor eine Versammlung in Alcair Dal einberufen wollen.� �M�nner finden immer einen Weg, den Frauen Arbeit zuzuschieben�, sagte Amys. �Warum sollte Rand al'Thor da eine Ausnahme machen?� Dann senkte sich Schweigen �ber das Zelt, au�er dem gelegentlichen Zischen, wenn Aviendha mehr Wasser �ber die hei�en Steine go�. Die Weisen Frauen sa�en mit auf die Knie aufgest�tzten H�nden da und atmeten tief ein. Es war wirklich recht angenehm und entspannend, diese feuchte Hitze und das reinigende Gef�hl, wenn der Schwei� aus allen Poren rann. Egwene war der Meinung, das wiege den verlorenen Schlaf voll und ganz auf.</p><p>Allerdings wirkte Moiraine keineswegs entspannt. Sie starrte auf den dampfenden Kessel, als blicke sie hindurch auf etwas sehr, sehr Fernes.</p><p>�War es schlimm?� fragte Egwene leise, um die Weisen Frauen nicht zu st�ren. �In Rhuidean, meine ich.� Aviendha blickte schnell auf, sagte aber nichts.</p><p>�Die Erinnerungen verblassen�, sagte Moiraine genauso leise. Sie blickte weiter durch alles hindurch, und ihre Stimme klang fast so eisig, da� sie die Hitze der Luft besiegte. �Das meiste ist bereits vergessen. Manches habe ich schon vorher gewu�t. Anderes... Das Rad webt, wie das Rad es w�nscht, und wir sind nur einzelne F�den im Muster. Ich habe mein Leben der Aufgabe gewidmet, den Wiedergeborenen Drachen zu finden, Rand zu finden, und ihn darauf vorzubereiten, in die Letzte Schlacht zu gehen. Das werde ich vollenden, was es auch kosten mag. Nichts und niemand kann wichtiger sein als das.� Obwohl sie so schwitzte, lief Egwene ein kalter Schauer �ber den R�cken. Sie schlo� die Augen. Die Aes Sedai wollte keine Sympathie. Sie war ein Eisklumpen und keine Frau. Egwene verlagerte ihr Gewicht und bem�hte sich, dieses angenehme Gef�hl wieder zur�ckzugewinnen. Sie vermutete, es werde in den kommenden Tagen wenig Gelegenheiten geben, irgend etwas zu genie�en.</p></section><section><title><p>36</p><p>Falsche Spuren</p></title><p>Die Aiel brachen die Zelte fr�h am Morgen ab und entfernten sich von Rhuidean, w�hrend die noch nicht einmal richtig aufgegangene Sonne noch die fernen Bergketten scharf umri�. In drei Gruppen marschierten sie in Serpentinen um den Chaendaer herum nach unten und hinaus in die zerkl�ftete Ebene mit ihren gelegentlichen H�geln, hohen Steins�ulen und abgeflachten Felskuppen. Grau und Braun und jede Schattierung dazwischen beherrschten das Bild des Landes, und an manchen Stellen war der Fels mit langen Streifen von Rot und Ocker durchsetzt. Von Zeit zu Zeit kamen sie auf ihrem Weg nach Nordwesten an einem m�chtigen, von der Natur geschaffenen Torbogen vorbei oder an eigenartigen, riesigen Steinplatten, die auf einer Felsnadel balancierten, immer haarscharf am Rande des Absturzes. In jeder Richtung sah Rand in der Entfernung neue Bergketten aufragen. Alle Bruchst�cke, die von der Zerst�rung der Welt �briggeblieben waren, schienen hier gesammelt worden zu sein in diesem Land, das man die Aiel-W�ste nannte. Wo der harte Boden nicht aus �berall aufgesprungenem gelben oder braunen Lehm bestand, da kam der blanke Fels durch, andauernd von trockenen Rinnen und Senken durchzogen. Die verstreute Vegetation war sp�rlich und niedrig: Dornb�sche und blattlose Dinge mit langen Stacheln. Die vereinzelt sichtbaren wenigen wei�en oder roten oder gelben Bl�ten �berraschten das Auge immer wieder. Gelegentlich bedeckte hartes, z�hes Gras eine kleinere Fl�che und noch seltener entdeckten sie einen verkr�ppelten Baum, der gew�hnlich ebenfalls Dornen oder Stacheln aufwies. Wenn er es mit dem Chaendaer und dem Tal von Rhuidean verglich, wirkte aber diese Vegetation schon beinahe �ppig. Die Luft war so klar, das Land so kahl, da� es Rand schien, er k�nne unendlich weit blicken.</p><p>Die Luft war ansonsten genauso trocken und die Hitze genauso erdr�ckend wie vorher. Die Sonne hing wie ein Klumpen geschmolzenen Goldes hoch an einem wolkenlosen Himmel. Rand hatte sich eine Schufa zum Schutz gegen die Sonne um den Kopf gewickelt und trank gelegentlich aus dem Wasserschlauch an Jeade'ens Sattel. Seltsamerweise half es ihm, da� er sein Wams trug. Er schwitzte wohl nicht weniger, aber unter der roten Wolle blieb sein Hemd feucht und verschaffte ihm so etwas K�hlung. Mat hatte ein gro�es wei�es Taschentuch mit Hilfe eines Stricks auf seinem Kopf festgebunden. Es hing ihm wie eine Narrenkappe �ber den Nacken herunter. Dazu hob er st�ndig die Hand, um seine Augen vor dem grellen Sonnenschein zu sch�tzen. Er trug den beschrifteten Speer mit der Schwertklinge wie eine Lanze, den Schaft unten in einen Steigb�gel gest�tzt.</p><p>Ihre Gruppe bestand aus ungef�hr vierhundert Jindo. Rand und Mat ritten neben Rhuarc und Heim an der Spitze. Die Aiel gingen nat�rlich zu Fu�. Ihre Zelte und einiges aus der Beute von Tear hatten sie auf Maulesel und Pferde geladen. Eine Anzahl von T�chtern des Speers war bereits vor ihnen als Kundschafter ausgeschw�rmt. Einige Steinhunde bildeten die Nachhut. Die Hauptgruppe war eingerahmt von wachsamen Augen, bereitgehaltenen Speeren und B�gen mit aufgelegten Pfeilen. Angeblich galt der Friede von Rhuidean ja solange, bis diejenigen, die zum Chaendaer gegangen waren, in ihre eigene Festung zur�ckkehrten, aber Rhuarc hatte Rand erkl�rt, da� durchaus schon Fehler vorgekommen seien, und Entschuldigungen und selbst ein Blutpreis hatten die Toten auch nicht wieder aus ihren Gr�bern auferstehen lassen. Rhuarc schien gerade diesmal einen Fehler f�r besonders wahrscheinlich zu halten, sicher vor allem der Gruppe von Shaido wegen.</p><p>Das Gebiet des Shaido-Clans lag weit jenseits von dem der Jindo-Taardad, aber in der gleichen Richtung vom Chaendaer aus gesehen, und so zogen sie parallel zu den Jindo vielleicht eine Viertelmeile entfernt dahin. Nach Rhuarcs Aussage h�tte Couladin eigentlich noch einen weiteren Tag lang auf die R�ckkehr seines Bruders warten m�ssen. Da� Rand Muradin gesehen hatte, nachdem dieser seine eigenen Augen ausgerissen hatte, machte keinen Unterschied. Die ihnen zugestandene Wartezeit betrug nun einmal zehn Tage. Fr�her abzureisen bedeutete, da� man denjenigen, der nach Rhuidean gegangen war, im Stich lie�. Und doch hatte Couladin den Shaido befohlen, das Lager abzubrechen, sobald er gesehen hatte, wie die Jindo ihre Packtiere beluden. Nun marschierten die Shaido mit ihren eigenen Kundschaftern und einer Nachhut einher, schienen die Jindo zu ignorieren, lie�en aber doch den Abstand zwischen beiden Gruppen nie gr��er werden als dreihundert Schritt. Es war normal, da� man Zeugen aus mindestens einem halben Dutzend der gr��eren Septimen dabei hatte, wenn ein Mann nach Rhuidean ging, um Clanh�uptling zu werden. Couladin hatte auf diese Art etwa doppelt so viele Leute dabei wie die Jindo. Rand vermutete, da� nur die dritte Gruppe, die sich etwa in der Mitte zwischen den Shaido und den Taardad hielt, der Grund war, warum sich der Abstand nicht pl�tzlich verringerte und zu einer t�dlichen Auseinandersetzung f�hrte.</p><p>Die Weisen Frauen gingen genau wie die anderen Aiel zu Fu�, und das schlo� auch diese eigenartigen wei�gekleideten M�nner und Frauen ein, die Rhuarc <emphasis>Gai'schain</emphasis> nannte. Sie f�hrten die Packpferde. Sie waren nicht unbedingt Diener, aber Rand hatte Rhuarcs Erkl�rungen in bezug auf Ehre, Verpflichtung und die Gefangenen nicht ganz verstanden. Heim hatte ihn dann noch mehr verwirrt, als gebe er sich M�he, zu erkl�ren, warum Wasser na� sei. Moiraine, Egwene und Lan ritten mit den Weisen Frauen, oder zumindest die beiden Frauen befanden sich bei ihnen. Der Beh�ter ritt auf seinem m�chtigen Streitro� ein St�ck von den Frauen entfernt auf der den Shaido zugewandten Seite entlang und beobachtete diese genauso aufmerksam wie die zerkl�ftete Landschaft. Manchmal stiegen Moiraine oder Egwene oder auch beide eine Weile ab und gingen zu Fu� mit, um sich mit den Weisen Frauen zu unterhalten. Rand h�tte alles darum gegeben, sie belauschen zu k�nnen. Sie blickten oft in seine Richtung, schnelle Blicke, die er offensichtlich nicht bemerken sollte. Aus irgendeinem Grund hatte Egwene ihr Haar zu zwei Z�pfen geflochten und wie eine Braut mit roten B�ndern geschm�ckt. Er konnte sich nicht vorstellen, warum sie das getan hatte. Er hatte vor ihrem Abmarsch vom Chaendaer eine Bemerkung dar�ber fallen lassen, sie lediglich erw�hnt, und sie h�tte ihm beinahe den Kopf abgerissen.</p><p>�Elayne ist die richtige Frau f�r Euch.� Er blickte verwirrt auf Aviendha herunter. Wieder stand dieser herausfordernde Blick in ihren blaugr�nen Augen, aber er �berlagerte nur eine deutliche Abneigung. Sie hatte vor seinem Zelt gewartet, als er an diesem Morgen erwachte, und seither hatte sie sich nicht weiter als drei Schritt von ihm entfernt. Ganz klar, da� die Weisen Frauen sie ihm als Spionin zur Seite gestellt hatten, und ebenso klar, da� er das nicht merken sollte. Sie war h�bsch, und von ihm nahmen sie an, da� er, von dieser Tatsache abgesehen, nichts weiter bemerken w�rde. Das war zweifellos auch der Grund, warum sie jetzt einen Rock trug und bis auf ein kleines Messer am G�rtel keine Waffe mehr bei sich hatte. Die Frauen schienen die M�nner hier schon f�r ziemlich dumm zu halten. Wenn er genauer dar�ber nachdachte, hatte allerdings keiner der anderen Aiel eine Bemerkung dazu gemacht, da� sie ihre Kleidung gewechselt hatte. Selbst Rhuarc vermied es, sie etwas l�nger anzusehen. Wahrscheinlich war ihnen klar, warum sie sich hier befand, oder sie hatten eine leise Ahnung von den Pl�nen der Weisen Frauen und wollten nicht dar�ber sprechen.</p><p>Rhuidean. Er wu�te immer noch nicht, warum sie hingegangen war. Rhuarc knurrte etwas von �Frauensachen� und z�gerte offensichtlich, in ihrer Gegenwart dar�ber zu sprechen. Da sie sich st�ndig an Rands Seite aufhielt, hie� das, Rand konnte von dieser Seite keinerlei Informationen erwarten. Der Clanh�uptling lauschte daf�r jetzt ganz gewi�, genau wie Heim und jeder Jindo in H�rweite. Es war bei den Aiel manchmal schwer zu sagen, doch er glaubte, da� sie sich am�sierten. Mat pfiff leise vor sich hin und vermied es ganz offensichtlich, Aviendha und ihn anzusehen. Trotzdem war dies das erste Mal heute, da� sie ihn angesprochen hatte.</p><p>�Was meint Ihr damit?� fragte er.</p><p>Ihr bauschiger Rock behinderte sie nicht beim Gehen. Sie hielt sich immer neben Jeade'en. Nein, gehen konnte man nicht dazu sagen. Sie belauerte ihn. Wenn sie eine Katze w�re, w�rde sie mit dem Schweif schlagen. �Elayne ist eine Feuchtl�nderin, genau wie Ihr.� Sie warf den Kopf arrogant hoch. Der kurze Pferdeschwanz, den die Aielkrieger im Nacken trugen, fehlte nun bei ihr. Der gefaltete Schal um ihre Schl�fen verdeckte beinahe ganz ihr Haar. �Genau die richtige Frau f�r Euch. Ist sie nicht sch�n? Ihr R�cken ist gerade, ihre Glieder schlank und stark, ihre Lippen wie reife Liebes�pfel. Ihr Haar ist wie gesponnenes Gold und ihre Augen sind blaue Saphire. Ihre Haut ist weicher als die feinste Seide, ihr Busen zart und wohlgerundet. Ihre H�ften sind... � Er unterbrach sie verzweifelt mit ger�teten Wangen: �Ich wei�, da� sie h�bsch ist. Was wollt Ihr eigentlich?� �Ich beschreibe sie doch nur.� Aviendha runzelte die Stirn. �Habt Ihr sie im Bad gesehen? Ich brauche sie nicht weiter zu beschreiben, wenn Ihr sie... � �Ich habe sie <emphasis>nicht</emphasis> gesehen!� Er verw�nschte sich, weil das so halb erstickt herauskam. Rhuarc und die anderen lauschten nat�rlich, und ihre Mienen waren so nichtssagend, da� sie sich nur am�sieren konnten. Mat rollte mit den Augen und grinste offen und spitzb�bisch.</p><p>Die Frau zuckte lediglich die Achseln und zupfte ihren Schal zurecht. �Sie h�tte daf�r sorgen sollen. Aber ich habe sie ja gesehen und werde als <emphasis>ihre</emphasis> Beinahe-Schwester handeln.� Die Betonung schien darauf hinzuweisen, da� <emphasis>seine</emphasis> Beinahe-Schwester das gleiche getan h�tte. Die Sitten der Aiel waren schon eigenartig, aber das hier war blanker Wahnsinn. �Ihre H�ften...� �Aufh�ren!� Sie funkelte ihn kurz von der Seite her an. �Sie ist die richtige Frau f�r Euch. Elayne hat ihr Herz als Brautstrau� Euch zu F��en gelegt. Glaubt Ihr, es gebe jemanden im Stein von Tear, der dar�ber nicht Bescheid wei�?� �Ich will nicht �ber Elayne sprechen�, sagte er ihr entschlossen. Und ganz bestimmt nicht, wenn sie so weitermachte, wie zu Beginn. Der Gedanke allein lie� ihn wieder rot anlaufen. Der Frau schien es v�llig egal zu sein, was sie sagte und wer zuh�rte!</p><p>�Ihr tut recht daran, zu err�ten, wenn Ihr sie beiseite schiebt, obwohl sie Euch ihr Herz offenbart hat.� Aviendhas Stimme klang hart und ver�chtlich. �Zwei Briefe hat sie Euch geschrieben und alles offenbart, als habe sie sich unter dem Dach Eurer Mutter entkleidet. Ihr lockt sie erst in dunkle Ecken, um sie zu k�ssen, und dann sto�t Ihr sie zur�ck. Sie hat jedes Wort in diesen Briefen ernst gemeint, Rand al'Thor! Das hat mir Egwene best�tigt. Jedes Wort war ernst gemeint. Was wollt Ihr mit ihr anfangen, Feuchtl�nder?� Rand fuhr sich mit der Hand durchs Haar und mu�te dann seine Schufa zurechtr�cken. Elayne meinte jedes Wort ernst? In beiden Briefen? Das war wohl eindeutig unm�glich. Der eine Brief widersprach dem anderen beinahe Punkt f�r Punkt. Pl�tzlich zuckte er zusammen. <emphasis>Egwene</emphasis> hatte ihr das gesagt? �ber Elaynes Briefe? Unterhielten sich die Frauen miteinander �ber solche Themen? Planten sie gemeinsam, wie man einen Mann am besten durcheinanderbringt?</p><p>Er ertappte sich dabei, da� er Min vermi�te. Min hatte nie einen Narren aus ihm gemacht. Nun ja, nicht mehr als ein- oder zweimal. Und sie hatte ihn nie beleidigt. Sicher, sie hatte ihn ein paar Mal als Schafhirten bezeichnet. Aber er f�hlte sich einfach wohl in ihrer N�he, und auf seltsame Art empfand er W�rme ihr gegen�ber. Sie gab ihm nicht das Gef�hl, ein kompletter Idiot zu sein, wie es Elayne und Aviendha taten.</p><p>Sein Schweigen schien die Aielfrau noch mehr aufzuregen, falls das �berhaupt m�glich war. Sie knurrte etwas in sich hinein und schritt aus, als wolle sie am liebsten irgend etwas niedertrampeln. Ein halbes Dutzend Mal mindestens zog sie ihren Schal zurecht. Schlie�lich verflog das Grollen auf ihren Gesichtsz�gen. Statt dessen begann sie nun, ihn st�ndig anzustarren. Wie ein Geier. Er verstand nicht, wieso sie nicht stolperte und auf den Hintern fiel.</p><p>�Was schaut Ihr mich so an?� wollte er wissen.</p><p>�Ich h�re zu, Rand al'Thor, da Ihr ja w�nscht, da� ich schweige.� Sie l�chelte trotz zusammengebissener Z�hne. �Gef�llt es Euch nicht, wenn ich Euch zuh�re?� Er blickte �ber sie hinweg zu Mat, und der sch�ttelte den Kopf. Aus Frauen wurde einfach niemand schlau. Rand bem�hte sich, daran zu denken, was vor ihm lag, aber es war schwierig, wenn ihn diese Frau st�ndig ansah. H�bsche Augen. W�ren ihre Blicke nur nicht so ablehnend gewesen. Er w�nschte, sie w�rde einmal woandershin schauen.</p><p>Mat sch�tzte seine Augen mit einer Hand gegen die Sonne und sah betont an Rand und der Aielfrau vorbei, die zwischen ihren Pferden einherschritt. Er konnte nicht verstehen, wieso Rand sich das gefallen lie�. Aviendha war schon h�bsch, ganz klar, mehr als nur h�bsch sogar, jetzt, da sie endlich so etwas wie richtige Kleidung trug, aber sie hatte eine derart spitze Zunge und war so launisch, da� sie sogar Nynaeve in den Schatten stellte. Er war froh, da� sie sich an Rand geh�ngt hatte und nicht an ihn.</p><p>Er zog sich das Tuch vom Kopf und wischte sich damit das Gesicht ab. Dann band er es sich wieder um die Stirn. Die Hitze und dieser ewige Sonnenschein, der ihn blendete, machten ihn allm�hlich fertig. Gab es in diesem ganzen verdammten Land keinen Schatten? Der Schwei� brannte in seinen Wunden. Er hatte sich vorigen Abend geweigert, seine Wunden von Moiraine heilen zu lassen, als sie ihn weckte, nachdem er endlich Schlaf gefunden hatte. Ein paar Schrammen waren ein kleiner Preis daf�r, vermieden zu haben, da� man mit Hilfe der Macht behandelt wurde. Der �belschmeckende Tee der Weisen Frauen hatte immerhin seine Kopfschmerzen besiegt. Was ihn sonst noch plagte, war seiner Meinung nach nichts, womit Moiraine h�tte fertigwerden k�nnen. Er hatte auch nicht die Absicht, ihr etwas davon zu erz�hlen, bevor er es selbst verstand. Wenn �berhaupt. Er wollte gar nicht daran denken.</p><p>Moiraine und die Weisen Frauen beobachteten ihn. Sicher, wahrscheinlich beobachteten sie vor allem Rand, aber das Gef�hl war das gleiche. �berraschenderweise war die blonde � Melaine � hinter der Aes Sedai auf Aldieb geklettert und sa� nun ungeschickt da, klammerte sich an Moiraine fest und unterhielt sich mit ihr. Er hatte nicht geglaubt, da� eine Aiel jemals reiten w�rde. Melaine war eine h�bsche Frau, mit diesen feurigen gr�nen Augen. Pech war nur, da� sie die Macht ben�tzen konnte. Ein Mann mu�te schon ein kompletter Idiot sein, wenn er sich mit einer solchen Frau einlie�. Er setzte sich auf Pips' Sattel etwas bequemer zurecht und erinnerte sich daran, da� es f�r ihn keine Rolle spiele, was die Aiel machten.</p><p><emphasis>Ich bin in Rhuidean gewesen. Ich habe getan, was diese Schlangenmenschen von mir verlangten.</emphasis> Und was konnte er als Beweis vorzeigen? <emphasis>Diesen verdammten Speer, ein silbernes Medaillon und... Ich k�nnte jetzt eigentlich wegreiten. Wenn ich noch einen Funken Verstand besitze, haue ich jetzt ab.</emphasis></p><p>Er konnte durchaus gehen. Dann m��te er versuchen, selbst einen Weg aus der W�ste hinaus zu finden, bevor er verdurstete oder an einem Hitzschlag einging. Er k�nnte, aber Rand zog ihn nach wie vor mit und hielt ihn fest. Am leichtesten konnte er herausfinden, wie fest er an Rand gebunden war, indem er einfach versuchte, ihn zu verlassen. Doch dann sah er sich die kahle Landschaft ein wenig genauer an und verzog das Gesicht. Wind kam auf. Es war ein Gef�hl, als wehe er �ber einen �berhitzten Ofen. Kleine Luftwirbel lie�en gelben Staub �ber den aufgesprungenen Boden fegen. Das Hitzeflimmern war so stark, da� sogar die Berge in der Ferne nur verschwommen sichtbar waren. Vielleicht war es das Beste, noch eine Weile bei den anderen zu bleiben.</p><p>Eine der T�chter des Speers, die als Kundschafterin unterwegs gewesen war, kam zur�ckgetrabt und ging neben Rhuarc her, wobei sie leise mit ihm sprach. Sie grinste Mat kurz an, als sie fertig war, und er besch�ftigte sich verlegen mit Pips M�hne, aus der er eine besonders unangenehme Klette herauszog. Er erinnerte sich nur zu gut an diese rothaarige junge Frau namens Dorindha. Sie war ungef�hr so alt wie Egwene. Dorindha war eine von denen gewesen, die ihn dazu �berredet hatten, mit ihnen den �Ku� der Jungfrau� zu spielen. Sie hatte damals das erste Pfand kassiert. Es war ja nicht so, da� er sie meiden wollte. Er konnte sie durchaus anblicken. Aber seinem Pferd die Kletten zu entfernen und so was war doch �u�erst wichtig.</p><p>�H�ndler�, verk�ndete Rhuarc, als Dorindha wieder in die Richtung zur�ckrannte, aus der sie gekommen war. �H�ndlerwagen kommen in unsere Richtung gefahren.� Es klang nicht erfreut.</p><p>Mats Miene erhellte sich aber doch deutlich. Ein fahrender H�ndler konnte jetzt genau das Richtige sein. Wenn der Bursche den Weg hierher kannte, kannte er auch den Weg zur�ck. Er fragte sich, ob Rand erriet, was er dachte. Der Mann machte schon ein genauso nichtssagendes Gesicht wie die Aiel.</p><p>Die Aiel marschierten etwas schneller. Couladins Leute taten es ohne zu z�gern den Jindo und den Weisen Frauen gleich. Wahrscheinlich hatten ihnen die eigenen Kundschafter die gleichen Neuigkeiten gebracht. Nun mu�ten auch die Pferde schneller voranschreiten. Die Sonne machte den Aiel nichts aus; nicht einmal den <emphasis>Gai'schain</emphasis> in ihren wei�en Gew�ndern. Sie glitten elegant �ber den zerkl�fteten Boden.</p><p>Nach weniger als zwei Meilen kamen die Wagen in Sicht. Es waren eineinhalb Dutzend, die alle in einer Reihe hintereinander fuhren. Bei allen zeigten sich Spuren einer langen, schweren Reise. �berall hatte man Reserver�der festgebunden. Trotz der gelben Staubschicht, die alle �berzog, sahen die beiden ersten Wagen aus wie wei� angestrichene Schachteln auf R�dern oder wie kleine H�user. Sie hatten sogar hinten ein paar Holzstufen, und aus den D�chern ragten Blechschornsteine. Die letzten drei, die von Mauleselgespannen von je zwanzig Tieren gezogen wurden, erschienen ihm lediglich als Riesenf�sser. Auch sie waren wei� angestrichen und enthielten bestimmt Wasser. Die anderen Wagen dazwischen h�tten auch an den Zwei Fl�ssen als H�ndlerwagen herhalten k�nnen. Ihre R�der waren hoch und die Speichen dick, und an den Seiten und sogar auf der hohen, runden Plane waren �berall klappernde Kocht�pfe und gro�e Netze vollbepackt mit anderen Waren festgezurrt.</p><p>Die Fahrer lie�en sofort ihre Gespanne anhalten, als sie die Aiel ausmachten. Dann warteten sie auf die sich n�hernden W�stenkrieger. Ein schwergewichtiger Mann in hellgrauem Wams und mit einem dunklen, breitrandigen Hut kletterte hinten aus dem ersten Wagen heraus und beobachtete die Ank�mmlinge. Von Zeit zu Zeit nahm er den flachen Hut ab und wischte sich mit einem gro�en wei�en Taschentuch die Stirn ab. Falls er nerv�s geworden war beim Anblick von vielleicht f�nfzehnhundert Aiel, die auf ihn zukamen, konnte ihm Mat keinen Vorwurf machen. Das eigenartigste war jedoch der Gesichtsausdruck der Aiel, die Mat am n�chsten waren. Rhuarc, der vor Rands Pferd einhertrabte, blickte finster drein, und mit Heims Miene h�tte man Steine zerklopfen k�nnen.</p><p>�Ich verstehe Euch nicht�, sagte Mat. �Ihr seht aus, als wolltet Ihr jemanden umbringen.� Das w�rde seiner Hoffnung allerdings ein j�hes Ende bereiten. �Ich hatte geglaubt, da� Ihr Aiel drei Arten von Leuten hier hinaus in die W�ste ziehen la�t: H�ndler, Gaukler und das Fahrende Volk.� �H�ndler und Gaukler sind uns willkommen�, antwortete Heim kurz angebunden. Falls das ein Willkommen sein sollte, wollte Mat lieber nicht erleben, wenn die Aiel jemanden als unerw�nscht betrachteten.</p><p>�Wie steht es mit dem Fahrenden Volk?� fragte er neugierig. Als Heim schwieg, f�gte er hinzu: �Kesselflicker? Die Tuatha'an?� Die Miene des Septimenh�uptlings wurde noch finsterer, bevor er den Blick wieder den Wagen zuwandte. Aviendha warf Mat einen Blick zu, der ihm sagte, er sei ein Narr.</p><p>Rand lenkte Jeade'en nahe an Pips heran. �Ich w�rde an deiner Stelle vor den Aiel die Kesselflicker nicht erw�hnen�, sagte er mit leiser Stimme. �Das ist ein... wunder Punkt bei ihnen.� �Wenn du meinst.� Warum sollten die <emphasis>Kesselflicker</emphasis> bei den Aiel einen wunden Punkt darstellen? �Sieht sowieso schon so aus, als sei dieser H�ndler f�r sie auch nicht gerade das Gelbe vom Ei. Fahrende H�ndler! Ich kann mich an gro�e Kaufleute erinnern, die mit weniger Wagen in Emondsfeld ankamen.� �Er kam eben in die W�ste�, schmunzelte Rand. Jeade'en warf den Kopf auf und t�nzelte ein paar Schritte weiter. �Ich frage mich, ob er sie wieder verlassen wird.� Rands schiefes Grinsen war nur eine Grimasse und erreichte nicht einmal seine Augen. Manchmal w�nschte sich Mat beinahe, Rand w�rde sich entscheiden, ob er nun verr�ckt geworden war oder nicht, und dann w�re wenigstens alles klar. Beinahe.</p><p>Dreihundert Schritt von den Wagen entfernt gab Rhuarc das Zeichen zum Stehenbleiben, und dann gingen Heim und er allein weiter. Zumindest war das ihre Absicht gewesen, doch Rand trieb seinen Apfelschimmel hinterher, und nat�rlich folgte ihm die unvermeidliche Leibgarde von hundert Jindo-Kriegern. Und selbstverst�ndlich auch Aviendha, die sich so nahe bei ihm hielt, als habe man sie an sein Pferd gebunden. Also ritt Mat auch gleich mit. Falls Rhuarc diesen Burschen zur�ckschicken wollte, w�rde er die Chance nicht verstreichen lassen, mit ihm aus der W�ste zu gelangen.</p><p>Couladin trabte von der Gruppe der Shaido aus hin�ber. Allein. Vielleicht wollte er das gleiche tun, was Rhuarc und Heim beabsichtigt hatten. Aber Mat vermutete eher, der Mann wolle nur allen zeigen, da� er sich allein dorthin begab, w�hrend Rand hundert Mann zum Schutz ben�tigte. Zuerst schien ihm, da� auch Moiraine kommen wollte, aber nach einer kurzen Unterhaltung mit den Weisen Frauen blieben alle, wo sie waren. Nat�rlich beobachteten sie alles. Die Aes Sedai stieg ab, spielte mit etwas Kleinem, das in der Sonne funkelte, und Egwene sowie die Weisen Frauen versammelten sich um sie.</p><p>Obwohl er sich das Gesicht oft abwischte, schien der gro�e Bursche im grauen Wams aus der N�he gar nicht so nerv�s zu sein. Allerdings fuhr er doch zusammen, als sich pl�tzlich T�chter des Speers vom Boden erhoben und die Wagen umzingelten. Die Fahrer, M�nner mit harten Gesichtern und genug Narben und gebrochenen Nasen, um weit herumgekommen zu sein, sahen aus, als wollten sie am liebsten unter ihre B�cke kriechen. Wenn man sie mit den Aielw�lfen verglich, waren sie h�chstens streunende Hunde. Der H�ndler erholte sich jedoch schnell. Er war trotz seiner Gr��e nicht fett. Sein Gewicht r�hrte von den Muskelpaketen her. Rand und Mat auf ihren Pferden wurden von ihm mit neugierigen Blicken bedacht, aber er konzentrierte sich sofort auf Rhuarc. Mit der Hakennase und den dunklen, schr�gstehenden Augen hatte er etwas Raubvogelhaftes an sich, trotz des breiten Gesichts, und das wurde auch nicht durch sein L�cheln gemildert. Er verbeugte sich und schwenkte dabei seinen Hut. �Ich hei�e Hadnan Kadere�, sagte er, �und bin ein fahrender H�ndler. Ich will zur Kaltfelsenfestung, gute Herren, aber ich verkaufe gern alles an jedermann. Ich habe viele sch�ne... � Rhuarc schnitt ihm wie mit einem eiskalten Messer das Wort ab: �Ihr fahrt in ganz anderer Richtung als zur Kaltfelsenfestung. Euer Kurs f�hrt zu �berhaupt keiner Festung hin. Wie kommt Ihr hierher, so weit von der Drachenmauer entfernt, ohne einen F�hrer bei Euch zu haben?� �Ich kenne mich wirklich nicht besonders gut aus, guter Herr.� Kadere verlor sein L�cheln nicht, nur um seine Mundwinkel herum spannte sich die Haut ein wenig. �Ich bin ganz offen durchs Land gefahren. Das ist meine erste Reise in den s�dlichen Teil des Dreifachen Landes. Ich dachte, da� es hier gar keine F�hrer gebe.� Couladin schnaubte vernehmlich und spielte tr�ge mit einem seiner Speere. Kadere zog die Schultern ein, als sp�re er bereits, wie sich die Spitze in seinen kr�ftigen K�rper bohrte.</p><p>�Es gibt �berall F�hrer�, sagte Rhuarc kalt. �Ihr habt Gl�ck gehabt, da� ihr ohne einen so weit gekommen seid.</p><p>Gl�ck, da� Ihr nicht tot seid oder nackt zur Drachenmauer zur�cklaufen m��t.� Kadere l�chelte kurz und unsicher, und dann fuhr der Clanh�uptling fort: �Euer Gl�ck, da� Ihr auf uns getroffen seid. W�rt Ihr auf diesem Weg noch ein oder zwei Tage weitergezogen, dann w�rt Ihr nach Rhuidean gekommen.� Das Gesicht des H�ndlers f�rbte sich grau. �Ich habe geh�rt... � Er hielt inne und schluckte erst einmal. �Das wu�te ich nicht, gute Herren. Ihr m��t mir glauben, da� ich so etwas nicht mit Absicht unternehmen w�rde. Und auch nicht zuf�llig�, f�gte er schnell noch hinzu. �Das Licht leuchte meinen Worten, gute Herren, denn das wollte ich wirklich nicht!� �Das ist gut�, sagte Rhuarc zu ihm. �Die Strafe w�re bitter hart. Ihr d�rft mit mir zur Kaltfelsenfestung fahren. Es w�re nicht gut, wenn Ihr euch noch einmal verirrt. Das Dreifache Land kann ein gef�hrlicher Ort f�r diejenigen sein, die es nicht kennen.� Couladins Kopf scho� hoch. �Warum nicht mit mir?� fragte er mit scharfer Stimme. �Es sind mehr Shaido hier, Rhuarc. Die Sitten verlangen, da� er mit mir f�hrt.� �Seid Ihr zum Clanh�uptling gemacht worden, als ich gerade nicht hinsah?� Der Aiel mit dem Feuerkopf lief rot an, aber Rhuarc zeigte deshalb keine Befriedigung. Er fuhr lediglich mit beherrschter Stimme fort: �Der H�ndler sucht die Kaltfelsenfestung. Er wird mit mir fahren. Die Shaido bei Euch k�nnen w�hrend der Fahrt mit ihm Handel treiben. Die Taardad sind nicht so ausgehungert, da� wir einen H�ndler ganz f�r uns behalten wollen.� Couladins Gesicht verf�rbte sich noch mehr, doch er m��igte seinen Ton, auch wenn man die M�he durchh�ren konnte: �Ich werde in der N�he der Kaltfelsenfestung lagern lassen, Rhuarc. Er, Der Mit Der Morgend�mmerung Kommt, betrifft <emphasis>alle</emphasis> Aiel und nicht nur die Taardad. Die Shaido werden den ihnen zustehenden Platz einnehmen. Auch die Shaido werden Ihm folgen.� Mat wurde bewu�t, da� er damit nicht gesagt hatte, da� dies Rand sei. Der betrachtete derweil die Wagen und schien nicht hingeh�rt zu haben.</p><p>Rhuarc schwieg einen Augenblick lang. �Die Shaido werden im Gebiet der Taardad willkommen sein, wenn sie dem folgen, Der Mit Der Morgend�mmerung Kommt.� Und das konnte man auch so oder so auslegen.</p><p>Kadere hatte derweil die ganze Zeit �ber sein Gesicht abgewischt. Er sah sich wahrscheinlich schon im Mittelpunkt einer Schlacht zwischen den Aielclans. Er begr��te Rhuarcs Einladung mit einem schweren Seufzer der Erleichterung. �Ich danke Euch, gute Herren. Ich danke Euch.� Wahrscheinlich daf�r, da� sie ihn nicht auf der Stelle get�tet hatten. �Vielleicht w�rdet Ihr gern sehen, was meine Wagen Euch alles bieten k�nnen? Gibt es etwas Besonderes, an dem Ihr Interesse habt?� �Sp�ter�, sagte Rhuarc. �Wir werden die Nacht beim Imre-Au�enposten verbringen, und dann k�nnt Ihr uns Eure Waren vorf�hren.� Couladin schritt bereits davon, nachdem er die Bezeichnung Imre-Au�enposten vernommen hatte, was das auch sein mochte. Kadere setzte seinen Hut wieder auf.</p><p>�Ein Hut�, sagte Mat und lenkte Pips n�her zu dem H�ndler hin. Wenn er noch ein wenig l�nger in der W�ste bleiben mu�te, konnte er damit wenigstens den grellen Sonnenschein von seinen Augen fernhalten. �Ich gebe Euch eine Goldmark f�r einen Hut wie Euren.� �Gemacht!� rief die rauchigmelodi�se Stimme einer Frau.</p><p>Mat sah sich um und fuhr zusammen. Die einzige Frau in Sicht au�er Aviendha und den T�chtern des Speers schritt vom zweiten Wagen her auf sie zu. Aber sie entsprach ganz und gar nicht ihrer Stimme, die zu den sch�nsten geh�rte, die er jemals vernommen hatte. Rand sah sie mit gerunzelter Stirn an und sch�ttelte den Kopf. Dazu hatte er allen Grund. Sie war einen Fu� kleiner als Kadere, wog aber bestimmt genauso viel oder mehr. Ihre dunklen Augen verschwanden beinahe hinter Fettpolstern, lie�en nicht erkennen, ob sie schr�ggestellt waren oder nicht, aber ihre Nase war daf�r noch um einiges gr��er als die des H�ndlers. Ihr hellgr�nes Seidenkleid spannte sich eng um ihren fetten K�rper. Ein wei�er Spitzenschal wurde von kunstvoll geschnitzten Elfenbeink�mmen auf ihrem groben, schwarzen Haar festgehalten. Und doch bewegte sie sich mit einer scheinbar unvereinbaren Leichtigkeit und Grazie, fast wie eine Tochter des Speers.</p><p>�Ein gutes Angebot�, sagte sie mit dieser melodi�sen Stimme. �Ich bin Keille Shaogi und eine fahrende H�ndlerin.� Sie schnappte sich Kaderes Hut und hielt ihn Mat hin. �Fest, guter Herr, und fast neu obendrein. Ihr werdet so etwas brauchen, um im Dreifachen Land zu �berleben. Hier kann ein Mann im Handumdrehen... � Fette Finger schnalzten wie ein Peitschenhieb. �... sterben.� Ihr pl�tzliches Lachen klang genauso rauchig und angenehm wie ihre Sprechstimme. �Oder eine Frau. Eine Goldmark, habt Ihr gesagt.� Als er z�gerte, glitzerten ihre halbverborgenen Augen rabenschwarz. �Ich biete nur selten einem Mann denselben Sonderpreis zweimal an.� Eine eigenartige Frau, um noch das Mindeste zu sagen. Kadere protestierte nicht weiter. Nur verzog er leicht das Gesicht. Falls Keille seine Partnerin war, gab es keinen Zweifel dar�ber, wer von beiden das Sagen hatte. Und wenn der Hut Mats Kopf vor dem �berkochen bewahrte, dann war er f�r ihn auch diesen Preis wert. Sie bi� in die tairenische Goldmark, die er ihr reichte, und dann lie� sie den Hut los. Erstaunlicherweise pa�te er. Und obwohl es unter dem breiten Rand nicht k�hler war, warf er doch wenigstens einen willkommenen Schatten. Das Tuch wanderte zur�ck in seine Tasche.</p><p>�Irgend etwas f�r die anderen?� Der Blick der fetten Frau wanderte �ber die Aiel, und sie murmelte �Was f�r ein h�bsches Kind� in Richtung Aviendha, wobei die die Z�hne bleckte, was wohl ein L�cheln bedeuten sollte. Zu Rand sagte sie mit s��er Stimme: �Und Ihr, guter Herr?� Es war schon ein gewaltiger Kontrast, diese Stimme aus diesem von Fettpolstern umgebenen Mund zu vernehmen, besonders bei dem jetzt angeschlagenen honigs��en Tonfall. �Etwas, das Euch vor diesem Land der Verzweiflung sch�tzt?� Rand lie� Jeade'en wenden, damit er die Fahrer besser sehen konnte, und er sch�ttelte den Kopf. Mit der um den Kopf gewickelten Schufa sah er wirklich wie ein Aiel aus.</p><p>�Heute abend, Keille�, sagte Kadere. �Wir er�ffnen heute abend an einem Ort, den man den Imre-Au�enposten nennt.� �Tats�chlich?� Einen Augenblick lang sp�hte sie hin�ber zu der Kolonne der Shaido und noch l�nger zu den Weisen Frauen und ihrer Begleitung. Mit einemmal wandte sie sich zum Gehen und sagte nur noch nach hinten gewandt zu dem H�ndler: �Warum haltet Ihr diese guten Herren noch auf? Bewegt Euch, Kadere. Bewegt Euch.� Rand sah ihr nach und sch�ttelte wieder den Kopf.</p><p>Hinten bei ihrem Wagen befand sich ein Gaukler. Mat zwinkerte erst und glaubte, die Hitze habe ihn nun vollends erwischt, aber der Bursche verschwand nicht. Es war ein dunkelhaariger Mann von mittleren Jahren, der den Flickenumhang trug. Er beobachtete aufmerksam die Menschenansammlung, bis Keille ihn vor sich die Treppen zum Wagen hochschob. Kadere sah ihren wei�en Wagen mit noch ausdrucksloserer Miene an, als es die Aiel fertigbrachten. Dann stolzierte auch er davon. Wirklich ein seltsamer Haufen.</p><p>�Hast du den Gaukler gesehen?� fragte Mat Rand, der abwesend nickte und die Reihe der Wagen so be�ugte, als habe er noch nie welche gesehen. Rhuarc und Heim befanden sich bereits auf dem R�ckweg zu den anderen Jindo. Die hundert Leibw�chter Rands warteten geduldig und teilten ihre Aufmerksamkeit zwischen ihm und allem, was auch nur einer Maus als Schlupfwinkel h�tte dienen k�nnen. Die Fahrer setzten sich zurecht, aber Rand r�hrte sich nicht vom Fleck. �Seltsame Leute, diese H�ndler, findest du nicht auch, Rand? Aber ich sch�tze, man mu� schon einen Knacks haben, wenn man freiwillig in die W�ste geht. Sieh nur uns mal an.� Das lie� Aviendha das Gesicht verziehen, aber Rand schien nichts geh�rt zu haben. Mat wollte doch nur, da� er etwas sagte. Irgendwas. Dieses Schweigen raubte ihm den letzten Nerv. �H�ttest du gedacht, da� es solch eine Ehre sein mu�, einen H�ndlerzug zu begleiten, da� sich Rhuarc und Couladin darum streiten? Verstehst du etwas von diesem ganzen <emphasis>Ji'e'toh?�</emphasis></p><p>�Ihr seid ein Narr�, knurrte Aviendha. �Es hat nichts mit <emphasis>Ji'e'toh</emphasis> zu tun. Couladin versucht, sich als Clanh�uptling aufzuspielen. Rhuarc kann das nicht zulassen, bis � ohne da� � er nach Rhuidean geht. Die Shaido w�rden jedem Hund den Knochen stehlen, oder wahrscheinlich sowohl den Knochen wie auch den ganzen Hund, aber selbst sie haben es verdient, einen echten H�uptling an der Spitze zu haben. Und Rand al'Thors wegen m�ssen wir nun tausend von ihnen in unserem Gebiet lagern lassen.� �Seine Augen�, sagte Rand, ohne den Blick von den Wagen zu wenden. �Ein gef�hrlicher Mann.� Mat runzelte die Stirn. �Wessen Augen? Couladins?� �Kaderes Augen. All das Schwitzen und dann das Erblassen. Und doch hat sich der Ausdruck seiner Augen nie ge�ndert. Du mu�t immer die Augen beobachten. Nicht, was er zu sein scheint.� �Sicher, Rand.� Mat rutschte im Sattel umher. Er hob die Z�gel, um weiterzureiten. Vielleicht war das Schweigen doch nicht so schlimm gewesen. �Du mu�t die Augen beobachten.� Rand verlagerte seine Aufmerksamkeit auf die n�chstgelegenen Felsnadeln und Spitzkuppen und drehte seinen Kopf mal in die eine Richtung und mal in die andere. �Das Risiko liegt im Zeitaufwand�, murmelte er. �Die Zeit stellt uns Fallen. Ich mu� die ihren meiden, w�hrend ich die eigenen aufstelle.� Oben gab es nichts, was Mat besonders auffiel, bis auf verstreute Dornb�sche und hier und da einen verkr�ppelten Baum. Aviendha blickte finsterneugierig hoch und dann Rand an. Sie r�ckte ihren Schal zurecht. �Fallen?� fragte Mat. <emphasis>Licht, la� ihn doch mal irgend etwas antworten, was nicht verr�ckt klingt!</emphasis> �Wer stellt uns Fallen?� Einen Augenblick lang sah ihn Rand an, als habe er die Frage nicht verstanden. Die H�ndlerwagen rumpelten mit einer Eskorte von T�chtern des Speers an den Seiten los und bogen auf den Kurs der Jindo ein, die an ihnen vorbeitrabten. Die Shaido trabten ebenfalls zu beiden Seiten weiter. Weitere T�chter des Speers rannten los, um die Vorhut zu bilden. Nur die Aiel um Rand herum standen noch da. Und die Gruppe um die Weisen Frauen z�gerte noch und beobachtete sie. Egwene gestikulierte, so da� Mat glaubte, sie wolle her�berkommen und nachsehen, was mit ihnen los sei.</p><p>�Du kannst es nicht sehen oder f�hlen�, sagte Rand schlie�lich. Er beugte sich ein wenig zu Mat vor und fl�sterte laut, als gebe er nur vor, ein Geheimnis mitzuteilen: �Wir reiten jetzt mit dem B�sen weiter, Mat. Pa� auf dich auf.� Er grinste wieder so schief, w�hrend er die Wagen an sich vor�berrumpeln lie�.</p><p>�Glaubst du, dieser Kadere sei <emphasis>b�se?�</emphasis></p><p>�Ein gef�hrlicher Mann, Mat � das verraten einem immer die Augen � aber wer wei�? Doch warum sollte ich mir Sorgen machen, wo doch Moiraine und die Weisen Frauen �ber mich wachen? Und Lanfear d�rfen wir auch nicht au�er acht lassen. Ist jemals ein Mann von so vielen wachsamen Augen �berwacht worden?� Pl�tzlich richtete sich Rand im Sattel auf. �Es hat angefangen�, sagte er leise. �W�nsche uns, da� ich dein Gl�ck habe, Mat. Es hat angefangen und nun gibt es keinen Weg zur�ck, wohin auch die Klinge trifft.� Er nickte sich selbst zu und lie� seinen Apfelschimmel hinter Rhuarc hertraben. Aviendha blieb an seiner Seite, und die hundert Jindo folgten ihnen.</p><p>Mat war froh dar�ber, da� es weiterging. Das war sicherlich besser, als hier zur�ckzubleiben. Die Sonne brannte hei� von einem wolkenlosblauen Himmel. Sie mu�ten noch ein ganzes St�ck weit reiten bis zum Sonnenuntergang. Es hatte angefangen? Was meinte er damit, da� es angefangen habe? Es hatte doch in Rhuidean begonnen, oder besser, in Emondsfeld in der Winternacht vor einem Jahr. �Mit dem B�sen reiten� und �kein Weg zur�ck�? Und dann Lanfear? Rand balancierte jetzt tats�chlich auf des Messers Schneide. Da gab es wohl keinen Zweifel. Es mu�te einen Weg aus der W�ste hinaus geben, und sie mu�ten ihn finden, bevor es zu sp�t war. Von Zeit zu Zeit betrachtete Mat die Wagen der H�ndler. Bevor es zu sp�t war. Falls es nicht schon zu sp�t war.</p></section><section><title><p>37</p><p>Der Imre-Au�enposten</p></title><p>Die Sonne stand noch eine Handbreit �ber dem zerkl�fteten Horizont im Westen, als Rhuarc sagte, der Imre-Au�enposten, wo er die Nacht verbringen wollte, liege nur etwa eine Meile vor ihnen. �Warum bleiben wir eigentlich schon dort?� fragte Rand. �Es wird noch stundenlang hell bleiben.� Diesmal beantwortete Aviendha seine Frage. Sie schritt auf der anderen Seite von Jeade'en entlang. Ihr Tonfall war genauso ver�chtlich, wie er es von ihr erwartete: �Es gibt Wasser am Imre-Au�enposten. Es ist am besten, ein Lager in der N�he einer Wasserstelle aufzuschlagen, wenn sich die M�glichkeit bietet.� �Und die Wagen der H�ndler k�nnen auch nicht viel weiter fahren�, f�gte Rhuarc hinzu. �Wenn die Schatten l�nger werden, m�ssen sie anhalten oder sie riskieren, ihre R�der und die Beine der Maulesel zu brechen. Ich will sie nicht zur�cklassen. Ich kann niemanden entbehren, um sie zu �berwachen, aber Couladin k�nnte... � Rand drehte sich im Sattel um. Mittlerweile flankierten Jindo <emphasis>Duadhe Mahdi'in,</emphasis> Wassersucher, die Wagen. Sie rumpelten schwerf�llig ein paar hundert Schritt seitlich von ihnen dahin, schaukelten und hinterlie�en eine lange, gelbe Staubfahne. Die meisten Rinnen in dem zerkl�fteten Boden waren zu tief oder hatten zu steile W�nde, so da� die Fahrer gezwungen waren, weite Umwege zu machen. So wand sich die Reihe der Wagen dahin wie eine betrunkene Schlange. Laute Fl�che erschollen immer wieder von dort her. Meist galten sie den Mauleseln, die an allem schuld sein sollten. Kadere und Keille befanden sich nach wie vor im Inneren ihrer wei�gestrichenen Wagen.</p><p>�Nein�, sagte Rand. �Das macht Ihr besser nicht.� Er lachte unwillk�rlich leise auf.</p><p>Mat sah ihn unter dem breiten Rand seines neuen Huts hervor so komisch an. Er l�chelte in der Hoffnung, ermutigend zu wirken, aber Mats Miene �nderte sich nicht. <emphasis>Er wird auf sich aufpassen m�ssen,</emphasis> dachte Rand. <emphasis>Es h�ngt zuviel davon ab.</emphasis> Was das Aufpassen betraf, wurde ihm wieder bewu�t, da� Aviendha ihn musterte. Den Schal hatte sie wie eine Schufa um den Kopf gewickelt. Er richtete sich wieder kerzengerade auf. Vielleicht hatte Moiraine ihr befohlen, sie solle sich um ihn k�mmern, aber er hatte das Gef�hl, sie wolle ihn nur fallen sehen. Das w�rde sie zweifellos am�sant finden, so wie sich der Humor bei den Aiel gezeigt hatte. Er h�tte sich ja gern eingebildet, sie sei lediglich w�tend dar�ber, da� man sie in ein Kleid gesteckt und ihr befohlen hatte, ihn zu �berwachen, aber das Glitzern in ihren Augen war einfach zu pers�nlich f�r diese M�glichkeit.</p><p>Endlich einmal beobachteten Moiraine und die Weisen Frauen ihn nicht. In der Mitte zwischen den Jindo und den Shaido gingen Moiraine und Egwene zu Fu� neben Amys und den anderen her, und alle sechs Frauen betrachteten etwas, das die Aes Sedai in der Hand hielt. Im Schein der untergehenden Sonne funkelte es wie ein Edelstein. Den Frauen schien das genauso zu gefallen wie jedem M�dchen, das etwas H�bsches sieht. Lan ritt hinten bei den Packpferden und den <emphasis>Gai'schain,</emphasis> als h�tten sie ihn weggeschickt.</p><p>Der Anblick verunsicherte Rand. Er war bereits daran gew�hnt, im Mittelpunkt der Aufmerksamkeit dieser Frauen zu stehen. Was interessierte sie denn nun auf einmal noch mehr? Sicher war es nichts, wor�ber er sich h�tte freuen k�nnen. Nicht, wenn es um Moiraine ging, und die anderen unterschieden sich nicht sehr von ihr. Sie hatten alle ihre Pl�ne, was sie mit ihm anfangen wollten. Egwene war noch die einzige bei ihnen, der er vertraute. <emphasis>Licht, hoffentlich kann ich ihr immer noch vertrauen.</emphasis> Eigentlich war er selbst der einzige, dem er wirklich vertraute. <emphasis>Wenn der Keiler aus dem Geb�sch bricht, bist du ganz allein mit ihm und deinem Speer.</emphasis> Diesmal klang sein Lachen ein wenig bitter.</p><p>�Findet Ihr das Dreifache Land am�sant, Rand al'Thor?� Aviendhas Z�hne blitzten einen Moment im Anflug eines L�chelns auf. �Lacht nur, solange es geht, Feuchtl�nder. Wenn dieses Land beginnt, Euch zu zerbrechen, wird das eine w�rdige Strafe daf�r, wie Ihr Elayne behandelt habt.� Warum konnte diese Frau nicht endlich damit aufh�ren? �Ihr habt dem Wiedergeborenen Drachen keinen Respekt erwiesen�, fuhr er sie an, �aber Ihr k�nntet Euch wenigstens um etwas Respekt dem <emphasis>Car'a'carn</emphasis> gegen�ber bem�hen.� Rhuarc schmunzelte. �Ein Clanh�uptling ist kein K�nig wie bei den Feuchtl�ndern, Rand. Und der <emphasis>Car'a'carn</emphasis> ist auch keiner. Man erweist ihm schon Respekt, wenn auch die Frauen sich bem�hen, das bis zum Letzten herunterzuspielen, aber jeder kann nat�rlich mit einem H�uptling sprechen.� Trotzdem warf er der Frau auf der anderen Seite von Rands Pferd einen strengen Blick zu. �Einige strapazieren allerdings die Geduld derer, denen Ehre geb�hrt, ein bi�chen zu sehr!� Aviendha wu�te offensichtlich, wem die Bemerkung galt, und ihre Miene versteinerte sich. Sie schritt ohne ein weiteres Wort an Rands Seite dahin. Die H�nde hatte sie allerdings zu F�usten geballt.</p><p>Zwei der Kundschafterinnen aus den Reihen der T�chter des Speers erschienen. Sie liefen zur�ck, so schnell sie nur konnten. Offensichtlich geh�rten sie nicht zusammen, denn die eine eilte geradewegs zu den Shaido hin�ber, w�hrend die andere zu den Jindo geh�rte. Rand erkannte sie, eine blonde Frau namens Adelin, gutaussehend, doch mit einem harten Gesicht. Eine Narbe zog sich wie ein d�nner, wei�er Strich �ber ihre eine sonnengebr�unte Wange. Sie war eine von denen, die auch im Stein dabeigewesen waren, obwohl sie �lter war als die anderen dort � vielleicht um zehn Jahre �lter als er selbst. Der kurze Blick, den sie Aviendha zuwarf, bevor sie sich Rhuarcs Schritt anpa�te, eine Mischung von Neugier und Sympathie, brachte Rand in Rage. Wenn Aviendha eingewilligt hatte, im Auftrag der Weisen Frauen zu spionieren, verdiente sie auch keine Sympathie. Und seine Gesellschaft war ja wohl auch nicht derart widerlich. Ihn selbst ignorierte Adelin vollst�ndig.</p><p>�Es gibt Schwierigkeiten am Imre-Au�enposten�, sagte sie zu Rhuarc. Sie sprach schnell und ein wenig abgehackt. �Es ist niemand zu sehen. Wir haben uns versteckt und sind nicht n�her herangegangen.� �Gut�, antwortete Rhuarc. �Sagt den Weisen Frauen Bescheid.� Unbewu�t packte er seine Speere ein wenig kr�ftiger und lie� sich zu der Hauptgruppe der Jindo zur�ckfallen. Aviendha knurrte irgend etwas und zupfte an ihrem Rock herum. Ganz klar, da� sie ihm am liebsten gefolgt w�re.</p><p>�Ich glaube, sie wissen es bereits�, sagte Mat, als Adelin zur Gruppe der Weisen Frauen hin�bereilte.</p><p>Unter den Frauen um Moiraine herrschte helle Aufregung, so da� Rand Mat recht geben mu�te. Sie schienen alle auf einmal sprechen zu wollen. Egwene hob eine Hand �ber die Augen und blickte entweder zu Adelin oder zu ihm her�ber. Die andere Hand hatte sie auf den Mund gelegt. Woher sie die Neuigkeiten hatten, mu�te er sp�ter einmal kl�ren.</p><p>�Was kann denn da los sein?� fragte er Aviendha. Sie murmelte immer noch etwas in sich hinein und antwortete nicht. �Aviendha? Was kann da los sein?� Nichts. �Seng Euch, Frau, k�nnt Ihr keine einfache Frage beantworten? Was ist dort los?� Sie err�tete, antwortete nun aber mit beherrschter Stimme: �H�chstwahrscheinlich war es ein �berfall, um ihre Ziegen oder Schafe zu stehlen. Beide finden bei Imre eine recht gute Weide, aber wahrscheinlich sind die Ziegen das Ziel gewesen, wegen des Wassers. Vielleicht waren es die Chareen, die Wei�berge-Septime, oder auch die Jarra. Sie wohnen am n�chsten. Oder es k�nnte auch eine Septime der Goshien gewesen sein. Die Tomanelle wohnen zu weit weg, denke ich.� �Wird es Auseinandersetzungen geben?� Er griff nach <emphasis>Saidin,</emphasis> und der s��e Schwall der Macht erf�llte ihn. Der ranzige Beigeschmack drang in sein Inneres, und neuer Schwei� rann ihm aus allen Poren. �Aviendha?� �Nein. Adelin h�tte es berichtet, wenn die R�uber noch dagewesen w�ren. Die Herde und die <emphasis>Gai'schain</emphasis> d�rften sich mittlerweile meilenweit entfernt befinden. Wir k�nnen die Herde auch nicht zur�ckholen, weil wir Euch begleiten m�ssen.� Er fragte sich, warum sie nichts davon erw�hnte, die Gefangenen zu befreien, die <emphasis>Gai'schain,</emphasis> aber der Gedanke verflog schnell. Er mu�te sich gro�e M�he geben, aufrecht sitzen zu bleiben, w�hrend er von <emphasis>Saidin</emphasis> erf�llt war, sich nicht zusammenzukr�mmen und einfach wegschwemmen zu lassen, und das lie� ihm keine Zeit f�r unbeantwortete Fragen.</p><p>Rhuarc und die Jindo liefen los und verschleierten sich bereits. Rand folgte ihnen etwas langsamer. Aviendha warf ihm ungeduldige Blicke zu, aber er lie� Jeade'en lediglich etwas schneller gehen. Er w�rde nicht in die Falle eines anderen hineingaloppieren. Wenigstens Mat hatte auch keine Eile. Er z�gerte und blickte zu den H�ndlerwagen hin�ber, bevor er Pips richtig in Bewegung setzte. Rand sah die Wagen nicht an.</p><p>Die Shaido fielen zur�ck und verlangsamten ihren Schritt, bis sich die Weisen Frauen wieder in Bewegung setzten. Klar. Das hier war Gebiet der Taardad, und es war Couladin gleich, ob ein �berfall stattgefunden hatte oder nicht. Rand hoffte, da� sie die Clanh�uptlinge m�glichst bald in Alcair Dal zusammenbringen w�rden. Wie konnte er ein Volk einen, dessen Teile sich untereinander pausenlos bek�mpften? Doch das war jetzt seine geringste Sorge.</p><p>Als endlich der Imre-Au�enposten in Sicht kam, stellte er doch eine �berraschung dar. Ein paar weit verstreute Gr�ppchen von langhaarigen, wei�en Ziegen grasten friedlich auf gr��eren, mit z�hem Gras bewachsenen Fl�chen oder fra�en sogar die Bl�tter von den Dornb�schen ab. Zuerst entdeckte er das rohe Steingeb�ude gar nicht, das sich unten an eine hohe Spitzkuppe lehnte. Das grobe Mauerwerk pa�te sich farblich der Umgebung hervorragend an, und au�erdem hatten mehrere Dornb�sche auf dem mit Erdboden bedeckten Dach Wurzeln geschlagen. Es war nicht sehr gro�, hatte Schie�scharten anstelle von Fenstern und, soweit er erkennen konnte, nur eine T�r. Einen Augenblick sp�ter entdeckte er noch ein zweites Geb�ude, auch nicht gr��er, das auf einem Felsvorsprung zwanzig Schritt �ber dem anderen stand. Ein tiefer Einschnitt zog sich hinter dem unteren Geb�ude bis zu dem Vorsprung hoch. Es war kein anderer Weg erkennbar, der dorthin f�hrte.</p><p>Rhuarc stand ganz offen etwa vierhundert Schritt von der Kuppe entfernt da und hatte den Schleier abgenommen. Kein anderer Jindo war sichtbar. Das hie� nat�rlich nicht, da� die anderen nicht auch da seien. Rand hielt sein Ro� neben Rhuarc an und stieg ab. Der Clanh�uptling betrachtete weiter eingehend die Steingeb�ude.</p><p>�Die Ziegen�, sagte Aviendha besorgt. �Bei einem �berfall w�ren keine Ziegen zur�ckgeblieben. Die meisten sind weg, aber es macht beinahe den Eindruck, als sei die Herde sich selbst �berlassen worden und habe sich zerstreut.� �Das mu� schon vor Tagen geschehen sein�, stimmte ihr Rhuarc zu, der den Blick nicht von den Geb�uden wandte, �sonst w�ren noch mehr da. Warum kommt niemand heraus? Sie sollten von dort aus mein Gesicht sehen und mich erkennen.� Er ging vorw�rts und erhob keine Einw�nde, als Rand sich ihm mit Jeade'en am Z�gel anschlo�. Aviendha hatte eine Hand am Griff ihres kleinen Messers und Mat, der hinter ihnen herritt, trug seinen Speer mit dem schwarzen Schaft, als erwarte er, ihn gebrauchen zu m�ssen.</p><p>Die T�r war aus schmalen, kurzen und rauhen Brettern zusammengenagelt. Ein paar der dicken Scharniere waren zerbrochen, von Axthieben zerst�rt. Rhuarc z�gerte einen Moment lang und dr�ckte sie dann auf. Er warf nur einen kurzen Blick hinein und betrachtete dann von diesem Standpunkt aus die sie umgebende Landschaft.</p><p>Rand steckte den Kopf hinein. Es war niemand da. Das Innere bestand nur aus einem Raum, und der machte nicht den Eindruck eines Wohnraums, sondern nur den einer Unterkunft, die den Hirten Schutz bieten konnte und in dem sie sich im Notfall auch verteidigen konnten. Das Licht fiel in grellen Balken durch die Schie�scharten hinein. Es gab keine M�bel, keine Tische und St�hle. Ein etwas erh�hter offener Herd befand sich genau unter einem verru�ten Rauchabzugsloch in der Decke. An der R�ckwand war der blanke graue Felsen mit diesem breiten Spalt zu sehen, in den man Stufen gehauen hatte. Das Geb�ude war gepl�ndert worden. Bettzeug, Decken, T�pfe, alles lag verstreut auf dem Steinboden herum. Die Kissen hatte man aufgeschlitzt. �ber alles war irgendeine Fl�ssigkeit gespritzt worden, deren schwarze Reste �berall, auch an den W�nden und sogar an der Decke angetrocknet waren.</p><p>Als ihm klar wurde, was das war, zuckte er zur�ck und hielt das aus der Macht gefertigte Schwert in der Hand, bevor er �berhaupt nachdenken konnte. Blut. Soviel Blut.</p><p>Hier hatte ein Blutbad stattgefunden, so schlimm, wie er es sich nur vorstellen konnte. Drau�en r�hrte sich nichts au�er den Ziegen.</p><p>Aviendha ging so schnell wieder hinaus, wie sie eingetreten war. �Wer?� fragte sie ungl�ubig, und in ihren gro�en blaugr�nen Augen stand Erbitterung. �Wer w�rde so etwas tun? Wo sind die Toten?� �Trollocs�, brach es aus Mat hervor. �Das sieht meiner Meinung nach aus, als h�tten es Trollocs angerichtet.� Sie schnaubte ver�chtlich. �Trollocs kommen nicht ins Dreifache Land, Feuchtl�nder. H�chstens unten am Rand der F�ule mal ein paar Meilen weit, und das auch noch sehr selten. Ich habe geh�rt, da� sie das Dreifache Land als das Land des Todes bezeichnen. Wir jagen die Trollocs, Feuchtl�nder, und nicht sie uns.� Nichts r�hrte sich. Rand lie� das Schwert verschwinden und schob <emphasis>Saidin</emphasis> von sich. Es war schwierig. Die S��e der Macht reichte fast aus, um den Ekel vor dem Verderben, das darin lag, zu �berwinden; der manische Genu� darin sorgte beinahe daf�r, da� ihm alles gleich war. Mat hatte recht, was Aviendha auch dagegen sagen mochte. Aber das hier war alt und die Trollocs waren l�ngst verschwunden. Trollocs in der W�ste an einem Ort, an den er sich begab. Er war kein Narr, der dabei an einen Zufall glaubte. <emphasis>Aber wenn sie mich f�r einen Narren halten, werden sie vielleicht leichtsinnig.</emphasis></p><p>Rhuarc gab den Jindo ein Zeichen herzukommen. Sie schienen pl�tzlich aus dem Boden herauszuwachsen. Eine Weile sp�ter erschienen auch die anderen, die Shaido, die Wagenkolonne der H�ndler und die Gruppe mit den Weisen Frauen. Die Kunde, was sie vorgefunden hatten, verbreitete sich schnell, und unter den Aiel wurde die Anspannung beinahe greifbar. Sie bewegten sich, als erwarteten sie jeden Augenblick einen Angriff, vielleicht auch von dem jeweiligen Gegner aus dem eigenen Volk. In jede Richtung schw�rmten Kundschafter aus. Die Fahrer der Wagen spannten ihre Maulesel ab und blickten sich unruhig um. Sie schienen bereit, beim ersten Aufschrei mit einem Sprung unter ihre Wagen zu hechten.</p><p>Eine Weile wirkte das Ganze wie ein aufgescheuchter Ameisenhaufen. Rhuarc sorgte daf�r, da� die H�ndler ihre Wagen an den Rand des Jindo-Lagers schoben. Couladin war w�tend dar�ber, denn das bedeutete, jeder Shaido, der etwas kaufen wollte, mu�te zu den Jindo gehen. Aber er schlug keinen Krach deswegen. Vielleicht sah sogar er ein, da� ein Streit zu diesem Zeitpunkt dazu f�hren konnte, da� man den Tanz der Speere tanzte. Die Shaido errichteten ihre Zelte eine knappe Viertelmeile entfernt, und wie immer lagerten dazwischen die Weisen Frauen mit ihrer Begleitung. Auch diese untersuchten das Innere des Geb�udes zusammen mit Moiraine und Lan, aber falls sie zu irgendeinem Schlu� kamen, sagten sie es niemandem.</p><p>Das Wasser am Imre-Au�enposten stellte sich als winzige Quelle heraus, ganz hinten in der Spalte, die ihr Wasser in einem tiefen, etwa runden Teich ergo�. Rhuarc nannte das einen Tank. Aber er hatte nur einen Durchmesser von weniger als zwei Schritt. Genug f�r die Hirten, genug auch f�r die Jindo, um einige ihrer Wasserschl�uche zu f�llen. Kein Shaido kam in die N�he. Im Land der Taardad hatten die Jindo das erste Wasserrecht. Wie es schien, holten sich die Ziegen die meiste von ihnen ben�tigte Feuchtigkeit aus den fleischigen Bl�ttern der Dornb�sche. Rhuarc versicherte Rand, da� sie am n�chsten Abend bei ihrem Lager sehr viel mehr Wasser vorfinden w�rden.</p><p>Kadere �berraschte sie, w�hrend die Fahrer noch ihre Gespanne ausspannten und Eimer voll Wasser von den Tankwagen besorgten. Als er aus seinem Wagen trat, begleitete ihn eine dunkelhaarige junge Frau in roter Seidenrobe und roten Samtpantoffeln, die besser in einen Palast gepa�t h�tten als in die W�ste. Ein durchscheinendes rotes Tuch, das sie wie eine Schufa trug, und ein Schleier boten wohl kaum Schutz gegen die Sonne und verbargen auch das blasse, sch�ne, herzf�rmige Gesicht keineswegs. Sie hielt sich am kr�ftigen Arm des H�ndlers fest und trat mit aufregendem H�ftschwung neben ihm in den blutbespritzten Raum. Moiraine und die anderen hatten sich hin�ber begeben wo die <emphasis>Gai'schain</emphasis> das Lager der Weisen Frauen errichteten. Als das P�rchen zur�ckkehrte, schauderte die junge Frau kaum wahrnehmbar. Rand war sich sicher, da� sie sich verstellte, und er war sich auch sicher, da� sie dieses Schlachthaus hatte besichtigen wollen. Ihre zur Schau getragene Abneigung hielt kaum zwei Sekunden an, und dann sah sie sich interessiert unter den Aiel um.</p><p>Es schien, da� auch Rand zu den Sehensw�rdigkeiten geh�rte, die sie zu sehen w�nschte. Kadere war wohl soweit, da� er sie zum Wagen zur�ckbringen wollte, doch sie f�hrte ihn statt dessen zu Rand hin�ber. Das verlockende L�cheln um ihre vollen Lippen war hinter dem durchscheinenden Schleier deutlich zu erkennen. �Hadnan hat mir von Euch erz�hlt�, sagte sie mit rauchiger Stimme. Sie hing wohl am Arm des H�ndlers, doch ihre dunklen Augen musterten Rand herausfordernd. �Ihr seid derjenige, von dem die Aiel sprechen. Er, Der Mit Der Morgend�mmerung Kommt.� Keille und der Gaukler kamen aus dem zweiten Wagen, standen in einiger Entfernung beieinander und beobachteten alles.</p><p>�Wie es scheint, bin ich das�, sagte er.</p><p>�Seltsam.� Ihr L�cheln wurde spitzb�bisch und frech. �Ich glaubte, Ihr w�rt h�bscher.� Sie t�tschelte Kaderes Wange und seufzte. �Diese schreckliche Hitze ist so anstrengend. Bleibt nicht zu lange drau�en.� Kadere sagte nichts, bis sie die Stufen hinauf und in den Wagen gegangen war. Seinen Hut hatte er durch einen langen wei�en Schal ersetzt, den er zusammengerollt auf seinen Kopf gebunden hatte. Die Enden hingen ihm im Nacken herunter. �Ihr m��t Isendre vergeben, guter Herr. Sie ist manchmal... zu offen.� Seine Stimme klang beruhigend, doch seine Augen geh�rten einem Raubvogel. Er z�gerte und fuhr dann fort: �Ich habe andere Dinge geh�rt. Ich habe geh�rt, da� Ihr <emphasis>Callandor</emphasis> aus dem Herz des Steins mitnahmt.� Die Augen des Mannes ver�nderten sich nie. Wenn er von <emphasis>Callandor</emphasis> wu�te, dann war ihm auch klar, da� Rand der Wiedergeborene Drache war und da� er die Eine Macht benutzen konnte. Und immer noch ver�nderten sich seine Augen nicht. Ein gef�hrlicher Mann. �Ich habe geh�rt�, sagte Rand zu ihm, �da� man nichts glauben sollte, was man h�rt, und nur die H�lfte dessen, was man sieht.� �Eine weise Lebensregel�, sagte Kadere nach einem Augenblick des Z�gerns. �Aber um Gro�es zu vollbringen, mu� ein Mann etwas glauben. Glaube und Wissen pflastern den Weg zur Gr��e. Wissen ist vielleicht das Wertvollste von allem. Wir alle suchen die M�nze des Wissens. Verzeiht mir, guter Herr. Isendre ist keine geduldige Frau. Vielleicht werden wir bald eine weitere Gelegenheit haben, uns zu unterhalten.� Bevor der Mann auch nur drei Schritte getan hatte, sagte Aviendha mit leiser, harter Stimme: �Ihr geh�rt zu Elayne, Rand al'Thor. Starrt Ihr jede Frau so an, die Euch vor die Augen kommt, oder nur diejenigen, die halbnackt herumlaufen? Wenn ich mich ausziehe, werdet Ihr mich dann ebenso anstarren? Ihr geh�rt zu Elayne!� Er hatte ihre Anwesenheit schon ganz vergessen. �Ich <emphasis>geh�re</emphasis> zu niemandem, Aviendha. Elayne? Sie scheint sich selbst nicht ganz dar�ber klar zu sein, was sie eigentlich will.� �Elayne hat Euch ihr Herz offenbart, Rand al'Thor. Wenn sie Euch das nicht im Stein von Tear klargemacht hat, haben Euch dann ihre beiden Briefe nicht gesagt, was sie f�hlt? Ihr geh�rt ihr und keiner anderen.� Rand warf die H�nde hoch und marschierte davon, weg von ihr. Wenigstens versuchte er das. Aber sie folgte ihm auf den Fersen � ein mi�billigender Schatten im grellen Sonnenschein.</p><p>Schwerter. Die Aiel hatten vielleicht vergessen, warum sie keine Schwerter trugen, aber sie verachteten sie nach wie vor. Schwerter k�nnten sie m�glicherweise dazu bringen, da� sie ihn in Ruhe lie�. Er suchte Lan im Lager der Weisen Frauen und bat den Beh�ter, ihm beim �ben mit dem Schwert zuzusehen und ihn zu beraten. Bair war die einzige der vier, die zu sehen war, und die Falten in ihrem Gesicht wurden durch ihre finstere Miene noch vertieft. Auch Egwene war verschwunden. Moiraine trug ihre Ruhe wie eine Maske zur Schau. Ihre dunklen Augen blickten k�hl drein. Er wu�te nicht, ob sie seine Handlungsweise guthie�.</p><p>Es war nicht seine Absicht, die Aiel vor den Kopf zu sto�en, und so begab er sich mit Lan zwischen die Zelte der Weisen Frauen und die der Jindo. Er ben�tzte eines der �bungsschwerter, die Lan im Gep�ck hatte, mit zusammengeschn�rten Leisten anstelle einer Klinge. Gewicht und Balance stimmten, und er war in der Lage, in dem t�nzerischen Gleiten von einer Figur in die andere seine Umgebung zu vergessen. Das �bungsschwert erwachte in seinen H�nden zum Leben, wurde ein Teil seiner selbst. Gew�hnlich war es jedenfalls so. Heute brannte die Sonne so unbarmherzig auf sie herab und sog ihnen jede Feuchtigkeit und Kraft aus den Gliedern. Aviendha hockte an der Seite, hatte die Arme um die Knie geschlungen und starrte ihn an.</p><p>Schlie�lich lie� er schwer atmend die Arme sinken.</p><p>�Ihr habt die Konzentration verloren�, sagte Lan zu ihm. �Ihr m��t sie aber halten, auch wenn Eure Muskeln zu Wasser werden. Verliert sie, und das ist der Tag, an dem Ihr sterbt. Und wahrscheinlich wird es ein Bauernjunge sein, der zum ersten Mal ein Schwert in der Hand h�lt, der Euch besiegt.� Pl�tzlich l�chelte er. Auf seinem steinernen Gesicht wirkte das ganz ungewohnt.</p><p>�Ja. Nun ja, ich bin nun wohl kein Bauernjunge mehr, oder?� Sie hatten einige Zuschauer angezogen, wenn auch auf sichere Entfernung. An den R�ndern der Lager sowohl der Jindo wie auch der Shaido standen die Aiel. Keilles in Beige geh�llte fette Gestalt hob sich von den Jindo ab, genau wie der Gaukler neben ihr in seinem bunten Flickenumhang. Wer von ihnen war ihm lieber? Jedenfalls wollte er nicht, da� sie merkten, wie er sie beobachtete. �Wie k�mpfen die Aiel, Lan?� �Hart�, sagte der Beh�ter trocken. �Sie verlieren nie die Konzentration. Seht her.� Mit dem Schwert zog er auf dem harten, aufgesprungenen Boden einen Kreis und Pfeile. �Die Aiel wechseln ihre Taktik je nach den Gegebenheiten, aber hier ist eine ihrer Lieblingstaktiken. Sie marschieren in einer Kolonne, die in vier Viertel unterteilt ist. Wenn sie auf den Feind treffen, rennt die erste Gruppe vor, um ihn zu binden. Die zweite und die dritte weichen zur Seite hin aus und greifen an den Flanken und von hinten an. Das letzte Viertel wartet als Reserve und beobachtet manchmal nicht einmal den Kampf, au�er dem Anf�hrer. Wenn sich eine Schw�che beim Gegner zeigt, eine L�cke in der Formation oder sonstwas, dann schl�gt die Reserve dort zu. Und Schlu�!� Sein Schwert stach in den Kreis hinein, der bereits von Pfeilen durchbohrt war.</p><p>�Was kann man dagegen unternehmen?� fragte Rand.</p><p>�Das ist schwer zu sagen. Wenn der erste Kontakt hergestellt wird � Ihr werdet die Aiel sowieso nicht entdecken, bevor sie zuschlagen, es sei denn, Ihr habt Gl�ck �, m��t Ihr sofort Reiter losschicken, die ihre Flankenangriffe zerschlagen oder zumindest aufhalten. Wenn Ihr den gr��eren Teil Eurer Kr�fte zur�ckhaltet und den zentralen Angriff zur�ckschlagt, der Euch nur aufhalten soll, dann k�nnt Ihr Euch anschlie�end den anderen widmen und sie auch besiegen.� �Warum wollt Ihr lernen, wie man gegen Aiel k�mpft?� platzte Aviendha heraus. �Seid Ihr nicht Er, Der Mit Der Morgend�mmerung Kommt, der dazu bestimmt ist, uns zu einen und zu altem Ruhm zur�ckzuf�hren? Au�erdem, wenn Ihr wissen wollt, wie man gegen Aiel k�mpft, dann fragt auch Aiel und keinen Feuchtl�nder. Seine Taktik funktioniert nicht.� �Sie hat von Zeit zu Zeit recht gut funktioniert, wenn ich M�nner aus den Grenzlanden daf�r zur Verf�gung hatte.� Rhuarcs weiche Stiefel machten auf dem harten Boden kaum ein Ger�usch. Er trug einen Wasserschlauch unter dem Arm. �Man kann immer Verst�ndnis zeigen, wenn jemand eine Entt�uschung hinter sich hat, Aviendha, aber irgendwo gibt es eine Grenze. Ihr habt den Speer zugunsten Eurer Verpflichtung dem Volk und dem Blut gegen�ber aufgegeben. Eines Tages werdet Ihr zweifellos einen Clanh�uptling dazu bringen, da� er tut, was Ihr sagt, und nicht, was er will, aber wenn Ihr statt dessen auch nur die Weise Frau der kleinsten Festung der kleinsten Septime der Taardad seid, so bleibt doch Eure Verpflichtung, und der kann man nicht mit Wutanf�llen begegnen.� Eine Weise Frau. Rand f�hlte sich wie ein Narr. Nat�rlich war sie deshalb nach Rhuidean gegangen. Aber er h�tte nie gedacht, da� Aviendha freiwillig den Speer aufgeben werde. Das erkl�rte selbstverst�ndlich auch, warum man sie erw�hlt hatte, bei ihm zu spionieren. Mit einemmal fragte er sich, ob sie die Macht benutzen k�nne. Ihm schien, da� Min die einzige Frau war, der er seit jener Winternacht begegnet war, die das nicht konnte.</p><p>Rhuarc warf ihm den wabbelnden Wasserschlauch zu. Das lauwarme Wasser flo� durch seine Kehle wie gek�hlter Wein. Er hielt sich zur�ck und sch�ttete nichts �ber sein Gesicht, um kein Wasser zu verschwenden, aber das kostete ihn Beherrschung.</p><p>�Ich dachte, du m�chtest vielleicht lernen, mit dem Speer umzugehen�, sagte Rhuarc, als Rand schlie�lich den halbleeren Beh�lter sinken lie�. Erst jetzt sah Rand, da� der H�uptling nur zwei Speere trug und ebenfalls zwei der kleinen Schilde. Es waren keine �bungsspeere, falls es die �berhaupt gab, und jeder hatte eine einen Fu� lange Stahlspitze.</p><p>Stahl oder Holz, seine Muskeln verlangten nach Ruhe. Seine Beine wollten ihn dazu bringen, da� er sich hinsetzte, und sein Kopf wollte sich niederlegen. Keille und der Gaukler waren weg, aber die Aiel in beiden Lagern schauten immer noch zu. Sie hatten gesehen, wie er mit einem der verachteten Schwerter �bte, auch wenn es nur aus Holz war. Sie waren sein Volk. Er kannte sie zwar nicht, aber sie waren sein in mehr als einer Hinsicht. Auch Aviendha beobachtete ihn nach wie vor mit zornigen Blicken, als mache sie ihn daf�r verantwortlich, da� Rhuarc sie heruntergeputzt hatte. Nicht, da� sie irgend etwas mit seiner Entscheidung zu tun hatte. Klar. Die Jindo und die Shaido schauten zu; das war der Grund.</p><p>�Dieser Berg wird manchmal schon schrecklich schwer�, seufzte er und nahm von Rhuarc einen Speer und ein Schild entgegen. �Wann findet man die Zeit dazu, ihn f�r eine Weile wegzulegen?� �Wenn Ihr sterbt�, sagte Lan schlicht.</p><p>Er zwang seine Beine dazu, sich zu bewegen, und bem�hte sich dabei, Aviendha zu vergessen. So stellte er sich Rhuarc. Er hatte noch nicht vor, zu sterben. Noch lange nicht!</p><p>Mat lehnte an einem hohen Rad im Schatten eines H�ndlerwagens und beobachtete die vielen Jindo, die Rand beim �ben zusahen. Er konnte nur noch ihre R�cken sehen, so dicht gedr�ngt standen sie. Der Mann war doch ein kompletter Idiot, so in dieser Hitze herumzuh�pfen. Jeder vern�nftige Mann suchte sich ein vor der Sonne gesch�tztes Pl�tzchen und etwas zu trinken. Er verlagerte sein Gewicht ein wenig und sp�hte in den Bierkrug. Das Bier hatte er von einem der Fahrer gekauft. Er verzog das Gesicht. Nichts schmeckte so richtig, wenn es nur eine warme Br�he war. Aber wenigstens war es na�. Das einzige, was er au�er dem Hut noch gekauft hatte, war eine Pfeife mit kurzem Stiel und silberverziertem Kopf, die nun neben seinem Tabaksbeutel in der Tasche steckte. Ihm war nicht nach Feilschen zumute. Es sei denn, es ginge um eine Passage aus der W�ste hinaus, doch das war etwas, das im Moment von den H�ndlern wohl nicht angeboten wurde.</p><p>Die Gesch�fte gingen ansonsten nicht schlecht, wenn sie auch nur wenig Bier verkauften. Den Aiel machte dessen Temperatur wohl nichts aus, aber es war ihnen zu schwach. Die meisten K�ufer waren Jindo, aber aus dem anderen Lager kam ein stetiger Strom von Shaido her�ber. Couladin und Kadere steckten lange Zeit die K�pfe zusammen, konnten sich aber wohl nicht einigen, denn Couladin ging wieder mit leeren H�nden. Kadere schien das nicht gepa�t zu haben, denn er blickte Couladin mit diesen Raubvogelaugen nach, und ein Jindo, der seine Aufmerksamkeit gewinnen wollte, mu�te ihn dreimal ansprechen, bevor er schlie�lich erh�rt wurde.</p><p>Die Aiel hatten nicht viel, was gem�nztes Geld betraf, doch die H�ndler und ihre Leute nahmen gern auch Silbersch�sseln oder kleine goldene Statuen oder sch�ne Wandbeh�nge, die sie aus Tear �mitgenommen� hatten, und aus den Taschen der Aiel tauchten Goldnuggets und Klumpen von Rohsilber auf, die Mat denn doch erstaunt durch die Z�hne pfeifen lie�en. Doch bei einem Aiel, der im W�rfelspiel verlor, konnte man nie sicher sein, ob er nicht zu seinem Speer griff. Er fragte sich, wo sich die Bergwerke bef�nden. Wo einer Gold fand, konnte auch ein anderer welches finden. Aber wahrscheinlich machte es eine Menge Arbeit, das Gold auszugraben. Er nahm einen langen Zug aus dem Bierkrug und lehnte sich wieder bequem an das Wagenrad.</p><p>Was sich verkaufte, was nicht, und zu welchem Preis, war sehr interessant. Die Aiel waren keine primitiven Hinterw�ldler, die etwa einen goldenen Salzstreuer gegen einen Ballen Tuch eintauschten. Sie kannten den Wert der Dinge und feilschten gewaltig, aber sie hatten ihre eigenen Bed�rfnisse. B�cher verkauften sich augenblicklich. Nicht jeder wollte welche, aber diejenigen, die B�cher kauften, nahmen absolut alle mit, die sich in den Wagen befanden. Spitzen und Samt verschwanden ebenso schnell, wie man sie herausbrachte, und das f�r erstaunliche Mengen an Silber und Gold, und selbst B�nder verkauften sich zu hohen Preisen, aber die beste Seide blieb unverkauft liegen. Seide war im Osten billiger. Das h�rte er von einem Shaido, der mit Kadere dar�ber sprach. Ein breitschultriger Fahrer mit gebrochenem Nasenbein versuchte, eine Tochter des Speers von den Jindo zu �berreden, ein aus Elfenbein geschnitztes Armband zu kaufen. Sie zog ein anderes aus ihrer Tasche, das breiter, dicker und noch kunstvoller geschnitzt war, und dann bot sie ihm an, mit ihm um beide zu ringen. Er z�gerte, lehnte aber dann doch ab. Mat hielt ihn danach f�r noch d�mmer, als er aussah. Nadeln und anderes N�hzeug verkauften sich sofort, aber die Topfwaren und die meisten Messer ernteten nur ver�chtliche Blicke. Die Schmiede der Aiel leisteten bessere Arbeit. Alles m�gliche wanderte von einer Hand in die andere, vom Fl�schchen mit Parfum und Badesalz bis zu Kr�gen mit Schnaps. Wein und Schnaps brachten gute Preise. Er war �berrascht, als er h�rte, wie Heim nach Tabak von den Zwei Fl�ssen verlangte. Die H�ndler hatten keinen.</p><p>Ein Fahrer versuchte immer wieder, das Interesse der Aiel an einer schweren, goldverzierten Armbrust zu wecken, hatte aber keinen Erfolg damit. Doch die Armbrust stach Mat ins Auge. All diese eingearbeiteten goldenen L�wen mit roten Augen, die wahrscheinlich kleine Rubine waren. Klein, aber immerhin � Rubine. Nat�rlich konnte ein guter Bogensch�tze von den zwei Fl�ssen sechs Pfeile verschie�en, w�hrend der Armbrustsch�tze noch die Sehne zum zweiten Schu� mit dem Spannhebel anzog. Allerdings hatte eine Armbrust von dieser Gr��e eine gr��ere Reichweite, vielleicht hundert Schritt mehr. Zwei M�nner, die nichts anderes zu tun hatten, als jedem Armbrustsch�tzen sofort eine neue gespannte Armbrust mit Bolzen in die Hand zu dr�cken, w�hrend die eben benutzte wieder gespannt wurde, und dann kr�ftige Pikeure, um die Kavallerie des Gegners zu bremsen...</p><p>Mat verzog das Gesicht und stie� mit dem Kopf gegen eine der Speichen. Es war schon wieder passiert. Er mu�te raus aus der W�ste, weg von Moiraine, weg von allen Aes Sedai. Vielleicht sollte er f�r eine Weile nach Hause gehen.</p><p>M�glicherweise konnte er noch rechtzeitig dort sein, um zu helfen, diese Probleme mit den Wei�m�nteln zu l�sen. <emphasis>Ach, die Chancen sind gering, au�er ich benutze die verdammten Kurzen Wege oder wieder einen verfluchten Portalstein.</emphasis> Das w�rde seine Probleme aber sowieso nicht l�sen. Beispielsweise konnte er in Emondsfeld keine Antwort darauf finden, was diese Schlangenwesen damit gemeint hatten, da� er die Tochter der Neun Monde heiraten werde, oder mit dem Sterben und wieder Leben. Oder mit Rhuidean.</p><p>Durch den Stoff seines Wamses hindurch rieb er das Medaillon mit dem Fuchskopf, das wieder an seinem Hals hing. Die Pupille im Auge des Fuchses war ein winziger Kreis, der durch eine Schlangenlinie geteilt wurde. Die eine Seite gl�nzte hell, w�hrend die andere matt war. Das uralte Abzeichen der Aes Sedai vor der Zerst�rung der Welt. Den Speer mit dem schwarzen Schaft, dessen Schwertklingenspitze durch zwei Raben gekennzeichnet war, nahm er nun von dem Platz neben sich, wo er ihn an den Wagen gelehnt hatte, und legte ihn sich �ber die Knie. Noch ein Werk der Aes Sedai. Rhuidean hatte keine Antworten geliefert, sondern lediglich neue Fragen aufgeworfen, und...</p><p>Vor Rhuidean hatte sein Ged�chtnis gro�e L�cken aufgewiesen. Wenn er damals versucht hatte, sich an etwas zu erinnern, war es so, als wisse er noch, da� er am Morgen durch eine T�r ging und am Abend wieder herauskam, aber was dazwischen lag, war dunkel geblieben. Jetzt gab es etwas dazwischen, das diese L�cken f�llte. Wachtr�ume oder etwas sehr �hnliches. Es war, als k�nne er sich an Tanzveranstaltungen, an K�mpfe, an Stra�en und St�dte erinnern, die er alle niemals wirklich gesehen hatte und von denen er nicht einmal wu�te, ob es sie je gegeben hatte. Wie hundert verschiedene Bruchst�cke, die von hundert verschiedenen Menschen stammten. Vielleicht war es besser, sie als Tr�ume zu betrachten � ein wenig besser zumindest �, aber er war sich all dieser Szenen genauso sicher, als seien es seine eigenen Erinnerungen. Am h�ufigsten kamen K�mpfe darin vor, und die schlichen sich gelegentlich in sein Bewu�tsein ein, so wie das mit der Armbrust. Er ertappte sich dabei, wie er auf einen Fleck am Boden starrte und dabei plante, hier einen Hinterhalt anzulegen, oder sich gegen einen zur Wehr zu setzen, oder wie er sein Heer zur Schlacht anordnen solle. Es war verr�ckt.</p><p>Ohne hinzusehen, fuhr er die flie�ende Schrift auf dem schwarzen Speerschaft nach. Er konnte sie mittlerweile so leicht wie ein Buch lesen, auch wenn er den ganzen Marsch zur�ck zum Chaendaer dazu gebraucht hatte, bis ihm das klargeworden war. Rand hatte nichts gesagt, doch er glaubte, sich ihm gegen�ber dort in Rhuidean verraten zu haben. Er sprach jetzt die Alte Sprache, und das kam allein von diesen Tr�umen her. <emphasis>Licht, was haben sie blo� mit mir angestellt? �Sa souvraya niende misain ye�,</emphasis> sagte er laut. �Ich bin verloren in meinem eigenen Geist.� �Ein Gelehrter, und das in diesen Tagen und diesem Zeitalter!� Mat sah auf und erblickte den Gaukler, der ihn aus dunklen, tiefliegenden Augen anschaute. Der Bursche war �berdurchschnittlich gro�, ungef�hr von mittleren Jahren und wirkte wahrscheinlich auf Frauen anziehend. Nur hielt er den Kopf so eigenartig schief, als wolle er einen immer von der Seite her ganz eindringlich ansehen.</p><p>�Nur etwas, das ich mal geh�rt habe�, sagte Mat. Er mu�te einfach vorsichtiger sein. Falls Moiraine sich entschlo�, ihn zum Lernen in die Wei�e Burg zu schicken, dann w�rden sie ihn nie wieder rauslassen. �Man h�rt irgendwelche Gespr�chsfetzen und erinnert sich sp�ter daran. Ich wei� ein paar solcher Sachen.� Das sollte irgendwelche Ausrutscher einigerma�en decken, die ihm in seiner Dummheit passierten.</p><p>�Ich hei�e Jasin Natael und bin Gaukler.� Natael schwenkte seinen Umhang nicht so wie Thom. Er h�tte genausogut erkl�ren k�nnen, da� er ein Zimmermann sei oder ein Wagner. �Habt Ihr etwas dagegen, wenn ich Euch Gesellschaft leiste?� Mat nickte dem Boden in seiner N�he zu, und der Gaukler schob sich den Umhang unter das Hinterteil und setzte sich drauf. Er schien fasziniert von dem Gewirr der Jindo und Shaido, die sich um die Wagen dr�ngten. Die meisten trugen sogar noch Speere und Schilde. �Aiel�, murmelte er. �Anders, als ich erwartet hatte. Ich kann es immer noch kaum glauben.� �Ich bin nun schon seit Wochen bei ihnen�, sagte Mat, �und ich kann selbst kaum glauben, wie sie sich so verhalten. Ein eigenartiges Volk. Falls ein paar der T�chter des Speers Euch auffordern, mit ihnen den �Ku� der Jungfrau� zu spielen, dann schlagt es ihnen ab. H�flich. Das rate ich Euch.� Natael zog fragend die Augenbrauen hoch. �Ihr f�hrt ein aufregendes Leben, wie es scheint.� �Was meint Ihr damit?� fragte Mat vorsichtig.</p><p>�Ihr haltet es doch sicher nicht f�r ein Geheimnis? Nicht viele M�nner reisen in Gesellschaft einer... einer Aes Sedai. Diese Frau Moiraine Damodred. Und dann noch Rand al'Thor. Der Wiedergeborene Drache. Er, Der Mit Der Morgend�mmerung Kommt. Wer wei� schon, wie viele Weissagungen er noch erf�llen mu�? Sicher doch ein ungew�hnlicher Reisegenosse.� Die Aiel hatten nat�rlich geplaudert. Das w�rde ja jeder. Aber es war doch ein wenig verwirrend, wenn ein Fremder seelenruhig auf diese Art von Rand sprach. �Er ist schon ganz in Ordnung. Wenn Ihr euch f�r ihn interessiert, dann sprecht mit ihm. Ich lasse mich nicht so gern daran erinnern.� �Vielleicht werde ich das. Sp�ter allerdings. La�t uns ein wenig �ber Euch sprechen. Ich habe geh�rt, Ihr wart in Rhuidean, wo seit dreitausend Jahren niemand au�er den Aiel war. Habt Ihr den dort bekommen?� Er fa�te nach dem Speer auf Mats Knien, lie� die Hand aber wieder sinken, als Mat sich leicht zur�ckwich. �Also gut. Erz�hlt mir, was Ihr gesehen habt.� �Warum?� �Ich bin ein Gaukler, Matrim.� Natael hielt den Kopf wieder auf diese eigenartige Weise schief, und in seiner Stimme schwang der �rger dar�ber mit, da� er das erkl�ren mu�te. Er hob eine Ecke seines bunten Flickenumhangs hoch, als sei das Beweis genug. �Ihr habt gesehen, was niemand sonst sah au�er einer Handvoll Aiel. Welche Geschichten k�nnte ich erz�hlen �ber das, was Eure Augen erblickt haben? Ich werde sogar Euch zum Helden machen, wenn Ihr m�chtet.� Mat schnaubte. �Ich will kein verdammter Held sein.� Andererseits gab es keinen Grund zu schweigen. Amys und die anderen sollten ruhig davon quatschen, da� man nicht von Rhuidean berichten durfte, aber er war kein Aiel. Au�erdem konnte es nicht schaden, wenn man jemand unter den H�ndlern hatte, der einem wohlgesonnen war, jemand, der ein gutes Wort einlegen konnte, wenn man es brauchte.</p><p>So berichtete er von der Nebelmauer am Anfang bis zu dem Zeitpunkt, wo sie wieder herausgekommen waren, lie� aber ein paar ausgew�hlte Dinge weg. Er hatte nicht die Absicht, irgend jemand anderem von der Verdrehten T�r zu erz�hlen, diesem <emphasis>Ter'Angreal,</emphasis> und er h�tte am liebsten diese aus dem Staub geformten Kreaturen vergessen, die versucht hatten, ihn zu t�ten. Diese eigenartige Stadt mit ihren riesigen Geb�uden reichte ja wohl, und nat�rlich <emphasis>Avendesora.</emphasis></p><p>Den Baum des Lebens �berging Natael ziemlich schnell, aber er lie� Mat den Rest immer wieder erz�hlen, fragte nach immer neuen Einzelheiten, wollte wissen, was f�r ein Gef�hl es gewesen sei, diesen Nebel zu durchschreiten und wie lange er brauchte bis zu dem schattenlosen Lichtschein im Inneren, und Mat mu�te ihm jeden einzelnen Gegenstand genau beschreiben, den er auf dem gro�en Platz im Mittelpunkt der Stadt gesehen hatte. Da z�gerte Mat denn doch. Ein Ausrutscher, und er w�rde pl�tzlich doch von dem <emphasis>Ter'Angreal</emphasis> sprechen, na, und wer wu�te schon, wohin das f�hrte? Aber auch so trank er den letzten Schluck warmes Bier und redete immer noch weiter, bis seine Kehle ausgetrocknet war. Es klang alles eigentlich ziemlich langweilig, wie er es erz�hlte, als sei er einfach hineingegangen und habe gewartet, bis Rand zur�ck war, und dann seien sie wieder rausmarschiert. Doch Natael schien bedacht darauf, auch die allerletzte Einzelheit aus ihm herauszuholen. Da erinnerte er Mat an Thom. Manchmal konzentrierte sich auch Thom so sehr auf jemanden, da� es schien, er wolle ihn total leerquetschen. �Ist es das, was du vorhattest?� Mat fuhr unwillk�rlich beim Erklingen von Keilles Stimme zusammen, die trotz der sanften Obert�ne hart klang. Die Frau regte ihn auf und im Moment sah sie aus, als wolle sie ihn zerrei�en und den Gaukler auch noch.</p><p>Natael stand auf. �Dieser junge Mann hat mir gerade die faszinierendsten Dinge �ber Rhuidean erz�hlt. Du wirst es nicht glauben.� �Wir sind nicht Rhuideans wegen hier.� Die Worte klangen so scharf wie ihre spitze Nase. Aber jetzt funkelte sie wenigstens nur noch Natael an.</p><p>�Ich sage dir doch... � �Du sagst mir gar nichts.� �Versuche nicht, mich zum Schweigen zu bringen!� Sie beachteten Mat nicht mehr und gingen einfach weiter die Reihe der Wagen entlang, wobei sie leise miteinander stritten und wild gestikulierten. Als sie schlie�lich in ihrem Wagen verschwanden, schien Keille den k�rzeren gezogen zu haben, denn sie schwieg m�rrisch.</p><p>Mat schauderte. Er konnte sich nicht vorstellen, mit dieser Frau zusammenzuleben. Das w�re das gleiche, als wohne man mit einem B�ren zusammen, der st�ndig Zahnschmerzen hat. Isendre dagegen... Dieses Gesicht, diese Lippen, die Art, wie sie ihr Hinterteil beim Gehen schwenkte... Wenn er sie von Kadere weglocken k�nnte und sich ihr als der junge Held darbot � schlie�lich h�tten diese Staubwesen durchaus zehn Fu� hoch gewesen sein k�nnen; f�r sie w�rde er sich aller Einzelheiten entsinnen oder welche erfinden � na ja, ein gut aussehender junger Held w�rde sie vielleicht mehr interessieren als ein verstaubter alter H�ndler. Das war es wert, ein wenig dar�ber nachzudenken.</p><p>Die Sonne glitt unter den Horizont, und kleine Lagerfeuer aus den Asten von Dornb�schen warfen ihr flackerndes Licht auf die Zelte. Der Geruch nach Essen erf�llte die Luft im Lager � Ziegenfleisch mit getrocknetem Paprika. Auch die K�lte drang ins Lager, die K�lte der W�stennacht. Es war, als habe die Sonne alle Hitze mit sich in die Tiefe gerissen. Mat hatte damals, als er in Tear seine Sachen f�r die Reise zusammenpackte, nicht erwartet, da� er sich hier nach einem dicken Wollumhang sehnen w�rde. Vielleicht hatten die H�ndler einen zu verkaufen? Oder w�rde etwa Natael um seinen eigenen Umhang w�rfeln?</p><p>Er a� zusammen mit Heim und Rand an Rhuarcs Feuer. Und mit Aviendha nat�rlich. Auch die H�ndler waren da. Natael sa� ganz dicht bei Keille, und Isendre wickelte sich beinahe um Kadere herum. Es w�rde vielleicht noch schwieriger sein, Isendre von dem Mann mit der Raubvogelnase wegzulocken, als er geglaubt hatte � oder etwa doch leichter? Obwohl sie sich derart an diesen Burschen schmiegte, hatte sie doch nur Augen f�r Rand und sonst niemanden. Man h�tte glauben k�nnen, sie h�tte Rand bereits die Ohren beschnitten wie bei einem Schaf, das markiert wird, damit man wei�, zu wessen Herde es geh�rt. Weder Rand noch Kadere schienen das zu bemerken. Auch der H�ndler konnte den Blick nicht von Rand wenden. Aviendha aber merkte nat�rlich alles, und sie blickte Rand finster und strafend an. Na, wenigstens kam etwas W�rme vom Feuer her.</p><p>Als sie den Ziegenbraten aufgegessen hatten und dazu eine Art von fleckigem, gelbem Brei, der w�rziger schmeckte, als er aussah, stopften Rhuarc und Heim ihre kurzen Pfeifen und der Clanh�uptling bat Natael, ihnen ein Lied vorzusingen.</p><p>Der Gaukler ri� die Augen auf. �Aber � ja, sicher. Nat�rlich. La�t mich eine Harfe holen.� Sein Umhang bauschte sich im trockenen, kalten Nachtwind auf, als er in Richtung von Keilles Wagen verschwand.</p><p>Der Bursche unterschied sich wirklich in beachtlichem Ma�e von Thom Merrilin. Thom stand am Morgen selten ohne Fl�te oder Harfe oder beides auf. Mat stopfte mit dem Daumen seine silberverzierte Pfeife und paffte bereits zufrieden, als Natael zur�ckkehrte und sich in Pose stellte. Er wirkte wie ein K�nig. Das sah nun Thom entschieden �hnlicher. Der Gaukler zupfte an einer Seite und begann:</p><p><emphasis>�Der Wind so sanft wie die Finger des Fr�hlings. Der Regen so sanft wie die Tr�nen des Himmels. So sanft und froh gleiten die Jahre vorbei. Man ahnt die kommenden St�rme nicht, den rei�enden Wirbelwind, den hallenden Donner, den Regen von Stahl und den Schlachtenl�rm und den Krieg, der das Herz zerrei�t.� Das war �Mideans Furt�, ein altes Lied. Seltsamerweise handelte es von Manetheren und einem Krieg lange vor demjenigen gegen die Trollocs. Nataels Vortrag war recht gut, wenn er auch nicht an Thoms grandiose Darbietungen herankam, aber die widerhallenden Worte brachten ihnen eine dichte Zuschauermenge ein, die sich am Rand des Feuerscheins dr�ngte. Der schurkische Aedomon f�hrte die Saferi in ein nichtsahnendes Manetheren, raubte und brandschatzte und trieb alle vor sich her, bis K�nig Buiryn das Heer Manetherens versammelt hatte und sich den Saferi an Mideans Furt zum Kampf stellte. Sie hielten die Furt trotz der gro�en �bermacht des Gegners drei Tage lang, in denen unaufh�rlich der Kampf tobte. Der Flu� f�rbte sich rot, und die Geier verdunkelten den Himmel. Am dritten Tag schwand die Zahl der Verteidiger und ihre Hoffnung dazu. Schlie�lich erk�mpften sich Buiryn und seine M�nner in einem verzweifelten Ausfall den Weg �ber den Flu�. Tief drangen sie in das Heer des Gegners ein und versuchten, ihn zum Zur�ckweichen zu bringen, indem sie Aedomon selbst t�teten. Aber das Heer der Saferi war zu gewaltig. Es schlo� sie ein und der Ring der Feinde wurde immer enger. Doch sie k�mpften weiter, um den K�nig und das Banner mit dem Roten Adler versammelt. Obwohl ihr Untergang sicher war, ergaben sie sich nicht.</emphasis></p><p>Natael sang davon, wie ihr Mut schlie�lich sogar Aedomons Herz r�hrte, so da� er am Ende den �berlebenden freien Abzug gestattete und mit seinem Heer ihnen zu Ehre nach Safer zur�ckkehrte.</p><p><emphasis>�Zur�ck �ber die blutroten Wasser</emphasis></p><p><emphasis>marschierten sie mit stolz erhobenem Kopf.</emphasis></p><p><emphasis>Sie hatten sich nicht ergeben,</emphasis></p><p><emphasis>ihren Stolz nicht dem Feinde geopfert.</emphasis></p><p><emphasis>Ruhm geb�hrt diesen Tapferen,</emphasis></p><p><emphasis>Ruhm, der die Zeit �berdauert.�</emphasis></p><p>Er zupfte den Schlu�akkord, und die Aiel pfiffen begeistert und trommelten mit den Speeren auf die Lederschilde. Einige heulten sogar langgezogen wie die W�lfe.</p><p>Es war nat�rlich in Wirklichkeit anders verlaufen. Mat erinnerte sich daran � <emphasis>Licht, ich will doch gar nicht!</emphasis> Aber die Erinnerung dr�ngte sich ihm auf. Er dachte daran, wie er Buiryn geraten hatte, das Angebot nicht anzunehmen, worauf der ihm gesagt hatte, da� auch eine geringe Chance besser sei als gar keine. Aedomon, dessen gl�nzend schwarzer Bart unter dem Gesichtsschutz aus Stahldraht heraushing, zog seine Pikeure zur�ck und wartete, bis sie alle in einer d�nnen Reihe zur Furt marschierten. Dann erhoben sich pl�tzlich die vorher verborgenen Bogensch�tzen, und die Kavallerie griff an. Und ob sie wirklich nach Safer zur�ckkehrten... Mat glaubte es nicht. Seine letzte Erinnerung an die Furt war, da� er bis zur H�fte im Wasser stand, versuchte, sich auf den Beinen zu halten, und bereits von drei Pfeilen getroffen worden war. Es war sp�ter auch noch irgend etwas da, allerdings nur ein Bruchst�ck: Aedomon, mittlerweile mit ergrautem Bart, der bei einem kurzen und heftigen Gefecht in einem Wald von seinem sich aufb�umenden Pferd st�rzte. Den Speer, der in seinem R�cken steckte, hatte ein ansonsten unbewaffneter, bartloser Junge geschleudert. Das war alles noch schlimmer als die Ged�chtnisl�cken vorher.</p><p>�Hat Euch das Lied nicht gefallen?� fragte Natael.</p><p>Mat brauchte einen Augenblick lang, bis ihm klar wurde, da� der Mann Rand und nicht ihn angesprochen hatte. Rand rieb sich die H�nde und sp�hte in das kleine Feuer, bevor er schlie�lich erwiderte: �Ich wei� nicht, wie klug es ist, sich auf die Gro�z�gigkeit eines Feindes zu verlassen. Wie denkt Ihr dar�ber, Kadere?� Der H�ndler z�gerte und blickte die Frau an, die an seinem Arm hing. �Ich denke nicht �ber solche Dinge nach�, sagte er endlich. �Ich denke an Profite und nicht an Schlachten.� Keille lachte rauh. Jedenfalls bis sie Isendres herablassendes L�cheln wahrnahm. Dann glitzerten ihre dunklen Augen gef�hrlich hinter diesen Fettpolstern.</p><p>Pl�tzlich erklangen Warnschreie aus der Dunkelheit hinter den Zelten. Die Aiel zogen sich blitzschnell die Schleier vor die Gesichter und nur einen Augenblick sp�ter st�rmten Trollocs aus der Nacht heran. Mit ihren Schnauzen und den H�rnern auf vielen K�pfen �berragten sie die Menschen, heulten wild und schwangen ihre gekr�mmten Sichelschwerter, stie�en mit harpunenartigen Speeren und mit Widerhaken versehenen Dreizacken zu und hackten mit ihren Dornen�xten drauflos. Myrddraal glitten zwischen ihnen heran wie t�dliche, augenlose Schlangen. Es dauerte nur einen Herzschlag lang, aber die Aiel k�mpften, als seien sie schon eine Stunde vorher gewarnt worden. Sie begegneten dem Ansturm mit den eigenen zuckenden Speeren.</p><p>Mat nahm ganz vage Rand wahr, der pl�tzlich wieder sein Feuerschwert in der Hand hatte, aber dann wurde er in diesen wahnwitzigen Wirbel hineingerissen, k�mpfte mit seinem Speer, indem er sowohl zustach, wie ihn auch bei Bedarf als Bauernspie� zum Zuschlagen zu verwenden. Schlitzen und sto�en und schlagen, und der Schaft wirbelte. Diesmal war er froh �ber seine Traumerinnerungen, denn sie kamen ihm nun zugute. Es war ihm ein vertrautes Gef�hl, mit der Waffe auf diese Art umzugehen, und jetzt ben�tigte er jedes bi�chen K�nnen, auf das er zur�ckgreifen konnte. Es war der vollkommene Wahnsinn.</p><p>Trollocs ragten vor ihm auf und fielen durch seinen Speer oder durch einen Aielspeer, oder sie wurden in das Durcheinander von Schreien, Heulen und dr�hnendem Stahl hineingesogen. Myrddraal standen ihm gegen�ber. Ihre schwarzen Klingen trafen auf seinen mit Raben gekennzeichneten Stahl, und blaue Blitze zuckten auf, Fl�chenblitze gar. Sie standen ihm gegen�ber und waren im Tumult wieder verschwunden. Zweimal rettete ihn einer der kurzen Speere, zischte an seinem Kopf vorbei und traf einen Trolloc, der ihn gerade von hinten durchbohren wollte. Er jagte seine Schwertklinge an der Spitze des Speers in die Brust eines Myrddraal und wu�te, da� dieser sterben w�rde, denn er fiel wohl nicht, grinste aber mit diesen blutleeren Lippen, sandte mit seinem augenlosen Blick Schauder durch Mats K�rper und zog sein schwarzes Schwert zur�ck. Einen Augenblick sp�ter zuckte der K�rper des Halbmenschen, als Aielpfeile aus ihm ein Nadelkissen machten. Das Zucken reichte Mat gerade, um aus der Reichweite des Dings zu springen, bevor es endlich zu Boden st�rzte. Doch selbst im Fallen und im Liegen versuchte es noch, ihn zu erreichen, auf alles einzustechen, was sich in der N�he befand.</p><p>Ein Dutzend Mal konnte er mit dem eisenharten Schaft seines schwarzen Speers gerade noch den Hieb eines Trollocs ablenken. Der Speer war das Werk von Aes Sedai, und er war froh dar�ber. Der silberne Fuchskopf auf seiner Brust schien kalt zu pulsieren, als wolle er ihn daran erinnern, da� auch er das Zeichen der Aes Sedai trug. In diesem Augenblick aber war ihm das gleich. Wenn er die Aes Sedai ben�tigte, um am Leben zu bleiben, dann war er bereit, wie ein Scho�h�ndchen hinter Moiraine herzurennen.</p><p>Er verlor jegliches Zeitgef�hl, wu�te nicht, ob der Kampf nur Minuten dauerte oder Stunden, aber mit einemmal war kein Myrddraal oder Trolloc mehr auf den Beinen, der sich in Sichtweite befand, obwohl Schreie und Heulen aus der Dunkelheit auf eine Verfolgung schlie�en lie�en. Tote und Sterbende bedeckten den Boden, Aiel wie Schattenwesen. Die Halbmenschen schlugen immer noch um sich. St�hnen erf�llte die Luft mit Schmerz. Pl�tzlich wurde ihm bewu�t, wie seine Muskeln versagten und seine Lunge brannte. Schwer atmend sank er auf die Knie und st�tzte sich auf seinen Speer. Flammen wie von Freudenfeuern schlugen aus dreien der Planwagen. Bei dem einen war der Fahrer von einem Trolloc-Speer an die Seite genagelt worden. Auch ein paar der Zelte brannten. Schreie aus der Richtung des Shaidolagers und Feuerschein, der zu gro� war f�r Lagerfeuer, zeigten, da� auch dieses Lager �berfallen worden war.</p><p>Mit dem Flammenschwert in der Hand kam Rand her�ber zu Mat. �Bist du in Ordnung?� Aviendha kam wie ein Schatten hinterher. Irgendwo hatte sie einen Speer und einen Schild aufgetrieben und hatte einfach ihren Schal statt eines Schleiers um ihr Gesicht gewunden. Selbst im Rock wirkte sie noch t�dlich.</p><p>�Ach, mir geht's gut�, murmelte Mat und erhob sich m�hsam. �Nichts geht �ber einen kleinen Tanz mit Trollocs, um einen so richtig m�de zum Schlafen zu machen. Stimmt's, Aviendha?� Sie nahm den Schal vom Gesicht und schenkte ihm ein etwas gezwungenes L�cheln. Der Frau hatte das m�glicherweise <emphasis>Spa� gemacht!</emphasis> Er war schwei��berstr�mt und f�rchtete, der Schwei� werde an seinem K�rper anfrieren.</p><p>Moiraine und Egwene waren mittlerweile zusammen mit zwei der Weisen Frauen � Amys und Bair aufgetaucht, und sie gingen zwischen den Verwundeten umher. �berall, wo Moiraine sie heilen konnte, wanden sich die Verwundeten hinterher in Kr�mpfen, doch schlimmer war es, wenn sie nur den Kopf sch�ttelte und weiterging.</p><p>Rhuarc kam mit grimmiger Miene heran.</p><p>�Schlechte Nachrichten?� fragte Rand leise.</p><p>Der Clanh�uptling knurrte: �Abgesehen davon, da� sich Trollocs hier befinden, obwohl sie mindestens vierhundert Meilen von hier entfernt sein sollten? Vielleicht. Etwa f�nfzig Trollocs haben das Lager der Weisen Frauen angegriffen. Es w�ren genug gewesen, um sie zu �berwinden, wenn nicht Moiraine Sedai und das Gl�ck auf unserer Seite gewesen w�ren. Wie auch immer, es scheint, die Shaido wurden von einer kleineren Gruppe �berfallen als wir. Da ihres das gr��ere Lager ist, h�tte es logischerweise eigentlich umgekehrt sein m�ssen. Ich glaube beinahe, sie wurden nur angegriffen, um zu verhindern, da� sie uns zur Hilfe kamen. Nicht, da� ich mir dieser Hilfe sicher gewesen w�re bei den Shaido, aber das wissen die Trollocs und die Nachtl�ufer ja nicht.� �Und h�tten sie gewu�t, da� sich bei den Weisen Frauen eine Aes Sedai befindet�, sagte Rand, �dann w�re auch dieser Angriff in der Absicht gef�hrt worden, sie von uns fernzuhalten. Ich bringe Euch Feinde ein, Rhuarc. Denkt daran. Wo ich auch sein mag, meine Feinde sind nie fern.� Isendre steckte den Kopf aus dem ersten Wagen. Einen Augenblick sp�ter kletterte Kadere an ihr vorbei herunter, und sie zog den Kopf wieder ein. Er schlo� die wei� gestrichene T�r hinter sich. Dann sah er sich auf dem Schlachtfeld um. Der Feuerschein seiner brennenden Wagen warf flackernde Schatten auf sein Gesicht. Am konzentriertesten musterte er die Gruppe um Mat herum. Die Wagen schienen ihn �berhaupt nicht zu interessieren. Auch Natael stieg aus Keilles Wagen, redete noch mit ihr, als er schon auf der Treppe stand, und blickte derweil bereits Mat und die anderen an.</p><p>�Narren�, murmelte Mat in sich hinein. �Sich in den Wagen zu verstecken, als ob das einem Trolloc etwas ausmacht. Drinnen h�tte man sie genauso leicht lebendig r�sten k�nnen.� �Sie leben ja noch�, sagte Rand, und Mat wurde bewu�t, da� er sie auch beobachtet hatte. �Das ist immer wichtig, Mat, wer am Leben bleibt. Das ist wie beim W�rfeln. Du kannst nicht gewinnen, wenn du nicht spielen kannst, und du kannst nicht spielen, wenn du tot bist. Wer wei� schon, welches Spiel diese H�ndler spielen.� Er lachte leise, und das Flammenschwert in seinen H�nden verschwand.</p><p>�Ich werde jetzt ein bi�chen schlafen�, sagte Mat und wandte sich ab. �Weck mich auf, falls die Trollocs wieder auftauchen. Oder besser, la� sie mich im Schlaf umbringen. Ich bin viel zu m�de, um wieder aufzuwachen.� Rand schnappte nun wirklich beinahe �ber. Vielleicht konnte er heute nacht Keille und Kadere zum Umkehren �berreden. Falls sie mitmachten, w�rde er dabei sein.</p><p>Rand lie� sich von Moiraine behandeln, obwohl er keine �u�ere Wunde davongetragen hatte. Sie knurrte irgend etwas. Da sie so viele Verwundete versorgen mu�te, habe sie keine Zeit und Energie, seine blo�e Ersch�pfung mit Hilfe der Einen Macht wegzuwaschen.</p><p>�Der Angriff galt Euch�, sagte sie dann zu ihm inmitten des St�hnens der Verwundeten. Die Trollocs schleifte man in die Nacht hinaus, im Notfall mit vorgespannten Packpferden und den Mauleseln der H�ndler. Die Aiel wollten offensichtlich die Myrddraal liegen lassen, bis sie aufh�rten, sich zu bewegen und zu zucken. Sie wollten erst sicher gehen, da� sie wirklich tot waren. Der Wind frischte auf, wie ein Eishauch ohne jede Feuchtigkeit.</p><p>�Tats�chlich?� sagte er. Ihre Augen blitzten im Feuerschein auf, bevor sie sich wieder den Verwundeten zuwandte.</p><p>Auch Egwene kam zu ihm her�ber, aber sie sagte nur in leisem, aber zornigem Fl�sterton: �Was du auch machst, um sie wieder aufzuregen � h�r auf damit!� Der Blick, den sie an ihm vorbei Aviendha zuwarf, lie� keinen Zweifel daran, wen sie gemeint hatte. Dann ging sie wieder, um Bair und Amys zu helfen. Er hatte keine Gelegenheit, etwas darauf zu sagen. Sie wirkte l�cherlich mit diesen beiden Z�pfen und den hineingeflochtenen B�ndern. Auch die Aiel schienen das so zu empfinden, denn ein paar von ihnen grinsten offen hinter ihr her.</p><p>Stolpernd und frierend suchte er sein Zelt. Er war noch niemals derart m�de gewesen. Das Schwert war beinahe nicht erschienen. Er hoffte, da� es nur an seiner Ersch�pfung gelegen hatte. Manchmal war �berhaupt nichts da, wenn er nach der Wahren Quelle griff, und manchmal bewirkte die Macht nicht das, was er wollte, doch das Schwert war von Anfang an ohne Nachdenken einfach in seiner Hand erschienen. Und ausgerechnet diesmal... Es mu�te an der Ersch�pfung gelegen haben.</p><p>Aviendha bestand darauf, ihm bis zum Zelt zu folgen, und als er am n�chsten Morgen erwachte, sa� sie mit �bergeschlagenen Beinen davor, wenn auch wieder ohne Speer und Schild. Ob sie nun spionierte oder nicht � er war froh �ber ihren Anblick. Wenigstens wu�te er, wo und wer sie war und was sie f�r ihn empfand.</p></section><section><title><p>38</p><p>Verborgene Gesichter</p></title><p>Der �Garten der Silbernen Winde� war �berhaupt kein Garten, sondern ein riesiges Weinlokal, eigentlich viel zu gro�, um es noch als �Wirtshaus� zu bezeichnen. Er lag oben auf einem H�gel mitten auf der Calpene, der westlichsten der drei Halbinseln Tanchicos, gleich unterhalb des Gro�en Kreises. Ein Teil des Namens zumindest entsprach der Wahrheit und r�hrte von der Brise her, die st�ndig auf einer Seite hereinwehte, wo statt einer Wand gl�nzende, gr�n gemaserte Marmors�ulen und eine Steinbalustrade standen. Nur im Obergescho� war hier eine Wand durchgezogen. Goldfarbene, ge�lte Seidenvorh�nge konnten unten vorgezogen werden, falls es gerade regnete. Auf dieser Seite fiel der H�gel steil ab und von den Tischen aus, die an der Balustrade standen, hatte man eine pr�chtige Aussicht �ber wei�e Kuppeln und T�rme und �ber den gro�en Hafen hinweg, in dem jetzt noch mehr Schiffe lagen als sonst schon. Tanchico ben�tigte praktisch alles �u�erst dringend, und man konnte gutes Gold verdienen � zumindest solange, bis das Gold und die Zeit aufgebraucht waren.</p><p>Selbst in der Zeit vor den Unruhen war der �Garten der Silbernen Winde� das teuerste Weinlokal in der Stadt gewesen. Vergoldete Lampen hingen von einer mit auf goldenen Hochglanz polierten Messingfriesen verzierten Decke. Die Bedienungen, gleich ob m�nnlich oder weiblich, hatte man auf Grund ihrer Sch�nheit, Grazie und Diskretion ausgew�hlt. Die Preise waren mittlerweile v�llig �berh�ht. Aber diejenigen, die t�glich mit gro�en Summen Geldes umgingen oder die Macht und Einflu� besa�en oder es sich zumindest einbildeten, kamen immer noch. In mancher Hinsicht gab es weniger als zuvor, mit dem man handeln konnte, in mancher Hinsicht aber auch mehr.</p><p>Jeder Tisch war von einer niedrigen Mauer umgeben und wirkte wie eine Insel auf den gr�nen und goldfarbenen Fu�bodenkacheln. Jedes M�uerchen war wie gekl�ppelte Spitzen durchbrochen, so da� kein Lauscher sich ungesehen anschleichen konnte, und gerade hoch genug, um den vor fl�chtigen Blicken zu verbergen, der sich dort mit jemand anderem getroffen hatte. Trotzdem liefen die G�ste gew�hnlich maskiert umher, besonders in letzter Zeit, und manche hatten Leibw�chter neben ihrem Tisch stehen. Selbst diese waren bei besonders vorsichtigen G�sten ebenfalls maskiert, damit man auch sie nicht erkannte und auf den Gast schlie�en konnte. Kein W�chter f�hrte sichtbare Waffen mit sich. Das gestattete die Besitzerin des �Gartens der Silbernen Winde� nicht, eine schlanke Frau von unbestimmbarem Alter namens Selindrin. Waffen mu�te man drau�en abgeben. Ihre Vorschrift wurde zumindest nicht offen mi�achtet.</p><p>Von ihrem �blichen Tisch an der Balustrade aus beobachtete Egeanin die Schiffe im Hafen, besonders die unter vollen Segeln. Sie w�nschte sich bei diesem Anblick, wieder an Deck zu stehen und Befehle zu geben. Sie hatte nicht erwartet, da� die Pflicht sie einmal dahin f�hren w�rde, wo sie sich nun befand.</p><p>Unbewu�t r�ckte sie die Samtmaske zurecht, die die obere H�lfte ihres Gesichts verbarg. Sie kam sich l�cherlich vor mit diesem Ding, aber es war doch notwendig, sich den �rtlichen Gegebenheiten bis zu einem gewissen Grad anzupassen. Die Maske � sie war blau und pa�te somit zu ihrer hochgeschlossenen Seidenrobe �, die Robe selbst und ihr dunkles, mittlerweile schulterlanges Haar waren auch wirklich alles, was sie an Anpassung fertigbrachte. Es war unn�tig, da� sie f�r eine Bewohnerin Tarabons gehalten wurde, denn Tanchico platzte aus allen N�hten vor Fl�chtlingen, und viele davon waren Fremde, die vor den Unruhen geflohen waren. Au�erdem h�tte sie sowieso keine Tarabonerin darstellen k�nnen. Diese Leute waren Tiere; sie hatten keine Disziplin und kannten keine Ordnung.</p><p>Bedauernd wandte sie sich vom Hafen ab und wieder ihrem Tischgenossen zu, einem Burschen mit schmalem Gesicht und dem gierigen L�cheln eines Wiesels. Floran Gelbs ausgefranster Kragen pa�te nicht in den �Garten der Silbernen Winde�, und er wischte sich st�ndig die H�nde am Wams ab. Sie traf sich immer hier mit ihnen, diesen schmierigen kleinen M�nnern, mit denen sie gezwungenerma�en zusammenarbeiten mu�te. F�r sie war es eine Belohnung und ein Mittel, um sie dauernd in Spannung zu halten.</p><p>�Was habt Ihr f�r mich, Meister Gelb?� Er wischte sich noch mal die H�nde ab und hob einen grobgewebten Jutesack hoch. Er legte ihn auf den Tisch und sah sie erwartungsvoll an. Sie nahm den Sack vom Tisch und hielt ihn neben sich, bevor sie ihn �ffnete. Drinnen lag ein aus silbrigem Metall gefertigter <emphasis>Adam,</emphasis></p><p>Halsband und Armband, durch eine raffiniert gearbeitete Leine verbunden. Sie schlo� den Sack und stellte ihn auf den Boden. Das war der dritte, den Gelb wieder aufgefunden hatte, mehr als jeder andere.</p><p>�Sehr gut, Meister Gelb.� Eine kleine B�rse wanderte in seiner Richtung �ber den Tisch. Gelb lie� sie unter seinem Wams verschwinden, als stecke die Krone der Kaiserin drinnen und nicht nur eine Handvoll Silber. �Habt Ihr sonst noch etwas?� �Diese Frauen. Diejenigen, nach denen ich f�r Euch suchen soll?� Sie hatte sich an die abgehackte Sprache dieser Leute gew�hnt, aber sie w�nschte, er w�rde sich nicht auf diese Art die Lippen lecken. Sie konnte ihn deshalb genausogut verstehen, aber es sah ekelhaft aus.</p><p>Sie h�tte ihm beinahe gesagt, sie habe kein Interesse mehr. Aber es war ein Teil des Grundes, aus dem heraus sie sich �berhaupt in Tanchico befand und jetzt vielleicht sogar der Hauptgrund. �Was ist mit ihnen?� Die Tatsache, da� sie �berhaupt daran gedacht hatte, ihre Pflichten zu vernachl�ssigen, lie� sie nun h�rter mit ihm umgehen, als sie vorgehabt hatte, und Gelb zuckte bei ihrem Tonfall prompt zusammen.</p><p>�Ich... ich glaube, ich habe wieder eine gefunden.� �Seid Ihr sicher? Es hat schon... Fehler gegeben.� Das Wort �Fehler� war viel zu sanft ausgedr�ckt. Beinahe ein Dutzend Frauen, die den Beschreibungen nur in etwa �hnlich sahen, hatte sie noch als �rgernisse betrachten k�nnen, sobald sie sie gesehen hatte. Aber dann diese Adlige, die von ihren im Krieg niedergebrannten G�tern geflohen war. Gelb hatte die Frau von der Stra�e weg entf�hrt, weil er glaubte, mehr zu verdienen, wenn er sie ablieferte, als nur zu erz�hlen, wo er sie angetroffen hatte. Zu seiner Verteidigung mu�te man ihm zugestehen, da� Lady Leilwin einer der Frauen, die Egeanin suchte, sehr �hnlich sah, aber sie hatte ihm auch gesagt, da� diese Frauen mit einem Akzent spr�chen, den er bestimmt hier noch nicht geh�rt habe, und sich ganz sicher nicht im taraboner Dialekt verst�ndigten. Egeanin hatte die Frau nicht t�ten wollen, aber selbst in Tanchico h�tte ihr vielleicht jemand ihre Geschichte abgenommen. Leilwin war mitten in der Nacht gefesselt und geknebelt auf eines der Kurierboote gebracht worden. Sie war jung und h�bsch, und irgend jemand w�rde sie vielleicht n�tzlich finden. Das war besser, als ihr die Kehle durchzuschneiden. Aber Egeanin befand sich nicht in Tanchico, um f�r den Heimatadel Dienerinnen zu suchen.</p><p>�Kein Fehler diesmal, Frau Elidar�, sagte er schnell, und seine Z�hne blitzten in einem nerv�sen L�cheln auf. �Diesmal wirklich nicht. Aber... ich brauche ein wenig Gold. Um sicher zu gehen. Um nahe genug heranzukommen. Vier oder f�nf Kronen?� �Ich zahle nur f�r Ergebnisse�, sagte Egeanin mit entschlossener Stimme zu ihm. �Nach Euren... Fehlern habt Ihr Gl�ck, da� ich Euch �berhaupt noch bezahle.� Gelb leckte sich unsicher die Lippen. �Ihr habt gesagt... Damals, zu Anfang, habt Ihr gesagt, Ihr h�ttet ein paar M�nzen �brig f�r diejenigen, die besondere Arten von Arbeit f�r Euch verrichten.� Ein Muskel in seiner Wange zuckte. Sein Blick huschte unstet umher, als lausche jemand hinter der durchbrochenen Mauer, die drei Seiten des Tisches umgab. Dann senkte er die Stimme zu einem heiseren Fl�stern: �Sch�rt Ihr die Unruhen hier noch weiter? Ich habe ein Ger�cht geh�rt � von einem Burschen, der Leibdiener bei Lord Brys ist � �ber die Versammlung und da� sie einen neuen Panarchen w�hlen wollten. Ich halte das f�r wahr. Der Mann war betrunken, und als ihm klar wurde, was er gesagt hatte, h�tte er sich beinahe in die Hose gemacht. Aber selbst, wenn es nicht stimmt, w�rde es in Tanchico f�r neue Unruhen sorgen.� �Glaubt Ihr wirklich, es sei in dieser Stadt noch notwendig, Unruhen durch Geld hintenherum zu sch�ren?� Tanchico war wie ein �berreifer Apfel, den der erste Windsto� vom Baum fallen l��t. Das traf f�r dieses ganze armselige Land zu. Einen Augenblick lang war sie sogar versucht, sein �Ger�cht� zu kaufen. Man nahm von ihr an, sie handle mit allen G�tern und Informationen, �ber die sie stolperte, und sie hatte tats�chlich einige davon weiterverkauft, um diesen Eindruck zu untermauern. Aber mit Gelb umgehen zu m�ssen machte sie krank. Und sie f�rchtete sich vor ihren eigenen Zweifeln. �Das war dann alles, Meister Gelb. Ihr wi�t ja, wie Ihr mit mir Verbindung aufnehmen k�nnt, falls ihr eine weitere dieser Frauen aufsp�rt.� Sie ber�hrte dabei den groben Jutesack.</p><p>Statt sich zu erheben, blieb er sitzen und blickte sie unverwandt an, als wolle er durch ihre Maske hindurchsehen. �Wo kommt Ihr her, Frau Elidar? So, wie Ihr sprecht, so langgezogen, undeutlich und weich, kann ich Euch nirgends unterbringen. Verzeiht, ich wollte nicht unh�flich sein.� �Das war alles, Meister Gelb.� Vielleicht war es ihr Befehlston, oder die Maske konnte ihren kalten Blick nicht verbergen, jedenfalls sprang Gelb auf, verbeugte sich hastig mehrmals und stammelte Entschuldigungen, w�hrend er ungeschickt die kleine T�r in dem M�uerchen �ffnete.</p><p>Sie blieb sitzen und gab ihm Zeit, den �Garten der Silbernen Winde� zu verlassen. Drau�en w�rde ihm jemand folgen, um sicherzugehen, da� er nicht auf sie wartete, um sie zu beschatten. Dieses ganze Herumdr�cken und die Versteckspielerei ekelte sie an. Sie w�nschte sich beinahe, jemand w�rde ihre Maskerade auffliegen lassen und ehrlich und offen mit ihr k�mpfen.</p><p>Ein neues Schiff lief unten gerade in den Hafen ein. Es war ein Klipper des Meervolks mit hochaufragenden Masten und ganzen Wolken von Segeln. Sie hatte einmal einen gekaperten Klipper besichtigt, und nun h�tte sie beinahe alles darum gegeben, als Kapit�n mit einem davon in See zu stechen. Wahrscheinlich br�uchte sie eine Besatzung von Meerleuten, um wirklich alles aus dem Schiff herausholen zu k�nnen. Die Atha'an Miere weigerten sich aber stur, die Eide abzulegen. Es w�re nicht so gut, wenn sie die Besatzung kaufen m��te. Aber eine ganze Schiffsbesatzung kaufen! Ihr stieg wohl das viele Gold zu Kopfe, das ihr von Kurierbooten gebracht wurde, um es hier auszugeben.</p><p>Sie nahm den Jutesack und wollte aufstehen, setzte sich dann aber schnell wieder hin, als sie sah, wie ein breitschultriger Mann am n�chsten Tisch aufstand und ging. Sein dunkles Haar fiel ihm bis auf die Schultern, und ein Bart, der seine Oberlippe frei lie�, rahmte Bayle Domons rundes Gesicht ein. Er war nat�rlich nicht maskiert. Er hatte ein Dutzend K�stenschiffe, die in Tanchico stationiert waren, und offensichtlich war es ihm gleich, wo man ihn sah. Maskiert. Sie konnte einfach nicht mehr normal denken. Er w�rde sie mit der Maske nicht erkennen. Trotzdem wartete sie, bis er weg war, und verlie� erst dann ihren Tisch. Falls dieser Mann zur Gefahr wurde, w�rde sie sich um ihn k�mmern m�ssen.</p><p>Selindrin nahm das angebotene Gold mit verbindlichem L�cheln entgegen und murmelte etwas von guten W�nschen und m�ge Egeanin wiederkommen. Die Wirtin des �Gartens der Silbernen Winde� trug ihr Haar zu Dutzenden kleiner Z�pfe geflochten und bevorzugte eng anliegende Kleider aus wei�er Seide, beinahe so d�nn wie das eines der M�dchen, die hier bedienten, und dazu einen dieser durchsichtigen Schleier, bei deren Anblick Egeanin immer versucht war, die Tr�gerin zu fragen, welche T�nze sie denn vorf�hren wolle. Die Shea-T�nzerinnen trugen beinahe identische Schleier und sonst nicht viel mehr. Andererseits, dachte Egeanin, als sie zur Stra�e ging, hatte die Frau einen scharfen Verstand, sonst k�nnte sie sich nicht so geschickt in Tanchico durchman�vrieren und ihr Etablissement halten. Sie mu�te jedermann freundlich bewirten und sich keine Feinde machen, und das war nicht gerade einfach hier.</p><p>Ein typisches Beispiel daf�r war der hochgewachsene Mann mit wei�em Umhang und grauen Schl�fen, mit hartem Gesicht und harten Augen, der an Egeanin vorbeiging und von Selindrin begr��t wurde. Auf Jaichim Carridins Umhang war vorn ein goldenes Sonnenbanner aufgestickt, und dazu noch vier goldene Knoten mit einem roten Hirtenstab dahinter. Ein Inquisitor der Hand des Lichts und somit hochrangiger Offizier der Kinder des Lichts. Allein schon das Konzept hinter diesen Kindern des Lichts emp�rte Egeanin. Eine milit�rische Organisation, die nur sich selbst verantwortlich war. Aber Carridin und seine paar hundert Soldaten hatten in Tanchico eine gewisse Machtposition, wo die meiste Zeit �ber sowieso eine Autorit�t v�llig fehlte. Die Miliz lie� sich nicht mehr auf den Stra�en blicken, und das Heer � soweit es �berhaupt noch zum K�nig stand � war zu sehr damit besch�ftigt, wenigstens die Festungen in der Umgebung der Stadt zu halten. Egeanin bemerkte, da� Selindrin noch nicht einmal einen Blick auf das Schwert an Carridins H�fte warf. Der Mann hatte eindeutig eine Machtposition inne.</p><p>Sobald sie auf die Stra�e kam, liefen ihre Tr�ger mit der S�nfte aus dem Gew�hl der Diener herbei, die auf ihre Herrschaften warteten. Ihre Leibw�chter formierten sich mit ihren Speeren um sie herum. Sie waren ein ziemlich bunter Haufen. Manche trugen Stahlhelme, und drei von ihnen Lederhemden mit aufgen�hten Stahlschuppen. Es waren M�nner mit groben Gesichtern, vielleicht Deserteure aus dem Heer des K�nigs, aber sehr wohl bewu�t, da� ihre gef�llten M�gen und das Silber, das sie ausgeben konnten, ganz auf ihrer fortgesetzten Sicherheit beruhten. Selbst die Tr�ger hatten feste Messer am G�rtel, und aus ihren Sch�rpen ragten Kn�ppel heraus. Keiner, der irgendwie nach Geld roch, wagte sich ohne W�chter aus dem Haus. Und wenn sie es dennoch riskiert h�tte, h�tte es zuviel Aufmerksamkeit erregt.</p><p>Die Leibw�chter bahnten ihr m�helos einen Weg durch die Menge. Die Menschenmassen str�mten durch die engen Stra�en, die sich um die H�gel der Stadt wanden, stauten sich hier und da, lie�en aber genug Freiraum f�r die von W�chtern umgebenen S�nften. Es waren kaum Kutschen zu sehen. Pferde wurden allm�hlich hier zu Luxusg�tern.</p><p>Der Ausdruck �ausgelaugt� kam ihr in den Sinn, als sie die sich dr�ngende Menge beobachtete � ersch�pft und ver�ngstigt. Ersch�pfte Gesichter, abgetragene Kleidung, zu stark gl�nzende, ver�ngstigte Augen, Hoffnung im Blick, obwohl sie wu�ten, da� es keine Hoffnung gab. Viele hatten aufgegeben, hockten an Hausw�nde gelehnt da, kauerten in Eing�ngen, hielten sich an ihren Frauen, M�nnern, Kindern fest, nicht nur ausgelaugt, sondern abgerissen und mit ausdruckslosen Gesichtern. Manchmal erwachten sie zu vor�bergehender Aktivit�t, riefen den Passanten etwas zu und bettelten sie um eine M�nze, ein St�ck Brotrinde oder sonst irgend etwas an.</p><p>Egeanin richtete den Blick geradeaus und vertraute zwangsl�ufig darauf, da� die Leibw�chter etwaige Gefahren entdecken w�rden. Einen Bettler direkt anzusehen h�tte bedeutet, da� sich innerhalb von Sekunden zwanzig um ihre S�nfte dr�ngen w�rden. Eine M�nze zu werfen f�hrte dazu, da� sich hundert schreiend und weinend herandr�ngten. Sie ben�tzte ja bereits einen Teil des Geldes, das ihr die Kurierboote brachten, um eine Suppenk�che zu unterhalten, genauso, als sei sie eine vom Blut. Sie schauderte, als sie daran dachte, welche Folgen es f�r sie haben k�nnte, wenn man entdeckte, wie sie Dinge tat, die ihrem Rang nicht entsprachen. Da konnte sie gleich ihren Kopf rasieren und eine Brokatrobe anlegen.</p><p>Aber all das konnte man wieder richtigstellen, wenn Tanchico einmal gefallen war. Dann w�rde jeder richtig ern�hrt und an seinen ihm zustehenden Platz gestellt. Und sie mu�te sich nicht mehr mit sch�nen Kleidern und anderen Dingen abgeben, mit denen sie keine Erfahrung hatte, und konnte auf ihr Schiff zur�ckkehren. Zumindest Tarabon und vielleicht auch Arad Doman waren soweit, da� sie als Staaten beim geringsten Druck zusammenbrechen w�rden � wie verkohlte Seide. Warum griff Hochlady Suroth immer noch nicht an? Warum?</p><p>Jaichim Carridin sa� bequem auf seinem Stuhl, den Umhang �ber die Armlehnen gelegt, und musterte die Adligen aus Tarabon, die auf den anderen St�hlen in diesem Separee sa�en. Sie sa�en steif da in ihren goldbestickten M�nteln, die Lippen zusammengekniffen unter kunstvoll gearbeiteten Masken in Form von Habicht-, L�wen- und Leopardenk�pfen. Er hatte bestimmt mehr Sorgen als sie, aber �u�erlich hielt er sich ganz gelassen. Es war zwei Monate her, da hatte man ihm berichtet, da� man seinen Cousin tot im Schlafzimmer aufgefunden hatte. Man hatte ihm die Haut bei lebendigem Leib abgezogen. Vor drei Monaten war seine j�ngste Schwester Dealda bei ihrer Hochzeit von einem Myrddraal entf�hrt worden. Der Haushofmeister der Familie schrieb ihm verzweifelte Briefe �ber all die Trag�dien, die sich in der Familie Carradin abspielten. Zwei Monate. Er hoffte, da� Dealda schnell gestorben war. Man sagte, da� eine Frau in den H�nden eines Myrddraal schnell den Verstand verlor. Zwei ganze Monate. Jeder andere als Jaichim Carridin h�tte l�ngst Blut geschwitzt.</p><p>Jeder Mann hielt einen goldenen Pokal mit Wein in der Hand. Diener waren nicht zu sehen. Selindrin hatte sie pers�nlich bedient, bevor sie mit der Versicherung gegangen war, da� sie nicht gest�rt w�rden. Es befand sich auch sonst niemand mehr in diesem Obergescho� des �Gartens der Silbernen Winde�. Zwei M�nner, die mit den Adligen gekommen waren � vermutlich Mitglieder der k�niglichen Leibgarde �, standen am Fu� der Treppe und lie�en niemanden nach oben, so da� sie dort ihre Ruhe hatten.</p><p>Carridin schl�rfte seinen Wein. Keiner der Taraboner hatte bisher an seinem auch nur genippt. �Also�, sagte er im Plauderton, �K�nig Andric m�chte, da� die Kinder des Lichts ihm behilflich sind, in der Stadt wieder f�r Ruhe und Ordnung zu sorgen. Wir lassen uns nicht oft in die Angelegenheiten eines Staats verwickeln.� Jedenfalls nicht offiziell. �Ich kann mich nicht erinnern, ein solches Ansuchen schon einmal geh�rt zu haben. Ich wei� nicht, was der kommandierende Lordhauptmann dazu sagen wird.� Pedron Niall w�rde sagen, er solle tun, was notwendig sei, und sicherstellen, da� die Taraboner wu�ten, sie schuldeten den Kindern des Lichts einen Gefallen, f�r den eines Tages in vollem Ma�e bezahlt werden mu�te.</p><p>�Die Zeit reicht nicht aus, um Euch Instruktionen aus Amador zu holen�, sagte ein Mann mit einer schwarzgefleckten Leopardenmaske in eindringlichem Tonfall. Keiner hatte seinen Namen gesagt, aber die brauchte Carridin gar nicht.</p><p>�Was wir von Euch verlangen, ist pure Notwendigkeit�, fauchte ein anderer emp�rt, dessen dicker Schnurrbart unter einer Habichtsmaske ihn wie eine etwas eigenartige Eule aussehen lie�. �Ihr m��t wissen, da� wir Euch nicht darum bitten w�rden, w�re es nicht au�erordentlich notwendig. Wir brauchen Einigkeit und nicht noch mehr Streit, der unser Land spaltet. Es gibt so viele Streitpunkte, selbst hier in Tanchico. Alles, was die Uneinigkeit sch�rt, mu� unterdr�ckt werden, wenn wir auch nur etwas Hoffnung haben wollen, den Frieden im Land wiederherzustellen.� �Der Tod der Panarchin hat alles noch viel komplizierter gemacht�, f�gte der erste Bursche hinzu.</p><p>Carridin zog fragend eine Augenbraue hoch: �Habt Ihr bereits ermittelt, wer sie t�tete?� Seiner eigenen Meinung nach hatte Andric selbst den Befehl dazu gegeben, und zwar im Glauben, die Panarchin bevorzuge einen der Rebellen auf dem K�nigsthron. Da hatte der K�nig m�glicherweise sogar recht, aber nachdem er alles zusammengerufen hatte, was von der Versammlung der Lords erreichbar war � viele befanden sich bei einer der Rebellengruppen drau�en auf dem Land �, fand er heraus, da� sie mit bemerkenswerter Sturheit seinen Vorschlag ablehnten. Und h�tte auch Lady Amathera gerade nicht mit Andric das Bett geteilt, so w�re doch die Wahl des K�nigs und der Panarchin die einzige wirkliche Chance der Versammlung geblieben, politischen Einflu� auszu�ben, und die wollten sie auf keinen Fall aufgeben. Au�erdem waren die Differenzen in bezug auf Amathera offiziell nicht bekannt. Selbst die Versammlung hatte begriffen, da� diese Nachrichten aus dem K�nigshaus beim Volk Aufst�nde hervorgerufen h�tten.</p><p>�Sicher einer von diesen drachenverschworenen Verr�ckten�, sagte der Mann, der wie eine Eule aussah, und zupfte heftig an seinem Schnurrbart. �Kein wahrer Taraboner w�rde der Panarchin etwas tun, oder?� Es klang beinahe, als glaube er selbst daran.</p><p>�Selbstredend�, sagte Carridin verbindlich. Er nippte wieder an seinem Wein. �Wenn ich den Panarchenpalast f�r die Thronbesteigung von Lady Amathera sichern soll, mu� ich das vom K�nig selbst h�ren. Sonst k�nnte es aussehen, als griffen die Kinder des Lichts in Tarabon nach der Macht, obwohl doch alles, was wir wollen, ist, die Spaltung zu beenden und den Frieden unter dem Licht wiederherzustellen. So sagtet Ihr ja.� Ein �lterer Leopard mit kantigem Kinn und grauen Str�hnen im blonden Haar sagte in kaltem Tonfall: �Ich habe geh�rt, da� Pedron Niall Einigkeit gegen die Drachenverschworenen erreichen will. Einigkeit unter seiner F�hrung, oder?� �Der kommandierende Lordhauptmann strebt nicht nach Macht und Herrschaft�, erwiderte Carradin genauso eisig. �Die Kinder dienen dem Licht, wie alle Menschen guten Willens.� �Es kann gar keine Frage sein�, warf der erste Leopard ein, �da� Tarabon in irgendeiner Weise Amador untertan ist. Keine Frage!� Zornige Zustimmung erhob sich von beinahe jedem Stuhl.</p><p>�Nat�rlich nicht�, sagte Carridin, als sei ihm dieser Gedankengang v�llig fremd. �Wenn Ihr mich um Hilfe bittet, bekommt Ihr sie � unter den von mir genannten Bedingungen. Wenn nicht, nun, es gibt immer Arbeit f�r die Kinder. Der Dienst im Namen des Lichts endet nie, denn �berall wartet der Schatten.� �Ihr werdet Sicherheiten bekommen, die vom K�nig unterzeichnet und gesiegelt wurden�, sagte ein ergrauter Mann mit L�wenmaske. Es waren die ersten Worte, die er gesprochen hatte. Das war nat�rlich Andric selbst, aber man nahm an, da� Carridin nicht einmal eine Ahnung davon habe. Der K�nig konnte sich nicht mit einem Inquisitor der Hand des Lichts treffen, ohne gr��tes Aufsehen zu erregen. Genauso konnte er �ffentlich kein Weinlokal betreten, nicht einmal den �Garten der Silbernen Winde�.</p><p>Carridin nickte. �Wenn ich sie in H�nden halte, werde ich den Panarchenpalast absichern, und die Kinder des Lichts werden alle... subversiven Elemente unterdr�cken, die... die versuchen, die Thronbesteigung zu st�ren. Das schw�re ich unter dem Licht.� Die Spannung unter den Tarabonern lie� f�hlbar nach. Nun kippten sie praktisch ihren Wein in einem Zug herunter, sogar Andric.</p><p>Soweit es die Einwohner Tarabons betraf, w�rden die Kinder des Lichts an dem unvermeidlichen Gemetzel die Schuld tragen und nicht der K�nig oder das Heer von Tarabon. Sobald Amathera gekr�nt und mit dem Stab des Baumes versehen war, konnte es geschehen, da� noch ein paar Mitglieder der Versammlung sich den Rebellen anschlossen, aber wenn die anderen zugaben, da� sie diese Frau gar nicht gew�hlt hatten, w�rde diese Nachricht in Tanchico ein Feuer entz�nden. Was die Berichte derjenigen betraf, die gefl�chtet waren � nun, Rebellen erz�hlten nat�rlich alle m�glichen verr�terischen L�gen. Und sowohl K�nig wie auch Panarchin hingen dann an einem G�ngelband, das Carridin Pedron Niall �bergeben w�rde, der dann damit machen konnte, was er wollte.</p><p>Sicher bedeutete das nicht schrecklich viel, da der K�nig von Tarabon lediglich ein paar hundert Quadratmeilen Fl�che rund um Tanchico herum beherrschte, aber das Gebiet konnte ja wieder wachsen. Mit Hilfe der Kinder des Lichts, die daf�r bestimmt ein oder zwei Legionen ben�tigten und nicht nur Carridins f�nfhundert Mann, konnte man die Drachenverschworenen vielleicht doch noch zur�ckschlagen, die verschiedenen Rebellengruppen besiegen und sogar den Krieg mit Arad Doman erfolgreich beenden. Falls eines dieser L�nder �berhaupt noch wu�te, da� es sich mit dem anderen im Krieg befand. Carridin hatte geh�rt, die Zust�nde in Arad Doman seien noch chaotischer als die in Tarabon.</p><p>In Wirklichkeit war es ihm v�llig egal, ob Tarabon zum Herrschaftsbereich der Kinder des Lichts geh�rte, oder Tanchico oder �berhaupt etwas. Er tat das alles mechanisch, wie er es immer getan hatte, aber es fiel ihm schwer, dabei an etwas anderes zu denken als daran, wann man ihm die Kehle durchschneiden werde. Vielleicht w�rde er sich sogar eines Tages danach sehnen. Zwei Monate seit dem letzten Bericht.</p><p>Er blieb nicht l�nger, um mit den Tarabonern zu trinken, sondern verabschiedete sich so knapp, wie es nur m�glich war. Falls sie sich dadurch beleidigt f�hlten, so brauchten sie ihn doch zu n�tig, um es sich anmerken zu lassen. Selindrin sah, wie er herunterkam, und als er auf die Stra�e trat, war da bereits ein Stallbursche, der sein Pferd zum Vordereingang f�hrte. Er warf dem Jungen eine Kupferm�nze zu und gab dem Wallach die Sporen, der daraufhin in einen schnellen Trab verfiel. Das zerlumpte Volk in den gewundenen Stra�en sprang aus dem Weg, wenn er durchkam, und das war auch gut so. Er war nicht sicher, ob er es �berhaupt bemerken w�rde, wenn er einen davon niedertrampelte. Nicht, da� es einen Verlust bedeutet h�tte. Die Stadt war voll von Bettlern. Er konnte kaum einatmen, ohne den Gestank nach altem, saurem Schwei� und Schmutz zu riechen. Tamrin sollte sie zusammentreiben und hinauswerfen. Sollten doch die Rebellen auf dem Land mit ihnen fertigwerden.</p><p>Immer wieder besch�ftigte ihn das Land drau�en, aber nicht die Rebellen. Mit denen wurde man schnell genug fertig, wenn man das Ger�cht verbreitete, dieser oder jener sei ein Schattenfreund. Und sobald er es geschafft hatte, da� ein paar davon der Hand des Lichts �bergeben wurden, w�rden sie �ffentlich erkl�ren und gestehen, wie sie dem Dunklen K�nig gedient und selbst Kinder aufgegessen h�tten. Sie w�rden �berhaupt alles gestehen, was man ihnen sagte. Danach w�rden sich die Aufst�ndischen kaum noch halten k�nnen, und die paar, die immer noch zu k�mpfen versuchten, st�nden pl�tzlich allein da. Aber diese Drachenverschworenen, die M�nner und Frauen, die sich als Anh�nger des Wiedergeborenen Drachen zu erkennen gegeben hatten, konnte man nicht einfach dadurch wegfegen, da� man sie zu Schattenfreunden erkl�rte. Die meisten Leute hielten sie sowieso daf�r, weil sie sich einem Mann verschworen hatten, der die Macht benutzen konnte.</p><p>Das eigentliche Problem war der Mann, dem sie Treue geschworen hatten. Man kannte noch nicht einmal seinen richtigen Namen. Rand al'Thor? Wo befand er sich? Da drau�en gab es hundert Banden von Drachenverschworenen. Mindestens zwei davon waren gro� genug, um Heere genannt zu werden. Sie k�mpften gegen das Heer des K�nigs, soweit es �berhaupt noch Andric gehorchte, und gleichzeitig k�mpfte es gegen die Rebellen, die wiederum untereinander ganz flei�ig k�mpften und nat�rlich gegen die Drachenverschworenen und den K�nig... Doch Carridin hatte keine Ahnung, bei welcher dieser Banden sich Rand al'Thor aufhielt. Er konnte sich sowohl auf der Ebene von Almoth befinden wie auch in Arad Doman, wo die Lage sowieso die gleiche war. Sollte das der Fall sein, war Jaichim Carridin vermutlich bereits ein toter Mann.</p><p>In dem Schlo� auf der Verana, das er als Hauptquartier f�r die Kinder des Lichts requiriert hatte, warf er die Z�gel einem der wei�gekleideten W�chter zu und stolzierte hinein, ohne ihren Gru� zu erwidern. Der Eigent�mer dieser Ansammlung heller Kuppeln und zierlicher T�rmchen und schattiger G�rten hatte seinen Anspruch auf den Thron des Lichts verk�ndet, und niemand beklagte sich nun �ber ihre Besetzung. Am wenigsten beklagte sich der Eigent�mer. Was von seinem Kopf �briggeblieben war, steckte immer noch auf einem Spie� �ber der Treppe der Verr�ter auf der Maseta.</p><p>Diesmal verschwendete Carridin kaum einen Blick an die feingewebten Taraboner Teppiche oder die mit Gold und Silber verzierten M�bel oder die Innenh�fe mit ihren Brunnen, deren pl�tschernde Wasser allein durch ihr Ger�usch schon k�hlten. Die breiten G�nge mit ihren goldenen Lampen und den hohen, mit Goldfriesen verzierten Decken interessierten ihn �berhaupt nicht. Dieser Palast hielt mit den sch�nsten in Amadicia mit und vielleicht auch mit den gr��ten, doch er hatte im Augenblick nur den starken Branntwein im Kopf, der in dem Zimmer stand, das er als Arbeitszimmer erw�hlt hatte.</p><p>Er war schon halbwegs �ber den kostbaren blau- und rot- und goldgemusterten Teppich geschritten, den Blick auf das geschnitzte Schr�nkchen gerichtet, in dem die silberne Karaffe mit dem extrastarken Branntwein stand, da wurde ihm bewu�t, da� er nicht allein war. Eine Frau in einem enganliegenden hellroten Kleid stand an einem der schmalen, hohen Fenster und blickte auf den Garten mit seinen vielen schattenspendenden B�umen hinab. Ihr honigfarbenes Haar fiel, zu vielen Z�pfen geflochten, auf ihre Schultern herunter. Ein Nichts von Schleier verbarg kaum ihr Gesicht. Jung und h�bsch war sie, hatte einen Rosenknospenmund und gro�e, braune Augen. Sie war keine Dienerin � bei dem Kleid, das sie trug.</p><p>�Wer seid Ihr?� fragte er �rgerlich. �Wie seid Ihr hier hereingekommen? Geht sofort wieder, oder ich lasse Euch hinauswerfen!� �Drohungen, Bors? Ihr solltet einen Gast willkommen hei�en, oder?� Der Name ersch�tterte ihn bis ins Innerste. Ohne nachzudenken, ri� er sein Schwert heraus und hieb nach ihrem Hals. Die Luft verwandelte sich in eine wabbelnde, klebrige Masse und packte ihn, zwang ihn auf die Knie, schlo� ihn vom Hals bis an die F��e ein. Sie schlo� sich besonders hart um das Handgelenk seines Schwertarms, bis die Knochen beinahe nachgaben. Seine Hand sprang auf und das Schwert polterte zu Boden. Die Macht. Sie band ihn mit Hilfe der Einen Macht. Eine Hexe aus Tar Valon. Und da sie diesen Namen kannte...</p><p>�Erinnert Ihr euch�, fragte sie und n�herte sich ihm, �an ein Zusammentreffen, auf dem Ba'alzamon pers�nlich erschien und uns die Gesichter von Matrim Cauthon, Perrin Aybara und Rand al'Thor zeigte?� Sie spie die Namen aus, besonders den letzten, und zeigte ihre Abscheu deutlich. Ihr Blick h�tte L�cher in Stahl bohren k�nnen. �Alles klar?</p><p>Ich wei�, wer Ihr seid, oder? Ihr habt Eure Seele dem Gro�en Herrn der Dunkelheit verschrieben, Bors.� Ihr unvermitteltes Lachen war wie ein melodisches Klingeln von Gl�ckchen.</p><p>Schwei� rann ihm �ber das Gesicht. Nicht nur einfach eine der verachteten Hexen von Tar Valon. Eine Schwarze Ajah. Sie geh�rte zu den Schwarzen Ajah. Er hatte geglaubt, wenn schon, dann werde ihn ein Myrddraal heimsuchen. Er hatte geglaubt, er habe noch etwas Zeit. Mehr Zeit. Noch nicht. �Ich habe versucht, ihn zu t�ten�, platzte er heraus. �Rand al'Thor. Ich habe es versucht. Aber ich kann ihn nicht finden. Ich kann nicht! Man hat mir gesagt, meine Familie werde get�tet, wenn ich versage, einer nach dem anderen. Man hat mir versprochen, da� ich der letzte sein werde. Ich habe aber noch Cousins. Neffen. Nichten. Ich habe noch eine zweite Schwester! Ihr m��t mir mehr Zeit geben!� Sie stand da und beobachtete ihn mit diesen scharfen braunen Augen, l�chelte mit diesem s��en Schmollmund und lauschte, w�hrend er alles herausplapperte... Wo Vanora zu finden sei wo ihr Schlafzimmer sich befand, wie sie es liebe, allein in den Wald hinter Carmera auszureiten. Wenn er schrie, w�rden vielleicht ein paar Wachsoldaten kommen. Vielleicht k�nnten sie sie t�ten? Er �ffnete den Mund etwas weiter, und diese dicke, z�he und unsichtbare Fl�ssigkeit schwappte hinein und zwang seine Kiefer auseinander, bis es in seinen Ohren knackte. Mit flatternden Nasenfl�geln sog er verzweifelt Luft ein. Er konnte immer noch atmen, aber nicht schreien. Alles, was er herausbrachte, war ein ged�mpftes St�hnen, wie eine Frau, die hinter einer Mauer jammert. Er h�tte so gern geschrien.</p><p>�Ihr seid sehr am�sant�, sagte die Frau mit dem Honighaar schlie�lich. �Jaichim. Das ist ein guter Name f�r einen Hund, glaube ich. W�rdet Ihr gern mein Hund sein, Jaichim? Wenn Ihr ein sehr braver Hund seid, erlaube ich Euch eines Tages, Rand al'Thor beim Sterben zuzuschauen. M�chtet Ihr das?� Er brauchte einen Augenblick, um zu begreifen, was sie gesagt hatte. Wenn er Rand al'Thor sterben sehen w�rde, dann wollte sie ihn nicht... Sie w�rde ihn nicht t�ten, ihm nicht bei lebendigem Leib die Haut abziehen, nichts von alledem tun, was sein Verstand heraufbeschworen hatte. Und er hatte geglaubt, selbst das Abh�uten werde ihn noch Erleichterung sein. Tr�nen rollten ihm �ber das Gesicht. Er schluchzte erleichtert und zitterte heftig, so sehr es eben in seinem gefesselten Zustand m�glich war. Mit einemmal verschwand das, was ihn fesselte, und er brach zusammen, lag auf H�nden und Knien und weinte weiter. Er konnte nicht mehr aufh�ren.</p><p>Die Frau kniete neben ihm nieder, fuhr ihm mit einer Hand ins Haar und zog seinen Kopf hoch. �Werdet Ihr mir jetzt endlich zuh�ren? Der Tod des Rand al'Thor liegt in der Zukunft und Ihr werdet ihn nur erleben, wenn Ihr ein braver Hund seid. Ihr werdet Eure Wei�m�ntel zum Panarchenpalast verlagern.� �Wo... woher wi�t Ihr das?� Sie sch�ttelte seinen Kopf recht unsanft. �Ein guter Hund stellt seinem Frauchen keine Fragen. Ich werfe den Stock, und Ihr holt ihn. Wenn ich sage: T�tet, dann t�tet Ihr. Ja? Ja.� Ihr L�cheln war nur ein kurzes Aufblitzen der Z�hne. �Wird es Schwierigkeiten bei der Besetzung des Palastes geben? Die Legion der Panarchin befindet sich dort. Es sind tausend Mann, und sie schlafen sogar in den G�ngen, den Ausstellungsr�umen und den Innenh�fen. Ihr habt doch nicht so viele Wei�m�ntel, oder?� �Sie...� Er mu�te innehalten und schlucken. �Sie werden keine Schwierigkeiten machen. Sie werden glauben, die Versammlung habe Amathera gew�hlt. Es ist die Versammlung, die... � �Langweilt mich nicht, Jaichim. Es ist mir gleich, ob ihr die gesamte Versammlung umbringt, solange Ihr nur den Panarchenpalast besetzt. Wann werdet Ihr losschlagen?� �Es... es dauert noch drei oder vier Tage, bis Andric mir die Sicherheiten �bergeben l��t.� �Drei oder vier Tage�, murmelte sie, als sei es nur f�r die eigenen Ohren bestimmt. �Also gut. Noch ein wenig Verz�gerung sollte eigentlich nicht schaden.� Er fragte sich, wie das mit der Verz�gerung gemeint sei, aber dann zog sie ihm den Boden unter den F��en weg. �Ihr werdet den Palast unter Kontrolle halten und die sch�nen Soldaten der Panarchin wegschicken.� �Das ist unm�glich!� stie� er hervor, und sie ri� seinen Kopf so hart nach hinten, da� er die Wahl hatte, ob zuerst sein Genick brechen oder die Kopfhaut weggerissen werde. Er wagte es nicht, sich dagegenzustemmen. Tausend unsichtbare Nadeln stachen auf ihn ein, in sein Gesicht, seine Brust, seinen R�cken, in Arme, Beine, �berallhin. Unsichtbar, aber trotzdem �u�erst real in ihrer Wirkung.</p><p>�Unm�glich, Jaichim?� fragte sie mit sanfter Stimme. �Unm�glich ist ein Wort, das ich nicht gern h�re.� Die Nadeln wanden sich tiefer in ihn hinein. Er st�hnte, aber er mu�te es ihr einfach erkl�ren. Was sie wollte, war wirklich unm�glich. Er atmete schwer und sprudelte heraus: �Sobald Amathera zur Panarchin gew�hlt wird, ist sie Befehlshaberin der Legion. Wenn ich versuche, den Palast endg�ltig zu besetzen, wird sie die Legion gegen mich stellen, und Andric wird sie dabei unterst�tzen. Es gibt keine M�glichkeit, da� wir uns gegen die gesamte Legion stemmen k�nnen und noch dazu gegen die Soldaten, die Andric aus den Ringforts abziehen kann.� Sie betrachtete ihn so lang, da� er wieder ins Schwitzen kam. Er wagte nicht, sich zu r�hren und auch nur mit der Wimper zu zucken. Diese tausend schmerzenden kleinen Nadelstiche lie�en es nicht zu. �Wir werden uns selbst um die Panarchin k�mmern�, sagte sie schlie�lich. Die Nadeln waren mit einemmal weg, und sie stand auf. Auch Carridin rappelte sich m�hsam hoch und bem�hte sich, ruhig dazustehen. Vielleicht konnte man sich irgendwie einigen. Die Frau schien ja jetzt gewillt, sich der Vernunft zu beugen. Seine Beine schlotterten noch vor Angst, aber er zwang sich, ruhig zu sprechen. �Selbst, wenn Ihr Amathera beeinflussen k�nnt... � Sie unterbrach ihn. �Ich sagte Euch doch, Ihr solltet mir keine Fragen stellen, Jaichim. Ein braver Hund gehorcht seinem Frauchen, ja? Ich verspreche Euch, wenn Ihr nicht folgsam seid, werdet Ihr mich noch darum anbetteln, einen Myrddraal zu suchen, der mit Euch spielt. Versteht Ihr mich?� �Ich verstehe�, sagte er bleiern. Sie sah ihn weiter unverwandt an, und einen Augenblick sp�ter verstand er wirklich. �Ich werde tun, was Ihr wollt... Herrin.� Ihr kurzes, zustimmendes L�cheln lie� ihn err�ten. Sie ging zur T�r und wandte ihm den R�cken zu, als sei er wirklich ein Hund, und ein zahnloser noch dazu. �Wie... Wie hei�t Ihr eigentlich?� Diesmal war ihr L�cheln besonders s�� und sp�ttisch. �Ja. Ein Hund sollte den Namen seines Frauchens kennen. Ich hei�e Liandrin. Aber dieser Name darf einem Hund niemals �ber die Lippen kommen. Sollte das doch passieren, werde ich sehr ungehalten sein.� Als sich die T�r hinter ihr schlo�, taumelte er hin�ber zu einem mit Elfenbein eingelegten Lehnstuhl und lie� sich fallen. Den Branntwein lie� er stehen. Sein Magen rebellierte derart, da� er sich sonst bestimmt �bergeben h�tte. Welches Interesse konnte sie am Panarchenpalast haben? Vielleicht war das eine �u�erst gef�hrliche Frage in dieser Lage, aber obwohl sie dem gleichen Herrn diente, empfand er nichts als Abscheu vor dieser Hexe aus Tar Valon.</p><p>Sie wu�te auch nicht soviel, wie sie glaubte. Mit den Sicherheiten des K�nigs in der Hand konnte er sich Tamrin und das Heer vom Hals halten, wenn er drohte, alles dem Volk zu verraten. Auch Amathera war dann erpre�bar. Doch nat�rlich konnten sie immer noch versuchen, das Volk gegen ihn aufzuwiegeln. Und der kommandierende Lordhauptmann hatte vielleicht auch einiges gegen die ganze Unternehmung, weil er sie m�glicherweise f�r einen Versuch Carridins hielt, selbst an die Macht zu kommen. Er lie� den Kopf auf seine H�nde sinken und stellte sich vor, wie Niall sein Todesurteil unterzeichnete. Seine eigenen M�nner w�rden ihn festnehmen und h�ngen. Falls er aber f�r den Tod der Hexe sorgen k�nnte... Andererseits hatte sie versprochen, ihn vor den Myrddraal zu besch�tzen. Er h�tte am liebsten wieder geweint. Sie war noch nicht einmal hier, und doch sa� er so fest wie zuvor in ihrer Falle. Die Stahlklammern hatten sich um seine beiden Beine geschlossen, und um den Hals lag eine dicke Schlinge.</p><p>Es mu�te einen Ausweg geben, aber wohin er auch blickte, standen �berall nur neue Fallen.</p><p>Liandrin huschte wie ein Geist durch die S�le und mied ohne Schwierigkeiten Diener ebenso wie Wei�m�ntel. Als sie aus einer kleinen Hintert�r auf eine enge Gasse hinter dem Palast trat, sah der hochgewachsene junge W�chter dort sie mit einer Mischung aus Erleichterung und Unsicherheit im Blick an. Bei Carridin hatte sie nicht einmal den kleinen Trick anwenden m�ssen, jemanden f�r ihre Suggestionen aufnahmebereit zu machen, indem sie nur ein ganz klein wenig von der Macht ben�tzte. Aber bei diesem Narren hier hatte es bewirkt, ihn davon zu �berzeugen, da� er sie einlassen mu�te. L�chelnd winkte sie ihm, n�her zu kommen. Der schlaksige Tor grinste, als erwarte er einen Ku�. Das Grinsen erfror ihm jedoch auf dem Gesicht, als ihr schmaler Dolch direkt durch sein Auge gesto�en wurde.</p><p>Sie sprang gelenkig zur�ck, als er wie ein Sack voll Fleisch, aber ohne Knochen zusammensackte. Jetzt konnte er nichts mehr �ber sie ausplaudern, nicht mal durch einen Zufall. Und nicht einmal ein einziger Tropfen Blut beschmutzte ihre Hand. Sie w�nschte sich Chesmals Geschick, mit Hilfe der Macht zu t�ten, oder auch nur Riannas geringer einzusch�tzendes Talent. Seltsam, da� die F�higkeit, durch die Macht zu t�ten, ein Herz einfach anzuhalten oder das Blut in den Venen zum Kochen zu bringen, so eng mit der F�higkeit zu heilen verbunden war.</p><p>Sie selbst konnte kaum mehr heilen als ein paar Kratzer oder Prellungen und hatte auch gar kein Interesse daran.</p><p>Ihre S�nfte, rot lackiert und mit Elfenbein und Gold verziert, wartete am Ende der Gasse, und mit ihr warteten ihre Leibw�chter, ein Dutzend kr�ftige M�nner mit Gesichtern wie verhungernde W�lfe. Einmal im Gew�hl der Stra�e angekommen, bahnten sie ihr problemlos einen Weg durch die Menge mit Hilfe ihrer Speere, mit denen sie jedem einen kurzen Schlag versetzten, der nicht schnell genug aus dem Weg sprang. Sie waren alle dem Gro�en Herrn der Dunkelheit verschworen � selbstverst�ndlich �, und obwohl sie nicht wu�ten, wer sie wirklich war, wu�ten sie, da� andere M�nner verschwunden waren, die ihr nicht so gut gedient hatten.</p><p>Das Haus, das sie und die anderen bewohnten, zwei ausgedehnte Stockwerke hoch, mit flachem Dach und wei� get�ncht, am Abhang eines H�gels eingangs der Verana, der �stlichsten Halbinsel Tanchicos gelegen, geh�rte einem Kaufmann, der ebenfalls seine Eide auf den Gro�en Herrn abgelegt hatte. Liandrin h�tte ja lieber ein Schlo� gehabt. Vielleicht w�rde ihr eines Tages der K�nigspalast auf der Maseta geh�ren. Wo sie aufgewachsen war, hatte sie immer neidvoll die Schl�sser der Lords angesehen, aber warum sollte sie sich jetzt mit so einem begn�gen? Doch trotz ihrer Vorliebe war es nur vern�nftig, noch eine Weile versteckt auszuharren. Es war wohl unm�glich, da� die N�rrinnen in Tar Valon auch nur auf die Idee kommen konnten, da� sie sich in Tarabon aufhielten, aber die Burg suchte gewi� noch nach ihnen, und Siuan Sanches Lieblinge konnten ja �berall herumschn�ffeln.</p><p>Ein Tor f�hrte in einen kleinen Hof, der unten von fensterlosen Mauern umgeben war. Nur im Obergescho� gab es Fenster. Sie verlie� die W�chter und Tr�ger dort und eilte hinein. Der Kaufmann hatte ihnen ein paar Dienerinnen zur Verf�gung gestellt, wie er ihnen versicherte, alle im Dienst des Gro�en Herrn, aber es waren kaum genug f�r elf Frauen, die sich noch dazu kaum jemals nach drau�en begaben. Eine der Dienerinnen, eine auf ihre st�mmige Art gutaussehende Frau mit dunklen Z�pfen namens Gyldin, fegte gerade die roten und wei�en Bodenplatten in der Eingangshalle, als Liandrin eintrat.</p><p>�Wo sind die anderen?� wollte sie wissen.</p><p>�Im vorderen Ruheraum.� Gyldin zeigte auf die gro�e Doppelt�r zur Rechten, als wisse Liandrin nicht, wo sich dieser Raum befand.</p><p>Liandrin verzog den Mund. Die Frau knickste nicht einmal und gebrauchte keine Titel und �hnliches. Sicher, sie wu�te nicht, wer Liandrin wirklich war, aber Gyldin wu�te auf jeden Fall, da� sie hoch genug gestellt war, um Befehle zu geben, denen man gehorchen mu�te, und um den fetten Kaufmann mitsamt seiner Familie unter vielen Verbeugungen und Kratzf��en wegzuschicken in irgendeinen Schuppen, den sie inzwischen bewohnen konnten. �Man erwartet von dir, da� du hier putzt, oder? Und nicht herumstehst? Also, dann putz gef�lligst! �berall liegt hier Staub. Wenn ich heute abend auch nur noch ein Staubkorn entdecke, dumme Kuh, dann werde ich dich pr�geln lassen!� Sie bi� die Z�hne zusammen. Sie hatte die Manieren der Adligen und Reichen mittlerweile schon so lange nachgeahmt, da� sie manchmal ihren Vater verga�, der Obst vom Karren weg verkauft hatte. Aber in diesem einen Augenblick voller Zorn hatte sie sich vergessen und einen Ausdruck aus der Gassensprache verwendet. Zuviel Stre�. Zu viel Warterei. Mit einem letzten harten �Arbeite!� trat sie in den Ruheraum und knallte die T�r zu.</p><p>Nicht alle der anderen befanden sich darin, und das regte sie noch mehr auf, aber es waren genug. Eldrith Jhondar mit dem runden Gesicht sa� an einem mit Lapislazuli eingelegten Tischchen unter einem Behang an einer ansonsten wei� get�nchten Wand und machte sich sorgf�ltig Notizen aus einem zerfledderten Manuskript. Manchmal wischte sie geistesabwesend die Spitze ihrer Feder am �rmel ihres dunklen Wollkleides ab. Marillin Gemalphin sa� neben einem der schmalen Fenster und blickte mit ihren blauen Augen vertr�umt hinunter auf den winzigen Brunnen, aus dem in einem kleinen Innenhof das Wasser pl�tscherte. Sie kraulte gelangweilt eine magere gelbe Katze hinter den Ohren und schien die Haare nicht zu bemerken, die das Tier auf ihrem gr�nen Seidenkleid hinterlie�. Sie und Eldrith waren beide Braune Schwestern, aber falls Marillin jemals herausfand, da� Eldrith der Grund war, warum die streunenden Katzen st�ndig verschwanden, die sie von der Stra�e aufgelesen hatte, dann w�rde es Zunder geben.</p><p>Sie waren Braune gewesen. Manchmal war es schwierig, nicht zu vergessen, da� sie keine mehr waren, oder da� sie selbst keine Rote mehr war. So vieles von dem, was sie vorher eindeutig als Mitglieder ihrer alten Ajahs gepr�gt hatte, war auch jetzt noch zu sp�ren, obwohl sie sich ganz offen den Schwarzen verschworen hatten. Da waren zum Beispiel die beiden ehemaligen Gr�nen. Jeaine Caide mit dem Schwanenhals trug auf ihrer kupferfarbenen Haut die d�nnsten, am engsten anliegenden Seidenkleider, die sie hatte auftreiben k�nnen � heute trug sie ein wei�es �, und meinte lachend, sie m�sse damit auskommen, denn in Tarabon gebe es nichts, was einen Mann aufmerksam machen k�nne. Jeaine kam aus Arad Doman, und die Domanifrauen waren ber�chtigt f�r ihre skandal�se Kleidung. Asne Zeramene mit ihren dunklen Augen und der auffallenden Nase wirkte dagegen z�chtig in ihrem hellgrauen, einfach geschnittenen und hochgeschlossenen Kleid, aber Liandrin hatte oft genug geh�rt, wie sie ihren Beh�tern nachtrauerte, die sie zur�ckgelassen hatte. Und was Rianna Andomeran betraf... Schwarzes Haar mit einer auff�lligen wei�en Str�hne �ber dem linken Ohr umrahmte ein Gesicht, dessen kaltes, arrogantes Selbstbewu�tsein nur bei einer Wei�en so ausgepr�gt zu finden war.</p><p>�Es ist geschafft�, verk�ndete Liandrin nun. �Jaichim Carridin wird seine Wei�m�ntel zum Panarchenpalast verlegen und ihn f�r uns besetzen. Er wei� nat�rlich noch nicht, da� er... G�ste haben wird.� Ein paar verzogen das Gesicht. Der Wechsel der Ajahs hatte die Gef�hle M�nnern gegen�ber nicht ge�ndert, die Frauen ha�ten, weil sie die Macht benutzen konnten. �Es gibt da noch eine interessante Tatsache. Er glaubte, ich sei gekommen, um ihn zu t�ten, da er es nicht geschafft hatte, Rand al'Thor umzubringen.� �Das ergibt aber keinen Sinn�, sagte Asne mit gerunzelter Stirn. �Wir sollen ihn binden, �berwachen, aber ihn nicht t�ten.� Sie lachte pl�tzlich weich und leise auf und lehnte sich in ihren Stuhl zur�ck. �Falls es m�glich ist, ihn zu �berwachen, h�tte ich nichts dagegen, ihn an mich zu binden. Ich habe nicht viel von ihm gesehen, aber er scheint ein gutaussehender junger Mann zu sein.� Liandrin schnaubte. Sie konnte M�nner grunds�tzlich nicht leiden.</p><p>Rianna sch�ttelte besorgt den Kopf. �Es ergibt schon einen Sinn, auch wenn mich der nicht gerade beruhigt. Unsere Befehle waren ganz eindeutig, aber genauso klar ist ja wohl, da� Carridin seine eigenen Befehle bekommen hat. Ich kann nur glauben, da� unter den Verlorenen Uneinigkeit herrscht.� �Die Verlorenen�, murmelte Jeaine und faltete die Arme. Unter der d�nnen wei�en Seide zeichneten sich ihre Br�ste so noch deutlicher ab. �Was taugen schon Versprechen, da� wir die Welt regieren werden, wenn der Gro�e Herr zur�ckkehrt, und zuerst werden wir zwischen den sich streitenden Verlorenen aufgerieben? Glaubt eine von Euch, wir k�nnten auch nur einem davon entgegentreten?� �Baalsfeuer.� Asne sah sich um und ihre dunklen, schr�gstehenden Augen blickten die anderen herausfordernd an. �Baalsfeuer vernichtet sogar einen der Verlorenen. Und wir haben die Mittel, es hervorzubringen.� Einer der <emphasis>Ter'Angreal,</emphasis> die sie aus der Burg mitgenommen hatten, eine etwa einen Schritt lange schwarze Hohlr�hre, diente genau diesem Zweck. Keine von ihnen wu�te, warum ihnen aufgetragen worden war, sie mitzunehmen, nicht einmal Liandrin selbst. Das war das gleiche wie bei vielen <emphasis>Ter'Angreal,</emphasis> die sie auf Befehl mitgenommen hatten. Der Befehl war nicht begr�ndet worden, aber es gab eben Auftr�ge, denen man einfach nachkommen mu�te. Liandrin bedauerte, da� sie statt dessen keinen einzigen <emphasis>Angreal</emphasis> mitnehmen durften.</p><p>Jeaine schnaubte h�rbar. �Falls eine von uns das unter Kontrolle halten k�nnte. Oder habt Ihr vergessen, da� ich bei der einen einzigen Probe fast get�tet worden w�re? Und wie es sich durch beide Seiten des Schiffes hindurchbrannte, bevor ich es verhindern konnte? Es h�tte uns ganz gewi� gen�tzt, wenn wir vor der Ankunft in Tanchico ertrunken w�ren.� �Wozu brauchen wir denn schon das Baalsfeuer?� fragte Liandrin. �Wenn wir den Wiedergeborenen Drachen am G�ngelband haben, dann sollen die Verlorenen mal sehen, wo sie bleiben.� Pl�tzlich wurde ihr bewu�t, da� noch jemand anders sich im Raum befand: die Frau Gyldin, die gerade einen geschnitzten Stuhl mit niedriger Lehne in einer Ecke des Raums abwischte. �Was tust du hier, Frau?� �Saubermachen.� Die Frau mit den dunklen Z�pfen richtete sich unbeeindruckt auf. �Ihr habt mir aufgetragen, sauberzumachen.� Liandrin h�tte beinahe mit der Macht zugeschlagen. Beinahe. Aber Gyldin wu�te mit Sicherheit nicht, da� sie Aes Sedai waren. Wieviel hatte die Frau geh�rt? Nichts Wichtiges wohl. �Du wirst zum Koch gehen�, sagte sie von kalter Wut erf�llt, �und ihm sagen, er solle dich mit dem Riemen pr�geln. Hart! Und du wirst nichts zu essen bekommen, bis aller Staub weg ist!� Schon wieder. Wieder hatte dieses Weib es fertiggebracht, da� sie sich wie eine gew�hnliche Frau verhielt.</p><p>Marillin stand auf, hob die Katze empor und stupste ihre Nase gegen die des Tieres. Dann reichte sie es Gyldin. �Seht zu, da� er eine Schale Sahne bekommt, wenn der Koch mit Euch fertig ist. Und etwas von diesem guten Lammbraten. Schneidet das Fleisch f�r ihn in kleine H�ppchen; er hat nicht mehr viele Z�hne, der arme Kerl.� Gyldin sah sie mit gro�en Augen an und so f�gte sie hinzu: �Gibt es etwas, das Ihr nicht versteht?� �Ich verstehe schon.� Gyldins Mund war eine straffe Linie. Vielleicht verstand sie es nun endlich, da� sie n�mlich eine Dienerin war und ihnen nicht gleichgestellt.</p><p>Liandrin wartete noch einen Moment, nachdem sie mit der Katze im Arm gegangen war, und dann ri� sie pl�tzlich den einen T�rfl�gel auf. Doch die Eingangshalle war leer. Gyldin lauschte nicht. Sie traute dieser Frau einfach nicht. Allerdings kannte sie �berhaupt niemanden, dem sie traute. �Wir m�ssen uns mit unseren eigenen Problemen besch�ftigen�, sagte sie nerv�s und schlo� die T�r. �Eldrith, habt Ihr in diesen Papieren neue Hinweise gefunden?</p><p>Eldrith?� Die mollige Frau fuhr zusammen und blickte sich blinzelnd um. Es war das erste Mal, da� sie den Blick von dem zerfledderten, alten Manuskript hob. Sie schien �berrascht, da� Liandrin anwesend war. �Was? Hinweise? O nein. Es ist schon schwierig genug, in die Bibliothek des K�nigs hineinzukommen. Falls ich nur eine Seite entnehme, merken die Bibliothekare es sofort. Aber wenn ich sie beseitige, finde ich �berhaupt nichts mehr. Der Ort ist ein Labyrinth. Nein, das hier habe ich bei einem Buchh�ndler in der N�he des K�nigspalastes gefunden. Es ist eine interessante Abhandlung �ber... � Liandrin griff nach <emphasis>Saidar</emphasis> und verstreute die Bl�tter �ber den ganzen Fu�boden. �La� sie verbrennen, au�er es ist eine Abhandlung dar�ber, wie man Rand al'Thor in die Hand bekommt! Was habt Ihr �ber das erfahren, was wir herausfinden m�ssen?� Eldrith betrachtete blinzelnd die verstreuten Bl�tter.</p><p>�Also, es befindet sich im Panarchenpalast.� �Das habt Ihr vor zwei Tagen erfahren.� �Und es mu� sich um einen <emphasis>Ter'Angreal</emphasis> handeln. Um jemanden zu lenken, der die Macht ben�tzen kann, braucht man selbst die Macht, und da dieser Zweck hochspezialisiert ist, mu� man einen <emphasis>Ter'Angreal</emphasis> haben. Wir werden ihn im Ausstellungssaal finden oder vielleicht in der Sammlung der Panarchen.� �Etwas Neues, Eldrith.� Mit M�he beherrschte Laindrin sich, damit ihre Stimme nicht so schrill klang. �Habt Ihr etwas Neues herausgefunden? Irgend etwas?� Die Frau mit dem runden Gesicht blinkerte unsicher. �Tats�chlich... Nein.� �Es spielt keine Rolle�, sagte Marillin. �In ein paar Tagen, wenn sie endlich ihre kostbare neue Panarchin ins Amt eingef�hrt haben, k�nnen wir mit Suchen anfangen. Und wenn wir jeden Kerzenhalter untersuchen m�ssen: Wir werden es finden. Wir stehen an der Schwelle, Liandrin. Wir werden Rand al'Thor an die Leine legen und ihm beibringen, M�nnchen zu machen.� �O ja�, sagte Eldrith mit gl�ckseligem L�cheln. �An die Leine.� Liandrin hoffte, es werde tats�chlich so kommen. Sie hatte genug vom Warten und von diesem Versteckspiel. Sollte die Welt sie doch endlich kennenlernen. Die Menschen sollten die Knie vor ihr beugen, wie es ihr versprochen worden war, als sie statt der alten Eide die neuen w�hlte.</p><p>Egeanin wu�te, da� sie nicht allein war, sobald sie durch die K�chent�r in ihr kleines Haus trat. Sie lie� ihre Maske und den Jutesack achtlos auf den Tisch fallen und ging hin�ber zu dem gemauerten Kamin, neben dem ein Eimer Wasser stand. Als sie sich b�ckte, um den kupfernen Sch�pfl�ffel zu nehmen, scho� ihre rechte Hand in eine kleine �ffnung hinter dem Eimer, wo sie zwei Backsteine herausgenommen hatte. Sie richtete sich blitzschnell auf und hielt eine kleine Armbrust in der Hand. Sie war wohl nicht mehr als einen Fu� lang und hatte weder viel Durchschlagskraft noch eine gro�e Reichweite, aber sie hatte sie immer an diesem Ort bereits gespannt liegen, und der dunkle Fleck von einer Fl�ssigkeit an der Spitze des Stahlbolzens w�rde jeden innerhalb eines Herzschlags t�ten.</p><p>Falls der Mann, der entspannt in der Ecke an die Wand gelehnt dastand, die Armbrust sah, war zumindest kein �u�eres Anzeichen daf�r sichtbar. Er hatte blondes Haar und blaue Augen, war von mittleren Jahren und sah gut aus, wenn er auch f�r ihren Geschmack etwas zu schlank war. Ganz klar, da� er sie durch das mit einem Eisengitter versehene Fenster neben ihm beobachtet hatte, wie sie �ber den kleinen Hof schritt. �Glaubt Ihr, da� ich Euch bedrohe?� fragte er nach einem Augenblick des Wartens.</p><p>Sie bemerkte, da� er den vertrauten Dialekt ihrer Heimat sprach, senkte aber die Armbrust nicht. �Wer seid Ihr?� Statt einer Antwort griff er vorsichtig und langsam mit zwei Fingern in seine G�rteltasche und holte etwas Kleines und Flaches heraus. Sie bedeutete ihm, den Gegenstand auf den Tisch zu legen und sich wieder zur Wand zur�ckzubegeben.</p><p>Erst als er wieder in seiner Ecke stand, ging sie zum Tisch vor, um zu nehmen, was er dort hingelegt hatte. Sie wandte den Blick nicht von ihm, und die Armbrust zeigte weiter auf seine Brust. So hob sie den Gegenstand auf und hielt ihn in ihr Sichtfeld. Es war eine kleine Elfenbeinplakette mit Goldrand, auf die ein Rabe und ein Turm eingraviert waren. Die Augen des Raben waren kleine schwarze Saphire. Ein Rabe, das Symbol der Kaiserfamilie, und der Turm der Raben, das Symbol der kaiserlichen Rechtsprechung.</p><p>�Normalerweise w�rde das ausreichen�, sagte sie zu ihm, �doch wir sind weit weg von Seanchan in einem Land, wo das Fremdartige beinahe schon allt�glich ist. K�nnt Ihr mir noch weitere Beweise vorzeigen?� Er l�chelte am�siert, zog seinen Mantel aus, band sein Hemd auf und entfernte auch das. Auf jeder Schulter waren der Rabe und der Turm eint�towiert.</p><p>Die meisten der Wahrheitssucher ben�tzten sowohl den Raben wie auch den Turm, aber nicht einmal jemand, der es gewagt hatte, einem von ihnen die Plakette zu stehlen, w�rde sich selbst auf diese Art zeichnen. Wenn man den Raben trug, war man Eigentum der kaiserlichen Familie. Es gab da eine alte Geschichte �ber einen idiotischen jungen Lord und seine Lady, die sich im betrunkenen Zustand so t�towieren lie�en. Das mu�te ungef�hr dreihundert Jahre her gewesen sein. Als die Kaiserin davon erfuhr, lie� sie die beiden zum Hof der Neun Monde bringen und von da ab nur noch Fu�b�den schrubben. Dieser Bursche hier konnte vielleicht einer ihrer Nachkommen sein. Das Zeichen des Raben trug man ein ganzes Leben lang.</p><p>�Verzeiht mir, Sucher�, sagte sie und legte die Armbrust weg. �Warum seid Ihr hier?� Sie fragte ihn nicht nach seinem Namen � er k�nnte so oder so falsch sein.</p><p>Er �berlie� ihr noch die Plakette und zog sich in aller Ruhe wieder an. Damit wollte er sie gewi� an ihre unterschiedlichen Positionen erinnern. Sie war wohl Kapit�n und er Eigentum, aber er war eben auch einer der Sucher und konnte sie ganz legal auf eigene Verantwortung verh�ren. Er h�tte tats�chlich das Recht gehabt, sie wegzuschicken, um das Seil zu kaufen, mit dem er sie f�r das Verh�r fesseln w�rde. Und � er konnte erwarten, da� sie tats�chlich mit dem Seil wiederkam. Flucht vor einem Sucher galt als Verbrechen. Sich zu weigern, mit einem der Sucher zusammenzuarbeiten, war ebenfalls ein Verbrechen. Sie hatte noch nie in ihrem ganzen Leben ein Verbrechen geplant, genausowenig wie Verrat am Kristallthron. Doch falls er die falschen Fragen stellte, die falschen Antworten forderte... Die Armbrust lag ja immer noch in ihrer N�he, und Cantorin war weit weg. Wilde Gedanken. Gef�hrliche Gedanken.</p><p>�Ich diene der Hochlady Suroth und der <emphasis>Corenne</emphasis> f�r die Kaiserin�, sagte er. �Ich �berpr�fe die Fortschritte der Agenten, die von der Hochlady in diese Regionen gesandt wurden.� �berpr�fen? Was mu�te da �berpr�ft werden und noch dazu von einem der Sucher? �Ich habe von den Kurierbooten nichts dar�ber erfahren.� Sein L�cheln vertiefte sich, und sie err�tete. Nat�rlich w�rde die Besatzung nicht �ber einen Sucher sprechen. Doch er beantwortete ihre Frage, w�hrend er sich das Hemd zuband.</p><p>�Ich darf bei meinen Reisen die Kurierboote nicht ben�tzen � das Risiko f�r sie w�re zu gro�. Ich fahre statt dessen auf den Schiffen eines der hier ans�ssigen Schmuggler mit. Das ist ein Mann namens Bayle Domon. Seine Schiffe legen �berall in Tarabon und Arad Doman und dazwischen an.� �Ich habe von ihm geh�rt�, sagte sie gelassen. �Alles geht gut?� �Jetzt schon. Ich bin froh, da� wenigstens Ihr Eure Anweisungen richtig verstanden habt. Unter den anderen war das nur bei den Suchern der Fall. Es ist bedauerlich, da� sich nicht mehr Sucher bei den <emphasis>Hailene</emphasis> befinden.� Er zog sich das Wams �ber und nahm ihr die Plakette aus der Hand. �Es hat einige Verlegenheit ausgel�st, da� Deserteure aus den Reihen der <emphasis>Sul'dam</emphasis> zur�ckgekehrt sind. Solche Desertationen d�rfen nicht allgemein bekannt werden. Es ist viel besser, wenn sie einfach f�r immer verschwinden.� Sie konnte ihre Gesichtsz�ge auch nur deshalb beherrschen, weil sie ein wenig Zeit zum Nachdenken gehabt hatte. Bei dem Debakel von Falme waren einige <emphasis>Sul'dam</emphasis> zur�ckgeblieben, wie man ihr gesagt hatte. M�glicherweise waren also bei der Gelegenheit einige desertiert. Ihren Anweisungen von Hochlady Suroth zufolge, sollte sie jede zur�ckschicken, die sie aufsp�ren konnte, ob sie wollte oder nicht, und wenn das nicht m�glich war, sollten sie beseitigt werden. Das letzere war ihr nur als eine Notl�sung erschienen. Bisher.</p><p>�Ich bedaure, da� man in diesen L�ndern keinen Kaf kennt�, sagte er und setzte sich an den Tisch. �Selbst in Cantorin haben mittlerweile nur noch die vom Blute Kaf. Wenigstens war es so, als ich abfuhr. Vielleicht sind seither Frachtschiffe aus Seanchan angekommen und haben mehr mitgebracht. Jetzt mu� eben Tee ausreichen. Bereitet mir Tee zu.� Sie h�tte ihn am liebsten vom Stuhl geworfen. Der Mann war Eigentum. Und ein Sucher. Also kochte sie Tee. Und sie servierte ihm diesen Tee und blieb mit der Kanne neben seinem Stuhl stehen, um ihm nachzuschenken. Sie war �berrascht, da� er sie nicht auch noch aufforderte, einen Schleier anzulegen und auf dem Tisch zu tanzen.</p><p>Schlie�lich gestattete er ihr, sich hinzusetzen, nachdem sie eine Feder, Tinte und Papier geholt hatte, und nun mu�te sie f�r ihn Pl�ne von Tanchico und seinen Verteidigungsanlagen zeichnen, und dazu noch jede andere gr��ere und kleinere Stadt, von der sie auch nur das Geringste wu�te. Sie f�hrte die einzelnen Streitkr�fte auf, soweit sie dar�ber informiert war, berichtete �ber ihre St�rke und wo ihre Loyalit�t lag und was sie von ihren Absichten hielt.</p><p>Als sie fertig war, steckte er alles in seine Tasche, befahl ihr, den Inhalt des Jutesacks mit dem n�chsten Kurierboot wegzuschicken und verlie� sie wieder mit am�siertem L�cheln. Er sagte noch, er werde in ein paar Wochen wieder nach ihr sehen.</p><p>Sie sa� noch lange Zeit da, nachdem er gegangen war. Jede Karte, die sie gezeichnet hatte, jede Liste, war ein genaues Duplikat von einem Bericht, den sie bereits vor einiger Zeit mit dem Kurierboot abgeschickt hatte. Da� er sie gezwungen hatte, das alles noch mal zu machen, konnte ja eine Strafe daf�r gewesen sein, da� sie ihn seine T�towierungen hatte zeigen lassen. Die Gardesoldaten der Totenwache gaben mit ihren Raben an, die Sucher aber kaum jemals. Das konnte der Grund sein. Wenigstens war er nicht hinunter in den Keller gegangen, bevor sie zur�ckkehrte. Oder doch? Hatte er nur darauf gewartet, da� sie etwas davon erw�hnte?</p><p>Das schwere Eisenschlo� hing anscheinend unber�hrt an der T�r im Flur gegen�ber der K�che. Aber man behauptete auch, da� die Sucher Schl�sser ohne jeden Schl�ssel �ffnen k�nnten. Sie nahm den Schl�ssel aus ihrer G�rteltasche, schlo� auf und ging die schmale Treppe hinunter.</p><p>Eine Lampe auf einem Regalbrett beleuchtete den Kellerraum mit dem Natursteinboden. Lediglich vier Backsteinw�nde umgaben ihn, und an denen hing nichts, was bei einer Flucht behilflich sein konnte. Ein schwacher Latrinengeruch hing in der Luft. Auf der Seite der Lampe gegen�ber sa� eine Frau in einem schmutzigen Kleid verzagt auf einigen groben Wolldecken. Sie hob den Kopf, als sie Egeanins Schritte h�rte. Ihre dunklen Augen waren voller Furcht und blickten sie bettelnd an. Sie war die erste <emphasis>Sul'dam</emphasis> gewesen, die Egeanin aufgesp�rt hatte. Die erste und die einzige, denn Egeanin hatte die Suche praktisch aufgegeben, seit sie Bethamin gefunden hatte. Und seither war Bethamin in diesem Kellerraum geblieben, w�hrend die Kurierboote kamen und gingen.</p><p>�Ist jemand hier herunter gekommen?� fragte Egeanin.</p><p>�Nein. Ich h�rte Schritte oben, aber... Nein.� Bethamin streckte ihr die H�nde entgegen. �Bitte, Egeanin. Das ist nur ein gro�er Fehler. Ihr kennt mich doch seit zehn Jahren. Nehmt mir dieses Ding ab.� Um ihren Hals lag ein silbernes Band. Es war durch eine dicke Silberleine mit einem Armband aus dem gleichen Metall verbunden, das an einem Haken ein paar Fu� �ber ihrem Kopf hing. Sie hatte das Bethamin eigentlich nur aus der Absicht heraus umh�ngen wollen, weil sie die <emphasis>Sul'dam</emphasis> ein paar Minuten lang festhalten wollte � als normale Fessel mehr oder weniger. Doch dann hatte sie Egeanin zu Boden gesto�en und versucht, zu entkommen.</p><p>�Wenn Ihr es zu mir bringt, dann nehme ich es Euch ab�, sagte Egeanin zornig. Sie war einfach w�tend, aber nicht auf Bethamin. �Bringt den <emphasis>Adam</emphasis> her, und Ihr seid ihn los.� Bethamin schauderte und lie� die H�nde sinken. �Es ist ein Fehler�, fl�sterte sie. �Ein schrecklicher Fehler.� Aber sie machte keine Bewegung in Richtung des Armbands. Nach ihrem ersten Fluchtversuch hatte sie oben auf dem Boden gelegen, sich vor Schmerzen gewunden, und ihr war furchtbar schlecht und schwindlig gewesen � zu Egeanins v�lliger Verbl�ffung.</p><p>Die <emphasis>Sul'dam</emphasis> beherrschten die <emphasis>Damane,</emphasis> Frauen, die mit der Macht arbeiten konnten, mit Hilfe des <emphasis>A'dam.</emphasis> Doch die <emphasis>Damane</emphasis> war es, die mit der Macht umging, und nicht die <emphasis>Sul'dam!</emphasis> Andererseits konnte ein <emphasis>Adam</emphasis> ausschlie�lich eine Frau beherrschen, die die Macht benutzte. Keine gew�hnliche Frau und keinen Mann junge M�nner mit dieser F�higkeit wurden sowieso hingerichtet �, sondern nur eine Frau mit der Eigenschaft, die Macht lenken zu k�nnen. Eine solche Frau, die das Halsband umhatte, konnte nicht mehr als ein paar Schritte tun, ohne da� das dazugeh�rige Armband am Arm einer <emphasis>Sul'dam</emphasis> die Verbindung schlo�.</p><p>Egeanin war sehr m�de, nachdem sie die Treppe wieder hinaufgestiegen war und die T�r abgeschlossen hatte. Sie h�tte nun selbst gern etwas Tee getrunken, aber das wenige, was der Sucher �briggelassen hatte, war kalt, und sie hatte einfach nicht mehr die Energie, sich neuen zu kochen. Statt dessen setzte sie sich an den Tisch und zog den <emphasis>A'dam</emphasis> aus dem Jutesack. F�r sie war es nur ein Gegenstand aus unglaublich feingliedrigem Silber. Sie konnte ihn nicht benutzen und er konnte ihr keinen Schaden zuf�gen, es sei denn, jemand schlug ihn ihr �ber den Kopf.</p><p>Aber sogar diese Art von K�rperkontakt mit einem <emphasis>A'dam,</emphasis> der sie ja gar nicht beeinflussen konnte, jagte ihr einen Schauer den R�cken hinab. Frauen, die mit der Macht umgehen konnten, waren keine Menschen, sondern gef�hrliche Tiere. Sie waren es gewesen, die einst die Welt zerst�rten. Man mu�te sie beherrschen, denn sonst w�rden sie bald jeden anderen zu Eigentum degradieren. So hatte man es ihr beigebracht und so hatte man es in Seanchan tausend Jahre lang gelehrt. Seltsam, aber hier schien sich das nie durchgesetzt zu haben. Nein. Selbst das war ein gef�hrlicher Gedankengang, und unsinnig obendrein.</p><p>So stopfte sie den <emphasis>A'dam</emphasis> in den Sack zur�ck und sp�lte das Teegeschirr ab, damit sie auf andere Gedanken kam. Sie liebte die Ordnung und empfand ein wenig Befriedigung dabei, die K�che wieder richtig aufzur�umen. Bevor es ihr bewu�t wurde, braute sie sich doch eine Kanne Tee. Sie wollte nicht �ber Bethamin nachdenken, und auch das war gef�hrlich und n�rrisch dazu. Also setzte sie sich bequem an den Tisch und r�hrte Honig in eine Tasse des schw�rzesten Tees, den sie nur fertigbrachte. Immer noch kein Kaf, aber es ging auch so.</p><p>Trotz ihres Leugnens, trotz ihrer Bitten, war ihr klar, da� Bethamin die Macht benutzen konnte. Wie war das bei anderen <emphasis>Sul'dam?</emphasis> War das der Grund, warum die Hochlady Suroth so gro�en Wert darauf legte, da� diejenigen get�tet wurden, die in Falme zur�ckblieben? Das war undenkbar. Es war unm�glich. Bei den j�hrlichen �berpr�fungen in Seanchan fand man jedes M�dchen, das auch nur den Anflug einer solchen F�higkeit zeigte. Jede von ihnen wurde aus der Liste der B�rger Seanchans gestrichen, wurde aus den Familienstammb�umen gestrichen und wurde fortgebracht, um sie mit dem Halsband der <emphasis>Damane</emphasis> auszustatten. Bei den gleichen �berpr�fungen fand man auch die M�dchen mit der F�higkeit, zu lernen, mit dem Armband der <emphasis>Sul'dam</emphasis> zu arbeiten. Keine Frau konnte diesen �berpr�fungen entkommen, und zwar so lange, bis sie in dem Alter war, wo sie in jedem Fall auch auf eigene Faust mit dem Gebrauch der Macht begonnen h�tte, sollte der Funke bei ihr vorhanden sein. Wie konnte man auch nur ein einziges M�dchen zur <emphasis>Sul'dam</emphasis> machen, wenn sie in Wirklichkeit eine <emphasis>Damane</emphasis> war? Und doch sa� nun Bethamin in ihrem Keller und wurde von einem <emphasis>A'dam</emphasis> festgehalten, als sei er ein Anker um ihren Hals.</p><p>Eines war jedenfalls gewi�: Die M�glichkeiten, die sich aus dieser Sache ergaben, brachten t�dliche Gefahren mit sich. Hier waren die vom Blute verwickelt und die Sucher. Vielleicht sogar der Kristallthron. W�rde es Hochlady Suroth wagen, solche Kenntnisse der Kaiserin vorzuenthalten? In deren Gesellschaft konnte auch ein einfacher Kapit�n eines Schiffes bereits schreiend sterben, wenn sie sich nur ein Stirnrunzeln erlaubt hatte. Oder sie k�nnte aus einer Laune heraus zum Eigentum degradiert werden. Sie mu�te mehr erfahren, um auch nur hoffen zu k�nnen, dem Tod der Zehntausend Tr�nen zu entrinnen.</p><p>Das bedeutete in diesem fr�hen Stadium, da� sie Gelb und anderen miesen Spitzeln wie ihm mehr Geld zuschieben mu�te, mehr <emphasis>Sul'dam</emphasis> aufsp�ren und feststellen, ob auch sie von einem <emphasis>Adam</emphasis> beherrscht wurden. Dar�ber hinaus... Dar�ber hinaus befuhr sie ein unbekanntes Meer ohne Navigator und Kompa�.</p><p>Als sie die Armbrust mit ihrem t�dlichen Bolzen ber�hrte, die immer noch auf dem Tisch lag, wurde ihr klar, da� noch etwas sicher war: Sie w�rde sich nicht von einem der Sucher umbringen lassen. Nicht, um lediglich Hochlady Suroth zu helfen, ein Geheimnis zu wahren. �berhaupt nicht, gleich aus welchem Grund. Der Gedanke kam einem Verrat so nahe, da� sie schauderte, aber er ging ihr nicht mehr aus dem Kopf.</p></section><section><title><p>39</p><p>Ein Becher Wein</p></title><p>Als Elayne mit ihren sauber im B�ndel verpackten Sachen an Deck kam, schien die untergehende Sonne das Wasser genau vor der Einfahrt in den Hafen von Tanchico zu k�ssen. Schnell war es soweit, da� die dicken Taue festgemacht wurden und der <emphasis>Wogent�nzer</emphasis> als eines von vielen Schiffen am Kai der westlichsten Halbinsel der Stadt lag. Ein paar Besatzungsmitglieder falteten die letzten Segel ein. Jenseits der langen Hafenanlagen erhob sich die Stadt auf ihren H�geln, blendend wei�, mit Kuppeln und T�rmen, auf denen die metallnen Wetterfahnen im letzten Sonnenschein blitzten. Etwa eine Meile n�rdlich sah sie gerade noch eine hohe, runde Mauer. Wenn ihre Erinnerung sie nicht t�uschte, mu�te das der Gro�e Kreis sein.</p><p>Sie h�ngte sich ihr B�ndel �ber die gleiche Schulter, von der ihre Ledermappe hing, und ging hin�ber zu Nynaeve, die mit Coine und Jorin an der Landungsbr�cke stand. Es erschien ihr fast eigenartig, die beiden Schwestern wieder vollst�ndig angezogen zu erblicken, mit bl�tenreinen, brokatbesetzten Seidenblusen, passend zu ihren Pumphosen. Sie hatte sich ja an die Ohrringe und sogar an die Nasenringe gew�hnt, und selbst die feine Goldkette, die �ber die dunkle Wange jeder der beiden Frauen hing, lie� sie mittlerweile kaum noch zusammenzucken.</p><p>Thom und Juilin standen mit ihren eigenen B�ndeln ein St�ckchen entfernt. Sie blickten etwas m�rrisch drein.</p><p>Nynaeve hatte recht gehabt. Sie hatten ihre eigenen Vorstellungen entwickelt, seit man ihnen vor zwei Tagen den wirklichen Zweck � oder zumindest einiges davon �ihrer Reise mitgeteilt hatte. Beide schienen zu glauben, zwei junge Frauen seien einfach nicht f�hig � <emphasis>f�hig!</emphasis> � die Schwarzen Ajah aufzusp�ren. Das war allerdings im Keim erstickt worden, als Nynaeve ihnen drohte, sie auf ein anderes Schiff des Meervolks bringen zu lassen, das wieder zur�ckfuhr. Die Drohung hatte aber schon massiv sein m�ssen und erst gewirkt, nachdem Toram und ein Dutzend Besatzungsmitglieder sie umstellt hatten, bereit, sie sofort zu packen, in ein Boot zu stecken und hin�berzurudern. Elayne blickte sie forschend an. Unzufriedenheit bedeutete Rebellion. Die beiden w�rden ihnen noch Schwierigkeiten bereiten.</p><p>�Wo werdet Ihr als n�chstes hinfahren, Coine?� fragte Nynaeve gerade, als sich Elayne ihnen anschlo�.</p><p>�Nach Dantora und zur Aile Jafar�, antwortete die Segelherrin, �und von dort nach Cantorin und zur Aile Somera, um die Nachricht vom Coramoor zu verbreiten, wenn es dem Licht gef�llt. Aber ich mu� zuerst einmal Toram gestatten, hier seinen Handel abzuwickeln, sonst platzt er mir noch.� Ihr Mann befand sich bereits unten auf dem Kai, diesmal ohne seine eigenartigen Augengl�ser, aber mit nacktem Oberk�rper und all seinen Ringen, und er diskutierte ernsthaft mit M�nnern in bauschigen wei�en Hosen und kurzen M�nteln, die auf den Schultern mit Runen bestickt waren. Jeder dieser M�nner aus Tanchico trug eine dunkle, zylindrische Kappe auf dem Kopf und dazu einen durchsichtigen Schleier vor dem Gesicht. Diese Schleier wirkten wirklich l�cherlich, besonders bei M�nnern mit dichten Schnurrb�rten.</p><p>�Das Licht gebe Euch eine sichere Reise�, sagte Nynaeve und verlagerte das Gewicht der B�ndel auf ihrem R�cken. �Falls wir hier auf irgendeine Gefahr sto�en, die Euch bedroht, bevor Ihr wieder absegelt, werden wir Euch benachrichtigen.� Coine und ihre Schwester wirkten bemerkenswert ruhig. Das Wissen von den Schwarzen Ajah ber�hrte sie nicht besonders. F�r sie spielte nur der Coramoor, also Rand, eine Rolle.</p><p>Jorin k��te ihre Fingerspitzen und dr�ckte sie auf Elaynes Lippen. �So das Licht will, treffen wir uns wieder.� �So das Licht will�, gab Elayne zur�ck und imitierte die Geste der Windsucherin. Es kam ihr wohl noch immer eigenartig vor, doch es war auch eine Ehre, so verabschiedet zu werden. Man sah das eigentlich nur unter Familienmitgliedern und bei Liebenden. Sie w�rde diese Meervolkfrau sehr vermissen. Sie hatte eine Menge von ihr gelernt und ihr auch ein wenig von ihrem Wissen beigebracht. Jorin konnte jetzt beispielsweise mit dem Element Feuer viel besser umgehen.</p><p>Als sie den Landesteg hinuntergegangen waren, seufzte Nynaeve erleichtert auf. Wohl hatte eine �lige Tinktur, die ihr Jorin verpa�t hatte, nach etwa zwei Tagen auf See ihren Magen einigerma�en beruhigt, aber sie war trotzdem verkrampft und unsicher gewesen, bis Tanchico endlich in Sicht kam.</p><p>Die beiden M�nner nahmen sie sofort unaufgefordert in die Mitte. Juilin �bernahm die F�hrung mit seinem B�ndel auf dem R�cken und dem hellen, daumendicken Stock in beiden H�nden. Seine dunklen Augen blickten sich wachsam um. Thom machte den Abschlu� und brachte es irgendwie fertig, trotz seiner wei�en Haare, seines Hinkens und des Gauklerumhangs einen gef�hrlichen Eindruck zu erwecken.</p><p>Nynaeve sch�rzte die Lippen einen Augenblick lang, sagte aber nichts, und Elayne hielt das auch f�r weise. Bevor sie auch nur f�nfzig Schritt weit �ber den langen, gepflasterten Kai gegangen waren, waren sie bereits von ebenso vielen M�nnern mit zusammengekniffenen Augen und hungrigen Gesichtern gemustert worden. �berall um sie herum trugen Hafenarbeiter ihre Kisten und Ballen und S�cke zu und von den Schiffen. Sie vermutete, da� beinahe jeder von diesen M�nnern ihr durchaus die Kehle durchschneiden w�rde, in der Hoffnung, ihr teures Seidenkleid bedeute gleichzeitig, da� sie einiges Geld im Beutel habe. Sie jagten ihr aber keine Angst ein. Mit zwei oder drei von denen w�rde sie bestimmt fertigwerden. Doch sie und Nynaeve trugen ihre Schlangenringe in den G�rteltaschen, um nicht erkannt zu werden. Wenn sie aber vor hundert M�nnern die Macht gebrauchte, w�re es sinnlos, noch die Verbindung zur Wei�en Burg leugnen zu wollen. Also war es am besten, wenn Thom und Juilin so wild dreinblickten wie m�glich. Sie h�tte nichts dagegen gehabt, noch zehn Mann mehr von der Sorte dabei zu haben.</p><p>Pl�tzlich erscholl ein Br�llen vom Deck eines der kleineren Schiffe her: �Ihr! Es sein wirklich Ihr!� Ein untersetzter Mann mit rundem Gesicht und einem gr�nen Seidenwams sprang herunter auf den Kai und beachtete Juilins drohend erhobenen Stock gar nicht. Er starrte sie und Nynaeve aus der N�he an. Der Bart, der die Oberlippe frei lie�, zeigte, da� er aus Illian kam, und sein Akzent stammte auch von dort. Er kam ihr bekannt vor.</p><p>�Meister Domon?� fragte Nynaeve nach einem Augenblick des �berlegens, wobei sie wieder an ihrem Zopf zupfte. �Bayle Domon?� Er nickte. �Ja. Ich niemals glauben, Euch wiederzusehen. Ich... ich warten solange es ging in Falme, aber Zeit kommen, wo ich entweder auslaufen m�ssen oder sehen, wie mein Schiff brennen.� Elayne erkannte ihn nun auch wieder. Er hatte sie damals aus Falme herausbringen wollen, aber die Stadt war im Chaos versunken, bevor sie sein Schiff erreichten. Dem Wams nach war es ihm seither nicht schlecht ergangen.</p><p>�Wir freuen uns, Euch wiederzusehen�, sagte Nynaeve k�hl, �doch jetzt m��t Ihr uns entschuldigen, denn wir m�ssen uns Zimmer in der Stadt suchen.� �Das werden aber schwer. Tanchico platzen aus allen N�hten. Aber ich kennen einen Ort, wo mein Wort werden helfen. Ich k�nnen nicht l�nger warten in Falme, aber ich f�hlen in Eurer Schuld.� Domon schwieg einen Moment und runzelte mit einemmal besorgt die Stirn. �Ihr hier sein. Bedeuten das, dasselbe werden geschehen wie in Falme?� �Nein, Meister Domon�, sagte Elayne, als Nynaeve z�gerte. �Selbstverst�ndlich nicht. Und wir sch�tzen uns gl�cklich, Eure Hilfe in Anspruch nehmen zu k�nnen.� Sie erwartete beinahe einen Protest von Nynaeve, aber die etwas �ltere Frau nickte nur nachdenklich und stellte die M�nner sich gegenseitig vor. Beim Anblick von Thoms Umhang runzelte Domon die Stirn wieder, aber der finstere Blick, den er Juilin zuwarf, als er dessen Tairener Kleidung wahrnahm, wurde von diesem mit gleicher M�nze erwidert. Keiner der beiden sagte allerdings etwas. Vielleicht wollten sie die Feindseligkeit zwischen Tear und Illian wenigstens aus Tanchico heraushalten. Falls nicht, w�rde sie ein ernstes Wort mit den beiden reden.</p><p>Domon erz�hlte, was ihm seit den Ereignissen von Falme alles passiert war, und begleitete sie den Kai entlang. Es war ihm wirklich nicht schlecht gegangen. �Ein Dutzend gute K�stenschiffe, von denen wissen die Steuereintreiber der Panarchin�, lachte er, �und vier Hochseeschiffe sie wissen nichts dar�ber.� Soviel konnte er auf ehrliche Art in dieser kurzen Zeit gar nicht verdient haben. Sie war aber doch �berrascht, da� er auf einem Kai voller Menschen so offen dar�ber sprach.</p><p>�Ja, ich tun schmuggeln und machen soviel Gewinn, ich nie haben getr�umt von. Zehnte Teil von Steuer in Taschen von Zollm�nner und sie wegschauen und Mund halten.� Zwei typische M�nner aus Tanchico schlenderten vorbei die Schleier vor dem Gesicht, runde H�te auf dem Kopf und die H�nde hinter dem R�cken gefaltet. Jeder hatte einen schweren Messingschl�ssel an einer dicken Goldkette um den Hals h�ngen. Es sah so aus, als seien das Kennzeichen ihrer �mter. Sie nickten Domon vertraut zu. Thom wirkte belustigt, aber Juilin blickte sowohl Domon wie auch die beiden Tanchicaner finster an. Als Diebf�nger konnte er eben Leute nicht leiden, die das Gesetz mi�achteten. �Ich aber nicht glauben, es noch lange so weitergehen�, sagte Domon, als die beiden weg waren. �Es sein noch schlimmer in Arad Doman als hier, und hier alles sein schon schlimm genug. Vielleicht der Lord Drache nicht zerst�ren werden die Welt, aber er haben zerst�rt Arad Doman und Tarabon.� Elayne hatte schon eine scharfe Erwiderung auf der Zunge, aber sie hatten das Ende des Kais erreicht, und so sah sie schweigend zu, als er S�nften und Tr�ger ausw�hlte und bezahlte, und dazu noch ein Dutzend M�nner mit festen St�cken und harten Gesichtern engagierte. Am Ende des Kais standen Wachen mit Schwertern und Speeren. Sie wirkten wie S�ldner und nicht wie regul�re Soldaten. Von der anderen Seite der breiten Hafenstra�e her blickten Hunderte von niedergeschlagenen, eingefallenen Gesichtern die W�chter an. Manchmal huschten die Blicke zu den Schiffen hin�ber, aber meist waren sie auf die M�nner gerichtet, die sie am Erreichen dieser Schiffe hinderten. Elayne schauderte, als sie daran dachte, was Coine erz�hlt hatte � wie die Menschen sie auf ihrem eigenen Schiff �berrannt hatten und verzweifelt versuchten, sich eine Passage irgendwohin zu erkaufen, nur weg von Tanchico. Wenn diese hungrigen Augen die Schiffe ansahen, gl�hte die blanke Not in ihnen. Elayne sa� steif in ihrer S�nfte, als sie hinter den die Menge zur�ckdr�ngenden St�cken durch die Stra�en schwankte. Sie bem�hte sich, niemanden direkt anzusehen. Sie wollte diese Gesichter nicht sehen. Wo war denn ihr K�nig? Warum k�mmerte er sich nicht um sie?</p><p>Das Schild �ber der Toreinfahrt zu der wei�get�nchten Schenke, zu der Domon sie brachte, verk�ndete stolz den �Hof der Drei Pflaumen�. Aber der einzige Hof, den Elayne entdecken konnte, war der von hohen W�nden umgebene und mit gro�en Steinplatten gepflasterte vor der Schenke, auf dem sie standen. Das Geb�ude war quadratisch und dreist�ckig. Das Erdgescho� wies keine Fenster auf, und die Fenster oben hatten alle schmiedeeiserne Gitter.</p><p>Drinnen dr�ngten sich M�nner und Frauen im Schankraum. Die meisten trugen einheimische Kleidung. Das Stimmengewirr �bert�nte beinahe noch den Klang eines Hackbretts.</p><p>Nynaeve schnappte unwillk�rlich nach Luft, als sie den ersten Blick auf die Wirtin erhaschte, eine h�bsche Frau, nicht viel �lter als sie selbst, mit braunen Augen und hellen, honigfarbenen Z�pfen, deren Schleier den Schmollmund mit seinen vollen Lippen nicht verbarg. Auch Elayne fuhr erst einmal zusammen, aber es war nicht Liandrin. Die Frau, sie hie� Rendra, kannte Domon offensichtlich gut. Mit freundlichem L�cheln hie� sie Elayne und Nynaeve willkommen, und besonders schien ihr zu gefallen, da� Thom ein Gaukler war. Sie gab ihnen ihre letzten beiden Zimmer zu einem Preis, der Elaynes Vermutung nach unter dem augenblicklich �blichen lag. Elayne �berzeugte sich zuerst davon, da� sie und Nynaeve das Zimmer mit dem gr��eren Bett bekamen. Sie hatte schon �fters das Bett mit Nynaeve geteilt und wu�te deshalb, da� die andere nachts ziemlich mit den Ellbogen herumfuhrwerkte.</p><p>Rendra lie� ihnen auch von zwei verschleierten jungen Kellnern ein Abendessen in einem separaten Speisezimmer servieren. Elayne ertappte sich dabei, wie sie lediglich den Teller anstarrte: Lammbraten mit Apfelgelee und eine Art langer, gelblicher Bohnen in Nu�sauce. Sie brachte es nicht fertig, davon zu essen. All diese hungrigen Gesichter! Domon schlug dagegen kr�ftig zu. Er mit seiner Schmuggelei und seinem Gold! Auch Thom und Juilin �bten keine Zur�ckhaltung.</p><p>�Rendra�, sagte Nynaeve leise, �hilft hier eigentlich niemand den Armen? Falls es helfen w�rde, kann ich �ber einiges Gold verf�gen.� �Ihr k�nnt es Bayles K�che spenden�, antwortete die Wirtin mit einem verschmitzten L�cheln in Richtung Domon. �Der Mann meidet wohl alle Steuern, aber er besteuert sich selbst. F�r jede Krone, die er als Bestechungsgeld zahlt, spendet er zwei f�r Suppe und Brot f�r die Armen. Er hat sogar mich zum Spenden �berredet, und ich <emphasis>zahle</emphasis> meine Steuern.� �Es sein weniger als die Steuern�, murmelte Domon, und er zog abwehrend die Schultern ein. �Ich machen wirklich guten Profit. Gl�ck stech mich, wenn nicht.� �Es ist eine gute Eigenschaft, da� Ihr gern anderen Menschen helft, Meister Domon�, sagte Nynaeve, als Rendra und die Kellner weg waren. Thom und Juilin standen beide auf, um nachzusehen, ob die anderen wirklich gegangen waren und nicht lauschten. Mit einer leichten Verbeugung �berlie� Thom Juilin den Vortritt. Der Flur drau�en war leer. Nynaeve fuhr fort: �Wir brauchen vielleicht auch Eure Hilfe.� Messer und Gabel des Illianers unterbrachen ihren Weg zu einer Scheibe Lammbraten. �Wie?� fragte er mi�trauisch.</p><p>�Ich wei� nicht genau, Meister Domon. Ihr habt Schiffe. Ihr m��t ja auch M�nner zur Verf�gung haben. Wir brauchen vielleicht Augen und Ohren. Ein paar der Schwarzen Ajah halten sich m�glicherweise in Tanchico auf, und wenn, dann m�ssen wir sie aufsp�ren.� Nynaeve f�hrte eine Gabel mit Bohnen zum Mund, als habe sie nichts Ungew�hnliches gesagt. In letzter Zeit erz�hlte sie ja wohl jedem von den Schwarzen Ajah.</p><p>Domon starrte zuerst sie mit offenem Mund an und warf dann Thom und Juilin ungl�ubige Blicke zu, als die sich wieder hinsetzten. Sie nickten, und er schob resigniert seinen Teller weg und legte den Kopf auf die Arme. Beinahe h�tte er ja eine Kopfnu� von Nynaeve abbekommen, so indigniert sah sie ihn an. Elayne h�tte ihr keinen Vorwurf gemacht. Warum suchte er noch eine Best�tigung f�r ihre Worte? Glaubte er ihr vielleicht nicht?</p><p>Schlie�lich raffte sich Domon auf. �Es werden doch wieder geschehen. Schon wieder Falme. Vielleicht es sein Zeit f�r mich, einzupacken und zu fahren weg. Wenn ich bringen meine Schiffe nach Illian, ich auch sein dort ein reicher Mann.� �Ich glaube nicht, da� Ihr Illian heute als gutes Pflaster bezeichnen k�nnt�, sagte Nynaeve mit energischer Stimme. �Soviel ich wei�, regiert dort mittlerweile Sammael, vielleicht nun schon ganz offen. Unter einem der Verlorenen werdet Ihr Euren Reichtum kaum genie�en k�nnen.� Domon fielen beinahe die Augen aus dem Kopf, doch sie fuhr gelassen fort: �Es gibt keine sicheren Orte mehr. Ihr k�nnt wie ein Kaninchen wegrennen, aber verstecken k�nnt Ihr euch nicht. Ist es da nicht besser, Ihr tut Euer bestes, um wie ein Mann dagegen anzuk�mpfen?� Nynaeve ging zu hart mit ihm um. Sie mu�te eben immer die Leute herumschubsen. Elayne l�chelte und beugte sich vor, um eine Hand auf Domons Arm zu legen. �Wir wollen Euch nicht herumscheuchen, Meister Domon, aber wir ben�tigen vielleicht wirklich Eure Hilfe. Ich kenne Euch als tapferen Mann, denn sonst h�ttet Ihr in Falme nicht so lange auf uns gewartet. Wir w�ren Euch sehr dankbar.� �Ihr machen das �u�erst geschickt�, knurrte Domon.</p><p>�Die eine mit Ochsenpeitsche und die andere mit Honig im Mund. Oh, also gut. Ich werden helfen, wie ich k�nnen. Aber ich nicht versprechen, da� ich bleiben, wenn neues Falme passieren.� Thom und Juilin kn�pften ihn sich anschlie�end beim Essen vor und fragten ihn �ber Tanchico aus. Jedenfalls stellte Juilin die allgemeinen Fragen und legte Thom einige Fragen in den Mund, wie beispielsweise, in welchen Vierteln vor allem R�uber, Taschendiebe und Einbrecher ihr Unwesen trieben, welche Weinlokale sie bevorzugten und wer ihre gestohlenen Waren kaufe. Der Diebf�nger beharrte n�mlich darauf, da� solche Leute mehr von dem wu�ten, was in der Stadt vor sich ging, als die Stadtverwaltung. Er schien sich nicht unmittelbar mit dem Illianer unterhalten zu wollen, und Domon schnaubte immer, wenn er eine der Fragen des Taireners beantwortete, die Thom weitergegeben hatte. Er beantwortete sie �berhaupt erst, wenn Thom sie gestellt hatte. Thoms eigene Fragen schienen keinen Sinn zu ergeben, jedenfalls nicht, wenn ein Gaukler sie stellte. Er fragte nach Adligen und politischen Parteien, wer mit wem verb�ndet sei und gegen wen, wer welche Ziele verfolge und was sie erreicht hatten und ob die Resultate anders ausgefallen seien, als sie erwartet hatten. Das waren ganz und gar nicht die Fragen, die sie von ihm erwartet hatte, trotz all ihrer Unterhaltungen an Bord des <emphasis>Wogent�nzers.</emphasis> Er hatte sich durchaus gern mit ihr unterhalten � es schien ihm Spa� zu machen �, aber jedesmal, wenn sie glaubte, ihn soweit zu haben, da� er etwas �ber seine Vergangenheit erz�hlte, schaffte er es, sie durch irgend etwas abzulenken und wegzuschicken. Domon beantwortete Thoms eigene Fragen denn auch eifriger als die Juilins. Auf jeden Fall schien er Tanchico sehr gut zu kennen, sowohl die Lords und Stadtoberen, wie auch die d�stere Unterschicht. So, wie er davon erz�hlte, klang es, als bestehe da kein gro�er Unterschied.</p><p>Nachdem die beiden M�nner den Schmuggler ausgequetscht hatten, holte Nynaeve Rendra und lie� sie gleich Feder, Tinte und Papier mitbringen. Dann schrieb sie eine Liste mit Beschreibungen aller Schwarzen Schwestern. Domon hielt anschlie�end das B�ndel Bl�tter mi�trauisch in der Hand und runzelte nerv�s die Stirn, als seien es die Frauen selbst, aber er versprach, da� diejenigen seiner M�nner, die er hier im Hafen zur Verf�gung hatte, die Augen nach ihnen offenhalten w�rden. Als Nynaeve ihn mahnte, da� sie alle extrem vorsichtig sein m��ten, da lachte er, als habe sie ihm geraten, sich nicht selbst mit seinem Schwert zu durchbohren.</p><p>Juilin ging gleich nach Domon. Er wirbelte seinen d�nnen Stock und bemerkte, die Nacht sei die beste Zeit, um Diebe aufzusp�ren und die Leute, die von der Arbeit der Diebe lebten. Nynaeve verk�ndete, sie werde sich in ihr Gemach zur�ckziehen � <emphasis>ihr</emphasis> Gemach! � und sich eine Weile hinlegen. Sie schien ein wenig unsicher auf den Beinen, und pl�tzlich war Elayne klar, warum. Nynaeve hatte sich an das Schwanken des <emphasis>Wogent�nzers</emphasis> gew�hnt, und nun hatte sie Probleme, weil der feste Boden eben <emphasis>nicht</emphasis> schwankte. Der Magen dieser Frau war kein angenehmer Reisebegleiter.</p><p>Sie selbst folgte Thom hinunter in den Schankraum, denn er hatte Rendra versprochen, dort aufzutreten. Erstaunlicherweise fand sie eine Bank an einem unbesetzten Tisch, und k�hle Blicke reichten aus, um die M�nner zu verscheuchen, die mit einemmal gerade dort sitzen wollten. Rendra brachte ihr einen silbernen Becher mit Wein, und sie nippte daran, w�hrend sie Thom lauschte, der seine Harfe spielte und Liebeslieder sang, wie �Die erste Rose des Sommers� und �Der Wind, der die Weide beugt�, und lustige Lieder wie �Nur ein Stiefel� und �Die alte graue Gans�. Seine Zuh�rer genossen die Lieder und klatschten Beifall auf die Tischfl�chen. Nach einer Weile machte Elayne es ihnen nach. Sie hatte nicht mehr als den halben Becher leergetrunken, doch ein gutaussehender junger Bediensteter l�chelte sie an und f�llte ihr nach. Es war alles so eigenartig und erregend. In ihrem ganzen Leben war sie noch nicht einmal ein halbes Dutzend Mal in einem Schankraum gewesen, und sie hatte noch nie dort ihren Wein getrunken und sich wie jemand aus dem gew�hnlichen Volk unterhalten lassen.</p><p>Thom spreizte seinen Umhang, da� die bunten Flicken flatterten, und erz�hlte Geschichten � �Mara und die drei n�rrischen K�nige� und mehrere �ber Anla, die weise Ratgeberin, und dann rezitierte er einen langen Ausschnitt aus <emphasis>Die Gro�e Jagd nach dem Horn,</emphasis> und das so gut, da� die R�sser vor ihren Augen t�nzelten und die Trompeten im Schankraum erschollen und M�nner und Frauen vor ihnen k�mpften und liebten und starben. Bis sp�t in die Nacht hinein sang und rezitierte er und schwieg nur dann und wann, um seine Kehle mit einem Schluck Wein zu befeuchten, w�hrend die G�ste eifrig nach mehr verlangten. Die Frau mit dem Hackbrett sa� verloren in einer Ecke mit ihrem Instrument auf den Knien und einem sauren Gesichtsausdruck. Die Leute warfen Thom �fters M�nzen zu. Er hatte einem kleinen Jungen als seinem Helfer den Auftrag gegeben, sie aufzusammeln. Es war unwahrscheinlich, da� sie f�r ihre Musik genausoviel gespendet hatten.</p><p>Das schien alles so gut zu Thom zu passen � die Harfe und besonders das Rezitieren. Nun, er war ja ein Gaukler, aber an ihm war eben noch mehr als nur das. Elayne h�tte schw�ren k�nnen, da� sie ihn schon zuvor <emphasis>Die Gro�e Jagd</emphasis> hatte rezitieren h�ren, aber im Hochgesang und nicht der modernen Sprache. Doch wie konnte das sein? Er war doch nur ein einfacher, alter Gaukler.</p><p>Schlie�lich, es war schon mitten in der Nacht, verbeugte sich Thom ein letztes Mal mit weitgespreiztem Umhang und schritt dann unter heftigstem Tischklatschen zur Treppe. Elayne klatschte genauso enthusiastisch wie die anderen auf die Tischfl�che.</p><p>Sie wollte sich ebenfalls erheben, rutschte jedoch aus und landete ziemlich hart auf ihrem Hinterteil. Sie blickte finster ihren silbernen Becher an. Er war voll. Aber sie hatte doch bestimmt ein wenig getrunken? Aus irgendeinem Grund war ihr schwindlig. Ja. Dieser s��e junge Mann mit den warmen braunen Augen hatte ihren Becher wieder aufgef�llt � aber wie oft? Nicht, da� es eine Rolle spielte. Sie trank niemals mehr als einen Becher Wein. Niemals. Das kam nur davon, da� sie sich nicht mehr auf dem <emphasis>Wogent�nzer</emphasis> befand, sondern auf festem Land. Sie reagierte darauf genau wie Nynaeve. Das war alles.</p><p>Sie stand vorsichtig wieder auf, wobei sie die �u�erst r�cksichtsvolle Hilfe des s��en jungen Mannes ablehnte, und brachte es fertig, die Treppen hochzusteigen, obwohl sie doch derart schwankten. Sie blieb aber nicht im zweiten Stock, wo ihr und Nynaeves Zimmer lag, sondern stieg hoch in den dritten und klopfte an Thoms T�r. Er �ffnete sie ganz langsam und sp�hte mi�trauisch hinaus. Er schien erst ein Messer in der Hand zu halten, doch dann war es weg. Seltsam. Sie packte ihn an einem Zipfel seines langen, wei�en Schnurrbarts.</p><p>�Ich erinnere mich�, sagte sie. Sie konnte ihre Zunge nicht so richtig bewegen, und die Worte klangen etwas... verschwommen. �Ich habe auf Euren Knien gesessen und an Eurem Schnurrbart gezupft...� Sie zog daran, um es ihm zu demonstrieren, und er zuckte zusammen und verzog das Gesicht. �... und meine Mutter hat sich �ber Eure Schulter gebeugt und mich angelacht.� �Ich halte es f�r das Beste, wenn Ihr euch jetzt in Euer Zimmer begebt�, sagte er und versuchte, ihre Hand von seinem Schnurrbart zu l�sen. �Ich denke, Ihr braucht Schlaf.� Sie lie� aber nun nicht mehr locker. Es schien ihr sogar, sie habe ihn einfach in sein Zimmer zur�ckgezerrt. An seinem Schnurrbart. �Meine Mutter hat auch auf Eurem Scho� gesessen. Ich habe es gesehen. Ich erinnere mich ganz deutlich.� �Schlafen m��t Ihr jetzt, Elayne. Am Morgen f�hlt Ihr euch wieder wohl.� Er l�ste endlich ihren Griff und bem�hte sich, sie zur T�r zu dr�ngen, doch sie schl�pfte an ihm vorbei wieder ins Zimmer hinein. Das Bett hatte leider keine Pfosten. Wenn sie sich an einem Bettpfosten festhalten k�nnte, w�rde das Zimmer vielleicht mit der Schaukelei aufh�ren.</p><p>�Ich will wissen, warum Mutter auf Eurem Scho� sa�.� Er trat zur�ck und ihr wurde bewu�t, da� sie schon wieder nach seinem Schnurrbart griff. �Ihr seid ein Gaukler. Meine Mutter sitzt doch nicht auf dem Scho� eines Gauklers herum.� �Geht ins Bett, Kind.� �Ich bin kein Kind mehr!� Sie stampfte zornig mit dem Fu� auf und w�re beinahe gest�rzt. Der Fu�boden war n�her, als es aussah. �Kein Kind. Ihr werdet es mir sagen. Jetzt gleich!� Thom seufzte und sch�ttelte den Kopf. Schlie�lich sagte er unwillig: �Ich war nicht immer Gaukler. Einst war ich Barde. Hofbarde. Wie der Zufall will, ausgerechnet in Caemlyn. Bei K�nigin Morgase. Ihr wart noch ein Kind. Ihr habt nur ein wenig verdrehte Erinnerungen an diese Zeit, das ist alles.� �Ihr wart ihr Liebhaber, nicht wahr?� Ein Zucken seiner Augenlider reichte ihr. �Es stimmt also! Ich habe immer schon in bezug auf Gareth Bryne Bescheid gewu�t. Zumindest habe ich es mir gedacht. Aber ich habe immer gehofft, sie werde ihn heiraten. Gareth Bryne und Ihr und dann dieser Lord Gaebril, von dem Mat behauptet, da� sie ihm sch�ne Augen macht, und... Wie viele noch? Wie viele? Worin besteht da noch ein Unterschied zu Berelain, die jeden Mann in ihr Bett zieht, auf den sie ein Auge wirft? Sie ist auch nicht anders... � Ihr Gesichtsfeld wankte und ihr Kopf schmerzte pl�tzlich. Sie brauchte einen Moment, bis ihr klar wurde, da� er sie geohrfeigt hatte. <emphasis>Ihr eine Ohrfeige zu geben!</emphasis> Sie richtete sich auf und w�nschte sich dabei, er w�rde nicht so schwanken. �Wie k�nnt Ihr das wagen? Ich bin die Tochter-Erbin von Andor und ich lasse mich nicht... � �Ihr seid ein kleines M�dchen, das zuviel Wein getrunken und einen Wutanfall bekommen hat�, schnauzte er sie an. �Und wenn ich jemals wieder h�re, da� Ihr so etwas �ber Morgase sagt, ob betrunken oder n�chtern, dann lege ich Euch �bers Knie, und wenn Ihr noch so sehr versucht, die Macht dagegen einzusetzen! Morgase ist eine gute Frau � es gibt keine bessere!� �Tats�chlich?� Ihre Stimme schwankte und ihr wurde bewu�t, da� sie weinte. �Warum hat sie dann... ? Warum...?� Auf irgendeine Art war ihr Gesicht pl�tzlich an sein Wams gepre�t, und er streichelte ihr �ber das Haar. �Als K�nigin zu regieren ist eine ziemlich einsame Sache�, sagte er leise. �Weil die meisten M�nner, die sich f�r eine K�nigin interessieren, nur ihre Macht sehen und nicht die Frau. Ich habe sie nur als Frau angesehen, und das wu�te sie. Ich denke, auch Bryne hat in ihr die Frau gesehen, und dieser Gaebril wohl ebenfalls. Das m��t Ihr verstehen, Kind. Jeder sucht im Leben einen Menschen, der einen liebt und den man lieben kann. Selbst eine K�nigin.� �Warum seid Ihr weggegangen?� murmelte sie an seine Brust gewandt. �Ihr habt mich zum Lachen gebracht. Daran kann ich mich erinnern. Ihr habt auch sie zum Lachen gebracht. Und Ihr habt mich auf den Schultern getragen.� �Das ist eine lange Geschichte.� Er seufzte, als habe er Schmerzen. �Ich erz�hle es Euch ein andermal. Wenn Ihr mich danach fragt. Mit Gl�ck habt Ihr es bis morgen vergessen. Es ist Zeit, da� Ihr ins Bett kommt, Elayne.� Er f�hrte sie zur T�r und sie nutzte die Gelegenheit und zupfte noch mal an seinem Schnurrbart. �So wie fr�her�, sagte sie zufrieden. �Genauso habe ich daran gezupft.� �Ja, stimmt. K�nnt Ihr allein hinuntersteigen?� �Nat�rlich kann ich.� Sie sah ihn so hochm�tig wie m�glich an, und er erweckte daraufhin noch mehr den Eindruck, er wolle sie hinunterbegleiten. Um zu beweisen, da� es nicht notwendig sei, schritt sie � �u�erst vorsichtig �bis zur Treppe. Er blickte ihr noch immer besorgt von der T�r her nach, als sie hinunterging.</p><p>Gl�cklicherweise kam sie nicht ins Stolpern, solange er hinsah, aber daf�r lief sie an ihrer Zimmert�r vorbei, bemerkte ihren Irrtum und ging zur�ck. Zwei Lampen brannten im Zimmer, eine auf dem kleinen runden Tisch am Bett und die andere auf dem wei�en Gipssims �ber dem gemauerten Kamin. Nynaeve lag vollst�ndig angezogen und lang ausgestreckt auf der Bettdecke. Ihre Ellbogen standen weit ab, wie Elayne bemerkte.</p><p>Sie platzte mit der ersten Bemerkung heraus, die ihr in den Kopf kam: �Rand mu� glauben, da� ich spinne. Thom ist ein Barde und Berelain ist doch nicht meine Mutter.� Nynaeve sah sie ganz eigenartig an. �Mir ist ein wenig schwindlig, ich wei� nicht, warum. Ein netter Junge mit s��en braunen Augen hat mir angeboten, mich hinaufzubringen.� �Ich wette, das h�tte ihm Spa� gemacht�, sagte Nynaeve grimmig. Sie stand vom Bett auf, kam her�ber und legte Elayne einen Arm um die Schultern. �Komm einen Moment lang mit dort hin�ber. Es gibt etwas, das du sehen solltest.� Sie schien auf einen Eimer Wasser neben dem Waschtischchen zu deuten. �Hier. Wir knien uns hin, damit du es richtig sehen kannst.� Elayne schaute hinein, aber au�er ihrem Spiegelbild konnte sie nichts im Wasser erkennen. Sie fragte sich, warum Nynaeve so komisch grinste. Dann sp�rte sie Nynaeves Hand in ihrem Nacken und pl�tzlich war ihr Kopf im Wasser.</p><p>Sie fuchtelte mit den H�nden und versuchte, sich aufzurichten, aber Nynaeves Arm war wie aus Eisen. Man sollte unter Wasser eigentlich die Luft anhalten. Das war Elayne klar. Sie konnte sich nur nicht daran erinnern, wie man das machte. Alles, was sie fertigbrachte, war, herumzufuchteln, zu gurgeln und halb zu ersticken.</p><p>Nynaeve zog sie hoch. Wasser str�mte ihr �ber das Gesicht und sie holte tief Luft. �Wie � kannst du es �wagen�, keuchte sie. �Ich bin � die Tochter-Erbin von...�, brachte sie gerade noch heraus, und dann klatschte ihr Kopf wieder ins Wasser. Sie packte wohl den Eimer mit beiden H�nden und wollte ihn wegschieben, doch das half nichts. Auch mit den F��en auf den Boden trommeln half nichts. Sie w�rde ertrinken. Nynaeve wollte sie ers�ufen.</p><p>Nach einer Ewigkeit befand sie sich wieder an der Luft. Klitschnasse Haarstr�hnen hingen ihr �ber das Gesicht. �Ich glaube�, sagte sie mit der festesten Stimme, die sie fertigbrachte, �ich mu� mich �bergeben.� Nynaeve konnte ihr gerade noch die wei� emaillierte Sch�ssel vom Waschtisch vor die Nase stellen. Sie hielt Elaynes Kopf fest, w�hrend die alles herausw�rgte, was sie je in ihrem Leben gegessen hatte. Ein Jahr sp�ter � nun ja, es waren vielleicht nur ein paar Stunden, aber so lang kam es ihr halt vor � wusch Nynaeve ihr Gesicht, wischte ihr den Mund, die H�nde und Unterarme ab. In ihrem Tonfall lag allerdings nichts Beruhigendes.</p><p>�Wie konntest du das tun? Was ist denn in dich gefahren? Ich h�tte ja von einem idiotischen Mann erwartet, da� er sich total betrinkt, aber von dir? Und das heute abend!� �Ich hatte doch nur einen Becher�, murmelte Elayne erschlagen. Auch wenn dieser junge Mann nachgef�llt hatte, konnte sie nicht mehr als zwei Becher voll getrunken haben. Bestimmt nicht.</p><p>�Ein Becher so gro� wie ein ganzer Krug�, schnaubte Nynaeve und half ihr auf die Beine. Es war mehr ein Hochzerren. �Kannst du wach bleiben? Ich will nach Egwene suchen, und ich traue mir noch nicht zu, allein wieder aus <emphasis>Tel'aran'rhiod</emphasis> zu kommen, ohne jemanden, der mich aufweckt.� Elayne blinzelte sie m�de an. Sie hatten erfolglos nach Egwene gesucht seit jener Nacht, in der sie so pl�tzlich aus ihrem Treffen im Herz des Steins verschwunden war. �Wach bleiben? Nynaeve, ich bin mit Suchen dran und das ist auch besser so. Du wei�t, da� du die Macht nicht ben�tzen kannst, wenn du nicht gerade w�tend bist, und... � Dann wurde ihr bewu�t, da� die andere Frau vom Gl�hen <emphasis>Saidars</emphasis> umgeben war. Und das war schon seit einiger Zeit der Fall gewesen; sie hatte es nur nicht bewu�t bemerkt. Sie hatte ein Gef�hl im Kopf, als h�tte man ihn voll Wolle gestopft, und jeder Gedanke mu�te sich erst hindurchw�hlen. Sie konnte kaum die Wahre Quelle wahrnehmen. �Na, vielleicht gehst du doch besser. Ich werde wach bleiben.� Nynaeve runzelte die Stirn, nickte aber schlie�lich. Elayne versuchte, ihr beim Ausziehen zu helfen, aber ihre Finger waren heute irgendwie ungeschickt, als sie diese kleinen Kn�pfe aufmachen wollte. Nynaeve grollte leise vor sich hin und schaffte es dann auch allein. Nur mit ihrem Unterhemd angetan, steckte sie den verdrehten Steinring an die Lederschnur, die sie um den Hals trug, neben einen schweren, goldenen M�nnerring. Das war Lans Ring. Nynaeve trug ihn immer zwischen den Br�sten.</p><p>Elayne zog einen niedrigen Holzhocker neben das Bett, w�hrend sich Nynaeve wieder ausstreckte. Sie f�hlte sich wohl sehr schl�frig, aber wenn sie auf diesem Hocker sa�, w�rde sie nicht einschlafen. Das einzige Problem war wohl, nicht zu Boden zu fallen. �Ich werde etwa eine Stunde absch�tzen und dich dann wecken.� Nynaeve nickte und schlo� dann die Augen. In ihren H�nden hielt sie die beiden Ringe. Nach einer Weile wurden ihre Atemz�ge tiefer und ruhiger.</p><p>Das Herz des Steins war leer. Nynaeve sp�hte in die D�mmerung zwischen den m�chtigen S�ulen hinein, nachdem sie <emphasis>Callandor</emphasis> umrundet hatte, das aus den Fu�bodenplatten herausfunkelte. Mit einemmal wurde ihr bewu�t, da� sie immer noch ihr Unterhemd trug und die Lederschnur mit beiden Ringen um den Hals hatte. Sie runzelte die Stirn, und einen Augenblick sp�ter trug sie ein typisches Kleid, wie es an den Zwei Fl�ssen �blich war, aus guter, brauner Wolle gestrickt und mit festen Wanderschuhen dazu. Elayne und Egwene schien dieser Kleidungswechsel in der Welt der Tr�ume leicht zu fallen, aber sie hatte ihre Probleme damit. Bei fr�heren Besuchen in <emphasis>Tel'aran'rhiod</emphasis> hatte es peinliche Momente gegeben, meistens wenn sie zumindest fl�chtig an Lan gedacht hatte, aber ganz bewu�t ihre Kleidung zu �ndern fiel ihr noch immer schwer. Es gen�gte schon, wenn sie sich wieder daran erinnerte, und sie trug ein Seidenkleid, so durchsichtig wie Rendras Schleier. Selbst Berelain w�re darin err�tet. So ging es nun Nynaeve bei der Vorstellung, Lan k�nne sie so sehen. Mit einiger M�he holte sie das braune Wollkleid zur�ck.</p><p>Noch schlimmer: Ihr Zorn war verraucht. Dieses n�rrische M�dchen! War ihr nicht klar, was geschah, wenn man zuviel Wein trank? Hatte sie noch nie allein in einem Schankraum gesessen? Nun ja, m�glicherweise wirklich noch nicht. Jedenfalls war mit ihrer Wut auch der Kontakt zur Wahren Quelle abgerissen. Vielleicht spielte es keine Rolle. Nerv�s �berblickte sie den Wald der riesigen Sandsteins�ulen und drehte sich dabei einmal um die eigene Achse. Wieso war Egwene so pl�tzlich von hier verschwunden?</p><p>Im Stein war es still � eine hohle Leere. Sie konnte das eigene Blut in den Ohren rauschen h�ren. Und doch prickelte es zwischen ihren Schulterbl�ttern, als beobachte jemand sie.</p><p>�Egwene?� In der Tiefe des S�ulenwaldes hallten Echos. �Egwene?� Nichts.</p><p>Als sie die H�nde an ihrem Rock abwischen wollte, wurde ihr bewu�t, da� sie einen verknorzten Stock mit einem dicken Knauf am Ende festhielten. Nun, das war einmal eine Hilfe! Trotzdem umklammerte sie ihn fester. Ein Schwert k�nnte schon mehr ausrichten. Einen Moment lang flackerte der Stock und �nderte bereits seine Form zu der eines Schwertes, doch sie erinnerte sich daran, da� sie nicht einmal mit einem solchen umgehen konnte. Sie lachte bedauernd. Hier war ein Kn�ppel genausogut wie ein Schwert � n�mlich so gut wie nutzlos. Die einzige wirkliche Verteidigung lag in der Anwendung der Macht, nun, und wegrennen konnte sie nat�rlich auch noch. Damit reduzierten sich ihre s�mtlichen Alternativen auf eine einzige.</p><p>Sie w�re jetzt schon am liebsten weggelaufen, bei diesem Gef�hl, beobachtet zu werden, doch so schnell gab sie nicht auf. Nur, was sollte sie unternehmen? Egwene war nicht hier. Sie befand sich irgendwo in der W�ste. In Rhuidean, hatte Elayne gesagt. Wo immer das auch sein mochte.</p><p>Von einem Schritt zum anderen befand sie sich pl�tzlich an einem Berghang. Eine glei�ende Sonne erhob sich �ber weiteren zerkl�fteten Bergen jenseits des Tales unter ihr und erhitzte die trockene Luft. Die W�ste. Sie war in der W�ste. Einen Augenblick lang �berraschte die Sonne sie, doch die W�ste lag weit genug im Osten, da� sich dort die Sonne erhob, obwohl es in Tanchico noch Nacht war. Aber das spielte in <emphasis>Tel'aran'rhiod</emphasis> sowieso keine Rolle. Sonnenschein und Dunkelheit hatten in der Welt der Tr�ume nichts mit den gleichen Erscheinungen in der Wirklichkeit gemein, soweit sie das beurteilen konnte.</p><p>Lange, blasse Schatten h�llten immer noch das halbe Tal ein, aber seltsamerweise quoll dort unten eine dichte Nebelwand empor, die trotz des st�rker werdenden Sonnenscheins nicht zu schrumpfen schien. Hohe T�rme ragten aus diesem Nebel auf. Einige davon schienen ihr unvollendet. Eine Stadt. In der W�ste?</p><p>Mit zusammengekniffenen Augen konnte sie dort unten im Tal eine Person ausmachen. Einen Mann, obwohl sie auf diese Entfernung nur jemanden erkannte, der Hosen und ein hellblaues Wams trug. Bestimmt also kein Aiel. Er schritt am Rand der Nebelwand entlang und blieb von Zeit zu Zeit stehen, um die Hand nach dem Nebel auszustrecken und hineinzusto�en. Sie war nicht ganz sicher, glaubte aber zu erkennen, da� seine Hand jedesmal vorher aufgehalten wurde. Vielleicht war es �berhaupt kein Nebel.</p><p>�Ihr m��t weg von hier�, warnte eine Frauenstimme eindringlich. �Wenn der Euch sieht, seid Ihr tot oder noch Schlimmeres.� Nynaeve fuhr zusammen und wirbelte mit erhobenem Kn�ppel herum, wobei sie beinahe ihr Gleichgewicht verlor.</p><p>Die Frau, die ein wenig oberhalb ihres Standorts am Hang stand, trug ein kurzes, wei�es Wams und eine bauschige, hellgelbe Hose, die �ber den kurzen Stiefletten zugebunden war. Ihr Umhang bl�hte sich in einem trockenen Windsto�. Es waren ihr langes, goldenes Haar, zu vielen kleinen Z�pfen geflochten, und der silberne Bogen in ihren H�nden, die Nynaeve sofort ungl�ubig einen bestimmten Namen ins Ged�chtnis riefen.</p><p><emphasis>�Birgitte?�</emphasis> Birgitte, Heldin hundert verschiedener Sagen, und der silberne Bogen, mit dem sie nie ihr Ziel verfehlte. Birgitte, eine der toten Helden, die das Horn von Valere aus dem Grab zur�ckrufen w�rde, um in der Letzten Schlacht zu k�mpfen. �Das ist unm�glich. Wer seid Ihr?� �Ihr habt keine Zeit, Frau. Ihr m��t weg, bevor er Euch sieht!� Mit einer geschmeidigen Bewegung zog sie einen silbernen Pfeil aus dem K�cher an ihrer H�fte, legte ihn auf und zog die Sehne bis an ihr Ohr. Die silberne Pfeilspitze zeigte direkt auf Nynaeves Herz. �Geht!� Nynaeve floh.</p><p>Sie war sich nicht im klaren dar�ber, wie sie hierher gekommen war, aber sie stand auf dem Anger von Emondsfeld und blickte direkt auf die Weinquellenschenke mit ihren Schornsteinen und dem roten Ziegeldach. Strohgedeckte D�cher umgaben den Anger, an dessen einer Seite der Weinquellenbach sich aus einem Felsvorsprung heraus ergo�. Hier stand die Sonne hoch am Himmel, obwohl die Zwei Fl�sse weit im Westen von der W�ste aus lagen. Doch trotz des wolkenlosen Himmels lag ein tiefer Schatten �ber dem Dorf.</p><p>Sie hatte nur einen Augenblick lang Zeit, sich zu fragen, wie sie wohl ohne sie auskamen. Dann erregte eine blitzschnelle Bewegung ihre Aufmerksamkeit, ein Aufblitzen von Silber, und eine Frau duckte sich hinter die Ecke von Ailys Candwins sauberem H�uschen auf der anderen Seite des Weinquellenbachs. Birgitte.</p><p>Nynaeve z�gerte nicht. Sie rannte auf eine der Fu�g�ngerbr�cken �ber den schmalen, rei�enden Bach. �Kommt hierher zur�ck!� rief sie. �Kommt gef�lligst zur�ck und beantwortet meine Fragen! Wer war das vorhin? Ihr kommt hierher, oder ich gebe Euch Eure Heldin! Ich werde Euch so verhauen, da� Ihr euch einbildet, Ihr h�ttet ein Abenteuer erlebt!� Sie kam um die Ecke von Ailys Haus, wobei sie eigentlich kaum noch erwartete, Birgitte zu sehen. Wen sie aber bestimmt nicht zu sehen erwartete, war ein Mann in dunklem Wams, der weniger als hundert Schritt entfernt auf der Lehmstra�e auf sie zukam. Ihr stockte der Atem. Lan. Nein, aber sein Gesichtsschnitt, seine Augen, waren Lans sehr �hnlich. Er blieb stehen, hob seinen Bogen und scho� den Pfeil ab. Direkt auf sie. Schreiend warf sie sich zur Seite und versuchte, mit aller Macht aufzuwachen.</p><p>Elayne sprang auf, so da� der Hocker nach hinten umfiel, als Nynaeve schrie und mit aufgerissenen Augen vom Bett hochfuhr.</p><p>�Was ist passiert, Nynaeve? Was ist los?� Nynaeve schauderte. �Er sah wie Lan aus. Er sah wie Lan aus und versuchte, mich zu t�ten.� Sie legte eine zitternde Hand auf ihren linken Arm, wo Blut aus einer Fleischwunde ein paar Zentimeter unterhalb ihrer Schulter drang. �Wenn ich nicht weggesprungen w�re, h�tte der Pfeil mein Herz durchbohrt.� Elayne setzte sich auf die Bettkante und untersuchte den Schnitt. �Das ist nicht so schlimm. Ich werde die Wunde auswaschen und verbinden.� Sie w�nschte, sie k�nne statt dessen Wunden mit Hilfe der Macht heilen. Aber es jetzt ohne wirkliche Vorkenntnisse einfach zu versuchen k�nnte alles nur noch schlimmer machen. Es war auch wirklich nicht viel mehr als ein Kratzer. Ganz zu schweigen davon, da� sie immer noch ein so eigenartiges Gef�hl im Kopf hatte. Wie wabbelnde Gelatine statt eines Gehirns. �Das war nicht Lan. Beruhige dich. Wer es auch war, Lan war es bestimmt nicht.� �Das wei� ich�, sagte Nynaeve bei�end. Dann berichtete sie mit zorniger Stimme, was inzwischen mit ihr geschehen war. Sie war nicht einmal sicher, ob der Mann, der in Emondsfeld auf sie geschossen hatte, und der in der W�ste ein und derselbe seien. Doch schon Birgitte war unglaublich genug.</p><p>�Bist du sicher?� fragte Elayne. �Birgitte?� Nynaeve seufzte. �Das einzige, was ich sicher wei�, ist, da� ich Egwene nicht gefunden habe. Und da� ich heute nacht nicht mehr dorthin gehen werde.� Sie schlug sich mit der Faust auf die H�fte. �Wo ist sie? Was ist mit ihr geschehen? Falls sie diesem Burschen mit dem Bogen begegnet ist... O Licht!� Elayne mu�te eine Weile nachdenken. Sie brauchte so dringend Schlaf, da� ihre Gedanken st�ndig verschwammen. �Sie sagte, da� sie vielleicht nicht dasein wird, wenn wir uns wie verabredet treffen wollen. Vielleicht ist sie deshalb so schnell verschwunden. Aus dem Grund, aus dem sie nicht... Ich meine...� Es schien nicht viel Sinn zu ergeben, aber sie brachte es nicht richtig heraus.</p><p>�Ich hoffe es�, sagte Nynaeve ersch�pft. Als sie Elayne ansah, f�gte sie dann noch hinzu: �Wir m�ssen dich wohl besser ins Bett bringen. Du siehst aus, als w�rdest du gleich umfallen.� Elayne war dankbar daf�r, da� Nynaeve ihr aus den Kleidern half. Sie dachte wohl daran, deren Arm noch schnell zu bandagieren, aber ansonsten hatte sie nur den Anblick des verlockenden Bettes vor Augen. Am Morgen w�rde vielleicht auch das Zimmer aufh�ren, langsam um das Bett zu kreisen. Ihr Kopf ber�hrte kaum das Kopfkissen, da war sie schon eingeschlafen. Am Morgen w�nschte sie sich, sie k�nnte sterben.</p><p>Die Sonne stand noch kaum am Himmel und der Schankraum war bis auf Elayne ganz leer. Sie st�tzte den Kopf auf die H�nde und starrte eine Tasse an, die Nynaeve vor sie hingestellt hatte, bevor sie wegging, um die Wirtin zu suchen. Bei jedem Atemzug roch sie den Inhalt und ihre Nase h�tte sich fast verkrampft. Im Kopf hatte sie ein Gef�hl... Es war einfach unbeschreiblich. H�tte ihr jemand angeboten, ihren Kopf abzuschneiden, w�re dieses Angebot dankend angenommen worden.</p><p>�Geht es Euch gut?� Beim Klang von Thoms Stimme zuckte sie zusammen und konnte gerade noch ein leises Wimmern unterdr�cken. �Es geht mir gut, danke.� Beim Sprechen pulsierte ihr ganzer Kopf. Er zwirbelte unsicher an seinem Schnurrbart herum. �Eure Geschichten gestern abend waren wunderbar, Thom. Jedenfalls das, woran ich mich noch erinnere.� Sie brachte ein leicht schuldbewu�t klingendes Lachen zustande. �Ich f�rchte allerdings, ich kann mich an nicht gerade vieles erinnern, au�er da� ich dasa� und zuh�rte. Ich habe anscheinend verdorbenes Apfelgelee gegessen.� Sie w�rde bestimmt nicht zugeben, da� sie zuviel getrunken hatte. Wieviel es gewesen war, wu�te sie selbst nicht. Genausowenig konnte sie zugeben, da� sie sich in seinem Zimmer zum Narren gemacht hatte. Das noch weniger. Er schien ihr zu glauben, denn es wirkte erleichtert, als er sich neben sie setzte.</p><p>Nynaeve erschien und reichte ihr ein feuchtes Tuch, bevor sie sich hinsetzte. Sie schob auch die Tasse mit diesem furchtbaren Gebr�u n�her vor sie hin. Elayne dr�ckte dankbar das Tuch an die Stirn.</p><p>�Hat eines von Euch heute morgen schon Meister Sandar gesehen?� fragte die �ltere der beiden Frauen.</p><p>�Er hat jedenfalls nicht in unserem Zimmer geschlafen�, antwortete Thom. �Daf�r sollte ich ja dankbar sein, wenn man bedenkt, welche Gr��e unser Bett hat.� Wie gerufen erschien in diesem Moment Juilin durch den Vordereingang. Sein Gesicht war ersch�pft und das sonst eng anliegende Wams verknittert. Unter dem linken Auge hatte er eine Schramme, und das kurze, schwarze Haar, das er normalerweise glatt angek�mmt trug, wirkte, als sei er lediglich mit den Fingern einmal durchgefahren. Doch er l�chelte, als er sich zu ihnen setzte. �Die Diebe sind in dieser Stadt genauso zahlreich wie die Elritzen im seichten Wasser, und sie sind durchaus zum Reden bereit, wenn man ihnen etwas zum Trinken spendiert. Ich habe mit zwei M�nnern gesprochen, die behaupteten, sie h�tten eine Frau mit einer wei�en Haarstr�hne �ber dem linken Ohr gesehen. Ich glaube, einer von beiden war vertrauensw�rdig.� �Also sind sie hier�, sagte Elayne, doch Nynaeve sch�ttelte den Kopf.</p><p>�Vielleicht. Mehr als nur eine Frau tr�gt eine wei�e Str�hne im Haar.� �Er konnte nicht sagen, wie alt sie sei�, sagte Juilin und g�hnte hinter vorgehaltener Hand. ��berhaupt kein Alter, behauptete er. Er ri� einen Witz dar�ber, da� sie vielleicht eine Aes Sedai sei.� �Ihr geht zu schnell vor�, sagte Nynaeve mit nerv�sem Unterton zu ihm. �Ihr helft uns nicht, falls Ihr sie auf uns aufmerksam macht.� Juilin lief dunkelrot an. �Ich bin schon vorsichtig. Ich sehne mich nicht gerade danach, da� mich Liandrin wieder in die Finger bekommt. Ich stelle keine Fragen. Ich unterhalte mich. Manchmal erz�hle ich von Frauen, die ich einmal kannte. Zwei M�nner haben bei der Erw�hnung dieser wei�en Str�hne angebissen, und keiner von ihnen hielt es f�r mehr als eine belanglose Unterhaltung �ber einem Krug billigen Bieres. Heute abend geht mir vielleicht ein anderer ins Netz, nur da� es diesmal eine zerbrechlich wirkende Frau aus Cairhien mit sehr gro�en blauen Augen betreffen wird.� Das war Temaile Kinderode. �Ganz langsam werde ich die Orte einkreisen, an denen man sie gesehen hat, bis ich wei�, wo sie sich aufhalten. Ich werde sie f�r Euch finden.� �Oder ich finde sie.� Bei Thom klang das, als halte er es f�r viel wahrscheinlicher. �Sie werden sich wohl kaum mit Dieben abgeben, sondern sich statt dessen in die Politik und die Angelegenheiten des Adels einmischen. Irgendein Lord in dieser Stadt wird etwas Ungew�hnliches tun und mich damit in ihre N�he f�hren.� Die beiden M�nner blickten sich an. Elayne erwartete jeden Moment, da� der eine den anderen zum Ringkampf herausfordern werde. M�nner. Erst Juilin und Domon, nun Juilin und Thom. H�chstwahrscheinlich w�rden am Ende noch Thom und Domon mit F�usten aufeinander einschlagen. M�nner. Das war ihr einziger Kommentar, aber sie sprach ihn nicht aus.</p><p>�Vielleicht werden Elayne und ich Erfolg haben, ohne einen von Euch zu brauchen�, sagte Nynaeve trocken. �Wir werden auch heute unsere Suche beginnen.� Ihr Blick wanderte ganz kurz zu Elayne hin�ber. �Ich jedenfalls. Elayne braucht wom�glich noch etwas Ruhe, um sich von... der Reise zu erholen.� Elayne legte das Tuch vorsichtig auf den Tisch und griff mit beiden H�nden nach der Tasse vor sich. Die dicke, graugr�ne Fl�ssigkeit schmeckte noch �bler, als sie roch. Schaudernd zwang sie sich, alles zu schlucken. Als sie ihren Magen erreichte, f�hlte sie sich einen Augenblick lang wie ein Umhang, der in starkem Wind flattert. �Zwei Augenpaare sehen mehr als eines�, sagte sie zu Nynaeve und stellte die leere Tasse hart auf den Tisch zur�ck.</p><p>�Hundert Paare sehen noch besser�, sagte Juilin schnell, �und wenn dieser Illianer Aal wirklich seine Leute ausschickt, haben wir mindestens so viele, zusammen mit all den R�ubern und Taschendieben.� �Ich � <emphasis>wir</emphasis> � werden diese Frauen f�r Euch finden, falls sie �berhaupt zu finden sind�, sagte Thom. �Es ist nicht notwendig, da� Ihr aus der Schenke geht. Diese Stadt ist wie ein gef�hrliches Raubtier, auch ohne Liandrins Anwesenheit.� �Au�erdem�, f�gte Juilin hinzu, �kennen sie Euch zwei. Sie kennen Eure Gesichter. Viel besser, Ihr bleibt hier in der Schenke au�er Sicht.� Elayne sah die M�nner verbl�fft an. Noch vor einem Moment waren sie wie Hund und Katze gewesen, und nun hielten sie zusammen wie Pech und Schwefel. Nynaeve hatte recht gehabt, da� sie ihnen Schwierigkeiten bereiten w�rden. Nein, die Tochter-Erbin von Andor w�rde sich nicht hinter Meister Juilin Sandar und Meister Thom Merrilin verstecken. Sie �ffnete den Mund, um ihnen das mitzuteilen, aber Nynaeve ergriff zuerst das Wort.</p><p>�Ihr habt recht�, sagte sie gelassen. Elayne starrte sie ungl�ubig an. Thom und Juilin wirkten �berrascht und gleichzeitig entschieden zufriedengestellt. �Sie kennen uns wirklich�, fuhr Nynaeve fort. �Ich habe dieses Problem heute morgen gel�st, glaube ich. Ach, da ist ja Frau Rendra mit unserem Fr�hst�ck.� Thom und Juilin tauschten einen besorgten Blick, aber sie konnten nichts sagen, da die Wirtin dabei stand und hinter ihrem Schleier l�chelte.</p><p>�Wie steht es mit dem, worum ich Euch gebeten hatte?� fragte Nynaeve, als die Frau eine Sch�ssel Haferbrei vor sie stellte.</p><p>�Ach, ja. Es wird keine Schwierigkeiten geben, Kleidung zu finden, die Euch beiden pa�t. Und das Haar �Ihr habt so wundersch�nes, langes Haar � wird im Nu hochgesteckt sein.� Sie fa�te an ihre eigenen goldenen Z�pfe.</p><p>Thoms und Juilins Gesichter brachten Elayne zum L�cheln. Sie waren vielleicht auf eine hei�e Diskussion gefa�t gewesen, aber sie hatten kein Mittel dagegen, einfach ignoriert zu werden. Ihrem Kopf ging es jetzt auch ein wenig besser. Nynaeves �ble Mixtur schien zu wirken. W�hrend Nynaeve und Rendra �ber die Kosten, die Schnitte und Stoffe sprachen � Rendra wollte ihnen Kleider im Stil ihres eigenen enganliegenden Kleides beschaffen, das sie heute in Hellgr�n trug, doch Nynaeve war dagegen, wurde aber langsam schwankend �, begann Elayne ihren Haferbrei zu essen, um den Geschmack dieses Gebr�us im Mund loszuwerden. Das brachte ihr zu Bewu�tsein, da� sie tats�chlich ziemlichen Hunger hatte.</p><p>Es gab noch ein Problem bei der ganzen Sache, das keine von beiden erw�hnt hatte. Thom und Juilin wu�ten gar nichts davon. Wenn sich die Schwarzen Ajah in Tanchico befanden, befand sich auch das hier was Rand so in Gefahr brachte. Etwas, das ihn mit seiner eigenen Macht fesseln konnte. Es reichte nicht, Liandrin und die anderen aufzusp�ren. Sie mu�ten auch das finden, was immer es auch war. Mit einemmal war ihr gerade erst aufgekommener Appetit vollst�ndig verflogen.</p></section><section><title><p>40</p><p>Jenseits des Steins</p></title><p>Reste des Regens von fr�hen Morgen tropften noch von den �sten der Apfelb�ume und ein Purpurfink h�pfte an einem Zweig entlang, wo Obst reifte, das dieses Jahr niemand ernten w�rde. Die Sonne stand schon hoch am Himmel, verbarg sich aber hinter dichten, grauen Wolken. Perrin sa� mit �bergeschlagenen Beinen am Boden und �berpr�fte geistesabwesend seine Bogensehne. Die gut verpackten, eingewachsten Sehnen neigten dazu, bei feuchtem Wetter zu erschlaffen. Der Sturm, den Verin heraufbeschworen hatte, um sie in der Nacht ihrer Rettungsaktion vor den Verfolgern zu verbergen, hatte selbst sie durch seine Gewalt �berrascht. In den darauffolgenden sechs Tagen hatte es noch dreimal solche herabtrommelnden Platzregen gegeben. Jedenfalls glaubte er, es seien sechs Tage vergangen. Er war seit jener Nacht einfach nicht zum Nachdenken gekommen, hatte sich nur von den Ereignissen treiben lassen und auf das reagiert, was auf ihn zukam. Die stumpfe Seite seiner Axt dr�ckte ihm in die Seite, aber er bemerkte es kaum.</p><p>Niedrige, grasbewachsene Erhebungen zeigten, wo Generationen von Aybaras beerdigt waren. Die �ltesten der geschnitzten h�lzernen Kopfbretter, l�ngst gesprungen und kaum noch lesbar, trugen Daten, die beinahe dreihundert Jahre zur�cklagen, auf Gr�bern, die sich fast nicht mehr von der Grasnarbe abhoben. Doch die Erhebungen, die wohl vom Regen ausgewaschen, aber noch nicht von Gras bewachsen waren, die schafften ihn. Wohl waren Generationen von Aybaras hier bestattet worden, aber sicher nie vierzehn zur gleichen Zeit. Tante Neain lag dr�ben bei Onkel Carlins �lterem Grab, und ihre beiden Kinder neben ihr. Gro�tante Ealsin lag in der gleichen Reihe wie Onkel Edward und Tante Madge und ihre drei Kinder, in derselben langen Reihe wie seine Mutter und sein Vater. Dann Adora und Deselle und der kleine Paet. Eine lange Reihe von Grabh�geln, wo die ersten Grashalme aus dem nassen, braunen Erdboden lugten. Er z�hlte, ohne hinzusehen, die Pfeile, die noch in seinem K�cher steckten. Siebzehn. Zu viele waren besch�digt worden, und nur die st�hlernen Pfeilspitzen waren das Aufheben wert gewesen. Keine Zeit, neue anzufertigen; er w�rde bald nach Emondsfeld zum Pfeilmacher gehen m�ssen. Buel Dawtry machte gute Pfeile, bessere sogar als Tam.</p><p>Ein schwaches Rascheln hinter ihm lie� ihn witternd die Nase in die Luft stecken. �Was ist los, Dannil?� fragte er, ohne sich umzusehen.</p><p>Man h�rte f�rmlich, wie dem hinter ihm Auftauchenden der Atem stockte und er einen Augenblick lang �berrascht innehielt, und dann sagte Dannil Lewin: �Die Lady ist hier, Perrin.� Keiner von ihnen konnte sich daran gew�hnen, da� er schon wu�te, wer kam, bevor er ihn sah, auch im Dunkeln, aber es war ihm mittlerweile gleich, was sie an ihm seltsam fanden und was nicht.</p><p>Er sah sich mit gerunzelter Stirn um. Dannil wirkte magerer als zuvor. Die Bauern konnten auch nicht so viele auf einmal durchf�ttern, und die Jagd brachte so unterschiedliche Ergebnisse, da� sie einmal ein Festmahl vor sich hatten und ein andermal hungerten. Meist hatten sie gehungert. �Die Lady?� �Die Lady Faile. Und auch Lord Luc. Sie sind aus Emondsfeld hergekommen.� Perrin erhob sich geschmeidig und ging mit langen Schritten los, so da� Dannil sich beeilen mu�te, um mitzuhalten. Er zwang sich dazu, das Haus nicht anzublicken � die verkohlten Balken und ru�verschmierten Schornsteine, die aus dem Schutt ragten, wo das Haus gestanden hatte, in dem er seine Jugend verbrachte. Er suchte statt dessen die B�ume nach seinen Sp�hern ab, jedenfalls diejenigen, die dem ehemaligen Bauernhof am n�chsten standen. So nahe beim Wasserwald standen hier viele hohe Eichen und Schierlingstannen und recht gro�e Eschen und Lorbeerb�ume. Dichtes Laub verbarg die jungen Burschen, deren triste Bauernkleidung Tarnung genug war, so gut, da� sogar er Schwierigkeiten hatte, sie auszumachen. Er w�rde mit den weiter entfernten ein W�rtchen reden m�ssen, denn sie sollten ja eigentlich daf�r sorgen, da� sich niemand ohne Warnung n�hern konnte. Selbst Faile und dieser Luc.</p><p>Das Lager befand sich in einem ausgedehnten Dickicht, wo er als Kind sich einst vorgestellt hatte, im tiefsten Urwald zu sein. Der Boden war dicht mit Unterholz bewachsen. Man hatte zwischen den B�umen Decken gespannt, um sich vor Wind und Wetter zu sch�tzen, und weitere Decken lagen auf dem Boden zwischen den kleinen K�chenfeuern. Auch hier tropfte es von den Zweigen. Die meisten der beinahe f�nfzig M�nner im Lager � alle jung �waren unrasiert, entweder weil sie Perrin nachahmten, oder weil es unangenehm war, sich mit kaltem Wasser zu rasieren. Sie waren gute J�ger. Alle anderen hatte er heimgeschickt. Doch auch die Dagebliebenen waren nicht daran gew�hnt, mehr als ein oder zwei N�chte hintereinander im Freien zu verbringen. Und auch nicht an das, was er sie tun lie�.</p><p>Gerade jetzt aber standen sie herum und bestaunten Faile und Luc, und nur vier oder f�nf hatten ihre Langb�gen in der Hand. Der Rest der B�gen lag beim Bettzeug, genau wie die meisten der K�cher. Luc stand da und spielte m��ig mit den Z�geln eines hochgewachsenen, schwarzen Hengstes herum, ganz das Urbild tr�ger, rotgekleideter Arroganz. Seine kalten blauen Augen ignorierten die ihn Umstehenden. Die Witterung des Mannes hob sich von der der anderen deutlich ab. Sie war ebenfalls kalt und abweisend beinahe so, als habe er nichts mit den M�nnern in seiner Umgebung gemein, nicht einmal die Menschlichkeit.</p><p>Faile eilte her�ber, um Perrin l�chelnd zu begr��en. Ihr enger Hosenrock gab beim Gehen ein leises Rascheln von sich, als graue Seide �ber graue Seide streifte. Sie roch schwach nach s��er Kr�uterseife und nach sich selbst. �Meister Luhhan sagte, wir k�nnten dich hier finden.� Er wollte eigentlich fragen, was sie hier mache, ertappte sich jedoch dabei, da� er sie in die Arme nahm und in ihr Haar hineinsagte: �Es ist gut, dich wiederzusehen. Du hast mir gefehlt.� Sie wich ein wenig zur�ck, um besser zu ihm aufblicken zu k�nnen. �Du siehst m�de aus.� Er beachtete ihre Worte nicht; er hatte keine Zeit dazu, m�de zu werden. �Habt ihr alle sicher nach Emondsfeld gebracht?� �Sie sind in der Weinquellenschenke.� Pl�tzlich grinste sie. �Meister al'Vere hat eine alte Hellebarde gefunden und sagt nun, wenn die Wei�m�ntel k�men und sie holen wollten, bek�men sie es erstmal mit ihm zu tun. Alle sind sie jetzt im Dorf, Perrin. Verin und Alanna, die Beh�ter. Geben nat�rlich alle vor, etwas anderes zu sein. Und Loial. Er hat einen ziemlichen Aufruhr hervorgerufen. Sogar noch mehr als Bain und Chiad.� Das Grinsen verflog und wurde zu einem Stirnrunzeln. �Er bat mich, dir eine Botschaft zu �berbringen. Alanna verschwand zweimal, ohne ein Wort zu sagen, einmal davon allein. Loial behauptete, Ihvon schien �berrascht gewesen, da� sie weg war. Er sagte, ich solle mit niemanden anders dar�ber sprechen.� Sie musterte sein Gesicht. �Was bedeutet das, Perrin?� �Vielleicht nichts. Ich bin nur einfach nicht sicher, ob ich ihr vertrauen kann. Verin hat mich vor ihr gewarnt, aber kann ich Verin vertrauen? Du sagst, Bain und Chiad seien in Emondsfeld? Ich sch�tze, das bedeutet, da� er auch �ber sie Bescheid wei�.� Er wies mit dem Kopf in Lucs Richtung. Ein paar der M�nner hatten ihn angesprochen und ihm sch�chtern Fragen gestellt, die er nun mit leutseligem L�cheln beantwortete.</p><p>�Sie sind mit uns gekommen�, sagte sie bed�chtig. �Sie erkunden jetzt die Gegend um dein Lager. Ich glaube, sie haben keine hohe Meinung von deinen Wachposten. Perrin, warum willst du nicht, da� Luc von den Aiel wei�?� �Ich habe mit einigen der Leute gesprochen, deren H�fe niedergebrannt wurden.� Luc war zu weit weg, um zu h�ren, was sie sprachen, doch er senkte seine Stimme noch mehr. �Wenn man Flann Lewins Hof dazuz�hlt, besuchte Luc am Tag des Angriffs oder einen Tag fr�her f�nf der angegriffenen H�fe.� �Perrin, der Mann ist auf gewisse Weise ein arroganter Narr � ich habe geh�rt, da� er etwas angedeutet hat von einem Anspruch auf einen Thron in den Grenzlanden, obwohl er uns gesagt hat, er k�me aus Murandy � aber du glaubst doch nicht wirklich, da� er ein Schattenfreund ist? Er hat den Leuten in Emondsfeld ein paar wirklich gute Ratschl�ge erteilt. Als ich sagte, alle bef�nden sich dort, meinte ich tats�chlich alle.� Sie sch�ttelte staunend den Kopf. �Hunderte und Aberhunderte von Menschen aus dem Norden und dem S�den, aus jeder Himmelsrichtung, mit ihrem Vieh und ihren Schafen, und alle sprachen von den Warnungen des Perrin Goldauge. Dein kleines Dorf bereitet sich auf die Verteidigung vor, wenn es n�tig ist, und Luc war in den letzten Tagen �berall zu finden.� �Perrin wer?� Er schnappte nach Luft und verzog schmerzhaft das Gesicht. Dann wollte er das Thema schnell wechseln und fragte: �Aus dem S�den? Aber ich bin doch gar nicht weiter s�dlich gewesen als hier. Ich habe mit keinem Bauern gesprochen, der weiter als eine Meile s�dlich des Weinquellenbaches wohnt.� Faile lachte und zupfte ihn am Bart. �Die Neuigkeiten verbreiten sich, mein feiner General. Ich glaube, die H�lfte aller erwartet von dir, da� du sie zu einem Heer ausbildest und die Trollocs bis zur Gro�en F�ule zur�cktreibst. Man wird sich an den Zwei Fl�ssen die n�chsten tausend Jahre �ber Geschichten von dir erz�hlen. Perrin Goldauge, der Trolloc-J�ger.� �Licht!� knurrte er.</p><p>Trolloc-J�ger. Bisher hatte er wenig getan, um das zu rechtfertigen. Zwei Tage nach der Befreiung von Frau Luhhan und den anderen, an dem Tag, als Verin und Tomas weggeritten waren, waren sie auf die noch rauchenden Ruinen eines Bauernhofs gesto�en � er und f�nfzehn der Burschen von den Zwei Fl�ssen. Nachdem sie begraben hatten, was in der Asche gelegen hatte, war es ihnen leichtgefallen, der Spur der Trollocs zu folgen, denn Gaul war ein meisterhafter Spurensucher und Perrins Nase h�tte ebenfalls schon gereicht. Der bei�ende Gestank der Trollocs war noch nicht verflogen, jedenfalls nicht f�r ihn. Ein paar der Burschen hatten gez�gert, als ihnen klar wurde, da� er es ernst gemeint hatte und wirklich die Trollocs jagen wollte. Falls der Weg sehr weit gewesen w�re, h�tte sich wahrscheinlich einer nach dem anderen heimlich gedr�ckt, aber die Spur f�hrte direkt zu einem W�ldchen, das keine drei Meilen entfernt lag.</p><p>Die Trollocs hatten keine Wachen aufgestellt, wahrscheinlich, weil sie keinen Myrddraal dabei hatten, der sie aus ihrer Faulheit aufscheuchte, und die M�nner von den Zwei Fl�ssen hatten keine M�he, sich lautlos anzuschleichen. Zweiunddrei�ig Trollocs starben, viele davon noch in ihren verdreckten Decken, von Pfeilen durchbohrt, bevor sie L�rm machen oder Schwert oder Axt erheben konnten. Dannil und Ban und die anderen hatten einen gro�en Sieg feiern wollen, bis sie herausfanden, was sich in dem gro�en, eisernen Kochtopf der Trollocs befand, der in der Asche des Feuers lag. Die meisten rannten davon, um sich zu �bergeben, und mehr als einer weinte. Perrin hob selbst das Grab aus. Nur eines; er fand keine M�glichkeit, zu unterscheiden, welches K�rperteil zu wem geh�rte. So kalt, wie er sich in seinem Inneren f�hlte, wu�te er doch: Er h�tte es selbst nicht durchgehalten, wenn er gewu�t h�tte, was da zu wem geh�rte.</p><p>Sp�t am n�chsten Tag z�gerte keiner, als er wieder eine stinkende Spur aufnahm. Zun�chst knurrten einige unwillig und wollten wissen, wem er nun wieder folge, aber dann fand Gaul die Spuren von Hufen und Stiefeln, die zu gro� waren, um zu menschlichen F��en zu passen. In einem anderen W�ldchen in der N�he des Wasserwalds steckten einundvierzig Trollocs und ein Blasser. Sie hatten Wachen aufgestellt, doch die meisten davon schnarchten auf ihren Posten. Es w�re aber auch nicht anders verlaufen, w�ren sie alle wach gewesen. Gaul t�tete diejenigen, die tats�chlich wach waren. Er glitt wie ein Schatten zwischen den B�umen hindurch. Die Anzahl der M�nner von den Zwei Fl�ssen war mittlerweile auf beinahe drei�ig angewachsen. Diejenigen, die den Kochtopf nicht gesehen hatten, hatten zumindest davon geh�rt. Sie schrien beim Schie�en. Die Befriedigung in diesen Schreien klang nicht weniger wild als das kehlige Heulen der Trollocs. Der schwarzgekleidete Myrddraal war der letzte gewesen, der starb � wie ein Stachelschwein mit Pfeilen gespickt. Niemand holte sich sp�ter diese Pfeile zur�ck, auch nicht, nachdem das Winden und Umsich-Schlagen aufgeh�rt hatte.</p><p>An diesem Abend regnete es zum zweitenmal. Stundenlang go� es wie aus K�beln, der Himmel war voll von aufquellenden, schwarzen Wolkenbergen, und es blitzte unabl�ssig. Seither hatte Perrin keine Trolloc-Witterung mehr aufgenommen, und alle m�glichen Spuren waren vom Boden weggewaschen worden. Die meiste Zeit hatten sie mit Umwegen verbracht, um den Patrouillen der Wei�m�ntel zu entgehen. Alle behaupteten, diese seien jetzt h�ufiger anzutreffen als vorher. Die Bauern, mit denen sich Perrin unterhalten hatte, sagten �bereinstimmend, die Patrouillen h�tten sich mehr daf�r interessiert, ihre entflohenen Gefangenen und deren Befreier zu finden, als nach Trollocs zu suchen.</p><p>Eine ganze Reihe der M�nner hatte sich mittlerweile um Luc versammelt. Er war so gro�, da� sein rotgoldener Haarschopf �ber ihre dunkleren K�pfe hinausragte. Er schien zu reden, und sie h�rten zu. Und nickten.</p><p>�H�ren wir mal, was er zu sagen hat�, sagte Perrin grimmig.</p><p>Nur ein wenig Schubsen, und die M�nner von den Zwei Fl�ssen machten Faile und ihm Platz. Sie lauschten alle ganz aufmerksam dem Mann im roten Wams, der gro�e Reden zu schwingen schien.</p><p>�... also ist das Dorf jetzt relativ sicher. Eine Menge Leute befinden sich dort, die es verteidigen werden. Ich mu� sagen, ich genie�e es, von Zeit zu Zeit unter einem richtigen Dach zu schlafen. Frau al'Vere bereitet in ihrer Schenke ausgezeichnetes Essen. Ihr Brot geh�rt zum besten, das ich je gegessen habe. Es geht wirklich nichts �ber frisches, warmes Brot und frisch geschlagene Butter, und dann abends die F��e hochlegen und einen Krug guten Weins genie�en oder einiges von Meister al'Veres gutem, dunklem Bier.� �Lord Luc meinte, wir sollten jetzt nach Emondsfeld gehen, Perrin�, sagte Kenley Ahan und rieb sich die ger�tete Nase mit einem schmutzigen Handr�cken. Er war nicht der einzige, der sich nicht so oft hatte waschen k�nnen, wie er es eigentlich f�r n�tig befand, und auch nicht der einzige mit einer kr�ftigen Erk�ltung.</p><p>Luc l�chelte Perrin an wie einen Hund, von dem er ein Kunstst�ck erwartete. �Das Dorf ist wirklich recht sicher, aber noch ein paar starke R�cken werden �berall gebraucht.� �Wir jagen Trollocs�, sagte Perrin kalt. �Nicht alle haben bisher ihre H�fe verlassen, und jede Bande, die wir aufsp�ren und t�ten, bedeutet unzerst�rte Bauernh�fe und weitere Menschen, die eine Chance haben, sich in Sicherheit zu bringen.� Wil al'Seen lachte kurz und hart. Mit seiner angeschwollenen roten Nase und dem unregelm��igen. Sechstagebart sah er nicht mehr so h�bsch aus. �Wir haben schon tagelang keinen Trolloc mehr gerochen. Sei vern�nftig, Perrin. Vielleicht haben wir sie bereits alle erledigt.� Es gab zustimmendes Gemurmel.</p><p>�Ich will keine Uneinigkeit verbreiten.� Luc spreizte voller Unschuld die H�nde. �Zweifellos habt Ihr gro�e Erfolge gehabt au�er denen, von denen wir schon geh�rt haben. Ich sch�tze, Ihr habt Hunderte von Trollocs get�tet. Es ist gut m�glich, da� Ihr sie alle verscheucht habt. Ich kann Euch sagen, Emondsfeld ist bereit, Euch als Helden zu empfangen. Dasselbe gilt wohl auch f�r Wachh�gel und diejenigen, die in dieser Gegend wohnen. Sind auch Leute aus Devenritt da?� Wil nickte, und Luc klopfte ihm auf die Schulter wie ein alter Kumpel. �Einen Heldenempfang, zweifellos.� �Jeder, der nach Hause will, kann gehen�, sagte Perrin mit beherrschter Stimme. Faile runzelte warnend die Stirn. So verhielt sich kein General. Aber er wollte niemanden dabei haben, der nicht freiwillig mitkam. Au�erdem wollte er auch kein General sein. �Ich f�r meine Person glaube nicht, da� unsere Aufgabe bereits erf�llt ist, aber Ihr habt die Wahl.� Keiner gab sich diese Bl��e. H�chstens Wil sah aus, als w�rde er am liebsten gleich wegrennen. Doch zwanzig andere starrten den Boden an und scharrten mit den Stiefeln im vorj�hrigen Laub herum.</p><p>�Also�, bemerkte Luc nebenher, �wenn Ihr keine Trollocs mehr jagen m��t, ist es m�glicherweise an der Zeit, Eure Aufmerksamkeit den Wei�m�nteln zuzuwenden. Sie sind nicht gerade gl�cklich dar�ber, da� Ihr Leute von den Zwei Fl�ssen Euch entschlossen habt, Euch selbst zu verteidigen. Und soviel ich wei�, wollen sie Euch sowieso alle aufh�ngen, und zwar als Ge�chtete, weil Ihr ihre Gefangenen gestohlen habt.� Einige der jungen Burschen von den Zwei Fl�ssen tauschten �ngstliche Blicke.</p><p>In diesem Moment schob sich Gaul durch die Ansammlung, in kurzem Abstand von Bain und Chiad gefolgt. Nat�rlich mu�ten sie die anderen nicht erst wegschubsen. Sobald sie erkannten, wer es war, machten die M�nner von alleine Platz. Luc zog beim Anblick Gauls nachdenklich die Augenbrauen hoch. Es wirkte sogar mi�billigend. Der Aielmann erwiderte den Blick mit steinernem Gesicht. Die Mienen Wils und Dannils und der anderen hellten sich beim Anblick der Aiel sichtlich auf. Die meisten glaubten immer noch, da� Hunderte weiterer Aiel irgendwo in den Hainen und W�ldern verborgen l�gen. Sie fragten sich wohl nie, warum sich die Aiel versteckten, und Perrin ber�hrte das Thema lieber nicht. Falls sie mehr Mut hatten, wenn sie an ein paar hundert Aiel als Verst�rkung glaubten, sollte es ihm recht sein.</p><p>�Was habt Ihr gefunden?� fragte Perrin. Gaul war seit dem Vortag weg gewesen, aber er konnte schnell sein wie ein Berittener und im Wald sogar noch schneller, und ihm fiel mehr auf.</p><p>�Trollocs�, antwortete Gaul so selbstverst�ndlich, als berichte er �ber die Anwesenheit von Schafen, �die durch diesen zu Recht so genannten Wasserwald nach S�den ziehen. Es sind nicht mehr als drei�ig, und ich glaube, sie werden am Waldrand lagern und dann heute abend zuschlagen. Im S�den gibt es immer noch Menschen, die an ihrem Land festhalten.� Mit einemmal grinste er verwegen. �Sie haben mich nicht bemerkt. Sie sind also durch nichts gewarnt.� Chiad wandte sich an Bain: �F�r einen Steinhund ist er eigentlich recht geschickt�, fl�sterte sie so laut, da� man es auf zwanzig Fu� Entfernung verstehen konnte. �Er macht h�chstens ein wenig mehr L�rm als ein lahmer Stier.� �Also, Wil?� fragte Perrin. �Was ist jetzt? Willst du nach Emondsfeld gehen? Dort kannst du dich rasieren und vielleicht ein M�dchen zum K�ssen auftreiben, w�hrend diese Trollocs ihr Abendessen kochen.� Wil lief dunkelrot an. �Ich werde dort sein, wo Ihr heute abend seid, Aybara�, sagte er mit harter Stimme.</p><p>�Niemand geht heim, w�hrend sich hier noch Trollocs herumtreiben, Perrin�, f�gte Kenley hinzu.</p><p>Perrin blickte sich um, und die anderen nickten zustimmend. �Wie steht es mit Euch, Luc? Es w�re uns eine Ehre, einen Lord und J�ger des Horns dabeizuhaben. Ihr k�nntet uns zeigen, wie man so etwas macht.� Luc l�chelte ein wenig, aber es war wie in Stein gehauen und erreichte bei weitem nicht einmal diese kalten, blauen Augen. �Ich bedaure, aber ich werde noch zur Organisation der Verteidigung von Emondsfeld ben�tigt. Ich mu� f�r den Schutz Eurer Leute sorgen, falls mehr als nur drei�ig Trollocs angreifen. Oder die Kinder des Lichts. Lady Faile?� Er hielt ihr seine Hand hin, um ihr beim Aufsteigen zu helfen, doch sie sch�ttelte den Kopf. �Ich bleibe bei Perrin, Lord Luc.� �Wie schade�, murmelte er mit einem Schulterzucken, als sei der Geschmack der Frauen auch nicht mehr derselbe wie fr�her. Er zog seine mit Wolfsk�pfen bestickten Handschuhe an und schwang sich geschmeidig in den Sattel des schwarzen Hengstes. �Viel Gl�ck, Meister Goldauge. Ich hoffe, Ihr habt alle Gl�ck.� Er verbeugte sich leicht vor Faile, ri� hochfahrend sein Pferd herum und gab ihm die Sporen. Der Hengst galoppierte los, und ein paar M�nner mu�ten aus dem Weg springen.</p><p>Faile sah Perrin finster an. Ihr Blick versprach ihm eine Lektion in bezug auf H�flichkeit, sobald sie allein waren. Er lauschte dem Hufschlag von Lucs Pferd, bis nichts mehr zu h�ren war, und wandte sich dann Gaul zu. �K�nnen wir den Trollocs zuvorkommen? Da� wir auf sie warten, bevor sie einen m�glichen Lagerplatz erreichen?� �Die Entfernung w�re gerade richtig�, sagte Gaul, �wenn wir jetzt gleich aufbrechen. Sie bewegen sich auf einer geraden Linie und beeilen sich nicht. Es ist allerdings ein Nachtl�ufer bei ihnen. Es wird leichter, wenn wir sie in den Decken �berraschen, als sie in wachem Zustand zu �berfallen.� Er meinte das in bezug auf die M�nner von den Zwei Fl�ssen. An ihm selbst witterte Perrin keinerlei Angst.</p><p>Aber einige der anderen rochen stark nach Angst. Doch keiner von ihnen �u�erte sich dazu, da� eine Auseinandersetzung mit wachsamen und wachen Trollocs und noch dazu einem Myrddraal vielleicht nicht die beste aller L�sungen darstelle. Sie brachen ihr Lager ab, sobald er den Befehl dazu gab, l�schten die Feuer und verstreuten die Asche, lasen ihre wenigen T�pfe auf und stiegen auf das Sammelsurium der verschiedensten Pferderassen und Ponies, die sie irgendwo aufgetrieben hatten. Mit den zur�ckgeholten Wachtposten, mit denen Perrin noch ein W�rtchen zu reden hatte, waren sie nun fast siebzig Mann. Das sollte reichen, um drei�ig Trollocs aufzulauern. Ban al'Seen und Dannil f�hrten nach wie vor jeder die H�lfte der M�nner an, wobei Bili al'Dai und Kenley und andere als Unterf�hrer jeweils zehn Reiter unter sich hatten. Auch Wil nat�rlich. Er war f�r gew�hnlich kein so �bler Bursche, solange er keine M�dchen im Kopf hatte.</p><p>Faile ritt auf Schwalbe ganz nahe neben Traber her, als sie nach S�den aufbrachen. Die Aiel liefen voraus. �Du vertraust ihm wohl �berhaupt nicht�, sagte sie. �Du glaubst, er sei ein Schattenfreund.� �Ich vertraue dir und meinem Bogen und meiner Axt�, sagte er zu ihr. Ihr Gesicht wirkte gleichzeitig traurig und erfreut, aber er hatte ganz einfach die Wahrheit gesagt.</p><p>Zwei Stunden lang f�hrte Gaul sie nach S�den, bevor sie sich endlich dem Wasserwald zuwandten, einem Gewirr von hoch aufragenden Eichen und Kiefern und Lederblattb�umen, hohen Eschen mit runden Kronen, und darunter Brombeeren und Schwarzweiden und schlie�lich dicht mit Ranken durchsetztes Unterholz. Tausende Eichh�rnchen keckerten auf den Zweigen und �berall flatterten Drosseln, Finken und Rotfl�gelchen herum. Perrin witterte auch Hirsche und Kaninchen und F�chse.</p><p>Sie �berquerten eine Vielzahl winziger Rinnsale. Vom Schilf eingerahmte Teiche und Sumpfl�cher waren das Typische an diesem Wald � manchmal von B�umen halb �berwachsen und manchmal offen, manchmal weniger als zehn Schritt im Durchmesser, ein paar aber auch mehr als f�nfzig Schritt breit. Der Boden schien nach all den Regenf�llen v�llig durchgeweicht und unter den Hufen der Pferde spritzte das Wasser hervor.</p><p>Gaul blieb zwischen einem gro�en, von Weiden umstandenen Teich und einem schmalen, nur einen Fu� breiten B�chlein stehen. Sie waren vielleicht zwei Meilen weit in den Wald vorgedrungen. Die Trollocs w�rden hier durchkommen, wenn sie ihren Weg wie bisher fortsetzten. Die drei Aiel verschmolzen mit dem Wald, um sich davon zu �berzeugen und sie rechtzeitig zu warnen, wenn sich die Trollocs n�herten.</p><p>Perrin lie� Faile und ein Dutzend M�nner bei den Pferden zur�ck und lie� die anderen in einem Bogen ausschw�rmen, um die Trollocs wie in einem Kessel aufzufangen. Nachdem er daf�r gesorgt hatte, da� jeder Mann gut versteckt war und genau wu�te, was er zu tun hatte, ging er selbst an seinen Platz im Zentrum des Kessels neben einer alten Eiche, deren Stamm dicker als gro� war.</p><p>Er lockerte die Axt in der G�rtelschlaufe, legte einen Pfeil auf und wartete. Eine leichte Brise strich �ber sein Gesicht, schwoll an und schw�chte sich wieder ab. Er sollte eigentlich in der Lage sein, die Trollocs zu wittern, lange bevor sie in Sicht kamen. Sie sollten geradewegs auf ihn zukommen. Er ber�hrte die Axt wieder und wartete ab. Minuten vergingen. Eine Stunde. Mehr.</p><p>Wie lange noch, bis die Schattenwesen erschienen?</p><p>Wenn es bei dieser feuchten Luft noch lange dauerte, w�rden sie die Bogensehnen austauschen m�ssen.</p><p>Die V�gel verschwanden einen Augenblick, bevor die Eichh�rnchen pl�tzlich nicht mehr zu h�ren waren. Perrin atmete tief ein und runzelte die Stirn. Nichts. Bei diesem leichten Wind mu�te er einfach die Trollocs wittern, sobald auch die Tiere deren Anwesenheit bemerkten.</p><p>Ein kurzer Windsto� trug den Gestank zu ihm heran. Es roch nach jahrhundertealtem Schwei� und Verwesung. Er wirbelte herum und schrie: �Sie sind hinter uns! Her zu mir! Die Zwei Fl�sse zu mir!� Hinten. Die Pferde. �Faile!� Auf allen Seiten erschollen mit einemmal Schreie und Rufe, Heulen und wildes Kreischen. Ein Trolloc mit Hammelh�rnern sprang in zwanzig Schritt Entfernung aus dem Geb�sch und hob einen Langbogen, doch Perrin zog das gefiederte Ende seines Pfeils mit einer flie�enden Bewegung ans Ohr und scho� ihn ab. Fast im selben Moment griff er nach dem n�chsten Pfeil, kaum da� der erste von der Sehne war. Sein Pfeil mit breiter Spitze traf den Trolloc genau zwischen die Augen. Er bl�kte kurz auf, bevor er st�rzte. Und sein Pfeil, so gro� wie ein kleiner Speer, traf Perrin wie ein Hammerschlag in die Seite.</p><p>Er schnappte nach Luft und kr�mmte sich. Der Bogen und der neue Pfeil entfielen seinen pl�tzlich kraftlosen H�nden. Ein Schmerz, der von diesem schwarzgefiederten Schaft ausging, durchstr�mte wellenf�rmig seinen K�rper. Der Pfeil zitterte bei jedem Atemzug, und jedes Zittern brachte neuen Schmerz hervor.</p><p>Zwei weitere Trollocs sprangen �ber ihren toten Kameraden hinweg, einer mit Wolfsschnauze und einer mit Ziegenh�rnern, in schwarze Schuppenpanzer geh�llte Gestalten, die auch Perrin um die H�lfte �berragten und doppelt so breit waren wie er. Bellend und mit erhobenen Sichelschwertern rannten sie auf ihn los.</p><p>Er zwang sich dazu, sich aufzurichten, bi� die Z�hne zusammen und brach den daumendicken Pfeil kurz �ber der Spitze ab. Dann ri� er die Axt aus der Schlaufe und lief ihnen entgegen. Ihm wurde vage bewu�t, da� er dabei wie ein Wolf heulte. Er heulte vor Wut, und vor seinen Augen flimmerte es rot. Sie ragten vor ihm auf. An den Ellbogensch�tzern und Schultern waren ihre R�stungen voller spitzer Dornen, doch er schwang die Axt voller verzweifelter Wut, als wolle er mit jedem Schlag einen Baum f�llen. F�r Adora. F�r Deselle. �Meine Mutter!� schrie er. �Seng Euch! Das ist f�r meine Mutter!� Mit einem Schlag wurde ihm bewu�t, da� er auf leblose, blutige Fleischmassen am Boden einhackte. Grollend zwang er sich zum Innehalten, zitternd ob dieser Gewaltanstrengung wie auch der Schmerzen in seiner Seite wegen. Er h�rte nun weniger Rufe. Weniger Schreie. War �berhaupt au�er ihm noch jemand �brig? �Her zu mir! Die Zwei Fl�sse zu mir!� �Die Zwei Fl�sse!� schrie jemand verzweifelt, weiter hinten im feuchten Geh�lz, und dann noch jemand: �Die Zwei Fl�sse!� Zwei. Nur zwei. �Faile!� br�llte er. �O Licht, Faile!� Ein schwarzer Schatten, der zwischen den B�umen hindurchglitt, verriet ihm den Myrddraal, bevor er ihn klar zu sehen bekam. Ein schwarzer Panzer, wie aus den Schuppen einer Schlange gefertigt, bedeckte seine Brust, und der tintenschwarze Umhang hing trotz des schnellen Laufs bewegungslos von seinem R�cken. Als er n�her kam, wurde aus dem Rennen ein langsames Gehen, dem Gleiten einer Schlange �hnlich und voller Selbstvertrauen. Er wu�te, da� Perrin verwundet war, da� er eine leichte Beute darstellte. Der augenlose Blick aus dem blassen Gesicht traf ihn wie ein Pfeil und lie� ihn vor Furcht erschauern. �Faile?� sagte die Gestalt spottend. Bei dieser Stimme klang ihr Name, als zerbr�ckle verbranntes Leder. �Deine Faile � war k�stlich.� Aufbr�llend warf Perrin sich ihm entgegen. Ein Schwert mit schwarzer Klinge lenkte seinen ersten Hieb ab. Und seinen zweiten. Und den dritten. Das leichenblasse Gesicht spannte sich voller Konzentration, aber der Myrddraal schlug immer noch wie eine Viper, wie ein Blitz zu. Nur kurze Augenblicke lang hatte er ihn in die Defensive gezwungen. Nur im Moment. Blut rann an seiner Seite herab, und die Wunde brannte wie das Feuer einer Esse. Er konnte das nicht durchhalten. Und wenn seine Kraft versagte, w�rde dieses Schwert den Weg zu seinem Herzen finden.</p><p>Er rutschte in dem aufgew�hlten Schlamm aus, der Blasse zog seine Klinge zur�ck und � ein herunterzuckendes Schwert trennte den halben augenlosen Kopf ab, so da� er in einem emporsprudelnden schwarzen Blutstrom auf eine Schulter fiel. Der Myrddraal stach blind zu und taumelte vorw�rts, stolperte dann, weigerte sich, endg�ltig zu sterben und versuchte instinktiv, immer noch zu t�ten.</p><p>Perrin wich m�hsam vor ihm aus, aber seine Aufmerksamkeit galt dem Mann, der gerade k�hl mit einer Handvoll Bl�tter seine Klinge abwischte. Ihvons farben�ndernder Umhang hing ihm schlaff von den Schultern. �Alanna hat mich geschickt, um Euch zu suchen. Beinahe h�tte ich es nicht geschafft, so, wie Ihr euch bewegt, aber siebzig Pferde hinterlassen doch Spuren.� Der dunkelhaarige, schlanke Beh�ter schien so beherrscht, als z�nde er sich gerade vor dem gem�tlichen Kaminfeuer eine Pfeife an. �Die Trollocs waren leider an den hier nicht gebunden... � Er deutete mit seinem Schwert auf den Myrddraal, der wohl gest�rzt war, aber immer noch um sich stach. �... Schade drum, aber wenn Ihr eure Leute zusammenruft, werden sie es wohl nicht wagen, Euch noch einmal anzugreifen, wenn keiner der Gesichtslosen mehr da ist, sie zu f�hren. Ich sch�tze, es d�rften etwa hundert gewesen sein. Jetzt sind es ein paar weniger. Ihr habt ihnen einige Verluste zugef�gt.� Er begann, gelassen die Schatten unter den B�umen zu beobachten und nur die Klinge in seiner Hand deutete darauf hin, da� etwas Au�ergew�hnliches geschehen war.</p><p>Einen Augenblick lang staunte Perrin mit offenem Mund. Alanna wollte etwas von ihm? Und sie hatte Ihvon nach ihm geschickt? Gerade rechtzeitig, um sein Leben zu retten. Er sch�ttelte sich und erhob die Stimme wieder: �Die Zwei Fl�sse zu mir! Aus Liebe zum Licht, her zu mir! Hier! Kommt! Hierher!� Diesmal machte er weiter, bis die vertrauten Gesichter auftauchten und seine M�nner durch den Wald heranstolperten. Mindestens die H�lfte der Gesichter war blutverschmiert. Es waren zutiefst erschrockene, ver�ngstigte Gesichter. Einige der M�nner st�tzten andere, und manche hatten die B�gen verloren. Auch die Aiel waren dabei, anscheinend unverletzt � nur Gaul humpelte leicht.</p><p>�Sie kamen nicht den Weg, den wir erwartet hatten�, war alles, was der Aielmann sagte. Die Nacht war k�lter, als wir erwarteten. Es gab mehr Regen, als wir erwarteten. Etwa so sagte er es.</p><p>Pl�tzlich war Faile mit den Pferden da. Mit der H�lfte der Pferde, Traber und Schwalbe eingeschlossen, und mit neun der zw�lf M�nner, die er bei ihr gelassen hatte. Eine Wange wurde von einem Kratzer verunziert, doch sie lebte immerhin. Er versuchte, sie zu umarmen, doch sie schob seine Arme weg und knurrte zornig etwas �ber den abgebrochenen Pfeil, w�hrend sie sanft sein Wams von dem dicken Schaft wegschob, um sehen zu k�nnen, wo er sich hineingebohrt hatte.</p><p>Perrin betrachtete die um ihn versammelten M�nner. Es kamen jetzt keine mehr, und er vermi�te einige Gesichter. Kenley Ahan. Bili al'Dai. Teven Marwin. Er zwang sich dazu, die Namen der Vermi�ten festzustellen, zwang sich zum Z�hlen. Siebenundzwanzig. Siebenundzwanzig fehlten. �Habt Ihr alle Verwundeten mitgebracht?� fragte er bedr�ckt. �Ist noch jemand dort drau�en?� Failes Hand an seiner Seite zitterte. Ihr Gesichtsausdruck, mit dem sie seine Wunde betrachtete, war eine Mischung aus Sorge und Zorn. Sie hatte ein Recht darauf, zornig zu sein. Er h�tte sie niemals da mit hineinziehen d�rfen.</p><p>�Nur die Toten�, sagte Ban al'Seen mit einer Stimme, die so bleiern klang, wie sein Gesicht wirkte.</p><p>Wil schien irgend etwas anzublicken, das sich gerade au�er Sicht befand. �Ich habe Kenley gesehen�, sagte er. �Sein Kopf hing in einer Astgabel bei einer Eiche, aber der Rest von ihm lag unten am Fu� des Baums. Ich habe ihn gesehen. Jetzt macht ihm seine Erk�ltung nicht mehr zu schaffen.� Er nieste und schaute verbl�fft drein.</p><p>Perrin seufzte schwer und verw�nschte das Seufzen augenblicklich, denn der Schmerz, der von seiner Seite her hochscho�, lie� ihn die Z�hne zusammenbei�en. Faile, die einen gr�n- und goldgemusterten Seidenschal zusammengekn�llt in der Hand hielt, versuchte nun, sein Hemd aus der Hose zu ziehen. Trotz ihres unwilligen Gesichtsausdrucks schob er ihre H�nde weg. Es war jetzt keine Zeit daf�r, Wunden zu versorgen. �Die Verwundeten auf die Pferde�, befahl er, als der Schmerz soweit verebbt war, da� er sprechen konnte. �Ihvon, werden sie uns angreifen?� Der Wald erschien ihm zu still. �Ihvon?� Der Beh�ter erschien und f�hrte einen dunkelgrauen Wallach mit feurigem Blick am Z�gel. Perrin wiederholte seine Frage.</p><p>�Vielleicht. Vielleicht auch nicht. Wenn es ihnen selbst �berlassen ist, t�ten Trollocs ihre leichtesten Opfer. Ohne einen Halbmenschen suchen sie sich vielleicht lieber einen Bauernhof aus als jemanden, der sie mit Pfeilen spickt. Geht sicher, da� jeder, der noch auf den Beinen ist, einen Bogen mit aufgelegtem Pfeil tr�gt, selbst wenn er ihn nicht mehr spannen kann. Dann entschlie�en sie sich vielleicht, da� der Preis den Spa� nicht wert ist.� Perrin schauderte. Sollten die Trollocs angreifen, h�tten sie genausoviel Spa� wie an einem Tanz zum Sonnentag. Ihvon und die Aiel waren die einzigen, die noch wirklich k�mpfen konnten. Und Faile, denn ihre dunklen Augen gl�nzten vor Zorn. Er mu�te sie in Sicherheit bringen.</p><p>Der Beh�ter bot sein eigenes Pferd keinem der Verwundeten an, und das hatte seinen Sinn. Das Tier w�rde kaum jemand anderes auf seinem R�cken dulden, und ein ausgebildetes Streitro� mit seinem eigenen Herrn im Sattel war eine eindrucksvolle Waffe, falls die Trollocs zur�ckkamen. Perrin versuchte, Faile auf Schwalbe zu setzen, aber sie hielt ihn davon ab. �Die Verwundeten sollen aufsteigen, hast du gesagt�, stellte sie mit sanfter Stimme fest. �Erinnerst du dich?� Gegen seinen Willen bestand sie darauf, da� er Traber ritt. Er erwartete einen Protest von den anderen, nachdem er sie ins Ungl�ck gef�hrt hatte, aber keiner machte den Mund auf. Sie hatten gerade gen�gend Pferde f�r alle diejenigen, die nicht laufen konnten, und er mu�te z�hneknirschend zugeben, da� er zu diesen z�hlte, und so sa� er schlie�lich im Sattel. Die H�lfte aller Reiter mu�te sich m�hsam festklammern. Er sa� aufgerichtet da und bi� die Z�hne tapfer zusammen.</p><p>Diejenigen, die zu Fu� gingen oder stolperten und auch einige der Reiter klammerten sich an ihre B�gen, als stellten diese ihre Rettung dar. Auch Perrin trug einen und Faile ebenfalls, aber er bezweifelte, da� sie einen Langbogen von den Zwei Fl�ssen auch nur spannen k�nne. Nun kam es auf ihr �u�eres Erscheinungsbild an, und nur eine T�uschung konnte sie retten. Wachsam wie eine eingerollte Peitsche, so wie Ihvon, wirkten die drei Aiel, die ihnen vorausglitten, die Speere in die daf�r vorgesehenen Schlitze am K�chergeh�nge auf dem R�cken gesteckt und die Hornb�gen schu�bereit in H�nden. Der Rest, er selbst eingeschlossen, war ein zerlumpter Haufen, gar nicht wie die Gruppe, die er angef�hrt hatte und die so selbstbewu�t und voll von seinem eigenen Stolz gewesen war. Doch die Illusion funktionierte ebenso gut wie die Wirklichkeit. Die erste Meile weit durch das Gestr�pp trug der leichte Wind ihm den Gestank der Trollocs zu, die Witterung der lauernden, sie verfolgenden Trollocs. Dann verflog der Gestank allm�hlich, als die Trollocs zur�ckfielen, von einer Sinnest�uschung verf�hrt.</p><p>Faile ging neben Traber, eine Hand an Perrins Bein, als wolle sie ihn oben festhalten. Von Zeit zu Zeit blickte sie zu ihm auf und l�chelte ermutigend, wenn auch die Sorgenfalten auf ihrer Stirn nicht verschwanden. Er l�chelte so gut es ging zur�ck, um ihr vorzumachen, es gehe ihm gut. Siebenundzwanzig. Er konnte nicht verhindern, da� die Namen ihm st�ndig durch den Kopf gingen. Colly Garren und Jared Aydaer, Dael al'Taron und Ren Chandin. Siebenundzwanzig M�nner von den Zwei Fl�ssen, die er mit seiner Dummheit in den Tod geschickt hatte. Siebenundzwanzig.</p><p>Sie w�hlten den k�rzesten Weg aus dem Wasserwald hinaus, und irgendwann am Nachmittag waren sie drau�en. Es war schwer zu sagen, wie sp�t es war, da der Himmel immer noch grau und die Schatten kaum zu sehen war. Mit hohem Gras bewachsene Weidefl�chen mit gelegentlichen B�umen erstreckten sich vor ihnen. Ein paar vereinzelte Schafe weideten dort, und in der Ferne waren einige Bauernh�user zu sehen. Aus den Schornsteinen quoll kein Rauch. Falls sich jemand in diesen H�usern befunden h�tte, h�tten sie jetzt bestimmt etwas gekocht. Die n�chste Rauchwolke, die in den Himmel stieg, war mindestens f�nf Meilen entfernt.</p><p>�Wir sollten uns f�r diese Nacht einen Bauernhof suchen�, sagte Ihvon. �Wir brauchen ein Dach �ber dem Kopf, falls es wieder regnet. Und Feuer. Eine warme Mahlzeit.� Er blickte die M�nner von den Zwei Fl�ssen an. �Wasser und Verbandsmaterial.� Perrin nickte nur. Der Beh�ter wu�te besser als er, was man in ihrer Lage tun mu�te. Wahrscheinlich wu�te sogar der alte Bili Congar mit seinem Suffkopf besser als er, was zu tun sei. Er lie� Traber einfach nur hinter Ihvons Grauem herschreiten.</p><p>Bevor sie viel mehr als eine Meile zur�ckgelegt hatten, h�rte Perrin mit einemmal ferne Musik. Fiedeln und Fl�ten spielten da fr�hlich auf. Zuerst glaubte er, er tr�ume, aber dann h�rten es auch die anderen und tauschten ungl�ubige Blicke. Dann wandelten sich die Blicke zu erleichtertem Grinsen. Musik bedeutete Menschen, und dem Klang nach in diesem Fall fr�hliche Menschen, die etwas feierten. Da� irgend jemand einen Grund zum Feiern hatte, lie� ihre F��e etwas leichter marschieren.</p></section><section><title><p>41</p><p>Bei den Tuatha'an</p></title><p>Eine Ansammlung von Wohnwagen kam in Sicht, ein wenig abseits nach S�den hin. Es waren richtige kleine H�user auf R�dern, hohe Holzk�sten, die in den intensivsten Farbt�nen bemalt und lackiert waren, rot und gr�n und blau und gelb. Alle standen in einem gro�en, etwas unregelm��igen Kreis um eine alte, m�chtige Eiche. Von dort kam die Musik. Perrin hatte geh�rt, da� sich Kesselflicker, Angeh�rige des Fahrenden Volks, im Gebiet der Zwei Fl�sse aufhielten, aber bisher hatte er sie noch nicht zu Gesicht bekommen. In der N�he grasten friedlich angepflockte Pferde.</p><p>�Ich werde woanders schlafen�, sagte Gaul eingeschnappt, als ihm klar wurde, da� Perrin in das Wohnwagenlager wollte, und ohne ein weiteres Wort trottete er davon.</p><p>Bain und Chiad unterhielten sich leise und eindringlich mit Faile. Perrin schnappte genug von ihrer Unterhaltung auf, um zu wissen, da� sie versuchten, Faile davon zu �berzeugen, es sei besser, die Nacht mit ihnen in irgendeiner bequemen Hecke zu verbringen als bei den �Verirrten�. Es klang so, als seien sie entsetzt von der blo�en Vorstellung, mit den Kesselflickern zu sprechen, geschweige denn bei ihnen zu essen und zu schlafen. Failes Griff an seinem Bein wurde fester, als sie ruhig und entschlossen ablehnte. Die beiden T�chter des Speers blickten sich stirnrunzelnd an. Der Blick aus blauen Augen traf den aus grauen, und beide wirkten �u�erst besorgt, doch bevor sie sich den Wohnwagen des Fahrenden Volks weiter n�herten, wandten sie sich um und folgten Gaul. Sie schienen aber doch wieder etwas besserer Laune zu sein. Perrin h�rte, wie Chiad vorschlug, Gaul dazu zu bringen, da� er irgendein Spiel mitspielen solle, das man wohl den �Ku� der Jungfrau� nannte. Sie kicherten beide, als sie sich aus seiner H�rweite entfernten.</p><p>M�nner und Frauen arbeiteten im Lager, n�hten, reparierten Geschirre, kochten, wuschen Kleidung und Kinder oder stemmten einen Wagen hoch, um ein Rad auszutauschen. Andere Kinder rannten spielend herum oder tanzten zu den Melodien, die ein halbes Dutzend M�nner auf ihren Fiedeln und Fl�ten spielten. Vom �ltesten bis zum j�ngsten trugen die Kesselflicker Kleidung, die noch bunter war als ihre Wohnwagen, und das in beinahe schmerzhaften Kombinationen, die wohl blindlings ausgew�hlt worden waren. Kein normaler Mann w�rde etwas in diesen Farbt�nen tragen und bestimmt auch nicht viele Frauen.</p><p>Als die zerlumpte Gesellschaft sich den Wagen n�herte, breitete sich Schweigen aus. Die Menschen h�rten mit Arbeiten auf und beobachteten sie mit besorgten Mienen. Frauen griffen sich ihre Kleinkinder, und �ltere Kinder rannten zu den Erwachsenen, um sich hinter ihnen zu verbergen. Manch eines sp�hte um ein Hosenbein herum oder verbarg das Gesicht im Rock der Mutter. Ein drahtiger Mann, klein und grauhaarig, trat vor und verbeugte sich mit ernster Miene, beide H�nde an die Brust gedr�ckt. Er trug ein leuchtend blaues Wams mit hohem Kragen und eine Pumphose von einem Gr�n, das beinahe zu leuchten schien. Die Hose hatte er in kniehohe Stiefel gesteckt. �Seid willkommen an unseren Feuern. Kennt Ihr das Lied?� Perrin, der sich bem�hte, sich des Pfeils in seiner Seite wegen nicht zusammenzukr�mmen, konnte einen Augenblick lang nur entgeistert den Mann anblicken. Er kannte ihn, den Mahdi oder Sucher dieser Gruppe. <emphasis>Was f�r ein Zufall,</emphasis> staunte er insgeheim. <emphasis>Von all den Kesselflickern auf der Welt mu� ich ausgerechnet die treffen, die ich kenne!</emphasis> Zuf�lle gefielen ihm nicht. Wenn das Muster Zuf�lle hervorbrachte, schien das Rad jedesmal die Ereignisse vorantreiben zu wollen. <emphasis>Ich h�re mich schon wie eine verdammte Aes Sedai an.</emphasis> Er brachte keine Verbeugung fertig, aber er erinnerte sich an das Ritual. �Euer Willkommen erw�rmt meinen Geist, Raen, wie Eure Feuer mein Fleisch erw�rmen, aber ich kenne das Lied nicht.� Faile und Ihvon warfen ihm �berraschte Blicke zu, aber die M�nner von den Zwei Fl�ssen waren noch verbl�ffter. Den Bemerkungen Bans und Tells und der anderen nach zu schlie�en, hatte er ihnen gerade wieder einigen Gespr�chsstoff geliefert.</p><p>�Dann suchen wir weiter�, intonierte der drahtige Mann. �Wie es war, so soll es sein, wenn wir uns nur erinnern, suchen und finden.� Er verzog das Gesicht, als er die blutverschmierten Gesichter vor ihm musterte. Seine Augen wichen ihren Waffen aus. Das Fahrende Volk ber�hrte nichts, was sie als Waffe betrachteten. �Seid willkommen an unseren Feuern. Es wird hei�es Wasser da sein und Binden und Salben. Ihr kennt meinen Namen�, f�gte er hinzu und blickte Perrin forschend an. �Nat�rlich.</p><p>Eure Augen.� Raens Frau war inzwischen neben ihn getreten. Sie war mollig, grauhaarig, doch ihr Gesicht war faltenlos, und sie �berragte ihren Mann um Hauptesgr��e. Ihre rote Bluse in Kombination mit einem leuchtend gelben Rock und einem gr�ngefransten Schal tat dem Auge weh, aber sie verhielt sich ausgesprochen lieb und m�tterlich. �Perrin Aybara!� rief sie. �Ich dachte mir doch, da� ich dieses Gesicht kenne. Ist Elyas auch bei Euch?� Perrin sch�ttelte den Kopf. �Ich habe ihn schon lange nicht mehr getroffen, Ila.� �Er f�hrt ein Leben voller Gewalt�, sagte Raen traurig. �Genau wie Ihr. Ein Leben der Gewalt ist befleckt, selbst wenn es lang andauert.� �Versuche nicht, ihn vom Weg des Blatts zu �berzeugen, w�hrend wir hier herumstehen, Raen�, sagte Ila knapp, aber nicht unfreundlich. �Er ist verletzt. Sie sind alle verwundet.� �Wo habe ich nur meine Gedanken?� knurrte Raen. Dann erhob er seine Stimme und rief: �Kommt, Leute. Kommt und helft! Sie sind verletzt. Kommt und helft!� Schnell versammelten sich die M�nner und Frauen und �u�erten ihr Mitgef�hl, als sie den Verwundeten von den Pferden halfen. Sie f�hrten sie zu ihren Wohnwagen, und wenn n�tig, trugen sie die M�nner sogar. Wil und ein paar andere blickten besorgt drein, weil man sie voneinander trennte, aber Perrin war es recht. Gewaltanwendung war den Tuatha'an nun wirklich fremd. Sie w�rden gegen niemanden ihre Hand erheben, nicht einmal, um ihr eigenes Leben zu verteidigen.</p><p>Perrin mu�te wohl oder �bel Ihvons Hilfe annehmen, um vom Pferd zu kommen. Der Schmerz stach ihm wie ein Dolch in die Seite und breitete sich wellenf�rmig durch seinen K�rper aus. �Raen�, sagte er ein wenig atemlos, �Ihr solltet Euch nicht hier drau�en aufhalten. Wir haben keine f�nf Meilen von hier gegen Trollocs gek�mpft. Bringt Eure Leute nach Emondsfeld. Dort sind sie sicher.� Raen z�gerte, wovon er selbst �berrascht schien, und sch�ttelte dann den Kopf. �Selbst wenn ich es w�nschte, Perrin, w�rden meine Leute das nicht wollen. Wir bem�hen uns, nicht einmal in der N�he auch nur des kleinsten Dorfes zu lagern, und das nicht nur, weil uns die Dorfbewohner vielleicht wieder in falschem Verdacht haben w�rden, die Dinge gestohlen zu haben, die sie einst verloren, oder ihre Kinder vom Weg des Blatts �berzeugen zu wollen. Wo Menschen zehn H�user nebeneinander gebaut haben, da findet man bereits den Samen der Gewalt. Das wissen die Tuatha'an seit der Zerst�rung der Welt. Die Sicherheit liegt nur in unseren Wohnwagen und darin, immer in Bewegung zu bleiben und immer nach dem Lied zu suchen.� Sein Gesicht wurde wehm�tig. �Von �berall her bekommen wir Nachrichten �ber immer neue Gewalttaten, Perrin. Nicht nur hier an den Zwei Fl�ssen. Es liegt eine Stimmung der Ver�nderung �ber der Welt, der Zerst�rung. Wir m�ssen bald das Lied finden. Sonst glaube ich nicht, da� wir es noch jemals finden werden.� �Ihr werdet das Lied finden�, sagte Perrin leise. Vielleicht verabscheuten sie Gewalt einfach zu sehr, als da� ein <emphasis>Ta'veren</emphasis> dagegen ank�me. Vielleicht konnte nicht einmal ein <emphasis>Ta'veren</emphasis> sie vom Weg des Blatts abbringen. Er war auch ihm einst verlockend vorgekommen. �Ich hoffe sehr, da� Ihr es findet.� �Was geschehen soll, wird geschehen�, meinte Raen lakonisch. �Alles, was existiert, stirbt auch wieder. Vielleicht sogar das Lied.� Ila nahm ihren Mann beruhigend in den Arm, obgleich ihre Augen genauso besorgt dreinblickten wie seine.</p><p>�Kommt�, sagte sie dann im Bem�hen, ihre Beunruhigung zu �berspielen, �wir m�ssen Euch hineinbringen. M�nner reden gern, wenn ihr Wams auch schon brennt.� Zu Faile gewandt sagte sie: �Ihr seid sch�n, Kind. Ihr solltet Euch vor Perrin in acht nehmen. Ich sehe ihn immer nur in Begleitung sch�ner M�dchen.� Faile warf Perrin einen absch�tzenden Blick zu und versuchte schnell, ihr Gesicht abzuwenden.</p><p>Er schaffte es gerade bis zu Raens Wagen � gelb mit rotem Rand, rote und gelbe Speichen in hohen, rotger�nderten R�dern, rote und gelbe Truhen au�en festgeschnallt �, der neben einem der Feuer mitten im Lager stand, aber als er den Fu� auf die erste Holzstufe an der R�ckseite setzte, versagten ihm die Beine den Dienst. Ihvon und Raen trugen ihn fast nach drinnen, hastig von Faile und Ila gefolgt, und legten ihn auf das an die Vorderwand des Wagens angebaute Bett. Daneben war gerade noch Platz, um sich durch die Schiebet�r zum Kutschbock zu zw�ngen. Es war wirklich wie ein kleines Haus, bis hin zu den rosa Gardinen an den beiden kleinen Fenstern auf beiden Seiten. Er lag einfach da und blickte die Decke an. Auch hier verwendeten die Kesselflicker ihre typischen Farben. Die Decke war himmelblau gestrichen, die Hochschr�nkchen gr�n und gelb. Faile l�ste seinen G�rtel und nahm ihm Axt und K�cher ab, w�hrend Ila in einem der Schr�nke herumkramte. Perrin war nicht in der Lage, irgendwelches Interesse an ihren Aktivit�ten zu entwickeln.</p><p>�Jeder wird einmal �berrascht�, sagte Ihvon. �Lernt daraus, aber nehmt es Euch nicht zu sehr zu Herzen. Nicht einmal Artur Falkenfl�gel hat jede Schlacht gewonnen.� �Artur Falkenfl�gel.� Perrin versuchte zu lachen, aber es wurde ein St�hnen daraus. �Ja�, brachte er heraus. �Und ich bin bestimmt nicht Artur Falkenfl�gel, oder?� Ila sah den Beh�ter finster an, oder genauer gesagt, sein Schwert, das sie noch schlimmer zu finden schien als Perrins Axt. Dann kam sie mit einem B�ndel zusammengerollter Binden zum Bett her�ber. Sobald sie Perrins Hemd von dem Pfeilstummel weggezogen hatte, verzog sie schmerzhaft ber�hrt das Gesicht. �Ich glaube nicht, da� ich dazu in der Lage bin, das zu entfernen. Er sitzt sehr tief.� �Mit Widerhaken versehen�, sagte Ihvon im Plauderton. �Trollocs ben�tzen nicht oft B�gen, aber wenn, dann nehmen sie Pfeile mit Widerhaken.� �Raus�, fuhr ihn die mollige Frau entschlossen an. �Und du genauso, Raen. Kranke zu pflegen ist nichts f�r M�nner. Warum gehst du nicht zu Moshea und schaust, ob er das neue Rad schon an seinem Wagen hat?� �Gute Idee�, sagte Raen. �Vielleicht werden wir ja auch morgen weiterziehen. Das letzte Jahr �ber hatten wir einige sehr schwere Strecken zur�ckzulegen�, vertraute er Perrin an. �Der ganze Weg nach Cairhien und dann zur�ck nach Ghealdan und anschlie�end nach Andor hinauf. Ich denke, morgen geht's weiter.� Als sich die T�r hinter ihm und Ihvon geschlossen hatte, wandte sich Ila besorgt an Faile: �Wenn er Widerhaken hat, glaube ich nicht, da� ich ihn �berhaupt herausholen kann. Ich versuche es schon, wenn es sein mu�, aber falls sich jemand in der N�he befindet, der mehr von solchen Dingen versteht... � �Es gibt jemanden in Emondsfeld�, versicherte ihr Faile. �Aber kann man das wirklich bis morgen in ihm drin lassen?� �Das ist vielleicht besser, als ihn durch mich herausschneiden zu lassen. Ich kann ihm etwas zusammenbrauen, damit er keine Schmerzen hat, und dazu eine Salbe gegen Infektionen auftragen.� Perrin funkelte die beiden Frauen an und fauchte: �Hallo? Erinnert Ihr euch noch an mich? Ich bin hier. H�rt auf, �ber meinen Kopf weg zu bestimmen.� Sie blickten ihn einen Augenblick lang an.</p><p>�Er soll still liegen�, sagte Ila zu Faile. �Er darf schon sprechen, aber gestattet ihm nicht, sich zu bewegen. Sonst verletzt er sich vielleicht noch mehr.� �Ich sorge daf�r�, antwortete Faile.</p><p>Perrin knirschte mit den Z�hnen und gab sich M�he, dabei zu helfen, ihm Wams und Hemd auszuziehen, aber die Hauptarbeit mu�te er den beiden �berlassen. Er f�hlte sich so schwach wie d�nnes Eisenblech, das jedem Druck nachgeben mu�te. Eine Handbreit des daumendicken Pfeils steckte beinahe genau �ber seiner untersten Rippe in einer angeschwollenen und dick mit geronnenem Blut verklebten Wunde. Sie dr�ckten ihm den Kopf auf ein Kissen herunter, da sie aus irgendeinem Grund nicht wollten, da� er die Wunde anblickte. Dann wusch Faile sie aus, w�hrend Ila ihre Salbe mit einem St��el in einem Steintiegel zubereitete. Beides war aus einfachem, glattem, grauem Stein gefertigt, und es waren die ersten Gegenst�nde, die er im Lager der Kesselflicker erblickte, die nicht bunt angemalt waren. Sie strichen die Salbe um die Pfeilspitze herum und wickelten Bandagen um seinen Brustkorb, damit die Salbe nicht unabsichtlich weggewischt werden konnte.</p><p>�Raen und ich schlafen heute nacht unter dem Wagen�, sagte die Tuatha'an-Frau schlie�lich und wischte sich die H�nde ab. Sie sah die aus den Bandagen herausragende Pfeilspitze finster an und sch�ttelte den Kopf. �Einst habe ich geglaubt, da� er schlie�lich zum Weg des Blatts finden werde. Er war, glaube ich, ein zartbesaiteter Junge.� �Der Weg des Blatts kann nicht f�r jeden gelten�, sagte Faile sanft, doch Ila sch�ttelte erneut den Kopf.</p><p>�Er gilt f�r alle�, antwortete sie genauso sanftm�tig und ein klein wenig traurig, �wenn sie es nur w��ten.� Sie ging, und Faile setzte sich auf die Bettkante. Sie tupfte sein Gesicht mit einem zusammengefalteten Tuch ab. Aus irgendeinem Grund schien er stark zu schwitzen.</p><p>�Ich habe einen Fehler gemacht�, sagte er nach einer Weile. �Nein, das dr�ckt es nicht richtig aus. Ich wei� nicht, wie ich es sagen soll.� �Du hast keinen Fehler begangen�, stellte sie entschlossen fest. �Du hast getan, was zu der Zeit richtig aussah. Es <emphasis>war</emphasis> richtig. Ich kann mir nicht vorstellen, wie sie pl�tzlich hinter uns kamen. Gaul kann doch gew�hnlich gut einsch�tzen, wo sich der Gegner befindet. Ihvon hatte recht, Perrin. Jeder findet einmal ver�nderte Umst�nde vor, von denen er nichts geahnt hat. Du hast aber alle zusammengehalten. Du hast uns herausgebracht.� Er sch�ttelte heftig den Kopf, was die Schmerzen in seiner Seite noch verst�rkte. �Ihvon hat uns herausgebracht. Was ich fertigbrachte, war, siebenundzwanzig M�nner umbringen zu lassen�, sagte er in bitterem Tonfall und versuchte, sich aufzusetzen, damit er sie ansehen konnte. �Einige davon waren meine Freunde, Faile. Und ich bin daf�r verantwortlich, da� sie get�tet wurden.� Faile ben�tzte ihr Gewicht, um ihn wieder hinabzudr�cken. Es zeigte ihr deutlich, wie schwach er war, als sie ihn so leicht unten halten konnte. �Morgen ist noch Zeit genug, �ber so etwas zu sprechen�, sagte sie mit fester Stimme, wobei sie sein Gesicht genau musterte, �wenn wir dich wieder aufs Pferd hieven m�ssen. Ihvon hat uns <emphasis>nicht</emphasis> herausgebracht. Ich glaube, es war ihm so ziemlich gleichg�ltig, wer davonkommen w�rde, solange er und du es �berlebten. Diese M�nner h�tten sich in alle Himmelsrichtungen zerstreut, wenn du nicht gewesen w�rst, und dann h�tten sie uns alle einzeln gejagt. Sie h�tten sich nicht von Ihvon, von einem Fremden, zusammenholen lassen. Was deine Freunde betrifft... � Sie setzte sich seufzend wieder hin. �Perrin, meint Vater sagt immer, ein General kann sich um die Lebenden k�mmern oder die Toten beweinen, aber nicht beides gleichzeitig.� �Ich bin kein General, Faile. Ich bin ein Narr von einem Schmied, der glaubte, er k�nne andere Menschen dazu ben�tzen, ihm beim Durchsetzen der Gerechtigkeit behilflich zu sein oder vielleicht Rache zu �ben. Ich will das immer noch, aber ich will daf�r niemanden mehr ben�tzen.� �Glaubst du etwa, die Trollocs ziehen ab, weil du findest, deine Motive seien nicht lauter genug?� Ihre Stimme klang so hitzig, da� er den Kopf hob, aber sie schubste ihn beinahe grob auf das Kissen zur�ck. �Werden sie davon weniger schlimm? Kennst du einen besseren Grund, sie zu jagen, als eben genau das, was sie darstellen? Noch eine Weisheit meines Vaters: Die schlimmste S�nde, die ein General begehen kann, schlimmer, als einen Fehler zu begehen, schlimmer, als zu verlieren, schlimmer als alles, ist, M�nner im Stich zu lassen, die auf ihn angewiesen sind.� Es klopfte an der T�r, und ein schlanker, gutaussehender junger Kesselflicker in einem rot-gr�n-gestreiften Wams steckte den Kopf herein. Er l�chelte Faile mit blitzend wei�en Z�hnen und vor Charme triefend an, und dann blickte er zu Perrin hin�ber. �Gro�vater hat gesagt, da� Ihr es seid. Ich glaubte, es sei diese Gegend hier, von der Egwene sagte, da� sie herstamme.� Pl�tzlich runzelte er mi�billigend die Stirn. �Eure Augen. Wie ich sehe, seid Ihr letzten Endes Elyas gefolgt und zu den W�lfen �bergegangen. Ich war ja auch sicher, da� Ihr nie zum Weg des Blatts findet.� Perrin kannte ihn: Aram, Raens und Ilas Enkel. Er mochte ihn nicht. Sein L�cheln wirkte wie das Wils. �Geht weg, Aram. Ich bin m�de.� �Ist Egwene bei Euch?� �Egwene ist jetzt eine Aes Sedai, Aram�, grollte er, �und sie w�rde Euch mit Hilfe der Einen Macht das Herz aus dem Leib rei�en, wenn Ihr sie zum Tanzen aufforderte. Geht weg!� Aram ri� die Augen auf und schlug schnell die T�r zu. Er blieb nat�rlich drau�en.</p><p>Perrin lie� den Kopf zur�cksinken. �Er l�chelt zuviel�, knurrte er. �Ich kann M�nner nicht leiden, die zuviel l�cheln.� Faile gab einen erstickten Laut von sich und er sah sie mi�trauisch an. Sie bi� sich auf die Unterlippe.</p><p>�Ich habe einen Frosch im Hals�, sagte sie mit erstickter Stimme und stand schnell auf. Sie eilte zu der breiten Ablage hinter dem Fu� des Bettes hin�ber, auf der Ila ihre Salbe zubereitet hatte. Sie stand dort mit dem R�cken zu ihm und go� Wasser aus einer gr�nroten Kanne in einen gelbblauen Krug. �M�chtest du auch etwas zu trinken? Ila hat dieses Pulver hinterlassen, um die Schmerzen zu lindern. Damit kannst du auch besser schlafen.� �Ich will kein P�lverchen schlucken�, sagte er. �Faile, wer ist dein Vater?� Ihr R�cken versteifte sich. Einen Augenblick sp�ter drehte sie sich mit dem Krug in beiden H�nden um. Der Blick aus ihren schr�gstehenden Augen war f�r ihn nicht zu deuten.</p><p>Eine Minute verging, bevor sie sagte: �Mein Vater ist Davram aus dem Haus Bashere, Lord von Bashere, Tyr und Sidona, H�ter der Grenze zur F�ule, Verteidiger des Herzlandes, Generalfeldmarschall von K�nigin Tenobia von Saldaea. Und ihr Onkel.� �Licht! Und was hatte das alles zu bedeuten, da� er Holzh�ndler sei oder Pelzh�ndler? Ich kann mich auch dunkel daran erinnern, da� er mal mit Eispfeffer gehandelt hat.� �Das war nicht gelogen�, sagte sie scharf, und dann mit schw�cherer Stimme: �Nur nicht... die ganze Wahrheit. Auf den G�tern meines Vaters w�chst gutes Bauholz und feines M�belholz und Eispfeffer, und es werden Pelztiere gez�chtet und noch mehr. Und seine Verwalter verkaufen sie f�r ihn, also handelt er auf gewisse Weise mit ihnen.� �Warum konntest du mir das nicht einfach sagen? Dinge vor mir verbergen. Lugen. Du bist eine Lady!� Er sah sie anklagend an. So etwas hatte er nicht erwartet. Ein kleiner H�ndler als Vater, vielleicht ein ehemaliger Soldat, aber nicht so etwas. �Licht, wieso rennst du dann als J�gerin des Horns herum? Erz�hle mir nicht, der Lord von Bashere und was sonst noch habe dich losgeschickt, um Abenteuer zu suchen.� Sie hielt den Krug nach wie vor in der Hand und setzte sich wieder neben ihn. Aus irgendeinem Grund sah sie immerzu sein Gesicht an. �Meine beiden �lteren Br�der sind gestorben, Perrin. Der �lteste ist im Kampf gegen Trollocs gefallen, und der andere st�rzte bei der Jagd vom Pferd. Damit war ich die �lteste, und das bedeutete, da� ich Buchf�hrung und Verkaufen lernen mu�te. W�hrend meine j�ngeren Br�der zu Soldaten ausgebildet wurden, w�hrend sie sich auf Abenteuer vorbereiteten, mu�te ich lernen, die G�ter zu verwalten! Das ist nun mal die Pflicht des oder der �ltesten. Pflicht! Es gibt keine Abwechslung, ist langweilig und trocken. Zwischen Beamten in Papieren vergraben sein!</p><p>Als Vater Maedin mit zur Grenze der F�ule nahm � er ist zwei Jahre j�nger als ich �, war das nun mehr, als ich aushalten konnte. Man bildet in Saldaea M�dchen nicht f�r den Krieg aus, aber Vater hatte mir als Lakaien einen alten Soldaten zur Seite gestellt. Eran war immer nur zu gl�cklich, wenn er mir beibringen durfte, wie man mit Messern und mit den H�nden k�mpft. Ich denke, das hat ihm wirklich Spa� gemacht. Als jedenfalls Vater Maedin mitnahm, hatte sich gerade die Nachricht verbreitet, da� man zur Gro�en Jagd nach dem Horn aufgerufen habe, also... zog ich einfach los. Ich schrieb Mutter einen Brief, um es zu erkl�ren, und... ritt fort. Und ich war rechtzeitig in Illian, um den Eid des J�gers abzulegen... � Sie nahm das Tuch wieder in die Hand und tupfte ihm den Schwei� von der Stirn. �Du solltest jetzt wirklich schlafen, wenn du kannst.� �Ich sch�tze, du bist also Lady Bashere oder so was?� sagte er. �Wie bist du denn dazu gekommen, einen einfachen Schmied zu m�gen?� �Der richtige Ausdruck lautet �lieben�, Perrin Aybara.� Die Strenge in ihrem Tonfall widersprach der Sanftheit, mit der sie ihm das Gesicht abtupfte. �Und du bist auch nicht gerade ein gew�hnlicher Schmied, denke ich.� Das Tuch hielt in der Bewegung inne. �Perrin, was hat dieser Bursche gemeint, als er von dir und den W�lfen sprach? Und Raen hat auch von diesem Elyas gesprochen.� Einen Moment lang stockte ihm der Atem, und er erstarrte. Aber gerade eben hatte er noch geschimpft, weil sie Geheimnisse vor ihm gehabt hatte. Das hatte er nun von seinem Ungest�m und �rger. Wenn man einen Hammer zu zornig schwingt, trifft man gew�hnlich den eigenen Daumen. Er atmete langsam aus, und dann erz�hlte er ihr die Geschichte, wie er Elyas Machera kennengelernt und erfahren hatte, da� er sich mit den W�lfen verst�ndigen konnte. Wie seine Augen die Farbe gewechselt hatten und sch�rfer geworden waren, und genauso sein Geh�r und sein Geruchssinn � so gut wie der eines Wolfs. Von den Wolfstr�umen. Von dem, was mit ihm geschehen werde, sollte er jemals seine Menschlichkeit verlieren. �Es ist so leicht. Manchmal, besonders im Traum, vergesse ich, da� ich ein Mensch bin und kein Wolf. Wenn ich mich bei einer dieser Gelegenheiten nicht mehr rechtzeitig daran erinnere, werde ich meine Menschlichkeit bei der R�ckkehr verlieren und ein Wolf sein. Jedenfalls im Kopf. Eine Art von Halbwolf. Von mir selbst ist dann nichts mehr �brig.� Er hielt inne und wartete darauf, da� sie zusammenzucke und von ihm abr�cke.</p><p>�Wenn dein Geh�r wirklich so scharf ist�, sagte sie gelassen, �werde ich k�nftig aufpassen m�ssen, was ich in deiner N�he sage.� Er ergriff ihre Hand, damit sie mit der Tupferei aufh�rte. �Hast du eigentlich etwas von dem geh�rt, was ich dir sagte? Was werden dein Vater und deine Mutter denken, Faile? Ein Halbwolfschmied. Und du bist eine Lady! Licht!� �Ich habe jedes Wort verstanden. Vater wird hinter mir stehen. Er hat schon immer gesagt, da� das Blut unserer Familie zu d�nn wird, nicht so wie fr�her. Ich wei�, da� er glaubt, ich sei schrecklich weich.� Sie l�chelte ihn mit so wildem Gesichtsausdruck an, da� es jedem Wolf zur Ehre gereicht h�tte. �Nat�rlich wollte Mutter immer, da� ich mal einen K�nig heirate, der mit einem Schwertstreich einen Trolloc in zwei St�cke haut. Ich denke jedoch, die Axt tut's auch, aber k�nntest du ihr bitte erz�hlen, du seist der K�nig der W�lfe? Ich glaube nicht, da� jemand vortritt und dir diesen Rang streitig macht. Ach, dieses Trolloc-Spalten wird Mutter wohl auch reichen, doch h�tte sie das andere schon gern geh�rt.� �Licht!� sagte er heiser. Das hatte beinahe ernst geklungen. Nein, sie schien es wirklich ernst zu meinen. Aber wenn sie es auch nur halbwegs ernst meinte, h�tte er lieber Trollocs getroffen, als ihre Eltern kennenzulernen.</p><p>�Hier�, sagte sie und hielt ihm den Krug mit Wasser an die Lippen. �Du h�rst dich nach einer trockenen Kehle an.� Er schluckte und spuckte beinahe wieder aus, als er den bitteren Geschmack wahrnahm. Sie hatte Ilas Pulver hineinger�hrt! Er wollte mit Trinken aufh�ren, aber sie go� weiter nach, und er mu�te wohl oder �bel schlucken, um nicht zu ersticken. Als er schlie�lich den Krug wegschieben konnte, hatte sie die H�lfte des Inhalts in ihn hineingesch�ttet. Warum mu�te Medizin immer so furchtbar schmecken? Er vermutete, da� die Frauen es so wollten. Er h�tte wetten k�nnen, da� die Sachen, die sie selbst einnahmen, keineswegs so schlecht schmeckten. �Ich habe dir doch gesagt, ich wollte das Zeug nicht! Gaaah!� �Tats�chlich? Das mu� ich �berh�rt haben. Aber ganz gleich, du brauchst jedenfalls Schlaf.� Sie streichelte ihm �ber den Lockenkopf. �Schlaf, mein kleiner Perrin.� Er wollte erwidern, da� er es tats�chlich gesagt und sie es auch geh�rt habe, aber irgendwie verwickelten sich die Worte um seine Zunge. Seine Augenlider fielen immer wieder zu. Er konnte sie einfach nicht mehr oben halten, so schwer waren sie. Das letzte, was er noch h�rte, waren ihre sanften Worte: �Schlaf, mein Wolfsk�nig. Schlafe ein.�</p></section><section><title><p>42</p><p>Ein fehlendes Blatt</p></title><p>Perrin stand allein in der N�he der Wohnwagen der Tuatha'an im strahlenden Sonnenschein, und in seiner Seite steckte keine Pfeilspitze und er hatte keine Schmerzen. Zwischen den Wagen hatte man Holzscheite aufgestapelt, um unter den eisernen Kocht�pfen, die an ihren dreibeinigen Gestellen hingen, Feuer zu entz�nden, und an den W�scheleinen hing Kleidung, doch es waren keine Menschen oder Pferde zu sehen. Er selbst trug weder Wams noch Hemd, sondern die lange Lederweste eines Schmieds, die seine Arme blo� lie�. Es h�tte wohl jeder gew�hnliche Traum sein k�nnen, aber ihm war klar, da� es ein Traum war. Und er kannte das Gef�hl, sich in einem Wolfstraum zu befinden, das Gef�hl von Realit�t, und irgendwie konnte er ihn k�rperlich sp�ren, so, wie das hohe Gras um seine Stiefel herum von der leichten Brise gestreichelt wurde, die auch sein lockiges Haar durcheinanderbrachte, und so, wie die verstreuten Eschen und Lorbeerb�ume auf ihn wirkten. Doch die grellbunten Wohnwagen der Kesselflicker erschienen ihm dagegen nicht real. Sie hatten etwas Fl�chtiges an sich, ein Gef�hl, sie k�nnten jeden Moment verschwimmen und sich aufl�sen. Sie blieben niemals lange am selben Ort, die Kesselflicker. Kein Flecken Erdboden konnte sie festhalten.</p><p>Er fragte sich, inwieweit der Erdboden ihn festhalten k�nne, und griff nach seiner Axt. Doch dann blickte er �berrascht hinunter. In der Schlinge an seinem G�rtel hing der schwere Schmiedehammer anstatt der Axt. Er runzelte die Stirn. Einst h�tte er den Hammer vorgezogen und hatte sogar geglaubt, er habe sich daf�r entschieden, doch jetzt war davon nichts mehr �brig. Die Axt. Er hatte die Axt gew�hlt. Aus dem Hammerkopf wurde pl�tzlich die halbmondf�rmige Schneide mit dem dicken Dorn am oberen Teil, flackerte, wurde wieder zum wuchtigen, kalten Stahlzylinder und flackerte wieder in st�ndigem Wechsel. Schlie�lich aber blieb es seine Axt und er atmete tief durch. Das war noch nie zuvor geschehen. Hier konnte er alles mit Leichtigkeit �ndern, jedenfalls die Dinge, die er bei sich trug. �Und ich will die Axt�, sagte er entschlossen. �Die Axt.� Er sah sich um und konnte im S�den gerade noch ein Bauernhaus erkennen. Wild �ste auf dem Haferfeld, das von einer locker aufgeschichteten Steinmauer umgeben war. Er f�hlte keine W�lfe in der N�he, und so rief er Springer auch nicht. Der Wolf w�rde vielleicht kommen, vielleicht aber auch nicht. M�glicherweise h�rte er ihn gar nicht. Aber der Schl�chter k�nnte sich durchaus irgendwo hier aufhalten. Mit einemmal zog ein gef�llter K�cher an seinem G�rtel gegen�ber der Axt, und er hielt einen kr�ftigen Langbogen mit einem aufgelegten Hammerkopfpfeil in der Hand. Ein langer Lederschutz bedeckte seinen linken Unterarm. Nichts r�hrte sich au�er den �senden Tieren.</p><p>�Unwahrscheinlich, da� ich so schnell aufwache�, murmelte er in sich hinein. Was das auch sein mochte, was ihm Faile verpa�t hatte, es hatte ihn jedenfalls sofort einschlafen lassen. Daran erinnerte er sich ganz klar, als habe er �ber ihre Schulter hinweg zugesehen. �Hat mich damit gef�ttert wie ein Baby�, grollte er. <emphasis>Frauen!</emphasis></p><p>Er machte einen dieser langen Schritte, das Land um ihn herum verschwamm, und er trat auf den Hof vor einem Bauernhaus. Zwei oder drei H�hner rannten vor ihm davon; der von aufgeschichteten Steinen umgebene Schafpferch war leer, und die beiden strohgedeckten Scheunen waren verrammelt. Trotz der Vorh�nge an den Fenstern erweckte das Wohnhaus einen Eindruck von Leere. Wenn dies ein echtes Spiegelbild der wirklichen Welt war, und das war der Wolfstraum schon auf seine eigene Weise, dann waren die Leute hier bereits seit Tagen weg. Faile hatte recht: Seine Warnung hatte sich �berallhin verbreitet.</p><p>�Faile�, murmelte er staunend. Die Tochter eines Lords. Nein, nicht nur eines Lords. Dreimal Lord und dann noch General und Onkel der K�nigin. �Licht, damit ist sie ja die Cousine der K�nigin!� Und sie liebte einen einfachen Schmied. Frauen waren schon eigenartige Gesch�pfe.</p><p>Er versuchte herauszubekommen, wie weit sich die Kunde verbreitet hatte, und ging mit diesen TraumRiesenschritten, jeder mehr als eine Meile lang, im Zickzack halb hinauf nach Devenritt und wieder zur�ck. Die meisten H�fe, die er zu sehen bekam, erweckten den gleichen leeren Eindruck. Weniger als ein F�nftel machten einen bewohnten Eindruck, zeigten offene T�ren und hochgeschobene Fenster und W�sche auf der Leine und Puppen oder Reifen oder geschnitzte Schaukelpferde, die auf der Schwelle herumlagen. Besonders die Spielsachen verursachten ihm Magenkr�mpfe. Auch wenn sie seine Warnung nicht ernst genommen hatten, waren doch in der N�he schon gen�gend H�fe niedergebrannt worden und h�tten sie warnen m�ssen. Ihre Schutthaufen, verkohlten Balken und wie einsame, tote Finger aufragenden Schornsteine mahnten zur Vorsicht.</p><p>Er b�ckte sich, um eine Puppe mit l�chelndem Glasgesicht und einem mit Blumen bestickten Kleid, das einer liebevollen Mutter sicher viel M�he bereitet hatte, wieder aufzustellen, und dann ri� er erstaunt die Augen auf. Die gleiche Puppe lag nach wie vor auf den Steinstufen, obwohl er sie aufgehoben hatte. Als er danach fa�te, wurde die Puppe in seiner Hand durchscheinend und verschwand.</p><p>Aus dem Augenwinkel nahm er etwas Schwarzes am Himmel wahr und hatte keine Zeit mehr, sich �ber die Puppe zu wundern. Raben, zwanzig oder drei�ig in einem Schwarm, flogen auf den Westwald zu. Ihre Richtung wies auf die Verschleierten Berge hin, wo er den Schl�chter das erstemal gesehen hatte. Er beobachtete sie kalt, w�hrend sie zu kleinen schwarzen Flecken am Himmel wurden und verschwanden. Dann machte er sich auf den Weg, ihnen nach.</p><p>Lange S�tze f�hrten ihn jedesmal mindestens f�nf Meilen weit. Das Land verschwamm, au�er in den kurzen Augenblicken des Stillstands dazwischen. Er befand sich im dichtesten Westwald mit seinem felsigen Untergrund, dann in den von Gestr�pp �berwachsenen Sandh�geln und schlie�lich zwischen den wolkengekr�nten Bergen, wo die H�nge und T�ler mit Tannen und Kiefern und Lederblattb�umen bewaldet waren. Dann war er in dem Tal, in dem er zum erstenmal den Mann gesehen hatte, den Springer den Schl�chter nannte, und an dem Abhang, auf dem er von Tear aus herausgekommen war.</p><p>Da stand das verschlossene Wegetor, auf dem das <emphasis>Avendesora</emphasis>-Blatt nur eines von unz�hligen fein in Stein gehauenen Bl�ttern und Ranken war. Verstreute B�ume, verwittert und vom Wind gebeugt, wuchsen auf der d�nnen Schicht von Erdboden zwischen den glasierten Steinen, wo Manetheren zu Asche verbrannt war. Sonnenschein gl�nzte auf dem Wasser des Manetherendrelle unten im Tal. Eine leichte Brise brachte die Witterung nach Hirschen, Kaninchen und F�chsen bis zu ihm herauf. Nichts Sichtbares bewegte sich.</p><p>Er wollte schon weitergehen, da hielt er inne. Das <emphasis>Avendesora-Blatt. Ein Blatt nur.</emphasis> Loial hatte das Wegetor verschlossen, indem er beide Bl�tter auf dieser Seite angebracht hatte. Er drehte sich wieder um, und die Nackenhaare stellten sich ihm auf. Das Wegetor stand offen, beide Fl�gel wie dichtes lebendiges Gr�n, das sich im Wind sanft bewegte. Dazwischen zeigte sich diese mattsilberne Fl�che, auf der sein Spiegelbild zu sehen war. <emphasis>Wie denn das?</emphasis> fragte er sich. <emphasis>Loial hat doch das verdammte Ding verschlossen!</emphasis></p><p>Er war sich nicht bewu�t, die Entfernung zur�ckgelegt zu haben, aber mit einemmal stand er direkt vor dem Wegetor. In dem �ppigen Bewuchs auf der Innenseite der beiden Torfl�gel befand sich kein dreifingriges Blatt. Seltsam, da� er sich in diesem Augenblick vorstellte, wie in der Welt des Wachen irgend jemand oder irgend etwas gerade jetzt diesen Fleck passierte, auf dem er stand. Er ber�hrte die matte Fl�che und knurrte. Es h�tte auch ein Spiegel sein k�nnen. Seine Hand glitt dar�ber wie �ber das glatteste Glas.</p><p>Aus dem Augenwinkel entdeckte er das <emphasis>Avendesora-</emphasis>Blatt, das sich pl�tzlich wieder an seinem Platz auf der Innenseite des Torfl�gels befand. Er sprang schnell zur�ck, als sich das Tor zu schlie�en begann. Jemand � oder etwas � war gerade herausgekommen oder hineingegangen. <emphasis>Heraus. Es mu� herausgekommen sein.</emphasis> Er h�tte so gern bezweifelt, da� es weitere Trollocs oder Myrddraal gewesen waren, die die Zwei Fl�sse erreicht hatten. Die Torfl�gel verschmolzen miteinander und wurden wieder zu Steinfriesen.</p><p>Ein Gef�hl, beobachtet zu werden, war alles an Warnung, was er erhielt. Er sprang vor. Ein fast nicht mehr sichtbarer schwarzer Schemen huschte durch den Fleck, an dem sich seine Brust eben noch befunden hatte � ein Pfeil. Ein weiter Satz, der die Welt wieder verschwimmen lie�, und er befand sich an einem weit entfernten Abhang, und dann rannte er weiter, aus dem Tal von Manetheren in ein W�ldchen aus hoch aufragenden Tannen, und weiter. Beim Laufen dachte er angestrengt nach. Er stellte sich das Tal vor und rief den kurzen Augenblick, in dem er den Pfeil gesehen hatte, in sein Ged�chtnis zur�ck. Er war aus <emphasis>dieser</emphasis> Richtung gekommen, in <emphasis>diesem</emphasis> Winkel, als er ihn erreichte, also mu�te er von...</p><p>Ein letzter Satz brachte ihn zur�ck auf einen Hang �ber dem Grab Manetherens. Er kauerte zwischen d�rren, windgebeugten Kiefern und hielt den Bogen schu�bereit in den H�nden. Dort unter ihm, zwischen den verkr�ppelten B�umen und Felsbl�cken, war der Pfeil abgeschossen worden. Der Schl�chter mu�te sich irgendwo dort befinden. Er mu�te dort...</p><p>Ohne lange nachzudenken, sprang Perrin davon. Die Berge wurden zu grauen und braunen und gr�nen Schlieren.</p><p>�Beinahe�, grollte er. Beinahe h�tte er wieder den gleichen Fehler begangen wie im Wasserwald und geglaubt, der Gegner werde sich seinen W�nschen entsprechend bewegen, werde dort auf ihn warten, wo er ihn haben wollte.</p><p>Diesmal rannte er, so schnell er nur konnte. Drei blitzschnelle Schritte brachten ihm zum Rand der Sandh�gel, in der Hoffnung, nicht gesehen worden zu sein. Diesmal umging er den Ort des �berfalls in weitem Bogen und kehrte viel weiter oben an denselben Berghang zur�ck, oben, wo die Luft d�nner und kalt war und die wenigen �briggebliebenen B�ume wie geduckte B�sche mit dicken St�mmen kauerten, mindestens f�nfzig Schritt voneinander entfernt, oben, hoch �ber einem Punkt, an dem ein Mann sich versteckt haben w�rde, der einen anderen beobachten wollte, der sich wiederum an den Ort anschleichen wollte, von wo der Pfeil hergekommen war.</p><p>Und da erblickte er auch tats�chlich den Gesuchten hundert Schritt unter ihm. Dunkelhaarig und im dunklen Wams kauerte ein hochgewachsener Mann neben einem tischgro�en Granitvorsprung, den halb gespannten Bogen in der Hand, und betrachtete mit erwartungsvollgeduldiger Haltung den Hang unterhalb seines Postens. Dies war das erste Mal, da� Perrin ihn richtig sehen konnte; hundert Schritt waren f�r seine Augen keine Entfernung. Das Wams des Schl�chters mit dem hohen Kragen wies einen Schnitt auf, wie man ihn in den Grenzlanden bevorzugte, und sein Gesicht war dem Lans so �hnlich, da� er ein Bruder des Beh�ters h�tte sein k�nnen. Nur, da� Lan keine Br�der hatte � �berhaupt keine lebenden Verwandten, soviel wu�te Perrin �, und h�tte er welche gehabt, sie w�rden sich nicht hier befinden. Aber er kam wohl aus den Grenzlanden. Vielleicht war er Schienarer, doch sein Haar war lang und nicht bis auf eine Skalplocke abrasiert und wurde wie das Lans von einem geflochtenen Stirnband zur�ckgehalten. Er konnte aber nicht aus Malkier stammen; Lan war der letzte �berlebende dieses Landes.</p><p>Wo er auch herkommen mochte, jedenfalls hatte Perrin kein schlechtes Gewissen, als er seinen Bogen spannte und den Hammerkopfpfeil auf den R�cken des Schl�chters richtete. Der Mann hatte auch versucht, ihn aus dem Hinterhalt zu t�ten. Doch ein Schu� bergabw�rts konnte schwierig sein.</p><p>Vielleicht hatte er sich zuviel Zeit gelassen oder der Bursche f�hlte seinen kalten Blick, denn pl�tzlich verschwamm die Gestalt des Schl�chters und scho� in Richtung Osten davon.</p><p>Fluchend nahm Perrin die Verfolgung auf. Drei Schritte bis zu den Sandh�geln und ein weiterer in den Westwald. Unter den Eichen und Lederblattb�umen und bei dem dichten Unterholz schien der Schl�chter zu verschwinden.</p><p>Perrin blieb stehen und lauschte. Stille. Die Eichh�rnchen und V�gel schwiegen. Er atmete tief ein. Ein kleines Rudel Hirsche war vor nicht allzulanger Zeit hier durchgekommen. Und da war ein schwacher Hauch von etwas, das zu kalt war, um von einem Menschen zu stammen, zu gef�hllos, eine Witterung, die ihm bekannt vorkam. Der Schl�chter befand sich in der N�he. Die Luft war so ruhig wie der ganze Wald. Keine auch noch so leichte Brise zeigte ihm, aus welcher Richtung die Witterung stammte.</p><p>�Ein sauberer Trick, Goldauge, das Wegetor zu verschlie�en.� Perrin spannte sich an, lauschte angestrengt. Er hatte keine Ahnung, woher die Stimme gekommen war. Nicht einmal ein Blatt raschelte.</p><p>�Wenn Ihr w��tet, wie viele Schattenwesen gestorben sind, als sie versuchten, dort aus den Wegen herauszukommen, w�rde Euer Herz einen Sprung machen. <emphasis>Machin Shin</emphasis> hielt ein Festmahl an dem Tor ab, Goldauge. Aber der Trick war nicht gut genug. Ihr habt ja gesehen, da� das Tor jetzt wieder offensteht.� Dort dr�ben auf der rechten Seite. Perrin schl�pfte so leise zwischen den B�umen hindurch wie damals, als er hier gejagt hatte.</p><p>�Zuerst waren es nur ein paar hundert, Goldauge. Gerade genug, um diese n�rrischen Wei�m�ntel in Atem zu halten und daf�r zu sorgen, da� der Renegat starb.� Die Stimme des Schl�chters wurde zornig. �Der Schatten soll mich verschlingen, wenn dieser Mann nicht noch mehr Gl�ck hat als die Wei�e Burg.� Mit einemmal lachte er leise. �Aber Ihr, Goldauge, Eure Anwesenheit war eine �berraschung. Es gibt Leute, die Euren Kopf auf einer Pike sehen wollen. Eure kostbaren Zwei Fl�sse wird man jetzt von einem Ende zum anderen durchk�mmen, um Euch zu fangen. Was meint Ihr dazu, Goldauge?� Perrin erstarrte neben dem verknorzten Stamm einer m�chtigen Eiche. Warum quatschte der Mann soviel? Warum mu�te er �berhaupt reden? <emphasis>Er zieht mich richtiggehend an.</emphasis></p><p>So lehnte er sich an den dicken Stamm der Eiche und beobachtete den Wald. Keine Bewegung. Der Schl�chter wollte, da� er sich ihm n�herte. Zweifellos wollte er ihn in einer Hinterhalt locken. Und er wollte den Mann finden und ihm die Kehle durchbei�en. Und doch konnte es leicht sein, da� er selbst starb, und wenn das geschah, w�rde niemand erfahren, da� das Wegetor wieder offenstand und hunderte, vielleicht auch tausende von Trollocs herauskommen konnten. Er w�rde das Spiel des Schl�chters nicht mitspielen.</p><p>Mit einem freudlosen L�cheln trat er aus dem Wolfstraum heraus, befahl sich selbst, zu erwachen, und...</p><p>... Faile schlang ihre Arme um seinen Hals und knabberte mit kleinen, wei�en Z�hnen in seinem Bart herum, w�hrend die Fiedeln der Kesselflicker ein wildes, hitziges Lied am Lagerfeuer aufspielten. <emphasis>Ilas Pulver. Ich kann nicht aufwachen!</emphasis> Das Bewu�tsein eines Traumes schwand langsam. Lachend hob er Faile hoch und trug sie in die Schatten hinein, dorthin, wo das Gras am weichsten war.</p><p>Das Erwachen dauerte lange, und von seiner verwundeten Seite her zog sich dumpfer Schmerz durch seinen ganzen K�rper. Tageslicht drang durch die kleinen Fenster herein. Heller Sonnenschein. Der Morgen. Er versuchte, sich aufzusetzen, und lie� sich st�hnend wieder zur�ckfallen.</p><p>Faile sprang von ihrem niedrigen Hocker auf. Ihre dunklen Augen wirkten, als habe sie �berhaupt nicht geschlafen. �Lieg still�, sagte sie. �Du hast dich im Schlaf schon genug herumgew�lzt. Ich habe dich nicht mit M�he davon abgehalten, dich soweit herumzuw�lzen, da� sich dieses Ding auch noch den Rest seiner L�nge in dich hineinbohrt, um jetzt zuzusehen, wie du das im wachen Zustand fertigbringst.� Ihvon stand wie eine dunkle Klinge an einen T�rpfosten gelehnt da. �Hilf mir auf�, sagte Perrin. Das Sprechen tat weh, aber das Atmen ja auch, und sprechen mu�te er jetzt. �Ich mu� in die Berge. Zum Wegetor.� Sie legte ihm mit d�sterem Blick eine Hand auf die Stirn. �Kein Fieber�, murmelte sie. Und dann sagte sie etwas lauter: �Du gehst nach Emondsfeld, wo dich eine der Aes Sedai heilen kann. Du wirst dich <emphasis>nicht</emphasis> selbst umbringen, indem du versuchst, mit einem Pfeil in der Seite in die Berge zu reiten. H�rst du mir zu? Wenn ich auch nur ein weiteres Wort �ber die Berge und das Wegetor h�re, werde ich mir von Ila etwas zusammenbrauen lassen, das dich wieder einschlafen l��t, und dann packen wir dich auf eine Trage. Ich wei� nicht recht, ob das nicht sowieso das Beste w�re.� �Die Trollocs, Faile! Das Wegetor steht wieder offen! Ich mu� sie aufhalten!� Die Frau z�gerte nicht einmal. Sie sch�ttelte augenblicklich den Kopf. �In diesem Zustand kannst du �berhaupt nichts dagegen machen. Du kommst nach Emondsfeld.� �Aber...!� �Kein �aber�, Perrin Aybara! Kein Wort mehr!� Er knirschte mit den Z�hnen. Das Schlimmste daran war, da� sie recht hatte. Wenn er schon nicht einmal vom Bett hochkam, wie konnte er dann bis Manetheren im Sattel bleiben? �Emondsfeld also�, sagte er dankbar, aber sie schnaubte trotzdem und knurrte etwas von �Sturkopf�. Was wollte sie eigentlich? <emphasis>Ich war doch verdammt noch mal dankbar genug, warum also dieser �Sturkopf�?</emphasis></p><p>�Also werden mehr Trollocs kommen�, meinte Ihvon nachdenklich. Er fragte nicht, woher Perrin diese Information habe. Dann sch�ttelte er den Kopf, als seien die Trollocs nebens�chlich. �Ich sage den anderen, da� Ihr wach seid.� Er schl�pfte hinaus und schlo� die T�r hinter sich.</p><p>�Bin ich denn der einzige, der die Gefahr sieht?� knurrte Perrin.</p><p>�Ich sehe eine Pfeilspitze in dir�, sagte Faile daraufhin streng.</p><p>So daran erinnert, durchzuckte ihn wieder der Schmerz. Er konnte gerade noch ein St�hnen unterdr�cken. Und sie nickte zufrieden. Zufrieden!</p><p>Er w�re am liebsten augenblicklich aufgebrochen. Je eher er von einer Aes Sedai geheilt wurde, desto fr�her konnte er daf�r sorgen, da� das Wegetor geschlossen wurde, und diesmal endg�ltig. Faile bestand darauf, da� sie ihn zum Fr�hst�ck f�tterte. Es gab eine Br�he mit viel weichgekochtem Gem�se, die auch einem zahnlosen Kleinkind bekommen w�re, immer sch�n einen L�ffel nach dem anderen, und dazwischen hielt sie inne, um ihm das Kinn abzuwischen. Sie lie� ihn nicht selbst essen, und wenn er protestierte oder sie bat, schneller zu machen, dann reagierte sie nicht, sondern schob ihm schnell den n�chsten L�ffel mit Pampe in den Mund. Sie lie� noch nicht einmal zu, da� er sich selbst das Gesicht abwischte. Als sie sich schlie�lich daran machte, sein Haar zu b�rsten und den Bart auszuk�mmen, hatte er sich zu w�rdigem Schweigen durchgerungen.</p><p>�Du bist h�bsch, wenn du schmollst�, sagte sie. Und dann kniff sie ihn in die Nase.</p><p>Ila, die an diesem Morgen eine gr�ne Bluse und einen blauen Rock trug, kletterte mit seinem Wams und Hemd in den Wagen. Beides war gewaschen und geflickt worden. Es �rgerte ihn, da� er die Hilfe beider Frauen ben�tigte, um sich anzuziehen. Er mu�te sich sogar beim Hinsetzen helfen lassen! Dann hatten sie ihm endlich Wams und Hemd �bergezogen, aber Kn�pfe und B�ndel waren offen, damit nichts auf die Pfeilspitze dr�cken konnte.</p><p>�Danke sch�n, Ila�, sagte er, als er die sauber geflickten Stellen bef�hlte. �Das ist gute Arbeit.� �Stimmt�, meinte sie daraufhin. �Faile kann gut mit der Nadel umgehen.� Faile lief rot an, und er grinste. Denn er mu�te daran denken, wie vehement sie ihm erkl�rt hatte, sie werde niemals seine Kleider flicken. Doch ansonsten hielt er sich zur�ck, da er in ihren Augen ein gewisses Glitzern bemerkte. Manchmal war Schweigen die bessere L�sung. Also sagte er, statt sich zu am�sieren, lieber ernsthaft: �Ich danke dir, Faile.� Nun lief sie noch dunkler an.</p><p>Sobald sie ihn einmal auf den Beinen hatten, erreichte er die T�r ganz gut, doch die beiden Frauen mu�ten ihn st�tzen, damit er es die Holztreppe hinunter schaffte. Wenigstens waren die Pferde gesattelt, und alle Burschen von den Zwei Fl�ssen hatten sich mit �bergeh�ngten B�gen versammelt. Ihre Gesichter und Kleider waren sauber, und man sah auch nur ein paar Bandagen an unbedeckten K�rperstellen.</p><p>Eine Nacht bei den Tuatha'an hatte ihnen offensichtlich gut getan und die Moral gehoben, selbst bei denen, die selbst jetzt noch aussahen, als k�nnten sie keine hundert Schritt weit laufen. Die Angst, die noch gestern in ihren Augen gestanden hatte, war zu einem blo�en Schatten geworden. Wil hatte in jedem Arm nat�rlich ein Kesselflickerm�dchen mit gro�en, verliebten Augen, und Ban Lewin mit der langen Nase und einer Bandage um die Stirn, die sein dunkles Haar wie eine B�rste hochstehen lie�, hielt mit sch�chternem L�cheln die Hand eines anderen M�dchens in der seinen. Die meisten der anderen hielten dagegen Schalen mit Gem�seeintopf und L�ffel in den H�nden und schaufelten eifrig drauflos.</p><p>�Das ist gut, Perrin�, sagte Dannil und gab einer Kesselflickerfrau seine leere Schale zur�ck. Sie hielt die Schale kurz hoch und sah ihn fragend an, um festzustellen, ob dieser bohnenstangenlange Bursche mehr haben wolle, aber er sch�ttelte den Kopf und sagte: �Ich glaube, ich kann gar nicht genug davon kriegen. Du auch?� �Ich bin voll�, sagte Perrin s�uerlich. Zerdr�cktes Gem�se und Br�he dazu. Ba!</p><p>�Gestern abend haben die Kesselflickerm�dchen getanzt�, sagte Dannils Cousin Tell mit gro�en Augen. �Alle unverheirateten Frauen und sogar einige der verheirateten! Du h�ttest es sehen sollen, Perrin.� �Ich habe die Kesselflickerfrauen schon tanzen sehen, Tell.� Offensichtlich waren seine Gef�hle in dieser Beziehung aus seinen Worten herauszuh�ren, denn Faile sagte trocken: �Du hast die Tiganza gesehen, nicht wahr? Wenn du lieb bist, werde ich vielleicht eines Tages die Sa'sara f�r dich tanzen und dir zeigen, was wirkliches Tanzen ist.� Ila schnappte nach Luft, da sie die Bezeichnung anscheinend kannte, und dann lief Faile noch dunkler an als zuvor im Wagen.</p><p>Perrin sch�rzte die Lippen. Falls diese Sa'sara das Herz noch st�rker zum Klopfen brachte als der schwingende, h�ftbetonte Tanz der Kesselflickerfrauen � die Tiganza, so hie� er wohl �, dann w�rde er den Tanz ganz gewi� von Faile sehen wollen. Doch er vermied es, sie anzublicken.</p><p>Raen kam zu ihnen her�ber. Er trug dasselbe hellgr�ne Wams, aber eine Hose, deren Rot kr�ftiger leuchtete als jedes, das Perrin zuvor in seinem Leben erblickt hatte. Er bekam von dieser Farbkombination Kopfschmerzen. �Zweimal habt Ihr unsere Feuer besucht, Perrin, und zum zweitenmal geht Ihr ohne ein Abschiedsfest. Ihr m��t bald wiederkommen, damit wir das nachholen k�nnen.� Er l�ste sich aus Failes und Ilas Griff � wenigstens konnte er allein stehen � und legte dem drahtigen, kleinen Mann eine Hand auf die Schulter. �Kommt mit uns, Raen. Niemand in Emondsfeld wird Euch etwas antun. Und auch im schlimmsten Fall ist es dort sicherer als hier drau�en, wenn Trollocs in der N�he sind.� Raen z�gerte, doch dann sch�ttelte er sich und murmelte: �Ich wei� nicht, wie Ihr mich �berhaupt dazu bringt, mir solche Sachen auch nur zu �berlegen.� Er wandte sich um und sagte laut: �Leute, Perrin hat uns gebeten, mit zu seinem Dorf zu kommen, wo wir vor den Trollocs sicher w�ren. Wer m�chte mitgehen?� Erschrockene Gesichter blickten ihn an. Einige Frauen holten ihre Kinder heran, und die verbargen sich hinter ihren R�cken, als �ngstigten sie sich bereits vor diesem Vorschlag. �Seht Ihr, Perrin?� sagte Raen. �F�r uns liegt die Sicherheit nicht in D�rfern, sondern in der Bewegung.</p><p>Ich versichere Euch, wir werden keine zwei N�chte am selben Ort verbringen und den ganzen Tag weiterziehen, bevor wir wieder lagern.� �Das gen�gt wahrscheinlich nicht, Raen.� Der Mahdi zuckte die Achseln. �Eure Anteilnahme erw�rmt mein Herz, doch wir sind in Sicherheit, wenn das Licht es so will.� �Der Weg des Blatts besteht nicht nur darin, keine Gewalt auszu�ben�, sagte Ila mit sanfter Stimme, �sondern auch zu akzeptieren, was geschieht. Das Blatt f�llt ohne Klage, wenn seine Zeit gekommen ist. Solange birgt uns das Licht und gibt uns Sicherheit.� Perrin h�tte sich gern mit ihnen gestritten, aber unter all der W�rme und dem Mitgef�hl auf ihren Mienen lag eiserne Entschlossenheit. Er glaubte, eher k�nne er noch Bain und Chiad und selbst Gaul dazu bringen, h�bsche Kleider anzuziehen und den Speer aufzugeben, als diese Leute zum Nachgeben.</p><p>Raen sch�ttelte Perrin die Hand, und auf dieses Zeichen hin umarmten die Kesselflickerfrauen die jungen Burschen von den Zwei Fl�ssen und sogar Ihvon. Die M�nner sch�ttelten den Abreisenden die H�nde und alle lachten, sagten sich auf Wiedersehen, w�nschten einander eine gute Reise und dr�ckten ihre Hoffnung aus, sich bald wiederzusehen. Jedenfalls die meisten M�nner. Aram stand an der Seite, die H�nde in die Taschen gesteckt und mit finsterer Miene. Perrin erschien er ziemlich launisch, und das war eigenartig bei einem Kesselflicker.</p><p>Die M�nner gaben sich bei Faile nicht mit einem H�ndesch�tteln zufrieden, sondern umarmten und dr�ckten sie. Perrin verzog das Gesicht nicht, und als einige der j�ngeren M�nner den Abschied etwas zu enthusiastisch ausfallen lie�en, knirschte er nur ein wenig mit den Z�hnen, brachte aber sogar noch ein L�cheln zustande. Er wurde dagegen von keiner Frau in die Arme genommen, die viel j�nger als Ila gewesen w�re. Irgendwie brachte Faile es fertig, ihn selbst dann noch wie eine scharfe Dogge zu bewachen, wenn ein magerer, grellbunt gekleideter Kesselflicker seine Arme um sie legte und sich bem�hte, sie plattzudr�cken. Frauen, die noch kein Grau im Haar zeigten, warfen einen Blick auf ihr Gesicht und suchten sich dann jemand anderen aus. Derweil schien Wil es geschafft zu haben, jede Frau im Lager zu k�ssen. Ban mit seiner langen Nase brachte das ebenfalls fertig. Sogar Ihvon schien das Ganze Spa� zu machen! Es w�rde Faile recht geschehen, wenn ihr einer dieser Kerle eine Rippe brach.</p><p>Endlich traten die Kesselflicker zur�ck, bis auf Raen und Ila, und um die M�nner von den Zwei Fl�ssen herum entstand ein freier Raum. Der drahtige, grauhaarige Mann verbeugte sich f�rmlich, die H�nde auf der Brust gekreuzt. �Ihr kamt in Frieden. So geht nun wieder in Frieden. Ihr werdet immer an unseren Feuern willkommen sein. Der Weg des Blatts ist der Friede.� �Der Friede sei immer mit Euch�, erwiderte Perrin, �und mit allen von Eurem Volk.� <emphasis>Licht, hilf ihnen!</emphasis> �Ich werde das Lied finden, oder ein anderer wird es finden, aber es wird gesungen werden, ob in einem Jahr oder in sp�teren Jahren.� Er fragte sich, ob es dieses Lied �berhaupt jemals gegeben hatte, oder ob die Tuatha'an ihre Reise auf der Suche nach etwas ganz anderem begonnen hatten. Elyas hatte ihm erz�hlt, da� sie selbst nicht w��ten, welches Lied sie suchten, aber wenn sie es gefunden hatten, w�rden sie es wissen. <emphasis>La� sie wenigstens Sicherheit finden. Wenigstens das!</emphasis> �Wie es einst war, so soll es wieder sein, eine Welt ohne Ende.� �Eine Welt ohne Ende�, murmelten die Tuatha'an ernst im Chor. �Welt und Zeit enden nie.� Ein paar letzte Umarmungen und noch ein wenig H�ndesch�tteln, w�hrend Ihvon und Faile Perrin auf Traber hinaufhalfen. Wil bekam noch ein paar Abschiedsk�sse. Und Ban auch. Ban! Sogar seine Nase k��ten sie! Andere, die am schwersten Verwundeten, wurden vorsichtig auf ihre Pferde gehoben. Die Kesselflicker winkten ihnen zum Abschied zu wie alten Nachbarn, die eine lange Reise antraten.</p><p>Raen kam heran und sch�ttelte Perrin noch einmal die Hand. �Wollt Ihr es Euch nicht doch noch �berlegen?� fragte Perrin. �Ich erinnere mich noch daran, wie Ihr einmal gesagt habt, das B�se breite sich in der Welt aus. Es wird immer schlimmer, Raen, und gerade hier.� �Friede sei mit Euch, Perrin�, antwortete Raen l�chelnd.</p><p>�Und mit Euch�, sagte er traurig.</p><p>Die Aiel tauchten erst auf, als sie sich eine Meile n�rdlich des Lagers der Kesselflicker befanden. Bain und Chiad sprachen mit Faile und trabten nach vorn an ihren gewohnten Platz. Perrin war nicht ganz klar, was sie glaubten, das mit Faile bei den Tuatha'an geschehen sein mochte.</p><p>Gaul schritt m�helos neben Traber einher. Sie bewegten sich sowieso nicht sehr schnell, da fast die H�lfte aller M�nner zu Fu� gehen mu�te. Er blickte Ihvon kalkulierend an, bevor er sich Perrin zuwandte. �Was ist mit deiner Verwundung?� Seine Wunde brannte f�rchterlich. Jeder Schritt seines Pferds ersch�tterte die Pfeilspitze. �Mir geht's gut�, sagte er, ohne mit den Z�hnen zu knirschen. �Vielleicht veranstalten wir heute abend einen Dorftanz in Emondsfeld. Und du? Hast du die Nacht damit verbracht, den �Ku� der Jungfrau� zu spielen?� Gaul stolperte und w�re fast auf die Nase gefallen. �Was ist los?� �Von wem hast du diese Bezeichnung geh�rt?� fragte der Aielmann leise, wobei er stur geradeaus blickte.</p><p>�Von Chiad. Warum?� �Chiad�, knurrte Gaul. �Die Frau ist eine Goshien. Goshien! Ich sollte sie als <emphasis>Gai'schain</emphasis> zur Hei�quellenfestung zur�ckbringen.� Die Worte klangen zornig, doch sein eigenartiger Tonfall nicht. �Chiad.� �Sagst du mir vielleicht, was los ist?� �Ein Myrddraal ist weniger schlau als eine Frau�, sagte Gaul mit ausdrucksloser Stimme, �und ein Trollocs hat im Kampf noch mehr Ehre im Leib.� Einen Augenblick sp�ter f�gte er in zornigem Tonfall hinzu: �Und ein Ziegenbock hat mehr Verstand als ich.� Er beschleunigte seine Schritte und lief nach vorn zu den beiden T�chtern des Speers. Er sprach aber nicht mit ihnen, wie Perrin feststellte, sondern lief nur neben ihnen her.</p><p>�Habt Ihr etwas davon verstanden?� fragte Perrin Ihvon. Der Beh�ter sch�ttelte den Kopf.</p><p>Faile schnaubte. �Wenn er glaubt, ihnen Schwierigkeiten bereiten zu m�ssen, dann werden sie ihn an den Beinen an einem Ast aufh�ngen, bis er abgek�hlt ist.� �Hast du es vielleicht verstanden?� fragte Perrin. Sie ging neben ihm weiter, ohne ihn anzusehen oder zu antworten. Er glaubte zu verstehen, da� sie auch nicht mehr wisse als er. �Ich glaube, ich sollte sp�ter mal wieder Raens Lager besuchen. Es ist schon lange her, seit ich sie die Tiganza tanzen sah. Es war... interessant.� Sie knurrte leise etwas vor sich hin, doch er verstand ihre Worte recht gut: �Dich sollte man auch mal an den Beinen aufh�ngen, bis du abk�hlst.� Er l�chelte auf ihren Kopf hinunter. �Aber das mu� ich ja gar nicht. Du hast ja versprochen, diese Sa'sara f�r mich zu tanzen.� Ihr Gesicht lief knallrot an. �Ist das was �hnliches wie die Tiganza? Ich meine, sonst w�re es ja witzlos.� �Du hirnloser Klotz!� fuhr sie ihn an. Sie blickte b�se zu ihm auf. �M�nner haben schon ihr Herz und Ihr Verm�gen Frauen zu F��en gelegt, die die Sa'sara tanzten. Falls Mutter auch nur vermutete, da� ich sie beherrsche... � Ihr Mund klappte zu, als habe sie schon zuviel gesagt, und ihr Kopf fuhr schnell herum, damit sie wieder geradeaus blickte. Doch vom Haaransatz bis hinunter zum Ausschnitt ihres Kleides sah Perrin nur Hochrot.</p><p>�Dann hast du leider keinen Grund, sie zu tanzen�, sagte er leise. �Mein Herz und mein Verm�gen, soweit ich das habe, liegen dir ja sowieso schon zu F��en.� Faile stolperte. Dann lachte sie leise und pre�te ihre Wange an seine gestiefelte Wade. �Du bist zu schlau f�r mich�, murmelte sie. �Eines Tages tanze ich sie f�r dich und bringe das Blut in deinen Adern zum Kochen.� �Das schaffst du auch so schon�, sagte er, und sie lachte wieder. Sie griff hinter dem Steigb�gel zu und umarmte sein Bein im Weitergehen.</p><p>Nach einer Weile half aber selbst die Vorstellung nicht mehr gegen die Schmerzen, da� Faile f�r ihn tanze. Sicher, so schlo� er aus dem Tanz der Kesselflickerfrauen, mu�te ihr Tanz noch etwas weiter gehen, aber die Schmerzen waren jetzt einfach zu stark. Jeder Schritt, den Traber tat, war die reinste Folter f�r ihn. Er hielt sich trotzdem aufrecht. In dieser Stellung schienen die Schmerzen ein ganz klein wenig schw�cher. Au�erdem wollte er vor den anderen besser dastehen und ihnen die gute Laune nicht verderben, die ihnen die Tuatha'an vermittelt hatten. Auch die anderen M�nner sa�en hochaufgerichtet in den S�tteln, selbst diejenigen, die sich noch am Vortag zusammengekr�mmt an die Sattelh�rner geklammert hatten. Und Ban und Dannil und die anderen schritten mit hocherhobenen K�pfen einher. Er w�rde doch nicht der erste sein, der wieder in sich zusammensackte.</p><p>Wil begann, �Heimkehr vom Tarwin-Paߋ zu pfeifen. Drei oder vier andere fielen schnell ein. Nach einer Weile dann fing Ban an, mit seiner tiefen, klaren Stimme zu singen:</p><p><emphasis>�Die Heimat wartet dort auf mich</emphasis></p><p><emphasis>und das M�dchen, das ich gefreit.</emphasis></p><p><emphasis>Oh, liebstes Herzblut, halte dich</emphasis></p><p><emphasis>f�r meine R�ckkehr bereit!</emphasis></p><p><emphasis>Es blitzt der Schalk in ihren Augen,</emphasis></p><p><emphasis>ihre K�sse brennen so hei�.</emphasis></p><p><emphasis>Die warmen Lippen zur Liebe taugen.</emphasis></p><p><emphasis>Sie ist der gr��te Schatz, den ich wei�.�</emphasis></p><p>Bei der zweiten Strophe fielen noch mehr ein, bis schlie�lich alle sangen, selbst Ihvon. Und Faile. Aber Perrin nat�rlich nicht. Man hatte ihm oft genug gesagt, da� sein Singen wie das Quaken eines Frosches klang, auf den jemand tritt. Ein paar marschierten sogar im Rhythmus des Gesangs.</p><p><emphasis>��Ich habe den Pa� von Tarwin gesehn</emphasis></p><p><emphasis>und h�rte der Trollocs Geheule.</emphasis></p><p><emphasis>Ich blieb trotz des Myrddraals Angriff stehn,</emphasis></p><p><emphasis>schwang gegen den Halbmensch die Keule.</emphasis></p><p><emphasis>Doch mein Herz klopft, denk ich an meine S��e</emphasis></p><p><emphasis>und an ihre verhei�ungsvollen K�sse... �</emphasis></p><p>Perrin sch�ttelte den Kopf. Noch vor einem Tag w�ren sie am liebsten weggelaufen und h�tten sich versteckt. Heute sangen sie von einer Schlacht, die schon so lang her war, da� in den Zwei Fl�ssen au�er in diesem Lied niemand mehr davon wu�te. Vielleicht wurden langsam Soldaten aus ihnen. Das war auch notwendig, falls es ihm nicht gelang, das Wegetor wieder zu verschlie�en.</p><p>Nun wurden die Bauernh�fe wieder h�ufiger, standen n�her beieinander, und schlie�lich zogen sie auf einem befestigten Weg zwischen heckenges�umten oder von niedrigen, aufgeschichteten Mauern gesch�tzten Feldern weiter. Die H�fe waren verlassen. Keiner hier klammerte sich unbedingt an sein Land.</p><p>Sie erreichten die Alte Stra�e, die vom Norden her vom Wei�en Flu� � dem Manetherendrelle � �ber Devenritt nach Emondsfeld f�hrte, und jetzt sahen sie endlich auch wieder Schafe auf der Weide, gro�e Herden, als habe man die Schafherden eines Dutzends von Z�chtern zusammengetrieben, und mit zehn Sch�fern, wo normalerweise einer gen�gt h�tte. Dazu waren die H�lfte davon auch noch erwachsene M�nner. Mit Bogen bewaffnete Sch�fer beobachteten ihren Vorbeizug und konnten offensichtlich nicht verstehen, wieso sie aus voller Kehle sangen.</p><p>Daf�r wu�te Perrin nichts mit dem ersten Anblick von Emondsfeld anzufangen, der sich ihnen bot. Den anderen M�nnern von den Zwei Fl�ssen ging es ebenso. Ihr Gesang wurde z�gernd und erstarb.</p><p>Die B�ume, Z�une und Hecken in der direkten Umgebung des Dorfs waren weg. Man hatte sie entfernt. Die H�user am westlichen Ende Emondsfelds hatten einst unter den ersten B�umen des Westwalds gestanden. Die Eichen und Lederblattb�ume zwischen den H�usern standen noch, aber der Waldrand war nun f�nfhundert Schritt entfernt, gerade die Schu�weite eines guten Langbogens, und die �xte der M�nner hackten laut auf weitere B�ume ein, die ebenfalls noch gef�llt wurden. Eine Reihe h�fthoher, schr�g in den Boden gerammter Pf�hle nach der anderen s�umte nun das Dorf, von den H�usern aus bis weit in die freie Fl�che hinein. Es wirkte wie eine gewaltige Dornenhecke, die nur dort eine Unterbrechung aufwies, wo die Stra�e in das Dorf hineinf�hrte. In Abst�nden waren hinter den Pf�hlen Wachen aufgestellt worden. Ein paar der M�nner trugen Teile alter R�stungen oder Lederwesten, auf die man rostige Stahlscheiben gen�ht hatte. Einige wenige hatten zerbeulte alte Stahlkappen auf den K�pfen. Bewaffnet waren sie mit Saufedern oder Hellebarden, die sie wohl in ihren Speichern ausgegraben hatten, oder mit Buschhaken, die sie einfach auf lange Stangen gesteckt hatten. Andere M�nner und Jungen sa�en mit B�gen bewaffnet auf den strohgedeckten D�chern. Als sie Perrin und die anderen kommen sahen, standen sie auf und riefen den Leuten unten die Neuigkeit zu.</p><p>Neben der Stra�e und ein St�ck hinter den Pf�hlen stand eine Vorrichtung aus Holz und dicken, gezwirbelten Tauen, und daneben lag ein Stapel von mehr als kopfgro�en Steinen. Ihvon bemerkte, da� Perrin die Stirn verst�ndnislos runzelte, als sie n�her kamen. �Katapult�, sagte der Beh�ter. �Bisher haben sie sechs davon. Eure Zimmerleute wu�ten, was sie zu tun hatten, nachdem Tomas und ich es ihnen einmal gezeigt hatten. Die Pf�hle werden die angreifenden Trollocs oder auch Wei�m�ntel zur�ckhalten, gleich, wer von ihnen nun kommt.� Er h�tte, seinem Tonfall nach, genauso �ber das Wetter sprechen k�nnen.</p><p>�Ich sagte dir doch, da� sich dein Dorf auf die Verteidigung vorbereitet.� Faile machte einen wild entschlossenen und stolzen Eindruck, gerade so, als sei es ihr Dorf. �Harte-Menschen in einer so sanften Landschaft. Sie k�nnten fast aus Saldaea kommen. Moiraine hat ja immer behauptet, da� hier das Blut von Manetheren noch seine Wirkung zeige.� Perrin konnte da nur den Kopf sch�tteln.</p><p>Auf den ausgetretenen Lehmstra�en des Dorfes herrschte ein Betrieb wie in einer Stadt. Die L�cken zwischen den H�usern waren angef�llt mit abgestellten Wagen und Karren, und durch die ge�ffneten T�ren und Fenster sah er noch mehr Menschen. Die Menge teilte sich vor Ihvon und den Aiel und sie wurden die Stra�e entlang von verhaltenem Gemurmel begleitet.</p><p>�Da ist Perrin Goldauge.� �Perrin Goldauge.� �Perrin Goldauge.� Er w�nschte, sie spr�chen nicht so �ber ihn. Diese Leute kannten ihn doch, jedenfalls die meisten. Was glaubten sie denn? Da war Neysa Ayellin mit dem Pferdegesicht, die ihm den zehnj�hrigen Hintern versohlt hatte, als Mat ihn �berredet hatte, einen ihrer Stachelbeerkuchen zu klauen. Und dort stand Cilia Cole mit ihren roten Wangen und den gro�en Augen. Sie war das erste M�dchen gewesen, das er je gek��t hatte, und sie war immer noch an den richtigen Stellen mollig. Und Pel Aydaer stand neben ihr, immer noch die Pfeife im Mund und jetzt mit einem Kahlkopf ausgestattet. Er hatte Perrin beigebracht, wie man mit blo�en H�nden Forellen f�ngt. Daise Congar h�chstpers�nlich stand an der Stra�e, eine gro�e, breitgebaute Frau, neben der sogar Alsbet Luhhan sanft wirkte. Sie �berragte wie immer ihren hageren Ehemann Wit. Und alle blickten ihn an und fl�sterten den von au�erhalb stammenden Leuten einiges zu, die vielleicht nicht wu�ten, wer er war. Als der alte Cenn Buie einen kleinen Jungen auf seine Schultern hob, auf Perrin deutete und ganz begeistert mit dem Kind sprach, st�hnte Perrin frustriert. Die waren doch alle verr�ckt geworden!</p><p>Die Leute liefen hinter Perrin und den anderen her, umringten sie sogar, in einer von Gemurmel begleiteten Prozession. H�hner rannten gackernd vor ihnen weg. Bl�kende K�lber und quiekende Schweine in den St�llen hinter den H�usern wetteiferten mit dem L�rm, den die Menschen da veranstalteten. Schafe dr�ngten sich auf dem Anger und schwarzwei�e Milchk�he grasten neben grauen und wei�en G�nsen.</p><p>Und in der Mitte des Angers stand ein hoher Mast, an dem eine wei�e Flagge mit rotem Rand tr�ge im leichten Wind flatterte. Auf der Flagge war ein roter Wolfskopf abgebildet. Er sah Faile an, doch die sch�ttelte genauso �berrascht wie er den Kopf.</p><p>�Ein Symbol.� Perrin hatte gar nicht bemerkt, da� Verin sich ihnen n�herte, obwohl er nun auch ged�mpftes Gefl�ster von einer �Aes Sedai� h�rte, das sie begleitete. Ihvon wirkte nicht �berrascht. Die Menschen sahen sie mit gro�en Augen voller Ehrfurcht an.</p><p>�Die Menschen brauchen Symbole�, fuhr Verin fort und legte eine Hand auf Trabers Schulter. �Als Alanna ein paar Dorfbewohnern erz�hlte, wie sehr die Trollocs W�lfe f�rchten, schien jeder die Flagge f�r eine tolle Idee zu halten. Euch gef�llt es nicht, Perrin?� War das Sarkasmus in ihrer Stimme? Ihre dunklen Augen blickten vogel�hnlich zu ihm auf. Ein Vogel, der einen Wurm betrachtet?</p><p>�Ich frage mich, was K�nigin Morgase davon h�lt�, sagte Faile. �Das hier ist ein Teil Andors. K�niginnen haben es meist nicht sehr gern, wenn auf ihrem Gebiet eine fremde Flagge gehi�t wird.� �Das sind doch nur Linien auf einer Landkarte�, sagte Perrin zu ihr. Es tat gut, stillzusitzen. Das von der Pfeilspitze ausgehende Pochen schien etwas nachgelassen zu haben. �Ich wu�te noch nicht einmal, da� wir ein Teil Andors sein sollen, bis ich nach Caemlyn kam. Ich bezweifle, da� viele Menschen hier dar�ber Bescheid wissen.� �Herrscher haben die Angewohnheit, den Landkarten Glauben zu schenken, Perrin.� Es gab keinen Zweifel an dem Sarkasmus in Failes Stimme. �Als ich noch ein Kind war, gab es Teile von Saldaea, wo die Leute f�nf Generationen lang keinen Steuereinnehmer mehr gesehen hatten. Sobald Vater aber in der Lage war, seine Aufmerksamkeit eine Weile lang von der Grenze zur F�ule abzuwenden, lie� Tenobia sie wissen, wer ihre K�nigin sei.� �Das hier sind die Zwei Fl�sse und nicht Saldaea�, sagte er grinsend. Es klang ja ziemlich wild, was sie so von Saldaea erz�hlte. Als er sich wieder Verin zuwandte, wurde aus dem Grinsen schnell eine finstere Miene. �Ich glaubte, Ihr wolltet... verbergen... wer Ihr seid.� Er war nicht in der Lage, zu unterscheiden, was ihn mehr beunruhigte: eine heimliche Aes Sedai oder eine, die der �ffentlichkeit bekannt war.</p><p>Die Hand der Aes Sedai schwebte eine Handbreit �ber der abgebrochenen Pfeilspitze, die in seiner Seite steckte. Die Umgebung der Wunde kitzelte ein wenig. �Oh, das sieht gar nicht gut aus�, murmelte sie. �Steckt in der Rippe drin und ist trotz der Salbe etwas infiziert. Ich glaube, da mu� Alanna ran.� Sie blinzelte und zog die Hand weg. Das Kitzeln verflog daraufhin auch. �Was? Geheimhalten? Oh. Bei alledem, was hier los ist, konnten wir es kaum geheimhalten. Ich denke schon, da� wir h�tten... abreisen k�nnen. Aber das h�ttet Ihr nicht gew�nscht, oder?� Da war wieder dieser berechnende Raubvogelblick.</p><p>Er z�gerte und seufzte schlie�lich auf. �Wohl nicht.� �Es tut gut, das zu h�ren�, sagte sie l�chelnd.</p><p>�Warum seid Ihr wirklich hierher gekommen, Verin?� Sie schien ihm nicht zugeh�rt zu haben. Oder sie hatte nicht zuh�ren wollen. �Jetzt m�ssen wir uns aber um dieses Ding in Euch k�mmern. Und diese anderen Burschen m�ssen auch versorgt werden. Alanna und ich werden die schlimmsten Wunden versorgen, aber... � Die M�nner waren alle genauso wie er von dem �berrascht, was sie hier vorgefunden hatten. Als Ban die Flagge sah, kratzte er sich verlegen am Kopf, w�hrend sich andere nur erstaunt umblickten. Die meisten aber sahen Verin mit gro�en Augen nerv�s an. Sie hatten bestimmt das gefl�sterte �Aes Sedai� geh�rt. Auch Perrin kam bei diesen Blicken nicht ungeschoren davon, da er sich mit einer Aes Sedai unterhielt, als sei es irgendeine Dorfbewohnerin, soviel war ihm klar.</p><p>Verin erwiderte ihre Blicke ganz offen. Dann griff sie, scheinbar ohne hinzusehen, nach hinten und schnappte sich ein M�dchen von vielleicht zehn oder zw�lf Jahren aus den Reihen der Gaffer. Das M�dchen, dessen langes, dunkles Haar mit blauen B�ndern festgehalten wurde, wurde vor Angst steif. �Du kennst Daise Congar, M�dchen?� fragte Verin. �Also, dann suche sie und sage ihr, hier seien verwundete M�nner, die die Kr�uter einer Seherin ben�tigten. Und sage ihr, sie solle sich beeilen. Sage ihr, da� ich keine Geduld mehr mit ihr und ihren Launen habe. Kannst du dir das merken? Dann laufe los.� Perrin erkannte das M�dchen nicht, aber offensichtlich kannte sie Daise, denn sie zuckte zusammen, als sie die Botschaft vernahm. Aber Verin war eine Aes Sedai. Einen Augenblick lang wog das M�dchen ab � Daise Congar gegen eine Aes Sedai �, und dann verschwand es in der Menge.</p><p>�Und Alanna wird sich um Euch k�mmern�, sagte Verin, die wieder mit zusammengekniffenen Augen zu ihm aufblickte.</p><p>Er w�nschte, so etwas kl�nge nicht so verdammt doppeldeutig bei ihr.</p></section><section><title><p>43</p><p>Der Wolf leckt seine Wunden</p></title><p>Verin nahm selbst Trabers Z�gel und f�hrte ihn zur Weinquellenschenke. Die Menge wich zur�ck, um sie durchzulassen, und schlo� sich ihnen dann an. Dannil und Ban und die anderen gingen oder ritten mit, ihre Verwandten um sich herum versammelt. So erstaunt sie auch �ber die Ver�nderungen in Emondsfeld waren, zeigten die Burschen trotzdem Stolz, indem sie mit hocherhobenen K�pfen humpelnd einherschritten oder aufrecht im Sattel sa�en. Sie hatten den Trollocs getrotzt und waren heimgekehrt. Doch Frauen streichelten sanft ihre S�hne und Neffen und Enkel und mu�ten h�ufig die Tr�nen zur�ckhalten. Ihr unterdr�cktes St�hnen war durch den L�rm der Menge hindurch h�rbar. M�nner mit besorgten Blicken bem�hten sich, die Angst hinter stolzem L�cheln zu verbergen, klopften Perrins Burschen auf die Schultern und machten Bemerkungen �ber deren sp�rlich sprie�ende B�rte. Doch gelegentlich wurde aus ihrer Umarmung schlie�lich ein m�hsames St�tzen der Verwundeten. Freundinnen eilten herbei, k��ten ihre Geliebten und beklagten laut deren Wunden. Gl�ck und Leid hielten sich die Waage. Kleine Br�der und Schwestern schwankten unsicher zwischen Weinen und Umarmungen. Sie klammerten sich an Br�der, die jedermann f�r Helden zu halten schien, und machten ganz gro�e Augen dabei.</p><p>Aber da waren auch noch andere Stimmen, die Perrin am liebsten nicht geh�rt h�tte.</p><p>�Wo ist Kenley?� Frau Ahan war eine gutaussehende Frau mit wei�en Str�hnen in ihrem fast schwarzen Zopf, aber ihr Gesicht war von Angst erf�llt, als sie die Gesichter anblickte und bemerkte, wie die Blicke vor ihren zur�ckzuckten. �Wo ist mein Kenley?� �Bili!� rief der alte Hu al'Dai mit schwankender Stimme. �Hat jemand Bili al'Dai gesehen?� �... Hu...!� �... Jared...!� �... Tim...!� �... Colly...!� Vor der Schenke fiel Perrin beinahe aus dem Sattel, weil er es so eilig hatte, diesen Namen zu entkommen. Er achtete nicht einmal mehr darauf, welche H�nde ihn abfingen. �Bringt mich hinein!� kr�chzte er. �Hinein!� �... Teven...!� �... Haral...!� �... Had... � Dael al'Tarons Mutter rief in die Menge, ob irgend jemand ihr sagen k�nne, wo ihr Sohn sei. Die T�r sperrte das herzzerrei�ende Klagen aus.</p><p><emphasis>Er befindet sich im Kochtopf der Trollocs,</emphasis> dachte Perrin bitter, w�hrend man ihn auf einen Stuhl im Schankraum setzte. <emphasis>Im Bauch eines Trollocs, Frau alTaron. Ich habe ihn dorthin bef�rdert.</emphasis> Faile nahm seinen Kopf in ihre H�nde und blickte ihm besorgt ins Gesicht. <emphasis>Wir m�ssen die Lebenden versorgen,</emphasis> dachte er. <emphasis>Ich werde die Toten sp�ter beweinen. Sp�ter.</emphasis> �Mir geht es gut�, sagte er zu Faile. �Lediglich vom Absteigen ist mir ein wenig schlecht geworden. Ich war noch nie ein guter Reiter.� Sie schien ihm nicht zu glauben.</p><p>�K�nnt Ihr denn nichts tun?� fuhr sie Verin an.</p><p>Die Aes Sedai sch�ttelte aufreizend ruhig den Kopf. �Besser nicht, Kind. Es ist schade, da� keine von uns eine Gelbe ist, aber Alanna ist auf jeden Fall eine viel bessere Heilerin als ich. Meine Talente liegen auf anderen Gebieten. Ihvon holt sie. Habt noch ein wenig Geduld, Kind.� Man hatte den Schankraum in eine Art von Zeughaus verwandelt. Au�er direkt vor dem Kamin waren �berall gro�e Mengen an Waffen aufgestapelt: Speere jeglicher Art und dazwischen einzelne Hellebarden und Spie�e und andere St�cke mit oben aufgesetzten, eigenartig geformten Klingen. Viele dieser Waffen waren zerbeult und verf�rbt, wo man den Rost abgeschliffen hatte. Noch �berraschender war der Inhalt eines offenen Fasses, das am Fu� der Treppe stand: Schwerter, eine ganze Menge davon, die man wild durcheinander hineingesteckt hatte. Nur wenige steckten in Scheiden, und keine zwei von ihnen glichen sich. Man mu�te wohl jeden Speicher in f�nf Meilen Umkreis ausger�umt haben, um diese staubbedeckten Relikte von fr�heren Generationen zu sammeln. Perrin h�tte nie vermutet, da� es im ganzen Gebiet der Zwei Fl�sse �berhaupt mehr als f�nf Schwerter gab. Jedenfalls bevor die Wei�m�ntel und die Trollocs gekommen waren.</p><p>Gaul begab sich in die N�he der Treppe, die hinauf zu den G�stezimmern der Schenke f�hrte, denn von dort aus konnte er alles �berblicken und sowohl Perrin wie auch Verin im Auge behalten, was er auch sehr aufmerksam tat. Auf der anderen Seite des Raums postierten sich die beiden T�chter des Speers. Sie beobachteten Faile und alle anderen, wobei sie die Speere in die Armbeugen gest�tzt hielten. Ihre K�rperhaltung schien gleichzeitig entspannt und doch sprungbereit. Die drei jungen Burschen, die Perrin hereingetragen hatten, traten an der T�r verlegen von einem Fu� auf den anderen und blickten sowohl ihn wie auch die Aes Sedai und die Aiel mit gro�en Augen an. Das war alles.</p><p>�Die anderen�, sagte Perrin, �brauchen... � �Man wird sich um sie k�mmern�, unterbrach ihn Verin in verbindlichem Ton. Sie setzte sich an einen anderen Tisch. �Sie werden zu ihren Familien gehen wollen. Es ist ja auch viel besser, wenn die Familie um einen ist.� Das gab Perrin einen gewaltigen Stich. Die einsamen Gr�ber unter den Apfelb�umen kamen ihm in den Sinn. Doch diese Bilder verdr�ngte er. <emphasis>K�mmere dich um die Lebenden,</emphasis> ermahnte er sich selbst heftig. Die Aes Sedai holte Tinte und Feder heraus und begann, in ihrer sauberen Handschrift Notizen in ein kleines B�chlein einzutragen. Er fragte sich, ob es ihr vollkommen gleichg�ltig sei, wie viele M�nner von den Zwei Fl�ssen starben, solange nur er �berlebte, um f�r die Pl�ne der Wei�en Burg in Bezug auf Rand ben�tzt zu werden.</p><p>Faile dr�ckte seine Hand, aber sie sagte zu der Aes Sedai gewandt: �Sollten wir ihn nicht hochbringen und ins Bett legen?� �Noch nicht�, sagte Perrin gereizt. Verin blickte auf und �ffnete den Mund, doch er wiederholte schnell mit fester Stimme: �Noch nicht.� Die Aes Sedai zuckte die Achseln und kehrte zu ihren Notizen zur�ck. �Wei� vielleicht jemand, wo Loial ist?� �Der Ogier?� fragte einer der drei Burschen an der T�r. Dav Ayellin war st�mmiger gebaut als Mat, aber der gleiche Schalk blitzte aus seinen Augen. Auch seine Kleidung wirkte so zerknittert und sein Haar so ungek�mmt wie bei Mat. Fr�her hatte Dav die wenigen Streiche gespielt, die Mat �berhaupt noch ausgelassen hatte. Allerdings war gew�hnlich Mat der Anf�hrer gewesen. �Er ist drau�en bei den M�nnern, die am Westwald ausforsten. Jedesmal, wenn wir einen Baum f�llen, k�nnte man denken, er sei sein Bruder gewesen, aber dann wieder f�llt er gleich drei mit dieser riesigen Axt, die ihm Meister Luhhan geschmiedet hat, wo andere nur einen schaffen. Falls du ihn sprechen willst: Ich habe vorhin gesehen, da� Jaim Thane hinausgerannt ist, um ihnen zu erz�hlen, da� du gekommen bist. Ich wette, sie werden alle herkommen, um dich zu sehen.� Er blickte den abgebrochenen Pfeil an, verzog das Gesicht und rieb sich in Sympathie �ber die eigene Rippenpartie. �Tut es sehr weh?� �Es reicht�, sagte Perrin kurz angebunden. Kommen und ihn anglotzen. <emphasis>Was bin ich denn, ein Gaukler?</emphasis> �Wie steht es mit Luc? Ich will ihn nicht sehen, aber ist er hier?� �Ich f�rchte, er ist nicht hier.� Der zweite der jungen M�nner, Elam Dowtry, rieb sich �ber die lange Nase. Das Schwert an seinem G�rtel pa�te �berhaupt nicht zu seinem groben Wollwams und der Sch�rze. Den Griff des Schwerts hatte er mit ungegerbtem Leder neu umwickelt, aber die Lederscheide war alt und zernarbt und bl�tterte langsam ab. �Lord Luc ist weg, um das Horn von Valere zu suchen, glaube ich. Oder vielleicht auch Trollocs.� Dav und Elam waren Perrins Freunde, oder zumindest waren sie es gewesen, seine Kumpane bei der Jagd und beim Fischen. Beide waren auch etwa im gleichen Alter, doch ihr fasziniertes Grinsen lie� sie nun j�nger erscheinen. Sowohl Mat als auch Rand h�tten sich mittlerweile wohl f�r gut f�nf Jahre �lter ausgeben k�nnen. Vielleicht traf das auch f�r ihn zu.</p><p>�Ich hoffe, er kommt bald zur�ck�, fuhr Elam fort. �Er hat mir gezeigt, wie man mit dem Schwert umgeht. Wu�test du, da� er ein J�ger des Horns ist? Und er w�re K�nig, wenn er seine Rechte beanspruchen k�nnte. K�nig von Andor, wie es hei�t.� �Andor hat nur K�niginnen�, murmelte Perrin geistesabwesend, wobei er Failes Blick suchte, �und niemals K�nige.� �Also ist er nicht hier�, sagte sie. Gaul verlagerte sein Gewicht ein wenig. Er wirkte, als wolle er sich sofort auf die Suche nach Luc machen. Seine Augen waren wie blaues Eis. Es h�tte Perrin nicht �berrascht, h�tten sich Bain und Chiad auf der Stelle verschleiert.</p><p>�Nein�, sagte Verin, ganz in ihre Notizen versunken. �Nicht, da� er nicht manchmal eine Hilfe gewesen w�re, aber er hat so eine Art, Schwierigkeiten heraufzubeschw�ren, kaum da� er da ist. Gestern zum Beispiel hat er, bevor irgend jemand wu�te, was er vorhatte, eine Delegation hinausgef�hrt zu einer Patrouille der Wei�m�ntel und ihnen mitgeteilt, da� Emondsfeld f�r sie geschlossen sei. Offensichtlich hat er ihnen auch erkl�rt, sie d�rften nicht n�her herankommen als bis auf zehn Meilen Entfernung. Ich halte nichts von den Wei�m�nteln, aber ich glaube nicht, da� sie erfreut waren. Es ist nicht gut, sie mehr als notwendig gegen uns aufzubringen.� Sie runzelte die Stirn �ber ihren letzten Notizen, rieb sich die Nase und schien nicht einmal zu bemerken, da� sie einen Tintenschmierer darauf hinterlie�.</p><p>Perrin war es gleich, was die Wei�m�ntel davon hielten. �Gestern�, hauchte er. Wenn Luc gestern ins Dorf zur�ckgekommen war, konnte er nichts mit den Trollocs zu tun gehabt haben, die sich so pl�tzlich an einem unerwarteten Ort befunden hatten. Je mehr Perrin dar�ber nachdachte, wie dieser Hinterhalt zustande gekommen war, desto sicherer war er, da� die Trollocs sie erwartet hatten. Und desto lieber h�tte er Luc die Schuld daran gegeben. �Der Wunsch macht aus einem Stein noch keinen K�se�, murmelte er. �Aber er riecht nach K�se, wenn ich mich nicht t�usche.� Dav und die beiden anderen blickten einander befremdet an. Perrin glaubte, da� sie einfach aus seinen Worten nicht schlau wurden.</p><p>�Es waren vor allem welche von den Coplins�, sagte der dritte Bursche mit �berraschend tiefer Stimme. �Darl und Hari und Dag und Ewal. Und Wit Congar. Daise hat mit ihm deshalb ganz sch�n Krach gemacht.� �Ich hatte geh�rt, sie h�tten die Wei�m�ntel so gern?� Perrin kam der Bursche mit der Ba�stimme bekannt vor. Er war zwei oder drei Jahre j�nger als Elam und Dav, aber ein paar Fingerbreit gr��er, hatte ein hageres Gesicht, aber breite Schultern.</p><p>�Das schon.� Der Bursche lachte. �Du kennst sie ja. Sie neigen grunds�tzlich zu allem, was den anderen die gr��tm�glichen Schwierigkeiten bereitet. Seit Lord Luc mit ihnen geredet hat, sind sie alle daf�r, nach Wachh�gel zu marschieren und den Wei�m�nteln zu sagen, sie sollten sich von den Zwei Fl�ssen fortscheren. Zumindest sind sie daf�r, da� jemand anders dorthin marschiert. Ich denke, sie wollen sich im Moment der Mehrheit wieder anschlie�en.� Wenn dieses Gesicht runder gewesen w�re und sich einen Fu� n�her am Boden bef�nde... �Ewin Finngar!� rief Perrin mit einemmal. Das konnte fast nicht sein; Ewin war ein st�mmiger kleiner Nichtsnutz, der sich immer dort hineindr�ngte, wo die �lteren Jungen sich trafen. Dieser Junge dort w�rde genauso gro� oder noch gr��er als er sein, wenn er mit Wachsen aufh�rte. �Bist du das tats�chlich?� Ewin nickte und grinste breit. �Wir haben soviel von dir geh�rt, Perrin!� sagte er mit dieser verbl�ffenden Ba�stimme. �Wie du gegen Trollocs gek�mpft und alle m�glichen Abenteuer erlebt hast drau�en in der weiten Welt. So was erz�hlt man sich halt. Ich darf dich doch immer noch Perrin nennen, oder?� �Licht, ja, nat�rlich!� fauchte Perrin. Er hatte wirklich die Nase voll von diesem Goldauge-Getue.</p><p>�Ich w�nschte, ich w�re letztes Jahr mit dir gekommen.� Dav rieb sich im Eifer die H�nde. �Mit Aes Sedai und Beh�tern und einem Ogier heimkehren!� Es klangt als z�hle er Troph�en auf. �Alles, was ich tue, ist K�he h�ten und K�he melken und dann wieder K�he h�ten und K�he melken. Dazwischen darf ich mit dem Rechen arbeiten und Holz hacken, damit ich Abwechslung habe. Du hast dagegen Gl�ck gehabt.� �Wie war es denn?� fragte Elam atemlos. �Alanna Sedai hat gesagt, du w�rst bis oben an die Gro�e F�ule gekommen, und ich habe au�erdem geh�rt, du seist schon in Caemlyn und Tear gewesen. Wie ist das Leben in einer Stadt? Stimmt es, da� sie zehnmal so gro� wie Emondsfeld sind? Hast du ein richtiges Schlo� gesehen? Gibt es Schattenfreunde in den St�dten? Ist die F�ule wirklich voll von Trollocs und Blassen und Beh�tern?� �Hast du diese Narbe von einem Trolloc?� Trotz dieser m�chtigen Stimme wirkte Ewin doch noch wie der aufgeregte kleine Frechdachs von einst. �Ich m�chte auch gern eine Narbe haben. Hast du schon eine K�nigin gesehen? Oder einen K�nig? Ich glaube, ich w�rde lieber eine K�nigin kennenlernen, aber ein K�nig w�re auch toll. Wie ist es in der Wei�en Burg? Ist sie so gro� wie ein Palast?� Faile l�chelte am�siert, aber Perrin war verdutzt �ber diesen Frontalangriff. Hatten sie denn die Trollocs in jener Winternacht schon ganz vergessen und die drau�en auf dem Land, die jetzt ihr Unwesen trieben? Elam hielt seinen Schwertgriff gepackt, als wolle er im n�chsten Moment zur F�ule aufbrechen, und Dav stand beinahe auf Zehenspitzen. Seine Augen glitzerten richtig. Ewin wirkte, als wolle er Perrin am Kragen packen. Abenteuer? Sie waren rechte Idioten. Und doch standen ihnen schwere Zeiten bevor, schwerere, als die Zwei Fl�sse jemals erlebt hatten, wie Perrin bef�rchtete. Es w�rde nicht schaden, wenn es noch ein wenig dauerte, bevor sie die brutale Wahrheit kennenlernten.</p><p>Seine Seite schmerzte, doch er bem�hte sich, die Fragen zu beantworten. Sie schienen entt�uscht davon, da� er die Wei�e Burg nicht gesehen hatte und auch weder einen K�nig noch eine K�nigin. Er glaubte wohl, Berelain sei ja auch eine Art von K�nigin, aber da Faile zugegen war, wollte er sie lieber nicht erw�hnen. Er scheute auch vor einigen anderen Dingen zur�ck: Falme, das Auge der Welt, die Verlorenen und <emphasis>Callandor.</emphasis> Das waren gef�hrliche Themen, die letzten Endes direkt zum Wiedergeborenen Drachen hinf�hrten. Aber ein wenig �ber Caemlyn erz�hlen konnte er gefahrlos, und dann erz�hlte er weiter von Tear und den Grenzlanden und der F�ule. Es war eigenartig, was sie so einfach hinnahmen und was nicht. So schnappten sie fasziniert alles �ber die vom Verderben gezeichnete Landschaft der F�ule auf und wie sie zu verrotten schien, noch w�hrend man zusehen konnte, und das von den schienarischen Soldaten mit ihrem Haarknoten, den <emphasis>Ogier-Stedding,</emphasis> in denen die Aes Sedai die Macht nicht benutzen konnten und die von Blassen nur sehr z�gernd betreten wurden... Aber die Ausma�e des Steins von Tear oder die enorme Gr��e der St�dte...</p><p>�ber seine eigenen angeblichen Abenteuer sagte er nur: �Zur Hauptsache war ich damit besch�ftigt, zu verhindern, da� man mir den Kopf abschl�gt. Daraus bestehen Abenteuer, und daraus, m�hsam einen Schlafplatz f�r die Nacht ausfindig zu machen und etwas zum Essen zu beschaffen. Wenn man Abenteuer erlebt, mu� man ziemlich oft hungern und im Kalten und Feuchten schlafen oder alles auf einmal.� Das gefiel ihnen nicht besonders, und sie schienen es ihm auch nicht recht abzunehmen, genauso, wie sie einfach nicht glaubten, da� der Stein von Tear so gro� sei wie ein kleiner Berg. Er erinnerte sich daran, da� er vor ihrem Aufbruch von den Zwei Fl�ssen genausowenig �ber die Welt gewu�t hatte. Das half aber auch nicht viel. So gro�e Augen hatte er nie gemacht. Oder doch? Im Schankraum schien es recht hei� zu sein. Er h�tte ja sein Wams ausgezogen, aber das machte so unendlich viel M�he.</p><p>�Was ist eigentlich mit Rand und Mat?� wollte Ewin wissen. �Wenn man st�ndig hungern mu� und vom Regen na� wird, warum sind sie dann nicht auch heimgekommen?� Tam und Abell waren mittlerweile eingetreten. Tam hatte sich einen Schwertg�rtel �ber das Wams geschnallt, und beide M�nner trugen B�gen. Es war seltsam, aber bei Tam wirkte das Schwert irgendwie richtig, trotz der Bauernkleidung. Also erz�hlte Perrin den anderen dasselbe, was er schon zuvor berichtet hatte, wie Mat immer w�rfelte, sich in Tavernen herumtrieb und den M�dchen nachstellte, und wie Rand seine feine Kleidung trug und ein h�bsches, blondes M�dchen am Arm hatte. Er machte eine einfache Lady aus Elayne, denn sie w�rden wahrscheinlich nicht glauben, da� sie die Tochter-Erbin von Andor sei, und da� er recht hatte, merkte er schon an ihren ungl�ubigen Mienen. Trotzdem verlief alles zufriedenstellend. Es war eben, was sie gern h�ren wollten, und ihre Zweifel schwanden auch zunehmend, als Elam feststellte, da� ja Faile auch eine Lady sei und Perrin ganz sch�n sicher im Griff habe. Da mu�te Perrin selbst grinsen. Er fragte sich, was sie wohl sagen mochten, wenn er ihnen erz�hlte, da� sie auch noch die Cousine einer K�nigin war.</p><p>Faile schien sich aber aus irgendeinem Grund nicht dar�ber am�sieren zu k�nnen. Sie wandte sich ihnen mit einem eisigen Blick zu und einem Gesichtsausdruck, der Elayne h�tte Konkurrenz machen k�nnen, wenn sie zornig war. �Ihr habt ihn jetzt genug ausgequetscht. Er ist verwundet. Raus mit Euch!� Zu seinem Erstaunen verbeugten sie sich ungeschickt � Dav probierte sogar einen Kratzfu� und wirkte dabei wie ein kompletter Narr � und murmelten hastig Entschuldigungen, aber ihr und nicht ihm gegen�ber, und wandten sich zur T�r. Ihr Abgang wurde durch das Eintreten von Loial verz�gert, der sich geb�ckt durch die T�r schob. Trotzdem streifte sein wie immer zerzaustes Haar den oberen T�rbalken. Sie blickten den Ogier mit gro�en Augen an, als s�hen sie ihn das erste Mal, warfen dann einen Blick zu Faile zur�ck und hasteten hinaus. Dieser kalte, ganz von der Lady gepr�gte Blick funktionierte perfekt.</p><p>Als sich Loial aufrichtete, befand sich sein Kopf genau unter den Deckenbalken. Seine Manteltaschen beulten sich wie immer eckig aus, wo er seine B�cher mit sich herumschleppte, aber zus�tzlich trug er jetzt noch eine riesige Axt. Der Schaft war mannshoch, und die Axtschneide war beinahe so gro� wie die ganze Axt Perrins. �Du bist verwundet�, dr�hnte seine Stimme auf, als sein Blick auf Perrin fiel. �Man sagte mir, du seist zur�ckgekommen, aber nicht, da� du verwundet bist. Sonst w�re ich schneller gekommen.� Perrin fuhr beim Anblick der Axt doch ein wenig zusammen. Bei den Ogiern gab es eine Redensart: �... die Axt auf einen langen Schaft stecken...�, und das hie�, man handle �berhastet oder im Zorn. Das schien f�r die Ogier so ziemlich ein und dasselbe zu sein. Loial sah wirklich zornig aus. Seine behaarten Ohren standen nach hinten gerichtet, und er runzelte die Stirn derart, da� die langen Augenbrauen bis auf seine Wangen herabhingen. Zweifellos hatte das damit zu tun, da� er B�ume f�llen mu�te. Perrin h�tte ihn jetzt gern allein gesprochen, um ihn zu fragen, ob er mehr �ber Alannas Aktivit�ten in Erfahrung gebracht habe. Oder die Verins. Er rieb sich m�de �ber das Gesicht und stellte �berrascht fest, da� es trocken war. Er f�hlte sich aber, als schwitze er stark.</p><p>�Er ist eben ein Sturkopf�, sagte Faile, die nun Perrin den gleichen unnachgiebigen Blick zuwarf, den sie bei Dav und Elam und Ewin ben�tzt hatte. �Du solltest im Bett liegen. Wo ist Alanna, Verin? Wenn sie ihn schon heilen soll, wo bleibt sie dann nur?� �Sie wird schon kommen.� Die Aes Sedai blickte nicht auf. Sie war wieder in ihr kleines Buch versunken, hatte die Stirn nachdenklich gerunzelt und die Feder in der Hand.</p><p>�Aber er sollte endlich ins Bett kommen!� �Daf�r habe ich sp�ter auch noch Zeit�, sagte Perrin entschlossen. Er l�chelte sie an, um seinen Worten die H�rte zu nehmen, aber sie blickte trotzdem besorgt drein und murmelte leise �Sturkopf�. Er konnte Loial vor Verin nicht �ber die Aes Sedai ausfragen, aber es gab ja noch etwas genauso Wichtiges. �Loial, das Wegetor steht wieder offen, und Trollocs kommen durch. Wie kann das sein?� Die Brauen des Ogiers sanken noch weiter herunter, und seine Ohren hingen ebenfalls schlapp nach unten. �Mein Fehler, Perrin�, grollte er traurig. �Ich habe beide <emphasis>Avendesora-Bl�tter</emphasis> au�en angebracht. Das verschlo� das Wegetor von der Innenseite, aber von au�en her konnte es immer noch jeder �ffnen. Die Kurzen Wege lagen nun generationenlang im Dunkel, aber wir haben sie wachsen lassen. Ich konnte mich nicht dazu zwingen, das Tor zu zerst�ren. Es tut mir leid, Perrin. Es ist alles mein Fehler.� �Ich habe nicht geglaubt, da� man ein Wegetor �berhaupt zerst�ren kann�, sagte Faile.</p><p>�Ich habe damit auch nicht wirklich Zerst�ren gemeint.� Loial st�tzte sich auf den langen Schaft seiner Axt. �Es wurde schon einmal ein Wegetor zerst�rt, weniger als f�nfhundert Jahre nach der Zerst�rung der Welt, wie es Damelle berichtet, die Tochter von Ala, Tochter der Soferra, denn das Tor befand sich in der N�he eines <emphasis>Steddings,</emphasis> das von der F�ule verschluckt worden war. Wie die Dinge liegen, sind zwei oder drei Wegetore in der F�ule verlorengegangen. Aber sie schrieb, es sei �u�erst schwierig gewesen und man habe dreizehn Aes Sedai dazu ben�tigt, die mit Hilfe eines <emphasis>Sa'Angreal</emphasis> zusammenarbeiteten. Ein vorheriger Versuch, von dem sie ebenfalls berichtete, mit nur neun Aes Sedai und w�hrend der Trolloc-Kriege, besch�digte das Tor auf eine Art, da� die Aes Sedai hineingesogen... � Er unterbrach sich, und seine Ohren ringelten sich vor Verlegenheit. Mit den Kn�cheln einer Hand ber�hrte er seine Nase. Alle sahen ihn an, selbst Verin und die Aiel. �Manchmal lasse ich mich etwas hinrei�en. Das Wegetor. Ja. Ich kann es nicht zerst�ren, aber wenn ich beide <emphasis>Avendesora</emphasis>-Bl�tter ganz entferne, werden sie absterben.� Er verzog das Gesicht bei dem Gedanken. �Das einzige Mittel, um dann noch das Tor zu �ffnen, besteht darin, da� die �ltesten den Talisman des Wachsens hinbringen. Obwohl ich glaube, eine Aes Sedai k�nnte vielleicht ein Loch hineinschneiden.� Diesmal schauderte er. Ein Wegetor zu zerst�ren war wohl f�r ihn das gleiche, wie ein Buch zu zerrei�en. Einen Augenblick sp�ter wirkte seine Miene wieder grimmig entschlossen. �Ich gehe jetzt hin.� �Nein!� sagte Perrin in scharfem Tonfall. Die Pfeilspitze schien zu pulsieren, aber es tat eigentlich nicht mehr weh.</p><p>Er redete zuviel. Seine Kehle war ausgetrocknet. �Dort oben sind Trollocs, Loial. Sie k�nnen einen Ogier genauso wie einen Menschen in den Kochtopf stecken, wenn sie ihn vorher kleinschneiden.� �Aber Perrin, ich...� �Nein, Loial. Wie kannst du dein Buch fertigschreiben, wenn du wegrennst und dich umbringen l��t?� Loials Ohren zuckten. �Ich bin daf�r verantwortlich, Perrin.� �Die Verantwortung liegt bei mir�, sagte Perrin sanft. �Du hast mir gesagt, was du mit dem Wegetor vorhattest, und ich habe dir nichts anderes vorgeschlagen. Au�erdem f�hrst du jedesmal derart zusammen, wenn man deine Mutter erw�hnt, da� ich sie lieber nicht auf dem Hals haben m�chte. Ich gehe selbst, sobald Alanna mir diesen Pfeil aus dem K�rper geholt und mich geheilt hat.� Er wischte sich �ber die Stirn und runzelte dann die Stirn, als er die Hand anblickte. Immer noch kein Schwei�. �Kann ich ein wenig Wasser haben?� Faile war einen Augenblick sp�ter an seiner Seite. Ihre k�hlen Finger f�hlten nach, wo sich seine Hand befunden hatte. �Er verbrennt ja! Verin, wir k�nnen nicht auf Alanna warten. Ihr m��t... � �Ich bin schon da�, verk�ndete die dunkelhaarige Aes Sedai, die von der Hintert�r des Schankraums her erschien, Marin al'Vere und Alsbet Luhhan im Schlepptau. Ihvon kam gleich hinterher. Perrin f�hlte das Prickeln der Einen Macht schon, bevor Alannas Hand die Failes an seiner Stirn abl�ste. Sie f�gte mit ihrer k�hlen, ernsten Stimme hinzu: �Tragt ihn in die K�che. Der Tisch dort ist gro� genug, um ihn daraufzulegen. Schnell. Es ist nicht mehr viel Zeit.� In Perrins Kopf drehte sich alles, und mit einemmal bemerkte er, da� Loial seine Axt neben die T�r gestellt und ihn auf die Arme genommen hatte. �Das Wegetor ist meine Sache, Loial.� <emphasis>Licht, ich habe vielleicht Durst!</emphasis> �Meine Verantwortung.� Die Pfeilspitze schmerzte tats�chlich nicht mehr so sehr wie vorher, aber daf�r tat sein ganzer K�rper gleichm��ig weh. Loial trug ihn irgendwo hin. Er mu�te sich unter den T�rbalken immer ducken. Da war Frau Luhhan. Sie bi� sich auf die Unterlippe und verzog das Gesicht, als wolle sie weinen. Er fragte sich, was sie wohl habe. Sie weinte doch sonst nie. Auch Frau al'Vere wirkte besorgt.</p><p>�Frau Luhhan�, murmelte er, �meine Mutter sagt, ich kann zu Meister Luhhan in die Lehre gehen.� Nein. Das war doch schon lange her. Das war... Was war? Er konnte sich anscheinend nicht mehr daran erinnern.</p><p>Er lag auf etwas Hartem und h�rte Alanna sagen: �... Widerhaken h�ngen genauso am Knochen fest wie im Fleisch, und die Pfeilspitze hat sich gedreht. Ich mu� sie wieder so hindrehen, wie sie urspr�nglich steckte, und sie dann herausziehen. Wenn ihn der Schock nicht t�tet, kann ich anschlie�end den von mir angerichteten Schaden zusammen mit dem Rest mit Hilfe der Macht heilen. Es gibt keinen anderen Weg. Er ist jetzt nahe am Abgrund.� Das hatte ja nichts mit ihm zu tun.</p><p>Faile warf ihm ein zitterndes L�cheln zu. Ihr Gesicht schien ihm verdreht � das Haar unten und das Kinn oben. Hatte er wirklich einmal geglaubt, ihr Mund sei zu breit? Er war genau richtig. Er wollte ihre Wange ber�hren, aber aus irgendeinem unerfindlichen Grund hielten Frau al'Vere und Frau Luhhan seine Arme fest. Sie st�tzten sich sogar mit ihrem ganzen Gewicht darauf. Auch auf seinen Beinen sa� jemand, und Loials m�chtige Pratzen bedeckten seine Schultern und dr�ckten sie auf den Tisch. Tisch. Ja. Den K�chentisch.</p><p>�Bei� auf die Z�hne, mein Herz�, sagte Faile von weit weg. �Es wird weh tun.� Er wollte sie fragen, was denn so weh tun werde, aber dann dr�ckte sie ihm einen mit Leder umwickelten Stock zwischen die Z�hne. Er witterte das Leder und das Gew�rzholz und sie. Ob sie wohl mit ihm auf die Jagd gehen w�rde, �ber endlose Grasebenen rennen und zahllose Rudel von Hirschen hetzen? Eisesk�lte durchzitterte ihn. Am Rande seines Bewu�tseins erkannte er das Gef�hl, das die Eine Macht begleitete. Und dann kam der Schmerz. Er h�rte, wie der Stock zwischen seinen Z�hnen zerbrach, bevor alles von der Dunkelheit verschlungen wurde.</p></section><section><title><p>44</p><p>Der Sturm naht</p></title><p>Perrin �ffnete langsam die Augen und blickte auf zu der wei� get�nchten Decke. Er brauchte einen Augenblick lang, bis ihm klar wurde, da� er in einem Himmelbett und auf einer Federmatratze lag, eine Decke �ber dem K�rper hatte und ein mit G�nsefedern gestopftes Kissen unter dem Kopf. Unz�hlige Ger�che k�mpften um die Vorherrschaft in seiner Nase: die Federn, die Wolle seiner Decke, eine brutzelnde Gans, Brot und Honigkuchen im Backofen. Eines der Zimmer in der Weinquellenschenke. Durch die zugezogenen wei�en Vorh�nge an den Fenstern drang unverkennbar heller Morgensonnenschein. Morgen. Er tastete nach seiner Seite. Seine Finger ber�hrten glatte Haut, aber er f�hlte sich schw�cher als zuvor, schw�cher als je, seit der Pfeil ihn getroffen hatte. Doch dieser Preis, den er zu zahlen hatte, war ja wohl gering, wenn man ihn mit dem Erfolg verglich. Seine Kehle war v�llig ausgetrocknet.</p><p>Als er sich r�hrte, sprang Faile von einem Stuhl neben einem kleinen, aus Natursteinen gemauerten Kamin auf, warf schnell eine rote Decke zur Seite und streckte sich dann. Sie hatte sich umgezogen und trug nun ein dunkleres enges Reitkleid. Die graue Seide war recht verknittert und wies darauf hin, da� sie auf diesem Stuhl geschlafen hatte. �Alanna sagte, da� du Schlaf brauchtest�, sagte sie. Er langte nach der wei�en Kanne auf dem kleinen Nachttischchen, und so go� sie ihm hastig einen Becher Wasser ein und reichte ihn Perrin. �Du mu�t noch zwei oder drei Tage hierbleiben, bis deine Kraft zur�ckgekehrt ist.� Diese Worte klangen normal. Nur eine leichte Unterstrom lag darin, den er kaum bemerkte und der sich h�chstens noch in einem Zusammenziehen ihrer Augen zeigte. �Was ist los?� Sie stellte vorsichtig den Becher wieder auf den Nachttisch zur�ck und strich sich das Kleid glatt. �Nichts ist los.� Die Anspannung in ihrer Stimme wurde noch deutlicher.</p><p>�Faile, l�g mich nicht an!� �Ich l�ge nicht!� fauchte sie. �Ich werde dir das Fr�hst�ck bringen lassen, und du hast noch Gl�ck, da� ich das �berhaupt mache, obwohl du mich der L�ge bez... � �Faile.� Er sprach ihren Namen so ernst wie m�glich aus, und sie z�gerte. Ihr arroganter Blick mit hocherhobenem Kinn wandelte sich dann aber langsam zu einem besorgten Stirnrunzeln, das ebenso schnell wieder verschwand. Er sah ihr geradewegs in die Augen. Er w�rde sie nicht so davonkommen lassen, nur weil sie die typischen Tricks einer hochn�sigen Lady beherrschte.</p><p>Schlie�lich seufzte sie resignierend. �Ich glaube, du hast ein Recht darauf, Bescheid zu wissen. Aber du wirst in diesem Bett liegenbleiben, bis Alanna und ich dir erlauben, aufzustehen. Loial und Gaul sind weg.� �Weg?� Er ri� die Augen verwirrt auf. �Was meinst du damit � weg? Sind sie fortgegangen?� �Ja, so in etwa. Die Wachen haben sie gehen sehen, heute morgen bei Tagesanbruch. Sie sind nebeneinander zum Westwald hin�bergetrabt. Keiner dachte sich etwas dabei, und ganz gewi� hat niemand versucht, sie aufzuhalten � einen Ogier und einen Aiel. Ich habe vor nicht einmal einer Stunde erst davon geh�rt. Sie sprachen �ber B�ume, Perrin. Und �ber die Baumges�nge der Ogier.� �B�ume?� grollte Perrin. �Es liegt an diesem verfluchten Wegetor! Seng mich, ich habe ihm doch gesagt, er solle nicht... Sie werden sich noch umbringen lassen, bevor sie es �berhaupt erreichen!� Er warf die Decke zur Seite, schwang seine Beine �ber die Bettkante und stand wacklig auf. Pl�tzlich wurde ihm bewu�t, da� er nichts anhatte, nicht einmal Unterw�sche. Aber wenn sie erwarteten, da� sie ihn auf diese Weise unter der Bettdecke festnageln konnten, dann hatten sie sich get�uscht. Er sah, da� seine Kleider sauber zusammengefaltet auf dem Stuhl mit der hohen Lehne an der T�r lagen. Daneben standen seine Stiefel, und die Axt hing am G�rtel an einem Haken an der Wand. So stolperte er hin�ber zu seinen Kleidern und begann, sich so schnell wie m�glich anzuziehen.</p><p>�Was machst du da?� wollte Faile wissen. �Du gehst sofort zur�ck ins Bett!� Die eine Faust hatte sie in die H�fte gest�tzt, und mit dem Zeigefinger der anderen Hand deutete sie energisch auf das Bett, als k�nne ihn allein die Geste hinbringen.</p><p>�Sie k�nnen noch nicht weit sein�, sagte er zu ihr. �Nicht zu Fu�. Gaul reitet nicht, und Loial hat immer behauptet, er traue seinen eigenen Beinen mehr zu als einem Pferd. Auf Traber kann ich sie bis sp�testens um die Mittagszeit eingeholt haben.� Er zog sich das Hemd �ber den Kopf, lie� es aber lose �ber die Hose h�ngen und setzte sich erstmal, oder besser gesagt: Er plumpste auf den Stuhl, um die Stiefel anzuziehen.</p><p>�Du spinnst ja wohl, Perrin Aybara! Du kannst sie in diesem Wald noch nicht einmal finden!� �Ich bin kein so schlechter Spurensucher. Ich kann sie aufsp�ren.� Er l�chelte sie an, doch sie lie� sich davon nicht ber�hren.</p><p>�Du kannst dich h�chstens selber umbringen lassen, du haariger Narr! Sieh dich doch selbst mal im Spiegel an. Du kannst ja kaum stehen! Du w�rdest aus dem Sattel fallen, bevor du noch eine Meile geritten w�rst!� Er versuchte, nicht zu zeigen, welche M�he es ihm bereitete, stand auf und stampfte mit den F��en auf, um sie richtig in die Stiefel hineinzubekommen. Traber w�rde schlie�lich die Hauptarbeit verrichten m�ssen. Er mu�te sich ja nur festhalten. �Unsinn, ich bin so stark wie ein Pferd. H�r auf, mich herumzukommandieren.� Er zog sein Wams �ber, packte seine Axt und den G�rtel. Faile packte daf�r ihn, als er die T�r �ffnete, und so schleifte er sie mit. Ihre Versuche, ihn zur�ckzuhalten, waren vergebens.</p><p>�Manchmal hast du jedenfalls den Verstand eines Pferds�, schnaufte sie. �Weniger! Perrin, du mu�t auf mich h�ren. Du mu�t... � Das Zimmer befand sich nur wenige Schritte von der Treppe entfernt, die hinunter zum leeren Schankraum f�hrte. Diese Treppe wurde ihm jetzt zum Verh�ngnis. Als er sein Knie beugte, um die erste Stufe hinabzusteigen, gab es nach, und er taumelte vorw�rts. Vergeblich bem�hte er sich, nach dem Gel�nder zu greifen. Er ri� auch noch die schreiende Faile mit. Sie �berschlugen sich immer wieder und krachten schlie�lich mit einem dumpfen Schlag gegen das Fa� am Fu� der Treppe. Faile lag ganz auf ihm und streckte alle viere von sich. Das Fa� kippte und drehte sich. Die Schwerter drinnen klapperten, doch dann stand es schlie�lich wieder still.</p><p>Perrin brauchte einen Moment, um wieder Luft zu bekommen und zu sprechen. �Geht es dir gut?� fragte er besorgt. Sie lag schlaff auf seinem Brustkorb. Er sch�ttelte sie sanft. �Faile, was ist...?� Langsam hob sie den Kopf, wischte sich ein paar dunkle Haarstr�hnen vom Gesicht und sah ihn eindringlich an. �Geht es <emphasis>dir</emphasis> denn gut? Wenn ja, dann werde ich dir m�glicherweise zur Strafe etwas antun.� Perrin schnaubte. Ihr tat wahrscheinlich weniger weh als ihm. Vorsichtig f�hlte er nach der Stelle, wo der Pfeil gesteckt hatte, aber die f�hlte sich auch nicht anders an als der Rest. Nun ja, sein ganzer K�rper schmerzte von oben bis unten. �Geh runter von mir, Faile. Ich mu� Traber aus dem Stall holen.� Statt dessen packte sie ihn mit beiden H�nden am Kragen, und ihr Gesicht n�herte sich dem seinen so weit, da� sich ihre Nasen fast ber�hrten. �H�r auf mich, Perrin�, sagte sie beschw�rend. �Du-kannst-nicht-alles-allein-schaffen. Falls Loial und Gaul gegangen sind, um das Wegetor zu verschlie�en, mu�t du das ihnen �berlassen. Dein Platz ist hier. Selbst wenn du wieder bei Kr�ften w�rst � und das ist nicht der Fall! H�rst du? Du bist nicht stark genug! � Aber selbst wenn du stark genug w�rst, d�rftest du ihnen nicht hinterherreiten. Du kannst nicht alles selbst erledigen!� �Also, was treibt Ihr beiden denn da?� fragte Marin al'Vere. Sie wischte sich die H�nde an der langen, wei�en Sch�rze ab. Sie war von der Hintert�r des Schankraums hergekommen. Die Augenbrauen hatte sie fast bis zum Haaransatz hochgezogen. �Bei diesem L�rm hatte ich Trollocs erwartet, aber nicht so was.� Es klang peinlich ber�hrt, aber auch am�siert.</p><p>Perrin wurde klar, wie die Szene auf andere wirken mu�te: Faile lag auf ihm, und ihre K�pfe waren einander so nahe, da� sie wie ein Paar beim heftigen K�ssen aussehen mu�ten. Auf dem Fu�boden des Schankraums.</p><p>Failes Wangen err�teten, und sie stand ganz schnell auf und klopfte sich den Staub vom Kleid. �Er ist genauso stur wie ein Trolloc, Frau al'Vere. Ich sagte ihm, er sei zu schwach zum Aufstehen. Er mu� sofort zur�ck ins Bett. Er sollte endlich lernen, da� er nicht alles selbst erledigen kann, besonders, wenn er nicht einmal eine Treppe hinunterlaufen kann.� �Oh, meine Liebe�, sagte Frau al'Vere kopfsch�ttelnd, �das ist aber die falsche Methode.� Sie beugte sich zu der j�ngeren Frau vor und fl�sterte ihr leise etwas zu, doch Perrin verstand jedes Wort. �Er war als kleiner Junge die meiste Zeit �ber durchaus angenehm und leicht zu f�hren, wenn man wu�te, wie. Aber wenn man versuchte, ihn zu etwas zu zwingen, dann wurde er so starrk�pfig, wie man nur sein kann. Die M�nner �ndern sich nicht so arg; sie werden nur gr��er. Wenn Ihr ihm weiterhin sagt, er <emphasis>m�sse</emphasis> dies tun und das <emphasis>d�rfe</emphasis> er nicht tun, dann legt er die Ohren an und stemmt sich mit aller Macht dagegen. La�t mich es Euch zeigen.� Marin l�chelte ihn strahlend an und ignorierte seinen b�sen Blick. �Perrin, glaubst du nicht, da� eine meiner G�nsefedermatratzen bequemer ist als der Fu�boden? Ich bringe dir etwas von meiner Nierenpastete, sobald du wieder in den Federn steckst. Du mu�t ja m�chtig Hunger haben, nachdem du gestern abend nichts zu essen hattest. Hier. La� mich dir aufhelfen.� Er stie� ihre H�nde weg und stand alleine auf. Nun ja, an der Wand mu�te er sich ein wenig abst�tzen. Er glaubte, die H�lfte aller Muskeln in seinem K�rper m��ten gezerrt sein. Starrk�pfig? Er war noch nie in seinem Leben starrk�pfig gewesen. �Frau al'Vere, w�rdet Ihr bitte Hu oder Tad Traber satteln lassen?� �Wenn es dir wieder besser geht�, sagte sie und versuchte, ihn zur Treppe hin zu lenken. �Glaubst du nicht, du k�nntest noch ein bi�chen mehr Ruhe vertragen?� Faile nahm ihn an seinem anderen Arm.</p><p>�Trollocs!� Der Schrei von drau�en wurde durch die W�nde ged�mpft. Dann wiederholten ein Dutzend Stimmen: �Trollocs! Trollocs!� �Das geht dich heute nichts an�, sagte Frau al'Vere bestimmt und gleichzeitig beruhigend. Er h�tte am liebsten mit den Z�hnen geknirscht. �Die Aes Sedai werden schon damit fertig. In ein oder zwei Tagen bist du dann auch wieder auf den Beinen. Du wirst schon sehen.� �Mein Pferd�, sagte er und versuchte, sich loszurei�en. Sie hielten ihn an den �rmeln fest und er erreichte lediglich, da� sie vor- und zur�ckgezerrt wurden. �Bei der Liebe des Lichts, h�rt Ihr jetzt endlich auf, an mir herumzuzerren und la�t mich zu meinem Pferd? La�t mich los!� Faile sah ihm in die Augen, seufzte und lie� seinen Arm los. �Frau al'Vere, la�t Ihr bitte sein Pferd satteln und zum Eingang bringen?� �Aber meine Liebe, er braucht wirklich... � �Bitte, Frau al'Vere�, sagte Faile energisch. �Und mein Pferd auch.� Die beiden Frauen blickten sich an, als h�tten sie vergessen, da� er �berhaupt existierte. Schlie�lich nickte Frau al'Vere.</p><p>Perrin runzelte die Stirn, w�hrend er zusah, wie sie durch den Schankraum in Richtung K�che und Stall ging. Was hatte Faile an sich, da� es pl�tzlich doch ging? Er wandte ihr seine Aufmerksamkeit zu und fragte: �Warum hast du deine Meinung ge�ndert?� Sie steckte ihm das Hemd in die Hose und murmelte etwas in sich hinein, das zweifellos nicht f�r seine Ohren bestimmt war, oder? �Ich darf nicht sagen, �du mu�t�, ja? Wenn er zu stur ist, um geradeaus gucken zu k�nnen, mu� ich ihm noch Honig um den Mund schmieren, ja?� Sie warf ihm einen Blick zu, der bestimmt nichts mit Honig zu tun hatte, aber dann verwandelte sich der Ausdruck ihrer Augen, und der Blick wurde pl�tzlich so unausstehlich s��, da� er beinahe einen Schritt r�ckw�rts tat. �Mein liebstes Herz�, fl�tete sie und zog sein Wams zurecht, �was da drau�en auch geschehen mag, ich hoffe jedenfalls, du bleibst im Sattel und so weit auf Abstand von den Trollocs wie m�glich. Du bist im Moment wirklich noch nicht in einer Verfassung, um gegen Trollocs zu k�mpfen, oder? Vielleicht morgen. Denk auch bitte daran, da� du ein General bist, ein Anf�hrer, und genauso ein Symbol f�r deine Leute darstellst wie die Flagge da drau�en. Wenn du auf den Beinen bist und dich dem Volk zeigst, wird das die Moral heben. Und es ist viel leichter, zu kalkulieren, was zu tun ist, und deine Befehle auszugeben, wenn du dich nicht selbst im Get�mmel befindest.� Sie hob seinen G�rtel vom Fu�boden auf und schlang ihn um seine H�fte. Sorgf�ltig r�ckte sie sodann die Axt an seiner Seite zurecht. Und dann noch ihr Augenaufschlag! �Bitte, sag, da� du meinem Rat folgen wirst. Bitte!� Sie hatte ja recht. Gegen einen Trollocs k�nnte er sich keine zwei Minuten halten. Und gegen einen Blassen vielleicht nicht einmal zwei Sekunden. Und so schwer es ihm fiel, das zuzugeben, w�rde er sich doch keine zwei Meilen im Sattel halten k�nnen, wenn er jetzt hinter Loial und Gaul herritt. <emphasis>Dieser Narr von einem Ogier! Er ist Schriftsteller und kein Held.</emphasis> �In Ordnung�, sagte er. Aber die Taktik w�rde er ihr zur�ckzahlen. So, wie sie und Frau al'Vere �ber seinen Kopf hinweg entschieden, was f�r ihn das Beste sei, und dann noch ihr Augenaufschlag, als sei er ein vollst�ndiger Idiot. �Ich kann dir doch keinen Wunsch abschlagen, wenn du mich so s�� anl�chelst.� �Da bin ich aber froh.� Immer noch l�chelnd, wischte sie ihm Fusseln vom Wams, die er �berhaupt nicht sehen konnte. �Denn wenn nicht, und falls du dann �berleben solltest, werde ich mit dir das gleiche anstellen, was du am ersten Tag innerhalb der Kurzen Wege mit mir gemacht hast. Ich glaube nicht, da� du genug Kraft hast, um mich davon abzuhalten.� Dieses fr�hlingshafte L�cheln strahlte voller S��e sein Gesicht an. �Hast du mich verstanden?� Er mu�te unwillk�rlich schmunzeln. �Klingt, als ob ich mich doch besser von ihnen umbringen lassen sollte.� Sie schien das nicht lustig zu finden.</p><p>Hu und Tad, die schlacksigen Stallburschen, f�hrten Traber und Schwalbe heran, sobald sie nach drau�en traten. Alle augenblicklichen Einwohner Emondsfelds schienen sich am anderen Ende des Dorfs versammelt zu haben, weit jenseits des Angers mit seinen Schafen und K�hen und G�nsen und der rotwei�en Flagge mit dem Wolfskopf, die im leichten Morgenwind flatterte. Sobald er und Faile auf den Pferden sa�en, rannten die Stallburschen ohne ein weiteres Wort in die gleiche Richtung.</p><p>Was sich dort auch abspielen mochte, um einen Angriff handelte es sich bestimmt nicht. Er konnte in der Menschenmenge Frauen und Kinder erkennen, und die �Trolloc�-Rufe waren erstorben. Das Gemurmel der Menge klang wie ein Echo des G�nsegeschnatters. Er ritt langsam, da er nicht im Sattel herumschwanken wollte. Faile hielt sich mit Schwalbe ganz nah bei ihm und beobachtete ihn. Wenn sie einmal ihre Meinung ohne offensichtlichen Grund ge�ndert hatte, konnte sie das wieder tun, und er wollte sich einfach nicht mit ihr herumstreiten, ob er nun hier sein sollte oder nicht.</p><p>Die wild durcheinanderredende Menge schien tats�chlich jeden in Emondsfeld zu umfassen, Dorfbewohner genauso wie Bauern von au�erhalb. Alle standen Schulter an Schulter dicht gedr�ngt, aber sie machten f�r ihn und Faile Platz, als sie sahen, wer kam. Sein Name wurde rundherum gemurmelt, und oft h�rte er das hinzugef�gte �Goldauge�. Er h�rte auch wieder das Wort �Trollocs�, aber eher staunend gesprochen und nicht ver�ngstigt. Von Trabers R�cken aus hatte er eine gute Sicht �ber ihre K�pfe hinweg.</p><p>Die Menschenmenge erstreckte sich bis �ber die letzten H�user hinaus dorthin, wo die vielen zugespitzten Pf�hle im Boden steckten. Der beinahe sechshundert Schritt entfernte Waldrand hinter den niedrigen Baumst�mpfen war menschenleer; niemand hackte dort auf die B�ume ein.</p><p>Die M�nner mit den �xten standen verschwitzt und mit nackten Oberk�rpern in der Menge und bildeten einen Kreis um Alanna, Verin und zwei M�nner. Jon Thane, der M�ller, wischte sich Blut vom Oberk�rper. Er starrte angestrengt nach unten, um genau sehen zu k�nnen, was seine H�nde taten. Alanna richtete sich gerade von dem anderen Mann her auf, einem grauhaarigen Burschen, den Perrin nicht kannte. Er sprang nun auf und t�nzelte herum, als k�nne er selbst nicht fassen, da� er wieder laufen konnte. Er und der M�ller blickten die Aes Sedai voller Ehrfurcht an.</p><p>Das Gewirr um die Aes Sedai herum war zu dicht, um mit den Pferden durchzukommen, aber es gab ein paar kleinere fast freie Fl�chen um Ihvon und Tomas herum, vor deren Streitr�ssern jedermann Respekt hatte. Die Leute machten einen gro�en Bogen um die Tiere mit ihren wilden Augen, die wirkten, als warteten sie nur auf eine passende Gelegenheit, um auszuschlagen und zuzubei�en.</p><p>Perrin schaffte es, Tomas ohne gr��ere Schwierigkeiten zu erreichen. �Was ist geschehen?� �Ein Trolloc. Nur ein einziger.� Trotz des Plaudertons des ergrauten Beh�ters sah er dabei nicht Perrin und Faile an, sondern beobachtete sowohl Verin wie auch den Waldrand aufmerksam. �Allein entwickeln sie gew�hnlich nicht gerade viel Intelligenz. Schlau sind sie schon, aber nicht klug. Die Holzf�ller haben ihn vertrieben, bevor er mehr Ungl�ck anrichten konnte, als die beiden zu verletzen.� Die beiden Aielfrauen erschienen pl�tzlich am Waldrand. Sie hatten die Schufa um den Kopf gewickelt und sich verschleiert, so da� er sie nicht unterscheiden konnte. Zun�chst rannten sie schnell heran, dann verlangsamten sie aber doch ihr Tempo und schl�ngelten sich zwischen den spitzen Pf�hlen durch. Schlie�lich dr�ngten sie sich resolut durch die Menge. Die Menschen im Gew�hl wichen ihnen so gut es ging aus. Als sie schlie�lich Faile erreichten, hatten sie bereits die Schleier abgenommen. Faile beugte sich hinunter, um dem zu lauschen, was sie ihr sagen wollten.</p><p>�Vielleicht f�nfhundert Trollocs�, berichtete Bain gerade. �Und sie befinden sich kaum mehr als eine oder zwei Meilen hinter uns.� Ihre Stimme klang ruhig, doch ihre dunkelblauen Augen glitzerten freudig erregt. Genau wie Chiads graue Augen.</p><p>�Wie ich erwartete�, sagte Tomas seelenruhig. �Der eine ist wahrscheinlich nur allein durch den Wald marschiert, um sich etwas zum Essen zu suchen. Die anderen werden bald kommen, denke ich.� Die T�chter des Speers nickten.</p><p>Perrin deutete konsterniert auf die Menschenansammlung. �Also sollten die sich nicht alle hier drau�en befinden. Warum habt Ihr sie nicht weggetrieben?� Es war Ihvon, der auf seinem Grauen durch die Menge herankam und ihm antwortete: �Eure Leute scheinen einfach nicht auf Fremde h�ren zu wollen, jedenfalls nicht, wenn sie Aes Sedai bei der Arbeit zuschauen k�nnen. Ich w�rde vorschlagen, Ihr versucht es selbst einmal.� Perrin war sicher, da� sie sich durchgesetzt h�tten, h�tten sie es nur ernsthaft versucht. Zumindest Verin und Alanna brachten so etwas fertig. <emphasis>Also, warum haben sie dann gewartet und es mir �berlassen, obwohl sie die Trollocs erwarteten?</emphasis> Es w�re leicht gewesen, das vielleicht der Tatsache zuzuschreiben, da� er ein <emphasis>Ta'veren</emphasis> war, doch das war t�richt. Ihvon und Tomas lie�en sich und vor allem Verin und Alanna nicht von Trollocs umbringen, weil sie darauf warteten, da� ihnen ein <emphasis>Ta'veren</emphasis> sagte, was sie zu tun h�tten. Die Aes Sedai schubsten ihn einfach wieder herum und riskierten dabei aller Leben, selbst die eigenen. Aber wozu? Sein Blick traf den Failes und sie nickte leicht, als wisse sie, woran er dachte.</p><p>Er hatte jetzt keine Zeit, um das herauszufinden. Statt dessen suchten seine Blicke die Menge ab, und er entdeckte Bran al'Vere, der mit Tam al'Thor und Abell Cauthon die K�pfe zusammensteckte. Der B�rgermeister hatte einen langen Speer an die Schulter gelehnt und trug auf dem Kopf eine zerbeulte alte Stahlkappe. Um seinen rundlichen Oberk�rper spannte sich ein Lederwams mit aufgen�hten Stahlscheiben.</p><p>Alle drei M�nner blickten auf, als Perrin sich auf Traber durch die Menge zu ihnen her�berschob. �Bain sagt, da� Trollocs auf dem Weg hierher sind, und die Beh�ter glauben auch, da� wir bald angegriffen werden.� Des unaufh�rlichen Stimmengewirrs wegen mu�te er schreien, um geh�rt zu werden. Einige der am n�chsten stehenden Leute verstanden seine Worte und h�rten mit Reden auf. Bald verbreiteten sich leise Wellen von Worten wie �Trollocs� und �Angriff�.</p><p>Bran kniff die Augen zusammen. �Ja. Das mu�te ja kommen, nicht wahr? Na ja, wir wissen, was zu tun ist.� Er h�tte mit seinem beinahe bis zum Platzen gespannten Lederwams und der auf seinem Kopf auf- und abh�pfenden Stahlkappe eigentlich komisch wirken m�ssen, doch er sah lediglich ernst und entschlossen aus. Dann erhob er die Stimme und verk�ndete: �Perrin sagt, da� bald Trollocs hier ankommen werden. Ihr wi�t alle, wohin ihr geh�rt. Also beeilt Euch bitte. Schnell!� In der Menge entstand Unruhe. Frauen schickten ihre Kinder zur�ck zu den H�usern, und die M�nner liefen in allen Richtungen fort. Die Verwirrung schien zu wachsen �von Ordnung war nichts zu bemerken.</p><p>�Ich werde daf�r sorgen, da� die Schafhirten hereinkommen�, sagte Abell zu Perrin und tauchte in der Menge unter.</p><p>Cenn Buie schob sich im Tumult an Perrin vorbei. Er ben�tzte eine Hellebarde, um Hari Coplin, wie immer mit saurer Miene, Haris Bruder Darl und den alten Bili Congar anzutreiben. Bili wankte, als sei er bereits am Morgen betrunken, was durchaus sein konnte. Trotzdem trug von diesen dreien gerade Bili seinen Speer als einziger so, als wolle er ihn auch tats�chlich ben�tzen. Cenn ber�hrte seine Stirn kurz mit der Hand, als er an Perrin vorbeikam. Es sollte wohl eine Art von Gru� sein. Eine ganze Anzahl der M�nner tat es ihm gleich. Das machte ihn verlegen. Bei Dannil und den anderen jungen Burschen war das etwas anderes, doch diese M�nner hier waren um mehr als die H�lfte �lter als er.</p><p>�Du h�ltst dich gut�, stellte Faile fest.</p><p>�Ich w�nschte, ich w��te, was Verin und Alanna planen�, knurrte er. �Und damit meine ich nicht, was sie jetzt gerade wollen.� Zwei der Katapulte, die von den Beh�tern mit Hilfe der Zimmerleute im Dorf gebaut worden waren, standen an diesem Ende von Emondsfeld, mehr als mannshohe, kantige Gebilde aus schweren Balken mit dicken, gewundenen Tauen. Von ihren Pferden aus beaufsichtigten Ihvon und Tomas das Herunterwinden der wuchtigen Tragebalken. Die beiden Aes Sedai waren dagegen mehr an den gro�en Steinbrocken interessiert, die jeder f�nfzehn oder zwanzig Pfund wiegen mochten und deren erste man nun in die Schalen am Ende der Schwungbalken legte.</p><p>�Sie haben vor, dich zu einem Anf�hrer unter den Menschen zu machen�, antwortete Faile ruhig. �Ich glaube auch, du wurdest dazu geboren.� Perrin schnaubte. Er war zum Schmied geboren worden. �Ich w�rde mich viel wohler f�hlen, wenn ich w��te, warum sie das wollen.� Die Aes Sedai blickten ihn an, Verin mit schr�g gehaltenem Kopf, raubvogelartig, und Alanna mit offenem Blick und einem angedeuteten L�cheln. Wollten sie beide das gleiche und auch aus dem gleichen Grund? Das war eben das Schwierige an den Aes Sedai: Es gab immer mehr Fragen als Antworten.</p><p>Mit �berraschender Schnelligkeit kehrte nun aber doch Ordnung ein. Hier am westlichen Ende des Dorfs knieten hundert M�nner hinter dem Dornenwald von zugespitzten Pf�hlen. Sie st�tzten sich auf ein Knie und hielten ihre Speere, Hellebarden oder sonstigen Waffen, meist auf Stangen gesteckte Sicheln oder Buschhaken, nerv�s in den H�nden. Hier und da trug einer einen Helm oder den Teil einer R�stung. Hinter ihnen standen noch einmal doppelt so viele M�nner in zwei Reihen, jeder mit einem guten Langbogen in H�nden, wie er so typisch f�r die Zwei Fl�sse war, und einen gef�llten K�cher am G�rtel. Knaben kamen von den H�usern hergerannt und brachten weitere B�ndel von Pfeilen. Die M�nner steckten sie mit den Spitzen in den Erdboden vor ihren F��en. Tam schien hier den Befehl zu haben. Er lief die Reihen entlang und sprach mit jedem Mann wenigstens ein paar Worte. Bran marschierte neben ihm her und ermutigte die M�nner ebenfalls. Perrin sah keinen Grund, warum sie ihn selbst auch noch ben�tigen sollten.</p><p>Zu seiner �berraschung kamen Dannil und Ban und all die anderen Burschen, die mit ihm geritten waren, aus dem Dorf heran, und sie bildeten einen Ring um Faile und ihn. Alle trugen ihre B�gen. Sie wirkten schon etwas eigenartig auf ihn. Die Aes Sedai hatten offensichtlich die schwerer Verwundeten mit ihren Kr�ften geheilt, und die leichter Verwundeten der Heilkraft von Salben und Tinkturen �berlassen. So kam es, da� Burschen, die sich gestern noch kaum am Sattel festklammern konnten, nun leichtf��ig daherkamen, w�hrend Dannil und Tell und andere immer noch humpelten oder Bandagen trugen. So �berrascht er bei ihrem Anblick war, so sehr stie� ihn das ab, was sie mitbrachten. Leof Torfinn, der noch eine Binde um den Kopf trug, die wie eine helle Kappe �ber seinen tiefliegenden Augen thronte, hatte den Bogen �bergeh�ngt und hielt daf�r einen langen Stock in H�nden, an dem eine kleinere Version der rotger�nderten Flagge mit dem Wolfskopf hing.</p><p>�Ich glaube, eine der Aes Sedai lie� sie n�hen�, sagte Leof, als Perrin fragte, woher die denn k�me. �Milli Ayellin brachte sie Wils Pa, aber Wil wollte sie nicht tragen.� Wil al'Seen zog abwehrend ein wenig die Schultern ein.</p><p>�Ich w�rde sie auch nicht tragen wollen�, kommentierte Perrin trocken. Sie lachten, als habe er einen Scherz gemacht. Sogar Wil stimmte nach kurzem Z�gern ein.</p><p>Der Pfahlwald vor dem Dorf wirkte wohl ziemlich abschreckend, schien aber doch Trollocs gegen�ber nicht viel ausrichten zu k�nnen. Nun, vielleicht half es ein wenig, aber er wollte auf keinen Fall, da� Faile hier war, wenn sie durchbrachen. Als er sie anblickte, hatte sie jedoch wieder diesen Blick, als wisse sie genau, was er dachte. Und es gefiel ihr wohl nicht. Wenn er den Versuch unternahm, sie zur�ckzuschicken, w�rde sie streiten und sich str�uben und den Sinn dahinter nicht einsehen. So schwach, wie er sich gerade f�hlte, w�rde sie viel eher ihn zur Schenke zur�ckgeleiten, als er sie. Und ihre Haltung im Sattel, so wild und stolz, zeigte ihm, da� <emphasis>sie</emphasis> vorhatte, <emphasis>ihn</emphasis> zu verteidigen, falls die Trollocs durchbrachen. Er w�rde sie genau im Auge behalten m�ssen � mehr konnte er nicht tun.</p><p>Mit einemmal l�chelte sie, und er kratzte sich verwirrt im Bart. Vielleicht konnte sie wirklich seine Gedanken lesen.</p><p>Die Zeit verging, die Sonne schob sich langsam am Himmel hoch, und es wurde w�rmer. Manchmal rief eine Frau von einem der H�user her und wollte wissen, was geschah. Hier und da setzten sich M�nner hin, doch im Nu waren Tam oder Bran bei ihnen und befahlen ihnen, ganz schnell wieder aufzustehen und ihren Platz in der Reihe einzunehmen. H�chstens eine oder zwei Meilen entfernt, hatte Bain gesagt. Sie und Chiad sa�en dicht bei den Pf�hlen und spielten irgendein Spiel mit einem Messer, da� offensichtlich im Boden zwischen ihnen steckenbleiben mu�te. Wenn die Trollocs nahten, m��ten sie doch mit Sicherheit mittlerweile angekommen sein. Ihm fiel langsam, aber sicher das Geradesitzen schwer. Da er sich Failes wachsamer Blicke bewu�t war, hielt er sein Kreuz steif, auch wenn es nicht leicht war.</p><p>Ein Horn schmetterte blechern und schrill. �Trollocs!� rief ein halbes Dutzend Stimmen, und tier�hnliche Gestalten in schwarzen R�stungen glitten aus dem Westwald. Sie heulten laut, w�hrend sie �ber den von Baumst�mpfen �bers�ten Boden heranjagten, und schwenkten Sichelschwerter, Dornen�xte, Speere und Dreizacke. Drei Myrddraal ritten auf pechschwarzen Pferden hinter ihnen, galoppierten hierhin und dorthin, um die Trollocs vor sich her zum Angriff zu treiben. Ihre schwarzen Umh�nge fielen v�llig bewegungslos herab, ganz gleich, wie ihre Rappen auch herumwirbelten oder galoppierten. Das Horn erklang immer wieder. In kurzen, harten St��en trieb es die Horde an.</p><p>Zwanzig Pfeile schossen los, sobald der erste Trolloc erschien. Doch auch der l�ngste Schu� war beinahe hundert Schritt zu kurz.</p><p>�Aufh�ren, Ihr geistig minderbemittelten Schafsk�pfe!� schrie Tam. Bran fuhr zusammen und warf ihm einen �berraschten Blick zu. Der wirkte genauso ungl�ubig wie die Blicke von Tams Freunden und Nachbarn. Einige murrten, da� sie sich nicht so anschreien lassen wollten, Trollocs hin oder her. Tam �berging ihren Protest jedoch einfach. �Ihr wartet gef�lligst, bis ich Euch den Befehl gebe, so, wie ich es Euch gezeigt habe!� Dann drehte sich Tam seelenruhig zu Perrin um, als k�men keine Hunderte von kreischenden und jaulenden Trollocs auf sie zu, und fragte ihn: �Bei dreihundert Schritt?� Perrin nickte schnell. Dieser Mann fragte ihn? Dreihundert Schritt. Wie schnell konnte ein Trolloc dreihundert Schritt zur�cklegen? Er lockerte die Axt in ihrer Schlinge. Dieses verdammte Horn jaulte immer weiter. Die Speertr�ger kauerten sich hinter die Pf�hle, als m��ten sie sich zwingen, nicht wegzulaufen. Die Aiel hatten die Gesichter verschleiert.</p><p>Vorw�rts wogte die schreiende Flut, geh�rnte K�pfe und Gesichter mit Schnauzen oder Schn�beln, jeder um die H�lfte gr��er als ein gro�er Mann, jeder nach Blut gierend. F�nfhundert Schritt. Vierhundert. Einzelne liefen vor den anderen voraus. Sie rannten so schnell wie Pferde. Hatten die Aiel recht gehabt? Konnten das wirklich nur f�nfhundert sein? Es schien, als seien es Tausende.</p><p>�Bereit?� rief Tam, und zweihundert B�gen wurden gehoben. Die jungen M�nner bei Perrin machten es schnell den �lteren nach und bildeten sch�tzende Reihen vor Perrin, diese n�rrische Flagge in der Mitte.</p><p>Dreihundert Schritt. Perrin konnte jetzt diese entsetzlichen Gesichter klar erkennen, von Wut und Blutdurst verzerrt, als bef�nden sie sich bereits direkt vor ihm.</p><p>�Schie�t!� schrie Tam. Wie ein einziger, gewaltiger Peitschenhieb h�rte sich das Zur�ckschnellen der Bogensehnen an. Gleichzeitig krachten die Balken der Katapulte gegen die lederumh�llten Streben, und die Steinbrocken flogen.</p><p>Es regnete Hammerkopfpfeile auf die Trollocs. Unf�rmige Gestalten st�rzten zu Boden, doch einige erhoben sich wieder und taumelten, von Blassen angetrieben, weiter. Das Horn mischte sich in ihr kehliges Heulen und trieb sie voran zum T�ten. Die von den Katapulten geschleuderten Steine schlugen zwischen ihnen ein, explodierten unter Funkenschlag zu scharfkantigen Bruchst�cken und rissen gro�e L�cher in die anst�rmende Masse. Perrin war nicht der einzige, der bei diesem Anblick zusammenfuhr. Die Aes Sedai hatten also doch etwas mit den Katapulten angestellt. Er fragte sich, was wohl gesch�he, wenn man einen solchen Stein beim Laden fallen lie�.</p><p>Ein weiterer Schwarm von Pfeilen erhob sich, und dann wieder einer und noch mal und immer wieder, und von den Katapulten aus wirbelten weitere Steine durch die Luft, wenn auch in gr��er werdenden Zeitabst�nden. Feuerspr�hende Explosionen fetzten in die Reihen der Trollocs. Hammerkopfpfeile regneten auf sie herab. Und sie kamen immer noch, kreischend, heulend, st�rzend und sterbend, aber immer noch rannten andere weiter. Nun waren sie so nahe, da� die Bogensch�tzen ausschw�rmten und nicht mehr gemeinsam schossen, sondern sich ihre Ziele einzeln ausw�hlten. M�nner schrien ihren eigenen Zorn aus sich heraus, schrien beim Schie�en dem Tod ins Gesicht.</p><p>Und dann waren keine Trollocs mehr auf den Beinen und nur noch einer der Blassen, und der taumelte blind dahin, mit einer Unzahl Pfeilen gespickt. Das schrille Wiehern des Pferdes eines der Myrddraal, das im Sterben wild ausschlug, wetteiferte mit dem St�hnen und Bl�ken gest�rzter und sterbender Trollocs. Das Horn schwieg endlich. Hier und da auf der von Baumst�mpfen �bers�ten Fl�che b�umte sich ein Trollocs auf und sank, am Ende seiner Kr�fte, zur�ck. Durch all diesen L�rm hindurch h�rte Perrin die M�nner schnaufen, als seien sie zehn Meilen weit gerannt. Auch sein eigenes Herz pochte und schien ihm aus dem Brustkorb springen zu wollen.</p><p>Pl�tzlich schrie irgend jemand lauthals seinen Jubel in die Welt hinaus, und als sei damit der Bann gebrochen, h�pften die M�nner auf und ab und jubelten begl�ckt, schwenkten ihre B�gen oder was sie sonst in H�nden hielten, und warfen M�tzen in die Luft. Frauen st�rzten aus den H�usern, lachten und jubelten ebenfalls, und die Kinder rannten herbei, tanzten und feierten mit den M�nnern. Ein paar kamen zu Perrin her�ber und sch�ttelten ihm die Hand.</p><p>�Du hast uns zu einem gro�en Sieg gef�hrt, mein Junge.� Bran lachte ihn von unten her an. Er hatte seinen Helm schief nach hinten geschoben. �Ich glaube, so sollte ich dich jetzt nicht mehr nennen. Ein gro�er Sieg, Perrin.� �Ich habe doch gar nichts getan�, wehrte er ab. �Ich habe lediglich auf meinem Pferd gehockt. Die Arbeit habt Ihr geleistet.� Bran h�rte genausowenig auf ihn wie die anderen. Verlegen und steif sa� Perrin auf seinem Pferd, gab vor, das Schlachtfeld �berblicken zu wollen, und nach einer Weile lie�en sie ihn endlich in Ruhe.</p><p>Tam hatte nicht mitgefeiert. Er stand dicht hinter den Pf�hlen und betrachtete die Trollocs. Auch die Beh�ter lachten nicht mit. Gestalten in schwarzen R�stungen lagen in Massen zwischen den niedrigen Baumst�mpfen. Es konnten durchaus f�nfhundert sein. Vielleicht auch weniger. Einige, nur ein paar, hatten es vielleicht bis zur�ck in den Wald geschafft. Keiner lag n�her als f�nfzig Schritt vom Dornenwald der Pf�hle entfernt. Perrins Blick fand die anderen beiden Blassen, die sich am Boden wanden. Die drei konnte er also abhaken. Irgendwann w�rden sie zugeben, da� sie tot waren.</p><p>Die Menschen der Zwei Fl�sse lie�en ihn l�rmend hochleben: �Perrin Goldauge! Hurra! Hurra! Hurra!� �Sie mu�ten das doch wissen�, sagte er nachdenklich. Faile blickte ihn fragend an. �Den Halbmenschen mu� doch klar gewesen sein, da� es so nicht gehen w�rde. Schau dir das doch einmal an. Selbst ich sehe das jetzt, und ihnen mu� das von Anfang an klar gewesen sein. Wenn das ihre gesamte Streitmacht war, warum haben sie es dann �berhaupt versucht? Und wenn noch mehr Trollocs dort drau�en sind, warum sind die dann nicht auch gekommen? Doppelt so viele, und sie w�ren bis zu den Pf�hlen gekommen. Noch mal doppelt so viele, und sie h�tten zum Dorf durchbrechen k�nnen.� �Ihr habt ein gutes Auge�, sagte Tomas, der sein Pferd neben ihnen zum Stehen brachte. �Es war lediglich ein Test. Sie wollten feststellen, ob Ihr gleich beim ersten richtigen Angriff zusammenklappt, vielleicht auch, um zu sehen, wie schnell Ihr reagiert oder wie Eure Verteidigung organisiert ist, oder vielleicht auch etwas, das mir jetzt nicht einf�llt, aber auf jeden Fall war es eine Probe aufs Exempel. Jetzt wissen sie Bescheid.� Er deutete zum Himmel, wo ein einzelner Rabe �ber dem Schlachtfeld kreiste. Ein normaler Rabe h�tte sich niedergelassen und ein Festmahl unter den Toten gefeiert. Dieser Vogel beendete eine letzte Runde und flog dann in Richtung des Waldes davon. �Der n�chste Angriff wird nicht sofort erfolgen. Ich sah, wie zwei oder drei Trollocs in den Wald rannten, also wird sich erstmal die Kunde verbreiten. Die Halbmenschen werden ihnen erst einmal wieder einbl�uen m�ssen, da� sie einen Myrddraal mehr f�rchten als den Tod. Aber der Angriff wird erfolgen, und er wird auf jeden Fall schlimmer als der gerade eben. Wie stark sie sein werden, h�ngt davon ab, wie viele von den Gesichtslosen durch die Kurzen Wege gef�hrt worden sind.� Perrin verzog das Gesicht. �Licht! Und was, wenn es gleich zehntausend sind?� �Ziemlich unwahrscheinlich�, kommentierte Verin, die herankam und Tomas' Pferd den Hals t�tschelte. Das Streitro� gestattete ihr die Ber�hrung so friedlich wie ein Pony. �Zumindest im Augenblick. Nicht einmal einer der Verlorenen k�nnte eine gr��ere Anzahl sicher durch die Wege f�hren, glaube ich. Ein Mann allein riskiert schon den Tod oder den Wahnsinn, wenn er nur von einem Wegetor zum n�chstgelegenen geht, aber... sagen wir... tausend Mann oder tausend Trollocs... die h�tten innerhalb von Minuten <emphasis>Machin Shin</emphasis> auf dem Hals wie eine riesige Wespe, die von einer Schale Honig angelockt wird. Es ist viel wahrscheinlicher, da� sie in Gruppen von nicht mehr als zehn oder zwanzig, h�chstens aber f�nfzig, in weiten Abst�nden durch die Wege gehen. Nat�rlich bleibt die Frage offen, wie viele solcher Gruppen sie durchbringen und in welchen Abst�nden. Einige w�rden sie bestimmt unterwegs verlieren. Es kann sein, da� Schattenwesen <emphasis>Machin Shin</emphasis> nicht in dem Ma�e anziehen wie Menschen, doch... Hmmmm. Ein faszinierender Gedanke. Ich frage mich...� Sie t�tschelte Tomas' Bein auf die gleiche Art wie vorher sein Pferd und wandte sich gedankenverloren ab. Der Beh�ter lie� sein Pferd hinterhertraben.</p><p>�Wenn du auch nur einen Schritt in Richtung Westwald reitest�, sagte Faile gelassen, �ziehe ich dich am Ohr zur Schenke zur�ck und stecke dich pers�nlich ins Bett.� �Ich habe �berhaupt nicht an so etwas gedacht�, log Perrin und lie� Traber wenden, damit er dem Wald den R�cken zuwandte. Ein Mann und ein Ogier w�rden vielleicht der Aufmerksamkeit ihrer Feinde entgehen und sicher zur�ck in die Berge gelangen. Eventuell. Das Wegetor mu�te endg�ltig verschlossen werden, wenn Emondsfeld eine �berlebenschance haben sollte. �Du hast es mir doch ausgeredet, oder hast du das schon vergessen?� Ein anderer einzelner Mann k�nnte sie auf dem Weg vielleicht aufsp�ren, wenn er wu�te, wohin sie wollten. Drei Paar Augen sahen mehr als nur zwei, besonders, wenn das eine Augenpaar zu ihm geh�rte, und hier konnte er sowieso nichts ausrichten. Wenn er seine Kleider mit Stroh ausstopfte und auf Traber setzte, w�rde das genausoviel bewirken.</p><p>Pl�tzlich h�rte er durch das anhaltende Geschrei in ihrer Umgebung hindurch sch�rfere Rufe und L�rm vom S�den her, aus der N�he der Alten Stra�e.</p><p>�Und er hat behauptet, sie w�rden so schnell noch nicht wiederkommen!� grollte er und trieb Traber seine Fersen in die Flanken.</p></section><section><title><p>45</p><p>Das Schwert des Kesselflickers</p></title><p>Er galoppierte mit Faile auf den Fersen durch das Dorf und fand die M�nner an der S�dseite in einer dicht gedr�ngten Menge vor. Sie sp�hten �ber die ger�umten Felder hinweg und unterhielten sich in ged�mpftem Tonfall. Einige hatten die B�gen halb gespannt. Zwei Wagen versperrten die L�cke im Dornenwald der zugespitzten Pf�hle, die man f�r die Alte Stra�e gelassen hatte. Die n�chste der noch stehenden niedrigen Steinumgrenzungen, die ein Tabakfeld sch�tzte, lag f�nfhundert Schritt entfernt, und zwischen ihr und dem Dorf gab es nichts H�heres als Gerstenstoppeln. Doch in dem St�ck Boden davor steckten Pfeile, als w�chsen sie wie Unkraut. In gr��erer Entfernung quollen Rauchwolken in den Himmel, ein Dutzend oder mehr, einige davon so dick, als brannten ganze Felder.</p><p>Cenn Buie war da und Hari und Darl Coplin. Bili Congar hatte den Arm um die Schultern seines Cousins Wit gelegt, Daises knochigen Mann, der aussah, als habe er es gar nicht gern, wenn Bilis Atem ihn streifte. Keiner roch nach Angst � nur Aufregung konnte Perrin da wittern. Und Bili roch nach Bier. Mindestens zehn M�nner versuchten gleichzeitig, ihm zu erz�hlen, was passiert sei. Ein paar davon �berschrien die anderen.</p><p>�Die Trollocs haben hier auch probiert anzugreifen�, schrie Hari Coplin, �aber wir haben es ihnen gezeigt, oder?� Es gab zustimmendes Gemurmel, aber genauso viele blickten einander zweifelnd an und traten nerv�s von einem Fu� auf den anderen. �Wir haben hier auch Helden�, sagte Darl mit lauter, rauher Stimme. �Euer Haufen oben am Wald ist nicht der einzige, der etwas geleistet hat.� Er war gr��er als sein Bruder, hatte jedoch das gleiche wieselspitze Gesicht, das so typisch f�r die Coplins war, und den gleichen schmalen Mund, der wirkte, als habe er gerade eben in eine gr�ne Dattelpflaume gebissen. Als er glaubte, da� Perrin nicht herschaute, warf er ihm einen geh�ssigen Blick zu. Was er gesagt hatte, hie� auch nicht unbedingt, da� er lieber oben am Westwald gewesen w�re. Darl und Hari und die meisten ihrer Verwandten schafften es jedoch fast immer, sich selbst als die Betrogenen darzustellen, gleich, worum es gerade ging.</p><p>�Darauf m�ssen wir einen trinken!� rief der alte Bili, und dann machte er eine entt�uschte Miene, als keiner einstimmte.</p><p>Ein Kopf hob sich kurz �ber den Rand der entfernten Mauer und duckte sich schnell wieder, aber Perrin hatte das leuchtend gelbe Wams bereits entdeckt. �Keine Trollocs�, grollte er angewidert. �Kesselflicker! Ihr habt auf Tuatha'an geschossen! R�umt diese Wagen zur Seite.� Er stellte sich in den Steigb�geln auf und legte die H�nde als Schalltrichter um den Mund. �Ihr k�nnt herkommen!� schrie er. �Alles ist in Ordnung! Keiner wird Euch etwas tun! Ich sagte doch, Ihr solltet die Wagen wegschieben�, fauchte er die M�nner an, die herumstanden und ihn mit gro�en Augen anblickten. Kesselflicker mit Trollocs zu verwechseln! �Und geht raus, holt Eure Pfeile wieder. Irgendwann werdet Ihr sie wirklich brauchen.� Ein paar bequemten sich nun langsam, und so schrie er inzwischen wieder: �Keiner tut Euch etwas! Es ist alles in Ordnung! Kommt nur!� Die Wagen wurden mit quietschenden Achsen jeder auf eine Seite geschoben. Offensichtlich mu�ten die Achsen dringend geschmiert werden.</p><p>Ein paar buntgekleidete Tuatha'an kletterten �ber die Mauer, dann noch ein paar, und sie trotteten z�gernd und offenbar auf wundgelaufenen F��en auf das Dorf zu. Sie schienen beinahe genausoviel Angst vor dem zu haben, was vor ihnen lag, wie vor dem, was hinter ihnen liegen mochte. Beim Anblick der aus dem Dorf herauslaufenden M�nner r�ckten sie noch ein wenig enger zusammen und wirkten, als wollten sie wieder weglaufen, sogar dann, als die Leute von den Zwei Fl�ssen an ihnen vorbeiliefen, um nach einigen neugierigen Seitenblicken die Pfeile aus dem Boden zu ziehen. Dennoch stolperten sie weiter.</p><p>In Perrins Innerem zog sich alles zusammen, und ihm wurde eiskalt. Vielleicht zwanzig M�nner und Frauen kamen da auf sie zu. Einige von ihnen trugen kleine Kinder, und eine Handvoll �lterer Kinder rannte nebenher, ihre bunte Kleidung zerrissen und voller Schmutz. Und auf einigen Gesichtern befanden sich Blutspuren, stellte er fest, als sie n�her kamen. Das war alles. Wie viele hatten sich im Lager befunden? Dann ersp�hte er zum Gl�ck Raen, der wie bet�ubt durch den Schmutz schlurfte und von Ila gef�hrt wurde. Die eine H�lfte ihres Gesichts war dick angeschwollen und dunkel verf�rbt. Wenigstens sie hatten es �berlebt.</p><p>Ein kurzes St�ck vor der �ffnung im Pfahlwald blieben die Tuatha'an stehen und blickten sich nerv�s um. Zugespitzte Pf�hle und eine Menge bewaffneter M�nner. Ein paar der Kinder klammerten sich an die Erwachsenen und bargen ihre Gesichter in deren Kleidung. Sie rochen nach Furcht und Entsetzen. Faile sprang vom Pferd und lief zu ihnen hin, aber obwohl Ila sie umarmte, traten sie keinen Schritt n�her heran. Doch die �ltere Frau schien sich von der j�ngeren beruhigen zu lassen.</p><p>�Wir werden Euch nichts tun�, sagte Perrin. <emphasis>Ich h�tte sie zum Mitkommen zwingen m�ssen. Licht, seng mich, ich h�tte sie zwingen sollen!</emphasis> �Ihr seid willkommen an unseren Feuern.� �Kesselflicker!� Hari verzog ver�chtlich den Mund. �Was wollen wir mit einem Haufen diebischer Kesselflicker? Die klauen doch alles, was nicht festgenagelt ist.� Darl �ffnete den Mund, zweifellos um Hari zu unterst�tzen, aber bevor er etwas sagen konnte, rief jemand aus der Menge: �Das tust du doch auch, Hari! Und du klaust auch noch die N�gel!� Sp�rliches Gel�chter lie� Darl den Mund wieder schlie�en. Es lachten aber nicht viele, und auch die paar be�ugten die abgerissenen Tuatha'an und blickten dann verlegen zu Boden.</p><p>�Hari hat recht!� rief Daise Congar, die sich durch die Menge schob, indem sie einfach rechts und links die Leute wegschubste. �Kesselflicker stehlen, und nicht nur Sachen! Sie stehlen Kinder!� Sie schubste sich bis zu Cenn Buie durch und hielt ihm mahnend einen ausgestreckten Zeigefinger unter die Nase, der ebenso dick war wie Cenns Daumen. Er zog sich vor ihr zur�ck, soweit das in dieser Menschenansammlung m�glich war. Sie �berragte ihn um mindestens einen Kopf und wog bestimmt um die H�lfte mehr als er. �Du sollst ja wohl im Rat der Gemeinde hocken, aber wenn du nicht auf die Seherin h�ren willst, werde ich die Versammlung der Frauen einschalten, und dann k�mmern wir uns darum.� Ein paar der M�nner nickten und murmelten zustimmend.</p><p>Cenn kratzte sich im lichten Haar und beobachtete die Seherin von der Seite her. �����h, also..., Perrin�, sagte er gedehnt mit seiner kr�chzenden Stimme, �du wei�t ja, die Kesselflicker haben einen gewissen Ruf, und... � Er brach ab und sprang zur�ck, als Perrin Traber herumri�, um diesen Menschen der Zwei Fl�sse in die Gesichter sehen zu k�nnen.</p><p>Einige rannten erschreckt vor dem Hengst davon, doch das war Perrin gleich. �Wir werden niemanden abweisen�, sagte er mit m�hsam unterdr�cktem Zorn in der Stimme. �Niemanden! Oder wollt Ihr etwa den Trollocs diese Kinder schicken?� Eines der Tuatha'an Kinder begann zu weinen, ein durchdringendes Klagen, und er verw�nschte seine Worte, doch Cenns Gesicht f�rbte sich puterrot, und selbst Daise blickte zerknirscht drein.</p><p>�Nat�rlich nehmen wir sie auf�, sagte der Dachdecker unwirsch. Dann fuhr er Daise an, wobei er sich aufplusterte wie ein aufgeregter Gockel, der bereit ist, auf den Hofhund loszugehen: �Und wenn du die Versammlung der Frauen einschalten und dagegen aufbringen willst, dann wird Euch der Rat der Gemeinde den Mund stopfen! Wart's nur ab!� �Du warst schon immer ein alter Narr, Cenn Buie�, schnaubte Daise. �Glaubst du, wir w�rden dich Kinder zu den Trollocs hinausschicken lassen?� Cenns Kinnlade bewegte sich verkrampft, doch bevor er ein Wort herausbringen konnte, dr�ckte ihm Daise eine Hand auf die schmale Brust und schob ihn beiseite. Sie setzte ein schwaches L�cheln auf und ging hinaus zu den Tuatha'an. Dort angekommen, legte sie beruhigend den Arm um Ila.</p><p>�Kommt nur einfach mit mir, und ich sorge daf�r, da� Ihr baden und Euch ausruhen k�nnt. Die H�user sind zwar �berf�llt, aber wir finden schon Platz f�r alle. Kommt.� Marin al'Vere eilte durch die Menge heran und dazu Alsbet Luhhan, Natti Cauthon, Neysa Ayellin und weitere Frauen. Sie nahmen die Kinder hoch oder die Tuatha'an-Frauen in den Arm und f�hrten sie weg. Dabei schimpften sie mit den M�nnern, weil sie nicht schnell genug Platz machten. Nicht, da� irgend jemand unwillig gewesen w�re, doch es war nicht so leicht, mitten in der Menschenmenge auszuweichen und eine Gasse zu �ffnen.</p><p>Faile warf Perrin einen bewundernden Blick zu, aber er sch�ttelte den Kopf. Das war nicht das Werk eines <emphasis>Ta'veren.</emphasis> Vielleicht brauchte man manchmal den Holzhammer bei den Menschen der Zwei Fl�sse, aber wenn sie etwas einsahen, dann handelten sie auch dementsprechend. Selbst Hari Coplin wirkte nicht mehr so unwirsch, als er zusah, wie man die Kesselflicker ins Dorf f�hrte. Nun ja, nicht ganz so unwirsch. Man konnte nat�rlich keine Wunder erwarten.</p><p>Raen schlurfte vorbei und blickte mit tr�ben Augen zu Perrin auf. �Der Weg des Blatts ist der einzig richtige. Alles stirbt zu seiner vorbestimmten Zeit, und... � Er brach ab, als k�nne er sich nicht mehr daran erinnern, was er hatte sagen wollen.</p><p>�Sie kamen letzte Nacht�, sagte Ila m�hsam und offensichtlich unter Schmerzen, da ihr Gesicht so verschwollen war. Ihr Blick war beinahe genauso leer wie der ihres Mannes. �Die Hunde h�tten uns vielleicht zur Flucht verhelfen k�nnen, aber die Kinder des Lichts hatten ja alle Hunde get�tet und... Wir konnten �berhaupt nichts tun.� Hinter ihr schauderte Aram in seinem gelbgestreiften Wams zusammen, und er blickte die vielen bewaffneten M�nner ver�ngstigt an. Die meisten Kinder der Kesselflicker weinten mittlerweile.</p><p>Perrin sah mit gerunzelter Stirn hin�ber, wo sich im S�den eine Rauchwolke erhob. Wenn er sich im Sattel herumdrehte, konnte er im Norden und im Osten weitere entdecken. Selbst wenn die meisten davon von H�usern stammten, die sowieso schon verlassen waren, hatten die Trollocs doch ganze Arbeit geleistet. Wie viele mu�ten es gewesen sein, um eine so gro�e Anzahl von Bauernh�fen anzustecken? Klar, sie konnten von einem zum anderen gelaufen sein und sich dann lediglich die Zeit genommen haben, um eine Fackel in ein leeres Haus oder auf ein unbewachtes Feld zu werfen, aber trotzdem... Vielleicht waren es noch mal genauso viele gewesen, wie sie heute get�tet hatten. Was sagte das aus in bezug auf die Anzahl der Trollocs, die sich bereits an den Zwei Fl�ssen befand? Es schien unm�glich, da� eine einzige Horde all dies angerichtet haben konnte, all die H�user niederzubrennen und auch den Wagenzug der Tuatha'an zu zerst�ren.</p><p>Als sein Blick wieder auf die Tuatha'an fiel, w�hrend sie weggef�hrt wurden, f�hlte er Verlegenheit in sich aufsteigen. Sie hatten zugesehen, wie letzte Nacht all ihre Verwandten get�tet worden waren, w�hrend er kaltbl�tig nur an Zahlen dachte. Er konnte h�ren, wie sich einige der M�nner von den Zwei Fl�ssen leise dar�ber unterhielten, welche Rauchwolke wohl von welchem Hof stammen mochte. F�r all diese Menschen bedeuteten jene Br�nde wirkliche Verluste, nicht nur kalte Zahlen. Er war hier nutzlos. Jetzt, wo Faile damit besch�ftigt war, sich um die Kesselflicker zu k�mmern, war der richtige Zeitpunkt gekommen, Loial und Gaul zu folgen.</p><p>Meister Luhhan in seiner Weste mit der langen Ledersch�rze packte Trabers Z�gel. �Perrin, du mu�t mir helfen. Die Beh�ter wollen, da� ich weitere Teile f�r die Katapulte anfertige, aber mindestens zwanzig Mann wollen gleichzeitig, da� ich Teile von R�stungen repariere, die von den n�rrischen Gro�v�tern ihrer Gro�v�ter von irgendwelchen dummen Leibw�chtern gekauft wurden.� �Ich w�rde Euch ja gern helfen�, sagte Perrin, �aber es gibt da etwas anderes, das unbedingt erledigt werden mu�. Wahrscheinlich bin ich auch etwas aus der �bung. Ich habe das letzte Jahr �ber nur selten in einer Schmiede gearbeitet.� �Licht, so habe ich das nicht gemeint. Ich wollte doch nicht, da� du mit dem Hammer arbeitest.� Der Schmied klang ganz erschrocken. �Jedesmal, wenn ich einen dieser Schafsk�pfe mit einem Auftrag losschicke, kommt er zehn Minuten sp�ter mit einer anderen Ausrede zur�ck. Alle stehen mir im Weg herum. Ich kann einfach nicht richtig arbeiten. Aber auf dich werden sie h�ren.� Perrin bezweifelte das. Wenn sie schon nicht einmal auf Meister Luhhan h�rten... Abgesehen davon, da� er Mitglied des Rates der Gemeinde war, war Haral Luhhan eben auch gro� genug, um beinahe jeden Mann an den Zwei Fl�ssen hochheben und durch die Luft schleudern zu k�nnen. Also ritt er eben mit zu der improvisierten Schmiede, die Meister Luhhan in einem seitlich ge�ffneten, roh zusammengezimmerten Schuppen in der N�he des Angers untergebracht hatte. Sechs M�nner dr�ngten sich um die Ambosse, die sie aus der von den Wei�m�nteln niedergebrannten Schmiede gerettet hatten. Ein anderer pumpte l�ssig an einem gro�en, ledernen Blasebalg, bis ihn der Schmied schlie�lich mit einem Schrei von den Handgriffen wegscheuchte. Zu Perrins �berraschung h�rten sie wirklich auf ihn, als er sie wegschickte, und zwar ohne gro�e Reden schwingen und sie dem Willen eines <emphasis>Ta'veren</emphasis> unterwerfen zu m�ssen, sondern nur auf die einfache Bemerkung hin, da� Meister Luhhan besch�ftigt sei. Das h�tte der Schmied durchaus selbst fertigbringen k�nnen, doch der sch�ttelte Perrin die Hand und dankte ihm �berschwenglich, bevor er sich an die Arbeit machte.</p><p>Perrin beugte sich aus Trabers Sattel hinunter und packte einen der M�nner an der Schulter, einen glatzk�pfigen Bauern namens Get Eldin. Er forderte ihn auf, dazubleiben und jeden wegzuschicken, der Meister Luhhan bel�stigen wolle. Get mu�te wohl dreimal so alt sein wie er, aber der Mann mit dem ledrigen, runzligen Gesicht nickte nur und bezog Posten in der N�he Harals, der seinen Hammer auf hei�es Eisen niederschmetterte. Jetzt konnte er weg, bevor Faile wieder auftauchte.</p><p>Doch kaum hatte er Traber wenden lassen, da tauchte Bran auf mit dem Speer auf der Schulter und der Stahlkappe unter einem kr�ftigen Arm. �Perrin, es mu� doch m�glich sein, die Schaf- und Viehhirten schneller hereinzuholen, wenn wir wieder angegriffen werden. Obwohl er die besten L�ufer des Dorfs ausgeschickt hat, konnte Abell nicht einmal die H�lfte von ihnen zur�ckholen, bevor die Trollocs aus dem Wald brachen.� Dieses Problem war leicht zu l�sen, denn er erinnerte sich an ein altes Signalhorn, beinahe schwarz angelaufen, das Cenn Buie an der Wand h�ngen hatte. Er entschied sich f�r ein Signal von drei langen Hornst��en, die auch der am weitesten entfernte Schafhirte h�ren w�rde. Dadurch kam das Gespr�ch auf weitere Signale, wie zum Beispiel eines, das alle an ihre Pl�tze schicken w�rde, wenn man einen Angriff erwartete. Das wiederum f�hrte zu der Frage, woher man erfuhr, wann ein Angriff zu erwarten sei. Bain und Chiad und die Beh�ter erwiesen sich durchaus als gewillt, als Sp�her zu dienen, doch vier reichten wohl kaum aus. Also mu�te man gute Waldl�ufer und Spurensucher finden und sie mit Pferden ausstatten, damit sie Emondsfeld auch erreichen konnten, bevor von ihnen beobachtete Trollocs da waren.</p><p>Anschlie�end mu�te er Buel Dowtry beruhigen. Der wei�haarige, alte Pfeilmacher, dessen Nase beinahe so spitz war wie die Spitze eines Hammerkopfpfeils, wu�te recht gut, da� die meisten Bauern ihre eigenen Pfeile anfertigten, aber er ereiferte sich endlos, weil er nicht wollte, da� ihm ein Ungelernter hier im Dorf half. Als k�nne er allein jeden K�cher im Dorf f�llen... Perrin wu�te hinterher selbst kaum zu sagen, wie er Buels schlechte Laune beruhigt hatte, aber irgendwie hatte er es geschafft, ihm eine ganze Gruppe von Jungen anzuh�ngen, denen er mit fr�hlicher Miene beibrachte, wie man G�nsefedern ans Ende des Pfeils bindet und festklebt.</p><p>Edward Candwin, der st�mmige K�fer, hatte ein anderes Problem. Da so viele Menschen im Dorf schlie�lich auch viel Wasser brauchten, mu�te er mehr Eimer und F�sser anfertigen, als er ohne Hilfe schaffen konnte. Allein h�tte er Wochen daf�r gebraucht. Es dauerte nicht lange, dann waren flei�ige H�nde gefunden, die zumindest einmal Dauben auskehlen konnten. Aber immer mehr Menschen kamen mit Fragen und Problemen, und alle schienen zu glauben, nur Perrin k�nne ihnen die notwendigen Antworten liefern � ob es nun darum ging, wo man die Leichen der get�teten Trollocs verbrennen solle, oder ob es nun sicher sei, zu den eigenen H�fen zur�ckzukehren, um alles zu retten, was noch zu retten sei. Die letztere Frage beantwortete er jedesmal mit einem klaren �Nein�, wenn sie ihm wieder gestellt wurde, und das geschah oft. Die M�nner und Frauen beobachteten besorgt die Rauchwolken drau�en auf dem Land und h�tten doch gern etwas unternommen. Ansonsten fragte er meist zur�ck, was der Frager denn f�r eine gute L�sung hielt, und dann riet er ihm, genau das zu tun. Nur selten mu�te er sich eine eigene L�sung einfallen lassen. Die Leute wu�ten durchaus, was zu tun war, doch sie hatten einfach die unsinnige Angewohnheit entwickelt, ihn um Rat zu fragen.</p><p>Dannil und Ban und die anderen fanden ihn und bestanden darauf, ihm mit der Flagge �berall hinterherzureiten, als sei die gro�e dr�ben auf dem Anger nicht schon schlimm genug. Schlie�lich schickte er sie fort, die M�nner zu bewachen, die zur�ck in den Westwald gegangen waren, um noch mehr B�ume zu f�llen. Offensichtlich hatte ihnen Tam eine Geschichte �ber eine Truppe erz�hlt, die sich die �Kameraden� nannte. Das war in Illian, und diese Soldaten ritten mit dem General eines Heeres mit und wurden dort eingesetzt, wo der Kampf am hei�esten tobte. Ausgerechnet Tam mu�te so etwas erz�hlen! Nun, wenigstens nahmen sie die Flagge mit. Perrin war sich richtig idiotisch vorgekommen, als sie das Ding hinter ihm herschleppten.</p><p>Mitten am Vormittag ritt Luc ein, ganz und gar goldhaarige Arroganz. Er nickte gn�dig auf ein paar Hurrarufe hin. Es blieb ein Geheimnis, warum irgend jemand ihm zujubeln sollte. Er brachte eine Troph�e mit, die er aus einem Lederbeutel zog und auf einen Speer am Rand des Angers stecken lie�, damit jedermann sie sehen konnte: den augenlosen Kopf eines Myrddraal. Der Kerl war bescheiden. Ganz nebenbei erw�hnte er, den Blassen get�tet zu haben, als er auf eine Horde Trollocs stie�. Bewundernde Begleiter brachten ihn zum Schlachtfeld am Rand des Dorfs � sie nannten es mittlerweile gro�spurig �Schlachtfeld� �, wo Pferde die Leichen der Trollocs wegschleiften, damit man sie auf gro�e Scheiterhaufen werfen konnte, von denen bereits �ligschwarzer Qualm aufstieg. Luc dr�ckte ihnen pflichtbewu�t seine Bewunderung aus und kritisierte lediglich ein- oder zweimal, wie Perrin seine M�nner postiert hatte. Das hatten ihm die Einheimischen so berichtet, als habe Perrin die ganze Zeit �ber tats�chlich die Befehle ausgegeben. So wirkte es anscheinend auf die Menschen.</p><p>Perrin bekam von Luc ein joviales L�cheln der Anerkennung. �Das habt Ihr sehr gut gemacht, mein Junge. Nat�rlich habt Ihr Gl�ck gehabt, aber das ist eben Anf�ngergl�ck, wie es im Buche steht.� Als er sich in sein Zimmer in der Weinquellenschenke zur�ckzog, lie� Perrin den Kopf wieder abnehmen und verscharren. Es war nicht richtig, da� alle Leute ihn anstarren konnten, vor allem auch die Kinder.</p><p>Die Fragerei h�rte nicht auf, bis ihm schlie�lich bewu�t wurde, da� die Sonne senkrecht �ber ihm am Himmel stand, er immer noch nichts gegessen hatte und ihm sein Magen diese Tatsache unmi�verst�ndlich meldete. �Frau al'Caar�, sagte er ersch�pft zu der Frau mit dem langen Gesicht neben seinem Steigb�gel, �ich denke, die Kinder k�nnen ruhig �berall spielen, solange jemand auf sie aufpa�t und daf�r sorgt, da� sie sich nicht von den H�usern entfernen. Licht, Frau, das wi�t Ihr doch selbst. Ihr kennt doch Kinder viel besser als ich! Wenn nicht, wie habt Ihr es dann fertiggebracht, vier davon gro�zuziehen?� Ihr J�ngster war sechs Jahre �lter als er selbst!</p><p>Nela al'Caar runzelte die Stirn und warf den Kopf zur�ck. Ihr graumelierter Zopf schaukelte. Einen Augenblick lang glaubte er, sie werde ihm die Nase abbei�en, weil er so mit ihr gesprochen hatte. Er w�nschte sich das sogar fast, denn das w�re wenigstens normal gewesen und eine Abwechslung in diesem Einerlei von Ratsuchenden. �Nat�rlich kenne ich Kinder�, sagte sie. �Ich wollte nur sichergehen, da� Ihr nichts dagegen habt. Also werden wir es so machen.� Seufzend wartete er, bis sie weggegangen war, und dann lie� er Traber wenden und lenkte ihn zur Weinquellenschenke. Zwei oder drei Stimmen riefen nach ihm, aber er weigerte sich hinzuh�ren. Ob er nichts dagegen habe. Was war denn nur mit diesen Leuten los? Die Menschen der Zwei Fl�sse verhielten sich doch nicht so. Und ganz bestimmt nicht die aus Emondsfeld. Sie wollten �berall mitreden. Streitigkeiten vor dem Rat der Gemeinde, ja sogar unter den Ratsmitgliedern selbst, mochten durchaus zu Handgreiflichkeiten f�hren, ohne besonderes Aufsehen zu erregen. Und obwohl die Mitglieder der Versammlung der Frauen ihre Streitigkeiten unter Ausschlu� der �ffentlichkeit austrugen, wu�te doch jeder Mann Bescheid, wenn er die Frauen mit vorgestrecktem Kinn herumstolzieren sah und ihre Z�pfe aussahen, als wollten sie sich wie der Schweif einer w�tenden Katze aufstellen.</p><p><emphasis>Alles, was ich will?</emphasis> fragte er sich zornig. <emphasis>Was ich will, ist etwas zum Essen und das irgendwo, wo mir niemand ins Ohr sabbert.</emphasis> Er stieg vor der Schenke vom Pferd, taumelte und f�gte in Gedanken der Liste noch ein Bett hinzu. Es war erst Mittag, und schlie�lich hatte Traber die Hauptarbeit geleistet, und doch war er bis auf die Knochen ersch�pft. Vielleicht hatte Faile ja recht gehabt und es war kein guter Einfall, hinter Loial und Gaul herzureiten.</p><p>Als er in den Schankraum trat, sah ihn Frau al'Vere nur einmal kurz an und bef�rderte ihn mit m�tterlichem L�cheln sofort auf einen Stuhl. �Du wirst einfach eine Weile lang darauf verzichten m�ssen, Befehle auszugeben�, sagte sie ihm mit entschlossener Stimme. �Emondsfeld wird sehr wohl eine Stunde lang aus eigener Kraft �berleben, w�hrend du etwas zu dir nimmst.� Sie huschte weg, bevor er erwidern konnte da� Emondsfeld sehr wohl ganz ohne ihn �berleben k�nne.</p><p>Der Raum war fast leer. Natti Cauthon sa� an einem der Tische, rollte Binden auf und stapelte sie vor sich auf die Tischfl�che. Gleichzeitig brachte sie es aber fertig, ihre T�chter auf der anderen Seite des Raums im Auge zu behalten, obwohl beide alt genug waren, um das Haar zum Zopf zu flechten. Ihr Grund war allerdings leicht zu entdecken. Bode und Eldrin sa�en rechts und links von Aram und versuchten, den Kesselflicker zum Essen zu �berreden. Sie f�tterten ihn sogar und wischten ihm das Kinn ab. So, wie sie den Burschen anhimmelten, wunderte sich Perrin, da� Natti nicht am gleichen Tisch sa�, Zopf oder auch nicht. Der Bursche sah wahrscheinlich vom Standpunkt einer Frau gesehen sehr gut aus, besser noch als Wil al'Seen. Bode und Eldrin schienen offensichtlich dieser Meinung zu sein. Aram erwiderte von Zeit zu Zeit das L�cheln. Sie waren ja auch auf ihre mollige Art sehr h�bsche M�dchen, und er w�re blind gewesen, h�tte er das nicht bemerkt. Perrin hielt Aram keineswegs f�r blind, was M�dchen betraf. Aber er brachte kaum einen Bissen herunter, da wanderte sein glasiger Blick schon wieder hin�ber zu den Speeren und Hellebarden, die an die Wand gelehnt auf der anderen Seite des Raums standen. F�r einen Tuatha'an mu�te das ein schrecklicher Anblick sein.</p><p>�Frau al'Vere sagte, du seist endlich des Herumsitzens im Sattel m�de geworden�, sagte Faile, die durch die K�chent�r eintrat. �berraschenderweise trug sie eine lange, wei�e Sch�tze wie Marin. Die �rmel hatte sie bis an die Ellbogen hochgekrempelt, und an ihren H�nden klebte Mehl. Als werde ihr das gerade erst bewu�t, wischte sie sich die H�nde schnell an der Sch�rze ab und legte die dann �ber eine Stuhllehne. �Ich habe noch nie etwas gebacken�, sagte sie im Her�berkommen und rollte die �rmel herunter. �Es macht eigentlich Spa�, Teig zu kneten. Vielleicht mache ich das mal wieder.� �Wenn du nicht b�ckst�, bemerkte er vorsichtig, �woher sollen wir dann Brot bekommen? Ich habe nicht vor, mein ganzes Leben auf Reisen zu verbringen und in der Schenke zu essen oder nur dann, wenn ich etwas mit der Falle oder mit Pfeil und Bogen oder der Schleuder erwische.� Sie l�chelte, als habe er ihr ein Kompliment oder �hnliches gemacht. Warum sie so l�chelte, war ihm absolut nicht klar. �Nat�rlich wird die K�chin das Backen �bernehmen. Oder wahrscheinlich eine K�chenhelferin, aber die K�chin wird schon aufpassen.� �Die K�chin�, murmelte er kopfsch�ttelnd. �Oder eine K�chenhelferin. Sicher. Warum habe ich nicht gleich daran gedacht?� �Was ist los, Perrin? Du schaust so besorgt drein. Ich glaube nicht, da� wir, von einer Festungsmauer abgesehen, bessere Verteidigungsanlagen finden werden.� �Das ist es nicht, Faile. Dieses Getue mit Perrin Goldauge wird langsam zuviel. Ich wei� nicht, wer sie glauben, da� ich bin, aber st�ndig fragen sie mich, was sie tun sollen und ob ich nichts dagegen h�tte, obwohl sie genau wissen, was zu tun ist oder innerhalb von zwei Minuten Nachdenkens selbst darauf kommen k�nnen.� Ein Weilchen betrachtete sie sein Gesicht mit nachdenklichen, dunklen, schr�gstehenden Augen, und dann sagte sie: �Wie viele Jahre ist es her, da� die K�nigin von Andor hier tats�chlich ihre Herrschaft aus�bte?� �Die K�nigin von Andor? Ich wei� es nicht. Hundert Jahre vielleicht. Zweihundert. Was spielt das schon f�r eine Rolle?� �Diese Menschen erinnern sich nicht daran, wie man mit einer K�nigin umgeht � oder einem K�nig. Sie versuchen, es herauszubekommen. Du mu�t Geduld mit ihnen haben.� �Mit einem K�nig?� fragte er mit weichen Knien. Er lie� den Kopf auf die auf dem Tisch liegenden Arme sinken. �Oh, Licht!� Faile lachte leise und fuhr ihm mit den Fingern durchs Haar. �Na ja, vielleicht nicht gerade das. Ich denke, Morgase h�tte etwas dagegen. Aber wenigstens ein General oder so etwas. Ein Mann, der ihr Gebiete zur�ckbr�chte, die sie hundert Jahre lang oder l�nger nicht mehr beherrscht hat, k�me ihr bestimmt gelegen. Den w�rde sie wahrscheinlich in den Adelsstand erheben. Perrin aus dem Hause Aybara, Lord der Zwei Fl�sse. Das klingt doch gut.� �Wir brauchen in den Zwei Fl�ssen keinen Lord�, grollte er in Richtung der eichenen Tischplatte. �Genausowenig wie K�niginnen und K�nige. Wir sind freie Menschen!� �Auch freie Menschen wollen einmal jemandem folgen�, sagte sie sanft. �Die meisten Menschen wollen an etwas glauben, das gr��er ist als sie selbst, das weiter reicht als bis zur Grenze ihrer eigenen Felder. Deshalb gibt es Staaten, Perrin, und V�lker. Selbst Raen und Ila sehen sich als Teil von etwas Gr��erem als ihrem eigenen Wagenzug. Sie haben wohl nun ihre Wohnwagen und die meisten Mitglieder ihrer Familien oder der ihrer Freunde verloren, aber andere Tuatha'an suchen immer noch nach dem Lied und auch sie werden es wieder, denn sie geh�ren zu etwas, das weit �ber ihre wenigen Wohnwagen hinausreicht.� �Wem geh�ren die?� fragte Aram pl�tzlich.</p><p>Perrin hob den Kopf. Der junge Kesselflicker war aufgestanden und betrachtete nerv�s die Speere an der Wand. �Sie geh�ren jedem, der einen davon braucht, Aram. Keiner wird dir mit einem davon etwas antun, glaube mir.� Er war sich nicht sicher, ob ihm Aram das abnahm, so wie er jetzt langsam im Raum auf und ab tigerte, die H�nde in die Taschen gesteckt, und aus den Augenwinkeln die Speere und Hellebarden betrachtete.</p><p>Perrin war mehr als dankbar, als ihm Marin einen Teller mit G�nsebrustscheiben, Zwiebeln, Erbsen und gutem Krustenbrot hinstellte. Er wollte richtig zulangen, doch da steckte ihm Faile eine mit Blumen bestickte Serviette unters Kinn und schnappte ihm Messer und Gabel aus der Hand. Sie schien es lustig zu finden, ihn auf die gleiche Art zu f�ttern, wie es Bode und Eldrin mit Aram getan hatten. Die Cauthon-M�dchen kicherten seinetwegen und auch Marin und Natti l�chelten ein wenig. Perrin konnte daran allerdings nichts Erheiterndes finden. Doch er war gewillt, Failes Launen zu ertragen, obwohl er allein leichter gegessen h�tte. Bei ihr mu�te er immer den Hals so verdrehen, um alles hineinzubekommen, was sie ihm auf der Gabel reichte.</p><p>Aram drehte drei langsame Runden um den Raum, bevor er am Fu� der Treppe stehenblieb und das Fa� mit der eigenartigen Auswahl an Schwertern anblickte. Dann streckte er die Hand aus und zog ein Schwert aus dem B�ndel. Er hielt es ungeschickt. Der lederumwickelte Griff war lang genug, um es mit beiden H�nden zu halten. �Kann ich das ben�tzen?� fragte er.</p><p>Perrin erstickte beinahe an seinem Essen.</p><p>Alanna erschien am oberen Ende der Treppe, zusammen mit Ila. Die Tuatha'an-Frau schien ersch�pft, doch die Schwellung war aus ihrem Gesicht verschwunden. �... am besten w�re, jetzt zu schlafen�, sagte die Aes Sedai gerade. �Es ist vor allem der Schock, unter dem er leidet, und den kann ich auch mit Hilfe der Macht nicht heilen.� Ilas Blick fiel auf ihren Enkel und auf das, was er in H�nden hielt, und sie schrie, als sei die Klinge in ihr eigenes Fleisch gefahren. �Nein, Aram! Neeeein!� Sie st�rzte beinahe die Treppe hinunter in ihrer Hast und warf sich auf Aram bei dem Versuch, seine H�nde vom Schwertgriff zu rei�en. �Nein, Aram�, schnaufte sie atemlos, �das darfst du nicht! Leg es weg! Der Weg des Blatts. Das darfst du nicht! Der Weg des Blatts! Bitte, Aram! Bitte!� Aram tanzte mit ihr, wehrte sie ungeschickt ab und versuchte, das Schwert auf der anderen Seite zu halten, damit sie nicht herankam. �Warum nicht?� schrie er zornig. �Sie haben Mutter get�tet! Ich habe zugesehen! Ich h�tte sie retten k�nnen mit einem Schwert! Ich h�tte sie retten k�nnen!� Diese Worte schnitten tief in Perrins Brust. Ein Kesselflicker mit einem Schwert erschien ihm unnat�rlich. Ihm standen dabei fast die Haare zu Berge, doch diese Worte... Seine Mutter. �La�t ihn in Ruhe�, sagte er grober, als er vorgehabt hatte. �Jeder Mann hat ein Recht, sich zu verteidigen, seine Fam... Er hat ein Recht darauf.� Aram hielt Perrin sein Schwert hin. �Bringt Ihr mir bei, wie man es benutzt?� �Ich kann das auch nicht�, sagte Perrin. �Aber Ihr findet schon jemanden.� �ber Ilas schmerzverzerrtes Gesicht rannen die Tr�nen. �Die Trollocs haben mir die Tochter genommen�, schluchzte sie, wobei sie am ganzen K�rper bebte, �und alle meine Enkel bis auf einen, und den nehmt Ihr mir nun. Er ist verloren, und Ihr seid schuld daran, Perrin Aybara. Ihr seid im Herzen ein Wolf geworden, und jetzt macht Ihr auch aus ihm einen.� Sie wandte sich um und stolperte die Treppe wieder hinauf. Sie wurde dabei immer noch vom Schluchzen durchgesch�ttelt.</p><p>�Ich h�tte sie retten k�nnen!� schrie ihr Aram hinterher. �Gro�mutter! Ich h�tte sie retten k�nnen!� Sie blickte nicht um, und als sie um die Ecke verschwand, sackte er weinend gegen das Gel�nder. �Ich h�tte sie retten k�nnen, Gro�mutter. Ich h�tte... � Perrin wurde bewu�t, da� auch Bode weinte, das Gesicht in den H�nden verborgen, und die anderen Frauen blickten ihn finster an, als habe er etwas falsch gemacht. Nein, nicht alle. Alanna musterte ihn vom oberen Ende der Treppe aus mit der undurchschaubaren Ruhe einer Aes Sedai, und Failes Miene war beinahe genauso ausdruckslos.</p><p>Er wischte sich den Mund ab, warf die Serviette auf den Tisch und stand auf. Er hatte immer noch genug Zeit, um Aram zu befehlen, das Schwert zur�ckzustecken und sich bei Ila zu entschuldigen. Zeit, um ihm zu sagen... was eigentlich? Da� er beim n�chstenmal vielleicht nicht dabei sein w�rde, wenn seine Lieben starben? Da� er dann vielleicht erst zur�ckkommen w�rde, um an ihren Gr�bern zu stehen?</p><p>Er legte Aram eine Hand auf die Schulter und der Mann fuhr zusammen. Er duckte sich �ber das Schwert, als erwarte er, von ihm durchbohrt zu werden. In der Witterung des Kesselflickers lag eine Vielzahl von Gef�hlen: Furcht und Ha� und tiefe, tiefe Trauer. Als verloren hatte ihn Ila bezeichnet. Sein Blick wirkte verloren.</p><p>�Wascht Euer Gesicht, Aram. Dann geht und sucht Tam al'Thor. Sagt, ich schicke Euch und er solle Euch beibringen, wie man mit dem Schwert umgeht.� Langsam hob der andere seinen Kopf. �Ich danke Euch�, stammelte er und wischte sich mit dem �rmel die Tr�nen ab. �Ich danke Euch. Ich werde Euch das nie vergessen. Nie. Das schw�re ich.� Pl�tzlich hob er das Schwert und k��te die gerade Klinge. Der Knauf bestand aus einem Messing-Wolfskopf. �Ich schw�re es. Macht man das nicht so?� �Ich glaube schon�, sagte Perrin traurig. Er fragte sich, warum er eigentlich so traurig sei. Der Weg des Blatts war ein sch�ner Glaube, wie ein Traum vom Frieden, aber wie dieser Traum konnte er einer Welt voller Gewalt nicht standhalten. Er kannte keinen Ort, an den man davor fliehen konnte. Es war ein Traum, der f�r einen anderen Mann in einer anderen Zeit bestimmt sein mochte. Vielleicht sogar in einem anderen Zeitalter. �Geht nur, Aram. Ihr m��t eine Menge lernen, und vielleicht habt Ihr nicht viel Zeit daf�r.� Der Kesselflicker stammelte immer noch seinen Dank und wartete nicht darauf, seine Tr�nen abwaschen zu k�nnen. Er rannte geradewegs aus der Schenke und trug das Schwert senkrecht vor sich in beiden H�nden.</p><p>Er war sich der Reaktionen der anderen bewu�t. Eldrin machte eine finstere Miene, Marin hatte die F�uste in die H�ften gest�tzt und Natti die Stirn gerunzelt, ganz zu schweigen davon, da� Bode offen weinte. Perrin ging zu seinem Stuhl zur�ck. Alanna war von ihrem Platz oben an der Treppe verschwunden. Faile sah zu, wie er Messer und Gabel wieder in die H�nde nahm. �Pa�t es dir nicht?� fragte er ruhig. �Ein Mann hat ein Recht darauf, sich zu verteidigen, Faile. Selbst Aram. Niemand kann ihn zwingen, dem Weg des Blatts zu folgen, wenn er das nicht will.� �Ich habe es nicht gern, wenn ich erleben mu�, wie dir etwas weh tut�, sagte sie ganz leise.</p><p>Das Messer hielt �ber dem St�ck G�nsebraten inne.</p><p>Wehtun? Dieser Traum war nicht f�r ihn bestimmt. �Ich bin eben m�de�, sagte er zu ihr und l�chelte. Er merkte, da� sie ihm nicht glaubte.</p><p>Bevor er Zeit hatte, eine zweite Portion in den Mund zu schieben, steckte Bran den Kopf durch die Eingangst�r. Er hatte wieder seine runde Stahlkappe auf. �Reiter n�hern sich vom Norden her, Perrin. Eine Menge Reiter. Ich glaube, es sind Wei�m�ntel.� Faile scho� hinaus, w�hrend sich Perrin noch erhob, und als er schlie�lich drau�en auf Traber sa� und der Dorfvorsteher leise murmelnd probte, was er den Wei�m�nteln sagen wollte, kam sie auf ihrer schwarzen Stute bereits um die Ecke der Schenke geritten. Einige der Menschen arbeiteten weiter, doch die meisten liefen in Richtung Norden los. Perrin hatte es nicht besonders eilig. Es konnte durchaus sein, da� die Kinder des Lichts gekommen waren, um ihn festzunehmen. Wahrscheinlich war das der Fall. Er wollte nicht gerade in Ketten gelegt mitgenommen werden, hatte aber auch nicht vor, die Menschen hier zu bitten, seinetwegen gegen die Wei�m�ntel zu k�mpfen. Er folgte Bran und schlo� sich dem Strom von M�nnern und Frauen und Kindern an, die auf der Wagenbr�cke �ber den Weinquellenbach eilten. Trabers und Schwalbes Hufe dr�hnten �ber die dicken Holzplanken. Hier wuchsen am Bachufer einige hohe Weiden. Die Br�cke befand sich am Anfang der Nordstra�e, die nach Wachh�gel und weiter f�hrte. Einige der fernen Rauchwolken waren zu d�nnen Rauchfahnen geschrumpft, wo die Feuer langsam vergl�hten.</p><p>Wo die Nordstra�e das Dorf verlie�, fand er zwei Wagen vor, die sie blockierten, und dahinter hatten sich mit Speeren und Pfeil und Bogen bewaffnete M�nner versammelt. Sie deuteten �ber den Wald der geneigten Pf�hle hinweg und rochen nach Erregung. Jeder unterhielt sich mit jedem, und alle dr�ngten sich dicht zusammen, um besser sehen zu k�nnen, was die Stra�e herunter auf sie zukam: eine lange Doppelreihe von Reitern in wei�en Umh�ngen, die eine Staubfahne hinter sich herzogen. Sie hatten kegelf�rmige Helme auf, und ihre auf Hochglanz polierten R�stungen gl�nzten in der Nachmittagssonne. Die Lanzen mit ihren Stahlspitzen hielten sie alle im gleichen Winkel gesenkt. An der Spitze ritt ein j�ngerer Mann mit steifem Kreuz und ernstem Gesicht, der Perrin irgendwie bekannt vorkam. Mit der Ankunft des Dorfvorstehers wurden die Stimmen leiser, und erwartungsvolle Schweigen breitete sich aus. Oder vielleicht war es auch Perrins Ankunft, die sie zur Ruhe brachte.</p><p>Etwa zweihundert Schritt von den Pf�hlen entfernt hob der Mann mit dem ernsten Gesicht eine Hand und die Kolonne hielt an. Scharfe Befehle wurden die Reihen hinauf durchgegeben. Er ritt sodann mit einem halben Dutzend Wei�m�nteln als Eskorte weiter und lie� den Blick �ber die Wagen, die zugespitzten Pf�hle und die M�nner dahinter schweifen. Seine Haltung allein zeichnete ihn als wichtige Pers�nlichkeit aus; die Rangknoten unter den Sonnenstrahlen auf dem Umhang w�ren gar nicht notwendig gewesen.</p><p>Luc war mit einemmal ebenfalls da. Er erstrahlte in feiner, roter, goldbestickter Wollkleidung auf seinem gl�nzend schwarzen Hengst. M�glicherweise lag es an diesem �u�eren, da� der Offizier der Wei�m�ntel ihn als Ansprechpartner w�hlte, obwohl er den Blick weiter suchend schweifen lie�. �Ich bin Dain Bornhald�, sagte er und lie� sein Pferd anhalten. �Hauptmann der Kinder des Lichts. Habt Ihr das unseretwegen aufgebaut? Ich habe geh�rt, da� Emondsfeld f�r die Kinder des Lichts verbotenes Gebiet sei, oder? Dann mu� es wahrhaftig dem Schatten angeh�ren, wenn die Kinder des Lichts es nicht betreten d�rfen.� Dain Bornhald, nicht Geofram. Vielleicht ein Sohn. Nicht, da� dies eine Rolle spielte. Perrin glaubte, da� ihn der eine wie der andere h�tte gefangennehmen wollen. Und richtig: Bornhalds Blick schweifte �ber ihn hinweg und zuckte sofort zur�ck. Den Mann schien ein Krampf gepackt zu haben. Eine Hand im Kampfhandschuh fuhr hinunter zu seinem Schwert, er fletschte die Z�hne zu einem lautlosen Knurren, und einen Augenblick lang war Perrin sicher, der Mann w�rde angreifen und sein Pferd in den Dornenwald von Pf�hlen hineinjagen, um ihn zu erreichen. Es schien, als hasse ihn dieser Mann aus irgendeinem pers�nlichen Grund. Aus der N�he schien das Gesicht etwas Schlaffes auszustrahlen. Ein Gl�nzen in diesen Augen erinnerte Perrin etwas an Bili Congar. Er glaubte, ganz schwach Schnaps an ihm zu riechen.</p><p>Der hohlwangige Mann neben Bornhald kam ihm nicht nur bekannt vor. Perrin w�rde diese tief eingesunkenen Augen, die wie dunkle Kohlen gl�hten, niemals vergessen. Hochgewachsen, hager und hart wie ein Ambo�, so blickte ihn Jaret Byar mit ha�erf�llten Augen an. Ob nun Bornhald ein Fanatiker war oder nicht, Byar war jedenfalls ganz gewi� einer.</p><p>Luc war offenbar schlau genug, Bran nicht zuvorzukommen, und schien statt dessen eingehend die Kolonne in Wei� geh�llter M�nner zu studieren, als sich der Staub langsam zu Boden senkte und noch mehr Kinder des Lichts zum Vorschein brachte. Die Reihe erstreckte sich die Stra�e entlang, soweit man sehen konnte. Und dann blickte Bran auch noch zu Perrin hin�ber und wartete das Kopfnicken eines Schmiedelehrlings ab, bevor er antwortete. Er war doch schlie�lich der <emphasis>Dorfvorsteher!</emphasis> Bornhald und Byar nahmen sichtlich Notiz von dem schweigenden Fragen.</p><p>�Emondsfeld ist nicht ausdr�cklich f�r Euch geschlossen�, sagte Bran, der hochaufgerichtet und mit seinem Speer an der Seite dastand. �Wir haben uns entschlossen, uns selbst zu verteidigen, und das haben wir heute morgen auch getan. Wenn Ihr sehen wollt, wie, dann schaut dort hin�ber.� Er deutete auf die Rauchwolken, die von den Scheiterhaufen der Trollocs aufstiegen. Der s��liche Geruch verbrennenden Fleisches lag in der Luft, aber niemand au�er Perrin schien das zu bemerken.</p><p>�Ihr habt ein paar Trollocs umgebracht?� stellte Bornhald ver�chtlich fest. �Euer Gl�ck und Euer K�nnen verbl�ffen mich absolut.� �Mehr als nur ein paar!� schrie jemand aus der Menschenmenge. �Hunderte!� �Wir hatten eine Schlacht!� schrie eine andere Stimme und Dutzende anderer �berschrien sich mit einemmal.</p><p>�Wir haben gegen sie gek�mpft und gewonnen!� �Wo wart Ihr?� �Wir k�nnen uns ohne Hilfe von Wei�m�nteln verteidigen!� �Hoch die Zwei Fl�sse!� �Die Zwei Fl�sse und Perrin Goldauge leben hoch!� �Goldauge!� �Goldauge!� Leof, der ja eigentlich die Waldarbeiter besch�tzen sollte, begann, diese rote Flagge mit dem Wolfskopf zu schwenken.</p><p>Bornhalds ha�erf�llter Blick umfa�te sie alle, doch Byar lie� knurrend vor Wut seinen braunen Wallach vorw�rtst�nzeln. �Glaubt Ihr Bauern vielleicht, da� Ihr wi�t, was eine Schlacht ist?� br�llte er. �Letzte Nacht wurde eines von Euren D�rfern von den Trollocs beinahe v�llig ausgel�scht! Wartet nur ab, bis sie in Mengen �ber Euch herfallen, und dann w�nscht Ihr euch, da� Eure M�tter niemals Eure V�ter gek��t h�tten!� Er schwieg nach einem m�den Wink Bornhalds wie ein scharfer Wachhund, der seinem Herrn gehorcht, aber seine Worte hatten die Rufer in der Menge zum Schweigen gebracht.</p><p>�Welches Dorf?� Brans Stimme klang w�rdevoll und gleichzeitig besorgt. �Wir haben alle Bekannte in Wachh�gel und Devenritt.� �Wachh�gel wurde nicht ber�hrt�, antwortete Bornhald, �und ich wei� nichts von Devenritt. Heute morgen brachte mir ein Kurier die Nachricht, da� Taren-F�hre praktisch nicht mehr existiert. Falls Ihr dort Freunde habt � es sind viele Leute �ber den Flu� entkommen. �ber den Flu�.� Sein Gesicht straffte sich einen Augenblick lang. �Ich habe beinahe f�nfzig gute Soldaten dabei verloren.� Die Neuigkeit rief ein bedr�cktes Gemurmel hervor. Niemand h�rte so etwas gern, aber andererseits hatte auch keiner Bekannte in Taren-F�hre gehabt. Wahrscheinlich war keiner von ihnen jemals so weit weg gewesen.</p><p>Luc lie� sein Pferd vortreten. Der Hengst schnappte im Vorbeischreiten nach Traber. Perrin z�gelte sein Tier m�hsam, bevor die beiden eine Bei�erei beginnen konnten. Luc schien es entweder nicht zu bemerken, oder es war ihm gleichg�ltig. �Taren-F�hre?� fragte er mit ausdrucksloser Stimme. �Die Trollocs haben letzte Nacht Taren-F�hre angegriffen?� Bornhald zuckte die Achseln. �Das habe ich doch gesagt, oder nicht? Es scheint, die Trollocs haben sich schlie�lich doch entschlossen, die D�rfer zu �berfallen. Wie vorsorglich, da� man Euch zeitig genug warnte, um diese sch�nen Verteidigungsanlagen zu errichten.� Sein Blick wanderte �ber den Pfahlwald und die M�nner dahinter, bevor er an Perrin h�ngenblieb.</p><p>�War der Mann, der sich Ordeith nennt, letzte Nacht in Taren-F�hre?� fragte Luc.</p><p>Perrin sah ihn mit gro�en Augen an. Er hatte nicht gewu�t, da� Luc Padan Fain auch nur vom Namen her kannte, oder jedenfalls den Namen, den er jetzt ben�tzte. Aber die Menschen klatschten eben viel, wenn jemand zur�ckkehrte, den sie als fahrenden H�ndler kannten und der pl�tzlich ein gro�es Tier bei den Wei�m�nteln war.</p><p>Bornhalds Reaktion war ebenso eigenartig wie die Frage. In seinen Augen glitzerte ein Ha�, mindestens genauso stark wie der auf Perrin, doch sein Gesicht wurde bla�, und er fuhr sich mit dem Handr�cken �ber die Lippen, als habe er vergessen, da� er stahlverst�rkte Kampfhandschuhe trug. �Ihr kennt Ordeith?� fragte er und beugte sich vor, um Luc besser ansehen zu k�nnen.</p><p>Nun war es an Luc, gleichg�ltig die Achseln zu zucken. �Ich habe ihn hier und da getroffen, seit ich an die Zwei Fl�sse gekommen bin. Ein anr�chig wirkender Mann, und die ihm folgen, sehen nicht anders aus. Die Art von Leuten, die vielleicht zu leichtsinnig vorgegangen sind und so den Trollocs gestatteten, das Dorf erfolgreich zu �berfallen. War er dort? Falls ja, kann man nur hoffen, da� er seine Dummheit mit dem Leben bezahlte. Falls nicht, hoffen wir einmal, da� Ihr ihn hier bei Euch habt, wo Ihr ihn genau im Auge behalten k�nnt.� �Ich wei� nicht, wo er ist�, fauchte Bornhald. �Es ist mir auch gleich! Ich bin nicht hergekommen, um �ber Ordeith zu sprechen!� Sein Pferd t�nzelte nerv�s, als Bornhald die Hand ausstreckte und auf Perrin deutete. �Ich nehme Euch als Schattenfreund fest. Man wird Euch nach Amador bringen, und dort werdet Ihr unter der Kuppel der Wahrheit gerichtet.� Byar starrte seinen Hauptmann ungl�ubig an. Hinter der Barriere, die die Wei�m�ntel von den Menschen der Zwei Fl�sse trennte, erhob sich zorniges Gemurmel. Speere und Hellebarden wurden geschwungen, B�gen erhoben. Den weiter entfernten Wei�m�nteln rief ein Kerl Befehle zu, der mit seiner R�stung bestimmt genauso gro� war wie Meister Luhhan. Sie begannen, auszuschw�rmen und steckten die Lanzenenden in lederne St�tzfutterale an den S�tteln. Sie holten auch kurze B�gen heraus, wie man sie vom Pferd aus ben�tzte. Bei dieser Entfernung konnten sie damit aber nicht viel anrichten, h�chstens den R�ckzug Bornhalds und seiner M�nner decken, falls ihnen ein Entkommen �berhaupt m�glich war. Bornhald schien keine Gefahr zu sehen � h�chstens aber von Perrin ausgehend.</p><p>�Es wird keine Festnahme geben�, sagte Bran in scharfem Ton. �Das haben wir eindeutig beschlossen. Keine weiteren Festnahmen ohne Schuldbeweis, und zwar einen solchen, dem wir glauben k�nnen. Ihr k�nnt mir niemals etwas zeigen, das mich davon �berzeugt, da� Perrin ein Schattenfreund ist, also k�nnt Ihr genausogut die Hand herunternehmen.� �Er hat meinen Vater in Falme verraten, so da� er ums Leben kam�, schrie Bornhald. Die Wut hatte ihn gepackt. �Hat ihn an Schattenfreunde verraten und an Hexen aus Tar Valon, die tausend Kinder des Lichts mit Hilfe der Einen Macht t�teten!� Byar nickte lebhaft.</p><p>Einige der Einwohner traten unsicher von einem Fu� auf den anderen. Die Nachricht von dem, was Verin und Alanna an diesem Morgen vollbracht hatten, hatte sich verbreitet, und dabei war alles aufgebauscht worden. Was sie auch von Perrin hielten, aber hundert Geschichten �ber die Aes Sedai, die meisten davon falsch, hatten ihr Bild gepr�gt und lie�en manchen jetzt daran glauben, da� Aes Sedai tausend Wei�m�ntel get�tet haben mochten. Und wenn sie das glaubten, konnten sie auch den Rest glauben.</p><p>�Ich habe niemanden verraten�, sagte Perrin mit lauter Stimme, damit es jeder h�ren konnte. �Falls Euer Vater in Falme gestorben ist, so haben ihn diejenigen get�tet, die man Seanchan nennt. Ich wei� nicht, ob sie Schattenfreunde sind, aber ich wei�, da� sie die Eine Macht im Kampf einsetzen.� �L�gner!� Speichel spritzte von Bornhalds Lippen. �Die Seanchan sind ein M�rchen, das in der Wei�en Burg erfunden wurde, um ihre gemeinen L�gen zu verbergen! Ihr seid ein Schattenfreund!� Bran sch�ttelte verwundert den Kopf und schob seine Stahlkappe auf eine Seite, damit er sich in dem Kranz wei�er Haare kratzen konnte. �Ich wei� �berhaupt nichts von diesen � Seanchan? � also, von diesen Seanchan. Was ich aber wei�, ist, da� Perrin kein Schattenfreund ist, und Ihr werdet niemanden festnehmen.� Die Lage spitzte sich mit jeder Minute zu, wie Perrin deutlich erkannte. Auch Byar war das wohl klargeworden, und so zupfte er Bornhald am Arm und fl�sterte mit ihm, doch der Hauptmann der Wei�m�ntel konnte oder wollte nicht zur�ckstecken, nun, da er Perrin pers�nlich vor sich hatte. Bran und die Leute von den Zwei Fl�ssen hatten sich ebenfalls festgelegt und h�tten ihn wohl auch dann nicht den Wei�m�nteln �berlassen, wenn er alles gestanden h�tte, was ihm Bornhald zuschrieb. Wenn nicht jemand bald Wasser auf dieses Feuer go�, w�rde alles explodieren wie eine Handvoll Stroh, das man auf eine gl�hende Esse wirft.</p><p>Er ha�te es, sich schnell entscheiden zu m�ssen. Loial hatte durchaus recht. �berhastetes Denken f�hrte dazu, da� Menschen verletzt wurden. Aber er glaubte zumindest, einen Weg entdeckt zu haben. �Seid Ihr gewillt, meine Festnahme noch hinauszuschieben, Bornhald? Bis die Trollocs erledigt sind? Ich werde vorher bestimmt hier nicht weggehen.� �Warum sollte ich es hinausz�gern?� Der Mann war blind vor Ha�. Wenn er so weitermachte, w�rde viele M�nner sterben, er selbst wahrscheinlich eingeschlossen, und er erkannte das nicht. Es hatte jedoch keinen Zweck, ihm das zu sagen.</p><p>�Habt Ihr nicht die vielen brennenden Bauernh�user heute morgen bemerkt?� fragte Perrin statt dessen. Er machte eine weitausholende Geste, um all diese langsam schrumpfenden Rauchwolken einzubeziehen. �Seht Euch um. Ihr habt es ja selbst gesagt. Die Trollocs geben sich nicht mehr damit zufrieden, jede Nacht einen oder zwei Bauernh�fe zu �berfallen. Jetzt �berfallen sie die D�rfer. Wenn Ihr versucht, nach Wachh�gel zur�ckzureiten, wird Euch das vielleicht schon nicht mehr gelingen. Ihr habt Gl�ck gehabt, �berhaupt bis hierher zu kommen. Aber wenn Ihr hier in Emondsfeld bleibt...� Bran fuhr zu ihm herum, und andere M�nner schrien laut �nein�. Faile ritt heran und packte ihn am Arm, doch er beachtete nichts davon. �... dann wi�t Ihr immer, wo ich bin, und Eure Soldaten sind uns als zus�tzliche Verteidiger willkommen.� �Bist du dir da auch sicher, Perrin?� fragte Bran, der Trabers Steigb�gel ergriffen hatte, w�hrend auf der anderen Seite Faile eindringlich sagte: �Nein, Perrin! Das Risiko ist zu gro�. Du darfst nicht � ich meine � ach, entschuldige... aber bitte, tu es nicht... oh, Licht, verbrenn mich zu verdammter Asche! Du <emphasis>darfst</emphasis> das nicht tun!� �Ich lasse nicht zu, da� Menschen gegen Menschen k�mpfen, wenn ich das verhindern kann�, sagte er entschlossen zu ihnen. �Wir werden den Trollocs doch nicht die Arbeit abnehmen.� Faile stie� wild seinen Arm weg. Sie warf Bornhald einen finsteren Blick zu, holte dann einen Wetzstein aus ihrer G�rteltasche, hatte mit einemmal ein Messer in der Hand und wetzte die Klinge mit flinken, ge�bten Bewegungen.</p><p>�Jetzt wei� dann Hari Coplin bestimmt nicht mehr ein noch aus�, kommentierte Bran trocken. Er korrigierte wieder den Sitz seines runden Helms, wandte sich erneut den Wei�m�nteln zu und pflanzte seinen Speerschaft wuchtig auf den Boden. �Ihr habt seine Bedingungen geh�rt. Jetzt h�rt die meinen. Wenn Ihr nach Emondsfeld kommt, nehmt Ihr niemanden fest ohne die Zustimmung des Rates der Gemeinde, die Ihr nicht erhalten werdet. Also wird niemand festgenommen. Ihr geht nicht ungebeten in irgendein Haus. Ihr macht uns keine Schwierigkeiten und nehmt an der Verteidigung teil, wenn und wo man Euch dazu auffordert. Und ich will noch nicht einmal einen Drachenzahn <emphasis>riechen!</emphasis> Stimmt Ihr zu? Falls nicht, k�nnt Ihr zur�ckreiten, woher Ihr gekommen seid.� Byar starrte den rundlichen Mann an, als habe sich ein Schaf aufgerichtet und ihm angeboten, mit ihm zu ringen.</p><p>Bornhald wandte den Blick nicht von Perrin. �Einverstanden�, sagte er schlie�lich. �Bis die Trollocs erledigt sind, bin ich einverstanden!� Er ri� sein Pferd herum und galoppierte zur�ck zu den Reihen seiner M�nner. Der schneewei�e Umhang bauschte sich im Wind auf.</p><p>Als der Dorfvorsteher befahl, die Wagen wegzurollen, bemerkte Perrin, da� Luc ihn anblickte. Der Kerl sa� ganz entspannt im Sattel. Eine Hand ruhte l�ssig auf dem Griff seines Schwerts, und die blauen Augen blickten am�siert drein.</p><p>�Ich glaubte, Ihr w�rdet Einspruch erheben�, sagte Perrin, �so wie Ihr die Leute anscheinend gegen die Wei�m�ntel aufgehetzt habt.� Luc spreizte mit l�ssiger Geste die H�nde. �Wenn diese Leute die Wei�m�ntel bei sich haben wollen, dann sollen sie ihre Wei�m�ntel haben. Aber Ihr solltet Euch in acht nehmen, junger Goldauge. Ich wei� recht gut, wie es ist, wenn man den eigenen Feind an die Brust nimmt. Seine Klinge dringt schneller ein, je n�her er sich befindet.� Mit einem Lachen lie� er seinen Hengst durch die Menge dr�ngeln und ritt zur�ck ins Dorf.</p><p>�Er hat recht�, sagte Faile, die immer noch ihr Messer an dem Stein wetzte. �Vielleicht wird ja dieser Bornhald sein Wort halten und dich nicht festnehmen lassen, aber was kann einen seiner M�nner davon abhalten, dir ein Messer in den R�cken zu sto�en? Du h�ttest das nicht tun sollen!� �Ich mu�te�, sagte er zu ihr. �Besser, als den Trollocs die Arbeit abzunehmen.� Die Wei�m�ntel begannen mit ihrem Einritt. Bornhald und Byar ritten an ihrer Spitze. Die beiden funkelten ihn mit unverh�lltem Ha� an, und die anderen, die paarweise einritten... Kalte, harte Augen in kalten, harten Gesichtern, die sich ihm beim Vorbeireiten zuwandten. Sie ha�ten ihn nicht, sahen aber in ihm einen Schattenfreund, wenn sie ihn erblickten. Und zumindest Byar war zu allem f�hig.</p><p>Er hatte nichts anderes tun k�nnen, aber er hielt es doch f�r keine schlechte Idee, wenn Dannil und Ban und die anderen ihm �berallhin folgen durften, wie sie es ja wollten. Er w�rde nicht unbeschwert schlafen k�nnen, ohne jemanden vor seiner T�r Wache stehen zu lassen. Wachen. Wie bei einem idiotischen Lord! Aber wenigstens Faile w�rde sich dar�ber freuen. Wenn er die Burschen nur dazu bringen k�nnte, diese Flagge irgendwo zu verlieren.</p></section><section><title><p>46</p><p>Schleier</p></title><p>Die Menge dr�ngte sich durch die engen, gewundenen Stra�en der Halbinsel Calpene in der N�he des Gro�en Kreises. Der Rauch unz�hliger K�chenfeuer, der �ber die hohen, wei�en Mauern drang, war der Grund daf�r. Ein s�uerlicher Geruch nach Qualm, hei�em Essen und altem Schwei� lag in der feuchten Morgenluft. Das Schreien von Kindern und das dumpfe Gemurmel, das gro�e Menschenmengen immer begleitete, ergab einen Hintergrundl�rm, der sogar das schrille Kreischen der M�wen vom Himmel �bert�nte. Die L�den in diesem Gebiet hatten l�ngst endg�ltig die Eisengitter vor den T�ren geschlossen. Es gab nichts mehr zu verkaufen.</p><p>Angeekelt wand sich Egeanin zu Fu� durch die Menge. Es war schlimm, da� Gesetz und Ordnung in einem solchen Ma� zusammengebrochen waren, da� abgerissene Fl�chtlinge es wagen konnten, die Kreise zu �bernehmen und sogar auf den Steinb�nken zu schlafen. Das war genauso schlimm wie Regierungsoberh�upter, die diese Fl�chtlinge einfach verhungern lie�en. Der Zustand sollte an sich ihr Herz erfreuen, denn dieses entmutigte Pack konnte der <emphasis>Corenne</emphasis> sicher nicht widerstehen, und anschlie�end w�rde man die Ordnung sehr schnell wiederherstellen, aber sie konnte trotzdem den Anblick kaum ertragen.</p><p>Die meisten der zerlumpten Menschen um sie herum schienen viel zu apathisch, um sich �ber eine Frau in sauberem, frisch gewaschenem, blauseidenem Reitkleid in ihrer Mitte zu wundern. Wohl war ihr Kleid von einfachem Schnitt, wirkte aber ganz und gar nicht billig. Hier und da sah sie in der Menge M�nner und Frauen in einstmals feiner Kleidung, doch nun war sie verschmutzt und zerknittert. Aber dadurch fiel sie vielleicht doch nicht so sehr auf. Die wenigen, die sie taxierten und sich wohl fragten, ob ihre Kleidung auch eine wohlgef�llte B�rse bedeuten mochte, hielten sich lieber von ihr fern, wenn sie bemerkten, mit welch ge�btem Griff sie ihren festen, mannshohen Bauernspie� trug. Heute hatte sie die W�chter, die S�nfte und ihre Tr�ger einmal zur�cklassen m�ssen. Floran Gelb h�tte an diesem Tro� sonst todsicher bemerkt, da� er verfolgt wurde. Und dieses Kleid mit seinem Hosenrock gab ihr wenigstens einige Bewegungsfreiheit.</p><p>Selbst eingeklemmt in diesen Menschenmassen war es leicht, den schmierigen kleinen Mann im Auge zu behalten, und das, obwohl sie st�ndig Ochsenkarren und gelegentlich gr��eren Wagen ausweichen mu�te, die h�ufiger von schwitzenden M�nnern mit blo�en Oberk�rpern gezogen wurden als von Tieren. Gelb und sieben oder acht Begleiter, alles st�mmige Burschen mit rohen Gesichtern, dr�ngten sich gewaltsam und r�cksichtslos durch die Menge, gefolgt von einer Flut von Fl�chen und Verw�nschungen. Sie �rgerte sich �ber diese Kerle. Gelb hatte bestimmt wieder eine Entf�hrung vor. Seit sie ihm das versprochene Gold gesandt hatte, hatte er drei weitere Frauen gefunden, von denen keine denen auf der Liste auch nur ann�hernd �hnlich sah, und bei jeder, die sie ablehnte, hatte er lang und breit gejammert. Sie h�tte ihn niemals f�r diese erste Frau bezahlen d�rfen, die er auf der Stra�e hatte entf�hren lassen. Gier und der Gedanke an die Bezahlung hatten wohl die Erinnerung an die gewaltige Kopfw�sche getilgt, die sie ihm verpa�t hatte, als sie ihm den Beutel mit Gold �berreichte.</p><p>Schreie von hinten lie�en sie herumfahren und ihren Stock fester packen. Ein kleiner Freiraum in der Menge hatte sich gebildet, wie immer, wenn es Schwierigkeiten und Auseinandersetzungen gab. Ein br�llender Mann in einem zerrissenen, einst aber teuren gelben Wams lag auf den Knien auf der Stra�e und hielt sich den rechten Arm, der ihm offensichtlich ausgerenkt worden war. Sch�tzend beugte sich eine weinende Frau in einer zerschlissenen gr�nen Robe �ber ihn. Sie deutete anklagend auf einen verschleierten Burschen, der gerade wieder in der Menge verschwand.</p><p>�Er hat doch nur um eine M�nze gebeten! Er hat nur gebettelt!� Die Menge schlo� sich wieder um sie.</p><p>Egeanin verzog das Gesicht und wandte sich wieder um. Und dann blieb sie mit einem Fluch stehen, der ihr einige verbl�ffte Blicke einbrachte. Gelb und die anderen Kerle waren verschwunden. Sie schob sich weiter bis zu einem kleinen steinernen Brunnen, wo sich Wasser aus dem Maul eines Bronzefisches ergo�, der an der Seite einer kleinen Schenke mit flachem Dach hing. Grob stie� sie zwei Frauen weg, die am Brunnen ihre Eimer f�llten, und sprang hoch auf die Umrandung. Von hier aus konnte sie �ber die K�pfe der Menge hinwegblicken. Enge Stra�en f�hrten in alle Richtungen und wanden sich um die H�gel. Durch die Kurven und die wei� get�nchten Geb�ude konnte sie bestenfalls hundert Schritt weit sehen, aber Gelb konnte in den wenigen Augenblicken wohl kaum weiter gekommen sein.</p><p>Mit einemmal entdeckte sie ihn. Er verbarg sich in einem Eingang vielleicht drei�ig Schritt entfernt und stand auf Zehenspitzen, um die Stra�e hinunterzusp�hen. Dann war es auch leicht, die anderen auszumachen, die an Geb�ude auf beiden Stra�enseiten gelehnt standen und sich bem�hten, m�glichst unauff�llig zu wirken. Sie waren nicht die einzigen, die an den Hausw�nden lehnten, doch wo die �brigen schlapp und mutlos wirkten, blickten ihre Gesichter mit den gebrochenen Nasen erwartungsvoll in die Menge hinein.</p><p>Also sollte ihre Entf�hrung hier stattfinden. Es w�rde bestimmt niemand eingreifen. Die Leute hatten ja auch nichts unternommen, als man den Arm dieses anderen Mannes verrenkt oder gar gebrochen hatte. Aber wer war das Ziel? Falls Gelb wirklich endlich jemanden von ihrer Liste aufgesp�rt hatte, konnte sie gehen und darauf warten, da� er ihr die Frau verkaufte. Dann hatte sie ihre Gelegenheit, nachzupr�fen, ob ein <emphasis>Adam</emphasis> tats�chlich au�er Bethamin auch andere <emphasis>Sul'dam</emphasis> binden konnte. Andererseits wollte sie nicht wieder vor der Wahl stehen, ob sie irgendeiner ungl�cklichen Frau die Kehle durchschneiden oder sie in die Sklaverei verkaufen solle.</p><p>Unz�hlige Frauen kamen die Stra�e herauf auf Gelb zu. Die meisten trugen die �blichen durchscheinenden Schleier, das Haar zu Z�pfen geflochten. Ohne einen zweiten Blick zu ben�tigen, schlo� Egeanin zwei davon aus, die auf S�nften und von Leibw�chtern begleitet einherschaukelten. Gelbs Stra�enschl�ger w�rden sich nicht an eine Gruppe heranwagen, die beinahe genauso stark war wie sie und noch dazu Schwerter gegen ihre blanken F�uste einsetzen konnte. Hinter wem sie auch her waren, sie w�rde kaum mehr als zwei oder drei M�nner dabei haben, und die sicherlich unbewaffnet. Damit kamen aber wohl alle anderen Frauen in Sichtweite in Frage, ob in Lumpen oder unauff�lliger Bauernkleidung oder den enganliegenden Kleidern, die von den Frauen in Tarabon bevorzugt wurden.</p><p>Pl�tzlich fiel Egeanins Blick auf zwei Frauen, die gerade um eine Ecke bogen und sich lebhaft miteinander unterhielten. Sie hatten die Haare zu vielen d�nnen Z�pfen geflochten und ebenfalls diese transparenten Schleier vor den Gesichtern und wirkten auf einen fl�chtigen Blick hin wie Einheimische. Doch bei genauerem Hinsehen schienen sie nicht hierher zu passen. Diese feinen, gewagt ausgeschnittenen Kleider, das eine gr�n und das andere blau, waren aus Seide und nicht aus Leinen oder d�nner Wolle. Frauen, die sich so anziehen konnten, lie�en sich gew�hnlich auf S�nften tragen und gingen nicht zu Fu�, besonders nicht hier in diesem Viertel. Und sie trugen auch nicht wie diese beiden schmale Fa�dauben wie Kn�ppel auf den Schultern.</p><p>Sie beachtete diejenige mit dem rotgoldenen Haar nicht weiter und musterte daf�r die andere genau. Ihre dunklen Z�pfe waren au�ergew�hnlich lang und reichten ihr beinahe bis zur Taille. Auf diese Entfernung sah die Frau einer <emphasis>Sul'dam</emphasis> namens Surine sehr �hnlich. Aber es war nicht Surine. Diese Frau hier h�tte ihr gerade bis ans Kinn gereicht.</p><p>Egeanin knurrte in sich hinein, sprang von der Brunneneinfassung herunter und schob sich durch die zwischen ihr und Gelb brodelnde Menschenmenge. Mit etwas Gl�ck konnte sie ihn rechtzeitig erreichen, damit er die Aktion abbrach. Dieser Narr. Dieser raffgierige Narr mit dem Gehirn eines Wiesels!</p><p>�Wir h�tten uns S�nften mieten sollen, Nynaeve�, sagte Elayne wieder und fragte sich dabei zum hundertstenmal, wie die Frauen aus Tarabon es fertigbrachten, miteinander zu sprechen, ohne st�ndig den Schleier im Mund zu haben. Sie spuckte den Saum aus und f�gte hinzu: �Wir werden diese Dinger auf Dauer benutzen m�ssen.� Ein Bursche mit schm�chtigem Gesicht dr�ngte sich durch die Menge auf sie zu, hielt aber inne, als Nynaeve ihre Fa�daube drohend hob. �Daf�r sind sie da.� Ihr b�ser Blick war vielleicht auch zum Teil daf�r verantwortlich, da� der Kerl sein Interesse an ihnen verlor. Sie fummelte an den dunklen Z�pfen herum, die ihr �ber die Schultern hingen und gab einen angewiderten Laut von sich. Elayne wu�te nicht, wann sie sich endlich daran gew�hnen werde, da� sie statt eines dicken Zopfes, an dem sie ziehen konnte, nun viele d�nne trug. �Und die F��e sind zum Gehen da. Wie k�nnten wir uns umsehen und Fragen stellen, wenn wir herumgetragen werden wie die Schweine zum Markt? Ich w�rde mich vollkommen idiotisch f�hlen in so einer dummen S�nfte. Und auf jeden Fall vertraue ich lieber auf meinen eigenen Verstand als auf M�nner, die ich nicht kenne.� Elayne war sicher, da� Bayle Domon durchaus vertrauensw�rdige M�nner h�tte stellen k�nnen. Und die Meerleute h�tten das auf jeden Fall auch getan. Sie verw�nschte die Tatsache, da� der <emphasis>Wogent�nzer</emphasis> wieder abgesegelt war, aber die Segelherrin und ihre Schwester hatten unbedingt die Kunde vom Coramoor nach Dantora und Cantorin weitergeben wollen. Zwanzig Leibw�chter h�tten ihr jetzt gut gepa�t.</p><p>Sie f�hlte im Geist ebenso wie mit ihren �u�eren Sinnen, wie etwas die B�rse an ihrem G�rtel streifte. Mit einer Hand packte sie die B�rse, und mit der anderen hob sie im Herumfahren ihre Daube. Die Menge in ihrer Umgebung machte ein wenig Platz, doch die Menschen blickten sie kaum an, als sie sich weiterdr�ngten. Von dem erfolglosen Taschendieb konnte sie keine Spur entdecken. Sie sp�rte wenigstens noch die M�nzen in ihrer B�rse. Ihr Ring mit der Gro�en Schlange und der verdrehte steinerne <emphasis>Ter'Angreal</emphasis> hingen an einer Schnur um ihren Hals. Das hatte sie sich angew�hnt, als man sie zum erstenmal beinahe bestohlen h�tte, denn bei Nynaeve hatte sich das bew�hrt. W�hrend der f�nf Tage in Tanchico war sie dann allerdings tats�chlich drei Geldb�rsen losgeworden. Zum Gl�ck befanden sich die Ringe nicht darin. Ja, zwanzig Leibw�chter w�ren genau richtig. Und eine Kutsche. Mit Vorh�ngen an den Fenstern.</p><p>Sie begannen wieder ihren langsamen Aufstieg die Stra�e entlang, und nach einer Weile sagte Elayne: �Dann sollten wir eigentlich auch nicht diese Kleider tragen. Ich erinnere mich noch, wie du mich einmal in das Kleid eines Bauernm�dchens gesteckt hast.� �Das war doch eine gute Verkleidung�, antwortete Nynaeve knapp. �Wir heben uns aber auch so nicht zu sehr von der Menge ab.� Elayne schnaubte leise. Einfachere Kleider h�tten sich doch wohl noch besser ihrer Umgebung angepa�t. Nynaeve wollte einfach nicht zugeben, da� sie es mittlerweile geno�, in Seide und h�bschen Kleidern herumzulaufen. Trotzdem h�tte sie es nicht so weit treiben m�ssen, fand Elayne. Sicher, jeder hielt sie f�r Einheimische, zumindest bis man ihren Akzent h�rte, doch sogar mit einem hochgeschlossenen Spitzenkragen hatte sie bei dieser enganliegenden gr�nen Seide immer das Gef�hl, sie zeige mehr Haut als jemals zuvor in ihrem Leben. Jedenfalls, was ihre Kleidung in der �ffentlichkeit betraf. Nynaeve dagegen schritt so selbstverst�ndlich durch die �berf�llten Stra�en, als z�ge sie nicht s�mtliche Blicke an. Nun ja, vielleicht wurden sie tats�chlich nicht weiter angestarrt, jedenfalls nicht ihrer Kleider wegen, aber es kam ihr eben so vor.</p><p>In Unterw�sche h�tten sie bestimmt genauso �z�chtig� gewirkt. Bei dem Gedanken begannen ihre Wangen zu gl�hen und sie bem�hte sich, nicht mehr daran zu denken, wie sich die Seide an ihre Figur schmiegte. <emphasis>H�r auf damit! Es sieht durchaus anst�ndig aus!</emphasis></p><p>�Hat dir diese Amys denn nichts erz�hlt, was uns hier n�tzlich w�re?� �Ich habe dir doch berichtet, was sie alles gesagt hat.� Elayne seufzte. Nynaeve hatte sie bis mitten in der Nacht wachgehalten und �ber die Weise Frau der Aiel verh�rt, die beim letzten Treffen mit Egwene in <emphasis>Tel'aran'rhiod</emphasis> dabeigewesen war, und dann mu�te sie alles nochmals vor dem Fr�hst�ck berichten. Egwene hatte aus irgendeinem Grund das Haar zu zwei Z�pfen geflochten und der Weisen Frau gelegentlich m�rrische Blicke zugeworfen und dann auch kaum etwas von sich gegeben, au�er, da� es Rand gutgehe und Aviendha sich um ihn k�mmere. Die wei�haarige Amys hatte zur Hauptsache das Reden �bernommen und ihnen einen strengen Vortrag �ber die Gefahren in der Welt der Tr�ume gehalten. Sie hatte Elayne das Gef�hl gegeben, wieder zehn und von Lini, ihrer alten Kinderschwester, erwischt worden zu sein, als sie S��igkeiten klauen wollte. Danach folgten Ratschl�ge in bezug auf Konzentration und Selbstbeherrschung und da� sie sich jeden Gedanken �berlegen m��ten, wenn sie <emphasis>Tel'aran'rhiod</emphasis> betraten. Wie konnte man denn kontrollieren, was man dachte? �Ich glaubte ehrlich, da� Perrin bei Rand und Mat sei.� Das war die gr��te �berraschung nach dem Auftauchen von Amys gewesen. Egwene hatte offensichtlich geglaubt, er sei bei ihr und Nynaeve.</p><p>�Wahrscheinlich ist er mit diesem M�dchen irgendwohin gegangen, wo er in Frieden als Schmied arbeiten kann�, sagte Nynaeve, aber Elayne sch�ttelte den Kopf.</p><p>�Ich glaube nicht.� Sie hatte in bezug auf Faile einen eindeutigen Verdacht, und falls sie auch nur zum Teil recht behielt, w�rde sich Faile nicht damit zufriedengeben, die Frau eines Schmieds zu werden. Wieder spuckte sie den Schleier aus, der sich in ihrem Mund verfangen hatte. Dieses idiotische Ding.</p><p>�Na ja, wo er auch stecken mag�, sagte Nynaeve, die schon wieder an ihren Z�pfen herummachte, �ich hoffe jedenfalls, da� es ihm gutgeht und er sich in Sicherheit befindet. Er ist nicht hier und kann uns sowieso nicht helfen. Hast du Amys wenigstens gefragt, ob wir <emphasis>Tel'aran'rhiod</emphasis> dazu ben�tzen k�nnen... � Ein klobiger Mann mit Halbglatze in einem abgewetzten braunen Wams dr�ngte sich zwischen den Leuten durch und versuchte, seine kr�ftigen Arme um sie zu legen. Sie ri� die Fa�daube von der Schulter und donnerte sie ihm auf das breite Gesicht, so da� er zur�cktaumelte und sich eine Nase hielt, die gerade wenigstens zum zweitenmal gebrochen war. Elayne holte noch Luft, um einen Ausruf der �berraschung loszuwerden, da stie� sie ein zweiter Mann beiseite, genauso gro� wie der erste und mit einem dichten Schnurrbart ausgestattet, um nach Nynaeve zu greifen. Sie verga� ihre Angst. Sie bi� w�tend die Z�hne aufeinander, und in dem Moment, als seine H�nde die andere Frau ber�hrten, hieb sie ihm die Daube mit aller Kraft, die sie aufbringen konnte, �ber den Sch�del. Die Beine des Kerls gaben nach, und er st�rzte mit dem Gesicht nach unten zu Boden.</p><p>Die Menge wich zur�ck, denn niemand wollte sich in die Schl�gereien anderer verwickeln lassen. Und keiner bot seine Hilfe an. Doch Elayne war klar, da� sie Hilfe ben�tigten. Der Mann, den Nynaeve geschlagen hatte, war immer noch auf den Beinen, das Gesicht wutverzerrt, und wischte sich das von der Nase herunterrinnende Blut ab. Dabei �ffnete und schlo� er die Pratzen, als wolle er jemand erw�rgen. Aber was noch schlimmer war: Er war nicht allein. Sieben weitere M�nner waren losgerannt und bildeten einen F�cher, um ihnen jeden Fluchtweg abzuschneiden. Alle bis auf einen waren genauso gro� wie der erste und wirkten mit ihren vernarbten Gesichtern und H�nden, als habe man sie jahrelang pausenlos verpr�gelt. Ein schm�chtiger Kerl mit hohlwangigem Gesicht, der wie ein nerv�ser Fuchs grinste, japste immer wieder: �La�t sie nicht entkommen. Sie ist Gold wert, sage ich Euch. Gold!� Sie wu�ten, wer sie war. Das war kein Versuch, lediglich eine fette Geldb�rse zu stehlen. Sie wollten Nynaeve beseitigen und die Tochter-Erbin von Andor entf�hren. Sie sp�rte, wie Nynaeve nach <emphasis>Saidar</emphasis> griff �wann, wenn nicht jetzt, h�tte sie denn in Wut geraten sollen. So �ffnete auch sie sich der Wahren Quelle. Die Eine Macht durchstr�mte sie � ihre s��e Flut erf�llte sie von Kopf bis Fu�. Ein paar schnell verwebte Str�nge des Elements Luft von ihnen beiden w�rden diesen Schl�gern das Handwerk legen.</p><p>Doch dann ben�tzten weder sie noch Nynaeve die Macht. Zusammen konnten sie diese Kerle verpr�geln, wie ihre M�tter es wohl vers�umt hatten. Aber mehr wagten sie nicht, jedenfalls solange nicht, bis sie absolut keine andere Wahl mehr hatten.</p><p>Falls eine der Schwarzen Ajah nahe genug war, um es zu bemerken, hatten sie sich bereits durch das Gl�hen von <emphasis>Saidar</emphasis> verraten. Wenn sie aber die Luftstr�nge verwoben, w�rden sie noch mehr von der Macht ben�tigen, so da� eine Schwarze Schwester sie auch noch von einer anderen Stra�e her auf hundert Schritt Entfernung oder mehr bemerken w�rde, wenn sie stark und sensitiv genug war. Das war es ja, was auch sie diese letzten f�nf Tage �ber vor allem versucht hatten. Sie waren durch die Stra�en der Stadt geschlendert und hatten darauf gelauert, ob irgendwo eine Frau die Macht gebrauchte. Das h�tte sie zu Liandrin und den anderen f�hren k�nnen.</p><p>Dann mu�te man auch die Menschenmenge in die �berlegungen mit einbeziehen. Ein paar Leute dr�ckten sich immer noch zu beiden Seiten an den Hausw�nden entlang an ihnen vorbei. Die anderen schoben sich gegenseitig hierhin und dorthin und suchten nach einem Weg. Nur eine Handvoll zeigte �berhaupt, da� sie die beiden Frauen in Gefahr bemerkt hatten, aber das mit schamhaft abgewandtem Blick. Doch wenn sie sahen, wie kr�ftige M�nner von etwas Unsichtbarem weggeschleudert wurden... ?</p><p>Die Aes Sedai und auch die Eine Macht selbst waren zur Zeit in Tanchico nicht gerade gern gesehen. Noch immer gingen die alten Ger�chte in bezug auf Falme um, und neuere behaupteten, die Wei�e Burg unterst�tze die Drachenverschworenen auf dem Land. Diese Leute w�rden wahrscheinlich weglaufen, wenn sie beobachteten, da� jemand die Eine Macht ben�tzte. Oder sie w�rden sich in einen w�tenden Mob verwandeln. Selbst wenn sie und Nynaeve es dann vermeiden konnten, an Ort und Stelle in St�cke gerissen zu werden, und sie war sich da nicht so sicher, konnten sie so etwas hinterher nicht mehr vertuschen. Die Schwarzen Ajah w�rden noch vor Sonnenuntergang davon h�ren, da� sich Aes Sedai in Tanchico befanden.</p><p>Sie stellte sich R�cken an R�cken zu Nynaeve und packte ihre Daube ganz fest. Dabei hatte sie das Gef�hl, hysterisch lachen zu m�ssen. Wenn Nynaeve noch einmal etwas davon sagte, da� sie allein hinausgehen sollten � zu Fu� noch dazu �, w�rde man ja sehen, ob es ihr gefiel, wenn sie zur Abwechslung ihren Kopf in einen Eimer Wasser steckte. Wenigstens schien keiner dieser Schl�ger besonders erpicht darauf, der erste zu sein, der wie dieser Kerl auf dem Boden eine Fa�daube �ber den Sch�del bekam.</p><p>�Vorw�rts�, trieb der Mann mit dem schmalen Gesicht die anderen an. Er fuchtelte wild mit den H�nden. �Vorw�rts! Es sind doch nur zwei Frauen!� Er selbst machte aber keine Anstalten, sich ins Get�mmel zu st�rzen. �Vorw�rts, sage ich! Wir brauchen nur die eine. Sie ist Gold wert, sage ich Euch.� Pl�tzlich ert�nte ein dumpfer Schlag, und einer der Schl�ger fiel auf die Knie und hielt sich halb bet�ubt den blutenden Kopf. Eine dunkelhaarige Frau mit herbem Gesicht in einem blauen Reitkleid huschte an ihm vorbei und drehte sich dann blitzschnell herum, um einem anderen Kerl die R�ckseite ihrer Faust auf den Mund zu donnern. Dann schlug sie ihm mit einem Stock die Beine unter dem Leib weg, und als er st�rzte, trat sie ihm noch gegen den Kopf.</p><p>Da� ihnen �berhaupt jemand half, war schon �berraschend genug, und noch mehr �berraschte die Person ihrer Helferin, doch Elayne war keineswegs w�hlerisch. Nynaeve wirbelte mit einem wortlosen Aufschrei herum, und sie selbst sprang mit dem Ruf vor: �Es lebe der Wei�e L�we!� Dann pr�gelte sie so schnell und kraftvoll sie konnte auf den am n�chsten stehenden Kerl los. Der warf die Arme hoch, um sich zu sch�tzen, und er schien zutiefst erschrocken. �Vorw�rts der Wei�e L�we!� schrie sie wieder. Es war der Schlachtruf von Andor. Er wandte sich um und rannte davon.</p><p>Unwillk�rlich mu�te sie lachen und fuhr dann herum, um jemand anderen zu finden, den sie verpr�geln konnte. Nur zwei waren noch nicht geflohen oder zu Boden gegangen. Dieser erste Kerl mit der gebrochenen Nase wollte ebenfalls fliehen, und Nynaeve gab im noch eins hinterher. Die Frau mit dem strengen Gesicht brachte es irgendwie fertig, ihren Stock zwischen Arm und Schulter des zweiten Kerls zu schieben und zog ihn auf diese Weise zu sich heran und gleichzeitig hoch auf die Zehenspitzen. Er w�re barfu� noch einen guten Kopf gr��er gewesen als sie und wog bestimmt das Doppelte, doch sie klatschte ihm ganz gelassen dreimal kurz hintereinander den R�cken ihrer freien Faust ans Kinn. Seine Aug�pfel rollten, und er sackte zusammen. Gleichzeitig sah Elayne jedoch den Mann mit dem schmalen Gesicht mit blutender Nase und fast glasigen Augen von der Stra�e hochtaumeln, ein Messer aus dem G�rtel ziehen und von hinten an die Frau heranschleichen. Ohne nachzudenken griff Elayne nach der Macht. Ein Luftwirbel packte den Mann und schleuderte ihn mitsamt Messer nach hinten. Die Frau mit dem strengen Gesicht zuckte herum, aber er kroch bereits auf allen vieren weg, bis er wieder auf die Beine kam und in der Menge verschwand. Die Leute waren stehengeblieben, um den eigenartigen Kampf zu beobachten, aber keiner au�er der dunkelhaarigen Frau hatte die Hand erhoben, um zu helfen. Die Frau blickte unsicher von Elayne zu Nynaeve. Elayne fragte sich, ob sie bemerkt hatte, da� der schm�chtige Bursche offensichtlich von �berhaupt nichts umgerissen worden war.</p><p>�Ich danke Euch sehr�, sagte Nynaeve ein wenig atemlos, w�hrend sie auf die Frau zuging und ihren Schleier zurechtr�ckte. �Ich glaube, wir sollten hier verschwinden. Ich wei�, da� die Miliz sich nicht oft auf die Stra�en hinauswagt, aber falls die doch kommen, m�chte ich nicht erkl�ren m�ssen. Unsere Schenke ist nicht weit entfernt. Kommt Ihr mit uns? Eine Tasse Tee ist das Mindeste, was wir jemandem anbieten k�nnen, die in dieser vom Licht verlassenen Stadt tats�chlich jemand anderem zur Hilfe kam. Ich hei�e Nynaeve al'Meara, und dies hier ist Elayne Trakand.� Die Frau z�gerte sichtlich. Sie hatte es also bemerkt. �Ich... Ja, ich w�rde gern mitkommen. Ja.� Sie sprach irgendwie schleppend und schwer verst�ndlich, aber es klang ein wenig vertraut. Sie war im Grunde eine sehr gut aussehende Frau, was vor allem an ihrem dunklen Haar lag, das beinahe bis auf ihre Schultern herabfiel. Vielleicht war ihr Gesicht ein bi�chen zu herb, um es sch�n zu nennen. Ihre blauen Augen verstr�mten einen Ausdruck von Macht, als sei sie daran gew�hnt, Befehle zu geben. Vielleicht war sie eine Kauffrau, bei diesem Kleid. �Ich hei�e Egeanin.� Egeanin z�gerte nicht, mit ihnen in die n�chste Seitenstra�e zu gehen. Die Menge schlo� sich bereits um die am Boden Liegenden. Elayne erwartete, da� die M�nner, bevor sie noch richtig wach waren, um alle Wertsachen erleichtert w�rden, vielleicht sogar um Kleidung und Stiefel. Sie w�nschte, sie k�nne erfahren, wie sie ihre Identit�t herausgefunden hatten, aber es gab keine M�glichkeit, einen mitzunehmen und zu verh�ren. Sie w�rden jedoch mit Sicherheit ab jetzt Leibw�chter mitnehmen, gleich, was Nynaeve sagte.</p><p>Wohl hatte Egeanin nicht gez�gert, aber sie war doch nerv�s. Elayne las ihr das von den Augen ab, w�hrend sie sich durch die Menge dr�ngten. �Ihr habt es bemerkt, nicht wahr?� fragte sie. Die Frau kam kurz ins Stolpern, und das war genug Best�tigung f�r Elayne. So f�gte sie schnell hinzu: �Wir werden Euch nichts tun. Und schon deshalb nicht, weil ihr uns zur Hilfe gekommen seid.� Wieder mu�te sie ihren Schleier ausspucken. Nynaeve schien kein Problem mit ihrem zu haben. �Du mu�t nicht so b�se schauen, Nynaeve. Sie hat gesehen, was ich tat.� �Das wei� ich�, sagte Nynaeve trocken. �Und es war durchaus das Richtige, was du gemacht hast. Aber wir befinden uns nicht gem�tlich im Palast deiner Mutter und sicher vor allen Lauschern.� Ihre Geste umfa�te alle die vielen Leute in ihrer Umgebung. Wegen Egeanins Stock und ihren Fa�dauben machten alle einen gro�en Bogen um sie. Dann sagte sie zu Egeanin: �Der gr��te Teil aller Ger�chte, die Ihr vielleicht geh�rt habt, sind falsch. Nur weniges daran stimmt. Ihr m��t keine Angst vor uns haben, aber Ihr m��t auch verstehen, da� es Dinge gibt, �ber die wir hier nicht sprechen wollen.� �Angst vor Euch?� Egeanin wirkte erstaunt. �Ich hatte nicht geglaubt, da� ich Angst haben m��te. Ich werde schweigen, bis Ihr zu sprechen w�nscht.� Sie hielt denn auch Wort. Sie gingen schweigend weiter durch das Gemurmel der Menge den ganzen Weg zur�ck �ber die Halbinsel zum �Hof der Drei Pflaumen�. Von all der vielen Lauferei schmerzten Elayne allm�hlich die F��e. Trotz der fr�hen Tageszeit sa� eine Handvoll M�nner und Frauen im Schankraum �ber ihrem Wein oder Bier. Die Frau mit dem Hackbrett wurde von einem d�rren Mann auf der Fl�te begleitet, deren T�ne genauso d�nn klangen, wie er war. Juilin sa� an einem Tisch in der N�he der Eingangst�r und rauchte seine kurzstielige Pfeife. Er war noch nicht von seiner n�chtlichen Tour zur�ck gewesen, als sie gingen. Elayne war froh, da� er ausnahmsweise keine neue Schramme und keinen Schnitt aufwies. Was er die Unterseite von Tanchico nannte, schien noch rauher zu sein als das Gesicht, das die Stadt der Welt zeigte. Seine einzige Konzession an die in Tanchico �bliche Kleidung war eine dieser spitz zulaufenden Filzkappen, die er schief auf dem Hinterkopf trug und die seinen flachen Strohhut nun ersetzte.</p><p>�Ich habe sie gefunden�, sagte er, sprang dabei wie von der Tarantel gestochen von seiner Bank auf und ri� sich die Kappe vom Kopf. Erst dann bemerkte er, da� sie nicht allein waren. Er warf Egeanin einen vorsichtigen Blick zu und verbeugte sich leicht. Sie erwiderte seinen Gru� mit einem leichten Kopfneigen und einem genauso zur�ckhaltenden Blick.</p><p>�Ihr habt sie gefunden?� rief Nynaeve. �Seid Ihr sicher? Sprecht, Mann! Habt Ihr eure Zunge verschluckt?� Und das von ihr, die immer davor gewarnt hatte, sich vor anderen Leuten zu verplappern.</p><p>�Ich sollte besser sagen: Ich habe herausgefunden, wo sie sich aufhielten.� Er sah Egeanin nicht mehr an, w�hlte aber seine Worte sehr vorsichtig. �Die Frau mit der wei�en Str�hne im Haar f�hrte mich zu einem Haus, wo sie mit einer Anzahl anderer Frauen wohnte, wenn sich auch nur wenige jemals drau�en sehen lie�en. Die Anwohner meinen, es seien reiche Fl�chtlinge von irgendwelchen Landg�tern. Jetzt ist nicht mehr viel dort �brig als ein paar Nahrungsreste in der Speisekammer. Selbst die Diener sind weg. Der eine oder andere Hinweis l��t mich glauben, da� sie letzten Nachmittag oder sp�testens letzten Abend von dort weggingen. Ich glaube kaum, da� sie die Nacht in Tanchico f�rchten.� Nynaeves Hand verkrampfte sich um mehrere ihrer Z�pfe. �Seid Ihr drinnen gewesen?� fragte sie mit betont gleichm�tiger Stimme. Elayne f�rchtete, es sei bald soweit, da� sie die Daube drohend erheben w�rde, die an ihrer Seite baumelte.</p><p>Auch Juilin hatte wohl dieses Gef�hl. Er be�ugte die Daube und sagte: �Ihr wi�t genau, da� ich bei denen kein Risiko eingehen w�rde. Ein leeres Haus hat so etwas an sich � ich kann es nicht beschreiben. Gleich, wie gro� es sein mag, aber man sp�rt die Leere. Man kann nicht so lange wie ich Diebe aufsp�ren und dann kein Gef�hl f�r so etwas entwickeln.� �Und wenn Ihr damit eine Falle ausgel�st habt?� Nynaeve fauchte das beinahe. �Schlie�t Euer toller Sinn f�r bestimmte Dinge auch Fallen mit ein?� Juilins dunkles Gesicht verf�rbte sich leicht ins Graue. Er leckte sich die Lippen, als wolle er etwas sagen oder sich verteidigen, doch sie schnitt ihm das Wort ab: �Wir sprechen sp�ter noch dar�ber, <emphasis>Meister</emphasis> Sandar.� Ihr Blick glitt ein wenig in Egeanins Richtung, denn offensichtlich erinnerte sie sich endlich daran, da� fremde Ohren alles mitgeh�rt hatten. �Sagt Rendra, da� wir unseren Tee im Fallende-Bl�ten-Raum einnehmen.� �In der Kammer der Fallenden Bl�ten�, korrigierte Elayne sanft und Nynaeve warf ihr einen w�tenden Blick zu. Juilins Nachricht hatte die �ltere der beiden jungen Frauen in eine �ble Laune versetzt.</p><p>Er verbeugte sich tief mit gespreizten H�nden. �Wie Ihr befehlt, Frau al'Meara. Ich gehorche Euch aus ganzem Herzen�, sagte er trocken, setzte sich die dunkle Kappe wieder auf und stolzierte von dannen. Seine Haltung wirkte w�rdevoll indigniert. Es mu�te unangenehm sein, von jemandem Befehle entgegenzunehmen, mit dem man vorher zu flirten versucht hatte.</p><p>�N�rrischer Mann!� knurrte Nynaeve. �Wir h�tten beide auf dem Kai in Tear zur�cklassen sollen.� �Er ist Euer Diener?� fragte Egeanin bed�chtig.</p><p>�Ja�, fauchte Nynaeve, w�hrend Elayne im gleichen Moment �Nein� sagte.</p><p>Sie blickten sich an. Nynaeve hatte die Stirn gerunzelt. �Na ja, auf gewisse Weise vielleicht�, seufzte Elayne, w�hrend zugleich Nynaeve ergeben murmelte: �Na ja, eigentlich nicht.� �Oh, ich... verstehe�, sagte Egeanin.</p><p>Rendra kam gesch�ftig zwischen den Tischen hindurch mit einem l�chelnden Schmollmund unter dem Schleier auf sie zu. Elayne w�nschte sich, sie s�he Liandrin nicht so verteufelt �hnlich. �Oh. Ihr seht heute morgen so h�bsch aus. Eure Kleider sind einfach gro�artig. Wirklich sch�n.� Als habe die Frau mit dem honigfarbenen Haar nicht genausoviel mit der Auswahl der Stoffe und Schnittmuster zu tun gehabt wie sie selbst. Ihr eigenes Kleid war rot genug, um jede Kesselflickerfrau zu erfreuen, und ganz bestimmt nicht f�r die �ffentlichkeit geeignet.</p><p>�Aber Ihr wart wieder ein wenig unklug, ja? Deshalb macht der gute Juilin wieder so eine finstere Miene. Ihr solltet ihm nicht so viele Schwierigkeiten bereiten.� Ein Zwinkern in ihren gro�en braunen Augen machte deutlich, da� Juilin in ihr offensichtlich jemanden zum Flirten gefunden hatte. �Kommt. Ihr nehmt Euren Tee im K�hlen und ohne Zuschauer ein, und wenn Ihr wieder ausgehen m��t, la�t Ihr mich die Tr�ger und Leibw�chter f�r Euch stellen, ja? Die h�bsche Elayne h�tte nicht so viele Geldb�rsen verloren, w�rt Ihr nur richtig besch�tzt worden. Aber sprechen wir jetzt nicht von solchen Dingen. Euer Tee ist fast fertig. Kommt.� Man mu�te das wohl einfach richtig gelernt haben. So sah es Elayne jedenfalls. Man mu�te lernen, wie man sprach, ohne den Schleier dabei halb aufzuessen.</p><p>Die Kammer der Fallenden Bl�ten, einen kurzen Flur vom Schankraum entfernt, war ein kleiner, fensterloser Raum mit einem niedrigen Tisch und geschnitzten St�hlen mit roten Sitzkissen. Nynaeve und Elayne nahmen hier ihre Mahlzeiten ein, entweder mit Thom oder Juilin oder beiden, wenn Nynaeve nicht gerade w�tend auf sie war. Die verputzten Backsteinw�nde, auf die man einen ganzen Wald von Pflaumenb�umen und einen wahren Bl�tenregen gemalt hatte, waren so dick, da� niemand drau�en etwas aufschnappen konnte. Elayne ri� sich beinahe den Schleier herunter und warf das hauchd�nne St�ck Stoff auf den Tisch, bevor sie sich hinsetzte. Selbst die Taraboner Frauen versuchten nicht, mit dem Ding vor dem Mund zu essen oder zu trinken. Nynaeve machte ihren lediglich an der einen Seite von ihrem Haar los.</p><p>Rendra plapperte fr�hlich weiter, w�hrend ihnen der Tee serviert wurde. Ihre Themen wechselten wild durcheinander � von einer neuen Damenschneiderin, die ihnen Kleider im allerneuesten Stil aus der allerd�nnsten Seide n�hen k�nne � als sie Egeanin vorschlug, es mit dieser Frau zu versuchen, bekam sie einen abweisenden Blick zur Antwort, was sie aber nicht im geringsten bremste �, zu Juilin und warum sie auf ihn h�ren sollten, da die Stadt einfach zu gef�hrlich sei und eine Frau heutzutage noch nicht einmal bei hellem Tageslicht allein ausgehen k�nne, und dann kam sie auf eine parf�mierte Seife zu sprechen, die dem Haar seidigen Glanz verschaffe. Elayne fragte sich manchmal, wie diese Frau eine gutgehende Schenke leiten k�nne, obwohl sie an nichts anderes als ihr Haar und ihre Kleider dachte. Doch die Schenke war und ging wirklich gut. Das blieb ein R�tsel f�r Elayne. Nat�rlich trug sie sehr h�bsche Kleider, wenn sie auch nicht ganz anst�ndig wirkten. Der Kellner, der den Tee und die blauen Porzellantassen und dazu winzige Pl�tzchen auf einem Tablett hereintrug, war der gleiche schlanke, dunkel�ugige junge Mann, der in jener peinlichen Nacht Elaynes Becher immer nachgef�llt hatte. Er hatte es seither noch mehr als einmal versucht, aber sie hatte sich geschworen, in Zukunft niemals wieder mehr als einen einzigen Becher zu trinken. Ein gutaussehender Bursche, doch sie warf ihm einen eisgek�hlten Blick zu, worauf er wohl froh war, den Raum schnell wieder verlassen zu k�nnen.</p><p>Egeanin beobachtete alles schweigend, bis Rendra auch weg war. �Ihr seid nicht, was ich erwartete�, sagte sie dann. Sie hielt ihre Tasse ganz eigenartig zwischen den Fingerspitzen. �Die Wirtin quatscht �ber Frivolit�ten und behandelt Euch, als w�rt Ihr Schwestern und genauso n�rrisch wie sie, und Ihr la�t es zu. Der dunkle Mann � ich glaube, er ist schon eine Art von Diener � macht sich �ber Euch lustig. Dieser junge Kellner starrt Euch mit offener Gier an, und Ihr gestattet es ihm. Ihr seid... Aes Sedai, oder?� Sie wartete nicht auf eine Antwort, sondern wandte sich mit einem scharfen Blick Elayne zu. �Und Ihr seid vom... Ihr seid von adeliger Abstammung. Nynaeve sprach vom Palast Eurer Mutter.� �Solche Dinge spielen in der Wei�en Burg keine gro�e Rolle�, sagte Elayne bedauernd zu ihr und wischte sich hastig Kr�mel vom Kinn. Die Pl�tzchen waren ziemlich stark gew�rzt, beinahe scharf. �Falls eine K�nigin dorthin k�me, um zu lernen, m��te sie genauso B�den schrubben wie jede andere Novizin und springen, wenn man es ihr befiehlt.� Egeanin nickte bed�chtig. �Also auf diese Art herrscht Ihr. Indem Ihr die Herrscher beherrscht. Werden viele... K�niginnen so ausgebildet?� �Nicht, da� ich w��te.� Elayne lachte. �Bei uns in Andor ist es Tradition, da� die Tochter-Erbin dorthin geht. Eine ganze Anzahl von adligen M�dchen geht hin, obwohl sie es nicht an die gro�e Glocke h�ngen, und die meisten gehen wieder weg, ohne auch nur die Wahre Quelle einmal wahrgenommen zu haben. Es war nur ein Beispiel.� �Ihr seid auch vom... eine Adlige?� fragte Egeanin und Nynaeve schnaubte.</p><p>�Meine Mutter war eine B�uerin und mein Vater hat Schafe geh�tet und Tabak angebaut. Nur wenige in der Gegend, aus der ich komme, k�nnen ohne den Verkauf sowohl von Wolle wie auch von Tabak auskommen. Wie steht es mit Euren Eltern, Egeanin?� �Mein Vater war Soldat und meine Mutter war die... Schiffsoffizier.� Einen Augenblick lang nippte sie an ihrem unges��ten Tee und musterte sie. �Ihr sucht nach jemandem�, stellte sie schlie�lich fest. �Nach diesen Frauen, von denen der dunkle Mann sprach. Ich handle ein wenig mit Informationen, neben anderen Dingen nat�rlich. Ich habe Quellen, von denen ich einiges erfahre. Vielleicht kann ich helfen. Ich w�rde kein Geld daf�r verlangen. Ich m�chte nur von Euch mehr �ber die Aes Sedai erfahren.� �Ihr habt uns schon zuviel geholfen�, sagte Elayne schnell, wobei sie sich daran erinnerte, da� Nynaeve Bayle Domon fast alles erz�hlt hatte. �Ich bin Euch sehr dankbar, aber wir k�nnen nicht noch mehr annehmen.� Diese Frau von den Schwarzen Ajah wissen zu lassen oder sie ohne dieses Wissen mit einzuspannen kam absolut nicht in Frage. �Wir k�nnen wirklich nicht noch mehr annehmen.� Nynaeve stand mit halb ge�ffnetem Mund da und funkelte sie an. �Ich wollte gerade dasselbe sagen�, behauptete sie mit beherrschter Stimme. Dann fuhr sie etwas freundlicher fort: �Unsere Dankbarkeit geht aber gewi� so weit, da� wir Eure Fragen beantworten, Egeanin. Jedenfalls, soweit wir das k�nnen.� Sie meinte damit, da� es eine Reihe von Fragen gab, die sie gar nicht beantworten konnten, weil sie selbst die Antworten nicht wu�ten, Egeanin aber verstand sie anders.</p><p>�Nat�rlich. Ich will nichts �ber die geheimen Angelegenheiten der Wei�en Burg wissen.� �Ihr scheint sehr an den Aes Sedai interessiert zu sein�, sagte Elayne. �Ich kann die F�higkeit nicht in Euch sp�ren, aber vielleicht k�nnt Ihr lernen, die Macht zu gebrauchen.� Egeanin h�tte fast ihre Porzellantasse fallen lassen. �Man... man kann es <emphasis>lernen?</emphasis> Ich wu�te nicht... Nein. Ich will es... nicht lernen.� Ihre Erregung machte Elayne traurig. Selbst unter den Menschen, die vor den Aes Sedai keine Angst hatten, wollten zu viele nichts mit der Einen Macht zu tun haben. �Was wollt Ihr denn wissen, Egeanin?� Bevor die Frau etwas sagen konnte, klopfte es an die T�r, und Thom trat ein, angetan mit einem teuren, braunen Umhang, den er nun gew�hnlich beim Ausgehen trug. Er erregte auf jeden Fall nicht soviel Aufsehen wie sein Gauklerumhang mit den bunten Flicken. Er wirkte darin sogar sehr w�rdevoll mit seinem wei�en Haarschopf, den er allerdings h�ufiger k�mmen sollte. Wenn sie ihn sich j�nger vorstellte, war Elayne schon klar, was ihre Mutter zu ihm hingezogen hatte. Das entschuldigte allerdings nicht, wie er sie verlassen hatte. Sie gl�ttete ihre Z�ge schnell, bevor er ihre gerunzelte Stirn wahrnehmen konnte.</p><p>�Man sagte mir, da� ihr nicht allein seid�, sagte er und warf Egeanin einen absch�tzenden Blick zu, der dem Juilins sehr �hnlich war. M�nner mi�trauten immer jemandem, den sie nicht kannten. �Aber ich dachte, ihr solltet wissen, da� die Kinder des Lichts heute morgen den Palast der Panarchen umstellt haben. Die ganze Stadt schwirrt bereits von Ger�chten. Wie es scheint, soll morgen Lady Amathera als Panarchin eingef�hrt werden.� �Thom�, sagte Nynaeve m�de, �au�er, falls Amathera in Wirklichkeit Liandrin ist, ist es mir v�llig gleich, ob sie Panarchin wird oder K�nigin oder Seherin f�r die gesamten Zwei Fl�sse auf einmal.� �Das Interessante daran ist�, sagte Thom unger�hrt und hinkte zum Tisch, �da� den Ger�chten nach die Versammlung sich weigerte, Amathera zu w�hlen. Sie weigerten sich. Also, warum wird sie dann in das Amt eingef�hrt? So eigenartige Vorkommnisse mu� man einfach beachten, Nynaeve.� Als er sich setzen wollte, sagte sie ruhig: �Wir f�hren hier eine private Unterhaltung, Thom. Ich bin sicher, da� du lieber im Schankraum sitzen wirst.� Sie nippte an ihrem Tee und blickte ihn �ber den Rand ihrer Tasse hinweg an. Sichtlich erwartete sie seinen R�ckzug. Err�tend erhob er sich wieder, ohne richtig gesessen zu haben, doch er ging noch nicht gleich. �Ob nun die Versammlung ihre Meinung ge�ndert hat oder nicht, es wird auf jeden Fall Ausschreitungen geben. In den Stra�en glaubt man immer noch, da� Amathera abgewiesen wurde. Wenn ihr unbedingt ausgehen m��t, dann auf keinen Fall allein.� Er sah Nynaeve nur an, aber Elayne hatte den Eindruck, er h�tte ihr beinahe die Hand auf die Schulter gelegt. �Bayle Domon h�ngt in diesem kleinen Zimmer unten in der N�he des Hafens fest und regelt seine Angelegenheiten f�r den Fall, da� er fliehen mu�. Aber er hat sich einverstanden erkl�rt, f�nfzig ausgew�hlte M�nner zur Verf�gung zu stellen, harte Burschen, die an Raufereien gew�hnt sind und schnell mit Messer oder Schwert.� Nynaeve �ffnete den Mund, aber Elayne kam ihr zuvor. �Wir sind dankbar, Thom, sowohl Euch wie auch Meister Domon. Bitte, sagt ihm, da� wir sein freundliches und gro�z�giges Angebot annehmen.� Nynaeves strenger Blick traf sie, und sie f�gte bedeutungsschwanger hinzu: �Ich will nicht bei hellem Tageslicht von der Stra�e weg entf�hrt werden.� �Nein�, sagte Thom. �Das wollen wir doch nicht.� Elayne glaubte, ein nur halb gehauchtes �Kind� am Ende geh�rt zu haben, und diesmal ber�hrte er wirklich ihre Schulter, streifte kurz mit den Fingerspitzen dar�ber. ��brigens�, fuhr er fort, �warten die M�nner bereits drau�en auf der Stra�e. Ich versuche auch, eine Kutsche aufzutreiben, denn auf diesen S�nften ist man einfach zu exponiert.� Er schien zu wissen, da� er damit zu weit gegangen war, Domons M�nner herzubringen, bevor sie auch nur zugestimmt hatten, ganz zu schweigen von einer Kutsche. Auch dazu hatte er sie nicht einmal um Erlaubnis gebeten. Doch er stand ihnen nun gegen�ber wie ein in die Enge getriebener Wolf, die buschigen Augenbrauen heruntergezogen. �Ich w�rde es... pers�nlich... bedauern, wenn euch etwas zustie�e. Die Kutsche wird hiersein, sobald ich ein Gespann auftreiben kann. Falls man eines findet.� Nynaeve hatte die Augen aufgerissen und war offenbar nahe daran, ihm eine Abreibung zu verpassen, die er nie mehr vergessen w�rde. Elayne h�tte ihm ebenfalls, wenn auch etwas sanfter, einiges zu sagen gehabt. Sanfter, aber �Kind� zu ihr zu sagen...!</p><p>Er n�tzte ihr Z�gern aus, um sich mit grandioser Geste zu verbeugen, wie man sie in einem Palast nicht sch�ner zu sehen bekam, und zu gehen, solange er noch Zeit hatte.</p><p>Egeanin hatte ihre Tasse hingestellt und blickte sie konsterniert an. Elayne war klar, da� sie nicht gerade eine beeindruckende Vorstellung vom Rang einer Aes Sedai gegeben hatten, als sie sich praktisch von Thom hatten herumkommandieren lassen. �Ich mu� gehen�, sagte die Frau, erhob sich und nahm ihren Stock von der Wand, wo sie ihn hingelehnt hatte.</p><p>�Aber Ihr habt Eure Fragen noch gar nicht gestellt!� protestierte Elayne. �Wir schulden Euch doch wenigstens einige Antworten.� �Ein andermal�, sagte Egeanin, nachdem sie einen Augenblick �berlegt hatte. �Wenn es gestattet ist, komme ich ein andermal zu Besuch. Ich mu� mehr �ber Euch erfahren. Ihr seid ganz anders, als ich erwartet hatte.� Sie versicherten ihr, sie k�nne jederzeit kommen, wenn sie da waren, und bem�hten sich, sie zum Bleiben zu �berreden, um wenigstens noch ihren Tee zu trinken und noch etwas Geb�ck zu essen, doch sie bestand darauf, sie jetzt verlassen zu m�ssen.</p><p>Nynaeve brachte sie zur T�r und drehte sich dann mit in die H�ften gestemmten F�usten zu Elayne um. �Dich entf�hren? Falls du es vergessen haben solltest, Elayne, war ich es, die von diesen M�nnern entf�hrt werden sollte!� �Um dich aus dem Weg zu haben, damit sie mich packen konnten�, gab Elayne zur�ck. �Falls du es vergessen hast: Ich bin die Tochter-Erbin von Andor. Meine Mutter h�tte sie reich gemacht, um mich zur�ckzubekommen.� �Vielleicht�, meinte Nynaeve zweifelnd. �Na ja, wenigstens hatte das alles nichts mit Liandrin zu tun. Die w�rde uns keine Bande von Stra�enschl�gern schicken, um uns in einen Sack zu stopfen. Warum machen die M�nner immer Sachen, ohne vorher zu fragen? Saugt denen das Haar auf der Brust etwa den Verstand aus?� Der pl�tzliche Themenwechsel verwirrte Elayne keineswegs. �Wenigstens m�ssen wir uns nicht mehr darum k�mmern, wie wir Leibw�chter auftreiben. Du bist doch auch der Meinung, da� sie notwendig sind, obwohl Thom ein wenig �ber das Ziel hinausgeschossen ist?� �Ja, ich denke schon.� Nynaeve hatte eine bemerkenswerte Abneigung, zuzugeben, da� sie im Unrecht war. Zu glauben, diese M�nner seien hinter <emphasis>ihr</emphasis> hergewesen, ha! �Elayne, ist dir klar, da� wir immer noch nicht mehr haben als ein leeres Haus? Falls Juilin � oder Thom � einen Fehler begeht und sie ihn finden? Wir m�ssen die Schwarzen Schwestern finden, ohne da� sie es merken, oder wir werden niemals eine Gelegenheit bekommen, ihnen dorthin zu folgen, wo sich diese Gefahr f�r Rand befindet, was es auch sein mag.� �Ich wei߫, sagte Elayne geduldig. �Wir haben das alles doch schon durchgekaut.� Die �ltere der beiden runzelte die Stirn und blickte ins Leere. �Wir haben noch immer nicht die geringste Ahnung, was es ist oder wo es sich befindet.� �Ich wei�.� �Selbst wenn wir im n�chsten Moment Liandrin und die anderen einsacken, k�nnten wir es nicht dort drau�en lassen, wo jemand anders es finden mag.� �Das wei� ich doch, Nynaeve.� Elayne zwang sich zu mehr Geduld und einem sanfteren Tonfall. �Wir finden sie bestimmt. Sie m�ssen sich irgendwann einmal verraten, und wenn Thoms Ger�chte stimmen, Juilins Diebe und Bayle Domons Seeleute aufpassen, dann erfahren wir davon.� Nynaeves Stirnrunzeln wirkte nun eher nachdenklich. �Hast du Egeanins Blick bemerkt, als Thom Domon erw�hnte?� �Nein. Glaubst du, sie kennt ihn? Warum sollte sie das nicht zugeben?� �Ich wei� es nicht�, meinte Nynaeve leicht beunruhigt. �Ihr Gesichtsausdruck hat sich nicht ge�ndert, aber ihr Blick... Sie war �berrascht. Sie mu� ihn kennen. Ich frage mich, was...� Jemand klopfte leise an die T�r. �Kommt denn heute jeder in Tanchico zu uns auf Besuch?� grollte sie und ri� die T�r auf.</p><p>Rendra fuhr unter Nynaeves wildem Blick zusammen, aber ihr allgegenw�rtiges L�cheln kehrte sofort wieder. �Vergebt mir, da� ich Euch st�re, aber unten ist eine Frau, die nach Euch gefragt hat. Sie hat nicht Eure Namen genannt, Euch aber sehr genau beschrieben. Sie meint, da� sie Euch kennt. Sie... � Ihr Schmollmund verzog sich �rgerlich. �Ich habe vergessen, nach ihrem Namen zu fragen. Heute morgen bin ich wirklich eine hirnlose Ziege. Die Frau ist gut angezogen und noch nicht ganz in ihren mittleren Jahren. Sie stammt nicht aus Tarabon.� Sie schauderte ein klein wenig. �Eine strenge Frau, glaube ich. Als sie mich zuerst sah, blickte sie mich an wie meine �ltere Schwester in unserer Kindheit, als sie am liebsten meine Z�pfe ausgerissen h�tte.� �Haben sie uns vielleicht zuerst gefunden?� fragte Nynaeve leise.</p><p>Elayne griff bereits nach der Wahren Quelle, bevor es ihr bewu�t wurde, und als es tats�chlich ging, �berlief sie ein Schaudern der Erleichterung. Sie konnte es tun und war nicht unversehens abgeschirmt worden. Falls die Frau eine Schwarze Ajah war... Aber warum h�tte sie sich dann anmelden lassen? Trotzdem w�nschte sie sich, Nynaeve w�re ebenfalls vom Gl�hen <emphasis>Saidars</emphasis> umgeben. Wenn die Frau nur endlich einmal die Macht ben�tzen k�nnte, ohne zuvor zornig werden zu m�ssen!</p><p>�Schickt sie herein�, sagte Nynaeve, und Elayne bemerkte, da� die andere sich des fehlenden Schutzes sehr wohl bewu�t war und sich offensichtlich f�rchtete. W�hrend Rendra wieder hinausging, begann Elayne, Str�nge des Elements Luft zu verweben, kabeldick und bereit, jeden zu fesseln, und dann Str�me des Elements Geist, um jeden anderen von der Wahren Quelle abzuschirmen. Falls diese Frau einer von denen auf der Liste auch nur �hnlich sah, falls sie versuchte, auch nur einen Funken der Macht zu gebrauchen...</p><p>Elayne hatte die Frau, die nun, gekleidet in ein schimmerndes schwarzseidenes Kleid von ihnen unbekanntem Schnitt, in die Kammer der Fallenden Bl�ten trat, noch nie gesehen, und sie stand auch bestimmt nicht auf der Liste der Frauen, die mit Liandrin geflohen waren. Das dunkle Haar, das ihr lose auf die Schultern fiel, umrahmte ein kraftvoll wirkendes, gutaussehendes Gesicht mit gro�en, dunklen Augen und glatten Wangen, doch ohne die typische Alterslosigkeit der Aes Sedai. L�chelnd schlo� sie die T�r hinter sich. �Verzeiht mir, doch ich glaubte, Ihr w�rt... � Das Gl�hen <emphasis>Saidars</emphasis> umgab sie, und sie...</p><p>Elayne lie� die Wahre Quelle fahren. In diesen dunklen Augen lag etwas sehr Beherrschendes, genau wie in dem Lichtschein, der Ausstrahlung der Einen Macht. Elayne hatte noch nie eine Frau gesehen, die ihr einen so w�rdigen, k�niglichen Eindruck vermittelt hatte. Sie ertappte sich dabei, wie sie schnell knickste, und err�tete bei dem Gedanken, auch nur erwogen zu haben... Was hatte sie eigentlich erwogen? So schwer, einen klaren Gedanken zu fassen.</p><p>Die Frau musterte sie einen Augenblick lang, nickte dann zufrieden, glitt hin�ber zum Tisch und packte den geschnitzten Stuhl an seiner Lehne. �Kommt her, wo ich Euch beide besser sehen kann�, sagte sie mit gebieterischer Stimme. �Kommt. Ja. So ist es recht.� Elayne wurde mit einemmal bewu�t, da� sie neben dem Tisch stand und auf die dunkel�ugige, gl�hende Frau herabsah. Sie hoffte, das sei so in Ordnung. Auf der anderen Seite des Tisches stand Nynaeve und hatte eine ganze Handvoll ihrer langen, d�nne Z�pfe gepackt. Aber auch sie blickte ihre Besucherin mit d�mmlich fasziniertem Gesichtsausdruck an. Elayne h�tte am liebsten gekichert.</p><p>�Ungef�hr, was ich erwartet hatte�, sagte die Frau. �Wenig mehr als kleine M�dchen und kaum halb ausgebildet. Aber stark, stark genug, um ziemliche Schwierigkeiten zu bereiten. Besonders Ihr.� Sie fixierte Nynaeve mit einem strengen Blick. �Aus Euch k�nnte eines Tages etwas werden. Aber Ihr habt Euch selbst abgeschirmt, oder? Den Block h�tten wir schnell aus Euch herausgeholt, und wenn Ihr deshalb noch so jammert.� Nynaeve hielt sich immer noch an ihren Z�pfen fest, aber ihr Gesichtsausdruck �nderte sich. Aus dem erfreuten, m�dchenhaften L�cheln, als habe man sie gelobt, wurde eine zerknirschte Miene. Ihre Unterlippe zitterte. �Es tut mir leid, da� ich mich selbst abgeschirmt habe�, wimmerte sie beinahe. �Ich habe Angst vor... all dieser Macht... der Einen Macht... Wie kann ich...?� �Schweigt, bis ich Euch eine Frage stelle�, sagte die Frau streng. �Und fangt nicht gleich zu weinen an. Ihr freut Euch, mich zu sehen. Ihr seid gl�cklich. Alles, was Ihr wollt, ist, mir eine Freude zu machen und meine Fragen wahrheitsgem�� zu beantworten.� Nynaeve nickte lebhaft und l�chelte noch entr�ckter als zuvor. Elayne war bewu�t, da� sie sich genauso anstellte. Sie war sogar sicher, da� sie zuerst die Fragen beantworten k�nne. Alles, um dieser Frau eine Freude zu machen.</p><p>�Also. Seid Ihr allein? Sind noch andere Aes Sedai bei Euch?� �Nein�, sagte Elayne schnell als Antwort auf die erste Frage, und genauso schnell beantwortete sie die zweite:</p><p>�Es sind keine Aes Sedai bei uns.� Vielleicht sollte sie ihr erkl�ren, da� sie beide eigentlich noch gar keine Aes Sedai waren. Aber danach hatte sie nicht gefragt. Nynaeve sah sie zornig an. Ihre Kn�chel an den Handgelenken waren ganz wei� vor Anstrengung, so fest hielt sie ihre Z�pfe. Sie war zornig, weil ihr Elayne mit der Antwort zuvorgekommen war. �Warum befindet Ihr euch in dieser Stadt?� fragte die Frau.</p><p>�Wir suchen nach Schwarzen Schwestern�, platzte Nynaeve heraus und warf Elayne einen triumphierenden Blick zu.</p><p>Die gutaussehende Frau lachte. �Deshalb also habe ich bis heute nicht merken k�nnen, da� Ihr die Macht ben�tzt. Sehr klug von Euch, Euch nicht zu verraten, wenn es elf gegen zwei hei�t. So habe ich es auch Der gemacht. La�t andere Narren nur v�llig deckungslos herumspringen. Die kann schon eine Spinne zu Fall bringen, die sich in Mauerspalten verbirgt, eine Spinne, die sie nicht bemerken, bis es zu sp�t ist. Berichtet mir alles, was Ihr �ber diese Schwarzen Schwestern herausgefunden habt, alles, was Ihr �ber sie wi�t.� Elayne sprudelte alles heraus in ihrem Eifer, Nynaeve zuvorzukommen. Es war nicht sehr viel. Ihre Beschreibungen, die <emphasis>Ter'Angreal,</emphasis> die sie gestohlen hatten, die Morde in der Burg und die Furcht, es k�nnten sich noch weitere Schwarze Schwestern dort befinden, wie sie einen der Verlorenen in Tear unterst�tzt hatten, bevor der Stein gefallen war, und ihre Reise hierher, um etwas zu suchen, was f�r Rand zur Gefahr werden konnte. �Sie wohnten alle zusammen in einem Haus�, beendete Elayne ihren Bericht schwer atmend, �aber gestern abend haben sie es verlassen.� �Wie es scheint, seid Ihr ihnen sehr nahe gekommen�, sagte die Frau bed�chtig. �Sehr nahe. <emphasis>Ter'Angreal.</emphasis> Leert den Inhalt Eurer B�rsen und Taschen auf den Tisch.� Sie folgten ihrem Befehl, und die Frau untersuchte schnell die M�nzen, das N�hzeug, Taschent�cher und was da sonst noch lag. �Habt Ihr irgendwelche <emphasis>Ter'Angreal</emphasis> in Euren Gem�chern? <emphasis>Angreal</emphasis> oder <emphasis>Sa'Angreal?�</emphasis></p><p>Elayne war sich des verdrehten Steinrings bewu�t, der zwischen ihren Br�sten hing, aber danach hatte sie ja nicht gefragt. �Nein�, sagte sie. Sie hatten nichts davon in ihren Gem�chern.</p><p>Die Frau schob alles zur Seite, lehnte sich zur�ck und sprach so halb mit sich selbst. �Rand al'Thor. So nennt er sich also heute.� Ihr Gesicht verzog sich einen Augenblick lang. �Ein arroganter Mann, der nach Religiosit�t und G�te stank. Ist er immer noch derselbe? Nein, bem�ht Euch nicht, zu antworten. Eine �berfl�ssige Frage. Also ist Be'lal tot. Der andere h�rt sich f�r mich nach Ishamael an. Sein ganzer Stolz darauf, nur halb im Kerker zu stecken, was auch der Preis daf�r gewesen sein mag... In ihm war weniger Menschliches �brig geblieben als an allen anderen von uns, als ich ihn wieder traf. Ich denke, er glaubte beinahe, selbst der Gro�e Herr der Dunkelheit zu sein. Dreitausend Jahre seiner Machenschaften, und dann wird er von einem unausgebildeten Jungen gejagt. Nein, mein Weg ist der beste. Leise, leise und im Schatten bleiben. Etwas, um einen Mann unter meine Kontrolle zu bringen, der die Macht ben�tzen kann. Ja, das ist wohl notwendig.� Ihr Blick wurde wieder scharf und sie musterte die beiden M�dchen nacheinander. �Und nun zu Euch. Was mache ich mit Euch?� Elayne wartete geduldig. Nynaeve l�chelte d�mmlich mit erwartungsvoll halb ge�ffneten Lippen. Das wirkte besonders t�richt in Verbindung mit dem Klammergriff an ihren Z�pfen.</p><p>�Ihr seid zu stark, um Eure Kr�fte zu verschwenden. Eines Tages k�nntet Ihr n�tzlich werden. Ich f�nde es herrlich, Rahvins Augen zu sehen, wenn er Euch eines Tages ohne Eure Abschirmung kennenlernt�, sagte sie zu Nynaeve. �Wenn ich k�nnte, w�rde ich Euch ja von Eurer Jagd abhalten. Schade, da� diese Suggestion so eingeschr�nkt ist. Aber da Ihr erst so wenig herausgefunden habt, ist Euer R�ckstand zu gro�, um sie jetzt einzuholen. Ich sch�tze, ich mu� Euch sp�ter zu mir holen und f�r Eure... Neuausbildung sorgen.� Sie stand auf, und pl�tzlich juckte es Elayne am ganzen K�rper. Ihr Gehirn schien zu schaudern. Sie konnte nur noch die Stimme der Frau wahrnehmen, die wie aus gro�er Entfernung in ihren Ohren dr�hnte. �Ihr nehmt Eure Sachen wieder vom Tisch, und wenn Ihr sie zur�ckgesteckt habt, erinnert Ihr euch an nichts mehr, was hier geschehen ist. Ich kam hierher, weil ich glaubte, Freundinnen vom Land wiederzutreffen. Ich habe mich geirrt. Ich habe eine Tasse Tee mit Euch getrunken und bin dann gegangen.� Elayne blinzelte und fragte sich, wieso sie ihre Geldb�rse wieder neben die G�rteltasche schnallte. Nynaeve blickte verwirrt auf die eigenen H�nde nieder, die ihre Tasche gerade zurechtr�ckten.</p><p>�Eine nette Frau�, sagte Elayne und rieb sich die Stirn. Sie hatte Kopfschmerzen. �Hat sie ihren Namen genannt? Ich erinnere mich nicht mehr daran.� �Nett?� Nynaeve hob die Hand und zupfte hart an ihren Z�pfen. Sie sah die Hand an, als habe sie sich ohne ihr Zutun bewegt. �Ich... glaube nicht, da� sie ihn genannt hat.� �Wor�ber sprachen wir eigentlich gerade, als sie hereinkam?� Egeanin war erst kurze Zeit vorher gegangen. Was war das nur gewesen?</p><p>�Ich erinnere mich daran, was ich in dem Moment sagen wollte.� Nynaeves Stimme klang wieder fest. �Wir m�ssen die Schwarzen Schwestern finden, ohne da� sie es bemerken, sonst haben wir keine Chance, ihnen dorthin zu folgen, was Rand so gef�hrlich werden kann.� �Das wei� ich�, antwortete Elayne ungeduldig. Hatte sie das schon einmal gesagt? Nat�rlich nicht. �Das haben wir wirklich schon durchgekaut.� Egeanin blieb unter dem Torbogen stehen, der aus dem kleinen Innenhof der Schenke f�hrte, und musterte die M�nner mit harten Gesichtern, die barfu� und zumeist auch mit nacktem Oberk�rper zwischen den Herumlungernden auf dieser Stra�enseite hockten. Sie sahen aus, als k�nnten sie gut mit den gekr�mmten Entermessern umgehen, die sie am G�rtel h�ngen oder durch die Sch�rpe gesteckt hatten, aber keines dieser Gesichter kam ihr bekannt vor. Falls einer von ihnen sich auf Bayle Domons Schiff befunden hatte, als sie mit ihm nach Falme segelte, erinnerte sie sich nicht an ihn. Falls es der Fall sein sollte, hoffte sie, da� er eine Frau im Reitkleid nicht mit der Frau in einer R�stung in Verbindung brachte, die ihr Schiff gekapert hatte.</p><p>Pl�tzlich wurde ihr bewu�t, da� ihre H�nde ganz feucht waren. Aes Sedai. Frauen, die die Macht ben�tzen konnten, und sie waren nicht an die Leine gelegt, wie es sein sollte. Sie hatte mit ihnen am gleichen Tisch gesessen und sich sogar mit ihnen unterhalten. Sie waren ganz anders, als sie erwartet hatte. Das ging ihr immer wieder durch den Kopf. Sie konnten die Macht lenken, also waren sie eine Gefahr f�r die �ffentliche Ordnung. Demzufolge mu�te man sie sicher an die Leine legen � und doch... Es war �berhaupt nicht so, wie man es sie gelehrt hatte. Man konnte es <emphasis>lernen.</emphasis> Lernen! Solange sie Bayle Domon mied, der sie sicher erkennen w�rde, sollte sie in der Lage sein, wieder hierher zur�ckzukehren. Sie mu�te mehr erfahren. Das war wichtiger denn je.</p><p>Sie w�nschte, sie h�tte einen Umhang mit Kapuze. Dann jedoch packte sie ihren Stock entschlossen und ging die Stra�e hinauf los. Sie schl�ngelte sich durch die Menschenmenge. Keiner der Seem�nner warf ihr mehr als einen Blick zu, und sie beobachtete sie genau, um sicherzugehen.</p><p>Sie sah den Mann mit hellblondem Haar nicht, der in schmutziger, einheimischer Kleidung vor einer wei� get�nchten Schenke auf der anderen Stra�enseite kauerte. Er hatte blaue Augen �ber dem schmuddeligen Schleier und einen dicken Schnurrbart, der von Klebstoff festgehalten wurde, und sein Blick folgte ihr, bis er schlie�lich wieder zum �Hof der Drei Pflaumen� zur�ckschl�pfte. Er richtete sich auf und �berquerte die Stra�e, wobei er sich nicht darum scherte, wie ekelhaft eng das Gedr�nge war, das er durchqueren mu�te. Egeanin h�tte ihn beinahe entdeckt, als er sich soweit vergessen hatte, den Arm dieses Narren zu brechen. Einer vom Blut, wie man das in seiner Heimat bezeichnete, der hier zum Bettler geworden war und nicht genug Ehre im Leib hatte, die eigenen Pulsadern zu �ffnen. Ekelhaft. Vielleicht konnte er mehr dar�ber in Erfahrung bringen, was sie vorhatte, wenn man in dieser Schenke feststellte, da� er mehr Geld besa�, als seine Kleidung andeutete.</p></section><section><title><p>47</p><p>Eine Vorhersage geht in Erf�llung</p></title><p>In den auf ihrem Schreibtisch verteilten Papieren stand wenig von Interesse f�r Siuan Sanche, doch sie gab nicht auf. Nat�rlich wurden die routinem��igen Verwaltungsarbeiten der Wei�en Burg von anderen erledigt, damit die Amyrlin Zeit hatte, wichtige Entscheidungen zu treffen, aber sie hatte schon immer die Angewohnheit gehabt, jeden Tag ohne Vorwarnung ein paar Dinge genauer zu �berpr�fen, die sie sich einfach herausgriff, und das w�rde sich auch jetzt nicht �ndern. Sie w�rde sich nicht von Sorgen l�hmen lassen. Alles entwickelte sich doch planm��ig. Sie r�ckte ihre gestreifte Stola zurecht, tauchte die Feder sorgf�ltig in das Tintenglas und hakte eine weitere korrigierte Abrechnung ab.</p><p>Heute �berpr�fte sie Listen mit Eink�ufen f�r die K�che des Wei�en Turms und den Bericht des Poliers �ber einen Anbau an der Bibliothek. Die enorme Anzahl kleiner und kleinster Unterschlagungen, von denen die Leute glaubten, sie w�rden nicht bemerkt, �berraschte sie immer wieder. Und auch die Anzahl derer, die tats�chlich den Frauen entgingen, die f�r diese Dinge verantwortlich waren. So schien Laras zum Beispiel die �berpr�fung von Abrechnungen f�r etwas zu halten, das unter ihrer W�rde war, seit sie offiziell vom Rang einer Chefk�chin zur Herrin der K�chen erhoben worden war. Danelle andererseits, die junge Braune Schwester und verantwortliche Aufseherin �ber Meister Jovarin, den Polier, und die anderen Handwerker der Burg, lie� sich wahrscheinlich durch die B�cher ablenken, die der Kerl immer f�r sie auftrieb. Nur so lie� sich erkl�ren, wieso Danelle die Zahl der Arbeiter nicht aufgefallen war, die Jovarin angeblich eingestellt hatte, als die ersten Schiffsladungen mit Stein aus Kandor im Nordhafen eingetroffen waren. Mit so vielen M�nnern h�tte er ja die gesamte Bibliothek neu bauen k�nnen. Danelle war einfach zu vertr�umt, selbst f�r eine Braune. Vielleicht w�rde ihr eine Weile Arbeitsdienst auf dem Bauernhof guttun. Bei Laras war das schon schwieriger. Sie war keine Aes Sedai und konnte zu leicht ihre Autorit�t den Unterk�chinnen und M�gden und K�chenjungen gegen�ber verlieren. Aber vielleicht konnte man ja auch sie �zur Erholung� aufs Land schicken. Das w�rde...</p><p>Mit angewidertem Schnauben warf Siuan ihre Feder zur Seite und schnitt dem Klecks, der sich daraufhin auf einer Seite mit sauber geschriebenen Abrechnungen ausbreitete, eine Grimasse. �Ich verschwende meine Zeit damit, zu �berlegen, ob ich Laras zum Unkrautj�ten schicken soll�, knurrte sie. �Die Frau ist einfach zu fett, um sich richtig zu b�cken!� Ihre schlechte Laune r�hrte aber nicht von Laras' �bergewicht her, das war klar. Die Frau war jetzt nicht schwerer, als sie anscheinend immer schon gewesen war, und das hinderte sie niemals daran, aufgeregt durch die K�che zu rennen. Es gab keine neuen Nachrichten und Botschaften. Dieser Zustand erboste sie wie einen Kormoran, dessen gerade erbeuteten Fisch ein anderer Vogel gestohlen hatte. Eine Botschaft von Moiraine, da� der al'Thor-Junge <emphasis>Callandor</emphasis> habe, und dann nichts mehr in den nachfolgenden Wochen, obwohl in den Ger�chten, die auf den Stra�en umgingen, allm�hlich bereits sein richtiger Name die Runde machte. Immer noch nichts.</p><p>Sie hob den Deckel des kunstvoll geschnitzten, schwarzen Holzk�stchens an, in dem sie ihre geheimsten Dokumente aufbewahrte, und kramte darin herum. Eine leichte Abschirmung, die sie um den Kasten herum gewoben hatte, sorgte daf�r, da� keine Hand au�er ihrer eigenen ihn unbeschadet �ffnen konnte.</p><p>Das erste Blatt, das sie herausnahm, war ein Bericht dar�ber, wie die Novizin, die Mins Ankunft mitbekommen hatte, von dem Bauernhof verschwunden war, auf den sie sie geschickt hatte, genau wie die Frau, der dieser Hof geh�rte. Es kam nat�rlich �fters vor, da� eine Novizin weglief, aber da� auch die B�uerin verschwunden war, gab Anla� zur Sorge. Man mu�te Sahra auf jeden Fall wiederfinden, da sie in ihrer Ausbildung noch nicht weit genug gekommen war, um sie einfach laufen zu lassen, aber eigentlich war das kein Grund, den Bericht in diesem Kasten aufzubewahren. Weder wurde Mins Name darin erw�hnt noch der Grund, warum sie dieses M�dchen fortgeschickt hatte, Kohlk�pfe zu ernten. Trotzdem legte sie ihn wieder an seinen Platz zur�ck. Heutzutage mu�te man um so vieles vorsichtiger sein, als es fr�her notwendig gewesen w�re.</p><p>Dann eine Beschreibung einer Volksversammlung in Ghealdan, um einer Rede dieses Mannes zu lauschen, der sich Prophet des Lord Drache nannte. Masema war wohl sein richtiger Name. Seltsam. Der Name stammte aus Schienar. Beinahe zehntausend Menschen waren gekommen, um ihn vom Abhang eines H�gels aus sprechen zu h�ren. Er verk�ndete die Wiederkehr des Drachen, und auf die Rede folgte eine Schl�gerei mit Soldaten, die versuchten, die Menge auseinanderzutreiben. Abgesehen von der Tatsache, da� die Soldaten dabei erheblich schlechter davonkamen, war das Interessanteste daran, da� dieser Masema Rand al'Thors Namen kannte. Dieser Bericht geh�rte ganz bestimmt in den Kasten.</p><p>Ein weiterer Bericht, da� man immer noch keine Spur von Mazrim Taim gefunden hatte. Kein Grund, den hier aufzubewahren. Noch einer, diesmal �ber die Verschlimmerung der Zust�nde in Arad Doman und Tarabon. Schiffe verschwanden in K�stenn�he des Aryth-Meeres. Ger�chte von �bergriffen Tears auf Cairhien. Sie hatte sich schon angew�hnt, einfach alles in diesen Kasten zu stecken; nichts von alledem mu�te geheimgehalten werden. Zwei Schwestern waren in Illian verschwunden und eine weitere in Caemlyn. Sie schauderte und fragte sich, wo sich die Verlorenen aufhielten. Zu viele ihrer Spione waren bereits ausgefallen. Dort drau�en gab es Haie, und sie schwamm in tiefer Dunkelheit. Da war es. Der hauchd�nne Papierstreifen knisterte ein wenig, als sie ihn aufrollte.</p><p><emphasis>Die Schleuder wurde ben�tzt. Der Schafhirte hat das Schwert.</emphasis></p><p>Der Burgsaal hatte sich entschieden, wie sie es erwartet hatte, einstimmig und ohne die Notwendigkeit, ein paar von ihnen zu erpressen oder ihre ganze Autorit�t auszuspielen. Wenn ein Mann <emphasis>Callandor</emphasis> herausgezogen hatte, dann mu�te er der Wiedergeborene Drache sein, und dieser Mann mu�te von der Wei�en Burg gelenkt werden. Drei der Sitzenden aus drei verschiedenen Ajahs hatten vorgeschlagen, alle Pl�ne der Burg geheimzuhalten, bevor sie es selbst vorschlagen konnte. Zu ihrer �berraschung war Elaida eine davon gewesen, aber andererseits w�rden nat�rlich gerade die Roten einem Mann, der die Macht ben�tzen konnte, die Trossen besonders eng anziehen. Das einzig Problem hatte darin bestanden, sie davon abzuhalten, eine Delegation nach Tear zu schicken, um ihm die Z�gel anzulegen, und das war auch nicht zu schwierig gewesen, da sie ihnen erkl�ren konnte, die Botschaft sei von einer Aes Sedai gekommen, die sich bereits in der N�he des Mannes aufhielt.</p><p>Doch was machte er nun? Warum hatte Moiraine nichts mehr von sich h�ren lassen? Die Ungeduld hing so f�hlbar in der Luft, da� sie beinahe schon Funken erwartete. Sie beherrschte sich m�hevoll. <emphasis>Die Frau soll doch verdammt sein! Warum schickt sie keine weitere Botschaft?</emphasis></p><p>Die T�r schlug auf, und sie richtete sich zornig auf. Mehr als ein Dutzend Frauen traten in ihr Arbeitszimmer, angef�hrt von Elaida. Alle trugen ihre Stolen, die meisten davon mit roten Fransen verziert, aber an Elaidas Seite befanden sich auch Alviarin, eine Wei�e, und Joline Maza, eine schlanke Gr�ne. Die mollige Gelbe Schemerin folgte zusammen mit Danelle dicht dahinter. Diesmal wirkten Danelles Augen gar nicht vertr�umt. Schlie�lich war Siuan klar, da� zumindest eine Frau aus jeder Ajah hier war, mit Ausnahme der Blauen. Einige wirkten nerv�s, doch auf den meisten Gesichtern zeigte sich grimmige Entschlossenheit. Elaidas dunkle Augen blickten ernst und selbstbewu�t drein. Sogar ein wenig Triumph lag in ihrem Blick.</p><p>�Was soll das bedeuten?� fauchte Siuan und klappte den schwarzen Holzkasten mit einem scharfen Knall zu. Sie sprang auf und schritt um den Schreibtisch herum auf die anderen zu. Erst Moiraine und dann dies! �Falls das mit den Ereignissen in Tear zu tun hat, Elaida, solltet Ihr wissen, da� Ihr keine anderen darin verwickeln d�rft. Und Ihr solltet wissen, da� man hier nicht einfach hereinl�uft wie in die K�che Eurer Mutter! Entschuldigt Euch und geht, bevor ich Euch w�nschen mache, Ihr w�rt wieder eine unwissende Novizin!� Ihre kalte Wut h�tte sie eigentlich sofort vertreiben sollen, aber obwohl ein paar unangenehm ber�hrt wirkten, bewegte sich keine einzige in Richtung T�r. Die kleine Danelle grinste sie sogar noch frech an. Und Elaida griff ganz gelassen nach ihrer gestreiften Stola und zog sie von Siuans Schultern. �Ihr werdet das nicht mehr brauchen�, sagte sie. �Ihr wart niemals daf�r geeignet, Siuan.� Der Schreck verwandelte Siuans Zunge zu Stein. Das war der blanke Wahnsinn. Das war unm�glich. In ihrem Zorn griff sie nach <emphasis>Saidar</emphasis> und erlebte den zweiten Schock: Zwischen ihr und der Wahren Quelle lag eine Barriere, wie eine Wand aus dickem Glas. Sie starrte Elaida ungl�ubig an.</p><p>Wie zum Hohn ergl�hte der Glanz <emphasis>Saidars</emphasis> nun um Elaida. Sie stand hilflos da, als die Rote Schwester Str�nge des Elements Luft um sie webte und sie von den Schultern bis zur Taille band. Ihre Arme wurden schmerzhaft an ihren K�rper gepre�t. Sie konnte kaum atmen. �Ihr m��t verr�ckt geworden sein!� keuchte sie. �Ihr alle. Ich werde Euch daf�r bestrafen! La�t mich sofort frei!� Keine antwortete. Sie schienen sie schon gar nicht mehr wahrzunehmen.</p><p>Alviarin durchbl�tterte die Papiere auf ihrem Schreibtisch, schnell, aber nicht �berhastet, w�hrend Joline und Danelle und andere damit begannen, die B�cher auf den Lesepulten aufzuheben und auszusch�tteln, um festzustellen, ob irgend etwas herausfallen w�rde, was zwischen den Seiten verborgen gelegen hatte. Die Wei�e zischte leicht frustriert durch die Z�hne, als sie nicht fand, was sie auf dem Tisch wohl gesucht hatte. Dann schlug sie den Deckel des schwarzen Holzkastens auf. Sofort flammte der Kasten wie eine Feuerkugel auf.</p><p>Alviarin sprang mit einem Schrei zur�ck und sch�ttelte ihre Hand, an der sich bereits Blasen bildeten. �Abgeschirmt�, knurrte sie, offensichtlich blankem Zorn so nah, wie es einer Wei�en nur m�glich war. �So gering, da� ich es nicht bemerkt habe, bis es zu sp�t war.� Nichts war von dem Kasten und seinem Inhalt �briggeblieben, als ein H�ufchen grauer Asche auf einem Brandfleck an der Tischoberfl�che.</p><p>Auf Elaidas Gesicht war jedoch keine Entt�uschung zu bemerken. �Ich verspreche Euch, Siuan, da� Ihr mir noch jedes Wort sagen werdet, das hier verbrannte, f�r wen es bestimmt war und zu welchem Zweck.� �Euch mu� ja wohl der Drache gepackt haben!� brauste Siuan auf. �Ich werde Euch daf�r das Fell �ber die Ohren ziehen, Elaida! Euch allen! Ihr m��t Gl�ck haben, wenn der Burgsaal nicht daf�r stimmt, Euch alle einer D�mpfung zu unterziehen!� Elaidas leichtes L�cheln reichte nicht bis an ihre kalten Augen heran. �Der Saal hat vor nicht einmal einer Stunde getagt. Es waren genug Sitzende anwesend, um ein g�ltiges Abstimmungsergebnis zu erzielen. Es wurde einstimmig beschlossen, so wie es vorgeschrieben ist, da� Ihr nicht mehr die Amyrlin seid. Es ist beschlossen, und wir sind gekommen, um den Beschlu� durchzuf�hren.� Siuans Magen verwandelte sich in einen Eisklumpen und eine d�nne Stimme in ihrem Hinterkopf schrie: <emphasis>Wieviel wissen sie? Licht, wieviel wissen sie? N�rrin! Blinde, dumme N�rrin!</emphasis> Sie verzog das Gesicht jedoch nicht. Das war nicht die erste Zwangslage, in der sie sich befunden hatte. Als f�nfzehn Jahre altes M�dchen, mit nichts als einem Fischermesser bewaffnet, war sie einst von vier v�llig betrunkenen Schl�gern in eine Gasse gezerrt worden... Es war schwerer gewesen, ihnen zu entkommen, als denen hier. Das redete sie sich jedenfalls ein.</p><p>�So, wie das Gesetz es vorschreibt?� h�hnte sie. �Gerade die kleinstm�gliche Anzahl und dann �berfrachtet mit Euren Freunden und denen, die Ihr beeinflussen oder einsch�chtern k�nnt.� Ihre Kehle wurde trocken bei dem Gedanken daran, da� Elaida auch nur eine relativ kleine Anzahl von Schwestern dazu hatte �berreden k�nnen. Doch das lie� sie sich nicht anmerken. �Wenn die Vollversammlung mit allen Sitzenden zusammentritt, dann werdet Ihr euren Fehler bereuen! Zu sp�t! Es hat in der Burg noch nie eine Rebellion gegeben. In tausend Jahren noch werden sie Euer Schicksal den Novizinnen als Beispiel daf�r erz�hlen, was mit denen geschieht, die eine Rebellion anzetteln.� Auf einigen Gesichtern begann sich Zweifel zu zeigen. Anscheinend hatte Elaida ihre Verschw�rer doch nicht so gut in der Hand, wie sie glaubte. �Es ist an der Zeit, damit aufzuh�ren, ein Leck in den Rumpf zu schlagen, und statt dessen mit Sch�pfen zu beginnen. Selbst Ihr k�nnt Euren Fehler noch wiedergutmachen, Elaida.� Elaida wartete mit eisiger Ruhe, bis sie ausgesprochen hatte. Dann schlug sie Siuan mit voller Kraft ihre Hand ins Gesicht. Siuan taumelte und vor ihren Augen flimmerte alles.</p><p>�Ihr seid am Ende�, sagte Elaida. �Habt Ihr geglaubt, ich � wir � w�rden Euch gestatten, die Burg zu zerst�ren? Nehmt sie mit!� Siuan stolperte, als zwei der Roten sie vorw�rts stie�en. Sie konnte nur m�hsam auf den Beinen bleiben und funkelte die beiden zornig an, doch sie ging in die gew�nschte Richtung. Wen mu�te sie von den Ereignissen in Kenntnis setzen? Welche Anklagen sie auch gegen sie vorgebracht hatten: wenn ihr genug Zeit blieb, w�rde sie alles widerlegen. Selbst Anklagen, die Rand einschlossen. Sie konnten ihr nicht mehr als Ger�chte anh�ngen, und sie hatte das Gro�e Spiel schon zu lange gespielt, um sich von Ger�chten unterkriegen zu lassen. Es sei denn, sie hatten Min. Min k�nnte aus den Ger�chten Wahrheiten machen. Sie knirschte mit den Z�hnen. <emphasis>Seng meine Seele, ich werde dieses Pack zu Fischfutter verarbeiten!</emphasis> Im Vorzimmer kam sie erneut ins Stolpern, aber diesmal war sie nicht geschubst worden. Sie hatte so halb gehofft, Leane sei nicht auf ihrem �blichen Posten gewesen, doch die Beh�terin der Chronik stand genauso da wie Siuan, die Arme steif am K�rper, der Mund formte lautlose Worte, zornige Worte, doch nichts drang durch den Knebel aus Luft. Nun wurde ihr auch bewu�t, da� sie gesp�rt hatte, wie man Leane band, doch sie hatte das Gef�hl nicht beachtet, denn in der Burg sp�rte man immer, wenn Frauen die Macht ben�tzten.</p><p>Aber es war nicht der Anblick Leanes gewesen, der sie ins Stolpern kommen lie�, sondern der hochgewachsene, schlanke grauhaarige Mann, der mit einem Messer im R�cken ausgestreckt auf dem Fu�boden lag. Alric war nahezu zwanzig Jahre lang ihr Beh�ter gewesen und hatte sich nie beklagt, weil er st�ndig in der Burg bleiben mu�te, und auch nicht, wenn er es der Tatsache, da� sie die Amyrlin war, zu verdanken hatte, da� er sich manchmal Hunderte von Wegstunden von ihr entfernt aufhalten mu�te. Das gefiel keinem der Gaidin.</p><p>Sie r�usperte sich, aber ihre Stimme klang immer noch rauh, als sie sagte: �Daf�r lasse ich Euch die Haut abziehen und salzen und in der Sonne trocknen, Elaida. Das schw�re ich!� �H�tet Eure eigene Haut, Siuan�, sagte Elaida. Sie kam n�her, um ihr in die Augen sehen zu k�nnen. �Es steckt mehr dahinter, als bisher aufgedeckt wurde. Das ist mir klar. Und Ihr werdet mir auch die kleinste Einzelheit erz�hlen. Je-des-bi�-chen!� Die pl�tzliche Ruhe in ihrem Tonfall war be�ngstigender als alle b�sen Blicke zuvor. �Das verspreche ich Euch, Siuan. Bringt sie hinunter!� Min hielt Rollen blauer Seide in beiden H�nden, als sie kurz vor Mittag durch den Nordeingang hereintrat. Ihr affektiertes L�cheln sollte den W�chtern mit der Flamme von Tar Valon auf der Brust gelten. Ihr gr�ner, weiter Rock schwankte aufreizend beim Gehen. Ganz so w�rde sich Elmindreda verhalten. Sie hatte schon damit begonnen, bevor ihr bewu�t wurde, da� heute �berhaupt keine W�chter am Eingang standen. Die schwere eisenbeschlagene T�r am Wachhaus stand offen, und das Haus machte einen leeren Eindruck. Das war unm�glich! Kein Tor zur Wei�en Burg war jemals unbewacht. Ungef�hr auf halbem Weg zu den blendend wei�en Mauern der Burg erhob sich eine Rauchwolke �ber die Baumwipfel. Sie kam aus der N�he der Wohnquartiere der jungen M�nner, die von den Beh�tern ausgebildet wurden. Vielleicht hatte das Feuer die Wachen weggelockt?</p><p>Sie war noch ein wenig nerv�s, als sie den Gartenpfad durch den bewaldeten Teil des Burggel�ndes entlangschritt. Sie verlagerte das Gewicht der Seidenrollen. Eigentlich wollte sie ja gar kein neues Kleid, aber wie konnte sie es Laras abschlagen, als die ihr einen Beutel Silber in die Hand dr�ckte und ihr sagte, sie solle daf�r diese Seide kaufen. Die dicke Frau hatte sie in einem Laden entdeckt. Sie behauptete, es sei genau die Farbe, die zu �Elmindredas� Teint passe. Ob sie wollte oder nicht, war dabei weniger wichtig, als sich die Zuneigung Laras zu erhalten.</p><p>Das Klappern von Schwertern machte sich hinter den B�umen bemerkbar. Die Beh�ter lie�en ihre Sch�ler diesmal wohl noch h�rter arbeiten als sonst.</p><p>Es war alles sehr verwirrend. Laras mit ihren Andeutungen in Bezug auf Sch�nheit, Gawyn und seine Witze, Galad, der ihr Komplimente machte und dem �berhaupt nicht klar war, was sein Gesicht und sein L�cheln mit dem Pulsschlag einer Frau machten... Ob Rand sie so haben wollte? W�rde er sie �berhaupt bemerken, wenn sie Kleider trug und ihn anhimmelte wie eine hirnlose Schlampe?</p><p><emphasis>Er hat kein Recht darauf, so etwas zu erwarten,</emphasis> dachte sie w�tend. Das war �berhaupt alles seine Schuld. Wenn er nicht gewesen w�re, dann w�re sie jetzt auch nicht hier, tr�ge keine idiotischen Kleider und m��te nicht l�cheln wie eine Bl�de. <emphasis>Ich werde Wams und Hose tragen, basta! Vielleicht gelegentlich auch einmal ein Kleid � vielleicht aber nicht, um die M�nnerblicke anzuziehen. Ich wette, er himmelt in diesem Moment gerade irgendeine Frau aus Tear an, die den halben Busen aus dem Kleid h�ngen l��t. Ich kann auch solche Kleider tragen. Wollen doch mal sehen, was er denkt, wenn er mich in dieser blauen Seide sieht. Und mit einem Ausschnitt bis...</emphasis> Was dachte sie da eigentlich? Der Mann brachte sie noch um den Verstand! Die Amyrlin lie� sie nutzlos hier herumhocken und Rand al'Thor brachte sie um den Verstand. <emphasis>Seng ihn! Verdammt soll er sein f�r das, was er mir antut!</emphasis></p><p>Wieder erklang das Klappern von Schwertern aus einiger Entfernung, und sie blieb stehen, als eine Horde junger M�nner ein St�ck vor ihr aus dem Geb�sch brach. Sie trugen Speere und hatten die Schwerter gezogen. An ihrer Spitze befand sich Gawyn. Sie erkannte auch andere von denen, die gekommen waren, um sich von den Beh�tern ausbilden zu lassen. Irgendwo auf dem gro�en Gel�nde erklangen Schreie; das Br�llen zorniger M�nner.</p><p>�Gawyn! Was ist denn los?� Er wirbelte herum, als er ihre Stimme vernahm. Sorge und Furcht standen in seinen blauen Augen und sein Gesicht wirkte zum �u�ersten entschlossen. �Min. Was tust du...? Raus, weg von der Burg, Min! Es ist gef�hrlich!� Eine Handvoll der jungen M�nner rannte weiter, doch die meisten warteten ungeduldig auf ihn. Wie ihr schien, befanden sich fast alle Sch�ler der Beh�ter in dieser Gruppe.</p><p>�Sag mir doch, was los ist, Gawyn!� �Heute morgen haben sie die Amyrlin beseitigt. Geh weg, Min!� Die Seidenrollen fielen ihr aus den H�nden. �Beseitigt? Das kann doch nicht sein! Wie? Warum? Im Namen des Lichts, warum denn?� �Gawyn!� rief einer der jungen M�nner. Andere machten es ihm nach und reckten ihre Waffen hoch. �Gawyn! Der Wei�e Keiler! Gawyn!� �Ich habe keine Zeit�, sagte er atemlos zu ihr. ��berall wird gek�mpft. Man behauptet, Hammar versuche, Siuan Sanche zu befreien. Ich mu� in die Burg, Min. Geh bitte!� Er wandte sich um und rannte los in Richtung der Burg. Die anderen folgten ihm mit erhobenen Waffen. Einige riefen immer noch: �Gawyn! Der Wei�e Keiler! Gawyn! Die J�nglinge greifen an!� Min blickte ihnen hinterher. �Du hast nicht gesagt, f�r welche Seite du k�mpfst, Gawyn�, fl�sterte sie.</p><p>Der Kampfesl�rm war lauter und deutlicher, nun, da sie genauer hinh�rte, und die Rufe und Schreie, das H�mmern von Stahl auf Stahl, schienen von allen Seiten her zu kommen. Bei diesem L�rm bekam sie eine G�nsehaut, und ihre Knie zitterten. Das konnte doch nicht wahr sein, nicht hier geschehen! Gawyn hatte recht. Es w�re viel sicherer und kl�ger, sofort das Burggel�nde zu verlassen. Nur konnte sie dann nicht vorhersehen, wann � falls �berhaupt � sie zur�ckkehren durfte, und ihr fiel nicht viel ein, was sie in der Zwischenzeit drau�en erreichen k�nne.</p><p>�Und was kann ich hier drinnen erreichen?� fragte sie sich in einer heftigen Gef�hlsaufwallung.</p><p>Doch sie kehrte nicht um. Sie lie� die Seide liegen, wo sie zu Boden gefallen war, und eilte zwischen die B�ume, um sich ein Versteck zu suchen. Sie glaubte ja nicht, da� jemand �Elmindreda� wie eine Gans aufschlitzen w�rde �schaudernd verw�nschte sie diese Vorstellung �, aber sie mu�te ja kein unn�tiges Risiko eingehen. Fr�her oder sp�ter w�rden die K�mpfe abebben, und dann mu�te sie sich entschlie�en, was sie als n�chstes unternehmen wollte.</p><p>In der vollkommenen Dunkelheit der Zelle �ffnete Siuan die Augen, r�hrte sich, zuckte unter dem Schmerz zusammen und lag wieder still. War es drau�en noch Morgen? Sie war lange Zeit �ber verh�rt worden. Nun bem�hte sie sich, ihre Schmerzen hinunterzuschlucken und sich lieber daran zu erfreuen, da� sie �berhaupt noch atmete. Der rauhe Stein unter ihr tat den Schwellungen und Absch�rfungen an ihrem R�cken nicht gerade gut. Schwei� brannte in allen Wunden, und die zogen sich von den Schultern bis hinab zu den Knien, so da� sie vor K�lte zitterte. <emphasis>Sie h�tten mir wenigstens die Unterw�sche lassen k�nnen.</emphasis> Die Luft roch nach altem Staub und trockenem Moder. Eine der ganz unten liegenden Zellen. Hier war keiner mehr eingesperrt worden seit den Zeiten Artur Falkenfl�gels. Bonwhin war wohl die letzte gewesen.</p><p>Sie verzog das Gesicht im Dunkeln. Es gab kein Vergessen. So bi� sie die Z�hne zusammen und richtete sich m�hsam zu einer sitzenden Position auf dem Steinboden auf. Sie f�hlte nach einer Wand, an die sie sich lehnen konnte. Dann endlich lehnte ihr R�cken an den k�hlen Steinbl�cken. <emphasis>Kleinigkeiten,</emphasis> sagte sie sich. <emphasis>Denke an Kleinigkeiten. Hitze. K�lte. Ich frage mich, wann sie mir wohl etwas Wasser bringen werden. Falls �berhaupt.</emphasis> Sie konnte nicht anders, als nach ihrem Ring mit der Gro�en Schlange zu tasten. Nicht, da� sie wirklich erwartete, noch in seinem Besitz zu sein. Sie glaubte sogar, sich dunkel daran zu erinnern, wie man ihn ihr abgerissen hatte. Nach einer Weile war ihr alles nur noch ganz verschwommen erschienen. Sie war dankbar daf�r. Doch sie erinnerte sich auch, ihnen am Ende ziemlich alles erz�hlt zu haben. Aber nicht wirklich alles. Sie empfand einen gewissen Triumph dabei, hier ein kleines St�ckchen und dort einen Fetzen zur�ckgehalten zu haben. Aber meist hatte sie die Antworten herausgeheult, wollte alles gestehen, wenn sie nur aufh�rten, wenigstens eine kleine Weile, wenn sie nur... Sie wickelte die Arme um ihren K�rper und versuchte, das Zittern zu unterdr�cken. Es half nicht viel. <emphasis>Ich mu� ruhig bleiben. Ich bin noch am Leben. Daran mu� ich vor allem denken. Ich bin nicht tot.</emphasis></p><p>�Mutter?� Leanes schwankende Stimme erklang aus der Dunkelheit. �Seid Ihr wach, Mutter?� �Ich bin wach�, seufzte Siuan. Sie hatte gehofft, man habe Leane entlassen und sie vielleicht aus der Stadt geschickt. Sie empfand ein Schuldgef�hl dabei, da� sie froh war, die andere Frau bei sich in der Zelle zu haben. �Es tut mir leid, da� ich Euch in diese Sache verwickelt habe, Toch...� Nein. Sie hatte kein Recht mehr, die andere so zu bezeichnen. �Es tut mir leid, Leane.� Es folgte ein langer Augenblick des Schweigens. �Geht es... Euch gut, Mutter?� �Siuan, Leane. Nur noch Siuan.� Unwillk�rlich griff sie nach <emphasis>Saidar.</emphasis> Da war nichts. Nicht f�r sie jedenfalls. Nur die Leere in ihrem Innern. Niemals mehr. Ein zweckerf�lltes Leben, und nun trieb sie steuerlos auf einem Meer, das viel dunkler war als diese Zelle. Sie rieb sich eine Tr�ne von der Wange und �rgerte sich �ber sich selbst. �Ich bin nicht mehr die Amyrlin, Leane.� Etwas von ihrem Zorn stahl sich in ihre Stimme. �Ich sch�tze, Elaida wird meinen Rang erhalten. Wenn es nicht schon der Fall ist. Ich schw�re, eines Tages werde ich diese Frau den Haien verf�ttern!� Leanes einzige Antwort darauf war ein langezogenes, verzweifeltes Ausatmen.</p><p>Das Knirschen eines Schl�ssels in dem rostigen Eisenschlo� lie� Siuans Kopf hochfahren. Niemand hatte daran gedacht, das Schlo� zu �len, bevor man Leane und sie in die Zelle warf, und die vom Rost zerfressenen Teile wollten sich nicht drehen. Grimmig zwang sie sich zum Aufstehen. �Auf, Leane. Steht auf.� Einen Augenblick sp�ter h�rte sie, wie die andere Frau folgte. Sie st�hnte leicht dabei und knurrte etwas in sich hinein.</p><p>Mit etwas lauterer Stimme sagte Leane dann: �Was soll uns das helfen?� �Wenigstens finden sie uns nicht heulend auf dem Boden vor.� Sie bem�hte sich, ihre Stimme fester klingen zu lassen. �Wir k�nnen k�mpfen, Leane. Solange wir leben, k�nnen wir auch k�mpfen.� <emphasis>Oh, Licht, sie haben mich einer D�mpfung unterzogen! Sie haben es wirklich getan!</emphasis></p><p>Sie zwang ihren Verstand zur Ruhe, ballte die F�uste und versuchte, ihre Zehen in den unregelm��igen Steinboden zu bohren. Sie w�nschte sich, das Ger�usch aus ihrem Mund kl�nge nicht wie ein Wimmern.</p><p>Min legte ihre B�ndel auf den Boden und schlug den Umhang zur�ck, damit sie den Schl�ssel mit beiden H�nden drehen konnte. Er war doppelt so lang wie ihre Hand und genauso verrostet wie das Schlo�. Doch auch die anderen Schl�ssel an dem gro�en Eisenring sahen nicht anders aus. Die Luft war kalt und feucht, als k�me der Sommer nicht bis hier herunter.</p><p>�Beeilt Euch, Kind�, wurde sie von Laras angetrieben. Die dicke K�chenherrin hielt die Laterne f�r Min und sp�hte immer wieder �ngstlich den Flur hinauf und hinunter. Es fiel schwer, daran zu glauben, da� diese Frau mit ihrem schwabbelnden Mehrfachkinn einst eine Sch�nheit gewesen sein sollte, doch im Moment fand Min sie einfach wundersch�n.</p><p>Sie k�mpfte mit dem Schl�ssel und sch�ttelte den Kopf. Sie war auf Laras gesto�en, als sie sich zu ihrem Zimmer zur�ckschleichen wollte, um das einfache graue Reitkleid zu holen, das sie jetzt trug, und noch ein paar andere Dinge. Tats�chlich war die massige Frau auf der Suche nach ihr gewesen, da sie sich wahnsinnig Sorgen um �Elmindreda� gemacht hatte, und dann hatte sie ihr einen Vortrag gehalten, welches Gl�ck sie gehabt habe, heil davonzukommen, und sie h�tte sie am liebsten in ihr Zimmer eingeschlossen, bis alles vor�ber war. Sie wu�te nicht mehr genau, wie Laras aus ihr s�mtliche Absichten herausgequetscht hatte, und sie konnte nicht dar�ber hinwegkommen, da� ausgerechnet diese Frau z�gernd verk�ndet hatte, sie werde ihr helfen. <emphasis>Eine richtige Abenteurerin. Na ja, hoffen wir mal, da� sie mich � wie hat sie das ausgedr�ckt? � tats�chlich aus dem Salztopf heraushalten kann.</emphasis> Der verdammte Schl�ssel wollte sich nicht drehen. Sie warf ihr ganzes Gewicht in die Waagschale und stemmte sich dagegen.</p><p>Nat�rlich war sie Laras mehr als nur dankbar. Sie bezweifelte, da� sie allein in der Lage gewesen w�re, alles vorzubereiten und alle Sachen zusammenzusuchen, die sie brauchte � jedenfalls nicht so schnell. Au�erdem... Au�erdem hatte sie sich zu dem Zeitpunkt, als sie auf Laras getroffen war, bereits einzureden versucht, es sei doch alles sinnlos und sie sollte sich besser auf ein Pferd setzen und nach Tear losreiten, solange sie die Chance dazu hatte, bevor jemand daran dachte, ihr Kopf stelle eine gute Dekoration f�r die Burgmauer dar. Sie vermutete, sie w�re selbst nie mehr mit ihrem Schuldgef�hl fertiggeworden, wenn sie weggelaufen w�re. Das allein machte ihre Dankbarkeit Laras gegen�ber so gro�, da� sie nicht protestierte, als diese noch ein paar h�bsche Kleider zu den Sachen packte, die sie bereits herausgesucht hatte. Sie konnte ja das Rouge und den Puder irgendwo �verlieren�. <emphasis>Warum dreht sich dieser verdammte Schl�ssel nicht? Vielleicht kann Laras...</emphasis></p><p>Pl�tzlich bewegte sich der Schl�ssel und drehte sich mit einem lauten Krachen, da� Min schon f�rchtete, er sei abgebrochen. Doch als sie gegen die grobe Holzt�r dr�ckte, �ffnete sie sich. Sie schnappte sich ihre B�ndel vom Boden und trat in die kahle Steinzelle. Dann blieb sie jedoch verwirrt stehen.</p><p>Der Laternenschein enth�llte ihrem Blick zwei Frauen mit verschwollenen und geschundenen nackten K�rpern, die ihre Augen vor dem pl�tzlichen Lichtschein sch�tzten. Einen Augenblick lang war Min nicht sicher, ob es tats�chlich die Gesuchten seien. Die eine war gro�, und ihre Haut war kupferfarben, die andere kleiner, st�mmiger, mit hellerem Haar. Die Gesichter sahen aus wie die der Gesuchten � beinahe jedenfalls � und waren wohl von dem, was man ihnen angetan hatte, unber�hrt geblieben. Also h�tte sie eigentlich sicher sein m�ssen. Aber jene Alterslosigkeit, die so typisch f�r die Aes Sedai war, schien von ihnen abgefallen zu sein. Sie h�tte ansonsten nicht gez�gert, diese Frauen f�r h�chstens sechs oder sieben Jahre �lter als sich selbst zu sch�tzen und sie bestimmt nicht f�r Aes Sedai zu halten. Bei diesem Gedanken lief sie vor Verlegenheit rot an. Sie sah auch keine Bilder, keine Visionen, um die beiden flimmern. Aber bei Aes Sedai sah sie doch immer welche. <emphasis>H�r auf damit,</emphasis> sagte sie sich.</p><p>�Wo...�, begann eine der beiden staunend, und dann unterbrach sie sich und r�usperte sich erst einmal. �Woher habt Ihr diese Schl�ssel?� Es war die Stimme Siuan Sanches.</p><p>�Sie ist es tats�chlich!� Laras' Stimme klang ungl�ubig. Sie stupste Min mit einem dicken Finger. �Schnell, Kind! Ich bin zu alt und zu langsam f�r solche Abenteuer.� Min warf ihr einen �berraschten Blick zu. Die Frau hatte darauf bestanden, mitzukommen. Sie werde auf keinen Fall zur�ckbleiben, hatte sie gesagt. Min h�tte Siuan am liebsten gefragt, wieso sie beide auf einmal soviel j�nger auss�hen, aber f�r solche Anz�glichkeiten blieb jetzt keine Zeit. <emphasis>Ich bin schon verdammt noch mal daran gew�hnt, Elmindreda sein zu m�ssen!</emphasis></p><p>Sie dr�ckte schnell jeder der Frauen eines ihrer B�ndel in die Hand und sagte hastig: �Kleider. Zieht Euch so schnell wie m�glich an. Ich wei� nicht, wieviel Zeit wir haben. Ich habe dem W�chter vorgemacht, ich wolle Euch etwas heimzahlen, und ihm ein paar K�sse versprochen, wenn er mich hinunter l��t. W�hrend ich ihn ablenkte, schlich sich Laras von hinten an und hat ihm mit dem Nudelholz eins �ber den Sch�del verpa�t. Ich wei� aber nicht, wie lange er noch schlafen wird.� Sie beugte sich hinaus und blickte besorgt den Flur hinauf in Richtung Wachraum. �Wir sollten uns wirklich beeilen.� Siuan hatte bereits ihr B�ndel ge�ffnet und begonnen, sich anzuziehen. Abgesehen von einem leinenen Unterhemd waren die mitgebrachten Kleidungsst�cke alle aus einfacher, brauner Wolle gefertigt und pa�ten zu Bauersfrauen, die zur Wei�en Burg gekommen waren, um die Aes Sedai um Rat zu bitten. Allerdings waren die Hosenr�cke zum Reiten doch etwas ungew�hnlich. Laras hatte sie schnell abgen�ht. Min stach sich immer nur in die Finger dabei; also hatte sie es sein lassen. Auch Leane kleidete sich an, doch ihr Interesse schien vor allem dem kurzen Messer zu gelten, das an ihrem G�rtel hing, und nicht ihrer Kleidung.</p><p>Drei einfach gekleidete Frauen sollten doch wenigstens eine Chance haben, das Burggel�nde zu verlassen, ohne besonders aufzufallen. Eine Anzahl von Menschen mit Bittschriften und andere Hilfesuchende waren von den Auseinandersetzungen in der Burg �berrascht worden. Drei weitere, die sich aus ihrem Versteck herauswagten, w�rden wohl schlimmstenfalls auf die Stra�e hinausgeschoben werden. Solange man sie nicht erkannte. Die Gesichter der anderen k�nnten auch hilfreich sein. Keiner w�rde dieses Paar junger Frauen � jung erschienen sie jedenfalls � f�r die Amyrlin und die Beh�terin der Chronik halten. F�r die ehemalige Amyrlin und die ehemalige Beh�terin, mu�te sie sich selbst mahnen.</p><p>�Nur ein W�chter?� fragte Siuan, die vor Schmerz zusammengezuckt war, als sie die dicken Str�mpfe �bergezogen hatte. �Seltsam. Sie w�rden ja einen Taschendieb noch besser bewachen.� Sie blickte Laras an, w�hrend sie ihre F��e in die festen Schuhe schob. �Es ist gut, zu merken, da� nicht jeder den Anklagen gegen mich Glauben schenkt. Was immer sie auch besagen m�gen.� Die dicke Frau runzelte die Stirn und senkte das Kinn, was zu einem vierten Wulst f�hrte. �Ich verhalte mich loyal der Burg gegen�ber�, sagte sie ernst. �Solche Dinge gehen �ber meinen Horizont. Ich bin nur K�chin. Dieses n�rrische M�dchen hier hat mich schon zuviel an die Zeiten erinnert, als ich selbst ein solch n�rrisches M�dchen war. Ich glaube � nachdem ich Euch jetzt sehe �, es ist an der Zeit, mich daran zu erinnern, da� ich kein schlankes Reh mehr bin.� Sie dr�ckte Min die Laterne in die Hand.</p><p>Min packte ihren m�chtigen Arm, als sie sich zum Gehen wandte. �Laras, Ihr verratet uns doch nicht? Nicht jetzt, nach alledem, was Ihr f�r uns getan habt.� Das breite Gesicht der Frau verzog sich zu einem L�cheln. Es wirkte halb in Erinnerung schwelgend, halb bedauernd. �Oh, Elmindreda, erinnert mich nicht daran, als ich noch in Eurem Alter war. Dumme Sachen habe ich da angerichtet. Manchmal war ich nahe daran, geh�ngt zu werden. Ich werde Euch nicht verraten, Kind, aber ich mu� hier leben. Wenn die Zweite Stunde eingel�utet wird, schicke ich ein M�dchen mit Wein f�r den W�chter herunter. Falls er bis dahin noch nicht erwacht oder entdeckt worden ist, gibt Euch das mehr als eine Stunde Zeit.� Sie wandte sich den anderen beiden Frauen zu, und ihr Gesicht trug pl�tzlich den harten Ausdruck, den Min bei ihr gesehen hatte, wenn sie mit den Unterk�chinnen oder den K�chenm�gden gesprochen hatte. �N�tzt diese Stunde gut, verstanden? Sie wollen Euch in die Sp�lk�che stecken, wie ich wei�, damit sie Euch als Beispiel vorzeigen k�nnen. Mir ist das gleich. So etwas wird von Aes Sedai entschieden und nicht von K�chinnen. F�r mich ist eine Amyrlin so gut wie die andere. Aber wenn Ihr es zula�t, da� dieses M�dchen gefangen wird, werde ich Euch von fr�h bis sp�t das Fell �ber die Ohren ziehen, solange ihr nicht mit den K�pfen in schmierigen T�pfen steckt oder Spuckn�pfe ausleert! Ihr werdet Euch w�nschen, sie h�tten Euch die K�pfe abgehackt, bevor ich mit Euch fertig bin. Und glaubt ja nicht, sie w�rden Euch abnehmen, da� ich Euch geholfen habe! Jeder wei�, da� ich immer in meiner K�che bleibe. Denkt daran und macht gef�lligst schnell!� Das L�cheln kehrte auf ihr Gesicht zur�ck und sie kniff Min in die Wange. �Sorgt daf�r, da� sie sich beeilen, Kind. Oh, wie es mir fehlen wird, Euch einkleiden zu d�rfen. Ihr seid ein so h�bsches M�dchen.� Sie kniff noch einmal richtig zu und watschelte im Eiltempo aus der Zelle.</p><p>Min rieb sich gereizt die Wange. Sie ha�te das bei Laras. Die Frau war stark wie ein Pferd. Nahe daran, <emphasis>geh�ngt</emphasis> zu werden? Welche Art von �lebhaftem M�dchen� war Laras denn gewesen?</p><p>Vorsichtig zog sich Leane das Kleid �ber den Kopf und schnaubte laut dabei. �Da� sie Euch in einem derartigen Ton anzusprechen wagte, Mutter!� Ihr Gesicht kam oben wieder heraus und sie machte eine finstere Miene. �Ich bin �berrascht, da� sie uns �berhaupt half, wenn sie es so sieht.� �Aber sie hat geholfen�, sagte Min zu ihr. �Denkt daran. Und ich glaube, sie wird Wort halten und uns nicht verraten. Da bin ich sicher.� Leane schnaubte noch mal.</p><p>Siuan legte sich den Umhang um. �Es ist eben ein Unterschied, Leane, da� ich diesen Titel jetzt nicht mehr beanspruchen kann. Es ist schon ein Unterschied, wenn Ihr und ich morgen vielleicht bei ihr das Geschirr sp�len m�ssen.� Leane faltete die H�nde, damit sie nicht so zitterten, und konnte sie nicht ansehen. Siuan fuhr gelassen in ihrem trockenen Tonfall fort: �Ich vermute auch, da� Laras ihr Wort in bezug auf... andere Dinge... halten wird. Also, selbst wenn es Euch gleich ist, ob Elaida uns wie ein paar gefangener Haie aufh�ngt, damit uns alle betrachten k�nnen, schlage ich doch vor, da� Ihr euch jetzt ein bi�chen bewegt. Was mich betrifft, habe ich seit meiner Jugend schmierige T�pfe geha�t, und das hat sich bis jetzt nicht gelegt.� Leane begann m�rrisch damit, die Schn�re an ihrem Bauernkleid zuzubinden.</p><p>Siuan wandte ihre Aufmerksamkeit Min zu. �Ihr seid vielleicht nicht mehr so darauf erpicht, uns zu helfen, wenn ich Euch sage, da� man uns beide... einer D�mpfung unterzogen hat.� Ihre Stimme bebte nicht dabei, aber man merkte ihr die M�he an, die sie sich geben mu�te, um das auszusprechen, und in ihren Augen standen Schmerz und Einsamkeit. Min erschrak, als ihr klar wurde, da� die Ruhe der anderen nur �u�erlich war. �Jede der Aufgenommenen k�nnte uns nun fesseln, wie es ihr beliebt, Min. Sogar die meisten Novizinnen w�rden so mit uns fertig.� �Ich wei߫, sagte Min und gab sich M�he, nicht einmal eine Andeutung von Mitgef�hl in ihrer Stimme anklingen zu lassen. Mitgef�hl w�rde m�glicherweise den beiden Frauen die Selbstbeherrschung vollends rauben, und sie mu�ten sich jetzt einfach zusammennehmen. �Man hat es auf jedem �ffentlichen Platz in der Stadt bekanntgegeben und angeschlagen, wo immer man eine Mitteilung annageln konnte. Und doch lebt Ihr noch.� Leane lachte bitter auf, aber sie �berh�rte es. �Wir sollten jetzt gehen. Sonst wacht noch der W�chter auf, oder jemand findet ihn.� �F�hrt uns an, Min�, sagte Siuan. �Wir sind in Eurer Hand.� Einen Moment sp�ter nickte auch Leane kurz und legte sich hastig den Umhang um.</p><p>Im Wachraum ganz am Ende des dunklen Korridors lag der einzige W�chter ausgestreckt und mit dem Gesicht nach unten am Boden. Der Helm, der ihn vor einem Brummsch�del h�tte bewahren k�nnen, lag auf einem roh gezimmerten Tisch neben der einzigen Laterne, die ihr Licht in den Raum warf. Seine Atmung schien in Ordnung zu sein, und so warf ihm Min keinen weiteren Blick zu. Sie hoffte aber doch, da� er nicht ernsthaft verletzt sei. Er hatte sich trotz ihres frivolen Angebots anst�ndig verhalten und seine �berlegene Kraft nicht ausgen�tzt.</p><p>Sie schob Siuan und Leane schnell durch die Eingangst�r mit ihren dicken Holzbohlen und Eisenstreben und dann die enge Steintreppe hinauf. Sie mu�ten immer in Bewegung bleiben. Sich als Bittsteller bei den Aes Sedai auszugeben w�rde sie nicht vor einem Verh�r bewahren, falls man sie vom Zellentrakt her kommen sah.</p><p>Sie sahen keinen weiteren W�chter oder sonst irgend jemanden, als sie aus den Tiefen der Burg herausklommen, doch Min hielt immer wieder die Luft an, bis sie endlich die kleine T�r erreicht hatten, die in die eigentliche Burg hineinf�hrte. Sie �ffnete sie einen Spaltbreit, um hindurchsp�hen zu k�nnen, und musterte den Korridor zu beiden Seiten.</p><p>Vergoldete Lampen standen an den mit Friesen bedeckten wei�en Marmorw�nden. Zur Rechten verschwanden gerade zwei Frauen mit schnellen Schritten aus ihrem Gesichtsfeld, ohne sich umzublicken. Ihren selbstbewu�ten Schritten nach mu�ten sie Aes Sedai sein, obwohl sie ihre Gesichter nicht erkennen konnte. In der Burg schritt selbst eine K�nigin z�gernd einher. In der anderen Richtung stolzierte ein halbes Dutzend M�nner davon weg, genauso eindeutig Beh�ter mit der Grazie eines Wolfs und mit Umh�ngen, deren Farbe sich ihrer Umgebung anpa�te.</p><p>Sie wartete, bis auch die Beh�ter verschwunden waren, und schl�pfte dann durch die T�r hinaus. �Die Luft ist rein. Kommt mit. La�t die Kapuzen oben und senkt die K�pfe. Benehmt Euch leicht ver�ngstigt.� Was sie betraf, mu�te sie keine Angst heucheln. Die beiden Frauen folgten ihr aus dem stillen Treppenhaus. Sie hatte auch bei ihnen das Gef�hl, die Angst sei absolut keine Heuchelei.</p><p>Die S�le der Burg waren selten nur voll, doch nun schienen sie ihr geradezu leer. Gelegentlich tauchte vor ihnen oder in einem Seitenkorridor jemand auf, aber ob Aes Sedai oder Beh�ter oder Dienerin: alle eilten gesch�ftig einher und konzentrierten sich so auf ihre Aufgaben, da� sie niemand anderes bemerkten. Auch hier drau�en in der Burg herrschte Stille.</p><p>Dann betraten sie einen Quergang und entdeckten auf dessen hellgr�nen Fu�bodenkacheln dunkle Flecken eingetrockneten Blutes. Zwei gr��ere Flecke zogen sich zu langen Blutschmierern dahin, als habe man Leichen weggeschleift.</p><p>Siuan blieb stehen und betrachtete die Blutflecken. �Was ist denn geschehen?� wollte sie wissen. �Sagt es mir, Min!� Leane packte den Griff ihres Messers und sah sich um, als erwarte sie jeden Moment einen Angriff.</p><p>�K�mpfe�, sagte Min z�gernd. Sie hatte gehofft, die beiden Frauen bef�nden sich bereits au�erhalb der Burg und m�glichst sogar au�erhalb der Stadt, wenn sie davon erfuhren. Sie f�hrte sie um die Blutflecken herum und stie� sie an, als sie zur�ckblicken wollten. �Es begann gestern, nachdem man Euch festgenommen hatte, und erst vor vielleicht zwei Stunden hat sich alles beruhigt. Aber noch nicht vollst�ndig.� �Meint Ihr damit etwa die Gaidin?� rief Leane. �Beh�ter, die <emphasis>untereinander</emphasis> k�mpften?� �Beh�ter, Wachsoldaten, jeder. Es begann, als eine Reihe von M�nnern, die man als angebliche Maurer hereingelassen hatte � zwei- oder dreihundert �, versuchte, die Macht in der Burg an sich zu rei�en, kaum, da� Eure Gefangennahme bekanntgegeben worden war.� Siuan blickte finster drein. �Danelle! Ich h�tte wissen m�ssen, da� mehr daran war als nur ihre Unaufmerksamkeit.� Ihr Gesicht verzog sich noch weiter, und Min glaubte schon, sie werde zu weinen anfangen. �Artur Falkenfl�gel hat es nicht geschafft, aber wir selbst haben es nun erreicht.� Ob sie den Tr�nen nah war oder nicht, ihre Stimme klang jedenfalls wild entschlossen. �Licht, hilf uns, wir haben die Macht der Burg zerst�rt.� Ihr Atem und gleichzeitig ihr Zorn entluden sich in einem langen Seufzen. �Ich denke schon�, sagte sie traurig einen Augenblick sp�ter, �ich sollte mich gl�cklich sch�tzen, da� mich einige in der Burg unterst�tzt haben, aber ich w�nsche beinahe, sie h�tten es unterlassen.� Min bem�hte sich, ein ausdrucksloses Gesicht zu machen, aber diese scharfen blauen Augen schienen jedes Wimpernzucken bei ihr wahrzunehmen und auszulegen. �Haben sie mich wirklich unterst�tzt, Min?� �Einige schon.� Sie hatte nicht die Absicht, ihr zu sagen, wie wenige es gewesen waren, noch nicht jedenfalls. Andererseits mu�te sie Siuan klarmachen, da� sie innerhalb der Burg keine Unterst�tzung mehr hatte. �Elaida hat nicht abgewartet, ob die Blauen Ajah noch zu Euch hielten oder nicht. In der gesamten Burg befindet sich keine einzige Blaue Schwester mehr, jedenfalls keine, die noch am Leben w�re. Das wei� ich definitiv.� �Sheriam?� fragte Leane mit Angst in der Stimme. �Anaiya?� �Ich wei� nichts �ber sie. Es sind auch nicht mehr viele Gr�ne �brig. Nicht in der Burg jedenfalls. Die anderen Ajahs haben sich gespalten, die einen f�r die neuen Herrscher, die anderen dagegen. Die meisten Roten befinden sich noch hier. Soweit ich wei�, ist jede, die Elaida Widerstand leistete, entweder geflohen oder tot. Siuan... � Es war schon eigenartig, sie so anzureden. Leane knurrte deshalb auch etwas in sich hinein. Doch sie jetzt noch �Mutter� zu nennen, w�re blanker Hohn. �Siuan, in den Anklagen gegen Euch und Leane, die man ausgeh�ngt hat, wird behauptet, Ihr h�ttet die Flucht Mazrim Taims arrangiert. Logain ist w�hrend der K�mpfe entkommen, und auch das hat man Euch zugeschrieben. Sie nennen Euch nicht gerade Schattenfreunde � das w�rde wohl den Schwarzen Ajah zu nahe kommen �, aber es ist nicht weit davon entfernt. So, da� jeder es zwischen den Zeilen ablesen kann.� �Sie geben noch nicht einmal das zu, was sie in Wahrheit wollen�, sagte Siuan leise, �n�mlich genau das, weswegen sie mich beseitigen mu�ten.� �Schattenfreunde?� murmelte Leane erstaunt. �Sie haben uns...?� �Warum sollten sie nicht?� hauchte Siuan. �Was sollten sie nicht wagen, wenn sie schon soviel gewagt haben?� Sie zogen unter den Umh�ngen ihre Schultern ein und lie�en sich von Min f�hren, wohin sie wollte. Sie verw�nschte den Ausdruck der Hoffnungslosigkeit auf ihren Gesichtern.</p><p>Als sie sich einer der Eingangst�ren n�herten, begann sie aufzuatmen. Sie hatte im bewaldeten Teil des Gel�ndes unweit vom Westausgang Pferde versteckt. Es war nat�rlich noch eine Frage, wie leicht es ihnen fallen werde, tats�chlich hinauszureiten, aber sobald sie einmal die Pferde erreicht hatten, w�rde sie sich schon beinahe in Freiheit f�hlen. Sicher w�rden doch die Torw�chter drei Frauen nicht am Ausreiten hindern. Das redete sie sich jedenfalls ein.</p><p>Die T�r, nach der sie gesucht hatte, erschien vor ihnen. Es war eine kleine T�r mit glatter Holzt�felung, die auf einen selten ben�tzten Weg hinausf�hrte. Sie lag gegen�ber der Einm�ndung des breiten Korridors, der sich um die ganze Burg herumzog. Und dann sah sie Elaida, die aus diesem Korridor heraus genau auf sie zukam.</p><p>Mins Knie schlugen auf den Fu�bodenkacheln auf, und sie kauerte mit eingezogenem Kopf und durch die Kapuze verborgenem Gesicht da, w�hrend ihr Herz versuchte, die Rippen von innen zu durchschlagen. <emphasis>Eine Bittstellerin, mehr bin ich nicht. Nur eine einfache Frau, die nichts mit dem zu tun hat, was passiert ist. Oh, Licht, bitte!</emphasis> Sie hob den Kopf ein wenig, damit sie unter dem Rand der Kapuze hervorsp�hen konnte. Sie erwartete beinahe, Elaidas w�tendes Gesicht auf sich herabblicken zu sehen.</p><p>Elaida fegte vorbei, ohne einen Blick in Mins Richtung zu werfen. Die breite, gestreifte Stola der Amyrlin lag um ihre Schultern. Alviarin folgte ihr in der Stola der Beh�terin der Chronik, in Wei� gehalten, ihrer Ajah wegen. Auf ihren Fersen folgte ein Dutzend oder mehr Aes Sedai, die meisten Rote. Allerdings sah Min auch zwei Stolen mit gelben Fransen, eine gr�ne und eine braune. Sechs Beh�ter flankierten die Prozession, die H�nde an den Schwertgriffen und die Augen wachsam. Ihre Blicke schweiften �ber die drei knienden Frauen und beachteten sie nicht weiter.</p><p>Sie knieten alle drei, wie Min jetzt erst bemerkte, und ihr wurde im selben Moment klar, da� sie bef�rchtet hatte, Siuan und Leane w�rden Elaida an die Kehle gehen. Beide Frauen hatten die K�pfe ebenfalls gerade so weit gehoben, da� sie den Weg der Prozession den Korridor hinunter verfolgen konnten.</p><p>�Sehr wenige Frauen nur sind bisher einer D�mpfung unterzogen worden�, sagte Siuan mehr zu sich selbst, �und niemand davon hat es lange �berlebt, aber man behauptet, ein Weg zum �berleben sei, sich etwas zu suchen, was man mit der gleichen Leidenschaft erreichen will, wie man einst die Macht ben�tzen wollte.� Die Hoffnungslosigkeit war aus ihren Augen gewichen. �Zuerst dachte ich, ich m��te Elaida aufschlitzen und in die Sonne zum Trocknen h�ngen. Jetzt w�nsche ich mir nichts sehnlicher � nichts! �, als dieser Halsabschneiderin sagen zu k�nnen, da� sie noch lange leben wird, um als Beispiel daf�r zu dienen, was mit jemandem geschieht, der mich als Schattenfreund bezeichnet!� �Und Alviarin�, f�gte Leane mit gepre�ter Stimme hinzu. �Und Alviarin!� �Ich hatte gef�rchtet, sie w�rden meine Gegenwart sp�ren�, fuhr Siuan fort. �Aber es gibt jetzt nichts mehr, was man sp�ren k�nnte. Das ist ja wohl der Vorteil dabei... einer D�mpfung unterzogen worden zu sein, wie es scheint.� Leane sch�ttelte �rgerlich den Kopf, und Siuan sagte: �Wir m�ssen jeden Vorteil n�tzen, den wir haben. Und wir m�ssen froh sein �ber jeden davon.� Das letztere klang, als wolle sie es sich selbst einreden.</p><p>Der letzte Beh�ter verschwand in einiger Entfernung um eine Ecke, und Min schluckte den Klo� in ihrem Hals herunter. �Wir k�nnen sp�ter �ber Vorteile reden�, kr�chzte sie und hielt inne, um noch einmal schwer zu schlucken. �Gehen wir schnell zu den Pferden. Das <emphasis>mu�</emphasis> ja wohl jetzt das Schlimmste gewesen sein, was wir zu �berstehen hatten.� So schien es tats�chlich, als sie aus der Burg hinaus in den Mittagssonnenschein eilten. Das Schlimmste lag jetzt wohl hinter ihnen. Das einzige Anzeichen f�r etwas Au�ergew�hnliches war die Rauchwolke, die sich im Osten des Burggel�ndes in einen wolkenlosen Himmel erhob. In der Ferne liefen Gruppen von M�nnern herum, aber keiner warf den drei Frauen einen zweiten Blick zu, als sie an der Bibliothek vorbeigingen, die wie hoch aufragende Wogen aus Stein gebaut war. Ein kleiner Pfad f�hrte von dort aus tiefer in das Gel�nde hinein in ein W�ldchen von Eichen und Nadelb�umen, wie man es ansonsten fern von den St�dten fand. Mins Schritte wurden beschwingter, als sie die drei gesattelten Pferde immer noch dort vorfand, wo sie und Laras die Tiere zur�ckgelassen hatten � in einer kleinen Lichtung zwischen Lederblattb�umen und Birken.</p><p>Siuan begab sich sofort zu einer kr�ftigen, zottigen Stute, die zwei Handbreit kleiner war als die anderen. �Das richtige Reittier in meiner augenblicklichen Verfassung. Und sie wirkt friedlicher als die beiden anderen. Ich war noch nie eine gute Reiterin.� Sie streichelte die Nase der Stute und die steckte ihr die weiche Schnauze in die Hand. �Wie hei�t sie, Min? Wi�t Ihr das?� �Bela. Sie geh�rt...� �Ihr Pferd.� Gawyn trat hinter einem breiten Baumstamm hervor, die eine Hand auf dem langen Schwertgriff. Die Blutspritzer auf seinem Gesicht sahen genauso aus, wie Min es in ihrer Vision gesehen hatte an jenem ersten Tag in Tar Valon. �Ich wu�te, da� du etwas vorhast, Min, als ich ihr Pferd sah.� Sein rotgoldenes Haar war blutverklebt, die blauen Augen blickten halb bet�ubt drein, doch er ging mit sicherem Schritt auf sie zu, ein hochgewachsener Mann mit katzengleicher Grazie. Eine Katze, die M�usen auflauert.</p><p>�Gawyn�, begann Min, �wir... � Sein Schwert fuhr aus der Scheide und ri� Siuans Kapuze von ihrem Kopf. Die scharfe Schneide lag blitzartig an ihrem Hals. Alles geschah so schnell, da� Min dem kaum folgen konnte. Siuan hielt h�rbar die Luft an, und sie bewegte sich nicht, blickte nur zu ihm auf, �u�erlich so w�rdevoll, als tr�ge sie noch die Stola.</p><p>�Nicht, Gawyn!� keuchte Min. �Das darfst du nicht!� Sie tat einen Schritt auf ihn zu, doch er erhob seine freie Hand gegen sie, ohne �berhaupt hinzublicken, und sie blieb stehen. Er war angespannt wie eine Stahlfeder und konnte jeden Moment explodieren. Sie bemerkte, da� Leane ihren Umhang zur Seite geschoben hatte, um ihre eine Hand zu verbergen. Sie konnte nur hoffen, da� die Frau nicht so dumm war, ihr Messer zu ziehen.</p><p>Gawyn musterte Siuans Gesicht und nickte dann bed�chtig. �Ihr seid es wirklich. Ich war nicht sicher, aber nun bin ich es. Diese... Verkleidung kann mich nicht... � Er schien sich nicht zu bewegen, doch ein pl�tzliches Aufrei�en von Siuans Augen berichtete davon, da� die Schneide etwas st�rker in ihre Haut dr�ckte. �Wo sind meine Schwester und Egwene? Was habt Ihr mit ihnen gemacht?� Was Min am meisten �ngstigte, mehr als das blutverschmierte Gesicht und die glasigen Augen, mehr als die angespannte K�rperhaltung und die erhobene Hand, die er wohl vergessen hatte, war die Tatsache, da� er die Stimme nicht erhob und sie derart tonlos klang. Er klang au�erdem m�de, ersch�pfter, als sie jemals jemand anderen empfunden hatte.</p><p>Siuans Stimme klang beinahe genauso leidenschaftslos. �Das letzte, was ich von ihnen h�rte, war, da� sie sicher und wohlauf seien. Ich wei� aber nicht, wo sie sich jetzt befinden. H�ttet Ihr es lieber, sie bef�nden sich hier mitten im Get�mmel?� �Keine Wortspiele der Aes Sedai, bitte�, sagte er leise. �Sagt mir, wo sie waren, und zwar geradeheraus, damit ich wei�, Ihr sprecht die Wahrheit.� �In Illian�, sagte Siuan ohne Z�gern. �In der Stadt selbst. Sie werden von einer Aes Sedai namens Mara Tomanes ausgebildet. Sie sollten eigentlich noch dort sein.� �Nicht in Tear�, murmelte er. Einen Augenblick lang schien er dar�ber nachzudenken. Mit einemmal sagte er: �Sie behaupten, Ihr w�rt ein Schattenfreund. Das w�rde Euch zur Schwarzen Ajah machen, oder?� �Falls Ihr das glaubt�, sagte Siuan gelassen, �dann hackt mir den Kopf ab.� Min h�tte beinahe aufgeschrien, als seine Kn�chel sich wei� verf�rbten vor Kraftaufwand. Langsam streckte sie die Hand aus und legte ihre Finger auf sein Handgelenk. Sie bewegte sich vorsichtig, damit er nicht glaubte, sie wolle mehr als ihn nur ber�hren. Es war, als ruhten ihre Finger auf Felsgestein. �Gawyn, du kennst mich doch. Du glaubst doch wohl nicht, da� ich den Schwarzen Ajah helfen w�rde.� Sein Blick wandte sich keinen Moment klang von Siuans Gesicht. Er zuckte mit keiner Wimper. �Gawyn, Elayne unterst�tzt sie und alles, was sie getan hat. Deine eigene Schwester, Gawyn.� Seine Haut f�hlte sich immer noch wie warmer Stein an. �Auch Egwene glaubt an sie, Gawyn.� Sein Handgelenk bebte unter ihren Fingern. �Ich schw�re, Gawyn. Egwene glaubt an sie.� Sein Blick huschte zu ihr her�ber und dann zu Siuan zur�ck. �Warum sollte ich Euch nicht an den Haaren zur�ckzerren? Nennt mir einen stichhaltigen Grund!� Siuan begegnete seinem Blick viel ruhiger, als Min das gekonnt h�tte. �Das k�nntet Ihr tun, und ich sch�tze, Ihr w�rdet mit mir genauso leicht fertigwerden, wie mit einem K�tzchen. Gestern war ich eine der m�chtigsten Frauen der Welt. Vielleicht die m�chtigste von allen. K�nige und K�niginnen folgten meinem Ruf, selbst dann, wenn sie die Burg ha�ten und all das, wof�r sie steht. Heute mu� ich f�rchten, zur Nacht nicht einmal etwas zu Essen zu finden und unter einem Busch schlafen zu m�ssen. Innerhalb eines Tages bin ich von der m�chtigsten Frau der Welt zu einer Bettlerin geworden, die hofft, einen Bauernhof zu finden, auf dem sie ihren Lebensunterhalt mit ihrer H�nde Arbeit verdienen kann. Was Ihr auch glaubt, das ich getan haben soll: Ist das keine w�rdige Strafe?� �Vielleicht�, sagte er nach einem Moment des �berlegens. Min atmete tief und erleichtert auf, als er mit einer eleganten Bewegung sein Schwert in die Scheide zur�ckgleiten lie�. �Aber das ist nicht der Grund, warum ich Euch gehen lasse. Elaida wird vielleicht doch noch Euren Kopf bekommen, und das kann ich nicht zulassen. Ich will Euer Wissen zur Verf�gung haben, wenn ich es brauche.� �Gawyn�, sagte Min, �komm mit uns.� Ein von den Beh�tern ausgebildeter Schwertk�mpfer konnte in den kommenden Tagen sehr n�tzlich sein. �Auf diese Art hast du sie zur Hand, um deine Fragen zu beantworten.� Siuans Blick huschte zu ihr her�ber, aber auch sofort wieder zu Gawyns Gesicht zur�ck. Er wirkte keineswegs zornig. Trotzdem bohrte Min weiter: �Gawyn, Egwene und Elayne vertrauen ihr wirklich. Kannst du ihr nicht auch vertrauen?� �Verlange nicht mehr von mir, als ich zu geben in der Lage bin�, sagte er ruhig. �Ich bringe Euch zum n�chstgelegenen Ausgang. Ihr w�rdet ohne mich niemals hinauskommen. Das ist alles, was ich f�r Euch tun kann, Min, und es ist mehr, als ich tun sollte. Deine Festnahme wurde angeordnet; hast du das gewu�t?� Sein Blick wanderte wieder zu Siuan hin�ber. �Falls ihnen etwas zust��t�, sagte er in diesem ausdruckslosen Tonfall, �ich meine Egwene und meine Schwester, dann suche ich Euch. Ich werde Euch finden, wo immer Ihr euch aufhaltet, und sichergehen, da� Euch das gleiche zust��t.� Mit einemmal trat er ein Dutzend Schritte weit von ihnen weg und stand mit verschr�nkten Armen und gesenktem Kopf da, als k�nne er es nicht l�nger ertragen, sie sehen zu m�ssen.</p><p>Siuan erhob eine Hand und fa�te nach ihrem Hals. Eine d�nne rote Linie auf ihrer blassen Haut zeigte, wo seine Klinge sich befunden hatte. �Ich habe mich zu lang auf die Macht verlassen�, sagte sie mit zitternder Stimme. �Ich hatte vergessen, wie es ist, wenn man jemandem gegen�bersteht, der mich hochheben und wie einen Stock zerbrechen kann.� Dann blickte sie Leane an, als sehe sie die andere zum erstenmal, und ber�hrte unsicher ihr eigenes Gesicht, da sie nicht wu�te, wie sie wohl selbst aussehe. �Nach dem zu schlie�en, was ich gelesen habe, dauert es eigentlich l�nger, bis es aus dem Gesicht verschwunden ist, aber vielleicht wurde der Effekt durch Elaidas grobe Behandlung verst�rkt. Es hilft m�glicherweise dabei, unerkannt zu bleiben.� Sie kletterte ungeschickt auf Belas R�cken und handhabte die Z�gel so vorsichtig, als sei die zottige Stute ein feuriger Hengst. �Noch ein Vorteil der D..., scheint mir. Ich mu� noch lernen, das auszusprechen, ohne davor zur�ckzuschrecken. Ich wurde einer D�mpfung unterzogen.� Sie sprach die Worte langsam und betont aus und nickte dann. �Geschafft. Wenn ich nach Leanes Aussehen gehe, habe ich gute f�nfzehn Jahre verloren, vielleicht auch mehr. Ich habe Frauen kennengelernt, die alles daf�r gegeben h�tten. Ein dritter Vorteil also.� Sie blickte zu Gawyn hin�ber. Er hatte ihnen den R�cken zugewandt, doch trotzdem senkte sie ihre Stimme. �Au�erdem scheint mein Mundwerk auch schneller als bisher, oder? Ich hatte mich jahrelang nicht mehr an Mara erinnert. Sie ist eine Freundin aus meiner Kindheit.� �Werdet Ihr jetzt altern wie wir alle?� fragte Min, als sie ebenfalls auf ihr Pferd stieg. Besser, als jetzt vom L�gen zu sprechen. Sie sollte sich nur daran erinnern, da� Siuan und Leane jetzt tats�chlich wieder l�gen konnten. Leane stieg mit einer geschmeidigen Bewegung auf ihre Stute und lie� sie als Gehorsams�bung kurz im Kreis gehen. Sie hatte ganz gewi� schon �fter auf einem Pferd gesessen.</p><p>Siuan sch�ttelte den Kopf. �Ich wei� es nicht. Keine Frau, die man einer D�mpfung unterzogen hat, hat jemals lang genug gelebt, um das herauszufinden. Ich habe es aber vor.� �Wollt Ihr eigentlich gehen oder Euch weiter hier unterhalten?� fragte Gawyn grob. Er wartete nicht auf eine Antwort, sondern ging zwischen den B�umen durch voran.</p><p>Sie trieben ihre Stuten hinterher. Siuan zog ihre Kapuze wieder �ber, um ihr Gesicht zu verbergen. Ob sie nun schwer zu erkennen war oder nicht, sie wollte kein Risiko eingehen. Leane hatte sich ebenfalls so vollst�ndig verh�llt, wie es m�glich war. Einen Augenblick sp�ter folgte Min ihrem Beispiel. Elaida wollte, da� man sie gefangennahm? Das konnte nur eines bedeuten: Sie wu�te, da� �Elmindreda� in Wirklichkeit Min war. Wie lange hatte die Frau das schon gewu�t? Wie lange war Min herumgelaufen in der Meinung, sie sei sicher, w�hrend Elaida sie beobachtete und sie hinter ihrem R�cken auslachte? Der Gedanke l�ste ein Schaudern aus.</p><p>Als sie auf dem Kiesweg Gawyn wieder einholten, erschienen zwanzig oder mehr junge M�nner und schritten auf sie zu. Ein paar waren vielleicht etwas �lter als er, andere dagegen kaum mehr als Knaben. Min vermutete, da� einige von ihnen sich noch nicht rasierten, jedenfalls nicht t�glich. Alle trugen Schwerter an den G�rteln oder auf dem R�cken, und drei oder vier besa�en sogar Brustharnische. Mehr als einer hatte eine durchblutete Bandage aufzuweisen, und die Kleidung der meisten war blutbefleckt. Jeder stierte genauso glasig vor sich hin wie Gawyn. Als sie ihn sahen, blieben sie stehen und klopften sich mit der Faust auf die Brust. Ohne seinen Schritt zu verlangsamen, erwiderte Gawyn ihren Gru� mit einem Kopfnicken, und die jungen M�nner schlossen sich ihnen hinter den Pferden der drei Frauen an. �Die Sch�ler?� murmelte Siuan. �Sie haben auch an den K�mpfen teilgenommen?� Min nickte und bem�hte sich um eine ausdruckslose Miene. �Sie nennen sich die �J�nglinge�.� �Eine passende Bezeichnung�, seufzte Siuan.</p><p>�Ein paar davon sind nicht mehr als Kinder�, knurrte Leane.</p><p>Min hatte nicht vor, ihnen zu berichten, da� Beh�ter der Gr�nen und Blauen Ajahs geplant hatten, sie zu befreien, bevor sie der D�mpfung unterzogen wurden, und sie h�tten wohl auch Erfolg gehabt, wenn nicht Gawyn die Sch�ler, diese �Kinder� in die Burg und gegen sie gef�hrt h�tte, um sie aufzuhalten. Die K�mpfe hatten zu den t�dlichsten �berhaupt gez�hlt, Sch�ler gegen Lehrer, und es hatte keine Gnade gegeben, keine R�cksicht.</p><p>Die hohen, bronzebeschlagenen Torfl�gel des Alindrelle-Tores standen offen, waren aber schwer bewacht. Einige der W�chter trugen die Flamme von Tar Valon auf der Brust, andere dagegen waren wie Arbeiter gekleidet und hatten sich lediglich nicht einmal zueinanderpassende Harnische und Helme zugelegt. Das waren wohl die Kerle, die sich als Maurer verkleidet eingeschlichen hatten. Alle aber wirkten hart und kampferprobt, als k�nnten sie gut mit ihren Waffen umgehen. Die beiden Gruppen hielten sich allerdings voneinander fern und be�ugten sich gelegentlich mi�trauisch. Ein grauhaariger Offizier hob sich von den anderen Burgw�chtern ab, hatte die Arme vor der Brust verschr�nkt und beobachtete, wie sich Gawyn und die anderen n�herten.</p><p>�Schreibutensilien, bitte!� befahl Gawyn herrisch. �Beeilt Euch!� �Also, Ihr m��t wohl diese J�nglinge sein, von denen ich geh�rt habe�, sagte der ergraute Mann. �Eine prima Truppe von jungen Kampfh�hnen, aber ich habe Befehl, niemanden aus dem Bereich der Burg hinauszulassen. Von der Amyrlin selbst unterschrieben. Wer glaubt Ihr denn, da� Ihr seid, wenn Ihr dem zuwiderhandeln wollt?� Gawyn hob langsam den Kopf. �Ich bin Gawyn Trakand von Andor�, sagte er leise. �Und ich werde diese Frauen hinausgeleiten, oder Ihr seid ein toter Mann.� Die anderen J�nglinge traten n�her zu ihm hin und bildeten eine Reihe, um sich den W�chtern mit den H�nden an der Schwertgriffen entgegenzustellen. Sie taten das, ohne mit der Wimper zu zucken und ohne sich darum zu k�mmern, da� die anderen in der �berzahl waren.</p><p>Der ergraute Mann trat nerv�s von einem Fu� auf den anderen und einer der anderen murmelte: �Er ist derjenige, von dem sie behaupten, er habe Hammar und Coulin get�tet.� Einen Augenblick sp�ter machte der Offizier eine Kopfbewegung in Richtung Wachhaus, und einer der W�chter rannte hinein und kam mit einem Scho�pult wieder. An einer Ecke davon befand sich ein Messingbeh�lter, in dem �ber einer kleinen Flamme ein rotes St�ck Siegelwachs gerade zu schmelzen begann. Gawyn lie� das Pult von dem Mann festhalten und schrieb wild drauflos.</p><p>�Das wird Euch an den Br�ckenw�rtern vorbeibringen�, sagte er, w�hrend er einen dicken Tropfen roten Siegelwachses unter seine Unterschrift klatschen lie�. Dann dr�ckte er entschlossen seinen Siegelring hinein.</p><p>�Ihr habt Coulin get�tet?� sagte Siuan mit kalter Stimme, wie es ihrem fr�heren Amt zugestanden h�tte. �Und Hammar?� Mins Angst wuchs. <emphasis>Sei ruhig, Siuan! Denke daran, wer du jetzt bist, und halte den Mund!</emphasis></p><p>Gawyn fuhr zu den drei Frauen herum, und seine Augen funkelten wie blaues Feuer. �Ja�, rief er verbittert. �Sie waren meine Freunde, und ich habe sie respektiert, aber sie stellten sich auf die Seite von... von Siuan Sanche und ich mu�te...� Abrupt dr�ckte er das von ihm versiegelte Dokument Min in die Hand. �Geht! Geht, bevor ich meine Meinung �ndere!� Er klatschte ihrer Stute auf die Flanke und lief dann zu den beiden anderen Pferden hin, um auch sie anzutreiben, w�hrend Min bereits in vollem Galopp durch das offene Tor jagte. �Geht!� Min z�gelte ihr Pferd und lie� es �ber den gro�en freien Platz traben, der das Burggel�nde umgab. Siuan und Leane ritten gleich hinter ihr her. Der Platz war wie leergefegt, genauso wie die Stra�en dahinter. Das Hufgeklapper ihrer Pferde auf den Pflastersteinen warf ein hohles Echo. Wer noch nicht aus der Stadt geflohen war, versteckte sich offensichtlich.</p><p>Sie betrachtete beim Weiterreiten Gawyns Dokument. Auf dem gro�en roten Klecks aus Siegelwachs war ein angreifender Keiler eingepr�gt. �Das sagt lediglich aus, da� wir die Erlaubnis haben, die Stadt zu verlassen. Wir k�nnen es ben�tzen, um an Bord eines Schiffes zu kommen oder um die Br�cken zu �berqueren.� Es schien ihr raffiniert, einen Weg zu gehen, den niemand sonst kannte, nicht einmal Gawyn. Sie glaubte sowieso nicht, da� er seine Meinung �ndern w�rde, doch er war psychisch angeschlagen und konnte bei jedem falschen Schlag zerbrechen.</p><p>�Das ist vielleicht gar keine schlechte Idee�, meinte Leane. �Ich habe immer Galad f�r den gef�hrlicheren der beiden gehalten, aber jetzt bin ich nicht mehr sicher. Hammar und Coulin... � Sie schauderte. �Ein Schiff w�rde uns weiter weg bef�rdern und schneller, als Pferde dazu in der Lage sind.� Siuan sch�ttelte den Kopf. �Die meisten der geflohenen Aes Sedai d�rften �ber die Br�cken gegangen sein, sch�tze ich. Das ist der schnellste Weg aus der Stadt, wenn einen jemand verfolgt, schneller, als zu warten, bis die Besatzung eines Schiffs schlie�lich ablegt. Ich mu� in der N�he von Tar Valon bleiben, wenn ich sie zusammenf�hren will.� �Sie werden Euch nicht mehr folgen�, sagte Leane bedeutungsschwanger. �Ihr habt kein Recht mehr auf die Stola. Nicht einmal eines auf die einfache Stola oder den Ring.� �Ich mag vielleicht die Stola nicht mehr tragen�, erwiderte Siuan im gleichen Tonfall, �aber ich wei� immer noch, wie man eine Besatzung auf einen Sturm vorbereitet. Und da ich die Stola nicht mehr tragen kann, mu� ich die richtige Frau erw�hlen, um meinen Platz einzunehmen. Ich werde Elaida nicht so davonkommen lassen, da� sie sich einfach selbst zur Amyrlin macht. Es mu� eine sein, die sehr gro�e Kr�fte besitzt, eine, die die Dinge auf die richtige Art sieht.� �Dann wollt Ihr etwa tats�chlich diesem... diesem <emphasis>Drachen</emphasis> helfen?� fauchte Leane.</p><p>�Was sonst soll ich denn Eurer Meinung nach tun? Mich einrollen und sterben?� Leane schauderte, als habe man sie ins Gesicht geschlagen, und eine Weile lang ritten sie schweigend weiter. All die prachtvollen Geb�ude in ihrer Umgebung, erbaut wie vom Wind geformte Klippen und Wogen und Vogelschw�rme, ragten be�ngstigend �ber ihnen auf, nun, da sich keine Menschenseele auf den Stra�en zeigte. Ein einzelner Bursche, der weit vor ihnen um eine Ecke bog, huschte anschlie�end von einem sichtgesch�tzten Eingang zum anderen, als erkunde er den vor ihnen liegenden Weg. Irgendwie verst�rkte er diesen Eindruck von Leere noch, statt ihn abzumildern.</p><p>�Was k�nnen wir denn sonst tun?� fragte Leane schlie�lich. Sie hing zusammengesunken wie ein halb leerer Getreidesack auf ihrem Pferd. �Ich f�hle mich so... leer. Ausgebrannt.� �Sucht Euch etwas, die Leere zu f�llen�, sagte Siuan energisch zu ihr. �Irgend etwas. Kocht f�r die Hungrigen, pflegt die Kranken, sucht Euch einen Mann und zieht einen Stall voll Kinder auf. Was mich betrifft, so habe ich vor, daf�r zu sorgen, da� Elaida nicht so davonkommt. Ich k�nnte ihr ja noch vergeben, wenn sie wirklich der Meinung w�re, ich h�tte die Burg in Gefahr gebracht. Beinahe jedenfalls. Beinahe. Aber sie war vom ersten Tag an, als man mich und nicht sie zur Amyrlin w�hlte, von Neid erf�llt. Das hat sie genauso angetrieben wie ihr Ehrgeiz, und daf�r werde ich sie zu Fall bringen. Das erf�llt mich, Leane. Das und die Tatsache, da� ihr Rand al'Thor nicht in die H�nde fallen darf.� �Vielleicht reicht das schon als Aufgabe.� Die Frau mit der kupferfarbenen Haut schien wohl Zweifel zu hegen, doch richtete sie sich jetzt wenigstens im Sattel auf. Bei ihrer offensichtlichen Erfahrung im Reiten, verglichen mit Siuans unsicherem Sitz auf der kleineren Stute, wirkte sie wie die Anf�hrerin. �Aber wie k�nnen wir damit beginnen? Wir haben drei Pferde, die Kleider, die wir tragen und was Min in ihrer Geldb�rse mit sich tr�gt. Kaum ausreichend, um die Burg zu bedrohen.� �Ich bin froh, da� du...� � Siuan wechselte die Anrede und verst�rkte damit den Eindruck einer verschworenen Gemeinschaft � �da� du dich nicht f�r einen Mann und eine Familie entschieden hast. Wir werden schon andere... � Siuan verzog das Gesicht. �Wir werden andere Aes Sedai finden, die geflohen sind. Wir finden alles, was wir ben�tigen. Wir besitzen vielleicht schon jetzt mehr, als du glaubst, Leane. Min, was steht in diesem Pa�, den uns Gawyn gab? Steht etwas von drei Frauen drin? Was? Beeil dich doch, M�dchen.� Min blickte b�se ihren R�cken an. Siuan war vorgeritten, um den Mann zu beobachten, der sich vorn von T�r zu T�r vorarbeitete. Er war gro� und dunkelhaarig und einfach, doch gut in dunklen Braunt�nen gekleidet. Die Frau benahm sich, als sei sie immer noch die Amyrlin. <emphasis>Na ja, ich wollte ja, da� sie wieder R�ckgrat zeigt, oder?</emphasis> Siuan drehte sich um und blickte sie mit diesen scharfen blauen Augen an. Irgendwie wirkten sie jedoch nicht mehr so einsch�chternd wie zuvor. ��Die Tr�ger erhalten auf Grund meiner Autorit�t die Erlaubnis, Tar Valon zu verlassen�� zitierte Min schnell aus dem Ged�chtnis. ��Wer sie aufh�lt, wird sich vor mir verantworten m�ssen.� Unterzeichnet... � �Ich kenne seinen Namen�, maulte Siuan. �Folgt mir.� Sie hieb die Fersen in Belas Flanken und verlor fast den Halt, als die zottige Stute schwerf�llig losgaloppierte. Sie klammerte sich aber tapfer fest und blieb oben, wenn sie auch m�chtig durchgesch�ttelt wurde. Ja, sie spornte sogar Bela zu noch schnellerer Gangart an!</p><p>Min tauschte einen verbl�fften Blick mit Leane, und dann galoppierten beide hinterher. Der Mann blickte sich um, als er den Hufschlag der Pferde h�rte, und begann selbst zu laufen, doch Siuan �berholte ihn und brachte Bela vor ihm zum Stehen, so da� er aufst�hnend auf die Stute prallte. Min erreichte sie gerade in dem Moment, als Siuan sagte: �Ich hatte nicht erwartet, Euch hier anzutreffen, Logain.� Min ri� Augen und Mund auf. Er war es tats�chlich.</p><p>Diese Augen mit ihrem Ausdruck der Verzweiflung, das von dunklem, lockigem und langem schwarzen Haar eingerahmte gutgeschnittene Gesicht und die breiten Schultern � das alles war unverkennbar. Ausgerechnet auf ihn mu�ten sie sto�en. Er wurde wahrscheinlich von der Burg nun genauso energisch gesucht wie Siuan.</p><p>Logain fiel auf die Knie nieder, als versagten seine Beine nun endg�ltig den Dienst. �Ich kann doch jetzt niemandem mehr gef�hrlich sein�, sagte er m�de und blickte auf die Pflastersteine vor Belas Hufen nieder. �Ich wollte nur weg, um irgendwo in Frieden zu sterben. Wenn Ihr nur w��tet, wie es ist, wenn man das verloren hat, was ich... � Leane straffte �rgerlich die Z�gel, als er immer leiser wurde. Da begann er erneut, ohne ihre Ungeduld bemerkt zu haben: �Die Br�cken sind alle bewacht. Sie lassen niemanden hin�ber. Sie kannten mich nicht, aber sie lie�en mich nicht weg. Ich habe es �berall probiert.� Mit einemmal lachte er m�de auf, als sei das alles lustig. �Ich habe es �berall probiert.� �Ich bin der Meinung�, sagte Min vorsichtig, �wir sollten jetzt schnell weg. Er versucht wahrscheinlich, denen zu entkommen, <emphasis>die ihn suchen.�</emphasis> Siuan warf ihr einen Blick zu, der sie beinahe r�ckw�rts vom Pferd geworfen h�tte. Die Augen der ehemaligen Amyrlin waren kalt wie Eis, und ihr Kinn hatte sie energisch vorgestreckt. Min w�re es lieber gewesen, die Frau zeigte noch ein wenig von der Unsicherheit, wie es vorher der Fall gewesen war.</p><p>Der gro�e Mann hob den Kopf und blickte sie eine nach der anderen an. Nachdenklich runzelte er die Stirn. �Ihr seid keine Aes Sedai. Wer seid Ihr? Was wollt Ihr von mir?� �Ich bin die Frau, die Euch aus Tar Valon hinausbringen kann�, sagte Siuan zu ihm. �Und die Euch vielleicht eine M�glichkeit verschaffen kann, Euch an den Roten Ajah zu r�chen. Ihr h�ttet doch sicher gern eine Chance, denen etwas zur�ckzuzahlen, die Euch gefangennahmen, oder?� Er schauderte sichtlich. �Was mu� ich tun?� fragte er dann bed�chtig.</p><p>�Folgt mir�, antwortete sie. �Folgt mir und denkt immer daran, da� ich die einzige auf der ganzen Welt bin, die Euch eine M�glichkeit zur Rache verschaffen wird.� Von den Knien aus musterte er die drei Gesichter mit schr�ggehaltenem Kopf, und dann stand er langsam auf, den Blick auf Siuan gerichtet. �Ich bin Euer Mann�, sagte er schlicht.</p><p>Leanes Gesichtsausdruck zeigte die gleiche Ungl�ubigkeit, die Min empfand. Was beim Licht konnte Siuan ein Mann n�tzen, dessen geistige Gesundheit in Zweifel stand und der sich einst f�lschlich als der Wiedergeborene Drache bezeichnet hatte? Wahrscheinlich w�rde er sich gegen sie wenden und versuchen, eins ihrer Pferde zu stehlen! Wenn Min so seinen K�rperbau betrachtete, seine Gr��e und die Breite der Schultern, war sie sogar der Meinung, sie sollten lieber immer die Messer griffbereit haben. Pl�tzlich flammte einen Augenblick lang ein goldener und blauer Lichtschein um seinen Kopf herum auf, der genauso gewi� wie beim erstenmal, als sie ihn gesehen hatte, auf k�nftigen Ruhm und Ehre hindeutete. Sie schauderte. Visionen. Bilder.</p><p>Sie blickte sich nach hinten zur Burg um. Der m�chtige, wei�e Finger des Turms beherrschte die ganze Stadt. Gerade und hoch ragte er auf, und doch war seine Macht gebrochen, als sei er eine Ruine. Einen Augenblick lang gestattete sie sich die Erinnerung an die Visionen, die sie ganz kurz um Gawyns Kopf herum wahrgenommen hatte. Gawyn, der mit gesenktem Kopf zu Egwenes F��en kniete, und Gawyn, der Egwene den Hals brach � erst die eine Vision und dann hinterher gleich die andere, als k�nne jede davon m�glicherweise die Zukunft zeigen.</p><p>Was sie sonst sah, war nur selten so klar gewesen in bezug auf die Bedeutung, wie diese beiden Bilder, und sie hatte auch dieses Hin- und Herflackern noch nie erlebt, als k�nne ihr selbst die Vision nicht die wahre Zukunft zeigen, sondern nur zwei M�glichkeiten. Noch schlimmer war dieses Gef�hl, sie selbst habe mit ihrem Handeln an diesem Tag Gawyn erst zu den beiden M�glichkeiten hingef�hrt.</p><p>Trotz des w�rmenden Sonnenscheins schauderte sie erneut. <emphasis>Was geschah, ist nun einmal geschehen.</emphasis> Sie blickte zu den beiden Aes Sedai � ehemaligen Aes Sedai �hin�ber, die auf Logain hinunterblickten, als sei er ein dressierter Hund, wild, m�glicherweise gef�hrlich, aber auch n�tzlich. Siuan und Leane lenkten ihre Pferde nun in Richtung zum Flu� hin, und Logain marschierte zwischen den beiden mit. Min folgte ihnen etwas langsamer. <emphasis>Licht, ich hoffe, es war den Aufwand wert.</emphasis></p></section><section><title><p>48</p><p>Ein Angebot wird abgelehnt</p></title><p>Ist das der Typ von Frau, der Euch gef�llt?� fragte Aviendha ver�chtlich.</p><p>Rand blickte auf sie hinunter, wie sie neben Jeade'en mit ihrem dicken Rock und dem doppelt um den Kopf geschlungenen braunen Schal einherschritt. Gro�e, blaugr�ne Augen blitzten unter ihrem breiten Kopftuch hervor zu ihm hoch, als w�nsche sie sich, sie habe noch immer den Speer, zu dem sie w�hrend des Angriffs der Trollocs gegriffen hatte, obwohl die Weisen Frauen sie deshalb kr�ftig gescholten hatten. Manchmal war es ihm richtig unangenehm, da� er ritt und sie nebenherlief, aber er hatte bereits versucht, selbst zu Fu� zu gehen, und seine wunden F��e waren sehr bald dankbar f�r die Gegenwart eines Pferds gewesen. Manchmal, aber nur �u�erst selten, hatte er es geschafft, sie zu �berreden, hinter seinem Sattel Platz zu nehmen. Er hatte sich n�mlich beklagt, sein Hals werde allm�hlich steif, weil er ihn immer verdrehen mu�te, um mit ihr sprechen zu k�nnen. Wie sich herausstellte, widersprach das Reiten nicht unbedingt den guten Sitten, doch sie verachtete eben die angebliche Schw�che, nicht die eigenen Beine zum Vorw�rtskommen benutzen zu wollen. So ging sie meist nebenher. Wenn nur einer der Aiel lachte � besonders eine Tochter des Speers �, weil sie auf einem Pferd sa�, war sie blitzartig wieder unten.</p><p>�Sie ist weich, Rand al'Thor. Schwach.� Er blickte zur�ck zu dem schachtelf�rmig gebauten wei�en Wohnwagen, der den Wagenzug der H�ndler anf�hrte. Die Karawane kroch in unregelm��igem Tempo und in Schlangenlinien durch die staubige, zerkl�ftete Landschaft. Heute wurde sie wieder von T�chtern des Speers aus der Jindo-Septime eskortiert. Isendre befand sich oben auf dem Kutschbock, zusammen mit Kadere und dem Fahrer. Sie sa� auf dem Scho� des breit gebauten H�ndlers und ihr Kinn ruhte auf seiner Schulter, w�hrend er f�r sie und auch f�r sich einen kleinen, blauseidenen Sonnenschirm hochhielt, um sie beide vor der gl�henden Sonne zu sch�tzen. Obwohl er schon ein wei�es Wams trug, wischte sich Kadere st�ndig mit einem gro�en Taschentuch �ber das braungebrannte Gesicht. Die Hitze machte ihm offensichtlich mehr aus als ihr. Sie trug ein langes, enganliegendes Kleid, passend zu dem Schirm. Rand war nicht nahe genug, um es beurteilen zu k�nnen, glaubte aber, da� ihr dunklen Augen �ber dem hauchzarten Schleier, der ihr Gesicht und den Kopf verh�llte, auf ihn gerichtet seien. Sie schien ihn �berhaupt st�ndig zu beobachten. Kadere hatte anscheinend nichts dagegen.</p><p>�Ich glaube nicht, da� Isendre weich ist�, sagte er ruhig und r�ckte die Schufa um seinen Kopf zurecht. Sie hielt wenigstens einigerma�en die brennende Sonne von seinem Kopf ab. Er hatte der Versuchung widerstanden, weitere typische Kleidungsst�cke der Aiel anzulegen, obwohl sie dem Klima sicher besser angepa�t waren als sein rotes Wollwams. Woher er auch abstammte und was auch die Zeichen an seinen Unterarmen aussagen mochten � er war jedenfalls trotzdem kein Aiel und w�rde das auch nicht vorgeben. Was er auch tun mu�te, ein wenig Anstand konnte er dabei bewahren. �Nein, das w�rde ich nicht sagen.� Auf dem Kutschbock des zweiten Wagens stritten sich die fette Keille und der Gaukler Natael schon wieder. Natael hielt die Z�gel, obwohl er kein so guter Fahrer war wie der Mann, der das sonst tat. Manchmal blickten auch sie zu Rand her�ber, kurz nur, und dann ging die Streiterei weiter. Nun, jeder blickte ihn mehr oder weniger heimlich an. Die lange Kolonne von Jindo auf seiner anderen Seite, dahinter noch die Weisen Frauen mit ihrer Begleitung und mit Moiraine, Egwene und Lan. Auch unter den noch zahlreicheren, aber weiter entfernten Shaido glaubte er erkennen zu k�nnen, da� sich immer wieder K�pfe in seine Richtung wandten. Es �berraschte ihn allerdings nicht; hatte ihn zu keinem Zeitpunkt �berrascht. Er war eben derjenige, Der Mit Der Morgend�mmerung Kommt. Jeder wollte wissen, was er vorhabe. Sie w�rden es bald genug erfahren.</p><p>�Weich�, beharrte Aviendha. �Elayne ist nicht weich. Ihr geh�rt zu Elayne und solltet diese milchh�utige Kuh nicht mit Blicken liebkosen.� Sie sch�ttelte wild entschlossen den Kopf und knurrte in sich hinein: �Unsere Sitten erschrecken sie. Sie kann sie nicht akzeptieren. Warum sollte ich etwas darauf geben, ob sie sie akzeptiert oder nicht? Ich will nicht da hineingezogen werden! Es kann nicht sein! Wenn ich k�nnte, w�rde ich Euch zum <emphasis>Gai'schain</emphasis> machen und Elayne schenken!� �Warum sollte Isendre die Sitten der Aiel akzeptieren?� Der Blick aus ihren weit aufgerissenen Augen war so verbl�fft, da� er beinahe gelacht h�tte. Sofort machte sie eine finstere Miene, als habe er etwas Schlimmes gesagt.</p><p>Die Aielfrauen waren genauso schwer zu verstehen wie alle anderen.</p><p>�Ihr seid ganz bestimmt nicht weich, Aviendha.� Das sollte sie als Kompliment verstehen. Die Frau war wirklich manchmal so hart wie ein Wetzstein. �Erkl�rt mir bitte das mit der Dachherrin noch einmal. Wenn Rhuarc Clanh�uptling der Taardad und auch H�uptling der Kaltfelsenfestung ist, wie kann es dann sein, da� die Festung seiner Frau geh�rt und nicht ihm?� Sie funkelte ihn noch einen Augenblick lang an, wobei sich ihre Lippen bewegten, als f�hre sie Selbstgespr�che, und dann antwortete sie: �Weil sie die <emphasis>Dachherrin</emphasis> ist, Ihr dicksch�dliger Feuchtl�nder. Ein Mann kann genausowenig ein Dach besitzen wie eigenes Land! Manchmal h�rt Ihr Feuchtl�nder Euch an wie die Wilden.� �Aber wenn Lian Dachherrin der Kaltfelsenfestung ist, weil sie eben Rhuarcs Frau ist... � �Das ist etwas anderes! Wollt Ihr das denn nicht verstehen? Jedes Kind versteht das!� Sie atmete tief durch und r�ckte den Schal zurecht. Sie war eine h�bsche Frau mit nur einem Fehler: Sie sah ihn die ganze Zeit �ber an, als habe er an ihr irgend etwas verbrochen. Woran das liegen konnte, wu�te er nicht. Die wei�haarige Bair mit ihrem ledernen Gesicht, die sonst nie �ber Rhuidean sprach, hatte ihm schlie�lich unwillig erkl�rt, da� Aviendha die Glass�ulen <emphasis>nicht</emphasis> besucht habe und das auch nicht tun werde, bis sie soweit sei, eine Weise Frau zu werden. Also warum ha�te sie ihn dann? Auf dieses R�tsel h�tte er nur zu gern eine Antwort gehabt.</p><p>�Also gehen wir das von einer anderen Seite her an�, grollte sie zu ihm herauf. �Wenn eine Frau heiraten will und noch kein eigenes Dach besitzt, baut ihre Familie eins f�r sie. An ihrem Hochzeitstag tr�gt ihr Ehemann sie auf der Schulter weg von ihrer Familie, w�hrend seine Br�der ihre Schwestern von der Verfolgung abhalten, doch an der T�r setzt er sie ab und bittet sie um Erlaubnis, eintreten zu d�rfen. Das Dach geh�rt <emphasis>ihr.</emphasis> Sie kann... � Diese Lektionen waren das Angenehmste an den elf Tagen und N�chten seit dem Angriff der Trollocs gewesen. Zuerst hatte sie �berhaupt nicht mit ihm sprechen wollen, abgesehen von weiteren Tiraden, wie er angeblich Elayne mi�handle, und dann wieder ein Vortrag, der ihn gewaltig in Verlegenheit brachte, in dem sie Elaynes Vorz�ge ausf�hrlich schilderte. Erst als er im Vor�bergehen Egwene gegen�ber erw�hnte, wenn Aviendha schon nicht mit ihm sprechen wolle, dann solle sie wenigstens aufh�ren, ihn dauernd anzustarren, kam innerhalb einer Stunde ein in Wei� geh�llter <emphasis>Gai'schain</emphasis> und holte die Aielfrau.</p><p>Was die Weisen Frauen ihr auch gesagt haben mochten, jedenfalls kehrte sie vor Zorn bebend zur�ck und verlangte von ihm � verlangte! �, da� er sich von ihr �ber Sitten und Gebr�uche der Aiel unterrichten lassen solle. Zweifellos hofften sie, er werde ihnen durch die Fragen, die er stellte, etwas �ber seine Pl�ne verraten. Nach den subtilen Intrigen in Tear war die offene Spioniererei der Weisen Frauen richtig herzerfrischend. Trotzdem war es ganz sicher gut, zu erfahren, was er nur konnte, und er geno� auf diese Art sogar die Unterhaltungen mit Aviendha, besonders bei jenen Gelegenheiten, wenn sie zu vergessen schien, da� sie ihn aus irgendeinem unerfindlichen Grund verachtete. Klar � wenn ihr bewu�t wurde, da� sie sich wie zwei Menschen unterhielten und nicht wie jemand, der einen Gefangenen verh�rt, mit seinem Opfer, bekam sie wieder einen Wutanfall, als habe er sie in eine Falle gelockt.</p><p>Und doch waren selbst diese Unterhaltungen angenehm, wenn man sie mit dem Rest der Reise verglich. Er fing sogar schon an, ihre Wutanf�lle am�sant zu finden, wenn er sich das auch vorsichtigerweise nicht vor ihr anmerken lie�. Wenn sie in ihm einen Mann sah, den sie ha�te, sah sie wenigstens nicht nur ihn, Der Mit Der Morgend�mmerung Kommt, oder den Wiedergeborenen Drachen. Einfach Rand al'Thor. Und wenigstens wu�te sie, was sie von ihm halten sollte. Nicht wie Elayne, die ihm einen Brief schrieb, der ihm hei�e Ohren verschaffte, und dann am gleichen Tag einen anderen, bei dem er sich allen Ernstes fragen mu�te, ob er pl�tzlich H�rner und Rei�z�hne wie ein Trolloc habe.</p><p>Min war so ungef�hr die einzige Frau in seinem Leben, die seinen Verstand nicht v�llig verwirrte. Doch sie war in der Wei�en Burg und dort wenigstens in Sicherheit, und das wiederum war ein Ort, den er meiden wollte. Manchmal dachte er sich, sein Leben k�nne viel einfacher sein, wenn er Frauen ganz verga�. Nun hatte Aviendha den Weg in seine Tr�ume geschafft, als seien dort nicht schon Min und Elayne zu Hause. Diese Frauen verknoteten seine Gef�hle v�llig, und er mu�te jetzt einen klaren Kopf bewahren. Klar und kalt mu�te er denken.</p><p>Ihm wurde bewu�t, da� er schon wieder Isendre anblickte. Sie winkte ganz leicht mit ihren schlanken Fingern zu ihm her�ber, und zwar hinter Kaderes Ohr, so da� der es nicht sehen konnte. Er war sicher, diese vollen Lippen verzogen sich zu einem L�cheln. <emphasis>O ja, gef�hrlich. Ich mu� kalt bleiben und hart wie Stahl. Scharfer Stahl.</emphasis></p><p>Elf Tage und N�chte, und nun der zw�lfte, aber ansonsten hatte sich nichts ge�ndert. Tage und N�chte voller eigenartiger Felsformationen, abgeflachter Steins�ulen und Spitzkuppen, die sich in einem zerkl�fteten, sonnenverbrannten Land erhoben, in dem die Berge v�llig wahllos verteilt aufragten. Tage voll gl�henden Sonnenscheins und hei�er Winde und N�chte voll eisiger K�lte. Was dort wuchs, besa� Dornen oder Stacheln, oder bei jeder Ber�hrung brannten einem die H�nde. Von einigen behauptete Aviendha, da� sie giftig seien. Diese Liste schien l�nger als die der e�baren Pflanzen hier. Das einzige Wasser fand man in verborgenen Quellen und Wasserl�chern. Sie zeigte ihm allerdings auch Pflanzen, deren Anwesenheit bedeutete, da� sich dort ein Loch ganz langsam mit Sickerwasser f�llen w�rde, gen�gend, um ein oder zwei Menschen das �berleben zu sichern. Das Mark anderer Pflanzen wieder konnte man zu einem sauren, w�ssrigen Brei zerkauen.</p><p>In einer Nacht t�teten L�wen zwei Packpferde der Shaido. Sie br�llten laut in der Dunkelheit, als sie von ihrer Beute vertrieben wurden und in den Felskl�ften verschwanden. Ein Wagenfahrer st�rte eine kleine braune Schlange in ihrer Ruhe, als sie am vierten Abend ihr Lager aufschlugen. Eine Zweischrittschlange nannte Aviendha sie, und der Name erwies sich als passend. Der Bursche schrie und wollte zu den Wagen rennen, obwohl er sah, da� Moiraine bereits auf ihn zukam, doch beim zweiten Schritt bereits st�rzte er auf sein Gesicht und war tot, bevor die Aes Sedai von ihrer wei�en Stute absteigen konnte. Aviendha z�hlte ihm Giftschlangen, Giftspinnen und giftige Eidechsen auf. Giftige Eidechsen! Einmal suchte sie eine f�r ihn. Sie war zwei Fu� lang und dick und hatte auf ihren Bronzeschuppen gelbe, senkrechte Streifen. Sie trat ganz selbstverst�ndlich mit einem im weichen Stiefel steckenden Fu� darauf und hielt sie auf diese Art fest, und dann stie� sie ihr Messer in den breiten Kopf der Echse. Anschlie�end hielt sie das Tier hoch, damit er die klare, �lige Fl�ssigkeit sehen konnte, die �ber scharfkantige Knochenreihen im Maul herausflo�. Wie sie erkl�rte, konnte eine Gara durchaus einen Stiefel durchbei�en. Sie konnte sogar einen Stier t�ten. Andere waren nat�rlich schlimmer. Die Gara war langsam und nicht wirklich gef�hrlich, wenn man nicht gerade dumm genug war, auf eine zu treten. Als sie die gro�e Eidechse mit dem Messer wegschleuderte, pa�ten sich das Gelb und der Bronzeton genau der Farbe des getrockneten Lehmbodens an. O ja. Sei nur nicht so dumm, draufzutreten.</p><p>Moiraine teilte ihre Zeit zwischen den Weisen Frauen und Rand. F�r gew�hnlich bem�hte sie sich auf die typische Art der Aes Sedai, ihn dazu zu bringen, seine Pl�ne endlich zu enth�llen. �Das Rad webt, wie Das Rad es will�, hatte sie ihm erst an diesem Morgen wieder gesagt. Ihre Stimme klang k�hl und ruhig, das alterslose Gesicht war ernst, doch der Blick aus ihren dunklen Augen brannte hei�, als sie ihn �ber Aviendhas Kopf hinweg ansah. �Aber ein Narr kann sich im Muster verfangen und selbst erdrosseln�, fuhr sie fort. �Pa�t auf, da� Ihr keine Schlinge f�r Euren eigenen Hals webt.� Sie hatte sich einen hellen Umhang zugelegt, beinahe so wei� wie die der <emphasis>Gai'schain,</emphasis> der im Sonnenschein schimmerte, und unter der weiten Kapuze trug sie noch einen verschwitzten, wei�en Schal um die Stirn gewickelt.</p><p>�Ich webe keine Schlingen f�r meinen Hals.� Er lachte, und sie ri� Aldieb so schnell herum, da� die Stute beinahe Aviendha umstie�. Dann galoppierte sie zur�ck zum Zug der Weisen Frauen. Ihr Umhang flatterte hinter ihr her.</p><p>�Es ist dumm, eine Aes Sedai zu �rgern�, knurrte Aviendha und rieb sich die Schulter, wo sie von Aldieb gestreift worden war. �Ich hatte nicht geglaubt, da� Ihr ein dummer Mann seid.� �Wir werden abwarten m�ssen, ob ich einer bin oder nicht�, sagte er zu ihr, und ihm war nicht mehr nach Lachen zumute. Dumm? Es gab eben Risiken, die man in Kauf nehmen mu�te. �Wir werden es ja sehen.� Egwene verlie� die Wei�en Frauen selten. Sie ging zu Fu� nebenher oder ritt auf ihrer grauen Stute, und selbst dann nahm sie �fters eine von ihnen hinter sich hoch und lie� sie eine Weile mitreiten. Er war schlie�lich auf den Gedanken gekommen, da� sie wahrscheinlich den Weisen Frauen gegen�ber wieder die fertige Aes Sedai spielte. Amys und Bair, Seana und Melaine schienen das genauso bereitwillig zu akzeptieren, wie die Tairener damals, wenn auch nicht alle auf die gleiche Art. Gelegentlich stritt sich die eine oder andere von ihnen so laut mit ihr, da� er auf mehr als hundert Schritt Entfernung fast noch verstehen konnte, was da geschrien wurde. Sie behandelten Egwene beinahe genauso wie Aviendha, obwohl sie die allerdings eher herumkommandierten. Nun ja, selbst mit Moiraine f�hrten sie ja gelegentlich hitzige Diskussionen. Besonders Melaine mit ihren Sonnenhaaren.</p><p>Am zehnten Morgen endlich hatte Egwene aufgeh�rt, ihr Haar zu diesen zwei Z�pfen geflochten zu tragen. Das war schon eine eigenartige Sache. Die Weisen Frauen hatten sich mit ihr zusammen ein St�ck von den anderen entfernt und sehr lange mit ihr gesprochen, w�hrend die <emphasis>Gai'schain</emphasis> ihre Zelte abbrachen und Rand Jeade'en sattelte. H�tte er sie nicht besser gekannt, dann h�tte Rand annehmen m�ssen, ihre Haltung, mit gesenktem Kopf, sei ein Versuch, dem�tig zu erscheinen, aber dieses Wort konnte man bei ihr eigentlich nur mit Blick auf Nynaeve gebrauchen. Und vielleicht auch mit Moiraine. Pl�tzlich klatschte Egwene dann in die H�nde, lachte und umarmte eine der Weisen Frauen nach der anderen. Anschlie�end wickelte sie schnellstens ihre Z�pfe auf.</p><p>Als er Aviendha fragte, was los sei � sie hatte au�en vor seinem Zelt gesessen, als er erwachte �, knurrte sie m�rrisch: �Sie haben ihr zuerkannt, da� sie gewachsen sei...� Sie brach pl�tzlich ab, warf ihm einen mi�trauischen Blick zu, verschr�nkte die Arme und fuhr mit k�hler Stimme fort: �Das ist Sache der Weisen Frauen, Rand al'Thor. Fragt sie, wenn Ihr w�nscht, aber seid darauf vorbereitet, da� man Euch sagt, es gehe Euch nichts an.� Wieso war Egwene gewachsen? Ihr Haar etwa? Es ergab keinen Sinn. Aviendha sagte kein Wort mehr �ber diese Sache. Statt dessen kratzte sie ein wenig grauer Flechten von einem Stein und begann, ihm zu beschreiben, wie man damit eine Wunde behandeln k�nne. Die Frau lernte ein wenig zu schnell f�r seinen Geschmack von den Weisen Frauen. Die Weisen Frauen selbst schenkten ihm wenig Aufmerksamkeit. Klar, das mu�ten sie auch nicht, da ihm Aviendha die ganze Zeit �ber in ihrem Auftrag �ber die Schulter sah.</p><p>Die anderen Aiel, oder jedenfalls die Jindo, wurden mit jedem Tag ein bi�chen weniger hochn�sig. Vielleicht gew�hnten sie sich daran, was Er, Der Mit Der Morgend�mmerung Kommt, f�r sie bedeutete. Doch nur Aviendha sprach �berhaupt l�ngere Zeit mit ihm. Jeden Abend kam Lan her�ber und �bte mit ihm den Schwertkampf, w�hrend Rhuarc ihm beibrachte, wie man mit dem Speer umging, und ihn in der eigenartigen Kampfart der Aiel mit H�nden und F��en unterwies. Der Beh�ter verstand auch etwas davon und machte beim �ben mit. Die meisten jedoch mieden Rand, besonders die Wagenfahrer, die erfahren hatten, da� er der Wiedergeborene Drache war, ein Mann, der die Macht gebrauchen konnte. Wenn er einen dieser M�nner mit ihren groben Gesichtern dabei ertappte, wie er ihn anblickte, h�tte er meinen k�nnen, der Mann blicke den Dunklen K�nig selbst an. Aber Kadere war eine Ausnahme, genau wie der Gaukler.</p><p>Beinahe jeden Morgen, wenn sie aufbrachen, ritt der H�ndler auf einem der Maultiere her�ber, die zu den von den Trollocs verbrannten Wagen geh�rt hatten. Durch den langen wei�en Schal, den er sich um den Kopf gewickelt hatte und der ihm hinten herunterhing, wirkte sein Gesicht noch dunkler. Rand gegen�ber war er ausgesprochen sch�chtern, doch seine kalten, immer gleich dreinblickenden Augen machten aus seiner Hakennase einen Adlerschnabel.</p><p>�Mein Lord Drache�, hatte er am Morgen nach dem Angriff der Trollocs begonnen und sich dann erst einmal mit dem immer vorhandenen Taschentuch den Schwei� abgewischt. Er war nerv�s auf dem zerkratzten, alten Sattel umhergerutscht, den er irgendwo f�r das Maultier aufgetrieben hatte. �Darf ich Euch so nennen?� Die verkohlten Reste der drei Wagen blieben im S�den hinter ihnen zur�ck und mit ihnen die Gr�ber von zwei M�nnern Kaderes und einer ganzen Anzahl Aiel. Man hatte die Trollocs aus den Lagern geschleift und den Aasfressern �berlassen, heulenden Biestern mit gro�en Ohren. Rand wu�te nicht, ob das gro�e F�chse seien oder kleine Hunde; sie hatten von beiden etwas an sich. �ber ihnen kreisten Geier mit rotger�nderten Fl�geln. Manche trauten sich noch nicht herunter, w�hrend andere bereits in einem Durcheinander von wirbelnden Schwingen neben ihrer Beute landeten.</p><p>�Nennt mich, wie Ihr wollt�, sagte Rand zu ihm.</p><p>�Mein Lord Drache, ich habe dar�ber nachgedacht, was Ihr gestern sagtet.� Kadere sah sich um, als f�rchte er, belauscht zu werden, obwohl sich Aviendha bei den Weisen Frauen befand und die n�chsten Ohren zu seiner eigenen Wagenkarawane geh�rten, die mehr als f�nfzig Schritt entfernt war. Er senkte trotzdem die Stimme zu einem Fl�stern und wischte sich nerv�s das Gesicht ab. Dennoch �nderte sich der Ausdruck seiner Augen �berhaupt nicht. �Was Ihr sagtet in bezug auf den Wert des Wissens und da� gerade dies den Weg zum Ruhm ebnet. Es ist wahr.� Rand sah ihn, ohne mit der Wimper zu zucken, an. Sein eigenes Gesicht blieb ausdruckslos. �Das habt Ihr gesagt und nicht ich�, sagte er schlie�lich.</p><p>�Na ja, vielleicht stimmt das. Aber es ist doch wahr, oder nicht, Lord Drache?� Rand nickte, und der H�ndler fuhr fort, immer noch im Fl�sterton und nach wie vor wachsam nach Lauschern suchend: �Doch im Wissen kann auch eine Gefahr liegen. Wenn man mehr gibt, als man empf�ngt. Ein Mann, der Wissen und Kenntnisse verkauft, mu� nicht nur seinen guten Preis daf�r verlangen, nein, er mu� sich auch absichern. Absichern gegen... R�ckschl�ge. Seid Ihr nicht meiner Meinung?� �Habt Ihr Kenntnisse, die Ihr zu... verkaufen w�nscht, Kadere?� Der massige Mann blickte seine Wagenkarawane finster an. Keille war von ihrem Wagen gesprungen und wollte wohl eine Weile nebenherlaufen, obwohl die Hitze st�ndig wuchs. Ihr fetter K�rper war in Wei� gekleidet, und die Elfenbeink�mme in ihrem groben schwarzen Haar hielten einen wei�en Spitzenschal fest. Immer wieder blickte sie zu den beiden M�nnern hin�ber, die nebeneinander her ritten. Auf diese Entfernung war ihr Gesichtsausdruck nicht zu deuten. Es war schon eigenartig, da� sich jemand mit diesem Gewicht so leichtf��ig bewegte. Isendre war aus dem Wageninneren auf den Kutschbock des ersten Wagens geklettert und beobachtete sie ganz offen. Sie hielt sich fest, damit sie um die Ecke des wei�gestrichenen Wagens nach ihnen ausschauen konnte, obwohl der Wagen schaukelte und ruckte.</p><p>�Diese Frau ist noch mein Tod�, knurrte Kadere. �Vielleicht k�nnen wir uns sp�ter weiter unterhalten Lord Drache, wenn es Euch gef�llt.� Er rammte seine Stiefel in die Flanken des Maultiers, damit es zum ersten Wagen hin�ber trottete, und dort angekommen, schwang er sich �berraschend gelenkig auf den Kutschbock. Er band die Z�gel des Maultiers an einen Eisenring an der Ecke des gro�en Wohnwagens. Dann verschwand er mit Isendre im Inneren und tauchte nicht mehr auf, bis sie am Abend anhielten, um ihr Lager f�r die Nacht aufzuschlagen.</p><p>Er kam am n�chsten Tag wieder und an anderen Tagen, immer wenn er sah, da� Rand allein war, und immer deutete er etwas von Kenntnissen an, die er f�r einen guten Preis zu verkaufen bereit sei, wenn ihm die n�tige Sicherheit geboten werde. Einmal verstieg er sich soweit, da� er sagte, alles, auch Mord, Verrat, eben einfach alles k�nne man vergeben, wenn man daf�r Wissen erh�lt, und dann schien er sehr nerv�s zu werden, als Rand ihm nicht beipflichtete. Was er auch zu verkaufen suchte, offensichtlich wollte er Rands pauschalen Schutz f�r jede Untat, die er vielleicht einmal begangen hatte.</p><p>�Ich wei� nicht, ob ich �berhaupt Informationen kaufen will�, sagte ihm Rand mehr als einmal. �Da ist immer die Frage des Preises, oder? Es gibt Preise, die ich nicht zu zahlen bereit bin.� An jenem ersten Abend, nachdem die Feuer entz�ndet waren und der Duft nach Essen sich zwischen den niedrigen Zelten ausbreitete, nahm Natael Rand beiseite. Der Gaukler schien beinahe genauso nerv�s zu sein wie Kadere. �Ich habe ziemlich viel �ber Euch nachgedacht�, sagte er und blickte Rand von der Seite her mit geneigtem Kopf an. �Ihr solltet ein grandioses Epos erhalten, um Eure Geschichte zu erz�hlen. Der Wiedergeborene Drache. Er, Der Mit Der Morgend�mmerung Kommt. Die Figur unz�hliger Weissagungen in diesem Zeitalter und aus anderen.� Er zog seinen Umhang um sich zusammen. Die bunten Flicken flatterten im leichten Abendwind. Die D�mmerung dauerte in der W�ste nicht lang; Nacht und K�lte kamen schnell und Hand in Hand. �Was haltet Ihr von dem Schicksal, das man Euch prophezeit hat? Ich mu� es wissen, wenn ich dieses Epos komponieren will.� �Was ich davon halte?� Rand blickte sich im Lager um. Die Jindo eilten gesch�ftig zwischen den Zelten umher. Wie viele von ihnen w�rden sterben, bevor sein Schicksal erf�llt war? �M�de. Ich bin es m�de.� �Wohl kaum ein heldenhaftes Gef�hl�, murmelte Natael. �Aber es war zu erwarten bei Eurem Schicksal. Die Welt lastet auf Euren Schultern, die meisten Leute w�rden Euch t�ten, h�tten sie eine M�glichkeit dazu, und die �brigen sind Narren, die glauben, Euch ben�tzen zu k�nnen, um Ruhm und Ehre zu erlangen.� �Zu welchen geh�rt Ihr, Natael?� �Ich? Ich bin nur ein einfacher Gaukler.� Der Mann hob einen Zipfel seines Flickenumhangs, als k�nne der alles bezeugen. �Ich w�rde um keinen Preis der Welt Euren Platz einnehmen wollen, nicht bei dem Schicksal, das Euch droht. Tod oder Wahnsinn oder beides. �Sein Blut auf den Felsen des Shayol Ghul...� Das steht doch im <emphasis>Karaethon-Zyklus,</emphasis> den Prophezeiungen des Drachen, oder? Da� Ihr sterben m��t, um die Narren zu retten, die bei Eurem Tod einen Seufzer der Erleichterung loswerden. Nein. Trotz all Eurer Macht und allem anderen um Euch m�chte ich nicht in Eurer Haut stecken.� �Rand�, sagte Egwene, die aus der sich vertiefenden Dunkelheit heraustrat, ihren hellen Umhang eng zusammengezogen und die Kapuze auf dem Kopf, �wir sind gekommen, um zu sehen, wie du dich nach deiner Heilbehandlung und einem Tag in dieser Hitze f�hlst.� Moiraine war bei ihr, das Gesicht unter der weiten Kapuze ihres wei�en Umhangs verborgen, und Bair und Amys, Melaine und Seana, die K�pfe mit dunklen Schals umwickelt, und alle beobachteten ihn, ruhig und kalt wie die Nacht. Sogar Egwene. Sie zeigte noch nicht die Alterslosigkeit der Aes Sedai, aber sie hatte bereits deren Blick.</p><p>Anfangs bemerkte er Aviendha gar nicht, die hinter den anderen ein St�ckchen zur�ckgeblieben war. Dann, als er sie entdeckt hatte, glaubte er einen Moment lang, auf ihren Z�gen etwas wie Anteilnahme zu erkennen, aber das verschwand, sobald sie seinen Blick bemerkte. Einbildung. Er war wirklich m�de.</p><p>�Ein andermal�, sagte Natael, der wohl mit Rand sprach, aber auf seine seltsame Art die Frauen von der Seite her anschielte. �Wir sprechen ein andermal weiter.� Mit einer angedeuteten Verbeugung schritt er weg.</p><p>�Plagt Euch der Gedanke an die Zukunft, Rand?� sagte Moiraine leise, als der Gaukler weg war. �Prophezeiungen sind in blumigen Worten mit versteckter Bedeutung geschrieben. Sie bedeuten nicht immer das, was sie auf den ersten Blick auszusagen scheinen.� �Das Rad webt, wie das Rad es w�nscht�, sagte er zu ihr. �Ich werde tun, was sein mu�. Denkt daran, Moiraine. Ich werde tun, was sein mu�.� Sie schien es zufrieden, doch bei Aes Sedai konnte man das schlecht sagen. Sie w�rde bestimmt nicht zufrieden sein, w��te sie alles.</p><p>Natael kam am n�chsten Abend wieder und am n�chsten und am n�chsten, und immer sprach er von dem Epos, das er komponieren wolle, aber dabei trat ein morbider Zug immer deutlicher hervor. St�ndig bohrte er nach, wie Rand mit Problemen wie Wahnsinn und Tod fertigwerden wolle. Wie es schien, wollte er eine Trag�die komponieren. Rand versp�rte aber keinerlei Lust, seine �ngste �ffentlich zu diskutieren. Was er im Herzen und im Kopf trug, ging niemanden etwas an. Schlie�lich war der Gaukler es wohl m�de, immer nur zu h�ren: �Ich werde tun, was sein mu߫, und er kam nicht mehr. Es schien, er wolle sein Epos nicht komponieren, wenn er es nicht mit Schmerz und Qual f�llen konnte. Der Mann wirkte frustriert, als er zum letztenmal mit wild hinterherflatterndem Umhang davonstolzierte.</p><p>Der Bursche war schon eigenartig, aber wenn man Thom Merrilin als Beispiel nahm, waren das wohl alle Gaukler. Natael zeigte eben andere typische Z�ge des Gauklerhandwerks. Zum Beispiel war er recht eingebildet. Rand war es gleich, ob der Mann ihn mit einem Titel anredete oder nicht, doch Rhuarc, und selbst Moiraine, soweit er mit ihr zusammen war, behandelte er, als seien sie Gleichgestellte. Das war ganz und gar dasselbe wie bei Thom. Und dann gab er es auf, den Jindo seine K�nste zu zeigen, und verbrachte statt dessen den gr��ten Teil seiner Abende bei den Shaido. Es gebe eben mehr Shaido hier, erkl�rte er Rhuarc gelassen, als sei es das Selbstverst�ndlichste auf der Welt. Ein gr��eres Publikum. Das gefiel keinem der Jindo, aber selbst Rhuarc konnte nichts dagegen tun. Im Dreifachen Land durfte ein Gaukler sich so ziemlich alles erlauben, bis auf Mord, und kam damit davon.</p><p>Aviendha verbrachte ihre N�chte bei den Weisen Frauen und ging auch manchmal w�hrend des Tages eine Stunde oder l�nger mit ihnen. Dann wurde sie von allen in die Mitte genommen. Auch Moiraine und Egwene schlossen sich dem an. Zuerst glaubte Rand sie berieten sich dar�ber, wie sie ihn am besten in den Griff bek�me und ihm alles aus der Nase z�ge, was sie von ihm wissen wollten. Dann, eines Tages, als die Sonne wie ein Ball geschmolzenen Metalls �ber ihnen hing, flimmerte pl�tzlich ein pferdegro�er Feuerball aus dem Nichts kommend vor der Gruppe auf und rollte schlingernd durch die Luft davon. Er brannte eine Furche in das d�rre Land, bis er schlie�lich schrumpfte und verschwand.</p><p>Einige der Fahrer lie�en ihre erschreckten, schnaubenden Tiere anhalten und standen auf, um zuzusehen. Sie machten sich gegenseitig darauf aufmerksam. In ihren Stimmen schwang eine Mischung von Furcht und Verwirrung mit, und ein paar fluchten hilflos. Durch die Kolonne der Jindo lief ein Murmeln, und dasselbe geschah bei den Shaido, doch beide Kolonnen marschierten ohne Pause weiter. Die eigentliche Aufregung war nur bei den Weisen Frauen zu erkennen. Die vier dr�ngten sich um Aviendha und redeten alle auf einmal auf sie ein und fuchtelten wild mit den Armen. Moiraine und Egwene, die ihre Pferde am Z�gel f�hrten, bem�hten sich offensichtlich, auch ein Wort einzuwerfen. Ohne etwas verstehen zu k�nnen, war Rand klar, da� Amys ihnen unmi�verst�ndlich mit w�tend fuchtelndem Zeigefinger erkl�rte, sie sollten sich heraushalten.</p><p>Rand stand in den Steigb�geln und betrachtete die ru�geschw�rzte Furche, die sich pfeilgerade �ber eine halbe Meile hinzog. Dann setzte er sich wieder in den Sattel. Sie brachten Aviendha also bei, die Macht zu gebrauchen. Klar. Das also wollten sie. Er wischte sich mit dem Handr�cken Schwei� von der Stirn, der nicht von der Sonne herr�hrte. Als der Feuerball pl�tzlich dagewesen war, hatte er unwillk�rlich nach der Wahren Quelle gegriffen. Es war, als wolle er Wasser mit einem zerrissenen Sieb sch�pfen. Er h�tte statt nach <emphasis>Saidin</emphasis> genausogut nach Luft greifen k�nnen. Das konnte ihm eines Tages auch passieren, wenn er die Macht dringend ben�tigte. Er mu�te auch weiterlernen, doch er hatte keinen Lehrer. Er mu�te nicht nur weiterlernen, weil die Arbeit mit der Macht ihn umbringen konnte, bevor er noch die Chance hatte, wahnsinnig zu werden, nein, er mu�te mehr lernen, weil er die Macht gebrauchen mu�te. Er mu�te lernen, sie zu ben�tzen, und er mu�te sie ben�tzen, um zu lernen. Er lachte so schallend los, da� die Jindo ganz nerv�s zu ihm her�berblickten.</p><p>Er h�tte sich w�hrend dieser elf Tage und N�chte sehr �ber Mats Gesellschaft gefreut, doch Mat n�herte sich ihm h�chstens f�r ein oder zwei Minuten. Er hatte immer die breite Krempe seines flachen Huts heruntergezogen, um seinen Augen Schatten zu spenden. Der Speer mit dem schwarzen Schaft lag quer �ber Pips' Sattel, so da� man deutlich die mit Raben gezeichnete, mit Hilfe der Macht gefertigte gekr�mmte Schwertklinge sah, die ihm als Spitze diente.</p><p>�Wenn dein Gesicht von der Sonne noch etwas brauner wird, dann wirst du tats�chlich noch zum Aielmann�, sagte er gelegentlich lachend, oder: �Willst du den Rest deines Lebens hier verbringen? Es liegt noch eine ganze Welt jenseits der Drachenmauer. Wein? Frauen? Erinnerst du dich noch an solche Dinge?� Aber Mat wirkte dabei eindeutig nerv�s, und er z�gerte noch mehr als die Weisen Frauen, wenn er von Rhuidean sprechen sollte und was dort mit ihm geschehen sei. Bei der blo�en Erw�hnung der in Nebel geh�llten Stadt verkrampfte sich sein Griff um den schwarzen Speerschaft, und er behauptete, sich an nichts w�hrend seines Gangs durch den <emphasis>Ter'Angreal</emphasis> zu erinnern, und dann widersprach er sich wieder, indem er zu Rand sagte: �Bleib von diesem Ding weg, Rand. Es ist dem im Stein �berhaupt nicht �hnlich. Sie betr�gen. Seng mich, ich w�nschte, ich h�tte es nie gesehen!� Beim einzigenmal, als Rand die Alte Sprache erw�hnte, fauchte er: �Verdammt noch mal, ich wei� nichts �ber die verfluchte Alte Sprache!� Und damit galoppierte er geradewegs zu den H�ndlerwagen zur�ck.</p><p>Dort verbrachte Mat gew�hnlich seine Zeit. Er w�rfelte mit den Fahrern, bis ihnen klar wurde, da� er viel �fter gewann als verlor, gleich, wessen W�rfel er ben�tzte. Bei jeder Gelegenheit verwickelte er Kadere oder Natael in lange Gespr�che und war hinter Isendre her. Es war klar, was er im Sinn hatte, als er sie zum erstenmal angrinste und seinen Hut zurechtschob. Das war am Morgen nach dem Angriff der Trollocs gewesen. Er unterhielt sich mit ihr fast jeden Abend, solange es nur ging, und er stach sich derart in die Finger, als er ihr wei�e Bl�ten von einem Dornbusch pfl�ckte, da� er zwei Tage lang kaum die Z�gel halten konnte. Er weigerte sich aber, sich von Moiraine behandeln zu lassen. Isendre ermutigte ihn nicht gerade, aber ihr ruhiges, herausforderndes L�cheln war auch nicht geeignet, ihn von ihr fernzuhalten. Kadere sah zu und sagte kein Wort dazu, obwohl sein Blick manchmal Mat folgte wie der eines Geiers. Andere machten allerdings Bemerkungen dar�ber.</p><p>An einem Sp�tnachmittag, als gerade die Maultiere ausgespannt wurden und Rand Jeade'en absattelte, stand Mat mit Isendre im d�nnen Schatten eines der Planwagen.</p><p>Sie standen sehr nahe beieinander. Rand sch�ttelte den Kopf und beobachtete die beiden, w�hrend er den Apfelschimmel abrieb. Die Sonne gl�hte ein kurzes St�ck �ber dem Horizont, und die langen Schatten von den hohen Felss�ulen fielen �ber das Lager.</p><p>Isendre machte an ihrem durchscheinenden Schal herum, als denke sie gelangweilt daran, ihn abzunehmen, und sie l�chelte mit gespitzten, vollen Lippen. Ermutigt grinste Mat selbstbewu�t und r�ckte noch n�her. Sie lie� ihre Hand sinken und sch�ttelte bed�chtig den Kopf, doch dieses einladende L�cheln blieb. Keiner von beiden h�rte, wie Keille herankam, leichtf��ig, trotz ihres Gewichts.</p><p>�Ist es das, was Ihr w�nscht, guter Herr? Sie?� Beim Erklingen dieser einschmeichelnden Stimme fuhren die beiden auseinander, und das perlendes Lachen Keilles stand im Gegensatz zu ihrem Mienenspiel. �Ein Sonderangebot f�r Euch, Matrim Cauthon: Eine Mark aus Tar Valon, und sie geh�rt Euch. Eine Schlampe wie sie kann nicht mehr als zwei Mark wert sein, also ist das doch ein gutes Sonderangebot.� Mat verzog das Gesicht und sah aus, als w�re er lieber �berall sonst, nur nicht hier. Isendre allerdings wandte sich langsam Keille zu, wie eine Bergkatze, die einem B�ren gegen�bersteht. �Ihr geht zu weit, alte Frau�, sagte sie leise mit harten Augen �ber dem Schleier. �Ich werde mir Eure b�se Zunge nicht mehr bieten lassen. Nehmt Euch in acht. Vielleicht bleibt Ihr ja auch lieber hier in der W�ste?� Keille l�chelte breit, doch in ihren Augen, die �ber ihren fetten Wangen blitzten, lag keinerlei Belustigung. �W�rdet <emphasis>Ihr</emphasis> lieber hierbleiben?� Isendre nickte entschlossen und sagte: �Eine Mark aus Tar Valon.� Ihre Stimme klang hart wie Eisen. �Ich werde daf�r sorgen, da� Ihr eine Mark aus Tar Valon bekommt, wenn wir Euch verlassen. Ich w�nschte nur, ich k�nnte Euch beobachten, wenn Ihr versucht, sie zu trinken.� Damit wandte sie ihr den R�cken zu und schritt zum F�hrungswagen. Diesmal fehlte ihrem Gang der verf�hrerische Schwung. Sie verschwand im Inneren.</p><p>Keille beobachtete sie mit ausdruckslosem rundem Gesicht, bis sich die wei�e T�r geschlossen hatte, und dann fuhr sie pl�tzlich Mat an, der versuchte, unbemerkt davonzuschl�pfen: �Nur wenige M�nner haben mir je ein Angebot ausgeschlagen, und schon gar nicht zweimal. Ihr solltet Euch in acht nehmen, da� ich es Euch nicht krumm nehme.� Lachend streckte sie die Hand aus und kniff ihn mit dicken Fingern in die Wange, hart genug, da� er zuckte, und dann wandte sie sich in Rands Richtung. �Sagt es ihm, mein Lord Drache. Ich habe das Gef�hl, Ihr wi�t etwas von den Gefahren, eine Frau zu mi�achten. Dieses Aielm�dchen das Euch immer mit b�sem Blick hinterherl�uft. Wie ich h�rte, geh�rt Ihr einer anderen an. Vielleicht f�hlt sie sich auch mi�achtet.� �Das bezweifle ich, gute Frau�, sagte er trocken. �Aviendha w�rde mir ein Messer zwischen die Rippen rennen, wenn sie glaubte, ich d�chte so �ber sie.� Die massige Frau lachte schallend. Mat zuckte zur�ck, als sie die Hand wieder nach ihm ausstreckte doch sie t�tschelte lediglich die Wange, in die sie vorher gekniffen hatte. �Seht Ihr, guter Herr? Mi�achtet das Angebot einer Frau, und vielleicht denkt sie sich nichts dabei, vielleicht aber� � sie fuhr sich mit dem Zeigefinger �ber den Hals ��gebraucht sie das Messer. Diese Lektion kann sich jeder Mann zu Herzen nehmen. Nicht wahr, mein Lord Drache?� Sie lachte pfeifend und eilte fort, um die M�nner zu schelten, die sich um die Maultiere k�mmerten.</p><p>Mat rieb sich die Wange und knurrte: �Die spinnen doch alle�, bevor auch er ging. Aber er lief trotzdem Isendre weiter hinterher.</p><p>Und so ging es weiter, elf Tage lang und in den zw�lften hinein, �ber ein unfruchtbares, durchgebackenes Land. Zweimal sahen sie andere Au�enposten, rohe Steingeb�ude �hnliche wie am Imre, die zur besseren Verteidigung an die Steilwand einer Felsnadel oder einer Spitzkuppe angebaut waren. Bei einem standen dreihundert oder mehr Schafe und dazu M�nner, die genauso �berrascht waren, von Rand zu erfahren, wie �ber die Tatsache, da� Trollocs im Dreifachen Land gewesen waren. Das andere war leer, nicht �berfallen, sondern einfach unbenutzt. Mehrmals ersp�hte Rand Ziegen oder Schafe oder fahle Langhornrinder in einiger Entfernung. Aviendha sagte, die Herden geh�rten zu in der N�he gelegenen Septimenfestungen, aber er sah keine Menschen und bestimmt kein Geb�ude, das die Bezeichnung Festung verdient gehabt h�tte. Der zw�lfte Tag: die dicken Kolonnen der Jindo und der Shaido flankierten den Zug der Weisen Frauen; der Wagenzug der H�ndler rumpelte mit; Keille und Natael stritten sich und Isendre beobachtete Rand vom Scho� Kaderes aus.</p><p>�... und so ist es also�, sagte Aviendha und nickte in sich hinein. �Jetzt versteht Ihr bestimmt, wie das mit einer Dachherrin ist.� �Na ja, eigentlich nicht�, gab Rand zu. Ihm war bewu�tgeworden, da� er eine ganze Weile lang nur dem Klang ihrer Stimme, aber nicht ihren Worten gelauscht hatte. �Ich bin aber sicher, da� es gut funktioniert.� Sie knurrte ihn an: �Wenn Ihr einmal heiratet�, sagte sie dann mit gepre�ter Stimme, �und die Drachen auf Euren Armen Eure Herkunft beweisen, werdet Ihr dann dieser Herkunft folgen, oder werdet Ihr alles bis auf das Kleid Eurer Frau als Euer Eigentum verlangen, wie so ein Wilder aus den Feuchtl�ndern?� �Das ist keineswegs so, wie Ihr behauptet�, protestierte er, �und dort, wo ich herkomme, w�rde jede Frau einem Mann den Sch�del einschlagen, der sie so behandelte. Und au�erdem, glaubt Ihr nicht, das sollte zwischen mir und der Frau geregelt werden, die ich wirklich einmal heiraten will?� Wenn �berhaupt, dann schmollte sie jetzt noch mehr als vorher.</p><p>Zu seiner Erleichterung kam Rhuarc jetzt von seinem Platz an der Spitze der Jindo-Kolonne zu ihm zur�ckgetrabt. �Wir sind da�, verk�ndete der Aielmann l�chelnd. �Die Kaltfelsenfestung.�</p></section><section><title><p>49</p><p>Die Kaltfelsenfestung</p></title><p>Rand blickte sich stirnrunzelnd um. Eine Meile vor ihnen ragte eine dichte Gruppe hoher, steiler Spitzkuppen auf, oder vielleicht war es auch nur eine einzige, die von tiefen Rissen durchzogen war. Zu seiner Linken waren mit d�rrem Gras bewachsene Flecken zu sehen, dazu blattlose Dornenpflanzen, verstreute Dornb�sche und niedrige B�ume, dahinter ausgetrocknete H�gel und zerkl�ftete Rinnen, und noch weiter hinten schlie�lich unregelm��ig geformte Felss�ulen und wildgezackte Berge. Zur Rechten war es dasselbe, nur war der durchgl�hte gelbe Lehmboden ebener, und die Berge waren n�her. Alles in allem konnte es jedes beliebige St�ck W�ste sein, das sie seit dem Chaendaer gesehen hatten. �Wo?� fragte er.</p><p>Rhuarc blickte Aviendha an, die wiederum Rand ansah, als sei der nun vollends �bergeschnappt. �Kommt. Ihr sollt die Kaltfelsen mit eigenen Augen sehen.� Der Clanh�uptling lie� seine Schufa auf die Schultern herabrutschen und rannte mit blo�em Kopf auf die zerkl�ftete Felswand zu.</p><p>Die Shaido hatten bereits Halt gemacht, wuselten herum und bauten ihre Zelte auf. Heirn und die Jindo schlossen sich Rhuarc an. Sie trabten mit den Packtieren am Z�gel und unbedecktem Kopf jubelnd hinter ihm her. Die T�chter des Speers, die die H�ndlerkarawane begleiteten, riefen den Fahrern zu, sie sollten sich beeilen und den Jindo hinterherfahren. Eine der Weisen Frauen hob gar den Rock bis an die Knie und rannte zu Rhuarc nach vom. Rand glaubte, es sei Amys, jedenfalls dem hellen Haar nach zu schlie�en, und Bair konnte ja wohl sicherlich nicht so leichtf��ig laufen. Aber die anderen aus dem Zug der Weisen Frauen behielten ihr bisheriges Tempo bei. Einen Augenblick sah es aus, als wolle Moiraine sich von ihnen entfernen und zu Rand her�berreiten, doch dann z�gerte sie und diskutierte mit einer der Weisen Frauen, deren Haar noch durch ihren Schal verborgen war. Schlie�lich lie� die Aes Sedai ihre wei�e Stute wieder neben Egwenes graue und den schwarzen Hengst Lans zur�cktraben. Kurz hinter ihnen folgten die wei�gekleideten <emphasis>Gai'schain,</emphasis> die ihre Packtiere hinter sich herzogen. Doch auch sie gingen in die gleiche Richtung wie Rhuarc.</p><p>Rand beugte sich hinunter und reichte Aviendha die Hand. Als sie den Kopf sch�ttelte, sagte er: �Wenn sie soviel L�rm machen, kann ich nicht h�ren, was Ihr da unten sagt. Vielleicht mache ich dann irgendeinen idiotischen Fehler, blo� weil ich Euch nicht verstehe!� Sie knurrte etwas in sich hinein, blickte sich schnell nach den T�chtern des Speers bei der H�ndlerkarawane um, seufzte dann und packte seinen Arm. Er hievte sie mit einem Ruck hoch, ignorierte ihr emp�rtes Quieken und setzte sie hinter dem Sattel auf Jeade'en ab. Immer, wenn sie allein aufsteigen wollte, zog sie ihn fast aus dem Sattel. Also besorgte er das lieber. Er lie� ihr einen Moment Zeit, damit sie ihren schweren Rock zurechtziehen konnte, obwohl ihre Beine auch so nur ein St�ckchen oberhalb der weichen, kniehohen Stiefel freigelegt worden waren, und dann spornte er den Apfelschimmel zu einem gem��igten Galopp an. Es war das erste Mal, da� Aviendha mehr als nur Schrittempo erlebte. Sie umschlang seine Taille und pre�te sich gegen ihn, um nicht herunterzufallen.</p><p>�Wenn Ihr mich vor meinen Schwestern zur N�rrin macht, Feuchtl�nder�, fauchte sie ihm warnend von hinten zu.</p><p>�Warum w�rden Sie Euch f�r eine N�rrin halten? Ich habe Bair und Amys und die anderen hinter Moiraine oder Egwene reiten sehen, wenn sie sich unterhalten wollten.� Nach einem Augenblick des �berlegens sagte sie: �Ihr akzeptiert Ver�nderungen schneller und leichter, als ich das kann, Rand al'Thor.� Er wu�te nicht, was er damit wieder anfangen sollte.</p><p>Als er sich mit Jeade'en auf der H�he von Rhuarc, Heirn und Amys und ein St�ck vor den immer noch durcheinanderschreienden Jindo befand, sah er zu seiner �berraschung Couladin leichtf��ig mitlaufen. Sein flammenfarbener Haarschopf leuchtete unbedeckt im Sonnenschein. Aviendha zog nun auch Rands Schufa auf seine Schultern herunter. �Wenn Ihr eine Festung betretet, mu� Euer Gesicht deutlich sichtbar sein. Das habe ich Euch doch gesagt. Und L�rm m��t Ihr machen. Man hat uns wohl schon lange gesehen und wei�, wer wir sind, aber es ist Sitte, um zu beweisen, da� man die Festung nicht durch einen �berraschungsangriff erst�rmen will.� Er nickte, hielt aber ansonsten den Mund. Weder Rhuarc noch einer der drei anderen bei ihm gaben einen Laut von sich, und Aviendha schlie�lich auch nicht. Au�erdem veranstalteten die Jindo schon genug L�rm, da� man es meilenweit h�ren konnte.</p><p>Couladin wandte sich ihm zu. Verachtung zeigte sich auf dem sonnengebr�unten Gesicht und noch etwas anderes. Ha� und Abscheu hatte Rand ja erwartet, aber Spott? Was fand denn Couladin so am�sant?</p><p>�Idiotischer Shaido�, knurrte Aviendha von hinten. Vielleicht hatte sie recht; vielleicht galt der sp�ttische Gesichtsausdruck ihrem Ritt. Aber Rand glaubte das nicht.</p><p>Mat galoppierte heran und zog dabei eine gelblichbraune Staubwolke hinter sich her. Den Hut hatte er weit heruntergezogen und der Speer ruhte wie eine Lanze senkrecht auf einem Steigb�gel. �Was ist das hier, Rand?� schrie er her�ber, um durch den L�rm hindurch h�rbar zu sein. �Alles, was diese Frauen sagten, war immer nur: �Macht schneller. Bewegt Euch schnellere� Rand sagte ihm Bescheid, und der Freund sah die hoch aufragende Steilwand der Felskuppe finster an. �Ich sch�tze, wenn man gen�gend Vorr�te hat, kann man sich dort jahrelang verteidigen, aber es ist trotzdem nichts gegen den Stein oder die Tora Harad.� �Die Tora was?� fragte Rand.</p><p>Mat zuckte die Achseln, bevor er antwortete: �Ach, nur etwas, von dem ich mal geh�rt habe.� Er stellte sich in den Steigb�geln auf, um nach hinten �ber die Jindo hinweg zu der H�ndlerkarawane sp�hen zu k�nnen. �Wenigstens sind die noch bei uns. Ich frage mich, wie lange sie noch brauchen werden, um ihre Gesch�fte abzuwickeln, und uns dann verlassen.� �Nicht, bevor wir in Alcair Dal waren. Rhuarc sagte, es gebe jedesmal so eine Art von Jahrmarkt, wenn sich die Clanh�uptlinge treffen, auch wenn es nur zwei oder drei sind. Da diesmal alle zw�lf kommen, glaube ich kaum, da� Kadere und Keille das vers�umen wollen.� Mat schien �ber diese Neuigkeit nicht unbedingt erfreut.</p><p>Rhuarc f�hrte sie geradewegs auf den breitesten Ri� in der fast senkrechten Felswand zu. Er war an den gr��ten Stellen wohl etwa zehn oder zw�lf Schritt weit und zog sich im Schatten der Felsw�nde immer tiefer in den riesigen Steinklotz hinein. Drinnen war es dunkel und k�hl. Dar�ber war gerade noch ein Streifen des Himmels zu sehen. Es war ein eigenartiges Gef�hl, sich mit einemmal in solch tiefem Schatten zu bewegen. Die wortlosen Schreie der Aiel schwollen an, von den graubraunen W�nden um ein Vielfaches verst�rkt, und dann brachen sie pl�tzlich ab, und Schweigen herrschte. Nur das Hufgeklapper der Maultiere und das Knarren der Wagenr�der weit hinten war noch zu h�ren. In dieser Stille klang das schrecklich laut.</p><p>Sie kamen um eine Ecke, und der Ri� �ffnete sich abrupt zu einer breiten Schlucht, lang und fast gerade. Von allen Seiten her erklang mit einem Schlag das schrille Heulen Hunderter von Frauenstimmen. Zu beiden Seiten dr�ngte sich eine dichte Menge, Frauen in bauschigen R�cken, die Schals um die K�pfe gewickelt, und M�nner im graubraunen Wams und Hosen, der <emphasis>Cadin'sor.</emphasis> Auch T�chter des Speers waren dabei und winkten ihnen zu oder schlugen mit den Speersch�ften auf T�pfe und was sonst noch L�rm machte.</p><p>Rand hatte Augen und Mund aufgerissen, und das nicht nur des L�rms und Durcheinanders wegen. Die W�nde der Schlucht waren gr�n. Schmale Terrassen zogen sich an beiden Seiten etwa bis zur H�lfte die W�nde hoch. Dann wurde ihm bewu�t, da� nicht alle tats�chlich Terrassen waren. Kleine H�user aus grauem Stein oder gelbem Lehm und mit flachen D�chern standen praktisch eins auf dem anderen, t�rmten sich in ganzen Gruppen hoch auf. Dazwischen wanden sich schmale Wege hindurch. Auf jedem freien Dach wuchsen in einem winzigen Garten Bohnen und K�rbisse, Paprika und Melonen und andere Pflanzen, die er nicht erkannte. H�hner rannten herum, r�tlicher, als er gew�hnt war, und eine seltsame Art von Truth�hnern, gr��er als sonst und grau gefleckt. Kinder, die zumeist wie die Erwachsenen gekleidet waren, und in Wei� geh�llte <emphasis>Gai'schain</emphasis> wanderten zwischen den Beeten umher und gossen die Pflanzen aus gro�en Tonkr�gen. Man hatte ihm immer gesagt, die Aiel h�tten keine St�dte, aber das hier war zumindest eine gr��ere Kleinstadt, wenn auch die eigenartigste, die er je erblickt hatte. Der L�rm war einfach zu stark, um Aviendha auch nur eine der vielen Fragen zu stellen, die ihm durch den Kopf gingen. Was waren das f�r runde Fr�chte, zu rot und gl�nzend f�r �pfel, die an niedrigen B�schen mit hellen Bl�ttern wuchsen? Oder diese geraden Stengel mit breiten Bl�ttern, unter denen lange, dicke Schoten mit gelben Narbenf�den hingen? Er hatte zu lange auf einem Bauernhof gelebt, und so etwas interessierte ihn nun doch.</p><p>Rhuarc und Heirn und auch Couladin gingen nun langsamer, aber immer noch schnell genug. Sie hatten die Speere durch die ledernen Bogenhalter auf dem R�cken gesteckt. Amys rannte voraus und lachte wie ein junges M�dchen dabei, w�hrend die M�nner im gleichen Schritt wie vorher �ber den von Menschen ges�umten Felsboden marschierten. Das Heulen der Frauen lie� die Luft beben und �bert�nte noch das Klappern der T�pfe. Rand folgte den Anf�hrern, wie Aviendha ihm geraten hatte. Mat sah aus, als wolle er am liebsten umkehren und wieder hinausreiten.</p><p>Am hinteren Ende der Schlucht hing die Felswand ein St�ck �ber und erzeugte so eine d�stere, �berdachte Felsfl�che. Der Sonnenschein erreichte niemals das hintere Ende, wie Aviendha gesagt hatte, so da� die Felsen dort immer kalt waren. Das hatte der Festung den Namen verliehen. Vor dieser Schattenfl�che stand mittlerweile Amys zusammen mit einer anderen Frau auf einem breiten, grauen Felsblock, dessen Oberfl�che man abgeschliffen hatte, um einen erh�hten Standplatz zu schaffen.</p><p>Die zweite Frau, die trotz des bauschigen Rocks schlank wirkte und deren blondes, an den Schl�fen leicht ergrautes Haar unter dem Schal hervor bis �ber ihre H�fte hinabreichte, schien �lter als Amys, sah aber noch ausgesprochen gut aus. An den Augenwinkeln waren ein paar feine F�ltchen zu entdecken, die den jugendlichen Eindruck �berhaupt nicht st�rten. Sie war genauso wie Amys gekleidet, trug einen einfachen braunen Schal, dazu aber goldene Halsketten und glatte Armreife aus Gold oder Elfenbein. Das mu�te Lian sein, die Dachherrin der Kaltfelsenfestung.</p><p>Das vibrierende Heulen wurde leiser und verklang, als Rhuarc vor dem Felsblock stehenblieb, einen Schritt n�her als Heirn und Couladin. �Ich bitte um Erlaubnis, Eure Festung betreten zu d�rfen, Dachherrin�, verk�ndete er mit lauter, hallender Stimme.</p><p>�Ihr habt meine Erlaubnis, Clanh�uptling�, erwiderte die blonde Frau dem Brauch entsprechend und genauso laut. L�chelnd f�gte sie mit erheblich w�rmer klingender Stimme hinzu: �Schatten meines Herzens, du wirst immer meine Erlaubnis erhalten.� �Ich danke Euch, Dachherrin meines Herzens.� Das klang auch nicht gerade formell.</p><p>Heirn trat vor. �Dachherrin, ich bitte um Erlaubnis, unter Euer Dach treten zu d�rfen.� �Ihr habt meine Erlaubnis, Heirn�, sagte Lian zu dem st�mmigen Mann. �Unter meinem Dach gibt es Wasser und Schatten f�r Euch. Die Jindo-Septime ist hier immer willkommen.� �Ich danke Euch, Dachherrin.� Heirn klopfte Rhuarc auf die Schulter und ging zu seinen Leuten zur�ck. Die Zeremonien bei den Aiel waren offensichtlich kurz, und man kam schnell zur Sache.</p><p>Couladin kam gro�spurig zu Rhuarc nach vorn. �Ich bitte um Erlaubnis, Eure Festung betreten zu d�rfen, Dachherrin.� Lian blinzelte kurz und blickte ihn mit gerunzelter Stirn an. Hinter Rand erhob sich ein Gemurmel, das erstaunte Summen von Hunderten von leisen Stimmen. Pl�tzlich hing Gefahr in der Luft. Mat f�hlte es offensichtlich auch, strich �ber seinen Speer und drehte sich halb um, damit er sehen konnte, was die Menge der Aiel vorhatte.</p><p>�Was ist los?� raunte Rand Aviendha nach hinten zu. �Warum sagt sie nichts?� �Er stellte die Frage wie ein Clanh�uptling�, fl�sterte ihm Aviendha ungl�ubig zu. �Der Mann ist wirklich ein Narr. Er mu� verr�ckt geworden sein! Wenn sie ihn nicht einl��t, gibt es Schwierigkeiten mit den Shaido, und das kann passieren bei einer solchen Beleidigung. Keine Blutfehde � er ist ja nicht ihr Clanh�uptling, auch wenn er sich so f�hlt �, aber Schwierigkeiten.� Sie holte kaum Luft, aber ihr Tonfall versch�rfte sich. �Ihr habt nicht zugeh�rt, oder? Ihr habt nicht zugeh�rt! Sie h�tte selbst Rhuarc den Einla� verwehren k�nnen, und er h�tte wieder gehen m�ssen. Das h�tte den Clan gespalten, aber es liegt in ihrer Macht. Sie kann sogar Ihn, Der Mit Der Morgend�mmerung Kommt, zur�ckweisen, Rand al'Thor. Frauen sind bei uns keineswegs machtlose Gesch�pfe, nicht wie Eure Feuchtl�nderfrauen, die schon K�niginnen oder Adlige sein m�ssen, um nicht f�r einen Mann erst einmal tanzen zu m�ssen, damit sie zu essen erhalten!� Er sch�ttelte leicht den Kopf. Jedesmal, wenn er soweit war, sich selbst zu verw�nschen, weil er so wenig �ber die Aiel wu�te, erinnerte ihn Aviendha daran, wie wenig sie �ber alle wu�te, die keine Aiel waren. �Eines Tages m�chte ich Euch gern der Versammlung der Frauen von Emondsfeld vorstellen. Es wird... interessant werden... zu h�ren, wie Ihr denen erkl�rt, da� sie machtlos seien.� Er f�hlte, wie sie hinter ihm ihr Gewicht verlagerte, um sein Gesicht sehen zu k�nnen, und so bem�hte er sich, ausdruckslos dreinzublicken. �Vielleicht werden sie Euch auch einiges zu erkl�ren haben.� �Ihr habt meine Erlaubnis�, begann Lian, und Couladin l�chelte bereits triumphierend, �unter mein Dach zu treten. Wasser und Schatten werden sich f�r Euch finden.� Hunderte von M�ndern schnappten h�rbar nach Luft. Der Mann mit dem feurigen Haar bebte, als habe man ihn geschlagen. Sein Gesicht war rot vor Zorn. Er wu�te anscheinend nicht, was er tun solle. Erst trat er herausfordernd einen Schritt vor, starrte zu Lian und Amys hoch und hielt seine bebenden Unterarme, als wolle er verhindern, da� er nach seinen Speeren griff, und dann wirbelte er herum und schritt zur�ck auf die Versammlung zu, wobei er hierhin und dorthin finstere Blicke austeilte, damit niemand es wagte, auch nur ein Wort zu sagen. Schlie�lich blieb er nahe dem Fleck stehen, an dem er vorher gestanden hatte, und sah Rand an. Kohlen h�tten nicht hei�er gl�hen k�nnen als diese blauen Augen.</p><p>�Wie einen, der keine Freunde hat und ganz allein ist�, fl�sterte Aviendha. �Sie hat ihn als Bettler willkommen gehei�en. Das ist die schlimmste Beleidigung f�r ihn, aber sie trifft die Shaido ansonsten nicht. Nur ihn.� Pl�tzlich hieb sie Rand so hart die F�uste in die Rippen, da� er st�hnte. �Bewegt Euch, Feuchtl�nder. Ihr tragt meine Ehre in Euren H�nden. Jeder wei�, da� ich Euch unterrichtet habe! Los!� Er schwang ein Bein her�ber, glitt von Jeade'ens R�cken und schritt zu Rhuarc vor. <emphasis>Ich bin kein Aiel,</emphasis> dachte er. <emphasis>Ich verstehe sie nicht und ich darf auch nicht zulassen, da� ich sie allein zu sehr ins Herz schlie�e. Das darf ich nicht.</emphasis></p><p>Keiner der anderen M�nner hatte das gemacht, aber er verbeugte sich vor Lian. So war er erzogen worden. �Dachherrin, ich bitte um Eure Erlaubnis, unter Euer Dach treten zu d�rfen.� Er h�rte, wie Aviendha nach Luft schnappte. Er h�tte an sich den anderen Spruch aufsagen sollen, so wie Rhuarc. Die Augen des Clanh�uptlings verengten sich besorgt, als er seine Frau beobachtete, und Couladins erhitztes Gesicht verzog sich zu einem ver�chtlichen Grinsen. Das leise Gemurmel der Menschenmenge klang �berrascht.</p><p>Die Dachherrin sah ihn mit noch h�rterem Blick an als zuvor Couladin, musterte ihn von Kopf bis Fu� und wieder zur�ck, betrachtete die Schufa auf seinen Schultern und das rote Wams, das ein Aiel niemals tragen w�rde. Dann blickte sie fragend Amys an, und die nickte.</p><p>�Solche Bescheidenheit�, sagte Lian bed�chtig, �steht einem Mann gut zu Gesicht. Man findet sie nur sehr selten bei M�nnern.� Sie breitete ihren dunklen Rock aus und knickste ungeschickt. So etwas taten Aielfrauen normalerweise nie, aber es war zweifellos ein Knicks als Antwort auf seine Verbeugung. �Der <emphasis>Car'a'carn</emphasis> hat meine Erlaubnis, meine Festung zu betreten. F�r den H�uptling aller H�uptlinge gibt es immer Wasser und Schatten in der Kaltfelsenfestung.� Wieder erklang lautes Heulen von den Frauen in der Menschenmenge. Rand wu�te nicht, ob es ihm galt oder zur Zeremonie geh�rte. Couladin stand noch da und warf ihm einen von unbeugsamem Ha� getr�nkten Blick zu, und dann stolzierte er davon. Er rempelte fast noch Aviendha an, die erleichtert von dem Apfelschimmelhengst glitt. Er verschwand schnell in der Menge, die jetzt langsam auseinanderlief.</p><p>Mat, der auch beim Absteigen war, hielt inne und blickte dem Mann hinterher. �H�te deinen R�cken bei dem, Rand�, sagte er ruhig. �Nimm es ernst.� �Das sagt mir jeder�, erkl�rte Rand. Die H�ndler richteten sich bereits mitten in der Schlucht h�uslich ein und am Eingang erschienen gerade Moiraine und die anderen Weisen Frauen, was noch einmal ein paar Schreie und ein Trommeln auf einigen T�pfen hervorrief, wenn man das auch nicht mit dem Empfang Rhuarcs vergleichen konnte. �Er ist nicht derjenige, �ber den ich mir den Kopf zerbrechen mu�.� Seine Gefahren gingen nicht von den Aiel aus. <emphasis>Auf der einen Seite Moiraine und Lanfear auf der anderen. Wie k�nnte die Gefahr noch gr��er werden?</emphasis> Es reichte beinahe, um ihn zum Lachen zu bringen.</p><p>Amys und Lian waren mittlerweile herabgestiegen, und zu Rands �berraschung legte Rhuarc um jede von ihnen einen Arm. Sie waren beide gro�gewachsen wie die meisten Aielfrauen, aber keine kam �ber seine Schulterh�he. �Ihr habt meine Frau Amys schon kennengelernt�, sagte er zu Rand. �Nun darf ich Euch meine Frau Lian vorstellen.� Rand wurde bewu�t, da� sein Mund offenstand, und so schlo� er ihn schnell wieder. Als Aviendha ihm erkl�rt hatte, da� die Dachherrin der Kaltfelsenfestung Lian hie� und Rhuarcs Frau sei, hatte er geglaubt, am Chaendaer alles mi�verstanden zu haben, all dieses Zeugs von �Schatten meines Herzens� zwischen dem Mann und Amys. Damals hatte er sowieso alles andere im Kopf gehabt. Aber nun das...</p><p>�Beide?� platzte Mat entgeistert heraus. �Licht! Gleich zwei! Oh, seng mich! Entweder ist er der gl�cklichste Mann auf der Welt oder der gr��te Narr seit der Sch�pfung!� �Ich hatte geglaubt�, sagte Rhuarc stirnrunzelnd, �da� Aviendha Euch �ber unsere Sitten unterrichtet habe. Es scheint, sie hat eine Menge ausgelassen.� Lian beugte sich zur�ck, um an ihrem Mann � ihrer beider Mann � vorbei Amys ansehen zu k�nnen und zog die Augenbrauen hoch, worauf Amys trocken bemerkte: �Sie schien die ideale Person, um ihm beizubringen, was er wissen mu�. Und auch, um sie daran zu hindern, st�ndig hinter unserem R�cken wieder zu den T�chtern des Speers zur�ckzulaufen. Jetzt scheint es, da� ich mich an einem ruhigen Fleckchen einmal ausf�hrlich mit ihr unterhalten mu�. Zweifellos hat sie ihm nur den �blichen Klatsch der T�chter weitererz�hlt oder ihm beigebracht, wie man eine Gara melken mu�.� Aviendha lief leicht rot an und warf zornig den Kopf in den Nacken. Ihr dunkelrotes Haar war mittlerweile �ber die Ohren heruntergewachsen und schwankte unter ihrem Kopftuch. �Es gab wirklich wichtigere Dinge zu berichten, als �ber das Heiraten. Au�erdem h�rt dieser Mann nie zu.� �Sie war eine gute Lehrerin�, warf Rand schnell ein. �Ich habe eine Menge �ber Eure Sitten und Br�uche und �ber das Dreifache Land gelernt.� Klatsch? �Die Fehler, die ich begehe, sind meine eigenen und nicht die ihren.� Wie konnte man denn eine giftige, zwei Fu� lange Eidechse melken? Und warum? �Sie war eine gute Lehrerin und ich m�chte sie als solche behalten, falls das in Ordnung geht.� <emphasis>Warum beim Licht habe ich das nur gesagt?</emphasis> Die Frau konnte ja wirklich manchmal sehr angenehme Gesellschaft sein; jedenfalls, wenn sie sich verga�. Den Rest der Zeit �ber war sie ihm ein Dorn im Fleisch. Aber wenigstens wu�te er so, wen die Weisen Frauen zum Spionieren gesandt hatten, solange sie zugegen war.</p><p>Amys betrachtete ihn. Diese klaren blauen Augen blickten genauso scharf drein wie die einer Aes Sedai. Aber sie konnte nat�rlich auch die Macht ben�tzen. Ihr Gesicht wirkte lediglich j�nger, als es sein d�rfte, und nicht alterslos, aber m�glicherweise war sie genau wie die Aes Sedai. �Das klingt in meinen Ohren sehr gut�, sagte sie. Aviendha �ffnete den Mund. Sie sch�umte beinahe vor Wut. Und dann schlo� sie ihn doch wieder m�rrisch, als die Weise Frau ihr diesen Blick zuwandte. Vielleicht hatte die junge Frau geglaubt, sie m��te sich nun nicht mehr um ihn k�mmern, nachdem sie in der Kaltfelsenfestung eingetroffen waren.</p><p>�Ihr m��t doch m�de von Eurer Reise sein�, sagte Lian zu Rand. Ihre grauen Augen blickten m�tterlich drein. �Und hungrig sicher auch. Kommt.� Ihr warmes L�cheln galt auch Mat, der sich zur�ckgehalten hatte und sich nun nach den Wohnwagen der H�ndler umsah. �Kommt unter mein Dach.� Rand holte seine Satteltaschen herunter und �berlie� Jeade'en einer <emphasis>Gai'schain,</emphasis> die auch Pips gleich mitnahm. Mat warf den Wohnwagen einen letzten Blick zu, warf sich die Satteltaschen �ber die Schulter und folgte ihnen.</p><p>Lians Dach, also ihr Haus, befand sich auf der h�chsten Ebene der Westseite. Die Steilwand der Schlucht ragte gute hundert Schritt hoch dahinter auf. Ob es nun das Wohnhaus eines Clanh�uptlings und der Dachherrin war oder nicht, es sah jedenfalls von au�en wie ein bescheidenes, rechteckiges H�uschen aus gro�en, gelben Backsteinen aus, wies enge, unverglaste, mit einfachen wei�en Vorh�ngen ausgestattete Fenster auf und hatte auf dem flachen Dach einen Gem�segarten und einen zweiten auf einer kleinen Terrasse vor dem Haus, die vom Haus selbst durch einen schmalen, mit flachen grauen Steinen gepflasterten Weg getrennt war. Es hatte vielleicht Platz f�r zwei Zimmer. H�chstens der viereckige Bronzegong, der neben der T�r hing, unterschied es von den anderen Geb�uden, die Rand in der Umgebung sehen konnte. Und von diesem Punkt aus konnte er tats�chlich die ganze L�nge des Tals �berblicken. Ein kleines, einfaches Haus. Innen war es jedoch etwas ganz anderes.</p><p>Der gemauerte Teil des Hauses war ein einziger, gro�er Raum mit r�tlichbraunen Fu�bodenkacheln, der aber nur einen Teil des ganzen Hauses bildete. Die dahinterliegende Felswand war ausgeh�hlt, und dort befanden sich weitere Zimmer mit hohen Decken, breiten T�rb�gen und silbernen Lampen, die einen Duft von sich gaben, der ihn entfernt an lichte, gr�ne W�lder erinnerte. Es war �berraschend k�hl hier drinnen. Rand entdeckte nur einen einzigen Stuhl mit hoher Lehne, der rot und golden lackiert war und nicht den Eindruck h�ufiger Benutzung vermittelte. Aviendha bezeichnete ihn als H�uptlingsstuhl. Sonst war �berhaupt nicht viel Holz zu sehen, au�er ein paar auf Hochglanz lackierten K�sten und Truhen und niedrigen Lesepulten, auf denen ge�ffnete B�cher lagen. Wenn man sie so lesen wollte, mu�te man sich auf den Boden legen. Der wiederum war von kunstvoll gewebten Teppichen bedeckt und stellenweise mit ganzen Schichten bunter L�ufer. Er bemerkte typische Webmuster aus Tear und Cairhien und Andor, ja sogar aus Illian und Tarabon, w�hrend ihm andere Muster unbekannt waren, so zum Beispiel eines mit breiten, gezackten Streifen in immer neuen Farbt�nen, oder eines aus miteinander verbundenen Hohlquadraten in Grau, Braun und Schwarz. Die lebhaften Farben �berall im Haus standen in scharfem Kontrast zu den ewig gleichen Farbt�nen au�erhalb dieser Schlucht. Die Wandbeh�nge stammten mit Sicherheit von der anderen Seite des R�ckgrats der Welt. Vielleicht waren sie auf dem gleichen Weg hierhergekommen wie die Sachen, die aus dem Stein von Tear als Beutest�cke mitgenommen worden waren.</p><p>Dazu lagen �berall Kissen in allen Gr��en und Farben, oft mit rot- oder goldseidenen Troddeln oder Fransen besetzt, oder auch mit beidem. Hier und da hatte man Nischen in die Felswand gehauen, und dort stand einmal eine schmale Porzellanvase oder in einer anderen eine silberne Schale oder eine Elfenbeinschnitzerei, die gew�hnlich ein fremdartig anmutendes Tier oder �hnliches darstellte. Das waren also die �H�hlen�, von denen die Leute in Tear gesprochen hatten. Es wirkte jedoch alles nicht so grell wie in Tear oder bei den Kesselflickern, sondern irgendwie zusammenpassend, wohl formell, aber auch gleichzeitig gem�tlich.</p><p>Rand grinste Aviendha ganz kurz an, um ihr zu zeigen, da� er diesmal zugeh�rt hatte, und zog ein Gastgeschenk f�r Lian aus einer Satteltasche: einen �u�erst fein geschmiedeten goldenen L�wen. Er stammte aus der Beute aus Tear, und er hatte ihn einem Jindo-Wassersucher abgekauft. Nun, wenn er der Herrscher Tears war, bestahl er auf diese Weise wohl sich selbst. Mat z�gerte einen Moment und holte dann ebenfalls ein Geschenk heraus, eine Halskette in Form von silbernen Blumen, die zweifellos aus derselben Quelle stammte und die er wahrscheinlich urspr�nglich Isendre schenken wollte.</p><p>�Wundervoll�, sagte Lian l�chelnd und hielt den L�wen hoch. �Mir hat die tairenische Goldschmiedekunst immer schon gefallen. Rhuarc hat mir vor Jahren auch zwei sch�ne St�cke mitgebracht.� Sie sagte in einem Tonfall, wie es einer altgedienten Ehefrau zukam, die sich wehm�tig an ein paar besonders wohlschmeckende Beeren erinnert, zu ihrem Mann: �Du hast sie aus dem Zelt eines Hochlords geholt, bevor Laman gek�pft wurde, nicht wahr? Schade, da� du nicht bis Andor gekommen bist. Ich h�tte immer so gern etwas aus andoranischem Silber gehabt. Diese Kette ist auch sehr sch�n, Mat Cauthon.� Rand h�rte zu, wie sie beide Geschenke in h�chsten T�nen pries, und verbarg seine �berraschung. Trotz des Rocks und des m�tterlichen Blicks war sie eine genauso typische Aielfrau wie die T�chter des Speers.</p><p>Als Lian fertig war, kamen gerade Moiraine und die anderen Weisen Frauen zusammen mit Lan und Egwene an. Das Schwert des Beh�ters bekam einen mi�billigenden Blick ab, aber die Dachherrin hie� ihn freundlich willkommen, nachdem ihn Bair als den <emphasis>Aan'allein</emphasis> vorgestellt hatte. Aber das war nichts gegen die Begr��ung, die sie Moiraine und Egwene zuteil werden lie�.</p><p>�Ihr ehrt mein Dach, Aes Sedai.� Der Tonfall der Dachherrin lie� das als untertrieben erscheinen; am liebsten h�tte sie sich vor ihnen verbeugt. �Man sagt, vor der Zerst�rung der Welt h�tten wir den Aes Sedai gedient und dabei versagt, und zur Strafe seien wir in das Dreifache Land gesandt worden. Eure Anwesenheit beweist uns, da� uns diese S�nde vielleicht doch noch vergeben werden kann.� Klar. Sie war offensichtlich nicht in Rhuidean gewesen. Das Verbot, dar�ber zu berichten, was in Rhuidean gesehen worden war, hatte wohl auch f�r ein Ehepaar G�ltigkeit. Und selbst bei Schwester-Frauen, oder wie man die Beziehung von Amys und Lian nun auch nannte.</p><p>Moiraine bem�hte sich, Lian ebenfalls ein Gastgeschenk aufzudr�ngen � eine kleine, mit Silber verzierte, kristallne Parf�mflasche aus dem fernen Arad Doman �, doch Lian wehrte das mit ausgestreckten H�nden ab. �Eure blo�e Anwesenheit hier ist ein unsch�tzbares Gastgeschenk, Aes Sedai. Noch mehr von Euch anzunehmen w�rde mein Dach entehren und mich auch. Ich k�nnte die Scham nicht ertragen.� Es klang wirklich ernst und besorgt dar�ber, da� ihr Moiraine das Parf�m tats�chlich aufdr�ngen werde. Jedenfalls r�ckte es die Bedeutung eines <emphasis>Car'a'carn</emphasis> im Vergleich mit einer Aes Sedai deutlich zurecht.</p><p>�Wie Ihr w�nscht�, sagte Moiraine und steckte das Fl�schchen in ihre G�rteltasche zur�ck. Sie wirkte k�hl und w�rdevoll in ihrem blauseidenen Kleid, den hellen Umhang zur�ckgeschlagen. �In Eurem Dreifachen Land werden sicher bald weitere Aes Sedai als Besucherinnen erscheinen. Wir hatten zuvor nie einen Grund, hierher zu kommen.� Amys schien nicht besonders erfreut �ber diese Unterhaltung, und Melaine mit dem Flammenhaar sah Moiraine wie eine gr�n�ugige Katze an, die sich fragte, ob sie etwas in Bezug auf diesen gro�en Hund unternehmen solle, der gerade auf ihren H�hnerhof gekommen war. Bair und Seana tauschten einen besorgten Blick, sie reagierten aber nicht so stark wie die beiden Weisen Frauen, die die Macht benutzen konnten. Eine Schar von <emphasis>Gai'schain</emphasis> �M�nner und Frauen mit geschmeidigen Bewegungen und alle in die gleiche Art von wei�em Kapuzenmantel gekleidet, deren zu Boden gerichteter, dem�tiger Blick in ihren Aielgesichtern so unpassend wirkte � nahm Moiraine und Egwene die Umh�nge ab, brachte ihnen feuchte T�cher, um sich damit Gesicht und H�nde abzuwischen, winzige Silbertassen, aus denen zeremoniell Wasser getrunken wurde, und schlie�lich ein Mahl, das ihnen auf silbernen Tabletts und in silbernen Sch�sseln gereicht wurde, die in jeden Palast gepa�t h�tten. Gegessen wurde jedoch alles von blaugestreiftglasierten Keramiktellern. Alle a�en im Liegen auf dem Fu�boden, wo man wei�e Kacheln wie einen Tisch etwas erh�ht angebracht hatte, die K�pfe zusammengesteckt, Kissen unter dem Bauch, so da� es von oben wie ein Rad mit vielen Speichen aussehen mu�te. Immer wieder schl�pften <emphasis>Gai'schain</emphasis> zwischen diese Speichen, um neue Teller oder Sch�sseln zu bringen.</p><p>Mat kam nicht zurecht und w�lzte sich auf seinen Kissen mal nach der einen und mal nach der anderen Seite, w�hrend Lan entspannt dalag, als habe er schon immer in dieser Haltung gegessen. Moiraine und Egwene wirkten ebenfalls, als f�nden sie diese Lage bequem. Zweifellos hatten sie schon genug �bung von ihrer Zeit in den Zelten der Weisen Frauen her. Rand f�hlte sich so nicht wohl, doch das Essen war so fremdartig, da� er sich mehr damit besch�ftigte.</p><p>Ein dunkler, gut gew�rzter Eintopf mit Ziegenfleisch und gehacktem Paprika war wohl ungewohnt, aber nicht unbedingt fremdartig, na ja, und Erbsen blieben �berall Erbsen und K�rbis K�rbis. Das konnte man aber nicht in bezug auf das grobe, gelbe Brot behaupten, oder die langen, leuchtend roten Bohnenschoten, die zusammen mit gr�nen Bohnen serviert wurden, oder dieses Gericht mit hellgelben Kernen und rotem Brei, die Aviendha als <emphasis>Zemai</emphasis> und <emphasis>T'mat</emphasis> bezeichnete, oder eine s��e, bauchige Frucht mit z�her gr�ner Schale. Die stammte nach ihrer Erkl�rung von einer der blattlosen Dornenpflanzen, die man hier <emphasis>Kardon</emphasis> nannte. Alles schmeckte aber gut.</p><p>Er h�tte das Mahl allerdings besser genie�en k�nnen, wenn ihm Aviendha nicht die ganze Zeit �ber Vortr�ge gehalten h�tte. Alles wollte sie ihm nun auf einmal erkl�ren. Nicht die Schwester-Frauen. Diese Erkl�rung blieb Amys und Lian �berlassen, die zu beiden Seiten Rhuarcs lagen und sich gegenseitig mindestens genauso oft anl�chelten wie ihren Mann. Wenn sie ihn beide geheiratet hatten, damit ihre Freundschaft nicht zerbrach, dann war auch klar, da� sie ihn beide liebten. Rand konnte sich nicht denken, da� Min und Elayne einem solchen Arrangement zustimmen w�rden. Und dann wunderte er sich, da� er �berhaupt daran gedacht hatte. Die Sonne mu�te wohl allm�hlich sein Gehirn aufgeweicht haben.</p><p>Diese Erkl�rung �berlie� Aviendha also den anderen, doch ansonsten erkl�rte sie wirklich alles und jede Einzelheit, auch wenn er mit den Z�hnen knirschte. Vielleicht hielt sie ihn f�r einen Idioten, weil er nicht �ber Schwester-Frauen Bescheid wu�te. Sie hatte sich so hingelegt, da� sie ihn ansehen konnte, und sie l�chelte beinahe schon s��, als sie ihm sagte, er k�nne sowohl <emphasis>Zemai</emphasis> als auch <emphasis>T'mat</emphasis> mit dem L�ffel essen, doch in ihren Augen leuchtete etwas, das ihm sagte, wenn nicht die Weisen Frauen anwesend w�ren, w�rde sie ihm vermutlich einen Teller an den Kopf werfen.</p><p>�Ich wei� wirklich nicht, was ich Euch getan habe�, sagte er leise. Er war sich Melaines an seiner anderen Seite bewu�t, die aber in ihre Unterhaltung mit Seana vertieft zu sein schien. Bair warf von Zeit zu Zeit auch ein Wort ein, aber er glaubte, da� sie ebenfalls die Ohren spitze, um zu h�ren, was er so sagte. �Aber wenn es Euch so zuwider ist, meine Lehrerin zu spielen, dann m��t Ihr das nicht. Es ist mir nur so herausgerutscht. Ich bin sicher, da� Rhuarc oder die Weisen Frauen jemanden anders f�r diese Aufgabe finden werden.� Das w�rden die Weisen Frauen ganz bestimmt tun, wenn er auf diese Weise ihre Spionin losw�rde.</p><p>�Ihr habt mir nichts getan... � Sie bleckte die Z�hne in seine Richtung. Falls es ein L�cheln gewesen sein sollte, war es erstaunlich kurz ausgefallen. �... und das werdet Ihr auch nicht. Ihr k�nnt Euch hinlegen, so, wie es Euch am bequemsten ist, und mit allen um Euch herum sprechen. Au�er mit denjenigen unter uns nat�rlich, die Unterricht halten m�ssen, anstatt mitzuessen. Es wird als h�flich angesehen, wenn man sich mit den Nachbarn auf beiden Seiten unterh�lt.� Mat sah �ber sie hinweg Rand an und rollte die Augen. Er war offensichtlich erleichtert, da� ihm das erspart blieb. �Au�er nat�rlich, wenn Ihr gezwungen seid, jemand Bestimmten zu unterrichten und somit immer den gleichen Nachbarn anzuschauen. Nehmt das Essen mit Eurer rechten Hand, wenn Ihr euch nicht gerade auf diesen Ellbogen st�tzt, und... � Es war die reinste Folter und ihr schien das Spa� zu machen. Die Aiel legten doch soviel Wert auf Geschenke. Vielleicht � wenn er ihr ein Geschenk gab...</p><p>�... alle unterhalten sich noch eine Weile, nachdem man mit dem Essen fertig ist, au�er nat�rlich, man mu� jemanden unterrichten, und... � <emphasis>Bestechung.</emphasis> Es schien nicht gerade fair, wenn man jemanden bestechen mu�te, die als Spionin auf ihn angesetzt war, aber wenn sie vorhatte, so weiterzumachen, kostete der Friede eben seinen Preis.</p><p>Als das Geschirr von <emphasis>Gai'schain</emphasis> weggetragen und silberne Becher mit Rotwein gebracht worden waren, warf Bair Aviendha einen grimmigen Blick �ber die wei�en Kacheln hinweg zu, und sie gehorchte schmollend. Egwene schob sich hoch auf die Knie, damit sie �ber Mat hinwegfassen und sie t�tscheln konnte, doch auch das schien nicht zu helfen. Na, wenigstens gab sie jetzt Ruhe. Egwene sah ihn b�se an. Entweder war ihr klar, was er dachte, oder sie gab ihm die Schuld an Aviendhas Schmollen.</p><p>Rhuarc kramte seine kurzstielige Pfeife und den Tabaksbeutel heraus. Er stopfte die Pfeife und gab den Beutel an Mat weiter. Der hatte seine eigene silberverzierte Pfeife herausgeholt. �Einige haben sich die Nachricht von Euch zu Herzen genommen, Rand al'Thor, und sogar sehr schnell, wie es scheint. Lian hat mir gesagt, die Nachricht sei eingetroffen, da� Jheran, der Clanh�uptling der Shaarad Aiel und Bael von den Goshien bereits in Alcair Dal eingetroffen sind. Erim von den Chareen ist auf dem Weg dorthin.� Er gestattete einer schlanken, jungen <emphasis>Gai'schain-</emphasis>Frau, seine Pfeife mit einem brennenden �stchen anzuz�nden. So, wie sie sich bewegte, auch elegant, aber doch anders als die anderen wei�gekleideten M�nner und Frauen, vermutete Rand, da� sie noch vor kurzem eine Tochter des Speers gewesen sei. Er fragte sich, wie lange sie noch dem�tig und bescheiden dienen m�sse, bis ihre Zeit als <emphasis>Gai'schain</emphasis> vorbei w�re.</p><p>Mat grinste die Frau an, als sie niederkniete, um seine Pfeife zu entz�nden. Der Blick aus gr�nen Augen, der ihn von unter ihrer Kapuze her traf, war alles andere als dem�tig und lie� sein Grinsen augenblicklich verschwinden. Unwirsch rollte er sich herum auf den Bauch. Ein d�nner, blauer Rauchfaden erhob sich aus seinem Pfeifenkopf. Es war zu schade, da� er den Ausdruck der Befriedigung auf ihrem Gesicht nicht mehr sehen konnte, allerdings auch nicht, wie er unter einem Err�ten wieder verschwand, nachdem Amys ihr einen scharfen Blick zugeworfen hatte. Die junge Frau mit ihren gr�nen Augen hastete hinaus. Sie wirkte dabei unglaublich besch�mt. Und Aviendha, der es so widerstrebte, den Speer aufzugeben, und die sich immer noch als Speerschwester aller T�chter des Speers ansah, gleich, welchen Clans...? Sie blickte der <emphasis>Gai'schain</emphasis> so mi�billigend nach, wie es Frau al'Vere getan h�tte, wenn ihr jemand auf den frisch geputzten Boden gespuckt h�tte. Ein seltsames Volk. Egwene war die einzige, in deren Blick Rand wenigstens noch etwas Mitgef�hl wahrnehmen konnte.</p><p>�Die Goshien und die Shaarad�, murmelte er in seinen Wein hinein. Rhuarc hatte ihm gesagt, jeder Clanh�uptling werde ein paar Krieger in die Goldene Schale mitbringen �als Ehrenwache � und jeder Septimenh�uptling ebenfalls. Alles zusammen bedeutete das, da� vielleicht tausend Krieger aus jedem Clan kommen w�rden. Zw�lf Clans. Zw�lftausend M�nner und Frauen w�rden also schlie�lich dort eintreffen, alle in ihren eigenartigen Ehrbegriffen befangen und bereit, den Tanz der Speere zu tanzen, sobald auch nur eine Katze niesen mu�te. Vielleicht mehr, wegen des Jahrmarkts. Er blickte auf. �Sie haben doch eine Fehde miteinander, nicht wahr?� Rhuarc und Lan nickten gleichzeitig. �Ich wei�, Ihr habt gesagt, da� so etwas �hnliches wie der Friede von Rhuidean auch dort zutrifft, Rhuarc, aber ich habe auch gesehen, inwieweit dieser Friede Couladin und die Shaido zur�ckgehalten hat. Vielleicht sollte ich sofort dorthin aufbrechen. Falls die Goshien und die Shaarad zu k�mpfen anfangen... So etwas k�nnte Wellen schlagen. Ich will, da� <emphasis>alle</emphasis> Aiel hinter mir stehen, Rhuarc.� �Die Goshien sind keine Shaido�, sagte Melaine in scharfem Ton, wobei sie ihre rotgoldene M�hne wie eine L�win sch�ttelte.</p><p>�Und die Shaarad auch nicht.� Bains schrille Stimme war d�nner als die der j�ngeren Frau, klang aber nicht weniger entschieden. �Es kann schon sein, da� Jheran und Bael versuchen, sich gegenseitig umzubringen, bevor sie in ihre Festungen zur�ckkehren, aber nicht in Alcair Dal.� �Nichts davon beantwortet Rand al'Thors Frage�, sagte Rhuarc. �Wenn Ihr nach Alcair Dal geht, bevor alle Clanh�uptlinge ankommen, verlieren diejenigen ihre Ehre, die noch nicht da sind. Das ist keine gute Methode, um zu verk�nden, da� Ihr der <emphasis>Car'a'carn</emphasis> seid, wenn Ihr M�nner entehrt, die Ihr gerufen habt, um Euch zu folgen. Die Nakai haben den weitesten Weg. Noch einen Monat, und dann sind alle in Alcair Dal.� �Weniger�, sagte Seana mit kurzem Kopfsch�tteln. �Ich bin zweimal in Alseras Tr�umen gewesen, und sie sagt, da� Bruan den ganzen Weg von der Shiagifestung dorthin rennen will. Weniger als einen Monat.� �Um sicherzugehen, solltet Ihr in einem Monat abreisen�, sagte Rhuarc zu Rand. �Es sind ungef�hr drei Tage bis Alcair Dal. Vielleicht auch vier. Bis dahin sind alle dort.� Einen Monat warten. Er rieb sich das Kinn. Zu lange. Zu lange, und doch hatte er keine Wahl. In den Legenden geschah immer alles so, wie es der Held geplant hatte, und anscheinend auch immer dann, wenn er es w�nschte. Im wirklichen Leben geschah so etwas nur selten, selbst bei einem <emphasis>Ta'veren,</emphasis> der auch noch die ganze Macht der Weissagungen auf seiner Seite hatte. Im wirklichen Leben hie� es arbeiten und hoffen, und wenn man Gl�ck hatte, trieb man ein halbes Brot auf, wo man ein ganzes brauchte. Und doch verlief wenigstens ein Teil seines Plans auf den richtigen Bahnen. Der gef�hrlichste Teil.</p><p>Moiraine hatte sich zwischen Lan und Amys ausgestreckt, nippte gem�tlich an ihrem Wein und hatte die Lider halb geschlossen, als d�se sie. Das glaubte er aber nicht. Sie sah und h�rte alles. Doch im Augenblick hatte er nichts zu sagen, was sie nicht h�ren durfte. �Wie viele werden sich dagegenstellen, Rhuarc? Mir Widerstand leisten? Ihr habt die Dinge bisher nur angedeutet, aber niemals richtig angesprochen.� �Ich bin einfach nicht sicher�, erwiderte der Clanh�uptling, ohne die Pfeife aus dem Mund zu nehmen. �Wenn Ihr ihnen die Drachen zeigt, dann wissen sie Bescheid. Man kann die Drachen von Rhuidean nicht nachmachen.� Hatten sich Moiraines Wimpern bewegt? �Ihr seid derjenige, dessen Kommen uns geweissagt wurde. Ich werde Euch unterst�tzen, Bruan sicher auch, und auch Dhearic von den Reyn Aiel. Die anderen... ? Sevanna, Suladrics Frau, wird die Shaido hinf�hren, weil der Clan keinen H�uptling hat. Sie ist an sich zu jung dazu, Dachherrin einer Festung zu sein, und die Aussicht wird ihr nicht passen, nur noch ein Dach zu besitzen und keine ganze Festung, wenn jemand zum Nachfolger Suladrics erw�hlt wird. Und Sevanna ist so hinterh�ltig und verr�terisch, wie es eine Shaido �berhaupt nur sein kann. Und selbst wenn sie keine Schwierigkeiten macht, wird Couladin das tun. Er benimmt sich wie der Clanh�uptling und einige Shaido werden ihm folgen, obwohl er nicht in Rhuidean war. Die Shaido sind dumm genug dazu. Han von den Tomanelle k�nnte sich so oder so entscheiden. Er ist ein sehr schwieriger Mann, schwer zu durchschauen und richtig zu behandeln, und... � Er brach ab, als Lian leise murmelte: �Gibt es denn �berhaupt andere M�nner?� Rand glaubte nicht, da� dies f�r die Ohren des Clanh�uptlings bestimmt gewesen sei. Amys hob eine Hand, um dahinter ein L�cheln zu verbergen. Ihre Schwester-Frau barg das Gesicht unschuldig im Weinbecher.</p><p>�Wie ich schon sagte�, fuhr Rhuarc in resignierendem Tonfall fort, wobei er seine Frauen nacheinander anblickte, �kann ich eben nicht sicher sein. Die meisten werden Euch folgen. Vielleicht sogar alle. M�glicherweise auch die Shaido. Wir haben dreitausend Jahre lang auf den Mann gewartet, der die beiden Drachen an seinen Armen tr�gt. Wenn Ihr sie ihnen zeigt, wird keiner daran zweifeln, da� Ihr der Mann seid, der gesandt wurde, um uns zu einen.� Und sie zu vernichten; doch das erw�hnte er jetzt nicht. �Die Frage ist nur, wie sie sich �ber ihr weiteres Verhalten entscheiden werden.� Er klopfte einen Moment lang mit dem Pfeifenstiel an seine Z�hne. �Ihr werdet Euch nicht doch noch entscheiden, die <emphasis>Cadin'sor</emphasis> anzulegen?� �Und was beweise ich ihnen damit, Rhuarc? Da� ich ein nachgemachter Aiel bin? Da k�nnt Ihr genausogut Mat als Aiel einkleiden.� Mat erstickte beinahe an seiner Pfeife. �Ich werde ihnen nichts vorgaukeln. Ich bin, was ich bin, und sie m�ssen mich als das anerkennen.� Rand hob die F�uste. Seine �rmel rutschten weit genug herunter, um die goldm�hnigen K�pfe auf seinen Unterarmen zu entbl��en. �Diese hier sind der Beweis. Wenn das nicht reicht, reicht sowieso nichts mehr.� �Wohin wollt Ihr die �Speere wieder in den Krieg f�hren�?� fragte Moiraine pl�tzlich, und Mat erlitt den n�chsten Erstickungsanfall. Er nahm die Pfeife aus dem Mund und sah sie an. Ihre dunklen Augen wirkten nicht mehr schl�frig.</p><p>Rand ballte krampfhaft die F�uste, bis seine Gelenke knackten. Bei ihr den Schlaumeier spielen zu wollen war gef�hrlich. Das h�tte er eigentlich wissen sollen. Sie erinnerte sich an jedes geh�rte Wort, speicherte es, w�lzte es in Gedanken hin und her und dachte dar�ber nach, bis sie wu�te, was es bedeutete.</p><p>Er stand langsam auf. Alle beobachteten ihn. Egwene standen noch mehr Sorgenfalten im Gesicht als Mat, doch die Aiel warteten einfach nur ab. Gespr�che von Krieg und �hnlichem st�rten sie nicht. Rhuarc wirkte sogar � zu allem bereit. Und Moiraines Gesicht zeigte eine eingefrorene Ruhe.</p><p>�Entschuldigt mich nun bitte�, sagte er. �Ich will mir eine Weile die F��e vertreten.� Aviendha stemmte sich hoch, und Egwene stand auf, aber keine ging ihm hinterher.</p></section><section><title><p>50</p><p>Fallen</p></title><p>Drau�en auf dem gepflastertem Gartenweg zwischen dem gelben Backsteinhaus und dem Gem�segarten auf der Terrasse stand Rand und blickte in die Schlucht hinein. Er sah nicht viel au�er den Nachmittagsschatten, die langsam die Sohle der Schlucht heraufkrochen. Wenn er nur darauf vertrauen k�nnte, da� ihn Moiraine nicht wie einen Hund an der Leine der Wei�en Burg �bergeben werde. Er hegte keine Zweifel daran, da� sie das fertigbringen k�nnte, ohne auch nur einmal die Macht einzusetzen, wenn er ihr im Kleinsten nachgab. Diese Frau konnte einen Stier durch ein Mauseloch f�hren, ohne da� er es �berhaupt bemerkte. Er k�nnte <emphasis>sie</emphasis> benutzen. <emphasis>Licht, ich bin schon genauso schlimm wie sie. Die Aiel benutzen. Moiraine benutzen. Wenn ich ihr nur vertrauen k�nnte!</emphasis></p><p>Er ging weiter in Richtung Schluchtausgang. Wann immer er konnte, w�hlte er einen Pfad, der abw�rts f�hrte. Sie waren alle eng und mit kleinen Steinen gepflastert. An steileren St�cken hatte man Stufen in den Felsen gehauen. Aus mehreren Schmieden erklang H�mmern und warf ein schwaches Echo. Nicht alle Geb�ude waren Wohnh�user. Durch eine ge�ffnete T�r sah er mehrere Frauen an Webst�hlen. In einem anderen Haus arbeitete eine Silberschmiedin mit ihren kleinen H�mmern und Mei�eln. Im n�chsten sa� ein Mann vor einer T�pferscheibe, arbeitete mit beiden H�nden am Ton, w�hrend hinter ihm der Brennofen gl�hte. M�nner und Jungen, au�er den ganz Kleinen nat�rlich, trugen die <emphasis>Cadin'sor,</emphasis> Wams und Hosen in Grau- und Braunt�nen, aber es gab subtile Unterschiede zwischen den Kriegern und den Handwerkern: ein kleineres Messer am G�rtel oder auch gar keines, oder vielleicht eine Schufa ohne den angeh�ngten schwarzen Schleier. Aber als er einen Schmied beobachtete, wie der einen Speer in der Hand hielt, den er gerade mit einer einen Fu� langen Spitze versehen hatte, hegte er keinen Zweifel daran, da� der Mann die Waffe genauso verwenden wie herstellen konnte.</p><p>Die Pfade waren nicht gerade voll von Menschen, aber es waren doch eine Menge zu sehen. Kinder rannten lachend und spielend herum. Selbst die kleineren M�dchen taten eher so, als hielten sie einen Speer, als da� sie mit Puppen spielten. <emphasis>Gai'schain</emphasis> trugen hohe Tonkr�ge mit Wasser auf dem Kopf oder j�teten Unkraut im Garten, oftmals angeleitet von einem Kind, das nicht �lter als zehn oder zw�lf war. M�nner und Frauen erledigten ihr Tagwerk nicht viel anders, als es in Emondsfeld �blich war, ob sie nun vor der T�r fegten oder eine Mauer reparierten. Die Kinder beachteten ihn kaum, trotz seines roten Wamses und der Stiefel mit den dicken Sohlen, und bei den <emphasis>Gai'schain,</emphasis> die immer vollkommen in ihren Aufgaben aufgingen, war es sowieso schwer zu sagen, ob sie ihn bemerkten oder nicht. Doch die Handwerker und Krieger, M�nner oder Frauen, alle Erwachsenen also, blickten ihm nachdenklich nach. Es war etwas wie nerv�se Erwartung zu sp�ren.</p><p>Sehr kleine Jungen rannten barfu� in Kleidung herum, die der der <emphasis>Gai'schain</emphasis> �hnelte, doch in den gleichen Farbt�nen gehalten war wie die <emphasis>Cadin'sor</emphasis> und nicht in Wei�. Auch die j�ngsten M�dchen liefen barfu� umher und trugen kurze Kleidchen, die ihnen oft nicht einmal bis an die Knie reichten. Etwas an den M�dchen fiel ihm auf: Bis zum Alter von vielleicht zw�lf Jahren trugen sie ihr Haar zu zwei Z�pfen geflochten, einen auf jeder Seite, die mit bunten B�ndern geschm�ckt waren. Genauso hatte Egwene ihr Haar getragen. Das mu�te doch wohl Zufall sein. Wahrscheinlich hatte sie damit aufgeh�rt, weil ihr eine der Aielfrauen erz�hlte, da� die Kinder hier ihre Haare auf diese Art zu Z�pfen flochten. Dumm, �berhaupt an so etwas zu denken. Jetzt hatte er es schlie�lich mit einer anderen Frau zu tun, die ihm Kopfzerbrechen machte: Aviendha.</p><p>Auf dem Boden der Schlucht feilschten bereits die H�ndler flei�ig mit den Aiel, die sich um ihre Planwagen dr�ngten. Zumindest die Fahrer nahmen an der Feilscherei teil und Keille, die diesmal einen blauen Spitzenschal auf ihre Elfenbeink�mme geh�ngt hatte. Sie handelte besonders hartn�ckig und mit lauter Stimme. Kadere sa� auf einem umgedrehten Fa� im Schatten seines wei�en Wohnwagens, hatte ein beigefarbenes Wams an, wischte sich das Gesicht ab und machte keine Anstalten, irgend etwas zu verkaufen. Er sah Rand und wollte schon aufstehen, lie� sich aber wieder zur�cksinken. Isendre war nirgends zu sehen, wohl aber � zu Rands �berraschung � Natael. Sein Flickenumhang lockte eine Schar von Kindern an, die ihm hinterherrannten, und auch einige Erwachsene. Offensichtlich hatte ihn die Aussicht auf ein noch gr��eres und neues Publikum von den Shaido weggelockt. Oder vielleicht wollte ihn Keille auch nicht aus den Augen verlieren. So sehr sie auch mit Feilschen besch�ftigt war, fand sie doch immer wieder Zeit, ihm finster hinterherzublicken.</p><p>Rand mied die Wagen. Er fragte einige Aiel und erfuhr schlie�lich, wohin die Jindo gegangen waren, n�mlich jeder und jede zu dem Dach seiner oder ihrer Kriegergemeinschaft hier in der Kaltfelsenfestung. Das Dach der T�chter lag auf halber H�he der immer noch im strahlenden Sonnenschein liegenden Ostwand der Schlucht. Es war ein aus grauem Stein erbautes rechteckiges Geb�ude mit Dachgarten, das zweifellos innen wieder sehr viel gr��er war als von au�en. Nicht, da� er die Innenseite zu sehen bekam. Ein P�rchen von T�chtern des Speers hockte mit Speer und Schild bewaffnet neben der T�r und weigerte sich, ihn einzulassen, am�siert und gleichzeitig schockiert dar�ber, da� ein Mann hier Einla� begehrte. Aber eine von ihnen erkl�rte sich bereit, seine Anfrage drinnen weiterzugeben.</p><p>Ein paar Minuten sp�ter kamen die T�chter aus den Jindo- und Neun-T�ler-Septimen heraus, die im Stein von Tear gewesen waren. Und alle anderen T�chter der NeunT�ler-Septime, die sich in der Kaltfelsenfestung aufhielten, kamen ebenfalls heraus, so da� der Pfad zu beiden Seiten dicht besetzt war und einige auf das Dach zu den Gem�sebeeten klettern mu�ten, um zuzusehen, was sich da Unterhaltsames abspielen werde. <emphasis>Gai'schain,</emphasis> sowohl m�nnlich wie auch weiblich, folgten ihnen und servierten starken, dunklen Tee in kleinen Tassen. Die Regel, da� keine M�nner das Dach der T�chter betreten durften, galt offensichtlich nicht f�r die <emphasis>Gai'schain.</emphasis></p><p>Nachdem er mehrere Schmuckst�cke betrachtet hatte, brachte ihm Adelin, die blonde Jindo-Frau mit der d�nnen Narbe auf der Wange, ein breites Elfenbeinarmband, das reichlich mit Schnitzereien in Form von Rosen verziert war. Er dachte sich, es passe gut zu Aviendha, denn derjenige, der es geschnitzt hatte, hatte mit Sorgfalt zwischen den Bl�ten auch Dornen dargestellt.</p><p>Adelin war sogar f�r eine Aielfrau gro�. Ihr fehlte h�chstens eine Handbreit, um ihm in die Augen sehen zu k�nnen. Er sagte ihr nat�rlich nicht genau, warum er ein Schmuckst�ck brauchte, nur, da� es ein Geschenk sei als Belohnung f�r ihre Belehrungen, und nicht, weil er die Frau beruhigen wollte, damit er es in ihrer N�he �berhaupt aushalten konnte. Als sie seine Erkl�rung h�rte, sah sie sich nach den anderen T�chtern des Speers um. Sie alle hatten ihr Grinsen abgelegt und beherrschten ihre Mienen eisern. �Ich werde hierf�r nichts von Euch verlangen, Rand al'Thor�, sagte sie und dr�ckte ihm das Armband in die Hand.</p><p>�Tue ich etwas Falsches?� fragte er. Wie w�rde eine Aiel das sehen? �Ich will Aviendha nicht irgendwie entehren.� �Es wird sie nicht entehren.� Sie winkte eine <emphasis>Gai'schain</emphasis>-Frau heran, die Keramiktassen und einen Krug auf einem silbernen Tablett trug. Sie go� zwei Tassen ein und gab ihm eine davon. �Verge�t die Ehre nicht�, sagte sie und trank aus seiner Tasse.</p><p>Aviendha hatte so etwas nie erw�hnt. Unsicher nippte er an dem bitteren Tee und wiederholte: �Verge�t die Ehre nicht.� Es schien am sichersten, das zu wiederholen. Zu seiner �berraschung k��te sie ihn leicht auf beide Wangen.</p><p>Eine �ltere Tochter des Speers, grauhaarig, doch mit einem immer noch harten Gesicht, erschien vor ihm. �Verge�t die Ehre nicht�, sagte sie und nippte am Tee.</p><p>Er mu�te das Ritual mit jeder anwesenden Tochter wiederholen. Schlie�lich ber�hrte er nur noch mit den Lippen den Rand der Tasse. Die Zeremonien der Aiel mochten ja kurz sein, und sie kamen schnell zur Sache, aber wenn man sie mit mehr als siebzig Frauen wiederholen mu�te, hatte man irgendwann doch genug davon. Als er endlich entkam, kletterten die Schatten bereits an der Ostwand der Schlucht empor.</p><p>Er fand Aviendha schlie�lich in der N�he von Lians Haus, wo sie lebhaft einen blaugestreiften Teppich ausklopfte, der auf einer Leine hing. Neben ihr waren weitere in den verschiedensten Farben aufgestapelt. Sie wischte sich schwei�nasse Haarstr�hnen von der Stirn und sah ihn ausdruckslos an, als er ihr das Armband �berreichte und ihr sagte, es sei ein Geschenk als Dank f�r ihren Unterricht.</p><p>�Ich habe Freundinnen, die den Speer nicht trugen, schon Armreifen und Halsketten geschenkt, Rand al'Thor, aber ich habe noch nie eines getragen.� Ihre Stimme klang vollkommen ausdruckslos. �Solche Dinger klappern, machen L�rm und k�nnen einen verraten, wenn man leise sein sollte. Sie bleiben irgendwo h�ngen, wenn man sich schnell bewegen mu�.� �Aber nun k�nnt Ihr es tragen, da Ihr ja eine Weise Frau werdet.� �Ja.� Sie drehte das Elfenbeinarmband ein paarmal herum, als sei sie nicht sicher, was sie damit anfangen solle, doch pl�tzlich steckte sie die Hand hindurch und hielt den Arm hoch, um ihn zu betrachten. Sie h�tte genausogut eine Handschelle betrachten k�nnen.</p><p>�Wenn es Euch nicht gef�llt... Aviendha, Adelin sagte, es werde Eure Ehre nicht beschneiden. Sie schien es sogar gut zu finden.� Er erw�hnte diese Teezeremonie, und sie schlo� krampfhaft die Augen und schauderte. �Was ist los?� �Sie glauben, da� Ihr euch bem�ht, meine Zuneigung zu gewinnen.� Er konnte kaum glauben, wie ausdruckslos ihre Stimme klingen konnte. In ihren Augen stand keinerlei Gef�hl. �Sie haben Euch deshalb anerkannt, als tr�ge ich noch den Speer.� �Licht! Na ja, es ist recht leicht, das geradezubiegen. Ich...� Er brach ab, als ihre Augen pl�tzlich zornig blitzten.</p><p>�Nein! Ihr habt ihre Zustimmung akzeptiert, und nun wollt Ihr sie zur�ckweisen? <emphasis>Das</emphasis> w�rde mich entehren! Glaubt Ihr etwa, Ihr w�rt der erste Mann, der mein Interesse erregen will? Jetzt sollen sie eben glauben, was sie wollen. Es bedeutet nichts.� Sie verzog das Gesicht und ergriff mit beiden H�nden den Teppichklopfer. �Geht weg!� Nach einem Blick auf das Armband f�gte sie hinzu: �Ihr wi�t wirklich nichts, oder? Ihr wi�t gar nichts. Das ist nicht Euer Fehler.� Sie schien etwas zu wiederholen, was man ihr eingeredet hatte, oder vielleicht versuchte sie auch, es sich selbst einzureden: �Es tut mir leid, wenn ich Euch das Essen verdorben habe, Rand al'Thor. Bitte geht jetzt. Amys sagt, ich m�sse all diese Teppiche und L�ufer ausklopfen, gleich, wie lange ich brauche. Wenn Ihr weiter hier steht und mit mir redet, brauche ich bis morgen fr�h.� Sie wandte ihm den R�cken zu und hieb wild auf den gestreiften Teppich ein, so da� ihr Elfenbeinarmband h�pfte.</p><p>Er wu�te nicht, ob sein Geschenk oder ein Befehl von Amys ihre Entschuldigung hervorgebracht hatte � er vermutete, eher das Letztere �, doch es klang tats�chlich, als habe sie es ehrlich gemeint. Sie war sicher nicht gerade erfreut, das merkte er ihrem harten St�hnen an, unter dem sie mit voller Kraft den Teppich bearbeitete, aber ihr Blick hatte nicht einmal Ha� gezeigt. Erregt, abgesto�en, vielleicht auch w�tend, aber es war kein Ha� dabei gewesen. Das war besser als nichts. Vielleicht w�rde sie schlie�lich noch richtig h�flich werden.</p><p>Als er in das braun gekachelte Vorzimmer von Lians Haus trat, unterhielten sich die Weisen Frauen gerade lebhaft. Alle vier hatten die Schals lose �ber die Arme geh�ngt. Bei seinem Eintreten erstarb das Gespr�ch. �Ich lasse Euch zu Eurem Schlafzimmer bringen�, sagte Amys. �Die anderen haben ihre bereits bezogen.� �Danke sch�n.� Er blickte zur T�r zur�ck und runzelte leicht die Stirn. �Amys, habt Ihr Aviendha gesagt, sie solle sich bei mir wegen des Essens entschuldigen?� �Nein. Hat sie das?� Ihre blauen Augen blickten einen Moment lang nachdenklich drein. Er glaubte zu sehen, da� Bair ein L�cheln gerade noch unterdr�ckte. �Ich h�tte ihr einen solchen Auftrag nie gegeben, Rand al'Thor. Eine erzwungene Entschuldigung ist nichts wert.� �Dem M�dchen wurde nur aufgetragen, die Teppiche auszuklopfen, bis ihre Wut einigerma�en verraucht ist�, sagte Bair. �Alles andere stammt von ihr selbst.� �Und nicht in der Hoffnung, ihrer Arbeit entfliehen zu k�nnen�, f�gte Seana hinzu. �Sie mu� lernen, ihr Temperament im Zaum zu halten. Eine Weise Frau mu� ihre Gef�hle beherrschen und sich nicht von ihren Gef�hlen beherrschen lassen.� Sie blickte mit leichtem L�cheln zu Melaine hin�ber. Die Frau mit dem Sonnenhaar pre�te die Lippen zusammen und schnaubte.</p><p>Sie versuchten, ihn davon zu �berzeugen, da� Aviendha von nun an eine wundervolle Begleiterin sein werde. Hielten sie ihn wirklich f�r so blind? �Ihr m��t wissen, da� mir alles klar ist. In bezug auf sie. Da� Ihr sie als Spionin zu mir geschickt habt.� �Ihr wi�t nicht soviel, wie Ihr glaubt�, sagte Amys wie ein Aes Sedai, die verborgene Bedeutungen andeutete, aber nicht aussprach.</p><p>Melaine r�ckte ihren Schal zurecht und musterte ihn nachdenklich von Kopf bis Fu�. Er wu�te ein wenig �ber die Aes Sedai. W�re sie eine Aes Sedai, w�rde sie der Gr�nen Ajah angeh�ren. �Ich gebe zu�, sagte sie, �da� wir zuerst glaubten, Ihr w�rdet in ihr nur ein h�bsches Gesicht sehen, und Ihr seht gut genug aus, da� sie Eure Gesellschaft der unseren vorziehen w�rde. Wir haben ihre spitze Zunge nicht bedacht. Und auch andere Dinge.� �Warum seid Ihr dann so erpicht darauf, da� sie bei mir bleiben soll?� Er sagte das hitziger als eigentlich beabsichtigt. �Ihr glaubt doch wohl nicht, da� ich ihr jetzt noch irgend etwas anvertrauen werde, von dem ich nicht will, da� Ihr es erfahrt?� �Warum gestattet Ihr dem M�dchen, bei Euch zu bleiben?� fragte Amys gelassen. �Wenn Ihr Euch weigert, sie als Begleiterin zu akzeptieren, wie k�nnten wir sie Euch dann aufzwingen?� �Wenigstens wei� ich auf diese Art, wer die Spionin ist.� Aviendha immer im Auge zu haben war ja wohl besser, als st�ndig zu r�tseln, welche Aiel ihn beobachteten. Ohne sie w�rde er vor Mi�trauen wahrscheinlich schon bei jeder Bemerkung Rhuarcs vermuten, er wolle ihn aushorchen. Nat�rlich konnte er auch so nicht sicher sein. Rhuarc war schlie�lich mit einer dieser Frauen verheiratet. Mit einemmal war er froh, da� er sich Rhuarc nicht noch mehr anvertraut hatte. Und traurig, �berhaupt einen solchen Gedanken n�tig zu haben. Wieso hatte er auch geglaubt, die Aiel seien einfacher als die tairenischen Hochlords? �Ich bin es zufrieden, wenn sie dort bleibt, wo sie ist.� �Dann sind wir ja alle zufrieden�, sagte Bair.</p><p>Er musterte die Frau mit dem ledernen Gesicht forschend. Es hatte etwas in ihrer Stimme gelegen, als wisse sie mehr als er. �Sie wird nicht herausfinden, was Ihr wissen wollt.� �Was wir wissen wollen?� fuhr ihn Melaine an. Ihr langes Haar flog, als sie den Kopf sch�ttelte. �Die Prophezeiung sagt, �ein Rest eines Rests wird gerettet werden�. Was wir wissen wollen, Rand al'Thor, <emphasis>Car'a'carn,</emphasis> ist, wie wir so viele Menschen wie m�glich aus unserem Volk retten k�nnen. Gleich, woher Ihr abstammt, gleich, was Euer Gesicht aussagt: Ihr f�hlt nichts f�r uns! Ich werde Euch beibringen, da� Euer Blut von unserem Blut ist, und wenn ich... � �Ich denke�, unterbrach Amys sie verbindlich, �da� er jetzt gern in sein Schlafzimmer m�chte. Er sieht m�de aus.� Sie klatschte hart in die H�nde und eine schlanke <emphasis>Gai'schain-Frau</emphasis> erschien. �Bringt diesen Mann zu dem Zimmer, das f�r ihn vorbereitet wurde. Bringt ihm auch, was er sonst braucht.� Die Weisen Frauen lie�en ihn einfach stehen und gingen zur T�r, wobei Bair und Seana Melaine strafend anblickten, wie die Mitglieder der Versammlung der Frauen, wenn sie jemanden streng zur Ordnung riefen. Melaine ignorierte sie. Als die T�r sich hinter ihnen schlo�, knurrte sie so etwas wie: �... diesem n�rrischen M�dchen Verstand einbleuen.� Welchem M�dchen? Aviendha? Sie tat doch bereits, was sie von ihr wollten. Vielleicht Egwene? Er wu�te, da� sie bei den Weisen Frauen irgend etwas lernen sollte. Und was w�rde Melaine unternehmen, um ihm beizubringen, da� �sein Blut von ihrem Blut sei�? Wie konnte sie ihn dazu bringen, da� er sich selbst als Aiel betrachtete? <emphasis>Ihm vielleicht eine Falle stellen? Narr! Sie w�rde ja nicht von Anfang an zugeben, da� sie ihm eine Falle stellte. Wie konnte sie es denn anstellen?</emphasis> Er war m�de. Zu m�de, um jetzt noch Fragen zu beantworten, nach zw�lfeinhalb hei�en, trockenen Tagen im Sattel. Er dachte lieber gar nicht erst daran, wie es w�re, h�tte er diese Tage �ber im gleichen Tempo nebenher laufen m�ssen. Aviendha mu�te st�hlerne Beine haben. Er wollte lieber ins Bett.</p><p>Die <emphasis>Gai'schain</emphasis> war h�bsch, trotz einer d�nnen Narbe, die sich von einer Stelle �ber einem hellblauen Auge bis in ihr Haar zog, das so hell war, als sei es aus Silber. Eine weitere Tochter des Speers, wenn auch nicht im Augenblick. �Wenn Ihr mir bitte folgen w�rdet?� murmelte sie mit gesenktem Blick.</p><p>Das Schlafzimmer sah auch nicht so aus wie gewohnt. Es �berraschte ihn nicht, da� sein �Bett� nur aus einem dicken Strohsack bestand, der auf mehreren Schichten bunter L�ufer lag. Die <emphasis>Gai'schain,</emphasis> die �brigens Chion hie�, wirkte schockiert, als er sie um Wasser zum Waschen bat, aber er hatte genug davon, immer nur im eigenen Schwei� zu baden. Er h�tte wetten k�nnen, da� Moiraine und Egwene nicht in einem von Dampf erf�llten Zelt hocken mu�ten, um sich zu s�ubern. Aber Chion brachte das gew�nschte Wasser � hei� und in einer gro�en, braunen Kanne, wie man sie hier ben�tzte, um den Garten zu gie�en. Dazu brachte sie noch eine gro�e, wei�e Sch�ssel zum Waschen. Er scheuchte sie hinaus, als sie ihm anbot, ihn zu waschen. Seltsame Leute allesamt!</p><p>Das Zimmer hatte keine Fenster und wurde durch silberne Lampen beleuchtet, die an den W�nden hingen. Allerdings war ihm klar, da� es drau�en noch nicht ganz dunkel sein konnte, als er mit Waschen fertig war. Es war ihm gleich. Auf dem Strohsack lagen nur zwei Decken, und keine davon war besonders dick. Zweifellos ein Zeichen daf�r, wie abgeh�rtet die Aiel waren. Da er sich aber an die kalten N�chte in den Zelten erinnerte, zog er sich wieder die Unterw�sche an, bevor er die Lampen ausblies und im Dunkeln unter die Decken kroch.</p><p>Er war wohl m�de, konnte jedoch nicht gleich einschlafen. So w�lzte er sich herum und gr�belte. Was hatte Melaine vor? Warum war es den Weisen Frauen gleich, da� er von Aviendhas Rolle als ihrer Spionin wu�te? Aviendha. Eine h�bsche Frau, wenn sie auch bockte wie ein Maultier, das sich alle Hufe gleichzeitig verletzt hat. Sein Atmen wurde gleichm��iger und die Gedanken verschwammen. Ein Monat. Zu lang. Keine andere Wahl. Ehre. Isendres L�cheln. Kadere, der alles beobachtete. Falle. Eine Falle stellen. Wessen Falle? Welche Falle? Fallen. Wenn er nur Moiraine vertrauen k�nnte. Perrin. Zu Hause. Perrin schwamm jetzt wahrscheinlich gerade im...</p><p>Mit geschlossenen Augen schwamm Rand durch k�hles Wasser. Angenehm k�hl. Ihm war, als habe er eigentlich noch nie so deutlich gesp�rt, wie gut es tat, na� zu sein. Er hob den Kopf, �ffnete die Augen und blickte sich um. Am einen Ende des Teichs wuchsen die Weiden und am anderen die gro�e Eiche, die ihre dicken, schattenspendenden �ste �ber das Wasser streckte. Der Wasserwald. Es war sch�n, zu Hause zu sein. Er hatte das Gef�hl, fort gewesen zu sein, es war aber nicht ganz klar, wo. Es war auch nicht wichtig. Oben in Wachh�gel. Ja. Er war noch nie weiter weg gewesen. K�hl und na�. Und allein.</p><p>Pl�tzlich flogen zwei K�rper durch die Luft und klatschten mit angezogenen Knien ins Wasser. Der �berraschende Gu� nahm ihm die Sicht. Er sch�ttelte das Wasser ab und sah Elayne und Min, die ihn von beiden Seiten her anl�chelten. Nur ihre K�pfe waren �ber der bla�gr�nen Wasseroberfl�che zu sehen. Zwei kr�ftige Armz�ge w�rden ihn zu jeder der beiden hinbringen. Und von der anderen weg. Er konnte doch nicht beide lieben. Lieben? Warum kam ihm das in den Sinn?</p><p>�Du kannst dich nicht entscheiden, welche du liebst.� Er wirbelte herum, und das Wasser spritzte hoch auf. Aviendha stand am Ufer, in die <emphasis>Cadin'sor</emphasis> gekleidet und nicht in Rock und Bluse. Aber sie funkelte ihn nicht zornig an, sondern blickte lediglich ruhig her�ber. �Kommt ins Wasser�, sagte er. �Ich bringe Euch das Schwimmen bei.� Melodi�ses Gel�chter lie� seinen Kopf zum gegen�berliegenden Ufer herumschnellen. Die Frau, die v�llig nackt dort stand, war wohl die sch�nste, die er je gesehen hatte.</p><p>Ihre gro�en, dunklen Augen lie�en seinen Kopf schwimmen. Er glaubte, sie zu kennen.</p><p>�Sollte ich dir gestatten, mir untreu zu sein, selbst wenn es nur im Traum ist?� sagte sie. Ohne hinzusehen, war ihm bewu�t, da� Elayne, Min und Aviendha nicht mehr da waren. Das wurde immer eigenartiger.</p><p>Sie stand einen langen Moment �ber nachdenklich da und war sich offensichtlich ihrer Nacktheit gar nicht bewu�t. Dann erhob sie sich langsam auf die Zehenspitzen, streckte die Arme aus und sprang kopf�ber in den Teich. Als ihr Kopf wieder aus dem Wasser auftauchte, war ihr gl�nzend schwarzes Haar �berhaupt nicht na�. Das kam ihm einen Augenblick lang �berraschend vor. Dann hatte sie ihn erreicht � war sie eigentlich geschwommen oder einfach pl�tzlich da? � und umschlang ihn mit Armen und Beinen. Das Wasser war k�hl, doch ihre Haut brannte hei�.</p><p>�Du kannst mir nicht entkommen�, murmelte sie. Diese dunklen Augen zeigten Tiefen, wie sie der Teich nicht zu bieten hatte. �Ich werde daf�r sorgen, da� du dies genie�t und niemals vergi�t, ob du nun schl�fst oder wachst.� Schlafend oder... ? Alles verschob sich und verschwamm vor seinen Augen. Sie umschlang ihn noch fester, und alles wurde wieder klar. So, wie es vorher gewesen war. Schilf stand an einem Ende des Teichs und an der anderen Seite wuchsen Lederblattb�ume und Kiefern fast bis hinunter zum Wasser.</p><p>�Ich kenne dich�, sagte er bed�chtig. Er glaubte das jedenfalls, denn warum sonst sollte er sie das tun lassen? �Aber ich... Das ist alles nicht richtig.� Er versuchte, sich loszurei�en, doch sie packte nur noch entschiedener zu.</p><p>�Ich sollte dir ein Brandzeichen verpassen.� Ihre Stimme klang wild entschlossen. �Erst diese milchherzige Ilyena, und nun... Wie viele Frauen hast du eigentlich im Kopf?� Pl�tzlich gruben sich ihre kleinen, wei�en Z�hne in seinem Nacken. Aufbr�llend stie� er sie weg und klatschte mit der Hand auf seinen Nacken. Sie hatte sehr scharfe Z�hne, und er blutete.</p><p>�Am�siert Ihr euch auf diese Weise, w�hrend ich mich frage, wo Ihr abgeblieben seid?� sagte die Stimme eines Mannes ver�chtlich. �Warum sollte ich mich noch an etwas halten, wenn Ihr auf diese Weise unseren Plan gef�hrdet?� Mit einemmal befand sich die Frau am Ufer, ganz in Wei� gekleidet, einen breiten G�rtel aus gewebtem Silber um die schmale Taille und silberne Sterne und Halbmonde ins Haar gesteckt. Hinter ihr erhob sich das Land zu einem kleinen H�gel, auf dem ein Eschenhain stand. Er erinnerte sich nicht daran, vorher dort Eschen entdeckt zu haben. Sie stand einem � einem verschwommenen Schatten gegen�ber, aus dem sich langsam ein dickes, graues, m�nnergro�es Etwas formte. Das war doch alles... irgendwie falsch, es stimmte nicht.</p><p>�Risiko�, h�hnte sie. �Ihr habt genausoviel Angst vor jedem Risiko wie Moghedien, nicht wahr? Ihr w�rdet lieber wie eine Spinne herumkrabbeln, um nicht entdeckt zu werden. Wenn ich Euch nicht aus Eurer H�hle gezerrt h�tte, w�rdet Ihr euch immer noch verstecken und darauf warten, ein paar Kr�mel aufzuschnappen.� �Wenn Ihr eure... Leidenschaft nicht z�gelt�, sagte die verschwommene Gestalt mit der Stimme eines Mannes, �warum sollte ich dann �berhaupt mit Euch zusammenarbeiten? Wenn ich schon Risiken eingehen mu�, dann m�chte ich mehr davon haben, als lediglich die F�den an einer Puppe zu ziehen.� �Was meint Ihr damit?� fragte sie drohend.</p><p>Die Gestalt flimmerte. Rand wu�te irgendwie, da� sie z�gerte und nicht wu�te, ob sie zuviel gesagt habe. Und dann war sie pl�tzlich verschwunden. Die Frau sah ihn an. Immer noch steckte er bis zum Hals im Wasser. Ihr Mund verzog sich ver�rgert, und sie verschwand.</p><p>Er erwachte und fuhr zun�chst hoch, doch dann lag er still und blickte in die Dunkelheit. War es ein gew�hnlicher Traum gewesen oder etwas anderes? Er zog eine Hand unter den Decken hervor und f�hlte nach seinem Nacken, f�hlte die Abdr�cke der Z�hne und das d�nne Blutrinnsal. Welche Art von Traum es auch gewesen sein mochte, jedenfalls war sie dagewesen. Lanfear. Sie hatte er nicht getr�umt. Und dann dieser andere: ein Mann. Ein kaltes L�cheln �berzog sein Gesicht. <emphasis>�berall Fallen. Fallen f�r unaufmerksame F��e. Mu� jeden Schritt jetzt gut �berlegen.</emphasis> So viele Fallen. Jeder legte welche.</p><p>Er lachte leise und drehte sich um, damit er wieder schlafen konnte. Doch dann erstarrte er und hielt die Luft an. Er war nicht allein im Zimmer. <emphasis>Lanfear.</emphasis> Verzweifelt griff er nach der Wahren Quelle. Einen Augenblick lang f�rchtete er, die Angst selbst k�nne verhindern, da� er die Macht ben�tze. Dann schwebte er in der kalten Ruhe des Nichts, und ein tobender Strom der Macht erf�llte ihn. Er sprang auf und schlug zu. Die Lampen flammten auf.</p><p>Aviendha sa� mit �bergeschlagenen Beinen auf dem Fu�boden. Ihr Mund stand offen und die gr�nen Augen quollen beinahe heraus, teils wegen der Lampen, teils wegen der unsichtbaren Fesseln, die sie vollst�ndig bewegungsunf�hig machten. Nicht einmal den Kopf konnte sie bewegen. Er hatte erwartet, da� jemand dort stehe, und deshalb ragte das Gewebe ein ganzes St�ck �ber sie hinauf. Sofort l�ste er die Str�nge aus Luft wieder.</p><p>Sie rappelte sich hoch und verlor in ihrer Hast beinahe den Schal. �Ich... ich glaube, ich werde mich nie daran gew�hnen... � Sie deutete auf die Lampen. �Da� ein Mann... � �Ihr habt doch schon fr�her gesehen, wie ich die Macht gebrauchte.� �rger schwappte �ber die Oberfl�che des Nichts, das ihn umgab. Sich im Dunklen in sein Zimmer zu schleichen. Ihn halb zu Tode erschrecken. Sie hatte Gl�ck gehabt, da� er sie nicht verletzte oder gar ungl�cklich t�tete. �Ihr solltet Euch daran gew�hnen. Ich bin Er, Der Mit Der Morgend�mmerung Kommt, ob Euch das nun pa�t oder nicht.� �Das ist kein Teil... � �Warum seid Ihr hier?� fragte er kalt.</p><p>�Die Weisen Frauen wechseln sich dabei ab, drau�en �ber Euch zu wachen. Sie wollten, da� ich diese Aufgabe von... � Sie sprach nicht weiter, daf�r lief aber ihr Gesicht rot an.</p><p>�Von wo aus?� Sie sah ihn nur stumm an, aber ihre Gesichtsfarbe wurde immer dunkler. �Aviendha, von w...?� Traumg�nger. Warum war ihm das nicht fr�her eingefallen? �Von innerhalb meiner Tr�ume�, sagte er mit rauher Stimme. �Wie lange schon spionieren sie sogar in meinem Kopf herum?� Sie atmete langgezogen und schwer aus. �Ich sollte das vor Euch geheimhalten. Wenn Bair etwas merkt � Seana sagte, heute nacht sei es zu gef�hrlich. Ich verstehe das nicht: Ich kann in keinen Traum eindringen, wenn sie mir nicht helfen. Ich wei� nur, da� heute nacht irgend etwas sehr gef�hrlich ist. Deshalb wechseln sie sich an der T�r dieses Dachs ab. Sie machen sich gro�e Sorgen.� �Ihr habt meine Frage noch nicht beantwortet.� �Ich wei� nicht, warum ich hier bin�, stotterte sie. �Wenn Ihr Schutz braucht... � Sie blickte auf ihr kurzes Messer am G�rtel herunter und ber�hrte den Griff. Der elfenbeinerne Armreif irritierte sie offensichtlich. Sie verschr�nkte die Arme, und so befand es sich unter ihrer Achsel und au�er Sicht. �Ich kann Euch mit einem so kleinen Messer nicht gut besch�tzen, und Bair sagt, wenn ich noch einmal nach einem Speer greife, ohne angegriffen zu werden, wird sie mir die Haut abziehen und als Wasserschlauch verwenden. Ich wei� auch nicht, weshalb ich �berhaupt meinen Schlaf opfern sollte, um Euch zu besch�tzen. Euretwegen habe ich bis vor beinahe einer Stunde drau�en die Teppiche ausgeklopft. Bei Mondschein!� �Das war nicht die Frage. Wie lange...� Er brach pl�tzlich mitten im Satz ab. Es lag etwas in der Luft, etwas � Falsches. Etwas B�ses. Es konnte Einbildung sein, ein �berrest seines Traums. Es konnte sein.</p><p>Aviendha schnappte nach Luft, als das Flammenschwert in seiner Hand erschien. Die leicht gekr�mmte Klinge war mit dem Bild eines Reihers versehen. Lanfear hatte ihn beschuldigt, er ben�tze nur den zehnten Teil dessen, wozu er f�hig sei, und das meiste davon hatte er auch nur durch Raten und Ausprobieren herausgefunden. Er wu�te keineswegs auch nur ein Zehntel dessen, wozu er f�hig war. Aber mit dem Schwert konnte er umgehen.</p><p>�Bleibt hinter mir.� Er war sich noch bewu�t, da� sie ihr Messer aus der Scheide zog, w�hrend er bereits auf Str�mpfen und dank der Teppiche lautlos aus dem Zimmer schlich. Seltsamerweise war es nicht k�hler als zu der Zeit, da er ins Bett gegangen war. Vielleicht hielten diese Steinw�nde die W�rme fest, denn als er weiter nach drau�en ging, wurde es merklich k�hler.</p><p>Selbst die <emphasis>Gai'schain</emphasis> lagen jetzt wohl auf ihren Strohs�cken und schliefen. In den Fluren und Zimmern war es still und leer. Nur vereinzelt brannten noch Lampen und verbreiteten eine tr�be Beleuchtung. Hier lie� man immer einige Lampen brennen, denn selbst zur Mittagszeit w�re es sonst pechschwarz gewesen. Das Gef�hl war noch nicht zu ausgepr�gt, wollte aber nicht vergehen. Etwas B�ses.</p><p>Er blieb pl�tzlich stehen, und zwar unter dem breiten Torbogen, der in den Vorraum f�hrte. An jedem Ende des Raums warf eine silberne Lampe einen blassen Lichtschein in den Raum. In der Mitte des Raums stand ein hochgewachsener Mann �ber eine Frau gebeugt, die er in den Armen hielt und die von seinem ausgebreiteten schwarzen Umhang fast verdeckt wurde. Ihr Kopf hing nach hinten und ihre wei�e Kapuze war heruntergeglitten. Er hatte seinen Mund an ihrem Hals. Chions Augen waren fast geschlossen und sie l�chelte verz�ckt. Verlegenheit glitt �ber die Oberfl�che des Nichts. Doch dann hob der Mann den Kopf.</p><p>Schwarze Augen beobachteten Rand, viel zu gro� in diesem blassen, hageren Gesicht. Ein Schmollmund mit betont roten Lippen �ffnete sich zu einem verzerrten L�cheln und entbl��te scharfe Z�hne. Chion fiel schlaff zu Boden, als sich der Umhang entfaltete und zu gro�en Fledermausfl�geln wurde. Der Draghkar trat �ber sie hinweg. Wei�e, wei�e H�nde griffen nach Rand. An den langen, schmalen Fingern waren scharfe Klauen zu sehen. Doch die Gefahr lag nicht in den Klauen und Z�hnen. Es war der Ku� des Draghkars, der t�tete und noch schlimmeres anrichtete.</p><p>Sein sanfter, hypnotisch anmutender Gesang schmiegte sich um das Nichts. Diese dunklen, ledrigen Schwingen breiteten sich noch weiter aus, um ihn zu umschlie�en, als er vortrat. Einen Augenblick lang blitzte �berraschung in den riesigen, schwarzen Augen auf, doch dann spaltete das aus der Macht erschaffene Schwert den Sch�del des Draghkar bis hinunter zur Nasenwurzel.</p><p>Eine st�hlerne Klinge h�tte sich verfangen, doch die aus Feuer gewebte Klinge glitt leicht heraus, als die Kreatur zu Boden st�rzte. Einen Moment lang untersuchte Rand aus der Sicherheit des Nichts heraus das Ding zu seinen F��en. Dieses Lied. W�re er nicht durch die Leere von allem Gef�hl abgeschirmt gewesen, h�tte er das nicht alles gef�hllos und aus der Ferne erlebt, dann h�tte dieser Gesang seinen Geist verwirrt. Der Draghkar hatte das auch offensichtlich angenommen, als er sich ihm so bereitwillig gen�hert hatte.</p><p>Aviendha rannte an ihm vorbei und sank neben Chion auf ein Knie nieder. Sie f�hlte nach dem Hals der <emphasis>Gai'schain.</emphasis></p><p>�Tot�, sagte sie dann und schlo� die Augenlider der Frau mit ihren Daumen. �Vielleicht besser f�r sie. Die Draghkar essen die Seele, bevor sie das Leben verschlingen. Ein Draghkar! Hier!� Aus ihrer geb�ckten Haltung funkelte sie ihn an. �Trollocs am Imre- Au�enposten, und nun ein Draghkar hier! Ihr bringt schlimme Zeiten �ber das Dreifache... � Mit einem Schrei warf sie sich flach auf Chion, als er mit seinem Schwert tief nach unten zielte.</p><p>Ein Feuerbalken scho� aus seiner Klinge �ber sie hinweg und traf die Brust des Draghkar, der gerade durch die Eingangst�r trat. Das Schattenwesen flammte auf und taumelte schreiend nach hinten �ber den Gartenweg. Von seinen wild schlagenden Schwingen spritzte Feuer.</p><p>�Weckt alle auf�, sagte Rand gelassen. Hatte sich Chion gewehrt? Wie weit hatte ihr Ehrbegriff sie zur�ckgehalten? Es spielte keine entscheidende Rolle. Draghkar starben schneller als Myrddraal, aber auf ihre eigene Art waren sie noch gef�hrlicher. �Wenn Ihr wi�t, wie man den Alarm ausl�st, dann tut es.� �Der Gong neben der T�r... � �Ich mache schon. Sie m�ssen aufwachen. Vielleicht sind mehr als zwei da.� Sie nickte best�tigend und rannte zur�ck, wobei sie schrie: �Auf die Speere! Erwacht und auf mit den Speeren!� Rand trat vorsichtig nach drau�en, das Schwert kampfbereit in der Hand, und die Macht erf�llte ihn, lie� ihn vor Ekstase zittern. Und machte ihn krank. Er wollte lachen, wollte sich �bergeben. Die Nacht war eisig kalt, doch er war sich dessen kaum bewu�t.</p><p>Der brennende Draghkar lag der L�nge nach im Terrassengarten und stank nach versengtem Fleisch. Er gl�hte nur noch wenig, aber es erhellte die Szenerie �ber den Mondschein hinaus. Ein bi�chen weiter unten am Pfad lag Seana. Ihr langes, graumeliertes Haar war wie ein F�cher ausgebreitet und ihre leeren, toten Augen starrten in den Himmel. Ihr Messer lag neben ihr, aber gegen einen Draghkar hatte sie keine Chance gehabt.</p><p>In dem Moment, als Rand den ledergepolsterten Schlegel in die Hand nahm, der neben dem viereckigen Bronzegong hing, brach am Eingang der Schlucht die H�lle los. Menschen schrien, Trollocs heulten, Stahl klirrte auf Stahl, weitere Schreie. Er schlug mit voller Kraft den Gong und vollt�nend hallte es im Tal wieder. Beinahe augenblicklich antwortete ein weiterer Gong, dann noch mehr, und aus Dutzenden von M�ndern erklang der Schrei: �Auf mit den Speeren!� Verwirrte Rufe erklangen auch aus der Gegend der Wohnwagen unten. Lichtvierecke erschienen, T�ren an den beiden schachtelf�rmigen F�hrungswagen wurden aufgerissen. Die Wagen schimmerten wei� im Mondschein. Irgend jemand schrie dort zornig. Eine Frauenstimme, aber er wu�te nicht, wer es war.</p><p>In der Luft �ber ihm rauschten Schwingen. Rand fletschte die Z�hne und hob sein Flammenschwert. In ihm brannte die Eine Macht, und Feuer tobte aus der Spitze seiner Klinge. Der herabsto�ende Draghkar explodierte zu einem Regen brennender Fetzen, die nach unten in die Dunkelheit fielen.</p><p>�Hier�, sagte Rhuarc. Die Augen des Clanh�uptlings blickten hart �ber seinen schwarzen Schleier hinweg. Er war angekleidet und trug Schild und Speer. Mat stand hinter ihm, ohne Wams und mit blo�em Kopf, das Hemd halb heraush�ngend. Er blinzelte unsicher und packte seinen Speer mit dem schwarzen Schaft mit beiden H�nden.</p><p>Rand nahm die Schufa aus Rhuarcs H�nden entgegen, lie� sie dann aber fallen. Eine Gestalt glitt auf Fledermausfl�geln vor dem Mond vorbei, stie� danach auf die gegen�berliegende Seite der Schlucht hinunter und verschwand in den Schatten. �Sie suchen nach mir. La�t sie mein Gesicht sehen.� Die Macht durchtobte ihn. Das Schwert in seiner Hand schien wie eine kleine Sonne, die ihn beleuchtete. �Sie k�nnen mich nicht finden, wenn sie nicht sehen, wo ich bin.� Er lachte, da Rhuarc den Witz dabei nicht erkennen konnte, und rannte auf den Schlachtenl�rm zu.</p><p>Mat ri� seinen Speer aus der Brust eines Trollocs mit Keilerschnauze heraus und sah sich in der mondbeschienenen D�mmerung am Ausgang der Schlucht nach weiteren Gegnern um. <emphasis>Verdammter Rand!</emphasis> Keine der Gestalten, die sich da bewegten, waren gro� genug f�r Trollocs. <emphasis>Bringt mich immer wieder in solche Situationen!</emphasis> Verwundete in seiner N�he st�hnten leise. Eine schattenhafte Gestalt, die er f�r Moiraine hielt, kniete neben einem am Boden liegenden Aiel nieder. Die Feuerkugeln, mit denen sie um sich warf, waren schon beeindruckend, beinahe so wie dieses Schwert Rands, aus dem Feuerstrahlen hervorbrachen. Das Ding leuchtete immer noch, und der Lichtschein lie� Rand deutlich erkennbar werden. <emphasis>Ich h�tte im Bett bleiben sollen, jawohl! Es ist verdammt kalt, und das alles hat mit mir doch �berhaupt nichts zu tun!</emphasis> St�ndig erschienen noch mehr Aiel. Auch Frauen in R�cken kamen nun, um sich um die Verwundeten zu k�mmern. Einige von ihnen trugen Speere. Vielleicht k�mpften sie normalerweise nicht, aber als die K�mpfe schlie�lich die Stadt selbst erreicht hatten, konnten sie nicht einfach dastehen und zuschauen.</p><p>Eine Tochter des Speers blieb bei ihm stehen und l�ste ihren Schleier. Er konnte im Schatten ihr Gesicht nicht erkennen. �Ihr tanzt sehr gut mit Eurem Speer, Spieler. Seltsame Zeiten, wo die Trollocs sogar in die Kaltfelsenfestung eindringen.� Sie blickte hin�ber zu der schattenhaften Gestalt, die er f�r Moiraine hielt. �Ohne die Aes Sedai h�tten sie vielleicht eindringen k�nnen, bevor der Alarm gegeben wurde.� �Dazu waren es nicht genug�, sagte er, ohne nachdenken zu m�ssen. �Sie sollten nur die Aufmerksamkeit hierher lenken.� <emphasis>Damit diese Draghkar freie Hand h�tten, um Rand zu erwischen?</emphasis></p><p>�Ich glaube, Ihr habt recht�, sagte sie bed�chtig. �Seid Ihr ein Schlachtenf�hrer unter den Feuchtl�ndern?� Er w�nschte, er h�tte den Mund gehalten. �Ich habe mal ein Buch dar�ber gelesen�, murmelte er verlegen und wandte sich ab. <emphasis>Verdammte Erinnerungen irgendwelcher verdammten M�nner.</emphasis> Vielleicht waren die H�ndler jetzt soweit, da� sie endlich abfahren wollten?</p><p>Als er bei den Wohnwagen stehenblieb, waren dann aber weder Keille noch Kadere irgendwo zu sehen. Die Fahrer standen alle in einer dichten Gruppe zusammen und gaben mit hektischen Bewegungen kleine Kr�ge untereinander weiter, aus denen es nach dem guten Branntwein roch, den sie sonst verkauften. Sie schnatterten aufgeregt dabei, als w�ren die Trollocs tats�chlich auf Riechweite an sie herangekommen. Isendre stand auf der obersten Stufe von Kaderes Wagen und blickte mit gerunzelter Stirn ins Leere. Selbst so war sie noch wundersch�n anzusehen hinter ihrem d�nnen Schleier. Er war froh, da� wenigstens noch seine Erinnerungen an Frauen von ihm selbst stammten.</p><p>�Die Trollocs sind erledigt�, sagte er zu ihr und st�tzte sich so deutlich sichtbar auf seinen Speer, da� sie es bemerken mu�te. <emphasis>Wenn ich schon Kopf und Kragen riskiere, will ich wenigstens auch geb�hrend bewundert werden.</emphasis> Er mu�te sich auch nicht besonders M�he geben, um m�de zu klingen. �Ein harter Kampf, aber jetzt seid Ihr sicher.� Sie blickte mit ausdruckslosem Gesicht auf ihn herunter. Ihre Augen glitzerten im Mondschein wie dunkle, gl�nzende Gemmen. Wortlos wandte sie sich um und ging hinein. Sie schlug die T�r hart hinter sich zu.</p><p>Mat atmete langgezogen und angewidert aus und stolzierte davon. Was mu�te man denn noch tun, um eine Frau zu beeindrucken? Er wollte jetzt nur noch ins Bett. Zur�ck unter die Decken, und sollte Rand doch selbst mit den Trollocs und den verdammten Draghkar fertigwerden. Dem Mann schien das ja sogar Spa� zu machen! Wenn er st�ndig so lachte... ?</p><p>Rand kam jetzt die Schlucht herunter auf ihn zu. Das Gl�hen des Schwertes begleitete ihn wie Laternenschein. Aviendha erschien. Sie rannte zu Rand hin, den Rock gesch�rzt bis �ber die Knie, und schlo� sich ihm dann an. Sie lie� den Rock fallen und strich ihn glatt. Den Schal band sie sich wieder um den Kopf. Er schien sie gar nicht zu sehen, und ihr Gesicht war steinern und ausdruckslos. Sie pa�ten wirklich zueinander.</p><p>�Rand!� rief ein heraneilender Schatten mit Moiraines Stimme. Sie klang beinahe so melodi�s wie die Keilles, aber es war eine k�hlere Art von Musik. Rand wandte sich ihr zu und wartete. Sie verlangsamte den Schritt, bevor sie noch klar zu erkennen war, und trat so w�rdevoll in den Lichtschein, als befinde sie sich in einem Palast. �Die Lage wird immer gef�hrlicher, Rand. Der Angriff auf den Imre-Au�enposten konnte noch den Aiel gegolten haben, unwahrscheinlich zwar, aber nicht unm�glich, doch die Draghkar heute nacht waren f�r Euch bestimmt.� �Ich wei�.� Einfach so. Genauso gelassen wie sie und vielleicht noch k�hler.</p><p>Moiraine pre�te die Lippen zusammen, und ihre H�nde lagen ganz bewegungslos auf ihrem Rock. Offensichtlich pa�te ihr seine Antwort �berhaupt nicht. �Weissagungen sind dann am gef�hrlichsten, wenn man versucht, sie mit voller Absicht zu erf�llen. Habt Ihr das nicht in Tear schon begriffen? Das Muster verwebt sich um Euch, aber wenn Ihr selbst es zu weben versucht, k�nnt Ihr es nicht halten. Webt das Muster zu straff, dann entsteht Spannung. Dann kann es zerrei�en und in alle Richtungen wegschnellen. Und wer wei� schon, wie lange es dauert, bis es sich wieder um Euch legt oder was in der Zwischenzeit geschieht?� �Genauso eindeutig wie die meisten Eurer Erkl�rungen�, sagte Rand trocken. �Was wollt Ihr, Moiraine? Es ist sp�t, und ich bin m�de.� �Ich m�chte, da� Ihr euch mir anvertraut. Glaubt Ihr wirklich, Ihr h�ttet bereits alles Notwendige gelernt, und das, obwohl Ihr kaum ein Jahr von Eurem Dorf fort seid?� �Nein. Ich habe keineswegs alles gelernt.� Jetzt klang es am�siert. Manchmal war sich Mat nicht sicher, ob Rand noch so normal sei, wie er aussah. �Ihr wollt, da� ich mich Euch anvertraue, Moiraine? In Ordnung. Eure Drei Eide lassen nicht zu, da� Ihr l�gt. Sagt mir ganz klar, da� Ihr nicht versuchen werdet, mich aufzuhalten oder zu behindern, gleich, was ich Euch sage. Sagt mir, da� Ihr nicht versuchen werdet, mich f�r die Interessen der Wei�en Burg einzuspannen. Sagt es geradeheraus und in einfachen Worten, so da� ich wei�, Ihr sprecht die Wahrheit.� �Ich werde nichts tun, um Euch daran zu hindern, Euer Schicksal zu erf�llen. Dem habe ich mein Leben gewidmet. Aber ich verspreche Euch nicht, da� ich zuschauen werde, wie Ihr euren Kopf auf den Richtblock legt.� �Nicht gut genug, Moiraine. Das reicht nicht. Aber selbst wenn ich mich Euch anvertrauen k�nnte, w�rde ich es nicht hier tun. Die Nacht hat Ohren.� �berall gingen Leute in der Dunkelheit umher, wenn auch niemand nahe genug war, um zu lauschen. �Selbst die Tr�ume haben Ohren.� Aviendha zog ihren Schal nach vorn, um ihr Gesicht zu verbergen. Offensichtlich sp�rte selbst ein Aiel die K�lte.</p><p>Rhuarc trat in den Lichtschein. Sein schwarzer Schleier hing lose herunter. �Die Trollocs stellten lediglich ein Ablenkungsman�ver dar, damit Euch die Draghkar angreifen konnten, Rand al'Thor. Zu wenige, als da� es ein ernst gemeinter Angriff sein konnte. Aber die Draghkar �der Blattverderber will Euch ans Leben.� �Die Gefahr w�chst�, sagte Moiraine leise.</p><p>Der Clanh�uptling blickte sie an, bevor er fortfuhr. �Moiraine Sedai hat recht. Da die Draghkar ihre Aufgabe nicht erf�llten, f�rchte ich, da� als n�chstes die Seelenlosen gesandt werden; was Ihr als Graue M�nner bezeichnet. Ich m�chte die ganze Zeit �ber Speere um Euch sehen. Aus irgendeinem Grund haben die T�chter des Speers ihre Bereitschaft erkl�rt, �ber Euch zu wachen.� Aviendha litt ganz offensichtlich unter der K�lte. Sie hatte die Schultern eingezogen und die Arme verschr�nkt, da� ihre H�nde in den Achselh�hlen steckten.</p><p>�Wenn sie w�nschen�, sagte Rand nur. Es klang ein ganz klein wenig nerv�s, trotz der eisigen Ruhe. Mat konnte ihn verstehen. Er selbst w�rde sich nicht mehr freiwillig in die H�nde der T�chter begeben, und wenn man ihm alle Seide auf den Schiffen des Meervolks daf�r b�te.</p><p>�Sie werden besser aufpassen als jeder andere�, sagte Rhuarc, �da sie um diese Aufgabe gebeten haben. Ich will es allerdings doch nicht ihnen allein �berlassen. Ich werde alle zu Eurer Bewachung einsetzen. Ich denke, beim n�chstenmal werden es die Seelenlosen sein, aber das hei�t nicht, da� es nicht doch jemand anders sein k�nnte. Zehntausend Trollocs zum Beispiel, statt nur ein paar hundert.� �Was ist mit den Shaido?� Mat w�nschte, er h�tte den Mund nicht aufgemacht, als ihn nun alle anblickten. Vielleicht hatten sie ihn zuvor noch gar nicht bemerkt gehabt. Nun, jetzt konnte er auch weitersprechen: �Ich wei�, da� Ihr sie nicht leiden k�nnt, aber falls Ihr glaubt, ein gr��erer Angriff sei m�glich, w�re es dann nicht besser, sie hier drinnen zu haben als drau�en?� Rhuarc knurrte. Bei ihm war das so, als ob ein anderer fluche. �Ich w�rde fast tausend Shaido nicht einmal hier hereinholen, wenn der Grasbrenner selbst k�me. Ich k�nnte es auch gar nicht. Couladin und die Shaido haben bei Anbruch der Dunkelheit ihre Zelte abgebrochen. Wir sind sie los. Ich habe L�ufer ausgeschickt, um sicherzugehen, da� sie das Land der Taardad verlassen, ohne ein paar Ziegen oder Schafe mitgehen zu lassen.� Das Schwert verschwand aus Rands Hand. Das pl�tzliche Fehlen des Lichts erzeugte auch eine Art von Blindheit. Mat schlo� die Augen, um ihnen die Gelegenheit zur Anpassung zu geben, aber als er sie wieder �ffnete, schien ihm der Mondschein immer noch tr�b und dunkel.</p><p>�In welche Richtung sind sie gegangen?� fragte Rand.</p><p>�Nach Norden�, antwortete Rhuarc. �Zweifellos hat Couladin vor, Sevanna auf dem Weg nach Alcair Dal abzufangen und sie gegen Euch zu beeinflussen. Es k�nnte ihm gelingen. Der einzige Grund daf�r, da� sie ihren Brautkranz Suladric zu F��en legte und nicht ihm, war, da� sie einen Clanh�uptling heiraten wollte. Aber ich sagte Euch ja bereits, da� Ihr von ihr Schwierigkeiten zu erwarten habt. Sevanna findet es herrlich, anderen Leuten Schwierigkeiten zu bereiten. Na ja, es ist wohl nicht so wichtig. Wenn Euch die Shaido nicht folgen, habt Ihr nicht viel verloren.� �Ich werde nach Alcair Dal gehen�, sagte Rand entschlossen. �Jetzt. Ich werde mich bei jedem H�uptling entschuldigen, der sich entehrt f�hlt, weil er zu sp�t kommt, aber ich werde Couladin nicht fr�her dort ankommen lassen, wenn es vermeidbar ist. Er wird sich nicht damit zufriedengeben, Sevanna gegen mich einzunehmen, Rhuarc. Ich kann es mir nicht leisten, ihm einen Monat Zeit zu geben, um seine Pl�ne in die Tat umzusetzen.� Rhuarc �berlegte einen Moment lang und sagte dann: �Vielleicht habt Ihr recht. Ihr bringt Ver�nderungen mit Euch, Rand al'Thor. Also, bei Sonnenaufgang brechen wir auf. Ich werde zehn der Roten Schilde als Ehrenwache f�r mich ausw�hlen, und Eure wird aus T�chtern des Speers bestehen.� �Ich will aufbrechen, sobald auch nur der erste Lichtschimmer am Himmel zu sehen ist, Rhuarc. Mit jedem, der einen Speer tragen oder einen Bogen spannen kann.� �Die Sitten... � �Es gibt keine Sitten, die auf mich zutreffen, Rhuarc.� Rands Stimme war so eisig, da� der Wein im Becher gefroren w�re, h�tten sie welchen gehabt. �Ich mu� neue Sitten begr�nden.� Er lachte rauh. Aviendha wirkte schockiert, und selbst Rhuarc hatte die Augen aufgerissen. Nur Moiraine war unbeeindruckt und sah Rand berechnend an. �Jemand sollte es den H�ndlern sagen�, fuhr Rand fort. �Sie werden den Jahrmarkt nicht vers�umen wollen, aber wenn sie diese Burschen nicht langsam vom Trinken abhalten, werden sie bald zu betrunken sein, um die Z�gel zu halten. Wie steht's mit dir, Mat? Kommst du mit?� Er w�rde ganz bestimmt die H�ndler nicht entkommen lassen, denn sie bedeuteten schlie�lich seine Chance, aus der W�ste herauszukommen. �Ach, ich stehe doch hinter dir, Rand.� Was am schlimmsten war: Er hatte ein wirklich gutes Gef�hl bei diesen Worten. <emphasis>Verdammter</emphasis> Ta'veren! <emphasis>Zieht mich st�ndig weiter.</emphasis> Wie hatte sich Perrin davon befreit? <emphasis>Licht, wie gern w�re ich jetzt bei ihm.</emphasis> �Wirklich.� Er schulterte seinen Speer und trottete los, die Schlucht hinauf. Es war immer noch Zeit, ein wenig zu schlafen. Hinter sich konnte er Rand leise lachen h�ren.</p></section><section><title><p>51</p><p>Enth�llungen in Tanchico</p></title><p>Elayne hantierte ungeschickt mit den beiden d�nnen, rotlackierten St�bchen und versuchte, sie richtig zwischen die Finger zu bekommen. <emphasis>Sursa,</emphasis> erinnerte sie sich. <emphasis>Nicht St�bchen, sondern</emphasis> Sursa. <emphasis>Eine idiotische Art zu essen, wie sie nun auch hei�en m�gen.</emphasis></p><p>Auf der anderen Seite des Tisches in der Kammer der Fallenden Bl�ten blickte Egeanin finster auf ihre <emphasis>Sursa</emphasis> hinab. Sie hielt in jeder Hand ein St�bchen, als w�ren es Spie�e. Nynaeve hielt ihre so in einer Hand, wie Rendra es ihnen gezeigt hatte, doch bisher hatte sie auch nur ein St�ckchen Fleisch und ein paar Paprikastreifen bis zu ihrem Mund gebracht. Sie hatte die Augen konzentriert zusammengekniffen. Viele kleine wei�e Sch�sselchen standen auf dem Tisch, jedes angef�llt mit Scheibchen und St�ckchen von Fleisch und verschiedenen Gem�sesorten und mit dunklen wie hellen Saucen. Elayne bef�rchtete, sie w�rden den ganzen Rest des Tages �ber ben�tigen, um dieses Mahl zu beenden. Sie l�chelte die Wirtin mit ihrem honigfarbenen Haar dankbar an, als die Frau sich �ber sie beugte und ihr die <emphasis>Sursa</emphasis> richtig in die Hand steckte.</p><p>�Euer Land befindet sich im Krieg mit Arad Doman�, sagte Egeanin, und es klang fast ver�rgert. �Warum serviert Ihr die Gerichte Eures Gegners?� Rendra zuckte die Achseln und spitzte die Lippen hinter ihrem Schleier. Heute trug sie ihn im blassesten Rot, das man sich vorstellen konnte, und die Perlen in der gleichen Farbe, die sie sich in die d�nnen Z�pfe eingeflochten hatte, klickten leise, wenn sie den Kopf bewegte. �Das ist jetzt gerade Mode. Es begann vor vier Tagen im Garten der Silbernen Winde und jetzt verlangt fast jeder Gast nach Domani-Speisen. Ich glaube, wenn wir schon Arad Doman nicht erobern k�nnen, dann eben wenigstens ihre Speisen. Vielleicht essen sie jetzt in Bandar Eban Lammbraten mit Honigsauce und kandierten �pfeln wie wir hier sonst? In weiteren vier Tagen wird vielleicht irgendeine andere K�che die gro�e Mode sein. Das �ndert sich heutzutage sehr schnell, und falls jemand den Mob gegen diese... � Sie zuckte noch mal die Achseln.</p><p>�Glaubt Ihr, es wird noch mehr Ausschreitungen geben?� fragte Elayne. �Werden sie sich auch noch darum streiten, welche Art von Speisen in den Schenken serviert werden?� �In den Stra�en herrscht Unruhe�, sagte Rendra und spreizte die H�nde schicksalsergeben. �Wer wei� schon, was sie wieder zum �berkochen bringen wird? Der Aufruhr vorgestern entstand wegen eines Ger�chts, da� sich Maracru f�r den Wiedergeborenen Drachen erkl�rt habe oder vielleicht an die Drachenverschworenen gefallen sei oder an die Rebellen � es scheint wohl kein gro�er Unterschied zu sein �, aber f�llt daraufhin der Mob �ber die Leute aus Maracru her? Nein. Sie toben auf den Stra�en herum, zerren die Leute aus den Kutschen, und dann brennen sie den Gro�en Saal der Versammlung nieder. Vielleicht trifft die Nachricht ein, da� unser Heer eine Schlacht gewonnen oder verloren hat, und dann erhebt sich der Mob gegen diejenigen, die Speisen aus Arad Doman servieren. Oder vielleicht brennen sie diesmal die Lagerh�user an den Kais der Calpene nieder. Wer wei� das schon?� �Weder Recht noch Ordnung�, knurrte Egeanin und steckte sich die <emphasis>Sursa</emphasis> entschlossen zwischen die Finger ihrer rechten Hand. Ihrem Gesichtsausdruck nach zu schlie�en h�tten die St�bchen Dolche sein k�nnen, mit denen sie den Inhalt der Sch�sselchen erstechen wollte. Nynaeve fiel ein kleiner Fleischbrocken von den <emphasis>Sursa,</emphasis> bevor er ihre Lippen erreicht hatte. Grollend holte sie ihn aus ihrem Scho� und tupfte die beigefarbene Seide mit ihrer Serviette ab.</p><p>�Ach, Ordnung�, lachte Rendra. �Ich erinnere mich an diesen Zustand. Vielleicht wird er eines Tages wiederkehren, oder? Einige glaubten, die Panarchin Amathera w�rde die Miliz wieder einsetzen, aber wenn ich an ihrer Stelle w�re und mich daran erinnerte, wie der Mob bei meiner Einsetzung drau�en tobte... Die Kinder des Licht haben viele der Randalierer get�tet. Vielleicht bedeutet das, es wird keine Auseinandersetzungen mehr geben, aber vielleicht wird es auch gerade deshalb wieder welche geben, und dann doppelt so stark oder zehnmal so schlimm. Ich glaube, ich w�rde auch die Wache und die Kinder des Lichts immer um mich herum behalten. Aber das ist kein Gespr�chsthema beim Essen.� Sie schaute sich auf dem Tisch um und nickte zufrieden. Die Perlen in ihren d�nnen Z�pfen klickten. Als sie sich der T�r zuwandte, hielt sie mit einem leichten L�cheln inne. �Es ist Mode, die Speisen der Domani mit den <emphasis>Sursa</emphasis> zu essen, und nat�rlich richtet man sich nach der Mode. Aber... es ist ja niemand hier, der Euch zusehen k�nnte, ja? Falls Ihr L�ffel und Gabeln haben m�chtet, liegen sie unter der Serviette.� Sie deutete auf das Tablett am Ende des Tisches. �Guten Appetit.� Nynaeve und Egeanin warteten, bis sich die T�r hinter der Wirtin geschlossen hatte, dann grinsten sie sich an und fa�ten mit entschieden unziemlicher Eile nach dem Tablett. Trotzdem schaffte es Elayne als erste, L�ffel und Gabel in die Finger zu bekommen. Keine der anderen hatte jemals so hastig essen m�ssen wie eine Novizin zwischen ihren Haushaltsaufgaben und dem Unterricht.</p><p>�Es schmeckt ja schon gut�, sagte Egeanin nach dem ersten Bissen, �wenn man es endlich in den Mund bekommt.� Nynaeve schlo� sich ihrem Lachen an.</p><p>In den sieben Tagen, seit sie die dunkelhaarige Frau mit den scharfen blauen Augen und der langgezogenen Aussprache getroffen hatten, hatten beide sie richtig liebgewonnen. Sie bot ihnen eine erfrischende Abwechslung gegen�ber Rendras ewigem Geschw�tz �ber Haarmoden, Kleider, Teint, und auch den Blicken gegen�ber, die ihnen auf der Stra�e immer wieder zugeworfen wurden. Zu viele Leute hier wirkten, als w�rden sie einem f�r eine Kupferm�nze bereits die Kehle durchschneiden. Das jetzt war ihr vierter Besuch seit dem ersten Zusammentreffen, und Elayne hatte es jedesmal Spa� gemacht. Egeanin war so geradeheraus und strahlte eine solche Unabh�ngigkeit aus, da� sie die Frau bewunderte. Vielleicht handelte sie nur ein wenig mit allem, was ihr so zuflatterte, aber sie tat es sogar Gareth Bryne darin gleich, offen auszusprechen, was sie dachte und vor niemandem zu kriechen.</p><p>Trotzdem w�nschte sich Elayne, da� sie sich nicht so oft getroffen h�tten, da� also sie und Nynaeve nicht so h�ufig zum Hof der Drei Pflaumen gekommen w�ren, wo Egeanin sie treffen konnte. Die st�ndigen Unruhen und Ausschreitungen seit der Einsetzung Amatheras machten es fast unm�glich, unbehelligt durch die Stadt zu gehen, und das trotz der Begleitung durch Domons hartgesottene Seeleute. Selbst Nynaeve hatte das zugeben m�ssen, nachdem sie knapp einem Hagelschauer faustgro�er Steine entgangen waren. Thom versprach ihnen immer noch, eine Kutsche mit Gespann aufzutreiben, doch sie war sich nicht sicher, ob er besondere M�he auf die Suche aufwandte. Er und Juilin schienen ausgesprochen gl�cklich dar�ber zu sein, da� sie und Nynaeve in der Schenke mehr oder weniger festgenagelt waren. <emphasis>Sie kommen selbst verschrammt und blutend zur�ck, aber wir sollen uns m�glichst noch nicht einmal einen Zeh ansto�en,</emphasis> dachte sie trocken. Warum glaubten die M�nner immer, sie m��ten Frauen in Watte packen? Warum hielten sie ihre Verletzungen f�r weniger wichtig als die der Frauen?</p><p>Dem Geschmack des Fleisches nach zu schlie�en, sollte Thom sich wohl besser in der K�che hier umsehen, wenn er auf der Suche nach Pferden war. Der Gedanke daran, Pferdefleisch zu essen, drehte ihr fast den Magen herum. So w�hlte sie ein Sch�sselchen, in dem sich nur verschiedene Gem�sesorten befanden: dunkle Pilzscheiben, roter Paprika und so etwas wie fasrige, gr�ne Sch��linge in einer hellen, scharfen Sauce.</p><p>�Wor�ber sollen wir heute sprechen?� fragte Nynaeve Egeanin. �Ihr habt uns schon beinahe jede Frage gestellt, die ich mir vorstellen konnte.� Jedenfalls fast jede, die sie auch zu beantworten in der Lage waren. �Wenn Ihr noch mehr �ber die Aes Sedai erfahren wollt, m��t Ihr als Novizin in die Wei�e Burg gehen.� Egeanin zuckte unbewu�t zusammen, wie immer, wenn jemand sie im Gespr�ch mit der Macht in Verbindung brachte. Einen Augenblick lang blickte sie finster den Inhalt einer der kleinen Sch�sseln an und r�hrte drin herum. �Ihr habt Euch keine besondere M�he gegeben�, sagte sie dann bed�chtig, �vor mir zu verbergen, da� Ihr hier jemanden sucht. Frauen. Wenn es nicht zu weit geht, w�rde ich gern wissen...� Sie brach ab, als es an die T�r klopfte.</p><p>Bayle Domon trat ohne abzuwarten ein. Von seinem runden Gesicht war eine Mischung aus Nervosit�t und grimmiger Befriedigung abzulesen. �Ich haben sie gefunden�, sagte er, und dann fuhr er zusammen, als er Egeanin entdeckte. �Ihr!� Zu Elaynes Schreck warf Egeanin ihren Stuhl um, als sie aufsprang, und knallte Domon so schnell eine Faust in den Magen, da� sie es fast nicht gesehen h�tte. Irgendwie jedoch fing Domon ihr Handgelenk in seiner dicken Pratze und drehte ihr den Arm um. Einen atemlosen Moment sp�ter schien jeder dem anderen ein Bein stellen zu wollen. Egeanin versuchte, ihn mit einer Handkante am Hals zu treffen, doch pl�tzlich lag sie mit dem Gesicht nach unten am Boden. Domon hatte einen Stiefel auf ihrer Schulter und ihren Arm verdreht und bis an sein Knie hochgezogen. Trotzdem bekam sie mit der anderen Hand ihr Messer heraus.</p><p>Elayne webte Str�nge aus Luft um das P�rchen, bevor ihr �berhaupt bewu�t wurde, da� sie nach <emphasis>Saidar</emphasis> gegriffen hatte. Sie erstarrten auf dem Fleck. �Was soll das bedeuten?� fragte sie mit eisiger Stimme.</p><p>�Wie k�nnt Ihr es wagen, Meister Domon?� Auch Nynaeves Stimme klang kalt wie die Elaynes. �La�t sie los!� Etwas w�rmer und besorgt fragte sie: �Egeanin, warum habt Ihr versucht, <emphasis>ihn</emphasis> zu schlagen? Ich habe Euch doch gesagt, Ihr sollt sie loslassen, Domon!� �Er kann nicht, Nynaeve.� Elayne w�nschte sich wirklich, die andere k�nne wenigstens die Str�nge sehen, auch wenn sie gerade nicht w�tend war. Und sie hatte schlie�lich zuerst versucht, ihn zu schlagen. �Egeanin, warum?� Die dunkelhaarige Frau lag mit geschlossenen Augen und zusammengepre�ten Lippen da. Ihre Kn�chel wirkten blutleer, so fest hatte sie den Messergriff gepackt.</p><p>Domon blickte von Elayne zu Nynaeve. Sein eigenartiger Bart, wie man ihn in Illian trug, schien beinahe zu knistern vor Zorn. Elayne hatte nur seinem Kopf Bewegungsfreiheit gelassen. �Diese Frau sein Seanchan!� grollte er.</p><p>Elayne tauschte einen verbl�fften Blick mit Nynaeve. Egeanin? Seanchan? Das war unm�glich. Das mu�te einfach unm�glich sein.</p><p>�Seid Ihr da sicher?� fragte Nynaeve bed�chtig und leise. Sie klang genauso erschlagen, wie sich Elayne f�hlte.</p><p>�Ich werden niemals vergessen ihr Gesicht�, erwiderte Domon standhaft. �Ein Schiffskapit�n. Es sein gewesen sie, die mich bringen nach Falme, mich und mein Schiff, als Gefangene der Seanchan.� Egeanin gab sich keine M�he, es abzuleugnen. Sie lag nur da und hatte ihr Messer in der Hand. Seanchan. <emphasis>Aber ich mag sie!</emphasis></p><p>Sorgf�ltig verschob Elayne das Gewebe von Luftstr�ngen, bis die Hand Egeanins, die das Messer hielt, fast, aber noch nicht ganz frei war. �La�t es los, Egeanin�, sagte sie und kniete neben der Frau nieder. �Bitte.� Nach einem Moment �ffnete sich Egeanins Hand. Elayne hob das Messer auf und stand wieder auf. Nun l�ste sie die Str�nge ganz. �La�t sie aufstehen, Meister Domon.� �Sie sein Seanchan, Herrin�, protestierte er, �und so hart wie Eisenstacheln.� �La�t sie aufstehen.� Er knurrte leise etwas, lie� aber doch Egeanins Arm los und trat so schnell von ihr weg, als erwarte er, da� sie wieder auf ihn losgehen werde. Die dunkelhaarige Frau �die <emphasis>Seanchan-Frau</emphasis> � stand aber lediglich auf. Sie rollte die Schulter, die er ihr verdreht hatte und musterte ihn nachdenklich. Anschlie�end blickte sie kurz zur T�r hin�ber, hob dann den Kopf und wartete �u�erlich v�llig ruhig und gelassen. Es fiel schwer, sie nicht zu bewundern.</p><p>�Seanchan�, grollte Nynaeve. Sie hatte eine ganze Handvoll ihrer d�nnen Z�pfe gepackt, blickte diese Hand dann jedoch �berrascht an und lie� wieder los. Doch die Stirn war noch gerunzelt und ihr Blick hart. �Seanchan! Und habt Euch unsere Freundschaft erschlichen. Ich glaubte, Ihr w�rt alle zur�ckgefahren, woher Ihr gekommen seid. Warum seid Ihr hier, Egeanin? War unser Zusammentreffen wirklich ein Zufall? Warum habt Ihr gerade uns kennenlernen wollen? Habt Ihr uns irgendwohin locken wollen, wo Eure schmutzigen <emphasis>Sul'dam</emphasis> ihre Leinen an unseren H�lsen festmachen k�nnen?� Egeanin ri� doch ein wenig die Augen auf, als sie das h�rte. �O ja�, sagte Nynaeve in scharfem Ton zu ihr. �Wir wissen eine Menge �ber Euch Seanchan und Eure <emphasis>Sul'dam</emphasis> und <emphasis>Damane.</emphasis> Wir wissen mehr als Ihr selbst. Ihr kettet Frauen an, die mit der Macht arbeiten k�nnen, aber diejenigen, die ihre Leinen in H�nden halten, k�nnen das ebenfalls, Egeanin. Auf jede Frau mit diesem Talent, die Ihr wie ein Tier an die Leine gelegt habt, kommen zehn oder zwanzig andere, die Ihr nicht als solche erkennt.� �Ich wei߫, sagte Egeanin einfach, und Nynaeve blieb der Mund offen stehen.</p><p>Elayne hatte das Gef�hl, ihre Augen w�rden gleich herausfallen. �Ihr wi�t das?� Sie atmete erstmal tief durch und fuhr dann in etwas weniger hysterischem Tonfall fort: �Egeanin, ich glaube, Ihr l�gt. Ich habe noch nicht viele Seanchan kennengelernt, und die paar auch nur f�r wenige Minuten, aber ich kenne jemanden, der mehr Erfahrungen mit ihnen hat. Ihr Seanchan ha�t noch nicht einmal Frauen, die mit der Macht arbeiten k�nnen. Ihr glaubt, sie seien Tiere. Ihr w�rdet das nicht so leicht nehmen, wenn Ihr wirklich Bescheid w��tet oder es auch nur glaubtet.� �Frauen, die das Armband tragen k�nnen, sind auch f�hig, zu lernen, wie man die Macht gebraucht�, sagte Egeanin. �Ich wu�te nicht, da� man es lernen kann, da man mir beigebracht hat, da� man es eben entweder kann oder nicht. Aber als Ihr mir gesagt habt, da� man M�dchen f�hren mu�, die nicht mit diesem Talent geboren sind, war mir alles klar. Darf ich mich hinsetzen?� K�hl bis ans Herz.</p><p>Elayne nickte, und Domon stellte Egeanins Stuhl wieder richtig hin. Er stellte sich dann auch sicherheitshalber hinter sie, als sie sich setzte. Sie blickte sich zu ihm um und sagte: �Beim letztenmal, als wir uns trafen, wart Ihr kein so... schwieriger... Gegner.� �Damals Ihr haben zwanzig ger�stete Soldaten auf meinem Deck und eine <emphasis>Damane,</emphasis> die mein Schiff mit der Hilfe von Macht in St�cke zerbrechen k�nnen. Nur weil ich einen Hai vom Schiff aus angeln k�nnen, ich noch lange nicht wollen ringen mit ihm im Wasser.� �berraschenderweise grinste er sie pl�tzlich an und rieb sich den Magen an der Stelle, wo sie ihn f�r Elayne fast unsichtbar getroffen hatte. �Ihr sein auch kein so einfacher Gegner, als ich glauben, ganz ohne R�stung und Schwert.� Die Welt dieser Frau mu�te wohl ziemlich durcheinandergeraten sein, doch sie nahm es sehr gelassen hin. Elayne konnte sich nicht vorstellen, was in ihrer eigenen Vorstellungswelt in dem gleichen Ma�e das Unterste zuoberst kehren k�nne, aber sie hoffte, falls das jemals gesch�he, k�nne sie es mit der gleichen �berlegenen Ruhe wie Egeanin hinnehmen. <emphasis>Ich mu� mich davon abhalten, f�r sie noch Sympathie zu empfinden. Sie ist eine Seanchan. Sie h�tten mich als Haustier an die Leine gelegt, wenn sie gekonnt h�tten. Licht, wie kann man aufh�ren, jemanden zu m�gen?</emphasis></p><p>Nynaeve hatte anscheinend keine Probleme damit. Sie schlug mit beiden F�usten auf den Tisch und beugte sich so unbeherrscht zu Egeanin hin�ber, da� ihre Z�pfe zwischen den Sch�sseln baumelten. �Warum seid Ihr hier in Tanchico? Ich glaubte, Ihr w�rt nach den Ereignissen von Falme alle geflohen. Und warum habt Ihr versucht, unser Vertrauen zu erschleichen wie eine hinterh�ltige Schlange? Falls Ihr glaubt, Ihr k�nnt uns ein Halsband umlegen, dann war das ein Irrglaube!� �Das war niemals meine Absicht�, sagte Egeanin h�lzern. �Alles, was ich von Euch wollte, war, mehr �ber die Aes Sedai zu erfahren. Ich...� Zum erstenmal z�gerte sie, und ihre Selbstsicherheit versagte. Sie pre�te die Lippen aufeinander, blickte von Nynaeve zu Elayne und sch�ttelte den Kopf. �Ihr seid nicht so, wie man es mich gelehrt hat. Das Licht m�ge mich strafen, aber... ich mag Euch.� �Ihr m�gt uns.� Bei Nynaeve klang das, als sei es ein Verbrechen. �Das beantwortet keine meiner Fragen.� Egeanin z�gerte wieder, doch dann hob sie stolz und herausfordernd den Kopf. �In Falme wurden <emphasis>Sul'dam</emphasis> zur�ckgelassen. Einige flohen nach der Katastrophe. Ein paar von uns wurden ausgesandt, um sie zur�ckzuholen. Ich habe nur eine aufgesp�rt, doch durch sie habe ich herausgefunden, da� ein <emphasis>Adam</emphasis> auch sie fesselt.� Sie sah, wie Nynaeve die F�uste noch fester ballte, und f�gte schnell hinzu: �Ich lie� sie gestern abend gehen. Daf�r werde ich teuer bezahlen, falls man es jemals herausfindet. Aber nachdem ich mit Euch gesprochen hatte, konnte ich sie nicht... � Sie verzog das Gesicht und sch�ttelte den Kopf. �Deshalb blieb ich bei Euch, nachdem Elayne mir gesagt hatte, wer sie sei. Ich wu�te, da� Bethamin eine <emphasis>Sul'dam</emphasis> war. Als ich merkte, da� der <emphasis>A'dam</emphasis> sie fesselte, da� sie... Ich mu�te es wissen, mu�te mehr erfahren �ber Frauen, die mit der Macht umgehen k�nnen.� Sie atmete tief durch. �Was wollt Ihr nun mit mir tun?� Ihre H�nde, die sie auf dem Tisch gefaltet hatte, zitterten nicht.</p><p>Nynaeve �ffnete zornig den Mund und schlo� ihn dann langsam wieder. Elayne wu�te, was mit ihr los war. Nynaeve mochte Egeanin ja jetzt hassen, aber die Frage war wirklich, was sie nun mit ihr anstellen sollten. Es war unklar, ob sie in Tanchico irgendein Verbrechen begangen hatte, und in jedem Fall schien die Miliz sowieso an nichts anderem interessiert, als die eigene Haut zu retten. Sie war eine Seanchan, sie hatte die <emphasis>Sul'dam</emphasis> und <emphasis>Damane</emphasis> ben�tzt, aber andererseits behauptete sie, diese Bethamin freigelassen zu haben. Welches Verbrechen konnten sie denn bestrafen? Da� sie Fragen gestellt und von ihnen darauf Antworten erhalten hatte? Ihre Sympathie gewonnen zu haben?</p><p>�Ich w�rde Euch gern die Haut abziehen, bis Ihr gl�ht wie ein Sonnenuntergang�, grollte Nynaeve. Pl�tzlich wandte sie sich Domon zu. �Ihr habt sie gefunden? Ihr sagtet doch, ihr h�ttet sie gefunden? Wo?� Er trat von einem Fu� auf den anderen und rollte warnend die Augen in Richtung von Egeanins R�cken. Seine Augenbrauen hoben sich fragend.</p><p>�Ich glaube nicht, da� sie zu den Schattenfreunden geh�rt�, sagte Elayne, als Nynaeve z�gerte.</p><p>�Das bin ich ganz gewi� nicht!� Egeanins Blick war wild und beleidigt.</p><p>Nynaeve verschr�nkte die Arme, um zu verhindern, da� sie wieder an ihren Z�pfen zog, sah die Frau finster an und lie� ihren Blick dann zu Domon hin�berschweifen. Es wirkte so anklagend, als sei er an dem ganzen Durcheinander schuld. �Wir haben keinen Raum, um sie einzusperren�, sagte sie schlie�lich, �und Rendra w�rde sicher auch den Grund erfahren wollen. Fahrt also fort, Meister Domon.� Er warf Egeanin einen letzten zweifelnden Blick zu. �Im Panarchenpalast, einer meiner M�nner haben gesehen zwei der Frauen von Eurer Liste. Die mit den Katzen und die Frau aus Saldaea.� �Seid Ihr sicher?� fragte Nynaeve. �Im Panarchenpalast? Ich w�nschte, Ihr h�ttet sie selbst gesehen. Es gibt ja schlie�lich mehr Frauen als nur Marillin Gemalphin, die Katzen m�gen. Und Asne Zeramene ist nicht die einzige Frau aus Saldaea, nicht einmal hier in Tanchico.� �Eine Frau mit schmalem Gesicht, blauen Augen und breiter Nase, die f�ttern ein Dutzend Katzen in dieser Stadt, wo Leute essen Katzen? In Gesellschaft einer anderen mit dieser typischen Nase und den schr�gen Augen aus Saldaea? Das sein kein gew�hnliches Paar, Frau al'Meara.� �Da habt Ihr recht�, gab Nynaeve zu. �Aber im Panarchenpalast? Meister Domon, falls Ihr das vergessen habt, bewachen f�nfhundert Wei�m�ntel diesen Ort, und das unter dem Befehl eines Inquisitors der Hand des Lichts! Zumindest Jaichim Carridin und seine Offiziere d�rften eine Aes Sedai sofort erkennen. W�rden sie bleiben, wenn sie feststellten, da� die Panarchin Aes Sedai beherbergt?� Er �ffnete den Mund, doch Nynaeves Argument hatte ins Schwarze getroffen, und er brachte kein Wort heraus.</p><p>�Meister Domon�, sagte Elayne, �was hatte denn einer Eurer M�nner am Panarchenpalast zu tun?� Er zupfte verlegen an seinem Bart und rieb sich mit einem dicken Finger die bartlose Oberlippe. �Ihr wissen, die Panarchin Amathera sein bekannt f�r Vorliebe f�r wei�en Pfeffer, den ganz scharfen, und vielleicht sie sein gro�z�gig, wenn erhalten Geschenk, und wenn nicht selbst bekommen, wenigstens Zollbeamte werden wissen, die ihr geben Geschenk, und dann selbst sein gro�z�giger.� �Geschenke?� fragte Elayne in mi�billigendem Tonfall, so gut sie das eben fertigbrachte. �Am Hafen wart Ihr ehrlicher und habt so etwas einfach Bestechung genannt.� �berraschenderweise hatte sich auch Egeanin auf ihrem Stuhl umgedreht und ihm ebenfalls einen mi�billigenden Blick zugeworfen. �Gl�ck stich mich�, murrte er. �Ihr mich nicht beauftragen, aufzugeben den Handel. Und ich nicht machen das, auch wenn Ihr mir das sagen, und selbst, wenn Ihr bringen meine alte Mutter und sie sagen dasselbe. Ein Mann haben ein Recht auf seinen Beruf.� Egeanin schnaubte und setzte sich zurecht.</p><p>�Seine Bestechungsmethoden sind nicht unser Problem, Elayne�, sagte Nynaeve erregt. �Es ist mir gleich, und wenn er die ganze Stadt besticht und schmuggelt... � Ein Klopfen an der T�r lie� sie verstummen. Nach einem warnenden Blick zu den anderen zischte sie Egeanin an: �Sitzt gef�lligst still!� und erhob dann die Stimme: �Herein.� Juilin steckte den Kopf in den Raum. Er trug diese idiotische zylindrische Kappe und blickte wie immer Domon besonders finster an. Der Schnitt an seiner dunklen Wange, an dem noch getrocknetes Blut zu sehen war, war nichts Besonderes. Auf den Stra�en ging es jetzt tags�ber noch schlimmer zu als anfangs bei Nacht. �Kann ich allein mit Euch sprechen, Frau al'Meara?� sagte er, als er Egeanin am Tisch entdeckt hatte.</p><p>�Ach, kommt herein�, sagte Nynaeve �rgerlich zu ihm. �Nach dem, was sie schon geh�rt hat, spielt es keine Rolle mehr, ob sie noch mehr h�rt. Habt Ihr sie auch im Panarchenpalast entdeckt?� Er war bereits dabei, die T�r zu schlie�en, und warf Domon einen undefinierbaren Blick zu. Seine Lippen hatte er aufeinandergepre�t. Der Schmuggler l�chelte ein wenig zu breit. Einen Augenblick lang schien es, die beiden wollten sich gegenseitig an den Kragen.</p><p>�Also ist mir der Illianer zuvorgekommen�, knurrte Juilin bedauernd. Er ignorierte Domon und sagte zu Nynaeve: �Ich sagte Euch ja, da� die Frau mit der wei�en Str�hne mich zu ihnen bringen werde. Das ist ja doch etwas sehr Auffallendes. Und ich habe dort auch die Domanifrau gesehen. Aus der Entfernung zwar nur, da ich ja nicht ein solcher Narr bin, um direkt in einen Schwarm Barrakudas hineinzuschwimmen, aber ich glaube nicht, da� sich au�er Jeaine Caide noch eine andere Frau aus Arad Doman in ganz Tarabon aufh�lt.� �Ihr wollt damit sagen, da� sie tats�chlich im Panarchenpalast sind?� rief Nynaeve.</p><p>Juilins Gesichtsausdruck �nderte sich nicht, doch weiteten sich seine dunklen Augen ein wenig, und sein Blick huschte zu Domon hin�ber. �Also hatte er keinen Beweis�, murmelte er befriedigt.</p><p>�Ich haben Beweis.� Domon vermied es, den Tairener anzublicken. �Wenn Ihr es nicht glauben, bevor dieser Fischer hier kommen, Frau al'Meara, dann es sein kein Fehler von mir.� Juilin plusterte sich auf, doch Elayne schnitt dem Diebf�nger das Wort ab: �Ihr habt sie beide aufgesp�rt und beide hattet Ihr Beweise. H�chstwahrscheinlich h�tte es bei keinem allein gereicht, sehr wohl aber gemeinsam. Jetzt wissen wir, wo sie sich aufhalten, und das haben wir Euch beiden zu verdanken.� Nun wirkten die beiden noch m�rrischer als zuvor. M�nner benahmen sich manchmal auch zu t�richt.</p><p>�Der Panarchenpalast.� Nynaeve ri� an einer Handvoll ihrer Z�pfe und schleuderte sie dann mit einem scharfen Ruck ihres Kopfes �ber die Schulter zur�ck. �Was sie suchen, mu� sich also dort befinden. Aber wenn sie es schon haben, warum sind sie dann noch in Tanchico? Der Palast ist riesengro�. Vielleicht haben sie es noch nicht gefunden? Nicht, da� uns das weiterbringt, solange sie drinnen sind und wir hier drau�en!� Thom kam wie gew�hnlich ohne anzuklopfen herein und �berblickte mit einem Blick alles. �Frau Egeanin�, gr��te er mit einer eleganten Verbeugung, der sein Hinken keinen Abbruch tat. �Nynaeve, ich w�rde gern mit Euch allein sprechen. Ich habe wichtige Neuigkeiten.� Die frische Schramme an seiner ledernen Wange machte Elayne noch zorniger als der Ri� in seinem guten braunen Umhang. Der Mann war zu alt, um sich st�ndig auf den Stra�en Tanchicos herumzutreiben. Oder �berhaupt auf Stra�en, in denen es rauh zuging. Es wurde Zeit, da� sie ihm irgendwo einen sicheren und bequemen Platz besorgte, an dem er seinen Lebensabend in Ruhe verbringen konnte. Keine Wanderschaft mehr als Gaukler von Dorf zu Dorf. Sie w�rde schon daf�r sorgen.</p><p>Nynaeve blickte Thom scharf an. �Ich habe jetzt keine Zeit f�r so etwas. Die Schwarzen Schwestern befinden sich im Panarchenpalast, und es kann durchaus sein, da� Amathera ihnen hilft, den Palast vom Keller bis zum Dachboden abzusuchen.� �Das habe ich vor weniger als einer Stunde herausgefunden�, sagte er ungl�ubig. �Wie habt Ihr...?� Er sah Domon und Juilin an, die immer noch dreinblickten wie zwei Jungen, die beide den ganzen Kuchen beansprucht hatten.</p><p>Es war offensichtlich, da� er nicht glaubte, Nynaeve habe ihre Informationen von diesen beiden erhalten. Elayne h�tte am liebsten gegrinst. Er war immer so stolz darauf, alle Hintergr�nde zu kennen, alle verborgenen Aktivit�ten zu durchschauen. �Die Burg hat ihre eigenen Methoden, Thom�, sagte sie k�hl und geheimnisvoll zu ihm. �Es ist am besten, wenn man die Nase nicht zu tief in die Methoden von Aes Sedai steckt.� Er verzog das Gesicht, und seine buschigen, wei�en Augenbrauen zogen sich unsicher herunter. Sehr befriedigend. Ihr wurde bewu�t, da� auch Juilin und Domon sie mit gerunzelter Stirn anblickten, und mit einemmal hatte sie M�he, ein Err�ten zu unterdr�cken. Falls sie plauderten, w�rde sie wie eine N�rrin dastehen. Das w�rden sie wahrscheinlich auch irgendwann; M�nner klatschten so gern. Am besten schnell das Thema wechseln und hoffen. �Thom, habt Ihr etwas geh�rt, aus dem hervorgehen k�nnte, da� Amathera zu den Schattenfreunden geh�rt?� �Nichts.� Er zupfte nerv�s an einem langen Schnurrbartende. �Anscheinend hat sie Andric nicht mehr aufgesucht, seit sie die Krone des Baums aufgesetzt bekam. Vielleicht ist es wegen der st�ndigen Unruhen zu unsicher geworden, vom Palast des K�nigs zum Panarchenpalast zu fahren und umgekehrt. Vielleicht ist ihr klar geworden, da� sie jetzt genauso m�chtig ist wie er, und sie ist nicht mehr so nachgiebig wie vorher. Nichts weist jedenfalls darauf hin, wo ihre politischen Bindungen liegen.� Nach einem Blick zu der dunkelhaarigen Frau auf dem Stuhl hin�ber f�gte er hinzu: �Ich bin dankbar f�r die Hilfe, die Euch Frau Egeanin im Falle dieser R�uber leistete, aber bisher glaubte ich, es sei nur eine lockere Freundschaft daraus entstanden. Darf ich fragen, wer sie ist, da� sie nun wohl in alles eingeweiht wurde? Ich erinnere mich dunkel daran, da� Ihr gedroht habt, einen Knoten in jede unvorsichtige Zunge zu kn�pfen, Nynaeve.� �Sie ist eine Seanchan�, sagte Nynaeve zu ihm. �Macht den Mund zu, Thom, bevor Ihr einen Falter verschluckt, und setzt Euch. Wir k�nnen essen, w�hrend wir dar�ber nachdenken, was wir jetzt unternehmen wollen.� �Vor ihr?� fragte Thom. �Eine Seanchan?� Er hatte von Elayne Teile der Geschichte geh�rt, aber nur Teile, was in Falme geschehen war, und ganz bestimmt kannte er auch die Ger�chte. So musterte er Egeanin, als frage er sich, wo sie ihre H�rner verborgen habe. Juilin quollen die Augen heraus. Also hatte er vermutlich ebenfalls den Klatsch in Tanchico vernommen.</p><p>�Wollt Ihr etwa vorschlagen, ich solle Rendra bitten, sie in einem Lagerraum einzusperren?� fragte Nynaeve gelassen. �Das w�rde aber Aufmerksamkeit erregen, oder? Ich bin ziemlich sicher, da� drei gro�e, haarige M�nner Elayne und mich besch�tzen k�nnen, und wenn sie ein ganzes Seanchanheer aus der Tasche zieht. Setzt Euch, Thom, oder e�t im Stehen, wenn Euch das lieber ist, aber h�rt auf, sie so anzustarren. Setzt Euch alle hin. Ich habe vor, zu essen, bevor alles kalt ist.� Das taten sie denn auch. Thom wirkte dabei genauso ungl�cklich wie Juilin und Domon. Manchmal funktionierte Nynaeves Art, jeden Widerstand einfach niederzukn�ppeln. Vielleicht k�nnte sie es auch einmal bei Rand versuchen?</p><p>Sie verdr�ngte das Thema Rand wieder und entschied, es sei Zeit, etwas Bedeutsameres loszuwerden. �Ich kann mir nicht vorstellen, da� sich die Schwarzen Schwestern im Panarchenpalast ohne Wissen Amatheras aufhalten�, sagte sie und zog sich den Stuhl unter das h�bsche Hinterteil. �Wie ich die Dinge sehe, gibt es drei M�glichkeiten. Einmal, da� Amathera zu den Schattenfreunden geh�rt. Dann, zweitens, k�nnte sie die Schwarzen einfach f�r normale Aes Sedai halten. Und drittens k�nnte sie nat�rlich ihre Gefangene sein.� Aus irgendeinem Grund erzeugte Thoms beif�lliges Nicken ein warmes Gef�hl in ihrem Inneren. Zu dumm. Auch wenn er das Spiel der H�user gut kannte, war er doch nur ein n�rrischer Barde, der alles weggeworfen hatte, um Gaukler zu werden. �In jedem dieser F�lle wird sie ihnen wohl helfen, zu finden, wonach sie suchen, aber mir scheint, wenn sie sie wirklich f�r Aes Sedai h�lt, k�nnten wir ihre Hilfe vielleicht dadurch gewinnen, da� wir ihr die Wahrheit sagen. Und falls sie ihre Gefangene ist, k�nnen wir sie f�r uns gewinnen, indem wir sie befreien. Selbst Liandrin und ihre Begleiterinnen k�nnen den Palast nicht halten, wenn die Panarchin die R�umung anordnet, und das w�rde dann <emphasis>uns</emphasis> freie Hand geben, um selbst zu suchen.� �Das Problem ist, herauszufinden, ob sie nun ihre Verb�ndete ist, einfach leichtgl�ubig oder eine Gefangene�, sagte Thom und fuchtelte mit seinen <emphasis>Sursa</emphasis> herum. Er konnte doch tats�chlich perfekt mit den Dingern umgehen!</p><p>Juilin sch�ttelte den Kopf. �Das wirkliche Problem ist, �berhaupt bis zu ihr zu kommen, gleich, wie die Lage nun aussieht. Jaichim Carridin hat f�nfhundert Wei�m�ntel, die um den Palast herumlauern wie die M�wen um die Fischerboote. Die Legion der Panarchen ist beinahe doppelt so stark, und die Miliz hat noch mal ebenso viele Leute. Wenige der Ringfestungen werden auch nur halb so gut bewacht.� �Wir werden uns ja auch nicht durchk�mpfen�, sagte Nynaeve trocken. �H�rt auf, mit den Haaren auf Eurer Brust zu denken. Jetzt ist Verstand angesagt und nicht die Muskeln. Wie ich die Dinge sehe... � Die Diskussion setzte sich w�hrend des ganzen Essens fort und hielt auch noch an, als die letzte Sch�ssel geleert war. Nachdem sie eine Weile stumm dagesessen, nichts gegessen und anscheinend nicht einmal zugeh�rt hatte, gab sogar Egeanin ein paar treffende Kommentare zur Lage. Sie hatte einen scharfen Verstand, und Thom griff bereitwillig einige ihrer Anregungen auf, auch wenn er andere geradewegs ablehnte � genauso wie bei allen anderen. Selbst Domon unterst�tzte �berraschenderweise Egeanin, als Nynaeve forderte, da� sie schweige. �Sie sein wirklich vern�nftig, Frau al'Meara. Nur ein Narr nicht annehmen guten Rat, gleich woher er kommen.� Ungl�cklicherweise bedeutete das Wissen um den Aufenthaltsort der Schwarzen Schwestern noch gar nichts, solange man nicht wu�te, welche Rolle Amathera spielte und was sie eigentlich suchten. Am Ende, nach fast zwei Stunden fruchtloser Diskussion, waren sie sich gerade dar�ber im klaren und hatten ein paar Ideen, wie man mehr �ber Amathera herausfinden k�nne. Und all das hing wieder an den M�nnern mit ihrem Spinnennetz von Informanten in ganz Tanchico.</p><p>Keiner der M�nner wollte sie mit einer Seanchan allein lassen, bis Nynaeve zornig genug war, sie alle drei mit Str�ngen von Luft zu fesseln und zur T�r hinaus zu schieben. �Glaubt Ihr nicht�, sagte sie mit eisiger Stimme, vom Gl�hen <emphasis>Saidars</emphasis> umgeben, �wir k�nnten das gleiche mit ihr machen, wenn sie auch nur �Buh� sagt?� Sie lie� keinen von ihnen gehen, bevor er nicht genickt hatte. Mehr als die K�pfe konnten sie allerdings ohnehin nicht bewegen.</p><p>�Ihr haltet auf strenge Disziplin bei Eurer Mannschaft�, sagte Egeanin, kaum da� sich die T�r hinter den M�nnern geschlossen hatte.</p><p>�Schweigt, Seanchan!� Nynaeve verschr�nkte die Arme. Langsam schien sie es sich abzugew�hnen, an ihren Z�pfen zu rei�en, wenn sie sich aufregte. �Setzt Euch � und �haltet � den � Mund!� Es war frustrierend, hier zu sitzen und zu warten, die Pflaumenb�ume mit ihren fallenden Bl�ten anzustarren, die auf die fensterlosen W�nde gemalt waren oder Nynaeve beim Herumtigern zu beobachten, w�hrend Thom und Juilin und Domon drau�en waren und wirklich etwas unternehmen durften. Und doch wurde es noch schlimmer, wenn in Abst�nden immer einer der M�nner zur�ckkam und berichtete, da� wieder eine Spur im Sand verlaufen oder ein Faden gerissen sei, sich schnell nach den Ergebnissen der anderen erkundigte und wieder hinaushastete.</p><p>Als Thom das erstemal zur�ckkam, mit einer neuen blauen Schwellung, diesmal auf der anderen Wange, sagte Elayne: �W�re es nicht besser, Thom, Ihr bliebt hier und w�rdet auf die Berichte von Juilin und Meister Domon warten? Ihr k�nntet das viel besser beurteilen als Nynaeve und ich.� Er sch�ttelte seinen n�rrischen, zerzausten, wei�en Schopf, w�hrend Nynaeve so laut schnaubte, da� man es sicher auf dem Flur h�ren konnte. �Ich habe eine Spur, die zu einem Haus auf der Verana f�hrt, in das sich Amathera offensichtlich ein paar N�chte vor ihrer Ernennung zur Panarchin zur�ckzog.� Und er war weg, bevor sie noch ein Wort herausbringen konnte.</p><p>Als er das n�chstemal zur�ckkam, humpelte er sichtlich st�rker. Er berichtete, das Haus geh�re Amatheras altem Kinderm�dchen. Elayne ri� sich zusammen und sagte in ihrem strengsten Befehlston: �Thom, ich will, da� Ihr euch jetzt hinsetzt. Ihr werdet von nun an hierbleiben. Ich lasse nicht zu, da� Ihr noch st�rker verwundet werdet!� �Verwundet?� fragte er. �Kind, ich habe mich nie im Leben wohler gef�hlt. Richtet Juilin und Domon aus, da� es angeblich hier in der Stadt eine Frau namens Cerindra gibt, die behauptet, alle m�glichen dunklen Geheimnisse aus Amatheras Vergangenheit zu kennen.� Und sofort humpelte er wieder los. Sein Umhang flatterte hinter ihm, so eilig hatte er es. Im Umhang war auch ein neuer Ri� zu sehen. Sturer, sturer, n�rrischer alter Mann!</p><p>Einmal drang L�rm durch die dicken W�nde: brutales Geschrei und Rufe von der Stra�e her. Rendra eilte herein, gerade, als Elayne beschlossen hatte, selbst hinunterzugehen und nachzusehen. �Ein paar kleinere Schwierigkeiten drau�en. Regt Euch nicht auf, bitte. Bayle Domons M�nner halten es von uns fern, ja. Ich wollte nur nicht, da� Ihr euch Sorgen macht.� �Auseinandersetzungen hier drau�en?� fragte Nynaeve in scharfem Tonfall. Die unmittelbare Nachbarschaft dieser Schenke war in der letzten Zeit ein Hort der Ruhe gewesen, einer der wenigen in der Stadt. �Nichts, um Euch zu beunruhigen�, sagte Rendra bes�nftigend. �Vielleicht wollen sie zu essen haben. Ich werde ihnen sagen, wo sich Bayle Domons Suppenk�che befindet, und dann gehen sie weg.� Nach einer Weile erstarb der L�rm, und Rendra lie� Wein heraufbringen. Erst als der Kellner mit etwas m�rrischem Gesicht wieder gegangen war, wurde Elayne klar, da� es der junge Mann mit den sch�nen braunen Augen gewesen war. Der Mann hatte angefangen, selbst auf ihre k�ltesten Blicke zu reagieren, als l�chle sie. Glaubte dieser Narr, sie h�tte jetzt �berhaupt Zeit, ihn zu bemerken?</p><p>Warten und umhertigern, umhertigern und warten. Cerindra stellte sich als Kammerzofe heraus, die wegen eines Diebstahls entlassen worden war. Sie war absolut nicht dankbar daf�r, da� ihr das Gef�ngnis erspart geblieben war; statt dessen best�tigte sie jede Anschuldigung, die man gegen Amathera erhob. Ein Bursche behauptete, Beweise daf�r zu besitzen, da� Amathera eine Aes Sedai und noch dazu eine Schwarze sei, aber er sagte auch, die gleichen Dokumente bewiesen, K�nig Andric sei der Wiedergeborene Drache. Die Gruppe von Frauen, die Amathera h�ufig heimlich besuchte, waren Freundinnen, die Andric nicht leiden konnte, und die ern�chternde Entdeckung, da� sie im geheimen mehrere Schmuggelboote finanziert hatte, f�hrte auch zu nichts. Fast jeder Adlige bis auf den K�nig selbst war irgendwie in den Schmuggel verwickelt. So endete jede Spur. Das Schlimmste, was Thom herausfand, war die Tatsache, da� Amathera gleich zwei gutaussehende junge Lords davon �berzeugt hatte, jeder von ihnen sei die gro�e Liebe ihres Lebens und sie ben�tze Andric nur, um ihr Ziel zu erreichen. Andererseits hatte sie einer Reihe von Adligen im Palast Audienzen gew�hrt, sowohl allein wie auch in Gesellschaft von Frauen, die leicht als Liandrin und die anderen von der Liste erkennbar waren, und deren Ratschl�ge sie, wie berichtet wurde, bereitwillig in ihren Entscheidungen beherzigt hatte. Verb�ndete oder Gefangene?</p><p>Als Juilin gute drei Stunden nach Sonnenuntergang zur�ckkehrte, seinen daumendicken Stock aus hellem, in viele Abschnitte unterteiltem Holz in der Hand wirbelte und etwas von einem blonden Kerl knurrte, der versucht hatte, ihn auszurauben, sa�en Thom und Domon bereits zusammengesunken und entt�uscht mit Egeanin am Tisch.</p><p>�Das werden noch einmal wie Falme�, grollte Domon ins Leere hinein. Der kr�ftige Pr�gel, den er irgendwo aufgetrieben hatte, lag vor ihm, und er trug nun ein kurzes Schwert am G�rtel. �Aes Sedai. Die Schwarzen Ajah. Mit der Panarchin verwickelt sein. Wenn wir nicht finden etwas morgen, dann ich werden aus Tanchico fl�chten. Oder ganz sicher am n�chsten Tag, und wenn eigene Schwester meiniges bitten zu bleiben!� �Morgen�, sagte Thom m�de, die Ellbogen auf dem Tisch und den Kopf auf die F�uste gest�tzt. �Ich bin zu m�de, um noch klar denken zu k�nnen. Ich habe mich sogar dabei ertappt, da� ich einem aus der Palastw�scherei zugeh�rt habe, der behauptete, er habe geh�rt, wie Amathera schmutzige Lieder gegr�lt habe, wie man sie sonst nur in den billigsten Tavernen im Hafen h�rt. Ich habe ihm tats�chlich zugeh�rt!� �Was mich betrifft�, sagte Juilin und drehte seinen Stuhl um, damit er sich umgekehrt draufsetzen konnte, �so werde ich in der Nacht weitersuchen. Ich habe einen <emphasis>Dachlukenspezialisten</emphasis> kennengelernt, der sagt, die Frau, mit der er zusammenlebt, sei auch eine von Amatheras Zofen gewesen. Seinem Bericht nach hat Amathera an dem Abend, als sie in ihr Amt eingesetzt wurde, s�mtliche Zofen ohne Vorwarnung entlassen. Er bringt mich zu ihr, wenn er heute nacht ein gewisses Gesch�ft auf dem Haus eines reichen Kaufmanns beendet hat.� Nynaeve schritt zum Tischende hin�ber, die F�uste auf die H�ften gest�tzt. �Ihr werdet heute nacht nirgends hingehen, Juilin. Ihr drei werdet Euch dabei abwechseln, unsere T�r zu bewachen.� Die M�nner protestierten nat�rlich alle lebhaft.</p><p>�Ich haben meine eigenen Gesch�fte zu abwickeln, und den Tag ich m�ssen damit verbringen, f�r Euch Fragen zu stellen... � �Frau al'Meara, diese Frau ist die erste Person, die ich kennengelernt habe, die tats�chlich Amathera gesehen hat, seit sie ernannt wurde... � �Nynaeve, ich werde morgen kaum in der Lage sein, irgendein Ger�cht aufzuschnappen, und schon gar nicht, es weiterzuverfolgen, wenn ich die Nacht damit verbringen mu�... � Sie lie� sie einfach reden. Als sie langsam aufh�rten, wohl, weil sie glaubten, sie �berzeugt zu haben, sagte sie: �Da wir keinen anderen Platz haben, um die Seanchanfrau festzusetzen, wird sie bei uns schlafen m�ssen. Elayne, l��t du bitte Rendra noch eine Matratze bringen? Sie kann sie ruhig auf den Boden legen.� Egeanin sah sie an, sagte aber nichts.</p><p>Die M�nner steckten nun fein in der Zwickm�hle:</p><p>Entweder weigerten sie sich und brachen damit ihr Wort, das sie Nynaeve gegeben hatten, sie w�rden ihr stets gehorsam sein, oder sie argumentierten weiter wie trotzige Knaben. Sie funkelten sie an, kochten offensichtlich vor Wut � aber sie gehorchten.</p><p>Rendra war sichtlich �berrascht, da� sie lediglich eine Matratze verlangten, aber sie schluckte die Geschichte, da� Egeanin f�rchte, nachts auf die Stra�e zu gehen. Sie wirkte dann aber pikiert, als sich Thom in den Flur neben ihre Zimmert�r setzte. �Diese Kerle, die kamen nicht herein, so sehr sie sich auch bem�hten. Ich sagte Euch doch, die Suppenk�che w�rde sie weglocken. G�ste im �Hof der Drei Pflaumen� brauchen keine Leibw�chter auf den Zimmern.� �Das stimmt ganz sicher�, sagte Elayne und versuchte sanft, sie aus der T�r zu schieben. �Aber Thom und die anderen machen sich eben Sorgen. Ihr wi�t ja, wie M�nner sind.� Thom warf ihr einen scharfen Blick zu und seine dichten wei�en Augenbrauen verzogen sich drohend, doch Rendra schnaubte und nickte best�tigend. Elayne konnte endlich die T�r schlie�en.</p><p>Nynaeve wandte sich sofort Egeanin zu, die ihr Lager auf der anderen Seite des Bettes aufschlug. �Zieht Euch aus, Seanchan. Ich will sichergehen, da� Ihr nicht irgendwo noch ein Messer versteckt habt.� Egeanin stand gelassen auf und zog sich bis auf das leinene Unterhemd aus. Nynaeve suchte ihre Kleidung gr�ndlich ab und bestand dann darauf, auch Egeanin selbst zu untersuchen, und das nicht gerade sanft. Da� sie nichts fand, schien sie kaum zu bes�nftigen.</p><p>�H�nde auf den R�cken, Seanchan. Elayne, fessle sie.� �Nynaeve, ich glaube nicht, da� sie... � �Fessle sie mit der Macht, Elayne�, sagte Nynaeve grob, �oder ich schneide ihr Kleid in Streifen und fessle sie an H�nden und F��en. Du wirst dich daran erinnern, wie sie die Kerle auf der Stra�e fertiggemacht hat. M�glicherweise von ihr selbst angeworbene Entf�hrer. Sie k�nnte uns vielleicht im Schlaf mit blo�en H�nden t�ten.� �Also wirklich, Nynaeve! Thom steht drau�en... � �Sie ist eine Seanchan! Eine Seanchan, Elayne!� Es klang, als hasse sie die dunkelhaarige Frau, als habe sie ihr pers�nlich etwas angetan, aber das ergab keinen Sinn. Egwene war den Seanchan in die H�nde gefallen, und nicht Nynaeve. Ihr leicht vorgeschobenes Kinn signalisierte, da� sie ihren Kopf durchsetzen wollte, ob mit Hilfe der Macht oder mit Stricken, falls sie welche auftrieb.</p><p>Egeanin hatte bereits die Handgelenke hinter dem R�cken aneinandergelegt, folgsam, wenn nicht sogar dem�tig. Elayne verwob einen Strang Luft um sie und band ihn. Zumindest w�rde das bequemer sein als aus ihrem eigenen Kleid gerissene Stoffstreifen. Egeanin spannte die Armmuskeln leicht, um die unsichtbaren Bande zu �berpr�fen, und dann schauderte sie. Genauso h�tte sie versuchen k�nnen, Stahlketten zu zerrei�en. Achselzuckend legte sie sich hin, so gut es eben ging, und wandte Elayne und Nynaeve den R�cken zu.</p><p>Nynaeve begann, ihr eigenes Kleid aufzukn�pfen. �Gib mir den Ring, Elayne.� �Bist du sicher, Nynaeve?� Sie blickte bedeutsam Egeanins R�cken an. Die Frau schien gar nicht zuzuh�ren.</p><p>�Sie wird jedenfalls heute nacht nicht mehr weglaufen und uns verraten.� Nynaeve schwieg einen Moment und zog sich das Kleid �ber den Kopf. Dann setzte sie sich in ihrem d�nnen Seidenunterhemd aus Tarabon auf die Bettkante, um die Str�mpfe herunterzurollen. �Heute ist die Nacht, in der wir uns wieder verabredet haben. Egwene erwartet eine von uns, und ich bin jetzt dran. Sie wird sich Sorgen machen, wenn keine von uns auftaucht.� Elayne fischte die Lederkordel aus ihrem Ausschnitt. Der Steinring mit seinen Flecken und Streifen in Blau und Braun und Rot hing neben dem goldenen Ring mit der Gro�en Schlange, die ihren eigenen Schwanz fra�. Sie knotete die Kordel auf, reichte Nynaeve den <emphasis>Ter'Angreal,</emphasis> band sie wieder zusammen und lie� den verbliebenen Ring unter ihr Kleid gleiten. Nynaeve h�ngte den steinernen <emphasis>Ter'Angreal</emphasis> neben ihren eigenen Schlangenring und den schweren Goldring von Lan, die zwischen ihren Br�sten baumelten.</p><p>�Gib mir eine Stunde, nachdem du sicher bist, da� ich schlafe, ja?� sagte sie und streckte sich auf der blauen Bettdecke aus. �Es sollte nicht l�nger dauern. Und pa� auf die da auf.� �Was kann sie schon anstellen, wenn sie gefesselt ist, Nynaeve?� Elayne z�gerte und dann f�gte sie hinzu: �Ich glaube auch nicht, da� sie uns etwas antun w�rde, wenn sie frei w�re.� �Wage es nicht!� Nynaeve hob den Kopf und blickte b�se auf Egeanins R�cken. Dann lie� sie sich wieder auf die Kissen fallen. �Eine Stunde, Elayne.� Sie schlo� die Augen und ver�nderte ihre Stellung, bis sie bequemer lag. �Das d�rfte auf jeden Fall reichen�, murmelte sie.</p><p>Elayne verbarg ein G�hnen hinter ihrer Hand und stellte den niedrigen Hocker an den Fu� des Bettes, wo sie Nynaeve beobachten konnte und auch Egeanin, obwohl das kaum notwendig werden d�rfte. Die Frau lag zusammengerollt auf der Matratze, hatte die Knie angezogen und die H�nde sicher gefesselt auf dem R�cken. Das war ein erm�dender Tag gewesen, obwohl sie die Schenke �berhaupt nicht verlassen hatten. Nynaeve murmelte bereits leise im Schlaf. Ihre Ellbogen standen wieder mal ab.</p><p>Egeanin hob den Kopf und blickte sich nach hinten um. �Ich glaube, sie ha�t mich.� �Schlaft lieber.� Elayne unterdr�ckte ein weiteres G�hnen.</p><p>�Aber Ihr schlaft nicht.� �Seid Euch Euer selbst nicht zu sicher�, warnte sie die andere. �Ihr scheint das alles sehr gelassen hinzunehmen. Wie k�nnt Ihr nur so ruhig bleiben?� �Ruhig?� Die H�nde der Frau bewegten sich unwillk�rlich und stemmten sich gegen die aus Luft gewebten Fesseln. �Ich habe derartig Angst, da� ich weinen k�nnte.� Ihrer Stimme war das nicht anzumerken, aber es klang trotzdem wie die Wahrheit.</p><p>�Wir werden Euch nichts tun, Egeanin.� Was Nynaeve auch vorhatte, sie w�rde schon daf�r sorgen. �Schlaft jetzt.� Nach einem Augenblick senkte sich Egeanins Kopf.</p><p>Eine Stunde. Es war richtig, Egwene keine unn�tigen Sorgen zu bereiten, aber sie h�tte es lieber gehabt, wenn sie die Stunde mit �berlegen �ber ihre Probleme zugebracht h�tten, anstatt sinnlos in <emphasis>Tel'aran'rhiod</emphasis> herumzulaufen. Wenn sie nicht in der Lage waren, herauszubekommen, ob Amathera nun eine Gefangene war oder nicht... <emphasis>La� das jetzt mal beiseite; das findest du jetzt und hier bestimmt nicht heraus.</emphasis> Und wenn sie es schlie�lich w��ten, wie k�men sie dann trotz aller Soldaten und der Miliz in den Palast hinein, ganz zu schweigen von Liandrin und den anderen?</p><p>Nynaeve hatte leicht zu schnarchen begonnen, eine Angewohnheit, die sie noch hitziger abstritt als die ewig herausstechenden Ellbogen. Egeanin schien langgezogen und gleichm��ig zu atmen, als schlafe sie. Elayne hielt die Hand vor und g�hnte wieder. Dann setzte sie sich auf dem Hocker zurecht und begann zu planen, wie sie sich in den Panarchenpalast einschleichen k�nnten.</p></section><section><title><p>52</p><p>Hilfe in der Not</p></title><p>Einen Moment lang stand Nynaeve im Herzen des Steins, ohne ihre Umgebung und die Tatsache, da� sie sich in <emphasis>Tel'aran'rhiod</emphasis> befand, wirklich wahrzunehmen. Egeanin war eine Seanchan. Eine aus diesem verderbten Volk, das ein Halsband um Egwenes Hals gelegt und versucht hatte, auch ihr eines anzulegen. Sie f�hlte sich ausgebrannt bei diesem Gedanken. Eine Seanchan, und sie hatte sich ihre Freundschaft erschlichen. Seit sie Emondsfeld verlassen hatte, war sie nur wenigen begegnet, die man als wahre Freunde bezeichnen k�nnte. Erst eine neue Freundin zu finden und sie dann auf diese Art zu verlieren...</p><p>�Deshalb hasse ich sie am meisten�, grollte sie und verschr�nkte ihre Arme. �Sie hat es fertiggebracht, da� ich sie mag, und ich kann damit nicht einfach aufh�ren, und deshalb hasse ich sie!� Laut ausgesprochen ergab das �berhaupt keinen Sinn. �Es mu� ja auch keinen Sinn ergeben.� Sie lachte leise und sch�ttelte bedauernd den Kopf. �Ich sollte mich ja wohl wie eine Aes Sedai verhalten.� Aber nicht schmollen wie ein kleines M�dchen.</p><p><emphasis>Callandor</emphasis> funkelte. Das Kristallschwert steckte im Boden unter der gro�en Kuppel, und dahinter erstreckten sich Reihen riesiger roter Sandsteins�ulen in diesem eigenartigen, tr�ben Lichtschein, der von �berall zugleich zu kommen schien. Es war leicht, sich an das alte Gef�hl zu erinnern, beobachtet zu werden. Nat�rlich bildete sie sich das nur ein. Falls es fr�her Einbildung gewesen war. Falls es jetzt Einbildung war. Dort hinten konnte sich alles m�gliche verbergen. In ihren H�nden erschien ein guter, dicker Stock, und sie sp�hte zwischen die S�ulen hinein. Wo war Egwene? Es sah dem M�dchen �hnlich, sie hier warten zu lassen. So d�ster und tr�b beleuchtet hier. Und wenn nun etwas auf sie lauerte, bereit, jeden Augenblick herauszuspringen...</p><p>�Das ist aber ein seltsames Kleid, Nynaeve.� Sie konnte gerade noch einen Aufschrei unterdr�cken und fuhr mit wild klopfendem Herzen und einem metallischen Scheppern herum. Egwene stand auf der anderen Seite <emphasis>Callandors</emphasis> mit zwei Frauen in bauschigen R�cken, die �ber den wei�en Blusen dunkle Schals trugen. Die wei�en Haare hatten sie jeweils mit einem anderen Schal eingebunden, und die Schalenden hingen ihnen bis zur H�fte herunter. Nynaeve schluckte erst einmal, hoffte, da� die anderen es nicht bemerkten, und bem�hte sich, wieder normal zu atmen. Sich so heranzuschleichen!</p><p>Eine der Aielfrauen erkannte sie aus Egwenes Beschreibung: Amys' Gesicht war viel zu jung f�r dieses wei�e Haar, aber anscheinend war es schon seit ihrer Kindheit beinahe silbern gewesen. Die andere war schlank, fast knochig, und hatte bla�blaue Augen in einem ledernen, runzligen Gesicht. Das mu�te Bair sein. Die h�rtere der beiden, fand Nynaeve nun, da sie die beiden vor sich hatte, aber nicht, da� Amys... Was? Ein seltsames Kleid? <emphasis>Ich habe dieses Ger�usch gemacht?</emphasis></p><p>Sie blickte an sich herunter und schnappte nach Luft. Ihr Kleid sah entfernt aus wie eines von den zwei Fl�ssen, aber die Frauen dort trugen keine Kleider aus Stahlpl�ttchen mit gr��eren Platten dazwischen, die zu einer R�stung geh�ren mochten. Solche R�stungen hatte sie in Schienar gesehen. Wie konnten M�nner in so etwas herumlaufen und auf Pferde steigen? Das Ganze lag schwer auf ihren Schultern, als w�ge es hundert Pfund. Ihr kr�ftiger Stock bestand jetzt aus Metall und wies an einem Ende Stacheln auf, wie eine stahlgl�nzende Distel. Ohne ihren Kopf ber�hren zu m�ssen, wu�te sie, da� sie eine Art Helm trug. Sie err�tete heftig und konzentrierte sich, damit sie ihre Kleidung schnell zu einem guten Wollkleid von den Zwei Fl�ssen �ndern konnte. Dazu trug sie nun einen Wanderstock. Es war ein sch�nes Gef�hl, ihr Haar wieder zu einem dicken Zopf geflochten zu tragen, der ihr �ber eine Schulter herunterhing.</p><p>�Unkontrollierte Gedanken haben manchmal unangenehme Folgen, wenn man im Traum wandelt�, sagte Bair mit d�nner, aber zugleich kr�ftiger Stimme. �Ihr m��t lernen, sie zu beherrschen, wenn Ihr damit weitermachen wollt.� �Ich kann meine Gedanken ganz gut beherrschen, danke�, sagte Nynaeve knapp. �Ich... � Bairs Stimme war nicht das einzige, was ihr d�nn vorkam. Die beiden Weisen Frauen schienen... beinahe verschwommen, und Egwene in ihrem hellblauen Reitkleid war fast durchscheinend. �Was ist los mit Euch? Warum seht Ihr so eigenartig aus?� �Versuch du mal, nach <emphasis>Tel'aran'rhiod</emphasis> zu kommen, wenn du im Halbschlaf auf einem Pferd hockst�, sagte Egwene trocken. Sie schien zu flackern. �Es ist Morgen im Dreifachen Land und wir sind unterwegs. Ich mu�te Amys schon �berreden, damit sie mich �berhaupt gehen lie�, aber ich f�rchtete, du w�rdest dir Sorgen machen.� �Es ist schon ohne ein Pferd schwierig genug�, sagte Amys, �halb zu schlafen, wenn man doch eigentlich wachen m�chte. Egwene hat es noch nicht richtig gelernt.� �Das werde ich schon noch�, sagte Egwene nerv�s, doch entschlossen. Sie war wie immer zu forsch und stur, wenn es darum ging, etwas zu lernen. Wenn diese Weisen Frauen sie nicht an der kurzen Leine hielten, w�rde sie sich mit einiger Sicherheit noch in alle nur erdenklichen Schwierigkeiten bringen.</p><p>Nynaeve verga�, sich weiter um Egwene und ihr Ungest�m Sorgen zu machen, als die j�ngere Frau begann, von dem Angriff der Trollocs und Draghkar auf die Kaltfelsenfestung zu erz�hlen. Seana, eine Weise Frau und Traumg�ngerin, befand sich unter den Toten. Rand eilte mit den Taardad Aiel nach diesem Alcair Dal, wobei er offensichtlich mit allen Br�uchen der Aiel brach. Er hatte L�ufer ausgesandt, um weitere Septimen dorthin zu holen. Der Junge vertraute seine Absichten niemandem an, die Aiel waren �bernerv�s, und Moiraine kaute an den Fingern�geln vor Frust. Das allein h�tte sie schon diebisch gefreut, denn auf irgendeine Weise wollte sie ja dem Einflu� dieser Frau endlich entfliehen, aber so besorgt, wie Egwene war...</p><p>�Ich wei� nicht, ob es der beginnende Wahnsinn ist oder pure Absicht�, schlo� Egwene. �Wenn ich sicher w�re, k�nnte ich wohl beides ertragen. Nynaeve, ich gebe zu, im Augenblick ist es nicht die Weissagung oder die Aussicht auf Tarmon Gai'don, was mir angst macht. Vielleicht ist es dumm, aber ich habe nun einmal Elayne versprochen, auf ihn aufzupassen, und nun wei� ich nicht, wie ich das anstellen soll.� Nynaeve ging um das Kristallschwert herum und legte einen Arm um Egwene. Wenigstens hatte sie selbst das Gef�hl, k�rperlich zu sein, auch wenn die andere wie ein Bild auf einem angelaufenen Spiegel aussah. Rands geistige Gesundheit. In dieser Hinsicht konnte sie nichts tun, noch nicht einmal etwas wirklich beruhigendes sagen. Egwene war schlie�lich diejenige, die bei ihm blieb und auf ihn aufpassen wollte. �Das Beste, was du f�r Elayne tun kannst, ist, ihm zu sagen, er solle das lesen, was sie ihm geschrieben hat. Sie macht sich Sorgen um ihn. Sie redet wohl nicht dar�ber, aber ich glaube, sie f�rchtet, mehr gesagt zu haben, als sie sollte. Wenn er glaubt, sie sei bis �ber beide Ohren verliebt, dann ist die Wahrscheinlichkeit gr��er, da� er dasselbe empfindet, und das ist bestimmt nicht schlecht f�r sie. Wenigstens haben wir ein paar gute Neuigkeiten aus Tanchico. Aber nur ein paar.� Als sie alles erkl�rte, schien noch nicht einmal diese Einschr�nkung gerechtfertigt.</p><p>�Also wi�t ihr immer noch nicht, was sie eigentlich suchen�, sagte Egwene, nachdem sie geendet hatte. �Und selbst wenn, dann w�ren sie bereits an Ort und Stelle und k�nnten es zuerst aufsp�ren.� �Nicht, wenn ich es verhindern kann.� Nynaeve sah die beiden Weisen Frauen fest und entschlossen an. Elayne hatte ja berichtet, da� Amys z�gerte, sich mehr als nur in Warnungen zu �u�ern. Also mu�te sie ganz entschlossen mit ihnen umgehen, wenn sie etwas in Erfahrung bringen wollte. Im Moment sah das Paar so verschwommen und durchscheinend aus, da� ein kr�ftiges Hauchen gereicht h�tte, um sie wie Nebel wegzublasen. �Elayne glaubt, Ihr kennt alle m�glichen Dinge, die man im Traum tun kann.</p><p>Gibt es eine M�glichkeit, in Amatheras Tr�ume einzudringen, um herauszufinden, ob sie zu den Schattenfreunden geh�rt?� �N�rrisches M�dchen.� Bair sch�ttelte ihr langes Haar. �Und auch wenn Ihr eine Aes Sedai seid, so seid Ihr doch ein n�rrisches M�dchen. In den Traum eines anderen Menschen einzudringen ist sehr gef�hrlich, es sei denn, sie kennt und erwartet Euch. Es ist ihr Traum und nicht mit dem hier zu vergleichen. Dort wird diese Amathera alles unter Kontrolle haben. Selbst Euch.� Das hatte sie so nicht bedacht. Es war �rgerlich, darauf gesto�en zu werden. Und dann noch �n�rrisches M�dchen�!</p><p>�Ich bin kein M�dchen�, fauchte sie. Sie h�tte am liebsten an ihrem Zopf gerissen, aber statt dessen ballte sie lediglich eine Faust. Aus irgendeinem Grund hatte sie in letzter Zeit ein komisches Gef�hl dabei, wenn sie sich ertappte, an ihrem Haar zu ziehen. �Ich war die Seherin von Emondsfeld, bevor ich... bevor ich eine Aes Sedai wurde...� Sie brachte diese L�ge mittlerweile recht leicht �ber die Lippen. �... und ich habe Frauen in Eurem Alter befohlen, sich hinzusetzen und den Mund zu halten. Wenn Ihr wi�t, wie Ihr mir helfen k�nnt, dann sagt mir das, statt mir n�rrische Spr�che �ber irgendwelche Gefahren an den Kopf zu werfen. Ich erkenne eine Gefahr, wenn ich vor ihr stehe.� Mit einemmal bemerkte sie, da� sich ihr einzelner Zopf in zwei geteilt hatte, einer auf jeder Seite, und rote B�nder waren so eingeflochten, da� sie unten jeweils eine h�bsche Schleife bildeten. Ihr Rock war so kurz, da� sogar die Knie sichtbar waren. Dazu trug sie eine lose h�ngende wei�e Bluse wie die Weisen Frauen, und Schuhe und Str�mpfe fehlten ganz. Wo kam denn das her? Sie hatte ganz sicher niemals daran gedacht, so etwas zu tragen. Egwene legte sich schnell die Hand vor den Mund. War sie erschrocken? Sicher lachte sie doch nicht!</p><p>�Unkontrollierte Gedanken�, sagte Amys, �k�nnen einem manchmal Schwierigkeiten bereiten, Nynaeve Sedai, bis Ihr es gelernt habt.� Trotz ihres nichtssagenden Tonfalls zuckten ihre Lippen ein wenig in kaum verhohlener Heiterkeit.</p><p>Nynaeve beherrschte ihre Gesichtsz�ge nur mit gr��ter Anstrengung. Sie konnten ja wohl nichts damit zu tun gehabt haben. <emphasis>Oder etwa doch?</emphasis> Sie gab sich alle M�he, um ihre Kleidung wieder zur�ckzuverwandeln, aber es war ein harter Kampf, so, als versuche etwas, sie daran zu hindern. Ihre Wangen wurden hei�er und hei�er. Und dann pl�tzlich, gerade als sie nahe daran war, aufzugeben und um Rat oder sogar um Hilfe zu bitten, waren ihre Kleidung und ihr Haar wieder so wie vorher. Sie bewegte dankbar ihre Zehen in den guten, festen Schuhen. Es <emphasis>konnte</emphasis> ja nur ein eigenartiger Nebengedanke gewesen sein. Auf jeden Fall w�rde sie jetzt ganz bestimmt keinen Verdacht �u�ern; die beiden schienen sich auch so schon gen�gend zu am�sieren, sogar Egwene. <emphasis>Ich bin nicht hier, um l�cherliche Spiele zu spielen. Und ich werde nicht auch noch Wasser auf ihre M�hlen gie�en.</emphasis></p><p>�Wenn ich nicht in ihren Traum eindringen kann, ist es dann m�glich, sie hierher in die Welt der Tr�ume mitzunehmen? Ich mu� auf irgendeine Art mit ihr reden.� �Das w�rden wir Euch nicht beibringen, auch wenn wir k�nnten�, sagte Amys. Sie zog ihren Schal �rgerlich zurecht. �Ihr bittet um etwas B�ses, Nynaeve Sedai.� �Sie w�re hier genauso hilflos wie Ihr in ihrem Traum.� Bairs d�nne Stimme klang wie eine Eisenrute. �Man hat von der allerersten Traumg�ngerin bis heute weitergegeben, da� niemand jemals gegen ihren oder seinen Willen in einen Traum gezwungen werden darf. Man sagt, nur der Schatten habe das in den letzten Tagen des Zeitalters der Legenden getan.� Nynaeve trat von einem Fu� auf den anderen. Sie f�hlte sich alles andere als wohl unter diesen harten Blicken. Ihr wurde bewu�t, da� ihr Arm noch um Egwenes Taille lag, und so hielt sie ganz still. Sie wollte nicht, da� Egwene glaubte, sie h�tten sie nerv�s gemacht. Das hatten sie ja auch nicht. Wenn sie an das Gef�hl dachte, vor die Versammlung der Frauen zitiert zu werden, damals, bevor sie zur Seherin gew�hlt worden war... Nein, das hatte nichts mit den Weisen Frauen zu tun. Man mu�te einfach nur fest bleiben... Sie starrten sie an. Verschwommen oder nicht, die Blicke dieser Frauen konnten es in der Tat mit denen von Siuan Sanche aufnehmen. Besonders diejenigen Bairs. Nicht, da� sie sich einsch�chtern lie�, aber nun war der Punkt erreicht, wo allein Vernunft z�hlte. �Elayne und ich brauchen Hilfe. Die Schwarzen Ajah sitzen auf irgend etwas, das Rand schaden kann. Falls die anderen es vor uns finden, sind sie vielleicht in der Lage, ihn zu beherrschen. Wir m�ssen es zuerst finden! Wenn Ihr irgend etwas tun k�nnt, um uns zu helfen, mir irgend etwas sagen k�nnt... �berhaupt nur irgend etwas.� �Aes Sedai�, sagte Amys, �bei Euch klingt eine Bitte um Hilfe wie eine Forderung.� Nynaeve verzog den Mund. Forderung? Sie hatte doch beinahe gebettelt. Forderung, ha! Die Aielfrau schien nichts zu bemerken. Oder sie wollte nicht. �Aber eine Gefahr, die Rand al'Thor bedroht... Wir k�nnen dem Schatten nicht erlauben, das in die H�nde zu bekommen. Es gibt eine M�glichkeit.� �Gef�hrlich.� Bair sch�ttelte lebhaft den Kopf. �Diese junge Frau wei� weniger als Egwene zu der Zeit, als sie zu uns kam. Es ist zu gef�hrlich f�r sie.� �Dann k�nnte doch ich vielleicht...�, begann Egwene, und die beiden schnitten ihr gleichzeitig das Wort ab.</p><p>�Ihr werdet Eure Ausbildung erst einmal beenden. Ihr seid immer zu schnell dabei, �ber das hinauszuschie�en, was Ihr wollt und k�nnt�, sagte Bair in scharfem Ton, und zur gleichen Zeit sagte Amys keineswegs sanfter �Ihr befindet Euch nicht in Tanchico. Ihr kennt den Ort nicht, und Ihr seid nicht in Nynaeves Lage. Sie ist die J�gerin.� Unter diesen harten Blicken gab Egwene schmollend nach, und die beiden Weisen Frauen blickten einander an. Schlie�lich zuckte Bair die Achseln und wickelte den Schal um ihr Gesicht. Ganz klar, da� sie ihre H�nde in Unschuld wusch, was dieses Problem betraf.</p><p>�Es ist gef�hrlich�, sagte Amys. Bei den beiden klang es, als sei selbst das Luftholen in <emphasis>Tel'aran'rhiod</emphasis> gef�hrlich.</p><p>�Ich...!� Nynaeve unterbrach sich gleich wieder, als Amys' Blick noch h�rter wurde, was sie eigentlich nicht f�r m�glich gehalten h�tte. Sie hielt sich noch einmal bewu�t das Bild ihrer Kleidung vor Augen; obwohl sie wahrscheinlich nichts damit zu tun gehabt hatten, war es doch besser, vorsichtig zu sein, damit alles so blieb, wie es jetzt war. Und so sagte sie etwas ganz anderes, als sie vorgehabt hatte: �Ich werde vorsichtig sein.� �Es ist an sich nicht m�glich�, sagte Amys ganz offen zu ihr, �aber ich wei� keinen anderen Weg. Der Schl�ssel liegt in der Notwendigkeit. Wenn in einer Festung zu viele Menschen leben, mu� sich die Septime teilen, und es ist absolut notwendig, in der neuen Festung Wasser zu haben. Wenn man keinen passenden Ort findet, ruft man schlie�lich eine von uns herbei, um einen solchen aufzusp�ren. Der Schl�ssel liegt dann eben in der Notwendigkeit, nicht zu weit von der ersten Festung entfernt ein passendes Tal oder eine Schlucht zu finden, in der es Wasser gibt. Wenn wir uns ganz auf dieses Bed�rfnis konzentrieren, kann uns das der passenden L�sung sehr nahe bringen. Wenn wir uns dann ein zweites Mal konzentrieren, bringt uns das wieder einen Schritt n�her. Jeder solche Schritt bringt uns n�her heran, bis wir uns schlie�lich in diesem gew�nschten Tal befinden, und nicht nur das! Wir stehen dann direkt neben der Stelle, an der man das Wasser findet. F�r Euch ist das wohl schwieriger, denn Ihr wi�t nicht genau, wonach Ihr eigentlich sucht, aber die St�rke des Bed�rfnisses mag das vielleicht ausgleichen. Und au�erdem wi�t Ihr bereits ungef�hr, wo es zu finden ist, n�mlich in diesem Palast.� �Die Gefahr, und der m��t Ihr euch immer bewu�t sein, liegt im Folgenden.� Die Weise Frau beugte sich eindringlich zu ihr vor, und ihre Worte klangen so scharf und einpr�gsam wie ihr Blick schon war: �Jeden Schritt m��t Ihr v�llig blind tun, mit geschlossenen Augen. Ihr wi�t nie, wo Ihr euch befinden werdet, wenn Ihr die Augen �ffnet. Und das Wasser zu finden hilft Euch nicht weiter, falls Ihr in einem Vipernnest steht. Die Giftz�hne einer Schlange t�ten Euch im Traum genauso schnell wie in der Wirklichkeit. Ich glaube au�erdem, diese Frauen, von denen Egwene gesprochen hat, t�ten noch schneller als eine Schlange.� �Ich habe das schon gemacht�, rief Egwene. Nynaeve sp�rte, wie sie unwillk�rlich zusammenfuhr, als sich die Blicke der Aielfrauen ihr zuwandten. �Bevor ich Euch kennenlernte�, f�gte sie hastig hinzu. �Bevor wir nach Tear gingen.� Notwendigkeit. Bed�rfnis. Nynaeve empfand ein w�rmeres Gef�hl den Aielfrauen gegen�ber als vorher, nun, da sie einmal wenigstens einen brauchbaren Hinweis erhalten hatte. �Ihr m��t gut auf Egwene aufpassen�, sagte sie zu ihnen und dr�ckte die j�ngere Frau in ihrem Arm fest, um zu zeigen, wie sie es gemeint hatte. �Ihr habt recht, Bair. Sie wird immer versuchen, mehr zu erreichen, als sie bereits gelernt hat. So ist sie schon immer gewesen.� Aus irgendeinem Grund zog Bair kritisch die wei�en Augenbrauen hoch und blickte sie dabei an.</p><p>�Ich halte sie nicht f�r so vorschnell�, sagte Amys trocken. �Sie ist jetzt doch eine f�gsame Sch�lerin, oder, Egwene?� Egwenes Lippen schienen ganz schmal, so pre�te sie sie aufeinander. Diese Weisen Frauen kannten sie ganz und gar nicht, wenn sie glaubten, eine Frau von den Zwei Fl�ssen k�nne jemals �f�gsam� sein. Andererseits widersprach sie nicht. Und das kam unerwartet. Wie es schien, waren diese Aielfrauen genauso hartgesotten wie die Aes Sedai.</p><p>Ihre Stunde glitt ihr unter den Fingern davon, und in ihr kochte die Ungeduld. Sie wollte diese Methode auf der Stelle ausprobieren. Wenn Elayne sie zu fr�h aufweckte, konnte es Stunden dauern, bis sie wieder einschlief. �In sieben Tagen�, sagte sie, �wird eine von uns Euch wieder hier erwarten.� Egwene nickte. �In sieben Tagen hat sich Rand den Clanh�uptlingen als Der, Der Mit Der Morgend�mmerung Kommt zu erkennen gegeben, und die Aiel werden alle hinter ihm stehen.� Die Blicke der Weisen Frauen wichen ihr aus, und Amys r�ckte ihren Schal zurecht. Egwene bemerkte es nicht. �Das Licht wei�, was er anschlie�end vorhat.� �In sieben Tagen�, sagte Nynaeve, �werden Elayne und ich den anderen das abgejagt haben, was Liandrin sucht.� Sonst h�tten es wahrscheinlich die Schwarzen Ajah. Also waren sich die Weisen Frauen genausowenig sicher, da� die Aiel alle Rand folgen w�rden, wie Egwene in bezug auf seine Pl�ne. Nirgendwo gab es Sicherheit. Aber es hatte auch keinen Zweck, Egwene mit noch mehr Zweifeln zu belasten. �Wenn Ihr das n�chstemal eine von uns seht, haben wir sie beim Kragen gepackt, in S�cke gestopft und zur Burg geschickt, wo sie der Proze� erwartet.� �Bem�he dich, vorsichtig zu sein, Nynaeve. Ich wei�, wie schwer dir das f�llt, aber versuche es wenigstens. Sag es bitte auch Elayne. Sie ist nicht so... k�hn... wie du, aber sie kommt dir gelegentlich nahe.� Amys und Bair legten jeweils eine Hand auf Egwenes Schultern, und dann waren sie weg.</p><p>Versuchen, vorsichtig zu sein? N�rrisches M�dchen. Sie war doch immer vorsichtig. Was hatte Egwene eigentlich statt �k�hn� sagen wollen? Nynaeve verschr�nkte die Arme fest, statt an ihrem Zopf zu ziehen. Vielleicht war es besser, wenn sie es nicht wu�te.</p><p>Ihr wurde bewu�t, da� sie Egwene nichts von Egeanin erz�hlt hatte. Am besten, wenn sie Egwene nicht an die Zeit ihrer Gefangenschaft erinnerte. Nynaeve konnte sich nur zu gut an die Wochen danach erinnern, an Egwenes Alptr�ume, als sie schreiend erwacht war und nicht mehr angekettet werden wollte. Es war wirklich am besten, nicht daran zu r�hren. Und Egwene mu�te ja die Seanchanfrau gar nicht kennenlernen. <emphasis>Verdammte Frau! Seng Egeanin, bis sie Asche ist! Seng sie!</emphasis></p><p>�So verschwende ich meine Zeit�, sagte sie laut. Die Worte warfen ein Echo zwischen den hohen S�ulen. Jetzt, wo die anderen Frauen verschwunden waren, wirkte alles noch drohender als vorher, noch mehr wie das Versteck unsichtbarer Beobachter und von Dingen, die lauerten und pl�tzlich hervorsprangen. Zeit, zu gehen.</p><p>Zuerst jedoch �nderte sie ihre Kleidung und Aufmachung. Aus dem einen Zopf wurde wieder ein B�ndel langer, d�nner Z�pfe. Ihr enganliegendes Kleid war aus dunkelgr�ner Seide, und Mund und Nase wurden von einem transparenten Schleier bedeckt, der beim Atmen ein wenig flatterte. Sie verzog das Gesicht und f�gte noch gr�ne Jadeperlen hinzu, die in die Z�pfe eingeflochten waren. Sollte eine der Schwarzen Schwestern ihren gestohlenen <emphasis>Ter'Angreal</emphasis> ben�tzen, um die Welt der Tr�ume zu betreten und sie im Panarchenpalast sehen, w�rde sie sie lediglich f�r eine Frau aus Tarabon halten, die sich auf ganz normale Art dorthingetr�umt hatte. Allerdings kannten ein paar sie vom Sehen. Sie hob eine Handvoll mit Perlen geschm�ckter Z�pfe an und l�chelte. Bla� honigfarben. Sie hatte gar nicht gewu�t, da� so etwas m�glich war. <emphasis>Wie ich wohl aussehen mag? W�rden sie mich immer noch erkennen?</emphasis></p><p>Pl�tzlich stand ein hoher Spiegel gleich neben <emphasis>Callandor.</emphasis> Auf seiner schimmernden Fl�che sah sie, wie sie die gro�en braunen Augen vor �berraschung aufri� und sich ihr Rosenknospenmund unwillk�rlich �ffnete. Sie hatte Rendras Gesicht! Ihre Gesichtsz�ge flackerten hin und her; die Augen und das Haar waren einmal heller und dann wieder dunkler, aber schlie�lich blieb sie bei dem Gesicht der Wirtin. So w�rde niemand sie erkennen. Und Egwene glaubte, sie k�nne nicht vorsichtig vorgehen!</p><p>Sie schlo� die Augen und konzentrierte sich auf Tanchico, auf den Panarchenpalast, auf die dringende Notwendigkeit. Eine Gefahr f�r Rand, f�r den Wiedergeborenen Drachen... <emphasis>eindringlich...</emphasis> Um sie herum verschob sich <emphasis>Tel'aran'rhiod.</emphasis> Sie sp�rte deutlich, wie einen leichten Ruck, der durch die Welt ging, und dann �ffnete sie voller Erwartung die Augen, um zu sehen, was sie gefunden hatte.</p><p>Sie befand sich in einem Schlafzimmer, so gro�, wie sechs Zimmer im �Hof der Drei Pflaumen� zusammen. Die wei�en Gipsw�nde waren mit gemalten Friesen geschm�ckt und goldene Lampen hingen an vergoldeten Ketten von der Decke. Die hohen Bettpfosten liefen oben in einem Dach von �sten und Bl�tterwerk aus. Eine Frau, die noch keineswegs ihre mittleren Jahre erreicht hatte, stand steif mit dem R�cken an einem der Bettpfosten am Fu� des Betts. Sie sah wirklich ziemlich gut aus. Sie hatte die gleiche Art von Schmollmund, wie ihn sich Nynaeve nun zugelegt hatte. Auf den um den Kopf gewickelten Z�pfen lag eine Krone aus goldenen, dreizackigen Bl�ttern, mit Rubinen und Perlen geschm�ckt und mit einem Mondstein, der gr��er war als ein G�nseei. Um den Hals hatte sie sich eine breite Stola geschlungen, die bis zu den Knien herunterhing und der L�nge nach mit B�umen bestickt war. Von der Krone und der Stola abgesehen, trug sie lediglich eine gl�nzende Schwei�schicht am ganzen K�rper.</p><p>Ihr �ngstlicher Blick war auf die Frau gerichtet, die entspannt auf einer niedrigen Couch lag. Diese zweite Frau wandte Nynaeve den R�cken zu und war genauso durchscheinend, wie es Egwene zuvor gewesen war. Sie war klein und zierlich. Das dunkle Haar hing ihr lose auf die Schultern herab. Ihr Gewand aus hellgelber Seide mit einem weiten Rock stammte bestimmt nicht aus Tarabon. Nynaeve mu�te ihr Gesicht gar nicht erst sehen, um zu wissen, da� es irgendwie fuchsartig wirkte und gro�e, blaue Augen aufwies. Sie mu�te auch die Str�nge aus Luft nicht sehen, mit denen sie die erste Frau an den Bettpfosten gefesselt hatte, um zu wissen, da� sie Temaile Kinderode vor sich hatte.</p><p>�... soviel erfahren, wenn Ihr eure Tr�ume ben�tzt, anstatt den Schlaf lediglich zu verschwenden�, sagte Temaile gerade lachend. Der Akzent aus Cairhien war ihr deutlich anzumerken. �Gef�llt es Euch nicht? Was soll ich Euch als n�chstes beibringen? Ich wei�. Mir hat das immer so gefallen: �Ich habe tausend Matrosen geliebt�.� Sie winkte mit einem mahnenden Finger. �Geht sicher, da� ihr den ganzen Text richtig lernt, Amathera. Ihr wi�t, es w�rde mir nicht gefallen... Was starrt Ihr so an?� Mit einem Schlag wurde Nynaeve bewu�t, da� die Frau am Bettpfosten � Amathera? Die Panarchin? � sie geradewegs anstarrte. Temaile w�lzte sich bequem herum, um nachzusehen, was da sei.</p><p>Nynaeve schlo� schnell die Augen und konzentrierte sich. Dringend. Notwendig.</p><p><emphasis>Eine erneute Verschiebung.</emphasis></p><p>Nynaeve lie� sich gegen die schmale S�ule sinken und sog erst einmal gierig Luft ein, als sei sie zwanzig Meilen weit gerannt. Sie wollte gar nicht wissen, wo sie sich befand. Ihr Herz h�mmerte wie eine Trommel, wenn zum Tanz aufgespielt wurde. In einer Schlangengrube landen, ja? Temaile Kinderode. Die Schwarze Schwester, von der Amico gesagt hatte, da� sie es genie�e, jemandem weh zu tun, so sehr, da� es sogar den anderen Schwarzen auffiel. Und sie selbst war nicht in der Lage, etwas mit der Macht anzufangen. Es h�tte damit enden k�nnen, da� sie den n�chsten Bettpfosten neben Amathera zierte. <emphasis>Licht!</emphasis> Sie schauderte, wenn sie nur daran dachte. <emphasis>Beruhige dich, Frau! Du bist ja drau�en, und selbst wenn Temaile dich sah, sah sie halt nur eine Frau mit honigfarbenem Haar, die wieder verschwand, einfach eine aus Tarabon, die sich einen Augenblick lang nach</emphasis> Tel'aran'rhiod <emphasis>hineintr�umte.</emphasis> Sicher war Temaile sich ihrer nicht lange genug bewu�t gewesen, um zu erkennen, da� sie die Macht lenken konnte. Auch zu den Zeiten, wo sie gar nicht in der Lage dazu war, konnte jemand mit dem gleichen Talent das bei ihr sp�ren. Nur einen Moment lang. Mit etwas Gl�ck hatte dieser Moment nicht ausgereicht.</p><p>Wenigstens kannte sie jetzt Amatheras Lage. Die Frau war jedenfalls keine Verb�ndete Temailes. Also hatte diese Suchmethode bereits Fr�chte getragen. Aber eben noch nicht genug. Sie zwang sich, ruhiger zu atmen, und blickte sich um.</p><p>Reihen von schmalen wei�en S�ulen zogen sich ganz um den riesigen Saal, der beinahe genauso breit wie lang war.</p><p>Der Boden unter ihren F��en bestand aus gl�nzenden wei�en Steinplatten, und die Decke war mit runden, vergoldeten Buckeln verziert. An h�fthohen Pfosten aus dunklem, gl�nzenden Holz hing rund herum ein dickes Seil aus wei�er Seide, nur dort unterbrochen, wo sich T�ren mit ihren jeweils zwei Spitzb�gen befanden. An den W�nden standen Podeste und offene Vitrinen, in denen die Knochen eigenartiger Tiere ausgestellt lagen. Auch im Inneren standen noch ebenfalls durch Seile vom �brigen Raum abgetrennte Vitrinen. Egwenes Beschreibung nach mu�te das der gro�e Ausstellungssaal des Palastes sein. Was sie suchte, mu�te sich also hier befinden. Ihren n�chsten Schritt mu�te sie demnach nicht mehr so blindlings tun wie den ersten. Hier gab es bestimmt keine Schlangen und keine Temailes.</p><p>Pl�tzlich erschien neben einer Glasvitrine mit geschnitzten Beinen, die mitten im Saal stand, eine gutaussehende Frau. Sie stammte wohl nicht aus Tarabon. Ihr dunkles Haar fiel ihr in Locken auf die Schultern, aber das war es nicht, was Nynaeve Augen und Mund aufrei�en lie�. Das Kleid der Frau schien nur aus feinem Dunst zu bestehen, an manchen Stellen silbrig und undurchsichtig, an anderen jedoch grau und so d�nn, da� ihr K�rper deutlich sichtbar war. Wo immer sie auch herkam, sie hatte jedenfalls eine lebhafte Vorstellungskraft. Sich so etwas einfallen zu lassen! Selbst die skandal�sen Kleider der Domanifrauen, von denen sie geh�rt hatte, konnten bestimmt bei diesem nicht mithalten.</p><p>Die Frau l�chelte die Glasvitrine an und ging dann weiter durch den Saal. Auf der gegen�berliegenden Seite blieb sie vor etwas stehen, das Nynaeve nicht erkennen konnte, und betrachtete es eingehend. Es war etwas Dunkles auf einem wei�en Steinpodest.</p><p>Nynaeve runzelte die Stirn und lie� die Handvoll honigfarbener Z�pfe los, die sie schon wieder gepackt hatte. Die Frau konnte jeden Augenblick wieder verschwinden. Nur wenige tr�umten sich �ber l�ngere Zeit hinweg nach <emphasis>Tel'aran'rhiod</emphasis> hinein. Nat�rlich spielte es keine Rolle, ob die Frau sie sah, denn sie stand bestimmt nicht auf ihrer Liste der Schwarzen Schwestern. Und doch kam sie ihr irgendwie... Nynaeve wurde bewu�t, da� sie schon wieder ihre Z�pfe in der Hand hielt. Die Frau... Ihre Hand ri� ganz von allein hart an den Z�pfen, und sie blickte sie verbl�fft an. Ihre Kn�chel waren wei�, und die Hand zitterte. Es war, als habe der Gedanke an diese Frau das ausgel�st. Der ganze Arm zitterte, und wieder versuchte ihre Hand, das Haar aus ihrer Kopfhaut zu rei�en. <emphasis>Was beim Licht ist denn mit mir los?</emphasis></p><p>Die in Dunst geh�llte Frau stand immer noch vor dem weit entfernten wei�en Podest. Das Zittern erfa�te vom Arm ausgehend Nynaeves Schulter. Sie hatte diese Frau noch nie gesehen. Und doch... Sie bem�hte sich, ihre Faust zu �ffnen, aber die ballte sich nur um so fester. Bestimmt hatte sie die Frau noch nie gesehen. Nun bebte sie von Kopf bis Fu� und umklammerte sich mit ihrem freien Arm, als wolle sie sich selbst festhalten. Sicher... Ihre Z�hne fingen zu klappern an. Die Frau schien... Sie h�tte am liebsten geweint. Die Frau...</p><p>Bilder stiegen in ihr auf, explodierten. Sie sackte gegen die S�ule an ihrer Seite, als habe die Explosion sie physisch getroffen. Ihre Augen quollen hervor. Sie sah es noch einmal vor sich. Die Kammer der Fallenden Bl�ten und diese kraftvolle, gutaussehende Frau, die vom Gl�hen <emphasis>Saidars</emphasis> umgeben gewesen war. Sie und Elayne hatten wie die Kinder geplappert, hatten sich beinahe darum gestritten, als erste antworten zu d�rfen, und alles ausgeplaudert, was sie wu�ten. Wieviel hatten sie ihr tats�chlich erz�hlt? Es war schwer, die Einzelheiten zur�ckzuholen, aber sie erinnerte sich dunkel daran, ein paar Dinge wenigstens verschwiegen zu haben. Nicht bewu�t. Sie h�tte der Frau alles gesagt, alles f�r sie getan, was sie von ihr verlangte. Ihr Gesicht err�tete vor Scham und Zorn. Wenn sie in der Lage gewesen war, ein paar kleine Dinge zu verbergen, dann nur, weil sie so � <emphasis>begierig</emphasis> � gewesen war, die letzte Frage zu beantworten, da� sie die von vorher �berging.</p><p><emphasis>Das ergibt doch keinen Sinn,</emphasis> sagte eine kleine Stimme in ihrem Hinterkopf. <emphasis>Wenn sie eine Schwarze Schwester ist, von der ich nichts wei�, warum hat sie uns dann nicht an Liandrin ausgeliefert? Das h�tte sie doch ohne weiteres gekonnt. Wir w�ren wie L�mmer zur Schlachtbank mitmarschiert.</emphasis></p><p>Kalter Zorn lie� sie nicht auf diese Stimme h�ren. Eine Schwarze Schwester hatte sie wie eine Marionette benutzt und ihr dann befohlen, alles zu vergessen. Und sie hatte es tats�chlich vergessen! Nun, jetzt w�rde die Frau erfahren, wie es war, wenn sie ihr bereit und vorgewarnt gegen�berstand!</p><p>Bevor sie nach der Wahren Quelle greifen konnte, befand sich pl�tzlich Birgitte neben der n�chsten S�ule. Sie hatte wieder dieses kurze, wei�e Wams an und die gelbe, an den Kn�cheln zugebundene Pumphose. Birgitte, oder eine Frau, die sich f�r Birgitte hielt und die das lange, goldene Haar zu einem kunstvollen Zopf geflochten hatte.</p><p>Sie hatte einen Finger warnend an die Lippen gelegt, zeigte zuerst auf Nynaeve und dann eindringlich auf eine der breiten T�ren mit zwei Spitzb�gen hinter ihr. Ihre leuchtenden blauen Augen warnten noch einmal, und dann verschwand sie.</p><p>Nynaeve sch�ttelte den Kopf. Wer die Frau auch sein mochte, sie hatte keine Zeit. So �ffnete sie sich <emphasis>Saidar</emphasis> und wandte sich um, als sie bis zum �berflu� mit der Einen Macht und ihrem kochenden Zorn angef�llt war. Die in Dunst gekleidete Frau war weg! Weg! Weil diese goldhaarige N�rrin sie abgelenkt hatte! Vielleicht war die wenigstens immer noch in der N�he und wartete auf sie. In die Macht geh�llt, schritt sie durch die T�r, auf die die Frau gedeutet hatte.</p><p>Die Frau mit dem goldenen Haar wartete tats�chlich in einem mit bunten Teppichen ausgelegten Flur auf sie. Die goldenen Lampen waren nicht angez�ndet, verstr�mten jedoch den Duft parf�mierten �ls. Nun hielt sie einen silbernen Bogen in der Hand, und an ihrer H�fte hing ein mit silbernen Pfeilen gef�llter K�cher.</p><p>�Wer seid Ihr?� wollte Nynaeve w�tend wissen. Sie w�rde der Frau eine Gelegenheit geben, sich ihr zu erkl�ren. Und ihr dann eine Lektion erteilen, die sie so schnell nicht mehr verga�! �Seid Ihr die gleiche Idiotin, die in der W�ste auf mich scho� und behauptete, sie sei Birgitte? Ich war gerade dabei, einem Mitglied der Schwarzen Ajah Manieren beizubringen, als sie durch Eure Schuld entkommen konnte!� �Ich bin Birgitte�, sagte die Frau und st�tzte sich auf ihren Bogen. �Zumindest ist das der Name, unter dem Ihr mich kennt. Und die Lektion h�tte Euch gegolten, hier genauso wie im Dreifachen Land. Ich erinnere mich an die Leben, die ich gelebt habe, als seien sie B�cher, die ich las. Was l�nger her ist, wirkt ein wenig tr�ber als das zeitlich N�here, aber ich erinnere mich noch gut daran, wie ich an Lews Therins Seite k�mpfte. Ich werde Moghediens Gesicht niemals vergessen, genausowenig wie das Asmodeans, des Mannes, den Ihr in Rhuidean beinahe aufgest�rt h�ttet.� Asmodean? Moghedien? Die Frau war eine der Verlorenen gewesen? Eine Verlorene in Tanchico. Und einer in Rhuidean, in der W�ste. Egwene h�tte bestimmt etwas davon erw�hnt, h�tte sie davon gewu�t. Keine M�glichkeit, sie zu warnen, jedenfalls nicht w�hrend der n�chsten sieben Tage. Zorn � und <emphasis>Saidar</emphasis> � wallten in ihr auf. �Was tut Ihr hier? Ich wei�, da� Ihr alle verschwandet, nachdem Euch das Horn von Valere zur�ckgerufen hatte, aber Ihr seid...� Sie lie� die Worte verklingen, verlegen, weil sie etwas hatte sagen wollen, doch die andere Frau beendete gelassen den Satz f�r sie.</p><p>�Tot? Diejenigen von uns, die an das Rad gebunden sind, sind nicht auf die gleiche Weise tot wie andere. Welcher Ort w�re besser geeignet, um dort zu warten, bis das Rad uns in unsere neuen Leben verwebt, als hier in der Welt der Tr�ume?� Pl�tzlich lachte Birgitte auf. �Ich fange schon an, wie ein Philosoph zu reden. In beinahe jedem Leben, an das ich mich erinnere, wurde ich als einfaches M�dchen geboren, das den Bogen erw�hlte. Ich bin eine Bogensch�tzin und nicht mehr.� �Ihr seid die Heldin in hundert Legenden�, sagte Nynaeve. �Und ich sah, was Eure Pfeile in Falme vollbrachten. Der Gebrauch der Macht durch die Seanchan hat Euch nicht ber�hrt. Birgitte, wir stehen fast einem Dutzend Schwarzer Ajah gegen�ber. Und wie es scheint, auch einer der Verlorenen. Wir k�nnten Eure Hilfe gebrauchen.� Die andere Frau verzog verlegen und bedauernd das Gesicht. �Ich kann nicht, Nynaeve. Ich kann die Welt des Fleisches nicht ber�hren, bevor das Horn mich wieder ruft. Oder bevor mich das Rad wieder neu verwebt. Wenn es das in diesem Augenblick t�te, w�rdet Ihr lediglich ein Kleinkind vorfinden, das sich an die Mutterbrust dr�ckt. Nach Falme hat uns das Horn gerufen, und wir waren nicht so wie Ihr dort, nicht fleischgeworden. Deshalb konnte uns die Macht nicht ber�hren. Hier ist alles ein Teil des Traums und die Eine Macht kann mich genauso leicht vernichten wie Euch. Noch leichter. Ich sagte Euch ja: Ich bin eine Bogensch�tzin und gelegentlich Soldatin, aber nicht mehr.� Ihr kunstvoll geflochtener goldener Zopf flog herum, als sie den Kopf sch�ttelte. �Ich wei� gar nicht, warum ich das alles erkl�re. Ich sollte �berhaupt nicht mit Euch sprechen.� �Warum nicht? Ihr habt doch auch zuvor schon mit mir gesprochen. Und auch Egwene glaubt, Euch gesehen zu haben. Das wart Ihr doch, oder?� Nynaeve runzelte die Stirn. �Woher kennt Ihr eigentlich meinen Namen? Wi�t Ihr so etwas einfach?� �Ich wei�, was ich sehe und h�re. Ich habe Euch beobachtet und gelauscht, wann immer ich Euch finden konnte. Euch und die anderen beiden Frauen, und den jungen Mann mit den W�lfen. Den Regeln nach d�rfen wir mit niemandem sprechen, der sich bewu�t in <emphasis>Tel'aran'rhiod</emphasis> befindet. Und doch geht das B�se genauso in den Tr�umen einher wie in der Welt des Fleisches. Ihr, die Ihr es bek�mpft, zieht mich an. Obwohl ich wei�, da� ich fast nichts tun kann, stelle ich fest, da� ich Euch helfen m�chte. Doch ich kann nicht. Es widerspricht allen Regeln, und diese Regeln haben mich so viele Drehungen des Rads �ber gebunden, da� ich selbst in meinen �ltesten, verbla�ten Erinnerungen noch die Erinnerungen an hundert, an tausend fr�here Leben sp�re. Mit Euch zu sprechen hei�t bereits, Regeln zu brechen, die ebenso binden wie Gesetze.� �Das stimmt�, sagte eine harte m�nnliche Stimme.</p><p>Nynaeve fuhr zusammen und h�tte beinahe mit der Macht losgeschlagen. Der Mann war dunkelh�utig und hatte kr�ftige Muskeln. �ber seine Schultern ragten die langen, schmalen Griffe zweier Schwerter hinaus. Er schritt schnell von dem Fleck, an dem er aufgetaucht war, zu Birgitte her�ber. Nach allem, was ihr Birgitte erz�hlt hatte, war ihr durch die zwei Schwerter klar, da� es sich um Gaidal Cain handeln mu�te, doch wo die goldhaarige Birgitte mit dem ebenm��igen Gesicht so sch�n war, wie in den Legenden beschrieben, war das Cain gewi� nicht. Er war tats�chlich so h��lich, wie ein Mann nur sein konnte, mit seinen breiten, platten Gesichtsz�gen, der �bergro�en, flachen Nase und dem viel zu breiten Mund. Doch Birgitte l�chelte ihn an. Wie sie seine Wange ber�hrte, das zeigte mehr als nur Freundschaft. Es war auch �berraschend, festzustellen, da� er der kleinere von beiden war. So kr�ftig und muskul�s und kraftvoll in den Bewegungen war er, da� er den Eindruck erweckte, er sei gr��er, als das der Wirklichkeit entsprach.</p><p>�Wir sind fast immer ein Paar gewesen�, sagte Birgitte zu Nynaeve, ohne den Blick von Cain zu wenden. �Er wird gew�hnlich eine ganze Weile vor mir geboren. Wenn ich ihn hier nicht finden kann, wei� ich, da� meine Zeit ebenfalls bald kommen wird. Wenn ich ihn zuerst sehe, kann ich ihn nicht leiden, aber am Ende sind wir dann fast immer ein Liebespaar oder miteinander verheiratet. Eine einfache Geschichte, aber ich glaube, wir haben sie schon in tausend Variationen durchgespielt.� Cain ignorierte Nynaeve, als existiere sie �berhaupt nicht. �F�r die Regeln gibt es einen Grund, Birgitte. Wenn man sie bricht, hat man nichts als Rivalit�t und Probleme davon.� Seine Stimme klang wirklich sehr rauh und hart in Nynaeves Ohren. Gar nicht, wie bei dem Helden der Legenden.</p><p>�Vielleicht kann ich einfach nicht stillsitzen, wenn das B�se um die Vorherrschaft streitet�, sagte Birgitte leise. �Oder vielleicht m�chte ich endlich wieder Fleisch werden. Es ist schon so lange her, da� wir das letztemal geboren wurden. Der Schatten erhebt sich wieder, Gaidal. Er erstarkt wieder, und auch hier. Wir m�ssen dagegen ank�mpfen. Das ist der Grund, aus dem wir an das Rad gebunden wurden.� �Wenn uns das Horn ruft, werden wir k�mpfen. Wenn das Rad uns verwebt, werden wir k�mpfen. Aber nicht vorher!� Er funkelte sie an. �Hast du vergessen, was Moghedien dir angedroht hat, als wir Lews Therin folgten? Ich sah sie, Birgitte. Sie wird dich hier erkennen.� Birgitte wandte sich Nynaeve zu. �Ich werde Euch so gut helfen, wie ich eben kann. Aber erwartet nicht zu viel. Meine ganze Welt ist <emphasis>Tel'aran'rhiod,</emphasis> und ich kann hier weniger vollbringen als Ihr.� Nynaeve ri� die Augen auf. Sie hatte nicht gesehen, wie sich der dunkle, schwere Mann bewegt hatte, aber pl�tzlich stand er nur zwei Schritt entfernt und bearbeitete eines seiner Schwerter mit einem Wetzstein. Es klang, als ob Seide �ber ein Tischtuch strich. Es war ganz offensichtlich: Soweit es ihn betraf, sprach Birgitte mit nichts als Luft.</p><p>�Was k�nnt Ihr mir �ber Moghedien sagen, Birgitte? Um ihr gegen�berzutreten, mu� ich alles nur M�gliche wissen.� Birgitte st�tzte sich auf ihren Bogen und runzelte nachdenklich die Stirn. �Es ist schwer, Moghedien gegen�berzutreten, und das nicht nur, weil sie eine Verlorene ist. Sie verbirgt sich und geht kein Risiko ein. Sie greift nur dann an, wenn sie einen Schwachpunkt entdeckt, und sie bewegt sich nur im Schatten. Wenn sie f�rchtet zu verlieren, dann l�uft sie weg. Sie ist keine, die bis zum Letzten k�mpft, selbst wenn sie dadurch eine Chance auf den Sieg verschenkt. Eine blo�e Chance reicht Moghedien nicht. Aber nehmt sie nicht auf die leichte Schulter. Sie ist wie eine Schlange, die sich im hohen Gras zusammengerollt hat und den richtigen Moment zum Zusto�en abwartet. Und sie hat weniger Gef�hl als eine Schlange. Nehmt sie ernst � ganz besonders hier. Lanfear hat immer <emphasis>Tel'aran'rhiod</emphasis> f�r sich beansprucht, aber Moghedien konnte hier mehr vollbringen als sie, obwohl sie in der Welt des Fleisches nicht an Lanfears Kr�fte heranreichen kann. Ich glaube nicht, da� sie es dort riskieren w�rde, sich gegen Lanfear zu stellen.� Nynaeve schauderte. In ihr k�mpften Furcht und Zorn miteinander. Der Zorn erhielt ihre F�higkeit, die Macht zu ben�tzen. Moghedien. Lanfear. Diese Frau sprach so selbstverst�ndlich von den Verlorenen. �Birgitte, was hat Euch Moghedien angedroht?� �Sie wu�te, was ich war, obwohl ich es selbst nicht wu�te. Ich wei� auch nicht, woher.� Birgitte blickte zu Cain hin�ber. Er schien ganz auf sein Schwert konzentriert, doch sie senkte trotzdem die Stimme. �Sie drohte mir, ich w�rde allein und verlassen weinen, solange das Rad sich dreht. Sie sagte es so, als sei es eine Tatsache, die lediglich noch nicht eingetroffen ist.� �Und doch seid Ihr gewillt, zu helfen?� �Wie ich eben kann, Nynaeve. Denkt daran, ich habe Euch ja gesagt, Ihr d�rft nicht zuviel erwarten.� Noch einmal sah sie den Mann an, der sein Schwert sch�rfte. �Wir werden uns wiedersehen, Nynaeve. Falls Ihr vorsichtig seid und alles �berlebt.� Damit hob sie ihren silbernen Bogen, ging zu Cain, legte ihm einen Arm um die Schultern und fl�sterte etwas in sein Ohr. Was sie auch gesagt hatte, jedenfalls lachte Cain, bevor sie verschwanden.</p><p>Nynaeve sch�ttelte den Kopf. Vorsichtig. Jeder sagte ihr, sie solle vorsichtig sein. Eine Heldin aus der Legende, die zu helfen versprach, aber doch nicht viel tun konnte. Und eine der Verlorenen in Tanchico.</p><p>Der Gedanke an Moghedien oder daran, was die Frau ihr angetan hatte, lie� in ihr den Zorn anschwellen, bis die Macht mit der Gewalt der Sonne in ihr pulsierte. Pl�tzlich war sie wieder in dem gro�en Saal, in dem sie zuvor gestanden hatte, und sie hoffte fast, die Frau sei zur�ckgekehrt. Doch bis auf sie selbst war der Saal menschenleer. Wut und Macht durchstr�mten sie, bis sie f�rchtete, ihre Haut werde verschmoren. Moghedien oder jede der Schwarzen Schwestern k�nnten sie so viel eher in der N�he sp�ren als ohne die Macht, doch sie lie� sie nicht fahren. Beinahe war es, als wolle sie von ihnen gefunden werden, damit sie auf sie einschlagen k�nne. Temaile befand sich h�chstwahrscheinlich noch immer in <emphasis>Tel'aran'rhiod.</emphasis> Wenn sie in dieses Schlafzimmer zur�ckkehrte, konnte sie mit Temaile ein f�r allemal abrechnen. Sie konnte mit Temaile abrechnen � und damit den Rest warnen. Das reichte, um sie zum Grollen zu bringen.</p><p>Was hatte Moghedien so angel�chelt? Sie schritt hin�ber zu der Vitrine, einem breiten Glaskasten, der auf einem geschnitzten Tisch stand. Sie sp�hte hinein. Sechs schlecht zueinanderpassende Statuetten standen im Kreis unter dem Glasdeckel. Eine nackte Frau, einen Fu� hoch, balancierte elegant auf den Zehenspitzen eines Fu�es, als tanze sie. Ein nur halb so gro�er Sch�fer spielte Fl�te. Er hatte seinen Krummstab an die Schulter gelehnt, und zu seinen F��en lag ein Schaf. Und genauso ��hnlich� waren sich auch die anderen. Allerdings gab es keinen Zweifel daran, was das L�cheln der Verlorenen hervorgerufen hatte.</p><p>Im Mittelpunkt des Kreises befand sich ein rotlackiertes Holzpodest, auf dem eine Scheibe lag, so gro� wie eine M�nnerhand, die durch eine Schlangenlinie in zwei H�lften geteilt wurde. Eine H�lfte schimmerte wei�er als Schnee, die andere war schw�rzer als Pech. Sie bestand aus <emphasis>Cuendillar,</emphasis> wie sie wu�te. Sie hatte schon andere gesehen, und nur sieben davon waren jemals angefertigt worden. Eines der Siegel vom Gef�ngnis des Dunklen K�nigs, der Brennpunkt f�r eines der Schl�sser, die ihn im Shayol Ghul von der Welt fernhielten. Das war m�glicherweise eine genauso wichtige Entdeckung wie das, was immer auch Rand bedrohen mochte. Das mu�te man vor den Schwarzen Ajah retten.</p><p>Mit einemmal wurde ihr das eigene Spiegelbild bewu�t. Das Oberteil der Vitrine bestand aus feinstem Glas, ganz ohne Bl�schen, und darin sah sie ein Bild, so klar wie in einem Spiegel, wenn auch blasser. Dunkelgr�ne Seide umh�llte ihren K�rper, und jede Rundung, ob Brust oder H�fte, zeichnete sich deutlich ab. Lange honigfarbene Z�pfe mit vielen eingeflochtenen Jadeperlen umrahmten ein Gesicht mit gro�en braunen Augen und einem Schmollmund. Nat�rlich war das Gl�hen <emphasis>Saidars</emphasis> nicht zu sehen. So verkleidet, da� sie sich selbst nicht erkannt h�tte, war es trotzdem, als tr�ge sie ein Schild vor sich her, auf dem stand: Aes Sedai.</p><p>�Ich <emphasis>kann</emphasis> durchaus vorsichtig sein�, knurrte sie. Und doch verhielt sie noch ein wenig. Die Macht, die in ihr tobte, erf�llte ihre Glieder mit Leben. Alle Leidenschaften, die sie je gekannt hatte, sickerten in ihr Fleisch ein. Schlie�lich f�hlte sie sich wie eine N�rrin, und damit lie� ihr Zorn nach und sie konnte die Macht nicht l�nger halten.</p><p>Was auch immer � ihre Suche wurde jedenfalls noch immer nicht von Erfolg gekr�nt. Was sie suchte, mu�te sich irgendwo in diesem riesigen Saal unter all den Ausstellungsst�cken befinden. Sie ri� ihren Blick von dem Skelett eines Tieres los, das wie eine mit vielen Z�hnen bewehrte, zehn Schritt lange Eidechse aussah, und schlo� die Augen. Notwendig. Dringend. Gefahr f�r den Wiedergeborenen Drachen, f�r Rand. Dringend.</p><p><emphasis>Verschiebung.</emphasis></p><p>Sie stand innerhalb des durch das wei�e Seidenseil abgesperrten Teils an der einen Wand. Ihr Kleid ber�hrte die Kante eines ebenfalls wei�en Steinpodestes. Was auf diesem lag, wirkte auf den ersten Blick nicht sehr gef�hrlich: eine Halskette und zwei Armb�nder, deren Glieder aus schwarzem Metall bestanden. Aber sie war nicht in der Lage, sich ihnen weiter zu n�hern! <emphasis>Nicht ohne mir die Finger zu verbrennen,</emphasis> dachte sie trocken.</p><p>Sie streckte die Hand aus, um die Schmuckst�cke zu ber�hren: <emphasis>Schmerz. Kummer. Leiden.</emphasis> Schnell ri� sie die Hand zur�ck und schnappte nach Luft. Die geballten Emotionen schwirrten noch in ihrem Kopf herum. Selbst ihre letzten Zweifel waren nun verflogen. Das war es, wonach die Schwarzen Ajah suchten. Und wenn es sich in <emphasis>Tel'aran'rhiod</emphasis> noch auf diesem Podest befand, dann war es auch in der wirklichen Welt noch da. Sie hatte die anderen �berholt. Auf diesem wei�en Steinpodest.</p><p>Sie wirbelte herum und blickte zu der Glasvitrine hin�ber, in der sich das <emphasis>Cuendillar-Siegel</emphasis> befand, um den Fleck wiederzufinden, an dem sie zuerst gestanden hatte, als sie Moghedien sah. Die Frau hatte dieses Podest angesehen, die Armb�nder und die Halskette. Moghedien mu�te also Bescheid wissen. Aber...</p><p>Alles um sie herum drehte sich und verschwamm, verbla�te.</p><p>�Wach auf, Nynaeve�, murmelte Elayne und unterdr�ckte ein G�hnen, als sie die Schlafende an der Schulter r�ttelte. �Es mu� bestimmt schon eine Stunde um sein. Ich m�chte endlich auch schlafen. Wach auf, oder ich werde ausprobieren, wie es dir gef�llt, mit dem Kopf in einem Eimer Wasser zu stecken.� Nynaeve schlug die Augen auf und blickte zu ihr hoch. �Wenn sie wei�, was es ist, warum hat sie es ihnen dann nicht gegeben? Wenn sie wissen, wer sie ist, warum mu� sie dann in <emphasis>Tel'aran'rhiod</emphasis> suchen? Verbirgt sie sich auch vor ihnen?� �Wovon sprichst du eigentlich?� Sie rappelte sich mit fliegenden Z�pfen hoch und lehnte sich gegen das Kopfbrett des Bettes. Dann zog Nynaeve ihr Seidenhemd z�chtig herunter. �Ich sage dir, wovon ich spreche.� Elayne blieb der Mund offen stehen, als sie ihr berichtete, was aus dem geplanten Treffen mit Egwene geworden war. Die Suche mit Hilfe ihrer eigenen inneren Not. Moghedien. Birgitte und Gaidal Cain. Die Halskette und die Armb�nder aus schwarzem Metall. Asmodean in der W�ste. Eines der Siegel vom Gef�ngnis des Dunklen K�nigs im Panarchenpalast. Elayne sank mit weichen Knien auf eine Bettkante hernieder, lange bevor Nynaeve noch Temaile und die Panarchin erreicht hatte, die sie ganz nebenher noch erw�hnte. Und wie sie ihr Aussehen ge�ndert und sich als Rendra dargestellt hatte. W�re Nynaeves Miene nicht ernst und sogar grimmig gewesen, h�tte Elayne beinahe glauben k�nnen, es sei eine von Thoms wilderen Geschichten.</p><p>Egeanin, die mit �bergeschlagenen Beinen in ihrem Leinenhemd dasa�, die H�nde auf den Knien, blickte ungl�ubig drein. Elayne hoffte nur, Nynaeve werde keinen Krach anfangen, weil sie die Fesseln der Frau gel�st hatte.</p><p>Moghedien. Das war der erschreckendste Teil. Eine der Verlorenen in Tanchico. Eine der Verlorenen hatte die Macht um sie beide verwebt und sie gezwungen, ihr alles zu sagen. Elayne konnte sich nicht um alles in der Welt daran erinnern. Der Gedanke allein reichte schon, da� sie die H�nde auf ihren mit einemmal schmerzenden Magen pre�te. �Ich wei� nicht, ob Moghedien� � <emphasis>Licht, kann sie wirklich einfach so hereingekommen sein und uns...?</emphasis> ��sich vor Liandrin und den anderen verbirgt, Nynaeve. Es klingst aber schon wahrscheinlich, wenn man danach geht, was Birgitte� � <emphasis>Licht, Birgitte, und sie gibt ihr Ratschl�ge!</emphasis> � ��ber sie sagte.� �Was auch immer Moghedien vorhaben mag�, sagte Nynaeve mit nerv�s wirkender Stimme, �so habe <emphasis>ich</emphasis> auf jeden Fall vor, ein H�hnchen mit ihr zu rupfen.� Sie sackte zur�ck gegen das mit Blumen verzierte Kopfbrett. �Und auf alle F�lle m�ssen wir auch das Siegel vor ihnen in Sicherheit bringen, genau wie die Halskette und die Armb�nder.� Elayne sch�ttelte den Kopf. �Wie kann Schmuck f�r Rand gef�hrlich sein? Bist du sicher? Sind das <emphasis>Ter'Angreal</emphasis> von irgendeiner Art? Wie haben sie genau ausgesehen?� �Sie sahen jedenfalls wie eine Halskette und Armb�nder aus�, fauchte Nynaeve frustriert zur�ck. �Zwei Gliederarmb�nder aus einem schwarzen Metall, und dazu eine weite Halskette, wie ein schwarzes Halsband...� Ihr Blick scho� zu Egeanin hin�ber, aber Elaynes Blick war genauso schnell.</p><p>Unbeeindruckt richtete sich die dunkelhaarige Frau auf und setzte sich auf die Fersen. �Ich habe noch nie von einem <emphasis>A'dam</emphasis> geh�rt, der f�r einen Mann angefertigt wurde, und auch noch nie von einem, wie Ihr ihn beschreibt. Niemand versucht auch nur, einen Mann unter Kontrolle zu bringen, der die Macht lenken kann.� �Aber genau daf�r ist es bestimmt�, sagte Elayne bed�chtig. <emphasis>Oh, Licht, ich hatte wohl gehofft, da� es so etwas nicht gibt...</emphasis> Wenigstens hatte Nynaeve ihn zuerst entdeckt, und damit hatten sie eine Chance, die anderen davon abzuhalten, ihn gegen Rand anzuwenden.</p><p>Nynaeve zog die Augen zusammen, als sie Egeanins freie H�nde bemerkte, aber sie gab keinen Kommentar. �Moghedien ist bestimmt die einzige, die davon wei�. Sonst erg�be es keinen Sinn. Wenn wir uns in den Palast einschleichen, k�nnen wir das Siegel und den... was immer es ist, an uns nehmen. Und falls wir auch noch Amathera herausbringen, haben Liandrin und ihre Hexen pl�tzlich die Legion des Panarchen und die Miliz auf dem Hals, und vielleicht sogar noch die Wei�m�ntel. Sie werden auch mit Hilfe der Macht aus einer solchen Falle nicht entrinnen! Das Problem ist nur, unbemerkt hineinzukommen.� �Ich habe auch schon dar�ber nachgegr�belt�, sagte Elayne, �aber ich f�rchte, die M�nner werden da nicht mitmachen.� ��berlasse die mal ruhig mir�, schnaubte Nynaeve. �Ich... � Im Flur plumpste und klapperte etwas. Ein Mann schrie auf, und dann herrschte genauso pl�tzlich wieder Stille. Thom sa� drau�en Wache.</p><p>Elayne eilte hin, um die T�r zu �ffnen, und griff dabei nach <emphasis>Saidar.</emphasis> Nynaeve kam gleich hinterher und auch Egeanin.</p><p>Thom rappelte sich gerade vom Boden auf und hielt sich mit einer Hand den Kopf. Juilin mit seinem Stock und Bayle Domon mit dem Kn�ppel standen �ber einem Mann mit hellblondem Haar, der mit dem Gesicht nach unten bewu�tlos am Boden lag.</p><p>Elayne eilte zu Thom und bem�hte sich sanft, ihm aufzuhelfen. Er l�chelte sie dankbar an, schob aber stur ihre helfenden H�nde beiseite. �Es geht mir ganz gut, Kind.� Ganz gut? An seiner Schl�fe schwoll eine beachtliche Beule an. �Der Bursche kam den Flur entlang, als er mir pl�tzlich gegen den Kopf trat. Sch�tze, der war hinter meiner B�rse her.� Einfach so. Vor den Kopf getreten, aber es ging ihm gut.</p><p>�Er h�tte sie auch bekommen�, sagte Juilin, �wenn ich nicht gekommen w�re, um nachzusehen, ob Thom abgel�st werden wollte.� �Als ob ich nicht aus dem gleichen Grund da sein�, murmelte Domon. Ihre Feindseligkeit schien ausnahmsweise einmal gar nicht so ausgepr�gt.</p><p>Elayne brauchte einen Augenblick, aber dann wurde ihr klar, warum. Nynaeve und Egeanin standen nur mit den d�nnen Hemdchen bekleidet im Flur. Juilin be�ugte beide so wohlgef�llig, da� er Schwierigkeiten mit Rendra bekommen h�tte, w�re sie zugegen gewesen. Er bem�hte sich aber, es nicht zu offensichtlich werden zu lassen. Domon gab sich allerdings keine M�he, seine offene Bewunderung f�r Egeanin zu verbergen. Er verschr�nkte die Arme und spitzte die Lippen auf eine widerliche Art, w�hrend er sie von Kopf bis Fu� musterte.</p><p>Den beiden Frauen wurde das schnell klar, aber ihre Reaktionen waren ganz unterschiedlich. Nynaeve in ihrem d�nnen, wei�en Seidenhemd warf dem Diebf�nger einen abweisenden Blick zu und schritt steif in das Zimmer zur�ck, wobei sie mit rotem Kopf noch einmal um den T�rrahmen herum zur�ckblickte. Egeanin, deren Leinenhemd erheblich l�nger und dichter war als das Nynaeves � die Frau, die k�hl und �berlegen geblieben war, als man sie zur Gefangenen machte, und die k�mpfte wie ein Beh�ter �, ri� die Augen weit auf, lief puterrot an und schnappte nach Luft. Elayne blickte ihr entgeistert hinterher, als die Seanchanfrau einen erschreckten Schrei loslie� und ins Zimmer zur�cksprang.</p><p>T�ren wurden aufgerissen, und �berall am Flur steckten die Leute die K�pfe neugierig heraus. Sie verschwanden allerdings augenblicklich wieder, und die T�ren knallten zu, als die Leute den auf dem Boden liegenden Mann erblickten und die �ber ihn gebeugten Menschen. Schwere Schleifger�usche deuteten an, da� einige G�ste sich einschlossen und dazu noch Betten oder Schr�nke vor die T�ren schoben, um sie zu verrammeln.</p><p>Lange Augenblicke sp�ter �ugte Egeanin um die T�rkante. Sie war immer noch rot bis zum Haaransatz. Elayne konnte das nicht verstehen. Sicher, die Frau stand im Unterhemd da, aber es bedeckte sie fast genauso vollst�ndig, wie Elaynes Taraboner Kleid diese verh�llte. Trotzdem hatten Juilin und Domon kein Recht, sie so anzustarren. Sie fixierte die beiden mit einem Blick, der sie sofort zur Ordnung rufen sollte.</p><p>Ungl�cklicherweise war Domon zu sehr damit besch�ftigt, zu schmunzeln und sich die Oberlippe zu reiben. Zumindest aber Juilin bemerkte ihren Blick, doch er seufzte lediglich schwer, wie es die M�nner taten, wenn sie sich unfair behandelt oder mi�verstanden f�hlten. Er mied ihren Blick und b�ckte sich, um sich den hellblonden Burschen auf den R�cken zu hieven. Ein gutaussehender, schlanker Mann.</p><p>�Ich kenne diesen Burschen�, rief Juilin. �Das ist der Mann, der versucht hat, mich auszurauben. Jedenfalls glaubte ich das�, f�gte er etwas bed�chtiger hinzu. �Ich glaube nicht an Zuf�lle. Nicht, au�er der Wiedergeborene Drache w�re in der Stadt.� Elayne tauschte einen besorgten Blick mit Nynaeve. Sicher war der Fremde kein Mietling Liandrins. Die Schwarzen Ajah ben�tzten keine M�nner mehr, um in den Fluren herumzuschleichen... Genauso h�tten sie auch keine Stra�enschl�ger in Dienst genommen. Elaynes Blick glitt fragend zu Egeanin hin�ber. Nynaeves Blick war dagegen eher fordernd.</p><p>�Er ist ein Seanchan�, sagte Egeanin einen Moment sp�ter.</p><p>�Ein Rettungsversuch?� murmelte Nynaeve trocken, doch die andere Frau sch�ttelte den Kopf.</p><p>�Ich bezweifle nicht, da� er nach mir suchte, aber nicht, um mich zu retten, glaube ich. Falls er wei� oder auch nur vermutet, da� ich Bethamin freigelassen habe, wird er... mit mir sprechen wollen.� Elayne vermutete, es w�re nicht nur zu einem Gespr�ch gekommen, und das best�tigte sich, als Egeanin hinzuf�gte: �Es ist vielleicht am besten, wenn Ihr ihm die Kehle durchschneidet. Er wird Euch wohl ebenfalls Schwierigkeiten machen, falls er glaubt, ihr seid meine Freundinnen, oder wenn er herausfindet, da� Ihr Aes Sedai seid.� Der Schmuggler aus Illian warf ihr einen schockierten Blick zu, und Juilins Kinn klappte so weit hinunter, wie es nur m�glich war. Thom andererseits nickte auf beunruhigend nachdenkliche Art.</p><p>�Wir sind nicht hier, um irgendwelchen Seanchan die Kehlen durchzuschneiden�, sagte Nynaeve, als k�nne sich das sp�ter durchaus �ndern. �Bayle, Juilin, werft ihn in die Gasse hinter der Schenke. Bis er aufwacht, wird er froh sein, �berhaupt noch die Unterw�sche anzuhaben. Thom, sucht Rendra und sagt ihr, wir wollten einen starken Tee in der Kammer der Fallenden Bl�ten einnehmen. Und fragt sie, ob sie ein wenig Weidenrinde oder Azem hat; dann bereite ich Euch etwas f�r Euren l�dierten Kopf.� Die drei M�nner blickten sie mit gro�en Augen an. �Auf, bewegt Euch�, fauchte sie. �Wir m�ssen Pl�ne schmieden!� Sie gab Elayne kaum Zeit, um wieder einzutreten, bevor sie die T�r zuknallte und begann, sich das Kleid �berzuziehen. Egeanin st�rzte sich auf ihre Sachen, als s�hen die M�nner immer noch zu.</p><p>�Es ist besser, sie einfach zu ignorieren, Egeanin�, sagte Elayne. Es war ein eigenartiges Gef�hl, jemandem einen Rat zu geben, der �lter war, aber so selbst�ndig die Seanchanfrau auch in vieler Hinsicht war, so wenig wu�te sie offensichtlich �ber M�nner. �Das ermutigt sie sonst nur. Ich wei� zwar nicht, warum�, gab sie zu, �aber es stimmt schon. Ihr wart durchaus z�chtig bekleidet. Wirklich.� Egeanins Kopf tauchte aus ihrem Kleid auf. �Z�chtig? Ich bin keine Kellnerin und erst recht keine Shea-T�nzerin!� Aus ihrer zornigen Miene wurde ein verbl�fftes Stirnrunzeln. �Er sieht aber doch recht gut aus. Das ist mir vorher gar nicht aufgefallen.� Elayne fragte sich, was eine Shea-T�nzerin sei, und ging hin, um ihr beim Zukn�pfen behilflich zu sein. �Rendra wird aber etwas dagegen haben, wenn Ihr Juilin erlaubt, mit Euch zu flirten.� Die dunkelhaarige Frau warf ihr �ber die Schulter weg einen �berraschten Blick zu. �Der Diebf�nger? Ich habe doch Bayle Domon gemeint. Ein gut situierter Mann. Aber ein Schmuggler�, seufzte sie bedauernd. �Ein Gesetzesbrecher.� Elayne war der Meinung, da� man �ber Geschm�cker nicht streiten sollte, denn auch Nynaeve liebte mit Lan einen Mann, der ihr viel zu steinern und bedrohlich vorkam, aber Bayle Domon? Der Mann war halb so breit wie hoch � so dick wie ein Ogier!</p><p>�Du schnatterst schon wie Rendra, Elayne�, fuhr Nynaeve sie an. Sie m�hte sich gerade mit den Kn�pfen an ihrem R�cken ab. �Wenn du damit aufgeh�rt hast, �ber M�nner zu klatschen, dann erspare uns bitte, von der neuen Schneiderin zu berichten, die du zweifellos aufgesp�rt hast! Wir m�ssen planen. Wenn wir warten, bis wir mit den M�nnern zusammensitzen, werden sie versuchen, uns zu �berstimmen, und ich habe keine Lust, Zeit zu verschwenden, um sie zurechtzuweisen. Bist du noch nicht mit ihr fertig? Ich k�nnte auch etwas Hilfe gebrauchen.� Elayne kn�pfte schnell Egeanins Kleid fertig zu und ging ganz k�hl zu Nynaeve hin�ber. Sie redete doch nicht st�ndig von M�nnern und Kleidern. Jedenfalls lange nicht so oft wie Rendra. Nynaeve hielt ihre Z�pfe zur Seite und blickte sie strafend an, als sie beinahe an ihrem Kleid ri�, um die Kn�pfe richtig hinzubekommen. Die enge, dreifache Knopfreihe den R�cken hoch war notwendig und nicht nur Zierrat. Nynaeve lie� sich aber auch von Rendra �berreden, sich in die engsten Oberteile hineinzuzw�ngen, nur weil sie der neuesten Mode entsprachen. Und dann behauptete sie, andere d�chten die ganze Zeit �ber nur an Kleider. Sie jedenfalls hatte ganz andere Dinge im Kopf. �Ich habe dar�ber nachgedacht, wie wir unbemerkt in den Palast hineinkommen k�nnen, Nynaeve. Wir k�nnen uns fast unsichtbar bewegen.� Beim Reden gl�ttete sich Nynaeves Stirn wieder. Auch sie selbst war auf einen Weg gekommen, auf dem sie den Palast betreten konnten. Als Egeanin ein paar Vorschl�ge unterbreitete, verzog Nynaeve den Mund, aber die Anregungen waren vern�nftig, und sie konnte sie nicht so einfach ablehnen. Als sie schlie�lich bereit waren, in die Kammer der Fallenden Bl�ten hinunterzugehen, hatten sie sich auf eine Vorgehensweise geeinigt und nicht die Absicht, von den M�nnern daran r�tteln zu lassen. Moghedien, die Schwarzen Ajah, wer auch immer im Panarchenpalast das Sagen hatte, der w�rden sie das ersehnte Ziel vor der Nase wegschnappen.</p></section><section><title><p>53</p><p>Eine bindende Entscheidung</p></title><p>Nur drei Kerzen und zwei Lampen erhellten den Schankraum der Weinquellenschenke, da sowohl Kerzen wie auch �l knapp geworden waren. Die Speere und die anderen Waffen standen nicht mehr an den W�nden, und das Fa�, in dem die Schwerter gesteckt hatten, war leer. Die Lampen standen auf zweien der Tische, die man vor dem gro�en Kamin zusammengeschoben hatte und an denen nun Marin al'Vere, Daise Congar und andere aus der Versammlung der Frauen die Listen durchgingen, wieviel Lebensmittel noch in Emondsfeld zur Verf�gung standen. Perrin bem�hte sich, nicht hinzuh�ren.</p><p>Von einem anderen Tisch h�rte man das leise, regelm��ige Schleifen von Failes Wetzstein, als sie eines ihrer Messer schliff. Vor ihr lag ein Bogen, und an ihrem G�rtel hing ein gef�llter K�cher. Sie hatte sich als recht gute Sch�tzin erwiesen, aber er hoffte, sie werde niemals herausfinden, da� es ein Knabenbogen war. Einen Langbogen von den zwei Fl�ssen konnte sie nicht spannen, auch wenn sie sich weigerte, das zuzugeben.</p><p>Er verschob seine Axt, da� sie ihn nicht so dr�ckte, und versuchte, sich wieder auf das zu konzentrieren, was er mit den M�nnern besprochen hatte, die mit ihm am Tisch sa�en. Nicht alle von ihnen waren so aufmerksam, wie sie eigentlich sein sollten.</p><p>�Sie haben Lampen�, murrte Cenn, �und wir m�ssen uns mit Talg begn�gen.� Der knorrige alte Mann blickte b�se die beiden Kerzen an, die in Messinghaltern steckten.</p><p>�La� doch das Meckern sein, Cenn�, sagte Tam m�de und zog Pfeife und Tabaksbeutel aus der G�rteltasche. �La� doch einmal wenigstens das Meckern.� �Wenn wir lesen oder schreiben m��ten�, sagte Abell in einem Tonfall, der der Geduld seiner Worte nicht ganz entsprach, �dann h�tten wir auch Lampen.� Um seine Stirn war ein Verband gewickelt.</p><p>Als wolle er den Dachdecker daran erinnern, da� schlie�lich er der Dorfvorsteher sei, r�ckte Bran das silberne Medaillon zurecht, das er auf der breiten Brust h�ngen hatte. Waagschalen waren darauf eingraviert. �Konzentriere dich bitte auf das Notwendige, Cenn. Ich will nicht, da� einer von euch Perrins Zeit verschwendet.� �Ich bin aber der Meinung, da� wir Lampen bekommen sollten�, quengelte Cenn. �Perrin w�rde es mir sagen, wenn ich seine Zeit verschwendete.� Perrin seufzte. Seine Augenlider waren an diesem Abend schwer geworden. Er w�nschte sich, jemand anders w�rde den Rat der Gemeinde vertreten, Haral Luhhan oder Jon Thane oder Samel Crawe, irgend jemand, aber nicht gerade Cenn mit seinem ewigen Mosern. Aber andererseits w�nschte er sich auch, da� sich einer dieser M�nner an ihn wandte und zu ihm sagte: <emphasis>�Das sind die Angelegenheiten des Dorfvorstehers und des Rats der Gemeinde, Junge. Geh du mal zur�ck an die Esse. Wir lassen dich schon wissen, was du zu tun hast.�</emphasis> Statt dessen machten sie sich Gedanken dar�ber, seine Zeit nicht zu verschwenden, und verwiesen jeden an ihn. Wie viele Angriffe hatte es gegeben in den letzten sieben Tagen? Er war sich nicht mehr sicher.</p><p>Der Verband um Abells Kopf irritierte Perrin. Die Aes Sedai heilten jetzt nur noch die schwerwiegendsten Wunden. Wenn ein Mann ohne ihre Hilfe klarkam, lie�en sie ihn gehen. Es war ja nicht so, da� es bereits sehr viele Schwerverwundete gab, aber wie Verin trocken festgestellt hatte, hatten auch die Kr�fte einer Aes Sedai ihre Grenzen. Offensichtlich hatte sie der Trick mit den Katapultsteinen mindestens ebensoviel Kraft gekostet wie das Heilen all dieser Verwundungen. Aber diesmal wollte er nicht an die Grenzen der Kr�fte einer Aes Sedai erinnert werden. Noch nicht viele Schwerverwundete. Noch nicht.</p><p>�Haben wir noch genug Pfeile?� fragte er. Man erwartete von ihm ja wohl, da� er sich um solche Probleme k�mmere.</p><p>�Ja, es reicht�, sagte Tam und z�ndete seine Pfeife an einer der Kerzen an. �Wir holen uns immer noch die meisten von denen zur�ck, die wir abgeschossen haben, jedenfalls bei Tageslicht. In der Nacht schleifen sie eine Menge ihrer Toten weg � f�r die Kocht�pfe bestimmt, sch�tze ich. Die gehen uns eben verloren.� Die anderen M�nner kramten jetzt ebenfalls die Pfeifen aus allen m�glichen Taschen heraus. Cenn knurrte etwas, da� er seinen Beutel vergessen habe. M�rrisch schob ihm Bran seinen Tabaksbeutel �ber den Tisch. Sein Kahlkopf schimmerte im Kerzenschein.</p><p>Perrin rieb sich die Stirn. Was hatte er als n�chstes fragen wollen? Die Pf�hle. Bei den meisten Angriffen, besonders w�hrend der Nacht, mu�ten sie bereits an und zwischen den Pf�hlen k�mpfen. Wie oft waren die Trollocs nun schon beinahe durchgebrochen? Dreimal? Viermal?</p><p>�Hat jeder jetzt einen Speer oder irgendeine Art von Spie� oder dergleichen? Ist noch Material vorhanden, um weitere herzustellen?� Die Antwort war Schweigen, und er lie� seine Hand auf die Tischfl�che sinken. Die anderen M�nner blickten ihn an.</p><p>�Das hast du gestern schon gefragt�, sagte Abell mit sanfter Stimme. �Und Haral hat dir gesagt, da� es im ganzen Dorf keine Sichel und keine Mistgabel mehr gibt, die nicht schon zu einer Waffe verarbeitet wurde. Um die Wahrheit zu sagen, haben wir mehr Waffen als H�nde, um sie zu f�hren.� �Ja. Nat�rlich. Es war mir einfach entfallen.� Ein Gespr�chsfetzen von der Runde der Frauen drang in sein Bewu�tsein.</p><p>�... sollten die M�nner nicht erfahren�, sagte Marin gerade leise, als wiederhole sie eine �fters ausgesprochene Mahnung.</p><p>�Selbstverst�ndlich nicht�, schnaubte Daise um einiges lauter. �Wenn die Narren herausbekommen, da� die Frauen nur noch halbe Rationen essen, werden sie darauf bestehen, es genauso zu machen, und wir k�nnen nicht... � Perrin schlo� die Augen und bem�hte sich, nicht mehr hinzuh�ren. Klar. Die M�nner mu�ten ja k�mpfen. Also brauchten sie jedes bi�chen Kraft. Ganz einfach. Wenigstens mu�ten die Frauen bis jetzt noch nicht mitk�mpfen. Au�er den beiden Aielfrauen nat�rlich und Faile, aber sie war schlau genug, sich zur�ckzuhalten, wenn es dazu kam, zwischen den Pf�hlen mit Speeren und Spie�en zu k�mpfen. Das war auch der Grund, weshalb er den Bogen f�r sie aufgetrieben hatte. Sie hatte das Herz einer Leopardin und mehr Mut als zwei M�nner zusammengenommen.</p><p>�Ich glaube, es ist Zeit, da� du schlafen gehst, Perrin�, schlug Bran vor. �Du kannst nicht so weitermachen und lediglich mal hier oder da eine Stunde schlafen.� Perrin kratzte sich lebhaft im Bart und bem�hte sich, wachsam und hellwach zu wirken. �Ich werde sp�ter schlafen.� Wenn es vorbei war. �Bekommen die M�nner denn auch genug Schlaf? Ich habe einige gesehen, die immer noch auf waren, obwohl sie... � Die Eingangst�r schlug auf, und der magere Dannil Lewin trat aus der Nacht herein, schwei��berstr�mt und den Bogen in der Hand. Er trug an der H�fte eines der Schwerter aus dem Fa�. Tam hatte die M�nner unterrichtet, wenn er gerade Zeit dazu hatte, und manchmal half auch einer der Beh�ter.</p><p>Bevor Dannil den Mund �ffnen konnte, fauchte Daise: �Bist du etwa in einer Scheune erzogen worden, Dannil Lewin?� �Du k�nntest wirklich meine T�r ein wenig r�cksichtsvoller behandeln.� Marin blickte erst den Mann und dann Daise bedeutungsvoll an, um sie beide daran zu erinnern, da� es <emphasis>ihre</emphasis> T�r sei.</p><p>Dannil duckte sich ein wenig und r�usperte sich. �Verzeihung, Frau al'Vere�, sagte er schnell. �Verzeihung, Seherin. Tut mir leid, wenn ich so hereinst�rme, aber ich habe eine Botschaft f�r Perrin.� Er eilte so hastig zum Tisch der M�nner, als f�rchte er, die Frauen w�rden ihn nochmals aufhalten. �Die Wei�m�ntel haben einen Mann hergebracht, der mit Euch sprechen will, Perrin. Er will sonst mit niemandem reden. Er ist schlimm verwundet, Perrin. Sie haben ihn nur bis zum Rand des Dorfs gebracht.</p><p>Ich glaube kaum, da� er es bis zur Schenke schaffen w�rde.� Perrin rappelte sich m�hsam hoch. �Ich komme schon.� Wenigstens kein neuer Angriff. Die waren nachts am schlimmsten.</p><p>Faile schnappte sich ihren Bogen und schlo� sich ihm an, bevor er die T�r erreicht hatte. Auch Aram stand z�gernd auf. Er hatte im Schatten am Fu� der Treppe gesessen. Manchmal verga� Perrin ganz, da� der Mann da war, weil er sich so ruhig verhielt. Er wirkte schon eigenartig mit seinem Schwert, das er sich �ber das schmutzige, gelbgestreifte Kesselflickerwams geschnallt hatte, mit st�ndig weit ge�ffneten Augen und ausdruckslosem Gesicht. Weder Raen noch Ila hatten auch nur ein Wort mit ihrem Enkel gesprochen, seit dem Tag, als er dieses Schwert in die Hand genommen hatte. Auch mit Perrin sprachen sie nicht mehr.</p><p>�Wenn Ihr mitkommen wollt, dann nur zu�, sagte er ein wenig m�rrisch, und Aram schlo� sich ihm an. Der Mann lief ihm wie ein Hund hinterher, wenn er nicht gerade Tam oder Ihvon oder Tomas plagte, damit sie ihm Lehrstunden im Gebrauch des Schwerts erteilten. Es war, als habe er seine Familie und sein Volk durch Perrin ersetzt. Perrin h�tte ohne diese zus�tzliche Verantwortung gut leben k�nnen, aber er hatte ihn nun mal am Hals.</p><p>Der Mond schien auf die strohgedeckten D�cher herab. Nur bei wenigen H�usern war mehr als ein Fenster beleuchtet. Stille hing �ber dem Dorf. Drau�en vor der Schenke standen vielleicht drei�ig der �Kameraden� auf Wache. Sie trugen ihre B�gen in der Hand, und so viele von ihnen hatten Schwerter, wie es eben m�glich gewesen war. Die Bezeichnung �Kameraden� hatten sie alle �bernommen, und selbst Perrin ertappte sich dabei sie zu ben�tzen, trotz seines inneren Widerstands. Der Grund daf�r, vor der Schenke Wachen aufzustellen, war auf dem Anger zu finden, der nicht mehr von Schafen und K�hen zum Weiden benutzt wurde. Nur ein kurzes St�ck vom Weinquellenbach entfernt, jenseits der Stelle, an der diese n�rrische Flagge mit dem Wolfskopf jetzt schlaff herunterhing, brannten helle Lagerfeuer in der Dunkelheit der Nacht. Am Rande des Feuerscheins schimmerten wei�e M�ntel im Mondschein.</p><p>Niemand hatte Wei�m�ntel zu Hause beherbergen wollen. Die H�user waren so schon �berf�llt, und Bornhald wollte seine Truppe sowieso nicht aufsplittern. Der Mann schien zu glauben, da� jeden Moment das ganze Dorf �ber ihn und seine M�nner herfallen k�nne. Wenn sie Perrin folgten, mu�ten sie Schattenfreunde sein. Selbst Perrins scharfe Augen konnten die Gesichter an den Lagerfeuern nicht erkennen, aber er glaubte, Bornhalds Blick auf sich ruhen zu f�hlen, wie er wartete und ha�te.</p><p>Dannil w�hlte zehn der Kameraden aus, die Perrin begleiten sollten, alles junge M�nner, die normalerweise mit ihm herumziehen und die Gegend unsicher machen sollten, aber nun statt dessen ihre B�gen trugen und f�r seine Sicherheit sorgen mu�ten. Aram reihte sich nicht bei ihnen ein, als Dannil sie die dunkle, schmutzige Stra�e entlangf�hrte. Er war bei Perrin und nicht bei dieser Truppe. Faile hielt sich dicht an Perrins Seite. Ihre dunklen Augen schimmerten im Mondschein und beobachteten ihre Umgebung so genau, als sei <emphasis>sie</emphasis> sein einziger Schutz.</p><p>Wo die Alte Stra�e nach Emondsfeld hineinf�hrte, hatte man die Wagenblockade beseitigt, um die Patrouille der Wei�m�ntel durchzulassen, zwanzig Mann in schneewei�en M�nteln, mit Lanzen bewaffnet und in gl�nzenden R�stungen, die nicht weniger ungeduldig warteten als ihre stampfenden Pferde. Sie hoben sich deutlich von der Nacht ab, wohlwissend, da� die Trollocs nachts sehr gut sehen konnten, aber die Wei�m�ntel bestanden auf ihren Patrouillenritten. Manchmal hatten sie wirklich rechtzeitig vor einem Angriff warnen k�nnen, und vielleicht hielten sie mit ihren st�ndigen Nadelstichen die Trollocs ein wenig auf Abstand. Aber es w�re Perrin schon lieber gewesen, er h�tte gewu�t, was sie eigentlich drau�en taten, bevor sie vollendete Tatsachen schufen.</p><p>Eine Schar Dorfbewohner und Bauern aus dem Umland, die Teile uralter R�stungen und in ein paar F�llen rostige Helme trugen, hatten sich um einen Mann in Bauernkleidung versammelt, der auf der Stra�e lag. Sie machten ihm und Faile Platz, und er ging zu dem Mann und kniete neben ihm nieder.</p><p>Der Geruch nach Blut war sehr stark. Schwei� gl�nzte auf dem im Schatten liegenden Gesicht des Mannes. Ein daumendicker Trollocpfeil steckte wie ein kleiner Speer in seiner Brust. �Perrin � Goldauge�, stie� er heiser hervor, wobei er nach Luft rang. �Mu� � zu � Perrin � Goldauge.� �Hat jemand nach einer der Aes Sedai geschickt?� wollte Perrin wissen. Er hob den Oberk�rper des Mannes an, so sanft er nur konnte, und hielt seinen Kopf in der Armbeuge. Er h�rte gar nicht erst auf die Antwort, denn er glaubte nicht, da� der Mann noch lange genug leben w�rde, bis eine Aes Sedai kam. �Ich bin Perrin.� �Goldauge? Ich � kann � nicht � gut � sehen.� Der Blick aus seinen weit aufgerissenen Augen ruhte direkt auf Perrins Gesicht. Falls er �berhaupt noch sehen konnte, mu�te der Bursche seine Augen golden in der Dunkelheit schimmern sehen.</p><p>�Ich bin Perrin Goldauge�, sagte er z�gernd.</p><p>Der Mann packte ihn am Kragen und zog sein Gesicht mit �berraschender Kraft dicht vor seines. �Wir � kommen. Geschickt � Euch � zu � sagen. Wir ko...� Sein Kopf fiel nach hinten und die Augen blickten nun ins Leere.</p><p>�Das Licht sei mit seiner Seele�, fl�sterte Faile. Sie h�ngte sich den Bogen �ber.</p><p>Nach einem Augenblick l�ste Perrin die Finger des Mannes von seinem Kragen. �Kennt ihn irgend jemand?� Die M�nner von den Zwei Fl�ssen blickten sich gegenseitig an und sch�ttelten dann die K�pfe. Perrin blickte zu den Wei�m�nteln auf ihren Pferden hoch. �Hat er sonst noch etwas gesagt, als Ihr ihn hereinbrachtet? Wo habt Ihr ihn gefunden?� Jaret Byar starrte ihn von oben herab an. Sein Gesicht war hager; die Augen lagen tief in ihren H�hlen. Er war das Abbild des Todes. Die anderen Wei�m�ntel sahen zur Seite, doch Byar zwang sich immer, Perrin direkt in die gelben Augen zu sehen, besonders in der Nacht wenn sie gl�hten. Byar grollte leise in sich hinein. Perrin h�rte den Ausdruck �Schattenwesen!� Dann hieb er seinem Pferd die Stiefel in die Flanken und die Patrouille galoppierte ins Dorf hinein. Sie schienen genauso erleichtert, von Perrin wegzukommen wie von den Trollocs. Aram blickte ihnen mit ausdruckslosem Gesicht hinterher. Eine Hand hatte er erhoben und er f�hlte nach dem Schwertgriff, der hinten �ber seine Schulter hinausragte.</p><p>�Sie sagten, sie h�tten ihn zwei oder drei Meilen s�dlich von hier gefunden.� Dannil z�gerte und f�gte dann hinzu: �Sie behaupten auch, die Trollocs seien in lauter kleine Gruppen aufgesplittert, Perrin. Vielleicht geben sie endlich auf?� Perrin lie� den Fremden langsam zu Boden gleiten. <emphasis>Wir kommen.</emphasis> �Pa�t gut auf. Vielleicht kommt irgendeine Familie nun endlich her, die bisher versucht hat, sich auf dem eigenen Hof zu halten.� Er glaubte zwar nicht, da� jemand so lange Zeit �berlebt habe, aber es konnte schon sein. �Erschie�t niemanden aus Versehen.� Er taumelte hoch, und Faile legte eine Hand auf seinen Arm. �Es wird Zeit, da� du ins Bett kommst, Perrin. Gelegentlich mu�t du auch mal schlafen.� Er sah sie nur stumm an. Er h�tte daf�r sorgen sollen, da� sie in Tear blieb. Gleich, wie er es angestellt h�tte. Wenn er nur gr�ndlich genug nachgedacht h�tte...</p><p>Einer der Laufburschen, ein lockenk�pfiger Junge, der ihm bis zur Brust reichte, schl�pfte zwischen den M�nnern durch und zupfte Perrin am �rmel. Perrin kannte ihn nicht. Es waren ja auch viele Familien aus dem weiteren Umland da. �Es r�hrt sich irgend etwas im Westwald, Lord Perrin. Ich bin geschickt worden, um Euch das auszurichten.� �Nenne mich nicht �Lord� Perrin�, sagte er in scharfem Ton zu dem Jungen. Wenn er nicht bei den Kindern anfing, w�rden ihn bald alle so nennen. �Geh und sage ihnen, da� ich komme.� Der Junge rannte los.</p><p>�Du geh�rst ins Bett�, sagte Faile energisch. �Tomas kann durchaus die Verteidigung leiten.� �Das ist aber kein Angriff, sonst h�tte es der Junge gesagt und irgend jemand w�rde Cenns Signalhorn blasen.� Sie h�ngte sich an seinen Arm und versuchte, ihn in Richtung Schenke zu ziehen, und als er in die entgegengesetzte Richtung losmarschierte, wurde sie auf die Art mitgeschleppt. Nach ein paar Minuten vergebener Anstrengung gab sie auf und tat so, als habe sie die ganze Zeit nur einfach seinen Arm gehalten. Aber sie knurrte einiges in sich hinein. Sie glaubte wohl immer noch, wenn sie ganz leise spr�che, k�nne er es nicht h�ren. Es begann mit Ausdr�cken wie �n�rrisch�, �Maulesel� oder �Muskeln statt Hirn�, und danach wurde es h�rter. Es war eine h�bsche Prozession: Sie hing an seinem Arm und verfluchte ihn leise, Aram folgte ihm wie ein treuer Hund, und Dannil mit den zehn Kameraden umgaben sie wie eine Ehrenwache. W�re er nicht so m�de gewesen, h�tte er sich wohl wie ein kompletter Idiot gef�hlt.</p><p>Kleine Gruppen von W�chtern waren in regelm��igen Abst�nden um den Wall aus zugespitzten Pf�hlen verteilt und sp�hten in die Nacht hinaus. Bei jeder Gruppe befand sich ein Junge als Laufbursche. Am westlichen Ende des Dorfes hatten sich die W�chter alle an der Innenseite der Stra�ensperre versammelt. Sie hielten die Speere und B�gen in nerv�ser Kampfbereitschaft und blickten hin�ber zum Westwald. Selbst im Mondschein mu�ten ihnen die B�ume wohl mehr wie schwarze Schatten vorkommen.</p><p>Der Beh�terumhang lie� Teile von Tomas' K�rper so mit der Nacht verschmelzen, da� sie praktisch unsichtbar waren. Bain und Chiad befanden sich bei ihm. Aus irgendeinem Grund hatten die beiden T�chter des Speers jede Nacht an diesem Ende Emondsfelds verbracht, seit Loial und Gaul weg waren. �Ich h�tte Euch nicht gest�rt�, sagte der Beh�ter zu Perrin, �aber da drau�en scheint sich nur eine Gestalt zu bewegen, und ich glaubte, Ihr k�nntet sie vielleicht besser ausmachen mit Euren scharfen Augen... � Perrin nickte. Jeder wu�te von dieser F�higkeit, gerade auch bei Dunkelheit noch gut sehen zu k�nnen. Die Leute von den Zwei Fl�ssen hielten das anscheinend f�r etwas ganz Besonderes. Das geh�rte zu den Dingen, die ihn in ihren Augen zu einem dieser idiotischen �Helden� stempelten. Was die Beh�ter oder die Aes Sedai davon hielten, wu�te er nicht. Er war heute nacht auch zu m�de, als da� es ihn gek�mmert h�tte. Sieben Tage, und wie viele Angriffe waren es gewesen?</p><p>Der Rand des Westwalds lag etwa f�nfhundert Schritt entfernt. Selbst f�r seine Augen verschwammen die B�ume dort zu einem massiven Schatten. Etwas bewegte sich dort. Es war gro� genug, da� es ein Trolloc sein konnte. Eine gro�e Gestalt, die etwas trug... Das, was auf den Armen der Gestalt lag, hob einen Arm. Ein Mensch. Ein gro�er Schatten, der einen Menschen auf den Armen trug.</p><p>�Wir schie�en nicht!� schrie er. Ihm war nach Lachen zumute � nein, er ertappte sich dabei, wirklich zu lachen. �Komm weiter! Komm her, Loial!� Die undeutliche Gestalt trabte schwerf�llig los, schneller als ein Mensch laufen konnte, und wurde schlie�lich als der Ogier erkennbar, der mit Gaul auf den Armen auf das Dorf zueilte.</p><p>Die M�nner feuerten ihn an, als sei das Ganze ein Wettrennen: �Rennt, Ogier, rennt! Los! Rennt!� Vielleicht war es auch ein Wettrennen, denn aus diesem Teil des Walds heraus war schon mehr als ein Angriff erfolgt.</p><p>Kurz vor den Pf�hlen kam Loial schwankend zum Stehen. Es war kaum Platz f�r seine kr�ftigen Beine, sich auch nur seitw�rts durch die Barriere zu schieben. Doch schlie�lich hatte er es geschafft und setzte sofort den Aielmann ab. Er selbst sank zu Boden und lehnte sich ersch�pft an die n�chststehenden Pf�hle. Er atmete schwer, und seine behaarten Ohren hingen schlapp herunter. Gaul h�pfte auf einem Bein heran und setzte sich neben ihn. Augenblicklich k�mmerten sich Bain und Chiad besorgt um seinen linken Oberschenkel, wo die Hose zerrissen und mit getrocknetem Blut verschmiert war. Er hatte nur noch zwei Speere, und in seinem K�cher herrschte g�hnende Leere. Auch Loials Axt fehlte.</p><p>�Du alter Narr von einem Ogier�, lachte Perrin ihn warmherzig an. �Sich so einfach fortzustehlen. Ich sollte dich Ausrei�er von Daise Congar versohlen lassen. Na, wenigstens bist du noch am Leben. Und zur�ck.� Seine Stimme versagte ihm nun doch den Dienst. Er lebte. Und war wieder zur�ck in Emondsfeld.</p><p>�Wir haben es geschafft, Perrin�, schnaufte Loial mit m�der, doch immer noch dr�hnender Stimme. �Vor vier Tagen Wir haben das Wegetor verschlossen. H�chstens die Altesten oder eine Aes Sedai k�nnten es wieder �ffnen.� �Er hat mich fast den ganzen Weg von den Bergen bis hier getragen�, sagte Gaul. �W�hrend der ersten drei Tage wurden wir von einem Nachtl�ufer und vielleicht f�nfzig Trollocs verfolgt, aber Loial war einfach zu schnell f�r sie.� Er versuchte, die T�chter des Speers wegzuschieben, doch das gelang ihm nicht.</p><p>�Lieg still, Shaarad�, fauchte ihn Chiad an, �oder ich werde behaupten, ich h�tte dich bei voller Bewaffnung ber�hrt. Dann kannst du selbst w�hlen, wie es um deine Ehre k�nftig stehen soll.� Faile lachte vergn�gt. Perrin verstand gar nichts, doch die Bemerkung lie� den standhaften Aielmann beinahe in die Luft gehen. Anschlie�end lie� er sein Bein von den T�chtern behandeln.</p><p>�Geht es dir gut, Loial?� fragte Perrin. �Bist du verletzt?� Der Ogier rappelte sich mit sichtlicher Anstrengung hoch und stand einen Moment lang schwankend da, wie ein Baum vor dem Sturz. Seine Ohren hingen noch immer schlapp herunter. �Nein, ich bin unverletzt, Perrin. Nur m�de. Mach dir keine Sorgen um mich. Ich bin eben schon eine lange Zeit aus dem <emphasis>Stedding</emphasis> weg. Besuche dort reichen nicht aus.� Er sch�ttelte den Kopf, als habe er sich wieder beim Abschweifen ertappt. Seine breite Hand bedeckte Perrins Schulter. �Wenn ich ein bi�chen geschlafen habe, geht es mir wieder gut.� Er senkte die Stimme. Jedenfalls f�r einen Ogier war dieses Hummelgebrumm durchaus leise. �Drau�en sind die Zust�nde sehr schlimm, Perrin. Die meiste Zeit �ber sind wir den letzten Horden aus den Bergen hinunter gefolgt. Wir haben das Wegetor verschlossen, aber ich glaube, es befinden sich bereits mehrere tausend Trollocs an den Zwei Fl�ssen und dazu vielleicht noch f�nfzig Myrddraal.� �Keineswegs�, verk�ndete Luc lauthals. Er war am Dorfrand entlanggaloppiert und kam aus der Gegend der Nordstra�e. Er ri� an den Z�geln und sein schwarzer Hengst b�umte sich auf, als er mit einem Ruck stehenbleiben mu�te. Er schlug mit den Vorderhufen in die Luft. Der Auftritt eines Angebers...�Zweifellos beherrscht Ihr es pr�chtig, Ogier, B�ume zu besingen, aber gegen Trollocs zu k�mpfen ist doch etwas anderes. Ich sch�tze, es sind mittlerweile weniger als tausend. Ganz sicher eine formidable Streitmacht, aber nichts, womit diese festen Verteidigungsanlagen und tapferen M�nner nicht fertigwerden k�nnten. Hier ist noch eine Troph�e f�r Eure Sammlung, Lord Perrin Goldauge.� Lachend warf er Perrin einen prall gef�llten Stoffbeutel zu. Die Unterseite gl�nzte feucht und dunkel im Mondschein.</p><p>Perrin fing den Beutel auf und warf ihn trotz seines Gewichts in hohem Bogen �ber die Pf�hle nach drau�en. Zweifellos befanden sich vier oder f�nf Trollock�pfe darin und vielleicht noch der eines Myrddraal. Der Mann brachte jeden Abend seine Troph�en herein und schien immer noch zu erwarten, da� man sie aufstellte und bewunderte. In der Nacht, als er mit einem Paar von Myrddraalk�pfen hereingekommen war, hatten einige Coplins und Congars ein Fest f�r ihn veranstaltet.</p><p>�Verstehe ich etwa auch nichts vom K�mpfen?� meldete sich Gaul zu Wort. Er kam m�hsam auf die Beine. �Ich sage, es sind mehrere tausend.� Luc zeigte beim L�cheln seine Z�hne. �Wie viele Tage habt Ihr in der F�ule verbracht, Aiel? Ich war lange dort.� Vielleicht war es mehr eine Grimasse als ein L�cheln. �Lange. Glaubt, was Ihr wollt, Goldauge. Die endlosen Tage werden bringen, was sie eben bringen, wie es immer war.� Er ri� den Hengst schon wieder auf die Hinterhand hoch, lie� ihn herumwirbeln und galoppierte zwischen den H�usern und den B�umen, die einst den Rand des Westwalds gebildet hatten, in das Dorf hinein. Die M�nner blickten ihm nerv�s hinterher oder sp�hten wieder in die Dunkelheit hinein.</p><p>�Er hat unrecht�, sagte Loial. �Gaul und ich haben es eindeutig so gesehen.� Seine Gesichtsz�ge wirkten schlaff und ersch�pft, die Mundwinkel waren heruntergezogen und die langen Augenbrauen baumelten ihm auf die Wangen. Kein Wunder, wenn er Gaul drei oder vier Tage lang getragen hatte.</p><p>�Du hast eine Menge getan, Loial�, sagte Perrin. �Ihr beide habt etwas Gro�es vollbracht. Etwas Bedeutendes. Ich f�rchte, in Euren Schlafzimmern liegen jetzt jeweils ein halbes Dutzend Kesselflicker, aber Frau al'Vere wird Euch schon ein Lager bereiten. Es ist Zeit, da� Ihr den Schlaf bekommt, den Ihr braucht.� �Und f�r dich ist es auch allerh�chste Zeit, Perrin Aybara!� Schnell treibende Wolken lie�en Schatten �ber Failes pr�gnante Nase und die hohen Backenknochen tanzen. Sie war so sch�n! Aber ihre Stimme war knallhart: �Wenn du jetzt nicht schlafen gehst, lasse ich dich von Loial schleppen. Du kannst ja kaum noch stehen!� Gaul hatte Schwierigkeiten, mit seinem verwundeten Bein zu gehen. Bain st�tzte ihn auf einer Seite. Er versuchte, Chiad davon abzuhalten, seinen anderen Arm zu nehmen, aber sie murmelte drohend etwas, das wie <emphasis>�Gai'schain�</emphasis> klang, und Bain lachte, und dann erlaubte der Aielmann beiden, ihm zu helfen, wobei er w�tend in sich hineingrollte. Wovon die T�chter des Speers da auch sprechen mochten, jedenfalls hatten sie Gaul damit am G�ngelband.</p><p>Tomas klopfte Perrin auf die Schulter. �Geht, Mann. Jeder braucht mal Schlaf.� Bei ihm klang das, als k�nne er gut noch drei weitere Tage ohne Schlaf auskommen. Perrin nickte.</p><p>Er lie� sich von Faile zur Weinquellenschenke zur�ckbringen. Loial und die Aiel folgten, und auch Aram, w�hrend Dannil und die zehn Kameraden sie sch�tzend umgaben. Er war nicht sicher, wann die anderen zur�ckgeblieben waren, aber irgendwie fand er sich mit Faile zusammen in seinem Zimmer im zweiten Stock der Schenke wieder.</p><p>�Ganze Familien haben nicht mehr Platz als ich hier mit diesem Zimmer�, knurrte er. Eine Kerze brannte auf dem Sims �ber dem kleinen Kamin. Andere mu�ten ohne das auskommen, aber Marin entz�ndete hier eine, sobald es dunkel wurde, damit sie ihn sp�ter nicht st�ren mu�te. �Ich kann mit Dannil und Ban und den anderen drau�en schlafen.� �Sei kein Idiot�, sagte Faile, aber es klang irgendwie liebevoll. �Wenn Alanna und Verin ihre eigenen Zimmer haben, sollte das auch f�r dich gelten.� Ihm wurde bewu�t, da� sie ihm bereits das Wams gel�st hatte und gerade sein Hemd aufband. �Ich bin nicht zu m�de, um mich selbst auszuziehen.� Sanft schob er sie aus dem Zimmer.</p><p>�Du ziehst dich jetzt aus�, befahl sie. �Alles, h�rst du? Du kannst nicht richtig schlafen, wenn du angezogen bist, auch wenn du das zu glauben scheinst.� �Mache ich�, versprach er. Als er die T�r geschlossen hatte, zog er auch tats�chlich die Stiefel aus, bevor er die Kerze ausblies und sich hinlegte. Marin hatte etwas gegen schmutzige Stiefel auf ihrer Bettdecke.</p><p>Tausende, hatten Gaul und Loial gesagt. Aber wieviel konnten die beiden gesehen haben, wenn sie sich versteckt in die Berge geschlichen hatten und auf dem R�ckweg geflohen waren? Luc behauptete, es seien h�chstens tausend, aber Perrin konnte sich nicht dazu �berwinden, dem Mann zu trauen, und wenn er noch so viele Troph�en mitbrachte. Zersplittert, behaupteten wieder die Wei�m�ntel. Wie nahe konnten sie den Trollocs aber gekommen sein, wo doch ihre R�stungen und Umh�nge in der Dunkelheit richtiggehend leuchteten?</p><p>Vielleicht gab es eine M�glichkeit, selbst nachzusehen. Er hatte seit seinem letzten Besuch den Wolfstraum gemieden. Wann immer er auch daran dachte, dorthin zur�ckzugehen, versp�rte er den Wunsch, den Schl�chter endlich zu stellen, aber er war f�r Emondsfeld verantwortlich. Doch vielleicht war jetzt der richtige Zeitpunkt gekommen? Der Schlaf �berkam ihn, w�hrend er noch �berlegte.</p><p>Er stand im strahlenden Nachmittagssonnenschein auf dem Anger. Die Sonne stand bereits tief und ein paar wei�e Wolken trieben �ber den Himmel. Es grasten jetzt keine Schafe oder K�he um den hohen Mast herum, an dem die leichte Brise die rote Flagge mit dem Wolfskopf flattern lie�. Nur eine Schmei�fliege brummte an seinem Gesicht vorbei. Menschenleer war es zwischen den strohgedeckten H�usern. Kleine Stapel von trockenen Holzscheiten auf kalten Ascheh�ufchen zeigten, wo die Wei�m�ntel lagerten. Er hatte im Wolfstraum kaum jemals etwas brennen sehen; h�chstens das, was bereits verkohlt war oder direkt vor der Entz�ndung stand. Keine Raben am Himmel.</p><p>W�hrend er nach den V�geln suchte, verdunkelte sich ein Teil des Himmels und wurde zu einem Fenster, vielleicht in eine andere Welt. Egwene stand da in einer Gruppe von Frauen. Furcht stand in ihren Augen. Langsam knieten die Frauen in ihrer Umgebung vor ihr nieder. Nynaeve war eine davon, und er glaubte, auch Elaynes rotgoldenes Haar zu entdecken. Das Fenster verbla�te und wurde durch ein anderes ersetzt. Mat stand nackt und gefesselt da. Er knurrte w�tend. Diesen eigenartigen Speer mit dem schwarzen Schaft hatte man ihm hinten unter den Armen durchgesteckt und auf seiner Brust hing ein silbernes Medaillon, ein Fuchskopf. Mat verschwand und wurde zu Rand. Perrin glaubte jedenfalls, es sei Rand. Er trug nur Lumpen und einen groben Umhang, und seine Augen waren mit einer Bandage verbunden. Das dritte Fenster verschwand. Der Himmel war nur noch Himmel und leer bis auf die Wolken.</p><p>Perrin schauderte. Diese Visionen, die er im Wolfstraum sah, hatten nie etwas mit der Wirklichkeit zu tun, die er kannte. Vielleicht wurden hier, wo sich alles so leicht ver�nderte, die Sorgen um seine Freunde zu etwas Greifbarem, etwas Sichtbarem? Was es auch war, er durfte keine Zeit damit verschwenden, solche Dinge anzugaffen.</p><p>Er war nicht �berrascht, festzustellen, da� er die lange Lederweste eines Grobschmieds trug und kein Hemd darunter, und als er an den G�rtel griff, hing dort der Hammer, aber nicht die Axt. Mit gerunzelter Stirn konzentrierte er sich auf die lange, halbmondf�rmige Schneide und den dicken Dorn. Das war es, was er jetzt ben�tigte. Der Hammer ver�nderte sich nur langsam, z�h, als leiste er Widerstand, doch als schlie�lich die Axt in der festen Schlinge hing, gl�nzte sie irgendwie gef�hrlich.</p><p>Warum wehrte sich dieser Hammer so? Er wu�te doch, was er wollte. An seiner anderen H�fte erschien ein gef�llter K�cher, in seiner Hand ein Langbogen und ein Lederschutz an seinem linken Unterarm.</p><p>Drei Schritte, bei denen das Land unter ihm verschwamm, brachten ihn dorthin, wo er die n�chstgelegenen Trolloclager vermutete, drei Meilen vom Dorf entfernt. Der letzte Schritt brachte ihn zwischen beinahe ein Dutzend hoher Holzhaufen, die inmitten niedergetrampelter Gerstenhalme auf der Asche alter Feuer lagen. Unter den Scheiten fanden sich zerbrochene St�hle, Tischbeine und selbst die T�r eines Bauernhauses. Gro�e, schwarze, eiserne Kochkessel standen bereit, sie �ber die fertig vorbereiteten Feuer zu h�ngen. Leere Kessel nat�rlich. Aber er wu�te, was sie kleinschneiden und hineinwerfen w�rden, oder was auf die dicken Eisenspie�e gesteckt w�rde, die �ber einigen Feuerstellen hingen. Wie vielen Trollocs w�rden diese Feuer dienen? Es gab keine Zelte, und die schmutzigen, nach altem Trolloc-Schwei� stinkenden Decken, die hier und da lagen, gaben auch keinen wirklichen Anhalt. Viele Trollocs schliefen wie die Tiere ohne Decken auf dem blanken Boden oder h�hlten sich eine Kuhle aus, um sich darin zusammenzurollen.</p><p>Mit kleineren Schritten, nicht l�nger als ein paar hundert Schritt jeweils, lief er um Emondsfeld herum. Das Land schien lediglich unter einem feinen Dunst zu liegen, als er von Bauernhof zu Bauernhof schritt, von Weiden zu Gerstenfeldern zu Reihen von Tabakspflanzen, durch vereinzelte Baumgruppen, entlang der Wagenspuren und kleiner Fu�pfade... Er entdeckte mehr und mehr vorbereitete Holzst��e f�r Trollocfeuer, w�hrend ihn sein Weg langsam nach au�en f�hrte, spiralf�rmig vom Dorf weg. Zu viele. Hunderte von Feuern. Das mu�te bedeuten, es waren mehrere tausend Trollocs. F�nftausend oder zehntausend oder auch das Doppelte � was machte das schon f�r einen Unterschied f�r Emondsfeld, wenn sie alle gleichzeitig angriffen.</p><p>Weiter drau�en verschwanden die Anzeichen f�r die Anwesenheit der Trollocs. Zumindest die f�r ihre augenblickliche Anwesenheit. Nur wenige Bauernh�user oder Scheunen standen noch. Verkohlte Stoppeln waren von vielen Feldern �briggeblieben, die sie niedergebrannt hatten. Andere Felder wiesen gro�e niedergetrampelte Fl�chen auf. Es gab keinen vern�nftigen Grund daf�r, lediglich die Zerst�rungswut der Trollocs. Die Menschen waren l�ngst geflohen, als das getan wurde. Einmal landete er mitten auf einer gro�en verkohlten Fl�che. Angesengte Wagenr�der lagen noch in der Asche, auf denen sich vereinzelte bunte Lackflecken zeigten, die nicht in der Hitze des Feuers abgebl�ttert waren. Diese St�tte, an der der Wagenzug der Tuatha'an zerst�rt worden war, schmerzte ihn noch mehr als die niedergebrannten Bauernh�fe. Der Weg des Blatts sollte seine Chance bekommen. Irgendwo. Nicht hier. Er zwang sich zum Wegschauen und sprang etwa eine Meile weiter.</p><p>Schlie�lich erreichte er Devenritt. Reihen von strohgedeckten H�usern umgaben einen Anger mit einem Teich, der sein Wasser aus einer ummauerten Quelle bezog. Das �berflie�ende Wasser rann aus Rinnen, die l�ngst viel tiefer ausgewaschen worden waren als urspr�nglich vorgesehen. Die Schenke am Ende des Angers, �Zur Gans und Pfeife�, hatte auch nur ein Strohdach, war aber ein wenig gr��er als die Weinquellenschenke, obwohl es in Devenritt bestimmt weniger G�ste gab als in Emondsfeld. Das Dorf war auf keinen Fall gr��er. Wagen und Karren, die man dicht vor die H�user gestellt hatte, erz�hlten davon, da� auch hierher Bauern mit ihren Familien geflohen waren. Andere Wagen blockierten die Stra�en und verstellten sogar die L�cken zwischen den H�usern am Dorfrand. Diese Vorbereitungen h�tten nicht gereicht, um auch nur einen einzigen Angriff abzuwehren, wie sie in den letzten sieben Tagen �ber Emondsfeld hereingebrochen waren.</p><p>Nach drei Runden um das Dorf hatte Perrin lediglich ein halbes Dutzend Trolloclager gefunden. Genug, um die Menschen im Dorf einzuschlie�en. Sie dort festzuhalten, bis Emondsfeld erledigt war. Dann w�rden die Trollocs in aller Ruhe unter Anleitung der Blassen �ber Devenritt herfallen. Vielleicht konnte er eine M�glichkeit finden, den Dorfbewohnern eine Warnung zukommen zu lassen. Falls sie nach S�den flohen, konnten sie m�glicherweise den Wei�en Flu� �berqueren. Und selbst der Versuch, den wilden und unbewohnten Schattenwald unterhalb des Flusses zu durchqueren, war immer noch besser, als darauf zu warten, da� man umgebracht wurde.</p><p>Die goldene Sonne hatte sich keine Spur weiterbewegt. Hier verlief die Zeit anders.</p><p>Nun rannte er, so schnell er konnte, nach Norden. Selbst Emondsfeld flog wie ein verwaschener Fleck an ihm vorbei. Wachh�gel auf seiner runden Bergspitze war genau wie Devenritt mit Wagen und Karren zwischen den H�usern verbarrikadiert. Der Wind lie� eine Flagge an einer langen Fahnenstange flattern, die vor dem Wei�en Keiler auf dem H�gelkamm aufgestellt worden war. Ein roter Adler auf blauem Feld. Der Rote Adler war das Wappen von Manetheren gewesen. Vielleicht hatten ihnen Alanna oder Verin von den alten Legenden erz�hlt, als sie sich in Wachh�gel aufhielten.</p><p>Auch hier fand er nur wenige Trolloclager vor, gerade genug, um die Dorfbewohner festzunageln. Hier gab es allerdings einen bequemeren Fluchtweg als �ber den Wei�en Flu� mit seinen endlosen Stromschnellen.</p><p>Weiter nach Norden rannte er, nach Taren-F�hre am Ufer des Tarendrelle, den er fr�her immer als Tarenflu� gekannt hatte. Hohe, schmale H�user auf hohen Steinfundamenten pr�gten das Bild dieses Orts. Der Taren trat jedes Jahr �ber die Ufer, wenn der Schnee in den Verschleierten Bergen schmolz. Nun standen im unver�nderten Nachmittagssonnenschein auf mindestens der H�lfte dieser Fundamente nur noch verkohlte Balken, und Aschehaufen lagen dazwischen. Hier sah er keine Wagen, keine Anzeichen f�r einen Widerstand. Und auch keine Trolloclager. Vielleicht waren hier gar keine Menschen mehr.</p><p>Am Ufer war ein massiver h�lzerner Landesteg angebaut, von dem aus sich ein schweres Tau �ber den Flu� mit seiner starken Str�mung spannte. Das Tau lief durch Eisenringe an Deck eines breiten, niedrigen Kahns, der am Landesteg vert�ut lag. Die F�hre war also noch da und konnte benutzt werden.</p><p>Ein Satz brachte ihn �ber den Flu�, wo tiefe Wagenspuren das Ufer vernarbten und verstreute Haushaltsgegenst�nde herumlagen. St�hle und Standspiegel, Truhen, sogar ein paar Tische und ein hochgl�nzender Kleiderschrank, in dessen T�ren V�gel geschnitzt worden waren, lagen dort, Gegenst�nde, die angsterf�llte Menschen hatten retten wollen und die sie dann doch liegen lie�en, um schneller voranzukommen. Sie w�rden die Nachrichten von den Ereignissen verbreiten, die sich hier abgespielt hatten, die sich im Gebiet der Zwei Fl�sse immer noch abspielten. Einige hatten mittlerweile vielleicht Baerlon erreicht, hundert Meilen oder mehr n�rdlich von hier, und ganz sicher nat�rlich die Bauerngeh�fte zwischen Baerlon und dem Flu�. Die Nachrichten verbreiteten sich. Noch ein Monat, und man erfuhr in Caemlyn davon. Dann wu�te K�nigin Morgase mit ihrer K�niglichen Garde und ihrer Befehlsgewalt �ber ganze Heere Bescheid. Mit Gl�ck w�rde das in einem Monat geschehen. Und genauso lang, bis sie hiersein konnten, falls Morgase es �berhaupt glaubte. Zu sp�t f�r Emondsfeld. Vielleicht zu sp�t f�r die ganze Region.</p><p>Trotzdem ergab es keinen Sinn, da� die Trollocs jemanden entkommen lie�en. Oder jedenfalls die Myrddraal; die Trollocs selbst dachten kaum mehr als einen Moment voraus. Er h�tte gedacht, das erste, was die Blassen machten, sei, die F�hre zu zerst�ren. Wie konnten sie sicher sein, da� in Baerlon nicht genug Soldaten lagerten, um sie hier anzugreifen?</p><p>Er b�ckte sich, um eine Puppe mit buntbemaltem Holzgesicht aufzuheben, und ein Pfeil zischte durch, wo sich gerade noch seine Brust befunden hatte. Er sprang direkt aus seiner geb�ckten Haltung los und den Uferhang hinauf. Ein verwischter Fleck scho� hundert Schritt weit in den Wald hinein und kauerte sich pl�tzlich wieder klar sichtbar unter einen m�chtigen Lederblattbaum. Um ihn herum bedeckten Gestr�pp und mit Ranken �berwachsene, von der �berschwemmung umgest�rzte Baumst�mme den Waldboden.</p><p>Der Schl�chter. Perrin hatte einen Pfeil aufgelegt und fragte sich erstaunt, ob er ihn im Sprung noch aus dem K�cher gezogen oder ihn einfach dorthin gedacht habe. Der Schl�chter.</p><p>Er war schon wieder auf dem Sprung, blieb aber doch noch an Ort und Stelle. Der Schl�chter w�rde ungef�hr seinen Standpunkt einsch�tzen k�nnen. Perrin war der verschwimmenden Gestalt des Mannes auch schon relativ leicht gefolgt. Dieser sich verl�ngernde Wischer war so eindeutig, da� man ihn nicht verfehlen konnte. Zweimal nun hatte er das Spiel des anderen mitgespielt und beinahe verloren. Diesmal sollte der Schl�chter ruhig sein Spielchen treiben. Er wartete ab.</p><p>Raben kreisten suchend und kr�chzend �ber den Baumwipfeln. Keine Bewegung verriet ihn; nicht einmal ein leichtes Zucken. Nur die Augen r�hrten sich und beobachteten den ihn umgebenden Wald. Ein leichter Lufthauch trug eine kalte Witterung an seine Nase, menschlich und doch wieder nicht. Er l�chelte. Kein Laut au�er dem Kr�chzen der Raben. Dieser Schl�chter beherrschte die Kunst des Lauerns. Aber er war es nicht gewohnt, selbst der Gejagte zu sein. Was verga� der Schl�chter noch au�er seiner eigenen Witterung? Er w�rde wohl kaum erwarten, da� Perrin genau dort verharrte, wo er gelandet war. Tiere rannten vor dem J�ger weg. Selbst die W�lfe rannten gelegentlich davon.</p><p>Die Andeutung einer Bewegung, und einen Augenblick lang erschien ein Gesicht �ber dem Stamm einer umgest�rzten Kiefer etwa f�nfzig Schritt von seinem Versteck. Das schr�g einfallende Tageslicht lie� ihn die Z�ge ganz deutlich erkennen: dunkles Haar und blaue Augen, ein kantiges, hartes Gesicht, das ihn so sehr an das Lans erinnerte. Aber in diesem kurzen Moment leckte sich der Schl�chter zweimal die Lippen. Seine Stirn war gerunzelt und sein Blick wanderte unstet hierhin und dorthin, als er den Wald absuchte. Lan h�tte seine Unruhe niemals gezeigt, und wenn er allein tausend Trollocs gegen�berst�nde. Nur ein Augenblick, und dann war das Gesicht wieder verschwunden. Die Raben kreisten aufgescheucht �ber dem Wald, als teilten sie die Unruhe des Schl�chters und f�rchteten, zu tief zu fliegen.</p><p>Perrin wartete und beobachtete weiter v�llig bewegungslos. Stille. Nur diese kalte Witterung sagte ihm, da� er nicht mit den Raben oben allein sei.</p><p>Wieder erschien das Gesicht des Schl�chters. Er sp�hte hinter dem dicken Stamm einer Eiche zu seiner Linken hervor. Drei�ig Schritt. Die Eichen erstickten das meiste, was unmittelbar um sie herum wuchs. In dem mit faulenden Bl�ttern bedeckten Humus unter ihren �sten wuchsen nur ein paar Pilze und ein wenig Unkraut. Langsam schob sich der Mann ins Freie vor. Seine Stiefel machten kein Ger�usch.</p><p>In einer einzigen fl�ssigen Bewegung zog Perrin durch und scho� seinen Pfeil ab. Die Raben kr�chzten laut auf, und der Schl�chter fuhr herum, doch der Hammerkopfpfeil schlug in seine Brust ein. Aber ins Herz hatte Perrin ihn nicht getroffen. Der Mann schrie auf und fa�te mit beiden H�nden nach dem Pfeilschaft. Schwarze Federn schwebten herunter, als die Raben verzweifelt mit den Fl�geln schlugen. Und die Gestalt des Schl�chters verbla�te, w�hrend sein Schrei verhallte. Er wurde durchsichtig, zu einer Nebelschwade, und verschwand. Das Kreischen der Raben brach ab, wie mit einem Messer abgeschnitten. Der Pfeil, der den Mann durchbohrt hatte, fiel zu Boden. Auch die Raben waren verschwunden.</p><p>Perrin hatte schon den Bogen erneut halb durchgezogen, atmete dann aber tief durch und lie� die Spannung aus der Sehne weichen. Starb man hier auf diese Weise? Indem man einfach verbla�te und f�r immer verschwand?</p><p>�Wenigstens habe ich ihn erwischt�, knurrte er. Und au�erdem hatte er sich von seinem eigentlichen Zweck ablenken lassen. Er war nicht des Schl�chters wegen in den Wolfstraum gekommen. Nun denn, wenigstens waren die W�lfe nun sicher. Die W�lfe � und ein paar andere ebenfalls. Er trat aus dem Traum heraus...</p><p>... und als er erwachte, starrte er zun�chst verst�ndnislos die Zimmerdecke an und sein Hemd war schwei�getr�nkt. Durch die Fenster drang ein wenig Mondschein herein. Irgendwo im Dorf spielten Fiedeln eine wilde Kesselflickermelodie. Sie k�mpften wohl nicht, halfen aber auf ihre Weise, die Menschen bei Laune zu halten.</p><p>Langsam setzte sich Perrin auf und zog sich im tr�ben D�mmerlicht des Zimmers die Stiefel an. Wie sollte er es anstellen, das durchzuf�hren, was er tun mu�te? Es war schwierig. Er mu�te es schlau anstellen, soviel war klar. Nur war er keineswegs sicher, da� er in seinem Leben jemals etwas schlau angestellt hatte. Er stand auf und stampfte die F��e in die Stiefel hinein.</p><p>Pl�tzliche Schreie von drau�en und ein verklingendes Hufgeklapper lie�en ihn zum n�chsten Fenster eilen und es �ffnen. Unten dr�ngten sich die �Kameraden� wild durcheinander. �Was ist los da unten?� Drei�ig Gesichter wandten sich nach oben und Ban al'Seen rief: �Es war Lord Luc, Lord Perrin! Er h�tte beinahe Wil und Tell niedergeritten! Ich glaube, er hat sie �berhaupt nicht gesehen. Er war im Sattel zusammengekr�mmt, als sei er verwundet, und er gab dem Hengst mit aller Gewalt die Sporen, Lord Perrin.� Perrin zupfte an seinem Bart. Luc war vorher ganz sicher nicht verwundet gewesen. Luc... und der Schl�chter? Das war doch unm�glich. Der dunkelhaarige Schl�chter wirkte wie ein Bruder oder Cousin Lans. Wenn Luc mit seinem rotblonden Haar jemandem �hnlich sah, wenigstens ein bi�chen, dann war das h�chstens Rand. Die beiden M�nner h�tten nicht unterschiedlicher aussehen k�nnen. Und doch... Diese kalte Witterung. Sie rochen nicht gleich, aber beide hatten diese eisige, kaum menschliche Witterung an sich. Seine Ohren vernahmen das Ger�usch, wie unten an der Alten Stra�e Wagen aus dem Weg gezogen wurden und jemand schrie, man solle sich beeilen. Selbst wenn Ban und die Kameraden hinterherrannten, w�rden sie den Mann nun nicht mehr einholen. Der Hufschlag verriet ihm, da� jemand in vollem Galopp nach S�den ritt.</p><p>�Ban�, rief er. �Wenn Luc wieder auftauchen sollte, dann setzt ihn fest und bewacht ihn!� Er hielt kurz inne und f�gte dann hinzu: �Und nennt mich nicht so.� Dann schlug er das Fenster zu.</p><p>Luc und der Schl�chter; der Schl�chter und Luc. Wie konnten sie ein und derselbe sein? Es war einfach unm�glich. Aber andererseits hatte er vor nicht einmal zwei Jahren auch nicht an die Existenz von Trollocs und Blassen geglaubt. Nun, Zeit genug, sich dar�ber Gedanken zu machen, wenn er den Mann je wieder in die Finger bekam. Jetzt standen Wachh�gel und Devenritt auf dem Programm und... Einige konnte man vielleicht retten. Nicht alle Bewohner der Zwei Fl�sse mu�ten sterben.</p><p>Auf dem Weg zum Schankraum blieb er auf dem oberen Treppenabsatz stehen. Aram stand von seinem Sitzplatz auf der untersten Stufe auf und beobachtete ihn. Er wartete darauf, ihm folgen zu d�rfen, wohin er ihn auch f�hren mochte. Gaul lag ausgestreckt auf einem Deckenlager in der N�he des Kamins. Eine dicke Bandage h�llte seinen linken Oberschenkel ein. Er schien zu schlafen. Faile und die beiden T�chter des Speers sa�en mit �bergeschlagenen Beinen auf dem Fu�boden neben ihm und unterhielten sich leise. Auf der anderen Seite des Raums sah er ein viel gr��eres Lager, aber Loial, f�r den es bestimmt war, sa� mit ausgestreckten Beinen auf einer Bank. Die F��e steckten unter einem Tisch, und er hatte sich weit nach vorn gebeugt und kritzelte bei Kerzenschein mit einer Feder in sein Notizbuch. Zweifellos schrieb er alles nieder, was auf ihrer Reise geschehen war, bevor und nachdem sie das Wegetor verschlossen hatten. Und Perrin kannte Loial gut genug, um zu wissen, da� er alle Ehre Gaul zuschreiben w�rde, ob es nun stimmte oder nicht. Loial schien seine eigenen Taten ganz und gar nicht f�r mutig zu halten und wert, festgehalten zu werden. Ansonsten war der Schankraum leer. Er h�rte immer noch die Fiedeln aufspielen und glaubte auch, die Melodie zu erkennen. Kein Kesselflickerlied, das sie jetzt spielten: �Meine Liebe ist eine wilde Rose�.</p><p>Faile blickte hoch, kaum da� Perrin die erste Stufe betreten hatte. Sie erhob sich grazi�s, um ihm entgegenzugehen. Aram setzte sich wieder, als Perrin keine Anstalten machte, zur T�r zu gehen.</p><p>�Dein Hemd ist na߫, sagte Faile anklagend. �Du hast darin geschlafen, oder? Und in den Stiefeln. Das sollte mich nicht wundern. Es ist noch keine Stunde her, da� ich dich verlie�. Du gehst jetzt sofort wieder hinauf, bevor du vor Ersch�pfung umf�llst!� �Hast du Luc wegreiten sehen?� fragte er. Ihr Mund verzog sich, aber manchmal blieb ihm nichts anderes �brig, als ihre Regungen zu ignorieren. Wenn er mit ihr stritt, hatte sie zu oft das letzte Wort. �Er ist vor ein paar Minuten hier vorbei und durch die K�che hinausgelaufen�, sagte sie schlie�lich. Ihr Tonfall allerdings sagte deutlich aus, da� sie mit ihm und dem Schlafbed�rfnis noch nicht fertig sei.</p><p>�Schien er... verletzt zu sein?� �Ja�, sagte sie bed�chtig. �Er taumelte und hielt sich etwas an die Brust unter seinem Wams. Vielleicht eine Bandage. Frau Congar ist in der K�che. Den Ger�uschen nach hat er sie beinahe �berrannt. Woher wei�t du das?� �Ich habe es getr�umt.� In ihren schr�gstehenden Augen glitzerte es gef�hrlich. Sie hatte wohl nicht nachgedacht. Sie wu�te doch von dem Wolfstraum. Erwartete sie von ihm, das laut zu erkl�ren, wo Bain und Chiad zuh�ren konnten, ganz zu schweigen von Aram und Loial? Nun, vielleicht nicht Loial. Er war so mit seinen Notizen besch�ftigt, da� er wahrscheinlich nicht einmal bemerkt h�tte, wenn man eine Herde Schafe durch den Schankraum getrieben h�tte. �Gaul?� �Frau Congar gab ihm etwas, damit er einschlief, und au�erdem eine Tinktur f�r sein Bein. Wenn die Aes Sedai am Morgen erwachen, wird eine von ihnen ihn heilen, falls sie die Verletzung f�r schwerwiegend genug halten.� �Komm und setz dich, Faile. Ich m�chte, da� du etwas f�r mich tust.� Sie sah ihn mi�trauisch an, lie� sich aber von ihm zu einem Stuhl begleiten. Als sie beide sa�en, beugte er sich �ber den Tisch und bem�hte sich, ernst, aber nicht zu eindringlich mit ihr zu sprechen. Auf keinen Fall, als sei es dringend. �Ich m�chte, da� du f�r mich eine Nachricht nach Caemlyn bringst. Auf dem Weg lasse bitte die Leute in Wachh�gel wissen, wie die Lage hier ist. Es d�rfte wohl das Beste f�r sie sein, wenn sie �ber den Taren fliehen, bis alles vorbei ist.� Das hatte so richtig nebens�chlich geklungen. Dabei war es nur ein momentaner Einfall gewesen. �Ich m�chte, da� du K�nigin Morgase bittest, uns Soldaten aus der K�niglichen Garde herzuschicken. Ich wei�, da� ich dich da um etwas Gef�hrliches bitte, aber Bain und Chiad bringen dich sicher nach Taren-F�hre, und die F�hre selbst ist auch noch da.� Chiad stand auf und sah ihn besorgt an. Warum war sie denn so besorgt?</p><p>�Ihr m��t ihn nicht verlassen�, sagte Faile zu ihr. Nach einem Moment nickte die Aielfrau und kehrte zu ihrem Platz neben Gaul zur�ck. Chiad und Gaul? Sie waren Todfeinde. Heute nacht ergab auch nichts einen Sinn.</p><p>�Es ist ein weiter Weg nach Caemlyn�, sagte Faile leise. Ihr Blick war ganz eindringlich auf ihn gerichtet, aber ihr Gesicht h�tte auch aus Holz geschnitzt sein k�nnen, soviel Ausdruck zeigte es. �Es dauert Wochen, dorthin zu reiten, und dann noch eine Zeitlang, um zu Morgase vorzudringen und sie zu �berzeugen, und dann weitere Wochen, um mit ihren Gardesoldaten hierher zur�ckzukehren.� �Solange k�nnen wir uns leicht halten�, sagte er zu ihr. <emphasis>Seng mich, wenn ich nicht genauso gut l�gen kann wie Mat!</emphasis> �Luc hatte recht. Es k�nnen nicht mehr als tausend Trollocs da drau�en �brig sein. <emphasis>Der Traum?�</emphasis> Sie nickte. Endlich hatte sie verstanden. �Wir k�nnen uns hier sehr lange halten, aber in der Zwischenzeit verbrennen sie die Ernte und werden das Licht wei� was anrichten. Wir brauchen die K�nigliche Garde, um sie endg�ltig loszuwerden. Logischerweise bist du diejenige, die gehen mu�. Du wei�t, wie man mit einer K�nigin umgeht, da du ja schlie�lich auch die Cousine einer K�nigin bist und so was. Faile, ich wei�, worum ich dich da bitte, ist gef�hrlich... � Nicht so gef�hrlich wie hierzubleiben. �... aber sobald du die F�hre erreichst, gibt es keine Probleme mehr.� Er h�rte nicht, wie Loial n�her kam, bis der Ogier pl�tzlich sein Notizbuch vor Faile auf den Tisch legte. �Ich konnte nicht anders, als mitzuh�ren, Faile. Wenn du nach Caemlyn gehst, nimmst du das dann mit? Damit es in Sicherheit ist, bis ich komme und es hole?� Er r�ckte das B�chlein mit einer beinahe z�rtlichen Geste zurecht und f�gte hinzu: �In Caemlyn werden viele sch�ne B�cher gedruckt. Entschuldige bitte die Unterbrechung, Perrin.� Doch seine teetassengro�en Augen waren auf sie gerichtet und nicht auf ihn. �Der Name Faile pa�t zu dir. Du solltest frei fliegen wie ein Falke.� Er klopfte Perrin auf die Schulter und murmelte in einem tiefen Brummton: �Sie sollte frei wie ein Vogel sein.� Damit ging er zur�ck zu seinem Lager und legte sich mit dem Gesicht zur Wand hin.</p><p>�Er ist sehr m�de�, sagte Perrin und bem�hte sich, es wie einen nebens�chlichen Kommentar klingen zu lassen. Der n�rrische Ogier konnte seinen ganzen Plan zu Fall bringen. �Wenn du heute nacht losreitest, kannst du bis Tagesanbruch in Wachh�gel sein. Du mu�t einen Bogen nach Osten zu reiten, denn dort sind weniger Trollocs. Es ist sehr wichtig f�r mich... f�r Emondsfeld, meine ich. Machst du das?� Sie blickte ihn so lange schweigend an, da� er sich fragte, ob sie �berhaupt antworten wollte. Ihre Augen schienen feucht zu gl�nzen. Dann stand sie auf, kam um den Tisch herum und setzte sich auf seinen Scho�. Sie streichelte seinen Bart und stellte fest: �Den sollte man zurechtstutzen. Er gef�llt mir, aber er mu� ja nicht gerade bis auf deine Brust wachsen.� Er h�tte beinahe Augen und Mund aufgerissen. Sie wechselte ja oft das Thema, aber meist nur, wenn sie dabei war, den k�rzeren zu ziehen. �Faile, bitte. Ich brauche dich, um den Bericht nach Caemlyn zu bringen.� Ihre Hand packte seinen Bart fester und sie neigte den Kopf, als wiege sie die Argumente im Geist sorgf�ltig ab. �Ich gehe schon�, sagte sie schlie�lich, �aber ich will eine Belohnung daf�r. Du versuchst immer, mich mit Gewalt dazu zu bringen, da� ich etwas mache. In Saldaea w�re ich ganz bestimmt nicht diejenige, die dich um so etwas bitten m��te. Meine Belohnung ist... eine Hochzeit. Ich will dich heiraten�, schlo� sie etwas �berst�rzt.</p><p>�Und ich dich.� Er l�chelte. �Wir k�nnen uns heute nacht noch vor der Versammlung der Frauen verloben, aber ich f�rchte, mit der Hochzeit m�ssen wir noch ein Jahr warten. Wenn du aus Caemlyn zur�ck bist... � Sie h�tte ihm fast ein B�schel Haare aus dem Bart gerissen.</p><p>�Ich will dich noch heute nacht zum Ehemann haben�, sagte sie mit gef�hrlich sanfter Stimme, �sonst gehe ich nicht!� �Von mir aus gern, aber es geht doch nicht!� protestierte er. �Daise Congar w�rde mir eins �ber den Sch�del geben, wenn ich alle guten Sitten au�er acht lie�e. Um der Liebe des Lichts willen, Faile, �berbringe den Bericht, und ich heirate dich, sobald sich auch nur eine M�glichkeit auftut.� Und das w�rde er tats�chlich. Falls dieser Tag jemals k�me.</p><p>Mit einemmal besch�ftigte sie sich ganz auff�llig mit seinem Bart, strich ihn glatt und mied seinen Blick. Dann begann sie in bed�chtigem Ton, sprach aber bald schneller und schneller, bis sich ihre Worte fast �berschlugen: �Ich... habe nur zuf�llig... so im Vorbeigehen... habe ich nur mal Frau al'Vere gegen�ber <emphasis>erw�hnt,</emphasis> wie wir miteinander herumgezogen sind... ich wei� gar nicht mehr, wie wir auf dieses Thema kamen � und sie sagte � und Frau Congar stimmte ihr zu � nicht, da� ich gleich mit allen dar�ber gesprochen h�tte! � sie sagte, man k�nne uns vielleicht �ganz eindeutig � man k�nnte uns bereits als verlobt betrachten, euren Br�uchen nach, und das Verlobungsjahr h�lt man ja nur ein, um festzustellen, ob man wirklich miteinander auskommt � und das ist ja bei uns der Fall, wie jeder sehen kann � und jetzt bin ich schon so frech wie eine Domanischlampe oder eines dieser leichten M�dchen aus Tear � wehe, wenn du auch nur an Berelain zu <emphasis>denken</emphasis> wagst! � oh, Licht, ich stottere schon fast, und du hast noch nicht einmal um... � Er unterbrach sie, indem er sie packte und so gr�ndlich k��te, wie er nur konnte.</p><p>�Willst du mich heiraten?� fragte er atemlos, als er fertig war. �Heute nacht noch?� Er konnte doch offensichtlich besser k�ssen, als er geglaubt hatte. Er mu�te das Ganze sechsmal wiederholen. Sie kicherte jedesmal und verlangte, er solle es noch mal sagen, aber schlie�lich hatte sie es wohl kapiert.</p><p>Und so fand er sich keine halbe Stunde sp�ter ihr gegen�ber im Schankraum wieder, und vor ihnen standen Daise Congar und Marin al'Vere, Alsbet Luhhan und Neysa Ayellin und die gesamte Versammlung der Frauen. Man hatte Loial geweckt, um zusammen mit Aram f�r ihn den Trauzeugen zu spielen, w�hrend Bain und Chiad f�r Faile zust�ndig waren. Es gab keine Blumen, die man in sein oder ihr Haar h�tte stecken k�nnen, aber Bain legte ihm mit Marins Hilfe ein langes, rotes Hochzeitsband um den Hals und Loial flocht eines in Failes dunkles Haar. Seine dicken Finger taten das �berraschend geschickt und sanft. Perrins H�nde zitterten, als er ihre damit umschlo�.</p><p>�Ich, Perrin Aybara, verspreche hiermit, dich, Faile Bashere, zu lieben und zu ehren, solange ich lebe.� <emphasis>Solange ich lebe und danach.</emphasis> �Was auf dieser Welt mein ist, das gebe ich dir.� <emphasis>Ein Pferd, eine Axt und einen Bogen. Ach ja, und einen Hammer. Nicht gerade viel f�r eine Braut. Aber ich gebe dir mein Leben und meine Liebe. Das ist alles, was ich habe.</emphasis> �Ich werde dich halten, dir beistehen, dich pflegen, besch�tzen und beh�ten, mein ganzes Leben lang.� <emphasis>Ich kann dich nicht bei mir behalten; der einzige Weg, dich zu besch�tzen, ist, dich fortzuschicken.</emphasis> �Ich bin immer und auf ewig dein.� Als er damit fertig war, zitterten seine H�nde deutlich sichtbar.</p><p>Faile entzog ihm ihre H�nde und umschlo� nun seine damit. �Ich, Zarine Bashere...� Das war eine �berraschung, denn sie ha�te diesen Namen. �... verspreche dir, Perrin Aybara, dich zu lieben... � Ihre H�nde zitterten �berhaupt nicht.</p></section><section><title><p>54</p><p>Im Palast</p></title><p>Elayne sa� hinten auf einem hochr�drigen Karren, der von vier schwitzenden M�nnern gezogen die gewundene Stra�e in Tanchico hochrumpelte, und blickte finster durch den schmutzigen Schleier, der ihr Gesicht von den Augen bis zum Kinn bedeckte. Sie trat w�tend mit ihren blo�en F��en aus. Jeder Ruck, wenn sie durch ein Schlagloch auf der gepflasterten Stra�e fuhren, r�ttelte sie von Kopf bis Fu� durch. Je mehr sie sich an den rauhen Holzplanken des Karrens festklammerte, desto schlimmer wurde es. Nynaeve schien es nicht viel auszumachen. Sie wurde wohl genauso wie Elayne durchgesch�ttelt, doch sie hatte lediglich die Stirn leicht gerunzelt, ihr Blick war nach innen gerichtet, und sie war sich der ganzen Rumpelei kaum bewu�t. Und Egeanin, die auf der anderen Seite Nynaeves in die Ecke gedr�ckt sa�, verschleiert und das dunkle Haar zu schulterlangen Z�pfen geflochten, balancierte jeden Ruck mit verschr�nkten Armen problemlos aus. Schlie�lich versuchte Elayne, es der Seanchanfrau nachzumachen. Sie konnte allerdings nicht vermeiden, Nynaeve anzurempeln, aber trotzdem hatte sie jetzt wenigstens nicht mehr das Gef�hl, ihr Unterkiefer werde in den Oberkiefer hineingerammt.</p><p>Sie w�re sehr gern gelaufen, sogar barfu�, aber Bayle Domon hatte gesagt, es w�rde nicht echt wirken. Die Leute w�rden sich fragen, warum Frauen nicht mitfuhren, wenn genug Platz war, und das Letzte, was sie wollten, war, ungew�hnlich zu erscheinen und Aufsehen zu erregen. Er wurde nat�rlich auch nicht wie ein Sack Zwiebeln umhergeschaukelt, denn er ging zu Fu� vor dem Karren her, und mit ihm gingen zehn der zwanzig Seeleute, die er als Eskorte mitgenommen hatte. Mehr w�rden nur verd�chtig wirken, hatte er behauptet. Sie vermutete, wenn nicht sie und die anderen Frauen gewesen w�ren, h�tte er nicht so viele mitgebracht.</p><p>Der wolkenlose Himmel �ber ihnen war immer noch grau, obwohl vor ihrem Aufbruch schon die D�mmerung eingesetzt hatte. Die Stra�en waren noch weitgehend leer und still, bis auf das Rumpeln des Karrens und das Quietschen seiner Achse. Wenn die Sonne �ber den Horizont stieg, w�rden sich die Leute langsam herauswagen, aber jetzt sah sie nur kleine Gruppen von M�nnern in Pumphosen und dunklen, zylinderf�rmigen Kappen, die auf eine Art herumschlichen, als h�tten sie in der Dunkelheit der Nacht nichts Gutes ausgeheckt. Die alte Segeltuchplane, die sie �ber die Ladung auf dem Karren gebreitet hatten, war sorgf�ltig zurechtgezogen worden, damit jeder sehen konnte, da� sie lediglich drei gro�e K�rbe bedeckte, und doch blieb die eine oder andere dieser Gruppen sogar bei der Aussicht auf so magere Beute stehen wie ein Rudel wilder Hunde, die verschleierten Gesichter nach oben gewandt. Ihre Augen folgten der Bewegung des Karrens. Offensichtlich waren zwanzig Mann mit Kn�ppeln und Entermessern denn doch zu viele, um etwas zu riskieren, denn schlie�lich und endlich ging jeder dieser Beobachter weiter.</p><p>Die R�der krachten in ein gro�es Loch im Pflaster hinein, wo man w�hrend einer dieser Unruhen die Pflastersteine herausgerissen und als Wurfgeschosse verwendet hatte. Der Karren fiel unter ihr weg. Sie bi� sich fast auf die Zunge, als der Karren wieder gegen ihr Hinterteil schlug. Egeanin und ihre Haltung mit verschr�nkten Armen und so! Sie packte mit aller Gewalt die Seitenverkleidung und sah die Seanchanfrau finster an. Doch diesmal hatte auch die ihre Lippen zusammengepre�t und hielt sich mit beiden H�nden fest.</p><p>�Ist doch nicht ganz das gleiche, wie an Deck zu stehen�, sagte Egeanin mit einem Achselzucken. Nynaeve verzog leicht das Gesicht und bem�hte sich, auf Abstand zu der Seanchanfrau zu gehen, obwohl das schwierig w�rde, wenn sie nicht gerade auf Elaynes Scho� klettern wollte. �Ich werde mit Meister Bayle Domon sprechen�, verk�ndete sie bedeutungsschwanger, als sei die Sache mit dem Karren nicht auf ihren Vorschlag zur�ckgegangen. Ein neuer Ruck lie� ihren Mund zuklappen.</p><p>Alle drei Frauen trugen Kleidung aus graubrauner Wolle, d�nn, aber grob und nicht gerade sauber � die Kleidung armer Bauersfrauen. Die Kleider wirkten wie formlose S�cke, wenn man sie mit den eng anliegenden Seidenkleidern nach Rendras Geschmack verglich. Fl�chtlinge vom Land, die sich, so gut es ging, die n�chste Mahlzeit verdienten: so sollte es aussehen. Egeanins Erleichterung beim ersten Blick auf diese Kleider war offensichtlich gewesen und genauso verwunderlich wie ihre Anwesenheit auf dem Karren. Elayne hatte sich das zun�chst gar nicht vorstellen k�nnen.</p><p>Es hatte schon einige Diskussionen gegeben � so hatten es die M�nner zumindest genannt �, als sie in der Kammer der Fallenden Bl�ten zusammensa�en, aber sie und Nynaeve hatten die meisten ihrer n�rrischen Einw�nde entkr�ftet und den Rest einfach beiseite geschoben. Sie beide mu�ten in den Panarchenpalast hinein und zwar so bald wie m�glich. Domon hatte noch einen Einwand ge�u�ert, der nicht so dumm war wie die anderen.</p><p>�Ihr nicht k�nnen gehen in Palast allein�, hatte der b�rtige Schmuggler geknurrt, w�hrend er auf seine F�uste herabsah, die auf der Tischfl�che lagen. �Ihr sagen, Ihr nicht werdet verwenden Macht, um nicht zu warnen diese Schwarzen Aes Sedai.� Keine von ihnen hatte es f�r notwendig gehalten, den anderen gegen�ber eine der Verlorenen zu erw�hnen. �Dann Ihr brauchen Muskeln, um Kn�ppel zu schwingen, wenn die Notwendigkeit kommen, und Augen, um nach hinten zu blicken, auch nicht schlecht w�ren. Mich dort die Diener kennen. Ich auch altem Panarchen Geschenke bringen. Ich werden gehen mit Euch.� Und kopfsch�ttelnd hatte er noch gegrollt: �Ihr mich schon dazu bringen, meinen Kopf legen auf Richtblock, weil ich Euch verlassen haben in Falme. Gl�ck stich mich, wenn es nicht so sein! Na ja, es sein nun einmal notwendig und Ihr k�nnen nicht widersprechen diesmal! Ich gehen hinein mit Euch.� �Ihr seid ein Narr, Illianer!� sagte Juilin voller Verachtung, bevor sie oder Nynaeve auch nur den Mund �ffnen konnten. �Glaubt Ihr etwa, die Taraboner werden Euch gestatten, im Palast umherzulaufen, wie es Euch pa�t? Einen sch�bigen Schmuggler aus Illian? Ich wei�, wie sich die Diener verhalten und wie ich den Kopf einziehen mu� und den hohlk�pfigen Adligen vormachen... � Er r�usperte sich schnell und fuhr fort, ohne Nynaeve � und sie! � anzusehen: �Ich sollte derjenige sein, der mitkommt.� Thom lachte die beiden anderen M�nner aus. �Glaubt Ihr, einer von Euch k�nnte sich als Taraboner einschleichen? Ich kann es � der wird mir dabei behilflich sein.� Er strich �ber seinen langen Schnurrbart. �Au�erdem kann man nicht mit Kn�ppel oder Bauernspie� im Panarchenpalast herumlaufen! Da braucht man schon eine... etwas subtilere... Art der Selbstverteidigung.� Er streckte eine Hand aus, und pl�tzlich lag ein Messer darin, wirbelte um seine Finger und verschwand genauso schnell, wie es aufgetaucht war � in seinem �rmel, wie Elayne glaubte.</p><p>�Ihr wi�t alle genau, was Ihr zu tun habt�, fuhr Nynaeve die M�nner an. �Und das k�nnt ihr nicht, wenn ihr �ber uns wacht wie �ber ein paar G�nse, die f�r den Markt bestimmt sind!� Sie atmete tief durch und fuhr dann in milderem Ton fort: �Wenn es eine M�glichkeit g�be, einen von Euch mitzunehmen, dann w�re ich allein schon f�r ein weiteres Augenpaar dankbar, aber es geht nicht. Es scheint, wir m�ssen allein gehen, und damit hat sich's.� �<emphasis>Ich</emphasis> kann Euch begleiten�, verk�ndete Egeanin pl�tzlich von ihrem ihr von Nynaeve zugewiesenen Platz in einer Ecke des Raums her. Alle wandten sich zu ihr um, und sie blickte etwas unsicher zur�ck. �Diese Frauen sind Schattenfreunde. Man mu� sie zur Rechenschaft ziehen.� Elayne war einfach nur �berrascht von dem Angebot, aber Nynaeve, deren Mundwinkel sich wei� verf�rbten, schien bereit, die Frau zu verpr�geln f�r ihre Frechheit. �Glaubt Ihr, wir k�nnten Euch trauen, Seanchan?� fragte sie kalt. �Bevor wir gehen, werden wir Euch in einen Lagerraum einsperren, aus dem Ihr nicht entkommen k�nnt, wieviel Ihr jetzt auch reden m�gt... � �Ich schw�re bei meiner Hoffnung auf einen h�heren Namen�, unterbrach Egeanin ihren Redeschwall, wobei sie ihre H�nde, eine auf die andere, �ber ihr Herz legte, �da� ich Euch auf keine Weise verraten werde, da� ich Euch gehorchen und Eure R�cken decken werde, bis Ihr wieder sicher aus dem Panarchenpalast heraus seid.� Dann verbeugte sie sich dreimal tief und formell. Elayne hatte keine Ahnung was dieses �Hoffnung auf einen h�heren Namen� bedeuten sollte, aber f�r die Seanchanfrau schien es durchaus bindend zu sein.</p><p>�Sie k�nnen genau die Richtige sein�, sagte Domon bed�chtig und unter Z�gern. Er musterte Egeanin und sch�ttelte den Kopf. �Gl�ck stich mich, wenn es mehr als zwei oder drei meiner M�nner geben, auf die ich wetten k�nnen, wenn sie gegen diese Seanchanfrau k�mpfen.� Nynaeve blickte finster ihre Hand an, die sich um ein halbes Dutzend langer Z�pfe verkrampft hatte, und dann zog sie mit voller Absicht kr�ftig daran.</p><p>�Nynaeve�, sagte Elayne energisch zu ihr, �du hast selbst gesagt, da� du dir noch ein weiteres Augenpaar w�nschst, und mir w�re das ganz sicher auch recht. Au�erdem, wenn wir das alles schaffen wollen, ohne die Macht zu ben�tzen, h�tte ich nichts dagegen, noch jemanden dabei zu haben, die mit einem zu neugierigen W�chter fertigwerden kann, falls es notwendig ist. Ich bin kaum in der Lage, mit den F�usten auf M�nner loszugehen, und du genausowenig. Aber du wirst dich auch noch daran erinnern, wie sie k�mpfen kann.� Nynaeve funkelte Egeanin an, warf Elayne einen finsteren Blick zu und starrte dann die M�nner an, als h�tten sie sich hinter ihrem R�cken gegen sie verschworen. Und doch nickte sie schlie�lich. �Gut�, sagte Elayne. �Meister Domon, das bedeutet, wir brauchen Kleidung f�r drei und nicht nur f�r zwei. Jetzt solltet Ihr drei dann aber gehen. Wir wollen bei Tagesanbruch bereits unterwegs sein.� Der Karren kam beim Anhalten beinahe ins Schleudern und ri� sie grob aus ihren Erinnerungen.</p><p>Wei�m�ntel zu Fu� verh�rten Domon. Hier f�hrte die Stra�e direkt auf einen Platz hinter dem Panarchenpalast, allerdings einem viel kleineren als dem davor. Dahinter stand der Palast: wei�er Marmor, schlanke T�rmchen, ums�umt mit Steinfriesen selbst noch in schwindelnder H�he, schneewei�e Kuppeln, mit Gold gekr�nt, und obenauf standen noch goldene Spitzen oder Wetterfahnen. Die Stra�en auf jeder Seite waren viel breiter als sonst in Tanchico und gerader au�erdem.</p><p>Das langsame Geklapper von Pferdehufen auf den breiten Pflastersteinen des Platzes k�ndete von der Ankunft eines weiteren Reiters. Es war ein hochgewachsener Mann mit einem gl�nzenden Helm, dessen R�stung unter dem wei�en Umhang mit der goldenen Sonnenscheibe und dem roten Sch�ferstab richtig schimmerte. Elayne senkte den Kopf. Die vier Rangknoten unter der strahlenden Sonne sagten ihr, da� dies Jaichim Carridin sein mu�te. Der Mann hatte sie nie kennengelernt, aber wenn er glaubte, da� sie ihn neugierig anstarre, w�rde er sich vielleicht nach dem Grund fragen. Der Hufschlag entfernte sich wieder, ohne innezuhalten.</p><p>Auch Egeanin hatte den Kopf gesenkt. Nur Nynaeve blickte ganz offen und finster dem Inquisitor hinterher. �Der Mann ist sehr beunruhigt �ber irgend etwas�, murmelte sie. �Ich hoffe, er hat nicht geh�rt... � �Die Panarchin ist tot!� schrie eine M�nnerstimme von irgendwo gegen�ber am Rand des Platzes. �Sie haben sie get�tet!� Man konnte nicht sehen, wer das geschrien hatte oder wo er stand. Alle Stra�en, die Elayne von ihrem Standpunkt aus einsehen konnte, waren von berittenen Wei�m�nteln abgesperrt.</p><p>Sie blickte zur�ck, die Stra�e entlang, durch die der Karren gefahren war, und w�nschte sich, die Wachen w�rden mit ihrem Verh�r Domons etwas schneller verfahren. Immer mehr Menschen versammelten sich unten an der ersten Biegung, liefen erregt herum und blickten immer wieder nach oben zu dem Platz hin, auf dem sie sich befanden. Wie es schien, hatten Juilin und Thom gute Arbeit geleistet, als sie die Nacht hindurch f�r die Verbreitung ihrer Ger�chte gesorgt hatten. Wenn nur die Menge nicht schon zum �berkochen kam, solange sie hier mittendrin sa�en! Wenn jetzt Tumulte losbrachen... Das Einzige, was ihre H�nde am Zittern hinderte, war ihr verkrampfter Griff an den Brettern des Karrens. <emphasis>Licht, hier drau�en der Mob und drinnen die Schwarzen Ajah und vielleicht noch Moghedien... Mein Mund ist vor Angst schon ausgetrocknet.</emphasis> Auch Nynaeve und Egeanin beobachteten die st�ndig anwachsende Menschenmenge und zuckten mit keiner Wimper. Keine Spur von Zittern bei den beiden! <emphasis>Ich bin doch kein Feigling. Ich nicht!</emphasis></p><p>Der Karren rumpelte vorw�rts, und sie seufzte trotz des harten Rucks erleichtert auf. Sie brauchte einen Augenblick, bis ihr bewu�t wurde, da� sie Gleiches von den beiden anderen Frauen geh�rt hatte.</p><p>Vor einem Tor, das nicht viel breiter war als der Karren, wurde Domon wieder ausgefragt, diesmal von Wachen mit spitzen Helmen und einem auf den Harnisch aufgemalten goldenen Baum. Das waren Soldaten aus der Legion der Panarchen. Diesmal waren die Fragen k�rzer. Elayne glaubte zu sehen, wie eine kleine B�rse in die H�nde des einen wanderte, und dann befanden sie sich drinnen und rumpelten �ber den grob gepflasterten Hof vor der K�che. Bis auf Domon blieben die Seeleute drau�en bei den Soldaten.</p><p>Elayne h�pfte hinunter, sobald der Karren stand. Es tat ein wenig weh, denn die ungleichm��igen Pflastersteine waren hart, und sie war ja barfu�. Es fiel schwer, zu begreifen, da� die d�nne Sohle eines Schuhs einen solchen Unterschied machte. Egeanin kletterte noch mal auf den Karren zur�ck und reichte ihnen die K�rbe herunter. Nynaeve nahm den ersten auf den R�cken, die eine Hand halb verdreht unten und die andere �ber die Schulter gestreckt von oben, damit sie ihn richtig festhalten konnte. Lange, wei�e Pfefferschoten, ein wenig gerunzelt nach der langen Reise von Saldaea nach Tanchico, f�llten die K�rbe fast bis zum Rand.</p><p>Als Elayne ihren Korb entgegennahm, kam Domon zum hinteren Ende des Karrens und tat so, als inspiziere er die Pfefferladung. �Die Wei�m�ntel und die Legion der Panarchen sich fast gehen an den Kragen gegenseitig, wie es scheinen�, murmelte er leise, w�hrend er einige Schoten bef�hlte. �Der Leutnant sagen, die Legion k�nnen durchaus die Panarchin selbst besch�tzen, wenn nicht so viele Soldaten zu den Ringfestungen geschickt w�ren worden. Jaichim Carridin haben Zugang zur Panarchin, aber nicht der Lordhauptmann der Legion! Und es ihnen �berhaupt nicht gefallen, da� die Wachen innen alle von Miliz. Ein mi�trauischer Mann m�gen behaupten, jemand wollen, da� die Wachen der Panarchin mehr bewachen sich gegenseitig als ihre Herrin.� �Gut, das zu wissen�, murmelte Nynaeve, ohne aufzublicken. �Ich habe immer schon gesagt, da� man viel N�tzliches erfahren kann, wenn man dem Klatsch der M�nner lauscht.� Domon knurrte m�rrisch. �Ich werden Euch bringen hinein, und dann ich m�ssen zur�ck zu meinen M�nnern, damit ich sichergehen, sie nicht vom Mob werden fertiggemacht.� Jeder Seemann von jedem Schiff, das Domon hier im Hafen liegen hatte, befand sich drau�en auf den Stra�en rund um den Palast.</p><p>Elayne wuchtete sich den eigenen Korb auf den R�cken und folgte den anderen beiden Frauen, die hinter Domon hergingen. Sie hielt den Kopf gesenkt und zischte vor Schmerzen bei jedem Schritt durch die Z�hne, bis sie sich endlich auf den rotbraunen Fu�bodenkacheln der K�che befanden. Der Raum war erf�llt von D�ften: Gew�rze, Saucen, kochende Suppen, Fleisch...</p><p>�Eispfeffer f�r die Panarchin!� verk�ndete Domon. �Ein Geschenk von Bayle Domon, einem guten Reeder dieser Stadt.� �Noch mehr Eispfeffer?� sagte eine mollige Frau mit dunklen Z�pfen, die eine wei�e Sch�rze und den immer vorhandenen Schleier trug. Sie blickte dabei kaum von dem silbernen Tablett hoch, auf dem sie gerade eine kunstvoll gefaltete Serviette zwischen die Sch�sseln aus d�nnem Meervolk-Porzellan legte. In der K�che befanden sich ein Dutzend oder noch mehr Frauen mit wei�en Sch�rzen, und dazu noch zwei Jungen, die Bratspie�e mit tropfenden, duftenden Fleischst�cken an zwei der sechs offenen Herde drehten. Aber sie war offensichtlich die Chefk�chin. �Na ja, der Panarchin scheinen die letzten ja auch gut geschmeckt zu haben. In die Vorratskammer dort dr�ben.� Sie deutete auf eine der T�ren am anderen Ende des Raums. �Ich habe jetzt keine Zeit, mich mit Euch zu besch�ftigen.� Elaynes Blick ruhte weiter auf dem Fu�boden, w�hrend sie schwitzend hinter Nynaeve und Egeanin herlief. Das Schwitzen hatte allerdings nichts mit der von den Eisenherden und Kaminen herr�hrenden Hitze zu tun. Neben einem der breiten Tische stand eine magere Frau in gr�ner Seide, die aber dem Schnitt des Kleids nach nicht aus Tarabon stammte, und kraulte eine abgemagerte graue Katze hinter den Ohren, die Sahne aus einer Porzellansch�ssel schlabberte. An der Katze erkannte sie diese Frau, aber auch an ihrem schmalen Gesicht mit der breiten Nase: Marillin Gemalphin, einst eine Braune Ajah und nun eine Schwarze. Falls sie von der Katze hochblickte, falls sie ihrer wirklich gewahr wurde, war es gar nicht mehr n�tig, die Macht zu ben�tzen. Sie h�tte auch so gewu�t, da� zwei von ihnen dazu in der Lage waren. Auf diese geringe Entfernung war die Frau in der Lage, diese F�higkeit an einer anderen Frau zu erkennen.</p><p>Schwei� tropfte von Elaynes Nasenspitze, als sie schlie�lich mit der H�fte die T�r des Lagerraums hinter sich zuschob. �Hast du sie gesehen?� fragte sie mit leiser Stimme und lie� ihren Korb zu Boden plumpsen. Ein durchbrochener Fries gleich unter der Decke an der get�nchten Wand lie� von der K�che her tr�bes Licht einfallen. Der gro�e Raum war vollgestellt mit hohen Regalen, auf denen S�cke und Netze mit verschiedenen Gem�sesorten und gro�e mit Gew�rzen gef�llte Kr�ge standen und lagen. �berall standen au�erdem F�sser und andere Beh�lter, und an Haken hingen ein Dutzend abgezogener L�mmer und doppelt soviel G�nse von der Decke. Domon und Thom hatten ihnen einen groben Plan dieses Erdgeschosses gezeichnet, und demnach war dies der kleinste Lagerraum f�r Lebensmittel im Palast. �Das ist widerlich�, sagte sie. �Ich wei�, da� Rendras Speisekammern voll sind, aber sie kauft halt alles, was sie wirklich braucht, so wie die anderen Leute. Aber diese Leute hier schlemmen, w�hrend... � �Halte dich zur�ck, bis du etwas dagegen unternehmen kannst�, fl�sterte ihr Nynaeve in scharfem Tonfall zu. Sie hatte ihren Korb auf den Boden ausgeleert und zog bereits ihr grobes Bauernkleid aus. Egeanin stand sogar schon im Hemd da. �Ich habe sie gesehen. Wenn du willst, da� sie hereinkommt und nachsieht, was dieser L�rm zu bedeuten hat, dann rede nur weiter.� Elayne schniefte, sagte jedoch nichts dazu. Sie hatte bestimmt nicht soviel L�rm gemacht. Also zog auch sie ihr Kleid aus, leerte den Inhalt ihres Korbes auf den Boden und auch das, was darunter verborgen gelegen hatte. Unter anderen Dingen lag da ein wei�es Kleid mit gr�nem G�rtel. Es war aus ganz fein gesponnener Wolle, und �ber der linken Brust war ein gr�ner Baum mit ausladender Krone und dahinter der Umri� eines dreifingrigen Blattes aufgestickt. Ihren schmierigen Schleier ersetzte sie durch einen sauberen aus Leinen, das aber fast genauso fein gewebt war wie Seide. Wei�e Pantoffeln mit dicken Sohlen f�hlten sich an ihren vom Barfu�laufen geschundenen F��en wunderbar weich an. Selbst der kurze Weg vom Karren zur K�che und in den Lagerraum hatte sie einige Schmerzen gekostet.</p><p>Die Seanchanfrau war die erste gewesen, die ihre alte Kleidung abgelegt hatte, aber sie war die letzte, die ihr wei�es Kleid anhatte. Dabei murmelte sie Sachen wie �unkeusch� oder �Servierm�dchen�, was keinen rechten Sinn ergab. Nat�rlich waren das die Kleider von Dienerinnen. Das war ja der springende Punkt dabei: Dienerinnen konnten sich im Palast frei bewegen und es gab hier schon so viele, da� ein paar mehr nicht auffallen w�rden. Und was das �unkeusch� betraf... Elayne erinnerte sich daran, da� auch sie gez�gert hatte, ein Kleid im Stil von Tarabon in der �ffentlichkeit zu tragen, doch sie hatte sich schnell daran gew�hnt, und diese d�nne Wolle lag ja auch nicht so eng an wie Seide. Egeanin schien sehr eigene Ansichten dar�ber zu haben, was gewagt war und was normal.</p><p>Aber schlie�lich hatte auch sie das letzte Schn�rband zu, und die Bauernkleider steckten in den K�rben und waren mit Pfefferschoten bedeckt.</p><p>Marillin Gemalphin war aus der K�che verschwunden, obwohl die graue Katze mit den zerbissenen Ohren immer noch auf dem Tisch von der Sahne naschte. Elayne und die anderen beiden gingen zu der T�r, die weiter in den Palast hineinf�hrte.</p><p>Eine der Unterk�chinnen blickte die Katze finster an, die F�uste auf die ausladenden H�ften gest�tzt. �Ich w�rde dieses Vieh zu gern erw�rgen�, knurrte sie. Hellbraune Z�pfe flogen, als sie den Kopf �rgerlich sch�ttelte. �Es fri�t die Sahne, aber ich mu� Brot und Wasser essen, blo� weil ich ein wenig Sahne zum Fr�hst�ck auf meine Beeren getan habe!� �Sch�tze dich gl�cklich, da� du nicht auf der Stra�e sitzt oder gar am Galgen baumelst.� Die Chefk�chin klang nicht, als habe sie Mitleid mit der anderen. �Wenn eine Lady sagt, du hast gestohlen, dann hast du gestohlen, und wenn es auch nur die Sahne f�r ihre Katzen ist, klar? Du dort dr�ben!� Elayne und ihre Begleiterinnen erstarrten bei diesem Ruf.</p><p>Die Frau mit den dunklen Z�pfen schwenkte einen gro�en Holzl�ffel in ihre Richtung. �Ihr kommt in meine K�che und schlendert herum wie beim Spaziergang im Garten, Ihr faulen S�ue? Ihr sollt das Fr�hst�ck f�r Lady Ispan holen, oder? Wenn Ihr es nicht neben ihrem Bett stehen habt, sobald sie aufwacht, wird sie Euch das Springen beibringen. Also?� Sie deutete auf das silberne Tablett, das sie zuvor hergerichtet hatte und das jetzt mit einem schneewei�en Leintuch bedeckt dastand.</p><p>Sie hatten keine M�glichkeit, ihr etwas zur�ckzugeben, denn wenn eine von ihnen den Mund aufmachte, w�rde sie merken, da� sie nicht aus Tarabon kamen. Elayne schaltete schnell, knickste, wie es sich f�r eine Dienerin geh�rt, und nahm das Tablett. Eine Dienerin, die ihre Arbeit tat und etwas trug, w�rde bestimmt nicht angehalten werden oder an eine andere Arbeit geschickt. Lady Ispan? Das war kein ungew�hnlicher Name in Tarabon, aber auf ihrer Liste der Schwarzen Schwestern stand ebenfalls eine Ispan.</p><p>�Willst du mich verh�hnen, du kleine Kuh?� br�llte die mollige Frau und ging um den Tisch herum mit drohend erhobenem Holzl�ffel auf sie zu.</p><p>Sie konnte nichts tun, ohne sich zu verraten, nichts als entweder dableiben und sich schlagen lassen oder wegrennen. Also scho� Elayne mitsamt dem Tablett aus der K�che, Nynaeve und Egeanin dicht auf den Fersen. Das Geschrei der K�chin verfolgte sie, aber zum Gl�ck nicht die K�chin selbst. Die Vorstellung, wie sie alle drei durch den Palast hetzten, von der molligen K�chin verfolgt, lie� in Elayne den Wunsch aufsteigen, hysterisch zu kichern. <emphasis>Sie verh�hnen?</emphasis> Sie war sicher, da� schon Tausende von Malen Dienerinnen genau auf die gleiche Art vor ihr geknickst hatten.</p><p>In dem engen Korridor, der von der K�che wegf�hrte, waren rechts und links weitere T�ren zu Vorratsr�umen, und au�erdem hatte man ihn vollgepfropft mit offenen Hochschr�nken, in denen Besen und Mops aufbewahrt wurden, dazu Eimer, Seifenpulver, Tischt�cher und alle m�glichen Dinge. Nynaeve holte sich einen dicken Staubwedel aus einem der Schr�nke, und Egeanin nahm aus einem anderen einen Arm voll zusammengefalteter Handt�cher. Dazu holte sie sich einen gro�en Steinst��el aus einem Tiegel, der in einem dritten Schrank stand. Den St��el verbarg sie unter den Handt�chern.</p><p>�Ein Kn�ppel kann manchmal n�tzlich sein�, sagte sie, als Elayne eine Augenbraue hochzog. �Vor allem, wenn niemand erwartet, da� man eine Waffe hat.� Nynaeve schnaubte, sagte aber nichts. Sie hatte Egeanin kaum noch beachtet, seit sie zugestimmt hatte, die Frau mitzunehmen.</p><p>Weiter drinnen im Palast wurden die G�nge breiter und h�her. Die wei�en W�nde waren mit Friesen verziert, und an den Decken befanden sich vergoldete Arabesken. Lange bunte L�ufer lagen auf den wei�en Bodenkacheln. Kunstvoll geschmiedete Goldlampen auf vergoldeten St�ndern beleuchteten die Szenerie und verstr�mten den Duft parf�mierten �ls. Gelegentlich weitete sich solch ein Korridor zu einem kleinen Innenhof, der von einer Galerie mit schlanken, kannelierten S�ulen umgeben war. Von Balkonen mit filigranfeinen Steingel�ndern aus konnte man den Hof �berblicken. In gro�en Brunnen pl�tscherte Wasser, und rote, wei�e und goldene Fische schwammen unter den breiten Bl�ttern und wei�en Bl�ten schwimmender Wasserpflanzen in den Becken umher. Alles stand im totalen Gegensatz zu der Stadt drau�en.</p><p>Gelegentlich sahen sie andere Diener, M�nner und Frauen in Wei�, das �bliche Emblem mit Baum und Blatt auf eine Schulter aufgestickt, die gesch�ftig ihren Aufgaben nachgingen, oder auch M�nner in den grauen R�cken und Stahlhelmen der Miliz, die mit St�ben oder Kn�ppeln bewaffnet waren. Keiner sprach mit ihnen oder blickte sich auch nur nach ihnen um. Sie waren eben einfach drei Dienerinnen, die ihrer Arbeit nachgingen.</p><p>Schlie�lich erreichten sie einen engen Treppenaufgang f�r Diener, der auf ihrem hastig skizzierten Plan eingezeichnet war.</p><p>�Denkt daran�, sagte Nynaeve leise, �falls Wachen an ihrer T�r stehen, geht ihr sofort wieder. Wenn sie nicht allein ist, geht ihr auch. Sie ist nicht der wichtigste Grund f�r unsere Anwesenheit.� Sie atmete tief durch und zwang sich dazu, Egeanin direkt anzusehen. �Falls Ihr es zula�t, da� Elayne etwas zust��t... � Von drau�en war schwach eine Trompete zu h�ren. Einen Augenblick sp�ter hallten Gongschl�ge durch die G�nge und unweit von ihnen wurden Befehle geschrien. M�nner mit Stahlhelmen rannten weiter unten �ber den Gang.</p><p>�Vielleicht m�ssen wir uns keine Gedanken mehr dar�ber machen, da� vor ihrer T�r Wachen stehen k�nnten�, sagte Elayne. Auf der Stra�e hatte offensichtlich der Tumult richtig eingesetzt. Die von Thom und Juilin ausgestreuten Ger�chte hatten das Volk angeheizt. Domons Seeleute hatten sie an Ort und Stelle noch mehr angestachelt. Sie bedauerte wohl, da� so etwas notwendig war, aber die Auseinandersetzungen w�rden die meisten Wachen aus dem Palast locken, mit etwas Gl�ck sogar alle. Diese Menschen dort drau�en wu�ten nicht, da� sie eine Schlacht ausfochten, um ihre Stadt vor den Schwarzen Ajah und die Welt vor dem Schatten zu retten. �Egeanin sollte mit dir gehen, Nynaeve. Deine Rolle ist wichtiger. Wenn eine von uns R�ckendeckung braucht, dann bist du es.� �Ich brauche keine Seanchan!� Nynaeve schulterte ihren Staubwedel wie einen Spie� und schritt los, den Gang hinunter. Sie bewegte sich absolut nicht wie eine Dienerin. Ihr Schritt wirkte ausgesprochen milit�risch.</p><p>�Sollten wir nicht auch ans Werk gehen?� fragte Egeanin. �Die Ausschreitungen werden nicht so schrecklich lang f�r Ablenkung sorgen.� Elayne nickte. Nynaeve war um eine Ecke verschwunden.</p><p>Die Treppe war eng und versteckt in die Wand eingebaut, damit die Diener sich so unsichtbar wie m�glich bewegen konnten. Die Korridore im zweiten Stock unterschieden sich kaum von denen unten; lediglich f�hrten die Doppelb�gen hier nicht nur zu Zimmern, sondern auch hinaus auf steingeflieste Balkone. Als sie in den westlichen Teil des Palastes kamen, waren weniger Diener als zuvor zu sehen, und deren Blicke streiften sie nur fl�chtig. Erfreulicherweise war das Foyer vor den Gem�chern der Panarchin leer. Es standen keine Wachen vor der breiten T�r mit dem geschnitzten Baumwappen und den jeweils oben spitz zulaufenden T�rfl�geln. Nicht, da� sie ernstlich erwogen hatte, sich zur�ckzuziehen, falls Wachen dagewesen w�ren, gleich, was sie Nynaeve versprochen hatte, aber so war die Sache nat�rlich einfacher.</p><p>Doch einen Moment sp�ter war sie sich dessen nicht mehr so sicher. Sie sp�rte n�mlich, wie in diesen Gem�chern jemand die Macht benutzte. Es waren keine starken Str�nge, die da gewebt wurden, aber ganz entschieden wurde die Macht dazu ben�tzt, oder es war ein �lteres Gewebe, das nur erhalten wurde. Nur wenige Frauen kannten den Trick, wie man ein Gewebe verknotete.</p><p>�Was ist los?� fragte Egeanin.</p><p>Elayne wurde bewu�t, da� sie stehengeblieben war. �Eine der Schwarzen Schwestern ist dort drinnen.� Eine oder mehrere? Jedenfalls ben�tzte nur eine die Macht. Sie dr�ckte sich an die T�r heran. Dort drinnen <emphasis>sang</emphasis> eine Frau. Sie legte das Ohr an die beschnitzte Holzoberfl�che und h�rte eine heisere Stimme, ged�mpft, aber doch eindeutig zu verstehen:</p><p><emphasis>�Meine Br�ste gefieln jedem, den ich hatte! Ich geh mit ner ganzen Crew auf die Matte.� �berrascht zuckte sie zur�ck, so da� die Porzellansch�sseln unter dem Leintuch auf dem Tablett ins Rutschen kamen. War sie vielleicht zu den falschen Gem�chern gekommen? Nein, sie hatte den Plan gut auswendig gelernt. Au�erdem f�hrte die einzige T�r im Palast, in die man das Wappen mit dem Baum geschnitzt hatte, eben nun mal zu den Gem�chern der Panarchin.</emphasis></p><p>�Dann m�ssen wir uns zur�ckziehen�, sagte Egeanin. �Ihr k�nnt nichts tun, ohne die anderen auf Eure Gegenwart aufmerksam zu machen.� �Vielleicht doch. Wenn sie bemerken, da� ich die Macht ben�tze, werden sie glauben, es sei die dort drinnen.� Sie runzelte die Stirn und bi� sich auf die Unterlippe. Wie viele mochten sich drin befinden? Sie konnte ja gleichzeitig drei oder vier Dinge mit der Macht anstellen, was ansonsten h�chstens Egwene und Nynaeve fertigbrachten. Sie ging im Geist die Liste jener andoranischen K�niginnen durch, die angesichts von Gefahr besonderen Mut bewiesen hatten, bis ihr klar wurde, da� diese Liste <emphasis>alle</emphasis> K�niginnen von Andor umfa�te. <emphasis>Ich werde eines Tages selbst K�nigin sein, also mu� ich genauso tapfer und mutig sein wie sie.</emphasis> Sie machte sich also bereit und sagte: �Rei�t die T�r auf, Egeanin, und dann la�t Euch fallen, damit ich alles �berblicken kann.� Die Seanchanfrau z�gerte. �Kommt schon, rei�t die T�r auf.� Elaynes eigne Stimme �berraschte sie. Sie hatte nichts bewu�t damit auszudr�cken versucht, doch sie klang leise, ruhig und �berzeugend befehlsgewohnt. Und Egeanin nickte. Es war fast schon eine Verbeugung. Unmittelbar darauf ri� sie wirklich die T�rfl�gel vehement auf.</p><p><emphasis>��Meine Schenkel sind kr�ftig wie 'ne Ankerkette. Meine Lippen tun Dinge, die...� Die S�ngerin stand bis an die dunklen Z�pfe durch Str�nge von Luft gefesselt da. Sie trug ein schmuddeliges, verknittertes Taraboner Kleid aus roter Seide. Als die T�ren aufschlugen, brach der Gesang abrupt ab. Eine zerbrechlich wirkende Frau, die auf einer langen Polsterbank in einem hellblauen, hochgeschlossenen Kleid, das aus Cairhien stammen mu�te, geruht hatte, h�rte auf, rhythmisch mit dem Kopf zu nicken und sprang auf. Wut verdr�ngte das Grinsen auf ihren fuchs�hnlichen Gesichtsz�gen.</emphasis></p><p>Das Gl�hen <emphasis>Saidars</emphasis> umgab Temaile bereits, aber trotzdem hatte sie keine Chance. Elayne war so entsetzt �ber das sich ihr bietende Bild, da� sie blitzschnell nach der Wahren Quelle griff und mit Str�ngen aus Luft knallhart zuschlug, sie von den Schultern bis an die F��e damit einspann und die Fesseln mit einem brutalen Ruck anzog. Gleichzeitig webte sie einen Schild aus dem Element Geist und wuchtete es zwischen die Frau und die Wahre Quelle, um sie davon abzutrennen. Das Gl�hen um Temaile verschwand, und sie brach �ber der Polsterbank zusammen, als sei sie von einem Pferdehuf getroffen worden. Ihre Pupillen weiteten sich, und sie landete schlie�lich bewu�tlos drei Schritt entfernt von Elayne mit dem R�cken auf dem gr�ngoldenen Teppich. Die Frau mit den dunklen Z�pfen fuhr zusammen, als ihre unsichtbaren Fesseln von ihr abfielen, und betastete in staunender Ungl�ubigkeit ihren K�rper, w�hrend sie von Temaile zu Elayne und dann zu Egeanin blickte.</p><p>Elayne verknotete das Gewebe, mit dem sie Temaile gefesselt hatte, und trat dann erst richtig in das Gemach ein, wobei sie sich nach weiteren Schwarzen Ajah umsah. Hinter ihr schlo� Egeanin die T�r. Es schien sonst niemand anwesend zu sein. �War sie allein?� wollte sie von der Frau in Rot wissen. Die Panarchin, wie Nynaeve sie beschrieben hatte. Nynaeve hatte doch auch etwas von einem Lied erw�hnt.</p><p>�Ihr geh�rt nicht... zu ihnen?� fragte Amathera z�gernd. Ihre dunklen Augen glitten �ber ihre Kleider. �Ihr seid aber auch Aes Sedai?� Sie schien immer noch gewillt, daran zu zweifeln, obwohl das mit Temaile doch ganz eindeutig war. �Aber Ihr geh�rt nicht dazu?� �War sie allein?� fuhr Elayne sie an und Amathera zuckte zusammen.</p><p>�Ja. Allein. Ja, sie... � Die Panarchin verzog das Gesicht. �Die anderen zwangen mich, mich auf den Thron zu setzen und zu sagen, was sie mir in den Mund legten. Es erheiterte sie, wenn ich manchmal auf ihren Befehl hin wirklich Gerechtigkeit walten lie�, und manchmal lie�en sie mich Urteile von schreiender Ungerechtigkeit verk�nden oder Vorschriften, die noch generationenlang f�r Auseinandersetzungen sorgen werden, wenn ich sie nicht widerrufen kann. Aber die da!� Dieser Mund mit seinen vollen Lippen verzog sich ha�erf�llt. �Sie setzten sie zu meiner Bewachung ein. Sie verletzte mich aus keinem anderen Grund, als mich zum Weinen zu bringen. Sie zwang mich, ein ganzes Tablett voll Pfeffer zu essen und lie� mich keinen Tropfen trinken, bis ich sie auf Knien anbettelte, w�hrend sie schallend lachte! In meinem Traum tr�gt sie mich an den F��en mit dem Kopf nach unten bis zur Spitze des Morgenturms und l��t mich dann fallen. Nur ein Traum, aber er scheint so realistisch, und jedesmal l��t sie mich schreiend ein St�ck weiter hinunterfallen. Und sie lacht dar�ber! Sie l��t mich anr�chige T�nze lernen und schmutzige Lieder singen, und sie lacht, wenn sie mir ank�ndigt, da� sie mich vor ihrer Abreise zwingen werden, �ffentlich zu singen und tanzen, f�r die... � Sie warf sich mit einem Schrei wie eine angreifende Katze �ber die Polsterbank auf die gefesselte Frau, ohrfeigte sie wild und trommelte mit den F�usten auf sie ein.</p><p>Egeanin, die mit verschr�nkten Armen vor der T�r stand, schien bereit, das zuzulassen, doch Elayne verwebte schnell ein paar Str�nge Luft um Amatheras Taille. Zu ihrer eigenen �berraschung war sie sodann in der Lage, die Frau von der sowieso bewu�tlosen Schwarzen Schwester zu heben und auf die F��e zu stellen. Vielleicht hatte sie mehr Kraft, seit sie mit Jorin ge�bt hatte, diese schwierigen Gewebe in den Griff zu bekommen.</p><p>Amathera trat nach Temaile und wandte sich dann mit b�sem Blick Elayne und Egeanin zu, als ihr pantoffelbewehrter Fu� ihr Opfer verfehlte. �Ich bin die Panarchin von Tarabon, und ich werde an dieser Frau Gerechtigkeit �ben!� Dieser Schmollmund schmollte jetzt wirklich. Hatte die Frau denn kein Gesp�r daf�r, wie man sich in ihrer Position, ihrem Rang gem��, verhielt? Ihr Rang entsprach schlie�lich dem eines K�nigs, eines Herrschers!</p><p>�Und ich bin die Aes Sedai, die gekommen ist, um Euch zu befreien�, sagte Elayne k�hl. Ihr wurde bewu�t, da� sie immer noch das Tablett in H�nden hielt, und so stellte sie es schnellstens auf den Fu�boden. Der Frau schien es auch so schon schwer genug zu fallen, ihre Verkleidung als Dienerinnen zu durchschauen. Temailes Gesicht war stark ger�tet; es w�rde bis zu ihrem Erwachen einige Schwellungen aufweisen. Zweifellos weniger, als sie verdient hatte. Elayne w�nschte sich, es gebe eine M�glichkeit, Temaile mitzunehmen. Wenigstens eine von ihnen sollte man der Gerechtigkeit der Wei�en Burg �berstellen. �Wir sind gekommen, und das unter erheblichen Risiken, um Euch hier herauszubringen. Dann k�nnt Ihr den Lordhauptmann der Legion der Panarchen und auch Andric und sein Heer benachrichtigen und mit ihrer Hilfe diese Frauen vertreiben. Vielleicht haben wir sogar Gl�ck und k�nnen ein paar davon fangen und vor Gericht stellen. Aber zuerst m�ssen wir Euch vor ihnen in Sicherheit bringen.� �Ich brauche Andric nicht�, murrte Amathera. Elayne h�tte schw�ren k�nnen, da� sie ganz leise das Wort �jetzt� eingeflochten habe. �Soldaten aus meiner Legion sind rund um den Palast stationiert, das wei� ich. Man hat mir nicht erlaubt, mit ihnen zu sprechen, aber sobald sie mich sehen und meine Stimme h�ren, werden sie alles Notwendige unternehmen, ja? Ihr Aes Sedai k�nnt die Macht nicht zum Schaden anderer verwenden...� Sie lie� ihre Worte verklingen und funkelte die bewu�tlose Temaile an. �Oder zumindest k�nnt Ihr sie nicht als Waffe einsetzen, oder? Ich wei� so etwas.� Elayne �berraschte sich selbst, als sie ganz d�nne Str�nge von Luft verwob und damit jeden von Amatheras Z�pfen anhob. Die Z�pfe standen pl�tzlich senkrecht nach oben, und die N�rrin mit dem Schmollmund hatte keine andere Wahl: Sie mu�te den Kopf hochrecken und auf Zehenspitzen stehen. Elayne lie� sie genauso, auf Zehenspitzen, wie eine T�nzerin herankommen, bis die Frau mit weit aufgerissenen Augen und emp�rtem Blick direkt vor ihr stand.</p><p>�Ihr werdet mir jetzt zuh�ren, Panarchin Amathera von Tarabon�, sagte sie mit eisiger Stimme. �Wenn Ihr versucht, zu Euren Soldaten hinauszugehen, kann es sein, da� Temailes Busenfreundinnen Euch erwischen, zu einem B�ndel verschn�ren und ihr zur�ckgeben. Was noch schlimmer ist: Sie w�rden erfahren, da� sich meine Freundinnen und ich hier befinden, und das werde ich nicht zulassen. Wir werden uns hier <emphasis>hinausschleichen,</emphasis> und wenn Ihr etwas dagegen habt, fessle und kneble ich Euch und lasse Euch neben Temaile f�r ihre Freundinnen zur�ck.� Es mu�te einfach eine M�glichkeit geben, auch Temaile mitzunehmen. �Habt Ihr mich verstanden?� Amathera nickte leicht, soweit es ihre hochgezogenen Z�pfe zulie�en. Egeanin gab einen zustimmenden Laut von sich.</p><p>Elayne lie� die Str�nge fahren und die Fersen der Frau klatschten auf den Boden herunter. �So, jetzt werden wir etwas zum Anziehen f�r Euch suchen, das sich zum Hinausschleichen eignet.� Amathera nickte wieder, doch ihr Mund hatte noch nie so geschmollt wie jetzt. Elayne hoffte nur, da� Nynaeve sich nicht mit solchen Schwierigkeiten abzugeben habe.</p><p>Nynaeve betrat die gro�e Ausstellungshalle mit ihrer Vielzahl an schmalen S�ulen und schwenkte sogleich ihren Staubwedel. Die unz�hligen Ausstellungsst�cke und Vitrinen mu�ten ja wohl st�ndig abgestaubt werden, und sicher w�rde niemand eine Frau genauer ansehen, die einfach das Notwendige hier erledigte. Sie blickte sich um. Ihr Blick wurde angezogen von dem durch Dr�hte zusammengehaltenen Knochengestell, das wie ein Pferd mit besonders langen Beinen wirkte, aber einen so langen Hals aufwies, da� der Sch�del zwanzig Fu� h�her sa�. Der enorme Saal erstreckte sich v�llig menschenleer in alle Richtungen.</p><p>Aber es konnte jeden Moment jemand hereinkommen �Diener, die man vielleicht wirklich zum Reinigen geschickt hatte, oder Liandrin mit ihrem Spie�gesellinnen auf der Suche... So hielt sie wohl sicherheitshalber ihren Staubwedel auff�llig in der Hand, eilte aber schnell hin zu dem wei�en Steinpodest, auf dem das mattschwarze Halsband und die Armb�nder lagen. Ihr war gar nicht klar, da� sie die Luft anhielt, bis sie erleichtert ausatmete, als sie sah, da� alles noch so dalag wie im Traum. Die Glasvitrine, in der das <emphasis>Cuendillar</emphasis>-Siegel lag, stand f�nfzig Schritt weiter, aber dies hier hatte Vorrang.</p><p>Sie kletterte �ber das handgelenkstarke, wei�e Seidenseil und ber�hrte das breite, aus Einzelgliedern zusammengesetzte Halsband. <emphasis>Leid. Schmerz. Trauer.</emphasis> Diese Gef�hle durchstr�mten sie, und sie h�tte am liebsten geweint. Was war das, wenn es soviel Schmerz in sich aufnehmen konnte? Sie zog ihre Hand zur�ck und betrachtete das schwarze Metall finster. Es war also dazu da, einen Mann zu kontrollieren, der mit der Macht umgehen konnte. Liandrin und ihre Schwarzen Genossinnen wollten es dazu ben�tzen, Rand in ihre Gewalt zu bringen, ihn zum Schatten zu f�hren, ihn zu zwingen, dem Dunklen K�nig zu dienen. Jemand aus ihrem Dorf, der von Aes Sedai beherrscht und benutzt wurde! Schwarze Ajah, sicher, aber doch genauso Aes Sedai wie Moiraine mit ihren Intrigen. <emphasis>Egeanin macht aus mir schon beinahe eine schmutzige Seanchan!</emphasis></p><p>Mit einemmal wurde ihr klar, wie unzusammenh�ngend dieser letzte Gedanke gewesen war, und sie erkannte, da� sie sich im Moment absichtlich bem�hte, sich in Wut hineinzusteigern, um die Macht ben�tzen zu k�nnen. So griff sie nach der Wahren Quelle, und die Macht erf�llte sie. Und dann betrat eine Dienerin mit dem Baum-und-Blatt-Emblem auf der Schulter die S�ulenhalle.</p><p>Nynaeve bebte vor Verlangen, die Macht zu ben�tzen, doch sie zwang sich, zu warten, hob sogar den Staubwedel und wischte �ber das Halsband und die Armb�nder. Die Dienerin schritt �ber den hellen Steinboden. Noch ein Augenblick, dann w�rde sie verschwinden, und Nynaeve konnte... Was eigentlich? Die Sachen in ihre G�rteltasche stecken und mitnehmen, aber...</p><p>Die Dienerin w�rde gehen? <emphasis>Warum habe ich geglaubt, sie werde gehen, anstatt ihre Arbeit zu tun?</emphasis> Sie warf der Frau einen heimlichen Seitenblick zu. Sie kam auf sie zu. Nat�rlich. Kein Besen oder Mop, kein Staubwedel, nicht einmal ein Staubtuch. <emphasis>Weswegen sie auch hier sein mag, es wird nicht lange...</emphasis></p><p>Pl�tzlich erkannte sie das Gesicht der Frau ganz eindeutig. Kantig, aber gutaussehend, von dunklen Z�pfen eingerahmt, so l�chelte sie auf beinahe freundlich zu nennende Art, obwohl sie Nynaeve offensichtlich gar nicht weiter beachtete. Auf jeden Fall wirkte sie �berhaupt nicht bedrohlich. Das Gesicht war ein wenig ver�ndert, doch sie erkannte es.</p><p>Ohne nachzudenken, schlug sie zu, webte einen wahren Hammerschlag aus Luft, um dieses Gesicht zu zerschmettern. Innerhalb eines Wimpernschlags wurde die andere Frau vom Gl�hen <emphasis>Saidars</emphasis> umgeben, und ihre Gesichtsz�ge ver�nderten sich, wirkten auf einmal edler, stolzer, eine Erinnerung an Moghediens wirkliches Gesicht. Doch auch �berrascht wirkten diese Z�ge, weil sie sich nicht wie geglaubt unbemerkt gen�hert hatte. Nynaeves Schlag zerfaserte, und sie taumelte unter dem R�ckschlag, der sich wie ein physischer Schlag auswirkte. Die Verlorene schlug mit einem komplexen Gewebe aus Geist mit Beimischungen von Wasser und Luft zur�ck. Nynaeve hatte keine Ahnung, welche Wirkung dieser Schlag haben sollte, doch sie versuchte, ihn genauso zu zerfasern, wie sie es bei der anderen Frau erlebt hatte, und zwar mit einem scharfkantigen Gewebe aus Geist. Einen Herzschlag lang empfand sie Liebe, Hingabe, Anbetung f�r diese prachtvolle Frau, die sich dazu herablassen w�rde, ihr zu gestatten...</p><p>Das kunstvolle Gewebe spaltete sich, und Moghedien kam ins Stolpern. In Nynaeves Verstand blieb ein schwacher Hauch haften, das Gef�hl, gehorchen zu wollen, zu kriechen und zu Gefallen zu sein, all das, was bei ihrem ersten Zusammentreffen eingetreten war, und das heizte ihren Zorn noch an. Die messerscharfe Abschirmung, die Egwene benutzt hatte, um Amico Nagoyin einer D�mpfung zu unterziehen, war ganz pl�tzlich da. Es war eher eine Waffe als eine Abschirmung, die auf Moghedien zufuhr �und abgeblockt wurde. Gewebe aus Geist stand gegen Gewebe aus Geist. Es h�tte nicht viel gefehlt, und Moghedien w�re f�r immer von der Wahren Quelle abgeschnitten gewesen. Wieder schlug die Verlorene zur�ck. Wie ein Axthieb kam der Schlag, um Nynaeve auf die gleiche Art von der Quelle abzuschneiden. Auf immer und ewig. Verzweifelt blockte Nynaeve ihn ab.</p><p>Mit einemmal war ihr bewu�t, da� unter der Oberfl�che ihres Zorns die nackte Angst brodelte. Den Versuch der anderen Frau abzublocken, ihre F�higkeiten auszubrennen, und dabei das gleiche bei ihr zu versuchen, beanspruchte all ihre Kr�fte. In ihr kochte die Macht, bis sie glaubte, platzen zu m�ssen. Ihre Knie bebten; sie konnte kaum noch stehen. Und immer noch flo� alle Energie in diese beiden Aktivit�ten. Sie h�tte nicht einmal genug �brig gehabt, um eine Kerze anzuz�nden. Moghediens aus Geist gewebte Axt war einmal sch�rfer und dann wieder stumpfer, doch das war im Grunde gleichg�ltig, falls die Frau mit ihrem Schlag Erfolg hatte. Nynaeve sah kaum eine andere M�glichkeit, wie dieses Duell ausgehen w�rde, als entweder durch die Frau ausgebrannt zu werden, oder zumindest � <emphasis>zumindest!</emphasis> � abgeschirmt und ihr damit ausgeliefert zu sein. Das Ding, die Axt oder wie sie es bezeichnen sollte, ber�hrte den Strom der Macht von der Wahren Quelle in sie hinein, wie ein Messer den ausgestreckten Hals eines H�hnchens ber�hrt. Dieser Vergleich war nur zu treffend � sie w�nschte, der Gedanke w�re ihr nicht gekommen. In ihrem Hinterkopf stammelte eine kleine Stimme: <emphasis>Oh, Licht, la� es nicht zu! La� sie das nicht tun! Licht, bitte, nur das nicht!</emphasis></p><p>Einen Augenblick lang dachte sie daran, ihren eigenen Versuch aufzugeben, Moghedien von der Wahren Quelle abzuschneiden. Sie mu�te immer wieder die scharfe Schneide erneuern, denn die gewebten Str�nge wollten diese Sch�rfe nicht beibehalten. Vielleicht sollte sie das aufgeben und ihre ganze Kraft einsetzen, Moghediens Angriff zur�ckzuschlagen und sogar ihr Gewebe zu zerrei�en. Aber falls sie es so machte, mu�te die andere sich nicht mehr verteidigen und konnte all ihre Kraft in den Angriff legen. Und sie war schlie�lich eine der Verlorenen und nicht eine einfache Schwarze Schwester. Eine Frau, die im Zeitalter der Legenden eine Aes Sedai gewesen war, als diese noch Dinge vollbringen konnten, von denen man jetzt nur noch tr�umte. Falls Moghedien ihre ganze Kraft gegen sie einsetzen konnte...</p><p>Wenn jetzt ein Mann eingetreten w�re oder irgendeine Frau, die unf�hig war, die Macht zu benutzen, h�tten sie lediglich zwei Frauen gesehen, die sich in einem Abstand von weniger als zehn Schritt �ber das wei�e Seidenseil hinweg anstarrten. Zwei Frauen, die sich inmitten einer riesigen, mit eigenartigen Dingen angef�llten Halle gegen�berstanden. Sie h�tten nichts bemerkt, was auf ein Duell h�tte schlie�en lassen. Sie sprangen nicht wie M�nner umeinander herum und schwenkten Schwerter �nichts wurde zerschmettert oder gebrochen. Nur zwei Frauen, die fast bewegungslos dort standen. Und trotzdem ein Duell, vielleicht sogar ein t�dliches. Mit einer der Verlorenen.</p><p>�Meine ganze sorgf�ltige Planung ist ruiniert�, sagte Moghedien pl�tzlich mit angespannter, zorniger Stimme. Ihre H�nde verkrampften sich so in den Rock, da� die Kn�chel wei� wurden vor Anstrengung. �Nun mu� ich zumindest unwahrscheinliche Anstrengungen auf mich nehmen, um alles in den urspr�nglichen Zustand zur�ckzuversetzen. Vielleicht ist es auch gar nicht mehr zu schaffen. Ah, ich werde Euch daf�r bezahlen lassen, Nynaeve al'Meara! Das war ein so bequemes Versteck bisher, und diese blinden Frauen haben eine Anzahl von sehr n�tzlichen Gegenst�nden in Besitz, auch wenn sie das selbst nicht... � Sie sch�ttelte den Kopf und bleckte w�tend die Z�hne. �Ich glaube, diesmal werde ich Euch mitnehmen. Ich wei� schon. Ich werde Euch als lebenden Tritt ben�tzen. Ihr werdet herbeigebracht, m��t auf alle viere hinunter, so da� ich von Eurem R�cken in den Sattel steigen kann. Oder ich k�nnte Euch auch Rahvin �bergeben. Er erwidert immer Gef�lligkeiten. Er hat jetzt wohl gerade eine h�bsche kleine K�nigin als Spielzeug, aber seine gro�e Schw�che waren immer h�bsche Frauen. Er mag es, wenn gleich drei oder vier st�ndig um ihn herumtanzen. Wie wird Euch das wohl gefallen? Den Rest Eures Lebens damit verbringen, sich um Rahvins Aufmerksamkeit zu rei�en? Ihr werdet es Euch w�nschen, sobald er Euch einmal in der Hand hat � er hat so seine kleinen Tricks. Ja, ich glaube, ich gebe Euch Rahvin.� In Nynaeve stieg der Zorn wieder auf. Schwei� rann ihr �ber das Gesicht, und ihre Beine zitterten, als wollten sie den Dienst versagen, doch der Zorn verlieh ihr Kraft. Mit aller Macht brachte sie es fertig, ihre aus Geist gewebte Waffe um Haaresbreite n�her an Moghediens Nabelschnur aus Energie heranzudr�cken, um die Frau abzuschneiden, bevor diese den Angriff wieder zum Stillstand brachte.</p><p>�Also habt Ihr das kleine Schmuckst�ck hinter Euch entdeckt�, sagte Moghedien in einem Augenblick unsicheren Gleichgewichts. �berraschenderweise sprach sie beinahe im Plauderton. �Ich frage mich, wie Euch das gelungen ist. Aber es spielt keine Rolle. Seid Ihr gekommen, um es mitzunehmen? Vielleicht, um es zu zerst�ren? Ihr k�nnt es nicht zerst�ren. Das ist kein Metall, sondern eine Art von <emphasis>Cuendillar.</emphasis> Und falls Ihr es verwenden wollt: Es hat gewisse... nennen wir es einmal Nachteile. Legt einem Mann, der die Macht lenkt, das Halsband an, dann kann ihn eine Frau mit Hilfe des Armbands v�llig beherrschen, das ist wahr, aber es h�lt ihn nicht davon ab, dem Wahnsinn zu verfallen. Der Strom verl�uft in beiden Richtungen. Irgendwann wird er in der Lage sein, auch Euch zu beherrschen, und dann steckt Ihr in einem andauernden Kampf um die Vorherrschaft. Nicht gerade angenehm, wenn er dabei ist, verr�ckt zu werden. Nat�rlich k�nnt Ihr die Armb�nder weitergeben, damit keine dem allzu lange ausgesetzt ist, aber das bedeutet eben, da� Ihr ihn einer anderen anvertrauen m��t. M�nner beherrschen es immer so gut, Gewalt anzuwenden, da� man aus ihnen brauchbare Waffen machen kann. Oder zwei Frauen tragen jeweils ein Armband, falls Ihr jemanden habt, der ihr vertrauen k�nnt. Wie ich h�rte, verlangsamt das den R�ckflu� in erheblichem Ma�e, aber es mindert auch Eure Kontrolle �ber ihn, selbst wenn Ihr genau im Gleichklang arbeitet. Schlie�lich werdet Ihr wieder um die Vorherrschaft k�mpfen m�ssen, denn jede von Euch braucht ihn, um das Armband abnehmen zu k�nnen, und genauso braucht er Euch, um das Halsband loszuwerden.� Sie hielt den Kopf ein wenig schr�g und zog fragend eine Augenbraue hoch. �Ihr habt das doch vor, denke ich. Lews Therin zu beherrschen � Rand al'Thor, wie man ihn jetzt nennt � w�re �u�erst n�tzlich, aber ist es den Aufwand wert? Ihr wi�t nun, warum ich das Halsband und die Armb�nder gelassen habe, wo sie sind.� Nynaeve zitterte durch die Anstrengung, die Macht zu halten, die gewebten Str�nge zu erhalten, und runzelte dabei die Stirn. Warum erz�hlte ihr die Frau all das? Glaubte sie, es spiele keine Rolle, weil sie sowieso gewinnen werde? Wie war es zu diesem pl�tzlichen Wechsel von Zorn zu Gespr�chsbereitschaft gekommen? Auch auf Moghediens Gesicht stand Schwei�. Eine ganze Menge Schwei� sogar. Tropfen standen auf ihrer Stirn und rannen ihr �ber die Wangen herunter.</p><p>Pl�tzlich begann Nynaeve, die Dinge anders zu sehen. Moghediens Stimme klang nicht etwas gepre�t aus unterdr�cktem Zorn, sondern verzerrt von der Anstrengung. Moghedien w�rde nicht mit einem Schlag all ihre Kraft gegen sie einsetzen, nein, das tat sie bereits die ganze Zeit. Der Kampf kostete die Frau genauso viel Energie wie sie. Sie stand einer der Verlorenen gegen�ber, aber anstatt wie eine Gans f�rs Essen gerupft zu werden, hatte sie noch keine einzige Feder verloren. Sie k�mpfte als Gleichwertige gegen eine der Verlorenen! Moghedien versuchte, sie abzulenken, um eine Schw�che zu entdecken, bevor ihre eigene Kraft versagte! Wenn sie nur dasselbe tun k�nnte. Bevor sie mit ihrer Kraft am Ende war.</p><p>�Fragt Ihr euch, woher ich das alles wei�? Halsband und Armb�nder wurden hergestellt, nachdem ich... Na ja, dar�ber sprechen wir lieber nicht. Sobald ich wieder in Freiheit war, habe ich nach Berichten �ber diese letzten Tage gesucht. Die letzten Jahre eigentlich. Es gibt hier und da eine ganze Menge von bruchst�ckartigen Informationen, die niemandem etwas n�tzen, der nicht von vornherein einiges dar�ber wei�. Das Zeitalter der Legenden. Was f�r einen drolligen Namen Ihr doch meiner Zeit gegeben habt. Doch selbst Eure wildesten Legenden kommen der Wahrheit nicht einmal zur H�lfte nah. Ich war mehr als zweihundert Jahre alt, als man das Bohrloch anlegte, und f�r eine Aes Sedai war ich noch jung. Eure �Legenden� sind nur schwache Abbilder dessen, was wir vollbringen konnten. Also... � Nynaeve h�rte nicht mehr hin. Eine M�glichkeit, die Frau abzulenken. Auch wenn sie ihr etwas zu sagen h�tte, w�re Moghedien wohl gewappnet gegen die Methode, die sie selbst anwandte. Sie hatte nicht die Kraft, nebenher mehr als nur einen hauchd�nnen Strang zu weben, genausowenig wie... Genausowenig wie Moghedien. Eine Frau aus dem Zeitalter der Legenden, eine Frau, die so lange schon mit dem Gebrauch der Macht vertraut war. Vielleicht war sie es gewohnt gewesen, beinahe alles mit Hilfe der Macht zu tun, bevor sie in das Gef�ngnis des Dunklen K�nigs mit eingesperrt worden war. Seit sie in Freiheit war, hatte sie sich verborgen. Inwieweit hatte sie sich daran gew�hnt, Dinge ohne die Hilfe der Macht zu erledigen?</p><p>Nynaeve lie� bewu�t ihre Beine nachgeben. Der Staubwedel fiel zu Boden, und sie fa�te nach dem Podest, um sich zu st�tzen. Soviel mu�te sie dabei gar nicht vort�uschen.</p><p>Moghedien l�chelte und kam nun einen Schritt n�her. �... zu anderen Welten reisen, sogar zu Welten am Himmel. Wi�t Ihr, da� die Sterne... � So selbstsicher, dieses L�cheln.</p><p>So triumphierend.</p><p>Nynaeve ergriff das Halsband, verdr�ngte die herzzerrei�end schmerzlichen Emotionen, die sich �ber sie ergossen, und schleuderte es in einer fl�ssigen Bewegung.</p><p>Die Verlorene bekam den Mund gar nicht mehr auf, als das breite, schwarze Metallband sie zwischen die Augen traf. Es war kein besonders harter Schlag und reichte bestimmt nicht aus, sie zu bet�uben, aber er kam unerwartet. Moghedien verlor nur einen Augenblick lang nur einen kleinen Teil der Kontrolle �ber die von ihr gewebten Str�nge. Und doch verlagerte sich in diesem kurzen Augenblick das Gewicht des Kampfes zu Nynaeves Gunsten. Das aus Geist gewebte Schild schl�pfte zwischen Moghedien und die Wahre Quelle. Das Gl�hen um die Frau herum verschwand augenblicklich.</p><p>Moghediens Augen quollen hervor. Nynaeve erwartete, da� sie ihr an die Kehle springen werde. Jedenfalls h�tte sie selbst das getan. Statt dessen ri� Moghedien ihren Rock hoch bis an die Knie und rannte davon.</p><p>Da sie sich jetzt nicht mehr verteidigen mu�te, kostete es Nynaeve wenig M�he, Str�nge aus Luft um die fliehende Frau zu weben. Die Verlorene erstarrte aus vollem Lauf heraus.</p><p>Schnell verknotete Nynaeve ihr Gewebe. Sie hatte es geschafft. <emphasis>Ich habe mich einer der Verlorenen gestellt und sie besiegt,</emphasis> dachte sie ungl�ubig. Sie sah die Frau an, die von Kopf bis Fu� durch Luft festgehalten wurde, die sich so unnachgiebig wie Stein verhielt. Die Frau stand sogar noch in der Bewegung auf einem Fu� und nach vorn gebeugt da. Es war kaum zu glauben. Als sie n�her betrachtete, was sie da erreicht hatte, sah sie, da� ihr Sieg doch nicht so vollst�ndig war, wie sie gehofft hatte. Die scharfe Kante des Schilds war doch etwas stumpf geworden, bevor es durchgedrungen war. Moghedien war gefangen und abgeschirmt, aber es war nicht zu einer D�mpfung gekommen.</p><p>Sie bem�hte sich, nicht zu wanken, und trat vor die Frau hin. Moghedien wirkte immer noch majest�tisch, aber wie eine ver�ngstigte K�nigin, die sich die Lippen leckte und deren Blick unstet umherirrte. �Wenn... wenn Ihr mich freila�t, dann k-k�nnen wir uns irgendwie einigen. Ich... ich kann Euch... viel beibringen... � Nynaeve unterbrach sie grob und webte einen Knebel aus Luft, der den Mund der Frau offenstehen lie�. �Ein lebender Tritt. Das habt Ihr doch gesagt, oder? Ich glaube, das war eine gute Idee. Ich reite so gern.� Sie l�chelte die Frau an, der die Augen beinahe aus dem Kopf quollen.</p><p>Ihr in den Sattel helfen, ha! Wenn Moghedien endlich in der Burg vor Gericht stand und anschlie�end einer D�mpfung unterzogen wurde � es konnte ja wohl keine andere Strafe f�r eine der Verlorenen geben �, w�rde man ihr sicher eine n�tzliche Arbeit zuteilen, in der K�che, im Garten oder im Stall. Au�erdem w�rde man sie nat�rlich vorzeigen, um zu beweisen, da� auch die Verlorenen zur Rechenschaft gezogen wurden, aber ansonsten w�rde man sie nicht anders behandeln als jede Dienerin, wenn vielleicht auch strenger �berwachen. Aber sollte sie doch denken, da� Nynaeve genauso grausam sei wie sie. Sollte sie das glauben, bis sie schlie�lich vor...</p><p>Nynaeve verzog den Mund. Moghedien w�rde nicht vor Gericht kommen. Jedenfalls jetzt nicht. Erst einmal mu�te sie einen Weg finden, um mit ihr aus dem Panarchenpalast zu entkommen. Die Frau schien ihre Grimasse f�r etwas zu halten, was Schlimmes f�r sie zu bedeuten habe. Tr�nen rannen ihr aus den Augen und ihr Mund formte Worte, die sie des Knebels wegen nicht hervorbrachte.</p><p>Nynaeve ging angewidert und mit unsicheren Schritten dorthin zur�ck, wo das schwarze Halsband lag und steckte es geschwind in ihre G�rteltasche, bevor die Welle negativer Gef�hle ihr mehr antun konnte, als sie kurz zu ber�hren. Die Armb�nder folgten unter den gleichen Schwierigkeiten. <emphasis>Ich war dabei, sie zu foltern, indem ich sie das glauben lie�! Sie verdient es ganz gewi�, aber das bin nicht wirklich ich. Oder doch? Bin ich auch nicht besser als Egeanin?</emphasis></p><p>Sie drehte sich auf dem Fu� um, zornig dar�ber, da� sie sich so etwas auch nur fragte, und stolzierte an Moghedien vorbei zu der anderen Vitrine. Es mu�te eine M�glichkeit geben, an dieser Frau Gerechtigkeit zu �ben.</p><p>In der Vitrine standen sieben kleine Statuen. Sieben, aber ein Siegel lag nicht drin.</p><p>Einen Moment lang blickte sie die Vitrine nur entgeistert an. Eine der Figuren, ein eigenartiges Tier mit den ungef�hren Umrissen eines Schweins, doch mit einer gro�en, runden Schnauze und F��en, die genauso breit waren wie die dicken Beine, stand an der Stelle, wo sich das Siegel befunden hatte, n�mlich in der Mitte des Tisches. Pl�tzlich zog sie die Augen zusammen. Es befand sich gar nicht wirklich dort! Das Ding war aus Luft und Feuer gewebt, und zwar mit so feinen Str�ngen, da� Spinnweben dagegen noch wie Taue gewirkt h�tten. Selbst bei h�chster Konzentration konnte sie die Str�nge kaum noch erkennen. Sie bezweifelte, da� Liandrin oder eine der anderen Schwarzen Schwestern sie erkannt h�tten. Ein winziges Aufflammen der Macht, ein extrem kurzer Schnitt, und das fette Tier verschwand. An seiner Stelle lag das schwarzwei�e Siegel auf seinem rotlackierten Podest. Moghedien, die es versteckt haben mu�te, hatte einen geschickten Platz f�r ihr Versteck gew�hlt: vor aller Augen. Feuer schmolz ein Loch in das Glas der Vitrine, und auch das Siegel verschwand in ihrer Tasche. Sie beulte sich nun aus und zerrte mit ihrem Gewicht an ihrem G�rtel.</p><p>Finster blickte sie die Frau an, die auf einer Zehenspitze starr dastand, und bem�hte sich, sich einen Weg auszudenken, auf dem sie die Frau mit hinausnehmen konnte. Aber Moghedien konnte sie nicht in die Tasche stecken, und selbst wenn sie die Frau einfach hinaustrug, w�rde das einiges Aufsehen erregen. Als sie zu dem n�chstgelegenen Ausgang ging, blickte sie sich immer wieder wie unter Zwang um. Wenn es nur eine M�glichkeit g�be. Sie blieb stehen, um einen letzten bedauernden Blick von der T�r aus zur�ckzuwerfen, und dann trat sie hinaus.</p><p>Sie trat in einen Innenhof mit einem Brunnen, in dessen Becken unz�hlige Wasserlilien schwammen. Auf der anderen Seite des Brunnens hob eine schlanke Frau mit kupferfarbener Haut in einem beigen Taraboner Kleid, in dem selbst Rendra err�tet w�re, gerade einen gerillten, schwarzen Stab von etwa einem Schritt L�nge. Nynaeve erkannte Jeaine Caide. Und sie erkannte auch den Stab.</p><p>Verzweifelt warf sie sich zur Seite, so hart, da� sie �ber die glatten, wei�en Fu�bodenkacheln rutschte, bis eine der schmalen S�ulen sie mit einem Ruck aufhielt. Ein oberschenkeldicker Strahl aus reinstem Wei� scho� durch die Stelle, an der sie gestanden hatte. Es war, als habe sich die Luft in schmelzendes Metall verwandelt. Der Strahl fuhr durch die Ausstellungshalle, und wo er auftraf, da verschwanden ganze Teile von S�ulen, und unsch�tzbar wertvolle Ausstellungsst�cke h�rten auf, zu existieren. Nynaeve schleuderte Feuerstr�nge blindlings nach hinten in der Hoffnung, etwas zu treffen, irgend etwas, dort im Hof, und krabbelte auf allen vieren durch die Halle. In kaum mehr als H�fth�he s�gte sich der Strahl durch die Luft und hinterlie� einen tiefen Schnitt in beiden W�nden. Dazwischen brachen K�sten und Kommoden und Vitrinen und sorgf�ltig verdrahtete Skelette zusammen und zersplitterten auf dem Boden. Mehrere S�ulen bebten und st�rzten ein, doch was in dieses schreckliche Schwert hineinfiel, konnte nicht mehr die darunter stehenden Ausstellungsst�cke zerschmettern, denn es existierte nicht mehr. Die Vitrine, aus der sie das Siegel geholt hatte, st�rzte ebenfalls in sich zusammen, bevor der schmelzende Strahl verschwand und in ihrer Sicht einen r�tlichen Streifen hinterlie�, der noch eine ganze Weile nachflimmerte. Die <emphasis>Cuendillar-Statuen</emphasis> waren alles, was der schmelzende, wei�e Strahl unbesch�digt zur�cklie�. Sie polterten auf den Boden.</p><p>Nat�rlich zerbrachen die Statuen nicht. Es schien, Moghedien habe recht behalten. Nicht einmal Baalsfeuer konnte <emphasis>Cuendillar</emphasis> vernichten. Dieser schwarze Stab war einer der gestohlenen <emphasis>Ter'Angreal.</emphasis> Nynaeve erinnerte sich an die Warnung, die mit kr�ftiger Schrift auf ihrer Liste angef�gt worden war. <emphasis>Erzeugt Baalsfeuer. Gef�hrlich und beinahe unm�glich zu beherrschen.</emphasis></p><p>Moghedien schien zu versuchen, trotz ihres unsichtbaren Knebels zu schreien. Ihr Kopf ruckte verzweifelt vor und zur�ck, als sie gegen ihre Fesseln aus Luft ank�mpfte, doch Nynaeve schenkte ihr �ber einen kurzen Blick hinaus keine Beachtung. Sobald der Strahl aus Baalsfeuer verglimmt war, richtete sie sich so weit auf, da� sie zur�ckblicken konnte, durch die Halle und durch den geschmolzenen Ri� in der Wand bis hinein in den Innenhof. Neben dem Brunnen wankte Jeaine Caide, eine Hand am Kopf und die andere so kraftlos, da� der schwarze Stab fast zu Boden fiel. Doch bevor Nynaeve mit der Macht zuschlagen konnte, hatte sie den schwarzen Stab erneut gepackt, und wieder barst Baalsfeuer aus seinem Ende und zerst�rte alles, was es in der Halle ber�hrte.</p><p>Nynaeve lie� sich auf den Bauch fallen und kroch, so schnell sie konnte, unter all dem Bersten und Krachen und Klappern von umst�rzenden S�ulen und Mauern und K�sten nach der anderen Seite davon. Schwer atmend zog sie sich schlie�lich in einen Korridor, dessen Seitenw�nde ebenfalls aufgeschlitzt waren. Sie konnte nicht feststellen, wie tief das Baalsfeuer alles durchschnitten hatte; vielleicht durch den ganzen Palast bis nach drau�en. Sie wand sich auf einem mit Steinbrocken �bers�ten L�ufer herum und sp�hte vorsichtig um die T�rkante.</p><p>Das Baalsfeuer war wieder erloschen. Stille hatte sich in der gro�en Ausstellungshalle ausgebreitet. Nur dann und wann l�ste sich noch ein Brocken aus dem Mauerwerk und krachte auf den schutt�bers�ten Boden herunter. Von Jeaine Caide war nichts zu sehen, obwohl die gegen�berliegende Wand so weit zusammengebrochen war, da� Nynaeve den Brunnen im Hof deutlich erkennen konnte. Sie hatte nicht vor, das Risiko einzugehen, hinzulaufen und festzustellen, ob der <emphasis>Ter'Angreal</emphasis> die Frau umgebracht habe, die ihn ben�tzte. Sie atmete schwer und unregelm��ig, und ihre Arme und Beine zitterten so stark, da� sie froh war, einen Augenblick lang liegenbleiben zu k�nnen. Das Lenken der Macht kostete genausoviel Kraft wie jede andere Arbeit. Je h�rter man arbeitete, desto ersch�pfter war man eben. Und je ersch�pfter man war, desto weniger Energie blieb f�r den Gebrauch der Macht �brig. Sie war sich im Moment nicht sicher, ob sie in ihrem jetzigen Zustand �berhaupt Jeaine Caide gegen�bertreten k�nnte.</p><p>Was f�r eine N�rrin war sie doch gewesen, Moghedien in einem Duell der Macht gegen�berzutreten, ohne daran zu denken, da� sie durch derart starke Entladungen der Macht jede Schwarze Schwester im Palast beinahe aus der Haut fahren lie�. Sie hatte Gl�ck gehabt, da� die Domanifrau mit dem <emphasis>Ter'Angreal</emphasis> nicht schon gekommen war, w�hrend sie noch mit der Verlorenen besch�ftigt war. H�chstwahrscheinlich w�ren sie beide gestorben, bevor sie �berhaupt der anderen gewahr geworden w�ren.</p><p>Pl�tzlich starrte sie ungl�ubig in die Halle. Moghedien war weg! Das Baalsfeuer war ihrem Standpunkt kaum n�her als zehn Fu� gekommen, aber sie war nicht mehr da. Das war doch unm�glich! Sie war abgeschirmt gewesen.</p><p>�Woher will ich schon wissen, was unm�glich ist und was nicht?� knurrte Nynaeve. �Es war mir ja auch unm�glich, eine Verlorene zu besiegen, und doch habe ich es geschafft.� Immer noch kein Lebenszeichen von Jeaine Caide.</p><p>Sie rappelte sich hoch und eilte zu ihrem abgesprochenen Treffpunkt. Wenn nur Elayne keine Schwierigkeiten gehabt hatte! Dann k�nnten sie es vielleicht doch sicher aus dem Palast hinaus schaffen.</p></section><section><title><p>55</p><p>In die Tiefe</p></title><p>Diener rannten kopflos durch die G�nge, wo Nynaeve entlanglief. Sie riefen sich gegenseitig verzweifelte Fragen zu. Sicher waren sie nicht in der Lage, zu sp�ren, wie jemand die Macht ben�tzte, aber sie hatten ganz gewi� bemerkt, da� der Palast fast in zwei H�lften gespalten worden war. Sie schl�ngelte sich durch � einfach eine weitere Dienerin, die in panischer Angst davonlief; mehr schien sie nicht.</p><p><emphasis>Saidar</emphasis> entglitt ihr langsam, w�hrend sie durch die G�nge und �ber die Innenh�fe rannte. Es wurde immer schwieriger f�r sie, zornig zu bleiben, weil sie sich mehr und mehr Sorgen um Elayne machte. Falls die Schwarzen Schwestern sie gefunden hatten... Wer wu�te schon, welche Waffen sie noch au�er dem <emphasis>Ter'Angreal</emphasis> mit dem Baalsfeuer hatten? Die Liste, die sie erhalten hatten, konnte nicht in jedem Fall einen Zweck angeben.</p><p>Einmal sah sie kurz Liandrin mit ihren bla�-honigfarbenen Z�pfen und Riana mit der wei�en Str�hne im schwarzen Haar, die nebeneinander eine breite Marmortreppe herabeilten. Sie war in der Eile nicht in der Lage, zu beobachten, ob sie vom Gl�hen <emphasis>Saidars</emphasis> umgeben waren, doch so, wie die Diener aufschrien und aus ihrem Weg sprangen, verwandten sie wohl die Macht wie eine Peitsche, um schneller voranzukommen. Sie war froh, da� sie nicht versucht hatte, die Macht festzuhalten, denn durch das Gl�hen h�tten sie sie im Nu in der Menge entdeckt, und sie war jetzt, ohne jede Atempause, nicht mehr in der Lage, ihnen gegen�berzutreten, weder einer allein, noch beiden gemeinsam. Au�erdem hatte sie ja, weswegen sie gekommen war. Alles andere mu�te warten.</p><p>Bald wurden es weniger Menschen, die wild umherliefen, und als sie den engen Korridor auf der Westseite des Palastes wieder erreicht hatte, war niemand mehr zu sehen. Die anderen warteten bei einer schmalen bronzebeschlagenen T�r mit einem gro�en, eisernen Vorh�ngeschlo� auf sie. Auch Amathera war da, die hochaufgerichtet daneben stand, mit einem leichten Leinenumhang angetan und die Kapuze �ber den Kopf gezogen. Das wei�e Kleid der Panarchin sah ann�hernd wie das Kleid einer Dienerin aus, wenn man nicht genau genug hinsah, um zu bemerken, da� es aus Seide war, und der Schleier, der ihr Gesicht allerdings kaum verbarg, war auf jeden Fall aus dem typischen Leinen der Kleidung von Dienerinnen gefertigt. Durch die T�r drangen ged�mpfte Schreie. Offensichtlich waren die Auseinandersetzungen noch in vollem Gang. Nun mu�ten die M�nner das ihrige zum Gelingen beitragen.</p><p>Nynaeve ignorierte Egeanin und umarmte Elayne, um sie kurz, aber herzlich zu dr�cken. �Ich habe mir solche Sorgen gemacht. Hast du irgendwelche Probleme gehabt?� �Keine Spur�, antwortete Elayne. Egeanin rutschte etwas nerv�s herum, und die j�ngere Frau warf ihr einen bedeutungsvollen Blick zu. Dann f�gte sie hinzu: �Amathera hat uns ein wenig Schwierigkeiten bereitet, aber das haben wir hingekriegt.� Nynaeve runzelte die Stirn. �Schwierigkeiten? Warum hat sie euch denn Schwierigkeiten bereitet?� Das letztere galt der Panarchin, die mit hocherhobenem Kopf die Blicke der anderen mied. Elayne schien genauso zu z�gern.</p><p>Es war die Seanchanfrau, die schlie�lich antwortete: �Sie versuchte, sich wegzuschleichen, um ihre Soldaten anzuweisen, die Schattenfreunde zu vertreiben. Und das, nachdem sie bereits gewarnt worden war.� Nynaeve vermied es, sie anzublicken.</p><p>�Schau nicht so finster drein, Nynaeve�, sagte Elayne. �Ich habe sie schnell wieder eingefangen, und wir hatten ein kurzes Gespr�ch. Ich denke, unser Verh�ltnis ist jetzt �u�erst harmonisch.� In der Wange der Panarchin zuckte ein Muskel. �Wir stimmen vollkommen �berein, Aes Sedai�, sagte sie schnell. �Ich werde genau das tun, was Ihr wollt, und ich werde Euch Papiere ausstellen, da� man Euch selbst bei den Rebellen ungehindert durchlassen wird. Es ist nicht notwendig, noch mehr mit mir zu... sprechen.� Elayne nickte, als ergebe das alles einen Sinn, und bedeutete der Frau, den Mund zu halten. Worauf die Panarchin auch gehorsam den Mund schlo�. Vielleicht ein wenig m�rrisch, aber das lag m�glicherweise an der Form ihres Mundes. Es waren eindeutig eigenartige Dinge vorgefallen, und Nynaeve hatte vor, alles dar�ber in Erfahrung zu bringen. Aber sp�ter. Der enge Gang war immer noch in beiden Richtungen menschenleer, doch tiefer aus dem Palast drangen immer noch panische Schreie. Jenseits der kleinen T�r tobte der Mob.</p><p>�Aber wie steht's mit dir?� fuhr Elayne stirnrunzelnd fort. �Du h�ttest schon vor einer halben Stunde hier sein sollen. Hast du all dieses Durcheinander angerichtet? Ich habe gesp�rt, wie zwei Frauen genug Macht lenkten, um den ganzen Palast zu ersch�ttern, und ein wenig sp�ter hat sich offensichtlich jemand bem�ht, ihn abzurei�en. Ich dachte, das seist du gewesen. Ich mu�te Egeanin davon abhalten, loszugehen, um dich zu suchen.� Egeanin? Nynaeve z�gerte und dann �berwand sie sich soweit, die Schulter der Seanchanfrau zu ber�hren. �Danke sch�n.� Egeanin wirkte, als verst�nde sie selbst nicht, warum sie das getan hatte, aber sie nickte zur Erwiderung. �Moghedien hatte mich aufgesp�rt, und weil ich noch �berlegte, wie ich sie heraus und vor Gericht bringen solle, hat mir Jeaine Caide beinahe mit ihrem Baalsfeuer den Kopf abrasiert.� Elayne quiekte erschreckt und Nynaeve beeilte sich, ihr zu versichern: �Na ja, so eng war es gar nicht.� �Du hast Moghedien <emphasis>gefangen?</emphasis> Du hast es geschafft, eine der <emphasis>Verlorenen</emphasis> zu besiegen?� �Ja, aber sie ist entkommen.� So, nun hatte sie alles zugegeben. Sie war sich der Blicke der anderen bewu�t und trat nerv�s von einem Fu� auf den anderen. Sie f�hlte sich nicht gern im Unrecht. Besonders mi�fiel ihr es, etwas getan zu haben, vor dem sie selbst die anderen zuvor gewarnt hatte. �Elayne, ich wei�, was ich in bezug auf Vorsicht gesagt habe, aber als ich sie in den Fingern hatte, habe ich eben an nichts anderes mehr gedacht, als sie vor Gericht zu bringen.� Sie atmete tief durch und bem�hte sich, reum�tig zu klingen, auch wenn sie das ha�te. Wo blieben denn diese verdammten M�nner? �Ich habe alles in Gefahr gebracht, weil ich nicht an unsere Aufgabe dachte, aber sei mir bitte deswegen nicht b�se.� �Bin ich auch nicht�, sagte Elayne mit fester Stimme.</p><p>�Solange du wenigstens k�nftig daran denken wirst.� Egeanin r�usperte sich. �Oh, ja�, f�gte Elayne hastig hinzu. Die Warterei schien ihr auf die Nerven zu gehen. Auf ihren Wangen bl�hten rote Flecke. �Hast du das Halsband und das Siegel gefunden?� �Habe ich.� Sie t�tschelte ihre G�rteltasche. Die Schreierei drau�en schien lauter zu werden. Genauso wie die Schreie, die durch den Gang hallten. Liandrin stellte wahrscheinlich den Palast auf den Kopf, um herauszufinden, was passiert war. �Was h�lt die M�nner nur so lange auf?� �Meine Legion...�, begann Amathera. Elayne sah sie an und daraufhin klappte sie den Mund wieder zu. Dieses �Gespr�ch� der beiden mu�te ja wohl einiges bewirkt haben. Die Panarchin schmollte wie ein kleines M�dchen, das f�rchtet, ohne Abendessen ins Bett geschickt zu werden.</p><p>Nynaeve blickte Egeanin an. Die Seanchanfrau beobachtete angestrengt die T�r. Sie hatte ihr zur Hilfe kommen wollen. <emphasis>Warum l��t sie nicht zu, da� ich sie hasse? Bin ich soviel anders als sie?</emphasis></p><p>Pl�tzlich schwang die T�r auf. Juilin zog zwei d�nne, gebogene Drahtst�cke aus dem Schlo� und richtete sich aus seiner geb�ckten Haltung auf. An der Seite seines Gesichts lief Blut herunter. �Macht schnell. Wir m�ssen weg von hier, bevor uns die Lage aus der Hand gleitet.� Nynaeve blickte mit weit aufgerissenen Augen an ihm vorbei nach drau�en und fragte sich, was bei ihm wohl �aus der Hand gleiten� bedeuten mochte. Bayle Domons Seeleute, mindestens dreihundert waren es, bildeten einen doppelten Halbkreis um den Eingang, w�hrend Domon selbst einen Kn�ppel schwang und sie anfeuerte. Er mu�te laut br�llen, um den L�rm auf der breiten Stra�e zu �bert�nen. M�nner dr�ngten sich, k�mpften und schrien in einer �berkochenden Menge durcheinander. Die Kn�ppel und St�cke der Seeleute konnten sie kaum noch zur�ckhalten. Die Leute waren allerdings an den Matrosen gar nicht interessiert. Mitten in der Menge hieben berittene Wei�m�ntel mit ihren Schwertern auf M�nner ein, die sie mit Mistgabeln, Fa�dauben und blo�en H�nden angriffen. Ganze Steinschauer hagelten auf sie herab, krachten auf ihre Helme, aber man h�rte in dem allgemeinen L�rm nichts davon. Das Pferd eines einzelnen Wei�mantels wieherte pl�tzlich in Panik, b�umte sich auf und st�rzte nach hinten�ber. Es kam jedoch schnell wieder auf die Beine � nur der Reiter fehlte. In der Menschenmenge liefen noch weitere reiterlose Pferde herum. Hatten sie das alles angerichtet, nur um ihren R�ckzug zu decken? Sie bem�hte sich, den Zweck dieses Unternehmens in ihr Ged�chtnis zur�ckzurufen, indem sie die Hand auf ihre G�rteltasche legte und nach dem Siegel aus <emphasis>Cuendillar,</emphasis> dem Halsband und den Armb�ndern tastete, aber es fiel ihr schwer. Dort drau�en starben bestimmt M�nner ihretwegen.</p><p>�Bewegt Ihr Frauen Euch endlich?� rief Thom und winkte ihnen zu, damit sie herausk�men. Er hatte �ber einer buschigen Augenbraue eine blutende Wunde, vielleicht von einem Stein, und sein brauner Umhang war mittlerweile nicht einmal mehr als Putzlumpen zu gebrauchen. �Falls die Legion der Panarchen ausnahmsweise einmal nicht davonl�uft, wird die Sache blutig werden.� Amathera gab einen �berraschten Laut von sich, doch dann schob Elayne sie energisch hinaus. Nynaeve und Egeanin folgten, und sobald alle vier Frauen drau�en waren, formierten sich die Seeleute in einem engen Ring um sie und begannen, sich vom Palast weg durch die Menge zu k�mpfen. Nynaeve mu�te alle Kraft aufwenden, um �berhaupt auf den Beinen zu bleiben, so dr�ngten sich auf allen Seiten die M�nner um sie, die sie ja besch�tzen sollten. Einmal rutschte Egeanin aus und w�re fast gest�rzt, doch Nynaeve fing sie am Arm ab und half ihr wieder auf die Beine. Sie bekam ein dankbares Grinsen daf�r ab. Wir sind gar nicht so verschieden, dachte sie. <emphasis>Nicht gleich, aber zumindest recht �hnlich.</emphasis> Sie mu�te sich �berhaupt nicht mehr zwingen, der Seanchanfrau ermutigend zuzul�cheln.</p><p>Erst als sie mehrere Stra�en weit vom Palast entfernt waren, lie� das Gedr�nge nach, und bald konnten sie durch beinahe menschenleere, enge, gewundene Stra�en gehen. Diejenigen, die nicht eigentlich in die Ausschreitungen verwickelt waren, h�teten sich, in die N�he zu kommen. Die Seeleute schw�rmten ein wenig aus und lie�en den Frauen mehr Platz. Doch jeder einzelne, der neugierig in ihre Richtung sah, bekam ein paar harte Blicke zur�ck. Die Stra�en von Tanchico waren immer noch die Stra�en von Tanchico. Irgendwie �berraschte das Nynaeve. Ihr schien, sie h�tten Wochen im Palast verbracht. Die Stadt sollte sich doch ver�ndert haben in der Zwischenzeit!</p><p>Als sich der L�rm hinter ihnen legte, brachte Thom Amathera gegen�ber eine elegante Verbeugung zustande, w�hrend er neben ihnen einherhumpelte. �Eine Ehre, Panarchin�, sagte er. �Wenn ich Euch irgendwie dienlich sein kann, m��t Ihr es nur sagen.� Zu Nynaeves Verbl�ffung blickte Amathera erst zu Elayne hin�ber, verzog leicht das Gesicht und erwiderte: �Ihr verwechselt mich, guter Herr. Ich bin nur ein armer Fl�chtling vom Land und wurde von diesen guten Frauen gerettet.� Thom tauschte einen erstaunten Blick mit Juilin und Domon, aber als er den Mund �ffnete, sagte Elayne: �K�nnten wir weitergehen zur Schenke, Thom? Hier ist nicht der richtige Ort f�r eine gepflegte Unterhaltung.� Als sie den �Hof der Drei Pflaumen� erreichten, �berraschte es die M�nner ein weiteres Mal, da� Elayne die Panarchin Rendra als Thera vorstellte, einen mittellosen Fl�chtling, die eine Schlafstelle brauchte und vielleicht Arbeit, um sich ihren Unterhalt zu verdienen. Die Wirtin zuckte resignierend die Achseln, aber als sie �Thera� in die K�che f�hrte, machte sie der Frau bereits Komplimente �ber ihr sch�nes Haar und wie gut sie im richtigen Kleid aussehen werde.</p><p>Nynaeve wartete ab, bis sich alle in der Kammer der Fallenden Bl�ten einfanden, und dann schlo� sie die T�r. Erst jetzt kommentierte sie: �Thera? Und sie hat tats�chlich mitgemacht! Elayne, Rendra wird die Frau in den Schankraum zum Servieren schicken!� Elayne schien keineswegs �berrascht. �Ja, wahrscheinlich.� Sie sank seufzend auf einen Stuhl, trat sich die Schuhe von den F��en und begann, diese lebhaft zu massieren. �Es war nicht schwierig, Amathera davon zu �berzeugen, da� sie sich ein paar Tage lang verbergen m�sse. Das Ger�cht vom Tod der Panarchin k�nnte leicht ins Gegenteil umschlagen. Statt �Die Panarchin ist tot� hie�e es dann �Tod der Panarchin!� So etwas geht schnell. Ich glaube, es hat auch geholfen, da� sie die Auseinandersetzungen so direkt miterlebt hat. Sie will sich nicht darauf verlassen, da� Andric ihr wieder zu ihrem Thron verhilft. Sie w�nscht, von ihren eigenen Soldaten wiedereingesetzt zu werden, auch wenn das bedeutet, da� sie sich verstecken mu�, bis sie sich mit dem Lordhauptmann der Legion verst�ndigen kann. Ich glaube, Andric wird bei ihr noch einige �berraschungen erleben. Zu schade, da� nicht statt dessen er sie �berrascht. Sie h�tte es verdient.� Domon und Juilin tauschten einen Blick und sch�ttelten verst�ndnislos die K�pfe. Egeanin allerdings nickte in sich hinein, als verst�nde sie es und halte Elaynes Kommentar f�r gerechtfertigt.</p><p>�Aber warum?� wollte Nynaeve wissen. �Du warst vielleicht w�tend, weil sie sich fortschleichen wollte, aber das jetzt? Wie hat sie das �berhaupt schaffen k�nnen, obwohl ihr sie zu zweit im Auge hattet?� Egeanins Blick huschte zu Elayne hin�ber, so schnell, da� Nynaeve aber nicht ganz sicher war, das wirklich gesehen zu haben.</p><p>Elayne b�ckte sich und rieb sich die eine Fu�sohle. Sie mu�te weh getan haben, denn ihre Wangen waren ger�tet. �Nynaeve, die Frau hat keine Ahnung davon, wie das Leben einfacher Menschen aussieht.� Als habe sie eine Ahnung! �Ihr scheint tats�chlich einiges an Gerechtigkeit zu liegen � ich glaube es jedenfalls �, aber es st�rte sie �berhaupt nicht, da� im Palast Lebensmittel f�r ein ganzes Jahr gehortet liegen, w�hrend drau�en die Leute hungern. Ich habe ihr gegen�ber die �ffentlichen Suppenk�chen erw�hnt, und sie wu�te nicht einmal, wovon ich spreche! Wenn sie ein paar Tage lang ihren Lebensunterhalt selbst verdienen mu�, kann ihr das nur guttun.� Sie streckte die Beine unter dem Tisch aus und bewegte dankbar die Zehen. �Ach, das ist ein sch�nes Gef�hl. Amathera wird das wohl kaum empfinden. Vor allem, weil sie ja die Legion der Panarchen ben�tzen will, um Liandrin und die anderen aus dem Palast zu vertreiben. Schade f�r sie, aber so ist es nun mal.� �Klar, das mu� sie ja tun�, best�tigte Nynaeve energisch. Es war gut, sich hinsetzen zu k�nnen, doch sie verstand nicht, warum das M�dchen so mit den F��en zu tun hatte. Sie waren heute doch kaum gelaufen. �Und je eher, desto besser. Wir brauchen die Panarchin, aber nicht gerade in Rendras K�che.� Sie glaubte nicht, da� es n�tig sei, sich �ber Moghedien Gedanken zu machen. Die Frau hatte alle m�glichen Gelegenheiten gehabt, aktiv zu werden, nachdem sie sich befreit hatte. Das war ihr immer noch ein R�tsel. Sie mu�te die Abschirmung wohl nachl�ssig verknotet und abgenabelt haben. Aber wenn Moghedien selbst in dieser Lage nicht gewillt gewesen war, ihr noch einmal gegen�berzutreten, obwohl ihr klar sein mu�te, da� sie ersch�pft war, dann w�rde sie wahrscheinlich auch jetzt nicht mehr eingreifen. Nicht wegen einer Sache, die ihren eigenen Worten nach nicht viel wert war. Das gleiche galt aber bestimmt nicht f�r Liandrin. Falls Liandrin auch nur die H�lfte von dem herausfand, was geschehen war, w�re <emphasis>sie</emphasis> gewi� hinter ihnen her.</p><p>�Die Rechtsprechung der Tochter-Erbin�, murmelte Thom, �d�rfte noch Vorrang haben vor der der Panarchin. Es sind M�nner durch den Eingang in den Palast eingedrungen, als wir weggingen, und ich glaube, andere waren da schon zum Haupteingang hineingelangt. Ich sah aus mehreren Fenstern Rauch dringen. Bis heute abend wird vielleicht nicht mehr als eine glimmende Ruine �brig sein. Dann ist es nicht mehr n�tig, da� die Soldaten nach den Schwarzen Ajah suchen, und so gewinnt �Thera� Zeit, um ein paar Tage lang Erfahrungen zu sammeln, wie Ihr es w�nscht. Ihr werdet eines Tages eine pr�chtige K�nigin abgeben, Elayne von Andor.� Elaynes geschmeicheltes L�cheln verflog, als sie ihn ansah. Schnell erhob sie sich, ging um den Tisch herum, kramte in seinen Taschen nach einem Taschentuch und begann damit, ihm trotz seiner Proteste das Blut von der Stirn zu tupfen. �Haltet still�, befahl sie ihm, aber es klang wie bei einer Mutter, die sich um ihr krankes Kind k�mmert.</p><p>�K�nnten wir wenigstens zu sehen bekommen, wof�r wir unsere H�lse riskierten?� fragte er, als ihm klar wurde, da� Elayne genau das tun werde, was sie wollte.</p><p>Nynaeve �ffnete ihre G�rteltasche und legte den Inhalt vor sie auf den Tisch: die schwarzwei�e Scheibe, die geholfen hatte, den Dunklen K�nig in seinem Gef�ngnis festzuhalten, und Halsband und Armb�nder, die solche Wellen von Trauer und Schmerz bei ihr verursachten, bis sie sie hingelegt hatte. Alle versammelten sich um den Tisch, um diese Gegenst�nde zu betrachten.</p><p>Domon bef�hlte das Siegel. �Ich haben einst ein Ding wie dieses in Besitz.� Nynaeve bezweifelte das. Es waren ja nur sieben angefertigt worden. Drei waren jetzt kaputt, ob sie nun aus <emphasis>Cuendillar</emphasis> bestanden oder nicht. Eine befand sich in Moiraines H�nden. Vier blieben �brig. Wie gut konnten vier davon das Gef�ngnis im Shayol Ghul abriegeln? Der Gedanke lie� ihr einen Schauder den R�cken herunterlaufen.</p><p>Egeanin ber�hrte das Halsband und schob dann die Armb�nder ein St�ck davon weg. Falls sie die darin gefangenen Gef�hle irgendwie empfangen konnte, lie� sie sich jedenfalls nichts anmerken. Vielleicht konnte man das auch nur f�hlen, wenn man den Gebrauch der Macht beherrschte. �Es ist kein <emphasis>Adam�,</emphasis> sagte die Seanchanfrau. �Der besteht aus einem silbrigen Metall und ist in einem St�ck gefertigt, nicht in Gliedern.� Nynaeve w�re es lieber gewesen, die andere h�tte den <emphasis>Adam</emphasis> nicht erw�hnt. <emphasis>Aber sie hat noch nie ein Armband zu einem</emphasis> A'dam <emphasis>getragen. Und diese arme Frau, von der sie erz�hlte, hat sie gehen lassen. Arme Frau, ha! Sie � diese Bethamin � war doch diejenige, die andere Frauen mit Hilfe eines</emphasis> A'dam <emphasis>unterdr�ckte.</emphasis> Egeanin hatte mehr Mitgef�hl bewiesen, als Nynaeve zu zeigen bereit gewesen w�re. �Es ist mindestens einem <emphasis>A'dam</emphasis> genauso �hnlich, wie Ihr und ich uns �hnlich sind, Egeanin.� Die Frau blickte �berrascht auf, aber nach einem Augenblick nickte sie. Gar nicht so viel anders. Zwei Frauen, von denen jede ihr Bestes gab.</p><p>�Wollt Ihr jetzt Liandrin immer noch weiterverfolgen?� Juilin setzte sich mit verschr�nkten Armen an den Tisch und betrachtete die Gegenst�nde noch etwas eingehender. �Ob sie nun aus Tanchico verjagt wird oder nicht, jedenfalls befindet sie sich immer noch in Freiheit. Und die anderen auch. Aber sie scheinen mir zu wichtig, um sie einfach nicht mehr zu beachten. Ich bin nur ein Diebf�nger, aber ich w�rde sagen, man mu� sie zur Wei�en Burg bringen, um sie dort gefangenzusetzen.� �Nein!� Nynaeve war �ber ihre eigene Vehemenz erstaunt. Die anderen aber auch, so, wie sie Nynaeve mit gro�en Augen anblickten. Gem�chlich nahm sie das Siegel wieder in die Hand und steckte es in ihre Tasche zur�ck. �Das hier mu� in die Burg. Aber die anderen... � Sie wollte die schwarzen Gegenst�nde gar nicht mehr ber�hren. Falls sich die auch in der Burg befanden, w�rden m�glicherweise die Aes Sedai entscheiden, sie genauso zu verwenden, wie es die Schwarzen Ajah vorgehabt hatten. Um Rand unter ihre Kontrolle zu bringen. W�rde Moiraine das wirklich tun? Oder Siuan Sanche? Sie konnte ein solches Risiko nicht eingehen. �Das ist alles zu gef�hrlich, als da� wir riskieren k�nnten, es jemals wieder in die H�nde von Schattenfreunden fallen zu lassen. Elayne, kannst du die Sachen zerst�ren? Vielleicht schmelzen? Es ist mir gleich, ob der Tisch mit draufgeht. Wenn du sie nur zerst�rst!� �Ich verstehe�, sagte Elayne, wobei sie das Gesicht verzog. Nynaeve bezweifelte das, denn Elayne stand mit ganzem Herzen hinter der Burg, aber sie stand auch hinter Rand.</p><p>Nynaeve konnte im Moment nat�rlich das Gl�hen <emphasis>Saidars</emphasis> nicht wahrnehmen, aber die eindringliche Art, wie das M�dchen diese furchtbaren Objekte anblickte, zeigte deutlich, da� sie die Macht einsetzte. Elayne runzelte die Stirn. Ihr Blick wurde wom�glich noch eindringlicher. Mit einemmal sch�ttelte sie den Kopf. Ihre Hand schwebte einen Augenblick lang in der N�he eines der Armb�nder, und dann hob sie es auf. Und lie� es mit einem Keuchen wieder fallen. �Es ist ein Gef�hl... Es ist so voll von...� Sie atmete tief ein und sagte dann: �Ich habe versucht, was du wolltest, Nynaeve. Ein Hammer w�rde zu einer Pf�tze schmelzen, soviel Feuer habe ich hineingewebt, aber es ist nicht einmal warm geworden.� Also hatte Moghedien nicht gelogen. Zweifellos hatte sie geglaubt, gar nicht l�gen zu m�ssen, weil sie sowieso siegen werde. <emphasis>Wie ist diese Frau nur freigekommen?</emphasis> Was sollten sie jetzt mit diesen Gegenst�nden anfangen? Sie w�rde sie in niemandes H�nde fallen lassen, soviel stand fest.</p><p>�Meister Domon, kennt Ihr ein sehr tiefes Gebiet des Meeres unweit dieser K�ste?� �Ja, ich kennen eines, Frau al'Meara�, sagte er bed�chtig.</p><p>Vorsichtig, um nicht zuviel von diesem Schwall an Gef�hlen abzubekommen, schob Nynaeve Halsband und Armb�nder �ber den Tisch zu ihm hin. �Dann versenkt die hier dort, wo niemand sie jemals mehr herausfischen kann.� Nach einem Augenblick der �berlegung nickte er. �Ich werden das tun.� Er stopfte alles hastig in seine Tasche, da er offensichtlich nicht gern mit Dingen zu tun hatte, die durch die Macht erschaffen worden waren. �Im tiefsten Teil des Meeres, den ich kennen, in der N�he der Aile Somera.� Egeanin blickte finster zu Boden, zweifellos der drohenden Abreise des Illianers wegen. Nynaeve hatte nicht vergessen, da� sie ihn bewundernd als einen �gut aussehenden Mann� bezeichnet hatte. Sie hatte das Gef�hl, lachen zu m�ssen. Es war fast alles geschafft. Sobald Domon auslaufen konnte, w�rden das unheilvolle Halsband und die Armb�nder f�r immer verschwunden sein. Dann konnten sie nach Tar Valon abreisen. Und dann... Dann zur�ck nach Tear oder wo auch immer sich al'Lan Mandragoran befand. Die Tatsache, da� sie Moghedien gegen�bergestanden hatte, da� sie dem Tod oder noch Schlimmerem nahe gewesen war, machte es f�r sie noch dringlicher, sich mit ihm auseinanderzusetzen. Ein Mann, den sie mit einer ihr verha�ten Frau teilen mu�te, aber wenn Egeanin einem Mann sch�ne Augen machen konnte, den sie einmal gefangengenommen hatte � nun, und Domon hatte ganz gewi� auch ein Auge auf sie geworfen �, und wenn Elayne einen Mann lieben konnte, der einst dem Wahnsinn verfallen w�rde, dann w�rde sie doch wohl auch in der Lage sein, einen Weg zu finden, soviel wie m�glich von Lan zu haben.</p><p>�Sollen wir hinuntergehen und nachsehen, wie sich �Thera� als Dienerin macht?� schlug sie vor. Und bald nach Tar Valon. Bald.</p></section><section><title><p>56</p><p>Goldauge</p></title><p>Im Schankraum der Weinquellenschenke war es still bis auf das Schaben von Perrins Feder. Still und leer, bis auf ihn und Aram. Der Sonnenschein dieses sp�ten Vormittags erzeugte helle Lichtflecke auf dem Boden unter den Fenstern. Aus der K�che drangen nicht die �blichen D�fte. Nirgendwo im Dorf hatte man die Feuer angez�ndet, und selbst die in der Asche noch gl�henden Kohlen hatte man gel�scht. Man mu�te ja nicht gleich dem Gegner das Geschenk des Feuers anbieten, damit er die H�user um so leichter abbrennen konnte. Der Kesselflicker � er fragte sich manchmal, ob es noch richtig sei, von Aram als einem solchen zu denken, aber ein Mann h�rte nicht so einfach auf, zu sein, was er war, Schwert oder nicht � stand an der Wand neben der Eingangst�r und beobachtete Perrin. Was erwartete der Mann? Was wollte er? Perrin stippte die Feder in das kleine Tintenfa� aus Steingut, legte den dritten Papierbogen zur Seite und begann einen vierten.</p><p>Ban al'Seen schob sich mit dem Bogen in der Hand durch die T�r herein und rieb sich mit einem Finger unsicher �ber den R�cken seiner gro�en Nase. �Die Aiel sind zur�ck�, sagte er ruhig, doch dabei bewegte er die F��e, als k�nnten sie nicht stillstehen. �Trollocs kommen von Norden und S�den her. Tausende, Lord Perrin.� �Nennt mich nicht so�, sagte Perrin geistesabwesend, w�hrend er finster auf das Blatt hinabschaute. Er konnte einfach nicht gut mit Worten umgehen. Er war nicht in der Lage, Dinge so h�bsch und kunstvoll auszudr�cken, wie es den Frauen gefiel. Er konnte eben nur niederschreiben, was er f�hlte. Wieder stippte er die Feder ins Tintenfa� und f�gte ein paar Zeilen hinzu.</p><p><emphasis>Ich werde nicht um Vergebung f�r das bitten, was ich tat. Ich wei� nicht einmal, ob Du mir �berhaupt vergeben k�nntest, aber ich bitte Dich auch gar nicht darum. Du bist wertvoller als das Leben f�r mich. Glaube niemals, ich h�tte Dich verlassen. Wenn die Sonne ihren Schein �ber Dich wirft, dann ist es mein L�cheln. Wenn Du den Wind durch die Apfelbl�ten rauschen h�rst, dann fl�stere ich Dir zu, da� ich Dich liebe. Meine Liebe geh�rt auf ewig Dir.</emphasis></p><p><emphasis>Perrin Einen Augenblick lang las er, was er da geschrieben hatte. Es sagte nicht genug aus, aber es w�rde reichen m�ssen. Er hatte genausowenig die richtigen Worte wie die notwendige Zeit. Er l�schte sorgf�ltig die feuchte Tinte mit Sand und faltete die Bl�tter. Beinahe h�tte er �Faile Bashere� auf die Au�enseite geschrieben, aber gerade noch rechtzeitig wandelte er es zu �Faile Aybara� ab. Ihm fiel ein, da� er noch nicht einmal wu�te, ob auch in Saldaea eine Frau den Familiennamen ihres Mannes annahm. Es gab Gegenden, wo das nicht der Brauch war. Nun, sie hatte ihn an den Zwei Fl�ssen geheiratet, also w�rde sie sich mit den �rtlichen Br�uchen abfinden m�ssen.</emphasis></p><p>Er stellte den Brief in die Mitte des Kaminsimses. Vielleicht w�rde sie ihn eines Tages in H�nden halten.</p><p>Dann r�ckte er das breite, rote Hochzeitsband unter seinen Kragen, damit die Enden richtig �ber seine Revers hingen. Das sollte er sieben Tage lang tragen, um jedem, der ihn sah, mitzuteilen, da� er frisch verheiratet sei. �Ich werde mich bem�hen�, sagte er leise zu dem Brief. Faile hatte versucht, ihm ein Hochzeitsband in den Bart einzuflechten. Jetzt w�nschte er, er h�tte es zugelassen.</p><p>�Verzeihung, Lord Perrin�, sagte Ban, der immer noch nerv�s von einem Fu� auf den anderen trat. �Ich habe Euch nicht verstanden.� Aram kaute auf seiner Unterlippe. Die Augen hatte er voller Angst weit aufgerissen.</p><p>�Zeit, an die Arbeit zu gehen�, sagte Perrin. Vielleicht w�rde sie den Brief erhalten. Irgendwie. Er nahm seinen Bogen vom Tisch und h�ngte ihn sich �ber. Axt und K�cher hingen bereits an seinem G�rtel. �Und nennt mich nicht so!� Vor der Schenke hatten sich die �Kameraden� bereits versammelt und waren aufgesessen. Wil al'Seen trug diese n�rrische Flagge mit dem Wolfskopf. Der lange Stock ruhte auf seinem Steigb�gel. Wie lange war es her, da� Wil sich geweigert hatte, das Ding zu tragen? Jetzt beharrten die �berlebenden jener, die sich ihm ganz zu Anfang angeschlossen haben, eifers�chtig auf ihrem Recht. Wil, den Bogen �bergeh�ngt und das Schwert an der H�fte, wirkte so stolz wie ein rechter Idiot.</p><p>Als Ban in den Sattel kletterte, h�rte Perrin, wie er sagte: �Der Mann ist so kalt wie ein Teich im Winter. Wie Eis. Vielleicht wird es heute nicht so schlimm.� Er achtete kaum auf das Gerede der anderen. Die Frauen hatten sich auf dem Anger versammelt.</p><p>Sie bildeten ein engen Kreis um den hohen Mast, an dem die gr��ere Flagge mit dem Wolfskopf im leichten Wind flatterte. F�nf oder sechs standen da hintereinander, Schulter an Schulter mit denen daneben. Sie trugen Stockwaffen, die sie aus Sensen und Mistgabeln gefertigt hatten. Sogar �xte hatten sie obenan gebunden, und auch gro�e K�chenmesser und Fleischhaken sah er vereinzelt.</p><p>Seine Kehle zog sich zusammen, als er auf Traber stieg und auf sie zuritt. Die Kinder standen dichtgedr�ngt innerhalb des Frauenkreises. Alle Kinder von Emondsfeld.</p><p>Er ritt langsam an ihren Reihen vorbei und f�hlte, wie ihre Blicke ihm folgten, die der Frauen und die der Kinder. Er witterte Furcht und Sorgen. Den Kindern sah man es an den viel zu blassen Gesichtern an, aber alle rochen danach. Er hielt an, wo Marin al'Vere und Daise Congar und die anderen aus dem Frauenzirkel zusammenstanden. Alsbet Luhhan trug einen der H�mmer ihres Mannes auf der Schulter, und der Wei�mantelhelm, den sie in der Nacht ihrer Rettung mitgenommen hatte, sa� ihres dicken Zopfes wegen etwas schief auf ihrem Kopf. Neysa Ayellin hielt ein Metzgermesser mit langer Klinge in der Hand und hatte sich zwei weitere hinter den G�rtel gesteckt.</p><p>�Wir haben das genau geplant�, sagte Daise und blickte zu ihm auf, als erwarte sie Widerspruch und habe nicht vor, das �berhaupt zuzulassen. Sie hielt eine Mistgabel, die an eine Stange gebunden war, fast drei Fu� h�her als sie gro� war. Sie hatte das Ding senkrecht vor sich hingestellt. �Falls die Trollocs irgendwo durchbrechen, werdet Ihr M�nner ziemlich besch�ftigt sein, und deshalb bringen wir dann die Kinder hinaus. Die �lteren von ihnen wissen, was sie zu tun haben, und sie haben alle schon in den W�ldern Verstecken gespielt. Nur, damit sie in Sicherheit sind, bis sie wieder herauskommen k�nnen.� Die �lteren von ihnen, Jungen und M�dchen von dreizehn oder vierzehn Jahren, trugen Babies auf den R�cken und hielten kleinere Kinder an der Hand. M�dchen, die bereits �lter als diese anderen waren, standen neben den Frauen in ihrem Kreis: Bode Cauthon hatte eine Holzf�lleraxt mit beiden H�nden gepackt, und ihre Schwester Eldrin hielt eine Saufeder mit breiter Spitze. �ltere Jungen waren drau�en bei den M�nnern oder sa�en mit ihren B�gen oben auf den D�chern. Die Kesselflicker standen im Kreis bei den Kindern. Perrin blickte auf Aram hinab, der neben seinem Steigb�gel stand. Sie w�rden nicht k�mpfen, aber jeder Erwachsene hatte sich zwei Babies auf den R�cken geschnallt und ein weiteres in den Arm genommen. Raen und Ila, die einander im Arm hielten, sahen ihn nicht an. Damit sie in Sicherheit waren, bis sie wieder herauskommen konnten.</p><p>�Es tut mir leid.� Er mu�te aufh�ren und sich r�uspern. Er hatte die Dinge nicht so weit kommen lassen wollen. Aber so angestrengt er auch nachdachte, ihm fiel nichts ein, was er h�tte anders machen k�nnen. Selbst wenn er sich den Trollocs ausgeliefert h�tte, h�tten sie mit dem Morden und Brennen nicht aufgeh�rt. Am Ende w�re das gleiche herausgekommen. �Es war nicht fair, was ich mit Faile gemacht habe, aber ich mu�te einfach. Bitte versteht mich. Ich mu�te.� �Sei kein Narr, Perrin�, sagte Alsbet mit energischer Stimme, doch mit einem warmen L�cheln auf den Z�gen. �Ich kann es nicht vertragen, wenn du dich so n�rrisch benimmst. Hast du geglaubt, wir h�tten etwas anderes von dir erwartet?� Marin hatte in einer Hand ein Metzgerbeil und mit der anderen fa�te sie hoch und t�tschelte sein Knie. �Jeder Mann, der es wert ist, da� man ihm das Essen kocht, h�tte dasselbe getan.� �Danke sch�n.� Licht, aber seine Stimme klang heiser. Noch eine Minute, und er w�rde n�seln wie ein M�dchen. Aber aus irgendeinem Grund schaffte er es nicht, den Frosch im Hals loszuwerden. Sie mu�ten ihn f�r einen Idioten halten. �Danke sch�n. Ich h�tte Euch nicht hinters Licht f�hren sollen, aber sie w�re nicht weggeritten, h�tte sie einen Verdacht gehegt.� �Oh, Perrin�, lachte Marin. Sie lachte tats�chlich, trotz all dessen, dem sie sich gegen�bersahen, trotz der Angst, die er an ihr witterte. Er w�nschte, er h�tte nur halb soviel Mut wie sie. �Wir wu�ten, was du vorhattest, noch bevor sie auf dem Pferd sa�, und ich bin nicht sicher, ob es ihr nicht auch klar war. Frauen ertappen sich halt immer wieder dabei, Dinge zu tun, die sie nicht tun wollen, nur, um euch M�nnern einen Gefallen zu tun. Jetzt geh nur und tue, was sein mu�. Das hier ist Sache der Frauen�, f�gte sie streng hinzu.</p><p>Irgendwie brachte er es fertig, zur�ckzul�cheln. �Ja, Chefin�, sagte er und ber�hrte mit der Hand seine Stirn zum Salut. �Entschuldigt. Ich wei�, da� ich meine Nase da nicht hineinstecken darf.� Die Frauen in ihrer unmittelbaren Umgebung lachten leise und am�siert, als er Traber wenden lie�. Ban und Tell ritten gleich hinter ihm, wie er bemerkte, und der Rest der Kameraden hatte sich hinter Wil und der Flagge angeschlossen. Er bedeutete den beiden, zu ihm aufzuschlie�en. �Falls es schlecht l�uft heute�, sagte er, als sie zu beiden Seiten von ihm ritten, �dann sollen die �Kameraden� hierher zur�ckreiten und den Frauen helfen.� �Aber... � Er unterbrach Tells Protest. �Ihr macht gef�lligst, was ich sage! Falls es schiefl�uft, bringt Ihr die Frauen und Kinder weg! Verstanden?� Sie nickten, z�gernd wohl, aber sie nickten.</p><p>�Wie steht es mit dir?� fragte Ban leise.</p><p>Perrin ignorierte ihn. �Aram, Ihr bleibt bei den �Kameraden�.� Der Kesselflicker, der zwischen Traber und Tells zottigem Pferd einherschritt, blickte nicht einmal auf. �Ich gehe, wohin Ihr geht.� Er sagte das einfach so, doch sein Tonfall war kompromi�los. Er w�rde tun, was er wollte, gleich, was Perrin sagte. Perrin fragte sich, ob die echten Lords jemals solche Probleme hatten.</p><p>Am westlichen Ende des Angers sa�en die Wei�m�ntel auf ihren Pferden. Die Umh�nge mit ihren goldenen Sonnenaufg�ngen leuchteten hell, Helme und Harnische gl�nzten, die Lanzenspitzen warfen blendende Lichtreflexe, und so erstreckte sich die Kolonne vier Mann tief bis zwischen die H�user. Sie mu�ten die halbe Nacht mit Polieren verbracht haben. Dain Bornhald und Jaret Byar lie�en ihre Pferde wenden, um Perrin anzusehen. Bornhald sa� hoch aufgerichtet im Sattel, aber er roch nach Apfelschnaps. Byars hageres Gesicht verzog sich unter dem Einflu� eines noch tieferen Zorns als �blich, wenn er Perrin anblickte.</p><p>�Ich dachte, Ihr w�rt mittlerweile alle an Euren Pl�tzen�, sagte Perrin.</p><p>Bornhald blickte finster auf die M�hne seines Pferdes herab und antwortete nicht. Einen Augenblick sp�ter brach es aus Byar heraus: �Wir reiten ab, Schattenfreund.� Von den �Kameraden� her erhob sich �rgerliches Gemurmel, aber der hohl�ugige Mann ignorierte sie genau wie die Geste Arams, der �ber seine Schulter hinten nach seinem Schwert griff. �Wir werden uns trotz Eurer Leute nach Wachh�gel durchschlagen und uns mit dem Rest unserer Truppe zusammenschlie�en.� Abreiten. �ber vierhundert Soldaten, und sie wollten fort. Wei�m�ntel, aber eben doch berittene Soldaten, keine Bauern, Soldaten die sich bereit erkl�rt hatten � Bornhald hatte sich bereit erkl�rt! � die M�nner von den Zwei Fl�ssen �berall dort zu unterst�tzen, wo die K�mpfe am heftigsten tobten. Wenn Emondsfeld �berhaupt eine Chance haben sollte, brauchte er diese M�nner. Traber warf den Kopf empor und schnaubte, als k�nne er die Gef�hle seines Reiters mitempfinden. �Glaubt Ihr immer noch, ich sei ein Schattenfreund, Bornhald? Wie viele Angriffe habt Ihr bisher miterlebt? Diese Trollocs haben mich genauso umbringen wollen wie alle anderen.� Bornhald hob langsam den Kopf. Sein Blick wirkte gehetzt, und gleichzeitig waren seine Augen etwas glasig. Die H�nde in den stahlverst�rkten Kampfhandschuhen verkrampften sich unbewu�t um die Z�gel. �Ist Euch nicht klar, da� ich l�ngst wei�, da� diese Verteidigungsanlagen ohne Euch gebaut wurden? Es war nicht Euer Werk, oder? Ich werde meine M�nner nicht hierlassen und zusehen, wie Ihr eure eigenen Dorfbewohner an die Trollocs verf�ttert. Tanzt Ihr auf dem Haufen ihrer Leichen, wenn es vollbracht ist, Schattenfreund? Nicht auf unseren! Ich habe vor, lang genug zu leben, um an Euch Gerechtigkeit �ben zu lassen!� Perrin t�tschelte Trabers Hals, um den Hengst zu beruhigen. Er brauchte diese M�nner. �Ihr wollt mich haben? Na gut. Wenn es vorbei ist, wenn die Trollocs besiegt sind, werde ich keinen Widerstand leisten, falls Ihr versucht, mich festzunehmen.� �Nein!� schrien Ban und Tell im Chor, und hinter ihnen begannen die anderen zu murren. Aram blickte entsetzt hoch zu Perrin.</p><p>�Ein leeres Versprechen�, h�hnte Bornhald. �Ihr wollt doch nur, da� alle hier sterben bis auf Euch.� �Das werdet Ihr nie herausfinden, wenn Ihr weglauft, oder?� Perrin bem�hte sich, seine Stimme hart und ver�chtlich klingen zu lassen. �Ich werde mein Versprechen halten, aber wenn Ihr weglauft, findet Ihr mich vielleicht nie wieder. Rennt doch, wenn Ihr wollt! Rennt weg und versucht, zu vergessen, was hier geschieht! All Euer Geschw�tz, da� Ihr die Menschen vor den Trollocs besch�tzen wollt! Wie viele sind durch die Trollocs gestorben, seit Ihr hier angekommen seid? Meine Familie war keineswegs die erste und auch nicht die letzte. Rennt fort! Oder bleibt, falls Ihr euch noch daran erinnert, da� Ihr M�nner seid! Falls Ihr erst noch Mut fassen m��t, dann seht die Frauen an, Bornhald. Jede einzelne von ihnen ist tapferer als s�mtliche von Euch Wei�m�nteln zusammengenommen!� Bornhald bebte, als treffe ihn jedes Wort wie ein Schlag. Perrin f�rchtete, der Mann werde aus dem Sattel fallen. Schwankend, aber aufrecht blickte Bornhald ihn an. �Wir bleiben�, sagte er heiser.</p><p>�Aber, Lord Bornhald!� protestierte Byar.</p><p>�Sauber!� br�llte ihn Bornhald an. �Wenn wir hier sterben m�ssen, dann sterben wir wenigstens sauber!� Er ri� seinen Kopf herum und blickte zu Perrin zur�ck. Auf seinen Lippen stand Speichel. �Wir bleiben. Aber am Ende werde ich Euch sterben sehen, Schattenfreund! F�r <emphasis>meine</emphasis> Familie, f�r <emphasis>meinen</emphasis> Vater, will � ich � Euch � <emphasis>tot</emphasis> � sehen!� Er ri� sein Pferd grob herum und galoppierte zur�ck zu seiner wei� gekleideten Kolonne. Byar bleckte seine Z�hne in wortlosem Knurren in Perrins Richtung, und dann folgte er dem anderen.</p><p>�Ihr wollt doch nicht wirklich Euer Versprechen halten?� fragte Aram versch�chtert. �Das k�nnt Ihr nicht!� �Ich mu� jeden Posten �berpr�fen�, sagte Perrin. Die Chance, da� er �berleben und dieses Versprechen erf�llen k�nnte, war nicht gerade gro�. �Es ist nicht viel Zeit.� Er lie� Traber die Fersen sp�ren, und das Pferd galoppierte los in Richtung des westlichen Dorfrandes.</p><p>Hinter den spitzen Pf�hlen dem Westwald gegen�ber kauerten M�nner mit ihren Speeren und Hellebarden und anderen Arten von Spie�en, wie sie Haral Luhhan f�r sie angefertigt hatte. Der war auch da, angetan mit seiner langen Lederweste und mit einer Sichel, die er auf einen acht Fu� langen Schaft gesteckt hatte. Hinter ihnen standen die Bogensch�tzen in Reihen, die nur von den vier Katapulten unterbrochen wurden. Abell Cauthon schritt langsam die R�nge ab und sprach mit jedem Mann.</p><p>Perrin lie� sein Pferd neben Abell stehenbleiben. �Die Nachricht kam durch, da� sie aus dem Norden und aus dem S�den gleichzeitig kommen�, sagte er leise. �Aber beobachtet alles trotzdem ganz genau.� �Wir werden die Augen aufmachen. Und ich bin auch bereit, die H�lfte meiner M�nner �berall dorthin zu schicken, wo sie gebraucht werden. Sie werden sich an den M�nnern der Zwei Fl�sse ganz sch�n die Z�hne ausbei�en.� Abells Grinsen erinnerte stark an das seines Sohnes.</p><p>Es machte Perrin verlegen, als die M�nner ihm rauh zujubelten, w�hrend er vorbeiritt, die �Kameraden� und die Flagge hinter sich: �Goldauge! Goldauge!� Hier und da h�rte man auch: �Lord Perrin!� Ihm war klar, da� er das von Beginn an energisch h�tte unterdr�cken m�ssen.</p><p>Im S�den war Tams Bezirk. Sein Gesicht wirkte grimmiger als das Abells, und er schritt beinahe wie ein Beh�ter die R�nge ab, immer eine Hand auf dem Schwertgriff. Die w�lfische, t�dliche Eleganz wirkte fremdartig an dem st�mmigen, grauhaarigen Bauern. Doch das, was er zu Perrin sagte, unterschied sich kaum von Abells Worten: �Wir Leute von den Zwei Fl�ssen sind z�her, als den meisten klar ist�, sagte er leise. �Mach dir keine Sorgen: Wir werden uns heute teuer verkaufen.� Alanna stand an einem der hier aufgebauten sechs Katapulte und k�mmerte sich gerade um einen m�chtigen Steinbrocken, der in die Schale am Ende des dicken Holzarms gelegt werden sollte. In ihrer N�he sa� Ihvon in seinem farben�ndernden Beh�terumhang auf dem Pferd, schlank wie eine Stahlklinge und wachsam wie ein Habicht. Es gab keinen Zweifel daran, da� er seinen Standort, selbstverst�ndlich bei Alanna, sorgf�ltig gew�hlt hatte, und da� er alles daransetzen w�rde, sie lebend hier herauszubringen. Er sah kaum zu Perrin hin�ber. Doch die Aes Sedai unterbrach ihre T�tigkeit. Ihre H�nde schwebten �ber dem Stein, aber ihre Blicke folgten ihm, als er vorbeiritt. Er konnte fast f�hlen, wie sie kalkulierte und abwog und urteilte. Auch der Jubel folgte ihm.</p><p>Wo der Pfahlwald die wenigen H�user �stlich der Weinquellenschenke hinter sich lie�, waren Jon Thane und Samel Crawe gemeinsam verantwortlich. Perrin sagte ihnen dasselbe, was er Abell gesagt hatte, und er bekam so ziemlich die gleiche Antwort. Jon, der ein Kettenhemd mit einigen durchgerosteten Stellen �bergeworfen hatte, hatte den Qualm seiner brennenden M�hle gesehen, und Samel mit dem Pferdegesicht und der langen Nase war sicher, da� der Rauch einer weiter drau�en befindlichen Qualmwolke von seinem Hof stamme. Keiner von ihnen erwartete einen leichten Tag, aber beide trugen ihre eiserne Entschlossenheit wie einen Umhang.</p><p>Perrin hatte sich entschlossen, selbst den Norden zu �bernehmen. Er f�hlte nach dem Band, das ihm �ber ein Revers herunterhing, und sp�hte in Richtung Wachh�gel, der Richtung, in die Faile geritten war. Dabei fragte er sich, warum er ausgerechnet die Nordseite gew�hlt hatte. <emphasis>Flieg nur, Faile. Flieg, mein Herz.</emphasis> Na ja, es war ein ebenso guter Ort zum Sterben wie jeder andere.</p><p>Bran war f�r diesen Teil offiziell verantwortlich. Mit seiner Stahlkappe und dem Wams mit den aufgen�hten Metallscheiben angetan, schritt er die Reihen der M�nner hinter dem Pfahlwald ab. Allerdings unterbrach er seinen Weg und verbeugte sich vor Perrin, soweit sein Bauch dies gestattete. Gaul und Chiad standen bereit, die Schufa um den Kopf gewickelt und die Gesichter bis auf die Augen hinter den schwarzen Schleiern verborgen. Seite an Seite, wie Perrin auffiel. Was sich auch zwischen ihnen abspielte, schien schwerer zu wiegen als die Blutfehde ihrer Clans.</p><p>Loial hielt in jeder Hand eine Holzf�lleraxt. Die �xte wirkten in seinen riesigen Pratzen wie Spielzeuge. Seine behaarten Ohren standen wild entschlossen nach vorn, und sein breites Gesicht trug einen grimmigen Ausdruck.</p><p><emphasis>Glaubst du, ich w�rde weglaufen?</emphasis> hatte er gefragt, als Perrin ihm vorschlug, hinter Faile her in die Nacht hinauszuschl�pfen. Seine Ohren waren m�de und beleidigt herabgesunken. <emphasis>Ich bin mit dir gekommen, Perrin, und ich bleibe bei dir, bis du gehst.</emphasis> Und dann hatte er pl�tzlich gelacht, ein tiefes, hallendes Lachen, das die Teller beinahe zum Klappern gebracht hatte. <emphasis>Vielleicht wird eines Tages sogar jemand eine Legende von mir erz�hlen. Wir halten nicht viel von so etwas, aber warum sollte es nicht auch einen Ogier-Helden geben? Ein Scherz, Perrin. Ich habe nur einen Scherz gemacht. Lach doch! Komm, wir erz�hlen uns gegenseitig Witze. Du sollst lachen und an Faile denken, wie sie frei und hoch fliegt.</emphasis></p><p>�Es ist kein Scherz, Loial�, murmelte Perrin, als er die Reihen der M�nner entlangritt und sich bem�hte, ihren Jubel bei seinem Anblick zu �berh�ren. �Du bist ein Held, ob du es nun sein willst oder nicht.� Der Ogier grinste ihn nerv�s an, bevor er wieder hin�ber zur anderen Seite des Pfahlwalds blickte, wo sie freies Sicht- und Schu�feld geschaffen hatten. St�cke mit wei�en Streifen markierten jeweils hundert Schritt Abstand. Bis auf f�nfhundert Schritt hatten sie auf diese Art markiert, um ihre eigene Schu�weite genauer berechnen zu k�nnen. Dahinter lagen Stoppelfelder. Die Tabakpflanzen und der Hafer, die dort gewachsen waren, waren den fr�heren Angriffen zum Opfer gefallen. Dann folgten Hecken und niedrige Steinbegrenzungen und anschlie�end kleine W�ldchen mit Lederblattb�umen, Kiefern und Eichen.</p><p>Perrin erkannte so viele Gesichter in den Reihen der wartenden M�nner. Der kr�ftige Eward Candwin und Paet al'Caar mit seinem eckigen Kinn. Der wei�haarige Buel Dowtry, der Pfeilmacher, der nat�rlich bei den Bogensch�tzen stand. Dort stand der untersetzte, grauhaarige Jac al'Seen mit seinem kahlk�pfigen Cousin Wit und daneben der ewig griesgr�mige Flann Lewin, eine schlacksige Bohnenstange von Mann wie alle aus der m�nnlichen Linie seiner Familie. Jaim Torfinn und Hu Marwin waren da, die zu den ersten geh�rt hatten, die ihm nachritten. Sie hatten sich einer Gruppe wie den �Kameraden� nicht anschlie�en wollen, als habe die Tatsache, da� sie den Hinterhalt im Wasserwald nicht miterlebt hatten, eine Kluft zwischen ihnen ge�ffnet. Elam Dowtry und Dav Ayellin und Ewin Finngar, Hari Coplin und sein Bruder Darl, der alte Bili Congar, Berin Thane, der Bruder des M�llers, und der fette Athan Dearn, und Kevrim al'Azar, dessen Enkel bereits erwachsene S�hne hatten, und Tuck Padwhin, der Zimmermann, und...</p><p>Perrin zwang sich, mit dem Z�hlen aufzuh�ren, und ritt hin�ber zu Verin, die unter Tomas' wachsamen Blicken an einem der Katapulte stand. Tomas sa� auf seinem Grauen. Die mollige, in Braun gekleidete Aes Sedai musterte Aram einen Augenblick lang, und dann ruhte ihr vogelgleicher Blick auf Perrin. Sie zog eine Augenbraue hoch, als wolle sie fragen, wieso er sie bel�stige.</p><p>�Ich bin ein wenig �berrascht, da� Ihr und Alanna noch hier seid�, sagte er zu ihr. �M�dchen aufzusp�ren, die das Talent haben, mit der Macht umzugehen, kann ja wohl nicht wert sein, da� man sich daf�r umbringen l��t.</p><p>Genausowenig, wie einen <emphasis>Ta'veren</emphasis> als Marionette behalten zu wollen.� �Tun wir das denn?� Sie faltete die H�nde vor dem Bauch und neigte den Kopf nachdenklich zur Seite. �Nein�, fuhr sie schlie�lich fort, �ich bin nicht der Meinung, da� wir jetzt schon gehen k�nnen. Ihr seid ein hochinteressantes Studienobjekt, auf Eure Art genauso interessant wie Rand. Und der junge Mat. Wenn ich mich nur in drei teilen und jedem von Euch Tag und Nacht folgen k�nnte, selbst wenn ich Euch dazu heiraten m��te.� �Ich habe bereits eine Frau.� Es war ein eigenartiges Gef�hl, das zu sagen. Eigenartig und gut. Er hatte eine Frau, und sie war in Sicherheit.</p><p>Dann zerschlug sie den porzellangleich erstarrten Augenblick des Schwelgens. �Ja, das stimmt. Aber Ihr wi�t �berhaupt nicht, was es bedeutet, mit Zarene Bashere verheiratet zu sein, oder?� Sie fa�te nach oben und drehte die Axt in ihrer Schlaufe am G�rtel ein wenig herum. Sie musterte die Waffe genau. �Wann werdet Ihr die aufgeben und statt dessen den Hammer w�hlen?� Er sah die Aes Sedai mit gro�en Augen an, richtete Traber einen Schritt nach r�ckw�rts aus und nahm ihr die Axt aus der Hand, bevor ihm das selber bewu�t war. Was es <emphasis>bedeutete,</emphasis> mit Faile verheiratet zu sein? Die Axt aufgeben? Was meinte sie damit? Was wu�te sie?</p><p>�ISAM!� Das kehlige Br�llen erhob sich wie Donnerhall, und die Trollocs erschienen, jeder um die H�lfte gr��er und doppelt so breit wie ein Mann. So trabten sie auf das freie Feld und blieben au�erhalb der Schu�weite der B�gen stehen, eine dr�uende, schwarzger�stete Masse, viele Reihen tief. So umgaben sie das ganze Dorf.</p><p>Tausende von ihnen standen dichtgedr�ngt da drau�en. Die gro�fl�chigen Gesichter waren durch Schn�bel oder Schnauzen verunstaltet; auf den K�pfen sa�en H�rner oder gefiederte K�mme, an den Ellbogen und auf den Schultern wuchsen Dornen. In den H�nden hielten sie sichel�hnlich gekr�mmte Schwerter und Dornen�xte, Speere mit Widerhaken und dornenbewehrte Dreizacke. Es war ein scheinbar endloses Meer grausamer Waffen. Dahinter galoppierten Myrddraal auf und ab, auf ihren Mitternachtspferden und mit ihren rabenschwarzen Umh�ngen, die v�llig unbeweglich herabhingen, auch wenn sie die Pferde herumwirbeln lie�en.</p><p>�ISAM!� �Interessant�, murmelte Verin.</p><p>Perrin hielt das nicht gerade f�r den richtigen Ausdruck. Dies war das erste Mal, da� die Trollocs etwas Verst�ndliches geschrien hatten. Er hatte allerdings keine Ahnung, was es bedeutete.</p><p>So strich er das Hochzeitsband glatt und zwang sich dazu, ganz ruhig zur Mitte der Reihen der M�nner zu reiten. Die Kameraden formierten sich hinter ihm. Der leichte Wind breitete die Flagge mit dem roten Wolfskopf aus. Aram hielt sein blankes Schwert mit beiden H�nden. �Seid bereit!� rief Perrin. Seine Stimme klang beherrscht und ruhig, was er selbst kaum glauben konnte.</p><p>�ISAM!� Und die schwarze Flut schwappte unter wortlosem Heulen vorw�rts.</p><p>Faile war in Sicherheit. Nichts anderes spielte eine Rolle. Er wollte die Gesichter der M�nner zu seinen Seiten nicht sehen. Er h�rte, wie aus dem S�den das gleiche Heulen erklang. Von beiden Seiten gleichzeitig. Das hatten sie noch nie zuvor versucht. Faile war in Sicherheit. �Auf vierhundert Schritt...!� Die Reihen entlang hoben sich die B�gen. N�her r�ckte die heulende Masse. Die langen, kr�ftigen Beine legten die Entfernung schnell zur�ck. N�her. �Schie�t!� Das Surren der Bogensehnen ging im Br�llen der Trollocs unter, aber ein von G�nsefedern gelenkter Hagelschauer erhob sich in den Himmel und st�rzte sich auf die schwarzger�stete Horde. Steine aus den Katapulten explodierten wie Feuerb�lle, und scharfe Splitter fetzten in die kochende Masse. Trollocs st�rzten. Perrin sah sie fallen, sah, wie sie von Stiefeln und Hufen niedergetrampelt wurden. Selbst ein paar Myrddraal st�rzten. Doch die Flutwelle ergo� sich weiter, schlo� die L�cken und schien �berhaupt nicht abzunehmen.</p><p>Es war nicht n�tig, eine weitere Salve anzuordnen. Die zweite folgte, so schnell die M�nner nur die Pfeile auflegen und abschie�en konnten. Ein zweiter Schauer von Hammerkopfpfeilen surrte los, bevor noch der erste eingeschlagen hatte. Dann folgte der dritte, der vierte, der f�nfte. Feuer explodierte unter den Trollocs, so schnell man die Katapulte neu spannen konnte. Verin galoppierte von einem Katapult zum anderen und beugte sich jeweils tief aus dem Sattel hinunter. Und die m�chtigen, br�llenden Gestalten rannten weiter, heulten Worte in einer Sprache, die Perrin nicht verstand, schrien nach Blut, nach Menschenblut und Menschenfleisch. Die M�nner, die hinter den Pf�hlen kauerten, machten sich bereit und hoben ihre Waffen.</p><p>In Perrins Innerem breitete sich K�lte aus. Er konnte erkennen, da� der Boden hinter der Trollocwelle bereits mit Toten und Sterbenden �bers�t war, und doch schien es, als seien es kaum weniger geworden. Traber t�nzelte nerv�s, aber er konnte das leise Wiehern des Braunen durch das Geheul der Trollocs nicht h�ren. Die Axt befand sich pl�tzlich in seiner Hand. Die Sonne gl�nzte auf der langen, halbmondf�rmigen Schneide und dem dicken Dorn. Noch nicht einmal Mittag. <emphasis>Mein Herz geh�rt auf ewig dir, Faile.</emphasis> Diesmal, so glaubte er, w�rden die Pf�hle nicht ausreichen...</p><p>Die vorderste Reihe der Trollocs verlangsamte nicht einmal den Schritt und rannte gegen die spitzen Pf�hle an. Die Gesichter mit ihren Schnauzen und Schn�beln verzerrten sich unter Schmerzschreien. Die Trollocs heulten, als sie aufgespie�t wurden, von den von hinten nachdr�ckenden riesigen Gestalten getrieben, die �ber sie hinwegstiegen. Einige fielen zwischen die Pf�hle, doch sie wurden von anderen ersetzt, immer wieder von neuen. Eine letzte Salve von Pfeilen aus k�rzester Entfernung schlug in die K�rper ein, und danach war es den Speeren und Hellebarden und improvisierten Waffen �berlassen, auf die hoch aufragenden schwarzen Gestalten einzuschlagen und einzustechen. Manche fielen, w�hrend die Bogensch�tzen so gut wie m�glich �ber die K�pfe ihrer Freunde hinweg auf die unmenschlichen Gesichter schossen. Die Jungen schossen, so gut sie konnten, von den D�chern herunter in das Gewirr von Wahnsinn und Tod und ohrenbet�ubenden Schreien und Br�llen und Heulen. Langsam, aber unaufhaltsam wichen die Reihen der M�nner von den Zwei Fl�ssen an einzelnen Stellen zur�ck. An einem Dutzend Stellen bog sich die Kampflinie nach innen. Wenn sie brach, irgendwo...</p><p>�Zur�ckweichen!� br�llte Perrin. Ein Trolloc mit Eberschnauze, der bereits blutete, dr�ngte sich durch die Reihen der M�nner. Er kreischte und schlug mit seinem dicken Krummschwert zu. Perrins Axt spaltete ihm den Sch�del bis zur Schnauze. Traber versuchte, sich aufzub�umen und wieherte lautlos in dem ohrenbet�ubenden L�rm. �Zur�ckweichen!� Darl Coplin fiel. Er umklammerte seinen von einem unterarmdicken Speer durchbohrten Schenkel. Der alte Bili Congar bem�hte sich, ihn nach hinten zu schleifen, w�hrend er ungeschickt mit einer Saufeder fuchtelte. Hari Coplin schwang seine Hellebarde, um seinen Bruder zu verteidigen. Den Mund hatte er zu einem unh�rbaren Schrei aufgerissen. �Zur�ck zwischen die H�user!� Er war sich nicht sicher, ob andere den Befehl geh�rt und weitergegeben hatten oder ob es lediglich der massive Druck der Trollocs war, aber langsam, einen Schritt nach dem anderen, wichen die Menschen zur�ck. Loial schwang seine blutigen �xte wie Dreschflegel. Sein breiter Mund war verzerrt. Neben dem Ogier stach Bran grimmig mit seinem Speer ein ums anderemal zu. Er hatte seine Stahlkappe verloren und Blut rann durch seinen lichten, grauen Haarkranz. Von seinem Hengst aus hielt Tomas Verin den R�cken frei. Ihr Haar flog wild herum, ihr Pferd hatte sie verloren, doch aus ihren H�nden flogen Feuerb�lle und jeder getroffene Trolloc explodierte, als habe man ihn zuvor in �l getr�nkt. Nicht genug, um durchzuhalten. Die M�nner der Zwei Fl�sse schoben sich langsam r�ckw�rts. Perrin hielt seinen Platz auf Traber mitten drinnen. Gaul und Chiad k�mpften R�cken an R�cken. Sie hatte nur einen Speer �brig, und er schlitzte und stach mit seinem schweren Messer zu. Zur�ck. Im Westen und Osten waren die M�nner von den Verteidigungslinien ausgeschw�rmt und versuchten mit einem Pfeilhagel die Trollocs daran zu hindern, sie hier zu umgehen und einzuschlie�en. Nicht genug. Zur�ck.</p><p>Pl�tzlich versuchte eine riesenhafte Gestalt mit Hammelh�rnern, Perrin aus dem Sattel zu rei�en und hinter ihm aufzusteigen. Wild um sich schlagend, brach Traber unter dieser vereinigten Last zusammen. Perrins eines Bein wurde eingeklemmt und war dem Brechen nah. Er m�hte sich ab, seine Axt herumzubekommen, und gleichzeitig H�nde, gr��er als die von Ogiern, von seiner Kehle fernzuhalten. Der Trolloc kreischte auf, als Arams Schwert in seinen Nacken schnitt. In dem Moment, als er �ber Perrin zusammenbrach und sein Blut nach allen Seiten verspritzte, wirbelte Aram geschmeidig herum und rammte einem weiteren Trolloc sein Schwert in die Magengrube.</p><p>Perrin st�hnte vor Schmerz und trat sich den Weg frei. Traber kam wieder auf die F��e, aber an ein Aufsteigen war nicht zu denken. Er konnte gerade noch zur Seite rollen, bevor die Hufe eines schwarzen Pferdes dort aufstampften, wo sich eben sein Kopf befunden hatte. Das bleiche, augenlose Gesicht des Blassen war wie eine wutverzerrte Grimasse. Der Halbmensch beugte sich aus dem Sattel, als Perrin versuchte, sich aufzurichten. Das todschwarze Schwert fuhr durch die Luft und ber�hrte noch seine Haare, doch Perrin hatte sich rechtzeitig fallen lassen. In einer Mischung aus Zorn und Todesangst schwang er seine Axt und hackte dem Pferd eines der Beine ab. Pferd und Reiter st�rzten gemeinsam. Noch als sie fielen, vergrub er seine Axt dort, wo sich die Augen des Halbmenschen befinden sollten.</p><p>Er ri� die Klinge rechtzeitig heraus, um beim Aufblicken Daise Congars Mistgabel in den Hals eines Trollocs mit einer Ziegenschnauze fahren zu sehen. Der packte wohl den langen Schaft mit einer Hand und stie� mit einer Harpune zu, die er in der anderen hielt, doch Marin al'Vere trennte ihm gelassen mit einem Schlag ihres Fleischerbeils ein Bein ab. Als das nachgab, durchhackte sie genauso kaltschn�uzig das Genick des Trollocs. Ein anderer hob Bode Cauthon an ihrem Zopf in die Luft. Ihr Mund war zu einem entsetzten Schrei aufgerissen, doch sie schmetterte ihr Beil in seine vom Schuppenpanzer gesch�tzte Schulter, und im gleichen Moment rammte ihre Schwester Eldrin ihre Saufeder durch die Brust des Trollocs. Neysa Ayellin mit ihrem grauen Zopf gab ihm mit ihrem dicken Metzgermesser den Rest.</p><p>Soweit Perrin die Kampflinie zu beiden Seiten beobachten konnte � �berall befanden sich auch die Frauen im Get�mmel. Ihre Anzahl war der einzige Grund daf�r, warum sie dem Angriff immer noch standhielten, obwohl sie beinahe bis zu den H�usern zur�ckgewichen waren. Frauen zwischen den M�nnern, Schulter an Schulter mit ihnen, einige davon nicht mehr als M�dchen, aber andererseits hatten sich auch einige dieser �M�nner� noch nie rasiert. Ein paar w�rden dazu auch nie mehr Gelegenheit haben. Wo waren die Wei�m�ntel? <emphasis>Die Kinder!</emphasis> Wenn die Frauen hier waren, war niemand da, der die Kinder wegbringen konnte. <emphasis>Wo sind die verdammten Wei�m�ntel?</emphasis> Wenn sie jetzt k�men, w�rden sie ihnen wenigstens ein paar Minuten mehr erkaufen. Ein paar Minuten, um die Kinder wegzubringen.</p><p>Ein Junge � es war der gleiche dunkelhaarige Botenjunge, der letzten Abend zu ihm gekommen war �packte ihn am Arm, als er sich umwandte, um nach den �Kameraden� zu sehen. Die �Kameraden� mu�ten den Kindern einen Weg hinaus bahnen. Er w�rde sie wegschicken und hier alles tun, was ihm m�glich war. �Lord Perrin!� schrie der Junge durch den ohrenbet�ubenden L�rm. �Lord Perrin!� Perrin versuchte, ihn abzusch�tteln, und dann schnappte er ihn einfach und klemmte den zappelnden kleinen Burschen unter einen Arm. Er geh�rte zu den anderen Kindern. Die �Kameraden� hatten sich aufgeteilt und eine Reihe von Haus zu Haus gebildet. Ban und Tell und die anderen schossen vom Sattel aus �ber die K�pfe der M�nner und Frauen hinweg. Wil hatte den Flaggenstock in den Boden gerammt, damit er beide H�nde f�r den Bogen frei hatte. Irgendwie hatte Tell es fertiggebracht, Traber einzufangen und die Z�gel des Braunen an seinen Sattel zu binden. Der Junge konnte auf Traber mitreiten.</p><p>�Lord Perrin! H�rt bitte zu! Herr al'Thor sagt, jemand greift die Trollocs an! Lord Perrin!� Perrin befand sich auf halbem Weg zu Tell und humpelte seines l�dierten Beins wegen, als ihm die Worte ins Bewu�tsein drangen. Er steckte den Schaft der Axt durch die G�rtelschlaufe und wuchtete den Jungen so an den Schultern herum, da� er ihm ins Gesicht sehen konnte. �Sie angreifen? Wer?� �Ich wei� nicht, Lord Perrin. Meister al'Vere sagte mir, er glaubte, geh�rt zu haben, wie jemand schrie: �Devenritt!�� Aram ergriff Perrins Arm und deutete wortlos mit seinem blutigen Schwert. Perrin wandte sich rechtzeitig um, so da� er noch sah, wie ein neuer Pfeilhagel auf die Trollocs herniederprasselte. Vom Norden her. Und ein weiterer Schwarm hob sich gerade in den Himmel, um seinen t�dlichen Bogen zu beschreiben.</p><p>�Geh zur�ck zu den anderen Kindern�, sagte er und setzte den Jungen ab. Er mu�te nach oben, wo er besser sehen konnte. �Geh! Du hast deine Sache gut gemacht, Junge!� rief er noch, als er schwerf�llig zu Traber rannte. Der kleine Bursche eilte grinsend ins Dorf zur�ck. Jeder Schritt lie� den Schmerz erneut durch Perrins Bein zucken. Vielleicht war das Ding wirklich gebrochen? Er hatte keine Zeit, sich dar�ber Gedanken zu machen.</p><p>Er griff sich die Z�gel, die ihm Tell zuwarf, und zog sich hoch in den Sattel. Und dann fragte er sich, ob er nur sehe, was er zu sehen w�nschte, statt dessen, was wirklich da war.</p><p>Am Rand der ehemaligen Felder stand unter einer Flagge mit einem roten Adler eine lange Reihe von M�nnern in Bauernkleidung. Sie schossen ganz methodisch ihre Pfeile ab. Und neben der Flagge sa� Faile in Schwalbes Sattel und Bain stand an ihrem Steigb�gel. Es mu�te Bain sein hinter dem schwarzen Schleier, und Failes Gesicht konnte er ganz deutlich erkennen. Sie wirkte erregt, angsterf�llt, erschrocken �ber den Anblick und doch vor Leben spr�hend. Sie sah wundersch�n aus.</p><p>Die Myrddraal bem�hten sich, einige der Trollocs auf die Gefahr von hinten aufmerksam zu machen und einen Angriff auf die M�nner aus Wachh�gel oder Devenritt zu f�hren, aber das war umsonst. Selbst die Trollocs, die sich dorthin wandten, fielen, bevor sie f�nfzig Schritt zur�ckgelegt hatten. Ein Blasser und sein Pferd st�rzten, nicht durch Pfeile getroffen, sondern unter dem Ansturm der entsetzten Trollocs. Jetzt rannten die Trollocs zur�ck, v�llig verwirrt und angsterf�llt. Sie flohen vor den Pfeilen von beiden Seiten her, denn sobald die M�nner aus Emondsfeld genug Platz hatten, schossen auch sie wieder, was sie konnten. Trollocs fielen und Myrddraal gingen in der Masse unter. Es war ein einziges Schlachten geworden, aber Perrin bemerkte es kaum. Faile.</p><p>Der gleiche Junge erschien wieder an seinem Steigb�gel. �Lord Perrin!� schrie er. Er mu�te auch schreien, um �ber all den L�rm hinweg h�rbar zu sein, denn die M�nner und Frauen schrien erleichtert und jubelten, als die letzten der Trollocs fielen, die es noch nicht bis au�erhalb der Bogenschu�weite geschafft hatten. Nicht viele hatten es geschafft, wie Perrin meinte, aber andererseits war er kaum f�hig, zu denken. Faile. Der Junge zupfte an seinem Hosenbein. �Lord Perrin! Meister al'Vere bestellt Euch, da� die Trollocs fliehen. Und sie schreien tats�chlich �Devenritt�! Die M�nner meine ich. Ich habe es selbst geh�rt!� Perrin b�ckte sich und strich dem Jungen �ber den Lockenkopf. �Wie hei�t du, Junge?� �Jaim Aybara, Lord Perrin. Ich bin Euer Cousin, glaube ich. So 'ne Art von Cousin jedenfalls.� Perrin schlo� die Augen einen Moment lang, damit ihm keine Tr�nen herausrollten. Als er sie wieder �ffnete, zitterte seine Hand auf dem Schopf des Jungen immer noch. �Also, Cousin Jaim, erz�hle deinen Kindern vom heutigen Tag. Und erz�hle es deinen Enkeln und deren Kindern.� �Ich werde keine haben�, sagte Jaim halsstarrig. �M�dchen sind schrecklich. Sie lachen einen aus, und sie wollen nichts machen, was sich lohnt, und �berhaupt versteht man nicht, was sie sagen.� �Ich glaube, eines Tages wirst du merken, da� sie alles andere als schrecklich sind. Einiges wird sich nicht �ndern, aber das schon.� Faile.</p><p>Jaim blickte zweifelnd drein, aber dann erhellte sich seine Miene und ein breites Grinsen �berzog sein Gesicht. �Wartet nur, bis ich Had erz�hle, da� mich Lord Perrin Cousin genannt hat!� Und er scho� davon, um Had zu berichten, der eines Tages auch Kinder haben w�rde, genau wie die anderen Jungen. Die Sonne stand senkrecht �ber ihnen. Eine Stunde vielleicht. Es hatte nicht mehr als eine Stunde gedauert. Er hatte das Gef�hl, es habe ein ganzes Leben lang gedauert.</p><p>Traber trat vor, und ihm wurde bewu�t, da� er ihn mit den Fersen angetrieben haben mu�te. Jubelnde Menschen machten dem Braunen Platz, und doch h�rte er sie kaum. Es gab gro�e L�cken unter den Pf�hlen, wo sie einfach durch den Druck der Trolloc-K�rper abgebrochen waren. Er ritt durch eine der L�cken �ber einen H�gel aus toten Trollocs und bemerkte es �berhaupt nicht. Mit Pfeilen gespickte Trollocleichen pflasterten den Boden drau�en, und hier und da schlug ein von unz�hligen Hammerk�pfen durchbohrter Blasser noch immer um sich. Er sah nichts davon. Er hatte nur Augen f�r eines: Faile.</p><p>Sie ritt aus der Gruppe der M�nner von Wachh�gel heraus, hielt noch einmal an, wohl, um Bain zu sagen, sie solle zur�ckbleiben, und dann ritt sie ihm entgegen. Sie ritt so elegant, als sei die schwarze Stute ein Teil von ihr, schlank und aufrecht. Sie lenkte Schwalbe eher durch Schenkeldruck als durch die Z�gel, die sie so selbstverst�ndlich in der Hand hielt. Das rote Hochzeitsband war immer noch in ihr Haar eingeflochten und die Enden hingen ihr �ber die Schultern herab. Er mu�te Blumen f�r sie auftreiben.</p><p>Einen Augenblick lang musterten ihn diese schr�gstehenden Augen. Ihr Mund... Bestimmt konnte sie sich doch ihm gegen�ber nicht unsicher f�hlen, doch sie roch danach. �Ich sagte ja, ich w�rde gehen�, brachte sie schlie�lich mit hocherhobenem Kopf hervor. Schwalbe t�nzelte mit kokett gekr�mmtem Hals zur Seite, doch Faile brachte die Stute beinahe unbewu�t wieder zum Stillstand. �Ich sagte nicht, wie weit weg. Du kannst nicht behaupten, ich h�tte dir etwas anderes versprochen.� Er brachte nichts heraus. Sie war so sch�n. Er wollte sie einfach nur ansehen, sie so sch�n, so spr�hend vor Leben an seiner Seite sehen. Ihre Witterung war die von sauberem Schwei�, vermischt mit ein wenig Duft nach Kr�uterseife. Er konnte sich nicht entscheiden, ob er lachen oder weinen sollte. Vielleicht beides auf einmal. Er h�tte am liebsten all ihren Duft in sich aufgesogen.</p><p>Sie runzelte die Stirn und sprach weiter: �Sie standen bereit, Perrin. Sie waren wirklich zum Kampf bereit. Ich mu�te kaum etwas zu ihnen sagen, um sie zum Mitkommen zu �berreden. Die Trollocs hatten sie kaum bel�stigt, aber sie hatten sehr wohl die Rauchwolken gesehen. Wir haben den Weg so schnell zur�ckgelegt, wie es nur ging, Bain und ich, und haben Wachh�gel eine Weile vor Tagesanbruch erreicht. Bei Sonnenaufgang sind wir schon wieder nach hier aufgebrochen.� Aus ihrem angespannten Gesichtsausdruck wurde ein breites L�cheln, erwartungsvoll und stolz zugleich. Was f�r ein sch�nes L�cheln. Ihre dunklen Augen funkelten. �Sie gehorchten und folgten mir, Perrin. Sie gehorchten mir! Selbst Tenobia hat noch nie M�nner in die Schlacht gef�hrt. Sie wollte einmal, als ich acht war, doch Vater nahm sie sich unter vier Augen in ihren Gem�chern vor, und als er zur F�ule losritt, blieb sie zu Hause.� Mit bedauerndem L�cheln f�gte sie hinzu: �Ich glaube, du und ich, wir ben�tzen manchmal die gleichen Methoden. Tenobia hat ihn verbannt, doch sie war erst sechzehn und der Rat der Lords hat es nach ein paar Wochen geschafft, sie umzustimmen. Sie wird gr�n vor Neid, wenn ich es ihr erz�hle.� Wieder hielt sie inne, und diesmal holte sie tief Luft und st�tzte eine Faust auf die H�fte. �Hast du mir denn nichts zu sagen?� wollte sie ungeduldig wissen. �Willst du nur hier wie ein haariger Klumpen herumsitzen? Ich habe nie gesagt, da� ich die Zwei Fl�sse verlassen werde. Du hast das gesagt, aber ich nicht. Du hast kein Recht, w�tend zu sein, weil ich nicht getan habe, was ich auch nie versprochen hatte. Und �berhaupt du! Schickst mich weg, weil du glaubst, du wirst sterben! Ich bin zur�ckgekommen, weil... � �Ich liebe dich.� Das war alles, was er herausbrachte, aber seltsamerweise schien es zu gen�gen. Er hatte kaum ausgesprochen, da lenkte sie Schwalbe nahe genug heran, legte einen Arm um ihn und dr�ckte ihr Gesicht an seine Brust. Sie schien ihn entzweidr�cken zu wollen. Er strich ihr sanft �ber das dunkle Haar, f�hlte, wie seidig es war, f�hlte sie ganz und gar.</p><p>�Ich hatte solche Angst, ich w�rde zu sp�t kommen�, sagte sie in sein Wams hinein. �Die M�nner aus Wachh�gel marschierten, so schnell sie konnten, aber als wir ankamen und ich sah, da� die Trollocs bereits zwischen den H�usern k�mpften, so viele von ihnen, als wollten sie das Dorf wie eine Lawine �berrollen, und ich konnte dich nicht sehen...� Sie atmete zittrig ein und dann langsam wieder aus. Als sie weitersprach, klang ihre Stimme ruhiger. Ein wenig. �Sind die M�nner aus Devenritt gekommen?� Er fuhr zusammen, und seine Hand hielt �ber ihrem Haar inne. �Ja, sind sie. Woher wei�t du das? Hast du etwa auch daf�r gesorgt?� Sie begann zu zittern und er brauchte einen Moment lang, um zu bemerken, da� sie lachte.</p><p>�Nein, mein Herz, obwohl ich das bestimmt getan h�tte, w�re es mir m�glich gewesen. Als dieser Mann mit seiner Botschaft kam � �Wir kommen� �, glaubte ich � hoffte ich �, da� es das zu bedeuten habe.� Sie zog ihr Gesicht ein wenig zur�ck und blickte ernst zu ihm auf. �Ich konnte es dir nicht sagen, Perrin. Ich konnte deine Hoffnung nicht wecken, auf eine blo�e Ahnung von mir hin. Es w�re grausam gewesen, falls... Sei mir nicht b�se, Perrin.� L�chelnd hob er sie aus dem Sattel und setzte sie quer vor sich ab. Sie protestierte lachend und reckte sich �ber das hohe Sattelhorn, um beide Arme um ihn zu schlingen. �Ich werde nie, nie auf dich b�se sein, das schw...� Sie unterbrach ihn, indem sie eine Hand auf seinen Mund legte.</p><p>�Mutter sagt, das Schlimmste, was Vater ihr jemals angetan hat, war, ihr zu schw�ren, da� er ihr niemals b�se sein werde. Sie brauchte ein Jahr, bis sie ihn so weit hatte, da� er es zur�cknahm, und sie sagt, da� er in dieser Zeit einfach unausstehlich war, weil er alles in sich hineinfra�.</p><p>Du <emphasis>wirst</emphasis> b�se auf mich sein, Perrin, und ich auf dich. Wenn du mir noch ein Heiratsversprechen geben willst, dann versprich mir, da� du es nicht zur�ckhalten wirst, wenn du mir b�se bist! Ich kann nichts gegen Dinge unternehmen, von denen du mir nichts sagst, mein Gatte. Mein Gatte�, wiederholte sie in zufriedenem Tonfall, wobei sie sich an ihn dr�ckte. �Der Klang gef�llt mir.� Er bemerkte, da� sie ihm nicht versprochen hatte, sie werde ihn immer wissen lassen, wenn <emphasis>sie</emphasis> ihm b�se sei. Seinen bisherigen Erfahrungen nach w�rde er das selbst herausbekommen m�ssen, jedenfalls in der H�lfte aller F�lle. Und sie versprach auch nicht, keine Geheimnisse mehr vor ihm zu haben. Aber in diesem Moment spielte das keine Rolle, solange sie nur bei ihm war. �Ich werde dich wissen lassen, wenn ich b�se auf dich bin, meine Frau�, versprach er. Sie sah ihn ein wenig mi�trauisch an, als sei sie nicht sicher, wie das zu verstehen war. <emphasis>Du wirst sie niemals richtig verstehen lernen, Cousin Jaim, aber es wird dir gleich sein.</emphasis></p><p>Mit einemmal wurde er der toten Trollocs in ihrer Umgebung gewahr, wie ein schwarzes Feld, das mit federgespickten Unkr�utern �berwuchert war. Die zuckenden Myrddraal weigerten sich immer noch, endg�ltig zu sterben. Langsam lie� er Traber wenden. Ein Schlachthof, �bers�t von den Leichen der Schattenabk�mmlinge, erstreckte sich Hunderte von Schritten in jede Richtung. Es h�pften bereits Kr�hen herum, und �ber ihnen kreiste ein ganzer Schwarm von Geiern. Aber keine Raben. Und Jaims Worten nach sah es im S�den genauso aus. Er konnte den Beweis an den Geiern ablesen, die auch dort jenseits des Dorfes kreisten. Nicht genug, um Deselle oder Adora oder den kleinen Paet zu r�chen, und... und... und... Nicht genug. Es w�rde niemals reichen. Nichts konnte sie jemals wiederbringen. Er umarmte Faile so hart, da� sie st�hnte, aber als er schnell nachlie�, schlang sie ihre Arme um ihn und packte ihn genauso hart wie er zuvor sie. Sie w�rde immer reichen.</p><p>Die Menschen str�mten aus Emondsfeld heraus. Bran hinkte und ben�tzte seinen Speer als Kr�ckstock; Marin l�chelte und hatte einen Arm um ihn gelegt; Daise wurde von ihrem Mann Wit in den Arm genommen und Gaul und Chiad kamen Hand in Hand mit abgeh�ngten Schleiern einher. Loials Ohren hingen ersch�pft herunter, Tam hatte ein blutiges Gesicht, und Flann Lewin konnte nur mit Hilfe seiner Frau Adine �berhaupt stehen. Beinahe jeder blutete und hatte sich irgendwelche Wunden notd�rftig verbinden lassen. Aber sie kamen in immer gr��erer Anzahl heraus, Elam und Dav, Ewin und Aram, Eward Candwin und Buel Dowtry, Hu und Tad, die Stallburschen der Weinquellenschenke, Ban und Tell und die anderen der �Kameraden�, immer noch mit ihrer Flagge. Diesmal sah er vor sich nicht die fehlenden Gesichter, sondern nur die, die immer noch da waren. Verin und Alanna auf ihren Pferden, und Tomas und Ihvon ritten dicht hinter ihnen. Der alte Bili Congar fuchtelte mit einem Krug herum, in dem sicherlich Bier war, oder vielleicht auch Schnaps; Cenn Buie wirkte genauso verknorzt wie immer, wenn er auch ziemlich verschrammt aussah. Jac al'Seen hatte einen Arm um seine Frau gelegt, und um ihn herum hatte sich seine ganze Familie versammelt, die S�hne und T�chter mit ihren Ehefrauen und Ehem�nnern. Raen und Ila, immer noch mit den Babies auf den R�cken. Mehr. Andere Gesichter kannte er �berhaupt nicht: M�nner, die aus Devenritt und von den H�fen dort unten stammen mu�ten. Jungen und M�dchen rannten lachend durch das Gew�hl.</p><p>Sie schw�rmten nach beiden Seiten aus und bildeten zusammen mit den M�nnern aus Wachh�gel einen gro�en Kreis, in dessen Mitte sich er und Faile befanden. Jeder mied die sterbenden Blassen, aber es war, als s�hen sie die �berall herumliegenden Schattenabk�mmlinge gar nicht. Sie hatten nur Augen f�r das Paar auf Traber. Sie beobachteten sie schweigend, bis Perrin nerv�s wurde. <emphasis>Warum sagt denn niemand etwas? Warum starren sie uns so an?</emphasis></p><p>Die Wei�m�ntel erschienen. Sie ritten langsam in einer langen, schimmernden Viererkolonne aus dem Dorf, Dain Bornhald zusammen mit Jaret Byar an der Spitze. Jeder wei�e Umhang leuchtete, als sei er frisch gewaschen. Jede Lanze stand genau im gleichen Winkel nach oben. M�rrisches Gemurmel erhob sich, aber die Menschen wichen aus und lie�en sie in den Kreis hinein.</p><p>Bornhald hob eine im Handschuh steckende Hand und lie� die Kolonne anhalten. Es klimperte und die S�ttel knarrten. Er blickte Perrin an. �Es ist vollbracht, Schattenabk�mmling.� Byars Mund bebte, als wolle er Perrin anknurren, doch Bornhalds Gesichtsausdruck �nderte sich nicht und er erhob auch die Stimme keineswegs: �Die Trollocs hier sind besiegt. Also werde ich Euch unserer Einigung gem�� als Schattenfreund und M�rder festnehmen.� �Nein!� Faile wand sich herum und blickte Perrin mit zornigen Augen an. �Was meint er damit: Eurer Einigung gem��?� Ihre Worte gingen fast im allgemeinen Geschrei von allen Seiten unter: �Nein! Nein!� und �Ihr werdet ihn nicht bekommen!� und �Goldauge!� ert�nte es.</p><p>Perrin behielt Bornhald im Auge, hob eine Hand, und langsam senkte sich Schweigen �ber die Menge. Als alles ruhig war, sagte er: �Ich sagte, ich w�rde keinen Widerstand leisten, wenn Ihr uns helft.� Es �berraschte ihn, wie ruhig seine Stimme klang, obwohl in seinem Inneren eine kalte Wut tobte. �Wenn Ihr uns <emphasis>helft,</emphasis> Wei�mantel! Wo wart Ihr, als wir Euch brauchten?� Der Mann antwortete nicht.</p><p>Daise Congar trat aus dem sie umgebenden Kreis, und mit ihr kam Wit, der ihre Hand hielt, als wolle er sie nie wieder loslassen. Aber auch ihr kr�ftiger Arm lag um Wits Schultern. Sie gaben schon ein eigenartiges Bild ab: Sie war einen Kopf gr��er und hielt ihren kleineren Ehemann im Arm, als wolle sie ihn besch�tzen. Ihre verl�ngerte Mistgabel stellte sie energisch auf den Boden. �Sie waren auf dem Anger�, verk�ndete sie laut, �sch�n aufgereiht und herausgeputzt wie M�dchen, die am Sonnentag zum Tanz gehen. Sie haben sich nicht ger�hrt. Deshalb sind wir Frauen gekommen...� Zornige Frauenstimmen murmelten zustimmend. �... als wir sahen, da� sie Euch �berrennen w�rden. Sie sa�en lediglich unt�tig hier herum!� Bornhald wandte den Blick keinen Augenblick von Perrin. Er zuckte nicht einmal mit der Wimper. �Habt Ihr geglaubt, ich w�rde Euch vertrauen?� h�hnte er. �Euer Plan ist nur fehlgeschlagen, weil diese anderen ankamen �ja? �, und daran hattet Ihr keinen Anteil.� Faile r�hrte sich, doch ohne seinerseits den Blick von dem Mann zu wenden, legte Perrin einen Finger auf ihren Mund, als sie ihn �ffnen wollte. Sie bi� zu � fest �, sagte aber nichts. Endlich wurde Bornhalds Stimme lauter. �Ich werde Euch h�ngen sehen, Schattenabk�mmling. Ich werde Euch h�ngen sehen, gleich, was ich daf�r tun mu�! Ich werde daf�r sorgen, da� Ihr sterbt, und wenn die ganze Welt daf�r brennt!� Das letzere schrie er. Byars Schwert glitt eine Handbreit aus der Scheide. Ein kr�ftig gebauter Wei�mantel hinter ihm, der Perrins Erinnerung nach Farran hie�, zog sein Schwert ganz heraus, wobei er erfreut l�chelte � ein krasser Gegensatz zu Byars w�tender Grimasse.</p><p>Sie erstarrten jedoch, als es in den vielen K�chern klapperte und Pfeile herausgezogen und aufgelegt wurden. Im ganzen Kreis hoben sich die Langb�gen, und jeder Hammerkopfpfeil zeigte auf einen Wei�mantel. Die ganze breite Kolonne entlang knarrten die S�ttel, als sich die M�nner nerv�s bewegten. Bornhald zeigte kein Anzeichen von Furcht, und er roch auch nicht danach. Seine Witterung bestand praktisch nur aus Ha�. Sein fiebriger Blick huschte �ber die Reihen der Menschen von den Zwei Fl�ssen, die seine Truppe umstanden, und kehrte dann genauso hitzig und ha�erf�llt zu Perrin zur�ck.</p><p>Perrin machte eine Bewegung nach unten, und die Bogensehnen wurden z�gernd entspannt, die B�gen langsam gesenkt. �Ihr wolltet nicht helfen.� Seine Stimme klang wie kalter Stahl, hart wie ein Ambo�. �Seit Ihr an die Zwei Fl�sse kamt, war alle Hilfe, die Ihr geleistet habt, mehr oder weniger zuf�llig. Es war Euch im Grunde gleich, ob die Menschen obdachlos oder gar get�tet wurden, solange Ihr nur jemanden finden konntet, den Ihr als Schattenfreund bezeichnet.� Bornhald schauderte, obwohl sein Blick immer noch gl�hte. �Es ist h�chste Zeit f�r Euch, zu gehen. Nicht nur aus Emondsfeld. Es ist h�chste Zeit f�r Euch, Eure Truppe zu sammeln und die Zwei Fl�sse zu verlassen. Jetzt gleich, Bornhald. Ihr werdet jetzt abreiten.� �Ich werde daf�r sorgen, da� Ihr eines Tages h�ngt�, sagte Bornhald leise. Er ri� seine Hand nach oben und gab der Kolonne das Zeichen, ihm zu folgen. Dabei trat er seinem Pferd in die Flanken, als wolle er Perrin �berreiten.</p><p>Perrin richtete Traber zur Seite aus. Er wollte, da� diese M�nner wegritten. Es sollte kein Blutvergie�en mehr geben. Sollte der Mann doch seinen Trotz �ffentlich zeigen.</p><p>Bornhald wandte sich nicht mehr um, doch der hohlwangige Byar warf ihm schweigend noch einen ha�erf�llten Blick zu. Farran dagegen sah ihn irgendwie bedauernd an, aus welchem Grund auch immer. Die anderen blickten stur geradeaus, als sie mit klimperndem Sattelzeug und Hufgeklapper vorbeiritten. Schweigend �ffnete sich der Kreis und lie� sie in Richtung Norden hinausreiten.</p><p>Eine Gruppe von zehn oder zw�lf M�nnern schritt auf Perrin zu, w�hrend noch die letzten Wei�m�ntel vorbeiritten. Einige davon trugen v�llig unpassende Teile alter R�stungen, und alle grinsten nerv�s. Er erkannte keinen von ihnen. Ein Bursche mit ledrigem Gesicht und breiter Nase schien ihr Anf�hrer zu sein. Sein Graukopf war blo�, doch ein rostiges Kettenhemd hing ihm bis an die Knie herunter. Drunter trug er offensichtlich ein Bauernhemd, dessen Kragen oben noch herausschaute. Er verbeugte sich ungeschickt �ber seinen Bogen. �Jerinvar Barstere, Lord Perrin. Man nennt mich Jer.� Er sprach hastig, als habe er Angst, unterbrochen zu werden. �Entschuldigt, da� ich Euch bel�stige. Einige von uns werden die Wei�m�ntel ein St�ck begleiten und �berwachen, wenn es Euch recht ist. Viele von uns m�chten nach Hause, auch wenn wir kaum vor Einbruch der Dunkelheit ankommen werden. In Wachh�gel befinden sich noch mal genauso viele Wei�m�ntel, aber die wollten nicht kommen. H�tten den Befehl, den Posten dort zu halten, sagten sie. Ein Haufen Narren, wenn Ihr mich fragt, und wir sind es wirklich m�de, da� sie hier herumlungern, ihre Nasen in die H�user der Leute stecken und versuchen, den einen dazu zu bringen, da� er den anderen wegen irgendwas denunziert. Wir geleiten sie hinaus, wenn es Euch recht ist.� Er warf Faile einen versch�mten Blick zu und duckte sich ein wenig, doch sein Redestrom brach nicht ab. �Verzeiht mir, Lady Faile. Ich wollte Euch und Euren Lord nicht bel�stigen. Wollte ihn nur wissen lassen, da� wir auf seiner Seite stehen. Eine prachtvolle Frau habt Ihr da, Lord Perrin. Eine prachtvolle Frau. Nichts f�r ungut, Lady Faile. Also, wir haben noch Tageslicht, und vom Reden werden auch keine Schafe geschoren. Verzeiht, da� ich Euch bel�stigt habe, Lord Perrin. Verzeihung, Lady Faile.� Er verbeugte sich wieder. Die anderen machten es ihm nach und dann eilten sie, von ihm angetrieben, fort. Er knurrte sie noch im Gehen an: �Nicht der richtige Moment f�r uns, den Lord und seine Lady zu bel�stigen. Es ist noch genug zu tun.� �Wer war denn das?� fragte Perrin noch leicht bet�ubt von diesem Redestrom. Daise und Cenn zusammen redeten nicht soviel. �Kennst du ihn, Faile? Aus Wachh�gel?� �Meister Barstere ist der Dorfvorsteher von Wachh�gel, und die anderen sind die Ratsmitglieder der Gemeinde. Die Versammlung der Frauen von Wachh�gel will eine Abordnung mit der Seherin herschicken, sobald es in Sicherheit m�glich ist. Um nachzusehen, ob dieser �Lord Perrin� der richtige Mann f�r die Zwei Fl�sse ist, sagen sie, aber sie wollten alle, da� ich ihnen beibringe, wie man vor dir knickst. Und die Seherin, Edelle Gaelin, bringt dir einige von ihren Apfelkuchen mit.� �Ach, seng mich�, hauchte er. Es verbreitete sich. Ihm war klar, da� er das von Anfang an h�tte energisch unterbinden m�ssen. �Nennt mich nicht immer so!� rief er den weggehenden M�nnern nach. �Ich bin ein Schmied! H�rt ihr mich? Ein Grobschmied!� Jer Barstere drehte sich um und winkte ihm zu und nickte, bevor er die anderen weitertrieb.</p><p>Schnaubend zupfte ihn Faile am Bart. �Du bist ein s��er Narr, mein Lord Schmied. Es ist jetzt zu sp�t, um noch einmal umzukehren.� Pl�tzlich wurde ihr L�cheln ausgesprochen spitzb�bisch. �Ehemann, gibt es eine M�glichkeit, da� du irgendwann in der n�chsten Zukunft einmal mit deiner Frau allein sein wirst? Die Heirat scheint mich schon genauso dreist gemacht zu haben, wie so ein Domaniflittchen. Ich wei�, du mu�t m�de sein, aber... � Sie quiekte leicht und klammerte sich an seinem Wams fest, als er Traber in Galopp versetzte und zur Weinquellenschenke zur�ckritt. Diesmal machten ihm die Jubelrufe der anderen zur Abwechslung gar nichts aus.</p><p>�Goldauge! Lord Perrin! Goldauge!� Vom dicken Ast einer ausladenden Eiche am Rand des Westwalds aus starrte Ordeith nach Emondsfeld hin�ber, das etwa eine Meile weiter s�dlich lag. Es war unm�glich. <emphasis>Gei�elt sie. H�utet sie.</emphasis> Alles hatte sich doch planm��ig entwickelt. Selbst Isam hatte ihm in die H�nde gespielt. <emphasis>Warum hat der Narr aufgeh�rt, weitere Trollocs herzubringen? Er h�tte genug herbringen sollen, da� die ganzen Zwei Fl�sse schwarz von ihnen gewesen w�ren!</emphasis> Speichel tropfte ihm von den Lippen, doch er bemerkte es gar nicht. Genausowenig wurde ihm bewu�t, da� seine Hand an seinem G�rtel herumnestelte. <emphasis>Verw�stet ihr Land, bis ihnen das Herz bricht. Pfl�gt sie schreiend in den Boden!</emphasis> Alles geplant, um Rand al'Thor zu ihm herzulocken. Und nun war es zu diesem Ergebnis gekommen! Die Zwei Fl�sse waren nicht einmal angekratzt. Ein paar niedergebrannte Bauernh�fe z�hlten nicht, genausowenig wie die paar Bauern, die man f�r die Kocht�pfe der Trollocs geschlachtet hatte. <emphasis>Ich will, da� die Zwei Fl�sse brennen, so brennen, da� sich die Menschen noch in tausend Jahren daran erinnern!</emphasis></p><p>Er betrachtete die Flagge, die �ber dem Dorf wehte, und die andere, die gar nicht so weit von ihm entfernt flatterte. Ein roter Wolfskopf auf wei�em Feld mit rotem Rand und ein roter Adler. Rot f�r das Blut, das in den Zwei Fl�ssen vergossen werden mu�te, damit Rand al'Thor heulte. Manetheren. <emphasis>Das soll wohl die Flagge von Manetheren sein.</emphasis> Jemand hatte ihnen von Manetheren erz�hlt, oder? Was wu�ten diese Narren vom Ruhm Manetherens? <emphasis>Manetheren. Ja.</emphasis> Es gab mehr als eine M�glichkeit, sie fertigzumachen. Er lachte so heftig, da� er beinahe von der Eiche fiel, bevor ihm bewu�t wurde, da� er sich nicht mehr mit beiden H�nden festhielt, da� eine davon den G�rtel an der Stelle gepackt hielt, wo ein Dolch h�ngen sollte. Das Lachen verzerrte sich zu einem b�sartigen Knurren, als er diese Hand anblickte. Was man ihm gestohlen hatte, befand sich in der Wei�en Burg. Was ihm geh�rte durch ein Recht, das genauso alt war wie die Trolloc-Kriege.</p><p>Er lie� sich vom Ast herunterfallen und kletterte auf sein Pferd, bevor er sich nach seinen Begleitern umsah. Seinen Jagdhunden. Die drei�ig oder mehr �briggebliebenen Wei�m�ntel trugen nat�rlich ihre wei�en Umh�nge l�ngst nicht mehr. Auf ihren blinden R�stungen zeigten sich Rostflecken, und Bornhald h�tte diese m�rrischen, mi�trauischen, ungewaschenen und unrasierten Gesichter nicht mehr erkannt. Die Menschen beobachteten Ordeith mi�trauisch und furchtsam, und sahen den Myrddraal in ihrer Mitte �berhaupt nicht an. Sein leichenblasses augenloses Gesicht wirkte genauso tr�b und h�lzern wie die ihren. Der Halbmensch bef�rchtete, da� Isam ihn finden werde. Isam war alles andere als gl�cklich gewesen, als nach dem �berfall auf Taren-F�hre so viele entkamen, die �ber die Ereignisse an den Zwei Fl�ssen berichten konnten. Ordeith kicherte bei dem Gedanken daran, da� Isam beunruhigt war. Um den Mann w�rde er sich ein andermal k�mmern m�ssen, falls er bis dahin �berlebte.</p><p>�Wir reiten nach Tar Valon�, fuhr er sie an. Es w�rde ein schwerer Ritt, wenn sie noch vor Bornhald an der F�hre sein wollten. Manetherens Flagge wurde nach so vielen Jahrhunderten wieder in den Zwei Fl�ssen gehi�t. Wie dieser rote Adler ihn vor so langer Zeit schon verfolgt hatte! �Aber zuerst kommt Caemlyn dran!� <emphasis>Gei�elt sie und h�utet sie!</emphasis> Erst w�rden die Zwei Fl�sse bezahlen und dann Rand al'Thor, und dann...</p><p>Lachend galoppierte er nach Norden durch den Wald und blickte nicht einmal zur�ck, um zu sehen, ob ihm die anderen folgten. Sie w�rden ihm folgen. Sie hatten jetzt kein anderes Ziel mehr.</p></section><section><title><p>57</p><p>Die Stunde der Wahrheit</p></title><p>Die glutfl�ssige Nachmittagssonne kochte die W�ste und warf Schatten zwischen die Berge im Norden, die jetzt gerade vor ihnen lagen. Die ausgetrockneten H�gel zogen unter Jeade'ens Hufen vorbei; hinauf und hinunter wie �ber einen Ozean aus gebackenem Lehm, der sich meilenweit hinter ihnen erstreckte. Die Berge hatten Rand in ihren Bann geschlagen, seit sie am Vortag in Sicht gekommen waren. Sie waren nicht von Schnee gekr�nt und nicht so hoch wie die Verschleierten Berge, ganz zu schweigen vom R�ckgrat der Welt, sondern wirkten wie zerkl�ftete braune und graue Steinplatten, die an manchen Stellen gelbe oder rote Streifen aufwiesen oder breite Glitzerb�nder, die so wild durcheinanderlagen, da� selbst eine Besteigung der Drachenmauer dagegen reizvoll schien. Seufzend setzte er sich im Sattel zurecht und r�ckte die Schufa gerade, die er zu seinem roten Wams trug. In dieser Bergkette lag Alcair Dal. Bald w�rde einiges beendet oder anderes daf�r begonnen. Vielleicht auch beides gleichzeitig. Bald jedenfalls.</p><p>Die blonde Adelin schritt leichtf��ig vor dem Apfelschimmel einher, und neun weitere sonnenverbrannte <emphasis>Far Dareis Mai</emphasis> bildeten einen weiten Kreis um ihn, alle mit den kleinen Schilden und den kurzen Speeren in der Hand und auf dem R�cken die B�gen in ihren Futteralen. Die schwarzen Schleier hingen auf ihrer Brust, bereit, sofort hochgezogen zu werden. Rands Ehrenwache. Die Aiel nannten es wohl nicht so, aber die T�chter des Speers kamen allein Rand zu Ehren mit nach Alcair Dal. Es gab so viele feine Unterschiede und Abstufungen, doch er erkannte die H�lfte nicht einmal oder wu�te nicht, was sie zu bedeuten hatten, auch wenn er sie bemerkte.</p><p>Zum Beispiel betraf das Aviendhas Verhalten den T�chtern des Speers und deren Verhalten Aviendha gegen�ber. Die meiste Zeit ging sie, wie auch jetzt, neben ihm her, die Arme unter dem um ihre Schultern liegenden Schal verschr�nkt, den Blick aus ihren gr�nen Augen unter dem dunklen Kopftuch auf die Berge vor ihnen gerichtet. Sie sprach selten mehr als ein oder zwei Worte mit den T�chtern, aber das war nicht das einzige, was Rand auffiel. Vor allem war die Tatsache eigenartig, da� sie die Arme verschr�nkt hatte. Die T�chter wu�ten: Sie trug den Elfenbeinarmreif, aber sie taten so, als bemerkten sie ihn nicht, und sie nahm ihn nicht ab, verbarg aber immer ihren Unterarm, wenn sie glaubte, da� jemand hinsah.</p><p><emphasis>Ihr geh�rt keiner Kriegergemeinschaft an,</emphasis> hatte Adelin zu ihm gesagt, als er vorschlug, da� andere und nicht gerade immer die T�chter des Speers seine Eskorte bilden sollten. Jeder H�uptling, ob er nun einem Clan oder einer Septime vorstand, wurde von M�nnern aus der Gemeinschaft begleitet, der er fr�her angeh�rt hatte, bevor er H�uptling geworden war. <emphasis>Ihr geh�rt keiner Gemeinschaft an, aber Eure Mutter war eine Tochter des Speers.</emphasis> Die blonde Frau und die anderen neun hatten Aviendha dabei nicht angesehen, die ein paar Schritt weiter im Eingang zu Lians Dach stand; zumindest hatten sie nicht auff�llig hin�bergeschaut. <emphasis>Ungez�hlte Jahre lang haben T�chter, die den Speer nicht aufgeben wollten, ihre Kinder den Weisen Frauen anvertraut, die sie anderen Frauen an Kindesstatt �bergaben. Sie wu�ten nicht, wohin ihre Kinder gebracht wurden, ja, nicht einmal, ob es Junge oder M�dchen war. Nun ist der Sohn einer Tochter des Speers zu uns zur�ckgekehrt und wir haben ihn erkannt. Wir gehen Euch zu Ehren nach Alcair Dal, Sohn der Shaiel, der Tochter des Speers von den Chumai Taardad.</emphasis> Ihre Miene wirkte so entschlossen � wie bei ihnen allen, einschlie�lich Aviendha �, da� er glaubte, wenn er ablehnte, w�rden sie ihm anbieten, mit ihm den Tanz der Speere zu tanzen.</p><p>Als er ihre Begleitung akzeptierte, lie�en sie ihn diese Zeremonie mit dem �Vergi� die Ehre nicht� erneut durchmachen, diesmal aber mit einem Getr�nk namens <emphasis>Oosquai,</emphasis> das man aus <emphasis>Zemai</emphasis> machte, und er mu�te mit jeder einen kleinen Silberbecher vollst�ndig leeren. Zehn T�chter, also zehn kleine Becher. Das Zeug sah aus wie leicht br�unlich gef�rbtes Wasser, schmeckte auch so �hnlich, war aber st�rker als doppeltgebrannter Schnaps. Er war nicht mehr in der Lage gewesen, geradeaus zu gehen. Sie hatten ihn ausgelacht und zu Bett gebracht. Er hatte wohl protestiert, doch sie hatten ihn so gekitzelt, da� er kaum Luft bekam, so mu�te er selbst lachen. Alle hatten mitgemacht, bis auf Aviendha. Nicht, da� sie weggegangen w�re! Sie blieb und beobachtete alles mit steinernem Gesicht. Als Adelin und die anderen ihn schlie�lich unter die Decken gesteckt hatten und gingen, setzte sich Aviendha neben die T�r, breitete ihren dunklen, schweren Rock aus und beobachtete ihn weiter unbeweglich, bis er einschlief. Als er erwachte, war sie immer noch da und blickte ihn an. Und sie sprach nicht mit ihm, weder �ber die T�chter des Speers noch �ber <emphasis>Oosquai</emphasis> oder sonst etwas. Soweit es sie betraf, schien nichts davon geschehen zu sein. Die T�chter fragte er lieber nicht danach. Wie konnte er zehn Frauen ins Gesicht sehen und sie fragen, warum sie ihn betrunken und sich einen Spa� daraus gemacht hatten, ihn auszuziehen und ins Bett zu legen?</p><p>So viele Unterschiede und so wenige, deren Sinn er erkennen konnte. Und er wu�te nie, was ihn vielleicht zu Fall bringen und all seine Pl�ne zerst�ren konnte. Doch er konnte sich kein langes Warten leisten. Er blickte sich nach hinten um. Was geschehen war, war geschehen. <emphasis>Und wer wei� schon, was noch alles auf mich zukommt?</emphasis></p><p>Ein gutes St�ck hinter ihnen folgten die Taardad. Nicht nur die Neun-T�ler-Taardad und die Jindo, sondern auch die Miadi und die Vier-Steine-Septime, die Chumai und die Blutiges-Wasser und weitere. In Kolonnen umgaben sie die schwankenden Wagen der H�ndler und die Gruppe um die Weisen Frauen. Zwei Meilen weit erstreckte sich die Kolonne im flimmernden Hitzedunst hinter ihm, und davor und dahinter waren noch Kundschafter und Boten zu sehen. Jeden Tag waren mehr eingetroffen, nachdem Rhuarc seine Kuriere gleich am ersten Tag ausgesandt hatte: hundert M�nner und T�chter hier, dreihundert dort, f�nfhundert aus einer anderen Septime, je nach Gr��e und nach dem Bedarf der Festungen, um die eigene Verteidigung nicht zu vernachl�ssigen.</p><p>In einiger Entfernung im S�dwesten war eine andere Gruppe zu erkennen, die im schnellen Lauf daherkam und eine lange Staubspur hinter sich herzog. Vielleicht war es ein anderer Clan auf dem Weg nach Alcair Dal, doch das glaubte er nicht. Nur zwei Drittel der Septimen waren bisher hier vertreten, doch er sch�tzte die Zahl der Taardad Aiel hinter ihm bereits auf gut f�nfzehntausend. Eine Armee auf dem Marsch, und sie wuchs immer noch. Beinahe der gesamte Clan kam zum Zusammentreffen der H�uptlinge, und das widersprach jedem Brauch.</p><p>Jeade'en trug ihn auf eine Anh�he, und da sah er mit einemmal in einer langen und breiten Senke dahinter den bereits aufgebauten Markt und auf den H�geln jenseits die Lager der Clan- und Septimenh�uptlinge, die bereits angekommen waren.</p><p>Zwischen den zwei- oder dreihundert niedrigen, nach den Seiten offenen Zelten, die in gr��eren Abst�nden voneinander aufgebaut waren, standen in der Senke Buden aus dem gleichen graubraunen Material. Sie waren hoch genug, da� man darunter stehen konnte. Im ihrem Schatten lagen auf Decken ausgebreitet Waren zum Verkauf aus: bunt glasierte Keramikgegenst�nde und noch buntere L�ufer, Silber- und Goldschmuck. Vor allem also von den Aiel hergestellte Waren wurden hier angeboten, aber auch Dinge von jenseits der W�ste, vielleicht sogar Seide und Elfenbein aus dem fernen Osten. Niemand schien aber dort im Augenblick Handel zu treiben. Die wenigen M�nner und Frauen, die er erkennen konnte, sa�en meist allein in dem einen oder anderen solchen Pavillon.</p><p>Von den f�nf Lagern, die auf den H�hen um den Markt herum verteilt waren, wirkten vier genauso leer. Nur ein paar Dutzend M�nner und T�chter des Speers r�hrten sich unter Zelten, die f�r ein paar tausend Menschen errichtet worden waren. Das f�nfte Lager bedeckte die doppelte Fl�che der anderen, und dort waren hunderte von Menschen sichtbar, und wahrscheinlich noch einmal so viele befanden sich in den Zelten.</p><p>Rhuarc trabte mit seinen zehn <emphasis>Aethan Dor,</emphasis> den Roten Schilden, hinter Rand den H�gel hoch, gefolgt von Heirn mit zehn <emphasis>Tain Shari,</emphasis> Reinrassigen, und mehr als vierzig weiteren Septimenh�uptlingen mit ihren Ehrengarden, alle mit Schilden und Speeren ausger�stet, mit B�gen und K�chern. Das war eine beachtliche Streitmacht � gr��ere als diejenige, die den Stein von Tear eingenommen hatte. Einige der Aiel in den Lagern und den Buden blickten zu ihnen hoch. Wie Rand vermutete, wollten sie nicht die herannahenden Aiel sehen, sondern ihn: einen Mann auf einem Pferd. Das sah man selten im Dreifachen Land. Er w�rde ihnen noch mehr zeigen, bis er hier fertig war.</p><p>Rhuarcs Blick ruhte auf dem gr��ten Lager, wo immer mehr Aiel im <emphasis>Cadin'sor</emphasis> aus den Zelten quollen, um in ihre Richtung zu sp�hen. �Shaido, wenn ich mich nicht irre�, sagte er leise. �Couladin. Ihr seid nicht der einzige, der die alten Br�uche mi�achtet, Rand al'Thor.� �Vielleicht war es gut, da� ich damit angefangen habe.� Rand zog sich die Schufa vom Kopf und stopfte sie in seine Tasche zu dem <emphasis>Angreal,</emphasis> dieser kleinen Statuette des Mannes mit dem runden Gesicht und dem Schwert �ber den Knien. Die Sonne brannte auf sein blo�es Haupt nieder und bewies ihm, welch guten Schutz das Tuch doch geboten hatte. �Wenn wir dem Brauch entsprechend gekommen w�ren...� Die Shaido trotteten in Richtung der Berge davon und hinterlie�en anscheinend leere Zelte. Das rief auch in den anderen Lagern und auf dem Markt etwas mehr Bewegung hervor. Die Aiel dort h�rten auf, einen Mann auf einem Pferd anzustarren und blickten statt dessen den enteilenden Shaido nach. �H�ttet Ihr Euch den Weg nach Alcair Dal gegen eine doppelte oder noch gr��ere �bermacht erk�mpfen k�nnen, Rhuarc?� �Nicht vor Sonnenuntergang�, erwiderte der Clanh�uptling bed�chtig, �nicht einmal gegen die r�uberischen Shaido allein. Das ist nun mehr als nur ein mi�achteter Brauch. Selbst die Shaido sollten zuviel Ehre im Leib haben, um so etwas zu tun!� Von den anderen Taardad auf dem H�gelkamm erklang zornigzustimmendes Gemurmel. Nur die T�chter standen abseits. Sie hatten sich aus irgendeinem Grund an der Seite um Aviendha herum versammelt und diskutierten ernsthaft. Rhuarc sprach ein paar leise Worte mit einem seiner Roten Schilde, einem Burschen mit gr�nen Augen und einem Gesicht, das aussah, als habe man damit Zaunpfosten in den Boden geschlagen. Der Mann wandte sich um und lief schnell auf die ankommenden Taardad zu.</p><p>�Habt Ihr das erwartet?� fragte Rhuarc Rand, sobald der Mann davongeeilt war. �Habt Ihr deshalb den ganzen Clan zusammenrufen lassen?� �Nicht genau das, Rhuarc.� Die Shaido begannen, sich rechts und links vor einem schmalen Durchgang in den Felsen aufzustellen und sich zu verschleiern. �Aber Couladin kann ja gar keinen anderen Grund gehabt haben, sich in der Nacht mit seinen Leuten fortzuschleichen, als eben schnell einen anderen Ort zu erreichen, nun, und welcher Ort w�re geeigneter, um mir Schwierigkeiten zu bereiten, als dieser hier? Sind die anderen bereits im Alcair Dal versammelt? Warum?� �Die Gelegenheit f�r die H�uptlinge, sich hier zu treffen, kann man nicht vers�umen, Rand al'Thor. Da diskutiert man Grenzprobleme, Weiderechte, ein Dutzend Dinge. Wasser. Wenn sich zwei Aiel aus verschiedenen Clans treffen, dann sprechen sie �ber Wasser. Drei aus drei verschiedenen Clans, und es geht um Wasser und Weiderechte.� �Und vier?� fragte Rand. F�nf Clans befanden sich bereits hier, und mit den Taardad waren es sechs.</p><p>Rhuarc z�gerte einen Augenblick und packte unbewu�t einen seiner Kurzspeere. �Vier werden den Tanz der Speere tanzen. Doch hier sollte es anders sein.� Die Taardad machten den Weisen Frauen Platz, die mit umgebundenen Kopft�chern herankamen. Moiraine, Lan und Egwene ritten hinterher. Egwene und die Aes Sedai machten es den Aielfrauen mit ihren Kopft�chern nach und hatten sich wei�e T�cher um die K�pfe gewickelt. Auch Mat ritt heran, doch allein und abseits der anderen. Der Speer mit dem schwarzen Schaft lag quer �ber seinem Sattel. Sein breitrandiger Hut warf Schatten auf sein Gesicht. Er betrachtete das, was vor ihnen lag.</p><p>Der Beh�ter nickte in sich hinein, als er die Shaido sah. �Das k�nnte blutig werden�, sagte er leise. Sein schwarzer Hengst rollte die Augen in Richtung von Rands Apfelschimmel. Nicht mehr als das, und Lan blickte ja konzentriert zu den Aielreihen am Durchgang hin�ber, und trotzdem hatte er es wahrgenommen und t�tschelte beruhigend den Hals Mandarbs. �Aber jetzt nicht, glaube ich.� �Nicht jetzt�, stimmte Rhuarc zu.</p><p>�Wenn Ihr mir nur... <emphasis>gestatten</emphasis> w�rdet, mit Euch zusammen hineinzugehen.� Abgesehen von einer leichten Schwankung klang Moiraines Stimme so w�rdevoll wie immer. K�hle Ruhe lag �ber ihren alterslosen Z�gen, doch ihre dunklen Augen blickten Rand an, als k�nne ihr Blick allein ihn zum Nachgeben zwingen.</p><p>Amys' langes, helles Haar, das unter ihrem Kopftuch hervorquoll, schwang mit, als sie den Kopf energisch sch�ttelte. �Diese Entscheidung steht ihm nicht zu, Aes Sedai. Das ist Sache der H�uptlinge, Sache der M�nner. Wenn wir Euch jetzt nach Alcair Dal hineinlassen, wenn sich die Weisen Frauen das n�chstemal treffen oder auch die Dachherrinnen, dann wird auch irgendein Clanh�uptling seine Nase hineinstecken wollen. Sie glauben, wir mischten uns in ihre Angelegenheiten ein, und daf�r wollen sie sich auch in unsere einmischen.� Sie warf Rhuarc ein kurzes L�cheln zu, wohl, um ihm zu zeigen, da� er nicht gemeint sei. Die ausdruckslose Miene ihres Mannes sagte Rand, er sei anderer Meinung.</p><p>Melaine raffte ihren Schal unter dem Kinn zusammen und sah geradewegs Rand an. Wenn sie auch Moiraine nicht beipflichtete, mi�traute sie doch seinen Entscheidungen. Er hatte kaum geschlafen, seit sie die Kaltfelsenfestung verlassen hatten. Falls sie in seinen Tr�umen herumgeschn�ffelt hatten, hatten sie nur Alptr�ume miterlebt.</p><p>�Seid vorsichtig, Rand al'Thor�, sagte Bair, als habe sie seine Gedanken gelesen. �Ein �berm�deter Mann begeht Fehler. Heute k�nnt Ihr euch keine Fehler erlauben.� Sie zog ihren Schal um die mageren Schultern und ihre d�nne Stimme erklang nun beinahe zornig: �Wir k�nnen es uns nicht leisten, da� Ihr Fehler begeht. Die Aiel k�nnen es sich nicht leisten.� Die Ankunft weiterer Reiter auf dem H�gelkamm hatte die Aufmerksamkeit wieder auf sie gelenkt. Zwischen den Buden hatten sich mehrere hundert Aiel, M�nner im <emphasis>Cadin'sor</emphasis> und langhaarige Frauen in Rock und Bluse und mit dem �blichen Kopftuch, versammelt und beobachteten gespannt das Geschehen. Ihre Aufmerksamkeit wurde wieder abgelenkt, als Kaderes staubiger wei�er Wohnwagen mit seinem Mauleselgespann ein St�ck weiter zur Rechten erschien. Der schwere, in Beige gekleidete H�ndler sa� auf dem Kutschbock und neben ihm Isendre, ganz in wei�er Seide mit einem dazu passenden Sonnenschirm. Keilles Wagen folgte. Natael f�hrte an ihrer Seite die Z�gel. Dann kamen die Planwagen und schlie�lich noch die drei gro�en Wasserbeh�lter, die wie riesige F�sser auf R�dern hinter ihren langen Maultiergespannen einherrumpelten. Sie blickten Rand an, als die Wagen mit quietschenden, lange nicht mehr geschmierten Achsen vorbeischwankten: Kadere und Isendre, Natael im Flickenumhang des Gauklers, Keilles massiger, schneewei� gekleideter K�rper mit einem wei�en Spitzentuch auf ihren Elfenbeink�mmen. Rand t�tschelte Jeade'ens stolz geschwungenen Hals. M�nner und Frauen str�mten in immer gr��erer Zahl drunten aus dem Markt und liefen den sich n�hernden Wagen entgegen. Die Shaido warteten. Bald. Bald.</p><p>Egwene f�hrte ihre graue Stute n�her an Jeade'en heran. Der Apfelschimmel versuchte, die Stute mit der Nase zu stupsen und bekam daf�r prompt einen leichten Bi� ab. �Du hast mir keine Chance gegeben, mit dir zu sprechen, seit wir die Kaltfelsenfestung verlassen haben, Rand.� Er sagte nichts. Sie war jetzt eine Aes Sedai, und das nicht nur, weil sie sich selbst als solche bezeichnete. Er fragte sich, ob auch sie in seinen Tr�umen spioniert habe. Ihr Gesicht wirkte angespannt und ihre dunklen Augen m�de. �Ziehe dich nicht so in dich selbst zur�ck, Rand. Du k�mpfst doch nicht allein. Auch andere k�mpfen auf deiner Seite.� Mit gerunzelter Stirn mied er ihren Blick. Zuerst dachte er an Emondsfeld und Perrin, aber er konnte sich nicht vorstellen, da� sie wisse, wohin Perrin gegangen war. �Was meinst du damit?� fragte er schlie�lich.</p><p>�Ich k�mpfe f�r Euch�, sagte Moiraine, bevor Egwene den Mund aufbekam, �genau wie Egwene.� Die beiden Frauen tauschten einen kurzen Blick. �Es gibt Menschen, die f�r Euch k�mpfen, ohne es zu wissen, und Ihr kennt sie nicht einmal. Ihr erkennt nicht, was es bedeutet, das Gewebe eines Zeitalters zu ver�ndern, oder? Die Wellen, die Eure Handlungen ausl�sen, die Eure blo�e Existenz ausl�st, breiten sich durch das Muster aus und ver�ndern das Gewebe von Lebensf�den, deren Ihr niemals gewahr werdet. Der Kampf ist ganz gewi� nicht nur Eurer. Doch Ihr steht im Herzen dieses Gewebes im Muster. Solltet Ihr versagen und fallen, dann f�llt alles und vergeht. Da ich nicht mit Euch ins Alcair Dal gehen kann, nehmt wenigstens Lan mit. Ein weiteres Augenpaar, das Euch den R�cken decken kann.� Der Beh�ter wandte sich leicht im Sattel um und sah sie finster an. Da die Shaido verschleiert und zum T�ten bereit waren, wollte er sie nicht gern allein lassen.</p><p>Rand glaubte nicht, da� er diesen Blick zwischen den beiden hatte bemerken sollen. Also hatten sie ein Geheimnis vor ihm. Egwene hatte wirklich Aes-Sedai-Augen, dunkel, und nichts war davon abzulesen. Aviendha und die T�chter hatten sich wieder zu ihm gesellt. �La�t Lan bei Euch bleiben, Moiraine. Meine Ehrengarde sind die <emphasis>Far Dareis Mai.�</emphasis></p><p>Moiraines Mundwinkel verzogen sich leicht, aber was die T�chter betraf, hatte er wohl genau das Richtige gesagt. Adelin und die anderen grinsten breit.</p><p>Unten versammelten sich bereits die Aiel um die Wagenfahrer, als die begannen, ihre Maultiere auszuspannen. Nicht jeder allerdings achtete auf die Aiel. Keille und Isendre funkelten sich aus einiger Entfernung von ihren Wagen her an, w�hrend Natael mit der einen und Kadere mit der anderen Frau sprachen und sie zu beruhigen versuchten, bis sie schlie�lich ihr Blickduell aufgaben. Das war seit geraumer Zeit zwischen den beiden Frauen so gegangen. W�ren sie M�nner gewesen, dann h�tte Rand schon lange erwartet, da� sie sich pr�gelten.</p><p>�Sei auf der Hut, Egwene�, sagte Rand. �Seid alle auf der Hut!� �Selbst die Shaido werden einer Aes Sedai nichts tun�, sagte Amys zu ihm, �genausowenig wie Bair oder Melaine oder mir. Einige Dinge machen nicht einmal die Shaido.� �Pa�t einfach nur gut auf!� Er hatte das nicht in so scharfem Ton sagen wollen. Selbst Rhuarc blickte ihn mit gro�en Augen an. Sie verstanden ihn nicht, und er wagte nicht, ihnen alles zu berichten. Noch nicht. Wer w�rde zuerst die Falle ausl�sen? Er mu�te ihre Leben genauso riskieren wie das seine.</p><p>�Und was ist mit mir, Rand?� fragte Mat pl�tzlich. Er rollte dabei eine Goldm�nze zwischen den Fingern einer Hand hindurch, als sei er sich dessen gar nicht bewu�t. �Hast du irgendwelche Einw�nde, da� ich mit dir gehe?� �M�chtest du? Ich dachte, du bliebst lieber bei den H�ndlern.� Mat sah finster auf die Wagen hinab und dann zu den Shaido hin�ber, die sich vor dem Felsdurchla� aufgereiht hatten. �Ich glaube nicht, da� es leicht sein wird, hier wieder herauszukommen, falls du dich umbringen l��t. Seng mich, aber du bringst mich so oder so in irgendeinen Kochtopf... <emphasis>Dovienya�,</emphasis> knurrte er. Rand hatte schon �fters geh�rt, wie er das sagte. Lan hatte ihm gesagt, in der Alten Sprache hei�e das soviel wie �Gl�ck�. Dann warf Mat die Goldm�nze hoch. Als er versuchte, sie wieder aufzufangen, prallte sie von seinen Fingerspitzen ab und fiel zu Boden. Es schien unm�glich, aber die M�nze landete genau auf der Kante und rollte hinunter, selbst �ber die Risse im festgebackenen Lehm hinweg. Sie glitzerte im Sonnenschein, als sie ihren Weg bis zu den H�ndlerwagen zur�cklegte und erst dort endlich kippte. �Verdammt, Rand�, grollte er. �La� doch diese Spielchen mit mir!� Isendre hob die M�nze auf und bef�hlte sie, wobei sie zum H�gelkamm hochblickte. Auch die anderen starrten her�ber: Kadere und Keille und Natael.</p><p>�Du kannst mitkommen�, sagte Rand. �Rhuarc, wird es nicht langsam Zeit?� Der Clanh�uptling blickte sich nach hinten um. �Ja. In diesem...� Hinter ihm begannen Dudels�cke eine langsame Tanzmelodie. �... Augenblick.� Gesang erhob sich zum Klang der Dudels�cke. Die Aieljungen h�rten eigentlich mit Singen auf, wenn sie zu M�nnern wurden. Doch zu bestimmten Anl�ssen sangen sie. Wenn ein Aielmann den Speer genommen hatte, sang er nur noch Schlachtges�nge oder Totenklagen. Es waren in dieser Melodie auch Stimmen von T�chtern des Speers zu h�ren, aber sie wurden von den tiefen M�nnerstimmen �bert�nt.</p><p><emphasis>Wasch den Speer � wenn die Sonn' am Himmel steht. Wasch den Speer � wenn die Sonne sinkt.</emphasis></p><p>Eine halbe Meile jeweils zur Rechten und zur Linken erschienen Taardad, die im Rhythmus ihres Liedes in zwei breiten Kolonnen vorw�rtsliefen, die Speere kampfbereit und die Gesichter verschleiert. Die scheinbar endlosen Kolonnen wogten auf die Berge zu.</p><p><emphasis>Wasch den Speer � wer hat Angst vor dem Tod? Wasch den Speer � keiner, den ich kenn!</emphasis></p><p>In dem Lagern der Clans und auf dem Marktgel�nde blickten die Aiel verbl�fft her�ber. Etwas an ihrer Haltung sagte Rand, da� sie schwiegen. Ein paar Wagenfahrer standen wie bet�ubt daneben, w�hrend andere die Maultiere springen lie�en und sich unter ihren Wagen in Sicherheit brachten. Und Keille und Isendre, Kadere und Natael beobachteten Rand.</p><p><emphasis>Wasch den Speer � solang du lebst. Wasch den Speer � bis es zu Ende geht. Wasch den Speer...</emphasis></p><p>�Sollen wir gehen?� Er wartete nicht auf Rhuarcs Nicken, sondern lenkte Jeade'en im Schritt den H�gel hinunter. Adelin und die anderen T�chter formierten sich um ihn.</p><p>Mat z�gerte einen Moment, und dann trieb er Pips an, ihnen zu folgen. Rhuarc und die Septimenh�uptlinge der Taardad waren gleich mit dem Apfelschimmel losgegangen. Einmal, auf halbem Weg zu den Marktbuden, blickte sich Rand zum H�gelkamm um. Moiraine und Egwene sa�en dort neben Lan auf ihren Pferden. Aviendha stand bei den drei Weisen Frauen. Alle beobachteten ihn. Er hatte schon fast vergessen, wie es war, einmal nicht von anderen Menschen beobachtet zu werden.</p><p>Als er sich dem Marktgel�nde n�herte, kam ihm eine Delegation entgegen: zehn oder vielleicht auch ein Dutzend Frauen in Rock und Bluse und mit viel Gold und Silber und Elfenbeinschmuck beh�ngt, und genauso viele M�nner im Grau und Braun des <emphasis>Cadin'sor,</emphasis> doch bis auf ein Messer unbewaffnet, und diese Messer waren erheblich kleiner als die schweren Klingen, die Rhuarc ben�tzte. Immerhin nahmen sie eine Position an, die Rand und die anderen zum Stehenbleiben zwang. Sie schienen die verschleierten Taardad, die im Osten und im Westen heranstr�mten, v�llig zu ignorieren.</p><p><emphasis>Wasch den Speer � das Leben ist ein Traum.</emphasis></p><p><emphasis>Wasch den Speer � jeder Traum ist irgendwann zu Ende.</emphasis></p><p>�Ich habe das nicht von Euch erwartet, Rhuarc�, sagte ein schwergebauter, grauhaariger Mann. Er war nicht fett �Rand hatte noch nie einen fetten Aiel gesehen �, er hatte einfach so m�chtige Muskelpakete. �Selbst von den Shaido hat es mich �berrascht, aber von Euch...!� �Die Zeiten �ndern sich, Mandhuin�, erwiderte der Clanh�uptling. �Wie lange sind die Shaido schon hier?� �Sie sind erst bei Sonnenaufgang angekommen. Wer wei� schon, wieso sie die Nacht durch gelaufen sind?� Mandhuin runzelte leicht die Stirn beim Anblick Rands und dann neigte er den Kopf in Richtung Mat. �Wirklich seltsame Zeiten, Rhuarc.� �Wer au�er den Shaido ist noch hier?� fragte Rhuarc.</p><p>�Wir Goshien sind zuerst angekommen. Dann die Shaarad.� Der schwere Mann verzog bei der Erw�hnung ihres Todfeindes das Gesicht, musterte aber weiterhin die beiden Feuchtl�nder. �Sp�ter kamen die Chareen und die Tomanelle. Und zuletzt eben die Shaido, wie ich schon sagte. Sevanna hat erst vor kurzer Zeit die H�uptlinge �berredet, hineinzugehen. Bael dagegen hat keinen Grund gesehen, heute schon zusammenzutreffen. Einige der anderen auch nicht.� Eine Frau von mittleren Jahren mit breitem Gesicht und hellerem Haar als Adelin stemmte die F�uste in die H�ften, wobei ihre goldenen und elfenbeinernen Armreifen klapperten. Sie trug so viele davon, und dazu noch genauso viele Halsketten, wie Amys und ihre Schwesterfrau zusammen. �Wir haben geh�rt, da� Er, Der Mit Der Morgend�mmerung Kommt, aus Rhuidean zu Euch gekommen ist, Rhuarc.� Sie sah Rand und Mat mi�billigend an. Die ganze Abordnung tat das. �Wir haben geh�rt, da� heute der <emphasis>Car'a'carn</emphasis> proklamiert wird. Bevor noch alle Clans angekommen sind.� �Dann hat Euch jemand eine Weissagung mitgeteilt�, sagte Rand. Er ber�hrte mit den Fersen die Flanken seines Apfelschimmels und die Abordnung gab den Weg frei.</p><p><emphasis>�Dovienya�,</emphasis> murmelte Mat. <emphasis>�Mia dovienya nesodhin soende.�</emphasis> Was es auch bedeuten mochte, es klang jedenfalls wie ein Sto�seufzer.</p><p>Die Kolonnen der Taardad hatten sich von beiden Seiten her gen�hert und standen den Shaido auf wenige hundert Schritt gegen�ber, immer noch verschleiert, immer noch singend. Sie machten keinerlei drohende Geb�rden, sondern standen nur da, f�nfzehn- oder zwanzigmal so viele wie die Shaido, und sangen. Ihre Stimmen erschallten in einem gewaltigen Chor.</p><p><emphasis>Wasch den Speer � bis aller Schatten gefloh'n. Wasch den Speer � bis das Wasser vertrocknet. Wasch den Speer � wie weit noch nach Haus? Wasch den Speer � bis mein Leben ist aus!</emphasis></p><p>Rand ritt n�her an die schwarzverschleierten Shaido heran und sah, wie Rhuarc die Hand hob, um den eigenen Schleier festzumachen. �Nein, Rhuarc. Wir sind nicht hier, um gegen sie zu k�mpfen.� Er meinte damit, er hoffe, es werde nicht soweit kommen, aber der Aielmann verstand es anders.</p><p>�Ihr habt recht, Rand al'Thor. Den Shaido keine Ehre geben.� Er lie� seinen Schleier h�ngen und erhob die Stimme: �Keine Ehre den Shaido!� Rand wandte sich nicht um, aber er hatte das Gef�hl, da� auch hinter ihm die Schleier gel�st w�rden. �Oh, Blut und Asche!� knurrte Mat. �Blut und verfluchte Asche!�</p><p><emphasis>Wasch den Speer � bis die Sonne erkaltet. Wasch den Speer � bis das Wasser verrinnt. Wasch den Speer...</emphasis></p><p>Die Reihen der Shaido bewegten sich nerv�s. Was ihnen Couladin oder Sevanna auch gesagt haben mochten � sie konnten auf jeden Fall z�hlen. Mit Rhuarc und seiner Begleitung den Tanz der Speere zu tanzen war ja sch�n und gut, obwohl es dem Brauch widersprach, aber ihn mit so vielen Taardad zu tanzen, da� sie die Shaido wie eine Lawine wegfegen konnten, war eine ganz andere Sache. Langsam traten sie zur Seite und �ffneten einen breiten Durchgang, damit Rand weiterreiten konnte.</p><p>Rand seufzte erleichtert auf. Und Adelin mit ihren anderen T�chtern des Speers schritt unbeeindruckt und hoch aufgerichtet voran, als existierten die Shaido �berhaupt nicht.</p><p><emphasis>Wasch den Speer � und ich hol tief Luft. Wasch den Speer � meine Stahlspitze schimmert. Wasch den Speer...</emphasis></p><p>Der Gesang hinter ihnen wurde immer leiser, als sie durch die schmale Schlucht mit ihren steilen Felsw�nden zu beiden Seiten schritten. In tiefem Schatten zog sich die Schlucht weit in die Berge hinein. Minutenlang war das lauteste Ger�usch das Klappern der Hufe auf dem Felsboden und danach das leise Auftreten der Aielstiefel. Dann pl�tzlich weitete sich der Durchla�, und sie befanden sich im Alcair Dal.</p><p>Rand wurde klar, warum das Tal als sch�sself�rmig bezeichnet wurde; allerdings war nichts daran golden. Es war beinahe kreisrund. Der graue Steinwall au�enherum war nicht zu steil, au�er am hinteren Ende, wo sich wie bei einem Brecher auf See ein �berhang ergab. Am gesamten Au�enhang standen dichte Gruppen von Aiel mit blo�en K�pfen und unverschleiert. Es gab viel mehr Gruppen von ihnen als Clans. Die Taardad, die mit den Septimenh�uptlingen gekommen waren, gingen nun hin�ber zu der einen oder anderen dieser Gruppen. Rhuarc hatte gemeint, eine Gruppenbildung nach Kriegergemeinschaften anstatt nach Clans sei hilfreich, um besser Frieden halten zu k�nnen. Nur seine Roten Schilde und die T�chter blieben bei Rand und den H�uptlingen der Taardad.</p><p>Die Septimenh�uptlinge der anderen Clans sa�en alle nach Clans geordnet im Schneidersitz vor einer langen Felsplattform unter dem �berhang. Sechs kleine Gruppen, darunter eine mit T�chtern des Speers, befanden sich zwischen den Septimenh�uptlingen und dem Felsvorsprung. Das sollten wohl diejenigen Aiel sein, die als Ehrenwachen mit den Clanh�uptlingen gekommen waren. Sechs, obwohl sich nur f�nf Clans hier befanden! Die T�chter waren wahrscheinlich mit Sevanna gekommen. Obwohl � Aviendha hatte ihm schnell noch erkl�rt, da� Sevanna selbst nie eine <emphasis>Far Dareis Mai</emphasis> gewesen sei. Doch die �berz�hlige Gruppe... Elf Mann waren das, und nicht zehn. Rand sah wohl nur den Hinterkopf mit dem flammenfarbenen Haar, doch er war sicher, da� es Couladin sein mu�te.</p><p>Auf dem Vorsprung selbst stand eine Frau mit goldenem Haar mit ebensoviel Schmuck wie jene andere Frau drau�en bei den Buden, den grauen Schal �ber die Arme gelegt � klar, da� dies Sevanna sein mu�te � und daneben vier Clanh�uptlinge, jeder bis auf sein langes Messer am G�rtel unbewaffnet. Einer davon war der gr��te Mann, den Rand je gesehen hatte. Der Beschreibung Rhuarcs nach mu�te das Bael von den Goshien Aiel sein. Der Kerl war garantiert noch eine Handspanne gr��er als Rhuarc oder er selbst. Sevanna sprach gerade und durch irgendeine akustische Besonderheit war jedes ihrer Worte �berall deutlich h�rbar.</p><p>�... gestattet ihm, hier zu sprechen!� Ihre Stimme klang nerv�s und zornig. Mit hocherhobenem Kopf und steifem Kreuz bem�hte sie sich, die Szenerie von dort oben zu beherrschen. �Ich verlange das als mein Recht! Bis ein neuer H�uptling erw�hlt ist, stehe ich f�r Suladric und die Shaido. Ich bestehe auf meinen Rechten!� �Ihr steht f�r Suladric, bis ein neuer H�uptling erw�hlt ist, Dachherrin.� Der wei�haarige Mann, der diese Worte ziemlich gereizt sprach, war Han, Clanh�uptling der Tomanelle. Mit einem Gesicht wie aus dunklem, verknittertem Leder w�re er an den Zwei Fl�ssen noch als �berdurchschnittlich gro� bezeichnet worden, doch f�r einen Aiel war er klein und untersetzt. �Ich habe keine Zweifel daran, da� Ihr die Rechte einer Dachherrin gut kennt, aber die eines Clanh�uptlings vielleicht nicht ganz so gut. Nur einer, der Rhuidean betreten hat, darf hier sprechen � und dazu Ihr, die an Suladrics Statt hier steht� �es klang nicht gerade gl�cklich, wie Han es aussprach, aber andererseits war er ein Typ, der wohl kaum jemals gl�cklich sein d�rfte �, �aber die Traumg�ngerinnen haben unseren Weisen Frauen gesagt, da� Couladin das Recht, Rhuidean zu betreten, verweigert wurde.� Couladin schrie etwas dazwischen, offensichtlich w�tend, aber undeutlich, denn die Akustik im Tal wirkte sich wohl nur auf den Vorsprung aus. Dann unterbrach ihn Erim von den Chareen, dessen ebenfalls leuchtend rotes Haar schon zur H�lfte wei� war, in scharfem Ton: �Habt Ihr keinen Respekt vor Sitte und Gesetz, Shaido? Habt Ihr keine Ehre im Leib? Schweigt still!� Ein paar Blicke von den H�ngen her wandten sich den Ank�mmlingen zu, um zu sehen, wer da gekommen sei. Diejenigen, die zwei Ausl�nder auf Pferden an der Spitze der Septimenh�uptlinge entdeckt hatten, von denen einer auch noch von T�chtern des Speers geleitet wurde, stie�en ihre Nebenleute an. Rand fragte sich, wie viele Aiel ihn innerhalb k�rzester Zeit neugierig anblickten. Dreitausend? Viertausend? Mehr? Keiner gab etwas von sich.</p><p>�Wir haben uns hier versammelt, um eine gro�e Neuigkeit zu erfahren, sobald alle Clans angekommen sind�, sagte Bael. Auch sein dunkelrotes Haar ergraute bereits. Es gab unter den Clanh�uptlingen keine jungen M�nner. Seine K�rpergr��e und die tiefe Stimme zogen die Blicke auf sich. �Wenn alle Clans angekommen sind. Wenn Sevanna jetzt nichts anderes vorzubringen hat, als f�r Couladin die Erlaubnis zum Sprechen zu erbitten, dann gehe ich zu meinen Zelten zur�ck und warte.� Jheran von den Shaarad, den Todfeinden von Baels Goshien, war ein schlanker Mann, in dessen hellbraunem Haar viele graue Str�hnen zu sehen waren. Seine Schlankheit war die einer Stahlklinge. Er sprach niemanden unter den Clanh�uptlingen direkt an. �Ich sage, wir kehren nicht zu den Zelten zur�ck. Da uns Sevanna nun einmal zusammengebracht hat, sprechen wir doch �ber etwas, das nur ein bi�chen weniger wichtig ist als die Neuigkeit, auf die wir warten: Wasser. Ich m�chte mit Euch �ber die Wasserrechte an der Bergkettenfeste sprechen.� Bael wandte sich ihm drohend zu.</p><p>�Narren!� fuhr Sevanna sie an. �Ich habe genug vom Warten! Ich... � In diesem Augenblick wurden die anderen auf dem Vorsprung der Neuank�mmlinge gewahr. In l�hmendem Schweigen beobachteten sie, wie sie sich n�herten. Die Clanh�uptlinge runzelten die Stirn. Sevanna machte eine finstere Miene. Sie war eine h�bsche Frau, noch nicht einmal in mittleren Jahren und noch j�nger wirkend, da sie zwischen viel �lteren M�nnern stand. Doch ihr Mund wirkte gierig. Die Clanh�uptlinge waren w�rdevolle M�nner, selbst Han mit seiner s�uerlichen Miene, doch der Blick aus ihren bla�gr�nen Augen war berechnend. Im Gegensatz zu allen Aielfrauen, die Rand je gesehen hatte, trug sie ihre lose wei�e Bluse so weit ge�ffnet, da� man einen guten Ausblick auf ihren vom Halsschmuck eingerahmten sonnengebr�unten Busen hatte. Die M�nner h�tte er schon an ihrem Verhalten als Clanh�uptlinge erkannt, aber wenn Sevanna Dachherrin war, dann hatte sie nicht viel mit Lian gemein.</p><p>Rhuarc ging geradewegs zu der Felsplatte hin, reichte Speere und Schild, Bogen und K�cher seinen Roten Schilden und kletterte nach oben. Rand gab seine Z�gel Mat, der daraufhin knurrte: �Gl�ck steh uns bei!� Er be�ugte dabei die Aiel in ihrer Umgebung. Adelin nickte Rand aufmunternd zu, und der trat vom Pferdesattel aus direkt auf den Felsvorsprung. Ein �berraschtes Murmeln erf�llte die Mulde.</p><p>�Was tust du da, Rhuarc?� wollte Han mit finsterem Blick wissen. �Bringst einen Feuchtl�nder hierher? Wenn du ihn schon nicht t�test, dann schicke ihn wenigstens vom Platz der H�uptlinge herunter.� �Dieser Mann, Rand al'Thor, ist gekommen, um zu den Clanh�uptlingen zu sprechen. Haben Euch die Traumg�ngerinnen nicht gesagt, da� er mit mir kommen werde?� Rhuarcs Worte brachten unter den Zuh�rern wieder ein lautes Murmeln hervor.</p><p>�Melaine hat mir vieles gesagt, Rhuarc�, sagte Bael bed�chtig, wobei er beim Anblick Rands wieder die Stirn runzelte. �Da� Er, Der Mit Der Morgend�mmerung Kommt, aus Rhuidean zur�ckgekommen sei. Ihr wollt doch nicht etwa sagen, da� dieser Mann... � Er lie� die Worte ungl�ubig verklingen.</p><p>�Wenn dieser Feuchtl�nder sprechen darf�, sagte Sevanna schnell, �dann darf Couladin das auch.� Sie hob eine weich wirkende Hand, und Couladin kletterte mit zornger�tetem Gesicht auf den Vorsprung.</p><p>Han fuhr ihn an: �Geht hinunter, Couladin! Es ist schlimm genug, da� Rhuarc die Sitten mi�achtet; es ist also nicht notwendig, da� Ihr das auch noch tut!� �Es ist Zeit, mit alten, �berholten Br�uchen Schlu� zu machen!� schrie der Shaido mit dem Feuerkopf, wobei er sein graubraunes Wams abstreifte. Es gab keinen Grund, von dort oben zu schreien, denn die Worte waren �berall im Tal zu h�ren. Trotzdem senkte er die Stimme nicht. �Ich bin Der, Der Mit der Morgend�mmerung Kommt!� Er schob seine Hemds�rmel bis zu den Ellbogen hoch und reckte seine F�uste in die Luft. Um jeden Unterarm wand sich ein schlangenartiges Gesch�pf mit roten und goldenen Schuppen und metallisch glitzernden F��en, die jeweils in f�nf goldenen Klauen ausliefen. Die K�pfe mit den goldenen M�hnen lagen �ber den Au�enseiten der Handgelenke. Zwei perfekte Drachen. �Ich bin der <emphasis>Car'a'carn!�</emphasis> Der Aufschrei, der zur�ckhallte, klang wie Donner. Aiel sprangen auf und jubelten. Auch die Septimenh�uptlinge waren auf den Beinen, die der Taardad besorgt zusammenstehend, und die anderen schrien genauso laut wie die menge.</p><p>Die Clanh�uptlinge schienen bet�ubt � selbst Rhuarc. Adelin und ihre neun T�chter des Speers hatten ihre Speere gepackt, als rechneten sie damit, sie jeden Moment einsetzen zu m�ssen. Mat blickte zu der breiten Felsspalte hin�ber, die aus dem Tal f�hrte, und dann zog er den Hut tiefer und lenkte beide Pferde nahe an den Vorsprung heran, wobei er Rand verstohlen bedeutete, wieder auf sein Pferd zu steigen.</p><p>Sevanna l�chelte siegessicher und r�ckte ihren Schal zurecht, als Couladin mit hoch erhobenen Armen an den Rand der Felsplatte trat. �Ich bringe Euch Ver�nderungen!� schrie er. �Wie es der Weissagung entspricht, bringe ich Euch eine neue Zeit! Wir werden die Drachenmauer wieder �berqueren und zur�ckerobern, was unser war! Die Feuchtl�nder sind weich, aber auch reich! Ihr erinnert Euch sicher an die Reicht�mer, die wir zur�ckbrachten, als wir das letzte Mal in die Feuchtlande eindrangen! Diesmal nehmen wir alles mit! Diesmal...!� Rand lie� die Tirade des Mannes �ber sich ergehen. Bei allem hatte er dies nun wirklich nicht erwartet. <emphasis>Wie hat er das gemacht?</emphasis> Das ging ihm immer wieder durch den Kopf, und doch konnte er kaum glauben, wie gelassen er selbst dabei geblieben war. Langsam zog er sein Wams aus. Er z�gerte einen Augenblick, bevor er den <emphasis>Angreal</emphasis> aus der Tasche nahm und ihn oben unter den G�rtel in seine Hose steckte. Dann lie� er das Wams fallen und schritt zur Kante des Vorsprungs, wobei er seelenruhig die B�nder an seinen Hemds�rmeln l�ste. Als er die Arme �ber den Kopf hob, glitten die �rmel herab. Die versammelten Aiel brauchten einen Augenblick, bis sie die Drachen entdeckten, die sich auch im Sonnenschein gl�nzend um seine Unterarme zogen. Einer nach dem anderen schwieg, bis schlie�lich vollkommene Stille herrschte. Sevanna blieb der Mund offenstehen. Sie hatte das nicht gewu�t. Offensichtlich hatte Couladin nicht gedacht, da� Rand ihm so schnell folgen werde, und er hatte ihr wohl auch nicht erz�hlt, da� noch ein anderer die Zeichen an den Armen aufwies. <emphasis>Wie?</emphasis> Der Mann mu�te geglaubt haben, er habe Zeit, und sobald er sich etabliert habe, k�nne er Rand als Betr�ger abschieben. <emphasis>Licht, wie hat er das gemacht?</emphasis> Wenn schon die Dachherrin der Comardafestung v�llig verbl�fft war, dann waren es die Clanh�uptlinge erst recht, bis auf Rhuarc. Zwei M�nner so gezeichnet, wie es der Weissagung nach nur einer sein durfte.</p><p>Couladin br�llte weiter und schwenkte die Arme, damit auch bestimmt jeder herblickte: �... werden nicht bei den L�ndern der Eidbrecher haltmachen! Wir werden alle L�nder bis zum Aryth-Meer einnehmen! Die Feuchtl�nder k�nnen nicht widerstehen, wenn... � Pl�tzlich wurde ihm bewu�t, da� alle schwiegen, wo sie ihm zuvor zugejubelt hatten. Er wu�te, was das Schweigen hervorgerufen hatte. Ohne sich zu Rand umzudrehen, schrie er: �Feuchtl�nder! Seht Euch seine Kleider an! Ein Feuchtl�nder!� �Ein Feuchtl�nder�, stimmte ihm Rand zu. Er erhob die Stimme nicht, war aber �berall gut zu verstehen. Der Shaido wirkte einen Augenblick lang �berrascht, doch dann grinste er triumphierend � bis Rand fortfuhr: �Wie hei�t es in der Weissagung von Rhuidean? �Vom Blute geboren.� Meine Mutter war Shaiel, eine Tochter des Speers von den Chumai Taardad.� <emphasis>Wer war sie wirklich? Wo ist sie hergekommen?</emphasis> �Mein Vater war Janduin aus der Eisenbergseptime, der Clanh�uptling der Taardad.� <emphasis>Mein Vater ist Tam al'Thor. Er hat mich gefunden, mich aufgezogen und mir Liebe gegeben. Ich w�nschte, ich h�tte dich gekannt, Janduin, aber Tam ist mein Vater.</emphasis> ��Vom Blute geboren, aber bei denen aufgewachsen, die nicht vom Blute sind.� Wo suchten denn die Weisen Frauen nach mir? In den Festungen des Dreifachen Landes? Sie schickten ihre Sp�her �ber die Drachenmauer, wo ich aufwuchs. Wie die Weissagung es beschreibt.� Bael und die anderen drei nickten bed�chtig, wenn auch z�gernd. Da war immer noch die Tatsache, da� Couladin die Drachen trug, und zweifellos w�re ihnen einer aus ihrer Mitte lieber. Sevannas Gesicht wirkte wieder entschlossen: Gleich, wer die wirklichen Zeichen trug, ihr war klar, wen sie unterst�tzen w�rde.</p><p>Couladins Selbstvertrauen kam nicht ins Wanken. Er grinste Rand h�hnisch an. Es war das erste Mal, da� er ihn �berhaupt ansah. �Wie lange ist es her, da� die Weissagung von Rhuidean erstmals ausgesprochen wurde?� Er schien immer noch zu glauben, er m�sse schreien. �Wer wei�, wie stark die Worte ver�ndert wurden? Meine Mutter war eine <emphasis>Far Dareis Mai,</emphasis> bevor sie den Speer aufgab. Wie stark hat sich der Rest ver�ndert? Oder wurde ver�ndert? Man behauptet, wir h�tten einst den Aes Sedai gedient. Ich behaupte, sie wollen uns wieder an sich binden! Dieser Feuchtl�nder wurde ausgew�hlt, weil er uns �hnlich sieht! Er ist nicht von unserem Blut! Er kam mit Aes Sedai, die ihn an der Leine f�hren! Und die Weisen Frauen haben sie wie Erstschwestern begr��t! Ihr habt alle von Weisen Frauen geh�rt, die Dinge jenseits aller Vorstellung vollbringen k�nnen. Die Traumg�ngerinnen haben die Eine Macht ben�tzt, um mich von diesem Feuchtl�nder fernzuhalten! Sie ben�tzten die Eine Macht, wie man es den Aes Sedai nachsagt! Die Aes Sedai haben diesen Feuchtl�nder zu uns gebracht, um uns zu t�uschen! Und die Traumg�ngerinnen helfen ihnen!� �Das ist Wahnsinn!� Rhuarc trat neben Rand und blickte hinaus auf die immer noch schweigende Versammlung. �Couladin ist niemals in Rhuidean gewesen. Ich h�rte, wie es ihm die Weisen Frauen untersagten. Rand al'Thor aber war dort! Ich sah zu, wie er den Chaendaer verlie�, und ich sah ihn wiederkehren mit den Zeichen, die Ihr an ihm seht.� �Und warum wollten sie mich nicht hinlassen?� stie� Couladin w�tend hervor. �Weil die Aes Sedai es ihnen befahlen! Rhuarc erz�hlt Euch nicht, da� eine der Aes Sedai mit diesem Feuchtl�nder vom Chaendaer herabstieg! Deshalb ist er mit den Drachen zur�ckgekehrt! Durch die Hexerei der Aes Sedai! Mein Bruder Muradin ist unter dem Chaendaer gestorben, von diesem Feuchtl�nder und der Aes Sedai Moiraine ermordet, und die Weisen Frauen taten, was die Aes Sedai von ihnen verlangten, und lie�en sie laufen! Als die Nacht kam, ging <emphasis>ich</emphasis> nach Rhuidean. Ich habe das bis jetzt nicht verk�ndet, weil nur dies hier der rechte Ort ist, an dem sich der <emphasis>Car'a'carn</emphasis> zum erstenmal zeigt! Ich <emphasis>bin</emphasis> der <emphasis>Car'a'carn!�</emphasis></p><p>L�gen, aber sie enthielten genug Richtiges, um wahr zu klingen. Der Mann bestand nur aus siegessicherem Selbstvertrauen. Er war sicher, auf alles eine Antwort zu wissen.</p><p>�Ihr sagt, Ihr seid nach Rhuidean gegangen, ohne die Erlaubnis der Weisen Frauen zu haben?� wollte Han mit gerunzelter Stirn wissen. Der hochaufragende Bael schien genauso verstimmt, auch wenn er mit verschr�nkten Armen ruhig dastand. Erim und Jheran wirkten nicht viel weniger mi�billigend. Also wenigstens die Clanh�uptlinge schwankten noch. Sevanna hatte ihr Messer gepackt und funkelte Han an, als w�rde sie es ihm gern in den R�cken sto�en.</p><p>Couladin wu�te auch darauf eine Antwort. �Ja, ohne Erlaubnis! Er, Der Mit Der Morgend�mmerung Kommt, bringt Ver�nderungen mit sich. So sagt es die Weissagung! Sinnlose Dinge m�ssen sich �ndern, und ich werde sie �ndern! Bin ich nicht mit der Morgend�mmerung angekommen?� Die Clanh�uptlinge waren fast �berzeugt, genau wie die vielen Zuschauer. Alle waren sie aufgestanden und blickten schweigend hinauf � Tausende von Aiel. Wenn Rand sie nicht �berzeugen konnte, w�rde er wahrscheinlich Alcair Dal nicht mehr lebend verlassen. Mat deutete wieder auf Jeade'ens Sattel. Rand sch�ttelte noch nicht einmal den Kopf. Es gab f�r ihn einen wichtigeren Grund, nicht einfach nur lebendig entkommen zu wollen: Er brauchte diese Menschen und ihre Loyalit�t. Er <emphasis>mu�te</emphasis> ein Volk haben, das hinter ihm stand, weil es an ihn glaubte und nicht, um ihn zu ben�tzen, weil er ihnen etwas geben konnte. Es mu�te sein!</p><p>�Rhuidean�, sagte er. Das Wort schien das ganze Tal zu f�llen. �Ihr behauptet, Ihr w�rt in Rhuidean gewesen, Couladin. Was habt Ihr dort gesehen?� �Jeder wei�, da� man nicht �ber Rhuidean sprechen darf�, scho� Couladin zur�ck.</p><p>�Wir k�nnen auseinandergehen�, sagte Erim, �und unter uns dar�ber sprechen, damit Ihr uns sagt... � Der Shaido schnitt ihm mit zornrotem Gesicht das Wort ab.</p><p>�Ich werde mit niemanden dar�ber sprechen. Rhuidean ist ein heiliger Ort, und was ich sah, war heilig. Ich bin heilig!� Er hob wieder seine mit den Drachen gezeichneten Arme. �Diese machen mich heilig!� �Ich bin unter Glass�ulen neben <emphasis>Avendesora</emphasis> gewandelt�, sagte Rand ruhig, doch die Worte waren �berall zu h�ren. �Ich sah die Geschichte der Aiel durch die Augen meiner Vorfahren. Was habt Ihr gesehen, Couladin? Ich habe keine Angst davor, von dort zu berichten. Wie steht es mit Euch?� Der Shaido bebte vor Zorn. Sein Gesicht hatte fast die Farbe seines Feuerhaars angenommen.</p><p>Bael und Erim, Jheran und Han warfen sich unsichere Blicke zu. �Wir m�ssen die Versammlung aufl�sen�, brummte Han.</p><p>Couladin schien nicht zu begreifen, da� er seinen Vorsprung bei den vieren verloren hatte, aber Sevanna war es wohl klar. �Rhuarc hat ihm das gesagt�, fauchte sie. �Eine von Rhuarcs Frauen ist Traumg�ngerin, eine von denen, die den Aes Sedai hilft! Rhuarc hat ihm das gesagt!� �Das w�rde Rhuarc nicht tun!� fuhr Han sie an. �Er ist Clanh�uptling und ein Ehrenmann! Sprecht nicht �ber Dinge, die Ihr nicht beurteilen k�nnt, Sevanna!� �Ich habe keine Angst davor!� schrie Couladin hinein.</p><p>�Kein Mann darf behaupten, ich h�tte Angst! Ich habe auch durch die Augen meiner Vorfahren gesehen! Ich sah unsere Ankunft im Dreifachen Land! Ich sah unseren Ruhm! Den Ruhm, den ich wieder zur�ckgewinnen werde!� �Ich sah das Zeitalter der Legenden�, verk�ndete Rand, �und den Beginn des Zugs der Aiel ins Dreifache Land.� Rhuarc ergriff seinen Arm, doch er sch�ttelte die Hand des Clanh�uptlings ab. Diesen Augenblick hatte das Schicksal f�r ihn bereitgehalten, seit sich die Aiel das erste Mal vor Rhuidean versammelten. �Ich sah die Aiel, als man sie noch Da'schain Aiel nannte, und sie folgten dem Weg des Blattes.� �Nein!� Der Schrei erhob sich im Rund und ert�nte wie Donner. �Nein! Nein!� aus Tausenden von Kehlen. Auf den Spitzen der Speere, die wild geschwenkt wurden, glitzerte der Sonnenschein. Selbst einige der Septimenh�uptlinge der Taardad schrien mit. Adelin blickte entsetzt zu Rand auf. Mat schrie Rand etwas zu, doch es ging im Donnerhall unter. Dann deutete er eindringlich auf Jeade'ens Sattel.</p><p>�L�gner!� Die Akustik im Tal verst�rkte Couladins Aufschrei in dem sich Zorn mit Triumph mischte, so da� er noch �ber das Schreien der versammelten Aiel zu h�ren war. Sevanna sch�ttelte verzweifelt den Kopf und langte nach ihm. Jetzt zumindest vermutete sie, da� er der Betr�ger sei, und sie versuchte, ihn zum Schweigen zu bringen, damit sie noch eine Chance hatten. Wie Rand gehofft hatte, schob Couladin sie weg. Der Mann wu�te, da� Rand in Rhuidean gewesen war. Er glaubte wahrscheinlich nicht einmal die H�lfte seiner eigenen Geschichte, aber an Rands Geschichte konnte er auch nicht glauben. �Aus seinem eigenen Mund h�rt Ihr den Beweis, da� er ein Betr�ger ist! Wir sind immer schon Krieger gewesen! Immer! Vom Beginn der Zeit an!� Das Schreien schwoll an, die Speere wurden gesch�ttelt, doch Bael und Erim, Jheran und Han standen schweigend und wie versteinert da. Jetzt wu�ten sie Bescheid. Couladin war sich ihrer Blicke v�llig unbewu�t und winkte mit seinen drachengeschm�ckten Armen in die Menge hinein. Er geno� sichtlich ihre Begeisterung.</p><p>�Warum?� fragte Rhuarc Rand leise. �Habt Ihr nicht verstanden, warum wir nicht �ber Rhuidean sprechen? Das zu akzeptieren, da� wir uns einst so sehr von allem unterschieden, woran wir glauben, da� wir diejenigen waren, die wir als die Verlorenen Kinder betrachten und die Ihr Tuatha'an nennt! Rhuidean t�tet diejenigen, die das nicht akzeptieren k�nnen. Nicht mehr als einer von drei M�nnern, die nach Rhuidean gehen, �berlebt dort. Und jetzt habt Ihr es vor allen ausgesprochen. Und es bleibt nicht auf die hier Anwesenden beschr�nkt, Rand al'Thor. Es wird sich ausbreiten. Wie viele werden stark genug sein, um das zu ertragen?� <emphasis>Er wird Euch zur�ckf�hren, und er wird Euch vernichten.</emphasis> �Ich bringe Ver�nderungen mit mir�, sagte Rand traurig. �Keinen Frieden, sondern Aufruhr.� <emphasis>Zerst�rung folgt mir �berall auf den Fersen. Wird es einmal einen Ort geben, den ich nicht zerrissen hinterlasse?</emphasis> �Was geschehen wird, wird geschehen, Rhuarc. Ich kann es nicht �ndern.� �Was geschehen wird, wird geschehen�, wiederholte der Aielmann nach ein paar Augenblicken.</p><p>Couladin schritt immer noch auf und ab und schrie den Aiel Parolen von Ruhm und Eroberung zu. Er war sich der Blicke der Clanh�uptlinge hinter ihm nicht bewu�t. Sevanna sah Couladin �berhaupt nicht mehr an. Ihre bla�gr�nen Augen waren eindringlich auf die Clanh�uptlinge gerichtet, ihre Z�hne gefletscht, und ihr Busen hob und senkte sich heftig. Sie mu�te wissen, was das Schweigen und die Blicke zu bedeuten hatten.</p><p>�Rand al'Thor�, sagte Bael laut, und der Name schnitt durch Couladins Geschrei und wie eine Stahlklinge durch das Gebr�ll der Menge, die innerhalb eines einzigen Moments verstummte. Er hielt inne, um sich zu r�uspern, und bewegte den Kopf suchend, als f�nde er keinen Ausweg. Couladin drehte sich zu ihm um und verschr�nkte selbstbewu�t die Arme. Zweifellos erwartete er das Todesurteil f�r den Feuchtl�nder. Der hochgewachsene Clanh�uptling atmete tief durch. �Rand al'Thor ist der <emphasis>Car'a'carn.</emphasis> Rand al'Thor ist Er, Der Mit Der Morgend�mmerung Kommt.� Couladin ri� die Augen in ungl�ubiger Wut auf.</p><p>�Rand al'Thor ist Er, Der Mit Der Morgend�mmerung Kommt�, verk�ndete Han mit dem Ledergesicht genauso z�gernd.</p><p>�Rand al'Thor ist Er, Der Mit Der Morgend�mmerung Kommt.� Das kam in grimmigem Tonfall von Jheran, und Erim sagte: �Rand al'Thor ist Er, Der Mit Der Morgend�mmerung Kommt.� �Rand al'Thor�, sagte Rhuarc, �ist Er, Der Mit Der Morgend�mmerung Kommt.� Und mit so leiser Stimme, da� es selbst bei dieser Akustik drunten nicht zu h�ren war, f�gte er hinzu: �Und das Licht sei uns gn�dig.� Einen langen, langen Augenblick w�hrte das Schweigen. Dann sprang Couladin vor Wut schnaubend von der Felsplatte, ri� einem seiner <emphasis>Seia Doon</emphasis> einen Speer aus der Hand und schleuderte ihn geradewegs auf Rand. Doch als sich die Speerspitze senkte, sprang Adelin dazwischen. Die Spitze grub sich in das mehrschichtige Stierleder ihres ausgestreckten Schilds und ri� sie herum.</p><p>Im ganzen Tal brach die H�lle los. Die M�nner schrien durcheinander und dr�ngten nach vorn. Die anderen Jindo-T�chter sprangen hoch und stellten sich neben Adelin, um einen Schutzschirm vor Rand zu bilden. Sevanna war herabgeklettert und schrie Couladin erregt an. Dann klammerte sie sich an seinen Arm, um ihn zur�ckzuhalten, als er mit seinen Schwarzaugen-Shaido gegen die T�chter des Speers zwischen ihm und Rand vorgehen wollte. Heirn und ein Dutzend weitere Septimenh�uptlinge der Taardad schlossen sich Adelin an, die Speere kampfbereit, w�hrend andere nur herumschrien. Mat kletterte mit seinem eigenen Speer in der Hand nach oben � schwarzer Schaft und mit Raben gekennzeichnete Schwertklinge � und br�llte etwas, das wohl ein Fluchen in der Alten Sprache sein sollte. Rhuarc und die anderen Clanh�uptlinge versuchten mit lauten Stimmen, die anderen wieder zur Ordnung zu rufen, doch das Tal kochte. Rand sah, wie Schleier festgemacht wurden. Ein Speer blitzte im Zustechen auf. Ein weiterer. Er mu�te dem Einhalt gebieten.</p><p>Er griff nach <emphasis>Saidin,</emphasis> und die Macht durchstr�mte ihn, bis er glaubte, er werde platzen, falls er nicht vorher verbrannte. Der Schmutz der Verderbnis breitete sich in ihm aus, bis sich seine Knochen zu verbiegen schienen. Gedanken schwebten au�erhalb des Nichts: kalte Gedanken. Wasser. Hier, wo Wasser so knapp war, stellte es das Hauptthema bei allen Gespr�chen der Aiel dar. Selbst in dieser trockenen Luft befand sich noch etwas Wasser. Er lenkte die Macht, ohne wirklich zu wissen, was er da tat, und griff blind hinaus.</p><p>Blitze zuckten �ber Alcair Dal. Der Wind rauschte aus allen Richtungen heran und heulte so laut �ber den �berhang hinweg, da� er sogar die Schreie der Aiel �bert�nte. Der Wind brachte winzige Spuren von Wasser mit sich, mehr und mehr, bis etwas geschah, das noch kein Mensch hier erlebt hatte: Regen begann in einem d�nnen Schleier zu fallen. Der Wind �ber ihnen heulte und wirbelte. Wilde Blitze zuckten immer heftiger �ber den Himmel. Und der Regen wurde st�rker und st�rker, wurde zu einem wahren Gu�, fegte �ber den Felsvorsprung, lie� sein Haar an der Stirn kleben und sein Hemd am R�cken. Er konnte keine f�nfzig Schritt weit sehen.</p><p>Mit einemmal traf ihn der Regen nicht mehr und eine unsichtbare Kuppel breitete sich um ihn aus, die Mat und die Taardad wegschob. Durch den an der Seite herabrinnenden Regenvorhang sah er verschwommen, wie Adelin mit den F�usten darauf schlug und versuchte, sich den Weg zu ihm hinein zu erzwingen.</p><p>�Du kompletter Narr! Mit diesen anderen Narren Spielchen zu spielen! All meine Zeit und meine M�he beim Planen verschwendest du!� Wasser tropfte von seinem Gesicht, als er sich zu Lanfear umwandte. Ihr wei�es Kleid mit dem Silberg�rtel war vollst�ndig trocken. Die schwarzen Wogen ihres Haares waren zwischen den silbernen Sternen und Halbmonden von keinem Regentropfen ber�hrt worden.</p><p>Die gro�en, schwarzen Augen blickten ihn zornig an; �rger verzerrte ihr sch�nes Gesicht.</p><p>�Ich habe nicht erwartet, da� Ihr euch schon jetzt zu erkennen gebt�, sagte er ruhig. Die Macht erf�llte ihn noch; er schwamm auf ihrem Strom, beinahe hilflos, und hielt sich verzweifelt oben. Doch in seiner Stimme war nichts von dieser Verzweiflung. Es war nicht notwendig, noch mehr der Macht heranzuziehen. Er lie� sie nur einfach in sich hinein, bis es schien, als w�rden seine Knochen zu Asche verbrannt. Er wu�te nicht, ob sie ihn abschirmen konnte, w�hrend <emphasis>Saidin</emphasis> ihn durchtobte, aber vorsichtshalber lie� er sich ganz und gar f�llen. �Ich wei�, da� Ihr nicht allein seid. Wo ist er?� Lanfears sch�ner Mund verzog sich. �Ich wu�te, er w�rde sich verraten, wenn er so in deinen Traum eindringt. Ich h�tte alles geradegebogen, wenn nicht seine Panik... � �Ich wu�te von Anfang an Bescheid�, unterbrach er sie. �Ich habe dies von dem Tag an erwartet, an dem wir den Stein von Tear verlie�en. Hier drau�en, wo es jedem klarwerden mu�te, da� ich nach Rhuidean und zu den Aiel wollte. Habt Ihr geglaubt, ich h�tte nicht erwartet, da� mich einige von Euch verfolgen w�rden? Aber das ist <emphasis>meine</emphasis> Falle, Lanfear, und nicht Eure. Wo ist er?� Das letztere kam als kalter Schrei. Gef�hle glitten unkontrolliert um das Nichts, das ihn im Innern sch�tzte, die Leere, die nicht leer war, die von der Macht erf�llte Leere.</p><p>�Wenn du es wu�test�, fauchte sie zur�ck, �warum hast du ihn dann mit deinem Geschw�tz verscheucht, du m��test dein Schicksal erf�llen und tun, <emphasis>was getan werden mu�?�</emphasis> Verachtung gab den Worten ein Gewicht, als seien sie Steine. �Ich habe Asmodean mitgebracht, um dich zu unterrichten, aber er war immer schon einer, der schnell zum n�chsten Plan �berging, wenn der erste nicht gleich auf Anhieb gelang. Jetzt glaubt er, er habe in Rhuidean etwas Besseres entdeckt. Und er ist fort, um es zu holen, solange du hier stehst. Couladin, der Draghkar, alles sollte deine Aufmerksamkeit binden, w�hrend er sich vergewisserte. Alle meine Pl�ne waren f�r nichts und wieder nichts, weil du so stur bist! Hast du eine Ahnung, welche M�he es kosten wird, ihn noch einmal zu gewinnen? Aber es mu� gerade er sein! Demandred oder Rahvin oder Sammael w�rden dich t�ten und gar nicht daran denken, dich auch nur darin zu unterrichten, wie du eine Hand hebst, au�er sie h�tten dich so sicher wie ein Scho�h�ndchen an der Leine!� Rhuidean. Ja. Nat�rlich. Rhuidean. Wie viele Wochen im S�den? Doch er hatte schon einmal etwas fertiggebracht. Wenn er sich nur daran erinnern k�nnte... �Und Ihr habt ihn gehen lassen? Nach all Eurem Gerede, Ihr wolltet mir helfen?� �Nicht offen, habe ich gesagt. Was k�nnte er in Rhuidean finden, das es lohnend f�r mich erscheinen lie�e, mich offen zu bekennen? Es ist noch Zeit genug daf�r, wenn du zustimmst, zu mir zu stehen. Denk daran, was ich dir gesagt habe, Lews Therin.� Ihre Stimme nahm einen verf�hrerischen Tonfall an; diese vollen Lippen l�chelten, die dunklen Augen versuchten, ihn wie grundlose Seen zu verschlingen. �Zwei gro�e <emphasis>Sa'Angreal.</emphasis> Mit deren Hilfe und gemeinsam k�nnten wir...� Diesmal h�rte sie von allein auf. Er hatte sich daran erinnert.</p><p>Mit Hilfe der Macht <emphasis>faltete</emphasis> er die Wirklichkeit und <emphasis>verbog</emphasis> ein kleines St�ckchen dessen, was war. Eine T�r �ffnete sich vor ihm unter der Kuppel. Anders konnte man es wohl nicht beschreiben. Eine �ffnung in die Dunkelheit, ins Anderswo.</p><p>�Wie es scheint, erinnerst du dich an ein paar Sachen.� Sie betrachtete die T�r und dann blickte sie ihn wieder an, aber mit einemmal mi�trauisch. �Warum hast du soviel Angst? Was ist dort in Rhuidean?� �Asmodean�, sagte er grimmig. Einen Moment lang z�gerte er. Er konnte nicht aus der regen�berstr�mten Kuppel hinaussehen. Was geschah dort drau�en? Und Lanfear. Wenn er sich nur daran erinnern k�nnte, wie er Egwene und Elayne abgeschirmt hatte. <emphasis>Wenn ich mich nur dazu zwingen k�nnte, eine Frau zu t�ten, nur weil sie mich finster anblickt. Sie ist doch eine der Verlorenen!</emphasis> Es war ihm jetzt genausowenig m�glich wie zuvor im Stein.</p><p>Dann trat er durch die T�r, lie� sie drau�en auf der Felsplatte stehen und schlo� die T�r hinter sich. Zweifellos wu�te sie, wie sie selbst eine solche T�r herbeirufen konnte, aber das zu tun, w�rde sie Zeit kosten.</p></section><section><title><p>58</p><p>Die Fallen von Rhuidean</p></title><p>Sobald die T�r verschwunden war, befand er sich in vollkommener Dunkelheit. Die Schw�rze erstreckte sich in alle Richtungen, und doch konnte er sehen. Er nahm weder W�rme noch K�lte wahr, obwohl er ja na� war � �berhaupt keine Sinneswahrnehmung. Er existierte nur. Einfache, graue Steinstufen erhoben sich vor ihm. Jede Stufe hing frei in der Luft, und so zog sich diese Treppe dahin, bis sie in der Entfernung nicht mehr zu sehen war. Er hatte so etwas schon zuvor gesehen, oder zumindest etwas �hnliches, und er wu�te, sie w�rde ihn dorthin f�hren, wo er hinwollte. So lief er die unm�gliche Treppe empor, und immer wenn er den Fu� von einer Stufe hob und seinen feuchten Fu�abdruck hinterlie�, verbla�te diese Stufe hinter ihm und verschwand. Nur vor ihm warteten weitere Stufen und auch nur die, die ihn an sein Ziel f�hren w�rden. Auch das war das gleiche wie damals.</p><p><emphasis>Habe ich sie mit Hilfe der Macht erzeugt, oder existieren sie auf irgendeine Weise?</emphasis></p><p>Bei dem Gedanken begann der graue Boden unter seinen Stiefeln zu verblassen, und die anderen vor ihm liegenden Stufen wurden durchscheinend. Verzweifelt konzentrierte er sich auf sie: grauer Stein, ganz wirklich. Real! Das Verschwimmen hielt inne, und die Stufen konkretisierten sich. Nur waren sie jetzt nicht mehr so einfach und roh, sondern gl�nzten, und die Kanten waren kunstvoll eingefa�t. Er erinnerte sich schwach daran, das schon einmal so gesehen zu haben.</p><p>Er wagte nicht mehr, zu lange dar�ber nachzudenken, und hastete statt dessen achtlos weiter. Drei Stufen nahm er auf einmal, als er so durch die endlose Schw�rze jagte. Sie w�rden ihn an sein Ziel bringen, aber wie lange w�rde es dauern? Welchen Vorsprung hatte Asmodean? Kannte der Verlorene einen schnelleren Weg? Da war eben wieder das gleiche Problem: Der Verlorene besa� alle notwendigen Kenntnisse, w�hrend er nur die Verzweiflung kannte.</p><p>Er verzog das Gesicht schmerzhaft, als er wieder nach vom blickte. Die Treppe hatte sich seinen langen Schritten angepa�t. Die Stufen hingen in so weitem Abstand voneinander im Leeren, da� er von einer zur anderen springen mu�te. Dazwischen befand sich nur die endlose, schwarze Tiefe, tief wie... Er fand keinen Vergleich. Hier endete ein Sturz vielleicht niemals. Er zwang sich, die klaffenden L�cken zu ignorieren und weiterzulaufen. Die alte, halb verheilte Wunde an seiner Seite begann zu pulsieren. Er war sich dessen nur schwach bewu�t. Doch da� er es �berhaupt bemerkte, obwohl er in <emphasis>Saidin</emphasis> geh�llt war, zeigte ihm, da� die Wunde beinahe wieder aufgebrochen sein mu�te. <emphasis>Beachte es nicht.</emphasis> Der Gedanke schwebte �ber dem Nichts in seinem Innern. Er wagte nicht, diesen Wettlauf zu verlieren, auch wenn er sich dabei umbrachte. H�rte denn diese Treppe niemals auf? Wie weit war er gekommen?</p><p>Pl�tzlich sah er vor sich in einiger Entfernung und etwas zur Linken eine Gestalt, einen Mann, wie ihm schien, in rotem Mantel und roten Stiefeln, der auf einer silbrig schimmernden Plattform stand und auf ihr durch die Dunkelheit glitt. Rand mu�te ihn gar nicht genauer sehen, um zu wissen, da� es Asmodean war. Der Verlorene rannte nicht wie ein ausgepumpter Bauernjunge einher, sondern fuhr auf diesem Was-es-auch-war durch die Schw�rze.</p><p>Rand blieb unvermittelt auf einer der Stufen stehen. Er hatte keine Ahnung, was das f�r eine Plattform war, die wie Metall gl�nzte, doch... Die Stufen vor ihm verschwanden. Die Steinplatte unter seinen Stiefeln begann, immer schneller vorw�rts zu gleiten. Er sp�rte keinen Wind im Gesicht, der ihm gesagt h�tte, da� er sich bewegte, sah keinen festen Anhaltspunkt, der ihm �berhaupt eine Bewegung h�tte deutlich machen k�nnen, aber er holte Asmodean gegen�ber eindeutig auf. Er wu�te nicht einmal, ob er das mit Hilfe der Macht fertigbrachte. Es schien einfach so zu geschehen. Die Steinstufe bebte, und er zwang sich, mit dem Nachdenken dar�ber aufzuh�ren. <emphasis>Ich wei� noch nicht genug.</emphasis></p><p>Der dunkelhaarige Mann stand entspannt da, eine Hand in die H�fte gest�tzt, und mit der anderen rieb er sich nachdenklich �ber das Kinn. Wei�e Spitzen hingen ihm �ber den Nacken herunter und verbargen seine H�nde fast zur H�lfte. Sein roter Mantel mit dem hohen Kragen schimmerte noch st�rker als Satin und war von eigenartigem Schnitt. Rocksch��e hingen ihm bis fast auf die Knie. Der Mann hing an etwas, das wie schwarze F�den wirkte, �hnlich wie Stahldr�hte, die sich von ihm in die umgebende Dunkelheit hinauszogen. Die hatte Rand mit Sicherheit bereits einmal gesehen.</p><p>Asmodean wandte den Kopf, und Rand schnappte erstmal nach Luft. Die Verlorenen konnten ja ihre Gesichter ver�ndern oder zumindest anderen ein ver�ndertes Gesicht vort�uschen, wie Lanfear es schon �fters gemacht hatte, aber das hier waren die Gesichtsz�ge von Jasin Natael, dem Gaukler! Er war so sicher gewesen, da� es Kadere sein werde, mit diesen Raubvogelaugen, deren Ausdruck sich nie �nderte.</p><p>Im gleichen Augenblick bemerkte Asmodean ihn und fuhr zusammen. Die silbrige Platte unter dem Verlorenen scho� vorw�rts, und pl�tzlich raste ein riesiger Feuervorhang, wie ein d�nner Ausschnitt aus einer monstr�sen Flamme, nach hinten auf Rand zu � eine Meile hoch und eine Meile breit.</p><p>Er schlug verzweifelt mit der Macht zu, und in dem Augenblick, als die Feuerwand ihn zu erreichen drohte, zerbarst sie in unz�hlige Funken, die davonflogen und rasch verglimmten. Doch w�hrend der Feuervorhang noch verflog, raste bereits ein zweiter auf ihn zu. Er zerschlug ihn und ein dritter wurde sichtbar, und nach dem dritten dann ein vierter. Asmodean entkam mittlerweile, soviel war Rand klar. Wegen der Flammenvorh�nge konnte er den Verlorenen nicht mehr sehen. Zorn glitt �ber die Oberfl�che des Nichts, und er raffte soviel der Macht wie m�glich zusammen.</p><p>Eine Feuerwalze erfa�te den auf ihn zurasenden roten Flammenvorhang und �berrollte ihn. Das war nun keine d�nne Scheibe mehr, sondern eine wilde, hoch aufragende Feuerwoge, wie vom Sturmwind vorw�rtsgetrieben. Er bebte unter dem Ansturm der Macht, die ihn durchtobte. Zorn auf Asmodean krallte sich in die Oberfl�che des Nichts.</p><p>Ein Loch �ffnete sich in der feurigen Oberfl�che. Nein, als Loch durfte man es nicht bezeichnen, denn als es Asmodean auf seiner schimmernden Plattform in Rands Richtung durchgelassen hatte, schlo� es sich wieder. Der Verlorene hatte sich wohl mit einer Art Schutzschirm umgeben.</p><p>Rand zwang sich dazu, den fernen Zorn au�erhalb des Nichts zu ignorieren. Nur in der kalten Ruhe innerhalb konnte er <emphasis>Saidin</emphasis> ber�hren. Wenn er den Zorn einlie�, w�rde das Nichts zerspringen. Die Feuerwogen h�rten zu existieren auf, als er den Strom der von ihm ausgehenden Macht unterbrach. Er wollte den Mann fangen und nicht umbringen.</p><p>Noch schneller glitt die Steinplatte durch die Dunkelheit. Er kam Asmodean immer n�her. Mit einemmal blieb die Plattform des Verlorenen in der Dunkelheit stehen. Vor ihm entstand eine helle �ffnung, und durch die sprang er. Die silbrige Scheibe verschwand, und die T�r begann sich zu schlie�en. Rand schlug wild entschlossen mit der Macht zu. Er mu�te die T�r offenhalten. Sobald sie geschlossen w�re, h�tte er keine Ahnung mehr, wohin Asmodean geflohen war. Das Schrumpfen der �ffnung hielt inne. Ein von blendendem Sonnenschein erf�lltes Viereck war geblieben, gro� genug, um durchzusteigen. Er mu�te es offenhalten und erreichen, bevor Asmodean zu weit weg war...</p><p>In dem Augenblick, als er an Anhalten dachte, stand seine Stufe auch schon still. Sie stand still, doch er wurde vorw�rtsgeschleudert, direkt durch die T�r�ffnung hindurch. Sein Stiefel blieb an etwas h�ngen, doch dann �berschlug er sich bereits auf hartem Boden und blieb schlie�lich atemlos liegen.</p><p>Er rang erst einmal nach Luft und richtete sich dann m�hsam auf, denn er wagte nicht, auch nur einen Moment l�nger hilflos liegenzubleiben. Immer noch erf�llte ihn die Eine Macht mit Leben und Verderbnis. Seine Schrammen waren genauso fern von ihm wie sein m�hevolles Luftholen, ebenso fern wie der gelbliche Staub, der ihn und seine feuchte Kleidung bedeckte. Und doch war er zur gleichen Zeit jeder winzigen Bewegung der gl�hendhei�en Luft gewahr, jedes noch so kleinen Risses im harten Lehmboden. Schon verdunstete die Feuchtigkeit auf Hemd und Hose im Sonnenschein. Er befand sich in der W�ste, im Tal unterhalb des Chaendaer, keine f�nfzig Schritt vom nebelumwallten Rhuidean entfernt. Die T�r war verschwunden.</p><p>Er trat einen Schritt auf die Nebelwand zu und blieb mit bereits erhobenem linken Fu� gleich wieder stehen. Der Absatz seines Stiefels war glatt abgeschnitten. Das mu�te beim H�ngenbleiben an der sich schlie�enden T�r geschehen sein. Er war sich vage bewu�t, da� er trotz der Hitze schauderte. Er hatte nicht gewu�t, da� es derart gef�hrlich war. Der Verlorene besa� all diese Kenntnisse. Asmodean w�rde ihm nicht entkommen.</p><p>Grimmig ordnete er seine Kleidung und steckte die Statuette des kleinen Mannes und sein Schwert entschlossen dorthin zur�ck, wo sie hingeh�rten. Dann rannte er auf den Nebel zu und mitten hinein. Graue Blindheit umgab ihn. Hier konnte ihm auch die in ihm angesammelte Macht nicht behilflich sein. Er rannte blindlings weiter.</p><p>Dann pl�tzlich warf er sich zu Boden und w�lzte sich den letzten Schritt aus dem Nebel auf die rauhen Pflastersteine. Dort lag er und blickte hoch zu den drei hell leuchtenden B�ndern, die im eigenartigen Licht Rhuideans silbrig blau wirkten. Sie schwebten in der Luft und erstreckten sich jeweils ein St�ck nach rechts und links. Falls er aufstand, w�rden sie sich auf H�he seiner H�fte, seines Brustkorbs und seines Halses befinden. Sie waren so d�nn, da� sie, von der Kante her betrachtet, beinahe nicht mehr zu sehen waren. Ihm war klar, wie sie erzeugt und dort aufgeh�ngt worden waren, auch wenn er es nicht verstand. So hart wie Stahl und so scharf, da� dagegen eine Rasierklinge wie eine Feder gewirkt h�tte. W�re er in sie hineingelaufen, dann h�tten sie ihn glatt durchschnitten. Ein kleiner Strom der Macht, und die silbernen B�nder zerfielen zu Staub. Kalter Zorn au�erhalb des Nichts; innerhalb: kalte Zielstrebigkeit und die Eine Macht.</p><p>Das bl�uliche Gl�hen der Nebelkuppel warf schattenloses Licht auf die halbfertigen, aus gro�en Platten gebauten Marmor- und Kristallpal�ste mit den riesigen Glasfl�chen und die wolkendurchdringenden, kannelierten oder spiralf�rmigen T�rme. Und auf der breiten Stra�e vor ihm lief Asmodean vorbei an ausgetrockneten Brunnen in Richtung des gro�en Platzes im Herz der Stadt.</p><p>Rand wollte die Macht gebrauchen, doch es schien auf seltsame Art schwierig geworden zu sein. Er zog an <emphasis>Saidin,</emphasis> ri� f�rmlich daran, bis es in ihn hineintobte. Dann lenkte er die Macht, und m�chtige gezackte Blitze schossen aus der Nebelkuppel herab. Er zielte nicht auf Asmodean. Geradewegs vor dem Verlorenen explodierten schimmernde wei�e und rote S�ulen, f�nfzig Fu� dick und hundert Schritt hoch, jahrhundertealt, st�rzten in Schutt- und Staubwolken auf die Stra�e und zerbarsten.</p><p>Von riesigen Fenstern aus farbigem Glas aus schienen die Bilder majest�tischw�rdevoller M�nner und Frauen Rand mi�billigend anzublicken. �Ich mu� ihn aufhalten�, sagte er zu ihnen. Seine Stimme warf ein Echo in den eigenen Ohren.</p><p>Asmodean blieb stehen und sprang vor den zusammenst�rzenden S�ulen zur�ck. Die auf ihn zutreibenden Staubwolken ber�hrten seinen gl�nzend roten Mantel nicht, sondern teilten sich und machten ihm Platz.</p><p>Feuer erbl�hte um Rand, h�llte ihn ein, und die Luft wurde zu Feuer � und dann verschwand alles, bevor ihm �berhaupt bewu�t war, was er dagegen unternahm. Seine Kleidung war trocken und hei�, das Haar f�hlte sich versengt an, und verklebter Staub fiel bei jedem Schritt von ihm ab. Asmodean kletterte �ber den Schutt auf der Stra�e. Weitere Blitze zuckten herab und brachten die Pflastersteine ein St�ck vor ihm zum Aufb�umen. Steinbrocken flogen durch die Luft. Kristallene Palastw�nde wurden zerfetzt und verbreiteten Zerst�rung vor ihm.</p><p>Der Verlorene verlangsamte seinen Schritt trotzdem nicht, und als er in den Staubwolken au�er Sicht war, zuckten auch Blitze aus den leuchtenden Wolken auf Rand herab, blindlings geschleudert, aber ganz sicher in der Absicht, zu t�ten. Im Laufen webte Rand eine Abschirmung um sich herum. Steinbrocken prallten davon ab, als er den knisternden, blauen Blitzen auswich und �ber die L�cher sprang, die sie in das Pflaster rissen. Die Luft selbst spr�hte Funken. Die Haare an seinen Armen stellten sich auf, und selbst sein Kopfhaar stand zu Berge.</p><p>Irgend etwas war in die Barriere aus zerschmetterten S�ulen verwoben. Er festigte den Schutzschild um sich. Gro�e Brocken roter und wei�er Steine explodierten, als er sie packen und dar�berklettern wollte. Reines, grelles Licht und herumfliegende Steine konnten ihn nicht aufhalten. Sicher in seiner Schutzblase geborgen, rannte er durch die L�cke und war sich des Grollens zusammenbrechender Geb�ude nur am Rande bewu�t. Er mu�te Asmodean aufhalten. Unter gro�er Anstrengung � es kostete ihn wirklich M�he � schleuderte er Blitze nach vorn. Feuerkugeln fetzten aus dem Boden empor. Alles, um den Mann im roten Mantel aufzuhalten. Er holte auf. Den gro�en Platz betrat er nur noch ein Dutzend Schritt hinter ihm. Er versuchte, noch schneller zu laufen, verdoppelte seine Bem�hungen, Asmodean am Weiterkommen und der Flucht zu hindern. Asmodean k�mpfte und versuchte, ihn zu t�ten.</p><p>Die <emphasis>Ter'Angreal</emphasis> und andere wertvolle Gegenst�nde, f�r deren Transport hierher so viele Aiel ihr Leben geopfert hatten, wurden von Blitzen hochgeschleudert, von wirbelnden Flammenr�dern umgest�rzt. Kunstvoll gefertigte Konstruktionen aus Silber und Kristall zersplitterten, und fremdartig anmutende Metallformen st�rzten um, als der Erdboden bebte und breite Spalten aufrissen.</p><p>Asmodean suchte verzweifelt und rannte noch immer weiter. Dann warf er sich auf etwas, was inmitten all dieser Tr�mmer am unauff�lligsten schien: eine aus wei�em Stein gehauene, vielleicht einen Fu� lange Figur, die auf dem R�cken lag und einen Mann mit einer Kristallkugel in einer hochgereckten Hand darstellte. Asmodean schlo� seine H�nde mit einem erleichterten Aufschrei um sie.</p><p>Einen Herzschlag sp�ter ergriffen auch Rands H�nde die Figur. Einen winzigen Augenblick lang nur sah er dem Verlorenen ins Gesicht. Er sah genauso aus wie vorher als Gaukler, nur lag in seinen dunklen Augen eine wilde Verzweiflung. Er war ein durchaus gutaussehender Mann von mittleren Jahren, und nichts zeigte, da� er einen der Verlorenen vor sich hatte. Ein winziger Augenblick, und dann griffen sie beide durch die Figur hindurch, den <emphasis>Ter'Angreal,</emphasis> nach einem der beiden m�chtigsten <emphasis>Sa'Angreal,</emphasis> die jemals angefertigt worden waren.</p><p>Rand nahm undeutlich eine gro�e, halb begrabene Statue im fernen Cairhien wahr, die in der Hand eine enorme Kristallkugel hielt. Sie gl�hte wie eine Sonne und pulsierte mit der Einen Macht. Und die Macht in ihm selbst wogte auf wie alle Meere der Welt zusammen im Sturm. Damit lie� sich alles vollbringen. Wahrscheinlich h�tte er jetzt sogar das tote Kind wiederbeleben k�nnen. Die Verderbnis schwoll im gleichen Ma�e an und verbog jede Faser seines Seins, kroch in jede Ritze, in seine Seele. Er versp�rte den Wunsch, aufzuheulen oder zu explodieren. Und doch hatte er nur die H�lfte dessen aufgenommen, was der <emphasis>Sa'Angreal</emphasis> geben konnte. Die andere H�lfte erf�llte Asmodean.</p><p>Hin und her zerrten sie die Figur, stolperten �ber verstreute und zerbrochene <emphasis>Ter'Angreal,</emphasis> st�rzten, aber keiner wagte, auch nur einen Finger von der Figur zu l�sen, aus Angst, der andere k�nne sie ihm entrei�en. Und doch wurde gleichzeitig, w�hrend sie �bereinander rollten, gegen einen T�rrahmen aus Sandstein prallten, der auf wundersame Weise stehengeblieben war, dann an eine umgefallene aber unbesch�digte Kristallstatue stie�en, die eine nackte Frau mit einem an die Brust gedr�ckten Kind darstellte, w�hrend sie also um den <emphasis>Ter'Angreal</emphasis> rangen, der Kampf auch auf einer anderen Ebene ausgetragen.</p><p>Hammerschl�ge aus purer Energie, stark genug, um Berge einzuebnen, prasselten auf Rand hernieder, und Klingen, die das Herz der Erde durchbohren konnten, stachen auf ihn ein. Ungesehene Zangen versuchten, ihm den Verstand aus dem K�rper zu rei�en, und rissen selbst an seiner Seele. Jeder Fetzen der Macht, den er an sich ziehen konnte, wurde gebraucht, um diese Angriffe abzuwehren. Er war sicher, da� ihn in diesen Momenten jeder vernichten k�nne, als habe es ihn nie gegeben. Er war dagegen nicht sicher, wohin ihr Kampf sie f�hrte. Der Boden unter ihnen bebte und sch�ttelte sie bei ihrem Ringkampf durch, lie� sie in ein Wirrwarr �beranstrengter Muskeln st�rzen. Schwach drang ein allumfassendes Grollen in sein Bewu�tsein, ein tausendfaches Ba�gesumme wie von einer fremdartigen Musik. Die Glass�ulen bebten und vibrierten. Er konnte sich jetzt keine Gedanken �ber sie machen.</p><p>All diese schlaflosen N�chte r�chten sich jetzt, und nun noch diese wilde Jagd. Er war m�de, und wenn er das sogar im Nichts wahrnahm, dann mu�te er dem Zusammenbruch nahe sein. Als er von der sich aufb�umenden Erde durchgesch�ttelt wurde, wurde ihm bewu�t, da� er nicht mehr versuchte, Asmodean den <emphasis>Ter'Angreal</emphasis> zu entrei�en. Er hing nur noch daran und wollte wenigstens nicht loslassen. Bald w�rde seine Kraft verbraucht sein. Selbst wenn er seinen Griff an der Steinfigur behaupten konnte, w�rde er doch <emphasis>Saidin</emphasis> aufgeben m�ssen, oder die Macht w�rde ihn wegschwemmen und genauso sicher vernichten, wie Asmodean das wollte. Er war nicht mehr in der Lage, auch nur einen einzigen weiteren Strang aus dem <emphasis>Ter'Angreal</emphasis> zu ziehen. Zwischen Asmodean und ihm herrschte Gleichgewicht. Jeder f�hlte in sich genau die H�lfte dessen, was der gro�e <emphasis>Sa'Angreal</emphasis> in Cairhien liefern konnte. Asmodean schnaufte ihm ins Gesicht, knurrte. Schwei� rann dem Verlorenen �ber Stirn und Wangen und tropfte herab. Der Mann war auch m�de. Aber genauso m�de wie er?</p><p>Die aufzuckende Erde wuchtete Rand einen Augenblick lang empor, und gleich war Asmodean ebenso schnell �ber ihm, doch in diesem einen Moment sp�rte Rand, wie sich etwas zwischen sie pre�te: die kleine Figur des fetten Mannes mit dem Schwert, die immer noch in seinem Hosenbund steckte. Ein unbedeutender Gegenstand, wenn man die ungeheure Machtf�lle betrachtete, aus der sie ihre Energie bezogen. Ein Becher Wasser, verglichen mit einem gewaltigen Strom, mit einem Meer. Er wu�te nicht einmal, ob er die kleine Figur ben�tzen konnte, w�hrend er noch an den gro�en <emphasis>Sa'Angreal</emphasis> gekettet war. Und wenn es m�glich war? Asmodean fletschte die Z�hne. Es war keine Grimasse, sondern ein in Ersch�pfung erstarrtes L�cheln. Der Mann glaubte, er werde gewinnen. Vielleicht hatte er recht. Rands Finger zitterten. Sein Griff an dem <emphasis>Ter'Angreal</emphasis> wurde schw�cher. Trotz der Verbindung mit dem gro�en <emphasis>Sa'Angreal</emphasis> konnte er sich nur noch m�hsam an <emphasis>Saidin</emphasis> klammern.</p><p>Er hatte diese eigenartigen Dinge, die wie schwarze Stahldr�hte aussahen, nicht mehr an Asmodean erkennen k�nnen, seit er diesen Ort der Dunkelheit verlassen hatte, aber selbst im Nichts konnte er sie sich vorstellen und sie im Geist an den Verlorenen anh�ngen. Tam hatte ihm das mit dem Nichts als Konzentrationshilfe beim Bogenschie�en beigebracht, um eins zu werden mit dem Bogen, dem Pfeil, dem Ziel. So wurde er eins mit den vorgestellten schwarzen Dr�hten. Er bemerkte kaum, wie Asmodean die Stirn runzelte. Der Mann mu�te sich fragen, wieso sein Gesichtsausdruck mit einemmal so ruhig geworden war. Diese Ruhe war immer in dem Moment da, bevor er den Pfeil abscho�. Er griff durch den kleinen <emphasis>Angreal</emphasis> in seinem Hosenbund, und noch mehr Macht durchstr�mte ihn. Er verschwendete keine Zeit damit, sich dar�ber zu freuen. Es war ja nur ein so kleiner Strom, verglichen mit dem, der ihn bereits erf�llte, und dies war sein letzter Schlag. Er w�rde das letzte bi�chen Kraft in ihm verschlingen. Er formte sie wie ein Schwert der Macht, ein Schwert des Lichts, und stie� zu, eins mit dem Schwert, eins mit den Dr�hten in seiner Vorstellung.</p><p>Asmodean ri� die Augen auf, und er schrie, ein Heulen aus den tiefsten Abgr�nden des Schreckens. Der Verlorene bebte wie ein geschlagener Gong. Einen Augenblick lang schien er zweimal dazusein. Die beiden Asmodeans zitterten auseinander und vereinigten sich wieder. Er kippte nach hinten, breitete die Arme aus und lag schwer atmend da. Sein roter Mantel war nun zerfetzt und verschmutzt. Er sah hoch ins Leere. Seine dunklen Augen blickten verloren.</p><p>Als er zusammenbrach, konnte Rand <emphasis>Saidin</emphasis> nicht mehr festhalten, und die Macht verlie� ihn. Er hatte kaum mehr genug Kraft, um den <emphasis>Ter'Angreal</emphasis> an seine Brust zu dr�cken und sich von Asmodean wegzurollen. Er rappelte sich auf die Knie hoch und f�hlte sich dabei, als erklimme er einen Berg. Erleichtert dr�ckte er die Figur das Mannes mit der Kristallkugel an sich. Die Erde hatte aufgeh�rt zu beben. Die Glass�ulen standen noch, und daf�r war er dankbar. Sie zu zerst�ren w�re einem Ausl�schen der Geschichte der Aiel gleichgekommen. Obwohl das Pflaster unter <emphasis>Avendesora</emphasis> mit dreifingrigen Bl�ttern �bers�t war, hing nur ein Zweig des gro�en Baumes abgebrochen herab. Doch der Rest von Rhuidean...</p><p>Der Platz wirkte, als sei alles von einem wahnsinnigen Riesen aufgehoben und durcheinandergeworfen worden. Die H�lfte der gro�en Pal�ste und T�rme waren nur noch Schutthaufen. Einiges hatte sich auf den Platz hineingeschoben. Riesige S�ulen waren umgest�rzt und hatten andere mitgerissen. W�nde waren eingest�rzt, und L�cher klafften, wo vorher gro�fl�chige Fenster aus buntem Glas gewesen waren. Durch die ganze Stadt zog sich ein Ri�, eine Bodenspalte, fast f�nfzig Fu� breit. Und damit endete die Zerst�rung keineswegs. Die Nebelkuppel, die Rhuidean so viele Jahrhunderte lang verborgen hatte, l�ste sich auf. Die Unterseite leuchtete nicht mehr, und greller Sonnenschein fiel durch gro�e Wolkenl�cher. Jenseits der Stadt schien auch der Gipfel des Chaendaer ver�ndert, niedriger, und auf der gegen�berliegenden Seite des Tals hatten einige der Berge auf jeden Fall von ihrer H�he verloren. Am Nordende des Tals lag ein riesiger Schuttf�cher �ber dem Land, wo sich vorher ein Berg aufget�rmt hatte.</p><p><emphasis>Ich bringe Zerst�rung. Immer zerst�re ich! Licht, h�rt das denn niemals auf?</emphasis></p><p>Asmodean rollte sich auf den Bauch herum und erhob sich auf H�nde und Knie. Sein Blick fand Rand und den <emphasis>Ter'Angreal,</emphasis> und er machte Anstalten, auf sie zuzukriechen.</p><p>Rand h�tte keinen einzigen Funken mehr mit Hilfe der Macht schlagen k�nnen, aber er hatte sich zu wehren gelernt, bevor er noch den ersten Alptraum der Einen Macht wegen erlebt hatte. Er hob drohend eine Faust. �Denkt nicht einmal daran!� Der Verlorene blieb, wo er war, und wankte ersch�pft. Sein Gesicht erschlaffte, und doch k�mpften sichtlich Verzweiflung und Gier darin. Ha� und Furcht glitzerten in seinen Augen.</p><p>�Es macht mir Spa�, M�nner k�mpfen zu sehen, aber Ihr zwei k�nnt ja noch nicht einmal stehen.� Lanfear kam in Rands Gesichtsfeld und betrachtete kopfsch�ttelnd die Zerst�rungen. �Ihr habt ganze Arbeit geleistet. K�nnt Ihr die Spuren noch f�hlen? Der Ort war irgendwie abgeschirmt. Ihr habt mir nicht genug �briggelassen, um genau feststellen zu k�nnen, auf welche Weise.� Mit pl�tzlich strahlenden dunklen Augen kniete sie vor Rand nieder und musterte, was er in der Hand hielt. �Also dahinter war er her. Ich glaubte, sie seien alle zerst�rt worden. Vom einzigen, den ich bisher zu sehen bekam, ist nur die H�lfte �briggeblieben. Eine sch�ne Falle f�r eine unvorsichtige Aes Sedai.� Sie streckte eine Hand aus, und er packte den <emphasis>Ter'Angreal</emphasis> noch ein wenig fester. Ihr L�cheln ber�hrte ihre Augen nicht. �Behalte ihn ruhig. F�r mich ist das nicht mehr als eine Statuette.� Sie erhob sich und klopfte sich den Staub vom wei�en Rock, obwohl das gar nicht n�tig war. Als sie bemerkte, da� er sie beobachtete, h�rte sie auf, den schuttbedeckten Platz mit Blicken abzusuchen, und l�chelte noch etwas strahlender. �Was du ben�tzt hast, war einer der beiden <emphasis>SaAngreal,</emphasis> von denen ich dir erz�hlt habe. Hast du gesp�rt, wie unwahrscheinlich m�chtig er ist? Ich habe mich schon lange gefragt, wie das ist, wenn man ihn ben�tzt.� Sie schien sich der Gier in ihrem Tonfall nicht bewu�t. �Mit den beiden zusammen k�nnen wir selbst den Gro�en Herrn der Dunkelheit verdr�ngen. Das stimmt, Lews Therin! Gemeinsam!� �Hilf mir!� Asmodean kroch unsicher auf sie zu, Entsetzen auf dem erhobenen Gesicht. �Du wei�t nicht, was er getan hat. Du mu�t mir helfen. Ich w�re nicht hergekommen, wenn du nicht w�rst.� �Was hat er denn getan?� schniefte sie. �Hat dich wie einen Hund gepr�gelt, und das noch nicht einmal halb so fest, wie du es verdient h�ttest. Du warst nie f�r Gro�es bestimmt, Asmodean, nur, denen zu folgen, die wirklich gro� sind.� Rand brachte es fertig, aufzustehen, wobei er immer noch die Figur aus Stein und Kristall an seine Brust dr�ckte. Er wollte in ihrer Gegenwart nicht weiterhin auf den Knien liegen. �Ihr <emphasis>Auserw�hlten�</emphasis> � er wu�te, da� es gef�hrlich war, sie zu reizen, aber er konnte nicht anders ��habt Eure Seelen dem Dunklen K�nig verschrieben. Ihr habt zugelassen, da� er sich mit Euch verband.� Wie oft hatte er seinen Kampf gegen Ba'alzamon im Geist wiederholt? Wie oft, bevor er zu ahnen begann, was diese schwarzen Dr�hte zu bedeuten hatten? �Ich habe ihn vom Dunklen K�nig abgeschnitten, Lanfear. Ich habe ihn abgeschnitten!� Sie ri� entsetzt die Augen auf und blickte von ihm zu Asmodean und zur�ck. Der Mann hatte zu weinen begonnen. �Ich habe das nicht f�r m�glich gehalten. Wieso? Hast du vor, ihn zum Licht zu f�hren? Du hast doch damit nichts in ihm ver�ndert.� �Er ist noch immer der gleiche Mann, der sich einst dem Schatten verschrieben hat�, stimmte ihr Rand zu. �Ihr habt mir ja erz�hlt, wie wenig Ihr <emphasis>Auserw�hlten</emphasis> Euch gegenseitig vertraut. Wie lange k�nnte er es geheimhalten? Wie viele von Euch w�rden glauben, da� er es nicht irgendwie selbst fertiggebracht habe? Ich bin froh, da� Ihr es f�r unm�glich gehalten habt. Vielleicht werden es auch die anderen von Euch f�r unm�glich halten. Ihr habt mich erst darauf gebracht, Lanfear. Ein Mann, der mich im Gebrauch der Macht unterrichten kann. Aber ich lasse mich nicht von einem Mann unterweisen, der mit dem Dunklen K�nig verbunden ist. Nun habe ich dieses Problem nicht mehr. Er mag ja der gleiche Mann sein, aber er hat nun wohl keine Wahl mehr, oder? Er kann bleiben und mich unterrichten und hoffen, da� ich gewinne, und mir zu gewinnen helfen, oder er kann hoffen, da� Ihr anderen das nicht als Ausrede ben�tzt, um ihn fertigzumachen. Wie wird er sich Eurer Meinung nach entscheiden?� Asmodean starrte aus seiner geb�ckten Haltung Rand wild an. Dann streckte er eine bittende Hand nach Lanfear aus. �Sie werden dir glauben! Du kannst es ihnen sagen! Ich w�re nicht hier, wenn du nicht gewesen w�rst! Du mu�t es ihnen sagen! Ich bin dem Gro�en Herrn der Dunkelheit treu!� Auch Lanfear starrte Rand an. Zum erstenmal �berhaupt bemerkte er eine Unsicherheit an ihr. �An wieviel kannst du dich wirklich noch erinnern, Lews Therin? Wieviel an dir bist du selbst und wieviel der Schafhirte? Das ist die Art von Plan, den du damals entworfen h�ttest, als wir... � Sie holte tief Luft und wandte sich Asmodean zu. �Ja, sie werden mir glauben � wenn ich ihnen berichte, da� du zu Lews Therin �bergegangen bist. Jeder wei�, da� du grunds�tzlich tust, wovon du dir den gr��ten Vorteil versprichst. Ja, so geht das.� Sie nickte befriedigt in sich hinein. �Noch ein kleines Geschenk f�r dich, Lews Therin. Diese Abschirmung wird ein ganz klein wenig der Macht durchlassen, gerade genug, da� er dich in ihrem Gebrauch unterweisen kann. Sie wird sich mit der Zeit aufl�sen, aber er wird noch monatelang nicht in der Lage sein, dich zu gef�hrden, und bis dahin wird ihm �berhaupt nichts mehr anderes �brigbleiben, als bei dir zu bleiben. Er war noch nie sehr geschickt darin, eine Abschirmung zu durchbrechen. Dazu mu� man gewillt sein, Schmerzen zu ertragen, und das hat er nie gekonnt.� �Neeeein!� Asmodean kroch zu ihr hin. �Das kannst du mir doch nicht antun! Bitte, Mierin! Bitte!� �Ich hei�e <emphasis>Lanfear!�</emphasis> Im Zorn verzerrte sich ihr Gesicht so, da� es pl�tzlich h��lich wirkte, und der Mann schwebte mit ausgebreiteten Armen und Beinen in die Luft. Die Kleider wurden an seinen K�rper gepre�t und die Gesichtshaut verzogen, als laste ein gro�es Gewicht darauf.</p><p>Rand konnte nicht zulassen, da� sie den Mann t�tete, aber er war zu m�de, um die Wahre Quelle ohne Hilfe zu ber�hren. Er konnte sie kaum f�hlen � wie ein fernes Gl�hen, gerade au�er Sichtweite. Einen Moment lang verkrampften sich seine H�nde um den Steinmann mit der Kristallkugel. Wenn er jetzt wieder hindurch und nach dem riesigen <emphasis>SaAngreal</emphasis> in Cairhien griff, w�rde ihn diese Machtf�lle m�glicherweise zerst�ren. Statt dessen griff er durch die Steinfigur in seinem Hosenbund. Mit Hilfe dieses <emphasis>Angreals</emphasis> brachte er nur einen schwachen Strom zustande, ein haarfeines Gerinnsel im Vergleich zu dem anderen, aber er war zu m�de, um mehr Macht an sich zu ziehen. Er schleuderte sie zwischen die beiden Verlorenen und hoffte, sie wenigstens damit abzulenken.</p><p>Ein wei�gl�hender, zehn Fu� hoher Lichtstrahl stand pl�tzlich zwischen dem Paar. Seine R�nder verschwammen, und eine blau spr�hende Entladung brannte eine schrittbreite Rinne in das Pflaster des Platzes, einen glatten Schnitt, an dessen Au�enseiten geschmolzene Erde und Steine gl�hten. Dann schlug der Feuerstrahl in eine gr�ngemaserte Palastwand ein, und sie explodierte. Der nachhallende Donner wurde vom L�rm des Einsturzes �bert�nt. Auf der einen Seite des klaffenden Spalts lie� sich Asmodean schaudernd auf den Boden sinken, wobei ihm Blut aus Nase und Ohren rann, und auf der anderen Seite taumelte Lanfear wie geschlagen nach hinten, und dann fuhr sie zu Rand herum. Er wankte nach der kr�ftezehrenden Anstrengung und verlor den Zugriff auf <emphasis>Saidin</emphasis> wieder.</p><p>Einen Augenblick lang verzerrte abgrundtiefe Wut ihr Gesicht, wie zuvor Asmodean gegen�ber. Diesen einen Moment �ber stand Rand am Abgrund des Todes. Dann verschwand die Wut genauso schnell, wie sie gekommen war, und wurde hinter einem verf�hrerischen L�cheln verborgen. �Nein, ich darf ihn nicht t�ten. Nicht nach all der M�he, die wir uns gegeben haben.� Sie kam zu ihm her�ber und streichelte �ber die Seite seines Halses, wo sie ihn in seinem Traum gebissen hatte. Die Wunde heilte gerade. Moiraine hatte er nichts davon erz�hlt. �Du tr�gst noch immer mein Zeichen. Soll ich es endg�ltig haltbar machen?� �Habt Ihr jemandem im Alcair Dal oder in den Lagern etwas angetan?� Sie h�rte nicht auf zu l�cheln, aber ihre Geste �nderte sich. Die Finger krallten pl�tzlich, als wolle sie ihm den Kehlkopf ausrei�en. �Wen zum Beispiel? Ich glaubte, du h�ttest eingesehen, da� du dieses kleine Bauernm�dchen gar nicht liebst? Oder liegt es an der Aielschlampe?� Eine Viper. Eine t�dliche Viper, die ihn liebte. <emphasis>Licht, hilf mir!</emphasis> Er wu�te nicht, wie er sie daran hindern konnte, falls sie zubei�en wollte, gleich, ob ihn oder jemanden anders.</p><p>�Ich will nicht, da� jemand verletzt wird. Ich brauche sie noch. Ich kann sie benutzen.� Es schmerzte, so etwas zu sagen, besonders, weil es auch einen Anteil an Wahrheit enthielt. Aber Lanfears Giftzahn von Egwene und Moiraine, von Aviendha und anderen fernzuhalten, die ihm nahestanden, war ein wenig Schmerz wert.</p><p>Sie warf den sch�nen Kopf zur�ck und lachte herzlich. Es klang wie Glockengel�ut. �Ich kann mich an Zeiten erinnern, da hattest du ein zu weiches Herz, um irgend jemanden zu benutzen. Raffiniert im Kampf, hart wie Stein und �berheblich wie ein ganzes Gebirge, und doch mit dem weichen Herz eines kleinen M�dchens. Nein, ich habe keiner von deinen kostbaren Aes Sedai etwas getan, noch deiner kostbaren Aielfrau. Ich t�te nicht ohne die Notwendigkeit dazu, Lews Therin. Ich verletze noch nicht einmal jemanden ohne Grund.� Er vermied es betont, Asmodean direkt anzusehen. Der Mann war leichenbla�, atmete rauh und unregelm��ig, hatte sich auf eine Hand gest�tzt, und mit der anderen wischte er sich das Blut von Mund und Kinn.</p><p>Lanfear drehte sich langsam um und betrachtete noch einmal den gro�en Platz. �Ihr habt diese Stadt genauso gr�ndlich zerst�rt, wie es ein ganzes Heer vermocht h�tte.� Aber sie betrachtete nicht wirklich, wie sie vorgab, die Ruinen der Pal�ste, sondern den Schutt und die �berreste der <emphasis>Ter'Angreal</emphasis> und was sonst noch hier gestanden hatte. Ihre Mundwinkel waren straff gespannt, als sie sich wieder Rand zuwandte, und in ihren dunklen Augen stand auch etwas an unterdr�cktem �rger. �Gebrauche das, was er dich lehrt, weise, Lews Therin. Die anderen warten immer noch dort drau�en: Sammael, der dich so beneidet, Demandred mit seinem Ha�, Rahvin und sein Machthunger. Falls � wenn � sie erfahren, da� du dies in H�nden h�ltst, werden sie ihre Anstrengungen, dich zu st�rzen, noch verst�rken!� Ihr Blick huschte zu der fu�hohen Figur in seinen H�nden, und einen Moment lang hatte er das Gef�hl, sie erw�ge, sie ihm zu entrei�en. Nicht, um ihm den R�cken den anderen gegen�ber freizuhalten, sondern weil sie f�rchtete, er k�nne zu stark f�r sie werden. Jetzt gerade war er wahrscheinlich zu schwach, um ihre H�nde abzuwehren. Im einen Augenblick �berlegte sie, ob sie ihm den <emphasis>Ter'Angreal</emphasis> �berlassen solle, und im n�chsten sch�tzte sie den Grad seiner Ersch�pfung ab. So oft sie auch von ihrer Liebe zu ihm sprach, wollte sie doch m�glichst weit weg sein, wenn er sich erholt hatte und das Ding ben�tzt. Ihr Blick wanderte noch einmal kurz �ber den Platz. Sie sch�rzte die Lippen. Doch dann �ffnete sich neben ihr eine T�r, aber keine in die Dunkelheit, sondern in etwas, das wie ein Raum in einem Palast aussah � alles in wei�em Marmor gehalten und mit seidenen Wandbeh�ngen.</p><p>�Welche von ihnen wart Ihr?� fragte er, als sie darauf zutrat, und sie blieb stehen und sah sich nach hinten zu ihm um. Ihr L�cheln wirkte nun geradezu kokett.</p><p>�Glaubst du, ich k�nne es ertragen, die fette, h��liche Keille zu sein?� Sie strich mit den H�nde �ber ihren schlanken K�rper, um ihren Worten Nachdruck zu verleihen. �Isendre dagegen... Die schlanke, sch�ne Isendre. Ich dachte mir, wenn du einen Verdacht h�ttest, w�rde der Isendre gelten. Aber mein Stolz ist ausgepr�gt genug, um, wenn es notwendig ist, auch ein wenig Fett zu ertragen.� Das L�cheln entbl��te nun ihre Z�hne. �Isendre glaubte, sie habe es mit einfachen Schattenfreunden zu tun. Ich w�re nicht �berrascht, wenn sie gerade dabei w�re, einigen zornigen Aielfrauen verzweifelt zu erkl�ren, warum eine Menge von ihren goldenen Halsketten und Armreifen am Grund ihrer Truhe entdeckt wurde. Sie hat auch tats�chlich einige davon gestohlen.� �Ich habe mich wohl verh�rt, als Ihr sagtet, Ihr h�ttet niemandem etwas angetan?� �Jetzt kommt wohl wieder dein weiches Herz zum Vorschein. Ich kann auch ein zartes Frauenherz heraush�ngen, wenn ich will. Ich glaube nicht, da� du sie vor einer Pr�gelstrafe bewahren kannst, und das verdient sie auch, wenn ich bedenke, welche Blicke sie mir zugeworfen hat, aber wenn du schnell zur�ckkehrst, kannst du die anderen daran hindern, sie mit nur einem Wasserschlauch ausger�stet zu Fu� durch dieses gl�hende Land zur�ckzuschicken. Wie es scheint, sind diese Aiel recht streng, was Diebe betrifft.� Sie lachte erheitert und sch�ttelte den Kopf. �So anders, als sie einmal waren. Man konnte einem Da'schain ins Gesicht schlagen, und er fragte lediglich, was er getan habe. Und wenn man noch mal zuschlug, fragte er h�chstens, ob er provoziert habe. Das �nderte sich nicht, und wenn man den ganzen Tag so weitermachte.� Sie warf Asmodean einen ver�chtlichen Seitenblick zu und f�gte hinzu: �Lerne nur schnell und gut, Lews Therin. Ich will, da� wir gemeinsam regieren, und deshalb will ich auch nicht erleben, wie Sammael dich t�tet oder Graendal dich ihrer Sammlung sch�ner junger M�nner einverleibt. Lerne gut und schnell.� Sie trat in den mit wei�em Marmor und Seide ausgestatteten Raum, und die T�r schien sich zur Seite zu drehen, zu verengen, und verschwand.</p><p>Rand atmete zum erstenmal seit ihrem Auftauchen richtig tief ein. Mierin. Eine Name, an den er sich von den Glass�ulen her erinnerte. Die Frau, die im Zeitalter der Legenden das Gef�ngnis des Dunklen K�nigs gefunden und sich einen Weg hineingebahnt hatte. Hatte sie damals gewu�t, was es war? Wie war sie diesem feurigen Verderben entronnen, das er gesehen hatte? Hatte sie sich sogar damals schon dem Dunklen K�nig hingegeben?</p><p>Asmodean rappelte sich m�hsam hoch. Er stand unsicher da und st�rzte beinahe wieder. Er blutete nicht mehr, aber d�nne Blutgerinnsel zogen sich immer noch von den Ohren an den Seiten seines Halses entlang nach unten, und Mund und Kinn waren blutverschmiert. Sein schmutziger roter Mantel war zerrissen, die wei�en Spitzen verfilzt und zerfetzt. �Es war meine Verbindung zum Gro�en Herrn, die mir erm�glicht hat, <emphasis>Saidin</emphasis> zu ber�hren, ohne wahnsinnig zu werden�, sagte er heiser. �Alles, was Ihr fertiggebracht habt, war, mich genauso verwundbar zu machen, wie Ihr es seid. Ihr k�nnt mich genausogut laufen lassen. Ich bin kein sehr guter Lehrer. Sie hat mich nur deshalb daf�r ausgew�hlt, weil... � Seine Lippen verzogen sich, als wolle er seine Worte zur�ckholen.</p><p>�Weil es niemand anderen daf�r gibt�, beendete Rand den Satz und wandte sich ab.</p><p>Auf zittrigen Beinen �berquerte Rand den breiten Platz, wobei er sich den Weg durch den Schutt bahnen mu�te. Er und Asmodean waren von <emphasis>Avendesora</emphasis> aus halb um den Wald aus Glass�ulen herumgeschleudert worden. Kristallsockel lagen zwischen umgest�rzten Statuen von M�nnern und Frauen. Einige waren zu Bruchst�cken zerbrochen, andere wiesen noch nicht einmal Scharten auf. Ein gro�er, abgeflachter Ring aus silbrigem Metall lag schief �ber aus Metall und Stein gefertigten St�hlen, anderen eigenartigen Gegenst�nden aus Metall und Kristall und Glas, alles in einem Schutthaufen unter zerschmetterten Brocken begraben. Obenauf stand ein schwarzer Metallschaft vollkommen aufrecht in unm�glich scheinendem Gleichgewicht. Aber so �hnlich sah es auf dem ganzen Platz aus.</p><p>Er suchte vom gro�en Baum aus ein wenig herum und hatte auch schnell gefunden, wonach er gesucht hatte. Er trat Bruchst�cke von spiralf�rmigen Glasrohren aus dem Weg, schob einen einfachen, aus rotem Kristall geschnittenen Stuhl zur Seite und nahm eine fu�hohe, wei�e Steinfigur in die Hand, eine Frau mit ernstem, w�rdigem Gesicht in einer langen Robe. Sie hielt eine durchsichtige Kugel in einer Hand. Und die war noch ganz. F�r ihn, wie f�r jeden Mann, war sie genauso nutzlos wie ihr m�nnlicher Zwilling f�r Lanfear. Er �berlegte, ob er sie zerbrechen solle. Wenn er diese Figur auf die Pflastersteine schmetterte, w�rde die Kristallkugel bestimmt zerplatzen.</p><p>�Danach hat sie gesucht.� Er hatte nicht bemerkt, da� ihm Asmodean gefolgt war. Wankend rieb sich der Mann �ber den blutverschmierten Mund. �Sie wird Euch das Herz aus dem Leib rei�en, um das in die Hand zu bekommen.� �Oder Eures, weil Ihr es vor ihr geheimgehalten habt.</p><p>Sie <emphasis>liebt</emphasis> mich.� <emphasis>Licht, hilf mir. Als w�rde man von einer tollw�tigen W�lfin geliebt.</emphasis></p><p>Nach einem Augenblick der �berlegung nahm er die weibliche Statuette neben die m�nnliche in seine Armbeuge. Er konnte sie vielleicht doch einmal gebrauchen. <emphasis>Und ich will nicht noch mehr zerst�ren.</emphasis> Doch als er sich umsah, entdeckte er au�er Zerst�rung noch etwas. Der Nebel war fast ganz von der Ruinenstadt gewichen. Nur ein paar hauchd�nne Nebelschleier schwebten noch zwischen den Geb�uden, die unter der sinkenden Sonne noch immer aufrechtstanden. Der Boden des Tals senkte sich jetzt steil nach S�den zu, und aus dem gro�en Spalt quer durch die Stadt quoll Wasser! Die Spalte mu�te tief sein und bis auf den gro�en, verborgenen Ozean hinabreichen, der sich dort unten befand. Jetzt lief bereits das untere Ende des Tals voll. Ein See. Er w�rde sich vielleicht einmal bis zur Stadt hin erstrecken. Ein m�glicherweise drei Meilen langer See in einem Land, wo die Menschen schon �ber ein Wasserloch von zehn Fu� Durchmesser staunten. Menschen w�rden in dieses Tal ziehen und sich hier ansiedeln. Er sah schon die umgebenden Berge vor sich, wie man an den H�ngen Terrassenfelder angelegt hatte, auf denen es gr�n spro�. Sie w�rden <emphasis>Avendesora</emphasis> pflegen, den letzten Chorabaum. Vielleicht w�rden sie sogar Rhuidean neu erbauen. Dann hatte auch die W�ste ihre Stadt. Ob er wohl lange genug leben w�rde, um das noch zu erleben?</p><p>Mit Hilfe des <emphasis>Angreals,</emphasis> des runden, kleinen Mannes mit dem Schwert, war er in der Lage, eine T�r in die Schw�rze zu �ffnen. Asmodean trat z�gernd mit ihm zusammen hindurch, wobei er das Gesicht ein wenig ver�chtlich verzog, als lediglich eine einzelne verzierte Steinstufe erschien, gerade breit genug f�r beide. Immer noch der gleiche Mann, der sich dem Dunklen K�nig verschrieben hatte. Seine berechnenden Seitenblicke erinnerten Rand st�ndig daran, soweit er daran �berhaupt erinnert werden mu�te. Sie sprachen nur zweimal miteinander, w�hrend die Stufe durch die Dunkelheit glitt.</p><p>Einmal sagte Rand: �Ich kann Euch nicht mit Asmodean ansprechen.� Der Mann schauderte. �Ich hie� einst Joar Addam Nesossin�, sagte er schlie�lich. Es klang, als habe er sich entkleidet oder etwas verloren.</p><p>�So kann ich Euch auch nicht ansprechen. Wer wei� schon, wo dieser Name einst niedergeschrieben wurde? Schlie�lich mu� ich Euch davor bewahren, als einer der Verlorenen get�tet zu werden.� Und niemanden wissen zu lassen, da� er einen Verlorenen zum Lehrer hatte. �Ich glaube, Ihr m��t weiterhin als Jasin Natael auftreten, der Gaukler des Wiedergeborenen Drachen. Das ist doch eine gute Ausrede, um Euch bei mir zu behalten.� Natael verzog das Gesicht, sagte aber nichts.</p><p>Ein bi�chen sp�ter sagte Rand: �Das erste, was Ihr mir zeigen sollt, ist, meine Tr�ume zu sch�tzen, damit niemand in sie eindringen kann.� Der Mann nickte nur m�rrisch. Er w�rde noch Probleme machen, aber sicherlich nicht solch gro�e wie die, die seinem eigenen Unwissen entsprangen.</p><p>Die Stufe glitt langsamer und blieb in der Dunkelheit stehen. Rand <emphasis>faltete</emphasis> wieder die Wirklichkeit, und die T�r �ffnete sich auf dem Felsvorsprung im Alcair Dal.</p><p>Es hatte zu regnen aufgeh�rt, doch der von den abendlichen Schatten verdunkelte Talboden war noch klitschna�. Die Aielf��e hatten ihn zu Schlamm aufgew�hlt. Es waren nun weniger Aiel als vorher, vielleicht um ein Viertel weniger. Aber sie k�mpften nicht gegeneinander. Sie starrten zu der Felsplatte hoch, wo sich Moiraine und Egwene, Aviendha und die Weisen Frauen zu den Clanh�uptlingen gesellt hatten. Die wiederum unterhielten sich mit Lan. Mat hockte ein wenig abseits von ihnen, die Hutkrempe heruntergezogen und den Speer mit dem schwarzen Schaft an die Schulter gelehnt. Adelin und die T�chter des Speers standen um ihn herum. Sie rissen Augen und M�nder auf, als Rand aus der T�r trat, und noch mehr, als ihm Natael in seinem zerfledderten, gl�nzend roten und mit Spitzen besetzten Mantel folgte. Mat sprang grinsend auf, und Aviendha hob eine Hand in seine Richtung. Die Aiel im Tal blickten schweigend.</p><p>Bevor jemand etwas sagen konnte, bemerkte Rand: �Adelin, w�rdet Ihr bitte jemanden zum Markt schicken und ihnen sagen, sie sollten aufh�ren, Isendre zu verpr�geln? Sie ist keine solche Diebin, wie man dort glaubt.� Die blonde Frau blickte �berrascht drein, sprach aber sofort mit einer der T�chter, die daraufhin davonlief.</p><p>�Woher wu�test du das?� rief Egwene, und gleichzeitig wollte Moiraine wissen: �Wo seid Ihr gewesen? Wie?� Der Blick aus ihren gro�en, dunklen Augen huschte von ihm zu Natael. Von ihrer typischen Aes-Sedai-Gelassenheit war diesmal nichts zu bemerken. Und die Weisen Frauen? Die blonde Melaine sah aus, als wolle sie die Antworten aus ihm herauspr�geln. Bair blickte finster drein, bereit, ihn auszupeitschen, um Antworten zu erhalten. Amys r�ckte ihren Schal zurecht und fuhr sich unentschlossen mit den Fingern durchs Haar. Sie wu�te wohl nicht, ob sie besorgt oder erleichtert sein solle.</p><p>Adelin reichte ihm sein immer noch feuchtes Wams. Er wickelte es um die beiden Steinfiguren. Auch Moiraine hatte sie genau gemustert. Er wu�te nicht, ob sie eine Ahnung hatte, was sie bedeuteten, aber er hatte vor, sie so gut wie m�glich vor allen zu verbergen. Wenn er sich selbst schon den Umgang mit <emphasis>Callandor</emphasis> nicht zutraute, um wieviel weniger konnte er sich dann die Beherrschung des gro�en <emphasis>SaAngreal</emphasis> zutrauen? Er mu�te zuerst noch viel mehr dar�ber lernen, wie er die Macht und sich selbst beherrschen k�nne.</p><p>�Was ist hier geschehen?� fragte er, und der Mund der Aes Sedai verzog sich �rgerlich, weil er sie nicht weiter beachtete. Egwene wirkte auch nicht gerade erfreut.</p><p>�Die Shaido sind weg � mit Sevanna und Couladin an der Spitze abgezogen�, sagte Rhuarc. �Alle �briggebliebenen erkennen Euch als den <emphasis>Car'a'carn</emphasis> an.� �Die Shaido waren nicht die einzigen, die geflohen sind.� Hans ledriges Gesicht verzog sich s�uerlich. �Auch ein paar von meinen Tomanelle sind mitgekommen. Und einige Goshien und Shaarad und Chareen.� Jheran und Erim nickten genauso unwillig wie Han.</p><p>�Nicht unbedingt mit den Shaido�, grollte der hochgewachsene Bael, �aber sie gingen. Sie werden verbreiten, was sich hier abgespielt hat und was Ihr uns enth�llt habt. Das war nicht gut. Ich sah, wie M�nner ihre Speere wegwarfen und fortrannten!�</p><p><emphasis>Er wird Euch zusammenf�gen und vernichten.</emphasis></p><p>�Es sind keine Taardad mitgegangen�, warf Rhuarc ein, nicht stolz, sondern als n�chterne Feststellung. �Wir sind bereit, Euch zu folgen, wohin Ihr uns f�hrt.� Wohin er sie f�hrte. Er war mit den Shaido, mit Couladin oder Sevanna, noch nicht fertig. Als er sich im Tal unter den Aiel umblickte, sah er viel Ersch�tterung auf den Mienen, obwohl sie doch geblieben waren. Wie ging es wohl jenen, die weggelaufen waren? Doch die Aiel waren nur ein Mittel zum Zweck. Daran mu�te er immer denken. <emphasis>Ich mu� noch h�rter sein als sie.</emphasis></p><p>Jeade'en wartete zusammen mit Mats Wallach unterhalb der Felsplatte. Rand bedeutete Natael, in seiner N�he zu bleiben, und stieg in den Sattel, das in sein Wams gewickelte B�ndel sicher unter dem Arm. Mit verzogenem Mund kam der ehemalige Verlorene heran und stellte sich neben den linken Steigb�gel. Adelin und ihre verbliebenen T�chter des Speers sprangen herab und formierten sich um sie, und zu seiner �berraschung kam auch Aviendha herunter und nahm ihren angestammten Platz zu seiner Rechten ein. Mat sprang mit einem Satz in Pips' Sattel.</p><p>Rand warf einen Blick zur�ck zu den Menschen auf der Felsplatte, die ihn alle beobachteten und warteten. �Es wird ein langer Weg zur�ck.� Bael wandte sein Gesicht ab. �Lang und blutig.� Die Mienen der Aiel �nderten sich nicht. Egwene streckte eine Hand ein St�ckchen nach ihm aus. In ihren Augen stand Schmerz, doch er beachtete sie nicht. �Es beginnt, wenn der Rest der Clanh�uptlinge ankommt.� �Es hat schon vor langer Zeit begonnen�, sagte Rhuarc leise. �Die Frage ist nur, wo und wie es endet.� Darauf hatte Rand keine Antwort. Er lie� den Apfelschimmel wenden und ritt langsam durch das Tal, von seinem eigenartig zusammengesetzten Gefolge umgeben. Die Aiel vor ihm machten ihm Platz, blickten ihn an und warteten. Die K�hle der Nacht war bereits sp�rbar.</p><empty-line/><cite><p>Und als das Blut auf den Boden getr�ufelt wurde, wo nichts wachsen konnte, erhoben sich daraus die Kinder des Drachen, das Volk des Drachen, daf�r ger�stet, mit dem Tod zu tanzen. Und er rief sie herbei aus den verw�steten L�ndern, und sie �berzogen die Welt mit Krieg.</p><text-author>- aus <emphasis>Das Rad der Zeit</emphasis></text-author><text-author>von Sulamein so Bhagad</text-author><text-author>Chefhistoriker am Hof der Sonne,</text-author><text-author>im Vierten Zeitalter</text-author></cite></section></body><binary id="cover" 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